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175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
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ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Das Kaiſerpaar traf am Samstag abend in Danzig=
Langfuhr ein und reiſte von dort nach Jagdſchloß
Hubertusſtock weiter.
Reichstagspräſident Kaempf hat ſein
Man=
dat für den erſten Berliner Reichstagswahlkreis
niedergelegt.
Die italieniſche Regierung hat der Türkei
ein Ultimatum geſtellt, die ſämtlichen vereinbarten
Friedensbeſtimmungen ohne Ausnahme bis zum
näch=
ſten Dienstag, den 15. Oktober, anzunehmen oder
abzulehnen.
Ein am Freitag abend erlaſſenes Jrade ordnet die
Mobiliſierung der türkiſchen Flotte an.
Der Sultan hat an die Armee eine
Proklama=
tion gerichtet, in der er ſie auffordert, gegen die
Bal=
kanländer ihre Pflicht zu tun.
Auf dem Lyoner Bahnhof wurden vier Koffer des
engliſchen Kommiſſars Clifford Yewdal mit
Schrift=
ſtücken, die zur Prüfung der Buchführung der
Aegyp=
tiſchen Bank in Kairo dienen ſollten, geſtohlen.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.
Die Balkankriſe.
Der Reichstag und die Orientkriſis.
C Die unzutreffende Nachricht, daß der Reichstag
weit vor dem urſprünglichen Termin einberufen werden
ſolle, iſt mit der angeblichen Abſicht des Reichskanzlers.
die erſte Sitzung „mit einem außerordentlich eingehenden,
umfangreichen Expoſé über die äußere politiſche Lage und
die Stellung Deutſchlands zu den ſchwebenden dringenden
Fragen der Weltpolitik” einzuleiten, in Zuſammenhang
gebracht worden. Da die Vorausſetzung dieſer Angabe,
die frühere Einberufung des Reichstags, den Tatſachen
nicht entſpricht, kann man die hinzugefügte Behauptung
gleichfalls in das Gebiet der Vermutungen verweiſen.
und das um ſo mehr, da gerade ein „außerordentlich
eingehendes” Expoſé des Reichskanzlers über die äußere
politiſche Lage zu dieſem Zeitpunkt „außerordentlich”
wenig am Platze zu ſein ſcheint. Denn unter der
Vor=
ausſetzung, daß in ſolchem umfangreichen Expoſé vom
Reichskanzler etwas geſagt werden müßte, was über
all=
gemeine Wendungen hinausginge, würde die Stellung
Deutſchlands gegenüber der Orientkriſis aller
Vor=
ausſicht nach erſchwert und benachte iligt
wer=
den. Aus welchen Gründen, darüber darf man ſich auch
heute noch durch Fürſt Bismarck unterrichten laſſen.
Als dieſer in der Reichstagsſitzung vom 19. Februar 1878
über die Stellung ſprach, die Deutſchland auf einer
Orient=
konferenz einzunehmen habe, führte er u. a. aus:
„Wenn von vielen Seiten an uns die Zumutung
ge=
kommen iſt — aber von keiner Regierung, ſondern nur
von Stimmen in der Preſſe und ſonſtige wohlgemeinte
Ratſchläge — wir ſollien von Hauſe aus unſere Politik
feſtlegen und ſie anderen aufdrängen in irgend einer Form,
ſo muß ich ſagen, daß ich das doch mehr für Preſſepolitik
als Staatenpolitik halte. Ich will hier gleich die
Schwie=
rigkeit und Unmöglichkeit davon mehr motivieren. Neh.
men Sie an, daß wir jetzt auch nur ein feſtes Programm
ausſprechen, an das uns zu halten wir, wenn wir es hier
von amtlicher Stelle öffentlich, nicht nur vor Ihnen,
ſon=
dern vor Europa verkündigen, gebunden ſein würden, ſo
würden wir dadurch bei allen denen, die es nicht für
ſich günſtig finden, eine gewiſſe Prämie auf ihre
Unver=
träglichkeit ſetzen. Wir würden ferner uns die Rolle der
Vermittelung, auf die ich den allerhöchſten Wert lege, faſt
unmöglich machen, weil jeder mit dem Menu der deutſchen
Politik in der Hand uns ſagen könnte: So weit kann die
deutſche Vermittelung gehen, das kann ſie tun, das kann
ſie nicht tun. Die freie Hand, welche Deutſchland ſich
er=
halten hat. die Ungewißheit über Deutſchlands
Entſchlie=
ßungen mögen nicht ganz ohne Mitwirkung in der
bis=
herigen Erhaltung des Friedens ſein. Spielen Sie die
deutſche Karte aus, werfen Sie ſie auf den Tiſch. und jeder
weiß, wie er ſich darnach einzurichten oder ſie zu
um=
gehen hat. Es iſt das nicht praktiſch, wenn man den
Frieden vermitteln will.”
Gegen die Stichhaltigkeit dieſer Ausführungen läßt
ſich ſchlechterdings nichts einwenden; ſie werden daher
auch gegenwärtig für die parlamentariſche Behandlung
der Orientkriſis maßgebend ſein müſſen. Dieſelbe.
Not=
wendigkeit ergibt ſich aus der Tatſache, daß für
Deutſch=
land der Orientkriſis gegenüber die diplomatiſche
Zurück=
haltung angezeigt iſt, weil Deutſchland, mögen ſeine
Orientintereſſen heute noch größer als zur Zeit Bismarcks
fein, doch zweifellos nicht zu den am meiſten intereſſierten
Staaten gehört. Darum gilt noch heute, was Bismarck
in ſeinen „Gedanken und Erinnerungen” folgendermaßen
formuliert hat:
„Wie das ſchwächere Preußen ſchon während des
Krimkrieges Momente hatte, in denen es bei entſchloſſener
Rüſtung im Sinne öſterreichiſcher Forderungen und über
dieſelben hinaus den Frieden gebieten und ſein
Verſtänd=
nis mit Oeſterreich über deutſche Fragen fördern konnte,
ſo wird auch Deutſchland in zukünftigen orientaliſchen
Händeln, wenn es ſich zurückzuhalten weiß, den Vorteil,
daß es die in orientaliſchen Fragen am wenigſten
intereſ=
ſierte Macht iſt, um ſo ſicherer verwerten können, je länger
es ſeinen Einſatz zurückhält, auch wenn dieſer Vorteil nur
in längerem Genuſſe des Friedens beſtände.”
Den gleichen Gedanken hat Fürſt Bismarck am
30. Januar 1898 in einem von Poſchinger mitgeteilten
Tiſchgeſpräch in die Worte gekleidet: „Für die deutſche
Politik empfiehlt es ſich, in dem türkiſchen Spiel der
Mächte ruhig in der Hinterhand zu bleiben, und
abzuwar=
ten, was die Vorderhand tut”. — Zu den hier
umſchrie=
benen Auffaſſungen des Fürſten Bismarck würde ein
um=
fangreiches Expoſé des Reichskanzlers über die
Orient=
kriſis ebenſo paſſen, wie die Fauſt aufs Auge.
Kriegsſtimmung in Bulgarien.
** Heute iſt noch nicht aufgeklärt, was hinter den
Kuliſſen der Regierungen der Balkanſtaaten vorgegangen
iſt und was ſie zu ihrem gemeinſamen Vorgehen bewogen
hat. Einen Hinweis darauf gibt ein Paul
Linden=
berg zugegangener und von ihm veröffentlichter Brief
eines ehemaligen bulgariſchen Miniſters
und Diplomaten, der ſich bei allen Parteien des
Lan=
des der größten Achtung erfreut und deſſen
Uneigennützig=
keit in Sofia ſprichwörtlich geworden iſt. Ein großer
Freund Deutſchlands und Oeſterreichs, der, heute nahe
den Siebzig, ſtets ein ſehr kühler Beobachter der Vorgänge
in Heimat und Fremde war, ſprach ſich der Betreffende
noch vor wenigen Wochen in Sofia in wärmſter Weiſe
für die Erhaltung des Friedens aus, einen Krieg
Bul=
gariens mit der Türkei als Unglück für ſein Land
betrach=
tend. Und in welch anderer Tonart iſt das nachſtehende
Schreiben gehalten, das als kennzeichnend gelten darf für
den Umſchwung der Stimmungen ſelbſt der bisher
Ruhig=
ſten und Zögerndſten in Bulgariens Hauptſtadt:
„Wir befinden uns am Vorabend eines
gro=
ßen Krieges und es werden wahrſcheinlich in dem
Moment, in welchem Sie dieſe Zeilen in den Händen
hal=
ten, die Gewehre und Kanonen ihre Stimmen an der
Grenze erhoben haben. In Deutſchland ſcheint man doch
noch nicht recht zu wiſſen, wie unfähig die Türken ſind,
ihre gut verſtandenen Intereſſen zu befriedigen, beſonders
in ihren europäiſchen Provinzen, und daß es auch für
Deutſchland von Wichtigkeit iſt, wenn in denſelben eine
moderne Verwaltung eingeführt wird. Das deutſche Volk
kann ſich die Herzen aller Chriſten im Orient erobern,
wenn es ihnen jetzt ſeine Sympathien zeigt Die letzten
Ereigniſſe in der Türkei müſſen die ganze Welt überzeugt
haben, daß Staat und Menſchen morſch geworden ſind und
für nichts brauchbar. Die chriſtlichen Völker dagegen
ſtel=
len die Jugend die Zukunft dar, und es dürfte im
hoch=
herzigen Charakter der Deutſchen liegen, die Auferſtehung
dieſer Völker zu begünſtigen. Wundern Sie ſich nicht,
daß ich Ihnen ſo ſchreibe, ich kenne die Schrecken und die
Opfer der Kriege, deshalb war ich immer Friedensfreund;
aber mit den Türken iſt nichts anzufangen, und ich habe
mir geſagt, daß dieſer Schrecken ohne Ende beſeitigt
wer=
den muß, ſelbſt durch einen großen Schrecken. Wir
hoff=
ten hier, daß die Jungtürken ſich zu Ziviliſatoren
der Türkei aufſchwingen würden, das gerade Gegenteil iſt
eingetreten. Ich habe zuverläſſige Nachrichten erhalten,
daß die Jungtürken, wenn ſie nach feſtgehegter Erwartung
wieder an das Ruder kommen, um ſich beim Volk und
beim Heer beliebt zu machen, um ihre Stellung im Lande
zu befeſtigen und ſich Anſehen nach außen zu verſchaffen,
eine ſcharfe Tonart gegen uns anſchlagen wollten. Daher
auch die Mobiliſierungen bei Adrianopel. Es iſt von
ein=
flußreicher jungtürkiſcher Seite in Konſtantinopel das
ver=
bürgte Wort gefallen, daß die Chriſten in Mazedonien als
ewige Revolutionäre und elende Werkzeuge des
Auslan=
des zu Paaren getrieben werden ſollten und daß man alle
Forderungen nach Reformen mit dem Fuße beiſeite ſtoßen
würde! — Sollten wir denn warten, bis ſich Derartiges
ereignete und wir dadurch noch gezwungen worden wären,
zu den Waffen zu greifen? Nein, dann lieber heute als
morgen!”
Im Anſchluß hieran mag ein demſelben Herrn von
befreundeter deutſcher Seite aus Philippopel
gleich=
zeitig zugegangenes Schreiben hier zum Abdruck gelangen:
„Wir leben in einer ſehr bewegten Zeit. Die
Mobili=
ſierung iſt für die hieſigen Verhältniſſe großartig raſch und
in tadelloſeſter Ordnung geſchehen. In ernſter aber
durch=
aus gefaßter Stimmung harrt man der Entſcheidung.
Handel und Wandel ſtocken, die bulgariſchen Schulen ſind
geſchloſſen, nur in der deutſchen Schule wird weiter
unter=
richtet. Die Haltung der Bevölkerung iſt bewunderns=
wert; jeder iſt zu jedem Opfer bereit. Nirgends Gelärm
und Ueberhebung, auf den Geſichtern der eingezogenen
Reſerviſten liegt kühle Entſchloſſenheit, in trefflicher
Hal=
tung ziehen die Kolonnen zum Bahnhofe, um in langen
Zügen zur Grenze befördert zu werden. Soldaten und
Offiziere wiſſen, daß ſie es mit einem tüchtigen Feinde zu
tun haben, ſie ſehnen den Kampf herbei, den ſie geboten
erachten, um durch Einſetzung ihres Lebens das Los ihrer
chriſtlichen Brüder in Mazedonien zu erleichtern. Der
nationale Charakter zeigt ſich in ſchönſtem Licht, wir
Deutſche ſind ergriffen von dem von uns bisher noch nicht
recht erkannten tiefen, inneren Gehalt dieſer Menſchen, die
freudig Gut und Blut zu opfern bereit ſind. Heute wurde
hier durch Anſchläge eine Verfügung des Miniſteriums
des Innern bekannt gemacht, daß jene Kaufleute welche
die Preiſe der Artikel des notwendigen Lebensbedarfes
erhöhen, vor ein Kriegsgericht geſtellt werden. Dieſe
Verordnung hat hier ſehr befriedigt, obwohl man bis
jet von einer Teuerung noch nichts ſpürt.
In unſeren Militärkreiſen ſieht man ſelbſtverſtändlich
dem bevorſtehenden Ringen zwiſchen Bulgarien und der
Türkei mit beſonderem Intereſſe entgegen und erwartet
viel von den Leiſtungen der bulgariſchen Armee. Man
weiß, daß ſich während des letzten ruſſiſch=türkiſchen
Krie=
ges die bulgariſchen Freiwilligen=Legionen ganz
hervor=
ragend bei der Verteidigung des Schipkapaſſes geſchlagen
haben und daß das Heer im Herbſt 1885 ſich gegen die
Serben durchaus bewährte. Seitdem iſt unabläſſig
ge=
arbeitet worden und wurden die weſentlichſten Opfer für
die Entwicklung und innere Kräftigung der Armee
ge=
bracht.
Deutſches Reich.
— Keine Einberufung des Reichstags.
Die Meldung der Braunſchweigiſchen Landeszeitung,
wo=
nach der Reichstag demnächſt einberufen werden ſollte und
der Kanzler eine große Rede über die auswärtige Politik
zu halten gedächte, wird als unzutreffend bezeichnet. Es
bleibt bei der Abſicht der Reichsregierung, den Reichstag
nicht vorzeitig einzuberufen. An dieſer Abſicht haben auch
mehrfache Anregungen anderer Tendenz aus dem Kreiſe
der Bundesregierungen nichts geändert.
— Mandatsniederlegung des
Reichs=
tagspräſidenten. Der Reichstagspräſident Kaempf
hat ſich enkſchloſſen, ſein Reichstagsmandat für den erſten
Berliner Wahlkreis niederzulegen. Die Voſſiſche Zeitung
bemerkt hierzu: In ſchwerer Zeit iſt Kaempf in die
Breſche getreten. Er hat die Bürde des Amtes auf ſich
genommen, obgleich er damit rechnen mußte, den
kuru=
liſchen Seſſel bald wieder zu verlaſſen. Er hat getan,
was das Intereſſe nicht nur der Partei, ſondern der
Ge=
ſamtheit, was die Rückſicht auf die Arbeitsfähigkeit des
neuen Reichstages erforderte. Die liberale Wählerſchaft
wird mit Stolz Kaempf wieder als ihren Kandidaten
auf=
ſtellen und einmütig und freudig alles tun, was in ihren
Kräften ſteht, um ihm das Mandat wiederzugewinnen.
— Die Berl. Morgenp. ſchreibt, daß die Nachwahl vor dem
Wiederzuſammentritt des Reichstages ſtattfindet, dürfte
als ausgeſchloſſen gelten. Wird vielleicht Payer, der ſein
Präſidium in Stuttgart niedergelegt hat, Kaempfs
Nach=
folger? Oder ſind Fäden’geſponnen, die Herrn Paaſche
das Avancement ermöglichen, oder winkt nun doch Herrn
Spahn der definitive Beſitz des Seſſels, den nach zwei
Tagen niederzulegen, ſeine Partei ihn nötigte?
— Der Bundesrat und die
Jeſuiten=
frage. Wie Berliner Blätter mitteilen, wird ſich der
Juſtizausſchuß des Bundesrats Anfang November mit
der Jeſuitenfrage beſchäftigen. Das mehrfach erwähnte
Gutachten des Reichsjuſtizamts wird für ihn dabei keine
Rolle ſpielen. Es dient vielmehr lediglich der Inſtruktion
der preußiſchen Stimmen im Bundesrat. Auch bezüglich
des Begriffes „Ordenstätigkeit” ſind in der Preſſe
Irr=
tümer verbreitet. Angeblich ſoll dieſer Begriff dahin
ausgelegt werden, daß den Jeſuiten das Leſen ſtiller
Meſ=
ſen, ſowie eine wiſſenſchaftliche Betätigung zu geſtatten
ſei. Hierbei wird überſehen, daß in den
Ausführungs=
beſtimmungen des Bundesrats den Angehörigen des
Or=
dens bereits die Ausübung einer gewiſſen Betätigung
nachgelaſſen iſt. Hierzu gehört das Leſen ſtiller Meſſen
bereits. Religiös=wiſſenſchaftliche Vorträge ſind dagegen
verboten, und an dieſem Verbot dürfte auch feſtgehalten
werden. Auch nach Aufhebung des § 2 des Geſetzes vom
4. Juli 1872 durch das Geſetz vom 8. März 1904 ſind dieſe
Beſtimmungen weiter in Kraft geblieben. Verboten
blei=
ben nach wie vor jede prieſterliche und ſeelſorgeriſche
Tätigkeit, wozu Predigten, Beichten, Meſſe und
Sakra=
mentsverwaltung, ſowie Abſolution gehören. Auch die
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. Oktober 1912.
Nummer 242.
prieſterlichen Handlungen, die zur Aushilfe vorgenommen
werden, rechnen hierzu.
Die bayeriſche Regierung und der
ſüddeutſche Eiſenbahnerverband. In der
Kammer der Reichsräte erörterte Verkehrsminiſter
Seid=
lein, wie ſchon kurz mitgeteilt, die Frage der Berechtigung
der Arbeitseinſtellung bei den Verkehrsanſtalten. Den
Vereinigungen von Standesintereſſenten gegenüber nehme
die Vekwaltung grundſätzlich, ſoweit es die ſtaatlichen
und dienſtlichen Intereſſen erlauben, eine neutrale
Stellung ein. Beim ſüddeutſchen Eiſenbahnerverband
handle es ſich aber um eine Organiſation, deren geſamtes
bisheriges Verhalten die Gefahr eines Streiks
herbeizu=
führen geeignet ſei. Er habe ſchon in der Kammer der
Abgeordneten feſtgeſtellt, daß die Regierung verlangen
müſſe, daß den Staatsbeamten und Arbeitern das
Streik=
recht nicht zuſtehe. Am 24. September gab der
Hauptvor=
ſtand des ſüddeutſchen Eiſenbahnerverbandes nun die
Er=
klärung ab, daß er den Streik nicht als ein geſetzliches
Mittel zur Verbeſſerung der Lage der Arbeiter betrachte.
Es falle ſchwer, anzunehmen, daß, nachdem in der Sitzung
vom 23. September der ſozialdemokratiſche
Fraktions=
redner das allgemeine Streikrecht in Anſpruch nahm, die
ſozialdemokratiſche Fraktion von der erwähnten Erklärung
des Verbandes keine Kenntnis gehabt habe. Auch hätten
die beiden letzten Nummern des Verbandsorgans des
ſüddeutſchen Verbandes von der Erklärung des
Haupt=
vorſtandes noch keine Notiz genommen. Er nehme an,
daß dies nachgeholt würde. Möge aber dieſe Erklärung
des Vorſtandes gelten oder nicht, an ſeiner Stellung
werde dadurch nichts geändert. Es komme nicht auf die
Worte, ſondern auf das weitere Verhalten der
Vorſtand=
ſchaft an. Den Organiſationen aber, die ſich auf
geſetz=
lichem Boden bewegten und den ſtaatlichen dienſtlichen
Intereſſen nicht zuwiderliefen, werde die Verwaltung keine
Schwierigkeiten in den Weg legen.
Ausland.
Italien.
Die ewigen Friedensverhandlungen
und ihre Dementis. Ein Telegramm der Tribuna
aus Ouchy meldet: Die Türkei hat in letzter Stunde, als
der Vertrag in ſeinen Hauptpunkten bereits feſtſtand, neue
unannehmbare Anſprüche erhoben. Wahrſcheinlich werden
die Friedensverhandlungen abgebrochen und der Krieg
mit vermehrter Energie aufgenommen. Das Blatt
be=
zeichnet die Haltung der Türkei, deren Gründe unbekannt
ſind, angeſichts der allgemeinen Lage als Tollheit.
Frankreich.
Die Radikalen gegen die
Verhältnis=
wahl. Der Parteitag der Radikalen und Sozialiſtiſch=
Radikalen in Tour nahm nach ziemlich lebhafter
Be=
ſprechung einen Antrag an, in dem eine Wahlreform auf der
Grundlage des Majoritätsprinzips befürwortet wird, die
ausſchließlich von der republikaniſchen Majorität beider
Kammern gemacht werden ſoll. Die Verhältniswahl und
der Wahlquotient wurden abgelehnt.
England.
Die chineſiſche Anleihe. Wie das Reuterſche
Bureau erfährt, hat in den letzten 14 Tagen zwiſchen den
Regierungen der ſechs Mächte, die an der chineſiſchen
An=
leihe intereſſiert ſind, ein Meinungsaustauſch
ſtattgefun=
den, um zu beſtimmen, welche Haltung ſie einnehmen
ſollten, falls China die Initiative für eine andere Anleihe
ergreift.
Rußland.
Die Dumawahlen. In den Dumawahlen
find bisher 745 Wahlmänner gewählt. Davon gehören
zur Oppoſition 214, zu den Oktobriſten 35, zur Rechten
und den Nationaliſten 383; parteilos ſind 113. In den
Städten wählt ſelbſt die erſte Kurie vorwiegend
oppo=
ſitionell.
Serbien.
Die Skupſchtina wird für den 14. d. M. zu einer
ordentlichen Seſſion einberufen. Der Miniſter des
In=
nern hat der Skupſchtina eine Novelle zum Preſſegeſetz
unterbreitet.
Vereinigte Staaten.
Die große Flottenſchau. Die 123 Schiffe,
die die Atlantiſche Flotte der Vereinigten Staaten bilden,
hatten Freitag die Mobilmachung in Hudſon für die große
Flottenſchau, die drei Tage dauern ſoll, beendet. Zugleich
ſind in San Francisco und in Manila die paeifiſche und
aſiatiſche Flotte für die Revue mobil gemacht worden.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 14. Oktober.
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Samstag den Oberſt a. D.
v. Hahn, den Hauptmann Ulrichs, Kompagniechef im
Leibgarde=Infanterie=Regiment (1. Großh. Heſſ.) Nr. 115,
den Geh. Oberfinanzrat Dr. Fuchs, die Stadtverordneten
Linck und Ramdohr, den Kaufmann Joſeph May, den
Profeſſor Dr. Biermann; zum Vortrag den
Staats=
miniſter Ewald, den Vorſtand des Kabinetts Geheimerat
Römheld, den Geh. Oberbaurat Hofmann, den
General=
direktor des Hoftheaters und der Hofmuſik Dr. Eger.
* Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog den Amtsrichter bei dem Amtsgericht
Darm=
ſtadt I Friedrich Conradi zum Landgerichtsrat bei
dem Landgericht der Provinz Starkenburg, ferner den
Staatsanwalt am Landgericht der Provinz Rheinheſſen
Dr. Ernſt Mayer unter Erteilung des Charakters als
Amtsgerichtsrat zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht
Mainz, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Offenbach
Dr. Guſtav Maurer zum Amtsrichter bei dem
Amts=
gericht Darmſtadt I, den Amtsrichter bei dem
Amts=
gericht Lampertheim Heinrich Reitz zum Amtsrichter
bei dem Amtsgericht Michelſtadt, den Gerichtsaſſeſſor
Rudolf Brab aus Aachen zum Amtsrichter bei dem
Amtsgericht Lampertheim und den Gerichtsaſſeſſor
Robert Weitert aus Nidda zum Amtsrichter bei dem
Amtsgericht Offenbach, ſämtlich mit Wirkung vom
16. Oltober 1912, ferner wurde ernannt der
Schreib=
gehilfe Ludwig Würſching in Lorſch zum Regiſtrator
bei dem Amtsgericht Lorſch.
* Entlaſſen haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog den Vortragenden Rat in der Abteilung für
Forſt= und Kameralverwaltung des Miniſteriums der
Finanzen Geheimen Oberfinanzrat Dr. Fuchs auf ſein
Nachſuchen unter Anerlennung ſeiner treu und
erſprieß=
lich geleiſteten Dienſte vom 15. Oktober lfd. Js. ab aus
dem Staatsdienſte und den Hauptlehrer an der
Landes=
baugewerkſchule Karl Stief in Darmſtadt auf ſein
Nachſuchen.
* Uebertragen wurde dem Reallehrer an dem
Real=
gymnaſium zu Darmſtadt Heinrich Keil eine
Lehrer=
ſtelle an der Volksſchule zu Darmſtadt.
* Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben verliehen: das Komturkreuz
2. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen:
dem Generalmajor Herhudt v Rohden, Inſpekteur
der Infanterieſchulen, ſeither Oberſt und Kommandeur
des Infanterie=Leib=Regiments Großherzogin (3. Großh.
Heſſ.) Nr. 117, und dem Oberſt v. Müller,
Komman=
deur der 34. Feldartillerie=Brigade ſeither Kommandeur
des Großh. Artilleriekorps, 1. Großh. Heſſ Feldartillerie=
Regiments Nr. 25; das Ritterkreuz 1. Klaſſe desſelben
Ordens: dem Major v. Kropff, beim Stabe des
In=
fatterie=Regiments von der Marwitz (8. Pomm.) Nr. 61,
ſeither Hauptmann und Kompagniechef im Leibgarde=
Infanterie=Regiment (1. Großh. Heſſſ) Nr. 115, dem
Ma=
jor v. Bursztini beim Stabe des Füſilier=
Regi=
ments Königin (Schleswig=Holſtein.) Nr. 86 ſeither
Hauptmann und Komp.=Chef im Infanterie=Regiment
Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116, und dem
Ma=
jor v. Peſtel, beim Stabe des Kulmer Infanterie=
Regi=
ments Nr. 141, ſeither Hauptmann und Komp.=Chef im
Infanterie=Regiment Prinz Carl (4. Großh. Heſſ.) Nr.
118; das Ritterkreuz 2. Klaſſe desſelben Ordens: dem
Hauptmann Frhrn. Schenck zu Schweinsberg, Komp.=
Chef im Infanterie=Regiment von Wittich (3. Kurheſſ.)
Nr. 83, ſeither Oberleutnant im Leibgarde=Infanterie=
Regiment (1 Großh. Heſſ.) Nr. 115, dem Hauptmann von
Boeltzig, beim Stabe des 4. Garde=Regiments zu Fuß,
ſeither Oberleutnant im Infanterie=Regimet Kaiſer
Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr 116. dem Hauptmann
Bölke, beim Stabe des 5. Lothr. Infanterie=Regiments
Nr. 144, ſeither Oberleutnant im Infanterie=Leibregiment
Großherzogin (3. Großh Heſſ.) Nr. 117 dem Oberleutnant
Fitting, Lehrer an der Militär=Turnanſtalt, ſeither
Oberleutnant im Infanterie=Leibregiment Großherzogin
(3. Großh. Heſſ.) Nr. 117, und dem Oberleutnant von
Groote im 3 Oſtpreuß. Feldartillerie=Regiment Nr. 79
ſeither Oberleutnant im Großh. Artillerie=Korps,
1 Großh. Heſſ. Feldartillerie=Regiment Nr. 25; das
Sil=
berne Kreuz desſelben Ordens: dem Zahlmeiſter
Brandt im Anhaltiſchen Infanterie=Regiment Nr. 93,
ſeither Unterzahlmeiſter im Leibgarde=Infanterie=
Regi=
ment (1. Großh. Heſſ.) Nr. 115.
Perſonal en von der Heſſiſch=Preußiſchen
Eiſen=
bahngemeinſchaft. Mit Ermächtigung Sr. Königl.
Hoheit des Großherzogs wurden den
Regierungs=
baumeiſtern Otto Buſchbaum aus Darmſtadt und
Fritz Ucko aus Breslau etatsmäßige Stellen als
Regierungsbaumeiſter in der Heſſiſch=Preußiſchen
Eiſen=
bahngemeinſchaft verliehen; in den Ruheſtand verſetzt
wurde der Bahnwärter Wilhelm Wedel zu Guntersblum
vom 1. November ds. Js. an; im Namen der Großh.
Regierung vollzogene Ernennungen und Beförderungen
(1. September bis 1. Oktober): Zum Schaffner der
Bahnſteigſchaffner Scholl zu Darmſtadt; zum
Rangier=
meiſter der Rangierführer Hemer zu Mainz; zum
Rangierführer der Hilfsrangierführer Jacoby zu
Mannheim=Waldhof; zum Zugführer der Schaffner
Ziſſel zu Aſchaffenburg; zu Bahnwärtern die
Hilfs=
bahnwärter Heß zu Lampertbeim und Luley zu=
Darmſtadt; zu Maſchinenwärtern die Lokomotivheizer
Kraß und der Hilfsmaſchinenwärter Matthes zu
Guſtavsburg; zum Eiſenbahn=Unteraſſiſtenten der
Weichenſteller Raiß zu Alsheim; zu Eiſenbahngehilfen
die Aushelfer Kirch zu Mainz und May zu Worms;
zum Eiſenbahnaſſiſtenten der kommiſſariſche
Eiſenbahn=
aſſiſtent (D.) Vetter zu Rüſſelsheim.
* Militärdienſtnachricht. Kümmel,
Oberzahl=
meiſter, bisher beim 1. Bat. des 2. Lothring. Inf.=Regts.
Nr. 131, dem 2. Bat. des Inf.=Regts. Kaiſer Wilhelm
(2. Großh. Heſſ.) Nr. 116 überwieſen.
g. Der Provinzialausſchuß verhandelte in ſeiner
Sitzung am Samstag unter dem Vorſitz des Herrn
Pro=
vinzialdirektors Fey über den Rekurs der gemeinſamen
Bürgermeiſterei von Schannenbach, Knoden und
Breitenwieſen über einen Entſcheid des
Kreis=
ausſchuſſes Bensheim. Nach Artikel 1 des
Faſelviehge=
ſetzes iſt jede Gemeinde verpflichtet, genügend Zuchtfaſel
in Eigentum zu erwerben und möglichſt ſelbſt in Pflege
zu halten. Hiervon ſolle nur Befreiung eintreten können,
wenn durch Zuchtvereine, privatrechtliche Verpflichtung,
oder freiwillige Bereiterklärung für genügende Zuchtfaſel.
geſorgt iſt, oder wenn die Haltung der Faſel
unverhält=
nismäßige Belaſtung der Gemeinde erfordert. Durch
Be=
ſchluß des Kreisausſchuſſes vom 18. März 1905 wurde
den Gemeinden Schannenbach, Knoden und
Breitenwie=
ſen Befreiung erteilt. Auf Antrag des
Kreisveterinär=
arztes beſchloß der Kreisausſchuß am 20. Mai 1912, daß
dieſe Gemeinden einen Faſelochſen halten müſſen, von
der Haltung eines Faſelebers und Ziegenbocks wurde
weitere Befreiung beſchloſſen. Gegen dieſen Beſchluß
wurde Rekurs erhoben mit der Begründung, daß ſich
zwei Beſitzer bereit erklärt haben, ihre Faſelochſen
um=
ſonſt zur Verfügung zu ſtellen. Ein Gemeindefaſel wäre
daher überflüſſig. Der Provinzialausſchuß hebt den
Entſcheid des Kreisausſchuſſes aus formellen Gründen
auf, da den Gemeinden kein Anſinnen geſtellt und keine
Angaben über die Koſten der Faſelhaltung gemacht wurde.
Die Koſten des Verfahrens tragen die Gemeinden. — Der
Ortsarmenverband Unter=Hiltersklingen klagt
gegen den Ortsarmenverband Stockheim wegen
Er=
ſatz von Unterſtützungskoſten in Höhe von 87 Mark für
zwei Fälle vom 9. Oktober bis 31. Dezember 1911 und
im Februar 1912 für den Peter Keil. Keil hat
unbe=
ſtritten ſeinen Unterſtützungswohnſitz in Stockheim. Er
wurde in Unter=Hiltersklingen von einem Verwandten
aufgenommen und bald darnach durch Lungenkrankheit
unterſtützungsbedürftig. Der Ortsarmenverband
Stock=
heim weigert ſich, die Koſten zu erſetzen, da zweimal
ge=
fordert wurde, daß Keil und ſeine Familie nach
Stock=
heim übergeführt werde. Unter=Hiltersklingen gibt an, Keil,
konnte nicht übergeführt werden, da er transportunfähig
war. Der Provinzialausſchuß verurteilt den
Ortsarmen=
verband Stockheim zur Zahlung von 72 Mark für die
Zeit=
vom 9. Oktober bis 31. Dezember 1911, die Forderung für
den zweiten Unterſtützungsfall wurde abgewieſen. Im
erſten Fall ſei von Stockheim nur die Ueberweiſung des
Keil verlangt worden, nicht die ſeiner Familie: Die
Koſten des Verfahrens fallen zu ½ dem
Ortsarmenver=
band Stockheim, ½ Unter=Hiltersklingen zur Laſt.
Der Ortsarmenverband Heppenheim hatte den
in Offenbach unterſtützungsberechtigten Wilhelm Beſt
von Wiesbaden in ärztlicher Behandlung und Pflege.
Offenbach iſt bereit, 2 Mark täglich als Pflegegeld zu
er=
ſetzen iſt aber der Anſicht, daß hierin der Satz für
Apo=
thekerkoſten mit einbegriffen ſei. Heppenheim findet
je=
doch dann den Satz von 1.25 Mark nicht für angemeſſen
und klagt deshalb gegen den Ortsarmenverband
Offen=
bach auf Erſatz von 49,04 Mark Arzneikoſten für Beſt.
Der Provinzialausſchuß verurteilte Offenbach zur Zah= von 32,04 Mark, die hierüber hinausgehende
Forde=
rung wird abgelehnt. Die Koſten des Verfahrens trägt
Offenbach zu ¾½, Heppenheim zu ½. — Der Ortsarmens
verband Frankfurt klagt gegen den
Ortsarmenver=
band Seligenſtadt auf Erſatz von
Krankenhaus=
pflegekoſten für den Taglöhner Franz Schwinger aus=
Oberrad in Höhe von 213 Mark. Schwinger war vom
18. bis 22. Oktober 1911 in Seligenſtadt in Arbeit und
gehörte auch der Gemeindekrankenverſicherung an.
Schwinger kam am 23. Oktober zu dem Bürgermeiſter von
Seligenſtadt in angetrunkenem Zuſtande und verlangte
Meiſter der Tierbändigung.
** Boſtock, der berühmte Boſtock, iſt geſtorben —
aus Londonn kommt die Kunde, und er ſtarb nicht in der
Arena, wurde nicht im harten Willenskampfe mit ſeinen
gefährlichen Beſtien von einem tragiſchen Schickſal ereilt,
er ſtarb friedlich in ſeinem Bette, wie faſt alle Dompteure.
Tauſende von Menſchen haben dieſen Meiſter ſeiner Kunſt
bewundert, haben ihn atemlos inmitten von Tigern und
Löwen der Gefahr kalt lächelnd ins Auge blicken geſehen,
aber nur wenige von jener großen Zahl, die dieſen
Mei=
ſterdompteur ſahen, wußten, daß er in ſeiner Art eine
neue Art der Tierbändigung geſchaffen hatte, daß er der
Gründer einer Schule iſt, dere Geſetzen heute die
meiſten Dompteure anhangen. Boſtock war einer der
erſten, der den Verſuch unternahm, die Bändigung von
Raubtieren zu einer Methode zu erheben und alle
Grau=
ſamkeit auszuſchalten. Milde und Geduld — das waren
die Grundlagen ſeiner Erfolge und das Grundprinzip
ſeiner „Schule‟ Damit gelang es ihm auch, etwas zu
erreichen, was noch vor wenigen Jahren als unmöglich
galt: als erſter vermochte er einen Schimpanſen zu zähmen
und zu dreſſieren, den berühmten „Konſul” der ſeitdem
ſo viele Nachfolger und Nachahmer gefunden hat.
Boſtock hätte es ſozuſagen nicht nötig gehabt, als
Tierbändiger von Stadt zu Stadt zu reiſen und ſeine
Kunſt für Geld ſehen zu laſſen. Denn er wurde als ein
reicher Mann geboren, war der Sohn Wombels, des
eng=
iſchen Hagenbeck, aber von Kindheit an faſzinierte ihn
Jas Studium der Raubtiere und ſo erwählte er — gewiß
ein ſeltener Fall — nur aus Liebe und Neigung den
Be=
ruf des Tierbändigers. Dabei freilich war er auch
Unter=
nehmer, veranſtaltete in England und Frankreich große
Schautellungen und ließ in Paris jenen gewaltigen offe=
nen Zirukus bauen, der als „Hippodrom” heute
weltbe=
rühmt iſt. Aber was ihn ſtets am meiſten intereſſierte,
das war das „Seelenleben” ſeiner Tiere. Ihren
Charak=
ter ſuchte er zu erkemen, ihre Eigenart zu reſpektieren
ihre Launen vorauszuahnen. Darin war er ein
Gegen=
ſtück zu dem berühmten franzöſiſchen Dompteur Bidel, der
ihm in den Tod vorausgegangen iſt. Auch Bidel
grün=
dete ſeine Erfolge auf eine genaue Kenntnis der „
Indivi=
dualität” ſeiner Tiere und erzielte damit ganz
unge=
wöhnliche Reſultate bis er ſchließlich doch — es war im
Jahre 1866 — auf dem berühmten Jahrmarkt von Neuilly
ſeinen erſten Unfall erlitt. Sultan, ſein Lieblingslöwe,
ſprang ſeinem Herrn an die Kehle und ſchleppte ihn durch
den Käfig. Das Schickſal Bidels erſchien damals, zum
Ent=
ſetzen der Zuſchauer beſiegelt, aber zum Glück gelang es dem
Wärter mit Hilfe von Eiſenſtangen doch, die wütende
Beſtie von ihrem Opfer fortzutreiben. Später wurde er
in Italien berühmt durch eine kühne Tat: eine der Beſtien
war entflohen und es gelang Bidel, ſie nur durch die
Macht ſeines Blickes witten auf der Straße wieder zu
bändigen. Aber in Saint=Quentin ereilte ihn vor zehn
Jahren doch ſein Schickſal, er wurde von einem Löwen
ſchwer verletzt. Ein Arm mußte ihm amputiert werden,
aber auch dieſes Ereignis hätte ihn ſeinem Berufe nicht
untreu werden laſſen, wenn die Familie ihn nicht durch
Bitten und Flehen dazu bewogen hätte, in den verdienten
Ruheſtand zu treten. Er reſignierte, vertauſchte die
Peit=
ſche mit der Feder und ſchrieb ſeine Memoiren, die einen
außerordentlich intereſſantn Einblick in die Kunſt und das
Leben des Dompteurs vermitteln. Und doch ſtarb er,
wie viele ſeines Berufes, als armer Teufel in bitterſter
Not.
Bidel war nicht, wie ſein großer Rivale Boſtock, ein
„Gentleman” der ſeinen Beruf nur aus Liebe zur Sache
betrieb. Er lebte von ſeiner Arbeit, führte das Daſein
eines wohlhabenden Bürgers, freilich nicht in einem
Hauſe aus Stein, ſondern in einem Zuge von grün
an=
geſtrichenen Wagen. Aber dieſes wandernde Heim des
Dompteurs bot allen erdenkbaren Komfort, ja man kann
ſogar von einem regelrechten Lurus ſprechen. Seine
Ri=
valen auf dem Gebiete der Kunſt der Tierbändigung waren
der bekannte Neger Delmonico und der Dompteur Pezen;
aber ſie gehörten beide der „alten Schule” an, waren
An=
hänger des Prinzipes, die Beſtien einzuſchüchtern. Wenn
Delmonico in den Käfig trat, ſpielte die Peitſche eine
große Rolle und ihre Schläge fielen recht kräftig. Der
Anblick, den dieſer Bändiger inmitten ſeiner ſtets
aufge=
regten Beſtien bot, war vielleicht nervenaufreibender,
ruhiger und damit auch ſchöner „arbeiteten” Boſtock und
Bidel. Bei ihnen hatte man das Gefühl, daß eine
ſyſte=
matiſche Kraft des Willens alle Wunder der Dreſſur
voll=
brachte und die Tiere arbeiteten mit, ohne fortwährend
gezüchtigt werden zu müſſen. Delmonico dagegen wäle
ohne ſeine Peitſche im Käfig wahrſcheinlich ein verlorener
Mann geweſen. Und trotz ſeiner durch ſtete Züchtigungen
aufrecht erhaltenen Autorität gegenüber den Raubtieren
wurde er mehr als einmal verwundet und ſtarb ſchließlich
bei dem Jahrmarkt von Montmartre in der Ausübung
ſeines gefährlichen Berufes einen grauſamen Tod. Heute
iſt die Kunſt des Dompteurs nicht mehr die alte Gold= von ehedem, Bor= und Ringkämpfe üben auf das
Publikum eine ſtärkere Anziehungskraft, und die Mänzter,
die Löwen und Tiger ihrem Willen beugen, ſind in den
Hintergrund gedrängt durch Schauſtellungen, in denen
nicht mehr der Menſch mit dem Tiere, ſondern der Menſch
mit dem Menſchen um die Ueberlegenheit ringt=
Seite 3.
ſeine Aufnahme in das Krankenhaus. Der Bürgermeiſter
verlangte eine Beſcheinigung, daß er krank ſei, worauf ſich
Schwinger nicht wieder ſehen ließ. Er wurde dann in
ein Frankfurter Krankenhaus aufgenommen, da er einen
Rippenbruch erlitten hatte. Die Klage um Erſatz dieſer
Pflegekoſten nun wurde bereits am 23. Juli vor hieſigem
Provinzialausſchuß verhandelt und damals
beſchloſ=
ſen, den praktiſchen Arzt Dr. Kappen in Seligenſtadt
zu vernehmen. Auf Grund deſſen Ausſage wurde in der
Sitzung am Samstag die Klage des Ortsarmenverbandes
Frankfurt abgewieſen.
* Bei der Landesverſicherungsanſtalt Großh. Heſſen
ſind im Monat September 1912 — 253 Anträge
ein=
gegangen, und zwar: 180 Anträge auf Invaliden= und
Krankenrente (J. u. K.), 19 Anträge auf Altersrente (A.),
24 Anträge auf Witwen= und Witwerrente (W.), 22
An=
träge auf Waiſenrente (O.), 8 Anträge auf Witwengeld
(Wg.). Unerledigt wurden in dieſen Monat übernommen
344 Anträge, ſo daß 597 Rentengeſuche in Bearbeitung
ſtanden. Es fanden Erledigung: 241 Anträge durch
Be=
willigung (189 J., 13 K., 10 A., 5 W., 2 Wg., 22 O.),
(13 Rentenſachen wurden durch Umwandlung erledigt),
2 Anträge durch Anwartſchaftsbeſcheid (§§ 1258 und 1743
RVO.), 47 Anträge durch Ablehnung, weil unbegründet
(29 J., 3 A., 8 W., — Wg., 7 O.), 9 Anträge durch andere
Weiſe — Zurücknahme uſw (5 J., 1 A., 2 W., 1 Wg.,
— O.), zuſammen 299 Anträge, ſo daß 298 als unerledigt
auf den Monat Oktober I. J. übernommen werden
muß=
ten. — In welchem Umfange die Landesverſicherungs=
Anſtalt Großh. Heſſen Heilverfahrenskoſten für ihre
Ver=
ſicherten übernimmt, ergibt ſich aus nachſtehenden
Erläu=
terungen: Ende September 1912 waren in den
nachver=
zeichneten Anſtalten verſicherte Perſonen untergebracht:
1. Ernſt=Ludwig=Heilſtätte bei Sandbach 125, 2.
Eleono=
ren=Heilſtätte bei Winterkaſten 52, 3. Göttmannſche Anſtalt
bei Reichelsheim i. O. 62, 4. Bad Nauheim 29, 5. Bad
Orb 21, 6. Dr. Loſſenſche Heilanſtalt, hier 7, 7. Sonſtige
Anſtalten, wie (Krankenhäuſer, Kliniken und dergleichen)
34, zuſammen: 330.
Vom neuen Grundbuch. Die Arbeiten zur
Anlegung des neuen Grundbuchs ſind in vollem Gange.
Zurzeit erfolgen die Vernehmungen der
Grundſtücks=
eigentümer durch die beiden Anlegungsrichter. Deren
Dienſträume befinden ſich nicht etwa im alten
Juſtiz=
palaſt oder im neuen Gerichtsgebäude, ſondern im
Hauſe Mathildenplatz 15 (ehemals Advokat Koch=
Reu=
lingſches Haus) zwiſchen dem Hofſtall (Wieſenſtraße) und
der Bismarckſtraße.
— Die nächſte unentgeltliche ärztliche Beratungsſtunde
der Großh. Zentrale für Mutter= und Säuglingsfürſorge
in der Heinheimerſtraße Nr. 21 findet vom 17.
Oktober an Montags und Donnerstags von ½2—½3 Uhr
nachmittags ſtatt. Die Zeit Dienstags und Freitags bleibt
wie bisher, von 4—6 Uhr; in Beſſungen,
Lud=
wigshöhſtraße Nr. 4 vom 15. Oktober ab Dienstags
und Freitags nachmittags von ½2—½3 Uhr. Die Lokale
ſind geheizt.
— Städtiſcher Fleiſchverkauf. Am Samstag war
der Andrang in den ſtädtiſchen Verkaufsſtellen (
Markt=
halle des Schlachthofs und Kiesſtraße 21) ſo groß, daß
die Bedienſteten alle Mühe aufwenden mußten, um die
Käufer abzufertigen. Das Fleiſch iſt von guter Qualität
und koſtet pro Pfund: Rindfleiſch (alle Stücke) 82 Pfg.,
Schweinefleiſch 88 Pfg. und Kotelettſtücke 80 Pfg.
— Für die 25jährige Jubelfeier des Heſſiſchen
Haupt=
vereins des Evangeliſchen Bundes wurde folgende
Feſt=
ordnung aufgeſtellt: Freitag, den 25. Oktober, abends
7 Uhr: Erſte Aufführung des Devrientſchen
Lutherfeſt=
ſpiels im Städtiſchen Saalbau. Samstag, den 26.
Ok=
tober, abends 7 Uhr: Geläute der evangeliſchen Kirchen
Darmſtadts und der Vororte. Sonntag, den 27. Oktober,
vormittags 8 Uhr: Choralblaſen vom Turm der
Stadt=
kirche. Vormittags 10 Uhr: Feſtgottesdienſte (unter
Mit=
wirkung der Kirchengeſangvereine). Hofkirche: 10 Uhr
Feſtprediger Profeſſor am Predigerſeminar D. Dr. Schoell
aus Friedberg. Stadtkirche: 10 Uhr Feſtprediger
Uni=
verſitätsprofeſſor D. Dr. Schian aus Gießen.
Stadt=
kapelle: 10 Uhr Feſtprediger Geh. Kirchenrat D. Eger aus
Friedberg. Martinskirche: 10 Uhr Feſtprediger Pfarrer
Loos aus Groß=Umſtadt. Johanneskirche: 10 Uhr
Feſt=
prediger Pfarrer Eſchenröder aus Worms. Beſſunger=
Kirche: 10 Uhr Feſtprediger Pfarrer Fritſch aus
Rupperts=
burg. Pauluskirche: 10 Uhr Feſtprediger Pfarrer Berck
aus Mainz=Mombach. Arheilgen: 9½ Uhr Feſtprediger
Pfarrer Reinhardt aus Bingen. Griesheim: 10 Uhr
Feſt=
prediger Pfarrer Römheld aus Dreieichenhain, früher in
Judenburg (Steiermark). Nieder=Ramſtadt: 10 Uhr
Feſt=
prediger Pfarrer Knab aus Walldorf, früher in
Knittel=
feld (Steiermark). Roßdorf: 10 Uhr Feſtprediger Pfarrer
Schönewolf aus Burg=Gräfenrode. Vormittags 11¼ Uhr:
Jugendgottesdienſt in der Stadtkirche: Profeſſor am
Predigerſeminar D Dr. Schoell aus Friedberg. (In
ſämtlichen Gottesdienſten wird eine Kollekte für den
Evangeliſchen Bund und die evangeliſche Bewegung in
Oeſterreich erhoben.) Vormittags 11½ Uhr: Im
Ge=
meindehauſe der Stadtgemeinde, Kiesſtraße 17:
Ge=
ſchloſſene Mitglieder= und Abgeordnetenverſammlung des
Heſſiſchen Hilfsausſchuſſes zur Förderung der
evangeli=
ſchen Kirchen in Oeſterreich 1. Eröffnung und Leitung:
Kapitänleutnant a. D. Grill=Bensheim. 2. Jahresbericht:
Pfarrer D. Waitz=Darmſtadt. 3. Rechnungsablage:
Kauf=
mann Kämmerer=Bensheim. 4 Neuwahl des Vorſtandes.
5. Anträge. Nachmittags 3 Uhr: Evangeliſche
Volks=
verſammlungen. 1. In der Turnhalle am Woogsplatz
unter Mitwirkung der Kirchengeſangvereine der
Jo=
hannes= und Petrusgemeinde. Leitung: Hauptlehrer
Löſch=Darmſtadt. 2. Im Kaiſerſaal, Grafenſtraße 18,
unter Mitwirkung des Kirchengeſangvereins der
Mar=
tinsgemeinde und des Gemeindegeſangvereins der
Stadt=
gemeinde Leitung: Profeſſor Knoll=Darmſtadt. 1.
Be=
grüßung: Der Vorſitzende des Zentral=Vorſtandes,
Gene=
ralleutnant von Leßel, Exzellenz. 2 Vorträge: Unſer
evangeliſcher Glaube und unſere heſſiſche Heimat. 1. Die
Reformation und das Heſſenland — was verdanken beide
einander? Stadtpfarrer D. Dr. Diehl=Darmſtadt. 2. Der
Evangeliſche Bund und das heſſiſche Volk — was haben
beide einander gegeben und was haben beide voneinander
zu erwarten? Pfarrer D Waitz=Darmſtadt. Abends
7 Uhr: Feſtaufführung des Devrientſchen Lutherfeſtſpiels
(mit vorausgehender Begrüßung) für auswärtige Feſt
gäſte im Städtiſchen Saalbau. Abends 8 Uhr: In der
Turnhalle am Woogsplatz unter Mitwirkung der
Kirchen=
geſangvereine der Stadtgemeinde und der
Paulus=
gemeinde: Evangeliſche Feſtverſammlung. 1.
Eröff=
nung: Landesgerichtspräſident Theobald; 2. Begrüßungen
durch Behörden und Vereine; 3. Muſikaliſche
Dar=
bietungen; 4. Schlußwort: Der Vorſitzende des
Haupt=
vereins. Montag, den 28. Oktober. Vormittags 9 Uhr:
Im Fürſtenſaal, Grafenſtraße 20: Geſchloſſene
Abgeord=
neten= und Mitgliederverſammlung des Heſſiſchen
Haupt=
vereins des Evangeliſchen Bundes. 1. Eröffnung und
Leitung: der Vorſitzende des Hauptvereins; 2.
Jahres=
bericht: Derſelbe. 3. Rechnungsablage: Rechnungsrat
Rothermel=Darmſtadt: 4. Die Jeſuitenfrage:
Land=
gerichtsditektor Schmeckenbecher=Gießen; 5. Mitteilungen
und Anträge. Vormittags 11 Uhr: Im Kaiſerſaal,
Grafenſtraße 18: Hauptverſammlung. 1. Eröffnung und
Leitung: der Vorſitzende des Hauptvereins: 2. Vortrag:
„Der Proteſtantismus — ein Erzieher des deutſchen
Volkes zur Kraft”. Univerſitätsprofeſſor D. Eck, Rektor
der Landesuniverſität Gießen; 3. Ausſprache
Nach=
mittags 2 Uhr: Feſteſſen (mit Damen) im Hotel Heß,
Rheinſtraße 22. Nachmittags 4 Uhr: Bei günſtiger
Witterung Waldſpaziergang.
Volksbildungsverein. Auf Veranlaſſung des
Vereins für Verbreitung von Volksbildung wird Herr
Profeſſor Dr. Aug. Baur am 18. Oktober in einem
öffentlichen Vortrag das Thema verhandeln: „Napoleons
ruſſiſcher Feldzug 1812‟
* Ortsgewerbeverein Darmſtadt. Am kommenden
Sonntag, den 20. Oktober, nachmittags, findet wieder eine
Familienwanderung ſtatt. Näheres in den Anzeigen.
* Der Gabelsberger Stenographenverein (gegr.
1861, Protektor Se. Königl. Hoheit der Großherzog) macht
darauf aufmerkſam, daß Anmeldungen zum Anfänger=
Unterricht noch am Montag, den 14. Oktober, abends, im
Schulhaus am Ballonplatz entgegengenommen werden.
Verein für Vogel= und Geflügelzucht.
Gelegent=
lich der am 30. November und 1. Dezember d. J.
ſtatt=
findenden Vereinsausſtellung veranſtaltet der Verein
für Vogel= und Geflügelzucht eine Verloſung von
Ge=
flügel und Vögeln. Als Hauptgewinn iſt dabei ein
größerer Stamm Hühner ins Auge gefaßt, außerdem
werden Gänſe, Enten in Stämmen und einzeln, ſowie
Tauben und Kanarienhähne zur Verloſung gebracht.
Loſe ſind bei den Mitgliedern und bei den durch Plakate
kenntlichen Stellen zum Preiſe von 50 Pfg. zu erhalten.
Wiederverkäufer wollen ſich an den Vorſitzenden Herrn
Ph. Brohm, Alicenſtraße 20½, wenden.
* Vereinigte Ortskrankenkaſſe Darmſtadt. Der
Mitgliederſtand betrug am 5. Oktober l. J.
männ=
lich 9770, weiblich 6677, zuſ. 16 447, in Prozenten 59,41,
40,59. Der Krankenſtand betrug am 5. Oktober I. J.
männlich 317, weiblich 271, in Prozenten 3,11, 4,06.
An Krankengeld wurden ausgezahlt in der Woche
vom 30. Sept. bis 5. Okt. I. J. 4448,45 Mk. (1911: 4826,92
Mark). An Wöchnerinnen waren vorhanden am
5. Oktober I. J. 29. Sterbefälle kamen vor in der
Woche vom 30. Sept. bis 5. Okt. l. J. 2.
* Obſt=, Gemüſe= und Kartoffelmarkt. Der am
Sams=
tag in den Saal= und Gartenräumen der Brauerei „Zum
Schützenhof” eröffnete Obſt= Gemüſe= und Kartoffelmarkt,
verbunden mit Obſt= und Gemüſe=Ausſtellung, iſt, wie
alljährlich, ſehr reich beſchickt. Die ausgeſtellten Waren
ſind durchweg vorzüglich und werden zweifellos ihre
Käufer finden. Die bekannten Züchter ſind auch diesmal
wieder vertreten. Die Preiſe ſind in dieſem Jahre
er=
heblich niedriger als im Vorjahre; Aepfel koſten 9 bis 15
Mark per Zentner, Birnen 7 bis 20 Mark. Der Preis der
Kartoffeln ſtellt ſich auf 5 bis 6 Mark per Malter. Außer
den Feld= und Gartenfrüchten ſind auf der Ausſtellung
vertreten die Firma Zrenner mit Küchengeräten; Firma
Beyer, Haushaltungsartikel; Praſſel, Konſerven und
Honig; Ludwig Petri und Fr. Beckenhaub, Honig
und Gemüſeausſtellung. Der Beſuch war bereits am
erſten Tage äußerſt rege.
Es wurden an Preiſen verteilt:
A. Für ausgeſtelltes Obſt von Züchtern:
An A. Schneider, Eberſtadt; G. Ph. Schwörer, Billings:
J. Neuroth Witwe, Eberſtadt; F. Kaufmann, Neuſtadt
i. O.; Bürgermeiſter Röder, Billings; Louis Gruner,
Gärtner bei Frau Selk, Darmſtadt; Ph. Stöhr, Billings;
Otto Dahlem, Ibersheim; Gerda Weſtphal, Traiſa: Chr.
Pfaff, Nieder=Ramſtadt; Frau Uhrig, Nieder=Klingen;
Knaben=Arbeitsanſtalt Nieder=Klingen.
B. Für ausgeſtelltes Gemüſe: P. Walter,
Darmſtadt; C. Walter, Darmſtadt; W. Feldmann,
Gries=
heim
C. Für verpacktes Obſt: P. Breitwieſer,
Eber=
ſtadt; A. Schneider I., Eberſtadt; F. Kaufmann, Neuſtadt
i. O.; Ph. W. Werner, Reichelsheim i. O.; C. F. Hirſch,
Alsheim; A. Schwinn, Nieder=Kainsbach; H. Weiß IV
Wiebelsbach; B. Held, Darmſtadt; O. Dahlem,
Ibers=
heim; J. Neuroth Witwe, Eberſtadt.
D. Für ausgeſtellten Honig: L. Petri,
Darm=
ſtadt; Fr. Beckenhaub, Darmſtadt; M. W. Praſſel,
Darm=
ſtadt (für Honig und Konſerven).
E. Für 1. Gartengeräte, 2. Fruchtpreſſen,
3. Obſtgeſtelle uſw.: C. Beyer, Darmſtadt (2 u. 3);
Max Hertel, Marbach i. S. (1); Zrenner, Darmſtadt (2).
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer
Expe=
dition (Rheinſtraße 23) ſind von heute ab folgende aktuelle
Bilder vom Balkan neu ausgeſtellt: Ein
Demonſtrations=
zug der kriegsbegeiſterten Bevölkerung Konſtantinopels;
Sultan Muhamed V.; König Nikolaus I. von
Montene=
gro montenegriniſche Soldaten; Geſamtanſicht von
Pod=
goritza, dem Sammelpunkt der montenegriniſchen Armee;
ein Straßenbild aus Podgoritza; König Ferdinand von
Bulgarien; bulgariſche Truppen in den
Grenzbefeſtig=
ungen.
C Schweres Automobilunglück. Samstag nacht
kamen mehrere Reſerviſten mit der Bahn hier an und
be=
gaben ſich nach dem Truppenübungsplatz, Einige von
ihnen benutzten die Meiſingerſche Automobildroſchke.
Etwa 100 Meter unterhalb der neuen Brücke ſtieß das
Automobil mit einem Petroleumfuhrwerk
zuſammen. Die Autoinſaſſen wurden
herausgeſchleu=
dert. Einer der Reſerviſten wurde ſchwer, der andere
leicht verletzt. Der Chauffeur erlitt ebenfalls leichtere
Verletzungen. Das Auto wurde zum Teil zertrümmert,
ebenſo der Petroleumwagen. Die Pferde des
Petroleum=
wagens wurden ebenfalls ſchwer verletzt. Die beiden
Re=
ſerviſten wurden zunächſt ins Lager und dann mit dem
Krankenauto der Rettungswache ins Garniſonlazarett
gebracht. Der Chauffeur kam ins Krankenhaus.
2 Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
vergangener Woche. Butter ½ Kg. 1,45 M., in Partien
1,30 M., Eier 7—9 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 20—22 Pf.,
Handkäſe 4—10 Pf., Kartoffeln Zentner 2.50 M.,
Kumpf (10 Liter) 35—40 Pf., ½ Kg. 3—4 Pf., Mäuschen
Kumpf 1 M., ½ Kg. 8—9 Pf.; Obſt u. dgl.: Aepfel u.
Birnen Zentner 8—15 M., ½ Kg. 5—18 Pf., Zwetſchen
Zentner 8 M., 100 Stück 30 Pf., ½ Kg. 12 Pf., Trauben
½ Kg. ausländ. 30—35 Pf., einheimiſche 25 Pf., Zitronen
7 Pf., Nüſſe 100 Stück 50 Pf.: Salat, Gemüſe:
Kopf=
ſalat 6—10 Pf., Endivien 5—8 Pf., Bündel Radieschen 2
bis 3 Pf., Rettiche 3—5 Pf., Roterüben ½ Kg. 8 bis
10 Pf., Bündel Römiſch=Kohl 2 Pf., Spinat ½ Kg. 18
bis 20 Pf., Meerrettich 12—30 Pf., Zwiebeln ½ Kg. 8 bis
10 Pf.. Tomaten ½ Kg. 15—20 Pf., Wirſing 3—10 Pf.,
Blumenkohl 5—30 Pf., Rotkraut 10—30 Pf., Roſenkohl
½ Kg. 25 Pf., Weißkraut 6—15 Pf., Schälgurken 5—10 Pf.,
Gelberüben ½ Kg. 5—10 Pf., Erdkohlrabi 5—10 Pf.,
Hagebutten ½ Kg. 10—20 Pf.: Geflügel, Wild: Gänſe
Kg. 1 M., Enten 3,00—3,50 M., Hahnen und Hühner
1,50—2,00 M., Tauben 60—70 Pf., Rebhühner, junge
1,40 M., alte 90 Pf., Haſen 3,50—4,00 M., Lapins 0,90 bis
1.00 M.; Fiſche ½ Kg.: Hecht, Aal 0,90—1,00 M.
Karpfen 80—90 Pf., andere Rheinfiſche 40—50 Pf.,
Rot=
zungen 50 Pf., Schollen 45—50 Pf., Kabeljau 25—28 Pf.,
Schellfiſche 26 Pf., Seehecht 35 Pf., Seelachs 25 Pf.;
in den Fleiſchſtänden ½ Kg.: Rindfleiſch 70 Pf.,
Hack=
fleiſch 76 Pf., Rindsfett 60 Pf., Rindswürſtchen (Stück)
Eine ſchwere Gefahr für den
Heringsfang.
C) In England erregt die Nachricht, daß das
Aus=
ſterben des Herings drohe, wenn nicht raſche
Vorkehrun=
gen dagegen getroffen werden, großes Aufſehen und
be=
rechtigte Unruhe. Mitglieder des Parlaments haben die
Angelegenheit in die Hand genommen; in zahlreichen
Verſamlungen wird auf den gewaltigen Schaden
hinge=
wieſen, der der Induſtrie daraus erwächſt, und bei dem
Regierungsdepartement für Ackerbau und Fiſchereien iſt
eine Petition eingereicht, die ſtrenge Maßregeln zur
Ver=
hütung der völligen Vernichtung des Herings fordert.
Die Heringsfiſcherei iſt eine der älteſten Induſtrien
Eng=
lands; ſie kann mehr als 800 Jahre zurückverfolgt
wer=
den. Gegenwärtig gewährt ſie wenigſtens 100000
Per=
ſonen Beſchäftigung und das Kapital, das in der
He=
ringsinduſtrie angelegt iſt, muß auf gegen 200 Millionen
Mark berechnet werden. Außer dem enormen heimiſchen
Verbrauch werden aus Großbritannien gewaltige
Men=
gen Heringe exportiert. Im Jahre 1911 für faſt 80
Mil=
lionen Mark.
Die ſchwere Gefahr, die dieſem nützlichen und
wohl=
ſchmeckenden Bewohner des Meeres droht, rührt, wie die
Petition anführt, „von den jüngſten Neuerungen im
Heringsfiſchfang mit ſo engmaſchigen Schleppnetzen
her, daß nichts durch ſie hindurch kann” Früher fand
der Heringsfiſchfang mit Treibnetzen ſtatt, die an der
Oberfläche des Meeres ausgeſpannt waren und in die
die Heringe hineinſchwammen. Um aber größere
Ge=
winne zu erzielen, iſt man in England 1905 dazu
über=
gegangen, Schleppnetze zu verwenden, die auf dem
Meeres=
boden ausgeſpannt werden und ſo enge Maſchen haben,
daß alles und jedes in ihnen gefangen wird. Während
bei den Treibnetzen nur die großen eßbaren Fiſche im
Netz blieben und ſich manche Tiere noch durch die weiten
Maſchen retten konnten, wird durch die neue Methode
das Vernichtungswerk in der radikalſten Weiſe beſorgt.
Kleine Fiſche von zwei und drei Zoll, die zur Nahrung
mtanglich ſind, werden in zahlloſen Millionen in den
Schleppnetzen feſtgehalten; die alten Fangſtellen werden
dadurch völlig von Heringen entblößt und die Fiſcher
ſuchen immer neue Orte auf, um ihr Zerſtörungswerk
fortzuſetzen. Aber nicht nur die jungen Fiſche werden
durch das ſkrupelloſe Verwenden der Schleppnetze
ver=
nichtet, ſondern auch der Laich wird in Mitleidenſchaft
gezogen und die junge Brut kann nicht mehr gedeihen.
Einen bedrohlichen Umfang hat dieſe Zerſtörung der
Heringsfiſcherei erſt in den letzten zwei Jahren
ange=
nommen; aber die Schäden ſind ſchon ſo groß, daß nur
raſche Hilfe die Schätze des Meeres noch retten kann. Die
Rückkehr zu den alten Formen des Fanges, die einerſeits
den Gewinn von nur guten und brauchbaren Fiſchen
ſicherte, andererſeits jede unnütze Vernichtung ausſchloß,
wird daher an den maßgebenden Stellen mit aller Energie
erſtrebt werden.
Konzerte.
mm. Herr Dr. Wolfgang Bülau, deſſen techniſche
Vorzüge wir bei ſeinem erſten Auftreten als Violinkünſtler
in hieſiger Stadt im Vorjahre eingehend gewürdigt
hat=
ten, trat am Freitag abend im Saale des Hotels „Zur
Traube” wieder mit einem ausgewählten Programm vor
das Konzertpublikum, das ihn ſchon bei ſeinem Erſcheinen
aluf dem Podium mit lebhafter Sympathie begrüßte Mit
der A-dur=Sonate (Op. 100) von Johannes Brahms,
die den Abend eröffnete, hatte er eine ſehr anmutige
Kompoſition an den Anfang geſtellt, die in ihren drei
im Stimmungsgehalt nicht allzuſehr kontraſtierenden
Sätzen, ſo wohltuend ſie auf den Zuhörer wirkten,
inſo=
fern für den virtuoſen Geiger einige Selbſtverleugnung
bedeuteten, weil ſie die rein muſikaliſchen und melodiſchen
Schönheiten an Stelle blendender Virtuoſenkünſte treten
laſſen, die den Laien beſtricken. Dafür iſt aber aucheim
Andante tranquillo, dem 2. Satz, für die Anwendung
in=
timer Klangfeinheiten Gelegenheit gegeben, die Her
Bülau gut auszubeuten verſtand, wozu auch nicht zum
wenigſten die geſchickt ausgeführte Klavierbegleitung am
prächtigen Ibach=Flügel beitrug und bei den
ſchön verklingenden Akkord — auch der Umſtand, daß
die=
ſer (der Flügel) halb geöffnet war, wie es die
Selbſtän=
digkeit des Klavierpartes, der ja mehr als nur „
Beglei=
tung” iſt, ganz ſelbſtverſtändlich erfordert. Wenn wir
auch bei Pagaminis A-moll=Caprice, die (als Schlußſtück)
mit ganz abſoluter Meiſterſchaft erklang, eine Abſchwächung
des Klaviertones gutheißen können, ſo iſt doch die
unge=
minderte Friſche der freiſchwingenden Saiten entſchieden
wirkungsvoller und natürlicher, zumal in dem
Violin=
konzert, in welchem das Klavier doch ſehr ausgedehnte
und wichtige und ſoliſtiſche Satzperioden allein
aus=
zuführen hat. Ein paar einfachere Stücke von Mrzart
und Joh. Adam Birkenſtock (Siciliano=), die wir als
beſte Hausmuſik anſehen dürfen, kamen in der Vollendung
des ſeelenvollen Vortrags ſehr gut zur Geltung und
fan=
den die allſeitigſte und wärmſte Aufnahme: Mozarts
Gavotte” dürfte wohl ein Lieblingsſtück der Geiger ſein.
Außerdem war die wundervolle „Havanaiſe” von C.
Saint=Saéns mit ihren rhythmiſchen und
harmoni=
ſchen Feinheiten ein dankbares Vortragsſtück aus der
mo=
dernen Violinliteratur, wenn auch das ſchon erwähnte,
hier zum erſtenmal gehörte großartige
Violin=
konzert in E-moll von J. Conus das
breiteſte Intereſſe für ſich in Anſpruch nahm,
deſſen fein und geiſtreich gearbeitete, von Herrn
Hans Weißbach mit Geſchick ausgeführte
Be=
gleitung, die ſchon vom Klavierſatz auf eine wirkſame
Inſtrumentierung ſchließen läßt, den Wunſch rege werden
läßt, das Werk einmal mit Orcheſter zu hören, und zwar
von Herrn Dr. Bülau, der mit wahrer Bravour der
eminenten Schwierigkeiten, an denen das Konzert reich
iſt, Herr war und in der großen Cadenz aufrichtige
Be=
wunderung ſand. — Nur die gleichzeitige Aufführung im
Hoftheater erklärt es, daß nicht, wie es die künſtleriſche
Bedeutung des Abends erwarten ließ, der Saal bis auf
den letzten Platz gefüllt war; der temperamentvolle
Künſtler aber wird hier immer ein willkommener Gaſt
ſein.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. Oktober 1912.
Nummer 242.
15 Pf., Schweinefleiſch 96 Pf., geſalzenes und Koteletts
1 M., Schwartenmagen und Fleiſchwurſt 90 Pf., Leber=
und Blutwurſt 76 Pf.
tt. Dieburg, 12. Okt. Da für die Wahl der
Ar=
beitgebervertreter zur
Angeſtelltenver=
ſicherung nur eine Vorſchlagsliſte, und zwar von der
Handelskammer Offenbach, eingereicht worden iſt, ſo ſind
ffolgende Vorgeſchlagenen als gewählt zu betrachten, und
zwar als Vertrauensmänner: Fabritdirektor Dr. Friedr.
Knapp=Groß=Umſtadt, Fabrikant Ludwig Palmy,
Gundernhauſen, Kaufmann Heinrich Martin Brücher=
Groß=Zimmern; als Erſatzmänner: Granitwerkbeſitzer
Elias Frohmann=Reinheim, Fabrikant Hch. Ganß=
Dieburg, Fabrikant Moritz Oppenheimer=Fränkiſch=
Krumbach, Fabrikant Heinrich Michell=Groß=Zimmern,
Kaufmann Jakob Trippel=Groß=Umſtadt, Kaufmann
Abraham Rapp=Groß=Umſtadt.
Offenbach, 12. Okt. Der 30jährige Hausdiener
Burk=
hardt bei der Firma Gebr. Beck in Stellung, ſollte
5000 Mark auf einer Bank deponieren. Er
be=
ſſorgte vorher noch mehrere Gänge und als er das Geld
auf der Bank abliefern wollte, war es verſchwunden.
Die Firma hat auf die Wiedererlangung des Geldes eine
anſehnliche Belohnung ausgeſetzt. Der Hausdiener wurde
vorläufig entlaſſen.
Sz. Langen, 12. Okt. Auf Einladung des Vereins für
Hundefreunde für Langen und Umgegend hielt Herr
Poli=
zeikommiſſar Lindemann aus Darmſtadt (erſter
Vor=
ſitzender des Heſſiſchen Polizei= und Schutzhund=Vereins,
Sitz Darmſtadt) im dichtbeſetzten Saale des Gaſthauſes
„Zur Krone” geſtern abend einen Vortrag über
Polizei= und Schutzhundeweſen. Der
Vor=
ſitzende des Vereins für Hundefreunde in Langen eröffnete
den Abend mit der Begrüßung der zahlreich erſchienenen
Gäſte, dankte insbeſondere Herrn Bürgermeiſter
Metz=
ger für deſſen Erſcheinen, ſowie den erſchienenen Herren
von Offenbach und Sprendlingen=Buchſchlag, ſchilderte in
ſehr ſachlichen Worten den Zweck des Vereins und erteilte
alsdann Herrn Kommiſſär Lindemann das Wort.
Redner ſtreifte in ſeinem nahezu 1½ſtündigen freien
Vor=
trag die Hauptgrundzüge des Beſtrebens der Polizei= und
Schutzhundvereine und verwendete in der Hauptſache ſein
Programm, welches er in ſeinem am Freitag, 27. Sept.,
am Vorabende der erſten großen öffentlichen Polizei= und
Schutzhunde=Prüfung gehaltenen Vortrag im „
Schützen=
hof” zu Darmſtadt ſeinen eifrigen Zuhörern entwickelt
ſhat. Insbeſondere wies Redner auf das Intereſſe hin,
ſwelches man den Polizeihunden ſowohl, wie den
Schutz=
hunden gerade auf dem Lande ſchon an ſich
ent=
gegenbringen müſſe. Redner konſtätiert mit
Freuden, daß bei der großen öffentlichen Prüfung in
Darmſtadt gerade ein Mitglied des Vereins für Hunde=
Ffreunde in Langen mit ſeiner erſt zehn Monate alten
Schäferhündin den zweiten Preis in der Schutzhundklaſſe
davontragen durfte; er weiſt aber auch darauf hin, daß
dieſer Erfolg den Mitgliedern des Langener jungen
Ver=
eins ein Anſporn ſein möge zur Förderung der edlen
Sache des Polizei= und Schutzhundeweſens. — Reicher
Beifall ſeitens der erſchienenen Gäſte, ſowie perſönlicher
Dank des Herrn Vereinsvorſitzenden von Langen, ſowie
der Deputation aus Offendach lohnten den Redner für
ſſeinen überaus lehrreichen und intereſſanten Vortrag.
* Mainz, 12. Okt. In Kelſterbach wurden ein
Zollbeamter und etwa 30 andere Perſonen verhaftet. Es
handelt ſich um eine Bande von Schiffsdieben, die
an der Schleuſe Schiffe beraubten. Der Anführer der
Diebesgeſellſchaft iſt nach Amerika geflüchtet.
Oppenheim, 12. Okt. Beim Anlegen des
Heizungs=
ſchachtes in der hieſigen katholiſchen Pfarrkirche ſtießen,
wie ſchon gemeldet, die Arbeiter an der Grenze des alten
Chores, welches aus dem Jahre 1450 ſtammt, auf ein
Begräbnisgewölbe, in welchem ſich 6 Särge aus
Eichenholz befinden, von denen je zwei übereinander
fſtehen. Während die zwei rechts und die zwei links
ſtehenden Särge noch vollſtändig erhalten ſind, ſind die
zwei mittleren zuſammengefallen. Auf der rechten Seite
befindet ſich der Ciſtercienſer=Pater Robert Landvogt, ein
Namensvetter des jetzigen katholiſchen Pfarrers, aus dem
Jahre 1713. Die anderen Särge dürften die verſtorbenen
Guardianer der Franziskaner enthalten, welche nach dem
ſalten Begräbnisbuch neben dem Altar des hl. Franz von
Aſſiſi ihre letzte Ruheſtätte fanden.
Nierſtein, 12. Okt. Fiſchdiebe brachten in der
Nacht den Fiſcher Chriſt. Ebling um den ganzen Ertrag
ſſeines reichen Fiſchzuges. Ein ganzes Fiſchfaß mitſamt
den darin aufbewahrten ziemlich wertvollen Fiſchen
brachten die Spitzbuben beiſeite. — Während des
Aus=
ſſtandes der Schiffer im Mai kam es zwiſchen den
Schif=
ffern Grein von Oppenheim und Ullrich von
Nier=
ſſtein in der Rheinſtraße zu Mainz zu Streitigkeiten, die
ſſpäter in einer Wirtſchaft und ſchließlich auf der Straße
fortgeſetzt wurden. Grein zog plötzlich ſein Meſſer und
verſetzte dem Ullrich einen Stich in den Kopf.
Ullrich liegt nun ſeit fünf Monaten im Krankenhaus und
trotz aller Bemühungen der Aerzte gelang es nicht, ihn
am Leben zu erhalten; nach großen Schmerzen iſt er
vor=
geſtern im Mainzer Rochushoſpital geſtorben.
Hillesheim, 12. Okt. Ein folgenſchwerer
Eiſenbahnunfall ereignete ſich geſtern morgen
gegen 9 Uhr in der Nähe der hieſigen Station. Von Gau=
Odernheim kommend, rannte die mit Herren Bau= und
Regierungsrat Simon=Worms, Bahnmeiſter Lahme
und vier Eiſenbahnarbeitern beſetzte Draiſine in
den gerade rangierenden Güterzug,
in=
folge des dichten Nebels. Die vier Eiſenbahnarbeiter
konnten ſich noch rechtzeitig retten, während Herr
Bahn=
meiſter Lahme beim Verſuche, abzuſpringen, einen
hef=
tigen Stoß von dem Puffer der Lokomotive ins Rückgrat
erhielt, wobei er ſtürzte und mit dem Kopfe auf die Räder
der Draiſine aufſchlug, ſchwere
Kopfverletzun=
gen davontragend. Er blieb bewußtlos liegen. Herrn
Baurat Simon wurde das rechte Bein zweimal und
meh=
rere Finger der rechten Hand bei dem Zuſammenſtoß
ge=
brochen. Er kam ſofort ins Wormſer Krankenhaus. Die
Draiſine wurde zertrümmert.
(*) Gießen, 11. Okt. Die Stadtverordneten=
Verſammlung beſchäftigte ſich eingehend mit dem
Viehmarktverbot: Stadtrat Krumm ſagt, die
Er=
werbsintereſſen zahlreicher Gießener Bürger ſeien
ernſt=
haft bedroht und müßten geſchützt werden.
Oberbürger=
meiſter Mecum teilt mit, daß der Markt am 22. Oktober
genehmigt ſei, für den Fall, daß innerhalb 15 Kilometer
um Gießen kein neuer Fall von Maul= und Klauenſeuche
ausbreche. In Lang=Göns ſei die Seuche am Erlöſchen.
Die Stadtvertretung ſprach ſich auf Anregung des
Stadt=
rats Löber für die Förderung der
Kaninchen=
zucht aus, um die inländiſche Fleiſchproduktion zu heben.
In der jetzigen Zeit der Fleiſchteuerung ſei es geboten,
die Kaninchenzucht tatkräftig zu unterſtützen. Die
Ange=
legenheit wurde einer Kommiſſion überwieſen. Der
Ka=
ninchenzucht= und Pflegeverein erhielt für ſeine
Aus=
ſtellung eine Summe zu Preiſen. Mit der
Gehalts=
regulierung der ſtädtiſchen Beamten und Lehrer
wird ſich eine der nächſten Stadtverordneten=
Verſamm=
lungen befaſſen.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 12. Okt. Der Handel
nit Caruſokarten, der wieder einen unglaublichen
Umfang angenommen hat — die Händler forderten und
erhielten bis zu 130 Mark für Parkettplätze —, wird für
einige Perſonen recht unangenehme Folgen haben. Die
Generalintendantur war ſchon ſeit Jahren bemüht,
feſtzu=
ſtellen, auf welche Weiſe die Händler in den Beſitz von
Karten gekommen ſind. In dieſem Jahre war die
Kon=
trolle ſehr ſchatf. Jede Karte war auf den Namen des
Beſtellers eingetragen, und ſo konnte die
Generalinten=
dantur mit einem Blick feſtſtellen, woher die bei den
Händ=
lern ausgebotenen Karten ſtammten. Durch die
Krimi=
nalpolizei ſind Recherchen eingeleitet worden, die zu dem
Ergebnis führten, daß ein Teil der Abonnenten die
ihnen von der Generalintendantur reſervierten Karten an
Händler weitergegeben hat. Daraufhin hat die
General=
intendantur ſofort das Abonnement zu dem nächſten
Ter=
mine gekündigt. Sie iſt durch den Abonnementsvertrag
dazu berechtigt, der eine Beſtimmung enthält, in der
aus=
drücklich verboten wird, daß die Abonnementskarten
öffentlich weiterverkauft werden dürfen. — Wie das
Poli=
zeipräſidium mitteilt, iſt eine Verhaftung des Kaſſenboten
Brüning weder in Nürnberg noch in Augsburg erfolgt.
München, 12. Okt. In dem Dachſtuhl der
Peters=
kirche kam in der vergangenen Nacht ein Brand zum
Ausbruch, der leicht dem ganzen Bau hätte gefährlich
wer=
den können, wenn nicht ſein Entſtehen zum Glück
recht=
zeitig bemerkt worden wäre. Auf den Feueralarm hin
er=
ſchienen die Berufsfeuerwehr und mehrere Kompagnien
der Freiwilligen Feuerwehr. Der Brand konnte nach
halbſtündiger Arbeit unterdrückt werden.
München, 12. Okt. Ein vielbekannter Münchener
Gaſtwirt, Michael Schottenhammel, iſt in ſeinem
Hotelreſtaurant mitten unter ſeinen Gäſten und
Verwand=
ten, 75 Jahre alt, am Schlaganfall dahingeſchieden.
Ganze Generationen, auch der Fremden und Studenten
Münchens erinnern ſich des Mannes, der den bekannteſten
Bierausſchank auf dem Münchener Oktoberfeſte ſeit vielen
Jahren betrieb, ſonſt aber auch durch ſein Hotel und in
München wie anderen ſüddeutſchen Städten gegründeten
großen Kaffeehäuſer Münchener Stils ſich im
Gaſtwirte=
gewerbe einen weithin gekannten Namen gemacht hat.
Augsburg, 12. Okt. Nach den Ermittelungen der
Filiale der Dresdener Bank bezüglich der Ergreifung des
Kaſſenboten Wilhelm Brüning wurde man durch
einen anſcheinend amtlichen Charakter tragenden Brief
düpiert. Der Briefſchreiber iſt noch nicht ermittelt.
Karlsruhe,. 11. Okt. Der Großherzog von
Baden iſt leicht erkrankt und mußte infolgedeſſen
ſeine Teilnahme an verſchiedenen Feſtlichkeiten abſagen.
Der Zuſtand des Großherzogs iſt abſolut nicht
beſorg=
niserregend, doch muß ſich der Großherzog unbedingt
Ruhe gönnen.
Leipzig, 12. Okt. Der ruſſiſche Oberleutnant
Ni=
kolski, der in die Spionage=Affäre des ruſſiſchen
Haupt=
manns Koſtewitſch mit verwickelt war, iſt außer
Ver=
folgung geſetzt worden. Die Einſtellung des Verfahrens
gegen Nikolski gründet ſich darauf, daß ſein Briefwechſel
mit Koſtewitſch als nicht belaſtend genug befunden ward.
Das Verfahren gegen Koſtewitſch dürfte, da die
Verhaft=
ung ſeinerzeit hauptſächlich wegen des Briefwechſels
er=
folgte, hierdurch auch berührt werden.
Köln, 12. Okt. Die Polizei verfügte, daß
Per=
ſonen unter 16 Jahren überhaupt nicht mehr zu
kine=
matographiſchen Vorſtellungen zugelaſſen
werden, ſofern ſolche nicht ausdrücklich als Kinder= oder
Familien=Aufführungen gekennzeichnet ſind.
Paris, 12. Okt. In der vergangenen Nacht wurde
während der Fahrt der Poſtwagen des zwiſchen
Bor=
deaux und Cette verkehrenden Expreßzuges
aus=
plündert. Soweit bis jetzt ſeſtgeſtellt werden konnte,
ſind zahlreiche Geld= und eingeſchriebene Briefe geraubt
worden.
Madrid, 12. Okt. Ein Kaſſenbote ſtahl
Wert=
papiere der Bank von Spanien im Werte von 130000
Pe=
ſos, die er an verſchiedene Banken verkaufte. Darauf
verſchwand er.
Kongreſſe und Verbandstage.
Reichsverbandstag deutſcher Städte.
— Berlin, 11. Okt. In der heutigen zweiten
Sitz=
ung ſprach Chefarzt Dr. Pieleck=Beelitz über „Das
Krankenhaus der kleinen Städte‟. Da der Bau von
Kran=
kenhäuſern in den kleinen Städten ein immer dringenderes
Bedürfnis geworden iſt, müſſen die Baukoſten für ſolche
Krankenhäuſer in erſter Linie entſprechend der großen
Erweiterung des Kreiſes der verſicherungspflichtigen
Be=
völkerung durch hypothekariſche Darlehen der
Verſicher=
ungsträger aufgebracht werden. Die Unterhaltung des
Krankenhauſes und die Verzinſung des Baukapitals iſt
von der Stadt zu gewährleiſten; auch hat dieſe im
ällge=
meinen die Bauſtelle herzugeben. Die Geſamtkoſten
brau=
chen 3—4000 Mark pro Krankenbett nicht zu überſteigen.
Der Wirtſchaftsbetrieb iſt einer erfahrenen
Krankenſchwe=
ſter zu übertragen, der das erforderliche Haus= und
Pflege=
perſonal zur Verfügung zu ſtellen iſt.— Erſter
Bürger=
meiſter Dr. Vigelius=Gollnow i. Pom., behandelte die
„Belaſtung der Kommunen mit Reichs= und
Staatsge=
ſchäften‟ Die ſtetig zunehmende Belaſtung der
Gemein=
den mache es notwendig, daß den Gemeinden für die
Er=
ledigung aller Geſchäfte, die ſie für das Reich bezw. den
Staat zu leiſten habe, eine angemeſſene Vergütung
ge=
währt wird, deren Höhe ſich danach zu richten hat, ob es
ſich um rein ſtaatliche, oder um ſolche Geſchäfte handelt.
welche den Staat und die Gemeinde in gleicher Weiſe
berühren und nach dem Umfang, in welchem die
Gemein=
den durch die Beſoldung dieſer Geſchäfte finanziell belaſtet
werden. Den Gemeinden iſt Portofreiheit zu gewähren,
ſoweit es ſich um Reichs= oder Staatsgeſchäfte handelt.
Die Mitgliederverſammlung beauftragte den Vorſtand, in
dieſem Sinne bei den Reichs= und Staatsbehörden,
be=
ſonders bei den beteiligten Reichsämtern und Miniſterien,
ſowie bei dem Reichstage und Landtage vorſtellig zu
wer=
den, und um die Herbeiführung eines entſprechenden
Rechtszuſtandes zu petitionieren.
Weiter ſtand auf der Tagesordnung der Verſammlung
das Thema Generalvormundſchaft und
Berufsvormund=
ſchaft‟ Der Referent Stadtrat Twiſt el=Zoppot empfahl,
durch eine geeignete reichsgeſetzliche Reform des
Vor=
mundſchaftsrechtes die Vormundſchaft über uneheliche
Minderjährige in Gemeinden mit mehr als 15000
Ein=
wohnern den Gemeindebehörden zu übertragen. —
Wei=
tere Referate betrafen die Fragen der Waſſerverſorgung
und die Kanaliſation in Mittel= und Kleinſtädten und die
gemeinnützigen Rechtsauskunftsſtellen als kommunale
Einrichtungen. — Nach Erledigung geſchäftlicher
An=
gelegenheiten wurde die Tagung geſchloſſen.
Internationale Ausſtellungskonſerenz.
* Berlin, 12. Okt. Zu Ehren der Internationalen
Diplomatiſchen Ausſtellungskonferenz gab die „Ständige
Ausſtellungskommiſſion für die Deutſche Induſtrie” am
geſtrigen Abend im Hotel Kaiſerhof ein Feſtbankett.
Neben den Mitgliedern der Konferenz hatten ſich
ver=
einigt die Botſchafter, Geſandten, Geſchäftsträger uſw.
Feuilleton.
Von der größten Bibliothek der Welt. Ende
die=
ſes Monats zieht ſich der bisherige Leiter der Bibliothel
des Britiſchen Muſeums, Dr. Fortescue, nach 42jähriger
Tätigkeit in den verdienten Ruheſtand zurück; er kann
mit dem ſtolzen Bewußtſein ſcheiden, daß unter ſeiner
Aegide das Britiſche Muſeum zur größten und
bedeu=
tendſten Bücherſammlung der Welt geworden iſt. Und
dabei zählt dieſe Rieſenbibliothek unter den großen
Bücherſammlungen Europas zu den jüngſten; erſt 1759
wurde ſie dem Publikum geöffnet und jahrzehntelang
hatte ſie ſchwer zu kämpfen, da regelmäßige Einnahmen
nicht zur Verfügung ſtanden; wenn ein Buch beſonders
wichtig erſchien, mußte ſich die Bibliothek von Fall zu
Fall an die Schatzkanzlei wenden, und erſt als im Jahre
1837 ein damals völlig unbekannter italieniſcher
Flücht=
ling Antonio Panizzi, der ſpätere Sir Antony Panizzi,
zum Verwalter der gedruckten Bücher ernannt wurde,
be=
gann der Aufſtieg und die gewaltige Entwickelung.
Dr. Fortescue läßt der rieſigen Organiſationsarbeit
ſei=
nes berühmten Vorgängers volle Gerechtigkeit
wider=
ffahren: „Ihm verdanken wir” ſo äußerte ſich der greiſe
Bibliothekar, „die Erlangung regelmäßiger
Zuwendun=
gen von der Schatzkanzlei. Und ihm verdanken wir vor
allem den Beginn der Ordnung und den Beginn des
ge=
waltigen Kataloges. Als Panizzi die Bibliothek
über=
nahm, fand er eine Sammlung von 250000 Büchern,
von denen viele ſehr koſtbar, aber alle ſchlecht behandelt,
ſchlecht geordnet und ſchlecht katalogiſiert waren. Und
fals er, nach dreißigjähriger Arbeit, zurücktrat, hinterließ
ſer künftigen Generationen eine gewaltige, muſterhaft
ge=
fordnete Bibliothek von 1500000 Bänden, damals ſchon
die zweitgrößte Europas; ſie wurde nur noch von der
Pariſer Nationalbibliothek an Umfang und Bedeutung
übertroffen.‟ Dr. Fortescue trat im Jahre 1870 in den
Dienſt des Britiſh Muſeum; ſeit jener Zeit vollzog ſich
edie Erweiterung der Bücherſammlung mit
Rieſen=
ſchritten; nach den Angaben des Bibliothekars umfaßt
die heutige Bibliothek des Britiſh Muſeum mindeſtens
3½ Millionen, wahrſcheinlich 4 Millionen Bücher,
und ſie iſt damit unumſtritten die bedeutendſte und die
umfangreichſte Bücherſammlung der Welt. Umfaßt doch
allein der Katalog 980 ſtattliche Bände, und die Zahl
wächſt von Jahr zu Jahr um 15 bis 20 neue. Den vier
Millionen Bänden dieſer britiſchen Bibliothek hat die
Pariſer Nationalbibliothek nur 3½
Millio=
nen gegenüber zu ſtellen, und im weiteren Abſtande folgt
als drittgrößte Bücherſammlung die kaiſerliche Bibliothek
von Petersburg, die nach den letzten Angaben rund
1880000 Nummern umfaßt. An vierter Stelle ſteht die
New=Yorker Kongreß=Bibliothek mit rund 1730000
Bänden, an fünfter die Königliche Bibliothek in
Ber=
lin mit etwa 1400000, und ihr ſchließen ſich an: die
Königliche Biblithek in München mit 1100000, die
Kaiſerliche Bibliothek in Wien mit rund 1000000 und
die römiſche Viktor Emanuel=Bibliothek mit etwa
800000 Katalognummern.
C) Mädchenraub auf dem Balkan. Das einzige Land
Europas, in dem die alte germaniſche Sitte des
Mäd=
chenraubes noch vorkommt, iſt der Balkan, und daß dieſer
Brauch noch hier und da beſteht, iſt auch ein Beweis für
die noch primitive, abenteuergierige und ungezügelt
lei=
denſchaftliche Natur der ſüdſlaviſchen Völker, die jetzt im
wilden Kriegstaumel drohend aufflammt. Während die
moderne Geſetzgebung natürlich auf dem Balkan
Mäd=
chenraub und =entführung ſtreng verbietet, lebt im Volk
noch die alte Verehrung der Helden, die ja nicht ſelten
zugleich auch Räuber waren. Der Raub gilt dem
Süd=
ſlaven als ein kühnes Wageſtück, das mehr noch
Bewun=
derung als Verachtung verdient, ganz nach dem feinen
Unterſchied, den das Sprichwort macht: „Ein Held ſtiehlt
nicht; er raubt.” Ja, man hat eine Entſchuldigung für
die Gewalttat raſch bei der Hand, indem man ſie als einen
letzten Ausweg hinſtellt. „Was der Wolf nicht mit
Ge=
walt an ſich reißt, das erfreit er ſich nimmer,” ſagen die
Leute. Und häufig iſt das grauſame Fortreißen des
Mädchens von Hof und Herd nur Schein; die Schöne
folgt willig dem Burſchen, den ſie liebt und ohne ihre
Duldung kann ſelten etwas geſchehen, wie es im
Sprich=
wort heißt: „Der Berg rührt ſich nicht ohne Wind und
das Gras wiegt ſich nicht, wenn nichts in ihm iſt.‟ Die
Entführung geſchieht in einfacher Form. Junge Burſchen
tun ſich zuſammen und einer fordert den anderen auf mit
den Worten: „Wohlan, Trauter, laß uns hier dieſes oder
jenes Mädchen rauben!‟ Dann zieht man nicht anders
aus als in den Krieg. „Zuweilen lauern die
Mädchen=
räuber dem Mädchen bei der Herde auf,” berichtet als
klaſſiſcher Zeuge Vuk Karadjitſch noch aus der erſten Hälfte
des vorigen Jahrhunderts, „oder wenn ſie an den
Brun=
nen um Waſſer geht, mitunter überfallen ſie aber
nächt=
licherweiſe wie Räuber das Haus, brechen die Türen
durch, dringen ein, binden des Mädchens Vater und Brüs
der, bemächtigen ſich des Mädchens und führen ſie fort.
Zuweilen entſpinnt ſich ein Kampf zwiſchen den Brüdern
und Anverwandten des Mädchens einerſeits und den
Entführern andererſeits, und es fließt bei dieſer
Gelegen=
heit genug Blut.‟ Das ganze Dorf empfand es als eine
Schande, wenn ein Mädchen geraubt wurde, und das
Dorf des Entführers ſtand wieder auf ſeiner Seite,ſo
daß ganze Kämpfe ſich daran knüpften. Der Prieſter
mußte das geraubte Mädchen raſch im Walde trauen und
ein paar Flintenſchüſſe, die über dem jungen Paar
ab=
gefeuert wurden, dienten als Symbol der vollzogenen
Ehe. Wie Friedrich Krauß in ſeiner Volkskunde der
Südſlaven mitteilt, iſt in den letzten Jahrzehnten der
Mädchenraub viel ſeltener geworden; dagegen findet die
Mädchenentführung ſehr häufig ſtatt, und es ſind dabei
durchaus nicht romantiſche, ſondern ſehr praktiſch reale
Erwägungen wirkſam. Ein Mädchen, das die teure
Hochzeit und deſſen Eltern die Brautgeſchenke ſparen
wollen, „geht allein”, d. h. es rafft ſeine Habſeligkeiten
zuſammen, verſchwindet nachts aus der elterlichen
Woh=
nung und der Burſche erwartet ſie, um ſie in das neue
Heim zu führen. Mädchen laſſen ſich ſogar auf dieſe Weiſe
entführen, ohne den Bräutigam vor dee Hochzeit geſehen
zu haben. Nach altem ſüdſlaviſchem Brauch iſt das „Mit=
Nummer 242.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. Oktober 1912.
Seite 5.
der Vereinigten Staaten von Amerika, Belgiens, der
Schweiz, der Niederlande, Schwedens, Norwegens, von
Frantreich, Großbritannien, Oeſterreich=Ungarn,
Ruß=
land, Dänemark, Spanien, Italien und Japan, faſt
ſämt=
liche Staatsminiſter, Unterſtaatsſekretäre, Direktoren und
Präſidenten der Reichsämter und Miniſterien, der
Präſi=
dent des Reichstags, der Oberbürgermeiſter und der
Stadtverordnetenvorſteher von Berlin, ferner
hervor=
ragende Vertreter von Handel und Induſtrie und deren
Köperſchaften aus allen Teilen Deutſchlands, Vertreter
von Kunſt und Wiſſenſchaft und der ausländiſchen und
inländiſchen Preſſe, insgeſamt über 300 Perſonen.
Auf die Souveräne und Chefs der fremden
Regier=
ungen, die die Konferenz beſchickt haben, toaſtete in
be=
redten Worten der Staatsſekretär des Reichsamts des
Innern, Dr. Delbrück, auf den deutſchen Kaiſer,
an=
knüpfend an den jüngſten Beſuch in der Schweiz, der
ſchweizeriſche Geſandte Dr. v. Claparéde. Dann
hieß der Präſident der „Ständigen
Ausſtellungskommiſ=
ſion für die Deutſche Induſtrie‟, Geh. Kommerzienrat
Goldberger, die Gäſte willkommen, indem er ein
großzügiges Bild der Aufgaben entwarf, die die
Dele=
gierten zur Konferenz zuſammengeführt haben. Nach
Schluß des Mahles folgten die weiteren offiziellen Reden:
der franzöſiſche Botſchafter Cambon, der im letzten
Augenblick abgerufen war, ließ durch Botſchaftsrat Graf
de Manneville Worte herzlicher Begrüßung von
be=
deutungsvollem Inhalt verleſen, die mit großem Beifall
aufgenommen wurden. Hieran ſchloß ſich eine
gehalt=
volle Anſprache des Senators Dupont=Paris, des
Präſidenten der Internationalen Föderation der
Stän=
digen Ausſtellungskomitees, auf das gute Ergebnis der
Konferenz und auf deren Präſidenten,
Unterſtaatsſekre=
tär Richter, worauf dieſer unter allgemeiner
Zuſtim=
mung in gedankenreichen Ausführungen die Verdienſte
des franzöſiſchen Ständigen Ausſtellungskomitees und
der Internationalen Föderation, ſowie ihres
Präſiden=
ten Dupont feierte. Es folgte der ehemalige belgiſche
Handelsminiſter, Präſident des belgiſchen Ständigen
Ausſtellungskomitees, Francotte, deſſen glänzende
Rede der gaſtgebenden Deutſchen Ausſtellungskommiſſion
und ihrem Präſidenten galt. Zum Schluß ſprach der
Präſident des Italieniſchen Ausſtellungskomitees,
Com=
mendatore Silveſtri, deſſen temperamentvoller
Trink=
ſpruch der deutſchen Induſtrie und ihren
Ausſtellungs=
erfolgen gewidmet war.
Des franzöſiſchen Botſchafters Worte galten dem
Einfluß der Weltausſtellungen auf die
An=
näherung der Völker. Er bezeichnete ſie als die
feierlichen Kundgebungen der tiefgreifenden
Veränder=
ungen, welche die Induſtrie in der Entwickelung der
Nationen und in ihren gegenſeitigen Beziehungen
herbei=
geführt hat. Er erblickt in der Konferenz ein tröſtliches
Zeichen für alle Freunde der Ziviliſation und des
Frie=
dens in einem Augenblick, da ganz Europa erregt und
beunruhigt ſei. Der Trinkſpruch ſchloß mit einem Hoch
auf das Werk der Konferenz, die für die Zukunft nur von
wohltätigem Einfluß ſein könne.
Dritter Deutſcher Jugendgerichtstag.
— Frankfurt, 11. Okt. In den fortgeſetzten
Be=
ratungen des dritten Deutſchen
Jugendgerichts=
tages erſtatteten Profeſſor Dr. Graf Gleiſpach=Prag
ein Referat über „Straf= und Erziehungsmittel im
ein=
zelnen, ihre Anwendung und Organiſation‟. Er ſtellte
eine Reihe von Leitſätzen auf, in welchen er u. a. für
das Strafgeſetz drei Altersſtufen, Unzuläſſigkeit des
Strafverfahrens gegen Kinder verlangt und die
Beding=
ungen der Straffreiheit für geiſtig Minderwertige und
für Jugendliche uſw. feſtgelegt wiſſen will. Der zweite
und dritte Referent ſtellten zu dem gleichen Thema
Leit=
ſätze auf, die ſich in den Grundzügen mit jenen des erſten
Referenten decken. Amtsgerichtsrat Allmenröder=
Frankfurt verlangte u. a. ein Reichsfürſorgegeſetz und
Jugendgerichte in der beſonderen Form der
Perſonal=
union von Jugendſtrafrichter und Vormundſchaftsrichter.
— Paſtor Backhauſen=Hannover befaßte ſich in erſter
Linie mit der Frage der Heraufſetzung der
Strafmündig=
keit und ſchlug als Erziehungsmittel u. a. vor den
Ver=
weis, die Erziehungsaufſicht durch Jugendbeamte,
Trenn=
ung von der bisherigen Umgebung und Unterbringung in
einer Familie, und ſchließlich Unterbringung in einer
ſtaatlich beaufſichtigten Erziehungsanſtalt; die
Staats=
anwaltſchaft ſolle erſt auf Antrag des Jugendamtes (dem
Vormundſchafts= und Jugendrichter in einer Perſon)
ein=
greifen. — Der Vorſitzende Dr. Köhne,
Amtsgerichts=
rat in Berlin, dankte dem Referenten und bedauerte, daß
der ärztliche Stand bei den Beratungen nicht vertreten
geweſen ſei, was ſeinen Grund lediglich in ökonomiſchen
Rückſichten gehabt habe. — In der Diskuſſion hob
Frau Generalkonſul Niſch=Berlin den außerordentlichen
Wert der Kinderhorte hervor, die ſehr viel zur
Vermin=
derung der Kriminalität der Jugendlichen beitragen
könn=
ten; der Grund der fortſchreitenden Kriminalität der
Jugendlichen ſei, wenigſtens in ihrer Gegend, nicht auf
den Fortſchritt der Sozialdemokratie, ſondern auf den
ins Lächerliche getriebenen Lebensdrang der Jugendlichen
zurückzuführen. Staatsanwalt Koth=Königsberg betonte,
daß der Staatsanwalt am Jugendrichter eine
außer=
ordentlich wertvolle Hlfe haben werde, da dieſer nach den
Lebenden ſich ſein Urteil bilden könne, während der
Staatsanwalt ſich ſeine Meinung aus den toten Akten
nehmen müſſe. — Darauf wurden die Verhandlungen
auf morgen vertagt.
gehen” mit einem Vermittler ſchon ſo gut wie eine
Ein=
willigung in die Ehe. So haben ſich alſo die grauſamen
Sitten gemildert, ſind nüchterner geworden, aber ganz
ausgerottet iſt der gewalttätige Mädchenraub durchaus
noch nicht, er beſteht noch in manchen Gegenden, iſt z. B.
in den Gebieten von Rudnik und Gurguſevac noch an der
Tagesordnung.
— Geſchow, „der Millionär” So nennt man in ganz
Bulgarien den jetzigen Miniſterpräſidenten des Landes,
der die Fäden der politiſchen Verhandlungen auf dem
Balkan in der Hand hält. Es gibt nämlich ſehr viele
Leute mit Namen Geſchow in Bulgarien, aber nur einen
„Millionär”. Der kluge und entſchloſſene Politiker wurde
durch die Erbſchaft, die ihm ſein Onkel, der Bukareſter
Bankier Georgiew hinterließ, der reichſte Mann
Bul=
gariens. Seine bedeutende Stellung im Lande wurde
dadurch noch verſtärkt. Als Finanzminiſter leiſtete er
Treffliches, aber dann entſtanden zwiſchen dem Hofe unnd
ihm geſpannte Beziehungen und er machte ſeinen Einfluß
als Parteiführer in der Sobranje geltend, bis er
ſchließ=
lich als Miniſterpräſident der führende Staatsmann
Bul=
gariens wurde. Siegmund Münz, der Geſchow auf einer
Balkanreiſe beſucht hat, fand in ihm einen europäiſch
ge=
bildeten klugen Politiker, der nicht nur franzöſiſch,
ſon=
dern — was im Balkan ſchon ſeltener iſt — auch engliſch
ſprichk. Sein ſtattliches Haus iſt mit Kunſtwerken
ge=
ſchmückt, wie ſie ſonſt kein bulgariſcher Privatmann
auf=
weiſen kann. Die Anſichten freilich, die Geſchow damals
im Geſpräch äußerte, ſtehen in einem merkwürdigen
Gegen=
ſatz zu den Taten, die er jetzt ſehen läßt, nachdem er ans
Ruder gelangt iſt. Er erklärte damals, daß jede
Ver=
bündung der Balkanvölker zur Zeit graue Theorie ſei,
daß Bulgarien gute Beziehungen zur Türkei unterhalten
müſſe, daß jeder Verſuch, das mazedoniſche Problem
auf=
zuführen, unfruchtbar ſei. Die innere Feſtigung der
Ver=
hältniſſe Bulgariens, die Hebung des Volkswohlſtandes
erſchien ihm damals als das Wichtigſte und die
Hauptauf=
gabe Bulgariens ſah er darin, daß es im Einvernehmen
mit den Mächten, die alle den Frieden wollten, an der
Erhaltung der Ruhe und Stabilität mitwirkte,
Großherzogliches Hoftheater.
Sonntag, 13. Oktober:
„Alda”.
W-l. Verdis Oper „Alda” ging heute in der
be=
kannten, prunkvollen Inſzenierung und Ausſtattung unter
der muſikaliſchen Leitung des Herrn Kapellmeiſters Lert,
der beſonders auf die Herausarbeitung der effektvollen
Enſembles Gewicht legte, wieder in Szene. Die Partie
des Rhadamés, die nur ausnahmsweiſe von ſtimmlich
her=
vorragenden lyriſchen Tenören geſungen wird, ſang Herr
Theodor Eckert vom Stadttheater in Brünn als Gaſt.
Seine geſangliche Leiſtung hinterließ keinen gleichmäßigen
Eindruck. An ſich beſitzt er ſehr gutes ſtimmliches
Mate=
rial, ſein Organ iſt beſonders in der Höhe ſehr ausgiebig
und klangvoll, während es in den tieferen Lagen an
Aus=
drucksfähigkeit verliert. Im erſten Akte ſtörte das
Vibrie=
ren der Stimme, das ſichtlich auf Erregung zurückzuführen
war, und eine gewiſſe Nachläſſigkeit im Vortrag. Doch
könnte man darüber hinwegſehen, wenn nicht überhaupt
die dem Sänger eigene, unſchöne, gepreßte Tongebung,
von der nur die höheren Töne frei ſind, den künſtleriſchen
Eindruck beeinträchtigt hätte. In ſeiner Darſtellung ging
er nur im 3. Akte über das Durchſchnittsmaß hinaus. Die
Amneris ſang erſtmalig Frl. Jacobs die ſich als
tüch=
tige und zuverläſſige Sängerin bewährte, wenn der
Stimme in der tieferen Lage auch mehr Ausdrucksfähigkeit
zu wünſchen wäre. Die Partie des Oberprieſters war
von Herrn Stephani auf Herrn Schützendorf
über=
gegangen, der ſie bis auf den Geſang hinter der Szene im
4. Akte überraſchend gut ſang. Jener litt, wie manche
Chorgeſänge an dieſem Abend, unter dem Detonieren.
Eine ſehr tüchtige Leiſtung bot auch heute Frau von
Sugh als Arda, auch die Partieen des Amonasro
und des Königs waren durch die Herren Weber und
Semper gut beſetzt. Die effektvolle Oper fand den
ge=
wohnten lauten Beifall.
Der Krieg auf dem Balkan.
Die Türkei.
* Konſtantinopel, 12. Okt. Der Sultan
richtete eine Proklamation an die Armee, in
der dieſe aufgefordert wird, gegen die Balkanländer ihre
Pflicht zu tun.
Die Proklamation lautet: „Die Welt kennt die
Friedensliebe der Türkei. Die Ottomanen
achten die Rechte aller Nationen und wünſchen, daß alle
Nationen auch ihre Rechte achten. Die Ottomanen hegen
gegen keine Regierung Hintergedanken und haben
des=
halb das Recht, zu verlangen, daß auch die anderen
Re=
gierungen nicht unaufrichtig handeln. Die Ottomanen
wünſchen nicht, das Glück und den Fortſchritt irgend
eines Volkes zu ſtören, ſie können aber trotz der großen
Schwierigkeiten, denen die Türkei beſtändig ausgeſetzt iſt,
nicht zugeben, daß andere Völker ihr Glück und ihren
Fortſchritt ſtören. Wir führen Reformen aus, deren
unſer Land bedarf, nach Möglichkeit, allmählich. Dennoch
wollen kleine Nachbarn, die es auf unſer Gebiet abgeſehen
haben und ſehen, daß unſere Fortſchritte die
Verwirk=
lichung von unrechtmäßigen Zielen verhindern werden,
unſere Reformen vereiteln und von unſeren
Schwierig=
keiten profitieren. Sie ſetzten ſich ins Einvernehmen,
un=
ſere Grenzen anzugreifen.”
Die Proklamation des Sultans hebt hervor, daß
die Utopiſten in Bulgarien, Serbien,
Griechen=
land und Montenegro die Heldentaten, welche die
Türken einſt in dieſen vier Ländern vollbrachten, ebenſo
vergeſſen, wie die Tapferkeit der Türken in Tripolis,
in=
dem ſie an die türkiſchen Grenzen Truppen entſandten.
„Wir ſind gezwungen, zu mobiliſieren und befahlen die
geſamte Mobiliſation der Reſerviſten und
Landwehr=
truppen der erſten, zweiten und teilweiſe dritten
Inſpek=
tion‟. Die Proklamation ſpricht weiter in feierlichen
Worten aus, die Truppen würden ſich ihren Vorfahren
würdig zeigen und den heiligen Boden des Vaterlandes
gegen die Feinde verteidigen, die den Ottomanen ihr
väterliches Erbe entreißen und das Glück ihrer Kinder
zerſtören wollen. Sie fordert die Truppen auf, ſich ihrer
in Tripolis kämpfenden Brüder würdig zu zeigen, drückt
die Ueberzeugung aus, daß ſie den Siegen ihrer
Vor=
fahren neue hinzufügen werden, und wünſcht ihnen den
Sieg.
— Konſtantinopel, 12. Okt. Die Antwort der
Pforte an die Mächte wird vermutlich an den
längſt gefaßten Beſchluß, fremde Beiräte anzuſtellen,
er=
innern und erklären, daß freundſchaftliche Ratſchläge der
Mächte ſtets willkommen ſein werden. Die Zubilligung
weiter präziſierter Garantien oder gar die ausdrückliche
Annahme einer Kontrolle der Mächte kann als
ausge=
ſchloſſen gelten. In türkiſchen politiſchen Kreiſen glaubt
man, daß die Mächte jeden Anſchein eines Druckes auf
die Pforte vermeiden wollen. Ueber die
Unterred=
ung des öſterreichiſch=ungariſchen
Bot=
ſchafters mit dem türkiſchen Miniſter des
Aeußern erfährt die Kölniſche Zeitung aus Kreiſen
der Pforte: Der Miniſter erklärte, die Türkei könne jetzt
keine fremde Einmiſchung in die innere Verwaltung des
Landes mehr zulaſſen und müſſe vielmehr dieſen Schritt
der Mächte ablehnen. Wenn die Mächte dieſen Grundſatz
nicht anerkennten, würde die Türkei ihn gewaltſam
ver=
teidigen. Der Botſchafter ſoll über dieſe ſchroffe
un=
erwartete Haltung der Pforte ſichtlich verletzt geweſen
ſein. Regierungskreiſe wollen die unerwartete Haltung
des Kabinetts der Ueberzeugung zuſchreiben, daß die
Pforte nicht allein bleiben, ſondern tatkräftig von
Rumä=
nien unterſtützt werden würde. Der rumäniſche Geſandte
verſicherte demgegenüber, ſein Land werde ſtrenge
Neu=
tralität bewahren.
* Konſtantinopel, 12. Okt. Ikdam meldet: Die
Lage auf Samos hat ſich verſchlechtert. Die Rebellen
veranſtalten täglich Kundgebungen vor dem Palais. Mit
Rückſicht auf dieſe Sachlage hat die Pforte dem Fürſten
die Ermächtigung erteilt, die Inſel zu verlaſſen. — Der
Pforte ſind von den im Süden anſäſſigen Muſelmanen
Telegramme zugegangen, in denen dieſe der Pforte ihre
Sympathie ausdrücken. Den Blättern zufolge haben ſich
bereits 2000 Freiwillige im Miniſterium des Innern
ein=
getragen, 600 albaniſche Freiwillige gingen mittags nach
der montenegriniſchen Grenze ab.
* Konſtantinopel, 12. Okt. Nach Anſicht
zu=
ſtändiger Kreiſe vollzieht ſich die türkiſche
Mobili=
ſierung in Ordnung, und zwar ſchneller, als man
er=
wartete. Das Gros der aus Anatolien gekommenen
Truppen wird über Rodoſto, zum Teil über San Stefano
transportiert. Von hier iſt bisher die 2. und die 3.
Divi=
ſion abmarſchiert; die 1. befindet ſich in Albanien. In
Kaspl werden keine regulären Truppen mehr vorhanden
ſein, nur drei Redifdiviſionen befinden ſich dort. Man
glaubt, daß binnen einer Woche die Türkei an der Grenze
bei Adrianopel über 160000 Mann verfügt. Die
Regier=
ung erklärt die Nachricht, daß beſchloſſen worden ſei, den
Landſturm und die Chriſten bis zum 45. Lebensjahre zu
mobiliſieren, für falſch. Die Leute vom Landſturm ſollen
ſich nur zur Feſtſtellung ihrer Anweſenheit in die Liſte
einzeichnen. Die religiöſen Häupter der Chriſten
be=
trachten dieſe Maßnahmen als ungeſetzlich, da das
Mili=
tärgeſetz, das die allgemeine Dienſtpflicht der Chriſten
vor=
ſieht, noch im Senat unerledigt iſt. Namentlich die
Grie=
chen ſind ins Ausland geflohen, um nicht zu dienen.
Die Balkanſtaaten.
* Sofia, 12. Okt. Der Miniſterrat beſchloß,
durch ein Memorandum auf die Note der Mächte zu
antworten. In dieſem Memorandum werden genau die
Reformen und die Garantien präziſiert, die die
Balkan=
ſtaaten zur Aufrechterhaltung des Friedens als
unum=
gänglich notwendig betrachten.
* Athen, 12. Okt. Kronprinz Konſtantin
reiſt heute vormittag zur Uebernahme des
Kom=
mandos an die mazedoniſche Grenze. Der König und
der Miniſterat begleiten ihn zur Bahnſtation. Auch ſind
Volksovationen vorbereitet. Die Volksſtimmung iſt
hoff=
nungsvoll, namentlich gilt das Uebergewicht der
griechi=
ſchen Flotte als gewiß.
* Athen, 12. Okt. Die Regierung
demen=
tiert energiſch die im Ausland verbreitete Meldung,
wonach Griechenland ſich mit der Abſicht trage, vom
Balkanbund abzuſpringen. In politiſchen Kreiſen weiſt
man auf die uneigennützige Haltung Griechenlands hin,
das keine territoriale Ausdehnung verlange. Man
er=
wartet hier keinerlei militäriſche Aktion vor 10 bis 12
Tagen. In dem Bezirk von Patadiſio an der Küſte von
Epirus hat die türkiſche Regierung Waffen unter die
Be=
völkerung verteilt, die gegen die Chriſten eine drohende
Haltung einnimmt. Auf Chios herrſcht angeſichts der
türkiſchen Mobiliſierung große Panik.
* Paris, 12. Okt. Wie dem Echo de Paris aus
London gemeldet wird, hat die griechiſche
Re=
gierung in England den urſprünglich für Rechnung
Chinas gebauten Panzerkreuzer „Chao” für
un=
gefähr 300000 Pfund gekauft. Der Kreuzer ſoll
unver=
züglich nach Griechenland abgehen.
* Belgrad, 12. Okt. Die Antwort der
ſer=
biſchen Regierung auf die Demarche Oeſterreich=
Ungarns und Rußlands wird vorausſichtlich erſt
Mon=
tag überreicht. Als Urſache der Verzögerung werden
maßgebenden Ortes die techniſchen Schwierigkeiten
ange=
geben, die ſich dem telegraphiſchen Meinungsaustauſch
zwiſchen Belgrad, Sofia und Athen entgegenſtellen.
Die anderen Mächte.
* Paris 12. Okt. Angeſichts der
Eventuali=
tät eines Balkankrieges haben Poincaré und
Delcaſſé beſchloſſen, unverzüglich ein Flotten=
Kom=
mando nach dem Orient zu entſenden, um die
franzöſiſchen Staatsangehörigen zu ſchützen. Der
Kriegs=
miiſter hat bisher keine beſondere Militärmiſſion
er=
nannt, ſondern nach dem Echo de Paris die Militär=
Attachés bei den verſchiedenen Balkanſtaaten beauftragt,
die Ereigniſſe genau zu verfolgen.
* Athen, 12. Okt. Der Agence Havas wird aus
Smyrna gemeldet: Die Generalkonſuln von
Frank=
reich, England und Rußland reiſen nach Samos
ab, um dort die Lage zu ſtudieren und eine neue Charta
auszuarbeiten. — Die Truppen von Samos würden mit
Artillerie nach Chios gehen, wo eine Panik
ausge=
brochen ſei
* Peſt, 12. Okt. An der Effektenbörſe wurde folgende
Erklärung des Vorſitzenden des Vereins der
Effektenhänd=
ler bekannt gegeben: „Der Miniſterpräſident Lukäcs
er=
mächtigte mich, zu erklären, daß es vollkommen
ausgeſchloſſen ſei, daß die öſterreichiſch=
un=
gariſche Monarchie ſich in den Krieg
ein=
menge. Der Markt hat die Vorlage des
Nachtrags=
kredits in den Delegationen falſch verſtanden, den die
öſterreichiſch=ungariſche Regierung nur im Hinblick auf
die ferne Zukunft pflichtgemäß einbrachte.”
* Köln, 12. Okt. Die Kölniſche Zeitung meldet aus
Berlin: Nach der Entwickelung der letzten Tage
kann es für miemand mehr eine Ueberraſchung ſein, wenn
das von dem franzöſiſchen Miniſterpräſidenten Poincaré
veranlaßte Vorgehen einen unmittelbaren Erfolg zur
Verhinderung des Krieges unter den
Balkan=
völkern nicht mehr haben wird. Die Schuld an dieſem
wahrſcheinlich gewordenen Ausgang wollen einige
Blät=
ter der zögernden Haltung der engliſchen
Regier=
ung zuſchreiben, was unſeres Erachtens jedoch zu weit
geht. Vor allem iſt nach hieſiger Auffaſſung daran
feſt=
zuhalten, daß der Hauptzweck des Schrittes und der
ver=
einbart en Haltung der Mächte erreicht iſt: Daß
auch bei dem Eintritt der anderen Balkanvölker in den
Krieg ein Riegel dagegen vorgeſchoben wird, daß der
Brand weiter um ſich greift und die Großmächte in direkte
Mitleidenſchaft zieht. Das Verdienſt hierfür kommt
ſicher=
lich Poincaré zu.
Vom Kriegsſchauplatz.
* Podgoritza, 12. Okt. Der Spezialkorreſpondent
des Reuterſchen Bureaus meldet vom 10. Oktober, 4.40
Uhr nachmittags: Heute mittag haben die
Monte=
negriner die türkiſche Befeſtigung Rogame
in der Nähe der Stadt Tuzi genommen. Vom
Schlacht=
felde wurden viele Verwundete hierher gebracht. Die
Spitäler ſind überfüllt. Der König hat im Spital die
ſchwerverletzten und toten Soldaten beſucht; er küßte ſie
auf die Stirn und dankte allen im Namen des
Vater=
landes. Der Sohn des Königs, Prinz Mirko, trug
ſelbſt einten ſchwerverletzten Soldaten ins Svital. — Ein
Telegramm vom 11. Oktober, 9.20 Uhr abends, beſagt:
Ueber 6000 Maliſſoren haben ſich erhoben und kämpfen
hinter dem Rücken der türkiſchen Armee. Einige hundert
davon ſind in Podgoritza eingezogen und verlangen
Waffen.
* Heidelberg, 12. Okt. Der 23jährige Prinz
Peter von Montenegro, ein ehemaliger Schüler des
Pädagogiums Neuenheim, zurzeit montenegriniſcher
Ar=
tillerie=Hauptmann, richtete geſtern an ſeinen früheren
In=
ſtitutsdirektor Dr. Volz folgende Siegesdepeſche aus
Pod=
goritza: „Seit drei Tagen in heftigem Kampf. Fei
auf der ganzen Linie zurückgeworfen.
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. Okkober 1912.
Nummer 242.
liche Feſtung und Kanonen in unſere Hände gefallen.
Viele Offiziere und Soldaten gefangen genommen. Mit
Gruß Prinz Peter.”
* Podgoritza, 12. Okt. Der Spezialkorreſpondent
des Reuterſchen Bureaus meldet: Von der ſüdlichen
Ar=
mee wird gemeldet, daß die Türken geſtern abend von
ihren Befeſtigungen einen Gegenangriff verſuchten,
der aber abgeſchlagen wurde. Bei der Erſtürmung
von Rogame eroberten die Montenegriner ein
unbeſchä=
digtes Kruppgeſchütz und Munition. Bei der Erſtürmung
von Detſchitſch am zweiten Tage des Krieges hatten
die Montenegriner 400 Verwundete und 120 Tote.
* Podgoritza, 12. Ott. Die Stadt Tuzi
wurde von den Montenegrinern heute nachmittag
voll=
ſtändig zerſtört. Jede Verbindung der Stadt mit
Sku=
tari iſt unterbrochen. Bisher machten die Montenegriner
über 300 Kriegsgefangene, die nach Kikſig geſchafft
wur=
den. Unter den Verletzten befinden ſich viele Maliſſoren
und türkiſche Soldaten. Die Tochter des Königs, Kenia,
leitet den Samariterdienſt ſelbſt.
— Konſtantinopel, 13. Okt. Die Agence
Ha=
vas meldet von 1 Uhr 30 Minuten mittags: Nach einer
Meldung aus Uesküb haben die Bulgaren zwei
Brücken zwiſchen Uesküb und Kotſchana durch
Bom=
ben in die Luft geſprengt.
Letzte Nachrichten.
* Wien, 11. Okt. Das Neue Wiener Tageblatt
ſchreibt: Ein reichsdeutſches Blatt hatte die Meldung
verbreitet, daß der türkiſche Miniſter des
Aeußern dem öſterreichiſch=ungariſchen Botſchafter
gegenüber ſich in ſchroff ablehnender Weiſe über die
Kollektivnote der Mächte geäußert habe. An
hieſiger unterrichteter Stelle iſt davon nichts bekannt. Die
Meldung erſcheint höchſt unwahrſcheinlich angeſichts der
Tatſache, daß die Note der Pforte keine andere Tendenz
hatte, als die Türkei beim Wort zu nehmen und
feſtzu=
ſtellen, was ſie ſelbſt nicht nur der türkiſchen
Oeffentlich=
keit gegenüber durch Publikation des Mazbata und des
auf Grund des Artikels 23 des Berliner Vertrags
ge=
ſchaffenen Geſetzes vom Jahre 1880, ſondern auch
ſpon=
tan dem Auslande gegenüber durch die von ihren
Bot=
ſchaftern in Oeſtereich=Ungarn, Frankreich und Rußland
abgegebene, von der Türkei auch veröffentlichten
Erklär=
ungen verſprochen hat. Es iſt aber ganz ausgeſchloſſen,
daß ſich die Pforte in dieſer Hinſicht ſelbſt desavouieren
würde.
** Berlin, 13. Okt. Die Norddeutſche
All=
gemeine Zeitung ſchreibt in ihrer
Wochenrund=
ſchau: Dem vereinbarten Programm der Mächte
entſpre=
chend wurden bei den Balkanſtaaten und in
Kon=
ſtantinopel Schritte unternommen, die die einmütige
Stellung der Großmächte zu der Kriegsgefahr
ausdrück=
ten. Einen Erfolg zur Verhinderung des
Kriegsaus=
bruches wird man ſich nicht mehr verſprechen können. Die
ſämtlichen Antworten ſtehen zwar noch aus, doch läßt
das Vorgehen Montenegros erkennen, in welcher
Richt=
ung die anderen Teilnehmer des Balkan=Vierbundes ſich
entſcheiden werden. Die Feſtſtellung iſt von Wert, daß
bei dem Vorſchlag Poincarés und der darauf
beruhen=
den Aktion der Mächte der Ausbruch eines Krieges von
Anfang an in Rechnung gezogen wurde. Das Ziel der
Mächte iſt daher von vornherein über eine problematiſche
Verhütung des Balkankrieges hinausgegangen. Es kam
vor allem darauf an, Vorſorge zu treffen, daß die
Groß=
mächte nicht in die Verwickelung hineingezogen würden.
Ihr gemeinſam kundgegebener Entſchluß, keine
Aender=
ung des territorialen Status quo zuzulaſſen, bietet dafür
eine Gewähr.
* Paris, 13. Okt. Der Sonderberichterſtatter des
Temps meldet aus Sofia: Die Antwort
Bulga=
riens auf die Note der Großmächte ſpreche zunächſt den
Mächten den Dank für das durch deren Schritte bekundete
Intereſſe für das Balkanproblem aus und betone, daß
die Erklärung, wonach die Mächte die Durchführung der
Reformen in die Hand nehmen wollen, als
bedeutungs=
voll gewürdigt werde, daß Bulgarien jedoch von der
Pforte direkt verlangen müſſe, ſie möge ihre Abſichten
betreffs der Reformen in Mazedonien präziſieren. Die
Antwort, welche heute dem öſterreichiſch=ungariſchen und
dem ruſſiſchen Geſandten überreicht werden ſolle und mit
der Serbiens und Griechenlands gleichlautend ſei, ſtelle
eine Ablehnung des vermittelnden
Ein=
greifens der Mächte dar. Gleichzeitig werde vom
Miniſterpräſidenten Geſchow dem türkiſchen
Geſchäfts=
träger ein Promemoria überreicht werden, in welchem
die bekannten Forderungen betreffs der Reformen in
Mazedonien aufgeſtellt werden und für den Fall, daß
dieſe Forderungen angenommen werden, von der Türkei
die ſofortige Demobiliſierung ihrer Armee verlangt wird.
Zur ſelben Stunde wird in Belgrad und Athen das
gleiche Promemoria überreicht werden.
* Petersburg, 11. Okt. In einem offiziöſen
Artikel der Roſſija über die Deroute an der Börſe
heißt es: Es beſteht kein ernſthafter Grund, anzunehmen,
daß Rußland, welches aufrichtig bemüht iſt, die
Ereig=
niſſe auf dem Balkan zu lokaliſieren, geſonnen iſt, ſeine
friedliche Politik aufzugeben. Die Urſache der Deroute
darf man nicht in den Ereigniſſen auf dem Balkan ſuchen,
die keinesfalls die wirtſchaftliche Entwickelung Rußlands
bedrohen, ſondern ausſchließlich bei jener wohlbekannten
Clique von Baiſſeſpekulanten, die danach
trachten, ſich dadurch auf Koſten des Publikums zu
berei=
chern und daß ſie alarmierende Gerüchte erfinden. Bald
iſt das abgeſchmackte Gerücht von der Mobiliſierung der
Schwarzen Meerflotte, bald die Legende von der
Mobili=
ſierung der Truppen in den Weichſelgouvernements und
der Koſaken am Don, bald eine phantaſtiſche Rede des
Kriegsminiſters verbreitet. Das Publikum muß das
wenig ſkrupellöſe Spiel deſſen Opfer es geworden iſt,
erkennen lernen. Sobald ein Ruin vollſtändig iſt, wird
er die Zielſcheibe des Spottes werden. Um dieſer
Ge=
fahr vorzubeugen, appellieren wir an einen geſunden
Menſchenverſtand.
* Konſtantinopel, 13. Okt. Türkiſche Blätter
melden von einer Verſammlung der
Muſel=
manen in Plevlje, die gegen die Abſichten der
Bal=
kanſtaaten, beſonders gegen die Ausſchreitungen der
Bul=
garen gegen die bulgariſchen Muſelmanen proteſtierte.
Die Verſammlung ſchwor, bis zum äußerſten für die
Ver=
teidigung des Vaterlandes zu kämpfen. 120
amnato=
liſche Bataillone mit einem Effektivbeſtand von
je 1000 Mann werden mit der anatoliſchen Bahn nach der
europäiſchen Türkei transportiert. Zwölf Züge werden
täglich hier eintreffen.
* Konſtantinopel, 13. Okt. Nach einer
amt=
lichen Meldung greifen die Montenegriner Sienitza
im Sandſchak Novibazar an.
* Sofia, 13. Okt. Die Meldung, wonach
blu=
tige Exzeſſe in der Stadt Tutrakan an der
Do=
nau gegen die muſelmaniſche Bevölkerung verübt worden
ſeien, entbehrt jeder Grundlage. Ebenſo
un=
richtig iſt die Konſtantinopeler Blättermeldung, daß vier
Muſelmanen in Aitos von Bulgaren getötet worden
ſeien. Die muſelmaniſchen Deputierten dieſes Bezirkes
haben ſelbſt den Miniſter des Innern in einem Telegramm
aufgefordert, die Gerüchte kategoriſch zu dementieren.
* Podgoritza, 13. Okt. Die montenegriniſche
Nordarmee hat geſtern unter General Wukotitſch die
Stadt Bjelopolje in Atlſerbien eingenommen.
Die Kämpfe dauerten bis 4 Uhr nachmittags. Als die
Truppen in die Stadt einzogen, begrüßten die ſerbiſchen
Einwohner die Montenegriner mit Jubel als Befreier
vom 500jährigen türkiſchen Joche. In der ſerbiſchen
Kirche wurde ſofort ein Dankgottesdienſt zelebriert. Es
ſind proviſoriſche montenegriniſche Behörden eingeſetzt
worden.
* Podgoritza, 13. Okt. Die Nordarmee iſt nach
der Einnahme von Moikowatz gegen Berane
vorge=
rückt. Im hieſigen Spital liegen 310 Verwundete,
dar=
unter 18 Türken. Ein neuer Trupp Kriegsgefangener
von 28 Mann iſt eingetroffen.
London, 13. Okt. Eine Lloyds=Meldung aus
Konſtantinopel beſagt: Die türkiſchen
Kriegs=
ſchiffe ſind in der Richtung nach dem Schwarzen Meere
abgefahren und ankern bei Kavek im Bosporus.
Salonik, 13. Okt. Nach den hier vorliegenden
Meldungen geſtalteten ſich die Kämpfe um Berana
überaus heftig. Die Montenegriner erzielten trotz
wieder=
holter Angriffe angeſichts der Todesverachtung, mit der
die Türken und die albaneſiſchen Freiwilligen kämpften,
keine Erfolge, und mutzten unter ſchweren Verluſten
wiederholt zurückgehen. Die Kampfzone erſtreckt ſich bis
Bjelopolje, wo den ganzen Tag heftige Gefechte
ſtatt=
fanden.
Die italieniſch=türkiſchen
Friedens=
verhandlungen.
* Rom, 12. Okt. Die Teibuna ſchreibt: Italien
habe ſich den Friedensverhandlungen mit
ge=
rechtem Geiſt und weitherziger, edelmütiger Auffaſſung
zugewendet, nur an das Ziel denkend, das es ſich
vor=
genommen habe und an die Wahrung ſeiner oberſten
In=
tereſſen, ohne jeden Wunſch, die künftige Lage auszunützen,
ohne jeden Haß gegen ſeinen Gegner, deſſen ſchwierige
Lage es nicht verfehlte in Rechnung zu ziehen. Dafür iſt
der beſte Beweis die Tatſache, daß Italien ſeine
Beding=
ungen auch angeſichts der ſchwierigen Balkanlage für die
Tückei aufrecht erhalten habe. Das Blatt maßt ſich nicht
an, das Geheimnis in der Haltung der Türkei zu
durch=
dringen; dieſe Haltung der Türkei habe die Drohung
ver=
mehrt, die von allen Seiten auf die Türkei einſtürmten,
weil nach dem Abbruch der Verhandlungen die militäriſche
Aktion Italien eine neue Richtung einſchlagen und
ver=
ſuchen mußte, den Gegner tödlich zu treffen. Die Tribuna
fragt, ob hinter dem Wahnſinn dieſes Schauſpiels ſich ein
komplizierter Plan verberge, den die Türkei vorziehe und
hoffe, eine Lage herbeizurufen, welche die Intervention
unvermeidlich mache, die immer in der dunkelſten Stunde
des Zuſammenbruchs die Rettung der Türkei bildete. In
jedem Fall habe Italien Europa einen ſolchen Beweis
ſeines Langmutes, ſeines billigen Denkens und ſeines
guten Sinnes zum Frieden gegeben, daß der Abbruch der
Verhandlungen ihm die vollſtändigſte Aktionsfreiheit laſſen
müßte. Die Empörung über dieſen Abbruch der
Frie=
densverhandlungen könnten ſich nur gegen die Türkei
richten.
* Ouchy, 13. Okt. Das wenigſte, was man zu der
Nachricht vom Abbruch der türkiſch=
italieni=
ſchen Friedensverhandlungen ſagen kann, iſt,
daß ſie verfrüht iſt. Die italieniſchen und die
tür=
kiſchen Delegierten haben in demſelben Augenblick
neuer=
lich erklärt, daß die Unterhandlungen fortdauern und am
Nachmittag des anderen Tages fortgeſetzt werden
wür=
den. Abgebrochen ſind die Verhandlungen nicht. Es iſt
aber eine andere Frage, ob ſie abgebrochen werden. Der
Peſſimismus, der in Rom ebenſo wie hier unter den
italieniſchen Delegierten zutage tritt, läßt vermuten, daß
die Verhandlungen nicht mehr lange dauern werden. Es
iſt bemerkenswert, daß dieſer Peſſimismus eher zu= als
abnimmt. Auf türkiſcher Seite hält man an der Formel
feſt, daß die Unterhandlungen ihren Gang gehan. Man
zeigt eine gewiſſe Neigung zum Optimismus.
* Rom, 13. Okt. Die Tribuna erklärt in einem
Ar=
tikel, daß Italien für den Frieden alles getan habe,
was mit einer nationalen Würde vereinbar ſei und ſagt
zum Schluß: Das Ultimatum Italiens muß am
Samstag vormittag durch unſere Vertrauensmänner in
Ouchy den türkiſchen Vertrauensmännern mitgeteilt
wor=
den ſein und wird trotz der Schwierigkeiten der
telegra=
phiſchen Uebermittelung jetzt auch in die Hände der
tür=
kiſchen Regierung gelangt ſein. Man darf hoffen, daß die
türkiſche Regierung dieſe Depeſche ihrem Inhalt nach
verſtehen und begreifen wird, daß dieſes die letzte
Mit=
teilung iſt, die ſie in dieſer Sprache erhält. Sollte es
ſich zeigen, daß ſie dieſe Sprache nicht verſteht, ſo wird
die Kanone ſprechen.
Friedrich Ludwig Jahn=Feier.
*⁎* Im Feſtſaal der Turngemeinde Darmſtadt
ver=
anſtalteten die vereinigten Darmſtädter
Turn=
vereine mit dem Verein für Verbreitung
von Volksbildung zur Erinnerung an die Eröffnung
des erſten deutſchen Turnplatzes auf der Haſenheide in
Berlin — 1812 — am Samstag und Sonntag eine
Jahn=
feier, die, das darf vorweg konſtatiert werden, in jeder
Beziehung würdig verlief und die auch in ihrer erſten,
mehr akademiſchen Abteilung am Samstag abend den
gleich zahlreichen Beſuch verdient hätte, der dem
Schau=
turnen am Sonntag zuteil wurde. Immerhin war auch
am Samstag abend die Teilnahme erfreulich zahlreich.
Der große Saal der Turngemeinde trug ſinnigen
Feſtes=
ſchmuck. Beſonders Bühne und Proſzenium, wo inmitten
von Palmen, ſonſtigen Blattpflanzen und blühenden
Blumen die Koloſſalbüſte Jahns aufgeſtellt war, die
Herr Bildhauer Phil. Schwarz gefertigt und dem V.
B. V. zur Verfügung geſtellt hatte.
Um 8½ Uhr wurden die Darbietungen des
reichhal=
tigen Programms vielverſprechend eingeleitet mit
dem Kaiſermarſch Richard Wagners, ſchneidig und
ver=
ſtändnisvoll geſpielt von der Kapelle unſeres Leibgarde=
Regiments, die unter Leitung des Herrn Obermuſikmeiſter
Hauske den muſikaliſchen Teil des Abends in gewohnt
ſchneidiger Weiſe erledigte. Die vereinigten
Turnerſing=
mannſchaften ſangen den Chor „Steh feſt du deutſcher
Eichenwald” von Iſenmann, worauf von der
Elitemann=
ſchaft der Turngemeinde Darmſtadt ein Turnen am Reck
vorgeführt wurde, das außerordentlich ſchneidige
Uebun=
gen zeigte, die durchweg ſauber und exakt ausgeführt
wur=
den und bewieſen, daß das Turnen ſelbſt in der
Turnge=
meinde bis zum Gipfel des Erreichbaren zielbewußt
ge=
pflegt wird.
Die Feſtanſprache hielt Herr Schulrat Schmuck.
Seinem Thema „Jahn und ſein volkstümliches Ex=
ziehungswerk” hatte er eine treffendere Bezeichnung kaum
geben können. Seine Ausführungen wurzelten und
gip=
felten in dem Nachweis, daß all die modernen auf
Jugend=
fürſorge und Körperpflege der Schulentlaſſenen uſw.
ge=
richteten Beſtrebungen ſchon in der Turnerei, wie Jahn
ſie vor nunmehr einem Jahrhundert ins Leben rief, ihre
Heimſtatt fanden und in erhöhtem Maße noch heute
fin=
den, mehr wie in irgend einem anderen Zweige moderner
Sportbetriebe. Das den ganzen Körper gleichmäßig
kräfti=
gende und ſtählende Turnen, das keine einſeitigen und
un=
geſunden Rekordbeſtrebungen kannte, bilde gleichermaßen
Körper und Geiſt und ſei zu einem unerreichten
Er=
ziehungsmittel der ganzen Nation geworden. Viele
hun=
derttauſende von Turnern und Turnerinnen im ganzen
deutſchen Vaterlande ſind heute zu gemeinſamer Pflege
der edlen, ſelbſtloſen, weil nicht auf Erreichung von
Münzen und Preiſen oder ſonſtigen materiellen Vorteilen
gerichteten Turnerei in Vereinen zuſammengeſchloſſen, und
bilden einen Faktor, deſſen Stärke und Bedeutſamkeit in
bezug auf körperliche und geiſtige Kräftigung des Volkes
faſt unerreicht daſteht. Die Turnvereine liefern der Armee
und Marine jährlich viele Tauſende gut vorgebildeter
junger Männer, die zu trefflichen Stützen unſerer
Wehr=
macht werden. — Die kernige und gehaltvolle Rede wurde
mit lebhaftem Beifall ausgezeichnet. — Weiteren Muſik=
und Geſangsvorträgen folgte ein von Herrn
Bürger=
meiſterei=Sekretär Göbel gedichteter eindrucksvoller, den
in der Turnerei herrſchenden Geiſt vortrefflich
wieder=
ſpiegelnder ſzeniſcher Prolog, eine Huldigung an
Turnvater Jahn, geſprochen von Frl. A.
Krömmel=
bein, den Herren Fritz Kugler und Bruno Schulz,
unter Mitwirkung der Turnerinnen, der Turnmannſchaft
und der Kapelle des Infanterie=Regiments Nr. 115.
Wei=
tere Muſik= und Geſangsvorträge und ein wirkſam
ge=
ſtelltes patriotiſches Schlußbild beſchloſſen die ſchöne
Feier.
Das Schauturnen der vereinigten
Darm=
ſtädter Turnvereine, das am Sonntag nachmittag
im großen Saal der Turngemeinde von etwa 400
Tur=
nern, Turnerinnen und Schülern ausgeführt wurde, wurde
durch die Anweſenheit Sr. Königl. Hoheit des
Groß=
herzogs ausgezeichnet, der den turneriſchen
Veranſtal=
tungen längere Zeit beiwohnte. Eingeleitet wurde das
Turnen durch eine Anſprache von Profeſſor Kiſſinger.
Dieſe Veranſtaltung, dem Gedenken Jahns geweiht, führte
der Redner aus, ſtehe nur im Zeichen der Arbeit im Sinne
des Turnvaters Jahn. Wie er beſtrebt geweſen, deutſche
Männer mit geſundem Körper und friſchem Geiſte
heran=
zuziehen, ſo arbeiten auch heute noch die deutſchen
Turn=
vereine. Das Erbe Jahns in ſeinem Geiſte
weiterzufüh=
ren, dazu ſeien vor allem die Männer berufen, die durch
das Vertrauen ihrer Turngenoſſenſchaften an die Spitze
der Vereine berufen ſind. Seine Ausführungen klangen
aus in ein dreifaches „Gut Heil” auf eine weitere
gedeih=
liche Betätigung der Turnvereine zum Beſten unſeres
Pa=
terlandes.
Hierauf begannen die einzelnen Aufführungen. In
Gruppe A., gemeinſchaftliche Frei= und Hantelübungen,
kamen zunächſt Ordnungs= und Freiübungen der Schüler,
es folgten Freiübungen der Zöglinge, Stabübungen der
Turner, Hantelübungen der Männer, und Keulenübungen
der Turnerinnen. — B. Gemeinſchaftliches Geräteturnen:
Pferdturnen der Schüler, Barrenturnen der Turnerinnen,
Barrenturnen der Männer, Kürturnen der geübten
Tur=
ner. — C. Sondervorführungen: Stabübungen des
Da=
menturnvereins, Schulfechten der Turngemeinde
Darm=
ſtadt, Fahnenſchwingen der Turngeſellſchaft Darmſtadtg
Stabübungen der Turngemeinde Beſſungen,
Sprungtiſch=
übungen der Turngemeinde Darmſtadt, Gewehrſprünge
der Turngemeinde Beſſungen. — D. Riegenturnen:
Ge=
meinſchaftliches Riegenturnen der Zöglinge,
gemeinſchafe=
liches Riegenturnen der Turner. Die einzelnen
Ausfüh=
rungen zeugten alle von einer großen Uebung und
uner=
müdlichem Fleiß der Turnenden ſowohl wie der Leiter.
Beſonders beifällig aufgenommen wurden von dem
zahl=
reich erſchienenen Publikum die Leiſtungen der
Allerklein=
ſten, die Keulenübungen der Turnerinnen, ſowie namentlich
die ganz hervorragenden Turnübungen der Elitemannſchaft
der Turngemeinde Darmſtadt am Reck, Barren und am
Sprungtiſch, denen die Zuſchauer jeweils rauſchenden
Bei=
fall ſpendeten.
Luftfahrt.
* Vergleich zwiſchen Delag und Lloyds
Die Difſerenzen zwiſchen der Deutſchen Luftſchiffahrts=
Aktiengeſellſchaft und der engliſchen
Verſicherungsgeſell=
ſchaft, die aus der Weigerung der Geſellſchaft entſprangen,
die 370000 Mark betragende Verſicherungsſumme für die
in Düſſeldorf verunglückte „Schwaben” zu zahlen, ſind
nunmehr durch einen annehmbaren Vergleich aus der
Welt geſchafft. Die Auszahlung des vereinbarten
Betra=
ges dürfte in den nächſten Tagen erfolgen. Herr
Rechts=
anwalt Dr. Carlo Andrege, der zweite Vorſitzende des
Aufſichtsrates der Delag, iſt am Freitag aus England
zu=
rückgekehrt, wo er die Einigung in fünftägigen
Verhand=
lungen zum Abſchluß gebracht hat.
* Frankfurt a. M., 13. Okt. Der Herbſt flug,
der heute vormittag durch eine Matinee im Union=
Theater eingeleitet worden war, hatte trotz der ungünſtigen
Witterungsverhältniſſe ein zahlreiches Publikum angelockt,
welches den Flugvorführungen der Flieger Weyl
Kahnt und Janiſch mit geſpannter Aufmerkſamkeit
folnte. Die Flüge, die um 3 Uhr nachmittags begonnen
hatten und ſämtlich wohl gelangen, dehnten ſich bis zum
Einbruch der Dunkelheit aus. Gegen ½6 Uhr erſchien
Leutnant v. Hiddeßen auf ſeinem Euler=Apparat auf
der Heimfahrt von ſeinem Poſtpflug nach der Rennbahn
von Wiesbaden über dem Platz und wandte ſich dann
nach dem Fluggelände, wo er niederging, um ſich ſeines
Auftrages zu entledigen. Die Luftpoſt beförderte
mehrere tauſend Poſtkarten. Von einem Poſtflug der
Viktoria Luiſe” war wegen des herrſchenden Nebels
Abſtand genommen worden.
* Mannheim, 12. Okt. (Süddeutſcher
Rund=
flug.) Die Teilnehmer an dem Süddeutſchen Rundflug
ſind heute hier ſchon alle anweſend, mit Ausnahme des
Oberleutnants Ehrhard vom bayeriſchen 1.
Feld=
artillerie=Regiment, der leider erkrankt iſt. Bei der
Abnahme der Flugapparate waren auch die Flieger
Schmidt aus Berlin=Johannistal und Senge=
Mann=
heim nicht zur Stelle, die alſo bei dem Flug eventuell
nicht mehr in Frage kommen. Im ganzen werden jetzt
14 Flieger an der Konkurrenz teilnehmen, und zwar
acht Militärflieger und ſechs Zivilflieger. Auf dem
hieſigen Flugplatz, den Mannheimer Rennwieſen, wurden
heute nachmittag ſchon eifrig Probeflüge unternommen,
obwohl das Wetter noch recht ungünſtig iſt. Es herrſcht
ſtarker Nebel, der nur während der Mittagsſtunden ſich
verzog. Zwiſchen 4 und 5 Uhr konnte aus einer Höhel
von 10 Metern die Erde nicht mehr geſehen werden. Es
wäre zu wünſchen, daß am Montag klares Wetter
ein=
tritt, da ſonſt die militäriſche Aufklärungsübung nach
der Pfalz ſehr beeinträchtigt werden dürfte. Die Leitung
Nummer 242.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. Oktober 1912.
Seite 7.
er rengeiher uer nen dite e henen
deurs der III. Diviſion in Landau, Generalleutnant
Frhr. v. Kreß, das Komite iſt gebildet aus den Herren
Major Lehmann Kommandeur der preußiſchen
Flieger=
truppe, Maior Frhr. v. Kreß beim bayeriſchen
Kriegs=
miniſterium, Hauptmann Sachs vom preußiſchen
Kriegs=
miniſterium, Maior Wachenfeld, Generalſtabsoffizier der
III. Diviſion. Prinz Georg von Bayern, der Protektor
des Fluges, wird morgen früh per Automobil von
München in Mannheim eintreffen. Auf dem
Mann=
heimer Flugplatz finden morgen Schauflüge ſtatt, an
denen die zum Flug gemeldeten Flieger aber nicht
teilnehmen.
Friedrichshafen, 13. Okt. Das
Marine=
luftſchiff „L. I” iſt heute vormittag 8 Uhr 35 Min.
zu der großen Fahrt, die 30—40 Stunden dauern
ſoll, aufgeſtiegen. Die Reiſe wird in der Richtung nach
Hamburg gehen und ſoll in Johannistal enden.
Je nach Wind und Wetter werden die oſtfrieſiſchen
Inſeln und Helgoland, eventuell auch die Oſtſee bis
Danzig beſucht werden. Die Führung des Luftſchiffes
hat Graf Zeppelin ſelbſt übernommen. An Bord
be=
findet ſich die vollſtändige Marinekommiſſion.
Ingeſamt trägt das Luftſchiff 21 Perſonen. Alle
radio=
telegraphiſche Stationen des Deutſchen Reiches ſind heute
in Tätigkeit und bleiben mit der drahtloſen Telegraphie
des Luſtſchifes in Verbindung. Beim Auftieg herrſchte
dichter Nebel, in dem das Luftſchiff alsbald verſchwand.
Hamburg, 13. Okt. Das Luftſchiff „Hanſa”
iſt heute morgen 8 Uhr 33 Min. zur Fahrt nach
Braun=
ſchweig und Gotha aufgeſtiegen. An der Fahrt nahmen
vierzehn Perſonen teil.
* Gotha, 13. Okt. Das Luftſchiff „Hanſa”
erſchien um 3 Uhr 20 Min. aus nordöſtlicher Richtung
über der Stadt und landete nach einer ſechs Minuten
langen Schleifenfahrt in mäßiger Höhe um 3 Uhr 45 Min.
vor dem Luftſchiffhafen. Das Luſtſchiff hatte kurz vor
12 Uhr in Braunſchweig eine Zwiſchenlandung
vorge=
nommen, während der ſich das Herzogspaar Johann
Albrecht von Mecklenburg mit Gefolge an Vord
begaben, um an der weiteren Fahrt teilzunehmen.
Peſt 14. Okt. Der ungariſche Flieger Alexander
Takacs ſtürzte geſtern früh auf dem Rakofer
Flug=
felde ab und war ſofort tot.
Literariſches.
Heſſiſche Chronik, Monatsſchrift für
Fa=
milien= und Ortsgeſchichte in Heſſen und Heſſen=Naſſau,
herausgegeben von Dr. Hermann Bräuning=
Okta=
vio und D. Dr. Wilhelm Diehl, Darmſtadt. Verlag
der L. C. Wittichſchen Hofbuchdruckerei, Darmſtadt.
Jähr=
lich 12 Hefte: 6 Mark; Einzelhefte 60 Pfg. Man
abon=
niert beim Verlag und allen Buchhandlungen. 1912,
Oktober=Heft: Inhalt: Archivar Dr. Karl Knetſch: Die
Nellenburg bei Neuſtadt. — Stadtpfarrer D. Dr. Wilhelm
Diehl: Johann Wilhelm Lichthammer, mit
unveröffent=
lichten Silhouetten. — Oberſtabsarzt Dr. Caſpar
Am=
mann †: 1812. Aus meinem Tagebuch, III. — Profeſſor
Karl Henkelmann: Der kurpfälziſche Adminiſtrator Joh.
Caſimir und ſeine Beziehungen zu Bensheim. — Profeſſor
Dr. Auguſt Roeschen: Der oberheſſiſche Genremaler C.
Engel. Mit Abbildung: Das Atelier des Bildhauers
Scholl. — Profeſſor Dr. Hugo Brunner: Orangerieſchloß
und Marmorbad in der Karlsaue bei Kaſſel. I. Das
Orangerieſchloß. — Paul Theodor Falck: Der Mainzer
Komponiſt und Dichter Paul Schumacher. Ein
Gedenk=
blatt. — Dr. Hermann Bräuning=Oktavio: Die Eugen
Bracht=Ausſtellung in Darmſtadt. — Stammbaum der
Familie Hohmann zu Schlitz=Elberfeld. — Bücherſchau.
Aus Zeitſchriften. — Umfragen.
Mit dieſem neuen Heft, das außer erſtmalig
ver=
öffentlichten Silhouetten Lichthammers, des
Er=
ziehers der großen Königin Luiſe, und einer
vor=
trefflichen Reproduktion des ganz ſelten geſehenen
Ge=
mäldes: „Das Atelier des Bildhauers Scholl” von dem
oberheſſiſchen Maler C. Engel, vortreffliche Beiträge
zur heſſiſchen Orts= und Familiengeſchichte enthält, wird
die ſo raſch beliebt gewordene Zeitſchrift nur neue
Freunde werben. Ueber den verdienſtvollen und wenig
beachteten Mainzer Komponiſten Paul Schumacher,
über Lichthammer, Engel, die Eugen Bracht=Ausſtellung
in Darmſtadt wurden wir in ausgezeichneten Beiträgen
unterrichtet; pfälziſch=heſſiſche Beziehungen behandelt der
Aufſatz über den Adminiſtrator Johann Caſimir und
Bensheim. Kurheſſen iſt mit zwei Beiträgen zur
Orts=
geſchichte Kaſſels, Marmorbad und Orangerieſchloß in der
Karlsaue, und zur Kenntnis der Nellenburg bei Marburg
vertreten. Schließlich ſchildert das Tagebuch des heſſiſchen
Oberarztes Dr. Ammann packend Erlebniſſe und Eindrücke
des ruſſiſchen Feldzuges 1812 aus nächſter Nähe
Napoleons.
Darmſtadt, 14. Otiober.
* Zu dem Automobilunglück wird mitgeteilt, daß
lich die beiden Reſerviſten den Umſtänden nach wohl
befinden. Die Verletzten ſtammen beide aus Weſtfalen
und heißen Hennen und Heeringen. Der eine hat nur
eine Fleiſchwunde am Kopf erlitten (die durch die das
Automobil durchbohrende Deichſelſtange des
Petroleum=
wagens verurſacht wurde) und konnte geſtern bereits das
Beit verlaſſen, während der andere einen komplizierten
Schlüſſelbeinbruch erlitt und natürlich längere Zeit an
das Krankenlager gefeſſelt ſein wird. Nach der an Ort
und Stelle ſtattgehabten Unterſuchung ſoll ſich beſtätigen,
daß das Fuhrwerk auf der falſchen (linken) Seite der
Chauſſee gefahren iſt und das Unglück wahrſcheinlich
dadurch entſtand, daß der Kutſcher plözlich die Pferde
nach der anderen Seite riß, ſodaß das Automobil von
der Deichſelſtange aufgeſpießt wurde. Die Wucht des
Anprals war ſo ſtark, daß ein Vorderad des letzteren
abſprang, noch ca. 100 Meter weiter rollte und dann
im Walde liegen blieb.
— Mainz, 12. Okt. Heute abend kurz nach 6 Uhr
brach im Dachſtock des Mittelbaues des
Rochus=
hoſpitals ein Brand aus. Da die Flammen
ziem=
lich raſch um ſich griffen, mußten die Kranken im
dritten Stock ſchleunigſt in Sicherheit gebracht werden.
Der Brand begann in einem Kamin und ergriff ſofort
das ganze Gebälk des Dachſtocks. Nach eiwa
zwei=
ſtündigem Kampf mit dem Element war der Brand
lokaliſiert und die Gefahr für die anderen Gebäude und
die Kranken behoben. Die Kranken wurden zum Teil
einſtweilen in Baracken untergebracht. Verletzungen ſind
nicht bekannt geworden.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 13. Okt. Der Reichskanzler hat ſich
heute zum Vortrag beim Kaiſer nach Hubertusſtock
begeben.
* Heidelberg, 12. Okt. Die amtliche
Unter=
ſuchung der Todesurſache des am 19. September auf
dem Stift Neuburg bei Heidelberg ums Leben
gekomme=
nen Freiherrn Alexander von Bernus hat
nunmehr ergeben, daß der Tod des Knaben auf einen
Unglücksfall zurückzuführen iſt.
* Stuttgart, 12. Okt. Der Staatsanzeiger ſchreibt:
Die in mehreren Blättern verbreitete Mitteilung, es ſei
als Tag für die Wahlen zum Landtage
der Mittwoch, 13. November, beſtimmt, iſt, wie wir
zuver=
läſſig hören, nicht zutreffend. Der Wahltag iſt noch
nicht feſtgeſetzt.
* Leipzig, 12. Okt. Bei den heutigen
Verhand=
lungen des Reichsgerichts über die Reviſion der
in dem Berliner Methylalkoholprozeß am
4. Februar Verurteilten wurden die prozeſſualen
Be=
ſchwerden, die hauptſächlich die Beſchränkung der
Ver=
teidigung zum Gegenſtand haben, vom Reichsanwalt als
unbegründet bezeichnet. Drogiſt Scharmach führt in
der Repiſſon weiter aus, ſeine Verurteilung wegen
Be=
trugs ſei zu Unrecht erfolgt. Das Vorliegen von
Fahr=
läſſigkeit ſei nicht genügend feſtgeſtellt und die Erſtrebung
eines widerrechtlichen Vermögensvorteils ſei ihm nicht
nachgewieſen. Die Reviſion der Mitangeklagten, des
Spirituoſenreiſenden Mayen und des Gaſtwirts Dahle,
ſtützen ſich im weſentlichen auf dieſelben
Beſchwerde=
punkte und rügen weiter, daß ſie ohne Prüſung der
Krage der Mittäterſchaft verurteilt worden ſind. Der
Reichsanwalt erklärte jedoch das Urteil für ausreichend
begründet und beantragte Verwerfung der Reviſion. Das
Urteil wird am Dienstag um 12 Uhr verkündet.
*Danzig, 12. Okt. Der Kaiſer, die Kaiſerin,
Prinzeſſin Viktoria Luiſe und Prinz Joachim, nebſt
Ge=
folge trafen um 6 Uhr 20 Minuten mittels
Hofſonder=
zuges vor Marienburg hier ein Am Bahnhofe fanden
ſich zur Begrüßung das Kronprinzenpaar ein.
Ferner war der kommandierende General v. Mackenſen
anweſend. Der Kaiſer und die Kaiſerin fuhren im offenen
Wagen, von Leibhuſaren eskortiert, zum Kaſino der Leib=
Huſaren=Brigade. Der Kronprinz und die Kronprinzeiſin
ſowie die Prinzeſſin Viktoria Luiſe begaben ſich im
Automobil ebenfalls dorthin, um mit den
Aller=
höchſten Herrſchaften an dem Diner bei den Leibhuſaren
teilzunehmen. Prinz Joachim begab ſich zu dem Diner
der Offiziere des Grenadier=Regiments Nr. V Nach
10 Uhr ſind der Kaiſer und die Kaiſerin ſowie die
Prin=
zeſſin Viktoria Luiſe und Prinz Joachim von Langfuhr
wieder abgereiſt. Das Kaiſerpaar gedenkt morgen früh
auf dem Jagdſchloß Hubertusſtock einzutreffen. Die
Kaiſerliche Familie hat nach dem Diner der
Kronprinz=
lichen Villa einen Beſuch abgeſtattet.
* Hubertusſtock, 13. Okt. Der Kaiſer und die
Kaiſerin ſind heute morgen auf Jagdſchloß
Hubertus=
ſtock eingetroffen und haben für einige Tage daſelbſt
Wohnung genommen.
* Wien, 12. Okt. Um 9 Uhr vormittags ereignete ſich
auf der Station Meidling=Südbahnhof eine
Zugent=
gleiſung, die ſchweren Materialſchaden verurſacht hat.
Drei Perſonen ſind leicht verletzt.
* Lemberg, 12. Okt. Der frühere Landmarſchall von
Galizien Graf Stanislaus Badeni iſt heute nacht in
Radziechow geſtorben.
* Bern, 12. Okt. Der deutſche Geſandte von
Bülow wurde heute vormittag von dem
Bundespräſi=
denten Dr. Forrer in Audienz empfangen zur
Ueber=
reichung ſeines Abberufungsſchreibens. Anſchließend an
die Audienz folgte ein vom Bundesrat dem ſcheidenden
Geſandten gebotenes Frühſtück im Berner Hof, an dem
der ſchweizeriſche Bundesrat in vorporo teilnahm.
Offi=
zielle Reden wurden nicht gehalten, dagegen tauſchten der
Bundesrat und der Geſandte herzliche Worte aus.
Paris, 12. Okt. Auf dem Lyoner Bahnhof
wur=
den vier Koffer geſtohlen, die der engliſche
Kommiſſar Chefford Yewdall auf einer Reiſe nach
London mit ſich führte und die Schriftſtücke
ent=
hielten, die zur Prüfung der Buchführung der
Aegypti=
ſchen Bank dienen in Kairo ſollten. Die hieſige Polizei
neigt zu der Annahme, daß der Dieb, welcher offenbar
ein Intereſſe an dem Verſchwinden gewiſſer
Schrift=
ſtücke gehabt hat, dem Kommiſſar Ehefford Yewdal
von Kairo aus nachgereiſt iſt.
Paris, 13. Okt. Die Schriftſtücke die einem
engliſchen Kommiſſar geſtohlen worden ſind und die
zur Prüfung der Buchführung der Aegyptiſchen Bank in
Kairo dienen ſollten, wurden hinter einer Tür in der
Straße Laſite aufgeſunden. Die Papere beſanden ſich
in unglaublichſter Unordnung. In einem Brief erklärt
der Dieb, er habe eine nutzloſe Reiſe gemacht.
Wahr=
ſcheinlich iſt er dem Kommiſſar von Aegypten aus gefolgt.
* Tiflis, 13. Okt. Geſtern um 11 Uhr abends wurde
ein heftiges Erdbeben verſpürt. Aus verſchiedenen
Orten werden Beſchädigungen gemeldet. In der Nähe
der Stadt gelegenen Sommerfriſche Borsholm iſt ein
Gaſthaus eingeſtürzt.
* Melbourne, 14. Okt. In einer Kohlengrube
bei Northſyell ſind durch einen Brand in 230 Meter
Tiefe 90 Bergleute eingeſchloſſen.
— London, 12. Okt. Bei dem geſtrigen Nebel, einem
der ſtärkſten ſeit Jahren, kam es an verſchiedenen Stellen
zu Unfällen, indem z. B. Perſonen von Omnibuſſen
über=
rannt wurden. Auf dem Lande ſind fünf Perſonen in
Kanäle oder Teiche gefallen und ertrunken. Der
Kanal=
verkehr war ſtundenlang unterbrochen.
Statt Karten.
Käthe Haberkorn
Heinrich Wilms
VERLOBTE.
Darmstadt
Saalbaustrasse 7
Düsseldorf
Bismarckstrasse 88
Oktober 1912.
(21433
In der Nacht vom 12. auf 13. Oktober
ent=
ſchlief ſanft im 89. Lebensjahre nach kurzem
Leiden unſere liebe Mutter, Großmutter,
Ur=
großmutter und Tante
(21412
geb. Vorbach.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Valeska Külp.
Die Einſegnung findet Dienstag, /12 Uhr
mit=
tags, im Trauerhauſe Karlſtraße 97 ſtatt, und
anſchließend die Beerdigung auf dem
Darm=
ſtädter Friedhof.
(e
Konzert der Großh. Hofmuſik um 7 Uhr im Hoftheater
(Hauptprobe vormittags 10 Uhr).
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Familienabend des Frauenvereins der Guſtav=
Adolf=Stiftung um ½8 Uhr im Gemeindehaus,
Kies=
ſtraße 17.
Evangeliſationsvortrag von Prediger Reiner
um 8½ Uhr Mauerſtraße 17.
Obſt=, Gemüſe= und Kartoffel=Ausſtellung
im „Schützenhof”.
Ausſtellung „Der Menſch” im Großh. Reſidenzſchloß
(geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends).
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 4—11 Uhr.
Vilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23):
Ein Demonſtrationszug der Bevölkerung
Konſtantino=
pels; Sultan Mohammed V.; König Nikolaus I. von
Montenegro; montenegriniſche Soldaten; Geſamtanſicht
von Podgoritza, dem Sammelpunkt der
montenegrini=
ſchen Armee:; Straßenbild aus Podgoritza; König
Fer=
dinand von Bulgarien; bulgariſche Truppen in den
Grenzbefeſtigungen.
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 15. Oktober.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 1 Uhr zu
Seeheim (Zuſammenkunft am Rathaus daſelbſt).
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Oto Wardaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Mar Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Miteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teilbeſtimmte Mittellungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſtripte werden nicht
zurückgeſandt.
(
Planer Resfe
Hemden, Hosen etc., von 1—15 Meter.
Schustergasse
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Madrabeiten Sn verrrauenssdefe!
bevor Sie eine Arbeit anfertigen laſſen, verlangen Sie Aufklärung über Qualität der Haare. Sämtliche Haare, welche in meinem Spezial-Atelier für
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haararbeiten verarbeitet werden, ſind von mir ſelbſt präparierte Schnitthaare.
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22 Ernst-Ludwigstrasse 22.
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Seite 8.
Nummer 242.
Stelleme
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. Oktober 1912.
Weiblich
Tüchtige Schneiderin empfiehlt
ſich für in und auß. dem Hauſe.
*8972so) Mathildenplatz 10, I.
Schneiderin empfiehlt ſich
Marktplatz 10, 3. Stock. (21067a
Beſſ. junge Frau empfiehlt ſich
im Nähen und Ausbeſſern von
Weißzeug Neckarſtr. 11 Stb. (*9066
Aelt. tücht. Mädchen ſucht
2 Stunden Laufdienſt Aliceſtr. 43,
Manſarde, links.
(*8906so
Aelteres, unabhängig. Mädchen
ſucht Aushilfe, nimmt auch
Lauf=
dienſt an. Soderſtr. 5, Manſ. (*8424
Gut empfohl. Frau geht halbe
u. ganze Tage waſchen und putzen
Ludwigshöhſtr. 52, I.r. (*9028oi
23j. Hausmädch., welch perf. näh.
u. büg. k., m. g. Zeugn. ſ. ſof. Stell.
Katharina Jäger, gewerbsmäßige
Stellen-
vermittlerin, Donnersbergring 30. (*9035
Haushalterin
tüchtig u. erfahr. im Haushalt, ſow.
Küche ſucht, geſtützt a. pr. Zeugn.
Stelle in frauenloſ. Haush. Off. a.
Auguſte Hofmann, Heidelberg,
Kronprinzenſtraße 22. (*9055oi
Empfehle mich i. Waſchen. Frau
Schmidt, Weinbergſtr. 46, I. (*9051
Junge Frau ſucht Laufdienſt
*9062oi) Döngesborngaſſe 7, I. r.
Junge Frau mit langl. Zeugn.
ſucht für gl. od. ſpät. Büro zu reinig.
Off. unt. A 44 an die Exp. (*9057oi
Beſſ. Stütze, 23 J. alt, im Koch.
u. Haush. perf., ſucht Stell., wo Hilfe
für grobe Arbeit vorhanden iſt
Minna Dingeldein,
gewerbs=
mäßige Stellenvermittlerin,
Eliſa=
bethenſtr. 5, Teleph. 531. (*9959
Männliei
Junger Mann, 35 Jahre alt,
gelernter Inſtallateur, ſucht
Be=
ſchäftigung, gleich welcher Art. Näh.
Große Bachgaſſe 13.
(*9037
verh., ſucht Stellung
Zeichner in hieſigem
Unter=
nehmen.
(B21429
Offert. unt. A 47 Expedition.
Junger, kräftiger Schloſſer
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[ ← ][ ][ → ]Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. Oktober 1912.
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42e. 253 248. Meßvorrichtung für die Durchſtrömmenge
gasförmiger Subſtanzen. Marx Friedrich Gutermuth,
Darmſtadt, Gervinusſtraße 58. (. 9. 11. G. 35037. 45e.
253 255. Paſſiermaſchiene. Rheiniſche Maſchinen= und
Apparatebau=Anſtalt, Peter Dinckels u. Sohn, G. m. b. H.,
Mainz. 24. 3. 11. R. 32826. 45h. 253 184. Brutapparat.
Karl Stöpler, Lauterbach in Heſſen. 17. 4. 12. St. 17246.
451. 253 185. Verfahren zur Konſervierung von Ködern
für die Vertilgung von Mäuſen bezw. Nagern. A.
Kieſe=
walter, Pfungſtadt. 24. 5. 11. K. 48006. 64 b. 253 143.
Vorrichtung zum Reinigen von Flaſchen mit
Kugelver=
ſchluß. Auguſt Lonczyk, Mainz, Heidelbergerfaßgaſſe 11.
19. 8. 11. L. 32920. 89c. 253 115. Gasverteilungsrohr
für Saturations=Apparate. Heinrich Müller, Groß=Gerau,
Heſſen, Annaſtraße 9. 14. 9. 11. — Patent=
Anmel=
dungen. 21e. S. 51868. Elektrizitätszähler für Wechſel=
und Drehſtrom, Dr. Auguſt Krätzer, Bingen a. Rh. 3. 7. 12.
64o. H. 49725. Verfahren zum Ausſchänken von Bier in
Gläſer. Louis Heß, Darmſtadt, Saalbauſtraße 2—6.
21. 2. 10. — Gebrſauchsmuſter=Erteilungan.
3c. 524845. Kravatten=Verſchluß. Wilhelmine Bott, geb.
Lückel, Koſtheim b. Mainz. 2. 9. 12. B. 59845. 11e
524 160. Zeitungshalter mit Oeffnungszange. Richard
Theis, Friedberg, Heſſen. 16. 9. 12. T. 14905. 34b.
524 738. Vorrichtung zum Schneiden von Bohnen und
Nudeln. Georg Herwig, Eberſtadt b. Darmſtadt. 16. 9. 12.
H. 57589. 34i. 524346. Tafel für Unterrichtszwecke mit
über einer Auflage beweglich angeordneter Schreib= bezw.
Zeichenfläche, Karl Scharmann, Worms,
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ſtraße 12. 23. 8. 12. Sch. 45175. 341. 524 245. Greifzange,
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Offenbach. 26. 8. 12. E. 17803.
Vermiſchtes.
CK. Die Frau — das ſtärkere Geſchlecht. Eine Reihe
intereſſanter Tatſachen, die gegen den Glauben an
die geringere körperliche Ausdauer und Leiſtungsfähigkeit
der Frau im Gegenſatz zum Manne ſprechen, werden von
einer engliſchen Zeitſchrift zuſammengeſtellt. Dem
Stati=
ſtiker und dem Verſicherungsmathematiker iſt es eine
be=
wieſene Tatſache, daß die Frau eine viel ſtärkere
Lebens=
zähigkeit hat als der Mann, und die Standesamtsregiſter
beweiſen uns auch, daß Frauen durchſchnittlich nicht
weniger als fünf Jahre länger leben als die Männer. Von
den Gelehrten und den Aerzten ſind manche Theorien
aufgeſtellt worden, die dieſe größere Lebensdauer der
Frau erklären, und die ſorgſam geſammelten Vergleiche
und Beobachtungen haben jedenfalls erwieſen, daß die
Frau im Ertragen und Ueberwinden von Krankheiten
dem Manne bei weitem überlegen iſt. Sie kann natürlich
inbezug auf Körperkräfte den Vergleich mit dem anderen
Geſchlechte nicht aufnehmen; aber bei der Beurteilung
einer Kraft kann nicht nur die Intenſität des Augenblicks
betrachtet werden, man muß auch fragen, wie lange dieſe
Kraft ausdauert. Seiner Natur nach hat das ſogenannte
zarte Geſchlecht ein viel feineres Empfinden für die
For=
derungen ſeines Körpers, und es vermeidet viel eher die
gefährliche Ueberſpannung der Leiſtungsfähigkeit, der
der Mann mit ſeinem ſtärkeren Willen ſo oft erliegt. Die
Folge davon iſt, daß die Frau in ihrem Körper Energien
aufſpeichert und nur ſparſam abgibt, während der Mann
mehr Energie und Kraft ausgibt, als er ſammelt. Das
wird auch beſtätigt durch die größere Widerſtandsfähigkeit
der Frau gegenüber den Angriffen gefährlicher
Krankhei=
ten. Nur der Keuchhuſten und die Diphtherie ſcheinen der
Frau im allgemeinen gefährlicher zu ſein als dem Mann,
was manche Aerzte mit dem kleineren Umfange des
weib=
lichen Kehlkopfes zu erklären gewußt haben. Bei den
ſo=
genannten Kinderkrankheiten mag die Sterblichkeit beider
Geſchlechter ungefähr gleich ſein, aber das Bild ändert
ſich mit dem zunehmenden Alter. Die Statiſtik zeigt, daß
erwachſene Frauen zwar leichter von Pocken und
In=
fluenza befallen werden, als gewöhnlich die Männer, aber
dafür überſtehen ſie die Krankheit auch leichter; die Zahl
der Todesfälle iſt beim männlichen Geſchlecht weitaus
größer. Beſonders intereſſant wird die Frage von der
Lebenszähigkeit der Frau, wenn man das Gebiet der
geiſtigen Erkrankungen betritt. Hier zeigt ſich, daß die
Frauen den neurotiſchen Gemütskrankheiten ihrem
Tem=
peramente nach zugänglicher ſind als der Mann, dafür
aber ſind ſie auch leichter zu heilen. Der Mann dagegen
wird öfters von ſchwereren Gehirnſtörungen und
Para=
lyſen befallen, als von Krankheiten, bei denen die
Aus=
ſicht auf Heilung ungleich geringer iſt. Es ſcheint faft, als
ob die größere Empfänglichkeit der Frauen für die
leich=
teren Formen der Gemütskrankheiten eine Art Schutzwehr
gegen die ſchwereren Geiſtesſtörungen iſt. Die Tatſache,
daß in vielen europäiſchen Ländern die Zahl der
weib=
lichen Einwohner größer iſt als die der mannlichen, leitet
den Laien unwillkürlich zu dem Schluſſe, daß auch die
Geburtenzahl weiblicher Kinder ungleich größer ſein muß
als die der männlichen. Eine Durchſicht der
Geburten=
ziffern der wichtigſten europäiſchen Länder ergibt aber die
intereſſante Tatſache, daß auf 100 weibliche Neugeborene
im Durchſchnitt 105 Knaben geboren werden; das
Ueber=
wiegen des weiblichen Elements in der erwachſenen
Be=
völkerung erklärt ſich durch die größere Lebenszähigkeit.
Ein engliſcher Statiſtiker hat feſtgeſtellt, daß von zwei
am gleichen Tage geborenen Kindern der Knabe nur 17
gegen 11 Chancen hat, das erſte Jahr zu überleben,
wäh=
rend bei dem Mädchen die Chancen 23 zu 11 betragen.
Vom dritten Jahre ab iſt die Mortalität bei beiden
Ge=
ſchlechtern bis zum 15. Jahre ungefähr gleich. Von 15
bis 19 Jahre aber, der kritiſchſten Periode der weiblichen
Jugend, hat das Mädchen 277 Lebenschancen, während
der gleichalterige Knabe nur 269 hat. Und dies Verhältnis,
ſteigert ſich noch im reiferen Alter; vom 30. oder 35. Jahre
ab wird die Sterblichkeit der Frau viel geringer als die
des Mannes und bleibt günſtiger bis zum 70. Lebensjahr.
Zwiſchen 70 und 85 nähern die beiden Zahlen ſich wieder
einander, um dann aber, im höchſten Greiſenalter,
wie=
derum die größere Lebenszähigkeit der Frau zu
prokla=
mieren.
Literariſches.
Laſſalle. Ein Leben für Freiheit und
Liebe. Geſchichtlicher Roman von Alfred
Schiro=
kauer. Mit 49 Porträts, Illuſtrationen uſw. Verlag
von Richard Bong, Berlin W. 57. Preis 4 Mk., elegant
gebd. 5 Mk., in echtem Pergamentband 7.50 Mk. Mit
außerordentlichem Geſchick hat es der Verfaſſer verſtanden,
Ferdinand Laſſalle, deſſen Geiſtesarbeit ſich auf dem
ſcheinbar trockenen Gebiete der Sozialpolitik vollzog, zum
Helden eines Romans von ungewöhnlicher Spannkraft zu
machen. Von der Gräfin Hatzfeld an, der Laſſalle in
er=
bitterten gerichtlichen Kämpfen ihr Recht und Vermögen
gegen ihren Gatten erſtritt, und die mit unwandelbarer
Liebe an ihm hing, bis zu der temperamentvollen Helene
von Dönniges, durch deren Bräutigam Janko von
Racko=
witza Laſſalle im Zweikampfe fiel, zieht ſich eine Kette
ſchöner Frauen. Es iſt Alfred Schirokauer in ſeltener
Weiſe gelungen, geſchichtliche Wahrheit, die ſich ihm aus
genaueſten Studien ergab, in die Kunſtform einer
Erzähl=
ung umzugießen, die in allen ihren Teilen gleichmäßig
feſſelt. Die gediegene Ausſtattung mit zeitgemäßen
Bild=
niſſen und Schriftſtücken verleiht dem Roman einen
be=
ſonderen Reiz.
Gewinnauszug
der
1. Prenßiſch-Käddeutſchen
(227. Königlich Preußiſchen) Klaſſenlotterie
4. Klaſſe 1. Ziehungstag 11. Oktober 1912
Auf jede gezogene Nummer ſind zwei gleich hohe Gewinne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und II.
OOhne Gewähr A. St.=A. f. Z.)
(Nachdruck verboten)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne über
192 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 100000 Mk. 93566
2 Gewinne zu 60000 Mk. 23150
2 Gewinne zu 5000 Mk. 60361
2 Gewinne zu 3000 Mk. 146723
20 Gewinne zu 1000 Mk. 36550 64791 (107651
145727 152812 160039 163781 183879 184403 200882
26 Gewinne zu 500 Mk. 2018 28202 45424 45563
47821 62712 65274 93751 121500 136944 136616
155220 195533
74 Gewinne zu 400 Mk. 2324 4505 8522 12349
19435 42538 47399 48677 66376 68776 70730 70894.
72057 72922 84088 96580 97283 100076 102900
111572 117450 120675 125694 132596 145537 146822
150136 151592 157138 159018 160941 164201. 169171
177101 192256 192308 192819
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
192 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 6000 Mk. 71794
8 Gewinne zu 3000 Mk. 64343 79254 111042
148962
12 Gewinne zu 1000 Mk. 33131 38179. 106883
123428 183221 199348
22 Gewinne zu 500 Mk. 3269 36965 49765 64129
63598 96011 96510 115201 120994 181204 202191
72 Gewinne zu 400 Mk. 14370 19033 20667 40544
41744 46227 58559 64509 66433 67765 68233 76386
80440 84469 84620 94726 95393 96292 97654 112339
118454 125033 135600 138117 140617 141942 143521.
147446 163291 165745 168921 169136 169382 183636
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(20690a
Nummer 242.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. Oktober 1912.
Seite
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Pinſcher. 1 Hofhund (zugelaufen). Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden.
Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(21381
Verſicherungsgeſetz für Angeſtellte.
Als Vertrauensmänner und Erſatzmänner für die
Angeſtellten=
verſicherung ſind von den Angeſtellten gewählt worden:
1. Wilhelm Schnellbächer, Handlungsgehilfe, Darmſtadt,
2. Philipp Caſtritius, Handlungsgehilfe, Darmſtadt,
3. Friedrich Schelle, Handlungsgehilfe, Darmſtadt,
(1—3 als Vertrauensmänner).
4. Guſtav Gieſelmann, Werkmeiſter, Darmſtadt,
5. Ernſt Wöbke, Ingenieur, Darmſtadt,
6. Friedrich Hutzler, Handlungsgehilfe, Darmſtadt,
7. Wilhelm Feix, Handlungsgehilfe, Darmſtadt,
8. Georg Wilhelm, Bankbeamter, Darmſtadt,
9. Richard Böhme, Geſchäftsführer, Darmſtadt,
(4—9 als Erſatzmänner).
(21388
Darmſtadt, den 11. Oktober 1912.
Der Wahlleiter:
Kröll, Amtmann.
Verpachtung des ſtädtiſchen Oberwalbhaufes.
Auf Beſchluß der Stadtverordneten=Verſammlung vom 3. I. M.
wird die Neuverpachtung der Wirtſchaft des ſtädtiſchen
Oberwald=
hauſes, ſowie der wirtſchaftlichen Ausnutzung des Steinbrückerteichs
hiermit nochmals öffentlich ausgeſchrieben.
Die Verpachtung erfolgt vom 1. April 1913 ab auf zunächſt
6 Jahre. Die näheren Bedingungen, die die gleichen ſind, wie bei
dem erſten Ausſchreiben vom 3. Juli l. Js., können gegen Zahlung
von 50 Pfg. im Stadthaus, Zimmer 39, erhoben oder gegen
Ein=
ſendung von 70 Pfg. von dort bezogen werden.
Die Bewerber müſſen eine Sicherheit von 8000 Mark
hinter=
legen können.
Mit den erforderlichen Unterlagen verſehene Bewerbungen
ſind bis zum 1. November l. Js. an die unterzeichnete Stelle zu
richten.
Die früher auf das Ausſchreiben vom 3. Juli l. Js.
einge=
reichten Angebote haben ihre Gültigkeit verloren.
(21387os
Darmſtadt, den 11. Oktober 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Schmitt.
Städtiſcher Fiſchmartk.
Beginn: 1. Oktober 1912.
Verkaufstage:
.) auf dem Marktplatz: Dienstag bis einſchl. Samstag jeder
Woche,
b) auf dem Riegerplatz: nach Bedarf, jedenfalls aber
Don=
nerstag und Freitag jeder Woche.
Die äußerſt billig geſtellten Wochenpreiſe, die unter Kontrolle
des Oberbürgermeiſters feſtgeſetzt werden, ſind an den
Verkaufs=
ſtänden angeſchrieben.
Darmſtadt, den 28. September 1912.
(20343a
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Mueller.
Neue Markthalle im Schlachthof
und im Hauſe Kiesſtraße 21 (zwiſchen
Hoch= und Karlſtraße)
alle Wochentage von vormittags 7 Uhr ar
Rindfleiſch (alle Stücke) p. Pfund 822 Pfg.
Schweinefleiſch per Pfund 88 Pfg.
Kotelettſtücke. . per Pfund 90 Pfg.
Verſteigerungs-Anzeige.
Dienstag, den 15. ds. Mts., nachm. 1 Uhr,
ſollen in Seeheim a. d. B. zwangsweiſe gegen Barzahlung
verſteigert werden:
1 Ladeneinrichtung, Tiſche, Betten, Pfeilerſchränkchen,
1 Kleiderſchrank, 1 Pianino, 1 Diwan, 1 Büfett, 1
Waſch=
kommode, 1 Freiſchwinger, 1 Zimmerteppich, 1 Schreibtiſch,
1 Nähmaſchine, 1 goldene Damenuhr, Kleiderſtoffe,
Hoſen=
ſtoffe, Damaſte und Barchent.
Zuſammenkunft am Rathauſe Seeheim.
(21399
Zwingenberg, den 11. Oktober 1912.
Becker, Großh. Gerichtsvallzieher.
Geſchäftszahl A. Wl. Kölug,
Aufforderung an die Erben,
Vermächtnis=
nehmer und Gläubiger eines Ausländers.
Am 10. Mai 1912 iſt der nach Oberau — Kreisamt Büdingen
Großherzogtum Heſſen, zuſtändige deutſche Staatsbürger Georg
Reith, gew. Buchdruckereibeſitzer, in Wien X, Columbusgaſſe 2,
woſelbſt er ſeinen ordentlichen Wohnſitz hatte, ohne Hinterlaſſung
(21415Mf
einer letztwilligen Anordnung verſtorben.
Gemäß §§ 137, 138 kaiſ. Pat. vom 9. Auguſt 1854, R. G. Bl.
Nr. 208, werden alle Erben, Vermächtnisnehmer und Gläubiger, die
öſterreichiſche Staatsbürger oder hierlands ſich aufhaltende Fremde
ſind, aufgefordert, ihre Anſprüche an den Nachlaß längſtens bis
20. November 1912 beim gefertigten Gerichte anzumelden,
widrigens der Nachlaß ohne Rückſicht auf dieſe Anſprüche an die
ausländiſche Behörde oder eine von dieſer legitimierte Perſon
aus=
gefolgt werden kann.
Zugleich werden gemäß § 140 kaiſ. Patent vom 9. Auauſt 1854,
R. G. Bl. Nr. 208, mit Rückſicht darauf, daß die hierlands befindlichen
Erben um die Vornahme der Verlaſſenſchaftsabhandlung durch die
öſterreichiſche Gerichtsbehörde angeſucht haben, die allfälligen
aus=
wärtigen Erben und Vermächtnisnehmer aufgefordert, ihre Anſprüche
in der gleichen Friſt anzumelden und bekannt zu geben, daß ſie die
Abtretung an die ausländiſche Behörde verlangen, widrigens, wenn
letztere nicht ſelbſt die Abtretung verlangt, die Abhandlung hierlands,
und zwar mit den ſich meldenden Erben allein gepflogen würde.
K. k. Bezirksgericht Favoriten
Abteilung VI., 2. Oktober 1912.
Dr. Rodler.
HEKMAIWr. WERPFIEiM, Dankgeschaft
Telefon Nr. 1820.
Rheinstrasse 33.
An- und Verkauf von Wertpapieren zur Anlage sowie
zur Spekulation an allen in- und ausländischen Börsen.
Ständiger Vorrat solider Anlagewerte.
Einlösung von Coupons und Dividenden-Scheinen,
Vermietung von Safes (teuer- und diebessicher) unter eigenem
Verschluss der Mieter.
Unentgeltliche Kontrolle der Verlosung.
Seriöse Raterteilung in allen die Belegung von Kapitalien betreffenden Fragen.
Strohlieferung.
Die Lieferung von 235 Zentner
Kornſtroh (Handdruſch) und 20
Zentner Gerſtenſtroh (
Maſchinen=
druſch) für verſchiedene ſtädtiſche
Verwaltungen ſoll vergeben werden.
* Die Lieferungsbedingungen
liegen während der
Geſchäfts=
ſtunden im Stadthaus (Zimmer
Nr. 39) zur Einſicht offen.
Angebote ſind, mit
entſprechen=
der Aufſchrift verſehen, bis
Mittwoch, 16. Oktober I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
(21416oi
Darmſtadt, 10. Oktober 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Ekert.
Bekanntmachung.
Auf Antrag der Erben der
Martin Darmſtädter Eheleute
da=
hier ſollen die denſelben im
Grund=
buch der Gemarkung Beſſungen
zugeſchriebenen Liegenſchaften:
Flur Nr. qm
I 395//10 274 Hofreite, das
Win=
gertsfeld im
Gäßchen (
Kies=
bergſtraße Nr. 9),
I 3737/10 86 Grabgarten
Sand=
ſtraße (
Kies=
bergſtraße),
Montag, 21. Oktober 1912,
vormittags 10 Uhr,
in unſerem Geſchäftszimmer,
Witt=
mannſtraße 1, freiwillig verſteigert
werden.
Darmſtadt, 8. Oktober 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen.)
Frantz. (V121103
Bekanntmachung.
Montag, 11. November I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Schuhmachermeiſter
Wilhelm Deichert Eheleuten dahier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
II 9971/100 138¾10 Hofreite
Wieners=
ſtraße 40,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(K45/12
Wenn andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen, wird
Genehmigung der Verſteigerung
auch dann erfolgen, wenn das
ein=
gelegte Meiſtgebot die Schätzung
nicht erreicht.
Darmſtadt, 27. September 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V20320
Cb. Brabigemeindr Darmſtabt.
Die Rechnung für 1911
liegt von heute ab 8 Tage in dem Pfarrhauſe,
Hügel=
ſtraße 28, zu jedermanns Einſicht offen.
(21386
Der Kirchenvorstand.
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Sie Prospekte u. Kataloge.
Vorführung unverbindlich
durch den Generalvertreter
Verſteigerung im ſtädtiſchen Pfandhaus.
Montag, den 21. Oktober 1912, von nachmittags 2 Uhr
ab, beginnt die Verſteigerung im ſtädtiſchen Pfandhauſe,
Kirch=
ſtraße 9, dahier.
Es kommen zum Ausgebot:
Montag, den 21. Oktober, von nachmittags 2 Uhr ab: Weißzeug
und Kleidungsſtücke.
Dienstag, den 22. Oktober, von nachmittags 2 Uhr ab: Gold
Silber, Brillanten, Uhren, Ringe.
Mittwoch, den 23. Oktober, von vormittags 9 Uhr ab:
Photo=
graphiſche Apparate, Muſikwerke, Geigen, Zithern,
Opern=
gläſer, Ferngläſer und Reißzeuge;
an demſelben Tage, von nachmittags 2 Uhr ab:
Weiß=
zeug und Kleidungsſtücke.
Donnerstag, den 24. Oktober, von vormittags 9 Uhr ab:
Weiß=
zeug und Kleidungsſtücke;
an demſelben Tage, von nachmittags 2 Uhrab:
Fahr=
räder, Nähmaſchinen, Regulateure, Wanduhren, Weißzeug
und Kleidungsſtücke.
Freitag, den 25. Oktober, von vormittags 9 Uhr ab und von
nachmittags 2 Uhr ab: Gold, Silber, Uhren, Ringe und
dergleichen.
Die zur Verſteigerung heranzuziehenden Pfänder ſind folgende:
Nr. 79778 bis Nr. 100 000 und Nr. 1 bis einſchl. Nr. 13 888.
Die Verſteigerung findet gegen ſofortige Barzahlung ſtatt. Die
Auslöſung verfallener Pfänder hat bis längſtens Samstag, den
19. Oktober 1912, vormittags 12 Uhr, zu erfolgen.
Der ſofortige Wiederverſatz ausgelöſter, verfallener Pfänder
kann vom 17. Oktober l. Js. ab großen Andrangs wegen nicht
mehr ſtattfinden.
(20997dso
Darmſtadt, den 7. Oktober 1912.
Die ſtädtiſche Pfandhausverwaltung.
Paul.
Die Lieferung der Küchenbedürfuiſſe
(Kolonialwaren, Kartoffeln, Backwaren, Molkereiprodukte und
Ge=
müſe ꝛc.), ſowie die Abnahme der Speiſereſte und das Schälen der
Kartoffeln für die Küche des Bataillons auf dem
Truppenübungs=
platz Darmſtadt iſt für die Zeit vom 1. November 1912 bis 31.
Okto=
ber 1913 zu vergeben.
Die Bedingungen können im Geſchäftszimmer —
Wirtſchafts=
bau Stube 21 — der Infanterie=Kaſerne, Alexanderſtraße 22, in
Darmſtadt, eingeſehen werden. Dieſe müſſen vor Abgabe der
Ange=
bote ſchriftlich anerkannt ſein.
Angebote ſind zum 21. Oktober 1912 mit der Aufſchrift:
Lieferung von Küchenbedürfniſſen”, verſiegelt an unterzeichnete
Küchenverwaltung einzuſenden.
(21219so
Die Oeffnung der Angebote erfolgt am 21. Oktober 1912.
11 Uhr vormittags.
Küchenverwaltung
Garde=Füſilier=Bataillons Leibgarde=Infanterie=
Regiments Nr. 115.
einrich
Lautz
Rundſchiff=
Kayser Nähmaſchine
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ſehr billig zu verkaufen
(20689a
Grafenſtraße 26.
Küchenlieferung.
Die Küchenbedürfniſſe für 1. November 1912 bis 31. Oktober 1913:
Los I: Spezerei= und Kolonialwaren,
„ II: Milch, Butter, Käſe, Eier,
„ III: Backwaren,
IV: Fiſchwaren,
: Kartoffeln,
* VI: Friſches Gemüſe und ſonſtige Gärtnerwaren
ſollen vergeben werden.
Angebote mit Aufſchrift „Küchenlieferung” ſind zum
18. Oktober 1912, vormittags 10 Uhr,
in unterzeichnete Stelle — Baracke 106, Stube 2 — einzureichen.
Lieferungsbedingungen ſind gegen Zahlung von 50 Pfennig
(21369so
daſelbſt zu haben.
Küchenverwaltung II. Abteilung
Straßburger Feldart.=Regts. Nr. 84
Uebungsplatz Darmſtadt.
Mittwoch, den 16. Oktober
beginnt die Fiſcherei im Woog.
Fiſche werden
Preiſen ausgewogen.
daſelbſt vom 16. bis 19. Oktober zu billigen
(*9029oi
J. Gunder.
auer
G
Inf.=Regt. 115, wenig getragen,
wie neu, billig zu verkaufen
Eliſabethenſtr. 31, I. (*8889so
Scher
Prober
Kindergarten
Kiesstrasse 63
hat wieder begonnen.
Anmeldungen möglichſt zwiſchen 8 und 12 Uhr
vormittags oder 2—4 Uhr nachmittags erbeten.
C. Becker.
21384)
Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. Oktober 1912.
Nummer 242.
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45)
An mir iſt entſchieden ein großer Schauſpieler
ver=
loren, dachte Karl Auguſt, als er die Wechſel, die ihm im
Laufe des Tages präſentiert und von ihm eingelöſt
wurden, in den Händen hielt und damit in Julas
Bou=
doir hinüberſchritt. Sie hatte ihn gebeten, ihr doch
ein=
mal die garſtigen Wiſche zu zeigen. Na, die Freude
konnte er ihr doch machen! Sie war trotz aller Fehler doch
ein fabelhaft gutmütiges und leichtgläubiges Tierchen.
Ihm konnte es ja recht ſein! Wenn ſie ſchließlich weiter
nichts verlangte, als daß er den verliebten Ehemann
ſpielte, das war zwar unbequem für ihn — aber
entſchie=
den lukrativ!
Ach, zeig mal! Neugierig und geſpannt nahm Jula,
die, als er bei ihr eintrat, ſogleich von ihrer Chaiſelongue
aufſprang, ihm die Scheine aus der Hand. Ihre Augen
flogen darüber hin und her. Alſo, ſo ſieht ſo was aus?
Nein, das hätte ich mir ganz anders vorgeſtellt.
Eigent=
ich iſt es gar nicht ſo greulich. Und ſolche Macht beſitzt
nun ſo ein dummes Papier! Nicht? Oedentlich die
Gänſehaut bekommt man, wenn man dran denkt! Du,
eigentlich iſt das doch intereſſant. Das hebe ich mir auf!
Mit ſchneller Bewegung ſteckte ſie die Scheine ein. So
raſch geſchah das, daß Karl Auguſt, ſo ſchnell er auch
zu=
griff, es nicht mehr verhindern konnte.
Betreten und beſtürzt ſtand er da. Teufel noch mal!
Das war fatal! War das Abſicht oder Dummheit? Er
ſah, wie Jula ihn lauernd anblickte, aber er hatte ſeine
Züge in der Gewalt, und mit harmlos klingender Stimme
ſagte er:
Komm, gib ſie mir zurück, Schatz! Es iſt Uſus, daß
man dergleichen Scheuſäler vernichtet.
Aber das kann ich ja auch tun, Liebſter! Nein, was
ich mal beſitze, gebe ich nicht wieder her. Neckend lief ſie
mit den Scheinen davon, und mit der Geſchwindigkeit
einer kleinen Katze hatte ſie die Papiere in einen wie
zu=
fällig offenſtehenden Kaſten ihres Schreibtiſches geworfen,
ließ das Schloß einſchnappen und zog den Schlüſſel ab.
Aufatmend, als habe die raſche Bewegung ihr den
Atem genommen, lehnte ſie ſich einen Augenblick gegen die
Wand. Gott ſei Dank, es war geglückt! Sie jubelte und
frohlockte im Innern.
Dann trat ſie auf den ſich nur mühſam beherrſchenden
Gatten zu und umſchlag ſeinen Hals.
Pah, was macht mein Brummbär für ein Geſicht?
Iſt er böſe und warum? Feſt ſchmiegte ſie ſich an ihn
und verbarg ihr Geſicht an ſeiner Bruſt.
Dein Benehmen iſt kindiſch, Jula. Mit vor Zorn
bebenden Lippen ſtieß Karl Auguſt dieſe Worte hervor.
Laß, Liebſter! Vielleicht ändere ich mich noch einmal
— aber — ich weiß gar nicht recht, ob ich Dir dann
ge=
fallen werde! Ein verſtecktes Drohen lag in ihren
Worten.
So kindiſch, wie Karl Auguſt dachte, war ſie doch
nicht! Der quälende Gedanke, daß Karl Auguſt mit ihr
trotz ſeines Schwures nur geſpielt, ſie nur durch das
Vor=
täuſchen ſeiner Liebe zum gefügigen Werkzeug für ſeine
egoiſtiſchen Wünſche gemacht haben könnte, ließ ſie nicht
los. Jetzt wollte ſie erproben, ob ſie ſich getäuſcht hatte.
Mit ſchlauer Liſt hat ſie ihm den Beweis ſeiner Schuld
ab=
gejagt. Jetzt war er in ihren Händen, und ſie konnte ſich,
wenn das wirklich der Fall war, an ihm rächen! Im
Grunde genommen regte ſie ſich ſehr wenig darüber auf,
ob Karl Auguſt das ihrem Vater gegebene Ehrenwort
gebrochen hatte oder nicht. Sie wußte aber, was ein
ſolches gebrochenes Ehrenwort für einen Offizier
be=
deutete! Selbſtverſtändlich würde ſie ihrem Vater nichts
davon ſagen. Aber die Waffe, die ſie in der Hand hatte,
wollte ſie benutzen. Ein Mittel, von ihrem Manne alles
zu erreichen, was ſie wollte, ſollten ihr dieſe Papiere
zunächſt in erſter Linie werden! Zuerſt würde ſie etwas
damit durchſetzen, was neuerdings ihr glühendſter Wunſch
war: die Entfernung der Schwiegermutter aus dem
Hauſe. Sie ſah zwar die alte Dame oft tagelang nicht,
aber der Gedanke, daß dieſe Frau, die ihr jetzt
fort=
dauernd ſo offenkundig ihre Abneigung und —
Mißach=
tung zeigte, mit ihr unter einem Dache, ja in ihrem
Hauſe wohnte, brachte immer wieder ihr Blut in Wallung.
Dazu ärgerie ſie ſich täglich über das „Getue” ihres
Man=
nes mit ſeiner Mutter. Sie ſelbſt kam bei ihm trotz ſeiner
Liebenswürdigkeit, die er neuerdings an den Tag gelegt
Zeite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. Oktober 1912.
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haite iunder dich ert in zueiter öinie, Dem
Kone=
etwas geſagt hatte, ſo geſchah es ganz ſicher und ohne
daß ſie, die eigentliche Herrin des Hauſes, erſt um
Er=
laubnis gefragt wurde. Alles ſollte womöglich ſo tanzen,
wie die alte eigenſinnige Frau da oben pfiff. Es war
überhaupt ein Wunder, daß Karl Auguſt noch
Geſell=
ſchaften im Hauſe gab, da doch „Mama” nicht daran
teil=
nahm. Um auch dieſe Freude zu ſtören, wurde man eben
krank und ruhebedürftig und bauſchte ein kleines,
harm=
loſes Unwohlſein zu einer Krankheit auf, wie zum
Bei=
ſpiel jetzt. Nein, dieſem unerquicklichen Zuſtand mußte
ein Ende gemacht werden! Sie würde jetzt die Zeit, wo
ſie mit Karl Auguſt auf Reiſen war und er ganz allein
unter ihrem Einfluß ſtand, ſchon richtig benutzen und ihn
ihren Plänen willfährig machen!
Immer zärtlicher lehnte ſich Jula an die Bruſt ihres
Gatten. Je gehäſſiger und böſer die Gedanken waren,
die durch ihr Herz zogen, um ſo unſchuldsvoller wurde
der Ausdruck ihres Geſichts.
Schneller aber, als ſie ſich es hatte träumen laſſen,
kam das Schickſal der Erfüllung ihres augenblicklichen
hauptſächlichſten Wunſches entgegen.
Es klopfte an der Tür. Der Diener erſchien und
meldete, Herr Geheimrat Mehner ſei ſoeben bei Ihrer
Exzellenz geweſen und wünſche die Herrſchaften zu
ſprechen.
Erſchreckt eilten ſowohl Karl Auguſt wie Jula dem
alten Herrn entgegen, der mit ernſtem Geficht ins Zimmer
trat.
Es iſt gut, daß Du da biſt, Karl Auguſt, und ich es
Dir endlich ſagen kann: Deine Mutter iſt ſchwer krank,
mein alter Junge. Ich kann es nun nicht länger
verheim=
lichen, ich muß deutlicher werden, da man meine rück=
ſohtele Abentinigen und Polchlungen niot
ver=
ſtehen wollte und ihnen keinen Wert beilegte.
Er ſah über die Brillengläſer hinweg ſcharf zu Jula
hinüber, die beleidigt den Kopf zurückwarf und die
Unter=
lippe vorſchob. Gott, ſie hatte den Worten des alten
ſchwatzhaften Mannes heute Mittag gar keine
Beach=
tung geſchenkt! Die Schneiderin hatte ihr gerade ihr
Koſtüm als Titania für morgen abend gebracht; das
hatte ſie natürlich mehr intereſſiert.
Lieber Onkel was, was iſt es, ich bitte Dich, ſag es
mir, bat Karl Auguſt. Ich habe ja keine Ahnung, daß
Mamas Zuſtand zu Beſorgniſſen Anlaß gibt. Als ich
heute vormittag bei ihr oben war, ſagte man mir, Mama
ſchliefe, ich ſollte ſie nicht ſtören, und vorhin, als ich
mich erkundigte, erhielt ich den gleichen Beſcheid.”
Ja, weil eine gänzlich ungeſchulte und unwiſſende
Pflegerin am Bett der alten Dame ſitzt und für Schlaf
hielt, was Bewußtloſigkeit war. Deine Frau
Gemah=
lin wollte ja aus Rückſicht auf das Koſtümfeſt nicht
ge=
ſtatten, daß eine Krankenſchweſter die Pflege übernahm.
Aber, um Gottes Willen, davon weiß ich ja nichts,
ſtöhnte Karl Auguſt.
Liebſtes Geheimrätchen, ſeien Sie doch nicht gleich
ſo kratzbürſtig, ſchmeichelte Jula. Ich wills nur geſtehen,
ich habe Karl Auguſt nichts davon geſagt. Sie ſehen
gleich immer ſo ſchwarz und da hielt ich Ihre
Beſorg=
niſſe für übertrieben! Und ſehen Sie, es geſchah auch aus
Rückſicht für unſere Gäſte. Was ſollen die denn denken,
wenn ihnen vielleicht zufällig dieſe nach Karbol,
Jodo=
form und nach was weiß ich alles duftende
Kranken=
ſchweſter begegnete. Mir ſind dieſe Perſonen ſo
anti=
pathiſch! Sie riechen ordentlich nach Tod und Anſteckung.
Alſo ſeien Sie gut und einſichtsvoll und ſehen Sie von
dieſem Wunſche ab!
Was ſoll ich ſein? Gut und einſichtsvoll? Empört
bin ich über ſo viel Rückſichtsloſigkeit, ja — Taktloſigkeit.
Der ſonſt ſo höfliche alte Herr war in aufrichtigen Zorn
geraten. Eine Schwerkranke haben Sie im Hauſe,
gnä=
dige Frau, eine Totkranke. Auf die iſt Rückſicht zu nehmen
und auf ſonſt weiter nichts, verſtehen Sie mich! Karl
Auguſt, Junge, ſteh nicht ſo ſaft= und kraftlos da, faß
Dich! Die aufgeregte Stimme des Hofrats milderte ſich
und nahm eine wärmere Färbung an. Ich glaub Dir
ſchon, daß Du gar nicht gewußt haſt, wie krank Deine
Mutter iſt! Na, na, wo willſt Du denn hin, mein Sohn?
Er hielt Karl Auguſts Hand feſt, als dieſer ſinnlos
fort=
ſtürzen wollte.
Zur Mutter!
Ne, ne, damit wird nichts! Hiergeblieben! Bei der
Mutter ſitzt die Schweſter, die ich mitgebracht habe, ohne
Ihre Erlaubnis, Frau von Leerſen, die aber nun mit
Ihrer Erlaubnis hierbleibt.
Das iſt, iſt — Jula fand in der Erregung nicht die
richtigen Worte.
Selbſtverſtändlich bleibt ſie, ſelbſtverſtändlich! Und
weiter, weiter, was ſoll noch geſchehen? drängte Karl
Auguſt. Das Feſt kann morgen natürlich nicht
ſtattfin=
den! Ich will alles beſorgen, ſofort zu Seiner
Durch=
laucht fahren. Dann muß abgeſchrieben, abtelephoniert,
abtelegraphiert und
Was, das Feſt ſoll nicht, ſoll nicht ſtattfinden? Nur
mit verlöſchender Stimme vermochte es Jula zu
ſtam=
meln. Dann brach ein Tränenſtrom aus ihren Augen.
Das iſt doch gar nicht möglich. Das, das kann doch gar
nicht ſein! Und nun ſprudelte eine Flut von Worten von
ihren Lippen, und alles waren Anklagen gegen ihre
Schwiegermutter, Karl Auguſt und den Hofrax.
(Fortſetzung folgt.)
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Markk
Musikverenn
Protektor: Seine Königliche Hoheit der Grossherzog.
erkes konzerr
im Winter 1912/13
(Ein und achtzigſtes Vereinsjahr)
unter Leitung des Herrn Hofkapellmeiſters
Hofrat W. de Haan
und unter Mitwirkung
der Konzertſängerin Frau Mientje Lauprecht-von
Lammen von Frankfurt a. M., des Konzertſängers
Herrn Dr. Robert Stark von Karlsbad, des Herrn
Heinrich Reinhardt von hier, ſowie der
Grossherzog-
lichen Hofkapelle.
Montag, den 21. Oktober 1912 im Haalbau
Anfang abends 7 Uhr. — Ende nach ½10 Uhr
Franziskus
Oratorium in drei Abteilungen
von Edgar Tinel.
Die verehrlichen Damen werden dringend erſucht, vor
Betreten des Konzertſaales die Hüte abzunehmen.
Sonntag, 20. Oktober, vormittags 10 Uhr, im
Hauptprohe: Saalbau. Der Zutritt iſt nur gegen die
Haupt=
probekarten geſtattet.
(für Nichtmitglieder
vom 14. Oktober an
Preise der Einiriiisktarlei erhältlich in der
Hof=
buchhandlung von A. Bergstraesser, Rheinſtraße 6,
ſowie abends an der Kaſſe).
Numerierte Plätze auf dem Balkon (Galerien) 1. Reihe Mk. 4.50
Numerierte Plätze auf dem Balkon (Galerien) 2. Reihe Mk. 2.50
Nichtnumerierte Plätze auf dem Balkon (Galerien)
. . Mk. 1.50
3. Reihe
Mk. 1.50
Plätze in dem Vorſaal
Texte 30 Pfennig.
Die hier nicht genannten Plätze ſind nur den Mitgliedern
vor=
behalten.
Fremde (d. h. außerhalb Darmſtadts Wohnende, welche ſich
vorübergehend hier aufhalten), können Karten für Saal und Eſtraden
zu Mk. 4.50 erhalten. Geſuche ſind an den Platzordner des Vereins,
Herrn Architekten J. Sarres, Saalbauſtraße 79, zu richten. (21389
Der Vorstand.
Nur noch 2 Tagel
erlängerung ausgesch lossen
orpheulr 38e
ontag,
Heuie) zun 14. Oktober
und morgen Dienstag, 15.Okt.
e Letztes Auftreten
Prinz
Karf
und die brillanten I. Oktober-
Kunstkräfte!
Mittwoch, 16. Oktober
vollständiger Programm-Wechsel
Ta r u. Fe ch
Donnerstag, den 17. Oktober 1912
abends 8¼ Uhr:
Weite Iniglich Renzerr
im Saale des Hotels „zur Traube‟.
Programm:
I. Teil: Vortrag: „Das Künstlerische und
Aesthe-
tische des Reproduktionsklaviers‟.
Musikschriftsteller Rudolf Kastner (Frankfurt a. M.)
II. Teil: Klavier-Vorträge von d’Albert, Busoni,
Felix Mottl († 1911), Paderewski, Richard
Strauss u. a.
Konzertflügel Ibach.
Eine Anzahl numerierter Karten für Interessenten sind in
der Hofmusikalienhandlung u. Pianomagazin Heinrich Arnold,
Wilhelminenstrasse 9 oder Mühlstrasse 1—3 zur Verfügung oder
werden auf Wunsch zugeschickt.
(21426om
Deutſcher Alkohol=Gegnerbund und
Lehrerinnen=Verein.
Lichtbilder=Vortrag
von Frau Dr. Wegscheider-Zigler über
Frauenkampf für die Lebenstüchtigkeit unſeres Volkes
am Dienstag, den 15. Oktober, abends 8¼ Uhr,
im Kaiſerſaal, Grafenſtraße 18.
Eintritt frei. Karten für reſervierte Plätze à 20 Pfg. im
Verkehrs=
büro und abends an der Kaſſe. (21341s0
Nach 5jähr. Studium bei Professor Eugen
Hildach erteile ich hier Gesängs-Unterricht.
Mathilde Heissner, Konzertsängerin
Anmeldungen vormittags erbeten Stiftstrasse 6. (*8689do
Flaschenbirnen
(Zwergobſt) per Pfund 12 Pfg.
Wilhelmſtraße 25. (B21395
Adler-Räder
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einige zurückgeſetzt
abzugeben Müller & Ober.
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Karlſtraße 30.
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6 Mk. abzugeben
Liebfrauen=
ſtraße 78, 1. Stock. (*9043
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