Darmstädter Tagblatt 1912


30. Dezember 1912

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175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
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angenommen in Darmſtadt
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
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turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
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für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
gerichtlicher
Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 20 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Auf dem Völkerſchlachtgelände bei Leipzig
fand am Samstag die feierliche Grundſtein=
legung
zu einer ruſſiſchen Gedächtnis=
tiche
ſtatt.
Das ungariſche Abgeordnetenhaus wird am
Dienstag zuſammentreten, um über die neue Wahl=
reformvorlage
zu beraten.
Die Friedenskonferenz in London iſt am
Samstag vormittag 11 Uhr zuſammengetreten und ver=
tagte
ſich auf Montag nachmittag, nachdem die tür=
liſchen
Gegenvorſchläge für unannehm=
bar
befunden worden. Die Türken erklärten, ſie müß=
ten
neuerlich ihrer Regierung berichten.
Die ruſſiſche Duma iſt durch kaiſerlichen Erlaß bis
zum 2. Februar 1913 vertagt worden.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6 und 7.

Die türkiſchen Gegen=
vorſchläge
.

Während des Weihnachtsfeſtes hat man in Kon=
ſtantinopel
, wo allerdings nach einem anderen Kalender
gerechnet wird und kein Feiertag war, ſehr eifrig über
Gegenvorſchläge verhandelt, die in der nächſten, ſiebenten
Friedensſitzung zu London den Balkandelegierten vor=
gelegt
werden ſollten. Ueber den Inhalt dieſer Vorſchläge
wird man authentiſches wohl erſt nach der Verhandlung in
London erfahren, immerhin ſickern Nachrichten durch, die
Anſpruch auf Glaubwürdigkeit haben. Danach wird die
türkiſche Antwort, wie ſchon mitgeteilt, folgende ſein:
Die Türkei lehnt die Abtretung von Adrianopel und
Dedeagatſch ab und nimmt die Autonomie von Albanien
an. Betreffs der Inſel Kreta wird die Türkei auf ihre
Souveränität verzichten, wenn die Mächte damit einver=
ſtanden
ſind. Die Abtretung der Inſeln im Aegäiſchen
Meere wird die Türkei ablehnen. Die vier kleinen Inſeln
am Eingang zu der Dardanellen, Imbros, Lemnos, Te=
nedos
und Samothrake, will die Türkei ganz für ſich be=
halten
. Betreffs der anderen Inſeln, einſchließlich Samos,
will ſie eine Autonomie im großen Stile gewähren. Die
Türkei wird wegen einer Mediation die Großmächte bitten,
die Bulgaren zu überzeugen, daß die Türkei unter keinen
Umſtänden Adrianopel abtreten kann, es ſei denn, daß die
Feſtung falle. In dieſem Sinne ſoll bereits die Bot=
ſchafter
=Reunion, die bekanntlich gleich nach Neujahr
wieder zuſammentreten wird, unterrichtet ſein.
Auf türkiſcher Seite glaubt man, daß auch die Groß=
mächte
die Forderungen der Balkanſtaaten zu hoch finden
und die Botſchafter beauftragen werden, einen mittleren
Weg zur Verſtändigung ausfindig zu machen. Das dürfte
ohne weiteres zutreffend ſein, aber ebenſo beſtimmt iſt,
daß die Balkanſtaaten die türkiſchen Gegenvorſchläge nicht
akzeptieren werden. Zweifellos wird, da auf beiden Sei=
ten
der Wunſch beſteht, ſobald als möglich zu einem
Friedensſchluß zu gelangen, nach langem Hin= und Her=
feilſchen
eine Verſtändigung erzielt werden, bei der ſicher=
lich
die Türken ſtark bluten müſſen. Die große Frage iſt
allerdings, wie man ſich über den ſchwierigſten Punkt,
den Beſitz von Adrianopel, einigen wird, nachdem immer
noch die Türken erklären, daß ſie dieſe Stadt niemals auf=
geben
werden, während auf der anderen Seite die Bul=
garen
kategoriſch auf der Uebergabe beſtehen. Bis dieſe
Frage entſchieden iſt, wird es auf der Friedenskonferenz
und in mancher Diplomatenſtube noch zu ſcharfen Aus=
einanderſetzungen
kommen. Bemerkenswert iſt auch die
Meldung, daß der bulgariſche Oberkommandierende, Ge=
neral
Samow, als geheimer Unterhändler in Konſtanti=
nopel
geweſen iſt und dort mit dem Großweſir eifrig ver=
handelt
hat. Indeſſen dürften die Nachrichten, daß dieſe
Beſprechungen bereits weit vorgeſchritten ſeien und daß
der Abſchluß des Friedens nahe bevorſtehe, den Tatſachen
ſehr vorauseilen. Erſtens iſt eine ſolche Parallel=Aktion
zu den Londoner Verhandlungen an ſich wenig wahrſchein=
lich
, und zweitens ſteht mit dieſen Angaben vor allem die
vom türkiſchen Miniſterrat beſchloſſene Antwort auf die
Hauptforderungen der Balkanſtaaten im Widerſpruch.
Wie dem auch ſei, dem weiteren Verlauf der Friedens=
verhandlungen
kann man mit großer Spannung entgegen=
ſehen
, weil man erfahren wird, wie ſich die Verbündeten
den türkiſchen Gegenvorſchlägen gegenüber verhalten wer=

den. Die beiderſeitigen Bedingungen werden erſt dann
genau bekannt ſein und die noch zu überbrückende Kluft
vor aller Augen liegen. Die Delegierten werden aus eige=
ner
Kraft anfangen müſſen, an dieſer Brücke zu bauen.
Inzwiſchen wird ſich die Botſchafterkonferenz wieder mit
der Frage beſchäftigen können, und ihr wird es vielleicht
gelingen, ein Kompromiß zu finden, das ſchließlich von
beiden Parteien angenommen wird. Jedenfalls dürfte
der endgültige Friedensſchluß ohne die Vermittelung der
Großmächte nicht zuſtande kommen.

Deutſches Reich.

Verſtändigungüber das Konkurrenz=
klauſelgeſetz
. Kürzlich haben Verhandlungen zwi=
ſchen
Vertretern von Arbeitgeberverbänden unter Betei=
ligung
eines Vertreters der Reichsregierung und verſchie=
dener
Reichstagsabgeordneten über die geſetzliche Re=
gelung
der Konkurrenzklauſel ſtattgefunden. Es kam bei
dieſen Verhandlungen zu einer Verſtändigung zwiſchen
beiden Parteien. Wenn dieſe in der Faſſung des dem
Reichstage vorliegenden Geſetzentwurfs zum Ausdruck
kommen ſollte, ſo werden grundlegende Aenderungen an
ihm vorgenommen werden müſſen. Daß der Reichstag
dieſe Abänderungsvorlage ſich zu eigen machen wird, iſt
wahrſcheinlich, da ſie den Wünſchen beider beteiligten
Parteien entſpricht. In bezug auf die Beſeitigung der
Konkurrenzklauſel überhaupt haben die Angeſtellten ihre
urſprüngliche Forderung fallen gelaſſen, um eine Verſtän=
digung
zu ermöglichen.
Erhebungen über die Fleiſchteue=
rung
. Wie verlautet, dürfte ſich die Vernehmung der
Sachverſtändigen in Sachen der Fleiſchteuerung, die am
3. Januar beginnen ſoll, eine Zeitlang hinziehen, worauf
dann eine Schlußſitzung der Fleiſchhandels=Konferenz an=
beraumt
werden wird, in der über die Ergebniſſe der Ver=
nehmungen
beraten werden ſoll. Dann dürfte auch Be=
ſchluß
darüber gefaßt werden, ob und in welcher Weiſe
das Material der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht wer=
den
ſoll. Eine Oeffentlichkeit der Verhandlungen, die
zum Teil in der Preſſe gefordert wurde, wird deshalb als
nicht angängig betrachtet, weil die zur Erörterung ge=
langende
Materie zum Teil handelspolitiſcher und zoll=
politiſcher
Art iſt, daß es nicht erwünſcht erſcheint, daß
Einzelheiten zur Kenntnis des Auslandes gelangen.
Außerdem liegt es in der Natur der Sache, daß Erör=
terungen
über Einzelheiten Fragen berühren, die von den
betreffenden Sachverſtändigen uſw. im eigenen geſchäft=
lichen
Intereſſe möglichſt geheim zu halten ſind. Gerade
durch die Geheimhaltung dürfte in erſter Linie die wün=
ſchenswerte
offene Ausſprache in allen Fragen möglich
ſein, was im Sinne einer möglichſt weitgehenden Klärung
der Sachlage liegt.
Aus der nationalliberalen Partei.
Die Königsberger Allgemeine Zeitung veröffentlicht nach=
ſtehende
Erklärung:
Die Unterzeichneten ſprechen dem geſchäftsführenden
Ausſchuß der Geſamtpartei den Dank dafür aus, daß er
nachdrücklich gegen das den Parteifrieden ſtörende Vor=
gehen
des Vorſitzenden der pommerſchen Landesorgani=
ſation
der nationalliberalen Partei Stellung nahm und
mißbilligen aufs ſchärfſte die gegen den Abgeordneten
Schiffer ausgeſprochenen Verunglimpfungen, ſowie den
damit zuſammenhängenden Verſuch, eine Spaltung in die
Parteien hineinzutragen. Dies ſteht im Gegenſatz zu den
dankenswerten Beſtrebungen Baſſermanns, die Einigkeit
der Partei hochzuhalten und allen Richtungen innerhalb
derſelben gerecht zu werden. Mit dem Ausdruck des un=
bedingten
Vertrauens zu unſeren Führern verbinden wir
die dringende Aufforderung an alle Parteifreunde, jedem
Verſuche, Uneinigkeit und Unfrieden in der Partei hervor=
zurufen
, entſchieden entgegenzutreten. Folgen 16 Unter=
ſchriften
.
Ein Kauf der Anſiedelungskommiſ=
ſion
. Das Rittergut Naſſenheide, das ſeinerzeit von
dem polniſchen Güterhändler Biedermann für 4 200000
Mark gekauft wurde, geht nunmehr wieder in deutſchen
Beſitz über. Die Anſiedelungskommiſſion hat es aufge=
kauft
, um es zu parzellieren. Naſſenheide iſt eines der
größten Rittergüter Deutſchlands und war viele Jahre
lang im Beſitze des durch ſeine Konflikte mit Bismarck
hiſtoriſch berühmt gewordenen Grafen Harry von Arnim.

Ausland.

Frankreich.
Zur Frage der Präſidentenwahl er=
klärte
Herr Ribot einem Berichterſtatter, daß er von Poin=
caré
nach einer langen Unterhaltung über die äußere Lage

vor mehreren Wochen aufgefordert worden ſei, im Falle
der vorausſichtlichen Weigerung Bourgeois ſich der repu=
blikaniſchen
Partei als Präſidentſchaftskandidat zur Ver=
fügung
zu ſtellen. Er habe damals geantwortet, daß er
ſich ſeiner Pflicht nicht entziehen werde, falls ſein Name
imſtande wäre, die in der gegenwärtigen Zeit notwen=
dige
republikaniſche Einigkeit herbeizuführen. Ich er=
hielt
, fuhr Ribot fort, von Poincaré ein Schreiben,
in welchem er mir ſeinen baldigen Beſuch ankündigt. Er
wird mir zweifellos die Gründe mitteilen, die ihn ſo
plötzlich beſtimmt haben, ſeine Kandidatur aufzuſtellen.
Ich kann unter dieſen Verhältniſſen meine Kandidatur
nicht zurückziehen. Die Wahl des Präſidenten geſchieht
nicht auf ein Programm hin, ſie iſt in erſter Reihe eine
Frage des Vertrauens in die Redlichkeit und die Er=
fahrung
des Mannes, welcher ſieben Jahre lang Frank=
reich
vertreten und über den Parteien ſtehen ſoll. In
republikaniſchen Kreiſen verlautet, Poincaré habe ſich
zur Kandidatur erſt entſchloſſen, als er die Verſicherung
erhielt, daß die Führer mehrerer republikaniſcher Gruppen
für ihn eintreten und er der Mehrheit in der Vollver=
ſammlung
der republikaniſchen Partei der Kammer und
des Senats ſicher ſein könne. In parlamentariſchen
Kreiſen werden außer den ſchon genannten Präſident=
ſchaftskandidaten
Poincaré, Ribot, Deschanel und Duboſt
auch noch andere Politiker, insbeſondere der Ackerbau=
miniſter
Pams, der Miniſter der öffentlichen Arbeiten
Jean Dupuy, ferner Clemenceau, Combes und Delcaſſé
als eventuelle Bewerber um die Präſidentſchaft genannt.
Portugal.
Die Begnadigung der Geiſtlichen. Der
Präſident der Republik richtete kürzlich an den Miniſter=
präſidenten
ein längeres Schreiben, worin er ihm eröff=
nete
, er ſei gebeten worden, Gnade für die aus ihren
Sprengeln und Pfarreien vertriebenen Biſchöfe und Pfar=
rer
walten und ſie auf ihren Sitz zurückkehren zu laſſen.
Der Präſident äußerte die Ueberzeugung, daß eine ſolche
Maßregel viel zur Ausſöhnung der Geiſtlichen mit der
Republik beitragen würde. Der Premier erwiderte, nach
Prüſung der Angelegenheit ſei die Regierung der An=
ſicht
, eine Begnadigung der Biſchöfe und Geiſtlichen er=
ſcheine
gegenwärtig nicht zweckmäßig. Die Regierung ſei
überzeugt, daß die Geiſtlichen nach der Rückkehr auf ihre
Poſten nur um ſo feindſeliger gegen die Republik ſein
würden.
Rußland.
Der Rücktritt des Miniſters des Innern
Makarow iſt vom Kaiſer bewilligt worden. Als Grund
wird geſchwächte Geſundheit angegeben. Die Ernennung
des Nachfolgers dürfte in dieſer Woche erfolgen.
Perſien.
Die inneren Unruhen. Eine Anzahl Mullahs
in Täbris telegraphierte kürzlich an das Kabinett und an
den engliſchen und den ruſſiſchen Geſandten in Teheran,
der Fortſchritt Perſiens erfordere die Entlaſſung des jetzi=
gen
Regenten, die Beſeitigung des bachtiariſchen Elements
aus dem Kabinett und die Ernennung Saad e Daulehs
zum Oberhaupt der Regierung, andernfalls würde ſich
die Provinz Aſerbeidſchan von der Regierung in Teheran
loslöſen und ihre Unabhängigkeit erklären. Der Si=
pahdar
brachte dieſe Bewegung in einem Schriftſtück zur
Kenntnis des engliſchen Konſuls in Täbris und gab
darin an, er betrachte die Meinung der Mullahs als Aus=
druck
der in der Provinz allgemein verbreiteten Stim=
mung
. Sollte ſich Aſerbeidſchan von der Regierung in
Teheran trennen, ſo wird dieſe bei den gegenwärtigen
Umſtänden vorausſichtlich außer Stande ſein, wirkſamen
Widerſtand zu leiſten, wenn nicht Rußland, was unwahr=
ſcheinlich
ſei, der Regierung Hilfe leiſtet. Salar e Dauleh,
der Bruder des früheren Schahs, der ſich augenblicklich
in Mafenderan aufhalten ſoll, lehnte die von der per=
ſiſchen
Regierung angebotenen Bedingungen mit dem Be=
merken
ab, er werde die Bedingungen der bachtiariſchen
Regierung nicht annehmen. Er ſei indeſſen bereit, die
Bedingungen von einer unter Saad e Dauleh ſtehenden
Regierung anzunehmen.
China.
Eine weitergreifende Propaganda
zur Wiederherſtellung des Mandſchu=
reiches
hat nach einer offiziellen Meldung aus Mukden
eingeſetzt. Dieſe Idee findet nicht nur die Unterſtützung
der Mandſchuren, ſondern auch der konſervativen Chi=
neſen
, ſelbſt in Kreiſen der Behörden und der Armee, ſowie
auch unter den Tſchuntſchuſen. Die Regierung in Peking

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Dezember 1912.

erteilte dem Generalgouverneur den Befehl, die geplante
Revolte auf das energiſchſte zu unterdrücken. Die Be=
wegung
iſt beſonders ſtark in den Provinzen Mukden und
Kirin. Die nationaliſtiſche Preſſe drückt die Meinung
aus, die Bewegung werde von Japan gefördert.

* Miniſter von Piſchek über die Preſſe.
Der Vorſitzende des Landesverbandes der Preſſe Würt=
tembergs
und Hohenzollerns (Württembergiſcher Journa=
liſten
= und Schriftſteller=Verein), Redakteur Adolf Heller,
hat von dem bisherigen Miniſter des Innern, Dr.
v. Piſchek, nachſtehendes Schreiben erhalten: Euer Hoch=
wohlgeboren
und dem Landesverband der Preſſe Würt=
tembergs
und Hohenzollerns danke ich von ganzem Herzen
für die freundlichen Abſchiedsworte, die Sie bei meinem
Scheiden aus dem Amt mir zu widmen die große Güte
hatten. Ich brauche kaum hervorzuheben, welch reichliche
Gelegenheit ich während meiner amtlichen Tätigkeit ge=
funden
habe, die gar nicht hoch genug einſchätzbare Be=
deutung
der Preſſe für die Geſtaltung und Entwickelung
unſeres öffentlichen Lebens auf allen ſeinen Gebieten ken=
nen
und insbeſondere würdigen zu lernen, wie viel frucht=
bare
und dankenswerte Anregungen und Förderung für
die Regierung und wie viel Gutes für die Allgemeinheit
eine von Sachkunde, von ehrlicher Ueberzeugung und von
patriotiſcher Geſinnung getragene Preſſe, wie ſie in dan=
kenswerter
Weiſe und mit rühmlichem Erfolg von dem
Landesverband der Preſſe Württembergs und Hohen=
zollerns
angeſtrebt wird, zu vermitteln und unmittelbar
zu wirken vermag. Ich halte es daher für eine ſelbſtver=
ſtändliche
, zugleich durch das eigenſte Intereſſe gebotene
Pflicht jeder Regierung, einer ſolchen Preſſe unabhängig
von ihrem ſonſtigen Parteiſtandpunkt und ebenſo den
Standesintereſſen und dem Anſehen ihrer Vertreter jede
mögliche Förderung angedeihen zu laſſen. Wenn es mir
daher, wie Sie ſagen, vergönnt war, die Intereſſen des
Landesverbandes zu fördern, ſo bedarf das keiner be=
ſonderen
Anerkennung. Wohl aber habe ich meinerſeits
allen Anlaß, dankbar dafür zu ſein, daß die in ihrem Lan=
desverband
vereinigte württembergiſche Preſſe in ihrem
ganz überwiegenden Teil mir und meinem guten Willen,
mein Amt in einer dem allgemeinen Wohl entſprechenden
Weiſe zu führen, ſtets eine wohlwollende und freundliche
Geſinnung betätigt hat und insbeſondere wird mir die
vorherrſchend überaus günſtige Beurteilung, die über alles
Verdienſt hinaus meine Amtstätigkeit bei meinem Schei=
den
aus dem aktiven Dienſt gefunden hat, für den Abend
meines Lebens eine innige, mit tiefer Dankbarkeit emp=
fundene
Freude und Genugtuung ſein.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 30. Dezember.

* Vom Hofe. Die Großherzoglichen Herr=
ſchaften
folgten am Freitag abend 8 Uhr einer
Einladung des Prinzen und der Prinzeſſin Wilhelm
zu Löwenſtein=Wertheim=Freudenberg zum Abend=
eſſen
. (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen am Samstag den Hauptmann von
Zangen beim Stabe des 2. Unter=Elſäſſiſchen Feld=
Artillerie=Regiments Nr. 67, den Hauptmann v. Scholten,
Batteriechef im Großh. Artillerie=Korps, 1. Großh. Heſſ.
Feld=Artillerie=Regiments Nr. 25, den Leutnant Riedeſel
Frhrn. zu Eiſenbach im Dragoner=Regiment Frhr. von
Manteuffel (Rheiniſches) Nr. 5, den Leutnant zur See
Mootz von S. M. S. Helgoland den Wirklichen Ge=
heimerat
Exzellenz Frhrn. v. Heyl zu Herrnsheim von
Worms, den Lehrer Maurer von Oppenheim, die Lehrer
Witzel und Deſſoir, ſowie die Profeſſoren Bonin und
Dr. Weckerling von Worms, den Profeſſor Klaſſert von
Mainz, den Kaiſerlichen Vizekonſul, Großh. Heſſ. Kammer=
junker
v. Küchler von Warſchau, den Rechtsanwalt Dr.
Bopp, den Apotheker Wernher von Oppenheim, den
Sanitätsrat Dr. Weber von Bremen; zum Vortrag den
Staatsminiſter v. Ewald, den Finanzminiſter Braun, den
Vorſtand des Kabinetts Geheimerat Römheld.
* Ordensverleihung. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben verliehen: die Krone zum

Ritterkreuz 1. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des
Großmütigen dem Hauptmann v. Zangen beim Stabe
des 2. Unter=Elſäſſiſchen Feld=Artillerie=Regiments Nr. 67,
ſeither Batteriechef im Großh. Artillerie=Korps, 1. Großh.
Heſſ. Feld=Artillerie=Regiments Nr. 25.
Von der Staatsanwaltſchaft. Se. Königl.
Hoheit der Großherzog haben den Oberſtaatsanwalt
am Landgericht der Provinz Starkenburg Franz von
Heſſert auf ſein Nachſuchen und unter Anerkennung
ſeiner langjährigen treuen und erſprießlichen Dienſte,
ſowie unter Erteilung des Charakters als Geheimer
Oberjuſtizrat, mit Wirkung vom 1. Januar 1913, ſeines
Dienſtes entlaſſen und den Oberſtaatsanwalt am Land=
gericht
der Provinz Rheinheſſen Dr. Otto Schwarz
zum Oberſtaatsanwalt am Landgericht der Provinz
Starkenburg, den Landgerichtsrat bei dem Landgericht
der Provinz Rheinheſſen Joſef Stigell zum Ober=
ſtaatsanwalt
an dieſem Gericht, beide mit Wirkung
vom 6. Januar 1913, ernannt.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Wilhelm
Meißner zu Groß=Karben, Kreis Friedberg, eine
Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Reiſen, Kreis
Heppenheim; dem Schulamtsaſpiranten Ludwig Frank
aus Lollar, Kreis Gießen, die Lehrerſtelle an der Ge=
meindeſchule
zu Ober=Schönmattenwag, Kreis Heppen=
heim
; dem Schulamtsaſpiranten Rudolf Hild aus
Meſſel, Kreis Darmſtadt, eine Lehrerſtelle an der Ge=
meindeſchule
zu Nordheim, Kreis Heppenheim; dem
Schulamtsaſpiranten Georg Riedel aus Fränkiſch=
Crumbach, Kreis Dieburg, eine Lehrerſtelle an der Ge=
meindeſchule
zu Gedern, Kreis Schotten; dem Schul=
amtsaſpiranten
Karl Graulich aus Zeilbach, Kreis
Alsfeld, die Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu
Haarhauſen, in demſelben Kreiſe.
Die Beiträge für die Angeſtelltenverſicherung
ſind von den Arbeitgebern im Wege des Poſtſcheck=
verkehrs
zu entrichten. Zu dieſem Zwecke ſind für
das Direktorium der Reichsverſicherungsanſtalt für
Angeſtellte in Berlin=Wilmersdorf, Hohenzollerndamm
193/195, beim Poſtſcheckamt in Berlin Poſtſcheckkonten
errichtet worden, und zwar je ein Konto für jeden
Ober=Poſtdirektionsbezirk im Reichs=Poſtgebiet und in
Bayern und ein Konto für Württemberg. Zu den
Einzahlungen ſind beſondere Zahlkarten auf
rotem Papier in rotbraunem Druck mit Vordruck der
Kontonummer und des Bezirks zu verwenden, die von
der Poſtanſtalt am Wohnorte des Arbeitgebers bei
Orten ohne Poſtanſtalt von der Beſtellpoſtanſtalt
zu beziehen ſind. Die Zahlkarten haben auf der Rück=
ſeite
des Abſchnitts einen Vordruck für die Berechnung
der fälligen Beiträge; auf der Rückſeite des anhängen=
den
Poſteinlieferungsſcheins ſind die bei der Einſendung
der Beträge ſonſt zu beachtenden Beſtimmungen abge=
druckt
. Die Zahlkarten werden von der Poſtverwaltung
hergeſtellt und von den Poſtanſtalten in der gleichen
Weiſe wie die blauen Zahlkarten an das Publikum
abgegeben. Inhaber von Poſtſcheckkonten können die
Beiträge durch Ueberweiſung entrichten. Dieſen Ueber=
weiſungen
ſind bei der Ueberſendung an das Poſt=
ſcheckamt
beſondere Gutſchriftzettel beizufügen. Die Rück=
ſeite
dieſer Zettel enthält den gleichen Vordruck wie
die Rückſeite des Zahlkartenabſchnitts. Die Gutſchrift=
zettel
werden in Blocks zu 50 Stück zum Preiſe
von 10 Pfg. für einen Block von den Poſtſcheck=
ämtern
an die Kontoinhaber abgegeben. Sie können
auch durch die Privatinduſtrie hergeſtellt werden, wenn
ſie mit dem amtlichen Fermular genau ſibereinſtimmen.
D Die heſſiſche Handwerkskammer ſtellt zurzeit Er=
hebungen
an über das Vorhandenſein privater
Verträge und Verdingungsunterlagen,
die das Handwerk ſchädigende Beſtimmungen enthalten.
An Material dieſer Art ſcheint es nicht zu fehlen, da auch
ſchon Verträge mit ſolchen Beſtimmungen, u. a. der des
bisherigen Privatarchitekten=Verbandes, bei der Hand=
werkskammer
eingelaufen ſind. Es werden in vorliegen=
den
Verdingungsunterlagen den Uebernehmern von Ar=
beiten
Laſten auferlegt, die als unerträglich und unbe=
rechtigt
angeſehen werden müſſen; Vorſchriften, wie be=
reits
mitgeteilt, daß alle und jede Nebenarbeiten, die ſich
im Laufe des Baues ergeben, wie dieſelben auch heißen
mögen, von den Unternehmern ausgeführt werden müſſen,
ohne daß denſelben ein Anſpruch auf beſondere Vergütung
zuſteht; daß fertiggeſtellte Arbeiten auf unbegrenzte Zeit

ohne Anſpruch auf Entſchädigung auf Koſten des Unter=
nehmers
lagern ſollen, daß für Schriftſtücke und Tele=
phongeſpräche
der Unternehmer dem Architekten beſtimmte
Beträge zu zahlen hat uſw. Die Handwerkskammer hat
die Arbeiten hierin bereits aufgenommen und gedenkt in
den erſten Wochen des neuen Jahres in den größeren
Städten des Landes ähnliche Beſprechungen mit den
Vorſitzenden der baugewerblichen Korporationen abzuhal=
ten
, wie ſie das jüngſt in Darmſtadt getan. Ueber das
Reſultat dieſer Tätigkeit wird alsdann den in Frage kom=
menden
Korporationen des Landes Mitteilung zugehen.
Die Angelegenheit iſt von ihr außerdem auf die Tages=
ordnung
der nächſten Verhandlungen des Handwerks= und
Gewerbekammertages gebracht.
H. K. Meiſterprüfung 1913. Es ſei hiermit nochmals
darauf hingewieſen, daß nur noch bis zum 1. Ok=
tober
1913 die Meiſterprüfung ohne Nach=
weis
der beſtandenen Geſellenprüfung
abgelegt werden kann Alle diejenigen, die eine ord=
nungsmäßige
Lehrzeit zurückgelegt und genügende Zeit als
Geſelle tätig geweſen ſind, aber ſeither noch mit Ablegung
der Meiſterprüfung gezögert haben, ſeien ermahnt, die
Vorbereitungen hierzu alsbald in Angriff zu nehmen. Eing
Verlängerung des geſetzlich feſtgelegten Termins (1. Oks
tober 1913) findet nicht ſtatt, auch kann nach dieſer Friſt
keine Befreiung von dem Nachweis der Geſellenprüfung
erfolgen. Um nun einer möglichſt großen Anzahl von
Handwerkern die Ablegung der Prüfung zu den erleich=
terten
Beſtimmungen zu ermöglichen, findet bereits im
kommenden Frühjahr eine außerterminliche Meiſterprüs=
fung
ſtatt. Die Prüfungsgebühr von 35 Mk. iſt an die
Handwerkskammer zu Darmſtadt, Georgenſtraße 9, ein=
zuſenden
; das den Prüflingen hierauf zugehende An=
meldeformular
iſt mit den darin verzeichneten Unterlagen
dem Vorſitzenden der zuſtändigen Meiſterprüfungskom=
miſſion
zuzuſtellen. Näherer Termin über den Schluß=
der
Anmeldungen zu dieſer Prüfung wird in der Tages=
preſſe
und im Gewerbeblatt rechtzeitig bekannt gegeben
Der durchſchnittliche Jahresarbeitsverdienſt
landwirtſchaftlicher Arbeiter iſt von dem Großh.
Oberverſicherungsamt mit Wirkung vom 1. Januar 1913
für die Stadt Darmſtadt wie folgt feſtgeſetzt
worden: 1. Für Arbeiter über 21 Jahre 990 Mk., von
16 bis 21 Jahren 840 Mk., unter 16 Jahren 510 Mk,
2. Für Arbeiterinnen über 21 Jahre 690 Mk., von 16
bis 21 Jahren 560 Mk., unter 16 Jahren 390 Mk.
* Freiwillige für das Kraftfahr=Bataillou. Das
Kraftfahr=Bataillon Berlin-Schöneberg ſtellt zum Herbſt
1913 Zweijährig=Freiwillige ſämtlicher Berufsarten
ein. Geſuche unter Beifügung eines Meldeſcheines,
ſelbſtgeſchriebenen Lebenslaufes und einer amt=
lichen
Beſcheinigung der Größe ſind an den Truppenteil
zu richten.
Neujahrs=Poſtverkehr. Bei dem alljährlich am
30. und 31. Dezember herrſchenden ſehr lebhaften
Schalterverkehr hat ſich bisher die pünktliche Abfertigung
des Publikums ſtets dadurch unerwünſcht verzögert, daß
faſt jedem Schalterbeſucher Geld herausgegeben wer=
den
mußte. Es liegt deshalb im eigenſten Intereſſe
des Publikums, beim Einkauf von Poſtwertzeichen das
Geld abgezählt bereit zu halten.
Warnung. Es wied darauf aufmerkſam gemacht,
daß erfahrungsgemäß vielfach von Perſönlichkeiten um
Neujahrsgeſchenke für ihre Tätigkeit bei Abholung des
Hauskehrichts oder Anzündens der Straßenlaternen
angehalten wird, die dieſer Tätigkeit vollſtändig fern
ſtehen. Vorſicht bei Verabreichung der Neujahrsgeſchenke
ſcheint daher geboten.
* Abnorme Temperatur. Eine wahrhaft ſommer=
liche
Temperatur herrſchte in den letzten Tagen.
Am Donnerstag früh 7 Uhr zeigte das Thermometer
8,3%, am Freitag 7,6 und am Samstag 11,9 C.
Dieſe hohe Temperatur am Samstag früh iſt um ſo auf=
fälliger
, als das Maximum vom Freitag nur 9% O be=
trug
. Weder der Vegetation, noch der Geſundheit ſind
dieſe ganz außergewöhnlichen Temperaturverhältniſſe zu=
träglich
.
* Silberne Hochzeit. Am 31. Dezember begehen
Herr Schriftſetzer Georg Sturm und Gemahlin, geb.
Rieſe, das Feſt ihrer Silbernen Hochzeit. Herr
Gefangen=Aufſeher Ludwig Werkmann und ſeine
Ehefrau, geb. Rippert, feiern am 1. Januar 1913 das
Feſt ihrer Silbernen Hochzeit.

1813.5
Jubiläumsnotizen von Willi Dünwald.
(Nachdruck verboten.)

1. Die Volkserhebung:
Konvention von Tauroggen. York und Stein in
Königsberg. Der oſtpreußiſche Landtag. Oſtpreußi=
ſcher
Aufwand und Rüſtungen. Friedrich Wilhelm III.,
ſeine Perſon, ſeine Lage. Verhandlungen mit dem
Zaren. Bündnisabſchluß.
Der zündende Funke entſprach einer Prinz Hom=
burg
=Tat.
York, der Mitſtreiter von Jena und Auerſtedt, war
dem Hilfskorps, das Preußen Napoleon beim ruſſiſchen
Feldzuge zu ſtellen hatte, als Kommandant zugeteilt. Ge=
drängt
von Vaterlandsliebe, getrieben von der Erkennt=
nis
, daß die Zeit gekommen, Jena und Auerſtedt wettzu=
machen
, verzögerte er auf eigene Rechnung und Gefahr
den Anſchluß an das retirierende Armeekorps Macdonalds
und ſchloß am 30. Dezember 1812 in der Mühle von
Poſcherun bei Tauroggen eine Konvention mit den Ruſ=
ſen
. An den König ſchrieb der Kühne: Euer Königlichen
Majeſtät Monarchie, obgleich beengter als im Jahre 1805,
iſt es jetzt vorbehalten, der Erlöſer und Beſchützer Ihrer
und aller deutſchen Völker zu werden. Der Zeitpunkt
muß aber ſchnell benutzt werden. Jetzt oder nie iſt der
Moment, Freiheit, Unabhängigkeit und Größe wieder zu
erlangen.
Zugleich überſchritten ruſſiſche Truppen als Freunde
die oſtpreußiſche Grenze, verdrängten die fliehenden
Franzoſen und wurden von den Bewohnern wie Brüder
aufgenommen. Unter Hintanſetzung eigener Bedürfniſſe
übten ſie nobles Gaſtrecht an ihnen.
Anfangs Januar 1813 zog York in Königsberg ein,
umjauchzt vom Volk, umlodert von Fackeln der Albertina=
Studenten. Und Hans von Auerswald, dem Meuchlers=
hand
1848 in Frankfurt das Leben erledigte, brachte ihm
in zündender Rede die Herzen der preußiſchen Jugend
dar, die gewillt, fürs Vaterland ſich jederzeit in die
Schanzen zu ſchlagen.

Das Verlangen nach vaterländiſcher Wiedergeburt,
das in den Herzen ganz heimlich gebrannt, ſchlug jetzt
flackernd hoch. Das Stammesbewußtſein hatte lange
ſtumm gelitten; ſtumm, weil Napoleon, ſo es ihm gefiel,
ganz Preußen in die Taſche ſtecken konnte. Man hatte ſich
dem Geſchick ergeben, hatte nicht immer den Mut zur Hoff=
nung
gehabt. Aber die Sehnſucht war geblieben, war
ſtärker geworden, je ſchlimmer es dem Lande erging.
Und dem erging es ſchlimm. Was war aus dem
Staat geworden, den Friedrich der Große in herbem Be=
mühen
zu Anſehen gebracht? An Flächenraum um die
Hälfte verkleinert, um fünf Millionen Untertanen vermin=
dert
, war Preußen aus dem Tilſiter Frieden hervorge=
gangen
. Und 160000 Franzoſen waren im Lande geblie=
ben
, mußten von den Bewohnern gehegt und gepflegt
werden, bis die Kriegskontributionen, die unter der Hand
ſtetig in die Höhe geſchraubt wurden, gezahlt ſeien; ſie
ſaßen wie Blutegel an den ſchlaffen Nähradern Preußens.
Dazu war die ſoziale Lage die denkbar ſchlechteſte: der
Ackerbau, die brandenburgiſche Tuchfabrikation, die ſchle=
ſiſche
Leinwandinduſtrie, alles lag brach; zu allem fehlten
die Betriebsgelder; und die Kontinentalſperre, im No=
vember
1806 von Napoleons engliſcher Politik errichtet,
tat noch ein übriges.
Nun aber, da kaum das ruſſiſche Schickſal der franzö=
ſiſchen
Armee bekannt geworden, Ereigniſſe auf Ereigniſſe
ſich jagten, kranke und verhungerte, waffenloſe franzöſiſche
Soldaten hilfeflehend auf deutſchen Straßen unterwegs
nach Frankreich waren, nun kam die Kunde von Yorks
entſchloſſener Tat. Jubel und Begeiſterung, aber auch
Furcht erhoben ſich. Nicht nur in Preußen, in Alldeutſch=
land
. Man wartete, daß Preußens König ſie bewillige
und fortſetze; man glaubte, die Ausklopfung der Fran=
zoſen
aus deutſchen Landen werde ſogleich beginnen.
Aber man bekam Urſache, ſich darüber zu erregen,
daß eine gute Gelegenheit unbenützt verſtreiche. Der König
ſchwieg; Deputationen beſchwörten ihn; beſcheidlos ver=
ließen
ſie wieder Berlin. Und York ſchrieb an Bülow:
Was für Anſichten hat man in Berlin? Iſt man ſo tief
geſunken, daß man es nicht wagen darf, die Sklavenketten
zu zerbrechen, die wir ſeit fünf Jahren ſo demütig ertra=
gen
müſſen? Die Armee will den Krieg gegen Frankreich,
das Volk will ihn, der König will ihn; aber der König hat
keinen Willen. Aber erkämpfen, erwerben wollen wir
unſere Freiheit und Selbſtändigkeit; ſie als ein Geſchenk
von den Ruſſen annehmen und erhalten, heißt die Nation
an den Schandpfahl der Erbärmlichkeit ſtellen.
Des Königs indirekte Antwort beſtürzte. Die Prinz
Homburg=Tat ſchien ein Prinz Homdung=Echickſal zur

Folge zu haben. Berliner Zeitungen meldeten offiziös,
des Königs Flügeladjutant werde York, der ſich vor
einem Kriegsgericht zu verantworten habe, die Abſetz=
ungsorder
bringen.
York ging es nicht um ein Haar beſſer als dem Prin=
zen
von Homburg. Er, der überhaupt ſchwarzſeheriſch
veranlagt war, durchlitt eine ſchwere Lebenszeit. Seiner
Tat, ihrer Bedeutung und der möglichen Folgen für ihn
ſelbſt war er ſich voll bewußt geweſen; er hatte gehandelt
im Sinne des Vaterlandes und, wie er glaubte, auch im
Sinne des Königs.
Doch die Abſetzungsorder kam nicht. Da tagte in
York die leidlöſende Erkenntnis, daß der König mit ſei=
nem
eigenmächtigen Schritt insgeheim wohl einverſtan=
den
und nur aus Politik, Napoleons wegen, ſeine Miß=
billigung
der Konvention von Tauroggen und die Maße
regelung des Vertragsſchließenden öffentlich ausgeſproe
chen habe. Aber der König blieb ihm gegenüber auch
weiter ſtumm, und ſo wußte er nicht, was tun und was
laſſen.
Da kam ihm Stein zu Hilfe.
Freiherr von Stein, deſſen Name und Ruhm, der
Schöpfer des neuen Preußens zu ſein, zeitunbegrenzt iſt.
Nach dem Tilſiter Frieden war er dem König von Preu=
ßen
von Napoleon als Miniſter empfohlen worden. Aber
er wirkte nicht im Sinne Napoleons. Er fing an, Preu=
ßens
Staatsweſen neu aufzubauen, das Heerweſen zu
reorganiſieren. Er war nicht Preuße und tat nicht, was
er tat, aus geknechtetem Stammesempfinden heraus;
ſeine reiche Seele empfand uneingeengter, völkiſch: die
Stücke des einſtigen Deutſchen Reiches ſuchte er zu einer
neuen Nation deutſcher Zunge zuſammenzuſchmieden.
Aber nach einjähriger genialer Tätigkeit mußte er vor
dem Haſſe Napoleons fliehen. Er war nach ſeiner Ver=
bannung
aus Preußen endlich in Petersburg gelandet,
wohin ihn der Zar berufen. Und deſſen junges, in alles
Große und Ideale verliebte Herz hatte er während des
ruſſiſch=franzöſiſchen Krieges warm gemacht für ſeine
Lebensidee: Napoleon Europa abzujagen.
Nun war ihm genug gezögert in Preußen. Er wollte
nahe ſein und drängen. Er verließ Petersburg mit aus=
gedehnten
kaiſerlichen Vollmachten, traf am 22. Januar
1813, begleitet von Ernſt Moritz Arndt, in Königsberg
ein und griff keck hinein in die Gerechtſame des preußi=
ſchen
Königs. Alles kam ihm zu zweit und zu dritt,
Formen, Inſtanzen uſw., und nur eines kam zuerſt: der
Erhebungsgedanke. Er bekämpfte kurzſichtige preußiſche
Beamten, um die Einberufung eines Generallandtages

*) Mit dem vorliegenden Artikel beginnt eine Serie
von zehn Abſchnitten über das Jahr 1813 zu erſcheinen,
die in literariſch beachtenswerter, hiſtoriſch einwandfreier
Weiſe die wichtigſten Ereigniſſe des großen
Jahres hehandelt.

[ ][  ][ ]

Richard Wagner=Verein. Wegen Erkrankung
des Herrn Hofopernſängers Stephani muß das für
heute Montag angekündigte Konzert des Darm=
ſtädter
Vokalquartetts auf Mitte Januar ver=
ſchoben
werden. Der nächſte Vereinsabend des Ver=
eins
wird nunmehr am 9. Januar ſtattfinden (Beethoven=
Abend des Berliner Klingler=Quartetts).
Darmſtädter Lehrerinnen=Verein. Am Samstag,
den 11. Januar, nachmittags 4 Uhr, beginnt im Vor=
tragsſaal
des Großh. Landesmuſeums (Eingang am
Turm) ein Vortragszyklus über Stilkunde von Herrn
Direktor Dr. Kienzle. An den etwa 8 immer Samstag
nachmittags von 46 Uhr ſtattfindenden Vorträgen
können auch Nichtmitglieder, Damen wie Herren, teil=
nehmen
.
* Orpheum. Heute, Montag, treten die Kunſtkräfte
des überaus erfolgreichen Weihnachtsprogramms letzt=
malig
auf. Mittwoch, 1. Januar, wird ſich in zwei
Vorſtellungen das große Neujahrsprogramm vor=
ſtellen
. (S. Anz.)
Hotel Britannia. Man ſchreibt uns: Für die
Silveſterfeier mit Ball im Britannia=Hotel ſind dieſes
Jahr ganz beſondere Vorbereitungen getroffen worden,
und zwar iſt in Berbindung mit einigen der größten
Weltſtadthotels ein Feſtplan aufgeſtellt worden, der für
Darmſtadt als vollkommene Neuheit gelten darf und
der beweiſt, daß auch auf dem Gebiete der feinſten
Hotelfeſtlichkeiten Darmſtadt ſich den Großſtädten er=
folgreich
zur Seite ſtellen darf. Zwei Orcheſter werden
für die Tafel= und Ballmuſik in der gewohnten vorzüg=
lichen
Weiſe ſorgen, während die ſämtlich feſtlich ge=
ſchmückten
und ſtimmungsvoll erleuchteten Parterre=
lokalitäten
dem Feſte einen vornehmen Rahmen geben,
ſo daß der einzigartige Verlauf der Feier, der allen
Teilnehmern aus den früheren Jahren in der beſten
Erinnerung ſteht, geſichert erſcheint. Die Direktion des
Hotels iſt ſchon mit namhaften Künſtlern in Ver=
bindung
getreten und dürfen die auserleſenſten Kunſt=
genüſſe
außer den übrigen dieſesmal mit beſonderer
Sorgfalt ausgewählten Ueberraſchungen in Ausſicht ge=
ſtellt
werden. Die Feſtpolonäſe allein kann in ihrer
pomphaften Ausſtattung als Sehenswürdigkeit betrachtet
werden. Es empfiehlt ſich, Beſtellungen für Tiſche wie
Silveſterſoupers rechtzeitig zu machen, da das Intereſſe
für die vielverſprechende Veranſtaltung jetzt ſchon ſehr
rege iſt. (Siehe Anz.)
m. Die Schienenſtränge der alten Bahnſtrecke, die nach
Aſchaffenburg führte, ſind in ihrem Teile von der
Arheilger Chauſſee bis zum Alten Arheilger Weg ent=
fernt
worden. Das Stückſteinlager und die Stein=
ſchotter
haben beim Bahnneubau Verwendung gefunden.
Die Schranken, welche den Fuhrwerks= und Fußgänger=
verkehr
außerordentlich hinderten, ſind abgetragen und die
offenen Bahnſtrecken mit einem Bretterſpalier zugemacht
worden.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer Expe=
dition
(Rheinſtraße 23) ſind von heute ab folgende Bil=
der
neu ausgeſtellt: Von der Beiſetzung des Prinz= Regen=
ten
Luitpold zum Grubenunglück auf der Zeche Mini=
ſter
Achenbach bei Dortmund die Friedensunterhänd=
ler
der Balkanſtaaten und der Türkei.
A Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
vergangener Woche. Butter ½ Kg. 1,50 M., in Par=
tien
1.40 M., Eier 810 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 22 bis
25 Pf., Handkäſe 410 Pf., Kartoffeln Zentner 2.25
bis 2.50 M., Kumpf (10 Liter) 3040 Pf., ½ Kg. 34 Pf.,
Mäuschen Kumpf 1 M., ½ Kg. 89 Pf.; Obſt u. dgl.:
Aepfel, Birnen ½ Kg. 715 Pf., Nüſſe 100 Stück 45 bis
50 Pf., Haſelnüſſe ½ Kg. 4050 Pf., Kaſtanien ½ Kg.
1618 Pf., Zitronen 56 Pf., Apfelſinen 410 Pf.;
Salat, Gemüſe: Kopfſalat 15 Pf., Endivien 610 Pf.,
Körbchen Feldſalat 1015 Pf., Bündel Radieschen 3 Pf.,
Rettiche 510 Pf., Meerrettich 1030 Pf., Roterüben ½ Kg.
810 Pf., Zwiebeln ½ Kg. 58 Pf., Tomaten ½ Kg.
60 Pf., Spinat ½ Kg. 25 Pf., Weißkraut 510 Pf., Zent=
ner
1,802,00 M., Rotkraut 1030 Pf., Wirſing 510 Pf.,
Blumenkohl 2550 Pf., Roſenkohl ½ Kg. 25 Pf., Gelbe=
rüben
½ Kg. 56 Pf., Grünkohl 36 Pf., Schwarzwurz
½ Kg. 2530 Pf.; Geflügel, Wild: Gänſe ½ Kg.
90 Pf., Enten 34 M., Hahnen und Hühner 1,50 bis
2,00 M., Tauben 6070 Pf., Haſen 4 M., Lapins 1,20 M.
Fiſche ½ Kg.: Hecht, Karpfen 90 Pf., Aal 1 M., andere
Rheinfiſche 3550 Pf., Rotzungen 60 Pf., Schollen 40 Pf.,

Kabeljau 27 Pf., Schellfiſche 2428 Pf.; in den Fleiſch=
ſtänden
½ Kg.: Rindfleiſch, Hackfleiſch 76 Pf., Rinds=
fett
70 Pf., Rindswürſtchen (Stück) 15 Pf., Schweinefleiſch
96 Pf., geſa zenes und Koteletts 1,06 M., Schwarten=
magen
u. Fleiſchwurſt 90 Pf., Leber= u. Blutwurſt 76 Pf.

Verloſung im Kunſtverein.

* Am Samstag nachmittag fand in der Kunſthalle
am Rheintor die Verloſung der für die Mitglieder
des Kunſtvereins angekauften Gewinne ſtatt.
Es haben gewonnen: Meiſenzahl, Hauptmann
der L., Darmſtadt: Aus dem Kranichſteiner Park, Oel=
gemälde
von Hch. Reinh. Kröh; Feiſtmann, Eugen,
Fabrikant, Offenbach a. M.: Schloß Braunshardt Oel=
gemälde
von Georg Altheim; Thiele, G., Hoflieferant,
Darmſtadt: Weiße Roſen, Oelgemälde von Hch. Julius
Nover; Hisgen, Karl, Fabrikant, Worms: Schleier=
kraut
, Oelgemälde von Auguſte Kichler; Ehrenberg,
Dr., Alex., Chemiker, Darmſtadt: Stadtkirche in Mitten=
wald
Aquarell von Albert Hartmann; W. Horſt, Kunſt=
maler
, Darmſtadt: An der Eltz, Radierung von Jakob
Weinheimer: Kempff, K., Dr., Gutsbeſitzers=Witwe,
Gießen: Obſtbäume Radierung von Jakob Wein=
heimer
; Seligmann, Rudolf, Darmſtadt: Roſſe=
bändiger
Majolika (grünes Pferd) von Bernhard Hoet=
ger
; Klein, Ph., Bildhauer, Darmſtadt: Roſſebändi=
ger
Majolika (weißes Pferd) von Bernhard Hoetger;
Schnittſpahn Landgerichtsrat, Gießen: Mond=
nacht
Lithographie von Heinrich Otto: Stier Hof=
zimmermaler
, Darmſtadt: Regenbogen Radierung von
Heinrich Otto; Frau Dittmar, Juſtizminiſters=Wwe.,
Exzellenz, Darmſtadt: Vorfrühling, Radierung von
Heinrich Otto; Se. Kgl. Hoheit der Großherzog:
Studienkopf Kaltnadel von Leo Kayſer; Strecker,
Dr., Geh. Kommerzienrat, Mainz: Bacchantinnen
Kaltnadel von Leo Kayſer; Frl. Felchner, Marie,
Malerin, Gießen: An der Dyée, Radierung von Leo
Kayſer; Wenck Hch., Fabrikant, Darmſtadt: Boots=
reparatur
Kaltnadel von Leo Kayſer; Orth Ph.,
Kaufmann, Darmſtadt: Selbſtporträt 1904, Radierung
von Theodor Gengnagel; Frau Voelkel Wera, Darm=
ſtadt
: Exlibris Poeſchel Radierung von Theodor Geng=
nagel
; Frau Locher C., Hauptmanns=Wwe., Darm=
ſtadt
: Der Teich Bethesda Folge von Radierungen,
Abdruck 78, von Adolf Schinnerer; Stadt Offen=
bach
: Der Teich Bethesda, Folge von Radierungen,
Abdruck 191, von Adolf Schinnerer: Schmitt, Dr.,
Juſtizrat, Mainz: Heft 19 (1912) des Vereins für Origi=
nalradierung
in Karlsruhe; Trier Eugen, Kaufmann,
Darmſtadt: Vereinsgabe des Sächſiſchen Kunſtvereins für
1911; Möſer, W., Kaufmann, Darmſtadt: Heft 27 des
Vereins für Originalradierung zu Berlin; Schwar=
Ph., Bildhauer, Darmſtadt: 3 Radierungen, Vereinsgabe
des Badiſchen Kunſtvereins für 1912; Koch Alexander,
Hofrat, Darmſtadt: Vereinsgabe des Württembergiſchen
Kunſtvereins für 1911/12; Füller, Aug., Hofphotograph,
Worms: Vereinsgabe des Kunſtvereins für die Rhein=
lande
und Weſtfalen für 1912; Flimm, Fritz, Kauf=
mann
, Gießen: Vereinsgabe des Kunſtvereins für die
Rheinlande und Weſtfalen für 1912; Nover Gebr.,
Darmſtadt: Vereinsgabe des Kunſtvereins für die Rhein=
lande
und Weſtfalen für 1912; Groß Eugen, Maler,
Gießen: Vereinsgabe des Kunſtvereins für die Rhein=
lande
und Weſtfalen für 1912.

Bensheim, 28. Dez. Zum Bürgermeiſter von
Bensheim iſt als Nachfolger Dr. Frenays der Kreis=
amtmann
beim Kreisamt Bensheim, Regierungsrat Löh=
lein
, auserſehen.
Mainz, 28. Dez. In einem Hauſe des Karmeliten=
platzes
ſoll ſich, wie das M. J. berichtet, ein Einbrecher
eingeſchlichen haben. Infolgedeſſen war das ganze Haus
rebelliſch. Die Polizei wurde benachrichtigt und vier
Mann hoch rückten die Schutzleute an. Es wurde vom
Keller bis zum Dache das Haus durchſucht, aber der Ein=
brecher
nicht gefunden. Aber endlich hatte man Erfolg.
Das Manſardenzimmer eines Dienſtmädchens war ver=
ſchloſſen
, die Maid behauptete, der Zimmerſchlüſſel habe
von außen geſteckt, er ſei jetzt verſchwunden, der Einbrecher
müſſe ſich in ihrem Zimmer verſteckt halten. Es wurde
an der Tür gepocht und dem Einbrecher erklärt, wenn er

nicht freiwillig öffne, dann werde Gewalt angewendet und
die Tür geſprengt. Da vernahm man Fußtritte im In=
nern
des Zimmers, alles weicht zurück, nur die
Schutzleute blieben vor der Tür, die ſich nun öffnet. Der
Einbrecher tritt heraus, das Dienſtmädchen fällt halb
in Ohnmacht, ihr Schatz hatte ſich in ihr Zimmer einge=
ſchlichen
. In ſeiner Angſt durch den Lärm wegen des
Einbrechers für den man ihn irrtümlich hielt, entdeckt
zu werden, zog er den Türſchlüſſel heraus und ſchloß von
innen zu. Die Polizei konnte ſich wieder entfernen, die
Einwohner des Hauſes waren wieder beruhigt.
Gießen, 28. Dez. Der Friedberger Bombenattentäter
Werner machte, lt. G. Anz., in der Nacht vom 23. zum
24. Dezember im Zuchthaus zu Marienſchloß einen Aus=
bruchverſuch
. Er hatte ſchon ein großes Loch in die
Wand gebrochen, als ſein Vorhaben gemerkt wurde.
Geh. Kommerzienrat S. Heichelheim ſtiftete den Betrag
von 500 Mark für die Geſellſchaft Liebig=Muſeum.
Schlitz, 28. Dez. Die Erbgräfin Wilhelm
von Schlitz, gen. von Görtz, geb. Riedeſel Freiin
zu Eiſenbach, iſt am 26. Dezember von einer Tochter
entbunden worden.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 28. Dez. Das Weih=
nachtsgeſchäft
in dieſem Jahre war, wie die Voſſ.
Ztg. auf Umfrage erfährt, mittelmäßig. Einigermaßen
befriedigend lauten, wenn man die milde Witterung be=
rückſichtigt
, die Bilanzen der Pelzwarengeſchäfte. Nicht
ſchlecht war auch der Umſatz im Tuchwarenhandel. Klagen
über geringere Abſätze hört man vom Lebens= und Genuß=
mittelmarkt
. Stark benachteiligt fühlen ſich viele Zigarren=
geſchäfte
. Augenſcheinlich hat auch die Automobilbranche
recht ſchlechte Geſchäfte gemacht. Etwas günſtiger lauten
die Berichte der Damenkonfektion. Als ein Automo=
bil
des Prinzen Friedrich Leopold in ziemlich
raſcher Fahrt die Wilhelmſtraße in Nowawes entlang
fuhr und die Grenzſtraße kreuzen wollte, kam ein Schläch=
terfuhrwerk
dahergefahren, das dem Automobil des Prin=
zen
nicht mehr ausweichen konnte. Es erfolgte ein heftiger
Zuſammenſtoß bei dem ein Pionier des Eiſenbahn=
Regiments, Willy Delock, der auf dem Bock des Fleiſcher=
wagens
ſaß, herabgeſchleudert und ſchwer verletzt wurde.
In dem Automobil ſaß einer der Söhne des Prinzen
Friedrich Leopold, der ſofort anhalten ließ und für die
Ueberführung des Verletzten in das Krankenhaus Sorge
trug. Die Auslieferung des Bankdiebes
Bruning wird vorausſichtlich ſchneller erfolgen, als an=
fänglich
zu erwarten war. Bruning hat ſich bereit erklärt,
gegen ſeine Transportierung nach Deutſchland keine Ein=
wände
zu erheben. Damit hat er auf das etwas umſtänd=
liche
Auslieferungsverfahren verzichtet. Ueber den Ver=
bleib
des Geldes will er vorläufig keine Angaben machen,
ſondern damit bis zu ſeinem Eintreffen in Deutſchland
warten. Offenbar will er ſeinen Schwager Hatke, von deſ=
ſen
erfolgter Feſtnahme er noch nichts weiß, nicht kompro=
mittieren
. Bruning wird durch kanadiſche Beamte bis
London und von dort durch engliſche nach Deutſchland ge=
bracht
werden, wo er vorausſichtlich Anfang Februar ein=
treffen
dürfte. In Rummelsburg wurden heute morgen
beim Ueberſchreiten der Gleiſe drei Streckenarbeiter vom
Zuge erfaßt. Einer wurde getötet, die beiden an=
dern
verwundet.
Wiesbaden, 28. Dez. Den Tod im Aufzugs=
ſchacht
fand heute früh der Weißbinder Baum aus
Dotzheim, der im Hotel Weißer Löwe mit Anſtreich=
arbeiten
beſchäftigt war. Er bemerkte nicht, daß wäh=
rend
ſeiner Tätigkeit im Schacht der Aufzug ſich in Be=
wegung
ſetzte. Das herunterkommende Gewicht trennte
ihm den Kopf vom Rumpfe ab.
Kaſſel, 28. Dez. Hier wurde der Bautechniker Köh=
ler
unter Spionageverdacht verhaftet. Er
war bei einer Optiker=Firma, die für die Armee lieferte,
als Zeichner beſchäftigt. Er benutzte die Gelegenheit,
Zeichnungen und Modelle zu Entfernungsmeſſern für
Luftſchiffe an England und Rußland zu verkaufen.
Mannheim, 28. Dez. Geſtern nachmittag wurde auf
einem Kohlenlagerplatz im Rheinau=Hafen dem 32 Jahre
alten verheirateten Taglöhner Valentin Hoog aus Altrip
von einem elektriſchen Kran die Schädeldecke ein=

zu erreichen, wozu eigentlich nur der König das Recht
beſaß.
Der Landtag kam zuſtande. Eine Deputation holte
York, damit er als Generalgouverneur die Leitung über=
nehme
. Ein Sturm der Begeiſterung grüßte ihn, ein
Sturm der Begeiſterung antwortete ſeiner Rede, die er
mit den Worten ſchloß: Ich hoffe, die Franzoſen zu
ſchlagen, wo ich ſie finde, ich rechne dabei auf die tatkräf=
tige
Teilnahme aller; iſt die Uebermacht zu groß, ſo wer=
den
wir ruhmvoll zu ſterben wiſſen. Er machte Rüſt=
ungsvorſchläge
, die von der Provinz einſtimmig ange=
nommen
wurden. Eine allgemeine Wehrpflicht ward
eingeſetzt: jeder Oſtpreuße im Alter zwiſchen 18 und 40
Jahren, ausgenommen die Untauglichen, die Geiſtlichen
und die Lehrer, war dem Dienſt in der Landwehr ver=
pflichtet
. Bekleidung und Ausrüſtung hätten die Ge=
meinden
zu geben, der Staat die Waffen. 1000 Pferde
zur Bildung eines Kavallerie=Regiments wurden be=
willigt
. Und überdies ward noch ein Landſturm er=
richtet
.
Stein hatte erreicht, was er wollte: die Provinz er=
hob
ſich ohne königlichen Befehl. So die Königsberger
Miſſion gut beendet, fuhr er zum Kären zurück, um bei
ihm insgeheim weiter zu wirkeng; Von Oſtpreußen er=
zählte
er dem Zaren: Alles verheißt die glücklichſten Er=
gebniſſe
, das wichtigſte aber unter ihnen iſt das Bei=
ſpiel
, das dieſe Provinz ganz Deutſchland gegeben.
Das Beiſpiel aber ſah ſo aus: Oſtpreußen mit kaum
einer Million Einwohner ertrug die Aushebung von
50000 Mann und leiſtete, obgleich ſeit dem Unglücksjahre
am ſchlimmſten mitgenommen, über eine Million Taler.
Graf Dohna hatte das zweifelhafte Vergnügen, zum
preußiſchen König zu reiſen, um dieſem von der Ein=
berufung
des Landtags ohne ihn und vom Erfolg dieſer
revolutionären Tat Mitteilung zu machen.
Wie überall, ſo war man auch in Berlin bereits ner=
vös
geworden. Als nun gar zu hören war, was York
getan, und der König noch immer ſtille blieb, wurde man
ungeduldig. Denkſchriften, in begeiſterter und unterneh=
mender
Sprache geſchrieben, fluteten ins Berliner Schloß,
Und zu der Nachricht, daß Oſtpreußen auf eigene Fauſt
ſich wappne, kam aus anderen Gauen ähnliche Kunde.
Erwägungen mit den Endergebniſſen: einerſeits!
und andererſeits! machten Friedrich Wilhelm III. unent=
ſchloſſen
. Einerſeits betrachtete er den Moment gekom=
men
für Preußens Rehabilitierung. Andererſeits be=
fürchtete
er ein Jena und Auerſtedt redivivus. Einer=
ſeits
verkannte auch er nicht den günſtig gegebenen Mo=

ment der Revanche. Andererſeits kam es ſeiner vorneh=
men
Geſinnung billig und unſchön vor, die unglückliche
Lage des Feindes auszunutzen.
Der König war das Gefäß guter menſchlicher Eigenſchaf=
ten
, aber in ihm wirkte kein genialer Geiſt. Eine Feuer=
ſeele
durchglühte ihn nicht. Ueberdies und außerdem
hatten die Unglücksjahre ihn kleingläubig gemacht. Das
Zuſtandekommen eines forſchen Entſchluſſes konnte in
ihm nicht ſtattfinden. Erwägungen aber gelten in ſol=
chen
Situationen gleich Null; wogegen ein rückſichtsloſes
Va-banque=Spiel ſich hoch beziffern kann. Er ſah ſich
hingeſtellt, jäh, plötzlich, vor eine völkiſche Tat und ſchrak
zurück. Und ihm fehlten ihn umgebende Menſchen, die
das Herz warm zu machen vermochten, Beſorgniſſe aus=
zureden
verſtanden. Miniſter Hardenberg, Steins Nach=
folger
, aber war ſelbſt ein vorſichtiger Mann und die
kühnen Draufgänger waren fern. Gneiſenau in England,
Scharnhorſt in Schleſien, Stein beim Zaren und York
in Königsberg.
Yorks Tat traf ihn ſchwer; er billigte und mißbilligte
ſie. Sie bot ihm ein Doppelſpiel, das ſeiner geraden
Natur nicht lag. Ein Adjutant trug ein eigenhändiges
Schreiben an Murat, dem Napoleon das Hauptkom=
mando
über das aus Rußland retirierende Heer über=
tragen
, und an Napoleon ſelbſt ging ein franzoſenfreund=
licher
Fürſt ab. Beide Geſandte bedauerten namens des
Königs Yorks Tat, erklärten deſſen Abſetzung und Ver=
haftung
, und boten Napoleon ein friſches Truppenkorps
preußiſcher Soldaten für den zweiten ruſſiſchen Feldzug.
Jener Adjutant aber, der zu Murat reiſte, ſchlug ſich nach
Erledigung ſeiner an dieſen adreſſierten diplomatiſchen
Geſchäfte insgeheim ins ruſſiſche Hauptquartier zu Kaiſer
Alexander, um dem zu erklären, der König ſei mit Yorks
abgeſchloſſener Konvention einverſtanden, könne und
dürfe ſie aber vorläufig nicht öffentlich anerkennen; dem
König ſei ein Schutz= und Trutzbündnis mit dem Zaren
willkommen.
Die in Preußen weilenden Franzoſen aber fühlten
den leidenſchaftlichen Atem der Volksbewegung und trau=
ten
der Treuverſicherung des Königs nicht. Der Adju=
tant
an Murat und den Zaren ſpürte bereits ſeiner Ferſe
folgende Spione; nur auf Umwegen konnte er nach Ber=
lin
zurück. Ein dunkles Gerücht, der König ſollte gefan=
gen
genommen und als Geiſel fortgeführt werden, ließ
die Berliner Bürger ſchützend zuſammentreten. Da bat
der König den franzöſiſchen Geſandten und die höchſten
franzöſiſchen Offiziere bei ſich zu Tiſche und erklärte ihnen
ſo zwiſchendurch, daß er ab morgen in Breslau reſidie=
ren
werde, um dort die Aushebung eines neuen Heeres
für Napoleon vorzunehmen.

In der Vornahme der Reſidenzverlegung aber ſah
das preußiſche Volk hocherfreut, daß ihr König zum
Kampfe willens wurde.

Den Anſtoß zur Ueberſiedelung von Berlin nach
Breslau hatte der Zar gegeben. Seine freundliche Ant=
wort
brachte den erwägenden König zu einem Reſultat.
Was man in Oſtpreußen lange wußte, deſſen war man in
Berlin nun erſt ſicher geworden: daß der Einmarſch
ruſſiſcher Truppen in die oſtpreußiſche Provinz keinen
feindſeligen Untergrund habe. Was York und Stein
vorkämpfend getan, erkannte nun auch der König an als
das einzig wahre, daß es nur eines gab: ein Bündnis
mit Rußland. Und daß ſein urſprünglicher Plan, be=
waffnet
mit Oeſterreich Hand in Hand zwiſchen Napo=
leon
und Rußland zu vermitteln und dabei zugleich für
das eigene Land günſtigen Friedensabſchluß zu erlan=
gen
, nicht durchführbar ſei. Die Oeſterreicher wollten
ſich neutral halten, aber der Zar, angehaucht vom Geiſte
Steins, bat herzlich um Bundesbrüderſchaft. Er ſei ge=
willt
, mit für Preußen zu kämpfen, bis es wieder zu ſei=
ner
einſtigen Größe aufgerichtet ſei.
Man trat in Verhandlungen ein. Viel zu lang und
zu umſtändlich für das erregte Volk, dem erwünſcht ge=
weſen
, daß ohne gegenſeitigen Verträge Ruſſen und
Preußen ſich vereinigt und drauf losgeſchlagen hätten.
Doch man war vorſichtiger. Zwiſchen dem ruſſiſchen und
dem preußiſchen Hauptquartier waren die Unterhändler
mit Verträgen unterwegs. Als es aber gar zu lange
währte mit dieſen vorſichtigen Herrn, ſchickte Kaiſer
Alexander den ruſſiſchen Staatsrat von Anſtett in Be=
gleitung
Steins mit einem perſönlichen Schreiben und
einem neuen Vertragsentwurf an den Miniſter des
Königs von Preußen.
Und während am 27. Februar 1813 der Pakt getätigt
wurde, lag die Seele dieſes Rütlis, Freiherr von Stein,
umgeben von franzöſiſchen Spionen, ſchwer erkrankt am
Nervenfieber danieder.
Was man ſich gegenſeitig geſchworen, war dieſes:
Befreiung Deutſchlands aus franzöſiſcher Fremdherr=
ſchaft
, Erlangung eines dauerhaften Friedens, Wieder=
herſtellung
Preußens. Einer war dem anderen ver=
pflichtet
, keiner durfte für ſich apart Frieden ſuchen und
ſchließen.
Tief ergriffen ſoll Kaiſer Alexander geſprochen haben:
Das iſt eine Hilfe, die mir die Vorſehung ſchickt, aber
der König kann auch ſicher ſein, daß ich eher ſterben, als
ihn verlaſſen werde.

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Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Dezember 1912.

Nummer 306

gedrückt und das rechte Bein herausgeriſſen. Der Tod
des Schwerverletzten trat auf der Stelle ein. Der Verun=
glückte
war mit dem Schmieren des elektriſchen Krans
beſchäftigt, als derſelbe von dem Kranführer in Beweg=
ung
geſetzt wurde. Die Unterſuchung iſt eingeleitet
worden.
Leipzig, 28. Dez. Heute mittag fand hier auf dem
Völkerſchlachtgelände in Gegenwart des ruſſiſchen Kriegs=
miniſters
Suchomlinow und anderer ruſſiſcher Offiziere,
ſowie des ſächſiſchen Staatsminiſters Graf Vitzthum
von Eckſtädt und der Spitzen der Militär= und Zivil=
behörden
die feierliche Grundſteinlegung zu einer
ruſſiſchen Gedächtniskirche ſtatt. Die Kirche
wird auf der Grabſtätte der gefallenen 22000 ruſſiſchen
Krieger errichtet. Bei der Feier zelebrierte der Probſt
Jackſchiſch mit einem Abgeſandten der ruſſiſchen Kirche
von Dresden. Nach der Feier fand ein Feſtmahl ſtatt.
Hamburg, 27. Dez. Vor einigen Wochen reiſten der an
der hieſigen Oper angeſtellte K apellmeiſter Klempe=
rer
und die dramatiſche Sängerin Frau Puritz= Schu=
mann
ohne Urlaub nach dem Süden, kehrten aber nach
einigen Tagen zurück. Die Erklärung dieſes vielbeſproche=
nen
Vorgangs erfolgte geſtern abend nach Schluß der
Lohengrin=Vorſtellung. In der erſten Parkettreihe erhob
ſich ein Herr, wie ſich ſpäter herausſtellte, der Gatte der
Sängerin, Architekt Puritz, und bearbeitete mit einer
Peitſche den dirigierenden Kapellmeiſter Klemperer.
Dieſer ſtieg über die Orcheſterbrüſtung, um ſich auf ſeinen
Gegner zu ſtürzen, doch brachten einige unbeteiligte Herren
die beiden auseinander. Heute vormittag erläßt Herr
Puritz eine öffentliche Erklärung des Inhalts, er habe den
Kapellmeiſter Klemperer, der ſeine Frau verführt habe,
auf Piſtolen gefordert, da dieſer aber die Forderung ab=
lehnte
, ſei ihm, Puritz, nichts anderes übrig geblieben, als
ſich auf dieſe Weiſe Genugtuung zu verſchaffen.
Hamburg, 28. Dez. In London waren Gerüchte
über einen ſchweren Zuſammenſtoß verbreitet. Der
deutſche Dampfer Amaſis der Hamburger Cos=
mos
=Linie ſollte danach im Hafen von Montevideo mit
dem Dampfer Auſtrian Prince zuſammengeſtoßen und
geſunken ſein. Die Meldung beſtätigt ſich in dieſem Um=
fange
glücklicherweiſe nicht. Die beiden genannten Schiffe
ſind allerdings zuſammengeſtoßen, jedoch ſind glücklicher=
weiſe
keine Menſchenleben zu beklagen.
Lübeck, 27. Dez. In der Nacht zum Donnerstag brach
infolge eines orkanartigen Sturmes auf dem Hochofen=
werk
ein Verladekran zuſammen. Derſelbe begrub
unter ſeinen Trümmern ein Häuschen, in dem ſich ſieben
Arbeiter befanden. Einer wurde getötet, die übrigen zum
Teil ſchwer verletzt.
Paris, 28. Dez. Nach Blättermeldungen aus Mexiko
beſtätigt es ſich, daß der Bankier Rochette ſich an Bord
des Dampfers Espagne befindet, der am 5. Januar in
Veracruz erwartet wird. Rochette nimmt zweiſellos an,
daß er ſich in Mexiko in Sicherheit befinden werde, da er
ſich durch die Ausgabe einer Anleihe von 25 Millionen
Francs erſt kürzlich die dortige Regierung verpflichtet habe
und überdies zwiſchen Frankreich und Mexiko kein Aus=
lieferungsvertrag
beſteht. Von der hieſigen mexikaniſchen
Geſandtſchaft wurde jedoch einem Berichterſtatter erklärt,
daß die mexikaniſche Regierung die Auslieferung Rochettes
zweifellos billigen werde, falls Frankreich dieſe verlangen
ſollte.
Nizza, 28. Dez. Die Marſeiller Polizei hat zwei
Deutſche, namens Willi Schanzel und Peter Kurt, unter
dem Verdacht verhaftet, den Angriff auf den Chauf=
feur
zwiſchen Nizza und Monte Carlo unternommen
zu haben. Dem Chauffeur wurden Photographien der
beiden Verhafteten vorgelegt und er ſoll die beiden als
ſeine Angreifer rekognosziert haben.
Bordeaux, 28. Dez. Ein Arbeiter, namens Pegrilhe
geſtand, daß er ein in Lauſſel (Dordogne) ausgegrabenes
Basrelief im Februar dieſes Jahres an den Berliner
Archäologen Dr. Stuckardt für 18 000 Francs und ein an=
deres
Basrelief, einen Pferdekopf, an einen Dr. Werwort
für 1000 Francs verkauft habe. Die beiden Bildwerke ſol=
len
ſich gegenwärtig in einem Berliner Muſeum
befinden. Gegen Pegrilhe wurde die ſtraftrechtliche Ver=
folgung
wegen Vertrauensbruchs eingeleitet.
London, 28. Dez. Die Grafſchaften Leiceſterſhire und
Lincolnſhire ſind infolge anhaltender Regengüſſe über=
flutet
. Zwiſchen Spalding und Crowland iſt eine
Strecke von 16 Kilometern unter Waſſer. Das Waſſer
ſteigt.
Petersburg, 27. Dez. In Archangelsk wurde ein
ungeheures Verbrechen aufgedeckt. Eine Frau
Kusnezowa wurde unter dem Verdacht, tauſend Kinder

ermordet zu haben, verhaftet. Frau Kusnezowa hat ein
Kinderheim, das ſich einer großen Beliebtheit er=
freute
. Sie war als fromm bekannt, ſo daß ſie zu den
beſten Kreiſen Beziehungen unterhielt. In dieſem Kinder=
heim
ſtarben auffällig viel Kinder, ohne daß die Behörde
eingeſchritten wäre, da man als Urſache dafür die in
Rußland beſonders große Kinderſterblichkeit anſah. Als
in der letzten Zeit die Kinderſterblichkeit beſonders über=
hand
nahm, miſchte ſich die Behörde ein und verlangte
nach Totenſcheinen. Auch hier konnte Frau Kusnezowa
beweiſen, daß alles mit rechten Dingen zugegangen ſei,
denn die Totenſcheine waren ganz richtig von dem Stadt=
arzt
Butuſow ausgeſtellt und lauteten in den meiſten Fäl=
len
auf Brechdurchfall. Inzwiſchen erhielt aber die Po=
lizei
Mitteilungen, daß ſchwere Verbrechen in dem Kinder=
heim
vorkämen. Trotz der richtigen Totenſcheine ordnete
das Gericht eine Ausgrabung der Kinderleichen und eine
eingehende Unterſuchung der Fälle an. Schon das Ergeb=
nis
der erſten Unterſuchungen war ſo ſchwer belaſtend, ſo
daß die Kusnezowa ſofort in Unterſuchungshaft genom=
men
wurde. Es wurden Exhumierungen veranſtaltet und
immer mehr trat es klar zutage, daß hier zur Erlangung
der Abfindungsſummen Verbrechen in größtem Stile be=
gangen
wurden. Bisher ſoll an mehr als tauſend Kin=
dern
Giſtmord verübt worden ſein. Bisher ſind über 600
Mütter vernommen worden. Der Prozeß wird eine
ungeheure Ausdehnung annehmen, da faſt 1000
Zeugen zu vernehmen ſein werden. Der Fall in Archan=
gelsk
ſcheint bisher die größte Skandalaffäre zu ſein, die
Rußland je aufzuweiſen hatte.
Kiew, 27. Dez. In der vorigen Nacht zerſtörte ein
Brand die ausgedehnte mechaniſche Abteilung der ſüd=
ruſſiſchen
Maſchinenbauanſtalt.

Die direkten Steuern in Heſſen.

*X* In dem allgemeinen Finanzerpoſé des Herrn
Finanzminiſters Dr. Braun über den Staatsvoranſchlag
für 1913 iſt bereits mitgeteilt worden, daß ſich die Geſamt=
einnahme
aus der Hauptabteilung Direkte Steuern,
Regalien indirekte Auflagen uſw. auf 25 182655 M. be=
rechnet
. und daß nach Abzug der Ausgaben für dieſes
Kapitel ein Ueberſchuß von 22 362972 M. verbleiben wird,
was gegen das Vorjahr, abzüglich 45 700 M. höherer Aus=
gaben
, ein Mehrerträgnis von 921186 Mark bedeutet. An
dieſer letzteren Summe ſind zunächſt die Erträgniſſe aus
den direkten Steuern mit 373 000 M., die Stempelſteuerein=
nahme
mit 370000 M. und die Erbſchafts= und Schen=
kungsſteuer
mit 176000 M. beteiligt. Die Bruttoeinnahme
aus der Einkommenſteuer iſt mit 14927600 M., aus der
Vermögensſteuer mit 4 562 400 M., die Stempelſteuer mit
4250000 M., die Erbſchafts= und Schenkungsſteuer mit
536000 M. und die Hundeſteuer mit 450000 M. angeſetzt.
Aus dieſen Zahlen iſt unzweifelhaft die erfreuliche Tat=
ſache
zu entnehmen, daß ſich die Steuerkraft des Landes
und der allgemeine Wohlſtand in Heſſen im neuen Rech=
nungsjahr
wieder in fortſchreitender Linie bewegr.
Die Ueberſchüſſe aus dem Kapitel 12 des Etats, direkte
Steuern uſw., haben ſich im letzten Jahrzehnt ſtändig und
weſentlich gehoben. Während ſie im Rechnungsjahr
1901/02 ſich auf 13849000 M. beliefen, ſtiegen ſie 1902/03
auf 15165000 M., im Etatsjahr 1905 auf 16 (89000 M.,
1907 auf 17621000 M., 1908 auf 18 236000 M., gingen
1909 auf 18 069000 M. zurück und ſtiegen dann zumeiſt in=
folge
der Steuererhöhung im Jahre 1910 auf 21 235000 M.,
fielen 1911 auf 20988000 M., und ſtiegen 1912 auf
21441000 M (wobei allerdings die Summe von 355000
Mark auf die am 17. Juli dieſes Jahres erfolgte Erhöhung
der Stempel= und der Erbſchafts= und Schenkungsſteuer
zurückzuführen iſt), während die Ueberſchüſſe für 1913 auf
22 362972 M. berechnet ſind. Es ergibt ſich alſo ſeit dem
Jahre 1901/02 eine Steigerung des Ueberſchuſſes der
Steuereinnahmen von mehr als 8½ Millionen Mark, wo=
von
allerdings für die inzwiſchen erfolgten Steuer=
erhöhungen
eine Anzahl Millionen wieder in Abzug ge=
bracht
werden müſſen.
Es wird nun von einigem Intereſſe ſein, zu erfahren,
durch welchen Apparat von Beamten uſw. dieſe Steuerein=
nahmen
herbeigeſchafft werden müſſen. In der Miniſte=
rialabteilung
für Steuerweſen befinden ſich neben dem
Chef der Abteilung, Geh. Rat Dr. Becker, noch 6 vortra=
gende
Räte, 3 ſtändige und 1 kommiſſariſcher Hilfsar=
beiter
, deren Gehälter ſich zwiſchen 5000 bis 9500 M. be=
wegen
, und aus dem Etat des Miniſteriums der Finanzen
beſtritten werden. Zum Steuerdienſt ſpeziell ſind berufen:
37 Vorſtände der Finanzämter mit einem Geſamtgehalt

von 194000 M.. 13 Finanzamtmänner mit 50 100 M., 57.
Finanzamtsgehilfen mit 83000 M., dazu Wohnungsgeld
16 940 M. Für 219 Schreibgehilfen und Schreibaushilfe
iſt diesmal der Betrag von 232000 M., 9000 M. mehr als
im Vorjahr, angeſetzt, für andere Aushilfskoſten ( Aſſeſſo=
ren
und Finanzaſpiranten) 62000 M., für Bureaukoſten
41500 M., für Koſten der Veranlagung der Steuern und
die Landeskommiſſion 42000 M., für 4 (ſeither 5) Kontroll=
beamte
18000 M deren Tagegelder= und Reiſekoſten, Woh=
rungsgeldzuſchüſſe
8220 M. Für 40 Bezirkskaſſierer ( ſeit=
her
46) 148800 M., deren Wohnungsgeld 2736 M. (die
meiſten Bezirkskaſſierer haben Dienſtwohnungen), für wei=
tere
80 Schreibgehilfen bei den Lokalkaſſen 75600 M., und
für Aushilfekoſten 23000 M., für etwa 180 Untererheber
188000 M., für 27 Pfandmeiſter 41800 M. und für Woh=
nungsgeld
und Stellvertretungskoſten 9440 M. Die Ge=
ſamtkoſten
für dieſen umfangreichen Apparat an Perſonal=
und Bureaukoſten betragen 1340863 M. Dazu kommen
an Ausgaben für das Erbſchaftsſteueramt, 1 Vorſtand und
5 Beamte 26 350 M., für Umnzugskoſten bei Dienſtverſetzun=
gen
uſw. 4000 Mk., für Herſtellung der Stempelmarken und
Formalien 6000 M., für Vergütung an Beamte beim Ver=
trieb
der Stempelmarken 43 600 M. (dieſer ſchon mehrfach
von der Kammer angefochtene Poſten iſt gegen das Vor=
jahr
um 7600 M. erhöht, entſprechend den zu erwartenden
Stempel=Mehreinnahmen), für Formularien bei der
Steuerkontrolle 30000 M. u. ſ. f.
Der geſamte heſſiſche Steuerdienſt er=
fordert
im neuen Staatsvoranſchlag einen Betrag von
1 452013 M. Eine nicht viel geringere Summe und das
dürfte im Lande noch faſt gänzlich unbekannt ſein!
nämlich 1367670 M., iſt im Anſchluß an dieſe perſönlichen
und ſachlichen Koſten mit unter die Ausgaben für den
Steueretat geſtellt worden, die ſich auf das ſteuerliche Rie
ſiko bezieht und bei jedem Voranſchlag mit in Betrachtg
zogen werden muß. Der Finanzminiſter rechnet bei dem
Einkommen aus direkten Steuern als Nachläſſe infolge
von Rechtstiteln 951870 M. und für uneinbringliche Poſten=
315 500 M. ab. zuſammen alſo 1 267370 M., wozu noch
rund 100000 M. für ſonſtige Ausfälle uſw. kommen. Dieſe
Poſten zuſammen mit den vorſtehend vermerkten direkten
Steuerkoſten ergeben erſt die ſchon erwähnte Geſamtaus=
gabe
von 2819 683 M., die ſich trotz mehrfacher Erſparniſſe
durch Aufhebung einer Anzahl Bezirkskaſſen uſw. um
45699 M. höher ſtellt als im Vorjahr. In Wirklichkeit
ſchmilzt aber dieſes Mehr auf nur 15699 M. zuſammen,
da im neuen Etat für Koſten der Vorarbeiten zwecks Ein=
führung
des Gemeindeumlagegeſetzes vom 8. Juli 1911
und der erſtmaligen Veranlagungskoſten ein einmaliger
Betrag von 100000 M. angefordert wird, während im
vorigen Etat für denſelben Zweck nur 70000 M. eingeſtellt
waren.

Der Balkankrieg.

Die Friedensverhandlungen.
* London, 28. Dez. Der Times zufolge iſt der
Eindruck derjenigen Kreiſe Londons, die über die Frie=
denskonferenz
informiert ſind, optimiſtiſch bezüglich der
Friedensverhandlungen ſelbſt, dagegen we=
niger
optimiſtiſch, was die zukünftigen Beziehungen der
Verbündeten untereinander anbetrifft. Während der Weih=
nachtsfeiertage
fand ein eingehender Verkehr zwiſchen den
bulgariſchen und den türkiſchen Delegierten ſtatt. Die Ver=
handlungen
ſollen viel weiter fortgeſchritten ſein, als der
bisherige Verlauf der Konferenz vermuten läßt,
Die Haltung Rumäniens.
* Bnkareſt, 27. Dez. (Senat.) Auf der Tages=
ordnung
ſtand die Adreßdebatte. Miniſterpräſident
Majoreseu erklärte: Die Thronrede gelange unter
außergewöhnlichen Umſtänden zur Verhandlung. Ru=
mänien
, das bei der Löſung der Balkankriſe, die
ganz Europa beſchäftigt, unmittelbar intereſſiert ſei, welche
Regierung auch immer am Ruder ſein mag, könne nur mit
Unterſtützung des ganzen Landes den Ereigniſſen die
Stirn bieten. Um dieſer Einigkeit Ausdruck zu verleihen.
glaube er vorſchlagen zu ſollen, daß über die Adreſſe in
Beantwortung der Thronrede unter dieſen Umſtänden=
nicht
verhandelt wird, ſondern daß einzig und allein die
Erklärung betr. Einheitlichkeit der Anſchauun= aller Parteien in bezug auf die auswärtige
Politik dem Throne zur Kenntnis gebracht wird.
Der Führer der liberalen Partei Bravianu ver=
las
ſodann folgende Erklärung: Die liberale Partei
glaubt, daß mit Rückſicht auf die internationale Lage eine

Feuilleton.

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Gyges und ſein Ring, bekanntlich eine der
beſten Aufführungen unſeres Repertoires, hat auch in
Worms am zweiten Weihnachtstage einen großen Ein=
druck
gemacht. Die Vorſtellung wurde noch tags vorher
infolge einer Unpäßlichkeit des Heren Baumeiſter in Frage
geſtellt; Herr Hacker trat raſch entſchloſſen für ſeinen
Kollegen ein und übernahm die von ihm nur wenige Male
und ſeit zirka 8 Jahren überhaupt nicht mehr geſpielte
Rolle des Königs. Die W. Ztg. ſchreibt darüber: Herc
Hacker, der durch die Schule des klaſſiſchen Dramas ge=
gangen
iſt, geſtaltete den edlen Hebbelſchen König meiſter=
haft
; in der würdigen Haltung, in dem ſeurigen Strom
der Rede und in dem tiefen Ausdruck ſeeliſcher Empfind=
ungen
kam die große Kunſt des beliebten Darſtellers aufs
neue zur Geltung, und die Zuſchauer ſpendeten ſtürmiſch
Beifall.
Wd. Der Blaue Vogel im Deutſchen
Theater zu Berlin. Aus Berlin wird uns geſchrie=
ben
: Nur wer in dem literariſchen Treiben nicht die
Fähigkeit verlor, mit den Kindern wieder zum Kinde zu
werden, findet den Schlüſſel zu der engen Pforte, hinter
der Maeterlinck, der Träumer, die bunte, zarte Mär=
chenwelt
ſeines Blauen Vogels aufgebaut hat, aufgebaut
für alle, die in milder Weihnachtsſtimmung noch im=
ſtande
ſind, mit naiver Gläubigkeit an ihre Kindheit
zurückzudenken, ohne ironiſch zu lächeln. Denn Naivität
und Freude an unſchuldiger Einfachheit iſt die Voraus=
ſetzung
zu dem Glauben an Märchen, das ſich nur dem
Gemüte und nie dem grübleriſch zerſetzenden Verſtande
erſchließt. Die ſüßen, ſtillmelancholiſchen Akkorde von
Humperdincks Muſik eröffnen den Abend: und wenn der
Vorhang ſich teilt, beginnt auch das Märchenreich, das
fern von der Wirklichkeit des Alltags und auch fern von
der Gedankenwelt unſerer literariſchen Gegenwart liegt.
Bilder ſind es, die vorüberziehen, nicht dramatiſche Hand=
lungen
, aber Bilder, wie wir ſie als Kind einſt träumen
konnten. Und doch gipfelt dieſes Märchenſpiel überall in
einer zarten poetiſchen Verklärung des Alltags, leiht Din=
gen
und Weſen, an denen wir achtlos vorübergehen, Leben
und Scele. Der Hund, die Katze und das Brot, Feuer,

Licht und Waſſer, die Tiere des Feldes und die Bäume
des Waldes werden durch eine Zauberwelt und durch ein
Zauberhütlein zu lebenden Weſen, die endlich aus dem
Schweigen erlöſt ihren Herrn, den Menſchen, freundlich
oder feindlich gegenübertreten. Vergangenheit erwacht zu
neuem Leben und in wunderbar zarten Farben, von
einem milden Humor verklärt, flüchtet unſer Traum wie=
der
hinter die Rampe und erzählt anſpruchslos und ſcham=
haft
wie ein verſchüchtertes Kind von den Träumen der
Phantaſie, die das Leben ſo gern belächelt. Nur in einem
der Bilder, in dem Schoß der Freuden, dringen begriff=
liche
Konſtruktionen ſtörend in die bunte Lebendigkeit des
Märchens und wirken ernüchternd, weil hier Maeterlinck
vom Märchenerzähler zum Symboliker wird und den
Weg von der Idee zur Anſchauung nur mit den Krücken
einer kühlen Symbolik zurücklegt. Schade iſt nur, daß
der heitere naive Ton der prächtigen Darſtellung in der
Inſzenierung des Deutſchen Theaters bisweilen durch
Szenenbilder geſtört wird, in denen bewußte Stiliſierung
des Märchenreichs des Unbewußten und des Erahnten
verläßt. Die Hütte des armen Holzknechts iſt zu einer
reichen bunten Bauernſtube geworden, die die Armut
Lügen ſtraft Und dem wundervollen Waldbilde folgt
ein Friedhof, deſſen Verwandlung ſtatt einer fröhlichen
Blumenwelt eine erzwungene Konſtruktion von rotem und
gelbem Strohwerk bietet. Ganz herrlich dagegen erſcheint
wieder das Land der Erinnerung, während in dem
Schloſſe der Freuden eine nüchterne Armut der Phantaſie
Schranken ſetzte, ſtatt ihr Freiheit zu gewähren. Dieſes
Bild hätte überhaupt ſtark gekürzt werden können:
und damit wäre auch die Möglichkeit gewonnen
worden, das ſchönſte, lebendigſte und heiterſte Bild
zu retten: das Land der Zukunft. Daß gerade die=
ſes
ſchönſte Juwel in dem Bilderkranz der Maeterlinck=
ſchen
Traumdichtung ausgeſprochen ward, bleibt ein Rät=
ſel
, das man nur ſtaunend empfindet, ohne es löſen zu
können. Denn gerade dieſes Bild iſt nicht nur poetiſch,
ſondern auch theatraliſch das ſtärkſte und wirkſamſte.

* Raffinierte Mädchenhändler. Aus London wird der
Kölniſchen Volkszeitung geſchrieben: Dieſer Tage be=
ſuchte
eine Dame mit ihren zwei Töchtern eines der größ=
ten
Londoner Geſchäftshäuſer. Nachdem ſie zuſammen
verſchiedene Einkäufe gemacht hatten, trennten ſie ſich.
Die Mutter ging in eine andere Abteilung, um weitere

Einkäufe zu machen, die Töchter hatten noch anderes zu
beſtellen. An einer beſtimmten Stelle wollten ſie ſich
wieder treffen. Nach zwanzig Minuten kam die Mutter
zurück und war erſtaunt, die Töchter nicht an der anges
gebenen Stelle zu finden, und wandte ſich an den Ober=
aufſeher
der Abteilung um Auskunft. Dieſer erklärte
ihr, daß die beiden Damen kurz vorher in Begleitung
einer Perſon, welche die Uniform einer Krankenwärterin
trug, in der größten Beſtürzung das Geſchäftshaus ver=
laſſen
hätten. Die Krankenwärterin ſei hereingekommen,
auf die Damen zugeeilt und habe ihnen mitgeteilt, ihrer
Mutter ſei beim Ueberſchreiten der Straße ein Unfall zu=
geſtoßen
; man habe ſie ſogleich ins Spital transportie=
ren
müſſen, ſie ſelbſt aber ſei geſchickt worden, um dier
Töchter an das Krankenbett der Mutter zu holen. Ein
Motorwagen wurde gerufen und die Mädchen fuhren
mit der angeblichen Krankenwärterin davon. Bis zur
Stunde hat man nichts mehr von ihnen gehört. Den
Schmerz der Eltern kann man ſich vorſtellen.
* Der Journaliſt. In der Monatsſchrift Der Strom,
dem Organ der Wiener freien Volksbühne, leſen wir das
folgende hübſche Märchen von Eugen Heltai: Der große,
feine, vornehme und einflußreiche Journaliſt war geſtor=
ben
. Die Engel hoben ſofort ſeine Seele auf ihre Flügel,
und der ausgezeichnete Mann kam ſehr bald am Tore
des Himmels an. Er wollte eintreten, aber der heilige
Petrus verſtellte ihm den Weg. Ihre bürgerliche Be=
ſchäftigung
! fragte er mit militäriſcher Strenge.
Journaliſt! Komplett! ſagte Peter kurz und ſchlug=
die
Tür zu. Belieben Sie vielleicht in die Hölle zu
gehen? riet der eine Engel wohlmeinend. Mir iſt es
einerlei, ſagte der Journaliſt und ging zur Hölle hinab.
Journaliſt? fragte der Türhüter der Hölle erſchrocken=
Kein Platz! Und auch er ſchlug die Tür zu. Der Jour=
naliſt
verzweifelte nicht. Er zog ſich auf einen unbewohn=
ten
Stern zurück und gründete dort eine Zeitung. Nach
einer Woche bot man ihm eine Freikarte ſowohl für den
Himmel als auch für die Hölle an.
* Schlau. Eine Dame ſagte beim Ausgang aus dem
Theater, das ſtarken Beſuch aufzuweiſen gehabt hatte:
Wenn jeder es doch nur ſo machen wollte, wie ich, und
ruhig auf ſeinem Platze ſitzen bleiben, bis alle anderen
das Theater verlaſſen haben, dann würde es nicht ſolch
Gedränge an den Türen geben.

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Nummer 306.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Dezember 1912.

Seite 5.

Debatte über die auswärtige Politik untunlich iſt. In=
folgedeſſen
ſieht die Partei von einer Debatte über die
Thronrede ab, von dem Wunſche getragen, der internatio=
nalen
Aktion der Regierung keine Schwierigkeiten zu be=
kreiten
und die Löſung der gegenwärtigen Schwierigkeiten
zu erleichtern. Die Ereigniſſe auf dem Balkan
werden über die Zukunft des europäiſchen Orients ent=
ſcheiden
. Die Löſung der Kriſe iſt undurchführbar ohne
Rückſichtnahme auf unſere wohlbegründeten Rechte und
unſere legitimen Intereſſen. Wir haben eine doppelte Ver=
pflichtung
: zunächſt die Aufrechterhaltung der politiſchen
Poſition, die wir durch die Weisheit und den Heldenmut
unſerer Väter errungen haben, und die der Energie und
der Kulturarbeitsfähigkeit unſerer Nation, die auch der
Würde und Kraft unſeres Staates entſpricht, und dann
die Sicherſtellung der nationalen Zukunft der Rumänen
auf der Balkanhalbinſel, deren Schickſal uns ſo teuer iſt.
* Bukareſt, 28. Dez. In der Kammer unter=
breitete
Finanzminiſter Marghiloman die Geſetzent=
würfe
betr. die Anweiſung eines außerordentlichen Kre=
dits
von 137 Millionen für das Kriegsminiſte=
rium
und eines weiteren Kredits von 14 Millionen für
dasſelbe Reſſort. Die Unterbreitung wurde vom Hauſe
mit lebhaftem Beifall begleitet. Auf der Tagesordnung
der Sitzung ſtand die Adreßdebatte. Miniſterpräſi=
dent
Majorescu macht dem Hauſe Mitteilung von
dem Beſchluſſe des Senats, die Thronrede mit Rück=
ſſicht
auf die internationale Lage nicht zum Gegenſtand
einer Debatte zu machen. Der ehemalige Miniſter Coſti=
nescu
verlas die bereits im Senat abgegebene Erklärung
der liberalen Partei. Der Miniſterpräſident erklärte, es
ſei ſelbſtverſtändlich, daß die Kammer nicht gehalten ſei,
ſich dem Beſchluſſe des Senats anzuſchließen, aber mit
Rückſicht darauf, daß die verantwortlichen Parteien des
Landes gegenwärtig auf die Diskuſſion verzichtet hätten,
werde die Regierung jedenfalls an einer Debatte nicht
teilnehmen; einzelne Anfragen werde ſie jedoch eingehend
beantworten. Der Führer der Nationaliſten, Univerſitäts=
profeſſor
Jorga, ergriff das Wort und erklärte, der
Balkanbund ſei eine Notwendigkeit und werde ſich
unvermeidlich erneuern, ſelbſt wenn es vorübergehende
Streitigkeiten wegen der Teilung der Siegesbeute geben
ſollte. Die Rumänen in Mazedonien müßten Gegenſtand
beſonderer Fürſorge der Regierung bilden.
Die Samstagsſitzung der Friedenskonferenz.
* London 28. Dez. Wie das Reuterſche Bureau
erfährt, ſind die heute vorgelegten türkiſchen Gegen=
vorſchläge
folgende:
1. Das Wilajet Adrianopel bleibt unter der direkten
Verwaltung der Türkei.
2. Mazedonien wird in ein Fürſtentum umgewandelt
mit Saloniki als Hauptſtadt und ſteht als ſolches unter
der Souveränität des Sultans, jedoch unter einem von
den Balkanverbündeten gewählten Fürſten, den der Sul=
tan
ernennt. Der Fürſt ſoll Proteſtant und aus einem
neutralen Staat ſein.
3. Albanien wird autonom unter der Souveränität
des Sultans und unter einem Fürſten aus der kaiſerlichen
ottomaniſchen Familie, der für fünf Jahre gewählt wird
mit der Möglichkeit der Wiederwahl.
4. Alle ägäiſchen Inſeln bleiben türkiſch.
5. Die kretiſche Frage wird von der Konferenz nicht
behandelt, ſondern zwiſchen der Türkei und den Groß=
mächten
geregelt.
* London, 28. Dez. Die Friedenskonfe=
renz
trat um 11 Uhr vormittags zuſammen. Nachdem
die türkiſchen Gegenvorſchläge vorgebracht waren, ver=
tagte
ſich die Konferenz, um den Balkan=Delegierten Ge=
legenheit
zu geben, ſich über die türkiſchen Vorſchläge zu
beſprechen. Danach wurde die Sitzung wieder auf=
genommen
und man trat in eine allgemeine De=
batte
über die türkiſchen Vorſchläge ein.
Die Führer der Delegationen der Balkanſtaaten ergriffen
nacheinander das Wort und wieſen darauf hin, daß die
türkiſchen Gegenvorſchläge von einer Baſis ausgingen,
die grundverſchieden ſei von der, welche die Balkanſtaaten
bei den Friedensbedingungen eingenommen hätten. Die
türkiſchen Vorſchläge erkennten die gegenwärtige tatſäch=
liche
Lage nicht an und berückſichtigten nicht die Gebiets=
anſprüche
der Verbündeten. Verſchiedene Redner erklärten,
die türkifchen Vorſchläge ſeien unannehmbar und
könnten nicht die Grundlage für eine Diskuſſion abgeben.
Die türkiſche Delegation wurde erſucht, neue Gegenvor=
ſchläge
vorzulegen, welche die Grundideen der Friedens=
bedingungen
der Verbündeten berückſichtigten. Die tür=
kiſchen
Delegierten ſuchten ihren Standpunkt zu begrün=
den
, verſprachen aber dabei, die Erklärungen der Delegier=
ten
des Balkanbundes nach Konſtantinopel zu berichten
und am Montag zu antworten. Die Türken wur=
den
auch gefragt, ob dieſe Gegenvorſchläge das letzte
Wort darſtellten; über dieſen Punkt konnte man von ihnen
keine endgültige Antwort erlangen. Den türkiſchen Dele=
gierten
wurde ſchließlich mitgeteilt, daß eine Beſprechung
über Reformen in Mazedonien in dieſem Stadium der
Verhandlungen völlig unannehmbar ſei. (Darauf wurde

die Konferenz auf Montag nachmittag 4 Uhr ver=
tagt
.
* London, 28. Dez. Das Reuterſche Bureau er=
fährt
von Delegierten der Balkanſtaaten, daß die
Vorſchläge der Türken in den Kreiſen der Balkan=
Delegierten überraſcht hätten; man habe zwar er=
wartet
, daß die Vorſchläge unannehmbar ſein würden,
aber doch nicht in ſolchem Grade. Obſchon die Türken er=
klärten
, ſie würden telegraphiſch neue Vorſchläge er=
bitten
, glaubt man nichtsdeſtoweniger, daß die Türken
bereits eine Reihe von Vorſchlägen beſitzen, die der Reihe
nach während der Verhandlungen vorgelegt werden ſollen.
Die heutige Sitzung ſcheint den urſprünglichen Eindruck,
daß die Türkei aufrichtig Frieden zu ſchließen wünſche,
abgeſchwächt zu haben. In den Kreiſen der Balkan= Dele=
gierten
hält man den Augenblick für gekommen, daß die
Mächte ein klares Wort ſprechen und ſo den Winkel=
zügen
ein Ende ſetzen. Die heutige Haltung der Balkan=
Delegierten ſelber ſcheint auf ein kommendes Ultima=
tum
hinzudeuten, für den Fall, daß die Türken auf ihrem
Standpunkt beharren. Die Balkanſtaaten wollen zwar
den Türken jede notwendige Zeit geben, damit ſie an=
nehmbare
Gegenvorſchläge vorlegen, ihre Vertreter er=
klären
jedoch, daß man ſich der Grenze nähere, wo die Ge=
duld
der Verbündeten, vielleicht bald, erſchöpft ſein würde.
Die volkswirtſchaftlichen Schädigungen Oeſterreich-Ungarns
durch den Krieg.
* Wien, 28. Dez. Im Abgeordnetenhaus ergriff um
410 Uhr abends der Finanzminiſter das Wort.
Er äußerte ſich über die Schädigungen, welche die öſter=
reichiſch
=ungariſche Volkswirtſchaft durch den Bal=
kankrieg
erleide. Alle Kreiſe der Induſtrie, die an dem
Export nach den Balkanländern beteiligt ſind, wurden
betroffen. Durch die Dekretierung der Moratorien in den
kriegführenden Staaten, ausgenommen die Türkei, wur=
den
außerdem Außenſtände unſerer Induſtrie am Balkan
für längere Zeit uneinbringlich. Am meiſten litt darunter
unſere Textilinduſtrie; namentlich in der Baumwoll=
induſtrie
mußten namhafte Reduktionen in einigen Betrie=
ben
vorgenommen werden. Auch alle Neben= und Hilfs=
induſtrien
ſind in Mitleidenſchaft gezogen worden. Die
Verhältniſſe am Balkan löſten aber auch eine
allgemeine Unſicherheit aus, die zunächſt eine
ziemlich unvermittelte Einſchränkung des Inland=
konſums
zur Folge hatte, unter der alle Induſtrien
mit wenigen Ausnahmen empfindlich zu leiden hatten.
Noch härter wurde unſere Volkswirtſchaft getroffen durch
die ſtarke, zweifellos übertriebene Kündigung von gewähr=
ten
Krediten und die Siſtierung neuer Kreditgewährungen,
wodurch die ſeit vielen Monaten herrſchende Anſpannung
am Geld= und Kreditmarkt noch ſehr verſchärft wurde.
Die ärgſte Gefahr aber drohte dem Wirtſchaftsleben des
Landes von der plötzlichen und in einigen Orten geradezu
ſtürmiſchen Abziehung der Anlagen von den Sparkaſſen.
Dank der von ihm, dem Miniſter, im Einvernehmen mit
der Oeſterreich=Ungariſchen Bank getroffenen Maßnahmen
habe ſich aber bei keinem einzigen Inſtitut eine wirkliche
Stockung bei der Rückzahlung der Anlagen ergeben, ob-
wohl
dieſe Rückzahlungen bisher ungeahnte Dimenſionen
angenommen hätten. Der Miniſter verwies darauf, daß
die Unſicherheit der Lage namentlich in Galazien und in
der Bukowina die ſchwerſten Konſequenzen nach ſich ge=
zogen
habe. Trotz der großen Schwierigkeiten auf dem
Gebiete des Kreditweſens habe ſich der galiziſche Kauf=
manns
= und Gewerbeſtand ſehr wacker gehalten.
In der gegenwärtigen Kriſe, ſo erklärte der Miniſter
weiter, ſind aber auch ſehr tröſtliche Lichtblicke zu verzeich=
nen
. Vor allem haben die Funktionen unſerer Noten=
banken
ſich aufs Beſte bewährt. Die Oeſterreich=Ungariſche
Bank iſt ihrer Aufgabe vollkommen gerecht geworden und
blieb ſtets die feſte Säule unſeres Geldweſens. Ich bin
überzeugt, daß wir das Aergſte überſtanden haben
und daß wir eine allmähliche Rückbildung der unerfreu=
lichen
Erſcheinungen im Hinblick auf zahlreiche günſtige
Symptome gewärtigen können. Auch eine Erleichterung
der Geldſätze iſt nach Ablauf des Jahres zu erwarten.
Der Finanzminiſter ſchloß: Die ſchweren Wolken, die den
politiſchen Horizont einige Zeit umdüſtert haben, ſind im
Rückgange begriffen und wir dürfen mit ruhiger
Zuverſicht in die Zukunft blicken. Oeſterreichs Handel und
Induſtrie, die durch eine günſtige Konjunktur der letzten
Jahre geſtärkt ſeien, würden die jetzige ſchmerzhafte
Epiſode bald überwunden haben. Oeſterreichs Volkswirt=
ſchaft
ſei in ihrem Kerne geſund und kräftig und werde
es auch künftig bleiben.
Letzte Nachrichten.
* Berlin, 28. Dez. Obwohl die Agence Bulgare die
Meldung, daß General Sawow, mit einer Sonder=
miſſion
beauftragt, nach Konſtantinopel abgereiſt ſei,
kategoriſch dementierte, werden in den heutigen Zeitungen
Gerüchte verbreitet, daß Sawow unter dem Namen eines
Bankiers Kaltſchew in einer Miſſion militäriſchen Cha=
rakters
wirklich nach Konſtantinopel gereiſt iſt. Damit den
falſchen Gerüchten ein Ende gemacht werde, dementiert ſie
die hieſige bulgariſche Geſandtſchaft ganz entſchieden.

* Leipzig, 28. Dez. In einem Interview, das der
ruſſiſche Kriegsminiſter Suchomlinow heute einem
Vertreter der Leipziger Abendzeitung gewährte, erklärte
der Miniſter folgendes: Die ruſſiſche Regierung wünſcht,
nichts dringenderes und herzlicheres, als mit Deutſch=
landin
Frieden zu leben. In ruſſiſchen Regierungs=
kreiſen
beſteht keineswegs eine feindſelige Stimmung ge=
gen
Deutſchland. Ich hoffe, daß ein Krieg, der aus der
gegenwärtigen politiſchen Situation heraus entſtehen
könnte, durch die Friedensliebe beider Regierungen, der
deutſchen ſowohl wie der ruſſiſchen, ſich vermeiden läßt.
* Dresden, 29. Dez. Die Reiſe des ruſſiſchen
Kriegsminiſters wird als eine neue Beſtätigung
der Entſpannung der politiſchen Lage an=
geſehen
.
* Dresden, 29. Dez. Der ruſſiſche Kriegsmini=
ſt
er iſt mit ſeiner Begleitung heute nächmittag um 5 Uhr
20 Minuten nach Berlin abgereiſt.

Vom Reichs=Petroleum=
Monopol.

Berlin, 28. Dez. Die Ausſichten auf ein Zu=
ſtandekommen
des Reichs=Petroleum=Monopols in der
vorgeſchlagenen Form ſind bekanntlich gering. In der
Norddeutſchen Allgemeinen Zeitung verſucht deshalb
die Regierung nochmals, einige der Einwürfe zu wider=
legen
, indem ſie ſchreibt:
Die öffentliche Erörterung über das geplante Eingreifen
des Reichs in den Verkehr mit Leuchtöl iſt nach zum Teil
leidenſchaftlichen Auseinanderſetzungen wieder in ruhigere
Bahnen gelenkt. Man ſcheint ſich vielfach davon zu über=
zeugen
, daß das objektive Urteil über den Entwurf der Regie=
rung
durch die von den Gegenintereſſenten in die Debatte ge=
worfenen
Schlagwörter nicht unweſentlich getrübt worden
iſt. Das gilt insbeſondece von der immer wieder betonten
Unentbehrlichkeit der Standard Oil Co.,
für die Verſorgung Deutſchlands mit Leuchtöl, eine
Unentbehrlichkeit, die nur ſolange beſteht, als ſie allgemein
geglaubt wird, und die gegenüber den Tatfachen nicht
ſtandhalten kann. Schon jetzt liegen allein von ameri=
kaniſchen
Außenſeiten der Regierung Angebote vor, die
imſtande wären, den geſamten deutſchen Bedarf zu
decken, ganz abgeſehen von der oſteuropäiſchen Produktion.
Alle jene amerikaniſchen Geſellſchaften werden aber für
den deutſchen Verbraucher nicht in Betracht kommen,
ſolange man der Standard Oil Co. ihre monopolähnliche
Stellung auf dem deutſchen Markt beläßt. Das andere
Schlagwort zur Bekämpfung des Entwurfs iſt das
Bankenmonopol, das die Regierung angeblich
aus der Vertriebsgeſellſchaft bewußt oder unbewußt
habe machen wollen. Ein ſolches iſt in dem Entwurf
tatſächlich weder vorgeſehen, noch würde es in Erſcheinung
treten. Vielmehr iſt es lediglich der nächſtliegende Weg be=
treten
worden, nämlich bei der Aufbringung der Mittel
ſich derjenigen Inſtitute zu bedienen, denen dte Funktion
der Aktien=Emiſſion und Geldbeſchaffung heute in der
Volkswirtſchaft zufällt, und bei der Leitung der Vertriebs=
geſellſchaft
die Mitwirkung, keineswegs aber die aus=
ſchließliche
Beſtimmungsgewalt denjenigen Geſellſchaften
zu ermöglichen, die bisher unabhängig von der Standard
Oil Co. an der Verſorgung des deutſchen Marktes
beteiligt waren. Den hieraus etwa erwachſenden
Kolliſionsgefahren ſollte von vornherein durch geſetz=
liche
und vertragsmäßige Beſtimmungen vorgebeugt
werden. Mit dem nachſten Zweck, der Beſeitigung
des gegenwärtigen privaten Petroleummonopols, nöch
weitere volkswirtſchaftliche Abſichten zu verbinden, ins=
beſondere
organiſatoriſche Neuſchaffungen vor=
zunebmen
, liegt an ſich nicht ohne weiteres in der
Linie des erſtrebten Zieles. Die Reichsleitung hat aber,
wie der Reichsſchatzſekretär im Reichstag hervorgehoben
hat, durchaus keine Bedenken dagegen, daß bei dieſer
Gelegenheit ſolche Neubildungen verſucht werden, voraus=
geſetzt
, daß ſie nicht zu einer Erſchwerung des Leuchtöl=
handels
und zu einer Verteuerung des Leuchtöls für den
Verbrauch führen. Insbeſondere könnte es regierungs=
ſeitig
nur begrüßt werden, wenn es gelänge, die an dem
Verteilungsgeſchäft in Deutſchland beteiligten Kreiſe bei
der Aufbringung der Mittel und der Leitung einer Ver=
triebsgeſellſchaft
zu beteiligen, namentlich alſo die Detail=
liſten
, denen etwa die noch vorhandenen ſelbſtändigen
Großhandels= ſowie Kannengeſchäfte und die Konſum=
vereine
hinzutreten können.

Die Bergarbeiterbewegung
im Saarrevier.

* Saarbrücken, 28. Dez. Der Bergwerks=
freund
hat die angekündigte Erklärung der könig=
lichen
Bergwerksdirektion für die neue Ar=
beitsordnung
veröffentlicht. In den mehr als 60
Verſammlungen der Bergarbeiter, die der chriſtliche Ge=

Kunſthalle am Rheintor.

II.
Eine Fülle intereſſanter und ſchöner, wenn auch in
künſtleriſcher Beziehung nicht durchweg gleichwertiger
Bildwerke birgt der große Oberlichtſaal. Da iſt vor allem
Altmeiſter Eugen Bracht mit zwei wunderbar friſch
und kraftvoll gemalten, im Kolorit und an Stimmungs=
reiz
reichen Landſchaften vertreten, dann C. Küſtner=
Guntersblum mit einer ſeiner ſtimmungsvollen Winter=
landſchaften
nach heimatlichen Motiven, Melchior
Kern=München mit drei im Kolorit zum Teil ernſten,
faſt düſteren, aber ausdrucksvollen, zum Teil farbig=reichen,
flott gemalten Landſchaften aus König i. O., dem Bir=
kenauer
Tal uſw. Dann Prof. Kröh mit einer großen,
ſehr intereſſant kolorierten und ganz eigenartig aufgefaß=
ten
reizvollen Landſchaft, Alexander Bertrand=
Düſſeldorf mit zwei ſehr ſachlich gemalten, aber freundlich
kolorierten und zeichneriſch meiſterhaft durchdachten In=
terieurs
; H Zernin mit einer koloriſtiſch ebenſo eigen=
artig
erfaßten, wie reizvoll ausgeführten Frühlingsland=
ſchaft
, und Georg Altheim mit einer Anzahl neuer,
wie immer bei aller liebevollen Durcharbeitung großzügig
erfaßten und fein kolorierten Landſchaftsmotiven aus
Darmſtadt und Umgegend. Der feinſinnige Künſtler zeigt
in dieſem meiſt ganz von vielfach nüanciertem Grün be=
herrſchten
Kolorit neue Seiten ſeiner Kunſt, wenn er auch
in der ſorgfältigen Technik ſich treu bleibt. Bei allem zart
empfundenen Stimmungszauber wirken die Bilder friſch
und temperamentvoll. Von all dieſen Künſtlern war
ſchon oft des Rühmens an dieſer Stelle, daß es Lobes
genug ſcheint, wenn wir konſtatieren, daß ſie ſich treu
blieben.

Auch von Phil. Otto Schäfer konnte das geſagt
werden, der in einem nicht nur nach dem Format, ſon=
dern
auch in der Auffaſſung und im Ausdruck großzügigen
und monumental wirkenden Prometheus=Bilde erneut
ſein hervorragendes Kompoſitionstalent offenbart, das in
dieſem prächtigen Werke ſich mit dem maleriſchen Können
zu außergewöhnlicher Bildwirkung eint.
Profeſſor W. Bader iſt mit zwei Bildern religiöſen
Vorwurfs vertreten, die nicht nur durch dieſen, ſondern
ſchon durch ihr eigenartiges ganz von intenſivem aber
nüancenreichen Blau beherrſchten Kolorit religiös wirken.
Darſtelleriſch ſind die Bildvorwürfe Der heilige
Chriſtophorus und Raſt auf der Flucht eigen, wenn
auch nicht durchaus originell aufgefaßt.
Mit zwei prächtigen Bildern von zartem Stimm=
ungsreiz
im Kolorit iſt Willy K. Preetorius=
München vertreten. Es iſt eine einfachere, großzügig er=
faßte
Landſchaft aus Südtirol und eine auch im Vorwurf
inhaltlich reiche Landſchaft am Inn. Ueber dem farben=
reichen
Kolorit iſt ein duftiger Schleier gebreitet der
alle Härten der Kontraſte mildert und die Bildwirkung
der weiten Landſchaften außerordentlich erhöht. Willy
Preetorius beweiſt in dieſen beiden prächtigen Arbeiten
zweifellos erneutes Reifen ſeines bedeutenden Könnens.
Entſchiedene Fortſchritte, neben der Rückkehr in ge=
mäßigtere
Bahnen in techniſcher Beziehung, zeigen auch
die Blumenſtücke von Heinrich Jul. Nover, dem
wir erſt zum zweiten Male in dieſen Hallen begegnen und
deſſen kraftvolle Malerei herzerfriſchend und ſympathiſch
wirkt. In der Technik friſch locker, faſt robuſt, zeigen
dieſe Blumenſtücke ein fein ausgeprägtes Farben=
empfinden
und das Kolorit iſt reich an Schönheiten, die
deren Gehalt in den dargeſtellten duftenden Objekten faſt
reſtlos erſchöpfend feſthält. Dieſer kernhaften breiten

Technik gegenüber halten freilich die mit peinlichſter
Sauberkeit gemalten Stilleben und Blumenſtücke Au=
guſte
Kichlers nicht Stand, aber ſie ſind durchweg
farbig reizvoll und in der Darſtellung feſſelnd. Die Leucht=
kraft
einzelner Farben, deren Herausarbeitung die Künſt=
lerin
liebt, wird in einigen der Blumenſtücke allerdings
noch zur koloriſtiſchen Härte.
Paul Weber=München ſtellt eine Landſchaft
Wildbach aus, im Kolorit dunkel aber nicht ohne
Stimmungsgehalt, Heinrich Otto=Düſſeldorf eine
prächtig kolorierte mit bedeutendem Können gemalte
Schwalmtal=Landſchaft, und Jac. Weinheimer=
Dresden, deſſen eigenartig intereſſante Malkunſt ſchon
öfter eingehend von uns gewürdigt ward, eine große
ernſte Heidelandſchaft und eine Anzahl brillant gezeich=
neter
kleinerer Schwarzweißblätter, Frieda Beſt=
Mainz eine hübſche kleine Tempera=Landſchaft, Herm.
Schlegel eine Anzahl ſeiner trefflich gemalten kleinen
Aquarelle, Joſef Müller drei ſtimmungsvolle farbige
Zeichnungen und Theod. Gengnagel endlich iſt mit
einigen brillant gezeichneten Exlibris und Radierungen
ſehr ehrenvoll vertreten.
Blieben noch zwei Plaſtiker zu nennen. Anthes=
Darmſtadt, ein noch junger Bildhauer, hat zwei monu=
mental
und kraftvoll erfaßte und mit ſehr bemerkens=
werter
Sicherheit modellierte Köpfe ausgeſtellt, eine
Goethe=Maske in Gips und Reſignation ebenfalls
eine Maske in Marmor. Mit Engelh. Freitag=
Neu=Iſenburg, der in einigen Bronzeplaketten Proben
ſeines guten Könnens ablegt, iſt die große Reihe der
M. St.
diesmaligen Ausſteller dann erſchöpft.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Dezember 1912.

Nummer 300.

werkverein auf geſtern einberufen hatte, kam überall zum
Ausdruck, daß die neuen Zugeſtändniſſe des Fiskus die
Saarbergleute in keiner Weiſe befriedigen. Die weite=
ren
, jetzt von der Verwaltung zu der Lohnfrage abge=
gebenen
Erklärungen ſeien zu unbeſtimmt abgefaßt. In
einer Revierverſammlung am kommenden Sonntag wird
endgültig darüber entſchieden werden, ob die Bergarbei=
ter
am 2. Januar in den Streik treten oder nicht.
* Saarbrücken, 29. Dez. Die heutige Revier=
konferenz
des Gewerkvereins chriſtlicher Bergarbeiter,
die die endgültige Entſcheidung über den Streik
treffen ſollte, iſt nach eineinhalbſtündiger Beratung auf
morgen vormittag 10 Uhr vertagt worden. Es fand
eine ziemlich erregte Debatte für und wider den Streik
ſtatt. Bei dem Abbruch der Verhandlungen hatten ſich
noch etwa 30 Delegierte zum Wort gemeldet. Es iſt ſomit
für morgen noch eine längere Auseinanderſetzung zu er=
warten
.

Luftfahrt.

Paris, 29. Dez. Der Ausſchuß für das
Militärflugweſen erſtattete dem Kriegsminiſter
Vorſchläge über die für 1913 vorgeſehenen Ankäufe
von Flugzeugen. Wie offiziell berichtet wird, wird
dieſe Zahl weit über 400 betragen. Im Jahre 1912
wurden ebenfalls über 400 Militärflugzeuge angeſchafft.

Eiſenbahnerverſammlung.

g. Weiterſtadt, 28. Dez. Im Gaſthaus Zum
Löwen fand heute eine öffentliche Eiſenbahner=
verſammlung
ſtatt, die vom Verband Deutſcher
Eiſenbahn=Handwerker und=Arbeiter mit der Tagesord=
nung
: Die wirtſchaftliche Lage der Betriebsarbeiter ein=
berufen
worden war. Der Vorſitzende des Weiterſtädter
Ortsvereins Mayer eröffnete die Verſammlung mit
einer Begrüßung, beſonders des Landtagsabgeordneten
Henrich und des Bezirksleiters Heinrich aus
Mainz. Letzterer ergriff ſodann das Wort und bedauerte,
zunächſt, daß ſo wenige Betriebsarbeiter der Einladung
gefolgt ſeien. Er hoffe, daß auch in Weiterſtadt die Ar=
beiter
wie in Mainz und Darmſtadt zu der Ueberzeugung
kommen werden, daß nur durch Organiſation erreicht wer=
den
könne, die Löhne den verteuerten Lebensverhältniſſen
anzupaſſen. Haben doch die Werkſtättenarbeiter in Darm=
ſtadt
und Mainz durch eindrucksvolle Verſammlungen,
durch nicht raſtende Vorſtellungen bei den vorgeſetzten
Behörden erreicht, daß die Löhne zunächſt um 2 Pfg. und
dann nochmals um 1 Pfg. erhöht wurden. Daß die Löhne
erhöht wurden, werde dankbar anerkannt, doch bedeutet
die Zulage von 20 Pfg. nur 6 Prozent, während die
Lebensmittelpreiſe in den letzten Jahren um 1216 Pro=
zent
geſtiegen ſind. Deshalb ſei beſonders bei den am
ſchlechteſten bezahlten Betriebsarbeitern eine weitere
Lohnerhöhung unbedingt erforderlich. In dieſer Beſtreb=
ung
ſei er als Vertreter der Bezirksvereinigungen mit
weiteren Bezirksleitern von dem neuen Präſidenten in
Audienz empfangen worden, um dieſem in einer Eingabe
die Wünſche der Arbeiter zur Kenntnis zu bringen. Es
ſei hierin beſonders eine allgemeine Lohnerhöhung er=
beten
worden. Es ſei als Ergebnis dieſer Audienz als
gewiß zu erwarten, daß eine weitere Lohnerhöhung be=
ſonders
bei den Betriebs= und Unterhaltungsarbeitern in
den nächſten Tagen erfolgen wird. Auch in der Urlaubs=
frage
bei den Eiſenbahnern der Nebenbahnen ſei ein Ent=
gegenkommen
zu erhoffen. Es werde ferner beabſichtigt,
in Bälde die Löhne der Handwerker und Arbeiter in den
Betriebswerkſtätten anderweitig feſtzuſetzen, um verſchie=
dene
Härten zu mildern, die unterm Stückzeitſyſtem zutage
getreten ſind.
In der Diskuſſion ergriff Herr Landtagsabge=
ordneter
Henrich das Wort und betonte zunächſt, daß
er es als Abgeordneter als eine ſoziale Pflicht betrachte,
ſich um diejenigen zu kümmern, deren Lebensverhältniſſe
nicht zu günſtig geſtellt ſind. Dies habe beſonders da zu
erfolgen, wo der Landtag mitzureden hat, wenn auch nicht
mitzubeſtimmen. Daß man ſich von der Seite der Abge=
ordneten
um die Lage der Eiſenbahnarbeiter gekümmert
hat, beweiſe eine Anfrage der Abgeordneten Dr. Oſann
und Lang über die Teuerungsverhältniſſe der Eiſen=
bahn
=Handwerker und =Arbeiter, die vor Jahresfriſt an
die Regierung gerichtet wurde und die hierauf erfolgte
Antwort, die im Landtag zur Beſprechung kommen ſollte.
Leider ſei es aber durch die Vertagung nicht dazu gekom=
men
. Wenn in der Antwort die Rede davon ſei, daß in
den Jahren 1910 und 1911 im Bezirk Mainz 412000 Mark
zu Aufbeſſerungen verwendet wurden, ſo höre ſich das
viel an; es ergäbe aber ein anderes Bild, wenn berück=
ſichtigt
wird, daß es ſich um 11000 Arbeiter handele, und
es ſeien wohl viele dabei, die von der Erhöhung nichts
abbekommen haben. Eiſenbahnverwaltung und Regier=
ung
ſeien zu dem Schluß gekommen, daß zu weiteren
Maßnahmen kein Bedürfnis vorliege. Aus den Aeußer=
ungen
der Beteiligten ſei jedoch ein anderer Schluß zu
ziehen. Des weiteren betonte Abg. Henrich, daß den
Eiſenbahnangeſtellten das Recht der Organiſation zuſteht;
die Art des Eiſenbahnbetriebes bedinge aber naturge=
mäß
, wie in der Diskuſſion ſchon erwähnt wurde, den
Ausſchluß des Streikrechts. Deshalb müſſe aber zwiſchen
beiden Teilen gegenſeitiges Vertrauen und Entgegen=
kommen
herrſchen, deshalb müſſe den Arbeitern und den
Handwerkern ein beamtenähnliches Verhältnis gewährt
werden. Nach einem kurzen Schlußwort wurde die Ver=
ſammlung
geſchloſſen.

Vermiſchtes.

Die Zigarettenfabrik des Zaren.
Nur wenigen dürfte es bekannt ſein, daß Zar Nikolaus
von Rußland auch der Beſitzer und Inhaber einer Zi=
garettenfabrik
iſt, in der, ausſchließlich durch Handarbeit,
Zigaretten von einem ganz prachtvollen Aroma herge=
ſtellt
werden. Aber die Erzeugniſſe dieſer kaiſerlichen
Zigarettenfabrik gelangen nicht in die breitere Oeffent=
lichkeit
, ihr Verkauf beſchränkt ſich nur auf einen kleinen
Kreis; nur den Angehörigen der kaiſerlichen Familie,
den nahen Freunden des Zaren und einigen hohen
Beamten und Mitgliedern des Hofhaltes werden Ziga=
retten
aus dieſer Fabrik geliefert. Ob dieſe Fabrik ſich
rentiert oder nur des Vergnügens halber betrieben wird,
iſt ſchwer zu ſagen berichtet ein ruſſiſcher Hofbeamter
dem amerikaniſchen Korreſpondenten, der von der Ziga=
rettenfabrik
des Zaren erzählt. Ich weiß nur, daß Se.
Majeſtät ſich als ein ſehr kulanter Kaufmann bewährt,
ſolange Aufträge einlaufen. Erſt wenn die Auſträge
zurückgehen und auf eine Abnahme des Intereſſes an
der kaiſerlichen Fabrik ſchließen laſſen, werden die Rech=
nungen
verſandt und die Schulden eingefordert, bei wel=
cher
Gelegenheit für gewöhnlich auch die neuen Aufträge
erfolgen.
* Eine wichtige Erfindung hat der Pro=
feſſor
an der Techniſchen Hochſchule in Braunſchweis Ge=

heimer Hofrat Dr. Reinke gemacht, indem es ihm gelang,
aus Spargelkraut eine weiße langfaſerige Zelluloſe
zu gewinnen, die zu den verſchiedenſten Zwecken, wie zu
Geweben und zur Papierfabrikation, zu verwenden iſt.
Nach der Frankfurter Wochenſchrift Umſchau ſoll das
Verfahren ſehr einfach und für die Landwirtſchaft von
großer Bedeutung ſein. Bisher wurde das tauſende von
Morgen bedeckende Spargelkraut wegen der Brut der
Spargelſchädlinge verbrannt, während es jetzt bedeuten=
den
Gewinn bringen wird.

Literariſches.

Heſſiſche Chronik, Monatsſchrift für Fa=
milien
= und Ortsgeſchichte in Heſſen und Heſſen=Naſſau.
Begründet und herausgegeben von Dr. Hermann Bräu=
ning
=Oktavio und D Dr. Wilhelm Diehl. Erſter Jahr=
gang
. Heft 12 vom Dezember 1912 hat folgenden Inhalt:
Bibliothekdirektor Profeſſor Dr. Hugo Brunner: Oran=
gerieſchloß
und Marmorbad in der Karlsaue bei Kaſſel.
II. Das Marmorbad. Schluß. Pfarrer Hermann Knott:
Schlitz 812 bis 1912. Mit 2 Abbildungen. Alex Viktor.
von Frankenberg und Ludwigsdorff: Die Jugendzeit des
Staatsminiſters Sylvius Friedrich Frhrn. von Franken=
berg
und Ludwigsdorff. Pfarrer Wilhelm Hoffmann:
Hagelfeiertage. Dr. Wilhelm Heymann: Judenfeindliche
Beſtrebungen zu Groß=Gerau im 17. und 18. Jahrhundert.
Felix Frhr. von und zu Gilſa: Zur Vorgeſchichte des
Löwenſteiner Grundes. Stadtpfarrer D Dr. Wilhelm
Diehl: Speiſezettel eines Jubiläumsfeſteſſens vor 160
Jahren. Kleinere Mitteilungen: Schweizer im Oden=
wald
. Chriſtiane Albertina Lichthammer. Alsfelder
Volksleben im Mittelalter. Adam Opel und ſein Haus.
Bücherſchau. Aus Zeitſchriften. Umfragen. Neue
Rubriken. (Der Bezuaspreis beträgt vierteljährlich
1,50 Mk., jährlich 6 Mk. Preis des Einzelheftes 60 Pfg.)
Die letzten Tage Napoleons von Paul
Frémeaux. Autoriſ. Ueberſetzung von Erich Oſter=
held
. Vorrede von Paul Holthauſen. Mit 7 Bildern.
Preis 4 Mk. broſch., 5 Mk. geb. Pan=Verlag, Berlin W. 15.
Unter dieſem Titel gibt Paul Frémeaur, einer der kom=
petenteſten
franzöſiſchen Napoleon=Forſcher, in ſeinem
neueſten Buche ein, trotz faſt romanhafter Einkleidung,
vollkommen authentiſches Bild der letzten Tage des
großen Korſen auf St. Helena. Frémeaur’ Buch hat in
Frankreich einen koloſſalen Erfolg gehabt. Es ſollen dort
mehr als 100000 Exemplare verkauft worden ſein. Solch
ein Erfolg mußte natürlich den deutſchen Verleger reizen,
dieſes intereſſante Buch auch bei uns zu veröffentlichen,
zumal es jetzt auch den Reiz der Aktualität hat. Fré=
meaur
als Hiſtoriker und Künſtler wahrt trotz der ehr=
lichen
Liebe zu ſeinem Helden ſtets die Diſtanz und zeich=
net
aus dem Wirrwarr der Ueberlieferungen eine leben=
dige
Charakterſtudie. Das allein ſchon wäre wertvoll
und bedeutungsvoll, aber Frémeaux iſt auch ein Stim=
mungskünſtler
; ſein Buch hat Kultur und Geiſt und wird
ſich ſicher auch in Deutſchland ſchnellen und wohlverdien=
ten
Erfolg holen.
Im Verlage der Photographiſchen Geſellſchaft in
Berlin iſt das große Kataloawerk Friedrich der
Große in der Kunſt erſchienen. Der denkwürdigen
Ausſtellung, die auf Anregung des Kaiſers zur Feier der
zweihundertſten Wiederkehr des Geburtstages des großen
Königs veranſtaltet wurde, iſt hier ein bleibendes Denk=
mal
geſetzt. Das Bildnis des Königs ſelbſt erſcheint hier
in nicht weniger als 40 Darſtellungen aus ſeinen ver=
ſchiedenen
Lebensjahren. Auf den Bildertafeln ſind nicht
nur die Gemälde aus älterer und neuerer Zeit faſt lücken=
los
, ſondern auch die beſten Skulpturen in Auswahl
wiedergegeben. Die Verehrer des großen Königs finden
hier ein Bildermaterial, wie es nicht nur in dieſem Um=
fange
, ſondern auch in dieſer Qualität anderweitig nicht
exiſtiert.

Darmſtadt, 30. Dezember.

W-l. Großh. Hoftheater. Am Sonntag ging Richard
Wagners Jugendoper Rien zi vor vollbeſetztem Hauſe
in Szene. Da Herr Riechmann wieder die Partie des
Colonna ſang und Frau von Sugh die urſprünglich für
eine Altſtimme berechnete Partie des Adriano beibehalten
hatte, war die Beſetzung mit Ausnahme zweier kleinerer
Partien ganz dieſelbe geblieben, wie bei der letzten Auf=
führung
. Die effekt= und prunkvolle Oper, die für eine
Sonntagsvorſtellung recht geeignet iſt, fand die gewohnte
beifällige Aufnahme, ein tieferes Intereſſe kann ſie aber
nicht mehr erwecken. In der über alle Maßen anſtren=
genden
Titelpartie zeichnete ſich Herr Becker durch ge=
ſangliche
Zuverläſſigkeit, ſtimmliche Gleichmäßigkeit und
Ausdauer vorteilhaft aus und wurde dadurch den Haupt=
forderungen
der Partie gerecht. Dasſelbe gilt auch von
Frau von Sugh als Adriano und Frl. Geyersbach
als Irene; erſtere Partie müßte aber wieder durch die
Altiſtin beſetzt werden. In dem Nobili=Enſemble hätte
man manches anders gewünſcht. Zu tadeln iſt das Ge=
polter
hinter der Szene während des Einzugs des Frie=
denschors
und des Geſanges des Friedensboten, der Irl.
Schaub vortrefflich gelang. Die von Frau Thiele=
Leonhardt arrangierten Waffen= und Gladiatoren=
ſpiele
und Feſttänze wurden von Turnern der Turn=
gemeinde
Darmſtadt und den Damen Huber und
Croneberg und dem Ballettkorps in gewohnter ſtil=
und effektvoller Weiſe ausgeführt.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Burean.)
* Berlin, 28. Dez. Der Abgeordnete Werner
Gießen) richtete eine Anfrage an den Reichskanzler, ob
er geneigt ſei, Schritte zu tun, um die immer brennender
werdende Ausländerfrage an den deutſchen Hoch=
ſchulen
und Univerſitäten im Intereſſe unſeres Volks=
tums
und des geiſtigen und wirtſchaftlichen Lebens ge=
ſetzlich
zu regeln. Drei weitere Anfragen, wobei ſich der
Abgeordnete mit ſchriftlichen Antworten begnügt, be=
treffen
das Schächten, den Kinderhandel und die Ver=
breitung
jüdiſcher und judenfreundlicher Preßerzeugniſſe
auf den Bahnhöfen.
* Berlin, 29. Dez. In einer gemeinſamen Verſamm=
lung
des Arbeitgeber=Verbandes für die Bin=
nenſchiffahrt
und verwandte Gewerbe und des Deut-
ſchen
Transportarbeiter=Verbandes und des
Zentralverbandes der Maſchiniſten und Heizer
gab der Arbeitgeberverband nachfolgende Erklärung mit
der Maßgabe ab, daß die Antworten der Arbeitnehmer=
Verbände bis zum 15. Januar 1913 zu erfolgen haben.
Die Erklärung lautet: Der Arbeitgeber=Verband für Bin=
nenſchiffahrt
und verwandte Gewerbe ſchlägt die Verlän=
gerung
der beſtehenden Vereinbarungen auf drei Jahre
unter nachſtehenden Bedingungen vor: der Lohn wird um
5 Mark für den Monet eildht. Um üher die behaupteten

Mißſtände bezüglich der Arbeitsdauer eine unparteiiſche
Klarheit zu erhalten, ſoll nachſtehendes Verfahren einge=
ſchlagen
werden: Es wird eine von den Arbeitgebern und
Arbeitnehmern gleichmäßig beſchickte Kommiſſion mit
einem unparteiiſchen Vorſitzenden eingeſetzt, die auf dem
Wege ſtatiſtiſcher Erhebungen Feſtſtellungen über Beſchäf=
tigung
und Ruhezeiten der Mannſchaften während der
Fahrt der Schiffe machen ſoll. Zu dieſem Zweck ſollen
für jedes Schiff fortlaufende, buchmäßige Eintragungen
vorgenommen werden, die der Kommiſſion in beſtimmten
Zeitabſchnitten zur Begutachtung vorzulegen ſind.
Die Erhebungen ſollen für das ganze Jahr
1913 ſtattfinden. Ende 1913 ſoll auf Grund
der Ergebniſſe dieſer ſtatiſtiſchen Erhebungen eine
feſte, den Betriebsverhältniſſen der einzelnen Stromgebiete
angepaßte Regelung der Arbeitszeiten vorgenommen wer=
den
. Sollten ſchon früher von der Kommiſſion Mißſtände
als allgemein vorhanden feſtgeſtellt werden, ſo verpflichten
ſich die Arbeitgeber ſofort Abhilfe zu ſchaffen. Die Ar=
beitgeber
erklären ſich bereit, die Wünſche bezüglich der
Ueberſtunden, der Reiſevergütung und der Effektenver=
ſicherung
gruppenweiſe zu regeln.
* München, 29. Dez. Die Korreſpondenz Hoffmann
ſchreibt: In der Preſſe wird nach wie vor an der irrigen
Auffaſſung feſtgehalten, daß die, wie bekannt, auf unrecht=
mäßigem
Wege in die Oeffentlichkeit gelangte Aufzeich=
nung
der Redaktion der Staatszeitung die amt=
liche
Billigung gefunden habe Dies iſt nicht der Fall=
Eine Reihe der in dieſer Niederſchrift enthaltenen An=
regungen
ſind gut gemeint, jedoch aus praktiſchen und
rechtlichen Gründen undurchführbar und unannehm=
bar
, insbeſondere jene Vorſchläge, die ſich auf irgendwie
geartete Heranziehung der königlichen Geſandtſchaften
zur Mitarbeit an der Staatszeitung beziehen. Es dürfte
ſich im übrigen empfehlen, das Erſcheinen der erſten
Nummer der Staatszeitung abzuwarten, die über das
Program mder Zeitung ausführliche Aufſchlüſſe geben wird.
* Rappoltsweiler, 28. Dez. In der Offizialklageſache
gegen den praktiſchen Arzt Dr. Groß in Kork und den
Redakteur Kriſch von der Straßburger Rundſchau wegen
Beleidigung des Pfarrers Böglin von Oſtheim wurde
heute vom Schöffengericht Rappoltsweiler das Urteil
gefällt. Beide Angeklagte wurden freigeſprochen unter
Ueberbürdung der Koſten des Verfahrens auf die Staats=
kaſſe
. Die Koſten der Nebenklage hat der Nebenkläger,
Pfarrer Böglin (Oſtheim), zu tragen.
* Dresden, 29. Dez. Der König empfing heute
mittag aus Anlaß der geſtern bei Leipzig erfolgten=
Grundſteinlegung der ruſſiſchen Gedächtniskapelle den ruſ=
ſiſchen
Kriegsminiſter Suchomlinow, den ihn beglei=
tenden
Generalleutnant Woronoff und den Architekten
Pokrowsky in Privataudienz. Der König äußerte hierbei,
daß er dem Plane der Errichtung einer ruſſiſchen Kapelle
von Anfang an mit großer Sympathie gegenübergeſtan=
den
habe und auch der Verwirklichung des Projekts alle
Förderung angedeihen ließ. An die Audienz ſchloß ſich
eine Frühſtückstafel, wozu die ruſſiſchen Herren zugezogen
worden waren. Es nahmen u. a. teil der ruſſiſche Ge=
ſandte
Baron Wolff mit dem Legationsſekretär v. Toma=
ſzewski
, der ſächſiſche Kriegsminiſter Frhr. v. Hauſen, der
Miniſter des Aeußern Vitzthum von Eckſtaedt und der
Geheime Legationsrat v. Stieglitz. Die Perſon des Ge=
nerals
Suchomlinow rief allgemein einen ſympathiſchent
Eindruck hervor.
Bei der Grundſteinlegung der ruſſiſchen Gedächtnis=
kapelle
kam in außerordentlich wirkungsvoller Weiſe die
Zuſammengehörigkeit aller chriſtlichen Konfeſſionen da=
durch
zum Ausdruck, daß nach dem ruſſiſchen Geiſtlichen
je ein Vertreter der evangeliſch=lutheriſchen, römiſch= katho=
liſchen
und griechiſch=katholiſchen Kirche Hammerſchläge im
Namen des dreieinigen Gottes abgaben.
Leipzig, 28. Tez. Tas Reichsgericht verwarf
die Reviſion des Bankiers Sattler, der vom Schwur=
gericht
des Landgerichts I in Berlin am 10. Oktober nach=
ſechstägiger
Verhandlung wegen Depotunterſchlagung zu
drei Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverluſt ver=
urteilt
worden war.
* Wien, 28. Dez. Nach einem Telegramm des Kom=
mandanten
des 10. Korps, welches Landesverteidigungs=
miniſter
Frhr. v. Georgi im Abgeordnetenhauſe zu Beginn
der Sitzung mitteilte, kam es heute vormittag im Labora=
torium
von Pikulice beim Umändern von Schrapnell=
zündern
zu einer Exploſion, durch die fünf Zivil= ſo ſchwer verletzt wurden, daß ſie in das Militär=
lazarett
von Przemysl gebracht werden mußten.
Paris, 29. Dez. Der Miniſterpräſident hatte heute
vormittag eine Beſprechung mit Ribot. Nach derſelben=
erklärte
Ribot, daß in ſeinen Abſichten ſich nichts geändert
habe. Demnach hält Ribot ſeine Kandidatur für die
Präſidentſchaft aufrecht.
* Paris, 29. Dez. Nach einer Blättermeldung wurde
der franzöſiſche Geſandte in Mexiko Lefaivre beauf=
tragt
, die Ausweiſung Rochettes bei deſſen Lan=
dung
in Veracruz zu verlangen. Da zwiſchen Frankreich
und Mexiko kein regelrechter Auslieferungsvertrag beſteht,
ſo wolle ſich die franzöſiſche Regierung auf die Meiſtbe=
günſtigungsklauſel
berufen.
* Paris, 29. Dez. Um die zum Schutze der franzö=
ſiſchen
Sparer insbeſondere gegen die Auswan=
derung
des franzöſiſchen Kapitals getroffenen Maßnah=
men
noch wirkſamer zu geſtalten, hat Juſtizminiſter
Briand angeordnet, daß eine Unterſuchung gegen die
Angeſtellten ausländiſcher Unternehmungen eingeleitet
werde, welche dem Publikum die von dieſen Unternehm=
ungen
im Auslande ausgegebenen Wertpapiere anbieten.
Dem Auftrag des Juſtizminiſters entſprechend wurde be=
reits
gegen den hieſigen Vertreter eines Londoner Hau=
ſes
, welcher ein kanadiſches Wertpapier hier unterbringen
wollte, die ſtrafrechtliche Unterſuchung eingeleitet.
Paris, 29. Dez. In Epernay wurde infolgen
mehrfacher Strafanzeige der Direktor der Pariſer Banque
Comptoire, Chalonnais. verhaftet. Dieſe Bank beſitzt
insbeſondere in den öſtlichen Departements zahlreiche
Zweiganſtalten.
Paris, 29. Dez. Aus Marſeille wird gemeldet:
Die beiden Deutſchen, welche verdächtigt worden waren,
kürzlich bei Monte Carlo gegen einen Chauffeur einen
Revolveranſchlag verübt zu haben, wurden aus der
Haft entlaſſen, nachdem ſie ihr Alibi nachgewieſen
hatten.
* Paris, 29. Dez. In Blida (Algerien) erſchoß=
der
penſionierte Oberſtabsarzt Battut auf offener Straße
den Kavallerieleutnant Gavet, den er in Geſellſchaft
ſeiner Frau ertappt hatte, und tötete ſodann auch dieſe
durch einen Revolverſchuß. Battut, welcher verhaftet
wurde, war durch einen anonymen Brief auf die Be=
ziehungen
ſeiner Gattin zu dem Leutnant aufmerkſam
gemacht worden.
* Bukareſt, 29. Dez. Der rumäniſche Miniſter des
Innern, Jonescu, unternimmt in dieſen Tagen eine
politiſche Reiſe, die ihn nach Wien, Berlin, London und
wahrſcheinlich auch nach Paris führen wird.
* Petersburg, 28. Dez. Die Reichsduma hat
in ihrer letzten Sitzung vor ihrer Vertagung mit 132
gegen 73 Stimmen der Nationaliſten und der Rechter

[ ][  ][ ]

Nummer 306.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Dezember 1912.

Seite 7.

die von dem Progreſſiſten eingebrachte Uebergangs=
formel
zu der Erklärung des Miniſterpräſidenten
Kokowzow über die auswärtige Politik angenommen.
Die Formel ſpricht die Ueberzeugung aus, daß eine nor=
male
geſetzgeberiſche Arbeit nur dann möglich ſei, wenn
die Regierung ſich von dem aufrichtigen Beſtreben er=
füllt
zeige, zur Verwirklichung der in dem Oktober=
Manifeſt angekündigten Grundſätze auf Einführung einer
ſtrengen Geſetzmäßigkeit mit der Reichsduma
zuſammenzuwirken, und ſie fordert die Reichsduma und
die Regierung auf, dieſen Weg offen und feſt zu betreten.
* Moskau, 29. Dez. Heute morgen iſt ein Haus,
in dem Arbeiter der Alexanderbahn wohnen, abge=
brannt
. Vierzehn Leichen wurden geborgen.
*Waſhington, 29. Dez. Hauptmann Steunen=
berg
, der kürzlich wegen der Veröffentlichung ſatiriſcher
Verſe, die auf die Ausbildung in der deutſchen Armee
gemünzt waren, verwarnt worden war, läßt jetzt eine
Entſchuldigung erſcheinen, in der er erklärt, die
Verſe ſeien nur für militäriſche Fachleute beſtimmt ge=
weſen
; er wünſche, er hätte ſie in den Papierkorb ge=
worfen
, wohin ſie eigentlich gehört hätten.
* Buenos=Aires, 29. Dez. Der Kapitän und die
Mannſchaft des engliſchen Dampfers South Atlan=
tic
aus Cardiff ſind an Bord des Dampfers Siberian
eingetroffen. Sie erzählen, die South Atlantic ſei am
9. Dezember an den Klippen bei der Inſel Brava,
120 Meilen von Cap Verde entfernt, infolge Nebels ge=
ſcheitert
. Die ganze Mannſchaft iſt gerettet.
Wien, 28. Dez. Der ungariſche Miniſter=
präſident
Lukacs iſt heute vormittag 11 Uhr vom
Kaiſer in Audienz empfangen worden. Um 8 Uhr hatte
der Miniſterpräſident mit dem Miniſter des Aeußeren
eine Konferenz, worauf er noch am Nachmittag nach
Budapeſt zurückkehrte. Er unterbreitete dem Kaiſer den
Geſetzentwurf über die Wahlreform zur Vorſank=
tionierung
, die der Monarch dem Entwurf erteilte. Das
ungariſche Abgeordnetenhaus wird am Diens=
tag
ſeine Srtzungen eröffnen. Die Mitglieder der
nationalen Arbeiterpartei werden in großer Anzahl zu
den Sitzungen erſcheinen und bei dieſer Gelegenheit wird
Miniſterpräſident Lukacs ein Expoſé über die Durch=
führung
der Wahlreform einbringen.

Briefkaſten.

Anfrage. 3 Wochen nach vorhanden geweſener
Diphtheritis wurde Desinfektion der Wohnung vorge=
nommen
und 5 Tage danach iſt der dadurch hervorgeru=
fene
Geruch noch nicht verſchwunden, obwohl Tag und
Nacht die Fenſter geöffnet ſind. Welches Mittel kann man
da zur Beſeitigung dieſes Geruchs am beſten anwenden?
X.
Vielleicht gibt einer unſerer Leſer freundlichſt Ant=
wort
.
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nach kurzem, ſchwerem Leiden heute nacht um
½2 Uhr zu ſich zu nehmen.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen:
Margaretha Daubert, geb. Völker,
Emma Daubert,
Eliſe Daubert,
Oberrechnungsreviſor Heinrich Daubert
und Familie,
Oberrechnungsreviſor Georg Haas
und Familie.
Darmſtadt, den 29. Dezember 1912.
Die Beerdigung findet ſtatt: Dienstag, den
31. d. Mts., vormittags 11 Uhr, vom Trauer=
hauſe
Heinheimerſtr. 63 aus die Einſegnung
in der Wdhnung ¼ Stunde vorher.

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kurzer Krankheit mein innigſtgeliebter Mann,
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Schwager und Onkel
Georg Heldmann
Gastwirt zum Löwen
im 56. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Seeheim, den 30. Dezember 1912.

Die Beerdigung findet Dienstag, den 31. Dez.,
nachmittags ½3 Uhr, ſtatt.

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Undine‟.
Vorſtellung um 8½ Uhr im Orpheum.
Generalverſammlung der Vereinigten Orts=
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um 8½ Uhr im Reſtaurant Kaiſerſaal
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23): Von
der Beiſetzung des Prinz=Regenten Luitpold; zum
Grubenunglück auf der Zeche Miniſter Achenbach bei
Dortmund; die Friedensunterhändler der Balkan=
ſtaaten
und der Türkei.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckereß.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

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Verwandten und Bekannten die traurige
Mitteilung, daß mein lieber guter Gatte im
Alter von 86 Jahren heute abend 9 Uhr ſanft
entſchlafen iſt.
Um ſtille Teilnahme bittet
die trauernde Witne
Frau Katharina Uhrig
geb. Dähler
Seeſtr. 3.
B26507)
Darmſtadt, den 28. Dezember 1912.

Die Beerdigung findet Dienstag nachmittag
3 Uhr vom Sterbehaus, Seeſtraße 3 aus, ſtatt.

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Heute morgen verſchied unſer lieber, treu=
beſorgter
Vater, Großvater, Urgroßvater,
Schwager und Onkel
(26508

im 77. Lebensjahre.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen
Familie Dilfer,
Familie Röder.

Darmſtadt, den 28. Dezember 1912.

Die Beerdigung findet Dienstag, den 31. Dez.
vormittags um 11 Uhr, vom Portale des Fried=
hofes
aus, ſtatt.

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Heute morgen entſchlief nach langem,
ſchwerem Leiden unſer guter
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Gerichtsaktuar i. P.
Im Namen
aller trauernden Hinterbliebenen:
Elisabeth Uhrig.
Darmſtadt, den 28. Dezember 1912.
Lichtenbergſtraße 58.
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[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Dezember 1912.

Nummer 306.

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3½ do. Conſols . . . 88,00
77,50
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 99,60
92,80
do.
3½

do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 98,90
86,60
do.
3½
77,30
bo.
4 Hamburger Staatsanl. 98,40
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99,10
4 do. do. (unk. 1918) 99,10
do.
86,90
3½
75,90
3
do.
78,00
3 Sächfiſche Rente.
4 Württemberger v. 1907 99,60
do. v. 1875 93,10
31
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887 . . 53,80
3¾ Italiener Rente .
4½ Oeſterr. Silberrente 88,30
4 do. Goldrente . . . 91,90
4 do. einheitl. Rente 86,00
3 Portug. unif. Serie I 64,00
3 do. unif. Ser. III 66,00
3 do. Spezial .
9,50
5 Rumänier v. 1903 . . 99,80
4 do. v. 1890 . . 94,70
4 do. v. 1905 . . 88,40
4 Ruſſen v. 1880 .
. 88,50
. 89,10
4 do. v. 1902 . .
. 99,60
4½ do. v. 1905 .
. 85.60
3½ Schweden.
4 Serbier amort. v. 1895 78,60
4 Türk. Admin. v. 1903 77,80
4 Türk. unifiz. v. 1903 85,70
88,00
4 Ungar. Goldrente.
85,00
t do. Staatsrente.

Zf.
InProz.
.100,00
5 Argentinier .
4
do.
85,25
4½ Chile Gold=Anleihe. 89,00
5 Ehineſ. Staatsanleihe. 98,30
4½
do.
4½ Japaner . . . . . . . 92,60
5 Innere Mexikaner . . . 93,50
3
do.
59,00
4 Gold=Mexikanerv. 1904 86,50
5 Gold=Mexikaner . . . . 99,50
3 Buenos Aires Provinz 69,00
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 154,30
5 Nordd. Lloyd . . . . . 119,50
6½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . 124,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 109,30
6 Baltimore und Ohio . 102,75
6 Schantungbahn . . . . 126½
6e Zuremb. Prine Henri
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 16,80
6 Pennſylvania R. R. . 118,25
Letzte Induſtrie=
Dioid. Aktien.
3 Brauerei Werger . . 64,50
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik .
. 517,00
14 Chem. Fabrik Gries=
heim

.243,75
30 Farbwerke Höchſt . . 633,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim .
10 Cement Heidelberg . . 145,60
80 Ehem. Werke Albert 430 00
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12½ Bochumer Bergb. u.
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11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 162,0)
10 Gelſenkirchener . . . . 189,75
9 Harpener . .
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4½ Nordd. Lloyd=Obl. 98,25
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4 Franz=Jofefs=Bahn . . 87,00
3 Prag=Durer . . . . . . 74,70
5 Oeſterr. Staatsbahn . 103,40
4 Oeſterr. Staatsbahn . 92,20
76,90
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 100,00
4
do.
76.00

Znßron
St.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 87,00
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
98,20
S.52 . . . ..
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 98,00
3½
do.
87,25
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,30
do.
87,30
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 18, 16
98,80
S. 14, 15, 17, 24/26
1823.
99,00
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2. 68
. 87,30
S. 35
. 87,10
S. 911
. 87,20
4 Meininger Hyp.=Ba
98,00
86,50
do.
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) .. 9800
3½ do. (unk. 1914) . . 86,60
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,50
do.
3½
87100
Städte=
Obligationen,
4 Darmſtadt
97,00
5½ de.
89,25
4 Frankfurt. .
. 98,50
3½
do.
96,00
4 Gießen .
97,00
do.
87,00
4 Heidelberg
. 97,00
do.
87,20
Karlsruhe
do.
88,30
4 Magdeburg
3½ do.
4 Mainz .
5o.
4 Mannheim
. 97,50
do.
87,90
München .
98,60
3½ Nauheim
4 Nürnberg.
. 99,20
3½
do.
86,70
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Inptro
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86,00
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3 Portugieſ. Eiſenb. . . 73,50
do.
85,50
. 69,80
2½ Livorneſer
3 Saloniaue=Monaſtir . 62,50
80,90
4 Baababbahn .
4½ Anatoliſche Eiſenb. 94,50
4 Miſſouri=Paciſic. . .. 71,00
4 Northern=Pacifie . . . 98,80
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Franeiseo. . . . . 83,80
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10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 183,00
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Bahn . . . . . . . 145,50
9½ Berlin. Handelsgef. . 164,20
6½ Darmſtädter Bank . 118,50
12½ Deutſche Bank . . . 248,00
6 Deutſche Vereinsbank . 120,00
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 117,00
10 Diskonto=Kommandit 183,10
8½ Dresdener Bank 150,75
9½ Frankf. Hypoth.=B. 210,00
6½ Mitteld. Kreditbank 116,75
7 Nationalb. für Deutſchl. 118, ½
* Pfälziſche Bank . . . . 126,00
5.86 Reichsbank . . . 131,50
7 Rhein. Kreditbank. . . 132,25
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 114,40
7½ Wiener Bankverein . 129,00
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21. . . . . . . 98,50

Inſrete
3½ Offenbach .
4 Wiesbaden .
. 98,50
3½ do.
94,60
4 Worms .
. 97,00
3½ do.
87,00
4 Liſſaboner v. 1888
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner , 100 135,40
3 Holl. Komm. fl. 100 109,00
3 Madrider . . Fs. 100 71,80
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 135,00
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 172,00
3 Oldenburger . . .
2½ Raab=Grazer fl. 150 112,90
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7 34,00a
Braunſchweiger Tlr. 20 202,40
Freiburger . . . . Fs. 15
.. Js.45
Mailänder .
. Fs. 10
do.
Meininger .
.ſl. 7
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 541,00
do. v. 1858fl. 100 452,00
Ungar. Staats . fl.100
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 154,80
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Banknoten.
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20 Franks=Stücke ..
Amerikaniſche Noten . .
20,42
Engliſche Noten .
Franzöſiſche Noten. . . . 81,15
Holländiſche Noten. . . . 169,00
80,25
Italieniſche Noten .
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,45
Ruſſiſche Noten
80,70
Schweizer Noten

Reichsbank=Diskonto. .
Reichsbank=Lombard Zsf. 7

[ ][  ][ ]

Nummer 306.

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Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Dezember 1912.
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Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Dezember 1912.

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[ ][  ][ ]

Nummer 506.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 36. Dezember 1912.

Seite 11.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher, 1 Dobermann. 1 Foxterrier, 1 Dobermann,
1 Rehpinſcher, 1 Boxer (zugelaufen). Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Ver=
ſteigerung
der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(26465

Bekanntmachung.

Wir bringen in Erinnerung, daß das Schießen, ſowie das
Abbrennen von Fenerwerkskörpern innerhalb der Straßen und
Hofreiten der Stadt verboten iſt.
Zuwiderhandlungen ſind in § 367 und § 368 des Reichsſtraf=
geſetzbuches
mit Geld= oder Haftſtrafe bedroht. Auch tritt Wegnahme
der Schußwaffe ein.
Gleichzeitig machen wir die Händler mit exploſiven Stoffen,
Feuerwerkskörpern uſw. wiederholt darauf aufmerkſam, daß das
Abgeben ſolcher Stoffe an Perſonen, von welchen ein Mißbrauch der=
ſelben
zu befürchten iſt, insbeſondere an alle Perſouen unter
16 Jahren, verboten iſt (Verordnung, den Verkehr mit Spreng=
ſtoffen
betreffend, vom 21. September 1905, § 26). Zuwiderhandlungen
gegen dieſe Vorſchrift werden nach § 367 des Reichsſtrafgeſetzbuches
mit Geldſtrafe bis zu 150 Mk. oder mit Haft beſtraft. (26481oi
Darmſtadt, den 27. Dezember 1912.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Angeſtelltenverſicherung.

Die Reichsverſicherungsanſtalt für Angeſtellte hat das unten
abgedruckte Merkblatt für die Entrichtung der Beiträge zur Ange=
ſtelltenverſicherung
aufgeſtellt. Ich verweiſe die Arbeitgeber auf den
Inhalt dieſes Merkblatts und empfehle ihnen, ſich die Vordrucke für
die Nachweiſungen nach § 181 des Verſicherungsgeſetzes für Ange=
ſtellte
rechtzeitig zu beſchaffen. Die Nachweiſungen werden in dem
Bureau Waldſtraße 6, Zimmer Nr. 1, abgegeben.
Darmſtadt, den 17. Dezember 1912.
(26199a
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Mueller.
Merkblatt der Reichsverſicherungsanſtalt für die
Entrichtung der Beiträge zur Angeſtelltenverſicherung.
1. Der Arbeitgeber iſt verpflichtet, die Beiträge für ſich und ſeine
Angeſtellten an die Reichsverſicherungsanſtalt zu zahlen (§§ 176,
177 des Geſetzes). Zuwiderhandlungen ſind mit Strafe bedroht
§ 340 a. a. O.).
2. Der Arbeitgeber hat bei der erſten Beitragszahlung erſt=
malig
alsbald nach Ablauf des Monats Januar 1913 eine
Nachweiſung (§ 181 a. a. O.) über ſeine verſicherungspflich=
tigen
Angeſtellten und die fälligen Beiträge aufzuſtellen
und vorher oder bei der Einzahlung der Beiträge an die Reichs=
verſicherungsanſtalt
in Berlin=Wilmersdorf, Hohenzollerndamm,
einzuſenden. Hierzu ſind die Vordrncke bei der Ausgabe=
ſtelle
für die Angeſtelltenverſicherung ſeines Sitzes zu ent=
nehmen
. Bis zu 20 Angeſtellten dient der einſeitige Vordruck.
Bei mehr als 20 Angeſtellten kommen mehrere einſeitige Vor=
drucke
oder Einlagevordrucke, die gleichfalls von der Ausgabe=
ſtelle
abgegeben werden, zur Verwendung. In die Nachweiſung
ſind die Angeſtellten in der Reihenfolge der Gehaltsklaſſen,
mit der Klaſſe A beginnend, einzutragen.
3. Beſchäftigen mehrere Arbeitgeber den Verſicherten wäh=
rend
des Monats (§ 177 a. a. O.), ſo können an Stelle der
Nachweiſe (Nr. 2) Poſtkartenvordrucke benutzt werden, die gleich=
falls
von der Ausgabeſtelle ausgehändigt werden.
4. Statt der Verwendung von Marken hat die Reichsverſicherungs=
anſtalt
mit Zuſtimmung des Reichskanzlers den Poſtſcheckverkehr
für die Beitragseinzahlung für den Fall des § 176 zugelaſſen,
für den Fall des § 177 vorgeſchrieben (ſiehe auch weiter unten
Nr. 8). Hiernach ſind die aus den Nachweiſungen zu 2 und 3
ſich ergebenden Beitragsſummen bis zum 15. des auf den Mo=
nat
, fur den die Beiträge zu zahlen ſind, folgenden Monats
dem Konto der Reichsverſicherungsanſtalt bei dem Poſtſcheckamt
in Berlin zu überweiſen. Hierfür ſind beſondere Zahlkarten
und Ueberweiſungsformulare eingeführt, die der Arbeitgeber
bei ſeiner Poſtanſtalt erhält und zweckmäßig frühzeitig abhebt.
Die Erläuterungen zur Ausfüllung und Benutzung ſind auf der
Rückſeite der Formulare angegeben. Auf der Rückſeite der Ab=
ſchnitte
findet man eine Kontrollüberſicht, die zur Nachprüfung
der Beitragsſumme dient und auszufüllen iſt.
5. Für Lehrer und Erzieher aller Art, die bei mehreren Fami=
lien
während eines Monats tätig ſind, können die fälligen Bei=
träge
nach vorheriger Anzeige an die Reichsverſicherungs=
anſtalt
vierteljährlich eingezahlt werden. In dieſem Falle
müſſen die Poſtkartenvordrucke (Nr. 3) benutzt werden.
6. Bei der zweiten und den folgenden Beitragszahlungen müſſen
die Veränderungen angegeben werden, welche die Abweichung
gegen die vorherige Beitragsſumme klarſtellen. Veränderungen
ſind dann gegeben, wenn Angeſtellte
a) aus dem Dienſt ausſcheiden (Abgang);
b) in den Dienſt neu eingeſtellt werden (Zugang);
c) Gehaltsänderungen erfahren, die den Angeſtellten in eine
andere Gehaltsklaſſe bringen.
In den Fällen der Nr. 3 ſind Veränderungsanzeigen einzuſenden:
a) bei monatlicher Beitragszahlung, wenn es ſich um den
Wechſel in derPerſon des Angeſtellten handelt;
b) bei vierteljährlichen Beitragszahlungen (für Lehrer und
Erzieher) nach Ablauf des Kalendervierteljahrs vor oder
bei Einzahlung der Beiträge, wenn in einem Kalender=
monat
des Vierteljahrs ein Wechſel in der Perſon des
Angeſtellten oder eine Aenderung in dem gezahlten Ent=
gelt
eintritt.
7. Zu den Veränderungsanzeigen ſind dieſelben Vordrucke
wie für die erſten Meldungen zu verwenden. Die Verände=
rungen
ſind nach der Einteilung zu Nr. 6 unter a (Zugang),
b (Abgang) und (Gehaltsänderung) geſondert aufzufuhren.
Sind keine Veränderungen eingetreten, ſo iſt dieſes durch Be=
richtigung
des auf den Poſtſcheckformularen unter der Kontroll=
überſicht
(Nr. 4) vorgeſehenen Textes zu vermerken. Die Ver=
änderungsanzeigen
ſind vor der nächſten Beitragszahlung,
ſpäteſtens gleichzeitig mit ihr, an die Reichsverſicherungs=
anſtalt
abzuſenden.
8. Die Einzahlung der Beiträge an die Reichsverſicherungs=
anſtalt
hat der Arbeitgeber in der Verſicherungskarte durch
Eintragung des Beitrags und Beiſchrift ſeines Namens oder
ſeiner Firma handſchriftlich oder durch Stempel zu vermerken.
Arbeitgeber, die bei ſtändig beſchäftigten Angeſtellten (§ 176)
Marken benutzen wollen, können dieſe nach vorheriger Einzah=
lung
der fälligen Beiträge, tunlichſt auf das Poſtſcheckkonto
(Nr. 4), von der Reichsverſicherungsanſtalt beziehen.
9. Arbeitgeber, die Angeſtellte in mehreren Betrieben (Filialen)
an demſelben oder verſchiedenen Orten beſchäftigen. können die
Beiträge von dem Hauptbetrieb aus zahlen; ſie müſſen alsdann
für jeden Betrieb eine beſondere Nachweiſung (§ 181 a. a. O.,
ſ. Nr. 2) an die Reichsverſicherungsanſtalt einreichen.

Brenntannäpfel
Hektoliter 75 Pf., bei 10 Hl. 70 Pf
Fichtenzapfen
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unkündbar bis 1923, mündelsicher.

(26330a

ECE

Auf Grund des bei mir aufliegenden Prospekts nehme ich Zelchnungen von
heute bis zum 8. Januar 1913 zum Kurse von 97.80 spesenfrei entgegen.
Hermann Wertheim, Bankgeschäft, Rheinstr. 33.

Bekanntmachung.

Die Zahlung der rückſtändigen
Beträge für erſteigertes Heugras,
Korn, Grünfutter, Grummet=
gras
und Runkelrüben von der
ſtädt. Pallaswieſe, der Fürſten=
wieſe
, den ehemals Beſſunger und
Kaus’ſchen Wieſen und von ver=
ſchiedenen
anderen ſtädt. Grund=
ſtücken
ſowie der Obſternte von
den Bäumen der ſtädt. Pallas=
wieſe
(aus den Verſteigerungen
Großh. Bürgermeiſterei vom 3. u.
17. Juli, 23., 29. u. 30. Auguſt u.
24. September lfd. Js.) hat bei
Vermeidung des Mahn= und
Pfändungsverfahrens bis läng=
ſtens
Ende Dezember 1912 an
den Werktagen, vormittags von
8½ bis 12½ Uhr, hierher zu
(25504a
erfolgen.
Darmſtadt, 9. Dezember 1912.
Die Stadtkaſſe.
Koch.

Bekanntmachung.

Für den Verkauf des Holzes in
dem Holzhofe dahier ſind folgende
Preiſe pro Rm. bis auf weiteres
feſtgeſetzt:
Buchen=Scheiter I. Kl. 12 Mk.
II. Kl. 10
Kiefern=Scheiter I. Kl. 10
II. Kl. 8
Scheiter II. Kl. beſtehen aus
aufgeſpaltenem Knüppelholz.
Die Beſtellungen des Holzes
haben bei Großh. Bezirkskaſſe
Darmſtadt zu erfolgen. (11317a
Darmſtadt, 15. Mai 1912.
Großh. Holzmagazins=Verwaltung.
Heinemann, Geh. Forſtrat.

Her Plan über die Grichtung
einer vberirdiſchen Tele=

graphenlinie an dem Dornheimer
Weg und der Wixhäuſer Haus=
Schneiſe vom neuen Elektrizitäts=
werk
bis zum neuen Friedhof
liegt bei dem Kaiſerlichen Tele=
graphenamt
hier von heute ab
(26464
4 Wochen aus.
Darmſtadt, 28. Dezember 1912.
Kaiſerliche Ober=Poſtdirektion.

Ludwignlingsce.
Installationsgeschäft u. Bauspenglerei
Rheinstr. 17, Ecke der Grafenstr.
Telephonruf 636, (16950a
Musterlager aller ein-
schlägigen
Artikel.

Schutt
Erdaushub ꝛc. kann abgeladen
werden Bauſtelle Frankfurterſtraße,
nächſt der Maulbeerallee, neben
Gaſtwirt Wendel, früher Peter
(26086a
Fink.

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vorzügliche Qualität
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Bowlen. (26430fo
Ferner empfehle für
Glühwein
vorzüglichen alkoholfreien
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in div. Preislagen.
(Rezepte zu Dienſten.)

Johannes Homn
Reform-Restaurant Thalysia.
Alexanderstr. 4, 1. Stock.

Angeſtelltenverſicherung.

Die nach dem am 1. Januar 1913 in Kraft tretenden Verſiche=
rungsgeſetz
für Angeſtellte verſicherungspflichtigen Perſonen, die ſich
ihre Verſicherungskarten noch nicht haben ausſtellen laſſen, werden
aufgefordert, dies ſpäteſtens bis zum Ende dieſes Jahres nachzuholen.
Wer die Ausſtellung der Karte nicht bis zu dieſem Zeitpunkt bei der
Ausgabeſtelle beantragt hat, kann in eine Geldſtrafe bis zu 10 Mk.
genommen werden. Ausgabeſtellen ſind
a) für Verſicherte, die nach dem vierten Buch der Reichsverſiche=
rungsordnung
verſichert ſind, diejenigen Stellen, die für die
Ausſtellung der Quittungskarten zuſtändig ſind ( Gemeinde=
krankenverſicherung
, Orts=, Betriebs= und Innungskrankenkaſſen),
b) für alle übrigen Verſicherten die Großh. Bürgermeiſterei ( Wald=
ſtraße
6, Zimmer Nr. 1).
Darmſtadt, den 23. Dezember 1912.
(26278ifo
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Mueller.

Armen= und Fürſorgeweſen.

I. Die Beſtimmungen der Armenordnung über die Zuſammen=
ſetzung
der Deputation für das Armen= und Fürſorgeweſen
erhalten vom 1. Januar 1913 an folgende Faſſung:
§ 3.
Die Deputation beſteht außer dem Oberbürgermeiſter oder
ſeinem Stellvertreter als Vorſitzendem, aus zehn Mitgliedern, die
von der Stadtverordneten=Verſammlung mindeſtens zur Hälfte aus
ihrer Mitte, im übrigen aus der Zahl der zum Amt eines Stadtver=
ordneten
wählbaren Einwohnern oder bis zu zwei aus Frauen=
kreiſen
gewählt werden.
Außerdem gehört der Vorſtand des ſtädtiſchen Armen= und
Fürſorgeamtes der Deputation mit beratender Stimme an. Er ver=
tritt
im Falle der Verhinderung den Vorſitzenden der Deputation
mit vollem Stimmrecht.
§ 6.
Die Aemter der gewählten Mitglieder der Deputation ſowie
der Bezirkspfleger ſind Ehrenämter, zu denen nur Männer und
Frauen von unbeſcholtenem Ruf, bewährtem Wohlwollen, tätiger
Nächſtenliebe und ernſtem Sinn für Gerechtigkeit berufen werden
ſollen.
Hinſichtlich der Verpflichtung der männlichen Mitglieder zur
Uebernahme dieſer Stellen und hinſichtlich der Niederlegung und
des Ausſcheidens gelten die Vorſchriften der Artikel 18 bis 21 der
Städteordnung.
II. Von genanntem Zeitpunkt an erledigt die Deputation für
das Armen= und Fürſorgeweſen auch die der Stadtverordneten=
Verſammlung nach dem Geſetz über die Zwangserziehung Min=
derjähriger
zugewieſenen Aufgaben.
III. Das Städtiſche Pflegeamt führt von jetzt an die Be=
zeichnung
Städtiſches Armen= und Fürforge=Amt
Ihm liegt vom 1. Januar 1913 an unter Fortdauer der
Verantwortung des Oberbürgermeiſters oder ſeines Stellvertreters
die ſelbſtändige Erledigung der Arbeiten der Armenverwaltung
und des Fürſorgeweſens, einſchließlich der Zwangserziehung,
ob. Organiſatoriſche Arbeiten und allgemeine Verwaltungsange=
legenheiten
ſind hiervon ausgenommen, Angelegenheiten von grund=
ſätzlicher
Bedeutung bedürfen der Zuſtimmung des Unterzeichneten
oder ſeines Stellvertreters.
(26494oi
Darmſtadt, den 28. Dezember 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
Dr. Gläſſing.

Verſteigerungs-Anzeige.

Montag, den 30. Dezember 1912, nachm. 3 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungslokale Zur Ludwigshalle ( Ober=
gaſſe
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1 Trumeau mit Spiegel, 1 Blumentiſch, 1 Bauerntiſch,
2 große Bilder, 1 Ausziehtiſch und 6 Lederſtühle.
Darmſtadt, am 28. Dezember 1912.
(26489
Kapp, Gerichtsvollzieher
zu Darmſtadt, Friedrichſtraße 24, I.

Stammholzverſteigerung.

Donnerstag, den 2. Januar 1913,
vormittags 9½ Uhr anfangend, werden im Pfungſtädter Gemeinde=
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Länge
an Ort und Stelle meiſtbietend verſteigert.
Die Zuſammenkunft iſt an der Griesheimer Brücke (Kreisſtraße
Pfungſtadt-Griesheim). Bemerkt wird, daß ſich darunter ſehr
ſchönes Schnittholz befindet.
Forſtwart Haas iſt zur Auskunftserteilung beauftragt.
Pfungſtadt, den 24. Dezember 1912.
(26470f
Großh. Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
Lang.

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alle Buchhandlungen.

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Dezember 1912.

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von 912 Uhr und von 36 Uhr.
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[ ][  ][ ]

Nummer 306.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Dezember 1912.

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Gretchens Roman.
Von Fr. Lehne.
(Nachdruck verboten.)
18)

Trotzdem dem Major nicht wohl war, begleitete er
feine Damen am Abend nach dem Theater. Märe er zu
Haus geblieben, hätte Gretchen ihm unbedingt Geſell=
ſchaft
geleiſtet, wie er wußte, und ſeinetwegen ſollte ſie
nicht um das Vergnügen kommen, auf das ſie ſich ſo ſicht=
lich
gefreut!
Und jetzt ſaß ſie auf ihrem alten Platz mit klopfendem
Herzen und ſtrahlenden Augen ſie war wieder ganz im
Banne der Muſik und der herrlichen Stimme Ernſt
Brands, deren geſättigter Wohlklang und glanzvolle Fülle
ſich in ihr Ohr ſchmeichelte. Der Fauſt war ja eine
Glanzrolle von ihm! Wie ſtattlich ſah er nachher aus in
dem reichgeſtickten lila Sammetkoſtüm wie leidenſchaft=
lich
bewegt war das Liebesduett mit Margarete!
Gretchen von Löwen fühlte, wie er nur für ſie ſang,
wie jene Worte ihr gelten ſollten ſie hatte ganz deut=
lich
geſehen, wie er in ihr Glas grüßte, das ſie auf ihn
gerichtet, als er mit heißem Werben in der Stimme ſang:
Laſſe mich in Dein holdes Antlitz ſchauen! O trau der
Liebe Macht! Laß Seel’ in Seel’ uns drängen voll Ver=
trauen
in ſtiller Mondesnacht! O Mondenſchein, der
uns umhüllt, ſelig beiſammen, all unſer Bangen ſtillt,
ganz uns erfüllt mit Liebesflammen
Es war, als ob er die ganze Empfindung, deren ſeine
Seele fähig war, in jene Worte legte er wüßte ja, die

eine war de, ſirde er ſen uund ſe verſend ihr aich
wie er zu ihrem Herzen ſprach.
Das Publikum ſaß faſt atemlos da es fühlte, daß
hier etwas Großes, Elementares zu ihm ſprach wie
wunderbar wußte der Künſtler die ſchmelzende Muſik wie=
derzugeben
ja, ſo und nicht anders mußte ſie geſungen
werden!
Toſend war der Beifall, der ihm lohnte, und immer
wieder mußte er ſich zeigen. Dankend verneigte er ſich,
und ſein Blick flog heimlich zu der Geliebten; er war
reichlich belohnt durch das ſelige Lächeln, das auf ihrem
ſüßen Geſicht lag.
Mit ihren ſcharfen Augen bemerkte Frau Claudia
wohl die ſtumme, heimliche Zwieſprache der beiden, und
die Eiferſucht ſchlug von neuem ihre Krallen in ihr Hecz.
Wenn ſie ihn nur nicht gar ſo geliebt hätte, ſo über die
Maßen, daß ſie ihn lieber tot geſehen, als einer anderen
gegönnt!
Mitten in ihre ſelbſtquäleriſchen Gedanken hinein
tönte Hildegard von der Oſtens Stimme, die die Herr=
ſchaften
begrüßte. Ich wollte ſchnell guten Abend ſagen
und ſehen, wie der geſtrige Abend bekommen iſt! Doch
gut, wie ich zu meiner Freude ſehe! Mama iſt von Ex=
zellenz
in Beſchlag genommen und da hab’ ich mich
für einen Augenblick drücken können! Na, Gretchen, gut
geruht auf Deinen Lorbeeren? Hilde drückte ihr begeiſtert
die Hand. Mädel, Du warſt ja bezaubernd alles iſt
Deines Lobes voll ja, ja, laſſe es mich nur ſagen!
Uebrigens, wie gefällt Dir denn der Herrlichſte von allen?

Duh weider eimiet Weit ot wen ih ihr ſuge hirs,
könnte ich heulen
Die Majorin verzog etwas ſpöttiſch die vollen Lippen.
Ei, ei, Fräulein von der Oſten, ſo enthuſiasmiert?
Noch mehr, gnädige Frau, entgegnete dieſe, indem ſie
Claudia ruhig ins flackernde Auge ſah. Sie konnte nun
einmal die Stiefmutter ihres geliebten Gretchens nicht
leiden. Woran es liegt, weiß ich nicht, hatte ſie offen er=
klärt
, ich habe nun mal die Antipathie ſie kommt mir
vor, als hätte ſie etwas zu verbergen
Und es war, als ob Claudia dieſes Gefühl ahnte;
deshalb bemühte ſie ſich, dem jungen Mädchen, das ihr
ſehr unſympathiſch war, doch ſo liebenswürdig wie mög=
lich
entgegenzukommen Hildegard Oſten war etwas ge=
fürchtet
, und ihre Eltern waren ſehr einflußreich.
Der Vorhang war zum letztenmale gefallen, und wie
im Traum beſtieg Gretchen mit den Eltern den Wagen.
Kein Wort vermochte ſie zu ſprechen das Herz war
ihr zum Ueberfließen voll. Der Major kannte das an
ihr ſo war ſie immer, wenn ihre Seele von etwas er=
griffen
wurde, die ſich dann förmlich in ſich ſelbſt zurückzog.
Daß aber hier noch etwas anderes im Spiel war, als
lediglich der Kunſtgenuß, daß die Liebe das junge Herz
ganz ausfüllte, ahnte er doch nicht und wem ihr Seh=
nen
galt, erſt recht nicht wohl aber Frau Claudia, deren
Augen ſich förmlich in das blumenhafte Geſicht der Stief=
tochter
bohrten, als ob ſie die innerſten Gedanken der=
ſelben
erforſchen wollte!

[ ][  ][ ]

Nummer 306.

Gesckarisbacker

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11. Kapitel.
Als Margareta am nächſten Nachmittag bei Meiſter
Böttge zur Stunde eintrat, kam ihr dieſer mit beiden
ausgeſtreckten Händen entgegen.
Sie haben ſich ſelbſt übertroffen, Fräulein von Löwen
wie Sie geſpielt haben, wunderbar. Begeiſtert
ſchaute er in ihr Geſicht, während ſein Mund von Lob=
ſprüchen
überſprudelte. Dann ging er im Zimmer auf
und ab, die Hände hinten unter dem Rock verborgen und
leiſe pfeifend, wie es ſeine Gewohnheit war, wenn ihn
etwas erregte.
Lächelnd ließ ihn Gretchen gewähren; ſie kannte ja
den guten Meiſter. Als ſie aber ihre Violine ſtimmen
wollte, blieb er plötzlich vor ihr ſtehen und ſagte rauh:
Fräulein von Löwen, packen Sie nur wieder ein,
Sie können nach Hauſe gehen. Erſchreckt und verſtänd=
nislos
ſah ſie ihn an. Ja, ja, es iſt mein Ernſt, fuhr er
wehmütig fort, denn ich kann Sie nichts mehr lehren,
nein, gar nichts; Sie haben Ihren Lehrer längſt über=
flügelt
nein, Kind, es iſt verlorene Zeit, noch zu mir
zu kommen ſuchen Sie ſich einen Größeren
Aber, lieber Meiſter, ſchmeichelnd legte ſie die
Hand auf ſeine Schulter aber, lieber Meiſter, wollen
Sie mich denn durchaus los ſein? Jetzt muß ich erſt recht
kommen, damit ich nicht nachläſſig werde! Ich würde
längſt nicht mehr ſo fleißig üben, wenn ich nicht dächte
mach’ deine Sache gut, ſonſt ſchilt dein lieber Meiſter,
und das Schreckgeſpenſt Ihrer Unzufriedenheit ſteht dann
hinter mir und paßt auf, daß ich täglich zwei bis drei
Stunden regelrecht übe ſonſt würde ich lieber ſpazieren
gehen und bummeln
Bummeln? Nein, das gibt’s nicht! Wenn Sie mir
damit drohen, dann laß ich Sie nicht das wäre noch
ſchöner! Aber ſo ſind die meiſten Menſchen wenn nicht
das liebe Muß dahinter ſteckt, iſt’s gleich aus, polterte er,
da wollen wir jetzt doppelt ſtreng ſein, daß die lieben
Fingerchen da auch hübſch geſchmeidig bleiben

wär’ mir auch hart geworden, Ihr liebes Geſichtchen nicht
mehr zu ſehen.
Er dachte nicht daran, wie Gretchen, daß er den Aus=
fall
des Stundengeldes doch recht merken würde ſie
wußte ja längſt, daß er recht hatte von ihm konnte
ſie nichts mehr lernen; aber die Stunde bei dem guten
Meiſter war ihr zu einer lieben Gewohnheit geworden,
die ſie nicht gern vermißt hätte.
Nun, wie hat Ihnen denn der Fauſt geſtern abend
wieder gefallen? Hat er nicht göttlich geſungen? Er war
doch zum Küſſen, der Brand, und ich kann’s den Frauen
wirklich nicht verdenken, wenn ſie ſich in ihn verlieben
hat er’s ſelbſt mir doch angetan, der prächtige Kerl, daß
ich ihm gut bin. Beglückt lauſchte Gretchen den Lobes=
erhebungen
, mit denen Meiſter Böttge ſonſt ſehr ſparſam
umging.
Als ſie nach Beendigung der Stunde das Haus ver=
ließ
, begegnete ihr gerade vor der Tür Ernſt Brand.
Sofort blieb er ſtehen, und die Freude leuchtete ihm
bei ihrem Anblick nur ſo aus den klugen Augen, als er
ſie begrüßte. Die ihm gereichte Hand faßte er mit zärt=
lichem
Druck und hielt ſie länger als nötig in der ſeinen.
Ich habe Sie erwartet, ſagte er leiſe, durch Zufall er=
fuhr
ich von Meiſter Böttge, daß Sie jetzt am Nachmittag
Ihren Unterricht haben darf ich mich Ihnen anſchließen?
Sie nickte und unwillkürlich lenkten beide ihre Schritte
nach dem Schloßgarten, in dem man in dieſer Jahreszeit
ſeltener jemand traf.
Es war ein ſtiller, trüber Wintertag. Frühzeitig hatte
ſich die Dämmerung eingeſtellt, trotzdem es kaum vier Uhr
vorüber war. Dick lag der Schnee auf den Zweigen der
Bäume, grau war der Himmel verhängt, und es ſah aus,
als ob es jeden Augenblick wieder ſchneien wollte.
Anfangs bewegte ſich beider Geſpräch in gleichgülti=
gen
Bahnen, bis er auf einmal ſtehen blieb.
Wiſſen Sie, hier war es das erſte Mal, wo wir uns
fahen hier an dieſer Stelle. Sie ſchauten lächelnd eini=

gen kampfluſtigen Vögeln zu, ach, Margareta, wie oft
bin ich dieſen Weg gewandelt und hab nur an Sie
gedacht Leidenſchaftlich bewegt klangen ſeine letzten
Worte, und tief ſenkte ſie den blonden Kopf als ob ſie
das nicht getan hätte!
Darf ich zu Ihnen ſprechen, Margareta? fuhr er fort,
mir iſt das Herz ſo voll, und wer weiß, wann ſich mir’ſo
günſtige Gelegenheit wieder bietet! Ich weiß ja, daß
es vermeſſen iſt, meine Augen zu Ihnen zu erheben, ich,
er fahrende Sänger aber mein Gefühl iſt ſtärker als
alles andere! Wenn Sie wüßten, wie ich Sie liebe ich
bete Sie an! Zürnen Sie dem Vermeſſenen, aber, Marga=
reta
, ſo iſt wohl noch kein Weib geliebt, wie ich Sie liebe!
Und für jenen Augenblick, in dem Sie mir vergönnten,
Ihre Lippen zu küſſen, könnt ich meine Seligkeit hin=
geben
Gretchen, ſollte mir das ein Zeichen ſein, daß
Du mir ein wenig gut ſein kannſt?
Seine Stimme bebte vor innerer Erregung heiß
und werbend klang ſie in ihr Ohr. Es hatte ihn mit fort=
geriſſen
, und nun hielt er inne, faſt erſchrocken über ſeine
Kühnheit.
Ja, ich bin Ihnen gut, o, ſo gut! ſagte ſie leiſe und
hob die feuchtſchimmernden Augen zu ihm empor.
Margareta! Wie ein Jubelſchrei kam das von ſeinen
Lippen. Gretchen, darf ich das glauben, Du Süße,
Holde?
Ja, Ernſt, glaube es nur immerhin! Frag aber nicht,
wie es gekommen iſt ich weiß es nicht! Ich weiß nur,
daß ich Dich liebe, ſo lange ich Dich kenne, klang es unſag=
bar
innig aus ihrem Munde.
Ach Du tief atmend ſtand er da Gretchen, ich bin
der ſeligſte Mann!
Still war es um ſie her; er hielt ihre Hand feſt und
ſchaute mit unbeſchreiblicher Zärtlichkeit in ihr ſüßes
Geſicht.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 306.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Dezember 1912.

Seite 15.

Man
abonniert

auf das

Darmſtädter Tagbtatt
außerhalb Darmſtadt bei jeder Poſtanſtalt
und bei jedem Briefträger, außerdem
in Alsbach . . . . . bei Herrn Lorenz Zahnweh,

Arheilgen
Auerbach
Bickenbach.
Eberſtadt
Erfelden .
Eſchollbrücken .
Griesheim.
Groß=Zimmern
Hahn b. Pfungſt.
Jugenheim . . .
Nied.=Beerbach
Nied.=Ramſtadt
Ober=Ramſtadt
Pfungſtadt

Seeheim
Schneppenhauſen
Traiſa
Weiterſtadt
Wixhauſen
Zwingenberg . .

Hauptſtraße 145
Frau H. Anthes X., Waldſtr.
Herrn Guſt. Jährling, Bach=
gaſſe
83
Herrn Peter Aßmus III.,
Hartenauerſtraße
Frau M. Gabel, Wilhelmſtr.
Herrn Jacob L. Petri,
Neugaſſe
Herrn Ludw. Roth, Makler
Herrn Pet. Jackelen, Darm=
ſtädter
Chauſſee 27
Herrn Joh. Reinhardt VI.
Herrn Polizeidiener Caspari
Herrn Peter Keil, Invalide
Herrn Georg Eßinger I.,
Raſiergeſchäft
Herrn J. Oehlſchläger
Frau Eliſe Dietrich
Herrn Karl Grünig IV.,
Bahnhofſtraße
Herrn Jacob Mitz
Herrn Heinrich Schroth,
Keſſelſchmied
Herrn Adam Mahr, Schuh=
macher

Herrn Carl Böhm, Darm=
ſtädterſtraße

Herrn Wilhelm Deucker,
Invalide
Frau Friebeling, Wieſen=
ſtraße
10.

Luftfahrt.

er. Das Deutſche Freiwilligen=Flieger=
Korps. Seit längerer Zeit beſchäftigt ſich der Kaiſer=
liche
Aero=Klub in Berlin mit, der Gründung eines
Deutſchen Freiwilligen=Flieger=Korps,
das nach dem Syſtem des Deutſchen Freiwilligen= Auto=
mobil
=Korps eine Vereinigung von geeigneten deutſchen
Flugzeugführern bilden ſollte, die ſich verpflichten, unter
beſonderen Bedingungen und Vereinbarungen als Flieger
bei der Armee in Krieg und Frieden Dienſt zu tun. Der
Kaiſerliche Aero=Klub, unter deſſen Schutze das Frei=

willigen=Korps ſtehen ſoll, hat jetzt die Satzungen ausge=
arbeitet
. Danach ſoll der Sitz des Korps Berlin ſein.
Der Mitgliederkreis ſoll ſich zunächſt auf Preußen und
auf diejenigen deutſchen Bundesſtaaten beſchränken, deren
Militär=Kontingente ſich in preußiſcher Verwaltung be=
finden
. Vorbedingung zum Eintritt in das Korps ſind
u. a. Tauglichkeit für den Dienſt im Korps, deutſche
Reichsangehörigkeit und Beſitz des Fliegerzeugniſſes ſo=
wie
Beſtehen einer beſonderen Prüfung auf einem bei der
Armee eingeführten Flugzeuge. Offiziere und Mann=
ſchaften
des aktiven Dienſtſtandes und des Beurlaubten=
ſtandes
kommen für das Freiwilligen=Korps nicht in Be=
tracht
. Bedingung für die Aufnahme iſt ferner die ſcheift=
liche
Erklärung des Aufzunehmenden, daß er dem Korps
auf die Dauer von mindeſtens drei Jahren angehören
will, ferner, daß er bereit iſt, im Kriege unbeſchränkt als
Flieger Dienſt zu tun und im Frieden jährlich eine mili=
täriſche
Dienſtleiſtung bis zu zehn Tagen als Flieger zu
abſolvieren und an den vom Kommandeur eingerichteten
Unterrichtskurſen teilzunehmen. Nach Ablauf der Ver=
pflichtungsdauer
können ausſcheidende Mitglieder vom
Kommandeur jedesmal auf ein weiteres Jahr verpflichtet
werden. Die Flugzeuge werden entweder durch Bezug
von Lieferanten vertraglich ſicher geſtellt, oder die Flieger
haben das Beſitz= oder Verfügungsrecht über ſie. Alle
dieſe Flugzeuge müſſen bei Beginn der Dienſtleiſtungen
in tadelloſem Zuſtande, ſowie mit den erforderlichen
Teilen, Werkzeugen und mit der in den Vereinbarungen
mit dem Kriegsminiſterium vorgeſchriebenen militäri=
ſchen
Ausrüſtung verſehen ſein. Zuläſſig ſind jeden=
falls
nur ſolche Flugzeuge, mit denen die Armee im
Kriegsfalle ausgerüſtet wird. Für jedes Flugzeug wird
die Heeresverwaltung eine Subvention, vorausſichtlich
3000 Mark, zahlen und zwar im Voraus in vierteljähr=
lichen
Raten an den Vorſtand des Korps. Die Frei=
willigen
erhalten für jede Dienſtleiſtung beſondere Ge=
bühren
und zwar für jeden Uebungstag 40 Mark. Sie
haben ſich davon ſelbſt zu beköſtigen und auch für Quar=
tier
zu ſorgen. Die Militärbehörden werden aber nach
Möglichkeit behilflich ſein, Quartier zu beſchaffen. Für
Hin= und Rückreiſe zum Uebungsort, für den Transport
des Flugzeuges zahlt das Kriegsminiſterium eine Pau=
ſchalſumme
, vorausſichtlich 200 Mark. Transporte können
mittelſt Militärfrachtbrief erfolgen. Koſten trägt das
Korps. Eine Haftung des Fiskus für alle Unfälle, die
der Freiwillige während der Friedensübungen oder ge=
legentlich
vorbereitender Uebungen erleidet, iſt ausge=
ſchloſſen
. Für den Schaden, der infolge der Dienſtleiſtun=
gen
der Freiwilligen Dritten gegenüber zu erſetzen iſt,
haftet das Korps. Während eines gegen das Deutſche
Reich ausgebrochenen Krieges unterſtehen die Mitglieder,
die ſich bei dem kriegführenden Heere befinden, der Mili=
tärdisziplinarſtrafordnung
, den Vorſchriften des Militär=
ſtrafgeſetzbuches
und der Militärſtrafgerichtsbarkeit. Für
den Anſpruch auf Penſionsgebühren iſt der § 35 des
Offiziers=Penſionsgeſetzes vom 31. Mai 1896 nebſt Aus=
führungsbeſtimmungen
maßgebend. Der Penſions= Be=
rechnung
wird eine Jahresvergütung von 7300 Mark zu=
grunde
gelegt. Die Kriegsverſorgung der Hinterbliebenen
egelt ſich nach § 19 und folgende des Militär= Hinterblie=
benen
=Geſetzes vom 17. Mai 1907.
* Metz, 27. Dez. Wie jetzt bekannt wird, iſt am 24.
Dezember nachmittags, bei Avricourt auf deut=
ſchem
Boden ein franzöſiſches Flugzeug mit
zwei Offizierfliegern, dem Leutnant Glaize von der Flie=
gertruppe
in Nancy als Führer und Leutnant Pellour
vom 8. Artillerieregiment, infolge verloren gegangener
Oaentierung gelandet. Major Siegerty der Führer
der Metzer Fliegertruppe, begab ſich an Ort und Stelle,
und es gelang ihm, in der Nacht das Flugzeug aufzufin=

den. Nachdem eine Unterſuchung keinerlei belaſtende
Momente ergeben hatte, erfolgte die Freilaſſung.

Sport, Spiel und Turnen.

sr. Der Fußball=Länderkampf Holland=Frankreich kam
in Charantonneau bei Paris zum Austrag. Die Fran=
zoſen
ſiegten überraſchenderweiſe mit 5:2, nachdem ſie bei
Halbzeit ſchon mit 3:1 geführt hatten.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.

Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
8 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 22. Dez.: dem Schloſſer Georg Wolf,
Stiftſtr. 50, eine T. Gertrude Eliſabeth Charlotte. Dem
Metalldreher Karl Frankenberger, in Nieder=Ramſtadt,
eine T. Katharina, Grafenſtr. 9, hier. Am 24.: dem Ma=
ſchinenſchloſſer
Philipp Ruß, Liebfrauenſtr. 43, eine T.
Margayete. Am 25.: dem Magazinarbeiter Leonhard
Friedrich Weber, Pankratiusſtr. 55, ein S. Friedrich
Adam. Am 24.: dem Weißbinder Otto Schnauber, Ar=
heilgerſtr
. 68, eine T. Eliſe Helene. Am 19.: dem Maurer
Heinrich Jakob Wadlinger, Langegaſſe 2, eine T.
Mathilde Barbara. Am 20.: dem Metzgermeiſter Michael
Frei, Mühlſtr. 20, ein S. Leonhard. Am 23.: dem
Weißbinder Philipp Hörr, Lichtenbergſtr. 23, eine T.
Katharina Luiſe.
Aufgebotene. Am 24. Dez.: Portier Heinrich Kind=
ler
, mit Näherin Barbara Körner, beide in Frankfurt
a. M. Feilenhauer Ferdinand Arthur Gliot, mit Ar=
beiterin
Katharina Schmelzer, beide in Offenbach a. M.
Am 25.: Lokomotivführer Wilh. Karl Wack in Saar=
brücken
mit Paula Rupp in Oppenheim. Am 27.:
Schreiner Georg Binſtadt, Dieburgerſtr. 16, mit Maria
Rettig, in Wilmshauſen. Betriebs=Ingenieur Albrecht
Auguſt Eduard Vilmar in Boizenburg a. Elbe mit
Henriette Marie Helene Martha Finkenwirth, Mühl=
ſtraße
64½.
Geſtorbene. Am 23. Dez.: Privatin Sophie Wilhel=
mine
Kunze, 68 J., ev., Karlſtr. 40. Am 22.: Land=
gerichtsdirektor
i. P., Richard Karl Stephan, 60 J.,
deutſch=katholiſch, Heinrichſtr. 118. Formſtecher Johann
Georg Schmidt, 69 J., ev., Wienersſtr. 68. Am 23.:
Georg Ludwig Wittersheim, S. d. Schmieds, 1 Monat,
ev., Pankratiusſtr. 37. Anna Luiſe Trenca, geb. Vul=
liemin
, Witwe des Privatiers, 85 J., ev., Aliceſtr. 17.
Am 24.: Opernchorſänger i. P. Ludw. Gg. Adam Lang,
72 J., ev., Kranichſteinerſtr. 57. Am 23.: Privatin Char=
lotte
Stockhauſen, 74 J., ev., Schloßgartenſtr. 71. Am
24.: Conſtanze Luiſe Gerling, geb. Weber, Witwe des
prakt. Arztes, Dr., 76 J., ev., Beſſungerſtr. 3. Am 23.:
Chriſtiane Eliſabethe Schrot, ohne Beruf, 69 J., ev.,
Mathildenſtr. 7. Am 24.: Marie Wolf, T. des Dach=
deckers
, 1 Monat, kath., Inſelſtr. 19. Margarete Wag=
ner
, T. des Taglöhners, 1 J., ev., Große Kaplaneigaſſe 14.
Am 25.: Luiſe Hallwachs, geb. Kuhlmann, Ehefr. des
Rechtsanwalts und Notars, 55 J., ev., Hügelſtr. 47. Mar=
garete
Ruß, T. des Maſchinenſchloſſers, 1 Tag, ev., Lieb=
frauenſtr
. 43. Am 26.: Privatin Katharine Nahrgang,
81 J., ev., Karlſtr. 6. Eliſabeth Lachmann, geb. Maſer,
Witwe des Taglöhners, 65 J., ev., Schloßgaſſe 16. Am
27.: Veronica Schreiner, geb. Linden, Ehefrau des
Amtsgerichtsoberſekretärs, 57 J., kath., Mayen. Eliſa=
beth
Vonderſchmitt, geb. Bernius, Ehefr. des Taglöh=
ners
, 61 J., ev., Ueberau. Privatin Eva Kiſſel, 68 J.,
kath., Lauteſchlägerſtr. 17. Am 28.: Aktuar i. P. Georg
Uhrig, 64 J., ev., Lichtenbergſtr. 58.

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Geiger, Kaufmann Neſſel, Oberförſter Koch, Fr. Prof. Dr Vaubel,
Fr. Kaufmann L. Müller, Frl. Knös, Frl. Götz, Frl. M. u. E. Keller,
Frl. W. Weinmann, Fr. Stadtbauinſpektor Kling, Frl. Julie Krach,
Fr. Staatsſchuldbuchhalter Henrich, Fr. Dr. Eiſe, Fr. Landgerichts=
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Kalbfuß und Frau, Dr. Garth und
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Medizinalrat Dr. Fiſcher und Frau,
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Generaldirektor, Frau Maſchin.=
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Berbenich und Frau, Kaufmann
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Rechnungsrat Dr. Wilhelm Wagner
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Riechmann und Frau, Ober=
Inſpektor Schwerdtfeger und Frau,
Hofrat de Haan, Hofſcheuſeieler
Heinz, Frl. Agnes Wisthaler, Hof=
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Hacker und Frau, Hofſchauſpieler
H. Knispel und Frau, Frl. Alſen,
Hofſchauſpielerin, Frau von Wol=
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Müller, Kammerſänger Weber und
Frau, Frau Profeſſor Schmitt,
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E. Schenck, Hauptmann a. D.
Winter und Frau, Frl. Anna
Schreiner, Pianiſtin, Frau Ge=
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Schlippe, Direktor Willy
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Schmitt und Frau, Hof=
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Kläger, Ehrenmitglied des Hof=
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und Frau, Dr. Paul Schlippe,
Hofrat Winter und Frau, Archi=
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Ludwig Wagner und Frau,
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Karn, Steinmetzmſtr. und Familie,
Geh. Juſtizrckt Sander und Frau,
Reallehrer Kahl und Frau, Frau
Louis Nebling, Georg Enes und
Frau, Dr med. Bodenheimer,
Architekt Riedlinger und Frau,
Rechnungsrat Adolf Kalbfleiſch
und Frau, Sekretariats=Aſſiſtent
Karl Reiſchel und Frau, Architekt
Karl Klee und Familie, J. Tramer,
Auguſt Tramer, Frl. E. Eſcher,
Frl. L. Eſcher, Geh. Oberrechnungs=
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Dr. Siebert, Frl. Cronenbold,
Hofdentiſt Wilh. Bauer und Frau,
Regierungsrat de Beauckair und
Frau, Rechnungsrat Beckenhaub
und Frau, Obermedizinalrat Dr.
Becker, Geheimerat Dr. G. Beſt,
Geheimerat Wilh. Beſt, Archivar
Betz und Frau, A. Bormet, Kanzlei=
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Dauber und Frau, Rechnungs=
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Dauber und Frau, Staats=
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Dr. von Ewald, Exzellenz,
Miniſterialreviſor Frank und Frau,
Oberregierungsrat Graef, Ge=
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Obermedizinalrat Dr.
Hauſer, Regierungsrat Hechler,
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Obermedizinalrat Dr. Heyl,
Miniſterialrat Hölzinger, Miniſter
des Innern von Hombergk, Ex=
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Rechnungsrat Leiſer und Frau,
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nungsrat
Schönberger und Frau,
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regierungsrat
Dr. Stammler,
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Dr. Weber, Kanzleirat Wettlaufer
und Frau, Regierungsrat Dr.
Wörner, Baurat Wagneru Frau.

[ ][  ][ ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Dezember 1912.

Nummer 306.

ist besetzt
P
dufth die
Cere

Eine 5 Pfg. Gaarette
vonzhochedelster,Qualität.

Handel und Verkehr.

Die Fernſprecheinrichtungen der Erde
haben nach einer im neueſten Archiv für Poſt und Tele=
graphie
enthaltenen Veröffentlichung insgeſamt 12½ Mil=
lionen
Fernſprechſtellen mit 47½ Millionen Kilometer
Drahtleitung. In den Fernſprecheinrichtungen iſt ein
Kapital von etwa 7 Milliarden Mark angelegt. Von den
Sprechſtellen, die 22 Milliarden Geſpräche jährlich ver=
mitteln
, entfallen 8,4 Millionen Sprechſtellen auf die Ver=
einigten
Staaten von Amerika und 3,2 Millionen auf
Europa. In Europa ſtehen das Deutſche Reich mit über
1 Million und Großbritannien mit 650000 Sprechſtellen
voran. Das Deutſche Reich beſitzt auch das größte Lei=
tungsnetz
in Europa (5,7 Millionen Kilometer); beſon=
ders
groß ſind Zahl und Länge ſeiner Fernſprechleitungen
von Ort zu Ort, die ungefähr die Hälfte aller europäiſchen
Fernleitungen ausmachen. Frankreich hat 230000, Schwe=
den
187000, Rußland 151000, Oeſterreich 113600) Sprech=
ſtellen
. Für den geſamten elektriſchen Schnellnachrichten=
verkehr
(Telegraphie und Telephonie) ſtehen in der Welt
55,7 Millionen Kilometer Leitung zur Verfügung. Der
Fernſprecher hat dabei den älteren Bruder, den Tele=
graphen
, beſonders in den Ländern mit gut entwickeltem
Fernſprechverkehr, ſchon weit überholt. Zieht man noch
das dritte wichtigſte und dabei älteſte Nachrichtenbeför=
derungsmittel
, den Briefdienſt, in Betracht, ſo ergibt ſich,
daß in den Vereinigten Staaten jährlich 12,6 Milliarden
Geſpräche, 0,098 Milliarden Telegramme und 8,8 Mil=
liarden
Briefſendungen verarbeitet werden, während in
Europa noch die Briefpoſt (15,4 Milliarden Sendungen)
überwiegt und daneben 4,9 Milliarden Geſpräche und
0,345 Milliarden Telegramme verarbeitet werden. Für
Deutſchland ſtellt ſich das Verhältnis der durch Briefpoſt,
Telegramme und Fernſprecher beförderten Mitteilungen
wie 73,710,9:25,4, für Europa wie 74,4:1,7:23,9 und für
die Vereinigten Staaten wie 40,9:0,4:58,7.
Gebrauchsmuſter=Erteilung. ( Mitge=
teilt
von Dipl.=Ing. Klemens Herszberg und Co., Patent=
und Ingenieur=Bureau, Daxmſtadt, Rheinſtraße 19.)
11e. 534313. Regiſterkartenkaſten mit Anzeigevorrichtung
für unbefugt entnommene Karten. Firma Ludwig Alter,

Darmſtadt. 24. 7. 11. A. 17093. 20 e. 534 655. Selbſt=
tätige
Eiſenbahnwagenkupplung mit Entkupplungsvor=
richtung
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H. 58 520.
H. Frankfurt a. M., 28. Dez. ( Börſenwochen=
bericht
.) Infolge der Weihnachtsfeiertage iſt die Be=
richterſtattung
nur auf wenige Tage beſchränkt geweſen,
wobei auch das Geſchäft im ganzen ein kleineres war. Die
frühzeitigen Vorbereitungen für den Ultimo konnten ſich
leicht vollziehen, obgleich Geld zu Prolongationen bis zu
8¾4 Prozent bedang. Dies veranlaßte die Spekulation,
ihre Engagements weſentlich einzuſchränken, ſo daß die
Liquidation ſchon heute als glatt beendigt anzuſehen wäre.
Hier war Geld ſehr reichlich vorhanden, und es ſind offen=
bar
größere Beträge für Prolongationszwecke dem Ber=
liner
Geldmarkt zugefloſſen. Die Geldlage hat ſich in den
letzten Tagen überhaupt zuverſichtlicher geſtaltet, was auch
in dem nachgebenden Privatdiskont (5¾ Proz. zum Ausdruck
kam. Die raſche Erledigung der Neu=Emiſſion von Allg.
Elektrizitätsaktien, welche die Einzahlung von etwa 50
Millionen Mark erforderte wurde am Geldmarkt nur
wenig verſpürt und die Subſkriptions=Ausſchreibung auf
4½prozentige Schuldverſchreibungen der Hohenlohe=Werke
gilt ſicher als Symptom einer herannahenden Erleichter=
ung
der Geldlage. Die Tendenz war während der weni=
gen
Geſchäftstage durchweg eine feſte; man bemerkte mit
großer Befriedigung wieder größere Käufe am Anlage=
markt
für Privatrechnung. Da auch aus New=York nichts
Ungünftiges vorlag, außer teuerem Geld und die Anſicht
der politiſchen Zukunft jetzt weiter optimiſtiſch iſt, ſo hofft
man zuverſichtlich auf einen guten Jahresſchluß.
Zu den Einzelheiten des Verkehrs übergehend, kann
mit Freude konſtatiert werden, daß auch für deutſche An=
lagewerte
wieder Intereſſe hervortritt. Die bereits flüſſig
werdenden Gelder aus fälligen Kupons uſw. ſcheinen
größtenteils ſich den feſtverzinslichen Papieren zuzuwen=
den
, die unter dieſem Einfluſſe im Preiſe profitieren konn=
ten
. Auch für ausländiſche Staatsfonds war gute Stim=
mung
vorherrſchend, insbeſondere aber für öſterreichiſch=
ungariſche
Gattungen, die prozentweiſe ſteigen konnten,
nachdem die auſtro=ſerbiſche Streitfrage ſtarke Angſtver=
käufe
und damit bedeutende Kursrückgänge gezeitigt hatte.
Es iſt für die nächſte Zeit mit einem Anleihebedarf Oeſter=
reich
=Ungarns zu rechnen, das für beide Teile vielleicht
800 bis 900 Millionen Kronen betragen dürfte aber bei
der friedlicheren Geſtaltung der Politik leicht von der
Börſe aufgenommen wird. Von Transportaktien waren
Hamburger Paketfahrt und Nordd. Lloyd, aber ganz be=
ſonders
die öſterreichiſchen, beſſer gefragt, ebenſo die Prio=
ritäten
, von welchen 3prozentige lombardiſche bis 51,80
avancierten, bei ganz beträchtlichen Umſätzen. Raab=
Oedenburger wieder bis 40½ erholt.
Am Bankenmarkt beſtand gute Stimmung, bei teil=
weiſen
Kursſteigerungen. Durch die beſſere Weltſituation
ſind auch die Ausſichten für Geſchäftsausdehnung wieder
gewachſen und damit die Hoffnungen auf günſtige Erträg=
niſſe
. Die Dividenden der Wiener Banken dürften unge=
fähr
den vorjährigen entſprechen. Die Heſſiſche Landes=
hypothekenbank
Darmſtadt gibt bekannt, daß die früheren
Veröffentlichungen über ihre Darlehensbedingungen
(Zinsfuß und Geldbeſchaffungskoſten) aufgehoben werden,
die Feſtſetzung der Bedingungen erfolge vielmehr jeweils
von Fall zu Fall. Erwähnenswert für das rückkehrende
Intereſſe des Privatpublikums für feſtverzinsliche Pa=
piere
iſt auch die Feſtigkeit der verſchiedenen Pfandbriefe
und Städte=Obligationen, in denen das Angebot am
Markt aufgehört hat, vielmehr wieder ſichtlich Kauforder
zu bemerken ſind.
Das Montangebiet war zeitweiſe ſchwächer, da die
Streikgefahr im Saargebiet fortbeſteht, aber ſchließlich
wieder durchweg befeſtigt; namentlich blieben Gelſen=
kirchen
und Phönix ſeitens der Spekulation bevorzugt.
Die Lage am Kohlenmarkt ſoll überhaupt ausgezeichnet
ſein, ſpeziell in der großen Nachfrage des Konſums, Recht
freundlich geſtimmt war der Kaſſainduſtriemarkt, wo vor=
wiegend
Kurserhöhungen infolge der bedeutenden Kauf=
order
erfolgen konnten. Deutſche Gold= und Silber=

Scheideanſtalt bis 652½, Chemiſche Albert bis 429,75,
Badiſche Anilin bis 516,10, Höchſter Farbwerke bis 630½,
Chemiſche Griesheim bis 245½, Holzverkohlung bis 327,
Rütgerswerke bis 193,90, Allgem. Elektrizitäts=Geſellſchaft
bis 238¾, Schuckert bis 149, Bielefelder Maſchinenfabrik
bis 480½, Daimler bis 313, Kleyer bis 569,30, Naphtha
bis 335 und Steana Romana bis 144½ ſteigend. Zucker=
aktien
und Kaliwerte lagen ruhiger: Waghäuſel 196,10,
Frankenthal 381,80, Weſteregeln 207,60, Akkumulatoren
Hagen-Berlin ſtiegen bis 547 und das Bezugsrecht für
deren neuen Aktien wurde bis 138 Prozent gehandelt.
Die Aktiengeſellſchaft Reiniger, Gebbert u. Schall ver=
teilt
wieder 12 Prozent, neben einer außergewöhnlichen
Rücklage von 90000 Mack für Riſiken in den Balkanlän=
dern
. Die Brauerei Karl Beck in Hanau iſt mit dem
Betrieb der A.=G. Hofbräu Hanau, vorm. Nicolay, ver=
einigt
worden; eine Kapitalserhöhung findet bei der A.=G.
Nicolay nicht ſtatt. Die Generalverſammlung der Rüt=
gerswerke
genehmigte die Kapitalserhöhung um 5 Mil=
lionen
Mack, wovon bekanntlich 3 Millionen Mark gegen
Planiawerk=Aktien gewährt werden. Die Verbindung mit
den Planiawerken gebe eine ſehr erwünſchte Ausdehnung
nach der Richtung der von den Rütgerswerken verarbeite=
ten
Produkte, während die Planiawerke die Sicherung
der Rohprodukte gewährleiſte. Für 1913 ſei die Produk=
tion
von Teerprodukten nahezu vollkommen ausverkauft.
Die Einkäufe ſeien faſt völlig getätigt. Daraus iſt zu er=
ſehen
, daß für 1913 mit einer größeren Verarbeitung und
größerem Gewinn zu rechnen und daher auch auf das er=
höhte
Aktienkapital eine nicht geringere Dividende als
1912 erwartet werde. Aus der erheblichen Steigerung der
Eiſenproduktion ergebe ſich ein erhöhter Koksverbrauch
und die geſteigerte Verarbeitung von Nebenprodukten.
Infolgedeſſen habe ſich die Vermehrung von Betriebs=
mitteln
als nötig erwieſen. Die Liquidität ſei kaum
ſchlechter als im Vorjahr. Bankguthaben, Kaſſe und
Wechſel bedingen ungefähr 3 Millionen Mark.
Der Wochenſchluß iſt recht feſt und beſonders ein=
zelne
Montan= und Induſtriewerte ſteigend. Auch auf=
dem
Anlagemarkt war die Kaufluſt überwiegend.
Von Loſen notieren: Augsburger 34,50, Braunſchwei=
ger
200,30, Pappenheimer 61, Genua 207, Türkiſche 153,80,
Freiburger 79,75, Ungariſche 383, Meininger 34,40, Vene=
diger
45,50, Mailänder 45=Fres.=L. 145, Mailänder
10=Fres.=L. 33,90, Raab=Grazer=Anrechtsſcheine 36, in
Reichsmark; Gothaer Prämie II 115, Madrider 71,80,
Donau=Regulierung 152, in Prozent, ferner ſchließen:
4proz. Reichs (unkündbar bis 1918) 99,40, 3½proz. Reichs
87,80, 3proz. Reichs 77,40, 4proz. Heſſen von 1899 99,40,
4proz. Heſſen von 1906 99,40, 4proz. Heſſen von 1908/09
99,40, 4proz. Heſſen (rückzahlbar bis 1921) 100,20, 3½proz.
Heſſen 86,90, 3proz. Heſſen 75,60, 4proz. Darmſtädter
96,80 G. 3½proz. Darmſtädter 87,75 G., 4proz. Heſſ. Land.=
Hyp.=Pfdbr. (S. 1823) 99,20 G., 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=
Pfdbr. (S. 2425) 99,30 G., 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp=
Pfdbr. (S. 35) 87,10 G., 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=
Pfdbr. (S. 911) 87,20 G., 4proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr.
(S. 1012) 99,20 G., 4proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr.
(S. 1314) 99,30 G., 3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr.
(S. 13) 87,30 G., 3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr.
(S. 4) 87,20 G., Darmſtädter Bank 119, Südd. Eiſenbahn=
Geſellſchaft 123,50, Südd. Immobilien=Geſellſch. (Mainz)
53,50, Lederwerke vorm. Spicharz (Offenbach a. M.) 65 B.,
Schramms Lack= und Farbenfabriken (Offenbach a. M.)
264 G., Chemiſche Mühlheim am Main 60,50, Schantung=
bahn
126¼, South=Weſtafrika 123½, Otavi=Anteile 109¾,
Otavi=Genußſcheine 74½, 4½proz. Ruſſen 99,50, 4proz.
1880er Ruſſen 88,50 G., 4proz. 1902er Ruſſen 89,20 G.,
3¼proz. Ruſſen 86 G., 3½proz. Ruſſen 80 G., 3proz.
Ruſſen 73,75 G., 4proz. unifiz. Türken 85,50 G., 4proz.
Adminiſtrations=Türken 77,80 G., 4proz. Bagdadb. 81,70,
4proz. konvertierte Türken von 1905/11 76,40 G., 5proz.
Bulgaren 99, 4½proz. Serben 88,70, 4proz. Serben 78,50,
5proz. Chineſen 99, 4½proz. Chineſen 92,80, 5proz.
Chineſen (Tientſin=Pukow) 96,10, Griechen von 1890
57,20 G., Griechen von 1887 54 B., 4½proz. Japaner 92,10,
4proz. Japaner 86,75, 3proz. Buenos=Aires 68,50.

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Berlin W8, Leipziger Straße 102.

Dariſer Brief.
Faſt alle neuen Modelle zeigen Draperien oder Anklänge
an die Drapierung. Sogar ganz einfache Straßenkoſtüme und
Morgenkleider ſind von dieſem neuen Stile deutlich beeinflußt,
der natürlich in den Abendkleidern und Nachmittagstoiletten
noch prägnanter und ſchärfer zum Ausdruck kommt.
Merkwürdig und intereſſant iſt, was für einen Einfluß
die neuen, modernen Draperien auf die Jacken und Mäntel
ausgeübt haben. Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß man über einem
drapierten, vollen Kleide nicht gut einen ganz gerade herab=
fallenden
Mantel tragen kann, und aus dieſem Grunde ſind
denn auch eine Menge neuer und ſehr aparter Schöpfungen
auf dieſem Gebiete entſtanden. Der Mantel oder das Jackett,
das an der Unterkante abſteht, iſt eine unabweisliche Not=
wendigkeit
, wenn immer die neuen, modernen Draperien
an dem darunter zu tragenden Kleide verwendet werden.
Die Silhouette der Abendmäntel hat ſich gegen das vergangene
Jahr nicht merklich geändert. Dieſe Mäntel ſind noch immer im
oberen Teile ſehr breit und an der Unterkante ſehr eng. Ein Modell,
das beſonders geſiel, war aus ſchwarzem Sammet und ſehr tiefem,
waſſermelonen=roſa Moiré. Der Sammet wurde im unteren Teile des
Mantels als ſehr breites Beſatzband verwendet und bildete im oberen
Teile eine tiefe Daſſe, an die der obere Aermel=
teil
angeſchnitten war. Der Moiré war beinahe
ganz von einer wundervollen Stickerei bedeckt,
die in einem tiefen Lila, Apfelgrün, Ziegelrot
und Gold ausgeführt war.
Alle die ſehr lebhaften Farben, die in dieſer
Saiſon ſo viel verwendet werden, klingen viel
greller und unharmoniſcher, wenn man von ihnen
ſchreibt und erzählt, als wenn man ſie wirklich
ſieht. Es gibt zum Beiſpiel eine neue gelbe
Schattierung, die ein wenig an eine zu unreife
oder zu alte Zitrone erinnert, und ein derartiger
Stoff ſieht, in der Hand gehalten, direkt un=
angenehm
aus. Auf den erſten Blick möchke
es ſcheinen, daß kaum eine Frau unter kauſend
dieſe Schattierung tragen kann, aber in Wirklich=
keit
kann vielleicht nur eine Frau unter zehn
dieſe Schattierung nicht tragen. Die Farbe hat
die merkwürdige Eigenſchaft, die roſa Fleiſch=
töne
der Haut herauszuholen und ins beſte Licht
zu ſetzen, und nur eine Frau mit ganz ungeſund
blaſſem Teink muß dieſes Gelb vermeiden.
Beſonders in Verbindung mit einer tiefen
Schattierung von Saphirblau hat dieſes ſpezielle
Gelb ſehr viel Erfolg erzielt.
Als Tagesfarbe wird Taupe noch immer
bevorzugt, und man ſieht ſogar dieſe Farbe an
Abendkleidern in Verbindung mit dem eben ge=
ſchilderten
Zitronengelb verwendet. Schwarz
und Weiß werden natürlich noch
immer getragen, aber ein ſehr dunkler
Ton von Sealbraun iſt neuer als
ſchwarz und blau und Taupe.
Eine neue Abendſchattierung, ein
kräftiges Roſenrot wird ſehr viel in
der Form von Sammetbrokat, Chiffon
oder Charmeuſe verwendet. Ein ganz
außerordentlich ſchönes Abendkleid
hatte einen Nock aus dieſem roten
Brokat, der natürlich drapiert war
und an eine Bluſe aus gleichfarbigem
Chiffon gefügt wurde. Die Taille
war ebenfalls intereſſant und un=
gewöhnlich
, da ſie den neuen Sarah=
Bernhardt=Halsausſchnitt zeigte
ein Ausſchnitt, der hinten und an
48966
den Seiten ſo hoch iſt wie die

50722

Halslinie, aber über der Büſte ſich erweitert und ſehr apart wirkt.
Der neue Sarah=Bernhardt=Ausſchnitt und die neuen Arm=
draperien
, die man kaum mehr Aermel nennen kann, ſind die charakte=
riſtiſchen
Einzelheiten der modernen Abendkleider. Die Armdraperien
beginnen an der Schulter und hängen tief herab, etwa wie die
alten Engelärmel, die oft bis auf den Boden ſielen. Der Effekt
iſt ſehr hübſch und von außerordentlicher Grazie.
Sonſt wird der lange Aermel viel verwendet, den man an allen
möglichen Kleidungsſtücken ſieht, ſehr formelle Nachmittagstoiletten
ausgenommen. Dieſer lange Aermel und der Renaiſſance= oder
Medici=Kragen ſind die Hauptmerkmale der modernen Bluſe. Sonſt
hat ſich die Bluſe gegen die vorige Saiſon nicht viel verändert,
und die meiſten Modelle zeigen noch immer die latzartigen oder ſchürzen=
artigen
Teile des Nockſtoffes auf einer Bluſengrundlage aus Spitze
oder Chiffon. Dieſe Idee iſt nicht neu, aber ſie iſt die geeignetſte für die
modernen Stoffe, die Matelaſſe, Moirés, Brokate und Sammete, die
wundervoll und prächtig ſind, aber zu warm und zu ſchwer, um für die ganze
Bluſe verwendet zu werden.
Viele der bedeutenden Modehäuſer ſind in dieſer Saiſon mit einer neuen
Idee vor das Dublikum getreten, die viel Beifall fand. Zu jeder Toilette
wird nämlich ſofort auch ein Hut komponiert, der auf die Farben des Kleides

55466

geſtimmt, womöglich in denſelben Stoffen gehalten iſt und
die Grundidee der Toilette entweder variiert oder noch deutlicher
betont. Durch dieſes Arrangement wird eine künſtleriſche Aeber=
einſtimmung
in der ganzen Erſcheinung erzielt, wie ſie ſonſt
nie zu erreichen iſt. Nun trägt Hut und Kleid den deutlichen
Stempel der einen Derſönlichkeit, die beide geſchaffen, um
einesteils das eigene Modenideal zu möglichſt klarem Ausdruck
zu bringen, und andernteils die Erſcheinung der Trägerin ſo
vorteilhaft wie nur denkbar erſcheinen zu laſſen.
Im allgemeinen iſt alſo die Mode nicht ſehr anders ge=
worden
. In den Grundzügen iſt ſie gleich geblieben, nur daß
ſie jetzt weniger ernſt und ſtreng und etwas launenhafter,
kapriziöſer und ſcharmanter erſcheint.
Elisabeth.
Beſchreibung der Abbildungen.
Nr. 48966. Jede Frau hat wenigſtens ein Kleid, das ſie ſolange als
möglich elegant und hübſch erhalten möchte. Oft wird es vorkommen, daß
Damen in dieſem Kleid im Haus oder auch beruflich zu arbeiken haben, und
für ſolche Fälle kommt eine Schürze, wie unter Nr. 48966 abgebildet, wie ge=
rufen
. Dieſe kann mit hohem Kragen oder flachem Amlegekragen und langen
oder halblangen Aermeln gearbeitet werden. Wenn man die Schürze mit
viereckigem Ausſchnitt ausführt, läßt man die Aermel weg und ſieht nur Schutz=
ärmel
vor, die nach Belieben übergezogen und abgeſtreift werden können. In
dem genannten Muſter iſt keine überflüſſige Weite enthalten, was entſchieden
ein großer Vorkeil iſt, denn die weiten Schürzen ſind
ſchon deshalb unpraktiſch, weil man mit dieſen leicht
irgendwo hängen bleibt und die Schürze dabei zerreißt.
Wenn man dieſe Schürze hauptſächlich am Vormittag
tragen will, ſo iſt Leinen das beſte Material, will man
jedoch das Muſter als ein Aeberkleid tragen, wenn
man bereits fertig angekleidet iſt, iſt Satin oder
Alpaka zu bevorzugen. Material bei einer Oberweite
von 91 cm: Von 70 cm breitem Stoff 585 m. Der
Dreis des in 4 Größen erhältlichen Muſters bekrägt
nur 45 Pfennig.
Nr. 49166. Die meiſten Damen müſſen eine ſcharfe
Linie zwiſchen unſeren Alltagskleidern und ſolchen
Kleidern, die ſie auf Geſellſchaften und bei feſtlichen Ge=
legenheiten
kragen, ziehen. Wer nun ein niedliches Kleid
braucht, das auch zu einer Abendgeſellſchaft uſw. ge=
tragen
werden kann, findet in Nr. 49166 ein zweckent=
ſprechendes
Muſter. Man kann dieſes Kleid mit einem
Stehkragen oder auch Matroſenkragen verſehen, aber
auch ein flacher Amlegekragen wird ſehr hübſch wirken.
Das Vorderpaneel reicht vom Kragen bis zur Rockkanke
und die Bluſe iſt mit einer über die Schulkern gehenden
Gibſonfalte verſehen. Die Aermel ſind in zwei ver=
ſchiedenen
Längen vorgeſchnitten. Ein Futkermuſter ent=
hält
der Schnitt ebenfalls. Der Rock iſt fünfteilig. Tuch,
Cheviot, Serge uſw. geben ein geeignetes Material. Eine
hübſche Seidenſtickerei dient zur Verzierung. Wenn man
das Kleid für den allkäglichen Gebrauch haben will, iſt
es empfehlenswerker, die Aermel ganz aus dem gleichen
Stoff anzufertigen, denn für den Winter ſind ſie
wärmer und tragen ſich beſſer als Stickerei. Material
bei einer Oberweite von 91 cm: Von 70 cm breitem
Stoff ohne Strich 6,30 m. Von 107 cm breitem
Tüll für die Chemiſette, den Kragen und die Be=
kleidung
der Aermel 55 cm. Dreis des in 7 Größen
erhältlichen Muſters 1 Mark.
Nr. 50722. Für alle Damen, die einen
eleganken Rock haben und dazu eine paſſende
hübſche Bluſe haben möchten, wird Nr. 50722
ein willkommenes Muſter ſein. Dieſe Bluſe
kann am Nachmittag und Abend getragen
werden. Das Muſter iſt auf feſter Futter=
kaille
gearbeitet, hat einen Stehkragen,
runden oder ſpitzen Ausſchnitt, lange oder
halblange Aermel. Seitenteile und Aermel!
ſind in eins geſchnitten, und die Anfertigung
dieſer Bluſe iſt auch für im Selbſtſchneidern
Angeübte leicht. Der Einſatz im Vorder=
und Rückkeil wird ſeparat geſchnitten und
kann zum Beiſpiel aus Seide oder Spitze
verfertigt werden. Die Farbe des Einſatzes
iſt entweder die der Bluſe oder abſtechend.
Als Beſatz kann man Stickerei oder Spitze
verwenden. Material bei einer Oberweite
von 91 cm: Von 46 cm breitem Bordüren=
oder
Volantſtoff 1,95 m. Von 9 cm breiter
Spitze zum Verzieren der Aermel 80 cm.
49166
Für den Einſatzteil von 46 cm breitem
Spitzenſtoff 80 cm. Von 100 cm breitem
Tüll für den Kragen und die Bekleidung der Daſſe und Aermel 30 cm.
Dreis des in 8 Größen erhältlichen Muſters 85 Pfennig.
Nr. 55466. Während der kalten Jahreszeit gibt es kein ange=
nehmeres
Schulkleid als ein aus warmem Kaſchmir, Tuch, Cheviot uſw.
hergeſtelltes. Für ein ſolches Kleid iſt Nr. 55466 ein geeignetes Muſter.
Am hübſcheſten wirkt es wohl mit rundem flachen Kragen und langen
Aermeln. Es ſind aber auch Stehkragen und halblange Aermel vor=
geſehen
, falls letztere Ausführung bevorzugt werden ſollte. Dem Deſſin
Nr. 55466 iſt ein Futtermuſter beigefügt. Die Bluſe iſt in Gibſonform
gearbeitet, nämlich mit einer breiten, über die Schultern gehenden Falte.
Da Nr. 55466 auch die tiefen Armlöcher aufweiſt, iſt es ein hochmodernes
Kleid. Der vierteilige Rock hat im Vorder= und Rückteil eine nach
innen gelegte Falte, welche, wenn gewünſcht, vollſtändig abgeſteppt werden
kann. Wenn man ein waſchbares Material verwendet und es gibt viele
feine Stoffe, welche ſehr warm halten ſo empfiehlt es ſich, das Kleid ſo anzufertigen,
daß man es in der Vorderfront von oben bis unten öffnen kann, da dies die Wäſche
bedeutend erleichtert. Wenn man aber ein anderes Material verwendet, ſo iſt dies nicht
notwendig. Die Knopfverzierung ſollte auf alle Fälle vorgeſehen werden, da ſie bie
Wirkung des Kleides bedeutend erhöht. Man kann die Vorderfront auch ausgezackt
arbeiten. Manche Mutter wird die kleine Tochter, für die das Kleid beſtimmt iſt, hier
mitſprechen laſſen, denn wenn ſie mit wählen darf, wird ſie auch an ihrer Kleidung mehr
Intereſſe haben und es natürlicherweiſe mehr in acht nehmen dies iſt eine bekannte
Tatſache. Material für ein zwölfjähriges Mädchen: Von 110 cm breitem Stoff
2,50 m. Von 70 cm breitem, abſtechendem Stoff für den Amlegekragen und die Man=
ſchetten
50 cm. Dreis des in 9 Größen, von 6 bis 14 Jahren, erhältlichen Muſters 65 Pfennig.

Nachdruck auch mit Quellenangabe verboten.

[ ][  ]

Seite 20.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 30. Dezember 1912.

Nummer 306.

Letzte Neuheiten in hervorragender Auswahl.
Neujahrskarfen vist- u. Glückwunschkaten
mit Namensunterdruck schnellstens.

Heinrich
Ecke Rhein- und
Grafenstrasse.

AsauE

Britannia-Hotel.

Vornehme Silvester-Feier
mit Ball

(26477

Vorausbestellung von Tischen erbeten.
Auserwähltes Souper.
Am 1. Januar von 7 Uhr abends: Künstler-Konzert.

Heſſiſcher Fechtverein Waiſenſchutz
Zweigverein Darmſtadt.
Mittwoch, den 1. Januar 1913 (Neujahrstag)
abends 7 Uhr
in sämtlichen Räumen des städtischen Saalbaus
Weihnachts=Feier
beſtehend in
Musik- und Gesangsvorträgen, Theater, Tombola, Tanz.
Eintritt für Mitglieder 20 Pfg., jede Perſon. Söhne über
18 Jahre werden als Fremde betrachtet. Kinder frei.
Eintritt für Nichtmitglieder Herren 1 Mk., Damen 50 Pfg.
Mitgliedskarten bittet man an der Kaſſe vorzuzeigen.
Zu recht zahlreichem Beſuch ladet höflichſt ein (26233io
Der Vorstand.
NB. Etwaige Geschenke zur Verlosung werden bei den
Herren Gg. Burggraf, Kaſinoſtraße 28, Karl Köppler, Kaſino=
ſtraße
28, Fr. Hohmeier, Eliſabethenſtraße 3, und Konrad Koch,
Markt 3, gerne in Empfang genommen.

Bürger-Keller

Täglich Konzert
Salon-Damen-Orchester

Stets freier Eintritt.

Für
Sylvester:
Alkoholfreien
Schaumwein
Apfelsckt . . . . 1.30
Ananas-Traubensckt 1.40
Traubensckt . . . 2.

alkoholfreie

Weihnachts=Bockbier
Goseee.
Gosssas
ostsse
am 1. u. 2. Januar 1913 im Ausſchank.
Versand in Flaschen u. kleinen Fässchen.
Bierbrauerei Erbacherhof‟, Karlstrasse 10
(*15047
Gabriel Grohe.

Am Montag u. Dienstag ſind auf dem Markte
prima gemästete Gänse
per Pfund 90 Pfennig zu haben, ferner
frisch geschossene Hasen

per Stück Mark 3.80.

(*15058

Heinrich Wörtche!

von Groß-Zimmern.

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W. M.

Brief liegt. War mir nicht eher
möglich, Ihnen zu antworten.
B26484)
Sch. K. 50.

wird jener G. v. O.
m. zwingen
al
lieber tot!

15049) F. W.,

Für Sammier billige 19020
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noch zu haben Waldſtr. 20, Laden.

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34 J., prot., ca. 10000 Mk., mit
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Land. Nichtanonyme Offerten u.
R 17 an die Exped. (*14901soi

Großherzogl. Hoftheater
Montag, den 30. Dezember 1912.
87. Abonnem.=Vorſt. C 22.
Undine.
Romantiſche Zauberoper in 4 Akten
von A. Lortzing.
Muſikal. Leiter: Richard Lert.
Spielleiter: Wilhelm Riechmann.
Perſonen:
Vertalda, Tochter
Herzog Heinrichs Milena v. Sugh
Ritter Hugo von
Ringſtetten . . Karl Jahn
Kühleborn, ein
mächtigerWaſſer=
. Otto Semper
fürſt .
Tobias, ein alter
. Auguſt Kräger
Fiſcher
Marthe, ſ. Weib Anna Jacobs
Undine, i. Pflege=
. Kathar. Jüttner
tochter
Pater Heilmann,
Ordensgeiſtlicher AlfredStephani
Veit, Hugo’s

Hans, Keller=
meiſter
.

Schildknappe . . Karl Bernhardt
. L. Schützendorf
Reichskanzler . . Adolf Klotz
Der 1. Akt ſpielt in einem Fiſcher=
dorfe
, der 2. in der Reichsſtadt,
im Herzogl. Schloſſe, der 3. u. 4.
ſpielt in der Nähe und auf der
Burg Ringſtetten.
Nach d. 2. u. 3. Akte je läng. Pauſe.
Kleine Preiſe:
Proſzeniumsloge 5.10 M., Mittel=
loge
5.10 M., Balkonloge 4.60 M.,
I. Rang 4.10 M., II. Rang: 1.6.
Reihe 2.05 M., 7. u. 8. Reihe 1.65 M.,
Sperrſitz: 1.13. Reihe 3.60 M.,
14.20. Reihe 3.10 M., Parterre:
1.5. Reihe 2.25 M., 6.8. Reihe
1.85 M., I. Galerie 1.05 M., II. Ga=
lerie
0.55 M.
Anfang 7 Uhr. Ende 10¼ Uhr.
Kartenverk. v. 9½ 1½ u. v. 6 U. an.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Dienstag, 31. Dez. Außer Ab.
Silveſter=Vorſtellung zu Volks=
vorſtellungspreiſen
. Lumpaci=
vagabundus
. (Im 2. Akte:
Konzert=Einlagen.) Anf. 7½ Uhr.
Mittwoch, 1. Jan. 1913. Nach=
mittags
2½ Uhr. 14. Volksvor=
ſtellung
zu ermäßigten Preiſen.
Meyers. Vorverkauf bis ein=
ſchließlich
Dienstag, 31. Dez., nur
im Verkehrsbüro, Ernſt= Ludwigs=
platz
. Verkauf der noch vorhan=
denen
Karten an der Tageskaſſe
im Hoftheater am Tage der Vor=
ſtellung
, vormittags von 11 Uhr
ab. Abends 7½ Uhr. 88. Ab.=
Vorſt. B 23. Neu einſtudiert u.
neu inſzeniert (im Koſtüm der Ent=
ſtehungszeit
): . Die Fleder=
maus
. Gewöhnliche Preiſe.
Donnerstag, 2. Jan. 89. Ab.=
Vſt. A 23. Die fünf Frank=
furter
. Gew. Pr. Anf. 7½ U.
Aus dem Spielplan.
Freitag, 3. Jan. 90. Ab.=Vorſt.
D 22. Wenn ich König
wäre. Kl. Pr. Anfang 7 Uhr.
Samstag, 4. Jan. 91. Ab.=Vſt.
C 23. Jedermann. Gew.
Preiſe. Anfang 8 Uhr.
Sonntag, 5. Jan. Nachmittags
2½ Uhr: Der G’wiſſens=
wurm
. (15. Volksvorſtellung zu
ermäß. Preiſen.) Der Vorverkauf
zu dieſer Vorſtellung findet bis
einſchließlich Samstag, 4. Jan.,
nur im Verkehrsbüro, Ernſt= Lud=
wigsplatz
, ſtatt. Der Verkauf der
noch vorhandenen Karten erfolgt
an der Tageskaſſe im Hoftheater
am Tage der Vorſtellung, vor=
mittags
von 11 Uhr ab. Abends
7 Uhr: 92. Ab.=Vſt. A 24. Die
luſtige Wit we. Gew. Preiſe.

Erer

18348a)

Braderer FlascheneFanung
in Wirtſchaften und Niederlagen.
Blrekt von der Braueren
Telephon 393.
Telephon 393.