Abonnementspreis
Inſerate.
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadt
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Geſtern fand in Gegenwart des Großherzogspaares die
Einweihung der Lutherkirche in Worms
ſtatt.
Prinz. Heinrich von Preußen iſt am Samstag
abend von ſeiner Oſtaſien=Reiſe nach Kiel
zurück=
gekehrt.
Wegen Beleidigung des preußiſchen
Ab=
geordnetenhauſes wurde der Redakteur des
„Vorwärts” zu 200 Mark Geldſtrafe verurteilt.
Auf dem Lordmayor=Bankett in der Guildhall zu London
hielt Premierminiſter Asquith eine Rede,
in der er ſagte: Die Landkarte Europas müſſe neu
ent=
worfen werden. Die auf den alten Ideen baſierenden
Gedanken müſſe man über Bord werfen. In einem
Punkte glaube er, ſei die allgemeine Meinung Europas
eines Sinnes: daß den Siegern im Balkankriege nicht
die Früchte geraubt werden dürfen, die ihnen ſo teuer
zu ſtehen kamen.
Die Nachricht von der Einnahme Salonikis durch
die griechiſchen Truppen erweckte in Athen große
Be=
geiſterung.
Die Kapitulation von Saloniki, ſowie des
Forts Kara=Burnu iſt am Freitag abend
unterzeich=
net worden. 25 000 Mann haben ſich ergeben.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 8.
Der Dreibund und die Balkankriſis.
CD Die amtliche Kundgebung zum Beſuch des
Marquis di San Giuliano in Berlin geht
von dem Charakter rückhaltloſer gegenſeitiger Offenheit
aus, den die freundſchaftlichen Beziehungen des
italieni=
ſchen Staatsmannes zu den maßgebenden Berliner
Per=
ſönlichkeiten allen Ausſprachen gegeben hätten. Wert und
Tragweite eines ſo vertrauensvollen Verhältniſſes
brauchen angeſichts der verwickelten internationalen Lage
nicht beſonders betont zu werden. Was die amtliche
Kund=
gebung in Anſchluß daran über das „gemeinſchaftliche
Verhalten” Italiens und Deutſchlands mitteilt, erſcheint
im Vergleich mit ſonſtigen Kommentaren zu
Miniſterbe=
ſuchen aus dem Grunde wertvoller, als es nicht die
be=
liebte Uebereinſtimmung der Anſchauungen variiert,
ſon=
dern durch die gewählte Wendung zum Ausdruck bringt,
daß beide Mächte ſich über ihre praktiſche Politik völlig
klar geworden ſind. „Namentlich” trifft dies auf die
gegen=
wärtige Lage im Orient zu. Worin das gemeinſchaftliche
Verhalten beſtehen wird, dafür gibt die amtliche
Kund=
gebung einen Fingerzeig. Man will „vor allem” den
tat=
ſächlichen Ereigniſſen Rechnung tragen. Damit iſt die
Status quo=Formel nochmals eingeſargt, damit wird
ge=
ſagt, daß die Einmiſchung auf das unerläßliche Maß
beſchränkt werden ſoll. Die amtliche Kundgebung ſtellt
dies auch ausdrücklich feſt, indem ſie die Einmiſchung von
dem Erſuchen der Nächſtbeteiligten ſowie davon abhängig
macht, daß „ſpezielle und direkte‟ Intereſſen durch
irgend=
welche Ereigniſſe berührt werden. Der Kreis dieſer
In=
tereſſen iſt inſofern eingeengt, als ſie „ſpezielle und
direkte” ſein müſſen, wenn ſie zur Einmiſchung führen
ſollen.
Daß auch Oeſterreich=Ungarn zu einer ſo begrenzten
Einmiſchungspolitik entſchloſſen iſt, geht aus der
Feſt=
ſtellung der Note hervor, daß hierüber die Beſprechungen,
denen wiederholt auch der öſterreichiſch=ungariſche
Bot=
ſchafter beiwohnte, die volle Uebereinſtimmung der
ver=
bündeten Regierungen ergeben hätten. Die maßvolle
Haltung der Donaumonarchie gegenüber der Balkankriſis
iſt alſo von neuem erhärtet werden. Daß aber der
Drei=
bund als Ganzes bei der Löſung des Orientproblems die
Rolle des ehrlichen Maklers ſpielen will, bezeugt der
Schluß der amtlichen Kundgebung. Denn hier wird das
einmütige Zuſammengehen der Verbündeten nochmals
nur zu dem Zwecke hervorgehoben, um hinzuzufügen, es
erleichtere ihnen die ſtete herzliche und freundſchaftliche
Fühlungnahme auch mit den anderen Mächten, mit denen
ſie einzeln und zuſammen in dauerndem
Gedankenaus=
tauſch ſtünden. Der Hinweis darauf, daß der Dreibund
als ſolcher mit den anderen Mächten in dauerndem
Ge=
dankenaustauſch ſteht, beſtätigt mittelbar jene
Meldun=
gen, in denen von der Uebergabe gleichlautender Noten
der Dreibundmächte die Rede war. Wie wenig jedoch
das einmütige Zuſammengehen der Dreibundmächte in
der orientaliſchen Angelegenheit die Erlangung von
Son=
dervorteilen bezweckt, beweiſt die gleichzeitige
freundſchaft=
liche Fühlungnahme mit den anderen Mächten,
Auf dieſe Weiſe wird der Dreibund ohne Zweifel
für die friedliche Löſung des Balkanproblems am
erfolg=
reichſten wirken können.
Oeſterreich=Ungarn und Herbien.
** Die Hauptfrage, die bei dem wohl über kurz oder
lang erfolgenden Friedensſchluſſe auf dem Balkan
ge=
ſtellt wird, iſt die, welche Haltung Oeſterreich dabei
ein=
nehmen wird, und ob man ſich dazu entſchließen werde,
Oeſterreich=Ungarn gewiſſe Konzeſſionen zu
machen. Daß es ohne ſolche abgehen wird, iſt kaum
anzunehmen, denn bei ſeinem großen Intereſſe auf dem
Balkan kann die Donaumonarchie nur dann in
Gebiets=
veränderungen einwilligen, wenn ſie ſelbſt in irgend einer
Form entſchädigt wird. Auf territorialem Gebiete dürfte
dies kaum möglich ſein es kämen wohl nur die
wirtſchaft=
lichen Beziehungen in Betracht. Namentlich in Belgrad
bläht man ſich ſehr auf und fordert das Blaue vom
Him=
mel herunter, insbeſondere beſteht man darauf, daß
Ser=
bien einen Zugang zum Adriatiſchen Meere erhalten
müſſe, ein Verlangen, gegen das ſich Oeſterreich=Ungarn
begreiflicherweiſe auf das entſchiedenſte wehrt. Eine heikle
Frage bildet auch die Geſtaltung der Verhältniſſe in
Alba=
nien. Es taucht da der ſchon früher ventilierte Vorſchlag
auf, dieſer Provinz die Autonomie zu verleihen und an
ihre Spitze einen chriſtlichen Prinzen unter Oberhoheit des
Sultans zu ſtellen. In mancher Hinſicht wäre dieſe
Lö=
ſung nicht die ſchlechteſte, ſie wäre zweifellos beſſer, als
wenn Albanien irgend einem der Verbündeten zufiele,
gleichwohl aber würde eine derartige Löſung noch den
weiteren Keim von Zwiſtigkeiten in ſich bergen. Gerade
Oeſterreich hat an der Art der Löſung das größte
In=
tereſſe und dürfte hierbei ein entſcheidendes Wort
mit=
ſprechen wollen.
Die Wiener Allgemeine Zeitung meldet aus Peſt:
Der öſterreichiſch=ungariſche Geſandte von Ugron zu
Abranſalva kehrte mit neuen Weiſungen nach
Bel=
grad zurück. Er wird dem Miniſterpräſidenten Paſitſch
mitteilen, daß die Monarchie von dem Beſtreben geleitet
ſei, mit Serbien ein ſo gutes Einvernehmen zu
unterhal=
ten, wie es unter dem Grafen Andraſſy dem Aelteren
be=
ſtanden habe. Die Monarchie ſei geneigt, die ſerbiſche
Politik Andraſſys fortzuſetzen, wenn Serbien ebenfalls
zu ſeinem damaligen Verhalten zurückkehre und eine
ent=
ſprechende Garantie biete.
Die Wiener Neue Freie Preſſe veröffentlicht ein
In=
terview mit dem in Wien weilenden Albaneſenführer
Ismail Kemal, der erklärte, die jetzigen Eroberer könnten
keine ſchwerere Sünde begehen, als wenn ſie ſich auf
Koſten der Albaneſen bereichern würden. Niemals
wür=
den die Albaneſen ſich in ein ſolches Schickſal fügen.
Europa werde die Segnungen des Friedens nicht
genie=
ßen können, wenn Albanien zerſtückelt werde. Wenn die
von den Balkanſtaaten eroberten Gebiete fortan ganz
un=
abhängig von der Türkei werden ſollten, müſſe auch
Al=
banien unabhängig werden. Albanien werde den Ehrgeiz
haben, ein ziviliſierter Staat zu ſein und, da die
Alba=
neſen ſein gutes Verhältnis zu Serbien
wünſchten, werde Serbien in der Lage ſein, ſich der
albaneſiſchen Häfen für ſeinen Handel zu bedienen. Die
Maliſſoren kämpften gegen die Türkei, aber nicht für
Montenegro, ſondern für die Unabhängigkeit Albaniens.
Albanien wolle zu einem guten Verhältnis zu Oeſterreich=
Ungarn und Italien ſtehen, um von beiden Staaten
kul=
turell und wirtſchaftlich gefördert zu werden. Ein kleiner
Staat bedürfe der Anlehnung an große Staaten und es
ſei klar, daß ſich die Anlehnung an die beiden verbündeten
Adriaſtaaten von ſelbſt ergebe. Von einem ſelbſtändigen
Albanien werde die große Nachbarmonarchie nur
profi=
tieren können.
Das Neue Wiener Tagblatt meldet aus Belgrad: An
maßgebender Stelle verlautet, daß die
öſterreichiſch=
ungariſche Regierung durch den Vertreter einer
Groß=
macht Serbien bekannt geben ließ, daß Oeſterreich=Ungarn
die Beſitznahme der eingenommenen Gebiete nur bis
Prizrend zulaſſe und wenn nötig, dieſem Verlangen mit
Waffengewalt Geltung verſchaffen wird. — Die
Voſſiſche Zeitung meldet aus Peſt: Der
öſterreichiſch=
ungariſche Geſandte wird dem ſerbiſchen
Miniſterpräſi=
denten Paſitſch mitteilen, daß ſeine Regierung
keines=
falls dulden werde, daß Serbien Albanien
in Beſitz nimmt, insbeſondere einen Hafen au der
Adriaküſte beſetzt. Hierauf werden auch der deutſche und
italieniſche Geſandte beim Miniſterpräſidenten vorſprechen
und mitteilen, daß eine Feſtſetzung Serbiens in Durazzo
und San Giovanni di Medua keineswegs geduldet werde.
Die Liberté ſchreibt über die vom ſerbiſchen
Miniſter=
präſidenten Paſitſch erhobenen Anſprüche auf drei
adriatiſche Häfen, es ſei ſchwer, dieſe Anſprüche ernſt zu
nehmen. Die ſerbiſche Regierung wiſſe, daß ihre
Prätentionen nicht bloß auf die Ablehnung ſeitens
Oeſterreichs=Ungarns, ſondern auf die noch
bru=
talere ſeitens Italien ſtoßen würde. Die
Uebertrie=
benheit der ſerbiſchen Forderungen würde vor allem nur
das Ergebnis haben, zwiſchen den Regierungen von Wien
und Rom eine engere Uebereinſtimmung herbeizuführen.
Es ſcheine deshalb logiſch, daß Serbien ſein Programm
auf die Erwerbung eines einzigen Hafens
an der Adria beſchränke und dieſer Hafen ſei San
Gio=
vanni di Medua, welcher bereits jetzt von den
Montene=
grinern im Namen der Serben beſetzt ſei.
Zu dem Zwiſchenfall in Liberia
wird uns geſchrieben: Die Negerrepublik Liberia hat
ebenſo wie ihre weſtindiſche Schweſter Haiti oft wohl
un=
liebſam von ſich reden gemacht. Beide Staatsweſen ſtehen
kulturell auf niedriger Stufe, Unruhen und Beläſtigungen
der Fremden ſind an der Tagesordnung, und Liberia
be=
findet ſich überdies noch in den jämmerlichſten finanziellen
Verhältniſſen, ſo daß die Amerikaner mit dieſer ihrer
Gründung keinen Staat machen können. Liberia hat ſchon
verſchiedentlich auch ſchon mit Deutſchland Konflikte
ge=
habt, und man wird ſich erinnern, daß gegen Ende 1908
ein liberiſches Zoll=Kanonenboot — wohl der vornehmſte,
wenn nicht einzige Repräſentant der Seemacht der
Repu=
blik — zwei Woermann=Dampfer beſchoß, was natürlich
energiſche Reklamationen der deutſchen Regierung zur
Folge hatte. Die Republik bat dann um Entſchuldigung,
die ihr, da kein Schaden angerichtet worden war, auch
gewährt wurde. Einige Jahre vorher lag ein ernſterer
Fall vor, indem der an der liberiſchen Küſte geſtrandete
Dampfer „Lule Bohlen” nach Mißhandlung ſeiner
Paſſa=
giere und Mannſchaften von Eingeborenen als
Strand=
gut behandelt und ausgeplündert worden war.
Deutſchland hat mancherlei wirtſchaftliche Intereſſen
in Liberia, wo unſere großen Handelshäuſer umfangreiche
Faktoreien unterhalten. Der Warenaustauſch im
Spezial=
verkehr bezifferte ſich 1910 in der Einfuhr auf 2,2
Millio=
nen und in der Ausfuhr auf 1,3 Millionen Mark. Wir
bezogen hauptſächtlich Piaſſavafaſern, Palmkerne und
Palmöl, während unſer Hauptausfuhrprodukt polierter
Reis war. Unſere Handelsbeziehungen mit Liberia ſind
durch einen Meiſtbegünſtigungsvertrag geregelt; im
Sommer 1908 ſchickte die Republik eine
Sondergeſandt=
ſchaft nach Berlin, die offiziell empfangen wurde und
Gaſt der deutſchen Regierung war. Vor zwei Jahren
hieß es, die Vereinigten Staaten von Amerika ſtrebten
ein Protektorat über Liberia an und wollten letzteres
finanziell unterſtützen, aber man hat ſeitdem nichts
wie=
der von einem ſolchen Plane gehört, und auch aus der
Anleihe iſt nichts geworden. — Die von der deutſchen
Re=
gierung jetzt getroffenen Maßnahmen werden hoffentlich
genügen, um unſere Intereſſen in Liberia zu ſchützen und
die dieſen drohende Gefahr zu bannen
Teiſches Reich.
Der Reichsetat dürfte im Bundesratsplenum
in dieſer Woche verabſchiedet werden, ſo daß er dem
Reichstag bei ſeinem Zuſammentritt fertig vorliegen wird.
— Die Leiſtungen der
Reichsverſiche=
rung. Nach einer im Reichsverſicherungsamt gefertigten
Zuſammenſtellung beträgt die Zahl der ſeit dem 1.
Ja=
nuar 1891 bis einſchließlich 30. September 1912 von den
31 Landesverſicherungsanſtalten und den 10 vorhandenen
Sonderanſtalten bewilligten Invalidenrenten 2074 952.
Krankenrenten wurden in der Zeit vom 1. Januar 1900
bis einſchließlich 30. September 1912 135781 bewilligt.
Die Zahl der während desſelben Zeitraumes bewilligten
Altersrenten beträgt 513575. Seit dem 1. Januar 1912
iſt der Invalidenverſicherung die
Hinterbliebenenverſiche=
rung angegliedert worden. Bis 30. September 1912 iſt
Witwenrente und Witwerrente in 2189 Fällen,
Witwen=
krankenrente in 59 Fällen, Waiſenrente in 8538 Fällen,
Witwengeld in 2515 Fällen und Waiſenausſteuer in 56
Fällen bewilligt worden.
— Reiſe des Gouverneurs von
Kame=
un, Am Ende dieſes Monats tritt Gouverneur
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 11. November 1912.
Nummer 266.
Dr. Ebermaier eine auf ſechs bis ſieben Monate
berech=
nete Reiſe nach dem Norden des Schutzgebietes Kamerun
an. Er wird begleitet von ſeinem perſönlichen
Adjutan=
ten, Oberleutnant von Engelbrechten, und einem
land=
wirtſchaftlichen Sachverſtändigen; auch Major Puder, der
Kommandeur der Schutztruppe, wird ſpäter zu der
Ex=
pedition ſtoßen. Die Reiſe geht über Land und berührt
die Stationen Bamenda, Banjo, Garua und Lere. Hier
wird die bekannte Etappenſtraße des Abkommens vom
4. November 1911 unterſucht werden. Dann geht es den
Logone abwärts zum Tſchadſee. Die Rückreiſe erfolgt
über Dikoa, Marua, Garua, Ngaundere, Tibati, Joko,
Jaunde und Kribi. Weſentlich ſind für den Gouverneur
auch die verkehrspolitiſchen Fragen. Wir dürfen von
ſeiner Reiſe Entſcheidungen für die zukünftige Kameruner
Eiſenbahnpolitik erwarten.
— Chriſtliche Gewerkſchaften und
Kon=
ſumvereine. Der Vorſtand und Verwaltungsrat des
Verbandes katholiſcher kaufmänniſcher Vereine
Deutſch=
lands erlaſſen zu der Stellungnahme des chriſtlichen
Ge=
werkſchaftskongreſſes in Dresden zur Konſumvereinsfrage
folgende Erklärung:
Der kaufmänniſche Mittelſtand, insbeſondere die
Mit=
glieder der katholiſchen kaufmänniſchen Vereine, haben
ſtets, ſowohl die katholiſchen Arbeitervereine, als auch die
chriſtlichen Gewerkſchaften, nach Möglichkeit gefördert und
ihren zur Hebung des Arbeiterſtandes gerichteten
Beſtre=
bungen wohlwollend gegenüber geſtanden. Umſomehr
bedauern dieſe Kreiſe, daß die chriſtlichen Gewerkſchaften
durch die Einbeziehung der Konſumgenoſſenſchaftsidee in
ihr Programm eine Aufgabe übernehmen, die völlig aus
dem Aufgabenkreis der Gewerkſchaften herausfällt und
auch in keiner Weiſe der Erreichung des
Gewerkſchafts=
zieles förderlich ſein kann. Dieſe Auffaſſung wird ſelbſt
in den Reihen der Mitglieder der chriſtlichen
Gewerkſchaf=
ten vertreten, die deshalb auch weder mit dem Inhalt
der in Dresden gefaßten Reſolution, noch auch mit der
Art und Weiſe, wie dieſe ein= und zur Abſtimmung
ge=
bracht wurde, einverſtanden ſind. Die Konſumgenoſſenſchaft
kann das Einkommen der Mitglieder keineswegs
kauf=
kräftiger geſtalten, weil nachgewieſen iſt, daß der
Konſum=
verein nicht in der Lage iſt, billiger zu liefern, als der
Kleinhändler. Ebenſo iſt es durchaus unzutreffend, daß
die Konſumgenoſſenſchaftsbewegung in irgendeiner Weiſe
eher in der Lage wäre, Preiskonventionen entgegen zu
wirken, als die organiſierte Kleinhändlerſchaft. Die
Dres=
dener Reſolution iſt aber vor allem, um der Grundidee
der chriſtlichen Gewerkſchaften willen, auf das lebhafteſte
zu bedauern. Die chriſtlichen Gewerkſchaften lehnen
grund=
ſätzlich die ſozialiſtiſche Klaſſenkampfidee ab. Die
Kon=
ſumgenoſſenſchaftsbewegung iſt aber in ihrer Wirkung
nichts anderes, als der Wegbereiter der Sozialdemokratie.
Aus dieſem Grunde ſchließen ſich chriſtliche Gewerkſchaft
und Konſumgenoſſenſchaftsbewegung einander
grundſätz=
lich aus und iſt vom volkswirtſchaftlichen Standpunkte der
Verband weſtdeutſcher Konſumvereine in Mülheim
(Rhein) nicht anders zu bewerten, als der
Zentralver=
band Deutſcher Konſumvereine in Hamburg.
Ausland.
Rußland.
Dumawahlen. Bis jetzt ſind 437
Dumaabge=
ſordnete gewählt, darunter 146 der Rechten, 16 der
gemä=
ßigten Rechten, 64 Nationaliſten, 79 Oktobriſten, 23
Fort=
lſchrittler, 55 Kadetten, 5 Mitglieder der Arbeitsgruppe,
7 Sozialdemokraten, 13 Abgeordnete der Linken, 6
Abge=
ordnete des Polenklubs, 4 polniſche Volksdemokraten,
4 polniſcher Sozialiſt, 3 polniſch=littauiſche Weißruſſen,
2 littauiſche Nationaliſten, 3 Muſelmanen, 5 Parteiloſe.
Amerika.
Vereinigte Staaten. Die Stimmenmehrheit,
welche Dr. Wilſon im Wahl=Kollegium davon trug, iſt
dem Staate Illinois zu verdanken, deſſen 29 Vertreter
ſich ihm zugewandt haben. Wilſon hat 442 Sitze von 531
ſgewonnen. Man glaubt, daß der nächſte Senat ebenſo
zuſammen geſetzt ſein wird.
Mexiko. Ein Telegramm aus Mexiko meldet: Die
Zapatiſten wurden nach zweitägigem Gefecht in der Nähe
von Cuernavaca endgültig geſchlagen. Sie ließen über
hundert Tote auf dem Kampffeld. Die Ueberbleibenden
flohen in die Berge.
Braſilien. Der Landwirtſchaftsminiſter weiſt in
ſeinem Bericht auf die außerordentliche Zunahme der
Ein=
wanderung namentlich in Südbraſilien hin. Er hebt die
Erfolge hervor, die mit dem neuen Syſtem des Schutzes
der Indianer erzielt wurden, ſowie die hervorragenden
Ergebniſſe, die die geſetzlichen Maßnahmen zum Schutz
der Kautſchukpflanzungen hatten.
China.
Zahlungen der Anleihe. Der
Generalin=
ſpekteur der chineſiſchen Zölle Mr. Aglen hat Juanſchikai
eine bedeutſame Denkſchrift unterbreitet, in der er
ver=
ſichert, ſämtliche Zahlungen der Anleihe und der
Borer=
entſchädigung vom 1. Januar 1913 an aus den
Einnah=
men der Seezölle beſtreiten zu können, wenn 400 000 Taels
monatlich aus der Salzſteuer zugeſchoſſen würden. Dieſer
Zuſchuß ſei notwendig, um auf ein mögliches Fallen des
Wechſelkurſes oder auf andere unvorhergeſehene Ereigniſſe
vorbereitet zu ſein. Der Bericht Aglens zeigt, daß die
finanzielle Lage Chinas weſentlich beſſer iſt, als bisher
allgemein angenommen wurde. — Die Meldung, daß die
chineſiſche Regierung die Verhandlungen mit der
Sechs=
mächte=Gruppe wieder aufgenommen habe, entſpricht nichl
ganz den Tatſachen.
Gegen das ruſſiſch=mongoliſche
Ab=
kommen hat, wie verlautet, die chineſiſche Regierung
Proteſt erhoben.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 11. November.
* Vom Hofe. Oberſt Wiltſchkowski nahm am
Donnerstag an der Frühſtückstafel im Neuen Palais
teil. Am Freitag vormittag 9½ Uhr begaben ſich die
Allerhöchſten Herrſchaften mit Gefolge im Sonderzug
nach Worms und kehrten nachmittags 39 Uhr wieder
zurück. (Darmſt. Ztg.)
* Enthoben haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog den Univerſitätsprofeſſor Dr. Haller in
Gießen auf ſein Nachſuchen von der Stelle eines
Mit=
gliedes der Hiſtoriſchen Kommiſſion für das
Groß=
herzogtum Heſſen.
* Ordensverleihung. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Sanitätsrat Dr. Maurer
zu Darmſtadt die Erlaubnis zur Annahme und zum
Tragen der ihm von Sr. Maj. dem Deutſchen Kaiſer,
König von Preußen, verliehenen Rote Kreuz=Medaille
3. Klaſſe erteilt.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Wilhelm Rollar
zu Raunheim, Kreis Groß=Gerau, eine Lehrerſtelle an
der Gemeindeſchule zu Weiſenau, Kreis Mainz.
* Militärdienſtnachricht. Fell (Kurt), Lt. im
Infanterie=Regiment Prinz Carl. (4. Großh. Heſſ.) Nr. 118,
ſcheidet am 22. November aus dem Heere aus und wird
mit dem 23. November 1912 in der Schutztruppe für
Südweſtafrika angeſtellt.
sk. Firmenſtreit. Urteil des Reichsgerichts vom
8. November 1912. (Nachdruck verboten.) Nach
§ 30 des Handelsgeſetzbuches muß ſich jede neue
Firma von allen an demſelben Orte oder in
der=
ſelben Gemeinde bereits beſtehenden und in das
Han=
delsregiſter eingetragenen Firmen deutlich unterſcheiden.
Wer in ſeinen Rechten dadurch verletzt wird, daß ein
Anderer eine Firma unbefugt gebraucht, kann nach § 37
H.G. B. von dieſem die Unterlaſſung des Gebrauches der
Firma verlangen. Einen weiteren Schutz der Firma
ge=
währt § 16 des Wettbewerbsgeſetzes, der beſtimmt: Wer
im geſchäftlichen Verkehr eine Firma in einer Weiſe
be=
nutzt, welche geeignet iſt, Verwechſlungen mit der Firma
eines anderen hervorzurufen, deren ſich dieſer
befugter=
weiſe bedient, kann gleichfalls auf Unterlaſſung dieſer
Be=
nutzung in Anſpruch genommen werden. Die Klage aus
§ 34 des Handelsgeſetzbuches ſetzt voraus, daß der
Be=
klagte eine Firma unbefugt gebraucht und der Kläger
da=
durch in ſeinen Rechten verletzt wird. Die Unterlaſſungs=
klage aus § 16 des Wettbewerbsgeſetzes hat lediglich zur
Bedingung, daß im geſchäftlichen Verkehr eine
Verwechs=
lungsgefahr zweier Firmen beſteht. Nach dieſen
Vorſchrif=
ten hatte das Reichsgericht folgenden Firmenſtreit
zu entſcheiden. In Darmſtadt beſteht ſeit etwa 50
Jah=
ren eine Firma: Erſte Darmſtädter Herdfabkik
und Eiſengießerei, Gebr. Röder, eine bekannte
Firma, die ſich lange Zeit allein mit der Herſtellung von
Kochherden befaßte, welche im Geſchäftsverkehr allgemein
als Darmſtädter Herde oder Röder=Herde bezeichnet
wur=
den. Ein früherer Angeſtellter dieſer Firma begründete
im November 1911 eine neue Fabrik, die ähnlich und zwar
„Darmſtädter Herdfabrik und Emaillierwerke” firmierte.
Die ältere Firma behauptete, dieſe Bezeichnung der neuen=
Fabrik ſei nur gewählt worden, um der älteren Firma
unlautere Konkurrenz zu machen, was auch aus dem
ſon=
ſtigen Geſchäftsgebahren dieſer neuen Firma hervorgehe.
Geſtützt auf §§ 30, 37 des Handelsgeſetzbuches ſowie auf
§§ 1 und 16 des Wettbewerbsgeſetzes, verlangte deshalb
die ältere Firma Unterlaſſung und Löſchung der neuen=
Firma und forderte Schadenerſatz; tatſächlich ſei die neue
Firma mit der älteren bereits mehrfach verwechſelt
wor=
den. Das Landgericht Darmſtadt hatte erkannt,
die beklagte Firma habe die Bezeichnung „Darmſtädter
Herdfabrik” bei ihrer Firmierung zu unterlaſſen.
Firmen=
rechtlich, ſo führte das Landgericht aus, ſei die neue
Firma zwar nicht zu beanſtanden. Die Worte „
Darm=
ſtädter Herdfabrik” führten aber zu Verwechſlungen mit
der älteren Firma, ſo daß die Unterlaſſungsklage nach
§ 16 des Wettbewerbsgeſetzes gegeben ſei. Auf die
Be=
rufung des Beklagten hatte das
Oberlandesge=
richt die erhobene Unterlaſſungsklage ganz abgewieſen.
Mit Recht habe ſchon das Landgericht, ſo hieß es in den
Gründen des Berufungsgerichts, ausgeführt, daß die neue
Firma den Vorſchriften des Handelsgeſetzbuches
vollkom=
men genüge. Denn ſie unterſcheide ſich deutlich genug
von der klägeriſchen Firma. Man könne nur eine
Unter=
ſcheidung verlangen, wie ſie der gewöhnliche Verkehr
for=
dere. Dem ſei aber nach Wort, Klang und
Geſamtin=
halt der beiden Firmierungen genügt. Aber auch die
Anwendung von § 16 des Wettbewerbsgeſetzes ſei nicht
möglich. Bei dieſem Paragraphen komme es auf die
An=
ſchauungen der beteiligten Verkehrskreiſe an. In dieſen
ſeien die Fabrikate der Klägerin nicht ſo ſehr als „
Darm=
ſtädter Herde” bekannt, als vielmehr als „Röder=Herde‟
Darüber ließen die Ausſagen der bisherigen Kunden der
Klägerin keinen Zweifel. Daß tatſächlich Verwechſlungen
beider Firmen vorgekommen ſeien, ſei unerheblich. Denn
die Verwechſlungsfähigkeit ſei ein objektiver Begriff, der
unabhängig von tatſächlich erfolgten Verwechſlungen zu
prüfen ſei. Vereinzelte Fälle von Verwechſlungen ſeien
noch nicht geeignet, die Verwechſlungsfähigkeit beider
Firmen darzutun. Der Geſamteindruck der Firmen ſei
entſcheidend, und da müſſe man fagen, daß bei
Anwen=
dung auch nur einiger Sorgfalt die Gefahr einer
Verwechs=
lung beider Firmen recht wenig nahe liege. Scheide aber
die Gefahr einer Verwechſlung überhaupt aus, dann könne
es auf Nebenſachen nicht ankommen. Das
Reichsge=
richt erachtete aber doch objektiv eine
Verwechſlungs=
fähigkeit beider Firmen für vorliegend. Es hob deshalb
das Berufungsurteil inſoweit auf, als auf Unterlaſſung
der Bezeichnung „Darmſtädter Herdfabrik” bei der
Fir=
mierung, auf Löſchung einer ſolchen Firmierung und auf
Schadenerſatz geklagt war, und verwies die Sache in
die=
ſem Umfange an die Vorinſtanz zurück. Weitergehende
Anſprüche der Klägerin wurden aber zurückgewieſen.
g. Strafkammer. Ein 22jähriger Tapeziergehilfe
von hier hatte die Bezahlung zweier Rechnungen
über=
nommen und hatte zu dieſem Zweck Beträge von 6 und
8 Mark ausgehändigt erhalten. Er bezahlte die
Rech=
nungen jedoch nicht, ſondern verbrauchte das Geld für
ſich. Die beiden Rechnungen quittierte er ſelbſt. Er wurde
von der Strafkammer unter Zubilligung mildernder
Um=
ſtände wegen Betrugs und Urkundenfälſchung zu drei
Monaten Gefängnis verurteilt. — Der Maurer
Benedikt Ihrig von Güntherfürſt i. O. beſitzt die
Ge=
nehmigung zum Flaſchenbierhandel, jedoch keine
Wirt=
ſchaftskonzeſſion. Seine Frau duldete nun, daß einige
Käufer ihr Bier auf einer Bank am Hauſe tranken, ſo daß
ein Verſtoß gegen § 33 der Gewerbeordnung gegeben
war. Ihrig war deshalb vom Schöffengericht zu 15 Mk.
Geldſtrafe verurteilt worden, welche Strafe am Samstag
von der Strafkammer als Berufungsinſtanz beſtätigt
wurde. — Der aus Berlin ſtammende Studierende B von
der hieſigen Hochſchule hatte ſich wegen einer im Juli
ver=
übten Sachbeſchädigung vor der Strafkammer zu verant=
igen für Schantung, und Herr Tan vom
Verkehrsmini=
ſterium — beide ſprechen fließend deutſch.
Den 29. September, einen Sonntag, benutzte Dr.
Sun zu eingehender Orientierung in der Kolonie,
ſo=
wie zur Abſtattung und zum Empfang zahlreicher
Be=
ſuche. Immer wieder ſah man ihn mit ſeiner Begleitung
durch die Straßen fahren.
Von den Anlagen ſchienen ihn am meiſten der Hafen,
die ganze Stadtanlage und die Anforſtungen zu
inter=
eſſieren; der Beſichtigung des Hafens hatte er volle drei
Stunden gewidmet. Auf Hafen und Forſt iſt er auch bei
Geſprächen und Reden mit ungeheuchelter Bewunderung
immer wieder zurückgekommen, ſo auch bei dem —
übri=
gens in ſehr freundlichen Formen verlaufenden —
Be=
ſuche beim Gouverneur. Am gleichen Tage hatte auch ich
Gelegenheit, Dr. Sun zu ſehen und zu ſprechen: Seine
Erſcheinung und ſein Weſen enttäuſchen zuerſt, wie das ja
meiſt der Fall iſt, wenn man ſich von einer Perſönlichkeit
vorher Eine beſtimmte Vorſtellung gemacht hat. Auf
klei=
nem, ſchmächtigem Körper ſitzt ein etwas zu großer
run=
der Kopf. Das Geſicht entbehrt gewöhnlich des
Aus=
druckes und des Minenſpiels, die Augen ſind
niederge=
ſchlagen. Zwei tiefe Falten ziehen von der Naſe nach
dem Mundwinkel herab. Anzug tadellos europäiſch,
Zy=
linder. Die Sprache iſt leiſe, korrekt engliſch, die
Aus=
drücke vorſichtig gewählt; er ſchiebt am liebſten den
ande=
ren die Laſt der Unterhaltung zu und ſpielt den
aufmerk=
ſamen Zuhörer. Aber ab und zu hebt ſich das Auge, ein
meſſerſcharſer Blick zuckt herüber und zeigt an, daß dieſe
ſcheinbare Ruhe nur Maske iſt. Der berühmte
Verſchwö=
rer hat ſich ſo daran gewöhnen müſſen, ſeine innerſten
Gedanken zu verbergen, daß ihm dies jetzt zur zweiter
Natur geworden iſt. Doch auch ehrliche Begeiſterung
habe ich in dieſen Augen aufleuchten ſehen, und das war,
wenn Sun in ſeinen Reden von der Zukunft Chinas,
deſſen Entwickelungsmöglichkeiten und den Wegen dazu
ſprach.
Sun iſt ein geborener Redner, wenn man ihn gehört
hat, begreift man auf einmal den geradezu
faſzinieren=
den Eindruck, den er auf ſeine Landsleute, vor allem in
Er fängt langſam und ſtockend — in kantoneſiſch
in, aber man ſieht, wie ihn der Gegenſtand allmählich
erwärmt und hinreißt, die Geſtalt ſcheint zu wachſen, ver=
Brief aus Tſingtau.
Tſingtau, den 14. Oktober 1912.
So haben wir denn den jetzigen Nationalhelden
Chi=
nas' auch in Tſingtau von Auge zu Auge geſehen:
Vom 28. September bis 1. Oktober hat Dr. Sun wen
ſnlias Sun Ji hſien alias Sunyatſen mit Familie auf
der Reiſe von Tſinanfu nach Schanghai in unſeren
Mauern geweilt.
Die Neugierde unſerer Chineſen — nicht etwa ihr
Enthuſiasmus — war grenzenlos. Ich ſchätze die Zahl
ſder zu ſeiner Begrüßung auf dem Platze vor dem
Bahn=
ihofe Verſammelten auf 2—30001
Dagegen waren ſeine kantoneſiſchen Parteigenoſſen
von der Tung meng Hui ſchon einige Tage vorher rein
aus dem Häuschen. Ihre Zahl iſt hier nicht ganz
un=
bedeutend, wenn man bedenkt, daß der größere Teil der
Handlungsgehilfen, Compradore und ein Teil der
Hoch=
ſchüler Südchineſen ſind.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Sun wen hat an
dem durchaus privaten Charakter ſeines Beſuches ſtreng
feſtgehalten und hat ſich in keiner Weiſe dazu verleiten
kaſſen, ſich auf das gefährliche Glatteis der Politik zu
be=
geben. Wenn aber auch Sun für uns reiner Privatmann
iſt, ſo bleibt er doch das Haupt der mächtigen Tung meng
Hui, der Abgott Südchinas und iſt ſo eine Art von
Staatspenſionär: bezieht er doch monatlich die
Kleinig=
keit von 30000 Dollars (etwa 66000 Mark) von Yüan
ſchy kai — täglich 1000 Dollars. — (Sie ahnen gar nicht,
welche Gefühle unſereinen hier draußen beim
Nieder=
ſchreiben ſolcher Summen beſchleichen, wenn der
Dollar=
lkurs, wie eben, 2,25 Mark beträgt, man alſo etwa 20
Pro=
zent vom Werte des deutſchen Geldes beim Wechſeln
ein=
büßt!)
Dr. Sun ſtieg mit Frau und Tochter (einer ganz
rei=
zenden, graziöſen Erſcheinung, Schülerin eines
amerika=
niſchen College), ſeinem Sekretär Wan bing tſung (mit
Frau) und zwei weiteren Sekretären im Strandhotel
Prinz Heinrich ab. Dieſe Perſonen bildeten ſeinen
eigent=
lichen Stab. Außerdem waren noch 8 weitere Perſonen
im Gefolge, die Yüan ſchy kai „Ehrenhalber” ange
ſchloſſen hatte. Darunter Lang dſcheng, der frühere Ge
ſandte in Berlin, jetzt Provinzialminiſter des Auswär
zehrendes Feuer bricht aus den Augen, die ganze Geſtalt
wird eine rhetoriſche Geſte, die ganze Geſtalt, denn
Handbewegungen macht er nicht, da er die Hände feſt auf
dem Rücken behält.
Redneriſch hervorgetreten iſt Dr. Sun bei ſeinem
Be=
ſuch in der deutſch=chineſiſchen Hochſchule, ſowie im
Can=
ton= und Kiangſu=Klub.
Alle Reden hatten denſelben Grundton: Aufruf aller
Schichten der chineſiſchen Bevölkerung zu energiſcher,
werktätiger Mitarbeit an dem Neuaufbau, der
Fortent=
wickelung und Moderniſierung Chinas. Alle Chineſen
ſeien durch die republikaniſche Staatsform zu
Mitregen=
ten geworden, mitregieren hieße aber verantwortliche
Pflichten gegen den Staat erfüllen. Um hierzu befähigt
zu ſein, habe jeder die heilige Pflicht, ſich auf das beſte
zu rüſten und vorzubereiten. Rückhaltlos gab er zu, daß!
China zurückgeblieben ſei, um ſo eifriger müſſe jeder
be=
ſtrebt ſein, zu lernen, um das Vaterland auf die gleiche
Stufe der Vollendung zu heben, wie die anderen
vorge=
ſchrittenen Mächte. Von dieſem ernſten Wollen hinge
Chinas Entwickelung, Fortſchritt und Zukunft ab.
Und nun kam wohl das für uns Intereſſanteſte:
Rückhaltlos und in ebenſo geſchickter wie wirkungsvoller
und ſympathiſcher Weiſe würdigte Dr. Sun
Deutſch=
lands Leiſtungen auf kulturellem, wiſſenſchaftlichem
und geſetzgeberiſchem Gebiete im allgemeinen, ſowie die
deutſche Arbeit in Tſingtau und im Schutzgebiet im
beſon=
deren. (Es muß hierbei darauf hingewieſen werden,
daß Dr. Sun auch Deutſchland aus eigener Anſchauung
kennt.)
Die chineſiſchen Kaufleute ſollten an der Tatſache, wie
Deutſchland aus einem elenden Fiſcherdorf durch
Erbau=
ung eines muſtergültigen Hafens, ſowie einer das
Hinter=
land erſchließenden Eiſenbahn in der kurzen Spanne
von 12 Jahren ein blühendes Handelsemporium
ge=
ſchaffen hätte, lernen, was und wie man es zu machen
habe. „Ich ſehe nicht ein, warum es dann in 40 Jahren
nicht noch 20 blühende Tſingtaus geben ſollte.”
Für modernen, hygieniſchen Städtebau gäbe es gar
kein beſſeres und bequemer liegendes Muſter als dieſes
Tſingtau hier, mit deſſen Anblick er geſehen habe, daß
China trotz 1000jähriger Kultur im Städtebau nichts
ge=
leiſtet habe.
Nummer 266.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 11. November 1912.
Seite 3.
worten. Nach einer Kneiperei in einem hieſigen Café
hatte er aus Uebermut das vor einem Laden hängende
Friſeurbecken mit ſeinem Spazierſtock derart beſchaoigt,
daß es durch ein neues erſetzt werden mußte. Da der
ge=
ſchädigte Friſeur einen Schadenerſatz nicht erlangen
konnte, ſtellte er Strafantrag wegen Sachbeſchädigung.
Das Schöffengericht ſprach den Angeklagten frei. Auf die
Berufung des Amtsanwalts verurteilte ihn die
Straf=
kammer zu 30 Mark Geldſtrafe.
* Bei der Landesverſicherungsanſtalt Großh. Heſſen
ſind im Monat Oktober 1912 — 267 Anträge
einge=
gangen, und zwar: 184 Anträge auf Invaliden= und
Kran=
keurente (J. und K.), 15 Anträge auf Altersrente (A.), 31
Anträge auf Witwen= und Witwerrente (W.), 30 Anträge
auf Waiſenrente (O.), 7 Anträge auf Witwengeld (Wg.).
Unerledigt wurden in dieſen Monat übernommen 298
Anträge, ſo daß 565 Rentengeſuche in Bearbeitung
ſtan=
den. Es fanden Erledigung: 247 Anträge durch
Bewil=
ligung (179 J., 8 K., 19 A., 11 W., 5 Wg., 25 O.), 6
An=
träge durch Anwartſchaftsbeſcheid (§§ 1258, 1743 R. V.O.),
42 Anträge durch Ablehnung, weil unbegründet (28 J.,
3 A., 8 W., 2 Wg., 1 O.), 18 Anträge durch andere Weiſe
— Zurücknahme uſw. (9 J., 2 A., 1 W., 4 Wg., 2 O.),
zuſammen 313 Anträge, hiervon wurden 30 Renten durch
Umwandlung erledigt, ſo daß 282 Anträge als unerledigt
auf den Monat November I. J. übernommen werden
muß=
ten. Ende Oktober 1912 waren in den nachverzeichneten
Anſtalten verſicherte Perſonen untergebracht:
1. Ernſt Ludwig=Heilſtätte bei Sandbach 114, 2.
Eleono=
ren=Heilſtätte bei Winterkaſten 54, 3. Göttmannſche Anſtalt
bei Reichelsheim i. O. 60, 4. Bad Nauheim 20, 5. Bad
Orb 14, 6. Dr. Loſſenſche Klinik 5, 7. Sonſtige Anſtalten,
wie (Krankenhäuſer, Kliniken u. dergl. m.) 29,
zuſam=
men 296.
— Volksvorſtellung. Als Volksvorſtellung geht am
Sonntag, den 17. November, nachmittags „Alt=Heidelberg”
in Szene.
70. Geburtstag. Herr Geheimerat
Wil=
brand, Vorſitzender der Miniſterialabteilung für Forſt=
und Kameralverwaltung, vollendete am Samstag, den
9. November, in voller körperlicher und geiſtiger Friſche
ſein 70. Lebensjahr. Aus dieſem Anlaß verſammelren
ſich morgens vor Beginn der Sitzung die Mitglieder
und Beamten dieſer Abteilung in dem mit
Tannen=
grün und Blumen feſtlich geſchmückten Sitzungszimmer,
um ihrem allverehrten Vorſitzenden ihre Glückwünſche
darzubringen. Den Wünſchen aller verlieh Großh.
Geh. Oberforſtrat Dr. Walter in herzlichen Worten
Aus=
druck. Im Laufe des Vormittags beglückwünſchte Se.
Exzellenz der Herr Finanzminiſter mit ſeinen Räten
den Gefeierten in ſeiner Wohnung. Auch die
Ver=
bände der Großh. Oberförſter, der Forſtaſſeſſoren, der
Domanial= und der Kommunalforſtwarte hatten es
ſich nicht nehmen laſſen, den um das geſamte
Forſt=
weſen Heſſens hochverdienten Vorgeſetzten durch
Ab=
geſandte der Liebe und Wertſchätzung zu verſichern,
deren er ſich bei allen Graden der heſſiſchen
Forſt=
beamten erfreut.
— Karlsruher Kadetten in der Darmſtädter
Ausſtel=
lung „Der Menſch” Kürzlich wurde unſere Stadt durch
den Beſuch von etwa 30 jungen Kriegern überraſcht. Es
waren Kadetten aus unſerer Nachbar=Reſidenz
Karlsruhe, die herüber gekommen waren, um die
prächtige und intereſſante Ausſtellung „Der Menſch” im
hieſigen Reſidenzſchloſſe in Augenſchein zu nehmen. Vom
Bahnhof aus gingen die jungen Kadetten in
flottem Tempo unter Aufſicht zweier mit ihnen
gekomme=
mer Offiziere und unter der Führung des Herrn Poſtrats
Gehlhar von hier, zunächſt durch die Stadt, um bei
dem herrlichen Herbſtwetter die Sehenswürdigkeiten zu
beſichtigen. Dieſer Marſch durch die Stadt führte an dem
neuen Großh. Palais vorbei, durch die Villenviertel bis
zur berühmten Künſtlerkolonie. Von dort begab man
ſich zu einem kurzen Imbiß in ein Café. Dann aber kam
die Hauptſache: die Beſichtigung der Ausſtellung „Der
Menſch‟ Die Ausſtellungsleitung hatte in letzter Stunde
noch gütigerweiſe für eine ſachverſtändige Führung
ge=
ſorgt, was ganz beſonders dankend hervorgehoben zu
werden verdient. Die Kadetten erhielten auf dieſe Weiſe
im Laufe von zwei Stunden ein ſo klares Bild des
menſch=
lichen Organismus, daß man dem Führer, Herrn Dr.
Staudinger, nur ein ganz beſonderes Lob ſpenden
muß. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß unter dem
über=
aus reichhaltigen Material der einzigartigen Ausſtellung
eine ſorgfältige Auswahl getroffen werden mußte, denn
matürlich eignet ſich nicht alles Gebotene für Schülerohren
und=Augen. Nachdem die jungen Marsſöhne ſich ſatt ge=
ſehen und gehört hatten, verlangte ihr eigener
Organis=
mus nach etwas konſiſtenterer Nahrung und ſo begab man
ſich in die Gartenhalle des Vereins „Kaſino”, wo ſich bei
einem vortrefflichen Imbiß bald eine ſehr angeregte
Stimmung entwickelte. An langer Tafel ſaßen die
heite=
ren friſchen Jungens; ſichtlich ſchmeckte ihnen Speiſe und
Trank und im Handumdrehen war die Zeit der Abfahrt
gekommen. Es tat den Kadetten ſichtlich leid, daß der
intereſſante Tag ſchon zu Ende gegangen war.
* Der Ausſchuß der vereinigten Bezirksvereine
hielt eine Sitzung ab, zu der außer den
Vorſtandsmit=
gliedern der einzelnen Vereine eine ganze Anzahl
Stadt=
verordnete eingeladen und erſchienen waren. Zur
Waſſergeldfrage hatte Herr Architekt Kugel ein
eingehendes Referat erſtattet, wobei alle gemachten
Vorſchläge nach verſchiedenen Seiten erläutert wurden.
Der Vorſchlag des Hausbeſitzervereins geht dahin, das
Waſſergeld in der Art zu erheben, wie es in Mannheim
geſchieht und zwar direkt vom Verbraucher unter
Kon=
trolle eines Waſſermeſſers in Form eines Betrages von
3—4 Proz. des Mietwertes der Wohnung. Ein weiterer
Vorſchlag will das verbrauchte Waſſer direkt vom
Ver=
braucher nach Angabe eines Waſſermeſſers erheben
unter Haftbarkeit des Vermieters. Weiter wird erſtrebt,
daß die Meſſer billiger denn ſeither von dem Waſſerwerk
geliefert werden, da die zur Zeit erhobene Miete für
einen 2= oder 3=Meſſer (12—18) Mk. in keinem Verhältnis
zum Wert eines Waſſermeſſers ſteht. Der Waſſerpreis,
pro cbm 20 Pfg. würde auch von allen Seiten als viel
zu hoch erkannt, da er in keinem Verhältnis zu den
Selbſtkoſten ſteht. Das Waſſerwerk hat jährlich einen
durchſchnittlichen Reinverdienſt von rund 250000 Mk.
Noch ein Vorſchlag ging dahin, das Waſſergeld, wo es
gewünſcht wird, vom Verbraucher zu erheben, den
Waſſer=
meſſer gegen höchſtens 2 Mk. jährliche Miete zu ſetzen
und den Waſſerpreis für Wohnungen bis zu einem
kleinen Mehr der Selbſtkoſten herabzuſetzen. Für
In=
duſtrie ꝛc. bleibt der heutige Waſſerpreis. Für
Ver=
braucher mit 1500—2000 Mk. Jahreseinkommen wird
das Waſſergeld unter den Selbſtkoſten der Stadt
abge=
geben. Der Vorſitzende hob hervor, daß in den
Be=
zirksvereinen kein Beſchluß gefaßt werden kann, da dieſe
weder Hausbeſitzer= noch Mietervereine ſeien. Es ſoll
lediglich eine Ausſprache aller ſtattfinden.
* Aus der Basler Frauenmiſſion ſei folgender
Ueber=
blick über den derzeitigen Stand und guten Fortgang des
Frauenmiſſionswerkes in den Heidenländern wie im
Heimatlande gegeben. Draußen ſtehen 31
Miſſions=
ſchweſtern in treuer, glaubensfreudiger Arbeit: 15 in
Indien, 3 in China, 4 auf der Goldküſte und 9 in
Kame=
run. Sie blieben in Gefahren unverſehrt und von
be=
ſonderen Verluſten verſchont. Ihre Tätigkeit iſt ja nach
ihrem Poſten eine verſchiedenartige, vielſeitige. Als
Lei=
terinnen und Lehrerinnen an Miſſionsanſtalten und
=ſchulen, als Krankenſchweſtern in Spitälern oder in
Haus=
pflege, als Bibelfrauen bleibt doch neben dem Unterricht
oder äußerer Hilfeleiſtung ihre größte, wichtigſte Aufgabe
die, das Evangelium in die Nacht heidniſchen
Frauen=
lebens hineinleuchten zu laſſen. — Seit einem Jahr
kön=
nen die Miſſionsſchweſtern ihre Vorbereitung zum
Miſ=
ſionsdienſt in einem eigenen Schweſternheim in
Baſel erhalten. Etwa 6 Schweſtern werden jährlich
aufgenommen und nach zehnmonatlichem Kurſus
ausge=
ſandt. Dabei wird eine gute allgemeine Vorbildung für
den einen oder anderen Zweig des Miſſionsdienſtes
vor=
ausgeſetzt, wie ſie zum Beiſpiel ein Diakoniſſenhaus,
Lehrerinnenſeminar oder ſonſtige höhere Allgemeinbildung
vermittelt. Möchten nicht immer noch mehr Frauen und
Jungfrauen ſich zum Eintritt in den geſegneten
Miſſions=
dienſt entſchließen? — Weiter zeigt einen erfreulichen
Zuwachs die Jahreseinnahme der geſamten
Frauen=
miſſion mit 64 215 Francs für 1911, gegen 56846 Francs
für 1910. Da aber der Voranſchlag für 1912 etwa 63000
Francs beträgt, heißt es, nicht müde werden im Fördern
und Unterſtützen des Miſſionswerkes, wo ſich Gelegenheit
bietet. Wir verweiſen auf den am 13. November
im Gemeindehaus, Kiesſtraße 17,
ſtattfinden=
den Miſſionsverkauf (ſiehe Anzeige) und laden
herzlich zu deſſen Beſuch ein.
— Lichtbilder=Vortrag und Rezitationen. Am 23.
November, abends 8 Uhr, findet im Konkordiaſaal,
Wald=
ſtraße 33, zum Beſten der Freiwilligen
Sani=
täts=Haupt=Kolonne vom Roten Kreuz
ein Lichtbilder=Vortrag über das „Deutſche Rote Kreuz,
ſein Werden, Wachſen und Wirken” ſtatt, zu dem Herr
Fredy Wiener=Darmſtadt ſeine Mitwirkung als Rezi=
tator zugeſagt hat. Das Programm weiſt an
Rezitatio=
nen auf: „Die Schlacht” von Frhrn. von Schiller, „Im
Lazarett” von Theodor Körner. Außerdem wird Herr
Fredy Wiener das ſelten zum Vortrag gebrachte
Melo=
dram „Die Mette von Marienburg” (Dichtung von Felix
Dahn, begleitende Muſik von Ferd. Hummel, Op. 114)
zu Gehör bringen; ein Werk, das ſowohl in muſikaliſcher
als auch beſonders in ſprachtechniſcher Beziehung an den
Rezitator höchſte Anforderungen ſtellt und außerdem
eine=
hervorragende Begleitung erfordert, für die ſich Herr
Muſikdirektor Klaſſert zur Verfügung geſtellt hat. Ein
recht lebhafter Beſuch der Veranſtaltung dürfte ſich wohl
empfehlen, da es bekannt iſt, daß die Inanſpruchnahme
der von der Freiwilligen Sanitätskolonne ſeit 1905
ein=
gerichteten, von der Stadt unterſtützten Rettungswache
eine ſehr ſtarke iſt und ſich von Jahr zu Jahr ſteigert.
Selbſtredend gehen mit dieſer Steigerung auch die
Un=
koſten ſtetig in die Höhe. So wurde in letzter Zeit zur
Bewältigung der Krankentransporte während der Nacht
auch ein Chauffeur für die Nachtzeit eingeſtellt. Es braucht
nicht erwähnt zu werden, daß die Stadt ſelbſt nicht in der
Lage iſt, die Kolonne zu erhalten. Leider verfügt auch
die Kolonne über kein nennenswertes Vermögen, ſo daß
ſie die Mittel zu ihrem Wirken auf dem Wege allgemeiner
Mildtätigkeit aufbringen muß. Die Leiſtungen der
Ko=
lonne ſind aus dem monatlich erſcheinenden Bericht ſtets
zu erſehen. Das Programm, ſowie die Verkaufsſtellen
werden demnächſt öffentlich bekannt gemacht.
— Franzöſiſche Vorleſungen. Viele Leſer unſeres
Blattes werden ſich gewiß gern der franzöſiſchen
Vorleſungen erinnern, die Herr Götſchy der
frühere Lektor der Univerſität Gießen, vor einigen Jahren
hier hielt. Sie fanden ſolchen Anklang, daß er ſie mehrere
Winter hindurch fortſetzen konnte. Nach dem Weggange
des Herrn Götſchy hatten wir kaum noch Gelegenheit,
gute franzöſiſche Vorträge zu hören. Im Laufe dieſes
Winters ſollen nun wieder franzöſiſche und auch
engliſche Vorträge hier veranſtaltet werden. Dieſe
Einrichtung wird gewiß von all denen freudig begrüßt
werden, die ſich für franzöſiſche und engliſche Sprache und
Literatur intereſſieren. (Nähere Mitteilungen folgen.)
— Die Ausſtellung des Vereins für Geflügel= und
Vogelzucht „Ornis”, die 14. Geflügel= und Vogel=
Aus=
ſtellung des Vereins, wurde am Samstag mittag eröffnet.
Die überſichtlich angeordnete Ausſtellung in den
Saal=
räumen der „Stadt Pfungſtadt” weiſt eine
außerordent=
lich gute Beſchickung auf. Von Hühnern ſind 220
Num=
mern, von Gänſen 11, Enten 26, Tauben 131 und von
Zier= und Singvögeln 16 Nummern vertreten, insgeſamt
zeigt der Ausſtellungskatalog 410 Nummern. Auch
ver=
ſchiedene Ausſteller von Futtermitteln und Zuchtgeräten
ſind mit reichen Kollektionen vertreten. Als
Preis=
richter fungieren folgende Herren: für Großgeflügel:
A. Schlegel=Hanau und Steingaß=Kirchheim=Bolanden;
für Tauben: F. Frick=Biebrich; für Vögel: Hartz=Alzey
und für Geräte, Futterartikel uſw.: das geſamte
Preis=
richter=Kollegium. Zur Verfügung ſtehen den
Preis=
richtern namhafte Preiſe. Die Ausſtellung, die nur auf
drei Tage berechnet iſt und bereits an den beiden erſten
Tagen einen guten Beſuch aufzuweiſen hatte, iſt
zweifel=
los ein weiterer Erfolg für den rührigen Verein. Mit der
Ausſtellung verbunden iſt eine Verloſung.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer
Ex=
pedition (Rheinſtraße 23) ſind von heute ab folgende!
Bilder neu ausgeſtellt: Dr. Woodrow Wilſon, der neue
Präſident der Vereinigten Staaten von Amerika: Dr.
Kaempf; Konteradmiral Trummler, der das
Kom=
mando über die nach den türkiſchen Gewäſſern entſandten
deutſchen Schiffe übernahm; Ueberſichtskarte der letzten
Verteidigungsſtellung der türkiſchen Armee; das Ziel der
vereinigten Serben und Griechen, die Zitadelle von
Sa=
loniki; verwundete türkiſche Offiziere werden von
Mit=
gliedern der deutſchen Botſchaft in Konſtantinopel
ge=
pflegt.
Adreßbuch. Der Druckbogen Nr. 10 des
Adreß=
buches für 1913, enthaltend Einwohnerregiſter —
Linden=
ſtruth, Anna, bis Möller, Karl, — liegt im
Haupt=
meldebureau, Hügelſtraße 31/33, Zimmer Nr. 13, während
der Bureauſtunden (8—12 Uhr vormittags und 2—6 Uhr
nachmittags) bis zum 13. November vormittags zur
Ein=
ſichtnahme offen.
Rh. Der Durchbruch der Lichtenbergſtraße
zwiſchen Kranichſteinerſtraße und Wenckſtraße iſt nun
endlich im Rohen erfolgt und ſchon iſt der neue
Ver=
kehrsweg für Fußgänger freigegeben, ſo daß
nun eine Verbindung des Rhönrings mit der
Mathilden=
höhe direkt möglich iſt. Bald wird auch die Müller=
Den Hochſchülern aber machte Sun noch in ganz
be=
ſonders eindringlicher Weiſe klar, daß die Verfaſſung der
Republik wohl auf Freiheit und Gleichheit beruhe, daß
dieſe beiden Begriffe aber teine unbeſchränkte Geltung
hätten. Sie gälten nicht für Beamte, Soldaten und
Schüler.
Die Schüler hätten mit Fleiß, Eifer und
Selbſtver=
leugnung zu ſtudieren, um dereinſt der ihrer harrenden
ſchweren und verantwortlichen Pflichten gegen den Staat
gerecht werden zu können. An der deutſch=chineſiſchen
Hochſchule hätten ſie die beſte Gelegenheit, ſich modernes
Wiſſen anzueignen. Sie ſollten aber auch nicht
verabſäu=
men, außerhalb der Mauern ihrer Schule an der ſich hier
bietenden Fülle des Wiſſens= und Nachahmenswerten zu
lernen. Die deutſchen Methoden und das deutſche
gründ=
liche Streben müſſe ſie zur Nacheiferung anſpornen, ihr
ganzes Vaterland in gleicher Vollendung auszugeſtalten.
Es war dasſelbe kategoriſche „Lernt”, das ſchon der
alte Chang=chi=tung ſeinen Landsleuten zugerufen hat.
Trotz des brauſenden Beifalls, den Suns Worte
aus=
löſten, darf nicht verſchwiegen werden, daß dieſer
Hoch=
ſchulbeſuch ein kleines, aber recht charakteriſtiſches
Vor=
ſpiel gehabt hat.
Kaum war die Nachricht von Dr. Sun wens Beſuch
bekannt geworden, als ſchon einige kantoneſiſche
Stu=
denten der Hochſchule auf eigene Fauſt den Entſchluß
faßten, den berühmten Landsmann im chineſiſchen Theater
zu „bewillkommnen”. Dem, ohne Benachrichtigung oder
Erlaubnis der Hochſchulleitung gefaßten Beſchluß
gegen=
über verbot das Gouvernement die Abhaltung dieſer Feier
im chineſiſchen Theater.
Die Entrüſtung der heißblütigen Südländer ſtieg zur
Siedehitze, man telegraphierte an Yüan ſchy kai, an
Li=
yuen hung in Wuchang, nach Schanghai uſw.; man
peti=
tionierte, verhandelte. Alles umſonſt, das Verbot blieb
beſtehen.
Schon ſprachen die Hitzköpfe von Verlaſſen der Schule,
begannen ihre Sachen zu packen, hoben ihre Depoſiten ab;
da kamen zwei kalte Waſſerſtrahlen. Das Gouvernement
ließ erklären, jeder abgegangene Hochſchüler verfiele
ſo=
fortiger Ausweiſung und Dr. Sun, der ſich über die
Sach=
lage unterrichtet hatte, ließ ſagen, er ſähe die Studenten
in der Hochſchule — oder garnicht. Da trat ſtarke
Er=
nüchterung ein. Ein katzenjämmerliches Gefühl blieb
trotzdem beſtehen wegen der abgeſendeten Proteſttele=
gramme. Auch hier hatte Sun, der ſeine kantoneſiſchen
Landsleute kennt, in aller Stille vorgeſorgt, was erſt nach
ſeiner Abreiſe bekannt wurde. Er hatte ohne weiteres ſich
telegraphiſch an die gleichen Adreſſen gewendet und die
Abſender der Entrüſtungstelegramme völlig desavouiert.
Jetzt haben die Drahtzieher — denn es ſind immer
nur einige Schreier in China, die die anderen zuerſt
ein=
ſchüchtern und dann mit ſich fortreißen — „das Geſicht
verloren”
Einige Austritte aus der Hochſchule werden wohl die
Folge ſein. „Quantité négligeable” bei der notoriſchen
Ueberfüllung der Schule und dem ſtets wachſenden
An=
drang von Schülern. Einige unruhige und unliebſame
Elemente werden damit verſchwinden.
Das ganze war der, echt chineſiſch=ſtudentiſche
„Sturm im Waſſerglas”. Die Worte Dr. Sun wens an
die Schüler bekommen aber — nach dieſem Vorſpiel
einen gewiſſen tieferliegenden Sinn, der ſogar der
Pikan=
terie nicht entbehrt.
Den 1. Oktober, ſeinen letzten Tag in Tſingtau,
be=
nutzte Sun mit ſeiner Familie zu einer Lauſchanfahrt im
Auto. Er kam ganz erfüllt von den gehabten Eindrücken,
der wilden Hochgebirgsſzenerie, der ſchönen Ausſicht, dem
einfachen, aber ſo zweckmäßigen Geneſungsheim „
Meck=
lenburghaus” zurück. Sofort waren ihm auch in Lauſchan
die erfreulich fortſchreitenden Aufforſtungen aufgefallen.
Mit Freude hörte er, daß dieſe Arbeiten von den
Chine=
ſen ſelbſt nach dem deutſchen Vorbilde in die Hand
ge=
nommen ſeien — von denſelben Chineſen, die, kurz vor
der deutſchen Beſitzergreifung wegen Beſitzſtreitigkeiten
über den Waldbeſtand zwiſchen den Lauſchandörfern und
den Klöſtern, kurzerhand den geſamten Beſtand
nieder=
geſchlagen hatten, womit auf altchineſiſche Weiſe der
Streit mit dem Objekt allerdings aus der Welt geſchafft
war. An die unvermeidlichen, bald und immer ſtärker
hervortretenden üblen Folgen dieſer Waldverwüſtung
dachte damals niemand!
Am Nachmittag wohnte Sun als amerikaniſcher
Chriſt einem vom Reverend Scott veranſtalteten
Got=
tesdienſt bei. Man denke ſich, der Heros Chinas ein
Chriſt, und das Volk jubelt ihm zu! Eine neue Zeit zieht
wirklich über Alt=China herauf!
Zur Abfahrt Dr. Sun wens waren die Straßen des
Chineſenviertels Tapautau von dichten Scharen
Neu=
gieriger erfüllt. Am Hafen hatten ſich nur die nächſten
Freunde und Anhänger eingefunden. Der Gouverneur
hatte zur Verabſchiedung ſeinen Dolmetſcheroffizier und
den ſtellvertretenden Bezirksamtmann von Tſingtau
ent=
ſendet, denen Sun ſeinen herzlichen Dank an den
Gou=
verneur für den freundlichen Empfang und das bezeigte
Entgegenkommen auftrug. Das in Oſtaſien
unvermeid=
liche Glas Sekt — und der deutſche Dampfer „
Loong=
moon” entführte den berühmten Gaſt nach Schanghai,
von welcher Stadt Dr. Sun nach etwa Monatsfriſt zu ſeis
ner großen Europatour aufbrechen will, die der
Beſchaf=
fung der Gelder für ſeine großen Eiſenbahnpläne
gewid=
met iſt. Drei Monate will er in Europa weilen, ſagen
die einen — anderthalb Jahre meinen die anderen. Ob
es ihm gelingen wird, alle ſeine Pläne durchzuführen,
will ich mich nicht unterfangen zu prophezeien. Aber
„in magnis voluisse sat est” Zweifelsohne wird Dr.
Suns Tätigkeit viel dazu beitragen, China dem
Welt=
handel zu erſchließen und in nähere Berührung mit der
anderen Welt zu bringen. Die vielfach rätſelhafte
Per=
ſönlichkeit Dr. Suns hat aber nach meiner Anſicht durch
ſein Auftreten in Tſingtau gewiſſe menſchlich=ſympathiſche
Umriſſe bekommen. Er iſt keineswegs nur der große
Ver=
ſchwörer, der wohl umſtürzen und einreißen kann, dem
aber die Fähigkeit zum Wiederaufbau fehlt. Er iſt eifrig
beſtrebt, ſich am Wiederaufbau hervorragend zu
beteili=
gen, und zwar hat er ſich in richtiger Erkenntnis der
Tat=
ſache, daß er kein eigentlicher Politiker iſt, das
wirtſchaft=
iche Gebiet als Arbeitsfeld erkoren. Und auf dieſem
friedlichen Felde in China begegnen ſich Deutſchland und
Sun wen in gleichem Streben. Nach ſeiner
amerikani=
ſchen Erziehung iſt Sun ſicherlich die ſtraffe, diſziplinierte
deutſche Art früher nicht ſonderlich ſympathiſch geweſen;
gelegentliche Aeußerungen von ihm laſſen wenigſtens
dar=
auf ſchließen — daß ihm nunmehr die deutſche Art zum
mindeſten Achtung abgewonnen hat, iſt jedoch ebenſo
Tat=
ſache wie die, daß er die deutſchen Methoden als ganz
beſonders geeignet für die Chineſen erkannt hat. Als
ehrlicher Mann hat er nicht gezögert, dieſer ſeiner Anſicht
Ausdruck zu verleihen.
Ich glaube, daß manche Deutſchen und Chineſen ſich
den Verlauf dieſes Beſuches etwas anders vorgeſtellt
haben; ſie ſind beide enttäuſcht worden. Wo aber die
an=
zenehme oder unangenehme Enttäuſchung liegt, möge der
Sericus.
verehrte Leſer ſelbſt beurteilen.
Me 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 11. November 1912.
Nummer 266.
ſtraße aufgehört haben eine Sackgaſ ziu ſein.
Gegen=
wärtig iſt man, nachdem das Zimbrichſche Haus
nieder=
gelegt, mit der Herſtellung eines gleichmäßigen Gefälles
mit Hilfe von Rollbahnen beſchäftigt. — Mit dem
Projekt der elektriſchen Bahn ins
Martins=
viertel ſcheint es auch ernſt zu werden, denn ſchon
werden die erſten Häuſer in der Pankratiusſtraße, die
die Einfahrt ſo ſehr einengten, niedergelegt.
A Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
vergangener Woche. Butter ½ Kg. 1,40 M., in Partien
1,30 M., Eier 8—9 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 20—22 Pf.,
Handkäſe 4—10 Pf., Kartoffeln Zentner 2.25—2.50 M.,
Kumpf (10 Liter) 30—40 Pf., ½ Kg. 3—4 Pf., Mäuschen
Kumpf 1 M., ½ Kg. 8—9 Pf.; Obſt u. dgl.: Aepfel
Zentner 7—14 M. ½ Kg. 7—15 Pf., Birnen Zentner
8—15 M., ½ Kg. 8—16 Pf., ausländiſche Trauben ½ Kg.
*30—40 Pf., Nüſſe 100 Stück 60 Pf., Zitronen 6—7 Pf.,
Kaſtanien ½ Kg. 16—18 Pf.; Salat, Gemüſe: Kopf=
Nalat, Endivien 8—10 Pf., Körbchen Feldſalat 10 Pf., Bündel
Radieschen oder Römiſch=Kohl 2 Pf., Rettiche 5 Pf.,
Meerrettich 10—25 Pf., Roterüben, Zwiebeln ½ Kg. 4 bis
10 Pf., Tomaten ½ Kg. 25 Pf., Spinat ½ Kg. 18—20 Pf.,
Weißkraut 5—15 Pf., Zentner 1,50—2,00 M., Rotkraut 10
bis 35 Pf., Wirſing 3—10 Pf., Blumenkohl 10—40 Pf.,
Roſenkohl ½ Kg. 20 Pf., Gelberüben ½ Kg. 5 Pf.,
Grün=
kohl 3—6 Pf.; Geflügel, Wild: Gänſe ½ Kg. 0,90
bis 1,00 M., Enten 3,00—3,50 M., Hahnen und Hühner
1,50—2,00 M., Tauben 60—70 Pf., Haſen 3,50—4,00 M.,
Lapins 0,90—1,00 M.; Fiſche ½ Kg.: Hecht, Karpfen
90 Pf., Aal 1 M., andere Rheinfiſche 40—50 Pf.,
Rot=
zungen 60 Pf., Schollen 40 Pf., Kabeljau 23 Pf.,
Schell=
fiſche 30 Pf., Seehecht, Seelachs 35 Pf.; in den
Fleiſch=
ſtänden ½ Kg.: Rindfleiſch, Hackfleiſch 76 Pf., Rindsfett
70 Pf., Rindswürſtchen (Stück) 15 Pf., Schweinefleiſch
96 Pf., geſalzenes und Koteletts 1,06 M.,
Schwarten=
magen u. Fleiſchwurſt 90 Pf., Leber= u. Blutwurſt 76 Pf.
Jugenheim, 9. Nov. Das bekannte Hotel „
Fels=
berg” wurde von dem Beſitzer Hallmann
ge=
ſchloſſen und verlaſſen. Hallmann, der als
Mitglied der Nieder=Modauer Kaſſe 200000 Mark
ange=
fordert erhielt, ſah ſich außerſtande, den Betrieb unter
dieſen Verhältniſſen weiterzuführen. Ein kleiner
Wirt=
ſſchaftsbetrieb wird in dem früheren Forſthaus von dem
Sohne des früheren Inhabers Simon weitergeführt.
Außer Hallmann haben auch deſſen Schwiegervater und
Schwager ihr ganzes Vermögen verloren.
Rh. Zwingenberg a. d. B., 9. Nov. Der
Vollzieh=
ungsbeamte für den Kreis Bensheim, Philipp Zacheis,
beabſichtigt, vom 15. November d. J. ab aus
Geſundheits=
rückſichten von ſeinem Amte zurückzutreten und ſich
penſionieren zu laſſen. Er trat am 3. Oktober 1889 in den
Dienſt des Kreiſes Bensheim ein und verſah mithin ſein
Amt als Vollziehungsbeamter dieſes Kreiſes über 23
Jahre.
Offenbach, 8. Nov. Eine neue ſtädtiſche
An=
leihe. Heute mittag um 12 Uhr verſammelte ſich das
Stadtverordnetenkollegium zu einer außerordentlichen,
nicht öffentlichen Sitzung, um über die Aufnahme einer
neuen ſtädtiſchen Anleihe zu beraten, da die aus der
Sechsmillionenanleihe des Jahres 1909 vorhandenen
Mit=
tel bis auf eine halbe Million erſchöpft ſind, und für
ver=
ſchiedene kommunale Zwecke neue Summen nötig ſind.
Es handelt ſich hauptſächlich um die Deckung der durch den
Umbau der Kanaliſation und die Erweiterung des
Kran=
kenhauſes und des Elektrizitätswerkes aufgewendeten
Koſten. Außerdem ſind die für den Ankauf von
Grund=
ſtücken aus dem Vermögen entnommenen Beträge zu
er=
ſetzen. Demgemäß wurde heute nach einer kurzen
Er=
klärung des Oberbürgermeiſters Dr. Dullo, der die
Not=
wendigkeit der Aufnahme der neuen Anleihe begründete,
beſchloſſen, die aus der letzten Anleihe noch zur Verfügung
ſtehenden 500000 Mark zu begeben, und außerdem eine
neue Anleihe im Betrage von 1¾ Millionen Mark
bei der heſſiſchen Landeshypothekenbank in
Darmſtadt aufzunehmen.
Seligenſtadt, 8. Nov. Der hieſigen Pfarrei war
es in den letzten Tagen vergönnt, das 25jährige
Pfarrer=
jubiläum des verdienſtreichen Dekans Dr. Weckerle zu
begehen. Der Jubelgreis, der jetzt im 71. Lebensjahre
ſteht und ſeit 46 Jahren dem Altare dient, wurde vor
25 Jahren an die Spitze der Pfarrei Seligenſtadt berufen,
wo er früher ſchon 11 Jahre hindurch als techniſcher
Lei=
ter des Real=Gymnaſiums fungierte. Unzählige Glück=
wunſchſchreiben und Gratulationstelegramme legten
be=
redtes Zeugnis ab, daß man auch außerhalb der Mauern
Seligenſtadts die Bedeutung des Feſtes zu würdigen
wußte. Die ganze Stadt prangte in reichſtem
Flaggen=
ſchmucke. Beim feierlichen Dankgottesdienſte hielt Pfarrer
Blum aus Gernsheim die Feſtpredigt über die
Bedeu=
tung des Prieſtertums für die Völker=Kultur. Den
Glanz=
punkt der Feierlichkeiten bildete eine großartige
Feſtver=
ſammlung im Rieſenſaal. In ausführlicher Feſtrede
wurde der Jubilar gezeichnet, als eine in jeder Beziehung
Achtung gebietende Erſcheinung, als das verkörperte
Ideal eines Pädagogen, als ein Mann der Wiſſenſchaft
und Prieſter nach dem Herzen Gottes. Der Biſchof von
Mainz ehrte den Jubelgreis durch Beförderung zum
Geiſtlichen Rat, und die Gemeinde Seligenſtadt ſtiftete
zwei Heiligen=Statuen, die über dem Hauptportale der
Einhart=Baſilika Aufſtellung finden ſollen. Auch in den
beiden Filialgemeinden Froſchhauſen und Klein=
Welz=
heim wurde das Jubiläum feſtlich begangen.
Neu=Iſenburg, 8. Nov. In der Plenarſitzung der
Offenbacher Handelskammer wurde beſchloſſen, die
Aus=
dehnung des Nachbarortsverkehrs auf Neu=
Iſenburg beim Reichskanzler zu beantragen. Die
Stadt Frankfurt ſoll in dieſer Angelegenheit um
Unter=
ſtützung angegangen werden.
Höchſt i. O., 9. Nov. Das 4jährige Bübchen einer
hie=
ſigen Familie kam in dem Augenblick, als ſeine Mutter nur
kurze Zeit abweſend war, dem Feuer zu nahe, wobei die
Kleider in Brand gerieten. Dadurch zog es ſich ſo
erhebliche Brandwunden zu, daß es an den Folgen ſtarb.
Wimpfen, 8. Nov. Ein frecher Einbruch wurde
geſtern nacht im erſten Pfarrhaus hier verübt. Vom
Garten aus war der Einbrecher mit einer aus dem
Holz=
ſtall geholten Leiter durch ein offenſtehendes Fenſter im
oberen Stock eingeſtiegen, dann in das im Parterreſtock
gelegene Amtszimmer gegangen und hat dort mit einem
Stemmeiſen das Pult aufgebrochen, in welchem eine kleine
eiſerne Kaſſette ſtand. Dieſe, ſowie eine kleine
ver=
ſchloſſene Blechbüchſe, in welcher er Geld vermutete, nahm
er mit in den oberen Stock des Hauſes, verſchloß das
Zimmer, in welches er zuerſt eingeſtiegen war, entleerte
die Blechbüchſe ihres Inhalts, warf ſie unter das Bett
und verließ das Haus auf demſelben Wege, auf dem er
eingeſtiegen war. Niemand von den Bewohnern war
aufgewacht. In der eiſernen Kaſſette waren nur einige
ganz wertloſe Papiere aufgehoben, ſo daß der Einbrecher
nicht auf ſeine Koſten kam. Die von ihm erbrochene
Kaſſette wurde von dem Wachtmeiſter heute nachmittag
auf dem alten Friedhof im Gebüſch gefunden. Leider hat
der kühne Geſelle keinerlei Spuren hinterlaſſen.
Viernheim, 9. Nov. Seit drei Tagen iſt man in den
Orten mit ſtarkem Tabakbau, wie Viernheim,
Heddes=
heim, Sulzbach, Hemsbach, Laudenbach uſw., mit dem
Tabakabhängen beſchäftigt. Unſere Landwirte, die
infolge der hohen Preiſe für Sandblätter — dieſe
wur=
den mit 22—27 Mark bezahlt — glaubten, für den Tabak
wenigſtens 32—35 Mark pro Zentner zu erhalten, ſind
nun wieder ſehr enttäuſcht, denn nur einige ganz
vorzügliche Partien erzielten 30—32 Mark. Der meiſte
Tabak aber wurde unter 30 Mark losgeſchlagen. Ja es
ſind ſogar Verkäufe unter 20 Mark abgeſchloſſen worden,
denn die Qualität ſoll größtenteils viel zu wünſchen
übrig laſſen.
Mainz, 9. Nov. Bei den von der Eiſenbahndirektion
Mainz vorgenommenen Bohrungen im
Strom=
gebiet des Rheins zum Bau der
Eiſenbahn=
brücke bei Rüdesheim, die bis auf 40 Meter Tiefe
fort=
geſetzt wurden, ſtieß man auch in der Tiefe noch auf Letten.
Nun iſt es zwar techniſch nicht unmöglich, die
Brücken=
pfeiler im Strom auch in Letten zu errichten, aber da man
die unter dem Letten lagernden Erdſchichten nicht genau
kennt, beſchloß man, den ganzen Brückenbau um 900
Meter ſtromabwärts zu verſchieben, ſo daß man
jetzt nicht mehr von einer Brücke Geiſenheim=Gaulsheim
ſprechen kann, ſondern tatſächlich eine Brücke
Rüdes=
heim=Bingen gebaut wird. Beſonders an
Rüdes=
heim rückt die Brücke ſehr nahe heran und die großen
Steinpfeiler und Dämme auf dem Land machen den
Be=
wohnern von Rüdesheim ſpäter jedenfalls kein
Ver=
gnügen. Die Eiſenbahnverwaltung hätte, wie man hört,
das Heranrücken der Brücke an Bingen und Rüdesheim
im Intereſſe der beiden Städte gerne vermieden, aber
der Bau an der alten Stelle auf Lettenuntergrund hätte
die Aufwendung von einigen Millionen Mark erforder=
lich gemacht, wovon auf Preußen und Heſſen ein
erheb=
licher Anteil gefallen wäre. Die ganze Angelegenheit
beſchäftigt jetzt zunächſt die gemiſchte Kommiſſion, welche
die Weite und Höhe der Brückenbogen mit Rückſicht auf
die Schiffahrt zu prüfen hat, dann gelangt der Plan ins
Miniſterium und ſchließlich folgt erſt die
landespolizei=
liche Abnahme. Es dürfte daher noch längere Zeit
ver=
gehen, bevor mit dem Bau begonnen werden kann. Für
den Perſonenverkehr kommt die Brücke zunächſt nicht in
Betracht, es iſt aber wahrſcheinlich, daß ſich ſpäter ein
Lokalverkehr entwickeln wird. Ein Anſchluß an die
links=
rheiniſche Strecke erfolgt wegen der hohen Koſten nicht,
war auch von vornherein nicht vorgeſehen.
Mainz, 9. Nov. Geſtern nachmittag erſchien in einem
hieſigen Goldwarengeſchäft eine gut gekleidete
Dame und ließ ſich eine Anzahl Armbänder und
Me=
daillons zur Auswahl vorlegen. Nachdem ſie eine „
Be=
ſtellung” gemacht und den Laden verlaſſen hatte,
be=
merkte die Verkäuferin, daß die Dame ein goldenes
Pan=
zergliederarmband im Werte von 114 Mark und ein
ſol=
ches im Werte von 42 Mark entwendet hatte.
Worms, 9. Nov. Geſtern vormittag um 10 Uhr trafen
der Großherzog und die Großherzogin mittels
Sonderzuges auf dem hieſigen Hauptbahnhof ein. Die
Herrſchaften begaben ſich ſofort nach dem Fürſtenzimmer
und fuhren mit Gefolge in vier Automobilen nach dem
Feſthaus. Nach einem kleinen Empfang am Portale des
Feſtſpielhauſes durch die Herren Oberbürgermeiſter
Köh=
ler und Beigeordneten Metzler, ſowie die Damen der
ein=
zelnen Stände, nahm das Großherzogspaar einen
Rund=
gang durch die Räume vor, um ſich dann perſönlich an
den letzten Herrichtungen für den Verkaufstag zu
beteiligen. Um halb 2 Uhr begab ſich das
Großher=
zogliche Paar in die Wohnung des Herrn
Oberbürger=
meiſters Köhler zum Frühſtück. Um 3 Uhr erfolgte die
Rückreiſe. Am Samstag traf das Großherzogliche Paar
wiederum um 10 Uhr mittels Sonderzugs hier ein und
ſtieg im Heylshof ab. Die Stadt prangt in reichem
Fah=
nenſchmuck. Im übrigen ſiehe beſonderen Bericht.
Alzey, 8. Nov. In dem Befinden des
ſchwerverletz=
ten Bierverlegers Fr Joſ. Koch iſt, nachdem derſelbe
einige Tage ohne Beſinnung blieb, eine leichte Beſſerung
eingetreten. Dadurch, daß der Ueberfallene die ganze
Nacht und den halben Vormittag im Freien lag, befürchtet
man den Zutritt einer Lungenentzündung. Geſtern konntel
der Verletzte erklären, daß er ſich auf nichts Genaues über
das Geſchehene erinnere. Perſonen, die am Morgen an
dem Daliegenden vorbeigingen, glaubten, daß ein
betrun=
kener Handwerksburſche dort liege, der ſich am Kopfe
ver=
letzt habe; unbegreiflicherweiſe boten dieſelben nicht ſofort
hilfreiche Hand. Zwei junge Leute, einer aus
Blödes=
heim und der andere aus Heppenheim wurden verhaftet.
Der wahrſcheinlich als Haupttäter in Betracht Kommende
fuhr morgens nach Mainz und ſoll ebenfalls verhaftet
worden ſein; er ſei früher als Fuhrknecht bei Koch in
Stellung geweſen.
Monsheim, 9. Nov. Hier wurde geſtern das 6 Jahre
alte Söhnchen des dort bedienſteten Schweizers Guſtav
Schwarz aus Ober=Elſaß von einem Fuhrwerk
über=
fahren und hierbei derart ſchwer verletzt, daß es heute
im hieſigen Krankenhaus geſtorben iſt.
Gießen, 9. Nov. Geh. Kommerzienrat
Heidemann=
in Köln ſtiftete dem Fonds zur Erhaltung des
Liebig=Laboratoriums die Summe von 1000
Mark,
Nieder=Mörlen, 9. Nov. Wiederum ſind in der Miſte
kaute des Franz Schweitzer beim Aufräumen den
ſelben in einem Topfe zahlreiche Münzen mit der
Jahreszahl 1640 bis 1660 gefunden worden, ähnlich wie
im vergangenen Sommer in der Langstrofſchen Hofreite,
wenige Meter von der jetzigen Fundſtelle. Man geht in.
der Annahme wohl nicht fehl, dieſe Funde auf den 30
jäh=
rigen Krieg zurückzuführen, wo die Einwohner aus Furcht
das Geld in den Miſtkauten verſteckten.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 9. Nov. Der Kaiſer iſt
geſtern nachmittag um 4 Uhr 10 Minuten von Wildpärk
im Sonderzuge nach Letzlingen in das Hofjagdrevier
ab=
gereiſt. — Die chineſiſche Geſandtſchaft
beab=
ſichtigt, in der Umgebung der Reichshauptſtadt einen
Sommerſitz zu errichten und verhandelt wegen
An=
kauf eines geeigneten Geländes an der Unterhavel. —
Der öſterreichiſch=ungariſche Botſchafter Graf Szögy=
Feuilleton.
* Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben. Man ſchreibt
uns aus Halle a. S.: Das 25jährige
Bühnen=
jubiläum von Albert Friedrich, einer der
mar=
kanteſten Erſcheinungen des deutſchen Schauſpiels, gab
dem Halleſchen Theater Veranlaſſung, Ibſens „Nordiſche
Heerfahrt” aufs ſorgfältigſte einzuſtudieren. Albert
Fried=
rich, Regiſſeur und Schauſpieler am Halleſchen
Stadt=
theater, wirkte mehrere Jahre in Stralſund und Potsdam,
dann 8 Jahre am Hamburger Stadttheater, 3 Jahre am
Hoftheater in Darmſtadt, ein Jahr am Deutſchen
Theater in Berlin, 3 Jahre am Kaſſeler Hoftheater und
ſeit 5 Jahren am Halleſchen Stadttheater. Die „Nordiſche
Meerfahrt”, die als Feſtvorſtellung für den Künſtler
ge=
geben wurde wurde in Halle aufs beſte herausgebracht.
Regie und Einzeldarſteller leiſteten Vortreffliches
Fried=
rich wurde mit Blumen überſchüttet.
Aufhebung des Kinobannes. Der Verband
deutſcher Bühnenſchriftſteller hat den Bann, mit dem jedes
für einen Kino ſchreibendes Mitglied bedroht war,
zurück=
genommen. Es kam ein modus vivendi zuſtande, der in
gleicher Weiſe die Intereſſen der Schriftſteller und der
Kinematographenbeſitzer wahren ſoll.
Parſifal in Italien. In der Mailänder Scala
wird Wagners Parſifal 1914 aufgeführt werden. Die
Ueberſetzung des Textes iſt von dem bekannten
Theater=
kritiker des Corriere della Sera, Giovanni Pazza,
unter=
nommen worden und bereits vollendet. Die
Vorbereitun=
gen zu der Aufführung haben bereits begonnen; ſie wird
dirigiert und geleitet von Tullio Serafin.
C) Aus dem Mädchentagebuch der Königin Viktoria.
Das mit Spannung erwartete Tagebuch der Königin
Viktoria aus den Jahren 1832 bis 40 iſt ſoeben unter dem
Titel „Die Mädchenzeit der Königin
Vik=
toria” in zwei ſtattlichen Bänden in London erſchienen.
Die innerſten Gefühle und Gedanken eines jungen
Mäd=
chens, das, kaum zur Jungfrau herangereift, die Königin
eines großen Volkes wird, ſind hier vor uns ausgebreitet.
Ein naives, beſcheidenes Kind und zugleich eine ernſte,
tieffühlende Natur, ſo wächſt ſie heran. Ihre erſte
Ein=
tragung vom 1. Auguſt 1832 erzählt von ihrer Reiſe aus
dem geliebten Heim ihrer Jugend, Kenſington Palace,
nach Birmingham: kindlich freut ſie ſich an den Ehrungen,
die ihr zuteil werden, froh kehrt ſie nach Hauſe zurück, und
auch ſpäter noch ſchweifen ſo manche ſehnſüchtigen Ge=
anken nach dem Jugendheim zurück aus der ſtarren
Pracht von Buckingham Palace, wo ſie erſt allmählich ſich
zu Hauſe fühlen lernte. Wie glücklich iſt ſie über die
kleinen Geſchenke, die ſie zu ihrem 14. Geburtstage
er=
hält: „Mama gab mir eine niedliche kleine roſa Taſche,
die ſie ſelbſt gearbeitet hat, eine ſchöne kleine Opalbroſche
und Ohrringe, ein paar hübſche Bücher, ein roſa Kleid
und eirten Mantel mit Pelzbeſatz.” Pflicht, das Leitwort
der Königin Viktoria in jedem Augenblick ihrer
Regier=
ung, gilt auch ſchon dem Mädchen am höchſten. „Pflicht
kommt vor allen Vergnügungen” ſchreibt ſie im Juni
1837 in ihr Tagebuch. Bald, überraſchend bald, naht der
Augenblick, wo ſie ihr Pflichtgefühl bewähren muß.
König William ſtirbt am 20. Juni 1837 und drei Stunden
ſpäter, um 6 Uhr morgens, iſt der hiſtoriſche Moment da,
an dem die Prinzeſſin als Königin erwacht. Mit
erſtaunlicher Ruhe zeichnet ſie dieſe weltbewegenden
Er=
eigniſſe auf: „Um 6 Uhr wachte ich auf und ging zu
Mama, die mir ſagte, daß der Erzbiſchof von Canterbury
und Lord Conyngham auf mich warteten und mich zu
ſprechen wünſchten. Ich zog mich an ging ins
Wohn=
zimmer und ſprach mit ihnen allein. Lord Conyngham
(der Lordkanzler) machte mich damit bekannt, daß mein
armer Onkel, der König, nicht mehr ſei, 12 Minuten vor
2 Uhr morgens ausgeatmet hatte und ich folglich Königin
war. Der Lord kniete nieder und küßte meine Hand und
überreichte mir zugleich die offizielle Verkündigung vom
Ableben des armen Königs.” Sie hörte ſich die näheren
Umſtände vom Tode ihres Vorgängers ruhig an,
beauf=
tragt den Lord, der Königin ihr Beileid zu übermitteln.
„Dann ging ich in mein Zimmer und zog mich fertig an.”
Schlicht iſt das Herrſcherbekenntnis das ſie
ſich ablegt: „Da es der Vorſehung gefallen hat, mich an
dieſe Stelle zu ſetzen, ſo werde ich mein Aeußerſtes tun,
um meine Pflicht gegen mein Land zu erfüllen. Ich bin
ſehr jung und vielleicht in vielen, wenn nicht gar in allen
Dingen unerfahren, aber ich bin ſicher, daß ſehr wenige
mehr guten Willen und mehr echtes Verlangen haben, zu
tun, was gut und recht iſt, als ich.” Um 9 Uhr empfängt
ſie den Premierminiſter Lord Melbourne, und das
acht=
zehnjährige Mädchen iſt ihm gegenüber „jeder Zoll eine
Königin”. Sie bittet ihn, ihr beizuſtehen, und hat ſich
ihm in der erſten Zeit ihrer Regierung anvertraut wie eine
Tochter ihrem Vater. Und die Schilderung dieſes
Schick=
ſalstages ſchließt ſie mit den Worten ab: „Ich war
durch=
aus nicht nervös und hatte die Genugtuung zu hören, daß
man zufrieden war, mit dem was ich getan hatte und wie
ich es getan hatte. Wenige Tage ſpäter äußerte ſie ihre
Freude über das neue Amt: „Ich habe
unge=
heuer viel zu tun, aber es gefällt mir ausgezeichnet.”
Jugendliches Entzücken ruft der Beifall des Volkes bei
der Krönung in ihr hervor: „Es war ein ſchöner Tag,
und die Volksmaſſen übertrafen alles was ich je geſehen
habe; viele waren es ſchon an dem Tage, als ich in die
Stadt einzog; aber es war nichts, nichts gegen die
Mengen, die Millionen meiner treuen Untertanen, die ſich
auf jedem Fleck bei der Prozeſſion verſammelt hatten. Ihr
Jubel und ihre Ergebenheit überſtieg alle Begriffe, und
ich kann wirklich nicht ſagen, wie ſtolz ich darauf bin, die
Königin eines ſolchen Volkes zu ſein.” Im übrigen iſt
ſie von 4 Uhr morgens an, wo ſie die Salutſchüſſe
auf=
wecken, ruhig und gemeſſen in dem allgemeinen Lärm,
nur bei der Zeremonie ſelbſt ſtört ſie ein unangenehmes
Verſehen: „Der Erzbiſchof hatte mir den Ring an den
falſchen Finger geſteckt, und die Folge war, daß ich ihn
nur mit größter Schwierigkeit wieder abnehmen konnte —
es gelang mir nur unter großen Schmerzen.”
Zu den anmutigſten Kapiteln des ganzen Werkes
ge=
hören die Blätter, auf denen die Königin die Geſchichte
ihrer Heirat erzählt. Schon lange bevor ſie Königin
wurde, war ſie von ihrem Onkel, dem König Leopold
von Belgien, den ſie ſehr liebte, auf eins Heirat mit
Prinz Albert vorbereitet worden. Im Mai 1836 ſah
ſie ihn zum erſtenmal. Er und der Prinz von Orange,
beide Bewerber um ihre Hand, wovon ſie nichts ahnte,
wurden ihr an ihrem 17. Geburtstag auf dem Ball
vor=
geſtellt. Der Prinz von Orange flößte ihr kein Intereſſe
ein; über Albert aber ſchreibt ſie in ihr Tagebuch: „Er iſt
ſehr hübſch; ſein Haar hat etwa dieſelbe Farbe wie meins;
ſeine Augen ſind groß und blau und er hat eine ſehr ſchöne
Naſe und den ſüßeſten Mund mit feinen Zähnen. Aber
der Reiz ſeiner Erſcheinung liegt in dem Ausdruck ſeines
Geſichts, der entzückend iſt; er iſt zugleich voll von Güte
und Süße und ſehr offen und klug.” Aber als die
Prin=
zeſſin Königin geworden war, wollte ſie an keinen Gatten
denken; ſie liebte ihre Autorität und ihre Stellung. Noch
im Juli 1839 berichtet ſie von einer Unterhaltung mit
Melbourne, in der ſie ſich gegen eine Verbindung mit
einem ihrer Couſins ausſpricht. „Ich ſagte, ich wünſchte,
wenn möglich, nicht zu heiraten.” „Ich weiß nichts
da=
rüber,” antwortete er. Im Oktober 1839 kam Albert
wie=
der nach England, und num änderte die junge Königin
raſch ihren Sinn. Wieder ſpricht ſie von ſeiner hübſchen
Naſe und ſeinen ſchönen, blauen Augen und ſeiner präc=
Nummer 266.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 11. November 1912.
Seite 5.
eny=Marich begeht heute den Tag, wo er vor 20
Jahren den Berliner poſten übernahm. Er ſteht heute
im 71. Levensjahre und har erſucht, von jeder Feierlichteit
Abſtano zu nehmen. — Das Bertiner Gaſtwirisweſen hat
im Lauſe der letzren Jahre eine ganz eigenartige
Entwiak=
lung gezeigt: treinere Gaſtwirtſchaften tonnten ſich nicht
halren uno verſchwanden von der Bildftache; größere
Gaſwirtſchaften wurden zu Großbetrieven ausgeſtartet.
Im Jahre 1911 ſind in Berlin nicht weniger wie 2000
kleine Gaſtwirtſchaften eingegangen. Dieſe
Tatſache wurde geſtern auf dem gegenwärtig in Berlin
tagenden Verbandstage der Gaſthofsbeſitzer auf dem
Lande ſtatiſtiſch feſtgeſtellt. — Der Rechtsanwalt
Bre=
dereck, der von Berlin geflüchtet war, hat jetzt einem
ſeiner Bekannten ein Lebenszeichen aus New=York
ge=
geben. Bredereck ſoll ſich mehrere Wochen in Koln
auf=
gehalten haben und iſt dann über England nach New=
York gefahren. Gegenwärtig befindet ſich der Fluchtling
in New=York und gedenkt, ſich in Chicago oder Boſton
wieder einen neuen Wirkungskreis zu ſuchen.
Wegen Beleidigung des preußiſchen
Ab=
geordnetenhauſes hatte ſich der Redakteur des
Vorwärts, Albert Wachs, vor der 11. Strafkammer des
Landgerichts I zu verantworten. Der inkriminierte
Ar=
tikel war in der Nummer des Vorwärts vom 28. April
1912 enthalten und gibt eine Kritik der Handlungsweiſe
der Abgeordnetenhausmehrheit. Der Artikel iſt
über=
ſchrieben: „Eine reaktionäre Affenkomödie” und enthält
nach Anſicht der Anklage eine Reihe das
Abgeordneten=
haus ſchwer beleidigender Redewendungen. Das Urteil
autete auf 200 Mark Geldſtrafe eventuell 20 Tage
Gefängnis. In der Begründung trurde anerkannt, daß
der Artikel im großen und ganzen ſich gegen die Mehrheit
des Hauſes richte, und daß deswegen nicht auf Strafe
erkannt worden ſei. Gegen das Abgeordnetenhaus als
ſolches richteten ſich nur die drei Ausdrücke:
Geldſack=
parlament, Junkerparlament und Tollhaus. Die beiden
erſten Ausdrücke ſeien keine Beleidigungen, da ſie ſich nicht
gegen das Abgeordnetenhaus als ſtaatliches Inſtitut,
ſon=
dern nur gegen ſeine Entſtehung und Zuſammenſetzung
richteten; wohl aber ſei der Ausdruck Tollhaus eine
Be=
leidigung. Er habe ſich auf die Etatsberatung bezogen
und müſſe es ſo erſcheinen laſſen, als ob das Parlament
dieſe ſeine Aufgabe in ſinnloſer und ſtupider Weiſe
er=
ledigt habe. Bei Abmeſſung der Strafe hat das Gericht
mildernd erwogen, daß eine Beleidigung nur in einem
verſchwindend kleinen Teil des Artikels gefunden iſt,
ferner, daß letzterer geſchrieben iſt unter dem Eindruck
einer mehrtägigen Verhandlung und einer gewiſſen
Ver=
ärgerung und in einem politiſchen Kampf, wo man die
Worte nicht ſo auf die Goldwage legt.
Heidelberg, 9. Nov. Geſtern nachmittag halb 5 Uhr
ſtürzte von dem 25 Meter hohen Ausſichtsturm des
Königsſtuhls eine 55jährige unverheiratete, aus Karlsruhe
gebürtige, zuletzt in Mannheim wohnhafte Dame
her=
ab. Der Tod trat ſofort ein.
Weinheim a. d. B., 9. Nov. Der hieſige Arzt Dr.
dam Karrillon, der bekannte Dichter des
Odenwal=
des, von dem erſt kürzlich wieder das Werk „Im Lande
unſerer Urenkel” erſchien, hat auf der Ueberſeereiſe, die
er wieder als Schiffsarzt eines Ozeandampfers
unter=
nahm, einen ernſten Unfall erlitten. Das von ihm
be=
nutzte Schiff der Hamburg=Amerika=Linie geriet in einen
Taifun und war infolge eines Maſchinendefektes der
gan=
zen Unbill des Orkanes preisgegeben. Dr. Karrillon, der
hierbei erhebliche Verletzungen davontrug, befindet ſich
gegenwärtig im Hoſpital zu Hongkong unter der Pflege
von deutſchen Aerzten.
Magdeburg, 9. Nov. Durch die Kriegs=Ereigniſſe auf
dem Balkan wurde ein Teil der Magdeburger Sparer
derart beunruhigt, daß ſie in den letzten Tagen zu der
Städtiſchen Sparkaſſe eilten und ihre Einlagen
abhoben. Es wurden in kurzer Zeit 1700 Bücher mit
einer halben Million Mark Einlagen
vor=
gelegt. Nur mit Mühe gelang es den aufſichtsführenden
Beamten, die Ordnung im Kaſſenlokal aufrecht zu
erhal=
ten, um die Auszahlung glatt zu erledigen.
Magdeburg, 9. Nov. Feuer brach heute früh gegen
6 Uhr in der Kaſerne Ravensberg aus, wo das
erſte und zweite Bataillon des Infanterie=Regiments Nr.
66 liegen. Es brannten vollſtändig aus die
Montierungs=
kammer des erſten Bataillons und die Kammer der erſten
Kompagnie. Die Städtiſche Feuerwehr hatte mehrere
Stunden zu tun, um eine weitere Verbreitung des Feuers
zu verhindern. Die Urſache des Feuers konnte bisher
noch nicht feſtgeſtellt werden.
Leipzig, 8. Nov. Die Staatsanwaltſchaft ſetzte auf
die Ermittelung des Mörders der heute morgen
bei Leutzſch zerſtückelt aufgefundenen Frau eine
Belohn=
ung von 500 Mark aus. Die Ermittelungen über die
Identität der Ermordeten ergaben noch keine Anhaltspunkte.
Leipzig, 9. Nov. Zu dem geſtern gemeldeten
Frauen=
mord wird noch weiter berichtet: Die Unterſuchung der
bei dem Forſthauſe Leutzſch aufgefundenen zerſtückelten
Leiche ergab, daß es ſich um ein 18= bis 20jähriges, gut
genährtes Mädchen von kleiner Statur handelt. Der
Kopf war kunſtgerecht abgetrennt und die
Trennungs=
wunde am Hals mit Lappen zugeſtopft. Die Oberſchenkel
waren mit Iſolierdraht abgebunden. Die Polizei hält
es für wahrſcheinlich, daß der Mord zwiſchen Erfurt und
Corbetha ausgeführt worden iſt. Jedenfalls hat man die
Leiche mit dem Zuge hierher gebracht. Nach den
ärzt=
lichen Feſtſtellungen iſt der Tod in den frühen
Morgen=
ſtunden eingetreten, da die Leichenſtarre noch nicht vor der
Nacht eingetreten war. Die Leichenteile in den Paketen
waren in Sackleinwand und weißes Papier gewickelt, auf
dem, mit Bleiſtift geſchrieben, mehrere Worte ſtanden,
darunter die Namen Frank und Kraft. Die
Staatsan=
waltſchaft hat auf die Ermittelung des Mörders 500 Mk.
Belohnung ausgeſetzt.
Eiſenach, 9. Nov. Die Bankgeſellſchaft Strauß
u. Heberlein erklärte, nach dem Berliner Tageblatt den
Konkurs. Der eine Inhaber, Strauß, wurde in ſeinem
Jagdrevier erſchoſſen aufgefunden, der andere,
Heber=
lein, und der Prokuriſt, ſind flüchtig.
Geeſtemünde, 8. Nov. Die Stadt Geeſtemünde und
der preußiſche Staat kauften an dem Weſerufer, ſüdlich
vom Fiſchereihafen, gelegenes Areal von 234 Hektar für
den Preis von 2,5 bis 3 Millionen. Das Terrain ſoll
zum Ausbau des Fiſchereihafens und zur Schaffung
eines Induſtriehafens dienen.
Paris, 9. Nov. Geſtern abend gegen ½9 Uhr drangen
drei maskierte Banditen in das Poſtamt von Bézons
bei Paris, töteten den Gatten der Poſtleiterin, den
Poſtinſpektor Cartier, durch mehrere Revolverſchüſſe
raubten aus der Kaſſe an 300 Franes und ergriffen die
Flucht. Die von der Gendarmerie eingeleitete
Verfolg=
ung der Verbrecher blieb ergebnislos.
London, 8. Nov. Lord Chamberlain erlaubte
Pro=
feſſor Reinhardt die Aufführung des Stückes „Eine
venetianiſche Nacht” nach Vornahme der
gefor=
derten Aenderungen. Das Stück wird am nächſten
Mon=
tag im Palaſttheater aufgeführt.
Quebec, 9. Nov. Sämtliche Paſſagiere des
Dampfers „Royal George” ſind im Laufe des
geſtrigen Nachmittags gerettet worden. Der Unfall des
Dampfers ereignete ſich am 6. November, nachmittags
gegen 5 Uhr, während dichten Nebels. Nach Ausſagen
der Geretteten hätten mehrere Maſchiniſten erklärt, daß
der Boden des Dampfers durch das Aufſtoßen auf Grund
geriſſen ſei, und daß ſämtliche unteren Räumlichkeiten
unter Waſſer ſtänden.
New=York, 8. Nov. Der Prozeß gegen die vier
Mitglieder der Straßenbande, die als die eigentlichen
Mörder Roſenthals gelten, hat heute begonnen.
Kunſtverein für das Großherzogtum Heſſen.
St. Darmſtadt, 9. November.
Im Oberlichtſaal der Kunſthalle am Rheintor fand
heute nachmittag die nicht ſonderlich zahlreich beſuchte
ordentliche Hauptverſammlung des
Kunſt=
vereins für das Großherzogtum Heſſen ſtatt. Den Vorſitz
führte Herr Dr. W. Merck, der die Erſchienenen
herz=
lichſt begrüßte und kurz über die Vereinstätigkeit
refe=
rierte. Er berührte dabei auch den ſehr bedeutungsvollen
Vortrag des Herrn Hofrat Broderſen über „
Kunſt=
vereinstätigkeit” der auch im Darmſtädter Tagblatt
aus=
zugsweiſe erſchienen ſei (Samtagsnummer), und der ſehr
viel Beachtenswertes auch für die hieſigen Verhältniſſe
enthalte.
Den Jahresbericht für 1910/1911 erſtattete der
Geſchäftsführer, Herr Dr. Freund. Er verbreitete ſich
zunächſt in ſtatiſtiſchen Angaben über die in der Kunſthalle
in Darmſtadt und in den Ausſtellungsräumen zu Gießen
veranſtalteten Kollektiv= und Sonderausſtellungen der
beiden Geſchäftsjahre uſw. Mit den Einladungen zu der
im Dezember 1911 abgehaltenen Generalverſammlung iſt
an ſämtliche Mitglieder ein Rundſchreiben verſandt
wor=
den, in dem um die Mitarbeit bei der Werbung neuer
Mitglieder gebeten und der ſtändige Beſuch der
Ausſtel=
lungen angeregt wird. Ferner ſind gegen 1100
Aufforde=
rungen zum Beitritt in den Kunſtverein abgeſchickt
wor=
den. Wegen der in den Städten Mainz, Worms, Bingen,
Offenbach, Friedberg und Bad=Nauheim beabſichtigten
Einrichtung ſtändiger Ausſtellung iſt das
Nachſtehende hervorzuheben: Für Mainz mußte dieſe
Abſicht zunächſt aufgegeben werden, da geeignete
Räume=
vorerſt nicht bereit geſtellt werden konnten. In Worms
konnte dank dem Entgegenkommen der Stadt in dem
un=
entgeltlich zur Verfügung geſtellten ſtädtiſchen Gebäude,
Römerſtraße 31, im April 1912 die erſte Ausſtellung durch
den Kunſtverein eröffnet werden. Von Bingen ging
das letzte Schreiben am 10. Mai 1912 zu, das die
Wieder=
herſtellung der für Ausſtellungen vorzuſehenden Räume
in Ausſicht ſtellt, mit dem Bemerken, daß über die zu
ſol=
chem Zwecke zu bewilligenden Mittel die
Stadtverord=
neten=Verſammlung zu beſchließen hat. Die
Großherzog=
liche Bürgermeiſterei Offenbach hat mit Schreiben
vom 11. November die Erklärung abgegeben, daß „
zur=
zeit in der Stadt Offenbach a. M. keinerlei geeignete
Räume für Kunſtausſtellungen vorhanden ſind.” Auf die
Mitteilung der Bürgermeiſterei Friedberg vom
18. Dezember 1911, des Inhalts: die Bürgermeiſterei habe
die Einrichtung einer Gemälde=Ausſtellung ſchon längſt
im Auge, es habe jedoch bisher an den nötigen
Ausſtel=
lungsraumen dafür gemangelt; jedoch hoffe man,
die=
ſelben im Laufe des nächſten oder übernächſten Jahres
ſchaffen zu können — iſt unterm 8. Mai 1912 weitere
An=
regung gegeben worden. Das wegen der Bad=
Nau=
heimer Ausſtellungen am 8. Mai 1912 an Herrn R.
Banger, Pächter der ſtaatlichen Ausſtellungsräume
da=
ſelbſt, gerichtete Schreiben iſt bis jetzt unbeantwortet
ge=
blieben.
Aus Rechnung und Voranſchlag ſei
fol=
gendes erwähnt: 1. Einnahmen: Reſt aus dem
vorhergehenden Jahre 1910: 1128,97 M., 1911: 925,88 M.,
Voranſchlag 1912: 1766,19 M., Mitgliederbeiträge
8310 M., 8020 M., 9000 M., Eintrittsgelder 680,98 M.,
706,01 M., 900 M., für verkaufte Kunſtgegenſtände 5715,50 M.,
23625 M., 10000 M.; Summe der Einnahmen
1910: 30 843,19 M., 1911: 42834,99 M., Voranſchlag
1912: 22930 M. Ausgabe: Für angekaufte
Kunſt=
gegenſtände a) für den Verein 1910: 2116 M., 1911: 2264,70
Mark, Voranſchlag 1912: 2029,20 M., b) für Private:
5188,70 M., 21270,50 M., 9000 M., für Vereinsblätter,
Voranſchlag: 676,40 M., Ausſtellungskoſten 3763,10 M.,
4366,89 M., 3000 M., Summe der Ausgabe 1910:
29 917,31 M., 1911: 41 068,80 M., Voranſchlag 1912:
22 930 M. Das Vermögen des Vereins beträgt: 1. Für
Kunſtwerke zu öffentlicher Beſtimmung (Fonds C) 3000 M.,
Sparkaſſeguthaben 803,43 M. Für die dem Landesmuſeum
geſtifteten Kunſtwerke, die von den Herren Profeſſoren
Habich in Stuttgart und Gaul in Berlin, ſowie Bildhauer
Ccuer in Darmſtadt hergeſtellt wurden, ſind im ganzen
29 432,70 M. aufgewendet und dem Fonds C entnommen
worden. 2. Baufonds 3½prozentige
Staatsſchuldbuch=
forderungen nominell 13300 M. 3. Kunſthalle zu
Darm=
ſtadt, geſchätzt bei der Großh. Brandverſicherungsanſtalt
zu 60000 M. Die Reſtſchuld des zum Bau der Kunſthalle
bei der ſtädtiſchen Sparkaſſe aufgenommenen Darlehens
von urſprünglich 30000 M. beträgt Ende 1911 — 25 469,80
Mark.
Rechnung und Voranſchlag werden genehmigt, dem
Rechner wird Entlaſtung erteilt.
Es folgen Wahlen. Aus dem Ausſchuß
ſchei=
den aus die Herren Dr. Back, Dr. Gläſſing, Dr. Kienzle,
Profeſſor Pützer, die wiedergewählt werden, bis auf
Herrn Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing, an deſſen Stelle
Bür=
germeiſter Mueller gewählt wird. Weiter ſcheiden
aus Herr Regierungsrat Kranzbühler, für den Herr
Finanzrat Emmerling gewählt wird, und Herr
Re=
gierungsrat Lang, an deſſen Stelle Herr Dr. Freund
als Geſchäftsführer tritt. Aus dem
Verwaltungs=
rat ſcheiden aus für Darmſtadt die Herren Dr. Back,
Dr. Gläſſing, Profeſſor Hölſcher, Profeſſor Kröh, die
ſämt=
lich wiedergewählt werden. Für die weiter ausſcheidenden
Herren von Berswordt=Wallrabe, Frhr. von Biegeleben,
Finanzminiſter a. D. Dr. Gnauth werden gewähltdie Herren
Finanzrat Emmerling Miniſterialrat Dr. Kratz,
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach. Für
die verſtorbenen Herren Kraft und Wonder werden
ge=
wählt die Herren Hofbuchdruckereibeſitzer Carl
Wittich und H. Kichler. Endlich wird für den
aus=
tretenden Herrn Profeſſor Bader Herr Sanitätsrat Dr.
Maurer gewählt. — Für Mainz erfolgt Wiederwahl
der ausſcheidenden Herren Geheimerat Dr. Breidert und
Dr. Gaſtell. — Für Worms die Wiederwahl des
Frei=
herrn von Heyl und an Stelle des verſtorbenen Herrn
Reinhart die Neuwahl des Herrn Kreisamtmann Paul
Emmerling. — Für Offenbach wird für den
ver=
ſtorbenen Herrn J. Andree Herr Direktor Eberhard
in Vorſchlag gebracht. — Für Gießen wird an Stelle
des zurückgetretenen Herrn Landgerichtsdirektor Bücking
Herr Großh. Medizinalrat Dr. Sommer neu= und die
Herren Geh. Kommerzienrat Heichelheim und Profeſſor
Rauch wiedergewählt.
Zum letzten Punkt der Tagesordnung teilt der
Vor=
ſitzende, Herr Dr. W. Merck, mit, daß der
Verloſungs=
modus, entſprechend dem Beſchluß der letzten
General=
verſammlung, wieder dahin geändert wurde, daß nichtmehr
tigen männlichen Erſcheinung. „Mein Herz iſt ganz
er=
regt.‟ Sie tanzt mit Albert und er „tanzt ſo wundervoll”
Das iſt am 11. Oktober, zwei Tage ſpäter teilt ſie Lord
Melbourne mit: „Ich habe meinen Sinn geändert (was
die Heirat mit meinem teuerſten Albert anbetrifft).” Am
folgenden Tage läßt ſie ihn zu ſich kommen und bleibt mit
ihm allein. Das Tagebuch zeigt nichts von Verwirrung
bei der delikaten Aufgabe, die ihr in dieſer
Verlob=
ungsſzene zufällt: „Nach einigen Minuten ſagte ich
ihm, daß ich dächte, er müßte bereits wiſſen, warum ich
ihn zu ſehen wünſchte, und daß es mich zu glücklich machen
würde, wenn er zuſtimmen würde, zu dem, was ich
wünſchte (mich zu heiraten). Wir umarmten uns und er
war ſo freundlich, ſo liebevoll. Ich ſagte ihm, daß ich
ſeiner ganz unwürdig wäre, er ſagte, er würde ſehr
glück=
lich ſein, „das Leben mit Dir zuzubringen” (im engliſchen
Text deutſch zitiert). Er war ſo gut und ſchien ſo
glück=
lich, daß ich wirklich fühlte, es war der glücklichſte, der
hellſte Augenblick in meinem Leben. Ich ſagte ihm, er
brächte ein großes Opfer — was er nicht zugeben wollte.”
Mit der Schilderung der Hochzeit ſchließt das
Mäd=
hentagebuch der Königin Viktoria ab. „Die Zeremonie
war ſehr eindrucksvoll, ſchön und einfach. Mein teuerſter
Albert wiederholte alles ſehr deutlich. Ich fühlte mich ſo
glücklich, als der Ring angeſteckt wurde und von Albert.”
Der „gute Lord Melboume” war der letzte, mit dem die
Königin ſprach, bevor das Paar abreiſte. „Er drückte mir
noch einmal die Hand und ſagte: „Gott ſegne Sie, gnädige
Frau,” ſehr herzlich. Mein teuerſter Albert kam und führte
mich die Treppe hinunter, wo wir von Mama Abſchied
nahmen und gegen 4 Uhr abfuhren; ich und Albert allein.”
Das ſind die letzten Worte des Mädchentagebuchs
Vik=
torias.
* Devot. Dem Herrn Direktor fällt die Zigarre aus
dem Mund. Er und der Herr Regiſtrator ſuchen eifrig
danach unter dem Schreibtiſch. „Saperlot,” ruft der
Herr Direktor ärgerlich, „jetzt bin ich daraufgetreten!“
„Doch nicht, Herr Direktor,” ſagt der Herr Regiſtrator mit
ſchiefgezogenem Geſicht, „es war erfreulicherweiſe bloß
mein Daumen!” (Fl. Blätter.)
Freie literariſch=künſtleriſche Geſellſchaft.
Man mag darüber geteilter Meinung ſein, und wir
haben das ſelbſt ſchon mehrfach zum Ausdruck gebracht,
ob es künſtleriſch berechtigt iſt, einen Dichter ſeine Werke
ſelbſt vor einem breiten Publikum leſen zu laſſen, was
letzten Endes doch nichts anderes iſt, als den Dichter nach
Zirkusmanier öffentlich „vorzuführen‟. Da das
Publi=
kum aber zu Tauſenden in dieſe ſogen. Dichterabende
läuft, auch nach den mancherlei erlebten Enttäuſchungen,
verſtärkt es damit die in Frage kommenden Faktoren in
der Ueberzeugung, daß ſie dem Geſchmack des Publikums
Rechnung tragen, wenn ſie immer wieder Dichter zum
Vorleſen eigener Werke animieren. Iſt dem ſo, dann
hat das Publikum nach unſerer unmaßgeblichen Meinung
auch die Pflicht, eventl. kleine Enttäuſchungen, die ein
ſolcher Abend bringt, hinzunehmen, und es muß als
un=
gehörig gerügt werden, daß eine Anzahl Damen ſtörend
den Saal verläßt, ohne auch nur — das Mindeſte, was
die Rückſicht gebietet — eine Pauſe abzuwarten. Einem
Dichter ſelbſt kann man es wohl in den wenigſten Fällen
verübeln, wenn er jede Gelegenheit wahrnimmt, ſein
Werk einem Publikum, von dem er neben einem
Mindeſt=
maß von Kunſtverſtändnis doch auch Intereſſe an
ſei=
ner Dichtung vorausſetzen muß, bekannt zu geben.
Nur ſo iſt es doch zu erklären, daß ein Dichter und ein
Mann wie Otto Borngräber, der ſeine ſehr geringe
Vortragskunſt doch kennt und offen zugibt, ſich bereit
fin=
den läßt, ſein Werk ſelbſt zu leſen. Ein guter
Inter=
pret war er ſeiner Dichtung nicht.
Ein endgültiges Urteil läßt ſich nach den Bruchſtücken,
die Otto Borngräber las, über ſein neues Werk „König
Friedwahn” nicht fällen. Aber es darf geſagt
wer=
den, daß es wie auch ſein erſtes, „Die erſten Menſchen”,
die unendlich gedankentiefe Arbeit eines von
titanen=
haftem Wollen erfüllten Dichters iſt. Eines Dichters, der
überragende Geſtalten voll Geiſt und Leben, der
Schön=
heiten kraftvoller Art ſchuf in ſeinen Seelengemälden,
und dieſen einen Rahmen gab in poeſieerfüllter,
kernig=
deutſcher Sprache, die ſein Werk weit hinaushebt über
viele Erzeugniſſe unſerer Zeit. Allerdings ſcheint er
ſeiner Aufgabe nicht immer reſtlos gewachſen, doch kann,
wie geſagt, darüber auf Grund des Gehörten nicht
geur=
teilt werden.
Der Dichter nennt ſein Werk eine „Tragödie des
Weltfriedens” In dem Titelhelden ſchuf er einen
Napo=
leon, der durch innere und äußere Wandlungen auf der
Höhe ſeines äußeren Lebens zur — Chriſtusnatur wird.
Schon das kennzeichnet die gigantiſche Größe der
Dicht=
ung und die Schwierigkeiten, an denen die Darſteller, bis
auf einen, bisher ſcheiterten. Friedwahn und Volkmund
ſind Zwillingsbrüder, doch niemand weiß, wer der
Erſt=
geborene und Thronerbe iſt. Nach des Vaters Tod
kämpfen ſie um die Herrſchaft. Friedwahn, der geborene
König, ſiegt über den Bruder, der im Grunde nur ein
Durchſchnittsmenſch iſt; doch als Volkmund überwunden
zu ſeinen Füßen liegt, da geht in Friedwahn, dem
frü=
her harten, herzloſen Mann, eine ſeeliſche Wandlung
vor, das Mitleid mit dem einen und mit allen Menſchen
packt ihn, nach Borngräbers Wort wird er, der bis
da=
hin ein Napoleon war, jetzt eine Heilandfigur, ein
Frie=
densfürſt. Er zieht als wandernder Büßer in die Welt
hinaus, um für ſeinen hohen Beruf reif zu werden; der
Anblick des aus dem Kriege heimkehrenden armen
Vol=
kes führt ihn zur Selbſtbeſinnung, er will nicht nur den
Frieden, ſondern auch den ſozialen Ausgleich bringen,
der abſolute König ergreift die Fahne der Revolution
und des Sozialismus. Aber im Volk und im Adel
wächſt die Unzufriedenheit, Friedwahn wird entthront
und verbannt; ein alter Sänger und Friedlieb deren
Haß ſich in Liebe wandelte, begleiten ihn in die
Einſam=
keit, in der er nach einer großen, viſionär durchleuchteten
Liebesſzene den Tod findet.
So ungefähr ſkizzierte der Autor ſelbſt ſein Werk, das
ſich am Schluſſe — den letzten Akt las der Dichter ganz —
zu Fauſtiſcher Größe entwickelt, wie denn auch Fauſtiſche
Myſtik es in bedingtem Maße durchweht. Das Publikum
ſpendete am Schluſſe lebhaft und dankbar Beifall. Mag
der Abend auch äußerlich in mancher Beziehung nicht
be=
riedigt haben, ein verlorener war er nicht. Wir möchten
MM. St.
ihn nicht miſſen.
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 11. November 1912.
Nummer 266.
Anteilſcheine, ſondern die Kunſtgegenſtände direkt
ver=
loſt werden. Er erbat und erhielt ferner die
Genehmi=
gung, den ganzen zur Verfügung ſtehenden
Ueber=
ſchuß zu Zwecken der Verloſung zu verwenden. Weiter
nahm Redner Gelegenheit, die von gewiſſer Seite gegen
den Kunſtverein in einigen Blättern gerichteten
An=
griffe als „bewußt falſch und feige aus dem Hinterhalt
erfolgt” zurückzuweiſen. — Herr Naumann rügt, daß
in den Ausſtellungen in letzter Zeit zu viel die ganz
mo=
derne Richtung bevorzugt worden ſei und bittet, auch
wieder anderem Geſchmack Rechnung zu tragen. Es wird
das vom Vorſtand zugeſagt und dabei betont, daß ein
Kunſtverein allerdings die Pflicht habe, tunlichſt alle
wichtigen Neuerſcheinungen der Kunſt vorzuführen, wenn
ſie eben künſtleriſch bedeutend ſind. Nach weiterer kurzer
Debatte über den Wunſch, daß der Geſchäftsführer zu
ge=
wiſſen Zeiten in der Kunſthalle anweſend ſein möge, dem
ebenfalls Rechnung getragen werden ſoll, wird die
Ver=
ſammlung geſchloſſen.
Verſammlung des Heilſtättenvereins für das
Großherzogtum Heſſen.
** Worms, 9. Nov. Der Heilſtättenverein für
das Großherzogtum Heſſen hielt heute vormittag im
hie=
ſigen Rathausſaal ſeine diesjährige ordentliche
Mit=
gliederverſammlung ab, die ſehr zahlreich aus allen Teilen
des Landes, auch von Damen, beſucht war. Die Frau
Großherzogin, die ebenfalls ihr Erſcheinen in Ausſicht
ge=
ſtellt hatte, war im letzten Moment infolge des
Verkaufs=
tages verhindert worden. Unter den) Anweſenden,
be=
merkten wir die Herren Geh. Obermedizinalrat Dr.
Hauſer als Vertreter der Medizinalabteilung des
Miniſteriums des Innern, Herrn Geh Regierungscat Dr.
Kayſer, Herrn Oberbürgermeiſter Köhler u. a. Der
Vorſitzende des Vereins, Herr Geh. Regierungsrat Dr.
Dietz, hieß die Erſchienenen herzlich willkommen und
gedachte alsdann zunächſt des verſtorbenen früheren
Vor=
ſtandsmitgliedes Geh. Obermedizinalrat Dr. Neidhart,
der dem Verein ſtets ein eifriger, treuer Freund und
Be=
rater war. Die Verſammlung ehrte das Andenken des
Verewigten durch Erheben von den Sitzen.
Aus dem gedruckt vorliegenden Jahresbericht
haben wir Wiſſenswertes bereits veröffentlicht. Der
Be=
richt wurde gutgeheißen.
Die gedruckt vorliegende Jahresrechnung für
1911 wurde, nachdem ſie durch Rechnungsreviſoren geprüft
und für richtig erklärt worden war, von der Verſammlung
ohne Debatte genehmigt. Desgleichen wurde debattelos
dem Voranſchlag für 1913 zugeſtimmt, der für den
Heil=
ſtättenverein eine Geſamteinnahme und=Ausgabe von
153000 Mark feſtſetzt. Unter den Ausgaben befinden ſich
ueben denen für die Heilſtätte im Betrag von 137000 M
noch 10000 M. für Unterſtützung von Tuberkuloſe=
Für=
ſorgeſtellen und Tuberkuloſe=Ausſchüſſen, unbemittelter
Tuberkulöſer uſw., und 3000 M. Zuſchuß zu den
Betriebs=
koſten des Lupusheims. Der Voranſchlag für die
Eleono=
ren=Heilſtätte balanziert in Einnahme und Ausgabe mit
137000 M. Bei der Ausloſung und Neuwahl von
Mit=
gliedern des Landesausſchuſſes wurden die Herren
Mini=
ſterialrat Dr. Kratz und Pfarrer Eckel=Lampertheim
neugewählt.
Es folgte nun noch ein höchſt inſtruktiver Vortrag des
Herrn Prof. Dr. Jeſionek=Gießen über das Thema:
„Heliotherapie und ihre Anwendung bei Tuberkuloſe.”
Der Redner führte aus, daß es unſerer Zeit vorbehalten
geblieben ſei, die biologiſche Wirkung der Sonnenſtrahlen
zu erforſchen, ſie zu faſſen und als neues Heilmittel
ein=
zuführen, was allerdings aus verſchiedenen Gründen
nicht leicht war. Der heilende Einfluß der
Sonnenſtrah=
len auf den menſchlichen Körper ſei ein ganz
außerordent=
licher, und zwar beſonders bei den Lupuskrankheiten. Das
Sonnenlicht beſitze auch die Eigenſchaft, auf der geſunden
und kranken Haut Entzündungen hervorzurufen, und könne
neben der Hauttuberkuloſe, beſonders auch bei der
ſoge=
nannten chirurgiſchen Tuberkuloſe. mit Erfolg angewendet
werden. Es werde Aufgabe der Wiſſenſchaft ſein, die
viel=
fachen Einwirkungen der Heilungsvorgänge durch die
Sonnenſtrahlen zu erforſchen und die Heliotherapie dem
Wohl der leidenden Menſchheit dienſtbar zu machen.
Dem lebhaften Dank der Zuhörerſchaft für die
ausge=
zeichneten Darlegungen gab der Vorſitzende Ausdruck,
worauf die Verſammlung ihren Abſchluß fand, nachdem
Herr Sanitätsrat Dr. Sonnenberaer noch Herrn
Geh. Rat Dr. Dietz und dem geſamten Vorſtand des
Heil=
ſtättenvereins herzlichen Dank für ihre ſegensvolle
Tätig=
keit ausgeſprochen hatte.
Kongreſſe und Verbandstage.
Verband Mitteldeutſcher Inlduſtrieller.
— Am 8. November hielt die Ortsgruppe
Darm=
ſtadt des Verbandes Mitteldeutſcher
In=
duſtrieller eine Induſtriellen=
Verſamm=
lung ab, in der über die demnächſt in Kraft tretenden
Geſetze über die Gemeindebeſteuerung und Angeſtellten
verſicherung beraten wurde. Als erſter Redner ſprach Herr
Prokuriſt Fiſcher aus Offenbach a. M. über „Das
An=
geſtelltenverſicherungsgeſetz, unter beſonderer
Berückſichtig=
ung der Frage der Verſicherungspflicht der in der
In=
duſtrie tätigen Angeſtelltengruppen‟. Einleitend berichtete
der Referent über die Schwierigkeiten, die ſeinerzeit dem
Zuſtandekommen des Geſetzes entgegenſtanden und wandte
ſich alsdann einer Betrachtung des nunmzehr geltenden
Geſetzes zu. Vor allem erläuterte er die Vorzüge der
Angeſtelltenrente im Gegenſatz zu den einmaligen
Lei=
ſtungen der privaten Verſicherungsgeſellſchaften, den Wert
des bereits am 1. Januar 1913 in Kraft tretenden
Heil=
verfahrens, die Witwen= und Kinderrenten und den
Be=
griff der Berufsinvalidität. Hinſichtlich der fraglichen
Verſicherungspflicht gewiſſer Angeſtelltengruppen ſei zu
wünſchen, daß die Prinzipale in der Anmeldung ihrer
An=
geſtellten nicht allzu engherzig ſein ſollen. Ein Nachteil
des Geſetzes, beſonders für die älteren Mitglieder, ſei die
10jährige Wartefriſt. Wer jedoch jetzt im Alter von etwa
18 Jahren in die Verſicherungspflicht eintrete, habe
be=
treits mit 28 Jahren einen Anſpruch auf eine Rente.
In=
ſofern ſeien die Privatbeamten noch günſtiger geſtellt als
die Staatsbeamten, die niemals in ſo frühem Alter zu
dem gleichen Rechte gelangen könnten. Zum Schluß
ge=
dachte der Redner mit großer Genugtuung des günſtigen
Ausgangs der Vertrauensmännerwahlen für Nejenigen
Angeſtelltengruppen, die an dem Zuſtandekommen des
Ge=
ſetzes mitgearbeitet haben und gab der Hoffnung
Aus=
druck, daß es der „Freien Vereinigung”, die da Privat
angeſtellten den Klaſſenkampf predigen will, nicht gelinge
möge, den Privatbeamten die Freude an dem
vergällen. — Den Ausführungen ſchloß ſich ein
kuſſion an, in der Herr Fiſcher die an ihn geſtellten
fragen beantwortete.
Herr Aſſeſſor Meißinger von der Geſchttsfül
ua des Verbandes Mitteldeutſcher Induſtrieller
über die Wirkungen das neuen Gemeindeumlagengeſetzes
für die Induſtrie. Als Beſteuerungsmaßſtab ſeien ſeither
Steuerkapitalien unter Zugrundelegung eines
durchſchnitt=
lich mittleren Ertrags angenommen worden. Dieſe
Steuerkapitalien wurden in den verſchiedenen Geſetzen
über die Realbeſteuerung durch ausdrückliche Beſtimmung
fixiert und waren im finanzrechtlichen Sinne unbeweglich.
Die Ermittelung des jährlichen Steuerbetrags erfolgte an
Hand dieſer Steuerkapitalien auf Grund eines in den
Fi=
nanzgeſetzen feſtgeſetzten Ausſchlagskoeffizienten. So lange
der Staat Realſteuern noch für ſich erhob, d. h. bis zur
Einführung der allgemeinen Vermögensſteuer im Jahre
1899 war mit den für den Staat feſtgeſetzten
Ausſchlags=
koeffizienten gleichzeitig die Grundlage für den Betrag
ge=
geben, auf Grund deſſen die Gemeinden ihre Zuſchläge
er=
hoben. Für die Zeit nach Einführn der ſtaatlichen
Ver=
mögensſteuer war in dem Artitel 6 des
Gemeindeumlagen=
geſetzes vom Jahr 1901 der Ausſchlagskoeffizient auf
15 Prozent für alle Realſteuern fixiert. Das neue
Ge=
meindeumlagengeſetz geht von dem Prinzip aus, daß ein
Gemeindeſteuerſyſtem aus einer Kombination von
Per=
ſonalſteuer (Einkommenſteuer) und Realſteuern aufgebaut
ſein muß. Wir finden deshalb auch für die Zukunft in
den Gemeindegrundſteuern Gewerbeſteuern und
Kapital=
ſteuern, letztere an Stelle der früheren
Kapitalrenten=
ſteuer, und Einkommenſteuern. Die große Bedeutung der
Gemeindeſteuerreform beſteht darin, daß an Stelle des
ſeitherigen Beſteuerungsmaßſtabes der Steueslapitalien
durchweg eine Beſteuerung nach dem gemeinen Wert der
Steuerobjekte geſchaffen worden iſt, wodurch für die
Zu=
kunft eine Garantie für eine gerechtere Beſteuerung
ge=
boten iſt, die ſeither bei Anwendung des ſtarren Syſtems
der Steuerkapitalien vielfach nicht durchführbar war. Zu
den einzelnen Steuerarten machte der Referent im
An=
ſchluß an die für die Deklarationen zu benutzenden
Formu=
lare folgende Ausführungen: Der Grundſteuer ſind in einer
Gemeinde unterworfen die dem Fabrikbetrieb dienenden
Grundſtücke und Gebäude nebſt ihrem Zubehör. Die Steuer
wird nach dem gemeinen Wert der ihr unterliegenden
Gegenſtände erhoben; die Berechnung dieſes gemeinen
Wertes erfolgt in der gleichen Art, wie dies aus der Praxis
bei den Vermögensſteuerdeklarationen üblich iſt.
Affek=
tionswert wird der Beſtenerung billigerweiſe wohl nicht
zugrunde gelegt werden dürfen. Für die Induſtrie iſt
noch von beſonderem Intereſſe die Vorſchrift, daß auf
An=
trag des Steuerpflichtigen dem Wert des Grund und
Bodens als beſonderer Wert für die Gebäude höchſtens der
Brandverſicherungswert zugerechnet werden darf. Ein
Schuldenabzug findet bei Berechnung des gemeinen
Wer=
tes nicht ſtatt, namentlich dürfen Hypotheken nicht in
Ab=
zug gebracht werden. Der Gewerbeſteuer ſind alle
Fabrik=
betriebe als ſtehende Gewerbe unterworfen. Den
Be=
ſteuerungsmaßſtab bildet in Zukunft der Beſtand des in
dem Betrieb innerhalb der Gemeinde arbeitenden Anlage=
und Betriebskapitals. Dieſes gewerbliche Betriebskapital
umfaßt ſämtliche dem Gewerbebetrieb gewidmeten
Gegen=
ſtände und Rechte, außer dem bereits in der Grundſteuer
belaſteten gewerblichen Grund= und Gebäudebeſitz.
Hier=
von gehören beſonders die zum Betrieb verwendeten und
im Eigentum des Fabrikanten ſtehenden Maſchinen,
Ge=
räte, Werkzeuge und Werte ſonſtiger
Betriebseinricht=
ungen. Demnach werden auch die ſeither in den Bilanzen
vielfach mit dem Wert 1 bezeichneten Modelle und
der=
gleichen für die Folge mit dem Wert einzuſetzen ſein, den
ſie tatſächlich für den Betrieb haben. Einen Schuldenabzug
geſtattet die Gewerbeſteuer als Realſteuer prinzipiell nicht,
nur dürfen die aus dem laufenden Geſchäftsbetrieb
(nicht Geſchäfts jahr) herrührenden ſogenannten
laufen=
den Betriebsſchulden in der Höhe vom Betriebskapital
ab=
gezogen werden, ſoweit ihnen die laufenden
Betriebsvor=
räte an Gold, Papiergeld, Banknoten, Wechſel=,
Wert=
papieren, Aktivausſtände und Kontokorrentguthaben
gegenüberſtehen. Die laufenden Warenvorräte dürfen
hierbei nicht berückſichtigt werden. Der Schwerpunkt für
die Induſtrie liegt bei der Gewerbeſteuer in dem
ſoge=
nannten Ertragszuſchlag: Wenn in dem
abge=
laufenen Geſchäftsjahr der Ertrag des Gewerbebetriebs
ſich auf mehr als 6 Prozent des geſamten dem Gewerbe
dienenden Vermögens berechnet, ſo wird von dem
über=
ſchüſſigen Ertrag ein progreſſiver Betrag dem Anlage= und
Betriebskapital zugrunde gelegt. Eine Milderung dieſer
unter Umſtänden ſehr einſchneidenden Beſtimmung ſchafft
das Geſetz dadurch, daß es von dem jährlichen Ertrag
ge=
wiſſe Abzüge geſtattet. Als Ertrag im Sinn des Artikels
11 hat nämlich der Rohertrag unter Abzug der zuläſſigen
Abſchreibungen und der abzugsfähigen Betriebsausgaben
zu gelten. Was darunter zu verſtehen ſei, ſetzte der
Re=
ferent an Hand einer Zuſammenſtellung auseinander, die
die Ortsgruppe Darmſtadt des Verbandes Mitteldeutſcher
Induſtrieller ihren Mitgliedern zur Verfügung ſtellt.
Inwieweit durch das neue Geſetz für das Gewerbe eine
Mehrbelaſtung zu erwarten iſt, läßt ſich heute noch nicht
mit Beſtimmtheit ſagen. Infolge der veränderten
Beſteuer=
ungsmaßſtäbe wird anzunehmen ſein, daß die Grundſteuer
einen höheren Ertrag ergibt und daß vor allen Dingen im
Rahmen der Gewerbeſteuer ſelbſt Verſchiebungen
ein=
treten dadurch, daß beſtimmte Gewerbe, die ſeither kaum
gefaßt werden konnten, durch die Ertragszuſchläge unter
Umſtänden mit erheblichen Beträgen zur Steuer
heran=
gezogen werden. Bei einem gleichen direkten
Steuer=
bedarf der Gemeinde Darmſtadt erſcheint es ſonach nicht
ausgeſchloſſen, daß für die Induſtrie vielleicht unter
Aus=
ſchluß der beſonders rentierenden Betriebe keine
allzu=
großen Ueberraſchungen bevorſtehen. Jedenfalls aber muß
dem neuen Geſetz das große Verdienſt zugeſprochen
wer=
den, daß in Zukunft für eine gerechte Beſteuerung
der einzelnen Gewerbebetriebe alle Grundlagen geſchaffen
ſind. Und dieſes Verdienſt erkennt die Induſtrie an, auch
wenn unumgängliche Mehrbelaſtungen eintreten.
Anderer=
ſeits aber darf man ſeitens der Induſtrie mit gutem Recht
Beſchwerde führen über eine Begünſtigung der
Land=
wirtſchaft, die neben anderen Beiſpielen am treffendſten
dadurch zum Ausdruck kommt, daß die Ertragszuſchläge
des Artikels 11 für die Landwirtſchaft ausſcheiden. Daß
die Organiſation der heſſiſchen Landwirtſchaft und die
dadurch zweifellos weſentlich beeinflußte
Zuſammen=
ſetzung des heſſiſchen Landtags mit als Urſache für dieſe
Begünſtigung der Landwirtſchaft angeſprochen werden
müſſen, ſei nicht zweifelhaft. So bietet denn das
Ge=
meindeumlagengeſetz eines der vielen Beiſpiele für die
Notwendigkeit, daß auch die heſſiſche Induſtrie endlich zu
einer einheitlichen Organiſation kommt. Denn nur ſo
kant es nach Lage der heutigen Verhältniſſe der
In=
duſtrie gelingen, bei Regierung und Parlament den
Ein=
fluß zu gewinnen, der ihrer Bedeutung entſpricht und den
ſie nachgerade nicht entbehren kann für ihre weitere
ge=
deihliche Entwickelung. — In ſeinem Schlußwort
rankte der Vorſitzende, Herr Direktor Brink den Herren
ihr Erſcheinen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß
uch fernerhin die Induſtriellen für Darmſtadt und
Um=
die, für die einheimiſche Induſtrie ſo wichtigen
ebungen der Ortsgruppe des Verbandes Mittel=
Induſtrieller nach beſten Kräften fördern
Wormſer Feſttage.
Der Verkaufstag der Großherzogin.
. Worms, 9. Nov.
Die Stadt prangt in reichſtem Flaggenſchmuck. Die
Bürgerſchaft nimmt regen Anteil an den Feſttagen.
Be=
reits am Mittwoch und geſtern früh traf das
Groß=
herzogspaar im Automobil hier ein, um im
Feſt=
haus alle Vorbereitungen für den Verkaufstag zu
über=
wachen. Heute früh um 10 Uhr traf der Extrazug
mit dem Großherzogspaar und dem Gefolge auf
dem hieſigen Hauptbahnhof ein. Die hohen Herrſchaften
begaben ſich ſofort in das Feſthaus, um die letzten
Vor=
bereitungen zu treffen. Unter vieltauſendſtimmigen
Hoch=
rufen der Menge begaben ſie ſich um 12¾ Uhr zur
Früh=
ſtückstafel im „Heylshof”, wo die hohen Herrſchaften
auch übernachten. Im Gefolge befinden ſich
General=
major Hahn, Generaladjutant des Großherzogs,
Hof=
marſchall Frhr. v. Ungern=Sternberg,
Kammer=
herr v. Leonhardi, Flügeladjutant Rittmeiſter Frhr.
v. Maſſenbach, dieſe Herren mit Damen, ferner
Flügeladjutant Oberleutnant v. Schröder, ſowie die
Hofdame Freiin v. Rotsmann und die Ehrendame
Freiin v. Bellersheim.
Der Verkaufstag begann um 3 Uhr. Der Beſuch
war=
äußerſt rege, namentlich drängte ſich alles zu dem Stand,
wo das Großherzogspaar eifrig tätig war. Beſonders
gern gekauft wurden die von dem Großherzogspaar ſelbſt
gefertigten und vom ruſſiſchen Kaiſerpaar
ge=
ſtifteten Sachen. Die ovale Form der in Weiß, Grün
und Gold geſchmückten Bühne des Theaters war
gar=
nicht wieder zu erkennen. Auch an den übrigen Ständen
haben die verkaufenden Damen alle Hände voll zu tun.
Das Zarenpaar hat viele ſchöne Gegenſtände zur
Verfüg=
ung geſtellt, wie Zigaretten, Lackwaren, bemalte
Por=
zellanvaſen von hohem Werte und viele andere Dinge,
Jeder Stand iſt ein wahres Schatzkäſtlein für ſich.
Der Verkauf wird vorausſichtlich bis Mitternacht
ausge=
dehnt werden, da der Andrang in den Abendſtunden
außerordentlich wächſt.
Nach einem vorläufig feſtgeſtellten Reſultat belaufen
ſich die Einnahmen auf zirka 36000 Mark. — Der
Groß=
herzog verlieh dem Stadtbaurat Metzler das
Ritter=
kreuz 1. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des
Groß=
mütigen.
Die Einweihung der Lutherkirche.
Nach zweijähriger Bauzeit wurde geſtern vormittag
11 Uhr die auf dem Waſſerturmplatz ſtehende
Luther=
kirche in Anweſenheit des Großherzogspaars
feierlichſt eingeweiht. Das ſtolze Werk wurde von
Profeſſor Pützer=Darmſtadt errichtet. Am 5.
Novem=
ber 1910 erfolgte die Grundſteinlegung und heute, am
Geburtstag Martin Luthers, konnte die Kirche der
Ge=
meinde übergeben werden. Die Opferwilligkeit der
evan=
geliſchen Bürger war ſehr groß, Außer der
veranſchlag=
ten Bauſumme von 430000 Mark wurden noch 80000
Mark für die innere Ausſchmückung durch Feſtſpiele und
namhafte freiwillige Beiträge zuſammengebracht. Der
Lutherkirche, die 1200 Sitzplätze enthält, iſt ein Pfarrhaus
mit zwei Gemeindeſälen angegliedert. Seit 1768 hatte
die evangeliſche Gemeinde kein neues Gotteshaus mehr
erhalten. Die nach dem Gotteshaus führende
Donners=
bergſtraße war auf das ſchönſte mit Girlanden und
Fah=
nen dekoriert. Dicht gedrängt ſtand das Publikum an der
Kirche und in den ſie umgebenden Straßen. Um 11 Uhr
erſchien der Großherzog und die Großherzogin im
Auto=
mobil, vom Heylshof kommend, von der Bevölkerung
ſtürmiſch und herzlich begrüßt. Der Landesfürſt trug die
Generalsuniform und wurde am Eingang der Kirche, wo
weißgekleidete Mädchen Spalier bildeten, von
Super=
intendent Euler und Pfarrer Pabſt empfangen und auf
den vorgeſehenen Platz gegenüber der Kanzel geleitet,
wo das Gefolge bereits ſaß. Von ſeiten der Regierung
waren die Miniſter von Hombergk=u Vach und
Ewald anweſend, von Worms die Spitzen der Zivil=
und Militärbehörden. Die Muſikkapelle des Infanterie=
Regiments 118 leitete die Feier mit dem Vortrag „Die
Ehre Gottes aus der Natur” von Beethoven
ſtimmungs=
voll ein. Die Weihehandlung nahm Herr
Superinten=
dent Euler=Darmſtadt vor. Es folgte Glockengeläute
und Orgelſpiel des Organiſten Deboben. Herr Pfarrer
Pabſt hielt die Feſtrede, der er den 26. Pſalm, Vers 12,
zugrunde gelegt. Der gemiſchte Chor des
Kirchengeſang=
vereins trug hierauf unter Herrn Muſikdirektor L.
Hohmeier eine weihevolle Kantate, die der bekannte
Kirchenkomponiſt Ferdinand Thieriot eigens zur
Ein=
weihung der Lutherkirche geſchrieben, mit beſtem
Gelin=
gen vor. Das Schlußgebet ſprach Dekan Benemann.
Nach einer kurzen Beſichtigung der Kirche durch das
Groß=
herzogspaar fuhren die hohen Herrſchaften wieder zum
Schloß des Freihern von Heyl. wo Tafel ſtattfand.
Gegen 3 Uhr kehrte das Landesfürſtenpaar wieder nach
F.
Darmſtadt zurück.
Der Balkankrieg.
Die Türkei und die Beſetzung Konſtantinopels.
H. B. Konſtantinopel, 9 Nov. Seit der
Rück=
kehr des Thronfolgers aus dem
Haupt=
quartier iſt ein Umſchwung in der Haltung
der türkiſchen Regierung bemerkbar. Erſt
wünſchte man einen Waffenſtillſtand, jetzt will man einen
entſcheidenden Waffengang wagen. Dieſer Umſchwung wird
auf Marſchall Fuad Paſcha zurückgeführt, der den
Thron=
folger begleitet. Die Zahl der türkiſchen Soldaten, die
noch nicht nach Tſchataldſcha gegangen ſind, wird auf=
80000 Mann geſchätzt. Dieſe irren in der Umgebung
um=
her, in der Abſicht, zu plündern. In Silivri am
Mar=
mara=Meer wurden bereits 60 Chriſten umgebracht. Die
aus Tſchataldſcha zurückgekehrten Militär=Attachés und
die verwundeten Offiziere erklären, daß die Befeſtigungen
von Tſchataldſcha völlig vernachläſſigt und die Truppen
demoraliſiert ſeien. Anläßlich der türkiſchen Niederlagen
bringen mehrere Blätter Angriffe gegen die deutſchen
Inſtrukteure, deren Syſtem völlig verſagt habe. Auch die
Kruppſchen Kanonen ſeien von ſchlechter Qualität.
* Konſtantinopel, 9. Nov. Der Scheik ül
Islam veröffentlicht einen Aufruf an die
Ule=
mas in dem es heißt: Während alle religiöſen
Ober=
häupter, mit dem Kreuz in der Hand, daran arbeiten, die
Truppen zu ermutigen, iſt es völlig unzuläſſig, daß unſere
Ulemas dieſe Pflicht noch nicht erfüllen. Die Ulemas
müſſen deshalb gleichfalls den Religicnskrieg verkünden,
um dadurch die Moral unſerer Truppen zu ſtärken. Der
Scheik ül Islam fordert die Ulemas, die glauben, dieſe
Fähigkeiten für die heilige Aufgabe zu beſitzen, ſich zu
melden.
Wien, 8. Nov. Die Neue Freie Preſſe meldet aus
Konſtantinopel: Von beſtunterrichteter Seite
ver=
lautet: Der Beſchluß des Miniſterrats, den Krieg bis
zum Aeußerſten fortzuſetzen, wird mit aller
Energie durchgeführt werden. Mahmud Schefket Paſcha,
den der Sultan als ſeinen erſten Adjutanten zur Inſpektion
Nummer 266.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 11. November 1912.
Seite 7.
der Oſtarmee entſendet, wird nach ſeiner Rückkehr zum
Großwenr, der ſoeben aus dem Jemen heimgerehrte
Ge=
neralſtabschef Izzer Paſcha zum Generaliſſimus ernannt
werden. Beſonderes Gewicht wird auf die Hebung der
Moral der Truppen durch religiöſe Andachtsſtunden
ge=
legt werden, zu welchem Zweck einige hundert Imame zur
Armee entſandt werden. Offiziere und Unteroffiziere
er=
halten den Befehl, die Mannſchaften durch tägliche
An=
ſprachen über die Bedeutung des Entſcheidungsrampfes
für die Türkei und den Islam aufzuklären. Der Sultan
ſelbſt wird heute zum vierten Male ſeit Beginn des
Krieges beim Mantel des Propheten beten.
* Konſtantinopel 8 Nov. Die geſamte Preſſe
fordert die Regierung auf, im Widerſtand zu
be=
harren, um die militäriſche Ehre der Türkei zu retten,
und den Einzug der Bulgaren in Konſtantinopel zu
ver=
hindern. Der Tanin glaubt, daß es noch hinter der
Tſcha=
taldſcha=Linie möglich ſein würde, eine dritte
Verteidig=
ungslinie zu bilden, nämlich San Stefano=Tſchekmedſche=
Kithane. Die ganze Einwohnerſchaft
Kon=
ſtantinopels ſolle helfen, die
Verteidigungs=
werke aufzuführen, die mit Geſchützen armiert werden
könnten. Ein nationales Verteidigungskorps müſſe
or=
ganiſiert werden. Vorher hätten alle geſagt, daß ſie ihr
Blut vergießen wollten; warum, ſo fragt der Tanin,
gehen wir jetzt in den Straßen Stambuls ſpazieren, ohne
etwas zu tun? Alle müſſen kämpfen, denn es iſt
wahr=
ſcheinlich, daß dies der letzte Krieg iſt, den wir in
Europa führen.
* Konſtantinopel, 8. Nov. Faſt alle türkiſchen
Blätter veröffentlichen in bewegten Worten einen
pa=
triotiſchen Aufruf, in dem alle Ottomanen
aufgefordert werden, an der Verteidigung der Hauptſtadt
mitzuwirken. Die Jeni Gazeta z. B. ſchreibt: „Der Sitz
des Kalifats der islamitiſchen Welt iſt in Gefahr. Der
Sultan und das geſamte kaiſerliche Haus haben
ge=
ſchworen, ihr Leben zu opfern. Europa kann alle
Ver=
träge zerreißen. Wir aber können weder den Koran noch
die türkiſche Geſchichte zerreißen. Der Großweſir, die
Mi=
niſter, die Armee und die Nation haben geſchworen, ihren
letzten Blutstropfen zu vergießen.” Weiterhin fordert das
Blatt die Ottomanen auf, die Gefahr eines bulgariſchen
Einzuges in Konſtantinopel und einer Wiederaufrichtung
des Kreuzes in der Sophienkirche zu beſchwören. Die
Blätter fordern alle außer Dienſt befindlichen Offiziere
auf, den aktiven Dienſt wieder aufzunehmen, und alle
Einwohner ſich als Freiwillige einſchreiben zu laſſen,
unter Umſtänden wenigſtens als Krankenpfleger oder bei
einem anderen Hilfsdienſt.
* Wien, 8. Nov. Die Wiener Allgemeine Zeitung
meldet: Wie in gut unterrichteten diplomatiſchen Kreiſen
verlautet, beſteht bei den Balkanſtaaten die Abſicht, daß
jedenfalls die proviſoriſche Beſetzung
Kon=
ſtantinopels durch Truppen der drei großen
Balkan=
ſtaaten ſtattfinden ſoll. An dem Einmarſch der Bulgaren
nach dem Fall von Tſchataldſcha ſollen auch Abteilungen
der ſerbiſchen und griechiſchen Armee teilnehmen. Die
griechiſchen Truppen ſeien im Begriff, im Golf von
Teres zu landen, und ſich von dort mit der bulgariſchen
Armee zu vereinigen. Es ſei beabſichtigt, in Gegenwart
der militäriſchen Vertreter Bulgariens, Griechenlands und
Serbiens einen feierlichen Gottesdienſt in der
Sophien=
kicche abzuhalten.
* Paris 9 Nov. Der Sonderberichterſtatter des
Matin meldet, Kiamil Paſcha habe den Botſchaftern
der Großmächte erklärt, daß er die Ordnung
ſo=
wohl in Konſtantinopel, wie in Klein=Aſien
ver=
teidigen werde. Wenn er jedoch durch den Einmarſch des
Feindes in Konſtantinopel in die Unmöglichkeit verſetzt
würde, die Ordnung aufrecht zu erhalten, wenn man die
unglückliche Bevölkerung durch die Greuel des Krieges
zur Verzweiflung brächte, dann würde er für die hieraus
etwa erwachſenden Folgen das Gewiſſen Europas
ver=
antwortlich machen. Rechnen Sie nicht darauf, habe
Kia=
mil Paſcha hinzugefügt, daß ich jemals Konſtantinopel
im Stiche laſſen oder daß der Sultan es verlaſſe. Eher
müßte man meinen Souverän in ſeinem Palaſte und mich
in meinem Arbeitszimmer töten.
* Konſtantinopel, 8. Nov. In langen Zügen
treffen die muſelmaniſchen Landleute aus den
von den Bulgaren bedrohten Gebieten ein. Stambul
iſt voll von einer langen Reihe von Karren, auf denen
Frauen, Kinder, Dienſtboten und Tiere in
bejammerns=
wertem Zuſtande kauern. Was an Hausrat mitgeführt
werden konnte, das hat man bei ſich. Die meiſten von
ihnen befinden ſich auf dem Wege nach Aſien.
Zahl=
reiche freiwillige Kurden, Laſen und Tſcherkeſſen ſind nach
Tſchataldſcha abgegangen, deſſen Befeſtigung weiter
ver=
ſtärkt wird.
* Wien, 9. Nov. Nach einer Meldung aus
Buka=
reſt wurden geſtern in Konſtantza Gerüchte über blutige
Chriſtenmaſſſakre in Konſtantinopel
ver=
breitet. Das Stadtviertel Golata ſoll in Flammen ſtehen
und große Kurdenabteilungen ſollen die Stadt mordend
durchziehen. Die türkiſchen Behörden verweigern jede
Auskunft. Tatſächlich werden ſeit geſtern die ſonſt nach
Konſtantinopel aus Deutſchland über Konſtantza
überge=
leiteten Geldſendungen in Konſtantza zurückgehalten.
Zwei rumäniſche Dampfer ſind zur Abholung der
Landes=
angehörigen nach Konſtantinopel abgefahren.
Die Einnahme von Saloniki.
* Wien, 9. Nov. Der Kriegsberichterſtatter der
Reichspoſt bei der bulgariſchen Hauptarmee
meldet aus dem großen Hauptquartier unter dem ?
ids. Mts.: Die Bulgaren führen, geſtützt auf die bereits
gewonnene Poſition, ihren Angriff gegen die übrigen
Linien der Tſchataldſchaſtellung mit Aufbietung
aller Kräfte durch. Die dritte Armee iſt bereits in das
Waldterrain ſüdlich des Derkosſees vorgedrungen,
wäh=
rend die erſte Armee im Kampfe um die türkiſche
Haupt=
poſition öſtlich Tſchataldſcha ſteht. Der bevorſtehende
Durchbruch der türkiſchen Stellung, die aus mehreren
hintereinander befindlichen Linien beſteht, iſt noch nicht
erfolgt, doch iſt das Niederringen der Verteidigung
nur=
mehr eine Frage der kürzeſten Zeit. Die türkiſchen
Trup=
pen kämpfen ſehr ungleich. Einzelne Abteilungen, die
offenbar noch nicht im Kampfe waren, leiſten hartnäckigen
Widerſtand, der Reſt der Armee Nazim Paſchas zeigt nur
noch die herabgeminderte Widerſtandskraft geſchlagener
Truppen. Bei der Einnahme von Strandza bei dem
miß=
glückten türkiſchen Vorſtoß von Kapakli=Bunar nach
Nord=
oſten ſpielten ſich furchtbare Szenen ab. Die von drei
Seiten von einer Uebermacht angegriffenen Türken
ſtürz=
iten in wilder Flucht auf Kapakli=Bunar zurück, wurden
kaber, noch ehe ſie dieſes erreichten, durch das bulgariſche
Artillerie= und Infanteriefeuer dezimiert. Die Bulgaren,
obwohl ſelbſt von den Kämpfen und Gewaltmärſchen
er=
ſchöpft, zerſprengten durch ihre rückſichtsloſe Verfolgung
aalle Verbände der Armee Nazim Paſchas.
Adrianopel ſteht unmittelbar vor der Kapit u=
Mation. Die eingeleiteten Verhandlungen führten zwar
noch zu keinem endgültigen Ergebnis, aber ſeitdem die
Bulgaren nach der ſiegreichen Zurückweiſung des letzten
großen Ausfalles eine dominierende Stellung auf der
Nordweſtfront Adrianopels in Beſitz nahmen, iſt jede
weitere Verteidigung ausſichtslos.
In Adrianopel richtet der Typhus unter der
Beſatzung große Verheerungen an. Mehrere tauſend
Mann ſind ſchon typhuskrank. Die Beſatzung der
Feſt=
ung wird trotz vieler Verluſte noch auf 40000 bis 50000
Mann geſchätzt. Einzelne Stellungen der Türken ſind ſehr
ſtark. Hunger und Krankheit ſetzen der Beſatzung mehr
als der Feind zu. Das Kommando der bulgariſchen
Be=
lagerungstruppen beabſichtigt keine forcierte Eroberung
der Feſtung, richtet vielmehr das Augenmerk auf eine
lückenloſe Einſchließung. Pourparlers wegen
der Uebergabe Adrianopels ſollen bereits eingeleitet
ſein.
* Athen, 9. Nov. Ueber die Kapitulation
von Saloniki erhielt das Kriegsminiſterium von
dem die Truppen befehligenden Thronfolger folgenden
Bericht: „Während des ganzen geſtrigen Tages
über=
ſchritt die Armee den Axiosfluß. Die Generalkonſuln
von England, Frankreich, Deutſchland und Oeſterreich, der
Platzkommandant von Saloniki und ein Vertreter
Tak=
ſchin Paſchas, des Befehlshabers der türkiſchen Armee,
kamen nach meinem Hauptquartier in Topſin, um mir
Vorſchläge über die Kapitulation der Stadt und des
Heeres zu machen. Sie verlangten, daß die Armee gegen
die Verpflichtung, bis zum Ende des Krieges neutral zu
bleiben, die Waffen behalten ſollte. Ich lehnte dies ab
und forderte als conditio sine qua non die
Ueber=
gabe der Waffen, wobei ich nur das Zugeſtändnis
machte, daß die Waffen nach Beendigung des Krieges
zurückgegeben werden ſollten. Den Ablauf der Friſt für
eine definitive Antwort ſetzte ich auf 6 Uhr morgens feſt.
In der Tat kam um 5 Uhr morgens der
Platzkom=
mandant von Saloniki, begleitet von einem
diplomatiſchen Unterhändler, zurück. Er überbrachte
einen Gegenvorſchlag, der die Auslieferung der Waffen
im Prinzip zugeſtand, wobei jedoch eine Ausnahme mit
5000 Flinten gemacht werden ſollte, die zur Ausbildung
der Rekruten beſtimmt ſeien. Da dies nicht zugegeben
wurde, kehrten ſie wieder zurück, nachdem ſie eine neue
Friſt von zwei Stunden erhalten hatten, um ſich mit dem
Oberkommandierenden zu verſtändigen. Da die Friſt
verſtrich, ohne daß eine Antwort erfolgte, gab ich den
Befehl zum Vormarſch, der um 9 Uhr morgens
be=
gann. Als ſich gegen ½5 Uhr nachmittags unſere Linie
den Vorpoſten des Feindes näherte, entſandte Takſchin
Paſcha einen Offizier mit einem Brief. in dem er erklärte,
er nehme die Bedingungen an. Ich hieß infolgedeſſen
den Vormarſch unterbrechen und entſandte zwei Offiziere
um das Protokoll der Uebergabe der Waffen und der
Ka=
pitulation der Stadt aufzuſetzen. Unſere Truppen ſtehen
vor der Stadt. Kronprinz Konſtantin.”
Vom ſüdlichen Kriegsſchauplatze.
* Athen, 9. Nov. Die ſeit einer Woche ſehnlichſt
erwartete Einnahme von Saloniki iſt geſtern
Er=
eignis geworden. Am Nachmittag wurde ſie in der Form
eines Telegrammes des Telegraphenamtes Gida an das
Kriegsminiſterium bekanntgegeben. Der König erhielt
die Meldung vom Kronprinzen und reiſte geſtern
nach=
mittag ſofort nach Saloniki mit dem Expreßzuge ab. Als
die Nachricht von der Einnahme Salonikis bekannt wurde,
entſtand unter der Bevölkerung eine ſtürmiſche
Begeiſter=
ung. Die Stadt iſt beflaggt und illuminiert. Eine
rie=
ſige Menſchenmenge durchzog die Straßen unter
Fahnen=
ſchwenken, Abſingen der Nationalhymne und Hochrufen
auf den Kronprinzen und die Armee und den
Miniſter=
präſidenten. In der Kathedrale wurde ein Tedeum
zele=
briert und die Glocken aller Kirchen begannen das
Feſt=
geläute. Der Umſtand, daß die Einnahme Salonikis mit
dem Feſt des Heiligen Demetrius, dem Schutzherrn
Salo=
nikis, zuſammenfiel, machte tiefen Eindruck. Nach dem
Tedeum begaben ſich der Bürgermeiſter und der
Munizi=
palrat an der Spitze eines großen Zuges zu dem
Miniſter=
präſidenten und überreichten ihm im Namen der Stadt
eine Glückwunſchadreſſe.
Die Haltung der Mächte.
H. B. Wien, 9. Nov. Die Reichspoſt veröffentlicht
ein Interview ihres Kriegskorreſpondenten mit dem
bulgariſchen Miniſterpräſidenten Geſchow. Dieſer
äußerte u. a.: Auch ich bin und war ein Mann des
Frie=
dens und hoffe, daß wir bald einen dauernden Frieden
haben werden. Ob wir die Vermittelung der
Großmächte annehmen werden, weiß ich noch nicht.
Das hängt von den Bedingungen der Türkei und der
Einwilligung unſerer Verbündeten ab. Da unſere
Inter=
eſſen mit denen Oeſterreich=Ungarns kollidieren, ſo wird
es ſchwer halten, eine Formel zu finden, welche den
bei=
derſeitigen Intereſſen Oeſterreich=Ungarns und
Bul=
gariens entſpricht. Was Rumänien anlangt, ſo äußerte
ſich der Miniſter folgendermaßen: Rumänien iſt das
ein=
zige Nachbarland, mit dem das alte Bulgarien ſtets
fried=
lich zuſammenlebte. Es wäre ein ungeheures Verbrechen,
wenn wir jetzt, im 20. Jahrhundert, einen Krieg mit ihm
hätten. Ich kann Ihnen die Verſicherung geben, daß die
Schuld an einem ſolchen Verbrechen auf uns nicht fallen
wird. Was das gute rumäniſche Volk und den großen
und glorreichen König von Rumänien betrifft, ſo bin ich
ſicher, daß dieſe den Krieg nicht wollen.
* London, 9. Nov. (Reuter.) Die
öſterrei=
chiſch=ſerbiſche Seite der Balkankriſis
beanſprucht die ſchärfſte Aufmerkſamkeit der
Mächte. Erkundigungen in diplomatiſchen Kreiſen
haben ergeben, daß zwar allgemein die Lage nicht ſo
ernſt betrachtet wird, wie ſie von der Preſſe dargeſtellt
worden iſt. Dennoch vergegenwärtigt man ſich, daß die
Frage, wenn ſie nicht ſorgfältig behandelt wird, ernſte
Möglichkeiten bietet. Unterhaltungen mit Diplomaten,
deren Anſichten als diejenigen der Triple=Entente bezw.
des Dreibundes betrachtet werden, bewieſen, daß die
Meinung von allen geteilt wird, daß es um ſo beſſer iſt,
je weniger gegenwärtig über dieſen Gegenſtand
geſpro=
chen wird. Man fühlt, daß Fragen, wie die eines
ſer=
biſchen Hafens am Adriatiſchen Meer, beſſer der
Erörter=
ung durch die Mächte überlaſſen werden, als daß
dar=
über zwiſchen einer Großmacht und einem kleinen Staate
verhandelt wird. In diplomatiſchen Kreiſen, die den
Dreibund vertreten, wird angedeutet, daß die
wahrſchein=
lich vorgenommene Internationaliſierung Salonikis
Ser=
bien den gewünſchten Zwang zur See bieten würde. In
diplomariſchen Kreiſen der Triple=Entente wird
unter dem Ausdruck der Sympathie für die Beſtrebungen
Serbiens hervorgehoben, daß der ſicherſte Weg iſt, die
Dinge nicht zu überſtürzen, um den natürlicherweiſe
ſtar=
ken Gefühlen, die durch die militäriſchen Erfolge
hervor=
gerufen ſind, Zeit zu geben, ſich zu legen, ſowie die allge
meineren enropäiſchen Intereſſen zu berückſichtigen. Der
Friede Europas iſt ſchließlich das allerwichtigſte. Den
Intereſſen Serbiens wird am beſten gedient, wenn die
Mächte die dornigen Fragen internationaliſieren
wür=
den, weil die Mächte unter ſich zweifellos die Mittel fin=
den dürften, um die wichtigſten, wenn nicht alle in
Be=
tracht kommenden Punkte zu erledigen.
H.B. Petersburg, 9. Nov. Die Nowoje Wremja
erklärt in einem Artikel von heute morgen, daß es für
Oeſterreich wohl ſchwer ſei, Serbien der Früchte
aller ſeiner Erfolge zu berauben. Rußland habe
be=
ſchloſſen, eine energiſche Haltung einzunehmen. Die
Zeitung gibt der Hoffnung Ausdruck, daß auch
Frank=
reich und Großbritannien dieſes in ſeinen
Be=
ſtrebungen unterſtützen wird.
Letzte Nachrichten.
* Malta, 9. Nov. Die Linienſchiffe „
Hiber=
nia‟. „Britannia”, „Commonwealth”, „Dominion”
„Blaokprince” und „Cumberland” erhielten Befehl,
ſo=
fort von Malta abzugehen und ſich nach Häfen des
Orients zu begeben. In Malta befinden ſich jetzt
keine Schiffe mehr außer einigen
Torpedobootszer=
ſtörern. Die unerwartet ſchnelle Abfahrt der Kriegsſchiffe
wird auf die Kapitulation von Saloniki zurückgeführt.
Man glaubt, daß die Schiffe nach Saloniki fahren.
* Konſtantinopel 10. Novbr. Der
öſterreichiſch=
ungariſche Kreuzer „Aſpern” und der italieniſche Kreuzer
„Emanuele Filiberto” trafen geſtern hier ein; es liegen
nunmehr ſechs Kreuzer vor Konſtantinopel.
* Rjeka, 9. Nov. Geſtern wurde die
Beſchieß=
ung Skutaris mit den Belagerungsgeſchützen
fort=
geſetzt. Den Berichten zufolge herrſcht in der Stadt eine
Panik. Die Katholiken flüchteten in die Kathedrale, wo
auch der Erzbiſchof weilen ſoll. In Skutari ſind die Preiſe
aller Bedarfsartikel unerſchwinglich. Der franzöſiſche
Konſul ſoll von ſeiner Regierung die Weiſung erhalten
haben, mit den franzöſiſchen Staatsangehörigen und
etwaigen Schutzbefohlenen die Stadt zu verlaſſen.
* Wien 10. Nov. Der Kriegsberichterſtatter der
Reichspoſt meldet aus dem bulgariſchen Hauptquartier
vom 9. November: Die gemeldete Einnahme zweier
türkiſcher Poſitionen auf der Südoſtfront des
Adria=
nopeler Fortsgürtels durch die Bulgaren
er=
folgte in der Nacht vom 7. zum 8. November. Nach einem
furchtbaren Artilleriefeuer wurde eine Brigade, der
wei=
tere Reſerven folgten, zum Sturm auf die beiden Forts
Kartaltepe und Papztepe angeſetzt. Trotz der
türkiſchen Scheinwerfer und des Geſchoßhagels der den
Angreifern entgegenſchlug, gelang es der bulgariſchen
In=
fanterie ſchließlich, die beiden Forts zu ſtürmen. Die
Bulgaren zogen ſofort Verſtärkungen nach, namentlich
Artillerie, wieſen alle Gegenangriffe der Türken zurück
und begannen die genommenen Poſitionen auf der
Kehl=
front gegenüber Adrianopel zu befeſtigen. Von den
er=
oberten Forts wurde beſonders Kartaltepe ſehr ſtark
be=
feſtigt. Das Fort liegt auf einem 143 Meter hohen Hügel
und beherrſcht ſowohl die Stadt, wie die ſich
anſchließen=
den Gürtelwerke. Die Einahme dieſer Forts, ſowie die
gleichzeitig erfolgte Erſtürmung des Forts
Karta=
ſtepe machen die weitere Verteidigung ausſichtslos. Die
Kapitulation der Feſtung wird ſtündlich erwartet.
Ueber den Kampf um die Tſchataldſcha=Linie
kann nur mitgeteilt werden, daß die bulgariſche
Angriffs=
aktion erfolgreich fortſchreitet. Die Bulgaren haben
wei=
tere Vorpoſitionen genommen. Der entſcheidende Stoß
ſoll mit ſolcher Gewalt geführt werden, daß die Bulgaren
gleichzeitig mit den fliehenden Türken vor den Forts
Kon=
ſtantinopels eintreffen. Durch die unverzügliche Beſetzung
der Stadt ſollen ſowohl die diplomatiſche Einmiſchung,
wie die drohenden Chriſtenmaſſakres verhindert werden.
* Rom 10. Novbr. Das italieniſche Rote Kreuz
entſandte nach Griechenland und Montenegro je ein
voll=
ſtändiges Kriegslazarett von 50 Betten mit 200 Kiſten
Sanitätsmaterial. Die Abreiſe der Expeditionen des
italieniſchen Roten Kreuzes nach Bulgarien und Serbien
ſteht unmittelbar bevor. In der Türkei, und zwar in
Konſtantinopel und Saloniki, ſollen zwei italieniſche
La=
zarette errichtet werden.
Darmſtadt, 11. November.
g. Schauturnen der Turngemeinde Beſſungen.
In dem großen Saale ihres Turnhauſes in der
Heidel=
bergerſtraße hielt geſtern nachmittag die
Turnge=
meinde Beſſungen ihr diesjähriges
Schau=
turnen ab. Der 1. Sprecher der Turngemeinde, Herr
Profeſſor Kiſſinger, begrüßte in längerer Rede die
zahlreich erſchienenen Freunde und Gönner des Vereins.
Getreu dem Wahlſpruch „Friſch, fromm, froh, frei” ſei
im Verein die Turnſache ſtets mit friſchem Mut und
friſchem Wagen getrieben, fromm in dem Sinne,
wie ihn Jahn zur Richtſchnur für die
Er=
ziehung von Körper und Geiſt gegeben, in Achtung
des Glaubens und der Geſinnung anderer, doch
un=
erſchütterlich in dem als richtig erkannten eigenen
Glauben. Fröhlich ſolle das Turnen getrieben werden
und frei ſolle ſich der Turner fühlen, frei nicht in
miß=
verſtandener Zügelloſigkeit, ſondern frei unter Achtung
des Geſetzes und der geſchaffenen Inſtitutionen. In
den vorderſten Reihen der Jungdeutſchlandbewegung
ſtehend, ſei die deutſche Turnerſchaft berufen,
die deutſche Jugend zu rechten deutſchen Männern
heranzubilden. Seine Rede klang aus in ein begeiſtert
aufgenommenes dreifaches Gut Heil” auf den Verein
und die deutſche Turnerſchaft. — Hierauf begannen in
raſchem Wechſel die mannigfachen turneriſchen
Vor=
führungen, die dem turneriſchen Eifer der Mitglieder und
der Arbeit der Vorturner das beſte Zeugnis ausſtellten.
Eröffnet wurde das reichhaltige Programm mit einem
allge=
meinen Aufmarſch, dem Freiübungen folgten, hierbei als neue
Variation und beſonders reizvolle Bilder erzielend,
ver=
ſchiedene Freiübungen der einzelnen Gruppen zu gleicher
Zeit. Dem allgemeinen Riegenturnen an den
verſchie=
denen Geräten folgte das Turnen der erſten
Zöglings=
riege am Tiefreck, wobei ganz bemerkenswerte Leiſtungen
der jungen Turner zu verzeichnen waren. Ebenfalls
recht vorteilhaft machte ſich das Arrangement von
ver=
ſchiedenartigen Uebungen der einzelnen Gruppen zu
gleicher Zeit bei dem nun folgenden Keulenſchwingen
der Schüler bemerkbar. Es war hierbei zum
Vorteil für den guten Eindruck der Wert mehr
auf exakte Ausführung als auf komplizierte
Uebungen gelegt, dasſelbe läßt ſich ſagen von
dem Turnen der Zöglinge an zwei Barren unter
Muſik=
begleitung. In anmutvollen Bewegungen führten
nun=
mehr die Turnerinnen der Damenabteilung Freiübungen
mit Hüpfübungen vor, die ebenſo, wie das hierauf
folgende Keulenſchwingen mit einer Keule vorzügliche
Gruppenbilder ergaben. Nach dem Sturmſpringen der
Schüler und korrekt ausgeführten Stabwindübungen
der Männerriege folgte als intereſſanteſte Leiſtung
das Turnen der erſten Turnerriege am Schaukelreck.
Was da an dem freiſchwingenden Reck von jedem
einzelnen Turner geleiſtet wurde, geht weit über das
Durchſchnittskönnen hinaus. Die mitunter ſehr
gefähr=
lich ausſehenden Uebungen wurden vom Publikum mit
lebhaftem Beifall ausgezeichnet. Den Beſchluß des
Programms bildete ein Turnſpiel mit zwei Loſthällen
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 11. November 1912.
Nummer 266.
das große Heiterkeit erregte. — Den Vorführungen
wohnten u. a. auch mehrere Offiziere und zahlreiche
Lehrer bei. — Nach dem Turnen fanden ſich Turner und
Gäſte im Kner okal zu einem gemütlichen
Beiſammen=
ſein ein, dem ſich dann ſpäter ein flotter Tanz anſchloß.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 9. Nov. Von kompetenter Seite wird
mitgeteilt, daß Direktor Völker und der Buchhalter
Eifler durch vorgeſtern feſtgeſtellte
Ordnungswidrig=
keiten die Privatbank in Gotha geſchädigt
ha=
ben. Der ermittelte Schaden für die Bank beläuft ſich
auf etwa 36000 Mark an eigenen und fremden
Wertpapie=
ren. Bei der Zentrale in Gotha und der Filiale in
Wei=
mar ergab ſich ein muſterhaftes Vorhandenſein. Auch bei
den übrigen Filialen wurde die Ordnungsmäßigkeit der
Geſchäftsführung durch unangemeldete Reviſionen
feſt=
geſtellt. Das bedauerliche Vorkommnis hat auf die
allge=
meinen Verhältniſſe der Bank keinen Einfluß, zumal der
Semeſtralabſchluß einen Mehrgewinn aufweiſt.
* Karlsruhe, 9. Nov. Heute nachmittag 2 Uhr 44 Min.
iſt der nach Herrenalb fahrende 2ug der Albtalbahn bei
der Unterführung der Staatsbahn infolge von auf den
Bahnkörper gelegten Schotters entgleiſt. Der
Wagen=
führer wurde im letzten Moment auf die Gefahr
aufmerk=
ſam und bremſte ſofort. Es war aber ſchon zu ſpät. Der
Motorwagen ſtemmte ſich gegen die Tunnelmauer und die
folgenden Wagen ſtießen hart aufeinander. Der
Material=
ſchaden iſt ſehr erheblich. Im ganzen ſind vier Perſonen
durch Quetſchungen leicht verletzt worden.
Hochſtatt (Kanton Altkirch im Oberelſaß), 10. Nov.
Heute früh 5 Uhr kam es hier zu einem Zuſammenſtoß
zwiſchen den Jagdhütern Gebrüder Karm und zwei
Wilderern, wobet der eine Wilderer,; der
Fabrik=
arbeiter Ludwig Kuttler, durch einen Schuß in den
Unterleib ſo ſchwer verletzt wurde, daß er nach wenigen
Minuten verſtarb. Vor ſeinem Tode gab er den Namen
des anderen Wilderers, der nach einigen Schüſſen
ge=
flohen war, an. Es iſt dies der Fabrikarbeiter Ludwig
Neff, ebenfalls von hier. Der Jagdhüter Karl Karm
wurde durch einen Schrotſchuß in die rechte Seite ſchwer,
aber nicht tödlich, verletzt.
* Weimar, 9. Nov. Der 18jährige Schüler
Burk=
hardt aus Auma, der wegen Teilnahme an einer
Schülervereinigung aus dem hieſigen Realgymnaſium
ent=
fernt worden war, ſchoß ſich mit einem Revolver ins
Herz. Schwer verletzt wurde er ins Krankenhaus
ge=
bracht.
* Leipzig, 9. Nov. Die Polizei ſtellte feſt, daß die
zerſtückelt aufgefundene Leiche die der 23jährigen
Ehe=
frau des inzwiſchen verhafteten Maurers Rothe
iſt. Rothe tötete ſeine Frau, die Kellnerin war, in ſeiner
Wohnung durch Dolchſtiche in den Hals, zerſtückelte die
Leiche und trug den Rumpf in einem Korb in den Wald.
Er fuhr darauf nach Leipzig, wobei er die Gliedmaßen in
einem Paket mitnahm, das er in einem Eiſenbahnabteil
liegen ließ.
* Halberſtadt, 10. Nov. Als ſich heute vormittag eine
Hochzeitsgeſellſchaft aus Böhnshauſen hierher zur
Trau=
ung begeben wollte, kam der Wagen ins Rutſchen und
prallte gegen einen Maſt der elektriſchen Leitung. Sechs
Perſonen wurden ſchwer verletzt ins Krankenhaus
ge=
bracht.
Verſailles, 10. Nov. Der Anarchiſt Renard,
Mitglied der Bande Bonnot, der im Januar den ihn
verfolgenden Gendarmeriewachtmeiſter erſchoß, iſt vom
Schwurgericht zum Tode verurteilt worden.
* Madrid, 10. Nov. Nach Blättermeldungen heerſcht
unter den Minenarbeitern der Rio Tinto=Bergwerke eine
gewiſſe Gärung. Es laufen Gerüchte von einem
Aus=
ſtand um.
Tomsk, 10. Nov. Auf der ſibiriſchen Eiſenbahn
iſt ein Zug mit Arbeitern für die Amurbahn entgleiſt,
wobei drei Arbeiter getötet, 26 verwundet wurden.
* Tanger, 10. Nov. Der engliſche Geſandte Reginald
Liſter erlag unerwartet einem Anfall von Malaria.
Rio de Janeiro, 10. Nov. Hier läuft das
Ge=
rücht um, daß in Ceara ſich ſchwere Ausſchreitungen
ereignet haben. Die der Familie des ehemaligen
Präſi=
denten Accioly gehörenden Fabriken ſollen
einge=
äſchert ſein. Die Deputierten werden vom Pöbel
ver=
folgt, wenn ſie ſich ſehen laſſen. Viele Familien
ver=
laſſen die Hauptſtadt, in der vollſtändige Anarchie
herr=
ſchen ſoll. Die Unruhen werden zurückgeführt auf die
Kämpfe der politiſchen Parteien um die Vorherrſchaft
im Parlament.
H.B. Eiſenach, 9. Nov. Zu der Meldung über den
Zuſammenbruch des Bankhauſes Strauß
u. Heberlein wird weiter berichtet, daß in Eiſenach
große Beſtürzung herrſcht, da viele Geſchäftsleute und
Penſionäre geſchädigt werden. In Bankkreiſen hat die
Firma einen nur unbedeutenden Kredit genoſſen. Da ſich
aber die beiden Inhaber infolge ihrer geſellſchaftlichen
Stellung großen Anſehens erfreuten, war die Zahl der
Kunden ziemlich groß und das Geſchäft erreichte in den
letzten Jahren einen nicht unbedeutenden Umfang. Man
ſchätzt die Höhe des Fehlbetrages auf annähernd eine
Million Mark. Der Selbſtmord des Inhabers Strauß
hat zu allerhand unkontrollierbaren Gerüchten Anlaß ge=
geben. Der Konkursverwalter prüft egegenwärtig noch,
ob die Depots intakt ſind.
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Annoncen=Nummer verſehen ſind, ſind keine redaktionellen
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Die tieſtrauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Bensheim, Leipzig, Valparaiſo,
11. November 1912.
Die Beerdigung findet ſtatt: Dienstag, den
12. November, nachmittags 3 Uhr, vom
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Frau Golda Siegel.
Darmſtadt, den 10. November 1912.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Jos. Wartensleben u. Familie.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 12. Nov.,
vormittags 10 Uhr, vom Sterbehauſe
Hein=
heimerſtraße 11 aus, ſtatt.
Blumenſpenden dankend verbeten.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme, die mir und meiner
Fa=
milie aus Anlaß des ſo ſchmerzlichen
Trauerfalls zugegangen ſind, ſpreche
ich meinen aufrichtigen Dank aus.
Michelſtadt, den 9. November 1912.
v. Wachter,
Hauptmann a. D.
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Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meiner unvergeßlichen Mutter,
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unſerer Schweſter und Tante
Frau
Elisabeth Herrmann
geb. Bär
ſage ich Allen innigen Dank.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Marie Lerch.
Darmſtadt, den 9. November 1912.
Tageskalender.
Konzert der Großh. Hofmuſik um 7 Uhr im Hoftheaten
(Hauptprobe vormittags 10 Uhr).
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Vortrag von Pfarrer Laible um 3½ Uhr im „
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ſaal” (Kirchlich=poſitive Vereinigung).
Verſammlung der Schillerſtiftung um 5 Uhr im
Lehrerzimmer des Ludwig Georg=Gymnaſiums.
Generalverſammlung des Kath. Frauenbundes
um 8 Uhr im Geſellenhauſe.
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Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckereig
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſex
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt=
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaigen
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
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Flechte iſt ſeitdem verſchwunden.
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ob der Erfolg ein dauernder iſt, was
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Nummer 266.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 11. November 1912.
Seite 11.
Spülung des Waſſerrohrnetzes.
Im Laufe der nächſten Woche wird eine Spülung des
Waſſer=
gohrnetzes in den unten bezeichneten Stadtteilen vorgenommen, welche
En der Zeit von 10 Uhr abends bis 5 Uhr morgens eine zeitweiſe
Ulnterbrechung der Waſſerabgabe, ſowie eine Trübung des Waſſers
mit ſich bringt; die Waſſerabnehmer werden deshalb gebeten, ſich
worher mit Waſſer zu verſorgen.
Spülplan.
1. In der Nacht von Montag, den 11. zu Dienstag, den
112. November 1. Js. werden geſpült:
die Spülbezirke 1 und II.
In dieſe Bezirke fallen alle Straßenzüge ſüdlich der
Bismarck=
ſſtraße, weſtlich vom Paradeplatz, nördlich des Teiles der Rheinſtraße
zzwiſchen Ernſt=Ludwigs=Platz und Wilhelminenſtraße, weſtlich des
Teiles der Wilhelminenſtraße, zwiſchen Rheinſtraße und
Heinrichs=
fſtrase, weſtlich vom Wilhelminenplatz, nördlich des Teiles der
Heinrichs=
ſtraße von der Wilhelminenſtraße bis zur Heidelberger=Straße, öſtlich
ides Teiles der Heidelberger=Straße, zwiſchen Heinrichsſtraße und
Eſchollbrücker=Straße, nördlich der Eſchollbrücker=Straße, zwiſchen
Heidel=
berger=Straße und Stadtallee, nördlich der Stadtallee von der
Eſcholl=
brücker=Straße bis zur Main=Neckar=Bahn und öſtlich der Main=Neckar=
Bahn zwiſchen Stadt=Allee und Bismarckſtraße.
Von den dieſe Spülbezirke umgrenzenden Straßen und Plätzen
werden mitgeſpült die Bismarckſtraße, die oben angegebenen Teilſtrecken
der Wilhelminenſtraße und der Heinrichsſtraße und die Nordſeite der
Rheinſtraße, zwiſchen Ernſt=Ludwigsplatz und Wilhelminenſtraße.
Ferner wird noch mitgeſpült die Frankfurter=Straße, zwiſchen
Bis=
marck= und Kahlertſtraße.
In der Nacht von Mittwoch, den 13. zu Donnerstag,
den 14. November 1. Js. werden geſpült:
die Spülbezirke III und IV.
In den Spülbezirk III fallen ſämtliche Straßenzüge nördlich
der Bismarckſtraße und weſtlich der Frankfurter=Straße, ſowie die
Straßenzüge nördlich der Holzhofallee und weſtlich der Main=Neckar=
Bahn.
Von den dieſen Bezirk umſchließenden Straßen werden
mitge=
ſpült die Frankfurter=Straße von der Kahlertſtraße aus in der Richtung
nach Arheilgen und die Holzhofallee.
In den Spülbezirk IV fallen die Straßenzüge öſtlich des Teiles
der Wilhelminenſtraße, zwiſchen Heinrichs= und Rheinſtraße, ſüdlich
des Teiles der Rheinſtraße, zwiſchen Wilhelminenſtraße und Ernſt=
Ludwigs=Platz, ſüdweſtlich vom Ernſt=Ludwigs=Platz und Marktplatz,
ſüdweſtlich und weſtlich der Kirchſtraße, weſtlich des Teiles der
Karlsſtraße, zwiſchen Kirchſtraße und Heinrichsſtraße und nördlich des
Teiles der Heinrichsſtraße, zwiſchen Karls= und Wilhelminenſtraße.
Von den dieſen Spülbezirk eingrenzenden Straßen und Plätzen
werden mitgeſpült die Kirchſtraße, die oben angegebenen Strecken der
Karls= und Heinrichsſtraße, ſowie die Südweſtſeite des Ernſt=Ludwigs=
und des Marktplatzes und die Oſtſeite des Wilhelminenplatzes, ferner
wird mit dieſem Bezirk geſpült die Kapellſtraße.
3. In der Nacht von Samstag, den 16. zu Sonntag, den
17. November I. Js. werden geſpült:
die Spülbezirke VI und VII.
Dieſe Bezirke liegen einmal zwiſchen Dieburger= bezw.
Alexander=
ſtraße und Heinrichsſtraße und erſtrecken ſich ferner vom Parade=,
Ernſt=Ludwigs= und Marktplatz, ſowie der Kirch= und Karlsſtraße bis die Eröffnung des
Konkursver=
zum Woog und der Odenwaldbahn; ausgeſchloſſen iſt die Mathilden=fahrens beantragt hat.
höhe, ſowie die Alexander= und Dieburger=Straße ſelbſt.
Darmſtadt, den 5. November 1912.
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Städtiſche Waſſerwerks=Verwaltung.
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und im Hauſe Kiesſtraße 21 (zwiſchen
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Schweinefleiſch per Pfund 88 Pfg.
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Steuer=Erhebung.
Das 4. Ziel der
Gemeinde=
ſteuer für das Rechnungsjahr
1912 iſt, bei Vermeidung der
Mah=
nung, bis längſtens Ende dieſes
Monats an den Werktagen,
vor=
mittags von 8½ bis 12½ Uhr,
hierher zu entrichten.
Im Intereſſe raſcheſter
Ab=
fertigung an den Zahlſchaltern
wird gebeten, die Gelder
abge=
zählt bereit zu halten.
Darmſtadt, 2. November 1912.
Die Stadtkaſſe.
Koch. (23069a
Schulgeld=Erhebung.
Das Schulgeld für das Großh.
Realgymnaſinm und deſſen
Vor=
ſchule, die Großh. Liebigs= und
die Großh. Ludwigs=
Oberreal=
ſchule, die Vorſchule der Großh.
Gymnaſien, die Viktoriaſchule
und das Lehrerinnenſeminar, die
Eleonoren= und Frauenſchule,
ſowie die Mittelſchulen für das
IV. Kalendervierteljahr 1912
iſt — bei Meidung des
Beitrei=
bungsverfahrens — bis Ende lfd.
Mts. an den Werktagen,
vormit=
tags von 8½ bis 12½ Uhr, hierher
zu entrichten.
Darmſtadt, 2. November 1912.
Die Stadtkaſſe.
Koch.
(23068a
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ſpottbillig abzugeben. Anzuſehen
Sonntags zwiſchen ½11—1 Uhr.
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Bekanntmachung.
Auf freiwilligen Antrag des
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Donnerstag, 14. November I. Js.
vormittags 9 Uhr,
in unſerem Bureau —
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ſtraße 30 — zum dritten und
letztenmal öffentlich verſteigert
werden und bei annehmbarem
Ge=
bot ſoll Zuſchlag erfolgen. (V22388
Darmſtadt, 25. Oktober 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
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Konkursverfahren.
Nachſtehender Gerichtsbeſchluß
wird hierdurch zur öffentlichen
Kenntnis gebracht:
Ueber den Nachlaß des am
26. September 1911 zu Darmſtadt
verſtorbenen Dr. Wilhelm Bieſer,
Oberſtabsveterinär, wird heute,
am 7. November 1912, nachmittags
4 Uhr, das Konkursverfahren
er=
öffnet, da der Nachlaß
überſchul=
det iſt und der Nachlaßverwalter
Der Kaufmann Karl Dechert in
Darmſtadt wird zum
Konkurs=
verwalter ernannt.
Konkursforderungen ſind bis
zum 25. November 1912 bei
dem Gerichte anzumelden.
Es wird zur Beſchlußfaſſung
über die Beibehaltung des
er=
nannten oder die Wahl eines
ande=
ren Verwalters, ſowie über die
Beſtellung eines
Gläubigeraus=
ſchuſſes und eintretenden Falls
über die in § 132 der
Konkurs=
ordnung bezeichneten Gegenſtände,
ſowie zur Prüfung der
angemelde=
ten Forderungen auf (23352
Montag, 2. Dezember 1912,
nachmittags 4 Uhr,
vor dem unterzeichneten Gerichte,
Allen Perſonen, welche eine zur
Konkursmaſſe gehörige Sache in
Beſitz haben oder zur Konkursmaſſe
etwas ſchuldig ſind, wird
aufgege=
ben, nichts an den
Gemeinſchuld=
ner zu verabfolgen oder zu leiſten,
auch die Verpflichtung auferlegt,
per Pfund 90 Pfg. von dem Beſitze der Sache und von
den Forderungen, für welche ſie aus
der Sache abgeſonderte
Befriedig=
ung in Anſpruch nehmen, dem
Kon=
kursverwalter bis zum 25.
Novem=
ber 1912 Anzeige zu machen.
Darmſtadt, 7. November 1912.
Der Gerichtsſchreiber
Großherzoglichen Amtsgerichts I.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
ſicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Foxterrier, 1 deutſcher Schäferhund. Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden.
Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
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(Nachdruck verboten.)
9)
Dittmark fand es an der Zeit, das Geſpräch wieder
in ein harmloſeres Geleiſe zu bringen. Herrſchaften,
hören wir mit ſolchen philoſophiſchen Geſprächen auf. Die
Kinder ſitzen mit am Tiſche.
Gott, ja, beinahe hätt’ ich’s vergeſſen! — Jungens,
morgen abend ſehen wir uns das neue Blumenthalſche
Luſtſpiel an Gunildchen, Sie ſind auch freundlichſt
eingeladen! Oder geben Sie mir altem Manne einen
Korb? Ich denke, erſt eſſen wir nen Happen zuſammen
und nach dem Theater wiederholen wir, was wir vorher
getan haben. Um Mitternacht liefere ich die Jugend
wohl=
behalten hier wieder ab.
Die Jugens jubelten, Gunild wußte nicht recht, was
ſie ſagen ſollte. Sie war ganze zwanzig Jahre alt und
paßte eigentlich nicht zu den jüngeren Brüdern und
dem alten Sollenſtern.
Der Vater ſagte ſchnell für ſie zu. Du biſt zu
freund=
lich, lieber Chriſtoph. Natürlich machſt Du meinen
Kin=
dern eine rieſige Freude!
Der eite Zungeſele ſchunzeler Des uid mu
ein Feſt für mich! Wenn ich altes Haus mit ſo nem
ſchönen Mädel in die Loge trete, wird man die Hälſe
recken!
Gunild verzog den Mund. Dieſe Oſtpreußen waren
wirklich ungehobelte Kerle! Und in dieſe Geſellſchaft
ſollte ſie nach der deutlichen Anſpielung Sollenſterns
hin=
einheiraten? Sie bedankte ſich ſchön! Als junges Ding
hatte ſie ſich ja wunderbar in Maſuren amüſiert, aber als
Frau brächten ſie nicht zehn Pferde in dieſe Ecke. Die
Milchbücher und Schweineſtälle zu revidieren und Obſt
einzumachen, war gar nicht nach ihrem Geſchmack.
Alſo um ſechs holt mich die Jugend morgen im Hotel
Continental ab — nicht wahr?
Die Jugens jubelten und Gunild ſtattete mit
wohl=
geſetzten Worten ihren Dank ab.
Und ’n gute Laune mitbringen, damit wir
berat=
ſchlagen können, was wir die anderen Tage anfangen!
Als Sollenſtern gegangen war, begehrte Frau von
Dittmark, ſobald die Söhne das Zimmer verlaſſen hatten,
auf. Lieber Andreas, ſtatt mir, Deiner Frau,
beizuſprin=
gen, munterſt Du Deinen biederen Freund noch auf. mir
die Leviten zu leſen!
über Sereſei
Allerdings hat er das getan, wenn auch nicht mit
allzugroßem Geſchick. Ich merkte ſofort die Abſicht! Wie
unerhört taktlos er von Herrn von Wullnow ſprach! Es
war Deine Pflicht, ihm zu verbieten, in dieſer Weiſe
wei=
ter über Deinen zukünftigen Schwiegerſohn zu reden!
Nun, vorläufig habe ich — Got ſei Dank — noch
keinen!
Soll das vielleicht heißen, Du biſt mit Gunilds Wahl
nicht einverſtanden?
Du allein haſt gewählt, nicht Gunild!
Die Tochter wollte das Zimmer verlaſſen.
Frau von Dittmark herrſchte ſie an: Du bleibſt hier,
ſonſt heißt es wieder, ich beeinfluſſe Dich!
Ruhig blieb Gunild an der Tür ſtehen. Es war nicht
die erſte Szene zwiſchen den Eltern, die ſie erlebte. Ihr
Vater ſetzte ſich behaglich auf einen Stuhl. Ließ er ſeine
Frau ausreden, das war das beſte.
Mich würde es gar nicht wundern wenn Plattangen
morgen auch im Theater wäre!
Das glaube ich nicht!
Nun, Dein guter Freund Sollenſtern hat ein dickes
Fell! und deshalb iſt mir’s gar nicht recht, daß Gunild
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Ich habe für meine Tochter zugeſagt und dabei bleibt
es!
Du biſt es, der ſie beeinfluſſen will, nicht ich?
Aber, Thereſe! Nimm ſelbſt an, Plattangen wäre im
Theater, hat denn Gunild nicht, von meiner Seite
wenig=
ſtens, freie Entſcheidung, zu handeln, wie ſie will?
Du biſt im Komplott mit Sollenſtern!
Nein — aber geſagt hab’ ich ihm, daß mir nichts
Be=
ſonderes daran liegt, Wullnow zum Schwiegerſohn zu
haben!
Und daß Dir Plattangen lieber wäre?
Das iſt auch meine felſenfeſte Ueberzeugung, liebe
Thereſe.
So, Gunild, nun kennſt Du die Anſicht Deines Vaters.
— Gehen wir jetzt ſchlafen, ſonſt hört die Streiterei doch
nicht auf. Mir aber mache, bitte, nie mehr Vorwürfe, daß
ich meine Tochter beeinfluſſe. Es geſchieht von Deiner
Seite‟
Du wirſt alſo ganz die geſetzte Dame ſein! ſagte
Frau von Dittmark am anderen Abend. Ich vermute,
Du ſollſt für Plattangen intereſſiert werden. Ich will
Dich natürlich gar nicht beeinfluſſen, gebe Dir aber zu
be=
denken, was für ein Leben in Maſuren auf Dich wartet
Dort würdeſt Du binnen wenigen Jahren feſtſitzen, bis
Du die Augen zumachſt, lediglich auf Plattangen
angewie=
ſen und die wenigen Nachbarn, die Du ja kennſt!
Gunild wollte ſchon auf ihrer Hut ſein, und während
die Jungen aufgeregt neben ihr hergingen, beſchäftigten
ſich ihre Gedanken mit Wullnow. Es war noch immer
ſehr die Frage, ob er um ſie anhalten würde. Wenigſtens
hatte ſein erſter Beſuch nach dem Briefe lange genug auf
ſich warten laſſen, und wenn ſie ihm nicht über den Weg
gelaufen wäre, wer weiß, ob er ſich bis heute eingefunden
hätte. Sehr zuvorkommend hatte ihn ihr Vater ja
durch=
aus nicht behandelt. Eine leichte Röte überzog ihr Geſicht.
Eigentlich war die Rolle, die ſie ſpielte, doch recht peinlich!
Die Mutter bot ſie auf dem Präſentierbrett dem jungen
Diplomaten an, reinweg vernarrt war ſie in ihn.
Hegte ſie ſelbſt denn nun wirklich ein tieferes Gefühl
für Wullnow? Sie vermochte ſich keine klare Antwort
darüber zu geben. Jedenfalls wurde ſie viel lieber deſſen
Weib, wie Plattangens. Der war gewiß ein forſcher
Kerl, aber weder eine Schönheit, noch geiſtig ſo
bedeu=
tend wie der Legationsſekretär. Aber den einen Vorteil
hatte er, das geſtand ſie ſich unumwunden ein: er war
gerader, ehrlicher, ſeine Mienen hatte er nicht ſo in der
Gewalt, ſeine Empfindungen lagen offen auf ſeinem Geſicht.
Auch ihr Vater ſtand auf ſeiner Seite! Niemals hatte
er es ausgeſprochen, aber doch durchfühlen laſſen, wenn er
mit ihr von der Zukunft geſprochen. Wenn ſie nur klar
über Wullnow ſehen könnte, mit ihm ehrlich,
vertrauens=
voll reden, aber das war in ihren Kreiſen nicht Sitte. Man
ließ ſich den Hof machen, und wenn man glaubte, es
wurde Ernſt, gab man dem Werber von Zeit zu Zeit ein
kleines Zeichen ſeiner Gunſt, wollte man ihn erhören.
Ihre Brüder hatten viel zuſammen zu ſchwatzen. Sie
hatten bisher nur einige klaſſiſche Stücke geſehen, ein paar
Opern gehört, und nun wollte ſie der gute Onkel
Sollen=
ſtern mit in ein Luſtſpiel nehmen. War das eine Freude!
Da durchzuckte Gunild der Gedanke: ich werde
über=
haupt noch nicht heiraten, weder Wullnow noch
Plattan=
gen; zwei, drei Jahre kann ich noch ruhig in Berlin
aus=
gehen, ohne zur alten Garde zu gehören! Doch, da drängte
ſich ihr Blut wieder zum Herzen, denn ſie wollte der
Vormundſchaft der Mutter enthoben ſein, die ſie auf ihre
Art doch recht tyranniſierte. Und dann — das unbekannte
Leben, das auf ſie wartete, reizte ſie, die eigene
Häuslich=
keit, in der ſie ſchalten und walten konnte nach eigenem
Willen. Sie war ihrer Mutter Tochter, ſie ſehnte ſich nach
Selbſtändigkeit. Dieſes fortwährende Mahnen fiel ihr
auf die Nerven, kein Tag verfloß, an dem ihr nicht geſagt
wurde: tue das, tue jenes — hüte Dich vor dem, komme
dem anderen ein wenig mehr entgegen. Aber nur ein
wenig, liebe Gunild! Und als Frau eines
Diplomaten=
würde ſie eine andere Rolle ſpielen, wie als Frau
eines Offiziers, mochte er Plattangen oder anders heißen!
Abhängig blieb ein Soldat immer in viel höherem Grade,
und ſchließlich winkte ihr doch irgendwo in der Provinz
aller Wahrſcheinlichkeit nach die Klitſche. Mochte ſie nun
in Schleſien, Oſtpreußen, Pommern, Brandenburg oder
ſonſtwo liegen. Sie geſtand ſich’s ganz ehrlich ein,dſie
hing weniger an der Perſon Wullnows als an ſeinem
Berufe, und ob ſich ihr die Gelegenheit wieder bot, einen
Diplomaten zu heiraten, war doch noch ſehr die Frage
bei ihrer mäßigen Mitgift.
(Fortſetzung folgt.)
Nummer 266.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 11. November 1912,
Seite 15.
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Seite 16.
Darmſtadter Tagblatt, Montag, den 11. November 1912.
Nummer 266.
Tehte Heiten.
Dinige Tappen!
Immer größer wird die Zahl der Hausfrauen, die bei den
teneren Fleiſchpreiſen regelmäßig Knorr=Suppenwürfel verwenden,
aber noch mehr Hausfrauen gibt es, die dieſe, für jeden Haushalt
nützlichen und praktiſchen Suppen noch gar nicht kennen. Warum?
Weil viele glauben, der Fabrikant könne unmöglich für 10 Pfg.
3 Teller gute Suppe liefern. Und doch iſt es ſo. Warum kann
Knorr für wenige Pfennige ſo viel bieten? Weil in dem großen
Fabrikbetrieb alle Vorteile des Einkaufes, der Herſtellungsweiſe und
des Vertriebes ſich vereinigen, ſodaß jeder, der für 10 Pf. einen
Knorr==Suppenwürfel kauft, aus allen dieſen Vorteilen Nutzen zieht.
Intereſſantes über Knorr’s Fabrikbetrieb.
Knorr ſat
eigene Müfle
Sorgfältig ausgeſuchte Rohmaterialen, wie Erbſen,
Grünkern, Reis, Gerſte uſw., werden in großen Mengen
gekauft und vermittelſt moderner Maſchinen nach
bewährten, in annähernd 40jähriger Praxis erprobten
Methoden zu Mehl verarbeitet, das für die
Suppen=
würfel gebraucht wird.
Knorr fiat eigene
Ein weſentlicher Beſtandteil der Knorr=
Suppen=
würfel ſind getrocknete Gemüſe aller Art. Viele
Dörrgemüse-Fabpiff Tauſende Zentner Karotten, Wirſing, Weißkraut,
Blumenkohl, Lauch, Zwiebeln uſw. werden in der
Knorr=Gemüſefabrik getrocknet, um dann für die
Knorr=Suppenwürfel Verwendung zu finden.
Knorr fiat eigene
Giernudel-Jabrik
Knorr hat eigene
Würze-Fabrik
Kraft-Zentrale
Neben der größten Makkaronifabrik Deutſchlands
beſitzt Knorr eine ſehr große Eier=Nudelfabrik, in der
all die Eierfadennudeln, Eierriebele, Eierſternchen uſw.,
hergeſtellt werden, die man für die Suppenwürfel=
Fabrikation braucht.
Um den Suppen einen würzigen Fleiſchbrühe=
Geſchmack zu geben, werden den Suppenwürfeln
verſchiedene Arten von Würze beigeſetzt, die nach
eigenem Verfahren in der Knorr=Würzefabrik erzeugt
werden.
Einen Begriff von der Größe der Fabrikeinrichtung
bekommt man, wenn man hört, daß in der Fabrik
von Knorr, Heilbronn, 2. Dampfmaſchinen und
1 Dampfturbine mit zuſammen über 2800
Pferde=
kräften arbeiten, um die vielen Maſchinen in Betrieb
zu ſetzen, die in dem weit verzweigten Betrieb
not=
wendig ſind.
45 Sorten
Knorr macht 45 verſchiedene Sorten Suppenwürfel.
Jede Sorte hat ihren Eigengeſchmack, jede Suppe iſt
Knorr-Juppenwürfel wohlſchmeckend, kräftig und nahrhaft.
39 Sorten Suppenwürfel werden à 10 Pf.
à 15 Pf.
6 „ pikante „
verkauft und ſind in jedem beſſeren Geſchäft
erhält=
lich. Jeder Suppenwürfel genügt für 3 Teller Suppe.
Die in den Suppenwürfeln enthaltene Maſſe wird
Kochanweisung
zerbröckelt, mit etwas kaltem Waſſer angerührt und
dann mit ¾ Liter Waſſer 15 bis 20 Minuten lang=
Knorr-Suppenwürfel ſam gekocht; weder Gewürz noch Fleiſchbrühe noch
ſonſt etwas ſoll zugegeben werden, die Suppe enthält
alles, was zu einer kräftigen Fleiſchbrühſuppe
nötig iſt.
Bitte, machen Sie einen Verſuch und verlangen Sie bei Ihrem Kaufmann ausdrücklich einen
er iſt der
Knorr=Suppenwürfel beſte!
Blumenkohlſuppe,
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Pariſerſuppe,
Spargelſuppe
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1 Würfel
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Damenhemden, mit Stickereien garniert, Mk. 2.00 — 3.50
Damenhemden, Rumpf gestickt. Stück Mk, 2.50— 4.50
Damen-Beinkleider, Knie-u. Bündch.-Fass., Mk. 1.90 — 3.50
Damen-Nachtjacken, beste Ausführung, auch in extra
Weiten, Stück Mk. 2.00 — 3.50
Damen-Nachthemden, eleg. Ausführg. St. Mk. 3.50 — 10.00
Croisé-Damen-Nachthemden von Mk. 4.50 an
Anstands-Unterröcke, weiß und bunt, Mk. 2.25— 4.00
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Großer Posten Croisé-Beinkleider, zurückgesetzt,
Paar Mk. 1.50 — 2.25
Zurückgesetzte, farb. Oxford-Beinkleider und
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Ein großer Posten Taschentücher, zurückgesetzt, in
allen Arten, Dutzend Mk. 3.—
Ein großer Posten Bettücher, gesäumt, Ia Halb-Leinen,
160/235 cm, Mk. 2.90 u. 3.25
Ein Posten Damast- Bettbezüge, eigene Anfertigung,
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Seite 18.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 11. November 1912.
Nummer 266.
Vom Kriegsſchauplatz.
Von Heiner Bennelbächer.
III.
Kirk=Kiliſſe, am 1. November.
Jetz wärn mer alſo glicklich drin in Kirk=Kiliſſe, un
den meegt ich emol ſehe, der wo uns wida erausbringt.
Sis wohr, ’s hot jo hart genug gehalde un de Derk hot
ſich gewehrt wie e Wilder, un hiwe un driwe is es net ſo
glatt abgange. Mir howen owa gepackt, de Derk, un
wann er ſeegt, er hedd erjendwo geſiegt, do kann er
höch=
ſtens ſage: „Auwaih, gewunne!”
Owa jetz muß ich ſchee de Reih nooch berichde! Unſa
Kriegsrood neilich hot net ſehr lang gedauert, dann mir
worn all ganig. Wos mer alles verhannelt un feſtgeſetzt
howe, des derf ich freilich net varoode, dann dodruf ſteht
Standrecht, un wer milledeeriſche Geheimniſſe vareed, der
werd aafach ſo lang erſchoſſe, bis er dod is, un des meegt
ich doch net riskiern.
„Kenne Se reide, Herr Bennelbächer?” freegt mich de
Owerſt, wie de Kriegsrood ausgeweſe is. „Ja — des is
ſo e Sach! Bis jetz hob ich’s nor als emol uf eme
Kar=
reſellgaul browiert, un des is aach ſchun ziemlich lang
hher.” „No, ’s werd ſchun gehn” maant er. „Mein Borſch
hot do noch e Reſervepferd, en famoſe Gaul, der, wo grod
for Ihne baſſe dhet. Dann wiſſe Se, heit Owend geht’s
enaus un morge frieh wern mer ins Gefecht kumme, un
ich glaab, for Sie wär’s am beſte, wann Se aach im
Re=
jjemendsſtab mit reite dhete, do ſehe Se doch wenigſtens
wos for Ihr Geld!” Ui, hob ich gedenkt, des werd gut,
un bin hin un hob mer den famoſe Gaul emol angeguckt.
No, ’s hot mer geſchiene, als wann’s grode kaa arabiſch
Vollblut wär, er is mer eher vorkumme wie e Kreizung
um ere Kuh un eme Sääkbock. Vorne derr, hinne mager,
uf dem aane Aag wor er ſchääl, owa dodefor hot er uf
dem annere gor nix geſehe, un wie ich glicklich uf em
ge=
ſeſſe hob un hob die Ziegel feſt in die Hand genumme,
do hot er ſe feſt ins Maul genumme. Un wann mich
jemand gefrogt hedd: „Heiner, wo reideſt De dann hin?‟
do hedd ich aach ſooge kenne: „Waaß ich’s? Frog meim
Gaul!” Owa ſunſt war’s e ganz guter Kerl,
milledeer=
fromm, an’s Knalle gewehnt un hot die Singnale beſſa
verſtanne, als wie ich. Er is aach ſchee imma in de Heerd
mitgelaafe, un ſo hot kaa Menſch viel devo gemerkt, wos
de Heiner for e ſchneidiger Reidersmann is.
Am Owend ſin mer nu zwar net mehr fortkumme,
owa am annere Morjend, do is es glei losgange, un wie!
— So weit man ſehe konnt, nix wie Blitz un Knall un
Pulwadampf, un unſa Leit ſein druf enei wie die Leewe;
ſowa die Derke hawe uns doch ſchwer zu ſchaffe gemacht.
(Sie worn e poor dauſend Mann ſtärker wie wir un hadde
gude Stellunge ein, un wann mir dreimol „Hurra” gerufe
fhowe, do howe die Derke viermal „Allah” gebrillt. Mir
ſhadde uns vorgenumme: Kabudd oda en Ranze! Hiwwe
un driwwe hot’s beeſe Licke in die Reihe gewwe, owa
am End howe mer’s doch gepackt un die Derke mit Glanz
kaus ihre feſte Stellunge enaus geworfe. Wos noch laafe
konnt vun en un net gefange worn is, des is ausgeriſſe
wie Schoofledda, daß die Schlabbe gefloge ſin. So gäje
Middoog is es dann allmelich ruhiger un ruhiger worn:
iwwerall hot ma die Singnale geheert: Das Ganze halt!
Sammeln! — Un die Sunn hot dorch den Newwel un den
Pulwadampf geblinzelt, un ich glaab, ſie hot ſich net
ge=
freit iwwa des, wos ſo geſehe hot. — Un mir ſin hinna
unſam Owerſt nachgeridda, all worn mer net mehr ſo
beiſamme, wie am Morjend — un wie ich mich ſo
um=
geguckt hob, do hot’s mich aach net gefreid, wos ich geſehe
thob, un ich hob for mich gedenkt: Muß des ſein? Mich
hot’s uf amool ſo in de Noos gekriwwelt un ich konnte net
imehr recht deitlich ſehe. Un wie ich in meim Hoſeſack
nooch meim letzte ſauwere Sackduch gefuſchelt hob, do
dreht ſich de Owerſt erum un ſeegt: „No, Herr
Bennel=
bächer, is Ihne wos?” „Ach — naa, Herr Owerſt, nix . ..
ich glaab ’s is mer wos in’s Aag gefloge!” „Ja no”
ſeegter, „ſehn Se, des is emol ſo, des bringt de Krieg ſo mit
ſich; wer reit” der reit’ wer leit, der leit. Mir is aach
ſchun mehr wie aamol wos in’s Aag gefloge!”
Indem ſin er poor Kumbanie vun de 297er vorbei
un hadde die Spielleid bei ſich un worn ſtolz un vagniegt,
wann ſe aach ſchwazz un dreckig genug geweſe ſin und
aach genug gefehlt howe. „Heit kumme mer doch net mehr
dezu, daß mer in Kirk=Kiliſſe einziehe kenne” ſeegt de
Owerſt; „erſt miſſe unſa Drubbe ſich e bisje vaſchnaufe‟.
Un ſo ſinn mer langſam nooch unſam Biwak zu geridde.
„Herr Bennelbächer” redt mich uf amool de Owerſt wida
an, „was halde Se vun unſere Drubbe? Es ſteckt doch e
guter Geiſt in dene Leid maane Se net aach?” „Des
maan ich allerdings, un ich maan aach noch, der Geiſt,
des mißt en Landsmann vun mir ſein, e guda
Damm=
iſchdädda, un er mißt mit ſeim Vorname Alexander
haaße!”
„Und der Abend kam und wir ritten hintan,
rings=
um die Wachtfeuer lohten” wie’s in dem Lied haaßt. Hie
un do hot als noch en Schuß geknallt, am Himmel hot
mer verſchiedentlich Feiaſchein geſehe, un in de Fern do
hot en Hund gehailt. Dem is es jedenfalls gange wie
ſſeim Herr: er hodd Hunga un ſei Hidd wor em
abge=
brennt. Un jetz is uf de ganze Linie de Zabbeſtreich
ge=
drummelt un gebloſe worn, un unſa Regimendskabell hot
geſpielt: „Wir beten an die Macht der Liebe‟.
Am annern Morjend is dann vor alle Dinge emol
die Kriegsbeid e bische ſondierd worn, un die Gefangene
ſin verlade worn. Die orme Deiwel worn nor froh, daß
ſe wida emol wos Geſcheides zu eſſe krickt howe un daß
ſe ſich emol e bisje ausruhe dorfte. Vum Krieg hadde ſe
ſcheint’s genug. — Owa mit dere Kriegsbeid! Allaane
poor tauſend Geſchitze mit ſamt de Beſpannung un de
Munition, en Haufe Gewehrn, ſo hoch wie de
Hochzeits=
torm, die Derkeſäwel ſin raummeterweis ufgeſetzt worn
un, ’s Allerſchennſte, die ganz derkiſch Kriegskaß, des
haaßt nor vun dem Daal vun de derkiſche Armee, mit dem
mir zu dhun hadde. Drei Eiſebahnwäje,
geſchwab=
beld voll Goldſticka! Un dann noch die annern Geſchichde
all, zum Beiſpiel fünf Wäje voll Gawallerieſtiwwel, owa
leider Goddes nor lauda linkſe, die rechtſe miſſe ſe noch
mitgenumme hawe; no, un wos waaß ich, wos noch ſunſt
alles! Wann ich mer net feſt vorgenumme hedd, nor die
reinſte Wahrheit zu berichte, un waan ich’s net ſelwa
ſchreiwe dhet, do dhet ich ſoge: „’s is geloge!”
Speeda ſin mer dann feierlichſt in Kirk=Kiliſſe
enei=
gezoge. Am Stadtdhor hot de Kummandand geſtanne un
hot erſt ſein Säwel obgewwe und dann hot er ufgeſchloſſe
und hot geſagt: „Sall emal erein kumme!” Unſer Leid
howe die Schliſſel an ſich genumme und dann ſin mer uf
de Mack gezoge. Wie mer do hin kumme, ſteht de Imam
do un de Kadi un de Mufti ſtehn bei em. Un der Imam
hot als geſchennt wie e Rohrſpatz un ſeegt, er hedd en
Brief vum Schäckel=Islam im Sack un er mißt unbedingt
er poor „Chriſtenhunde” in Grund=Erddboddem enei
vafluche. Billiger dhet er’s net. De Kadi hot en als
mi’m Elleboge geſtumbt un haamlich zu em geſogt: „
Helt=
ſte dann Dei bees Maul! Wann die des jo heern, ſin
mer all minnanna de Katze! Un de Mufti ſeegt: „Wann
De jetz net glei ſtill biſt, gehn mer haam und dann kannſte
allaa ſehe, wie De fertig werſt.” Mittlerweil hadd ſich
imma mehr Bevelkerung vaſammelt und die hawe um
uns erum geſtanne un Kumblemente gemacht un als in
aam fort gebrummelt: „Sall emal erein kumme; ſall emal
erein kumme!” Uf emol is dem Owerſt die Geſchicht doch
zu langweilig worn un er hot ſich emol den Imam kaaft
un hot em die Feldflaſch hingehalde, weil er grod kaan
annern Dolmetſcher bei de Hand hadd. De Imam hot
erſt emol dran geroche un dann emol dran gezoge, net ſo
knabb, un dann hot er geſogt: „Kimmel un Korn! Allah
is groß un e Muhkalb is kaa Profeed!” Ich hob gedenkt,
ich dhet en aach net for’n Profeed halde. Dann hot er noch
emol gehowe un hot die Flaſch em Kadi gewwe. Un de
Kadi hot ſe em Mufti gereicht, do wor owa ſchun nix
mehr drin un der konnt emol dran riche und ſich ſei
Bro=
mel mi’m Stobbe einreiwe. Nachdem mir alſo de Status
gug wida hergeſtellt hadde, ſin mer mit „den Spitzen der
Behörden” uf’s Roodhaus, un do worn zu unſerer
Be=
grießung ſchun die Gemeinderät angedrede, ſoweit ſe net
grod zu dreſche oda Miſt zu fohrn hadde oda ſunſt
dienſt=
lich vahinnerd worn. Wir hawe unſa
Einquadierungs=
kadde krickt, un de Owerſt mit ſeim Stab und meim Gaul
ſin ins erſte Hoddell, in de Gaſthof „Zum kranke Aff”,
kumme, un ich bin newedran beim Abbedeeker
unnerge=
brocht worn. Un wie ich mich inwennig un auswennig
einigermaße wida e bisje erholt hadd, hob ich mit
Wal=
lenſtein geſagt: „Ich denke einen langen Schlaf zu tun,
denn dieſer letzten Tage Qual war groß!‟ Dann hob ich
mei Päckelche Inſektepulwa aus meim Ruckſack eraus
ge=
dhan, mei Bedd orndlich eingeſtaabt un bin in
Morfeuſ=
ſens Arme geſunken.
Luftfahrt.
sr. Der Rundflug um London, bei welchem
der als Zweiter angekommene Hamel als Sieger erklärt
wurde, da der Erſte, Sopworth, einen Signalmaſt
nicht vorſchriftsmäßig umflogen hatte, hat jetzt ein
ande=
res Reſultat erhalten. Sopworth hatte ſeinerzeit Proteſt
bei dem engliſchen Aero=Klub gegen die Entſcheidung
ein=
gelegt. Dieſem iſt jetzt ſtattgegeben und Sopworth als
Sieger beſtätigt worden. Hamel hat jetzt das zweifelhafte
Vergnügen, die ihm übergebenen Gewinne, einen
Bar=
preis von 5000 Mark und den Gold=Pokal der Daily Mail,
wieder zurückzugeben.
Vermiſchtes.
* Tiere nicht küſſen! Tiere, zumal Haustiere, ſind
oft äußerſt treu und anhänglich, und es iſt begreiflich, daß
der Menſch ſeine Freude an ihnen hat, ſie gut und
liebe=
voll behandelt und auch zärtlich zu ihnen iſt. Nur ſoll
man auch darin nicht zu weit gehen. Gewiß, das
Schoß=
hündchen der gnädigen Frau iſt überaus niedlich, das
Kätzchen iſt zu drollig und poſſierlich und das Pony iſt
entzückend! Aber iſt es deshalb nötig, daß man die
Tier=
chen mit ſich aus einem Teller eſſen läßt oder ſie auf die
mehr oder minder feuchte Schnauze küßt! Tiere, und ſeien
ſie noch ſo reinlich und ſauber gewaſchen, ſind meiſt die
Träger von Krankheitskeimen, die durch die enge
Berühr=
ung mit dem Munde des Menſchen auf dieſen übertragen
werden und oft den Grund zu anſteckenden Krankheiten
legen. Es iſt ſonderbar, daß gerade Perſonen, die ſonſt auf
Reinlichkeit peinlich bedacht ſind, dieſer unappetitlichen
Ge=
wohnheit huldigen. Die Ausſtellung „Der Menſch”
in Darmſtadt die in Wort und Bild über dieſe und
andere Unſitten belehrt, hebt dabei ausdrücklich hervor,
daß ſie durch ſolche Mahnungen nicht eine unangebrachte
Bakterienfurcht großziehen wolle, aber ſie will auf die
Möglichkeit der Weiterverbreitung anſteckender
Krankhei=
ten aufmerkſam machen, und mit Recht ſagt ſie uns, daß es
unvernünftig und leichtſinnig wäre, wollte man dieſe
An=
ſteckungsmöglichkeiten nicht zu vermeiden ſuchen. Das
Küſſen von Tieren iſt eine unangebrachte und gefährliche
Zärtlichkeit, die man im Intereſſe ſeiner Geſundheit
unter=
laſſen ſollte.
Literariſches.
Die Autobiographie Richard
Wag=
ners. Rechtzeitig, vor Beginn des Jahres, in welchem
die geſamte gebildete Welt die 100. Wiederkehr von Rich.
Wagners Geburtstag feiern wird, bringt die
Verlags=
handlung Louis Oertel in Hannover von Rich. Wagners
Lebensbericht (Deutſche Originalausgabe von „The work
and mission of my life”, by Richard Wagner) eine
Volks=
ausgabe zu 1 Mark in guter Ausſtattung heraus. Dieſer
Selbſtbericht gibt eine überſichtliche Zuſammenſtellung
der mannigfachen Mitteilungen Richard Wagners über
ſein eigenes Leben, ſein künſtleriſches Ideal und ſeine
Be=
ſtrebungen, wie ſie in ſeinen geſammelten Schriften
über=
all hin verſtreut ſich finden; ein reicher Stoff authentiſchen
Urſprungs in knapper Faſſung!
Rewinnansiug
der
1. Drenſtiſch-Küddentſchen
(227. Königlich Prenßiſchen) Klaſſenlotterig
5. Klaſſe 1. Ziehungstag 8. November 1912
Auf jede gezogene Nummer ſind zwei gleich hohe Gewinne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und I.
(Nachdruck verboten)
(Ohne Gewähr A. St.=A. f. Z.)
In der Bormittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 15000 Mk. 114851
3 Gewinne zu 10000 Mk. 84393 93336 169082
2 Gewinne zu 5000 Mk. 169922
76 Gewinne zu 3000 Mk. 2749 13003 13636 30007
39771. 40003 42320 49652 63450 70296 70381 74571
74777 81397 93119 111326 118192 120820 124674
127139 129862 132566 133032 138681 149698 153520
155978 159154 161069 170980 173852 174611 181277
185771 189769 194553 201261 207464
124 Gewinne zu 1000 Mk. 2653 7522 13171 28642
31580 31908 39429 40884 45128 45159 48640 50779
51286 58399 68853 61291 71301 71946 74359 75628
92764 94126 96295 97142 107348 107516 118078
123441. 127743 128948 129660 129743 129837 131471
140261 145474 152640 154436 156652 159854 169526
170216 170767 176129 176743 176966 182505 182818
186139 188880 189399 190284 190562 194483 194674.
196985 196920 201912 203011 205622 206507 207320
164 Gewinne zu 500 Mark 377 2721 5508 7571.
9221 9688 10695 10793 12599 16036 17554 21863
23305 23857 24630 28812 31995 32350 36749 38054
40981. 42121 45281. 49452 52778 55354 56298 62131
67233 67926 77205 77666 77936 80549 86369 86963
38236 89169 89653 96081 98243 98258 99674 102418
110460 112467 116204 116699 122914 123002 128617
126976 127239 141249 142115 146295 152512 156098
56953 158080 158370 161618 164455 166518 171203
171557 172038 176509 177380 178354 181249 181383
181813 182375 183803 192070 195164 195388 198234
199646 201655 206309
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
8 Gewinne zu 5000 Mk. 99625 118295 124065
167698
80 Gewinne zu 3000 Mk. 1168 11790 13426 17053
17067 26647 35907 46632 57032 58087 58674 68109
68676 72204 76977 88267 88971. 92146 94904 102244
108955 128360 134016 134220 140188 153433. 164791
175026 180555 184654 185451 186534 187549 187576
194204 199258 201203 201906 205862 205886
118 Gewinne zu 1000 Mk. 234 2267 225 6547
11411 14826 15946 30748 30868 31720 33407 35343
36494 42394 49094 49990 50164 52921 64571 (65834
70234 73813 75781 75846 77009 78078 79283 90664
95784 96627 97787 100044 102904 108335 1111179
113716 121361 122150 123029 125510 132627 139245
141623 149093 158433 167190 167673 167887 189867
190280 190939 192303 194435 198432 201117 201178
203047 206426 207594
206 Gewinne zu 500 Mk. 1411 4001 4607 7958
8428 10788 11870 14044 14503 15533 22604 23890
27122 28055 33928 36071 37485 38205 38570 38860
41844 41877 41972 42106 43408 43982 45639 46832
47062 48046 48374 51053 51441 53344 56220 56443
57293 59984 66026 69255 69944 73196 73463 73955
75088 77429 81020 82887 82920 82955 85252 85527
87013 88408 90791 91108 95586 101428 101806 105310
107897 108521. 109185 110002 112703. 114872 119430
120166 123628 124671 129792 131833 131813 133364
137279 137734 138761 141284 141779 144508 147516
r51797 153619 154443 160481 165818 168675 169053
174545 179570 179650 182816 182939 183198 187022
193250 197151 198054 198972 200429 202628 205717
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