Darmstädter Tagblatt 1912


25. Oktober 1912

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175. Jahrgang
chonatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Kaiſer iſt geſtern vormittag um 10½ Uhr in
Weimar eingetroffen.
Die Deutſche Reichsbank hat den Diskont
von 4½ auf 5 Prozent, den Lombardzinsfuß
von 5½ auf 6 Prozent erhöht.
Die Berliner Bankwelt, unter Führung der Deutſchen
Bank, hat Geldſammlungen für den Sani=
täts
dienſt der kriegführenden Parteien
eingeleitet.
Eine leichte Indispoſition der Königin Wilhel=
mine
von Holland zerſtörte abermals die von
der Königin ſeit einiger Zeit gehegten Hoffnungen.
Dem däniſchen Folkething ging ein Geſetz=
entwurf
, betr die Aenderung der Verfaſ=
ſung
, zu, der den Frauen das aktive und paſſive
Wahlrecht zum Folkething gewährt.
Die Serben nahmen Novibazar nach dreitägigem
Kampfe ein. Die bei Kumanowo zuſammenge=
zogene
türkiſche Weſtarmee hat die Serben,
die 4 Diviſionen ſtark waren, angegriffen und unter
ungeheuren Verluſten vollſtändig ge=
ſchlagen
. Die Bulgaren nahmen Kirk=
Kiliſſe ein.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.

Ein Werk des Kaiſers.

** Die am Mittwoch in Dahlem bei Berlin in
SGegenwart des Kaiſers und der hervorragendſten deut=
ſſchen
Forſcher und Gelehrten eingeweihten Inſtitute
für Chemie ſowie für phyſikaliſche Che=
mie
und Elektrochemie verdanken bekanntlich ihre
Entſtehung der ureigenſten Initiative des Kaiſers, wel=
cher
, als er bei der Jahrhundertfeier der Berliner Uni=
verſität
ſeinen Gründungsplan bekannt gab, ſchon im
Stillen für die Beſchaffung anſehnlicher Geldmittel Sorge
getragen und damit die feſte Baſis gelegt hatte, auf der
die Forſchungsinſtitute errichtet werden konnten. Der
Dank, welcher dem Kaiſer am Mittwoch ſeitens des Vor=
ſitzenden
der Kaiſer Wilhelm=Geſellſchaft für ſeine Für=
ſorge
ausgeſprochen wurde, war alſo wohlverdient, denn
ohne dieſe Fürſorge wären die Forſchungsinſtitute,
trotzdem ſie als dringendes Bedürfnis zur Ergänzung
unſerer Hochſchulen anzuſehen ſind, wohl nicht ſo ſchnell
zihrer Verwirklichung entgegengeführt worden. In den
ſeit Bekanntgabe des Plans verfloſſenen zwei Jahren
hat der Kaiſer dem Fortgange der Arbeiten ſein lebhaf=
iteſtes
Intereſſe gewidmet, und die Rede, welche er bei
der Einweihung der Inſtitute hielt, zeugt von der großen
Genugtuung über das vollendete Werk.
Dieſe Rede ſagte aber in ihrem zweiten Teil noch
mehr, ſie gewährte einen Blick in das Innenleben des
Kaiſers, der ſich bei den furchtbaren Grubenkataſtrophen
nicht mit der bloßen Teilnahme und mit der materiellen
Hilfe für die Hinterbliebenen der Opfer begnügt, ſondern
aus eigenem Antriebe bei den Männern der Wiſſenſchaft
und der Technik Forſchungen anregt, auf welche Weiſe
die in den Schächten und Stollen arbeitenden Bergleute
vor dem Unheil der böſen Wetter bewahrt werden
ckönnen. Alsbald nach der Kataſtrophe auf Zeche Loth=
ringen
, noch von Eſſen aus, wo er damals weilte, hat
der Kaiſer die nötigen Schritte getan, um mit Hilfe der
(Chemie Mittel und Wege zu finden, die ärgſten Gefahren
von den Kohlengrubenarbeitern abzuwenden. Dafür ge=
bührt
dem Kaiſer noch ganz beſonderen Dank, denn dieſe
Anregung dürfte ſich als ein mächtiger Anſporn für die
Männer der Wiſſenſchaft und der Praris erweiſen, und
ſie wird hoffentlich zu dem erwünſchten Ziele führen im
Intereſſe der Allgemeinheit. Der Erreichung dieſes Ziels
können aber die Inſtitute, welche am Mittwoch ihrer Be=
ſtimmung
übergeben worden ſind, nur förderlich ſein.

Ein praktiſcher Weg zur Bekämpfung
der Schwindelfirmen.

Die Schwindelfirmen ſtellen ein ſo verzweigtes
und ſo vielgeſtaltiges Uebel in unſerem Wictſchaftsleben
dar, daß keineswegs das eine oder das andere Mittel
zallein genügt, die Firmen zu bekämpfen. Soll der Kampf

Erfolg haben, ſo muß er von verſchiedenen Seiten und
mit verſchiedenen Mitteln aufgenommen werden. Die
gemeinnützigen und unparteiiſchen Rechts=
auskunftsſtellen
haben eine Zentralſtelle zur Be=
kämpfung
von Schwindelfirmen gegründet, die bereits
manchen Erfolg aufzuweiſen hat. Dieſe Zentralſtelle wie
auch die Tätigkeit der einzelnen Rechtsauskunftsſtellen be=
dürfen
aber der Ergänzung und Unterſtützung, namentlich
durch die kaufmänniſchen Kreiſe. Deshalb war der Ver=
band
der Rechtsauskunftsſtellen auch an die Handels=
kammern
herangetreten und hatte deren Mithilfe er=
beten
. Während zahlreiche Handelskammern ſich auf die
Bekundung ihres lebhaften Intereſſes beſchränkt haben, iſt
jüngſt die Handelskammer in Elberfeld, wie bereits
berichtet, mit der dortigen Rechtsauskunftsſtelle zur tat=
kräftigen
Bekämpfung der Schwindelfirmen in Verbind=
ung
getreten. Aus Vertretern der Rechtsauskunftsſtelle,
der gewerblichen Schutzvereine und der Handelskammer
iſt ein Ausſchuß mit der Aufgabe gebildet worden, die den
einzelnen Stellen bekannt werdenden Fälle zur Sprache
zu bringen und über geeignete Schritte zur Beſeitigung
der Schäden, etwa auf gerichtlichem Wege oder durch
Warnungen in der Preſſe, zu beraten.
Hoffentlich iſt dieſem Ausſchuß eine erfolgreiche Tätig=
keit
beſchieden. Dann wird das Vorgehen der Elberfelder
Handelskammer auch andere Handelskammern geneigter
machen, ſich am Kampfe gegen die Schwindelfirmen
praktiſch zu beteiligen.

Deutſches Reich.

Der Reichstag wird, wie beſtimmt verlautet,
ſeine Sitzungen am 26. November aufnehmen. Verſchie=
dene
Gerüchte, daß eine ſpätere Wiederaufnahme der Ver=
handlungen
geplant ſei, ſind unbegründet.
Die deutſche Hilfsexpedition vom
Roten Kreuz. Die Ausreiſe dreier Hilfsexpeditionen
vom Deutſchen Roten Kreuz auf den Schauplatz des
Balkankrieges wird am 26. Oktober von Berlin aus er=
folgen
, und zwar wird je eine Abordnung auf türkiſcher,
griechiſcher und bulgariſcher Seite wirken. Die nach
Konſtantinopel ausreiſende Abteilung wird ſich zuſam=
menſetzen
aus zwei Aerzten, vier Pflegern, zwei
Schweſtern, die für Griechenland beſtimmte aus zwei
Aerzten, zwei Pflegern, acht Schweſtern, die nach Bul=
garien
zu entſendende aus zwei Aerzten, zwei Pflegern,
vier Schweſtern. Jede Abordnung wird die vollſtändige
Ausſtattung für einen Operationsſaal und reichliches
Verbandsmaterial mit ſich führen. Ein Bedarf an Aerzte=
und Pflegekräften für die deutſchen Abordnungen liegt,
wie das Zentralkomitee der Deutſchen Vereine vom Roten
Kreuz mitteilt, zurzeit nicht mehr vor.
Engliſche Lügenneldungen. Der Köl=
niſchen
Zeitung wird aus Berlin telegraphiert: In der
Pariſer Ausgabe der Financial News befindet ſich die
Angabe, die auch über Bukareſt verbreitet worden war,
daß Deutſchland der Türkei 70 Millionen Francs von dem
hier unterhaltenen Guthaben des früheren Exſultans über=
wieſen
habe. Dieſe Meldung iſt unbegründet. Ein Gut=
haben
Abdul Hamids hat wohl hier früher beſtanden.
war aber bereits vor mehr als Jahresfriſt an die Türkei
ausgeliefert worden. Uebrigens betrug es nur elf Mil=
lionen
Mark. Zurzeit iſt ein Guthaben des Exſultans
nicht mehr vorhanden.
Der künftige Präſident des preußi=
ſchen
Abgeordnetenhauſes. Es iſt nunmehr
ſo gut wie ſicher, daß die Präſidialgewalt im preußiſchen
Abgeordnetenhauſe in den Händen des Grafen v. Schwe=
rin
=Löwitz, des früheren Reichstagspräſidenten, ruhen
wird. Die Konſervativen haben den Fraktionen mitge=
teilt
, daß ſie dieſes Mitglied ihrer Fraktion für den ver=
waiſten
Poſten vorſchlagen. Die bevorſtehende Wahl
des Grafen Schwerin=Löwitz wird unter den im Abge=
ordnetenhauſe
herrſchenden Verhältniſſen als beſonders
erfrenlich und zweckmäßig bezeichnet.
Interpellation im preußiſchen Abge=
ordnetenhauſe
. Die Abgeordneten Bäumer, Heer=
man
und Hirſch=Eſſen brachten mit Unterſtützung der
Nationalliberalen Fraktion im preußiſchen Abgeordneten=
hauſe
folgende Interpellation ein: Iſt die Königliche
Staatsregierung bereit, im Bundesrat dahin zu wirken,
daß mit tunlichſter Beſchleunigung die vielfachen Un=
klarheiten
beſeitigt werden, die bezüglich der Ausführung
des Geſetzes betr. Verſicherung der Privatangeſtellten be=

ſtehen, die einen unerträglichen Zuſtand und Ungewiß=
heit
in allen beteiligten Kreiſen hervorriefen? Die pol=
niſche
Fraktion des Abgeordnetenhauſes brachte eine In=
terpellation
ein, in der die Regierung gefragt wird, ob ihr
bekannt ſei, daß die Anſiedelungskommiſſion entſchloſſen
ſei, den bäuerlichen Beſitz in den Oſtmarken auf dem
Wege der Enteignung zu erwerben und welche Maß=
nahmen
ſie ergreifen wolle, um dies in polniſchem Sinne
ungeſetzliche Vorgehen zu verhindern. Wie bei der Wich=
tigkeit
der Sache vorauszuſehen war, wird der Reichs=
kanzler
die Interpellation über die Fleiſchteuerung per=
ſönlich
beantworten.
Die Zweite badiſche Kammer hat den
Geſetzentwurf betreffend die Errichtung eines ſtaatlichen
Kraftwerkes im Murgtal einſtimmig unter Beifall ange=
nommen
. Hierauf vertagte ſich die Zweite Kammer, da
ſich zunächſt die Erſte Kammer über die grundſätzliche
Frage, ob der Staat allein oder in Verbindung etwa mit
einer Aktiengeſellſchaft bauen ſoll, ſchlüſſig zu machen hat.
Wie man hört, ſtehen ſich die Anſichten innerhalb der Bud=
getkommiſſion
der Erſten Kammer noch ziemlich ſchroff
einander gegenüber.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Parlaments=Skandal. Am Schluß der Ab=
geordnetenhausſitzung
des öſterreichiſchen Abgeordneten=
hauſes
am Mittwoch kam es zu einem großen Skandal.
Bei der Verleſung der tſchechiſch=radikalen Interpellation
über Schließung der Wiener tſchechiſchen Privatſchule im
dritten Bezirk durch den Magiſtrat warfen tſchechiſche
Frauen Zettel von der Galerie in den Saal. Diener
wollten ſie in die Kanzlei führen zur Namensfeſtſtellung.
Tſchechiſche radikale Abgeordnete eilten jedoch auf die
Galerie und geleiteten die Frauen auf dieſelbe zurück.
Die Frauen warfen nun abermals Zettel hinunter. Dar=
über
gerieten die deutſchen Abgeordneten in die größte
Aufregung; ein großes Schimpfkonzert zwiſchen ihnen
und den Tſchechen begann. Die Deutſchen verlangten die
Räumung der Galerie. Die Tſchechen ſchrien dägegen.
Der leitende Vizepräſident Conci ordnete die Räumung
nach einigem Zaudern an. Darauf entſtand großer Lärm
der Tſchechen, ſo daß der Präſident die Sitzung vorzeitig
ſchließen mußte.
Oeſterreich und Italien.
Die Miniſterbegegnung in Piſa. Die
Agenzia Stefani meldet aus Florenz: Während ſeines
Beſuchs hatte Graf Berchtold lange Unterredungen mit
Marquis di San Giuliano über die internationale Lage
und verſchiedene aktuelle Fragen. Selbſtverſtändlich bil=
dete
die Balkankriſe einen weſentlichen Teil der Unter=
redungen
. Mit Befriedigung wurde die vollſtändige
Uebereinſtimmung in den Anſichten der italieniſchen und
öſterreichiſch=ungariſchen Regierung über dieſen Punkt
feſtgeſtellt. Die beiden Staatsmänner waren darin einig,
daß es zweckmäßig ſei, ſich in Fühlung miteinander zu
halten, um, geſtützt auf die Bande des Bündniſſes, das
beide Regierungen und die Berliner Regierung einige,
und unter Mithilfe der anderen Mächte zur Wiederher=
ſtellung
des allgemeinen Friedens beizutragen. Die
Harmonie, die niemals zwiſchen der italieniſchen und
öſterreichiſch=ungariſchen Regierung zu beſtehen aufhörte,
zeigte ſich wieder einmal im Laufe der Unterredungen,
deren Ergebniſſe die enge Freundſchaft zwiſchen den
beiden Mächten nur werden verſtärken können.
Das Fremdenblatt ſchreibt zur italieniſchen Reiſe des
Grafen Berchtold:
Die große Frage, die heute ganz Europa beſchäftigt,
bildete auch in Piſa den Hauptgegenſtand des Gedanken=
austauſches
. Bei dieſem Anlaß wurde feſtgeſtellt, daß
auch die zu ſo großer Schärfe gediehene Orientfrage von
der öſterreichiſch=ungariſchen und der italieniſchen Politik
in einheitlichem Sinne beurteilt wird, und ſomit die Be=
wahrung
des Friedens und die Aufrechterhaltung des
Status quo auf dem Balkan ſowie die Beſſerung des
Loſes aller Völkerſchaften in der Türkei der überein=
ſtimmende
Wunſch der beiden verbündeten Mächte iſt. Die
friedlichen Tendenzen, die von den Mächten der Triple=
Entente unter Führung Frankreichs mit ſo anerkennens=
wertem
Eifer gefordert werden, erhalten durch die
Entrevue in Piſa und durch die Gewißheit, daß die Poli=
tik
des Dreibundes einheitlich nach gleichen beſtimmten
Zielen dirigiert wird, eine neuerliche Verſtärkung. Die
italieniſche Preſſe fand in dieſen Tagen warme Worte für
den Dreibund. Es leitet ſie dabei offenbar die von amns
geteilte Ueberzeugung, daß die Feſtigkeit des Dreibundes
gerade in dieſem Augenblicke den Intereſſen nicht nur

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ſeiner Mitglieder, ſondern auch ganz Europas zuſtatten
kommt.
Italien.
Die Anerkennung der Tripolisan=
Kexion durch England und Frankreich
ſoll nur bedingungsweiſe erfolgt ſein. Vorausſetzung ſei
daß der engliſch=franzöſiſche Vertrag von 1898 betreffend
das Hinterland von Tripolis nicht berührt werde. Die
Regierungen von Frankreich und Italien werden dem=
nächſt
ihr geheim gehaltenes Abkommen vom Jahre 1902
veröffentlichen, worin Frankreich ſich verpflichtet, Italien
in der Eroberung Libyens nicht zu hindern und Italien
der Republik Beiſtand bei den Marokkoverhandlungen
verſprach.
Frankreich.
Der Abſchluß der franzöſiſch=ſpaniſchen
Marokkoverhandlungen hat nach Madrider
Meldungen eine neue Verzögerung erfahren. Der ſpani=
ſche
Miniſter des Aeußern Garcia Prieto habe die letzten
Vorſchläge Frankreichs betreffend die Abgrenzung des
Muluyagebietes als unannehmbar bezeichnet und im
Einvernehmen mit dem Kriegsminiſter und mit einſtim=
miger
Genehmigung des Miniſterrats eine Antwortnote
ausgearbeitet, die die äußerſten Zugeſtändniſſe Spaniens
enthalte. Die Note wurde unverzüglich dem franzöſiſchen
Botſchafter mitgeteilt.
Dänemark.
Geſetzenwurf über die Aenderung der
Verfaſſung. Der Miniſterpräſident brachte im Fol=
kething
einen Geſetzentwurf ein über die Aenderung der
Verfaſſung, deren wichtigſte Beſtimmungen folgende ſind:
Den Frauen wird das aktive und paſſive Wahlrecht zum
Folkething gewährt, das Wahlrechtsalter wird auf das 25.
ſtatt wie bisher auf das 30. Lebensjahr feſtgeſetzt, die
Zahl der Mitglieder des Folkethings, die jetzt 114 beträgt,
kann auf 132 ſteigen, die Seſſionsdauer wird auf vier
Jahre ſtatt der bisherigen dreijährigen Dauer erhöht,
Das privilegierte Wahlrecht zum Landsthing ſoll abge=
ſchafft
werden, ebenſo die Beſtimmung, daß der König
zwölf Mitglieder des Landsthings ernennt; von 66 Mit=
gliedern
des Landsthings werden 54 von den ſtädtiſchen
Vertretungen gewählt, die auf dieſe Weiſe gewählten
54 Mitglieder wählen ihrerſeits die fehlenden zwölf Mit=
glieder
.
Serbien.
Die Skutſchtina hat ſich auf unbeſtimmte Zeit
vertagt.
China.
Die Lage in Tibet. Die North=China
Daily=News hat aus Tatſchienlo folgende Mel=
dung
, datiert vom 22. September, erhalten: Die
chineſiſche Expedition nach Tibet hat Befehl zum Rück=
marſch
erhalten. Die offizielle Erklärung dafür iſt, daß
der Frieden geſchloſſen ſei. Der wahrſcheinliche Grund
aber iſt der Mangel an Mitteln und die Abneigung der
Truppen gegen die Bezahlung mit Papiergeld. Der Gou=
verneur
von Tatſchienlo erklärt in einer Proklamation,
in Oſt=Tibet ſei jetzt der Friede hergeſtellt und fordert
das Militär, die Einwohner und die Prieſter auf, an der
Errichtung der neuen Provinz, die aus Oſt=Tibet und dem
weſtlichen Szetſchuan gebildet werden ſoll, mitzuarbeiten.

* Statiſtiſches von der deutſchen In=
vaſion
in Paris. Mit wachſender Sorge beobachten
nationaliſtiſche Gemüter in Frankreich das ſtete und un=

aufhaltſame Anwachſen der deutſch=franzöſiſchen Handels=
eziehungen
und mit Beſorgnis wird dabei feſtgeſtellt, daß
der deutſche Export nach Frankreich verhältnismäßig
iel ſtärker wächſt als der franzöſiſche Export nach Deutſch=
land
. 1908 lieferte Frankreich nach Deutſchland für 617
Millionen Francs Ware, während Deutſchland nach
Frankreich nur für 607 Mill. exportierte: 1911 haben ſich
die Verhältniſſe bereits weſentlich verſchoben, Deutſch=
land
kauft von Frankreich für 819 Millionen Francs, ver=
kauſt
den Franzoſen aber für 965 Millionen, ſo daß
die Handelsbilanz mit 146 Millionen zugunſten Deutſch=
lands
abſchließt. Und parallel verläuft damit das An=
wachſen
der Zahl von Deutſchen, die nach Paris über=
ſiedeln
und dort ihren Beruf betreiben. Der Matin ſtellt
feſt, daß in Berlin 600 Franzoſen leben, während die
Zahl der Deutſchen in Paris bereits auf nicht weniger
als 80000 Köpfe geſtiegen iſt, wobei die Oeſterreicher
und Schweizer nicht mitgerechnet ſind.
* Haag, 23. Okt. Das Amtsblatt veröffentlicht
folgendes Bulletin der Hofärzte Kouwer und Dr.
Roeſſingh: Eine leichte, einige Tage anhaltende Indis=
poſition
der Königin zerſtörte die von der =
nigin
ſeit einiger Zeit gehegten Hoffnungen. Das
Befinden Ihrer Majeſtät iſt zufriedenſtellend.
* Florenz, 23. Okt. Graf und Gräfin Berch=
told
, der italieniſche Miniſter des Aeußern, di San Gin=
liano
, der italieniſche Botſchafter in Wien, Herzog von
Avarna, und der öſterreichiſch=ungariſche Botſchafter in
Rom, Merey von Kaposmere, ſind im Sonderzuge hier
eingetroffen. Abends ſind Graf und Gräfin Berchtold
nach herzlicher Verabſchiedung von dem Marquis di San
Giuilano und dem Fürſten Scalca, die ihre Gäſte nach
dem Bahnhof begleitet hatten, nach Wien abgereiſt.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 25. Oktober.
* Vom Hofe. Prinzeſſin Marie zu Solms=Lich,
Hräfin Fünfkirchen und Gräfin=Tochter ſind nach Lich
abgereiſt. (Darmſt. Ztg.)
* Keine Audienzen. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
werden am Samstag, den 26. d. Mts., weder
Audienzen erteilen, noch Meldungen und Vorträge ent=
gegennehmen
.
* Pfarr= und Schulperſonalien. Se. Königl. Hoheit
der Großherzog haben dem Pfarrer Auguſt Scribg
zu Stumpertenrod die evangeliſche Pfarrſtelle zu Eichels=
dorf
, Dekanat Nidda, dem Lehrer Konrad Dietz in
Oſthofen, Kreis Worms, eine Lehrerſtelle an der Ge=
meindeſchule
zu Heuchelheim, Kreis Gießen, dem Schul=
amtsaſpiranten
Hugo Spengler aus Offenbach eine
Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Walldorf, Kreis
Hroß=Gerau, übertragen.
* Ernannt wurden die Gefangenwärter am Landes=
zuchthaus
Marienſchloß Heinrich Matthäus und
konrad Müller zu Gefangenaufſehern an dieſer
Anſtalt.
D. Von der Techniſchen Hochſchule. Während des
Winterſemeſters wirken an der Techniſchen Hochſchule 31
ordentliche Profeſſoren, 2 ordentliche Honorarprofeſſoren,
12 außerordentliche Profeſſoren (davon 6 etatmäßig und
6 außeretatmäßig), 37 Lehrer und Privatdozenten, ſowie
19 Aſſiſtenten. Die Geſchäfte der einzelnen Abteilungen
werden geführt durch die Herren Profeſſoren: Geh. Ober=
baurat
Hofmann (Stellvertreter Pützer): Abteilung für
Architektur; Abteilung für Ingenieurweſen: Kayſer
(Stellvertreter: Geh. Baurat Koch); Abteilung für Ma=
ſchinenbau
: Geh. Baurat Gutermuth (Stellvertreter: von
Roeßler); Abteilung für Elektrotechnik: Geh. Hofrat Dr.
Wirtz (Stellvertreter: Geheimerat Dr. Kittler); Abteilung
für Chemie: Dr. Finger (Stellvertreter: Geh. Hofrat Dr.
Dieffenbach); Allgemeine Abteilung: Geh. Hofrat Dr.
Dr.=Ing. Henneberg (Stellvertreter: Geh. Hofrat Dr.
Dingeldey). Zum Vorſitzenden der Diplom=Prüfungs=
Kommiſſion wurde für das Studienjahr 1912/13 Herr
Profeſſor Dr. Horn gewählt. Der Ausſchuß der Stu=
dierenden
ſetzt ſich im neuen Semeſter aus folgenden Her=
ren
zuſammen: 1. Vorſitzender Fr. Düvel (Alemannia)
2. Vorſitzender R. Röder (Ghibellinia), 1. Schriftführer
Fr. Wolff (Nichtinkorporiert), 2. Schriftführer R. Hebert

(Nichtinkorporiert), Kaſſenwart H. Wigand (Wingolf)=
Die Geſchäfte des Darmſtädter Studentenverbandes
führt während des Winter=Semeſters 1912/13 die Darm=
ſtädter
Burſchenſchaft Germania.
Die erſte Immatrikulation fand am Mitt=
woch
, den 23. ds. Mts., in der Aula der Hochſchule ſtatt,
Der Rektor, Herr Geh. Baurat Profeſſor Wickop, ver=
pflichtete
die neu eingetretenen Studierenden perſönlich
durch Handſchlag auf die Diſziplinar=Beſtimmungen,
nachdem er eine kurze Anſprache an ſie gerichtet hatte=
Diejenigen neu eingetretenen Studierenden, welche bei
der erſten Immatrikulation nicht anweſend waren, wer=
den
am Samstag, den 2. November, mittags 12¼ Uhr,
in der Aula in den Verband der Hochſchule aufgenommen.
Vom Großh. Hoftheater. Heute bleibt das Hof=
theater
mit Rückſicht auf die am ſelben Tage ſtattfinden=
den
Lutherfeſtſpiele geſchloſſen. Samstag geht nach län=
gerer
Pauſe Adams indiſche Märchenoper Wenn ich
König wäre in der Beſetzung der Erſtaufführung als
41. Abonnementsvorſtellung, Buchſt. C11, in Szene. An
dieſem Abend gelten die kleinen Preiſe. Der Zyklus der
Volksvorſtellungen, für die ſich allſeits großes Intereſſe
geltend macht, wird am Sonntag nachmittag mit einer
Aufführung von Leſſings Nathan der Weiſe fortgeſetzt.
Die Titelrolle ſpielt Guido Lehrmann vom Hoftheater in
Wiesbaden, der hier noch in der beſten Erinnerung ſteht.
Sonntag abend findet die Premiere von Leo Falls neue=
ſter
Operette Der liebe Auguſtin ſtatt. In den Haupt=
partien
des luſtigen Werkes, das der Erfolg der Berliner
Saiſon iſt, ſind neben den erſten Geſangskräften die ſämt=
lichen
Vertreter des komiſchen Fachs im Enſemble in her=
orragender
Weiſe beſchäftigt.
Zur Aufführung des Lutherfeſtſpiels. Geſtern
abend fand im Städtiſchen Saalbau die Haupt=
probe
zu Devrients Luther ſtatt, deren Verlauf für
die heutige erſte Aufführung den Erwartungen, mögen
ſie noch ſo hoch geſtellt ſein, volle Erfüllung verheißt. Den
Spielern iſt mit dem fortſchreitenden Können die Freude
an der Darſtellung ſichtbar gewachſen und alle geben ſich
mit Eifer und mit einer Begeiſterung der ſchönen Sache
hin, wie ſie eben nur große, befreiende Taten auszulöſen
vermögen. Dazu kommt Herrn Hofſchauſpieler Dal=
monicos
hervorragendes Regiſſeurtalent, dem ſich
Herrn Hofrat Edwards große künſtleriſche Erfahrung
zugeſellt, die beſonders den von ihm einſtudierten fünften
Bild zugute kommt. Möge nunmehr ein zahlreicher Be=
ſuch
die aufgewandten großen Mühen wenigſtens einiger=
maßen
entſchädigen! Der geſtrigen Generalprobe
wohnten über 1000 Kinder der ſtädtiſchen Volks= und
Mittelſchulen bei.
* Jubiläumslandesverſammlung des Evangeliſchen
Bundes. Aus allen Teilen des Landes treffen Nachrichten
ein, nach denen der Beſuch der Landesverſammlung am
kommenden Sonntag und Montag ein geradezu groß=
artiger
zu werden verſpricht. Man empfindet eben in
allen Kreiſen des heſſiſchen Proteſtantismus, wie dankbar
man dem Evangeliſchen Bunde Heſſens für ſeine 25 jäh=
rige
unermüdliche, aufklärende, aufweckende, feſtigende
und einigende Arbeit ſein muß. Die Vorbereitungen
zum Empfang der Hunderte von Feſtgäſten, die nament=
lich
am Sonntag in der heſſiſchen Reſidenz erwartet wer=
den
, ſind vorzüglich getroffen, und die Begrüßungsver=
ſammlung
am Sonntag abend in der großen Turnhalle
am Woogsplatz wird Zeugnis geben, daß die Hauptſtadt
des Landes, die Behörden, die Landeskirche und die
Landesvereine, die 2100 Mitglieder des Darmſtädten
Zweigvereins, die Darmſtädter Kirchengemeinden und
Kirchengeſangvereine, die geſamte Darmſtädter Bürgers
ſchaft dem Evangeliſchen Bunde, dem getreuen Sohne des
Heſſenlandes, begeiſterten Empfang und freundlichſte
Aufnahme bereiten wird. Weiſt doch der Feſtausſchuß aus
Darmſtadt und deſſen weiterer Umgebung 535 Namen auf!
Präſidium und Zentralvorſtand des Bundes werden
durch deſſen erſten Vorſitzenden, General von Leſſel
Exzellenz, vertreten ſein. Die theologiſche Fakultät der
Landesuniverſität ſtellt den Hauptredner (Profeſſor D.
Eck) und den Hauptprediger (Prof. D. Dr. Schian); die
Profeſſoren des evangeliſchen Predigerſeminars Friedberg
predigen beide (Geh. Kirchenrat D. Eger in ſeiner frühe=
ren
Kirche, der Stadtkapelle, D. Dr. Schoell in der Hof=
kirche
und im Jugendgottesdienſt). So wird die Jubi=
läumslandesverſammlung
aller Vorausſicht nach eine

Vor dem Geſtade der Vergeſſenheit‟

Meine Erinnerungen an die Eugen Bracht=
Ausſtellung.
Ich weiß nicht, was es iſt; und ich weiß nicht, wie
es kam. Iſt es hergeflattert von den Bergen des Nor=
dens
? Iſt es herniedergeweht vom trüben Himmel?
Ich ſtehe und ſchaue. Und ſehe in einen Nebel
hinein, weit, weit hinein. Mein Auge blickt ſtarr; doch
mein Herz ſchlägt und mein Blut jagt ſchnell.
Und mein Auge ſieht mehr wie das Auge der andern:
Liegt eine Stadt am Meere, groß und wunderbar.
Stehen Türme mit vergoldeten Zinnen, lehnen weiße
Häuſer eng aneinander. Und iſt der Hafen voller Schiffe;
die ſegeln übers Meer, wenn es Frühling iſt, und kehren
wieder, wenn der Herbſt naht bringen koſtbare Dinge
die Menge: Teppiche, gewebt aus feinem Garn, gül=
dene
Ringe, Ketten und Spangen, Bänder aus roſa=
farbener
Seide, mit Silber durchwirkt Dinge in
Hülle und Fülle.
Und wenn die Schiffe angefahren kommen, ſtehen
die Mädchen am Ufer und winken, ſtehen die Knaben
unter den Mädchen und grüßen hinüber nach den Schiffen.
Dann legt man an. Und nun werden die Sachen ans
Land gebracht, und es iſt ein Jubeln den Tag über, und
das Freuen, Jauchzen und Tollen will nicht enden.
Alle nehmen ſie gern in der Stadt, aber ſie dan=
ken
nicht; denn die Leute von Viné wiſſen nicht, was
das heißt: danken. Alle legen ſie ihr ſchönſtes Kleid an
am Abend zu tanzen; aber den Armen, die hinter den
Dünen wohnen, geben ſie nicht einmal den ſchlechteſten,
abgetragenen Rock; denn die Leute von Viné wiſſen
nicht, was das heißt: Liebe deinen Nächſten!
Wohl gehen die Mädchen am Abend in den großen, er=
leuchteten
Saal, den Liebſten zu treffen; aber in den
ſchönen, einfachen Raum der Kirche gehen ſie nicht, den
wahren Schatz zu ſuchen. Es wiſſen nicht einmal die
Kinder, daß es überhaupt eine Kirche gibt; denn die
Leute von Viné ziehen ihre Kleinen nicht auf in der
Furcht Gottes nein! nein! Denn ſie wiſſen ja ſelbſt
nicht, daß es einen Gott gibt
Aber ſie ſollten’s wiſſen.
Das war ein Abend
im Herbſt. Der Sommer war fortgezogen in ein ander
Land. Langſam war er gegangen, denn es hatte ihm
gar gut in Piné gefallen, das ſo geſchützt lag hinter den
hohen Felſen, die die Winde zurückhielten und das Meo=

bedräuten. Noch einmal war er durch den verwilderten
Blumengarten vor dem alten Kirchlein gegangen und
hatte wehmütig die beiden Augen zugedrückt und tief
geatmet. Da waren die drei letzten Blütenblätter der
oten Roſe, die müde am Stengel hing, abgefallen;
hatten ſich noch einmal hin= und hergedreht am feuchten
Boden, und dann hatten ſie ſtille gelegen unter den vielen
anderen gelben und braunen Blättern. Dann hatte der
Sommer ſeinen Stab genommen, und man hat ihn nicht
mehr geſehen.
Das war ein Abend im Herbſt. Die Sonne hatte
ich ſchon frühzeitig ſchlafen gelegt, als ob ſie heute viel
nüder ſei wie ſonſt; und die wenigen Vöglein, die noch
da waren, ſchwiegen ſchon lang. Und es hatte der Mond
ſeine einſame Wanderung angetreten, und nun blinzelte
r jedem froh zu, der ihn anſah.
Das war ein Abend im Herbſt. Zu der Zeit war
es, da das Meer im Norden wild wird und über die
Dünen ſpringt.
Aber die Leute von Viné hatten das Meer noch nicht
ſo geſehen. Für ſie war es eine liebe Fee, die ver=
geſſene
Geſchichten erzählt in einem ſo heißen, ſo lieben
Ton, daß es einem wohl wird ums Herz und man zu
träumen anfängt. Für ſie war es nicht das Ungeheuer,
das das Land verſchlingt, wenn es gierig iſt, und die
Häuſer niederreißt, wenn es in Wut kommt.
Drum hatten die Leute von Viné auch keine Dämme
erbaut wider das Meer, wie die Leute von Seeheim und
Meerwig.
Was kümmerte auch die Leute von Viné das Meer?
Wohl hatten auch ſie für vieles zu ſorgen: Die
Truhen mußten mit Gold gefüllt ſein bis an den Rand.
die Kammer mußte gute Speiſen bewahren. Aber ſonſt
kannten die Leute von Viné keinen Kummer. Doch halt!
ich vergaß, noch zu ſagen, daß man ſich in Viné viel um
die Liebe ſorgte. Wann ein Knabe von ſechzehn
Jahren nicht ſchon ein Liebchen hatte, dann war er eben
rur ein Knabe. Die anderen aber, die waren Männer.
Leicht begreiflich iſt es nun, daß es ſehr viele Männer
in Viné gab.
Und es war am Abend im großen Saal, da ſich die
Mädchen trafen und die Knaben. Die Mädchen trugen
goldene Reife im Haar, und die jungen Herren trugen
ſamtene Röcke, die herrlich beſtickt waren. Und dann
ging es zum Tanze!
War das ein Leben! Hei, hei! Pfeifen und Flöten und
Geigen! Hei, hei! Dreht ſich der Reigen ſo wild, ſo wild
Leben, Leben! Geht es durch den Saal, hinauf und hinab!
Leben, ja, das iſt Leben!

Und die Geigen, die zwitſchernden Geigen! Das iſt
eine Muſik, die den Seligen ſeliger macht! Die Bogen der
Fiedler ſauſen nicht ſie raſen, raſen! Und die Jugend
raſt durch den Saal!
Und da hält es die Eltern im Saal nebenan nicht
mehr. Der eine reißt den andern mit fort, und Vater
und Mutter tanzen mit, hei, hei! raſen mit!
Leben! Ja, das iſt Leben!
Und die Leute von Vins
hören’s nicht, wie es an die Tür kommt: Poch, poch!
Und die Leute von Viné glauben dem Knaben nicht,
der außer Atem in den Saal ſtürzt: Das Meer, das
Meer!
Was kümmerte auch die Leute von Viné das
Meer?
Und das Meer kam. Zuerſt hatte es die Schiffe im
Hafen einmal prüfend hin= und hergedreht, wie im Spiel,
dann war es gekommen. Die Häuſer am Geſtade hatte
es niedergeriſſen, und dann war es da. Und ſprang
wider die Tür.
Wer da? Wer da?
Ihr fragt noch: Wer da?! Ich, ich, ich bin’s das
Meer. Was ich will? Ich will euer Hab und Gut, das
Geld, um das ihr die Armen betrogen, eure Kinder, die
nicht Gott kennen, euch ſelbſt, ihr Praſſer und Läſterer..
Und ſo war es herein. Und die Leute von Viné
ſahen’s nicht und hörten’s nicht, tanzten, jauchzten.
Iſt es eigentlich nicht luſtig, zu hören, daß die
Leute von Viné ſtarben, den Ruf auf blutroten Lippen:
Leben! Ja, das iſt Leben!?
Ich weiß nicht, was es war; und ich weiß nicht, wie
es kam. Doch es muß ein Nebel geweſen ſein, der von
Norden her geweht iſt, der mich Vergeſſenes ſchauen ließ,
der mich Vergangenes träumen ließ.
Ich aber, ich ſtehe und ſtarre. Und ſehe ein einſames
Geſtade, umſpült von ruhigem Meer. Und ich ſehe Schä=
del
am Ufer liegen, zwei, fünf, viele. Sie liegen am
Fuße hoher Felſen; die ſehen in die Wolken hinein. Ein
fahlgelber Schein ſpielt um die Zacken der Säulen
mir iſt er wie der Glanz altalter Zeit, vergangener Zeit,
geſchwundener Pracht vergangenen Lebens.
Was habe ich doch nur vorhin geträumt?
Ich träumte von . . . einer . . . alten . . . Stadt. Die
Wie
war ſo . . glücklich und ſo reich. So, ſo
kommt es nun, daß ich ſo ernſt geworden bin?
H. P₰.

[ ][  ][ ]

ganz gewaltige und glänzende werden. Mögen ſie all
den vielen Beſuchern einen freudigen Geiſt, einen from=
men
Sinn, ein tapferes Herz mitgeben!
* Kinderleſezimmer. Man ſchreibt uns: Ab Sams=
tag
, 26. Oktober dem Eröffnungstage , wird auch
Darmſtadt, gleich vielen anderen deutſchen Städten, ein
Kinderleſezimmer beſitzen. Die Gründung erfolgt
durch die Jugendgruppe des Allgemeinen
Deutſchen Frauenvereins der die Großh. Bür=
germeiſterei
einen Schulſaal im Schulgebäude hinter der
Stadtkirche gütigſt zur Verfügung geſtellt hat. Eine
Bibliothek von zirka 300 Bänden iſt im Laufe des Som=
mers
zuſammengeſtellt worden und harren die Bücher, mit
ſauberen Papierumſchlägen verſehen, ſorgſam nach Alters=
gruppen
geordnet, der kleinen Leſer. Wie in den Kinder=
leſezimmern
anderer Städte wird auch hier der Betrieb
ſich abſpielen. Der Beſuch des Kinderleſezimmers iſt ganz
freiwillig und unentgeltlich und ſind alle Kinder, Knaben
und Mädchen im ſchulpflichtigen Alter, herzlich willkom=
men
. Einige junge Damen führen die Aufſicht und geben
die Bücher aus. Die Kinder ſollen ſich darauf ſelbſtändig
in die Bücher vertiefen; wo dies nicht gehen will, werden
die Helferinnen erklärend beiſtehen. Manchmal ſollen die
ſtillen Leſenachmittage durch Vorleſe= und Erzählſtunden
unterbrochen werden. Auch das Kommen und Gehen ſoll
den Kindern freigeſtellt ſein, ſo daß jedes Kind nach Be=
dürfnis
längere oder kürzere Zeit leſen kann. Nach Hauſe
werden Bücher nicht mitgegeben. Geöffnet wird das Kin=
derleſezimmer
jeden Mittwoch und Samstag von 36 Uhr
und kann dann auch ſtets von Intereſſenten beſichtigt wer=
den
. Allen, die das Zuſtandekommen des Kinderleſezim=
mers
durch Bücher= und Geldſpenden unterſtützt haben, ſei
auch an dieſer Stelle warmer Dank geſagt. Vielleicht fin=
den
ſich noch weitere Stifter und Stifterinnen für die gute
Sache, der ein ſegensvolles Wirken beſchieden ſein möge.
(Siehe auch heutige Anzeige.)
* Schüler auf der Ausſtellung Der Menſch
Wie ſehr eine Verlängerung der Ausſtellung Der
Menſch dem Bedürfnis des Publikums entſprochen
hat, das zeigen die vielen Anmeldungen von Vereinen
und Lehranſtalten aller Richtungen, wobei der ange=
gebene
Beſuchstermin hie und da den 15. November
noch überſchreitet. Ganz beſonders zahlreich ſind die
Anmeldungen von Schulen. Die Ausſtellung iſt be=
kanntlich
in der ganzen Art ihrer Organiſation ſo be=
ſchaffen
, daß der Laie, ja ſelbſt Kinder in vorge=
ſchrittenem
Alter, von einer Beſichtigung einen wirk=
lichen
Nutzen empfangen und auf leicht faßliche Art über
Dinge belehrt und aufgeklärt werden, die für ihr ſpäteres
Leben von größter Bedeutung ſind. Es iſt darauf ge=
ſehen
worden, vor allem den Zöglingen aller Schulen,
Gymnaſien, Realſchulen und Volksſchulen durch be=
ſonders
ermäßigten Eintrittspreis Gelegenheit zur Ve=
ſichtigung
zu geben, und ſeit ihrer Eröffnung iſt die
Ausſtellung von einer großen Reihe von Schulen be=
ſucht
worden. Hauptſächlich wurden die frühen Morgen=
ſtunden
zum Beſuch auserſehen. Um noch recht viele
Schulen zum Beſuch der Ausſtellung zu veranlaſſen, iſt
der Eintrittspreis auf 50 Pfg. feſtgeſetzt worden.
Die Firma Philipp Merkel in Dalsheim wird
nächſten Sonntag mit ihren Beamten und Arbeitern
(ca. 400 Perſonen) die Ausſtellung beſuchen. Alle ent=
ſtehenden
Koſten einſchl. Verzehr trägt die Firma.
Die nötigen Erläuterungen wiro Herr Dr. med. Schlick=
Dalsheim geben, der hierbei von vier Krankenſchweſtern
faus Dalsheim und Umgebung unterſtützt wird. Der
(eſichtigung ſoll ſich eine Führung durch Darmſtadt
Janſchließen.
* Lutherfeſtſpiel. Wie wir hören, haben der Groß=
(herzog und die Großherzogin ihr Erſcheinen für die
heutige Erſtaufführung des Devrientſchen Lutherfeſt=
ſpiels
beſtimmt in Ausſicht geſtellt.
Im Ortsgewerbeverein hält heute Freitag
abend, im Reſtaurant Sitte, Karlſtraße, Herr Dr.=Ing.
A. Kleinlogel, Privatdozent an der hieſigen Techniſchen
Hochſchule, einen Vortrag mit Lichtbildern über
Die Bedeutung des Eiſenbetons im
heutigen Bauweſen In Anbetracht des mäch=
tigen
Aufſchwungs der Eiſenbetonbauweiſe und in Anbe=
tracht
der Tatſache, daß uns heutzutage Ausführungen
mannigfachſter Art in Eiſenbeton auf Schritt und Tritt
begegnen, dürfte der Vortrag für die weiteſten Kreiſe
und mindeſtens auch für ſolche, welche nicht gerade
Bauſachverſtändige ſind, von Intereſſe ſein. An Hand
von zahlreichen Lichtbildern wird Herr Dr. Kleinlogel
darlegen, wie der Eiſenbeton auf faſt allen Gebieten des
Bauweſens eine mazgebende Stellung einnimmt.
* Bibelſtunden. Freitag, den 25. Oktober, abends
8 Uhr, nehmen die Bibelſtunden die Herr Pfarrer
D. Dr. Diehl ſeit fünf Jahren allwinterlich im Ge=
meindehaus
, Kiesſtraße 17, hält, wieder ihren Anfang.
Jedermann iſt dazu herzlich eingeladen. Zur Behand=
lung
kommen ausgewähte Abſchnitte aus dem Evangelium
Johannes.
* Vortrag. An dieſer Stelle ſei nochmals auf den
Portrag im Verein für Aquarien= und Terra=
lienkunde
Hottonia hingewieſen, den Herr Dr.

Schilling, Privat=Dozent der Techniſchen Hochſchule,
iber Neuere Forſchungsergebniſſe über das Leuchten der
Tiere und Pflanzen im Vereinslokal der Hottonia
Heſſiſcher Hof (Mathildenplatz, 1. Stock), am Samstag,
26. Oktober, abends 9 Uhr, halten wird. Der Vortrag, der
durch zahlreiche Verſuche illuſtriert wird, dürfte lebhaſtes
Intereſſe erregen, ſo daß auf zahlreichen Beſuch zu rech=
nen
iſt, zumal Herr Dr. Schilling für dieſen Abend ein
nicht alltägliches Thema gewählt hat. In den weiteſten
Kreiſen herrſcht über Entſtehung und Weſen des geheim=
nisvollen
Leuchtens, das wir an vielen lebenden Orga=
nismen
beobachten können, große Unkenntnis; wir kön=
nen
es deshalb nur mit Freuden begrüßen, unter ſachge=
mäßen
Ausführungen die verſchiedenen Arten der Leucht=
erſcheinungen
zu ſehen und ſogar zu erfahren, wie man
auf künſtlichem Wege z. B das Leuchten des faulenden
Holzes nachahmen kann. Außerdem veranſtaltet der Ver=
ein
an dieſem Abend eine Verloſung von Aquarienfiſchen.
Näheres über den Vortrag, zu dem Gäſte und Freunde
des Vereins eingeladen ſind, iſt aus der heutigen Anzeige
zu erſehen.
§ Schutzmannsſchule. An der gemeinſamen Schutz=
mannsſchule
für das Großherzogtum Heſſen hat geſtern
vormittag der diesjährige Herbſtlehrgang hier im
Polizeiamtsgebäude begonnen. Es iſt dies ſeit Beſtehen
der Schule der 16. Lehrgang. An demſelben nehmen
teil: 3 Schutzleute von Darmſtadt, 3 Schutzleute von
Mainz, 2 Schutzleute von Offenbach, 2 Schutzleute von
Worms, 1 Schutzmann von Gießen und 1 Schutzmann
von Neu=Iſenburg, zuſammen 12 Mann.

Mörfelden, 24. Okt. Der hieſige Geſangverein
Eintracht I gegründet 1863, feiert am 8. Juni
nächſten Jahres ſein Goldenes Jubiläum verdunden
mit einem großen nationalen Geſangswettſtreite. Die
Bedingungen zu dieſem Wettſtreite ſind ſehr günſtig, da
namhafte Geldpreiſe ausgeſetzt ſind und jeder Verein mit
einem Preiſe bedacht wird. Das zweite Rundſchreiben
wird in den nächſten Tagen den Vereinen zugeſtellt.
Vom Odenwald, 24. Okt. Nußernten=Erträge
Die früheren zahlreichen Nußbaumbeſtände unſerer Ge=
gend
ſind bekanntlich in den letzten Jahrzehnten dem
Militarismus zum Opfer gefallen, da Nußbaumholz aus=
ſchließlich
zu Gewehrſchäften verwendet wird, deshalb
ſehr geſucht iſt und gut bezahlt wird. Nun aber gab es
auch Landwirte die vernünftig genug waren und mit dem
Fällen ihrer Nußbäume ein etwas langſameres Tempo
hielten. Dieſe hatten nun dieſes Jahr wieder reiche Ein=
nahmen
, da ihre Bäume reichlich trugen und ein Zentner
Nüſſe zuletzt noch mit 17 und 18 Mack bezahlt wurde,
wodurch einzelne Bäume Erträge von 150 bis 200 Mark
lieferten. Und da auch Nußbaumholz von Jahr zu Jahr
teuerer und pro Kubikmeter mit 70 und oft weit mehr
Mark bezahlt wird, ſo iſt dies doch gewiß Veranlaſſung
genug, daß unſere Landwirte wieder Nußbäume pflanzen.
Erbach i. O., 24. Okt. Geſtern wurde hier eine
neue Fabrik mit Unterſtützung des Grafen von Er=
bach
=Erbach gegründet, die die Firma Gräflich Er=
bachſche
Kunſttöpferei führen wird. Die Neu=
gründung
gilt der Hebung des einheimiſchen Kunſt=
gewerbes
.
Offenbach, 24. Okt. Für die von der Stadtverordneten=
Verſammlung beſchloſſene Lohnerhöhung der
ſtädtiſchen Arbeiter, die mit rückwirlender Kraft mit dem
verfloſſenen 1. April durchgeführt wurde, waren 100000
Mark in den Etat eingeſtellt worden. Dieſe Summe wird
jedoch nicht in ihrem ganzen Umfange für die Erhöhung
der Löhne verwandt werden. Nach den gemachten und in
der geſtrigen Sitzung des Verfaſſungsausſchuſſes mitge=
teilten
Feſtſtellungen kommen nur rund 83000 Mark für
den genannten Zweck in Betracht. Dem Verfaſſungs=
ausſchuß
lag in ſeiner letzten Sitzung ein Rundſchreiben
des Großh. Kreisamtes über den Erlaß von Ortsſatz=
ungen
über die Erhebung einer Filialſteuer zur Be=
ratung
vor. Der Verfaſſungsausſchuß war der Anſicht,
zunächſt von dem Erlaß einer ſolchen abzuſehen und abzu=
warten
, wie die allgemeinen Vorſchriften des Geſetzes in
dieſer Hinſicht wirken.
* Mainz, 24. Okt Im Vororte Gonſenheim
iſt der Rechner eines Krankenkaſſenvereins nach Unter=
ſchlagung
von mehreren Tauſend Mark flüchtig ge=
gangen
.
Mainz, 24. Okt. Einem hieſigen Wirt war vor eini=
ger
Zeit auf der Straßenbahn von einem Kellner der
Geldbeutel mit einem größeren Geldbetrage aus
der Taſche geſtohlen worden. Der Dieb wurde
einige Tage ſpäter feſtgenommen und bei ihm von dem
Gelde des Wirtes noch 27 Mark beſchlagnahmt. Nach der
Verurteilung des Diebes machte der Wirt eine Eingabe
an die Staatsanwaltſchaft auf Herausgabe des beſchlag
nahmten Geldes. Der Wirt erhielt jetzt die ſchriftliche
Mitteilung von der Staatsanwaltſchaft, daß die 27 Mark
für Selbſtbeköſtigung des Kellners in der Unterſuchungs
haft draufgegangen ſeien. Der Beſtohlene findet es eini=
germaßen
merkwürdig, daß von dieſem geſtohlenen Gelde

der Dieb ſich ſelbſt beköſtigen konnte und will weitere
Schritte zur Erlangung ſeines Geldes tun. (M. Tgbl.)
PA. Worms, 24. Okt. Zu der geſtrigen Notiz, die
Verkaufstage der Großherzogin betreffend,
iſt noch folgendes ergänzend nachzutragen: Die Erfolge
der bisherigen Verkaufstage in Darmſtadt, Mainz, Offen=
bach
und Gießen müſſen als außerordentlich günſtig be=
zeichnet
werden, ſodaß einer großen Anzahl von Perſonen
die Wohltat einer Heilſtätten= oder Badekur uſw. zu
Laſten des Ertrags der Verkaufstage bewilligt werden
konnte. Das ſegensreiche Wirken des Fonds, das weithin
bekannt iſt, läßt ſich aus Nachſtehendem erſehen. Da der
erſte Verkaufstag im November 1908 ſtattfand, begann die
Tätigkeit des Fonds mit dieſem Zeitpunkt. Von da ab
bis jetzt wurden insgeſamt 540 Kuren in Lungenheil=
ſtätten
, Bädern, Krankenhäuſern, Invalidenheimen uſw.
durchgeführt und 45 Kuren ſind zurzeit noch im Gang.
Die hauptſächlich in Betracht kommenden Heilanſtalten
ſind die Eleonoren=Heilſtätte bei Winterkaſten im Oden=
wald
, und die Göttmannſche Heilanſtalt in Reichelsheim
im Odenwald. Von den durchgeführten Kuren entfallen
auf erſtere 209, auf letztere 202. Im Kinderhoſpital Eliſa=
bethhaus
in Bad=Nauheim wurden 21, im St. Bonifatius=
krankenhaus
in Hieſchhorn zugleich Invalidenheim
20, im evangeliſchen Krankenhaus Lampertheim 18 und in
verſchiedenen anderen Krankenhäuſern, z. B. in Frank=
furt
a. M., in Darmſtadt 19 Kuren durchgeführt. Die
Ernſt=Ludwig=Heilſtätte bei Sandbach i. O. und die
Naſſauiſche Heilſtätte bei Naurod im Taunus kommen mit
je 7 in Betracht. Weitere 16 verteilen ſich auf das Sool=
bad
Wimpfen mit 6, die Ernſt=Ludwigs=Heilanſtalt (De.
Loſſenſche Klinik) in Darmſtadt, das Stahlbad König
im Odenwald und die Volksheilſtätte Charlorkenhöhe in
Württemberg mit je 2, das akademiſche Krankenhaus in
Heidelberg, die Hauptklinik daſelbſt, das Konitzkyſtift in
Bad=Nauheim, und die Klinik in Gießen mit je einem
Fall. Außerdem müſſen noch die mit dem Krankenhaus
in Viernheim, dem Mathildenhoſpital in Büdingen und
dem Bürgerhoſpital in Friedberg in Verbindſing ſtehenden
Invalidenheime mit 8 bezw. 8 bezw. 4 Fällen Erwähnung
finden. Ferner wurden Beiträge zur Errichtung von
Kinderheilſtätten, an den Heilſtätten=Verein und an Für=
ſorgeſtellen
für Lungenkranke geleiſtet. Die geſamten
Aufwendungen des Fonds ſeit deſſen Beſtehen betragen
141541,70 Mark. Die Fürſorge erſtreckte ſich bisher auf
429 Perſonen und zwar 131 Männer, 226 Frauen, 26
Knaben und 46 Mädchen. Leider konnte nicht allen Ge=
ſuchen
Rechnung getragen werden: eine größere Anzahl
mußte vielmehr wegen der außerordentlichen Inanſpruch=
nahme
des Fonds insbeſondere veranlaßt durch die
vielen Wiederholungskuren und da das von der Groß=
herzogin
beſtimmte Stammkapital, um für die Zukunft
noch Mittel zur Verfügung zu haben, nicht ange=
griffen
werden ſoll, abgelehnt werden. Es wäre deshald
aufs innigſte zu wünſchen, daß der Wormſer Verkaufstag,
den die Großherzogin in warmer Fürſorge für die
armen Lungenkranken wieder veranſtaltet, ein gleich gutes
Ergebnis bringen wird, wie ſeine Vorgänger, die die ge=
hegten
Erwartungen noch übertrafen.
Worms, 24. Okt. Die W. Ztg. ſchreibt: Die Frankf.
Ztg. meldet, das Darmſtädter Hoftheater werde
demnächſt ſeinen Vertrag mit der Stadt Worms löſen
und an ſeiner ſtatt würden das Mannheimer Hoftheater
und das Wiesbadener Reſidenztheater in Worms Vor=
ſtellungen
geben. Dieſe Nachricht iſt glatt erfunden;
weder in Darmſtadt noch in Worms denkt man darau, das
ſo erſprießliche Zuſammenarbeiten auf künſtleriſchem Ge=
biet
demnächſt zu löſen, vielmehr begegnen ſich die bei=
derſeitigen
Intereſſen in dem aufrichtigen Wunſche, dieſe
Beziehungen zu erhalten und zu pflegen. Das Darm=
ſtädter
Hoftheater iſt unter der neuen Generaldirektion
eifrig bemüht, den Wormſer Theaterfreunden recht viel
Abwechſelung im Spielplan zu geben, und es iſt lange
nicht dageweſen, daß die Darmſtädter Requiſiten in ſo
ſtarkem Maße für die Wormſer Vorſtellungen zur Ver=
fügung
geſtellt werden, wie das jetzt geſchieht. Am
3. November gelangt Sappho von Grillparzer und am
11. November Hamlet von Shakeſpeare zur Aufführung.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 23. Okt. Eine ganz neue
gerichtliche Bekanntmachung wird in den
nächſten Tagen eine Anzahl Berliner Litfaßſäulen zieren.
Der Butterhändler Ernſt Schwanebeck und ſeine Tochter
wurden vom Schöffengericht Berlin=Mitte wegen gemein=
gefährlicher
Butterfälſchungen zu drei Monaten Gefäng=
nis
und 300 Mark Geldſtrafe reſpektive 1000 Marl Geld=
ſtrafe
verurteilt. Um nun die Nachbarſchaft des Schwane=
beck
zu warnen, beſchloß das Gericht, das Urteil an den
in der Nähe des Schwanebeckſchen Geſchäfts befindlichen
Litfaßſäulen öffentlich bekannt zu machen. Gegen den
früheren Vormund der Frau von Schönebeck=
Weber richtete ſich eine Privatbeleidigungsklage des
Schriftſtellers Dr. Mohr, die zwei Tage lang das Schöffen=
gericht
beſchäftigte. Die Klage ſelbſt iſt bedeutungslos.
Der Angeklagte wurde freigeſprochen. In einem vor

Feuilleton.

* Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben. Schaffung
einer deutſchen Einheitsſtenographie. In
der vergangenen Woche haben im preußiſchen Kultus=
miniſterium
unter dem Vorſitze des Provinzialſchulrats
Tiebe Beratungen mit dem aus 9 Vertretern ſtenographi=
ſcher
Syſteme beſtehenden Unterausſchuſſe des 23er Aus=
ſchuſſes
der deutſchen Stenographenſchulen ſtattgefunden.
Wenn dieſe Beratungen naturgemäß noch zu keinem Er=
gebnis
geführt haben, ſo iſt doch auf dem Wege zu einen
Einheitsſyſtem unzweifelhaft ein Schritt vorwärts ge=
tan
. Es lagen dem Ausſchuſſe 40 Syſteme zur Begut=
achtung
vor, von denen 15 als beachtenswert anerkannt
wurden; dazu kommen 4 weitere Syſteme, die ebenfalls
für die Löſung der Frage in Betracht kommen. Zur Be=
ratung
und Entſcheidung über dieſe Fragen ſoll Mitte
Dezember der Hauptausſchuß von 23 Mitgliedern der
deutſchen Stenographenſchulen zuſammentreten. Der
Hauptausſchuß will auf Grund der Gutachten der Mit=
glieder
des Unterausſchuſſes zu den Syſtementwürfen
Stellung nehmen und an der Hand einer Reihe vom Unter=
ausſchuß
vorgeſchlagener Fragen feſtſtellen, welche Geſtalt
im großen und ganzen das Einheitsſyſtem haben ſoll
Als weſentlichſte Anforderungen an die Einheitsſteno=
graphie
wurden im Unterausſchuß folgende bezeichnet:
Das Syſtem muß organiſch aufgebaut ſein, alſo kein Um=
lernen
nötig machen; als Reihenfolge der maßgebenden
Geſichtspunkte gilt: Deutlichkeit, Kürze, Einfachheit.
Hebbelfunde. Zwei Wiener Germaniſten, F.
Lemmermayer und Dr. D. v. Kralik, haben eine große
Zahl ungedruckter Splitter, Fragmente, Gedichte und
namentlich Briefe Friedrich Hebbels entdeckt und geben
dieſe im Verlag von Schuſter & Loeffler (Berlin) unter
dem Titel Neue Hebbel=Dokumente heraus. Unter den

Briefen iſt die Korreſpondenz mit Heinrich Laube der in=
tereſſanteſte
Teil des Bandes.
Roſtands Jugenddrama Die Prinzeſ
ſin im Morgenland erlebte im Hoftheater zu
Stuttgart ſeine erſte Aufführung in deutſcher Sprache.
Die Ueberſetzung ſtammt von Friedrich von Oppeln= Bro=
nikowski
. Der zarte Stimmungsreiz und die poetiſche
Sprache ſicherten dem Werke eine achtungsvolle Aufnahme.
Saharet geſchieden. Die bekannte Tänzerin
Saharet hat am Samstag vor einem Londoner Gericht
ihre Scheidung erlangt. Sie hat ihren bisherigen Ge=
mahl
, den Theateragenten Iſaac Roſenſtamm, im Mai
1896 in Brooklyn geheiratet. Die Ehe war unglücklich, da
ihr Gemahl ſie vernachläſſigte und zuletzt ganz verließ.
C Meteorologiſches aus Heſſen. (Vgl. Nr. 223 dieſes
Blattes vom 21. September.) Der ungewöhnlich trübe
und naßkalte Witterungscharakter des Auguſt dauerte auch
in der erſten Dekade des September fort. Von da ab
ſtellte ſich hoher Barometerſtand, größere Heiterkeit des
Himmels und Trockenheit ein, ohne daß jedoch die Wärme
zunahm. So kam es, daß die mittlere September= Tem=
peratur
faſt allgemein um 4 bis 5 Grad Celſius hinter
dem langjährigen Durchſchnitt zurückblieb. In Darmſtadt
war der Berichtsmonat der kühlſte September in den letz=
ten
83 Jahren. Die Mittelwerte ſchwankten zwiſchen 11,3
Grad Celſius in Mainz und 7,7 in Neunkirchen ( Darm=
ſtadt
10,0), während das Monatsmaximum mit 18,8 Grad
nach Michelſtadt fiel (Darmſtadt 17,1). Dagegen ſtieg das
Thermometer in Neunkirchen nicht über 15,7 Grad. Die
niedrigſten Werte fielen durchgängig in die letzte Dekade,
wo Mainz mit 4,0 und Lauterbach mit 2,6 die Gegen=
ſätze
bilden (Darmſtadt 2,0). Lauterbach wies bereits
4, Michelſtadt 3 und Bad Nauheim 1 Froſttag auf. Die
Bewölkung war durchgängig ſtark. Die Extreme bilden
Lauterbach mit 78 und Alzey mit 60 Prozent (Darmſtadt

66). Die Niederſchlagsſumme war ſehr ungleich verteilt.
Während ein Teil des Landes entſchieden zu trocken blieb,
fielen im ſüdlichen Odenwald, namentlich am 9., ganz
gewaltige Summen. An der Spitze ſteht Lindenfels mit
einer Tagesſumme von 77,2 Millimeter am genannten
Tage, wogegen Friedberg damals nur 10,8 notierte
(Darmſtadt 19,3). Hinſichtlich der Monatsſumme ſteht
die Tromm mit 163,8 Millimeter obenan und Wöllſtein
mit nur 28,2 an letzter Stelle (Darmſtadt 50,6). Die mei=
ſten
Hagelfälle weiſen Darmſtadt, Böllſtein und Neun=
irchen
mit je 3 auf, während die meiſten Stationen
hagelfrei blieben. Gewitter fehlten in Mainz, Wimpfen
und Friedberg, während Sandbach im Odenwald 6 be=
obachtete
(Darmſtadt: 2). Die gewaltigen Regengüſſe
am 9. brachten dem Neckar und beſonders der Weſchnitz
Hochwaſſer. Auch bei Rhein und Main überſtiegen die
Mittel der Waſſerſtände den 60jährigen Durchſchnitt be=
rächtlich
. Die Grummet= und Kartoffelernte fiel meiſt
ſehr reichlich aus, litt aber anfänglich unter der Näſſe.
C.K. Der geheizte Kirchenſtuhl. Nachdem vor eini=
ger
Zeit die große Renovierung der altehrwürdigen
Nürnberger Sebalduskirche, deren Wiederher=
ſtellung
eine Arbeit von 19 Jahren beanſpruchte und weit
über 1 Million Mark Koſten verurſachte, glücklich zum
Abſchluß gelangt war, erwuchs der Nürnberger Kirchen=
vauverwaltung
die ſchwierige und reizvolle Aufgabe, dem
prächtigen alten gotiſchen Gotteshauſe eine Heizung zu
verſchaffen, ohne die alten Formen des Baues anzutaſten
oder durch Einfügung moderner Heizkörper zu gefähr=
den
. Die Anlage einer modernen Heizung hätte die
Innenarchitektur geſtört. Die Bauwelt macht intereſſante
Mitteilungen, auf welchem Wege die Kunſt des modernen
Ingenieurs dieſe ſchwierige Aufgabe gelöſt hat. Man
legte den Hauptwert auf die Beſeitigung der Fußboden=
kälte
, von dem Grundſatze ausgehend, daß ein warmer

[ ][  ][ ]

wwenigen Tagen angeſetzt geweſenen Termin war beſchloſ=
ſſen
worden, Frau A. O. Weber als Zeugin zu hören. Sie
hatte aber zum geſtrigen Termin ein ärztliches Atteſt ein=
egereicht
des Inhalts, daß ſie ihrer ſchweren Nervoſität
wegen nicht in der Lage ſei, an Gerichtsſtelle zu erſcheinen.
Auf eine Vernehmung der Frau Weber mußte unter die=
ſſen
Umſtänden verzichtet werden. Das Gericht erklärte,
auf Frau Weber habe auch deshalb verzichtet werden
können, weil ihr das Gericht doch kein Wort ge=
glaubt
haben würde. Das Strafverfahren wegen
Mordes ſei noch nicht erledigt. Dazu komme, daß ſie für
geiſtesſchwach erklärt worden ſei, und ferner, daß ſie doch
im Mittelpunkt aller der Dinge ſtehe, die zu ſo viel gericht=
lichen
und anderen Schritten Veranlaſſung gegeben und
ſchon viel Unheil angerichtet hätten. Das Gericht
wolle öffentlich ſein Bedauern darüber
ausdrücken, daß angeſichts aller vielbeſprochenen Vor=
gänge
eine ſo geiſtesſchwache Frau noch nicht einer
öffentlichen Anſtalt überwieſen worden ſei.
24. Okt. In einem Neubau in Charlottenburg
brach heute morgen die Decke des oberſten Stock=
werks
ein und durchſchlug die übrigen Stockwerke bis
zum Keller. Der Arbeiter Dummeck, Vater von fünf
Kindern, wurde getötet, zwei weitere Arbeiter erlitten
ſchwere Verletzungen. In einer Papierhandlung im
Norden Berlins wurde heute vormittag ein Raubmord=
verſuch
auf die Verkäuferin unternommen. Der =
ter
, der 27jährige Buchdrucker Mennew aus Berlin,
ſchlug die Verkäuferin mit einer in ein Tuch eingewickel=
ſten
Eiſenſtange über den Kopf. Die Verkäuferin wurde
ſchwer verletzt, konnte aber noch um Hilfe rufen, worauf
der Täter ohne etwas zu rauben, zu entfliehen ver=
ſuchte
. Er wurde ergriffen und verhaftet.
Solingen, 24. Okt. Mehrere Solinger Waffen=
fabriken
ſind mit der Herſtellung von Seitengewehren
und Degen für die ſerbiſche Armee beſchäftigt. Alle
Waffen werden haarſcharf geſchliffen geliefert. Die Tür=
kei
beſtellte große Dolche, auch Bulgarien erteilte Auf=
träge
.
Bielefeld, 24. Okt. Im Hofe des hieſigen Gerichts=
gefängniſſes
wurden heute morgen um 7 Uhr die beiden
26= und 24jährigen Brüder Alex und Anton Stadtke=
witz
, die am 23. April vom Bielefelder Schwurgericht
wegen Mordes zum Tode verurteilt worden waren, durch
den Scharfrichter Greepler aus Magdeburg hingerich=
tet
. Die beiden Mörder hatten in Gemeinſchaft mit dem
Gelegenheitsarbeiter Wiellich im November 1911 in Her=
zenbrock
den Polizeibeamten Ellermann erſchoſſen.
Breslau, 23. Okt. Im Hauſe Weißenburgerſtraße 40
wurden heute nachmittag die vier Töchter des Maurers
Körbler, der nebſt ſeiner Frau abweſend war, bewußtlos
aufgefunden. Die Kinder im Alter von 1½ bis 5 Jahren
hatten mit Streichhölzern geſpielt und dadurch
einen Stubenbrand verurſacht. Der Feuerwehr ge=
lang
es, drei Kinder ins Leben zurückzurufen. Ein drei=
jähriges
Mädchen iſt erſtickt.
Innsbruck, 24. Okt. Aus ganz Tirol und Vorarlberg
wurden geſtern von Hochgewittern begleitete Schnee=
fälle
gemeldet. Bei Laas ſoll ein Güterzug zum Ent=
gleiſen
gekommen ſein.
Kriſtiania, 24. Okt. Bei dem Bau der Unter=
grundbahn
ſtürzte eine Höhlung unter dem Straßen=
damm
am Endpunkt des Tunnels ein. Ein Straßen=
bahnwagen
, der die Stelle paſſierte, blieb über dem gäh=
nenden
Abgrunde in der Schwebe. Wie durch ein Wun=
der
blieben alle Fahrgäſte, Führer und Schaffner un=
verletzt
.
Konſtantinopel, 23. Okt. Der Zuſammenſtoß
der Militärzüge auf der Linie Smyrna-Aidin
bei der Station Azizia wurde durch den Bruch einer
Kuppelung verurſacht. Die Lokomotive blieb im Tunnel
ſtehen, während der Zug bis zum Bahnhof von Azizia
hinunterrollte, wo er mit einem anderen fahrenden Mili=
tärzug
zuſammenſtieß. Mehrere Waggons wurden zer=
trümmert
. Die Zahl der Toten oder Verletzten wird auf
2300 geſchätzt. Die Regierung, die einen böswilligen
Anſchlag vermutet, hat an alle Eiſenbahngeſellſchaften ein
Zirkular gerichtet, worin ſie dieſe auffordert, das Perſonal
der Militärzüge zu überwachen.
New=York, 23. Okt. Die amerikaniſchen Frauen be=
abſichtigen
, zum Andenken an die Männer an Bord der
Titanie die heldenmütig in den Tod gingen, damit
die Frauen und Kinder gerettet werden konnten, in
Waſhington ein prächtiges Denkmal zu errichten.
Sie haben bis jetzt 120000 Mark geſammelt, wollen aber
eifrig Propaganda machen, damit 400000 M. zuſammen=
kommen
. Das Frauenkomitee, das ſich gebildet hat,
ſchließt die bekannteſten Damen der amerikaniſchen Geſell=
ſchaft
ein. Unter ihnen befindet ſich auch die Frau des
Präſidenten Taft. Sie haben ſich die Unterſtützung aller
Theaterdirektoren New=Yorks geſichert, und die beſten
Künſtler haben ihre Mitwirkung verſprochen. Man glaubt,
daß durch eine Vorſtellung im Century Theater von New=
York, das ungefähr 4000 Perſonen faßt, 100000 bis
200000 Mark an einem einzigen Abend für den Denkmal=

fonds zuſammenkommen dürften. Eine Anzahl Fonds
zur Unterſtützung der Hinterbliebenen der mit der Ti=
tanic
Verunglückten wurde in Amerika ins Leben ge=
rufen
, aber die Gelder, die einliefen, erreichten bei weitem
nicht die Höhe des Londoner Titanicfonds.
Chicago, 23. Okt. Die Affäre des ſchwar=
zen
Meiſterboxers Jack Johnſon, der, wie be=
kannt
, am Tage nach dem Selbſtmorde ſeiner weißen
Frau demonſtrativ eine andere junge Dame aus Chicago
zur Lebensgefährtin wählte, nimmt immer ſchlimmene
Dimenſionen an und man ſieht bereits voraus, daß der
einſt ſo populäre ſchwarze Boxer der Anlaß zu einem
neuen Ausbruch blutiger Raſſeenkämpfe
bilden wird. Selbſt in dem Norden der Union, in New=
York und in Chicago, wo die Negerfrage die Gemüter
nicht leicht zu erhitzen vermag, hat die öffentliche Auf=
regung
beſorgniserregende Formen angenommen und man
rechnet ganz allgemein damit, daß Johnſon beim erſten
Verlaſſen ſeines Hauſes mitten auf der Straße einfach
niedergeſchoſſen werden wird. In Chicago iſt es in den
Straßenbahnwagen bereits zu wilden Kämpfen zwiſchen
Weißen und Schwarzen gekommen. Noch beſorgnis=
erregender
iſt die Situation in den Südſtaaten, wo der
Raſſenkrieg immer in der Luft liegt Wenn Johnſon
etwas widerfährt, werden zweifellos wilde Ausſchreit=
ungen
in den ſüdlicheren Staaten nicht zu vermeiden ſein.
In Minneapolis, der Geburtsſtadt der jungen Dame, die
nunmehr den ſoeben verwitweten ſchwarzen Boxer hei=
raten
will, haben ſich die führenden Bürger zuſammen=
getan
und die Zeitungen aufgefordert, in ihren Spalten
Jack Johnſon nicht mehr zu nennen. Und in Texas iſt
es bereits zu Revolverplänkeleien gekommen. Johnſor
ſelbſt ſcheint ſich über die gefährlichen Folgen ſeines Ver=
haltens
klar geworden zu ſein, denn ſeit Samstag hat
er ſich nicht mehr blicken laſſen. Er führt in Chicago be=
kanntlich
ein Caféhaus, die Dame ſeiner Wahl wirkte bei
ihm als Kaſſiererin und noch am Samstag, als das Pu=
blikum
ſich in dem Café drängte, erklärte Johnſon mit
einem zyniſchen Lächeln, daß der Skandal ja ſeinem Ge=
ſchäfte
außerordentlich zuſtatten käme. Aber bald darauf
zog er es doch vor, zu verſchwinden. Heute zerbricht ſich
der Bürgermeiſter von Chicago darüber den Kopf, wie
er dem ſchwarzen Boxer die Konzeſſion zum Ausſchank
von Kaffee und Likören entziehen könne.

Kongreſſe und Verbandstage.

24. Deutſcher Evangeliſcher Kirchen=
geſangvereinstag
.
Frankfurt, 23. Okt. Die Hauptverſamm=
lung
wurde amMittwoch durch Prälat D. Dr. Flöring
mit einem Ueberblick über die geſtrigen Beratungen des
Zentralausſchuſſes eröffnet. Im Jahre 1911 waren dem
Verband 26 Landes= und Provinzialverbände mit 2500
Chören angeſchloſſen. Zum Vorſitzenden der Tagung
wurde Profeſſor D. Smend=Straßburg gewählt. Als
Vertreter des Königl. Konſiſtoriums Frankfurt a. M.
begrüßte als erſter Geh. Konſiſtorialrat Kayſer=Frankfurt
den Deutſchen Kirchengeſangvereinstag. Geh. Konſiſto=
rialrat
Jäger=Bierſtadt überbringt die Grüße des preu=
ßiſchen
Kultusminiſteriums und des Konſiſtoriums Wies=
baden
. Er vetont das große Intereſſe, das der Kultus=
miniſter
ſehr oft, auch noch in letzter Zeit, praktiſch betä=
tigt
hat. Auch das Wiesbadener Konſiſtorium hat von
Anfang an alles getan, um die Kirchengeſangvereinsbeſtre=
bungen
zu fördern. Die Kirchengeſangvereine haben eine
hohe kirchliche und nationale Bedeutung, deshalb haben
auch geiſtliche und weltliche Behörden das größte Inter=
eſſe
, die Beſtrebungen zu fördern. Als Vertreter der =
niglichen
Regierung begrüßt Regierungsrat v. Klenck=
Frankfurt die Verſammelten und wünſcht, daß alle Kreiſe
der Bevölkerung mit Eifer an den Aufgaben der Kirchen=
geſangvereine
in Zukunft mitarbeiten mögen. Beneral=
ſuperintendent
D. Möller=Kaſſel, als Vertreter des
Königl. Konſiſtoriums Kaſſel, betont die Bedeutung, die
der Menſch für den Menſchen durch die Kunſt haben kann.
Hand in Hand ſollen Pfarrer und Dirigent am Bau der
Gemeinde arbeiten. Als Vertreter des Magiſtrats heißt
Stadtrat Ziehen den Kirchengeſangvereinstag will=
kommen
. Profeſſor D. Budde=Marburg ſpricht als
Vertreter der theologiſchen Fakultät, der Univerſitäten
Marburg, Gießen und Heidelberg. Die theologiſchen Fa=
kultäten
haben daran gearbeitet, den öden Intellektualis=
mus
zurückzudrängen, und das volle Leben in den Vor=
dergrund
zu ſtellen. Die beſte Hilfe für die Wiſſenſchaft
iſt aber die kirchliche Kunſt. Möge bald jede Gemeinde
einen eigenen, tüchtigen Kirchenchor haben! Profeſſor
D. Smend=Straßburg dankt allen Vertretern der Be=
hörden
, und hofft, daß die Segenswünſche in Erfüllung
gehen zum Segen der Kirche und des Vaterlandes.
Alsdann hielt Profeſſor D. Spitta=Straßburg
ſeinen Vortrag über Kirchenbau und Kirchen=
muſik‟
Der Redner ſtellt die Forderung an das Kir=
chengebäude
, daß dem Sängerchor darin ein angemeſſener
Platz und ausreichender Raum garantiert wird. Die

Schwierigkeiten, die ſich dieſer eigentlich ſelbſtverſtändlis
chen Forderungen entgegenſtellen, ſind bis heute noch ſehr
groß. Die Notwendigkeit ſeiner Forderung begründet der
Redner damit, daß der Chor ſonſt nicht die Stellung ein=
nehmen
kann, die ihm einerſeits als Glied der Gemeinde,
andererſeits als Verkündiger des Wortes zukommt. Des=
halb
fordert der Redner, den Chor und die Orgel im Ans
geſicht der Gemeinde, und zwar hinter dem Altar und
tief aufzuſtellen. Eingehend ſetzte er ſich mit den praktiſchen,
äſthetiſchen und liturgiſchen Bedenken dagegen ausein=
ander
und zeigt, daß durch ſeine Forderungen dieſe Be=
denken
beſeitigt und zugleich große Vorteile nach allen drei
Seiten erreicht werden. Der Kirchenchor muß ſich als
Glied der Gemeinde und Verkündiger des Wortes völlig=
harmoniſch
in den Gottesdienſt einordnen. Die richtige
Einordnung iſt aber nur möglich, wenn ihm der würdige
Platz innerhalb des Kirchengebäudes angewieſen wird:
Der Chor bliebe aber iſoliert, wenn er im Rücken der
Gemeinde ſtände und ſänge. Zur Erbauung kann er nur
wirken, wenn er im Angeſicht der Gemeinde ſeinen wür=
digen
Platz hat. Darauf muß bei Kirchenbauten Rückſicht=
genommen
werden.
Gelegentlich der Tagung fanden in 7 Kirchen Frank=
furts
Kirchenkonzerte und muſikaliſche Andachten
ſtatt. Am Mittwoch abend vereinigen ſich dann im Saal=
bau
über 500 Sänger zu machtvollen Chören. Für Don=
nerstag
ſind noch Beſichtigungen Frankfurter Sehenswür=
digkeiten
und Ausflüge in die Umgebung vorgeſehen.

Luftfahrt.

* Friedrichshafen, 24. Okt. Das Luftſchiff
Viktoria Luiſe iſt um 9 Uhr bei regneriſchem
Wetter zu ihrer Fahrt nach München aufgeſtiegen, wo es
gegen 11 Uhr erwartet wird. Die Fahrt geht über
Ravensburg, Memmingen und der Bahnlinie nach
München entlang.
* München, 24. Okt. Das Luftſchiff Viktoria
Luiſe iſt heute vormittag um 11 Uhr 15 Min., von
Friedrichshafen kommend, auf dem Oberwieſenfeld glatt
gelandet. Um 11 Uhr 53 Min. ſtieg das Schiff mit neuen
Paſſagieren zur Rückfahrt nach Friedrichshafen auf.
* Friedrichshafen, 24. Okt. Das Luft=
ſchiff
Viktoria Luiſe iſt von ſeiner Reiſe nach
München zurückgekehrt und um 3 Uhr 14 Minuten glatt
gelandet. Morgen um 8 Uhr ſoll das Luftſchiff die Rück=
fahrt
nach Frankfurt antreten.
* Stuttgart, 24. Okt. Heute mittag fand bei reg=
neriſchem
Wetter die nationale Ballonwettfahrt
att, für die als Ziel die Gegend von Schwäbiſch=Hall
beſtimmt wurde und an der ſich ungefähr 30 Ballons be=
teiligten
. Auf dem Füllplatz waren das Königspaar
und ſämtliche Mitglieder der Königlichen Familie er=
ſchienen
. Als erſter Ballon ſtieg kurz nach 1 Uhr Graf
Wedel vom Niederrheiniſchen Verein für Luftſchiffahrti
auf. In raſcher Folge gingen die übrigen Ballons inz
die Höhe. Als der Ballon Münſter hochging, ſtreifte‟
er wiederholt den Ballon Friedrichshafen deſſen Netz=
werk
er leicht beſchädigte, ſo daß dieſer Ballon erſt gegen
2 Uhr den Füllplatz verlaſſen konnte.
* Stuttgart, 24. Okt. Der Motorjachtklub von=
Deutſchland hat die Abſicht, im Mai nächſten Jahres ein
kombinierte Motorboot= und Hydroplanver
anſtaltung auf dem Bodenſee zu organiſieren und einf=
diesbezügliche
Aufforderung für das Gebiet der Luftfahr=
an
den deutſchen Fliegerbund gerichtet, welcher in dieſen
Jahre den erſten deutſchen Waſſerflug=Wettbewerb veſ
anſtaltet hat. In der geſtrigen Generalverſammlung des
deutſchen Fliegerbundes wurde beſchloſſen, eventuell der
Veranſtaltung nach Anhörung und Zuziehung der intereſ=
ſierten
Vereine näher zu treten.

Sport.

* Fußball. Am Sonnrag, den 27. Oktober, ſtellt der
Fußballklub Olympia drei Mannſchaften ins Feld. Die
erſte begibt ſich nach Neunkirchen in der Pfalz, um das
fällige Ligaſpiel gegen den dortigen Fußballklub Boruſ=
ſia
auszutragen. Die zweite und die dritte Mannſchaft
ſtehen, ebenfalls in Verbandsſpielen, den entſprechenden
Mannſchaften des Darmſtädter Sportklubs gegenüber,
und zwar die zweite auf dem Sportplatz an der Heidel=
berger
Straße, die dritte auf dem Sportklubplatz.
* Pferde=Rennen. München-Riem. Aufſehen=
erregende
Vorfälle ſpielten ſich am Mittwoch bei den
Rennen zu München-Riem ab. In dem nur von vier!
Pferden beſtrittenen Feſttarock=Rennen wurde Brangäne
von ihrem Reiter Hughes anſcheinend gewaltſam in eine
falſche Bahn gedrängt und folgte dann ausſichtslos hinter!
dem Felde. Prinz Ludwigs von Bayern Vorhand führte
dann vor Schlagwerk, die im Einlauf ganz überlegen neben
der Stute galoppierte, doch traf ihr Reiter Wedegewood.
keinerlei Anſtalten, das Rennen noch zu gewinnen, ſo daß
Vorhand ſicher mit einer Länge ſiegte. Die Jockeis

Fuß den ganzen Körper warm erhält. Nach langen und
eingehenden Experimenten iſt man zu einer ſehr ſinn=
reichen
Methode gekommen, die alten Kirchenſtühle elek=
triſch
zu heizen. Man legte ſtarke, auf kleinen eiſernen
Blöcken ruhende eiſerne Röhren von zirka 80 Millimeter
Durchmeſſer in die Kirchenbänke, genauer unter die Fuß=
bänke
. Da die Heizungskörper bei voller Einſchaltung
des Stromes eine Temperatur von 72 Grad Celſius er=
reichen
, wurden ſie durch perforierte Abdeckbleche ver=
hüllt
. Die Bleche entſprechen in der Tönung genau den
hölzernen Bänken, heben ſich für das Auge nicht ab, ſind
völlig unauffällig und bieten dabei den Füßen eine
beſſere Stütze. Die Heizung wurde zunächſt probeweiſe
auf ſechs Bänke beſchränkt, dann aber, als das Experi=
ment
das volle Gelingen des Planes erwies, auf 1200
Sitzplätze ausgedehnt. Die Heizrohre haben eine Länge
von insgeſamt 600 Metern, die Koſten des Betriebes
ſtellen ſich pro Sitzplatz und Stunde Heizung einſtweilen
auf 0,04 Mark, werden ſich aber noch verbilligen laſſen.
Die Anlage, die eine intereſſante neue Löſung des Kir=
chenheizungsproblems
darſtellt, findet bei den Kirchen=
beſuchern
ungeteilte Anerkennung.
** Ein ſeltener Fall von Schnupftabakvergiftung,
der allen paſſionierten Schnupfern ein warnendes Bei=
ſpiel
ſein ſollte, ereignete ſich, wie im Korreſpondenzblatt
Schweizer Aerzte mitgeteilt wird, kürzlich in einer eid=
genöſſiſchen
Stadt. Dort wurde ins Krankenhaus eine
beſinnungsloſe Frau eingeliefert, die ſchon vorher wegen
Bleivergiftung aus unbekannter Urſache behandelt wor=
den
war. Auch diesmal zeigten ſich die Symptome einer
ſchweren Bleivergiftung: Augenmuskellähmung, Bleiſaum
und heftige Kopfſchmerzen. Die Kranke ging kurz darauf
an der Vergiftung zugrunde. Man hätte auch diesmal
die Urſache nicht ermitteln können, wenn ſich nicht in der
Taſche der Kranken ein Paket Schnupftabak gefunden
hätte, das in eine 90prozentige Bleifolie gepackt war

Die Frau, die eine ſtarke Schnupferin war, hatte die Ge=
wohnheit
, direkt aus dem Paket in der Taſche zu ſchnupfen.
Dabei kamen vom Tabak vorher gelöſte Bleipartikel der
Folie in die Priſen hinein. Der Tabak enthielt davon
1¾ Prozent. Die Frau, die monatlich 300 Gramm ver=
ſchnupfte
, hatte alſo täglich ſich 175 Milligramm Blei ein=
verleibt
.
B. B. Städtiſcher Fleiſchverkauf und Grammatik. Das
geſpannte Verhältnis des Berliner Magiſtrats zu der
deutſchen Sprache iſt ſchon des öfteren an der Hand von
Magiſtratsauslaſſungen beleuchtet worden. Jetzt hat der
Berliner Magiſtrat aufs neue gezeigt, daß die Unter=
weiſung
durch einen deutſchen Sprachlehrer dringend er=
forderlich
iſt. In den Bekanntmachungen an den Litfaß=
ſäulen
heißt es nämlich: Am Mittwoch findet ein billi=
ger
Verkauf vom Magiſtrat angekauften friſchen ruſſi=
ſchen
Rindfleiſchs zu dem von demſelben feſtgeſetzten
Preiſe ſtatt. Es kann einem ſchlecht werden, wenn man
ſo etwas lieſt. Ein billiger Verkauf hört ſich brillant
an, in direktem Widerſpruch mit den deutſchen Sprach=
regeln
ſteht Rindfleiſchs; jeder Schuljunge würde den
Magiſtrat belehren, daß es Rindfleiſches heißen muß.
Schließlich verrät die Ankündigung, daß die Preiſe von
dem Rindfleiſch(s) feſtgeſetzt worden ſind, denn das
Wort demſelben kann nur als rückbezüglich auf Rind=
fleiſch
gedeutet werden.

Rezitationsabend von Dr. Emil Milan.

St. Der Freien Literariſch=Künſtleriſchen Geſellſchaft
verdanken wir die Bekanntſchaft mit einem Vortrags=
künſtler
, der leider ſpät, ſehr ſpät den Weg nach Darm=
ſtadt
fand. Wenn wir das mit Bedauern feſtſtellen,
obwohl jahraus jahrein hier auf dem Gebiete des Kunſt=
vortrages
viel und oft auch ſehr Gutes geboten wird, ſo
darf darin gleichfalls ein Ausdruck der Freude und des

Dankes liegen, daß uns nun endlich die Gelegenheit
wurde, den Rezitator kennen zu lernen, da er eben noch auf
der Höhe ſeines Könnens ſteht. Herr Dr. Emil Milan
erſteht es in hervorragender Weiſe, ſeinem Vortrag eine
ſtark perſönliche Note zu geben, obwohl er mit deutlich
kennbarer Abſicht jegliche äußere Wirkung verſchmäht.
Er iſt mit gleich großem Erfolge bemüht, dieſe perſön=
liche
Individualität des Vortrages in Einklang zu brin=
gen
mit dem Gehalt der von ihm geſprochenen Dichtungen,
denen er ein reifes Verſtehen entgegenbringt; und das in
einer Weiſe jeweils der Dichtung angepaßt , daß in
ſteter künſtleriſcher Wechſelwirkung der Vortrag durch die
Dichtung oder dieſe durch den Vortrag, zu Leben erweckt
verden. Dabei iſt der Vortrag von einer Schlichtheit und
Ruhe, die faſt geſucht erſcheinen könnten, wenn nicht mit
vornehmem Takt der künſtleriſche Rahmen ſtets gewahrt
bliebe. So waren Dr. Milans Rezitationen von tiefſtem
Eindruck auf das Auditorium, das er ſchon mit den erſten
Sätzen in den Bann ſeiner Perſönlichkeit ſchlug. Ver=
ſchiedene
geringe Mängel in der Sprachtechnik konnten das
nicht beeinträchtigen, ſo daß der Abend dem Künſtler wie
dem Publikum einen vollen Erfolg brachte.
Dr. Emil Milan ſprach völlig frei aus dem Gedächt=
nis
drei Meiſterwerke deutſcher Dichtkunſt: Detlev v. Lilien=
erons
Erzählung Greggert Meinstorff aus des Dichters
Sammlung Aus Marſch und Geeſt Im Saal von
heodor Storm und dann aus Goethes Leiden, des
jungen Werther die erſte Begegnung Werthers mit Char=
lotte
. Zwiſchen dieſen Erzählungen, von denen uns am
beſten die idylliſche Großmutter=Erzählung Im Saal
gefiel, ohne daß damit der anderen Erfolg geſchmälert
werden kann, ſchob der Rezitator einige Gedichte ein von
Liliencron, Theodor Fontane und Mathias Claudius, die
ebenfalls ſtarken und dankbar ehrlichen Beifall des zahl=
reichen
Publikums auslöſten.

[ ][  ][ ]

Hughes und Wedgewood wurden vor die Stewards ge=
rufen
, und da ſie keine befriedigende Erklärung abgeben
konnten, wegen verdächtigen Reitens bei der techniſchen
Kommiſſion des Union=Klub angezeigt. Leider ereignete
ſich auch ein ſchwerer Sturz. In dem von Octavius ge=
wonnenen
Preis von Oberwieſenfeld kam Lt. Freiherr
von Lotzbeck mit Ray o’Light ſo unglücklich zu Fall, daß
er mit gebrochenen Rippen und einer Gehirnerſchütterung
in das Krankenhaus übergeführt werden mußte. Die
Reſultate waren: Preis von Oberwieſenfeld. Ehrenpreis
und 1500 Mark, Diſtanz 3600 Meter: 1. Lt. Gallos Octa=
vius
(Lt. Weinſchenck), 2 David II (Lt. Meyerhofer),
3. La Patiniere (Beſ.). Tot. 31110. Pl. 17, 38, 18:10.
Unpl.: Leb fidel, Honeymone IV Carthago, Ray o’Light
(gef.). Ueberlegen 54 Lg. Preis von Simbach 1500
Mark, Diſtanz 3200 Meter: 1. Hrn. H. Widmers Erneſt II
(Unterholzner), 2. Cape Florizel (Mew), 3. Macka ( Mi=
ſchon
). Tot, 56:10. Pl. 13, 13, 13:10 Unpl.: Soupeur,
Mercury, Laddie (angeh.), Dona Mobile (angeh.), Vor
(angeh.), Cabin (angeh.). Sehr leicht 315 Lg. Hagen=
Rennen. 2500 Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. Frau Fr.
Homolkas Arthus (Breſſel), 2. Duzzilo (Spear), 3. Cerelo
(Prochaska). Tot. 26110. Pl. 16, 21:10. Unpl.: Leſter
Iim, Hongroiſe, Elſe II (angeh.). Sehr leicht ½8 Lg
Preis von Augsburg. Ehrenpreis und 1500 Mark,
Diſtanz 3600 Meter: 1. Lt. Frhrn. v. Gieſes Lyre d’Airain
(Lt. Hermann), 2. Alexandrowna (Lt. Frhr. v. Bonnet),
3. Corolla (Lt. Zeltmann). Tot. 62110. Pl. 27, 38:10.
Unpl.: Malice, Avoncroft, Sharper (angeh.). Leicht 2½
bis 2½ Lg. Feſttarock=Rennen. Ehrenpreis und 2500
Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1. Prinz Ludwigs von Bayern
Vorhand (Spear), 2. Schlagwerk (Wedegewood), 3. Ukas
(Breſſel). Tot. 16110. Pl. 13, 15.10 Unpl.: Brangäne
(ausgebr.). Sicher 13 Lg. Preis von Poing. 1500
Mark, Diſtanz 3200 Mark. 1. Graf M. Arco=Zinnebergs
In Dubio (Schuller), 2. Sonnenblick (Matz), 3 Eilbote
(Brumm). Tot. 42110. Pl. 22, 20:10. Unpl.: Mattia=
cum
(4), Glücksritter (angeh.). Ueberlegen 4Weile.
* Leichtathletik. Ein neuer Profeſſional= Welt=
rekord
im Marathonlaufen wurde von dem be=
kannten
finniſchen Berufsläufer William Kolehmainen in
Newark aufgeſtellt. Kolehmainen gewann den amerika=
niſchen
Profeſſional=Marathon=Lauf über 26 engliſche
Meilen 385 Yards (42,140 Kilometer) in der neuen Weli=
rekordzeit
von 2 Stunden 29 Min. 39½ Sek. und ver=
beſſerte
damit den bisher von dem Kanadier Hans Hol=
mer
mit 2:3221,4 gehaltenen Rekord für dieſe Strecke
um 2 Min. 42½ Sek. Kolehmainen ſchuf gleichzeitig
neue Weltrekordzeiten über 25 und 26 engliſche Meilen
mit 2222:20¾ und 2:28:32. Die früheren Rekorde ge=
hören
ebenfalls Holmer und lauten: 25 engliſche Meilen
in 2223113 und 26 engliſche Meilen in 2:30448.

Das Automobilunglück auf der Eberſtädter
Chauſſee vor der Strafkammer.

s. Die Strafkammer beſchäftigte ſich geſtern in
umfangreicher Beweisaufnahme mit der Anklage
gegen den 20 Jahre alten Metzgergehilfen Hermann
Pauly von hier wegen fahrläſſiger Tötung
und fahrläſſiger Körperoerletzung. Es han=
delte
ſich um jenen ſchweren Automobilunfall, der ſich am
5. Juli dieſes Jahres zwiſchen 1 und 2 Uhr nachts auf
der Eberſtädter Landſtraße, etwa an der Ludwigshöh=
Halteſtelle der Dampfſtraßenbahn, ereignet hatte. Jäh=
lings
wurde damals der praktiſche Arzt Dr. Fiedler von
der Seite ſeiner Frau aus dem Leben geriſſen, und dieſe
*ſelbſt kam mit leichten Geſichtswunden davon. Beide be=
fanden
ſich auf der Rückfahrt von einer im Hotel Britannia
hier ſtattgehabten Hochzeitsfeier, waren die einzigen In=
ſaſſen
des von Dr.e F. geſteuerten Automobils und ſtießen
mit dem Viehtransportwagen des Angeklagten zuſammen.
Das Automobil hatte die vorgeſchriebene rechte (weſtliche)
Straßenſeite eingehalten und war mit höchſtens 30 Kilo=
meter
Geſchwindigkeit gelaufen, als nach der Zeugenaus=
ſage
der Frau F. plötzlich im Lichtkreis der Automobil=
laterne
die Pferde ſichtbar wurden und trotz ſofortigen
Bremſens die Kataſtrophe eintrat. Der Anprall ſcheint,
wie der Befund nach Anſicht der Sachverſtändigen dartut,
nicht ſehr ſtark geweſen zu ſein, doch erlitt Dr. F., ver=
mutlich
durch das eigene Steuer oder dergleichen, tödliche
innere Verletzungen. Es war u. a. die Leber zerriſſen
und im Zwerchfell ſowie Herzbeutel ein fauſtgroßes Loch,
ſo daß er trotz alsbaldiger Ueberführung in das Städti=
ſche
Krankenhaus hier nicht mehr gerettet werden konnte,
ſondern verſchied. Die durch Staatsanwalt Dr. Krug er=
hobene
Anklage machte P. für dieſen Unfall verantwort=
lich
, weil er falſch, nämlich auf der (ihm linken) weſtlichen
Seite gefahren und ſo fahrläſſig, ſowie unter Außeracht=
laſſung
einer Gewerbspflicht Urſache des Zuſammenſtoßes
ſei. Der durch Juſtizrat Dr. Löb und Rechtsanwalt
Neuſchäffer Verteidigte beſtritt jedes Verſchulden mit der
Angabe, die Straßenmitte benutzt zu haben und lediglich
im letzten Augenblick von den vor dem Automobil ſcheuen=
den
Pferden nach links rückwärts geſchoben worden zu
Sſein. Er ſaß auf dem Bock und konnte angeblich nach

Anprall über das Wagenverdeck nach hinten herunter=
gelangen
, ohne irgendwie verletzt zu ſein. Seit Vormittag
war er in verſchiedenen Bergſtraße=Orten geſchäftlich tätig
geweſen; er will durchaus nüchtern und wach geweſen
ſein und gibt zu, auf größere Entfernung das Herannahen
des Automobils wahrgenommen zu haben, ohne mit der
Möglichkeit eines Unfalls zu rechnen. Seine Wagen=
laterne
brannte. Vor einigen Jahren ſtand P. gleichfalls
wegen eines Unfalls vor der Strafkammer und wurde
damals, weil er auf dem Fahrrad in der Nieder= Ram=
ſtädter
Straße ein Fräulein Sch. überrannt, ſo daß letztere
einen langwierigen Beinbruch davontrug, wegen fahr=
läſſiger
Körperverletzung zu 150 Mark Geldſtrafe ver=
urteilt
. Einige Polizeiſtrafen hat er ſich durch Fahrüber=
tretungen
und eine Tierquälerei zugezogen. Mehrere
Zeugen bezeichnen ihn trotzdem als ruhigen, zuverläſſigen
Fahrer. Was Dr. F. betrifft, ſo galt er als ſehr vorſich=
tiger
Automobiliſt, der langſam zu fahren pflegte, und
deſſen kleines Kolibri=Automobil höchſtens 35 Kilometer
pro Stunde zu leiſten vermochte. Er hatte jene unheil=
volle
Heimfahrt, nach Zeugenausſagen, in durchaus nüch=
ternem
Zuſtand angetreten und, wie der Befund aus=
weiſt
, vor dem Zuſammenſtoß ſtark gebremſt. Es waren
von ſeiten der Anklage und Verteidigung neben zahl=
reichen
Zeugen nicht weniger als zehn Sachverſtändige
aufgeboten, die mit Ausnahme des Kreisaſſiſtenzarztes
Dr. Beſt ſämtlich die Art des Unfalles bezw. die Fahrſeite
P.s begutachten ſollten. Dieſer war vorher zwiſchen
Eberſtadt und Waldfriede zwei Zeugen, einem Chauf=
feur
und einem Fußgänger, begegnet. Erſterer mußte ihm
weil P. hart links (weſtlich) fuhr, mit ſeinem Automobil
auf dem Fußpfad ausweichen, und letzterer gibt an, daß
P. etwa 1 Meter vom Fußpfad entfernt war. Die Stel=
lung
beider Fahrzeuge nach der Kataſtrophe deutet auf
Linksfahren P.s hin. Das Automobil war nur wenig,
der Wagen faſt gar nicht beſchädigt; die Beſchädigungen
des erſteren rührten meiſt von den Pferden her, deren
eines mit den Vorderfüßen auf der Automobilſpitze ſtand.
Sachverſtändige waren Kreisveterinärarzt Dr. Weins=
heimer
, als Automobilkundige Kaufmann Ober, Inge=
nieur
Neumann und Finanzaſſeſſor Zimmer, ſowie als
Fuhrwerksfachleute Fuhrunternehmer Knuß, Mitteldorf,
Enes, Graf und Sandroß. Nach dem Unglück hatten der
gerade in der Nähe patrouillierende Nachtſchutzmann
Kolb von Eberſtadt und der eine dortige Villa bewoh=
nende
Zeuge Aßmus den erſten Beiſtand geleiſtet; P. ſelbſt
war nach Darmſtadt geeilt, um die Polizei zu benachrich=
tigen
.
Der Staatsanwalt beantragte 4 Monate Gefängnis.
Seinem Antrage ſchloß ſich Juſtizrat Hallwachs als
Vertreter der als Nebenklägerin aufgetretenen Witwe
Fiedler an, während die Verteidiger auf Freiſprech=
ung
plädierten. Nach längerer Beratung verkündigte
das Gericht nach 6 Uhr abends das Urteil dahin, daß
der Angeklagte im Sinne der Anklage ſchuldig ſei und
zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt
werde. Strafmildernd wurde in Betracht gezogen, daß
der Angeklagte nach dem damals ſehr anſtrengenden Tag
an Widerſtandsfähigkeit und Aufmerkſamkeit beträchtlich
geminderr fein konnte.

Darmſtädter Hausbeſitzer=Verein.

* Die Mittwoch abend im Fürſtenſaal abgehaltene
Mitgliederverſammlung des Darmſtädter Hausbeſitzer=
vereins
war außerordentlich ſtark beſucht. Der Vorſitzende,
Herr Eiſenbahninſpektor a. D. Scheyrer, eröffnete die
Verſammlung, begrüßfe die anweſenden Damen und
Herren und gab Kenntnis von dem Entſchuldigungs=
ſchreiben
der Herren Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing und
Bürgermeiſter Mueller. Hierauf erteilte er Herrn Lehrer
Speckhardt über den Vortrag: Zweite Hypo=
theeken
das Wort. Der Vortragende ſchilderte die
Entwickelung des Hausbeſitzerſtandes in den letzten Jahr=
zehnten
und ſeine heutige wichtige Stellung im wirt=
ſchaftlichen
Leben. Er ſei eine ſehr wichtige Einnahme=
quelle
für Staat und Stadt; zahle er doch hier in Darm=
ſtadt
allein zwei Drittel der ſämtlichen Steuern. Wie
der heutige Hausbeſitzer mit auf Hypothekenbanken,
Kaſſen uſw. aufgenommenen Gelder ſeine Häuſer baut
und die Rente ſomit anderen überlaſſen muß, während
er die Verwaltungsarbeiten habe. Der Ausweg des ſchul=
denfreien
oder nur erſtſtellig belaſteten Beſitzes iſt nicht
möglich, da die Verhältniſſe ſtärker ſind. Der kleine Ka=
pitaliſt
wird immer als Erwerber der ſtädtiſchen Wohn=
häuſer
auftreten. Ein naheliegender Ausweg iſt der Ge=
danke
, daß der ſtädtiſche Grundbeſitz nur bis 60 Prozent
belegt wird, überhaupt dieſe Grenze fallen zu laſſen und
die Beleihungsgrenze auf 7580 Prozent heraufzurücken.
Anſätze ſind vorhanden und auch ſchon praktiſch erprobt
worden, aber dem Hausbeſitzer hat man ein ſolches Ent=
gegenkommen
nicht gezeigt. So iſt es gekommen, daß
der Hausbeſitzer vielfach Kapitalzinſen aufbringen muß,
die er nicht bekam. Da iſt Hilfe ſehr nötig; die Forder=
ungen
ſind dringend zu erfüllen: 1. Der Zinsfuß darf nur
mäßig ſein, 4½ Prozent; 2, die Schuld muß während der
Zinszahlung getilgt werden; 3. das Kapital muß bis

zur Beleihung unkündbar ſein und 4. die Beleihungs=
grenze
muß bis zu 80 Prozent heraufgerückt werden.
Welche Hilfsmittel ſind nun in Anwendung zu
bringen? Mit 60 Prozent ſei der Hausbeſitz im Kredit,
20 Prozent könnte er wohl ſelbſt aufbringen, 20 Prozent
müſſen von öffentlichen Kaſſen aufgebracht wierden.
Redner fordert eine dahingehende Aenderung des Bank=
geſetzes
zur Ausgabe von zweiſtelligen Hypotheken. Das
erſte Kapital müſſe von den Städten aufgebracht werden.
In der Pfandbrief=Ausgabe müßten die Städte verwickelt
werden, indem ſie für Serien in ihrer Stadt Bürgſchaft
übernehmen. Sie können auch größere Mengen Pfand=
briefe
ſofort erwerben. Wenn ihnen die Barmittel
fehlen, ſo müſſen ſie dieſe durch Aufnahme von 4prozentiger
Anleihe beſchaffen. Sodann müßten die ſtädtiſchen Spar=
kaſſen
und Landesverſicherungskaſſen zum Erwerb der
Pfandbriefe angehalten werden. Weiter erörterte der
Redner die ſtädtiſchen Hypothekenbanken, deren in Nord=
deutſchland
mehrere beſtehen, die Pfandbrief=Inſtituten
und die auf der Genoſſenſchaft mit beſchränkter Haftpflicht
aufgebauten Hilfsaktien und anderes. Er faßte zum
Schluſſe ſeine Forderungen nochmals zuſammen. Ein=
ſtimmige
Annahme fand dann die
Reſolution:
1 Da der Haus= und Grundbeſitz der Darmſtädter
Hausbeſitzer die wichtigen Funktionen erfüllt, der Stadt=
kaſſe
erhebliche Summen durch Steuern und ſonſtige Er=
trägniſſe
zufließen zu laſſen, ferner dem größten Teil der
Bewohnerſchaft Darmſtadts die Wohnmöglichkeit zu bie=
ten
und außerdem den verſchiedenſten Gewerben bedeu=
tende
Erwerbsmöglichkeit zu geben, ſo ſtellt er einen
äußerſt wichtigen Teil der ſtädtiſchen Gemeinde dar.
2. Die Stadt handelt demnach in ihrem eigenen In=
tereſſe
, wenn ſie die Exiſtenz= und Leiſtungsfähigkeit der
ſtädtiſchen Hausbeſitzer zu erhalten und zu fördern ſucht.
3. Die Exiſtenz= und Leiſtungsfähigkeit weiter Kreiſe
der ſtädtiſchen Hausbeſitzer iſt ſeit Jahren gefährdet und
bedroht durch die Unſicherheit und Schwierigkeit bei der
Beſchaffung und Belaſſung zweiter Hypotheken.
4. Der Oberbürgermeiſter und die Stadtverordneten
werden dringend erſucht, alsbald Maßnahmen zu treffen,
um durch eine ſtädtiſche Einrichtung oder eine ſtädtiſcher=
ſeits
unterſtützte Einrichtung den ſtädtiſchen Hausbeſitzern
Amortiſationshypotheken an 2. Stelle bis zur Beleihungs=
grenze
von 80 Prozent des Taxwertes beſchaffen und be=
laſſen
zu können.
5. Als geeignete alsbaldige Maßnahme wird zunächſt
die Einſetzung einer ſtädtiſcherſeits zu berufenden Kom=
miſſion
erachtet, zu der der Darmſtädter Hausbeſitzerver=
ein
e. V. gerne einige Mitglieder entſenden wird.
Nach kleiner Pauſe wird die Beſprechung er=
öffnet
. Herr Stadtverordneter Henrich führke aus,
daß für die Gegenwart die Beſchaffung der zweiten Hypo=
theken
eine brennende Frage ſei. Die Frage wäre be=
reits
in der Stadtverordnetenverſammlung ſchon behan=
delt
worden, doch könnten die erhältlichen Mittel nicht
hinreichen. In verſchiedenen Städten beſtehe bereits die
höhere Beleihungsgrenze. Die einzige Hilfe könnte nur
in Verbindung mit der Gemeinde gebracht werden. Das
Geld werde auf ganz verſchiedene Art von den Städten
aufgebracht. Redner hält eine größere Tilgung durch
Amortiſation für ſehr gut. Herr Heimburg hält
die Feſtſetzung der Beleihungsgrenze für ſehr ſchwierig
und tritt dafür ein, dieſe Grenze auf 80 Prozent feſtzu=
ſetzen
. Den Prozentſatz der Zinſen durch Angebot und
Nachfrage feſtzuſetzen, ſowie für Geldbeſchaffung an die
Gemeinden heranzutreten, halte er nicht für richtig.
Die Gründung einer Aktiengeſellſchaft iſt notwendig.
Die Hausbeſitzer würden dort viel eher Geld erhalten als
anderswo. Rechtsanwalt Dr. Bopp hofft auf Be=
ſeitigung
der Kalamität. Die Sache könnte nur durch die
Stadt erledigt werden. Herr Sames führte aus daß
der Hausbeſitz auch in anderen Städten ſehr ſchlecht ſei,
nicht nur allein in Darmſtadt. Es werde zu viel gebauf
und die Städte nähmen zu wenig zu. Redner iſt auck
für Errichtung einer Aktiengeſellſchaft zur Schäffung der
Hypothekengelder. Herr Hillgärtner führte aus,
die Hausbeſitzer hätten ſchon zu viel Konkurrenz ge=
ſchaffen
. Die Häuſer würden ſich nicht mehr ſo rentie=
ren
; die Mieter dürften keine ſo große Anſprüche machen.
Zum Punkt 2 der Tagesordnung, betreffend Waſſer=
geld
, verlieſt Herr Scheyrer die Eingabe an Ober=
bürgermeiſter
und Stadtverordnete vom 12. September.
Herr Mahr bedauert ſehr daß die Herren von der
Bürgermeiſterei nicht hier erſchienen ſeien, und bittet die
anweſenden Herren Stadtverordneten dringend, die Waſ=
ſergeldfrage
im Sinne der Eingabe zur Erledigung zu
bringen. In Hanau würden von 350 Mack Miete 19,30
Mark direkt von der Stadt erhoben, und zwar 4 Prozent
für Waſſergeld und 1½ Prozent für Kanaleinlaufgebüh=
ren
. Herr Hedwig iſt für Waſſermeſſer und Er=
hebung
wie bei dem Gas. Herr Speckhardt iſt für
eine nochmalige Verſammlung und dafür, daß, wie in
Mannheim, 3 Prozent des Mietwertes erhoben werden.
Nachdem der Vorſitzende allen Rednern ſeinen Dank
ausgeſprochen, wurde die ſehr anregend verlaufene Ver=
ſammlung
um 12 Uhr geſchloſſen.

Handel und Verkehr.

* Berlin 24. Okt. In der heutigen Sitzung des
Zentralausſchuſſes der Reichsbank teilte
Exzellenz von Havenſtein zunächſt mit, daß noch nicht von
allen Bankanſtalten die Zehlen vom 23. Oktober vorlie=
gen
, ſondern nur von neunzig Anſtalten proviſoriſche
Ziffern. Danach hätten ſeit dem 15. Oktober der Metall=
beſtand
um 39 Millionen gegen 54 im Vorjahr zugenom=
men
, die Geſamtanlagen ſich um 44 Millionen vermindert,
gegen 120 Millionen im Vorjahr. Die fremden Gelder
hätten um 98 Millionen zugenommen, gegen 24 Millionen
im Vorjahr. Die ungedeckten Noten hätten am 23. Okto=
ber
584 Millionen, gegen 624 Millionen im Vorjahre, be=
tragen
. Die günſtige Entwicklung der Verhältniſſe im
September bei der Reichsbank habe ſich im Oktober nicht
fortgeſetzt, ſondern es ſei das Gegenteil eingetreten. Die
politiſchen Verhältniſſe auf dem Balkan hätten ihren
Einfluß auf den Geldmarkt ausgeübt und zur Zurück=
haltung
und Vorſicht Anlaß gegeben. Das Anziehen des
Privatdiskonts habe erhöhte Anſprüche an die Reichsbank
hervorgerufen, und zwar mehr in der Provinz als in
Berlin. Die Rückbildung in der Abſpannung der Reichs=
bank
ſeit dem 30. September habe in dieſem Jahre 69
Prozent, im Vorjahre 12 Prozent, im Jahre 1910 77 Pro=
zent
betragen. Die Deviſenkurſe hatten den Goldpunkt
erreicht oder ſeien nahe an dieſen herangerückt, ſo daß
bei Fortgang dieſer Steigerung eine unerwünſchte
Schwächung der Deviſen= und Goldbeſtände der Reichs=
bank
zu befürchten ſei. Da aber der Status der Bank
nicht ungünſtig ſei, ſo glaube das Reichsbankdirektorium
mit der Erhöhung um ½ Prozent auszukommen. Hierau
knüpfte ſich keiuerlei Ausſprache.

Nicht gilt’s zu glauben, was die Welt
Mit falſcher Feſſel bindet,
Das Gotteswort, das ewig hält,
Sich tief im Herzen kündet.
Und wenn die Welt voll Teufel wäre‟
Des Glaubens Wort
Iſt ſtarker Hort
Der Wahrheit gebt die Ehre!
Hell wie der Sonne reiner Strahl,
Klar wie des Himmels Bläue,
Stark wie des Donners mächt’ger Hall
War ihm die Glaubenstreue,
Sie rüttelt ihn vom Schlummer wach,
Verbannt der Trägheit Säumen
Friſch auf, es winkt ein froher Tag!
Friſch auf aus dumpfen Träumen!
Die Lügenſchuld nicht mehr beſchwere,
Der Gottesmann
Den Sieg gewann!
Der Wahrheit galt die Ehre!
Nun zeige frei ſich Bild auf Bild
Aus Luthers Erdenleben.
Die Spieler, ſie ſind luſterfüllt,
Ihr Beſtes Euch zu geben.
Zum Feſt, das wir dem Luther weih’n
Dem deutſchen Held, dem frommen,
Seid Alle, die Ihr Euch wollt freu’n.
Von Herzen drum willkommen!
Des Zweifels Nacht aufs Neue kläre
Der Heldenſang,
Der Gottesklang,
Der Wahrheit gebt die Ehre!

Prolog
zur Aufführung von Devrients Lutherfeſtſpiel
in Darmſtadt,
Von Mathilde Merck.
Zu preiſen einen Geiſtesheld
Seid Ihr hierher gekommen,
Von ſeinen Taten auserwählt
Habt Ihr ſchon längſt vernommen;
Nun will ich froh mit dieſem Gruß
Des Feſtes Anfang leiten
Und zu dem kommenden Genuß
Die Stimmung Euch bereiten.
Doch Eins iſt Not: die alte Lehre
Mit freiem Mut,
Mit Gut und Blut
Der Wahrheit gebt die Ehre!
Martinus Luther, frommer Mann
Wach auf zu neuem Leben!
Du biſt nicht tot, Dein Wirken kann
Uns neue Kräfte geben;
Zu Deines Geiſtes heil’gem Schrein
Laß weisheitsvoll uns dringen,
Führ’ uns in Deine Werkſtatt ein,
Zeig’ uns Dein ſtrebend Ringen.
Dein Daſein war trotz Mühſal’s Schwere
Ein Heldenſang,
Ein Gottesklang!
Der Wahrheit galt die Ehre!
Was Wahrheit iſt, wie Wahrheit wirkt
Im Kampf um edle Güter,
Das geb. Euch nun dem Tag entrückt
Des Spieles Handluna wieder.

[ ][  ][ ]

Die Fleiſchteuerung und die Berliner Metzger.
* Berlin, 23. Okt. Der von der Stadt Berlin
unternommene Verkauf von friſchem Fleiſch
aus Rußland begann heute morgen 6 Uhr in den
verſchiedenen Markthallen. Sowohl die Schlächter als
auch die Käufer ſind mit der Qualität des Flei=
ſches
zufrieden. Die Vorräte reichten bei weitem
nicht aus, um die überaus ſtarke Nachfrage zu befriedigen.
Von 128 Metzgern, die ſich zum Verkauf bereit er=
klärten
, erfüllten nur 22 ihre Zuſage, (1
die übrigen verſagten. Daher konnte in vier anderen
Markthallen der beabſichtigte Verkauf nicht ſtattfinden
Die Erregung des Publikums über das
Verhalten der Metzger war groß. Nur mit
Mühe konnte die Ordnung aufrecht erhalten werden.
Verſchiedene Schlächtermeiſter, die ſich an dem
Verkauf des ruſſiſchen Fleiſches nicht beteiligten, bedach=
ten
von ihren Verkaufsſtänden aus das kaufende
Publikum mit höhniſchen Zurufen. Seitens der Markt=
hallenverwaltung
wird gegen ſie energiſch vorgegangen.
Falls die Metzger weiterhin den regelmäßigen Verkauf
nicht vollziehen wollen, wird der Magiſtrat den Verkauf
durch andere oder eigene Leute bewerkſtelligen.
* Berlin, 23 Okt. Zu den tumultuariſchen
Szenen, die ſich in den Markthallen beim Verkauf des
ruſſiſchen Fleiſches abſpielten, geben wir folgende Einzel=
heiten
: Vor der Markthalle in der Reinickendorferſtraße
fanden ſich ſchon um 5 Uhr morgens etwa 2000 Frauen bei
der Eröffnung der Halle ein, ſtießen die dort ſtationier=
ten
Polizeibeamten zur Seite und ſtürmten vor die Ver=
kaufsſtände
des ruſſiſchen Fleiſches. Die Fleiſcher erklär=
ten
, kein Fleiſch verkaufen zu können, da ihnen zu min=
derwertige
Qualitäten angeboten ſeien. Darauf drangen
die Frauen unter Schimpfrufen in die Verkaufsſtände,
drängten die Fleiſcher unter Schlägen und Stößen hinaus
und bemächtigten ſich aller erreichbaren Fleiſch= und
Wurſtwaren. Mit Meſſern ſchnitten ſie aus den aufge=
hängten
Rindervierteln und Schweinen große Stücke her=
aus
und ſteckten ſie in ihre Taſchen. Würſte wurden von
den Stangen geriſſen und zu Brei geſtampft Ein
Schlächtermeiſter iſt blutig geſchlagen worden. Ein
Haufen Frauen ſtürmte zu den Gemüſehändlern, raffte
Obſt, Rüben und Kohlköpfe zuſammen und begann ein
wütendes Bombardement auf die Schläch=
ter
. Die zu Hilfe gerufenen Schutzleute wurden von den
Frauen tätlich angegriffen und mit Würſten, Fleiſch=
ſtücken
und anderen Lebensmitteln bombardiert. Der an=
gerichtete
Schaden beträgt viele Tauſende. Dieſelben
Szenen ſpielten ſich in der Markthalle am Wedding ab,
wo die Frauen, von Rotten junger Burſchen unterſtützt,
die Fleiſchwaren von den Ständen herunterriſſen und den
Schlächtern an die Köpfe warfen. Die Markthalle in der
Ackerſtraße war von früher Morgenſtunde an von einer
ſo großen Menſchenmenge belagert, daß der Straßenver=
kehr
für längere Zeit lahmgelegt war Als die Flei=
ſcher
erklärten, daß ſie kein ausländiſches Fleiſch be=
zogen
hätten, weil daran nicht genügend zu
verdienen ſei, kam es zu ähnlichen Tumultſzenen,
ſo daß die Polizei die Halle ſchloß. Oberbürgermeiſter
Wermuth überzeugte ſich durch den Beſuch der Zen=
tralmarkthalle
perſönlich von dem Maſſenandrang des
Publikums.
Das Berliner Tageblatt ſchreibt: Wären die Ein=
wände
der Schlächter, daß das Fleiſch minderwertig ſei
berechtigt, ſo hätte der Verſuch ſeiner Einführung mit
einem Mißerfolg ſchließen müſſen. Daß die Fleiſcher
es zu einem Verkauf erſt gar nicht kommen ließen, macht
die Stichhaltigkeit ihrer Gründe von vornherein ver=
dächtig
. Kein Menſch in Berlin wird ihnen glauben, daß
ſie aus einem anderen Grunde Obſtruktion trieben, als
weil ſie fürchteten, die Fleiſchpreiſe könn=
ten
heruntergehen
Die Morgenpoſt ſagt: Das Volk ruft nach Fleiſch!
Auf dem Viehhof liegt reichlich Ware und das Fleiſcher=
gewerbe
ſchaltet ſich bei dem Vertrieb der Ware aus.
Nun, ſo iſt es eben ausgeſchaltet, und es wird ausgeſchal=
tet
bleiben, wenn ſich die Fleiſcher nicht ſchleunigſt zur
Umkehr entſchließen.
H. B. Berlin 24. Okt. Am heutigen Tage kam es
am Wedding wiederum zu wüſten Ausſchreitungen.
Die Menge drang in der Schererſtraße gegen die Filiale
einer großen Fleiſchhand lung. Die Schaufenſter
wurden durch Steinwürfe zertrümmert und das darin
liegende Fleiſch entwendet. Als der Geſchäftsführer den
Demonſtranten entgegentrat, wurde er mit Steinen bewor=
fen
und erheblich verletzt. Endlich gelang es dem ver=
ſtärkten
Polizeiaufgebot, die Menge zu zerſtreuen. Die
meiſten Schlächter in der Gegend des Wedding haben aus
Furcht vor Zwiſchenfällen ihre Läden geſchloſſen.
Man befürchtet, daß heute abend weitere Exzeſſe folgen.
In den Markthallen wickelte ſich der Verkauf des ruſſi=
ſchen
Fleiſches nur langſam ab.
* Berlin, 24. Okt. Die Allgemeine Fleiſcherzeitung
veröffentlicht eine Erklärung des Vorſtandes der
Fleiſcherinnung, wonach der Magiſtrat den Ver=
kauf
ruſſiſchen Fleiſches in den Berliner Fleiſcherläden
grundſätzlich ablehnte und ausſchließlich Perſonen über=
trug
, die kein Geſchäft haben. Die Verantwortung für
die Auswahl und das Verhalten der vom Magiſtrat mit
dem Verkauf betrauten Perſonen müſſe der Innungs=
vorſtand
ablehnen. Der Grund zum Rücktritt mehrerer
Bewerber für den Verkauf ruſſiſchen Fleiſches iſt darin
zu ſuchen, daß ſie nicht kapitalkräftig genug ſind, um gegen
bar, wie ſeitens des Magiſtrats verlangt wurde, einzu=
kaufen
.

Der Kaiſer in Weimar.

* Weimar, 24. Okt. Der Kaiſer mit Gefolge
iſt um 10 Uhr 30 Minuten hier eingetroffen. Zum
Empfang auf dem Bahnſteig hatten ſich der Großher=
zog
mit Gefolge, der zum Ehrendienſt kommandierte
Oberſchloßhauptmann Graf Finck von Finckenſtein und
der preußiſche Geſandte Graf Wedel eingefunden. Der
Kaiſer, der Hofjagduniform trug, begrüßte den Groß=
herzog
auf das herzlichſte. Der Kaiſer und der Groß=
herzog
begaben ſich dann, vom Publikum lebhaft be=
grüßt
, im Automobil durch die reichgeſchmückte Stadt
nach Ettersberg zur Faſanenjagd. Das Wetter iſt ſchön.
Nach Ettersberg hatten ſich vom Großherzoglichen Schloß
direkt begeben: die Großherzogin, Herzog Ernſt Günther
von Schleswig=Holſtein mit Gemahlin und Prinz Albert
von Sachſen=Weimar.

Aus der bayeriſchen Abgeordnetenkammer.

* München, 24. Okt. In der heutigen Sitzung der
Kammer der Abgeordneten kam es bei der Be=
ratung
der Anträge, betreffend die Verreſſerung Der
Lohnverhältniſſe der Staatsarbeiter, zu lebhaften
Debatten und gegen Schluß zu einer ſtürmiſchen
Auseinanderſetzung zwiſchen dem Präſidenten

Dr. Orterer und den Rednern der Minderheitspar=
teien
. Der ſozialdemokratiſche Abgeordnete Roßhaupter
war im Verlaufe der Erörterungen auf die ſeinerzeitige
Rede des Verkehrsminiſters v. Seidlein gegen den ſüd=
deutſchen
Eiſenbahnerverband und die Sozialdemokratie
zurückgekommen, in der der Miniſter bekanntlich erklärt
hat, daß die Regierung den Eiſenbahnarbeitern ein Koa=
litionsrecht
im Sinne der Reichsgewerbeordnung und da=
mit
auch ein Streikrecht nicht zuerkennen könne. Abgord=
neter
Roßhaupter betonte in ſeinen Ausführungen nach=
drücklichſt
, daß die Sozialdemokratie das volle Koalitions=
recht
und in Verbindung damit das Streikrecht für dieſe
Arbeiter ausdrücklich reklamiere. Darauf nahm der Ver=
kehrsminiſter
von Seidlein Veranlaſſung, nochmals ent=
ſchieden
den Standpunkt der bayeriſchen Regierung zu
wiederholen, daß ſie auf keinen Fall den Eiſenbahnarbei=
tern
das Koalitionsrecht und das Streikrecht zubilligen
könne. Die Ausführungen des Miniſters, denen das
Zentrum zuſtimmte, wurden wiederholt von lärmenden
Zwiſchenrufen der Sozialdemokratie unterbrochen. Der
ſozialdemokratiſche Abgeordnete Auer, der an der Eſtrade
des Präſidententiſches ſtand, rief dabei dem Miniſter, als
dieſer bemerkte, daß der ſüddeutſche Eiſenbahnerverband
mit der Sozialdemokratie zuſammenarbeite, wie dies aus
den Verhandlungen ſich ergeben habe, zu: Das iſt uner=
hört
! Präſident Dr. Orterer erteilte darauf dem Abge=
ordneten
Auer einen Ordnungsruf. Es entſtand nun eine
heftige Geſchäftsordnungsdebatte, in der der Abgeordnete
entſchieden gegen die Berechtigung dieſes Ordnungs=
rufes
proteſtierte und dabei von Mitgliedern ſeiner
Partei und der liberalen Partei unterſtützt wurde. Prä=
ſident
Dr. Orterer bemerkte, er habe ſich zu dem Ord=
nungsruf
veranlaßt geſehen, weil der Abgeordnete Auer
in provokatoriſcher Weiſe vorn an die Eſtrade ſich hinge=
ſtellt
habe. Namens des Zentrums erklärte der Vor=
ſitzende
der Partei, Abg. Lerno, daß ſeine Partei den
Ordnungsruf des Präſidenten als gerechtfertigt anerkenne.
Schließlich appellierte Abg. Auer an das Haus, zu ent=
ſcheiden
, ob der Ordnungsruf zu Recht erfolgt ſei. Prä=
ſident
Orterer erklärte, er werde ſich der Entſcheidung des
Hauſes, die geſchäftsordnungsmäßig in der morgigen
Sitzung zu erfolgen hat, fügen.

Die Erkrankung des ruſſiſchen Thronfolgers.

* Ueber die Erkrankung des ruſſiſchen Thronfolgers
werden allerlei unglaubwürdige und ſenſationelle Nach=
richten
verbreitet auch das Attentat fehlt dabei nicht
uf deren Wiedergabe wir verzichten. Das Morgenbul=
letin
vom Mittwoch beſagt: Das Befinden in der letzten
Nacht war ruhiger als in allen vorhergegangenen. Der
Patient war ohne Schmerzen und ſchlief gegen Morgen
ununterbrochen zwei Stunden. Die Geſchwulſt ( But=
erguß
) in der linken Weichengegend iſt nicht kleiner ge=
worden
, jedoch faſt ſchmerzlos.
* Petersburg, 24. Okt. Der heute vormittag
ber die Krankheit des Thronfolgers aus=
gegebene
Bericht beſagt: Der Kranke ſchlief in der Nacht
über fünf Stunden mit Unterbrechungen. Er klagte ſelten
über Schmerzen. Die Geſchwulſtgrenzen ſind unverän=
dert
. Die Temperatur betrug morgens 38 Grad, der
Puls 124 Schläge.

Der Balkankrieg.

Die bulgariſch=türkiſchen Kämpfe.
* Konſtantinopel, 23. Okt. Die türkiſchen
Blätter veröffentlichen ein Telegramm aus Adrianopel
mit Einzelheiten über den nachts amtlich gemeldeten
Kampf zwiſchen den Flüſſen Tundja und Maritza. Der
Kampf ſoll bei Maraſch, ſechs Kilometer weſtlich von
Adrianopel, ſtattgefunden und 9 Stunden gedauert haben.
Die bulgariſchen Streitkräfte beliefen ſich auf 30000
Mann. Die Bulgaren ſeien in der Richtung auf
Kaaraga unter Zurücklaſſung von Tauſenden von Toten
geflüchtet. Die Blätter melden einen Sieg der
Türken bei Kadinkoj, 25 Kilometer nordweſtlich von
Adrianopel. Die Türken erbeuteten 11 Kanonen und
nahmen einen bulgariſchen Major und mehrere Soldaten
gefangen. Weitere Kämpfe fanden bei Kiretſchdſchi.
Haskoj, Iſpinli, Tſchali und Kanak ſtatt. Ueberall ſollen
die Bulgaren geſchlagen worden ſein.
In Widerſpruch hiermit ſteht folgende
Meldung aus Sofia, die einen Sieg der Bulgaren
konſtatiert:
* Sofia, 23. Okt. In allen Gebieten ſind er=
bitterte
Kämpfe im Gange. Ueberall wurden die Tür=
ken
aus ihren Poſitionen vertrieben. Im Gebiet von
Raslog marſchieren die Truppen in ſüdlicher Richtung.
Das Gebiet von Tamraſch iſt endgültig vom türkiſchen
Territorium abgeſchnitten. Vor Adrianopel erreichte die
bulgariſche Armee den Ardafluß. Die Türken flohen in
Unordnung unter Zurücklaſſung von hundert Toten und
hundertſechzig Gefangenen; die bulgariſchen Verluſte ſind
unbedeutend. Auf der nordöſtlichen Seite der Befeſtig=
ungslinie
von Adrianopel wurden einige vorgeſchobene
Punkte beſetzt. Nach einem überaus heftigen Kampf
wurde der Feind geſchlagen und trat die Flucht gegen
die Feſtung an; eine große Menge von Toten und Ver=
wundeten
, die noch nicht gezählt werden konnte, blieb
auf dem Felde zurück. Während des Kampfes eröffnete
eine türkiſche Batterie vom Nordoſtfort aus ein ergebnis=
loſes
Feuer. Die türkiſche Artillerie ſchießt überhaupt
unregelmäßig und unwirkſam. Eine feindliche Kolonne
machte einen Ausfall aus der Feſtung in öſtlicher Richt=
ung
, wurde jedoch vernichtet. Eine bulgariſche Ko=
lonne
iſt nach Beſetzung Waſilikos an der Schwarzen
Meer=Küſte gegen Viſa vorgerückt. Die Stadt Malo
(Tirnowo) wurde genommen.
Die türkiſchen Gefangenen erzählen, die heftige
Offenſive der Bulgaren habe die türkiſche Armee, die
unter ſchlechter Verpflegung leide und bei der ſich die
Diſziplinloſigkeit bemerkbar mache, überraſcht. Die
Türken fahren fort, die Dörfer am Struma=Ufer in Brand
zu ſtecken. Die Dörfer Gorna=Suchitza, Dolna=Suchitza,
Metſchkul, Vakanov, Kresna und andere kleine Orte ſind
bereits eingeäſchert.
* Konſtantinopel, 24. Okt. Authentiſche Infor=
mationen
beſtätigen, daß die Türken die Stadt Muſtafa
Paſcha an der Eiſenbahnlinie Adrianopel, unweit der
Grenze, geräumt haben. Die Einwohner der Stadt flüch=
teten
nach Adrianopel. Ein Teil der Armee bei Adriano=
pel
wird nach Oſten verlegt.
H. B. Stara=Zagora, 24. Okt. Der General=
ſtab
machte folgende Mitteilung: Die Bulgaren be=
ginnen
die Umklammerung Adrianopels. Ihre
Trnppen erreichten auf dem rechten Flügel den Lauf des
Arda=Fluſſes. Eine weitere Kolonne, die auf die Nord=
front
von Adrianopel angeſetzt war, ſtieß auf Widerſtand,
jedoch wurde der Ausfall der Türken abgeſchlagen. Das
Feuer der Feſtungsgeſchütze auf der Nordfront war wenig

wirkungsvoll. Gleichzeitig wurde eine weit ausholende
Bewegung zur Umgehung Kirk=Kiliſſes eingeleitet. Eine
vom Schwarzen Meer her kommende Kolonne hatte
Klein=Tirnowo paſſiert und ſoll angeblich auf Viſa, etwa
45 Kilometer öſtlich von Kirk=Kiliſſe, marſchieren, um von
dort Kirk=Kiliſſe im Rücken zu bedrohen. Weitere Mitteilun=
gen
ſprechen von ſchlechter Haltung und Diſziplinloſig=
keit
der Türken, die durch die bulgariſche Offenſive demo=
raliſiert
werden, und beklagen das Bombardement offe=
ner
Städte am Schwarzen Meer.
Vom weſtlichen und ſüdlichen Kriegsſchauplatz.
* Vrana, 24. Okt. General Jankowitſch
nahm geſtern um 3 Uhr nachmitags Novibazar nach=
erbittertem
dreitägigen Kampfe gegen die Befeſtigungen
ein. Die Verluſte ſind unbekannt.
H. B. Athen, 24. Okt. Nach der Schlacht am Paſſe
von Sarantaporos haben die Türken im Dunkel der
Nacht aus Furcht vor Umzingelung den Rückzug ange=
treten
. Das Gros des griechiſchen Heeres rückt
jetzt auf der nach Oſten führenden Straße gegen Stena=
porta
vor, eine andere Kolonne auf der Straße nach
Weſten. Bei Stenaporta werden ſich die beiden Kolon=
nen
vereinigen. Hier wird erneuter heſtiger türkiſcher
Widerſtand erwartet. Auf Grund des Belagerungszu=
ſtandes
hat die Polizei einige aufregende Extrablätter
beſchlagnahmt. Von Kreta wird gemeldet, daß engliſche
und ruſſiſche Mannſchaften gelandet und die türkiſche
Flagge wieder gehißt hätten.
* Athen, 24. Olt. Der griechiſche Gene=
raliſſimus
telegraphiert aus Khani Vigla vom
23. Oktober, 8.50 Uhr abends: Unſere Truppen verfolgten
den Feind auf allen Seiten von Cambunia bis Serfidje
und in die Ebene von Aliakmon. Die türkiſche Armee=
wurde
zerſprengt. Wir erbeuteten 22 Feldkanonen mit
Protzen, ſowie eine große Menge Munition und zahl=
reiche
Munitionswagen. General Danglis telegra=
phiert
vom 23. Oktober, 9.30 Uhr abends: Die Türken
hatten große Verluſte. Wir machten zahlreiche Gefangene,
darunter einen Oberſtleutnant. Eine Abteilung von
zwei Pataillonen, die unter dem Kommando des Pionier=
oberſtleutnants
Conſtantopulo ſtand, griff bei Wlacho
Livade zwei türkiſche Bataillone an, vernichtete ſie zum
Teil und zerſtreute den Reſt.
Letzte Nachrichten.
* Konſtantinopel, 23. Okt. 10 Uhr abends.
Die noch andauernden Kämpfe auf der Linie Kirk=
Kiliſſe -Adrianopel ſind ſehr blutig.
Nach bei dem Kriegsminiſterium eingelaufenen, jedoch
nicht verlautbarten Nachrichten ſind die beiderſeitigen
Verluſte ſehr beträchtlich. Die Zahl der Verwundeten,
die hierher geſchafft werden ſollen, iſt ſo groß, daß die
im hieſigen Militär= und Regierungshoſpital verfüg=
baren
Räume unzureichend ſind. Des Nachts wurde die
Räumung des Univerſitätsgebäudes angeordnet zur Um=
wandlung
in ein Spital.
* Konſtantinopel, 24. Okt. (Amtliche Meld=
ung
), 9,45 Uhr vormittags. Die bei Kumanowo zu=
ſammengezogene
türkiſche Weſtarmee griff die Serben
die vier Diviſionen ſtark waren, an. Die Serben wurden
unter ungeheuren Verluſten vollſtändig
geſchlagen.
* Konſtantinopel, 25. Okt. Nach weitereß=
Meldungen ſtand die ſerbiſche Hauptarmee, die von den
türkiſchen Truppen in der Gegend von Kumanowo ange=
griffen
und geſchlagen wurde, unter dem Kommando des
Kronprinzen Alexander.
* Konſtantinopel, 25. Okt. Türkiſche Blätter
melden Einzelheiten über die Kämpfe mit den ſerbiſch=
bulgariſchen
Truppen, die ſich in der Gegend von Kuma=
nowo
zu vereinigen ſuchten. Danach nahmen die Tür=
ken
vier bulgariſche und ſechs ſerbiſche Kanonen, ſowie
eine ſerbiſche Fahne weg und machten mehrere Gefan=
gene
. Der Feind floh bis Bitjatſch, 25 Kilometer nörd=
lich
von Kumanowo. Der Tanin verzeichnet ein Gerücht,
daß die Bulgaren Muſtafa Paſcha räumten.
* Belgrad, 24. Okt. (Wiener Korreſpondenz=
bureau
.) Heute nachmittag ging aus Warna folgende
amtliche Nachricht ein: Die ſerbiſchen Truppen ſind heute
in Kumanowo einmarſchiert, nachdem ein von der türki=
ſchen
Artillerie verſuchter Angriff erfolgreich zurück=
geſchlagen
worden war. Die Konſtantinopeler Meldung
über eine Niederlage der ſerbiſchen Truppen bei Kuma=
nowo
iſt demnach unrichtig.
* Sofia, 25. Okt. Wie die Agence Bulgare meldet,
haben die Bulgaren Kirk=Kiliſſe eingenommen.
* Sofia, 24. Olt. Die Agence Bulgare bezeichnet
die Depeſche der Frankfurter Zeitung, nach der die
Bulgaren bei Kirk=Kiliſſe eine Niederlage erlitten
und 3000 Tote gehabt hätten, als eine phantaſtiſche
Erfindung.
* Sofia, 24. Okt. (Reuter=Meldung.) Die Bul=
garen
machten bei der Einnahme von Kirk=Kiliſſe 50000
Mann mit zwei Paſchas zu Gefangenen.
* Sofia, 24. Okt. Ueber die Erſtürmung von
Kirk=Kiliſſe wird noch gemeldet: Die Stadt erlag dem
Anſturm der bulgariſchen Truppen. Die Bulgaren er=
beuteten
zahlreiche Trophäen und Kruppkanonen.
* Sofia, 24. Okt. Die bulgariſchen Trup=
pen
ſtehen vor Adrianopel, 58 Kilometer von
der Feſtung entfernt und verſtärken ihre Stellungen.
Nachträglichen Meldungen zufolge beträgt die Zahl der
im Kampfe bei der Ortſchaft Juruſch am rechten Ma=
ritzaufer
Gefangenen weit über 160. Die in Stara=
Zagora angelangte Gefangenentruppe beſteht aus 342
Soldaten und Unteroffizieren, einem Leutnant und einem
Hauptmann. Ein von den Türken aus Adrianopel nord=
öſtlich
unternommener Ausfall endete mit dem Rückzug der
Türken, die große Verluſte erlitten und 12 Kanonen und
18 Munitionswagen zurückließen.

Vermiſchtes.

Merkblatt für die Vertrauenss
männer in der Angeſtelltenverſicherunge
Ueber die den Vertrauensmännern aus dem Verſiche=
rungsgeſetze
für Angeſtellte erwachſenden Pflichten und
Aufgaben beſteht in den Kreiſen der an der Durchführung
des Geſetzes Beteiligten noch große Unklarheit. Das Ge=
ſetz
und die Motive laſſen zwar erkennen, daß den en=

[ ][  ][ ]

trauensmännern außer ihren Wahlfunktionen recht
viele ſchwierige und wichtige Aufgaben, wie zum Beiſpiel
bei der Ermittelung und Heranziehung Verſicherungs=
pflichtiger
, der Kontrolle der Beitragsleiſtung, bei der
Prüfung der Anträge auf Rente uſw. auferlegt werden
können, doch iſt es für den Laien kaum möglich, in dieſen
zahlreichen im Geſetz verſtreuten und ohne Zuſammen=
hang
zur Darſtellung gebrachten Vorſchriften einen Ueber=
blick
zu gewinnen. Die Detailliſtenkammer in Hamburg
hat daher bei dem Direktorium der Reichsverſicherungs=
anſtalt
für Angeſtellte angeregt, den Vertrauensmännern
in der Form eines von dem Direktorium zu veröffentlichen=
den
Merkblattes entſprechende Richtlinien für ihre Tätig=
keit
zu bieten, um auch auf dieſe Weiſe die Durchführung
des Geſetzes zu erleichtern.
* Die Kunſtanſtalt Trowitzſch u. Sohn in
Frankfurt a. O., die mit ihren höheren Zwecken immer=
fort
erfreulich wächſt, bringt jetzt eine farbige Wiedergabe
von Carl Spitzwegs anmutvoll=liebenswürdiger
Serenade auf den Kunſtmarkt. Original und Re=
produktion
ſind wahrlich einander wert. In das ent=
zückende
Gemälde, das wir aus der Münchener Schack=
Galerie kennen und lieben, hat Spitzweg allen Duft der
mondumglänzten Zaubernacht gebannt. Deutſcher Phan=
taſie
und deutſchem Künſtlerblut iſt hier eine Schöpfung
gelungen, deren feiner Stimmungsreiz immer von neuem
gefangen nimmt und die vor allem durch ihren köſtlichen
Humor ſo herrlich wie am erſten Tag wirkt. Man kennt
die reizende Situation aus dem Barbier von Sevilla‟
Daß Spitzweg nicht nur als Miniaturbildchenmaler ein=
geſchätzt
werden darf, wie man im breiten Publikum oft
meint, beweiſt ſeine Serenade ſchlagend. Das Haus
Trowitzſch u. Sohn hat die Technik des Farbendrucks mit
nimmer müdem Fleiß und Verſtändnis allmählich ſo ver=
vollkommnet
, daß man nun faſt von einer neuen Kunſt
ſſprechen darf. Bei einem Vergleiche des Spitzwegſchen
Originals mit der Trowitzſchen Nachbildung erkennt man,
wie liebevoll gewiſſenhaft, man möchte ſagen, wie an=
dächtig
jede Einzelheit wiedergegeben worden iſt. Der
grünblaue Glaſt der ſpaniſchen Nacht; Mondſchein und
Mondſcheinſchatten auf Steinen, Geſichtern, Inſtrumen=
ten
; dabei jede freundlich=kleinbürgerliche Eigenart des
Spitzwegſchen Pinſels alles finden wir auf dem Blatte
wieder. Das vorliegende Blatt iſt bei 49X64 Zentimeter
Bildgröße um 4 Zentimeter kleiner als das Original, alſo
keineswegs wie bei Spitzweg mancher annehmen
möchte als Vergrößerung anzuſprechen. Alle Kunſt=
handlungen
liefern es zum Preiſe von 25 M.

Literariſches.

Geſchichtedes Feldzuges in Rußland
im Jahre 1812. Nach dem Werke von Friedrich Ste=
ger
auf Grund der neueſten geſchichtlichen und militäri=
ſchen
Forſchungen bearbeitet von Ernſt Moraht, Kgl.
Preuß. Major a. D. Mit 100 Bildern (25 Porträts, 30
Vollbildern und 45 Einſchaltbildern), ſowie 6 Karten und
Plänen. Preis broſchiert 4 Mark, in elegantem Geſchenk=
einband
5 Mark. Verlag von Richard Hermes, Ham=
burg
. Es war eine verdienſtvolle Aufgabe des Ma=
fors
a. D. E. Moraht, des bekannten Militärſchriftſtellers
und miltiäriſchen Mitarbeiters des Berliner Tageblattes,
das vorzügliche Geſchichtswerk von Friedrich Steger über
den Feldzug von 1812 aufgrund des neuen Quellenmate=
rials
einer Neubearbeitung zu unterwerfen. Die Neu=
bearbeitung
des Buches enthält eine ſpannende und groß=
zügige
Darſtellung der Schickſale der Großen Armee. Die
fließende Form der Sprache wird unterſtützt durch ein
ausgezeichnetes Kartenmaterial und über 100 Illuſtra=
tionen
nach den beſten Zeichnungen und Gemälden erſter
zeitgenöſſiſcher moderner Künſtler, wie Albert Adam, Fa=
ber
du Faur, Vernet, Yvon, Koſſak, Papendrecht, Merte,
Kampf, Marſchall, Pott, Chelminski, Roſen, Falat u. a.
Für Offiziere, Regimentsbeliotheken, Kriegervereine,
höhere Schulen und jeden Gebildeten wird das Buch eine
wertvolle Bereicherung der Bücherſammlung bedeuten,
zumal der Preis in anbetracht der vorzüglichen Ausſtat=
tung
nur gering bemeſſen iſt.
Nationale Jugendvorträge. Heraus=
geben
von der Ortsgruppe Karlsruhe i. B. des Deutſchen
Oſtmarkenvereins. Verlag von B. G. Teubner, Leipzig
und Berlin. 3. Jahrgang, 1912. Preis bei Einzelbezug
1,20 Mk., bei Bezug von mindeſtens 25 Stück 1 Mk., bei
Bezug von mindeſtens 100 Stück 0,75 Mk. Einzelvor=
träge
je 0,40 Mk. bezw. 0,30 Mk., 0,25 Mk. Durch die in
dem ſoeben bei B. G. Teubner in Leipzig und Verlin
erſchienenen 3. Jahrgang vereinigten Nationalen
Jugendvorträge iſt, wie bisher, verſucht worden, der
heranwachſenden Jugend eine Geiſt und Gemüt zugleich
erfaſſende Einführung in das Weſen und die Lebens=
bedingungen
des deutſchen Volkes und Reiches zu geben,
um ſo mit der Einſicht in ſie auch Wunſch und Willen zu
wecken, einſt die Pflichten gegen beide treu und hin=
gebend
zu erfüllen. Den nationalen Vereinen und allen
anderen Stellen, die an der nationalen Jugenderziehung
mitarbeiten möchten, kann die Verbreitung auch dieſes
Bandes aufs wärmſte empfohlen werden.

Darmſtadt, 25. Oktober.
* Die Staatsprüfung im Baufach für die
mittleren Stellen im Staats= und Kreisdienſt wurde
am 18. und 19. I. Mts. abgehalten. Es haben ſich
nachſtehende Herren mit folgendem Ergebnis beteiligt:
H. Hitzel=Dieburg, Bauführer bei dem Kreisbauamt
Erbach, mit gut; H. Schilp=Mühlheim, Bauführer bei
dem Kreisbauamt Offenbach. mit ſehr gut; Chr. Wanne=
macher
=Erzhauſen, Bauführer in dem Baugeſchäft des
Herrn Fr. Delp in Darmſtadt, mit gut.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Eisleben, 24. Okt. In Erdeborn wurde geſtern
der Straßenmeiſter Würzburg in ſeiner Wohnung er=
ſchoſſen
aufgefunden. Im Hausflur fand man
ſeine Ehefrau mit einer ſchweren Kopfwunde. Die Frau
ſtarb am Nachmittag. Würzburg erſchlug infolge ehe=
licher
Zwiſtigkeiten ſeine Frau und verübte Selbſtmord.
* Turin, 24. Okt. Miniſterpräſident Giolitti, der
ſich zu kurzem Erholungsaufenthalt nach Cavour begibt,
wurde auf allen durchfahrenen Bahnhöfen mit großen
Ehren empfangen. Seine Ankunft in Turin veranlaßte
Kundgebungen von ungeheurer Begeiſterung. Der
Miniſterpräſident wurde mit den Rufen: Es lebe der
König! Es lebe Giolitti! Es lebe Tripolis! empfangen.
Auf dem ganzen Wege bis zum Hotel begleiteten ihn die
ſtürmiſchen Kundgebungen, die ſich ſolange fortſetzten, bis
der Miniſterpräſident auf dem Balkon des Hotels erſchien
und eine kurze Anſprache hielt.
Madrid, 24. Okt. Nachdem die Regierung die von
den Studenten vorgebrachten Beſchwerden zurückgewieſen
hat, hielten dieſe eine ſtürmiſche Verſammlung ab. 1500

Studenten veranſtalteten eine lärmende Kund=
gebung
vor der Deputiertenkammer. Die Polizei griff
die Manifeſtanten mit der blanken Waffe an. Die Stu=
denten
wollten ſich darauf nach der Puerta del Sol und
dem Miniſterium des Innern begeben, doch wurden ſie
von berittener Polizei daran gehindert und zerſtreut.
* New=York, 24. Okt. Einem Telegramm aus
Mexiko zufolge ordnete die Regierung an, daß Diaz
und die in Veracruz gefangenen aufſtändiſchen Offi=
ziere
vor einem Kriegsgericht abgeurteilt werden. Wahr=
ſcheinlich
werden alle erſchoſſen werden. Von den Solda=
ten
ſoll jeder Zehnte erſchoſſen werden. Nach einem Tele=
gramm
aus Veracruz beträgt die Zahl der in dem
geſtrigen Kampfe Getöteten und Verwundeten ungefähr
hundert. Zu der erwarteten großen Schlacht kam es
nicht. Statt deſſen herrſcht allgemeine Verwirrung. Die
Aufſtändiſchen und Bundestruppen begegneten ſich auf
den Straßen, aber keiner wußte, welcher Partei der andere
ngehörte, weil ſie gleiche Uniformen trugen.
* Rio de Janeiro, 24. Okt. Telegramme aus dem
Staate Parana melden, daß fanatiſierte Banden un=
ter
der Führung eines angeblichen Mönches die gegen
ſie ausgeſandten Polizeimannſchaften angegriffen
und den Kommandanten und mehrere Offiziere getötet
haben. Die Bundesregierung entſandte dorthin ſchleu=
nigſt
Verſtärkungen.

Briefkaſten.

H. B., hier. Ihre Kriegsberichte werden wir gerne
veröffentlichen, doch müſſen wir Ihren Namen wiſſen.
Sprechen Sie doch, bitte, einmal bei uns vor. D. R.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Die Luftdruckverteilung hat ſich ſeit geſtern nicht
weſentlich verändert. Unter dem Einfluß des weſtlichen
Tiefs herrſcht bei uns trübes, regneriſches Wetter. Die
Morgentemperaturen bewegen ſich in Deutſchland
zwiſchen 2 und 7 Niederſchläge fielen verbreitet und
oft in großen Mengen. (Breslau 15 mm.) Wir haben
unter dem zunehmenden Einfluß der Depreſſion meiſt
trübes Wetter und Regenfälle zu erwarten.
Ausſichten für Freitag, den 25. Oktober: Meiſt
trüb, Regenfälle, kühl.

Molenole
laploca

feinschmeckend.
leicht verdaulich.

Auf kaum über 1 Pfennig ſtellt ſich eine Taſſe
SANGROJEE votn
Dieſe vorzügliche und durch ihre Ausgiebigkeit im Ge=
brauch
ſo billige Teemiſchung vorzugsweiſe britiſch=
indiſcher
Teeſorten iſt zum täglichen Genuß ganz
beſonders geeignet. Das 125 Gr.=Paket 90 Pfg.
(½ Ko.=Paket Mk. 3.50). Moriz Landau, Fernſprecher 116.

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Familiennachrichten.

Todes=Anzeige

Allen Verwandten, Freunden und Be=
kannten
die traurige Mitteilung, daß heute
morgen 5 Uhr mein lieber Gatte, unſer guter
Vater, Bruder, Schwager, Onkel und Schwie=
(22255
gervater
Herr Georg Schäfer
nach längerem, mit Geduld ertragenem Leiden,
im 42. Lebensjahre ſanft verſchieden iſt.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Pauline Schäfer,
geb. Vogler,
und Kinder.
Darmſtadt, den 24. Oktober 1912.
Die Beerdigung findet am Samstag, nachmit=
tags
2½ Uhr, vom Portale des Friedhofes
aus, ſtatt.

Todes=Anzeige.
Freunden und Bekannten die traurige Nach=
richt
, daß heute morgen unſer lieber Sohn,
Bruder und Schwager
(22249
Ludwig Heudorf
im nahezu 18. Lebensjahre nach kurzem,
ſchwerem, mit Geduld ertragenem Leiden, ſanft
dem Herrn entſchlafen iſt.
Um ſtilles Beileid bitten
die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Anton Heudorf.
Darmſtadt, den 24. Oktober 1912.
Die Beerdigung findet am Samstag, nachmit=
tags
2 Uhr, von der Friedhofskapelle aus,
ſtatt.

Todes=Anzeige.
Am Dienstag, den 22. Oktober, abends um
7½ Uhr, verſchied im 24. Lebensjahre nach
langem, ſchwerem und mit großer Geduld er=
tragenem
Leiden, meine liebe Tochter, unſere
teuere Schweſter, Schwägerin, Tante u. Mutter
Elisabeth Beh, geb. Dietz
ſowie heute ihr einziges Kind Margott.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen:
Adam Dietz,
Familie Georg Joſt,
Ludwig Schmidt,
Adam Sattler,
Ludwig Dietz.
Darmſtadt, 24. Oktober 1912.
Die Beerdigung findet Freitag, den 25. Oktober,
vormittags um 11 Uhr, vom Portale des Fried=
hofes
aus, ſtatt.
(*10082

Dankſagung.
Für die wohltuenden Beweiſe herzlicher An=
teilnahme
an dem Ableben ihrer lieben Mutter,
Großmutter, Schwiegermutter, Schweſter und
Tante
(B22226
Frau
Henriette Markwort Wu.
geb. Leissler
ſprechen innigſten Dank aus
die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Viernheim u. Bergedorf b. Ham=
burg
, am 25. Oktober 1912.

Gottesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde.

Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 25. Oktober:
Vorabendgottesdienſt 5 Uhr 15 Minuten.
Samstag, den 26. Oktober:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Sabbataus=
gang
6 Uhr

Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religions=
geſellſchaft
.

Samstag, den 26. Oktober:
Vorabend 4 Uhr 45 Min. Morgens 8 Uhr. Nach=
mittags
4 Uhr. Sabbatausgang 6 Uhr-
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 27. Oktober, an:
Morgens 6 Uhr 30 Min. Nachmittags 5 Uhr.
NB.: Montag, den 28. Okt., und Donnerstag, den 31. Okt.:
T. Scheni Wachamischi.

Tageskalender.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Lutherfeſtſpiel um 7 Uhr im Saalbau.
Vortrag von Dr.=Ing. Kleinlogel um 8½ Uhr im Re=
ſtaurant
Sitte (Ortsgewerbeverein).
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23):
Der neue deutſche Botſchafter in London Fürſt von
Lichnowsky; Philippopel während der Mobilmachung;
Erſtürmung des Detſchitſch=Berges durch die Montene=
griner
; in Konſtantinopel anſäſſige Albaneſen demon=
ſtrieren
für den Krieg.
Verſteigerungskalender.
Samstag, 26. Oktober.
Hofreite=Verſteigerung des Friedr. Ballé
und Jakob Mohr (Dieburgerſtraße 96) um 10 Uhr auf
dem Ortsgericht I.

Gewerbe=Muſeum, Neckarſtraße 3. Täglich geöffnet
v. 1112½ Uhr, Sonntags v. 111 Uhr. Eintritt frei
Kunſthalle am Rheintor, geöffnet Werktags von
114 und Sonntags von 104 Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hoſbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

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einmal den bloßen Einband zu liefern imſtande wäre.
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Die Mitglieder der Photographen-Innung Darmstadt für den Kreis
Darmstadt, halten sich im Bedarfsfalle für alle photographischen Arbeiten bestens
empfohlen.
Ganz besonders zu dem bevorstehenden Weihnachtsteste machen wir darauf
aufmerksam, dass die Bestellungen recht frühzeitig gemacht werden sollten, um den
Aufträgen die nötige Sorgfalt widmen zu können.
Grosse Portraits und Vergrösserungen
sollten jetzt schon bestellt werden. Die Leistungen unserer Mitglieder sind Qualitäts-
arbeiten
, entsprechend der dafür geforderten Preise, Wie warnen das Publikum wieder-
holt
vor den Reisenden, welche Vergrösserungen zu billigen Preisen oder gratis offerieren.
Die Ateliers sind an Sonntagen geöffnet bis 4 Uhr; an den vier Sonntagen vor Weih-
nachten
von 9 bis 5 Uhr.
Die Photographen-Innung Darmstadt für den Kreis Darmstadt.
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[ ][  ][ ]

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 2 Pinſcher, 1 Foxterrier, 1 Dobermann. 1 Dobermann
(zugelaufen). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem
5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht
ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um
10 Uhr, ſtatt.
(22228

An=und Verkauf eines Ebers.

Der zur Zucht untaugliche, fette Eber aus dem Faſelſtall, Arheilger=
ſtraße
Nr. 43, ſoll veräußert werden.
Angebote hierfür ſind bis längſtens Mautag, den 28. I. Mts.,
vorm. 10 Uhr, einzureichen. Im Zimmer Nr 39 des Stadthauſes
liegen die Verkaufsbedingungen während der Dienſtſtunden zur
Einſicht offen.
Als Erſatz für dieſen Eber ſoll ein jüngeres Tier Raſſe: Deutſches
Edelſchwein beſchafft werden. Der Eber muß bereits gekört ſein,
und iſt frei in den Faſelſtall zu liefern.
Angebote hierfür ſind bis zu dem gleichen Termin einzureichen.
Darmſtadt, den 22. Oktober 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Jäger.
(22237fs

Städtiſcher Fiſchmarkt.

Beginn: 1. Oktober 1912.
Verkaufstage:
a) auf dem Marktplatz: Dienstag bis einſchl. Samstag jeder
Woche,
b) auf dem Riegerplatz: nach Bedarf, jedenfalls aber Don=
nerstag
und Freitag jeder Woche.
Die äußerſt billig geſtellten Wochenpreiſe, die unter Kontrolle
des Oberbürgermeiſters feſtgeſetzt werden, ſind an den Verkaufs=
ſtänden
angeſchrieben.
Darmſtadt, den 28. September 1912.
(20343a
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Mueller.

Städt. Fleiſch=Verkauf
Nene Markthalle im Schlachthof
und im Hauſe Kiesſtraße 21 (zwiſchen
Hoch= und Karlſtraße)
alle Wochentage von vormittags 7 Uhr an
Rindfleiſch (alle Stücke) p. Pfund 82 Pfg.
Schweinefleiſch per Pfund 88 Pfg.
Kotelettſtücke. . per Pfund 90 Pfg.

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1 Spiegelſchrank in Altmahagoni,
2 Kommoden in Altmahagoni, innen Eichen,
2 zweitürige Kleiderſchränke,
1 Brandkiſte,
1 engliſches Büfett,
1 eichener Tiſch für Herrenzimmer,
1 Damenſchreibtiſch.
Einzuſehen Donnerstag, den 24. Oktober, Freitag, den
25. Oktober und Samstag, den 26. Oktober, von 1112 Uhr,
Landwehrſtraße 31, Hintergebäude parterre.
(22141df

Laubſtreu-Verſteigerung.

Dienstag, 29. Oktober I. J., morgens 10 Uhr, wird bei
Wirt Heberer in Meſſel das Laub von Wegen und Schneiſen und
einigen Abtriebsflächen im Domanialwald verſteigert. (22214
Auskunft durch die Forſtwarte.
Meſſeler Forſthaus, 22. Oktober 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Meſſel.
Schlag.

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(22207fi.
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Seriöse Raterteilung in allen die Belegung von Kapitalien betreffenden Fragen.

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Der Verkauf der Konkursmaſſe J. Hachenburger jr. wird in den Geſchäftslokalen
Rheinstrasse 7 u. Karlstrasse 115
(neben der Merck’ſchen Apotheke)
(neben der Beſſunger Apotheke)
fortgeſetzt.
Die Preise sind nochmals ermässigt. 385
Es befinden ſich noch am Lager:
Kurzwaren aller Art, Korſetts, Korſettſchoner, durchbr. und glatte
Strümpfe, ſeidene Ananas=Tücher, Echarpes, Handſchuhe, farbige
Taſchentücher, ſchwarze Schürzen, Zierſchürzen, Häkelſeide, Wäſche=
borden
ſchmal und breit, farbige Wolle und Baumwolle, Garne ꝛc. ꝛc.
Herren=Kragen, Manſchetten, Vorhemden, Maccohemden, Kra=
watten
, Hoſenträger, Socken ꝛc. ꝛc.
Kinderjäckchen, Ruſſenkittel, Leibchen, Hauben, Sweaters, Schür=
zen
, ſchwarz und farbig, Söckchen ꝛc. ꝛc.
Darmſtadt, den 25. September 1912.
(21981if
Karl Dechert, Konkursverwalter.

Bekanntmachung.

Die am 22. ds. Mts. abgehaltene
Laubverſteigerung iſt genehmigt.
Die Abfuhrſcheine können vom
1. November an bei den Kaſſen
(22229
abgeholt werden.
Ober=Ramſtadt, 23. Oktober 1912.
Großherzogliche Oberförſterei
Ober=Ramſtadt.
Daab.

Bekanntmachung.

Freitag, 15. November 1912,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die dem abweſenden Philipp
von der Schmidt im Grundbuche
für die Gemarkung Beſſungen zu=
geſchriebenen
Liegenſchaften:
Flur Nr. qm
II 412/¾/10 27 Bauplatz Martin=
ſtraße
,
II 487¾/10 36 Bauplatzdaſelbſt,
in unſerem Geſchäftszimmer,
Wittmannſtraße 1, zwangsweiſe
verſteigert werden.
Darmſtadt, 24. September 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen).
Frantz. (VI22210

Säge= und Holzbearbeitungs=
Maſchinen=Verkauf.
Der Unterzeichnete verkauft am
Samstag, den 26. Oktober er.,
von morgens 9 Uhr ab,
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Adolfſtraße 44:
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1 Walzenvollgatter 1000 mm
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1 vierſeitige Hobelmaſchine,
1 große Bauholzkreisſäge mit
Lauftiſch,
2 Tiſchfräſen,
1 Bohr= und Stemmaſchine,
1 automat. Sägenſcharfmaſchine,
Meſſerſchleifmaſchine,
1 Dichtenhobelmaſchine 700 mm,
1 Spähne=Abſauge=Anlage,
1 Dampfanlage 6080 P. S., mit
Kondenſation, Keſſel (8 Atm.)
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Kurſe vom 24. Oktober 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Zf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 99,90
3½ Deutſche Reichsanl. . 88,50
78,20
do.
3
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99,80
3½ do. Conſols . . . 88,50
78,30
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 99,50
92,80
do.
3½
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,00
87,20
do.
3½
do.
3
4 Hamburger Staatsanl. 99,20
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99,50
4 do. do. (unk. 1918) 99,50
do.
87,10
3½
3
do.
76,60
3 Sächſiſche Rente.
78,90
4 Württemberger v. 1907 99,60
3½
do. v. 1875 94,50
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887 . . 49,50
3¾ Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 88,10
4 do. Goldrente .
91,90
4 do. einheitl. Rente 84,40
3 Portug. unif. Serie I
3 do. unif. Ser. III 66,00
3 do. Spezial . . ..
5 Rumänier v. 1903 . . 98,50
4 do. v. 1890 . . 92,00
4 do. v. 1905 . . 87,80
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 86,70
4 do. v. 1902
86,60
4½ do. v. 1905 . . . .100,00
3½ Schweden . .
4 Serbier amort. v. 1895 70,00
4 Türk. Admin. v. 1903 77,25
4 Türk. unifiz. v. 1903 80,50
4 Ungar. Goldrente . . . 87,70
A do. Staatsrente. . . 85,30

In Proz.
Zf.
.100,30
Argentinier .
2
do.
85,80
4½ Chile Gold=Anleihe.
5 Chineſ. Staatsanleihe . 99,50
4½
do.
4½ Japaner . . . . . . . 92,90
5 Innere Mexikaner . . . 90,00
3
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,50
5 Gold=Mexikaner . . . . 99,00
3 Buenos Aires Provinz 68,30
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 148,70
5 Nordd. Lloyd . . . . . 117,00
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 124,90
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 105,75
8 Baltimore und Ohio . 105½
6½ Schantungbahn . . . 123,25
6" Luxemb. Prince Henri
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 19,00
6 Pennſylvania R. R. .
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger . . 66,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
.. 511,00
Fabrik .
14 Chem. Fabrik Gries=
heim

.245,75
30 Farbwerke Höchſt . . 611,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim .
.343,00
10 Cement Heidelberg . . 147,30
30 Chem. Werke Albert 450,50
12½ Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . .
.316,25
4 Lahmeyer . . . . . . . 119.00

Iubrar.
Letzte
Divid.
7½Schuchert, Nürnberg 146,75
12 Siemens & Halske .222,75
5 Bergmann Electr. . . 124,00
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 157,20
0 Gummi Peter . . . . 102,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 101,00
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . 581,50
10 Maſchinenf. Badenia 174,50
6 Wittener Stahlröhren 204,00
8 Steana Romana Petr. 140,70
15 Zellſtoff Waldhof . . 232,00
12½ Bad. Zucker= Wag=
häuſel
. . . . . . . 200,25
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 105,00
3 Südd. Immobilien .
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 180,40
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 227½
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 170,00
10 Gelſenkirchener . . . . 188,25
8 Harpener .
.186,75
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . 269,00
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
82,50
Caro. . . . .
4 Laurahütte . . . . . . 166,50
10 Kaliwerke Aſchersleben
Weſteregeln 210,50
7½ South Weſt Africa
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ.
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 100,00
4 Eliſabethbahn, freie . . 92,80
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 87,70
74,60
3 Prag=Duxer . .
5 Oeſterr. Staatsbahn . 102,50
4 Oeſterr. Staatsbahn . 93,00
do.
76,40
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 97,75
4
do.

Inpros
2¾/10 Oeſt. Sübb. (Lomb.) 51,25
76,70
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 85,50
4½ Moskau=Kaſan . . . 95,30
do.
87,10
4 Wladichawchas . . . .
4 Rjäſan Koslow . . . . 86,00
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 74,30
do.
2¼/10 Livorneſer . .
69,30
3 Salonique=Monaſtir . 60,10
4 Bagdadbahn . . . . . . 80,30
4½ Anatoliſche Eifenb.. 94,90
4 Miſſouri=Paciſic.
72,90
4 Northern=Pacific
99,50
4 Southern=Pacific
94,00
5 St. Louis und San
Francisco. . . . . 84,90
5 Tehuantepec . . . . . . 96,20
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 180,40
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn . .
147,60
9½ Berlin. Handelsgef. . 163,30
6½ Darmſtädter Bank . 119,75
12½ Deutſche Bank . . . 246,60
6 Deutſche Vereinsbank . 121,80
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 114,50
10 Diskonto=Kommandit 181,40
8½ Dresdener Bank . . 151,20
9½ Frankf. Hypoth.=B. 211,80
6½ Mitteld. Kreditbank 116,80
7 Nationalb. für Deutſchl. 120½
7 Pfälziſche Bank . . . . 126,50
5.86 Reichsbank . . . . . 134,00
7 Rhein. Kreditbank. . . 133,40
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 116,90
Wiener Bankverein . 125,00
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21. . . . . . . 99,00

Iußrnt.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . 88,30
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S.52 . . .
98,80
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 98,50
3½
do.
87,50
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,70
3½
do.
88,00
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16 .
99,40
S. 14, 15, 17, 24/26
1823.
99,50
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
-S. 1 u. 2, 68
88,00
S. 35
87,80
S. 911
87,90
4 Meininger H
98,50
3½
do,
87,40
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 97,20
31) do. (unk. 1914) . . 87,70
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,50
do.
3½
87,30
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . . . . 98,00
3½ do.
88,70
4 Frankfurt..
99,80
do.
94,50
4 Gießen .
do.
88,50
4 Heidelberg
97,60
do.
88,00
4 Karlsruhe
97,50
do.
88,30
4 Magdeburg.
3½ do.
4 Mainz .
98,80
89,00
do.
Mannheim
97,40
do.
München .
.100,2
Nauheim
99,90
Nürnberg.
do.
4 Offenbach .

In Proz
3½ Offenbach . . . . .
4 Wiesbaden . . . . 4
3½ do.
89,30
4 Worms .
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888 75,20
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . Tlr. 109 171,00
Cöln=Mindner 100 134,00
3 Holl. Komm. . fl. 100 109,00
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 136,50
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 173,00
3 Oldenburger . .
2½ Raab=Grazer fl. 155
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 204,00
Fs. 15
Freiburger .
Fs. 45
Mailänder
Fs. 10
do.
ſl. 7
Meininger .
Oeſterreicher v. 1864fl. 100 517,00
do. v. 1858fl. 100 438,00
Ungar. Staats . . fl. 100 370,20
Benediger . . . . Js. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 153,60
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,47
20 Franks=Stücke . . . . 16,22
Amerikaniſche Noten . . . 4,20
Engliſche Noten . . .
20,48
Franzöſiſche Noten. .
81,35
Holländiſche Noten. . . . 169,75
Italieniſche Noten .
80,60
Oeſterr.=Ungariſche Notes 84,70
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,90
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Jamilie Heerſen.
Roman von Sidonie Judeich=Mierswa.
(Nachdruck verboten.)
55)

Endlich war ſie fertig. Wie erlöſt atmete ſie auf, als
ihr die Garderobiere den hellen, pelzgefütterten Mantel
über die Schultern legte und ſie ſorglich einhüllte. Chriſta
hatte gleich mit offenem Mantel hinauseilen wollen.
Jotte doch, erkälten Sie ſich man nich, Fräulein, ſagte
die ſchon ältliche Frau und begleitete ſie hinaus bis an
die Droſchke, die dort ſchon wartend ſtand.
J, wo werd’ ich denn! Sie wiſſen doch, Klaren,
morgen muß ich die Maria mimen! Nun, und nichts
für ungut, wenn ich vorhin etwas heftig war. Chriſta
ließ ein Goldſtück in ihre Hand gleiten.
Nich de Bohne! Ich hab’s nicht übel jenommen,
Fräuleinchen! Ick kenn doch den Rummel. So was
jeht auf de Nerven. Einfach jöttlich haben Sie die Jung=
frau
hinjelejt: Ne, ne, machen Se ſich nur keene Je=
danken
wegen mich und verleben Sie den Abend recht
verjnüjt und ſcheen!
Ja, das will ich auch! Beinah’ jubelnd kam es von
Chriſtas Lippen. Aber es kam ganz anders, als ſie ge=
dacht
hatte!
Als ſie in der Traube wohin man ſich verabredet
hatte, ankam, waren alle ſchon vollzählig verſammelt
und begrüßten ſie fröhlich, Von allen Seiten ward ſie
überſchüttet mit Glückwünſchen zu dem Erfolg des heu=
tigen
Abends, und beinahe überſchwenglich war das Lob,
das ihr von manchem geſpendet wurde,

Ais ſeſte den ilen en Feir Geiſier un ſe ſerm=
Er ſah ſehr ernſt aus und war auffallend blaß.
Fräulein Chriſta, Sie ſind eine große Künſtlerin
geworden, eine von denen, die man gottbegnadet nennen
darf. Langſam, jedes Wort ſcharf betonend, ſagte er es.
Dann beugte er ſich über ihre Hand und küßte ſie.
Chriſta zuckte zuſammen. Beinahe weh taten ihr
ſeine Worte und weh dieſer Kuß auf ihrer Hand. Wohl
ſprach eine grenzenloſe Bewunderung, eine tiefe Aner=
kennung
, ja ein feierliches Sich=Beugen vor ihrem Kön=
nen
aus den Worten Peter Geißlers, die ſie von jedem
anderen mit freudigem Stolz erfüllt hätten. Aber aus
ſeinem Munde hatte ſie anderes zu hören gehofft. Da
hätte es mit hindurchklingen müſſen wie jubelnde Freude:
So, ſo biſt Du geworden! Es hätte in ſeinem Worte et=
was
Pulſieren müſſen von dem, was ſein Herz verſprach.
Und anders, ganz anders hatte dann auch ſein Handkuß
ſein müſſen. Ihre ſtrahlende Siegeslaune war mit
einemmal geſchwunden.
Der ganze weitere Verlauf des Abends gab ihr die
ſchmerzliche Gewißheit, daß der ſie ſo beglückende Er=
folg
dieſes Abends ſie Peter Geißler nicht näher gebracht,
ſondern ferner gerückt hatte. Warum begriff ſie nicht.
Ueberhaupt verſtand ſie ſein Benehmen immer weniger.
Wohl hatte ſie ſich ihm ausſchließlich gewidmet, und ihre
Unterhaltung hatte nicht einen Augenblick geſtockt, aber
es war ihr dabei immer zumute, als weilten ſeine Ge=
danken
ganz wo anders. Alle anderen merkten nichts da=
von
; ſie ſah ſchärfer. Gewiß, er gab ſich fröhlich, lachte,
ſprach und neckte ſie mit ihr und allen. Aber es war
eine erzwungene Luſtigkeit, eine angenommene Lebhaftig=

keit in ſeinem ganzen Weſen. Trotz allem Unverſtan=
denen
hatte doch immer ein ſeeliſcher Kontakt zwiſchen
ihnen beſtanden. Und dieſer fehlte heute zum erſten
Male. Das tat ihr bitter weh. Aber ſie nahm ſich zu=
ſammen
; es merkte ihr niemand an, daß ſie da, wo ſie
lachte, lieber geweint hätte.
Schon meinte ſie, daß ſie die mühſam bewahrte
Selbſtbeherrſchung nicht mehr lange würde aufrechterhal=
ten
können, da zuckte mit einemmal ein Gedanke in ihr
auf, an den ſich ihr Hoffen, kaum daß ſie ihn gedacht
hatte, von neuem feſtklammerte. Ja, ſo mußte es gehen!
Mit der Macht ihrer Liebe wollte ſie Peter Geißler zwin=
gen
, die Maske kühler Bewunderung abzuwerfen, unter
der er ſeine wahren Gefühle verbarg; er ſollte nicht die
gefeierte Künſtlerin in ihr ſehen, ſondern mur Ehriſta
Leerſen, die er doch liebte!
Fortan beachtete ſie nicht mehr das Fehlen jener
offenen Herzlichkeit, die ſonſt aus allen ſeinen Worten
ihr entgegengeklungen hatte, ſie ſtellte ſich, als ſähe ſie
nicht das leiſe Zurückweichen vor ihr und das ſcheue Ab=
wenden
ſeiner Blicke. Ganz wie ſonſt gab ſie ſich ihm
gegenüber, ja noch etwas weicher und herzlicher. Nie in
ihrem Leben war ſie kokett und gefallſüchtig geweſen,
nie berechnend in ihren Worten und in ihrem Tun. Heute
abend aber kannte ſie kein anderes Ziel, als Peter
Geißler zu gefallen. Etwas Feindliches in ihm mußte
ſie niederringen, beſiegen! Und nach und nach fühlte ſie
bereits mit innerem Frohlocken, wie dieſe feindliche Macht,
die in ihm war, ſchwächer und ſchwächer wurde! Da,
plötzlich und unmotiviert, unterbrach Peter Geißler die
Unterhaltung und ſtand auf. Heftige Kopfſchmerzen vor=

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ſchützend ſein bleiches, beinahe verſtörtes Ausſehen
ſtrafte ihn nicht Lügen , verabſchiedete er ſich von der
ob ſeines raſchen Aufbruchs verwunderten Tafelrunde.
Schweigend reichte ihm Chriſta die Hand. Sie
wünſchte ihm nicht, wie die anderen, gute Beſſerung,
denn ſie glaubte nicht an dieſe Kopfſchmerzen! Es
war etwas anderes, das ihn forttrieb, und ſie fühlte es,
beinahe verzweifelt, daß ſie keine Macht mehr beſaß, ihn
zu halten.
Peter Geißler aber ging nicht, wie er geſagt hatte,
in ſein Hotel, das er einſtweilen bezogen hatte. Ruhe=
los
irrte er, trotz des Regens, der ihm, untermiſcht mit
Schnee, ins Geſicht ſtiebte, durch die nächtlichen Straßen.
Schier übermächtig war der Zauber, den das von
ihm ſo heiß geliebte Weib auf ihn ausübte, geweſen.
Und doch, er durfte nicht unterliegen! Jetzt nicht mehr!
Was warnend ihm ſein Verſtand immer und immer wie=
der
zugerufen hatte, und was ihm das Geſtändnis ſeiner
Liebe nicht über die Lippen hatte kommen laſſen, es war
ihm heute abend ſchmerzlich klar geworden, als er Chriſta
Leerſen auf der Bühne geſehen und ihren Erfolg mit=
erlebt
hatte. Er durfte ſeine Hände nicht nach ihr aus=
ſtrecken
! Sie, die Gefeierte, vom Beifall der Menge Ver=
wöhnte
, ſie würde an einem ſtillen Leben an ſeiner Seite
kein Genügen mehr finden. Er würde das Weib, das er
liebte, unglücklich machen, wenn er das von ihr verlangte.
Denn trotz ſeiner namenloſen Liebe zu ihr, das fühlte er,
oder gerade darum, würde er es niemals ertragen kön=
nen
, ſie angeſtarrt von tauſend Augen, Abend für Abend
auf der Bühne zu wiſſen. Ihm, ihm ganz allein ſollte ſie
angehören, mit all ihrem Sinnen, all ihrem Empfinden
und mit nichts, nichts wollte er ſie teilen, auch mit
ihrer Kunſt nicht!
Er hatte im ſtillen ſogar gehofft, daß Chriſtas Talent,
ihr Können kein ſo großes, ſo über den Rahmen der Mit=

telmäßigkeit hinausragendes ſein würde. Dann hätte er
glückſelig ſeine Arme ausgebreitet und ſie an ſeine Bruſt
genommen: Hier, hier allein iſt Dein Platz, hätte er
geſagt. Nicht in die bunte Welt des Scheines gehörſt
Du, ſondern an das Herz des Mannes, der Dich liebt.
Das durfte er aher jetzt nicht mehr ſagen. Sie war eine
Künſtlerin, eine große Künſtlerin, eine, von der die Welt
Großes erwartete. Da mußte er ſich beſcheiden! Durch
hre Kunſt gehörte ſie der Allgemeinheit.
Abermals tat ſich ſo zwiſchen ihnen eine Kluft auf,
groß, weit, gähnend und dieſes Mal unüberbrückbar!
Dieſe Erkenntnis machte ihn mit einem Male bettelarm
und nahm ſeinem Daſein allen Wert. Brennend heiß
fühlte er es in ſeinen Augen emporſteigen, und nur die
verſchwiegene Nacht ſah die Tränen eines unglücklichen
Mannes, der all ſein Lebensglück in Trümmer gehen
ſah.
Die Kritiken, die die Blätter in den nächſten Tagen
über den neu einſtudierten Schillerzyklus brachten, waren
für Chriſta einfach glänzend. Uebereinſtimmend ſprachen
ſie es aus, daß Chriſta Franz eine der wenigen
Berufenen in ihrer Kunſt ſei.
In Chriſtas Herzen aber kam, als ſie das alles las,
keine rechte Freude auf. Selbſt Ada und Joachim fanden,
daß ſie ſeltſam kühl blieb. Sie, die ſonſt ſo ſtrahlend glück=
lich
über jedes Lob und jede Anerkennung geweſen war,
die ihr dann einen neuen Anſporn zum Weiterſchaffen
gegeben hatten, legte auf einmal ihrem letzten und augen=
ſcheinlich
größeren Erfolg wenig Wert bei. Ja als in den
nächſten Tagen der Theaterdiener eine neue Rolle, die ſie
bisher noch nicht geſpielt hatte, abgab, machte auch das
auf ſie wenig Eindruck. Geradezu unfaßlich aber ſchien
es Ada, daß ſie einen Engagementsantrag des König=
lichen
Schauſpielhauſes, der ihr glänzende Bedingungen
bot, beinahe gleichgültig mit den Worten, ſie wolle es
ſich noch überlegen, beiſeite legte.

Ada tauſchte mit Joachim einen verſtändnisvollen
Blick. Dieſer ſchien doch recht gehabt zu haben mit ſeiner
Erklärung über Chriſtas auffälliges Benehmen, das er
mit dem neulichen plötzlichen Aufbruch Peter Geißlers
aus der Traube in Zuſammenhang brachte. Ihr war
das an jenem Abend nicht beſonders aufgefallen, aber
ſie konnte es ſich auch andererſeits nicht erklären, was es
zwiſchen den beiden gegeben haben könnte!
Als Joachim tags darauf Peter Geißler in ſeinem
Hotel aufgeſucht hatte, um ſich nach ſeinem Befinden zu
erkundigen, war dieſer ganz verlegen geweſen und hatte
allerlei ungereimtes Zeug hervorgebracht. Schließlich
hatte er, ganz der alte Peter von einſt, wütend geſagt:
ihm fehle überhaupt nichts, aber die ganze Welt ſei ein
Jammertal, alle Männer ſeien Eſel und alle Weiber
müſſe man ins Meer ſchmeißen und ertränken. Im übri=
gen
habe er raſend viel zu tun und Joachim ſolle ihn bei
Frau und Schweſter entſchuldigen, wenn er in den näch=
ſten
Tagen nicht bei ihnen vorſpräche. Die Ausſtellung
ſeiner Bilder, eine Menge Beſuche, die er ſeiner verdamm=
ten
Profeſſur wegen machen müſſe, und zuletzt die Suche
nach einem paſſenden Atelier nehme ſeine Zeit in Au=
ſpruch
.
Ausflüchte, nichts als Ausflüchte! dachte Chriſta
ſchmerzlich bewegt, als ſie dieſe Worte hörte. Er will
mich nicht ſehen, will mir aus dem Wege gehen. Das iſt
alles.
Und wiederum ſpann ſie ſich in Gedanken ein, warum
und weshalb. Sie ſann, grübelte, forſchte, jedes Wort,
das ſie mit ihm ſeit ſeiner Heimkehr gewechſelt hatte,
ſich ins Gedächtnis zurückrufend. Sie kam immer wieder=
darauf
zurück; es gab nur eins, was Peter Geißlers Ben
nehmen erklärlich machte ihr Beruf.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Kirſchk.=

GESANGVEREIN LEDERZWElG
Prot.: J. K. H. Großherzogin Eleonore v. Hessen:: 58. Vereinsj.

Samstag, den 26. Okt., abends 9 Uhr
im Festsaale d. Turngemeinde, Woogspi.
Herbst Ronzerr Int Kant
Mitwirkende: Frl. PAULA MANECKE, Herr FREDT
WIENER, Herr Hofmusiker WILHELM MANECKE,
Herr Musikdirektor MARTIN KLASSERT
Leitung: Herr Kammermusiker F. BRÜcKMANN
Fremdenkarten z. Konzert 50 Pf. à Person
Unsere Mitglieder, sowie Freunde und Gönner des
Vereins werden hiermit freundlichst eingeladen. Die
Mitglieder werden gebeten, ihre Personalkarten an
der Kasse vorzuzeigen.
DER VORSTAND.

Sonntag, den 27. Oktober
Nachfeier in Braunshardt. bei Mitglied SchuckMlANT.
Abmarsch punkt 2 Uhr von der Johanneskirche.

Rehkel

des Hessischen Reitervereins, am Sonntag, den
27. Oktober 1912, nachmittags 2 Uhr auf dem
Griesheimer Truppenübungsplatz. (Zugang zum
Rennplatz vom Barackenlager aus.)
I. Griesheimer-Jägdrennen
(Ehrenpreise je nach Beteiligung)
II. Reitpferd-Jagdrennen
(Ehrenpreise je nach Beteiligung)
III. Jagdspring-Konkurrenz
(Ehrenpreise je nach Beteiligung)
IV. Weiterstädter-Jagdrennen
EEhrenpreise gestiftet von den Freunden des Sports aus Frank-
furt
a. M. Weitere Ehrenpreise je nach Beteiligung)
V. Jagd mit Auslauf.
(Ehrenpreise je nach Beteiligung)
Jkonzert u. Restaurat. auf d. Rennplatz. Gedeck. Tribüne.
Eintritts- und Mitgliedskarten sind sichtbar zu tragen.
KKartenvorverkauf: 1. bei Herrn Hugo de Waal, Rheinstr. 14,
2. bei Herrn W. Pfeil, Elisabethenstr. 5, 3. auf dem Ver-
kehrsbureau
(Ernst=Ludwigsplatz), 4. bei Herrn Richard
Schwab, Friseur, Riedeselstr. 56, 5. auf dem Geschäfts-
zimmer
der 25. Kavallerie-Brigade, Sandstr. 42.
Preise der Plütze: I. Tribüne (Zutritt zum Sattelplatz) Mk. 3.
II. Tribüne Mk. 1.50, Reservierter Platz Mk. .50, Wagen-
und Reiterkarten Mk. 3.
(Im Vorverkauf sind Karten für reservierten Platz für 40 Pfennig
erhältlich).
Der Vorstand des Hessischen Reitervereins.
Ein fahrplanmässiger Zug der Dampfstrassenbahn fährt um
1 Uhr mittags am Schlossplatz ab nach dem Griesheimer Lager.
Für eine reichliche Anzahl Wagen zur Benutzung ist seitens der
Hessischen Eisenbahn-Aktiengesellschaft gesorgt.
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Im grossen Saale des
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von Dr. Otto Devrient.

Aufführung
Freitag, den 25. Oktober, abends 7

Uhr.

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Oktober-Programm.
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Sonntag, den 27. Oktober, abends 7 Uhr.

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Tannenſtraße 37, 2. Stock.

Aufführung

Dienstag, den 29. Oktober, abends 7 Uhr.
Karten zu 4. 3, 2, 1 M. u. 60 Pf., Texibücher zu 1 M.,
sowie Programme zu 20 Pf. in der Buchhandlung von Johs. Waitz,
Elisabethenstrasse 16 und abends an der Kasse.
(22232.
Wir laden zu recht zahlreichem Besuche herzlich ein
Der Festspiel-Ausschuss.
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Jeden Mittwoch u. Samstag
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Eintritt 25 Pfg. 10 Abonnementskarten zu
Mk. 1.50 ſind zu haben im Verkehrsbureau und an der Kaſſe. (B2147g

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Freitag, den 25. Oktober 1912, abends 8½ Uhr,
im Reſtaurant Sitte (gelber Saal), Karlſtraße
I. Winter=Verſammlung.
Vortrag mit Lichtbildern
des Herrn Dr. ing. A. Kleinlogel,
Privatdozent an der Techniſchen Hochſchule,
über:
Die Bedeutung des Eiſenbetons im heutigen Bauweſen.
Wir laden hierzu unſere Mitglieder ergebenſt ein. Gäſte gern
(22073mf
willkommen.
Der Vorstand.
Jugendgruppe
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des
Allgemeinen Deutſchen Frauen=Vereins
(Ortsgruppe Darmſtadt.)
Im zweiten Stockwerk links des
Schulgebändes hinter der Stadtkirche
(Feuerwachlokal) iſt ein
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eingerichtet worden, das jeden Mittwoch und Samstag, nachmite
tags von 36 Uhr, unentgeltlich geöffnet wird. Eine ſchöne Kinder=
und Jugendbücherei iſt vorhanden und ſind alle Kinder, Knaben und
Mädchen, die leſen können und wollen, herzlich willkommen.
Allen denjenigen, die durch Bücher= und Geldſpenden zur
Gründung des Kinderleſezimmers beigetragen haben, herzlichſten Dank!
Weitere Bücher und Geldſpenden nehmen jederzeit dankbar
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. Muff wird von alt. Pelz,
) Plüſch, Samt, Seide bill. angef.
21457a) Ludwigsplatz 8, Vdhs. III.

Kleganter Gaslüſter, tadellos
erh., 4flammig, billig abzug.
(*10016)
Annaſtraße 23.

[ ][  ]

Man
abonniert
auf das
Darmſtädter Tagblatt
außerhalb Darmſtadt bei jeder Poſtanſtalt
und bei jedem Briefträger, außerdem
in Alsbach . . . . . bei Herrn Lorenz Zahnweh,
Hauptſtraße 145
Frau H. Anthes X., Waldſtr.
Arheilgen
Herrn Guſt. Jährling, Bach=
Auerbach
gaſſe 83.
Herrn Peter Aßmus III.,
Bickenbach.
Hartenauerſtraße
Frau M. Gabel, Wilhelmſtr.
Eberſtadt
Herrn Jacob L. Petri,
Erfelden .
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Herrn Ludw. Roth, Makler
Eſchollbrücken
Herrn Pet. Jackelen, Darm=
Griesheim.
ſtädter Chauſſee 27
Groß=Zimmern Herrn Joh. Reinhardt VI.
Herrn Polizeidiener Caspari
Hahn b. Pfungſt.
Frau Bohrer, Bogengaſſe 4
Heppenheim. .
Herrn Peter Keil, Invalide
Jugenheim .
Nied.=Beerbach Herrn Georg Eßinger I.,
Raſiergeſchäft
Nied.=Ramſtadt Herrn J. Oehlſchläger
Frau Eliſe Dietrich
Ober=Ramſtadt
Herrn Karl Grünig IV.,
Pfungſtadt . . .
Bahnhofſtraße
Herrn Jacob Mitz
Seeheim . .
Schneppenhauſen Herrn Heinrich Schroth,
Keſſelſchmied
Herrn Adam Mahr, Schuh=
Traiſa
macher
Herrn Johann Mathias,
Weinheim.
Invalide, Nordſtraße 19
Herrn Carl Böhm, Darm=
Weiterſtadt
ſtädterſtraße
Herrn Wilhelm Deucker,
Wixhauſen
Invalide
Frau Friebeling, Wieſen=
Zwingenberg . .
ſtraße 10.

Die Zentralanſtalt für Arbeits= und
Wohnungsnachweis in Darmſtadt.

Ihre Organiſation und Entwicklung.
Bearbeitet vom Sekretär des Ausſchuſſes L. Schrauth.
(Fortſetzung.)
II. Im Beſonderen. Einzelne Vermittlungszweige.
a) Landwirtſchafftliche Arbeiter.
Schon in der Genralverſammlung am 21. Juli 1895
wurde der Plan gefaßt, auch die Vermittlung landwirt=
ſchaftlicher
Arbeiter zu übernehmen. Man hielt es für
vorteilhaft, eine Verbindung mit den landwirtſchaftlichen
Vereinen anzuſtreben. In der Folge gelang es der An=
ſtalt
, wenn auch nicht in gewünſchtem Umfange, hin und
wieder Arbeitſuchende in landwirtſchaftlichen Betrieben
unterzubringen. Die Bemühungen der Anſtalt wurden
jedoch durch nennenswerte Erfolge nicht belohnt. Im
Jahre 1908 wurde der Heſſiſchen Landwirtſchaftskammer
die Vermittlung inländiſcher landwirtſchaftlicher Arbeiter
ausdrücklich zugeſagt. Es fehlte aber auch weiterhin
an Meldungen offener Stellen. Die Anſtalt war und iſt
ſtets in der Lage, geeignetes Perſonal für landwirtſchaft=
liche
Stellen zu empfehlen. Die ſtändige Verbindung mit
den landwirtſchaftlichen Vereinen wurde ſeither nicht er=
reicht
. Neuerdings iſt die Anſtalt wieder an die Heſſiſche
Landwirtſchaftskammer herangetreten mit dem Erſuchen,
ſich bei Vermittlung landwirtſchaftlichen Arbeitsperſo=
nals
, im Intereſſe der Erſtarkung des heimiſchen Arbeits=
marktes
, ihrer Hilfe zu bedienen.
b) Wanderarbeiter.
Schon vor Gründung der Anſtalt hatte ſich die hie=
ſige
Naturalverpflegungsſtation (eingerichtet am 15. Okto=
ber
1885) mit der Vermittlung von Arbeitern und Arbeits=
gelegenheit
befaßt. Sie wurde aber in dieſer Beziehung
wenig in Anſpruch genommen. Auch die ſeit Anfang der
1870er Jahre beſtehende Herberge zur Heimat (bis An=
ſang
der 1880er Jahre im Hauſe Eliſabethenſtraße 48,
von da an im Hauſe Große Ochſengaſſe 8) beteiligte ſich
an dem Ausgleich von Arbeitsangebot und Nachfrage.
Von 1898 an überſandte die Anſtalt, im Einverſtändnis
mit dem Großherzoglichen Polizeiamt, der Naturalver=
pflegungsſtation
täglich ein Verzeichnis der offenen Stel=
len
, damit Durchreiſende direkt in ſolche Stellen eingewieſen
werden konnten. Von der Lostrennung der Station vom
II. Polizei=Revier und ihrer Verlegung in das Gebäude
der Herberge zur Heimat an (1. Juli 1902), wurde dieſe
Uebung nicht mehr gehandhabt. Die Herberge zur Hei=
mat
machte jetzt ihren Arbeitsnachweis auch den Gäſten
der Station dienſtbar. Zwiſchen dieſer Vermittlungs=
ſtelle
und der Anſtalt beſtanden immer gute Wechſelbe=
ziehungen
. Als die Provinz Starkenburg im Jahre 1910
an die Reorganiſation der Naturalverpflegungsſtationen
herantrat, wurde der bisher rein privat und im Stillen
betriebene Nachweis der Herberge zur Heimat amtlich
zum Arbeitsnachweis der hieſigen Naturalverpflegungs=
ſtation
beſtellt. Er iſt damit zur öffentlichen Einrichtung

geworden und jetzt auch dem Mitteldeutſchen Arbeitsnach=
weisverband
angegliedert. In ſeinem bisherigen Ver=
hältnis
zu der Anſtalt iſt dadurch eine Aenderung nicht
eingetreten. Er vermittelt in Darmſtadt hauptſächlich nur
vorübergehende Arbeitsgelegenheiten, die bei der Anſtalt
in der Regel nicht gemeldet werden. Durch das preußiſche
Wanderarbeitsſtättengeſetz und infolge der Reorganiſa=
tion
der Verpflegungsſtationen der Wanderer im Groß=
herzogtum
Heſſen hat ſich eine beſonders große Inan=
ſpruchnahme
der Anſtalt bemerkbar gemacht. Da in den
Verpflegungsſtationen bekanntlach ſehr ſcharf nach den
Legitimationspapieren geſehen wird, ſo ſuchen alle mit
Wanderſcheinen verſehene Arbeiter, wenn ihnen paſſende
Beſchäftigung nicht nachgewieſen werden kann, um Ertei=
ung
der Bemühungsbeſcheinigung nach. Sie wurde im
Jahre 1911 in 599 Fällen durch Abſtempelung der Wan=
derbücher
erteilt.
e) Lehrſtellenvermittelung.
Auch auf dem Gebiete der Lehrſtellenvermittelung hat
ſich die Anſtalt ſeit Beſtehen betätigt. Die Erfolge waren
anfänglich gering. 1896 wurde zum erſten Mal daran ge=
dacht
, dieſen Zweig der Vermittelungstätigkeit auszuge=
ſtalten
. Aber erſt 1907 kam eine zweckentſprechende Re=
gelung
zuſtande. Während man ſich bisher darauf be=
ſchränkt
hatte, auf Grund der gemeldeten offenen Lehr=
ſtellen
und der vorliegenden Geſuche um Lehrſtellen die
Vermittelungstätigkeit zu entfalten, wurde von da an die
Mitwirkung der Schule angeſprochen. Durch das dan=
enswerte
Entgegenkommen des Schulvorſtandes der
Stadtſchulen werden der Anſtalt ſeit 1907 regelmäßig
Liſten der jeweils an Oſtern zur Entlaſſung kommenden
Schüler überreicht. Auch Verzeichniſſe der Eltern und
Vormünder dieſer Schüler werden zur Verfügung geſtellt.
Vor der Inanſpruchnahme der Hilfe des Schulvorſtandes
war an die Handwerkskammer, den Ortsgewerbeverein
und eine Reihe anderer Körperſchaften ein entſprechendes
Rundſchreiben gerichtet worden, in dem die Anſtalt ihren
Plan entwicklete und um Unterſtützung der Beſtrebungen
vat. Die daraufhin eingegangenen Antworten ließen er=
ennen
, daß eine Zentraliſation der Lehrſtellenvermitte=
lung
allſeits erwünſcht war. Auf Grund der eingehenden
Liſten werden die Eltern und Vormünder auf die Ein=
richtung
der Lehrſtellenvermittlung aufmerkſam gemacht.
s wird ihnen auch empfohlen, ihre Kinder und Mün=
del
ein Handwerk erlernen zu laſſen. Der Mitwirkung
des Ortsgewerbevereins und verſchiedener Innungen und
gemeinnütziger Vereine, die ihre Mitglieder ſeiner Zeit
gebeten hatten, offene Lehrſtellen anzumelden, ſei hier
mit dem Ausdruck des Dankes gedacht. Die Erfolge der
Organiſation blieben nicht aus. Schon im Jahre 1908
wurden 143 offene Lehrſtellen gemeldet, denen 93 Lehr=
ſtellenſuchende
gegenüberſtanden. Vermittlungen ſind 27
bekannt geworden. Die Ergebniſſe der folgenden Jahre
laſſen einen wenn auch nicht weſentlichen Rückgang er=
kennen
.
Es wurden gemeldet:
offene Lehrſtellen= Vermittlunngen
Lehrſtellen ſuchende wurden bekannt
99
70
31
1909
118
1910
37
27.
1911 iſt ein weiterer Rückgang zu verzeichnen. Es iſt dies
darauf zurückzuführen, daß ſich auch die Handwerks=
kammer
, die Zentrale für die Gewerbe im Großherzogtum
Heſſen, der Ortsgewerbeverein und die verſchiedenen In=
ntungen
mit der Lehrſtellenvermittlung befaſſen. Ihre
Tätigkeit auf dieſem Gebiete hat im Augenblick auf=
ſteigende
Tendenz. Die Anſtalt erachtet es aber nach wie
vor für ihre Aufgabe, die Lehrſtellenſuchenden mit Hilfe
der Schule zu ſammeln, die Eltern und Vormünder der
betreffenden Schüler auf die Vorteile hinzuweiſen, die aus
der Erlernung eines Handwerks ſich ergeben und ihre
Bemühungen fortzuſetzen, auch geeignete Lehrſtellen zu
finden.
d) Reſerviſten.
Ein Jahr nach Eröffnung ihres Geſchäftsbetriebs
nahm die Anſtalt im beſonderen die Stellenvermittlung
für die im Herbſt vom Militärdienſt ausſcheidenden Mann=
ſchaften
in Angriff. Nachdem ſich der Ausſchuß mit dem
Kommando der Großherzoglich Heſſiſchen (25.) Diviſion
unter näherer Darlegung der beabſichtigten Einrichtung
ins Benehmen geſetzt hatte, erhielt er ein vom 8. Juni
1894 datiertes Schreiben, in dem die Diviſion ihren Dank
für das Anerbieten ausſprach und die Vorteile voll an=
erkannte
, die den Reſerviſten aus der Fürſorge der An=
ſtalt
erwachſen würden. Die Diviſion ſagte zu, den be=
reffenden
Mannſchaften der ihr unterſtellten Truppenteile
Gelegenheit zu geben, die ihnen gebotenen Vorteile aus=
zunützen
. Es wurde ausgemacht, daß die Anmeldungen
durch die Truppenteile eingereicht werden ſollten. Gleich=
zeitig
hatte der Ausſchuß das Präſidium des Landes=
kriegerverbandes
Haſſia erſucht, die Mitglieder der
Kriegervereine zu veranlaſſen, zur Zeit der Entlaſſung der
Reſerviſten offene Arbeitsſtellen mitzuteilen.
Das Entgegenkommen des Diviſionskommandos und
des Landeskriegerverbandes Haſſia verbürgte der neuen
Einrichtung ſchon im erſten Jahre ihres Wirkens ein Re=
ſultat
. Wenn auch die Zahl der bei der Anſtalt einge=
laufenen
Geſuche eine beſcheidene war (zuſammen 37), ſo
ſchien doch der Beweis erbracht, daß mit der im einzel=
nen
getroffenen Regelung die Stellenvermittelung ſehr
wohl bewerkſtelligt werden konnte. Das Reſultat war
umſo mehr zu beachten, als im Jahre vorher andere
ähnliche Verſuche fehlgeſchlagen waren. Die Vermitt=
lungsergebniſſe
der einzelnen Jahre ſind in einer Ueberſicht
zuſammengeſtellt.
e) Dienſtbotenabteilung.
Die Anſtalt befaßte ſich ſchon von der Gründung an
auch mit der Vermittelung weiblichen Arbeits= und
Dienſtperſonals. Dieſe Vermittelungstätigkeit war zu=
nächſt
von der Geſchäftsführung im übrigen nicht ge=
trennt
. Die Aufträge wurden von dem Verwalter der
allgemeinen (gewerblichen) Abteilung, der damals noch
der einzige Vermittlungsbeamte war, entgegengenom=
men
und erledigt. Es zeigte ſich bald, daß man dieſen
Zweig der Anſtaltstätigkeit von dem allgemeinen Bureau
lostrennen und ſelbſtändig machen müſſe. Man bildete
zu dieſem Zwecke im Jahre 1896 ein Damenkomitee.
Vor allem wurde die umfaſſende Regelungdes
Dienſtbotennachweiſes für notwendig erachtet. Man ver=
ſprach
ſich hiervon jedoch nur dann eine gedeihliche Ent=

wickelung der Dienſtbotenvermittlung, wenn zugleich an
die Gründung einer Herberge für weibliche Dienſtboten
zur Unterkunft während der Stellenloſigkeit herangetre=
ten
und eine fortlaufende Verbindung des Bureaus mit
dieſer Herberge hergeſtellt würde. Auch eine Verbindung
mit Arbeitsnachweis=Anſtalten benachbarter Städte für die=
ſen
Geſchäftszweig, wie ſolche damals von Wiesbaden aus
angeregt worden war, hielt man für vorteilhaft. Zu=
nächſt
wurde mit Wirkung vom 1. März 1897 die Einrich=
tung
einer gemeinſamen Sprechſtunde für Dienſtherrſchaf=
en
und Dienſtboten getroffen und die Zeit hierfür auf
nachmittags von 45 Uhr feſtgeſetzt. Die Einrichtung
bewährte ſich, doch blieb zu wünſchen übrig, daß eine
Vermittlerin und geräumigere Lokalitäten vorhanden ſein
müßten. Mit dem Dienſtbotennachweis im Marthahaus
des Eliſabethenſtiftes war im Jahre 1896 eine dauernde
Geſchäftsbeziehung angeknüpft worden. Infolgedeſſen
fand ein zweimaliger wöchentlicher Austauſch von Ange=
bot
und Nachfrage ſtatt. Die Maßnahme wirkte günſtig.
Gegen Mitte des Jahres 1897 hatten ſich die Verhältniſſe
ſo entwickelt, daß mit Wirkung vom 20. Auguſt 18 97
unter Lostrennung der Dienſtbotenvermittlung von der
gewerblichen Abteilung eine ſelbſtändige Dienſt=
botenabteilung
ins Leben gerufen werden konnte.
Die erforderlichen Räumlichkeiten wurden, wie ſchon im
allgemeinen Teil erwähnt, neben Heizung und Beleuch=
tung
von der Stadt Darmſtadt im Hauſe Waldſtraße 6
mentgeltlich zur Verfügung geſtellt. Sie werden von der
Abteilung jetzt noch benutzt und beſtehen in einem
Sprechzimmer und in einem Aufenthaltsraum für Herr=
ſchaften
und Mädchen. Die Verwaltung der Abteilung
vurde einer Frau übertragen.
Die Frage der Beherbergung ſtellenſuchender Dienſt=
mädchen
hatte man nicht aus dem Auge gelaſſen. Mit
dem Marthahaus im Eliſabethenſtift war ja zur Zeit
der Lostrennung der Abteilung von der allgemeinen
Abteilung eine Mägdeherberge vorhanden. Sie reichte
aber nicht aus. In der Generalverſammlung vom
. Juni 1897 wurde das Vorhandenſein eines Bedürf=
miſſes
für ein Mädchenheim allgemein anerkannt und es
fand eine lebhafte Beſprechung der Angelegenheit ſtatt.
Man vermochte jedoch hierbei auch nicht die Schwierig=
keiten
zu verkennen, die ſich in Darmſtadt der Schaffung
eines ſolchen Heims entgegenſtellen würden. Im Ge=
ſchäftsbericht
von 1900 konnte inſofern ein erfreulicher
Fortſchritt in dieſer Beziehung feſtgeſtellt werden, als
nicht nur das Marthahaus eine Erweiterung ſeiner
Räume und Einrichtungen hatte eintreten laſſen (es ſtan=
den
damals in 16 Zimmern 30 Betten zur Verfügung),
ſondern auch vom Barmherzigen Schweſternhaus eine
neue Herberge im Marienheim errichtet worden war.
Von dieſer Zeit an hat die Abteilung nicht mehr nötig
gehabt, ſich mit der Frage der Beherbergung ſtellenloſer
Dienſtmädchen zu befaſſen.
Trotz der vorhandenen Konkurrenz hat ſich die
Dienſtbotenabteilung, abgeſehen von nicht ſehr weſent=
lichen
Schwankungen, einer ſtets zunehmenden Inan=
ſpruchnahme
erfreut.
Zur Hebung des Verkehrs haben die Arbeitsnach=
weiſe
von 12 Städten auf Anregung der ſtädtiſchen Art
beitsvermittlungsſtelle Frankfurt a. M. ein gemeinſchaft?.
liches Plakat anfertigen laſſen, durch das auf die Dienſt=
botenvermittlung
dieſer Anſtalten aufmerkſam gemacht
wird. Das Plakat findet in den Frauenabteilen der
Wagen vierter Klaſſe der Preußiſch=Heſſiſchen Staatsbahnl
Aushang.
Die Tätigkeitsziffern der Anſtalt ergeben ſich aus
der der Schrift beigefügten Ueberſicht über die geſamte
Geſchäftstätigkeit. Sie enthält auch die Ziffern über die
Vermittlungen des Marthahauſes und des Marienheims.
Zur Gewinnung eines Einblicks in die Grundlagen
des Darmſtädter Dienſtbotenmarktes diene die Feſtſtel=
lung
, daß im April 1911, nach einer von den Polizei=
revieren
veranſtalteten Zählung, insgeſamt 4881
Dienſtmädchen in Stellung waren.
k) Wohnungsnachweis.
Wie ſchon im allgemeinen Teil erwähnt, bezog die
Anſtalt, auf Anregung ihres Gründers, auch die Woh=
nungsvermittlung
in den Kreis ihrer Aufgaben ein. Die
Vermittlungstätigkeit wird ſeit dem Beſchluß der Ge=
neralverſammlung
vom 4. Mai 1894 unentgeltlich aus=
geübt
. Ueber den Rahmen ſeiner eigenen Geſchäfts=
tätigkeit
hinaus leitete der Ausſchuß im Jahre 1895
Verhandlungen wegen Gründung eines Vereins zur Er=
richtung
von Arbeiterwohnungen (beſonders von kleinen
Mietshäuſern für Arbeiter und für Bedienſtete mit ge=
ringem
Einkommen) ein. Die Beſtrebungen einer zur
Betreibung der Angelegenheit beſonders eingeſetzten
Kommiſſion führten zu der am 15. April 1896 vollzoge=
nen
Gründung des Arbeiterwohnungs=Bauvereins Da=
heim
mit einem Kapital von gezeichneten Anteilſcheinen
von 33000 M. Eine Tabelle vergegenwärtigt den Um=
fang
der Tätigkeit der Anſtalt auf dem Gebiete des Woh=
nungsnachweiſes
. Eine große Bedeutung hat dieſer Ver=
waltungszweig
nicht erlangt, weil ſich in Darmſtadt an
dem Wohnungsnachweis die Zeitungen, die Hausbeſitzer=
wereine
und die Möbelgeſchäfte mit Erfolg beteiligen.
(Schluß folgt.)

Hulaziagr. Alc. A5k.7.
o
agatLuſoudlaub Her Gae
ad ZMiz zr. MlaLk.
Gen Gall o 6?

Bei Gicht

O NI6
AGs

Bei
Nierenleiden

Bei Harn- und
Blasenleiden.