Abonnementspreis
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
wärts nehmen die Poſtämter u. die
Agen=
tnren Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
für Aufnahme von Anzeigen an
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ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
176. Jahrgang
2
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
Inſerake
werden angenommen in Darmſtadt
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Zum Nachfolger des Herrn von Jagow als
Botſchaf=
ter in Rom iſt der preußiſche Geſandte in
Darm=
ſtadt, Freiherr von Jeniſch, auserſehen.
Herr Stadtverordneter Baſtian hat ſein Amt als
Stadtverordneter niedergelegt.
Die Wahlprüfungskommiſſion des
Reichs=
tags hat die Wahl des ſozialdemokratiſchen
Abgeord=
neten Haupt (Jerichow) für ungültig erlärt.
Der ſchwediſche Reichstag iſt zuſammengetreten.
Die feierliche Eröffnung erfolgte geſtern.
Ein Manifeſt des Zaren gibt bekannt, daß der
Großfürſt Michael Alexandrowitſch, der
Bruder des Zaren, unter Vormundſchaft
ge=
ſtellt wird.
Die Verſammlung der Delegierten des
Balkan=
bundes hat beſchloſſen, die Antwort der
Pforte auf die Note der Mächte abzuwarten, bevor
ſie einen neuen Schritt unternimmt.
Die Botſchafter in Konſtantinopel haben ſich
über den endgültigen Wortlaut der
Kollektiv=
note geeinigt.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.
Vor der Präſidentenwahl.
— Heute tritt, wie ſchon bemerkt, in Verſailles
der aus Senat und Deputiertenkammer beſtehende
Kon=
greß zuſammen, um ein neues Oberhaupt für
die Republik zu wählen. Nun hat ja an und für
ſich dieſer Poſten mehr repräſentativen Charakter, aber es
gibt doch manche Gelegenheiten, bei denen der Präſident den
Ausſchlag gibt, wie beiſpielsweiſe bei der Berufung eines
neuen Kabinetts. Es kommt daher ſehr viel auf die
Per=
ſönlichkeit an, die das Amt bekleidet und ihm den Inhalt
gibt. Hat doch auch die königliche Würde in England
in der Hauptſache mehr repräſentativen Charakter, und
als konſtitutioneller Monarch ſoll er ſich jeglichen
Ein=
griffes in die Politik enthalten; und doch verſtand es
Eduard VII., einen maßgebenden Einfluß auszuüben
und allgemein ſah man in ihm den eigentlichen Leiter der
Politik Englands. Auch in Frankreich hat es nicht an
Präſidenten der Republik gefehlt, die in hervorragender
Weiſe es verſtanden, die Geſchicke des Landes in die Hand
zu nehmen, weil ſie eben volle Perſönlichkeiten waren.
Herr Falliéres war zwar, was Körperfülle anlangt, eine
ſogar ſehr volle Perſönlichkeit, aber er beſchränkte ſich
lediglich darauf, mit mehr oder weniger Grazie und
Würde die Republik zu repräſentieren, und wenn er auch
dem Miniſterrat zu präſidieren hatte, hat niemand etwas
davon gemerkt, daß er politiſch irgendwie eingegriffen
hätte. Sein Abgang wird keine ſonderliche Lücke
hinter=
laſſen, er hat treu ſeine Pflichten erfüllt, aber auch ſonſt
nichts weiter getan.
Wer nach ihm den Einzug im Präſidentenpalais
hal=
ten wird, iſt zur Stunde noch ungewiß. In der
Mehr=
heit des franzöſiſchen Volkes glaubt man, daß
Poin=
caré aus der Wahl als Sieger hervorgehen würde.
Dagegen iſt viel davon die Rede, daß, falls im erſten
Wahlgange kein definitives Reſultat gezeitigt wird, der
Ackerbauminiſter Pams als Außenſeiter auf
den Schild erhoben wird. Alle Kandidaten waren in den
letzten Wochen recht rührig, für ſich möglichſt viel
Stim=
men mobil zu machen, und die Mitglieder des Senats
und der Kammer lebten infolgedeſſen einen recht guten
Tag.
Es wäre zu wünſchen, daß an die Spitze Frankreichs
ſeine tüchtige, dabei aber doch maßvolle Perſönlichkeit
träte, die es verſteht, in kritiſchen Tagen zur
Beſonnen=
heit zu mahnen und eine Politik des Friedens zu fördern.
*
Die Vollverſammlung der
Republi=
kaner trat am Mittwoch nachmittag im Palais
Louxemburg zuſammen, um den Kandidaten für
die Präſidentſchaft der Republik zu beſtimmen.
Er=
ſchienen waren 621 Mitglieder von 750. Der erſte
Wahl=
gang war um 4 Uhr beendet und das Ergebnis wurde
um 5 Uhr verkündet. Poincaré erhickt 180 Stimmen,
Pams 174, Duboſt 107, Deschanel 83, Ribot 52. Der
Reſt der Stimmen iſt zerſplittert. Die Abſtimmung
kenn=
zeichnete ſich zunächſt darin, daß die Radikalen in dem
Ackerbauminiſter Pams ihren eigenen Kandidaten
aufge=
ſtellt haben. Da kein Kandidat die abſolute Mehrheit
er=
halten hatte, wurde zu einem zweiten Wahlgang
geſchritten. Duboſt verzichtete endgültig zugunſten von
Pams. Beim Verlaſſen des Beratungszimmers brachten
ihm die Radikalen lebhafte Beifallskundgebungen
des=
halb. Deschanel iſt geneigt, wie man ſagt, zu verzichten,
ohne für irgend eine andere Kandidatur dadurch Partei
zu ergreifen. Ribot hat amtlich mitteilen laſſen, daß er
ſeine Kandidatur für den zweiten Wahlgang der
republi=
kaniſchen Vollverſammlung zurückziehe, dagegen ſich für
den nationalen Kongreß volle Freiheit des Handelns
vor=
behalte. Der zweite Wahlgang wurde um 7 Uhr
gr=
ſchloſſen und das Ergebnis gegen 8 Uhr bekannt gegeben.
Im zweiten Wahlgang erhielten Pams 283,
Poin=
caré 272 Stimmen. Der Reſt war zerſplittert. Da
wieder kein Kandidat die abſolute Mehrheit erlangte,
ſollte am Donnerstag eine dritte Abſtimmung ſtattfinden.
Nach dem Ergebnis der Probeabſtimmung zu
ſchlie=
ßen, wird ſich wohl der Kampf in Verſailles auf
Poin=
caré und Pams beſchränken, doch hält man trotzdem
Ueberraſchungen nicht für vollſtändig ausgeſchloſſen.
Ueber die Probeabſtimmung für die
Präſi=
dentenwahl werden zahlreiche Einzelheiten gemeldet, die
zeigen, daß der Wahlkampf um die Präſidentſchaft
der Republik ſich diesmal ganz beſonders heftig geſtalten
dürfte.
In der nach dem erſten Wahlgang ſtattgehabten
Ver=
ſammlung der Radikaen kam es zu ſehr ſcharfen
Ausein=
anderſetzungen. Mehrere Deputierte, darunter der
ehe=
malige Miniſter Augagneur, ſprachen ſich entſchieden für
die Kandidatur Pams aus und kritiſierten die
Politik Poincarés überaus ſcharf. Die Anhänger
Poincarés erhoben gegen dieſe Angriffe heftigen
Ein=
ſpruch, und es entſtand ein ſehr ſtürmiſcher Wortwechſel,
ſo daß man einen Augenblick lang Tätlichkeiten
befürch=
tete. In der Gruppe der demokratiſchen Linken des
Se=
nats forderte der ehemalige Miniſterpräſident Combes
ſeine Partei auf, einmütig für die Kandidatur
Pams zu ſtimmen. Er fügte hinzu, daß die
Re=
publikaner unmöglich für Poincaré eintreten könnten, der
nur in den Kabinetten der Rechten Miniſterportefeuilles
angeſtrebt habe. Aufſehen erregte es, als der
Senats=
präſident Duboſt ſeinen Verzicht zugunſten der
Kandi=
datur Pams mit den Worten begründete, daß er hierdurch
gegen die offizielle Kandidatur proteſtieren wolle, deren
Opfer er ſei. Von mehreren gemäßigten Blättern wird
gemeldet, daß Duboſt zu ſeinem Verzicht von Clemenceau
geradezu gezwungen ſei. Das Ergebnis des zweiten
Wahlganges wurde ſowohl von den Freunden
Poin=
carés wie von denen Pams’ mit großer Befriedigung
auf=
genommen. Immerhin iſt man in parlamentariſchen
Kreiſen vielfach der Anſicht, daß die Ausſichten
Poincarés beſſer ſind. Ein Senator und
ehe=
maliger Miniſter erklärte einem Berichterſtatter des Echo
de Paris er glaube, daß Poincaré mit 440 Stimmen
zum Präſidenten der Republik gewählt werden dürfte.
Man hält es nicht für ausgeſchloſſen, daß nach dem dritten
Wahlgang eine neue=Kandidatur auftauchen könnte.
Cle=
menceau ſoll erklärt haben, er ſei bereit, ſeine perſönliche
Mißſtimmung gegen Delcaſſe zu vergeſſen, falls deſſen
Name geeignet erſcheinen ſollte, unter den Gruppen der
Linken Einigung herbeizuführen.
Die Duellreſolution des
Reichs=
tags und der Bundesrat.
* Dem Reichstag iſt nunmehr eine Druckſchrift
zuge=
gangen, die eine Ueberſicht der vom Bundesrat gefaßten
Entſchließungen auf Beſchlüſſe des
Reichstages enthält. Es dürfte von Intereſſe ſein,
was dieſe Ueberſicht zu der vom Reichstage bei der
Be=
ratung des Heeresetats mit großer Mehrheit beſchloſſenen
Duellreſolution ſagt. Dieſe Reſolution
ver=
langte ein Vorgehen des Reichskanzlers zur Beſeitigung
der Zweikämpfe überhaupt, insbeſondere aber für
Offi=
ziere als Nebenſtrafe für Duellvergehen Entlaſſung aus
dem Heere. Die Antwort des Bundesrats lautet
folgen=
dermaßen:
Eine Beſeitigung der Zweikämpfe kann nur durch
Maßnahmen angeſtrebt werden, die ſich an die Angehörigen
aller Stände wenden und geeignet ſind, eine
Wand=
lung der zurzeit in weiten Kreiſen über die Wahrung der
verletzten Ehrc herrſchenden Anſichten herbeizuführen.
Die in Vorbereitung befindliche Reviſion des
Reichsſtraf=
geſetzbuches wird Gelegenheit zur Prüfung bieten,
inwie=
weit durch die anderweitige ſtrafrechtliche Behandlung der
Beleidigungen den Zweikämpfen vorgebeugt werden
kann.
Die Zweikampffrage und im beſonderen die Frage,
wodurch die Zweikämpfe, was zweifellos erwünſcht wäre,
noch weiter eingeſchränkt werden könnten, iſt für das Heer
und die Marine von neuem eingehend geprüft worden.
Dieſe Prüfung hat ergeben, daß die Ergänzungsorder vom
1. Januar 1897 ihren ausgeſprochenen Zweck der
Ein=
ſchränkung und Vermeidung von Zweikämpfen erfüllt und
ſegensreich gewirkt hat. Das beweiſt die Statiſtik, nach
der die Zahl der Verurteilungen ſeit Erlaß dieſer Order
zurückgegangen iſt, obwohl die Zahl der Offiziere
ge=
ſtiegen iſt.
Perſonen von ehrloſer Geſinnung ſcheiden nach den
geltenden Grundſätzen für einen Ehrenhandel vollſtändig
aus. Nach der Einleitungsorder vom 2. Mai 1874 zu der
Allerhöchſten Verordnung über die Ehrengerichte ſoll der
Offizier der imſtande iſt, die Ehre eines Kameraden in
frevelhafter Weiſe zu verletzen, im Heere nicht
ge=
duldet werden. Hiernach wird auch verfahren. Es
wird grundſätzlich der frevelhafte Angriff auf die Ehre
eines Kameraden ſchwer beſtraft.
Religiöſe Ueberzeugungen oder ſittlich gerechtfertigte
Bedenken gegen den Zweikampf ſollen von den
Ehren=
gerichten und Vorgeſetzten ſtets gewürdigt und ſollen
ebenſowenig wie Streitigkeiten dienſtlicher oder
privat=
geſchäftlicher Natur zum Gegenſtand eines
ehrengericht=
lichen Verfahrens gemacht werden. Derartige Verſuche
werden grundſätzlich zurückgewieſen.
Die Reſolution fordert ein Ausnahmegeſetz
gegen die Angehörigen der bewaffneten Macht und eine
nicht zu rechtfertigende
Sonderbeſtra=
fung wegen eines Vergebens gegen die allgemeinen
Strafgeſetze, das auch von Angehörigen anderer Stände
begangen wird. Die Dienſtentlaſſung iſt eine Ehrenſtrafe.
die außer dem Verluſt der Dienſtſtelle und der Uniform
auch den Verluſt der Penſions= und Hinterbliebenen=
An=
epriche zur Folae hat. Eine ſolche Strafe gegen einen
Offizier zu verhängen, der aus idealen Gründen ſein
Leben für den Schutz ſeiner angeariffenen Ehre einſetzt.
wäre eine ganz ungerechtfertigte Härte, die ſich mit den
Grundſätzen des bürgerlichen und militäriſchen
Straf=
rechts über die Verwirkung von Ehrenſtrafen im
Wider=
ſpruch befände.
Die Anſtellung und Entlaſſung eines Offiziers
unter=
liegt verfaſſungsmäßig der Entſcheidung der Krone.
4
Deutſches Reich.
— Die neue Reichsſteuer. Nach den
Bera=
tungen der bundesſtaatlichen Finanzminiſter in Berlin,
die in den erſten Tagen des Monats ſtattgefunden haben,
begann das übliche Rätſelraten. Man behauptete — und
die Wahrſcheinlichkeit ſpricht allerdings ſehr für dieſe
Ver=
mutung — daß bei der Konferenz der Finanzminiſter zwei
Parteien gegeneinander geſtanden hätten, von denen die
eine, die ſtärkere, unter Preußens Führung, den
Gedan=
ken, den Fürſt Bülow in die politiſche Finanzarbeit
ge=
worfen hat und der mit einiger Begeiſterung ſeitdem
ge=
hegt worden iſt, nämlich den Gedanken eines Ausbaues
der Erbſchaftsbeſteuerung, fallen gelaſſen habe, während
eine nicht ſchwache Minderheit unter der Führung
Sach=
ſens an dieſem Plan feſthalten wolle und ſich beſonders
gegen den als Erſatz vorgebrachten Plan einer
Reichs=
vermögens=Zuwachsſteuer ausgeſprochen habe. Ueber den
Grad dieſer Differenzen waren die abenteuerlichſten
Nachrichten zu leſen. Der ſächſiſche Landesdienſt erfährt
nun von zuſtändiger Seite, daß die ſächſiſche Regierung
dieſen in der Beſitzſteuerfrage gegen den Reichskanzler
gerichteten Preßangriffen fernſtehe. Man hoffe, daß es
dem vertrauensvollen Zuſammenarbeiten der
verbünde=
ten Regierungen mit dem Reichskanzler gelingen werde,
eine auch die ſächſiſche Regierung befriedigende Löſung
der ſchwierigen Frage zu finden. Dieſe halbamtliche
Er=
klärung beſtätigt nun recht deutlich, daß in der
Beſitz=
ſteuerfrage vorläufig unter den verbündeten Regierungen
noch Meinungsverſchiedenheiten beſtehen, daß wenigſtens
die ſächſiſche Regierung mit der Anſicht der Mehrheit, die
offenbar auf eine Vermögenszuwachsſteuer hinarbeitet,
nicht von vornherein einig iſt. Man wird gleichwohl
ab=
warten müſſen, was bei dieſen Verhandlungen unter den
bundesſtaatlichen Regierungen herauskommen wird, und
erſt die Vorlage, die der Bundesrat noch vor dem 1. April
dem Reichstag vorzulegen verpflichtet iſt, wird der
Oeffent=
lichkeit Gelegenheit geben, ſich dafür oder dagegen
aus=
zuſprechen. Vorläufig wenigſtens würden alle Verſuche,
die eine Steuer zu bekämpfen oder die andere zu loben,
auf gar zu lockerem Boden ruhen.
Zur Fleiſchteuerung. In der
Budget=
kommiſſion des preußiſchen Abgeordnetenhauſes erklärte
Landwirtſchaftsminiſter Freiherr von Schorlemer, daß
die Einfuhrerlaubnis für ausländiſches Fleiſch und
le=
bendes Vieh mit dem 1 April 1913 vorausſichtlich nicht
aufhöre, vielmehr würde es wohl notwendig ſein, dieſe
Erlaubnis bis zum 1. Jil 1914 beſtehen zu laſſen. Die
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Januar 1913
Numme: 14
Maßregeln der Regierung zur Einſchränkung des
Fleiſch=
mangels und der Fleiſchteuerung bewährten ſich
durch=
aus, ohne daß die Landwirtſchaft Nachteile davon gehabt
hätte. Auf eine Anfrage antwortete der Miniſter, daß
eine Ermäßigung der Futtermittelzölle nicht beabſichtigt
ſei. Die Konferenz zur Unterſuchung der
Preis=
bildung habe ein poſitives Ergebnis bisher nicht geliefert,
wohl aber dankenswerte Aufſchlüſſe über die Verhältniſſe
auf dem Fleiſchmarkt. Die Erleichterungen der
Fleiſch=
einfuhr haben bisher eine Zunahme der Viehſeuchen nicht
herbeigeführt. Im Gegenteil, der Stand der Viehſeuchen
ſei in Preußen gegenwärtig beſonders günſtig.
— Die Verhandlungen im
Holzge=
werbe. Nach längerer Pauſe wurden die
Verhandlun=
gen zwiſchen den Kommiſſionen der Arbeitgeber und
Ar=
beitnehmer im Holzgewerbe wieder aufgenommen. Die
Arbeitgeber wollen den Arbeitervertretern beſtimmte
Vorſchläge über die Regelung von Arbeitszeit und
Lohn=
höhe vorlegen. Von der Aufnahme dieſer Vorſchläge
wird es abhängen, ob es zu einer Verſtändigung kommt
oder zu einem Kampf, an dem über 50000 Arbeiter in
ganz Deutſchland beteiligt ſind.
— Elſaß=Lothringiſcher Landtag. In
der Zweiten Kammer des Landtages begründete Unter.
ſtaatsſekretär Köhler nach einem Rückblick über die beiden
Etatsjahre den Etat für 1913.
Bel dem Titel „Repräſentationskoſten des
kaiſer=
lichen Statthalters” erklärte er im Namen der
Re=
gierung, daß ſie hier eine Kürzung nicht für angängig
halte. Auch ſolle der Dispoſitionsſonds des kaiſerlichen
Statthalters, der im ordentlichen Etat auf 100000 Mk. —
gegen früher 130000 Mk. — herabgeſetzt wurde, in der
ſetzlgen Verwaltungsform beſtehen bleiben, weil er
an=
erkanntermaßen gute Dienſte geleiſtet habe. Abgeordneter
Martz (Ztr.) erkannte als erſter Redner die vorläufige
Aufſtellung des Etats an und erklärte, daß bezüglich der
Repräſentationskoſten für den kaiſerlichen Statthalter das
Zentrum dabei beharre, daß dieſer mit 200000 Mk. zu
hoch und daß die Hälfte ausreichend ſel. Er kündigte
ſer=
ſer einen Antrag des Zentrums wegen einer neuen
Bahn=
linie Straßburg-Baſel an. Der Abg. Jung (Löthr.)
ſchnitt die Frage der Moſelkanaliſation wieder an und
warf Preußen dabel vor, daß es, „von großer Selbſtſucht
und Egoismus getrieben, dem Lande eine unwürdige
Behandlung zuteil werden laſſe‟ Präſident Dr. Ricklin
rief den Abgeordneten heftig erregt zur Ordnung wegen
dieſes unparlamentariſchen Ausdrucks Als dieſer erneut
Preußen angriff, kündigte ihm der Präſident einen
wei=
teren Orbnungsruf in energiſcher Form an, worauf der
Abgeordnete ſeine Aeuſterung zurücknahm. Abg. Fuchs
(Soz.) verlangt, daß die hohen Ueberſchüſſe aus den
elſaß=
lothringlſchen Eiſonbahnen auch dem Lande mehr zugute
kommen. Bel dem Statthalteretat wünſcht ſeine Partei
gleichfalls die Herabſetzung des Titels auf 100000 Mk.
Den Geſamtetat werden die Sozialdemokraten ablehnen
mit der Begründung, daß die Regierung die
Grundfor=
derungen der Sozialpolitik zu wenia berückſichtiat habe
Die Fortſetzung der Etatsdebatte erfolgt am Montag.
Ausland.
England.
Die Homerule=Vorlage im
Unter=
hauſe. Bei dicht beſetztem Hauſe wurde die dritte
Le=
ung der Homerule=Bill begonnen,
Als erſter Redner trat Balfour auf. Er beantragte
die Ablehnung der Bill und betonte, daß die Haltung der
Liberalen in der Ulſter betreſſenden Frage nicht
aufrecht=
erhalten werden könne. Es werde etwas geſchehen, was
die öffentliche Meinung in England aufrütteln und dem
Volke klar machen werde, worüber ſich Ulſter in
Wirklich=
keit beklage. Der Tag der Erleuchtung uſiſſe kommen,
aber er möge rechtzeitig kommen. Falls Blut vergoſſen
wierben ſollte, was Gott verhüten möge, ſo würden die
wirklichen Mörder diejenigen ſein, die niemals den Mut
hatten, dem Ulſter=Problem gegenüber zu treten. — As.
guith erwiderte auf die Rede Balfours: Der ſpringende
Punkt in der Situation iſt der, daß wir, falls die Bill
nicht angenommen wird, uns noch einer Forderung der
großen Mehrheit des iriſchen Volkes gegenüberſehen
würden. Die Unſoniſten in Irland ſollen davor geſchützt
werden, daß ihnen Unrecht geſchieht oder daß ſie Unrecht
befürchten müſſen, aber die Bewilligung der Forderung
Ulſters wäre verhängnisvoll für ein demokratiſches
Re=
gierungsſyſtem. Der Premierminiſter erinnerte dann.
Balfour daran, daß ſeine Vorausſagen betreffs der
Fol=
gen der Gewährung der Selbſtverwaltung in Transvaal
ſich als falſch erwieſen hätten, und fuhr fort: Wenn man
ein großes Reich aufbaut, ſo iſt es immer notwendig,
etwas zu wagen. Aber das Riſiko, das wir auf uns
ge=
nommen haben, iſt durch die in der Folge gemachten
Er=
fahrungen immer gerechtfertigt worden. Wir fanden
un=
ſeren Lohn und mehr als unſeren Lohn darin, daß die
Loyalität und die Anhänglichkeit der Glieder des Reiches
ſtärker geworden iſt. Wir hoffen und vertrauen, daß dies
auch weiter geſchehen wird. Die Homerule Bill iſt
dar=
auf berechnet, dem Streit zwiſchen zwei Völkern ein Ende
zu machen und ſie zu einer fruchtbaren und dauernden
Gemeinſchaft zu verbinden.
Erörterungen über das deutſche
Ma=
rineprogramm im Unterhauſe. Im
Unter=
hauſe fragte Burgoyne, ob mit dem Bau aller großen
Schiffe des deutſchen Marineprogramms für 1912
tatſäch=
lich begonnen worden ſei; falls dies zutreffe, welches
un=
gefähr die Daten der Kiellegungen ſeien. Churchill
ant=
wortete, es ſei in der Tat mit dem Bau aller großen
Schiffe des deutſchen Marineprogramms von 1911/12
be=
gonnen worden. Da jedoch über die Daten der
Kiel=
legungen keine beſtimmten Informationen vorlägen, ſo
ſei es beſſer, keine Schätzungen zu verſuchen. Der
Unio=
niſt Johnſon Hicks fragte den Marineminiſter Churchill,
ob er amtlich davon Kenntnis erhalten habe, daß das
deutſche Marineprogramm abgeändert worden ſei, indem
man an die Stelle der nach der veröffentlichten Aufſtellung
auf Kiel gelegten ſechs geſchützten Kreuzer ſechs
Panzer=
kreuzer baue. Churchill verlas darauf folgende ſchriftlich
abgefaßte Antwort: „Das deutſche Marineprogramm
kennt keine Einteilung in Panzerkreuzer und geſchützte
Kreuzer, ſondern unterſcheidet nur zwiſchen großen und
kleinen Kreuzern; einige von den letzteren ſollen bis zu
einem gewiſſen Grade an den Seiten gepanzert ſein.”
Portugal.
Das Budget 1913. Der Finanzminiſter legte
in der Kammer das Budget für das Jahr 1913 vor. Die
Einnahmen betragen 79182 Contos Reis, die Ausgaben
82 618 Contos Reis, das ergibt ein Defizit von 3436
Contos Reis.
Amerika.
Japans Beziehungen zu Amerika. Nach
einem Telegramm aus Willemſtad (Curacao) arbeitet
Japan angeſichts der baldigen Fertigſtellung des
Pa=
namakanals anſcheinend darauſhin, ſeine Beziehungen
zu dem lateiniſchen Amerika zu verbeſſern. Der
Dol=
metſcher=Sekretär der japaniſchen Geſandtſchaft in
Braſi=
lien Noda iſt als Vertreter der japaniſchen Regierung
auf dem Wege nach Maracaibo in Willemſtad
ange=
kommen.
* Leipzig, 16. Jan. Die
Stadtverordne=
ten haben beſchloſſen, im Hinblick auf das
Regierungs=
jubiläum des Kaiſers für die deutſchen Teilnehmer
an den Feldzügen der Jahre 1864. 1866 und 1870/71
und für deren Hinterbliebenen 500000 Mk. zur Verfügung
zu ſtellen, derart, daß alljährlich von 1913 an außer den
von der Stadtverwaltung bereits bewilligten 50000 Mk.
weitere 50000 Mk. aus dem Guthaben bei der Städtiſchen
Sparkaſſe gewährt werden. Gegen die Vorlage ſtimmten
18 Sozialdemokraten
Rom, 16. Jan. Die geſtern vom deutſchen
Künſtlerverein für den Staatsſekretär von
Jagow veranſtaltete Abſchiedsfeier nahm einen
ſehr herzlichen Verlauf. Unter den Anweſenden befanden
ſich auch der preußiſche und der bayeriſche Geſandte,
ſo=
wie Fürſt Bülow. Staatsſekretär v. Jagow brachte einen
Trinkſpruch auf den Künſtlerverein aus, der der
tradi=
tionellen großen Bedeutung für das Deutſchtum in Rom
und ganz Italien ſtets eingedenk bleiben möge. Weiter
gedachte der Staatsſekretär der deutſchen Kolonie in Rom
und trank auf das Wohl aller in Italien lebenden
Deutſchen.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 17. Januar.
* Vom Hofe. Prinz Ludwig zu Solms=Lich iſt am
Mittwoch mittag 12 Uhr 14 Min. abgereiſt. (Darmſt. Ztg.
* Ernannt wurde der Vizewachtmeiſter im 2. Heſſ.
Feld=Artillerie=Regiment Nr. 61 Johann Adam Ihrig
zum Hilfsdiener bei dem Amtsgericht Mainz mit Wirkung
vom 15. Januar 1913.
* Frledigte Stellen. An der Gemeindeſchule zu
Arheilgen, Kreis Darmſtadt, zwei mit evangeliſchen
Lehrern zu beſetzende Lehrerſtellen.
* Ordensauszeichnung. Der König pon Preußen
hat lt. Preuß. Staatsanz. den nachbenannten
Offi=
zieren ꝛc. die Erlaubnis zur Anlegung der ihnen
ver=
liehenen nichtpreußiſchen Orden erteilt, und zwar: des
Komturkreuzes zweiter Klaſſe des Großb. Heſſ.
Ver=
dienſtordens Philipps des Großmütigen: dem
General=
major Herhudt von Rohden, Inſpekteur der
In=
ſanterieſchulen; des Ehrenkreuzes desſelben Ordens:
dem Oberſtleutnant z. D. Hotzel, zugeteilt der
Forti=
fikation Mainz; des Ritterkreuzes erſter Klaſſe
des=
ſelben Ordens: dem Major von Bursztini beim
Stabe des Füſilier= Regiments Königin (Schles wig=
Holſteinſchen) Nr. 86 und dem Major Klotz in der
. Ingenieurinſpektion und Ingenieuroffizier vom Platz
in Mainz; der Krone zum Ritterkreuz zweiter Klaſſe
desſelben Ordens: dem Feſtungsbauhauptmann Haupt
bei der Fortifikation Mainz; des Ritterkreuzes zweiter
Klaſſe desſelben Ordens: dem Feſtungsbauhauptmann
Preine bei derſelben Fortifikation.
g. Strafkammer. Der 46jährige Kaufmann Wolf
Wolf I. von Ober=Klingen, wurde am 8. Oktober 1912
von dem Feldſchützen Seeger dabei ertappt, als er auf
fremdem Grundſtück Aepfel in einen Sack ſteckte. Als
Seeger ihn darauf zur Rede ſtellte und den Sack
unter=
ſuchen wollte, packte ihn Wolf an der Kehle und warf ihn
zu Boden. Erſt zwei herbeigeeilten Zeugen gelang es,
den Wolf von dem Feldſchützen abzubringen. Wolf hatte
ſich wegen dieſes Deliktes wegen Widerſtands gegen die
Staatsgewalt zu verantworten. Die Verteidigung
be=
ſtritt demgegenüber, daß es ſich um Widerſtand handeln
könne, denn Seeger habe nicht das Recht gehabt, den Sack
gewaltſam zu durchſuchen. Es ſei deshalb das Verhalten
des Wolf lediglich eine berechtigte Notwehr gegen den
ungeſetzlichen Angriff des Seeger. Das Gericht ſah den
Tatbeſtand des Widerſtands für gegeben und verurteilte
Wolf zu 50 Mark Geldſtrafe, die eventl. mit 10
Tagen Gefängnis zu verbüßen iſt. — Der 28jährige
Tag=
löhner Chriſtian Querdan von hier hat ſich am 15.
oder 16. Oktober vorigen Jahres in der Marktpaſſage eine
leere Kiſte angeeignet, weil wie er zur Entſchuldigung
angibt, ſeine Frau eine Kartoffelkiſte brauchte und er kein
Geld zum kaufen hatte. Da er bereits wegen Diebſtahls
vorbeſtraft, muß das Gericht auf Strafe wegen
Rück=
fallsdiebſtahl erkennen und zwar verurteilt es mit
Rückſicht auf den verhältnismäßig geringen Wert der
Kiſte den Angeklagten zu 3 Monaten Gefängnis.
Der 41jährige Landwirt Karl Heinrich
Lauten=
chläger von Beerfelden war am 12. Juni 1912 vom
dortigen Schöffengericht wegen Körperverletzung
zu 5 Mark Geldſtrafe oder 1 Tag Gefängnis
ver=
urteilt worden. Der Verurteilte erhielt auf dem Felde
angeblich von dem Sohn der Frau John eine
unge=
hörige Antwort, weshalb er mit der Peitſche auf ihn
ein=
hieb. Dieſer war nicht faul und erwiderte die
Tätlich=
keiten und ſchließlich kam auch noch die Frau John hinzu
Die Folge war die, daß ſich alle drei wegen
Körperver=
letzung vor dem Schöffengericht zu verantworten hatten=
Die Frau John und ihr Sohn waren wegen mangelnden
Schuldbeweiſes freigeſprochen und
Lauten=
ſchläger zu 5 Mark Geldſtrafe wegen
Mißhand=
lung des Sohnes der Frau John verurteilt worden. Die
Frau legte als Nebenklägerin Berufung ein, weil L. nicht
auch wegen der an ihr begangenen Körperverletzung
ver=
urteilt worden war. Dieſe Berufung wurde
geſtern verworfen.
g. Kriegsgericht. Vor dem Kriegsgericht der 25.
Di=
viſion hatte ſich geſtern der Schuhmachergeſelle, jetzige
Rekrut im Infanterie=Regiment Nr. 168, 5. Kompagnie
Karl Dammer von Offenbach wegen
Kameradendieb=
ſtahls zu verantworten. Der in ſeiner Jugend unter
Stein und Arndt in Königsberg.
C) Unter den bebeutſamen Gedenktagen, die uns
das große Erinnerungsjahr von 1813
herauf=
führt, ſteht in der zeitlichen und geſchichtlichen
Entwickel=
ung das entſcheidende Auftreten Steins in Königs
berg voran. Als der Bringer der Freiheit, als „der
Morgenſtern der Hoffnung” erſchien damals der nominelle
Abgeſandte des Zaren in Preußen; er gab den bis dahin
ſehlenden Anſtoß zur Erhebung des Landes, ſetzte fort,
was York bei Tauroggen begonnen er riß das ganz
Land mit ſich fort und ſchuf ſo die Baſis zum Kampf gegen
den „alten, böſen Feind” gewiß, daß ſich von nun an die
Lawine, wachſend und immer wachſend, herniederwälzen
werde, „um die Feſſeln Deutſchlands zu zertrümmern.”
Mit ihm kam Arndt, ſeines Geiſtes Verkünder, um durch
Wort und Schriſt die heilige Flamme zu ſchüren, die in
den Preußenherzen aufloderte. In Steln verkörperte ſich
ſeuter mächtige überlegene Wille, der durch einen rettenden
Entſchluß vollbrachte und geſtaltete, was die Tauſende
er=
ſehnten.
Schon am 16. Dezember hatte der geoße Patriot, der
ſich im Hauptquartier des Zaren beſand, dem Präſidenten
Schön angekündigt, er hoſſe bald mit ſeinem Arndt in
Alt=
preußen einzutreſfen: Jetzt iſt es Zeit, daß ſich
Deutſch=
land erhebe, daß es Freiheit und Ehre wieder erringe
daß es beweiſe, wie nicht das Volk, ſondern ſeine Fürſten
Ich freiwillig unter das Joch gebengt haben.‟ Dem
ſtol=
zen Deutſchen, dem erſten und großartigſten
Repräſentan=
ten der deutſchen Einheitsidee, war es ein entſetzlicher
Gedanke, daß ſein Vaterland durch die Ruſſen befreit
werden ſollte. Ranke hat die heldenhafte Größe in der
Stellung des Titanen betont, „daß er die deutſchen Ideen
zuerſt an einem fremden Hoſe, auf den aber alles ankam,
zur Geltung brachte‟ Der Marcheſe Paulncei, der im
Namen des Zaren Memel beſetzte, hatte bereits die
ernſt=
hafteſten Anſtalten getroffen, Oſtpreußen zu einer ruſſiſchen
Frovinz zu machen. Da griff Stein ein; er wußte, wie
das altpreußiſche Volk ſich in heißer Ungeduld verzehrte;
kein Ruſſe ſollte ihnen Befreiung vom franzöſiſchen Joch
bringen, ſondern ein Deutſcher ſie fortreißen zur
frei=
willigen Erhebung. Stein beſtimmte den Kaiſer von
Ruß=
land, ihm eine ſehr weitreichende Vollmacht zu geben,
durch die er die Leitung der Provinzialbehörden
über=
nehmen und die Hilfsquellen des Landes zum Beſten der
guten Sache nutzbar machen ſollte. In einem Schreiben
an den König betonte der Zar ausdrücklich, er habe nicht
einen höheren ruſſiſchen Beamten, ſondern einen der
ge=
treueſten Untertanen des Königs, den Baron Stein, mit
dieſer Vollmacht verſehen. Von Lyck, der erſten
preußi=
ſchen Stadt, in der der ruſſiſche Kaiſer ſein Hauptquartier
aufgeſchlagen hatte, eilte nun Stein mit Arndt im
Schlit=
ten über gefrorene Seen und durch die Littauiſchen
Wäl=
der vorwärts. In der ſurchtbaren Kälte traten die Greuel
der Verwüſtung, die Totenhaufen der franzöſiſchen großen
Armee, die als düſtere Meilenſteine überall den Weg
kenn=
zeichneten und in den Städten beſonders ſchlimm ſich
häuften, eindringlich hervor.
Am 19. Januar hatten ſie Lyck verlaſſen; am 22.
abends trafen ſie in Königsberg ein. Nach 4jähriger
Ab=
weſenheit ſtand Stein, einſt von Napoleon vertrieben,
nun wieder auf preußiſchem Boden, um nun dieſelben
Entwürfe, von denen er vor der Zeit abgerufen war, zu
etten und zur Durchführung zu bringen. Die Herzen
jubelten dem gewaltigen Manne entgegen, wenn er auch
bei den Behörden, die als preußiſche Untertanen dem mit
ruſſiſcher Vollmacht Ausgerüſteten unſicher und zögernd
begegnen mochten, manchen Widerſtand ſand. Trotzdem
fühlte auch er ſich „wie in einem unbekannten Land”,
nichts mehr von der alten Schlaffheit, — Treue,
Hin=
gebung und Tapferkeit allüberall. Groß und ſicher bewegte
er ſich in dem unruhig lebendigen Leben und Weben, in
dem bunten kriegeriſchen Treiben Königsbergs; „wo er
erſchien, war jetzt durch ein in den deutſchen Grenzen
gleichſam mächtiger erglühtes und erblühtes Leben, in ihm
die Luſt der Mutigen, das Schrecken der Feigen, durch
Schritt und Tritt und Blick und Rede den Kühnſten vor
an.‟ Ein Akt der Befreiung war es, daß er die Oeffnung
der Häfen befahl, und damit die franzöſiſche
Kontinental=
ſperre für abgeſchafft erklärte; er verpflichtete die
Kauf=
mannſchaft zu Leiſtungen für das Yorkſche Korps, aber er
bewahrte das Lud vor großen Lieferungen an die
Ruſſen. Vor allem aber war ſein Sinn auf eine
allge=
meine Landesbewaffnung gerichtet, und ſo ſetzte er denn
die Einberufung der Landſtände durch, deren in der
Form ſo anſpruchsloſe und untertänige, doch um ſo
fol=
genſchwerere Verhandlungen am 5. Februar begannen.
Bald konnte er dem Zaren melden: „Alles verſpricht die
glücklichſten Erfolge, zunächſt aber den, daß das Beiſpiel
dieſer Provinzen einen mächtigen Einfluß auf das ganze
übrige Deutſchland ausüben wird.”
Arndt hat uns in ſeinen „Wanderungen und
Wande=
lungen” dieſe Königsberger Zeit und ihren Helden
wun=
dervoll geſchildert: „Hier in Königsberg öffnete ſich nun
der Anfang des künftigen deutſchen Volkskriegs, hier
ſahen alle deutſche Hoffnungen auf die Gerüchte von
Na=
poleons Unglück und Steins Ankunft in Preußens
Grenzen, und ſchon waren aus Berlin, Dresden und
an=
dern Orten manche wackre deutſche Männer und Degen
mitten durch die franzöſiſchen Heerhaufen
hindurchge=
drungen, zu ſchauen und zu erkunden und den Freunden
jenſeits im Weſten zu berichten und zu erzählen.” Wie
rein bricht Steins eiſervolle Sittlichkeit in jener Szene
beim General Tettenborn durch, der einen bei der
Fran=
zoſenjagd zwiſchen den erfrorenen Eltern aufgefundenen
Marketenderknaben auftreten und unzüchtige
Lagerlied=
chen ſingen läßt, worauf Stein ingrimmig ſchilt: „Den
Buben hätten Sie mit andern beſſer im Littauiſchen
Schnee erfrieren laſſen; in Ihrem Gefolge bleibt und
wird er doch ein Galgenſtrick. Wenden Sie jährlich 30
Taler an ihn, und tun Sie ihn zu einem ehrlichen
Dorf=
ſchulmeiſter, daß er beten und arbeiten lernt. Damals
brachen jene herrlichen Tage an, von denen Arndt ſagt:
„Die junge Lebens= und Ehrenhoffnung ſang und klang
durch alle Herzen, ſie klang und ſang auf allen Gaſſen und
tönte begeiſtert von Kanzel und Katheder. Der
Bücher=
ſtaub der Gelehrſamkeit und von dem Sturmwind des
Tages abgeweht, und der goldene Blütenſtaub des
fröh=
lichen Maientages der Hoffnung und des Mutes ſiel
auf die Stirnen, die jener ſonſt umgraut hatte; auch die
Kälteſten wurden warm, auch die Steifſten wurden
ge=
lenkig, ſie glühten und zitterten in der
allgemeinenBeweg=
ung mit ſort.
Nummer 14.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Januar 1913.
Zwangserziehung geweſene Angeklagte hatte am 2.
No=
ember vorigen Jahres den Auftrag bekommen, die
Stube aufzuräumen. Beim Abſtäuben des Schrankes fand
er obenauf ein Schlüſſelbund liegen, mit dem er den
Schrank öffnete und eine einem Gefreiten gehörige
Papp=
ſchachtel mit 17 Mark Inhalt ſich aneignete. Dammer
teckte zwei Mark zu ſich und den Reſt verſteckte er zunächſt
im Bett und ſpäter im Keller, wo man durch Zufall das
verſteckte Geld in einem Schornſteinſchieber fand. Der
Angeklagte gibt an, er wollte nur zwei Mark nehmen und
das übrige Geld unbemerkt an den alten Platz legen. Es
habe ſich aber hierzu keine Gelegenheit geboten. Man
hatte den Angeklagten auf ſeinen Geiſteszuſtand
unter=
ſuchen laſſen, da man Zweifel an ſeiner
Zurechnungs=
fähigkeit hegte. Der Sachverſtändige iſt der Anſicht, daß
Dammer geiſtig minderwertig ſei, aus welchem Grunde
ihm auch die früheren Strafen bedingt erlaſſen worden
ſeien. Das Gericht erkennt auf 4 Wochen ſtrengen
Arreſt und Verſetzung in die 2. Klaſſe des
Soldatenſtandes.
— Vom Großh. Hoftheater. Am Freitag wird
Johann Strauß’ „Fledermaus” als 99.
Abonne=
mentsvorſtellung, Buchſtabe D 24, wiederholt. In der
Vartie des Eiſenſtein gaſtiert Herr Martin Pietſch vom
Stadttheater in Brünn auf Engagement. Der nächſte
lbend im Rahmen des hiſtoriſchen Poſſen=Zyklus findet
rm Samstag ſtatt. Unter der ſzeniſchen Leitung von
dolf Jordan wird die Poſſe mit Geſang „Kyritz=Pyritz”
von Wilken und Juſtinus zur Aufführung gelangen. Das
lbonnement iſt an dieſem Abend aufgehoben, es gelten
die ermäßigten Volksvorſtellungspreiſe. Auf vielfach
ge=
ußerten Wunſch iſt als ſechzehnte Volksvorſtellung zu
er=
näßigten Preiſen eine Wiederholung von Meyer=Förſters
Alt=Heidelberg” angeſetzt. Der Vorverkauf im
Verkehrs=
ureau hat bereits begonnen. Sonntag abend wird zum
rſten Male in dieſer Spielzeit Richard Wagners „
Sieg=
ried” zur Aufführung gelangen. Das Gaſtſpiel der
Kammerſängerin Cahier findet, um vielfach verbreiteter
rriger Meinung entgegenzutreten, nur einmal, am
Dienstag, als Amneris in Verdis „Alda” ſtatt. Heute
beginnt der allgemeine Vorverkauf für dieſes Gaſtſpiel.
§ Abſchiedsfeier. Am Mittwoch mittag 12 Uhr
ver=
ammelten ſich im Polizeiamtsgebäude die Beamten des
Großh. Polizeiamts, die Revierpolizeikommiſſäre, das
Bureauperſonal, Kriminalabteilung, Amtswache, ſowie
Vertreter der Schutzmannſchaft, der Freiwilligen
Feuer=
wehr und der Freiw. Sanitätskolonne zur
Abſchieds=
eier für den zum Kreisamtmann des Kreisamts
Bens=
heim ernannten Großh. Polizeiamtmann Lauteſchläger.
Herr Regierungsrat Gennes ſprach dem Scheidenden
n ehrenden Worten den Dank des Polizeiamts für ſeine
vierjährige eifrige und gewiſſenhafte Tätigkeit aus und
wünſchte ihm dieſelben Erfolge, die er hier erzielt habe,
ruch in ſeinem neuen Wirkungskreiſe. Nur ungern
ver=
liere er und ſämtliche Beamten des Polizeiamts den
Scheidenden. Er verbinde deswegen mit dem „
Lebe=
vohl” ein aufrichtiges „Auf Wiederſehen”. Herr
Polizei=
amtmann Lauteſchläger dankte für die ihm zuteil
gewordene Ehrung. Er habe mit Freuden ſeine Pflichten
n ſeiner ſeitherigen Stelle getan, und wenn er wirklich
Erfolge erzielt habe, ſo danke er dies der Unterſtützung
einer Herrn Vorgeſetzten und dem Geſamtperſonal. Er
ſpreche hierfür ſeinen beſten Dank den Anweſenden aus
und bat die Herren Revierpolizeikommiſſäre, denſelben
uch der übrigen Mannſchaft zu unterbreiten.
Süddeutſche Eiſenbahn=Geſeliſchaft. Die
Ein=
ahmen im Monat Dezember 1912 betrugen: 1.
Perſonen=
verkehr 651 185 Mk. (gegen 575928 Mk. im Dezember 1911).
Güterverkehr 83 280 Mk. (80760 Mk.) 3.
Neben=
innahmen 2368 Mk. (2435 Mk.) 4. Geſamteinnahmen
*36833 Mk. (659 123 Mk.).
D Verzeichnis neu hergeſtellter Fernſprechanſchlüſſe
md Aenderungen bei beſtehenden Sprechſtellen. a) Neue
lnſchlüſſe: 1186 Frau Dr. Brand Witwe,
Heinrich=
ktraße 146; 2178 Frau von Bültzingslöwen, Rentnerin,
Hobrechtſtraße 5; (2501) Darmſtädter Pädagogium,
Mar=
inſtraße 34; 2181 Karl Dotzler, Kaufmann, Hohler Weg 43;
1650 W. H. Feder, Dipl.=Ing., Waldſtraße 2; 1960
Grund=
uchamt Darmſtadt I, Mathildenplatz 15; 2180 E. Joſeph
Privatier, Landwehrſtraße 14 1774 Johannes Krummeck,
Auktionator und Taxator, Bleichſtraße 1; 1981 Frau Külp,
Martinſtraße 55; 2184 K. Laux, Metzger, Landwehrſtr. 1;
182 Georg Liebig, Erſte Darmſtädter Lack= und Firnis=
Seite 3.
Fabrik, Bureau Bismarckſtraße 41; 2182 Meiſel,
Rechts=
anwalt, Eliſabethenſtraße 14; 2060 Martin Meiſel, Ober=
Poſtinſpektor, Roquetteweg 4; 2186 Pariſer Neuwaſcherei,
Dampfwäſcherei und Plättanſtalt, Luiſenplatz 1: 1731
Rudolf Seligmann, Inh. Otto Seligmann,
Weingroß=
handlung, Eliſabethenſtraße 52; 2501 Siebenhaar,
Ober=
lehrer, Kiesſtraße 95; 2183 E. Staedel, Rechtsanwalt,
Steinackerſtraße 13 (Privatwohnung); 2502 Zinkplatten=
Fabrik, Ernſt=Ludwigſtraße 9. — b) Aenderungen:
312 O Amend, Eliſabethenſtraße 56, jetzt Rheinſtraße 47;
471 Beni Bendheim, Rechtsanwalt, jetzt Mathildenplatz 8
2043 Fr. Dahlen, jetzt Sanitäts=Drogerie, Ferd.
Graß=
mann & Pappendiek, Drogen= Chemikalien= und
Kolo=
nialwarenhandlung, Viktoriaſtraße 81; 1906 Eilboten=
Inſtitut „Blitzradler”, Schuchardſtraße 14, jetzt
Schuchard=
ſtraße 11; 1796 Karl Fay (Wohnung), Eichbergſtraße 7,
jetzt Bismarckſtraße 78; 1031 Heinrich Funk, jetzt Nr. 446
484 Heſſenbräu, jetzt 1995; (405) Großh. Hofmarſtall
jetzt Nr. 2504; (405) Großh. Hofmarſtallamt, jetzt Nr.
2041; 2112 Robert Katzenſtein, jetzt Schuchardſtraße 4;
974 Fr. Klingler, Adolf=Spießſtraße 23, jetzt
Riedlinger=
ſtraße 20; 1182 Georg Liebig, Erſte Darmſtädter Lack= und
Firnis=Fabrik, Fabrik Frankfurterſtr., jetzt Nr. 2179; 560
Johann Mengeringhauſen, jetzt Nr. 2176; 1676 Ernſt
Piſtor, jetzt Rheinſtraße 21; 622 Karl Rittershaus; jetzt
Nr. 2500; 462 Wilhelm Rummel jr., jetzt Nr. 1930; 2596
Reſtauration Schmitt, jetzt Nr. 2177; 671 Emma Reinhold,
Kleine Ochſengaſſe 2, jetzt Schützenſtraße 4; 253 E.
Stae=
del, Bureau Eliſabethenſtraße 14, jetzt E. Staedel und
Hermann Kalbhenn, Bureau Waldſtraße 15; 1649 Heinr.
Stöppler, jetzt Sophie Schäfer. — c) Abgebrochene
Sprechſtellen: 1705 Dr. Fuchs, 1044 S. Fulda, 2037
Wilh. Hofmann, 943 Aug. Kahn, 1019 Ph. Kolb, 2101
Kuhlmann, 2568 Benno Stern, 2035 C. Wilhelm, 885
Otto Willner, 576 v. Voigts=Rhetz.
* Darmſtädter Hausbeſitzer=Verein. In der
Vor=
ſtandsſitzung des Darmſtädter Hausbeſitzer=Vereins
die am Mittwoch unter dem Vorſitz des Herrn Friedrich
Mahr im Kaiſerſaal ſtattfand, wurde bekannt gegeben,
daß aus geſundheitlichen Gründen der erſte Vorſitzende,
Herr Eiſenbahninſpektor Ferdinand Scheyrer den
Vorſitz niederlege. Herr Scheyrer ſtand ſeit Mai 1909 an
der Spitze des Vereins und hat dieſen nach innen und
außen anerkannt gut geleitet. Es wurde ſein Rücktritt
lebhaft bedauert. Einſtimmig wurde dann Herr Rentner
Auguſt von Heſſert gewählt; derſelbe erklärte ſich
bereit, die Wahl bis zur nächſten Generalverſammlung,
die Anfangs Mai ſtattfindet, anzunehmen. Die Wahl
wurde mit allgemeinem Beifall begrüßt. Es kam dann
der Erlaß des Herrn Oberbürgermeiſters vom 20. Dez.
1912, der durch den Herrn Ehrenbeigeordneten Schmitt
vertreten wurde, zur Sprache. Der Erlaß lautet, daß, wenn
nichts anderes vereinbart iſt, für die Dauer der
ſtatu=
tariſchen Räumungsfriſten Mietzins an
den bisherigen Vermieter nicht zu entrichten iſt.
Der Verein iſt bereit, klagbar vorzugehen, um einen
rich=
terlichen Beſchluß herbeizuführen, ob die Hausbeſitzer Mie
ter unentgeltlich wohnen laſſen müſſen. Die Antwort auf
ein Schreiben des Verbandes zum Schutze des deutſchen
Grundbeſitzes und Realkredits, betreffend Erfahrung übet
Zwangsverwaltung, wurde verleſen. Da das neue
Grundbuch für Darmſtadt noch nicht durchgeführt iſt, und
das bisherige Recht eine Zwangsverwaltung nicht kennt,
ſo ſind auch mit Zwangsverwaltungen keine Erfahrungen
gemacht worden. Der Aufruf zur Gründung einer
Spar= und Darlehenskaſſe, der in den nächſten
Tagen den Mitgliedern zugehen wird, ſowie die ganze
Sache wurde nochmals gründlich beſprochen. Die Kaſſe
ſoll auf genoſſenſchaftlichem Wege mit beſchränkter
Haft=
pflicht errichtet werden und hofft man, daß ſich die
Mit=
glieder ſtark beteiligen. Da die in einer Auflage von 2000
Stück erſchienenen Mietverträge zu Ende gehen, ſo
ſoll dem Neudruck eine Reviſion vorangehen.
An=
fangs Februar ſoll eine Mitgliederverſammlung
ſtattfinden, wobei auch die Waſſergeldfrage und beſonders
die Eingabe vom 12. September 1912, auf die bis jetzt
noch keine Antwort erfolgt iſt, erörtert werden. Nach
weiterer Ausſprache über innere Angelegenheiten wurde
beſchloſſen, dem Fräulein S. Meyer, die über 41 Jahre
in dem Hauſe des Vereinsmitgliedes Herrn Direktor
Weitzel, Heidelberger Straße, wohnt, die übliche Ehrung
zuteil werden zu laſſen.
Die freiwillige Sanitätshauptkolonne vom
Roten Kreuz in Darmſtadt begeht in dieſen Tagen die
Feier ihres 23jährigen Beſtehens. Sie iſt am
23. Januar 1888 begründet worden und ſeit dieſer Zeit
beſtrebt geweſen, nicht nur für die ernſten Zeiten des
Krieges Männer heranzubilden, die geeignet und bereit
ſind, ſich im Felde, wie in der Heimat der Pflege der
Verwundeten und Erkrankten anzunehmen, ſondern auch
in Friedenszeiten durch Uebernahme des öffentlichen
Rettungsdienſtes dem Allgemeinwohl zu dienen. Zur
Erinnerung an den Gründungstag iſt eine größere
Feier geplant, die in Rückſicht auf die bevorſtehende
Karnevalszeit erſt am Sonntag, den 2. März d. J.,
ſtatt=
finden ſoll. Für den Vormittag iſt ein akademiſcher
Feſtakt im Städtiſchen Saalbau Ausſicht genommen,
bei welchem neben den Begrüßungen der Behörden,
Feſtanſprachen ꝛc. auch eine Feſtdichtung mit lebenden
Bildern zur Aufführung kommen ſoll. Im Anſchluß
daran wird ein Feſtappell der Hauptkolonne
in Gegenwart ihrer vorgeordneten Stellen abgehalten
werden, während für den Abend eine geſellige Feier
für die Angehörigen der Hauptkolonne und ihre
zahl=
reichen Freunde und auswärrige Kolonnen beabſichtigt
iſt. Da es ſich hier um den Erinnerungstag einer
all=
gemein als wohltätig und ſegensreich wirkend
aner=
kannten Inſtitution handelt, ſo bürfte deren
Jubiläums=
eier der allgemeinen Sympathien des Publikums
ſicher ſein.
— Richard Wagner=Verein. Zu unſerem geſtrigen
Referat über das Konzert des Deſſoffſchen
Frauenchors im Richard Wagner=Verein, ſei noch
mitgeteilt, daß die Harfenpartie nicht von Herrn Hahn
aus Wiesbaden, ſondern in deſſen Verhinderung von
Herrn Kammermuſiker Breitſchuck von hier,
ausge=
führt wurde, der für erſteren in dankenswerter Weiſe
ein=
geſprungen war.
Der Muſik=Verein veranſtaltet am Samstag für
ſeine aktiven und inaktiven Mitglieder einen
Muſika=
liſchen Abend im Vereinshaus. Da ein künſtleriſches
abwechſelungsreiches Programm zuſammengeſtellt iſt,
können den Teilnehmern an jenem Abend einige
genuß=
reiche Stunden in Ausſicht geſtellt werden. (S. Anz.)
* Flugſtudiengeſellſchaft. Mit der Vorführung
hoch=
künſtleriſcher Farbenphotogralphien am
Samstag im Hotel „Zur Traube” bietet die Heſſiſche
Flugſtudiengeſellſchaft ihren Mitgliedern und Freunden
in der Tat etwas ganz Beſonderes, das weit aus dem
Rahmen ſonſtiger Lichtbildvorführungen herausfällt
Die hier zur Vorführung gelangenden farbigen
Lichtbilder ſind in den Aufnahmen rein künſtleriſch
und in techniſcher Beziehung ganz hervorragend.
Be=
kanntlich iſt das Lumiereſche Verfahren ganz beſonders
geeignet, die natürlichen Farben der Landſchaft auf
die Platte zu bannen und viel beſſer und ſchöner als etwa
im Farbendruck laſſen ſich dieſe Aufnahmen durch die
Diapoſition auf die Leinwand werfen. Das allein
hier=
durch ermöglichte große Format der Bilder gibt nicht nur
die überwältigende Schönheit der Hochgebirgs= und
Waldlandſchaften wieder, ſondern vermittelt auch einen
wundervollen Eindruck der erhabenen Natur ſelbſt. Den
Beſuchern des Abends ſteht alſo ein beſonders ſchöner
Kunſtgenuß bevor.
Vortrag. Auf den von der Abteilung Darmſtadt
der T eutſchen Kolonialgeſellſchaft unter Anſchluß der
Kreisgruppe Darmſtadt des Deutſchen Flottenvereins
heute Freitag abend 8 Uhr (ſiehe Anzeige) im Saale
der Traube veranſtalteten Lichtbildervortrag von
Herrn und Frau R. Deeken über Land und Leute auf
Samoa und Hausfrauenleben in der Südſee macht man
hiermit nochmils aufmerkſam. Dabei weiſt man darauf
hin, daß auch die außerordentlichen Mitglieder der
Kolonialgeſellſchaft d. h., noch nicht 25 Jahre alte
Per=
ſonen, welche den halben Jahresbeitrag bezahlen, dafür
aber doch die Kolonialzeitung beziehen, freien Eintritt
zu den Vorträgen haben.
Vortrag. Auf den heute abend ſtattfindenden
Vortrag von Frau Dr. Helene Stöcker=Berlin ſei
hiermit nochmals hingewieſen.
* Naturheilverein. Am Freitag, den 24. Januar,
wird Herr Direktor Rudolf Diekmann aus Berlin
im Kaiſerſaal einen öffentlichen Vortrag halten über
„Die Willensbildung und ihre Bedeutung
ür die moraliſche und die leibliche
Geſund=
heit” Zu dieſem Vortrag iſt jedermann eingeladen.
Näheres iſt aus der Anzeige erſichtlich.
Feuilleton.
— Das exotiſche Diner. Die Feinſchmecker von Paris
tehen wieder vor einer großen Senſation, in den nächſten
Tagen werden die verzückten Abenteurer der Küche
Ge=
egenheit haben, Genüſſe auszukoſten, die ihnen ſonſt in
Europa und in den übrigen Weltteilen kaum erſtehen.
Man wird in Paris endlich einmal Gnufilets eſſen können,
fapaniſche Seidenhühner, erotiſche Aale und gewiß noch
manche andere ſeltſame Leckerbiſſen. Wer ſeinem
Gau=
men und ſeiner Zunge ſolche Feierſtunden gönnt, muß ſich
mur bemühen, ſich eine Einladung zu dem Jahresbankett
der Société nationale d’acclimatation zu verſchaffen, das
moch in dieſer Woche ſtattfindet: unter dem Vorſitz M.
Perriers, des Direktors vom Muſeum. Wer das tut, darſ
ein Menu genießen, daß die Küchenkunſt eines Briallat=
Savarin, eines Grimod de La Reyniére nie zu erträumen
wagte. Man kennt die ſchönen Beſtrebungen der
Geſell=
ſſchaft, die alljährlich dieſes exotiſche Diner veranſtaltet und
won dem edlen Ehrgeiz beſeelt iſt, den Küchenzettel der
Pariſer um Gerichte zu bereichern, die man vergeblich in
den Markthallen und in den Lebensmittelläden ſucht. In
früheren Jahren bot ſie ihren Freunden Rieſenſchlangen=
Filet, Elefantenbraten, Nilpferdfleiſch, und die
benachbar=
ten Reſtaurateure waren nicht wenig entzückt, als
unmit=
telbar nach dieſen Banketten ein großer Teil der Gäſte
ihre Lokale ſtürmte, um ihr üppiges Diner durch ein
ſo=
lides Beefſteak mit Bratkartoffeln zu beſchließen. In
dieſem Jahre alſo wird man Gnu=Antilope eſſen können.
Aber die Senſation werden doch jene japaniſchen Vögel
bilden, deren Balg weiß wie der Schnee iſt und
ſeltſamer=
weiſe einen Körper bedeckt, deſſen Haut an Schwärze jeden
Raben vor Neid erbleichen laſſen würde. Und dann gibt
es noch ein exotiſches Gericht: Daikon, eine Art japaniſche
Radieschen. Freilich ſind dieſe Radieschen etwas größer,
als die bei uns üblichen, denn jedes wiegt ſeine 10—12
Pfund. Aber immerhin: guten Appetit!
C.K. Wie die Monarchen ihr Geld in Amerila
an=
legen. Mit ſchönem Stolze erzählt die New=Yorker Sun
ihren wohlwollenden Leſern, daß den europäiſchen
Mo=
narchen die Bankinſtitute der alten Welt nicht ſicher genug
terſchienen, um ihnen all ihr Hab und Gut anzuvertrauen.
Und was ſollte da den Fürſten Europas auch anderes
übrig bleiben, als ihr Geld in Amerika zu deponieren.
Seit einigen Jahren werden die Summen, die europäiſche
Herrſcher bei großen amerikauiſchen Banken hinterlegen,
immer größer; und vor allem, die New=Yorker Sun weiß
das: die Könige fühlen ſich am wohlſten, wenn ſie ihr
Geld in amerikaniſchen Induſtrieaktien und
Eiſenbahn=
papieren anlegen. Der Zar z. B. iſt Aktionär einer
gan=
zen Reihe amerikaniſcher Bahngeſellſchaften, rund 25
Mil=
lionen hat er ſchon in amerikaniſchen Aktien angelegt, aber
dafür bezieht er auch weit über 2 Millionen Mark Zinſen
aus den Vereinigten Staaten. Georg V hat über 20
Millionen in amerikaniſchen Induſtriepapieren angelegt
während der deutſche Kaiſer etwa 12 Millionen in
Eiſen=
bahnaktien Nordamerikas beſitzt. Er ſoll ſein Kapital mit
5 Prozent verzinſen. Die preußiſchen Prinzen aber
die Sun weiß es ganz genau — bevorzugen kanadiſche
Eiſenbahnwerte und beſitzen für mehr als 4 Millionen
Mark Aktien. Natürlich haben auch die Könige von
Ita=
lien, Griechenland, Dänemark und Belgien Amerika zu
ihrem Treſſort erwählt und auch Alfons XIII. fehlt nicht
unter den amerikanfſchen Aktionären Die Kaiſerin
Eugenie dagegen hat nur bei einer New=Yorker Bank ein
Guthaben von 40000 Mark, während der Kaiſer von
Oeſterreich und der Papſt dem gelobten Land der Dollars
noch ſkeptiſch gegenüberſtehen.
* Die koſtbarſten Küchen der Welt. Der New=York=
Sun veröffentlicht einige neue und intereſſante Angaben
über die reichen und koſtbarſten Küchen der Welt. Ueber
die prächtigſte aller Küchen verfügt bekanntlich der Zar
aller Reußen, und Nikolaus II., der ein Freund der
Tafelgenüſſe iſt, hat ſeit ſeinem Regierungsantritte zur
Umgeſtaltung, und Vergrößerung der Küchenräume im
Petersburger Winterpalais nicht weniger als etwa
1¼ Million Mark aufgewandt. Alle Geräte, die in der
Küche des Zaren gebraucht werden, ſind aus maſſivem
Silber; es befinden ſich dort über 40 koſtbare Schüſſeln
und Kaſſerollen, von denen jedes einzelne Stück 800 Mack
wert iſt. Die zariſche Küche hat auch eine Schatzkammer
und dort bewahrt man einen ganz aus Gold
angefertig=
ten Bratſpieß auf, der aus der Zeit Katharinas II.
ſtammt und von unſchätzbarem Werte iſt. Der oberſte
Leiter des Küchenweſens des Zaren bezieht ein
Juhres=
gehalt von 160000 Franken, ſeine Nebeneinkünfte nicht
miteingerechnet; unter ihm walten ſechs Vizeköche ihres
Amtes, die jeder 20—30 000 Franken im Jahre Gehalt
haben. Der Zar gibt im ganzen 2 400000 Franken im
Jahre für ſeine Küche aus — das bedeutet alſo 7000
Franken oder 6500 Mark an jedem einzelnen Tage! Nächſt
der Küche das Daren iſt die des ſpaniſchen Königshofes
die großartigſte; man bewertet das königlich ſpaniſche
Küchengeſchirr auf 1 Million Franken. Die Küche des
Königs von England iſt immerhin beſcheidener, obgleich
auch ſie über Silbergefäße im Werte von 40000 Franken
verfügt. Die Londoner Königsküche beſitzt einen
beſonde=
ren Schatz in ihren alten Möbeln, die unter der
Regier=
ung Georgs III. aus alter Eiche verfertigt worden ſind
und heute einen Wert von 200000 Franken darſtellen.
Bürgerlicher ſind die Küchen des Deutſchen Kaiſers, des
Königs von Italien, des Königs von Belgien, die
über=
dies auch keine geſchichtlichen Erinnerungen aufweiſen.
Der Darmſtädter Vortragsverband
ver=
anſtaltete am Mittwoch abend im Feſtſaale der
Turn=
gemeinde zum Beſten des Feſthausvereins Darmſtad
einen Peter Roſegger=Abend, zu dem der Münchener
Hofſchauſpieler Max Hofpauer gewonnen war. Wenn
die oft wiederholte Behauptung, daß Berufsredner oder
Vortragskünſtler in den weitaus meiſten Fällen
beſ=
ſere Interpreten ſind als die Dichter ſelbſt, noch einer
Illuſtration bedurft hätte,
hat zweifellos
ſo
dieſer Abend ſie erbracht. Der Münchener Hofſchauſpieler
hat uns allein durch die Art ſeiner Interpretation, ſeines
Vortrages, die außerordentliche Geſtaltungskraft, die
wunderſame Gemütstiefe und die große
Menſchenkennt=
nis des Dichters eindrucksvoll und nachhaltig vermittelt,
ſo daß der Abend in jeder Hinſicht einen vollen Erfolg
brachte. Die Art, wie Max Hofpauer die Geſtalten der
Roſeggerſchen Dichtungen zum Leben erſtehen ließ,
ver=
riet wohl den reifen Bühnenkünſtler; aber ſein Vortrag
blieb, ſo ſehr auch die Mimik zur Illuſtration
herange=
zogen wurde, ohne Pathos und ohne Maniriertheit
ſchlicht und kernhaft, und dabei packend und lebenswahr.
Der Künſtler brachte von den „Sonderlingen aus dem
Volk der Alpen” drei Geſchichten, die Erzählungen:
„Der Wiedergetaufte”, der „Orgler von St. Thomas”
und die knorrig=ſtark im Volksleben wurzelnde vom „
ſtar=
ken Hias” dem Holzknecht; dann kleinere heitere Sachen,
von der harten Buß, von der Stadtherrnhoſe, der
Ent=
deckung Amerikas und dem Regenſchirm.
Jedem Vortrag folgte rauſchender Beifall, der ſich am
St.
Schluſſe zur Ovation ſteigerte.
Peter Roſegger=Abend von Max
Hofpauer.
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Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Januar 1913.
Nummer 14.
* Deutſch=evangeliſcher Frauenbund. Die Singer
Co. Nähmaſchinen Act. Geſ. ſchreibt uns: In der
Mittwochs=Nummer bringen Sie unter der Spitzmarke
„Deutſcher Frauenbund” einen Artikel, in welchem es
u. a. heißt: „die Firma G. Neidlinger eine Nähmaſchine‟.
Wir erlauben uns, Sie darauf aufmerkſam zu machen,
daß unſere Firma ſchon ſeit einer langen Reihe von
Jahren Singer Co. Nähmaſchinen Act. Geſ
heißt.
Stenographie. Der unter dem Protektorat Sr.
Königl. Hoheit des Großherzogs ſtehende Gabelsberger
Stenographenverein eröffnet wieder neue Anfängerkurſe
in Stenographie, die nach langjährig erprobter und
be=
währter Methode mit Gründlichkeit und
Gewſſſenhaftig=
keit geleitet werden. (Näheres ſiehe heutige Anzeige).
Karnevalgeſellſchaft Narrhalla. Zu dem zweiten
großen kaarnevaliſtiſchen Konzert am Sonntag
abend im großen Saale des Saalbaues hat die Kapelle
Weber (Feldart.=Regt. Nr. 61) ein beſonders
wirkungs=
volles urnarriſches Programm zuſammengeſtellt.
Viel=
fachen Wünſchen entſprechend hat der Große Rat wieder
ein Preisſanzen ausgeſchrieben, zu dem für die
zwei beſten Paare vier originelle und wertvolle Preiſe
ausgeſetzt worden ſind. Die näheren Bedingungen des
Preistanzens werden an dem Abend ſelbſt noch bekannt
gegeben.
* Turngemeinde. Man ſchreibt uns:
Nächſten
Sonntag, den 19. ds. Mts., zur närriſchen Zeit 7.11 Uhr,
findet die erſte große, glanzvolle Damen= und
Herren=
ſitzung des Großen Rats der Turngemeinde in dem mit
karnevaliſtiſchen Dekorationen aufs prächtigſte
geſchmück=
ten großen Feſtſaal der Turngemeinde am Woogsplatz
ſtatt. Die treue Anhängerſchar der Sitzungen der
Turn=
gemeinde, die von Jahr zu Jahr bei der Güte des
Ge=
botenen immer größer geworden iſt, wird diesmal eine
beſondere Freude haben an der Vielſeitigkeit und
Treff=
lichkeit des Programms. Vor allem ſei noch darauf
ver=
wieſen, daß ausgezeichnete Mitglieder des Großh.
Hof=
theaters, Opernſängerin Fräulein von Blanck und
Opern=
ſänger Herr Thommſen, ihre Mitwickung zugeſagt haben
Es ſteht alſo den Beſuchern der Sitzung in erſter Linie
ein beſonderer Kunſtgenuß durch Mitglieder unſeres
Hof=
theaters bevor. Das übrige Programm trägt nach der
verſchiedenſten Richtungen hin heiterer Faſchingsluſt
Rechnung. Eine Reihe von Liedern beſter hieſiger
Lieder=
dichter hat der Große Rat vorgeſehen. Humoriſtiſche
Vorträge nur hieſiger Original=Büttredner werden mit
glänzenden turneriſchen Vorführungen abwechſeln.
* Der Mozart=Verein veranſtaltet auch in dieſem
Jahre am Samstag, den 8. Februar, in
ſämt=
lichen Räumen des Saalbaues wiederum ein großes
Maskenfeſt. Die bewährten Feſtkräfte des Vereins
ſind in voller und vielverſprechendſter Tätigkeit; nähere
Mitteilungen folgen.
* Union=Theater. Man ſchreibt uns: Zum beſonderen
Ereignis wird von jetzt ab der jeden Mittwoch und —
ams=
tag ſtattfindende Programmwechſel im Union=
Theater Kunſt Lichtſpiele, Rheinſtraße Nr. 6. So bringt
das neue Programm neben dem hochintereſſanten Drama
in zwei Akten „Das Findelkind” in dem das Schickſal
eines gefundenen Mädchens geſchildert wird, das zu
Herzen gehende Drama „Das Almoſen” Neben dieſen
zwei ernſten Nummern ergänzt noch eine Reihe
fachwiſ=
ſenſchaftlicher, ſowie der Faſchingszeit entſprechender
humoriſtiſcher Films das Programm, ſo daß jeder
Be=
ſucher etwas Beſonderes findet. Die Hauskapelle muſiziert
während der ganzen Vorführungen, und ſo bildet das
Union=Theater eine wertvolle Ergänzung der
Vergnü=
gungslokale der Reſidenz.
Von einem ſchweren Unfall wurde geſtern
vor=
mittag gegen 10 Uhr unſere Freiwillige
Feuer=
wehr betroffen. Ein Wagen der Feuerwehr, der die
Rheinſtraße herunterfuhr, kam beim Monument mit den
Hinterrädern auf die Schienen, und dadurch derart auf
dem glatten Steinpflaſter ins Rutſchen, daß er faſt quer
zu den Vorderrädern ſtand. Die Vorderachſe brach glatt
ab und der ſchwere Wagen ſtürzte um, die 4
Feuer=
wehrleute der einen Sitzreihe unter ſich begrabend.
Wäh=
rend zwei von ihnen unbeſchädigt blieben, wurde dem
Feuerwehrmann Parr das eine Bein zerſchmettert und
der Führer Weiſe erlitt Verletzungen am Kopf. P.
wurde mittelſt Krankenkraftwagens der Rettungswache
ins ſtädtiſche Krankenhaus verbracht, wo ein komplizierter
Unterſchenkelbruch feſtgeſtellt wurde. W. konnte, nachdem
er im Krankenhauſe verbunden, wieder entlaſſen werden.
Der Wagen wurde ſtark beſchädigt. Aus der Tatſache,
daß die Pferde ſofort ſtanden, als der Unfall paſſierte
und ſich auch durchaus ruhig verhielten, iſt wohl zu
ſchließen, daß der Fahrer ſein Geſpann ſicher in der Hand
hatte und auch nicht übermäßig ſchnell gefahren iſt. Der
bedauerliche Unfall iſt alſo lediglich auf unglücklichen
Zu=
fall, in erſter Linie auf die glatte Fahrbahn
zurückzu=
führen. Die beiden Verunglückten ſind verheiratet.
gs. Unfall beim Rodeln. Geſtern nachmittag gegen
4 Uhr fuhr auf der Rodelbahn Ludwigshöhe ein mit
zwei Perſonen beſetzter Rodelſchlitten ſo
unglück=
lich gegen einen Baum, daß ein 9jähriger
Junge in ſchwer verletztem Zuſtande von der
Rettungswache mittels Krankenkraftwagens nach dem
Städtiſchen Krankenhaus gebracht werden mußte.
Aus dem Odenwald, 16. Jan. Wollte da ein
Groß=
vater ſeinem Enkel zu Weihnachten ein Cape kaufen.
Er gina denn auch mit dieſem in einen Laden und ſuchte
ihm eins aus. Mit Stolz trug es unſer Junge bereits
einen Tag, doch war man im Hauſe allgemein der
An=
ſicht, daß es etwas länger ſein dürfte.
Be=
trübt mußte es der Kleine zum Umtauſch zurückgeben. Da
der Kaufmann keine mehr vorrätig hatte, verſprach ed
ein paſſendes nachſchicken zu laſſen. Endlich iſt es
einge=
troffen. Der Kleine probiert es an, muſtert es von rechts
und links, von vorn und hinten, und findet es wieder zu
kurz. Der Kaufmann ſucht ihm dies auszureden. Der
Junge läßt ſich jedoch nicht irre machen und ſagt: „Das
iſt ja eines von denen, die ich vor Weihnachten anprobiert
habe.‟ Nun ſteiat dem Kaufmann die Galle: „Du
Laus=
bub, das hab’ ich doch ertra ſchicken laſſen, das muß
paſ=
ſen!‟ Der Junge muſtert es nochmals und bemerkt
zu=
fällig am Cape einen Knäuel. Er greift hin, zieht ein
Taſchentuch heraus und ruft mit ſpitzbübiſchem
Lächeln: Ich hatt’ doch recht; do ſteckt jo mei Daſchetuch
drin: das hab’n wir die ganze Zeit ſchon zuhauf’ geſucht!“
Unſer Kaufmann hatte ſich die Mühe nicht gemacht,
ein neues Cape ſchicken zu laſſen: er dachte, dem Jungen
Has alte als das verlangte aufreden zu können.
Angersbach, 16. Jan. Wie in der näheren und
wei=
teren Umgegend, ſo wurde auch in unſerer Gemarkung
im vergangenen Spätherbſt von einem Unternehmer nach
abbauwürdigen Mineralien geſchürft.
Ge=
rade in unſerer Flur deuten alle Gewannamen, wie
Eiſen=
grube und Eiſenkaute, auf etwas wie einſtmaligen
Berg=
bau, und tatſächlich liegen auch Eiſenerze ſtellenweiſe
zutage, wie jedem Einheimiſchen von altersher bekannt
ſt. Neuerdings iſt man hier auch wieder auf
Braun=
kohlen geſtoßen, um deren Vorkommen man jedoch
auch ſchon früher gewußt hat. Wie verlautet, iſt aber
eine Unterſuchung an maßgebender Stelle für die
Quali=
tät der Kohlen nicht günſtig verlaufen, ſo daß
eine bergmänniſche Gewinnung vorläufig wohl noch nicht
in Frage kommt. Ob aber gegen die früher völlig
verän=
derten Abſatzmöglichkeiten und Verkehrsverhältniſſe nicht
doch noch zu einer Bergbauinduſtrie bei uns führen
wer=
den, muß der Zukunft vorbehalten bleiben.
Mainz, 16. Jan. Den Stadtverordneten lag geſtern
eine Interpellation Adelung wegen der
räu=
beriſchen Ueberfälle in Mainz vor.
Nament=
lich wurde gerügt, daß bei einem Ueberfall die Polizei
nicht in der erforderlichen Weiſe gewirkt habe.
Beigeord=
neter Dr. Gündert erwiderte, daß im ganzen acht
Ueberfällevorkamen, von denen ſieben
ordnungs=
gemäß gemeldet worden ſeien, bei dem achten habe ſich
ein nicht zu billigendes Verhalten des
betref=
fenden Schutzmanns ergeben. Aktenmäßig hat ſich der
Fall folgendermaßen zugetragen: Nachts zwiſchen 12 und
1 Uhr wurde ein Ehepaar in der Taunusſtraße räuberiſch
überfallen. Der Mann meldete ſofort dem Polizeibezirk
den Vorgang, ohne daß eingegriffen worden
wäre. Auf die Beſchwerde des Ueberfallenen wurde
am nächſten Tage feſtgeſtellt, daß zu der kritiſchen Zeit
nur ein Schutzmann dienſtlich auf dem Bezirk war und
dieſer will den Namen und die Telephonnummer des
Rufenden nicht recht verſtanden und nicht gewußt haben,
daß er die Telephonnummer auf dem Amte hätte
erfah=
ren können. Eine weitere Dienſtverletzung falle dem
Schutzmann dadurch zur Laſt, daß er die Meldung nich
in das Protokollbuch eintrug, wodurch der
Bezirkskom=
miſſar erſt am anderen Tage, als der Ueberfallene
per=
ſönlich vorſprach, Kenntnis erhielt, weshalb dieſer Fall
ſo ſpät zur Verfolgung kam. Dieſes Verhalten wurde
von Dr. Gündert aufs ſchärfſte gerügt. Die
Dienſtorga=
niſation der Polizei ſei der Umgeſtaltung bedürftig. Auch
die Betriebsſtörung im elektriſchen
Bahn=
verkehr bei dem ſtarken Schneefall am Sonntag war
Gegenſtand einer Beſprechung. Die Stadtlinien
verkehr=
ten nur ſehr mangelhaft, die Außenlinien Kaſtel,
Koſt=
heim uſw. gingen erſt am Montag. Nach den
Mitteilun=
gen Dr. Külbs fehlte es an Arbeitshilfskräften, es hätten
ſich nur 68 Perſonen gemeldet, während man 300 Leute
hätte haben müſſen.
Bodenheim, 16. Jan. Beim Rodeln
verun=
glückt iſt der hier bedienſtete Knecht Chriſt. Breidert.
Er brach das rechte Bein und mußte ſich in ärztliche
Be=
handlung begeben. — Ein kleines Schadenfeuer
ent=
ſtand geſtern abend im Packraum eines hieſigen
Kauf=
mannes. Außer einigen Säcken und Kiſten mit Holzwolle
iſt weiter nichts verbrannt.
Oppenheim, 16. Jan. Das Projekt einer di
rekten Verbindung des mittleren
Rhein=
heſſens mit der Provinz Starkenburg
und insbeſondere mit der Landeshauptſtadt
Darmſtadt iſt jetzt in ein neues Stadium getreten
Nachdem eine ſtaatliche Einrichtung nicht zu erlangen war,
hat man ſich entſchloſſen, die Sache auf privatem
Wege durchzuführen. Es ſoll eine
Automobil=
verbindung von Wald=Uelversheim über Oppenheim
(Rheinfähre) nach Groß=Gerau errichtet werden, ſo daß
an letzterem Endpunkte Anſchluß an die nach Darmſtadt
gehenden Züge ermöglicht iſt. Eine größere auswärtige
Automobilfirma iſt für das Projekt bereits intereſſiert und
wird dieſelbe zu einer demnächſt ſtattfindenden
Verſamm=
lung der Intereſſenten ihren Vertreter ſchicken. Das
Un=
ternehmen erhält ſchon dadurch eine gute finanzielle
Ga=
rantie, daß die Poſtbehörde bereit ſein ſoll, zu der
Auto=
mobilverbindung einen jährlichen Beitrag von 2800 Mark
zu leiſten.
Köngernheim, 16. Jan. Bei der geſtern
ſtattgefunde=
nen Bürgermeiſterwahl übten von 137
Wahl=
berechtigten 108 ihr Stimmrecht aus. Sämtliche Stimmen
entfielen auf den bisherigen Bürgermeiſter und einzigen
Kandidaten Herrn Ludwig Beſt 4. Dem
Wiederge=
wählten brachten heute abend ſämtliche Vereine eine
Ova=
tion durch Fackelzua und Ständchen dar.
Gießen, 15. Jan. Der Saalbauverein hielt
geſtern abend im Hotel Großherzog von Heſſen unter dem
Vorſitz von Rechtsanwalt Dr. Spohr ſeine
Haupt=
verſammlung ab, die ſich nach Erledigung
geſchäft=
licher Angelegenheiten mit dem gegenwärtigen Stand der
Saalbaufrage befaßte. Zunächſt erläuterte, dem G. A
zufolge, Baurat Becker ein von ihm entworfenes
Pro=
jekt, das einen Saal nebſt Vorſaal mit 1300 Plätzen,
ſo=
wie ein Podium für 50 Muſiker und 200 Sänger nebſt
den nötigen Nebenräumen vorſieht. Die Bauplatzfrage
werde zweckmäßig einem beſonderen Ausſchuß
vorbehal=
ten. Eine größere Gartenanlage ſei für die eigentlichen
Zwecke des Saalbaues nicht erforderlich. Die Baukoſten
für die Anlage berechne er einſchließlich Einrichtung auf
375000 Mark und mit den Koſten für die erforderlichen
Nebenanlagen auf höchſtens 400000 Mark. Hierbei iſt
der Preis für den Bauplatz nicht mitberechnet, da man
bis jetzt bei allen Beſprechungen über die Saalbaufrage
davon ausging, daß die Stadt hierbei entgegenkommen
werde. Der Saalbauverein könne zurzeit mit einem
Be=
trag von 100000 Mark feſt rechnen. Nehme man an, daß
er noch 80000 Mark aufbringe, ſo ſeien noch 220000 Mark
aufzubringen. Bei einer Verzinſung dieſes Kapitals mit
4 Prozent und ½ Prozent Unterhaltungskoſten mache
dies einen jährlichen Aufwand von 10800 Mark aus,
wogegen eine Einnahme von 7800 Mark aus den
Saal=
mieten und dem Reſtaurationsbetrieb zu rechnen ſei.
Der Zuſchuß betrage alſo 3000 Mark, der von der Stadt
zu geben ſei. Bei Annahme einer Amortiſation von 2
Prozent (an ſich ſei dieſer Satz ja zu hoch, aber die Stadt
ſei daran gebunden) würden noch 4400 Mark jährlich
er=
forderlich ſein, man komme alſo auf eine Summe, die noch
nicht den vierten Teil deſſen betrage, was
Oberbürger=
meiſter Mecum für erforderlich halte. Architekt Meyer
iſt ebenfalls der Anſicht, daß mit dieſer Summe das
Pro=
jekt auszuführen ſei. Der von ihm entworfene Plan habe
etwas größere Verhältniſſe, wodurch der Unterſchied
komme. Dagegen denke er hinſichtlich der
Rentabilitäts=
berechnung nicht ganz ſo optimiſtiſch, wie Baurat Becker.
An der ſich entſpinnenden Ausſprache beteiligten ſich, in
der Hauptſache den Ausführungen des Baurats Becker
zuſtimmend, Profeſſor Dr. Leutert, Geh. Hofrat Dr.
Be=
haghel, Medizinalrat Dr. Walther und Geh. Kirchenrat
Dr. Krüger. Auf Antraa von Profeſſor Dr. Leutert wurde
dann ein Ausſchuß gebildet, der aus den Herren Baurat
Becker, Architekt Meyer, Bankdirektor Heichelheim, Stadtv.
Winn und Brofeſſor Dr. Leutert beſtehen und zunächſt
der Platzfrage und der Frage der Aufbringung weiterer
Mittel näher treten ſoll.
(*) Hungen, 15. Jan. Zwei ſtandesherrliche Güter
in der Nachbarſchaft ſollen in den Beſitze der Gemeinden
bezw. der Landwirte übergehen. Es handelt ſich um das
Braunfelsſche Gut zu Bellersheim und das Solms=
Lau=
bachſche Gut zu Obbornhofen. Die Güter umfaſſen mi
das beſte Ackerland der Gemeinden und haben eine Größ
von 950 bezw. 650 Morgen. Der Preis für den Morgen
ſoll 900 Mk. bis zu 1600 Mk. betragen.
(*) Dorf=Gill, 15. Jan. Der in der Gemarkung
Grü=
ningen liegende vielumſtrittene Markwald ſo
demnächſt an den Fiskus durch Verkauf übergehen. E
ſind bereits durch die Oberförſterei Schiffenberg Ver
handlungen gepflogen worden. Der Preis für den
Mark=
wald ſoll einſchließlich aller entſtehenden Koſten und der
Wertzuwachsſteuer auf je 1200 Mk. kommen, was gegen
die ſeitherigen Preiſe einen Mehrwert von 400 Mk. für
den Anteil bedeutet. Dadurch erhöht ſich die Verzinſung
von 4 auf 6 Prozent. Das iſt für die Markteilhaber ein
günſtiger Gewinn, und der Verkauf wird allgemein
ge=
wünſcht.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 16. Jan. Morgen begeht
der Geheime Sanitätsrat Körte ſeinen 95. Geburtstag.
Körte iſt ſeit 70 Jahren in Berlin als Arzt tätig. — Die
erſte drahtloſe Verbindung New=York-
Berlin iſt geſtern zuſtande gekommen. Der New=Yorker=
Telefunkenſtation iſt es gelungen, mit der Station Nauen
bei Berlin, die jetzt nach Aufſtellung eines neuen
Funken=
turms über eine erheblich größere Reichweite verfügt, in
Verbindung zu treten. — Die Voſſiſche Zeitung meldet
aus Charlottenburg: Der Hauptkaſſenrendant
Bar=
tels der beſchuldigt iſt, die Stadthauptkaſſe um 37000
Mark geſchädigt zu haben, wurde geſtern in einem
Sana=
torium verhaftet. Da Bartels ſchwerer
Neuraſthe=
niker iſt, wurde ſofort der Antrag auf Haftentlaſſung ge
ſtellt. — Die „ſchwarze Hand” taucht wieder einmal
auf. Aus Berlin=Oſten erhielten ein Schankwirt in Jak
chitz bei Hohenſalza und ein Grundbeſitzer in Hohenſalza
e einen in polniſcher Sprache abgefaßten Erpreſſerbrief,
in dem ihnen der Tod angedroht wurde, wenn ſie nich
bis zu einer beſtimmten Zeit eine gewiſſe Summe unter
einer Chiffre nach dem Poſtamt 1 in Berlin=Lichtenberg
ſenden würden. Unterzeichnet waren die Briefe mit „Die
ſchwarze Hand” und Totenkopfſtempel. Nach längerem
Obſervieren konnte die Lichtenberger Kriminalpolizei ben
Abſender feſtnehmen, der Briefe unter der gewünſchten
Chiffre abholen wollte. Vermutlich hat er noch einen
Helfershelfer.
Köpenick, 16. Jan. Aus der Wohnung eines
Milch=
großhändlers wurde geſtern eine Kaſſette mit 10000 Mark
in Wertpapieren und Sparkaſſenbüchern geſtohl em.
Es gelang Bücher und Papiere zu ſperren, ehe der Dieb
ſie zu Gelde machen konnte.
Marburg a. d. Lahn, 16. Jan. Der in Goßfelden
verhaftete Zigeuner iſt nicht der ſeit langem geſuchte
E bender.
Minden i. Weſtf., 15. Jan. Zwei Töchter des
Ziegel=
meiſters Krüger im Alter von 11 und 13 Jahren ſind au
dem Eiſe einer Ziegelgrube in Niedermehnen im Kreiſe
Lübbecke eingebrochen und ertrunken. Die
Lei=
chen konnten nur mit Mühe geborgen werden.
Hamburg, 16. Jan. Ein Teil der unterſchlage
nen Gelder des flüchtigen Notars Becker iſt wieder
gefunden. Der Notar hatte einer Dame ein Paket mit der
Weiſung übergeben, es ſeiner Frau zu ſchicken. Als di
Dame von der Flucht des Notars hörte, öffnete ſie das
Paket und fand darin Wertpapiere in der Höhe vo
155000 Mark. Sie übergab das Paket der Staatsanwalt
ſchaft
Arolſen, 16. Jan. Im Auguſt vorigen Jahres wurd
wie noch erinnerlich ſein dürfte, unter geheimnisvolle
mſtänden in das neue Schloß in Arolſen, das vo
der Fürſtinwitwe von Waldeck und Pyrmont bewohn
wird, eingebrochen und eine Menge Koſtbarkeiten
geſtohlen. Der Einbrecher war anſcheinend, obwohl eit
Doppelpoſten vor der Tür ſtand, durch ein Fenſter in das
Schloß gelangt. Alle Nachforſchungen blieben erfolglos
Jetzt iſt es endlich einem Kaſſeler Kriminalbeamten nach
wochenlanger Arbeit gelungen, den Dieb ausfindig z
machen, und zwar iſt es der Lakai der Fürſtin, der bereits
ein Geſtändnis abgelegt hat.
Frankfurt a. O., 16. Jan. Die Vorunterſuchung gegen
den Raubmörder Sternickel iſt nunmehr
eröff=
net worden. Sie ſoll möglichſt ſo beſchleunigt werden,
daß die Verhandlung wegen der Bluttat in Ortwig noch
in dieſer Schwurgerichtsperiode, die am 10. Februar
be=
ginnt. Erledigung findet.
Stralſund, 16. Jan. Bei dem
Telegraphen=
amt in Stralſund entluden ſich geſtern vormittag
wieder in den Fernleitungen ſtarke auf die
Hochſpann=
ungsleitungen der Ueberlandzentrale influierende
Spannungen. Drei Gehilfinnen erlitten einen
Nervenchock. Der Fernverkehr wurde eingeſtellt und erſt
nach vollſtändiger Außerbetriebſetzung der
Hochſpann=
leitung wieder aufgenommen. Der Ortsverkehr iſt nicht
geſtört. Eine der betreffenden Gehilfinnen iſt bereits
wie=
der im Dienſt, die beiden anderen ſind noch dienſtunfähig.
Sie leiden unter dem Eindruck des Schreckens. Von
ſchweren Verletzungen, wie die Blätter melden, kann keine
Rede ſein
Danzig, 16. Jan. Auf dem Gute Repeteiken im Kreis
Löbau ſtieß ein 6jähriges Mädchen in Abweſenheit
ſeiner Eltern die Lampe um und lief dann fort. Es
entſtand ein Brand, bei dem drei kleinere Geſchwiſter
des Mädchens umkamen.
Löbau, 15. Jan. Ein ſchwerer Fall von
Vergiftung, über den ticfes Dunkel herrſcht, trua ſich
im nahen Karlsberg zu. Der Taalöhner Hentſchel
wurde geſtern mit ſeiner Familie, beſtehend aus ſeiner
Ehefrau und 6 Kindern, von Nachbarn in bewußtloſem
Zuſtand in ſeiner Wohnung aufgefunden. Es ſtellte ſich
heraus, daß zwei Kinder im Alter von 2 und 4 Jahren
tot waren. Die übrigen konnten ins Leben zurückgerufer
werden. Die eingeleitete Unterſuchung dürfte Licht in die
dunkle Angelegenheit bringen.
Breslau, 16. Jan. Der Schleſiſchen Volkszeitung
zu=
folge wurde heute früh die Händlerin Anne
Gep=
pert in ihrem Laden erſchlagen aufgefunden.
Der Ehemann hatte den Hausmeiſter geweckt mit der
Er=
klärung, er habe bei ſeiner Heimkehr die Frau ermordet
aufgefunden. Das Verhalten der Polizeihunde wies aber
auf ſeine Täterſchaft hin, ſo daß er als der Tat dringend
verdächtig verhaftet wurde.
Königsberg i. Pr., 15. Jan. Einen etwas
unge=
wöhnlicher Aufbewahrungsort für ihre
Er=
ſparniſſe wählte eine Frau in Tilſit, wie eine
Verhand=
lung vor dem dortigen Schöffengericht ergab. Die Frau
wurde eines Tages krank und glaubte, daß ihr letztes
Nummer 14.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Januar 1913.
Seite
Stündchen geſchlagen habe. Sie ſchrieb daher an eine
gute Freundin einen Brief, in dem ſie mitteilte, daß es
wohl bald mit ihr zu Ende gehen werde. Wenn ſie
geſtor=
ben ſei, ſolle die Freundin dem Witwer mitteilen, daß
ſich in dem Rahmen eines näher bezeichneten
Bil=
des ein Hundertmarkſchein befinde, den ſie ſich
zuſammengeſpart habe und der dazu dienen ſolle, die
Be=
gräbniskoſten wenigſtens teilweiſe zu decken. Dieſen
Brief übergab die Frau zur Beförderung einem 16
jähri=
gen Mädchen, das bei ihr Aufwartedienſte verrichtete.
Das neugierige Mädchen öffnete den Brief und las darin
die Mitteilung von dem Hundertmarkſchein. Ihre Mutter,
der ſie den Inhalt des Schreibens ebenfalls mitteilte,
riet ihr, das Geld zu einer geeigneten Zeit zu
entwen=
den. Das Mädchen befolgte auch dieſen Rat und
ent=
wendete das Geld. Mutter und Tochter kauften ſich von
den 100 Mark verſchiedene Sachen. Die beſtohlene Frau
ſtarb aber nicht, wie die Diebin und ihre Mutter gehofft
hatten, ſondern wurde wieder geſund und entdeckte eines
Tages, daß ihr Begräbnisgeld verſchwunden ſei. Nach
Lage der Sache konnte nur das junge Mädchen als Diebin
in Frage kommen, das auch bald ein Geſtändnis ablegte.
Der Gerichtshof berückſichtigte, daß ſowohl Mutter wie
Tochter ſich zur fraglichen Zeit in einer Notlage
befun=
den hatten und verurteilte erſtere wegen Hehlerei zu ſechs
Wochen, letztere wegen Diebſtahls zu einem Monat
Ge=
fängnis.
Paris, 16. Jan. Von der hieſigen Polizei wurde der
Direktor der Bank für Automobil=Induſtrie Duncan
Wagner verhaftet unter der Beſchuldigung, über
eine Million Francs veruntreut zu haben.
Montreal, 15. Jan. Das Befinden der
Her=
zogin von Connaught hat ſich ſo ſehr gebeſſert
daß keine weiteren Krankheitsberichte mehr ausgegeben
werden, jedoch iſt die Herzogin für einige Zeit nicht in
der Lage, das Krankenhaus zu verlaſſen.
London. 15. Jan. Der deutſche Dampfer
„Werner Kunſtmann”, in Stettin beheimatet, der
geſtern abend bei Goswick auf Grund geraten war, ge
riet in Brand. Das Feuer wütete fünf Stunden.
Die Beſatzung, die kurz vorher bei dem niedrigen
Waſſer=
ſtande an Land gegangen war, konnte nicht wieder an
Bord gelangen. Aus South Shields wird gemeldet: Die
uſſiſche Viermaſtbarke „California” ſei bei den Stamry=
Inſeln, ſechs Meilen von Tyne entfernt, nachts auf
Brund geraten und ſofort in Stücke zerbrochen. Der
Kapitän und ſieben Mann ſeien gerettet, zehn ertrunken.
Parlamentariſches.
*X* Darmſtadt, 16. Jan. Im Finanzausſchuß
er Zweiten Kammer wurde heute in
gemein=
amer Sitzung mit der Regierung, die wieder durch die drei
Niniſter und eine Anzahl Miniſterialräte vertreten war,
ie Etatsberatung mit der Beſprechung über die
chreibgehilfenfrage fortgeſetzt. Die Regierung gab
na=
mentlich weiteren Aufſchluß über die Anzahl der
ange=
tellten Schreibgehilfen im Vergleich zu den
Nichtange=
tellten. Eine Abſtimmung über dieſe Angelegenheit fand
m Ausſchuß noch nicht ſtatt. Zu einer längeren
Er=
rterung gab dann die Poſition im Kap., 12. Vergütung
in Stempelmarkenempfänger, wofür diesmal 43600 M.
gegen 36000 M. im Vorj.) ausgeworfen ſind, Anlaß. Wie
chon in früheren Jahren, traten auch diesmal wieder
ehrere Ausſchußmitglieder dafür ein, daß derartige
Vergütungen an Beamte für die Abgabe von
Stempel=
marken in Zukunſt nicht mehr gewährt werden ſollten,
jährend von anderer Seite darauf hingewieſen wurde,
daß dann dieſen Beamten eine entſprechende
Entſchädi=
zung zugebilligt werden müſſe. Eine Beſchlußfaſſung
urde auch hierüber nicht vorgenommen, da in der Regel
n Gegenwart von Regierungsvertretern Abſtimmungen
m Ausſchuß nicht erfolgen. Beim Kapitel Landſtände
gab die Regierung die Auskunft, daß ſie einer
Erhö=
hung der Diäten der Abgeordneten
täherzutreten nicht abgeneigt ſei; dieſe Frage näher zu
ehandeln, ſei aber wohl im Seniorenkonvent die
geeig=
nete Stelle. — Die Vereinfachung im Kap 14,
Staats=
niniſterium der Wegfall des ſeitherigen
Mi=
tiſterialrats und die Erſetzung desſelben durch einen
vor=
tragenden Rat, wurde im Ausſchuß allſeitig anerkannt.
Beim Kapitel 19, Haus= und Staatsarchiv, wurden
ein=
elne Poſten in der beabſichtigten Neueinſtellung
bean=
andet, im allgemeinen aber zugeſtimmt, daß der
gegen=
wärtige Zuſtand entſchieden verbeſſerungsfähig ſei und
insbeſondere ein Einwand gegen die Neuherſtellung von
Aktengeſtellen in Höhe von etwa 14000 Mark nicht mehr
erhoben werden könne. Bei dem Etat des Miniſteriums
des Innern wurde beim Titel Provinzialdirektionen und
Kreisämter ſeitens der Regierung die vom Ausſchuß
be=
inſtandete Mehrforderung von 5000 Mark für
Stellver=
retungs= uſw. Koſten mit der erhöhten Geſchäftslaſt
be=
gründet, welche den Kreisämtern durch die ſoziale
Ver=
icherungsgeſetzgebung, beſonders auch durch die
wirt=
chaftlichen Bedürfniſſe der Kreiſe, wie
Beleuchtungsan=
gen uſw., erwachſen ſeien. Die gemeinſame Beratung
es Budgets wird morgen Samstag fortgeſetzt.
tadtverordnetenverſammlung.
17. Sitzung.
St. Darmſtadt, 16. Januar
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing eröffnet die
Sitz=
ung um 3¾ Uhr und wünſcht den Stadtverordneten ein
röhliches und geſundes neues Jahr.
Ein Nachruf.
Der Vorſitzende gedenkt des Ablebens des
Stadtver=
ordneten Geh. Juſtizrats Schmeel und widmet ihm
einen ehrenden Nachruf, wobei er der großen Verdienſte
gedenkt, die der Verſtorbene in 23jähriger Tätigkeit als
Stadtverordneter um das Wohl der Stadt und ihrer
Bür=
ger ſich erworben hat und ſein warmes Intereſſe, das er
allen ſtädtiſchen Angelegenheiten entgegenbrachte, ſeine
hervorragenden juriſtiſchen Kenntniſſe und die Lauterkeit
ſeines Charakters beſonders hervorhebt.
Der Oberbürgermeiſter macht dann folgende
Mitteilungen:
Die Direktion der Liebigs=Oberrealſchule
hat zur Beſichtigung der Innen=Einrichtung der Schule
eingeladen.
Die Privatin Chriſtian Serth hier hat in ihrem
Teſtament einen Teil ihres Kapitalvermögens der Stadt
mit der Beſtimmung vermacht, arme alleinſtehende Frauen
hieraus zu unterſtützen.
Eine Anzahl früherer ſtädtiſcher Beamte
at für die bewilligte Erhöhung ihrer Ruhegehälter
ge=
ankt.
Nach einer Mitteilung der Königl. Preuß. und Großh.
geſſ. Eiſenbahndirektion in Mainz wird mit der Ab=
tragung des alten Bahnhofsgeländes
zwi=
ſchen der Breiten Allee und der Bismarckſtraße
voraus=
ſichtlich Mitte dieſes Monats begonnen und für eine
mög=
lichſt beſchleunigte Ausführung der Arbeiten geſorgt
werden.
Mandatsniederlegung.
Herr Stadtverordneter Regierungsrat Baſtian hat
ſich aus Geſundheitsrückſichten genötigt geſehen, ſein Amt
als Stadtverordneter niederzulegen. Der Vorſitzende ſpricht
dem Ausgeſchiedenen für ſeine langjährige und ſehr
erſprieß=
liche Tätigkeit im Intereſſe der Stadt den herzlichſten
Dank aus.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing erſtattet hierauf
ſeinen
Bericht über den Stand der
Gemeinde=
angelegenheiten,
den wir an anderer Stelle auszugsweiſe zum Abdrudck
bringen. — Stadtv. Möſer vermißt in dem Bericht
Auskunft darüber, wie es mit dem Bau der elektriſchen
Bahn ins Martinsviertel ſtehe. — Der Oberbürgermeiſter
erklärt hierauf, die Techniſche Hochſchule habe
ihren Widerſtand gegen die Führung der Bahn an
der Techniſchen Hochſchule vorbei nicht fallen laſſen,
ſon=
dern erneut durch eine umfangreiche Denkſchrift zum
Aus=
druck gebracht, ſo daß allerdings wenig Ausſicht auf
bal=
dige Durchführung der Bahn beſteht. — Stadtv. Kolb
vermißt die im vorigen Jahre in Ausſicht geſtellte
Zu=
ſammenſtellung der Steuerverhältniſſe der verſchiedenen
Städte, die für uns in Betracht kommen. — Stadtv. Dr.
Vaubel regt eine Herabſetzung des Gaspreiſes an und
die Beſchaffung weiterer Automobilfahrzeuge für die
Feuerwehr, damit Unfälle wie der heutige vermieden
werden. — Beig. Ekert teilt mit, daß die Beſchaffung
einer Automobildachleiter in Ausſicht genommen iſt, die
aber 25000 Mark koſten ſoll. An dem Unfall ſei übrigens
nur die Glätte ſchuld geweſen. — Stadtv. Stemmer
warnt davor, die Einnahmen der Stadt durch
Herabſetz=
ung des Gaspreiſes zu beſchränken, damit nicht etwa eine
Steuererhöhung notwendig werde. — Damit ſchließt die
Debatte. Es wird in die Tagesordnung eingetreten.
Baudispensgeſuche
Auf einem Zimmerplatz an dem verlängerten
Herd=
weg ſollen 2 Holzſchuppen errichtet werden. Die hierzu
erforderliche Genehmigung einer Ausnahme von der
Be=
ſtimmung in § 5 des Ortsbauſtatuts hat der Hochbau=
Ausſchuß befürwortet und wird von der Verſammlung nach
dem Bericht des Stadtv. Wittmann beſchloſſen.
In dem Neubau Marktplatz 11 iſt in der
Brand=
mauer gegen die Nachbarhofreite eine Fenſteröffnung
her=
geſtellt worden. Die Herſtellung widerſpricht der
Vor=
ſchrift in Art. 50 der Allg. Bauordnung, da die Gebäude
nicht den genügenden Abſtand voneinander beſitzen. Der
Hochbau=Ausſchuß hat die nachgeſuchte Befreiung von der
Vorſchrift befürwortet. Auch hier wird zugeſtimmt.
Re=
ferent Stadtv. Markwort.
An der Rückſeite des Hauſes Riedlingerſtraße3
iſt eine Bühne in Holzkonſtruktion errichtet worden. Da
hierdurch die Hoffläche verkleinert worden iſt und nicht
nehr der Vorſchrift in § 32 der Baupolizeiordnung
ent=
ſpricht, wird um Befreiung von dieſer Beſtimmung
nach=
geſucht. Der Hochbau=Ausſchuß hat das Geſuch
befür=
wortet unter der Bedingung, daß das Bauweſen maſſiv
und feuerſicher erſtellt wird. Die Verſammlung ſtimmt
zu. Referent Stadtv. Sames. — Gegen die
Aenderung der Straßenfluchtlinie
an der Nordoſtecke Wendelſtadtſtraße-Bismarckſtraße, die
im Intereſſe der Gleisverlegung für die Straßenbahn
er=
forderlich wird, hat der Beſitzer der Hofreite
Wendelſtadt=
ſtraße 1 wegen angeblicher Schädigung Einſpruch erhoben.
Der Hochbau=Ausſchuß hat empfohlen, dem Einſpruch
nicht ſtattzugeben. Die Verſammlung beſchließt
dem=
gemäß. Referent Stadtv. Sames.
Die Straßenbeleuchtung in der Rheinſtraße
ſoll nach einem Projekt mit der Straßenbeleuchtung in der
Allee dadurch in Uebereinſtimmung gebracht werden, daß
die Beleuchtungsmaſte erhöht und Lampen mit ſtärkerem
Beleuchtungseffekt angebracht werden, auch Fernzündung
eEerichtet wird. Die Gaswerks=Deputation hat dieſes
Projekt gutgeheißen. Auch die Verſammlung ſtimmt nach
dem Bericht des Stadtv. Sames zu.
Herſtellung einer Kanalverbindung.
Stadtv. Lindt führt aus: Bei Planierung eines
Teils des ehemaligen Bahnhofsgeländes durch die
Eiſen=
bahnverwaltung iſt eine Geländevertiefung ausgefüllt
worden, die ſeither zur Entwäſſerung der Unterführung
der Landwehrſtraße gedient hat. Da hierdurch bei
ein=
tretenden ſtärkeren Regenfällen Ueberflutungen der
Unter=
führung und ſomit empfindliche Verkehrsſtörungen
ver=
anlaßt werden können, iſt ſofortige Wiederherſtellung der
Entwäſſerung der Unterführung geboten, die durch einen
proviſoriſchen Anſchluß an den Rohrkanal in der
Land=
wehrſtraße bewirkt werden ſoll. Jener erfordert einen
Koſtenaufwand von 1800 Mark, deſſen Bewilligung von
der Tiefbau=Deputation und dem Finanz=Ausſchuß
befür=
wortet wird unter dem Vorbehalt, daß vor der
Ausfüh=
rung wegen der Frage der Koſtenübernahme mit der
Eiſenbahnverwaltung Vereinbarung getroffen wird. Die
Verſammlung ſtimmt zu.
Herſtellung eines Entwäſſerungskanals.
Die Durchführung der Verbindungsſtraße
Grieshei=
mer Weg-Bleichſtraße bedingt, daß die neue
Straßen=
ſtrecke kanaliſiert wird, was alsbald und vor Befeſtigung
der Fahrbahn erfolgen ſoll. Tiefbau=Deputation und
Finanz=Ausſchuß befürworten die alsbaldige
Kanalher=
ſtellung, die einen Koſtenaufwand von 9500 Mark
erfor=
dert. Die Verſammlung ſtimmt dem Projekt zu.
Refe=
rent Stadtv. Sames.
Beſchaffung einer Kohlenwage.
Zur Ueberwachung der Wirtſchaftlichkeit des
Keſſel=
betriebes im Hallenſchimmbad iſt u. a. die Beſchaffung
einer Kohlenwage erforderlich, deren Anſchaffung durch
die Firma Schenck hier von der Bäder=Deputation und
dem Finanz=Ausſchuß gutgeheißen /worden iſt. Der
er=
forderliche Kredit von 1250 Mark wird genehmigt.
Refe=
rent Stadtv. Saeng.
Die Schlachthofverwaltung hat beantragt,
eine Ozoniſierungsanlage in die
Kühl=
häuſer des Schlachthofs
einzubauen. Eine ſolche Anlage dient dazu, ſo führt der
Referent Stadtv. Göbel aus, die Luft in den
Kühl=
häuſern weſentlich zu verbeſſern, wodurch die
eingebrach=
ten Waren länger als bisher friſch zu erhalten ſind; ſie
iſt auch geeignet, Erſparniſſe im Kühlhausbetrieb zu
er=
zielen. In einer Reihe von Städten hat ſich die Ein=
richtung beſtens bewährt. Die Schlachthof=Deputation
und der Finanz=Ausſchuß haben der Ausführung, die
einen Koſtenaufwand von rund 4000 Mark erfordert,
ſo=
wie der Uebertragung der Apparatelieferung an die Firma
Buſch u. Ko. in Hamburg zugeſtimmt. Die Verſammlung
iſt damit einverſtanden.
Es hat ſich die Notwendigkeit ergeben, die
Kühl=
anlage im Schlachthoſ, die ſeit 20 Jahren in Betrieb
iſt, durch Erneuerung der undicht gewordenen
Verdamp=
ferſpiralen des Luftkühlers uſw. einer gründlichen
Repa=
ratur zu unterziehen. Dieſe erfordert einen
Koſtenauf=
wand von 5600 Mark, wovon 1600 Mark bereits durch den
Voranſchlag für 1912 bewilligt ſind, ſo daß jetzt nur noch
die Bewilligung von 4000 Mark in Frage kommt, die die
Schlachthof=Deputation und der Finanz=Ausſchuß
bean=
tragt haben. Die Verſammlung ſtimmt zu. Referent
Stadtv Linck.
Für die Trichinenſchau wird folgender
Ge=
bührentarif vorgeſchlagen: 1. Für Unterſuchung eines
ganzen Schweines oder eines Wildſchweines 40 Pfg.,
2. für Unterſuchung von mehreren Teilen, die
nachweis=
bar von einem Schwein herrühren, 40 Pfg., 3. für
Unter=
ſuchung von Einzelteilen 30 Pfg., 4. für Unterſuchung
einer Sendung Wurſt 40 Pfg. Schlachthof=Deputation
und Finanz=Ausſchuß haben dem Tarif zugeſtimmt. Das
gleiche tut die Verſammlung. Ref.: Stadtv. Noellner.
Es iſt die Anregung gegeben worden,
die Löhne der Notſtandsarbeiter
zu erhöhen. Referent Stadtv. Dr. Kolb führt vierzu
aus: Feſtſtellungen in anderen Städten haben ergeben,
daß Darmſtadt mit einem Taglohnſatz von 2,80 Mark in
der Bezahlung der Notſtandsarbeiter an der Spitze der
heſſiſchen Städte ſteht und ſogar einen höheren Lohn
zahlt, wie die Stadt Frankfurt, die doch in ſozialpolitiſchen
Einrichtungen vorangeht. Eine Erhöhung der Löhne iſt
in den angefragten Städten auch nicht beabſichtigt. Es
iſt auch feſtgeſtellt, daß Darmſtadt, wenngleich es nicht den
Charakter einer Induſtrie= oder Gewerbeſtadt beſitzt,
Not=
ſtandsarbeiter alljährlich in viel größerer Zahl beſchäftigt,
als andere Städte. Hieraus geht hervor, daß eine Stadt
mit einer außerordentlichen Bezahlung die Anſammlung
von Notſtandsarbeitern begünſtigt und die an ſich
unge=
ſunde Erſcheinung von Notſtandsarbeiten fördert. Aus
dieſen Geſichtspunkten heraus und in der Erkenntnis, daß
es ſich um eine Entſcheidung von grundſätzlicher
Bedeu=
tung und erheblicher Tragweite handelt, hat der
Ober=
bürgermeiſter beantragt, der Anregung nicht zu
entſpre=
chen. Dieſem Antrage hat ſich die Mehrheit des Finanz=
Ausſchuſſes angeſchloſſen, während der ſozialpolitiſche
Ausſchuß einem Antrage des Herrn Stadtv. Henrich
zugeſtimmt hat, wonach
1. unverheiratete Arbeiter, ſowie verheiratete Arbeiter
ohne Kinder unter 16 Jahren keine Zulage erhalten,
2. verheiratete Arbeiter mit 1—3 Kindern unter 16
Jahren um 10 Pfg.,
3. verheiratete Arbeiter mit mehr als 3 Kindern unter
16 Jahren um 20 Pfg. für den Tag aufgebeſſert werden
ſollen.
In der Debatte ſtellt Stadtv. Dr. Bender feſt, daß
die Tatſache, daß die ſtädtiſchen Beamten eine erhebliche
Zulage erhalten haben, in keiner Weiſe in Verbindung
gebracht werden dürfe mit der vorliegenden Frage. Hier
ſei ganz allein der wirtſchaftliche Standpunkt maßgebend.
Dabei müſſe denn doch darauf verwieſen werden, daß die
Mehrzahl der Städte auf Grund ihrer gemachten
Erfahr=
ungen erheblich niedrigere Löhne für die Notſtandsarbeit
zahlen. Es ſei doch nicht zu leugnen, daß die Mehrzahl
der Notſtandsarbeiter zu denen gehört, die ſich den
Som=
mer hindurch von der Arbeit drücken und die dann, wenn
der Winter kommt, behaglich als Penſionäre der Stadt
leben wollen. Dieſe Erfahrungen haben faſt alle Städte
gemacht und haben es darum bei viel geringeren Löhnen
belaſſen. Die Motive zu dem Antrag ſind ſicher nicht
un=
edle. Aber es muß doch einmal hier ausgeſprochen
wer=
den, daß die Mehrzahl der Notſtandsarbeiter nur
arbei=
ten, wenn ſie in großer Not ſind. Dadurch werden auch
die guten und gelernten Arbeiter geſchädigt. Wenn die
Leute wiſſen, daß ſie eben nur Notlöhne erhalten, werden
ſie ſich bald nach anderer Arbeit umſehen; wenn ſie aber
ſo gut bezahlt werden, wie andere fleißige Arbeiter, haben
ie dazu ja keinen Grund. Aus all dieſen Gründen bittet
Redner, gegen den Antrag zu ſtimmen.
Stadtv. Aßmuth kann dieſen Standpunkt nicht
tei=
len. Seine Freunde ſeien der Stadt immer dankbar
ge=
weſen, daß ſie in dieſer Frage einen anderen Standpunkt
einnehme, als andere Städte, die auf einem tieferen
Ni=
veau ſtehen. Er hält es für durchaus berechtigt, die
Not=
ſtandslöhne zu erhöhen, nachdem ſämtliche Beamte und
Arbeiter in ihren Bezügen aufgebeſſert worden ſind. Eine
Reihe von Städten hat bereits den Lohnſatz auf 3,10 Mk.
feſtgeſetzt. Der Antrag Henrich geht nicht weit genug.
Stadtv. Gretzſchel iſt ebenfalls gegen die Anſicht Dr.
Benders. In Frankfurt gehe die Privatwohltätigkeit ſo
weit, daß es wohl zutreffend iſt, wenn die Notſtandsarbeiter
dort als arbeitsſcheu bezeichnet werden. In Darmſtadt iſt
es nicht der Fall. In Worms gebe es Arbeitgeber, die
ihre Arbeiter nicht entlaſſen, ſondern ihnen „Wartegeld”
zahlen. Redner bittet, den Antrag Henrich anzunehmen.
Stadt. Dr Noellner iſt ebenfalls für den Antrag
aus dem einfachen Grunde da alles ſo viel teuerer
ge=
worden iſt. Es gebe allerdings zu denken, daß ſich nur
ein geringer Teil von Notſtandsarbeitern gemeldet habe,
als für die Schneefortſchaffung Arbeiter geſucht wurden,
trotzdem 45 Pfg. pro Stunde gezahlt würden. (Hört!
Hört!) Trotzdem dürfe man nicht gut alle die
Notſtands=
arbeiter für arbeitsſchen halten. Der Antrag Henrich
trage dringenden Bedürfniſſen Rechnung.
Der Vorſitzende verbreitet ſich nochmals über die
Ergebniſſe der Echebungen in anderen Städten, die faſt
alle erheblich weniger zahlen als Darmſtadt, obwohl ihre
Löhne und Gehälter ebenfalls erhöht wurden. In dieſen
Städten gebe es wenig oder gar keine Notſtandsarbeiter.
Dieſe ziehen ſich immer dahin, wo ſie gut bezahlt werden
Darmſtadt ſteht darin an der Spitze aller heſſiſchen Städte.
Wir wollen dieſen Leuten ſelbſtverſtändlich Arbeit geben.
Nach dem Bericht des Tiefbauamts haben die
Notſtands=
arbeiter ſich tatſächlich geweigert, den Schnee am
Sonn=
tag wegzuſchaffen, trotzdem ſie 4,50 Mark hätten verdienen
können. Die Leute wollen gar kein Arbeitsverhältnis.
Es können daher die Arbeitsverhältniſſe der übrigen
Ar=
beiter nicht in Vergleich gezogen werden. Der Antrag
Henrich ſei ſicher von Wohlwollen diktiert, doch ſei die prak
tiſche Durchführbarkeit der Feſtſtellungen bei der
Unbe=
ſtändigkeit der Arbeiter ſehr zeitraubend und umſtändlich.
Der Antrag iſt für die Stadt jedenfalls nicht die rechte
Maßnahme. Redner bittet daher um Ablehnung des
An=
trages.
Stadtv. Dr. Vaubel ſpricht für den Antrag
Hen=
rich. Ebenſo Stadtv. Dr. Fulda, der es bedauert, daß
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Januar 1913.
Nummer 14.
der Herr Oberbürgermeiſter auch nicht für den
Vermittel=
ungsantrag des Stadtv. Henrich zu haben iſt, und der
den Standpunkt des Stadtv. Dr. Bender ſcharf bekämpft.
Die Notſtandsarbeiter würden hier ſehr ſchwer
heran=
gezogen, ſo daß es keineswegs angenehm iſt,
Notſtands=
arbeiten zu verrichten. Redner bittet, den Antrag
Hen=
rich anzunehmen. — Stadtv. Friedrich tritt für ſeinen
Antrag ein, jedem Notſtandsarbeiter, ganz gleich, ob
ver=
heiratet oder nicht, 20 Pfg. Zulage zu bewilligen.
Stadtv. Henrich befürwortet ſeinen Antrag, Stadtv.
Hüfner ebenfalls.
Stadtv. Schäfer: Wenn man die Ausführungen der
Stadtvv. Gretzſchel und Dr. Fulda hört, könne man
an=
nehmen, die Leute ſeien die reinen Sklaven. Das gerade
Gegenteil iſt der Fall. Trotz energiſcher Aufſicht wird von
den Notſtandsarbeitern nicht entfernt das geleiſtet, was
man für 2,80 Mark verlangen kann. Die Ausführungen
des Herrn Oberbürgermeiſters ſeien durchaus zutreffend
Wenn man nun ſagt, die Leute würden zum Betteln
an=
gehalten, wenn man den Antrag ablehnt, ſo muß dem
doch widerſprochen werden. In den 20 Pfg. liege die
Grenze zwiſchen betteln und arbeiten nicht. Wenn der
Stadtv. Dr. Bender von Humanitätsduſelei geſprochen
hat, ſo muß doch einmal anerkannt werden, daß jemand
den Mut hatte, einmal das Wort auszuſprechen, das
viel=
fach durchaus zutreffend iſt. (Sehr richtig!) —— Stadtv.
Sames: Was Herr Dr. Bender geſagt hat, trifft doch
zum größten Teil zu. Es ſei leider ſo, daß jeder, der
ein=
mal in dieſen Fragen ſich offen ausſpricht, als
Arbeiter=
feind bezeichnet wird. Es iſt richtig, daß früher der größte
Teil der Notſtandsarbeiter im Sommer niemals arbeitete.
Durch die neuen Beſtimmungen des Tiefbauamts iſt das
allerdings anders geworden. Der Antrag Henrich müßte
dahin geändert werden, die Bürgermeiſterei zu
ermäch=
tigen, die höheren Löhne zu zahlen, dann könne man
ihn annehmen. — Stadtv. Saeng ſpricht für den
An=
trag Henrich, der ſehr wohl durchführbar ſei. — Dann
folgt Abſtimmung, die namentlich iſt.
Zunächſt wird abgeſtimmt über den Antrag
Aß=
muth, jedem Arbeiter 20 Pfg. Zulage zu gewähren. Der
Antrag wird abgelehnt gegen 3 Stimmen.
Der Antrag des ſozialpolitiſchen
Aus=
chuſſes (Henrich) wird angenommen. Der
Antrag ſoll ab 15. Januar in Kraft treten. — An
kirchlichen Umlagen
beabſichtigen, nach dem Bericht des Stadtv. Bormet,
für 1913 zu erheben: die vereinigte evangeliſche
Zivil=
gemeinde (Geſamtgemeinde) Darmſtadt 121700 Mark, die
evangeliſche Petrusgemeinde Beſſungen 20000 Mark, die
evangeliſche Paulusgemeinde Beſſungen 32500 Mark.
Gegen die Erhebung dieſer Umlagen hat der Finanz=
Ausſchuß nichts eingewendet.
Der Voranſchlag über die
Verwaltungskoſten der ſtädtiſchen
Spar=
kaſſe
für 1913 ſchließt mit 78 240 Mark gegen 66990 Mark im
Vorjahr ab. Die Erhöhung gegen das Vorjahr iſt
haupt=
ſächlich durch die Neuregelung der Gehalte der Beamten
veranlaßt. Der Finanz=Ausſchuß beantragt
Genehmig=
ung des Voranſchlags, ebenſo des Voranſchlags über die
Verwaltungskoſten der Pfennigſparkaſſe. Die
Verſamm=
lung ſtimmt zu. Referent Stadtv. Bormet.
Die Tagesordnung iſt damit erſchöpft.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 16. Jan. Präſident Dr. Kaempf
er=
öffnet die Sitzung um 1 Uhr 18 Minuten. Die Beratung
des
Etats des Innern
wird fortgeſetzt.
Abg. Haegy (Elſaß=Lothringer): Ueber die
Aeuße=
rungen des Abg. Wetterlé liegt authentiſches
Mate=
rial nicht vor. Treffen die deutſchen Preßſtimmen zu, ſo
ſchließen wir uns der Kundgebung der übrigen Parteien
an. Der Vortrag Wetterlés erſcheint demnächſt im Druck;
es wird infolgedeſſen möglich ſein, ihn gebührend zu
be=
urteilen. Wir ſtehen auf dem Standpunkt, daß den
elſaß=
lothringiſchen Abgeordneten die Aufgabe zufällt, in den
geſpannten Beziehungen zu Frankreich verſöhnend
zwi=
ſchen beiden Ländern zu wirken. (Heiterkeit.) Das iſt
durch aufklärende Vorträge im Ausland ſehr wohl
mög=
lich. Sollte der Inhalt ſeiner Rede bei der herrſchenden
internationalen Schwüle die Revanchegelüſte aufgeſtachelt
haben, ſo würden wir keinen Anſtand nehmen, ſie auf das
lebhafteſte zu bedauern. (Bravo.) Wir wollen von
Re=
vanche nichts wiſſen. (Hört! hört! Lachen.) Herr
Wet=
terlé hat ſeine Tourné abgebrochen, nicht, weil er
befürch=
tete, verhaftet zu werden, ſondern weil ihm die
Senſa=
tion ſelber unangenehm war. (Lachen.) Wir Elſaß=
Lothringer wollen ein Bindeglied zwiſchen Frankreich und
Deutſchland ſein und damit eine freundſchaftliche
Entente zur Sicherung des Weltfriedens ſchaffen im
Intereſſe von Fortſchritt und Ziviliſation. (Abg. Frhr.
v Gamp ruft: Das ſollte Wetterlé in Paris ſagen!)
Friedensſtörende Gedanken finden bei uns ſcharfe
Ableh=
nung. Die Beſetzung von Lehrſtühlen der philoſophiſchen
Fakultät der Univerſität Straßburg mit katholiſchen
Profeſſoren iſt eine natürliche Folge der dortigen
Ver=
hältniſſe. (Präſident Dr. Kaempf bittet den Redner
auf dieſes Thema nicht weiter einzugehen, da dieſes nicht
hierher gehöre.) Das Reblausgeſetz iſt beſonders in
die=
ſem Jahre bitter empfunden worden, weil
Frühjahrs=
fröſte die Pflanzen erbeblich geſchädiat hatten. Eine
Mil=
derung iſt wohl am Platze. — Aba. Hoch (Soz.): Wenn
der Stagtsſekretär Anregungen hinſichtlich des Ausbaues
der Sozialpolitik empfangen will. dann möge er einen
Blick in die ſozialdemokratiſchen Gewerkſchaften tun und
die „Soziale Praris” leſen. Dort findet er Anregungen
in Hülle und Fülle. Außerdem haben auch bürgerliche
Parteien anerkannt, daß die Reichsverſicherungsordnung
auch in der neuen Faſſuna abſolut kein vollendetes Werk
iſt. Der ungeheuren Ausdehnung des Umſatzes der
Großbanken ſteht eine immer größer werdende
Ausbeu=
tung der arbeitenden Bevölkeruna gegenüber. Die
Er=
höhung der Kohlenpreiſe bedeutet eine Mehrbelaſtung der
arbeitenden Bevölkerung um mindeſtens 100 Millionen
Mark. Unter den Gewinnen der Großbanken leidet neben
der Arbeiterſchaft auch der Mittelſtand erheblich. In
die=
ſem Jahre iſt zur Notlage der Arbeiterſchaft auch noch die
Fleiſchteuerung hinzugetreten. Durchareifende
Maßnah=
men zu ihrer Bekämpfung wurden nicht getroffen. Es
liegt kein Grund vor, dem Abgeordneten Fiſcher die
Be=
nutzung eines geheimen Akienſtückes vorzuwerfen. Die
Konſervativen und auch andere Parteien haben dasſelbe
getan und noch viel ſchlimmere Mittel zu ihrer Spionage
angewendet. Die Konſervativen haben alle dieſe Fragen
nur in parteivolitiſchem Intereſſe angeſchnitten, im
Hin=
blick auf die Neuwahlen. Zentrum und Nationalliberale
ollen ihnen helfen und darum bilden ſich die
Konſerva=
tiven immer mehr zur Söldnertruppe des Großkapitals
aus. In der Budgetkommiſſion hat Staatsſekretär Dr.
Delbrück ſelbſt erklärt, daß ihm in den Arbeiterfragen
durch Preußen die Hände gebunden ſeien, er hat aber
dieſe Erklärung am nächſten Tage, als ihm das Protokoll
zugeſtellt wurde, abgeſchwächt.
Staatsſekretär Dr. Delbrück: Unrichtig iſt die
Mutmaßung, als ob ich das Protokoll der
Budgetkom=
miſſion weſentlich geändert hätte. Ich habe in meiner
diesbezüglichen Rede nur hinweiſen wollen, daß die
Ausarbeitung einer Bundesratsvorlage im Deutſchen
Reich vermöge ſeiner ſtaatsrechtlichen Konſtruktion
zeit=
raubender iſt, als in einem Einzelſtaate. Wenn ich eine
Vorlage im Bundesrat zu machen beabſichtige, ſo
über=
reiche ich ſie entweder als preußiſcher Miniſter dem
preu=
ßiſchen Miniſterium als „Preußiſcher Antrag” oder ich
lege ſie als ſogenannte Präſidialvorlage vor. Als
preu=
ßiſcher Bevollmächtigter zum Bundesrat muß ich der
Zu=
ſtimmung der preußiſchen Vertreter ſicher ſein. Das iſt
aus ſtaatsrechtlichen Bedenken erforderlich und nicht zu
ändern. (Widerſpruch bei den Sozialdemokraten.) Der
Bundescharakter des Reiches (Zuruf: Preußiſches
Wahl=
recht!) bringt es mit ſich, daß Rückſichten auf die
einzel=
nen Bundesglieder zu nehmen ſind. Ihre Rechte ſind zu
ſchützen und nicht zu beeinträchtigen. Deshalb iſt der
Hin=
weis auf das Wahlrecht unberechtigt. In dieſem Schutz
der Rechte liegt die Garantie für die
Verfaſſungsmäßig=
keit der einzelnen Staaten. Ich gebe zu. daß unſere
ſo=
zialpolitiſchen Geſetze zum Teil ſehr auf Einzelfälle
zuge=
ſchnitten ſind. Aus dieſer Kaſuiſtik wird die Handhabung
der Geſetze erſchwert. Ebenſo gebe ich zu, daß unſeren
ſozialpolitiſchen Geſetzen der einheitliche Unterbau fehlt
An beiden hat aber nicht die Regierung ſchuld das liegt
an dem Entwickelungsgang unſerer ſozialpolitiſchen
Ge=
ſetzgebung, das liegt zum großen Teil auch an der
ſozial=
demokratiſchen Partei. Die ſozialen Geſetze ſollen nicht zu
parteipolitiſchen Zwecken benutzt werden. Durch die
Po=
litiſierung der Inſtitution der Sicherheitsmänner zum
Beiſviel iſt der aute Zweck dieſer Einrichtung vereitelt.
Be=
züglich der Mittelſtandspolitik ſind die Maßnahmen noch
nicht aus den Erwägungen herausgekommen.
Die
Forderung, die Großinduſtrie an den Koſten der
Lehr=
lingsſchulen zu beteiligen, iſt ſchwer durchzuführen. Auch
würden die etwa daraus reſultierenden Vorteile die
Nach=
teile nicht aufwiegen. Von einer geſetzlichen Regelung
dieſer Frage iſt man abgekommen. Jetzt ſollen
Hand=
werk und Handelskammer in gemeinſamen Ausſchüſſen
zuſammentreten, um dieſe und andere gemeinſame
Inter=
eſſen des Handwerks und der Induſtrie zu regeln und zu
fördern. Auch durch die Aufhebung des § 100g der
Ge=
werbeordnung erſtrebte man eine Förderung des
Hand=
werksweſens. Die diesbezüglichen Verhandlungen
ſchei=
terten aber daran, daß die Beteiliaten zu keinen
defini=
tiven Beſchlüſſen kommen konnten. Die Heranziehung von
Handwerkerorganiſationen zu ſtaatlichen Submiſſionen
ſoll möglichſt gefördert werden. In dem Erlaß der
Re=
gierung in dieſer Sache ſind die Intereſſen des
Hand=
werks berückſichtigt. Auf die genaue Befolaung des
Er=
laſſes wird ſtrena aeſehen. Die reichsgeſetzliche Regelung
der Frage der Submiſſionsämter iſt nicht in Ausſicht
ge=
nommen worden. Ein Ausbau der
Handwerksgeſetz=
gebung iſt für die nächſte Zeit beabſichtigt. Dankbar
be=
grüße ich in dieſer Hinſicht die Unternehmung des
deut=
ſchen Handwerks= und Gewerbekammertages. Die
Frage der Wanderlager wird alsbald durch eine
Geſetzes=
vorlage geregelt werden. Eine eingehende Erörterung
der wirtſchaftspolitiſchen Ziele kann ich mir für heute
er=
ſparen. Die Teuerung hat in den internationalen
Zu=
ſtänden ihre Urſache. Unſer bisheriger Zollſchutz hat ſich
als genügend gezeigt und wird aufrecht erhalten werden.
Für die im Jahre 1917 in ihrer Mehrzahl ablaufenden
Handelsverträge ſind wir bemüht, das
wirtſchaftspoliti=
ſche Rüſtzeug zu vervollſtändigen. um die bisherige
Wirt=
ſchaftsvolitik in den bisherigen Bahnen weiter
fortzufüh=
ren. (Bravo rechts.) Die Politik der Reichsbank hat ſich
in den letzten ſchweren Zeiten des Jahres 1912 und im
Herbſt 1911 durchaus bewährt und hat auch die
allge=
meine Billiauna des Reichstages gefunden. Das
Beſtre=
ben, die Goldbeſtände der Reichsbank zu erhöhen. hat
all=
ſeitige Befriediaung hervorgerufen. In die
Geſchäftsge=
barung der Privatbanken einzugreifen lehnt der
Reichs=
bankpräſident auf Grund ſeiner perſönlichen Kenntniſſe
einſtweilen ab. Daß im Oſten des Reiches die
Silber=
münzen in nicht genügender Anzahl vorhanden ſind, iſt
auch mir zu Ohren gekommen. Die Reichsbank iſt aber in
der Lage, genügend Silbermünzen zur Verfügung zu
ſtel=
len, wenn rechtzeitig Mitteilung gemacht wird.
Abg. Dr. Pieper (Zentr.): Die Verbreitung der
Schundliteratur muß im Intereſſe unſerer Jugend ſtreng
verfolgt werden. Auch ſind Maßnahmen nötig, gegen die
Beläſtigungen durch die Straßenreklame, die immer
rück=
ſichtsloſer auftritt. Dem konſervativen Antrag auf
Ver=
bot des Streikpoſtenſtehens vermögen wir nicht
zuzuſtim=
men. Die Ausſchreitungen Streikender gegen
Arbeits=
willige kann man nicht auf das Konto des
Streikpoſten=
ſtehens ſetzen, ebenſomenig die Verſammlungen von
rauen und Kinder auf der Straße und in Bahnhäe=
Wir müſſen an unſerer Forderung feſthalten, im
Reichs=
amt des Innern eine Behörde für die Tarifverträge zu
ſchaffen. Wir hoffen, daß uns recht bald ein
Reichs=
wohnungsgeſetz vorgelegt wird. Wir freuen uns
dar=
über, daß unſere Sozialpolitik Fortſchritt gemnacht hat und
werden ſie uns nicht verbittern laſſen. — Abg. Dr. Lützel
(natl.): Das deutſche Bäckergewerbe hat gegen die
Bäcke=
reiverordnung nichts einzuwenden, nur ſeine ſchikanöſe
Anwendung hat die erheblichſten Bedenken hervorgerufen.
Dem Handwerk iſt mit der Selbſthilfe allein auch nicht
ge=
holfen, ſondern vor allem durch eine beſſere Vorbildung.
Der konſervativen Reſolution auf Verbot des
Streik=
poſtenſtehens vermögen wir nicht zuzuſtimmen. Zu
wün=
ſchen wäre daß es in der Mittelſtandsfürſorge etwas
ſchnel=
ler vorwärts ginge. — Aba. v. Oertel (konſ.): Daß der
Staatsſekretär des Innern vom vreußiſchen Miniſterium
abbängia iſt, iſt nicht richtia. Ebenſowenig die
Behaup=
tung, daß das preußiſche Miniſterium von den Junkern
und den Konſervativen kommandiert würde. Hätten wir
das Kommando, dann würden Sie (zu den
Sozialdemo=
kraten) ganz beſondere Empfindungen haben. Unſere
Reſolution auf Verbot des Streikpoſtenſtehens iſt kein
Vorſtoß gegen die Arbeiter, ſondern eher ein Rückzug,
denn wir gehen damit weniger weit als in früheren
Jahren. Der Abgeordnete Hoch hat ſich über unſere
Re=
ſolution aufgeregt. Das wäre gewiſſermaßen ein
Be=
weis dafür, daß ſie notwendia iſt. Warum hat Herr Dr.
Müller=Meiningen nicht Veranlaſſung genommen. über
die Dämpfung bei der letzten Reichstagswahl ſich zu
äußern? Wir können in Zukunft mit denjenigen nicht
mehr Sympathien haben, die ſich in ein Wahlabkommen
mit den Sozialdemokraten einlaſſen. Es iſt uns ſchon
un=
angenehm. daß wir mit ihnen, den Sozialdemokraten, hier
verhandeln müſſen. Die Fleiſcheinfuhrvergünſtigung iſt
die erſte Breſche in unſer Zollſyſtem. Haben wir eine Ge=
meinſchaft zwiſchen Handel und Landwirtſchaft nicht, ſo
wird unſere Landwirtſchaft niemals vorwärtskommen.
Wir wollen durch unſere Reſolution den Arbeitswilligen
nur den Schutz gewähren, der ihnen die Arbeit
ermög=
licht. Andernfalls würden wir ebenſo dafür eintreten,
daß den Arbeitern ihr Recht gewährt wird Wenn die
Regierung von der Notwendigkeit des Verbots des
Streik=
poſtenſtehens überzeugt iſt, würde ſie wider ihre Pflicht
handeln, wenn ſie nicht baldigſt ein entſprechendes Geſetz
vorlegte. Unſer Vorſchlag ſollte nur der erſte Anfang
ſein, um dem Koalitionszwang entgegenzuwirken.
Er=
mahnungen verfangen bei den Sozialdemokraten nicht, ſie
haben für väterliche Erziehung nichts mehr übrig. (
Zu=
rufe: Knute!) Ach, nein doch, laſſen wir die Knute. Die
Freiheit der Arbeit zu erwirken, iſt die erſte Pflicht
edes Staatsbürgers und auch die erſte Pflicht des
Staats=
ſekretärs des Innern.
Hierauf wird die Weiterberatung auf Freitag
1 Uhr vertagt. Vorher: Kurze Anfragen. — Schluß
nach ½7 Uhr.
* Berlin, 16. Jan. In Verfolg der Beratungen
der Budgetkommiſſion des Reichstages
über die Ausführung des Kaligeſetzes wurde
ein=
ſtimmig folgende Reſolution angenommen: Für den Fall
der Vorlegung des Geſetzes über den Abſatz von
Kali=
ſalzen iſt eine Beſtimmung vorzuſehen, durch welche dem
neuen Geſetz rückwirkende Kraft für diejenigen Kaliwerke
beigelegt wird, die nach dem 15. Januar in irgend einer
Form in Angriff genommen werden.
Der neue deutſche Botſchafter
in Rom.
* Berlin, 16. Jan. Wie die Nordd. Allg. Ztg.
erfährt, iſt der preußiſche Geſandte in
Darm=
ſtadt, Freiherr von Jeniſch, zum Nachfolger
des Herrn von Jagow als Botſchafter in Rom
auserſehen.
Luftfahrt.
* Friedrichshafen, 16. Jan. Heute
nachmit=
tag um 3 Uhr 50 Minuten iſt das neue Luftſchiff
„Erſatz Z. 1" unter der Führung des Grafen Zeppelin
und mit der Abnahmekommiſſion an Bord zu ſeiner erſten
Probefahrt aufgeſtiegen. Die urſprüngliche Abſicht,
das Luftſchiff bereits heute nach Baden=Oos zu
über=
führen, iſt aufgegeben worden, doch ſoll die
Ueberſiede=
lung bei günſtigem Wetter ſchon in den nächſten Tagen
vor ſich gehen. Heute vormittag hat die
Abnahmekom=
miſſion das Luftſchiff in allen ſeinen Teilen genau
be=
ſichtigt. Um 4Uhr 40 Min. erfolgte die glatte Landung des
Luftſchiffes. Der nächſte Probeaufſtieg ſoll morgen im
Laufe des Tages ſtattfinden.
Der Balkankrieg.
Die Londoner Verhandlungen.
* London, 15. Jan. Das Reuterſche Bureau
er=
fährt: Leitende Bevollmächtigte der
Balkan=
taaten teilten als Ergebnis der geſtrigen Sitzung
offi=
iellen Kreiſen mit, daß die Miſſionen der Balkanſtaaten
die Konferenz als mißlungen betrachteten, da die
türkiſche Miſſion während der letzten Woche keinen
ein=
zigen neuen Vorſchlag gemacht habe.
* Konſtantinopel, 15. Jan. Die türkiſchen
Bevollmächtigten haben die Weiſung erhalten,
London bis zu der auf den Schritt der Großmächte
be=
üglichen Entſchließung der Pforte nichte zu
ver=
laſſen.
* London, 16. Jan. Wie einige Zeitungen
mel=
den, haben die Delegierten der verbündeten
Bal=
kanſtaaten beſchloſſen, vorläufig davon abzuſehen, die
geplante Note an die Pforte zu richten. Sie
fin=
den, daß die Diplomaten der Mächte dieſen Schritt
ein=
ſtimmig und entſchieden mißbilligen und nach einer
Unter=
redung des Herrn Dr. Danew mit dem franzöſiſchen
Bot=
ſchafter beſchloſſen ſie, abzuwarten, bis die Note der
Mächte in Konſtantinopel überreicht ſei.
London, 16. Jan. Die Times ſchreibt: Die
Friedensverhandlungen ſind immer noch
uspenſiert, aber ſie waren in den letzten 48
Stun=
den einem Abbruch gefährlich nahe. Es gibt
Kriegs=
parteien in einigen Balkanſtaaten ebenſo wie in einigen
großen kontinentalen Staaten, die ihren Einfluß nicht
ausüben, um den Krieg zu verhindern. Ueber die
ge=
plante Note der Verbündeten ſagt die Times:
Nichts wäre geeigneter geweſen, die Aktion der Mächte
zu vereiteln, als ſolch einen Verſuch zu unterſtützen. Zu
ihrer Ehre erkannten ſie ihren Irrtum, bevor er
unwider=
ruflich geworden war. Dieſer kluge und patriotiſche
Ent=
ſchluß der Delegierten, fährt die Times fort, dieſen
Ver=
ſuch nicht weiter zu verfolgen, den ihre eigene
Ueberleg=
ung und das Urteil aller ihrer Freunde einſtimmig
ver=
dammen, läßt der Note der Mächte freies Feld. Jetzt
darf man hoffen, daß ſie der Pforte ein ehrenvolles
Mittel an die Hand gibt, ſich aus einer unhaltbaren Lage
herauszuziehen. Die Freunde der Türkei teilen den
Wunſch, den der deutſche Reichskanzler im
Reichstag ausgeſprochen hat, daß ſie nach dem
Friedens=
ſchluß wieder nicht nur ein bedeutender wirtſchaftlicher,
ſondern auch ein bedeutender politiſcher Faktor in der
Welt ſein werde. Wenn die Türkei ſich entſchließen könnte,
ſich dem Unabwendbaren zu beugen und auf die
nomi=
ſo
nelle Souveränität über Adrianopel zu verzichten,
werde der Friede in erreichbarer Nähe ſein. Alle Mächte
rieten ihr einſtimmig zu dieſem Opfer, das ebenſo im
wahren Intereſſe der Türkei, als auch im Intereſſe
Euro=
pas liege.
Die Kollektivnote.
* Konſtantinopel, 16. Jan. Die
Botſchaf=
ter haben ſich über den endaültigen Wortlaut der
Kollektivnote geeinigt.
* Konſtantinopel. 16. Jan. Wie von
diploma=
tiſcher Seite mitgeteilt wird, arbeitet eine der Türkei
be=
ſonders freundliche Macht noch immer darauf hin, daß die
Ueberreichung der Kollektivnote überhaupt
unterbleibt. — In gut informierten Kreiſen wird erzählt,
die Balkandelegierten hätten den Waffenſtillſtand bereits
aufgekündigt.
Die türkiſche Flotte.
* Athen, 16. Jan. Dem türkiſchen Kreuzer
„Medjidie” gelang es in der letzten Nacht, im Nebel
un=
bemerkt die Linien der vor den Dardanellen
kreu=
zenden griechiſchen Torpedobootszerſtörer
zu durchbrechen. Heute erſchien der Kreuzer vor Syra
und beſchoß ohne Reſultat das Pulvermagazin, das Koh=
lenlager, ſowie das Elektrizitätswerk, das beſchädigt
wurde. Der Hafen und die Stadt konnten infolgedeſſen
abends nicht beleuchtet werden. Auf den griechiſchen
Hilfskreuzer „Makedonia” der ſich ſeit etwa acht Tagen
im Hafen befand, um Reparaturen am Steuerruder
vor=
nehmen zu laſſen, wurden vom „Medjidie‟ 15 Schüſſe
ab=
gegeben. Da der Kommandant der „Makedonia”
beſürch=
ete, daß die Beſchießung großen Schaden anrichten
vürde, verſenkte er proviſoriſch das Schiff im Hafen von
Syra, wo es am Kai vertaut lag, nachdem die Mannſchaft
vorher ausgebootet war. Dieſe beſetzte die Kais, um die
Ordnung aufrecht zu erhalten, und verſtärkte die
Mann=
chaft bei den Gefangenen. Der „Medjidie” verließ
hier=
auf Syra und dampfte in der Richtung auf Kleinaſien ab.
Bei der Beſchießung des Kohlenlagers wurden ein Mann
und eine Frau, die dort arbeiteten, getötet. Die übrige
ürkiſche Flotte hat die Dardanellen nicht verlaſſen.
Letzte Nachrichten.
* Belgrad, 16. Jan. Wie aus Prizrend
ge=
meldet wird, fand geſtern vormittag 10 Uhr die
feier=
liche Hiſſung der Flagge auf dem
öſter=
reichiſch=ungariſchen Konſulat ſtatt. Kurz
vor der anberaumten Zeit hatte ein Detachement
ſerbi=
cher Truppen unter dem Kommando eines Offiziers vor
dem Konſulat Aufſtellung genommen. Konſul
Pro=
yaska erſchien in Galauniform, umgeben von dem
Per=
onal des Konſulats, und gab dem Kawaſſen das Zeichen
zur Hiſſung der Flagge. In dem Augenblick, als dieſe
aufgezogen wurde, leiſteten der kommandierende Offizier
und das ausgerückte Detachement unter klingendem
Spiele die vorgeſchriebene Ehrenbezeugung. Hiermit war
die Feier beendet. Bald darauf ſtattete Konſul Prohaska
dem ſerbiſchen Militärkommandanten einen Beſuch ab.
Vermiſchtes.
Plombierte Bäume. Schon ſeit langem
verſteht man es, Verletzungen an Bäumen, die dieſen
durch vorbeifahrende Fuhrwerke oder ſonſtwie beigebracht
worden ſind, auf kunſtgerechte Weiſe zur Heilung zu
bringen. Ganz wie bei Menſchen und Tieren wird die
Wunde” zunächſt gereinigt und dann bekommt der
lei=
dende Teil einen regelrechten Verband aus Leinwand
mit Baumwachs, Teer oder anderen Stoffen.
Nun=
mehr hat ſich ſozuſagen ein anderer Zweig der
menſch=
lichen Heilkunde, die Füllmethode der Zahnärzte, die
Pflanzenwelt erobert. Wenn früher ein alter Baum
er=
halten werden ſollte, dann füllte man wohl den hohlen
Stamm mit Sand oder brachte ein paar eiſerne Stützen
an. In dem Dorfe Hohenkunsdorf in der Provinz
Sach=
ſen hat man ein anderes Mittel angewendet, um eine
tralte Linde, den Stolz des Dorfes, zu erhalten. Der
Stamm dieſes Baumes hatte einen Umfang von zirka
9 Metern, war aber ebenſo wie die Hauptäſte vollſtändig
hohl. Der Hauptſtamm wurde nun regelrecht
ausge=
rnauert, wozu nicht weniger als 2500 Mauerſteine und
zwei Kaſten Kalk nötig waren. Bei den Hauptäſten, die
einen geringeren lichten Durchmeſſer hatten, konnte man
mit Mauerſteinen nichts ausrichten. Man rührte
des=
halb Zement zu einem Brei an und füllte mit dieſem
Brei die vorhandenen Höhlungen aus. Auf dieſe Weiſe
Hofft man, die alte Linde noch ein paar Jahrhunderte
u erhalten. Man darf geſpannt ſein, ob das
Erperi=
ment glücken wird.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 16. Jan. Der Bundesrat überwies
den Entwurf von Beſtimmungen betreffend die
Beſchäfti=
gung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in
Blashütten uſw. dem zuſtändigen Ausſchuſſe und ſtimmte
dem Antrage Preußens betreffend der anläßlich des 100 Gedenktages des Aufrufes König Friedrich
Wil=
helms III: An mein Volk! herzuſtellenden
Reichsſilber=
münzen, ſowie dem Antrage Preußens betreffend der
an=
läßlich des 25jährigen Regierungsjubiläums des Kaiſers
herzuſtellenden Reichsſilbermünzen zu.
* Marburg, 16. Jan. Der Pathologe Profeſſor
Benno Schmidt hat einen Ruf nach Würzburg ange=
Rommen.
* Leipzig, 16. Jan. Vor dem Reichsgericht findet
heute der Spionageprozeß gegen den 17jährigen
aus Weißenfels gebürtigen angeblichen Kaufmann Willy
Worg ſtatt. Der wegen des verſuchten Verrats
mili=
ſäriſcher Geheimniſſe Angeklagte wurde im Mai 1912 in
Deutſch=Apricourt verhaftet, als er die Grenze
überſchrei=
tten wollte. Er wird beſchuldigt, verſucht zu haben,
Kennt=
miſſe über die Lage und äußere Beſchaffenheit von
Be=
ffeſtigungen und anderen Werken Straßburgs an eine
ffremde Macht gelangen zu laſſen. Worg iſt trotz ſeiner
Jugend ſchon ſchwer vorbeſtraft. Vier Sachverſtändige
rund zehn Zeugen ſind erſchienen. Die Oeffentlichkeit iſt
ausgeſchloſſen.
3
Nizza, 16. Jan. Der ruſſiſche Kriegsminiſter
Sſuchomlinow fuhr heute vormittag ab. Er kehrt
üüber Berlin nach Petersburg zurück
* Liſſabon, 16. Jan. Simas Machado wurde zum
Präſidenten der Kammer gewählt.
* Petersburg, 16. Jan. Ein heute veröffentlichtes
kkaiſerliches Manifeſt entbindet den Großfürſten
Michael Alexandrowitſch von den ihm durch
das Manifeſt vom 14. Auguſt 1904 für den Fall des
Ab=
ebens des Kaiſers vor Eintritt der Volljährigkeit des
Thronfolgers auferlegten Regentenpflichten. Der
kaiſerliche Ukas ſetzt über die Perſon und die
Vermögens=
rangelegenheiten des Großfürſten Michael Alexandrowitſch
eine Vormundſchaft unter der Oberleitung des
Kaiſers ein. Die Verwaltung des Barvermögens und
der Immobilien des Großfürſten geht auf die
Apanagen=
verwaltung über.
Großfürſt Michael, der einzige Bruder des
Zaren, iſt im Jahre 1878 geboren. Er ſtand der
Thron=
folge nach dem Thronfolger Alexei am nächſten. Vor
einiger Zeit verlautete ſchon, daß der Großfürſt, der
mor=
ganatiſch vermählt ſei, auf ſeine Rechte als Thronfolger
verzichten wolle.
H. B. Bern, 16. Jan. In der Schweiz haben ſich geſtern
zwei ſchwere Bobsleigh=Unglücke
zuge=
tragen. Bei Andermatt im Kanton Uri ſprang ein Bob,
der mit vier Engländern beſetzt war, in einer Kurve über
einen mehrere Meter hohen Wall. Der Führer des Bob
erlitt ſchwere Verletzungen, desgleichen die Schweſter
des=
ſelben, die einen Wirbelbruch erlitt. Die beiden anderen
Mitfahrenden konnten vorher abſpringen. Bei
Schaff=
hauſen wurde ein Herr Stamm mit ſeiner jungen Frau
gegen einen Baum geſchleudert, als er mit ſeinem Bob
einem anderen Schlitten ausweichen wollte. Seine Frau
erlitt einen tödlichen Schädelbruch.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Das weſtliche Tief hat ſeine Ausläufer weiter
oſt=
wärts ausgeſtreckt. Im Bereich der Randgebilde der
Zyklone herrſcht bei uns trübes Wetter. Allenthalben
gin=
gen Schneefälle nieder. Die Temperatur iſt ſeit geſtern
etwas geſtiegen. Wir haben wohl mit dem zunehmenden
Einfluß der weſtlichen Depreſſion zu rechnen, ſo daß wir
zunächſt weitere Niederſchläge und allmähliches Anſteigen
der Temperatur zu erwarten haben.
Ausſichten für Freitag, den 17.
Ja=
nuar 1913: Wolkig, weitere Niederſchläge; etwas
kühler, beſonders im Süden unſeres Bezirks, Tauwetter.
gewinnt die
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Die drohende Erkältung
bleibt aus oder verläufk harmloſer, wenn bei Beginn der Verſchleimung —
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la es uns unmöglich iſt, für die
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reichen Gratulationen und Geſchenke,
welche uns anläßlich unſerer Silbernen
—§228 Hochzeit von lieben Freunden und
Be=
kannten zugingen, jedem perſönlich zu danken,
ſo ſprechen wir auf dieſem Wege Allen unſeren
(1968
herzlichſten Dank aus.
Lonis Lorz und Frau.
C.
9
C
8/
En
u
Oegenshso
Für die freundliche Teilnahme beim
Hinſcheiden unſerer lieben Mutter
Frau Uchanna Tischer, Mo.
danken wir herzlich.
(*1381
Die trauernden Hinterbliebenen.
Danksagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
anläßlich des ſo raſchen Hinſcheidens unſeres
lieben, unvergeßlichen Sohnes, Bruders und
Bräutigams
(1882
Herrn
Friedrich Krüger
Amtsgerichtsschreibgehilfe
ſagen wir Allen, insbeſondere Herrn Pfarrer Diehl
für ſeine troſtreiche Grabrede, dem Vorſtand und
dem Perſonal des Großh. Hochbauamtes
Darm=
ſtadt, ferner den Vereinen der Gehilfen bei den
Heſſ. Staatsbehörden und der Gehilfen bei dem
Amtsgericht Darmſtadt I, dem Reichsadler und
dem Militäranwärterverein für die Niederlegung
von Kränzen, dem Bürgerverein Darmſtadt=
Beſ=
ſungen für den erhebenden Grabgeſang, ſowie
für die reichen Blumenſpenden auf dieſem Wege
unſeren tiefgefühlteſten Dank.
Darmſtadt (Rheinſtr. 1), den 15. Januar 1913.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen:
Familie Gottfried Krüger,
Familie Johannes Krauss.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
anläßlich des Hinſcheidens meines lieben Gatten,
unſeres Vaters
(1980
Herrn
Adam Wasenmüller
Oberpoſtſchaffner i. P.
ſagen wir Allen, insbeſondere dem Herrn Pfarrer
für ſeine troſtreiche Grabrede, dem Präſidenten
des Kameradſchaftlichen Kriegervereins für ſeine
herzlichen Worte, dem Vorſitzenden des
Poſtunter=
beamtenvereins und den Beamten des Poſtamts I,
owie für die zahlreichen Blumenſpenden unſeren
herzlichen Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Helene Wasenmüller.
Darmſtadt, den 16. Januar 1913.
Gottesdienſt der israelitiſchen Religiousgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 17. Januar:
Vorabendgottesdienſt 5 Uhr
Samstag, den 18. Januar:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 45 Min.
Jugendgottes=
dienſt und Predigt 4 Uhr. Schrifterklärung.
Sabbat=
ausgang 5 Uhr 50 Min.
Gsttesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen
Religions=
geſellſchaft.
Samstag, den 18. Januar:
Vorabend 4 Uhr 30 Min. Morgens 8 Uhr. Nachmittags
Uhr Sabbatausgang 5 Uhr 50 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 19. Januar, an:
Morgens 7 Uhr Nachmittags 4 Uhr. 45 Min.
Tageskalender.
Großh. Hoftheater (Ab. D), Anfang 7 Uhr: „Die
Fledermaus”
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Vortrag von Staatsanwalt Dr. Wulffen um 8 Uhr im
„Mathildenhöhſaal” (Freie lit.=künſtl. Geſellſchaft).
Vortrag mit Lichtbildern von Plantagendirektor Decken
und Frau um 8 Uhr im Hotel „Zur Traube” (
Kolonial=
geſellſchaft und Flottenverein).
Vortrag von Frau Dr. phil. Stöcker um 8¼ Uhr im
„Kaiſerſaal”
Verſammlung des Vereins für die Kleinkinderſchule
Mauerſtraße um 6 Uhr im Rathausſaal.
Generalverſammlung für die Angeſtellten der
Mitglieder des Gaſtwirtevereins um 3½ Uhr im
Re=
ſtaurant Englert.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23):
Gott=
lieb v. Jagow der neue Staatsſekretär des
Auswär=
tigen Amts; zur Heimkehr der Filchnerſchen Südpolar=
Expedition; die Mitglieder der gefährdeten deutſchen
Spitzbergen=Expedition Schröder=Stranz; Leiden der
ſerbiſchen Okkupationstruppen in Albanien,
Verſteigerungskalender.
Samstag, 18. Januar.
Nutz= und Brennholz=Verſteigerung um
9 Uhr im Ober=Ramſtädter Gemeindewald (
Zuſammen=
kunft in der Griesbach auf dem Weſchenbach=-Ober=
Ramſtädter Weg).
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
2
nach Pilsner Art
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Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Januar 1913.
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Kurſe vom 16. Januar 1913.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
InProz.
37
Staatspapiere.
4 Diſche. Reichsſchatzanw. 99,80
3½ Deutſche Reichsanl. . 88,60
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99,90
3½ do. Conſols . . . 88,70
bo.
do.
4 Bab. Staatsanleihe . . 100,00
3½
bo.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,10
87,90
do.
3½
do.
4 Hamburger Staatsanl. 99,20
99,90
4 Heſſ. Staatsanleihe
4 do. do. (unk. 1918) 99,9)
do.
87,70
3½
bo.
76,70
3 Sächſiſche Rente.
79,40
4 Württemberger v. 1907 99,70
3½
do. v. 1875 93,50
Bulgaren=Tabak=Unl.
Griechen v. 1887 . . 54,20
¾ Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 88,50
do. Goldrente . . . 92,00
4 do. einheitl. Rente 85,50
3 Portug. nnif. Serie I 63,30
do. unif. Ser. III 66,50
3 do. Spezial . . . . 9,4)
5 Rumänier v. 1903 . . 100, 10
93,8)
4 do. v. 1890
do. v. 1905 . . 87,50
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 89,70
do. v. 1902 . . . . 99,60
4½ do. v. 1905 . . . . 100,20
½ Schweden .. . . . . 87,70
4 Serbier amort. v. 1895 8),80
1 Türk. Admin. v. 1903 78,50)
Türk. uniſiz. v. 1903 86,20
4 Ungar. Goldrente . . . 88,00
4 da. Staatreute. . . 85,65
In Pret.
Zſ.
5 Argentinier . . . . . . 101,40
do.
½ Chile Gold=Anleihe. 91,75
5 Chineſ. Staatsanleihe. 100,00
4½
93,50
do.
4½ Japaner . . . . . . . 92,60
5 Innere Mexikaner. . . 93,75
bo.
4 Gold=Merikanerv. 1904 88,00
5 Gold=Mexikaner . . . . 99,75
3 Buenos Aires Provinz 69,00
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt . . . . . . . 158,40
5 Nordd. Lloyd
123,00
6½ Südd. Eiſenb.=Bef. . 128,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 112,00
6 Baltimore und Ohio . 105½
6 Schantungbahn . . . . 131,90
6% Luxe mb. Prince Henri
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 21,50
6 Pennſylvania R. R. . 124,00
Letzte Induſtrie:
Hivib. Aktien.
3 Brauerei Werger
65,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . .
532,00
14 Chem. Fabrik
Gries=
heim .
. . 247,50
30 Farbwerke Höhſt
.633,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 345,00
10 Cement Heidelberg . . 145,30
30 Chem. Werke Albert 435,00
14 Holzverkohlung
Kon=
ſtanz . . . . . . . 331,00
5 Lahu pa. . . . . . . 12250
Zu Prol.
Fetzte
Twid.
7½ Schuchert, Nürnberg 147,75
12 Siemens & Halske .218,75
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15 Zellſtoff Waldhof . . 237,80
12½ Bad. Zucker=Wag=
201,50
häuſel. . .
10 Neue Boden=A. A.=Beſ. 100,00
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Bergwerks=Aktien.
12 Aumeß=Friede .
177,00
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 217,25
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 167,10
10 Gelſenkirchener . . . . 198,40
9 Harpener . . . . . . 195,50
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.173,50
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½ South Weſt Africa
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. —
4½ Nordd. Lloyd=Obl. —
4 Eliſabethbahn, freie . . 93,50
Franz=Jofefs=Bahn . . 87,40
3 Prag=Durer
75,60
5 Oeſterr. Staatsbahn . 102,60
4 Oeſterr. Staatsbahn . 93,20
do.
77,50
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,50
Mſtenr
8t.
2¾/ Oeſt. Südb. (Lomb.) 52,00
3 Raab=Oedenburg
76,40
4 Kronprinz Rudolfbahn
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 37,90
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,20
88,20
do.
4 Wladichawchas .
88,20
4 Rjäſan Koslow . . .
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 74,00
do.
70,30
2½, Livorneſer
3 Salonique=Monaſtir . 63,00
4 Baadadbahn
81,10
4½ Anatoliſche Eiſenb. 94,50
4 Miſſouri=Paeifice. . . . 71,90
4 Northern=Pacific . . . 68,50
4 Southern=Pacific
93,50
5 St. Louis und San
Francisco. . . . . 83,90
5 Tehuantepec . . . . .
98,40
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 188,50
7 Bergiſch=Märkiſche
150,10
Bahn . ..
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 168,70
6½ Darmſtädter Bank . 122,50
12½ Deutſche Bank . . . 253,60
6 Deutſche Vereinsbank . 124,80
6 Deutſche Eiſektl= und
W.=Bank . . . . . 121,20
10 Diskonto=Kommandit 188,60
8½ Dreshener Bank 157,00
Frankf. Hypoth.=B. 215,10
Mitteld. Kreditbank 120,90
7 Nationalb. für Deutſchl. 123,50
7 Pfälziſche Bank. . . . 130,00
5.86 Reichsbank . . . . . 137,60
7 Rhein. Kreditbank. . . 136,90
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 118,60
P1
(71.
Wiener Bankverein . 132,50
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21.. . . . . . 38,52
Inpro).
3
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
87,00
S. 19 . . . . .
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
98,20
S. 52 . ..
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 98,00
do.
87,25
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,30
3½
87,30
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
98,60
S. 12, 13, 16
S. 14, 15, 17, 24/26
18—23. . . . . . . . . 98,90
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—8 . . . 87,30
S. 3—5 . . . . . . . . 87,10
S. 9—11 .
87,20
, ,
Meininger Hyp.=Bank 98,00
3½
do.
86,50
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 98,00
3½ do. (unk. 1914) .
96,60
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,50
bo.
88,00
3½
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . .
—
3½
do.
98,80
4 Frankfurt. . . .
do.
3½
96,00
Gießen . . . . . . .
88,00
do.
3½
Heidelberg .
. . 97,30
5.
88,00
do.
4
Karlsruhe . . . . . . 97,50
3½
do.
88,30
4 Magbeburg. . .. .
.
Mainz . . . . . . .
3½
do.
89,00
4 Mannheim . . . . . . 98,00
3½
do.
88,60
München.
99,50
3½ Nauheim . . . . .
Nürnberg. . . . . . . 98,80
3½ do.
87,50
4 Offenas . . . . . ..
Zu groß.
3ſ.
3½ Offenbach . .
4 Wiesbaden . . . . . . 100,00
3½ do.
95,10
97,40
4 Worms . . .
88,00
do.
3½
4 Liſſaboner v. 1888 . 78,20
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100 171,30
3½ Cöln=Mindner , 100 138,00
3 Holl. Komm. . fl. 100 110,50
3 Madrider . . Fs. 100 75,00
4 Meininger Pr.=
Pfand=
briefe . . . . . . . 137,10
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 177,30
3 Oldenburger . . . . . . 130,30
2½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger. . . . . fl. 7 35,50
Braunſchweiger Tlr. 20 208,00
Freiburger . . . . Fs. 15 78,00
Mailänder . . . . Fs. 45
.. . . F8. 10 32,50
do.
Meininger . . . . . fl. 7 34,50
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 547,00
do. v. 1858fl. 100
Ungar. Staats . . fl. 100 386,00
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 158,00
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Engl. Sovereigns . . . . 20,43
20 Franks=Stücke . . . . 16,23
Amerikaniſche Noten . . . 4, 19½
Engliſche Noten . . . . . 20,40
Franzöſiſche Noten. . . . 81,45
Holländiſche Noten. . . . 169,40
Italieniſche Noten . . . . 80,35
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,90
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,95
Reichsbank=Diskonto.
Reichsbank=Lombard 8sf. 7
Nummer 14.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Januar 1913,
Seite 9.
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[ ← ][ ][ → ]Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Januar 1913.
Nummer 14
Der Ausbau der Landgraf=Georgs=Straße erfolgt
im Zuſammenhang mit der Verlegung der Straßenbahn
leiſe von der Großen Ochſengaſſe bis zur Stiftſtraße,
ferner wurde auf dem Teil von der Stift= bis
Beckſtraß=
die Planierung fertiggeſtellt, während die ſehr
umfang=
reichen Planierungen der weiteren Strecken bis zum Oſt
bahnhof, ſowie diejenigen des verlängerten Fiedlerwegs
der Erbacher Straße und des Speſſartringes längs des
Oſtbahnhofes noch in Arbeit ſind. Sie werden während
des Winters ſo gefördert werden, daß die Weiterführung
der Straßenbahngleiſe bis zum Oſtbahnhof demnächſt
er=
folgen kann. Die Anſchüttung der Straßenzüge ſtellt ſich
weſentlich billiger, als veranſchlagt, da ein großer Teil
des erforderlichen Grundes unentgeltlich angefahren
wurde.
Von ſonſtigen Ausführungen ſind zu erwähnen die
Einlegung eines Induſtriegleiſes auf der Südſeite der
Weiterſtädter Straße, ſowie umfangreiche
Straßenbau=
arbeiten bei Verlegung von Straßenbahngleiſen in der
Heidelberger Straße und bei Einlegung von Poſtkabeln
und ſonſtigen Leitungen in eine größere Zahl von
Straßen.
Die mit der Verlegung der Straßenbahngleiſe in der
Neckar= und Heidelberger Straße verbundenen
Straßen=
bauten ſind noch in Arbeit. Ebenſo die
Planierungs=
arbeiten zur Verbreiterung der Heidelberger Straße
ſüd=
lich der Landskronſtraße.
b) Kanaliſation.
Aus dem Gebiet des Kanalbaues iſt zu erwähnen die
Ausführung eines Sammelkanales in der Landgraf=
Georgs=Straße, dem Fiedlerweg und der Erbacher Straße
von der Stiftſtraße bis zum Oſtbahnhof, durch den eine
weſentliche Verbeſſerung der Abflußverhältniſſe dieſes
Gebietes erreicht iſt.
Ferner wurde ausgeführt die Verbindungsſtrecke des
Sammelkanales der Pallaswieſenſtraße über das alte
Bahnhofsgelände, deren Ausführung im offenen
Ein=
ſchnittsbetrieb erſt erfolgen konnte mit der Ueberführung
des Bahnbetriebes nach dem neuen Bahnhof
Für die Ausbildung von Grundſtücksentwäſſerungen
wurden neue, dem derzeitigen Stand der Technik
entſpre=
chende Beſtimmungen ausgearbeitet, die demnächſt zur
Beratung gelangen.
c) Projektbearbeitungen.
Von den zahlreichen Projektbearbeitungen ſeien nur
erwähnt Kanaliſationsprojekte für den neuen Friedhof,
für das Gebiet jenſeits der Heidenreichſtraße, das Gelände
wiſchen Weiterſtädter und Gräfenhäuſer Straße, ein
Projekt für die Entwäſſerung des Gehaborner Hoffeldes,
ferner Straßenprojekte für die Griesheimer, Frankfurter
und Heidelberger Straße zwecks Einlegung von
Straßen=
bahngleiſen, und die Bearbeitung von Plänen für
In=
duſtriegleiſe.
Arbeitsloſenfürſorge.
Mit Arbeiten des Straßen= und Kanalbaues, ſowie
mit dem Schlagen von Straßenſchotter konnten ſeit
Spät=
herbſt Leute in größerer Zahl beſchäftigt werden. Bei
meiſtenteils achtſtündiger Arbeitszeit wurden von ihnen
12 100 Arbeitsſchichten geleiſtet.
Zu den umfangreichen Erdarbeiten der Landgraf=
Georgs=Straße wurden in dieſem Herbſt ſchon frühzeitig
Leute eingeſtellt. Es konnten ſeither durchſchnittlich etwa
20 Mann beſchäftigt werden. Für die Winterperiode
ſtehen etwa 12 500 Arbeitsſchichten zur Verfügung. Es iſt
damit zu rechnen, daß noch weitere geeignete
Arbeitsge=
legenheiten ſich finden werden, beſonders bei den
Stra=
ßenverbindungen Dornheimer Weg-Bismarckſtraße und
Griesheimer Weg-Bleichſtraße, die vorausſichtlich mit
Ende des Winters in Angriff zu nehmen ſind.
Armenpflege und Fürſorgeweſen.
Die Erkenntnis, daß die öffentliche Armenpflege wie
das geſamte Fürſorgeweſen ſich zu ſegensreicher Arbeit
nur dann entfalten können, wenn ſie getragen werden von
den Sympathien und der tätigen Mithilfe weiter Kreiſe
der Bevölkerung, hat der ſtädtiſchen Verwaltung
Veran=
laſſung gegeben, zu Beginn des Jahres einen öffentlichen
Kurſus zu veranſtalten, in dem durch ſyſtematiſch
auf=
einander folgende Vorträge den Teilnehmern Gelegenheit
gegeben werden ſollte, einen tieferen Einblick in das
um=
fangreiche Gebiet zu gewinnen. Daß man mit dieſem
erſt=
maligen Verſuch einem wirklichen Bedürfnis entſprochen
hat, beweiſt die überaus große Teilnehmerzahl und das
unvermindert rege Intereſſe an dem ganzen, ſich über
3 Wochen hinziehenden Kurſus. Es beſteht die Abſicht,
es bei dem erſten Verſuch nicht bewenden zu laſſen,
ſon=
dern von Zeit zu Zeit erneut Vortragskurſe zu
veran=
ſtalten.
Es beſteht bekanntlich in unſerer Stadt ſeit einer
Reihe von Jahren in dem Verband für Jugendwohlfahrt
und Jugendfürſorge ein Zuſammenſchluß ſämtlicher auf
dieſen Gebieten arbeitenden Vereine mit dem ſtädtiſchen
Armen= und Fürforgeamt zu dem Zweck, eine geordnete,
planmäßig ineinandergreifende Jugendarbeit ſicher zu
ſtellen. Nach der im Laufe dieſes Jahres umgeſtalteten
Satzung ſoll dieſer Zweck erreicht werden:
1. durch eine geeignete Verteilung der Arbeit auf
alle Zweige der Fürſorge= und Pflegetätigkeit,
2. durch Bildung von Arbeits=Ausſchüſſen für die
hauptſächlichſten Tätigkeitsgebiete,
3. durch Veranſtaltung von Vorträgen und
Beſprech=
ungen,
4. durch Auskunftserteilung aller Art und
Ver=
mittelung von Hilfe in geeigneten Fällen.
Zur Leitung des Verbandes iſt ein Vorſtand
be=
rufen, dem ein Mitglied der Stadtverordneten=
Verſamm=
lung angehört. In Ausführung dieſer Beſtimmungen
ſind 3 Arbeits=Ausſchüſſe gebildet worden. Die
Stadt=
verordneten=Verſammlung hat ihr Intereſſe an der
Ein=
richtung durch Bewilligung eines jährlichen Beitrags von
200 Mk. zu erkennen gegeben.
Eine weitere Förderung hat die Stadtverordneten=
Verſammlung dem Fürſorgeweſen durch die Annahme
einer Fürſorgedame zuteil werden laſſen. Bei der in
der Jugendfürſorge zu leiſtenden perſönlichen Arbeit
reicht die Mithilfe freiwilliger Helferinnen nicht in allen
Fällen aus. Die intenſive Mitarbeit einer Frau iſt vor
allem dann nicht mehr zu entbehren, wenn es ſich um die
Fürſorge und die Erziehung junger Mädchen handelt. Es
iſt deshalb durch den Eintritt der Fürſorgedame, die
be=
kanntlich dem ſtädtiſchen Armen= und Fürſorgeamt
zuge=
teilt iſt, eine recht fühlbar geweſene Lücke geſchloſſen
wor=
den. Die Tätigkeit der Fürſorgedame erſtreckt ſich nicht
allein auf die Mithilfe bei der Durchführung der
geſetz=
lichen Zwangserziehung; ſie ſoll vor allen Dingen ſuchen,
die Verhängung der Zwangserziehung, des ſo harten und
nur äußerſten Falles anzuwendenden Eingriffes in die
natürlichen Beziehungen zwiſchen Eltern und Kindern,
überflüſſig zu machen. Gerade in dieſer vorbeugenden
Tätigkeit, die auf alle mögliche Art: durch Einwirkung auf
Eltern, durch Ermahnung der Mädchen ſelbſt, durch
Unterbringung in geeigneten Arbeitsſtellen, durch deren
ſtändige Ueberwachung uſw., in die Erſcheinung tritt, ſoll
ſie ihr hauptſächlichſtes Arbeitsfeld ſehen.
Auch die Verwaltung des Armen= und
Fürſorge=
weſens hat eine Umgeſtaltung erfahren. Es iſt bekannt,
daß die neue Städteordnung zuläßt, daß der Deputation
für Armen= und Pfründnerweſen auch Frauen zugewählt
verden können. Um den zahlreichen Wünſchen dieſer Art
Rechnung tragen zu können, wurde alsbald eine
Aende=
rung der hier beſtehenden ſtädtiſchen Vorſchriften
veran=
laßt. Danach ſollen zwei von den 10 Mitgliedern der
künftigen Deputation für Armen= und Fürſorgeweſen, der
neben ihrem ſeitherigen Arbeitsgebiet noch die Fürſorge=
und Zwangserziehung übertragen werden ſoll, Frauen
ſein. Es iſt weiter als zweckmäßig erkannt worden, das
Pflegeamt, das ſeither ſchon die laufende Verwaltung auf
dieſen Gebieten ausgeübt hat, in ſeiner Befugnis zu
er=
weitern und ſelbſtändiger zu ſtellen. Um
Uebereinſtimm=
ung in der äußeren Bezeichnung zu ſchaffen, trägt das
Amt nunmehr den Namen „Armen= und Fürſorgeamt”
Der Verlauf der Unterſtützungstätigkeit im
abge=
laufenen Jahr hat ſich in durchaus normalen Gcenzen
ge=
halten. Die Aufwendungen für ſtändige Unterſtützungen
bleiben hinter dem Voranſchlagsanſatz zurück; auch die
außerordentlichen Unterſtützungen ſcheinen über den
günſtigen Stand der Vorjahre nicht hinauszugehen.
Der Umfang der Jugendfürſorgearbeit wächſt von
Jahr zu Jahr. Es wurde früher ſchon darauf hingewieſen,
daß man ſich heute nicht mehr damit begnügt, nur ir
ſolchen Fällen einzugreifen, in denen ſchon die
Voraus=
ſetzungen geſetzlicher Zwangsmaßnahme vorliegen. Man
hat ſchon längſt erkannt, daß dieſe Arbeit einen Erfolg
dann am ſicherſten verſpricht, wenn ſie möglichſt
früh=
zeitig eintritt. Alle Fälle, in denen Merkmale ſittlicher
Verwahrloſung jugendlicher Perſonen bekannt werden,
ſei es bei Ausübung der Armenpflege oder infolge
Mit=
teilung der Schule, des Pfarramtes, der Polizei, werden
alsbald einer näheren Prüfung unterzogen. Durch
Stellung unter Schutzaufſicht, durch Anhaltung zur Arbeit
und Ermittelung geeigneter Arbeitsſtellen uſw., auch durch
Unterbringung von Kindern in anderen Familien mit
Zuſtimmung der Eltern, läßt ſich in vielen Fällen ſchon
ein Erfolg erzielen. Helfen dieſe vorbeugenden Mittel
nicht, ſo läßt ſich allerdings das äußerſte nicht mehr
ver=
meiden, es muß Zwangserziehung beantragt und
durch=
geführt werden. Im abgelaufenen Jahre wurde
Zwangs=
erziehung in 45 Fällen verhängt. Entlaſſen aus der
Zwangserziehung wurden im ganzen 48 Zöglinge, teils
weil ſie volljährig geworden ſind, zum andern Teil weil
die Zwangserziehung mit Einwilligung oder auf Antrag
des Armen= und Fürſorgeamts wieder aufgehoben
wer=
den konnte. Zurzeit ſtehen 380 Zöglinge aus hieſiger
Stadt in Zwangserziehung, von denen ſich 297 in
Fa=
milienpflege befinden und 83 in Anſtalten untergebracht
ſind.
Der Berufsvormundſchaft unterſtehen zurzeit 463
Mündel. Bei Ausübung der vormundſchaftlichen
Tätig=
keit wird neben der Durchführung der
Alimentations=
angelegenheit beſonderes Gewicht gelegt auf die
perſön=
liche Ueberwachung und Beaufſichtigung der Kinder. Die
im Säuglingsalter ſtehenden Mündel werden im Auftrag
des Berufsvormundes von den Schweſtern der Großh.
Zentrale für Mutter= und Säuglingsfürſorge, die anderen
von freiwilligen Helferinnen dauernd überwacht und in
ihren Pflegeſtellen beaufſichtigt. Damit iſt jedenfalls auch
eine ſichere Gewähr dafür gegeben, daß Kinder nicht
ver=
ſchleppt und Objekte eines ſo erbärmlichen Kinderhandels
werden können, wie er vor kurzem in erſchütternden
Bil=
dern in einem öffentlichen Vortrag dargeſtellt worden iſt.
Verkehrsangelegenheiten und Heſſiſche Eiſenbahn=Aktien=
Geſellſchaft.
Die in meinem vorjährigen Vortrag erwähnte
Ent=
ſcheidung über die Verkehrsfragen: die
Zuſam=
menlegung der Straßen= und
Vorort=
bahnen nebſt deren Erweiterungen, den
Anſchluß einer Ueberlandzentrale an die
Elektrizitätswerke und die Ermäßigung der
Stromtarife iſt Anfang vergangenen Jahres erfolgt,
nachdem ich die Vertrags= und Satzungsentwürfe für
die Gründung einer Aktien=Geſellſchaft in
Ver=
bindung mit der Süddeutſchen Eiſenbahn=Geſellſchaft und
der Provinz Starkenburg am 24. Januar v. Js. der
Stadtverordneten=Verſammlung vorgelegt hatte.
Im Anfang des Monats Februar wurden dieſe für
die zukünftige Entwickelung der Stadt bedeutungsvollen
Fragen beraten und als endgültiges Ergebnis
der Verhandlungen wurde in der Sitzung der
Stadtverordneten=Verſammlung am 11. April die
Grün=
dung der Heſſiſchen Eiſenbahn=Aktien=Geſellſchaft nahezu
einſtimmig genehmigt.
Die Heſſiſche Eiſenbahn=Aktien=Geſell
ſchaft (HEAG) wurde hierauf mit Wirkung vom
1. April 1912 gegründet. Die Wahl des Aufſichtsrates
und der Vorſitzenden ging programmgemäß vonſtatten.
Dementſprechend wurden der Oberbürgermeiſter
der Stadt und Herr Hugo Stinnes zu
Vorſitzen=
den des Aufſichtsrates ernannt. Mit der Direktion der
Geſellſchaft wurden die Herren Möller und Meyer
betraut. Herr Direktor Fehmer iſt aus den Dienſten der
Stadt ausgeſchieden.
Bis zum Eintritt des Herrn Direktor Möller am
Juli 1912 in die Dienſte der Geſellſchaft wurden die
Betriebe und zwar die elektriſchen Straßenbahnen und
die Elektrizitätswerke von der ſtädtiſchen Verwaltung, die
Dampfſtraßenbahnen von der Direktion der Süddeutſchen
Eiſenbahn=Geſellſchaft weitergeführt, wie denn auch alle
Maßnahmen und Vorbereitungen für die Ausdehnung
des Unternehmens ſchon während der
Vertragsverhand=
lung eingeleitet, gefördert und in ſtetem Einvernehmen
beider Vertragsſchließenden, insbeſondere durch die
ver=
traglich vorgeſehene Kommiſſion getroffen wurden.
Die Inventaraufnahmen und die Uebergabe der
Bahnen und Werke nebſt deren Zubehör, die viele Mühe
und Arbeit erforderten, wurden ordnungsgemäß
voll=
zogen, ebenſo der Uebertritt des Perſonals zur
Geſell=
ſchaft. Daß ſämtliche in Betracht kommenden Bedienſte
ten der Stadt und der Süddeutſchen Eiſenbahn=
Geſell=
ſchaft von der HEAG übernommen wurden, bietet allein
ſchon die Gewähr, daß hinſichtlich der allgemeinen und
inneren Verhältniſſe jeder ſprunghafte Uebergang
ver=
mieden wurde.
Ferner wurden ſämtliche Konzeſſionen ohne
Weiter=
ungen ſeitens der Aufſichtsbehörde auf die neue
Geſell=
ſchaft überſchrieben und die Eiſenbahn=Direktion Mainz
hat ſich ebenſo im Laufe des Jahres mit der Uebertragung
des großen Stromlieferungsvertrages auf die Geſellſchaft
bedinaungslos einverſtanden erklärt.
Als erſte Maßnahme der Geſellſchaft iſt die
Herab=
ſetzung des Strompreiſes für Licht von 70 auf 50 Pfg. pro
Kilowattſtunde mit Wirkung vom 1. April 1912 und als
anſchließende Verbeſſerung die allgemeine Tariffeſtſetzung
für die Straßen= und Vorortbahnen ab 1. Mai 1912 zu
be=
zeichnen. Der neue Streckentarif bietet eine einfachere
Handhabung, weitergehende Umſteigemöglichkeiten und
im allgemeinen weſentliche Preisvergünſtigungen.
Das erweiterte und vervollſtändigte Liniennetz für die
Straßenbahn innerhalb des Stadtgebietes wurde
feſtge=
legt, und die zugehörigen umfangreichen Unterlagen
wur=
den den Behörden zur Genehmigung vorgelegt.
Die Erweiterungen der elektriſchen Bahnen, wie der
zweigleiſige Ausbau in der Heidelberger=, Frankfurter=
und Eliſabethenſtraße, die ſonſtigen Gleisverbeſſerungen,
ſowie die Linie nach dem Oſtbahnhof wurden genehmigt,
und es wurde die Vorkonzeſſion im Rahmen der
ſeit=
herigen Konzeſſion für die Dampf= und elektriſchen
Bahnen für dieſe ſtädtiſchen Linien der Geſellſchaft am
Schluſſe des Jahres erteilt.
Die Heſſiſche Eiſenbahn=Aktien=Geſellſchaft iſt mit der
Aufſtellung der Pläne befaßt, was deshalb mit beſonderer
Sorgfalt geſchehen muß, weil Geländeerwerbungen für
die Anlage der Vorortbahnen auf beſonderem Bahnkörper
dabei erforderlich werden.
Da den Vorortgemeinden die Elektkifizierung und
Er=
weiterung der Dampfſtraßenbahnen weſentlich zuſtatten
kommen, iſt deren Beihilfe für die Geländeſtellung und
eine gewiſſe Zinsgewähr für die Neuaufwendungen der
Bahnen unbedingt erforderlich.
Die Verhandlungen mit dieſen Gemeinden wurden
unter gütiger Beihilfe des Großh. Kreisamts Darmſtadt
ſchon vor Jahresfriſt begonnen und nachdrücklich
weiter=
geführt. Sie ſind indeſſen noch nicht zum Abſchluß
ge=
langt, verſprechen aber guten Fortgang.
Was die Bauausführungen der Bahnen anbetrifft, ſo
iſt zu erwähnen, daß die Verlängerung der zweigleiſigen
Straßenbahn durch die Breite Allee nach dem
Hauptbahn=
hof ſo rechtzeitig fertiggeſtellt werden konnte, daß der
er=
weiterte Betrieb der elektriſchen Straßenbahn mit der
Er=
öffnung des Hauptbahnhofs am 1. Mai ordnungsgemäß
ſtattfinden konnte.
Der regen Tätigkeit der Kommiſſion der Heſſiſchen
Eiſenbahn=Aktien=Geſellſchaft iſt es zu verdanken, daß das
Schienenmaterial für den zweigleiſigen Ausbau in der
Heidelberger Straße und für die Oſtbahnhoflinie trotz der
ſtarken Beſchäftigung der Eiſeninduſtrie rechtzeitig
be=
ſchafft werden konnte. Die Verlegungsarbeiten für dieſe
Gleiſe konnten ſchon im Spätſommer begonnen werden.
Wenn ſie auch wegen Eintritt ungünſtiger Witterung
in=
zwiſchen unterbrochen werden mußten, ſo werden dieſe
beiden Linien doch bei aufgehender Witterung im
Früh=
jahr baldigſt fertiggeſtellt werden.
Die zugehörigen Materialien für die Oberleitung ſind
gleichfalls ſchon beſtellt; ferner wurden letzthin 15 Trieb=
und 10 Anhängewagen neueſter Bauart in Auftrag
ge=
geben.
Für die Erweiterung des Wirkungskreiſes der
Elek=
trizitätswerke wurde gleichfalls eine erhöhte Tätigkeit
ent=
faltet. Schon Ende des Jahres 1911 hat bereits die
Stadtverwaltung mit den Kreisämtern und den
benach=
barten Gemeinden über den Ausbau der
Ueberlandzen=
trale eingehend verhandelt und die Abmachungen darüber
eingeleitet.
Im vergangenen Jahr wurden dieſe Bemühungen
tatkräftig fortgeſetzt und Verträge mit etwa 40 Gemeinden
von der Heſſiſchen Eiſenbahn=Aktien Geſellſchaft
abge=
ſchloſſen.
Dieſe Abmachungen gehen davon aus, daß die HEAd
die Fernleitungen und die Ortsnetze auf ihre Koſten
her=
ſtellt und daß der Strom für Licht= und Kraftzwecke den
Ortseinwohnern zu einem beſtimmten Preiſe geliefert
wird. Ebenſo wird die Straßenbeleuchtung der
Ort=
ſchaften von der HEAG übernommen. Die
Verhand=
lungen mit der Eiſenbahn=Verwaltung wegen elektriſcher
Beleuchtung der im Bereich der Ueberlandzentrale
ge=
legenen Bahnhöfe wurden bis jetzt erfolgreich
weiter=
geführt.
Die Direktion der HEAG hat dem Aufſichtsrat
er=
ſchöpfende Pläne über die Stromverſorgung der noch
freien Bezirke der Provinz Starkenburg unterbreitet mit
einem Bauprogramm für den allmähligen Ausbau des
Geſamtnetzes.
Der erſte Bezirk, der verſorgt werden wird, iſt der
Kreis Dieburg mit Abzweigungen nach den
Odenwald=
tälern. Einzelne kleinere Elektrizitätswerke wurden
auf=
gekauft und auch Verträge mit anderen Gemeinden
ge=
ſchloſſen, um den weiteren Ausbau zu ſichern. Die der
Direktion vom Aufſichtsrat zur Verfügung geſtellte Summe
für den erſten Ausbau der Ueberlandzentrale beträgt über
2 Millionen Mark. Die HEAG hat ein Unterbüro in
Groß=Umſtadt errichtet, um von dort aus die
Vorberei=
tungen und die Ausführungen ſofort vorzunehmen
Auch innerhalb des Stadtgebiets wurde eine rege
Tätigkeit entfaltet und neue Anſchlüſſe gewonnen. Zur
Stromverſorgung von Beſſungen, des Militärbezirks an
der Eſchollbrücker Straße, des Fabrikviertels und des
nördlichen Martinsviertels wurde ein erheblicher Betrag
für Kabellegungen ausgeſetzt. Mit verſchiedenen
Groß=
induſtriellen wurden Stromlieferungsverträge
abge=
chloſſen, ebenſo mit der Eiſenbahn=Direktion Mainz über
die Stromverſorgung des Rangier= und Güterbahnhofs
Kranichſtein.
Wenngleich es noch verfrüht eiſt, heute ſchon ein
Urteil auszuſprechen, ſo iſt doch aus der vorſtehend
ge=
childerten Tätigkeit zu ſchließen, daß den durch die
abge=
ſchloſſenen Verträge vorgeſteckten Zielen in bezug auf eine
regere Verkehrsentwickelung und auf eine ausgedehntere
Nutzbringung der Elektrizität mit Eifer und Aufwendung
aller zu Gebote ſtehenden Mitteln zugeſtrebt wird. Durch
die Erweiterung der elektriſchen Straßenbahn nach dem
neuen Bahnhof iſt eine erhebliche Verkehrsſteigerung zu
verzeichnen. Ebenſo liegt eine bedeutende Erhöhung des
Stromverbrauchs vor, der allein ſchon durch das
Hinzu=
kommen der Beleuchtungsanlagen der Bahnhöfe mit
deren Eröffnung am 1. Mai eine ganz bedeutende
Steige=
rung erfahren hat.
Folgende Stiftungen und Schenkungen
ſind im Berichtsjahre gemacht worden:
1. Brunnen vor dem Fürſtenbau des neuen
Haupt=
bahnhofes, von dem Verkehrs=Verein (Wert 13000 Mk.),
Brunnenanlage in der Einfriedigungsmauer des
2.
ſtädtiſchen Gebäudes am Hauptbahnhof, von Herrn
Bei=
geordneten Schmitt und Frau Gemahlin (Wert 7450 Mk.).
3. Drei öffentliche Trinkbrunnen, von dem
Kreisver=
ein Darmſtadt des Deutſchen Vereins gegen den
Miß=
brauch geiſtiger Getränke (Wert 960 Mk.).
4. Gemälde von Eugen Bracht: „Herbſtmorgen im
Kranichſteiner Park” geſtiftet von dem Arbeitsausſchuß
für die Bracht=Ausſtellung und Herrn Geheimerat Bracht
(Wert 6000 Mk.).
5. Zur Verwendung für Armenzwecke wurden
über=
wieſen: 563 Mk. 20 Pfg. aus dem Nachlaß der Karl
Baum=
gard Eheleute, 200 Mk. aus einer Privatklageſache.
Nummer 14.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Januar 1913.
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Gretchens Roman.
Von Fr. Lehne.
(Nack bruck verhoten.)
Ihre viele freie Zeit füllte ſie zum größten Teil mit
Muſizieren aus, und die geliebte Violine half ihr über
ſo manche ſchwere Stunde, denn das Heimweh war mit
Macht über ſie gekommen.
Dorothea Catlin und Lionel wurden nicht müde, ihr
zuzuhören. Er lag in einem bequemen Stuhl, während
ſie vor ihm ſtand, die Violine im Arm, der ſie die ſüßeſten
Klänge entlockte — weit, weit weg führte dieſelben nach
dem Norden, in die Heimat!
Sie ſah ſich wieder in dem ſtillen, einfachen Stübchen
bei Meiſter Böttge; ſie durchlebte jene letzte Stunde bei
ihrem Lehrer noch einmal, ſie hörte ganz deutlich Ernſts
Stimme: O Margareta, warum haben Sie mir das
ge=
tan? Sie fühlte wieder den letzten heißen, zärtlichen
Blick ſeiner Augen.
Mitten im Spiel brach ſie ab.
Mrs. Catlin hatte ſie beobachtet. Ihr war der
wechſelnde Ausdruck in dem Geſicht der Schwiegertochter
nicht entgangen. Woran dachte ſie ſchon wieder?
Etwas ſcharf klang ihre Stimme, als ſie danach
fragte. Eine leiſe Röte ſtieg in Gretchens weißes Geſicht,
dann ſagte ſie: Ich dachte an die Heimat
Lionel ſprang von ſeinem Stuhl auf und trat zu ihr,
als er das hörte, mit ſo viel Sehnen geſprochen.
Zärtlich legte er den Arm um ihre ſchlanke Geſtalt.
Darling, iſt Deine Heimat nicht bei mir? fragte er
mit leiſem Vorwurf. Iſt es hier nicht wunderſchön?
Ja, Lionel, zauberhaft! Doch laß mich es Dir
ge=
ſtehen, ohne zu zürnen — ich habe Heimweh — der Sonne
allzu greller Schein, er tut mir weh. Ach, einmal nur
wieder im kühlen deutſchen Waldesſchaatten ruhen —
Margie — — verweiſend klang Dorothea Catlins
Stimme — Deine Worte ſind ein Vorwurf für uns! Sind
unſere Liebe und Fürſorge ſo wenig, ſo gering, daß ſie
Dir das, was Du aufgegeben haſt, um ſo viel Schöneres
einzutauſchen, nicht erſetzen kann?
Verzeihe, Mama, ich ſehe ein, wie recht Du haſt, und
doch kann ich nicht anders — das Heimweh überwältigt
mich! Der Glanz und die Wärme um mich her erdrücken
mich, und vor allem läßt mir die Sehnſucht nach meinem
Vater keine Ruhe; noch nie bin ich ja getrennt von ihm
geweſen.
Er hat doch ſeine junge Frau!
Claudia! Eine tiefe Bitterkeit klang aus Gretchens
Stimme. Claudia! Als ob die nach Papa fragt! Ihr
wißt ja von meinen Befürchtungen und Sorgen! Sie
läßt ihn allein und kümmert ſich nicht um ihn trotz ſeiner
kranken Augen. Ich kenne ſie und weiß, wie ſie es treibt.
Die Spannung in ihr, die unerträglich geworden war,
löſte ſich endlich in einem Tränenſtrom.
Lionel hatte ſein junges Weib noch nie weinen ſehen;
erſchreckt preßte er es an ſeine Bruſt.
Nicht weinen, Darling, nicht weinen, flehte er, wir
laſſen Papa jetzt ſchon kommen, dann lächelſt Du wieder,
mein Sonnenſtrahl, und er küßte ihren Mund.
Ich danke Dir, Lionel! Ich möchte aber Papa ſelbſt
holen, und zugleich am Grabe meiner Mutter beten! Das
Heimweh verzehrt mich ſonſt noch, laß mich nur einmal
wieder deutſche Luft atmen.”
Zwiſchen Dorothea Catlins Augen erſchien eine
ſcharfe Falte: ſie wußte jetzt, was kommen würde, und
richtig, da ſagte ihr Sohn:
Ich fahre mit Dir; wir beide holen Papa!
Er ſah das glückliche Aufleuchten in den Augen ſeiner
Gattin; er fühlte auf ſeinem Munde ihren Kuß, den ſie
ihm ſo ſelten aus freiem Antriebe gab — und da war
eine Reiſe nach Deutſchland ſchon in den nächſten Tagen
beſchloſſene Sache.
Mrs. Dorothea ſeufzte tief auf.
Das gab neue Aufregung, neue Sorge — und all das
war doch Lionel verboten! Aber ſie wußte, zurückhalten
konnte ſie ihn nicht von dem, was er ſich vorgenommen
hatte; ſie mußte ihm ſeinen Willen laſſen. Und wie
ſchön hatte er ſich doch erholt! Wie wohl ſah er aus
kaum einer würde glauben, daß er krank ſei!
Mit Bangen ſah ſie in die Zukunft, die dem ſchönen
Traumleben jetzt ein Ende machen würde. Sie ſah, wie
Gretchen ihre Sorgfalt zwiſchen dem Gatten und dem
Vater teilen und daß dadurch Unzufriedenheit entſtehen
würde — Lionel beanſpruchte ſein Weib ganz für ſich!
Und Frau Claudia von Löwen, die ihr gar nicht
ſympathiſch war, brachte ſicher Unruhe ins Haus und
Verſtimmung; ſchon jetzt fühlte ſie das, und wie ein
dunkler Schatten fiel es wieder in ihr Leben hinein.
19. Kapitel.
Nun war Gretchen Catlin ſeit einigen Tagen wieder
daheim!
Sie atmete Heimatluft — aber doch war ſie nicht
glücklicher als vordem — ſchwer lag es ihr auf dem
Ge=
müt, als ſie den Vater wiedergeſehen hatte. Merklich
gealtert kam er ihr vor, und ſeine ſonſt ſo ſtraff gehaltene
Geſtalt ſchien ihr etwas gebückt. Um den Mund lag es
wie ein leiſer Schmerz, und ſeine Stimme klang ſo müde.
Sollte Claudia an dieſer Veränderung die Sch==
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Januar 1913.
Nummer 14.
tragen? Sicher, denn es war Margareta nicht entgangen,
daß zwiſchen dem Vater und ſeiner Gattin ein etwas
ge=
reizter Ton herrſchte.
Die Majorin war, entgegen ihrer ſonſtigen
Gewohn=
heit, mit geſuchter Einfachheit gekleidet; auch war die
erſte Etage der Villa vermietet — ein Zeichen, daß es
dem Vater ernſt war mit dem Vorſatz, ſeinem Einkommen
gemäß zu leben, das jetzt nur aus ſeiner Militärpenſion
und dem Honorar für ſchriftſtelleriſche Arbeiten beſtand.
Das Kapital war nicht mehr da, und eine leiſe Andeutung
von Catlin damals hatte er nicht verſtehen wollen,
nach=
dem die Angelegenheit ſeines Freundes Dornblüth
ge=
regelt war. Ihm genügte, was er beſaß, und ſein Weib
mußte ſich mit ihm darein finden.
Aber Claudia hatte es nicht gekonnt, oder vielmehr
nicht gewollt; ſie war tief unglücklich, daß ſie ſich ſo
ver=
rechnet hatte! — —
Mit ſtürmiſcher Freude hatte Gretchen den Vater
be=
grüßt. Schluchzend lag ſie an ſeiner Bruſt, und er
ſtrei=
chelte immer wieder ihr ſchimmerndes Haar.
Die Majorin ſtand daneben, ihr beliebtes ſpöttiſches
Lächeln um den üppigen Mund. Während ſie mit Lionel
ſprach, überflogen ihre Augen die elegante Erſcheinung
der jungen Frau, und ein leiſer Seufzer zitterte von ihren
Lippen. Margareta war wirklich zu beneiden; ihr fehlte
es an nichts. Während ſie, Claudia, ſich ſo elend
be=
gnügen und einrichten mußte, konnte das blonde,
ſenti=
mentale Geſchöpf in Reichtum und Wohlleben ſchwelgen,
und ſie war dazu verurteilt, die Gefährtin eines
altern=
den, halbblinden Mannes zu ſein — bei ihrem
Lebens=
drang und ihrer Lebensluſt eine ſchier unerfüllbare
Auf=
gabe.
Da war nun zum Glück Gretchens Brief gekommen,
der ihren Beſuch in Ausſicht ſtellte und gleichzeitig die
die euchict ſch ennichte, iet ſchen nech den
en=
zu kommen!
Keiner war froher als Claudia — endlich ein
Aus=
blick, von dieſer ſie faſt erdrückenden Enge befreit zu
werden, und faſt fieberhaft beeilte ſie ſich, alles zuſammen
zu packen, anzuordnen, damit keine unnütze Verzögerung
ihrer Abreiſe entſtehen ſollte.
Mit ſchmerzhaftem Lächeln beobachtete Eberhard von
Löwen ſeine Gattin. Sie tat, als ob ſie bisher in einem
Gefängnis geweſen wäre!
Er hatte Claudia in den letzten Monaten zur Genüge
kennen gelernt — ihm war die Binde von den Augen
ge=
nommen, und er hatte geſehen, daß ſeine Ehe ein
grenzen=
loſer Irrtum war. Und aus der Erkenntnis der
Genuß=
ſucht und Herzenskälte ſeiner Frau hatte ſich endlich die
Ueberzeugung gerungen, niederſchmetternd genug für ihn,
daß das Weib, das er bisher faſt angebetet hatte, dieſer
Liebe gar nicht wert war, daß Claudia ihm nur
Zu=
neigung geheuchelt hatte, weil ſie eine Verſorgungsanſtalt
brauchte!
Und als er ſein Vermögen verloren hatte und ſie
nicht mehr in der gewohnten Weiſe fortleben konnte,
ſagte es ihm jeder Blick, jeder Ton, daß ſie ihn beinahe
haßte!
Mk grenzenloſer Gleichgülkigkeit überſah ſig ſein
körperliches Leiden, ging ihren Weg für ſich, ohne die
ge=
ringſte Rückſicht auf den Gatten zu nehmen, ſo daß dieſer
ſich gezwungen ſah, als Hilfe ein junges Mädchen zu
engagieren, da Claudia vollſtändig intereſſelos und auch
unfähig war, auf ſeine Gedanken einzugehen.
Und ſo war es gekommen, daß die Ehegatten ſich
vollſtändig fremd geworden waren; ſie lebten
nebenein=
ander her! — —
Wenn auch Greichen nicht danach fragte, ſo batte ſie
doch bald geſehen, wie die Dinge lagen, und ſie war froh,
jetzt ſchon gekommen zu ſein.
Wie hätte ihr feinfühliger Vater ein ſoches
Verhält=
nis noch bis zum Herbſt ertragen ſollen — das wäre ihm
unmöglich geweſen!
Gar bald hatte ſie ſich wieder eingelebt, und ſie
be=
nutzte die nur kurz bemeſſene Zeit ihres Aufenthalts in
C. dazu, alle die Plätze aufzuſuchen, an die ſich liebe
Er=
innerungen für ſie knüpften noch von ihrer Mädchenzeit
her. Mit den Freundinnen verbrachte ſie gemütliche
Stunden; alle beneideten ſie um das intereſſante Leben,
das ſie führte. Sie ſollten nur wiſſen, wie wenig
be=
friedigt ich bin, dachte die junge Frau mit leiſem Seufzen.
Einmal begegnete ihr auch Baron Riedberg.
Eine helle Röte färbte das hübſche Geſicht des jungen
Offiziers; er war ſehr überraſcht, als er die liebreizende
Erſcheinung der noch immer nicht Vergeſſenen vor ſich ſah.
Gnädige Frau, welch unerwartetes Glück, Sie zu
ſehen
Die Sorge um meinen Vater trieb mich her, Herr
Ba=
ron! Er iſt ſo an mich gewöhnt, daß ich ihm längſt ſehr
gefehlt habe — — Sie wiſſen ja, ſein Augenleiden macht
ihn ziemlich unſelbſtändig; wir beide hatten uns ſo gut
miteinander eingelebt! In den nächſten Tagen ſchon reiſen
wir alle zuſammen ab —
Margarete ſprach in gewohnter, liebenswürdiger,
et=
was gehaltener Weiſe mit ihm, und als ſie ſich
verabſchie=
det hatte, ſah er der ſchlanken, weiß gekleideten Geſtalt noch
lange nach.
Schade, dachte er, daß Du nicht der beneidenswerte
Gatte dieſes ſüßen Geſchöpfes biſt! — — ’s wär ſchön
geweſen!
— — Gretchen ging weiter, bis ſie vor dem bekannten
Hauſe angelangt war in dem Meiſter Böttge wohnte.
(Fortſetzung folgt.)
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von Herrn Plantagedirektor R. Deeken und Frau Gleg. Damenmasken
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gesellschaft unter Anschluss der Kreisgruppe Darmstadt des
Deutschen Flottenvereins.
Eintrittskarten zu 50 Pfg. (Studenten, Schüler und
Schüle-
rinnen zu 20 Pfg.) sind in den Buchhandlungen von Bergstraesser
und Waitz, sowie abends an der Kasse zu haben. Die Mitglieder
obiger Vereine haben freien Eintritt. Die in letzter Zeit neu dem
Flottenverein beigetretenen Mitglieder, welche noch nicht im
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sitz ihrer Mitgliedskarte sind, können Eintrittskarten auf dem* (1 preisgekrönt) bill. zu verl.
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Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Januar 1913.
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Der Kulturfortſchritt und die Frauen
Freie Aussprache
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getanzt von Sybilla Huber,
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Seite 16,
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Januar 1913.
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— Am Mittwoch abend ſprach in der Turnhalle der
Liebigs=Oberrealſchule Herr Thuillier aus Paris
über die franzöſiſche Malerei im 19.
Jahr=
hundert. Es iſt nicht möglich, über die reiche Fülle des
Gebotenen in extenso zu referieren. Es ſoll hier nur auf
das Weſentlichſte hingewieſen werden. Der Vortragende
kennzeichnete zunächſt in kurzen Worten die wenig beſeelte,
aber elegante Malweiſe der galanten Zeit und verbreitete
ſich dann über die Revolution in der Malerei zur Zeit der
franzöſiſchen politiſchen Revolution und der
napoeloni=
ſchen Aera. Der Führer der neuen franzöſiſchen klaſſiſchen
Schule, David, wird eingehend gewürdigt, ebenſo ſeine
Schüler Gros und Gérard. Dann zeigt der Redner, wie
die ſtrenge Kompoſition und die froſtig=pathetiſche Art der
Klaſſiziſten die Reaktion der Romantiker hervorrief, deren
Vorläufer der kraftvolle, aber oft nervenerſchütternde
Stoffe bietende Géricault und deren Haupt, der
farben=
frohe Delacroix, waren. Doch die klaſſiſche Schule fand
in Ingres einen Fortſetzer, dem zeichneriſche Wirkung
alles war. Hingegen ſterben die romantiſchen Tendenzen
mit ihrem träftigen Kolorit und ihrer realiſtiſchen
Dar=
ſtellung auch nicht ab: ſie leben weiter in der von Horace
Vernet und Delaroche geführten Schule der Orientaliſten.
In der Ueberfeinerung der auf Vernet folgenden
Hiſto=
rienmaler mit ihrer Sucht nach blendender Technik (
Ver=
treter: Cognet, Meiſſonniér) einerſeits und dem
Wider=
willen gegen die von Delacroix angebahnte Darſtellung
grauſiger oder ſinnlicher Stoffe andererſeits ſind die
Ur=
ſachen zu ſuchen warum eine neue Malſchule aufkommt,
die Schule von Fontainebleau, die paysagistes, die, ohne
Sucht zu glänzen und mit Vernachläſſigung der Details,
nach einem innigen, ergreifenden Ausdruck der
Empſin=
dungen ſtreben, die ihnen ländliche Natur und Landleben
boten. Von ihnen beſpricht der Vortragende Corot,
Rouſſeau, Dupré, Breton, Millet. Die berühmten Bilder
des letzteren (semeur, glaneuses, bergére, Angelus) zeigt
der Epidiaſkop. Mit der Kennzeichnung der
Armeleuts=
malerei (Vertreter Courbet) und des Pleinarismus, die
beide aus vorerwähnter Schule entſtammen, beendet der
Vortragende ſeine beifällig aufgenommenen intereſſanten
Ausführungen über die Geſchichte der franzöſiſchen
Ma=
lerei. Zum Schluſſe wurden noch einige Zeichner und
Karikaturiſten erwähnt. Der Vortrag war ſehr zahlreich
beſucht.
nn. Auf Veranlaſſung des Heſſiſchen
Jagd=
klubs hielt Mittwoch abend im Fürſtenſaal des
Städti=
ſchen Saalbaues Herr Schlachthofdirektor Veterinärrat
Dr. Garth vor einem zahlreichen Auditorium
weid=
gerechter Jäger und Jagdfreunde einen Vortrag über:
„Schußverletzungen des Wildes in freier Wildbahn und
deren Selbſtheilung”. Zu dem Vortrag diente eine
reich=
haltige Sammlung aus dem Gebiete der Pathologie des
Wildes mit vielen ſeltenen Präparaten, von Herrn
Amts=
rat Dr. Stroh=Augsburg zuſammengeſtellt, als Unterlage.
Der Vortragende betonte zunächſt, daß das Wild bei allen
Erkrankungen der Einwirkungen der menſchlichen Hilfe
entbehrt und auf die eigene Heilkraft, die ganz enorm iſt,
angewieſen iſt. Auch bei Schußverletzungen ſetzt die
Naturkraft mit einer Energie, Geſchwindigkeit, Umfang
und Zweckmäßigkeit ein, die uns in Erſtaunen ſetzt. Selbſt
die beim Menſchen gefürchtete Blutung iſt ein Zweckmittel
zur Heilung. Die eigenartige Beſchaffenheit der Knochen
des Wildes läßt auch die Schußwirkungen
verſchieden=
artig ausfallen. In den ſchwammigen Endſtücken der
Arm= und Beinknochen bleiben Geſchoſſe leicht ſtecken,
während bei Röhrenverletzungen die Wirkungen durch
Zerſplitterung oft furchtbar ſind. Eingehend beſprach der
Redner die durch die Schußwirkung erzeugten
Knochen=
brüche und Splitterbrüche, die das Wild lange Zeit
wund=
krank machen. Die Selbſtheilung bei
Knochen=
brüchen erfolgt beim Wild durch die Neubildung von
Knochengewebe in ſolcher Vollkommenheit, daß es oft
ſchwer fällt, die Bruchſtelle aufzufinden.
Schußverletzun=
gen an Hals, Rumpf und Beckenknochen haben meiſt den
Eingang des Wildes zur Folge, obwohl auch hier
Selbſt=
heilungen konſtatiert wurden. Eine reichhaltige
Licht=
bilderſerie zeigte die Schußverletzungen und deren
Heil=
ung bei Hirſchen, Rehen, Haſen und Füchſen. Dem
Vor=
tragenden wurde reicher Beifall zuteil, dem auch der
Vor=
ſitzende des Darmſtädter Jagdklubs, Herr Kommerzienrat
Hickler, mit einem dreifachen Horridoh Ausdruck verlieh.
Landwirtſchaftliches.
Im Gartenſaale des Städtiſchen Saalbaues in
Darmſtadt fand eine Sitzung des
Landwirt=
ſchaftskammer=Ausſchuſſes für die Provinz
Starkenburg ſtatt, an welcher 39 Ausſchußmitglieder
teil=
nahmen. Die Großh. Regierung war durch die Herren
Miniſterialrat Hölzinger und Geheimen
Landesökonomie=
rat Müller vertreten Die Landwirtſchaftskammer
ver=
trat deren Generalſekretär. Herr Oekonomierat Leithiger.
Unter freundlicher Begrüßung der Erſchienenen,
insbe=
ſondere des anweſenden Herrn Geheimerat Haas=
Darm=
ſtadt, eröffnete der Vorſitzende des Landwirtſchaftskam=
m
Verſammlung. Zu Punkt 1 der Tagesordnung, „
Mitteil=
ungen” teilte der Vorſitzende zunächſt das Ableben eines
Ausſchußmitgliedes, Bürgermeiſter Bauſch=Worfelden,
mit und erhoben ſich die Sitzungsteilnehmer zu deſſen
Andenken von ihren Sitzen. Weiterhin gab der
Vor=
ſitzende bekannt, daß eine Eingabe an das preußiſche
Kriegsminiſterium durch Vermittelung der
Landwirt=
ſchaftskammer wegen Errichtung kleinerer Garniſonen
auch in der Provinz Starkenburg gelegentlich der letzten
Heeresvermehrung leider ein negatives Reſultat gehabt
hätte. Zur Frage der Umwandlung der unrentabel
ge=
wordenen Eichenſchälwaldungen in Weideland teilte der
Vorſitzende mit, daß im letzten Jahre beſondere
Erhebun=
gen durch die Großh. Regierung im Odenwald
ſtattge=
funden hätten, daß aber, wie es ſcheint, Unternehmungen
dieſer Art noch nicht ausgeführt worden ſeien, wenigſtens
ſeien an den Landwirtſchaftskammer=Ausſchuß Wünſche
in bezug auf finanzielle Unterſtützung derartiger Anlagen
noch nicht herangetreten, auch ſei der von der
Landwirt=
ſchaftskammer im letzten Jahre für fragliche Zwecke
be=
willigte Betrag von 20000 Mark noch vollſtändig
unver=
wendet vorhanden. Im Intereſſe der Sache aber läge es,
wenn die Regierung alsbald in Verbindung mit der
Landwirtſchaftskammer Schritte unternehmen würde, die
zur Schaffung verſchiedener praktiſcher Beiſpiele im
Odenwald führen würden. Zu dieſer Angelegenheit
äußerte ſich in ausführlicher Weiſe Herr Geh.
Landes=
ökonomierat Müller und ſtellte in Ausſicht, daß die
Re=
gierung alsbald mit der Landwirtſchaftskammer in
Ver=
bindung treten werde, um auf Grund des von ihm im
letzten Sommer erhobenen Materials diejenigen
Maß=
nahmen zu beraten, welche geeignet erſcheinen, die
Eichen=
ſchälwaldfrage des Odenwaldes ihrer Löſung
entgegen=
zuführen. Eine weitere Mitteilung des Vorſitzenden
be=
traf die Zuchtbuchführung der Ziegenzuchtvereine und
die Ergebniſſe der von Profeſſor Dr. Falke=Leipzig im
Auftrage der Deutſchen Landwirtſchafts=Geſellſchaft
an=
fangs Januar vorgenommenen Nachprüfung der
Herd=
bücher für Starkenburger Simmentaler= und Odenwälder
Rotvieh. Der Sekretär des Landwirtſchaftskammer=
Aus=
ſchuſſes. Herr Oekonomierat Lang, machte zu dieſem
Gegenſtand ausführliche Mitteilungen und wurde
be=
ſchloſſen, eine gründliche Reviſion der Zuchtbuchführung
der Ziegenzuchtvereine im Laufe dieſes Jahres
durch=
führen zu laſſen. Weiterhin gab der Vorſitzende bekannt
daß demnächſt eine Verſammlung von für den Abſchluß
langfriſtiger Lieferungsverträge wegen Lieferung von
Maſtſchweinen uſw. an die Stadt Mainz ſich
intereſſie=
renden Landwirten abgehalten werde. Landwirte, welche
ſich für die Sache intereſſieren und zu dieſer
Verſamm=
lung Einladung zu erhalten wünſchen, ſollten ſich beim
Landwirtſchaftskammer=Ausſchuß alsbald melden. Als
letzter Punkt der Tagesordnung ſtand der Voranſchlag
für 1913 zur Beratung. Bei einzelnen Rubriken dieſes
Voranſchlags entſpann ſich eine lebhafte Debatte, ſo u. a.
bei Gewährung von Aufzuchtprämien für Kälber des
Odenwälder Rotviehs, Einfuhr von Zuchtrindvieh und
Zuchtziegen aus der Schweiz uſw. Ein Antrag des
Mit=
glieds Keutzer, 100 Mark für Zwecke zur Förderung der
Schafzucht in der Provinz in den Voranſchlag einzuſtellen,
wurde abgelehnt. Gemäß des ſchließlich einſtimmig vom
Ausſchuß angenommenen Voranſchlages wurden für das
Rechnungsjahr 1913 zur Förderung der einzelnen Zweige
der Landwirtſchaft nachſtehende Summen vorgeſehen:
1. Pferdezucht 7120 Mark, 2. Rindviehzucht 28 680 Mark,
3. Schweinezucht 4832 Mark, 4. Ziegenzucht 3962 Mark,
5. Geflügelzucht 1600 Mark, 6. Obſt=, Wein=, Gemüſe= und
Gartenbau 6074 Mark, 7. Bodenkultur 2894 Mark.
Sport, Spiel und Turnen.
* Winterſport im Harz. In dieſer Saiſon finden
unter anderem noch folgende größere
Sportveranſtaltun=
gen ſtatt: Schierke: am 18.—21. Januar Preisrodeln,
Bobſleighrennen und Deutſche Eishockeymeiſterſchaft;
1.—3. Februar: Großes Sportfeſt und Ausfahren des
Deutſchen Bobſleigh=Derby; 15.—17. Februar: Großes
Sportfeſt und Skeletonrennen um die Deutſche Skeleton=
Meiſterſchaft. — Braunlage: Winterfeſt der
Kurver=
waltung unter Mitwirkung des Skiklubs Braunlage.
Termin ſteht noch nicht feſt. 19. Jan.: Wettrodeln, 26.
Jan.: Großes Eisfeſt, 1.—3. Februar: Ortsgruppenläufe
der Ortsgruppe Braunlage, 9. Febr.: Wettrodeln, 16.
Febr.: Eisfeſt. — Hohegeiß: 18.—20. Jan.:
Haupt=
winterfeſt: Lang= und Sprungläufe, Preisrodeln, Bob=
St.
An=
ſleighrennen; 9. Febr.: Ortsgruppenfeſt.
dreasberg: Ortsgruppenwettläufe Ende Januar bzw.
Anfang Febr. — Klausthal=Zellerfeld: 17.—19.
Januar: Verbands=Wetlauf des Oberharzer Skiklubs,
Austrag der Meiſterſchaften für Norddeutſchland und im
Oberharzer Skiklub. Ausführliche Proſpekte und
Pro=
gramme von den Harzer Winterſportplätzen koſtenlos durch
das Internationale öffentliche Verkehrsbureau in Berlin,
Unter den Linden 14.
— Die Winterſportplätze der Schweiz verzeichnen faſt
ausnahmslos ſtarken Schneefall, der insbeſondere dem
Skiſport zugute kommt. Aber auch auf den Rodel= und
Bobſleighbahnen pulſiert dadurch neues Leben. Zwar
hat man anerkannt, daß für eine gute Winterkur der
Schneeſport nicht mehr unerläßliche Bedingung iſt. Die
Schweizer Winterkurorte bieten auch für Nichtſportteibende
ſoviel Schönes und Großes, daß ſelten einer enttäuſcht
nach Hauſe zurückkehren wird. Ein Engländer bezeichnete
die Winterferien im Hochgebirge unlängſt als eine der
größten Revolutionen im Londoner Geſellſchaftsleben.
Die Morgenzüge an der Wengernalp ſind angefüllt von
„Picknickers”, die hinaufſtreben nach den ſonnigen Höhen,
um ein wenig dem Sport, ein wenig der Geſelligkeit und
ein wenig dem Sonnendienſte zu huldigen. Die langen
Abende werden durch glänzende Vergnügungen verkürzt.
Die Züge von Wengen aus bis zu dem eröffneten
Berg=
gaſthaus auf Wengernalp ſind gut beſetzt. Bereits
wur=
den Hochtouren auf Jungfrau, Mönch und Fieſcherhorn
unternommen, ebenſo wurde die unvergleichliche
Ober=
landtraverſe Jungfraujoch-Grimſel traverſiert. Auf
Jungfraujoch iſt Schlafgelgenheit für mehrere Perſonen.
Die Gäſte Wengens unternahmen neulich eine gelungene
Tailingpartie nach Grindelwald. Derartige Beſuche und
Gegenbeſuche finden mehrmals während der Saiſon ſiatt.
In Gſtaad fand ein Koſtümball ſtatt, an dem indianiſche
Squaws, Haremsdamen und Suffragetten um die Gunſt
der Tänzer und Preisrichter wetteiferten. Kanderſteg
organiſierte ein äußerſt gelungenes berittenes Skirennen,
an dem jeweils ein Reiter bezw. Reiterin und ein Fahrer
ein Paar bildeten. In St. Maritz wird die Reunbahn für
die Eisdecke des Ses
kontrolliert. Ihre Stärke iſt einem Heer von Menſchen
gewachſen. In Kloſters fand bei ſtarker Beteiligung das
große Internationale Bobſleighrennen für die „Coupe
de France” ſtatt. Von 13 ſtartenden Bobs errang „
Ver=
eina II‟ (Hew St., Hew Br.) den erſten Preis mit 4,02.
Zweiter wurde „Torpedo” (Lüders St., Besci Br.) mit
4,03. Dritter war „Sanga=Sanga” (Menten St., Menten
Br.) mit 4,13. In Davos rüſtet man ſich für das
Eis=
laufen am 18. und 19. Januar. Der Beſuch auf der
Schatzalpbobbahn, die nur für Schweizer Schlitten und
Zweierbobs geöffnet iſt, iſt in ſtändiger Steigerung
be=
griffen. Das geſellſchaftliche Leben iſt außerordentlich
rege. In Engelberg haben auf der neuen Bobſleighbahn
bereits drei große Rennen ſtattgefunden und einen äußerſt
gelungenen Verlauf genommen. Nächſtens werden
wie=
der Schlittel= und Skeletonrennen abgehalten. Andermatt
iſt dank der vorzüglichen Schneeverhältniſſen von Gäſten
angefüllt. Beim Hauptbobrennen auf der Oberalpbahn
wurden vorzügliche Reſultate erzielt.
Luftfahrt.
Der fünfzehnte Zeppelin.
* Friedrichshafen, 16. Jan. Der erſte
Auf=
ſtieg des nunmehr flugbereiten Luftſchiffes „L. Z. 15"
(nicht L. Z. 14) findet bei anhaltend guter Witterung
vor=
ausſichtlich heute ſtatt. Das Schiff iſt bekanntlich für die
Militärverwaltung erbaut, und zwar als Erſatz für das
dieſer Behörde gebaute Erſtlingsluftſchiff „Z. 1‟, das in
Metz ſtationiert iſt. Es wird die militäriſche Bezeichnung
„Erſatz Z. 1” erhalten. Sein künftiger Standort iſt bis
jetzt noch nicht bekannt. Mit dem Füllen des Schiffes
wurde geſtern vormittag begonnen. Graf Zeppelin wird
an der Probefahrt perſönlich teilnehmen. Außer der
üblichen Beſatzung des Luftſchiffes wird auch die
Ab=
nahmekommiſſion an der Fahrt teilnehmen. Es iſt
beab=
ſichtigt, das Schiff bereits am Freitag nach Baden=Oos
zu überführen, wo die militäriſchen Probefahrten
ſtatt=
finden werden.
* Ein hochdotierter militäriſcher
Flug=
zeug=Wettbewerb wird demnächſt in Italien
ſei=
nen Anfang nehmen. Für die beſten Leiſtungen hat die
italieniſche Militärbehörde einen Preis von 100000 Lire
ausgeſetzt, außerdem ſoll die erfolgreichſte Fabrik eine
Be=
ſtellung von zehn Flugmaſchinen zu je 40000 Lire
erhal=
ten. Die Fabrik, welche die zweitbeſten Erfolge
aufzu=
weiſen hat, ſoll eine Beſtellung von 5 Apparaten zu je
40000 Lire erhalten. Außer dieſem Hauptwettbewerb, zu
dem zehn italieniſche Konſtruktionen eingeſchrieben
wur=
den, ſoll noch ein beſonderer Nebenwettbewerb für
ge=
meldete 7 Ein= und 7 Zweidecker veranſtaltet werden. Für
alle Teilnehmer welche die hierfür vorgeſchriebenen
Be=
dingungen erfüllen, ſind noch Entſchädigungen von 20000
Mark vorgeſehen.
sr. Der Höhenweltrekord für
Flug=
maſchinen, der von dem franzöſiſchen Aviatiker
Roland Garros am 30. Dezember vorigen Jahres
in Tunis vor dem großen Mittelmeerfluge aufgeſtellt
worden war, iſt bis jetzt von der Sportkommiſſion des
franzöſiſchen Aero=Klubs offiziell mit 5610 Metern
aner=
kannt worden. Die Sportkommiſſion hat alſo einige
Ab=
ſtriche vorgenommen, denn urſprünglich wurde der neue
Weltrekord mit 6800 Metern angegeben. Weiter wurden
von der Sportkommiſſion die Schnelligkeits=Weltrekords
anerkannt, die Gilbert am gleichen Tage auf dem
Flug=
feld von Etampes erzielte, und zwar wie folgt: 350
Kilo=
meter in 3 Stunden 26 Minuten 16 Sekunden, 400
Kilo=
meter in 3 Stunden 55 Minuten 27,6 Sekunden, 450
Kilo=
meter in 4:24:44,2, 500 Kilometer in 4:54:06,1, 600
Kilo=
meter in 5.52:38. Als Zeitrekorde wurden regiſtriert
4 Stunden 401,9 Kilometer, 5 Stunden 510 Kilometer.
* Der Flugverſuchüber die Alpen, den der
Aviatiker Bielovucci nach längeren Vorbereitungen
und einer durch ungünſtige Witterungsverhältniſſe
beding=
ten Wartezeit von mehreren Tagen am Dienstag
unter=
nahm, war nicht von Erfolg begleitet. Bielovucci
ſtar=
tete in Brieg kurz vor 4 Uhr. Die Zuſchauer, welche dem
Aufſtieg beiwohnten, bemerkten, daß der Apparat,
wel=
cher zunächſt das Tal der Rhone verfolgte, auffallend
heftig ſchwankte und daß es dem Flieger anſcheinend
Schwierigkeiten bereitete, gegen die herrſchenden
Luft=
ſtrömungen anzukämpfen. Bielovucci kehrte dann guch
bald wieder um und landete ſchließlich auf einem
Schnee=
felde, wobei das Fahrgeſtell des Apparates beſchädigt
wurde. Wie Bielovucci angab, arbeitete der Motor nicht
einwandfrei und infolgedeſſen wurde der Apparat durch
die aus den Bergtälern aufſteigenden ſtarken
Wirbel=
winde allzu ungünſtig beeinflußt. Trotz dieſer ſchlechten
Erfahrungen will Bielovucci nach erfolgter Reparatur
einen neuen Verſuch zur Ueberquerung des Simplons
unternehmen.
Literariſches.
Ueber die Entſtehung unſerer Familiennamen,
über ihre Bedeutung und über den ihnen zugrunde
lie=
genden Sinn finden wir im neueſten (10.) Heft der
illu=
ſtrierten Zeitſchrift Zur Guten Stunde (Deutſches
Verlagshaus Bong u Ko., Berlin W. 57. Preis des
Vier=
zehntagsheftes 40 Pfg.) von einem Fachmann, der ſich
mit dieſer Frage eingehend beſchäftigt hat, einen ſehr
intereſſanten Aufſatz. Das gleiche Heft bringt von dem
bekannten Forſchungsreiſenden Oskar Iden=Zeller, der
mit dem Entdecker des Südpols, Amundſen, befreundet
iſt, ein reichilluſtriertes, packend geſchriebenes Feuilleton
über die Entdeckung des ſüdlichſten Punktes der Erde
und über die in jenen eiſigen Regionen angetroffenen
Verhältniſſe. Den Hauptinhalt des Heftes bilden zwei
große Romane, „Lehrer Mathieſſen” von dem bekannten
Berliner Sittenſchilderer Hans Hyan, und „Der
Lebens=
ſtümper”, in dem Hedda Freihold das unglückliche
Schick=
ſal eines energieloſen, den Kämpfen des Lebens nicht
ge=
wachſenen Menſchen ſchildert, der unvorbereitet in das
Leben hinaustritt. Novellen, kleine Artikel und
Ge=
dichte ſchließen ſich an. Einen ganz beſonderen Vorzug
verdient die beliebte Zeitſchrift wegen ihrer beiden
aktuellen. reichilluſtrierten Extrarubriken „Erfindungen
und Entdeckungen” und „Für unſere Frauen” Hier,
fin=
den wir das Neueſte aus Wiſſenſchaft und Technik, aus
dem Haus= und Wirtſchaftsleben. Beſonders ſei noch
auf die farbige Kunſtbeilage „Märchen” nach einem
Ge=
mälde von Karl Larſſon, die einen reizenden Schmuck
für jedes Kinderzimmer bildet, hingewieſen.
Seite 18,
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Januar 1913.
Nummer 14.
Weiblich
ſ. gewandte, für Wäſche,
Damen=
konfektion ꝛc., ſucht Stellung auf
1. Febr. od. ſpäter.
(*1433fm
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Tüchtige Büglerin nimmt
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Lagerhausſtr 16, part. (*1378df
Anſtand. Mädchen, welch. i. beſſ.
Häuſ. gedient hat, ſucht tagsüber
Beſchäft. Karlſtr. 38, III. (*1485
Junges Mädchen ſucht Laufſt.
für nachmittags zum Spülen
Wienersſtraße 62, Hth
(*1486
Frau ſ. Laufd. für morg. 2—3 Std.
Dieburgerſtr. 42, Stb., I. (*1478
Jg. Mädchen, w. ſchneid. kann u.
etw. Hausarbeit verſt., ſucht
Stel=
lung in gutem Hauſe. Zu erfrag
in der Expedition.
(*1459fs
Stell. ſuch.: Hausdam., Hausb.,
Stütz., Jungf., perf. i. Schneid.,
Herr=
ſchaftsk., Köch., ſ. Aush. f. 2 Mon. in
Privathaus Frau Minna Dingeldein,
gewerbsmässige Stellenvermittlerin,
Eliſabethenſtr. 5. Tel. 531. (*1436 in dauernder Stellung bei gutem
Alle nmadch., ſ. Koch, erf., ſucht
Stellg. Karoline Beck, gewerbsmäßige
Stel-
lenvermittlerin, Elisahethenstr. 22, II. (*1497
änmtich
Jg. Techniker (Architekt)
z. Zeit g. erſtkl. Büro tätig, ſucht p
1. April, ev. auch früher, anderweit
Stell. Off. u. W30 Exp. (*1405fso
Le
30 Mark Belohnung
Auud
demjenigen, der mir eine feſte
Stell=
ung als Kaſſierer, Kaſſenbote od.
ähnl. Poſten beſorgt. Offert. unter
W44 an die Exped. (*1436fso
Installateur
firm in Gas-, Wasser- u. elektr.
An-
lagen, ſucht, geſtützt auf gute
Zeug=
niſſe, ſich anderweitig zu
ver=
ändern. Offert. W49 Expd. (*1462
Warenagenturen,
Vertretungen od. dergl. werden v.
unabhäng., ſelbſt. Geſchäftsmann
noch übernommen.
1423fs
Offert. unt. W 41 a. d. Exped
geſucht für
Lehrstelle Mittelſchüler
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1913. Off. u. W43 a. d. Exp. (*1434
Mfe Stellen
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(1931fso
ehrmädchen b. ſof. Verg. ſof. geſ.
Konfekt. Mühlſtr. 40, I. (*1285mfs
Ofna
Ais Btathe der-Haubtrau
w. ein in all. Hausarb., auch Koch.
bewand. Fräulein für Darmſtadt
in Reſtaur. geſucht. Dasſelbe muß
auch zeitw. am Büfett mithelfen.
Ehrlichkeit iſt Hauptbedingung.
Familienanſchl. w. zugeſichert.
Off. m. Altersangabe u. ſeitherige
Tätigkeit unter V. 91 an die
Ex=
pedition d. Bl.
(*1287mdf
450
Jüngeres,
williges Madchen
das etwas kochen kann, zum 1.
Fe=
bruar in einfach. bürgerl. Haushalt
geſucht. Näh. in der Exp. (*1293md
Beſſ. Dienſtmädch. p. 1. Febr. geſ.
Oppenheimer, Landwehrstr. 24.pt. (*1325dfs
Saub. ſung. Mädchen für
Haus=
arbeit geſucht. Aliceſtr. 14. (*1413
Monatsfrau ſofort geſucht.
Schulſtraße 12, 1. Stock.
(*1399
Geſucht ſof.od.ſpat. Köch,
Haus=
mädchen, Mädchen allein, Aushilfe.
Fr. Bleonore Roth, gewerbsmäßige stollen
vermittlerin, Schloßgartenstr. 49. (*1403
Laufmädch. Schulentl. ſaub.
Mädch. täglich für 2 Stdn. geſucht.
Näh. Riedlingerſtr. 31, III. (*1446
Für Samstag u. Sonntag 2
ſchicke Kellnerinnen geſucht
Kro=
kodil, Eliſabethenſtr. 44.
(*1492
(evtl. Kindergärtn.) zur Beaufſtcht.
v. 2 Kind. (5 u. 8 Jahr.) f. nachm. 2—7
geſ. Ausf. Off. u. W 57 Exp. (*1490 Junges Dienſtmädchen ſofort
geſ. Pankratiusſtr. 14, part. (*1477 — Ein — M
ſchulentlaſſenes Mädchen
oder jg. Lauffrau geſucht (*4176
Nieder=Ramſtädterſtr. 36, I. Geſucht zum baldigſten Eintritt
ein feineres, nur gutempfohlenes, in
Küche und Hausarbeit erfahrenes
Alleinmädchen in kl. Haushalt.
Zu ſprechen bis 11 u. von 5—7 Uhr
Soderſtr. 44, 2 Tr.
1986a) Ord. Laufr. od. Mädch. ſof. a. urze
Zeit morg. u. mitt. 2 St. geſ. Neckar
ſtr. 15, I. Zu ſpr. v. 9 Uhrab. (*1500 Saubere Frau zur Aushilfe für
einige Stunden des Tags geſucht
1978) Karlſtraße 34, Hinterhaus O.d. Mädch., d. koch. k., ſof. geſ.,
*1469)
Pankratiusſtr. 11, II. r. w. ſelbſtändig
Tücht. Mädchen, kocht, Haus=
arbeit mitübernimmt, zu 2 Leuten
Lohn b. zum 15. Februar geſucht.
Vorzuſtell. zw. 3 u. 5 Uhr jed. Tags,
Ernſt=Ludwigſtr. 14, 1. St. (*1466 Braves, willig. Dienſtmädchen
welches ſchon gedient hat, geſucht
*1473) Schloßgartenſtr. 55, II. Suche bürgerl. Köchinnen, 1. u. 2.
Hausmädch., Alleinmädch., w. koch.
u. n. koch. könn., in Herrſch.= u. Priv.., Zim.=, Haus=, Küchenmädch. in
Hot. u. Reſt. f. h. u. ausw. Frau Minna
Dingeldein, gewerbsmäßigeStelienvermittleril
Eliſabethenſtr. 5. Tel. 531. (*1495 Weibl. Kopf= und Aktmodell
geſucht. Vorſtell. nachm. vor
2—4 Uhr. Atelier C. Groll, Kunſt=
maler, Alexanderſtr. 15, I. (*1424 Mädchen für Büfett und
Haushalt ſofort geſucht. Nähe es
Expedition.
*1493 Ein tüchtiges Hausmädchen
geſucht Georgenſtr. 8, I. (*1499fso Männtien Rayon-Vertreter
gesucht
(II,1951
zum Beſuche v. Apotheken, Droge
rien, Parfüm. u. Friſeuren gegen
Fixum u. Proviſion. Einkommen
von M. 200.— an ſteigend. Neben=
vertretung geſtattet. Da Lager u.
Inkaſſo m. d. Stellung verbunden,
ſind M. 2—3000.— Bankdepot er=
forderlich. Ausführl. Bewerbungen
mit Bild sub M. V. 209 an
Haasenstein & Vogler, A. G., München Alte angeschene
Lebensvers.-Gesellschaft
mit Nebenbranchen Unfall,
Haftpfl., Sterbek. u. Ausſt.=Verſ.
ſucht tücht., leiſtungsfäh.
Hauptvertreter
für Darmstadt und Umg.
Inkaſſo kann übertragen
werden.
I,1947
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Geb. jung. Mädchen
Mitgg
geſ. p. 15. Febr. od.
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v. 8 u. 10 J. bei d. Aufg. helfer
kann. Dieſelbe muß ſelbſt. kochen
und leichte Hausarbeit. verſtehen.
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(IV. 1949,40
ſtraße 21, II.
Tüchtiges, (
ſauberes Mädchen
in Küche u. Hausarbeit durchaus
erfahren, per ſof. geſ. in kl. Haushalt,
Lohn 20—25 Nk. Verm. nicht
aus=
geſchloſſen. Vorzuſtell. b. Bankwitz,
Heinrichſtraße 136, I. Daſelbſt wird
auch eine Putzkrat. geſucht. (1944a
au Nebenerwerb 20
für tätige Herren o. Damen. Kein
Hausarb. Rentner verb. Offert
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Vogler, A.-G., Frankfurt a. M. (II1229
aller Berufe
Offene Stellen enthält ſtets
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(I1627
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ten u. ſuchen hierfür je einen
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läßlichen Mann. Beruf einerlei.
Kenntniſſe od. Kapital nicht nötig.
Einkommen monatl. 200 bis 300 M.
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stein & Vogler A. G. in Mürnberg. (II, 1952
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10 20 leichte Fabrikationen,
Pro=
ſpekt gratis. Heinr. Heinen,
Mülheim-Ruhr-Broich.
(III, 1953
Ein Einkassiere
(1883dfs
und
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für hieſigen Platz
ſofort geſucht. Stellung dauernd
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ſeit=
herige Tätigkeit ſind an die
Expedition unt. W 5 einzureichen.
Branchekenntniſſe nicht erforderlich.
täglich zu verdienen.
2—10 M. Proſp. grat.
Adresen=
vorlag Joh. H. Schultz, Cöin 121. (I 1093
mebenverdienſt! Füreinige Stun=
M den in d. Woche wird für zum
Beitragen der Bücher eine in
Komptoirarb. firme Kraft geſſcht.
Off. u. W34 a. d. Exped. (*1432
entſchloſſen ſenden Sie
MA
Ihre Adreſſe zur U ber=
Kalz nahme d. Zigarrenagentur,
Vergütg. Mk. 250 pro Mt. od. hohe
Prov. A. Rieck & Co., Hamburg. (II, 1874
Tüchtiger, ſelbſtändiger
Maschinenschlosser
(gelernter Bauſchloſſer) für
Montage u Werkſtatt geſucht
gegen hoh. Lohn u. dauernde
Arb. Anton, Waldmühle,
Stat. Nied.=Ramſtadt. (*1160id
Heizer
der fof geſ. In Betracht kommen
nur gelernte Schloſſer.
1901dfs
J. Gandenberger, Zündholzfabr.,
Pfungſtadt.
Mehrere Schlosser
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f. unſer. Maſchinenſabr. Darmſtadt
bei gut. Verd. für dauernd geſ. Carl
Schenck, Eisengießeroi & Maschinen abrik
G. m. b. H.. Darmstadt.
(1762a
Iniform-Rockschneider
ge=
ſucht. Rub & Jaufmann,
Mannheim C 3 Nr. 7. (*1431fs
Tüchtige Reſſelſchmiede
Nieter u. Stemmer
werden geſucht. (I,1950
Maschinenbaugesellschaft
Karlsruhe, Karlsruhe, Raden.
Schreiner, d. a. Beizen verſteht, f.
halbe Tage (feſte Anſtell.) geſ. Off.
m. Lohnanſpr. u. W 28 Exp. (*1407
Jüngerer, ſauberer, ſtadtkundig.
Hausbursche
mit gut. Zeugniſſen geſucht. Wo
ſagt die Expedition.
(1977fso
Arbeitsburſche
16 Jahre alt, zum ſofortigen
Ein=
tritt geſucht.
L. C. Wittich’sche Hofbuchdruckerei
Rheinstrasse 23.
Jüngerer, flotter
Hausburſche geſucht.
Vorzuſtellen v. 10—12 Uhr vorm.
Luisenstr. 6.
Wilh. uhrhard
(*1402)
Sauberer ehrlicher Hausburſche
geſucht Grafenſtr. 33.
(*1441fs
Jüng. zu verl. Lausbursche ſof.
ge=
ſucht Roßdörferſtr. 40. (*1465fs
Tüchtiger, zuverläſſiger=
der im Möbeltransport
be=
wandert iſt, findet gute,
dauernde Stellung. Nur
beſtempfohl. Leute werden
berückſichtigt.
(1987
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Grosse Ochsengasse 21/23.
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