Darmstädter Tagblatt 1912


23. Oktober 1912

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175. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 22 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Dus preußiſche Abgeordnetenhaus nahm
geſtern unter dem Vorſitz des Vizepräſidenten Dr.
Porſch ſeine Tagung wieder auf.
In Berlin hat ſich ein Ausſchuß zur Unterſtüt=
zung
der Verwundeten und Kranken im
Orientkriege gebildet, dem eine Reihe hervor=
ragender
Perſönlichkeiten beigetreten iſt.,
Die Herbſtſeſſion des öſterreichiſchen Abgeord=
netenhauſes
wurde geſtern eröffnet.
Der ruſſiſche Thronfolger, Großfürſt Alexej, iſt
ernſtlich erkrankt.
Großfürſt Peter Nikolajewitſch und Prinz
Franz Joſef von Battenberg, Schwieger=
ſöhne
des Königs von Montenegro ſind geſtern vor=
mittag
im Hauptquartier Kruſebatz angelangt.
Ein türkiſcher Truppenzug, der 800 Soldaten
enthielt, ſtieß bei Epheſus, etwa 55 Kilometer von
Smyrna entfernt, mit einem entgegenkommenden =
terzug
zuſammen. 250 Soldaten wurden ge=
tötet
oder verwundet.
Die Türken bombardierten die bulgariſchen Städte
Warna und Burgas am Schwarzen Meer. Die
Stadt Podugevo iſt von den Serben beſetzt
worden. Griechenland blockierte die Häfen der
Inſel Lemnos.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.

Italien.

Infolge der Kriegswirren auf dem Balkan hat
man dem Friedensſchluſſe von Ouchy im all=
gemeinen
wohl nicht die Beachtung geſchenkt, die ihm mit
ſeinen Folgeerſcheinungen von rechtswegen gebührte.
Man darf nicht vergeſſen, daß Italien durch den Er=
werb
von Tripolis und der Cyrenaika einen bedeu=
tenden
Machtzufluß gewonnen hat, indem es ihm
dadurch gelungen iſt, an der ſüdlichen Mittelmeerküſte
und in Afrika feſten Fuß zu faſſen; Hand in Hand mit
dieſer politiſchen Bedeutung geht die wirtſchaftliche Lage,
da der Handelsverkehr, der ohnehin ſchon ganz beträchtlich
iſt, jetzt noch in hohem Maße ſteigen wird. Da iſt es
denn kein Wunder, wenn nach einer Meldung des Petit
Pariſien in Rom Gerüchte gehen, daß König Viktor
Emanuel ſich mit der Abſicht trage, nächſtens den Titel
eines römiſchen Kaiſers anzunehmen. Man ſagt, daß
dieſer Plan von gewiſſen italieniſchen Staatsmännern
ſchon ſeit Beginn des türkiſch=italieniſchen Krieges ge=
nährt
wird, und daß man nur auf einen großen Sieg
wartete, um ihn zur Ausführung zu bringen. Die ita=
lieniſche
Regierung glaube, daß das Anſehen Italiens
bedeutend gehoben würde, wenn die Kaiſerwürde wieder
hergeſtellt und König Viktor Emanuel einen Titel an=
nehmen
würde, der dem der Herrſcher der beiden ver=
bündeten
Nationen gleichkommt. Mag nun die Nachricht
den Tatſachen entſprechen oder nicht, zweifellos iſt der
Wunſch an und für ſich in Rom in weiten Kreiſen rege
geworden, da die Annahme der Kaiſerwürde der Groß=
machtſtellung
Italiens entſprechen würde; freilich kann
auch ein König über ein großes Reich herrſchen, wie ja
auch in England nur dieſer Titel geführt wird, während
der indiſche Kaiſertitel nur ſelten einmal in Erſcheinung
tritt, und zwiſchen einem König von Italien und einem
ſolchen von Montenegro bleibt immerhin noch ein großer
Unterſchied.
Derartige Aeußerlichkeiten ſpielen in der großen Po=
litik
keine beſondere Rolle. Italien freut ſich jetzt ſeines
neuen Beſitzes und die übrigen Mächte haben ſich beeilt,
ſeine Oberhoheit über die afrikaniſchen Beſitzungen an=
zuerkennen
; insbeſondere hat man es in Rom angenehm
empfunden, daß Deutſchland und Oeſterreich unter den
erſten waren. Nur ein Staat hält ſich fern, und das iſt
Frankreich, das mit ſeiner Anerkennung zögert. In Rom
iſt man darüber nicht ſehr erbaut, und eine lebhafte Ver=
ſtimmung
macht ſich darum in den leitenden Kreiſen gel=
tend
. Warum die franzöſiſche Regierung zögert, iſt frei=
lich
kein Geheimnis, ſie möchte die Anerkennung von einer
Regulierung ſtrittiger Grenzfragen im Hinterlande von
Tripolitanien abhängig machen. Seit Jahren bemüht
man ſich bekanntlich, Italien vom Dreibunde abzubrin=

gen und für die Entente zu gewinnen. Wenn es aber das
eigene Intereſſe erheiſcht, iſt dieſes Liebeswerben ver=
geſſen
, und man zieht dann andere Saiten auf.
Sehr zu gelegener Zeit kommt jetzt Graf Berchtold
nach Piſa, um ſich dort mit ſeinem Kollegen San Giu=
liano
auszuſprechen. Bei dieſer Gelegenheit wird man
zweifellos auch die Frage der Erneuerung des Dreibun=
des
berühren, und es ſteht wohl jetzt außer Zweifel, daß
Italien ſich hüten wird, aus dieſem Bündnis auszuſchei=
den
, das ihm weſentliche Vorteile gebracht und ſich ſtets
bewährt hat; ebenſo dürfte man in Rom die Gewißheit
haben, daß man auch weiterhin auf die tatkräftige Unter=
ſtützung
ſeitens der beiden Verbündeten rechnen könne,
wenn es die Not erheiſcht. Heißt es doch, daß die Baſis
des Friedensvertrages auf Vorſchlägen des Herrn von
Kiderlen=Wächter beruhe, der damit beiden Staaten
trefflichen Dienſt erwieſen hat. Hoffentlich haben die
Italiener für dieſen Dienſt ein gutes Gedächtnis.

Adrianopel und die bevorſtehende
Entſcheidungsſchlacht.

(* Um Adrianopel als um den wichtigſten
ſtrategiſchen Mittelpunkt ballen ſich die düſteren
Wollen des Kriegsungewitters zuſammen; hier
wird die erſte große Entſcheidung fallen, Als
der Knotenpunkt der wichtigſten über den Balkan führen=
den
Verbindungen, durch ſeine Lage am Zuſammenfluß
dreier großer Flüſſe, da ſich hier die Tunſcha und die
Arda in die Maritza ergießen, iſt die alte Stadt, einſt die
prunkvolle Reſidenz der Sultane, für die Türkei von
höchſter militäriſcher Bedeutung. Ihre Jahrtauſende alte
Geſchichte beweiſt, daß ſie ſtets im Zentrum der politi=
ſchen
Begebenheiten geſtanden und der Schauplatz zahlrei=
cher
wichtiger Ereigniſſe geweſen iſt.
Früher erhob ſich an der Stelle des heutigen Adria=
nopel
die Hauptſtadt des thrakiſchen Volkes der Beſſier
mit dem Namen Uſeudama. Kaiſer Hadrian ſoll die zer=
fallene
alte Feſte wieder aufgebaut und ihr ſeinen Namen
gegeben haben. Große Schlachten haben in den
Ebenen ſtattgefunden, die Adrianopel umgeben. 323 n.
Chr. ſchlug hier Konſtantin der Große den Licinius; 373
erlag der Kaiſer Valens dem Anſturm der Gothen; 551
errangen die Slavonier einen Sieg über den Kaiſer von
Konſtantinopel: 586 wurde die Stadt von den Avaren
belagert, 922 von den Bulgaren genommen. Am 22. Nov.
180 ziehen die deutſchen Kreuzfahrer in die türkiſche
Stadt ein und erſt 1361 erobert der Sultan Murat I. die
Stadt zurück, die er 1366 zu ſeiner Reſidenz erhebt. Auch
als nach der Eroberung Konſtantinopels die Stadt Ha=
drians
zur zweiten Hauptſtadk des türkiſchen Reiches
herabſank, hat ſie immer wieder große hiſtoriſche Schau=
ſpiele
und geſchichtliche Perſönlichkeiten geſehen. So
weilte in der heutigen Ruine Demir=Taſch 1713 Karl XII.
von Schweden. In den Kriegen des 19. Jahrhunderts
war die machtlos gewordene Türkei nicht mehr im ſtande,
Adrignopel, die eigentliche Pforte des Reiches, zu halten
1829 fiel es ohne Widerſtand der ruſſiſchen Armee unter
Diebitſch in die Hände. Doch es war, als ob die ver=
fallene
Feſte Rachegeiſter in ſich bärge, die die Schmach
vergalten. Die Ruſſen erlitten in Adrianopel einen ſo
großen Verluſt an Leuten, wie ihnen die glänzendſte Ver=
teidigung
keinen größeren hätte zufügen können. Aus
den ſumpfigen Tälern der Maritza ſtiegen die Krankheits=
keime
auf, die die Truppen dezimierten. In Adrianopel
wurde dann der Friede zwiſchen dem Zaren
und dem Sultan unterzeichnet. Im Krim=
kriege
wurde die Stadt von 15000 Franzoſen unter
dem General Bosquet beſetzt; man trug ſich damals in
den Kreiſen der Verbündeten mit dem Gedanken, durch
die Anlage eines verſchanzten Lagers die Lage Adria=
nopels
zu verſtärken, um das Vorrücken einer vom Bal=
kan
anrückenden Armee aufzuhalten
Nachdem im ruſſiſch=türkiſchen Kriege 1878
die Stadt wiederum in die Hände der Feinde gefallen
war und hier der Waffenſtillſtand geſchloſſen wurde, ging
man dann dem Problem einer ſtarken Befeſtigung dieſer
wichtigen Stadt energiſcher nach: Befeſtigungswerke wur=
den
angelegt, die einen großen Bogen am linken Maritza=
ufer
bildeten, und dieſe Fortifikationen ſollen ſeit 1900
ſo verſtärkt worden ſein, daß Adrianopel heute von tür=
kiſcher
Seite als uneinnehmbar bezeichnet wird. Adria=
nopel
breitet ſich auf mehreren, ſich etwa 30 bis 40 Meter
über dem Waſſerſpiegel der Maritza erhebenden Hügelr
aus. In ſüdlicher Richtung flachen ſich dieſe Erhöhun
gen immer mehr zur Ebene ab; im Weſten der Stadt
ſteigt das Terrain zu einem ſanft gewölbten Hügellande
empor, deſſen Kuppen durch kaum merkliche, wellenför=
mige
Einſattelungen von einander getrennt ſind. Von
fern bieten dieſe mit Häuſern badeckten Hügel einen
wundervollen Anblick; ſie ſcheinen eingebettet in blühende
Gärten, die ſich wie bunte Oaſen in die einförmige, zum
Teil ſumpfige Ebene der großen Flüſſe hinabziehen. Das
Innere bietet freilich den gewöhnlichen Anblick einer tür=
kiſchen
Stadt mit ſchmutzigen engen und winkeligen Gaſ=
ſen
. Einige herrliche Bauwerke erinnern an die Größe
der Vergangenheit, ſo vor allem die Selim=Moſchee, deren

Kuppel ſich 20 Fuß höher wölbt als die der Hagia Sofia
und die die Türken für die ſchönſte Moſchee der Erde er=
klären
; ihre Porphyrſäulen leuchten im Sonnenlicht.
Ueber die ſäulentragenden Galerien der Murats=Moſchee
heben ſich neun Kuppeln in die Luft, und um dieſe ragen=
den
Wahrzeichen des Iſlams entfaltet ſich ein reges Han=
delstreiben
in den rieſigen Bazaren, die von der auch heut
noch blühenden Induſtrie der Stadt Zeugnis ablegen.
Ebenſo groß wie die militäriſche iſt ja auch ſtets die
kommerzielle Bedeutung Adrianopels ge=
weſen
, denn hier vereinigen ſich faſt alle Hauptverkehrs=
ſtraßen
, die von den Päſſen des Balkans und Boſporus,
dem Marmarameer, den Dardanellen und dem Mün=
dungsgebiet
der Maritza führen. Es wird ein entſchei=
dender
Faktor in der ganzen weiteren Entwickelung des
Krieges ſein, ob die Türken aus den traurigen Erfahrun=
gen
des 19. Jahrhunderts gelernt haben und Adrianopel
durch die neuen Befeſtigungen wirklich wieder zu dem ge=
worden
iſt, was dereinſt ſeinen Ruhm und ſeine Größe
ausmachte, zu dem feſten Bollwerk der Türkei, das dem
Eindringen der Eroberer einen ſtarken Riegel vorſchiebt.
Die Bulgaren rücken mit aller Macht gegen
Adrianopel hor, das für ſie das bedeutſamſte Hin=
dernis
auf dem Wege nach der türkiſchen Hauptſtadt dar=
ſtellt
und den Schlüſſel zu den Toren Konſtantinopels,
bildet. Jede Stunde kann die Meldung über die zu
erwartende große Entſcheidungsſchlacht brin=
gen
. Sind die Bulgaren imſtande, die Türken nach
Adrianopel hineinzuwerfen, könnte unter Umſtänden da=
mit
der Fall des Osmaneſtreichs in Europa beſiegelt
werden, da die dort eingeſchloſſenen Menſchenmaſſen bald
durch den Hunger zur Uebergabe gezwungen werden.
Die nächſten Wochen werden die Entſcheidung bringen.

Deutſches Reich.

Die Präſidentenwahl im Reichs=
tag
. Das neue Deutſchland, Wochenſchrift für konſer=
vativen
Fortſchritt, ſchreibt: Durch die Mandatsnieder=
legung
des Abgeordneten Kaempf wird auch für den Fall
ſeiner Wiederwahl vor Wiederzuſammentritt des Reichs=
tages
eine Neuwahl des Präſidenten notwendig, da mit
der Niederlegung des Mandats auch die Niederlegung
der Präſidentenſtelle erfolgt iſt und mithin eine Neuwahl
nötig wird, bei der natürlich im Falle der Wiederwahl
Herr Kaempf aufs neue gewählt werden kann. Bekannt=
lich
ſiegte Herr Kaempf bei der Präſidentenwahl mit
einer Stimme Mehrheit inzwiſchen hat die Rechte ein
Mandat an die Linke verloren, ſo daß eine Mehrheit von
drei Stimmen denkbar wäre, allein bei der entſcheidenden
Abſtimmung fehlten damals mehr Mitglieder der Rech=
ten
als der Linken, ſo daß die Präſidentenwahl auf des
Meſſers Schneide ſteht und ihr Ergebnis unberechenbar
erſcheint. Unter ſolchen Umſtänden ſollte doch erwogen
werden, ob eine Verſtändigung unter den Parteien nicht
möglich wäre. Unter Ausſchaltung der Sozialdemo=
kratie
iſt dieſe ſofort herzuſtellen. Die Nationalliberalen
aber haben doch wohl den ſchweren Fehler ihrer Stimm=
abgabe
für Lebel und Scheidemann in wiſchen erkannt.
Zentrum und Rechte werden vielleicht der Linken das
erſte Präſidium überlaſſen, gleichviel ob ein Fortſchritt=
ler
oder Verionelliberaler präſentiert wird eine
Wiederwahl Kaempfs iſt alſo dann ohne Kampf erreich=
bar
wenn dem Zentrum der erſte Vizepräſident und
den Konſervativen der zweite Vizepräſident überlaſſen
wird. Dann hätte der Reichstag ein Präſidium ſeiner
Arbeitsmehrheit, wie ſie beſonders bei den Heeres= und
Flottenvorlagen zutage trat. Der Würde des Reichs=
tages
entſpricht es nicht, wenn die Präſidentenwahl auf
einer Zufallsabſtimmung beruht und zwei Parteien, die
zuſammen kaum mehr als ein Viertel des Reichstags
ausmachen, die Präſidialgeſchäfte allein führen. Es wäre
deshalb dringend zu wünſchen, daß jetzt, wo die Er=
regung
des Wahlkampfes ihr Ende gefunden, eine Ver=
ſtändigung
unter den Parteien angebahnt und erreicht
wird.
Penſionsverſicherung für Ange=
ſtellte
. Die Durchführung des Geſetzes bietet infolge
der vielen Unklarheiten des Geſetzes, namentlich über die
Ausdehnung der Verſicherungspflicht, ſo außerordentliche
Schwierigkeiten, daß von den verſchiedenen Verbänden
Auskunftsſtellen errichtet wurden, um nur einigermaßen
die Intereſſenten zu unterrichten, was als feſtſtehend an=
geſehen
werden kann. Wie der Verband Deutſcher
Waren= und Kaufhäuſer, E. V., ſchreibt, lann dieſe Un=
ſicherheit
außerordentliche Nachteile für die Beteiligten
zur Folge haben. Bei vielen Firmen werden eine ganze
Reihe der Angeſtellten nicht zur Anmeldung kommen,
deren Verſicherungspflicht ſich bei einer ſpäteren Re=

[ ][  ][ ]

viſion eventuell herausſtellen wird. Die Reichsverſiche=
rungsanſtalt
wird dann eine Nachzahlung der nicht ge=
leiſteten
Beiträge verlangen. Da die Firmen aber rück=
ſtändige
Beiträge von den Angeſtellten nur einen Monat nach
Fälligkeit der Prämien zurückverlangen können, werden
ſie möglicherweiſe nicht nur ihre eigenen Beiträge, ſon=
dern
auch die der Angeſtellten ſelbſt nachzahlen müſſen.
Es wäre dringend notwendig, daß eine verbindliche Aeu=
ßerung
der Reichsverſicherungsanſtalt darüber erfolgte,
daß bei unterlaſſener Anmeldung infolge zweifelhafter
Verſicherungspflicht eine Nacherhebung der Beiträge
unterbleiben ſoll, oder eventuell ein geſetzlicher Schutz
gegen eine ſolche Nachzahlung im Wege einer Novelle
oder in einer ſonſt geeigneten Weiſe den beteiligten Krei=
ſen
geboten würde.
Die deutſch=britiſche Vereinigung
teilte der Voſſiſchen Zeitung mit, daß eine Abordnung,
beſtehend aus mehreren hervorragenden Mitgliedern
des engliſchen Oberhauſes, ſich im April nach Berlin be=
geben
werke, um mit den maßgebenden Perſönlichkeiten
zu konferieren und einen Vorſchlag zu unterbreiten, wie
die freundſchaftlichen Beziehungen zwiſchen Deutſchland
und England ſich über den wirtſchaftlichen und geſell=
ſchaftlichen
Weg verwirklichen laſſen.
Ein Säuglingsgeſetz. Die Geſetzgebung
fängt jetzt ſchon bei den Säuglingen an. Der Entwurf
eines Geſetzes über Kinderſaugflaſchen, der dem Reichs=
tage
demnächſt zugehen ſoll, iſt amtlich veröffentlicht wor=
den
. Er verbietet bei Strafe bis zu 150 M. oder Haft,
Kinderſaugflaſchen mit Röhren oder Schlauch gewerbs=
mäßig
herzuſtellen.
Preußiſches Abgeordnetenhaus. Am
Dienstag nahm das preußiſche Abgeordnetenhaus ſeine
Tagung wieder auf. Am Vormittag hatten die Parteien
Fraktionsſitzungen abgehalten und als um 12½ Uhr Vize=
präſident
Dr. Porſch die Sitzung eröffnete, zeigte der Saal
das Bild eines großen Tages, ſo zahlreich waren die
Abgeordneten erſchienen. Dr. Porſch widmete zunächſt
dem verſtorbenen Präſidenten von Erffa einen warmen
Nachruf und gedachte auch des Ablebens des Alterspräſi=
denten
, Exzellenz von Hobrecht und weiterer dreier Mit=
glieder
des Hauſes. Zu Ehren der Verſtorbenen erhoben
ſich die Abgeordneten von ihren Plätzen. Nach Verle=
ſung
einiger Eingänge trat das Haus in die Tagesord=
nung
ein.

Ausland.

Frankreich.
Die Anerkennung der Souveränität
Italiens über Libyen ſeitens Frankreichs ſteht,
einer offiziöſen Mitteilung zufolge, unmittelbar bevor,
Die franzöſiſche Regierung habe aus Freundſchaft für
Italien mit dieſer Anerkennung nicht bis zur Regelung
der verſchiedenen tuneſiſch=tripolitaniſchen Fragen war=
ten
wollen. Das Journal des Débats meint allerdings,
die franzöſiſche Regierung habe ſich bei ihrem Entſchluß
vielleicht doch durch die tendenziöſen Erörterungen der
ruſſiſchen Preſſe beeinfluſſen laſſen.
Zu dem bevorſtehenden Abſchluß der
franzöſiſch=ſpaniſchen Marokko= Ver=
handlungen
wird aus Madrid bezüglich der
Zollfrage gemeldet, dieſelbe ſei endgültig dahin geregelt
worden, daß die ſpaniſche Zollverwaltung in Marokko
im ganzen alljährlich 500000 Peſetas an den Maghzen
abzuführen haben werde, und zwar 300000 Peſetas für
die Häfen der Atlantiſchen und 200000 Peſetas für die
Häfen der Mittelländiſchen Küſte.
Spanien.
Der Geſetzentwurf über die Eiſen=
bahnangeſtellten
wurde in der Kammer ver=
handelt
. Der Führer der konſervativen Partei, Maura,
bekämpfte den Geſetzentwurf und bezeichnet ihn als un=
gerecht
, unzweckmäßig, unwirkſam und gefährlich. Da er
auch nicht durch Amendements verbeſſert werden könne,

ſo müſſe der Geſetzentwurf zurückgezogen werden. Mi
niſterpräſident Canalejas verteidigte die Regierungsvor=
lage
und erklärte, daß ſie unentbehrlich ſei, um den
öffentlichen Eiſenbahndienſt ſicherzuſtellen, in unpar=
teiiſcher
Weiſe die Intereſſen von Arbeit und Kapital
durch ein obligatoriſches Schiedsgericht zu wahren und
ie entſchieden der Ueberfüllung der Gefängniſſe oder
blutigen Straßenkämpfen vorzuziehen ſei.
Rußland.
Keine Anleihe. Die Meldung, daß zur Deckung
der außerordentlichen Ausgaben des Budgets für 1913
eine Anleihe geplant ſei, iſt irrig. Zur Deckung der
außerordentlichen Ausgaben von 220622756 Rubel ſind
vorhanden der Ueberſchuß aus den ordentlichen Ein=
nahmen
über die ordentlichen Ausgaben im Betrage von
81 358 623 Rubel, ferner die außerordentlichen Ein=
nahmen
im Betrage von 10 Millionen. Der Fehlbetrag
von ca. 30 Millionen Rubel ſoll aus dem freien Beſtand
er Reichsrentei entnommen werden.
Der Zar und Saſonow. Der Zar erklärte
ich beim Empfang Saſonows mit dem öſterreichiſch=
ruſſiſchen
Zuſammengehen in der Balkanfrage ſehr zu=
frieden
. Saſonows Stellung iſt feſter denn je. Seine
Gegner ſind übrigens nicht in Hofkreiſen, ſondern unter
den Panſlawiſten und Progreſſiſten zu ſuchen. Laut
einer Petersburger Meldung ſteht eine Vertrauenskund=
gebung
des Zaren für Saſonow bevor. Der Zar will
den Miniſter gegen die Strömungen ſchützen, die ſeine
Politik zu durchkreuzen ſuchen.
Marokko.
General Liautey und der neue Sultan.
Die Agence Havas meldet aus Rabat vom 20. Oktober:
General Liautey beſuchte vormittags den Sultan Mulay
Juſſuf und überbrachte ihm die Glückwünſche zu ſeiner
Thronbeſteigung und wünſchte ihm eine glückliche Regie=
rung
. Der Generalreſident betonte, daß die Urheber der
Unruhen in abſchreckender Weiſe beſtraft wurden und daß
ille Städte Marokkos ihn als Sultan anerkennen. Liau=
tey
ſicherte ſeine Ergebenheit und ſeine Mitwirkung bei
dem Friedenswerk zu. Mulay Juſſuf ſprach der fran=
zöſiſchen
Republik ſeinen Dank für die ihm zugeſicherte
wertvolle Mitarbeit Liauteys und ſeiner Mitarbeiter aus.
* Die Arbeiterverſicherung in Europa.
Das Reichsverſicherungsamt hat eine neue Ueberſicht
über die Arbeiterverſicherung in Europa ausgearbeitet.
Anlaß hierzu gaben die durch die Reichsverſicherungs=
ordnung
bedingte Neugeſtaltung der deutſchen Arbeiter=
verſicherung
und die weiteren Fortſchritte, die die ſoziale
Verſicherungsgeſetzgebung neuerdings in mehreren aus=
wärtigen
Staaten, namentlich in Großbritannien, Luxem=
burg
und in der Schweiz gemacht hat. Nach dieſer neue=
ſten
Ueberſicht gibt es Zwangskrankenverſiche=
rungen
außer in Deutſchland in Oeſterreich=Ungarn,
in Italien, in Frankreich, in Großbritannien, in Nor=
wegen
, in Luxemburg und in Serbien. Die Zwangs=
krankenverſicherung
in Deutſchland iſt aber, abgeſehen von
Großbritannien, weiter ausgedehnt als in jedem anderen
Lande. In Italien ſind nur zwangsverſichert Arbeite=
rinnen
im Alter von 15 bis 20 Jahren, in Frankreich
Bergleute bis 2000 M. Jahresverdienſt. Eine Zwangs=
unfallverſicherung
haben außer Deutſchland Oeſterreich=
Ungarn, Italien, Norwegen, Dänemark, Finnland, die
Niederlande, Luxemburg, die Schweiz, Serbien, Frank=
reich
. Die Zwangsverſicherung in Frankreich bezieht ſich
nur auf die Seeleute. Auch in den meiſten übrigen Staa=
ten
iſt die Zwangsverſicherung bei weitem nicht ſo um=
faſſend
wie in Deutſchland. Auch die Invaliden=,
Alters= und Hinterbliebenenverſiche=
rung
iſt in Deutſchland beſonders weitgehend. In
Oeſterreich iſt die Zwangsverſicherung nur für Bergleute
und Angeſtellte in privaten Dienſten eingeführt, in Frank=
reich
für Lohnarbeiter und Angeſtellte mit Jahresverdienſt
bis 2400 M., für Seeleute, Bergleute und Eiſenbahner,
in Großbritannien für alle Arbeiter und Angeſtellte, letz=
tere
mit Jahresgehalt bis 2364 M.
* Piſa, 21. Okt. Der öſterreichiſche Miniſter des
Aeußern Graf Berchtold nebſt Gemahlin ſind um
6 Uhr 35 Minuten abends hier eingetroffen. Sie wur=
den
auf dem Bahnhof von di San Giuliano und dem

öſterreichiſchen Botſchafter Merey v. Kaposmere empfan=
gen
. Marquis di San Giuliano gab zu Ehren des
Grafen und der Gräfin Berchtold ein Diner, an dem auch
Unterſtaatsſekretär di Scalea, der italieniſche Botſchafter
in Wien, der öſterreich=ungariſche Botſchafter in Rom, der
Kabinettschef des Grafen Berchtold Graf Hoyas und der
Kabinettschef des Marquis di San Giuliano, Graf San
Matino teilnahmen. Die Blätter begrüßen ſympathiſch
den Beſuch des Grafen Berchtold. Corriere d’Italia hebt
hervor, daß die Zuſammenkunft in Piſa eine bemerkens=
werte
politiſche Bedeutung habe, beſonders in den gegen=
wärtigen
Umſtänden. Niemand könne die Anſichten ken=
nen
, welche die beiden Miniſter austauſchen würdenz.
Italien jedoch, das während des Konfliktes mit der Tür=
kei
im Intereſſe des europäiſchen Friedens ſich eine be=
deutende
Mäßigung auferlegte, werde ſich nur für eine
durchaus friedliche Politik ausſprechen können und die
Möglichkeit betonen, den Krieg auf dem Balkan zu lokali=
ſieren
.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 23. Oktober.
* Vom Hofe. Gräfin Fünfkirchen nebſt Gräfin= Toch=
ter
ſind am Montag mittag 12 Uhr 50 Min, zum Beſuch
n Jagdſchloß Wolfsgarten eingetroffen. (Darmſt. Ztg.)
Miliigrdienſtnachrichten. Befördert: Zu Oberlts.
der Lt. der Reſ.: Meyer (Lüneburg) des Inf.=Regts.
Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116; die Lts.:
Weil (I Darmſtadt) der Landw.=Inf. 1. Aufgebots,
Engelmann (I Darmſtadt) der Landw.=Feldart.
1. Aufgebots; zu Lts. der Reſ.; die Vizefeldwebel:
Weiſe (Hanau) des Inf.=Leib=Regts. Großherzogin
(3. Großh. Heſſ.) Nr. 117, Minthe (Mainz) des
2. Naſſau. Pion.=Bats. Nr. 25; Dr. Peters (Mainz),
Oberveterinär der Landw. 1. Aufgebots, zum Stabs=
veterinär
. Verſetzt: Rath (I Darmſtadt), Lt. der Landw.=
Inf. 1. Aufgebots, zu den Reſ.=Offizieren des 9. Rhein.
Inf.=Regts. Nr. 160. Der Abſchied bewilligt: Waaner
(IV Berlin), Lt. der Reſ. des Großh. Heſſ. Train=
Bats. Nr. 18. Major v. Lindeiner gen. v. Wildau,
beim Stabe, des Magdeburg. Jäger=Bats. Nr. 4) in
Naumburg a. S. (früher im Leibgarde=Inf.=Regt.
Nr. 115), erhält vom 1. November d. J. ab die Stabs=
offiziergebührniſſe
. Hauptmann Jochim, zugeteilt dem
Großen Generalſtab (früher im Inf.=Regt. Nr. 168), unter
Belaſſung bei demſelben zum Major befördert und in
den Generalſtab der Armee verſetzt. Hauptm. Ganden=
berger
v. Moiſy (geb. Heſſen=Darmſtädter), im
Grenadier=Regt. Kaiſer Wilhelm I. Nr. 110 in Heidel=
berg
, zum überzähligen Major befördert und zum Stabe
des Regiments in Mannheim übergetreten. Hauptm.
Stamm, Komp.=Chef im Inf.=Regt. Graf Barfuß
Nr. 17 in Mörchingen (früher im Inf.=Leibregt. Groß=
herzogin
Nr. 117), der Abſchied mit der geſetzlichen
Penſion bewilligt. Rittm. Schroeder, im Lothring.
Train=Bat. Nr. 16 in Forbach (früher im Train=Bat.
Nr. 18), ein Patent ſeines Dienſtgrades verliehen.
Aſſiſtenzarzt v. Holly und Ponientzitz, im Königin
Auguſta Garde=Gren.=Regt. Nr. 4 in Berlin (zuvor im
Leib=Drag=Regt. Nr. 241, zum Oherarzt. befördert.
sk. Schiebungen bei der Reichstagswahl. (Urteil des
Reichsgerichts.) Gelegentlich der letzten Reichstagshaupt=
wahl
am 12. Januar 1912 war im Orte Klein=Auheim
der Steindruckergehilfe Peter Joſeph Sturm als Wahl=
ſchlepper
tätig: Da ein gewiſſer Ackerknecht Rohmann
trotz vorgerückter Stunde noch nicht zur Wahlurne gegan=
gen
war, überredete Sturm den Arbeiter Haas, der nicht
in die Wahlliſte mit eingetragen war, ſich in ſeiner Bes
gleitung ins Wahllokal zu begeben und dort als Roh=
mann
das Wahlrecht auszuuben. Dem Wahlvorſteher
gegenüber bezeugte Sturm durch einzelne Angaben, daß
Haas der angebliche Rohmann ſei. Als nun ſpäter der
richtige Rohmann kam, wurde der Wahlbetrug entdeckt.
Sturm ſuchte nunmehr alle Schuld auf Haas zu ſchieben,
der ſich angeblich ihm ſelbſt gegenüber als Rohmann
ausgegeben habe. Er konnte jedoch überführt werden,
den wahren Sachverhalt gekannt zu haben und wurde
am 5. Juni 1912 vom Landgericht Darmſtadt
wegen Vergehens gegen §§ 108. Abſ. 2 und 47 des Straf=
geſetzbuches
(gemeinſchaftliche Verfälſchung der Ergebniſſe
einer öffentlichen Wahl) zu drei Monaten Gefängnis ver=
urteilt
. Haas erhielt wegen des gleichen Deliktes eine
Gefängnisſtrafe von drei Wochen. Sturm legte nun
gegen das Urteil Reviſion beim Reichsgericht ein;
der höchſte Gerichtshof verwarf ſie indes als unbegründet
und beſtätigte das Urteil des Landgerichts Darmſtadt.
sk. Mißbrauch der Maggiflaſche. (Urteil des
Reichsgerichts vom 21. Oktober 1912.) Der Maggi= Geſell=
ſchaft
zu Berlin, die die bekannte Suppenwürze, fer=
ner
Suppen= und Bouillonwürfel vertreibt, ſind als
Warenzeichen das Wort Maggi, der Kreuzſtern und
zwei Etiketten geſchützt, die den Fläſchchen des Fleiſch=
extraktes
aufgeklebt ſind. Wegen Verletzung des erſten

Mit dem Motor ins innerſte Afrika.
Von Oberleutnant Paul Graetz.
VII.
(Nachdruck verboten.)

Der Schiffbruch der Hygiama.
Molundu, den 12. Auguſt 1912.
Mit dem letzten Tageslicht des 11. Auguſt ſauſt die
Hygiama durch die Carnap=Schnellen, die letzte gefähr=
liche
Paſſage bis Molundu, das wir 7 Uhr abends zu
erreichen hoffen. Ein Wetter zieht hoch. Plötzlich ſitzen
wir feſt. Eine Sandbank. Wir verfluchen das Fehlen des
Rückwärtsganges, das wir den Grade=Motorenwerken ver=
danken
. Alle Boys über Bord! Vorwärts! Wir greifen
zu den Staakſtangen. Der Motor arbeitet mit ganzer
Kraft. Der Propeller ſchleudert den Sand hoch. Die erſten
Regentropfen fallen. Raſcher folgen die Blitze. Lang=
ſam
, ſehr langſam rutſchen wir vorwärts. Plötzlich wird
der Kiel frei. Wir haben Fahrwaſſer. Die Hygiama
ſchießt vorwärts in die Nacht. Die Boys hängen zappelnd
am Bootsrand. Einen nach dem anderen hebe ich am
Gürtel herein. Der Blitz zeigt uns ſteuerbord eine Inſel.
Wir ſehen kein Fahrwaſſer vor uns. Ich ſtelle den Motor
auf halbe Kraft. Die Strömung iſt hart hinter uns her.
Zinko ſchreit von achter: Ganze Kraft! Sonſt kann ich
nicht ſteuern. Wieder ein Blitz. Gottlob, vor uns dehnt
ſich der Fluß alſo vorwärts. Plötzlich ein furchtbarer
Stoß, das Boot in allen Fugen erſchütternd, ein entſetz=
liches
markerſchütterndes Krachen. Ich ſtürze vorn über
auf die glühend heiße Schutzhaube des Motors Men=
ſchen
, Koffer und Sachen fliegen wild durcheinander.
Schreien und Rufen. Stockfinſtere Nacht. Ich ſpringe
zurück und reiße den Kuppelungshebel zurück. Einen Mo=
ment
durchzuckt mich die Angſt, der Kiel ſei gebrochen, wir
ſeien auf einem Steinwall aufgerannt. Ich laſſe den
Motor weiter leer laufen, er ſcheint unverſehrt: der Kiel
muß heil geblieben ſein. Da wirft das Schwungrad das

Waſſer empor wie einſt droben im Luapula, als die
Sarotti den Baumſtumpf rammte. Ich weiß Beſcheid.
Im Nu habe ich die furchtbare Wahrheit erkannt. Ich
ſtoppe den Motor. Mit dem nächſten Griff erhaſche ich die
lange Staakſtange, die noch neben mir liegt, und ſuche
Grund. Ich vermute das Boot auf einem Steinwehr
ſitzend. Anker klar! Laß’ gehen! Zinko wiederholt laut,
mechaniſch das Kommando, nach vorn ſpringend. Im Nu
ſauſt der Anker nieder. Ich ſuche vergeblich nach Grund
Jeſus, Maria und Joſeph! Wie tief iſt denn das Meer
hier? Zinko brüllt: Wir ſinken! Offenbar ſind wir
an einer Klippe geſcheitert! Ich ſtehe bis an die Waden
im Waſſer, das in Maſſen hereinſtrömt. Das Leck muß
klotzig ſein. Das Boot ſchwoit langſam am Anker. Eimer
und Kochgefäße her! Schöpfen! Alle Mann ſchöpfen!
Mit der Wut der Verzweiflung werfen wir das Waſſer
über Bord. Esgeht ums Leben! Die Gefahr unſerer
Lage mit ihrer ganzen erdrückenden Schwere legt ſich mir
aufs Herz. Zinko ſchreit: Wir müſſen verſuchen, ans
Ufer zu kommen. Das Waſſer ſtrömt übers Kaſtell her=
ein
! Anker hoch! Mit der Kraft der Selbſterhal=
tung
holt Zinko den Anker ein vergebens. Der Anker
ſitzt feſt. Wild entſchloſſen kappt Zinko mit einigen wuch=
tigen
Hieben ſeines Standhauers das dicke Ankertau. Wir
treiben ſtromab, unheimlich ſchnell. Das Waſſer im Boot
ſteigt. Wir werden alle in dieſen Strudeln verſaufen
oder die Krokodile Europäer paddeln, Boys weiter
ſchöpfen! Wir begrüßen die Blitze, die uns das Ufer
zeigen. Joſeph, tupa maji ao tutakufa! Schöpft Waſſer,
oder wir ſterben! Die Jungens begreifen. Aus Leibes=
kräften
drückten wir drei Männer das Boot näher und
näher gegen die ſchwarze Uferwand. Gnädige Frau,
ruhig bleiben, es iſt keine Gefahr mehr, lüge ich laut.
Zinko in ſeiner Ehrlichkeit ſchreit dagegen: Gefahr iſt
ſchon! Feſte, feſte, Boys, was das Zeug hält! Wir
hören das Rauſchen des Fluſſes im Geäſt. Es wird Zeit.
Das Waſſer im Boot ſteigt beänſtigend. Da ſtreifen wir
das Laub. Ich greife in die Zweige, doch die Stwmung

eißt uns mächtig weiter ſtromab. Plötzlich lautes Krachen
wir treiben an einem toten, im Waſſer liegenden Baum
entlang. Ein überſtehender Aſt hat den Maſt gebrochen.
Die obere Hälfte mit dem Klubwimpel geht über Bord
ein böſes Omen! Ehe wirs uns verſehen, iſt Zinko mit
einem tollkühnen Satz in den verdorrten Baumrieſen ge=
ſprungen
und ſchlingt das rettende Tau um einen Aſt.
Gott ſei’s gedankt, er hält! Die Menſchenleben ſcheinen
wenigſtens gerettet. Päng! Stettens erſter Signalſchuß
kracht über das Waſſer, der zweite miſcht ſich mit dem Echo
des Erſten päng-päng-päng. Wir wagen nicht auf
die Antwort zu lauſchen wir müßten das Schöpfen
unterbrechen. Wir können höchſtens 4 Kilometer Luftlinie
von Molundu entfernt ſein. Man muß die Schüſſe hören.
Ich habe den größten Eimer ergriffen und ſchöpfe auf
Teufel komm raus. Die Boys müſſen mit dem Schöpfen
mein Tempo halten. Der Schweiß fließt. Stetten durch=
ſucht
das Durcheinander im Boot nach Patronen. Macht
Licht! Die Finſternis iſt ſchrecklich. Wir hatten während
der Fahrt kein Licht unterhalten, um die Augen nicht zu
blenden. Hols der Böſe! Alle Streichhölzer naß! Stet=
ten
holte aus ſeiner Bruſttaſche die einzige noch trockene
Schachtel. Wie entſetzlich! Ein letztes einſames Streich=
holz
findet ſich darin! Frau von Stetten hält die Lampe,
ſie zittert um das letzte Streichholz ein kurzes Auf=
flackern
, und es iſt erloſchen, es war unſer letzter Hoff=
nungsſchimmer
, der da aufflammte und erſtarb. Weiter
im Dunkel! Zinko vertoit den Bug an dem trockenen
Baumſtamme. Die Menſchenleben ſind wohl jetzt außer
Gefahr. Das Boot ſcheint verloren. Höher und höher
ſteigt das Waſſer trotz unſerer wahnſinnigen Anſtreng=
ungen
. Die Stimme verſagt mir. Die Kehle iſt wie aus=
gedörrt
. Da reicht mir Frau von Stetten den Waſſerſack
welches Labſal! Dieſe tapfere Frau hat keinen Augen=
blick
die Haltung verloren eine Heldin im hehrſten
Sinne des Wortes! Ruhig und umſichtig ſchaltet und
waltet ſie, die Gefahr nicht achtend. Im Waſſer ſtehend
bis über die Schuhe zwiſchen Koffern und allerhand wüßt

[ ][  ][ ]

und der letztgenannten Warenzeichen war der Kaufmann
Peter Kreß in Niederſteinach vom Landgericht
Darmſtadt am 23. April 1912 zu einer Geldſtrafe von 150
Mark verurteilt worden. Kreß hatte im Sommer 1911
mehreren Kunden, die ſich die Maggiwürze in ein hierzu
mitgebrachtes Maggifläſchchen einfüllen laſſen wollten,
aus einer großen Maggiflaſche eine Flüſſigteit gegeben,
die mit der Maggiwürze zwar Aehnlichkeit zeigte, jedoch,
wie die chemiſche Unterſuchung im Laboratorium der
Maggi=Geſellſchaft ergab, ſpezifiſch leichter war. Es
wurde dies zurückgeführt auf eine Verdünnung der echten
Maggiwürze mit Waſſer oder auf eine Miſchung mit dem
ſpezifiſch leichteren Konkurrenzfabrikat Knorr Sos
Schließlich nahm man auch an, daß es ſich um Knorr
Sos allein handelte. Die Verteidigung behauptete zwar,
es ſei echte Maggiwürze, die durch langes Lagern ihre
chemiſche Zuſammenſetzung verändert hätte, konnte jedoch
nicht widerlegen, daß Kreß die Maggiſchen Warenzeichen
dazu verwandt hatte, um eine Subſtanz von anderen
Eigenſchaften (ſpezifiſche Gewichtsdifferenz) mit ihrer
Hilfe zu verkaufen. Es erfolgte daher die Verurteilung auf
Grund des§ 14 Abſatz 2 des Warenzeichengeſetzes vom 12.
Mai 1894. Ferner wurde der geſchädigten Maggigeſell=
ſchaft
Publikationsbefugnis in der Darmſtädter Zeitung
zugeſprochen. Kreß legte dagegen Reviſion bei dem
Reichsgericht ein, die aber vom höchſten Gerichtshof
im Anſchluß an den Antrag des Reichsanwalts als un=
begründet
verworfen wurde, da als erwieſen anzuſehen
war, daß der Angeklagte verfälſchte Maggiwürze aus
einer mit einem Maggi=Etikett verſehenen Flaſche ver=
kauft
hatte, und der Tatbeſtand des § 14 Abſatz 2 des
Warenzeichengeſetzes ſich ſomit lückenlos erfüllte.
Vom Großh. Hoftheater. Heute Mittwoch, den 23.
Oktober, wird Hermann Bahrs neueſtes Luſtſpiel Das
Prinzip, das bei der Uraufführung an unſerem Hof=
theater
einen durchſchlagenden Erfolg erzielt hat, der ihm
auch in allen anderen Städten, in welchen das amüſante
Werk bislang zur Aufführung gelangt iſt, treu blieb, zum
erſtenmal wiederholt. Dieſe Vorſtellung (im Abonnement
für die Serie D10) beginnt um 7½ Uhr. Morgen Don=
nerstag
wird Offenbachs übermütige Parodie=Operette
Die ſchöne Helena als 40. Abonnementsvorſtellung,
Buchſt. A 10, zur Wiederholung gelangen. Am Freitag
bleibt das Hoftheater im Hinblick auf die am ſelben Abend
ſtattfindenden Lutherfeſtſpiele geſchloſſen. Samstag wird
nach längerer Pauſe Adams Märchenoper Wenn ich
König wäre zu kleinen Preiſen wiederholt werden.
Für Sonntag nachmittag iſt als dritte Volksvorſtellung
Leſſings Nathan der Weiſe mit Guido Lehrmann,
dem hier noch in glänzender Erinnerung ſtehenden Cha=
rakterſpieler
des Wiesbadener Hoftheaters, als Gaſt in der
Titelrolle, angeſetzt. Am Sonntag abend iſt Premiere der
Operette Der liebe Auguſtin Leo Falls neueſtes
Opus hat in Berlin viele hundert Aufführungen erlebt
und iſt hier mit den erſten Kräften des Enſembles, unter
der muſikaliſchen Leitung Kapellmeiſter Kleibers, beſetzt.
* Die Ausſtellung Der Menſch nicht nach
Frankfurt. Aus zahlreichen Anfragen und Mitteilungen
an die Leitung der Ausſtellung Der Menſch
in Darmſtadt geht hervor, daß die Meinung ver=
breitet
iſt, die Ausſtellung werde nach November nach
Frankfurt a. M. übergeführt werden, um dort für einige
Monate gezeigt zu werden. Die Leitung der Ausſtellung
Der Menſch in Darmſtadt teilt uns mit, daz dieſe Anſicht
unrichtig iſt. Der Stadtrat von Dresden hat die Genehmi=
igung
zu einer nochmaligen öffentlichen Vorführung der
AAusſtellung in Frankfurt a. M. nicht erteilt, ſo daß die
Ausſtellung nach Schluß von Darmſtadt aus nach
Dresden übergeführt wird. Hauptſächlich aus dieſen
Gründen iſt die Ausſtellung, die urſprünglich nur bis
Oktober geöffnet ſein ſollte, noch einmal verlängert
worden und, wie bereits mitgeteilt, noch bis Mitte
November geöffnet, damit den vielen Vereinen und
Schulen, die im Oktober nicht kommen konnten und
ihren Beſuch für ſpäter angemeldet haben, noch Gelegen=
heit
zur Beſichtigung gegeben wird.
X Hanſabund und Mittelſtand. Am Montag abend
hat die auf Veranlaſſung der neu geſchaffenen Ausſchüſſe
für Handwerk und Kleinhandel der Ortsgruppe Darm=
ſtadt
des Hanſabundes einberufene erſte Sitzung der
verſchiedenen kaufmänniſchen und gewerblichen Korpora=
itionen
, Innungsvorſtände uſw. zur Beratung der Fra=
igen
des Borgunweſens und der kaufmänni=
iſchen
Buchführung, welche den Mittelſtand außer=
ordentlich
intereſſieren, ſtattgefunden. In der zahlreich
beſuchten Verſammlung fand zunächſt eine lebhafte Er=
örterung
aller Fragen ſtatt, welche mit dem Borgunweſen
zuſammenhängen. Feſtgeſtellt wurde, daß der Mittelſtand
ſicherlich eine weitere Kräftigung ſeiner Lage erzielen
würde, wenn durchgreifende Maßnahmen zur Beſeitigung
der allzulangen Kreditinanſpruchnahmen ſeitens des
kaufenden Publikums gefunden werden können. Die ver=
ſchiedenen
hier in Frage kommenden Schritte wurden ein=
gehend
beſprochen, wobei die Verſammlung einhellig zu
der Erkenntnis kam, daß zur Erzielung des gewünſchten
Erfolges vor allen Dingen eine rechtzeitige und zweck=

mäßige Zuſtellung der Rechnungen ſeitens der Gewerbe=
treibenden
nötig ſei. Dies kann nach Anſicht der Ver=
ſammlung
nur dann erreicht werden, wenn für jeden Ge=
werbetreibenden
die Möglichkeit einer durchaus geord=
neten
Buchführung geſchaffen wird. Im Anſchluß an
ein Referat des Herrn Glaſermeiſters Werner über die
verſchiedenen, dem Hanſabunde gegenwärtig zur Ver=
fügung
ſtehenden Buchführungs=Syſteme wurde eine aus
5 Herren beſtehende Kommiſſion eingeſetzt, welche dem=
nächſt
Buchführungs=Syſteme, wie ſie für die Ausdeh=
nung
der in Darmſtadt beſtehenden gewerblichen Betriebe
in Betracht kommen können, durchberaten und ausarbei=
ten
ſoll. Das Ergebnis der Beratungen ſoll einer grö=
ßeren
Verſammlung zur endgültigen Begutachtung vorge=
legt
werden. Inzwiſchen werden die einzelnen Innungs=
vorſtände
ihre Innungen von den ſtattgehabten Ver=
handlungen
über die Frage des Borgunweſens unter=
richten
, ſich über die Stimmung in weiteren Kreiſen des
Mittelſtandes bezüglich der einzelnen aufgeworfenen Fra=
gen
informieren, um dann in einer weiteren gemeinſamen
Verſammlung der verſchiedenen kaufmänniſchen und ge=
werblichen
Korporationen an der Schaffung und Durchfüh=
rung
erfolgverſprechender Maßnahmen zur möglichſten
Beſeitigung des Borgunweſens in Darmſtadt mitarbeiten
zu können.
Gewerbemuſeum. Im Gewerbemuſeum, Neckar=
ſtraße
3, ſind neu ausgeſtellt: Ein großer Beleuch=
tungskörper
aus Meſſing, ausgeführt von der Rhei=
niſchen
Bronzewarenfabrik Schüz u. Beringer in
Mainz. Im Reif ein Schmuckfries in Ausſägearbeit,
eine Hirſchjagd darſtellend, von Hermann Pfeiffer,
Maler Kammerhof bei Leeheim i. Ried. Von
demſelben Künſtler ſind auch einige graphiſche Arbeiten
(Silhouetten) ausgeſtellt. Ferner: Korbmöbel aus
der Werkſtatt für moderne Rohrmöbel von Valentin
Elſeſſer=Hamm i. Rheinheſſen. (Die Gegen=
ſtände
ſind verkäuflich.) Die Ausſtellung hinderindi=
ſcher
und indoneſiſcher Kunſt aus den Samm=
lungen
des Forſchungsreiſenden Th. H. Thomann= Bens=
heim
a. d. B. iſt noch für einige Tage dem Publikum
zugänglich.
A Handelskammerwahl. Auf Grund des Handels=
kammergeſetzes
haben für den Wahlbezirk Darmſtadt Er=
gänzungs
= und Erſatzwahlen ſtattzufinden. Vor
Vornahme dieſer Wahlen werden die Liſten der Wahlbe=
rechtigten
in den Erwerbsgruppen Induſtrie, Großhandel
und Kleinhandel in der Zeit vom Donnerstag, den 24a
Oktober, bis Montag, den 4. November d. J. auf dem
Bureau der Großh. Handelskammer während der Ge=
ſchäftsſtunden
, vormittags von 91 Uhr und nachmittags
von 46 Uhr offen liegen. Einwendungen gegen den
Inhalt der Liſten ſind innerhalb der erwähnten 10 tägigen
Friſt bei der Handelskammer ſchriftlich vorzubringen.
C Buchdruckereibeſitzer Eduard Roether P. Ver=
gangene
Nacht iſt im Alter von 38 Jahren Herr Buch=
druckereibeſitzer
Eduard Ro=ther hierſelbſt uner=
wartet
geſtorben. Der frühe Tod riß den Verſtorbenen
mitten aus einer emſigen und vielſeitigen Berufstätigkeit.
Er war Verleger des Rheinheſſiſchen Beobachters in
Ingelheim, der evangeliſchen Wochenſchrift Der Sonntag
und mehrerer anderer Verlagswerke und Drucker der
Liberalen Wochenſchrift. Perſönlich erfreute ſich Herr
Roether, ein Mann von idealer Geſinnung, vermöge ſeines
offenen und liebenswürdigen Charakters weit über den
Kreis ſeiner perſönlichen Freunde hinaus größter Beliebt=
heit
und Wertſchätzung. Beſonderes Intereſſe brachte er
den Fragen der Organiſation ſeines Standes entgegen,
und war ein eifriges und tätiges Mitglied des Bezirks=
vereins
Darmſtadt des Deutſchen Buchdruckervereins,
deſſen 2. Vorſitzender er auch war. R. i. p.
* Freie Vereinigung Heſſiſcher Nationalliberaler. Die
der Freien Vereinigung Heſſiſcher Nationalliberaler an=
geſchloſſenen
Reichstagswahlkreiſe und nationallibe=
ralen
Vereine, alſo Mainz, Offenbach, Gießen,
Alsfeld, Erbach, haben Dr. Otto Linſe als Partei=
ſekretär
angeſtellt. Herr Dr. Linſe wird ſeine
Tätigkeit im Dezember aufnehmen. Er iſt geborener
Aachener, Doktor der Staatswiſſenſchaft und als natio=
nalliberaler
Parteiſekretär in Reichenbach i. V. und in
Krefeld tätig geweſen.
K. C.=Tag und 10. Stiftungsfeſt der Verbindung
im K. C. Viadrina Man ſchreibt uns: Vom 17.21.
Oktober fand in unſerer Stadt der 17. ordentliche
K. C.=Tag, verbunden mit dem 10. Stiftungsfeſt der
Verbindung im K. C. Viadrina ſtatt. Die Verbindung
im K. C. 9 an der Zahl und ein akademiſcher Stamm=
tiſch
ſtehen auf dem Boden deutſchvaterländi=
ſcher
Geſinnung. Sie haben zum Zweck den Kampf
gegen den Antiſemitismus in der deutſchen Studenten=
ſchaft
und die Erziehung ihrer Mitglieder zu ſelbſtbewuß=
ten
Juden, die im Bewußtſein, daß die deutſchen Juden
einen durch Geſchichte, Kultur= und Rechtsgemeinſchaft
mit dem deutſchen Vaterlande unlöslich verbundenen
Volksteil bilden, jederzeit bereit und imſtande ſind, für

die politiſche und geſellſchaftliche Gleichberechtigung der
Juden einzutreten. Nach den 2 Tage umfaſſenden Ver=
handlungen
des Verbandstages fand ſich eine ſtattliche
Korona am Samstag abend im großen Saale des Städ=
tiſchen
Saalbaues zu einem Feſtkommers zuſammen, der
ſich zu einer impoſanten Kundgebung im Sinne der Ten=
denz
des K. C. geſtaltete. Am Sonntag abend vereinigte
man ſich nach einer Reihe von Veranſtaltungen im Laufe
des Tages zu Bowle und Tanz auf Heilig=Kreuz.
Eine interne Feier am Montag bildete den Schluß des
Feſtes, das bei allen Beteiligten einen nachhaltigen Ein=
druck
zurückgelaſſen hat.
* Vortrag von Paſtor v. Wicht. Man ſchreibt uns:
Der angekündigte offene Abend des Alkoholgegnerbundes
im Saalbau erhielt ein beſonders feſtliches Gepräge
durch einen Vortrag des bekannten Vorkämpfers für die
Guttemplerſache, des Paſtors v. Wicht aus Garſtedt.
Redner erzählte erſchütternde Beiſpiele von Alkoholelend
aus ſeiner früheren Praxis als Seemannspaſtor in Mar=
ſeille
und Buenos=Aires. Kaum weniger ſchlimm ſei der
Jammer in ſeinem jetzigen Wirkungskreiſe. Von einfacher
Ermahnung und Aufklärung ſei nach allen bisherigen Er=
fahrungen
nichts zu erhoffen, ſondern es komme vor allen
Dingen darauf an, die überall noch herrſchende Verführ=
ung
und den Trinkzwang zu beſeitigen. Das tatſächliche
Vorhandenſein eines Trinkzwanges laſſe ſich am beſten
im öffentlichen Leben konſtatieren, denn vielfach ſei unter
Beamten und Geſchäftsleuten noch die Furcht verbreitet,
eine entſchiedene Stellungnahme gegen den Alkohol könne
ihrer beruflichen Arbeit, ihrem Avancement oder ihrem
Geſchäfte ſchaden. Während es ſich ſonſt jeder zur Ehre
anrechne, bei patriotiſchen und ſozialen Beſtrebungen an
erſter Stelle zu ſtehen, hielte man ſich bei Bekämpfung des
Alkoholismus, unſeres größten ſozialen Schadens, angſt=
lich
zurück. Redner wies derartige Befürchtungen als un=
begründet
nach, und führte zahlreiche Beiſpiele eigener
Beobachtung an, in denen ein entſchiedenes Auftreten für
die Abſtinenzbewegung weit davon entfernt, geſchäftlichen
Schaden zu bringen, den Betreffenden die Hochachtung
weiter Kreiſe, und ſelbſt ſolcher, welche am Alkoholhandel
intereſſiert ſind, errungen hätten. Noch viel zu wenig
beachtet ſei der Wert der Abſtinenzbewegung für den Aus=
gleich
ſozialer Gegenſätze. In einer Zeit, in der ſo viel
von Klaſſenhaß und ſeiner Beſeitigung die Rede ſei, hätten
die Abſtinenzorganiſationen mehr praktiſche Arbeit ge=
leiſtet
als alle Kongreſſe, indem gemeinſames Wirken für
eine große Sache eine Brücke geſchlagen hätte zwiſchen
Arbeitern und Gebildeten.
* Darmſtädter Hausbeſitzerverein. Es ſei auf die
heute abend im Fürſtenſaal ſtattfindende Verſamm=
lung
des Darmſtädter Hausbeſitzer= Ver=
eins
betr. die 2. Hypothek nochmals aufmerkſam
gemacht.
r. Die Mitglieder des Evangeliſchen Bundes
ſeien nochmals darauf hingewieſen, daß ſie vom 22. bis
30. Oktober gegen Vorzeigung ihrer Mitgliedskarte im
Verkehrsbureau am Ernſt=Ludwigsplatz Eintrittskarten
für die Ausſtellung Der Menſch zum ermäßigten Preiſe
von 50 Pfg. erhalten können.
* Franzöſiſcher Cirele. Damen und Herren, die
ſich in der franzöſiſchen Sprache zu vervollkommnen
wünſchen, werden darauf aufmerkſam gemacht, daß der
bekannte franzöſiſche Circle von Profeſſor Berryer
ſeinen Anfang genommen hat. (Siehe Anzeige.)
* Der Verband für Jugendwohlfahrt und Jugend=
fürſorge
in der Stadt Darmſtadt lädt zur Mitglieder=
Verſammlung im Herrſchaftsſaal des Städtiſchen
Saalbaues am Freitag, den 15. November, nachmittags
5 Uhr, ein. Auf der Tagesordnung ſtehen: Mitteilungen;
Armenpflege und Arbeitszwang (Referent: Herr Amt=
mann
Krapp) und Ausſprache.
* Ueber die Bedeutung des Eiſenbetons im heutigen
Bauweſen wird am Freitag abend im Ortsgewerbe=
verein
Herr Dr.=Ing. Kleinlogel ſprechen. (S.
Anz.)
* Hohes Alter. Man ſchreibt uns: Herr Privatier
Windhaus, Soderſtraße, legte letzter Tage ſeinen
93. Geburtstag in körperlicher und geiſtiger Friſche
zurück; ſeine Konſtitution läßt erwarten, daß er auch
noch das 100. Lebensjahr erreichen wird. In derſelben
Straße wohnt, auch noch rüſtig, eine Frau, die 95 Jahre
alt iſt, und weiter zwei Männer, welche das 90. Lebens=
jahr
überſchritten haben; einer im Alter von 92 Jahren
und einer von 82 Jahren ſind kürzlich geſtorben.
Zu dem furchtbaren Ballonunglück am Sonntag,
ei dem zwei unſerer beſten Luftpiloten den Tod fanden,
wird uns mitgeteilt, daß der mitverunglückte Leutnant
Stieler ein Darmſtädter iſt und der Sohn eines
Darmſtädters, nämlich des Herrn Oberſt Stieler. Leut=
nant
Stieler ſtand im Feldart.=Regt. Nr. 13 und befand
ſich in dienſtlichem Auftrage in dem Ballon, der bekannt=
lich
ſeinen Abnahmeflug machen ſollte. Herr Inge=
tieur
Hans Gericke ſtudierte im Jahre 1893 auf
der Hochſchule zu Darmſtadt und war Alter
Herr des hieſigen Korps Haſſia.

durcheinander liegenden Gerätſchaften meldet ſie den zu=
nehmenden
Waſſerſtand im hinteren Bootsraum, türmt ſie
die photographiſchen Artikel auf die oberſten Koffer
reicht ſie ihrem Gatten die Patronen. Acht Streifen Pa=
tronen
donnerten ſchon durch die Nacht und noch keine
Antwort! Schockſchwerenot man muß uns doch hören
Warum antwortet man nicht?! Es gibt doch altgediente
Soldaten auf der Faktorei und dann auf dem Regierungs=
poſten
! Zinko taucht jetzt unter das Boot, um das Leck
zu ſuchen. Stetten funken Sie ins Waſſer gegen die Kro=
kodile
!
Endlich hat Zinko das Leck gefunden, backbord neben
dem Motor. Er reißt das Lateinſegel vom Maſtſtumpf
Die Rahe wird am Auspuffrohr innen befeſtigt, um das
Segel unter dem Boot hindurch und ſteuerbord hochzu=
ziehen
. Dann ſchmiegt ſich das waſſerdichte Segeltuch
unter dem Druck des Waſſers gegen die Bootswand.
Währenddeſſen ſchöpfen wir andern mit letzter Kraft
Das Leckſegel läßt ſich nicht unter dem Kiel hindurch=
legen
. Die Aeſte des alten Baumes ſperren den Durch=
gang
. Zinko wäre um ein Haar ertrunken, als er ſich unter
dem Boot befand, ohne daß wir die leiſeſte Ahnung
hatten, daß da unter uns einer mit dem Tode ringt. Seine
Hoſen, von dem zackigen Geäſt erfaßt laſſen ihn nicht wie=
der
hochkommen. Mit letzter Kraft zieht er ſich am Baum
empor. Auf allen=Vieren klettert ec auf dem Baum ans
Ufer. Wir müſſen verſuchen von dem Baum los und an
Land zu kommen! Vorher muß das Loch von innen pro=
viſoriſch
verſtopft werden, um den Waſſerzufluß etwas
abzuſchwächen. Vier Stunden ſchöpften wir bereits. Wir
fühlen unſere Arme nicht mehr. Das Brett des Boden=
belags
unmittelbar an der Bootswand iſt feſtgenagelt.
Mit übermenſchlicher Kraft reißt Zinko das Brett hoch,
dann werden alle Decken, Kleider, Wäſcheſtücke auf das
Leck geworfen und mit den Füßen feſtgeſtrampelt trotz=
dem
vermögen wir des einſtrömenden Waſſers nicht Herc
zu werden. Immer und immer wieder krachen die Sig=

nalſchüſſe hinaus Ein zweites Tau wird am Boot be=
feſtigt
und am Ufer um einen Baum geſchlungen, ehe wir
das andere Tau löſen und uns von dem rettenden Baum=
kadaver
fortwagen. Das haushohe Ufer, mit Waſſer=
pflanzen
, Wurzeln, Lianen, Bäumen und Sträuchern be=
kleidet
, ragt ſenkrecht hos). Zinko hat ſich an das Strauch=
werk
feſtgeklammert. Das Waſſer iſt hart am Ufer nur
etwa 1 Meter tief. Dort ſoll die Hygiama auf Grund
gelegt werden. Wir ſchöpfen ohne Unterlaß weiter. Bald
ſind wir am Ende unſerer Kräfte. Die Boys hält nur
noch die Angſt ums Leben aufrecht. Jetzt löſt Zinko das
Tau vom Stamm. Durch all die Aufregungen, die
Dunkelheit und die dadurch hervorgerufene Ungewißheit,
durch das fortwährende Geſchrei, das Fragen und Be=
raten
, die Angſt um die wackere Frau und all die Men=
ſchenleben
, das ſcheinbar nutzloſe Geſchieße, der ohren=
betäubende
Lärm der klirrenden und klappernden Schöpf
gefäße und das fortwährende Plumpſen der Waſſermaſſen
haben mich ganz benommen. Jetzt treiben wir ab. Wirk
das Ufertau funktionieren? Es ſtrafft ſich. Die äußerſten
Aeſte des toten Baumes trennen uns noch immer vom
Ufer endlich haben wirs geſchafft. Wir ziehen uns am
Tau näher ans Ufer. Aeſte knacken. Zinko hat ſich ent=
kleidet
und ſteht bis zum Hals im Waſſer, das Boot näher
an Land ziehend. Noch einige Schüſſe ſchlagen ins
Waſſer. Die Gefahr des Sinkens iſt noch nicht verſchwun=
den
. Alſo näher ans Ufer! Doch das Boot weicht keinen
Zoll. Das überhängende Wachstum oder Krikwurzeln
unter Waſſer halten uns feſt. Wir müſſen um jeden Preis
verſuchen, Feuer zu machen. Eine Schrotpatrone wird ent=
leert
und auf petroleumgetränkte Watte abgefeuert
voll banger Spannung ſind die Augen in das Dunkel ge=
richtet
wo wir Zinko an der Uferwand vermuten.
Knallend flammt der Feuerſchein aus dem Flintencohr
einige glühende Punkte, die ſofort wieder erlöſchen Hätte
ich jetzt einen meiner Avembajungen hier, die droben am
Luapula meiner harren, in fünf Minuten hätte er aus

trockenem Holz das Feuer gerieben. Das Waſſer im Boot
ſteigt zuſehends. Wir müſſen ans Ufer. Zinko meint
Stimmen zu hören. Taucht da ſtromauf nicht ein Licht
auf? Totenſtille. Ein Leuchtkäfer hat uns genarrt.
Noch einmal wird der Kampf gegen das zähe Wachstum
aufgenommen, das uns, dem rettenden Ufer ſo nahe, ge=
fangen
hält. Zwei Boys beginnen jetzt, das Boot zu ent=
laden
, wir andern ſchöpfen. Zelt und Koffer werden auf
einem ſchmalen ſchiefen Abſatz des Ufers zwiſchen Kletter=
wurzeln
geſtaut. Vorwärts Vorwärts!! Halt! Da!
Das waren doch menſchliche Stimnei! Wir wollen es
alle gehört haben. Oder ſind wir ale verrückt geworden?
Wir lauſchen alle auf den Fluß hinaus. Nur das Spiel
des Waſſers läßt ſich vernehmen. Stetten donnert mit dem
98er los. Friedhofsſtille. Aufs neue enttäuſcht und ent=
mutigt
geht es wieder ans Werk. Da! das war keine
Täuſchung nein, das war wirklich keine Täuſchung
tiefes Schweigen. Halloooh langgezogen ſchallt es
den Fluß herauf ein Licht!!!!! zwei Lichter!!
Hurra! Hilfe! Die Boys johlen laut. Schon
hören wir Stimmengewirr. Die kleine Frau, ganz oben
auf dem Wäſcheſack hockend, wohin ſie vor dem ſteigenden
Waſſer geflüchtet, klatſcht überglücklich in die Hände.
Der Eindruck der nahenden Rettung hält uns derart
gefangen, daß wir das Schöpfen vergeſſen. Heia Boys!
Das Waſſer iſt faſt bis zu den Sitzbrettern geſtiegen.
Vorwärts Boys! Schöpfen! Auf daß wir nicht noch im
letzten Augenblick vor den Augen der Retter verſinks),
Zinko! deutlich ſchallt der Ruf zu uns. Das iſt KuOr=
Schon hören wir den Schlag der Riemen. Macht genie
zum Donnerwetter! Kein Licht! Schon erholt,
kommt es zurück. Jetzt hören wir trotz des Schas die
deutlich, wie Kunze die Schwarzen anfeuert. Strotz der
liches Fluchen tönt uns wie Kirchenmuſik in die Schritt
Das Licht verſchwindet plötzlich, dann kommt es am Er=
den
Zweigen ganz nahe wieder zum Vorſchein. M. St.
mit dem langen Stahlboot. Er ſteht vorn und t

[ ][  ][ ]

Schauſchwimmen. Man ſchreibt uns: Am
kommenden Sonntag, den 27. Oktober, nachmittags,
wird die Schwimmabteilung der Turngemeinde Darm=
ſtadt
im Städtiſchen Hallenſchwimmbad ihr diesjähriges
Schauſchwimmen abhalten. Außer einem Schwimmer=
Reigen, Waſſerpyramiden, Waſſerballſpielen, Schnell= und
Stafettenſchwimmen wird das Waſſerſpringen viel
Intereſſe bieten. Verfügt doch die Turngemeinde über
ſeine Anzahl guter Springer, welche bei dem jüngſten
Kreis=Wettſchwimmen mit erſten Preiſen ausgezeichnet
wurden. Die Eintrittspreiſe ſind billigſt geſtellt, ſo daß
es einem jeden ermöglicht iſt, das Schwimmfeſt zu
beſuchen. Alles weitere iſt aus dem Anzeigenteil er=
ſſichtlich
.
* Das Reſidenztheater am Weißen Turm bringt
unter dem Aſta Nielſen=Film als Einlage ab heute ein
tiefergreifendes Trauerſpiel, betitelt: Die Tragödie einer
Mutter zur Vorführung. Verfaſſer iſt die berühmte
nordiſche Film=Comp. Der Film iſt einer der beſten,
welche in der letzten Zeit von der genannten Firma ge=
bracht
worden ſind. Die Hauptrollen kreierten der große
deutſche Schauſpieler Ferdinand Storm und die berühmte
Tragödin Frau Ragna Wettergreen vom National=
theater
in Kriſtiania. Neben dem ſpannenden Drama:
Geld und Herz von Gaumont iſt noch die köſtliche
amerikaniſche Humoreske: Eine fatale Situation und
die Komödie: Herr und Diener zu erwähnen. Mit
einem Wort, ein Programm, ſo reichhaltig und fein zu=
ſammengeſtellt
, wie es ſelten geboten wird.
=gs. Schadenfener, Geſtern mittag gegen 1 Uhr ent=
ſtand
in einem Hauſe der Rückertſtraße ein Schaden=
feuer
. Hierbei erlitt eine im Hauſe wohnende Frau
Brandwunden an Geſicht, Bruſt und Hals. Die
Verletzte wurde von der Rettungswache nach Anlegung
von Notverbänden mittels Krankenkraftwagens in das
Städtiſche Krankenhaus gebracht.
-h- Von der Bergſtraße, 22. Okt. Die hohen Obſt=
und Weinpreiſe veranlaßten die Landwirte wieder
zu vermehrter Anpflanzung von Obſtbäumen und Reben.
Der Obſtverwertungsverein in Zwingenberg erhält dem=
nächſt
einige tauſend junger Obſtbäume für ſeine 2
glieder.
Vensheim, 22. Okt. Für den Bahnbau Bens=
heim
-Lindenfels liegen die Pläne und Koſten=
voranſchläge
der erſten 4 Kilometer von Bensheim nach
Schönberg zur Baugenehmigung in Darmſtadt. Zu den
veranſchlagten Baukoſten von 3,5 Millionen Mark ſteuert
der Kreis Bensheim 1,25 Millionen bei, der Staat 30
PProzent und den Reſt die Kontinentale Eiſenbahnbau=
Geſellſchaft in Berlin. Man erwartet jetzt, daß das Mi=
niſterium
die Genehmigung ſo zeitig erteilt, daß mit
Beginn des nächſten Jahres die Arbeiten begonnen wer=
den
können.
-h- Bensheim, 22. Okt. Herr Bürgermeiſter Fre=
nay
wird ſeine Dienſtgeſchäfte ſobald noch nicht wieder
übernehmen können, da ſeine Krankheit ſich ver=
ſchlimmert
hat. Die Darmſtädter Straße, ſowohl
die Fahrbahn wie die Fußſteige, erhält Kleinplaſter.
-h- Auerbach, 22. Okt. Der Weg nachdem Auer=
bacher
Schloß am weſtlichen Gebirge und das Schloß
iſelbſt ſollen demnächſt durch elektriſches Licht be=
leuchtet
werden. Der neue Wein wird das Viertel=
liter
in den Wirtſchaften für 20 Pfg. verzapft. Für dieſen
Preis wird wieder mehr Wein getrunken, denn 30 Pfg.
für das Viertelliter hat bisher manchen abgehalten Wein
zu trinken. Die Wahl des Herrn Ph. Gölz zum Bür=
ggermeiſter
von Auerbach hat die behördliche Genehmigung
erhalten.
Hofheim, 21. Okt. Bei den Dammverlegungsarbei=
ten
fanden beim Abgraben der Chauſſee vor der alten
Wohnung des Gutsbeſitzers Herrn Germann die dort be=
ſchäftigten
Arbeiter im Beiſein des Unternehmers, Herrn
Vetter, und des die Aufſicht vertretenden Dammwärkers,
Herrn März, in der Tiefe von zwei Metern ein noch gut
erhaltenes menſchliches Skelett nebſt einem hübſch
gravierten wertvollen Säbel und verſchiedenen Mün=
izen
, die ſämtlich die Jahreszahl 1600 tragen. Säbel und
Münzen wurden ſofort nach Auffinden an das Waſſer=
bauamt
Worms abgeliefert.
A Beerfelden, 21. Okt. Geſtern nachmittag ſprach
vor zahlreichen Intereſſenten Herr Rudler aus Eber=
ſſtadt
im Hirſch hier über: Die Kaninchenzucht
und ihre Bedeutung‟. Dieſes Thema fand um
ſſo eher willige Hörer, als hier ſchon einige Zeit eine grö=
ißere
Anzahl von Züchtern ſich der Aufzucht dieſer Tiere
befleißigt und dabei recht gute Reſultate erzielt. Der
Vortragende wurde ſeiner Aufgabe in ſehr anerkennens=
twerter
Weiſe gerecht, und als er am Schluſſe ſeines Vor=
ſtrags
die Anweſenden aufforderte, ſich zu einem Kanin=
ſchenzuchtverein
zuſammenzuſchließen, waren ſofort
15 Herren bereit, ſolches zu tun. Es wird nun in den näch=
iſten
Tagen eine konſtituierende Verſammlung ſtattfinden,
Dem Verein wünſcht man bei den herrſchenden hohen
Fleiſchpreiſen fröhliches Gedeihen.

Offenbach a. M., 22. Okt. Das Abholungs=
ſyſtem
von Spargeldern durch die ſtädtiſche
Sparkaſſe hat während der kurzen Zeit ſeines Beſtehens
eine große Anzahl Anhänger gefunden, die heute auf über
2000 Einleger geſtiegen iſt. Im kommenden Jahre ſollen
die Spargelder bereits halbjährlich den Sparkonten gut=
geſchrieben
werden und demgemäß die 3½prozentige
Verzinſung vom 1. Juli bezw. 1. Januar an eintreten.
Mainz, 22. Okt. Der verſtorbene katholiſche Pfarrer
Heyder hat ſeine ſämtlichen Liegenſchaften im Geſamt=
werte
von rund 233 000 Mark der katholiſchen St. Peter=
kirche
zum Geſchenk gemacht. Lehrer Joſeph Niko=
lai
tritt am 1. November ds. Js. nach 50jähriger Dienſt=
zeit
in den wohlverdienten Ruheſtand, nachdem er im
Sommer ds. Js. ſein goldenes Lehrerjubiläum in aller
Stille gefeiert hatte.
Mainz, 22. Okt. Die Schießaffäre in der Ertal=
ſtraße
vom Juli d. J. ſtand heute zur gerichtlichen Ver=
handlung
vor der Strafkammer. Wie erinnerlich, hatte
ſeinerzeit der Buchdrucker Geiſt in der Wohnung ſei=
ner
Schwiegereltern, des Schreiners Nordhof, ſeine
Schwiegermutter, ſeine von ihm getrennt lebende Frau
und den zu Hilfe eilenden Poſtboten Schäfer durch Re=
volverſchüſſe
zum Teil ſchwer verletzt. Sämtliche Ver=
letzten
ſind wieder hergeſtellt. Zur heutigen Verhandlung
ſind 20 Zeugen geladen. Der Angeklagte Geiſt wurde
von der heutigen Strafkammer zu zwei Jahren Gefäng=
nis
, abzüglich drei Monaten Unterſuchungshaft, ferner
zu Bußen von 500 Mark an die Frau Nordhof und von
50 Mark an ſeine eigene Frau verurteilt.
Amöneburg, 22. Okt. Der 53jährige verheiratete Ar=
beiter
Dittmann von hier kam geſtern in der chemi=
ſchen
Fabrik zu lebensgefährlichen Verletz=
ungen
. Die Bruſt wurde ihm gequetſcht und ihm außer=
dem
mehrere Rippen zerbrochen. Der lebensgefährlich
Verletzte wurde in das Rochushoſpital nach Mainz ge=
bracht
.
Oppenheim, 22. Okt. Die Flurſchäden im
Kreiſe Oppenheim während der diesjährigen Ma=
növer
ſind durch zwei Kommiſſionen, die etwa drei
Wochen tätig waren, feſtgeſtellt worden und betragen
über 14000 Mark. Die größten Summen für Flur=
ſchaden
kommen in Wörrſtadt mit 4673 Mark, in Gabs=
heim
mit 4600 Mark und in Sulzheim mit 2000 Mark zur
Auszahlung.
Nackenheim, 22. Okt. Einen leichten Fiſchfang
gab es dieſer Tage im diesſeitigen Stromarm. Auf der
Oberfläche des Waſſers ſchwammen Fiſche aller Art. Teil=
weiſe
lagen ſie auf der Seite und ſchnappten nach Luft
Bewohner der Rheinſtraße fuhren ihnen im Nachen nach
und fingen ſie mit der Hand in großer Menge. Man
nimmt an, daß die Fiſche durch eine im Waſſer entzün=
dete
Dynamitpatrone betäubt worden waren.
Wallertheim, 21. Okt. Ein gräßlicher Unglücks=
fall
ereignete ſich in der hieſigen Kunſtmühle. Der in
den 40er Jahren ſtehende Müller M. Felſch aus Gau=
Weinheim wollte während des Ganges der Maſchinen
einen Riemen löſen, wurde aber dabei von der Trans=
miſſion
erfaßt und mit furchtbarer Wucht mehrmals
herumgeſchleudert, ſo daß ihm der Kopf zerſchmettert und
ein Bein ausgeriſſen wurde. Nach zwei Stunden qual=
vollen
Leidens ſtarb der Unglückliche. Felſch hinterläßt
eine Frau mit 8 zum Teil noch unverſorgten Kindern.
Heuchelheim, 22. Okt. Deutſchlands jüngſten
Bürgermeiſter dürfte die hieſige Gemeinde beſitzen.
Bei der Bürgermeiſterwahl wurde der Sohn des verſtor=
benen
Bürgermeiſters, Georg Schmitt, gewählt, der
gegenwärtig im Alter von 22 Jahren ſteht.
Lauterbach, 22. Okt. Frau Julie Calmberg geb.
Fink hat der Heilanſtalt für Kranke zu Lauterbach
5000 Mark, der Stadt Lauterbach für gemeinnützige
Zwecke 50000 Mark vermacht.
Langenbergheim, 22. Okt. An einer Häckſelmaſchine
die an einer abſchüſſigen Stelle beiſeite geſtellt worden
war, machten ſich mehrere Kinder, darunter ein 7jähriger
Junge, zu ſchaffen. Plötzlich ſchlug dieſe um und be=
grub
den Jungeen unſer ſich. Ohnmächtig
wurde das Kind hervorgezogen. Die Unterſuchung er=
gab
, daß das Bein von dem ſchweren Schwungrad an
wei Stellen entzweigeſchlagen war.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 21. Okt. Fünf Wagen=
ladungen
ruſſiſches, von der Stadt Berlin in Ruſſiſch=
Polen für die Gemeinden Groß=Berlins aufgekauftes fri=
ſches
Rindfleiſch ſind letzte Nacht in Berlin ange=
kommen
, im ganzen etwa 1000 Zentner, die morgen ſor=
tiert
und an die Fleiſcher verteilt werden ſollen. Mit dem
Verkauf an das Publikum ſoll nächſten Mittwoch begonnen
werden. Später ſollen wöchentlich 3000 Zentner auf den
Markt kommen. Wie wir ſchon meldeten, ſoll das Fleiſch
nur an Privatleute und nur in Mengen von ½ Pfund bis
höchſtens 5 Pfund abgegeben werden. Gaſtwirte und
Wiederverkäufer ſollen nichts davon erhalten. Der Preis

von Suppenfleiſch wird vorausſichtlich 55 Pfg. für das
Pfund mittlerer Güte betragen. Die Fleiſcher, die den
Verkauf in den ſtädtiſchen Markthallen übernehmen, be=
kommen
dort die Stände und alles ſonſt Nötige faſt um=
ſonſt
. Nachmittags während der Beſuchszeit haben es
drei Inſaſſen der Abteilung für geiſteskranke
Verbrecher in Buch verſtanden, aus dem feſten
Haus zu entfliehen, der 1868 geborene Einbrecher Max
Gorski, ein Arbeiter Wilhelm Meyer aus Bremen und ein
Arbeiter Rudolf Schohr aus Lichtenberg. Der gefähr=
lichſte
iſt Gorski. Er iſt ſchon bekannt von den Streifzügen
der Spreepiraten her, die an der Oberſpree die Sommer=
wirtſchaften
vom Waſſer aus heimſuchten und ſich vor
keiner Gewalttat ſcheuten. Gorski gehörte ferner auch zu
der berüchtigten Kolonne Kirſch. Mit einem Teil dieſer
Verbrecher drang er u. a. in Amſterdam, wie damals be=
richtet
wurde, in Bankräume ein und öffnete mit einem
Sauerſtoffgebläſe den Geldſchrank. Bei ſeiner ſpäteren
Verhaftung ſpielte Gorski den wilden Mann und kam
auch nicht ins Zuchthaus, ſondern nach Herzberge, von wo
er nach längerer Zeit als gebeſſert entlaſſen wurde. Bald
wurde dann bekannt, daß er ſich wieder an Einbrüchen be=
teiligte
. So gehörte er auch zu den Verbrechern, die bei
einem Einbruch in der Müllerſtraße ertappt wurden, wo=
bei
es zu einem Feuergefecht zwiſchen Verbrechern und
Kriminalbeamten kam. Endlich ward er zuſammen mit
einem anderen ſchweren Verbrecher, dem früheren Haus=
diener
Koch, wieder verhaftet. Gorski und Koch ſpielten
eiligſt wieder mit Erfolg den wilden Mann und erreich=
ten
, daß ſie abermals in einer Irrenanſtalt untergebracht
wurden. (!) Gorski kam jetzt nach Buch und ward hier
mit Meyer und Schohr in einem beſonderen Gewahrſam
untergebracht. Allem Anſchein nach haben Verbrecher, die
ſich auf freiem Fuße befinden, den dreien bei dem Aus=
bruch
geholfen. Hoffentlich wird Gorski, wenn man ſeiner
wieder habhaft geworden, nicht zum drittenmal in eine
Irrenanſtalt gebracht, ſondern in ein Zuchthaus, aus dem
die Flucht doch naturgemäß viel ſchwerer iſt. Die ſeit
drei Jahren von ihrem Manne, einem Trinker, getrennt
lebende junge Frau Jumniſch ſtürzte ſich und ihr
ſiebenjähriges Söhnchen bei Begsdorf in den Berlin=
Stettiner Schiffahrtskanal. Beide ectranken. Ihre
Leichen konnten geborgen werden.
Konſtanz, 21. Okt. Am Freitag wurde hier ein Bis=
marckturm
eingeweiht. Bei der Einweihung hielt
namens des Denkmalausſchuſſes der Erbauer des
Turmes, Geheimer Baurat Profeſſor Wickop ( Darm=
ſtadt
) die Weiherede. Nach Schluß ſeiner Rede, die auf
alle Hörer einen tiefen Eindruck machte, übergab Geh.
Rat Wickop den Schlüſſel zur Vorhalle an Oberbürger=
meiſter
Dr. Weber. Dieſer vollzog darauf die Uebernahme
des Turmes in den Beſitz der Stadt. Er dankte Herrn
Profeſſor Wickop, der den Entwurf zu dieſem Denkmal
geſchaffen, das wohl eines der ſchönſten Bismarckdenk=
mäler
ſei, wenn nicht das ſchönſte, das überhaupt für die
Bismarckidee errichtet iſt. Hier an der Südweſtecke des
Reiches, auf dem neuentdeckten Raitheberg, blicke der
Turm hinaus über die Gaue am Bodenſee und Rhein,
grüße hinüber zu unſeren Nachbarn in der Schweiz, ge=
widmet
dem großen mächtigen Kanzler, ein Wahrzeichen
für unſere Nachkommen, ein Zeichen des Dankes der Zeit=
genoſſen
. Abends fand ein Feſtbankett ſtatt. Die Feſt=
rede
hielt Bürgermeiſter Haulick. Geh. Rat Wickop ſprach
nochmals den Dank allen ſeinen Mitarbeitern aus. Noch
nie habe er ein Werk mit ſo viel Begeiſterung geſchaffen,
wie dieſen Bismarckturm. Es ſei ein großer Gedanke,
jährlich am Sonnwendtage den Gründer des Reiches zu
ehren, indem die Fanale hinausleuchten in die Lande. Wil
ſtänden an einem Wendepunkte des deutſchen Volkes; es
ſei eine Kräftigung der Kultur eingetreten und eine Ver=
innerlichung
des deutſchen Weſens. Der Jugend gehöre
die Zukunft. Dieſe Worte Profeſſor Wickops fanden bei
den Anweſenden ein lebhaftes Echo. Beſonderen Jubel
rief folgendes, an Oberbürgermeiſter Dr. Weber gerichte=
tes
und von Bürgermeiſter Haulick verleſenes Telegramm
des Grafen Zeppelin aus Stuttgart hervor: Vorfinde
hier bei Rückkehr aus Berlin Einladung zur Einweihung
des Bismarckturmes. Bedauere, der für meine Vater=
ſtadt
ſo bedeutſamen Feſtlichkeit nicht anwohnen zu kön=
nen
. Der feſtgegründete und feſtgefügte Turm möge all=
zeit
ein Wahrzeichen ſein für das unwandelbare, treue,
ſtets opferbereite und tatenfrohe Feſthalten am deutſchen
Vaterlande.
Erfurt, 22. Okt. Die Erfurter mechaniſche Schuh=
fabrik
wurde geſtern von einem großen Schaden=
feuer
heimgeſucht. Ein Maſchinenſaal iſt ausgebrannt
und alle Vorräte wurden vernichtet. Der durch Verſicher=
ung
gedeckte Schaden wird auf mehrere hunderttauſend
Mark geſchätzt.
Breslau 21. Okt. Heute nachmittag fand zu Ehren
des Kardinals Kopp ein Feſteſſen im großen Saal des
Konzerthauſes ſtatt, an dem u. a. teilnahmen: der Kul=
tusminiſter
, Oberpräſident Dr. v. Günther, der Landes=
präſident
von Oeſterreichiſch=Schleſien, Graf v. Couden=
hove
, der Herzog von Ratibor, Oberbürgermeiſter Mat=

den Armen die überhängenden Zweige eines quer über
den Fluß gewachſenen Baumes. Teufel iſt das hier ein
Strom. Beinahe hätte es Kunze über Bord geriſſen.
Von der Mitte des Stromes ſchwankt ein zweites Licht
cheran, ein Canoe, vier Schwarze paddeln ſtehend wie
wahnſinnig darauf los. Schöpfen Boys, feſte ſchöpfen!
Jetzt kommt Kunze mit ſeiner vom Schweiß triefenden
Mannſchaft längsſeit. Sofort iſt er im Boot mit einigen
Jungens. Jetzt erfolgt die Entſpannung der Nerven
wie im Veitstanz lachen wir alle laut auf.
Von Dank und Rührung überwältigt, drücken wir
unſerm Retter die Hand. Dann beginnen ſofort die Berg=
ungsarbeiten
. Frau von Stetten wird in das Rettungs
boot gehoben und ſinkt von der Aufregung erſchöpft auf
einen Feldſtuhl nieder. Während jetzt alles, was nicht
niet= und nagelfeſt iſt, in das eiſerne Boot fliegt, gehts
ans Fragen: Warum habt ihr nicht geſchoſſen? Was?!
Ganz Molundu hat geböllert! Ich habe noch während
der Rauffahrt fortwährend geknallt, bis die letzte Pa=
trone
verſchoſſen war. Wir hörten den Motor in der
Ferne knattern und plötzlich verſtummen. Dann fielen die
erſten Notſchüſſe Wieder Schüſſe und immer wieder! Da
iſt ein Unglück paſſiert ich kratze alle Boys zuſammen
auf der Faktorei zum Unglück haben wir Sonntag
und dann los, was die Riemen halten. An der Mündung
des Bumba ſtießen wir auf de Cuvrys Kanoe. Vier
SStunden haben wir gerudert wie toll das war ein
licherom! Eine Zeitlang hörte das Schießen auf. Ich ver=
auf
difelte daran, Sie zu finden und machte Kehrt, als es
ſchen, ich noch mal kracht. Alſo wieder ſtromauf und
Schreieind wir! Ja, was iſt denn eigentlich die Zeit?
zurück uben jede Schätzung verloren. Mitternacht
ment durs eiſerne Boot mit Stettens an Bord, von 6 Boys
ſeien auf ſtößt ab: Glückliche Heimfahrt! Zinko redet
Motor w ich ſollte doch mit nach Molundu fahren.
muß heilort wird ein mächtiges Feuer angemacht, an dem
das Waſſer für einen Schlummerpunſch brodelt.

Wir klappern vor Kälte. Wir haben keinen trockenen
Faden am Leibe. . . Wie wohltuend jetzt Licht und Feuer
auf uns wirken trotz der unwirtlichen Umgebung und
unſerer erſchütternden Lage. Mein armes Boot! Doch
wir haben keine Zeit zu Betrachtungen. Sechs Boys
ſchöpfen im Waſſer das auf Grund gelegte Boot leer.
Jetzt rückt das entlaſtete Wrack von kräftigen Armen auf
Kunzes Kommando gehoben ruckweiſe nahe ans Ufer
heran. Schier übermenſchliche Kraft weckt die Energie
dieſes Mannes in ſeinen Boys unwillkürlich fliegen
meine Gedanken zwölf Jahre zurück nach dem Falken=
ſteiner
Fort bei Kiel ich ſehe im Geiſte dieſen Kunze
vor mir unter den friſchen, offenen Geſichtern meiner
Leichtmatroſen, der deutſchen Wehrkraft auserleſenſter Er=
ſatz
, an Anſtand, Ehrgeiz und Können einer dem andern
gleich Lieb Vaterland, magſt ruhig ſein Vai=
boys
! Vorwärts! Faßt zu! Wir hängen den Kahn an
dieſem Baum auf! Und ſo geſchiehts! Zinko legt das
Tau über den mächtigen Stamm, der lianenumſchlungen
winklings vom Ufer über den Fluß ragt. Wie unter der
Kraft eines Flaſchenzuges hebt ſich jetzt der Bug der Hy=
giama
bis das Leck aus dem Waſſer taucht. Potzdonner=
wetter
iſt das ein Loch! Sieben Spanten ſind einge=
drückt
. Das Zufuhrrohr der Waſſerpumpe am Motor iſt
durch den Stoß beim Auffahren auf die Klippe gebrochen
und ſendet einen dicken Waſſerſtrahl ins Boot. Der Ver=
ſchluß
wird abgedreht. Dann geht es an das Verbinden der
Wunde. Eine unſerer Kameelhaardecken wird von außen
achtfach über das Leck gelegt. Das ſogenannte Leckſegel
backbord am Auspuffrohr befeſtigt wird unter Kiel nach
ſteuerbord durchgezogen und mittels eines um den Mo=
tor
geſchlungenen Taues geſtrafft.
Das Werk iſt vollendet. 3 Uhr nachts. Einige Sekt=
pfropfen
knallen. Freudenſalut, James ſerviert ein Kon=
ſervennachtmahl
. Bei Zinko, der geradezu fabelhaftes ge=
leiſtet
hat, macht ſich die Abſpannung der Nerven und
Kräfte fühlbar, er ſinkt vom Schlaf übermannt auf Kunzes

Kniee. Die Boys haben ein zweites Feuer am Ufer an=
gefacht
. Der grelle Schein greift durch das wirre Wachs=
tum
, das uns rings umgittert, belebt von tauſenderlei
Gewürm, allerhand kleinen kriechenden und flatternden
Tierchen Spinnen und Käfern. In der Regenzeit
reichen die Waſſermaſſen an all dieſen Wurzeln, Zweigen,
Winden und Büſchen bis hinauf zum hohen Uferrand.
Die glühende Aſche der niedergehenden Feuer erblaßt vor
dem Schein des erwachenden Tages. Auf Vaiboys!
Auf nach Molundu! Das Kanoe wird längsſeit ge=
nommen
. Die Schlinge am Baum wird gelöſt. Schwer
legt ſich der bandagierte Leib der Hygiama auf das
Waſſer. Das Leckſegel hält dicht. Im Augenblick erfaßt
uns die Strömung und wirft das Boot mit ſolcher Ge=
walt
gegen das Geäſt eines überſtehenden Baumes, daß
das Verdeck wegraſiert wird. Alle Mann an die Riemen!
Auch Kunze und Zinko ſtellen ihren Mann. Ich nehme
das Steuer. Ein Leichenzug! Da kommt ein zweites
Stahlboot den Fluß herauf. Welche Fahrt gegen den
Strom! Sechzehn Vaiboys ſtehen im Boot, eine ſtattliche
Bugwelle vor ſich hertreibend dann noch ein Kande mit
den Tiſchlern der G.S.K. Das nennt man deutſche Hilfe!
Herr Direktor Pfützner hat ſeinen Apparat gut im Zug,
das muß man ſagen.
An der Dampferwerkſtatt der G.S. K. wird die Hy=
ziama
an Land gezogen. Kunze gibt ſofort für die Aus=
führung
der Flickarbeiten die nötigen Anweiſungen an
die Handwerker, eiſerne Spanten zu formen und Planken
aus afrikaniſchem Mahagoniholz zu ſchneiden. Dann
gehts hinauf zur Faktorei, wo man die armen Schiff=
brüchigen
mit wohltuender Teilnahme empfängt. Unſere
Schickſalsgenoſſen, Herr von Stetten und Frau ſind wohl=
auf
. Den braven Zinko, der körperlich und ſeeliſch wohl
am meiſten mitgenommen iſt, wirft ein heftiges Fieber
auf das Krankenlager.

[ ][  ][ ]

ting, die übrigen Spitzen der Staats= und Zivilbehörden,
die Geiſtlichen der Diozeſe und eine große Anzahl Laien
aus allen Ständen. Den erſten Trinkſpruch brachte der
Jubilar auf Kaiſer Wilhelm, Kaiſer Franz Joſef und den
Papſt aus. Kultusminiſter v. Trott zu Solz gedachte
in ſeiner erwähnten Rede der Tätigkeit des Jubilars als
Biſchof von Fulda und ſpäter als Fürſtbiſchof von Bres=
lau
. Das Hoch des Kultusminiſters galt dem Kirchen=
fürſten
und Friedensfreund, dem noch ein recht langer und
reichgeſegneter Lebensabend beſchieden ſein möge. Im
Namen der öſterreichiſchen Regierung ſprach Graf von
Coudenhove. Domprobſt Prälat König brachte die
Gefühle des Klerus der Diözeſe und der übrigen Diöze=
ſanen
zum Ausdruck und ſchloß mit einem Hoch auf den
oberſten Hirten der Diözeſe. Zum Schluß dankte Kar=
dinal
Kopp für alle dargebrachten Ovationen. Er habe
immer den Grundſatz vertreten, daß auf dem Zuſammen=
wirken
von Kirche und Staat die Wohlfahrt der Nation
beruhe. Er werde auch ferner dieſen Grundſatz vertreten
und ſich von ihm leiten laſſen. Sein Hoch galt dem Kul=
tusminiſter
und dem Landespräſidenten Grafen v. Cou=
denhove

Wien, 22. Okt. Wie aus wohlinformierter Quelle
verlautet, wird Hugo Thimig, der gegenwärtig provi=
ſoriſch
die Direktionsgeſchäfte des Burgtheaters führt,
Weihnachten zum definitiven Burgtheater= Direk=
tor
ernannt werden.
Paris, 22. Okt. Wie den Blättern aus Petersburg
gemeldet wird, ſoll der ruſſiſche Thronfolger
Alexej Nikolajewitſch in Spala erkrankt ſein. Der
Petersburger Chirurg Dr. Feodorow ſei telegraphiſch
nach Spala berufen worden.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
uehenden
Erwähnung geſchieht, behäle ſich die Redaktion ihr Urteil vor.)

Mazdaznan=Vortrag. Fräulein Lucia
Ammann aus Leipzig wird am Donnerstag abend
im Fürſtenſaal einen öffentlichen Vortrag halten über den
Atem als Grundlage des Lebens und der Geſundheit
Die Rednerin ſtützt ihre Ausführungen auf Mazdaznan,
die Lehre vom Meiſtergedanken, welche ſchon vor Jahr=
tauſenden
von Zarathuſtra, dem großen Weiſen und
Lehrer der ariſchen Raſſe, als die Quelle alles Lebens,
aller Entwicklung und allen Fortſchrittes begründet wor=
den
iſt. Mazdaznan lehrt den Weg, wie Gehirnfähigkeiten
und Nervenkraft, Geiſtesgegenwart und Gemütsruhe im
beſonderen und vornehmlich durch eine geordnete Atem=
pflege
, welche ſich von Alters her bewährt hat, zu er=
reichen
ſind. An weiteren vier Abenden, welche in den
Inſeraten und Plakaten bekannt gegeben ſind, wird ein
praktiſcher Kurſus über Atmungslehre ſich anſchließen.
Der Kurſus iſt wichtig für jedermann, im beſonderen für
ſolche Perſonen, welche auf Gehirn= und Nervenkraft, auf
Geiſtesgegenwart und Ausdauer bei ihren Berufspflichten
angewieſen ſind, und überhaupt alle, welche nach Entwick=
lung
der Geiſteskräfte ſtreben. Die Kenntnis der Atem=
lehre
fördert alle Menſchen ohne Ausnahme, namentlich
Redner Lehrer, Sänger, Offiziere, Studierende aller
Wiſſenszweige und Künſte.

Luftfahrt.

* München, 21. Okt. Heute nachmittag erfolgte die
Preisverteilung für die Teilnehmer am Süddeut=
ſchen
Flug. Von den Fliegeroffizieren, die geſtern das
Ziel erreichten, erhielt Leutn. Vierling den 1. Preis,
Lt. Hailer den 2. Preis und Lt. v. Buttler den
3. Preis. Von den Zivilfliegern erhielt wieder Hirth
den 1. Preis im Geſamtwerte von 12500 Mark, Lind=
paintner
den 2. Preis (8500 Mark). Die übrigen
Teilnehmer wurden in folgender Reihenfolge mit Prei=
ſen
bedacht: von den Offiziersfliegern die Leutnants
Joly, Beißbarth, Reinhardt, Pohl und Engwer, von den
Zivilfliegern Baierlein, Dick, Krüger und Caſpar.
* Friedrichshafen, 22. Okt. Zu Ehren der
200. Fahrt des Luſtſchiffes Viktoria Luiſe veran=
ſtalteten
die Führer und die Beſatzung des Luftſchiffes
eine Jubiläumsfeier, bei der ſie an die Prinzeſſin Viktoria
Luiſe in Berlin ein Huldigungstelegramm ſandten. Hierauf
iſt nun von der Prinzeſſin folgendes Antworttelegramm ein=
getroffen
: Dem Führer und der Beſatzung meines Paten=
ſchiffes
danke ich aufrichtig für den mir geſandten Gruß
von der 200. Fahrt und wünſche von Herzen, daß alle

nachfolgenden Fahrten glücklich verlaufen mögen. Viktoria
Luiſe.
* Berlin, 22. Okt. Der mit dem Freiballon
Berlin II verunglückte Leutnant Stieler gehörte
dem 13. Fußartillerie=Regiment in Breiſach an und war
zu Flugverſuchen nach Döberitz abkommandiert. (Siehe
auch Stadt und Land.)
Ueber den verunglückten Ingenieur Hans Gericke
teilt der Berliner Lokal=Anzeiger folgendes mit: Der
Verunglückte war der Sohn des Hofbäckermeiſters Rudolf
Gericke in Potsdam. Seine erſte Ballonfahrt machte
er im Jahre 1908 unter Führung des Architekten Otto
Müller, mit dem er 525 Kilometer weit über die Oſtſee
und die Inſel Fünen in ſieben Stunden nach Nordjüt=
land
flog. Nach dieſer erſten, an Eindrücken reichen
Fahrt widmete ſich Gericke mit großem Eifer dem Bal=
lonſport
und führte in kurzer Folge 22 Fahrten aus.
Die zweite ging unter Führung des ſpäter verunglückten
Dr. Brinckmann bei ſtarkem Schneeſturm nach Böhmen,
und die dritte nach Rußland. Im Jahre 1909 wurde er
mit dem verſtorbenen Dr. Delbrück von Heringsdorf aus
auf die Oſtſee hinausgetrieben, wo die beiden Luftſchiffer
mit ihrem Ballon Ernſt dann noch glücklich von einem
Motorboot aufgenommen wurden. Nachdem Gericke vom
Berliner Verein für Luftſchiffahrt die Führerqualifikation
erhalten hatte, machte er gleich im erſten Jahre noch
15 zum Teil recht beachtenswerte Fahrten. Bei der Ja=
nuarwettfahrt
des Berliner Vereins im Jahre 1909 kam
er bis Wien und errang damit den zweiten Preis. Im
folgenden Jahre flog er von Schmargendorf nach ſeiner
Beſitzung bei Koſerow auf Uſedom. Dieſen weiten und
ſchnellen Fahrten ſtehen zwei andere aus demſelben
Jahre eigenartig gegenüber, bei denen er das eine Mal
in ſieben Stunden nur von Schmargendorf nach Britz
und einige Tage ſpäter in derſelben Zeit ſogar nur lis
Charlottenburg gelangte, wo er mitten in der Seeſtraße
niederging. Einige Monate ſpäter fuhr er zum zweiten
Male nach Rußland, wo die Luftſchiffer, wie noch er=
innerlich
ſein wird, bei ihrer Landung verhaftet wurden.
Bei der verunglückten Eſſener Ausſcheidungsfahrt wurde
Gerickes Ballon auf den Kanal hinausgetrieben, erreichte
England und flog wieder über den Kanal nach Frank=
reich
zurück, eine Fahrt, die in Luftſchifferkreiſen großes
Aufſehen erregte, weil die Rückfahrt unfreiwillig zurück=
gelegt
worden war. Aus dem Bordbuch ging hervor
daß Gericke, nachdem England erreicht war, ſich zu einem
Schlummerſtündchen hatte verleiten laſſen, und ſeinem
Mitfahrer die Führung des Ballons anvertraut hatte.
Als er dann ſpäter das Rauſchen des Meeres aus dem
Nebel vernahm und zur Orientierung herabging, ſah er
gerade noch die engliſche Küſte verſchwinden. Die Wind=
verhältniſſe
trieben ihn dann an die franzöſiſche Küſte
Trotz ſeiner Jugend hatte Gericke auf ſeinen Fahrten
eine ſo große Anzahl intereſſanter und lehrreicher Er=
lebniſſe
gehabt, daß die Sportkommiſſion ihn ſchon im
Jahre 1910 mit der Vertretung der deutſchen Farben im
Gordon=Bennett=Wettflug in Amerika betraute, und in
der Tat gelang es ihm auch. mit dem Ballon Düſſeldorf
den zweiten Preis zu erobern. Im folgenden Jahre
konnte er dann den Triumph feiern, mit dem Ballon
Berlin II‟ in demſelben Wettflug den Sieg zu erringen.

Der Balkankrieg.

* Paris, 21. Okt. Nach von mehreren Blättern
aus Athen veröffentlichten Meldungen, hätten die Kon=
ſuln
der drei Schutzmächte der Nationalverſammlung
von Samos folgende Reform vorgeſchlagen: die
Wahl des Fürſten für fünf Jahre, nach deren Ablauf er
nicht wieder wählbar ſein würde, die Ernennung des
Fürſten, welcher Chriſt und nicht ottomaniſcher Untertan
ſein ſoll, würde durch die Großmächte erfolgen; ferner
ſoll der obligatoriſche Militärdienſt eingeführt werden.
* Belgrad, 21. Okt. Die Zeitungen bemühen ſich
jetzt allgemein, nur richtige Meldungen vom
Kriegsſchauplatz zu bringen, und regen ſogar ſelbſt Be=
ſtrafung
für die Verbreitung von falſchen Siegesnach=
richten
an, da dies einen ſchlechten Eindruck im Ausland
hervorrufe. Aus ſolchen Gerüchten iſt auch die Sorge um
die Angehörigen im Kriege entſtanden, und da faſt keine

Privatnachrichten eintreffen und niemand den Aufenthalts=
ort
ſeiner Verwandten kennt, ſo wird das Kriegsmini=
ſterium
allgemein beſtürmt, eine Liſte der Toten und Ver=
wundeten
herauszugeben, was auch geſchehen ſoll. Von
den zahlreichen hier anweſenden fremden Journaliſten
ſtammt die Mehrheit aus Deutſchland und Frankreich.
Die Zeitung Straza meldet Kämpfe während des ganzen
geſtrigen Tages.
* Bukareſt, 21. Okt. Der hieſige ſerbiſche
Geſandte hat einem Ausfrager erklärt, ſeine Regierung
habe gemeinſam mit jener Bulgariens und Griechenlands
bei der rumäniſchen Regierung Schritte getan, damit
Rumänien neutral bleibe. Dafür habe Rumänien
die Zuſicherung erhalten, zu der nach dem Kriege einzu=
berufenden
Konferenz zugelaſſen zu werden, ſowie im
Falle des Sieges der Balkanſtaaten territoriale
Kompenſationen zu erhalten. Die ſerbiſche Regie=
rung
habe auch dem Wiener Kabinett die Zuſicherung ge=
geben
, die ſerbiſche Arme werde bloß das Sandſchak paſ=
ſieren
, um nach Koſſowo und Mitrowitza zu gelangen;
Serbien habe keine Abſichten, Novibazar zu beſetzen.
Vom Kriegsſchauplatz.
* Wien, 21. Okt. Nach einem Bericht der Poli=
tiſchen
Korreſpondenz aus Konſtantinopel, iſt die Kon=
zentrierung
der türkiſchen Truppen
entlang der bulgariſchen Grenze vom
Schwarzen Meer bis zum Endpunkt nächſt der ſerbiſchen
Grenze ſchon vor mehreren Tagen beendet worden.
Unter anderem wurden auch in Iniada am Schwarzen
Meer (Wilajet Adrianopel) Truppen gelandet. Von
San Stefano bis Adrianopel lagert ein ſehr ſtarkes
Kontingent von Streitkräften. Seit un=
gefähr
14 Tagen war es auch möglich, Truppen zur See
aus Smyrna nach Rodoſto und anderen rumeliſchen
Küſtenpunkten zu befördern. Unterbrochene Zuzüge aus
Kleinaſien werden ungeſäumt nach dem rumeliſchen
Kriegsſchauplatz entſandt.
* Konſtantinopel 21. Okt. Meldungen
vom Kriegsſchauplatze beſagen, daß am Sams=
tag
an der montenegriniſchen Grenze bei den Höhen von
Grevitza, Kirtſchiska und Ograkime heftige Gefechte
ſtattfanden. Die Montenegriner flohen und ließen Muni=
tion
und Zelte im Stich. Auch bei Berane und Bjelopolje
dauern die Kämpfe mit den Montenegrinern fort, die hier
große Verluſte haben ſollen. Die türkiſchen Truppen be=
ſetzten
die Höhen von Kronitza, Takmanli und Tretitſche
an der montenegriniſchen Grenze und erbeuteten Muni=
tion
und Vieh. An der bulgariſchen Grenze
begannen die Kämpfe bei Osmaine und Tſcharowa.
Den Blättern zufolge gab die Pforte durch Vermittelung
ihres Botſchafters in Petersburg der ruſſiſchen Regierung
befriedigende Erklärungen über die an der türkiſch= ruſſi=
ſchen
Grenze ergriffenen militäriſchen Maßregeln.
Mehrere muſelmaniſche Familien aus der Gegend von
Adrianovel und Kirkiliſſe ſind geſtern hier angekommen.
Die Blätter melden, Prinz Abdul Halim ſei in Kirki=
iſſe
eingetroffen.
* Konſtantinopel, 21. Okt. Nachrichten aus
türkiſcher Quelle zufolge überſchritt vorgeſtern ein Regi=
ment
bulgariſcher Kavallerie bei Balkuchl (Bezirk
Kirkiliſſe) die Grenze und begann einige verlaſſene Dör=
er
zu zerſtören. Den türkiſchen Truppen iſt es gelungen,
die Bulgaren zurückzudrängen, die unter Zurücklaſſung
zahlreicher Toten flohen.
* Belgrad, 21. Okt. Aus Kurſchumlje wird
amtlich gemeldet: Am Samstag abend erſtürmten
mehrere ſerbiſche Banden im Schutze des Nebels die
Schanzen um Podujewo. In der darauffolgenden
Nacht verließen die türkiſchen Truppen die dortigen Po=
ſitionen
. Podujewo iſt geſtern von den ſerbiſchen Trup=
pen
beſetzt worden, wobei eine türkiſche Bataillons=
fahne
, 80 große Feldzelte, 10000 Kilogramm Zwieback,
mehrere Kiſten Munition, 80 Ochſen und Kriegsmaterial
beſchlagnahmt wurden. Kriegsgefangene erzählen, daß
an den bisherigen Kämpfen an der Grenze zwei Nizam=
regimenter
, ſechs Abteilungen Albaneſen und drei Bat=
terien
teilnahmen.
* Kartaro, 21. Okt. Die montenegrini=
ſchen
Verluſte ſeit Beginn des Krieges betragen be=
reits
faſt 4000 Mann. Da die Armee höchſtens 35000

Konzerte.

mm. In ſeinem erſten Winterkonzert, das am Mon=
tag
, den 21. Oktober, im Saalbau ſtattfand, brachte unter
der außerordentlich umſichtigen und die Ausführenden
begeiſternden Leitung von Herrn Hofkapellmeiſter Hofrat
W. de Haan der Muſikverein nach einem Zeit=
raum
von 17 Jahren das Oratorium Franziskus
von Edgar Tinel zu einer abermaligen, im ganzen
wohlgelungenen Aufführung. Die Schwierigkeiten, eine
Legende, die an dramatiſchen Momenten ſehr reich iſt,
nur muſikaliſch und geſanglich auszumalen, dürfen nicht
unterſchätzt werden. Außerordentlich hohe Anforderun=
gen
an die Ausdauer und Aufmerkſamkeit der Soliſten,
wie beſonders auch an den Chor ſind hierdurch gegeben.
Auch für den Komponiſten bot das etwas zu ausgedehnte
Textbuch gerade keine der leichteſten Arbeiten, und es
darf aus dieſem Grunde auch nicht allzu ſehr befremden
daß einzelne Stücke des Werkes muſikaliſch etwas ungleich=
mäßig
verfaßt ſind. Dies zeigt ſich beſonders in dem gan=
zen
erſten Teil (Franz von Aſſiſis Leben in der Welt
und Entſagung), deſſen Behandlung der orcheſtralen Ein=
kleidung
gegenüber der gewandten Arbeit in den Soli=
und Chorpartien eine gewiſſe Flüchtigkeit im Inſtru=
mentieren
verrät, die in den beiden folgenden Teilen nicht
mehr empfunden wird. Nicht gerade ſehr ſorgfältig aus=
gewählte
Klangbilder begleiten deshalb auch die muſi=
kaliſche
Schilderung der Jugend des heiligen Franziskus,
deſſen lebensfroher Sinn ſich ſchon bald einer ernſteren
und edleren Lebensaufgabe zuzuwenden ſtrebt; während
bei der Vertonung des Reigens und Tanzes der Ritter,
Jünglinge und Jungfrauen die allzu ausgiebige An=
wendung
der Pikkoloflöte ohne andere hervortretende
Momente der Inſtrumentation zuletzt ermüden muß,
ſind dagegen ihre gellenden Hohnklänge, die den Spott
ſeiner früheren Gefährten über des H. Franziskus' Ent=
ſagung
aller Weltfreuden (zu Anfang des zweiten Teiles)
begleiten, ein meiſterhafter Zug.
Aus dem erſten Teil, deſſen bewegte Szenen im allge=
meinen
eine um weniges belebtere Temponahme vertra=
gen
hätten, nennen wir als beſonders anſprechende Stel=
len
die Worte des Gaſtherrn und das ſehr dankbare Nacht=
lied
des Turmwächters, die von Herrn Konzertſänger
Heinrich Reinhardt von hier mit entſprechender inner=
licher
Vertiefung wirkungsvoll vorgetragen wurden;
ſeine wohlklingende, aut ausgebildete Stimme und ſein
ſicherer Vortrag berührten ungemein ſympathiſch. Auch
die, in der beabſichtigten hiſtoriſchen Anlehnung an alt=

vlämiſche Meiſter der Tonkunſt ſo glücklich erfundene
Ballade des H. Franziskus (das Lob der Armut), ſoll
nicht unerwähnt bleiben. Die weitaus dankbareren
Geſangsſtellen für die beiden weiteren Soliſten boten in=
des
die folgenden Teile. Das Lied der Armut (die
Franziskus jetzt angenommen hat), der prächtige Sonnen=
geſang
und das innig empfundene Lied der Liebe (zu
ſeinen Mitmenſchen), ſind Geſänge von ungemeiner
Schönheit, gehoben von einer gewählten, farbenprächti=
gen
Orcheſterbegleitung, die die entſchieden größere Be=
gabung
Tinels auf dem gehaltvolleren ernſten Gebiet der
Muſik beweiſen. Von gleich einnehmender Wirkung ſind
die zwar etwas weniger ausgedehnten, aber recht ver=
antwortungsvollen
Sopran=Soloſtellen (Geiſt der Hoff=
nung
und des Sieges und Himmelsſtimme), die von Frau
Mintje Lauprecht=von Lammen von Frank=
furt
a. M. mit ſehr wohlklingender Stimme und beſeel=
tem
Vortrag anſprechend geſungen wurden; ihre geſang=
lichen
Vorzüge ſind bereits hier öfter eingehend gewürdigt
worden Der Vertreter der Tenorpartie (Franziskus),
Herr Dr. Robert Stark aus Karlsuhe, löſte ſeine
phyſiſch wie äſthetiſch gleich große Aufgabe mit bewun=
derungswürdiger
Energie. Die gleichmäßige Durchbild=
ung
aller Regiſter ſeiner wohlklingenden Tenorſtimme iſt
wohl auch der gründlichen Kenntnis der Stimmphyſio=
logie
zu danken und die Kunſt, einer anfänglichen leichten
Indispoſition trotzdem im Laufe des Abends völlig
Herr zu werden, verdient als Beweis vorzüglich diszipli=
nierten
Studiums ſogar eine beſondere Anerkennung.
Orcheſter und Chor fanden große, aber wirkſame Auf=
gaben
im dritten Teile (deſſen Angelus an Sebaſtian
Bachs Schreibweiſe ſehr erinnert); die Ausführung der
großen Fuge am Schluß war eine tadelloſe Leiſtung.
Herbſtkonzert der Liedertafel‟. Die
Liedertafel hatte ſich zur Mitwirkung in ihrem dies=
jährigen
Herbſtkonzert, das Montag abend im Kaiſerſaal
ſtattfand und ſehr zahlreich beſucht war, zwei neue Kräfte
unſerer Hofoper verſchrieben und damit einen durchſchla=
genden
Erfolg erzielt. Die Leitung der Chöre unterſtand
Herrn Hoftheaterkapellmeiſter Erich Kleiber, der
ſich als ein Dirigent erwies von faſt ſuggeſtivem Einfluß
auf Chor und Orcheſter. Sobald man ſich mit der Eigen=
art
ſeiner Erſcheinung am Dirigentenpult und ſeines Diri=
gierens
überhaupt vertraut gemacht, läßt man ſich willig
in den Bann ſeiner überzeugend künſtleriſchen Perſönlich=
keit
ziehen und muß dann konſtatieren, daß ſeiner mit=

reißenden Lebendigkeit, die nach dem eigenen Erfaſſen des
muſikaliſchen Gehalts der Kompoſition förmlich nach Mit=
teilung
von innen heraus drängt, Sänger und Orcheſter
willig Gefolgſchaft leiſten und unter allen Umſtänden eine
künſtleriſche Beeinfluſſung ihrer Leiſtungen offenbaren.
Dem Temperament des neuen Dirigenten entſprechend
gelangen das Landsknechtlied von Fr. Lachner (Text von
Hofſchauſpieler L. Wagner), und mehr noch Dideldum
von F. Stotz am beſten, wenigſtens äußerlich. Aber auch
die gehaltvolle Rhapſodie für eine Altſtimme (Aber ab=
ſeits
, wer iſt’s uſw.), Männerchor und Orcheſter von J.
Brahms, fanden eine ihren muſikaliſchen und geſanglichen
Feingehalt faſt reſtlos erſchöpfende Wiedergabe und löſten
ſtarken Beifall aus.
Die Rhapſodie gab auch der Soliſtin des Abends,
Fräulein A. Jacobs, Großh. Hofopernſängerin, Ge=
legenheit
, ſich nach ihren Erfolgen auf der Hofbuhne auch
im Konzertſaal recht vorteilhaft einzuführen. Ihr ſchö=
nes
, volles, weniger in der Tiefe, dafür aber deſto mehr
in den mittleren und höheren Lagen wunderbar ergiebiges
Organ von prächtigem, klangvollem metalliſchen Glanz,
und ihre vortreffliche Schule im Verein mit ſicherem künſt=
leriſchen
Verſtändnis ließen die Solopartie zu beſtem
Vollbringen gedeihen. Auch die Liedergeſänge, ebenfalls
Brahmsſche Kompoſitionen (Schweſterlein, Feinsliebchen,
du ſollſt, Wie komm ich denn zur Tür herein), die Herr
Kleiber verſtändnisvoll am Flügel begleitete, gelangen
gut, wenn auch hier die Kunſt des eindrucksvollen Vor=
trages
dem geſanglichen Können nicht ganz Schritt hielt.
Das Publikum ſpendete der Künſtlerin dankbar rauſchen=
den
Beifall.
Im übrigen oblag der orcheſtrale Teil des Konzerts
der Kapelle unſeres Leibgarde=Regiments Nr. 115, die
unter der Leitung des Herrn Obermuſikmeiſters Hauske
Hocherfreuliches leiſtete. Sowohl die Hebriden= Ouver=
türe
(Fingalshöhle) von J. Mendelsſohn=Bartholdy, aber
ganz beſonders die Ballett=Suite aus Glucks Werken
von F. Mottl: a) Introduktion (Don Juan), Air gai
(Iphigenie in Aulis), Lento (Iphigenie in Aulis),
Air gai wiederholt; b) Reigen ſeliger Geiſter ( Or=
pheus
), e) Muſette (Armide), d) Air gai (Iphigenie
in Aulis), Sicilienne (Armide), Air gai wiederholt,
zeugten von dem großen künſtleriſchen Wollen, das die
Kapelle und ihren Dirigenten beherrſcht, und dem trotz der
oft ſehr hoch geſteckten Ziele das Können tapfer Schritt
hielt. So darf die Kapelle einen erheblichen Teil am Er=
folge
des ſchönen Abends auf ihr Konto ſetzen. M. St.

[ ][  ][ ]

Mann ſtark iſt, ſo iſt ſie bereits in den erſten drei Wochen
dezimiert worden.
* Belgrad, 22. Okt. Nach einem geſtern abend
eingelaufenen amtlichen Bericht befinden ſich die Serben
auf dem erfolgreichen Vormarſch gegen Kumanowo
und Priſtina. Ferner nahmen die Serben geſtern früh
Zarevo Selo, die wichtige Poſition Sultan Tepe auf dem
Gebirge Oſigovo Planina und gehen gegen Egripalanka
vor. Die Türken wurden vom Berge Rujan und von
Stratza gegen Tabanovce zurückgedrängt.
* Sofia, 21. Okt. Die bulgariſchen Trup=
pen
ſetzten ihren Vormarſch nach allen Rich=
tungen
fort. Die türkiſche Bevölkerung verließ zahl=
reiche
Ortſchaften an der Grenze. Die bulgariſchen Vor=
poſten
wurden bis in die unmittelbare Umgebung von
Kirkiliſſe vorgeſchoben, ſie berühren die Linie der Forts
von Adrianopel.
* Sofia, 21. Okt. Sicherem Vernehmen nach fand
geſtern und heute vor der Feſtung Kirkiliſſe, in deren
Umgebung ſich die türkiſche Hauptkraft befinden ſoll, äußerſt
harte Kämpfe ſtatt, welche bisher unentſchieden blieben.
Mazedoniſche Flüchtlinge ſind in den Grenzſtädten Kiſten=
dil
und Dubnitza eingetroffen und in das Innere des
Landes gezogen. Einige türkiſche Gefangene ſind heute
in Sofia eingetroffen.
* Athen, 21. Okt. Das von Admiral Coundo=
urio
befehligte Geſchwader im Aegäiſchen Meer
kam geſtern vor Kaſtro, der Hauptſtadt von Lemnos
an und forderte die Behörden auf, ſich zu ergeben. Das
Geſchwader warf heute an dem Hafen von Mudras Anker
und ſetzte dort Truppen ans Land, die zur Beſetzung der
Stadt vorrücken. Der Kommandant der Flotte verkündete
die Effektivblockade über die Häfen der Inſel von
heute ab und forderte neutrale Schiffe auf, binnen 24 Stun=
den
die Häfen von Lemnos zu verlaſſen.
Das Bombardement der bulgariſchen Küſte.
* Sofia, 21. Okt. Heute vormittag begannen
zwei türkiſche Kreuzer die Beſchießung
von Warna. Die türkiſchen Granaten richteten vor=
zugsweiſe
in dem am Meer liegenden Stadtteil Schaden
an. Beſchädigt wurde u. a. die Kaſerne, das Hafenzoll=
amt
, zwei Lebensmitteldepots, das Wachtgebäude, eine
Mühle, ein Kloſter und andere Gebäude, die in Flammen
aufgingen. Beſonders ſchweren Schaden richtete das
türkiſche Feuer an der Landungsbrücke und mehreren am
Ufer liegenden Speichern an. Die Türken ließen zwei
Boote ins Waſſer und verſuchten eine Landung. Sie
mußten jedoch infolge des unausgeſetzten Gewehrfeuers
der Bulgaren unverrichteter Sache mit mehreren Ver=
wundeten
wieder umkehren. Nach der Beſchießung fuhr
ein türkiſcher Kreuzer in der Richtung nach Baltſchik,
während ſich der zweite mit drei anderen Kriegsſchiffen
vereinigte und nunmehr zwiſchen Kawarna und Kap
Kakiakra kreuzt und die Küſte beſchießt.
* Konſtantinopel 21. Okt., 8 Uhr abends.
Eine von dem Kommandanten der Flotte im
Schwarzen Meere eingetroffene Depeſche meldet,
daß während des Bombardements von Warna
drei bukgariſche Torpedoboote auslaufen wollten, jedoch
unter dem kombinierten Feuer der türkiſchen Flotte be=
ſchädigt
in den Hafen zurückkehren mußten. Das Bom=
bardement
dauert fort. Die Ankunft von 200 bei den
Kämpfen in der Gegend von Kirkiliſſe gefangenen Bul=
gären
wird noch heute abend erwartet. Der Kriegsminiſter
teilte mit, daß das Gros der ſerbiſchen und türkiſchen
Armee noch nicht Fühlung genommen haben.
Der Konſtantinopeler Sabah erklärt, die türkiſche
Flotte brachte die Küſtenbatterien bei Warna zum Schwei=
gen
. Die Stadt ſoll durch die Beſchießung ſtark gelitten
haben. Die dort befindlichen Torpedoboote wurden
außer Gefecht geſetzt. Dieſe Nachrichten ſind zwar nicht
amtlich beſtätigt, doch klingen ſie nicht unwahrſcheinlich,
weil Bulgarien der türkiſchen Flotte im Schwarzen
Meere nichts gleichwertiges entgegenzuſtellen vermag.
Auf jeden Fall iſt die ganze bulgariſche Küſte
blockiert, ſo daß auch der Handel Bulgariens ſchweren
Schaden erleidet. Die Pforte ſetzte die Mächte amtlich
von der Blockade von Warna und Burgas
in Kenntnis. Die im Schwarzen Meere befindliche tür=
kiſche
Flotte zählt ein Panzerſchiff, zwei Kreuzer, vier
Panzerkorvetten, mehrere Torpedobootszerſtörer und
Torpedoboote, insgeſamt achtzehn Fahrzeuge.

* Sofia, 21. Okt. Einige türkiſche Kriegs=
ſchiffe
bombardier ten, ohne die Ortsbehörde
vorher zu benachrichtigen, den bulgariſchen Hafen Ka=
warna
, der ausſchließlich Handelshafen iſt und gar
icht verteidigt wird. Sie zerſtörten das Gebäude der
Zollbehörde und beſchädigten mehrere Magazine und
Privathäuſer. Die bulgariſche Regierung
proteſtiert gegen dieſen Angriff, der eine handgreif=
liche
Verletzung der Grundſätze des Uternattionalen
Rechts darſtellt, die von der Haager Konferenz aufgeſtellt
ſind und allen ziviliſierten Ländern als geheiligt gelten.
Das inhumane Vorgehen verſtößt gegen die elementarſte
Regel, daß der Krieg ein Kampf zwiſchen Heeren, aber
keine Gewalttätigkeit gegen eine friedliche Bevölkerung iſt.
* Konſtantinopel, 22. Okt. Bei dem Bom=
bardement
von Warna ſanken zwei bulgari=
ſche
Torpedoboote.
Letzte Nachrichten.
* Konſtantinopel, 22. Okt. Amtlich wird ge=
meldet
: Der Befehlshaber der türkiſchen Detachements
ſtellte feſt, daß die bulgariſchen Streitkräfte
bei Hanlar im Bezirk Dospat an der bulgariſchen Grenze
zuſammengezogen waren. Da an die bulgariſche Stellung
wvegen der Unzulänglichkeit des Geländes nicht heranzu=
kommen
war, täuſchte der türkiſche Befehlshaber den
Feind, indem er einen ſcheinbaren Rückzug unternahm.
So zog er den Feind auf türkiſches Gebiet und griff dann
plötzlich ſeinen linken Flügel an, der nun völlig aufge=
rieben
wurde. Die Türken nahmen zwei Geſchütze.
Die bulgariſchen Verluſte ſind beträchtlich. Die türkiſche
Heeresabteilung ſetzt die Verfolgung des Feindes fort.
H.B. Saloniki, 22. Okt. Nachrichten türkiſcher
Blätter zufolge ſind alle Vorbereitungen getroffen, um
die Montenegriner, die vor Skutari ſtehen,
mit ſtarken Truppen, verſtärkt durch Freiwillige, anzugrei=
fen
und zu vertreiben. Die von Elaſſona, etwa 110
Kilometer ſüdlich Skutari, abgegangenen Verſtärkungen
ſind in Skutari eingetroffen.
* Sofia, 22. Okt. Ueber die geſtrige Beſchieß=
ung
Kawarnas meldet die Agence Bulgare folgende
Einzelheiten: Das Bombardement begann um 7 Uhr früh
und dauerte drei Stunden. Ein Landungsverſuch der
Türken wurde durch das Gewehrfeuer der kleinen Gar=
niſon
, die aus kaum 11 Mann beſtand, vereitelt. Um
½11 Uhr dampften die beiden Kreuzer ab. Einer, der
ſich mit dem übrigen Geſchwader vereinigte, erſchien mit
demſelben gegen 11 Uhr vor Warna und feuerte ſofort.
Es iſt nachzutragen, daß die Kinderheilanſtalt, über wel=
cher
die Flagge des Roten Kreuzes wehte, von den Tür=
ken
beſchoſſen wurde. Das Bombardement dauerte mit
einigen Unterbrechungen bis 4 Uhr nachmittags und rich=
tete
in Warna keinen Schaden an.
* Sofia, 22. Okt. Die Schlacht bei Kirki=
liſſe
iſt im vollen Gange. Die türkiſche Verteidigungs=
lime
ſoll durchbrochen ſein. Das Kresna=Defilée iſt ge=
nommen
worden. Drei Geſchütze und ein Maſchinen=
gewehr
wurden erbeutet.
* Cetinje, 22. Okt. (Amtlich.) Die Nachrichten
über einen Sieg der türkiſchen Truppen bei
Podgoritza ſind unbegründet. Die montene=
griniſche
Armee hatte bis jetzt nur Erfolge zu verzeich=
nen
. Der Sieg der Montenegriner war ſelbſtver=
ſtändlich
mit bedeutenden Verluſten verbunden,
deren Zahl der Oeffentlichkeit mitgeteilt wurde. Die
Verluſtziffern ſind erklärlich durch die Zahl der türkiſchen
Truppen, von denen über 6000 in Montenegro kriegs=
gefangen
ſind.
* Berlin, 22. Okt. Das Zentralkomitee
der deutſchen Vereine vom Roten Kreuz
entſendet je eine Expedition nach der Türkei, Griechenland
und Bulgarien. Außerdem wird der deutſche Wohlfahrts=
verein
(Deutſches Krankenhaus) in Konſtantinopel, ſo=
weit
ſeine Einrichtungen und die vom Kaiſer zur Verfüg=
ung
geſtellten Räume in der deutſchen Botſchaft ausrei=
chen
, den Verwundeten und Kranken Aufnahme, Pflege
und ärztliche Behandlung gewähren. Die für die Durch=
führung
der Hilfsaktion erforderlichen erheblichen Mittel
erſcheinen durch anſehnliche Zuwendungen geſichert; eine
öffentliche Sammlung iſt nicht beabſichtigt.
H. B. Paris, 22. Okt. Aus Sofia wird mitgeteilt,
daß die Bulgaren zwei äußere Forts von Adriano=
pel
durch einen Bajonett=Angriff genommen haben, ob=
wohl
die Türken heldenhaften Widerſtand leiſteten. Man
erwartet für heute, daß die Bulgaren einen allgemeinen
Angriff auf Adrianopel ausführen.

H. B. London, 22. Okt. Nach den neueſten Nach=
ichten
befindet ſich die Hauptmacht der Griechen
bereits 50 Kilometer jenſeits der Grenze. Durch den Auf=
klärungsdienſt
der Aeroplane und Vorpoſten iſt feſtgeſtellt
worden, daß die türkiſchen Streitkräfte im Engpaß von
Patras=Coſta konzentriert ſind, in einer ſtarken natür=
lichen
Stellung auf dem Wege zwiſchen Elaſſona und
Servia. Der König wird mit dem Premierminiſter bal=
igſt
zur Front gehen.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Nordbahnhof. Auf den Fahrſcheinen der
Heſſiſchen Eiſenbahn=Aktien=Geſellſchaft iſt als Teilſtrecke
die Verbindungsbahn angegeben, während dieſelbe doch
nur Güterverkehr hat und für Perſonen=Ab= und=Zugang
ohne jede Bedeutung iſt. Sollte der Verwaltung noch
nicht bekannt ſein, daß an dieſer Stelle der Nordbahnhof
bereits am 15. Mai eröffnet wurde und deſſen Erricht=
ung
ſchon lange vor Druck der Fahrſcheine bekannt war?
In letztere iſt doch ſchon der Oſtbahnhöf aufgenommen,
obwohl deſſen Verbindung mit der Straßenbahn noch
gar nicht hergeſtellt iſt. Dieſes gefliſſentliche Ueberſehen
des Stiefkindes Darmſtadt=Nord dürfte wohl nicht zur
Entwickelung des Verkehrs beitragen.

Wäre es nicht möglich geweſen, das nun am Markt
im Entſtehen begriffene Geſchäftshaus etwas beſſer in
den beſtehenden Rahmen einzufügen? Nachdem nun das
Baugerüſt gefallen iſt, wirkt das Haus doch dort recht
wunderbar. Da nun auch nächſtes Jahr das Rathaus
renoviert werden ſoll, wäre demſelben eine andere Um=
gebung
doch beſſer zuſtatten gekommen.
T. F.

Daß die Raumverhältniſſe an der hieſigen Stadt=
kaſſe
dringend einer durchgreifenden Aenderung bedürfen,
iſt hinreichend bekannt. Befremdend mutet aber der ge=
faßte
Stadtverordnetenbeſchluß an, mit dem rieſigen Auf=
wand
von 83000 Mark eine Schalterhalle zu erbauen.
Für dieſen Preis iſt die Aenderung ſteuer erkauft, zudem
doch nur interimsweiſe dieſe Kaſſe dort bleiben kann. Da
in einigen Jahren doch durchgreifende Aenderungen
bezw. Neubauten kommen werden, ſo ließe ſich doch für
ieſe Zeit auch für viel weniger Geld ein Ausweg ſchaffen,
Etwa, um einen weiteren Vorſchlag zu machen, durch
Hinzunahme der Räume im Erdgeſchoß des Eckgebäudes.
Hierzu würden aber noch nicht 8300 Mark benötigt. Wo=
hin
dieſe fortwährende, wenig weitausſchauende Vergrö=
ßerung
ſtädtiſcher Betriebe führt, erſieht man am beſten
an dem alten Elektrizitätswerk. Es wäre daher zu be=
dauern
, wenn dieſer Plan zur Ausführung käme. S. S.

Literariſches.
In der gegenwärtigen Zeit tut ein guter Führer
not, der es möglich macht, die kriegerſchen Vorgänge auf
dem Balkan im Einzelnen zu verfolgen. Die Kriegs=
karte
der Balkanhalbinſel, die der Verlag von
Velhagen u. Klaſing darbietet, gibt uns die Möglichkeit.
Neben einer ſchönen und klaren Ueberſicht in großem
Maßſtab über das geſamte Kriegstheater, von der Donau
bis über das Aegäiſche Meer nach Kreta hinunter, mit
ſauberſter Gebirgszeichnung nach den neueſten Quellen,
mit allen fertigen und geplanten Eiſenbahnen und vielen.
anderen Einzelheiten, zeigt ſie uns die Verbreitung det=
verſchiedenen
Völkerſchaften auf der Balkanhalbinſel. Deſ
Preis von 80 Pfg. ermöglicht jedermann, der mit offenen
Augen die Zeitereigniſſe verfolgen will, ihre Anſchaffung,

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Regensburg, 22. Okt. Heute nacht ſtieß auf der
Strecke Regensburg-Neumarkt der Poſtzug 450 mit
dem Güterzug 1964 zuſammen. Neun Perſonen
wvurden leicht verletzt; ein Poſtſchaffner erlitt eine ſchwere
Kopfwunde. Der Materialſchaden iſt bedeutend.
* Hamburg, 22. Okt. Der Gärtner Werth begab
ſich heute vormittag zu ſeiner von ihm getrennt lebenden,
in der Rendburgerſtraße wohnhaften Frau und verlangte
gegenüber der Mitbewohnerin Müller ſeine Frau zu
ſprechen, was dieſe ihm verweigerte. Darauf zog Werth
einen Revolver und ſchoß der Frau Müller in den
Unterleib; ſich ſelbſt tötete er durch einen Schuß in
das Herz. Frau Müller ſprang nach dem Schuß aus dem
Fenſter und brach den Arm. Sie wurde ſchwer verletzt
ins Krankenhaus gebracht.
* Wien, 22. Okt. Abgeordnetenhaus. Mini=
ſterpräſident
Graf Stürgkh ſtellte den neuen Handels=
miniſter
Schuſter und den neuen Ackerbauminiſter Zen=
er
vor. Finanzminiſter Zaleski unterbreitete ſodann
den Staatsvoranſchlag für 1913, der in den Ge=
ſamtausgaben
von rund 3137,2 Millionen, gegenüber dem
Vorjahre ein Plus von 87,8 Millionen und in den Ge=
ſamteinnahmen
von 3137,5 Millionen gegenüber dem Vor=
jahre
ein Plus von 152,4 Millionen aufweiſt. Aus dem
Staatsvoranſchlag ergibt ſich deutlich, daß die an die
Finanzen herantretenden Anſprüche die Ergiebigkeit der
vochandenen Einnahmezweige überſteigt. Der Finanz=
miniſter
erklärte: Bei der Feſtſtellung des Voranſchlages
war die Finanzverwaltung von dem Beſtreben geleitet,
die Notwendigkeit der Kreditoperationen möglichſt einzu=
ſchränken
. Die günſtige und ſtetige Fortentwickelung der
Staatseinnahmen in den letzten Jahren verſetzt die Fi=
nanzverwaltung
in die Lage, bei aller gebotenen Vorſicht
die Einnahmen des Budgets höher zu präliminieren.
Gegenüber der Einwendung, daß die unruhigen Verhält=
niſſe
im Südoſten einen Strich durch die Rechnung machen
könnten, erklärte der Miniſter: Wir alle hoffen zuverſicht=
lich
ich ſage dies mit allem Nachdruck, auf Grund wohl=
begründeter
Wahrnehmungen daß es gelingen wird,
die Ereigniſſe auf dem Balkan auf den gegen=
wärtigen
Schauplatz zu beſchränken.
* Paris, 22. Okt. Im heutigen Miniſterrat er=
örterte
Miniſterpräſident Poincaré die äußere Lage.
* Petersburg, 22. Okt. Ueber die Erkrankung
des Thronfolgers wird mitgeteilt: Nach der zu=
fälligen
Verketzung der linken Weichengegend trat beim
Thronfolger am 15. Oktober ein Bluterguß ein, infolge=
deſſen
die Temperatur allmählig ſtieg und geſtern morgen
38,1 Grad, am Tage 38,5 Grad, am Abend 39,4 Grad be=
trug
. Der Puls iſt gut, tagsüber 130 bis 140, abends
144. Der Atem iſt normal. Das heute morgen über das
Befinden des Thronfolgers ausgegebene Bulletin
lautet: Geſtern abend klagte der Patient über Schmerzen
in dem Geſchwulſt, die nachts aufhörten. Im allgemeinen
verbrachte er die Nacht ruhiger als die vorhergegangene.
Die Temperatur betrug heute früh 39,1, der Puls 138.

H. B. Frankfurt a. M., 22. Okt. Die Kriminal=
polizei
hob geſtern in einer Wirtſchaft in der Moſel=
traße
ein Wettbureau auf und beſchlagnahmte Wettzettel
und Wettgeldex.

Feuilleton.

Kriegsnachrichten . . . Wir leſen im Journal des
Débats und müſſen dieſen Ausführungen durchaus zu=
ſtimmen
: Die bei den verſchiedenen Balkanmächten akkre=
ditierten
Kriegsberichterſtatter ſind nun zu den
Armeen zugelaſſen. Bald werden wir vielleicht erfahren,
was ſich im Oſten zuträgt. Zurzeit iſt dies noch recht
ſchwierig. Ja, man wundert ſich, daß in einer Zeit, da
Wiſſenſchaft und Technik alle Entfernungen überwinden
und in Sekundenſchnelle Gedanken über Meere und Berge
ſenden; daß in Zeiten, da wir ſofort den Sieg eines
Boxers oder eines Rennpferdes erfahren, eine Woche da=
hingehen
kann, ohne daß wir über gewiſſe Ereigniſſe am
Balkan Gewiſſeres erfahren. Seit einer Woche findet der
Leſer, der voll Intereſſe ſeine Zeitung entfaltet, regel=
mäßig
höchſt zwei ſymmetriſche Telegramme. Das eine,
aus türkiſcher Quelle, proklamiert einen türki=
ſſchen
Erfolg; das andere, aus bulgariſcher
Quelle, verkündet einen bulgariſchen ſerbiſchen
oder monetenegriniſchen Triumph. Von die=
ſem
kleinen Unterſchied abgeſehen, melden beide Depeſchen
die gleiche Waffentat; ſie ereignete ſich am gleichen Ort,
am gleichen Tage, zur gleichen Stunde; eine Truppe hat
die Grenze überſchritten, einen Ort erobert, 3000 Gefan=
gene
gemacht und dann einen Dankgottesdienſt abgehal=
ten
. Aber ſchwierig iſt die Beſtimmung, in welcher Richt=
ung
, welche Grenze überſchritten wurde, und ob man nach
dem Kampfe zum Heiland oder zu Allah Dankgebete
emporſandte. Dazu furchtbare Einzelheiten; Greiſe und
Kinder wurden maſſakriert, Frauen mißhandelt. Die
Sieger haben einem Gefangenen den Kopf abgeſchlagen,
dem zweiten eine Hand abgeſchnitten, den dritten aufge=
ſpießt
; was nebenbei die Mäßigung beweiſt, da ſie ja
ebenſo gut alles zuſammen gleich hätten tun können. Doch
wie dem auch ſei: Stambul entſchleiert die Grauſamkeit
der Bulgaren, und Sofia enthüllt die Barbarei der Tür=
ken
. Die Depeſchenbureaus, denen ein boshafter Gott
authentiſche Nachrichten vorenthält, nehmen in der Not
der Verzweiflung dieſe unwahrſcheinlichſten
Nachrichten auf, um auf jeden Preis das Publikum
zu bedienen. Denn das Publikum will Nachrichten haben
und ſeien ſie auch ungenau. Wir würden auch die Schil=
derungen
einer Seeſchlacht leſen, bei dem auf dem Sku=
riſee
türkiſche Aviſos von den montenegriniſchen Dread=
hts
in den Grund gebohrt wurden. Schon kam aus

Athen eine ſeltſame Botſchaft. Es geht das Gerücht, daß
on Konſtantinopel Aerzte abgereiſt ſind, die in Phiolen
Cholerabazillen, Peſtbazillen und Typhusbazillen mitfüh=
ren
, um dieſe Krankheiten im Heere der Achäer zu ver=
breiten
. Wenn das geſchieht, konnte die Türkei ſich rüh=
nen
, eine wirkliche moderne Kriegsführung eingeführt zu
haben. Seit Homer haben ſich die Zeiten gewandelt .
Wir ſtellten uns den Militärarzt gerne vor, wie er auf
einem friedlichen Schimmel hinter der Armee einherritt.
In ſeiner Satteltaſche trug er nur Medizinen, die heilten,
ind Meſſer, die ſchnitten, um zu retten. Nun ſieht man
ihn an der Spitze der Avantgarde, auf wildem Kriegsroß
wie der Sturmwind gegen den Feind ſtürzen und rings
umher die Phiolen ausſtreuen, die Tod ausſäen und Ver=
derben
bringen. Es wird Zeit, daß die Kriegsbericht=
erſtatter
auf dem Kriegsſchauplatz eintreffen, und es wird
Zeit, daß ſie damit beginnen, zu berichten . . .
* Neue belgiſche Briefmarken. Wie aus Brüſſel be=
richtet
wird, werden die erſt vor kurzer Zeit in Belgien
in Verkehr gebrachten Briefmarken mit dem Bildniſſe
König Alberts ſchon in nächſter Zeit nicht mehr ausge=
geben
. Der Verkehrsminiſter hat ſich der Meinung der
Poſtverwaltung angeſchloſſen, daß die 25=Centimes=Marke,
die ein größeres Bild des Königs zeigt, bedeutend beſſer
ausſieht, als die übrigen Marken, die nur ein ſehr kleines
Bild zeigen. Es ſollen daher in Zukunft ſämtliche Mar=
ken
dieſes größere Bildnis tragen. Der Druck der neuen
Marken hat ſchon begonnen. Durch dieſe Aenderung wer=
den
die bisherigen Marken mit dem kleinen Bildniſſe des
Königs für die Markenſammler bald Wert erhalten.
* Mark Twain als Muſiker. Folgendes Geſchichtchen
erſcheint in der Londoner Daily News and Leader in
deutſcher Sprache: Mark Twain lernte einſt in einer
Geſellſchaft einen berühmten Pianiſten kennen: Freut
mich ſehr, Sie zu ſehen, ſagte Mark Twain, ich habe viel
für Muſik übrig. Ich ſpiele ſelbſt ein bißchen, und Muſik
hat mir ſogar einmal das Leben gerettet. Erzählen=
Sie doch, bat man den Humoriſten. Als ich ein kleiner
Junge war, gab es in meiner Vaterſtadt eine große Ueber=
ſchwemmung
. Als das Waſſer unſer Haus erreichte, nahm=
mein
Vater eine Bettſtelle, ſetzte ſie ins Waſſer und
ſchwamm auf ihr den Fluß hinunter, bis er gerettet
wurde. Na und Sie? fragte der Muſiker erwart=
ungsvoll
. Ich. lächelte Mark Twain, ich begleitete
ihn auf dem Klavier!

[ ][  ][ ]

Mb. Zirich, 20. Ot. In der Stadt Chur (Kanton
Graubünden) brach ein Brand aus, der ein Wohnhaus
zerſtörte, in dem ſich vier Kinder im Alter von 1½6
Jahren befanden. Die Kinder kamen ſämtlich in den
Flammen um. Die Eltern waren ausgegangen und
hatten die Kinder eingeſchloſſen. Wie das Feuer ausge=
brochen
iſt, konnte noch nicht feſtgeſtellt werden.
Uppiges-
langes
und
weiches Haar
Freu benute eit lahten
(6 Ihr Javol und habe da-
durch
solohe Haarfülle er-
zieit
, daß sie algemein be
wundert wird. Mein Haar
eine Länge
Meter
Kastanienrc
1. Fraul.
& Originalflasche 2 M., Doppelflasche
Ie 3.50 M. Ueberall zu haben.
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Die drohende Erkältung
bleibk aus oder verläufk harmloſer, wenn bei Beginn der Verſchleimung
im Halſe rechtzeitig ein paar Wybert=Tabletten genommen werden.
Sie bringen die Heiſerkeit zum Schwinden und erhalken die Stimme
klar und friſch. Sie ſind ein ſo unentbehrliches Hausmikkel, daß die=
jenigen
, die ihre überraſchende Wirkung kennen, ſie im Hauſe nie aus=
gehenlaſſen
. Die Schachkel koſtet in allen Apotheken und Drogerien 1 Mark.

Cm höheren Lebensalter wird oſt über das Nach=
laſſen
der Verdauungskräfte geklagt, und man muß
bemüht ſein, ſolchen Perſonen eine abwechslungsreiche,
leicht verdauliche und doch nahrhafte Kraft zuzuführen.
Man mache dann einmal einen Verſuch mit Kufeke‟,
welches dieſe Elgenſchaften mit einem angenehmen Ge=
ſchmack
vereint, und das ſchon in manchen Fällen zur
ausſchließlichen Ernährung von älteren Leuten mit
ſchwacher Verdauung gedient hat.
(22028fl

Tageskalender.
Großh. Hoftheater (Ab. D), Anfang 7½ Uhr: Das
Prinzip.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Rezitationen von Dr. Milan um 8 Uhr im Mathil=
denhöhſaal
(Freie lit.=künſtl. Geſellſchaft).
Verſammlung des Darmſtädter Hausbeſitzervereins
um 8½ Uhr im Fürſtenſaal
Ausſtellung Der Menſch im Großh. Reſidenzſchloß
(geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends).
The American Bio Co., Ernſt=Ludwigsſtr. 23.
Vorſtellungen von 411 Uhr.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein=
u
. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 411 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 411 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Donnerstag, 24. Oktober.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 4 Uhr in der
Ludwigshalle‟
Weißzeug=, Fahrräder= uſw Verſteigerung
um 9 und 2 Uhr im ſtädtiſchen Pfandhaus.
Pferde=Verſteigerung um 9 Uhr in der Train=
kaſerne
(Eſchollbrückerſtraße).
Brennholz=Verſteigerung um 10 Uhr am
alten Bahnhof.

Todes-Anzeige.
Hierdurch die schmerzliche Mitteilung, dass Montag Nacht 2 Uhr mein
lieber Mann, unser Vater, Sohn, Bruder, Schwager, Schwiegersohn und Onkel
Kerr Zauafd Roccher
nach schwerem Leiden im 39. Lebensjahre sanft entschlafen ist.
Darmstadt, Bernau, Berlin, 22. Oktober 1912.
In tiefster Trauer:
Frau Bertha Roether.
Die Einsegnung findet heute Mittwoch nachmittag um 6 Uhr im Krankenhaus statt.
Die Einäscherung findet Donnerstag nachmittag 3 Uhr im Krematorium zu Mainz statt.
Von Kondolenzbesuchen wird gebeten abzusehen.
(22123

Nachruf.
Montag Nacht verschied nach schwerem Krankenlager unser hochver-
ehrter
Chef
(22116
Herr Buchdruckereibesitzer Eduard Roether.
Durch sein vornehmes Wesen hat er sich unsere Liebe und Treue in
hohem Masse erworben; wir werden ihm diese auch im Tod bewahren und
seinen unermüdlichen Fleiss uns auch in Zukunft als Vorbild dienen lassen.
Das Büro-Personal der Firma Eduard Roether.

Nachruf.
Heute Nacht verschied nach kurzem, schwerem Leiden unser ver-
ehrter
Chef
(22125
Herr Buchdruckereibesitzer Eduard Roether.
Wir verlieren in dem Verstorbenen einen humanen Arbeitgeber, der
jederzeit bestrebt war, unseren Wünschen nach Möglichkeit gerecht zu werden.
Sein loyales Wesen sichert ihm ein dauerndes Andenken.
Darmstadt, den 22. Oktober 1912.
Das Personal der Buchdruckerei Eduard Roether.

Unterfertigter C. C. erfüllt hiermit die
traurige Pflicht, ſ. I. A. H. A. H., ja. C. B.
ja. C. B. und Bekannte von dem am 20. Ok=
tober
1912 bei Spansberg infolge eines Un=
glücksfalles
erfolgten Ableben ſ. I. A. H., des
Ingenieurs Herrn
Hans Gericke
(1893) (XXXX, 2
Oberlt. d. R. d. Cleveſchen Feld=Art.=Rgt.
Nr. 43
geziemend in Kenntnis zu ſetzen. (22094
J. A.: Der C. C. der Hassia‟
E. Poräk

Statt jeder beſonderen Anzeige.
Heute morgen 6 Uhr entſchlief nach längerem
Leiden unſere liebe Mutter, Großmutter,
Schwiegermutter, Schweſter und Tante
Frau
Henriette Markwort Wu.
geb. Leissler
im Alter von 78 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Viernheim, Bergedorf bei Ham=
burg
, den 22. Oktober 1912.
Die Beerdigung findet Donnerstag, nachmit=
tags
4 Uhr, von der Friedhofskapelle aus, ſtatt.
Einſegnung ¼ Stunde vorher. (B22130

Todes=Anzeige.
Heute morgen 9 Uhr verſchied nach langem
ſchwerem, mit Geduld getragenem Leiden mein
lieber Gatte, unſer kieber Vater, Großvater,
Schwager und Onkel
(22135
Herr Karl Herrmann
im 58. Lebensjahre.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen:
Philippine Herrmann.
Karl Herrmann.
Familie Conr. Krichbaum.
Darmſtadt, den 22. Oktober 1912.
Die Beerdigung findet Donnerstag nachmittag
½5 Uhr, vom Portale des Friedhofs aus, ſtatt.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meiner lieben Mutter, ſage
(22093
ich innigſten Dank.
Darmſtadt, 22. Oktober 1912.
Georg Schleidt.

Wetter.

Ausſichten für Mittwoch, den 23. Oktober:
Wolkig, nur vorübergehend Nachlaſſen der Regen=
fälle
, kühl.

Drnic und Beliagt z. g. Milichſche Heſtucherackaet=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

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[ ][  ][ ]

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und Staffettenschwimmen, Wasserspringen.
Eintrittspreis 50 Pfg. für die Person.
Karten an der Kasse des Städt. Hallenschwimmbades,
sowie im Verkehrsbureau. (22031ms

Für Mitglieder der Turngemeinde Darm-
stadt
sind Karten zum ermässigten Preis
von 30 Pfg. für die Person nur beim
Hausmeister erhältlich.

NB. Anschliessend an die obige Veranstaltung findet
ine Nachfeier mit Tanz in der Turnhalle (Woogsplatz) statt.

§9
Ca

H
r Hausbeſitzer=Verein, E. V.
Da
Wilhelminenſtraße 19, I.

Mittwoch, den 23. Oktober 1912,
abends 8½ Uhr,
im Fürstensaal‟, Grafenstrasse 20.
1. Vortrag des Herrn Lehrer Speckhardt über:
Die 2. nypomen
und Beſprechung darüber, und
2. Allerlei Fragen, die den Hausbeſitz betreffen.
Zu dieſer Verſammlung ſind alle Hausbeſitzer freundlichſt
eingeladen. Unſere Mitglieder, Damen und Herren, bitten wir,
recht zahlreich zu erſcheinen.
(21770fom
Der Vorſtand.

fsgenerbvereinWarmsfadf.

Orph

Progrann
zu dem am Mittwoch, den
23. Okt., von 12 Uhr mittags ab
vor dem Neuen Palais ſtatt=
findenden
Konzert der Kapelle
des Großh. Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61.
1. Erſter Preismarſch der Woche‟
Wir präſentieren von Hans
Ailbout. 2. Auf Wunſch: Ouver=
ture
zur Oper Fidelio von L.
van Beethoven. 3. Spinnerlied
und Ballade aus der Oper Der
fliegende Holländer von Richard
Wagner. 4. Geſchichten aus dem
Wiener Wald Walzer von Joh.
Strauß. 5. Wo ſteht es denn ge=
Der liebe Auguſtin von Leo Fall.
Eröffnet 1906. 6. Marſch d. finnländiſchen Reiterei

R. Lipp) billig

Freitag, den 25. Oktober 1912, abends 8½ Uhr,
im Reſtaurant Sitte (gelber Saal), Karlſtraße
I. Winter=Verſammlung.
Vortrag
des Herrn Dr. ing. A. Kleinlogel,
Privatdozent an der Techniſchen Hochſchule,
über:
Die Bedentung des Eiſenbetons im heutigen Bauweſen.
Wir laden hierzu unſere Mitglieder ergebenſt ein. Gäſte gern
willkommen.
(22073mf
Der Vorstand.
Peter Irle . . . Zt. Weſtermann
Thomas Kreger,
Weinhändler . . Ludw. Wagner
Everbuſch, Ober=
kellner
im Rieſen Richard Jürgas
II 389
Lene Kuk
. Käthe Gothe
Suſe Schebitz . . Sofie Heumann
M Nur noch einige Abende Grafin Aggern . Minna Müller=
Rudolph
die orientalischen Tänze Nach d. 1. u. 2. Akte je läng. Pauſe.
Krank: Auguſt Kräger.
der schönen
Gewöhnliche Preiſe:
Proſzeniumsloge 6.10 M., Mittel=
loge
6.10 M., Balkonloge 5.10 M.,
Törtola
I. Rang 4.60 M., II. Rang: 1.6.
Reihe 2.60 M., 7. u. 8. Reihe 2.05 M.,
Sperrſitz: 1.13. Reihe 4.10 M.,
14.20. Reihe 3.30 M., Parterre:
Valencia
1.5. Reihe 2.80 M., 6.8. Reihe
2.25 M., I. Galerie 1.25 M.,
II. Galerie 0.65 M.
Jubelnder Beifalle
Anf. 7½ Uhr. Ende nach 10 Uhr.
über das gesamte vorzüg-
Kartenvk. v. 9½ 1½ u. v. 6½ U. an.
liche Oktober-Programm. Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Donnerstag, 24. Okt. 40. Ab=
Fum. Parke. bei Ango ds Wat Porſtell. 4. 10. Die ſchöne
Rheinstraße 14. (22032Helena. Gew. Pr. Anf. 7 Uhr.
Freitag, 25. Okt. (Keine Vorſt.)
Wertrk. u. relge wiche
Samstag, 26. Okt. 41. Ab.=Vſt.
C 11. Wenn ich König
Großherzogl. Hoftheate
wäre! Kl. Preiſe. Anf. 7 Uhr.
Mittwoch, den 23. Oktober 1912. Sonntag, 27. Okt. 42. Ab.=Vſt.
39. Ab.=Vorſtellung. D 10. 1A 11. Zum erſten Male: Der
Zum erſten Male wiederholt: lliebe Auguſtin. Operette in
3 Akten von Rudolf Bernauer u.
Das Prinzip.
Ernſt Weliſch. Muſik von Leo
Luſtſpiel in 3 Akten
Fall. Gew. Preiſe Anf. 7 Uhr.
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Eine originelle Wette. Guter Humor.
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Schweiz. Herrliche Naturaufnahme.
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Der Wochenbericht des American Bio
zeigt uns die neuesten Weltereignisse.
Inr Bochzenstat
Ergreifendes Drama.
4 *
Ler eodesring
sehr spannendes Drama in 3 Abteilungen.
Der Todesring
ein Drama, welches durch scharf durchgeführte,
psychologisch vertiefte Handlung, spannende Szenen-
folge
und wirksame, überaus glänzende Darstellung
alles bis jetzt Dagewesene übertrifft. Der Film
Der Codesring
erinnert uns an die Zeit des gewaltigen Siegeszuges
des grossen Korsen Napoleon I. Vor den Pyramiden
Aegyptens beginnend, führt uns der Film
Ler Codesring

in einen Zeitraum von 120 Jahren zurück bis zum
heutigen Tage und zeigt in spannendster Handlung
die wechselvollsten Schicksale eines altägyptischen
Kleinods, das, vor 1000 von Jahren mit einer Mumie
versenkt, entwendet worden war u. auf das Schicksal
des jeweiligen Besitzers einen unheilvollen Einfluss
ausübte. Es sollte niemand versäumen, dieses
glänzende Drama
Der Todesrin
g
zu besichtigen.
Dazu eine stimmungsvolle Piano- und Harmonium-
begleitung
von Friedrich von Harscher.
Ausserdem
Die Nichte aus Amerika
köstlicher amerikanischer Humor.
Husch Husch!
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interessantes Naturbild.

(22109

Von der Kelile
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Weisbrod& Witwitzkv, Spez. f.
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Harnröhrenerkrankungen,
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Entlaufen
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wird gewarnt, abzugehen gegen
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(22
Wilhelminenplatz 12.

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Verloren
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der Stadt ein Medaillon aus Glas
mit Gold eingefaßt u. Haar ent=
haltend
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(*9821
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1 Schlüſſel nebſt Viſitenkarten.
Wiederbringer Belohnung Alexan=
draweg
31.
(*9819md

Verloren
Damenuhr Montag auf d. Weg
Bismarckſtr. 21 bis Alicekochſchul
Friedrichſtr. Geg. gute Bel. abzug
Niederramſtädterſtr. 34, II. (*983

Verloren

(*9879

Samstag, 19. Oktober, Spauge,
Toledoarbeit, Wilhelminen=, Eliſa=
bethen
=, Schulſtraße, Kapellplatz,
Mühlſtraße, Meßplatz, Stift= und
Erbacherſtraße. Abzugeben gegen
hohe Belohn. Seitersweg 14, II.

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jed. gutgeh. Geſchäft, Witwer m.
Kinder, 42 J., evang., wünſcht.
paſſ. Heirat m. brav., fl. Dienſt=
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nicht unt. 35 J. Gefl.
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1. Stock rechts.
(*9845mm

Kurſe vom 22. Oktober 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Sf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 99,90
3½ Deutſche Reichsanl. . 88,50
78,20
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99,90
3½ do. Conſols . . . 88,50
78,30
3. do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 99,30
93,00
do.
3½
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 99,80
87,10
do.
3½
do.
4 Hamburger Staatsanl. 100,50
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99,50
14. do. do. (unk. 1918) 99,60
85,00
do.
3½
3
75,70
do.
13 Sächſiſche Rente.
78,90
4 Württemberger v. 1907 99,60
3½
do. v. 1875 94,50
15 Bulgaren=Tabak=Anl. 93,00
1 Griechen v. 1887 . . 49,00
3¾ Italiener Rente
4¼ Oeſterr. Silberrente 88,00
4 do. Goldrente . . . 92,00
4 do. einheitl. Rente . 84,25
3 Portug. unif. Serie I 62,30
3 do. unif. Ser. III 66,10
3 do. Spezial .
5 Rumänier v. 1903 . . 98,70
4 do. v. 1890 . . 92,00
4 do. v. 1905 . . 88,50
4 Ruſſen v. 1880 .
86,75
4 do. v. 1902
86,70
4½ do. v. 1905 .
100,00
3½ Schweden . .
4 Serbier amort. v. 1895 69,00
4 Türk. Admin. v. 1903 77,50
4 Türk. unifiz. v. 1903 80,80
87,50
4 Ungar. Goldrente .
85,00
14 do. Staatsrente.

Jf.
In Prot.
5 Argentinier
. 100,50
4
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 91,50
5 Chineſ. Staatsanleihe . 99,70
do.
4½
4½ Japaner . . . . .
92,90
5 Innere Mexikaner . . . 90,50
3
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,50
5 Gold=Mexikaner . . . . 99,00
3 Buenos Aires Provinz 68,30
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 148,70
5 Nordd. Lloyd . . . . . 118,00
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 124,90
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . .
8 Baltimore und Ohio . 105,50
6½ Schantungbahn . . . 125,50
6½ Luxemb. Prince Henri
O Oeſt. Südbahn (Lomb.) 18½
6 Pennſylvania R. R. .
Leßzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger . . 66,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 514,00
14 Chem. Fabrik Gries=
heim

.246,75
30 Farbwerke Höchſt . . 614,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 342,90
10 Cement Heidelberg . . 148,00
30 Chem. Werke Albert 453,00
12½ Holzverkohlung Kon=
ſtanz
.
. 319,25
4 Lahmeyer .
.119,00

Letzte
IuProt.
Divid.
7½Schuchert, Nürnberg 147,75
12 Siemens & Halske .224,00
5 Bergmann Electr. . . 123,50
10Deutſch. Ueberſee Electr. 157,00
0 Gummi Peter . . . 101,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 103,20
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 580,25
10 Maſchinenf. Badenia 174,50
6 Wittener Stahlröhren 203,50
8 Steana Romana Petr. 142,00
15 Zellſtoff Waldhof . . 232,10
12½ Bad. Zucker= Wag=
häuſel
. . . . .
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 108,00
3 Südd. Immobilien . 60,00
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 180,50
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 226,00
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 170,00
10 Gelſenkirchener . . . . 189,50
185,90
8 Harpener .
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 268,70
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . .
81,20
4 Laurahütte . . . . . . 166,00
10 Kaliwerke Aſchersleben
Weſteregeln 211,00
11
7½ South Weſt Africa 128,00
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. 88,20
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 100,00
4 Eliſabethbahn, freie . . 93,00
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 87,70
74,80
3 Prag=Duxer .
5 Oeſterr. Staatsbahn .
4 Oeſterr. Staatsbahn . 93,10
76,70
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 97,75
do.
4

Snprer
3.
2¾/10 Oeſt. Südb. (Lomb.) 51,50
3 Raab=Oedenburg
76,50
4 Kronprinz Rudolfbahn 93,20
4 Ruſſ. Südweſt.
85,75
4½ Moskau=Kaſan . . . 95,00
do.
87,10
4 Wladichawchas . . . . 86,00
4 Rjäſan Koslow . . . .
3 Portugieſ. Eiſenb.

70,50
do.
69,00
2¼/1 Livorneſer
3 Salonique=Monaſtir . 60,75
4 Bagdadbahn .
80,40
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 95,10
4 Miſſouri=Paciſic.
73,00
4 Northern=Paciſic . . . 99,50
4 Southern=Paciſic
94,00
5 St. Louis und San
Francisco.
. 85,10
5 Tehuantepec . . .
96,20
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 182,00
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn . . .
9½ Berlin. Handelsgef. . 163,40
6½ Darmſtädter Bank . 119,50
12½ Deutſche Bank . . . 245,70
6 Deutſche Vereinsbank . 122,00
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 114,80
10 Diskonto=Kommandit 181,40
8½ Dresdener Bank . . 150,60
9½ Frankf. Hypoth.=B. 212,00
6½ Mitteld. Kreditbank 116,50
7 Nationalb. für Deutſchl. 120,70
7 Pfälziſche Bank . . . . 126,50
5.86 Reichsbank . . . . . 134,00
7 Rhein. Kreditbank. . . 133,40
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 117,50
7½ Wiener Bankverein . 125,00
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21.
. 99,20

3.
Iufra
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 88,50
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
. 98,80
S.52 . .
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 98,50
do.
3½
87,50
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,70
do.
88,00
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
. 99,40
S. 14, 15, 17, 24/26
1823.
99,50
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6
88,00
. 87,80
S. 35
S. 911
87,90
4 Meininger Hyp.=Bank 98,50
3½
87,30
do.
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 98,80
3½ do. (unk. 1914) . . 87,70
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,50
do.
3½
87,30
Städte=
Obligationen.
Darmſtadt .
. 98,00
3½ do.
88,50
4 Frankfurt.
. 99,70
do.
94,50
4 Gießen .
3½ do.
88,50
97,60
1 Heidelberg
88,00
do.
4 Karlsruhe
97,50
do.
88,10
Magdeburg
do.
4 Mainz
do.
89,00
4 Mannheim
97,30
do.
München
. 100,20
3 Nauheim
. 99,90
Nürnberg.
do.
87,60
4 Offenbach.

InProt.
3½ Offenbach . . . . . .
4 Wiesbaden . . .4 . 99,80
3½ do.
4 Worms .
44
3½ do.
Liſſaboner v. 18886 75,50
Verzinsliche
Anlehensloſe.
Badiſche . . . Tlr. 109 170,50
3½ Cöln=Mindner , 100 134,00
3 Holl. Komm. . fl. 100 109,00
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 136,50
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 173,00
3 Oldenburger . . .
127,00
2½ Raab=Brazer fl. 156
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger .
. fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 202,05
Freiburger .
Fs. 15
Fs. 45
Mailänder
do.
Fs. 10
Meininger
fl. 7
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 517,00
do. v. 1858 fl. 100 438,00
Ungar. Staats . . fl. 100
Benediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 154,40
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,47
20 Franks=Stücke .
16,22
Amerikaniſche Noten.
4,20
Engliſche Noten .
20,48
Franzöfiſche Noten.
81,25
Holländiſche Noten.
169,60
Italieniſche Noten .
80,40
Oeſterr.=Ungariſche Notes 84,70
Ruſſiſche Noten . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,95
Reichsbank=Diskonto.
Reichsbank=Bomhard 344 5½

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Autliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Gefunden: 1 ſchwarzer Damenpelz. 1 braunes Portemonnaie
mit Inhalt (auf der Meſſe gefunden). 4 ſchwarze Vorhemden mit
Stickereien. 1 Broſche mit weißem Frauenkopf. 1 kleiner Roſenkranz
mit weißen Perlen. 1 ſchwarze Straußfeder. 1 kleines gelbes Kinder=
portemonnaie
mit Inhalt. 1 braunes Portemonnaie mit 1 Pfennig
und 1 kleinen Schlüſſel. 1 kleines Seehundleder=Portemonnaie.
1 Aktenmappe mit Inhalt. 1 Notizbuch. 1 Päckchen, enthalt. Satin
und Seidenrölchen. 1 filberne Nadel mit gelbem viereckigen Stein.
1 dunkles Portemonnaie mit Inhalt. 1 Taſchentuch. 1 Schlüſſel.
Zugelaufen: 1 braun und weißgefleckter Jagdhund. Zugeflogen:
1 weiße Taube mit Klubring.
(22077
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher, 1 Hofhund, 1 Rehpinſcher. 1 Dachshund,
1 Dobermann (zugelaufen). Die Hunde können von den Eigen=
tümern
bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Ver=
ſteigerung
der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittaas um 10 Uhr, ſtatt.
(22069

Großherzogliches Hoftheater.

Die Einſendung aller noch rückſtändigen Koſtenrechnungen
über Leiſtungen und Lieferungen für das Großherzogliche Hoftheater
und die Hofmuſik wird bis zum 4. November 1912 erbeten.
Für jede Rubrik ſind die in doppelter Ausfertigung einzu=
reichenden
Koſtenrechnungen getrennt aufzuſtellen. Die bezüglichen
Beſtellſcheine müſſen beigefügt werden.
Die nach dem obigen Termin einlaufenden Rechnungen können
erſt bei der nächſten Abrechnung Berückſichtigung finden.
Darmſtadt, den 20. Oktober 1912.
(22053ms
Die Generaldirektion
des Großh. Hoftheaters und der Hofmuſik.

Grossterzogliches Hertneater.

Abonnement für 1912/13.
Es wird nochmals darauf aufmerkſam gemacht, daß mit den
Vorſtellungen A 12 B 12 C12 und D 12 neue Abonnenten für
den Reſt der Spielzeit hinzutreten können, wenn die betreffenden
Intereſſenten ſich ſpäteſtens
bis zum Samstag, den 26. Oktober 1912,
bei der Hauptkaſſe angemeldet haben.
Für die neu hinzugetretenen Abonnenten findet die Abgabe
der Abonnementskarten von Montag, den 28. Oktober an, in den
Vormittagsſtunden von 1012½ Uhr bei der Hauptkaſſe ſtatt. Zur
Erhebung kommt hierbei die 2. Rate des Abonnementsgeldes.
Darmſtadt, den 22. Oktober 1912.
(22086
Die Generaldirektion
des Großh. Hoftheaters und der Hofmuſik.

Vergebung von Küchenlieferungen.

Die Lieferung des Bedarfs an Kolonialwaren Gemüſe, Milch,
Molkereiprodukten und Kartoffeln, ſowie die Abnahme der Küchen=
abfälle
(Spülicht) ſoll für die Zeit vom 1. November 1912 bis 31. Oktober
1913 verdungen werden.
Die allgemeinen Lieferungsbedingungen liegen im Geſchäfts=
zimmer
der Kommandantur, in Baracke 111, Zimmer Nr. 7, zur Ein=
ſicht
und Anerkennung aus.
Die Angebote ſind in verſiegeltem Umſchlag mit der Aufſchrift:
Angebot auf Küchenlieferungen für die Zeit vom 1. Nov. 1912 bis
31. Okt 1913 an die unterzeichnete Küchenverwaltung einzureichen.
Letzter Einreichungstermin iſt der 28. Oktober 1912.
Formulare zu den Angeboten können bei der Kommandantur
unentgeltlich bezogen werden.
Tr.=Uebungspl. Darmſtadt, den 22. Oktober 1912. (22115md
Die Küchenverwaltung
der Kommandantur des Truppenübungsplatzes.

Verſteigerungs-Anzeige.

Mittwoch, den 23. Oktober 1912, nachm. 3 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungslokal Zur Ludwigshalle‟ ( Ober=
gaſſe
) zwangsweiſe meiſtbietend gegen Barzah ung:
1 Schreibtiſch, 1 Schreibmaſchine, 1 Regulator, 1 Laden=
einrichtung
, beſtehend in 2 Warenſchränken, 1 Theke,
1 Wage und 1 Geſtell, 1 Partie Schuhwaren u. a. m.
Ferner:
Donnerstag, den 24. Oktober 1912, vorm. 10 Uhr,
auf freiwilligen Antrag am alten Bahnhof:
zirka 50 Haufen Brennholz.
3
Darmſtadt, den 22. Oktober 1912.
(22099
Stellvertreter des Großh. Gerichts=
Bauer, vollziehers Kapp in Darmſtadt. 2tür. Kleiderſchrank, mod. Küche,

Verſteigerungs-Anzeige.

Donnerstag, den 24. Oktober 1912, nachm. 4 Uhr,
verſteigere ich im Saale der Ludwigshalle, Obergaſſe dahier, öffent=
lich
meiſtbietend folgende Pfänder:
2 Schreibtiſche, 3 Kleiderſchränke, 1 Sofa, 1 Tiſch, 1 Spiegel,
1 Zeichentiſch, 1 Seſſel, 1 Regulator, 1 Kommode, 1 Klavier,
1 Nähmaſchine, 1 Schreibſekretär, 1 Opernglas, 2 Fahr=
(22101
räder, 2 Landauer 1 Pferd u. a.
Wedel, Großh. Gerichtsvollzieher
Bleichſtraße 28.

Zahnarzt Fritz Witt
Neckarstrasse 10
Sprechstunden von 91 Uhr, nachmittags von 36 Uhr.
Telephon 2134.
(21393a

Bekanntmachung.

Georg Breitwieſer VII. in
Ober=Ramſtadt iſt jheute aus der
Firma Breitwieſer & Keller da=
ſelbſt
ausgetreten und ſeine in
Gütern getrennte Ehefrau Anna,
geb. Freund, daſelbſt, iſt in die
Firma eingetreten. Zur Zeichnung
und Vertretung der Firma iſt der
Geſellſchafter Paul Krienitz allein
berechtigt. Dem vorgenannten
Georg Breitwieſer VII. iſt von der
Firma Prokura erteilt. (22076
Eintrag in das Handelsregiſter
iſt heute erfolgt.
Darmſtadt, 18. Oktober 1912.
Großherzogliches Amtsgericht II.

WhrER
DARMSTADT
Kirchsta 19
an der Stadtkieche.

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Städtiſcher Fiſchmarkt.

Beginn: 1. Oktober 1912.
Verkaufstage:
a) auf dem Marktplatz: Dienstag bis einſchl. Samstag jeder
Woche,
b) auf dem Riegerplatz: nach Bedarf, jedenfalls aber Don=
nerstag
und Freitag jeder Woche.
Die äußerſt billig geſtellten Wochenpreiſe, die unter Kontrolle
des Oberbürgermeiſters feſtgeſetzt werden, ſind an den Verkaufs=
ſtänden
angeſchrieben.
Darmſtadt, den 28. September 1912.
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Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Mueller.

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Hoch= und Karlſtraße)
alle Wochentage von vormittags 7 Uhr an
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Schweinefleiſch per Pfund 88 Pfg.
Kotelettſtücke. . per Pfund 90 Pfg.

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53)

Es ſangen die Geigen, es wirbelten die Paare im
Tanze, Lachen und Frohſinn erklang überall. Still, ernſt,
gleich einer im Traume Wandelnden, ſchritt Chriſta Leer=
ſen
durch die Menge. Ungehört verrauſchten an ihrem
Ohr die luſtigen Worte, die man ihr zurief. Die beiden
Erlebniſſe der letzten Stunde hatten ſich wie eine ſchwere
bleierne Laſt auf ſie gelegt. Oh, wäre ſie doch gar nicht
auf dieſes Feſt gegangen! Wieviel Häßliches, ihre Seele
zu Boden Drückendes hatte ſie inmitten dieſes bunten,
leuchtenden Rahmens in ſich aufnehmen müſſen! Wo war
Joachim, wo Ada? Sie wollte ſie ſuchen und ihnen ſagen,
daß ſie heimfahren wollte, da ihr der Kopf ſchmerzte.
Nein, es war keine Lüge, das Blut hämmerte ihr in den
Schläfen und ihre Augen waren verſchleiert und brannten
von den Tränen, die ſie jetzt nicht weinen durfte. Sie
würde die Geſchwiſter, die ſicher die Fröhlichſten der Fröh=
lichen
waren, bitten, hierzubleiben und ſie allein wollte
heimfahren, allein ſich ausweinen! Ach, wenn ſie jetzt
jemand zur Seite gehabt hätte, dem ſie ihr übervolles
Herz ausſchütten konnte. Sie fühlte ſich ſo grenzenlos ein=
ſam
und verlaſſen.
Chriſta hatte es nicht gemerkt, wie ihr ſeit einer klei=
nen
Weile ein hochgewachſener, blonder, breitſchultriger
Mann in grauem Touriſtenanzug folgte, ſah nicht, wie er,
als er ſie erblickte, zuſammenzuckte und wie in freudigem
Schreck ſich ſein braungebranntes Geſicht mit einer dunklen
Glut überzog.
Jetzt ſtand er vor ihr. Zwei Hände ſtreckten ſich ihr
grüßend entgegen und ſie blickte in die blauen, leuchten=
den
Augen Peter Geißlers!

Ein deihe Ginckeanſcht durchbebie ſc, in den ſehes
andere Empfinden des Schmerzes und der Bitterkeit, das
ſie eben zu überwältigen gedroht hatte, unterging.
Wortlos legte ſie ihre beiden zitternden Hände in die
ſeinen. Und lange ſtanden ſie ſo, keines Wortes mächtig.
19. Kapitel.
Unzählige Male vergegenwärtigte ſich in den nächſten
Tagen Chriſta dieſes unverhoffte Wiederſehen mit Peter
Geißler. Wie ein Wunder, wie eine Fügung des Him=
mels
erſchien es ihr, daß er gerade in dem Momſent ge=
kommen
war, als ihre Seele in qualvollem Alleinſein ver=
langend
nach einer gleichgeſtimmten gerufen hatte. Wie
geborgen hatte ſie ſich gefühlt, als ſeine Hände ſo feſt die
ihren umſchloſſen! Hinter ihr verſank in nebelgrauher
Ferne alles, was ſie vor wenigen Augenblicken noch ge=
quält
, gepeinigt und zu Boden gedrückt hatte. Von die=
ſem
Augenblicke an hatte ſie ſich wieder frei und ſtark
gefühlt!
Arm in Arm hatten ſie ſich, nachdem ihr ſtummes
Freuen auf beiden Seiten warme Worte der Begrüßung
gefunden hatte, aufgemacht, um Joachim und Ada in dem
Menſchengewühl, das ſie umgab, zu ſuchen. Als ſie ſie
endlich gefunden hatten und Chriſta erwartet, daß ſie
gleich ihr, ſtarr vor Staunen ſein würden, den Freund
plötzlich vor ſich zu ſehen, erfuhr ſie, daß die Geſchwiſter
Miverbündete von Peter Geißler waren und gewußt
hatten, daß er heute nacht mit dem Schnellzug von Mün=
chen
eintreffen und das Schlaraffenfeſt beſuchen wollte.
Nun freute man ſich der wohlgelungenen Ueberraſchung.
Warm und herzlich war die Begrüßung Joachims und
Adas mit dem alten Freund. Es erging ihnen, wie es
immer Menſchen ergeht, die ſich innerlich naheſtehen. Sie
hatten das Gefühl, als hätten ſie ſich erſt geſtern getrennt,

ſein Mitewverden der Eaſthung, lehe Gniſtanwnig
hatte die jahrelange Entfernung voneinander gezeitigt.
Das ſtarke Gefühl ihrer Freundſchaft hatte nicht darunter
gelitten, daß wechſelvolle Ereigniſſe, an denen ſie gegen=
ſeitig
nicht hatten teilnehmen können, durch eines jeden
einzelnen Leben gegangen waren.
Noch lange Stunden blieb man zuſammen. Was gaß
es da alles zu erzählen, zu fragen und zu berichten! Ein
fröhliches, zwangloſes Geben ſeiner ſelbſt waren dieſe
Stunden, kein ängſtliches Zurückhalten, kein ſcheues Taſten
und Suchen nach einem Widerhall in der Seele des an=
deren
.
Peter Geißler, der Heimgekehrte, ihm wandten ſich alle
ihre Gedanken zu. Er war der alte geblieben in ſeinen
ſonnigen, fröhlichen Laune und ſeinem alles mit fortrei=
ßenden
Humor. Vielleicht ein klein wenig ruhiger, be=
ſonnener
ſchien er geworden zu ſein, da, wo es ſich um
die Verurteilung von Manſchen und Menſchenſchwäche
handelte. Die urwüchſigen, oft etwas derben Worte und
Ausdrücke, mit denen er früher oft ſeinem Zorn und Aer=
ger
Luft gemacht hatte, ſchien er in der Fremde beinahe
verlernt zu haben. Selten noch kamen ſie über ſeine Lip=
pen
, und fielen ſie wirklich einmal, ſo wurden ſie nicht
mit rückhaltloſem Ungeſtüm hervorgepoltert, ſondern ſie
trugen das artige Mäntelchen irgend eines Witzes oder
kleinen Scherzes und wirkten darum nicht mehr ſo draſtiſch
wie früher.
Aeußerlich war eine große Wandlung mit Peter
Geißler vorgegangen. Sein Anzug zeigte nicht mehr
jene geniale Liederlichkeit und Unordnung, durch die er
ſich einſt ausgezeichnet hatte. Tadellos ſauber waren.
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übten
Hände des Friſeurs ſich jetzt häufiger damit be=
faßten
, als es ſonſt der Fall geweſen war.
Fräulein Chriſta, warum gucken Sie mich ſo erſtaunt
an? fragte Peter Geißler, als er am Tage nach dem Feſte,
wie ausgemacht worden war, in der Würzburger Straße
ſich zum Nachmittagskaffee einſtellte. Ich ſehe es Ihren
Augen an, Sie denken ſicher, daß ein eitler Aff’ aus dem
liederlichen Peter geworden iſt! Würde macht Bürde!
hier ſeufzte er mit einer Art verzweifeltem Augenauf=
ſchlag
und nun ich gar Profeſſor an der Akademie ge=
worden
bin, hab’ ich halt, ſo ſauer es mir wurde, Kom=
promiſſe
machen und den elenden Balg in eine anſtändige
Kledaſche ſtecken müſſen.
Das war wieder der Peter Geißler von früher, und
alle lachten.
Nein, nein! Aber innerlich bin ich der alte geblieben.
Können’s glauben, Herrſchaften, verwahrte er ſich. Schad‟,
daß man ſich nicht aufſchneiden und wenden kann wie ’nen
alten Pelz! Gäb’ das ein Gaudi, wenn an Stelle des ge=
ſitteten
Profeſſors dann der verrückte Peter wieder raus=
kröch
!!
Lächelnd proteſtierte man und Chriſta verſicherte:
Machen Sie ſich nur nicht ſchlechter als Sie ſind. Ich weiß
ganz genau, daß der innerliche Peter Geißler ganz anders
ausſieht als er ſpricht.
Da wurde Peter Geißler rot, ſchwieg einen Augen=
blick
und ſagte dann ernſt: Nun, hoffenteich hat ſich der
innere Peter aber doch etwas gewandelt. Das Leben,
Fräulein Chriſta, iſt wohl der beſte Erzieher für den Men=
ſchen
, und je härter es mit uns verfährt, um ſo beſſere
Reſultate erzielt es meiſt. Mich hat’s wenigſtens arg
rumgezauſt da draußen.
Das bleibt wohl niemandem erſpart, langſam ſagte
es Chriſta, indem zie ernſt vor ſich niederblickte. Sie mußte

malt des Schuere dentet der ſieſeltſtetich und durch=
gemacht
hatte. Und Peter Geißler verwandte kein Auge
von ihr. Wie ſchön ſie geworden war! Ihre Züge hatten
zwar das Kindliche von einſt verloren, aber ſie hatten ſich
vergeiſtigt und veredelt. Ein reifes, ernſtes Weib war ſie
geworden, ſeit er ſie verlaſſen hatte. Es war überhaupt,
als ſähe und hörte Peter Geißler nur Chriſta. An ſie rich=
tete
er all ſeine Fragen und Antworten, aber weder Ada
noch Joachim nahmen es übel.
Bitte, macht mal ſtopp, Ihr beiden! miſchte ſich Joachim
ins Geſpräch Ich dächte doch, Ihr hättet nicht Grund
zum Klagen! Hier der gottbegnadete Maler, dort die ge=
feierte
Künſtlerin! Bitte, bitte, ich zitiere nur Stellen
aus Euren Kritiken, verteidigte er ſich, als ſie ihn nicht
ausreden laſſen wollten.
Na, und Du, Beneidenswerter, den Muſen und ſchöne
Frauen küſſen? neckte Peter Geißler.
Ich habe ja auch gar nicht auf das Leben räſoniert!
Im Gegenteil, ich finde es wunderſchön und bin ſtolz
auf . . .
Am ſtolzeſten aber bin ich, rief Ada, die in ſtrahlendem
Mutterglück Dolf und Marie dem neuen Onkel entgegen=
führte
.
Donnerwetter ja, dazu haben Sie auch alle Urſache,
Frau Ada! Jawohl, Sie ſind die Reichſte von uns!
Peter Geißler hob die beiden reizenden, weißgekleideten
Menſchlein, die etwas ſcheu zu der Rieſengeſtalt des frem=
den
Mannes aufblickten, in die Höhe und küßte ſie. Das
ſind ja reizende Fratzen. Ich gratuliere Ihnen.
Bitte, mir auch! Die Hälfte gehört mir! forderte ge=
bieteriſch
Joachim. Weſſen Lieblinge ſeid Ihr? fragte er
in väterlicher Würde die beiden Kleinen.
Tante Tiſtas! klang es doppelſtimmig zurück.
Solch undankbares Volk! Was ſeid Ihr denn da von
Eurem Vater?

Iinſen und iſchwang, oiden die deien Stungn
prompt zurück.
Elefant und Affenſchwanz, überſetzte Ada lachend die
Worte.
Sehr poetiſche Namen für Dichterkinder, ſagte Peter
Geißler trocken. Sie gefallen mir aber ſehr gut. Ich werde
Euch auch ſo nennen.
Nun verlangte Peter Geißler, überall herumgeführt
zu werden im Leerſenſchen Heim. Es machte den dreien
wirklich Spaß, ihm alles zu zeigen. Bei allem, was ihm
gefiel, zeigte er ſeine Freude ſo warm und unbeſchränkt,
und fand ſo liebe Worte, ſie auszudrücken! Auch Chriſtas
kleines Reich bekam er zu ſehen, und ſonderbar, hier ver=
ſtummte
ſein ſonſt ſo beredter Mund, der eben noch von
kleinen Scherzen und anzüglichen Neckereien übergeſprudelt
war. Er wurde mit einemmal ſtill und befangen, und
ſein Atem ging ſeltſam ſchwer.
Chriſta, die in ihrer munteren Weiſe die Führung
der beiden Herren übernommen hatte Ada braute in=
zwiſchen
im Eßzimmer den Kaffee wußte gar nicht
recht, was ſie zu dem veränderten Benehmen ſagen ſollte.
Sie fühlte ſich durch ſein Schweigen bedrückt und etwas
gekränkt. Nun ſagen Sie endlich aber einmal ein Wort,
Sie ſteinerner Gaſt! Loben Sie doch auch mal hier etwas!
All die Schätze ſind von ſelbſtverdientem Gelde erſtanden!
Auch das? Peter Geißler wies langſam mit der Hand,
die etwas zu zittern ſchien, nach dem Bilde, das über
Chriſtas Schreibtiſch hing. Es war die Repfroduktion
eines ſeiner Gemälde.
Ja!
Da traf ein Blick Chriſta ſo groß, ſo leuchtend, ſo voll
heißer Freube, daß ſie verwirrt den ihren ſenkte. Eine
dunkle Blutwelle ſiieg ihr ins Geſicht.
(Fortſetzung folgt.)

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, ſucht Stellung. Offert
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ſucht Stelle als Kontoriſtin. Die=
ſelbe
hat die Handelsſchule beſucht
u. iſt in allen Büroarbeit. kundig.
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ds. Bl. erbeten. (*9367

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Hausdame. Frau, in Führung
beſſeren Haushalts perfekt und in
ſchriftl. Arbeiten, Buchführung uſw.
bewandert, ſucht hier od. außerhalb
geeignete Stellung. Gefl. Ang. unt.
C 22 an die Exped erbet. (*9887

Durchaus, zuverläſſige
Pflegerin
empfiehlt ſich in Krankenpflege,
übernimmt auch etw. Hausarbeit.
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beſſern
von Kleidern u. Weiß=
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perfett im Flicken u. Weiß=
Frau nähen, hat Tage frei
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Schneiderin empfiehlt ſich in u.
außer dem Hauſe.
(*9597sm
Näheres in der Expedition.

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in u. außer d. Hauſe. Offert. unt.
C 26 an die Expedition. (*9899

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m. beſten Empfehl. ſucht Beſchäftig.
Zu erfr. in der Expedition. (*9241mm

In.

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Stellung bei älterem Herrn in
gutem Hauſe. Dieſelbe iſt im
Haushalt, feiner Küche, Kranken=
pflege
und Vorleſen durchaus er=
fähren
und beſitzt die beſten Zeug=
niſſe
Näh. in der Exped. (18745a

ſucht in kleinem
Mädchen Haushalt Stell.
wo Gelegenheit zur weiteren Aus=
bildung
geboten iſt. Anerb. poſtl.
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Zweigen d. Haush., ſow. d. franzöſ.
Sprache mächtig, ſucht Stelle als
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Witwe, unabh., 30er J., perf.
i. Haush. repräſ. Erſch. ſucht Stelle
als Haushälterin. Offerten unt.
B 92 an die Exped. (*9776im

Kindermädch., Kindergärtnerin,
Mädch., welchekoch. u. alle Hausarb.
können und gute Zeugniſſe beſitzen,
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Näheres Arheilgerſtr. 25.

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Stellung tätig war und tadelloſe
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Enähen kann u. Hausarb. über=
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dem Spülen geſucht Nieder= Ram=
ſtädterſtraße
43, 1. Stock. (*9812 Tüchtige Köchin
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Stellenvermittlerin, Nieder=Ram=
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zuſammen in ein beſſeres Haus
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Rouen (Frankr.), St. Avold i. Lothr. Stellenvermittlerin, Nieder=Ram=
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[ ][  ]

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Haniels Leiſetreter (Ted Rice), 2. Diamant (F. Bullock),
3. Markus (Schläfke). Tot. 59110. Preis von Rixdorf;
6200 Mark, Diſtanz 2000 Meter: 1. Herrn Nettes Thereſe
(Nitzſche), 2. Ordner (Gagelmann), 3. Joſeph I ( Bleu=
ler
). Tot. 16:10. Okzident=Rennen; 5000 Mark. Diſtanz
1600 Meter: 1. Herrn C. Fröhlichs Labrador (Schläfke),
2. Sans Atout (Ted Rice), 3. Marzipan (F. Bullock).
Tot. 85.10. Flieger=Rennen; 15000 Mark, Diſtanz 1200
Meter: 1. Herren A. und C. v. Weinbergs Emperador (F.
Bullock), 2. Turmfalke (Ted Rice) 3. Lord Dunlin
(Shurgold). Tot. 16110. Steher=Handikap; 15000 Mk.,
Diſtanz 3000 Meter: 1. Fürſt Hohenlohe=Oehringens Ka=
lif
(Ted Rice), 2. Sigismund (Schläfke), 3. Savoy the
Firſt (F. Bullock). Tot. 29110. Force Majeure=Rennen;
7300 Mark Diſtanz 1200 Meter: 1. Herrn Friedheims
Caſa (O. Müller), 2. Chutbeh (Cleminſon), 3. Maximi=
lian
(Shadwell). Tot. 39:10. Preis vom Orient; 5000
Mark, Diſtanz 1800 Meter: 1. Herrn A. Bleichröders Ba=
jazzo
(H. Teichmann), 2. Atina (Weatherdon), 3. Sekret
(Shadwell). Tot. 20110.
* Berſuche mit einem fliegenden Fahrrade wurden
in Paris neuerdings unternommen. Nachdem es dem
bekannten Franzoſen G. Poulain im Sommer gelun=
gen
war, mit der ſogenannten Aviette den 1000 Francs=
Michelin=Preis zu gewinnen debütierte kürzlich der in
Paris lebende deutſche Rennfahrer Rettich mit einem
von ihm ſelbſt konſtruierten fliegenden Rade. Es gelang
dem Deutſchen, die an den Prir Dubos von 500 Francs
geknüpften Bedingungen zu erfüllen, indem er auf der
Pariſer Prinzenparkbahn 30 Zentimeter über dem Boden
einen Sprung von 3,5 Meter Länge ausführte.
* Die engliſchen Liga=Fußballſpiele der erſten Klaſſe
brachten am letzten Spieltage die bemerkenswerte Nieder=
lage
des vorjährigen Ligameiſters Blackburn Rovers
durch Liverpool von 114. Gleichfalls überraſchend war
das Unterliegen von Everton gegen Sheffield United mit
denſelben Torziffern. Die übrigen Treffen nahmen den
erwarteten Ausgang. Mancheſter United ſpielte gegen
Tottenham Horfpur 230, Middlesbrough gegen Notis
County 31, Bradford Eity gegen Ehelſea 3.0, Oldham
Athletiks gegen Mancheſter Eity 231, Aſton Villa gegen
Derby Counta 5.1, Sunderland gegen Woolwich Arſenal
3:1, Bolton Wanderers gegen Sheffield Wednesday 3:0.
Unentſchieden 111 endete die Begegnung von Newcaſtle
United mit Weſt Borwich Albion.

Handel und Verkehr.

Patent=Erteilungen (mitgeteilt von
Dipl.=Ing. Klemens Herszberg u. Ko., Patent= und Inge=
nieur
=Bureau, Darmſtadt).! 42b. 253 521. Fühlhebel für
Feinmeſſungen. Dr.=Ing. Ernſt Preuß, Darmſtadt, Stift=
ſtraße
25. 26. 4. 12. P. 28 730. 42f. 253 454. Vorricht=
ung
an ſelbſttätigen Laufgewichtswagen, welche nur
Wägungen zuſtande kommen läßt, wenn die zu wiegen=
den
Laſten innerhalb beſtimmter Gewichtsgrenzen liegen;
Zuſ. z. P. 252 466. Karl Schenck, Eiſengießerei und Ma=
ſchinenfabrik
, Darmſtadt, G. m. b. H., Darmſtadt. 30. 5. 11.
Sch. 40 679. Patent=Anmeldungen. 8d. 12770.
Aus einem Stück Draht gebogene Wäſcheklammer mit
Handhaben zum Oeffnen der Schenkei durch Zuſammen=
drücken
. Georg Friedrich Nau, Biebesheim, Heſſen.
30. 9. 11. 80 b. L. 33 030. Verfahren zur Herſtellung eines
dichten, mattglänzenden rötlichen Ueberzuges auf Ton=
waren
. Dr. Ferdinand Loſſen, Worms. 31. 8. 11. 44b
B. 66 067. Streichholzbehälter zur Einzelausgabe bren=
nender
Streichhölzer. Reinhardt Willy Beckert Alsfeld
(Heſſen). 31. 1. 12. Priorität aus der Anmeldung in

Franreich vom 1. 4. 1 anerkannt. He. Sch. 4142. Vor=
richtung
zur Beſeitigung von Fremdkörpern aus Flüſſig=
keiten
, z. B. aus Abwäſſern oder aus Luft, beſtehend aus
einem oder mehreren über Trommeln geführten Sieb=
bändern
. Adolf Schumann, Worms, Huttenſtr. 13.
8. 7. 12. Gebrauchsmuſter=Erteilungen.
2a. 525 542. Backofenſchalter für ſelbſttätige Ein= und
Ausſchaltung der Backofenlampe beim Oeffnen und
Schließen der Backofentüre. Wilhelm Wilk, Darmſtadt,
Schuchardſtraße 12. 6. 9. 12. W. 37740. 23e. 526 166.
Seifenſtück mit einer Aushöhlung in der Mitte der Ober=
fläche
, welche zur Aufnahme einer Parfümerietube dient.
Fa. M. Kappus, Offenbach a. M. 7. 9. 12 K. 34 756.
33 b. 525 358. Damentaſche mit Uhr. Fa. D. Heymann,
Offenbach a. M. 12. 6. 12. H. 56 394. 37a. 525 949, Hols=
eiſenbetonwand
, die zur Iſolierung, Feuerſicherheit und
gegen Hellhörigkeit mit Sternblech und Röhrenpappe be=
kleidet
iſt. Hubert Hütten, Buchſchlag, Heſſen. 31. 7. 12.
H. 56 944. 374. 525 484. Halle mit Falltoren und dergl.,
deren Torebene um mindeſtens die halbe Flügelbreite vor
die Binderſtiele gelegt iſt. Paul Meltzer, Darmſtadt,
Karlſtraße 66. 21. 9. 12. M. 43533. 44 a. 525 710. Hand=
gelenk
=Uhrhalter. Gebräges u. Stern, Offenbach a. M.
18. 9. 12. G. 31473. 63 g. 525813. Fahrradlaternen=
halter
mit beſonders aufgeſetztem Zahnklemmſtück für die
Laterne. Fa. P. Schleſinger, Offenbach a. M. 26. 9. 12.
Sch. 45525. 63 g. 525814. Fahradlaternenhalter mit der
Stärke des Lenkſtangenſchaftes entſprechend einſtellbarer
Rohrſchelle. Fa. P. Schleſinger, Offenbach a. M. 26. 9. 12.
Sch. 45 526. 63 g. 525 986. Leicht lösbare Kettenkaſten=
befeſtigung
für Fahrräder. Fa. P. Schleſinger, Offen=
bach
a. M. 22. 12. 11. Sch. 42 468.

Literariſches.

Weiteren Kreiſen müßten Wilbrandts Werke
noch leichter zugängig gemacht werden. Einen guten An=
fang
hierfür machte die Deutſche Dichter= Gedächt=
nis
=Stiftung in Hamburg=Großborſtel,
indem ſie zum Andenken an Wilbrandt vor kurzem die
Novelle Der Mitſchuldige in ihren Volksbüchern
zu dem billigen Preiſe von 30 Pfg. herausgab (gebunden
70 Pfg.). Dieſe kurze Erzählung iſt beſonders geeignet,
die Bekanntſchaft mit dem Dichter zu vermitteln. Das
neue Volksbuch iſt wieder ein gutes Zeichen für die emſige
Tätigkeit der Deutſchen Dichter=Gedächtnis=Stiftung, die
planmäßig danach ſtrebt, hervorragenden Dichtern ein
Denkmal im Herzen des deutſchen Volkes zu ſetzen.
Schleker Klara. Die Frau und der
Haushalt. Leipzig, C. F. Amelangs Verlag. In
Leinen geb. 5 M. (Der Kulturaufgaben der Frau
6. Band.) Bücher über Wirtſchafts= und Haushaltungs=
kunde
gibt es in Menge, und man könnte ſich fragen, ob
eine Notwendigkeit beſtand, dieſes Literaturgebiet um ein
weiteres Buch zu vermehren. Doch werden die, die einen
Blick in dieſes Werk tun, bald zu der Ueberzeugung kom=
men
, daß die Verfaſſerin hier etwas ganz Beſonderes
ſchaffen wollte, ein Buch, das nicht in ausgetretenen Ge=
leiſen
weiter führt, ſondern, den modernen Anforderungen
unſerer Zeit Rechnung tragend, ſeine Aufgabe zu löſen
beſtrebt iſt, ohne dabei das rein Praktiſche aus dem Auge
zu verlieren. Aus einem langen, an Erfahrungen rei=
chen
Leben heraus geſchrieben, ſoll dieſes Buch unſeren
Hausfrauen und heranwachſenden Töchtern Führer und
Berater ſein in den verſchlungenen Pfaden des Haus=
weſens
. Die ganze an und für ſich trockene Materie iſt
von der Verfaſſerin ſprachlich wie ſtofflich in meiſterhafter
Weiſe behandelt. Die Verfaſſerin iſt auf literariſchem
Gebiete keine Unbekannte mehr, denn ſie veröffentlichte
bereits im Vorjahre ein Werk unter dem Titel Die Kul=
tur
der Wohnung (Band IV der Kulturaufgaben der
Frau), das allſeitige Anerkennung gefunden hat.

Machichen de Sindeiane Deanſeanr.

Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
8 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene, Am 16. Okt.: dem Kolporteur Karl Jähr=
ling
, Neue Ireneſtraße 4, ein S. Hans. Am 18.: dem
Kaufmann Maier Katzauer, Wienersſtraße 44, ein S.
Salomon. Am 13.: dem Lohnkutſcher Ludwig Schmelz,
Dieburgerſtraße 13, eine T. Karoline. Am 16.: dem Fuhr=
mann
Georg Kabey, Rhönring 31, ein S. Karl Wil=
helm
. Dem Lithographen Auguſt Heinrich Wilhelm,
Arheilgerſtraße 50, eine T. Babette. Am 18.: dem Schmied
Georg Wilhelm Kunkel, Nieder=Ramſtädterſtraße 51,
ein S. Am 19.: dem Schloſſer Georg Adam Rühl,
Aliceſtraße 39, ein S. Karl. Am 14.: dem Kanalarbeiter
Philipp Hill Große Kaplaneigaſſe 13, ein S. Wilhelm.
Am 15.: dem Gärtnereibeſitzer Johann Peter Waltber:
Arheilgerſtraße 130, eine T. Maria Emmi Greta. Am 20.:
dem Former Philipp Anton Karl Heinrich Lehr, Liebig=
ſtraße
71, ein S. Heinrich.
Aufgebotene. Am 17. Okt.: Schuhmacher Richard Ju=
lius
Rupp in Heidemühl jmit Köchin Alwine Wilhel=
mine
Nitz in Heidemühl. Wiſſenſchaftl. Lehrer Karl
Aug. Adolf Tentſcher in Ziegenhain mit Hulda Frieda
Emma Borchert in Harburg. Bureauvorſteher Wilh.
Leonh. Bergmann in Duisburg=Meiderich mit Amalie
Anna Dreher in Mülheim a. d. R. Weißbinder Friedr.
Weingärtner in Pfungſtadt mit Barbara Hetzel in
Pfungſtadt. Vohrer Eduard e Schäfer in Offenbach mit
Eliſabetha Huck in Offenbach.
Eheſchließungen. Am 15. Okt.: Reichsbankaſſiſtent
Martin o ter Vehn mit Helene Börſt, beide hier. Am
17.: Photograßh Philip. Schneider in Aalen mit Mar=
garetet
Schäfer hier. Kellner Joſeph Reuß mit
Büfettfräulein Mathilde Münzer, beide hier: Glas:
ſchleifer Philipp Nickels in Zwingenberg mit Eliſabethe
2 Heiſer in Auerbach. Am 18.: Kaufmann: Simon
Knoller in Berlin mit Nanette Bodenheimer hier.
Am 19.: Muſikinſtrumentenmacher Hubertus Stegmaier
mit Weißzeugnäherin Thereſe Roſetzky, beide hier.
Bahnarbeiter Leonhard Schleucher mit Köchin Eliſa=
betha
Kratz beide hier. Oelhändler Michael Eiſele
mit Anna Balk, beide hier. Lageriſt Kurto Kretſchmar
mit Buchhalterin Katharina o Müller, beide hier. Speng=
ler
Heinrich Luft mit Friederike Hemſchemaier beide
hier. Schneider Hermann 3 Appel, hier, mit Katharina
Spieß in Pfungſtadt. Krankenpfleger Georg Knecht
mit Wilhelmine o Hörr, beide hier. Fabrikarbeiter Sel=
mar
Güntherodt in Höchſt a. M. mit Haushälterin Ju=
ljane
Menges, hier. Vergolder Jakob Schneider, hier,
mit Eliſabetha Schwinn in Nieder=Kainsbach. Sattler=
Wilhelm Falter, hier, mit Marie Hoffmann in
Affolterbach.
Geſtorbene. Am 17. Okt.: Eliſabethe Burkhardt,
geb. Ganſer, Ehefrau des Weißbinders, 26 J., ev., See=
heim
. Am 18.: Student, z. Zt. Unteroffizier im Grena=
dier
=Regiment Nr. 109, Karl Kiefer, 22 J. ev., Alexan=
derſtraße
27. Kunkel, S. des Schmieds, ½ Min. alt, Nie=
der
=Ramſtädterſtraße 51. Am 19.: Wilhelmine Schleidt,
geb. Preuſch, Wwe. des Landw., 68 J., ev., Schloßgaſſe 20.
Am 18.: Kaufmann Philipp Edmund Peter Joſeph
Gerber 39 J., kath., Luiſenplatz 7. Fuhrmann Hein=
rich
Hafner, 22 J., ev., Kiesſtraße 15. Frieda Martha
Neurohr, T. des Kaufmanns, 1 J., kath., Wenckſtraße 2.
Emil Franz Ries, genannt Gremm, S. des Kutſchers.
1 J., ev., Schlachthausplatz 7. Auguſte Eliſabethi
Kröll, geb. Dankmann, Witwe des Majors, 68 J., ev.)
Karlſtraße 53½. Am 20.: Elektrotechniker Johann Sie=
benkäs
, 51 J., ev., Frankfurterſtraße. 250. Privatin An=
tonie
Pappert, 70 J., kath., Ruthsſtraße 13.

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