Darmstädter Tagblatt 1912


03. Oktober 1912

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175. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 20 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Blättermeldungen zufolge iſt in den nächſten Tagen die
Einberufung des Bundesratsausſchuſ=
ſes
für auswärtige Angelegenheiten
zu erwarten.
Unter ſtarker Beteiligung von Frauen aus ganz Deutſch=
land
wurde am Dienstag in Weimar ein natio=
nalliberaler
Frauentag abgehalten.
*
Der ruſſiſche Miniſter des Aeußern, Sa=
Gſonow, traf geſtern abend aus London in Paris
ein.
Ein Jrade ſanktionierte den Miniſterratsbeſchluß, welcher
die Mobiliſierung der ganzen türkiſchen
Armee anordnet, ausgenommen einiger anatoliſcher
Einheiten an der ruſſiſchen Grenze.

Gewitterſtimmung im europäiſchen
Wetterwinkel.

Berlin, 1. Oktober.
Nun iſt’s Ernſt geworden dort unten am Balkan!
Zwar noch nicht blutiger Ernſt, aber jede Stunde kann
Nachrichten bringen von Zuſammenſtößen an den türki=
ſchen
Grenzlinien nach Bulgarien, Serbien, Montenegro
und Griechenland hin, und ihnen dürften auf dem Fuß
die offiziellen Kriegserklärungen folgen. Der Brand, der
ſo lange von den europäiſchen Großmächten gefürchtet
und deſſen Ausbruch mit allen möglichen Mittelchen bis=
her
verhütet ward, flammt dann hell auf, und es iſt nicht
abzuſehen, welchen Umfang er annehmen wird.
Eins darf der Schreiber dieſes, der noch vor zwei
Wochen auf bulgariſchem Boden weilte und dort mit den
Vertretern der verſchiedenſten Bevölkerungsſchichten in
perſönliche Fühlung trat, auf das feſteſte verſichern: daß
weder in den leitenden Regierungskreifen noch in der
großen Maſſe des Volkes beſondere Kriegsluſt vorhanden
war, daß man aber den Kampf als unabwendbar anſah,
wenn ſich die europäiſchen Mächte nicht endlich ent=
ſchlöſſen
, einen energiſchen Druck auf die Türkei auszu=
üben
und dieſe zu ſchnellen Reformen in Mazedonien zu
zwingen. Das geſchah nicht, denn die Großmächte haben
ja natürlich viel Wichtigeres zu tun, als ſich um das Ge=
ſchick
einiger Millionen drangſalierter Chriſtenmenſchen zu
kümmern! Nur Zeit gewinnen: war die Loſung in den
eurrpäiſchen Kabinetten, und die kleinen Schreier da
unten beſchwichtigen mit allerhand netten Verſprechun=
gen
für die Zukunft. Sie haben ja ſo oft daran geglaubt
und werden’s auch wieder tun. Schickt erſt der Winter
ſeine Vorboten, ſo vergeht ihnen ſchon von allein die
Kriegsluſt!
Das Vertröſten auf die Zukunft half diesmal aber
nichts, denn zu oft ſchon waren die Hoffenden und Harren=
den
in ihren feſtgehegten Erwartungen auf europäiſche
Zuſagen getäuſcht worden. Und die Türkei ſelbſt dachte
natürlich nicht daran, aus eigenem Antrieb Verbeſſerungen
in Mazedonien einzuführen, ganz abgeſehen davon, daß
ſie genug mit ihren inneren und äußeren Schwierigkeiten
zu tun hat. Aber gerade deshalb wäre jetzt für die Groß=
mächte
, falls ſie ſich hätten einigen können, der günſtigſte
Zeitpunkt geweſen, auf die Hohe Pforte energiſch einzu=
wirken
und ſie zunächſt einmal zu bindenden Zuſagen zu
zwingen. Das hätte ſchon genügt, unn die erregten Ge=
müter
da unten zu beſchwichtigen. Es geſchah aber
nicht, da jede der verſchiedenen Mächtegruppen auf die
andere eiferſüchtig iſt und keine der anderen irgendeinen
ernſteren diplomatiſchen Schritt gönnte. des lieben
Preſtiges halber! Ueber all dem Zaudern und Zagen
wurden die Zuſtände am Balkan immer unhaltbarer und
veranlaßten die betreffenden Staaten, ſelbſt vorzugehen,
um das Schickſal ihrer Stamm= und Glaubensgenoſſen zu
verbeſſern, da hiermit auch die internationale Ehre und
das nationale Selbſtbewußtſein auf das engſte verbunden
ſind. Darob natürlich jetzt in den berühmten Kanzleien
der auswärtigen Aemter großes Lamento und allgemeine
Verlegenheit, ein Hin= und Hertelegraphieren und Un=
ſicherheit
, was zu tun. Nur in St. Petersburg wird man
wiſſen woran man iſt, und wird ſchon für alle Fälle‟
ſeine Vorbereitungen getroffen haben.
Wie war es denn im Frühling 1876, als im ſüdlichen
Bulgarien verſchiedene Aufſtände emporflackerten, da die
Bewohner lieber den Tod vorzogen, als ein längeres
Ertragen der furchtbaren Unterdrückungen? Mit entſetz=
licher
Grauſamkeit nahmen die Türken die Herſtellung
friedlicher Zuſtände in den betreffenden Gegenden vor
Greueltaten verübend, die in ihrer Scheußlichkeit nicht
überboten werden können. Zu Tauſenden wurden die
Bewohner hingeſchlachtet, nachdem ſie vorher gemartert
wrirden, weder Greiſe noch Kinder, Frauen noch Säug=
linge
wurden verſchont, die Dorfſſchaften geplündert und

niedergebrannt, die Mädchen in die Sklaverei geführt;
allein in der Stadt Peruſtika wurden über 1500 Menſchen=
leben
vernichtet! Nach dem offiziellen Bericht eines
Augenzeugen, des amerikaniſchen Generalkonſuls Schuy=
ler
, wurde in Batak das entſetzlichſte Blutbad angerichtet;
kein einziges Haus in dem lieblichen Tale blieb ſtehen,
an 6000 Menſchen, meiſt Frauen und Kinder, kamen dort
um: Alles liegt voll Menſchenknochen. Totenſchädeln,
Skeletten, die teilweiſe noch in Kleidern ſtecken, Mädchen=
köpfen
, an den langen Zöpfen kenntlich. Hier ſteht ein
Haus, in dem ſich die Aſche von 30 lebendig verbrannten
Menſchen befindet, dort die Stelle, wo ein angeſehener Be=
wohner
geſpießt und am langſamen Feuer geröſtet
wurde, daneben eine Grube voll Leichen, dann das Schul=
haus
, in dem 200 Weiber und Kinder lebendig verbrannt
wurden. Und ein anderer zuverläſſiger Augenzeuge er=
zählt
: Seitdem ich Batak geſehen, kann über die Türken
nichts geſagt werden, was ich nicht glaube, nichts, was
ich nicht für möglich oder wahrſcheinlich halte! In bezug
auf Gräßlichkeit gibt es einen Punkt, wo aller Vergleich,
jedes Maß, jeder Ausdruck unmöglich wird, und dieſen
Punkt haben die Türken noch überſchritten. Ihre Grau=
ſamkeiten
können abſolut nicht mehr überboten werden!
Im ganzen wurden nach offiziellen Angaben in jenen
blutigen Frühlingswochen über 100 Ortſchaſten geplündert
und zerſtört und nach der geringſten Schätzung mehr denn
25 000 Menſchen ermordet!
In ganz Europa erklang ein einziger Schrei des Un=
willens
über dieſe ſchreckensvollen Greuel, die Mächte
taten aber nichts, um dagegen einzuſchreiten! Man hatte
draußen auch gar keine rechte Vorſtellung, wie es in dem
armen, geplagten Lande ausſah, man hatte immer Nöti=
geres
zu tun! Man beſchränkte ſich auf Vorſchläge in
Konſtantinopel Mitwirkung der Großmächte bei Er=
nennung
der Gouverneure in den cheiſtlichen Provinzen
und Einſetzung einer aus Bevollmächtigten der Groß=
mächte
beſtehenden Aufſichtskommiſſion welche die Os=
manen
höhnend ablehnten: Wir haben die Chriſten unter=
worfen
und das Land mit dem Schwert erobert, wir
woller mit ihnen weder die Verwaltung des Reiches tei=
len
, noch ſie an der Leitung der Regierungsgeſchäfte teil=
nehmen
laſſen. Und dann griff eben Rußland ent=
ſcheidend
ein!
Jene ſchweren Zeiten aus blutigſter Vergangenheit
ſind in Bulgarien ſelbſtverſtändlich nicht vergeſſen, und
man kann ſich denken, wie lebhaft die Erinnerung daran
geweckt wird bei der Kunde neuer Greueltaten, unter
denen in letzter Zeit die chriſtlichen Bewohner Mazedo=
niens
zu leiden hatten, und daß im ganzen Volk die
Empfindung zum Durchbruch drängt: unſeren Brüdern
muß geholfen werden, ſo oder ſo, entweder durch einen
Einſpruch Europas oder durch unſere eigene Kraft!
Man hält bei uns und anderswo die Bulgaren immer
für ein leichtentſlammtes und zu lärmenden Tumulten,
bereites Volk, das gern großprahleriſche Worte im Munde
führt und nur von ſich reden machen will. Nichts falſcher
als das. Man bedenke doch daß 80 Prozent der Bevöl=
kerung
Landbebauer ſind und anf dem Lande wohnen.
Es iſt ein zähes, ruhiges, genügſames Bauernvolk, das
froh iſt, im Frieden ſeine Scholle zu bebauen, an der es
mit innigſter Hingebung und Fürſorge hängt. Denn der
Bulgare iſt ſehr arbeitsfrendig und ſparſam, er liebt ſeine
Familie und möchte die Zukunft ſeiner Kinder ſicher ſtellen,
er iſt mäßig in allem und zurückhaltend in ſeinem Weſen,
dabei aber aufnahmefähig für die Fortſchritte der Kulkur,
deren Bedentung für ſich und ſein Land er durchaus zu
würdigen weiß. Die lärmenden Schreier in den Ver=
ſammlungen
ſind faſt ausſchließlich bulgariſche Mazedo=
nier
, deren Prahlereien und Phantaſtereien kein Echo bei
der überwiegenden Mehrzahl der Bevölkerung finden.
Die politiſche Lage muß ſehr ernſt ſein, wenn ſich König
Ferdinand und ſein Miniſterpräſident Geſchoff die beide
zu keinerlei Abentenern neigen, zur Mobilſierung der
Armee entſchloſſen haben.
Hat man aber von jener Lage bei uns und auch in
verſchiedenen anderen europäiſchen Kanzleien eine rich=
tige
den Tatſachen entſprechende Auffaſſung, hat man
einen richtigen Einblick in die Stimmungen und Verhält=
niſſe
Bulgariens und der übrigen Balkanſtaaten? Es iſt
ſehr zu bezweifeln denn ſonſt hätte man nicht die Dinge
ſo weit kommen laſſen können, wie ſie jetzt gekommen ſind.
Beſchämend für eine gewiſſe europäiſche Diplomatie iſt
doch das hierher telegraphiſch übermittelte Eingeſtändnis
des Vertreters einer Großmacht in Sofia: Wir haben die
Angelegenheit auf eine zu leichte Wage genommen, ſehen
aber erſt jetzt, daß die Lage ernſt wird. Als ich vor zwei
Wochen in der bulgariſchen Hauptſtadt weilte war, ob=
wohl
ſich vieles ſchon ſehr kritiſch zugeſpitzt hatte der Ge=
ſandte
eines ſehr großen Staates auf Urlaub, ſein Ver=
treter
war ein junger Legationsſekretär, der erſt wenige
Wochen zuvor ſeinen Poſten angetreten. Und genau ſo
verhielt es ſich in der Hauptſtadt eines benachbarten
Staates, der an den Ereigniſſen im Orient recht beteiligt
iſt. Die ruſſiſchen Geſandten waren am Platz und zwar
ſehr! Davon wird man bald wohl des weiteren ſpüren!
Paul Lindenberg.
Im Berliner Auswärtigen Amte wird
gegenüber der Orientkriſis die größte Zurückhaltung
beobachtet. Man verweiſt auf die Erklärung des Grafen
Berchtold: die Bemühungen der Großmächte
gingen nach wie vor dahin, die Kriegsgefahr zu be=

ſchwören; man betont, daß Frankreich und England an der
Aufrechterhaltung des Friedens intereſſiert ſeien, daß auch
Rußland den Krieg jetzt vermieden wiſſen wolle; man
mißt der ruſſiſchen Probemobilmachung keine Bedeutung
bei; man hebt ſchließlich hervor, daß es nicht Deutſch=
lande
Sache wäre, Initiative zu entwickeln, daß vielmehr
Oeſterreich=Ungarn und Rußland die an erſter Stelle be=
teiligten
Mächte ſeien.
Die Zurückhaltung der amtlichen Berliner Kreiſe gibt
für die Beantwortung der Fragen, die die augenblickliche
Lage mit ſich bringt, nur teilweiſe einen Anhalt. Welcher
Art ſind die Bemühungen, die die Großmächte zur Be=
ſchwörung
der Kriegsgefahr aufwenden? Beſchränken ſie
ſich auf mündliche oder ſchriftliche Ermahnungen? Oder
werden Zwangsmaßregeln für den Fall der Nichtbefol=
gung
der friedlichen Weiſungen angedroht? Und ſind die
Großmächte tatſächlich in dem Bemühen einig, den Frie=
den
zu erhalten? Die Mobiliſierungs=Maßregel der Bal=
kanſtaaten
ſpricht wenig für eine ſolche Einigkeit; ſie er=
ſcheint
vielmehr nur dadurch erklärbar, daß die Balkan=
ſtaaten
für ihren kriegeriſchen Schritt einen ſtarken Rück=
halt
haben.
Nach äußeren Anzeichen iſt es Rußland, das die=
ſen
Rückhalt bietet. Das ruſſiſche Drängen in Konſtanti=
nopel
, die Durchführung der Reformen zu beſchleunigen,
macht angeſichts der vom Grafen Berchtold angeregten
Verhandlungen über die Dezentraliſationsfrage den Ein=
druck
einer diplomatiſchen Unterſtützung deſſen, was die
Balkanſtaaten fordern. Es wäre mindeſtens kein Wunder,
wenn der ruſſiſche Schritt von den, Balkanſtaaten als Er=
munterung
zu ſchroffem Vorgehen gegen die Pforte auf=
gefaßt
worden wäre. Die ruſſiſche Probemo=
biliſierung
rückt die Haltung Rußlands eben=
falls
in ein zweideutiges Licht. Es iſt gewiß denkbar,
daß dieſe Probemobiliſierung wirklich ſchon am 8. Sept.
angeordnet wurde. Aber die Ausführung der Maßregel
zu dem jetzigen Zeitpunkte iſt ohne Zweifel geeignet, die
Kriegsluſt der Balkanſtaaten anzufachen. Das Gleiche
gilt betreffs der Petersburger Nachricht, die ruſſiſche Re=
gierung
ſei davon überzeugt, daß die Großmächte den
Krieg lokaliſieren würden, wenn er am Balkan
ausbräche. Wer jetzt in ſolcher Art mit der Möglichkeit
des Krieges rechnet, trägt zu ſeinem Ausbruche bei. Der
Antritt einer 10tägigen Urlaubsreiſe des ruſſiſchen Mini=
ſterpräſidenten
aber beweiſt für den Ernſt der ruſſiſchen
Friedenspolitik inſofern wenig, als er bei der gleichzeiti=
gen
Abweſenheit des ruſſiſchen Miniſters der auswärtigen
Angelegenheiten unter Umſtänden die Gelegenheit ſchafft,
Rußlands Entſcheidungen ſolange hinzuzögern, bis es=
für
die Erhalltung des Friedens zu ſpät iſt.

Wie das Reuterſche Bureau aus diplomatiſchen
Kreiſen erfährt, hat der ruſſiſche Miniſter des Aeußern,
Saſonow, in Sofia und Belgrad ſehr dringende
Vorſtellungen zu gunſten der Erhaltung
des Friedens gemacht. Großbritannien,
Frankreich und Rußland handelten in voller
Uebereinſtimmung, während die Mächte des Dreibundes
gleichfalls entſchloſſen ſeien, alles in ihrer Macht ſtehende
zu tun, um den Ausbruch von Feindſeligkeiten zu ver=
hindern
. Die Vertreter aller Mächte in Konſtantinopel
ſeien in gleicher Weiſe bemüht, die Pforte in der freund=
lichſten
Form auf die dringende Notwendigkeit der Durch=
führung
von Reformen aufmerkſam zu machen.

Deutſches Reich.

Einberufung des Bundesratsaus=
ſchuſſes
für auswärtige Angelegenheiten.
In parlamentariſchen Kreiſen wird erzählt, daß infolge
der ernſten Entwicklung der Balkanfrage die Einberufung
des Bundesratsausſchuſſes für auswärtige Angelegenhei=
ten
für die erſten Oktobertage zu erwarten iſt. Den Vorſitz
wird Frhr. v. Hertling führen, da Bayern verfaſſungsgemäß
in dieſem Ausſchuß präſidiert. Erwartet wird ein Vor=
trag
des Staatsſekretärs v. Kiderlen=Wächter über die
politiſche Lage. Bekanntlich iſt der Ausſchuß das letzte
Mal nach der Marokkokriſe zuſammengetreten.
Das Mandat des Reichstagspräſi=
denten
. Die Meldung, Reichstagspräſident Dr.
Kaempf werde demnächſt ſein Mandat als Abgeordneter
des erſten Berliner Reichstagswahlkreiſes niederlegen
und wolle dann wieder kandidieren, entſpricht nach der

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Oktober 1912.

Nummer 233.

Nat.=Ztg. nicht den Tatſachen. Auf Anfrage ſprach ſich
Dr. Kaempf dahin aus, daß die Anfechtung ſeiner Wahl
durchaus noch nicht ſpruchreif ſei; falls die Anfechtung
wirklich begründet ſein ſollte, ſo wiſſe er noch gar nicht,
was er alsdann tun werde. Jedenfalls habe er aber zur=
zeit
noch keinen Entſchluß gefaßt.
Die Vorlage zur Hebung der Fleiſch=
teuerung
. Der erſte Geſetzentwurf, den der Reichskanz=
ler
dem am 10. Oktober zuſammentretenden Bundesrat
vorlegen wird, iſt die von der Regierung angekündigte
Vorlage, betreffend eine teilweiſe, Erlaſſung des Einfuhr=
zolls
für friſches und gefrorenes Fleiſch für Gemeinden,
welche Fleiſch und Vieh aus dem Auslande auf eigene
Rechnung einführen. Die Vorlage wird der Ende Novem=
ber
zuſammentretende Reichstag vorfinden. Eine frühere
Einberufung des Reichstags iſt nach amtlichen Informa=
tionen
nicht in Ausſicht genommen, da das Geſetz mit
Rückwirkung vom 1. Oktober in Kraft treten ſoll.

Ausland.

England.
Das Ergebnis der Beſprechungen in
Balmoral. Wie das Reuterſche Bureau erfährt, iſt
das Ergebnis der Beſprechungen Saſonows in Balmoral
und im Anſchluß daran mit dem Staatsſekretär für In=
dien
, Lord Crews, über die indiſchen Fragen folgendes:
Es hat ſich ergeben, daß die britiſche und die ruſſiſche Re=
gierung
ſich über alle beide Mächte berührenden Prinzi=
pienfragen
in Uebereinſtimmung befinden und daß die
Beziehungen zwiſchen den Regierungen in Petersburg
und London eine Feſtigung erfahren haben. Inbezug auf
Perſien iſt die Frage einer Teilung weder jemals erörtert
worden, noch hat ſeitens Rußlands die Abſicht beſtaßden,
Großbritannien zu einer energiſchen Politik zu drängen.
Was den Balkan anbetrifft, ſo kann erklärt werden, daß
beide Regierungen allem zuſtimmen, was darauf abzielt,
die Lage des Friedens zu ſichern, und daß ſie in Ueberein=
ſtimmung
mit den anderen Mächten handeln und handeln
werden, die ebenfalls von der Anſicht ausgehen, daß ſei=
tens
der Mächte der größte Wert darauf gelegt werden
muß, dem türkiſchen Kabinett nicht durch irgendeine Art
von Druck ſeine Aufgabe zu erſchweren. Die Tibetfrage
wurde nur in ganz allgemeinen Umriſſen beſprochen und
keine Aenderung der durch das beſtehende Abkommen feſt=
gelegten
Politik herbeigeführt.
Portugal.
Manifeſt des Exkönigs Manuel. Die
Pariſer Autorité veröffentlicht eine Manifeſtation des
Exkönigs Manuel an die portugieſiſche Nation. Darin
heißt es: Ich werde immer auf dem Poſten ſein, wie es
mir meine Pflicht gebietet, um mich in der geeigneten
Stunde an die Spitze meines Volkes zu ſtellen. Dann
werde ich Gerechtigkeit und Ordnung walten laſſen und
ſoziale Einrichtungen ſchaffen, wie es die Monarchie im=
mer
getan hat. Ich werde mit den Geſetzen regieren und
in Reſpekt vor den Geſetzen. Ich fühle mich in meinen
Gedanken eins mit der portugieſiſchen Bevölkerung, und
dem politiſchen Prinzip, deſſen Vertreter ich bin, wird
auch von der portugieſiſchen Nation gehuldigt. Die
monarchiſtiſche Sache iſt noch nicht geſtorben und hat in
Nordportugal, beſonders in den Städten Valenca, Cha=
ves
, Cabeceiras de Baſto u. a., ſtarke Unterſtützung. Die
Tatſachen werden beweiſen, daß eines Tages die Stunde

kommen wird, in der ich zu meinem Volke zurückkehren
werde.
China.
Eine republikaniſche Kaiſerin. Die Kai=
ſerin
=Witwe Lungju von China hat als Vormünderin des
ſechsjährigen Kaiſers Puji die Republik eingeführt, aber
Titel und Ehrenrechte für ſich und das Kaiſerhaus be=
halten
. Zu den Ehrenrechten gehört, daß hervorragende
Gäſte auch von ihr oder wenigſtens in ihrem Namen be=
grüßt
werden. So ſind, nach einem Pekinger Telegramm
der Korreſpondenz des Fernen Oſtens vom 28. September,
denn auch Sunjatſen und Hwangtſching auf Befehl der
Kaiſerin vom Prinzen Pulun empfangen worden. In
einer Anſprache der Kaiſerin, die der kaiſerliche Prinz
verlas, bezeichnete ſich die Kaiſerin als überzeugte Repu=
blikanerin
, die zum Beſten des Landes und zur Wahrung
der Einheit zwiſchen Süd und Nord und der Zuſammen=
gehörigkeit
der fünf Raſſen auf den Thron verzichtet habe.
In ſeiner Antwort maß der wütende Republikaner
Hwängtſching das Beiwort ſtammt aus der Korreſpön=
denz
das Hauptverdienſt um das Zuſtandekommen der
Republik dem Kaiſerhauſe und dem großen Präſiden=
ten
Juanſchikai bei.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 3. Oktober.

* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen am Dienstag den Leutnant Müller vom
Königl. Sächſiſchen 2. Grenadier=Regiment Nr. 101 Kaiſer
Wilhelm, König von Preußen in Dresden; zum Vortrag
den Staatsminiſter Ewald, den Finanzminiſter Braun,
den Miniſter des Innern v. Hombergk zu Vach, den
Oberjägermeiſter Frhrn. van der Hoop, den Vorſtand
des Kabinetts Geheimerat Römheld, den Baurat Metzler
von Worms.
* Ordensverleihungen. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Direktor des Zoologiſchen
Gartens zu Berlin, Profeſſor Dr. Ludwig Heck zu
Berlin, die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen
des ihm von Sr. Hoh. dem Herzog von Anhalt ver=
liehenen
Ritterkreuzes 1. Klaſſe des Herzoglich Anhaltiſchen
Hausordens Albrechts des Bären erteilt und dem Pro=
vinzialdirektor
der Provinz Rheinheſſen Geheimerat
A. Breidert zu Mainz die Erlaubnis zur Annahme
und zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dem Deutſchen
Kaiſer und König von Preußen verliehenen Roten Adler=
Ordens 2. Klaſſe.
* Entlaſſen haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
den Notar Juſtizrat Dr. Bertram Auguſt
Bittong in Mainz auf ſein Nachſuchen aus dem
Staatsdienſte.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Adam Geißler
zu Hartershauſen, Kreis Lauterbach, eine Lehrerſtelle an
der Gemeindeſchule zu Stammheim, Kreis Friedberg;
dem Lehrer Johann Gerhardt zu Frankenhauſen,
Kreis Dieburg, eine Lehrerſtelle an der evangeliſchen
Schule zu Birkenau, Kreis Heppenheim; dem Lehrer
Georg Lautenſchläger zu Birkenau, Kreis Heppen=
heim
, die Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Franken=
hauſen
, Kreis Dieburg; bem Schulverwalter Daniel
Grünzfelder zu Ober=Mörlen, Kreis Friedberg, eine
Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule daſelbſt.
* Militärperſonalien. Hauptmann W. v. Zangen,
Karlsruhe (früher in Darmſtadt beim Feldart.=Regt. 25),
zum Major befördert. Mit dem 1. Oktober hat das
Infanterie=Leibregiment Großherzogin
(3. Großh. Heſſ.) Nr. 117 in Oberſt Frhrn. Raitz
v. Frentz, bisher Oberſtleutnant beim Stabe des Füſi=
lier
=Regiments Nr. 40 in Raſtatt, den 45. Regiments=
kommandeur
ſeit ſeiner am 10. Juni 1697 erfolgten Er=
richtung
erhalten. Erſt vor hundert Jahren erhielt es
die Bezeichnung Leibregiment Seine Kommandeure
waren ſeitdem die Oberſten v. Gall bis 1813, Zimmer=
mann
bis 1829, Königer bis 1838, Frhr. Röder v. Diers=

burg bis 1843, Keim bis 1847, Gerlach bis 1849, Dingel=
dey
bis 1853, Frhr. v. Gerlach bis 1859, Fenner bis 1864,
Frhr. v. Ochſenſtein bis 1867, Laue bis 1869, v. Lyncker
bis 1870, Stamm nur kurz in dieſem Jahre, Winter bis
1873, Ehrhardt bis 1879, v. Weſternhagen bis 1884,
v. Winterfeld bis 1885, Michaelis bis 1888, v.=Wurmb
bis 1891, Bock v. Wülfingen bis 1895, v. Heeringen, der
gegenwärtige preußiſche Kriegsminiſter, bis 1898, Kutzen
bis 1901, v. Gersdorff bis 1905, v. Schlutterbach bis 1909
und bis jetzt der nunmehrige Generalmajor und Inſpek=
teur
der Infanterieſchulen Herhudt v. Rohden. Mit
dem 1. Oktober hat auch das Großherzogliche
Artilleriekorps, 1. Großh. Heſſ. Feldartillerie= Re=
giment
Nr. 25, in Oberſtleutnant Egersſ, dem bis=
herigen
Kommandeur der reitenden Abteilung des Feld=
artillerie
=Regiments Prinz Auguſt von Preußen (1. Lit=
thauiſches
) Nr. 1 in Gumbinnen, einen neuen, und zwar
den 20. Kommandeur, ſeit ſeiner am 17. April 1790 er=
folgten
Errichtung erhalten. Die Kommandeure, meiſt
Oberſtleutnants oder Oberſten, ausnahmsweiſe auch Ge=
nerale
, waren: Fiſcher bis 1792, Generalleutnant Hahn
bis 1823, Müller bis 1828, Gen.=Maj. Gandenberger bis
1848, Scholl bis 1853, Gen.=Maj. Frhr. Pergler v. Perglas
bis 1866, Seederer bis 1869, Stumpf bis 1871, v. Lyncker
bis 1872, v. Zglinitzki bis 1874, v. Heineccius bis 1879,
v. Prittwitz und Gaffron bis 1886, v. Kayſer bis 1889,
v. Abel bis 1890, v. Witzendorff bis 1895, v. Beck bis
1899, Conzen bis 1901, Graf v. Weſtarp bis 1907 und bis
jetzt der nunmehrige Kommandeur der 34. Feldartillerie=
Brigade in Metz v. Müller.
O Perſonalnachrichten der Ober=Poſtdirektion Darm=
ſtadt
. Verliehen: Der Charakter als Rechnungsrat
dem Ober=Telegraphenſekretär Walcker in Mainz; der
Charakter als Poſtſekretär dem Ober=Poſtaſſiſtenten von
der Schmitt in Lauterbach; der Titel Ober=Poſtaſſiſtent
dem Poſtaſſiſtenten Rückert in Offenbach und der Titel
Ober=Telegraphenaſſiſtent dem Telegraphenaſſiſtent Rup=
persberger
in Mainz. Verſetzt: Ober=Poſtpraktikant
Köhler von Darmſtadt nach Poſen als Poſtinſpektor; die
Poſtſekretäre Fitzky von Schotten nach Babenhauſen,
Schneider von Worms nach Offenbach und Steinmetz von
Gelſenkirchen nach Darmſtadt. Poſtverwalter Vogt von
Kleinkrotzenburg nach Schotten, Poſtaſſiſtent Schmidt von
Nidda nach Gießen. Ernannt: zum Ober=Poſtſekretär
Telegraphenſekretär Schupp in Darmſtadt und Poſtſekretär
Spiehl in Alzey; zum Ober=Telegraphenſekretär Telegra=
phenſekretär
Peterſen in Mainz. Uebertragen:
Poſtſekretär Kaufmann in Darmſtadt eine Bureaubeamten=
ſtelle
1. Klaſſe bei der Ober=Poſtdirektion; Ober= Poſt=
aſſiſtent
Bing aus Guntersblum die Poſtverwalterſtelle
in Kleinkrotzenburg. Etatsmäßig angeſtellt:
Poſtaſſiſtent Sachs in Heppenheim. Beſtanden: die
Poſtaſſiſtentenprüfung die Poſtgehilfen Born in Gerns=
heim
, Böttcher in Kelſterbach, Scherff in Stockheim und
Winkes in Ober=Ramſtadt; die Telegraphenaſſiſtentenprüf=
ung
Telegraphengehilfe Wenz in Mainz und Telegraphen=
anwärter
Mildenberger in Offenbach. Angenom=
men
: Karl Made aus Darmſtadt zum Telegraphengehil=
fen
. In den Ruheſtand treten: Poſtſekretär Sior
in Babenhauſen; Poſtgehilfin Stein in Darmſtadt und
Telegraphengehilfin Kirſchſtein in Mainz. Geſtor=
ben
: Ober=Poſtſekretär Ackermann und Poſtſekretär a. D.
Winter in Darmſtadt.
g. Schwurgericht. Wegen Sittlichkeitsverbrechens
nach §§ 176, 177 St.=G.=B. in zwei Fällen, einem ver=
ſuchten
und einem vollendeten Verbrechen, ſtand geſtern
der 32jährige, verheiratete Maſchiniſt Valentin Jakob
Moos aus Lampertheim vor den Geſchworenen. Ver=
treter
der Anklage iſt Gerichtsaſſeſſor Dr. Meiſel, Ver=
teidiger
Juſtizrat Grünewald. Die Verhandlung
fand unter Ausſchluß der Oeffentlichkeit ſtatt. Die Ge=
ſchworenen
bejahten die Schuldfrage und verneinten die
Frage nach mildernden Umſtänden. Das Gericht erkannte
auf drei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehren=
rechtsverluſt
. Von der Unterſächungshaft wurde ihm ein
Monat angerechnet.
g. Strafkammer. Der Schreiner Levy in Kelſter=
bach
war vom Schöffengericht Langen auf Klage des
Polſterers Marx wegen Vergehen nach § 4 des Geſetzes
zur Bekämpfung des unlauteren Wettuewerbes zu
25 Mark Geldſtrafe verurteilt worden. Gegen dieſes

Chriſtopher Marlowe und ſein
üoktor Fauſtus‟.

Zur Aufführung durch die Freie literariſch=künſtleriſche
Geſellſchaft am 9. Oktober 1912.
Im Herbſt 1587 erſchien bei Johann Spieß in Frank=
furt
a. M. ein kleines Buch im Druck, betitelt: Hiſtoria
von D. Johann Fauſten, dem weitbeſchreyten Zauberer
und Schwartzkünſtler, durch das die beim deutſchen Volke
ſo bekannte und beliebte Geſtalt Fauſtens zum erſten Male
in die Literatur eingeführt wurde und das die Quelle
aller ſpäteren Fauſtdichtungen iſt. Den Ver=
faſſer
des Buches kennt man nicht, doch läßt die moraliſie=
rende
Form der Abfaſſung auf einen orthodoren Geiſt=
lichen
ſchließen. Bei dem großen Intereſſe, das das Volk
den Wundergeſchichten und Schwänken Fauſtens entgegen=
brachte
iſt es ſchließlich nicht auffallend, daß das Buch in
demſelben Jahre verſchiedentlich nachgedruckt wurde, dar=
unter
auch in niederdeutſcher Ueberſetzung; merkwürdig
iſt aber doch, daß ſchon im folgenden Jahre das Volks=
buch
dramatiſiert auf der engliſchen Bühne erſchien. Wahr=
ſcheinlich
von Schauſpielern über den Kanal gebracht, war
es dort einem Kollegen in die Hände gekommen der den
Stoff für eine Tragödie geeignet fand und ſelbſt bear=
beitete
. Dieſer Schauſpieler=Dichter war Chriſtopher
Marlowe, wohl der bedeutendſte unter Shakeſpeares Vor=
läufern
.
Als Sohn des Schuhmachers John Marlowe 1564 in
Canterbury geboren, beſuchte Chriſtoph zunächſt die
Königliche Schule ſeiner Vaterſtadt und wurde 1580 bei
der Univerſität Cambridge immatrikuliert die er 1587 mit
der Würde eines Magiſter artium verließ. Schon als
Student hatte er ſich verſchiedentlich literariſch verſucht
und 1587 war ſein erſtes Trauerſpiel: Tamburlaine the
Great über die Bretter gegangen. Dieſes Stück iſt üb=
rigens
literaturgeſchichtlich dadurch intereſſant, daß es das
erſte große, im blank verſe dem reimloſen fünffüßigen
Jambus, abgefaßte Drama war, eine Form, die Marlowe
auch ſpäter beibehielt und die in der Folgezeit die Bühne
beherrſchte. Der Erfolg dieſes ſeines erſten Dramas ließ
in Marlowe den Entſchluß reifen, ſich ganz dem drama=
tiſchen
Dichten zu widmen, und wie es zu jener Zeit
üblich war, zugleich Schauſpieler zu werden. Im folgen=
den
Jahr, 1588, brachte dann der Theaterdirektor Hens=
lowe
ſeine zweite Tragödie: The tragical Hiſtory of
Doctor Fauſtus heraus, der, wie erwähnt das deutſche
Volksbuch zu Grunde lag. Von ſeinen ſpäteren Werken
ſeien noch: The Jew of Malta, ein Vorläufer Shylocks,
Eduard II. und he Muaſacke et Peais erwähmt.

Von Marlowes Leben weiß man ſonſt nur wenig.
Infolge der Mißachtung, die die puritaniſche Geſellſchaft
Englands noch vielfach allem, was zur Bühne gehörte,
entgegenbrachte, konnte er ſeinen Verkehr nur unter ſeinen
Kollegen ſuchen, zumal auch noch die Geiſtlichkeit wegen
ſeines offen bekannten Atheismus’ gegen ihn beſonders
hetzte. Die geſellſchaftliche Aechtung hatte die Schauſpieler
in ein wildes Bohémeleben getrieben, und dieſem gab
ſich auch Marlowe vollſtändig hin. Bei einem wüſten Ge=
lage
zog er ſich einen Schenkelbruch zu, der ihn zum Krüp=
pel
machte und ſeiner Schauſpielertätigkeit ein ſchnelles
Ende bereitete. Nicht ganz dreißigjährig, fand Marlowe
1593 zu Deptford ſeinen Tod durch die Hand eines Kol=
legen
, den er aus Eiferſucht angegriffen hatte. Sein Ende,
das bei allen Freunden des Theaters große Trauer er=
regte
, wurde von den Puritanern überſchwenglich in Wort
und Schrift gefeiert. Sechs Jahre nur hatte die Zeit
ſeines Schaffens gedauert, aber ſie hatten genügt, ihm
einen dauernden Platz in der Literaturgeſchichte zu ſichern.
Nicht nur in ſeiner Heimat, auch im Auslande wurde und
blieb ſein Name bekannt und die vielen Ueberſetzungen
ſeiner Werke zeugen von ſeiner Wertſchätzung. Bei uns
wies beſonders Leſſing auf ſeine Bedeutung hin und
führte in ſeiner Theatraliſchen Bibliothek zwei ſeiner
Dramen, Eduard II. und Doktor Fauſt, namhaft auf.
Später hat Ludwig Tieck ihm in ſeiner Novelle Dichter=
leben
ein bleibendes Denkmal geſetzt.
Für uns Deutſche iſt von beſonderem Intereſſe natür=
lich
das Fauſtdrama, nicht nur weil es einen deutſchen
Stoff behandelt, ſondern auch, weil ſich noch Beziehungen
zu der großen Dichtung Goethes nachweiſen laſſen. Die
Marloweſche Tragödie, die 1604 in London im Druck er=
ſchien
, kam wenige Jahre ſpäter nach Deutſchland und
wurde 1608 von engliſchen Schauſpielern zu Grätz in
Oeſterreich, 1626 mit anderen Marloweſchen Stücken in
deutſcher Bearbeitung in Dresden aufgeführt. Aus dieſer
Ueberſetzung gingen dann die deutſchen Puppenſpiele
von Dr. Fauſt hervor, die auf Jahrmärkten gezeigt wur=
den
und die auch der junge Goethe kennen lernte. Wie
wir wiſſen, regten ſie ihn zur Behandlung des Stoffes an
und durch dieſe Zuſammenhänge laſſen ſich manche Ueber=
einſtimmungen
in beiden Dramen erklären. So iſt es
wohl kein Zufall, um ein Beiſpiel anzuführen, daß der
Goetheſche Fauſt wie der Marloweſche in ſeinem erſten
Monologe alle Wiſſenſchaften aufzählt, in denen er ver=
gebens
Befriedigung geſucht hat, und beſchließt, ſich jetzt
der Magie in die Arme zu werfen. Im übrigen ſoll man
ſich hüten, die beiden Dramen in irgend einer Hinſicht
aneinander zu meſſen; man täte dem engliſchen Dichter,
der doch ganz anderes mit ſeiner Tragödie gewollt hat
als Goethe, bitteres Unrecht, Sein Fauſt iſt noch ganz
der Held des Volksbaches, mit ſeinem naiven Streken

nach Macht und damit nach Ehre und Reichtum; und nach=
dem
ihm Luzifer gegen ſeine Seele den alles ſchaffenden
Geiſt Mephiſtopheles als unzertrennlichen Begleiter bei=
gegeben
hat, ſäumt er nicht, Proben ſeiner Kunſte abzu=
legen
, die aller Welt ſeine Macht beweiſen ſollten. Dem
Kaiſer und ſeinem Hofg läßt er den Geiſt des großen
Alexander erſcheinen, der Herzogin von Anhalt beſorgt
er im tiefen Winter reife Weintrauben, Studenten zeigt
er die Geſtalt der ſchönen Helena, wie er andererſeits
Leuten, die ſich bei ihm keiner Beliebtheit erfreuen, übel
mitſpielt. Dem tafelnden Papſte nimmt er unſichtbar die
Speiſen weg und verprügelt die Mönche, die ihn darob
verfluchen ſollen, einem Roßtäuſcher, der an ihm zweifelt,
verwandelt er ein Pferd in ein Heubündel und einem
Ritter, der ihn verhöhnt, läßt er Hörner wachſen. Doch
all ſeine Macht, ſein Ruhm und ſein Reichtum verſchaffen
Fauſt kein dauerndes Glück; die moraliſche Tendenz des
Volksbuches hat auch Marlowe beibehalten: in wilder
Verzweiflung findet Fauſt ſein grauſiges Ende. Sez.
hölliſcher Begleiter Mephiſtopheles hat bei Marlowe nichts
von dem ſpöttiſchen, überlegenen, großen Herrn, wie wir
ihn durch Goethe zu ſehen gewohnt ſind. Er iſt ein Knecht
des großen Luzifer, zu unbedingtem Gehorſam gezwun=
gen
, und leidet ſchwer unter ſeiner ewigen Verdammnis=
Beinahe modern mutet uns ſeine Antwort auf Fauſtens
Frage nach dem Ort der Hölle an, daß jeder Verdammte
ſeine Hölle überall in ſich trägt:
Die Höll’ iſt grenzenlos, beſchloſſen nicht
In einem Raum; denn Höll’ iſt, wo wir ſind.
Und wo die Hölle iſt, ſind ewig wir.
Die übrigen Rollen des Dramas ſind alle mehr oder
weniger epiſodiſch: Ein guter Engel und ein alter Mann,
die verſuchen, Fauſt zur Reue zu bringen ein böſer Engel,
der ihn auf der ſchiefen Bahn weiter treibt, die ſieben Tod=
ſünden
, die Fauſt von Luzifer gezeigt werden, Fauſtens
Famulus Wagner, der ſich den Anſtrich großer Gelehrſam=
keit
gibt, Studenten und zwei Rüpel die in keinem eng=
liſchen
Drama der damaligen Zeit fehlen durften, und die
ja auch aus den Shakeſpearedramen genügend bekannt
find.
Deutſche Ueberſetzungen des Doktor Fauſtus gibt es
verſchiedene; am bekannteſten iſt die von Wilhelm Müller,
dem Dichter der Griechenlieder, die im Jahre 1818 er=
ſchien
. Zu neuem Leben iſt in Deutſchland das Drama
aber neuerdings durch eine Ueberſetzung erweckt, die zwei
Göttinger Studenten, A. Morsbach jun. und A. Rapp,
beſorgten, und die vor zwei Jahren in Göttingen ihre
Uraufführung erlebte. Im Oktober 1911 folgte dann die
Aufführung durch die Leſſing=Geſellſchaft in Hamburg in
einer glänzenden Ausſtattung, in der wir den Doktor
Fauſtus auch hier am 9. Oktober ſehen werden. 1 REe

[ ][  ][ ]

Nummer 233.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Oktober 1912.

Seite 3.

Urteil legte der Verurteilte Berufung ein, mit der er
geſtern vor der hieſigen Strafkammer Freiſprechung
erzielte. Levy betreibt in Kelſterbach eine Schreinerei
und beſitzt das Gewerbepatent als Schreiner und Polſterer.
In ſeinen Ankündigungen machte er bekannt, daß er eine
ſtändige Polſterwerkſtatt betreibe. Hierin ſah nun ſein
Konkurrent Marx unlauteren Wettbewerb, da er wedec
einen Gehilfen noch einen ſtändigen Betrieb in ſeiner
Polſterwerkſtatt habe. Das Berufungsgericht konnte je=
doch
in der Ankündigung keinen unlauteren Wettbewerb
ſehen, da der Beklagte eine ſtets bereite Polſterwerkſtätte
hat und alſo Arbeiten zu jeder Zeit in Angriff nehmen
kann. Auch Arbeitskräfte könne er ſofort bekommen. Es
erfolgte alſo Freiſprechung und dem Privatkläger
wurden die Koſten beider Inſtanzen einſchließlich der
Koſten des gegneriſchen Anwalts auferlegt.
* Die Ausſtellung Der Menſch verlängert. Da der
Andrang zur Ausſtellung Der Menſch in Darmſtadt
täglich zunimmt, hat ſich die Ausſtellungsleitung veran=
laßt
geſehen, den Schluß der Ausſtellung noch hinauszu=
ſchieben
. Die Ausſtellung iſt demnach noch den ganzen
Oktober hindurch geöffnet, und zwar von
morgens 9 Uhr bis abends 10 Uhr, auch Sonntags.
* Vom Roten Kreuz. Im ganzen Heſſenland und
weit über ſeine Grenzen hinaus iſt das warme Intereſſe
bekannt, das Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin
nicht nur allen Zweigen ſozialer Fürſorge, ſondern allen
humanitären Beſtrebungen im weiteren Sinn unermüd=
lich
widmet. Einen neuen Beweis für dieſes Intereſſe
hat die hohe Frau vor kurzem dadurch gegeben, daß ſie
den vom Heſſiſchen Landesverein vom Roten Kreuz aus=
gebildeten
Hilfsſchweſtern und Helferinnen
vom Roten Kreuz eine Dienſttracht verliehen
hat. Es iſt die gleiche, die von Seiner Majeſtät dem
König von Preußen durch Allerhöchſte, an den Kriegs=
miniſter
gerichtete Ordre vom 16. März 1912 den Preußi=
ſchen
Hilfsſchweſtern und Helferinnen vom Roten Kreuz
verliehen worden iſt. Dabei mag erwogen worden ſein,
daß es wünſchenswert ſei, die Heſſiſchen Hilfsſchweſtern
und Helferinnen bei Ausübung ihres Dienſtes für das
Rote Kreuz auch in ihrer äußeren Erſcheinung den preußi=
ſchen
ganz gleichzuſtellen, da beide im Frieden nach den=
ſelben
Grundſätzen ausgebildet werden und im Kriege
unter Umſtänden in demſelben Lazarett, oder wo man
ſonſt ihrer bedarf, nebeneinander in Tätigkeit treten müſſen.
Mit dem Heſſiſchen Landesverein vom Roten Kreuz ſind
auch ſeine Hilfsſchweſtern und Helferinnen unſerer gelieb=
ten
Großherzogin für die erwieſene Gnade zu großem
Danke verpflichtet. Bei dieſer Gelegenheit ſei erwähnt,
daß im Laufe des letzten Sommers in Darmſtadt etwa
65 neue Helferinnen ausgebildet worden ſind. Da
aber hiermit der im Falle eines Krieges eintretende Be=
darf
bei weitem noch nicht gedeckt iſt, ſo wäre es ſehr er=
wünſcht
, wenn alle Samariterinnen auch die früher
ausgebildeten ſich entſchlöſſen, ihre theoretiſche Aus=
bildung
alsbald durch einen vier= bis ſechswöchigen prak=
tiſchen
Lehrgang in einem Krankenhaus zu vervollſtän=
digen
, damit ſie eben im Kriege als Helferinnen vom
Roten Kreuz in den Lazaretten der Heimat bei der
Pflege der Verwundeten verwendet werden können.
* Jubiläum. In der Darmſtädter Eiſenbauanſtalt
Georg Donges feierte geſtern der Vorarbeiter Hermann
Hafner ſein vierzigjähriges Arbeitsjubiläum. Es
wurden dem Jubilar von ſeiten der Firma ſowohl, wie
von ſeinen Mitarbeitern namhafte Geſchenke zu teil.
Profeſſor Ph. Schmittſche Akademie für Ton=
kunſt
. Das Lehrerkollegium der Akademie wurde mit
Beginn des Winterſemeſters um eine weitere hervor=
ragende
Kraft bereichert. Es iſt der Direktion gelungen,
Herrn Profeſſor Arnold Mendelsſohn für das
Jach der muſikaliſchen Formenlehre zu gewinnen. Herr
Profeſſor Mendelsſohn, einer der berufenſten Vertreter
auf dieſem Gebiet, beabſichtigt die Schüler in die muſi=
kaliſchen
Formen einzuweihen, wie ſie ſich aus der
Grundidee Harmonie und Rhythmus bis zum heutigen
Kunſtwerk entwickelt haben. Die verſchiedenartigſten
Werke ſollen am Klavier analyſiert werden. Der Unter=
richt
iſt hauptſächlich gedacht für die Ausbildungsſchüler
der Kunſtſchule, die ſich dabei auch praktiſch betätigen
ſollen, doch können daran auch die Dilettantenſchüler der

Akademie, ſowie Nichtſchüler der Anſtalt als Hörer teil=
nehmen
. Die Unterrichtsſtunden finden einmal wöchent=
lich
ſtatt, und zwar Freitags von 56 Uhr. Der Kurſus
beginnt mit dem 18. Oktober.
* Vortrag. Die Ortsgruppe Darmſtadt des deut=
ſchen
Wiſſenſchafter=Verbandes hat Herrn
Dr. Elbert aus Frankfurt a. M. zu einem Vortrag
(mit Lichtbildervorführung) auf Donnerstag, den 10. Okt.
ds. Js., abends 8 Uhr, im Saale des Hotel Traube ge=
wonnen
. Der Vortragende wird über die Erlebniſſe und
Forſchungen der beiden Sundaexpeditionen ſprechen, die
er im Auftrag des Vereins für Geographie und Statiſtik
zu Frankfurt a. M. in den Jahren 1907/10 unternommen
hat. Dr. Elbert, der Führer der Expedition, wurde be=
gleitet
von ſeiner Gattin, einem Aſſiſtenten, mehreren
Präparatoren, Sammlern und Jägern. Erſt kürzlich,
am 19. September ds. Js., hat Dr. Elbert zu Münſter
i. W. auf der 84. Verſammlung Deutſcher Naturforſcher
und Aerzte über die Ergebniſſe der Forſchungsreiſe einen
Vortrag gehalten. Dr. Elbert verſteht es meiſterhaft,
Wiſſenſchaftliches und Unterhaltendes in glücklicher Mi=
ſchung
und feſſelnder Form wiederzugeben. Der Zu=
hörer
folgt ihm über Meere, durch tiefen Urwald, über
Gebirge auf den von der Natur ſelbſtgeſchaffenen Pfaden,
die Flüſſe auſwärts, durch ſumpfige, fieberſchwangere
Ebenen und glühende Savannen. Im Anſchluß an den
Vortrag wird gegebenenfalls die Gattin des Forſchers
über die Lebensgewohnheiten der dortigen Bevölkerung
ſprechen. So dürfte der Vortrag in ſeiner Reichhaltig=
keit
auch den Damen ſehr zu empfehlen ſein. Die deutſche
Kolonialgeſellſchaft, Abt. Darmſtadt, und die Kreisgruppe
Darmſtadt des deutſchen Flottenvereins haben ſich der
Veranſtaltung angeſchloſſen; auch ihre Mitglieder haben
freien Eintritt. Im übrigen ſiehe die Anzeige in dieſem
Blatt.
* Muſik fürs Haus. Man ſchreibt uns: Die Pflege
einer guten Hausmuſik iſt vielen Muſikfreunden leider ver=
ſagt
. Zeit und Geld ſpielen bei der Erlernung eines In=
ſtrumentes
eine große Rolle. Außerdem erfordert der
Muſik=Unterricht einen koloſſalen Aufwand von Geduld,
über den nicht jeder verfügt. Von dem Gedanken geleitet,
jeden Muſikfreund in den Stand zu ſetzen, eine gute und
angemeſſene Hausmuſik zu pflegen, hat Herr Muſikdirek=
tor
P. A. Fay die in Betracht kommenden Schwierigkeiten
bei der Erlernung des Klavierſpielens zu beſeitigen ge=
ſucht
und eine Lernmethode erfunden, die es ſelbſt dem
muſikaliſch weniger Begabten möglich macht in der er=
ſtaunlich
kurzen Zeit von 510 Stunden mit Leichtigkeit
Klavierſpielen zu lernen. Sie iſt vor allem für Erwach=
ſene
, die ſich mit einer guten Hausmuſik begnügen wollen,
ſehr geeignet. Die Methode hat über ganz Deutſchland
und das Ausland Verbreitung gefunden. (Näh. ſ. Anz.)
Reklame=Ausſtellung. Die Firma Heinrich
Elbert, Hoflieferant G. m. b. H., Darmſtadt, hat zur Zeit
in der Auslage ihres Ausſtellungsraumes Ernſt= Lud=
wigſtraße
9 eine Rieſen=Standuhr ausgeſtellt, die im
Pendel eine reguläre Original=Underwood=Maſchine,
Modell 5, mitführt. Der Eigenart halber dürfte ſich die
Beſichtigung empfehlen.
* Literariſcher Verein. Auf die heutige Anzeige
dieſes Vereins, der ſeine einzige Aufgabe darin ſieht,
ſeine Mitglieder das ganze Jahr über ſowohl mit unter=
haltender
, wie belehrender Lektüre zu verſehen, ſei hier=
mit
nochmals hingewieſen.
* Verkehrsverein. Die Winterausgabe des roten
Darmſtädter Fahrplanbuches iſt, wie ſchon
mitgeteilt, pünktlich erſchienen. Zu den bekannten Vor=
zügen
des beliebten Verkehrsbuches ſind weitere Ver=
beſſerungen
hinzugekommen. So iſt das Strecken= mit
dem Ortsverzeichnis zweckmäßig vereinigt worden, wo=
durch
das Nachſchlagen ſehr erleichtert wird. Eine Be=
reicherung
hat der Inhalt erfahren durch Aufnahme
neuer Strecken, durch Angabe der Perſonenpoſten
im Großherzogtum Heſſen, ein Kalender wurde beigefügt
u. a. m. Dem Buch, das ſich ſteigender Beliebtheit er=
freut
, iſt auch ferner ein flotter Abſatz zu wünſchen.
Der Poſtbericht des Kaiſerlichen Poſtamt 1 in
Darmſtadt für den Winterdienſt 1912 iſt erſchienen. Er
enthält wie ſeither eine Ueberſicht der zur Poſtbeförderung
benutzten Eiſenbahnzüge, Vermerke darüber, wann die
Schalter und die öffentlichen Fernſprechſtellen geöffnet

ſind und die Briefbeſtellungen uſw. beginnen, wo ſich amt=
liche
Verkaufsſtellen für Poſtwertzeichen befinden uſw.
Der Poſtbericht enthält ferner Angaben über die Poſt= und
Telegraphen=Tarifbeſtimmungen, ſowie ein Verzeichnis
der Poſtanſtalten im Umkreiſe von 10 geographiſchen
Meilen (1. Zone) von Darmſtadt. Hierdurch wird dem
Publikum die ſelbſtändige Frankierung ſeiner Poſtſendun=
gen
, beſonders der gewöhnlichen Pakete bis 5 Kilogramm,
weſentlich erleichtert. Es iſt deshalb allen, die mit der
Poſt zu tun haben, hauptſächlich Behörden, Rechtsanwäl=
ten
und Geſchäftsleuten, anzuempfehlen, den neueſten
Poſtbericht anzuſchaffen, der an den Poſtſchaltern und
durch die Briefträger zum Preiſe von 25 Pfennig zu be=
ziehen
iſt.
* Die Kaufmänniſche Stenographen=Geſellſchaft
Gabelsberger feiert, wie aus dem Anzeigenteil
unſeres Blattes erſichtlich, am Samstag, den 5. Oktober
d. J., im Kaiſer= und Fürſtenſaal ihr diesjähriges
Stiftungsfeſt. Für die Veranſtaltung hat die Abteilung
Geſelligkeit der genannten Geſellſchaft ein abwechslungs=
reiches
Programm zuſammengeſtellt, ſo daß den Be=
ſuchern
angenehme Stunden der Unterhaltung in Aus=
ſicht
ſtehen.
Der Stolze=Schreyſche Stenographen=Verein
Darmſtadt eröffnet morgen Freitag, den 4. Oktober, in
ſeinem Vereinslokal Heſſiſcher Hof einen Anfänger=
kurſus
. (Siehe Anzeige.)
* Vogelsberger Höhenklub. Die Oktoberwanderung
des Zweigvereins Darmſtadt wird in die nähere Um=
gebung
unſerer Stadt führen. Da die Führer ſorg=
fältige
Vorbereitungen getroffen haben, iſt ein genuß=
reicher
Berlauf der Wanderung geſichert. Näheres ſiehe
Anzeige in der heutigen Nummer.
* Verkehrsſtörung. Der um 4,20 Uhr von hier nach
Griesheim abgehende Dampfbahnzug mußte geſtern früh
auf der Chauſſee ſeine Fahrt unterbreſchen, weil ein gro=
ßer
beladener Möbelwagen der Firma Alter in den
Chauſſeegraben geraten war und das Gleis ſperrte. Da
das Wetter klar, hatte der Zugführer das Hindernis recht=
zeitig
bemerkt und brachte den Zug zum Stehen. Der
Verkehr wurde durch Umſteigen aufrecht erhalten und
wickelte ſich dann glatt ab. Um 5 Uhr konnte mit der
Enſtfernung des Möbelwagens begoren werden, die
große Schwierigkeiten verurſachte; einem Aufgebot von
mehreren hundert Perſonen gelang es, das Hindernis
zu beſeitigen.
-h- Zwingenberg, 1. Okt. Nächſten Sonntag wird die
neue katholiſche Kirche ihrer Beſtimmung über=
geben
, und zwar nach einer einfachen weltlichen Feier.
Die eigentliche Einweihung durch den Herrn Biſchof von
Mainz findet erſt nach Aufſtellung des Hochaltars ſtatt,
was noch einige Zeit dauern wird.
-h- Auerbach, 30. Sept. Heute vormittag wurde der
20jährige Sohn Peter des Landwirts Tobias Krauß
von einem Herrn aus Bensheim auf dem Feld durch einen
Schrotſchuß am Kopfe und an der linken Armſeite
ſchwer verletzt. Der Jäger ſchoß nach einer aufflie=
genden
Hühnerkette, wobei der in der Nähe arbeitende
junge Mann getroffen wurde.
tt. Dieburg, 2. Okt. (Verſpätet eingegangen.) Am
letzten Sonntag nachmittag fand eine Beſichtigung
der hieſigen Freiwilligen Sanitätskolonne
vom Roten Kreuz durch Herrn Generalarzt Dr.
Lindemann ſtatt, mit welcher gleichzeitig eine Uebung
verbunden war. Am Bahnhof Dieburg verſammelten ſich
die zahlreichen Sanitäter, ſowie viele Vertreter auswär=
tiger
Kolonnen; auch waren Herr Kreisrat Dr. Wagner
und Herr Bürgermeiſter Kraußmann erſchienen und
wohnten der Uebung bis zum Schluſſe bei. Nach Eintref=
fen
des Generalarztes um 2 Uhr 38 Min. ſchritt derſelbe
die Front der Kolonne ab. Sodann überbrachte der Ko=
lonnenführer Profeſſor Diehl die Meldung, daß die Teer=
produktenfabrik
von L. Strauß durch Exploſion in Brand
geraten ſei, wobei 10 bis 12 Mann verletzt wären. Die
Kolonne wird deshalb zur Hilfe angerufen. Sofort eil=
ten
die Mannſchaften mit acht Tragbahren nach der Un=
fallſtelle
, legten die Verbände an und brachten die Ver=
wundeten
in die Erfriſchungszelte am Bahnhof, wo die
Verbände durch den Generalarzt nachgeſehen und den
Kranken durch das neugebildete Helferinnenkorps Er=

Feuilleton.

AF. Uraufführung von Richard Strauß’ Ariadne‟
Am Stuttgarter Hoftheater ſind gegenwärtig
die Proben zur Uraufführung von Richard Strauß
Ariadne auf Naxos im vollen Gange. Die Schwierig=
keiten
des Werkes, deſſen Partitur durchweg im Kammer=
muſikſtil
gehalten iſt, ſind infolge der ſoliſtiſchen Behand=
lung
der Inſtrumente ſo bedeutender Natur, daß die
Stuttgarter Intendanz ſich entſchloſſen hat, zur Entlaſt=
ung
ihrer Hofmuſiker die erſten Bläſerſtimmen mit Ber=
liner
Kamermuſikern zu beſetzen, wozu die Berliner In=
tendanz
ihre Erlaubnis gegeben hat. Um den Streicher=
partien
einen beſonderen Tonglanz zu geben, werden alle
Violiniſten, Bratſchiſten, Violoncelliſten und Contrabaß=
Spieler mit alten italieniſchen Inſtrumenten verſehen.
Die muſikaliſchen Vorbereitungen leitet Generalmuſik=
direktor
Max von Schillings, den erſt in den letzten Pro=
ben
Richard Strauß, der die drei erſten Aufführ=
ungen
ſelbſt dirigiert, ablöſt. Frieda Hempel und Jad=
lowker
, die die Partien der Zerbinetta und des Bacchus
ſingen, ſtudieren daran gegenwärtig in Berlin. Sie be=
geben
ſich erſt zu den Regieproben nach Stuttgart. Die
Regie führt Max Reinhardt, für den der Stuttgarter
Oberregiſſeur Hofrat Gerhäuſer vorbereitet. Bei einer
kürzlich ſtattgefundenen Beſprechung der Regiefrage
zeigte ſich, daß beider Anſchauungen völlig übereinſtimm=
ten
, ſo daß ſich beide Regiſſeure ein ideales Zuſammen=
arbeiten
verſprechen. Die Hauptrollen der vorangehen=
den
Moliéreſchen Komödie Der Bürger als Edelmann
werden bei den drei Erſtaufführungen von Mitgliedern
des Reinhardtſchen Enſembles dargeſtellt werden.
Ueber das Kapital, das die Inſzenierung und
Aufführung eines modernen Bühnenwerkes verſchlingen
kann, geben die Koſten der Erſtaufführung intereſſante
Aufſchlüſſe. Jede der drei Aufführungen koſtet rund
23000 Mark. Darin ſind enthalten die Honorare für
Strauß’ muſikaliſche Direktion, Max Reinhardts Regie
und die Darſteller, von denen Frieda Hempel und Jad=
lowker
je 2500 Mark bekommen. Ferner die Gagen für
Chor, Orcheſter, Ballett, Statiſten, techniſches Perſonal,
Beleuchtung, Tantieme und Anzeigen. Nicht einbegriffen
in dieſe Summe ſind die Ausgaben für die Dekorationen
und Koſtüme, für deren Entwurf Ernſt Stern allein
11000 Mark erhalten hat und die von der Firma Baruch
u. Ko. zum Preiſe von 38000 Mark geliefert wurden.
* Sprechende Photographien. Sprechmaſchinen= Auf=
zeichnungen
, die durch das photographiſche Verfahren be=
wirkt
wurden, kennzeichnen die neueſte Etappe, die die
Technik der Lautwiedergabe auf ihrem Entwicklungsgang

erreicht hat. Der jüngſte Erfolg iſt einer von einem Ruſ=
ſen
namens Lifſchitz erfundenen Maſchine zu berdanken,
die, wie verlautet, Muſik und alle Arten klänglicher
Aeußerungen mit untadeliger Reinheit, ohne jedes
ſtörende Nebengeräuſch, wiedergibt. Die Klangfixierung
geſchieht ganz und gar auf photographiſchem Wege. Zu
dieſen Zweck ſingt eine Perſon die zur Aufnahme be=
ſtimmten
muſikaliſchen Phaſen in ein Mundſtück, das mit
einer der Telephonmembrane ähnlichen Trommel verbun=
den
iſt. Die durch den Einfluß der Stimme in Schwing=
ungen
verſetzte Trommelmembrane bewegt dabei ein
winziges Spiegelchen, das an ihr befeſtigt iſt, und das
einen Lichtſtrahl aufblitzen läßt, der quer über das licht=
empfindliche
Papier gleitet. Dieſes Papier zeigt, wenn
es pbotographiſch entwickelt wird, eine Anzahl wellen=
förmiger
Linien, die der Kraft der Stimme und den Vi=
briationen
des Spiegels entſprechen. Von dieſem Papier
wird dann ein photographiſcher Druck in Bandform ge=
nommen
, auf dem die Wellenlinie eines Höhen und Tiefen
markierenden Reliefbildes in die Erſcheinung treten. Das
Band wird dann in einen Reproduktionsapparat ge=
bracht
, der die photographiſch fixierten Töne in voller
Natürlichkeit erklingen läßt. Das Relieflichtbild vertritt
dabei die Stelle eines Ventils, das den Klang reguliert.
Der Erfinder hat ſeine Maſchine kürzlich in der Akademie
der Wiſſenſchaften in Paris vorgeführt.
Dienſtbotenelend in aller Welt. Jede Hausfrau
weiß von dem modernen Dienſtbotenelend ihr Liedlein
zu ſingen. Die Anſprüche der Dienſtboten wachſen un=
aufhörlich
, und immer ſchwerer wird es dem bürgerlichen
Haushalt, dieſen Anſprüchen zu genügen. Die ſchönen
Zeiten, da ſich der Dienſtbote als zu der Familie gehörend
betrachtete, ſind geſchwunden. Das perſönliche Verhält=
nis
zwiſchen Herr und Diener hat ſich gelockert, hat immer
mehr einen rein geſchäftlichen Charakter angenommen,
und bei dem Mangel an Dienſtboten iſt die Hausfrau hier
der ſchwächere Teil und muß manches zugeſtehen, was
unſeren Müttern und Großmüttern abſurd erſchienen
wäre. Es iſt zwar nur ein ſchwacher Troſt, im Unglück
Leidensgefährten zu haben, aber ein Troſt iſt es immer=
hin
doch. Die franzöſiſchen Hausfrauen kämpfen
mit derſelben Not, und ſie wird erklärlich, wenn man
einen Blick in die Statiſtik tut. Noch vor vierzig Jahren
zählte man in Frankreich 892000 männliche und 1311000
weibliche Dienſtboten; dreißig Jahre ſpäter waren dieſe
Zahlen bereits auf 160000 und auf 70300 geſunken. Es
liegt auf der Hand, daß bei dieſem Mangel an Angebot
und bei der ſtetig wachſenden Nachfrage die Anſprüche
der wenigen Mädchen, die nicht von der Fabrik, vom
Laden oder von der Schreibmaſchine angelockt werden.

ins ungemeſſene wachſen. Und davon geben uns die
Verhältniſſe in England ein beſonders eindringliches
Bild, das in einem Aufſatz der Lectures pour Tous ent=
rollt
wird. Seitdem ſich dort die Dienſtboten organi=
ſiert
haben, haben die Hausfrauen immer mehr Zuge=
ſtändniſſe
machen müſſen. Forderungen auf einen oder
zwei ganze freie Nachmittage in der Woche ſind ſchon
die Regel und werden als Selbſtverſtändlichkeit bewil=
ligt
, ganz abgeſehen davon, daß der Sonntag=Nachmittag
und=Abend dienſtfrei ſein muß, ſo daß die Hausfrau
an dieſem Tage nur Gäſte empfangen kann, wenn ſie ſich
entſchließt, ſelbſt zu bedienen und zu kochen. Und in
Kanada verrichtet das Dienſtmädchen am Sonntag
überhaupt keine Hausarbeit und verläßt am frühen Vor=
mittag
elegant gekleidet die Stätte ihrer Arbeit. In
Amerika verlangen die Dienſtbotenſyndikate für Stu=
benmädchen
zweimal in der Woche von 2 bis 6 Uhr dienſt=
frei
und zweimal in der Woche das Recht, um 8 Uhr das
Haus zu verlaſſen und erſt um Mitternacht heimzukehren.
Aber noch nicht genug: neuerdings haben die Organiſa=
tionen
der Dienſtboten verlangt und durchgeſetzt, daß
auch an den Montag=Vormittagen, an denen gewiſſe
Warenhäuſer große Ausverkäufe zu billigen Preiſen ver=
anſtalten
, die Dienſtmädchen das Recht haben, auszu=
gehen
. Die Familie hat dann alſo zwei Tage lang über=
haupt
keine Bedienung, denn der Samstag=Nachmittag
und=Abend iſt frei, der Sonntag natürlich ganz und nun
dazu noch der Montag=Vormittag. Immer mehr ſuchen
die Amerikaner daher die Dienſtboten zu erſetzen; in
Boſton gibt es jetzt eine Teegeſellſchaft, die täglich Kaffee
und Tee in beſonderen Apparaten fertig liefert. Der Tee
bleibt in dieſen Kannen 24 Stunden lang heiß. Und eine
andere Geſellſchaft läßt früh morgens durch einen Boten
Kleider und Stiefel abholen, um ſie eine Stunde ſpäter
pünktlich wieder abzuliefern: geſäubert, gereinigt, ge=
bürſtet
und neu gebügelt.
* Das Begräbnis eines Banditen. Ein Begräbnis,
würdig ſeines Lebens, hatte der berüchtigte Bandit Koſ=
ſovski
, der vor einigen Tagen bei einem Ueberfall im
Kampfe mit Poliziſten in Odeſſa erſchoſſen worden war.
Seine Genoſſen hatten den Leichnam in Sicherheit ge=
bracht
und gedachten, ihm ein feierliches Begräbnis zu
bereiten, nachdem ſich die Aufregung über den Vorfall
gelegt hatte. Auf einem Friedhofe in der Nähe waren
die berüchtigteſten Verbrecher der Stadt und Umgegend
zuſammengekommen. Die Polizei, die davon Kenntnis
bekommen hatte, ließ die Trauergäſte ruhig eintreten, in
der Mehrzahl lange geſuchte Zierden des Odeſſaer Ver=
brecher
=Albums; ſie umſtellte den Friedhof aber und ver=
haftete
162 Männer und Frauen bei der Rückkehr.

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Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Oktober 1912,

Nummer 233.

friſchungen gereicht wurden. Hierauf fand das Verladen
in die hergerichteten Eiſenbahnwagen ſtatt. Nach einer
eingehenden Kritik und einem ſchneidigen Parademarſch
begab man ſich zum gemütlichen Teile in das Gaſthaus
Zum grünen Baum
Offenbach, 1. Okt. In verfloſſener Nacht entſtand in
der Lederwarenfabrik von Gebrüder Gretſch, Dom=
ſtraße
53, im erſten Stock des Hinterhauſes ein Scha=
denfeuer
, wobei eine Werkſtatte, in der ſich größere
Partien Reiſeartikel befanden, vollſtändig ausbrannte.
Der Brand dürfte dadurch entſtanden ſein, daß die zu
dem Ofen, auf dem der Leim erhitzt wird, führende Gas=
leitung
nicht abgeſtellt ward, der Leim dadurch überkochte
und in der Nähe liegende Gegenſtände Feuer fingen. Der
Immobilien= und Mobiliarſchaden beläuft ſich auf etwa
13000 Mark. Er iſt durch Verſicherung gedeckt.
Rüſſelsheim, 2. Okt. Denkmal der Arbeit
ſo nennt ſich die Modellſkizze eines Monumentalbrunnens,
vom Königlichen Hofbildhauer Franz Vlasdek kunſtvoll
entworfen und ausgearbeitet. Sie iſt von der Arbeiter=
ſchaft
der Opelwerke als Geſchenk für die Firma be=
ſtimmt
zu ihrem fünfzigjährigen Jubiläum. Die wunder=
voll
geſtaltete Arbeit trägt auf drei Seiten folgende In=
ſchriften
: Auf dem Vorderrand: Der Familie A. Opel zu
50 Jahren Streben und Arbeit gewidmet von der Arbeiter=
ſchaft
ihrer Werke. Auf dem linken Rande: Es wirke
jeder Geiſt, es wirke jede Hand belebend, fördernd fürs
allgemeine Wohl. Ferner auf dem rechten Rande: Den
verſtorbenen Arbeitern zum Andenken, den Lebenden zur
Ehr. Trotz der maſſiven Erſcheinung wirkt das Werk
architektoniſch wohlangeordnet, dem Auge gefällig. Leicht
amphitheatraliſch in vier breiten Stufen aufſteigend, kreis=
förmig
um einen Springbrunnen gelagert, erhebt ſich an
der hinteren Peripherie, alles überragend, das eigentliche
Denkmal mit der Büſte von A. Opel, dem Begründer der
Firma. Zwei ſymboliſche Koloſſalgeſtalten auf Pfeilern
zu beiden Eckſeiten des Denkmals, die jugendlich an=
ſtürmende
Kraft mit rollendem Rad, den Willen und die
Energie verkörpernd und rechts die in Arbeit ergraute
Menſchenwürde, von der ſchweren Alltagslaſt gebeugt
verleihen dem Werk einen äſthetiſch anſprechenden Reiz. Zu
weiterem Schmuck befinden ſich zwiſchen den drei Gruppen,
zu beiden Seiten des Büſteſockels angebracht, zwei exakt
ausgearbeitete Basreliefs, die in feinſtiliſierter Szenerie
die Fabrikation und Motormontage und rechts das
fertiggeſtellte Automobil zur Ablieferung bringen. Der
Brunnenrand iſt ein Stabbündel, kreisförmig mit archi=
tektoniſchen
Klammern zuſammengeſchweißt. Der Monu=
mentalbrunnen
als Modell ſteht im Verhältnis zum fer=
tigen
Werke, das in Muſchelkalk ausgeführt werden ſoll,
wie eins zu zehn. Die Modellſkizze iſt nach eigenem Emp=
finden
des Meiſters in Anlehnung an das große Muſter
und die Schaffensart des großen Belgiers, Conſtantin
Meunier, geſchaffen worden. Nach umfaſſenden Studien
und Verſuchen wählte Herr Vlasdek im Grundriß die
Kreisform, gleichſam im Brunnen gedacht als Sinnbild
der reſtloſen werkſchaffenden, lebend pulſierenden
Arbeit. (M. Tgbl.)
* Lindenfels, 2. Okt. Der Starkenburger
Miſſionsverein feierte ſein Jahresfeſt.
Der Feſtgottesdienſt begann um 2 Uhr. Die Kirche zeigte
feſtlichen Blumenſchmuck, wodurch der ſchöne Kirchenraum
mit ſeinen lichten Farben noch um ſo erfreulicher erſchien.
Eine zahlreiche Feſtgemeinde hatte ſich eingefunden. Nach
einem reich ausgeſtatteten Altardienſt, den der Ortsgeiſt=
liche
Kirchenrat Freienſehner verſah, hielt der Vorſitzende
des Miſſionsvereins Oberhofprediger Ehrhardt aus
Darmſtadt die Feſtpredigt. Im Anſchluß an I. Tim. 2, 4
ſprach er in feinen, gedankenvollen Ausführungen über die
religiöſe Begründung der Miſſionsarbeit. Eingehend auf
die verſchiedenen ernſthaften Einwendungen gegen die
Miſſion zeigte der Feſtprediger in packender Weiſe als
ſtärkſtes und letztes Motiv zur Miſſion die in Jeſus er=
ſchienene
, all umfaſſende Gottesliebe. Die perſönliche Er=
fahrung
dieſer Gottesliebe zwingt zur Miſſion. Gott will
es. Miſſion kann nur aus Religion getrieben werden,
und iſt in der religiöſen Erfahrung überzeugend begrün=
det
. Ferner hielt im Gottesdienſt Miſſionar Müller
aus London noch eine Anſprache über Offenb. Joh. 3, 8
und zeigte die weltgeſchichtliche Bedeutung der gegen=
wärtigen
Stunde für die Miſſion. Aus reicher perſönlicher
Erfahrung zeichnete er ein Bild von der anbrechenden
neuen Zeit in China, wo der Miſſion in beſonderer Weiſe
große Aufgaben erwachſen ſind. Der Feſtgottesdienſt
wurde bereichert und verſchönert durch die ſchönen Ge=
ſänge
des Geſangvereins Liederkranz und eines gemiſchten
Chors unter tüchtiger Leitung von Lehrer Zinßer. Die
Feſtkollekte von 54,08 Mark wurde der Baſeler Miſſion
überwieſen. In der Nachverſammlung, welche nach kurzer
Pauſe im Hotel Harfe ſtattfand, begrüßte zunächſt der
Vorſitzende des feiernden Vereins Oberhofprediger Ehr=
hardt
die Feſtverſammlung und gedachte in warmen
Worten des verſtorbenen Miſſionars Ruhland. Im
Namen des Dekanats überbrachte Pfarrer Becker=Fürth
herzliche Grüße und wies mit kurzen Worten in einem
Vergleich mit England auf die große Bedeutung der Miſ=
ſion
auch für die deutſche Kultur hin. Aus der Klein=
arbeit
der Miſſionstätigkeit gab Miſſionar Müller dann
noch ſehr intereſſante Schilderungen, Heiteres und Ernſtes
in bunter Reihe Auch in der Nachverſammlung erfreuten
wiederum der Geſangverein Liederkranz und der gemiſchte
Chor durch ſchöne Lieder, welche Lehrer Zinßer zu dieſem
Feſte mit den Sängern eingeübt hatte. Ein herzliches
Dankeswort von Kirchenrat Freienſehner, worin er das
wachſende Miſſionsintereſſe als eine gute Seite unſerer
Zeit pries, ſchloß das ſchöne Feſt.
Wimpfen, 2. Okt. Ein weiteres Skelett iſt bei
den Ausſchachtungen in der Saline Ludwigshall gefun=
den
worden, das ſich von den früher aufgedeckten dadurch
unterſcheidet, daß die Wirbelſäule mit dem Schädel zu=
ſammenhängt
. Der Körper lag direkt unter einer alten
Fundamentmauer und die durch dieſe hindurchgeſickerte
Soole hat im Laufe der Zeit den ganzen Schädel ange=
füllt
und ſich in ihm wieder kriſtalliſiert, ſo daß er nun
völlig mit Salz ausgefüllt iſt. Der Offiziers=
Verein von Pforzheim beſuchte am Sonntag das
Schlachtfeld der Tillyſchlacht des Jahres 1622, bei wel=
cher
nach der Erzählung die tapferen 400 Pforzheimer
unter dem Markgrafen Georg Friedrich von Baden ihr
Leben gelaſſen haben. Am Nachmittag beſichtigten die
52 Herren unter ſachkundiger Führung einiger Herren
des Vereins Alt=Wimpfen die Stadt ſelbſt und waren
von allem, was in der kurzen zur Verfügung ſtehenden
Zeit geſchaut werden konnte, hochbefriedigt.
Nieder=Saulheim, 1. Okt. Vor dem Dorfe brann=
ten
ungefähr 250 Haufen Frucht ab. Die Entſteh=
ungsurſache
des Brandes iſt unbekannt; wahrſcheinlich
ſind aus der dicht dabei arbeitenden Dampfdreſchmaſchine
Feuerfunken geflogen. Die Betroffenen ſind lauter arme
Leute; keiner iſt verſichert.
(*)=Gießen, 1. Okt. Das Stadttheater eröff=
nete
heute abend ſeine Winterſpielzeit bei gut beſetztem
Kauſen Als Eröffnungsvorſtellung wurde das dramatiſche

Märchen Der Traum ein Leben von Franz Grillparzer
gegeben. Die Zuſchauer ſpendeten den Schauſpielern
lebhaften Beifall. Im weſentlichen ſind die bisherigen
bewährten Kräfte wiedergekehrt, auch einige neue Schau=
ſpieler
hat der rührige Direktor Hermann Steingötter
angenommen. Der heutige Eröffnungsabend machte der
bewährten Leitung des Direktors wieder alle Ehre.
Morgen abend kommt das Luſtſpiel Matthias Gollinger
von Blumenthal und Bernſtein zur Aufführung.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 1. Okt. Die Reviſionen
in den Berliner Theatern, die, wie mitgeteilt,
der Miniſter des Innern angeordnet hat, haben bereits
ihren Anfang genommen. Die Kommiſſion beſichtigt auf
das eingehendſte die geſamte Bühnenanlage, prüft die
Garderobenverhältniſſe und unterſucht vor allem die Kon=
ſtruktion
der Wände, die das eigentliche Bühnenhaus
vom Zuſchauerraum trennen. Beſondere Mißſtände wur=
den
, wie wir hören, bisher nicht entdeckt. Trotzdem hat
die Kommiſſion in einigen Fällen noch beſondere Anord=
nungen
getroffen. Die Schauſpielerin Smolenski
wurde heute von der erſten Strafkammer des Land=
gerichts
3 wegen verſuchter Erpreſſung, begangen
an einem aktiven Oberſtabsarzt, zu einem Jahre 6 Mo=
naten
Gefängnis verurteilt. Die Verhandlung ſand unter
Ausſchluß der Oeffentlichkeit ſtatt. Zum Totſchlag
in der Seeſtraße wird weiter berichtet, daß der
verhaftete Ackermann nunmehr ein volles Geſtändnis ab=
gelegt
hat, in dem er zugibt, die Frau Klarner mit einer
Schnapsflaſche erſchlagen zu haben. Als einzige Ent=
ſchuldigung
der Tat gibt er an, gänzlich betrunken ge=
weſen
zu ſein. Er habe ſinnlos auf die Frau eingeſchla=
gen
, und es ſei ihm hierbei vollkommen gleichgültig ge=
weſen
, ob ſie ihr Leben laſſen würde oder nicht. Das
Vorleben der getöteten Frau Klarner entwickelt ein
äußerſt düſteres Bild. Die Frau war dem Trunke der=
maßen
ergeben, daß ſie ſämtliche Erſparniſſe ihres Man=
nes
in Schnaps anlegte und ſchließlich Möbelſtücke ver=
keufte
, um den Erlös ebenfalls zu vertrinken. Im No=
vember
vorigen Jahres iſt Frau Klarner ihrem Manne
entlaufen und hat ſich ſeitdem faſt nur auf der Straße
herumgetrieben.
Frankfurt, 1. Okt. Im Sitzungsſaale der vollzählig
erſchienenen Stadtverordneten=Verſammlung erfolgte
heute abend die Einführung des neuen Ober=
bürgermeiſters
Voigt, früher in Barmen, durch
den Regierungspräſidenten v. Meiſter.
* Bad Kreuznach, 1. Okt. Herr Emil Jöckel und
ſeine Gattin feierten am 29. September das ſeltene Feſt
der goldenen Hochzeit bei beiderſeitiger völliger
Friſche und Rüſtigkeit. Nachdem Herr Jöckel 35 Jahre
Beſitzer der Apotheke in Gau=Algesheim war, wohnte er
zehn Jahre lang in Darmſtadt, war Mitglied der
Vereinigten Geſellſchaft und Mitglied des Stammtiſches
bei Sitte. Auf Wunſch ſeines Sohnes, der Arzt iſt, zog
er vor wenigen Jahren nach Kreuznach.
München, 1. Okt. Der vom greiſen Kaiſer Franz
Joſef unternommene Verſuch einer Verſtändigung zwi=
ſchen
ſeinem Enkelkinde, der Prinzeſſin Jſabella
Marie, und ihrem Gatten, dem Prinzen Georg von
Bayern, ſcheint geſcheitert zu ſein. Die Prinzeſſin Georg
dürfte nicht mehr zu ihrem Gatten nach München zurück=
kehren
. Dagegen fand eine Verſtändigung zwiſchen den
beiderſeitigen Vätern ſtatt. Der Prinzeſſin Georg wurde
vom Kaiſer eine Bedenkzeit gegeben, doch dürfte dieſe an
ihrem Entſchluß nichts ändern.
Weimar, 1. Okt. Der Präſident des weimariſchen
Landtags, Geheimer Kommerzienrat Doellſtaedt iſt
heute hier plötzlich verſtorben.
Kiel, 1. Okt. Prinzeſſin Heinrich von
Preußen hat heute nachmittag die Reiſe über Berlin
nach Petersburg angetreten, wo ſie mit dem aus Japan
zurückkehrenden Prinzen Heinrich zuſammentreffen wird.
Poſen, 1. Okt. Die Eltern des erſchoſſenen Dr.
Blume haben die Klage auf Enterbung gegen Frau Dr.
Blume und des etwa zu erwartenden Kindes ange=
ſtrengt
, da ſie die Vaterſchaft ihres Sohnes nicht aner=
kennen
. Der Prozeß kann natürlich erſt entſchieden wer=
den
, wenn das Strafverfahren ſeinen Abſchluß gefunden
hat. Wie beſtimmt verlautet, wird die Staatsanwalt=
ſchaft
die Anklage wegen vorſätzlichen Mordes erheben,
Frau Dr. Blume bleibt dabei, daß ſie den Schuß auf
ihren Mann ihrer ſelbſt nicht mächtig, in grenzenloſer
Verwirrung abgegeben habe, ſie habe ihren Mann nicht
töten wollen. Der Bruder der Frau Dr. Blume, der als
Fähnrich bei einem Infanterieregiment ſteht und, wie ge=
meldet
, ſeinen Abſchied eingereicht hatte, nahm ſein Ge=
ſuch
, nachdem er beim Bezirkskommando Informationen
eingezogen hatte, zurück, um erſt das Ergebnis der Ver=
handlung
gegen ſeine Schweſter abzuwarten.
Toulon, 2. Okt. Auf dem Panzerſchiffe Mirabeau
ereignete ſich bei der Einſchiffung von Lebensmitteln ein
ſchwerer Unfall. Das Seil eines Flaſchenzuges
zerriß und ein großes Weinfaß ſtürzte auf drei Matroſen
herab, von denen zwei getötet und der dritte ſchwer ver=
letzt
wurde.

Kongreſſe und Verbandstage.

16. Chriſtlich=Sozialer Parteitag.
Düſſeldorf, 1. Okt. Mit einer großen öffent=
lichen
Volksverſammlung in der Tonhalle wurden hier
die Verhandlungen des 16. Chriſtlich=Sozialen
Parteitages eingeleitet, zu dem zahlreiche Delegierte
aus allen Teilen des Reiches eingetroffen ſind. Reichs=
tagsabgeordneter
Lic. Mumm erſtattete den Parlamen=
tariſchen
Bericht. Reichstagsabgeordneter Behrens
(Eſſen) ſprach über die politiſche Lage. Er behandelte da=
bei
das Verhältnis der Partei zum Zentrum und betonte,
daß ſich für beide Parteien aus ihrem poſitiven Chriſten=
tum
eine Fülle gemeinſamer politiſcher Folgerungen und
gemeinſamer Arbeit ergebe. Kurzſichtige Leute befürchteten
von einem Zuſammengehen mit dem Zentrum eine Be=
einträchtigung
der evangeliſchen Intereſſen. Dieſe Befürch=
tung
ſei aber unbegründet. Geſchädigt würden die evan=
geliſchen
Intereſſen nur durch eine Unterſtützung der
Sozialdemokratie, denn durch die große Zahl der ſozial=
demokratiſchen
Reichstagsmandate ſei das Zentrum im
Reichstage ausſchlaggebend geworden. Die größte Ge=
fahr
drohe auch nicht vom Zentrum, ſondern von der
chriſtenfeindlichen revolutionären Sozialdemokratie. Pfarrer
D. Philipps (Charlottenburg) ſprach als nächſter Redner
über Familie und Politik Paſtor Stuhrmann ( Godes=
berg
) über Volksleben und Politik Sämtliche Vor=
träge
wurden mit großem Beifall aufgenommen.
Die geſchloſſene Delegiertenſitzung beſchäftigte ſich zu=
nächſt
mit geſchäftlichen Angelegenheiten. Nach dem Ge=
ſchäftsbericht
den Kaufmann Neuhaus (Barmen)
erſtattete, hat die chriſtlich=ſoziale Bewegung auch im ver=
floſſenen
Geſchäftsjahr gute Fortſchritte gemacht. Zu

rühmen ſei, daß die Wähler allenthalben Parteidiſziplin
beobachtet und den Weiſungen der Parteileitung ſtrikt
entſprochen hätten. Der Kaſſenbericht weiſt an Ausgaben
zirka 28000, an Einnahmen dagegen nur 23000 Mk. aus.
Die Tagung wandte ſich dann der Beratung der vorliegen=
den
Anträge auf politiſchem Gebiete zu. U. a. erklärte ſich
die Verſammlung durch Annahme einer Reſolution gegen
die ſogenannten gelben Gewerkſchaften. Ferner wurde ge=
wünſcht
, daß unſer Spionagegeſetz nach dem Muſter des
engliſchen eine Verſchärfung erfahre und daß bei der even=
tuellen
Einführung eines neuen Erbſchaftsſteuergeſetzes
auch die Deklarationspflicht der Banken, Sparkaſſen uſw.
geſetzlich feſtgelegt werde. Pfarrer Philipps ( Charlotten=
burg
) hielt dann ein Referat über Staat und Kirche‟
In einem weiteren Referat forderte Rektor Grünweiler
(Mülhauſen), der das Thema Staat und Schule behan=
delte
, die Konfeſſionsſchule und den konfeſſionellen Reli=
gionsunterricht
. Da der bisherige Vorſitzende, Reichs=
tagsabgeordneter
Behrens, ſein Amt niedergelegt hatte,
wurde an ſeine Stelle Pfarrer Philipps (Charlottenburg)
gewählt. Damit hatte der Parteitag ſein Ende erreicht.

Die Regierungen und die Fleiſchtenerung.

* Berlin 1. Okt. Gegenüber den Angriffen von
rechts und links ſchreibt die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung zur Fleiſchteuerung und über die Auf=
gaben
der Kommunen: Die Regierung hat ihre
guten Gründe dafür, daß die gewährten Vergunſtigungen
nur ſolchen Städten zugute kommen, die als Märkte für
Vieh= und Fleiſchpreiſe ganzer Landesteile maßgebend
ſind. Für dieſe Beſchränkung ſprach die Erfahrung, daß
die allgemeine Erleichterung des Imports nur ſelten den
Konſumenten zugute kommt. Sodann bieten auch allein
die großen Städte mit ihren Schlachthäuſern, den Bahn=
anſchlüſſen
und ſonſtigen Einrichtungen volle Garantie
für die ſanitäts= und veterinärpolizeiliche Ueberwachung
der Einfuhr. Ausſchlaggebend aber iſt die Erwägung,
daß eine baldige nachhaltige Einwirkung auf die Preis=
bildung
der Vieh= und Fleiſchmärkte ohne die tat=
kräftige
Mitwirkung der größeren Kom=
munen
nicht erreichbar iſt Bei den Opfern, die
dieſe Mitwirkung von den Kommunalverwaltungen er=
fordert
, erſcheinen auch die in Ausſicht genommenen
Tarifermäßigungen und Zollvergütungen durchaus ge=
rechtfertigt

Den freiſinnigen Blättern gegenüber, die eine wirk=
liche
Bauernpolitik ſtatt der bisherigen Großgrund=
beſitzerpolitik
verlangen, betont die Norddeutſche Allge=
meine
Zeitung, daß der bäuerliche und der Klein=
grundbeſitz
in erſter Linie an der Aufrechterhaltung
der heimiſchen Viehzucht und des gewährten Grenzſchutzes
intereſſiert iſt. Die Norddeutſche Allgemeine Zeitung gibt
dafür einige Zahlen, und bemerkt, daß der überwiegende
Anteil der Kleinwirtſchaft an der Viehverſorgung ſich da=
durch
verdeutlichte.
Zur Hebung der Viehproduktion erklärt die
Norddeutſche Allgemeine Zeitung: Die in den letzten
Jahren in erfreulicher Zunahme befindlichen Viehver=
wertungsgenoſſenſchaften
werden zweifellos
die ſtädtiſchen Verwaltungen bei einem preiswürdigen
Bezug von inländiſchem Vieh unterſtützen. Unter Mit=
wirkung
der Landwirtſchaftskammern wird die landwirt=
ſchaftliche
Verwaltung in verſtärktem Maße unter Auf=
wendung
größerer Mittel die Hebung der Viehproduk=
tion
zu fördern ſuchen. Als dieſerhalb zu ergreifende
Maßnahmen kommen vornehmlich in Betracht, neben
energiſcher Fortſetzung der inneren Koloniſation und der
Kultur der Moor= und Oedlandflächen, die Errichtung be=
ſonderer
Schweinezucht= und Maſtgenoſſenſchaften, ver=
mehrte
Aufſtellung männlicher Zuchttiere, Erleichterung in
der Beſchaffung weiblichen Zuchtmaterials aller der für die
Fleiſchverſorgung in Betracht kommenden Vieharten
(Rinder, Schafe, Schweine, Ziegen, Kaninchen und Nutz=
geflügel
) und die Hebung des Futteranbaues. Die Er=
richtung
von Jungvieh=, Schaf=, Schweine= und Ziegen=
weiden
muß die Vermehrung der Viehbeſtände unter=
ſtützen
. Wenn alle Beteiligten, beſonders die Landwirte
ſelbſt und die landwirtſchaftliche Verwaltung dieſes Be=
ſtreben
unterſtützen, dann wird das einzige dauernd
wirkſame Mittel zur Beſeitigung drückender Fleiſch=
teuerung
und die Hebung der inländiſchen Fleiſcherzeug=
ung
ſichergeſtellt und das große Ziel, die Fleiſchverſorg=
ung
Deutſchlands unabhängig vom Auslande zu erhalten,
auch gewiß erreicht.

* Aus Dresden und Stuttgart wird gemeldet,
daß ſich die Regierungen Sachſens und Württembergs
dem Vorgehen der Reichsregierung zur Bekämpfung der
Fleiſchteurung angeſchloſſen haben. Das bayeriſche
Staatsminiſterium wird die Einfuhr von friſchem
Schweinefleiſch aus Serbien, Bulgarien und Rumänien
über die bayeriſchen Einlaßſtellen für ausländiſches
Fleiſch für die Städte München, Landshut, Ludwigs=
hafen
, Regensburg, Bamberg, Nürnberg, Würzburg und
Augsburg auf Anſuchen geſtatten. Ferner wird die Ein=
fuhr
von Schlachtrindern aus den Niederlanden in die
öffentlichen Schlachthäuſer der Städte München, Paſſau,
Ludwigshafen, Kaiſerslautern, Regensburg, Bamberg=
Hof, Nürnberg, Würzburg und Augsburg auf Anſuchen
unter den gleichen veterinärpolizeilichen Vorſichtsmaß=
regeln
und Bedingungen zugelaſſen, unter denen die Ein=
fuhr
von Schlachtvieh aus Oeſterreich=Ungarn in dieſe
Schlachthäuſer geſtattet iſt

Luftfahrt.

* Mainz, 2. Okt. Dem Verein für Flugweſen in
Mainz iſt es gelungen, für Sonntag, den 6. Oktober, nach=
mittags
von 36 Uhr, eine flugſportliche Veran=
ſtaltung
auf dem Mainzer Flugplatz Großer Sand zu
arrangieren. Zunächſt wird das Zeppelin=Luftſchiff
Viktoria Luiſe Paſſagierfahrten ausführen. Das Luft=
ſchiff
trifft gegen 3 Uhr, von Frankfurt a. M. kommend,
mit Mainzer Paſſagieren auf dem Großen Sand ein, wo
um 3 Uhr die Landung und der Paſſagierwechſel erfolgt.
Von halb 4 Uhr bis 6 Uhr werden Schau= und Paſſagier=
Flüge veranſtaltet, an denen die Flieger der Flugzeug=
fabrik
Goedecker und der v. Stoephaſiusſchen Grade= Flie=
gerſchule
, die in den Räumen der Flughalle des Vereins
ihr Heim hat, teilnehmen werden. Die Goedecker=Flieger
haben bereits ſchöne Leiſtungen erzielt und haben die
ſchlanke Form des Eindeckers in weitem Umkreiſe bekannt
gemacht. Dagegen ſind die Grade=Eindecker hier noch
ganz unbekannt und dürften darum großes Intereſſe fin=
den
. Beſondere Beachtung verdient auch, daß zum erſten
Male in Mainz eine Dame als ſelbſtändige Fliegerin
ſich zeigen wird. Es iſt dies die Grade=Fliegerin Fräulein
Charlotte Möhring.
* Frankfurt 2. Okt. Das augenblicklich wieder
hier ſtationierte Luftſchiff Viktoria Luiſe unter=
nimmt
in den nächſten Tagen nur Paſſagierfahrten. Für
den 13. Oktober iſt eine Landungsfahrt nach Crailsheim

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Nummer 233.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Oktober 1912.

Seite 5.

und zurück geplant. Später finden noch Landungsfahrten
nach Würzburg, Nürnberg, Mannheim, Gießen, Koblenz
und Bonn ſtatt.
* Hamburg, 2. Okt. Die Hanſa unternimmt
außer den üblichen Paſſagierfahrten in nächſter Zeit
einige größere Flüge, ſo am 5. Oktober eine Landungs=
fahrt
nach Lüneburg und zurück, und am 6. Oktober eine
Landungsfahrt nach Hamburg=Bremen und zurück. Für
den 13. Oktober iſt noch ein größerer Flug geplant, und
zwar nach Braunſchweig und Gotha, wobei in Braun=
ſchweig
eine Landung mit Paſſagierwechſel vorgeſehen iſt.
* Petersburg, 1. Okt. Anläßlich der Abtrenn=
ung
des Flugweſens von dem Hauptgeniereſſort und der
Angliederung an den Generalſtab nimmt das Kriegs=
miniſterium
eine vollſtändige Reorganiſation des
Militärflugweſens vor.

Sturmſchäden.

* Köln, 1. Okt. Bei dem heute morgen herrſchen=
den
Sturm trieb eines der kleinen Dampfboote
die den Verkehr zwiſchen dem Kölner Hafen und Deutz
vermitteln, gegen die Schiffsbrücke. Drei Perſonen fielen
in den Rhein, zwei ſind ertrunken.
* Emden, 1. Okt. Ein ſtarker Weſtſturm hat
die Telegraphen= und Fernſprechleitungen mit dem Bin=
nenlande
beſchädigt. Alle Telegramme erleiden ſtarke
Verſpätungen.
* Hamburg, 1. Okt. Ein orkanartiger Sturm
richtete in der Umgebung Hamburgs mancherlei Schaden
an. Am Dach der Luftſchiffhalle löſten ſich einige Fugen,
ſo daß Hilfsmannſchaften nebſt zwei Zügen Feuerwehr
herangezogen werden mußten. Eine Gefahr für die Halle
und das in derſelben untergebrachte Luftſchiff Hanſa
beſteht jedoch nicht.
* Brüſſel, 1. Okt. Während des ſtarken Stur=
mes
wurde in Courcelles bei Charleroi ein Neubau
eingeriſſen, der im Falle ein anderes Haus zertrüm=
merte
. Eine junge Frau und ihr Kind kamen dabei ums
Leben. Bei Namur ſtürzte der Turm eines Baues
auf die vorüberfahrende Dampf=Trambahn, wobei ein
Arbeiter getötet wurde.

Stimmen aus dem Publikum.

(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Faſt täglich werden in Ihrem geſchätzten Blatte be=
rechtigte
Klagen laut über eine lange Reihe von Miß=
ſtänden
, die ſich namentlich ſeit dem Uebergang der ſtäd=
tiſchen
Straßenbahnen an die neue Aktiengeſellſchaft
herausgeſtellt haben. Eine ſeit Monaten ſtändig erhobene
Beſchwerde betrifft die im höchſten Grade ſtiefmütterliche
Behandlung der Bewohner des Johannisviertels durch
die Linie Schloßgartenplatz-Rheintor. Man muß es
täglich und zu allen Stunden erleben, daß dieſe Wagen
ihren regelmäßigen 7½ Minutenkurs nicht einhalten. Die
roſt=weiße Linie ſoll doch ſich möglichſt an die weiße Linie
(Hauptbahnhof=Herdweg) anſchließen. Aber ich habe ſo=
wohl
vorgeſtern vormittag 11½ Uhr, wie am Mittag gegen
1 Uhr mit mehreren anderen Zeugen konſtatieren müſſen,
daß wohl zwei regelmäßige weiße Wagen, aber keine rot=
weißen
Wagen nach dem Rheintor fuhren. Noch ärger er=
ging
mirs geſtern abend. Ich ſtand an der Halteſtelle
Bismarckſtraße=Kaſinoſtraße, als es von der Turmuhr
10¼ Uhr ſchlug. Dem Fahrplan nach ſoll etwa 10,17 dort
ein Wagen nach dem Rheintor paſſieren. Es ſchlug aber
vom Turm halb 11 und noch immer ließ ſich kein Wagen
von der oberen Bismarckſtraße erblicken. Endlich 10,33
kam ein ſolcher im ſchnellſten Tempo angeſauſt, der aber,
da ich um 10½ Uhr Angehörige vom Hoftheater abholen
wollte, für mich zwecklos war. Ich konſtatierte, daß in
den 18 Minuten von 10¼ Uhr ab drei Wagen der rot=
weißen
Linie nach dem Schloßgartenplatz fuhren, aber
kein einziger nach dem Rheintor. Es iſt doch klar,
daß eine derartige Unregelmäßigleit im Betrieb der
Bahnſtrecken fortgeſetzt zu den größten Unzuträglichkei=
ten
führen muß. Die Bürgerſchaft hat ein Recht darauf,
zu verlangen, daß der Bahnbetrieb nach dem Uebergang
an die Aktiengeſellſchaft wenigſtens nicht verſchlechtert
wird und in unerträgliche Krähwinkeleien ausartet. Wie
verlautet, beabſichtigen mehrere Stadtverordnete, die lei=
dige
Angelegenheit in der nächſten Stadtverord=
neten
=Verſammlung zur Sprache zu bringen und
wir möchten nur den Wunſch ausſprechen, daß dies in
einer nachdrücklichen, rückhaltloſen Weiſe geſchehen möge,
damit endlich einmal Anſtalten getroffin werden, die
ſchreiendſten Mißſtände zu beſeitigen.
Unus ex multis.

Die Kriſe auf dem Balkan.

Die Türkei.
* Konſtantinopel, 2. Okt. Ein Jrade ſanktio=
niert
den noch nicht veröffentlichten Miniſterratsbeſchluß,
welcher die Mobiliſierung der ganzen türki=
ſchen
Armee anordnete, ausgenommen einiger anato=
liſcher
Einheiten an der ruſſiſchen Grenze.
* Konſtantinopel, 2. Okt. Der Miniſter=
rat
hat beſchloſſen, die Forderung der Durchfuhr ſerbi=
ſchen
Kriegsmaterials zurückzuweiſen.
* Konſtantinopel, 1. Okt. In amtlichen türki=
ſchen
Kreiſen glaubt man, die Mächte würden der Tür=
kei
eine Konferenz vorſchlagen und die Türkei würde ſich
bereit erklären, Vertreter zu dieſer Konferenz zu entſen=
den
, falls die Balkanſtaaten demobiliſieren.
Konſtantinopel, 2. Okt. Auf der bulga
riſchen Geſandtſchaft wied alles reiſefertig gemacht.
Der ſerbiſche Geſandte beſtreitet, daß die ſerbiſche Note
betreffs der zurückgehaltenen Munition den Charakter
eines Ultimatums trage. Die türkiſche Regierung beab=
ſichtigt
, falls es zum Kriege kommt, unverzüglich mit
Italien Frieden zu ſchließen.
Konſtantinopel, 1. Okt. Die hieſige nicht=
türkiſche
Welt ſetzt noch ſchwache Friedenshoff=
nungen
auf den Einfluß der Großmächte, dagegen
iſt die türkiſche Bevölkerung auf die nahe bevorſtehende
Kriegserklärung gefaßt und hat auf die Schlagfertigkeit
der Armee unbedingtes Vertrauen. Die Ruhe unter der
Bevölkerung der Hauptſtadt iſt trotz voller Kenntnis der
kritiſchen Lage muſterhaft.
* Konſtantinopel, 2. Okt. Den türkiſchen
Handelsfchiffen die in den Häfen des Schwarzen
Meeres ſich befinden, iſt befohlen worden, ſofort nach
Konſtantinopel zurückzukehren. Die Hafenbehörde läßt
alle griechiſchen Dampfboote regiſtrieren.
* Konſtantinopel, 2. Okt. Die Pforte verwei=
gert
den griechiſchen Schiffen die Ausſtellung von
Durchfahrtspäſſen durch die Dardanellen und erklärt, ſie

könnte die Schiffe ſchartern. Mehr als 50 griechiſche
Schiffe befinden ſich im Schwarzen Meer, 22 vor Kon=
ſtantinopel
.
Die Balkanſtaaten.
* Belgrad, 1. Okt. Der Miniſterpräſident
und der Miniſter des Aeußern hatten den Vertre=
ter
des Wiener Korreſpondenz=Bureaus in Belgrad zu
der Erklärung ermächtigt, daß Serbien trotz der ernſten
Verſchärfung der Lage auf dem Balkan von der feſten
Zuverſicht erfüllt ſei, daß die Türkei der Einwirkung der
Großmächte, die feindſeligen Abſichten gegen die Balkan=
ſtaaten
aufzugeben und unabweisliche Reformen durchzu=
führen
, Folge leiſten werde, und daß es auf dieſe Weiſe
gelingen werde, eine Störung des Friedens am Balkan
zu verhindern. Serbien hege keine aggreſſiven Beſtreb=
ungen
und ſei nur auf die Wahrung ſeiner vitalen In=
tereſſen
bedacht.
* Belgrad, 1. Okt. Heute vormittag iſt in der
Stadt eine erſichtliche Beruhigung eingetreten. Die
Mobiliſierungsmaßnahmen wickeln ſich in voller Ruhe
und Ordnung ab. Der Geſchäftsverkehr iſt gänzlich zum
Stillſtand gekommen. Die Proklamierung eines Mo=
ratoriums
ſoll bevorſtehen. Für die journaliſtiſche
Berichterſtattung nach dem Auslande iſt die Zenſur ein=
geführt
worden. Die Einrückung der Wehrpflichtigen geht
glatt vor ſich. In den Straßen wurden von der Jugend
Kundgebungen gegen die Türkei veranſtaltet. Geſtern
wurden vor dem Palais des Königs, der ruſſiſchen, der
engliſchen und der bulgariſchen Geſandtſchaft und vor
dem Kriegsminiſterium Ovationen dargebracht. Wie
verlautet, wird der Kriegsminiſter General Tatnik zum
Generalſtabschef und der penſionierte General Atanzkonick
zum Kriegsminiſter ernannt werden. Man erwartet die
Reaktivierung von zahlreichen penſionierten Offizieren
und die Begnadigung wegen militäriſcher und politiſcher
Delikte verurteilter Perſonen.
Peſt, 1. Okt. Laut Peſter Lloyd fanden in den
bulgariſchen Städten große, patriotiſche
Kundgebungen ſtatt. Der bulgariſche Kriegsmini=
ſter
erließ eine Verordnung, welche Nachrichten die Zei=
tungen
bringen dürfen. Bei Zuwiderhandeln werden
Gefängnisſtrafen von acht bis zehn Jahren angedroht.
An verſchiedenen Orten Bulgariens fanden Zuſammen=
ſtöße
zwiſchen Bulgaren und Mohammedanern ſtatt.
* Bukareſt, 1. Okt. Von einer Mobiliſier=
ung
der rumäniſchen Truppen verlautet nichts.
Rumänien dürfte im Kriegsfalle eine abwartende Halt=
ung
einehmen und nur aktiv eingreifen, wenn die eigenen
Intereſſen, ſowie die internationalen Verpflichtungen es
dazu zwingen ſollten. Obwohl die vereinigte Oppoſition
auch hier die Kriegsſtimmung nährt, wünſcht die Bevöl=
kerung
den Frieden, weil die wirtſchaftliche Lage ohnehin
ſchlimm genug iſt. Von einer Intervention befreundeter
Mächte erwartet man, daß Bulgarien zum Aufgeben
ſeiner herausfordernden Haltung bewegt wird. Die hie=
ſigen
politiſchen Kreiſe ſehen die Lage für weniger gefahr=
voll
an, als die vorliegenden Nachrichten andeuten.
* Cetinje, 2. Okt. Eine Extraausgabe des Amts=
blattes
begründet die Mobiliſierung der geſam=
ten
Armee mit den unaufhörlichen Grenzzwiſchenfäl=
len
und der Anhäufung türkiſcher Truppen längs der
montenegriniſchen Grenze. Dieſer wichtige Schritt, be=
tont
die Mitteilung, iſt in dieſen ernſten Verhältniſſen ein
Mittel zur Verteidigung des Vaterlandes und zur Wahr=
ung
der ſtaatlichen und nationalen Intereſſen. Der Mo=
biliſierungsbeſchluß
und ſeine Begründung iſt den Ver=
tretern
der Großmächte mitgeteilt worden.
Die anderen Mächte.
Berlin, 10. Okt. Bei dem Empfang der
Botſchafter bei dem Staatsſekretär des Auswärtigen
Amtes von Kiderlen=Wächter waren alle hier
weilenden Botſchafter, auch der türkiſche, anweſend. Für
den ſchlimmſten Fall hofft man eine Beſchränkung des
Krieges auf die Beteiligten.
Wien, 1. Okt. Die Armeekorps 5., 8., 12.,
15. und 16. ſind auf den erhöhten Friedensſtand gebracht
worden. Die Mannſchaften des dritten Jahrganges wur=
den
bei den Fahnen zurückgehalten.
* Paris, 1. Okt. Verſchiedene franzöſiſche
Banken wurden in den letzten Tagen von dem bul=
gariſchen
Geſandten in Paris erſucht, Bulgarien
einen Vorſchußkredit zu gewähren. Die franzöſiſchen
Banken haben nach dem übereinſtimmenden Rat des Fi=
nanzminiſters
und des Miniſters des Aeußern dem bul=
gariſchen
Geſandten geantwortet, daß ſie unter den gegen=
wärtigen
Umſtänden Bulgarien keinen Vorſchuß gewäh=
ren
könnten. Die von dem bulgariſchen Geſandten ge=
forderten
Summen beliefen ſich anfangs auf 20 Millionen,
wurden aber allmählich auf 15, 10 und 5 Millionen redu=
ziert
.
* London, 2. Okt. Die geſamte Preſſe be=
ſchäftigt
ſich mit der Kriſe auf der Balkanhalbinſel. Die
Times ſagt, es ſei klar, daß die Balkanſtaaten kaum
weniger als die Autonomie der europäiſchen Provinzen
der Türkei, in denen ſie Intereſſen haben, begehren und
von der Türkei fordern werden, wenn nicht die Mächte
eine Aktion unternähmen, die ſie inbezug auf Ma=
zedonien
befriedigt. Das Blatt betont, daß auch die Tür=
kei
Sympathien verdiene, da nach allgemeiner Ueberzeug=
ung
die gegenwärtige Regierung aufrichtig eine Politik
der Konzentration und adminiſtrativer Reformen ver=
folge
. Die Morning Poſt befürchtet, daß ein Ein=
greifen
der Großmächte in dem jetzigen Zeit=
punkte
zu ſpät ſei. Das Blatt meitt, daß in den Auffaſ=
ſungen
der Mächte in den Balkanfragen größere Ueber=
einſtimmung
herrſche, als zu irgend einer früheren Zeit.
Wenn eine Verſtändigung erreicht werden könnte, ſo
könnte viel von den Friktionen und dem Argwohn beſei=
igt
werden, die in den letzten Jahren die Aufgaben der
Diplomatie erſchwert haben. Daily Chronicle glaubt,
daß der Krieg vermieden werden wird. Die Staatsmän=
ner
der Balkanmächte müſſen ſich klar darüber werden,
daß die territorialen Erwerbungen, die ſie begehren, nicht
von einem etwaigen Kriege abhängen, ſondern von der
Zuſtimmung der Mächte. Die Daily News meinen,
daß, wenn nicht die widerſtrebenden Intereſſen der Groß=
mächte
wären, die türkiſche Herrſchaft in Europa wirkſam
und ſchmerzlos beſeitiat werden könnte. Daily Graphic
ſagt: Die ſlaviſchen Staaten irrten ſich erheblich, wenn
ſie glaubten, daß ſie bei einem Krieg die Sympathien
Europas in beträchtlichem Maße auf ihrer Seite haben
würden.
Letzte Nachrichten.
* Berlin, 2. Okt. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung ſchreibt: Angebliche oder wirkliche türkiſche
Mobilmachungsmaßregeln haben den Balkan=
ſtaaten
Grund oder Vorwand zur Mobiliſierung ihrer
Streitkräfte gegeben. Ob es ſich nur um einen Gegenzug
gegen die türkiſchen Vorkehrungen oder um ernſtliche
Kriegsabſichten handelt, läßt ſich zur Zeit mit Beſtimmt=

heit nicht erkennen. Unter allen Umſtänden haben die
von den Balkanregierungen ergriffenen Maßregeln die
Möglichkeit eines kriegeriſchen Zuſammenſtoßes mit der
Türkei nähergerückt. Die Bemühungen der
Mächte, den Frieden zu erhalten, dauern
fort. Wie ſehr es auch zu bedauern wäre, wenn dieſe
Bemühungen erfolglos blieben, ſo iſt doch auch in dieſem
Falle für die deutſchen Intereſſen ein An=
laß
zu unmittelbarer Beunruhigung nicht
gegeben. Dies iſt um ſo weniger der Fall, als mit Be=
ſtimmtheit
zu hoffen iſt, daß der etwaige Konflikt auf
ſeinen Herd beſchränkt bleiben wird. Die letzten
Ereigniſſe haben, wie geſagt, die Wahrſcheinlich=
keit
eines Konfliktes erhöht. Mit der Mög=
lichkeit
eines ſolchen mußten die europäiſchen Kabinette
aber ſchon ſeit geraumer Zeit rechnen. Sie haben daher
auch alle Zeit gehabt, ſich untereinander über ihre Stel=
lung
zu einer ſolchen Eventualität auszuſprechen. Bei
dem feſten Willen aller Mächte, die Ausdehnung des Kon=
fliktes
hintanzuhalten, kann eine endgültige Verſtändig=
ung
nicht ausbleiben. Wenn auch die nahe Möglichkeit
eines Zuſammenſtoßes auf dem Balkan nicht von der
Hand zu weiſen iſt, ſo darf doch zuverſichtlich er=
wartet
werden, daß eine weitergehende
Conflagration, in die die europäiſchen
Großmächte hineingezogen werden könn=
ten
, vermieden bleibt.
* Wien, 2. Okt. Blättermeldungen zufolge bezeich=
nete
der Kriegsminiſter auf eine private Anfrage einiger
ungariſcher Delegierter die Nachricht von der Mobili=
ſierung
zweier öſterreichiſch=ungariſcher Armee=
korps
als nicht den Tatſachen entſprechend.
* Bukareſt, 2. Okt. Wegen bulgariſcher Kundgeb=
ungen
für den Krieg in Sviſtov, gegenüber dem rumä=
niſchen
Hafen Zimnicea, flüchteten die Türken von
Sviſtov auf,rumäniſchen Boden.
* Sofia, 2. Okt. Das Exekutivkomitee der
Mazedoniſchen und Adrianopeler Geſellſchaften veran=
ſtaltete
geſtern nachmittag in den Straßen der Stadt eine
Kundgebung, an der Tauſende, insbeſondere Ein=
wanderer
aus Mazedonien und dem Wilajet Adrianopel,
teilnahmen. Vor dem Königlichen Schloß, dem Militär=
klub
und der ſerbiſchen und griechiſchen Geſandtſchaft
wurden von der Menge Ovationen dargebracht.
* Konſtantinopel, 2. Okt. Von überall her
werden die Einberufungen der Redifs des
zweiten Aufgebots und der Reſerviſten gemeldet.
Die Diviſionskommandeure haben Befehl erhalten, die
Redif=Diviſionen vollzählig zu machen. Jedes Bataillon
ſoll auf die Dauer eines Monats auf 800 Mann gebracht
werden. Die mobiliſierten Diviſionen von El Baſan
werden demnächſt nach Skutari abgehen. Die Kom=
miſſion
für Reformen im Gebiete der Maliſſoren iſt unter
Marſchall Kiazin Paſcha nach Skutari abgereiſt.
London, 2. Okt. Nach einem Telegramm aus
Sofia haben Griechenland, Serbien, Montenegro und
Bulgarien König Ferdinand zum oberſten
Kriegsherrn der vereinigten Armeen der
Verbündeten ernannt. Man glaubt, daß mindeſtens
10000 ruſſiſche Freiwillige ſofort beim Ausbruche der
Feindſeligkeiten ſich den Bulgaren anſchließen werden.
Die Begeiſterung iſt ungeheuer. 15000 in
Amerika als Auswanderer lebende Freiwillige ſind bereits
unterwegs.
London, 2. Okt. Die griechiſche Regier=
ung
hat vier Torpedoboote angekauft, die in
Liverpool für eine andere Macht gebaut und faſt voll=
endet
ſind. Daily Expreß meldet aus Rom: 57000
Mann italieniſcher Truppen ſeien 12 Meilen nordöſtlich
der Inſel Samos gelandet worden. Eine offizielle Be=
ſtätigung
dieſer Nachricht ſei noch nicht zu haben.

Literariſches.

Die Kunſt unſerer Heimat die im Auf=
trag
der Vereinigung zur Förderung der Künſte in Heſſen
und im Rhein= und Maingebiet von Dr. Daniel Greiner
herausgegebene Monatsſchrift, widmet ihr Doppelheft 6,
7 in ganz beſonderes vornehmer und geſchmackvoller Auf=
machung
der Ernſt Ludwig=Preſſe und ihrem Schöpfer,
F. W. Kleukens. In einem beachtenswerten Aufſatz, dem
zahlreiche Proben, Titel und Textſeiten beigegeben ſind,
beſpricht Albert Wendiſch die Drucke der Ernſt Ludwig=
Preſſe während Dr. Daniel Greiner eine ebenfalls durch
Abbildungen unterſtützte, feinſinnige Analyſe der Kleu=
kensſchen
Kunſt verſucht. Heft 8 bringt aus der Feder
Adolf Beyers eine kurze Würdigung Eugen Brachts, dem
in einem ſpäteren Heft ein illuſtrierter Bericht über die
Bracht=Ausſtellung 1912 folgen ſoll, und einen umfang=
reichen
Aufſatz von Dr. Walter Dammann über Georg
Mollers künſtleriſche Welt, mit zahlreichen Skizzen und
Abbildungen.
Die Leipziger Illuſtrirte Zeitung.
(Verlag von J. J. Weber) hat ihre Nummer vom 12. Sep=
tember
dem Beſuch des deutſchen Kaiſers in der Schweiz
gewidmet und behandelt darin nicht nur die Feſtlichkeiten
zu Ehren des Kaiſers in zahlreichen prächtigen Abbild=
ungen
, ſondern berückſichtigt auch in Artikeln die ſtaats=
rechtlichen
und wirtſchaftlichen Beziehungen zwiſchen der
Schweiz und Deutſchland, die Entwickelung des ſchweize=
riſchen
Wehrweſens und das ſchweizeriſche Militärleben
in zahlreichen Abbildungen, ferner Schweizer Kunſt und
Wiſſenſchaft im 20. Jahrhundert mit einer geoßen Anzahl
von Porträten hervotragender Vertreter der ſchweize=
riſchen
Wiſſenſchaft der Gegenwart. Ebenfalls der Schweiz
angehört die prächtige farbige Doppelſeite Das Gebiet
der Jungfraubahn nach einem Aquarell von Hans Beat
Wieland. Wie immer behandelt aber auch die neueſte
Nummer der Illuſtrirten Zeitung alle Tagesfragen in
Wort und Bild in eingehendſter Weiſe.
Zur Eröffnung der neuen Stuttgarter Hoftheater
at die Neue Muſik=Zeitung (Verlag von Karl
Grüninger in Stuttgart) ein Feſt=Heft herausgegeben (24.
des 33. Jahrgangs). Das Heft bringt die intereſſante Ge=
ſamtanſicht
der beiden Häuſer aus der Vogelſchau mit der
ür ſpäter vorgeſchlagenen gärtneriſchen Umgeſtaltung, Ab=
bildungen
des Großen und des Kleinen Hauſes, der bei=
den
Zuſchauerräume, ſowie Porträts der Vorſtände und
Sänger der Hofoper, im ganzen 24 Illuſtrationen. Emil
Gerhäuſer hat einen Beitrag: Die Entſtehung einer Opern=
premiere
(Aus dem Tagebuch eines Opernregiſſeurs) bei=
geſteuert
. Zwei Lieder ſchwäbiſcher Komponiſten, Die
Weckeluhr von Eugen Haile und Sommerabend im
Schwarzwald, ergänzen dies heimiſche Feſtheft ſinn=
gemäß
.

Letzte Nachrichten.

Aaits telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 2. Okt. Staatsſekretär Dr. Solf iſt auf
ſeiner Heimkehr von der Dienſtreiſe nach Südweſt= und
Oſt=Afrikg in Negpel eingetroffen.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Oktober 1912.

Nummer 233.

2 Geibelberg, 2. Ot, Der Heideberger Stadtrat hat
bei der badiſchen Regierung betreffs der Einfuhr
friſchen ausländiſchen Fleiſches die gleichen
Vergünſtigungen erbeten, welche den Städten Mannheim,
Karlsruhe und Freiburg gewährt worden ſind. Ferner
hat die Heidelberger Stadtverwaltung den von ihr zu
kontrollierenden Verkauf friſcher Seefiſche auf den vier
ſtädtiſchen Wochenmärkten während des Winterhalb=
jahres
, das Pfund um 5 Pfennig unter dem jeweiligen
Ladenpreis, mit einer hieſigen Seefiſchhandlung verein=
bart
.
* Neuſtrelitz, 2. Okt. Der frühere Gutsinſpektor
Lemcke wollte ſich und ſeine Familie wegen Nahrungs=
ſorgen
töten. Er öffnete heute morgen ſeinem Kind
die Pulsadern, zertrümmerte dann ſeiner Frau mit einem
ſchweren Hammer den Schädel und verſuchte hierauf ſich
zu erhängen, verlor hierzu aber den Mut. Lemcke wurde
verhaftet.
* Wien, 2. Okt. Kaiſer Franz Joſef ſtattete heute
vormittag dem König der Hellenen einen drei=
viertelſtündigen
Beſuch ab. Die Begrüßung der Monar=
chen
war ſehr herzlich. Der Kaiſer wurde bei ſeiner Fahrt
durch die Ringſtraße vom Publikum ſtürmiſch begrüßt.
* Anklam, 2. Okt. Ein Kleinbahnzug fuhr
geſtern abend zwiſchen Schwerinsburg und Löwitz gegen
eine vom Sturm auf die Schienen geworfene Pappel und
entgleiſte. Der Zugführer wurde von der Maſchine
geſchleudert und war ſofort tot. Der Heizer, der zwiſchen
Maſchine und Baumſtamm eingeklemmt wurde, iſt ſtark
verbrüht worden. Vier Stunden mußte der Bedauerns=
werte
aushalten ehe er befreit werden konnte. An ſeinem
Aufkommen wird gezweifelt.
* Paris 2. Okt. Der deutſche Botſchafter iſt
von ſeinem Urlaub zurückgekehrt und hat die Leitung der
Geſchäfte übernommen.
* Madrid, 2. Okt. Im geſtrigen Miniſterrat
faßte die Regierung eine Anzahl Beſchlüſſe, die das
Amtsblatt bekannt geben wird je nachdem die Not=
wendigkeit
hierzu vorliegt. Die Miniſter ſind ſehr zurück=
haltend
; ſie erklären nur, die Regierung werde das Vor=
gehen
der Anarchiſten unter keinen Umſtänden dulden und
über die Aufrechterhaltung der Ordnung wachen.
* London, 2. Okt. Der ruſſiſche Miniſter des Aeußern
Saſonow iſt nach Paris abgereiſt.
* Spala, 2. Okt. Prinzeſſin Heinrich von
Preußen iſt zum Beſuch der kaiſerlichen Familie hier
eingetroffen.
* Sofia, 2. Okt. Die Ausfuhr von Korn, Mehl
und Futter über die Südoſtgrenze iſt durch königlichen
Erlaß verboten worden.
* New=York, 2. Okt. Der Millionär Bruce
Brown rannte bei einer Probefahrt für das Vander=
bilt
=Rennen bei Milwaukee gegen einen Zaun, erlitt einen
Schädelbruch und war ſofort tot.

H. B. Kyritz, 2. Okt. Der zur Zeit hier weilende Zir=
kus
Blumen feld iſt durch den geſtrigen Sturm voll=
ſtändig
vernichtet worden.
II.B. Breslau, 2. Okt. Der aus ſeinem Konflikt mit
dem Haupſtmann Kamimler bekannte Amtsrichter
Knittel in Rybnik iſt als Landrichter nach Neiſſe ver=
ſetzt
worden.
Antwerpen, 2. Okt. Seit Anfang voriger Woche
wird der Diamantenhändler Provot vermißt. Vor
einigen Tagen erhielt die Familie von Brüſſel ein Tele=
gramm
von Provot, in dem er mitteilte, er würde noch
einige Zeit in Brüſſel bleiben. Das Telegramm erwies
ſich jedoch als gefälſcht. Es beſteht der Verdacht, daß
Provot, der eine größere Barſumme und Diamanten von
hohem Werte bei ſich trug, in eine Falle gelockt und er=
mordet
wurde.
Petersburg, 2. Okt. Der General Uchatſcho=
gorowitſch
wurde wegen Unterſchlagungen
während des ruſſiſch=japaniſchen Krieges vom Petersbur=
ger
Militärgericht zum Verluſt des Adels, aller Ränge
und Orden, zu einer dreieinhalbjährigen Verſetzung in
die Arreſtantenkompagnie und Zahlung einer Geldſtrafe
von 340000 Mark verurteilt.
II.B. Odeſſa, 2. Okt. In der Nähe von Odeſſ
hat ſich ein äußerſt ſchweres Unglück zugetragen. Durch
einen Bergrutiſch wurden 24 Häuſer zerſtört und
18 Menſchen getötet. Ebenſoviele Perſonen liegen
noch unter den Trümmern.
* Rewport (Rhode=Island), 2. Okt. Von den bei
der Exploſion des Dampfkeſſels auf dem Torpedo=
bootszerſtörer
Walke Verletzten ſind zwei Mann
geſtorben.
* Philadelphia, 2. Okt. Eine Feuersbrunſt hat
den Pier zerſtört, der von der Hamburg=Amerika=Linie
und der italieniſchen Linie benutzt wird. Der Schaden
wird auf eine Million Dollars geſchätzt.

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Erziehungsergebniſſe wie i. früheren Jahr. z. verzeichnen:
Uebergeleitet wurd. i. J. 1911/12 i. d. Ober= u. Unterprima
(9/8. Kl.), Gymnaſ., Real=Reformgymnaſ. u. Oberrealſchule
28 u. i. d. Ober=II (7. Kl.) 12 Schüler. Einjährige 28. (20570M

Der Stadtauflage unſerer heutigen Ausgabe
liegt ein Proſpekt bei von dem Reform=
geſchäft
Ariſta‟. Ernſt=Ludwigſtraße 3 (Inhaber
Anton Braunwarth), über Reform=Butter, worauf
(20562
hiermit hingewieſen wird.

Todes=Anzeige.
Freunden und Bekannten die traurige Nach=
richt
, daß heute morgen ¾9 Uhr nach langem,
ſchwerem Leiden mein lieber Gatte, unſer lieber,
guter Vater und Großvater
(20600
Friedrich Schäfer
ſanft im Herrn entſchlafen iſt.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Frau Marg. Schäfer, geb. Rieß,
Louiſe Schäfer,
Familie Karl Schäfer.
Darmſtadt, den 2. Oktober 1912.
Die Beerdigung findet am Freitag nachmittag
2 Uhr, vom Portale des ſtädtiſchen Fried=
hofes
aus, ſtatt.

Statt jeder beſonderen Anzeige.
Heute morgen 7 Uhr verſchied ſanft und
unerwartet nach eintägigem Krankenlager meine
innigſtgeliebte Frau, unſere gute Schweſter,
Schwägerin und Tante
(20585
Auguste Stromeyer
geb. Geider-Faix.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Wilh. Stromeyer.
Darmſtadt, den 2. Oktober 1912.
Die Beerdigung findet am Freitag nachmittag
2¾ Uhr, vom Sterbehauſe Ernſt= Ludwigs=
platz
1 aus, ſtatt; die Einſegnung ¼ Stunde
vorher.

Dankſagung.

Innigen Dank für all die Teilnahme an dem
uns ſo ſchwer betroffenen unerwarteten Verluſt.
Darmſtadt, den 3. Oktober 1912. (20643
Gg. Straßburger,
Familie K. Osterrath.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer lieben, guten Tante
und Couſine
(20601
Elisabethe Dittmann

Großherzogl. Ballettmeisterin i. P.
ſowie beſonders den Barmherzigen Schweſtern für
die hingebende liebevolle Pflege, ſagt auf dieſem
Wege den tiefſtgefühlten Dank
Namens der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Alice Schmidt.

Darmſtadt, 3. Oktober 1912.

Dankſagung.
Für die Beweiſe herzlicher Teilnahme an dem
uns betroffenen Verluſte unſerer unvergeßlichen
Mutter, Großmutter, Schweſter und Tante
Frau M. Kühn Witwe
ſowie für die zahlreichen Blumenſpenden, ſagen
wir unſeren tiefgefühlten Dank.
(20588
Die trauernden Hinterbliebenen.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſeres unvergeßlichen Gatten,
Vaters, Bruders, Schwiegervaters und Onkels
Philipp Schmitt
Milchfahrer der Hofmeierei
ſagen wir Allen aufrichtigſten Dank, insbeſondere
dem Herrn Pfarrer Kleberger für die troſtreiche
Grabrede.
(20641
Familie-Schmitt,
Erbacherſtraße 146.

RannerAu

nach Tilsner Art E
nach Münchher Art
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feinste Tafelbiere
in Flaschen und Syphons.

Meier erterete

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Der weſtliche Tiefdruckwirbel iſt unter weiterer Ver=
ſtärkung
oſtwärts gezogen. Der Kern liegt über der
Oſtſee. Dort wehen überach ſtarke bis ſtürmiſche Winde.
Niederſchläge ſind allenthalben gefallen, zum Teil in er=
heblicher
Menge. Die Temperaturen liegen unverhältnis=
mäßig
hoch, ſogar die Zugſpitze hat 1. Das Hochdruck=
gebiet
von Island dringt vor und dürfte uns langſam
beſſeres Wetter bringen.
Ausſichten für Heſſen am Donnerstag, 3. Oktober:
Bewölkung, Niederſchläge und Winde abnehmend, kälter.

Tageslalewder.

Großh. Hoftheater (Ab. A), Anfang 7½ Uhr:
Die Nibelungen.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Religiöſer Vortrag von E. Schumacher um 8½
Uhr Waldſtraße 18.
Monatsverſammlung des Gartenbauvereins uum
8 Uhr im Fürſtenſaal
Konzerte: Bürgerkeller um 8 Uhr. Singſpielhaus
Metropole um 8 Uhr.
Ausſtellung Der Menſch im Großh. Reſidenzſchloß.
(geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends).
Eugen Bracht=Ausſtellung auf der Mathil=
denhöhe
(geöffnet von 106 Uhr).

Verſteigerungskalender.
Freitag, 4. Oktober.

Hofreite=Verſteigerung des Jakob Gebhardt
(Ireneſtraße) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Hofreite=Verſteigerung des Joh. Adam Huth
(Bleichſtraße) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 9 Uhr in der
Ludwigshalle.
Faſelochs=Verſteigerung um 12 Uhr im Rat=
haus
zu Spachbrücken.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

Nummer 255

AoSouh

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20598

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Kurſe vom 2. Oktober 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Staatspapiere.
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3½ Deutſche Reichsanl. . 88,50
78,10
3
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99,60
88,50
3½ do. Conſols .
78,40
3 do.
do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,00
93,70
do.
3½
83,50
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,00
do.
87,50
3½
3
do.
77,80
4 Hamburger Staatsanl. 99,50
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 100,00
4 do. do. (unk. 1918) 99,80
do.
87,30
3½
76,75
do.
3
78,90
3 Sächfiſche Rente . .
4 Württemberger v. 1907 99,60
do. v. 1875 93,20
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 98,50
1¾ Griechen v. 1887 . . 54,00
3 Italiener Rente . . 93,80
4½ Oeſterr. Silberrente 88,80
4 do. Goldrente . . . 94,00
4 do. einheitl. Rente 85,20
8 Portug. unif. Serie I 63,20
3 do. unif. Ser. III 66,60
3 do. Spezial . . ..
5 Rumänier v. 1903 . . 99,75
4 do. v. 1890 . . 94,80
4 do. v. 1905 . . 90,20
. 88,50
4 Ruſſen v. 1880 .
. 88,40
4 do. v. 1902 .
4½ do. v. 1905 .
. 93,25
4½ Schweden .
3 Serbier amort. v. 1895 80,50
4 Türk. Admin. v. 1903 80,00
4 Türk. uniſiz. v. 1903 88.00
4 Ungar. Goldrente . . . 88,60
4 do. Staatörente. . . 85,50

Zf.
InProt.
5 Argentinier
.100,60
4
do.
86,50
4½ Chile Gold=Anleihe . 91,20
5 Chineſ. Staatsanleihe . 96,50
4½
do.
4½ Japaner . . . . . . . 93,10
5 Innere Mexikaner . . . 93,10
3
do.
.59,30
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,00
5 Gold=Mexikaner . . . . 99,00
3 Buenos Aires Provinz
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 154,90
5 Nordd. Lloyd . . . . . 124,30
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . .
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſend. 60½,
Einz. Mk. 408 . . 113,75
8 Baltimore und Ohio . 108,10
6½ Schantungbahn . . . 130,00
6½ Luxemb. Prince Henri
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 19½
6 Pennſylvania R. R.
Letzte Induſtrie=
Dioid. Aktien.
4 Brauerei Werger . . 69,00
25 Bad. Anilin= u. Soba=
Fabrik .
.. 527,00
14 Ehem. Fabrik Gries=
heim

. .254,50
30 Farbwerke Höchſt . . 621,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . ...
10 Cement Heidelberg . . 150,00
30 Chem. Werke Albert 461,70
12½ Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 330,00
4 Lahmeyer . . . . . .

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71 Schuchert. Nürnberg 154,60
12 Siemens & Halske .234,50
5 Vergmann Electr. . . 135,00
10 Deutſch. Ueberſee Eleetr. 164,75
0 Gummi Peter . . . . 104,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 116,80
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 589,40
10 Maſchinenf. Badenia 176,50
6 Wittener Stahlröhren 203,00
8 Steana Romana Petr. 145,00
15 Zellſtoff Waldhof . . 238,10
12½ Bad. Zucker= Wag=
häuſel
. . . . . . . 208,00
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 112,50
3 Südd. Immobilien . 63,80
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 189,00
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 232,00
11 Deutſch=Luxemburg.=
Vergb. . . . . . . 177,30
10 Gelſenkirchener . . . . 198,50
8 Harpener ..
192,00
15 Phönir Bergb. und
Hüttenbetrieb. .275,65
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 88,00
4 Laurahütte . . . . . . 174,00
10 Kaliwerke Aſchersleben 170,50
11 Weſteregeln 216,00
7½ South Weſt Africa 143,30
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 88,20
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 100,20
4 Eliſabethbahn, freie . .
4 Franz=Jofefs=Bahn . .
3 Prag=Duxer . . . . . . 75,10
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn . 93,25
78.90
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 98,30
do.

Jupro.
(3t.
2¾0 Oeſt. Südb. (Lomb.) 53,00
78,00
3 Raab=Oedenburg.
4 Kronprinz Rudolfbahn 93,00
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 86,30
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,00
do.
4 Wladichawchas . . . .
4 Rjäſan Koslow . . . .
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 76,70
do.
87,50
2½, Livorneſer .
. 68,90
3 Salonique=Monaſtir . 63,00
4 Bagdadbahn .
82,75
4½ Anatoliſche Eiſenb. 96,00
4 Miſſouri=Paciſie. . .
4 Northern=Paciſie. . . . 99,50
4 Southern=Paeifie . . . 93,40
5 St. Louis und San
Francisco. . . . . 85,00
5 Tehuantepec . . . . . . 97,50
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Iürich . . 186,30
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn . . . . . . . 149,00
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 167,50
6½ Darmſtädter Bank . 122,10
12½ Deutſche Bank . . . 252,00
6 Deutſche Vereinsbank . 122,00
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 116,00
10 Diskonto=Kommandit 184,80
8½ Dresdener Bank 152,00
9½ Frankf. Hypoth.=B. 215,00
6½ Mitteld. Kreditbank 118,00
7 Nationalb. für Deutſchl. 120,70
7 Pfälziſche Bank. . . . 127,00
5.86 Reichsbank . . . . . 135,00
7 Rhein. Kreditbank. . . 134,60
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 118,50
7½ Wiener Bankverein . 132,00
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21. . . . . . . 99,20

Indro.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . .
88,50
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 52 . . . .
99,00
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 98,50
31
do.
87,80
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,90
3½
do.
88,00
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
99,40
S. 14, 15, 17, 24/26
1823
90,60
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68
. 88,00
S. 35 .
. 87,80
S. 911
87,80
4 Meininger Hyp.=Bank 98,80
3½
do.
87,80
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 98,20
3½ do. (unk. 1914) . . 87,60
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,90
do.
3½
88,70
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . .
3½ do.
89,30
4 Frankfurt..
99,60
do.
94,60
4 Gießen .
. 98,10
do.
91,00
4 Heidelberg
. 98,50
3½ do.
8,70
4 Karlsruhe
3½ do.
88,50
4 Magdeburg.
3½ do.
4 Mainz .
3½, do.
89,00
4 Mannheim .
98,50
do.
4 München ..
100,10
Nauheim
4 Nürnberg.
99,00
do.
88,00
4 Offenbach .

91.
Inbren.
3½ Offenbach . 7. . 5
4 Wiesbaden . 7.7.4 99,50
3½ do.
4 Worms . . .75755 97,75
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888 77,90
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner , 100 134,06
3 Holl. Komm. . fl. 100 107,80
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 135,50
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 172,80
3 Olbenburger . . .
. 125,60
3½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . ſl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 203,00
Freiburger .
.Fs. 15 2
Fs. 45
Mailänder
Fs. 10
do.
Meininger .
fl. 7 33,10
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 516,00
do. v. 1858 fl. 100 5
Ungar. Staats . . fl. 100
Benediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 168,00
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,44
20 Franks=Stücke .
1615
Amerikaniſche Noten . .
4,20
Engliſche Noten .
20,43
Franzöſiſche Noten. .
81,10
Holländiſche Noten. . . . 169,55
Ktalieniſche Noten . .
80,35
Heſterr.=Ungariſche Noten 84,90
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,85

Reichsbank=Diskonto . . . 4½
Reichsbaul=Bombard 890. 5½

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Seite

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Oktober 1912.

Nummer 233.

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Neßling, gewerbsmäßige Stellenver=
mittlerin
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g. Priv.= u. Geſchäftsh., 21j. Mädch. ſ.
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[ ][  ][ ]

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gewonnen. An diesen Kursen können auch Hospitanten teilnehmen.
Beginn des Wintersemesters: In der Gesangschule: Donnerstag, den 3. Oktober;
in der Instrumentenschnle: Donnerstag, den 10. Oktober.
Vollständige Ausbildung in allen Fächern der Musik.
Kunst-, Dilettanten- und Vorschule.
Einzel- u. Klassenunterricht je nach Wunsch. Schriftliche oder mündliche An-
meldungen
an die Direktion, Elisabethenstrasse 36, erbeten. Sprechstunden vormittags 10 bis
12½ Uhr. Prospekte kostenfrei durch die Direktion, die Musikalienhandlungen u. das Verkehrsbüro.
Die Direktion: Wilhelm Schmitt, Willy Hutter.
20577a)

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Durch Umbau bedeutend erweitert.

Das Wintersemester beginnt
Dienstag, den 8. Oktober.
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ſtaatliche Anſtalten vor. Die grundſätzlich beſchränkte Schülerzahl
ermöglicht eine durchaus perſönliche Behandlung; daher aus=
gezeichnete
Ergebniſſe.
Bei den Reifeprüfnngen dieſes Herbſtes hatte die Anſtalt die
beſten Erfolge zu verzeichnen. Nähere Mitteilungen, Prüfungs=
ergebniſſe
uſw. durch den Vorsteher
H. RUPP.
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Alice-Schule.
Das Winterhalbjahr beginnt Dienstag, 22. Oktober 1912.
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2. Maſchinennähen und Wäſchezuſchneiden
3. Schneidern
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5. Bügeln, 4 monatlicher Kurſus u. einmonatl. Kurſus
6. Flicken
7. Weißſticken und Stopfen
8. Buntſticken
9. Freihandzeichnen
10. Spitzenklöppeln
11. Spindelgipüre
12. Holzbrand und Schnitzen
13. Kochen
14. Back=Kurſus.
Anmeldungen werden Dienstag, den 8. Okt.,
Dienstag, den 15., und Samstag, den 19. Okt.,
vormittags von 1012 Uhr, im Vorſtandszimmer der
Alice=Schule, Friedrichſtraße 4, entgegengenommen.
Handarbeits=Seminar, Haushaltungs=Seminar u. Handels=
(19579a
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[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblan, Donnerstag, den 3. Oktober 1912.

Nummer 233.

Aufdte Strasse

Mchm ale 4C. Hortenz?

führt viele Menſchen die tägliche Berufs=
arbeit
. Von der Straße bringen Sie die
Erkälkung heim, die Ihnen ſo läſtig iſt,
Die Berufsarbeit auf der Straße erfordert
ein Vorbeugungs= und Linderungsmittel
für Heiſerkeik, Kafarrh und Huſten, und
das ſind die altbekannken Wybert=Tabletten, die in allen Apotheken
und Drogerien pro Schachtel 1 Mark koſten.

In der Dämmerſtunde.
Eine hygieniſche Betrachtung.
Von Dr. Thraenhart, Freiburg i. Br.

(Nachdruck verboten.)
In der kälteren Jahreszeit bildet eine große
hygieniſche Unannehmlichkeit beſonders für die Augen
die vielſtündige künſtliche Beleuchtung, nebſt der langen
Dämmerung zwiſchen Licht und Dunkel. Manchmal (bei
Regen, Schneegeſtöber) wird es den ganzen Tag über
in den Zimmern nicht ordentlich hell, namentlich in den
engeren Straßen mit hohen Häuſern. Da muß man
denn, um nicht fortwährend in Dämmerung ſein Augen=
licht
zu ſchädigen, vom Fenſter alle lichtverſperrenden
Gegenſtände entfernen. Ganz weit zurückgeſchlagen
müſſen werden die Vorhänge, Stores, Rouleaux. Da
das Himmelslicht natürlich von oben kommt, iſt beſon=
ders
darauf zu achten, daß die Jalouſien (Rolläden) voll=
ſtändig
bis oben in die Höhe gezogen werden. Darin
herrſcht allgemein ſehr große Nachläſſigkeit. Wenn man
in den Straßen mal darauf achtet, findet man faſt in
keinem Hauſe alle Jalouſien ganz hinaufgezogen. Weg
von den Fenſtern mit den lichtraubenden bunten Bil=
dern
. Schmücke Dein Heim mit Licht! Man bedenke: Die
Geſamtfläche der Fenſter eines Wohnzimmers beträgt
in der Regel noch nicht 4 Prozent der Geſamtfläche der
ſechs das Zimmer umgebenden Wände und Böden.
Daher muß man dieſen Lichtvermittlern verſtändnisvolle
Behandlung zuteil werden laſſen. Aber das Fenſter=
glas
erfährt oft eine unbegreifliche Vernachläſſigung.
Wenn Glas nicht beſtändig innen und außen von Nieder=

ſchlägen, Staub und Schmutz geſäubert wird, ſo nimmt
ſeine Lichtdurchläſſigkeit ab, und die arbeitenden Augen
haben das ſchwer zu büßen. Das Fenſterputzen war
bis tief in das 19. Jahrhundert, oft ſogar in Paläſten,
eine vernachläſſigte Arbeit. Es wird z. B. erzählt, daß
der Prinzgemahl der Königin Viktoria von England
erſt energiſch darin Wandel ſchaffte, weil im Buckingham=
palaſt
die verſchiedenen Hausbehörden über die
Fenſterputzpflicht uneinig die königliche Familie im
Trüben bei ungeputzten Fenſtern ſitzen ließen. Ebenſo
wie das Auskehren und Staubwiſchen gehört auch das
Fenſterputzen zur regelmäßigen Zimmerreinigung. Man
wiſcht den Staub von den Möbeln doch nicht erſt dann
ab, wenn er ſichtbar dick darauf liegt; aber bei den
Fenſtern heißt es meiſtens: die Fenſter müſſen mal wie=
der
geputzt werden, ſie ſind ſo ſchmutzig. Wie viel Licht
ein ungeputztes Fenſter beſonders in der Dämmerung
raubt, kann man durch folgenden Verſuch erkennen:
man leſe zuerſt bei offenem Fenſter mit dem Rücken die=
ſem
zugewendet, und laſſe dann von einem anderen,
während man ſelbſt ohne aufzublicken weiterlieſt, das
Fenſter ſchließen: ein gewaltiger Unterſchied der Beleucht=
ung
! Das Fenſterglas werde wenigſtens im Arbeits=
zimmer
möglichſt täglich abgeſtaubt innen und außen
mit einem über einen Beſen gelegten trockenen weichen
Tuche, welches öfter ausgeſchüttelt wird. Man wird
ſtaunen über die Menge Staub! Eine ſolche Reinigung
erfordert kaum fünf Minuten Zeit und macht ſich durch
Erhaltung der vollen Sehkraft bei allen Familienmit=
gliedern
vielfach belohnt. Wie ſchwächend der winterliche
Lichtmangel, allerdings vereint mit der ganzen ungeſunden
winterlichen Lebensweiſe, auf die Augen wirkt, hat man
ſchon wiederholt durch zahlreiche Unterſuchungen ſtati=
ſtiſch
nachgewieſen. Unlängſt haben wieder Beobachtun=
gen
in Schulen folgende Reſultate ergeben: Vor Beginn
des Winters, im Oktober, wurden von denſelben Schü=
lern
Buchſtaben von beſtimmter Größe durchſchnittlich
über einen Meter weiter erkannt als am Ende des Win=
ters
, wobei in einzelnen Fällen die Sehweite im Laufe
des Winters ſogar mehr als um die Hälfte ſich verrin=
gert
hatte. Hierbei kommt einerſeits der günſtige Ein=
fluß
des Sommers, andererſeits der ungünſtige des Win=
ters
auf die Augen in Betracht. In der warmen Jahres=
zeit
leſen und ſchreiben die Schüler faſt nur bei hellem

gutem Tageslicht; die Augen haben häufigere Erhol=
ungspauſen
durch den Aufenthalt im Freien bei Spiel
und Sport; dazu kommt der kräftigende Einfluß der
Spaziergänge, Turnmärſche, Schulausflüge, wo die
Augen auch viel auf dem wohltuenden Grün von Wald
und Wieſen ausruhen. Anders im Winter! Da haben
die Kinder vielfach ſogar am Tage weder in der Schule
noch zu Hauſe genügend helle Plätze bei ihrer Arbeit;
die Schulaufgaben werden oft in der Dämmerung oder
im Zwielicht (Tages= und Lampenlicht zugleich) angefer=
tigt
; ſpät abends, häufig noch im Bett hocken die Schüler
über Indianer= und Räubergeſchichten, und die Mädchen
übermüden die Augen durch zu viele und feine Häkel=,
Stick=, Mal= und andere Handarbeiten in gebückter, der
Atmung und dem Blutumlauf hinderlicher Stellung. Bei
ſchwindender Helligkeit, bei ſchlechter Beleuchtung iſt das
Auge zu immer ſtärkerer Anſtrengung gezwungen. Von
altersher iſt deshalb das Leſen und Schreiben bei ſchei=
dendem
Tageslicht, in der Dämmerung verpönt, und
dennoch wird ſo oft in dieſer Hinſicht geſündigt, als ob
es gar nicht möglich wäre, das Augenlicht, dieſe edle
Himmelsgabe, durch ſolchen Mißbrauch zu ſchädigen.
In den Schweizeriſchen Blättern für Geſundheits=
pflege
befindet ſich folgende zeitgemäße Mahnung: Allen
Eltern, Lehrern und Erziehern iſt dringend anzuempfeh=
len
, ein Augenmerk auf die Ausführung häuslicher Schul=
arbeiten
der Kinder im Dämmerlicht zu richten. In
mancher Haushaltung ſcheut man ſich, ſchon zur Zeit der
Abenddämmerung die Lampe anzuzünden. So ſind denn
die Kinder oft gezwungen, bei dem für die Augen ſehr
ſchädlichen Dämmerlicht zu ſchreiben oder zu leſen. Die
ungewohnte Anſtrengung der Sehwerkzeuge in der Däm=
merung
ſchwächt dieſelben und fördert die Kurzſichtigkeit
außerordentlich. Wir richten daher an die Eltern und
das häusliche Aufſichtsperſonal der Kinder im Intereſſe
der geſunden Augen der letzteren die dringende Mahn=
ung
, ihre Pflegebefohlenen niemals während der Däm=
merung
, ſondern nur bei genügendem Licht, ſei es nun
bei der natürlichen Tagesbeleuchtung oder bei hinreichend
hellem Lampenlicht, Hausaufgaben für die Schule an=
fertigen
zu laſſen. Gegen die allfällig bereits vorhan=
dene
üble Gewohnheit der Kinder mit Bezug auf die
genannte Hausbeſchäftigung iſt mit rückſichtsloſer Strenge
einzuſchreiten.

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[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

36 16.

Donnersliag, 3. Dtiober.

1912.

Bekanntmachung.

Den nachſtehenden Auszug aus den für die Führer von Kraftfahrzeugen
geltenden Vorſchriften bringen wir wiederholt in Erinnerung.
Darmſtadt, den 28. September 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
.(20564

Auszug aus den Beſtimmungen der Verordnung des Bundesrats
vom 3. Februar 1910 über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen.

Beſondere Pflichten des Führers.
§ 17. Der Führer iſt zu beſonderer Vorſicht in Leitung und Bedienung ſeines
Fahrzeuges verpflichtet. Er darf von dem Fahrzeuge nicht abſteigen, ſolange es in
Bewegung iſt, und darf ſich von ihm nicht entfernen, ſolange die Maſchine oder der
Motor läuft; auch muß er, falls er ſich von dem Fahrzeuge entfernt, die Vorrichtung
in Wirkſamkeit ſetzen, die verhindern ſoll, daß ein Unbefugter das Fahrzeug in Be=
trieb
ſetzt.
Der Führer iſt verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, daß eine nach der Beſchaffen=
heit
des Kraftfahrzeuges vermeidbare Entwickelung von Geräuſch, Rauch, Dampf oder
üblem Geruch in keinem Falle eintritt.
Das Oeffnen etwa vorhandener Auspuffklappen iſt verboten.
§ 18. Die Fahrgeſchwindigkeit iſt jederzeit ſo einzurichten, daß Unfälle und Ver=
kehrsſtörungen
vermieden werden und daß der Führer in der Lage bleibt, unter allen
Umſtänden ſeinen Verpflichtungen Genüge zu leiſten.
Innerhalb geſchloſſener Ortsteile darf die Fahrgeſchwindigkeit von 15 Kilo=
weter
in der Stunde nicht überſchritten werden. Bei Kraftfahrzeugen von mehr=
als
5,5 Tonnen Geſamtgewicht beträgt die überhaupt zuläſſige Höchſtgeſchwindigkeit
12 Kilometer in der Stunde; ſie kann vorbehaltlich der Vorſchriſt in Satz 1. bis
auf 16 Kilometer geſteigert werden, wenn wenigſtens die Triebräder mit Gummi bereift
ſind. Auf unüberſichtlichen Wegen, insbeſondere nach Eintritt der Dunkelheit
oder bei ſtarkem Nebel, beim Einbiegen aus einer Straße in die andere, bei
Straßenkreuzungen, bei Straßeneinmündungen, ſcharfen Straßenkrümmungen,
bei der Ausfahrt aus Grundſtücken, die an öffentlichen Wegen liegen, und bei
der Einfahrt in ſolche Grundſtücke, bei der Annäherung an Eiſenbahnüber=
gänge
in Schienenhöhe, ferner beim Paſſieren enger Brücken und Tore, ſowie
ſchmaler oder abſchüſſiger Wege, ſowie da, wo die Wirkſamkeit der Bremſen
durch die Schlüpfrigkeit des Weges in Frage geſtellt iſt, endlich überall da, wo
ein lebhafter Verkehr herrſcht, muß langſam und ſo vorſichtig gefahren werden,
daß das Fahrzeug ſofort zum Halten gebracht werden kann.
§ 19. Der Führer hat entgegenkommende, zu überholende, in der Fahrtrichtung
ſtehende oder die Fahrtrichtung kreuzende Menſchen, ſowie die Führer von Fuhrwerken,
Reiter, Radfahrer, Biehtreiber uſw. durch deutlich hörbares Warnungszeichen recht=
zeitig
auf das Nahen des Kraftfahrzeuges aufmerkſam zu machen; auf die Notwendig=
keit
, das Warnungszeichen abzugeben, iſt in beſonderem Maße an unüberſichtlichen
Stellen zu achten.
Das Abgeben von Warnungszeichen iſt ſofort einzuſtellen, wenn Pferde oder
andere Tiere dadurch unruhig oder ſcheu werden.
Innerhalb geſchloſſener Ortsteile ſind Warnungszeichen mit der porgeſchriebenen
Huppe abzugeben. Außerhalb geſchloſſener Ortsteile kann das Warnungszeichen auch
mit einer Fanfarentrompeie abgegeben werden; dies Signalinſtrument darf auch loſe
im Kraftfahrzeuge mitgeführt und unter Verantwortung des Führers auch durch eine
andere, im Fahrzeug beförderte Perſon angewendet werden. Das Abgeben lang=
gezogener
Warnungsſignale, die Aehnlichkeit mit Feuerſignalen haben, ſowie die Ver=
wendung
anderer Signalinſtrumente iſt nicht ſtatthaft.
§ 20. Merkt der Führer, daß ein Pferd oder ein anderes Tier vor dem Kraft=
fahrzeuge
ſcheut oder daß ſonſt durch das Vorbeifahren mit dem Kraftfahrzeuge
Menſchen oder Tiere in Gefahr gebracht werden, ſo hat er langſam zu fahren, ſowie
erforderlichenfalls anzuhalten und die Maſchine oder den Motor außer Tätigkeit
zu ſetzen. Auf den Haltruf oder das Haltzeichen eines als ſolcher kenntlichen Polizei=
beamten
hat der Führer ſofort anzuhalten. Zur Kenntlichmachung eines Polizei=
beamten
iſt auch das Tragen einer Dienſtmütze ausreichend.
§ 21. Beim Einbiegen in eine andere Straße iſt nach rechts in kurzer
Wendung, nach links in weitem Bogen zu fahren. Dieſe Vorſchrift gilt entſprechend
für das Durchfahren von ſcharfen oder unüberſichtlichen Wegekrümmungen.
Der Führer hat entgegenkommenden Kraftfahrzeugen, Fuhrwerken, Reitern, Rad=
fahrern
, Viehtransporten oder dergleichen rechtzeitig und genügend nach rechts
auszuweichen oder, falls dies die Umſtände oder die Hertlichkeit nicht geſtatten, ſo=
lange
anzuhalten, bis die Bahn frei iſt.
Das Vorbeifahren an eingeholten Kraftfahrzeugen, Fuhrwerken, Reitern, Rad=
fahrern
, Viehtransporten oder dergleichen hat auf der linken Seite zu erfolgen.
An die Ortspolizeibehörden und die Gendarmerie des Kreiſes.
Wir weiſen Sie auf den vorſtehenden Auszug aus den Beſtimmungen der Ver=
ordnung
des Bundesrats vom 3. Februar 1910 über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen

der Vorſchriften über
die Fahrgeſchwindigkeit genau zu überwachen und jede Ueberſchreilung der zuläſſigen
Geſchwindigkeit unnachſichtlich zur Anzeige zu bringen.
Ein beſonderes Augenmerk iſt auf das Befahren der Kreisſtraßen durch Ver=
ſuchsautomobile
(ſogenannte Probefahrten) zu richten, bei denen Ueberſchreitungen der
Vorſchriſten des § 18 der Bundesratsverordnung vom 3. Februar 1910 ſich erfahrungs=
gemäß
beſonders häufig zu ereignen pflegen. Hier empfiehlt ſich die ſchärfſte Kontroll,
damit jiede Zuwiderhandlung gegen die beſtehenden Vorſchriften zur Anzeige gelangt.
Da die Vorſchriften über das Mitführen von Anhängewagen (§ 25 der Bundes=
ratsverordnung
vom 3. Februar 1910 ebenfalls häufig nicht beachtet werden, lenken
wir Ihre Aufmerkſamkeit auch auf dieſe, nachſtehend noch abgedruckten Beſtimmungen.
Darmſtadt, den 28. September 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
§ 25 der Bundesratsverordnung vom 3. Februar 1910.
Soll von einem volizeilich zugelaſſenen Kraftfahrzeug ein Anhängewagen mit=
geführt
werden, ſo genügt die Anzeige bei der höheren Verwaltungsbehörde (§ 5), ſo=
fern
den nachſtehenden Bedingungen entſprochen wird:
1. der Anhängewagen muß verſehen ſein:
a) mit einer ſicher wirlenden Bremſe;
b) mit einer zuverläſſigen, auf die Fahrbahn wirkenden Vorrichtung, die beim
Befahren von Steigungen die unbeabſichtigte Rückwärtsbewegung ver=
hindert
(Bergſtütze);
2. die Radkränze des Anhängewagens dürfen keine Unebenheiten beſitzen, die
geignet ſind, die Fahrbahn zu beſchädigen=
3. die Verbindung der Lenkvorrichtung des Anhängewagens mit dem Kraft=
fahrzeuge
muß ſo beſchaffen ſein, daß die Räder des Anhängewagens auch
in Krümmungen möglichſt auf den Spuren der Räder des Kraftfahrzeugs
laufen;
4. zwiſchen dem Anhängewagen und dem Kraftfahrzeuge muß außer der Haupt=
kuppelung
noch eine Sicherheitskuppelung (Rotkuppelung) vorhanden ſein.
Der Anzeige hat der Eigentümer die Zulaſſungsbeſcheinigung für das Kraft=
fahrzeug
ſowie das Gutachten eines amtlich anerkannten Sachverſtändigen darüber
beizufügen, daß den Vorſchriften des Abſ. 1 genügt iſt; ein Vermerk über die Anzeige
iſt von der höheren Verwaltungsbehörde in die Liſte und in die Zulaſſungsbeſcheinigung
(§ 6 Abſ. 2) aufzunehmen.
Der Führer iſt dafür verantwortlich, daß der Anhängewagen ſich in verkehrs=
ſicherem
Zuſtand befindet und daß das Geſamtgewicht des Anhängewagens mit Nutz=
laſt
das jeweilige Geſamtgewicht des Kraftfahrzeugs mit Nutzlaſt nicht überſchreitet.
Falls die Bremſe des Anhängewagens nicht vom Führerſitze des Kraftfahrzeugs aus
bedient werden kann muß auf dem Anhängewagen ein Bremſer mitſahren; in dieſem
Falle muß eine Verſtändigung zwiſchen Führer und Bremſer möglich ſein.
Das Mitführen von mehr als einem Anhängewagen iſt nur auf Grund polizei=
licher
Erlaubnis zuläſſig; das gleiche gilt bezüglich des Mitführens von einem An=
hängewagen
, ſofern den Bedingungen im Abſ. 1 Nr. 1 bis 4 nicht genügt iſt. In
dieſen Fällen iſt der Erlaubnisſchein bei der Fahrt mitzuführen und den Polizei=
beamten
auf Verlangen vorzuzeigen.
Werden Anhängewagen mitgeführt, ſo muß das dem Kraftfahrzeuge zugeteilte
polizeiliche Kennzeichen (§8 Abſ. 3) an der Rückſeite des Schlußwagens angebracht ſein.

Bekanntmachung.

Die nachſtehende Zuſammenſtellung bringen wir zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 27. September 1912.
(20565
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
Inſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppen=Uebungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 7. bis 14. Oktober 1912.

Dauer der
Die Abſperrung
Truppenteil 1 Abſperrung
Tag
Datum
erſtreckt ſich
von bis
500
7. Oktober 1 Montag
9. Oktober 1 Mittwoch
Ueber das ganze
Artillerie
11. Oktober Freitag
1000B
Abſperr=Gelände.
14. Oktober 1 Montag
800 V. 20

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Forterrier. 1 Spitzhund, 1 Pinſcher,: Foxterrier,
1 Dachshund (zugelaufen). Die Hunde können von den Eigentümern
bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der
nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags
(20554
um 10 Uhr, ſtatt.

Bekanntmachung.

Die Beleuchtung von Einfahrten Höfen, Treppen, Fluren uſw. betr.
Wir weiſen wiederholt auf die den Eigentümern von Grund=
ſtücken
obliegende Verpflichtung hin, die Toreinfahrten, Höfe,
Hausflure, Gänge und Treppen, ſofern und ſolange ſie jeder=
mann
zugänglich ſind, während der Dunkelheit ſo ausreichend
zu beleuchten, daß für die daſelbſt verkehrenden Perſonen keine
Gefahr beſteht.
Dieſe Verpflichtung liegt namentlich auch den Inhabern von
Fabriken, gewerblichen Anſtalten und Arbeitsſtätten, von Ver=
gnügungs
=, Verſammlungs= und Schankſtätten (den letzteren ins=
beſondere
auch hinſichtlich der Bedürfnisanſtalten) ob.
Pflichtwidrige Unterlaſſung der Beleuchtung begründet, falls
hierdurch jemand zu Schaden kommt, die Entſchädigungspflicht, ſo=
wie
die ſtrafrechtliche Verantwortlichkeit.
Die Verpflichtung kann durch Vertrag auf Hausverwalter,
Mieter uſw. übertragen werden. Dies ſetzt jedoch die überein=
ſtimmende
Willenserklärung beider Parteien, des Vermieters und
des Mieters voraus. Eine einſeitige Erklärung des Vermieters (als
ſolche iſt auch der ohne vorherige Verſtändigung mit dem Mieter er=
folgende
Aushang einer Hausordnung zu zählen) kann die oben=
genannte
Verpflichtung für die Mieter nicht begründen.
(20556ds
Darmſtadt, den 1. Oktober 1912.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Bekanntmachung,

die Aufſtellung der Kehrichtgefäße betreffend.
Beſtehender Vorſchrift zufolge iſt das Aufſtellen der Kehricht=
gefäße
vor den Hofreiten auf der Straße verboten. Ebenſo dürfen
offene Kehrichtgefäße innerhalb der Hofreiten an den Eingängen nicht
ſo aufgeſtellt werden, daß ihr oft widerwärtiger oder Ekel eregender
Inhalt von der Straße aus geſehen werden kann. Zur Aufbewah=
rung
des Hauskehrichts eignen lich am beſten die mit Deckel verſehenen
Kehrichtgefäße, wie ſie von hieſigen Firmen in den Handel gebracht
werden. Dieſe runden Kehrichteimer mit Tragbügel und daran
befeſtigtem Deckel verhindern das Herausſcharren und Verſchleppen
des Kehrichts durch Hunde, erleichtern die Entleerung der Behälter
bei der Abfuhr und ſind, wenn ſie, wie vorgeſchrieben, innerhalb der
Hofreiten an den Eingängen aufgeſtellt werden, für das Straßen=
bild
nicht mitſtändig.
(20555ds
Darmſtadt, den 1. Oktober 1912.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Geune

Pfennigſparkaſſe Darmſtadt.

Diejenigen Pfennig=Marken=
Blätter, welche eine auf volle Mark
abgerundete Geſamteinlagebiszum
Ende des abgelaufenen Viertel=
jahres
nachweiſen, ſind nebſt den
ſtädtiſchen Sparkaſſebüchern
Samstag, 5. Oktober 1912,
an die Herren Stationserheber zur
Veranlaſſung der Ueberſchreibung
abzuliefern.
(20558
Darmſtadt, 2. Oktober 1912.
Der Verwaltungsrat der ſtädtiſchen
Sparkaſſe.
Der ſtellvertretende Vorſitzende:
Wagner.

Verkauf von Matratzenſtreu
Samstag, den 5. Oktober,
wird die Matratzenſtreu einer
Eskadron auf dem Hofe der Ka=
valleriekaſerne
an der Holzhofallee
verſteigert. Der Verkauf beginnt
um 9 Uhr 30 Minuten vormit=
(19491a
tags.

Buchen=Brennholz
Buchenſcheitholz, 16 cm kurz ge=
ſchnitten
u. grob geſp., pr. trocken,
per Zentr. 1,30 Mk. frei Keller,
(20595a
inkl. Oktroi
Karl Schimmer
Heinheimerſtr. 76. Teleph. 212.
Kut erh. Bettſtelle mit Feder= u.
0 Wollmatratze zu verk. Einzu=
ſehen
von 23 Uhr (20590ds
Schwanenſtraße 73, 3. St.

Hochfeine, friſche
Odenwälder
Landbutter
per Pfd. 1,40 Mk., empfiehlt
M. Greib
Telef. 735. (*7971) Schulſtr. 9,

Bekanntmachung.

Im Intereſſe des ungehinderten Fußgängerverkehrs auf den
Fußſteigen iſt das Befahren der Fußtſteige mit Fuhrwerken jeder
Art (auch Handwagen) bei Strafe verboten. Ausgenommen von
dieſem Verbote iſt, ſoweit hierdurch der Fußgängerverkehr nicht ge=
hindert
wird, die Beförderung von Kindern in Kinderwagen und
von Kranken in Krankenwagen (Fahrſtuylen); es dürfen jedoch
niemals 2 Kinder= oder Krankenwagen gleichzeitig nebeneinander
auf dem Fubſteig aufgeſtelt oder fortbewegt werden.
Die Schutzmannſchaft iſt zur Ueberwachung angewieſen und
wird namentlich gegen das die Fußgänger in hohem Grade gefähr=
dende
Abwärtsfahren der Kinder mit Sportwagen u. dergl. auf
den Fußſteigen ſteiler Straßen einſchreiten.
(20557ds
Darmſtadt, den 1. Oktober 1912.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Bekanntmachung.

Zur Verhütung von Unglücksfällen ſehen wir uns wieder=
holt
veranlaßt, die Eigentümer und Führer von Fuhrwerken jeder
Art auf die geltenden Beſtimmungen über die Beleuchtung der
Fuhrwerke nach Eintritt der Dunkelheit, ſowie über Einhalten
der rechten Straßenſeite und Fahren in gemäßigter Geſchwin=
digkeit
hinzuweiſen.
Die Schutzmannſchaft iſt zur ſtrengen Ueberwachung und ge=
gebenenfalls
Anzeigeerhebung angewieſen.
(20623ds
Darmſtadt, den 1. Oktober 1912.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Städtiſcher Fiſchmarkt.

Beginn: 1. Oktober 1912.
Verkaufstage:
a) auf dem Marktplatz: Dienstag bis einſchl. Samstag jeder
Woche,
b) auf dem Riegerplatz: nach Bedarf, jedenfalls aber Don=
nerstag
und Freitag jeder Woche.
Die äußerſt billig geſtellten Wochenpreiſe, die unter Kontrolle
des Oberbürgermeiſters feſtgeſetzt werden, ſind an den Verkaufs=
ſtänden
angeſchrieben.
(20343a
Darmſtadt, den 28. September 1912.
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Mueller.

Dampl-Wasch-Anstun AKOrDus)
Luisenstrasse 32/34.
Familienwäsche (schrankfertig).
Vollständige Desinfektion.
(*7891.

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Oktober 1912.

Nummer 233.

Verſcherungsgeſetz für Augeſtellte.

Für die Wahl der Vertrauensmänner und Erſatzmänner für
die Angeſtelltenverſicherung ſind von den Angeſtellten die folgenden
gültigen Vorſchlagsliſten eingereicht worden:
Vorſchlagsliſte A.
Wählervereinigung: Verein für Handlungskommis von 1858 ( Kauf=
männiſcher
Verein) in Hamburg, Bezirk Darmſtadt.
1. Friedrich Schelle, Handlungsgehilfe, Darmſtadt, Schloß=
gartenplatz
7,
2. Peter Jenſen, Handlungsgehilfe, Darmſtadt, Liebigſtr. 42,
3. Albert Theuerjahr, Handlungsgehilfe, Darmſtadt, Heidel=
bergerſtraße
6,
4. Konrad Krauſch, Prokuriſt, Darmſtadt, Ireneſtr. 7.
5. Friedrich Schäfer, Handlungsgehilfe, Darmſtadt, Clemens=
ſtraße
15,
6. Hans Tölcke, Handlungsgehilfe, Darmſtadt, Schloßgartenpl. 7,
7. Otto Doſe, Handlungsgehilfe, Darmſtadt. Mühlſtr. 13,
8. Hermann Clement, Prokuriſt, Darmſtadt, Kahlertſtr. 45.
9. Friedrich Hölz, Handlungsgehilfe, Darmſtadt, Stiftſtr. 83,
10. Karl Henkelmann, Handlungsgehilfe, Darmſtadt, Riedlinger=
ſtraße
17,
11. Peter Frühwein, Handlungsgehilfe, Darmſtadt, Emilſtr. 28,
12. Friedrich Ströſſinger, Handlungsgehilfe, Darmſtadt,
Heidelbergerſtraße 118,
13. Karl Pflugfelder, Handlungsgehilfe, Darmſtadt, Eliſa=
bethenſtraße
40,
14. Albert Stumpp, Handlungsgehilfe, Darmſtadt, Stiftſtr. 91.
Vorſchlagsliſte B.
Wählervereinigung: Freie Vereinigung für ſoziale Verſicherung
der Privatangeſtellten.
1. Ernſt Wöbke, Ingenieur, Darmſtadt, Parcusſtr. 9,
2. Bruno Lang, Ingenieur, Darmſtadt, Pallaswieſenſtr. 35.
3. Anton Sparr, Arbeiterſekretär, Darmſtadt, Schloßgartenſtr. 51,
4. Karl Kirſten, Ingenieur, Darmſtadt, Kahlertſtr. 34,
5. Johannes Schultheis, Buchhändler, Darmſtadt, Sandberg=
ſtraße
60,
6. Ludwig Staudt, Zuſchneider, Darmſtadt, Karlſtr. 63½,
7. Joſef Hütſch, Geſchäftsführer, Darmſtadt, Soderſtr. 2,
8. Jakob Lumb, Geſchäftsführer, Darmſtadt, Kiesbergſtr. 58,
9. Eliſabeth Weidmann, Kontoriſtin, Darmſtadt, Grafenſtr. 27.
Vorſchlagsliſte C.
Wählervereinigung: Deutſchnationaler Handlungsgehilfenverband,
Ortsgruppe Darmſtadt.
1. Philipp Caſtritius, Handlungsgehilfe, Darmſtadt, Hein=
heimerſtraße
71,
2. Friedrich Hutzler, Handlungsgehilfe, Darmſtadt, Mollerſtr. 43,
3. Richard Böhme, Geſchäftsführer, Darmſtadt, Liebigſtr. 48,
4. Friedrich Eckhard, Buchhalter, Darmſtadt, Moosbergſtr. 93,
5. Adam Hölzel, Handlungsgehilfe, Darmſtadt, Eckhardſtr. 7,
6. Philipp Seifert, Handlungsgehilfe Darmſtadt, Tannenſtr. 23,
7. Alfred Liebig, Buchhalter, Darmſtadt, Rhönring 27,
8. Emil Weller, Handlungsgehilfe, Darmſtadt, Viktoriaſtr. 65,
9. Karl Bernhard, Handlungsgehilfe, Darmſtadt, Viktoriaſtr. 98.
Vorſchlagsliſte D.
Wählervereinigung: Kaufmänniſcher Verein Darmſtadt, E. V., Werk=
meiſter
=Bezirksverein Darmſtadt, Frankfurter Kaufmänniſcher Verein,
Bez.=Verein Darmſtadt, Verband deutſcher Handlungsgehilfen zu
Leipzig, Deutſcher Gruben= und Fabrikbeamtenverein.
1. Wilhelm Schnellbächer, Handlungsgehilfe, Darmſtadt,
Riegerplatz 11,
2. Guſtav Gieſelmann, Werkmeiſter, Darmſtadt, Saalbau=
ſtraße
63½,
3. Wilhelm Feix, Handlungsgehilfe, Darmſtadt, Taunusſtr. 47,
4. Karl Bell, Handlungsgehilfe, Darmſtadt, Erbacherſtr. 6,
5. Peter Berg, Handlungsgehilfe, Darmſtadt, Mollerſtr. 17,
6. Reinhold Lehmann, Handlungsgehilfe, Darmſtadt, Kranich=
ſteinerſtraße
59,
7. Leo Weglein, Handlungsgehilfe, Darmſtadt, Kirchſtr. 21,
8. Konrad Wilhelm, Prokuriſt, Darmſtadt, Hügelſtr. 61,
9. Jean Hower, Verſicherungsbeamter, Darmſtadt, Neue
Niederſtraße 6.
Vorſchlagsliſte E.
Wählervereinigung: Deutſcher Bankbeamten=Verein, Zweigverein
Darmſtadt.
1. Georg Wilhelm, Bankbeamter, Darmſtadt, Heinrichſtr. 78,
2. Edmund Palm, Bankbeamter, Darmſtadt, Viktoriaſtr. 58.
3. Willy Neudörfer, Bankbeamter, Darmſtadt, Roßdörferſtr. 45,
4. Hermann Ullrich, Bankbeamter, Darmſtadt, Gutenbergſtr. 61,
5. Paul Elsner, Bankbeamter, Darmſtadt, Karlſtr. 67,
6. Eugen Metzger, Bankbeamter, Darmſtadt, Wienersſtr. 72,
7. Otto Marquardt, Bankbeamter, Darmſtadt, Hügelſtr. 21,
8. Georg Hofmann, Bankbeamter, Darmſtadt, Neckarſtr. 9,
9. Rudolf Nees, Bankbeamter, Darmſtadt, Kiesſtr. 40.
Vorſchlagsliſte F.
Wählervereinigung: Deutſcher Techniker=Verband, Zweigverwaltung
Darmſtadt.
1. Hermann Sattler, Maſch.=Techniker, Darmſtadt, Viktoria=
ſtraße
26,
2. Philipp. Rückert, Maſch.=Techniker, Darmſtadt, Wendel=
ſtadtſtraße
43,
3. Adam Kadel, Bauführer Darmſtadt, Kranichſteinerſtr. 37,
4. Ludwig Bernhard, Ingenieur, Darmſtadt, Steinſtr. 33,
5. Heinrich Heldmann, Ingenieur, Darmſtadt, Parcusſtr. 9,
6. Philipp Stroh, Techniker, Darmſtadt, Eliſabethenſtr. 48,
7. Hermann Thümmel, Bauführer, Darmſtadt, Schulſtr. 3,
8. Heinrich Müller, Techniker, Darmſtadt, Neue Ireneſtr. 66,
9. Konrad Wilbert, Techniker, Darmſtadt, Bleichſtr. 5.
Die Vorſchlagsliſten A, C, D und F ſind als verbunden
(20550ds
erklärt.
Darmſtadt, den 1. Oktober 1912.
Der Wahlleiter:
Kröll, Amtmann.

Verſteigerungs-Anzeige.

Freitag, den 4. Oktober I. Js., vormittags 9 Uhr,
verſteigere ich im Auftrag der Erben die zum Nachlaß der Fräulein
Eliſe Glöckner gehörigen Möbel und Haushaltungsgegenſtände im
Verſteigerungslokal Zur Ludwigshalle‟, Obergaſſe 12, und zwar:
1 Sofa mit 2 Seſſel mit rotem Plüſchbezug, 1 Sofa,
2 Seſſel und 4 Stühle mit grünem Plüſchbezug, 2 Sofas
mit Phantaſieſtoff, 1 hochfeinen Zierſchrank, 3 Salonſtühle,
2 Salontiſche, 1 Schreibtiſch, 1 Ausziehtiſch, 2 Ziertiſche,
verſchiedene kleine Tiſche, 1 Nähtiſch, 1 Tiſch mit Marmor=
platte
(oval), 1 Pfeilerſchränkchen, 1 Kommode, 1 polierten
Eckſchrank, 1 Glasſchrank, 2 eintürige Weißzeugſchränke,
4 verſchiedene Kleiderſchränke, 1 Eisſchrank, 2 Küchenſchränke,
1 eiſerner Weinſchrank, 2 Kleiderſtänder.
1 komplettes Bett mit Roßhaarmatratze und 2 Bettſtellen
mit Matratzen, ferner 1 Toiletteſpiegel, 1 ovalen Goldſpiegel,
1 großen Goldſpiegel mit Trumeau, verſchiedene andere
Spiegel und Bilder, Vorhänge, Glas und Porzellan, 1 Pen=
dule
, 2 Lüſter, 2 Armlüſter und 1 Kücheneinrichtung ꝛc.
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare
(20407id
Zahlung ſtatt.
Die Beſichtigung der Gegenſtände kann am 3. Oktober, nach=
mittags
von 5 Uhr an, im Verſteigerungslokal ſtattfinden.
Darmſtadt, den 1. Oktober 1912.
Ernst Woih, Amtsgerichtstaxator.

Konkurs-Ausverkauf!
Der Verkauf der Konkursmaſſe J. Hachenburger jr. wird in den Geſchäftslokalen
Rheinstrasse 7 u. Karlstrasse 115
(neben der Beſſunger Apotheke)
(neben der Merck’ſchen Apotheke)
fortgeſetzt.
Die Preise sind nochmals ermässigt. s
Es befinden ſich noch am Lager:
Kurzwaren aller Art, Korſetts, Korſettſchoner, durchbr. und glatte
Strümpfe, ſeidene Ananas=Tücher, Echarpes, Handſchuhe, farbige
Taſchentücher, ſchwarze Schürzen, Zierſchürzen, Häkelſeide, Wäſche=
borden
ſchmal und breit, farbige Wolle und Baumwolle, Garne ꝛc. ꝛc.
Herren=Kragen, Manſchetten, Vorhemden, Maccohemden, Kra=
watten
, Hoſenträger, Socken ꝛc. ꝛc.
Kinderjäckchen, Ruſſenkittel, Leibchen, Hauben, Sweaters, Schür=
zen
, ſchwarz und farbig, Söckchen ꝛc. ꝛc.
Darmſtadt, den 25. September 1912.
(20396ids
Karl Dechert, Konkursverwalter.

Ludwig
Nösinger

Lebende Karauschen
Lebende Weissfische
ſowie alle Sorten feinerer
Eluß= und Seeſiſche
Hummer, Kaviar, Lachs
Conſerven
Marinaden
iſch
Räucherwaren
täglich friſch eintreffend
nur allerbeste Qualitäten
Ferner billige
Konsum-Fische
(Preiſe ungeputzt ab Laden.)
Sechecht, Merlans
28 Pfg. (20632
Seelachs.. . 30 Pfg.
Goldbarsch 30 Pfg.
Schellfische
keine Jsländer,
1½pfündig 30 Pfg.
Cabliau
1½4pfündig 30 Pfg.
Ludwig Nösingen

Haus-I.1 nur untere
42lElisabethenstr.

zwiſchen Zimmer= u.
Saalbauſtraße.

Verſteigerungs=Anzeige.

Montag, 7. Oktober 1912, vormittags 10 Uhr,
werden im Niederlagegebäude des unterzeichneten Amts, Pädagog=
ſtraße
1,
ca. 250000 Stück Zigaretten
in vorſchriftsmäßig banderolierten Packungen zu je 100 Stück
(größtenteils beſſere Marken), öffentlich meiſtbietend gegen Bar=
zahlung
verſteigert.
Die Ware kann am vorhergehenden Samstage während der
Dienſtſtunden, vormittags 812 und nachmittags 26 Uhr, beſich=
tigt
werden.
(20560
Darmſtadt, den 30. September 1912.
Großherzogliches Hauptſteueramt.

Verſteigerungs-Anzeige.

Donnerstag, 3. Oktober 1912, nachmittags 4 Uhr,
verſteigere ich im Saale Rundeturmſtraße 16 öffentlich zwangs=
weiſe
gegen Barzahlung:
a) für beſtimmt: 35 Photographie=Albums, 6 Leder=
mappen
, 8 Reiſe=Neceſſaires und eine Partie Brief=
papier
(Kaſſetten).
b) vorausſichtlich: 3 Pianinos, 2 Büfetts, 6 Diwans, 4 Sofas,
4 Vertikos, 2 Glas= und 3 Kleiderſchränke, 3 Schreibtiſche,
2 Tiſche, 3 Waſchtiſche, 1 Landauer, 1 Viktoriawagen, 1 Pferd,
9 Rollen Läuferſtoff, 2 Kommoden, 1 Klavier ꝛc. (20599
e) ferner auf Grund des § 1234 B.G. B.: 1 Schaukaſten.
Darmſtadt, den 2. Oktober 1912.
Thüre, Großh. Gerichtsvollzieher,
Bleichſtraße 9.

Bekanntmachung.

Samstag, den 5. Oktober ds. Js., vormittags
11½ Uhr,
wird in der hieſigen Faſelhofreite ein zur Zucht untauglich gewordener
Ehere
öffentlich meiſtbietend verſteigert.
(20548
Ober=Ramſtadt, den 1. Oktober 1912.
Großh. Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
Rückert.

als Fleisch
ist ein

frischer,
guter

in bester, frischester Nordsee-Ware:
Hochfeine Hordsee

Zwetſchen
ſehr ſchöne Ware, 10 Pfd.
85 Pfg. empfiehlt (*8003
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Karlſtraße 24. Teleph. 478.
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I Speiſekartoffeln
für Winterbed., pr. Ztr. 2.50 Mk.
frei Keller (20640a
Gebr. Bauer, Karlſtraße 44.
(20639
Zum Decken
ſteht der durch ſeine errungenen
Preiſe bekanntgewordene deutſche
Schäferhund Argus v. Melibokns
z. Verfüg. Decktaxe 30 bzw. 40 Mk.
Eßwein, Klein=Zimmern (Heſſen).

Aus grossen Zufuhren empfehlen wir für diese Woche
Schellfische
Cabliau
zum Backen und Kochen
Hochfeiner Scchecht:: Hochfeiner Heilbutt im Ausschnitt
Frische grüne Heringe
Feinste Hordsee-Rotzungen: Lebende Hule per Pfd. v. 80 Pf. an
Lebende Karpfen, Schleien, Forellen, Karauschen
Suppen- und Tafelkrebse n
per
Feinsten Nürnberger Ochsenmaulsalat Pfund 60 Pf.
Jeden Tag frisch gebackene Fische
Neue Rollmops, Bismarck-Heringe, Brat-Heringe, Sardinen,
Kieler Bücklinge, geräucherte Schellfische, Flundern, Lachs-
heringe
, geräucherte Heringe, geräucherte Aale, geräucherten
Lachs, sowie sämtliche neue Fischkonserven u. Dellkatessen.
(20625
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Hoflieferanten 19 Elisabethenstrasse 19 Telephon 543.

[ ][  ][ ]

ummer 233.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Oktober 1912.

Seite 15.

DrAobrfU1n

korkimt diesmal weniger in neuen Formen zum Ausdruck, als in der
Verwendung und Zusammenstellung eigenartiger Stoffe und Besätze.
Für Schneiderkleider sind besonders in Knöpfen viele elegante
Neuheiten erschienen, speziell in Schildpatt, Galalith, Horn und Perl-
mutter
. In Passementen und Häkel-, Kugel-Knöpfen sind interessante
Neuheiten gemustert worden. Einseitige Agraffen-Motive sind viel
verwendet, ebenso Tressen in verschiedenster Bindung.
Die Mode der drapierten Röcke für Nachmittags- und Abend-
kleider
bedingt für die an den markantesten Stellen angebrachte Passe-
menterie
und Stickereimotive besonders schöne Ausführungen. Für
Abendkleider kommen breite Einsätze in Tüll und Spachtel, eigenartige
sehr dünne Spitzen und Volants, Imitationen antiker Stickereien und
hell Metall, sowie Perl- und Strassbesätze, Grelots, Perlfransen in Betracht
und werden zu weichen Seidenstoffen, Tüllen und Seidenvoiles garniert.

Alle Neuheiten in Seidenstoffen,
Voiles, Besätzen, Spitzen, Knöpfen etc.
sind in einer ungemein reichhaltigen Weise eingetroffen. Ziemlich alle
Neuheiten sind für mich am Platze reserviert. Meine Preise sind
überraschend billige.
Kein Kaufzwang.

Für Ball und Gesellschaft
mit Bordüren auf Chiffon, doppelte Breite
Volants
Meter 10.50, 6.75, 4.75, 3.85, 2..75
auf Seide, Spitzen und Tüll
Volants
Mtr. 16.50, 12.50, 10., 8.50, 6.
4.75
Chiffon-Roben in allen Ballfarben
6 46.50 und 38.50
in apartesten Dessins, 150.
Gesellschaftsroben 125.,
65. bis 40.00
in einer einzig dastehen-
Theaterhauben und Balltücher den Auswahl.
Theatertaschen jeder Art und Preislage.
Seidenstoffe doppelte Breite:
feinste Crépe de chine-Imitation . . . . . .
Meter 3.50
eleganter 90 cm breiter Payette, alle Farben. .
Meter 4.75
100 cm breiter hochfeiner Crépe, alle Ballfarben
Meter 5.50
100 cm breite Crépe de chine .
Meter 8.25 und 6.75
90 cm breiter, eleganter Liberty
. . Meter 6.75
Neuheiten in Ballbesätzen:
Flitter und Strassbesätze jeder Art und Preislage
Flitter und matte Grelots, Fransen jeder Art,
Blumen-Ranken, Blumen-Besätze. Motive in Gold und Chiffon.
Doppeltbreite Tüllstoffe und gestickte Tülle
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per Pfund, darunter Mollebuſch
u. andere ſehr gute Sorten. (*7641id
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zugeben
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Samiki= Soerſen
Roman von Sidonie Judeich=Mierswa.
(Nachdruck verboten.)
36)

Karl Auguſt neigte den Kopf. Er hatte verſtanden.
Wenn aber Mama nun doch herkommen will
So wirſt Du es zu verhindern ſuchen Du weißt
ja, daß Chriſtas Leben auf dem Spiel ſteht.
Dieſe unſinnige Fahrt zu Dir iſt ſchuld daran.
Lächerlich, Lappalien, eine kleine Differenz mit uns ſo
tragiſch zu nehmen und zu einer Staatsaktion aufzu=
bauſchen
! Nun hat ſie es von ihrer Unvernunft. Und
wir? Mein Gott, was werden da die Leute wieder
klatſchen! Wie blamabel iſt die Sache für uns!
Joachim hatte ein hartes Wort auf den Lippen, aber
er bezwang ſich. Es war ein Schritt der Verzweiflung!
ſagte er nur.
Erlaube meiner Anſicht nach . Und nun ent=
wickelte
Karl Auguſt ſeine Anſichten, was er von dieſem
Fall und der ganzen augenblicklich höchſt unangenehmen
Affäre, die ſich in ihrer Familie abſpielte, hielt, Aber er
hütete ſich wohlweislich mit ſeinen Aeußerungen, ſo ver=
letzend
und kränkend ſie auch durch ihre ganze Art und
Weiſe für Joachim waren, etwas zu ſagen, was deſſen
Ehre oder die ſeiner Braut beleidigt hätte.
Karl Auguſt hatte, er wollte es ſich nur nicht einge=
ſtehen
, tatſächlich Furcht vor dem Mann, der da vor ihm
ſtand mit den vor Erregung blitzenden Augen und dem
finſteren, zu allem entſchloſſenen Geſicht.
Biſt Du fertig? Gut, nun höre meine Anſicht! Ernſt
und ruhig, aber mit Worten, die traſemn wie Keulen=
ſchläge
, kamen ſeine Entgegnungen.

etr ien e e e e ee
er fand keine. Endlich ſagte er: Ich ſehe, daß wir
uns, anſtatt zu einigen, immar weiter voreinander ent=
feinen
. Es bleibt mir alſo nichts übrig, als zu gehen.
Ich halte Dich nicht zurück.
Gute Beſſerung für Chriſta! Darf ich Dich bitten, uns
täglich telegraphiſch zu benachrichtigen?
Es ſoll geſchehen!
Adieu, Joachim.
Adieu, Karl Auguſt,
Sie gaben ſich nicht die Hand. Karl Auguſt ſchritt
zur Tür. Auch das Geleit gab ihm Joachim nicht. Er
ſah ihm nur mit ernſtem Geſicht nach. War das wirklich
ſein Bruder, der ihn da verlaſſen hatte?
Karl Auguſt aber ſchüttelte ſich fröſtelnd, als er die
Treppe hinabſtieg, gleichſam als müßte er etwas, was
laſtend auf ihm ruhte, abwerfen.
Aeußerſt fatal, die ganze Angelegenheit! Wirklich
fatal! Das arme Mädel, die Chriſta! Aber, was tun? Am
beſten war, man dachte ſo wenig wie möglich an die
Sache! Aber trotz aller Vorſätze mußte er es immer wie=
der
tun! Und Joachim? Joachim, eer kam ihm ſo
fremd vor. Er verſtand ihn nicht! War es wirklich ſein
Bruder, der da eben ſo hm ſo eigentümliche Sachen
geſagt hatte?
Auf der Straße angelangt, rief Karl Auguſt die erſte
leere Autodroſchke an, die gefahren kam.
Zu Hiller, Linden! rief er dem Chauffeur zu.
Er war ſich wirklich eine kleine Auffriſchung ſchuldig.
Die Sache da, die er eben durchgemacht hatte, war ihm
doch ſcheußlich an die Nieren gegangen. Es war ihm
ganz, flau und erhäumlich zumwme Wie die Dinge jetzt

inen riche es dahen in Selbung ich ſeie Mliche
auch nicht gerade angenehm zugehen. Er ſtellte ſich die
Unterredungen mit Mamaund Jula geradezu erhebend vor.
Scheußlich, daß gerade er, der allen ſolchen Aufregungen
ſo abhold war, durch andere Menſchen immer wieder in
derartige Dinge hereingeriſſen wurde! Er hatte wirklich
eklatantes Pech! Je mehr er darüber nachdachte während
des raffinierten Menüs mit den erleſenen Weinen, deſto
mehr befeſtigte ſich in ihm die Ueberzeugung, daß das
Geſchick in unverantwortlicher Weiſe mit ihm verfahre.
Die Gedanken an die kranke Schweſter, an den unverſtänd=
lichen
Joachim, an die ferne Mutter, der er ſo Trübes
zu melden hatte, und an Jula, die ihm während ihrer
Brautzeit ſchon ſo viel Unannehmlichkeiten bereitet hatte,
verblaßten indeſſen mehr und mehr. Im Mittelpunkte all
ſeines Denkens und Empfinders bewegte ſich nur noch
die eigene werte Perſönlichkeit.
Joachim aber blieb nicht allein in ſeinem Leid und
ſeiner Sorge um die Schweſter. Peter Geißler, der Viel=
getreue
, ſtand ihm tröſtend zur Seite, und dann kam noch=
jemand
, um ihm zu helfen Ada!
Gleich nachdem ſie Joachims Brief erhalten hatte,
war ſie, als ſei das ſelbſtverſtändlich ſo, nach Berlin ge=
kommen
.
Nun teilte ſie ſich mit Schweſter Marie in die Pflege=
der
Schwerkranken und half, wo ſie nur konnte, Frau
Hübler, die ſich vor Geſchäftigkeit und Emſigkeit ſchier=
zerriß
, im Haushalt.
Als Joachims Wohnzimmer für Ada eingerichtet
wurde, hatte Peter Geißler den Freund einfach aufge=
packt
und bei ſich einquartiert; er war grenzenlos grobl
1
gewordem, al Jad

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Oktober 1912.

Nummer 233,

Für die kommende Weihnachtssaison bringen wir eine solch
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Teufel gehen ſollte, Du bleibſt jetzt bei mir wohnen,
Menſch! Arbeiten kann ich ſowieſo nicht bei der Angſt
und Aufregung. Du mußt Deinem Beruf nachgehen,
Freiherr, ich muß nicht. Ich will auch nicht, ich bin erſt
recht Freiherr. Ich will jetzt weiter nichts, als Euch
helfen! Baſta!
Jede berufsfreie Minute verbrachte Joachim bei
ſeinen Lieben.
Peter Geißler war Joachims Schatten. Da Peter
Geißler noch mehr berufsfreie Minuten hatte, war er
ſogar beinahe den ganzen Tag bei Frau Hübler. In das
Krankenzimmer durfte er freilich nicht, aber es gab ſo aller=
hand
kleine Handreichungen, die er ſich mit der Zeit an=
eignete
und als ſein gutes Recht in Anſpruch nahm. Er
zerkleinerte das Eis für die Eisbeutel, ſchleppte ſogar, um
ſich dauernd in die Gunſt der alten Frau einzuſchmeicheln,
ſchwere Kohleneimer für Frau Hübler aus dem Keller
herauf, zerkleinerte das Holz, führte Ada, wenn Joachim
verhindert war, ſpazieren, rannte in die Apotheke und be=
ſorgte
alle Wege und Kommiſſionen, die man von ihm
verlangte. Grenzenlos wütend wurde er, wenn man ihn
deswegen lobte, und ängſtlich und forſchend beobachtete
er das Geſicht des Arztes. War es ernſt und beſorgt,
ſo ſchimpfte und fluchte er auf Gott und alle Welt, war es
hoffnungsvoller, ſo kannte er ſich nicht vor Uebermut und
ſchwenkte die arme Frau Hübler in wahren Indianer=
tänzen
durch die kleine Küche.
Ich bin ſo allein, es liebt mich niemand klagte
Ehriſta ie oift is ih ein ſie Gute

nicht, wie viele treue Herzen ſie umgaben, und wie dank=
bar
und glücklich dieſe Herzen ſchlugen, als nach bangen
ſorgenvollen Tagen der Arzt die inhaltvollen Worte aus=
ſprach
: Sie iſt gerettet.
13. Kapitel.
Wo war ſie? Was war mit ihr vorgegangen? Groß,
weit, fragend öffneten ſich Chriſtas Augen. Was war das
für ein Zimmer? Sie hatte es noch nie geſehen. Fremde
Möbel ſtanden da, und Bilder hingen an den Wänden, die
ſie nicht kannte. Sie wollte den Kopf aufheben, aber es
ging nicht. Etwas Feuchtes, Kühles lag auf ihrer Stirn.
Sie wollte danach greifen, aber ihre Hände verſagten den
Dienſt und ſanken matt nieder. Aber dort ſtand doch
jemand am Fußende des Bettes! Wer war das?
Chriſtachen, Liebling, kennſt Du mich? Eine liebe
Stimme ſchlug an Chriſtas Ohr und weckte zitternd das
Gefühl einer großen Freude in ihr.
Joachim! Sie wollte jubelnd rufen, aber nur ganz
leiſe, wie ein Hauch kam es von ihren Lippen.
Heiße Küſſe brannten auf ihren Händen. Und jetzt
beugte ſich noch jemand zu ihr nieder. Das war doch
Ada! Ada und Joachim zuſammen? Sie hielten ein=
ander
an der Hand und ſahen ſo bewegt, ſo glücklich aus.
Ach, welch ſchöner Traum das war!
Aber nein! Doch kein Traum? Sie fühlte ja Joachims
Hand in der ihren, und jetzt ſtrich ihr Ada zärtlich über
das Geſicht.
aart

Geſchichten gemacht und uns in Angſt und Schrecken ver=
ſetzt
!
Angſt und Schrecken? Ach dämmernd ſtieg etwas
in Chriſta empor. Richtig, das war doch Joachims Schlaf=
zimmer
in Berlin! Todmüde, mit ſchmerzenden Gliedern,
hatte ſie ſich vor ein paar Stunden hier niedergelegt. Vor
ein paar Stunden? Geſtern? Sie wußte es nicht recht!
Aber der Schlaf hatte ſie nicht erquickt und geſtärkt. Sie
war noch ſo müde. Aber in plötzlichem Schrecken fuhr
ſie empor. Unruhe und Angſt malte ſich auf ihren einge=
fallenen
Zügen, und ſie begann bitterlich zu weinen.
Ada war da und wollte ſie holen!
Nein, nein, ich komme nicht mit Dir nach Bellburg,
Ada! Ich bleibe bei Joachim!
Erſchrocken beugten ſich Ada und Joachim zu der
Kranken nieder.
Aber das ſollſt Du auch, mein Liebling, tröſtete ſie
Joachim, ich laſſe Dich nicht wieder von mir! Nun aber
mußt Du aber auch artig ſein und ſchleunigſt geſund
werden!
Geſund werden? War ich krank?
Ja, Chriſtachen. Und das iſt nun glücklich vorbei.
Nun wollen Dich die Herzliebſte mein und ich geſund
pflegen. Bald ſind wir verheiratet, und dann geben wir
Tich überhaupt nicht mehr her.
Ach ja das wäre ſchön ſo ſchön! Ein glückliches
Leuchten ging über Chriſtas Geſicht und lächelnd ſchlief
ſie ein, der Geneſung und einem neuen Leben entgegen.
(Fortſetzung folgt.)

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Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Oktober 1912.

Nummer 233.

Hrada=Rap. Ng. 3.7579.


Der Gzall anage C?

Der berühmte Komfort auf dem Großen
St. Bernhard.

Der berühmte moderne Komfort, den die Hoteliers
zu ihrem Ideal erhoben haben, und auch auf den Gipfeln
der Alpen bis zu 3000 Meter Höhe einführen, herrſcht
nunmehr auch an einem Orte, den man in früheren Zeiten
als das einſamſte, weltverlaſſenſte Aſyl anzuſehen gewohnt
war, in dem Hoſpiz auf dem Großen St. Bern=
hard
. Der Touriſt, der heute dieſen von ſo vieler
Romantik umſponnenen Zufluchtsort beſucht, findet hier
ſein gutes Eſſen, ſein gutes Bett mit ſchneeweißer Wäſche,
findet elektriſches Licht und Zentralheizung, nicht nur in
den großen Reſtaurationsräumen, ſondern auch in den
meiſten einzelnen Zimmern, wie in einem erſtklaſſigen
Hotel. Und das einzig Unmoderne in dieſem Komfort
der Neuzeit iſt, daß die Aufnahme nach wie vor koſtenlos
erfolgt. Poetiſche Seelen werden ohne Zweifel bedauern,
daß hier der alles gleichmachende Geiſt der Gegenwart
auch an eine Stätte gedrungen iſt, deren altgeheiligte
Traditionen ſonſt ſo wenig mit dieſem Geiſt zu tun haben;
aber der Freund der Berge, und vor allem der Benutzer
des Aſyls, wird mit Dankbarkeit dieſen unerwarteten
Fortſchritt begrüßen. Die maleriſche Stimmung des
Ortes leidet ja darunter kaum, denn ſie beruht hauptſäch=
lich
auf dem Eindruck der ſtrengſten Abgeſchloſſenheit, den
ſelbſt während der ſchönſten Sommertage das Felſenchaos
hervorruft, von dem ſich das Hoſpiz, ruhig und ernſt, wie
eine kaum bewohnte Feſtung, abhebt.
Die berühmten Bernhardiner Hunde ruhen noch im=
mer
als gravitätiſche Wachtpoſten in der Sonne oder auf
dem Schnee und tragen das einzige Moment der bewohn=
ten
menſchlichen Niederlaſſung in dieſe erhabene Wildnis.
Treten wir aber dann hinein in das Hoſpiz, ſo läßt nur
die Güte und Gaſtfreundlichkeit der Mönche die Erinner=
ung
aufleben an jene ſchönen Legenden, die uns als Kin=
der
entzückten; von dieſem frommen Aſyl hoch oben, von
den Hunden, die zu Rettern der Verirrten werden. Das
Hoſpiz iſt mehr und mehr zu einem Touriſtenzen=
trum
geworden, das von Leuten aller Klaſſen und aller
Stände beſucht wird. Im Frühjahr und im Herbſt kom=

men die Arbeiter aus dem Tale von Aoſtar und den be=
nachbarten
Gegenden hierher, die in der Schweiz und in
Frankreich Arbeit ſuchen. Dank der Fürſorge des Hoſpizes
finden ſie auf dieſem während der Schneezeit ſo gefähr=
lichen
Wege die denkbar größte Sicherheit. Am Fuße des
Gipfels unterrichtet das Telephon der Kantinen das Ho=
ſpiz
jedesmal von dem Durchmarſch der einzelnen Arbei=
tergruppen
, und dieſe Alpiniſten wider Willen können
dann ſicher ſein, als Führer und Begleiter die treuen
Hunde zu finden, denen bisweilen ſogar die Mönche ſelbſt
ſich anſchließen, um jede Gefahr zu verhindern. In den
Monaten Juli und Auguſt iſt dieſes Wohltätigkeitsinſtitut
nur noch für Wenige ein Ort der Pilgerſchaft oder der
notwendigen Zuflucht; die meiſten betrachten es als ein
billiges Hotel, in dem ſie wenigſtens auf eine Nacht gute
Unterkunft finden.
Dieſe unbedingte Gaſtfreundlichkeit verurſacht dem
Großen St. Bernhard=Hoſpitz, wie in der Illuſtration
mitgeteilt wird, bedeutende Koſten. Es nimmt jährlich
30000 Perſonen auf, von denen etwa 20000 Touriſten
ſind. Es kann ohne Mühe 350 Perſonen zugleich unter=
bringen
, aber es gewährt an manchen Tagen 650750
Leuten Unterkunft. Die freiwilligen Gaben, die ohne jede
Kontrolle in den Opferſtock der Kirche gelegt werden, decken
kaum ein Drittel oder ein Viertel der Koſten. Ganze Fa=
milien
kommen, drei= bis viermal in der Saiſon, um
Samstag nachts hier koſtenlos Logis zu finden und am
Sonntag eine Partie zu machen. Die guten Mönche
wagen ſolchem Mißbrauch nicht zu ſteuern; ſie wollen von
ihrer alten Tradition nicht abgehen, die jedem Aufnahme
gewährt, allerdings, wenn nicht ungewöhnliche Verhält=
niſſe
vorliegen, nur eine Nacht. Indeſſen iſt es bei dieſem
vermehrten Zuſpruch ſchwierig, das Budget im Gleich=
gewicht
zu halten. Das Hoſpiz erhält keine offizielle Un=
terſtützung
; die kleine Subvention, die es von Frankreich
hatte, iſt ihm vor etwa zehn Jahren entzogen worden.
i Nur dank bedeutender Schenkungen und der beträchtlichen
Einkünfte aus ſeinen Gütern kann das Hoſpiz heüte noch
bei größter Sparſamkeit beſtehen. Wenn die Touriſten
fortfahren, das Hoſpiz als ein billiges Vergnügungshotel
in immer größeren Scharen zu beſuchen, dann wird es
gezwungen ſein, feſte Preiſe zu erheben wie das Hoſpiz
des Kleinen St. Bernhard und das Simplon=Hoſpiz.

Luftfahrt.

sr. Am dritten Tag der Berliner Herbſt=
flugwoche
herrſchte ein derart ſtarker Sturm, daß
keiner der gemeldeten Flieger es wagte, ſeine Flug=
maſchine
aus dem Schuppen zu bringen. Trotzdem aber
hatten die wenigen Zuſchauer, die ſich am Nachmittag
trotz Sturm und Regen eingefunden hatten, ein nerven=
aufregendes
Schauſpiel zu ſehen. Der junge Flieger
Hanuſchke, der bekanntlich von der Teilnahme an der
Flugwoche wegen ſeines franzöſiſchen Motors zurückge=
wieſen
werden mußte, brachte gegen 3 Uhr zum Schrecken
aller anweſenden Flieger ſeinen ſelbſt konſtruierten Ein=
decker
auf den Flugplatz und unternahm gleich darauf
einen Aufſtieg. Die Flugmaſchine, die ſonſt eine Ge=
ſchwindigkeit
von 90 Kilometer in der Stunde beſitzt, be=

wegte ſch keinen Zollauf dem Boden, ſondern ſieg ohne
Anlauf bis auf etwa 50 Meter ſenkrecht in die Luft,
dann wurde ſie von dem Sturm um den ganzen Flugplatz
rückwärts abgetrieben und ſtieg dabei immer weiter bis
auf 250 Meter Höhe. Der tollkühne Hanuſchke begann
dann den gefährlichen Abſtieg, bei dem die Maſchine be=
ängſtigend
hin= und hergeworfen wurde. Nach 15 Mi=
nuten
landete er glücklich, von ſeinen herbeieilenden
Kameraden herzlich beglückwünſcht. Das Obſervatorium
in Lindenberg hatte zwiſchen 2 und 3 Uhr eine Windſtärke
von 25 Metern in der Sekunde gemeſſen. Bei dieſem
Sturme galt es ſeither für unmöglich, überhaupt auf
einer Flugmaſchine aufzuſteigen. Hanuſchke erhielt für
dieſe hervorragende Leiſtung einen Preis von 1000 Mark.

Sport.

sr. Radrennen. Der Große Preis von Roubaix über
1 Stunde brachte dem Franzoſen Seres der 82,200 Kilo=
meter
zurücklegte, einen überlegenen Sieg. Goor und
Parent, die mit 19 reſp. 27 Runden endeten, hatten unter
Motordefekten zu leiden. Der Kleine Preis von Roubaix
über 10 Kilometer, brachte ebenfalls Seres in 7 Min.
20½ Sek. einen Erfolg. Parent 300 und Goor 700 Meter
zurück. In Liege (Belgien) konnte der franzöſiſche
Straßenmatador Brocco ein 100 Kilometer=Rennen ohne
Führung in der ausgezeichneten Zeit von 2 Stunden 45
Min. mit einer Runde Vorſprung vor dem Deutſchen
Roſenfeld, Poot und Ory gewinnen. In Charleroi
wurde ebenfalls ein 100 Kilometer=Rennen ohne Führung
in zwei Läufen von je 50 Kilometer beſtritten. Der
Weltrekordmann Egg gewann den erſten gegen Goupy,
Mottia und Roſart, während Goupy, der das ganze Feld
überrunden konnte, den zweiten Lauf gegen Roſart, Egg
und Mottia gewann. Im Geſamtklaſſement ſiegte Goupy
vor Roſart, Egg und Mottia.
* Golf. Die Deutſchen Golf= Meiſter=
ſchaften
wurden am dritten Tage ſo weit gefördert,
daß in der Herren=Meiſterſchaft die Entſcheidungsrunde
bevorſteht. In der Vorſchlußrunde ſiegte Lipscomb=
Köln gegen Gulden=Leipzig und Dandell= Wen=
torf
=Rheinbeck gegen James Ritſchie. Dandell
wird nun gegen Lipscomb die Entſcheidung um
die Meiſterſchaft über zwei Runden in 36 Löcher ſpielen.
In dem Spiele für Profeſſionals ſchnitt Warburton aus
Kitzeberg mit 159 für 2 Runden am beſten ab, es folgte
Holt=Hamburg mit 162, Andrews=Wentorf=Rheinbeck mit
163, Richardſon=Zur Vahr mit 164, Zimmer=Berlin mit
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Nummer 233.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Oktober 1912.
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Seite 26

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Oktober 1912.

Nummer 233.

Darmstädter Volksbank
eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.
Wir beehren uns hiermit, unſere Mitglieder zur einer
Außerordentlichen Generalverſammlung
auf Freitag, 4. Oktober 1912, abends 8 Uhr,
in das Reſtaurant des Herrn Georg Christ, Grafenſtraße 18/20,
Fürſtenſaal, ergebenſt einzuladen.
Tagesordnung:
1. Antrag auf Genehmigung der Satzung für die Jubiläums=
Stiftung.
2. Antrag auf Ueberweiſung eines Betrages vom Reſerve=
fonds
II auf Jubiläumsfonds und Verwendung des letzteren.
Darmſtadt, den 18. September 1912.
(19444a
Der Vorſtand
Der Aufſichtsrat
Ludwig Roll, Vorſitzender.
Stein. L. Habicht. Thomas.

Hobsischer Landostehrertanenverorn
Oeffentliche Versammlung
der Privatlehrerinnen von Darmstadt und Umgebung
Musik, Sprachen, Wissenschaften, Zeichnen,
Handarbeiten, Haushaltung usw. Hausbeamtinnen
Freitag, den 4. Oktober 1912, abends 8 Uhr
m Festsaal der Ludwig-Oberrealschule (Kapellplatz).
Tagesordnung:
Die Ausführungsbestimmungen des Reichsversicherungs-
gesetzes
für Angestellte.
Die allgemeine Deutsche Pensionskasse für Lehrer und
Lehrerinnen in Berlin.
Herr Stadtsekretär Strauch wird die Güte haben, aus der
Versammlung gestellte Fragen zu beantworten.
Versicherungspflichtige anderer Berufe sind willkommen.
Der Darmstädter Lehrerinnenverein.
Die Musikgruppe Darmstadt.
84)

Konzerr

zum Beſten der hieſigen Barmherzigen Schweſtern
Montag, den 7. Oktober, abends 7 Uhr,
im Städt. Saalbau
unter Leitung des Großh. Hofkapellmeiſters
Herrn Hofrat W. de Haan
und unter gütiger Mitwirkung der Großh. Hofopernſängerin Frau
Oga Kallensee, des Großh. Hofopernſängers Herrn August
Globerger, des Herrn Rezitators Fredy Wiener, der Großh.
Hofmuſiker Herren Kress, Lang und Saggau, ſowie des Herrn
Violiniſten Bruno Stumpf.
Kartenverkaufsſtellen: Großh. Hofmuſikalienhandlung von
G. Thies (Inh. Herr Schutter), Großh. Hofbuchhandlung von A. Berg-
straesser
(Inh. Herr Kleinſchmidt), Herrn Kaufmann Horn, Kirchſtr.,
Herrn Ludw Litzondorff, Privatier, Ludwigſtr. 6, ſowie abends an der
Kaſſe des Städt. Saalbaues.
Preiſe der Plätze: Sperrſitz (numeriert) 3 Mark, Saal 2 Mark,
Loge u. Vorſaal 1 Mark.
Der Konzertflügel wird von der Firma A. W. Zimmermann (Inh.
Herr Schweißgut), Großh. Hoflieferant, bereitwilligſt zur Verfügung
(20217sd
geſtellt.

Bürger-Keller
konzertiert ab 1. Oktober:
LLEi KAKGER
Damen-Orchester.

Stets freier Eintritt.

Freie Literarisch-Künstlerische Gesellschaft.
Mittwoch, den 9. Oktober, abends 8 Uhr, im Saalbau
zum Besten des Festspielhaus-Fonds:
Die Tragouie des Dokter Faustus
von Christopher Marlowe.
Dekorationen, Masken und Kostüme von Professor Rich. Luksch (Hamburg).
Spielleitung: Emanuel Stockhausen (Hamburg).
Karten zu Mk. 4., 3., 2.50, 2., 1. bei A. Bergstraeßer und an der Abendkasse.
Jahresbeitrag 6. Mk.
(20553ds)
Ebenda Jahresprogramm.

Orpheui38s
onnerstag,
Heutel Z. Oktober
und die folg. Tage:
Nur kurze Zeit

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Der Menschen-Affe
Ferner das glänzende I. Okt.-
Eröffnungs-Programm.
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V. I. C.

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7. Wanderung
Darmstadt-Dianaburg-
Einsiedel- Gundernhausen.
5 Stunden. (20559
Abmarsch vorm. Punkt 9 Uhr
von der Odenwaldbahnbrücke
(Dieburgerstr.), Rückkunft abds.
752 Uhr (Ostbahnhof).

hſen=Verein Darmstadt.

Jeden Sonnabend, abends 9 Uhr, Zuſammenkunft
im Kaiſerſaal.
(18102a
Anmeldungen daſelbſt od. bei Sped. Paul Wolf, Rhein=
ſtraße
51 u. bei W. Bauch, Papierh., Alexanderſtr. 17½.

Großherzogl. Hoftheater
Donnerstag, den 3. Oktober 1912.
21. Ab.=Vorſtellung. A 6.
Die Nibelungen.
Ein deutſches Trauerſpiel
von Friedrich Hebbel.
Dritte Abt.: Kriemhilds Rache.
Ein Trauerſpiel in 5 Aufzügen.
Perſonen:
König Gunther . . . Kurt Ehrle
Hagen Tronje.
.Johs. Heinz
.Kurt Weſter=
Volker. . .
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Dankwart
.Guſt. Semler
Rumolt.
Paul Peterſen
Giſelher.
Frz. Schneider
Gerenot.
.Emil Kroczak
.Hans Bau=
König Etzel
meiſter
Dietrich von Bern . Wilh. Riech=
mann

Hildebrant, ſ. Waffen=
meiſter
. . . . . . . . Heinr. Hacker
Markgraf Rüdeger . Lud. Wagner
Iring ) nordiſche Hrm. Knispel
Thüring) Könige Aug. Kräger
Werbel 1 Etzels Rich. Jürgas
Swemmel) Geiger Paul Eiſner
.Min. Müller=
Ute. . . .
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Kriemhild
Götelinde, Rüdegers
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