Darmstädter Tagblatt 1912


03. Dezember 1912

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175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 20 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Kaiſer iſt geſtern in Baden=Baden einge=
troffen
.
Der Reichskanzler gab geſtern bei der Etats=
beratung
im Reichstage eine Erklärung über den
Balkankrieg und die politiſche Lage ab.
In Reichstagskreiſen wird bekannt, daß der Dreibund
erneuert worden iſt.
In Glasgow fielen drei Straßen einem Rieſen=
brande
zum Opfer.
Die Unterzeichnung des Protokolls über
den Waffenſtillſtand iſt wider Erwarten bei
der Begegnung der osmaniſchen und bulgariſchen Dele=
gierten
am Sonntag noch nicht erfolgt.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.

Waffenſtillſtand und weitere Entſpannung.

**. Heute ſind acht Wochen verfloſſen, ſeitdem
Montenegro ſeine Beziehungen zur Türkei abbrach und
die Feindſeligkeiten eröffnete; acht Tage ſpäter folgten
die drei übrigen Balkanſtaaten nach und nach dem monte=
negriniſchen
Beiſpiele. Eine für die Geſchichte der Bal=
kanländer
und für die europäiſche Politik wichtige Zeit
liegt zwiſchen jenem 8. Oktober und jetzt, wo der Waffen=
ſtillſtand
vor dem Abſchluſſe ſteht: Die Türkei iſt in ihren
Grundpfeilern erſchüttert, der ſeit Jahrzehnten ängſtlich
gehütete status quo am Balkan iſt begraben worden, und
der Einfluß, den die europäiſchen Großmächte noch im
nahen Orientausübten, dürfte für immer einen ſtarken
Stoß erlitten haben, wenn dem Waffenſtillſtand der
Friede gefolgt ſein wird.
Der ſchnelle Verlauf des Krieges iſt neben der Ent=
ſchloſſenheit
aller vier Verbündeten namentlich dem küh=
nen
Draufgehen der Bulgaren zu verdanken, die gleich
zu Beginn ihre ganze Kraft und alle ihre Hilfsmittel ein=
ſetzten
, um Sieg auf Sieg zu erringen und die Türken
nicht zu Atem kommen zu laſſen. Einen langen Feldzug
konnten die Verbündeten, insbeſondere auch Bulgarien,
nicht führen, in der Ueberrumpelung und der unaus=
geſetzten
Bedrängung der Türken lag ihr Heil, und das
iſt ihnen auch bis zu einem ſolchen Grad gelungen, daß
das Schickſal der Türken in Europa beſiegelt ſchien. Erſt
vor Adrianopel und Tſchataldſcha kam der Siegeslauf der
Bulgaren zum Stillſtand, faſt im Angeſichte Konſtantino=
pels
mußten ſie Halt machen. Und nun zeigte Bulgarien,
daß es nicht nur militäriſch, ſondern auch diplomatiſch
auf der Höhe ſteht: Der Ausgang des weiteren Krieges
ſchien ungewiß, und da der Zweck des letzteren als er=
reicht
angeſehen werden konnte, ſo bewieſen die Sofiaer
Staatsmänner in ihren Forderungen eine Nachgiebigkeit
und Mäßigung, die dem Feinde goldene Brücken baute
und es ihm ermöglichte, unter Wahrung ſeiner nationa=
len
Ehre einen Waffenſtillſtand abzuſchließen, dem der
Friede wohl bald folgen wird. Aller Wahrſcheinlichkeit
bleibt der Türkei in Europa ein weit größerer Beſitzſtand,
als man noch vor kurzem anzunehmen berechtigt war.
Während ſo auf dem Balkan die friedlichen Chancen
wachſen, beſſert ſich auch die internationale Lage mehr
und mehr, und es kann nun keinem Zweifel mehr unter=
liegen
, daß Europa ein kriegeriſcher Konflikt erſpart
werden wird. In Serbien dürfte die unzweideutige Er=
klärung
der Petersburger Regierung, die ſich hinſichtlich
der Zurückweiſung der ſerbiſchen Anſprüche auf alba=
niſches
Gebiet und einen Adriahafen ganz auf den Stand=
punkt
Oeſterreichs ſtellt, ſtark ernüchternd gewirkt haben.
Ohne die Ausſicht auf ruſſiſche Unterſtützung kann ja
Serbien ſeine Forderungen nicht aufrecht erhalten, wie
auch Griechenland in ſeinen territorialen Anſprüchen ſich
wird erheblich beſcheiden müſſen. Bei der definitiven
Auseinanderſetzung mit der Türkei werden die Balkan=
ſtaaten
noch nicht jede Rückſicht auf Europa ausſchalten
können, und die Intereſſen Oeſterreichs und anderer
Staaten müſſen gewahrt bleiben, ſoweit ſie berechtigt ſind;
es liegt, wie ſchon oft betont, im Vorteil der Balkan=
länder
, ſich mit Europa gut zu ſtellen, deſſen Dienſte ſie bei
der Löſung der kulturellen und wirtſchaftlichen Aufgaben,
die ihrer nach Beendigung des Krieges harren, nicht ent=
behren
können.

Die Wendung, welche die Dinge auf dem Kriegsſchau=
platze
und die internationale Lage genommen haben, iſt
freudig zu begrüßen, und wir wollen nur wünſchen, daß
die günſtigen Ausſichten andauern und nicht wieder ein
Rückſchlag kommt, der alle Hoffnungen zunichte macht.

Die franzöſiſche Armee.

Nicht minder als in Deutſchland bildet in Frank=
reich
die Armee den Stolz des Landes; um ſo empfind=
licher
müſſen daher die Enthüllungen, die jetzt in
der franzöſiſchen Kammer über die im Heere herrſchenden
Zuſtände gemacht werden, die Nation berühren. Es iſt
ja ein offenes Geheimnis, daß der Geiſt der franzöſiſchen
Armee ſchon lange nicht mehr der von früher iſt, und
zahlreiche Fälle haben den Beweis erbracht, daß auf die
Mannſchaften nicht immer unbedingter Verlaß iſt. Es
ſei nur an die großen Meutereien im Süden erinnert,
die zeigten, von welchem Geiſte die Soldaten beſeelt
waren. Daß es ſich keineswegs um Einzelfälle, ſondern
daß es ſich um eine ſchwere Krankheit am Militärkörper
handelt, haben die erſchreckenden Angaben dargetan, die
der frühere Kriegsminiſter Meſſimy in der Kammer
gemacht hat. Wie gemeldet, führte Meſſimy aus, daß ſeit
der Gründung des ſogenannten Sou des soldats, eines
Geldfonds zur Unterſtützung fahnenflüchtiger und revo=
lutionärer
Soldaten, die Zahl der Deſerteure in der
franzöſiſchen Armee ganz ungeheuer geſtiegen ſei. Der
genannte Fonds entſtammt dem Jahre 1900, und ſeitdem
iſt die Zahl der Deſerteure und Fahnenflüchtigen, die vor
zehn Jahren kaum 10000 betrug, auf die ungeheure Zif=
fer
von 80000 emporgeſchnellt. Weiter erzählte Meſſimy,
daß in der Armee eine ganze Reihe von anarchiſtiſchen
Herden entdeckt worden ſei, die in nicht weniger als
16 verſchiedenen Regimentern beſtanden. Den Angehöri=
gen
dieſer anarchiſtiſchen Geſellſchaften war für den Fall
einex Mobiliſierung die Beſetzung wichtiger Punkte und
Anwendung von Sabotageakten angeraten worden.
Dieſe Mitteilungen ſind geeignet, das allergrößte Auf=
ſehen
zu erregen, denn aus ihnen geht hervor, daß die
franzöſiſchen Machthaber im Ernſtfalle Gefahr laufen, von
den Mannſchaften im Stiche gelaſſen zu werden. Auch
ſonſt hat das Kabinett Veranlaſſung, hinſichtlich der
Armee mit Beſorgnis in die Zukunft zu blicken. Es iſt
die ſtarke Abnahme der Geburten in Frankreich, die auch
für die Wehrfähigkeit der Nation Gefahr mit ſich bringen
muß. Die Zahl der männlichen Geburten iſt ſeit den
letzten vier Jahrzehnten von 494000 auf 400000 geſunken,
ebenſo iſt die Zahl der Geſtellungspflichtigen von 343000
im Jahre 1893 auf etwa 300000 herabgegangen, und die
Zahl der eingeſtellten Rekruten ſeit 1904 von 238000 auf
215000. Das ſind erſchreckende Ziffern, zumal man mit
ziemlicher Sicherheit ſagen kann, daß ſie noch immer
weiter herabgehen werden. Wie man dieſem Uebel ent=
gegentreten
kann, bildet ſchon ſeit Jahren eine ſchwere
Sorge der franzöſiſchen Staatsmänner.

Deutſches Reich.

Zur Herabſetzung der Altersgrenze
für den Bezug der Altersrente in der In=
validenverſicherung
wird mitgeteilt: Die kürzlich in
Dresden abgehaltene Konferenz von Sachverſtändigen zur
Prüfung der vom Reichstag angeregten Herabſetzung der
Altersgrenze für den Bezug der Altersrente hat einen
Arbeitsplan aufgeſtellt, auf Grund deſſen die Unterlagen
zur Beurteilung der finanziellen Wirkung der Herabſetzung
der Altersgrenze von 70 auf 65 Jahre gewonnen werden
ſollen. Daraufhin wird jetzt bei ſämtlichen Landesver=
ſicherungsanſtalten
eine Auszählung der Verſicherungs=
pflichtigen
in den Altersklaſſen von 65 bis 70 Jahren vor=
genommen
. Es ſoll hierdurch ermittelt werden, wieviel
Arbeitsfähige in dieſen Altersklaſſen vorhanden ſind. Das
hierbei gewonnene Material wird dann von Verſiche=
rungsmatematikern
der zuſtändigen Behörden bearbeitet
werden. Durch dieſe Vorarbeiten wird es möglich ſein,
dem im Einführungsgeſetz zur Reichsverſicherungsord=
nung
feſtgelegten Beſchluß des Reichstages, nach dem
ihm bis zum Jahre 1915 die geſetzlichen Vorſchriften über
die Altersgrenze zur erneuten Beſchlußfaſſung vom Bun=
desrat
vorgelegt werden ſollen, zu entſprechen und dabei
die Frage der Mehrbelaſtung des Reichs durch die Hergb=
ſetzung
der Altersgrenze zu klären.
Zur Jeſuitenfrage. Der Beſchluß, des
Bundesrats zur Jeſuitenfrage hat, wie die Morgenpoſt

erfährt, bereits dazu geführt, daß das Zentrum den An=
trag
auf Aufhebung des ganzen Jeſuitengeſetzes, den
bereits im Frühjahr im Reichstag eingebracht worden
iſt, nun energiſch aufnimmt, um die Reichsregierung zu
einer ausführlichen Erklärung darüber im Reichstage zu
nötigen. Der Antrag wird an dem erſten Schwerins=
tage
nach Weihnachten zur Verhandlung kommen. Ueb=
rigens
werden, dem genannten Blatte zufolge, die Zen=
trumsredner
ſchon in der Generaldebatte über den Etat
Gelegenheit nehmen, auch über den Bundesratsbeſchluß
zu ſprechen.
Das Luftflottengeſetz. Es iſt, wie die
Poſt von unterrichteter Seite hört, noch keineswegs ſicher,
daß die Einbringung eines Luftflottengeſetzes beim Reichs=
tage
ſchon 1913 oder wenigſtens in ſo naher Zeit erfolgt,
wie es unlängſt in einem Teil der Preſſe angedeutet wor=
den
iſt. Dagegen iſt ein Luftflottenbauplan bei der Mili=
tärverwaltung
aufgeſtellt worden, in dem die erforder=
lichen
neuen Maßnahmen zur Vermehrung der Luftflotte
zunächſt feſtgelegt ſind. Die erforderlichen Mittel hier=
efür
dürften jedenfalls durch den Haushalt angefordert
werden, nicht durch Bereitſtellung von beſonderen Kre=
diten
oder durch im voraus zu bewilligende Summen.
Es handelt ſich hierbei vor allen Dingen auch um den
Bau von Luftſchiffhallen.
Die Fleiſchteuerung. Der Vorſtand des
Deutſchen Städtetages beſchäftigte ſich am Samstag
abend mit der Fleiſchteuerung, ohne jedoch beſondere Be=
ſchlüſſe
zu faſſen. Vor allem wurde, wie die Voſſiſche
Zeitung berichtet, die Frage der Beſchaffung von Han=
melfleiſch
im Gefrierzuſtande erörtert. Man will es vor=
erſt
einzelnen Gemeinden überlaſſen, Verſuche in dieſer
Richtung zu machen. Das Fleiſch ſoll über Genua ein=
geführt
werden. Von hier wird es nach Karlsruhe und
einigen am Rhein gelegenen Städten gelangen. Erſt
aus den Erfahrungen dieſer Gemeinden wird ſich beurtei=
len
laſſen, ob ein größerer Bezug von Hammelfleiſch, für
den dann wohl auch andere Lieferungsorte ausfindig
gemacht werden könnten, wünſchenswert iſt.
Landtagswahlen in Württemberg.
In den 24 Wahlbezirken, in denen am 16. November bei
der Hauptwahl noch kein endgültiges Reſultat erzielt
wurde, fand am Freitag, wie ſchon bekannt, der zweite
Wahlgang ſtatt. (Stichwahlen gibt es in Württemberg
nicht.) Obwohl auch damit die Wahlen zum württember=
giſchen
Landtag nach nicht erledigt ſind, ſondern durch die
Proporzwahl von 17 Abgeordneten am 18. Dezember noch
ergänzt werden müſſen, iſt mit dem zweiten Wahlgang
im großen ganzen die Entſcheidung über die zukünftige
Zuſammenſetzung der Zweiten Kammer gefallen. Die
Proporzwahlen können höchſtens noch eine ganz kleine
Verſchiebung bringen. Insgeſamt ſind bis jetzt gewählt:
Konſervative und Bund der Landwirte 17 (bisher 52),
Zentrum 21 (bisher 21), Nationalliberale 9 (bisher 11),
Volkspartei 15 (bisher 19), Sozialdemokratie 13 (bisher
12). Verloren haben die verbündeten Parteien der Na=
tionalliberalen
(2 Sitze) und der Volkspartei (4 Sitze).
Gewonnen haben die beiden extremen Parteien: Bund
der Landwirte (5 Sitze) und Sozialdemokratie
(1 Sitz). Nimmt man an, daß bei den
Proporzwahlen das Ergebnis für die Parteien das gleiche
bleibt wie 1906, ſo dürfte der künftige Landtag folgendes
Bild aufweiſen: Konſervative und Bund der Landwirte
20 (früher 15, 5), Zentrum 25 (früher 25, 0), Natio=
nalliberale
11 (früher 13, 2), Fortſchrittliche Volks=
partei
19 (früher 23, 4), Sozialdemokratie 17 (früher
16, 1). Gruppiert man, wozu die Wahlkämpfe und
die ganze politiſche Situation ein gewiſſes Recht geben,
die Parteien in eine Rechte (Bund der Landwirte, Kon=
ſervative
und Zentrum) und eine Linke (Nationalliberale,
Fortſchrittliche Volkspartei und Sozialdemokratie), ſo be=
käme
die Rechte 45 Sitze (früher 40), die Linke 47 Sitze
(früher 52).

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Die neuen Vorlagen im ungariſchen
Abgeordnetenhauſe. Die Oppoſition wollte am
Samstag in ziemlich großer Zahl den vor dem ungari=
ſchen
Parlament aufgeſtellten Ring von Polizeimannſchaf=
ten
mit Gewalt durchbrechen, wurde jedoch von der Gen=
darmerie
mit gefällten Bajonetten an der Ausführung
dieſer Abſicht verhindert. Miniſterpräſident v. Lukacs
unterbreitete im Abgeordnetenhauſe einen Geſetzentwurf
über gewiſſe im Mobilmachungs= oder im Kriegsfalle in

[ ][  ][ ]

Kraft tretende Maßregeln. Laut Geſetz können im Kriegs=
fall
Regierungskommiſſare ernannt werden, die über alle
Verwaltungsorgane unumſchränkt verfügen; ferner kann
die Regierung den Handel mit Waffen und Pulver ver=
bieten
, den Poſt= und Telegraphenverkehr überwachen, das
Vereins= und Verſammlungsrecht beſchränken, die Zei=
tungszenſur
einführen, die Einfuhr ausländiſcher Zeitun=
gen
verhindern, die Geſchworenengerichte aufheben, Mora=
torien
anordnen, die zur Kriegsführung nötigen Kredit=
operationen
vornehmen uſw. Die ſtrafgeſetzlichen Be=
ſtimmungen
über die in Kriegszeiten begangenen Ver=
gehen
werden erheblich verſchärft, u. a. wird die Teil=
nahme
an einem zur Erſchwerung der Kriegsführung aus=
geſprochenen
Streik mit drei Jahren Gefängnis, Anſtiftung
dazu mit fünf Jahren Zuchthaus bedroht. Die Aus=
nahmegewalt
der Regierung hat mit dem Eintreten der
Mobilmachung oder des Kriegsfalls ſofort außer Kraft
zu treten. Zwei andere Geſetzentwürfe über die Kriegs=
leiſtungen
ſtimmen mit den in Oeſterreich eingebrachten
überein. Ueber die Motive ſtellt der Bericht ausdrücklich
feſt, daß die Geſetze mit der gegenwärtigen auswärtigen
Lage nicht zuſammenhängen, ſondern ſchon ſeit Jahren
vorbereitet wären. Sie ſeien jetzt deshalb eingebracht
worden, weil ſolche Geſetze in Friedenszeiten unter nor=
malen
Verhältniſſen geſchaffen werden müſſen. In der
Budgetdebatte hielt Miniſterpräſident v. Lukacs eine Rede,
worin er u. a. ankündigte, daß er die Wahlreform vor
Jahresſchluß vorlegen und ein neues Geſetz über das
Dienſtverhältnis der Eiſenbahnangeſtellten einbringen,
in dieſem aber den Beſchwerden der Kroaten Rechnung
tragen werde.
England.
Das Flottengeſchenk der indiſchen
Radſchas. Die Meldung aus Bombay, daß drei in=
diſche
Fürſten England eine Flotte von drei Ueber=
dreadnoughts
und neun Panzerkreuzern ſchenken wollen,
ſteht in London im Vordergrund des Intereſſes. Die
Koſten des Geſchenkes werden auf 420 Millionen Mark
berechnet. Der Pall Mall Gazette zufolge ging das Pro=
jekt
von Thakur ſchri Jeßreiſinghi Siſodiza aus, wel=
cher
den Staat von Udaipur repräſentiert. Dieſer wandte
ſich an zwei andere indiſche Fürſten, welche damals gleichs
zeitig in London weilten, und dieſe ſtimmten warm zu.
Der Marineminiſter ſoll den Gedanken für unausführbar
gehalten haben, weil das Geld nicht aufgebracht werden
könne, aber die Fürſten halten die Angelegenheit im
Gange. Der Admiral Lord Jean Beresford erklärte
einem Interviewer, das Projekt ſei recht befriedigend,
man könne jedoch wenig dazu ſagen, bis es tatſächlich be=
ſchloſſen
ſei. Sollte übrigens innerhalb der nächſten
drei Jahre etwas Plötzliches geſchehen, ſo könne England
doch keinen Vorteil aus dieſem Projekt ziehen. Die wich=
tigſte
Frage ſei die Bemannung. England habe jetzt 5000
Mann zu wenig. In Zukunft würden 20000 Mann feh=
len
. Man könne ſo viel Schiffe bauen, als man wolle,
aber man müſſe auch Leute dazu haben.
Spanien.
Der Märokko=Vertrag. Die Preſſe begnügt
ſich meiſt damit, den Wortlaut des franzöſiſch=ſpaniſchen
Vertrags abzudrucken, ohne Bemerkungen hinzuzufügen.
Der Liberal erklärt, eine genaue Zergliederung des Ver=
trags
ſei erſt bei ſeiner Erörterung im Parlament am
Platze, was wohl als der allgemeine Standpunkt aufzu=
faſſen
iſt und den Mangel an Beſprechungen erklärt. Das=
ſelbe
Blatt meint, für manche ſei das Erreichte wenig,
für Vernünftige viel, für Aengſtliche allzuviel. Glück=
licherweiſe
bliebe Spanien ſeine Handlungsfreiheit ge=
wahrt
, ferner Anerkennung ſeiner Sprache, ſeines Geldes
und ſeiner Gerichtsbarkeit, endlich das Zugeſtändnis des
Beſitzes eines Teiles. In religiöſer Beziehung werde
durch die Freiheit, alle Kulte äußerlich auszuüben, etwas
erreicht, deſſen ſich Spanien ſelbſt nicht rühmen könne.
Mit dem Vertrag ſei wohl kaum die Quelle künftiger Strei=

tigkeiten verſtopft, die jedoch, obſchon ſie ihre alte Schärfe
bewahrten, leichter zu löſen ſein würden. Das Abc zollt
den ſpaniſchen Vermittlern Lob, die dem Anſturm der
franzöſiſchen Regierung auf die Stellungen von 1904
tapfer widerſtanden hätten. Die franzöſiſchen Freunde
nähmen etwas, aber nicht alles, was ſie verlangt hätten.
Trotz der ärgerlichen und ſchwierigen Erörterung ſei nicht
nur ein Bruch vermieden worden, ſondern es beſtehe auch
das engliſch=ſpaniſch=franzöſiſche Einverſtändnis in andern
Fragen der internationalen Politik weiter. Der hervor=
ragendſte
Abſchnitt des Vertrags ſei die Gewährleiſtung
der Unabhängigkeit der ſpaniſchen Zone.
Japan.
Miniſterkriſe. Da das Kabinett gegen eine
Vermehrung der Garniſon auf Korea iſt, beabſichtigt der
Kriegsminiſter, zurückzutreten, Die Preſſe und das Publi=
kum
ſind auf Seiten des Premierminiſters.
* Frankfurt a. M., 1. Dez. Eine Konferenz von
Staats= und Gemeindearbeitern, ſowie Straßenbahnern,
die heute im Domreſtaurant tagte, ſchritt zur Grün=
dung
eines neuen Zentralverbandes der
Gemeindearbeiter und Straßenbahner
Deutſchlands mit dem Anſchluß an den Geſamtver=
band
der chriſtlichen Gewerkſchaften mit dem Sitz in Köln.
In derſelben Konferenz wurde die Gründung eines neuen
Zentralverbandes der Militärhandwerker und Arbeiter
Deutſchlands, mit dem Sitz in Elberfeld, ebenfalls mit
dem Anſchluß an den Geſamtverband der chriſtlichen
Gewerkſchaften, beſchloſſen.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 3. Dezember.
* Vom Hofe. Erbprinz und Erbprinzeſſin von
Sachſen=Meiningen nahmen am Samstag an der Früh=
ſtückstafel
im Neuen Palais teil. (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen am Samstag den Hauvtmann
v. Wienskowski, Batterie=Chef im 2. Großh. Heſſ. Feld=
Artillerie=Regiment Nr. 61, den Miniſterialrat Hölzinger,
den Amtsrichter Brab von Lampertheim, die Rechnungs=
räte
Leiſer und Lohrum, den Geheimen Forſtrat Kull=
mann
, den Rechnungsrat Keutzer, den Oberrechnungs=
kanzliſt
Bernhard, den Hofrat Profeſſor Boerkel von
Mainz, den Kanzleirat Winkler, den Schulrat Dr. Dorfeld,
Direktor der Liebigs=Oberrealſchule, den Profeſſor Dr.
Becker vom Ludwig=Georgs=Gymnaſium, den Geheimen
Schulrat Dr. Schweisgut, die Frau Profeſſor Lenz, den
cand. arch. Wigand, den Poſtſekretär Keßler, den Land=
gerichtspräſidenten
Theobald, den Rechnungsrat Kammer,
den Lehrer Bingel von Hochſtädten, den Notar Schott
von Pfeddersheim, den Kreisamtsgehilfen Kanzleirat
Greinert, den Kammerherrn Frhrn. v. Oetinger, den
Vollziehungsbeamten Zacheis von Zwingenberg, den
Oberpoſtſchaffner Gerth, den Rechnungsrat Heil, den Vor=
ſteher
der Knabenarbeitsanſtalt Voltz, die Lehrer Bern=
hard
von Unter=Sensbach und Goebel von Beerfelden,
den Bürgermeiſter Schwinn von Schöllenbach; zum
Vortrag den Staatsminiſter Ewald, den Finanzminiſter
Braun, den Vorſtand des Kabinetts Geheimerat Römheld.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Philipp Bayer
zu Groß=Rohrheim, Kreis Bensheim, eine Lehrerſtelle
an der Gemeindeſchule zu Pfeddersheim, Kreis Worms.
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
dem Steuerboten Jacob Büchel in Seligen=
ſtadt
aus Anlaß ſeines Ausſcheidens aus dem Dienſt
das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift Für
langjährige treue Dienſte‟
* Ernannt wurde der Militäranwärter Vizefeld=
webel
Theodor Theiß aus Weitershain vom 15. De=
zember
d. J. an zum Steueraufſeher und ihm der Auf=
ſichtsbezirk
Beerfelden zugewieſen.
g. Das Schwurgericht begann geſtern ſeine vierte
diesjährige Tagung mit der Verhandlung gegen den am
16. Mai 1877 zu Aſchaffenburg geborenen, zuletzt in
Hahn wohnhaft geweſenen unverheirateten Taglöhner
Peter Kraft II. wegen Notzuchtverſuchs. Die Anklage
wurde von Staatsanwalt Dr. Fuchs vertreten, die Ver=
teidigung
des geringfügig vorbeſtraften Angeklagten durch
Rechtsanwalt Neuſchäffer. Die Geſchworenen bejah=
ten
die Schuldfrage und billigten dem Angeklagten mil=
dernde
Umſtände zu. Das Gericht erkannte auf neun
Monate Gefängnis, abzüglich vier Wochen der
Unterſuchungshaft. Der Verurteilte erkannte die aus=
geſprochene
Strafe ſofort an.

Provinzialausſchuß. Die Tagesordnung
zur Sitzung des Provinzialausſchuſſes der Provinz
Starkenburg am Samstag, den 7. Dezember, vormittags
9½ Uhr, lautet: 1. Geſuch des Heinrich Schütz aus
Darmſtadt um Erlaubnis zum Betriebe einer Schank=
wirtſchaft
im Hauſe Liebfrauenſtraße 78. 2. Antrag
Großh. Miniſteriums der Finanzen, Abteilung für Bau=
weſen
, dem Geometer Joh. Georg Keil von Dieburg
das Patent als Geometer 1. Klaſſe zu entziehen. 3. Die
Beigeordnetenwahl zu Hummetroth; hier Rekurs gegen
die Entſcheidung des Kreisausſchuſſes des Kreiſes
Erbach vom 24. Februar 1912. 4. Klage des Valentin
Fiſcher zu Offenbach=Bürgel gegen die Verfügung
des Oberbürgermeiſters der Stadt Offenbach wegen
Einziehung der Fußwegherſtellungskoſten für die Süd=
ſeite
der Langſtraße.
D Vom Großh. Hoftheater. Heute Dienstag findet
nach längerer Pauſe eine Aufführung von Paul Linckes
Operette Grigri als 71. Abonnementsvorſtellung,
Buchſtabe B 18, ſtatt. Die Repriſe weiſt in den Haupt=
rollen
einige Neubeſetzungen auf. Am Mittwoch bleibt
das Hoftheater aus Anlaß des Deutſchen Feſtes geſchloſ=
ſen
. Donnerstag findet die Erſtaufführung von Karl
Rößlers Luſtſpiel Die fünf Frankfurter ſtatt.
Das amüſante Werk, das den Spielplan ſämtlicher deut=
ſchen
Bühnen beherrſcht, iſt als 72. Abonnementsvorſtel=
lung
, Buchſtabe C 18, angeſetzt. Die ſzeniſche Leitung
des Abends hat Herr Generaldirektor Dr. Eger.
Rh. Von der Techniſchen Hochſchule. Aus der Stif=
tung
des Frankfurter Bezirksvereins
Deutſcher Ingenieure und der in ſeinem Bezirk
vertretenen Induſtrien ſind durch Beſchluß des Kleinen
Senats der Techniſchen Hochſchule vom 20. November d. J.
in Gemeinſchaft mit dem Vorſitzenden des Frankfurter
Bezirksvereins Deutſcher Ingenieure für das Studien=
jahr
1912/13 den nachſtehend genannten Studierenden Sti=
pendien
in Höhe der aufgeführten Beträge verliehen
worden: Franz Abt aus Frankfurt a. M. 500 Mk., Fried=
rich
Steuerwald aus Nieder=Wieſen 500 Mk., Walter
Buckſath aus Alzey 550 Mk. und Adam Bertſch aus Darm=
ſtadt
600 Mk. Steuerwald und Buckſath ſind bereits zum
zweiten Male, Abt ſogar zum dritten Male Inhaber
dieſes Stipendiums. Im Akademiſchen Archi=
tektenverein
hält am Freitag, den 13. Dezember,
abends halb 9 Uhr, Herr Privatdozent Dr. Dammann
einen Vortrag, deſſen Thema lautet: Zwei Geſpräche
über Baukunſt‟. Der Vortrag findet im Feſtſaale des
Hotel Heß ſtatt. An der Diplom= Hauptprüf=
ung
der Abteilung für Architektur, die in der Mitte
laufenden Monats abgehalten wird, werden 20 Kandi=
daten
teilnehmen, von welchen 14 die Prüfung als
Staatsdienſtanwärter ablegen werden. Die Klauſurprüf=
ung
findet am Dienstag, den 10. bis einſchließlich Don=
nerstag
, den 12. Dezember, ſtatt.
nn. Prüfungen. Im Prüfungslokal des Dienſt=
gebäudes
am Paradeplatz fand in der vergangenen
Woche die ſchriftliche Prüfung der Kandidaten
für den mittleren Verwaltungsdienſt ſtatt.
der ſich 11 Prüflinge aus den Provinzen Oberheſſen und
Starkenburg unterzogen. Als Prüfungskommiſſare fun=
gierten
die Herren Provinzialdirektor Fey, Kreisrat
v. Hahn und Kreisrat Schliephake. Die Prüfungen
erſtreckten ſich beſonders auf die Kenntniſſe der neuen
Verwaltungsgeſetzgebung, insbeſondere der Kreis= und
Landgemeindeordnung und der Ausführungsbeſtimmun=
gen
für die verſchiedenen Reichsgeſetze.
Ausſtellung von Gewerbelegitimationskarten.
Bei der zu Anfang jeden Jahres vorgeſchriebenen Neu=
ausſtellung
von Legitimationskarten ergeben ſich oftmals
Unzuträglichkeiten. Es können dieſe Schwierigkeiten da=
durch
vermieden werden, daß die Anträge auf Aus=
ſtellung
der Legitimationskarten möglichſt frühzeitig,
am beſten ſchon jetzt, bei den Großh. Kreisämtern ge=
ſtellt
werden.
Sektion Darmſtadt, Deutſcher und Oeſterreichiſcher
Alpenverein. Zu einer erhebenden Feier hatten ſich die
Sektionsmitglieder am Samstag abend im Gelben Saal
des Reſtaurants Sitte zahlreich verſammelt. Nach dem
Vorgehen anderer Sektionen wurde 33 Mitgliedern, die
der Sektion über 25 Jahre angehören, das
vom Hauptausſchuß dafür beſtimmte Abzeichen mit
einer entſprechenden Urkunde feierlich überreicht. Nach
einem einfachen Mahle betonte der Vorſitzende der Sek=
tion
, Herr Profeſſor Dr. C. Maurer in ſeiner Feſt=
anſprache
, daß ſich die Jubilare außer ihren Verdienſten
um die Sektion auch Anſpruch auf den Dank der Geſamt=
heit
erworben haben, da ſie, im Rahmen des Alpenver=
eins
, den Beſtrebungen unſerer Zeit, die Volksgeſundhekt
durch geeignete Sportbetätigung zu fördern, vorgearbeitet
haben. Herr Geh. Oberbergrat Profeſſor Dr. Lepſius
dankte im Namen der Ausgezeichneten und berichtete in
ausdrucksvollen Worten über die Jugendjahre der Sek=

Himmelserſcheinungen im Dezember.

A. K. Mit dem Uebertritt der Sonne aus dem
Kalenderzeichen des Schützen in das des Steinbocks
der wahre Stand der Sonne iſt der weſtliche Teil des
Tierkreisbildes des Schützen am 22. Dezember.
um 6 Uhr morgens, beginnt für die nördliche Halbkugel
der Winter. Die Sonne erreicht zu dieſem Zeitpunkte
in ihrer ſcheinbaren Bahn den tiefſten Stand, die größte
ſüdliche Abweichung vom Aequator; in dieſem Punkte
ſcheint ſie eine Zeitlang ſtille zu ſtehen, aus welchem
Grunde er Solſtitium genannt worden iſt; in Wirk=
lichkeit
wendet die Sonne nur um, hat ihre Winter=
wende
zwiſchen ihrer Bewegung nach Süden und ihrer
Bewegung nach Norden. Am 22. Dezember beſchreibt in=
folgedeſſen
die Sonne den kleinſten Tagbogen, und wir
haben den kürzeſten Tag. Die Deklination der
Sonne betrug am 1 Dezember mittags 20% 477 54.7,
am 22., den Wintersanfang, beträgt ſie 23 27' 9.1 und am
31. wieder 23% 7½ 0.4, die Abnahme beläuft ſich alſo bis
zum Wendepunkt noch auf 1 39', während die darauf bis
zum Monatsſchluſſe folgende erſte Zunahme nur 20' aus=
macht
. Wir finden daraus als Mittagshöhen der
Sonne in den verſchiedenen Zonen: für den Parallel von
54 (Norddeutſchland) 14 12' am 1. Dezember, 12" 33' am
22. und 12 53' am 31., für den Parallel von 51 ( Mittel=
deutſchland
) 17 12' am 1. Dezember, 15 33' am 22. und
15% 53½ am 31., endlich für den Parallel von 48 ( Süd=
deutſchland
und Oeſterreich, etwa die Breite von Wien)
20% 12' am 1. Dezember, 18 33' am 22. und 18 53' am
31. Dezember. Daraus ergibt ſich wieder eine Abnahme
der Tageslänge vom 1. bis zum 22. Dezember für
das nördliche Gebiet von 7¾ auf 7½ Stunden, für das
mittlere Gebiet von 8 auf 7½ Stunden und für das ſüd=
tliche
Gebiet von 8½ auf 8 ¼ Stunden. Vom 22. bis 31.
Dezember erfährt die Tageslänge ſchon wieder eine Zu=
nahme
, doch iſt dieſe nur unbedeutend, ſie beträgt im Nor=
den
nur 5, im Süden nur 4 Minuten und entfällt ganz auf
Den Nachmittag,

Unſer Mond wechſelt im Dezember fünfmal ſeine
Phaſen, nämlich zu folgenden Zeiten: Letztes Viertel war
am 1. Dezember, um 12 Uhr 5 Minuten nachmittags, Neu=
mond
iſt am 8., um 6 Uhr 7 Minuten nachmittags, Erſtes
Viertel am 16., um 9 Uhr 6 Minuten nachmittags, Voll=
mond
am 24., um 5 Uhr 30 Minuten vormittags und
abermals Letztes Viertel am 30., um 9 Uhr 12 Minuten
nachmittags. Der Mond befindet ſich am 14. Dezember,
um 8 Uhr vormittags, in Erdferne bei einem Abſtand:
von 63.5 Erdhalbmeſſern à 6378 Kilometer, und am 26. De=
zember
, um 4 Uhr vormittags, in Erdnähe bei einem
Abſtande von 56.8 Erdhalbmeſſern. Sternbedeckung
durch den Mond findet am 23. Dezember ſtatt: der Stern
136 im Stier (Größe 5.4) wird bedeckt, ſein Eintritt
geſchieht um 8 Uhr 50.2 Minuten nachmittags, ſein Aus=
tritt
um 9 Uhr 21.8 Minuten. Außerdem nähert ſich der
Mond dreimal hellen Fixſternen bis auf ſehr kleinen Ab=
ſtand
: am 4. Dezember um 3 Uhr nachmittags dem Sterne
1. Größe Spica in der Jungfrau, am 23., um 12 Uhr
mittags, dem Sterne 2. Größe Beta im Stier, und am
31., um 9 Uhr nachmittags, wieder Spica.
Von den großen Planeten ſind Venus und Saturn
beſonders gut ſichtbar, bei den übrigen liegen die Ver=
hältniſſe
ungünſtiger Merkur, der um Mitternacht
vom 8. zum 9. Dezember in ſeine untere Sonnenkonjunk=
tion
kommt und am 28., um 10 Uhr vormittags, ſeine
größte weſtliche Ausweichung, 22 23', erreicht, tritt gegen
Monatsmitte am Morgenhimmel hervor und kann bald
bis zu ½ Stunde beobachtet werden. Sein Erdabſtand
nimmt erſt, bis zur Sonnenkonjunktion, von 0.76 auf 0.69
Einheiten, d. h. Erdbahnhalbmeſſer à 149.48 Millionen
Kilometer, ab und nachher bis Monatsende auf 1.08 Ein=
heiten
zu. Sein ſcheinbarer Durchmeſſer iſt am 16. De=
zember
genau ſo groß wie unſere Sonnenparallaxe, näm=
lich
8.8. Am 3. Dezember, um 7 Uhr vormittags, hat
Merkur mit Jupiter Konjunktion, bei der Merkur um 36
ſüdlich von Jupiter ſteht, dieſe iſt aber nicht zu beobach=
ten
Venus ſtrahlt als Abendſtern in prächtigem
Glanze am ſüdweſtlichen Himmel, ſie bleibt anfänglich

gegen2 zuletzt mehr als 3 Stunden nach Sonnenunter=
gang
über dem Horizonte Der Planet nähert ſich der
Erde von 1.20 auf 101 Einheiten, wobei ſein ſcheinbarer
Durchmeſſer von 14.0 auf 16."7 wächſt. Am 12. Dezember,
um 4 Uhr morgens, hat der Mond mit Venus Konjunk=
tion
, am 13., um 4 Uhr nachmittags, ſind Venus und
Uranus in Konjunktion (Venus 1 36 ſüdlich). Mars,
der erſt Anfang November in Sonnenkonjunktion war,
bleibt noch für ein halbes Jahr unſichtbar. Er nähert ſich
langſam der Erde, nämlich von 2.50 bis auf 2.41 Ein=
heiten
. Seine Scheibe beſitzt nur den Durchmeſſer von
zuerſt 3.7, zuletzt 3.9. Jupiter gelangt am 18. De=
zember
, um 9 Uhr nachmittags, in Sonnenkonjunktion,
hält ſich daher jenſeits der Sonne verborgen. Sein Erd=
abſtand
beträgt am 31. 6.22, bei der Sonnenkonjunktion
6 24 Einheiten; ſein Scheibenduxchmeſſer hat dann den
kleinſten Wert: 32. Saturn, der ſich rückläufig im
Bilde des Stiers bewegt, gewährt nach wie vor ausge=
zeichnete
Beobachtungsgelegenheit; er ſtrahlt in hellem
gelblichen Glanze ſüdſüdöſtlich vom Siebengeſtirn und bil=
det
mit dieſem und dem öſtlich von ihm funkelnden Alde=
baran
ein ſchönes flaches Dreieck. Er kulminiert zu An=
fang
bald nach 11 Uhr abends recht hoch und iſt auch wäh=
rend
der ganzen Nacht über dem Horizonte, zuletzt kul=
miniert
er ſchon kurz nach 9 Uhr und geht dann bald nach
5 Uhr morgens unter. Unſer Abſtand vom Saturn ver=
größert
ſich von 8.10 auf 8.32 Einheiten, der ſcheinbare
Durchmeſſer des Saturnkörpers vermindert ſich aus die=
ſem
Grunde von 20.1 auf 19.6. Die große Achſe des
Ringſyſtems mißt Mitte Dezember 45.9, die kleine Achſe
18.8, die letzte erreicht daher faſt die ſcheinbare Breite
der Saturnkugel. Wir erblicken die Südſeite des Ring=
ſyſtems
, das wegen ſeiner weiten Oeffnung jetzt verhält=
nismäßig
leicht ſchon in einem guten Handferncohre ( Tu=
bus
) zu erkennen iſt. Am 21. Dezember, um 11 Uhr nach=
mittags
, kommt der Mond mit Saturn in Konjunktion
(Mond 6 nördlich) Uranus befindet ſich in tiefer
Stellung im Bilde des Steinbocks am Abendhimmel.
Sein Erdabſtand belief ſich am 1. auf 20.59, am 31, beläuft

[ ][  ][ ]

ion unter der Leitung ihres hochverdienten Vorſitzenden
des Geh. Juſtizrats Metz. Dann folgten nicht minder
vortreffliche Reden der Herren Dr. Spiegel, Gerichts=
Greferendar Löb und Rechnungsrat Schupp. Damit wech=
Iſelten muſikaliſche und deklamatoriſche Darbietungen von
Mitgliedern und dem langjährigen Sektionsfreunde
Herrn Kammermuſiker Dern. Gleichzeitig diente das Feſt
in hervorragender Weiſe dazu, die eigentliche Tätigkeit
der Sektion im Gebirge zu fördern. Die Zeichnung einer
Abeträchtlichen Summe für den in Ausſicht genommenen
Ausbau der Darmſtädter Hütte im Moostal
gab von neuem Zeugnis von der opferwilligen Gebe=
freudigkeit
und dem Verſtändnis der Sektion für ihre
Aufgaben.
* Das Wintervergnügen des Darmſtädter
Lehrerſängerchors, das am Samstag im Kaiſerſaal
ſtattfand, war recht gut beſucht. Im muſikaliſchen Teil
bot das Streichquartett, beſtehend aus den Herren Frey,
Krüger, Falkenſtein und Pfaff, wahre Kunſtgenüſſe. Es
ſind keine Dilettanten, die ſich hier in den Dienſt des
Vereins geſtellt, ſondern jeder iſt ein Künſtler auf ſeinem
Inſtrument. Das zeigten beſonders auch die Solodar=
bietungen
der Herren Frey (Violine) und Pfaff (Cello).
Das Zuſammenſpiel war ſo ausgeglichen und fein
nüanciert, daß alle gern mehr von ihnen gehört hätten,
obgleich ſie ſich bereits zu Zugaben verſtanden. Herr
Ludwig Müller ſang: Arie aus dem Freiſchütz und
Am Rhein und beim Wein Seine klangvolle Tenorſtimme
hat auch im letzten Jahre ſehr gute Fortſchritte gemacht, ſo
daß wir ihn recht bald wieder hören möchten. Die mitunter
recht ſchwierige Begleitung lag in den ſicheren Händen
des Herrn Niebergall, der ſich dieſer Aufgabe mit
großem Geſchick entledigte, was um ſo mehr anzuerkennen
Liſt, da in letzter Stunde mehrfacher Programmwechſel
Leintreten mußte. Zum Schluſſe wurde zum Tanze auf=
geſpielt
. Bis zur frühen Morgenſtunde blieben die An=
weſenden
in heiterſter Stimmung heiſammen.
* Der Evangeliſche Frauenverein des Oſtbezirks der
Stadtgemeinde veranſtaltet am Sonntag, den 8. Dez.
(zweiten Advent), abends präzis 7½ Uhr, einen Familien=
Abend im Gemeindehauſe, Kiesſtraße 17. Herr Miſſionar
Weismann, der lange Jahre in Indien gewirkt hat,
wird über Ernſtes und Heiteres aus dem Miſſionsleben
ſprechen. Der Vortrag wird amrahmt ſein von muſika=
liſchen
und deklamatoriſchen Darbietungen, für die ſich
bewährte Kräfte freundlichſt zur Verfügung geſtellt haben.
Für die Tee=Pauſe ſind Teekarten zum Preis von 25 Pfg.
bei dem Hausverwalter Göriſch (Kiesſtraße 17) zu haben.
Es iſt dringend zu raten, ſich rechtzeitig, jedenfalls bis
zum 6. Dezember, mit Karten zu verſehen, da wegen des
verfügbaren Raumes über eine beſtimmte Anzahl nicht
hinausgegangen werden darf.
Die Kriegerkameradſchaft Germania hatte zum
Samstag ihre Mitglieder und Freunde in den Saal der
Ludwigshalle eingeladen, um in froher Gemeinſchaft
die Geburtstagsfeier Sr. Kgl. Hoheit des
Großherzogs zu begehen. Den ſtimmungsvollen
Prolog zur Feier ſprach Fräulein Mina Baumann,
der mit lebhaftem Beifall ausgezeichnet wurde. Der erſte
Vorſitzende Ganßmann hielt die Begrüßungsan=
ſprache
und feierte zugleich mit begeiſternden Worten
unſeren Großherzog Ernſt Ludwig. Lebhaften Anklang
fand das von Mitgliedern geſtellte lebende Bild Hul=
digung
, zu dem die Feſtverſammlung ſtehend die Für=
ſtenhymne
ſang. Nach den meiſterhaft von Herrn Ludw.
Traum vorgetragenen Liedern Die Uhr und Der
Schwalben Abſchied ſorgte Herr Fritz Kilian durch
ſeinen geſunden Humor für eine frohe Stimmung. Ebenſo
zwei gut geſpielte Einakter: Eine fidele Inſtruktions=
ſtunde
und Nulpe im Verhör‟. Die Herren Fritz
ilian und Ludwig Traum erfreuten nochmals durch
Spenden ihres Könnens und mußten ſich durch den ge=
ſpendeten
Beifall zu Zugaben verſtehen. Ein flottes
Tänzchen gab der intimen Feier einen nicht allzu frühen
Abſchluß.
* Der Krieger= und Militärverein Blücher feierte
am Sonntag das Geburtsfeſt Sr. Königl. Hoheit des
Großherzogs unter überaus zahlreicher Beteiligung ſei=
ner
Mitglieder und Freunde. Nach einer kernigen An=
ſprache
des 1. Vorſitzenden, Herrn Kneip, welcher auf die
Bedeutung des Tages hinwies und an die nationalen
Zwecke und Ziele des Kriegervereins Blücher er=
innerte
, brachte die Verſammlung ein begeiſtert aufge=
nommenes
dreifaches Hoch auf Se. Königl. Hoheit den
Großherzog und die Großherzogliche Familie aus. Später
hielten muſikaliſche und geſangliche Vorträge, unter
denen zwei ſehr ſchön geſungene Lieder des Herrn A.
Rundſtadler ganz beſonderen Beifall fanden, die Feſt=
verſammlung
in angeregter Stimmung. Zum Schluß
fand ſich die Jugend noch zu einem Tänzchen.
Der Zither=Klub Edelweiß beging am Samstag
im Kaiſerſaal die Feier ſeines fünften Stiftungs=
feſtes
zu der ſich Mitglieder und Freunde des Klubs
äußerſt zahlreich eingefunden hatten. Paſſend wurde die

Feier eingeleitet durch einen Marſch: Auf, nach Glei=
burg
der von einem aus Diskant=Altzither, Violine,
Cello, Laute, Gitarre und Glocken beſtehenden Orcheſter
ausgeführt wurde. Fräulein Louiſe Fiſcher ſprach den
begeiſtert aufgenommenen Prolog, worauf der Vor=
ſitzende
des Klubs, Herr Hühn, die Erſchienenen, ins=
beſondere
den mitwirkenden Geſangverein Teutonia
nd den Celliſten, Herrn Gerhard Roſemann, herzlich
begrüßte. Das geſchickt zuſammengeſtellte Programm ent=
hielt
u. a.; ein lyriſches Tonſtück, Königskron und Edel=
weis
, für erſte und zweite Diskant=Altzither, erſte und
zweite Violine und Cello; die Troubadurfantaſie von
Singelé für Violine und Klavier, vorgetragen von Herrn
Arnold und Fräulein Gengenbach; Deutſcher Sänger=
ſchwur
, komponiert von Diretkor Becker, geſungen vom
Geſangverein Teutonia; Largo (berühmt) für zwei
Violinen und Laute, vorgetragen von Herrn Raſchert,
Reitz und Korſchän; Les Adieu für Cello und Piano,
vorgetragen von Herrn Roſemann und Fräulein Gengen=
bach
; das humoriſtiſche Duett Der Baron von Schrecken=
ſtein
, geſungen und geſpielt von den Herren Hamm und
Seibert ſowie die Soloſzene Der Bettelbua, geſungen
von Herrn Göhrig. Die geſamten Darbietungen fanden
den lebhafteſten Beifall.
* Deutſches Feſt. Dem Vernehmen nach wird das
Großherzogspaar mit Gefolge am Mittwoch, den
4. Dezember, der Aufführung beiwohnen.
* Die Vorträge über Fragen religiöſer Weltanſchau=
ung
, die viel Intereſſe erweckt haben, werden dieſen Mitt=
woch
, den 4. Dezember, abends, im Kaiſerſaal ( Grafen=
ſtraße
) fortgeſetzt. Herr Pfarrer Fuchs von Rüſſels=
heim
ſpricht über das Thema: Gibt es ein ewiges
Leben? Die Eintrittskarte koſtet nur 30 Pfg.
Experimentalvortrag von Dr. Kaufmann aus
München über Praktiſches aus Naturwiſſen=
ſchaft
und Technik für den Haushalt und das
tägliche Leben‟ Dienstag, 3. Dezember. Um zu ver=
meiden
, daß ſich der Vortrag durch die Demonſtrationen,
Verſuche und Erläuterungen an Apparaten unliebſam
verlängert, wird er pünktlich um 8¼ Uhr beginnen.
Entfernt Sitzenden ſei die Mitnahme eines Augenglaſes
mpfohlen. Die Damen werden gebeten, die Hüte ab=
zunehmen
.
* Deutſch=Evangeliſcher Frauenbund, Ortsgruppe
Darmſtadt. Der Teeabend in der Freimaurerloge, ver=
anſtaltet
zum Beſten der gewerbetreibenden Blinden
(deren Arbeiten zum Verkaufe geſtellt waren), war ſehr
gut beſucht. Die feinen Flechtarbeiten fanden viel Lieb=
aber
und zeichneten ſich durch hübſche Formen aus.
Zahlreiche Beſtellungen ſichern den Blinden für längere
Zeit lohnende Beſchäftigung. Verſchönt wurde der Abend
der Blindenfürſorge duech Geſang und Violinvorträge der
Damen Frl. G. Rabenan und Frl. A. Wahren=
dorff
, welche ihr ſchönes Können in liebenswürdiger
Weiſe in den Dienſt der guten Sache ſtellten und die in
feinſinniger Art von Frl. Machenhauer und Frl.
Meiſenzahl am Flügel begleitet wurden. Ein Mit=
glied
der Jugendgruppe, Frl. M. Merck, trug mit war=
mer
Empfindung die Bitte der Blinden an die Sehenden
vor, ein Gedicht, das in herzandringenden Worten die
ganze Not der Lichtloſen zum Ausdruck brachte.
C. Vortrag. Realſchuldirektor Dr. Seidenber=
ger
=Gernsheim ſprach am Sonntag im Konkordiaſaal
über Die Lebensweisheit im deutſchen Sprichwort.
Die deutſchen Sprichwörter, das teure Vermächtnis un=
ſerer
weiſen Vorfahren, ſind, wie Redner ausführte, zum
Teil aus der Bibel, zum Teil aus der eigenen Erfahr=
ung
entſproſſen. Sie beruhen auf einem Kompromiß
zwiſchen Idealismus und Realismus und enthalten eine
Art bürgerlicher Moral. Dieſes Volksgut iſt ein Schatz,
der gleichen Schutz beanſprucht, wie jedes andere Denk=
mal
. Redner behandelte in volkstümlicher, mit Humor
gewürzter Darſtellung gegen 100 Sprichwörter, die er in
die zwei Hauptabteilungen Familie und Erziehung
einerſeits und Handel und Wandel andererſeits glie=
derte
. Die Widerſprüche, in die einzelne Sprichwörter
miteinander zu geraten ſcheinen, fanden die entſprechende
Aufklärung. Die Dankesworte, die der Vorſitzende des
Katholikenvereins, Profeſſor Ensgraber, dem Redner für
ſeine geiſtvollen Ausführungen zollte, waren wohl=
verdient
.
Arnoldſcher=Muſikſaal. Man ſchreibt uns: Wie
in jeder Konzertſaiſon, wird die Pianofortegroßhandlung
von Karl Arnold, Ecke Erbacherſtraße, in ihrem
eigenen Muſikſaal auch dieſen Winter mehrere Phanola=
konzerte
abhalten; für das erſte Konzert iſt der
Dezember in Ausſicht genommen und empfiehlt es
ſich für Intereſſenten, zeitig Karten zu beſorgen, da die
200 Sitzplätze des Saales ſchnell vergriffen ſind. Karten,
welche zum freien Eintritt berechtigen, ſind nur im
Pianoforte=Magazin, Ecke Erbacherſtraße, erhältlich,
(Siehe Anzeige.)

St. Orpheum. Ein telepathiſches Phäno=
men
nennt ſich der Gedankenleſer Erneſto Bellini.
In der Tat, es iſt phänomenal, was Bellini, dem übri=
gens
die Nervenarbeit und die geiſtige Senſibilität ihren
Stempel aufgedrückt, bietet, und wenn irgend wer noch
Zweifel zu verſpüren glaubt, daß Gedankenübertragung
überhaupt möglich iſt, hier muß er bekehrt werden durch
die geradezu verblüffenden Beweiſe. Bellini iſt der erſte
Gedankenleſer, den wir ſahen, der ſeine Arbeit abſolut
ſelbſtändig und allein ausführt, ohne jede Mithilfe und
ohne auch nur den Schein des Vorhandenſeins irgend
welcher Hilfsmittel zu erwecken, und der prinzipiell nur
mit ihm gänzlich unbekannten Perſonen aus dem Publi=
kum
arbeitet, die dem Künſtler nachweislich durchaus
fernſtehen. Dabei arbeitet Bellini mit einem Ernſt und
einer Anſtrengung, daß es ihm gelingt, mit dem Moment
der völligen Konzentration ſeiner Gedanken auf ſeine
Aufgabe, ſich ſeiner Umgebung zu entrücken Er vermeidet
alle äußeren Mätzchen, die oft über Unvermögen hin=
wegtäuſchen
ſollen und ihn ſtört weder die Unruhe des
oft leider wenig rückſichtsvollen Publikums, noch die von
ihm ſchnell erkannten Verſuche, ihn irrezuführen oder die
etwa mangelhaft ſtarke Denkfähigkeit ſeiner Auftrag=
geber
aus dem Publikum. In allen Fällen, wo dieſe in
der Lage waren, ſcharf und folgerichtig die geſtellte Auf=
gabe
durchzudenken, gelangen die Experimente in gerade=
zu
verblüffender Weiſe und Schnelligkeit. Bellinis Kunſt
iſt zweifellos eine der verblüffendſten Erſcheinungen
und ſeine Art des Gedankenleſens wohl das Intereſſan=
teſte
auf dieſem Gebiete. Er errät die Gedanken einer
beliebigen Perſon, inſofern ſich dieſelben mit Aufträgen
beſchäftigen, welche er mit einer dritten Perſon oder einer
beliebig großen Anzahl von Perſonen und Gegenſtänden
ausführen ſoll. Für Bellini iſt das Gehirn des Mediums,
welches ſich die Aufträge denkt, ein Buch, in welchem er
die Gedanken lieſt. So gelingen ihm gleich ſicher auch die
Aufträge, beſonders von Damen erteilt, in denen eine
Berührung der Auftraggeberin, ein Führen an der Hand
und dergleichen, überhaupt nicht ſtattfindet. Einzig durch
den ſcharf gedachten Auftrag, alſo durch die Gedanken,
wird, wie etwa das Fernlenkboot durch die drahtloſe
Telegraphie, Bellini geleitet und ſicher dirigiert. Es iſt
das Wunderbarſte, was wir je auf dieſem Gebiete ſahen.
und Grauſen könnte einen packen, wenn man dieſe Fähig=
keit
verallgemeinert und in die Praxis des täglichen
Lebens ſich umgeſetzt denkt!
Auch im übrigen bietet das umfangreiche Programm
beinahe zu viel des Guten. Jedenfalls iſt es in ſeiner
Geſamtheit ſo unterhaltend, daß man mit Recht wohl
erneut ſagen kann, unſer Varieté=Etabliſſement hält
jeden Vergleich mit einem erſtklaſſigen Großſtadt=Inſtitut
ſtand. In dem gymnaſtiſchen Kraftakt der zwei
Annettys wird das Schlagwort vom ſtarken Ge=
ſchlecht
der Männer ad absurdum geführt, denn hier
brilliert der dem ſogenannten ſchwächeren Geſchlecht
angehörende Teil mit wunderbaren Kraftleiſtungen, die
dabei ſehr elegant ausgeführt werden. Die wirklich feſche
Soubrette Mia Moll hatte ihre wirkſamen Vorträge
wohl dem Sonntagspublikum angepaßt; ſicher verfügt ſie
über noch mehr wirkſamere Sachen in ihrem Repertoire.
Als Equilibriſten beweiſen die drei Liſſetts, daß es
auch auf dieſem Gebjete möglich iſt, immer noch Neues
und Gutes zu bringen, und Niblo und Spencer
riſſen durch ihre in ſtaunenswerter Vollendung ausge=
führten
amerikaniſchen Exzentriktänze Niggertanz in
künſtleriſchen Formen das Publikum geradezu zu Bei=
fallsſtürmen
hin. Wenn man davon ſpricht, daß ein ge=
wöhnlicher
Sterblicher mit dem Zweirad auf dem Draht=
ſeil
fährt und gar noch auf einem durch motoriſchen Kraft=
antrieb
in ſchnelle Rotation geſetzten Drahtſeil, ſo klingt
das auch faſt unglaublich, wird aber bei der Truppe
Wichmann zur Wahrheit. Ebenſo, daß das jüngſte
Mitglied dieſer Truppe auf dem gleichen rotierenden
Seil minutenlang ſchnelläuft. Ein reizendes, recht
unterhaltendes zoologiſches Dreſſurpotpourri bieten
Clown Barker und Miß Roſe mit einer Anzahl
gut und neuartig dreſſierter Hunde, Pſerdchen und Affen.
Mit Robert Neſemann, einem wirklich mit Komik
und Humor begabten wirkungsvollen Humoriſten, iſt das
Programm dann erſchöpft. Den Schluß bilden wie immer
neue Lichtſpiele.
X Schlachtungen. Nach dem Monatsberichte des
Fleiſchbeſchauamts ſind während des Monats Oktober
im hieſigen Schlachthaus geſchlachtet worden: 165
Ochſen, 9 Bullen, 248 Kühe, 14 Jungrinder, 936 Kälber,
2458 Schweine, 262 Schafe, 14 Ziegen und 24 Pferde.
Beanſtandet wurden: 83 Ochſen, 5 Bullen, 170 Kühe,
6 Jungrinder, 15 Kälber, 439 Schweine, 26 Schafe und
6 Pferde. Minderwertig wurde erklärt das Fleiſch
von: 1 Ochſen, 4¾ Kühen, ¾ Kälbern, 7¾ Schweinen
und 1 Schaf. Bedingt tauglich war das Fleiſch von:
* Kuh, 1 Jungrind, ¾ Kälbern und 1¾ Schweinen.
Untauglich waren: 2 Kühe, 1 Schwein, 1195 Organe,
52 kg Fett und 75½ kg Fleiſch von 750 Tieren. Auf

er ſich auf 20.70 Einheiten; ſein Scheibendurchmeſſer be=
trägt
nur 4."0. Seiner Konjunktion mit Venus am 13. De=
zember
haben wir oben ſchon gedacht. Neptun ſteht
ſüdſüdöſtlich von Pollux in den Zwillingen abends am
Oſthimmel. Seine Entfernung von der Erde nimmt von
29.30 auf 29.03 Einheiten ab; der ſcheinbare Durchmeſſer
des Planeten beträgt nur 2."6.
Von den drei bisher in dieſem Jahre entdeckten Ko=
meten
bewegt ſich der Komet 1912a (Gale) in nordnord=
öſtlicher
Richtung aus dem Bilde des Herkules nahe
vom Sterne Tau an in das Bild des Drachen etwa auf
den Stern Zeta hin. Der Komet 19125 (Tuttle) zieht am
ſüdlichen Himmel im Bilde des Centaur weiter, und der
Komet 1912c (Borelly) beſchreibt ſeinen Weg ſüdöſtlich im
Bilde des Adlers auf den ſüdweſtlichen Teil des
Waſſermannes zu. Alle drei Kometen ſind teleſkopiſch,
für das bloße Auge alſo unſichtbar.
Sternſchnuppen begegnen der Erde hauptſächlich
in den Tagen vom 6. bis 13. Dezember, die meiſten Me=
teore
fallen vom 9. bis 12. und ſtrahlen vorwiegend aus
dem Bilde der Zwillinge aus.
Halten wir abends gegen 10 Uhr Umſchau am Fir=
ſternhimmel
ſo ſehen wir dieſen durch die Milch=
ſtraße
, die ſich vom Oſtſüdoſten über den Zenit zum Weſt=
nordweſten
wölbt in zwei gleiche Hälften geteilt. Tief
im Südoſten erhebt ſich rechts neben ihr der hellſte Stern
des ganzen Firmaments, der Sirius, der am 31. Dezember
gerade um Mitternacht kulminiert; die Geſchichte ſeiner
Beobachtung reicht wenigſtens 4000 Jahre zurück. Ueber
ihm, ebenfalls rechts neben der Milchſtraße erblickt man
das Bild des Orion abends noch in liegender Haltung,
ſpäter nachts mehr und mehr aufgsrichtet. Der an ſeiner
Schulter ſtehende Stern 1. Größe heißt Beteigeuze, das
auch arabiſch Ibt el=dschauzä, Achſel des Orion, verderbt
iſt, das Bild ſelbſt hieß bei den Arabern, El-dschebba:
der Rieſe, bei den Babyloniern Nimrud. Der unterhalb
der drei hellen Gürtelſterne (auch Jakobſtab genannt) fun=

kelnde Stern 1. Größe trägt den Namen Rigel, entſtanden
aus arabiſch Ridschl el-dschebbär, Fuß des Rieſen.
Wieder über dem Orion treffen wir auf den Stier
mit dem hellen Aldebaran und dem Siebengeſtirn. Um
den Zenit ſieht man die Perſeus=Familie verſammelt in
den Bildern Perſeus Caſſiopeja Andromeda und
Cepheus Links neben der Milchſtraße im Oſten, be=
merkt
man unten den Kl. Hund mit Prokyon, darüber
die Zwillinge und den Fuhrmann. Im Nordnord=
oſten
findet man den Gr. Zären im Nordweſten die
Leier mit Wega, deren Name aus arabiſch El-nesr el-
wäki
, der fallende Adler, gebildet iſt, endlich daneben
innerhalb der Milchſtraße den Schwan

Feuilleton.

P. Eine Wedekind=Uraufführung in München. In
nichtöffentlicher Vorſtellung kam am 30. November im
Theater der Münchener Kammerſpiele Franziska ein
modernes Myſterium in 5 Akten (9 Bildern) von Frank
Wedekind zur Uraufführung. In kaleidoskopartig wech=
ſelnder
bunter Bilderfolge läßt Wedekind das Leben eines
Mädchens vorüberziehen, das, ein weiblicher Fauſt vom
Leben ſtatt der Sklaverei der Ehe Freiheit und Genuß
verlangt in männlicher Kleidung, weil nur ſo die nötige
Bewegungsfreiheit verbürgt iſt, läßt ſie ſich von einem
Impreſario, der die Stelle des Mephiſtopheles im Stück
vertritt durch die Welt führen. Sie ſindet ihr Gret=
chen
, Sophie Dirkens, welche von ihrem Auftreten als
Sänger ſo entzückt iſt, daß ſie ſie heicatet. Der groteske
Unſinn dieſer Ehe und Gretchen Sophiens Selbſtmord
erinnert zu ſehr an den Kino als daß man nach verborge=
tem
Sinn darin zu ſpüren ſich verſucht fühlte. Es folgt
Auerbachs Keller, im Stück die Weinſtube Klara. Hier iſt
der Dichter in ſeinem ureigenſten Element. Er teitt ſelbſt,
als Veit Kunz=Mephiſtopheles, auf und begleitet den Tanz
der Karaminka auf der Laute Geiſt und Beine geraten in

tanzende Bewegung, Couplet, Parodie, Ausbrüche der
Gemeinheit und aufgeſtachelten Leidenſchaft wirbeln toll
dugcheinander, es fließt Sekt und Blut, ein Revolverſchuß
macht dem Spuk ein Ende. Fauſt=Franziska wird auch
an den Hof von ihrem Führer=Verführer geleitet und
tritt dort als Geiſt und als Schauſpielerin auf. Ein Stück
des Herzogs wird aufgeführt, das eine Verlebendigung
des Bildes von Tizian die himmliſche und die irdiſche
Liebe darſtellt. Die nackte Schönheit, angewidert von
der Gemeinheit des als Drache mit einem Hunde= und
einem Schweinekopf ſymboliſierten Publikums, und ver=
letzt
durch das Auftreten des Polizeipräſidenten, welcher
durch ſein ſtörendes Eingreifen das Stück beendet, ſtößt ſich
den Dolch in die Bruſt und ſtirbt, wie Wedekind meint,
als Blutzeugin der Nacktheit. Wie Fauſt dem Mephiſto=
pholes
, ſo entgleitet Franziska dem Veit Kunz am Schluß
und wird, zwar nicht von Engeln zu lichten Sphären em=
porgetragen
, aber von einem ſeelenvollen Mann und
Maler in den friedlichen Hafen einer bürgerlichen Ehe bug=
ſiert
. Die Anklänge an Fauſt wirken durch das ganze
Stück hindurch mehr parodiſtiſch als vertiefend. Der reli=
giöſe
Kultus der Nacktheit, den Wedekind in Wort und
Bild predigt, iſt nicht, wie er zu glauben ſcheint, eine
funkelnagelneue Wahrheit, er findet ſich ſchon in Schlegels
Lucinde, ja ſchon bei Heinſe und ſpäter bei den Jung=
deutſchen
. Wedekinds Immoral wirkt ebenſo pedantiſch
und ſchulmeiſterlich, wie die alte zahlungsfähige Moral
und Prüderie. Sie iſt durch und durch lebensfremd, ein
Produkt der Reflexion. Wedekind ſpielte den Veit Kunz
ſelbſt, ſeine Gattin die Franziska. Die Inſzenierung war
glänzend, es gab jedoch manche Fehlbeſetzung. Welch ein
Wandel der Zeit! Vor zehn Jahren genoß man Wede=
kinds
Premieren mit dem Zwerchfell und dem
Hausſchlüſſel, heute verlangt und erhält der Direktor Par=
ſifal
=Preiſe. Allerdings drängt ſich das Publikum nur zur
getrüffelten, geſchloſſenen Erſtaufführung. Für die öffent=
lichen
Anfführungen, zu denen die misera plebs con-

[ ][  ][ ]

Trichinen wurden unterſucht: 2458 im Schlachthaus
geſchlachtete Schweine, ſowie 3022 kg für hieſige Metzger
eingeführtes friſches Fleiſch von 148 Schweinen. Der
Nachunter ſuchung wurden unterzogen: 698 Sendungen
eingeführtes Fleiſch, enthaltend: 17814 kg Rindfleiſch,
3937 kg Schweinefleiſch, 135 kg Kalbfleiſch, 350 kg
Hammelfleiſch, 512 kg Ziegenfleiſch und 475 kg Pferde=
fleiſch
.
Rh. Der Durchbruch der Landgraf=Georg=Straße iſt
zwiſchen Stift= und Beckſtraße nunmehr erfolgt, wenn
auch vorläufig die Straßendecke noch nicht aufgebracht iſt.
Oeſtlich der Beckſtraße iſt jetzt auch ſchon mit dem Durch=
bruch
begonnen worden, ſo daß wohl bald die Verbind=
ung
mit dem Oſtbahnhof hergeſtellt ſein wird.
* Haſſendieb. In der Nacht von Mittwoch auf Don=
nerstag
wurden auf der Hammelstrift zwei Haſen ge=
ſtohlen
. Der Dieb iſt jedoch geſehen worden; er hat
Licht gebraucht und iſt über ein gepflügtes Land mit zwei
kleineren Säcken, von denen einer etwas ſtreifte, gegangen.
Anzeige iſt erſtattet.
* Nieder=Ramſtadt, 2. Dez. Einen wohlgelungenen
Vortragsabend veranſtaltete im Saale der Poſt
die Ortsgruppe Nieder=Ramſtadt des Deutſchen
Flottenvereins. Nach herzlichen Worten der Be=
grüßung
, die ſich beſonders auch an die anweſenden Vor=
ſtandsmitglieder
der Kreisgruppe Darmſtadt richteten,
erteilte der erſte Vorſitzende, Herr Kaufmann P. Jähr=
ling
, Herrn Lehrer Page aus Darmſtadt das Wort
zu einem Vortrag über unſere Kolonien und deren wirt=
ſchaftliche
Bedeutung. Die ſachkundigen Ausführungen
fanden durch eine Reihe Lichtbilder zweckentſprechende
Veranſchaulichung und Unterſtützung. Reicher Beifall
belohnte den Redner. Herr Lehrer Schultheiß von Nie=
der
=Ramſtadt ſprach über die Notwendigkeit einer ſtarken
deutſchen Kriegsflotte. An Hand geſchichtlicher Tatſachen
aus der älteren und neueren Zeit entledigte ſich dieſer
Redner der ſich geſtellten Aufgabe. Auch dieſer Vortrag
wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Mehrere
Chöre des Geſangvereins Harmonie die in muſter=
gültiger
und dankenswerter Weiſe zu Gehör gebrachr
wurden, verſchönten die Veranſtaltung. Im Namen der
Kreisgruppe Darmſtadt ſprach Herr Stadtgeometer
Fleckenſtein aus Darmſtadt den Dank für die Ein=
ladung
aus und betonte, daß auch unſer deutſches Volk
in der Stunde der Gefahr gerüſtet daſtehen müſſe und
werde. Als Erfolg des Abends kann der Beitritt von
zirka 20 neuen Mitgliedern betrachtet werden.
Pfungſtadt, 1. Dez. Man ſchreibt uns: Daß man
den von fremden Wanderrednern bezw.= Redne=
rinnen
angekündigten Vorträgen gegenüber vorſichtig
ſein muß, zeigt der von einer Frau aus Stuttgart letzte
Woche hier gehaltene Damen=Vortrag‟ Durch
Flugblätter und ſonſtige lebhafte Reklame hatte dieſe
Wanderrednerin einen großen Saal voll Zuhörerinnen
angelockt, die jedoch nach den Ausſagen vieler gebildeten
Teilnehmerinnen des Vortrages nicht auf ihre Rechnung
kamen. Der zahlreiche Beſuch war beſonders auch dar=
auf
zurückzuführen, daß von einem Eintrittsgeld weder
auf dem Flugblatt noch im Inſerat etwas vermerkt war.
Ein berechtigter Entrüſtungsſturm brach unter der Ver=
ſammlung
los, als die Rednerin vor Beginn des Vor=
trages
ankündigte, daß jede Zuhörerin 50 Pfg. zu zahlen
habe. Dies ſei nämlich im Inſerat vergeſſen worden.
Wegen der lebhaften Oppoſition der Damen ermäßigte
ſie dann den Betrag für Minderbemittelte auf 30 Pfg.
Viele gebildete Beſucherinnen zogen es vor, den Saat zu
verlaſſen, nachdem die Rednerin über einen Teil des
Programms geſprochen hatte. Die Sache hat unter die=
ſen
Damen einen lebhaften Unwillen erregt, und man iſt
mit Recht der Anſicht, daß ſolche gewerbsmäßige Redne=
rinnen
angehalten werden müßten, den Eintrittspreis
ſchon bei der Einladung bekannt zu geben und nicht erſt
vor dem verſammelten Publikum. Der Vorgang lehrt
aber auch andererſeits, daß das weibliche Geſchlecht ſich
durch auffallende Reklame leicht verlocken läßt, und daß
man klüger tut, den von Vereinen veranſtalteten Vor=
trägen
, die meiſtens unentgeltlich gehalten werden und
von deren Gediegenheit man von vornherein überzeugt
ſein kann, mehr Beachtung zu ſchenken. Dieſe Art Vor=
träge
ſind hier leider oft äußerſt ſpärlich beſucht.
Pfungſtadt, 1. Dez. Lebhafte Nachfrage von ſeiten
auswärtiger Händler herrſcht nach dem in den hieſigen
gemeinheitlichen Torfgruben wachſenden Schilfrohr.
Der Erlös aus dieſen zum Verputz der Decken und der
Wände nötigen Sumpfgewächſen hat ſich in der letzten
Zeit von Jahr zu Jahr geſteigert und bildet eine will=
kommene
Einnahme für den Stadtſäckel. Der bei der
letzten Verſteigerung des Kiefernſtammhol=
zes
aus den Gemeindewaldungen gebotene Preis blieb
hinter dem Durchſchnittspreis der letzten Jahre zurück.=
Laut Beſchluß des Gemeinderates ſoll deshalb eine noch=
malige
Bekanntmachung über den Verkauf des Stamm=
holzes
ausgeſchrieben werden. Herr Geometer Bur=
baum
=Darmſtadt hat im Auftrage der Stadtverwalt=

ung einen neuen Ortsbauplan für unſere Gemarkung
angefertigt. Dieſer wurde von der Kreisbaubehörde
geprüft und zur Durchführung empfohlen.
Bickenbach, 2. Dez. Wie geſtern mitgeteilt, hat der
Kolonialwarenhändler Guſtav Rau ſeinem Leben
ſelbſt ein Ende gemacht. Die Annahme, daß der
Selbſtmord auf den Zuſammenbruch des Spar= und
Kreditvereins Nieder=Modau zurückzuführen
ſei, hat ſich als unrichtig erwieſen. Herr Rau war
weder Mitglied des Kreditvereins Nieder=Modau, noch iſt
er zu einer Haftverbindlichkeit herangezogen, noch ſteht er
überhaupt in irgendwelcher Verbindung mit dem Kredit=
verein
Nieder=Modau. Der Selbſtmord muß daher an=
dere
Gründe haben.
nn. Groß=Umſtadt, 2. Dez. Dem Profeſſor an der
Landwirtſchaftlichen Schule zu Groß=Umſtadt Dr. Bie=
denkopf
wurde von der Landwirtſchaftskammer für
das Großherzogtum Heſſen für Vorführung einer Reihe
landwirtſchaftlich=wiſſenſchaftlicher Verſuche auf der
Ausſtellung zu Groß=Umſtadt am 21.23. September
dieſes Jahres als Anerkennung für hervorragende Leiſt=
ungen
eine Ehrenurkunde verliehen.
Nieder=Roden, 2. Dez. Die der Kranken= und
Sterbekaſſe Eintracht (früher E. H.=K. Nr. 6)
in Nieder=Roden, Kreis Dieburg, erteilte Beſcheinigung
nach § 75a des Krankenverſicherungsgeſetzes wurde wider=
rufen
.
Offenbach, 2. Dez. Durch den unglücklichen Ausgang
eines Prozeſſes dem Wahnſinn verfallen iſt
plötzlich die 37jährige Ehefrau des Schloſſers Brenn=
eis
in der Guſtav Adolfſtraße 32. Die Frau hatte einen
Strafbefehl von 6 Mark erhalten, der ihr in der Verfol=
gung
der Berufung 80 Mark Koſten verurſachte. Das hat
die Frau dermaßen verwirrt, daß ſie plötzlich wahnſinnig
wurde.
Neu=Iſenburg, 2. Dez. Am Freitag nachmittag gegen
4 Uhr brach in den Hutſtoffwerken Koch u. Ko., hier, Bahnhof=
ſtraße
, Großfeuer aus, welches den alten mittleren
Bau vollſtändig einäſcherte. Durch die vorrätigen Roh=
materialien
fand das Feuer ziemlich Nahrung. Die
Feuerwehr war raſch zur Stelle hatte jedoch einen ſchwe=
ren
Stand, die angrenzenden Räume, beſonders das neu=
erbaute
Keſſelhaus und den Beizraum, zu retten. Nach
zweiſtündiger Arbeit gelang es ihr jedoch, den Brand auf
ſeinen Herd zu beſchränken; gegen 7 Uhr rückte die Feuer=
wehr
wieder ab. Der Materialſchaden iſt ſehr bedeu=
tend
, jedoch durch Verſicherung gedeckt.
Mainz, 2. Dez. Wie der Neueſte Anz. mitteilt, iſt
die Hauptverhandlung gegen das Urteil des Landgerichts
Darmſtadt vom 9. Juli in dem Prozeß Berndt=Schapiro
gegen Hirſch auf Samstag, den 25. Januar, vor den
erſten Strafſenat des Reichsgerichts anberaumt worden.
Da nun die auf den 2. Januar angeſetzt geweſene Haupt=
verhandlung
gegen das Urteil des Mainzer Landgerichts
vom 22. Mai in dem Prozeſſe Berndt gegen Hirſch (den
ſogenannten Dammrutſch=Prozeß) laut Mitteilung des
Reichsgerichts gleichfalls auf den 25. Januar vertagt iſt
ſo wird über beide Reviſionen in demſelben Termin ver=
handelt
.
Mainz, 2. Dez. Das Frankfurter Oberkriegs=
gericht
als Berufungsinſtanz tagte am Samstag in
Mainz in einer Beleidigungsſache gegen den Kriegsge=
richtsrat
Brendel=Mainz. Die Anklage legt, wie das
M. J. berichtet, dem Angeklagten zur Laſt, daß er in
ſeiner Eigenſchaft als Richter dem beim Gericht des 18.
Armeekorps zugelaſſenen Rechtsanwalt Dr. Schreiber
in einer Verhandlung, in der dieſer als Verteidiger am=
tierte
, vorſätzlich falſche Behaupſtungen vorgeworfen
habe. Der Anklage lag folgende Vorgeſchichte zu Grunde:
Rechtsanwalt Schreiber hatte einen Feldwebel vor dem
Gouvernementsgericht zu verteidigen, der wegen Unter=
ſchlagung
von Löhnen angeklagt war. Der Feldwebel
wurde zu zwei Monaten Gefängnis und Degradation
verurteilt und ſofort in Haft genommen. Nach ein=
monatiger
Haft ergab die durch den Verteidiger veran=
laßte
neue Verhandlung in zweiter Inſtanz vor dem
Oberkriegsgericht die völlige Unſchuld des Feldwebels,
der demgemäß freigeſprochen wurde. Bei der erſtinſtanz=
lichen
Verhandlung hatte der Verteidiger die Vorladung
von Zeugen verlangt, die die Unſchuld des Angeklagten
dartun ſollten. Dieſe Zeugen waren zwar vor der Ver=
handlung
durch den die Anklage vertretenden Kriegsge=
richtsrat
Brendel vernommen worden, ihre Laduna zur
Hauptverhandlung aber hatte das Gericht als unnötig ab=
gelehnt
. Der Verteidiger bezog ſich in ſeinem Plädoyer
darauf, daß die Zeugen nicht vernommen worden ſeien
und dem Angeklagten damit das weſentlichſte Moment
zur Bezeugung ſeiner Unſchuld entzogen worden ſei. In
der Replik warf der in der Berufungsinſtanz an=
geklagte
Kriegsgerichtsrat Brendel dem Verteidiger be=
wußt
unwahre Behauptungen vor. Damit war für Schrei=
ber
der Grund zur Klage gegeben. Der Angeklagte berief
ſich in der erſten Inſtanz vor dem Gouvernementsgericht
wie auch bei der jetzigen zweitinſtanzlichen Verhandlung

darauf, er habe den Verteidiger mißverſtanden. Auch
müſſe er ſtraflos ausgehen, da er die Aeußerung in ſeiner
dienſtlichen Tätigkeit als Anklagevertreter getan habe
(§ 193). Während ſich das freiſprechende Urteil der erſten
Inſtanz auf ſeinen Standpunkt ſtellte, kam die Berufungs=
inſtanz
zu einer Verurteilung des Angeklagten.
Kriegsgerichtsrat Brendel erhielt wegen Beleidi=
gung
50 Mark Geldſtrafe eventuell 5 Tage Ge=
fängnis
, außerdem wurde dem Kläger Publikationsbe=
fugnis
des Urteils zugeſprochen. Das Gericht nahm als
erwieſen an, daß der Vorwurf zu Unrecht erhoben ſei
und daß die Abſicht der Beleidigung erkennbar geweſen
ſei.
Kaſtel, 2. Dez. Zwiſchen hier und Hochheim wurde
die Leiche eines Mädchens aus dem Maine gelandet, die
ſpäter als die 20jährige Katharina Fiſcher aus dem
benachbarten Flörsheim ermittelt wurde. Das Mädchen
verſchwand vor mehreren Wochen ganz plötzlich ſpurlos.
Bei der vorgenommenen Sezierung der Leiche
ſollen nun Anzeichen gefunden worden ſein, die auf einen
möglicherweiſe gewaltſamen Tod ſchließen laſſen.
Nieder=Saulheim, 2. Dez. Gegen die vor 3 Tagen
erſt ſtattgehabte Bürgermeiſterwahl iſt ſeitens
der unterlegenen Partei bereits Einſpruch erhoben
worden. Die Reklamanten weiſen darauf hin, daß nach
der neuen Landgemeindeordnung die für Oehler abgege=
benen
Stimmen durchweg ungültig ſeien, da Oehler ſein
Amt niedergelegt und auf eine Wiederwahl verzichtet
habe. Sie behaupten, daß der Verzicht nicht in den
Krankheitsfällen innerhalb der Oehlerſchen Familie zu
ſuchen ſei, ſondern in dem Umſtande, daß die erſte Wahl
Oehlers wegen der ſchwerwiegenden Reklamationsgründe
(Freibier uſw.) ſicher wäre verworfen worden.
Friedberg, 2. Dez. Die Stadtverordnetenverſamm=
lung
beſchloß die Erbauung eines Kremato=
riums
auf dem hieſigen Friedhofe; außerdem gab ſie
zur Errichtung einer Seminar=Uebungsſchule ihre Zu=
ſtimmung
.
(*) Grünberg, 1. Dez. Eine 100jährige Ge=
denkfeier
zur Erinnerung an die Söhne Grünbergs,
die in dem Feldzuge gegen Rußland ums Leben kamen,
fand heute unter ſtarker Beteiligung des Kriegervereins
und der Einwohner ſtatt. Als man vor einiger Zeit die
alten ſtädtiſchen Akten ordnete, da fand man auch die
Namen von 20 Grünbergern, die ihr Leben für den Er=
oberer
Napoleon hingeben mußten; davon erlagen allein
16 den Strapazen des ruſſiſchen Feldzuges. Die Anreg=
ung
, dieſen Männern im Brunnental einen Gedenkſtein
zu errichten, fand ſofort lebhaften Anklang. Heute nach=
mittag
konnte nun die Einweihung des Gedenk=
ſteins
vorgenommen werden. Straßenmeiſter Seim
ſprach über die Anfertigung des Gedenkſteins und über=
gab
ihn dem Verkehrsverein, deſſen Vorſitzender Rentner
K. H. Jöckel den Stein in den Schutz des Vereins über=
nahm
. Die Weiherede hielt Rektor Angelberger. Der
Gedenkſtein iſt ein natürlicher Felsblock von 1.50 Meter
Höhe, in dieſen iſt eine Granitplatte eingelaſſen, welche
die Namen von 20 Grünbergern trägt, die den napoleoni=
ſchen
Feldzug mitmachten.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 1. Dez. Der Defraudant
Schürmann, der der Diskontogeſellſchaft mehr als
20000 Mark unterſchlagen hatte, iſt in Hamm in Weſtfalen
auf dem Bahnhof verhaftet worden. Das Geld wurde
bis auf 500 Mark noch bei ihm vorgefunden. Als der
20jährige Schloſſer Niekſch in Borſigwalde einen großen
Fallhammer in der Gaßmannſchen Fabrik reparieren
wollte, wurde der zu dieſem Zweck abgeſtellte Motor plötz=
lich
wieder angetrieben. Durch den ſchweren niederfal=
lenden
Hammer wurde Niekſch zu Boden geſchleudert und
ſchwer verletzt. Er liegt im Krankenhaus hoffnungslos
danieder. Aus der Strafanſtalt Plötzenſee kletter=
ten
in der Nacht zum Sonntag zwei Verbrecher über die
Mauer und entkamen in der Dunkelheit. Der eine konnte
im Verlaufe des geſtrigen Tages wieder verhaftet wer=
den
. In der Fabrik für Beleuchtungsgegenſtände von
R. Friſter A.=G. in Oberſchöneweide hat ſich heute vor=
mittag
eine folgenſchwere Benzinexploſion er=
eignet
. Zwei Arbeiter wurden ſofort getötet, zwei
andere erlitten lebensgefährliche Verletzungen und wur=
den
in hoffnungsloſem Zuſtande nach dem Krankenhaus
übergeführt.
Dieß a. d. L., 2. Dez. Geſtern abend 11 Uhr über=
ſchlug
ſich an der abſchüſſigen Straße zwiſchen Runkel
und Schadeck das Automobil des Fahrradhändlers
Möbus von hier an einer ſcharfen Kurve und wurde voll=
ſtändig
zertrümmert. Der 28 Jahre alte Wilh. Möbus
war ſofort tot, während der Vater des Getöteten
ſchwere innere Verletzungen erlitten hat. Zwei andere
Inſaſſen blieben unverletzt.
Donaueſchingen, 2. Dez. Der Kaiſer iſt heute vor=
mittag
10 Uhr 30 Min. im Sonderzuge nach Baden=
Baden abgereiſt.. Zur Verabſchiedung waren die
fürſtliche Familie und die Spitzen der Zivil= und Mili=
tärbehörden
auf dem Bahnhof erſchienen. Das Publikum
bereitete dem Kaiſer herzliche Kundgebungen.
Zweibrücken (Pfalz), 2. Dez. Der Prinzregent be=
gnadigte
Vater und Sohn Peter Dörr aus Borg=
hauſen
zu lebenslänglichem Zuchthaus. Beide waren in
der letzten Seſſion des Pfälziſchen Schwurgerichts wegen
der Ermordung eines gewiſſen Becker aus Speyer zum
Tode verurteilt worden.
Eiſenach, 2. Dez. Infolge des Zuſammenbruchs
der hieſigen Bankfirma Strauß & Heberlein brach
über die Stadtbrauerei Blankheim A.=G. in Thüringen,
ſowie über die Thralnitzer große Dampfziegelei in Jena
der Konkurs aus.
Hamburg, 2. Dez. In der Nacht zum Sonntag brach
an Bord des Hapagdampfers Sileſia am
Auguſta=Viktoria=Kai im Hamburg Feuer aus. Dier
Flammen kamen zuerſt am Hinterdeck zum Ausbruch. Die
ſofort alarmierte Feuerwehr ging mit 16 Schlauchlinien
vor, konnte aber zunächſt an den Herd des Feuers ſchwer
herankommen. Schließlich wurden Leute mit Rauch=
helmen
unter Deck geſchickt. Vorderdeck, Zwiſchendeck und
die unteren Schiffsräume brannten vollſtändig aus. Die
Ladung des Schiffes, die aus Solinger Stahlwaren be=
ſtand
und nach Afrika beſtimmt war, wurde vernichtet.
Neuſtrelitz, 2. Dez. Die Prinzeſſin Olga Eli=
ſabeth
von Sachſen=Altenburg, Beſitzerin des
in Mecklenburg=Schwerin gelegenen Gutes Sarrahm, hat
ſich, wie die Landeszeitung von zuverläſſiger Seite er=
fährt
, mit dem Leutnant im Leib=Küraſſier=Regiment Karl
Friedrich Grafen von Pückler verlobt.
Paris, 1. Dez. Die Polizei verhaftete die bei=
den
Leiter einer Winkelbank namens de Montigny und
Dupys, die beſchuldigt ſind, Einlagen im Betrage von
einer Million veruntreut zu haben.
Reims, 2. Dez. Auf dem Bahnhof wurde ein etwa
35jähriger Mann verhaftet, bei dem man Schrift
ſtücke vorfand, die vermuten laſſen, daß er ein Spion iſt,

tribuens Zut itt hat, zu der man auch die Preſſe zu rech=
nen
ſcheint, werden die Trüffeln auf Anordnung der Zen=
ſur
herausgenommen.
* Der ſprechende Kater. Ein ſprechender Kater, das
iſt das Neueſte auf dem Gebiete der Tierphänomene‟
Kein Scherz; Peter ſpricht wirklich. Der Ruhm von Don,
dem ſprechenden Jagdhund, hat ihn nicht ſchlafen laſſen:
Was ſolch Köter kann, kann ein Kater ſchon kange, ſagte
er ſich und ging bei ſeiner Herrin, der Hamburger Zahn=
ärztin
Frau Dr. Sutoris, fleißig in die Lehre, bis er ſich
einen kleinen Wörterſchatz angeeignet hatte, den er ſehr
klug zu verwerten weiß: Anna, Helene, nein, haben, na
na na na, hurra, hurra, hurra; das iſt für einen Kater
doch eine ganze Menge, um ſo mehr, als alles mit er=
ſtaunlicher
Deutlichkeit aus dem zierlichen Munde des
klugen Katerviehs kommt. Aber noch mehr: Here Peter
kann auch ſingen, nicht ſo ein Lied, das Stein erweichen,
Menſchen raſend machen kann ſondern fein manierlich
mit dem beliebten Text: la la la, la la la, la la la nach
verſchiedenen Melodien: Der Mai iſt gekommen, Das
haben die Mädchen ſo gerne u. a. Frau Dr. Sutoris, die
ihren ſprechenden Kater einem kleinen Kreis in Berlin
vorführte ſpäter wird er im Zirkus Buſch zu ſehen
und zu hören ſein erzählte, wie ſie Peter als kleines
halbverhungertes Kätzchen, das wahrſcheinlich einem aus=
ländiſchen
Schiffe entlaufen war, aufgenommen und, durch
ſeinen ungewöhnlich klugen Geſichtsausdruck veranlaßt,
ſich viel mit ihm beſchäftigt habe. Sein Sprachtalent wurde
aber erſt vor zwei Jahren durch einen Zufall entdeckt,
dann aber planmäßig ausgebildet. Heute ſpricht Peter
gern und oft wie ein fleißiger Papagei und, wie es ſcheint,
auch mit Verſtändnis für die Worte. Die eigentliche
Miau=Sprache der Katzen hat er ſich ganz abgewöhnt,
denn er iſt ſtolz geworden, der Herr im ſchwarzen, weiß
verbrämten Rock, und mit einigem Recht, denn er iſt ſämt=
lichen
hiſtoriſchen Katern überlegen.

* Die Feldpoſt im Mittelmeer. Der Weizen der Brief=
markenſammler
blüht. Nachdem eben Griechenland die
Ausgabe beſonderer Kriegsbriefmarken beſchloſſen und
ſeine Verbündeten zu gleichem Tun aufgefordert hat, gibt
nun auch Italien Sonderbriefmarken für die Poſtämter
in Libyen und die von ihm beſetzten 13 Inſeln im Aegäi=
ſchen
Meere heraus. Sie gleichen den Marken von 2, 5,
10. 15, 25, 40 und 50 Centeſimi des Königreichs, haben
aber den Aufdruck Libia, Rodi, Simi, Cos, Sampalia,
Calimno, Caſo Lipſo, Palmos, Piscopi, Niſiros, Sear=
panto
, Leros, Karki. Das ſieht nicht ſo aus, als ob die
italieniſchen Inſelbeſetzungen bald zurückgezogen werden
ſollten.
* Die Weltreiſe in einer Tonne. Aus Cerbero wird
gemeldet, daß die beiden Weltreiſenden in einer Tonne,
die ſeinerzeit auch durch Berlin gekommen ſind, auf dem
Bahnhof bei Mediana del Campo eingetroffen ſind. Ihre
Beförderung war äußerſt meskwürdiger Art; die Bahn=
hofsbehörden
erhielten ein Kolli mit folgendem Begleit=
ſchreiben
: Anbei 1 Kolli im Gewicht von 175 Kilo. In=
halt
eine Tonne, in welcher ſich zwei Italiener namens
Diannello und Zenarchi befinden.
* Das tägliche Feuer. In ein kleines Dörſchen Ober=
italiens
iſt dieſer Tage ein Soldat aus dem tripolitani=
ſchen
Feldzuge zurückgekehrt. Das gab ein großes Feſt.
Fahnen hatten ſie herausgehängt. Vor dem Gefeierten
her marſchierte die Muſik im Zuge. Auf das Rathaus
ging es. Da ſtand der Bürgermeiſter und hielt eine weit=
hin
ſchallende Anſprache, neben ſich den Soldaten: Und
wir ſind ſtolz auf unſern Landsmann, der friſch und ge=
ſund
aus dem Kriege zurückgekehrt iſt, obgleich er Tag
für Tag dem Feuer ausgeſetzt war. Tag für Tag?
rief da eine kritiſche Stimme aus dem Hintergrunde, Tag
für Tag dem Feuer ausgeſetzt? Jawohl, ſagte der
Soldat mit lauter Stimme, ich bin doch der Regiments=
koch
geweſen.

[ ][  ][ ]

Der Verhaftete erklärte, er ſei Teilhaber einer großen
deutſchen Firma geweſen, die kürzlich bankerott gemacht
habe.
London, 1. Dez. Als die drei geſtern wegen geplan=
ter
Unruhen in Aberdeen verhafteten Suffragetten
vor den Unterſuchungsrichter geführt wurden, zog die
Angeklagte Lock ihre Halbſchuhe aus und warf damit
nach dem Schreiber und dann auch nach dem R ichte r.
Eine Stimmrechtlerin, die gegen Abend Lloyd George
auf der Straße erwartete, um auf ihn einen Angriff zu
verüben, verwechſelte dieſen mit einem Geiſtlichen,
der des Weges kam. Als der Nichtsahnende die Suffra=
gette
erreichte, drehte ſich dieſe blitzſchnell um und verſetzte
ihm einen heftigen Schlag in das Geſicht, worauf ſie die
Flucht ergriff; doch konnte ſie bald erreicht und feſtgenom=
men
werden. Die Stimmrechtlerinnen führen mit großer
Hartnäckigkeit die Angriffe gegen die Londoner Brief=
käſten
fort.
Glasgow 2. Dez. Hier fielen geſtern drei Straßen=
züge
einem Rieſenbrand zum Opfer. Mehrere Ge=
ſchäftshäuſer
brannten bis auf die Grundmauern nieder.
Hunderte von Familien ſind obdachlos und mußten in
verſchiedenen Polizeibureaus einquartiert werden. Der
Schaden beläuft ſich auf über 2 Millionen Mark.
New=York, 30. Nov. Nach einer aus der Stadt Mexiko
hierher gelangten Nachricht ſind bei dem jüngſten Erd=
beben
angeblich Tauſende Menſchen umgekommen und
weitere Tauſende ſtarben durch Entbehrungen und Seu=
chen
. Ein Ueberlebender der Kataſtrophe in Acambay
erklärte, das Erdbeben habe Brunnen und Gewäſſer aus=
getrocknet
; verweſende Menſchen= und Tierleichen lägen
in den Trümmerhaufen umher.
Rio de Janeiro, 1. Dez. Heute ſtarb hier die Ge=
mahlin
des Präſidenten von Braſilien Hermes da
Fonſeca.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin 2. Dez. Haus und Tribünen ſind ſehr
gut beſucht. Präſidert Dr. K empf eröffnet 2,19 Uhr
die Sitzung. Auf der Tagesordnung ſteht die
erſte Leſung des Etats.
Der Reichskanzler v. Bethmann Holl=
weg
hielt über die auswärtige Lage folgende
Rede: Meine Herren! Bei einer Beſprechung der aus=
wärtigen
Lage ſind es die Ereigniſſe auf dem Balkan,
die zurzeit ſo ziemlich unſere ganze Aufmerkſamkeit in An=
ſpruch
nehmen. Allerdings haben die Verhältniſſe auf der
Balkanhalbinſel ſchon ſeit Jahrzehnten die Aufmerkſam=
keit
der europäiſchen Großmächte in hervorragendem
Maße beſchäftigt. Wiederholte Verſuche ſind unternom=
men
worden, die Zuſtände daſelbſt zu beſſern und zu ord=
nen
, wobei die Hauptſchwierigkeiten in der Verſchieden=
heit
der Raſſe und der Religion liegen. Bei dem Schei=
tern
aller dieſer Verſuche mußte immer wieder mit einem
gewaltſamen Ausbruch der Leidenſchaften gerechnet wer=
den
. Das Beſtreben der Regierungen der Großmächte
war darauf gerichtet, dieſen Ausbruch möglichſt lange
hintanzuhalten und ihn wenigſtens ſo lange zu verſchie=
ben
, daß er nicht zu einem Kampf aller gegen alle auf dem
Balkan und vor allem nicht zu kriegeriſchen Verwicklun=
gen
unter den Großmächten führt. Nun hatte ſich die
Stimmung zwiſchen den Balkanſtaaten im Laufe dieſes
Jahres ſo zugeſpitzt, daß der Ausbruch des Konflikts
nicht mehr zu verhindern war, trotz des eifrigen Be=
ſtrebens
der Mächte, den Frieden zu erhalten, insbeſon=
dere
mußten wir auf eine gewaltſame Löſung der Frage
gefaßt ſein, ſeitdem uns zu Beginn des Sommers be=
kannt
geworden war, daß ſich die Balkanſtaaten zu einem
Bund zuſammengeſchloſſen hätten.
Als wir den Kampf für unvermeidlich anſahen, haben
wir vor allem darauf hingewirkt, ihn zu lokaliſieren. Dies
iſt bisher gelungen, und ich kann die beſtimmte Hoffnung
ausſprechen, daß dies auch ſpäter geſchehen wird. Von
den Vorgängen auf dem Balkan ſind wir zwar nicht un=
mittelbar
berührt und in manchen Punkten ſtehen unſere
Intereſſen hinter denen der anderen Mächte zurück. Im=
merhin
ſind wir berechtigt und verpflichtet, gleich den
anderen Mächten bei der Neuregelung der Dinge, die die
Folge des jetzigen Krieges ſein wird, mitzureden, denn
an der ökonomiſchen Geſtaltung im Orient ſind wir ſehr
weſentlich direkt intereſſiert. Ich erinnere nur an die Er=
haltung
der den türkiſchen Staatsgläubigern gewährten
Sicherheiten. Außerdem werden wir bei der Regelung
mancher Fragen unſer Wort zugunſten unſerer Verbün=
deten
mit in die Wagſchale zu legen haben. Von den
Kriegführenden wird nicht beſtritten, daß bei der end=
gültigen
Löſung der Ereigniſſe die Großmächte ihre Inter=
eſſen
zur Geltung bringen können und müſſen, und auf
Grund dieſer Intereſſen zur Mitwirkung berufen ſind.
Wenn über das Maß dieſer Mitwirkung zwiſchen einzel=
nen
Großmächten und einzelnen der Krieaführenden
Meinungsverſchiedenheiten beſtehen oder entſtehen, ſo
wird den Großmächten Durchſetzung ihrer Forderungen
weſentlich erleichtert, wenn ſie ihre Forderungen gemein=
ſam
vertreten. Um dieſes zu erreichen, beſteht ein leb=
hafter
Gedankenaustauſch unter den Mächten, über den ich
nichts näheres ſagen kann, da er noch andauert, ich kann
aber ſagen, daß er bisher in entgegenkommendem Geiſte
ſtattgefunden hat, die alle Ausſicht auf Erfolg bietet. Na=
türlich
werden die Anſprüche der Mächte im einzelnen erſt
dann endgültia feſtaeſtellt und bekannt werden können,
wenn die Stipulationen vorliegen, welche die Krieg=
führenden
unter ſich getroffen haben. Dann wird zu prü=
fen
ſein, inwieweit ſie in die Intereſſenſphäre anderer
Mächte eingreifen.
Sollten ſich dabei, was wir nicht hoffen, unlösbare
Gegenſätze ergeben, ſo wird es Sache der im einzelnen
Falle direkt intereſſierten Mächte ſein, dieſe Anſprüche
zur Geltung zu bringen. Dies gilt auch für unſere Bun=
desgenoſſen
. Wenn ſie aber bei Geltendmachung ihrer
Intereſſen wider alles Erwarten von dritter Seite ange=
griffen
und damit in ihrer Exiſtenz bedroht werden ſoll=
ten
, dann würden wir, unſerer Bündnispflicht getreu, feſt

und entſchloſſen an ihre Seite zu treten haben; dann
würden wir an Seiten unſerer Verbündeten zur Wah=
rung
unſerer eigenen Stellung in Europa zur Verteidi=
gung
der Sicherheit und Zukunft unſeres Landes fechten.
Ich bin feſt überzeugt, daß wir bei einer ſolchen Politik
das ganze Volk hinter uns haben werden. Ich will noch
einmal hinweiſen auf die großen, direkten Intereſſen, die
wir bei der Löſung des Streites zwiſchen der Türkei und
den Balkanſtaaten zu vertreten haben.
Unſere Politik war ſeit langen Jahren darauf gerich=
tet
, auf gute wirtſchaftliche und politiſche Beziehungen zu
den Balkanſtaaten und der Türkei in wirtſchaftlicher Hin=
ſicht
zu halten und zu ſtärken. Wir glauben hierdurch
der Türkei manche gute Dienſte geleiſtet zu haben, ohne
daß wir dabei unſere guten Beziehungen zu den anderen
Mächten gefährdeten. Dieſe Politik, die allerdings bei
Ausbruch des türkiſcheitalieniſchen Krieges gerade bei
uns mächtig angegriffen wurde, möchte ich dahin vindi=
zieren
, daß wir uns während des Kampfes zwiſchen dem
Bundesgenoſſen und einem Freunde die Sympathien bei=
der
zu erhalten gewußt haben. Die Politik werden wir
auch weiter verfolgen. Wir hoffen, daß unſere ſeitherigen
freundſchaftlichen und regen Beziehungen zu den Balkan=
ſtaaten
durch deren zweifelloſe Erſtarkung insbeſondere
auf wirtſchaftlichem Gebiete einen neuen Aufſchwung
nehmen werden. Dabei wird unſer Streben auch ferner
dahin gehen, die Türkei nach dem Friedensſchluß als wich=
tigen
ökonomiſchen und politiſchen Faktor lebensfähig zu
erhalten.
In dieſem Wunſche und Beſtreben begegnen wir uns
nicht allein mit unſeren Bundesgenoſſen, ſondern auch
mit den anderen Mächten, die ſich mit uns die Erhaltung
einer wirtſchaftlich geſunden Türkei angelegen ſein laſ=
ſen
. Dieſes Beſtreben widerſpricht dem von der Preſſe
den Großmächten oder einzelnen derſelben vielfach unter=
ſtellten
Abſichten auf Landerwerb auf Koſten der Türkei
aus Anlaß des jetzigen Krieges. Ich kann dieſe Unter=
ſtellung
nach den bisherigen Beſprechungen als unrichtig
bezeichnen. Der lebhafte Gedankenaustauſch unter den
Großmächten dauert an, und wenn ich auch noch nicht ſagen
kann, in welcher Form er fortgeſetzt wird, ſo wird er doch
jedenfalls fortgeſetzt werden. Nach den günſtigen Ergeb=
niſſen
, die er ſchon jetzt gehabt hat und die eine allſeitig
befriedigende Einigung unter den Großmächten erwarten
laſſen. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Ledebour (Soz.): Aus dem Stillſchweigen
aller Parteien mit einer kleinen Ausnahme ziehe ich den
Schluß, daß man eine längere Ausführung des Reichs=
kanzlers
erwartet hat. Wir bedauern, daß die Regier=
ung
, trotzdem den ganzen Sommer über die Unruhe ſchon
beſtanden hat, nicht früher den Reichstag einberufen hat.
Eine ſolche Zuſammenſtellung von Gemeinplätzen und
Platituden haben wir lange nicht gehört. (v. Kiderlen=
Wächter, der neben dem Redner ſitzt, lacht ihm offen ins
Geſicht.) Aus den Ausführungen des Reichskanzlers
konnte man nicht erſehen, zu welchem Zeitpunkt Deutſch=
land
mit den Waffen in der Hand an die Seite ſeiner
Bundesgenoſſen zu treten hat. Die Oeffentlichkeit iſt da=
durch
nicht ſehr aufgeklärt worden. Seit Jahrzehnten
ſind wir gewohnt, daß die Reichsregierung und ihre Ver=
treter
in allen großen Weltfragen einen Mangel an
rechtzeitiger Erkenntnis an den Tag gelegt haben.
Deutſchland hat bei ſeinen Mißgriffen und Fehlgriffen
die reaktionäre Politik Abdul Hamids geſtützt und ge=
kräftiat
. Deutſchland träat ſomit einen großen Teil der
Mitſchuld an dem ſcheußlichen Zuſtand der Türkei. Die
deutſche Politik hat es Abdul Hamid ermöglicht, unge=
ſtraft
und ungeſtört unter den Armeniern die Metzeleien
zu veranſtalten. Auch der Verſuch, den preußiſchen Drill
dem türkiſchen Heere beizubringen, mußte notwendiger=
weiſe
ſcheitern, weil die geſamten Zuſtände das tür=
kiſche
Reich infolge des brutalen Despotismus langſam,
aber ſicher ſeiner Auflöſung entgegenführen mußten.
Auch der gute Fürſt Bülow (Heiterkeit) hatte keine Ahn=
ung
von den Vorgängen die ſich im jungtürkiſchen Lager
abſpielten. Nur das internationale, klaſſenbewußte Pro=
letariat
kann den Frieden erhalten. (Großes Gelächter.)
Die großen Maſſen, die bisher den Spielball bildeten,
haben ſich in Baſel dahin ausgeſprochen, daß ein Krieg
nur zuläſſig ſei wenn die Lebensfragen der Völker in
Frage ſtehen. Wir Sozialdemokraten ſtehen zuſammen,
die bürgerlichen Parteien aber ſind zerklüftet und ver=
treten
. . . . (Graf Weſtarp ruft: niemals euslän=
diſche
Intereſſen! Lebhaftes Sehr gut!) Sie vertreten
immer die Intereſſen des kapitaliſtiſchen Ausbeutertums,
Sie vertreten keine großen allgemeinen Weltintereſſen.
Die Intereſſen des Proletariats in Deutſchland und der
ganzen Welt ſind aber identiſch. Der Reichskanzler ſprach
von der unbedingten Bundestreue, er hat aber nicht ge=
ſprochen
von irgend einer Nachprüfung der öſterreichi=
ſchen
Forderungen. Gerade über die ſachliche Quali=
fikation
der Stellungnahme Oeſterreichs hätte ſich der
Reichskanzler des näheren ausſprechen müſſen. Die For=
derung
der Serben nach einem Zugang zur Adria er=
kennt
die Sozialdemokratie an, ebenſo das autonome
Albanien. Emanziviert ſich Oeſterreich nicht von der
magyariſchen Machtherrſchaft, verſteht es nicht die Gleich=
berechtigung
der Nationalitäten durchzuſetzen, ſo wird
über kurz oder lang der Balkanbund ein Sprengpulver
für die Doppelmonarchie. Notwendig wäre eine Kund=
gebung
des Reichstages, daß er nicht mit der den bis=
herigen
Zwiſt zwiſchen Deutſchland und England auf=
recht
erhaltenden Politik einverſtanden iſt. Es wäre ſehr
wohl möglich, eine Einſchränkung der Seerüſtungen inſo=
fern
herbeizuführen, als einer Steigerung des Marine=
budgets
in beiden Ländern Einhalt geboten würde. Der
Gedanke hat ſchon Fortſchritte gemacht, als England ein
Abkommen hinſichtlich des Seebeuterechts abzuſchließen
bereit iſt. War ſchon der Krieg in der Mandſchurei
ſcheußlich, ſo iſt es der Balkankrieg viel mehr. Deshalb
müſſen wir alle Mittel zur Aufrechterhaltung des Frie=
dens
in Anwendung bringen. Wenn die Gewalthaber
das langſame, aber raſtloſe Vorſchreiten des Sozialis=
mus
gewaltſam aufhalten wollen, dann verlieren ſie die
Zügel aus den Händen. Mit Gewaltmitteln drücken ſie
uns die Waffen in die Hand und Gewalt geht dann
wider Gewalt. Seien Sie überzeuat, der Sozialismus
iſt ein Produkt geſchichtlicher, wirtſchaftlicher Entwickel=
ung
, und er wird fortſchreiten zum Glücke der ganzen
Menſchheit.
Staatsſekretär v. Kiderlen=Wächter: Gegen
zwei Fälle in der Rede des Abg. Ledebour muß ich Ver=

wahrung einlegen. Er hat Angriffe erhoben auf einen
uns gut befreundeten Herrſcher eines großen Nachbar=
reiches
, mit dem wir in Friede und Freundſchaft leben.
Ich weiſe dieſe Angriffe hier zurück und bin überzeugt,
daß die Mehrheit dieſes Hauſes mir zuſtimmt. Dann
ſagte der Abgeordnete Ledebour, die Regierung vernach=
läſſige
ihre Beziehungen zu England und macht uns den
Vorwurf, als könnten ſie bei unſerem Willen um vieles
beſſer ſein. Das iſt gerade ſo, als ob wir die Freundſchaft
Englands abweiſen würden. Dieſe Aeußerungen ſind
mir ein willkommener Anlaß, hier einmal auszuſprechen,
daß während der ganzen letzten Kriſe zu England ganz
beſonders freundliche Beziehungen beſtanden. (Hört!
hört!) Die von vollem Vertrauen getragenen Verhand=
lungen
haben eine Klärung der ganzen Situation in je=
der
Beziehung hervorgerufen. Sie haben der Verſtändi=
gung
aller Mächte gute Dienſte geleiſtet und ich gebe der
beſtimmten Erwartung Ausdruck, daß dies auch fernerhin
ſo ſein wird. Abg. Spahn (Zentr.): Die Aeußerungen
des internationalen Friedenskongreſſes haben auf die
Geſtaltung der Verhältniſſe keinerlei Einfluß gehabt. Im
Falle Oeſterreich=Ungarns würde es ſich um einen De=
fenſivkrieg
handeln, deshalb müſſen wir uns auf Oeſter=
reichs
Seite ſtellen. An der Entwicklung des Krieges auf
dem Balkan haben wir inſofern Intereſſe, daß die dortigen
wirtſchaftlichen Verhältniſſe durch Bahnbauten gebeſſert
werden und daß der Weltmarkt in Kleinaſien ſtets eine
offene Tür hat. Daß die Lage heute ſich einigermaßen
beſſer darſtellt, iſt zurückzuführen auf die guten Handlun=
gen
der deutſchen Diplomatie. Abg. Graf v. K anitz
(konſ.): Mit dem Kapitalismus und dem Ausbeutertum
haben die letzten Kriege nichts zu tun. (Widerſpruch bei
den Sozialdemokraten.) Seien wir einig, dann haben wir
Frieden und ſind ſicher vor jedem Feind. Neues hat der
Reichskanzler in ſeiner Rede nicht geſaat, aber lange Re=
den
beſſern auch nicht die Situation. Unſere Handelsbe=
ziehungen
zu der Türkei ſind noch ziemlich bedeutend, des=
halb
haben wir auch ein großes Intereſſe an ruhigen Ver=
hältniſſen
. Soll der Friede gewahrt werden, ſo müſſen
wir unſere Rüſtung zu Waſſer und zu Lande intakt halten
und ſind noch Lücken vorhanden, uns bemühen, ſie ſchleu=
nigſt
zu beſeitigen. Wir ſind überzeugt, daß das Volk
bereit iſt, ſich freudia zu erbeben, wenn es keinen Frieden
in Ehren gibt. Aba. Baſſermann (natlib.): Die
Erklärung des Reichskanzlers erkennen wir freudig an
und die Ausführungen werden ſicher mit Befriedigung
auch in ganz Deutſchland aufgenommen werden. Unſere
guten Beziehungen zu der Türkei verdanken wir unſerem
unvergeßlichen Botſchafter Freiherrn von Marſchall. Wir
haben noch heute ein ſtarkes Intereſſe daran, den türki=
ſchen
Körper lebensfähig zu erhalten. Wir begrüßen auch
die Erklärung, daß tunlichſt erſt eine Stipulation
unter den am Kriege beteiligten Staaten erfolgt und daß
dann erſt die Mächte mit ihren Forderungen auftreten.
Auch begrüßen wir, daß Oeſterreich=Ungarn für ſeine For=
derungen
zunächſt ſelbſt einzutreten hat und daß Deutſch=
land
Oeſterreich nur bei Uebergriffen zu verteidigen habe.
Dieſe Politik erkennen wir an Die Beſſerung unſerer
Beziehungen zu Enaland und Frankreich können wir durch=
aus
begrüßen, möchte aber dennoch empfehlen. zunächſt
eine abwartende Haltung einzunehmen. (Lebhaftes Sehr
richtig!) Die maßloſen Angriffe der ſozialdemokratiſchen
Preſſe auf Oeſterreich=Ungarn ſind ungehörig, ſie ſind
unziemend. Wiederholt war in letzter Zeit der Friede
bedroht, deshalb müſſen wir für die Mobilmachung be=
reit
ſein. Wir billigen die jetzige Balkanpolitik, und daß
wir Oeſterreich=Ungarn treu zur Seite ſtehen. Wir hoffen,
daß es gelingen möge den Frieden zu erhalten. Abg.
Schultz=Brombera (Reichsvt.): Es iſt zu bearüßen, daß
anläßlich der Balkankriſe der Dreibund eine ſo entſchiedene
Haltung eingenommen hat. Wir billigen eine kraftvolle
Politik, die auch vor dem Ernſten nicht zurückſchreckt
Wir ſtehen jetzt beſſer da, als Frankreich, das doch eine
bürgerliche Diplomatie hat, die ſtets das Ideal der So=
zialdemokraten
war. Nach einigen perſönlichen Bemer=
kungen
der Abgeordneten Erzberger und Lede=
bour
wird die Sitzung vertaat.
Nächſte Sitzuna: Dienstaa pünktlich 1 Uhr. Ta=
gesordnung
: Fortſetzung der Debatte, vorher kleine An=
fragen
. Schluß ½7 Uhr.

Der Balkankrieg.

Zur Lage.
* Berlin, 1. Dez. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung ſchreibt in ihrer Wochenrundſchau: Die abge=
laufene
Woche brachte aus verſchiedenen Hauptſtädten
Meldungen über die Anzeichen einer Entſpannung
der internationalen Lage. Die Stellung der
Mächte zu den durch den Balkankrieg aufgeworfenen Fra=
gen
beginnt ſich zu klären. Was die deutiche Politik be=
trifft
, ſo werden die Erklärungen des Reichskanzlers bei
der erſten Leſung des Etats abzuwarten ſein.
* Wien, 1. Dez. Das Fremdenblatt ſtellt feſt, daß
die im Auslande in hohem Maße beſtehende Zuverſicht,
daß die internationale Lage keine weite=
ren
Komplikationen erleiden werde, ſich haupt=
ſächlich
auf die kaltblütige und ruhige, jedem Abenteuer
abholde Friedenspolitik ſtütze, die Oeſterreich=
Ungarn während der jetzigen Kriſe verfolgte. Dieſe Auf=
faſſung
decke ſich mit derjenigen, die in Oeſterreich=Ungarn
herrſche, die ſich aber darauf ſtütze, daß Oeſterreich=Ungarn
überzeugt ſei, Europa werde erfüllen, was Oeſterreich=
Ungarn als Minimum für die Sicherung ſeiner vitalen
Intereſſen anſtrebe.
* Belgrad 30. Nov. In maßgebenden ſerbiſchen
Kreiſen beginnt ſich die Auffaſſung durchzuringen,
daß mit Rückſicht auf die Stellungnahme der Großmächte
zur albaneſiſchen Frage der in derſelben von Serbien ur=
ſprünglich
eingenommene Standpunkt nicht mehr oppor=
tun
erſcheine und daß demnach das Intereſſe Serbiens ein
weſentliches Einlenken dieſer Frage erfordere.
* Bukareſt, 1. Dez. Soweit die hieſige ernſte
Preſſe die Anweſenheit des öſterreichiſch=ungariſchen Ar=
meeinſpektors
, General der Infanterie Freiherrn von
Hoetzendorff, kommentiert, erblickt ſie darin einen
neuen Beweis des freundſchaftlichen Wider=
halls
, den die Intereſſen Rumäniens bei der Monarchie
finden. Insbeſondere wird das große Anſehen des
Ueberbringers des allerhöchſten Handſchreibens hervor=
gehoben
, der auf die rumäniſchen Staatsmänner und die
Spitzen der Armee, die er noch nicht kannte, einen ausge=
zeichneten
Eindruck machte. Angeſichts einer gewiſſen
Unrube, welche die Miſſion des Armeeinſpektors in der
bieſiten öffentlichen Meinung hervorehrufen hat, leclt
man Wert darauf, zu betonen, daß in ihr ein neuer
Schritt in den Bemühungen zu erblicken iſt, die auf eine
friedliche Wendung der volitiſchen Lage abzielen.
Die Friedensverhandlungen.
* Sofia, 1. Dez. Heute fand keine Zuſam=
menkunft
der Bevollmächtigten für den

[ ][  ][ ]

fenſtillſtand vor Tſchataldſcha ſtatt, da die von den grie=
ſchiſchen
Delegierten erwarteten Inſtruktionen ihrer Regie=
rung
nicht eingetroffen ſind.
* Konſtantinopel, 1. Dez. Reſchid Paſcha
und Ferid Paſcha ſind heute morgen nach Tſchataldſcha
abgereiſt, um das Waffenſtillſtandsprotokoll
zu überbringen. Es verlautet, daß die Unterzeichnung
auf morgen oder übermorgen vertagt werden dürfte, um
auch den griechiſchen Bevollmächtigten, die an den Ver=
handlungen
nicht teilgenommen haben, zu ermöglichen,
Inſtruktionen über die Zernierung von Janina einzu=
holen
. Man erwartet heute die Genehmigung des Proto=
kolls
durch den bulgariſchen Miniſterrat.
* Konſtantinopel, 2. Dez. Offiziell wird er=
klärt
: Die Unterzeichnung des Waffenſtilll=
ſtandsprotokolls
verzögert ſich infolge einer noch
hinzugefügten Aenderung. Außer den bereits gemeldeten
Bedingungen ſetzt das Protokoll die Blockade für die Häfen
und Inſeln feſt. Falls die Friedensverhandlungen, die
unmittelbar beginnen, ſcheitern, ſollen die Feindſeligkeiten
48 Stunden ſpater wieder beginnen.
* Sofia 1. Dez Die von den Alliierten erhobenen
Kriegsentſchädigungs=Anſprüche ſollen
1200000 000 Francs betragen.
* Konſtantinopel, 1. Dez. Die Unterzeichnung
des Waffenſtillſtandsprotozolls ſoll am Diens=
tag
vormittag erfolgen. Es heißt, die Regierung wolle
dann ein Manifeſt an das Volk veröffentlichen. Die ver=
einbarten
Bedingungen wurden im vorgeſtrigen Miniſter=
rat
, der von 11 bis 2 Uhr dauerte, ſchriftlich fixiert. Der
Wortlaut des Protokolls iſt in franzöſiſcher und türkiſcher
Sprache abgefaßt. Ueber den Inhalt liegt noch keine
amtliche Mitteilung vor, doch verlautet zuverläſſig, daß
das Uebereinkommen die folgenden vier Punkte enthalte:
1. Es tritt ein Waffenſtillſtand von 14 Tagen ein; 2. die
Armee verbleibt in ihren Stellungen; 3. beide Parteien
verpflichten ſich, keine Befeſtigungsarbeiten vorzunehmen,
keine Truppen und keine Munition heranzuziehen; 4.
Adrianopel und Skutari werden 14 Tage lang verprovian=
tiert
in der Weiſe, daß ſie täglich für einen Tag ausrei=
chende
Lebensmittel erhalten. Es verlautet außerdem,
daß auch über die Grundlinien des Friedensvertrages
bereits bei der Vorbeſprechung eine Einigung erzielt wor=
den
ſei. Der endgültige Friedensſchluß ſei daher ſpäte=
ſtens
mit Ablauf der Waffenſtillſtandsfriſt, alſo in 14
Tagen, zu erwarten.
Sonſtige Meldungen.
* Rjeka, 1. Dez. Der König iſt in Begleitung
ſdes Kronprinzen Danilo, der ſich wieder erholt hat,
geſtern im Stabsquartier in Gruda eingetroffen. Er
richtete an die Truppen eine Anſprache, beſichtigte die
Stellungen und traf Anordnungen über die Aufſtellung
der Angriffskolonnen. Im Laufe des Nachmittags
wurde Skutari aus ſchweren Geſchützen zwei Stunden
lang beſchoſſen. Die Geſchoſſe fielen mitten in die
Stadt.
* Athen, 2. Dez. Nach amtlicher Feſtſtellung wur=
den
in Saloniki 25000 türkiſche Soldaten und 1000
Offiziere gefangen. 70 Kanonen, 30 Maſchinengewehre,
1200 Pferde, 800 Laſttiere und 75000 Gewehre ſind er=
beutet
worden.
HB. Paris, 2. Dez. Echo de Paris hat von ſeinem
Korreſpondenten auf dem Kriegsſchauplatz die Nachricht
erhalten, daß eine Zuſammenkunft der Herr=
iſcher
der vier Balkanſtaaten und ihrer leiten=
den
Miniſter unmittelbar bevorſtehe. Die Konferenz iſt
in Ausſicht genommen, um alle mit den Friedensver=
handlungen
zuſammenhängenden Fragen zu regeln, ins=
beſondere
, um eine Einigung über die Verteilung der er=
oberten
Gebiete herbeizuführen.
* Paris, 2. Dez. Der Matin meldet, daß Kron=
prinz
Danilo von Montenegro während des Bom=
bardements
der türkiſchen Stellungen vor Skutari
ſchwer verwundet wurde. Sanitätsſoldaten tru=
gen
den Prinzen aus der Gefechtslinie in ein Feldlaza=
rett
, wo er operiert wurde.
* London, 2. Dez. Die Times meldet aus Ce=
tinje
: Nachrichten aus Quellen, die keiner antiſer=
biſchen
Tendenz verdächtig ſind, beſtätigen be=
dauerlicherweiſe
die Gerüchte über die Härte der Re=
preſſalien
, die die ſerbiſche Nachhut gegen die Albanier
ergriffen hat. Die Times meldet ferner aus Saloniki:
Mazedonien iſt getränkt mit dem Blute unſchuldiger
Opfer. Es iſt notoriſch, daß die Bulgaren ſich reichlicher=
weiſe
der Komitatſchis bedienten. Da ſie ſelbſt alle ver=
fügbaren
Truppen nach Thrazien ſchicken mußten, ſo
überließen ſie das eroberte Mazedonien der Gnade ihrer
blutbefleckten Hilfskräfte. Das Ergebnis zeigt ſich in
den Ereigniſſen von Kawala und Serres und an dem
ſenormen unterſchiedsloſen Schlachten, das vor ſich ging,
beſonders im Bezirk Avret Hiſſar, wo keinem einzigen
Mohammedaner das Leben gelaſſen wurde. Auch De=
deagatſch
iſt der Schauplatz ſcheußlicher Szenen geweſen.
Mohammedaniſche Banden haben ihrerſeits zu der all=
gemeinen
Vernichtung beigetragen. Die Metzeleien in
(Kawala ſind durch Armenier verübt worden, die ſich der
bulgariſchen Armee als Freiwillige angeſchloſſen hatten
Das Motiv war offenbar, die Metzeleien von Adana zu
rächen.
Letzte Nachrichten.
Konſtantinopel, 2. Dez. Wie hier neuer=
dings
verlautet, ſoll der Waffenſtillſtand bis zum
Abſchluß des Friedens dauern. Er beginnt vom
Tage der Unterzeichnung des Waffenſtillſtands=Protokolls.
Falls zwiſchen den Delegierten keine Einigung zuſtande
kommt, ſoll der Waffenſtillſtand 48 Stunden vorher ge=
kündigt
werden. Das Protokoll über den Waffenſtill=
ſtand
enthält außer den gemeldeten Bedingungen noch
den Paſſus, daß die Blockade der blockierten Inſeln und
(Häfen aufgehoben wird. Jeune Turque zufolge iſt
der Grund der Vertagung für die Unterzeichnung des
Protokolls auf Dienstag darin zu ſuchen, daß die
Balkanſtaaten hoffen, bis Dienstag Adrianopel zu er=
obern
und mit dieſem kait accompli vor die türkiſche Re=
gierung
treten zu können. Dieſe Hoffnung ſcheint aller=
dings
wenig begründet zu ſein, da, dem Ikdam zufolge,
aus Adrianopel chiffriert gemeldet wird, daß die Ver=
teidiger
ihren Pflichten gut nachkommen und daß ſeit
8 Tagen keine neuen Angriffe ſtattfanden.
* Sofia, 2. Dez. Um der Auffaſſung entgegenzu=
treten
, daß die Griechen zuerſt in Saloniki einge=
zogen
ſind, wird ein amtlicher Bericht des Armeekom=
mandeurs
Theodoroff veröffentlicht: Am 26. Oktober,
alten Stils, morgens 4 Uhr, befand ich mich an der Spitze
der Armee zwiſchen den Dörfern Juvezna und Aiwatovo.
Während einer Rekognoszierung wurde die Kavallerie
von einer feindlichen Batterie beſchoſſen. Ich erwiderte
das Feuer. In dieſem Moment verſtändigte mich der
Kommandeur einer griechiſchen Kavalleriebrigade, daß die
Griechen am nächſten Tage angreifen würden. Wir be=
ßimmten
eine gemeinſame Stunde zum Angriff am näch=

ſten Tage. Der griechiſche Kommandeur verſprach, un=
ſeren
Beſchluß ſofort dem griechiſchen Kronprinzen, ſeinem
Höchſtkommandierenden, mitzuteilen. Meine Armee trat
den Vormarſch gegen die feindliche Stellung an. Der Geg=
ner
eröffnete gegen die Infanterie ein heftiges Feuer.
Unſere Geſchütze brachten aber die feindlichen zum Schwei=
gen
und unſere Infanterie vertrieb die feindliche In=
fanterie
. Ich leitete die Verfolgung des Gegners ein und
näherte mich Saloniki. In dieſem Augenblick verſtändigte
mich der Kronprinz, daß ſich die Türken ergeben hätten,
obgleich ich mit den Türken keinen Kapitulationsvertrag
unterzeichnet hatte und mir die Bedingungen der Kapi=
tulation
unbekannt waren. Ich habe mich jedoch der Mit=
teilung
des Kronprinzen, unſeres Verbündeten, unterge=
ordnet
und hielt die Armee drei Kilometer vor Saloniki
auf. Die Griechen befanden ſich 17 Kilometer entfernt
am Wardar hinter meiner Armee. Eine meiner Eskadrons
ritt in Saloniki ein; von meinem Standpunkte aus konnte
ich ſehen, wie die Türken mit aus Saloniki kommenden
Bahnzügen in der Richtung auf den Wardar entſandt
wurden, um zwei Bataillone Griechen in die Stadt zu
führen. Während meine Armee allein vor Saloniki
kämpfte, unterhandelten die Griechen 17 Kilometer von
Saloniki entfernt mit den Türken. So ergaben ſich dieſe,
von unſeren Waffen bezwungen, den Griechen, da dieſe
günſtige Bedingungen ſtellten. Ein Teil der bulgariſchen
Armee rückte zuerſt in Saloniki ein, während der andere
Teil am 28. Oktober gemeinſam mit den Griechen einzog.
Die Prinzen Boris und Kyrill rückten an der Spitze zweier
Bataillone und einer Eskadron am 29. Oktober feierlich
in Saloniki ein, alſo einen Tag ſpäter als der griechiſche
Kronprinz, aus Achtung vor dem Kronprinzen, der älter
iſt als der unſere. Der Kronprinz und wir marſchierten
mit dem Wappen der Griechen ohne Schwertſtreich ein,
indem ſie die Erfolge unſeres Kampfes ausnutzten. Das
iſt die Wahrheit über die Einnahme von Saloniki.
Peſt, 2. Dez. Staatsſekretär Sandor Jeſensky
gab heute beruhigende Erklärungen über
die Lage. Er beſtätigte, daß ſie ſeit geſtern weniger
bedenklich erſcheine. Heute wird der Beſuch des ruſſi=
ſchen
Botſchafters von Giers in Wien am Ballplatz er=
wartet
, der die Komplikationen beenden dürfte.
* Durazzo, 2. Dez. Eine Abteilung ſerbiſcher
Truppen beſetzte hier die italieniſche Schule
und befindet ſich noch dort. Der italieniſche Konſul unter=
nahm
die erforderlichen Schritte.

Vermiſchtes.

Der drahtlos lenkbare Ballon. Tag=
täglich
faſt ſchenkt uns die unermüdlich vorwärtseilende
Technik neue Offenbarungen, und doch ſtehen wir ſtets
von neuem verblüfft und erſtaunt da vor Ueberraſchun=
gen
, die ſie erdenkt. Das lenkbare Luftſchiff haben wir
alle ſeinen Siegeszug durch die Welt machen ſehen, die
markige Geſtalt Zeppelins am Steuerruder des Luft=
kreuzers
iſt in das Herz unſerer Kinder gewachſen. Nun
aber kommt ein Ingenieur auf den Gedanken, das Luft=
ſchiff
unbemannt zu laſſen, es vom Erdboden her, aus
irgend einem verborgenen Winkel heraus, zu ſteuern.
Die geheimnisvollen Kräfte der Aetherwellen, deren
Macht und tief verborgene Zauberformel er ſtudiert und
begriffen hat, dienen ihm dazu, dem Luftſchiff ſeinen
Herrſcherwillen aufzuzwingen, ohne daß ein ſichtbarer
Kontakt zwiſchen ihm und dem Luftſchiffe beſteht. Der=
ſelbe
Funke, der drahtlos von Kontinent zu Kontinent,
von Ozeandampfer zu Ozeandampfer Telegramme ſendet,
iſt in fein erdachter Weiſe verſtärkt, für verſchiedene
Empfangsſtellen abſchattiert, läßt Elektromotore angehen
und ſtilleſtehen, je nach dem ſie abgeſtimmt ſind, und ſetzt
ſo Schrauben in Bewegung, die je nach dem das Luft=
ſchiff
vorwärts, ſeitwärts, hoch und tief ſteuern. Ein
unſagbar ſchönes, eindrucksvolles, überwältigendes
Schauſpiel offenbart ſich dabei dem ſprachlos ſtaunenden
Menſchen. Es iſt, als ob dieſes ſilberglitzernde Luftſchiff
von geheimnisvollen Geiſterhänden gelenkt, von unſicht=
baren
Mächten getrieben, ſeine Bahnen dahinſchwebt,
indes drunten, von elektriſchen Starkſtromfunken um=
ſchwirrt
, der geniale Ingenieur mittels eines Finger=
druckes
dem Luftſchiff ſeine Wege vorſchreibt. Mehr als
das: der Ingenieur Bohle, der Erfinder dieſes unbemann=
ten
Ballons, drückt auf einen Knopf ſeiner Taſtatur, und
aus der Gondel des Luftſchiffes fallen explodierend die
Wurfbomben. Die koloſſale Tragweite einer derartigen
Erfindung für die Praxis des Kriegsweſens liegt auf
der Hand. Vom verborgenen und geſchützten Orte aus
können derartige Ballons über die feindlichen Stellun=
gen
dirigiert, dort die Geſchoſſe zur Exploſion gebracht
werden, ohne daß auch nur ein einziges Menſchenleben
der geringſten Gefahr ausgeſetzt wird. Die Waffe des
Zukunftskrieges iſt dieſer drahtlos lenkbare, unbe=
mannte
Ballon von der militäriſchen Kommiſſion ge=
tauft
worden, die die geniale Erfindung des Ingenieurs
Bohle in Berlin prüfte. Der Zirkus Sarraſani
in Frankfurt a. M., der den Ingenieur Bohle zur Vor=
führung
ſeiner Erfindung innerhalb ſeiner Vorſtellungen
mit Aufwendung außerordentlicher Unkoſten gewann,
bringt hier eine beſonders aktuelle Darbietung, die
wegen ihrer imponierenden Schönheit ihren Reiz auf
das Publikum nicht verfehlen wird, deren wiſſenſchaft=
licher
Wert noch keineswegs hoch genug angeſchlagen
werden kann.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung: für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Das Ausländertum an der Darmſtädter
Hochſchule.
Im Anſchluß an die erſte, unter gleicher Ueberſchrift
erſchienene Veröffentlichung der Unterfertigten, die eine
Orientierung der Oeffentlichkeit in dieſer Frage bezweckte,
ſind von verſchiedener Seite Aeußerungen in der Preſſe
laut geworden. Unterfertigte lehnen es im Sinne einer
ſachlichen Erledigung dieſer Frage eb, in eine Preß=
debatte
darüber einzutreten. Sie werden aus dieſem
Grunde den Aeußerungen von freiſtudentiſcher Seite an
geeignetem Orte entgegentreten und ebenſo der Tolſtoi=
Leſehalle ihre Irrtümer berichtigen. Zur Erzielung poſi=
tiver
Beſſerungen in dieſer Frage werden ſie den Hoch=
ſchulbehörden
ihre Anſichten und Wünſche unterbreiten.
Die Darmſtädter Korporationen (mit Ausnahme
einer Verbindung).

Darmſtadt, 3. Dezember.
-g. Diner bei Staatsminiſter Ewald. Geſtern abend
fand beim Staatsminiſter Dr. Ewald Exz. ein Diner
ſtatt, an dem das Großherzogspaar, Graf zu Er=
bach
=Fürſtenau, Prinz zu Erbach=Schönberg, Prinz =
wenſtein
=Wertheim=Freudenberg, der engliſche und der
ruſſiſche Geſandte, ſowie die Miniſter Braun und von
Hombergk zu Vach teilnahmen.

St. Vortrag. Kinderhandel in Europa war
das Thema eines Vortrages, den geſtern abend Schweſter
Henriette Arendt, die frühere Stuttgarter Polizei=
Aſſiſtentin, vor einem recht zahlreichen Publikum vor=
nehmlich
Damen auf Veranlaſſung des Vereins für
Frauenſtimmrecht hielt. Die Vorſitzende des Vereins,
Frl. Walz, leitete den Abend mit einer Anſprache ein,
in der ſie kurz die Gründe und Ziele der Frauenſtimm=
rechtsbewegung
darlegte, die darin gipfeln, die Frau in
und außer dem Hauſe neben den Mann zu ſtellen.
Die Rednerin des Abends, Schweſter Henriette
Arendt, führte in großen Zügen wiedergegeben, etwa
folgendes aus: Seit Jahren kämpft man zielbewußt mit
mehr oder weniger Erfolg gegen den Mädchenhandel. Viel
größer als das Elend der weißen Schweſtern, iſt das
Elend der kleinen weißen Sklaven, der Kinder. Wenn auch
verhältnismäßig ſelten einmal eine Gerichtsverhandlung
Bilder entrollt von den Qualen und dem Elend, denen
die Kinder, meiſt Kinder der Liebe ausgeſetzt ſind, ſo
blüht doch der Kinderhandel in Europa in erſchreckendem
Maße. Es ſind im weſentlichen vier Arten von Kinder=
handel
bekannt, das ſind die Engelmacherei, Verkauf oder
Verſchenkung von Kindern im Allgemeinen, Ausnutzung
der Kinder zu Unzuchtszwecken, Verkauf oder Vermietung
von Kindern an Bettler, Diebe und anderes Geſindel. An
Hand von Gerichtsurteilen, behördlichen Feſtſtellungen
und ſonſtigem Beweismaterial aus der Praxis entrollte
die Rednerin aus all den vier Kapiteln ſodann erſchreckende
und erſchütternde Bilder, deren Wiedergabe an dieſer
Stelle ſich von ſelbſt verbietet. Wie die Vortragende dar=
legt
, werden dieſe Miſſetaten viel zu gering beſtraft, zu=
mal
das deutſche Strafgeſetzbuch den Kinderhandel als
Strafdelikt gar nicht kennt. Ihre Feſtſtellungen haben er=
geben
, daß aus Frankreich, Deutſchland, Belgien und
Luxemburg monatlich 3000 Kinder (!) verhandelt werden,
oder doch wenigſtens zu ſolchen Zwecken zur Verfügung
ſtehen. In Berlin hat die Vortragende einen ſchwung=
haften
Kinderhandel feſtgeſtellt, ebenſo in Frankfurt und
anderen Orten. Die deutſchen Behörden tun faſt nichts,
dieſem Elend zu ſteuern, die Kinder, das koſtbarſte Gut
der Nation, ſind in dieſer Beziehung faſt ſchutzlos.
Die Ausführungen der Vortragenden, die ſich die
Fürſorgetätigkeit und die Aufklärungsarbeit auf dieſem
Gebiete zur Lebensaufgabe gemacht, waren von dem
Ernſt dieſer Aufgabe getragen und von tiefer Wirkung.
Zur Abhilfe wurden gefordert die Einrichtung ſtaatlicher
Kinderhorte, Ausdehnung der Mutterfürſorge, Beſtrafung
des offenen und verſteckten Kinderhandels uſw. Zwölf=
hundert
und drei Kinder hat die Vortragende dem Elend
durch ihre Tätigkeit entriſſen. Mit einem warmen Appell
um Unterſtützung ihrer Arbeit ſchloß die Rednerin, der
Frulein Walz den herzlichſten Dank der Verſammlung
ausſprach. An den Vortrag ſchloß ſich eine Diskuſſion.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Karlsruhe, 2. Dez. Der Großherzog und die
Großherzogin haben ſich um 11 Uhr im Automobil
zum Empfange des Kaiſers nach Baden=Baden be=
geben
. Die Großherzogin wird morgen, der Großher=
zog
übermorgen nach Karlsruhe zurückkehren.
* Baden=Baden, 2. Dez. Der Kaiſer iſt im Son=
derzug
1 Uhr 28 Minuten nachmittags hier eingetroffen.
Am Bahnhof hatten ſich eingefunden die Kaiſerin, das
Großherzogspaar, Großherzogin Luiſe, Prinz Max
von Baden und der preußiſche Geſandte von Eiſendecher.
Nach herzlicher Begrüßung fuhren die Herrſchaften nach=
dem
Schloſſe.
* Baden=Baden, 2. Dez. Der Kaiſer und die Kai=
ſerin
ſind 5,20 Uhr nachmittags wieder mittels Sonder=
zuges
abgereiſt. Zur Verabſchiedung hatten ſich das
Großherzogspaar und Großherzogin Luiſe, ſowie die
Spitzen der Behörden eingefunden.
* London, 2. Dez. Die Times meldet aus Delhi:
Die Regierung weiß nichts von dem gemeldeten
Anerbieten indiſcher Fürſten von einem Beitrag
für die engliſche Flotte. Jedenfalls hat keine ge=
meinſame
Aktion ſeitens der Fürſten ſtattgefunden, ob=
wohl
möglicherweiſe ein einzelner Fürſt Anregungen ge=
macht
haben mag. Das Anerbieten von drei Dread=
noughts
und drei Kreuzern iſt eine Groteske, da die Für=
ſten
zur Reichsverteidigung durch die Erhaltung ſpe=
zieller
Truppen beitragen.

Berlin, 2. Dez. Ein der Luftſchiffer=Abteilung ge=
höriger
, auf dem Tegeler Schießplatz benutzter Drachen=
ballon
riß ſich infolge des Sturmes los. Er ging
bald danach bei Blankenfelde nieder.
Berlin, 2. Dez. In Reichstagskreiſen wird
bekannt, daß, was ja auch nach manchen Nachrichten der
letzten Zeit nicht zu bezweifeln war, der Dreibund
erneuert worden iſt. (Frkf. Ztg.)
Werder a. H., 2. Dez. In der Nähe von Werder
wurde heute vormittag ein Bauernfuhrwerk von einem
von Brandenburg kommenden Eilzug überfahren.
Der Kutſcher konnte ſich retten, die Pferde wurden
getötet und der Wagen zertrümmert. Die Schranken
ſollen angeblich nicht geſchloſſen geweſen ſein.
Königsberg i. Pr., 2. Dez. Der Finanzſchriftſteller
und Statiſtiker Profeſſor Richard Siegfried iſt im
Alter von 67 Jahren hier geſtorben. Trotz ſeines Alters
und trotzdem er ſchwerhörig und völlig erblindet war,
ſetzte er ſeine literariſche Tätigkeit bis in die letzten Jahre
fort.
London, 2. Dez. Samstaa früh wurde im Hloons=
buryviertel
eine junge Varrietékünſtlerin namens Maki=
toſch
von einer Negerfrau erſchoſſen, mit deren Mann
die Künſtlerin ein Verhältnis hatte. Die Negerin ver=
ſuchte
auch ihren Mann zu erſchießen, doch verſagte die
Waffe. Die Täterin wurde verhaftet.

Wenn das so weiter geht, leg ich mich nieder
und laſſe einfach alles im Stich. So bös er=
kältet
bin ich noch nie geweſen, und der Tee, der
mir immer geholfen hat, verſagt total. Aber
wer wird ſich dann hinlegen! Ich nehme in
ſolchen Fällen einfach Fays Sodener Mineral=
Paſtillen, die ich in irgend einer Apotheke oder
Drogerie für 85 Pfg. kaufe, und ich habe noch
immer gefunden, daß ſie bei derartigen Zu=
ſtänden
ganz ausgezeichnet wirken. (247360f

Auf kaum über 1 Pfennig ſtellt ſich eine Taſſe
Een
SARehs JEEL (96172f
Dieſe vorzügliche und durch ihre Ausgiebiakeit im Ge=
brauch
ſo billige Teemiſchung vorzugsweiſe britiſch=
indiſcher
Teeſorten iſt zum täglichen Genußganz
beſonders geeignet. Das 125 Gr.=Paket 90 Pfg.
(½ Ko.=Paket Mk. 3.50). Moriz Landau, Fernſprecher 116.

[ ][  ][ ]

WVerein für das Deutschtum im Ausland (L. V.)
(Allg. Deutscher Schulverein).
Deutsches Fest
Mittwoch, den 4. Dezember 1912.
Eintrittspreise für Mitglieder: Sperrsitz, nume-
rierter
Sitz in der vorderen Reihe der Estrade u. Galerie
Mk. 3., numerierter Sitz im Saal und in den übrigen
Reihen der Estrade und Galerie Mk. 2., Stehplatz
Mk. 1., für Nichtmitglieder: Sperrsitz, numerierter Sitz
Ein der vorderen Reihe der Estrade und Galerie Mk. 4..
umerierter Sitz im Saal und in den übrigen Reihen der
Estrade und Galerie Mk. 3., Stehplatz Mk. 1.50. Nach
*10 Uhr werden Eintrittskarten an der Kasse für Mit-
Kglieder zu Mk. 1.50 und für Nichtmitglieder zu Mk. 2.
verkauft.
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obere Wilhelminenstrasse 29.

Der heutigen Nummer unſeres Blattes liegt
ein Weihnachtsproſpekt der altbekannten Firma
Julius Obernzenner in Frankfurt a. M. bei. Es
empfiehlt ſich, bei Einkäufen ſich dieſes Proſpektes
zu erinnern.
(VI24755

Familiennachrichten.

Ein gesundes
MADCHEN
angskommen.
Henry Spanier u. Frau.
(*13204

Für die uns beim Heimgang unſerer lieben
Schweſter, Schwägerin und Tante
(24747
Frau Luise Molter
erwieſene Teilnahme ſagen wir herzlichſten Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, 2. Dezember 1912.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
an dem mich ſo ſchwer betroffenen Verluſte ſage
ich auf dieſem Wege, beſonders Herrn Pfarrer
Marx für ſeine troſtreiche Grabrede, ſowie den
Stammgäſten der Reſtauration Grohe und allen
Bekannten und Freunden meinen herzlichſten Dank.
Der tieftrauernde Gatte:
Guſt. Geyer, Kahlertſtraße 51.
Darmſtadt, den 2. Dezember 1912. (*13234

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Ueber den Kontinent breitet ſich von Südweſten her
hoher Druck aus. Ueber Skandinavien liegt eine ſtarke
Depreſſion, die ein Randtief nach der Nordſee entſendet.
Bei weſtlichen Winden herrſcht bei uns trübes Wetter.
Niederſchläge fielen verbreitet, doch nur in geringer
Menge (vielfach als Schnee). Wir werden morgen unter
dem Einfluß des Hochs ſtehen, ſo daß wir trübes
Wetter, doch keine erheblichen Niederſchläge zu erwarten
haben.
Ausſichten für Dienstag, den 3. Dezember:
Wolkig, keine erheblichen Niederſchläge, kühler.

Tageskalender.
Großh. Hoftheater (Ab. B), Anfang 7 Uhr:
Grigri
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Experimentalvortrag von Dipl.=Ing. Dr. Kauf=
mann
um 8¼ Uhr im Kaiſerſaal (Allg. Deutſcher
Frauenverein und Volksbildungsverein).
Hauptverſammlung des Nationalliberalen Ver=
eins
um 8½ Uhr im Reſtaurant Sitte.
Konzerte: Hotel Heß um 3 Uhr. Bürgerkeller um
8 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23): Von
der Hofjagd in Springe: der deutſche Kaiſer im Ge=
ſpräch
mit dem Erzherzog Franz Ferdinand von Oeſter=
reich
; zum Fall Prohaska; Mannſchaften vom Panzer=
kreuzer
Goeben als Wache im deutſchen Botſchafts=
gebäude
in Konſtantinopel; von den Kämpfen um die
Tſchataldſchalinie: türkiſche Schützen erwarten einen
bulgariſchen Vorſtoß in den Schützengräben bei
Hademkoej.
Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 4. Dezember.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 11 Uhr
Rundeturmſtraße 16.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 2 Uhr Wald=
ſtraße
54.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 3 Uhr in
der Ludwigshalle‟.
Kunſthalle am Rheintor, geöffnet Werktags von
114 und Sonntags von 104 Uhr.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

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Kurſe vom 2. Dezember 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
3f=
Staatspapiere.
4 Diſche. Reichsſchatzanw. 99,40
3½ Deutſche Reichsanl. . 88,30
77,701
do.
3
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99,50
3½ do. Conſols . . . 88,40
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 99,503
93,00
do.
3½
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 99,40
3½ do.
do.
4 Hamburger Staatsanl. 99,00
4 Heſſ. Staatsanleihe 99,10
4 do. do. (unk. 1918) 99,60
do.
86,80
3½
do.
3
76,00
3 Sächſiſche Rente.
77,75
4 Württemberger v. 1907 99,70
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 98,50
3¾ Italiener Rente .
3½ Oeſterr. Silberrente 86,50
4 do. Goldrente . . . 91,90
4 do. einheitl. Rente 83,00
4 Portug, unif. Serie I 62,50
3 do. unif. Ser. III 65,35
3 do. Spezial . . . . 10,00
5 Rumänier v. 1903 . . 99,50
4 do. v. 1890 . . 92,40
4 do. v. 1905 . . 88,00
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 89,30
4 do. v. 1902 . . . . 89,10
4½ do. v. 1905 . . . . 100,30
3½ Schweden .
4 Serbier amort. v. 1895 80,00
4 Türk. Admin. v. 1903 78,10
4 Türk. unifiz. v. 1903 85,00
4 Ungar. Goldrente . . . 86,60
4 do. Staatsrente. . . 83,90 5 Lahmeyer.

In Prot.
Jf.
.100,00
5 Argentinier .
4
85,10
do.
4½ Chile Gold=Anleihe. 90,75
5 Chineſ. Staatsanleihe . 99,40
do.
4½
92,90
4½ Japaner . . . . .
77,805 Innere Mexikaner . . . 93,89
do.
59,00
4 Gold=Mexikanerv. 1904 87,70
5 Gold=Mexikaner . . . . 99,40
3 Buenos Aires Provinz 68,50
86,75 Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 154,70
5 Nordd. Lloyd . . . . . 122,00
6½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . 124,50
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
do. v. 1875 93,7015 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 110,75
6 Baltimore und Ohio . 105½
1¾ Griechen v. 1887 . . 53,506 Schantungbahn . . 129,25
6½ Luxemb. Prince Henri 155,00
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 18,20
6 Pennſylvania R. R. . 120,70
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
3 Brauerei Werger
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik .
.520,00
14 Chem. Fabrik Gries=
heim
.
. . . . 250,00
30 Farbwerke Höchſt . . 630,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 345,50
10 Cement Heidelberg . . 143,00
30 Chem. Werke Albert 454,00
14 Holzverkohlung Kon=
ſtanz
.
.339,00
120,50

In Proz.
Le
Divid.
7½ Schuchert, Nürnberg 151,00
12 Siemens & Halske .224,00
5 Beramann Electr. . . 120,0)
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 158,60
25 Gummi Peter . . . . 88,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 89,50
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 566,50
10 Maſchinenf. Badenia 176,00
16 Wittener Stahlröhren 204,75
8 Steana Romana Petr. 145,90
15 Zellſtoff Waldhof . 234,00
12½ Bad. Zucker=Wag=
.. 199,50
häuſel.
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 86,20
3 Südd. Immobilien 56,50
Vergwerks=Aktien.
12 Aumeß=Friede . . . . 176,00
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 215,50
11 Deutſch=Luxemburg.=
.167,75
Bergb. . .
10 Gelſenkirchener . . . . 194,90
.186,50
9 Harpener .
18 Phönir Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 262,70
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
84,00
Caro.
6 Laurahütte . . . . . . 166,00
10 Kaliwerke Aſchersleben
Weſteregeln 213,00
11
7½ South Weſt Africa 129,80
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 88,40
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 92,50
4 Franz=Jofefs=Bahn .
3 Prag=Duxer . . . . . . 74,50
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn . 92,80
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 97,60
do.
4

In Proz.
Bf.
2¾/10 Oeſt. Sübb. (Lomb.) 51,20
76,20
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn 91,70
4 Ruſſ. Südweſt. . . . 86,20
4½ Moskau=Kaſan . . . 95,40
do.
4 Wladichawchas . . . . 88,00
4 Rjäſan Koslow . . . .
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 74,90
do.
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81,20
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 94,90
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72,80
4 Northern=Paciſic
68,20
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Francisco. . . . . 84,90
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Untern. Zürich 185,50
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Bahn .
. 146,50
9½ Berlin. Handelsgeſ. .165,00
6½ Darmſtädter Bank . 119,60
12½ Deutſche Bank . . . 251½
6 Deutſche Vereinsbank 121,50
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . 114,00
10 Diskonto=Kommandit 184,80
8½ Dresdener Bank . . 152,90
9½ Frankf. Hypoth.=B. 210,00
6½ Mitteld. Kreditbank 116,90
7 Nationalb. für Deutſchl. 120,00
7 Pfälziſche Bank . . . . 126,25
5.86. Reichsbank . . . . .132,50
7 Rhein. Kreditbank . . . 133,00
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 115,90
7½ Wiener Bankverein . 126,25
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21.
. 98,50

In Proz.
Sf.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 88,00
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S.52 . .
98,20
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 98,00
do.
87,25
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,70
3½
do.
87,80
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
.99,20
S. 12, 13, 16
S. 14, 15, 17, 24/26
1823 . .
99,40
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6
87,80
S. 35
87,60
87,70
S. 911
4 Meininger Hyp.=Bank 98,20
do.
87,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 98,50
3½ do. (unk. 1914) . . 86,80
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,50
do.
3½
87,00
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt .
. 97,50
3½ do.
4 Frankfurt.
. 99,20
do.
94,50
4 Gießen
97,30
31
do.
4 Heidelberg
. 97,00
87,00
do.
4 Karlsruhe
97,30
do.
88,30
4 Magdeburg.
do.
4 Mainz
. 97,50
88,70
3½ do.
98,50
Mannheim
87,00
31
do.
4 München .
. 99,25
Nauheim
99,00
4 Nürnberg.
87,10
do.
Offenbach .

In Proz.
Zf.
3½ Offenbach
4 Wiesbaden
. 99,50
89,20
3½
do.
4 Worms.
97,30
3½ do.
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Verzinsliche
Anlehensloſe.
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3½ Cöln=Mindner 100
3 Holl. Komm. . fl. 100
3 Madrider Fs. 100
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . .
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 175,60
3 Oldenburger . . .
2½ Raab=Grazer fl. 150 111,25
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7 34,00
Braunſchweiger Tlr. 20
. Fs. 15
Freiburger .
Fs. 45
Mailänder
Fs. 10
do.
. fl. 7 34,10
Meininger .
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 527,00
do. v. 1858 fl. 100 441,00
Ungar. Staats . . fl. 100 391,00
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 159,20
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Engliſche Noten .
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Holländiſche Noten..
169,50
Italieniſche Noten . . . . 80,35
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,50
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. . . . . 38
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. 28
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. 48, 38, 28
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Fleischhackmaschinen
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Eierschränk. . . . .
Tonnen-Etageren . . .
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1.15, 85, 58, 38
. . 95, 68, 48
. 1.35, 95, 65
. . . 2.75, 1.75
. . 55, 38, 25
. 1.75, 1.35, 95

Kaffee- und Zuckerbüchsen . . 48, 33,
Brotkapseln, ffein lackiert . . 1.95, 1.60,
Sand-Seife-Soda-Konsole, ffein lackiert 1.45,
Petroleumkannen, ffein lackiert 85, 65,
Bürstengarnituren, ffein lackiert . . 1.10,
Kohlenfüller . . . . . . 1.35, 1.15,
Kohlenkasten m. Deckel, ffein lackiert 3.75, 2
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Zylinder . . . . . . . 2.85, 2.25, 1.75
Tischlampen, mit modernem Messingfuß
5.75, 4.50, 3.50, 2.25
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Hängelampen m. Zug, Majolikabass. 8.50, 6.90, 5.95
Küchenlampen
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EBlöffel, gute Qualitäten . . . 30, 25, 18
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Hütten erfolgreich in Konkurrenz zu treten Gemäss
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ist, den Bedarf soweit dies möglich ist im
eigenen Lande zu decken, habe ich mir die Auf-
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Fur Nieder=Modau.
Still löſte von den Zweigen ſich müde Blatt um Blatt.
Bald hallen Weihnachtsglocken hell über Dorf und Stadt.
In Hütten und Gehöften wird laut die Freude wach.
Von reichem Segen ſtrahlen die Früchte unterm Dach.
Im Odenwalde ſchimmern, wohin die Blicke ſehn,
Die Triften und die Halden von Glück und Wohlergehn
Doch ach! in tiefer Trauer und hoffnungsloſer Qual
Liegt leidenſchwer daneben das ſchöne Modautal.
Wo Wohlſtand einſt gewaltet, brach ſich die Armut Bahn.
Die Ernte iſt gepfändet und auf dem Hof der Hahn.
Was reger Fleiß errungen, traf grell des Unglücks Blitz
nd brachte jäh die Bürger um Habe und Beſitz.
Des Chriſtbaums Pracht wird leuchten in jedes Haus hinein.
In Nieder=Modau funkelt nur bleicher Sternenſchein.
In lautem Jubel werden die Kinderſtuben ſtehn.
Ein Weinen wird und Klagen durch Nieder=Modau gehn.
Nun löſte von den Zweigen ſich müde Blatt um Blatt,
Bald hallen Weihnachtsglocken hell über Dorf und Stadt.
Da zieht auf Engelsſchwingen das Mitleid durch das Land
Und öffnet ſtill zum Geben ſo manche warme Hand.
Da ſtreift auch deine Seele des Wohltuns milder Strahl,
Zu lindern Gram und Kummer im ſchönen Modautal.
Da faßt auch dich ein Rühren von Güte wunderbar,
Ein Scherflein beizutragen der großen Armenſchar.
In unſern Erdentagen kann dauernd nichts beſtehn,
Der Leidenstage Schwere wird einſt vorüber gehn.
O Dorf, ob du verlaſſen beklagſt dein täglich Brot,
Die Liebe wird dir leuchten in deiner tiefen Not.
Karl Schäfer.
) Freundliche Gaben nimmt die Sammelſtelle des Odenwald=
klubs
, Herr Kaſſier Löwe, Waldſtraße 6, entgegen. (24786

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geben
werden.
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dingungen
liegen bei dem unter=
zeichneten
Amte,
Grafenſtraße Nr. 30, Zimmer Nr. 9,
offen.
Angebote ſind bis
Dienstag, 10. Dezember 1912,
vormittags 10 Uhr,
(24785id
einzureichen.
Die Verdingungsunterlagen wer=
den
nach auswärts nicht verſandt.
Darmſtadt, 3. Dezember 1912.
Stadtbauamt.
Buxbaum.

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(24751a

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verchahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher, 1 Hofhund. 1 Jagdhund (zugelaufen). Die
Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier aus=
gelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet
dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt. (24741

Weihnachtsmeſſe 1912.

Die Weihnachtsmeſſe und der Chriſtbaummarkt werden in
dieſem Jahre auf dem Paradeplatz und am Schloßgraben ab=
gehalten
.
Diejenigen hieſigen Einwohner, die Waren oder Chriſtbäume
feilhalten wollen, werden aufgefordert, ſich am Mittwoch, den
4. Dezember, nachmittags zwiſchen 2½ und 5 Uhr, bei dem
ſtädtiſchen Marktmeiſter (im Rathaus am Marktplatz) perfönlich zu
melden Nachträglich eingehende, ſowie ſchriſtliche Geſuche können
keine Berückſichtigung finden.
Die Plätze zum Verkauf von Chriſtbäumen auf dem Parade=
platz
und am Schloßgraben werden zuſammen unter den ſämtlichen
Bewerbern verloſt.
Mit dem Aufſchlagen der Verkaufsbuden kann am Mitt=
woch
, den 11. Dezember, vormittags 9 Uhr, mit Herrichtung der
Stände für Chriſtbäume am gleichen Tage, nachmittags 2½ Uhr,
nach erfolgter Ausloſung der Plätze begonnen werdenitte
Die Gebühr für die nächtliche Bewachung der Buden und
Stände iſt alsbald bei der Meldung an den ſtädtiſchen Markt=
meiſter
zu entrichten. Die Verkäufer müſſen den zugewieſenen Platz
ſelbſt benutzen: die Vergebung des Platzes an einen anderen Händler
ze darf ohne Genehmigung des Marktmeiſters nicht erfolgen. Der
Verkäufer oder ſein Vertreker mülſen während der Verkaufszeit ſtets
am Platze anweſend ſein. Wer ſich den Anordnungen des Markt=
meiſters
nicht fügt, kann von der Weihnachtsmeſſe ausgeſchloſſen
werden.
(24696oi

Darmſtadt, den 30. November 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Schmitt.

Für den Baublock zwiſchen Erbacherſtraße, Oſtbahnhof und
Landgraf Georgſtraße ſoll ein Bebauunsproiekt (Geſchäfts=
und Wohnhäuſer) angefertigt werden. Bauplatz=Reflektanten
werden gebeten, etwaige Wünſche alsbald unverbindlich an die Kabi=
netts
=Direktion, dahier, Altes Palais, gelangen zu laſſen, damit
(24745ims
ſie eventuell Berückſichtigung finden können.

1
Verſteigerungs-Anzeige.

Mittwoch, den 4. Dezember 1912, vorm. 11 Uhr,
werden im Pfandlokale Rundeturmſtraße 16 (Reſtauraton zur
Roſenhöhe)
verſchiedene Möbel, als: Kleiderſchränke, Vertikos,
Konſolſchränkchen, Diwans, Sofas, Spiegel, Tiſche, Trumeau=
ſpiegel
, Regulateure, Büfetts, Kommoden, Waſchſchränkchen,
1 vollſt. Bett 1 Plüſchaarnitur, Fußteppiche, Bilder, 1 Kre=
den
: Schreibtiſche, Pianinos, 1 Stutzfligel, ferner
1 Muſikautomat, gold. Ringe, 60 Bände verſch. Klaſſiker,
1 Gehrockanzug, Ladenregale, Ladentheken, 1 Schuhmacher=
nähmaſchine
, Werktiſche und Regale,
durch den Unterzeichneten zwangsweiſe verſteigert.
(24769
Berbert, Gerichtsvollzieher.


Verſteigerungs-Anzeige.

Mittwoch, den 4. Dezember 1912.
nachm. von 2 Uhr ab, verſteigere ich aus dem Nachlaß der Frau
Eliſe Molter Wwe., Waldſtraße 54, öffentlich meiſtbietend gegen
Barzahlung folgende Gegenſtände:
1 Schreibtiſch, 1 Klavier, 3 Kleiderſchränke 4 vollſtändige
Betten, 2 Waſchtiſche, 1 Nachttiſch, 2 Sofas, 4 Tiſche,
1 Etagere, 2 Kommoden, 10 Stühle, 1 Rohrſeſſel, 1 Stand=
uhr
, 2 Spiegel, diverſe Bilder, 1 Brandkiſte, 1 Gasherd und
verſchiedene Küchenmöbel.
Zuſammenkunft der Steigerer an Ort und Stelle.
(24766
Die Verſteigerung findet beſtimmt ſtatt.
Stellvertreter des Gerichtsvoll=
Beyer’g ziehers Wedel in Darmſtadt,
Bleichſtraße 28.

Verſteigerungs-Anzeige.

Mittwoch, den 4. Dezember 1912, nachm. 3 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungslokal Zur Ludwigshalle‟ ( Ober=
gaſſe
) öffentlich, zwangsweiſe meiſtbietend gegen Barzahlung:
4 Damenhüte (2 Winter= und 2 Sommerhüte), 7 Stück
Japanläufer, 1 Bücherſchrank, 1 großes Oelbild, 1 Herren=
ſchreibtiſch
, 1 Kredenztiſch, 1 Salonſchrank. 1 Ladenſchrank
mit Schubladen, 1 Theke, 1 Eisſchrank, 6 Bände Meyer’s
Lexikon, 1 Diwan, 1 Büfett u. a. m.
(24777
Darmſtadt, 2. Dezember 1912.
Kapp, Großh. Gerichtsvollieher
in Darmſtadt, Friedrichſtraße 24, I.

Brennholz-Verkauf

Dienstag, den 3. Dezember 1912
wird in der Gutenbergſtraße 16, kleingeſchnittenes Tannen= u. Eich.=
(*13173
Brennholz per Ctr. zu 1 Mark verkauft.
Georg Hansel.

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Deteff. unt. K. 83 befördert die Expedition.

ZurVerhätmades Auftrierens
der Regenrohre infolge man=
gelhaften
Abfluſſes des Regen=
und Tauwaſſers wird den Haus=
beſitzern
empfohlen, vor Eintrit
von Froſtweter eine gründliche
Reinigung ihrer in den Fußſteigen
angebrachten Regenrohrſintkaſten
vornehmen zu kaſſen. (24704oi
Darmſtadt, 30. November 1912.


Bekanntmachung.

Freitag, 13. Dezember 1. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Ludwig Heß, dem
Georg Heß und dem Samuel
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
III 116//10 216 Grab= Hohler
garten! Weg
III 117½ 262 Hofreite Nr. 5,
zwecks Aufhebung der beſtehenden
Eigentumsgemeinſchaft in unſerem
Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K60/12
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, wird Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er=
reicht
.
Darmſtadt, 30. November 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V24732

In unſer Handels=Regiſter, Ab=
I teilung B, wurde heute einge=
tragen
hinſichtlich der Firma=
Großgärtnerei Henkel, Ge=
fellſchaft
mit beſchränkter
Haftung, Darmſtadt.
Das Stammkapital iſt durch
Beſchluß der Geſellſchafterverſamm=
lung
vom 3. November 1911 um
160 000 Mark herabgeſetzt worden
und beträgt daher jetzt nur noch
160 000 Mark.
(24730
Darmſtadt, 29. November 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

In unſer Handels=Regiſter, Ab=
Steilung B, wurde heute einge=
tragen
hinſichtlich der Firma:
Vereinigte Mitteldeutſche
Eigarrenfabriken, Geſell=
ſchaft
mit beſchränkter
Haſtung, Darmſtadt.
Der Geſchäftsführer Kaufmann
Jakob Günzburger in Frankfurt
a. M. iſt ausgeſchieden: ſtatt ſeiner
iſt der Kaufmann E. Witgenſtein
in Frankfurt a. M. als Geſchäfts=
führer
beſtellt.
(24727
Darmſtadt, 23. November 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

En unſer Handels=Regiſter, Ab=
I teilung 4, wurden folgende
Einträge vollzogen:
Am 23. November 1912.
Hinſichtlich der Firmen:
1. M. Schweickert, Darmſtadt.
Geſchäft und Firma ſind auf
Ludwig Schweickert, Kauf=
mann
in Bensheim, überge=
gangen
.
Wilhelmine Schweickert in
Darmſtadt iſt zur Prokuriſtin
beſtellt.
2. Sophie Duft, Darmſtadt.
Die Prokura des Louis Roſen=
hain
in Darmſtadt iſt erloſchen.
Hedwig Roſenhain in Darm=
ſtadt
iſt zur Prokuriſtin be=
ſtellt
.
3. Roſenhain=Duft, Darmſtadt.
Die Firma iſt erloſchen.
Am 28. November 1912.
A. Henninger & Co., Ma=
ſchinenfabrik
, Keſſelſchmiede
und Dampfſtraßenwalzen=
betrieb
, Darmſtadt.
Die Prokura des Kaufmanns
Paul Schmale in Darmſtadt iſt
(24729
erloſchen.
Darmſtadt, 30. November 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Bekanntmachung.

Die Firma Georg Cornel in
Darmſtadt ſoll von Amtswegen
in dem Handelsregiſter des unter=
zeichneten
Gerichts gelöſcht werden.
Es ergeht hiermit an den ein=
getragenen
Inhaber Georg Cornel,
zur Zeit unbekannten Aufenthalts,
oder deſſen Rechtsnachfolger die
Aufforderung, binnen einer Friſt
von ſechs Monaten ſeinen etwaigen
Widerſpruch gegen die beabſich=
tigte
Löſchung geltend zu machen,
andernfalls die Firma von Amts=
wegen
gelöſcht wird. (24728
Darmſtadt, 26. November 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

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Gunild erwartete früh ſieben Uhr Agathe auf dem
Bahnhofe. Sie fielen ſich um den Hals.
Und nun ſchnell nach Hauſe! Zum Frühſtück hat ſich
ein gewiſſer jemand angeſagt!
Da bekam die junge Frau gleich ein halbes Dutzend
Küſſe.
Wie geht’s Deinem Manne? fragte Agathe dann.
Gut, läßt grüßen, ein paar Tage iſt er verreiſt, Du
mußt während dieſer Zeit mit Roßdorff als männlichen
Beſchützer zufrieden ſein!
Agathe ſah ihre Baſe erſtaunt an. Wie bitter hatten
ihre Worte geklungen! Sie hatte ja zu Hauſe gehört, daß
ſich die beiden noch nicht recht gut eingelebt hätten, und
Onkel Sollenſtern war ſogar zum Abſchied auf den Bahn=
hof
gekommen und hatte geſagt: Grüß’ mir Gunildchen
und den braven Roßdorff ſchön und mach’ die Augen auf,
damit Du uns erzählen kannſt wie’s in der jungen Ehe
ausſieht!
Und Wullnow ſoll ich keine Grüße beſtellen? hatte
ſie erſtaunt gefragt.
Er wird wohl ſelbſt nicht recht daran glauben. Wir
beide haben für einander nur recht wenig übrig, alſo lüg'
Dich kraus, ſo gut Du kannſt!
Roßdorff war ſehr pünktlich und wurde ſofort bei
ſeiner Ankunft von Gunild in Wullnows Arbeitszimmer
geſchoben.

In einer halben Stunde klopfe ich an!
Sie hatte freundlich lächeln wollen bei dieſen Worten,
aber es wurde doch nür eine Grimaſſe daraus. Und dann
ſetzte ſie ſich, dachte an Plattangen und weinte.
Agathe hatte ihr geſagt: Das Herz zieht ſich einem
im Leibe zuſammen, wenn man ſein blaſſes Geſicht ſieht,
und ganz grau ſind ſeine Haare geworden!
Das junge Mädchen hatte ja ſtarke Farben aufgetra=
gen
. Aber Vergleiche drängten ſich unwillkürlich au. Da
empfand ſie mit einem Male vor ihrem Manne direkten
Widerwillen und wunderte ſich nur, daß ſie ſo weit erſt
heute gekommen war.
Und im Nebenzimmer hatte Roßdorff kurzen Prozeß
gemacht. Er kam, er ſah und ſie lag in ſeinen Armen.
Nun bauten ſie Luftſchlöſſer und ſprachen von ihrer Liebe.
An das arme Weib nebenan dachten ſie nicht, bis nach
einer geſchlagenen Stunde an die Türe geklopft wurde.
Nur herein, gnädige Frau!
Sie wollte Glück wünſchen, als ſie vier ſtrahlende
Augen ſah, aber ſie bekam kein Wort aus der Kehle, und
die Tränen liefen ihr die ſchmal gewordenen, bleichen
Wangen hinab.
Da hing Agathe an ihrem Halſe und ſchwatzte alles
mögliche durcheinander, und immer wieder hörte ſie nur
das eine Wort heraus: Plattangen! Plattangen!
Plattangen!
Roßdorff ſtand mit gekreuzten Armen am Fenſter und
ſtarrte mit finſterer Stirn vor ſich hin.
Die Ukraine, zu beiden Seiten des mittleren Dnjeper
gelegen, wird hauptſächlich von Koſaken bewohnt. Das

Land ſenkt ſich in weichen Wellen dem Schwarzen Meere
zu. Die weiten Steppen bevölkerten Hunderttäuſende von
Pferden, nur an den Strömen und Bächen breiten ſich
Waldungen aus. Im Winter herrſcht eiſige Kälte, im
Sommer glühende Hitze, dann wird der Boden riſſig und
ſteinhart, das Gras verdorrt. Zu allen Jahreszeiten
bleiben die kleinen, zähen Pferdchen im Freien, ſie beſitzen
daher eine Widerſtandskraft, wie ſie in unſeren Gegenden
unbekannt iſt. Und der Koſak iſt der geborene Reiter.
Sein Pferd iſt ſein alles. Von Jugend auf verwachſen
mit ihm, weiß er auch mit dem wildeſten Roß fertig zu
werden. Es iſt ſein guter Kamerad, ſein Spielgenoß, ſein
Ernährer.
Die Landſchaft gehörte früher den Polen, in harten
Kämpfen eroberten ſie die Ruſſen, und die Zaren verliehen
denjenigen ihrer Adeligen, die ſich in den erbitterten
Schlachten beſonders ausgezeichnet hatten, Landſtriche, die
an Größe deutſchen Herzogtümern gleichkamen.
Ein Uruſoff hatte die Entſcheidung in einer der
Schlachten herbeigeführt, mit fünfunddreißig Quadrat=
meilen
des beſten Landes bei Charkow wurde er dafür
von ſeinem dankbaren Zaren belohnt. Herr dieſer rieſi=
gen
Beſitzung war nun Alexei Dimitrowitſch geworden.
Oft war er jahrelang nicht in der Heimat geweſen, er hing
nicht an ihr. Erzogen in Moskau, dann im adeligen
Pagenkorps St. Petersburgs dem Hofe nahegebracht, war
es bei ſeinem rieſigen Vermögen ſelbſtverſtändlich, daß eg
in die Chevaliergarde eintrat. Und nachdem er wenige
Jahre in der Froht geweſen, hatte er ſich dem diplomati=
ſchen
Dienſt des Zarenreiches zuteilen laſſen. Zuerſt in,
Belgrad, dann in Wien, und ſchließlich war ſeine Sehn=

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nahm ihn als Botſchaftsattaché auf. Aber andere wollten
auch einmal an die Reihe kommen, Fürſt Uruſoff mußte
wieder Frontdienſt tun. Und als der Petersburger Win=
tertrubel
vorüber war, das ſtolze Regiment in das Som=
merlager
bei Zarskoje=Sſelo zog, erinnerte er ſich, daß
er eigentlich einmal auf ſeinen Beſitzungen nach dem Rech=
ten
ſehen mußte, denn die Verwaltung ſchickte ſchon längſt
nicht mehr die enormen Summen, die Alexei Dimitro=
witſch
zum Lebensunterhalt brauchte. Und die Gläubiger
fingen an zu mahnen.
Ein echter Ruſſe ſchließt gern und ſchnell herzliche
Freundſchaft, Gaſtgeber zu ſein, iſt ihm das größte Ver=
gnügen
. Kurz entſchloſſen war der Fürſt zur deutſchen
Botſchaft gefahren und hatte zu Wullnow geſagt: Freund=
chen
, kommen Sie mit mir, Petersburg fängt an, mir auf
die Nerven zu fallen!
Und Wullnow hatte gern zugeſagt. Zu Hauſe fühlte
er ſich nicht wohl. Der Botſchafter hatte ihm ſehr elegant,
aber recht eindringlich die Leviten geleſen, nachdem er den
Bruch mit Roßdorff geheilt, und da war es dem jungen
Legationsſekretär lieb, er bekam vierzehn Tage den ſtolzen
Botſchaftspalaſt nicht zu ſehen. Und daß ihm Gunild
keine Schwierigkeiten gemacht, war das Erfreulichſte für
ihn. Mochte Roßdorff die Wohnung einrennen, ein ver=
liebter
Spatz kümmert ſich wenig um dritte, er würde alſo
mit ſeiner Frau wenig zu tun haben, denn dieſes Ge=
ſpenſt
Plattangen ſpukte dann nicht mehr in ſeiner Ehe

hinein. Freilich Agathe! Er hatte das junge Ding nur
an ſeinem Hochzeitstage geſehen, die war noch ein dum=
mes
Kind!
Und trotzdem ſchüttelte der kluge Wullnow bald den
Kopf über ſich. Hatte er wirklich Furcht vor Plattangen?
Nun, die erſten Jahre der Ehe zählen doppelt, ſind
Kriegsjahre; ſchließlich bekommt man das unſtete Leben
auch ſatt und iſt zufrieden, man hat ſeine geordnete Häus=
lichkeit
.
Mit dieſem Troſte fuhr er in der beſten Laune mit
Uruſoff im Nachtſchnellzug über Moskau nach Charkow.
Länger als vierundzwanzig Stunden mußten ſie in
ihrem Abteil aushalten. Sie vertrieben ſich die Zeit mit
Eſſen, Schlafen, Trinken und einem Spielchen, bei dem
der hitzige, leichtſinnige Uruſoff die Zeche zu bezahlen
hatte. Um ein tüchtiges Paket Banknoten war Wullnow
reicher, als man in Charkow ankam.
Freundchen, tragen Sie mir die Scheine ſo lange ſpa=
zieren
, bis ich ſie mir wieder hole! ſagte der Fürſt.
Sie hatten beide gelacht, und waren im Wagen, be=
ſpannt
mit fünf Koſakenpferdchen, die losraſten wie vom
Teufel beſeſſen, fünfzehn Kilometer weit gefähren. Dort
wartete für die ausgepumpten Gäule Erſatz, nach wen=
teren
zwanzig Kilometern war man zu Hauſe, in Schloß
Kirgrad. Das Frühſtück ſtand bereit, nachher legten ſich
die Herren bis zum Nachmittage ſchlafen.
Wullnow lernte das Wundern. Wie Uruſoff ſeine
Angeſtellten behandelte!

Haben Sie verſtanden, was ich dem Banditen eben
geſagt habe?
Der Fürſt meinte damit ſeinen Güterdirektor.
Kein Wort!
Ich fragte nach dieſem und jenem aus dem Silber=
ſchatz
meiner Vorfahren. Wir haben es Euer Durch=
laucht
geſchickt, antwortet der Kerl. Natürlich kein Wort
wahr. Ich erkundigte mich, wo der Wald geblieben ſei
am Kjelepp. Wir haben ihn fällen laſſen und das Geld
Euer Durchlaucht geſchickt. Natürlich habe ich niemals
eine Kopeke davon zu ſehen bekommen!
Schmeißen Sie den Kerl doch kraus!
Der Fürſt lachte. Sie machen es alle nicht anders.
Im übrigen iſt mir’s herzlich einerlei. Nur aus Diplo=
matie
bin ich in dieſe troſtloſe Gegend gefahren, ich
ſchnauze die Kerle an und bekomme ein paar Jährchen
mein Geld, weil die Bande fürchtet, ich könnte mich ſonſt
vor der Zeit hier wieder einfinden. Schloß nennt ſich
dieſe Bude! Haben Sie geſehen, die Ausbeſſerungen am
Dache ſind in den letzten vierzehn Tagen vorgenommen
worden. Hätte ich mich nicht angeſagt, wär’ es wahr=
ſcheinlich
eingeſtürzt, und die Kanaille von einem Güter=
direktor
hätte mir geſchrieben, ein toller Sturm habe es
abgeriſſen.
Wullnow ſchwieg zu dieſem bodenloſen Leichtſinn.
Was ging es ihn am Ende an, wie der Fürſt mit ſeinem
Güterdirektor und ſeinen Gläubigern fertig wurde.
(Fortſetzung folgt.)

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Vorträge.

Die Milch und ihre Produkte als
Nahrungs= und Heilmittel war das Thema,
das ſich der Sanitätsrat Herr Dr. Nöllner zu dem
Vortrag im Evangeliſchen Arbeiter= und Handwerker=
verein
gewählt hatte. In einer Zeit, in der Gemeinde=
verwaltungen
und Staatsbehörden Maßnahmen gegen
die allgemeine Teuerung treffen, war es äußerſt zeit=
gemäß
, ja man kann ſagen, es war eine ſolche Maßnahme
gegen die Teuerung, gipfelte doch der hochintereſſante
Vortrag darin, die zahlreich erſchienenen Männer und
Frauen aus dem werktätigen Volke zu belehren, wieviel
billiger die Ernährung des Menſchen durch Milch und
ihre Produkte iſt, als die Verſorgung mit Fleiſch. Wird
ſeine Mahnung an die Hausfrauen, ſtatt der Fleiſch=
eiweißnahrung
das Milcheiweiß bei den Mahlzeiten
reichlicher zu verwenden, beherzigt, ſo wird die Fleiſch=
not
und Fleiſchteuerung am einfachſten überwunden.
Folgen die Arbeiter und Handwerker ſeiner Anregung,
während ihrer Arbeitszeit keine alkoholiſchen Getränke,
ſondern Milch zu genießen, ſo wird ihre Arbeitskraft ge=
ſteigert
und ihre finanziellen Verhältniſſe werden ge=
beſſert
. Iſt doch ein Schoppen Milch billiger als ein
Schoppen Bier, und dabei iſt der Nährwert des Bieres
ſt Null, während ein Schoppen Milch über 300 Nähr=
werteinheiten
darbietet. Im übrigen bot Herr Sanitäts=
rat
Dr. Nöllner in ſeinem inhaltreichen Vortrag noch
unendlich viel des Wiſſenswerten von dem Werte der
Milch als Nahrungs= und Heilmittel, und es kann nur
der Wunſch des Vorſitzenden vom Arbeiterverein, des
Herrn Pfarrer Behringer, in ſeiner Dankrede hier
öffentlich wiederholt werden, es möchten ſich viele ſolcher
Männer wie Herr Sanitätsrat Dr. Nöllner, ausgerüſtet
mit reichem Wiſſen und langjähriger Erfahrung, in den
Dienſt der Volksaufklärung ſtellen zum Beſten unſeres
geſamten Volkes.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
Lehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.)

Ueber Joan de Manén, der am nächſten
Donnerstag im Richard Wagner=Verein auf=
treten
wird, liegen uns u. a. folgende charakteriſtiſche
Preßurteile vor: Berlin hatte wieder ſeine künſtleriſche
Senſation. Manén darf unbedenklich den erſten leben=
den
Virtuoſen zugezählt werden. (Lokal=Anzeiger.)
Manén iſt nunmehr ein Künſtler, deſſen Name genannt
werden muß, wenn man die erſten Geiger der Welt auf=
zählt
. (Freie Deutſche Preſſe.) Wer ihn hat ſpielen

hören, wird ſelbſt von ihm als einem Wunder unter den
Geigern ſprechen. (Leipziger Neueſte Nachrichten.) Ich
halte Manén in der Tat für den größten lebenden
Violinvirtuoſen; er ſcheint mir noch eher ein Paganini
redivivus zu ſein als Kubelik. (Signale.) Seine Zauber=
geige
, die wir über die tutti quanti der letzten Konzert=
jahrgänge
ſtellen, wird in Köln nicht pergeſſen werden.
(Kölniſche Zeitung.) Außer einer ganz fabelhaft ſiche=
en
und virtuoſen Technik beſticht Manén durch eine
Schönheit des Tons, die in Süßigkeit und Weichheit
vielleicht nicht ihresgleichen hat! (Münchener Neueſte
Nachrichten.) Manén gemahnt direkt an den jüngeren
Saraſate, nur hat er mehr Seele. Ein ganz ausgezeich=
neter
Künſtler, den wir bald wieder hören möchten.
(Oeſterr. Volkszeitung.) Eine intereſſante Erſcheinung
war der ſpaniſche Geiger Joan de Manén, er wird ſehr
bald als das größte Wunder der Geigentechnik bezeichnet
werden. (Budapeſter Politiſches Volksblatt.) Großer
Ton, ſeelenvoller Vortrag, warmbelebte Kantilene, außer=
ordentliche
Eleganz und eine höchſt eminente, alles
ſpottender Technik, das ſind die Vorzüge des Künſtlers
die ihn zu einem der Erſten unter den Erſten ſtempeln.
Man gehe nur hin und höre, ſtaune und genieße! (St.
Petersburger Herold.)

Kongreſſe und Verbandstage.

Alldeutſcher Verbands=Tag.
Braun ſchweig, 1. Dez. Unter überaus zahl=
reicher
Beteiligung von Vertretern aus allen Teilen des
Reiches trat hier im Deutſchen Hauſe der Geſamtausſchuß
des Alldeutſchen Verbandes zu einer Sitzung
zuſammen, die ſich vor allem mit den Folgen des Bal=
kankrieges
beſchäftigen ſollte Eingeleitet wurde die
Tagung mit einem Deutſchen Abend, auf dem u. a. Uni=
verſitätsprofeſſor
Dr. Graf Du Moulin=Eckart=München
und Reichstagsabgeordneter Generalleutnant z. D. Er=
zellenz
Liebert Anſprachen hielten. Die geſchäftlichen Ver=
handlungen
leitete der Vorſitzende des Geſamtausſchuſſes
Rechtsanwalt Claß=Mainz, der an erſter Stelle ein
Referat über die politiſche Lage mit beſonderer Berück=
ſichtigung
des Balkankrieges hielt. Der Redner gab einen
Ueberblick über die Ereigniſſe der letzten Wochen und ver=
wies
auf den erfolgreichen Widerſtand der Tür=
ken
an der Tſchataldſcha=Linie, durch den offenbar der an=
fängliche
Siegeslauf der Balkanſtaaten zum Stillſtand ge=
kommen
ſei. Der Redner legte dar, inwieweit unſer Heer
und unſere Flotte noch der Ergänzung und des Ausbaues
bedürftig ſeien und forderte auf, alles daran zu ſetzen, um
die allgemeine Wehrpflicht auch praktiſch zu verwirklichen.
Wir müſſen brechen mit der paſſiven Politik der Ver=
gangenheit
. Die Verſäumnis eines Vierteljahrhunderts
kann eingeholt werden, wenn Volk und Regierung den
großen Aufgaben des Kampfes ins Auge ſehen und mit
entſchloſſenem Mute an ihre Löſung gehen. Nach einer
Diskuſſion wurde folgende Reſolution einſtimmig
angenommen:
Die politiſchen Greigniſſe der letzten Wochen haben
den ſchweren Ernſt der Lage des geſamten Deutſchtums
in Mitteleuropa enthüllt und klar gemacht, daß ihm der
Kampf um ſein Daſein nicht erſpart bleiben wird. Von
dieſer Ueberzeugung ausgehend, iſt der Geſamtvorſtand
des Alldeutſchen Verbandes der Anſicht, daß das Deutſche
Reich die Schwächung oder gar Niederwerfung Oeſter=
reich
=Ungarns nicht zulaſſen darf. Er erblickt in dem ſer=
biſchen
Vorſtoß gegen die Donaumonarchie den Anfang zu
einem umfaſſenden Angriff des Slawentums gegen das
Deutſchtum und beurteilt die Frage des Strebens nach
einem Hafen an der Adria von dieſem Geſichtspunkte aus.
Aus dieſer Auffaſſung ergibt ſich für den Alldeutſchen
Verband die Pflicht, von neuem und nachdrücklich den
lückenloſen Ausbau unſerer Land= und Seemacht zu for=
dern
und er glaubt, daß bei der jetzigen politiſchen Lage
das deutſche Volk zu allen Opfern bereit iſt, um die deut=

che Behrmacht für jeden Fal zu uſen. Pfaren
Spieſer=Althambach behandelte die Zuſtände in Elſaß=
Lothringen und bezeichnete die Verleihung der Verfaſſung
als einen ganz verfehlten Verſuch. R.=A. Claß verlangte,
daß der Statthalterpoſten abgeſchafft werde. Nach der
Vornahme von Wahlen wurde die Verſammlung ge=
ſchloſſen
.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Die Dampfſtraßenbahn. Am 2. ds. Mts.
hatte die Dampfſtraßenbahn in Eberſtadt bei ihrem Zuge
8.30 Uhr morgens nach Darmſtadt eine Verſpätung von
15 Minuten. Von maßgebender Seite wurde erklärt, die
Urſache läge in dem Schneefall. Allgemeines Er=
ſtaunen
! ! Ja, hieß es, nicht etwa daran, daß Schnee=
maſſen
das Fahren behinderten, denn der Schnee läge ja
nur ſo hoch, daß man überall die blanke Erde ſehe, ſondern
und nun halte man ſich feſt, um nicht vor Ueber=
raſchung
umzuſinken weil die Schienen naß
ſeien!! Die Streuvorrichtung ſei für einen derartigen
Fall nicht ausreichend.
Es iſt nun über dieſe Bahn ſchon ſo viel geſchrieben
und geklagt, ſo viel an der Reinlichkeit und Pünktlichkeit
ausgeſetzt worden, daß ſich alles andere erübrigt als die
Frage: Wie lange gedenkt die Aufſichtsbehörde dieſem
Schauſpiel noch zuzuſehen? Hält ſie dieſen Zuſtand, daß
die gegen 30 Jahre alten Lokomotiven nicht einmal mehr
imſtande ſind, die Züge bei naſſen Schienen pünktlich zu be=
fördern
und eine für Verhältniſſet die im Herbſt die nor=
malen
ſind, ausreichende Streuvorrichtung (bei genügend
ſtacken Maſchinen müßte es doch gewöhnlich wohl auch ſo
gehen) nicht zu führen, auch noch für ſtatthaft? Soll das
n Zukunft ſo weiter gehen?
Einer im Auftrage vieler Eberſtädter.

Luftfahrt.

* Die Viktoria Luiſe hat am Samstag, wie bereits
mitgeteilt, ihre letzte Fahrt in dieſem Jahre
gemacht. Seit ihrer Indienſtſtellung hat ſie 235 Fahr=
ten
ausgeführt. Hierunter waren 225 Paſſagier= und 10
Werkſtattfahrten. Während der ganzen Zeit iſt das Schiff
niemals entleert worden, ſondern hat ſämtliche Fahrten
nur mit geringen Nachfüllungen ausgeführt. Die letzte
Fahrt, bei der auch Darmſtadt berührt wurde, war eine
Aufklärungsfahrt und führte nach Mainz, Maun=
heim
, durch Rheinheſſen bis nach Speier. Von hier aus
ging der Weg über die Bergſtraße nach Frankfurt zurück.
Das Luftſchiff bewegte ſich meiſt in Höhen von 1200 und
1500 Metern. Das Luftſchiff wird jetzt entleert und über=
wintert
in der Halle am Rebſtocker Wald.

Vermiſchtes.

* Darmſtädter Privatſchulen. In dem Artikel
Privatſchulen des Tagblatts befindet ſich ein chrono=
logiſcher
Fehler, den ich hiermit berichtigen möchte: Die
Privatſchule von Schmitz wurde nicht im Jahre 1832,
ſondern 1822 gegründet. Sie war die älteſte Privatſchule
der Stadt und an der Gründung war der damalige Mit=
prediger
E. Ritſert beteiligt. Zu der Zahl der Privat=
ſchulen
kommt noch das Knaben=Inſtitut von dem Theo=
logen
Dr. Lucius, Vaters des jetzigen Direktors der
Eleonorenſchule. Die Schule exiſtierte vom Jahre 1840
bis zum Jahre 1862, wo der Inhaber als Religions=
lehrer
bei dem Ludwig=Georgs=Gymnaſium eintrat. Die
Schule war eine Vorbereitungsanſtalt zum Beſuch höherer
Schulen und von Kindern aus beſſeren Ständen bes
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ſtoffe
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direkt unter der Schale liegen.
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mit Parafin, Talkum, Ultra=
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Aus
Vollreis
ſchöpfen die Japaner und
Chineſen ihre Kraft und Aus=
dauer
und zwar nur deshalb,
weil ſie den Reis eben als
Vollreis, d. h. vollwertig und
ungekünſtelt genießen. Wenn
wir von Getreide nur das
Innere als Nahrung gebrau=
chen
, ſo genießen wir faſt nur
das nicht ſo wertvolle Stärke=
mehl
, während wir die wich=
rigen
Nährſalze und Kleber=
ſtoffe
dem ſchönen Ausſehen
zuliebe opfern. (23878a
Verwenden wir deshalb
Vollreis
wie ihn die Natur gibt, dann
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Zähne und brauchen keine
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Frz. Frank. Parfümerie. (10886E

[ ][  ][ ]

Luftfahrt.

* Berlin, 2. Dez. Bei der Zielfahrt, die
geſtern vom Berliner Verein für Luftſchiff=
fahrt
als letzte in dieſem Jahre vorgeſehen war, ſtar=
teten
alle gemeldeten 13 Ballons. Als Ziel wurde bei
Beginn der Fahrt der Ort Runow in Pommern, an der
Bahnlinie Stettin-Danzig, zwiſchen Stargard und
Lahes, weſtlich von Dramburg, beſtimmt. Der Ballon
S. S. beendete die Fahrt ſchon bei Ahrenfelde. Der
Ballon Nordhauſen landete bei Kallies. Noch näher
dem Ziele kamen die Ballons Warburg 2 und K. A.
C. 4 bei Tuckow zur Erde. Auch in Weſtdeutſchland
and geſtern anläßlich des 10jährigen Beſtehens des Nie=
derrheiniſchen
Vereins für Luftſchiffahrt
eine Wettfahrt ſtatt, an der ſich zehn Ballons beteiligten.
Sie landeten ſämtlich im Weſterwald oder in den Kreiſen
Wetzlar und Gießen.

Sport.

* Fußball. Darmſtädter Sportklub 1905.
Am Sonntag konnte der Darmſtädter Sportklub 1905
wiederum zwei wichtige Punkte für die Meiſterſchaft der
Klaſſe A des Weſtkreiſes erzielen. Die Einheimiſchen
ſchlugen den bekannten F.=K. Germania=Ludwigshafen
mit 614 Toren.
Die Berliner Fußball= Meiſterſchafts=
ſpiele
nahmen am Sonntag mit 5 Ligakämpfen in der
zweiten Serie ihren Anfang. Hertha vermochte durch
glänzendes Angriffsſpiel für die in der erſten Serie durch
Vorwärts mit 311 erlittene Niederlage Revanche zu neh=
men
und Vorwärts über Erwarten hoch mit 911 zu
ſchlagen. Einen aufregenden Kampf lieferte ſich Viktoria
und Union, den Viktoria mit dem Siege von 311 (231)
beendete. Aus dem Gedränge heraus ſandte Kugler den
Ball in der 21. Minute zum erſtenmal unhaltbar ins
Tor. 9 Minuten ſpäter glich Union durch ihren beſten
Stürmer Piſara aus, doch übernahm Viktoria durch
Worpitzky abermals die Führung. Das dritte Tor fiel
in der 15. Minute nach einem Strafſtoß durch Worpitzky.
Preußen gewann mit 422 (311) gegen die ſehr ſcharf
ſpielende Alemannia=Mannſchaft. Das Tor Preußens
behütete zum erſtenmal wieder der bekannte Traber=
trainer
A. Mills mit gutem Erfolge Minerva unter=
lag
nach ſehr ſcharf geführtem Spiel gegen Britannia
mit 011. Das einzige Tor verſchuldete der rechte Vertei=
diger
Minervas. Der Kampf artete kurz vor Schluß
derart aus, daß der Schiedsrichter Hiller 3 Spieler von
Minerva herausſtellen mußte. Ein Zuſchauer, der den
Schiedsrichter beleidigte, wurde durch einen Schutzmann
vom Platze gebracht. Der Berliner Ballſpiel=Klub ge=
wann
gegen Thasmania mit 4:2 (211). Die Spiele in
der erſten Klaſſe ergaben folgende Reſultate: Germania
ſchlägt Rapide 311, Helgoland ſchlägt Tennis Boruſſia
210, Norden Nordweſt ſchlägt Cimbria 911, Union= Pots=
dam
ſchlägt Berliner Sport=Klub 511, Fortuna ſchlägt
Favorit 711, Union=Oberſchöneweide ſchlägt Sport=
Verein des Weſtens 8:2. Ferner ſpielten unentſchieden:
Triton=Spandau mit 111 gegen Viktoria=Spandau und
Stern=Steglitz gegen Berolina.
Die engliſchen Ligaſpiele der erſten Klaſſe
ergaben am Samstag die unerwartete Niederlage der
führenden Aſton Villa=Mannſchaft, die von Liverpool mit
2:0 geſchlagen wurde. Der Londoner Klub Chelſea ſiegte
über Derby County mit 311. Die übrigen Reſultate
waren: Woolwich Arſebal=Blackburn Rovers 011, Old=
ham
Athletic=Tottenham Hotſpur 411, Sheffield United=
Notts County 2:0, Mancheſter United=Everton 1:0, New=
caſtle
United=Middlesborough 3:1, Weſtbromwich Albion=
Sunderland 311, Bolton Wanderer=Mancheſter United
211, Bradford City=Cheffield Wednesdey 010 unent=
ſchieden
.
* Pferdeſport. Die Züchter=Prämien, die
in der verfloſſenen Saiſon vom preußiſchen Staat, dem
Königlichen Hauptgeſtüt Graditz, dem Verein für Hinder=
nis
=Rennen, dem Union=Klub und dem Münchener Renn=
Verein gezahlt wurden, belaufen ſich auf die recht anſehn=
liche
Summe von 154830 Mark. Die Höchſtſumme, näm=
lich
104047 Mark, zahlte der Union=Klub, 24865 Mark

gelangten durch den Verein für Hindernis=Rennen
(Karlshorſt) zur Verteilung, 13 486 Mark entfallen auf
Graditz, 6555 Mark machen die Staatszüchter=Prämien
aus und 5877 Mark die des Münchener Renn=Vereins.
Die Höchſtſummen erhielten Frhr. von Münchhauſen,
der Beſitzer des Geſtüts Bockſtadt i. Thür., mit 16924
Mark, die Herren A. und C. von Weinberg mit 14407
Mark und Herr A. von Schmieder mit 10958 Mark.
Der Prix La Haye=Jouſſelin, die mit
0000 Francs ausgeſtattete Hauptkonkurrenz der Rennen
zu Paris=Auteuil am Sonntag, erhielt durch die
Teilnahme des deutſchen Steeplers Le Miracle des Herrn
H. Junk ein beſonderes Intereſſe. Auf dem alten Wallach
var ſein Mitbeſitzer Dr. Rieſe im Sattel. Es ereig=
nete
ſich ſomit der ſeltene Fall, daß ein deutſcher Herren=
reiter
in Konkurrenz mit franzöſiſchen Jockeys trat. Die
über 5500 Meter führende Steeple=Chaſe wurde von 11
Pferden beſtritten. Le Miracle lief wieder ein gutes
Rennen, konnte aber nur den fünften Platz beſetzen. Monſ.
Ch. Broſſettes Magicienne (Head) gewann leicht gegen
Monſ. Fosciers Sauveur (Parfrement), zweieinhalb
Längen zurück endete Monſ. Guerlaines Hopper ( Bour=
dale
) als Dritter vor Port au Prince und Le Miracle.
Tot. 53:10.
* Radſport. Das 3. Dresdener Sechstage=
Rennen nahm in der Nacht zum Sonntag um 11 Uhr
ſeinen Anfang. Von den 11 konkurrierenden Paaren
ſtellten ſich Lawſon, Halſtead, Paul Didier, Kudela, A.
Carapezzi, Rudel, Süßmilch, Saldow, Pawke, Techmer,
Großmann dem Starter, die aber ſchon nach kurzer Zeit
von ihren Partnern abgelöſt wurden. In die Führung
teilten ſich während der erſten Stunden abwechſelnd Lo=
enz
, Wiley, Pawke, Stabe, Saldow. Eine von einem
Sportfreunde geſtiftete Prämie von 50 Mark für den
Sieger in einem eingeſchobenen 10 Runden=Rennen ge=
wann
Lorenz in 1 Minute 53 Sekunden gegen Halſtead.
Bis in die frühen Morgenſtunden des erſten Tages blieb
das Tempo ein gleichmäßig ſcharfes, ſo daß die Zeiten
des letzten Dresdener Sechstage=Rennens nicht unerheb=
lich
übertroffen wurden. Nur das Reſultat der erſten
Stunde war, ein Spiel des Zufalls, genau dasſelbe wie
im März dieſes Jahres: 37,960 Kilometer. Weiter wur=
den
bei vorläufig unverändertem Stande zurückgelegt:
In der zweiten Stunde 72,790 Kilometer (im Vorjahre
73,19 Kilometer), in der dritten Stunde 112,410 Kilo=
meter
(109,07 Kilometer), in der ſechſten Stunde 220,740
Kilometer (211,90 Kilometer), in der zwölften Stunde
403,260 Kilometer (386,240 Kilometer). Im Laufe des
Sonntagnachmittag ereigneten ſich mehrere Stürze, bei
denen der Franzoſe Leon Didier eine Verletzung des
Knies erlitt. Didier fuhr zunächſt weiter, dann ſchwoll
aber ſein Knie derart an, daß er aufgeben mußte. Sein
Bruder Paul Didier fuhr als Erſatzmann weiter. Von
zwei Prämienfahren über je 10 Runden holte ſich Lo=
renz
und Lawſon je eins. Die Fahrer ſind um 7 Uhr
abends noch alle im Rudel beieinander. Die Führung
hatte zumeiſt Lorenz, Lawſon und Pawke. Nach 20
Stunden war der Stand 648,700 Kilometer (643,240 Kilo=
meter
), unter Führung von Pawke zurückgelegt. Die
Spitzengruppe bilden demnach: Lorenz=Saldow, Lawſon=
Wiley, Hall=Halſtead, Stabe=Pawke, Rudel=Roſellen, von
Natzmer=Großmann, Kudela=Nowack, Gebrüder Cara=
pezzi
, Techmer=Tadewald, Röthig=Süßmilch; Erſatzfahrer:
Paul Didier.
Die Pariſer Wintermeiſterſchaft wurde
am Sonntag auf der Winterbahn mit weiteren ſechs
Läufen fortgeſetzt. Hourlier zeigte ſich in ganz hervor=
ragender
Form, denn er konnte alle drei Läufe, die er
beſtritt, gewinnen, ſo daß er nunmehr mit Goullet zu=
ſammen
vor Ellegaard den erſten Platz im Geſamtklaſſe=
ment
einnimmt. Das 50 Kilometer=Rennen hinter Mo=
toren
gewann Seres nach 40 Minuten 42,2 Sekunden
vor Bruni und Darragon, die 13 reſp. 14 Runden zurück
endeten. Der Kampf um die Armbinde brachte Goullet
und Seigneur an den Start. Der kleine Auſtralier zeigte ſich
in dieſem ſchweren Rennen als hervorragender Tempo=
fahrer
, denn er holte Seigneur, einen der beſten franzö=
ſiſchen
Tempofahrer, nach 26¾ Runden in 9 Minuten 20
Sekunden ein. Ein Malfahren gewann Dupuy mit zwei
Längen vor Olivier und Germain, während der kleine

Berliner Finn das Prämienfahren vor Coſtet auf ſein
Konto brachte.
sr. Ein Eishockey=Wettſpiel kam im Berliner Eis=
palaſt
zwiſchen dem Berliner Schlittſchuh=Klub und den
Berliner Sport=Klub zum Austrag. Die erſtere Mann
ſchaft zeigte ſich völlig überlegen und errang einen ſpiel
lenden Sieg von 8:0 Toren. Bei der Pauſe war das Re
ſultat 1.0.

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77492 78850 86083 89301 102360 103498 127597
131286 137047 165269 166378 161487 167328 171051
182572 206620 206829
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19764 21158 21241 24658 26045 31948 32677 36453
44260 48612 49051 51018 55808 69373 60834 69130
72495 73983 75986 80130 80384 81686 82489 89185
92711 95307 96104 96349 97433 107584 108798 114189
118324 120319 120554 121975 127584 127931 128928
136466 136744 139761 143565 144969 145086 148644
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180 Gewinne zu 500 Mk. 371 2120 8535 10625
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61174 61204 62934 69712 69744 73642 74016 77533
77983 85798 91539 95603 97803 99391 108639 107429
107481 109415 111864 120317 124438 124616 125569
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166145 166864 168035 168856 171162 173005 174107
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191877 192264 194741 197897 201249 201629 201642
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30513 30652 35461 42174 42657 43798 46886 49311
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145151 147769 154223 159061 161545 164425 169133
169348 172950 160600 187405 188040 188876 188882
196407 200454 206299
212 Gewinne zu 500 Mk. 1122 1786 4735 8201
8674 9654 11238 12213 12383 13487 16327 31055
36170 36624 40490 42466 43047 44047 52609. 54739
56080 61248 63300 764777 66312 66444 67515 72212
72837 73233 73626 75022 76592 77723 80002 83573
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142549 146253 146645 147447 148656 150728 155582
156469 157205 157487 157747 168657 160578 161775
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Freitag, den 13. Dezember 1912,
abends 8½ Uhr pünktlich,
im Reſtaurant Sitte‟, Karlſtraße 15:
Haupt-Versammlung
1. Jahresbericht des Schriftführers. 2. Kaſſenbericht des Rechners.
3. Hüttenausbau. 4. Wahl des Vorſtandes. 5. Ausloſung von Hütten=
Anteilſcheinen.
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Donnerstag, den
26. Dezember 1912: Ausflug nach Bensheim
Auerbach-Borsteine-Knoden-Bensheim (Deutsches Haus).
Abfahrt nach Bensheim 8 Uhr 58 Min. Der Vorstand.

rein für Aas Beutschtum im Auslang L. v.)
(Illg. Deutscher Schulverein).
Deutsohes Test
Mittwoch, den 4. Dezember 1912,
abends 8 Uhr pünktlich,
in sämtlichen Räumen des Städtischen Saalbaues:

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I. Teil.
Ouvertüre zu Iphigenie in Aulis‟
. Chr. W. v. Gluck
I. Bild: Meissener Figuren‟.
Gavotte, Musik: a. Musette aus Armide von Chr. W.
v. Gluck, b. Walzer von Fr. Popy.
II. Bild: Griechische Vasen. Musik: Präludium von
Fr. Chopin.
III. Bild: Nymphenburg‟. Menuett von A. Mozart.
IV. Bild: Meissener Zwiebelmuster‟. Musik: Frou-frou-
Polka von R. Berger.
V. Bild: Delft‟. Holzschuhtanz aus Zar und Zimmer-
mann
von A. Lortzing.
VI. Bild: Wedgwood‟. Fragmente aus Orpheus von
Chr. W. v. Gluck.
VII. Bild: Allerlei Porzellan‟. Musik aus Orpheus‟
von Chr. W. v. Gluck.

II. Teil: Ball.

Die Gruppen und Reigen werden geleitet von der Grossh.
Hofballettmeisterin Frau Thiele-Leonhardt.
Die Musik wird ausgeführt von dem Musikkorps des
Leibgarde-Infanterie-Regiments (1. Gross. Hess.) Nr. 115 unter Leitung
(24772
des Herrn Obermusikmeisters Hauske.

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Karten, welche zum freien Eintritt berechtigen,
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