Abonnementspreis
Inſerate
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadl.
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſungerſtraße 47
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwirdnichtübernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Am Samstag und Sonntag wurde in Darmſtadt der
3. deutſche Kongreß für
Säuglingsfür=
ſorge abgehalten.
Der Kaiſer traf aus Wilhelmshaven am Freitag abend
auf der Station Wildpark ein. Um 11,40 Uhr reiſte das
Kaiſerpaar mit der Prinzeſſin nach Rominten ab.
*
Am Samstag vormittag iſt Oberleutnant Berger vom
104. Inf.=Regt. mit einem Paſſagier, dem Oberleutnant
Junghanns vom 134. Inf.=Regt. in Chemnitz mit
einem Doppeldecker aufgeſtiegen zur Fahrt nach
Döberitz. Das Flugzeug iſt aus großer Höhe
abge=
ſtürzt. Beide Flieger ſind tot.
*
Nach einer Depeſche des katholiſchen Vikars für das
öſt=
liche Tſchekiang aus Ningpo wurden im Süden des
Vikariats durch einen Taifun ganze Städte und
un=
zählige Dörfer zerſtört. 100000 Familien ſind ruiniert.
50 000 Menſchen ſind ertrunken.
(Letzte Nachrichten ſiehe Seite 8.)
Kapitalanlagen in der Flugzeuginduſtrie.
W. Aus Berlin wird uns geſchrieben: Wie jede neue
auftauchende Erſcheinung, ſei es eine ſolche
vorübergehen=
der Natur, oder eine, die ſich einen dauernden Platzzitz der
Zeitgeſchichte zu erringen verſteht, ſo hat auch die
ffort=
ſchreitende erfolgreiche Bewegung der Flugtechnik der
Induſtrie einen mächtigen Impuls gegeben. Neue
Herſtellungsſtätten entſtanden in großer Zahl, alte
Be=
triebe des Metallgewerbes nahmen den Bau von
Luft=
fahrzeugen auf, der bei der Begeiſterung für die Sache
eine neue Quelle reichlichen Verdienſtes zu werden ſchien
und ſcheint. Die Gründungstätigkeit hat beiſpielsweiſe
in Deutſchland einen ſo bedeutenden Umfang
ange=
nommen, daß ſchon von offiziöſer Seite leiſe Warnungen
ergingen, nicht allzu ſehr auf eine Abſatzmöglichkeit bei
Armee und Marine in einem Umfange zu rechnen, wie er
angeſichts der hohen Produktion notwendig iſt. Das hat
natürlich die Frage in den Vordergrund gedrängt, ob
denn die Flugzeuginduſtrie jetzt oder ſpäter auf
nennens=
werte Gewinne rechnen kann, eine Frage, die lich nur dann
einigermaßen beantworten läßt, wenn man die
Ange=
legenheit nüchtern, d. h. unbeinflußt durch einen
Ueber=
ſchwang von Begeiſterung oder gar ſpekulative
Erwägun=
gen, betrachtet.
Was als unumſtößliche Tatſache gelten kann, iſt, daß
in allen Großſtaaten die Armee= und Marineverwaltungen
das Flugfahrzeug in ihren Dienſt zu ſtellen beſchloſſen
haben, auch eine Anzahl kleinerer Mächte, wie Türkei,
Norwegen, Griechenland, Serbien, Chili, Siam uſw.,
gehen daran, die neueſte techniſche Errungenſchaft
nutz=
bringend für ſich zu verwenden, und ſie haben ihre
Offi=
ziere nach den verſchiedenen Pilotenſchulen in Europa und
Amerika zur Ausbildung geſandt. Ebenſo ſteht es ſerner
feſt, daß die Großmächte verpflichtet ſind, ihre eigenen
Maſchinen und Syſteme ſelbſt zu bouen, während die
Kleinſtaaten ſich damit begnügen werden, im Auslande
zu kaufen, und es läßt ſich annehmen, daß von dieſer Seite
ſchon in der nächſten Zeit der Flugzeuginduſtrie große
Aufträge zufallen werden. Auch die Regierungen von
Staaten, wie Auſtralien, Canada, der ſüdafrikaniſchen
Ge=
bilde, haben ſchon verlauten laſſen, daß ſie ernſthaft an
die Errichtung von Flugſtationen herangehen. Da iſt es
nun von großer Wichtigkeit, daß ſeitens der Leitung der
engliſchen ſtaatlichen Fabrik in South) Farnorough die
Erklärung abgegeben wurde, ſie würde Aufträge von
dieſer Seite nicht ausführen, um nicht der Privatinduſtrie
eine empfindliche Konkurrenz zu machen. Sache des
Staa=
tes ſei es lediglich, praktiſche Verſuche zu machen. und die
dabei gewonnenen Erfahrungen der Privatinduſtrie
mit=
zuteilen. Der Bedarf der engliſchen Armee und Flotte,
der für die nächſten 12 Monate etwa 100 Fahrzeuge
be=
trägt, wird alſo dem Unternehmertum zufallen. Soweit
die engliſchen Kolonien in Betracht kommen, werden ſie
naturgemäß ihren Bedarf zunächſt im Mutterlande zu
dek=
ken ſuchen, doch iſt es nicht ausgeſchloſſen, daß auc
Deutſchland, das gut und vor allem billig liefern kann,
Berückſichtigung findet.
Ebenſo wie die britiſche Regierung werden aber auch
die anderen Großmächte mit der Komplettierung ihrer
Luftflotte vorgehen, und es eröffnet ſich dadurch der
Pri=
vatinduſtrie eine günſtige Perſpektive. Nun aber wird
man ohne weiteres zugeben müſſen, daß bei einer
Be=
ſchränkung des Flugweſens auf rein militäriſche Zwecke
die Eriſtenzmöglichkeit für eine größere Anzahl von
Spezialfabriken recht erſchwert wird. Das iſteaber
keines=
wegs zu befürchten, wie die fortwährende Nugründung
von Pilotenſchulen beweiſt. Aus ihr geht hervor, daß die
Vorliebe für das Flugzeug bis in private Kreiſe tief
ein=
zudringen beginnt, ganz abgeſehen davon, daß auch die
erwähnten Schulen großen Eigenbedarf haben. Und dann
darf man auch nicht überſehen, daß zugleich mit der
Ver=
minderung der Gefahren die Luſt zugenommen hat, ohne
ſelbſt ein Luftſchiff zu beſitzen, ſich doch den Genuß einer
Fahrt zu geſtatten, eine Tatſache, die mit ganz
anſehn=
lichen Einnahmen für den Unternehmer verbunden iſt. In
Frankreich hat man für 1911 in dieſer Beziehung
einige ziffernmäßige Aufſtellungen gemacht. Hergeſtellt
wurden in dieſer Zeit dort 1350 Aeroplane mit etwa 100
Millionen Mark Wert und etwa 1400 Motore mit etwa
80 000 P8. Abgeſehen von dieſem Abſatz aber war die
Beteiligung des Publikums an den Fahrten und
Auf=
ſtiegen ſehr bedeutend, indem 125 000 Perſonen ſolche
unternahmen. Man kann demnach von ungünſtigen
Aus=
ſichten nicht ſprechen, eher das Gegenteil annehmen, und
der deutſchen Induſtrie wäre zu ratem, ihre
Auf=
merkſamkeit dieſem Gebiete in erhöhtem Maße
zuzuwen=
den. Dabet käme wohl eher die Errichtung neuer
Spe=
zialfabriken in Betracht, als die Hinzunahme einer neuen
Fabrikation durch beſtehende Betriebe Allerdings ſoll
auch hier Maß und Ziel nicht überſchritten werden.
Die Kriminalität im Heere.
O Die amtliche Ueberſicht der im Jahre 1911
beim Heere geſtraften Verbrechen und Vergehen
iſt ſoeben veröffentlicht worden. Wir geben daraus im
Nachſtehenden die wichtigſten Zahlen wieder, indem wir
die entſprechende Zahl des Vorjahres eingeklammert
fol=
gen laſſen.
Die Geſamtſumme der Angeklagten belief ſich
auf 14 822 (14324), von denen 12917 verurteilt, 1905
frei=
geſprochen wurden. Bei einer Iſtſtärke von 695994
Köp=
fen ergibt ſich daraus 1,86 (1,81) als Verhältniszahl der
Verurteilungen. Wegen milikäriſcher Verbrechen
und Vergehen wurden 6319 (6076) Perſonen beſtraft;
davon wegen unerlaubter Entfernung 805 (727), wegen
Fahnenflucht 578 (564), wegen Selbſtbeſchädigung und
Vorſchützung von Gebrechen 40 (36), wegen Feigheit 4 (0).
Was die ſtrafbaren Handlungen gegen die Pflichten der
militäriſchen Unterordnung anbelangt, ſo
wurden beſtraft: wegen achtungswidrigem Betragens 251
(206), wegen Beleidigung Vorgeſetzter 111 (130), wegen
Ungehorſam 773 (769), wegen Widerſetzung 76 (82), wegen
tätlichen Angriffs auf Vorgeſetzte 68 (52), wegen
Auffor=
derung zur Verletzung der Subordinationspflicht uſw., 7
(13), wegen militäriſchen Aufruhrs 0 (2), wegen
Wider=
ſetzung gegen Wachen uſw. 30 (41).
Aus den vorſtehenden Zahlen ergibt ſich, daß
die=
ſtrafbaren Handlungen gegen die Pflichten der
Unterord=
nung nur teilweiſe eine geringe Zunahme erfahren haben.
Noch günſtiger iſt dieſe Entwicklung in bezug auf den
Mißbrauch der Dienſtgewalt durch Vorgeſetzte
und Wachen. Es wurden nämlich beſtraft: Wegen
Be=
ſtimmung von Untergebenen zur Begehung einer
ſtraf=
baren Handlung 37 (35), wegen unbefugter Abhaltung
von der Beſchwerdeführung ulw. 3 (9), wegen
Ueberſchrei=
tung der Strafbefugniſſe 22 (24), wegen Beleidigung und
vorſchriftswidriger Behandlung Untergebener 132 (134),
wegen Mißhandlung Untergebener 337 (340).
Ferner wurden wegen verabſäumter Beaufſichtigung
Untergebener, unterlaſſener Meldung oder unterlaſſener
Verfolgung ſtrafbarer Handlungen 50 (42) Perſonen
be=
ſtraft. Fälle rechtswidrigen Waffengebrauchs kamen
weder 1911 noch 1910 vor. Wegen Trunkenheit im Dienſt
wurden 20 (15) Perſonen, wegen vorſchriftswidrigen
An=
bringens von Beſchwerden 14 (10) Perſonen beſtraft.
Deutſches Reich.
— Am Schluſſe der Herbſtmanöver der
Flotte richtete der Kaiſer folgenden Funkenſpruch an
die Flotte: Ich ſpreche der Hochſeeflotte und den ihr für
die Herbſtübungen zugeteilten Verbänden, ſowie den
Streitkräften der Küſtenverteidigung meine volle
Aner=
kennung für die mir gezeigten Leiſtungen und meinen
wärmſten Dank für die mühevolle und treue Arbeit zur
Hebung unſerer Kriegsfertigkeit aus.
— Zur Neuregelung der Sonntagsruhe
im Handelsgewerbe. Auf Wunſch des Deutſchen
Handelstages war der Entwurf zur Regelung der
Sonn=
tagsruhe, während er dem Bundesrat zur Beſchlußfaſſung
vorlag, den beteiligten Kreiſen zu einer nochmaligen
Stel=
lungnahme im Beginn dieſes Jahres überwieſen. Da
man nun annehmen darf, daß alle Intereſſenten ihre
Wünſche zu der Vorlage der zuſtändigen Stelle
unter=
breitet haben, wird demnächſt eine Sichtung des
einge=
gangenen Materials vorgenommen werden. Daß ſich
hierbei weſentlich neue Geſichtspunkte ergeben werden, iſt
kaum anzunehmen, da ja der Vorentwurf zur Regelung
der Sonntagsruhe bereits einmal allen beteiligten
Krei=
ſen zur Kritik unterbreitet war. Aus dieſem Grunde
dürf=
ten die Beratungen im Bundesrat in nicht zu ferner Zeit
wieder aufgenommen werden, denn es beſteht nach wie
vor die Abſicht, den Geſetzentwurf in der nächſten Tagung
dem Reichstage vorzulegen. Der Geſetzentwurf, wie er
dem Bundesrat vorliegt, beſteht aus 15 Paragraphen; er
faßt die Beſtimmungen von 8 Paragraphen der
Gewerbe=
ordnung zuſammen. Für die Regelung der
Sonntags=
ruhe iſt dabei unterſchieden zwiſchen offenen
Verkaufs=
ſtellen und Betrieben ohne ſolche. In bezug auf die
letz=
teren, die Kontore uſw., ſteht der Entwurf auf dem
Stand=
punkt, daß die volle Sonntagsruhe, abgeſehen von
ein=
zelnen Gewerbezweigen und beſonderen Fällen, allgemein
durchführbar iſt. Für offene Verkaufsſtellen iſt als
Höchſt=
maß der Beſchäftigungszeit 3 Stunden vorgeſehen.
Je=
doch ſoll die höhere Verwaltungsbehörde befugt ſein, eine
Beſchäftigung bis zur Dauer von 4 Stunden zuzulaſſen
in ſolchen Orten, in denen die Bevölkerung aus der
weiteren Umgegend an Sonntagen ihre Einkäufe zu
machen gewohnt iſt.
— Die bayeriſche Lotterievorlage. Der
Finanzausſchuß der bayeriſchen Abgeordnetenkammer
be=
faßte ſich erneut mit der Lotterievorlage. Die
Sozial=
demokraten widerſprachen jeder Wiederaufnahme der
Be=
ratungen als der Verfaſſung widerſprechend. Die
Zen=
trumspartei, die die Vorlage im Ausſchuß wie im Plenum
des Abgeordnetenhauſes zu Fall gebracht hatte, ſetzte ſich
jetzt über alle verfaſſungsrechtlichen Bedenken hinweg und
beſchloß mit den übrigen bürgerlichen Parteien gegen
die Stimmen der drei ſozialdemokratiſchen
Ausſchußmit=
glieder, in eine erneute Beratung der Vorlage einzutreten.
Damit darf die Annahme des Lotterievertrages in den
weiteren Verhandlungen als geſichert gelten.
— Zum Konflikt in Rudolſtadt. Dem
Herold=Bureau wird aus Halle gemeldet: Die Saale=Ztg.
veröffentlicht heute eine Unterredung ihres Chefredakteurs
mit dem Rudolſtädter Staatsminiſter Freiherrn von der
Recke über die durch die Vertagung des Landtages
ge=
ſchaffene, geſpannte Lage im Fürſtentum. Der Miniſter
erklärte, daß er das aufrichtige Beſtreben habe, einem
Kon=
flikt aus dem Wege zu gehen. Nur wenn er ihm
auf=
cktroyiert würde, könnte es zu einem Konflikte kommen.
Die Regierung habe in der Verhinderung von Beſchlüſſen,
die ſchwere Kolliſionen nach ſich ziehen könnten, eine
di=
rekte Staatsnotwendigkeit geſehen. Der Miniſter hofft,
ſelbſt auf die Gefahr hin, für einen Optimiſten gehalten
zu werden, auf einen baldigen gedeihlichen Ausgleich der
Gegenſätze.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Maßnahmen gegen die ungariſche
Oppo=
ſition. Da die ungariſche Oppoſition ernſte Anſtalten
trifft, während der am Montag beginnenden
Delegations=
verhandlungen in Wien Skandale zu veranſtalten, und
zu dieſem Zweck in größerer Anzahl nach Wien zu reiſen,
hat die Regierung verfügt, daß der Polizei=Oberinſpektor
Pawlik nach Wien fahre und dort das ungariſche Haus
überwache. Die widerſetzlichen Abgeordneten werden, da
ſie nicht Mitglieder der Delegation ſind, als bloße
Zu=
ſchauer betrachtet und im Fall, daß ſie Lärm ſchlagen, als
ſolche entfernt werden. Mit Rückſicht auf den allerdings
nicht geſetzlich feſtgeſtellten exterritorialen Charakter des
Wiener ungariſchen Hauſes, wo die
Delegationsverhand=
lungen ſtattfinden, wird innerhalb des Gebäudes
ungari=
ſche Polizei verwandt werden, die jedoch die Ruheſtörer
nur bis zum Tor führen und ihnen die Rückkehr verwehren
wird. Was auf der Straße geſchieht, wird der Wiener
Polizei überlaſſen. Mit den widerſetzlichen Abgeordneten
werden auch andere radauluſtige Elemente nach Wien
fahren. Graf Karolyi ſoll ſich bereit erklärt haben, für
die Koſten der Fahrt nach Wien, ſofern dies nötig wird,
ſelbſt aufzukommen.
Italien.
Der Jahrestag der Befreiung Roms
wurde in der Hauptſtadt und in ganz=Italien unter
außer=
ordentlichen patriotiſchen Kundgebungen gefeiert.
Zahl=
reiche Verbände begaben ſich im Zuge in Rom nach der
Porta Pia, wo Bürgermeiſter Nathan eine Depeſche des
Königs verlas und eine Rede hielt. — In Genua fand die
feierliche Uebergabe einer Medaille an die Genueſer
Ma=
troſen ſtatt, die an der Fahrt in die Dardanellen teilge=
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 23. September 1912.
Nummer 224.
nommen haben. Aehnliche Feiern fanden in anderen
Städten zu Ehren der aus Libyen zurückgekehrten
Sol=
daten ſtatt. In Palermo erklärte der republikaniſche
De=
putierte Colajanni in einer Rede, daß er, während er
früher gegen den Krieg in Libyen geweſen ſei, ihn jetzt
aus den ſich ergebenden politiſchen, moraliſchen und
wirt=
ſchaftlichen Vorteilen anerkenne. Der Krieg erteilte der
Einigkeit Italiens die Taufe der Beſtätigung. Am Abend
fanden in Rom und anderen Städten Illuminationen und
Konzerte ſtatt.
England,
Saſonows Beſuch in London. Der ruſſiſche
Miniſter des Aeußern iſt am Freitag abend in London
eingetroffen. Er wurde von den Mitgliedern der ruſſiſchen
Botſchaft und dem ſtändigen Unterſtaatsſekretär des
Aus=
wärtigen Sir Arthur Nicolſon als dem Vertreter Sir
Edward Greys empfangen.
Die Blätter veröffentlichen lange Artikel über den
Be=
ſuch Saſonows, dem ſie große Bedeutung beimeſſen. Sie
ergehen ſich in Vermutungen darüber, welche Fragen
in Balmoral beſprochen werden können, und beſchäftigen
ſich hauptſächlich mit der Möglichkeit einer Reviſion des
engliſch=ruſſiſchen Vertrages über Perſien, die, wie die
Times geſtern behauptete, wahrſcheinlich das Ergebnis
des Beſuchs ſein werde. Die Daily News ſchließt ſich der
Anſicht der Times an, daß das Abkommen inſofern einer
Reviſion unterzogen werden ſolle, als es Großbritannien
freie Hand in Südperſien gäbe, wie ſie Rußland im
Nor=
den habe. Das Blatt meint, die Liberalen müßten darauf
beſtehen, daß Rußland das Abkommen vollſtändig erfülle
und ſeine Truppen aus Perſien zurückziehe, wenn es die
Mitarbeit Englands wünſche. Daily Chronicle ſchreibt:
Wenn auch Grey nicht wolle, daß die Verantwortlichkeit
Englands in Perſien vergrößert werde, ſo würden ſich
doch die Verhältniſſe als ſtärker erweiſen. Die
Unord=
nung in Perſien ſei ſo groß, daß eine entſcheidende Aktion
unternommen werden müſſe, um der vollſtändigen Anarchie
vorzubeugen. Daily Mail meint, es ſei hohe Zeit, daß
Maßnahmen ergriffen würden, um die Unſicherheit auf
den Landſtraßen Südperſiens zu beenden.
Das Syndikat für die chineſiſche
An=
leihe zahlte die Schlußrate von ½ Million Pfund
Ster=
ling, die es gegen Schatzſcheine zeitweilig der chineſiſchen
Republik vorſtreckt. Das Syndikat beſchloß, die erſte
Hälfte der Anleihe, alſo 5 Millionen Pfund, im laufenden
Jahr zu dem Kurs von 95 Prozent, den Reſt im Laufe
der nächſten 12 Monate auszugeben.
Rußland.
Beſuch Kokowzows in Paris und Berlin.
Einer Meldung der Nowoje Wremja zufolge, wird der
ruſſiſche Miniſterpräſident Kokowzow demnächſt die
ge=
plante Reiſe nach Paris antreten, um den Beſuch des
franzöſiſchen Miniſterpräſidenten Poincaré zu erwidern.
Der ruſſiſche Miniſterpräſident wird, wie das Blatt
wei=
ter zu melden weiß, auf der Rückreiſe auch Berlin
be=
ſuchen, wo er von Kaiſer Wilhelm empfangen werden
wird.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 23. September.
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Samstag zum Vortrag den
Finanzminiſter Braun, den Geheimen Staatsrat Krug
v. Nidda, den Vorſtand des Kabinetts Geheimerat
Röm=
held, den Generaldirektor des Hoftheaters und der
Hof=
muſik Dr. Eger.
* Ordensverleihungen. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben das Großkreuz des Ludewigs=
Ordens dem General der Infanterie von Eichhorn,
kommandierender General des XVIII. Armeekorps; das
Großkreuz mit der Krone des Verdienſtordens Philipps
des Großmütigen dem General der Kavallerie Grafen
von Schlieffen, Gouverneur von Mainz verliehen;
ferner das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift
„Für Verdienſte” dem Vizefeldwebel der Landwehr
2. Aufgebots Reuſchling, ſeither im Leibgarde=
Infanterie=Regiment (1. Großh. Heſſ.) Nr. 115.
* Staatsminiſter Ewald Exzellenz, der bekanntlich
zur endgültigen Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit in
den letzten Wochen im Süden weilte, wird im Laufe
dieſer Woche nach Darmſtadt zurückkehren. Sein
Ge=
ſundheitszuſtand hat ſich erfreulicher Weiſe ſo weit
gebeſ=
ſert, daß der Herr Staatsminiſter ſeine Dienſtgeſchäfte
wieder übernehmen kann.
* Großy. Regierungsblatt. Die Beilage Nr. 24
vom 21. September hat folgenden Inhalt: 1.
Be=
kanntmachung, die Ergebniſſe der Verwaltung der Großh.
Brandverſicherungskaſſe vom Jahre 1909 betreffend.
2. Ordensverleihungen. 3. Verleihuug der
Staats=
medaille für Ausſtellungen. 4. Ermächtigung zur
An=
nahme und zum Tragen fremder Orden. 5. Zulaſſung
zur Rechtsanwaltſchaft. 6. Dienſtnachrichten. 7.
Nach=
weis der Befähigung zur Uebernahme eines
Kirchen=
amts. 8. Ruheſtandsverſetzungen.
-g. Strafkammer. Der 17jährige Hausburſche Philipp
Rau aus Ober=Ramſtadt iſt zweier einfacher Diebſtähle
angeklagt. Der jugendliche Angeklate hat beim
Weckaus=
tragen für einen hieſigen Bäckermeiſter Ende Juni aus
einem Hauſe der Bismarckſtraße ein Paar Stiefel
mit=
genommen, die ein Student vor die Stubentür zum
Rei=
nigen geſtellt hatte, außerdem hat er am 5. Juli aus einer
Fahrradlaterne eine elektriſche Glühbirne entwendet. Den
erſten Diebſtahl will der Angeklagte getan haben, weil
ſeine Schuhe entzwei waren. Er wird zu 10 Tagen
Gefängnis verurteilt. Er war ferner verdächtig, aus
der Ladenkaſſe ſeines Arbeitgebers 4 Mark entwendet zu
haben. Er wurde an einem Sonntag Nachmittag im
Laden in der Nähe der Ladenkaſſe betroffen. Bei der
nachfolgenden Reviſion fehlten 4 Mark in der Kaſſe. Der
Angeklagte gibt an, er habe den verſchloſſenen Laden mit
einem Schlüſſel geöffnet, von dem er annahm, daß er
paſſen würde. Er habe Hunger gehabt und wollte ſich
etwas zum Eſſen holen. Geſtohlen habe er aber nichts.
Das Gericht hielt zwar die Schuld des Angeklagten in
dieſem Falle für erwieſen, erkannte aber auf
Einſtel=
lung des Verfahrens, da ein in dieſem Fall zur
Strafverfolgung erforderlicher Strafantrag von dem
Be=
ſtohlenen nicht geſtellt war. — Der Taglöhner Johannes
Müller aus Groß=Umſtadt war vom Schöffengericht
wegen Widerſtandes zu 5 Wochen Gefängnis
ver=
urteilt worden, weil er dem zu ſeiner Verhaftung
be=
rechtigten Gendarmen Widerſtand leiſtete. Die
Strafkam=
mer verwarf die eingelegte Berufung als unbegründet. —
Der mehrmals wegen Betrugs vorbeſtrafte Händler
Bern=
hard Krämer aus Viernheim hatte ſich wegen Pfand=
Unterſchlagung zu verantworten. Er hatte ein Fahrrad
auf Abzahlung und unter Eigentumsvorbehalt gekauft.
Als er ſeine Ratenzahlungen nicht einhielt, forderte der
Verkäufer ſein Eigentum zurück, erhielt von Krämer jedoch
nur einen Rahmen, mit dem Bemerken, er habe einen
Unfall gehabt, wobei er nur den Rahmen retten konnte.
Es wird aber feſtgeſtellt, daß der Rahmen nicht von dem
betreffenden Fahrrad ſtammen kann; Krämer hat alſo
jedenfalls das ganze Rad verſetzt oder veräußert. Er
wird deshalb zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt.
g. Kriegsgericht. Der Trompeter=Unteroffizier
Friedrich Otto Reiſer aus Frankfurt vom Dragoner=
Regiment Nr. 23 hatte ſich dadurch der unerlaubten
Ent=
fernung und der einfachen Urkundenfälſchung ſchuldig
ge=
macht, daß er ſeinen Urlaub überſchritt und, um dies zu
verdecken, ſeinen Urlaubspaß fälſchte. Er war vom
30. Auguſt bis 7. September beurlaubt geweſen, ſtellte
ſich jedoch erſt am 10. September in der Kaſerne wieder
ein. Aus dem 7. September auf dem Urlaubspaß hatte er
den 9. September gemacht. Der geſtändige Angeklagte, der
ſich ſchon früher eines ähnlichen Vergehens ſchuldig gemacht
hatte, wurde zu vier Wochen Mittelarreſt und
Degradation verurteilt.
* Sonderzüge zur Ausſtellung „Der Menſch”
(mit doppelter Ermäßigung). Am Mittwoch, den 25.
Sep=
tember, fährt ein Sonderzug III. Klaſſe mit Fahrpreis=
und Eintritts=Ermäßigung für jedermann von
Oppen=
heim ab 100 Uhr nachm. nach Darmſtadt. Abfahrt von
Mainz Hbf. um 144 Uhr nachmittags. Fahrpreis III. Klaſſe
von Oppenheim und zurück einſchließlich Eintrittsbillett
für die Ausſtellung 2,50 Mk. Andere Stationen
ent=
ſprechend weniger. Rückfahrt 800 Uhr nachmittags. Am
Donnerstag, den 26. September, fährt ein
Sonder=
zug III. Klaſſe mit Fahrpreis= und Eintritts=
Er=
mäßigung für jedermann von Alzey ab 825 vorm. nach
Darmſtadt. Abfahrt von Worms um 930 Uhr vorm.
Fahrpreis III. Klaſſe von Alzey und zurück einſchließlich
Eintrittsbillett für die Ausſtellung 3,50 Mk. Andere
Stationen entſprechend weniger. Das Sonderzugbillett
wird in der Ausſtellung abgeſtempelt. Rückfahrt 720 Uhr
nachmittags.
* Chopin=Liſzt=Feſt. Heute, Montag, 8 Uhr, im
Saale des Hotels Traube, findet das letzte Konzert
des Chopin=Liſzt=Feſtes, veranſtaltet von Raoul von
Koczalski, ſtatt.
* Parſifal=Schutz. Man ſchreibt uns: Eine
großzügige Bewegung iſt im Gange, an deren Spitze
Männer von großer Bedeutung ſtehen. Sie wendet ſich
an die deutſchen Fürſten und an den Reichstag, um Schutz
für die Erhaltung des Parſifal für Bayreuth anzurufen
und entweder zu erwirken, daß der Wille eines Autors,
der an eines ſeiner Werke beſondere Lebensbedingungen
knüpft, auch über die Schutzfriſt hinaus gewahrt werde,
oder aber ein beſonderes Geſetz für den Parſifal
herbei=
zuführen, das ausſchließlich dieſem Werke den vom Autor
verlangten Schutz gewährt. So wird das deutſche Volk
mit ſeinen Fürſten darüber zu entſcheiden haben, ob der
Wille eines ſeiner größten Männer gewahrt werden ſolle.
Wie in Bayreuth während der diesjährigen Feſtſpiele,
liegt auch in Darmſtadt eine Liſte mit Aufruf
(Brief R. Wagners an König Ludwig II., Aeußerungen
des hochſeligen Kaiſers Friedrich III., ſowie Puccinis
über den Parſifalſchutz) in der Hofmuſikalienhandlung
Schutter, Thies Nachfolger, Eliſabethenſtraße 12, aus.
Im Intereſſe der großen Sache wird herzlich gebeten, daß
möglichſt viele durch Unterſchrift unſerem großen Meiſter
ihren Nationaldank darbringen. Zugleich wird auf die
ſoeben erſchienene Broſchüre (60 Pfg.) von Hermann
Bahr: „Parſifalſchutz ohne Ausnahmegeſetz” hingewieſen.
— Der Ortsgewerbeverein ladet ſeine Mitglieder
zu einem nochmaligen Beſuch der Ausſtellung „Der
Menſch” ein und ſind ermäßigte Karten von Dienstag
an bei Herrn Sattlermeiſter Wallauer, Rheinſtraße
Nr. 37, erhältlich. (Näheres in der Anzeige.)
— Die Darmſtädter Volksbank begeht am 6.
Ok=
tober das 50jährige Beſtehen durch einen
Feſt=
akt, an den ſich ein Feſteſſen anſchließen wird.
Zu beiden Veranſtaltungen, die im Städtiſchen Saalbau
ſtattfinden, ſind die Mitglieder mit der Bitte um
zahl=
reiche Beteiligung eingeladen. Zur Teilnahme am
Feſt=
akte kommen für die Mitglieder und deren Ehefrauen
Eintrittskarten zur Ausgabe, die nur perſönlich gültig
und auf dem Büro der Bank bis Ende dieſes Monats
erhältlich ſind. Für die Damen werden die Galerien
freigehalten. (Siehe Anzeige)
M. Landwirtſchaftliche Genoſſenſchaftsbewegung. Im
abgelaufenen Monat Auguſt wurden 103 Genoſſenſchaften
neu gegründet, darunter 66 landwirtſchaftliche
Genoſſen=
ſchaften. Aufgelöſt wurden in dieſer Zeit 8
Genoſſenſchaf=
ten. Im Vergleich zum entſprechenden Zeitabſchnitt des
Jahres 1911 hält ſich die landwirtſchaftliche
Genoſſen=
ſchaftsbewegung in gleicher Höhe. Im ganzen beſtehen
jetzt im Deutſchen Reiche 26 265 landwirtſchaftliche dem
Genoſſenſchaftsgeſetz unterſtellte Genoſſenſchaften,
worun=
ter 16832 Spar= und Darlehnkaſſen.
2 Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
vergangener Woche. Butter ½ Kg. 1,50 M., in Partien
1,40 M., Eier 7—8 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 20—22 Pf.,
Handkäſe 4—10 Pf., Kartoffeln der Zentner 3—4 M.,
Kumpf (10 Liter) 50—70 Pf., ½ Kg. 4—5 Pf., Mäuschen
Kumpf 1,20 M., ½ Kg. 10 Pf.; Obſt u. dgl.: Aepfel
Zentner 7—10 M., ½ Kg. 7—42 Pf., Birnen Ztr. 6—16 M.,
Kg. 5—18 Pf., Zwetſchen Zentner 6—16 M., 100 Stück
30—35 Pf., ½ Kg. 10 Pf., ausländiſche Trauben ½ Kg.
30—35 Pf., Preiſelbeeren ½ Kg. 40 Pf., Brombeeren ½ Ltr.
10—11 Pf., Zitronen 7 Pf., Nüſſe 100 Stück 55—70 Pf.:
Salat, Gemüſe: Kopfſalat 5—10 Pf., Endivien 4—8 Pf.,
Bündel Radieschen oder Römiſch=Kohl 2 Pf., Rettiche
3—5 Pf., Roterüben ½ Kg. 7—8 Pf., Spinat ½ Kg. 16
bis 18 Pf., Meerrettich 15—30 Pf., Zwiebeln ½ Kg. 10 Pf.,
Tomaten ½ Kg. 12—20 Pf., Wirſing 3—10 Pf.,
Blumen=
kohl 10—50 Pf., Rotkraut 10—30 Pf., Roſenkohl ½ Kg.
25 Pf., Weißkraut 5—10 Pf., Schälgurken 2—18 Pf.,
Ein=
leggurken 100 Stück 0,70—1 M., Gelberüben ½ Kg. 5
bis 8 Pf., Bohnen ½ Kg. 12—18 Pf., Kohlrabi 3 Pf.,
Hagebutten ½ Kg. 10—20 Pf., Ziegenbart ½ 20 Pf.,
Eier=
ſchwämme ½ Kg. 25—30 Pf., Steinpilze ½ Kg. 30 Pf.;
Geflügel, Wild: Gänſe ½ Kg. 1 M., Enten 3,00—3,50 M.,
Hahnen und Hühner 1,50—2,00 M., Tauben 60—70 Pf.,
junge Rebhühner 1,30 M., alte 1 M., Haſen 4 M., Lapins
1 M.: Fiſche ½ Kg.: Hecht, Aal 0,90—1 M.. Karpfen
80—90 Pf., andere Rheinfiſche 40—50 Pf., Kabeljau 35
bis 40 Pf., Schellfiſche 40 Pf., Seehecht, Seelachs 35 Pf.;
in den Fleiſchſtänden ½ Kg.: Ochſenfleiſch 70 Pf.,
Rindfleiſch 66 Pf., Hackfleiſch 76 Pf., Rindsfett 60 Pf.,
Rindswürſtchen (Stück) 15 Pf., Kalbfleiſch 90 Pf., Schweine=
Wie Bismarck Miniſterpräſident wurde.
Eine Halbjahrhundert=Erinnerung.
C) „Gibt es in Berlin einen Miniſterwechſel, ſo kommt
der ſchreckliche Bismarck an die Reihe; ein Menſch, der
imſtande iſt, den Rock auszuziehen und ſelbſt auf die
Bar=
rikaden zu treten.‟ Dies Ereignis, das der öſterreichiſche
Miniſter Graf Rechberg 1861 als etwas Fürchterliches
prophezeite, ward im Sommer des Jahres 1862 immer
näher und näher gerückt, und wurde am 23.
Septem=
ber zur Wirklichkeit. Der „ſchreckliche Bismarck” wurde
Miniſterpräſident und Miniſter des Auswärtigen, und
damit war der entſcheidende Schritt getan zu Preußens
Macht und Deutſchlands Größe. Die unheilvoll
verwor=
renen inneren Verhältniſſe wurden geordnet; der durch
eine lange Zeit des Schwankens und Zweifelns gebeugte
König richete ſich an der ſtolzen Zuverſicht und
Sieges=
hoffnung ſeines erſten Dieners wieder auf und fand den
Glauben wieder an Preußens Königtum und Preußens
Zukunft.
Wie lange war Bismarck ſchon der „kommende
Mann” geweſen und wie lange hatte es gedauert, bevor
er an die rechte Stelle treten durfte. Schon unter
Fried=
rich Wilhelm war 1848 und 1854 die Kandidatur des
„eiſernen Junkers” aufgetaucht, und in allen Kriſen
blick=
ten ſeine Parteifreunde nach ihm als dem Retter Beſonders
durch die Ernennung ſeines Freundes Roon zum
Kriegs=
miniſter erhielt Bismarck einen tatkräftigen Vermittler,
der ſein Genie früh erkannt hatte und ſchließlich auch ſeine
Berufung durchgeſetzt hat. Bismarck ſelbſt wollte ſich nicht
aufdrängen; er wußte ja, daß die Verhältniſſe für ihn
arbeiteten, und daß die kritiſche Stunde ſchließlich
gebie=
teriſch ihren Beherrſcher fordern würde. Freilich, als die
Sache ſich immer mehr und mehr hinzog, wurde er in
dieſem Gefühl der Ungewißheit und Spannung
allmäh=
lich mißmutig. „Meine Sachen liegen noch in
Peters=
burg und werden dort einfrieren”, ſchreibt er an Roon
aus Toulouſe; „meine Wagen ſind in Stettin, meine
Pferde bei Berlin auf dem Lande meine Familie in
Pommern, ich ſelbſt auf der Landſtraße. Ich gehe jetzt
nach Paris zurück, obſchon ich dort weniger wie je zu tun
habe; mein Urlaub iſt aber um.”
Unterdeſſen war der Konflikt König Wilhelms mit
dem Landtag auf ſeinen Höhepunkt geſtiegen. Nachdem
as liberale Miniſterium in ſich zuſammengebrochen und
von Roon geſtürzt worden war, führte der alte Fürſt
Hohenlohe nur noch proviſoriſch den Vorſitz im
Mini=
ſterium; Bismarck ſollte ſchon im Mai berufen werden,
aber allerlei Reibereien und Intrigen gegen ihn
verhin=
derten das. Doch blieb die Frage von nun an in Fluß.
Immer ſchärfer ſpitzte ſich die Situation zu; die
Militär=
vorlage, an der des Königs ganze Reorganiſationspläne
hingen, wurde abgelehnt, und der 65jährige Monarch trug
ſich ernſthaft mit dem Gedanken, die Krone in die Hände
ſeines Sohnes zu legen. In dieſer ſchwierigen Lage
brachte ein entſcheidender Schritt Roons die Erlöſung.
In zwei Telegrammen rief er Bismarck herbei. Es
iſt viel darüber geſtritten worden, wieviel Telegramme —
Bismarck ſpricht nur von einem — und von wem ſie an
ihn abgeſandt wurden. Heute iſt erwieſen, daß die
bei=
den dringlichen Botſchaften von dem Kriegsminiſter
ſtammten, der in dem Freunde allein noch Hilfe ſah. Die
erſte Depeſche, die wahrſcheinlich am Vormittag des 17.
September aufgegeben wurde, hatte wohl den Wortlaut:
„Die Birne iſt reif.‟ Die zweite, vom 18., lautete:
„Perieulum in mora. Dépéchez-vous.‟ (Gefahr in
Ver=
zug. Beeilen Sie ſich.) Auf dieſes dringende Telegramm
hin eilte Bismarck ſofort nach Berlin. Der ſchnellſte Zug
brachte ihn in knapp 25 Stunden in die Heimat. Als
Bismarck am 20. September in Berlin eintraf, war am
Tage vorher ein Vermittelungsverſuch des Kronprinzen
fehlgeſchlagen. Bismarck wurde zuerſt zu dieſem
beſchie=
den, und dann am 22. September, in jener berühmten
Unterredung, die alle Bedenken des Königs beſeitigte,
von König Wilhelm zu Babelsberg empfangen. Der
Kö=
nig hatte ihn durchaus nicht gerufen, um feine Ernennung
zu vollziehen. Er wollte nur mit ihm die Situation
be=
ſprechen, weil er es für notwendig hielt, kein Mittel
un=
verſucht zu laſſen. Aber die bereitwillige Hingabe ſeines
Pariſer Geſandten, ſein des Sieges ſicherer Zukunftsmut
richteten den König, der in den letzten Wochen nur
Wider=
ſtand und Enttäuſchung gefunden hatte, wieder auf und
flößten ihm Vertrauen ein. „Ich will nicht regieren” ſo
leitete der Monarch das Geſpräch ein, „wenn ich es nicht
ſo vermag, wie ich es vor Gott, meinem Gewiſſen und
meinen Untertanen verantworten kann.‟ Er zeigte
Bis=
marck die Abdankungsurkunde, die ſchon ausgeſtellt auf
dem Tiſche lag, und als er fragte, welche Bedingungen
Bismarck bei der Uebernahme des Miniſteriums ſtellen
werde, erwiderte er tief erſchüttert: „Gar keine. Ich fühle
wie ein kurbrandenburgiſcher Vaſall, der ſeinen
Lehns=
herrn in Gefahr ſieht; was ich vermag, ſteht Eurer
Maje=
ſtät zur Verfügung.‟ Es gelingt ihm, den König von den
Abdankungsabſichten abzubringen und wieder
aufzurich=
ten. „Dann iſt es meine Pflicht”, erklärt der Monarch,
„mit Ihnen die Weiterführung des Kampfes zu
ver=
ſuchen, und ich abdiziere nicht.”
Die weiteren Beſprechungen erfolgten dann bei einem
Spaziergange im Park. Der König geht mit Bismarck
ein von ihm entworfenes Regierungsprogramm durch,
das in ſeiner engen Schrift acht Folioſeiten füllt, und
Bismarcks Worte gipfeln in dem Bekenntnis: In dieſer
Lage werde ich, ſelbſt wenn Eure Majeſtät mir Dinge
befehlen ſollten, die ich nicht für richtig hielte, Ihnen
zwar dieſe meine Meinung offen entwickeln; aber wenn
Sie auf der Ihrigen ſchließlich beharren, lieber mit dem
Könige untergehen, als Eure Majeſtät im Kampfe mit
der Parlamentsherrſchaft im Stiche laſſen.‟ Die
prin=
zipielle Verſtändigung zwiſchen beiden iſt ſo vollſtändig,
daß der König das Programm zerreißt. „Er war im
Begriff” erzählt Bismarck, „die Stücke von der Brücke in
die trockene Schlucht im Park zu werfen, als ich daran
er=
innerte, daß dieſe Papiere mit der bekannten Handſchrift
in ſehr unrechte Hände geraten könnten. Er fand, daß ich
Recht hätte, ſteckte die Stücke in die Taſche, um ſie dem
Feuer zu übergeben.‟ Die Ernennung zum
Staatsmini=
ſter und zum Vorſitzenden des Staatsminiſteriums und
die Unterzeichnung der Urkunde erfolgte dann im Schloß
noch am ſelben Tage. Wie durch die neueſten
Forſchun=
gen erwieſen iſt, hatte Bismarck dann am 23. eine zweite
Audienz beim König, in der die Probleme der
auswärti=
gen Politik beſprochen und er zugleich zum Miniſter des
Auswärtigen ernannt wurde. Die Ernennung wurde
am 24. abends veröffentlicht. Während ſich die
entſchei=
denden Verhandlungen am 22. September vollzogen, iſt
doch der 23. als der Tag des definitiven Eintritts ins
Miniſterium betrachtet worden, wie Kaiſer Wilhelm in
ſeinem warmen Dankſchreiben aus Anlaß der 25.
Wieder=
kehr des Tages betonte, das beginnt: „Sie feiern, mein
lieber Fürſt, am 23. September den Tag, an welchem ich
Sie vor 25 Jahren in mein Staatsminiſterium berief.”
Nummer 224.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 23. September 1912.
Seite 3.
ſleiſch 50 Pf, geſa genes und Kotelets 1M.,
Schwarten=
magen, Fleiſchwurſt 90 Pf., Leber= und Blutwurſt 70 Pf.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer
Expedition (Rheinſtraße 23) ſind von heute ab folgende
Bilder neu ausgeſtellt: Der Untergang des
Torpedo=
bootes „E 171‟; die Unterſeebootsflottille in
Wilhelms=
haven; die große Prozeſſion während des Euchariſtiſchen
Kongreſſes in Wien; zu den Vorgängen im ungariſchen
Abgeordnetenhaus.
* Griesheim, 21. Sept. Geſtern nachmittag, kurz
nach 6 Uhr, überflog das Luſtſchiff „Viktoria Luiſe
unſeren Ort und wurde hierbei ein Sack mit
ver=
ſchiedenen Poſtſachen ausgeworfen, welcher
in den Hof des Gaſtwirts Heinrich Baſel „zum goldenen
Pflug” fiel. Für die Bemühung, die Sachen zur Poſt
zu bringen, war ein Geldbetrag beigefügt.
S. Auerbach, 20. Sept. Bei der heute erfolgten
ge=
richtsärztlichen Sektion des 8jährigen Schülers
Friedrich Speckhardt, deſſen Tod nach vorläufiger
Annahme infolge einer ihm ſeitens ſeines Lehrers zuteil
gewonrdenen Züchtigung eingetreten ſein ſollte, ſtellte ſich
die Haltloſigkeit der Beſchuldigung heraus.
Den Klaſſenlehrer Herrn Peter Herpel trifft nach dem
Be=
fund der Unterſuchung an dem Tode des Knaben keine
Schuld.
M. Worfelden, 20. Sept. Die Vermögens=Bilanz der
hieſigen Dreſchgenoſſenſchaft II, welche 43
Mit=
glieder zählt, ſchließt in Aktiva mit 11987 Mark und in
Paſſiva mit 12 124 Mark. Der Reſervefonds beträgt
2509 Mark und die Geſamthaftſumme der Mitglieder Ende
1914/1912 21500 Mark.
Mainz, 21. Sept. In der Wirtſchaft zum Maßſchen
Garten in Zahlbach war die Beſitzerin, die Privatiere
Eliſe Eckſtein, die unter Vormundſchaft ſteht, geſtern
nachmittag auf den Speicher gegangen. Es brach der
Boden durch und die Eckſtein ſtürzte 5 Meter tief hinab
in den Tanzſaal. Die Frau zog ſich eine ſchwere
Schädelverletzung zu und wurde in bedenklichem
Zuſtande von der Sanitätswache ins Rochushoſpital
gebracht.
Gießen, 21. Sept. Die 3. diesjährige
Schwur=
gerichtsperiode die am 23. September am
Land=
gericht der Provinz Oberheſſen in Gießen beginnen ſollte,
fällt aus, da keine Anklage wegen eines Verbrechens
erhoben worden iſt. Die bereits ausgeloſten
Geſchwore=
nen ſind ſomit ihres Ehrenamtes enthoben.
Gießen, 21. Sept. Ein Gehilfe einer hieſigen
Buch=
handlung iſt nach Unterſchlagung von 200 Mark
ſeit einigen Tagen flüchtig geworden. Ein Steckbrief iſt
hinter dem Flüchtigen erlaſſen worden. — Einem hieſigen
Eierhändler wurden während der Verkaufszeit aus einem
unverſchloſſenen Pult ſeines Verkaufsladens 300 Mark
geſtohlen. Der Verdacht fällt auf einen
Konditor=
gehilfen, der bei dem Beſtohlenen verkehrte, mit deſſen
Gewohnheiten vertraut war und ſeitdem verſchwunden iſt.
* Vilbel, 21. Sept. In der Strafkammerverhandlung
in Gießen wurde Bürgermeiſter Mühlſchwein
wegen falſcher Beurkundung in ſeiner Funktion als
Stan=
desbeamter gemäß § 348 des Strafgeſetzbuches zu eine m
Monat Gefängnis, der Bürgermeiſtereiſekretär
Berg, der die Eintragung ins Standesamtsregiſter
vor=
nahm, wegen Beihilfe gemäß § 49 des Strafgeſetzbuches
zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Da dieſe
Verfeh=
lungen lediglich auf den Drang der Geſchäfte und die gute
Abſicht, dem Publikum und ſeinen Bedürfniſſen
entgegen=
zukommen, zurückzuführen ſind, iſt zurzeit ſowohl der
hie=
ſige Stadtvorſtand, als auch faſt die geſamte Bürgerſchaft
mit der Unterzeichnung und Abſendung eines
Gnadengeſuches an unſeren Landesfürſten in
fieber=
hafter Tätigkeit begriffen.
K. Schlitz, 20. Sept. Ein denkwürdiger Tag war der
heutige 20. September für unſer Städtchen und die hieſige
evangeliſche Kirche; wurde doch heute das 1100
jäh=
rige Kirchen= und Ortsjubiläum feſtlich
be=
gangen. Eingeleitet wurde das Feſt durch Glockengeläute
und Choralmuſik vom Turme aus. Unſer Städtchen prangt
in reichſtem Flaggenſchmuck. Eine ſehr ſchöne Ehrenpforte
iſt in der Stadtſtraße erſtanden und das altehrwürdige
Gotteshaus hat eine der Bedeutung des ſeltenen Feſtes
entſprechende Ausſchmückung erfahren. Zahlreiche
Feſt=
gäſte waren bereits ſchon geſtern abend eingetroffen.
Ge=
gen ½11 Uhr fand Feſtgottesdienſt ſtatt. An demſelben
nahmen teil: Graf Emil Friedrich von
Schlitz, genannt von Görtz, Erbgraf Wilhelm in
der Uniform des Großherzoglichen Garde=Dragoner=
Re=
giments Nr. 23, Darmſtadt, Se. Königl. Hoheit der
Großherzog von Heſſen in der Generalsuniform,
nebſt Gemahlin, ſein perſönlicher Adjutant Rittmeiſter
v. Maſſenbach, Prinz Auguſt Wilhelm als Vertreter
Seiner Majeſtät des deutſchen Kaiſers in der
Uniform des Garde=Regiments zu Fuß als
Haupt=
mann, nebſt ſeinem perſönlichen Adjutanten; ferner der
Miniſter des Innern aus Darmſtadt v. Hombergk zu
Vach, der Erbmarſchall Freiherr Ludwig Riedeſel
zu Eiſenbach, Graf Luxburg nebſt Gemahlin,
Baron v. Gleidorf, Oberkonſiſtorialpräſident D.
Ne=
bel, Darmſtadt u. v. a. m. Der Geſang der Lieder wurde
durch Poſaunenbegleitung verherrlicht. Herr Dekan
Schmitt=Schlitz hielt die Feſtrede. Nach deren Schluß
er=
griff vom Altar aus Herr Superintendent Peters=
Darm=
ſtadt das Wort. Seiner Rede legte er die Bibelſtelle:
„Jeſus, Chriſtus, geſtern und heute und derſelbe in alle
Ewigkeit” zugrunde. Zum Schluſſe des Gottesdienſtes
ſang de: Kirchenchor Schlitz das Niederländiſche
Dank=
gebeſt, teilweiſe durch Poſaunen begleitet. Nicht
uner=
wähnt ſei, daß das Hauptlied, deſſen erſter Vers anfing:
Elfhundert Jahre ſind dahin
Ins Meer der Zeit gefloſſen,
Seit einſt ſich unſer Väter Sinn
Dem wahren Heil erſchloſſen, uſw.
vom Grafen Emil Friedrich von Schlitz, genannt von
Görtz, gedichtet war. Die Melodie des herrlichen
Luther=
liedes „Ein’ feſte Burg iſt unſer Gott” war dem Liede
zu=
grunde gelegt. Ueber die Kirche ſelbſt ſei kurz angegeben,
daß ſie von Fuldaer Mönchen nach den Plänen des
Fuldaer Kloſterbaumeiſters und ſpäteren Abtes
Rat=
garius erbaut und am 20. September 812 im Beiſein des
Erzbiſchofs der Mainzer Kirche, Richolfus, zu Ehren der
hl. Margarete geweiht wurde. Von den Merkmalen der
karolingiſchen Bauweiſe ſind heute keine ſichtbaren
Spuren mehr wahrnehmbar. An dem Bau dieſes ſehr
alten Gotteshauſes offenbaren ſich alle die Kennzeichen
der Stilwandlungen, welche die Baukunſt ſeit dem 12.
Jahrhundert durchlaufen hat. Eines der ſchönſten
Archi=
tekturgebilde der Kirche iſt in dem Hauptportal der
Weſt=
ſeite erhalten geblieben. Das Innere der Kirche macht ſeit
der unter der ſachkundigen Leitung des Geh. Baurats
Rittgen — des Erneuerers der Wartburg — und nach
deſſen Plänen vorgenommenen Renovierung in den
Jah=
ren 1880/1882, einen höchſt anſprechenden, würdigen und
erhebenden Eindruck. Einen herrlichen Anblick bietet der
mit Wandmalerei, farbigen Fenſtern und den großen
Grabmonumenten geſchmückte Chor, in dem ſich der Sitz
der gräflichen Familie befindet. Zum 1100jährigen
Jubi=
läum ſtiftete der Graf Emil Friedrich von Görtz in den
Bogen des remaniſchen Weſtportals ein nach ſeinem
Ent=
wurf ausgeführtes Tympanon (der thronende Chriſtus,
von zwei Engeln angebetet), ſowie die neue Tür.
Nach=
mittags fand in der Turnhalle ein Feſtmahl ſtatt, das eine
ſtattliche Teilnehmerzahl aufwies Die Reihe der Toaſte
eriffnete Herr Dekan Schmitt=Schlitz, der in kernigen
Wor=
ten auf Seine Majeſtät den deutſchen Kaiſer und auf
Heſ=
ſens Landesvater, den Großherzog von Heſſen, ein Hoch
ausbrachte. Herr Geheimrat Wahl=Schlitz toaſtete auf die
auswärtigen Gäſte; Oberkonſiſtorialpräſident Nebel=
Darm=
ſtadt auf das Grafenhaus, Kreisrat von Bechtold=
Lauter=
bach auf die guten Beziehungen zwiſchen Dekanat und
Kreisverwaltung, Stadtpfarrerr Boeckner=Schlitz auf die
Staats= und Kirchenbehörden, Pfarrer Briegleb=Groß=
Umſtadt auf die Gemeindeglieder, Geheimrat Profeſſor
Walbe auf den Verfaſſer der Feſtſchrift Herrn Pfarrer
Knott=Wallenrod; Pfarrer Knott=Wallenrod auf die
glück=
liche Zukunft der Stadt= und Kirchengemeinde, und als
letzter Superintendent Rühl=Fulda auf die guten
Be=
ziehungen zwiſchen den evangeliſchen Gemeinden Fulda
und Schlitz. Abends fand die Aufführung des von Pfarrer
Knott in Wallenrod verfaßten Feſtſpiels, das die zum Teil
ſehr bewegte Geſchichte der Stadt und Burg Schlitz von
der Zeit der germaniſchen Heiden bis zur Gegenwart in
9 Bildern zur Darſtellung brachte. Ein Konzert der
be=
währten Salzſchlirfer Kurkapelle ſchloß ſich an.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 21. Sept. Ihre Katze
mit ins Grab genommen hat eine Witwe aus
Neukölln. Unter den Straßenpaſſanten erregte es nicht
wenig Aufſehen, als hinter einem Leichenwagen ein Mann
ſchritt, der eine lebende, große, graue Katze trug,
wäh=
rend ſein Nebenmann eine alte verroſtete Flinte auf dem
Rücken hatte. Der Leichenwagen mit der ſonderbaren
Be=
gleitung bewegte ſich durch die Bergſtraße nach einem dort
belegenen Friedhof. Nachdem die Beiſetzung vorbei war,
und die Leidtragenden bis auf einige Neugierige, die
ge=
ſpannt der Dinge harrten, die da kommen ſollten, ſich
ent=
fernt hatten, nahm einer der beiden Männer die Flinte
und tötete die Katze durch einen wohlgezielten Schuß in
den Kopf. Dann ließ er ſie in die Gruft der Beerdigten
hinab. Dieſe eigenartige Handlung geſchah auf Wunſch
der Verſtorbenen, deren letzter Wille es war, daß die
Katze, die ſich über 15 Jahre in ihrem Beſitze befunden
hatte und während dieſer langen Zeit von ihr ſorgfältig
gepflegt und gehegt worden war, an ihrem Grabe mit
der Flinte getötet und zuſammen mit ihr beerdigt werde.
— Im Hauſe Urbanſtraße 95, wurden heute vormittag
zwei Arbei ter unter einem Stapel von Preßkohlen
verſchüttet. Beide erlitten Verletzungen, der eine ſo
ſchwere, daß er in ein Krankenhaus gebracht werden
mußte. — Durch eine Pulverexploſion im
Ver=
ſuchsraum der Sprengſtoffabrik Rheinsberg, bei
Witten=
berg, wurden drei Beamte und ein Arbeiter ſchwer
ver=
letzt.
Ulm, 21. Sept. In der benachbarten bayeriſchen
Ortſchaft Haldenwang wurde im Schloſſe des Barons
Freiberg=Schütz eingebrochen. Den Tätern war
zweifellos bekannt, daß Baron Schütz nach München
ge=
fahren war. Sie ſtiegen nun nachts mit einer Leiter in
den erſten Stock des Schloſſes und drangen in das
Ar=
beitszimmer des Beſitzers ein. Dort wurde der
Geld=
ſchrank erbrochen. Die Höhe der fehlenden Summe
konnte noch nicht ermittelt werden. Dann ſchlichen die
Diebe in das Zimmer der Frau des Schloßbeſitzers und
eigneten ſich den Familien= und den Erbſchmuck, ſowie
andere Juwelen an. Der Polizeihund Vill von hier,
den man ſofort kommen ließ, nahm eine Spur nach einem
nahe gelegenen Anweſen auf und verbellte dort den
18jährigen Sohn.
Kiel, 20. Sept. Unter dem Verdacht, 41 Aktien zu je
1000 Mark der Hamburger Freihafenlagerhaus=Geſellſchaft
gefälſcht zu haben, wurde der Direktor der hieſigen
Filiale der Aktiengeſellſchaft Körting, Georg Neudeck,
verhaftet. Dem die Unterſuchung führenden
Krimi=
nalkommiſſar Kleinſchmidt gelang es, das geſamte
Ma=
terial, mit dem die gefälſchten Aktien hergeſtellt waren,
in einer hieſigen Druckerei zu beſchlagnahmen. Mit der
Firma, deren erſter Leiter in Kiel der Verhaftete iſt, hat
der Fall nichts zu tun.
Neuenburg, 20. Sept. In der Schweizer
natio=
nalen Kunſtausſtellung iſt in ein Bild
Fer=
dinand Hodlers ein Loch gedrückt und ein Bild Max Buris
durch zwei Meſſerſtiche durchbohrt und mit Säure
über=
goſſen worden. Da beide Maler zugleich Mitglieder der
Aufnahmejury ſind, liegt vermutlich ein Racheakt eines
Künſtlers vor. Die Beſchädigungen ſind nur leicht.
Paris, 21. Sept. Nach einer Blättermeldung aus
Nancy riſſen Paſſanten das ſchwarz=weiß=rote
Fähnchen von dem Automobil der Fürſtin
Collo=
redo Mansfeld, nachdem der Chauffeur der Aufforderung
eines Schutzmanns, das Fähnchen zu entfernen (!), nicht
nachgekommen war. Als die Fürſtin erſuchte, ihr das
Fäbnchen zurückzuerſtatten, warf es der Schutzmann in
die Goſſe. Die Fürſtin erhob wegen des Vorfalls auf der
Präfektur und auf der öſterreichiſch=ungariſchen Botſchaft
Beſchwerde.
Paris, 21. Sept. Aus Carbaux (Frankreich) wird
ge=
meldet, daß in einer dortigen Mühle ein Gerüſt
ein=
ſtürzte, wobei vier Arbeiter auf der Stelle getötet,
fünf andere ſchwer verletzt wurden.
London, 21. Sept. Miß Amry Ligh, eine
Suffra=
gette, die vor einigen Wochen zu fünf Jahren
Zucht=
haus verurteilt worden war, weil ſie verſucht hatte, das
Royal=Theater in Dublin in Brand zu ſtecken, iſt geſtern
aus dem Gefängnis entlaſſen worden, nachdem ſie nur
44 Tage ihrer Strafe verbüßt hatte. Sie hatte den
Hun=
gerſtrei’ angewandt und war deshalb gewaltſam
ge=
füttert worden. Sie war zuletzt ſo ſchwach geworden, daß
ſie in ein Hoſpital gebrachg werden mußte.
Die Manöver der 21. Diviſion.
* Reinheim 20. Sept. Das Biwak, mit dem die
Diviſion vor Torſchluß erfreut wurde, war
außerordent=
lich froſtig. Der Abend war ziemlich gelinde geweſen,
aber gegen Morgen ſetzte eine ziemliche Kälte ein. Lange
vor Tagesanbruch knallten ſchon munter die Gewehre,
wenn Patrouillen anritten. Vor der Stellung des
Vor=
poſten=Bataillons ſüdlich Reinheim war gegen Morgen
ſo=
gar ein längeres Feuergefecht. Für den Generalleutnant
Exzellenz Scholtz, hatte der älteſte Brigadekommandeur
Generalmajor Riedel das Kommando über die Diviſion
übernommen. Die Blauen (41. Brigade) führte wie am
Tage zuvor, der Generalmajor Frhr. v. Wechmar, die
42. Brigade (die Roten) Oberſt v. Scherbening vom
Feld=
artillerieregiment „Frankfurt‟ Der Führer von Blau
hatte nicht die Abſicht offenſiv zu verfahren. Er erwartete
den Angriff von Rot in ſeiner vorbereiteten Stellung
ſüd=
lich von Spachbrücken. Mit der Hauptmaſſe ſeiner
Trup=
pen ſtand er bei Georgenhauſen. Die Dragonerpatrouillen
brachten bald nach 7 Uhr Nachrichten über den Marſch der
Roten, der von Groß=Bieberau begonnen hatte. Der
Führer von Blau hatte auf die Meldung ſeiner
Patrouil=
len hin angeordnet, daß die Front ſeiner Aufſtellung nach
Südweſt gerichtet wurde. Die Höhen des Brandenbergs
und des Mühlbergs geſtatteten der Artillerie günſtige
Po=
ſitionen. Oberſt v. Scherbening beſchloß, die Stellung der
Blauen auf Mühlberg und Brandenberg anzugreifen. Auf
dem linken Flügel ſollte das Füſilierregiment weit
aus=
holend vorſtoßen. Auf dem rechten Flügel von Blau
ſoll=
ten das 2. und 3. Bataillon der 81er in Gemeinſchaft mit
den Maſchinengewehren vorgehen, das 1. Bataillon der
8ler war zur Unterſtützung der 80er beſtimmt. Die
Pio=
niere verblieben als allgemeine Reſerve. Die
Maſchinen=
gewehre eröffneten bei Rot entſchloſſen den Angriff, als
die 80er im Tale erſchienen und ſich zu entwickeln
be=
gannen. Die Blauen traten dem Angriff mit einem
Gegen=
ſtoße entgegen. Lange Schützenſchwärme brachen aus der
Stellung vor die Maſchinengewehre folgten. Die Roten
gewannen, allerdings unter nahmhaften Verluſten,
lang=
ſam an Gelände. Sie näherten ſich, unterſtützt durch ſtarkes
Geſchützfeuer, immer mehr den Stellungen der Blauen.
In der Mittagsſtunde wurde abgeblaſen, gerade als
Rot zu einem nochmaligen Stoß Luft ſchnappte. Die
Truppen lagerten, aber der Leitende ließ bald zum
Ein=
rücken blaſen, da ein eiskalter Wind über Täler und
Höhen pfiff. Die Truppen rückten faſt alle in der
Rich=
tung mach Darmſtadt ab. Am letzten Tage wurde mit der
ganzen Diviſion gegen einen markierten Feind operiert.
Das 2. Bataillon der 88er, ſtarke Kavallerieabteilungen
und einige Batterien ſtellten den Feind dar.
* Darmſtadt ſtand am Freitag und Samstag im
Zeichen des Manöverſchluſſes. Die heimiſchen
Truppen kehren zurück und entlaſſen ihre Reſerviſten;
aber auch aus der Fremde waren ſeltene Gäſte eingekehrt.
Einquartierung war der Stadt beſchert worden,
wenigſtens dem weſtlichen Stadtteil. Den fremden
Trup=
pen wurde überall ein herzlicher Empfang.
Feuilleton.
C.K. Herrenloſes Geld. Daß es auch glücksgeſegnete
Menſchen gibt, bei denen trotz der teuren Zeiten ſelbſt
beim Gelde die Gemütlichkeit nicht aufhört, lehrt ein
Blick in die Jahresberichte einer Reihe unſerer größten
Banken und Induſtrieunternehmungen. In den
Bilan=
zen figurieren ganz achtbare Beträge als unerhobene
Gelder; die Beſitzer ſcheinen dieſe Beträge vergeſſen zu
haben. Bei der Deutſchen Bank z. B. beträgt, nach einer
Mitteilung der Wochenſchrift Plutus, die Summe der
einſtweilen herrenloſen Gelder über 32000 Mark, bei der
Dresdener Bank ſind es gegen 34000 Mark, bei dem
Schaaffhauſenſchen Bankverein und bei der Diskonto=
Geſellſchaft je 19000 Mark, bei der Harpener Bergbau=
Aktien=Geſellſchaft ſogar beinahe 60000 Mark. Weniger
ſorglos ſind die Aktionäre der Kommerz=Bank, die nur
gegen 9000 Mark unerhoben gelaſſen haben. Bei der
Mitteldeutſchen Kredit=Bank liegen etwa 8000 Mark
herrenloſer Gelder, bei der Rheiniſch=Weſtfäliſchen
Dis=
konto=Geſellſchaft gegen 10000 Mark und bei der AEG
mehr als 27000 Mark.
* Eine franzöſiſche Aneldote über die Kaßerin. Die
Autorité veröffentlicht folgende Anekdote, die,wenn ſie
zwar nicht wahr ſein wird, immerhin als
Charakteriſti=
kum wiedergegeben werden möge: „Als die deutſche
Kai=
ſerin ſich jüngſt in ihrem Schloſſe zu Urville bei Metz
auf=
hielt, lud ſie alle kleinen Schulmädchen des Dorfes zu ſich
ins Schloß ein. Eines von den Mädchen, das beſonders
klug ausſah, wurde von der Kaiſerin folgendermaßen
an=
geredet: „Wünſche dir etwas Kleine! Ich verſpreche dir,
deinen Wunſch zu erfüllen.” Alle Mädchen ſchwiegen
feierlich, nur das angeredete kleine Mädchen erwiderte
ruhig: „Ich wünſche mir, daß man uns geſtatte, in der
Schule Franzöſiſch zu lernen.‟ — Jetzt war die Kaiſerin
betroffen, aber ſie mußte ihr gegebenes Wort halten und
ſagte: „Dein Wunſch wird dir erfüllt werden, Kleine!
— Darauf knixte das kleine Mädchen freudeſtrahlend und
ſagte: „Danke ſchön, Frau Wilhelm!” Seit dieſem Tage
wird in den Schulen von Urville im Elſaß wöchentlich
drei Stunden franzöſiſcher Unterricht erteilt.
* Seegras=Suppe. Eine geſunde und nahrhafte
Suppe, hergeſtellt aus Seegras, wird, wie Miß Joſephine
E. Tilden, die den Lehrſtuhl für Botanik an der
Univer=
ſität von Minneſota in den Vereinigten Staaten
be=
kleidet, viel dazu beitragen, um das Problem der
Nahr=
ungsmittelverteuerung zu löſen. Miß Tilden iſt
kürz=
lich nach Auſtralien gefahren, um dort das Seegras und
andere Pflanzen zu ſtudieren. Vor ihrer Abfahrt hielt
ſie ſich in London auf und erklärte einem Preſſevertreter
ihre Theorie und wies auf die Vorteile hin, die der Genuß
von Seegras bietet. Das Gras würde nicht nur
Abwech=
ſelung in die Speiſekarte bringen, ſondern als
Nahr=
ungsmittel könnte es auch nicht von Truſts im Preiſe
künſtlich hochgetrieben werden. Tauſende von Tonnen
von Seegras, ſo führte die Miß aus, werden allwöchent=
lich an der kaliforniſchen Küſte angeſchwemmt. Das
gleiche kann man auch in anderen Teilen der Welt
be=
merken. Die einzigen Unkoſten würden das Einſammeln
des Graſes ſein, das dann getrocknet werden muß. Der
Okzident iſt weit hinter dem Orient in dieſem
Nahrungs=
zweige zurück. In Japan und China und bei vielen
anderen orientaliſchen Raſſen werden aus Seegras
ver=
ſchiedene wohlſchmeckende und geſunde Gerichte
angefer=
tigt. Die Nahrungsſtoffe, die man im Rindfleiſch und
allen Arten von Gemüſen findet, ſind auch im Seegras
enthalten.
ml. Was aus alten Zeitungen werden kann. Ganze
Schiffsladungen von alten europäiſchen Zeitungen gehen
alljährlich nach China und finden dort ſtets bereitwillige
Abnehmer. Allein im Hafen von Niuſchwang wurden
im Jahre 1911 gegen 2000 Tonnen alter Zeitungsblätter
aus England und anderen Ländern ausgeladen, für die
man etwa 300000 Mark bezahlte. Die Verwendung
die=
ſes Artikels im Reiche der Mitte iſt höchſt originell. Mit
den ſchönſten Blättern werden die Wände tapeziert; ein
Schmuck der Wohnung, der dem Chineſen viel beſſer
ge=
fällt, als ſein eigenes buntes Papier. Daneben dienen
die alten Zeitungen als — Unterkleidung, und ſehr viele
Chineſen tragen ſolche HHemden aus ſchwungvollen
Leitartikeln und feinſinnigen Feuilletons. Freilich iſt
auf dieſem Abſatzgebiet ſeit der Gründung der Republik
China der europäiſchen Preſſe eine ernſte Konkurrenz
er=
wachſen: das ſind die alten chineſiſchen Zeitungen!
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 23. September 1912.
Nummer 224.
Dritter deutſcher Kongreß für Säuglingspflege.
2. Tag.
St. Darmſtadt, 21. September.
Unter außerordentlich zahlreicher Teilnahme wurde
heute vormittag im Städtiſchen Saalbau der III.
Kon=
greß für Säuglingspflege durch den erſten Vorſitzenden,
Kgl. Kammerherrn Dr. v. Behr=Pinnow=Berlin,
eröffnet. Zur Teilnahme waren u. a. auch Ihre Königl.
Hoheit die Großherzogin, Fürſt Karl zu Solms=
Lich, ferner Finanzminiſter Braun Exz., Miniſter des
Innern von Hombergk zu Vach Exz. erſchienen.
Vertreter Ihrer Majeſtät der Kaiſerin iſt
Kammer=
herr Dr. v. Behr=Pinnow=Berlin, Vertreter Ihrer Kgl.
Hoheit der Großherzogin von Sachſen Frau
Miniſterial=
direktor Ebſen=Weimar und Anſtaltsarzt des
Sophien=
hauſes und Feodoraheimes Dr. Eberle=Weimar,
Ver=
treterin Ihrer Kgl. Hoheit der Herzogin von Sachſen=
Koburg und Gotha Frau Baronin v. Wangenheim=
Koburg. Weiter nehmen am Kongreß folgende Vertreter
teil: Reichsamt des Innern: Dr. Bumm, Wirklicher
Ge=
heimer Ober=Regierungsrat, Präſident des Kaiſerlichen
Geſundheitsamtes Berlin; Preußiſches Miniſterium des
Innern: Dr. Krohne, Wirklicher Geheimer Ober=
Regier=
ungsrat und Vortragender Rat im Miniſterium des
Innern, Berlin; Kgl. Bayer. Miniſterium des Innern:
Huber, Kgl. Ober=Regierungsrat im Miniſterium des
Innern, München; Kgl. Württemb. Miniſterium des
Innern: Dr. Walz, Ober=Medizinalrat, Stuttgart;
Großh. Bad. Miniſterium des Innern, Dr. Hauſer,
Ge=
heimer Ober=Medizinalrat, Karlsruhe; Großh.
Heſſi=
ſches Staatsminiſterium: v. Krug zu Nidda,
Geheimer Staatsrat, Dr. Neidhardt, Legationsrat;
Miniſterium des Innern, Abteilung für
Schulangelegen=
heiten: Süffert, Miniſterialrat, Geheimerat,
Darm=
ſtadt; Miniſterium des Innern, Abteilung für öffentliche
Geſundheitspflege: Dr. Hauſer, Geheimer
Medizinal=
rat, Dr. Balſer, Ober=Medizinalrat; Miniſterium der
Juſtiz: Beſt, Großh. Geheimerat; Miniſterium der
Finanzen: Dr. Braun, Exz., Großh. Miniſter der
Finanzen; Herzogl. Braunſchweigiſches
Staatsmini=
rium: Dr. von Holwede, Sanitätsrat, Braunſchweig:
Elſaß=Lothringiſche Landesverwaltung: Dr. Pawollek,
Geheimer Ober=Medizinalrat, Straßburg i. Elſ.; Freie
und Hanſeſtadt Lübeck, Medizinalamt: Dr. med. Pauli,
leitender Arzt des Lübecker Kinderhoſpitals und
Säug=
lingsfürſorgeſtellen=Arzt, Lübeck, ſowie endlich zahlreiche
Vertreter von Behörden, Organiſationen, Kommunal=
Verwaltungen des Reiches, aus Preußen, Bayern,
Sach=
ſen, Württemberg, Baden, Heſſen, Mecklenburg=Schwerin,
Sachſen=Altenburg, Elſaß=Lothringen und Hamburg.
Begrüßungsanſprachen.
Der Kongreß wurde durch eine Reihe
hervorragen=
der Männer begrüßt. Zunächſt entbot der Vorſitzende
den Erſchienenen herzlichſtes Willkomm. Nach einem
Rückblick auf die Erfolge und das Tätigkeitsgebiet des
Kongreſſes machte Redner Mitteilung von einem
Schrei=
ben Ihrer Majeſtät der Kaiſerin, in dem die hohe
Frau den Verhandlungen des Kongreſſes ſegenvollen
Er=
folg wünſcht und den Beſtrebungen ihres dauernden
Wohlwollens verſichert. Es wurde vorgeſchlagen und
beſchloſſen, in folgendem Telegramm an die
Kaiſe=
rin dem Dank des Kongreſſes Ausdruck zu geben: „Ew.
Maj. bitten die zum III. deutſchen Kongreß für
Säug=
lingsſchutz in Darmſtadt in großer Anzahl aus allen
Tei=
len Deutſchlands und unter außerordentlicher
Beteilig=
ung aus dem Großherzogtum Heſſen Verſammelten
alleruntertänigſten Huldigungsgruß in ehrfurchtsvoller
Dankbarkeit für das an dem Kongreß und ſeinen Arbeiten
bezeugte Allerhöchſte Intereſſe ſenden zu dürfen. Das
bedauerliche Steigen der Säuglingsſterblichkeit im
ver=
gangenen Jahre wird uns ein erneuter Anſporn ſein,
auf das eifrigſte, nicht nur an dem Ausbau der
Säug=
lings=, Kleinkinder= und Mutterfürſorge, ſondern auch
an der weitgehendſten Belehrung der Bevölkerung über
die Grundſätze richtiger Ernährung und Pflege der
kleinſten Kinderwelt zu arbeiten. Behr=Pinnow, Kongreß=
Vorſitzender.”
Weiter entbot der Vorſitzende Gruß und Willkomm
den Vertrerern der Staats= und wiſſenſchaftlichen
Be=
hörden. Seine Rede ſchloß mit einem dreifachen Hoch
auf Kaiſer und Kaiſerin und Großherzog und
Groß=
herzogin.
Danach begrüßte der Präſident des
Reichsgeſund=
heitsamts, Wirkl. Geh. Ober=Regierungsrat Dr.
Bumm, den Kongreß, und verbreitete ſich ſehr
ein=
gehend über die brennenden Fragen des
Geburten=
rückgangs, deſſen gefahrbringenden Folgen die
Be=
kämpfung der Säuglingsſterblichkeit entgegengeſtellt
wer=
den muß. Ueberall im Deutſchen Reich hat dieſe
Tätig=
keit mit Erfolg eingeſetzt: Ganz beſonders in Heſſen unter
der erfolgreichen Tätigkeit Sr. Exz. des Finanzminiſters
Braun und Sr. Exz. des Herrn Miniſters des Innern
von Hombergk zu Vach, ſind die Erfolge der
Fürſorge=
tätigkeit merkbar durch den Rückgang der
Säuglings=
ſterblichkeit. Heſſen ſteht dadurch an der Spitze
ſämt=
licher Bundesſtaaten. Allerdings ſtehe die ganze
Be=
wegung noch in den Anfängen und bis zu einer
allge=
meinen Durchführung ſei der Weg noch weit. Das
Ver=
ſtändnis für die Fürſorge iſt noch keineswegs genügend
gefeſtigt. Ein wirklicher Säuglingsſchutz kann
niemals vom Mutterſchutz getrennt werden.
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach:
Im Allerhöchſten Auftrag Ihrer Königlichen Hoheit der
Großherzogin habe ich die Ehre, den III. Deutſchen
Kon=
greß für Säulingsfürſorge zu begrüßen und der Freude
darüber Ausdruck zu verleihen, daß die Deutſche
Ver=
einigung für Säuglingsſchutz Darmſtadt zum Ort ihrer
Tagung auserſehen hat. Auch im Namen der Großh.
Staatsregierung und der Heſſiſchen Zentrale für
Säug=
lingsfürſorge heiße ich Sie alle, die Sie ſich zu dem
Kon=
greß hier zuſammengefunden haben, herzlich
willkom=
men, und danke ich auch im Namen der übrigen hier
ver=
tretenen Bundesregierungen und Landeszentralen dem
Herrn Präſidenten für die freundlichen Worte der
Be=
grüßung. Bekanntlich ſteht bei uns in Heſſen die
Re=
gieruna mit dem Säuglingsſchutz in beſonders enger
Verbindung, iſt doch ſatzungsgemäß der jeweilige
Mini=
ſter des Innern kraft ſeines Amtes Vorſitzender der
Landeszentrale. Es ſollte dadurch zum Ausdruck
ge=
bracht werden, wie auch dieſer Zweig der
Volkswirt=
ſchaftspflege als Gegenſtand unmittelbarer ſtaatlicher
Fürſorge anzuſehen iſt. Bei dem unleugbaren
Geburten=
rückgang, wie er ſich leider auch in unſerem deutſchen
Vaterlande bemerkbar macht, einer Erſcheinung, der nur
ſchwer wird entgegengewirkt werden können, gewinnen
die Maßnahmen, die auf eine Herabminderung der
Säuglingsſterblichkeit und auf Geſunderhaltung der
Ge=
borenen gerichtet ſind, auch vom nationalen und
volks=
wirtſchaftlichen Standpunkt aus eine erhöhte Bedeutung.
Die Staatsregierung verfolgt darum alle dieſe Verhand=
lungen und Einrichtungen, mögen ſie von Privaten oder
von Gemeinden ausgehen, mit beſonderer
Aufmerkſam=
keit und ſorgt für deren geeignete Zuſammenfaſſung und
praktiſche Verwertung durch die Zentrale, der es in den
drei Jahren ihres Beſtehens gelungen iſt, die
Organiſa=
tion der Säuglings= und Mutterfürſorge über das ganze
Land auszudehnen. Dies Ziel wurde erreicht durch die
Bildung von Zweigſtellen, die mit den Kreiſen
zu=
ſammenfallen und bei denen alle an dieſem Gebiete
inter=
eſſierten Vereine, Körperſchaften, amtliche Stellen und
Perſonen zu gemeinſamer Arbeit beteiligt ſind. 45
Be=
ratungsſtellen ſind von der Zentrale eingerichtet in den
Städten und in den größeren Landgemeinden.
Außer=
dem beſtehen noch 7 weitere Beratungsſtellen, die in
eng=
ſter Verbindung mit der Zentrale arbeiten. Die
vor=
nehmſte Aufgabe aller dieſer Stellen beſteht darin, das
Verſtändnis für eine richtige Säuglingspflege und
Säug=
lingsfürſorge in die weiteſten Kreiſe hineinzutragen und
die Mutter immer wieder an die Notwendigkeit der
natürlichen Ernährung ihrer Kinder durch Selbſtſtillen
zu ermahnen. In den kleineren Gemeinden, d. h. in
denen unter 3000 Einwohnern, geſchieht die Arbeit durch
Wanderkurſe der regelmäßig auch die kleineren Orte
be=
ſuchenden Kreispflegerinnen und durch die Tätigkeit der
Vertrauensperſonen, d. ſ. wohlunterrichtete, im regen
Anſchluß an die Zentrale arbeitenden Frauen, wenn
mög=
lich Schweſtern. Die Kreispflegerin hat bei vollſtändig
durchgeführter Organiſation die geſamte
Säuglings=
fürſorge eines Kreiſes oder eines kleineren Bezirkes zu
bearbeiten. In größeren Kreiſen oder beſonders
ge=
fährdeten Bezirken iſt der Kreispflegerin noch eine
Für=
ſorgeſchweſter beigegeben. Durch die gemeinſame
hin=
gebende Arbeit der Kreispflegerinnen und Schweſtern,
durch das gedeihliche Zuſammenwirken der ſtaatlichen
und Gemeindebehörden mit den Aerzten und Privaten
iſt es möglich geweſen, auf dem Gebiete der
Säuglings=
fürſorge erfreuliche Fortſchritte zu machen und die
Säug=
lingsſterblichkeit noch weiter herabzudrücken. Wenn wir
aus der Statiſtik erſehen, wie die durchſchnittliche
Sterb=
lichkeitsziffer in den letzten Jahren konſtant
zurück=
gegangen iſt und wie ſie auch ſelbſt in dem äußerſt
kriti=
ſchen Jahre 1911 im ganzen Großherzogtum die
Durch=
ſchnittsziffer der Jahre 1906—1910, d. ſ. 12,9 Prozent,
nicht überſchritten, in vielen und zwar auch in beſonders
gefährdeten Gemeinden ſogar einen weiteren Rückgang
aufgewieſen hat, während andererſeits ſich die
Säug=
lingsſterblichkeit in dieſem Jahre in manchen Gebieten
Deutſchlands verdoppelt hat, dann ermutigt dieſe
Wahr=
nehmung allein ſchon, auf dem betretenen Wege
fortzu=
ſchreiten. Wir dürfen uns dabei nicht verhehlen, daß alle
die Maßnahmen nur einen Anfang der Fürſorgearbeit
auf dem Gebiete des Mutter= und Säuglingsſchutzes
bilden. Eine intenſive Pflegekinderaufſicht in den erſten
LLebensjahren im engſten Anſchluß an die
Beratungs=
ſtellen, der Ausbau der Berufsvormundſchaft und die
Zuſammenarbeit derſelben mit den Beratungsſtellen,
ſo=
wie endlich die Verwertung der auf dem Gebiete, der
Mutter= und Säuglingsfürſorge ſo hochwichtigen neuen
Vorſchriften der Reichsverſicherungs=Ordnung über
Wochenhilfe und Stillgelder ſind weitere Aufgaben, die
baldigſter Löſung entgegenzuführen ſind. Auch die
Ver=
handlungen des heutigen Kongreſſes werden, des bin
ich gewiß, neue wertvolle Anregungen geben, die die
Ziele des Säuglingsſchutzes fördern zum Beſten unſeres
deutſchen Vaterlandes. In dieſem Sinne wünſche ich
den Verhandlungen beſten Erfolg! (Lebh. Beifall.)
Herr Bürgermeiſter Mueller führte etwa
folgen=
des aus: Der Herr Oberbürgermeiſter bedauert auf das
lebhafteſte, daß eine unaufſchiebbare Reiſe ihn genötigt
hat, in dieſen Tagen von Darmſtadt fern zu ſein. In ſeinem
Namen und im Namen der Stadt Darmſtadt erlaube ich
mir, den III. Deutſchen Kongreß für Säuglingsfürſorge
aufs herzlichſte willkommen zu heißen. Ich verknüpfe
damit den aufrichtigen Dank dafür, daß Sie uns die
Ehre Ihrer Tagung erwieſen haben, einen Dank, dem
ich um ſo lieber Ausdruck gebe, als ich wohl nicht
fehl=
gehe in der Annahme, daß Ihr Beſuch als eine
Anerken=
nung der nicht nur im Großherzogtum Heſſen, ſondern
im beſonderen auch in Darmſtadt ſelbſt ſeither
geleiſte=
ten Arbeit angeſehen werden darf. In der Wahl einer
Stadt als Kongreßort liegt ja bekanntlich nicht immer
eine Anerkennung ſolcher Art. Bei den Verhandlungen
darüber pflegen ſich zwei Meinungen gegenüder zu
ſtehen, die einen wollen die Stadt T in Ausſicht
genom=
men wiſſen, weil ſie auf dem betreffenden Gebiete
be=
ſonders Tüchtiges, die anderen die Stadt Y, weil ſie
noch nichts geleiſtet hat. Beide Meinungen haben ihre
Berechtigung. F wird belohnt und zu neuen Taten
ange=
ſpornt, nach Y wird die Propaganda hineingetragen.
Nun, meine Damen und Herren, wir in Darmſtadt
dürfen uns mit gutem Gewiſſen ſagen, daß es keiner
be=
ſonderen Propaganda mehr bedarf, um uns für unſere
Arbeit an den jungen Volksgenoſſen zu intereſſieren.
Die=
ſes Intereſſe iſt uns allen in Fleiſch und Blut
über=
gegangen. Gerade darum aber wiſſen wir auch den
außerordentlichen Wert einer Darmſtädter Tagung
rich=
tig einzuſchätzen. Je intenſiver man ſich mit den Fragen
der Säuglingsfürſorge beſchäftigt, deſto mehr macht ſich
das Bedürfnis geltend, ſich über die zu löſenden
Auf=
gaben auszuſprechen, Erfahrungen auszutauſchen, an
gemeinſamen Rückblicken zu lernen und gemeinſame
Aus=
blicke zu tun. Wenn wir uns heute die Tatſache
ver=
gegenwärtigen, daß das Gebiet, um das es ſich hier
han=
delt, noch vor gar nicht langer Zeit eine gänzlich
unter=
geordnete Rolle geſpielt hat, ſo fehlt uns dafür in der
Tat das Verſtändnis. Es iſt auch nicht zu begreifen,
wie man mit ſehenden Augen an den Wurzeln alles
Uebels vorübergegangen iſt, wie man ſo lange
Hundert=
tauſende, ja Millionen für Kranke, Sieche und Krüppel
ausgeben konnte, ohne ſich einmal in großem Maßſtab
mit der Grundfrage zu befaſſen, ob denn dieſes
Maſſen=
elend nicht verhindert, ihm nicht vorgebeugt werden kann.
Unverſtändlich iſt uns auch heute, wie man den
augenfälli=
gen Wert der Vorbeugearbeit, als ſie endlich großzügig
ein=
ſſetzte, zunächſt gar nicht erkannte, falſch aufzufaſſen ſchien.
Ja, jetzt noch haben die Pioniere unſerer Arbeit vielfach
mit Vorurteilen aller Art zu kämpfen.
Der Säugling gilt als komiſche Figur, man amüſiert
ſich darüber, daß ernſte Männer ſich mit ſeinen kleinen
Schmerzen befaſſen. Immerhin kann dieſes Stadium in
der Hauptſache als überwunden gelten. Wir ſehen in
dem neugeborenen Kinde den Menſchen, der ein Recht auf
Leben hat und auf Geſundheit, der in dem künftigen
Mann und Weib unſer Volk repräſentiert. Möge der
Kongreß, dem das große Verdienſt gebührt, hier
Bahn=
brecher der Vernunft und der Wahrheit geworden zu
ſein, auch auf ſeiner Darmſtädter Tagung wieder ein
gutes Stück voranſchreiten zum Segen unſerer
Volks=
kraft. Das iſt der herzliche Wunſch, mit dem die Stadt
Darmſtadt Ihre Beratungen begleitet.
Sanitätsrat Dr. Habicht=Darmſtadt entbot
namens des Heſſiſchen ärztlichen Landesvereins und des
ärztlichen Kreisvereins Darmſtadt dem Kongreß Gruß
und Willkommen und ſprach nach einem Ueberblick über
die Tätigkeit der Großh. Zentrale ufw. die Hoffnung
aus, daß die Verhandlungen des Kongreſſes von Segen
ſein mögen für die jungen Menſchenkinder und damit
für das ganze deutſche Volk.
Geheimrat v. Behr=Pinnow widmete dann
einen warmen Nachruf dem verſtorbenen Arzt und
Menſchenfreund Dr. Hugo Neumann=Berlin,
zu deſſen Gedenken ſich die Anweſenden von ihren Sitzen
erheben.
Nach einigen geſchäftlichen Mitteilungen wird in die
Verhandlungen eingetreten. Erſter Referent iſt
Profeſſor Dr. Langſtein=Berlin, der zu dem Thema:
Einheitliche Organiſation der
Aus=
bildung von Säuglingspflegerinnen
ſpricht. Der Vortrag gipfelt etwa in folgendem: Die
Ausbildung von Säuglingspflegerinnen iſt nicht
einheit=
lich organiſiert. Um der Zerſplitterung auf dieſem
wich=
tigen, durch die zunehmende Bedeutung der
Säuglings=
fürſorge und Vermehrung der Heime immer wichtiger
werdenden Gebiete zu ſteuern, damit die Sache zu
för=
dern und den die Sache tragenden Stand der
Säuglings=
pflegerin zu heben, hat das Kaiſerin Auguſte Viktoria=
Haus zur Bekämpfung der Säuglingsſterblichkeit im
Deutſchen Reiche die Anregung gegeben, die
Ausbild=
ung der Säuglingspflegerinnen in Deutſchland
einheit=
lich zu organiſieren. In einer zu dieſem Zwecke
einbe=
rufenen Verſammlung wurde vor allem die
Notwendig=
keit der Scheidung in der Art und Dauer der Ausbildung
von ſolchen Perſönlichkeiten, die ſich der
Säuglings=
krankenpflege inkl. der offenen Fürſorge und ſolcher, die
ſich der Familienpflege widmen, betont. Zur Beratung
einer Reihe weiterer wichtiger Punkte wurde eine
Kom=
miſſion eingeſetzt. Bezüglich der Beſchlüſſe dieſer
Kom=
miſſion für die Ausbildung der Familienpflegerin iſt
fol=
gendes zu bemerken: Es beſteht in erſter Linie die
Not=
wendigkeit, einfach vorgebildete Mädchen zu
Säuglings=
pflegerinnen auszubilden. Dafür ſpricht die
Bedürfnis=
frage und die Tatſache, daß eine einheitliche
Organiſa=
tion der Ausbildung um ſo leichter durchführbar ſein
dürfte, je einfacher ſie geſtaltet wird, je geringer die
An=
zahl der verſchiedenen Arten von Pflegerinnen iſt.
Trotz=
dem dürfte es darüber hinaus notwendig ſein, daß
wenigſtens einige deutſche Anſtalten auch gehobene
Säug=
lingspflegerinnen für die Familie ausbilden, um
fremd=
ländiſchen, durch die Sache an und für ſich nicht
berechtig=
ten Einfluß auszuſchalten. Bezüglich der Ausbildung
einfacher Säuglingspflegerinnen für die Familien ſeien
vorläufig folgende Vorſchläge gemacht: Die Altersgrenze
ſoll zwiſchen 18 und 30 Jahren mit einer gewiſſen
Libe=
ralität nach obenhin liegen. Nicht eine höhere oder
min=
dere Schulbildung ſoll ausſchlaggebend ſein für die
Zu=
laſſung zu dem Beruf, ſondern der Grad der Intelligenz,
bezüglich derſelben man ſich in einem Probemonat ſehr
wohl ein richtiges Urteil bilden kann. Nur wirklich
ge=
ſunde Perſönlichkeiten dürfen zu dem Beruf zugelaſſen
werden. Durch wiederholte eingehende ärztliche
Unter=
ſuchung feſtzuſtellende abſolute Geſundheit ſei
Vorbeding=
ung, ob ein Mädchen als Pflegerin zugelaſſen werden
ſoll oder nicht. Den Pflegerinnen muß das Gewiſſen
da=
für geſchärft werden, welche Verantwortung auf ihnen
bezüglich der Uebertragung von Krankheiten auf die
ihnen anvertrauten Kinder laſtet. Die Ausbildungsdauer
ſoll auf ein halbes Jahr feſtgeſetzt werden. Außer der
Pflege des geſunden Kindes ſoll die Kinderpflegerin
wo=
möglich noch Wochenpflege, die Grundzüge der Hygiene
des älteren Kindes und der Krankenpflege erlernen. Der
Unterricht ſoll ein praktiſcher und theoretiſcher ſein.
We=
gen der Kürze der Ausbildungszeit, die aus materiellen
Gründen notwendig iſt, muß die Ausbildung um ſo mehr
in die Tiefe gehen, die Kontinuität der Beobachtung muß
das erſetzen, was durch die Kürze der Ausbildungszeit
mangelhaft iſt. Deswegen eignen ſich als
Ausbildungs=
ſtätten nur mit allen Einrichtungen verſehene Anſtalten,
Säuglingsheime, Säuglingskrankenhäuſer, Tag= und
Nachtkrippen, nicht hingegen die Tagkrippen. Mit
Rück=
ſicht auf einen gewiſſen Mangel an ſolchen Anſtalten in
Deutſchland empfiehlt es ſich, Säuglingskrankenhäuſern
und Säuglingsheimen Pflegeſchulen anzugliedern. Für
die Pflegerin ſoll durch ein Diplom ein Schutz geſchaffen
werden; das Diplom ſoll auf Grund der Ablegung eines
Examens ausgeſtellt werden. Der Staat kann geſchloſſene
Anſtalten, welche unter Leitung eines Kinderarztes ſtehen,
und beſtimmten Bedingungen entſprechen, die Befugnis
erteilen, ein Zeugnis auszuſtellen. Das Zeugnis ſoll
widerruflich ſein; die Pflegerinnen ſollen ſich von 3 zu
B Jahren einer Nachprüfung unterziehen.
Die Schaffung eines einheitlichen
Säuglingspflege=
lehrbuches muß als ſehr wünſchenswert, aber zurzeit noch
als verfrüht bezeichnet werden.
Korreferent iſt Profeſſor Ibrahim=München, der
über Säuglings kranken pflegerinnen ſpricht; er ſtellt
folgende Leitſätze auf:
1. Säuglingskrankenpflegerinnen werden überall da
benötigt, wo Säuglinge und Kinder der erſten
Lebens=
jahre in größerer Zahl ſtationär verpflegt oder überwacht
werden, alſo nicht nur in Säuglingsanſtalten und
Kinder=
ſpitälern, ſondern auch in Krippenanſtalten und auf
Kin=
derabteilungen in allgemeinen Krankenhäuſern,
chirurgi=
ſchen Stationen uſw. — Ein beſonderes und wichtiges
Arbeitsgebiet der Säuglingskrankenpflegerinnen iſt die
Tätigkeit als Fürſorgeſchweſter in der offenen
Säug=
lingsfürſorge.
2. Die Säuglingskrankenpflegerin bedarf einer
gründlicheren Ausbildung als die einfache
Säuglings=
pflegerin und einer ſpezielleren Ausbildung als die
Kran=
kenpflegerin im allgemeinen. Es iſt zu verlangen, daß
ſie in allgemeiner Krankenpflege ausgebildet iſt, und daß
ſie das ſtaatliche Krankenpflege=Examen abgelegt hat. Die
Ausbildungsdauer ſoll ſich auf zwei Jahre erſtrecken,
von denen mindeſtens ein Jahr der ſpeziellen
Ausbild=
ung in der Säuglings= und Kleinkinderpflege gewidmet
ſein muß.
3. Die Ausbildung in der allgemeinen
Kranken=
pflege muß bis jetzt in einem allgemeinen Krankenhaus
erworben werden. Es wäre zu erſtreben, daß auch
moderne Kinderkrankenhäuſer, ſoweit ſie über die
geeig=
neten Ausbildungsmöglichkeiten verfügen, hierzu
auto=
riſiert werden. Anſtalten, in denen lediglich Säuglinge
und kleine Kinder verpflegt werden, ſind hierfür nicht
ge=
eignet.
4. Ueber den Gang der Ausbildung im einzelnen
laſſen ſich keine feſten Regeln aufſtellen. Verſchiedene
Wege ſind gangbar. Für die Säuglingskrankenpflegerin
wird im allgemeinen höhere Mädchenſchulbildung als
er=
forderlich bezeichnet; das kann aber keineswegs als
un=
erläßliche Vorbedingung aufgeſtellt werden, ſchon aus
dem Grunde, weil es den Inhaberinnen des Diploms für
allaemeine Krankenpflege möglich gemacht ſein muß, auch
Nummer 224.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 23. September 1912.
Seite 5.
das Examen als Säuglingskrankenpflegerin abzulegen;
für die ſtaatliche Prüfung in allgemeiner Krankenpflege
iſt aber nur der Nachweis einer erfolgreich zum Abſchluß
gebrachten Volksſchulbildung vorgeſchrieben. Den
ein=
zelnen Anſtalten wird bei der Feſtſetzung ihrer
Aufnahme=
bedingungen hier freie Hand gelaſſen werden müſſen.
5. Eine dringende und für die Durchführung
ein=
heitliche Ausbildung in der Säuglingskrankenpflege
un=
erläßliche Forderung iſt die Einführung eines ſtaatlichen
Diploms für die Säuglingskrankenpflegerin. Das
Zeug=
nis müßte durch Ablegung einer Prüfung an beſtimmten
öffentlich zugelaſſenen Anſtalten erworben werden.
Welche Anforderungen an eine Anſtalt geſtellt werden
müſſen, die zur Ausbildung in der
Säuglingskranken=
pflege zugelaſſen werden ſoll, wird Gegenſtand
beſon=
derer Beratungen ſein müſſen. — Bei dem Antrag an
die Staatsregierung muß beſonders hervorgehoben
wer=
den, daß die Uebergangsbeſtimmungen, welche zurzeit für
die allgemeinen Krankenpflegerinnen getroffen wurden,
bei der Einführung des Diploms für
Säuglingskranken=
pflegerinnen nicht zur Anwendung kommen dürfen.
Den Vorträgen folgte eine ausgedehnte
Diskuſſion.
Frau Oberin Irmgard Zipperling= Stuttgart
ſprach über Ausbildung und Erziehung der Schweſtern
nach den in Stuttgart gemachten Erfahrungen. Profeſſor
Salge=Freiburg begrüßt die von den Referenten
ge=
gebenen Anregungen und fordert die Einbeziehung der
Kinderheilpflege in die Examensfragen für Studenten
der Medizin. Herr Dr. med. Hoffa=Barmen fordert
für die Säuglingspflegerinnen höhere Schulbildung. Dr.
Boehm=Frankfurt wünſcht die Einrichtung möglichſt
vieler Anſtalten zur Ausbildung von Pflegerinnen.
Pro=
feſſor Siegert=Köln macht unter lebhaftem Beifall
einige Reformvorſchläge für die Ausbildung der
Pflege=
rinnen. Er verurteilt die Einteilung der Wärterinnen
in ſolche erſter und zweiter Klaſſe und fordert für alle
unſere Töchter ein halbes Jahr freiwilligen, nicht
mili=
täriſchen Dienſtes, um ſie für ihren Beruf als Mutter
vorzubereiten. Man dürfe nicht die höhere Schulbildung
maßgebend ſein laſſen, die noch niemals Intelligenz
ver=
liehen habe, ſondern die perſönliche Tüchtigkeit.
Sanitäts=
rat Dr. Sonnenberger=Worms warnt vor der
An=
ſtellung kranker, ſpeziell tuberkulöſer Pflegerinnen. Es
ſprechen noch die Herren Dr. Pauli= Lübeck, Dr.
Groſſe=Leipzig, Dr. Wür tz=Schaumburg, Dr.
Blu=
menfeld=Kaſſel und Frau Gottſchalk=
Sprendlin=
gen, die vorſchlägt, ſtaatlicherſeits ein Jahr der
Ausbild=
ung in Kinderpflege uſw. für jede werdende Frau
zwangs=
weiſe einzuführen. — Nach einem Schlußwort der
Re=
ferenten ſchloß die Diskuſſion.
Nach 1¼ Uhr wurden die Verhandlungen fortgeſetzt.
Den Vorſitz führte nachmittags Geh. Rat Lingner Exz.
Ueber
„Säuglingspflege als Lehrgegenſtand in
den Unterrichtsanſtalten für die
weib=
liche Jugend‟
ſpricht Dr. Roſenhaupt=Frankfurt: Die
notwendi=
igen Kenntniſſe der Säuglingspflege zu vermitteln, iſt
eine Aufgabe der Geſamtheit, in deren Intereſſe die
Ver=
meidung nutzloſen Strebens und dauernder
Minderwer=
tigkeit liegt. Die Fortbildungsſchule allein kann dieſe
Aufgabe nicht erfüllen, da ihr, auch wenn ſie obligatoriſch
würde, doch nicht die Geſamtheit der weiblichen Jugend
zugeführt werden könnte, und da ihr Unterricht bei dem
vielfach häufigen Wechſel der Arbeits= und Wohnſtätte
die Nachteile des mangelnden Zuſammenhanges zeigen
muß. Es muß daher die Säuglingspflege in den
Lehrplan des allgemeinen
Schulunter=
lrichts aufgenommen werden, damit der Stoff der
ge=
ſamten weiblichen Jugend vertraut und ſchon frühzeitig
ihrem Intereſſe näher gebracht wird. Die Mädchenſchule
gibt ſchon jetzt außer theoretiſcher Bildung Vorbereitung
für die praktiſche Bildung der Hausfrau in der
Nadel=
arbeit. Es wird daher mit der Säuglingspflege nichts
grundſätzlich Neues in die Schule getragen, ſondern das
Lernen für das Leben im Stoffgebiet erweitert.
In der Volksſchule ſind ſchon jetzt
Anknüpfungs=
punkte für den Unterricht vorhanden. Der theoretiſche
Teil iſt in der zu dem naturwiſſenſchaftlichen Unterricht
gehörenden Geſundheitslehre zu behandeln; der praktiſche
läßt ſich mit dem hauswirtſchaftlichen Unterricht
verbin=
den. Die Geſundheitslehre, in der die theoretiſche
Unter=
weiſung zu geben iſt, muß ſpäteſtens in der vorletzten
Klaſſe (bei achtſtufigen Anſtalten) unterrichtet werden,
da=
mit möglichſt alle Schülerinnen daran teilnehmen. In
der oberſten Klaſſe würde er nur einem Teile der aus
der Schule zu entlaſſenden Mädchen zugute kommen, da
bekanntlich ein ſehr erheblicher Teil das Schulziel nicht
erreicht. Der Unterricht könnte in den Großſtädten durch
Aerzte erteilt werden; will man jedoch das
Fachlehr=
ſyſtem nicht in die Volksſchule tragen, ſo kann er auch
dort den Lehrern und Lehrerinnen übertragen werden;
auf dem Lande und in der Kleinſtadt müßte dies ſowieſo
der Fall ſein. Um dies zu ermöglichen, müßten wohl die
Lehrbücher entſprechend ergänzt, als auch die Ausbildung
der Lehrperſonen entſprechend erweitert werden. Die
Schulen ſſind mit Anſchauungsmaterial zu verſehen, das
zum größten Teile noch zu ſchaffen wäre.
Der praktiſche Unterricht kann in der Haushaltungskunde
erledigt werden. Vorausſetzung dafür iſt jedoch eine
ent=
ſprechende „Erweiterung der Ausbildung des
Lehrperſo=
nals. Wo Haushaltungsunterricht nicht erteilt wird,
kommen Kurſe durch Wanderlehrerinnen (
Säuglingspfle=
gerinnen, Kreisfürſorgerinnen) in Betracht. Die höhere
Mädchenſchule und auch ihr gymnaſialer Aufbau iſt
eine Anſtalt mit Fachlehrſyſtem; daher gehört die
Geſund=
heitslehre und auch der theoretiſche Unterricht in der
Säuglingspflege in die Hände des Fachmannes, des
Arztes. Die praktiſche Unterweiſung kann hier in kurzem
Ergänzungs= bezw. Sonderkurs erfolgen. Auch auf die
ſoziale Fürſorge für den Säugling muß an geeigneter
Stelle hingewieſen und frühzeitig zur Erfüllung der hier
vorhandenen ſozialen Pflichten der Frau als
Arbeitgebe=
rin erzogen werden. Die Frauenſchule iſt ihrer
Entſtehung nach die Fortſetzung der höheren
Mädchen=
ſchule und betont in ihren Zielen vornehmlich die
Heran=
bildung zur Hausfrau. Die auf der höheren
Mädchen=
ſchule gegebenen Anregungen ſind zu vertiefen. Der
Un=
terricht in Geſundheitslehre und Kinderpflege gehört hier
unter allen Umſtänden dem Arzte. Die praktiſche
Aus=
bildung muß auch unter ſeiner Leitung in Gemeinſchaft
mit dem ärztlichen Hilfsperſonal (Schweſtern,
Fürſorge=
rinnen, Kinderpflegerinnen) in den der Fürſorge für den
geſunden Säugling gewidmeten Anſtalten in weiteſtem
Maße erfolgen (Beratungsſtellen, Krippen und Heime).
Die Aufnahme der Säuglingspflege in’die
Lehr=
gegenſtände der Schule kann nicht in kurzer Zeit ſchon ihre
Erfolge zeitigen. Sie ſoll nur den Boden vorbereiten für
die Belehrung, die ſpäter der jungen Mutter durch die
Organe der Säuglingsfürſorge gegeben werden ſoll.
Korreferent Geh. Rat Gürtler=Berlin ſtellte
fol=
gende Leitſätze auf:
1. Die allgemeine Verbreitung von Kenntniſſen der
Säuglingspflege wird weſentlich gefördert, wenn in den
Unterrichtsanſtalten für die weibliche Jugend
Belehrun=
gen auf dieſem Gebiete gegeben werden. 2. Da der
Zwang zum Beſuche vorläufig nur bei den Volks=,
Mit=
tel= und höheren Mädchenſchulen oder Lyceen, nicht aber
bei den Fortbildungs=, Haushaltungs= oder anderen
Fach=
ſchulen und Oberlyceen vorhanden iſt, muß die
Säug=
lingspflege in den erſteren Anſtalten gelehrt werden. Bei
den höheren Mädchenſchulen oder Lyceen iſt darauf nur
ſo lange zu verzichten, als noch Ausſicht vorhanden iſt,
daß ſich die überwiegende Mehrheit der Abſolventinnen
zum Beſuche der Oberlyceen entſchließt. 3. Zur
Befeſtig=
ung und Vertiefung des Gelernten muß die
Säuglings=
pflege auch in die Lehrpläne der Fortbildungs=,
Haus=
haltungs= oder anderen Fachſchulen oder Oberlyceen
auf=
genommen werden. 4. Der Unterrichtsſtoff iſt dem Alter
der Mädchen anzupaſſen. Bei den Volks=, Mittel= und
höheren Mädchenſchulen kann er ſich nur auf die
Ueber=
mittelung der Grundregeln erſtrecken, iſt aber bis zu
einem gewiſſen Abſchluſſe zu bringen. Bei den übrigen
Anſtalten iſt auch auf den Zuſammenhang der
Maßnah=
men und auf Urſache und Wirkung bei den einzelnen
Vor=
gängen einzugehen. 5. Es kann nicht verlangt werden,
die Säuglingspflege als beſonderen
Unterrichtsgegen=
ſtand in die Lehrpläne bei allen Anſtalten, namentlich
nicht bei den Volks=, Mittel= und höheren Mädchenſchulen,
aufzunehmen. Der Unterrichtsſtoff iſt vielmehr nach
zweckmäßiger Gliederung bei bereits vorhandenen
Un=
terrichtsfächern zu berückſichtigen. 6. Für dieſe
Berück=
ſichtigung kommen vorwiegend die hauswirtſchaftlichen
Fächer in Frage, zum Beiſpiel Nadelarbeiten hinſichtlich
der Anfertigung der Bekleidungsgegenſtände, Kochen und
Nahrungsmittellehre hinſichtlich der Belehrungen über
zweckmäßige Nahrung und ihre verſtändige Zubereitung
und Geſundheitslehre hinſichtlich der Anweiſungen über
Wartung und Pflege der Säuglinge. 7. Der
hauswirt=
ſchaftliche Unterricht muß bei den
Pflichtfortbildungs=
ſchulen für die gelernten Arbeiterinnen mindeſtens ein
Viertel, bei denen für die ungelernten Arbeiterinnen den
größten Teil der zur Verfügung ſtehenden
Unterrichts=
ſtunden umfaſſen. 8. Neben der Schulung der Aerzte für
den ſpeziellen Unterricht in der Säuglingspflege darf der
Verſuch nicht unterlaſſen werden, hierfür auch die
Lehre=
rinnen der hauswirtſchaftlichen Fächer durch theoretiſche
und praktiſche Unterweiſungen zu befähigen. 9. Bei
Neu=
bauten für Mädchenſchulen jeder Art ſind überall von
vornherein nicht allein Räume für den
hauswirtſchaft=
lichen Unterricht, ſondern auch für die Unterbringung
von Kindergärten und Krippen vorzuſehen.
In der
Diskuſſion
fordert Profeſſor Dr. Göppert=Göttingen Einrichtung
von Kurſen für Paſtoren= und Lehrersfrauen auf dem
Lande und in kleineren Städten. Dieſe Damen ſollten
dann belehrend auf die Bevölkerung wirken. Profeſſor
Hoffa=Barmen fordert Berechtigung der
Frauenſchu=
len zur Ausſtellung von Zeugniſſen. Frau Profeſſor
Schroter=München referiert ſehr intereſſant über die
Münchener Einrichtungen. Dort iſt die Säuglingspflege
ſchon vielfach in den Lehrplan einbezogen. Weiter
ſpre=
chen noch Dr. Blumenfeld=Kaſſel, Dr. Vigener=
Wiesbaden.
Schweſter von Below, Wanderlehrerin der Großh.
Zentrale für S. u. M. in Heſſen, berichtet über
Er=
fahrungen in dieſer Tätigkeit und wünſcht beſonders, daß
man das Spielen mit Puppen intenſiver fördert, auch in
den Schulen. An das Spiel mit der Puppe ſoll der Ernſt
des Lebens ſich dann anſchließen. Dann folgten
Schluß=
worte der Referenten. Hierauf wurde die Sitzung für
Samstag geſchloſſen.
Abends vereinte die Feſtvorſtellung in dem
Großh. Hoftheater die Teilnehmer aufs neue. Es
wurde als Premiere Moliéres Komödie „George
Dandin” gegeben.
3. Tag.
Am Sonntag früh 10 Uhr wurden die
Verhand=
lungen im Städtiſchen Saalbau unter gleich zahlreicher
Beteiligung fortgeſetzt. Auch Ihre Kgl. Hoheit die Frau
Großherzogin mit Gefolge, ſowie Miniſter des
Innern von Hombergk zu Vach und Finanzminiſter
Dr. Braun erſchienen.
Der Vorſitzende verlas zunächſt folgendes
Ant=
worttelegramm der Kaiſerin: Ich danke ſehr
für das Telegramm des in Darmſtadt tagenden dritten
deutſchen Kongreſſes für Säuglingsſchutz und wünſche den
Beratungen über die zweckmäßigſten Mittel und Wege
den dem erſten Lebensalter drohenden
Geſundheitsſchidi=
gungen entgegenzuwirken, recht günſtige Erfolge. Viktoria.
Dann wurde in die Tagesordnung eingetreten.
Als erſter Redner ſprach Herr Geheimrat Dr.
Taube=Leipzig über:
Berufsvormundſchaft
Pflegekinderaluf=
ſicht und Mutterberatungsſtelle.
Die ärztlichen Forderungen des Redners gipfelten in
folgenden Leitſätzen: 1. Das neugeborene Kind bedarf
des Schutzes und zwar ſchon vor der Geburt. Dieſen
Schutz müſſen nach geſellſchaftlichem und moraliſchem
Rechte die Eltern dem Kindegewähren. 2. Der
Säug=
ling iſt Mitglied der menſchlichen Geſellſchaft, deren
höch=
ſtes Gebot iſt, den Schwachen zu ſchützen. Falls daher
der Schutz durch die Eltern verſagt, hat die Allgemeinheit
(Staat und Gemeinde) die Pflicht und das Recht, dieſen
Schutz zu übernehmen. 3. Dieſer Schutz durch die Eltern
mangelt oder iſt nur einſeitig vorhanden bei den
unehe=
lichen Kindern. Das Einſchreiten der Allgemeinheit ſchon
in der Säuglingszeit derſelben fordern die häufigen
Kindesmorde, die hohe Sterblichkeit, die Belaſtung der
Gemeinden durch ihre Unterbringung, die oft zutage
tretende ungünſtige Verpflegung, die vollſtändige
Unkennt=
nis der Mutter in der Säuglingspflege und der Mangel
an Mutterliebe in den erſten Zeiten. Die Haupturſache
dieſer unglücklichen Zuſtände beruht in dem Mangel an
Exiſtenzmitteln bei den unehelichen Müttern. 4. Dem
mangelnden Schutz durch die Eltern bei den unehelichen
Säuglingen muß durch zwei Mittel Abhilfe gebracht
wer=
den: a) Verbeſſerung der Exiſtenzbedingungen bei den
unehelichen Müttern und b) Hilfe bei ihrer Unkenntnis in
der Säuglingspflege. 5. Die Verbeſſerung der
Exiſtenz=
bedingungen iſt nur möglich durch die ſchnelle
Heran=
ziehung des unehelichen Vaters zu ſeiner
Alimenten=
zahlung, da die Mutter in der größten Anzahl der Fälle
im Beginn allein für das Kind zu ſorgen hat, was ihr
unmöglich iſt. Hierzu iſt die Hilfe des Vormundes
erfor=
derlich. Der Einzelvormund verſagt bei dem unehelichen
Kinde vollſtändig, die Zuſtände erfordern daher, daß eine
allgemeine geſetzliche Vormundſchaft (Generalvormund
Berufsvormund) dieſe Stelle einnimmt, 6. Dieſe General=
vormundſchaft muß ſofort nach der Geburt beginnen und
auf alle unehelichen Kinder, ſelbſt bei ſcheinbar günſtigen
Verhältniſſen, ausnahmslos ausgedehnt werden, weil
Gleichmäßigkeit erforderlich iſt und im Beginn nie
zu=
künftige, ungünſtige Verwickelungen vorausgeſehen
wer=
den können. Die Generalvormundſchaft zerfällt in zwei
Teile, einen juriſtiſchen und einen hygieniſchen, welche
beide in engſter Verbindung ſtehen müſſen. 7. Der
juriſti=
ſche Teil ſucht die Exiſtenzverhältniſſe zu verbeſſern
(Nr. 4). Sämtliche Gemeinden, welche die
Generalvor=
mundſchaft beſitzen, liefern den Beweis, daß der
allge=
meine Vormund dem Einzelvormund in der
Heranzieh=
ung der väterlichen Alimente, durch die verſchiedenen
Mittel, welche die Behörde beſitzt, bei weitem überlegen
iſt. 8. Der unehelichen Mutter muß es ermöglicht ſein,
daß auf ihren Antrag der Generalvormund ihre Anſprüche
nach § 1715 und 1716 des Bürgerlichen Geſetzbuches,
be=
treffend Entbindungskoſten und Unterhaltungskoſten für
die erſten ſechs Wochen für ſich und ihr Kind geltend
machen kann. 9. Der hygieniſche Teil der
Generalvor=
mundſchaft (Nr. 6) hat die Pflichten eines ſorgſamen
Einzelvormundes für die Säuglinge zu erfüllen, die
indi=
viduelle Beobachtung des Kindes auszuführen und vor
allem (Nr. 4) die Unkenntnis der Mütter in der
Säug=
lingspflege auszuſchalten. Nach dem § 136 des
Einführ=
ungsgeſetzes kann die Generalvormundſchaft nur
ein=
treten, wenn das Kind in eine Anſtalt, bei der Mutter
oder in einer ausgewählten Familie beaufſichtigt wird.
Dieſe Forderung iſt erfüllt, wenn ſämtliche unehelichen
Kinder von der Geburt ab, wo ſie ſich auch befinden,
ſtreng beaufſichtigt werden. 10. Falls ſich in einer
Ge=
meinde der Einführung der Generalvormundſchaft noch
Schwierigkeiten entgegenſtellen, ſollte zur Erzielung der
hygieniſchen Einwirkung eine Beaufſichtigung aller
un=
ehelichen Kinder durch Ortsſtatut von der Geburt ab
ein=
geführt werden. 11. Die beaufſichtigenden und
beraten=
den Organe der Generalvormundſchaft müſſen Aerzte und
behördlich angeſtellte Säuglingspflegerinnen ſein. Der
leitende Arzt hat genaue Kenntniſſe in der
Kinderheil=
kunde und Säuglingsfürſorge zu beſitzen; auch die
Heb=
ammen ſollen das erforderliche Wiſſen für die Entwicklung
des geſunden Säuglings erhalten und ſind beſonders für
kleine Orte mit der Generalvormundſchaft in enge
Ver=
bindung zu bringen. Freie ärztliche Behandlung und
Arznei muß in weiterem Umfange durch Gemeinde und
Kaſſen für Säuglinge beſtehen. 12. Die von der
Ge=
meinde untergebrachten Koſt= oder Waiſenſäuglinge ſind
durch die gleichen Organe zu beaufſichtigen, da ein
häufiger Wechſel zwiſchen Halte= und Koſtkindern
ſtatt=
findet, und gerade für dieſe Säuglinge eine einheitliche
Behandlung erforderlich iſt. 13. Die Einrichtung der
Mutterberatungsſtellen richtet ſich nach örtlichen
Verhält=
niſſen. Der wichtigſte Zweck derſelben iſt, die Zahl der
ſtillenden Mütter zu vermehren. 14. Sämtliche mit der
Säuglingspflege und Fürſorge zuſammenhängenden
Einrichtungen ſind möglichſt einheitlich untereinander zu
verbinden und mit einem Gemeindefürſorgeamt in
Zu=
ſammanhang zu bringen, die gewonnenen Reſultate ſind
durch eine Zentrale zu ſichten, landesgeſetzliche
Beſtimm=
ungen ſind dazu erforderlich. Die Einführung der
Gene=
ralvormundſchaft iſt als wichtigſtes Kinderſchutzgeſetz
überall zu erſtreben und auch auf geeignete eheliche Fälle
auszudehnen.
Zweiter Referent zu gleichem Thema war
Bürger=
meiſter Mueller=Darmſtadt, der über
Durch=
führung der Organiſation ſprach: Aus ſeinen
Ausführungen iſt folgendes bemerkenswert: Die
Fami=
lie iſt der natürliche Boden für den Schutz und die
Er=
ziehung des Kindes. Die Jugendfürſorge darf dieſen
Boden daher nicht betreten, wo er gut iſt; ſie ſoll ihn zu
ſchaffen verſuchen, wo er nicht vorhanden iſt. Erſt da,
wo ſich das als unmöglich erwieſen hat, ſoll ſie ſelbſt —
ergänzend und erſetzend — tätig werden. Das letzte Ziel
der Jugendfürſorge muß alſo ſein, entbehrlich zu werden.
Da dieſes Ziel aber nicht erreichbar iſt, hat der
Rechts=
ſtaat — vorzugsweiſe durch Einrichtung des
Vormund=
ſchaftsweſens — dafür geſorgt, daß die Pflichten der
Eltern gegebenenfälls von anderen Perſonen unter
ſtaat=
licher Kontrolle verantwortlich übernommen werden. Das
von ihm eingeführte Syſtem der Ehrenvormundſchaft hat
aber bei der modernen wirtſchaftlichen und ſozialen
Ent=
wickelung, namentlich in ſtädtiſchen Verhältniſſen,
viel=
fach verſagt. Einzelne Bundesſtaaten und Gemeinden
haben daher in geringerem oder größerem Umfange die
vormundſchaftlichen Pflichten an amtliche Stellen
über=
tragen und beſondere Vorſchriften über eine
Beaufſichti=
gung in fremder entgeltlicher Pflege befindlicher Kinder
(der ſogenannten Pflege=, Zieh= oder Haltekinder)
erlaſ=
ſen. Die damit gemachten günſtigen Erfahrungen
veran=
laßten die Reichsgeſetzgebung, bei Einführung des
allge=
meinen bürgerlichen Rechts dieſer Entwickelung Rechnung
zu tragen und ihren weiteren Ausbau, wenigſtens in
be=
ſchränktem Umfange, ſicherzuſtellen. Die
Berufsvormund=
ſchaft darf hiernach, ſoweit eine Stellung unter
Vormund=
ſchaft überhaupt zuläſſig iſt, landesgeſetzlich ausgedehnt
werden auf alle ehelichen, öfſentlich verſorgten Kinder,
ſowie auf alle unehelichen Kinder ſchlechthin: ſoweit eine
öffentliche Erziehung oder Verpflegung oder eine
Aus=
wahl der Pflegeſtelle mit nachfolgender Beaufſichtigung
— bei unehelichen Kindern in mütterlicher Pflege: auch
lediglich eine Beaufſichtigung — bereits vor Eintritt der
Berufsvormundſchaft Platz gegriffen hat. Es iſt zunächſt
anzuſtreben, daß das behördliche Einflußrecht, ſoweit es
noch nicht vorhanden iſt, im Wege der Landesgeſetzgebung
eingeführt wird, um die vollſtändige Durchführung der
geſetzlichen Berufsvormundſchaft innerhalb des
reichsge=
ſetzlich gegebenen Rahmens zu ermöglichen. Da nach den
günſtigen Erfahrungen, die mit der beruflichen
Vormund=
ſchaft ſeither gemacht worden ſind, aber auch deren
wei=
terer Ausbau ins Auge zu faſſen ſein wird, iſt
gleich=
zeitig zu fordern, daß die dieſen Ausbau zurzeit
ver=
hindernden geſetzlichen Feſſeln fallen und die Regelung
der ganzen Materie bei ihrer großen Bedeutung im
Bür=
gerlichen Geſetzbuche ſelbſt Platz findet. Inzwiſchen
wer=
den die intereſſierten Kommunalverbände gut tun, ſoweit
es noch nicht geſchehen iſt, ungeſäumt alle diejenigen
Schutzmaßnahmen zu treffen, die unter den geltenden
Geſetzen durchführbar ſind.
Dahin gehören: 1. Ausdehnung der
Berufs=
vormundſchaft, ſoweit es die beſtehenden
bundes=
ſtaatlichen Geſetze geſtatten; eventuell im Wege der
Sam=
melvormundſchaft. 2. Im Intereſſe eines wirkſameren
perſönlichen Schutzes der Kinder: a) Abſchluß von
Vereinbarungen zwiſchen den Gemeinden und den
ört=
lichen Säuglingsfürſorgeſtellen des Inhalts, daß
ſämt=
liche der Berufsvormundſchaft unterſtellten Kinder bis
zum Alter von zwei Jahren von den Fürſorgeſtellen
über=
wacht werden. Als ergänzende Fürſorge: weiteſtgehende
Inanſpruchnahme der freien Liebestätigkeit. b) Rührige
Propaganda für die in ausreichender Zahl — auch auf
dem platten Lande — zu errichtenden
Mutterberatungs=
ſtellen mit dem Ziel, das ſich möglichſt alle minderbemit=
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 23. September 1912.
Nummer 224.
telten Kreiſe ihrer bedienen. 3. Nutzbarmachung der
berufsvormundſchaftlichen Organiſationen als örtliche
Zentralen für die geſamte Jugendfürſorge.
An die Referate ſchloß ſich wieder eine
Diskuſ=
ſion. Stadtrat Koehler=Leipzig iſt im weſentlichen
mit den Ausführungen der Referenten einverſtanden. Die
Einführung der Berufsvormundſchaft ſei dringend zu
fordern. Stadtrat Roſenſtock=Königsberg beantragt
das Thema der Rechtsſchutzſtellung des unehelichen
Kin=
des nach deutſchem Recht auf die nächſte Tagesordnung
zu ſetzen. Dr. Deutſch=Frankfurt a. M. berichtet über
die Erfahrungen der Organiſation der Beratungsſtellen
etc. in Frankfurt a. M. Dr. Pollack=Berlin (kath.
Geiſtlicher), ſpricht ſich gegen die Berufsvormundſchaft
aus, weil die Befürchtung vorliegt, daß durch dieſe das
konfeſſionelle Element zurückgedrängt wird. Seine
Aus=
führungen erwecken ſtarken Widerſpruch. Prof. Dr.
Klumker=Frankfurt tritt dem Redner entſchieden
ent=
gegen. Gerade die katholiſchen Organiſationen ſeien ein
Beweis dafür, daß die Entwicklung des
Vormundſchafts=
weſens notwendig die Berufsvormundſchaft bringen
muß. Profeſſor Selter=Solingen wendet ſich gegen die
Schabloniſierung, die ſich auf dem Gebiete der
Fürſorge=
tätigkeit zeigt. Dr. Vidal=Darmſtadt beſpricht die
Organiſation der Darmſtädter Beratungsſtellen, die ſich
ausgezeichnet bewährt haben. Es ſprechen noch Dr.
Talbot=Aachen, Dr. Weiß=Wien, Prof. Dr.
Göp=
pert=Göllingen, Dr. Freund=Breslau, Schweſter
Wilhelmine Schubert=Cannſtadt ſpricht über
Erfah=
rungen inbezug auf Unterſtützungen von ſeiten der
Be=
ratungsſtellen, die dahin geführt haben, nur noch
Unter=
ſtützungen vom ärztlichen, nicht vom ſozialen Standpunkt.
aus zu gewähren, d. h. nur ſolche in Naturalien, die zur
zweckmäßigen Ernährung des Kindes dienen. Stadtv.
Stein=Mainz mochte der Einzelvormundſchaft das Wort
reden, obwohl er nicht prinzipieller Gegner der
Berufs=
vormundſchaft iſt. Nach kurzen Ausführungen Dr.
Efflers=Danzig und den Schlußworten des
Reſeren=
ten ſchloß die Diskuſſion. Es trat eine Pauſe ein.
Nachmittags 2 Uhr wurden die Verhandlungen
fortgeſetzt.
Das Thema des letzten Gegenſtandes der
Tages=
ordnung war:
Geſetzliche Regelung des Krippenweſens
in Deutſchland.
Oberarzt Dr. Rott ſprach über Aufgaben, Entwickelung
und derzeitiger Stand des Krippenweſens und
organi=
ſatoriſche Forderungen. Die Krippe — beſſer geſagt
Tag=
krippe — hat zwei Aufgaben zu erfüllen: erſtens eine
ſoziale, indem ſie der außerhäuslich erwerbstätigen
Mut=
ter durch die Abnahme der Pflege ihres Kindes, den
Er=
werb und damit die Aufbeſſerung der materiellen
Not=
lage der Familie ermöglichen, zweitens eine hygieniſche,
indem ſie den durch die außerhäusliche Erwerbstätigkeit
der Mutter verlaſſenen und gefährdeten Säugling oder
das Kleinkind vor Verderben ſchützen ſoll. Da die
mütter=
liche Erwerbstätigkeit eine Erſcheinung darſtellt, die im
Steigen begriffen iſt, und da eine andere Abhilfe zurzeit
nicht möglich erſcheint, ſo iſt die Ausbreitung der Krippen
als ſpezifiſche Anſtalt zu fördern. Gut eingerichtere und
geleitete Krippen ſind geeignet, indirekt durch Belehrung
der Mutter und Propagierung geſunder Anſichten und
direkt durch Hütung des Kindes die Säuglingsſterblichkeit
zu vermindern. Die geringe Verbreitung der Krippen in
Deutſchland iſt zum Gutteil auf ihre ſchlechten Erfolge und
die dadurch bedingte Mißkreditierung zurückzuführen.
Die Anbahnung einer Reform des
Krippen=
weſens erſcheint durchaus erforderlich. Sie wird zu
erreichen ſein: 1. Durch Belehrung der genannten
leiten=
den und maßgeblichen Perſönlichkeiten durch Schaffung
eines Zuſammenſchluſſes aller Krippenverbände, durch
geſetzliche oder behördliche Vorſchriften für die
Einrich=
tung und den Betrieb von Krippen. 2. Durch eine
aus=
reichende Subventionierung der Krippenvereine, in erſter
Linie durch die Kommunen und Fabrikherren, in zweiter
durch den Staat. Die Kommunen ſind diejenigen,
die von der Krippentätigkeit durch Verminderung der
Armenlaſten einen Vorteil haben. Für ſie iſt es eine
Pflicht, ſich der Krippen materiell anzunehmen. Zurzeit
werden 40 Prozent der Krippen mit durchſchnittlich 10
Prizent ihrer Geſamtausgaben von
Kommunalverwal=
tungen unterſtützt. Ein Vorteil von der Krippentätigkeit
haben in gleicher Weiſe die Fabrikinhaber, weil
dadurch das Angebot von Arbeitskräften reichlicher wird.
Für größere Fabriken iſt es in gleicher Weiſe Pflicht und
Gewinn, Krippen zu gründen odar zu ſubventionieren.
Die Richtlinien für die an Einrichtung und Betrieb von
Krippan zu ſtellenden Forderungen müſſen in letzter Linie
durch geſetzliche, oder zu wenigſtens behördliche
Vorſchrif=
ten gegeben ſein.
Hofrat Meier=München ſprach zum gleichen Thema
über: Aerztlich=hygieniſche Forderungen. Die
Krippen=
pflege kann nicht, wie noch vielfach angenommen wird,
mit einfacheren Mitteln durchgeführt werden, wie die
Pflege in geſchloſſenen Säuglingsanſtalten. Der Krip=
penbetrieb iſt vielfach ein ſchwieriger. Häusliche
Ein=
flüſſe beeinträchtigen die Erfolge der Anſtaltspflege; der
ſtändige Verkehr mit der Außenwelt bringt die Gefahr
der Krankheitseinſchleppung mit ſich. Die Verantwortung
für einen ſo ſchwierigen Betrieb kann allein der
Arzt tragen. Der Arzt gehört daher an die Spitze eines
Krippenbetriebes. Seine Stellung muß nicht nur dem
Perſonale, ſondern auch dem Vereine gegenüber eine
möglichſt ſelbſtändige ſein. Der Arzt ſoll beſoldet ſein,
um genügend Zeit ſeiner Aufgabe widmen zu können.
Ein ausreichendes Pflegeperſonal muß dem Arzte zzur
Verfügung ſtehen. An die Ausbildung dieſes Perſonals
ſind die gleichen Anforderungen zu ſtellen, wie ſie für die
geſchloſſene Säuglingsfürſorge Geltung haben. Gegen
die Einſchleppungsgefahr von Krankheiten ſind beſondere
Maßnahmen zu treffen, die näher präziſiert werden.
Er=
krankte oder krankheitsverdächtige Kinder ſind von der
Anſtaltspflege auszuſchließen. Ein Abſonderungsraum
ſoll in jeder Krippe zur Iſolierung ſolcher Kinder bis zu
ihrer Abholung bereitſtehen. Der Krippenarzt hat zu
entſcheiden, ob ein neu aufzunehmendes Kind in die
Krip=
penpflege eintreten darf. Der Arzt muß auch berechtigt
ſein, die Anſtalt oder einen Teil derſelben ganz zu
ſchlie=
ßen, wenn in derſelben eine Infektionskrankheit
aufge=
treten iſt. Kleine Anſtalten ſind das beſte Mittel, die
Entſtehung von Epidemien zu verhindern. — In
größe=
ren Anſtalten ſoll durch Trennung einzelner Abteilungen
die Infektionsgefahr für das ganze Haus herabgemindert
werden. Den Angehörigen ſoll der Eintritt in die
Pflege=
räume der Kinder nicht geſtattet werden. Durch
Anbrin=
gen von Glas in den Türen und Wänden dieſer Zimmer
kann von außen Einblick in dieſe Räume gewährt
wer=
den. Auf die Körperpflege der Kinder iſt größtes
Ge=
wicht zu legen. Tunlichſte Trennung aller
Gebrauchs=
gegenſtände der einzelnen Kinder iſt ſtreng durchzuführen.
Alle die angeführten Maßnahmen ſind durch einen
durch=
weg ſauberen und hygieniſch einwandfreien Pflegebetrieb
und durch eine entſprechende baulich=hygieniſche
Einricht=
ung der Krippe zu unterſtützen. Ein beſonderes Kapitel
der Krippenpflege bildet die Frage der Ernährung der
Säuglinge. Die Krippen haben in jeder Weiſe darauf
hinzuwirken, den Säuglingen ſo lange als möglich die
Bruſt der Mutter zu erhalten. In Fabrikkrippen muß die
Aufnahme eines Kindes von der Stillpflicht der Mutter
abhängig gemacht werden, von der ſie nur der Arzt
ent=
binden kann. Die künſtliche Ernährung hat insbeſondere
mit den Schädigungen durch häusliche Einflüſſe zu
rech=
nen. Deshalb ſoll den Müttern die Nahrung für die
Säuglinge auch mit nach Hauſe gegeben werden. Die
Krippe hat wie keine andere Anſtalt die Gelegenheit und
darum auch die Pflicht, den Müttern als Beiſpiel für
Pflege und Ernährung ihrer Kinder zu dienen. Ein guter
Pflegebetrieb wird daher weit über die Anſtalt hinaus
ſeine Früchte tragen; ein ſchlechter Betrieb wird aber nicht
tur den verpflegten Kindern, ſondern unſerer ganzen
Fürſorgetätigkeit zum Schaden gereichen.
Endlich ſprach als letzter Referent Regierungsaſſeſſor
Freiherr v. Wilmowski=Berlin über: Durchführung
einer behördlichen Regelung.
Die im allgemeinen und ſpeziell im
geſundheitspoli=
zeilichen Intereſſe an die Säuglingskrippen zu ſtellenden
Anforderungen betreffen: a) die geſundheitliche Nahrung
der Kinder; b) ſtändige ſachverſtändige Aufſicht; e)
er=
ziehliche Einwirkung auf die Mütter. In den wenigen
Fällen, in denen bis jetzt geſetzliche oder ſtatuariſche
Vor=
ſchriften erlaſſen worden ſind, haben ſie bei ſtrikter
Durch=
führung eine mehr oder weniger erhebliche ſanitäre
För=
derung des Säuglingskrippenweſens zur Folge gehabt.
Da das Säuglingskrippenweſen in Deutſchland zurzeit
noch erhebliche Mißſtände aufweiſt, die ſeiner an ſich
drin=
gend wünſchenswerten weiteren Ausbreitung hinderlich
ſind, erſcheint es angezeigt, ein legislatives Vorgehen in
Erwägung zu ziehen, wobei darauf Bedacht zu nehmen
iſt, daß das Verantwortlichkeitsgefühl und die Initiative
der geborenen Träger des Säuglingskrippenweſens, der
privaten und der gemeinnützigen Vereine, nicht geſchwächt
wird. Eine Regelung durch Reichs= oder Landesgeſetz iſt
bei der Verſchiedenheit der örtlichen Verhältniſſe
vorläu=
fig nicht am Platze. Dagegen iſt eine allgemeine
Anweiſ=
ung der Zentralbehörden an die ihnen unterſtellten
zu=
ſtändigen Organe, verbunden mit einer Aufforderung zu
periodiſcher Berichterſtattung, erwünſcht.
Der Vorſitzende ſprach ſämtlichen Referenten den
Dank des Kongreſſes aus. In der Diskuſſion des letzten
Referates ſprach Herr Dr. Langſtein Berlin über die
Anſteckungsgefahren in den Krippen ꝛc., die noch
eingehen=
den Studiums bedürfen. Dr. Freund=Breslau erörtert
dortige Verhältniſſe. Es ſprechen noch Dr. Große=
Leipzig, Frau Gümpf=Frankfurt, Dr. Böh m=Frankfurt
und verſchiedene andere Redner. Dann ſchließt die
Dis=
kuſſion.
Die Tagesordnung iſt erſchöpft. Der Vorſitzende,
Kammerherr von Behr=Pinnow, konſtatiert in
ſeinem Schlußwort, daß die Ergebniſſe der Beratungen
außerordentlich fruchtbar geweſen ſeien, und das Intereſſe
an dem Kongreß ſich ſehr erfreulich gehoben hat. Das iſt
im Weſentlichen den Rednern zu danken. Beſonderer
Dank gebühre auch der Stadt Darmſtadt und dem
Schriftführer Herrn Dr. Rott für die Vorbereitung
des Kongreſſes. Geheimrat Taube=Leipzig dankt dem
Vorſitzenden für die treffliche Leitung des Kongreſſes,
Damit iſt die Tagung geſchloſſem,
Empfang durch die Stadt
Sonntag abend 6 Uhr folgten die Kongreßteilnehmer
einer Einladung des Oberbürgermeiſters zu dem
von der Stadt gegebenen Feſtbankett. Der große Saal
war unter Mithülfe von Künſtlern der Künſtlerkolonie
ſehr ſtimmungsvoll geſchmückt. Muſtergültig war die
De=
koration der Bühne, deren Proſcenium durch
Schnitt=
blumen und dichte Epheuwände (hinter denen Meiſter
Hauske’s Kapelle waltete) ganz verdeckt und der
ganze Bühnenhintergrunck durch ruhige einfarbige
Stoff=
draperie verkleidet An dem Feſtmahl nahmen etwa 280
Perſonen teil. Es wurden nur 2 Toaſte ausgebracht.
Bürgermeiſter Mueller, dem übrigens das ganze
Ar=
rangement unterſtand begrüßte namens der Stadt
Darm=
ſtadt die Gäſte und ließ in poeſievoller und ſchwungvoller
Rede die Schönheiten Darmſtadts Revue paſſieren, die in
dem Betonen ihrer durch den Großherzog ſo machtvoll
ge=
förderten Kunſtbeſtrebungen gipfelten. Davon ſolle auch
der heutige Abend den Gäſten einen kleinen Beweis geben,
denn die Mitglieder der Künſtlerkolonie hatten gerne der
gegebenen Anregung Folge geleiſtet und in den Nebenſälen
Erzeugniſſe ihrer Kunſt ausgeſtellt. Des
Redners Aufforderung an die anweſenden Darmſtädter
auf das Wohl der Gäſte zu trinken, wurde freudig und,
noch manchmal im Laufe des Abends, ergiebig entſprochen.
— Kammerherr von Behr=Pinnow dankte namens
der Kongreßteilnehmer für die Einladung und für die
überaus liebenswürdige Aufnahme, die ſie in Darmſtadt
gefunden, durch ein ebenſo freudigen Widerhall
aus=
löſendes Hoch auf die Gaſtgeber und die Stadt
Darm=
ſtadt. Speiſen und Weine, die der Saalbauwirt Herrn
Smets bot, waren vorzüglich und auch die Bedienung
war flott.
Um 9 Uhr wurde die Tafel aufgehoben und der Saal
geräumt. Ganz überraſchend ſchön waren die Nebenſäle
zu ſtimmungsreichen und anheimelnden
Geſellſchaftsräu=
men umgewandelt. Ueberall waren einzelne gemütliche
Ecken geſchaffen; hohe Lehnſtühle und Klubſeſſel
wechſel=
ten mit Salonmöbeln; koſtbare Perſerteppiche ſchmückten
die Wände, ſoweit ſie nicht durch Stoffbeſpannung
ver=
deckt waren, und die Fußböden. Blumen und Pflanzen
vervollſtändigten die künſtleriſche Dekoration. Die
Her=
ren Profeſſor Müller, Pellar, Hoetger, Joſt
und Margold hatten Erzeugniſſe ihrer Ateliers zur
Verfügung geſtellt, die mit künſtleriſchem Geſchmack der
von der Firma Joſef Trier zur Verfügung geſtellten
Dekoration eingefügt waren und ſo alles „offizielle‟
Kalte vornehm und wohltuend vermiſſen ließen.
Eine beſondere Ueberraſchung bereitete Herr
Bürger=
meiſter Mueller ſeinen Gäſten mit der Ankündigung, daß
die Elizabeth Duncan=Schule Proben ihrer
Kunſt und ihrer Körperkulturbeſtrebungen abzulegen ſich
bereit erklärt habe. Der große Saal war inzwiſchen dazu
entſprechend hergerichtet worden, und in magiſcher
Scheinwerferbeleuchtung betraten zunächſt die kleinſten
Mädchen den Saal, um die „Anfangsgründe” ihrer
Tanz=
kunſt zu zeigen; dann die größeren, um ihre vollendeten
Leiſtungen darzubieten. Es war wie immer ein hoher
äſthetiſcher Genuß, die entzückenden Tänze, die
Verkör=
perung des Rhythmus im Spiel der Glieder mit dem der
Töne zu ſehen. Man hörte nur ein Stimme der
Bewun=
derung, beſonders als die Mädchen ihre Tanzkunſt mit
dem Geſang ſchlichter Volkslieder innig verwoben. —
Bei angenehmer Unterhaltung ſchwanden die Stunden
nur zu ſchnell. Sicher werden ſie lange in der Erinnerung
haften.
Konareſſe und Verbandstage.
Sozialdemokratiſcher Parteitag.
— Chemnitz, 20. Sept. Zu Beginn der heutigen
Sitzung erhielt der Reichstagsabgeordnete
Stadt=
agen das Schlußwort zu dem Thema „
Reichstags=
wahlen”. Schließlich wird gegen 5 Stimmen die
Re=
ſſolution Sindermann angenommen, wonach
Soniderkon=
ferenzen nach Möglichkeit verhütet werden ſollen. — Der
Vorſitzende Haaſe ergreift nunmehr das Wort zu dem
Thema „Imperialismus” Hierzu liegt eine
Re=
ſolution vor, die verlangt, daß im Wege internationaler
Vereinbarung dem Wettrüſten ein Ende gemacht wird.
Die Aufgabe des Proletariats ſoll es ſein, den auf die
höchſte Stufenleiter gebrachten Kapitalismus in die
ſo=
zialiſtiſche Geſellſchaft überzuführen und ſo den Frieden,
die Selbſtändigkeit und die Freiheit der Völker dauernd
zu ſichern. Die Reſolution zur Frage des
Impe=
rialismus wird mit allen gegen drei Stimmen
ange=
nommen. — Hierauf referierte Pfannkuch über die
Maifeier. Hierzu liegt ein Antrag vor, den
Nürn=
berger Beſchluß aufzuheben, wonach der Arbeitsverdienſt
am 1. Mai an die Parteikaſſe abzuliefern iſt. Die
Ab=
ſtimmung über den Antrag des Nürnberger Beſchluſſes iſt
Großherzogliches Hoftheater.
Samstag, 21. September.
Zum erſten Male:
„George Dan din”
oder: Der beſchämte Ehemann.
Eine Komödie mit Tänzen und Zwiſchenſpielen in drei
Akten von Moliére.
Wl. Aus Anlaß und zu Ehren des 3. Deutſchen
Kon=
greſſes für Säuglingsfürſorge war die Freitags=
Vorſtel=
lung auf heute verlegt worden. Das Haus war
voll=
beſetzt.
Auf die klaſſiſche Iphigenia und die indiſche
Märchen=
oper folgte heute das graziöſe franzöſiſche Schäferſpiel.
Zur Aufführung gelangte die Moliéreſche Komödie
„George Dandin” oder: „Der beſchämte Ehemann”
Rich=
tiger würde der Titel lauten: „Der dupierte Ehemann”.
Die Moliéreſchen Luſtſpiele, an denen uns heute manches
übertrieben und poſſenhaft erſcheint, muß man aus dem
Geiſte ihrer Zeit heraus beurteilen und dabei
berückſich=
tigen, daß ſie eine ausgeſprochen ſatiriſche Tendenz haben.
Moliére wollte in den kraß gezeichneten Figuren ſeiner
Stücke krankhafte ſoziale und ſittliche Zuſtände und
Er=
ſcheinungen ſeiner Zeit geißeln und deren
Repräſentan=
ten im Spiegel der Satire ſchildern, wie einſt Ariſtophanes
in ſeinen Komödien. Von dieſem Geſichtspunkte
aus beurteilt, ſind ſeine Luſtſpiele weit höher zu
bewer=
ten, als die leichte, nur dem Lachbedürfniſſe dienende
Poſſenware unſerer Zeit.
Das Eigenartige und Reizvolle der Komödie „George
Dandin” iſt die Verflechtung der Komödie mit dem
Schä=
ferſpiel die Vermiſchung des Derb=Komiſchen mit dem
Leicht=Graziöſen, die uns zugleich ein intereſſantes
Bei=
ſpiel von dem Geſchmack der Zeit Ludwigs XIV. gibt.
Dieſe teils von Muſik begleiteten Zwiſchenſpiele und
Tänze waren mit feinem Verſtändnis und in
wundervol=
ler Weiſe herausgearbeitet worden. Der Einheitlichkeit
in Stil und Stimmung entſprach auch die Dekoration.
In der Komödie als ſolcher ſtehen ſich nicht nur zwei
Stilformen, ſondern auch zwei Geſellſchaftsklaſſen
gegen=
über, die ſich auch in der Sprache und im Ausdruck
von=
einander unterſcheiden. Auf den derb=komiſchen Ton
ge=
ſtimmt ſind die Rollen des Landmanns Dandin, des
Bauern Lubin und der Zofe Claudine. Die erſt genannte
Rolle hielt Herr Jürgas in den richtigen Grenzen des
Tragikomiſchen; die Bauernrolle ſpielte Herr
Peter=
ſen, der ein ausgeſprochen komiſches Talent beſitzt,
bril=
lant; vortrefflich war auch die Zofe des Frl. Got he
in ihrer erfriſchenden Derbheit. Die hochadligen
Ver=
wandten des Dandin, die ſich in einer gezierten und
hoch=
trabenden Sprache bewegen und im Menuett=Schritt über
die Bühne gehen, wurden von Herrn Jordan und Frau
Müller=Rudolph und Frl. Berka, der denſelben
Kreiſen angehörende Clitander von Herrn Schneider
mit komiſch wirkender Geſpreiztheit geſpielt. Sehr
nied=
lich und graziös waren die beiden Schäferinnen der
Da=
men Schaub und Jüttner; die ſüßlich=ſentimentalen
Schäfer, ein intereſſanter Beleg einer gekünſtelten
Ge=
ſchmacksrichtung früherer Zeit, wurden von den Herren
Bernhardt und Thomſen dargeſtellt.
Die Regie lag in den Händen des Herrn Hacker,
der ſich ſeiner intereſſanten Aufgabe mit techniſchem
Ge=
ſchick und künſtleriſchem Takt unterzogen hatte. Die
muſi=
kaliſche Leitung unterſtand Herrn Kapellmeiſter Lert
der in dem Programmbuch des Hoftheaters begründet
hat, weshalb an Stelle des für die Schäfertändelei an ſich
charakteriſtiſchen Spinetts das Klavier gewählt worden
war. Die Muſik zu der Komödie von Nilſon hat
Melo=
dien zeitgenöſſiſcher Komponiſten benutzt. Als
Einleit=
ung wurde Mozarts graziöſe Ouvertüre zu „Figaros
Hochzeit” geſpielt. Der menuettartige Tanz des erſten
Aktes, im Koſtüme der Zeit aufgeführt, war von Frau
Thiele=Leonhardt einſtudiert; die Geſtaltung des
Bühnenbildes rührte von den Herren Kempin und
Schwerdtfeger her.
Das Publikum nahm die durch ihre originelle
Ein=
kleidung und elegante Aufmachung feſſelnde Neuheit mit
warmem Intereſſe und Beifall auf.
Die Aufführung der „Meiſterſinger” am
Sonn=
tag verlief in dem Rahmen der früheren Aufführungen
dieſes Meiſterwerkes Richard Wagners. Die Hauptpartien
waren mit Ausnahme des Beckmeſſer in der bekannten
Weiſe beſetzt: Herr Weber (Hans Sachs), Herr Becker
(Walther), Herr Bernhardt (David), Herr
Ste=
phani (Pogner), Herr Semper (Kothner), Fräulein
Geyersbach (Evchen), deren Leiſtungen wiederholt
nach Verdienſt gewürdigt worden ſind. Einen neuen
famoſen und temperamentvollen Beckmeſſer ſtellte Herr
Schützendorf auf die Bretter, der vieles
charakteriſti=
ſcher und konſequenter ausgeſtaltete und durchführte, was
frühere Vertreter nur angedeutet hatten und ſeine
Vor=
gänger auch in ſtimmlicher und geſanglicher Hinſicht
über=
traf und auch einen dementſprechend ſtärkeren Erfolg
er=
zielte. Wenn in ſeiner Darſtellung auch noch manches zu
vervollkommnen und abzuſchleifen iſt, ſo kann man doch
ſchon heute ſagen, daß wir in Herrn Schützendorf einen
durch Begabung und Talent bevorzugten Vertreter des
Beckmeſſer gewonnen haben. Die Partie der Maadalena
ſang Fräulein Jakobs mit gutem Gelingen.
Nummer 224.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 23. September 1912.
Seite 7.
namentlich. Für die Aufhebung des Nürnberger
Be=
ſchluſſes ſtimmten 271, dagegen 221 Delegierte. — Kurz
vor der Abſtimmung iſt noch ein Antrag Düwell
einge=
gangen, der Nürnberger Beſchluß ſei abzuändern, daß er
nur auf Angeſtellte der Partei angewendet werden ſolle.
Es entſpinnt ſich eine längere Geſchäftsordnungsdebatte,
ob dieſer Antrag noch zuläſſig ſei. Es wird dann
vorge=
ſchlagen, die Debatte abzubrechen, und die Anträge dem
nächſten Parteitag vorzulegen, da die Sache nicht eilig
ſei, weil im nächſten Jahre der erſte Mai auf den
Himmelfahrtstag falle. Dieſer Vorſchlag wird zum
Be=
ſchluß erhoben. Auch die übrigen noch ausſtehenden
An=
träge ſollen dem nächſten Parteitag überwieſen werden.
Hierauf wurden die Verhandlungen auf morgen vertagt.
* Chemnitz, 21. Sept. In der heutigen
Schluß=
ſitzung des ſozialdemokratiſchen Parteitages wurde
zu=
nächſt der Bericht der Beſchwerdekommiſſion erſtattet,
und zwar über den Fall Hildebrand der früher
national=ſozial und Redakteur der „Hilfe” war.
Hilde=
brand iſt 1903 mit Dr. Maurenbrecher zur
Sozialdemo=
kratie übergetreten und hat noch bei der letzten
Reichs=
tagswahl im Solinger Wahlkreiſe eine große Rolle
ge=
ſpielt. In einer von ihm herausgegebenen Broſchüre
„Die Erſchütterung der Induſtrieherrſchaft” hat er
An=
ſichten vertreten, die ſich mit dem Parteiprogramm
an=
geblich nicht decken. Das Ergebnis der
Abſtim=
mung iſt, daß die überwiegende Mehrheit ſich für die
Ausſchließung Hildebrands ausſpricht. Die
Radikalen begrüßten das Reſultat mit langanhaltendem
Beifall und Händeklatſchen. Nach der Abſtimmung
fan=
den teilweiſe ſehr erregte Szenen zwiſchen
Radi=
kalen und Reviſioniſten ſtatt.
* Genf, 20. Sept. Die Konferenz der
Inter=
parlamentariſchen Union nahm einen Antrag
der niederländiſchen Gruppe auf Schaffung eines
ſtän=
digen Ausſchuſſes im Zuſammenhang mit den Haager
Konferenzen an und wählte zu neuen Mitgliedern des
interparlamentariſchen Rates Profeſſor Cickhoff und den
Senator d’Eſtournelles de Conſtant. Der Ort der
näch=
ſten Konferenz iſt Haag. Die Konferenz ſoll zurzeit der
Einweihung des Friedenspalaſtes im Jahre 1913
ſtatt=
finden. Nach Dankesworten an den Vorſitzenden Gobat,
und die Stadt Genf, wurde die Konferenz geſchloſſen.
Der Poſener Gattenmord.
* Der gewaltſame Tod des Muſeumsaſſiſtenten
Dr. Blume in Poſen iſt durch das Geſtändnis
ſeiner Frau nunmehr aufgeklärt. Ein Verdacht gegen
eine dritte Perſon wird danach nicht mehr
aufrechterhal=
ten. Unter dem Verdacht der Mitſchuld war ein Poſener
Arzt (der Name wird nicht genannt) in
Unterſuchungs=
haft genommen worden, mit dem Frau Blume ein
Ver=
hältnis gehabt haben ſoll. Die erſt wenige Monate
dauernde Ehe ſoll recht unglücklich geweſen ſein, wie aus
den bei der Hausſuchung beſchlagnahmten Briefen
ge=
ſchloſſen wird. Der Poſener Zeitung zufolge war die
ehe=
liche Untreue der Frau, von der Dr. Blume
Kennt=
nis erhielt, auch der Grund, weshalb er ſich nach
Han=
nover verſetzen ließ. Beſonders kompromittierend war
ein im Ueberzieher des Erſchoſſenen gefundener Zettel,
der über die Eheirrungen Aufſchlüſſe gegeben haben ſoll!
Sie hatte anfangs den Tod auf einen Unfall
zurückzu=
führen geſucht. Dieſe Erzählung ſtieß gleich auf
Miß=
trauen, das ſich ſteigerte, als die genauere Unterſuchung
der Leiche es als ausgeſchloſſen erſcheinen ließ, daß ein
Selbſtmord vorliege. Es wurde auch ermittelt, daß Frau
Blume zwei Revolver in Poſen gekauft hatte, von
denen einer für Bleigeſchoſſe eingerichtet war. Aus
die=
ſem Revolver iſt der Schuß abgegeben worden. Nach
Vorhaltung dieſer ſchwerwiegenden Indizien hat die
Frau ihr Leugnen aufgegeben und ſich zu der Tat
be=
kannt.
Die Mörderin iſt 24 Jahre alt. Die verbrecheriſche
Tat wurde wahrſcheinlich veranlaßt durch das ſchriftliche
Eingeſtändnis des Liebhabers der Frau Dr. Blume, das
ſich in den Taſchen des Verſtorbenen befand. Darin
wird das ſträfliche Verhältnis zu Frau Dr. Blume offen
zugegeben. Die Frau hatte ein dringendes Intareſſe
daran, dieſes Schriftſtück in ihre Gewalt zu bekommen.
Sie vermutete es im Schreibtiſch ihres Gatten, daher
bemühte ſie ſich vor der Verhaftung unausgeſetzt, den
Schlüſſelbund zum Schreibtiſch in ihre Hand zu
bekom=
men. Die am 11. September durch den Kreisarzt
voll=
zogene Sektion der Leiche Dr. Blumes gab ſchon der
Vermutung eines Verbrechens Raum, ohne daß aber
der Tatbeſtand feſtgeſtellt werden konnte, denn auch ein
geübter Schütze hätte den Schuß kaum ſo gut berechnet
abgeben können, daß er, aus nächſter Nähe abgefeuert,
faſt ſenkrecht vom Kinn in die Schädelhöhle dringt. Die
Eltern der Frau Blume ſind über die Tat ihrer Tochter
verzweifelt, ſie ſind in Poſen eingetroffen und haben
einen Verteidiger beſtellt. Der Zuſtand der Mörderin
ſelbſt iſt beklagenswert, ſie iſt ſeeliſch völlig gebrochen,
überdies ſieht ſie auch ihrer Niederkunft entgegen.
Die öffentliche Meinung in Poſen hat ſich vielfach
mit ihrem Liebhaber, einem jungen Arzt
beſchäf=
tigt, doch liegt zu einer Verhaftung des Arztes,
wenig=
ſtens vorläufig, keine Veranlaſſung vor. In juriſtiſchem
Sinne handelt es ſich zunächſt um Ehebruch, der nur auf
Antrag des Gatten nach gerichtlicher Entſcheidung
ver=
folgt wird. Daß eine Anſtiftung zu dem Verbrechen
ſei=
tens des Arztes vorliegt, iſt bisher weder erwieſen, noch
behauptet worden.
Luftfahrt.
* Freiberg, 21. Sept. Heute vormittag gegen
10 Uhr ſtürzte ein Eindecker mit zwei Offizieren,
die auf der Fahrt von Chemnitz nach Berlin begriffen
waren, zwiſchen Falkenberg und Niederſchöna aus
be=
trächtlicher Höhe ab. Beide Offiziere ſind tot.
* Freiberg 21. Sept. Die Namen der beiden
tödlich verunglückten Fliegeroffiziere ſind Olerleutnant
Berger vom Infanterie=Regiment Nr. 104 und
Ober=
leutnant Junghans vom Infanterie=Regiment Nr.
134. Die Leichen wurden in die Totenhalle zu
Nieder=
ſchöna gebracht. Der Motor hatte verſagt und der
Appa=
rat ſtürzte zur Erde, wobei er ſich dreimal überſchlug.
* Frankfurt a. M., 22. Sept. Heute früh halb 7
Uhr erfolgte die Rückreiſe des Luftſchiffes „Viktoria
Luiſe” nach Baden=Oos. Die Landung daſelbſt erfolgte
um halb 10 Uhr glatt vor der Halle, in der es jedoch,
wegen heftiger Bodenwinde, erſt am Nachmittag
unter=
gebracht werden konnte.
Minden, 22. Sept. Nach dem Ueberfliegen von
Hameln durchflog der Luftkreuzer „Hanſa” das
Weſertal, fuhr über Ahrburg und wurde uſ 11.45 Uhr
in Bückeburg geſichtet. Er fuhr dort um 11.50 Uhr eine
Schleife über der Stadt und ſetzte den Weiterflug nach
Minden fort. Nach einer Schleifenfahrt über Minden
erfolgte um 12.30 Uhr die Landung auf der Mindener
Heide. Der Führer des Luftſchiffes wurde von dem
Vorſitzenden des hieſigen Vereins für Luftſchiffahrt,
ſowie von dem Bürgermeiſter begrüßt. Um 12.45 Uhr
erfolgte der Aufſtieg. Es wurde der direkte Weg nach
Hamburg eingeſchlagen.
* Gotha, 22. Sept. Leutnant von Hiddeßen mit
einem Paſſagier iſt heute früh um halb 7 Uhr auf einem
Militär=Euler=Flugzeug zur Fahrt nach Frankfurt
aufgeſtiegen. Leutnant v. Hiddeßen iſt um 8 Uhr 5 Min.
auf dem Euler=Flugplatz glatt gelandet.
* Belfaſt, 21. Sept. Der Flieger Aſtley iſt
abge=
ſtürzt und bald darauf den erlittenen ſchweren
Ver=
letzungen erlegen.
Sport.
— „F.=K. Olympia Darmſtadt”. Am Sonntag
fand das in Sportkreiſen mit großem Intereſſe
er=
wartete Zuſammentreffen des F.=K. Olympia mit dem
„Verein für Raſenſpiele Mannheim” ſtatt. Bei der
großen Spielſtärke der Gäſte war mit einer Niederlage
der Einheimiſchen zu rechnen. Dieſe Erwartung traf
ein. Mit 3:0 hat Mannheim geſiegt. Daß die
Darm=
ſtädter nicht mit noch größerem Torunterſchied
unter=
lagen, haben ſie vor allem ihrer mit großer Aufopferung
ſpielender Verteidigung zu verdanken.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantworkung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
— Da in der letzten Zeit wieder der Streit um die
Frage techt lebhaft tobt, ob der Hausbeſitzer oder der
Mieter eigentlich für das Waſſergeld aufzukommen habe,
ſo geſtatten Sie auch mir wohl, hierzu einiges zu
bemer=
ken. Auf den erſten Blick ſcheinen ja diejenigen im Rechte
zu ſein, welche verlangen, daß jeder Mieter einen
Waſſer=
meſſer erhalte und das von ihm verbrauchte Waſſer ſelbſt
bezahle. Allein die Sache liegt denn doch etwas anders,
als bei dem zum Vergleich herangezogenen Leucht= und
Heizgas. Die Frage, ob die zurzeit erzielten Mietbeträge
eine Rentabilität gewährleiſten oder nicht, muß bei einer
objektiven Beurteilung der vorliegenden Frage ganz
aus=
ſcheiden. Wenn die Mietshäuſer ſich nicht mehr
ren=
tieren, oder gar für den Beſitzer verluſtbringend ſind,
ſo müßte eben eine entſprechende Erhöhung der
Miet=
preiſe angeſtrebt werden. Die Schuld daran, daß
heutzu=
tage die Mieter höhere Anforderungen an die
Hausbe=
ſitzer ſtellen, liegt einesteils in unſerer neueren
Geſetz=
gebung begründet, zum großen Teil aber auch an der
Konkurrenz, die ſich die vielen überzähligen Wohnungen
unter ſich bereiten. Es iſt ein altes ungeſhriebenes
Ge=
ſetz, daß der Hausbeſitzer, wenn er eine Wohnung
ver=
mieten will, gleich wie für den Feuerherd, Waſſerſtein
oder den Abort, ebenſo für Waſſergelegenheit ohne
le=
ſondere Berechnung zu ſorgen hat. In früherer Zeit
war in jedem Hauſe ein gegrabener Brunnen und es
wäre keinem Hausbeſitzer eingefallen, ſich von ſeinen
Mietern die Brunnenkoſten extra bezahlen zu laſſen. Als
man dann in den engbewohnten Städten größere
hygie=
niſche Anſprüche an das Gebrauchswaſſer ſtellte, wurden
Waſſerleitungen angelegt, die vorerſt nur öffentliche
Laufbrunnen ſpeiſten, ſpäter aber ſoweit vervollkommnet
wurden, wie wir ſie jetzt noch im Gebrauch haben. Wollte
nun die ſtädtiſche Verwaltung jedem Einzelnen einen
Waſſermeſſer geben, ſo würde es höchſt wahrſcheinlich
vielfach vorkommen, daß ſie umſonſt auf Zahlung des
verbrauchten Waſſers warten würde. — Wenn ein
Gas=
konſument ſeinen Verbrauch nicht bezahlt, ſo kann man
ihm ſchließlich die Zuleitung ſperren; aber bei Waſſer
kann man dieſes, wenigſtens unter kultivierten Menſchen,
nicht tun. Es wird alſo nach wie vor ſo bleiben wie es
iſt und müſſen die Hausbeſitzer das Waſſergeld, geſnau
ſo wie Schornſteinfegergeld, Kanaleinlaufgebühren etc.
in den Mietzins einrechnen.
Wenn man nun gar noch weiter geht und in
Ver=
ſammlungen der Bezirksvereine, die ſich in der
Haupt=
ſache aus den Kreiſen der Hausbeſitzer rekrutieren, ſowie
in Zeitungsartikeln, die Gartenſtädte, hier hauptſächlich
diejenige am Hohlen Weg, als das Karnickel bezeichnet.
welches die hohen Gemeindeſteuern verurſacht, ſo merkt
man eben zu deutlich die Abſicht. Nicht die Gartenſtadt
im Hohlen Weg iſt ſchuld, daß viele Häuſer der
Innen=
ſtadt unrentabel ſind, ſondern die unſinnige
Ueberproduk=
tion von Mietshäuſern, wie ſie noch vor einigen Jahren
ſtattfand und immer noch im ſtillen weiter geht. Die
Leute, die in den Gartenſtädten wohnen, folgen in der
Hauptſache dem inneren Triebe, „zurück zur Natur”. Sie
wohnen meiſt viel teurer als die Bewohner der
Innen=
ſtadt. Daß man ſchließlich den Wunſch ausſpricht, die
Stadtverwaltung möge ſich von der Eigenbrödelei und
dem Kaſtengeiſt gewiſſer Kreiſe nicht beeinfluſſen laſſen,
fortwährend neue Gartenſtadtterrains zu eröffnen,
ſon=
dern erſt einmal die vorhandenen — Tintenviertel und
Hohler Weg — ausbauen laſſen, iſt nicht mehr als recht.
Das darf aber auf keinen Fall ſo weit gehen, daß man
Dinge behauptet, die nicht ſind und dadurch die ganze
Gartenſtadtbewegung in ein eigenartiges Licht ſtellt.
Ein Eingeſandt in der Nummer vom 20. d. Mts.
pricht den Wunſch aus, die ſtädtiſche Verwaltung möge
einmal bekannt geben, welche Koſten die Gartenſtadt im
Hohlen Weg dem Stadtſäckel an Straßenanlagen,
Kanä=
len, Beleuchtung etc. verurſache. Auch Einſender dieſes
wünſchte, daß das geſchehen möge, damit endlich einmal
alle Phantaſtereien, die über dieſe Sache ſchon gefaſelt
wurden, abgetan wären. Tatſächlich können die
Aus=
gaben der Stadt in dieſer Beziehung nur ganz minimal
ſein; oder iſt es dem Herrn Einſender vom 20. ds. Mts.
unbekannt, daß die Anlieger im Hohlen Weg das
Straßengelände nicht allein umſonſt an die Stadt
ab=
geben, ſondern auch noch die
Straßenherſtel=
lungskoſten bezahlen mußten? Was den
Kanalbau anbelangt, ſo hat die Stadt nur den
Vorflut=
kanal auf ihre Rechnung angelegt, während die
An=
wohner des Hohlen Wegs für ihren Straßenkanal eine
ganz bedeutende Summe unverzinslich auf fünf Jahre
hinterlegen mußten, während welcher Zeit der ganze
Kanal durch die Einlaufgebühren rentabel wird. Ebenſo
mußten die Anwohner bis vor kurzem die Gas= und
Waſſerleitung ſo lange verzinſen, bis durch den
geſtie=
genen Konſum die Koſten gedeckt wurden. Die Koſten
für Unterhaltung und Reinigung ſind bis jetzt gleich
Null. Wenn wöchentlich an zwei Nachmittagen ein älterer
Mann das Laub zuſammenkehrt, ſo wird doch hierdurch
eine Erhöhung der Gemeindeſteuer nicht nötig werden.
Es wäre beſſer, wenn Viele mehr beſtrebt wären, nur
über das öffentlich zu ſprechen, was ſie wirklich
über=
ſehen und beurteilen können, als ſich und andere durch
blinden Lärm zu beunruhigen. Hauptſächlich möge
nie=
wand die Intereſſen des Stadtſäckels in erſter Linie be=
tonen, wenn man aus ſeinen ſonſtigen Schmerzen
deut=
lich heraushört, daß die eigenen Intereſſen die Feder
geführt haben.
— Waſſergeld und Gartenſtadt. Es iſt
nicht meine Abſicht, auf den „Rummel” (um dieſen von
der anderen Seite gebrauchten geſchmackvollen Ausdruck
anzuwenden) einzugehen, der von gewiſſer Seite gegen die
hieſige Gartenſtadt=Eenoſſenſchaft in Szene geſetzt wird.
Man weiß ja, daß es ſich dabei um einen Ausfluß
ein=
ſeitiger Intereſſen handelt, denen das Verſtändms dafür,
daß auch andere Leute Intereſſen haben und vertreten
dürfen, ſcheinbar abgeht. Aber die letzte Einſendung
jener gegneriſchen Gruppe bedarf einer Richtigſtellung, da
ſie irreführend iſt. In rührender Sorge um das Wohl
der Mitglieder der Gartenſtadt=Genoſſenſchaft werden ſie
auf das Geſpenſt „kürzlich erfolgter
Zuſammen=
brüche” hingewieſen. Daß in Dresden und in Leipzig
— wie angedeutet wird — Baugenoſſenſchaften
zuſam=
mengebrochen ſeien, iſt unrichtig. Handelt es ſich um
andere Unternehmungsformen, ſo haben ſie mit der hier
in Rede ſtehenden Gartenſtadt=Genoſſenſchaft nichts
ge=
mein. Die Eigenheim=Geſellſchaft in Frankfurt aber iſt
ein reines privates Spekulationsunternehmen und hat
mit einer Gartenſtadt nichts zu tun. Eine derartige
Ver=
quickung von miteinander nicht vergleichbaren Dingen
zeigt am beſten, daß das Urteil der eifrigen Gegner über
den einen Kulturfaktor erſten Ranges
dar=
ſtellenden Gartenſtadt=Gedanken durch
Sach=
kenntnis nicht getrübt iſt.
Handel und Verkehr.
— Poſtſcheckverkehr. Zum „Verzeichnis der
Kontoinhaber der bei den Poſtſcheckämtern im Reichs=
Poſtgebiet” erſcheint in den nächſten Tagen der 2.
Nach=
trag (Stand vom 1. September), der für 40 Pf. bei
allen Poſtanſtalten käuflich iſt. Das Verzeichnis ſelbſt
(Stand vom 1. Januar 1912) koſtet 1 Mk. 60 Pf., der
1. Nachtrag (Stand vom 1. Mai) 40 Pf. Kontoinhaber
erhalten Verzeichnis und Nachträge auf Verlangen von
ihrem Poſtſcheckamt unter Laſtſchrift des Preiſes; auch
können ſie ſich den regelmäßigen Bezug des
Verzeich=
niſſes, ſowie der im Laufe des Jahres erſcheinenden
Nachträge durch einmalige Beſtelluug bei ihrem
Poſt=
ſcheckamte ſichern.
Landwirtſchaftliches.
— Auf eine richtige Bezeichnung der einzelnen
Obſt=
ſorten hinwirkend, welche beſonders beim Obſthandel
von großer Bedeutung iſt, veranſtaltet der
Landwirt=
ſchaftskammer=Ausſchuß für die Provinz Starkenburg
dieſen Herbſt einen ſogenannten
Obſtſortenbeſtim=
mungstag. Die Obſtzüchter werden auf dieſe
Ver=
anſtaltung wiederholt aufmerkſam gemacht und, ſofern
unbekannte Sorten vorhanden ſind, hierdurch
auf=
gefordert, von je einer Sorte fünf normal ausgebildete
Früchte mit Angabe der Reifezeit und des Alters,
Tragbarkeit, Geſundheitszuſtand, Form und Unterlage
des Baumes ſowie des Namens, mit welcher die Sorte
bisher bezeichnet wurde, bis 25. September an den
Landwirtſchaftskammer=Ausſchuß in Darmſtadt,
Bis=
marckſtraße Nr. 52, einzuſenden.
Literariſches.
* Neu erſchienene Broſchüren:
Arterien=
verkalkung des Herzens und des Gehirns. Urſachen,
Verhütung und Behandlung, mit beſonderer
Berückſich=
tigung der Lähmungen und des Schlagfluſſes. Von Dr.
Honcamp und Dr. Walſer. Zehnte Auflage. Hofverlag
von Edmund Demme, Leipzig. (50 Pfg.) — Unſere
Waſ=
ſerinſekten. Von Georg Ulmer. 165 Seiten. Mit 119
Abbildungen und drei Tafeln. (Naturwiſſenſchaftliche
Bildiothek.) In Originalleinenband 1,80 Mk. Verlag von
Quelle u. Meyer in Leipzig. 1912. — Die
Hautkrankhei=
ten oder Hautausſchläge, deren einheitliche Grundurſache.
Verhütung und naturgemäße Heilung. Von Dr. med.
Walſer. Vierte Auflage. (Preis 1.20 Mk.) Hof=
Verlags=
buchhandlung Edmund Demme, Leipzig. — Dannemann.
Dr. F.: Wie unſer Weltbild entſtand. Die Anſchauungen
vom Altertum bis zur Gegenwart über den Bau des
Kosmos. Mit einem Titelbild nach der Rembrandtſchen
Radierung „Der Aſtrolog” und vielen Textbildern.
Stuttgart, 1912, Kosmos Geſellſchaft der Naturfreunde
(Franckhſche Verlagshandlung). — Naſe, Rachen und
Kehlkopf. Die Hygiene der oberen Luftwege im
geſun=
den und kranken Zuſtande. Allgemein verſtändlich
dar=
geſtellt von Profeſſor Dr. Hans Neumayer. Zweite
ver=
beſſerte Auflage (4.—6. Tauſend). Mit drei Tafeln. (
Ver=
lag von Ernſt Heinrich Moritz in Stuttgart.) Broſchiert
1.80 Mk., gebd. 2.25 Mk. — Frauenkrankheiten, deren
naturgemäße körperliche und ſeeliſche Behandlung
arznei=
los und ohne Operation. Nebſt einem Anhange über die
zur Erlangung ſchmerzloſer Geburten zu ergreifenden
Maßregeln. Von Dr. med. A. Kühner, Arzt und Herzogl.
Kreisphyſikus z. D. (80 Pfg.) Zweite Auflage. Hof=
Verlagsbuchhandlung Edmund Demme, Leipzig.
Darmſtadt, 23. September.
g. Einweihung des neuen Sportplatzes des
Darm=
ſtädter Sportklubs 1905. Am alten Schießhaus hat ſich der
Sportklub einen Platz erworben und ſo ausgebaut, daß
auf ihm der abhärtende und geſunde Fußballſport, ſowie
Leichtathletik unter günſtigen Bedingungen getrieben
wer=
den können. Die Platzfrage iſt ja bekanntlich für alle
Turn= und Sportvereine die ſchwierigſte und deshalb kann
dem Sportklub für dieſe günſtige Loſung Glück gewünſcht
werden. Der Platz liegt ziemlich geſchützt und hat einen
gut bewachſenen Boden, eine geſchloſſene Umzäunung, und
last not least ein ſchmuckes, heimelndes Unterkunftshaus
mit Reſtaurant und Umkleideraum, ſodaß alſo die
gün=
ſtigſten Bedingungen für die Ausübung des Sports
ge=
geben ſind.
Am Sonntag nachmittag fand die Einweihung
des Platzes ſtatt, wozu ſich u. a. auch
derDiviſionskom=
mandeur Exzellenz von Plüskow der Hofmarſchall
v. Ungern=Sternberg und Generalmajor v. Heyl
eingefunden hatten. Der 1. Vorſitzende des Sportklubs,
Herr Schmidt begrüßte die Erſchienenen, worauf der
Vertreter der Ortsgruppe Darmſtadt des Heſſ.
Landesver=
bandes Jung=Deutſchland, Herr Hauptlehrer Löſch, in
Vertretung des verhinderten 1. Vorſictzenden, des Herrn
Bürgermeiſters Mueller, die herzlichſten Grüße und
dem feſtgebenden Verein die beſten Glückwünſche
über=
brachte. Die Weihe des neuen Sportplatzes gab dem
Jungdeutſchlandbund willkommenen Anlaß, zu verſichern,
wie gern er ſportliche Betätigung mit Freuden begrüßt.
Die Aufgabe des Bundes ſei, die Jugend des ganzen
Volkes zu ſtärken, abzuhärten, ihre Intelligenz und Freude
an der Natur zu pflegen und zu fördern. Es ſei dabei
ganz einerlei, in welcher Weiſe dieſe Ziele erreicht werden,
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 23. September 1912.
Nummer 224.
ob durch Turnen, Sport oder Spiel, jede Art geſunder
Leibesübung diene zur Erreichung des geſteckten Zieles.
Tüchtig und wahrhaft ſoll unſer Volk werden, damit es
Sieger bleibe im wirtſchaftlichen Kampf um ſeine
Wohl=
fahrt und Exiſtenz. Man habe dem Bunde politiſche
Ab=
ſichten unterſtellt; mit Unrecht! Was ſoll Politik bei der
Jugend? Die Politik ſei Sache gereifter, urteilsfähiger
Männer, in den Köpfen von Knaben und unreifen
Jüng=
lingen könne ſie nur Verwirrung anrichten. Wenn man
aber dem Bunde daraus einen Vorwurf machen wolle,
daß er die deutſche Jugend zu deutſchen Männern
und Frauen erziehen wolle, die ihre Heimat, ihr Volk und
Vaterland von ganzem Herzen lieben, dieſen Vorwurf
nehme der Bund gern auf ſich. Das heiße aber nicht
Poli=
tiktreiben, ſondern vaterländiſche Geſinnung pflegen. Der
Sportklub von 1905 hat ſeither ſchon Sport und Spiel
mit Luſt und Liebe gepflegt, dafür gebührt ihm Dank und
Anerkennung.
Der Vertreter des Verbandes Südd. Fußballvereine,
Herr Paul Caſpar=Mannheim, überbrachte die Grüße
des Verbandes und widerlegt mit überzeugenden Worten
die weit verbreitete Anſchauung, das Fußballſpiel ſei ein
gefährlicher, roher Sport. Er ſei weniger gefährlich wie
andere Sportarten, allerdings ſei er ſehr anſtrengend,
darum müßten auch Herz= und Lungenkranke davon
Ab=
ſtand nehmen. Aber einen geſunden Körper ſtärke und
ſtähle er ſo wie kein anderer Sport. Er wünſchte dem
Sportklub auf ſeinem neuen Platz recht viel Erfolge und
ſchloß ſeine Anſprache mit einem kräftigen Hipp=Hipp=Hurra
auf den feſtgebenden Verein.
Es folgte nunmehr ein Wettkampf zwiſchen der 1.
Mannſchaft des F.=K. Germania 1894=Frankfurt und der
des Sportklubs 1905. Das Spiel endete mit 4:2
zugun=
ſten von Frankfurt. Erſt nach längerem Spiel gelang es
Frankfurt, das erſte Tor zu holen und gleich darauf das
zweite. Kurz vor Spielwechſel errang dann Darmſtadt
das erſte Tor. Halbzeit 2:1. — Nach dem Spiel wurde
den Frankfurtern ein ſilberner Pokal als
Erinne=
rung an die Platzweihe überreicht und dem 1. Spielführer
das Darmſtädter Sportklubs durch Herrn Caſpar=
Mannheim eine Ehrenſcheife. — Abends fand im
„Kaiſerſaal” eine gemütliche Abendunterhaltung
mit Tanz ſtatt.
g- Unfälle. Geſtern morgen 10 Uhr wurde ein
Former aus Ludwigshafen bei dem ſtarken Andrang in
der Ausſtellung wegen Rippenquetſchung von der
Rettungswache mittelſt Krankenkraftwagen in das Städt.
Krankenhaus verbracht. — Mittags 3 Uhr wurde eine
hieſige Frau von einer Droſchke, Ecke der Bismarck= und
Kaſinoſtraße, überfahren. Dieſelbe wurde von der
Rettungswache mittelſt Krankenkraftwagen in das Städt.
Krankenhaus verbracht. — Abends 7 Uhr wurde ein
Wagen, welcher aus einer Hofreite kam, von der
Elek=
triſchen Bahn erfaßt und der Reitknecht
herunter=
geſchleudert, ſo daß derſelbe von der Rettungswache
mittelſt Krankenkraftwagen in das Städt. Krankenhaus
verbracht wurde.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 22. Sept. Auf dem Dreifaltigkeitskirchhof
wurde an der Erbbegräbnisſtätte der Familie
Trä=
ger=Lewin ein von der Meiſterhand Richard Schotts
geſchaffenes Grabdenkmal für Albert Träger
enthüllt. Reichstagsabgeordneter Wiemer hielt an die
zahlreiche Verſammlung, die ſich aus den Hinterbliebenen
ſowie Freunden Trägers, aus poliſtiſchen, literariſchen
und künſtleriſchen Kreiſen Berlins, darunter verſchiedenen
Deputationen von Vereinen zuſammenſetzte, eine
herz=
liche Anſprache. Aus Anlaß der Feier wurden am Grabe
zahlreiche Kränze niedergelegt.
* Berlin, 22. Sept. Der Tapezierer Erich Bittner
beſchäftigte ſich ſeit längerer Zeit mit der Konſtruierung
eines Fallſchirms. Kleinere Verſuche ſind ihm
wohl glücklich gelungen, ſo daß er jetzt von der
Sieges=
ſäule einen Fallſchirmabſturz auszuführen gedachte. Als
er ſich heute vormittag gegen 11 Uhr von der höchſten
Plattform der Siegesſäule mit einem Fallſchirm
herab=
ſchwang, verſagte derſelbe. Bittner ſtürzte auf das
Säu=
lendach, wo er zerſchmettert liegen blieb. Ein
Photograph, der für eine Filmfabrik eine Aufnahme des
Fallſchirmabſturzes machen wollte, ſuchte ſchleunigſt das
Weite und konnte bisher nicht ermittelt werden.
* München, 21. Sept. In der heutigen Sitzung
der Kammer der Abgeordneten, wandte ſich der
Ver=
kehrsminiſter Seidlein gegen die geſtrigen Ausführungen
des Abg. Buttmann, daß in der Pfalz nicht ſo viele
Loko=
motiven vorhanden ſeien, um alle Züge fahren zu können
und daß im Kriegsfalle die Pfalz nur Regierungsräte
ſtellen könne, Preußen aber die Maſchinen und das
Per=
ſonal ſtellen müßte. Aus wirtſchaftlichen Gründen gingen
preußiſche Lokomotiven, wie auch umgekehrt, bayeriſche
Lokomotiven auf die Nachbarſtaaten über, das ſei auch in
Baden, den Reichslanden uſw. der Fall. Dieſe
Verein=
barungen ſeien ſo getroffen, daß ſich die Leiſtungen
gegenſeitig ausglichen. Der Miniſter erklärte weiter:
Bedenkt der Abgeordnete nicht, daß uns ſeine Meinung
an die Ehre geht? Der Abgeordnete möge doch daran
denken, welche Schlüſſe im Auslande aus ſolchen
Dar=
ſtellungen gezogen werden könnten. Er bedauere die
Aus=
führungen lebhaft. Ich ſtelle feſt daß die pfälziſchen
Bahnen in jeder Hinſicht den Anforderungen gewachſen
ſind, die im Kriegsfalle an ſie geſtellt würden.
Munchen, z2. Sept. Die Korreſpondenz
Hoff=
mann meldet: Bei dem Herzog Franz Joſeph in
Bayern, dem zweiten Sohne des verſtorbenen Herzogs
Karl Theodor, der vor einigen Tagen an Halsentzündung
erkrankt iſt, iſt ſeit geſtern heftige Angina hinzugetreten.
Sein Zuſtand iſt ernſt.
* Dresden, 22. Sept. Heute mittag fand im
könig=
lichen Opernhauſe die offizielle Feier des 40jährigen
Dienſtjubiläums des Generalmuſikdirektors Geh.
Hofrats v. Schuch ſtatt. In der großen Königsloge
wa=
ren der Kronprinz ſowie die Prinzen Friedrich Chriſtian
und Ernſt Heinrich erſchienen. Desgleichen wohnten die
Staatsminiſter Freih. v, Hauſen, Graf Vitzthum von
Eck=
ſtädt und v. Seidewitz der Feier bei, wahrend der
Zu=
ſchauerraum von Feſtteilnehmern bis auf den letzten Platz
gefüllt war. Auf der Bühne wurden dem
Generalmuſik=
direktor von den Bühnenangehörigen Glückwünſche
darge=
bracht. Graf v. Seebach beglückwünſchte den Jubilar im
Namen der Generaldirektion des Hoftheaters und teilte
mit, daß der König ihm in Anerkennung ſeiner Verdienſte
das Komturkreuz 1. Klaſſe des Verdienſtordens verliehen
habe. Es folgte noch eine Reihe von
Glückwunſchanſpra=
chen ſeitens der Bühnenangehörigen, Vertreter von
Kunſt=
inſtituten und Vereinen. Darauf drückte der Jubilar in
bewegten Worten ſeinen Dank für die dargebrachten
Ehrun=
gen aus und ſchloß mit einem Hoch auf den König, in
das die Anweſenden begeiſtert einſtimmten. Heute abend
findet unter Schuchs muſikaliſcher Leitung eine Aufführung
der „Meiſterſinger” in neuer Inſzenierung ſtatt,
* Wilhelmshaven, 22. Sept. Die zweite
Torpedo=
diviſion feierte heute das Jubiläum ihres 25jährigen
Beſtehens. Heute Vormittag war eine Gedenkfeier auf
dem Militärfriedhof, am Nachmittag fand auf dem
Exerzierplatz ein Sportfeſt ſtatt.
Rominten, 21. Sept. Die Ankunft des
Kaiſerpaares und der Prinzeſſin Viktoria Luiſe in
Groß=Rominten fand heute nachmittag 4.10 Uhr ſtatt.
Zum Empfang war Landrat Gehren erſchienen. Vom
Bahnhof fuhren die Herrſchaften im Automobil auf das
Jagdſchloß Rominten, wo ſie gegen 4.30 Uhr eintrafen.
* Genf, 21. Sept. Die interparlamentariſche
Union befaßte ſich in ihrer letzten Sitzung mit der
Frage des Luftkrieges. Ein Antrag des
hollän=
diſchen Staatsminiſters Beernaert verlangte ein
Ver=
bot des Luftkrieges. Hiergegen wandte ſich vor allem der
franzöſiſche Senator Deſtournelles de Conſtant, der
er=
klärte, jeder Staat müſſe die Mittel für ihre Sicherheit
und Unabhängigkeit frei wählen können. Schließlich
wurde jedoch der Antrag Beernaert mit großer Mehrheit
angenommen.
* Peſt, 22. Sept. 37 Abgeordnete, Mitglieder der
Oppoſitionsparteien, ſind heute nachmittag unter
Füh=
rung des Grafen Michael von Karolyi nach Wien
abgereiſt. Heute nacht reiſen noch einige Abgeordnete
dorthin ab.
* Peſt, 22. Sept. In Marmaros=Sziget wurden die
Vorſtädte vom Hochwaſſer überflutet. Die
Schiffbrücke wurde abgeriſſen. Die Gefahr iſt groß.
Paris, 21. Sept. Ein Lyoner Blatt veröffentlicht
folgende Depeſche des apoſtoliſchen Vikars für das
öſt=
liche Tſchekiang (China) aus Ningpo: Am 16.
Sep=
tember hat ſich im Süden meines Vikariats ein
un=
erhörtes Unglück zugetragen. Ein Taifun hat ganze
Städte und unzählige Dörfer zerſtört.
Hunderttauſend Familien ſind ruiniert.
50 000 Menſchen ſind ertrunken,
Rom, 22. Sept. Die „Tribuna” ſagt von dem
Entſchluß des türkiſchen Miniſterrats, mit Italien die
Zivilgefangenen auszutauſchen, daß die
Verhandlungen durch die Vermittlung der deutſchen
Botſchaft geführt werden. Für Italien handelt es ſich
um die Befreiung der Miſſion Sforza in San Filippo.
für die Türken um die Befreiung der Inſelbeamten mit
ſtreng zivilem Charakter. Gerade wegen der oft nicht
leichten Definition dieſes ſtreng zivilen Charakters einiger
dieſer Beamten ſind die Verhandlungen noch nicht
ab=
geſchloſſen, obwohl die Entſcheidung von Seiten der
beiden Regierungen im Prinzip ſchon getroffen iſt.
Madrid, 22. Sept. Der König iſt mit Familie
wieder hier eingetroffen.
* London, 21. Sept. Die jüngſten Erlaſſe der
Admiralität laſſen die künftige Bedeutung von
Nord=Schottland für die Marine erkennen.
Da=
nach werden die geſamten engliſchen Torpedojägerflotillen
vollſtändig mobiliſiert, unter dem Kommando des
Se=
nior Commodore am 27. September in der Scapabay,
der neuen ſtrategiſchen Flottenbaſis in den Orkney=
Inſeln, zu kombinierten Manövern ſich verſammeln. Die
Flotillen, die die erſte Gefechtslinie ausmachen, ſtehen
jetzt ſtändig in Dienſt und umfaſſen vier große
Depot=
kreuzer, acht ſchnelle Kreuzer und achtundſechzig neue
ſchnelle Torpedojäger. Dies iſt das erſte Mal, wo
ſämt=
liche Flottillen der erſten Flotte unter dem Kommando
des älteſten Offiziers vereinigt ſind, zu kombinierten
Ma=
növern zuſammentreten.
* London, 21. Sept. Die Teilnehmer an der geſtern
in Londonderry unter dem Vorſitz des Herzogs von
Abercron abgehaltenen Proteſtverſammlung
gegen Homerule wurden, als ſie die Verſammlung
verließen, von nationaliſtiſchem Pöbel angegriffen. Als
die Schutzmannſchaft einſchritt, kam es zu einem Hand
gemenge. Mehrere Schutzleute wurden verletzt, ebenſo
mehrere Teilnehmer an der Verſammlung und aus der
angreifenden Volksmenge.
London, 21. Sept. Sſaſanow beſuchte heute
nachmittag in Begleitung des Grafen Benckendorff den
Staatsſekretär Sir Edward Grey im Auswärtigen Amt.
Der Beſuch trug den Charakter einer unformellen
Vor=
beſprechung für die Konferenz in Balmoral.
Archangelsk, 22. Sept. Auf der Dwina iſt der
Paſſagietdampfer „Obnowka” infolge
Zuſammen=
ſtoßes mit einem Schleppdampfer geſunken. Die
Be=
ſatzung und ein Teil der Paſſagiere wurden gerettet.
Die Zahl der Verunglückten ſteht noch nicht feſt.
Terespol (Rußland), 22. Sepbr. Während des
Gottesdienſtes in der hieſigen Synagoge entſtand infolge
einer aus einer umfallenden Petroleumlampe
heraus=
ſchlagenden Flamme in der überfüllten Frauenabteilung
eine Panik. Vier Frauen wurden erdrückt und 23
verletzt, von dieſen drei lebensgefährlich.
* Konſtantinopel, 22. Sept. Das Kriegsminiſterium
veröffentlicht Telegramme aus Benghaſi, nach denen der
Angriff der Italiener am 14. d. M. bei Derna,
insbeſondere gegen die Poſition Said Abdullah,
ſchließ=
lich zurückgeſchlagen wurde. Auf türkiſcher Seite
ſeien zwei Freiwililge getötet, ein türkiſcher Soldat, ſowie
ein Araber verwundet worden. Die Verluſte der
Ita=
liener ſeien größer. Eine zweite Depeſche berichtet über
den Kampf vom 17. d. M. Türken und Araber griffen die
zehn Kilometer öſtlich von Derna befindlichen Poſitionen
an. Der Kampf dauerte 15 Stunden. Die Türken und
Araber beſetzten bei Beginn des Kampfes Poſitionen im
italieniſchen Zentrum, die ſie jedoch, nachdem die
Ita=
liener, die von dem Feuer der Kriegsſchiffe unterſtützt
wurden, Verſtärkungen erhielten, wieder räumen mußten.
Auf Seiten der Türken wurden ein Leutnant und hundert
Mann regulärer und Miliztruppen getötet, zwei Offiziere
ſowie 100 Mann, darunter der Chef der Senuſſi, Said
Ha=
mid, wurden verwundet. Die Türken erbeuteten 110
Ge=
wehre und eine Menge Kriegsmaterial. Die Verluſte der
Italiener werden auf über 200 Tote geſchätzt.
Smyrna, 21. Sept. 350 Kreter, darunter einige
Offiziere, ſind in Marathan Campos auf Samos ganz
unerwartet gelandet und marſchieren gegen Karlonaſi
und Vathy, um den Aufſtand zu ſchüren. Die
türkiſche Beſatzung verſchanzte ſich in Vathy, wo ein
Zuſammenſtoß wahrſcheinlich iſt. Die franzöſiſche
Regie=
rung entſchloß ſich, den Panzerkreuzer „Bruix” der
augenblicklich vor Kanea liegt, nach Samos zu entſenden.
Es wird erwartet, daß England dieſem Beiſpiel folgt.
Täbris, 22. Sept. Eine Bewegung zu Gunſten
des Exſchahs macht ſich bemerkbar, von deſſen
ſchleu=
niger Rückkehr die Bevölkerung das Ende der
Anarchie erhofft.
* Peking, 21. Septbr. Der Finanzminiſter
lehnte heute kategoriſch die Bedingungen der
Sechs=
mächte=Gruppe ab, die eine ſtarke
Sicherheits=
kontrolle und das Optionsrecht bei den zukünftigen
Anleihen, die innerhalb der nächſten fünf Jahre erfolgen
würden, vorſehen.
Mukden, 22. Sept. Auf Befehl aus Peking
wurden die Kriegsoperationen gegen die innere
Mongolei unterbrochen. Der Generalgouverneur
wurde beauftragt, die Friedensverhandlungen wieder
aufzunehmen.
Briefkaſten.
v. P. Der Vortrag iſt nicht „auf Veranlaſſung des
Vortragsverbandes” ſondern wie ſ. Zt. auch mitgeteilt
worden iſt, auf Veranlaſſung des Journaliſten= und
Schriftſtellervereins durch den Vortragsverband
ver=
anſtaltet worden.
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Frau Friedrike Emich
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Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Heinrich Emich u. Kinder.
Darmſtadt, den 21. September 1912.
Frankfurterſtr. 69.
Die Beerdigung findet Montag, den 23. Sept.,
nachmittags 4½ Uhr, vom Portale des ſtädt.
Friedhofes aus, ſtatt.
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Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
meine liebe Frau und meine liebe Mutter
Helene Kilian
geb. Leichtweis
nach längerem Leiden Samstag abend 6 Uhr
(19845
zu ſich zu rufen.
Die Hinterbliebenen:
und
Theod. Kilian
Sohn Theod. Kilian.
Darmſtadt, 21. September 1912.
Die Beerdigung findet Dienstag, 24. ds. Mts.,
nachmittags 5 Uhr, vom Portale des
Darm=
ſtädter Friedhofes aus, ſtatt.
Tageskalender.
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denhöhe (geöffnet von 10—6 Uhr).
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Untergang des Torpedobootes „G 171‟; die
Unterſee=
bootsflottille in Wilhelmshaven; die große Prozeſſion
während des Euchariſtiſchen Kongreſſes in Wien; zu
den Vorgängen im ungariſchen Abgeordnetenhauſe.
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Dienstag, 24. September.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 10 Uhr
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ſtädtiſchen Pallaswieſe (Zuſammenkunft am
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wärterhaus).
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Haus Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind oeizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
Nummer 224.
err Armenarzt Dr. SchifferO iſt bis Mitte und Herr Armen=
arzt Dr. Langsdork iſt bis An=
fang Oktober ds. Js. verreiſt.
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Seite 9.
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Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 23. September 1912.
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Nummer 224.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 23. September 1912.
Seite 11.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Jagdhund. 1 Jagdhund (zugelaufen). Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden.
Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(19801
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Herbſtmeſſe 1912.
Unter Bezugnahme auf § 366 Ziff. 10 St.=G.=B., Art. 264 Pol.=
St.=G. und Art. 129b Abſ. 2 der Städteordnung wird für die Dauer
der diesjährigen auf dem ſtädtiſchen Gelände gegenüber dem
Hallen=
ſchwimmbad ſtattfindenden Herbſtmeſſe folgendes angeordnet:
1. Es iſt verboten, durch die Reihen der Schau= und
Verkaufs=
buden zu reiten oder mit Fuhrwerken irgend welcher Art,
namentlich auch mit Fahrrädern, zu fahren.
2. Ueber die an das vorerwähnte Gelände grenzenden Straßen
(Lindenhof=, Mühl= und Landgraf=Georgs=Straße) darf nur
im Schritt gefahren oder geritten werden.
Darmſtadt, den 18. September 1912.
(19724soi
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Verſicherungs=Geſetz für Angeſtellte.
Da von den Arbeitgebern innerhalb der vorgeſchriebenen Friſt
nur eine Vorſchlagsliſte eingereicht worden iſt, findet die für die
Arbeitgeber auf Dienstag, den 8. Oktober ds. Js., anberaumte
Wahl der Vertrauensmänner und Erſatzmänner für die
Angeſtellten=
verſicherung nicht ſtatt.
Es gelten die nachſtehend genannten, in der Vorſchlagsliſte
verzeichneten Herren als gewählt:
1. Wilhelm Kalbfuß, Kaufmann in Darmſtadt,
2. Eugen Trier, Kaufmann in Darmſtadt,
3. Emil Schenck, Fabrikant in Darmſtadt,
(1—3 als Vertrauensmänner),
4. Carlo Zimmer, Architekt in Darmſtadt,
5. Hugo Brink, Bankdirektor in Darmſtadt,
6. Auguſt Jacobi, Fabrikant in Darmſtadt,
7. Samuel Joſeph, Kaufmann in Darmſtadt,
8. Paul Sander, Hofbankier in Darmſtadt,
9. Dr. Otto Böhm, Fabrikant in Darmſtadt, (19773so
(4—9 als Erſatzmänner).
Darmſtadt, den 19. September 1912.
Der Wahlleiter:
Kröll, Amtmann.
Dickwurzel=Verſteigerung.
Dienstag, den 24. ds. Mts., nachmittags 4 Uhr beginnend,
wird die Dickwurzelernte von ca. 20 Morgen der ſtädtiſchen
Pallas=
wieſe losweiſe an Ort und Stelle öffentlich meiſtbietend verſteigert.
Zuſammenkunft am Wieſenwärterhaus.
(19756so
Darmſtadt, den 17. September 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Jgeger.
Die Ausübung des Wiſen= und
Feldſchutzes in der Gemarkung
Darmſtadt.
Der mit Verſehung des Wieſen
wärterdienſtes auf der ſtädtiſchen
Pallaswieſe betraute Wilhelm
Hirſch und der als Hilfsfeldſchütze
eingeſtellte Georg Schmidt hier
ſind von dem Großherzoglichen
Kreisamt Darmſtadt auf den
Wieſen= und Feldſchutz verpflichtet
worden.
(19831oi
Darmſtadt, 19. September 1912
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Jaeger.
Grasgeld=Erhebung.
Die Zahlung der rückſtändigen
Beträge für Heugras von der
ſtädtiſchen Pallaswieſe, den
ehe=
maligen Beſſunger und Kaus’ſchen
Wieſen, den Wieſen hinter dem
Friedhof und den Teichwieſen,
ſowie für die Futternutzung von
verſchiedenen ſtädtiſchen
Grund=
ſtücken (aus den Verſteigerungen
Großherzogl. Bürgermeiſterei vom
4. April, 28. Mai und 6. und
7. Juni 1912) hat bei Vermeidung
des Mahn= und
Pfändungsver=
fahrens bis längſtens Ende
Sep=
tember 1912 an den Werktagen,
vormittags von 8 bis 12½ Uhr,
hierher zu erfolgen. (18881a
Darmſtadt, 3. September 1912.
Die Stadtkaſſe.
Koch.
Bekanntmachung.
Beim Einnehmen von Vorräten
in die Keller kommt es öfter vor,
daß die daſelbſt befindlichen
Haupt=
abſperrhähne der Waſſerleitung,
ſo=
wie die Waſſermeſſer unzugänglich
werden.
Wir machen daher die
verehr=
lichen Intereſſenten darauf
auf=
merkſam, daß Hauptabſperrhahn
und Waſſermeſſer ſtets zugänglich
bleiben müſſen, und bitten, beim
Einnehmen von Vorräten hierfür
beſorgt zu ſein.
(19572dom
Darmſtadt, 18. September 1912.
Städt. Waſſerwerks=Verwaltung.
Rudolph.
Zementbeionröhren.
Die Lieferung von etwa 220 m
Zementbetonröhren ſoll verdungen
werden.
Die Lieferungs=Bedingungen
liegen bei dem Tiefbauamte,
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mer Nr. 7, zur Einſicht offen. Auch
werden dort die Angebotſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis
Montag, 30. September I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu=
(19797od
reichen.
Darmſtadt, 20. September 1912.
Tiefbauamt.
V.: Heuſel.
Jahlungs=Aufferderung.
Die Beiträge zur
Invaliden=
verſicherung für die Verſicherten,
die einer der hier beſtehenden
Orts=, Betriebs= oder Innungs=
Krankenkaſſen nicht angehören
(Dienſtboten, Mitglieder
einge=
ſchriebener Hilfskaſſen uſw.) für
das III. Vierteljahr 1912 ſind,
bei Vermeidung des
Beitrei=
bungsverfahrens, bis längſtens
Ende dieſes Monats, an die
Kaſſe, Waldſtraße Nr. 6, zu
ent=
richten.
Arbeitgeber, die es unterlaſſen,
die Verſicherungs=Beiträge bis
zu dem oben bezeichneten
Zeit=
punkte abzuführen, können nach
§ 1488 der
Reichsverſiche=
rungsordnung mit Geldſtrafe bis
zu 300 Mk. belegt werden.
Darmſtadt, 20. September 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Mueller. (19832
Kanalbau.
Die Ausführung eines
Zement=
rohrkanals in der
Pankratius=
ſtraße und eines
Steinzeugrohr=
kanals in der Kaupſtraße ſoll
ver=
dungen werden.
Arbeitsbeſchreibungen und
Be=
dingungen liegen bei dem
Tief=
bauamt, Zimmer Nr. 7, zur
Ein=
ſicht offen. Auch werden dort die
Angebotſcheine abgegeben.
Angebote ſind bis
Mittwoch, 2. Oktober I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu=
(19796od
reichen.
Darmſtadt, 20. September 1912.
Tiefbauamt.
J. V.: Heuſel.
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Nummer 224.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 23. September 1912.
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27)
Laſſen Sie mich dieſer peinlichen Unterredung zwiſchen
uns ein Ende machen, Herr von Schmettwitz. Sie hätte
nie ſtattgefunden, wenn man Ihnen damals die Wahrheit
geſagt hätte! Ich habe Ihren Antrag abgelehnt, weil ich
Ihnen keine Neigung entgegenbringen konnte. Man hatte
mir verſprochen, Ihnen das zu ſchreiben. Zögernd nach
einer kleinen Pauſe fuhr Chriſta dann, als ſie ſah, wie
fahl das Geſicht Schmettwitzens bei ihren lezten Worten
geworden war, fort: Und heute müßte ich Ihnen auf Ihre
Frage die gleiche Antwort geben. Leiſe nur und ſchonend
kam es von ihren Lippen.
Wie von einem Peitſchenſchlag getroffen aber zuckte
Schmettwitz zuſammen. Abgewieſen! Er, Jesko von
Schmettwitz, von der, die er in Gedanken ſchon als ſein
Weib betrachtet hatte, die der Inhalt ſeines Lebens
ge=
worden war, um den ſich ſeit Monaten all ſeine Wünſche,
Gedanken und Hoffnungen gedreht hatten.
Als ein vom höchſten Glück Gekrönter hatte er gedacht,
dieſe Stätte zu verlaſſen, und nun ſchlich er davon wie ein
geſchlagener Hund. Lächerlich gemacht, blamiert mit ſeiner
großen Liebe, die man als etwas Wertloſes, Nichtiges
zu=
rückgewieſen hatte! Anſtatt ihn zu warnen, ihm reinen
Wein einzuſchenken, hatte ihn Karl Auguſt in dieſe
Bla=
mage hineingetrieben Das war eine Infamie! Aber er
würde ſich zu rächen wiſſen an ihm. Nein, an allen! Auch
an der verlogenen Mutter und vor allem an der, die dort
ſo begehrenswert ſtand, und die ihn doch bis ins tiefſte
Herz getroffen hattet
Er well ſrichen, irzend eues ſogen, eher mr
unverſtändliche gurgelnde Laute entrangen ſich ſeiner
Kehle. Jäh wandte er ſich ab. Grußlos, mit unſicheren
Schritten, beinahe ſtolpernd verließ er den Platz ſeiner
beſchämenden Niederlage.
Chriſta ſah ihn zwiſchen den Bäumen verſchwinden.
Chaotiſch wogten ihre Gedanken und Empfindungen
durcheinander. Mit zitterndem Weh drängte ſich aber
immer wieder das Eine in den Vordergrund: Das konnte
deine Mutter dir antun!
10. Kapitel.
Schon am nächſten Morgen verließ Frau von Leerſen
mit ihrer Tochter Talheim und reiſte heim.
Der weitere Verlauf der Geburtstagsfeier des alten
Fräulein von Helden hatte ſich ganz anders geſtaltet, als
man vorgeſehen hatte.
Zum Nachmittagskaffee unter der alten Linde im
Kur=
haus fehlten Leerſens bereits. Es fehlten auch die
Ma=
jorin und ihre Töchter und — Jesko von Schmettwitz.
Das Fernbleiben des letzteren aber erklärte ſich auf
eine ganz unerwartete Weiſe. Er hatte ſich im Laufe des
Spätnachmittags mit Ella von Wertern verlobt und
prä=
ſentierte bereits am Abend ſeine Braut dem Kreiſe der
alten Stiftsfräuleins, die ſich um das Geburtskind
ver=
ſammelt hatten. Die Damen Leerſen hatten wegen einer
plötzlich eingetretenen Unpäßlichkeit von Exzellenz abſagen
laſſen. Man brachte dieſe „Unpäßlichkeit” und die tags
darauf erfolgte Abreiſe — beider Damen in enge
Verbin=
dung mit der eben ſtattgefundenen Verlobung und traf, ohne
natürlich den wirklichen Zuſammenhang zu ahnen, dan
Nagel auf den Kopf.
Der den Schneltnit nderſoſtlche Der Beſedmn
er an Frau von Leerſen nach ſeiner Unterredung mit ihrer
Tochter im Walde geſchrieben und in dem er ſich kein Blatt
vor den Mund genommen hatte, „ſaß”, das wußte er.
Dieſe plötzliche und oſtentative Abreiſe paßte ihm ſehr
gut in ſein Programm. Ja, er hatte ſogar beſtimmt auf
ſie gerechnet und ſo ſeinen „Racheplan” eingefädelt.
Nie=
mand ahnte, daß er, der „glückliche neugebackene
Bräu=
tigam”, ein ſchmählich Zurückgewieſener war. Er ſorgte
nun dafür, es überall zu verbreiten, daß die Damen
Leer=
ſen ihn ſchon während ſeiner Uebungszeit in Bellburg in
ihr Haus gezogen und in nicht mißzuverſtehender Weiſe
auf eine Verlobung von ihm mit Chriſta hingearbeitet
hätten. Aber ſo nett das Mädchen äußerlich erſchien, er
hatte ſie durchſchaut. Eingebildet, kalt, ſtolz war ſie, und
außerdem in den großartigſten Anſprüchen erzogen. Nein,
er war, wie ſeine Wahl bewies, für eine beſcheidene, ſolide
Frau, die das Glück, von ihm gewählt zu werden, auch
voll und richtig begriff.
Das tat denn auch Ella von Wertern entſchieden. Sie
ſchwebte tatſächlich vor Glück und Seligkeit im ſiebenten
Himmel und legte ſich durchaus keinen Zwang auf, dieſe
Tatſache irgendwie zu verheimlichen. Ihre Mutter und
Gertrud waren mit ihr gleichfalls geradezu beſeligt über
das kaum glaubliche Glück, daß Ella heiraten ſollte, und
noch dazu einen ſolchen Mann, der über Millionen
ver=
fügte. Sie wetteiferten miteinander, Jesko von
Schmett=
witz zu verwöhnen und zu vergöttern. Er aber empfand
dieſe Verhimmelung ſeiner Perſon zunächſt wie Balſam,
der ſich auf ſeine auf das tiefſte gekränkte Eitelkeit legte,
und ſpäter als etwas durchaus Begreifliches und ihm
Zu=
kommendes.
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 23. September 1912.
Nummer 224.
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Nur wenn er mit ſeiner Braut allein war, beſchlich
ihn immer ein unbehagliches Gefühl. In Gegenwart von
anderen war es ſelbſtverſtändlich, daß, außer einem
ge=
legentlichen Handkuß, jede Zärtlichkeit unterblieb, aber
wenn ſie allein und unbeobachtet waren, erſchien es Ella,
als habe ſie ein Anrecht darauf, um das ſie ſich nicht
brin=
gen laſſen wolle. Sich zärtlich an ihn ſchmiegend, drängte
ſie ihn, der eigentlich ſehr ſchweigſam in dieſem Punkte
war, ihr über ſeine Liebe zu ihr zu ſprechen. Eine
regel=
rechte Liebeserklärung, von der ſie ſonſt immer geträumt
hatte, hatte er ihr ja überhaupt nicht gemacht. Schriftlich
hatte er um ſie geworben und ſchriftlich ihr Jawort
er=
halten. Nun beſtürmte ſie ihn mit Fragen und Bitten, ihr
zu erzählen, „wie es eigentlich gekommen ſei, daß er ſie
liebe‟ Denn, daß Jesko ſie liebte, darüber beſtand bei
ihr kein Zweifel. Sie war nicht mehr jung — und
Ver=
mögen hatte ſie auch keins. Das Glück ihres Brautſtandes
verſchönte ihr ſchmales, blaſſes Geſichtchen, wenn es um
Mund und Augen auch ſchon die leiſe ſich bemerkbar
machen=
den Zeichen des Welkens und Verblühens trug. Dazu
das reizloſe, magere Körperchen! Jesko hatte ſich ſeine
zukünftige Frau äußerlich doch etwas anders gedacht!
Mit fieberhafter Eile ſorgte er dafür, daß ſo bald als
möglich die wappengeſchmückten Verlobungskarten in die
Welt gingen.
Die erſte erhielt Karl Auguſt von Leerſen.
Dann eröffnete Jesko eines Tages ſeiner Braut, er
wünſche ſehr, daß die Hochzeit ſchon in einigen Monaten
ſtattfände. Leider müſſe er aber vorher eine Reiſe in die
Vereinigten Staaten machen, da er ſelbſt bei großen
Pe=
troleumbohrungen beteiligt ſei. Seine Anweſenheit ſei
aus vielen Gründen durchaus nötig.
Seiner ob dieſer Trennung etwas faſſungsloſen Braut
drückte er als Abſchiedsgeſchenk einen wundervollen
Bril=
lantſchmuck in die Hand und ſeiner zukünftigen
Schwieger=
mutter verſtohlen ein umfangreiches Scheckbuch.
Dann brachte er ſeine Braut und deren Angehörige
in ſeinem Auto ſelbſt nach Breslau, ließ ſich dort durch
alle möglichen Verlobungsdiners und Soupers feiern,
machte die nötigſten Viſiten mit ſeiner Braut und reiſte —
erleichtert ab, vorerſt für einen Tag nach Bellburg. In
ſeinem eleganten Junggeſellenheim entnahm er daſelbſt
ſeinem Schreibtiſch einen Stoß Schuldſcheine, die alle
die=
ſelbe Unterſchrift trugen, und ſandte ſie mit dem
Bemer=
ken, daß dieſe Summen ſofort einzutreiben ſeien, an einen
ihm bekannten Wucherer. Nach dieſer ihn offenbar außer
ordentlich befriedigenden Tat telegraphierte er an
Fräu=
lein Miezi Außenberger am Apollotheater in Berlin
Mache Spritztour nach Amerika. Willſt Du mit? Prompt
nach wenigen Stunden ſchon, traf die bejahende Antwort
der Dame ein.
In Anbetracht dieſer längere Zeit in Anſpruch
neh=
menden „Geſchäftsreiſe” befahl er ſeinem im Stillen den
Kopf ſchüttelnden Kammerdiener, daß die großen gelben
Koffer gepackt würden.
Dieſe großen gelben Koffer wurden ſtets nur benutzt
wenn Herr von Schmettwitz „in Geſellſchaft” reiſte.
Er war äußerſt zufrieden mit ſich. Grandios hatte
er ſich benommen, geradezu grandios in dieſer Affäre.
Leerſen . .! Zu Boden geſchmettert hatte er ſie alle und
ſo ſeine Niederlage gerächt! Es war dafür geſorgt, daß
ſie ſeiner lange nicht vergeſſen würden. Ha, wie Karl
Auguſt nun knacken würde an den Nüſſen, die er ihm als
liebevolles Andenken an ihre einſtige Freundſchaft
hinter=
ließ! Was würde die ſtolze Exzellenz, die ſo falſch mit
ihm geſpielt hatte, nun zu ſeinem Spiel ſagen? Und was
die andere, an die er nicht denken wollte, und von der zu
ſprechen er auch Ella ein für allemal verboten hatte?
Immer mehr redete er ſich ein, daß, ſeine mehr als
überſtürzte Verlobung mit Ella von Wertern eigentlich eine
große diplomatiſche Klugheit ſeinerſeits ſei. Den das
eine ſtand jedenfalls feſt: er hatte ſich durch dieſe
Verlob=
ung mit dem ſanften, fügſamen Mädchen etwas gewahrt,
was bei — der anderen wohl unfehlbar in die Binſen
ge=
gangen wäre: ſeine perſönliche Freiheit! (Das bewies
ſeine Reiſe nach Amerika jetzt am beſten. Er würde ſich
aber dieſe Freiheit auch in Zukunft zu wahren wiſſen, das
ſtand bei ihm feſt! Bei der geradezu abgöttiſchen Liebe,
die die gute Ella für ihn hegte, würde ſie, wenn er es
nur ſchlau anfing, ſtets tun, was er verlangte. Zudem,
ſeitdem Ella ihre Toilette aus Paris bezog, ſah ſie
wirk=
lich ſchick aus, vornehm, ganz ſeiner würdig. Er hatte
übrigens erfahren, daß die rötlich blonden Haare Ellas
das Erbteil einer Großmutter waren, die weitläufig mit
einem regierenden fürſtlichen Hauſe verwandt war, und er
fand nun dieſe Haare ſehr ſchön und eigenartig. Die
„fürſtliche” Großmutter imponierte ihm ſehr. Werterns
waren entſchieden auch von älterem Adel als dieſe
Leer=
ſens! Alſo, es war ein glücklicher Menſch! Eines nur
hätte er brennend gern gewußt: ob jene andere, um
derent=
willen er Ella zu ſeiner Braut gemacht hatte, ſeine raſche
Verlobung unangenehm und kränkend empfandl
(Fortſetzung folgt.;
Nummer 224.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 23. September 1912.
Seite 15.
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An unſere Mirglieder.
Das 50 jährige Beſtehen unſerer Genoſſenſchaft wird am
6. Oktober d. J.
durch einen Feſtakt, an den ſich ein Feſteſſen anſchließen wird,
ge=
feiert werden. Zu beiden Veranſtaltungen, die im ſtädtiſchen
Saal=
bau ſtattfinden, laden wir unſere Mitglieder mit der Bitte um
zahl=
reiche Beteiligung ein.
Der Feſtakt beginnt um 11 Uhr, das Feſteſſen um 2 Uhr.
Pünktliches Erſcheinen iſt dringend geboten. Zur Teilnahme
am Feſtakte kommen für unſere Mitglieder und deren Ehefrauen
Eintrittskarten zur Ausgabe, die nur perſönlich gültig und auf unſerem
Büro von heute ab bis Ende dieſes Monats erhältlich ſind. Für die
Damen werden die Galerien freigehalten.
Diejenigen Mitglieder, die ſich am Feſteſſen beteiligen wollen,
werden gebeten, ſich von heute an bis ſpäteſtens 26. September
entweder in eine in unſerem Geſchäftslokale aufliegende Liſte
einzu=
tragen oder ſich ſchriftlich bei uns anzumelden. Die Karten, zum
Preiſe von Mk. 3.— das trockene Gedeck, ſind ſogleich bei der
An=
meldung zu löſen.
Wir bitten unſere Mitglieder, auch durch Schmückung ihrer
Häuſer dem Gedenktage unſerer Genoſſenſchaft einen beſonderen
feſtlichen Ausdruck verleihen zu wollen.
(19078a
Darmſtadt, 12. September 1912.
Darmſtädter Volksbank
Eingetragene Genoſſenſchaft mit beſchränkter Haftpflicht.
Der Aufſichtsrat:
Der Vorſtand:
Ludwig Roll, Vorſitzender. Stein. L. Habicht. Thomas.
HrisgemerbvereinWarmstadf.
An den Tagen vom 25. September bis inkl. 2. Mtober finde
nochmals eine Beſichtigung der Ausſtellung
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Vor=
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Anläßlich der Fiſch=Kochkurſe, die im Vorjahre auf ſtädtiſche
Koſten ſtattfanden, wurde verſchiedentlich die Einrichtung ſolcher
Kurſe auf Koſten der Teilnehmerinnen für Frauen und Mädchen
aus den finanziell beſſer geſtellten Kreiſen angeregt. Es iſt deshalb
geplant, im Oktober derartige Kurſe zu veranſtalten.
Die Kurſe können je nach Bedarf in den Küchen der
Haus=
wirtſchaftlichen Fortbildungsſchule in der Rundeturm=,
Lager=
haus= und Hermannsſtraße abgehalten werden. Jeder Kurſus
wird 4 Uebungstage zu je 3 Stunden umfaſſen, die je nach Wahl in
die Zeit von 3—6 Uhr nachmittags oder 7—10 Uhr abends verlegt
werden können.
Die hergeſtellten Gerichte werden jedesmal am Schluß des
Unterrichts in gemeinſamer Mahlzeit von den Teilnehmerinnen
ver=
zehrt. Von den Küchenreinigungsarbeiten ſind die Teilnehmerinnen
dieſer Kurſe befreit.
Alle, die ſich an dieſen Kurſen beteiligen wollen, werden erſucht,
ſich am nächſten Dienstag, 24. d. Mts., zwiſchen 3—5 Uhr, in
der Schulküche der Abteilung I der hauswirtſchaftlichen
Fort=
bildungsſchule, Rundeturmſtraße 11, bei dem Leiter der Anſtalt
zu melden.
Die Koſten betragen für jede Teilnehmerin 2 Mk., welche
bei der Anmeldung zu entrichten ſind. Weitere Koſten entſtehen nicht.
Darmſtadt, den 17. September 1912.
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Montag, den 23. September 1912.
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Zum erſten Male wiederholt:
Der Gardeoffizier.
Perſonen:
Der Schauſpieler . Kurt Ehrle
Die Schauſpielerin,
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ſeine Frau
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Minna Müller=
Die Mama.
Rudolph
Das Stubenmädch. Em. Mühlpfort
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Eine Köchin . . . . Paula Karſtedt
Ort der Handlung: Wien.
Geſtaltung d. Bühnenbildes:
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inſpektor Ernſt Schwerdtfeger.
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I. Rang 4.60 M., II. Rang: 1.—6.
Reihe 2.60 M., 7. u. 8. Reihe 2.05 M.,
Sperrſitz: 1.—13. Reihe 4.10 M.,
14.—20. Reihe 3.30 M., Parterre:
1.—5. Reihe 2.80 M., 6.—8. Reihe
2.25 M., I. Gal. 1.25 M., II. Gal.
0.65 M.
Anf. 7½ Uhr. Ende 10½ Uhr.
Kartenvk. v. 9½ —1½ u. v. 6½ Uhran.
Verkauf für die Vorſtellungen:
Dienstag, 24. Sept. 13. Ab.=Vſt.
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„Wennich König wäre!”. Gew.
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Mittwoch, 25. Sept. 14. Ab.=Vſt.
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Gewöhn. Preiſe. Anfang 7 Uhr.
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wochenbericht.) Die Geldverhältniſſe in
Deutſch=
land waren in dieſer Woche nicht ſo angeſpannt, ſo daß
auch der Status der Reichsbank in günſtiger Weiſe
aus=
fallen konnte, und damit die befürchtete Diskonterhöhung
vorerſt unterblieb Die Spekulation hat, ſoweit ſich
über=
ſehen läßt, bereits für den kommenden Ultimo die
Prolon=
gationen ſchon jetzt größtenreils erledigt, wobei allerdings
die Sätze zeitweiſe 7 Prozent erreichten, dabei aber Geld
ausreichend vorhanden war. Tägliches Geld iſt natürlich
weſentlich billiger, etwa 4 Prozent, bei einem
Privatdis=
kont von 4¾ Prozent. Die Stimmung der Börſe war
zu Wochenbeginn recht feſt zu nennen, dann aber machten
politiſche Gerüchte wegen des Mittelmeeres zeitweiſe
ver=
ſtimmenden Eindruck. Die Nichtbeſtätigungen dieſer
Meldungen brachten wieder beſſere Tendenz, umſomehr an
dem baldigen Friedensſchluß zwiſchen Italien und der
Türkei nicht mehr zu zweifeln iſt. Der Verkehr geſtaltete
ſich im allgemeinen ziemlich lebhaft.
Zu den Einzelheiten übergehend ſind Deutſche Renten
im ganzen wenig verändert, einiges Intereſſe beſtand für
heſſiſche Gattungen und unter den bayeriſchen Werten
waren die 3½prozentigen konvertierten Pfälziſchen
Eiſen=
bahn=Prioritäten faſt 1 Prozent höher, ebenſo ſind 3
pro=
zentige 1896er Baden um über 1 Prozent geſtiegen. Von
den ausländiſchen Staatsfonds lagen die ruſſiſchen, tür=
kiſchen, ferbiſchen und bulgariſchen alle ſehr feſt, ebenſo die
Rumänier. Man ſieht hieraus, daß das ganze
Säbel=
geraſſel. am Balkan vorwiegend den Senſationsberichten
zuzuſchreiben iſt. Bemerkenswert waren die
Verhand=
lungen des Münchener Bankiertages inbezug auf den
Kursſtand der deutſchen Anleihen. Es ſind Mittel
vorge=
ſchlagen worden, den Markt zu heben und auszudehnen,
die Reſolution betonte die Notwendigkeit einer Einſchränk
ung des Anleihe=Emittierungs=Syſtems. Aus den
De=
batten heraus klang jedoch immer die Verzinſungsfrage
als das Maßgebendſte. Solange eben das Publikum bei
anderweitiger Anlage für ſeine Kapitalien höhere
Geld=
ſätze erzielt, iſt keine erhebliche Aenderung in den
Kurs=
verhältniſſen zu erwarten. Die Vorgänge im ungariſchen
Parlament haben auf den Kurs der ungariſchen Renten
kaum eine Wirkung ausgeübt. Es ſcheint nach den
Er=
klärungen des ungariſchen Finanzminiſters das Projekt
einer neuen Anleihe in Ausarbeitung, wofür ja die
un=
gariſche Staatsverwaltung zur Aufnahme von 165
Mil=
lionen Kronen bereits autoriſiert iſt.
Von Transportwerten waren Hamburger Paketfahrt und
Nordd. Lloyd wieder ſehr lebhaft, aber es iſt ein Stillſtand
in der Kursgeſtaltung eingetreten, weil überwiegende
Ge=
winſt=Abgaben ſtattfanden. Auch Lombarden (Südbahn)
ſtiegen bis 22½, um 21¾ zu ſchließen, 3prozentige
Priori=
täten viel gekauft und zwiſchen 54¾—55½—54½
vari=
ierend. Weſentlich höher notieren Baltimore und Ohio,
für welche gute Einnahmen ſtimulierten. Banken waren
dieſe Woche ohne Anregung und Kursveränderung, nur
Ottomanbank bis 140 ſteigend. In Montanpapieren war
der Verkehr animiert, auf die günſtige Situation der
In=
duſtriemärkte, insbeſondere auch für Kohlenwerte.
Gelſen=
kirchener ſtanden im Vordergrunde und ſchließen mit
erheb=
lichem Kursgewinn gegen die Vorwoche, auch Harpener,
Bochumer und Phönix nicht zu vergeſſen als weſentlich
höher. Oberſchleſiſche Eiſen (Caro=Hegenſcheidt)
erreich=
ten 93¾.
Am Kaſſainduſtriegebiet war der Hauptverkehr in
Kleyer, die bis 620 ſteigen konnten, um 611, alſo immer
noch 25 Prozent höher als in der Vorwoche, zu ſchließen.
Man macht ſich mit dem Gedanken vertraut, daß die
kom=
mende Kapitalserhöhung bei einem Bezugsrechtsmodus
von 150 Prozent für die alten Aktionäre einen erklecklichen
Gewinn ergeben. Ueberhaupt zeigten ſich die meiſten
Ma=
ſchinenfabrikswerte geſucht und beſſer. Daimler waren
bis 338 und Benz bis 244 genannt. Bielefelder zeitweiſe
500¾, dann wieder 505½, Mannesmann 225. Chemiſche
Aktien lagen ſchwächer: Deutſche Gold= und Silberſcheide=
Anſtalt 698½ Holzverkohlung 350,60 Höchſter 645,10,
Che=
miſche Griesheim 259, Badiſche Anilin 539. Elektrizitäts=
und Petroleums=Aktien ebenfalls ſtiller. Von Kaliwerten
wurden Weſteregeln bevorzugt (226). Zuckeraktien ſtärker
offeriert, Waghäuſel 207,90, Frankenthal 425. Gummi
Peter hielten ſich feſt bei 101; ferner notieren die
ver=
ſchiedenen Zementaktien höher auf die günſtigen
Aus=
laſſungen einzelner Geſellſchaften. Erwähnenswert iſt
noch die weitere Steigerung der Peruaner in London
(preféred 58½, comon 13,68). Die Maſchinenbau=
Geſell=
ſchaft Karlsruhe verteilt für das verfloſſene Geſchäftsjahr
8 Prozent, gegen 6 Prozent im Vorjahre; deren letzter
Kurs ſtellte ſich auf 172,10.
Von Loſen notieren: Augsburger 34,20,
Braunſchwei=
ger 204,10, Pappenheimer 64,—, Genua 205,—, Türkiſche
176,80, Meininger 33,30, Ungariſche 365,25, Freiburger
7325, Venediger 46,90, Mailänder 45=Francs=Loſe 140,—,
Mailänder 10=Francs=Loſe 35,—, Raab=Grazer
Anrechts=
ſcheine 37,75, in Reichsmark; Gothaer Prämie II 118,40 B.,
DonauRegulierung 149,—, Madrider 74,—, in Prozent.
Ferner ſchließen: 4proz. Reichs (unkündbar bis 1918)
100,40 G., 3½proz. Reichs 88,85, 3proz. Reichs 78,65, 4proz.
Heſſem von 1899 99,75, 4proz. Heſſen von 1906 100,—, 4proz.
Heſſen von 1908/09 99,85, 4proz. Heſſen (unkündbar bis
1921) 100,50, 3Aproz. Heſſen 87,20, 3proz. Heſſen 76,70,
4proz Darmſtädter 98,60 G., 3½proz. Darmſtädter 89,50 G.,
4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (Serie 18—23) 99,80 G.,
4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (Serie 24—25) 99,90 G.,
3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (Serie 3—5) 87,90 G.,
3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (Serie 9—11) 88 G.,
4proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 10—12) 99,80 G.,
4proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 13—14) 99,90,
3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serſe 1—3) 88,10 G.,
3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 4) 88 G.,
Darm=
ſtädter Bank 123½, Südd. Eiſenbahn=Geſellſchaft 128,
Südd. Immobilien=Geſellſchaft (Mainz) 64 B., Leder=
werke vorm. Spicharz (Offenbach a. M.) 65,— Schramms
Lack= und Farbenfabriken (Offenbach a. M.) 285,—,
Che=
miſche Mühlheim a. M. 64,50, Schantungbahn 137,—4
South=Weſtafrika 141,25, Otavi=Anteile —,— Otavi=
Ge=
nußſcheine —,—, 4½proz Ruſſen 100,40, 4proz. 1880er
Ruſſen 90,30, 4proz. 1902er Ruſſen 90,75, 3¼proz. Ruſſen
88,60, 3½proz. Ruſſen 83,—, 3proz. Ruſſen 79,—, 4
proz=
unifizierte Türken 90,80, 4proz. Adminiſtrations=Türken
83 G., 4proz. Bagdad=Türken 83,30, 4proz. konvert. Türken
(1905/11) 81 G., 5proz. Chineſen 99,60, 4½proz. Chineſen
94,62, 5proz. Chinieſen (Tientſin Pukow) 98.—, 4½proz.
Japaner 94,30, 4proz. Japaner 87,—, 3proz. Buenos=
Aires 70,75.
Sport.
* Pferdeſport. Breslauer Herbſt=Meeting.
Graf Johannes Renard=Rennen, 6000 Mark, Diſtanz 1200
Meter: 1. Kgl. Haupt=Geſtüt Graditz’ Sirene (F. Bullock),
2. Third Ace (Spear), 3. Saint Gabriel (Cleminſon). Tot.
34:10. — Henckel=Handicap, 6000 Mark, Diſtanz 2200 Meter:
1. Hrn. Fr. Wagners Marius (Spear), 2. Germania I
(Jentzſch). Tot. 17.10. — Wratislawia=Preis, 25000 Mk.,
Diſtanz 1200 Meter: 1. Freifrau v. Thiele=Winklers
Swantewit (Shurgold), 2. Eidechſe (F. Bullock), 3. Dryade
(Cleminſon)). Tot. 97110. — Verſuchs=Handicap, 3500
Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1. Hrn. R. v. Wallenbergs
Gaudeamus (O. Müller) 2. Vagabund (Shurgold), 3.
Fa=
bott (Liſter). Tot. 17110. — Verkaufs=Rennen, 4500 Mark,
Diſtanz 1200 Meter: 1. Hrn. E. Bauers Malta (F.
Bul=
lock), 2. Delila (Scheffer), 3. Caligula (Fox). Tot. 18110.
— Herbſt=Handicap, 5000 Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1.
Hrn. J. Oldes Götterſage (Blades), 2.— Margarete
(Shurgold), 2.— Bob (Cleminſon). Tot. 90110. —
Nams=
lauer Jagd=Rennen, 5000 Mark, Diſtanz 3500 Meter: 1.
Lt. v. Schmidt=Paulis Edda (Weishaupt), 2. Florian
(M. Seiffert), 3. Hades (Rewey). Tot. 27.10.
Rennen zu Hoppegarten. Bollensdorfer
Handikap; 6200 Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1. Herren A.
und C. v. Weinbergs Poltergeiſt (F. Bullock), 2. Was
ihr wollt (Cleminſon), 3. Kurier (Raſtenberger). Tot.
45:10, Pl. 20, 63, 31:10. Unpl.: Rowdy (4), Baſalt II,
Kondor, Reichsanwalt, Koko, Brabant, Saltim=Banque,
Hab mich lieb, Maximilian, Maritza, Sara, Parbleu. Sehr
ſicher, ¾ Lg.-Hals. — Glocke=Rennen; 7300 Mark, Diſt.
2000 Meter: 1. Frhrn. v. Reiſchachs Oktopus (Shurgold),
2. Lupus (T. Rice), 3. Maſter (F. Bullock). Tot. 58:10,
Pl. 18, 24, 17.10. Unpl.: Rex II (4), Royaliſt, Cimon,
Major Fife, Hubertus. Gegenwehr, Kopf-½—¾ Lg.
Falkenhauſen=Memorial; 13000 Mark, Diſtanz 1400
Me=
ter: 1. Frhrn. S. A. v. Oppenheims Blautopaz (
Archi=
bald), 2. Venetia (F. Bullock), 3. Pirol (Fox). Tot.
22110, Pl. 11, 10:10. Unpl.: Orchidee. Sicher, Kopf-2.
Längen. — September=Handikap; 13000 Mark, Diſtanz
1600 Meter: 1. Major v. Levinskis Sherlock Holmes
(Fox), 2. Senechal (Janek), 3. Taftjoy (Jentzſch). Tot.:
176110, Pl. 34, 18, 19:10. Unpl.: Sekret (4), Gutfreund,
Jor, Pakt, Oranier, Blumenflor, Maruſchka, Zandvoort,
Landvogt, Charakter, Lily, Heloiſe, Pfefferminz. Leicht,
* Lg.-Hals. — Alpheda=Rennen; 5000 Mark, Diſtanz
1000 Meter: 1. Herrn A. v. Schmieders Wallnuß (
Haber=
land), 2. Chutbeh (H. Teichmann), 3. Goldbach (Wenſch).
Tot. 385:10, Pl. 92, 19, 411:10. Unpl.: Erle (4), Alice,
Droma, Glenarka, Quart, Au revoir, Konſtantin, Schneid,
Todchic, Hildur, Kaſſala, Quäkerin, Pulver, Tambour,
Prinz=Gemahl, Salta. Leicht, ¾—1 Lg. — Schadow=
Rennen; 6200 Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1. Frhrn. S. A.
v. Oppenheims Majeſtie (Archibald), 2. L’Amour (
Shur=
gold), 3. Wolga (F. Bullock). Tot. 19110, Pl. 13, 29,
19110. Unpl.: Herkus Monte, Sturmflut, Holofernes,
Jasmin, Markus, Ortrecht, Rubel, Maſſai, Parze.
Gegen=
mehr, ½—3 Lg. — Realiſt=Rennen; 5000 Mark, Diſtanz
1200 Meter: 1. Herrn R. Haniels Turmfalke (Rice), 2.
Friſch (Spear), 3. Nikias (Fox). Tot. 46:10, Pl. 17, 20,
23:10. Unpl.: Huſarenliebe, Reichspoſt, Roſenkavalier,
Sabinerin, Veſtalin. Sicher, ¾—½ Lg.
* Neue Motorrad=Weltrekords wurden auf der
Lon=
doner Brooklands Automobil=Rennbahn mit einem 12/16
Ps. Sunbeam=Rad über 400 engliſche Meilen, ſowie 4
und 5 Stunden aufgeſtellt. Die neuen Zeiten waren: 400
Meilen in 5 Std. 5 Min. 53 Sek. (alter Rekord 5.20:31),
4 Std.: 319 Meilen 242 Yards (300 Meilen 1421 Yards),
5 Std.: 391 Meilen 1429 Yards (373 Meilen 135 Yards).
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