Darmstädter Tagblatt 1912


20. September 1912

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175. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Der Ehrenbeigeordnete der Stadt Darmſtadt Philipp
Kahlert iſt geſtern nacht geſtorben.
Das Zeppelin=Luftſchiff Hanſa unternahm
geſtern eine wohlgelungene Fahrt von Hamburg
nach Kopenhagen und zurück.
Die angeſtellten Ermittlungen haben die Möglichkeit er=
geben
, das bei Helgoland geſunkene Torpedo=
boot
G. 171 zu heben. Das Reichsmarineamt hat
den nordiſchen Bergungsverein mit dieſer Arbeit betrauk.
Durch ein Großfeuer wurden eine Schiffswerft und
ein Sägewerk in Halle a. S. zerſtört.
Infolge der Vorgänge im ungariſchen Parlamente fanden
am Mittwoch abend Straßendemonſtrationen
in Peſt ſtatt, bei denen zahlreiche Perſonen verletzt
wurden. Viele Verhaftungen wurden vorgenommen.
Die engliſchen Manöver ſind am Mittwoch abend
plötzlich abgebrochen worden.

Frankreich und Spanien.

Als die Verhandlungen zwiſchen Berlin und Paris
über die Regelung der Marokkofrage ſich ſo
lange hingezogen hatten, hieß es allgemein, daß die
gleichen Verhandlungen zwiſchen Frankreich und Spanien
angeſichts der Freundſchaft der beiden Staaten ſehr
ſchnell von ſtatten gehen würden. Seitdem iſt Monat auf
Monat verronnen und noch immer iſt kein Ende abzu=
ſehen
, ſo oft auch ein ſolches gemeldet wurde. Im Gegen=
teil
, die zwiſchen Paris und Madrid gepflogenen Erörte=
rungen
haben ſich zeitweilig bedenklich zugeſpitzt und über=
dies
hat es in Marokko ſelbſt an Zwiſchenfällen nicht ge=
fehlt
, die geeignet waren, die Verhandlungen weiter zu
verzögern.
Der Grund dieſer Hinziehung iſt leicht erſichtlich,
Spanien hatte ſeit Jahren in Marokko feſten Fuß gefaßt,
während Frankreich erſt jetzt gekommen iſt. Man glaubt
daher in Madrid gute alte Rechte zu beſitzen und ſetzt da=
her
den franzöſiſchen Abſichten ſchwerſten Widerſtand ent=
gegen
. Aus dieſem Gefühle reſultieren vielleicht auch die
vielfachen Reibungen, die mehr als einmal diplomatiſche
Auseinanderſetzungen zur Folge hatten. In der
letzten Zeit hat auch das Verhalten des ſpaniſchen
Konſuls in Marrakeſch zur Verbitterung der Gemüter
beigetragen, da Spanien keinerlei Miene machte, ſeinen
Vertreter zu desavouieren. Jetzt heißt es ſogar, Frank=
reich
wolle ſeinen Botſchafter in Madrid abberufen, falls
die ſpaniſche Regierung nicht ausreichende Genugtuung
gewähren würde.
Es läßt ſich nicht leugnen, daß die alte Freundſchaft
zwiſchen Frankreich und Spanien Surch die Marokkofrage
eine gewaltige Einbuße erhalten hat und daß dieſe Diffe=
renzen
für die Konſtellation der Mächte nicht ohne Bedeu=
tung
ſein können. In Frankreich gibt es allerdings Kreiſe,
denen dieſe Entfremdung ſehr unangenehm iſt, weil ihre
eigenen marokkaniſchen Intereſſen dabei im Spiele ſind.
Man bemüht ſich daher von dieſer Seite, die Situation
ſo optimiſtiſch wie möglich hinzuſtellen und immer wieder
zu betonen, daß der Abſchluß der Verhandlungen un=
mittelbar
bevorſtehe. Insbeſondere erhofft man ſich viel
von dem angekündigten Beſuche König Alfonſos in Paris.
Die Differenzen führt man einfach auf Deutſchland zurück
und beſleißigt ſich, zu verſichern, daß ſich die Stimmung der
ſpaniſchen Bevölkerung zu ungunſten Deutſchlands von Tag
zu Tag ſteigere. In Wahrheit liegen die Tatſachen gerade
umgekehrt und es fehlt jenſeits der Pyrenäen nicht an
Stimmen, welche die Haltung Deutſchlands billigen,
namentlich als es gegen die Errichtung einer Zollgrenze
in Marokko proteſtierte.
Man hat bisher Spanien als ein willenloſes Anhäng=
ſel
der Triple=Entente betrachtet, indeſſen ſcheint man ſich
in dieſer Hinſicht doch gewaltig geirrt zu haben. In Spa=
nien
iſt der Nationalſtolz wieder erwacht und man will
nicht ſeine guten Rechte in Marokko aufgeben, wie es
Spanien von franzöſiſcher Seite zugemutet wid. In In=
tereſſenfragen
hört eben eine Freundſchaft auf und man
kann daher die geringe Bereitwilligkeit der Spanier auf
die franzöſiſchen Forderungen hinſichtlich Marokkos nur

ſehr begreiflich finden. Zu einer Einigung zwiſchen
Frankreich und Spanien wird es wohl kommen, indeſſen
ſteht es außer Frage, daß dieſer Zwiſt auf die Stimmung
des ſpaniſchen Volkes, das auf die Volitik des Landes
ziemlichen Einfluß hat, nicht ohne tiefe Wirkung bleiben
wird.

Deutſches Reich.

Die deutſchen Manöver in franzö=
ſiſcher
Beleuchtung. Der Matin beſchäftigt ſich in
ſeinem geſtrigen Leitartikel mit den deutſchen Manövern.
In dem Artikel heißt es u. a.: Obgleich noch vieles unvoll=
kommen
ſei, wenigſtens vom deutſchen militäriſchen
Standpunkt aus betrachtet, ſo ſei doch das Lob der deut=
ſchen
Preſſe über die letzten Manöver im allgemeinen be=
rechtigt
. Die erzielten Fortſchritte ſeien im Vergleich
mit den Manövern vor zwei Jahren große. Aus den
diesjährigen Manövern gewinne man den Eindruck einer
impoſanten Stärke und Sicherheit. Die Organiſation war
eine vorzügliche und die Ausführung der Befehle erfolgte
ſchnell und präziſe. Ueberall fand man eine wunderbare
Diſziplin und man kann verſichern, daß alle Möglichkeiten
ſo weit wie möglich vorgeſehen und nicht dem Zufall, die=
ſem
großen Feldherrn der Schlachten, überlaſſen waren.
Die verſchiedenen Dienſtzweige, z. B. drahtloſe Tele=
graphie
, Benutzung der Telephonie, Verproviantierung
durch Feldküchen uſw., arbeiteten vorzüglich, aber was die
Flugſchiffahrt anbetrifft, ſo waren die Leiſtungen derſelben
gleich Null. (!) Flug=Apparate ſind wenig aufgeſtiegen.
Sie waren vollkommen unzureichend.
Zuſammenkunft der Dreibund= Mo=
narchen
? Wie das Giornale d’Italia zu melden weiß,
iſt Graf Berchtold an die deutſche ſowie die italieniſche
Regjerung mit dem Vorſchlag herangetreten, im Früh=
ling
des nächſten Jahres eine Zuſammenkunft der drei
Herrſcher des Dreibundes herbeizuführen. Die Entrevue
ſoll im adriatiſchen Meer ſtattfinden. Wie verlautet,
haben Kaiſer Franz Joſef ſowie Kaiſer Wilhelm bereits
ihre Einwilligung gegeben, während die Zuſage König
Viktor Emanuels noch ausſieht, doch hofft Graf Berch=
told
, auch dieſe bald erlangt zu haben.
Die Betriebseinnahmen der Preu=
ßiſch
=Heſſiſchen Staatseiſenbahnen haben
im Monat Auguſt gegenüber dem gleichen Monat
des Vorjahres im Perſonenverkehr 4,2 Millionen, gleich
6,48 Prozent, im Güterverkehr 10 Millionen Mark, gleich
7,72 Prozent, insgeſamt mit Einſchluß der Mehreinnahmen
aus ſonſtigem 16 Millionen Mark, gleich 7,85 Prozent,
mehr betragen. Die Zahl der Sonntage und der Werktage
war in den beiden Jahren gleich.
Freiherr von Hertling berichtigt.
Die Korreſpondenz Hoffmann meldet: Der Artikel des
Berliner Tageblattes in Nr. 474 vom 17. September,
Unterredung mit dem Miniſterpräſidenten Freiherrn von
Hertling überſchrieben, enthält eine Reihe von Unrichtig=
keiten
und Entſtellungen. Wir werden in der Lage ſein,
demnächſt eine längere authentiſche Erklärung hierüber
zu bringen.
Der Landtag von Schwarzburg= Rudol=
ſtadt
, deſſen ſozialdemokratiſche Mehrheit, wie berichtet,
einen Sozialdemokraten zum Präſidenten und Vizepräſi=
denten
gewählt hatte, iſt, wie gemeldet, vertagt worden.
Der Landtag trat am Mittwoch in die Generaldiskuſſion
des Etats ein. Der Staatsminiſter Freiherr von der
Recke entwickelte in einſtündiger Rede die Stellung der
Regierung. Die Stellung der ſozialdemokratiſchen Mehr=
heit
vertrat in ebenfalls einſtündiger Rede der Abgeordnete
Hartmann. Dann ſprachen mehrere andere Redner. Im
ganzen ſchien Neigung für eine Verſtändigung vorhanden
zu ſein. Da verkündete um 7½ Uhr überraſchend der
Staatsminiſter, daß hinſichtlich anderer Fragen zurzeit
keine genügenden Ausſichten auf Einigung vorhanden
ſeien. Daraufhin vertagte die Staatsregierung den Land=
tag
auf unbeſtimmte Zeit. Die Linke möge in der Zwi=
ſchenzeit
überlegen, wie ſie der Lage beſſer entſprechen
könne. Man nimmt an, daß der Regierung das inzwi=
ſchen
fertiggeſtellte Gutachten des zuſtändigen Landtags=
ausſchuſſes
über die Teuerungszulage, das in ablehnen=
dem
Sinne gehalten iſt, den Anlaß zu dieſem Vorgehen
bot.
Sozialdemokraten als Hoftheater=
gänger
. An den Feierlichkeiten zur Eröffnung der
Stuttgarter Hoftheater haben auch zwei Sozialdemokraten

teilgenommen. Die Schwäb. Tagwacht ſpricht jetzt ihr
Bedauern über die Handlungsweiſe der beiden Partei=
mitglieder
aus und erklärt, ſie hätten beſſer getan, weg=
zubleiben
, um der bürgerlichen Preſſe keine Veranlaſſung
zu hämiſchen Gloſſen zu geben.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Das ungariſche Magnatenhaus verſam=
melte
ſich zur Wahl der Delegationsmitglieder. Der
Oppoſitionelle Graf Hadik richtete einen heftigen Angriff
gegen den Miniſterpräſidenten und forderte ihn auf, ſeinen
Platz zu verlaſſen, um die Wiederherſtellung des parla=
mentariſchen
Friedens zu ermöglichen. Der Miniſterpräſi=
dent
erwiderte: Die Regierung wird ihren Platz ver=
laſſen
, wenn der König oder die Majorität ihr das Ver=
trauen
entzieht, aber keine Regierung pflegt zurückzu=
treten
, weil die Minorität ihr kein Vertrauen entgegen=
bringt
. Von jeder perſönlichen Beziehung abgeſehen, würde
ein Rücktritt aus dieſem Grunde allen parlamentariſchen
Gepflogenheiten widerſprechen. Der Miniſterpräſident
ſagte ferner: Die Vorgänge in der Sitzung des Abgeord=
netenhauſes
waren beſchämend, nicht weil das Präſidium
geeignete Vorkehrungen zur Sicherſtellung der Freiheit
in den Beratungen traf, ſondern weil Abgeordnete, ſtatt
ihre ernſte Aufgabe zu erfüllen, durch Skandalſzenen ver=
hinderten
, daß der Präſident zu Worte kam.
England.
Die chineſiſche Anleiye. Wendell Jackſon,
ein Führer bei den Verhandlungen der neuen chineſiſchen
Anleihe, erklärte einem Vertreter des Reuterſchen Bureaus,
die chineſiſche Regierung habe ihren Geſandten in London
angewieſen, die britiſche Regierung davon in Kenntnis
zu ſetzen, daß der Vertrag über die neue Anleihe von ihm
mit voller Ermächtigung der Regierung abgeſchloſſen ſei.
Der engliſche Geſandte in Peking ſei hiervon ebenfalls
amtlich unterrichtet worden. Die chineſiſche Regierung
verzichte weder auf die Anleihe, noch habe ſie die Abſicht,
es zu tun. Die geſchäftliche Seite der Anleihe ſei eben=
falls
bald geregelt und bedeutende Einzahlungen zu den
in dem Vertrag vereinbarten Bedingungen geleiſtet wor=
den
, ſo 500000 Pfund Sterling in dieſer Woche. Das
Syndikat, das die Verhandlungen zu Ende geführt habe,
ſei in vollkommener Uebereinſtimmung mit den Grund=
ſätzen
der Freiheit des Handels und der offenen Tür
verfahren und habe ausreichende Geldmittel zur Ver=
fügung
, um allen Verbindlichleiten gerecht zu werden.
Es heißt, daß weder die engliſche noch die amerikaniſche
Regierung mit der neuen Anleihe einverſtanden ſeien.
Abbruchder Manöver. Die Manöver ſind Mitt=
woch
abend plötzlich abgebrochen worden. Der Grund des
Abbruchs der Manöver ſoll darin zu ſuchen ſein, daß
die Truppen infolge des ausgezeichneten Aufklärungs=
dienſtes
der Flugzeuge ihre Stellungen nicht zu halten
vermochten.
Türkei.
Die Friedensverhandlungen. Der Mi=
niſterrat
beriet über den Bericht der türkiſchen Delegierten
für die offiziöſen Friedensverhandlungen, insbeſondere
über den letzten italieniſchen Vorſchlag. Der Miniſterrat
konnte zu keiner Entſcheidung kommen. Nach ſeiner Be=
endigung
äußerte ein Mitglied des Kabinetts, daß Italien
ſich bisher den türkiſchen Vorſchlägen noch nicht genähert
habe und betonte, die Pforte würde auf keinen Ent=
ſchädigungsvorſchlag
eingehen.
Amerika.
Die Vereinigten Staaten und Nica=
ragua
. Die Ankündigung der Politik der ſtarken Hand
in Zentralmerika durch die Note an Nicaragua hat all=
ſeitig
überraſcht. Die Note iſt zwar in Abweſenheit von
Knox abgelaſſen worden, aber ſie hat Taft vorgelegen und
iſt von dem Generalanwalt Wickersham gebilligt worden.
Die markanteſte Stelle lautet: Die Revolte des Generals
Menas verletzt aufs flagranteſte deſſen feierliches Ver=
ſprechen
, das er der Regierung und dem Geſandten der
Vereinigten Staaten gegeben hat. Sein Verſuch, die Lan=
desregierung
aus völlig ſelbſtſüchtigen Abſichten und ſogar
ohne Vorgabe der Verteidigung eines Prinzips zu ſtürzen,
geſtaltet die gegenwärtige Revolution zu der unentſchuld=
barſten
in der Geſchichte Zentralamerikas. Die New=
York Times findet, daß die Waſhingtoner Uebereinkunft
von 1907, die den Vereinigten Staaten eine Art Polizei=
arwalt
in Mittelamerika gibt, ſehr breit ausgelegt ſei,

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Nummer 222.

Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. September 1912.

da ſie ſich nur auf zwiſchenſtaatliche Reibereien, nicht
aber auf innerſtaatliche beziehe.
Maroſko.
Zur Lage. Der Sonderberichterſtatter der
Agence Havas ſendet über die allgemeine politiſche und
militäriſche Lage folgende Darſtellung: Die Sicherheit
zwiſchen Marrakeſch und Mokraben Abbu ſcheint wiederzu=
kehren
, da die Angriffe auf die nach Marrakeſch gehenden
Karawanen aufhören. Alle Teile der Rehamna vereinigen
ſich angeſichts der Wiederherſtellung der Behörden und
der Wiedereinrichtung der Beamtenſchaft in der vom
Machſen geſchaffenen Form. General Dalbiez reiſte nach
Llayeb ab. Außer Streifkorps befinden ſich tägliche kleine
Abteilungen auf der Etappenſtraße Rabat=Fez, um die
Plünderer und Straßenräuber zu vertreiben. Die Be=
ſtätigung
der Einnahme Marrakeſchs und die Wiederein=
ſetzung
der Behörden machte auf die weiteſten Kreiſe der
Bevölkerung einen tiefen Eindruck. General Liautey
wird in Rabat erwartet; er beabſichtigt, nach Marrakeſch
zu gehen.

* Straßendemonſtrationen in Peſt. Das
ſozialiſtiſche Blatt Nepſzawa wurde beſchlagnahmt wegen
Aufreizung zu Straßenkrawallen. Die Polizei verfügte
auf Maueranſchlägen, daß von Mittwoch ab die Tore um
8 Uhr geſperrt würden. Die bewaffnete Macht habe den
Auftrag, mit größtem Nachdruck vorzugehen und im Falle
des Widerſtandes oder der Zerſtörung fremden Eigen=
tums
auf die Menge ſofort zu ſchießen, ebenſo, wenn ſie
aus den Fenſtern beworfen würde. Gegen diejenigen, bei
denen Schießwaffen vorgefunden würden, ſeien ſtrengſte
Verfügungen angeordnet. Am Mittwoch abend gegen
8 Uhr rottete ſich in Peſt eine große Cruppe von Demon=
ſtranten
an der Kreuzung der Racuſiſtraße und der Ring=
ſtraße
unter lärmenden Kundgebungen zuſammen. Sie
ſchlugen Fenſterſcheiben ein, zertrümmerten Gaslampen
und griffen die Straßenbahnwagen an. Polizei und Gen=
darmerie
ſah ſich daher zum Einſchreiten genötigt und
trieb die Menge auseinander. Nunmehr verübten kleinere
Trupps in den Nebengaſſen allerlei Ausſchreitungen. Auch
einige Revolverſchüſſe wurden abgefeuert. Während der
Zuſammenſtöße mit der Polizei wurden mehrere Ruhe=
ſtörer
verletzt. Bei dem Polizeiamt des 7. Bezirks wurden
etwa 100 Perſonen eingeliefert. Die Rettungsgeſellſchaft
wurde in 60 Fällen in Anſpruch genommen. 28 Verletzte
wurden den Krankenhäuſern zugeführt, darunter zwei
Pollizeibeamte. Gegen 11 Uhr irat allmählich wieder
Ruhe ein. Nach den amtlichen Feſtſtellungen ſind bei
den Straßenausſchreitungen etwa 80 Perſonen feſtgenom=
men
worden, von denen 37 in Haft behalten wurden. Ver=
letzungen
ſind zahlreiche vorgekommen. 24 Perſonen wur=
den
ſchwer verletzt.
* Tokio 18. Sept. Prinz Artur von Con=
naught
überreichte dem Kaiſer den Hoſenbandorden.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 20. September.

Säuglingsfürſorge.
* In den Tagen vom 20. bis 22. September tagt in
Darmſtadt der dritte Deutſche Kongreß
für Säuglingspflege mit der Mitgliederver=
ſammlung
der Deutſchen Vereinigung für
Säuglingsſchutz. Gleichzeitig findet eine Mit=
gliederverſammlung
der Großherzoglichen Zen=
trale
für Mutter= und Säuglingsfürſorge
in Heſſen ſtatt. Bedeutende Männer der Wiſſenſchaft
und aller ſozialen Beſtrebungen werden an dieſer Tagung
teilnehmen, die der Zukunft und dem Heile der ganzen
deutſchen Nation, ja der ganzen Raſſe, gewidmet iſt. Iſt
doch eines der aktuellſten Gebiete, mit dem ſich die Wiſſen=
ſchaft
immer intenſiver beſchäftigt, unbeſtritten die Säug=
lingsſterblichkeit
; es ſollte deshalb jede Art Belehrung
über alles, was zu Nutz und Frommen des Kindes in
ſeinem zarteſten Alter in jeder Beziehung geſchehen kann,
in möglichſt weite Schichten der Bevölkerung getragen
werden. Man ſoll ja nicht etwa die erſchreckende Säug=
llingsſterblichkeit
reſigniert als etwas Unabänderliches
hinnehmen. Es gibt genügend Mittel und Wege, um
dem Wüten der Krankheiten unter den Kleinen und Klein=
ſten
Einhalt zu tun und damit der Tatſache zu genügen,
daß jedes Individuum, das zur Welt kommt, als ein Ka=
pitalzuwachs
in nationalwirtſchaftlichem Sinne anzuſehen
iſt. Vielfach hat die Säuglingsfürſorge mit der Anſicht
zu kämpfen, daß in der großen Sterblichkeit ein der natür=
lichen
Auswahl der Kräftigſten dienender Faktor geſehen
werden könne. Dieſer Auffaſſung und der faſt abergläubi=

ſchen Scheu vor einer Uebervölkerung des Landes muß
entſchieden entgegengetreten werden. Die Erfahrung hat
ja auch gelehrt, daß ſehr häufig Kinder, die im früheſten
Alter zart und ſchwach waren und nur mit Aufbietung der
größten Sorgfalt dem Leben erhalten blieben, ſich ſpäter
zu kräftigen, widerſtandsfähigen Menſchen von höchſter
Leiſtungsfähigkeit entwickelten. Deshalb wird zunächſt
großer Wert darauf zu legen ſein, die Wege zu zeigen,
die es ermöglichen, auch unter ungünſtigen Verhältniſſen
die Neugeborenen am Leben zu erhalten und zu geſunden.
und brauchbaren Mitgliedern der menſchlichen Geſellſchaft
heranzuziehen. Die Sorge für das Kind muß natürlich
ſchon vor der Geburt desſelben einſetzen und ſich ſelbſt=
verſtändlich
auch auf die Mutter erſtrecken. Schon lange
iſt in das Programm der praktiſchen Hilfsar=
beit
die Säuglingsfürſorge aufgenommen. Wie groß
die Erfolge dieſer Tätigkeit ſind, die das ſoziale Uebel an
der Wurzel faßt, läßt ſich meſſen an der großen Zahl der
Wohlfahrtseinrichtungen, die von Privaten, Korpora=
tionen
und Behörden zugunſten der ärmeren Bevölkerung
geſchaffen wurden. Alle die ſegensreichen Anſtalten, wie
Säuglingsheime, öffentliche Milchküchen, Mutterberatungs=
ſtellen
, Wöchnerinnenheime uſw ſtiften großen direkten
und indirekten Nutzen, tragen Aufklärung ins Volk und
helfen die Volksgeſundheit und das Volksvermögen
mehren.
Dieſem Streben ſoll auch die Tagung in Darmſtadt
dienen, der Reſidenz des Landes, in dem die Säuglings=
fürſorge
beſonders tatkräftig und zielbewußt eingeſetzt
hat, und in dem ſie ſich des Schutzes der Regierung und
der machtvollen Förderung des Großherzogs und
der Frau Großherzogin zu erfreuen hat. Möge die
Tagung der Sache ſelbſt zum Segen und damit dem ganzen
Lande von Nutzen ſein!
* Vom Hofe. Die Großherzoglichen Herr=
ſchaften
begaben ſich am Mittwoch vormittag 8 Uhr
20 Min. in Begleitung der Prinzeſſin Luiſe und des
Prinzen Georg von Battenberg nebſt Gefolge im Auto
in das Manövergelände der 25. Diviſion. Die Rückkehr
nach Mainz erfolgte nachm. 1 Uhr 15 Min. Um 2 Uhr
nachm. kehrten die Großh. Herrſchaften mit den beiden
Prinzen und ihren Gäſten im Auto nach Jagdſchloß
Wolfsgarten zurück. Abends wohnten die Großherzog=
lichen
Herrſchaften mit dem anweſenden Beſuch und dem
Gefolge der Feſtvorſtellung im Großh. Hoftheater an.
Nach dem zweiten Akt empfingen die Größherzogin im
Foyer des Hoftheaters Miniſter des Innern v. Hombergk
zu Vach und Frau Gemahlin, Geheimerat Römheld und
Frau Gemahlin, Frau General Hahn und Freifrau
v. Leonhardi. (Darmſt. Ztg.)
* Forſtperſonalien. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
haben dem Forſtwart der Forſtwartei Franken=
ſtein
, Oberförſterei Eberſtadt, Georg Klöpper zu Forſt=
haus
Frankenſtein, den Charakter als Förſter, dem
Forſtwart der Forſtwartei Wahlen, Förſter Valentin
Bayerer zu Wahlen, die Krone zum Silbernen Kreuz
des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen, dem
Forſtwart der Forſtwartei Heimertshauſen, Förſter
Adam Stappel zu Heimertshauſen, das Silberne
Kreuz des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen,
dem Forſtwart der Forſtwartei Kiliansherberge, Förſter
Johannes Bing zu Forſthaus Kiliansherberge, das
Silberne Kreuz des Verdienſtordens Philipps des Groß=
mütigen
verliehen, allen aus Anlaß ihrer Verſetzung in
den Ruheſtand.
g. Schwurgericht. In der am Montag, den 23. Sep=
tember
, vormittags 9½ Uhr, unter dem Vorſitz des Großh.
Landgerichtsrats Schulz beginnenden 3. Schwurgerichts=
periode
kommen folgende Fälle zur Verhandlung: Mon=
tag
Maurer Franz Wilhelm Ohlemüller II. aus
Bensheim wegen Sittlichkeitsverbrechen, Verteidiger
Rechtsanwalt Schödler, Anklagevertreter Gerichtsaſſeſſor
Dr. Callmann; Dienstag Taglöhner Georg Müller
aus Eppertshauſen wegen Totſchlags, Rechtsanwalt
Geißner, Staatsanwalt Dr. Leoni; Mittwoch Pri=
vatkrankenpfleger
Georg Reitz aus Hetſchbach, wohnhaft
in Darmſtadt, wegen Urkundenfälſchung, Rechtsanwalt
Joſeph, Staatsanwalt Schreiber; Donnerstag Fa=
brikarbeiter
Emil Wandres aus Lahr, zuletzt in Mühl=
heim
a. M., wegen Mordverſuchs, Rechtsanwalt Hall=
wachs
, Staatsanwalt Schreiber; Freitag Kaufmann
Guſtav Eduard Voigt aus Seligenſtadt wegen Körper=
verletzung
mit tödlichem Erfolg, Rechtsanwalt Neu=
ſchäffer
Ger=Aſſeſſor Dr. Meiſel; Montag
Arbeiter Peter Faſſoth II. aus Lorſch wegen Sitt=
lichkeitsverbrechen
, Rechtsanwalt Dr. Hoffmann II., Ger.=
Aſſeſſor Dr. Meiſel; Dienstag ſeitheriger Gemeinde=
einnehmer
Joh, Adam Heim aus Ober=Schönmattenwag
wegen Verbrechens im Amt, Rechtsanwalt Dr. Jäger,
Staatsanwalt Dr. Fuchs; Mittwoch Maſchiniſt Valentin
Jakob Mos aus Lampertheim wegen Notzucht, Rechts=
anwalt
Grünewald, Gen.=Aſſ. Dr. Meiſel; Don=
nerstag
, Dienſtknecht Jakob Falkenſtein aus Hütten=
feld
und Eleonore Stoll, geb. Lotz, Ehefrau von Adam
Stoll II. aus Erzhauſen, wegen Meineid, Rechtsanwälte

Dr. Hoffmann III. und Kleinſchmidt II., Staats=
anwalt
Dr. Fuchs; Freitag Landarbeiter Adam Pet=
ſchak
und Arbeiterin Michaline Dzadek, beide aus
Bronszewize (Rußland), zuletzt auf Gut Mönchhof, wegen
Totſchlags, Rechtsanwalt Kalbhenn, Ger.=Aſſ. Gros;
Montag Taglöhner Eugen Huſer aus Biſchweiler, zu=
letzt
in Offenbach, wegen Totſchlags, Rechtsanwalt
Kleinſchmidt II., Ger.=Aſſ. Dr. Callmann; Diens=
tag
Maurer Friedrich Koch aus Neuſtadt, Schmied Joh.
Jak. Jayme aus Sandbach und Maurer Georg Heuſel
aus Sandbach wegen Körperverletzung mit tödlichem Er=
folg
, Rechtsanwälte Neuſchäffer und Dr. Bopp,
Staatsanwalt Schreiber, und am Mittwoch, den 9.
Oktober, kommt vorausſichtlich als letzte Verhandlung die
Anklage gegen den Metzger Leonhard Bauerſchmidt
aus Stadtſteinach, zuletzt in Kirch=Brombach, wegen Sitt=
lichkeitsverbrechen
, Rechtsanwalt Bendheim, Staats=
anwalt
Schreiber.
g. Strafkammer. Der Metzger Jakob Hönig aus
Frankfurt war vom Schöffengericht wegen Körperver=
letzung
zu 10 Mark und wegen Eigennutz zu 25 Mark
Geldſtrafe verurteilt worden, weil er den Hausbeſitzer
D. gemeinſchaftlich mit ſeinem Bruder körperlich miß=
handelte
, als dieſer ſich der Wegſchaffung der Möbel
widerſetzte. Friedrich Hönig hatte ſeinem Bruder ſein
Mobiliar verpfändet, war aber auch dem Hauswirt D.
die Miete ſchuldig, ſo daß dieſer von ſeinem Zurück=
haltungsrecht
Gebrauch machen wollte. Das Gericht
ſpricht den Angeklagten von der Strafe wegen Eigen=
nutzes
frei, da die Strafkammer zu ſeinen Gunſten an=
nahm
, er habe ſich zur Möbelwegſchaffung für berech=
tigt
gehalten. Der 52jährige Abonnentenſammler
Johannes Hennes aus Siegen i. W., der der Urkun=
denfälſchung
beſchuldigt war, weil er einen Abonne=
mentsvertrag
eigenmächtig auf längere Zeit, als verein=
bart
war, ausſtellte, wurde freigeſprochen, da die in=
zwiſchen
erfolgte Unterſuchung auf ſeinen Geiſteszuſtand
ergab, daß ſeine Verantwortlichkeit ausgeſchloſſen ſei.
D Vom Großh. Hoftheater. Die morgige Erſtauf=
führung
des George Dandin oder der beſchämte
Ehemann von Moliére, in der Bearbeitung von Karl
Vollmöller, mit der Muſik von Einar Nilſon, iſt gleich=
zeitig
Feſtvorſtellung aus Anlaß der deutſchen Tagung
für Säuglingsfürſorge. Der Abend wird mit der Ouver=
türe
zur Hochzeit des Figaro von Mozart eingeleitet,
die Kapellmeiſter Lert dirigiert. Die ſzeniſche Leitung des
Abends hat Herr Hacker. Die Nilſonſche Muſik dirigiert
ebenfalls Herr Lert. Die Hauptrollen ſind im Beſitze der
Damen Berka (Frau Dandin), Frau Mülker=Rudolph
(Mme, de Sotenville) und der Herren Jürgas (Dandin),
Jordan (Mr. de Sotenville) und Schneider (Clitander).
Die Schäfer und Schäferinnen des Zwiſchenſpiels werden
dargeſtellt von den Damen Jüttner und Schaub, den Herren
Bernhardt und Thomſon. Am Sonntag gehen Die Mei=
ſterſinger
von Nürnberg in Szene unter der muſikgliſchen
Leitung des Hofrats de Haan. Montag findet die erſte
Wiederholung des Gardeoffizier ſtatt. Der große Er=
ſolg
, den die Komödie bei der Erſtaufführung errang, hat
die Direktion veranlaßt, kommende Woche das Werk zwei=
mal
in Szene gehen zu laſſen.
Provinzialausſchuß. Die Tagesordnung
zur Sitzung des Provinzialausſchuſſes der Provinz
Starkenburg am Samstag, den 28. September, vor=
mittags
9½ Uhr, lautet: 1. Beſchwerde von An=
wohnern
der Ober=, Markt= und Neuen Darmſtädter=
ſtraße
in Eberſtadt wegen Erſatz von Fußſteigher=
ſtellungskoſten
. 2. Enteignung von Gelände zur Her=
ſtellung
der Ernſt=Ludwigſtraße zu Rüſſelsheim, 3. Wirt=
ſchaftskonzeſſionsgeſuch
des Friedrich Ehle zu Darmſtadt.
4. Automatenreſtaurantbetrieb des Nikolaus Lerch zu
Darmſtadt. 5. Enteignung des Geländes des Wilhelm
Schwöbel in Raibreitenbach für den Bahnbau Höchſt-
Aſchaffenburg.
n. Ehrenbeigeordneter Kahlert P. Nach längerem,
ſchwerem Leiden iſt ein Mann zur letzten Ruhe einge=
gangen
, der ſich Jahrzehnte hindurch im Geſchäfts= und
Gemeindeleben unſerer Stadt hervorragend betätigt hat
und des allgemeinſten Anſehens erfreute. In Philipp
Kahlert perliert die Bürgerſchaft einen tüchtigen Ver=
treter
und echten Ehrenmann nach arbeitsfreudigem und
erfolgreichem Leben; ihn betrauern die Gattin, mit der
er vor anderthalb Jahren das Feſt der goldenen Hoch=
zeit
feiern konnte, ſieben Kinder und zwölf Enkel, ein
großer Freundeskreis und viele die ihn kannten und
ſeinen Charakter, ſeine Eigenſchaften und Fähigkeiten zu
ſchätzen wußten. Einer alteingeſeſſenen Familie, als
Sohn des Bürgermeiſters Juſtus Kahlert entſtammend,
am 20. Oktober 1834 hier geboren, beſuchte K. nach Been=
digung
des Schulunterrichts die damalige höhere Ge=
werbeſchule
(jetzige Techniſche Hochſchule) und eignete ſich
an ihrer landwirtſchaftlichen Abteilung, ſowie in prak=
tiſcher
Tätigkeit auf verſchiedenen ausgedehnten Gütern
während der Jahre 18501856 Wiſſen und Erfahrung
an. Gerade dieſe Fachkenntniſſe kamen ihm, als er 1856
den landwirtſchaftlichen Beruf aufgab und, in das väter=
liche
Geſchäft eintretend, deſſen Feuerverſicherungszweig

Hinter den Kuliſſen von Bayreuth.

** In eine den gewöhnlichen Sterblichen ſtreng ver=
ſchloſſene
Welt, die auf unſer höchſtes Intereſſe Anſpruch
erheben darf, führt uns ein Aufſatz des bekannten franzö=
ſiſchen
Muſikſchriftſtellers Louis Schneider in den
Annales: hinter die Kuliſſen von Bayreuth. Schneider
iſt von dem Beherrſcher dieſes geheimnisvollen Reiches,
von dem Maſchinenmeiſter des Bayreuther Theaters,
Friedrich Kranich durch die Fabrik aller ſzeni=
ſchen
Wunder und Herrlichkeiten geführt worden. Sein
Mentor war bereits Mitarbeiter Richard Wagners und
gehört zu den Wenigen, die heute noch leben aus der gro=
ßen
Zeit, da das Bayreuther Feſtſpielhaus gegründet
wurde. Das Wort unmöglich exiſtiert für dieſen gro=
ßen
Künſtler der Dekoration nicht. Kranich macht Regen
und ſchön Wetter in Bayreuth. Bedenken wir: er iſt der
Herr der Wolken, der Herr der Sonne, des Regenbogens,
des Windes, der Dämmerungen, die alles in dunkles
Grau hüllen, und der lichten Frühlingsklarheit, die die
Felſen und Wieſen überflutet. Er iſt ein Schüler des
Profeſſors Brand, der aus dem Darmſtädter
Theater ſeinerzeit eins der erſten Deutſchlands machte.
Kranich wohnt im Theater. Seine Macht beginnt in
ſeinen Zimmern, die überall mit Erinnerungen an Wag=
ner
, mit Ehrungen und Photographien von Künſtlern
geſchmückt ſind; ſie erſtreckt ſich über die ganze Bühne. In
Geſellſchaft des berühmten Maſchiniſten bin ich auf die
Bühne gelangt und habe dort begreifen gelernt, daß der
Orcheſter=Dirigent und er die beiden Könige dieſes Rei=
ches
ſind und daß der Sänger im allgemeinen nicht mehr
bedeutet, als ein einfacher Muſiker in dieſer ungeheueren
muſikaliſchen Regierung.
Bühne und Orcheſterraum, das ſind die beiden Pro=
binzen
, die unten einer einheitlichen harmoniſchen Leitung

ſtehen. Schneider weiſt für das Orcheſter beſonders auf
die geheimnisvolle Wirkung hin, die darin liegt, daß die
Muſiker ihre Inſtrumente nicht im Orcheſterraum ſtim=
men
dürfen, ſondern dafür einen beſonderen Saal ange=
wieſen
erhalten, ſo daß ſich die Stimmen der Muſik nicht
nur aus einem geheimnisvollen Dunkel, ſondern auch aus
einem tiefen Schweigen plötzlich erheben und das Wun=
der
der Klangwerdung dadurch erhöht wird. Auf der
Bühne iſt alles gepolſtert, alles mit Filz belegt. Das
Pferd Grane, der treue Gefährte Brunhildens, kann das
Publikum nicht ſtören durch den Lärm ſeiner Hufe. Kein
Maſchiniſt darf die Bühne betreten, wenn er nicht Kaut=
ſchukſohlen
an den Schuhen hat; ſo ſcheinen dieſe 125
Menſchen denn es ſind 125 wie Fliegen geräuſchlos
zu flattern, wenn ſie ihre Arbeiten ausführen. Hier ſind
die gewaltigen Felſen, von deren Höhe die Walküren ihr
Hoiotoho! rufen, zu deren Füßen Brunhilde im Sieg=
fried
ſchläft und die ſie erſchreckt hinanſtürmt, wenn
Siegfried in der Götterdämmerung im Gewande Gun=
thers
ihr den verhängnisvollen Goldring entreißen will.
Dieſe Felſen beſtehen aus einer einzigen gewaltigen
Maſſe; ſie ſind auf Kautſchukrädern befeſtigt und ver=
ſchwinden
leicht und ſchnell unter der Bühne, wenn eine
Verwandlung es notwendig macht. Aber wie erhellen ſich
dieſe Felſen, bald im Licht des Tages, bald im düſteren
Dämmer der Nacht, bald in den bleichen Reflexen des
Mondes? Kranich führt mich an einen Apparat, eine Art
Orgel für das elektriſche Licht. Dieſem Inſtrument ge=
horchen
die 4000 Lampen der Bühne, die überall in fünf
Grundfarben geteilt ſind. Mag es ſich um ein volles Rot
auf der Bühne handeln, oder um die Beleuchtung der
Leinwand des Hintergrundes für die aufſteigende Sonne,
oder um das Erſcheinen einer einzigen Perſon im roten
Licht mitten auf der Bühne ein einziger Griff durch
den Elektriker bringt dieſe Lichteffekte in einer genau be=

ſtimmten Stärke plötzlich oder langſam hervor. So erhält
man auf der Bühne von Bayreuth jene märchenhafte Ab=
ſtufung
des Lichtes, die die Bewunderung der Zuſchauer
erregt. Zahlreiche Geſangsmeiſter, die in den Kuliſſen
aufgeſtellt ſind, bezeichnen den Maſchiniſten auf das ge=
naueſte
den Moment, wo ſie die Dekoration zu verändern
haben. Es gibt kein Glockenzeichen, ſondern alle Befehle
werden durch elektriſche Lampen gegeben. Die Dekora=
tionen
werden elektriſch bewegt, ſo daß keine Maſchiniſten
in den ſogenannten Schnürboden über der Bühne
kommen und ein Unglücksfall unmöglich iſt. Iſt etwas
nicht in Ordnung, dann führt ein elektriſcher Lift den
Theaterarbeiter ſicher hinauf. Ich wandere weiter durch
dieſe wunderſame Welt des Scheines, die in uns jene
feenhafte Illuſion hervorruft. Da liegt in einem Saale
ruhig und zuſammengefaltet der Drache Siegfrieds. Dort
das Reich der Wolken: durch dieſe um große Stangen
zuſammengerollten Meter Mouſſelin wird alſo meine
Phantaſie nach Walhalla geführt. Da iſt Wolken=Stoff,
der 35000 Mark koſtet! Aber was bemerke ich da oben?
Es ſind hölzerne Tonnen: eine Erfindung Kranichs. Die
Glocken im Parſifal, die hierher verbannt ſind, um einen
tieferen und dunkleren Ton zu haben. Das iſt heute
noch ein Geheimnis; Kranich will es ſich patentieren
laſſen. Ebenſo verdanken wir Kranich die merkwürdigen
Apparate für das Rheingold, die Woglinde, Floßhilde
und Welgunde geſtatten, in uns den Glauben zu erwecken,
daß ſie wirklich in den unruhigen Wogen des Fluſſes
ſchwimmen.
Schneider iſt der Anſicht, daß dieſes Zuſammenwirken
eines Maſchiniſten, deſſen Leiſtungen ans Wunder gren=
zen
, mit einem Orcheſter erſten Ranges und geſchulten
Künſtlern die Meiſtervorſtellungen erſtehen läßt, wie man
ſie nur in Bayreuth ſehen kann.

[ ][  ][ ]

Nummer 222.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. September 1912.

Seite 3.

übernahm, trefflich zuſtatten. Der Tod ſeines Vaters im
Jahre 1862 machte ihn mit ſeinen Brüdern zu Inhabern
der Firma, und von 1882 an führte er ſie allein, bis 1893
ſein Sohn Karl Mitinhaber wurde. Die Firma erfuhr
unter ſeiner Leitung große Ausdehnung auf dem Gebiete
des Verſicherungsweſens, und als er ſich 1903 aus ihr
zurückzog, konnte er mit Genugtuung auf dieſen Auf=
ſchwung
zurückblicken. Neben dieſer Berufstätigkeit ging
ſeit 1885 diejenige als Mitglied der Handelskammer und
bald darauf auch als Beiſitzer der Kammer für Handels=
ſachen
beim Landgericht der Provinz Starkenburg, ſowie
von 1887 als Stadtverordneter. Das Vertrauen der
Stadtvertretung berief ihn 1903, beim Ausſcheiden des
Ehrenbeigeordneten Riedlinger, als deſſen Nachfolger,
und auch in dieſem Amt wußte er den vielſeitigen Anfor=
derungen
voll gerecht zu werden, bis ihn Geſundheits=
rückſichten
vor drei Jahren zur Niederlegung zwangen.
Auch in der hieſigen Freimaurerloge hatte er gewirkt und
mehrfach deren Vorſitz als Meiſter vom Stuhl geführt.
Trotz ſeiner vielſeitigen Betätigung war das Weſen des
Dahingeſchiedenen ſchlicht und dieſer Charakterzug er=
höhte
das Sympathiſche der Perſönlichkeit. Ein ganzer
Mann iſt mit ihm dahingegangen; ſein Andenken wird
in Treue bewahrt bleiben.
*Die Ausſtellung Der Menſch keine Wander=
ausſtellung
. Vielfach iſt in der letzten Zeit von ſo=
genannten
Wander=Hygiene=Ausſtellungen die Rede,
die angeblich in mehreren Städten veranſtaltet werden
ſollen. Um allen Irrtümern vorzubeugen, teilt die
Leitung der Ausſtellung Der Menſch in Darmſtadt
auf die zahlreichen Anfragen mit, daß die Ausſtellung
Der Menſch die bekanntlich die Hauptgruppe der
Dresdener Internationalen Hygiene=Ausſtellung im ver=
gangenen
Jahr bildete, mit allen etwaigen Wan=
derausſtellungen
nichts zu tun hat. Die
Ausſtellung Der Menſch die nur noch in der
Zeit von Auguſt bis Oktober im Großh. Reſidenzſchloß
zu Darmſtadt gezeigt wird, wird nach Schluß wieder
nach Dresden übergeführt. Es iſt bis zu ihrer Einver=
leibung
in das Dresdener Hygiene=Muſeum keine weitere
Vorführung in einer deutſchen Stadt mehr beabſichtigt.
Am Sonntag, den 22. September, fährt ein Son=
derzug
(III. Klaſſe) mit Fahrpreis= und Eintritts=
Ermäßigung für jedermann von Hochheim ab 800 Uhr
vormittags nach Darmſtadt. Abfahrt von Frankfurt
a. Main H. P. Bf. um 900 Uhr vormittags. Fahr=
preis
III. Klaſſe von Hochheim und zurück einſchließlich
Eintrittsbillett für die Ausſtellung 2,70 Mark. Andere
Stationen entſprechend weniger. Das Sonderzugbillett
wird in der Ausſtellung abgeſtempelt. Rückfahrt 830 Uhr
nachmittags. Am Sonntag, den 6. Oktober, fährt ein
Sonderzug mit III. Klaſſe von Hei delberg nach
Darmſtadt und zurück zu ermäßigten Fahrpreiſen in
nachſtehendem Fahrplane: Heidelberg ab 9 Uhr vorm.
(2.30 Mk. für Hin= und Rückfahrt), Weinheim 933 Uhr
(1,40 Mk.), Heppenheim 947 Uhr (1. Mk.), Bensheim
954 Uhr (0,80 Mk.), an Darmſtadt 1024 Uhr. Die
Rückfahrt erfolgt ab Darmſtadt 854 Uhr nachmittags.
Die Sonderzugkarten gelten auf der Hin= und Rückfahrt
nur für den Sonderzug. Die Fahrkarten können ſchon
2 Tage vorher gelöſt werden. Den Inhabern von
Sonderzugfahrkarten werden von der Ausſtellungsleitung
gegen Vorzeigung der Karten Eintrittskarten zum er=
mäßigten
Preiſe von 60 Pfg. für die Perſon verabfolgt.
Lutherfeſtſpiel. Man ſchreibt uns verſpätet:
Am Montag abend fand im Gartenſaal des Saalbaus
die große Heerſchau für das Lutherfeſtſpiel ſtatt. Die
zur Mitwirkung bereiten Damen und Herren waren in
ſtattlicher Zahl erſchienen, als der Vorſitzende des Feſt=
ſpielausſchuſſes
, Herr Profeſſor Pfannmüller, be=
grüßende
Worte an die Verſammlung richtete und den
zum erſtenmal anweſenden techniſchen Leiter des Spiels,
Herrn Oberregiſſeur Dalmonico aus München, vor=
ſtellte
. Herr Pfarrer D. Waitz ſprach als Vorſitzender
des Heſſiſchen Hauptvereins des Evangeliſchen Bundes
begeiſternde Worte, den idealen Zweck des Zuſammen=
wirkens
ins rechte Licht rückend. Herr Dalmonico gab
ſeiner Freude über die guten Vorbereitungen Ausdruck
und bat um rechtes Zutrauen für ſich und Hingabe
an die nicht leichte Arbeit. Dann begann der große
Appell der Spieler, die damit zugleich dem Regiſſeur
vorgeſtellt wurden, eine an ſich trockene Sache, die aber
Herr Hofrat Edward durch ſeinen guten Humor treff=
lich
zu würzen verſtand. Glückauf nun zur ernſten
Arbeit des Einſtudierens, welcher reicher Segen, als der
Mühe Preis, nicht fehlen wird!
* Deutſcher Frauenverein vom Roten Krenz für
die Kolonien. Anläßlich der am 17. September im
Hauſe der Frau Dr. Willi Merck erfolgten Konſtituierung
der Abteilung Darmſtadt richtete der neue Vorſtand an

Ihre Königliche Hoheit die Frau Großherzogin, die
Ehrenvorſitzende des Landesverbandes ein Glück=
wunſchtelegramm
zum Geburtstag, auf das an
die Vorſitzenbe folgende Antwort eintraf: Mainz, 17.
9. 12. Ueber die Konſtituierung der Abteilung Darm=
ſtadt
des Deutſchen Frauenvereins vom Roten Kreuz
für die Kolonien habe ich mich ſehr gefreut und ich danke
herzlichſt für die geſandten Glückwünſche. Eleonore.
* Verein abſtinenter Pfarrer. Die heſſiſche Landes=
gruppe
des Vereins abſtinenter Pfarrer zählt jetzt fünfzig
Mitglieder und hatte ſeit Oktober vorigen Jahres ein
Wachstum von 61 Prozent. Der Nüchternheitsgedanke
bricht ſich neuerdings in der evangeliſchen Geiſtlichkeit
überraſchend ſchnell Bahn, ſo daß es nicht mehr auffällt,
wenn Prof. Dr. Wurſter die Abſtinenz für eine Standes=
pflicht
des Pfarrers erklärte. Da in Heſſen noch viele
Geiſtliche abſtinent leben, die dem Verein abſtinenter
Pfarrer noch nicht beigetreten ſind, dürfte etwa ein Fünf=
tel
der heſſiſchen Geiſtlichen als Anhänger des Nüchtern=
heitsgedankens
zu zählen ſein.
* Die freie Vereinigung für ſoziale Verſicherung der
Privatangeſtellten hält am Montag, den 23. d. Mts.,
abends im Schützenhof eine öffentliche Verſammlung ab,
in der Herr Ingenieur Wilhelm=Berlin über die Wahlen
zur Angeſtelltenverſicherung ſprechen wird. Im Intereſſe
der Wichtigkeit dieſes Themas wird wohl ein zahlreicher
Beſuch zu erwarten ſein.
Kriegerverein Darmſtadt. Am Sonntag, den
22. September, von nachmittags 3 Uhr ab findet
Uebungs=Schießen auf Stand 6 der Militär=
Schießſtände ſtatt. Um zahlreiche Beteiligung wird
gebeten.
*Der Ortsgewerbeverein läßt unter Hinweis auf
die Anzeige in heutiger Nummer nochmals auf den
heute Freitag abend im Fürſtenſaal ſtattfindenden
Vortrag des Herrn Stadtverordneten Sames über
das neue Gemeindeumlagengeſetz aufmerkſam
machen. Bei der Wichtigkeit des Themas und da auch
die für alle Handwerker und Gewerbetreibende wichtige
Veranlagung zur Grund= unb Gewerbeſteuer beſonders
behandelt werden ſoll, kann auf einen zahlreichen Beſuch
wohl gerechnet werden. Auch Gäſte ſind willkommen.
Alicehoſpital. Um öfter vorkommende Irrtümer
zu vermeiden, wird darauf aufmerkſam gemacht, daß das
Krankenhaus Dieburgerſtraße 21 Alicehoſpital heißt,
während die Idioten=Anſtalt Niederramſtädterſtr. 177
den Namen Alice=Stift führt.
Das Orpheum beginnt ſeine Spielſaiſon 19121913
am Mittwoch, den 2. Oktober, mit einem glänzenden
Varieté=Programm. Näheres folgt.
* Das Reſidenztheater am Weißen Turm bringt
ab heute den erſten Film der 2. Aſta Nielſen=
Serie, betitelt: Der Totentanz von Urban Gad. Der
talentierte däniſche Bühnenſchriftſteller hat nicht ohne
Grund an die Spitze der 2. Aſta Nielſen=Serie das
Drama Der Totentanz geſtellt. Wußte er doch, daß
es der großen Tragödin Aſta Nielſen, die in dem Stück
die Hauptrolle verkörpert, reichlich Gelegenheit geben
würde, ihr ſtarkes dramatiſches Können im hellſten Lichte
erſtrahlen zu laſſen. Aber noch ein anderes Moment
mag ihn zur Wahl des Totentanzes als erſtes Sujet
aus der neuen Serie veranlaßt haben: das Milieu, das
hier ſo ſtark variiert, daß die Kraft einer Nielſen dazu
gehört, um von der erſten bis zur letzten Szene die
Situation zu beherrſchen. (Näheres ſiehe Anzeige.)

Traiſa, 19. Sept. Hier iſt geſtern früh der Maurer=
meiſter
Leißler, ein alter Kriegsveteran, durch einen
Sturz von der Leiter derart verletzt worden, daß
man an ſeinem Aufkommen zweifelt.
Jugenheim, 18. Sept. Geſtern fand in der hieſigen
Kirche die Synode des Dekanats Zwingen=
berg
ſtatt. Im Eröffnungsgottesdienſt predigte Pfarrer
Scriba über Gal. 5,2565. Alsdann begannen unter
dem Vorſitz des Dekans Zaubitz die Verhandlungen.
Nach Beſprechung des Rechenſchaftsberichtes wurde die
folgende Reſolution einſtimmig angenommen: Die
Dekanatsſynode begrüßt die für die Zukunft unſeres
Volkes verheißungsvolle Bewegungung Jung= Deutſch=
and
und legt allen Gliedern unſerer Kirche, welche hier
nitwirken können, ans Herz, darauf zu ſehen, daß unſere
Jugend, wie es die Gründer der Bewegung von Anfang
an ausgeſprochen haben, neben der Pflege und Uebung
des Leibes auch den Segen des Sonntags und des
Gottesdienſtes weiterhin genieße. Pfarrer Wagner=
Bensheim erſtattete Bericht über den Guſtav=Adolf= Ver=
ein
und lud zu dem nächſten Dekanatsfeſt ein, das in
Bensheim ſtattfinden ſoll. Schließlich hielt Pfarrer =
linger
=Auerbach einen Vortrag über das Thema: Die

Bedeutung einer Gemeinſchaft für die Gemeinde‟ Die
Synode wurde von Pfarrer Wehſarg mit einem Gebet
geſchloſſen.
Auerbach, 19. Sept. In der vergangenen Nacht
ſtarb hier plötzlich der Schüler Friedrich Speck=
hardt
, der vollſtändig geſund war. Er hat tags vorher
eine Züchtigung in der Schule erfahren. Gegenwärtig
findet eine behördliche Unterſuchung ſtatt, ob der Tod
mit jener Züchtigung im Zuſammenhang ſteht. Das Er=
gebnis
der Unterſuchung ſteht noch aus.
* Groß=Umſtadt, 19. Sept. Für das landwirt=
ſchaftliche
Feſt in Groß=Umſtadt iſt folgende Feſt=
ordnung
aufgeſtellt: 1. Samstag, 21. September:
Bezirkstierſchau, veranſtaltet vom Landwirtſchaftskammer=
Ausſchuß für Starkenburg; vormittags 8 Uhr: Empfang
der Ehrengäſte; von 9 Uhr an: Bezirkstierſchau; von 9 Uhr
an: Arbeiten der Preisrichter; um 12 Uhr: Eröffnung der
Ausſtellung (landwirtſchaftliche Erzeugniſſe, Obſt, Ge=
flügel
, Bienenzucht, Geräte und Maſchinen); um 1 Uhr:
Preisverteilung und Vorführung der prämiierten Tiere;
um 2 Uhr: Feſteſſen im Gaſthaus Zum Lamm; nachmit=
tags
Konzert auf dem Feſtplatze. 2. Sonntag, 22. Sep=
tember
: Landwirtſchaftliches Feſt. Vormittags 8 Uhr:
Eröffnung der Ausſtellung; nachmittags 2 Uhr: Aufſtellung
des Feſtzuges nachmittags 2¼ Uhr: Feſtzug durch die
Stadt; von 3 Uhr: Feier auf dem Feſtplatz, Militärkonzert,
Feſtreigen, Tanz; abends 8 Uhr: Bälle im Gaſthaus Zum
weißen Roß und im Gaſthaus Zur Krone (hierbei
Militärmuſik). Montag, 23. September: Pferde=, Foh=
len
=, Faſel= und Zuchtviehmarkt. Vormittags 8 Uhr: Er=
öffnung
der Ausſtellung; von 9 Uhr an: Markt und Prä=
miierung
; von 10 Uhr an: Frühkonzert; 12 Uhr: Preis=
verteilung
; nachmittags 1½ Uhr: Feſteſſen im Rheiniſchen
Hof nachmittags 3½ Uhr: Volksfeſt auf dem Feſtplatz,
Militärkonzert, Wettrennen, Feuerwerk, Tanz. Auch für
Montag wird die Muſik von der Artilleriekapelle geſtellt.
Dienstag nachmittags von 1 Uhr ab: Verloſung. (Siehe
auch Anzeige.)
Lindenfels, 19. Sept. Nächſten Sonntag, den 22.
September, findet in Lindenfels die Hauptver=
ſammlung
der Krankenkaſſen und Gemeinden
als Träger der Krankenverſicherung im Großherzogtum
Heſſen ſtatt. Es iſt geplant, mit den Teilnehmern, welche
bereits einige Tage vorher hier eintreffen, eine Beſich=
tigung
der Eleonorenheilſtätte bei Winterkaſten vorzu=
nehmen
.
Groß=Gerau, 19. Sept. Der wegen eines ſchweren
Sittlichkeitsverbrechens verhaftete 19 Jahre alte Fabrik=
arbeiter
Jakob Auer von hier verübte im hieſigen
Amtsgerichtsgefängniſſe Selbſtmord durch Erhängen.
Der Gefangene hatte ſein Hemd in Streifen zerriſſen und
ſich mittels dieſer aufgehängt.
Erfelden, 19. Sept. Trotz mehrmaliger Verwarnung
ſtieg der Schloſſer Fritz Leidenberger auf die
Kranenbahn in einer Fabrik zu Erfelden. Durch den
Kranen wurde er gegen eine Querſchiene gedrückt, ſo daß
der Kopf zermalmt wurde und der ſofortige Tod
eintrat. Der Verunglückte war erſt 29 Jahre alt.
Ferner wurde der bei einer Dreſchmaſchine beſchäftigte
Arbeiter Ludwig Weiß von der Strohpreſſe erfaßt und
tot gedrückt. Weiß war 40 Jahre alt und Familien=
vater
.
Heuſenſtamm, 19. Sept. Geſtern abend wurde der in
einer Offenbacher Filzwarenfabrik beſchäftigte 30 Jahre
alte Arbeiter Franz Burckhard aus Heuſenſtamm durch
den Aufzug gegen die Zwiſchenwand gedrück t und er=
litt
ſchwere Bruſtquetſchungen. In bedenk=
lichem
Zuſtande wurde er nach dem Krankenhauſe ge=
ſchafft
.
Mainz, 19. Sept. Im Hauptbahnhof entgleiſten
geſtern früh gegen 4 Uhr beim Rangieren mehrere
Perſonenwagen, wodurch zwei Hauptverkehrs=
gleiſe
geſperrt wurden. Die ein= und ausfahrenden
Frühzüge erlitten dadurch zum Teil erhebliche Verſpät=
ungen
. Gegen 8 Uhr waren die Hinderniſſe beſeitigt.
Der Rangiermeiſter Ackermann wollte die Rangierabteil=
ung
noch ſchnell zum Halten bringen, ſtürzte jedoch dabei
von der Bremſe und zog ſich eine ſchwere Kopfver=
letzung
zu. In der Colmarſtraße geriet ein 6 jäh=
griger
Junge unter die Straßenbahn. Der
Kleine, welcher eine Kopfverletzung davontrug, wurde
von einem Geiſtlichen, der ſich als Fahrgaſt auf dem
Wagen befand, in bewußtloſem Zuſtande in die Wohn=
ung
ſeiner Eltern getragen. Ein Opferſtockdieb
iſt geſtern in der Peterskirche dabei beobachtet worden,
wie er den Inhalt der Käſten mit Hilfe von Leim=
ruten
herausholen wollte. Als er ſich entdeckt ſah,
flüchtete er, konnte aber ergriffen werden. Der Täter
iſt bereits vor mehreren Jahren hier ſchon einmal wegen

Großherzogliches Hoftheater.
Mittwoch, den 18. September.

Wenn ich König wäre‟
W-l. In dem Rahmen einer Feſtvorſtellung zum Ge=
burtstag
der Großherzogin gelangte heute die dreiaktige
romantiſch=komiſche Oper Wenn ich König wäre‟
(König für einen Tag) von Adolphe Adam, dem
Komponiſten der bekannten Opern Der Poſtillon von
Lonjumeau und Nürnberger Puppe und des hüb=
ſchen
, unſeres Wiſſens hier noch nicht gegebenen Ein=
akters
Die Schweizerhütte, zur Aufführung, über die
geſtern ſchon berichtet worden iſt.
Die Wiederbelebung alter Opern und Schauſpiele in
den letzten Jahren iſt vielfach von ſo bemerkenswerten
Erfolgen begleitet geweſen, daß ſie zu weiteren Ver=
ſuchen
ermutigen mußte. Die hier in Frage kommende,
im Jahre 1852 entſtandene Oper iſt wohl den meiſten
gänzlich unbekannt geweſen, ſie war ſo gut wie ver=
ſchollen
. Solche Wiederbelebungsverſuche älterer Werke
ſind zugleich Proben auf den heutigen Geſchmack, und
dieſer macht bekanntlich Wandlungen durch, die mit dem
Fortſchritt der Zeit nicht immer gleichen Schritt halten.
Die überaus freundliche Aufnahme, welche die Oper fand,
läßt vermuten, daß ſie dem Publikum trotz der Triviali=
täten
des Textes gefallen hat. Die anſprechende, im
Stile der franzöſiſchen Oper des vorigen Jahrhunderts
ſich bewegande Muſik mit ihren dankbaren Geſangs=
nummern
und jeffektvollen Enſembles, außerdem die
amüſante, nebenbei auch ſpannende Handlung laſſen dies
begreiflich erſcheinen. Wir nennen außer der hübſch
gearbeiteten, allerdings etwas lang geratenen Ouver=
türe
u. a. die Romanze des Zephoris (die Beifall bei
offener Szene erntete) und die Mondſchein=Barcarole
des Chors im 1. Akt, das Duett zwiſchen dem König und
Zephoris, die Arie der Nemea (die ebenfalls Beifall bei
offener Szene erntete), das Duett zwiſchen Vemea und
Zephoris, das Trinklied und das famoſe Tanzlied und
das Schlußenſemble im 2. Akt, das Lied der Zelide vom
Spottvogel, das friſch empfundene, köſtliche Zankduett
Ewiſchen Pitern und Zelide übrigens die einzige

Nummer, welche die Bezeichnung der Oper als einer
komiſchen Oper muſikaliſch rechtfertigt und das Finale
im 3. Akt. Durch die trefflichen geſanglichen Leiſtungen
der Soliſten und der Chöre kamen dieſe Nummern zu
denkbar beſter Geltung.
Das charakteriſtiſche Gepräge als Feſtvorſtellung
verlieh der Aufführung die prunkvolle, bis ins Kleinſte
ſtilgerechte Ausſtattung. Dieſe Stilreinheit erſtreckte ſich
auch auf den charakteriſtiſchen indiſchen Nationaltanz,
der als Balletteinlage im 2. Akt getanzt wurde. Eine
ſolche intereſſante Aufführung mit zum Teil echten indi=
ſchen
Koſtümen dürfte gewiß zu den großen Seltenheiten
auf unſeren Bühnen gehören. Auch die Inſzenierung
paßte ſich dem indiſchen Milieu mit vielem Geſchmack
an. Von beſonderem Reiz war die Sternennacht mit den
im Hintergrunde das Meer befahrenden erleuchteten
Gondeln.
Als Zephoris erntete Herr Globerger künſt=
leriſche
Lorbeeren und viele Sympathien. Er beſitzt alle
Mittel und gefanglichen Eigenſchaften, die ihn zu einem
bevorzugten Vertreter des Tenorfachs prädeſtinieren
Mit ihm bildeten Frau Kallenſee als Nemea, die
auch des nötigen Humors nicht entbehrte, Herr Sem=
per
als ſtimmfriſcher König, der ſeine Rolle aber
etwas zu elegiſch auffaßte, Herr Weber als fein ge=
ſpielter
und geſungener Prinz Kadoor, Herr Bern=
hardt
als beweglicher Pifear und Frl. Jüttner als
Zelide ein gut eingeſpieltes, harmoniſches Enſemble.
Herr Schützendorf trug in der Rolle des betrügeri=
ſchen
Zizel für unſeren Geſchmack zu ſtark auf. Die
Chöre hielten ſich ſehr gut.
Die muſikaliſche Leitung des Herrn Kapellmeiſters
Lert hatte wie die Regie des Herrn Oberregiſſeurs
Valdek und die Inſzenierung der Herren Kempin
und Schwerdtfeger ein hervorragendes Verdienſt
an dem (Erfolg des Abends. Der Tanz im 2. Akt, von
Frau Thiele=Leonhardt einſtudiert, wurde aus=
geführt
von Frl. Huber, Frl. Croneberg und den
Damen des Corps de Ballett. Die neuen ſchönen Ko=
ſtüme
ſſind in den Werkſtätten des Hoftheaters ange=
fertigt
.

Feuilleton.

Der Zar der reichſte Mann auf Erden. Zar
Nikolaus hat in dieſen Tagen einen ſchweren Verluſt er=
litten
: einer ſeiner treueſten Freunde und zugleich eine der
wichtigſten Perſönlichkeiten im ruſſiſchen Hofleben iſt ge=
ſtorben
, ohne daß die Oeffentlichkeit dem Hingang dieſes
Mannes beſondere Aufmerkſamkeit gewidmet hätte. Es
handelt ſich um den Tod des Grafen Hendrikow
des Oberzeremonienmeiſters des kaiſerlichen Hofes, der im
Nebenamte auch das gewaltige Vermögen des
Zaren zu verwalten hatte und in allen finanziellen
Angelegenheiten der treue und verläſſige Ratgeber ſeines
kaiſerlichen Herrn war, Es wird nicht leicht werden, einen
Nachfolger zu finden, der die ſchwere Bürde dieſer gewal=
tigen
Verantwortung zu tragen vermag und ſich einen
Ueberblick über das Vermögen des Zaren verſchafft. Denn
Nikolaus II. iſt nicht nur der reichſte aller Herrſcher, ſon=
dern
auch der reichſte Mann auf Erden. Es mag ſein,
daß ſein Kapital ſich nicht ſo glänzend verzinſt, wie das
großer Finanzmagnaten, aber die gewaltigen kaiſerlichen
Domänen, die bisher nur zum geringſten Teile ausgebeutet
werden, ſtellen einen Grundbeſitz dar, wie ihn kein zwei=
ter
Mann auf Erden ſein eigen nennt. Das jährliche Ein=
kommen
des ruſſiſchen Kaiſers fließt aus fünf verſchiede=
nen
Quellen: aus der Zivilliſte, aus den perſönlichen Er=
ſparniſſen
, aus den Fabriken und induſtriellen Betrieben,
die dem Kaiſer gehören, aus den Einnahmen der kaiſer=
lichen
Domänen und ſchließlich aus dem gewaltigen
Grundbeſitz, der dem Zaren perſönlich gehört und der an
Flächenumfang größer iſt als ganz Frankreich. Im Jour=
nal
gibt Edgard Lelong einen intereſſanten Ueberblick über
die Vermögensverwaltung des Zaren. Die Zivilliſte be=
läuft
ſich auf mehr als 32 Millionen Mark; 4 Millionen
fließen den kaiſerlichen Theatern und den Akademien zu,
2½ Millionen ſind den Großfürſten und Großfürſtinnen
zugewieſen. Die Zarin=Witwe und die Zarin Alexandra
erhalten jährlich etwas über ½ Million Mark Taſchengeld;
daneben legt der Zar jährlich 80000 Mk. für jede ſeiner vier
Töchter an und 260000 Mark für den Thronfolger, den
kleinen Kronprinzen Alexis. So bleiben dem Herrſcher
Uler Reußen zur freien Verfügung jährlich rund 24 Mil=

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. September 1912.

Nummer 222.

desſelben Delikts feſtgenommen worden. Er wurde da=
mals
zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, nach deren
Verbüßung er erſt kürzlich entlaſſen wurde.
Alzey, 18. Sept. Nach anſtrengenden Uebungen
rückten heute mittag 3 Uhr große Truppenmaſſen in unſer
Städtchen ein, um nach erfolgter Verpflegung per Bahn
in die verſchiedenen Garniſonen zurückzukehren. Auf
einem großen Stoppelacker an der Kreuznacher Straße
hatte die Feldküche der Firma Ferdinand
Welller=Darmſtadt ſchon tagszuvor Aufſtellung
genommen, um Vorbereitungen zu treffen zu der großen
Abſpeiſung. Es war intereſſant, mit zuzuſchauen, wie
die großen Mengen Ochſenfleiſch und Gemüſe vorbereitet
wurden, um alsbald in die unter Feuer geſetzten Koch=
keſſel
zu wandern. Und als dann mittags die Mann=
ſchaften
mit klingendem Spiel einrückten, da dauerte es
kaum eine halbe Stunde, und jeder der 2000 Mann hatte
ſein Eſſen empfangen. Daß es den Leuten geſchmeckt
hatte, konnte man an den frohen Mienen ſehen. Die
Alzeyer Bevölkerung hatte ſich zu Tauſenden auf dem
Platze eingefunden, um der Verpflegung unter freiem
Himmel beizuwohnen und ſich ſelbſt durch Koſtproben
von der Vorzüglichkeit der Speiſen der Wellerſchen Feld=
küche
zu überzeugen. Es entwickelte ſich alsbald ein fröh=
liches
Treiben unter Militär und Zivil, das bis zur Ver=
ladung
der Truppen um 6 Uhr anhielt.
(*) Gießen, 19. Sept. Zum Beſuch der Ausſtel=
lung
Der Menſch fuhren heute früh 8 Uhr etwa
200 Lehrer aus dem Kreiſe Gießen nach Darm=
ſtadt
. Die Führung hatte Kreisſchulinſpektor Profeſſor
Dr. Alles übernommen. Um ½11 Uhr traf man in dem
Schloſſe ein. Die Ausſtellung fand bei den Beſuchern all=
gemeine
Anerkennung, nur war es bei dem ſtarken An=
drang
und infolge der doch etwas beſchränkten Zeit nicht
vollſtändig möglich, alle einzelnen Zweige in eingehender
Weiſe zu beſichtigen. Die Eindrücke und Belehrungen
durch die Ausſtellung werden ſicher dem Unterricht und
der Erziehung manche Anregung geben. Um 6 Uhr erfolgte
die Heimfahrt nach Gießen.
Hauſen, 19. Sept. In der Werkſtatt ſeines Sohnes
hat ſich heute morgen der frühere Wirt der Krone Franz
Matth. Becker, erhängt. Becker war finanziell einer
der beſtgeſtellten Bürger von hier. Wohl in einem An=
fall
von Schwermut und geiſtiger Umnachtung hat er
ſeinem Leben ein Ende gemacht.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 18. Sept. Der Kron=
prinz
trifft heute abend nach Beendigung des Mamö=
vers
wieder in Berlin ein und nimmt im Kronprinzen=
palais
Wohnung, wohin auch die Kronprinzeſſin über=
ſiedelt
. Die Nachfrage nach Eintrittskarten
zum Caruſo=Gaſtſpiel im königlichen Schauſpiel=
haus
hat in dieſem Jahre die Rekordziffern des Vorjahres
weit übertroffen. Es ſind ſo viel Beſtellungen auf Karten
bei der königlichen Generalintendantur eingelaufen, daß
eine eigene Abteilung zur Erledigung dieſer Schreiben
gebildet werden mußte. Allein die zur Beantwortung bei=
gelegten
Poſtkarten füllen die Tiſche eines großen Zim=
mers
vollkommen aus. Eine oberflächliche Schätzung ergab,
nach der B. Z., daß allein mit den Vorausbeſtellungen
jedes der drei Gaſtſpiele zehnmal überzeichnet iſt, ſo daß
Caruſo vor dreißig ausverkauften Häuſern ſingen könnte,
wenn nur alle Vorausbeſtellungen berückſichtigt würden.
150000 Mk. erſchwindelt. Nach Verübung
größerer Schwindeleien iſt jetzt der 34jährige Archi=
tekt
und Maurermeiſter Schwintzer aus Oranienburg
verhaftet worden. Nach den bisherigen Feſtſtellungen
hat er durch Wechſelfälſchungen und Hypothelenſchiebungen
etwa 150000 Mk. erbeutet. Vor einigen Tagen verſuchte
Sch. wiederum, einen Oranienburger Geſchäftsmann zur
Hergabe einer Hypothek zu veranlaſſen. Der Kaufmann
erkundigte ſich aber hinter dem Rücken des Architekten nach
dem Grundſtück und erfuhr, daß Sch. dieſes gar nicht beſaß.
Daraufhin erſtattete jener Anzeige bei der Oranienburger
Polizei, die den Schwindler feſtnahm und nach Moabit
ſchaffte.
C) Weinheim, 18. Sept. Hier wurde heute ein 30 jäh=
riger
Mann verhaftet der ſich unter dem Namen
des Doktor Wilmanns aus Heidelberg in der Wirtſchaft
Zur Pfalz einlogiert hatte, und zwar unter der An=
gabe
, daß er beauftragt ſei, hier einen Geiſteskranken zu
beobachten. Eine telephoniſche Anfrage in Heidelberg er=
gab
die Unechtheit dieſer Angaben. Bei dem Verhafteten
wurden Papiere auf den Geiſteskranken Friedrich Wilhelm
Becker aus Homburg v. d. H. vorgefunden, der früher

ſchon in Wiesloch und Heidelberg Schwindeleien begangen
hat.
Saarbrücken, 19. Sept. In dem Duge Dietenhofen=
Völklingen wurde ein Paſſagier überfallen und
durch Meſſerſtiche tödlich verletzt. Vor der Station Buſen=
dorf
wurde die Notbremſe gezogen. Aus dem haltenden
Zuge ſprangen drei Männer und ergriffen die Flucht.
Einer von ihnen konnte verhaftet werden und es ſtellte ſich
heraus, daß es der Bruder des Ermordeten war, den man
mit Blut beſudelt in einem Abteil des Zuges auffand.
Dresden, 19. Sept. Beim Streichen eines Keſſels mit
einem Keſſelſtein verhindernden Mittel entwickelten
ſich giftige Gaſe, durch die zwei Keſſelſteinklopfer ſo=
wie
ein Brandmeiſter und drei Feuerwehrleute, die ihnen
zu Hilfe kommen wollten, bewußtlos wurden. Sie muß=
ten
ſämtlich ins Krankenhaus gebracht werden.
Halle a. d. S., 18. Sept. Ein Rieſenfeuer, das
in einem Brikettſchuppen auf der der Halleſchen Pfänner=
Geſellſchaft gehörigen Saline geſtern abend ausbrach,
zerſtörte die Schiffswerft von Schildt und ein Sägewerk.
Die uralten Salinen, die hiſtoriſche Arbeitsſtätte der
Halloren, ſowie zahlreiche Gebäude des Halleſchen Zoll=
hafens
waren in außerordentlicher Gefahr, da der Wind
in der 10. Abendſtunde umſprang.
Wilhelmshaven, 18. Sept. Geſtern nachmittag gegen
1 Uhr wurden von dem an den Herbſtmanövern beteilig=
ten
Torpedoboot § 119 bei ſchwerer See drei Mann
über Bord geſpült. Es gelang, zwei Mann zu
retten während der dritte, der Torpedobootheizer Bude
aus Pröſen (Prov. Sachſen) ertrank. Seine Leiche
wurde bisher nicht geborgen.
Poſen, 19. Sept. Das Schwurgericht in Oſtrowo ver=
urteilte
den 17jährigen Raubmörder Dlugowicky, der am
22. Juni einen Gaſtwirt ermordete und beraubte, zu 15
Jahren Zuchthaus.
Poſen, 19. Sept. Vorige Woche war der 28jährige,
aus Berlin ſtammende Aſſiſtent des Kaiſer Friedrich=
Muſeums, Dr. Blume, in einem Nachbarorte erſchof=
ſen
aufgefunden worden. Nunmehr iſt heute ſeine
20jährige Frau die beim Tode ihres Mannes zugegen
war, unter dem Verdacht, dieſen erſchoſſen zu haben, ver=
haftet
worden. Sie hatte angegeben, daß ihr Mann
mit einem Revolver geſpielt und dabei den Tod gefunden
habe. Man ſchöpfte jedoch Verdacht, da man keine Waffe
bei der Leiche fand und auch das Eheleben des jungen
Paares infolge Untreue der Frau unglücklich war. Es iſt
noch zweifelhaft, ob die Frau ihren Mann ſelbſt erſchoſſen
oder eine dritte Perſon zu der Tat veranlaßt hat.
Danzig, 19. Sept. Ein Mann der ſein Ge=
dächtnis
verloren haben wollte, hat die hie=
ſigen
Behörden ſechs Wochen geärgert. Am 5. Auguſt
meldete ſich bei der Kriminalpolizei ein junger Mann, der
angab, er habe am Tage vorher einen Schlag auf den Kopf
erhalten und wiſſe nun nicht, wie er heiße und woher er
komme. Man brachte ihn zum Krankenhauſe und ließ ihn
ſechs Wochen hindurch beobachten. Er war aber geſund,
ließ ſich das Eſſen und Trinken gut ſchmecken und war
leidenſchaftlicher Skatſpieler. In voriger Woche wurde er
dann von den Aerzten als Simulant bezeichnet und der
Polizei wieder übergeben. Ein Kriminalbeamter veran=
laßte
den Unbekannten, doch einmal ſeinen Lebenslauf zu
ſchreiben. Dabei verriet ſich der junge Mann und gab an,
er heiße Hans Hofmann, ſei in Selb in Bayern geboren
und Handlungsgehilfe. Nun ſtellte die Polizei feſt, daß
Hofmann wegen Unterſchlagung einer größeren
Summe von der Staatsanwaltſchaft in Plauen im Vogt=
land
ſteckbrieflich verfolgt wurde. Auf ſeine Ergreifung
war eine Belohnung von 300 Mk. ausgeſetzt. Hofmann
hatte ſich nach der Unterſchlagung nach Zoppot begeben
und dort die Saiſon hindurch in Freuden gelebt. Als er
kein Geld mehr hatte, ſimulierte er.
Wien, 19. Sept. Prinzeſſin Wilhelm zu
Stolberg=Wernigerode, geb. Prinzeſſin zu
Erbach=Schönberg, wurde am Mittwoch in Reichenau bei
Wien von einer geſunden Tochter entbunden. Die
Prinzeſſin befindet ſich ſehr wohl.
Paris, 19. Sept. Wie aus Gibraltar gemeldet wird,
iſt Muley Hafid daſelbſt geſtern eingetroffen und be=
gibt
ſich an Bord des Dampfers Gibel Derſa nach Tan=
ger
, wo er ſeinen Wohnſitz zu nehmen gedenkt. Abdul
Aſis, der geſtern gleichfalls in Gibraltar weilte, hat in=
folge
dieſer Abſicht ſeines Bruders Muley Hafid beſchloſ=
ſen
, in Algeciras dauernd Aufenthalt zu nehmen.
London, 19. Sept. In Belfaſt der Hauptſtadt der
iriſchen Provinz Ulſter, in der kürzlich die blutige Fuß=
ballſchlacht
ſtattfand, haben ſich geſtern abermals
ſtürmiſche Vorgänge abgeſpielt. Während der Mit=

tagspauſe gerieten homerule und antihomerule Arbeiter
einer Eiſengießerei ins Handgemenge und in wenigen
Minuten waren hunderte von Menſchen am Kampf be=
teiligt
. Nur einem erheblich verſtärkten Polizeiaufgebot
gelang es, die Ruhe wieder herzuſtellen. Nachmittags
ſtürzten Fabrikmädchen mehrerer Spinnereien auf einander
los, packten ſich an den Haaren und ſchleppten ſich gegen=
ſeitig
durch die Straßen.
Kiew, 18. Sept. Am heutigen Todestage des frühe=
ren
Miniſterpräſidenten Stolypin fand an ſeinem
Grabe eine feierliche Kundgebung in Gegenwart der
Spitzen der Behörden, vieler Deputationen und einer
großen Volksmenge ſtatt. Im Namen des Kaiſers wurde
ein Kranz niedergelegt. Auch in Petersburg und anderen
Städten fanden Gedenkfeiern ſtatt. Auf dem Stadtplatze
wurde der Grundſtein zu einem Stolypin=Denkmal
gelegt.

Tagung der Frauen= und Mädchenortsgruppe
des Vereins für das Deutſchtum im Auslande.

Allgemeiner Teutſcher Schulverein.
* Unter den mehr oder minder mit der Frauen=
bewegung
im weitgefaßten Sinne des Wortes zuſam=
menhängenden
Tätigkeitszweigen der Frauen ſind es
wohl die im Deutſchen Schulverein wurzelnden Beſtreb=
ungen
zur Erhaltung und Verbreitung des Deutſchtums,
die neben denen der Krankenfürſorge und Wohltätigkeit
gewidmeten am meiſten allgemeine Anerkennung
und Förderung verdienen und auch in erfreulich zuneh=
mendem
Maße finden. Unter den vielen beſtehenden
Ortsgruppen nimmt diejenige von Darmſtadt ſicher mit
die erſte Stelle ein, ſoweit Rührigkeit im internen Ver=
einsleben
und ſichtbare materielle äußere Erfolge in
Frage kommen. Das mag auch wohl Veranlaſſung ſein,
daß der Ortsgruppe Darmſtadt die Ehre zuteil
wurde, die erſte Tagung der im Allgemeinen Deut=
ſchen
Schulverein vereinigten Frauen= und
Mädchen=Ortsgruppen zu übernehmen, die in
dieſen Tagen im Städt. Saalbau ſtattfindet und geſtern
vormittag mit einer geſchloſſenen Verſammlung begann,
zu der über 100 Damen erſchienen waren.
Den Vorſitz führte zunächſt Herr Staatsminiſter a. D.
Hentig, der die Erſchienenen herzlichſt begrüßte. Nach
der Feſtſtellung der Anweſenheitsliſte ſind anweſend Ver=
treter
der Landesverbände Heſſen=Naſſau, Sachſen, Ba=
den
, Bayern, Württemberg und Sachſen=Anhalt; ferner
Vertreterinnen der Frauenortsgruppen Berlin, Heidel=
berg
, Bochum, Koblenz, München, Lübeck, Freiberg i. S.,
Wiesbaden, Dresden, Leipzig, Hanau, Frankfurt a. M.,
Karlsruhe, Chemnitz, Kiel und Darmſtadt.
Zur Vorſitzenden der Tagung wurde durch Zuruf
Frau Profeſſor Beck=Dresden gewählt. Dieſelbe dankte
zunächſt für das ihr geſchenkte Vertrauen. Sie wies dar=
auf
hin, daß die Tätigkeit der Frauenortsgruppe eine
ſchon lang bewährte ſei und daß u. a. die Ortsgruppen
Hanau und Wiesbaden bereits auf ein 25jähriges Be=
ſtehen
zurückblicken könnten. Beſonders in den letzten
Jahren ſei die Freude an der Arbeit und die Arbeit ſelbſt
gewachſen und es ſei der Gedanke aufgekommen, in eige=
ner
Tagung die Ortsgruppen zu gemeinſamer Tätigkeit
zu ſammeln. Die Rednerin erläuterte dann in klarer und
überſichtlicher Weiſe die Aufgaben, die den Frauen= und
Mädchenortsgruppen für die deutſche Frau im Ausland
erwachſen. Ein friſcher Zug gehe durch die Ortsgruppen,
alte Arbeitskräfte ſtänden bereit, neue Arbeitskräfte gelte
es zu ſammeln, und von beſonderem Vorteil für die
große nationale Idee würde ein gegenſeitiger Gedanken=
austauſch
in gemeinſamen Tagungen ſein. Die Aus=
führungen
der Vorſitzenden über die Entwickelung der
Frauenortsgruppen im Geſamtverbande wurden noch er=
gänzt
durch ein ausführliches Referat des Staatsmini=
ſters
a. D. Hen t ig, der darauf hinwies, daß die
Frauen=Ortsgruppen mit den Männer=Ortsgruppen zu=
ſammenarbeiten
müßten. Die Frauen=Ortsgruppen ſoll=
ten
für die deutſche Frau im Auslande kämpfen, wie die
Männergruppen für die deutſchen Brüder. Der Geſamt=
verband
des Allgemeinen Deutſchen Schulvereins ver=
folge
aber keine politiſchen Tendenzen; er bezwecke ledig=
lich
den Schutz des Deutſchen im Ausland. Zum Schluß
gab der Redner bekannt, daß gegenwärtig 31 Frauen=
und Mädchenortsgruppen beſtehen und daß ſich nach den
letzten Erhebungen (Herbſt 1911) die Zahl der Mitglieder
der Ortsgruppen auf 8158 beläuft.
Zu Punkt 2 der Tagesordnung: Erweiterung und
Vertiefung der Werbearbeit entſpann ſich eine lebhafte

lionen Mark. Was geſchieht mit dieſer Summe? Das
weiß nur er und ſein getreuer Ratgeber. Aber in einge=
weihten
Kreiſen gilt es als ſicher, daß der Zar weitaus
den größten Teil davon zurücklegt er perſönlich iſt in
ſeinen Anſprüchen ſehr beſcheiden, die kaiſerliche Familie
lebt bürgerlich, und man vermutet, daß der Zar ſeinem
Vermögen jährlich durch ſeine Sparſamkeit 16 Millionen
von der Zivilliſte zufügt. Im Jahre 1906 wurden jeden=
falls
Zahlen veröffentlicht, aus denen hervorging, daß die
perſönlichen Erſparniſſe damals bereits eine hübſche
runde Summe von nahezu 200 Millionen Mark erreicht
hatten; bis zum heutigen Zeitpunkt werden ſie gewiß eine
Viertel Milliarde überſtiegen haben. Die kaiſerlichen Do=
mänen
entſprechen in ihrer Ausdehnung etwa der Größe
Irlards und umfaſſen die ſchönſten Wälder Europas.
Hier wird ein großzügiger Holzhandel betrieben; ein
Drittel der Länder iſt bebaut und zum größten Teil ver=
pachtet
. Außerdem wird auf den kaiſerlichen Domänen
Bergbau und Fiſchzucht betrieben. Dieſe Güter bringen
dem kaiſerlichen Haushalt jährlich eine Einnahme von
rund 80 Millionen Mark, von denen 24 Millionen den
Großfürſten zufallen. Die Privatdomänen des Kaiſers,
die noch weitaus größer ſind, liegen zum größten Teil in
Sibirien; ſie umfaſſen gewaltige Bergwerke, aus denen
Platin, Gold, Silber, Kupfer, Eiſen gewonnen wird. Die
Ausnutzung entſpricht gegenwärtig noch keineswegs dem
Reichtum des Bodens, und ſo erklärt es ſich auch, daß die
Einkünfte aus dieſen Privatdomänen ſich nur auf rund
31 Millionen Mark belaufen. Bei einer intenſiveren
Wirtſchaft könnte dieſe Summe leicht verdoppelt werden.
Jedenfalls beläuft ſich das bare Einkommen des Zaren
jährlich auf rund 120 Millionen Mark und wächſt von Jahr
zu Jahr um 5 Millionen. Die Zunahme würde aber weit
erheblicher ſein, wenn die Verwaltung in jenen entlegenen
Landſtrichen ſtraffer organiſiert wäre; es iſt kein Ge=
heimnis
, daß ſtattliche Summen verſchwinden und nie den
Weg in die kaiſerliche Schatulle finden.
* Ueber den Leichenwagen, der beim Begräbnis des
Kaiſers von Japan gebraucht wurde, werden der Nieuwe
Rotterdamſche Courant von einem Berichterſtatter aus
Yokohama intereſſante Mitteilungen gemacht. Nach ur=
altem
Brauch werden die Kaiſer und Kaiſerinnen von
Japan mit einem von Ochſen gezogenen Wagen nach ihrer
Ruheſtätte gebracht. Der Wagen, der nur zwei Räder hat,

iſt von einem Stellmacher in Kidto, wo bis 1868 der Mi=
kado
reſidierte, verfertigt worden, in deſſen Familie dieſes
Hofamt ſeit einigen Jahrhunderten erblich iſt; auch die=
ſelben
Arbeiter, die vor einigen Jahren beim Bau des
Leichenwagens für die Kaiſerin=Witwe geholfen haben,
wurden wieder verwandt, nachdem der Oberzeremonien=
meiſter
die genaueſten Vorſchriften über alle Einzelheiten
bei der Konſtruktion gegeben hatte. Der Wagen iſt mit
der Deichſel faſt 8 Meter lang, die Räder haben einen
Durchmeſſer von faſt 2 Meter, während der Oberbau für
den Sarg 2½ Meter hoch iſt. Die Haut der ſechs den
Leichenwagen ziehenden Ochſen muß eine genau vorge=
ſchriebene
Zeichnung haben, und die Tiere müſſen aus
Kioto kommen. Sobald ſie ausgewählt ſind wird ihnen
der zweite Grad des fünften Hofrangs verliehen; wenn
ſie ihren Dienſt geleiſtet haben, erhalten ſie nur noch ein
beſtimmtes Futter, an dem ſie langſam zugrunde gehen,
denn was einmal dem Kaiſer gedient hat, darf von keinem
anderen Menſchen gebraucht werden. Die beim Begräb=
nis
der letzten Kaiſerin verwandten Ochſen ſind übrigens
dieſem Schickſal entgangen, denn ſie wurden, wohl als
Zugeſtändnis an den neuen Zeitgeiſt in Japan, in dem
Sejindſietempel in Kioto untergebracht, deſſen Prieſter je=
doch
von dieſen Koſtgängern, die überdies noch mit einem
beſonderen Zeremoniell behandelt werden mußten, nicht
ſehr erbaut geweſen ſein müſſen.
* Haarausfall und Ziviliſation. Auf dem Naturfor=
ſcher
= und Aerztetag in Münſter referierte Profeſſor Kro=
mayer
(Berlin) über Urſachen und Behandlung des ge=
wöhnlichen
Haarausfalles‟ Der gewöhnliche, zur Glatze
führende Haarſchwund hat ſeine Urſache in unſerer Zivili=
ſation
. Der Haarboden braucht Licht und Luft, um aus=
dünſten
zu können und geſund zu bleiben. Dieſe werden
ihm vorenthalten durch die Friſuren, die Haareinlagen, die
Kopfbedeckungen und den Aufenthalt in geſchloſſenen Räu=
men
. Schweiß und Talgdrüſenſekret haben Gelegenheit,
ſich auf dem Kopfe anzuſammeln und eine Brutſtätte für
hautſchmarotzende Mikroorganismen zu bilden, welche die
Kopfhaut reizen und entzünden. Ebenſo wie unſere Zi=
viliſation
uns zwingt, täglich Hände und Geſicht zu
waſchen, häufig zu baden, regelmäßig die Zähne von den
ſie angreifenden Kulturſpeiſen zu reinigen das alles
nicht oder nur in geringem Maße erforderlich wäre wenn
wir im Naturzuſtande lebten ebenſo notwendig iſt eine

regelmäßige Reinigung der Kopfhaut. Das in den letzten
Dezennien erfreulicherweiſe in Aufnahme gekommene
Champonieren, in richtiger Weiſe angewandt, ſtellt eine
zweckmäßige Reinigung der Kopfhaut dar. Nur iſt es
leider eine umſtändliche Prozedur, namentlich bei langem
Frauenhaar. Das wichtigſte Heilmittel, deſſen man nicht
entraten kann, iſt aber der Schwefel in ſpirituöſen Emul=
ſionen
, die nach Verdunſten des Spiritus eine dünne
Schwefelſchicht auf der Haut zurücklaſſen. Auch in Puder=
form
wirkt der Schwefel beſonders bei von Natur aus
fettiger Kopfhaut gut wie dens überhaupt das Einpudern
fettiger Haare als ein teilweifer Erſatz für das Cham=
ponieren
mit Seife gelten kann. Sehr wichtig iſt es, daß
die Krankheit frühzeitig behandelt wird, weil bei bereits
eingetretenem Haarausfall die Behandlung erfolglos
bleibt.
* Die Trompete von Vionville. Dieſer Tage wurde,
wie gemeldet, auf dem Friedhofe in Schöneberg bei Ber=
lin
ein Veteran von 1870, Gerichtsvollzieher Schmidt, zu
Grabe getragen. Er hatte in der Schlacht von Mars=
la
=Tour das Signal zum Angriff geblaſen. Die Leip=
ziger
Neueſten Nachrichten erinnern nun daran, daß der
Held des Freiligrathſchen Gedichtes: Die Trompete von
Vionville der Trompeter Auguſt Pinkepank von den 7.
Küraſſieren in Halberſtadt, ſeinem Kameraden ſchon im
Jahre 1878 zur großen Armee voraufgegangen iſt. Pinke=
pank
war es, der nach der todesmutigen Attacke der 7.
Küraſſiere und 16. Ulanen vom Führer der Brigade von
Bredow, den Befehl bekam, zum Sammeln zu blaſen.
Ein Schuß durch die Trompete machte den Befehl un=
ausführbar
. Die Trompete verſchwand dann während
des Feldzuges und blieb für die nächſte Zeit unauffind=
bar
. Erſt nach langen Mühen gelang es dem damaligen
Militärpfarrer und Oberdomprediger Nebe in Halber=
ſtadt
, die hiſtoriſche Trompete wieder zu entdecken. Sie
war während des Feldzuges repariert worden und
ohne daß man an ihre Geſchichte gedacht hätte wie=
der
beim Trompeterkorps in Dienſt geſtellt worden. Man
holte jetzt die Trompete aus dem Korps heraus, ſchoß
das Loch zum zweiten Male durch den Schalltrichter des
Inſtruments und hängte ſie nebſt dem durchlöcherten =
raß
des Führers der 7. Küraſſiere, v. Schmettow, und
anderen Kriegsemblemen zur Erinnerung an die glor=
reiche
Waffentat im Dome von Halberſtadt auf.

[ ][  ][ ]

Nummer 222.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. September 1912.

Seite 5.

Ausſprache. Von der Vorſitzenden wurden insbeſondere
folgende Maßnahmen vorgeſchlagen: Veranſtaltung von
etwa alle zwei Jahre aufgenommenen Werbeſtationen,
Abhaltung von Vortragsabenden, Herausgabe von Jah=
resberichten
uſw. In der anſchließenden Debatte betonte
der Generalſekretär des Verbandes, Geiſer, daß vor
allem die Werbearbeit von Perſon zu Perſon das Wich=
tigſte
ſein und bleiben müſſe. Daneben ſei weiter die
Propaganda in den Familienblättern, der Beilage der
Literatur des Vereins zu Journalleſezirkeln uſw. emp=
fehlenswert
. Auch ſolle man vor allem Wert darauf
legen, die Vorſteherinnen von Mädchenſchulen und Pen=
ſionaten
, die Lehrerinnen, und weiter die Landfrauen,
Gutsbeſitzers= und Paſtorenfrauen für die Sache des All=
gemeinen
Deutſchen Schulvereins zu gewinnen.
Lebhaft war auch die Beſprechung des Punktes: Be=
ſchlußfaſſung
über die Frage eines j ähr lichen
Frauentages. Die Vorſitzende betonte, daß entſchie=
den
die Veranſtaltung einer alljährlichen Tagung die
Sache der Frauenortsgruppen weſentlich fördern würde.
Sie ſchlug vor, die Tagung im Anſchluß an den allge=
meinen
Vertretertag desSchulvereins ſtattfinden zu laſſen.
Während ſich die Verſammlung allgemein für den An=
ſchluß
der Tagung an den Vertretertag ausſprach, ent=
ſpann
ſich eine lebhafte Ausſprache darüber, ob die Tag=
ung
vor oder nach der Tagung des Vertretertages ſtatt=
finden
ſollte. Es wurde ſchließlich vorgeſchlagen, einen
geſchäftsführenden Ausſchuß zu bilden, der wenigſtens
für den nächſtjährigen Vertretertag in Duisburg mit dem
allgemeinen Vertretertag und der dortigen Ortsgruppe
ſich über die Zeit der Tagung verſtändigen ſoll.
Punkt 4 und 5 der Tagesordnung: Vereinsfeſte und
=Veranſtaltungen und Stärkung der Stipendienfonds
werden zuſammen verhandelt. Man ſprach eſich faſt all=
gemein
für die Notwendigkeit der Veranſtaltung von
Feſten aus, da dies erfahrungsgemäß der beſte Weg ſei,
Geldmittel aufzubringen, und da ſich in dieſen Veran=
ſtaltungen
auch der Zweck des Vereins, Deutſchtum und
deutſche Kultur zu fördern, propagieren laſſe. Staats=
miniſter
a. D. Hentig ſchlägt vor, daß die Ortsgruppen
aus dem Ertrag ihrer Feſte 20 bis 25 Prozent an die
Stipendienfonds abliefern. Weiter wurde der Wunſch
nach einem patriotiſchen Feſtſpiel geäußert. Die
Vorſitzende teilte dazu mit, daß bereits mit Joſeph Lauff
verhandelt würde, daß dieſer aber noch nicht die Zeit
gefunden habe. Es ſoll noch mit Gerhard Hauptmann
und Rudolf Hertzog in Verbindung getreten werden.
Frau Prof. Lenz=Darmſtadt teilt mit, daß gelegentlich
der Kaſſeler Tagung ein Feſtſpiel aufgeführt wurde, das
von der Schriftſtellerin Roſé verfaßt und von Frau Hof=
ſchauſvieler
Hacker erweitert wurde. Dieſes Feſtſpiel
habe großen Erfolg gehabt.
Nach weiterer Diskuſſion erſtattete Frau v. Nießen=
Deiters Referat über den nächſten Punkt der Tages=
ordnung
: Gründung von Frauen= und Mädchengruppen
ſim Auslande‟. Im Anſchluß daran gelangte ein Antrag
zur Annahme, mit den im Auslande lebenden und in
das Ausland abwandernden Frauen und Mädchen in
ſſteter Fühlung zu bleiben.
Herr Prof. Spamer ſchlägt eine Reſolution
vor, wonach drei Frauen gewählt werden ſollen, die zu=
nächſt
durch Rundſchreiben und Anfrage bei den Frauen=
Ortsgruppen dafür wirken mögen, daß ein ſtärkerer Be=
ſuch
der Hauptverſammlung in Duisburg durch die
Frauenortsgruppen erfolgen müſſe und daß überhaupt
eine lebhaftere Tätigkeit der Frauenortsgruppen erzielt
(werde, daß ganz beſonders aber auf eine Vermehrung
und Stärkung der Frauenortsgruppen Bedacht genommen
werden müſſe. In den Ausſchuß werden gewählt die
Damen Beck, LLenz und Heizig.
Der Begrüßungsabend.
Die Ortsgruppe Darmſtadt hatte die auswärtigen
Teilnehmer abends zu einem Begrüßungsfeſt in den
Städtiſchen Saalbau geladen, das ſehr gut beſucht war
und einen ausgezeichneten Verlauf nahm. Die Tafeln
trugen vornehmen und reichen Schmuck von Blumen und
zarten Girlanden. Beſonders ſtimmungsvoll war die
Bühne geſchmückt mit Palmen und Blumen. Die reich=
haltigen
muſikaliſchen und deklamatoriſchen Darbietungen
des Abends wurden eingeleitet durch einen ſchwungvol=
len
, von Frau Hofſchauſpieler Hacker gedichteten Pro=
log
, der von Frau Berta Bebra=Hacker eindrucks=
voll
, den warm erfaßten Stimmungsgehalt der Dichtung
erſchöpfend, geſprochen wurde und rauſchenden Beifall
fand.
Es folgte eine Reihe von Begrüßungsanſprachen.
Frau Profeſſor Lenz entbot namens der Ortsgruppe
Darmſtadt allen Erſchienenen ein herzliches Willkommen
und beleuchtete kurz die Beſtrebungen und Ziele des Ver=
eins
und ſeiner Ortsgruppen. Die Rednerin ſchloß mit
dem Ausdruck der Hoffnung, daß die heutige Tagung mit
dazu beigetragen habe, die Frauen= und Mädchengruppen
zu ſtärken und ihr Tätigkeitsfeld weiter fruchtbringend
zu beſtellen. Der erſte Vorſitzende der Hauptleitung,
Herr Staatsminiſter a. D. Hentig, begrüßte eben=
falls
die Feſtverſammlung und wies auf die Bedeutung
hin, die die Tätigkeit des Allgemeinen Deutſchen Schul=
vereins
in ſich trägt. Sie beruht in der Notwendigkeit,
die Deutſchen des Auslandes zu ſchützen, die fortgeſetzt
der Gefahr ausgeſetzt ſind, ihr Deutſchtum zu verlieren
oder doch in völkiſche Bedrängnis zu geraten. Das deut=
ſche
Volk darf ſeine Brüder und Schweſtern im Auslande,
über die ganze Erde ſind Deutſche verbreitet, in dieſer
Gefahr aber nicht allein laſſen; es muß ſie ſtärken und
ſtützen. Weiter verbreitete ſich Redner über allgemeine
deutſch=weltmachtpolitiſche Verhältniſſe. Redner ſchloß
mit einem Hoch auf die Stadt Darmſtadt.
Die Wünſche der Regierung überbrachte im Namen
und Auftrage Sr. Exz. des Herrn Miniſters des Innern
Herr Geheimerat Süffert. Er betonte, daß es ihm
eine beſondere Freude ſei, ſich dieſes Auftrages entledi=
gen
zu dürfen, da der Schulabteilung des Miniſteriums
des Innern die Beſtrebungen des Schulvereins ſehr
ſympathiſch ſeien und der wärmſten Förderung und
Unterſtützung der Regierung ſicher ſein dürfen. Das In=
tereſſe
der Großh. Regierung ſei kein platoniſches; das
beweiſe auch die offizielle Beteiligung an der Roſegger=
ſpende
. Glück und Heil der Tagung wünſchend, ſchloß
der Redner.
Bürgermeiſter Mueller führt folgendes aus:
Die Sonderverſammlung der Frauen=Ortsgruppe des
Vereins für das Deutſchtum im Auslande im Namen
unſerer Stadt aufs herzlichſte begrüßen zu dürfen, iſt mir
eine beſondere Ehre und Freude, und ich bedauere nur
das Eine, daß dieſe Begrüßung infolge der notwendig
gewordenen Programmänderung erſt möglich gewor=
den
iſt zu einer Zeit, da Sie Ihre Verhädlungen ſchon
hinter ſich haben. Ich bin allerdings beſtheiden genug
anzunehmen, daß Ihre Tagung unter dem Mangel der
vorgängigen Segenswünſche der Stadt nicht gelitten hat,
und habe ja immerhin auch jetzt noch Gelegenheit, den
Wunſch auszuſprechen, daß die vor Ihnen gefaßten Be=

ſchlüſſe der guten Sache beſtens dienen und ſie fördern
möchten. Daß dieſer Wunſch ein aufrichtiger und herzlicher
iſt, brauche ich als Vertreter einer Stadt, die Ihren Be=
ſtrebungen
ſtets mit größtem Intereſſe gegenüber geſtan=
den
hat, nicht beſonders zu betonen. Der Allgemeine
Deutſche Schulverein wenn ich die Firma noch einmal
unter ihrer alten Bezeichnung erwähnen darf erfreut
ſich nicht allein ſeiner ſchönen Feſte wegen, einer großen
Sympathie in unſerer Bevölkerung, ſondern auch wegen
ſeiner Ziele. Es hat ja eine Zeit gegeben, wir wiſſen das
alle, da man ſich nirgends ſonderlich um das Schickſal
unſerer Brüder und Schweſtern in fernen Landen küm=
merte
. Nicht, weil uns dieſes Schickſal an ſich gleichgül=
tig
geweſen wäre. Gute Menſchen ſind wir Deutſchen
immer geweſen, vielleicht zu gute Es war mehr eine
Lauheit, eine Selbſtgenügſamkeit. Das deutſche National=
bewußtſein
, das ſich in und nach dem großen Kriege zu
ſo wundervoller Höhe erhob, verflachte allmählich über=
haupt
unter der Vorherrſchaft unſerer wirtſchaftlichen Ar=
beit
und der tauſende von Aufgaben und Problemen, die
uns im Verlauf der mächtigen inneren Entwicklung der
letzten Jahrzehnte geſtellt worden ſind. Woher ſollte die
Begeiſterung für das Deutſchtum im Auslande kommen,
wenn ſie für das Deutſchtum im Inlande nicht vorhanden
war? Es bedurfte erſt wieder eines Ruckes von außen,
um uns darauf aufmerkſam zu machen, wohin wir ſegeln.
Was vielen ſeit Jahren anfing zu dämmern, das iſt allen
im Vorjahre zum klaren Bewußtſein gekommen. Wir
haben plötzlich den Eisberg in ſeiner ganzen Größe ge=
ſehen
, der ſich vor unſerem ſtolzen Schiffe erhob. Feinde
ringsum, Mißgünſtige und Neider auf allen Seiten. Was
bedeutet der Rieſenerfolg unſerer Induſtrie, unſeres Han=
dels
auf dem Weltmarkte, wenn nicht die ſtarke Macht des
Deutſchtums dahinterſteht? Es iſt ja gewiß nicht zu ſpät,
die Männer an unſerem Steuer haben die Augen offen
gehalten und dafür geſorgt, daß noch niemand es gewagt
hat, mit uns anzubinden. Aber es iſt doch hohe Zeit, daß
das ganze Volk ſich auf ſich ſelbſt beſinnt, daß wir das
Deutſchtum in uns wieder ſtark und widerſtandsfähig und
ſelbſtbewußt machen.
Es iſt das unbeſtreitbare Verdienſt des Vereins für
das Deutſchtum im Auslande, daß er in dieſer Beziehung
hingebende Arbeit auch zu einer Zeit geleiſtet hat, da ein
großer Teil des Volkes noch in jener Lauheit befangen
war, und dem Verdienſt wird jetzt die Krone dadurch
zuteil, daß man nun allgemein den Wert dieſer Arbeit zu
erkennen beginnt. Den Wert nicht allein der Innenarbeit
an unſerem Volke, ſondern auch ganz beſonders der Außen=
arbeit
, denn wir bedürfen nicht minder dringend einer
ſtarken Stütze im europäiſchen Ausland und über See
Wir erkennen gerade jetzt an England, was dieſe Stützen
für die Heimat bedeuten. Unſerer Zeitgauch iſt es vor=
behalten
geweſen, zu würdigen, was Frauenarbeit heißt.
im wirtſchaftlichen und namentlich im ſozialen Leben iſt
ſie heute ſchon eine Macht, die gar nicht mehr entbehrt wer=
den
kann. Herz und Verſtand iſt ihr Rüſtzeug. Im be=
ſonderen
Maße aber iſt der deutſchen Frau die Begeiſte=
rungsfähigkeit
eigen, und ihrer bedarf es in erſter Linie bei
der Arbeit für das Deutſchtum. Der flammenden Kraft
der Ueberzeugung von dem durch eine tauſendjährige Ge=
ſchichte
erkämpften Recht auf eine weite fruchtbare Hei=
materde
und auf die Erhaltung unſerer völkiſchen Eigen=
art
. Der Verein hat auch hier einen weiten Blick gezeigt,
indem er ſich die Mitarbeit der deutſchen Frau geſichert
hat. So ſchwebt ein guter Stern über Ihrem Ringen um
die gute Sache und ich wünſche von Herzen, daß unſer
ganzes deutſches Volk mit Ihnen ringen möchte in der
Erkenntnis, daß es ſein eigenes Schickſal iſt, um das es
ſich handelt.
Stadtverordneter Pickert begrüßte die Feſtver=
ſammlung
namens des Deutſchen Sprachvereins und er=
örterte
die engen Beziehungen, die dieſen mit dem Allge=
meinen
Deutſchen Schulverein verbinden. Gleichzeitig
überbrachte Redner Grüße des Vereins der Freunde deut=
ſcher
Schrift. Darauf nahmen die künſtleriſchen
und unterhaltenden Darbietungen des Abends ihren
Fortgang. Wir kommen darauf zurück.

Kongreſſe und Verbandstage.

Sozialdemokratiſcher Parteitag.
Chemnitz 18. Sept. In der heutigen Sitzung
des ſozialdemokratiſchen Parteitages wurde zunächſt das
Organiſationsſtatut beraten. Nach lebhafter
Debatte wurde es mit einigen Aenderungen angenommen
und zwar wurde der Reichstagsfraktion die volle zahlen=
mäßige
Vertretung auf dem Parteitage belaſſen, dagegen
wurde die Schaffung eines Parteiausſchuſſes beſchloſſen.
Den Bericht über die Reichstagswahlen
erſtattete Abg. Scheidemann. Ausführlich behan=
delte
Scheidemann das Stichwahlabkommen vom Januar
ds. Js. mit den Freiſinnigen. Er hob hervor, daß den
Gegnern diesmal ihr Experiment bei den Stichwahlen
nicht gelungen, was zum Teil auch ein Verdienſt des Par=
teivorſtandes
ſei. Die ſog. Dämpfung in einer Reihe
von Wahlkreiſen, die an ſich ein außergewöhnliches Mittel
darſtellt, war durch außergewöhnliche Verhältniſſe bedingt.
Die Urſache des Abkommens war das Wahlſyſtem, die
ſchlechten Wahlkreiſe und die Praxis der preußiſchen
Junker. Der Redner äußerte ſich dann weiter zu den An=
griffen
gegen den Parteivorſtand, deſſen Anſehen dadurch
nicht gefördert werde und meinte, es erſcheine ſehr frag=
lich
, ob ein anderes Abkommen die Intereſſen der Partei
beſſer gefördert haben würde. Er ſchloß mit dem Hin=
weis
darauf, daß die Sozialdemokraten den Kampf fort=
ſetzen
werden bis zum Ende, da ſie überzeugt ſeien, daß
er zum Siege führe. Im Anſchluß an das Referat ent=
ſpann
ſich eine ausgedehnte Debatte, in der teils für, teils
gegen das Abkommen geſprochen wurde.
* Chemnitz, 19. Sept. Die heutige Sitzung be=
gann
mit den Verhandlungen über das Bündnis mit
der Fortſchrittlichen Volkspartei; es wurde
ſchließlich ein Antrag Scheidemann angenommen, der da=
hin
geht, daß über alle Anträge zur Tagesordnung über=
gegangen
werde. Damit haben alle Anträge, die dem
Parteivorſtand einen Tadel ausſprechen ſollen, ihre Er=
ledigung
gefunden. Darauf ſprach der frühere Reichs=
tagsabgeordnete
Hué über die Verhütung von Unfällen
in Bergwerken. Er teilte mit, daß man den Kaiſer über
das Unglück auf der Zeche Lothringen abſichtlich unrich=
tig
unterrichtet habe. Eine Reſolution über Maßnahmen
zur Verhütung von Unfällen wurde ſodann angenommen.

* Hamburg, 19. Sept. Der 7. Deutſche Ar=
beitsnachweis
=Kongreß iſt heute durch den
Vorſitzenden des Verbandes Deutſcher Arbeitsnachweiſe
Dr. Freund=Berlin eröffnet worden. Vertreten
ſind die Senate von Hamburg und Lübeck, das Reichs=
amt
des Innern, das Reichsmarineamt, das Kaiſerliche
Statiſtiſche Amt, die Regierungen von Sachſen, Baden=

Württemberg und Weimar, die Landeshauptleute von
Hannover, Weſtfalen, Poſen, Brandenburg, das Oberprä=
ſidium
und das Regierungspräſidium von Schleswig, das
öſterreichiſche Handelsminiſterium und das däniſche Mi=
niſterium
des Innern. Der Kongreß iſt ſehr ſtark beſucht,
Die Arbeitgeber= und die Arbeitnehmer=Vereinigungen
ſowie die Landwirtſchaftskammern ſind zahlreich vertre=
ten
. Die Verhandlungen begannen mit einem Referate
des Rechtsrates Dr. Fiſcher=Nürnberg über die bisherige
Wirkung des Stellenvermittlergeſetzes und die aus ihr
ſich ergebenden Reformvorſchläge.

Landwirtſchaftliches.

* Groß=Gerau, 18. Sept. Der letzte Ferkel=
markt
hatte wieder einen großen Auftrieb zu ver=
zeichnen
, denn es waren 762 Tiere aufgetrieben. Die
Preiſe erreichten aber immer noch ihre ſeitherige Höhe
und wurden für Ferkel 15 bis 20 Mk. und für Springer
40 bis 45 Mk. pro Stück bezahlt. Einleger waren
keine vorhanden. Der nächſte Ferkelmarkt wird am
Montag, den 23. ds. Mts., abgehalten und findet an
dieſem Tage auch der diesjährige Herbſtmarkt Krämer=
markt
ſtatt.

Vermiſchtes.

Die neunte Jahresverſammlung der
Vereinigten Advertiſing Clubs (Vereinen,
die ſich mit dem Reklameweſen befaſſen) Amerikas wird
im Juni 1913 in Baltimore (Maryland) ſtattfinden.
Dieſe Vereinigung beſteht aus 132 Vereinen in den Ver=
einigten
Staaten und Kanada und zählt insgeſamt rund
10000 Mitglieder. Auf der Verſammlung werden die
Beziehungen zwiſchen Reklame und Handel von allen
Geſichtspunkten aus erörtert durch Vorträge von den her=
vorragendſten
Fachleuten auf den verſchiedenen Gebieten,
das heißt Vorbereitung, Kauf, Verkauf und Bekanntmach=
ung
des Reklamematerials. Es beſteht die Abſicht, die
Frage der Entwicklung des internationalen Handels
durch Reklame auf das Programm der neunten Jahres=
verſammlung
zu ſetzen und dieſelbe zur Erörterung zu
bringen. Der Ausſchuß, welcher mit den Vorarbeiten
betraut iſt, gibt der Anſicht Ausdruck, daß keine Verſamm=
lung
von Geſchäftsleuten mehr zur allgemeinen Förder=
ung
von Handel und Gewerbe beiträgt, als diejenige der
Vereinigten Advertiſing Clubs‟. Der Ausſchuß hat die
Zuſage von vielen fremden Abordnungen zur Verſamm=
lung
bereits erhalten und legt großes Gewicht darauf,
der Teilnahme ein möglichſt ſtarkes internationales Ge=
präge
zu geben. Nähere Auskunft wird von Herbert
Sheridan, Esquire, Chairman, Committe on Foreign
Repreentation, Baltimore, Md., erteilt,

Literariſches.

* Erfahrungen auf dem Gebiete der
hohen Jagd, Naturgeſchichte, Jagd und Hege der
zur hohen Jagd gehörenden Wildarten, nebſt einem Ka=
pitel
über Falkenbeize, Kynologie, Schießtechnik und
Optik, und Jägerſprache, unter Mitwirkung hervorragen=
der
Fachmänner herausgegeben von F. Bergmiller.
Mit einem farbigen Titelbild und acht Tafeln von Prof.
A. Wagner, Zeichnungen von E. Arndt u. a. und vielen
photographiſchen Naturaufnahmen. Stuttgart, Kosmos,
Geſellſchaft der Naturfreunde, Franckhſche Verlagshand=
lung
. Preis geh. 3,50 Mark, geb. 4,50 Mark. Das Buch
ſoll ein Gegenſtück und eine Ergänzung ſein zu der von
dem Herausgeber bearbeiteten Ausgabe von Altmeiſter
Diegels Werk Erfahrungen auf dem Gebiete der Nieder=
jagd
mit dem zuſammen es ein vollſtändiges Werk über
Naturgeſchichte, Jagd und Hege der zur niederen und
hohen Jagd gehörenden Wildarten bildet. Dem Buch iſt
derſelbe echt weidmänniſche Sinn zugrunde gelegt, der
das Diegelſche Werk auszeichnet. Mit Unterſtützung zahl=
reicher
namhafter Autoren iſt es möglich geweſen, dies
hervorragende Buch über hohe Jagd zu bieten, das auch
hinſichtlich der äußeren Ausſtattung und der Illuſtrationen
durchaus auf der Höhe ſteht.
Erlebtes und Erdachtes von J. v. Brun=
(Barnow). Memmingers Verlagsanſtalt Würzburg. Preis
broſchiert 1 Mk., elegant gebunden 1,50 Mk. Unter dieſem
Titel veröffentlicht die bekannte Schriftſtellerin zwei Er=
zählungen
, die wohl wert ſind, bei der Flut von Ueber=
produktion
auf dem Gebiete der Novelle reiche Beachtung
zu finden. Erlebtes und Erdachtes iſt eine neue liebens=
würdige
Gabe der geſchätzten Schriftſtellerin.

Stimmen aus dem Publikum.

(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Waſſergeld und Gartenſtadt.
Das Eingeſandt in Ihrem hochlöblichen Blatt über die
Ausſchußſitzung der vereinigten Bezirksvereine bedarf
einer Erwiderung. Sicher war der Einſender nicht Teil=
nehmer
der Verſammlung. In der Waſſergeldfrage, diezur
Debatte geſtellt war, hat ein langjähriger verdienſtvoller
Stadtverordneter ſich lebhaft für die Einführung der
Waſſermeſſer ausgeſprochen und ſeine Ausführungen
wurden mit lebhaftem Beifall begleitet. Ob die Stadt=
verwaltung
mit Einführung von Waſſermeſſern oder
Erhebung des Waſſergeldes nach der Mannheimer und
Frankfurter Weiſe beſſer fährt, bedarf einer gründlichen,
genauen Berechnung und Erhebung, ſowie Prüfung
durch die Herren Stadtverordneten. Die Stadt braucht
Geld! Durch die Erhöhung der Brandſteuer, erhöhte
Hypothekenzinſen, hervorgerufen durch die allgemeine
Lage des Geldmarktes, durch Ausfall an Miete bei den
leerſtehenden Wohnungen, iſt der Hausbeſitzer über die
Maßen belaſtet und darf nicht weiter belaſtet werden.
Nun iſt die Frage offen, ob das Waſſergeld ſchon in
der Miete einbegriffen iſt, was bei vielen Hausbeſitzern
nicht der Fall iſt. Was die angebliche ſo hoch=
geſchraubte
Miete anlangt, ſo iſt dem Einſender nicht
bekannt, daß die Stadt Darmſtadt billige Miete hat,
ſonſt wäre ſie nicht bei dem Reichswohnungsgeldzuſchuß in
die Klaſſe C eingereiht. Die Miete iſt im Vergleich von
anderen Städten, ganz abgeſehen von Frankfurt, Wies=
baden
, Mannheim, Kaſſel, entſchieden billiger, das be=
weiſen
die meiſten Wohnungsanzeigen. Was die
Gartenſtadtbewegung anbelangt, ſo ſind alle an das
Wohl der Vaterſtadt denkende Einwohner, mit Aus=
nahme
einer kleinen Intereſſengruppe, einig, daß bei
dem ausgedehnten Stadtgebiete keine neuen Stadtviertel
eröffnet werden dürfen. Beſonders wurde in der Ver=
ſammlung
auf die kürzlich erfolgten Zuſammenbrüche
der Dresdener Baugenoſſenſchaft, Gartenſtadt Leipzig,
Eigenheim Frankfurt a. M. hingewieſen und Genoſſen=
ſchaften
, und die es werden wollen, gewarnt. Am beſten
wäre es, wenn die Stadtverwaltung einmal veröffent=
lichen
wollte, was die Gartenſtadt Hohler Weg au

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. September 1912.

Nummer 222.

Straßenanlage, Kanälen, Unterhaltung, Reinigung, Be=
leuchtung
koſtet und wieviel Gemeindeſteuer die par
Dutzend Häuſer mit Ausnahme der ſchon früher und auch
ohne Gartenſtadt wohnende Grundbeſitzer einbringen. M.
In einem hieſigen Blatte wird in dem Artikel
Zur Parſifalfrage erwähnt, daß in einem Briefe
R. Wagners an Angelo Neumann von einer Parſifal=
Aufführung außerhalb Bayreuths die Rede ſei, es ſoll da=
mit
ſcheinbar der Beweis erbracht werden, daß Wagner
ſelbſt der Freigabe des Parſifal zugeſtimmt hätte. In dem
bewußten Briefe gibt R. Wagner auf wiederholtes Drän=
gen
Neumanns die Möglichkeit zu, die Freigabe des
Parſifal an Neumanns zu gründendes Wagnertheater
unter ganz beſtimmten Bedingungen in Erwägung zu
ziehen, falls ſein Geſundheitszuſtand den übergroßen An=
ſtrengungen
weiterer Aufführungen nicht mehr gewachſen
ſein ſollte, aber jeder aufmerkſame Leſer wird aus dem
hier folgenden auf die Sache bezüglichen Teil des Briefes
ſofort die Tatſache erſehen, daß Wagner den Parſifal nie
auf einer anderen Bühne aufgeführt wiſſen wollte. . . .
. . . . . Nur weiß ich nicht, wie ich auf Ihren zuletzt
wiederum mir ausgedrückten Wunſch, auch den Parſifal
für die Aufführungen dieſes Theaters ankündigen zu dür=
fen
, antworten ſoll, nachdem ich Ihnen doch ſchon einmal
auf das Beſtimmteſte hierüber mich erklärte. Der Par=
ſifal
kann ausſchließlich nur meiner Schöpfung in Bay=
reuth
angehören, und mein dortiges Bühnenfeſthaus wird
ausſchließlich nur noch dies eine Werk, in jährlich wieder=
kehrenden
Aufführungen, darſtellen, Dieſe Iſolierung liegt
bereits in der ganzen Conception des Sujets ſelbſt be=
dingt
. Mit dem Parſifal ſteht und fällt meine Bay=
reuther
Schöpfung. Allerdings wird dieſe vergehen, und
zwar mit meinem Tode, denn wer in meinem Sinne ſie
fortführen ſollte, iſt und bleibt mir unbekannt und uner=
kenntlich
. Nehmen meine Kräfte, welche ich bei ſolchen
Gelegenheiten übermäßig anſtrenge, noch vor meinem leib=
lichen
Tode in der Weiſe ab daß ich mich nicht mehr mit
dieſen Aufführungen beſchäftigen könnte, ſo hätte ich aller=
dings
auf die Mittel zu ſinnen, durch welche ich mein
Werk möglichſt rein der Welt erhielte. Haben Sie
bis dahin Ihr Wagner=Theater durch ausſchließliche und
immer ſich verbeſſernde Aufführung aller meiner bis=
herigen
Werke auf den richtigen Stand hierfür erhoben
und erhalten, ſo würden dieſem Theater auch Bühnenweih=
feſtſpiele
, zu beſonderen Zeiten zu veranſtalten, ſehr wohl
zu überlaſſen ſein, und einzig ihm würde dann, in dieſem
Sinne, der Parſifal von mir abgetreten werden können.
Hierüber können Sie ſich ſehr wohl mit ſolchen Per=
ſonen
, deren Hilfe Sie zur Gründung jenes Theaters be=
dürfen
, auf Grund dieſer heutigen Mitteilung, in vertrau=
liche
Vernehmung ſetzen: Alles wieder zurückzunehmen
würden Sie mich aber nötigen, ſobald von dieſer Abmach=
ung
in der Oeffentlichkeit verlautet; Sie wiſſen, welch
nichtswürdig hämiſcher Art unſere Zeitungsſchreiber ſich
ſolcher Notizen bemächtigen, und können mir nicht zu=
muten
, daß ich meine mit ſo namenloſer Mühe gewonnene
SSchöpfung von Bayreuth der Gemeinheit zum Zernagen
hinwerfe.
Venedig, 29. September 1882.
Palazzo Vendramin, Canale Grande.
Der Ihrige Richard Wagner.
Das jüngſte Eingeſandt betr. die Erbauung einer
elektriſchen Straßenbahn ins Martinsviertel hat einen
Ausweg geſucht und gefunden, um dem Viertel die
Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, die ſich ſeiner
Anſicht nach der Linie Pankratiusſtraße-Hochſchulſtraße
entgegenſtellen. Aber ſein Ausweg nämlich die Linie
Schloßgartenplatz-Beckerſtraße, Liebfrauenſtraße, Pan=
kratiusſtraße
, Mauerſtraße, Mühlſtraße, Riedlingerſtraße
zur Einmündung in den Friedhof iſt ein ſolcher Umweg
und dient ſo gar nicht den Intereſſen des Viertels, daß
wir doch dafür danken müſſen. Alſo, wir wollen in das
Stadtinnere, beiſpielsweiſe von der Kaupſtraße zum Stadt=
haus
, das iſt doch furchtbar einfach, wir ſteigen an der
Pankratiusſtraße ein, fahren durch die Mauerſtraße bis
zum Lazarett, warten alsdann auf die grüne und fahren
bis zum Ernſt=Ludwigsplatz und wenn wir genügend Zeit
haben, warten wir nochmals auf die blaue oder weiße
Linie und kommen dann auch richtig zum Stadthaus. Das
nennt Herr K. eine praktiſche elektriſche Bahnverbindung
Auch darin müſſen wir ihm widerſprechen, daß ſeine Linie
billiger ſei. Doch darüber brauchen wir uns heute nicht
mehr zu unterhalten, denn die verehrl. Stadtverwaltung
weiß beſſer, was uns not tut wie der Herr Einſender und
hat die Häuſer an der Pankratiusſtraße bereits gekauft,
ebenſo wie auch die Heſſiſche Eiſenbahn=Aktiengeſellſchaft
auf dem allein richtigen Standpunkt ſteht und eingeſehen
hat, daß wir nicht eine Bahn nach dem Friedhof brauchen,
ſondern eine Linie direkt ins Stadtinnere der Rentabili=
tät
und Praxis halber.
Ka.

Die Manöver der 25. Diviſion.

* Am Mittwoch, den 18. September, dem Schlußtage der
diesjährigen Herbſtübuſigen der 25. Diviſion, führte
dieſe unter Leitung des kommandierenden Generals Ex=
zellenz
von Eichhorn ein Manöver gegen einen
markierten Feind aus, dem folgende Idee zugrunde
lag: Rote Truppen die auf dem linken Selzbachufer ſtehen,
linker Flügel weſtlich Gau=Odernheim, werden von blauen
Truppen, deren rechter Flügel auf dem Peters=Berg, ſüd=
öſtlich
von Bechtolsheim, ſteht, angegriffen. Das blaue
XVIIII. Armeekorps, im Vormarſch über den Rhein, ſendet
die 21. Diviſion über Mainz, die 25. auf einer bei Nacken=
heim
geſchlagenen Brücke über den Strom und geht gegen
den feindlichen linken Flügel vor. Während die 21. Di=
viſion
durch Beſchädigung der Brücken in Mainz aufge=
halten
iſt, erreicht die 25. Diviſion am 18. September, vor=
mittags
7.30 Uhr, von Lörzweiler kommend den Bahnhof
Mommenheim und beabſichtigt, über Selzen- Köngern=
heim
auf Undenheim vorzugehen. Die roten Truppen,
zum Teil markiert, beſtehend aus den Infanterie= Regi=
mentern
117 und 118, Dragoner 23, 4. und 5. Dragoner 24,
1. Abteilung Feldartillerie=Regiment 25, ſowie reitende
Batterie Feldartillerie=Regiment 25, und 4. Pioniere
21, unter ihrem Führer Generalmajor Franke, erhalten
den Befehl, dem Vormarſch des blauen Korps zu begeg=
nen
. Die blauen Kräfte ſandten 7.30 Uhr vom Bahnhof
Mommenheim die Vorhut unter Oberſt v. Trotha, be=
ſtehend
aus Stab, 1., 2., 3. Dragoner 24 Infanterie= Regi=
ment
116, 4. und 5. Batterie Artillerie=Regiment 25, Pio=
niere
21, ohne 4. Kompagnie, über Selzen-Köngernheim
auf Undenheim. Das Gros folgte in angemeſſenen Ab=
ſtänden
. Die roten Truppen hatten um 8 Uhr den Vor=
marſch
von Wörrſtadt auf Undenheim angetreten. Als die
blaue Kavallerie aus Köngernheim herausgetreten, erhielt
ſie von einer Eskadron der Roten Feuer ſo daß ſie ſüd=
weſtlich
Köngernheim abbog. Durch dieſe Berührung er=
hielten
die beiden Gegner erſt nähere Kenntnis von ein=
ander
und ſo entwickelte ſich aus der Tiefe der Marſch=
Kolonnen ein Begegnungsgefecht. Dem Infanterie= Regi=
ment
168 und den beiden Reſerve=Infanterie=Regimentern
war es möglich, weit links ausholend auf Spiesheim diri=

giert zu werden, während Infanterie=Regiment 115 auf
dem rechten Flügel auf Schornsheim avancierte. Bei
Schornsheim hatte ſich unterdeſſen die rote Kavallerie ge=
deckt
aufgeſtellt. Unbemerkt beſetzte die Maſchinengewehr=
abteilung
der 115er den Undenheimer Berg und eröffnete
überraſchend ein verheerendes Feuer gegen die bei Schorns=
heim
haltenden roten Reitergeſchwader und die reitende
Batterie, ſo daß letzterer es unmöglich wurde, überhaupt
aufzufahren. Sie war vernichtet. Das Inf.=Regiment 115
ging weiter rechts und links der Straße nach Wörrſtadt
anſchließend an Infanterie=Regiment 116 vor. Während=
deſſen
avancierte die rote Infanterie, die Regimenter 117
und 118 mit Maſchinengewehrabteilung über die Höhen
nordöſtlich und ſüdlich Wörrſtadt gegen die blauen Kräfte.
Die blaue Artillerie hatte inzwiſchen Stellung ſüdweſtlich
Gabsheim genommen und hier den Kampf annähernd
gleichzeitig mit dem Vorgehen der Infanterie auf dem
rechten Flügel begonnen, während der linke blaue Flügel
allmählich die Umgehung der rechten roten Flanke zu voll=
ziehen
ſich anſchickte. Nachdem genügende blaue Artillerie=
kräfte
verwendungsbereit waren, ging die blaue Infan=
terie
weiter vor, während rot ebenfalls avancierte. In
dieſem Moment brach das Signal Das Ganze Halt die
Uebung ab. Blau war Sieger. General v. Eichhorn
hielt nach dem Gefecht in der Nähe von Wörrſtadt eine
Kritik ab und ſprach ſich über die Leiſtungsfähigkeit der
Truppen ſehr lobend aus. Er nahm hierauf von den Offi=
zieren
der Diviſion, die zu dem Korps, das er acht Jahre
lang geführt, gehörten, mit warmen Worten Abſchied.
Generalleutnant v. Plüskow zollte uneingeſchränktes
Lob den glänzenden Marſchleiſtungen der Infanterie wäh=
rend
dieſer Manöver.

Luftfahrt.

Die Fahrt der Hanſa nach Kopenhagen,
* Hamburg, 19. Sept. Das Luftſchiff Hanſa
mit dem Grafen Zeppelin, Dr. Eckener, Oberingenieur
Dörr, Kapitän Hacker und 10 Paſſagieren an Bord, iſt
heute früh kurz vor 4 Uhr nach Kopenhagen auf=
geſtiegen
. Zurzeit der Abfahrt herrſchte Windſtille.
* Kopenhagen, 19. Sept. Nachdem die Hanſa
auf der Fahrt von Hamburg nach Kopenhagen um 7,30 Uhr
morgens die Südſpitze der Inſel Falſter bei Gjedſerp paſ=
ſiert
hatte, ſetzte ſie die Fahrt in nordweſtlicher Richtung
fort und wurde gegen 10 Uhr am Horizont von Kopen=
hagen
aus geſichtet. Um 10,30 befand ſich
das Luftſchiff über der Stadt und fuhr nach
dem Flugplatze, wo ſich eine ungeheuere Menſchenmenge
angeſammelt hatte. Darauf flog es im Bogen um die
Stadt und traf gegen 11¾ Uhr über dem Flugplatze ein.
In den Straßen und auf den Dächern ſtanden Zuſchauer
in großer Zahl, die das Luftſchiff begeiſtert empfingen.
An der vorderen Gondel führte das Luftſchiff die
däniſche, an der hinteren die deutſche Flagge.
* Kopenhagen, 19. Sept. Gegen 11 Uhr traf
die Hanſa über dem Flugplatze ein, worauf die Lan=
dung
vorgenommen wurde, welche mit Hilfe der dem
Grafen Zeppelin zur Verfügung geſtellten Soldaten glatt
vonſtatten ging. Die Menge bereitete Zeppelin und ſeiner
Begleitung begeiſterte Ovationen Oberſt Tuxen und
Oberingenieur Holtermann hießen den Grafen und
die übrigen deutſchen Herren willkeimmen. Graf Zeppelin
verblieb während des Aufenthaltes im Luftſchiff, weshalb
ihm in der vorderſten Gondel von der Aeronautiſchen
Geſellſchaft ein Frühſtück gegeben wurde. Gegen 11 Uhr
35 Min. wurde zur Abfahrt klar gemacht. Die Zuſchauer
brachen in Hurrarufe für Zeppelin aus. Dieſer antwortete
mit folgenden Worten: Herzlichen Dank für den Empfang,
den Sie uns bereitet haben. Wir werden dieſe Erinnerung
behalten, ſo lange wir leben. Darauf ſetzten ſich die
Schrauben in Bewegung, das Luftſchiff hob ſich langſam
in die Höhe und nahm den Kurs über den Sund. Die
Rückfahrt erfolgt über Malmö und über die Oſtſee.
* Malmö, 19. Sept. Die Hanſa kam, von
Kopenhagen kommend, kurz vor 12 Uhr vor der Stadt an
und führte einen großen Bogen über dem großen Markt
und der Petrikirche aus. Darauf zog ſie in ſüdweſtlicher
Richtung nach dem Platz der Baltiſchen Ausſtellung. Die
Straßen und die Dächer der Häuſer waren von zahlreichen
Menſchenmaſſen beſetzt, die das Luftſchiff mit Schwenken
von Tüchern und Hurrarufen begrüßten. Das Luftſchiffi
ſchlug darauf die Richtung über die Oſtſee nach Ham=
burg
ein. Das Wetter iſt ſchön. Es herrſcht ſchwacher
nördlicher Wind.
* Hamburg, 19. Sept. Das Luftſchiff Hanſa
erſchien um 4 Uhr 20 Min. über der Stadt. Es führte
eine Schleifenfahrt bis Blankeneſe aus und lan=
dete
um 4 Uhr 50 Min. glatt por der Halle.
* Luzern, 18. Sept. Das Parſeval= Luft=
ſchiff
P. 6 machte heute bei klarem Herbſtwetter zwei
Paſſagierflüge in 350 bis 400 Meter Höhe von je 45 Minu=
ten
Fahrtdauer und legte jedesmal 90 Kilometer zurück.
Bis jetzt hat der Lenkballon in 17 Fahrten 217 Perſonen
über das Seegelände und um die Rigi befördert. Nächſten
Sonntag iſt die Fernfahrt Luzern=Zürich projektiert. Auch
wird an dieſem Tage der Freiballon Theodor Schaeck
ſeine dritte Alpenfahrt von Luzern aus ausführen.
Die Zerſtörung des Parſevalballons in Tokio.
Der von der japaniſchen Regierung vor einigen Mo=
naten
angekaufte Parſevalballon iſt durch eine Explo=
ſion
, die Folge eines Taifuns, zerſtört worden.
Merkwürdigerweiſe wird dieſe Kataſtrophe erſt jetzt be=
kannt
. Nunmehr macht die Luftfahrzeug= Geſell=
ſchaft
aus einem Briefe ihres Ingenieurs Schubert,
der in Tokio die Abnahmefahrt erfolgreich geleitet hatte,
folgende Mitteilungen über die Urſachen des Unfalles:
Die Verhältniſſe auf dem Militärflugplatze Tokoro=
ſhawa
ſpotten jeder Beſchreibung. Als unſer Luftſchiff
im Juli dieſes Jahres in Tokio ankam, wurde von einer
engliſchen Geſellſchaft gerade erſt mit dem Bau der Stahl=
halle
begonnen, die den Ballon aufnehmen ſollte. Wir
waren deshalb gezwungen, die Montage des Ballons in
einer kleinen Holzhalle vorzunehmen, in der das vor zwei
Jahren verunglückte erſte japaniſche Militärluftſchiff,
deſſen Erbauer Hauptmann Hino iſt, untergebracht war.
Die Halle, die für den Parſevalballon zu niedrig und
zu eng war, wurde nur auf das Notdürftigſte aus=
gebeſſert
. Infolge eines Sturmes war die Hälfte des
Daches eingeſtürzt, ohne daß die Regierung den Scha=
den
repariert hätte. Um den Ballon überhaupt hinein=
zubringen
, mußte in der Halle ſelbſt eine drei Meter
tiefe Senkgrube angelegt werden. Alle Arbeiten wurden
in dem Gebäude ſelbſt vorgenommen. So befindet ſich
auch eine offene Feldſchmiede in der Halle. (Dieſe hat
vermutlich die Exploſion herbeigeführt, nachdem der
Ballon infolge des Strmes wider eine Wand geworfen
worden und Gas ausgeſtrömt war. D. Red.) Das
Schlimmſte iſt jedoch, daß nicht einmal ein Verſchluß, ein
Vorhang oder Flügeltüren an der=Halle angebracht ſind,

um das Luſtſchiff vor etwa auftretenden heftigen Stür=
men
zu ſchützen. Der verunglückte Parſeval faßte 8000
Kubikmeter Gas und entwickelte eine Geſchwindigkeit=
von
18½ Sekundenmetern. Die Gondel war mit zwei
Motoren von je 150 Ps. ausgerüſtet, die bei dem Brand
ebenfalls vernichtet worden ſind. Im April hatte das
Schiff von Bitterfeld aus mit drei japaniſchen Offizieren
mehrere wohlgelungene Fahrten ausgeführt.
(Das Parſevalluftſchiff war im Mai d. J. in Bitter=
ſeld
fertiggeſtellt worden und hatte mit mehreren japani=
ſchen
Offizieren Abnahmefahrten gemacht, die Fahrten
verliefen glänzend, worauf die Abnahme erfolgte. Das
Luftſchiff hatte einen Inhalt von 8000 Kubikmeter bei einer
Totallänge von 77 Meter; größter Durchmeſſer des Trag=
körpers
15 Meter. Zwei Propeller mit Stahlblechflügeln
wurden durch 2 Maybach=Motoren von je 150 Pferde=
ſtärken
angetrieben. Die Gondel faßie 10 Perſonen.)
* Berlin, 19. Sept. Die japaniſche Bot=
ſchaft
teilt einer hieſigen Korreſpondenz mit: Die jetzt
vorliegenden Blätter vom 4. September berichten, daß
das japaniſche Parſevalluftſchiff bereits zwei glänzend
verlaufene Probefahrten gemacht hatte. In der Nacht
vom 31. Auguſt auf den 1. September herrſchte ein großer
Sturm, welcher die Luftſchiffhalle beſchädigte. Da=
durch
wurde auch die Gashülle beſchädigt, ſo=
daß
das Gas ausſtrömte. Das Luftſchiff iſt ſonſt un=
verſehrt
geblieben. Man würde ſofort wieder
Fahrten unternommen haben, doch hielt es die Abnahme=
kommiſſion
in Anbetracht des andauernd ſchlechten Wetters
für ratſamer, noch bis zum nächſten Monat zu warten, um
das Luftſchiff nicht zu gefährden. Man hat übrigens der
leichten Beſchädigung zunächſt gar keine Bedeutung bei=
gemeſſen
, darum haben die japaniſchen Zeitungen viel=
leicht
gar nicht darüber berichtet. Das Gas war natür=
lich
augenblicklich entleert worden.

Handel und Verkehr.

* Peſt, 18. Sept. Die Direktion der Ungari=
ſchen
Hypothekenbank beſchloß, das Aktienkapi=
tal
durch die Emiſſion von 60000 Aktien zu nom. 100
Gulden von 20 Millionen auf 26 Millionen Gulden zu
erhöhen. Die Kapitalserhöhung wird dadurch motiviert,
daß das Inſtitut ſeit 1901, in welcher Zeit die Emiſſio=
nen
der Ungariſchen Hypothekenbank an Pfandbriefen
und Kommunalobligationen auf mehr als das Doppelte
geſtiegen ſind, ihr Kapital nicht erhöht hat. Der Stand
der Hypotheken= und Kommunaldarlehen beträgt derzeit
650 Millionen Kronen. Eine entſprechende Erhöhung
des Kapitals erſcheint auch darum erwünſcht, weil die
Steigerung des Titresumlaufs eine namhafte Vinkulier=
ung
des Kapitals in der geſetzlich vorgeſchriebenen
Sicherſtellung des Fonds bedinge. Auch der Tätigkeits=
kreis
werde durch die geplante Kapitalserhöhung weiter
entfaltet. Die neuen Aktien dürften nach den gepfloge=
nen
Verhandlungen auf den inländiſchen, insbeſondere
aber auf den franzöſiſchen Märkten willige Aufnahme fin=
den
. Eine franzöſiſche Bankengruppe, welche der Un=
gariſchen
Hypothekenbank naheſteht und in der Verwalt=
ung
vertreten iſt, werde in erſter Linie zur Durchführ=
ung
der Kapitalsvermehrung berufen ſein. Der Antrag
auf Kapitalserhöhung wird in der auf den 3. Oktober
einberufenen Generalverſammlung eingebracht werden.

Das Interview des Freiherrn von Hertling.

* München, 19. Sept. Wie durch die Korreſpon=
denz
Hoffmann bereits angedeutet wurde, ergibt der
durch die Preſſe verbreitete Bericht über das Interview,
das der Korreſpondent des Berliner Tageblattes mit dem
Staatsminiſter Dr. Freiherrn von Hertling in Ruh=
polding
hatte, durch Veränderungen des Zuſammenhan=
ges
der Unterhaltung, ferner durch Auslaſſung von un=
entbehrlichen
Zwiſchengliedern, ſowie durch das Hervor=
heben
gelegentlicher Bemerkungen ein bedauerlicherweiſe
durchaus unzutreffendes Bild der Be=
ſprechung
. Von den zahlreichen Unrichtigkeiten, die
auf dieſe Weiſe in das Interview gelangt ſind, ſeien die
folgenden ausdrücklich hervorgehoben und richtiggeſtellt:
Wenn der Berichterſtatter meint, den Miniſterpräſidenten
dahin zu verſtehen, daß alle bayeriſchen Hoheitsrechte, die
ſich als unpraktiſch erwieſen, ruhig aufgehoben werden
ſollen, ſo beruht dieſes auf einem nicht zu erwartenden
Mißverſtändnis. Der hier in Betracht kommende Teil
des Interviews, der ſich auf Reſervatrechte bezog, be=
wegte
ſich vielmehr deutlich im Gedankengange der Dar=
legungen
, die der Miniſterpräſident am 4. September in
der Kammer der Reichsräte über das Verhältnis Bayerns
zum Reich und den übrigen Bundesſtaaten gemacht hatte.
Wenn der Interviewer ferner verſtanden zu haben
glaubte, (Freiherr von Hertling erachte das Beſtehen einer
Fleiſchnot im Gegenſatz zu der Auffaſſung ſeines Mini=
ſterkollegen
Freiherrn von Soden für gegeben, habe aber,
um den Miniſter des Innern nicht zu desavouieren, mit
dieſer ſeiner Meinung zurückgehalten, ſo liegt offenbar
eine vollſtändige Verkennung der Verhältniſſe vor. Denn
die Teuerungsfrage iſt im Schoße der Regierung auf das
ernſteſte geprüft worden, und ebenſo ſelbſtverſtändlich iſt
es, daß die Darlegung, die Freiherr von Soden gelegent=
lich
der Teuerungsdebatte in der Kammer der Abgeord=
neten
gegeben hat, die volle Zuſtimmung ſämtlicher Mi=
niſter
gefunden hat. Auch die Bemerkung, die Freiherr
von Hertling gegenüber der Annahme des Interviewers,
die Kampfesart der Zentrumspreſſe könne dem Miniſter=
präſidenten
indirekt ſchaden, gemacht hat, entſpricht nicht
den tatſächlich gefallenen Aeußerungen. Der Miniſter=
präſident
hat ein allgemein gehaltenes Urteil über die
Zentrumspreſſe überhaupt nicht abgegeben, ſondern nur
von einem einzelnen Artikel der Germania bemerkt, daß
er bei guter Abſicht nicht durchweg gut redigiert worden
ſei. Als irrtümlich erweiſt es ſich ferner, wenn der Kor=
reſpondent
des Berliner Tageblattes den Miniſterpräſi=
denten
ſagen ließ, die Jeſuiten würden, indem ſie gegen
die Atheiſten und Ungläubigen kämpften, Politik treiben.
Nicht zutreffend iſt ferner der Eindruck, den der Inter=
viewer
von dem Standpunkt gewonnen zu haben ſcheint,
welchen Freiherr von Hertling den Parteien gegenüber
einnimmt. Bei dieſem Teile der Unterhaltung hat ſich
Freiherr von Hertling mit Nachdruck auf den in ſeiner
Programmrede vom 5. März 1912 aufgeſtellten Grundſatz
bezogen. Die angeführten Punkte erweiſen, wie ſchief
und mißverſtändlich wichtige Teile der Unterredung wie=
dergegeben
worden ſind, die Freiherr von Hertling dem
anſcheinend mit den Verhältniſſen in Bayern noch nicht
genügend vertrauten Berichterſtatter des Berliner Tage=
blattes
gewährt hat.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 19. Sept. Die 36jährige Ehefrau des Kut=
ſchers
Tanke vergiftete geſtern ſich und ihren neun=
jährigen
Sohn in ihrer Wohnung zu Neuköln in der Ful=

[ ][  ][ ]

Nummer 222.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. September 1912.

Seite 7.

daſtraße durch Leuchtgas. Als der Ehemann abends
um 9 Uhr von der Arbeit heimkehrte, waren beide bereits
tot. Gram über ein ſchweres Herzleiden des Sohnes war
die Veranlaſſung.
* Wiesbaden, 19. Sept. Im benachbarten Bier=
ſtadt
erhängte ſich der 12jährige Sohn des Zimmermanns
Bierbrauer aus Furcht vor Strafe, weil er eine
große Fenſterſcheibe eingeſchlagen hatte. Er wurde im
Holzſtalle der elterlichen Wohnung aufgefunden.
* Köln, 19. Sept. Die Kölniſche Zeitung meldet aus
Berlin: Die preußiſchen Biſchöfe haben zur
Aufhebung des Jeſuitengeſetzes eine Eingabe an
den Bundesrat gerichtet.
* Dresden, 19. Sept. Der frühere Reichstagsabge=
ordnete
Gaebel (Deutſche Reformpartei) iſt geſtern in
Kleſſig (Sachſen) geſtorben.
* Wilhelmshaven, 19. Sept. Nachdem am Mittag
auf das Signal des Kaiſers die ſtrategiſchen Flot=
tenmanöver
beendet worden waren, ſammelte der
Chef der Hochſeeflotte die am Manöver beteiligten Schiffe
und Fahrzeuge, um ſie hinter der Hohenzollern auf der
ſich der Kaiſer und die Manöverleitung befanden, nach
Wilhelmshaven zu führen. Nach 1,30 Uhr liefen zu=
nächſt
in Wilhelmshaven in endloſem Zuge die Flottillen
der Torpedoboote ein. Zahlreiches Publikum hatte die
Deiche und Hafenanlagen beſetzt. Das Wetter iſt ſchön.
* Wien, 19. Sept. Heute vormittag ſand in der
Schloßkapelle von Wallſee, in Anweſenheit des Kai=
ſers
und der Mitglieder des kaiſerlichen Hauſes die
Vermählung der Erzherzogin Eliſabeth Franziska
mit dem Grafen von Waldburg=Zell ſtatt.
* Marbehan (Belgien), 19. Sept. Ein Güterzug
iſt mit einem Perſonenzug zuſammengeſtoßen. Un=
gefähr
60 Paſſagiere wurden verletzt. Der Lokomotiv=
führer
und der Heizer wurden getötet.
* Konſtantinopel, 19. Sept. Ikdam erklärt die Mel=
dungen
, daß die Pforte die Annektion von Tripo=
lis
angenommen und die Aufrechterhaltung der
türkiſchen Souveränität über Benghaſi, das Autonomie
erhalten ſollte, verlangt habe, für unrichtig. Das

Blatt bemerkt dazu, die italieniſchen Delegierten ſeien es
im Gegenſatz geweſen, die die Autonomie Benghaſis mit
einem italieniſchen Reſidenten vorgeſchlagen hätten. Die
Pforte fand jedoch den Vorſchlag unannehmbar. Der
Miniſterrat treffe demnächſt die endgültige Entſcheidung
und erteile den türkiſchen Delegierten die notwendigen
Inſtruktionen.
* Bilbao, 19. Sept. Bei der Station Uſauſolo
hat ein Eiſenbahnzuſammenſtoß ſtattgefunden,
bei dem 22 Perſonen verletzt wurden, davon 3 ſchwer.
Der Materialſchaden iſt beträchtlich.
* Mombaſſa, 19. Sept. Staatsſekretär Dr. Solf hat,
wie in dem letzten Bericht gemeldet, am 13. ds. Mts.
Muanſa wieder verlaſſen, um über die engliſche
Uganda=Bahn die Rückreiſe zur Küſte an=
zutreten
. Dem Staatsſekretär fiel es bei ſeinem Be=
ſuche
im deutſchen Viktoriaſee=Gebiet auf, welche Fülle von
Landesprodukten an die Küſte des Viktoriaſees zur Ver=
ſchiffung
und Weiterbeförderung über die Ugandabahn
gebracht wird und daß dieſe Landeserzeugniſſe hauptſäch=
lich
aus den Eingeborenen=Pflanzungen ſtammen. Der
Staatsſekretär hat mit dieſer freudigen Anerlennung die=
ſer
fortſchreitenden Entwicklung nicht zurückgehalten und
nur bedauert, daß die Verſchiffungseinrichtungen für die
Ernte nicht genügen. Der Staatsſekretär hat ſich am
17. September in Mombaſſa an Bord des Dampfers
Prinzeſſin zur Heimreiſe eingeſchifft.

Brandenburg a. d. Havel, 19. Sept. Heute früh
6 Uhr brach in der Monogrammprägerei der Berlin=
Neuroder Kunſtanſtalten Feuer aus. Die Buchbinderei
und das Lager brannten vollſtändig aus. Der Schaden
beträgt mehrere hunderttauſend Mark.
Recklinghauſen, 19. Sept. Die Leichen von zweien
der in der Zeche Auguſta Viktoria verunglückten Vergleute
konnten jetzt geborgen werden. man hofft die Leiche des
dritten Bergmannes noch im Laufe des Tages zu bergen.
Paris, 19. Sept. In Querriale wurde der Huf=
ſchmied
Bergotti von dem aus dem Zuchthaus ent=
ſprungenen
Paoli erſchoſſen. Die Tat ſoll aus Blut=
rache
geſchehen ſein.

Wie erhöht man das Wohlbefinden der Kinder?
Das beſte Mittel ſind leichtverdauliche
und doch nahrhafte Speiſen.
Wondamin-milehflammer
und Eier=Milchspeise
erfüllen dieſen Zweck nach jeder Richtung
hin, ſie bieten für heranwachſende Kinder voll
und ganz die nötige Nahrung, ſind ſchmack=
haft
und dienlich und beſonders im Sommer
den Fleiſchſpeiſen vorzuziehen. Mondamin=
Milchflammeri kann mit Früchten zuſammen
gekocht oder auch als Beigabe zu friſchem,
gekochtem Obſt verabreicht werden.
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In der Genesungszeit
iſt die zweckmäßige Ernährung von höchſtem
Werte. Unterſtützt man ſie durch eine Kur
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beſſer ausgenützt, und (319612
die Körperkräfte heben ſich
ſchneller und ſicherer.
Daß dieſes Lebertranpräparat, Scotts
Emulſion, im Sommer mit demſelben Er=
folg
genommen wird wie in der kalten
Jahreszeit, iſt einer ſeiner Hauptvorzüge.

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Aus dem Geſchäftsleben.

Ein gutes Rezept bei Haarausfall und
Kopfſchuppen. Mädchen und Frauen, auch Kindern,
mit dünnem, ſchwachem Haar, zumal wenn Kopfſchuppen,
Juckreiz und Haarausſall ſich einſtellt, ſei folgendes be=
währte
und billige Rezept zur Pflege des Haares em=
pfohlen
. Wöchentlich 1maliges Waſchen des Haares
mit Zuckers kombiniertem Kräuter=Shampoon (Paket
20 Pfg.), daneben regelmäßiges kräftiges Einreiben des
Haarbodens mit Zuckers Original=Kräuter=Haarwaſſer
(Fl. 1,25 Mk.) und Zuckers Spezial=Kräuter=Haarnährfett
(Doſe 60 Pfg.). Die Wirkung iſt großartig und von
Tauſenden beſtätigt. Es gibt nichts Beſſeres.

Zentralheizung ohne trockene Luft
Neue Forſchungen ſtellen feſt, daß nicht die Trockenheit
der Luft die allgemeine Klage über dieſen Punkt hervor=
ruft
, ſondern die mangelnde Ventilation. Der Venti=
lationsbedarf
eines geſunden Menſchen iſt 110 cbm Luft
pro Stunde (nach Rubner.) Zwei Menſchen brauchen in
einem Zimmer von 75 chm 200 cbm, haben aber bei
20 Grad Temperaturdifferenz nur eine einmalige natür=
liche
Erneuerung von 75 cbm. Es fehlen alſo ſchon in
dieſem Falle 125 cbm Friſchluft. Iſt da eine Luftver=
ſchlechterung
zu verwundern? Für Einfamilienhäuſer
und kleine Bauten, nicht Mietshäuſer, gibt es eine
billige, hygieniſch willkommeue Zentralheizung, die nicht
nur wärmt, ſondern auch ventiliert und daher keine
trockene Luft erzeugt. Der Einbau kann auch in alte
Häuſer erfolgen. Die Firma Schwarzhaupt, Spicker u.
Co. Nachf. G. m. b. H. in Frankfurt a. M. hat ſchon
über 2500 derartige Anlagen ausgeführt und ſtellt Druck=
ſachen
zur Verfügung.
Die Augen öffnen muß man beim Einkauf von
Lebensmitteln, denn bei den heutigen ungewöhnlich
hohen Preiſen heißt es zweckmäßig wirtſchaften. Vor
allen Dingen iſts die teure Butter, welches die Haus=
haltungskaſſe
ſehr belaſtet. Hier kann man aber erheb=
lich
ſparen ohne zu entbehren, wenn man als Erſatz
dafür wirklich erſtklaſſige Margarine verwendet! Guten
Ruf genießen die beliebten Spezialitäten: Siegerin
in Beſchaffenheit der Meiereibutter am nächſten kommend
und Palmato-Pflanzenbutter=Margarine, die einzige
haftbare Nußbutter. Die Marken zeichnen ſich durch
hohen Wohlgeſchmack, feines Aroma und überaus große
Butterähnlichkeit aus und ſind infolge ihrer großen Er=
giebigkeit
und ihres niedrigen Preiſes äußerſt billig im
Verbrauch!

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Das Hochdruckgebiet über Deutſchland hat ſich ver=
ſtärkt
. Trotzdem haben wir noch vielfach wolkiges
Wetter. Die Niederſchläge haben jedoch nachgelaſſen.
Hier und da ſind noch geringe Regen gefallen, nur Neu=
fahrwaſſer hat 37 mm. Die Temperaturen liegen bei
nördlichen Winden zwiſchen 8 und 10%. Wir werden
auch morgen noch unter dem Hochdruckeinfluß bleiben.
Da immer noch geringe Störungen zu erwarten ſind,
haben wir auch morgen noch leichte Bewölkung, doch
trockenes Wetter zu erwarten.
Ausſichten für Freitag, den 20. September: Leicht
bewölkt, meiſt trocken, tags wärmer.

Tageskalender.

Vortrag von Generaldirektor Dr. Eger um 8¼ Uhr in
der Turnhalle am Woogsplatz (Vortragsverband).
Vortrag von Stadtverordneten Sames um 8½ Uhr im
Fürſtenſaal (Ortsgewerbeverein).
Schüleraufführungen um 5 Uhr im Konſervato=
rium
für Muſik Mühlſtraße 70.
Konzerte: Bürgerkeller um 8 Uhr. Perkeo um
8 Uhr.
Ausſtellung Der Menſch im Großh. Reſidenzſchloß
(geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends).
Eugen Bracht=Ausſtellung auf der Mathil=
denhöhe
(geöffnet von 106 Uhr).
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23): Der
Kaiſer bei den Manövern in der Schweiz; die deutſchen
Kaiſermanöoer in Sachſen; Reichskanzler v. Bethmann
Hollweg beim Miniſter des Aeußern Grafen Berchtold
auf Schloß Buchlau (Mähren); zum 100jährigen Ee=
dächtnis
des Rückzuges der Großen Armee.

Verſteigerungskalender.
Samstag, 21. September.

Dünger=Verſteigerung um 9½ Uhr in der Dra=
goner
=Kaſerne (Regt. Nr. 24).

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

Kurſe vom 19. September 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Zf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,00
3½ Deutſche Reichsanl. . 88,80
78,75
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,00
3½ do. Conſols . . . 88,80
78,80
do. do.
1 Bad. Staatsanleihe . . 99,50
93,60
do.
3½
83,00
do.
3
Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,00
87,25
do.
77,70
do.
4 Hamburger Staatsanl. 99,90
Heſſ. Staatsanleihe . . 100,10
4 do. do. (unk. 1918) 100,20
87,20
do.
3½
do.
77,00
3.
3 Sächfiſche Rente . . . . 78,75
4 Württemberger v. 1907
do. v. 1875 93,00
3½
Bulgaren=Tabak=Anl. 100,40
1¾ Griechen v. 1887 . . 55,40
3¾ Italiener Rente . .
4½ Oeſterr. Silberrente 90,30
do. Goldrente . . . 95,00
4 do. einheitl. Rente 86,20
3 Portug. unif. Serie I 64½
do. unif. Ser. III 67,70
3 do. Spezial . . . . 9,90
5 Rumänier v. 1303 . . 101,60
4 do. v. 1890 . . 95,40
4 do. v. 1905 . . 90,80
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 90,30
90,75
4 do. v. 1902 .
4½ do. v. 1905 . . . . 100,25
3½ Schweden . .
4 Serbier amort. v. 1895 84,80
4 Türk. Admin. v. 1903 83,00
4 Türk. unifiz. v. 1903 90,80
Unggr. Goldrente . . . 89,70
do. Staatsrente. . . 87,50

In Proz.
Zf.
.100,70
5 Argentinier
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 93,70
5 Chineſ. Staatsanleihe . 99,60
do.
4½
94,60
4½ Japaner . . . . . .
5 Innere Mexikaner . . . 93,40
3
59,30
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,50
5 Gold=Mexikaner . . . . 99,30
3 Buenos Aires Provinz
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 162,50
5 Nordd. Lloyd . . . . . 130
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 127,50
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 118,00
8 Baltimore und Ohio . 1091
3½ Schantungbahn . . . 137,30
64 Luxemb. Prince Henri 161,50
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 23,20
6 Pennſylvania R. R.
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger . . 70,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 539,75
14 Chem. Fabrik Gries=
. . . . 262,50
heim
30 Farbwerke Höchſt . . 649,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheinkk . . . 353,00
10 Cement Heidelberg . . 153,40
30 Chem. Werke Albert 470,50
12½ Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 353,00
4 Lahmeyer . . . . . . . 126,00

Letzte
In Proz.
Divid.
7½ Schuchert, Nürnberg 161,25
12 Siemens & Halske .238,50
5 Bergmann Electr. . . 140,00
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 167,40
0 Gummi Peter . . . . 104,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 115,75
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 614,00
10 Maſchinenf. Badenia 180,00
6 Wittener Stahlröhren 220,00
8 Steana Romana Petr. 156,20
15 Zellſtoff Waldhof . . 242,60
12½ Bad. Zucker= Wag=
häuſel
. . . . . . . 207,75
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 118,00
3 Südd. Immobilien . 64,00
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 194½
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 239,75
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 182,20
10 Gelſenkirchener . . . . 212,60
8 Harpener . . . . . . . 202,75
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 282,00
O Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 91,30
4 Laurahütte . . . . .
10 Kaliwerke Aſchersleben 170,50
11
Weſteregeln 227,00
7½ South Weſt Africa
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 88,10
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 100,50
4 Eliſabethbahn, freie . . 93,30
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 89,50
3 Prag=Duxer . . . . . . 75,20
5 Oeſterr. Staatsbahn . 102,70
4 Oeſterr. Staatsbahn . 93,20
79,30
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,90
do.
4
78,20

Zupra,
Bf.
2¾/10 Oeſt. Sübb. (Lomb.) 55,10
77,60
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn 93,00
4 Ruſſ. Südweſt. . . . .
4½ Moskau=Kaſan . . . 97,00
do.
87,80
4 Wladichawchas . . . . 88,70
4 Rjäſan Koslow . . . .
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 77,60
do.
87,00
4½
2¾/0 Livorneſer . . . . .
3 Salonique=Monaſtir 63,20
4 Bagdadbahn . . . . . . 83,25
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 96,80
4 Miſſouri=Paciſic.
72,40
4 Northern=Pacific
98,60
4 Southern=Pacific . . . 94,00
5 St. Louis und San
Francisco. .
85,20
5 Tehuantepec . . . . . . 98,00
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 199,75
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn .
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 170,90
6½ Darmſtädter Bank . 123,50
12½ Deutſche Bank . . . 258,75
6 Deutſche Vereinsbank . 122,50
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 117,00
10 Diskonto=Kommandit 188,40
8½ Dresdener Bank . . 156,30
9½ Frankf. Hypoth.=B. 215,00
6½ Mitteld. Kreditbank 119,30
7 Nationalb. für Deutſchl. 124,60
7 Pfälziſche Bank . . . . 127,00
5.86 Reichsbank . . . . .135,10
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,00
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 121,10
½ Wiener Bankverein . 135,30
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
. 99,20
21 .

InProz.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . .
88,50
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 52 . . . . . . . 99,00
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 96,50
31
87,50
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,90
do.
88,10
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
99,40
S. 14, 15, 17, 24/26
1823.
99,60
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6
88,10
S. 35
(87,90
S. 911
88,00
4 Meininger Hyp.=Bank 99,00
3½
do.
88,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 99,00
3½ do. (unk. 1914) . . 88,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,90
do.
3½
89,20
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt .
do.
89,00
4 Frankfurt.
99,90
3½ do.
95,00
4 Gießen .
3½ do.
90,00
4 Heidelberg
98,50
3½ do.
88,20
98,50
4 Karlsruhe
87,60
do.
4 Magdeburg.
99,90
3½ do.
1 Mainz
98,40
3
do.
89,20
4 Mannheim
98,50
do.
88,60
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3 Oldenburger . . .
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Holländiſche Noten. . . . 169,30
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Seite 8.

Lamiliennachrichten.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. September 1912.

Nummer 222.

Statt Karten.
2 gesunde Mädchen
angekommen.
Emil Blum u. Frau,
geb. Kleeblatt.
(19662

Dankſagung.

Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meiner lieben Frau und
meiner guten Mutter, ſowie für die ehrenden
Worte des Herrn Pfarrer Wagner, ſagen innigen
(*6681
Dank.
Emil Schwarz u. Sohn.
Darmſtadt, den 19. September 1912.

Dankſagung.

Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem plötzlichen, unerwarteten Hinſcheiden
(19639
unſeres lieben Töchterchens
Janchen
ſagen wir herzlichen Dank. Beſonders herzlichen
Dank dem Herrn Pfarrer Vogel für die tröſten=
den
Worte, den Herren Aerzten und Schweſtern
im ſtädtiſchen Krankenhaus, ſowie für die zahl=
reichen
Blumenſpenden, und allen Denen, die An=
teil
nahmen an unſerem herben Verluſte.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Adam Keil.
Darmſtadt, 18. September 1912.

Statt besonderer Anzeige.
Heute nacht entschlief sanft mein lieber Mann, unser guter Vater,
Schwiegervater und Grossvater
(19661
Herr Philipp Kahlert

im nahezu vollendeten 78. Lebensjahre.
Darmstadt, Magdeburg, Frankfurt a. M., 19. September 1912.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Lina Kahlert, geb. Stoerger.
Die Beerdigung findet statt: Samstag, den 21. ds. Mts., nachmittags 5 Uhr, vom Eingange des
Darmstädter Friedhofes aus.

Gottesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde.

Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Verſöhnungstag.
Freitag, den 20. September:
Vorabendgottesdienſt und Predigt 6 Uhr 15 Min.
Samstag, den 21. September:
Morgengottesdienſt 7 Uhr 30 Min. Predigt und
Seelengedächtnisfeier 10 Uhr 30 Min. Néilah=
Predigt 5 Uhr 15 Miu. Bekenntnisgebet und Feſtes=
ſchluß
7 Uhr 6 Min.
Morgengottesdienſt am Freitag früh 6 Uhr.

Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religions=
geſellſchaft
.

Jaum Kippur
Freitag, den 20. September
Morgens 4 Uhr 45 Min. Mittags 2 Uhr. Kol Nidre
6 Uhr 35 Minuten.
Samstag, den 21. September:
Krias Hatauroh 11 Uhr 15 Min. Muſſaf 11 Uhr
50 Min. Krias Hatauroh 3 Uhr 15 Min. Minchoh
3 Uhr 50 Min. Necloh 5 Uhr 45 Min. Schemaus
7 Uhr 06 Minuten.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 22. Sept., an:
Morgens 6 Uhr. Nachmittags 5 Uhr 30 Min.

Am 19. d. M. ist unser Seniorchef, der
Ehrenbeigeordnete Herr Philipp Kahlert
nach langem Leiden aus diesem Leben geschieden. Wir betrauern in dem
Heimgegangenen einen gütigen Chef, verehren in ihm ein Vorbild nie ver-
sagender
Arbeitsfreudigkeit, die ihn bis in seine letzten Tage beseelt hat und
werden sein Andenken stets in Ehren halten.
(19646
Das Personal der Firma J. G. Kahlert & Söhne.

Statt besonderer Anzeige.
Am 19. September entschlief sanft nach schwerem Leiden unser lieber
Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel
(19663
Fabrikant Heinrich Wedel.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen.
Darmstadt, Arheilgerstrasse 59.
Die Beerdigung findet Samstag, den 21. ds. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Friedhofskapelle
aus, statt. Kondolenzbesuche dankend verbeten.

[ ][  ][ ]

Nummer 222.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. September 1912.

Seite 9.




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bürgerlich kochen kann und Haus=
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Lauffrau
(*6731fs
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anſprüche
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Direktion der Heſſ. Eiſenbahn=
(19654
Aktiengeſellſchaft.

HubgUan
Iin Sperdteur

welcher gelernter Elektro-Mechaniker sein muss und in
der Lage ist, eine ausgedehnte elektrische Lichtanlage ordnungs-
gemäss
in Stand zu halten und mit dem Einstellen von wissen-
schaftlichen
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Unternehmen gesucht. Nur erstklassige Bewerber wollen
Offerten mit Zeugnisabschriften, Gehaltsansprüchen und Bild
int. R 48 an die Expedition dieses Blattes einreichen. (VI19528

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Darmſtadt geſucht.
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Formular= und Tabellenſatz) und
im Korrekturleſen durchaus tüchtig
und zuverläſſig und auch mit der
Einrichtung und der Behandlung
der Maſchine, ſowie mit der Ste=
reotypie
wohl vertraut ſein.
Bei zufriedenſtell. Leiſtungen er=
folgt
Anſtellung. Nur gut em=
pfohlene
Bewerber im Alter von
24 bis 30 Jahren wollen ihre Mel=
dung
. mit Milit.=Pap., Zeugniſſen
und ſelbſtgeſchrieb. Lebenslauf bei
genannter Anſtalt alsbald ein=
eichen
.
(19616

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junger Mann
mit hübſcher Handſchrift zur
Erledigung von Expeditions=
und einfacheren Buchführ=
ungs
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von hieſig. Engros=Geſchäft
geſucht. Off. mit Zeugnis=
Abſchriften und Gehalts= An=
ſprüchen
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Exped. d. Bl. erbeten. (19651

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zum 1. Okt. geſucht. Stenogr. u.
Maſchinenſchreiben erforderlich.
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des Alters u. bisheriger Tätigkeit
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ds. Blattes zu richten. (19535dfs

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[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. September 1912.

Nummer 222.

Sport.

* F.=C. Olympia‟=Darmſtadt. Am kommenden
Sonntag beginnt die erſte Serie der diesjährigen Liga=
ſpiele
. Der Fußballklub Olympia empfängt auf ſeinem
Sportplatz an der Heidelbergerſtraße den rühmlichſt be=
kannten
Verein für Raſenſpiele Mannheim. Wenn es
auch den Darmſtädtern kaum möglich ſein wird, den
V. f. R.=Mannheim, der als erſter Favorit für die
Weſtkreismeiſterſchaft gilt, zu beſiegen, ſo darf man doch
auf ihr Abſchneiden gegen einen ſolchen Rivalen geſpannt
ſein. Vorher ſpielt die 4. Mannſchaft gegen die gleiche
des F.=C.=Hanau 1893.
sr. Der Höhenweltrekord für Flug=
maſchinen
, der erſt kürzlich von Garros auf 4950
Meter emporgeſchraubt wurde, iſt abermals ganz erheb=
lich
überboten worden. Legagneux ſtartete am
Dienstag auf dem Manöverfelde von Iſſy=les= Mouli=
neaux
mit einem Morane=Eindecker mit 80 PS.=Gnome=
Motor. Unter Benutzung von Sauerſtofflaſchen gelang
es dem kühnen Flieger in verhältnismäßig kurzer Zeit,
den beſtehenden Höhen=Weltrekord zu erreichen und dann
uum 730 Meter zu überbieten, indem er im Laufe von nur
45 Minuten 5680 Meter hoch ſtieg. Faſt noch ſenſationel=
ler
als dieſer ſchnelle Aufſtieg war der Abſtieg Legag=
neur’
aus dieſer ſchwindelnden Höhe in nur 10 Minuten.
Der Höhenweltrekord iſt damit im Laufe von anderthalb
Monaten von 3100 Meter um 2580 Meter angewachſen.
* Sportplatzweihe des Darmſtädter Sportklubs 1905.
Immer näher rückt der für den Darmſtädter Fußballſport
bedeutungsvolle Tag, an welchem der neue Sportplatz
am alten Schießhaus ſeinem Zweck übergeben werden
ſoll. Keine Mühe und Arbeit hat der D. S.=K. 1905 ge=
ſcheut
, um die Feier zu einer glanzvollen zu geſtalten.
Sind doch eine Reihe hoher Perſönlichkeiten eingeladen,
von denen viele ihr Erſcheinen zugeſagt haben. Nach den
Anſprachen, gehalten von den Vertretern der Stadt, des
Jungdeutſchlandbundes und des Verbandes ſüddeutſcher
Fußballvereine, wird der Platz ſeiner Beſtimmung über=
geben
. Zu dem erſten Wettſpiel hat der Sportklub die

erſte Mannſchaft des Fußballklubs Germania= Frank=
furt
verpflichtet. Dieſer Elf geht der Ruf großer Spiel=
ſtärke
voraus. So dürfte denn die erſte Mannſchaft des
D. S.=K. 05 ihr ganzes Können zeigen müſſen, um gegen
die Liga=Elf Germanias günſtig abzuſchneiden. Schieds=
richter
dieſes Spieles iſt Herr Lölkes vom Fußballklub
Hanau 1893. Nachher ſpielt die Alte Herren=Mannſchaft
des Sportklubs gegen diejenige des Fußballklubs Bri=
tannia‟
=Frankfurt.
sr. Lawn=Tennis. Das Internationale
Herbſt=Lawn=Tennis=Turnier des Berliner
Lawn=Tennis=Turnierklubs, das auf den Grunewald=
plätzen
abgehalten wird, hat eine vorzügliche Beſetzung
gefunden. Von den beteiligten Herren ſind vor allem
Froitzheim und Kreuzer zu nennen. Mit ihnen treten u. a.
O. v. Müller, Kleinicke, v. Haugh, OHara Murray, Böl=
ling
und Uhl in die Schranken. Von Damen ſeien ge=
nannt
: Gräfin von der Schulenburg, Gräfin Brockdorff,
Fräulein Kribben, Fräulein Schulz, Frau Kahlbaum,
Frau Danziger, Frau Hofmann und Frau Riediger. Im
gemiſchten Doppelſpiel ſpielen Gräfin v. d. Schulenburg
mit Bölling, Frau Hofmann mit Kreuzer, Frau Wüſt mit
O. v. Müller, Fräulein Kribben mit O’Hara Murray,
Frl. Müller=Beeck mit Windels. Im Herren=Doppelſpiel
ragt das Paar Froitzheim=Kreuzer weit über alle anderen
heraus. Genannt ſeien Bölling-Windels und Hoppe-
Kleinicke

Vermiſchtes.

Vom Dichter und Dichten. Es klingt uns heute
wunderlich, wenn wir leſen, daß es einmal eine Zeit ge=
geben
hat, in der man die Dichtkunſt erlernen wollte wie
das Schuſter= oder Schneiderhandwerk. So ſchrieb man
denn die unglaublichſten Anleitungen, Die deutſche
Reim= und Dichtkunſt in ſechs Stunden einzugießen u. ä.
Da aber erſchienen die erſten Geſänge des Meſſias
und mit Rieſenſchritten ſchritt Klopſtock hinein in eine
neue Zeit und bewies, daß man zum Dichter geboren
ſein müſſe. Der Dichter iſt ein von Gott begnadetes
Talent, wie man ſo ſagt. Aber die Auffaſſung, daß er
zu jeder beliebigen Zeit dichten kann, daß er imſtande
iſt, unbedingt das und jenes zu beſingen, iſt grundfalſch.
Der Dichter muß Stimmung haben. Da geht er an
einem Frühlingstag in den Morgen hinein. Schon ſenkt
ſich der Nebel, und ſchneller eilt er durch den Wald, wie
ein arm Kind, das die Heimat flieht. Und die Sonne
ſteigt höher und höher, und den Blumen am Waldrande
gibt ſie ſilbernen Schein. Und da kommt es über den
Wanderer, und er weiß nicht, wie ihm geſchieht. Er ſieht
in die Welt: Die liegt im Licht; und am Himmel ſteht
blutigrot und rieſengroß die Sehnſucht. Und nun kommt
es ſtärker über den Wanderer: Er wird zum Dichter
und gehorcht der gebietenden Stunde, nimmt Stift und
Blatt zur Hand und ſingt vom jubelnden Frühling
Der Dichter iſt ein anderer Menſch wie der gewöhn=
liche
Sterbliche. Der geht ohne beſondere Gefühle durch
den Eichwald, wenn der Wind über den Wipfeln Atem
holt und voller brauſt. Der Dichter jedoch hört im ein=
tönigen
Singſang des Waldes nicht nur die ewige, uralt
alte Melodie: Er hört vieltauſend Stimmen darin.
Da hört er ein Singen vom Kommen und Werden, da

hört er einen lieblichen Klang vom Blühen, und dann
wieder einen Scheidegruß, der ihn ſo unſagbar traurig
ſtimmt. Und wenn der Dichter jenem Brauſen das Ohr
leiht, dann wird er an das erinnert und jenes. Da liegt
ihm noch das Abſchiedslied im Sinn, das er der Liebſten
ſang, als er in tiefſtiller Nacht von Hauſe wanderte, jener
Nacht, die ſo ſüß war und voller Friede; jener Nacht,
durch die ein Leben ging des müden Windes. Und er weint.
Weint wie ein Kind, das den lieblangen Tag die Mutter
erwartet, die aber nimmer wiederkehrt, denn ſie ruht aus
nach ſchwerer Arbeit über den Wolken, hoch über den
eilenden Wolken . . .
Der Dichter muß alſo fühlen und empfinden können.
Er muß eng verwandt ſein mit der Natur und ihr ge=
heimſtes
Weben und Leben verſtehen. Er muß die Sterne=
lein
lieben, denen er ſein Weh klagt in der Nacht. Er
muß begreifen, was der Wind ſagt, wenn er vor Tag er=
wacht
und fortflattert und von Aſt hüpft zu Aſt, und durch
das Schilf weht. Der Dichter muß fühlen, was die Quelle
erzählt in der Mitſommernacht. Er muß begreifen, wie
die Wolken anzuſchauen ſind, wenn ſie in heller Glut
ſtehen, welch große Sehnſucht aus dem Liede der Nachti=
gall
ſpricht. Der Dichter muß ſeine ureigenen Empfind=
ungen
niederſchreiben, wenn ihn die Stunde ruft. Und
dann, dann wenn ſeine Hand zittert vor Erregung,
wenn ſein Herz klopft vor Freude, wenn ſein Blut wil=
der
durch die Adern rollt, wenn er hell aufjauchzt und
wonnetrunken die Arme ausbreitet der Sonne, dem
Licht entgegen . . . Dann iſt es die günſtigſte Zeit. Dann
Fr:
iſt er wahrer Dichter.
* Ein merkwürdiger Blitz wurde unlängſt in Com=
piegne
beobachtet. Er ſchlug in einen Bauernhof ein und
hatte, wie die Beſchreibung lautet, die Geſtalt einer rie=
ſigen
Apfelſine. Langſam, ungefähr mit der Geſchwindig=
keit
eines gehenden Mannes, bewegte er ſich auf das Ein=
gangstor
des Hofes zu, warf dabei 2 ſpielende Kinder um
und riß einem dritten ein Stück Kuchen aus der Hand.
Eine Frau flüchtete in den Waſchraum. Die feurige
Kugel folgte ihr, durchquerte den Raum, flog durchs
Fenſter und ſprang über eine Mauer. Außerhalb des
Hofes zerplatzte ſie, wenige Meter von einem Chauffeur
entfernt, der ſein Automobil wuſch. Die Kinder waren
unverſehrt, die Frau iſt eine halbe Stunde ohnmächtig
geblieben, und der Chauffeur wurde mit Heftigkeit zu
Boden geſchleudert. Blitze dieſer Art ſind ſehr ſelten
und werden von den Phyſikern als Kugelblitze be=
zeichnet
. Ueber eine Erſcheinung, welche mit der obigen
große Aehnlichkeit zeigte, hat Babinet früher der Pariſer
Akademie berichtet. Hiernach drang eine feurige Kugel
durch den Kamin in die Werkſtatt eines Schneiders und
ſchwebte langſam über den Fußboden dahin. Sie näherte
ſich wie eine Katze den Füßen des Mannes, ohne dieſe
jedoch zu berühren, erhob ſich ungefähr drei Fuß vom
Boden und drang dann durch ein mit Papier verklebtes
Loch wieder in den Kamin ein. Sie ſtieg in dieſem
empor und platzte am oberan Ende des Schornſteins mit
furchtbarem Getöſe, wobei ein Teil desſelben ſowie die
Bedachung mehrerer kleiner Gebäude in der Nähe zer=
ſtört
wurden. Eigentümlicherweiſe gewähren Blitz=
ableiter
keinen Schutz vor Kugelblitzen, auch weiß man
über das Weſen dieſer letzteren bis jetzt nichts Gewiſſes.

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[ ][  ][ ]

Nummer 222.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. September 1912,

Seite 11.

Bekanntmachung,

die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe betreffend.
Aus Anlaß der Beſſunger Kirchweihe iſt am Sonntag, den
22. I. Mts., im Bezirk des V. Polizeireviers (Stadtbezirk Beſſungen)
für alle Zweige des Handelsgewerbes die Beſchäftigung von Ge=
hilfen
, Lehrlingen und Arbeitern und der Gewerbebetrieb in offenen
Verkaufsſtellen während der Zeit von 3 bis 7 Uhr nachmittags
geſtattet.
Darmſtadt, den 16. September 1912.
(19561df
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Offenlegung des auf Grund der neuen Parzellen=
vermeſſung
aufgeſtellten Grundbuchs und der Parzellen=
karten
der Gemarkung Darmſtadt.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß das
nach den Ergebniſſen der neuen Parzellenvermeſſung neu aufgeſtellte
Grundbuch der Gemarkung Darmſtadt nebſt den dazu gehörigen
Parzellenkarten auf den Großh. Ortsgerichten Darmſtadt I (Grafenſtr. 30)
und II (Beſſungen, Wittmannſtr. 1) offengelegt worden iſt.
Das Grundbuch umfaßt die ehemaligen Gemarkungen Darmſtadt
und Beſſungen, die Heinrichſtraße bildet die Grenze der beiden Orts=
gerichtsbezirke
im bebauten Teil der Gemarkung.
Die Beteiligten ſind befugt, das Grundbuch während der Zeit
der Offenlegung in den Dienſtſtunden der Großh. Ortsgerichte, d. i.
vormittags von 9 bis 12 Uhr und nachmittags von 3 bis 5 Uhr ( aus=
genommen
Samstag nachmittag) einzuſehen, auch gegen Entrichtung
der vorgeſchriebenen Gebühr von den Großh. Ortsgerichtsvorſtehern
Grundbuchsauszüge zu verlangen. Auch werden ſie durch letztere auf
die von den Feldgeſchworenen entdeckten Fehler aufmerkſam gemacht
werden.
Allen denjenigen, die ſich bei den Angaben des Grundbuchs
hinſichtlich des Beſitzſtandes und der Größenangaben für beſchwert
erachten, ſteht es frei, binnen einer unerſtrecklichen Friſt von ſechs
Monaten ihre Anſtände entweder auf gütlichem Wege bei den Großh=
Ortsgerichtsvorſtehern, vor die ſie ihren etwaigen Gegner vorladen
laſſen können, zu beſeitigen, und, wenn dieſes nicht von Erfolg iſt,
ihre Anſprüche bei dem für Beſitzſtreitigkeiten zuſtändigen Gerichte
geltend zu machen. Iſt dieſes Gericht ein anderes als das unter=
zeichnete
, ſo haben ſie davon, daß Letzteres geſchehen, in der gleichen
Friſt Anzeige zu machen. Dieſelbe Anzeige liegt ihnen binnen derſelben
Friſt dann ob, wenn ſie vor Offenlegung des Grundbuchs gegen den
darin eingetragenen Beſitzer eine Beſitzklage erhoben haben.
Nach Ablauf dieſer Friſt wird der Beſitz, wie ihn das Grund=
buch
angibt, in Bezug auf die Perſonen der Beſitzer und die Größen=
angaben
in allen den Fällen für richtig angenommen, in denen weder
eine gütliche Beſeitigung bei den Großh Ortsgerichtsvorſtehern zu
Protokoll gegeben, noch eine gerichtliche Klage erhoben und erforder=
lichenfalls
bei dem unterzeichneten Gericht zur Anzeige gebrach
worden iſt.
Die unerſtreckliche Friſt von ſechs Monaten geht mit dem
15. November 1912 zu Ende.
Schließlich wird darauf hingewieſen, daß neben dem Verfahren
zur Legaliſierung des vorbezeichneten auf Grund der neuen Parzellen=
vermeſſung
neu aufgeſtellten Grundbuchs nach dem bisherigen heſſiſchen
Recht gleichzeitig auch das Verfahren zur Anlegung des Grundbuchs
nach dem neuen Recht des Bürgerlichen Geſetzbuchs betrieben werden
wird und der Tag, an dem mit der Anlegung dieſes Grundbuchs be=
gonnen
wird, demnächſt bekannt gemacht wird. Im Hinblick au
dieſes Anlegungsverfahren wird den Grundeigentümern, die aus=
quittierte
Kaufbriefe oder ſonſtige löſchungsfähige Eigentumsurkunden,
hinſichtlich deren die Löſchung der Eigentumsbeſchränkung noch nicht
erfolgt iſt, in Händen haben und behalten wollen, empfohlen, ſolche
baldtunlichſt dem unterzeichneten Gericht oder den Großh. Orts=
gerichten
I bezw. II zur Löſchung einzureichen, da im Anlegungs=
verfahren
in der Regel eine Löſchung nicht mehr ſtattfindet und die
Kaufbriefe und Eigentumsurgunden zu den Anlegungsakten zurück=
behalten
werden.
Das offengelegte Grundbuch gibt den Stand vom 31. Januar
1910 wieder. Die ſeitdem eingetretenen Veränderungen werden nach
Ablauf der Offenlegungsfriſt gewahrt und ſchon jetzt in dem neuen
Anlegungsverfahren berückſichtigt.
Folgende Grundſtücke, die für die Bahnhofs=Neuanlagen vom
Staate er worben worden ſind, werden von der Legaliſation vorerſt
ausgenommen:
a) der früheren Gemarkung Darmſtadt:
Nr. 103½10, 229, 259, 260,
Flur III
229, 228,
287/10, 50, 83, 84, 103½0, 105, 1185/10, 119¾/10, 120
VII
121, 122, 123510, 124½10) 125, 126,
IX
13, 14,
XIV
36¾/10, 77 bis 82, 84 85, 85½10, 86, 219,
XVIII
1083/10, 111510, 112½10, 129/10, 129½10, 152/107
XIx
154¾10, 1625/10, 165¾10, 216, 220, 225, 226,
243,
XXIII
1615
KXIV
, 124, 125, 129, 130, 135 bis 141.
44½/10, 568/10,
XXVI 35/, 59%/10, 68%/10, 126%/10, 128¼10, 129 bis 134,
134½/10, 135, 136, 136¼10) 137 bis 142, 144, 145,
146, 146½0, 147, 147½/10, 149, 151, 152,
75 146, 151 bis 157, 235,
KXVII
248½/10, 253½10, 259/10
291½
2452½/10g!
XXIK
321%10, 3760/10s 110 1os ¾1o, 407, 4075/
408 bis 425,
KKk
43½0, 710, 59, 76½/0, 128, 15905
XXXIV 38½
269, 271 bis 276, 280 bis 283, 286 bis 289,
270,
KXKV
50¾/10, 53710, 72 bis 77,
195
66/
KKKV
8, 12½10, 7/10, 13½10, 14%10) 59%1
XXXVII, 6½
2129/10, 234 bis 241,
b) der früheren Gemarkung Beſſungen:
Flur IX Nr. 67.
128, 130,
86 bis 90,
XII
339,
XIII
218 bis 221,
XIV
XV
XXIV 7.
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Darmſtadt, den 6. Mai 1912.
Großherzogliches Amtsgericht Darmſtadt I.

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Bekanntmachung.

Freitag, den 4. Oktober I. Js.
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Johann Adam Huth
Eheleuten dahier zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr.
m
I 170/10 1017 Hofreite Bleich=
ſtraße
,
in unſerem Bureau zwangsweife
verſteigert werden. (K72/12
Darmſtadt, 21. Auguſt 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
J. V.: Ganß, (V17695
älteſter Gerichtsmann.

Bekanntmachung.

Freitag, 27. September 1912,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Jean Papatheodoros
Eheleuten zu Zürich (Schweiz) ge=
hörige
, in der Gemarkung Beſſungen
gelegene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
VI 219¾/10 1047 Bauplatz auf
der Kehr=
wieſe
,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, zwangsweiſe ver=
ſteigert
werden.
Darmſtadt, den 30. Juli 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen.)
Frantz. (VI17696

Bekanntmachung.

Freitag, 11. Oktober 1912,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die dem Heinrich Schäfer
und deſſen Ehefrau Karoline, geb.
Geiger, zu Darmſtadt gehörigen
Liegenſchaften der Gemarkung
Beſſungen:
ur Nr. qm
VIII 699/100 510 Hofreite He
delberger=
ſtraße
130,
VIII 679/10 365 Hofreite
Moosberg=
ſtraße
94,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, zwangsweiſe verſtei=
gert
werden.
Darmſtadt, 6. September 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz. (VI19610

Een der Gemeinde Wirhaufen ſollen für den Neubau eines
Schulhauſes nebſt Abortgebäude die Schreiner=, Schloſſer=,

Glaſer= und Weißbinderarbeiten, ferner für die Herſtellung der Ein=
friedigung
und Hofanlage die Erd=, Maurer=, Steinhauer=, Schreiner=,
Schloſſer=, Weißbinder=, Planier= und Pflaſterarbeiten, ſowie die
Lieferung von Kalk und Zement und die Materiallieferung für die
Hofbefeſtigung mittels öffentlichen Wettbewerbs vergeben werden.
Angebote mit entſprechender Aufſchrift werden bis Montag,
den 30. September, vorm. 10 Uhr, auf dem Bureau des Großh.
Kreisbauinſpektors, Darmſtadt, Neckarſtr. 3, entgegengenommen, wo=
ſelbſt
die Pläne und Arbeitsbeſchreibungen an den Vormittagen ein=
geſehen
werden können und die Angebotsformularien gegen Erſtat=
tung
der Selbſtkoſten erhältlich ſind. Ein Verſandt der Wettbewerbs=
unterlagen
nach auswärts findet nicht ſtatt. *
(19633
Wixhauſen, den 16. September 1912.
Die Großh. Bürgermeiſterei.

Bekanntmachung.

Freitag, den 4. Oktober I. Js.
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Jakob Gebhardt da=
hier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
28 3368¾/100 191 Hofreite Irene=
ſtraße
,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K66/12
Darmſtadt, 20. Auguſt 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I
Müller. (V17694

Konkursverfahren.

In dem Konkursverfahren über
das Vermögen des Kaufmanns
Jean Chriſtian Wiegand in
Darmſtadt, Alleininhabers der
Firma Simmermacher & Wie=
gand
dahier, iſt zur Ab=
nahme
der Schlußrechnung des
Verwalters, zur Erhebung von
Einwendungen gegen das Schluß=
verzeichnis
der bei der Verteilung
zu berückſichtigenden Forderungen
und zur Beſchlußfaſſung der
Gläubiger über die nicht verwert=
baren
Vermögensſtücke ſowie
zur Anhörung der Gläubiger über
die Erſtattung der Auslagen und
die Gewährung einer Vergütung
an die Mitglieder des Gläubiger=
ausſchuſſes
der Schlußtermin auf
Dienstag, 15. Oktober 1912
vormittags 9 Uhr,
vor dem Großherzoglichen Amts=
gerichte
Ihierſelbſt, Zimmer Nr. 209,
(19625
beſtimmt worden.
Darmſtadt, 17. September 1912.
Der Gerichtsſchreiber des
Großherzoglichen Amtsgerichts I.

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Mainz, Emmeransſtr. 32¾/1a.

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ſtädt. Hallenſchwimmbad.

Für das ſtädt. Hallenſchwimm=
bad
ſind 500 Badetücher zu
liefern. Die Lieferungsbedingun=
gen
liegen im Stadthaus, Zimmer
Nr. 39 zur Einſicht offen. Ver=
ſendung
der Bedingungen nach
außerhalb findet nicht ſtatt.
Angebote mit Stoffmuſtern ſind,
mit entſprechender Aufſchrift ver=
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, bis zum 5. Oktober lfd. Js.
einzureichen.
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Darmſtadt, 17. September 1912.
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[ ][  ][ ]

Seite 12.

Orfsgenerbverein Darmstadf.e

Freitag, 20. September 1912, abends 8½ Uhr,
im Restaurant Fürstensaal (Grafenstrasse 20)

Vortrag

des Herrn Stadtverordneten H. Sames
über
Das Gemeindeumlagengeſetz vom 8. Juli 1911
insbeſondere die Veranlagung der
Grund= und Gewerbeſtener.
Unſere Mitglieder, ſowie ſonſtige Intereſſenten laden wir hierzu
freundlich ein und bitten um zahlreiches Erſcheinen. (19418mf
Der Vorstand.

Kriegerverein Darmſtadt.
Sonntag, den 22. September, von
nachmittags 3 Uhr ab

Uebungs=Schießen

auf Stand 6 der Militär=Schießſtände.
(19645
Um zahlreiche Beteiligung bittet
Der Vorſtand.

GESANGVEREINLIEDERZWElG
Sonntag, 22. September, von nachm. 5 Uhr ab:
Gemunlicher udenamit lunz
im kleinen Saal der Turngemeinde, Woogspl.
Sonntag, den 6. Oktober, morgens präzis 8 Uhr:
Herren-Spaziergang nach Langen.
Zusammenkunft: Ecke Wenck- und Taunusstraße

Darmstädter Oberhessen Veren
(Gegründet 1903)
Geburtstagsfeier Ihrer Königl. Hoheit der
Grossherzogin von Hessen und bei Rhein
im Kaisersaal (Fürstensaal)
Sonntag, den 22. September, abends 7 Uhr
Gesangsvorträge Tanz
Gäste willkommen. (19657) Eintritt frei.

Ludwigshöhe.
Jeden Mittwoch u. Samstag
Kur-Konzer t.
Eintritt 25 Pfg. 10 Abonnementskarten zu
Mk. 1.50 ſind zu haben im Verkehrsbureau und an der Kaſſe. (B14217
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Sonntag, den 22. September und Montag,
den 23. September
findet
Gutbeſetzte Tanzmuſik
ſtatt in den Sälen
Zum Chausseehaus (Heidelbergerſtraße 89)
Zur Harmonie (Weinbergſtraße 10)
im Gasthaus zum Ochsen (Beſſungerſtraße 28)
wozu höflichſt einladen
(B19641
J. Wenz. H. Lipp. G. Volle Wwe.

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Waſſerwärme vorm. 7 Uhr 120 C.
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Primaner=, Fähnrich= und Reifeprüfung, ſowie zum Eintritt in
ſtaatliche Anſtalten vor. Die grundſätzlich beſchränkte Schülerzahl
ermöglicht eine durchaus perſönliche Behandlung; daher aus=
gezeichnete
Ergebniſſe.
Bei den Reifeprüfnngen dieſes Herbſtes hatte die Anſtalt die
beſten Erfolge zu verzeichnen. Nähere Mitteilungen, Prüfungs=
ergebniſſe
uſw. durch den Vorsteher
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legenheit
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[ ][  ][ ]

Nummer 222.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. September 1912.

Seite 13.

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25)

Es ging auch wirklich alles beſſer, als ſie gefürchtet
hatte. Sie verſchanzte ſich einfach hinter die beiden Majors=
töchter
und war von nun an unzertrennlich von ihnen. Da
blieb dem Herrn von Schmettwitz nichts übrig, als ſie mit
den Augen zu verſchlingen und in Gegenwart der anderen
nur ganz gleichgültige und allgemeine Dinge mit ihr zu
reden. Frau von Leerſen hatte eine Unterredung mit
Schmettwitz unter vier Augen gehabt. Sie hatte ihm mit
mütterlichen, beinahe liebevollen Worten zu verſtehen ge=
geben
, daß ſein Kommen vielleicht etwas verfrüht ſei. Es
habe ihr ſchüchternes und ſehr verſchloſſenes Kind ganz
aus der Faſſung gebracht. Weiterhin gab ihm Exzellenz
den guten Rat, ſeine Liebenswürdigkeit und Artigkeit au
alle drei jungen Mädchen gleichmäßig zu verteilen. Ja,
vielleicht ſei es ſogar angebracht, den Majorstöchtern ein
wenig den Hof zu machen. Das würde ſicher Chriſtas
Eifenſucht wecken.
Herr von Schmettwitz folgte allen dieſen Winken ge=
treulich
. Nun entfloſſen ſeinen Lippen die banalſten und
überſchwenglichſten Komplimente Fräulein Gertrud und
Ella von Wertern gegenüber. Sie beſeligten die jungen
Mädchen ebenſo wie Chriſta, denn dieſe fing tatſächlich an
zu glauben, daß Herr von Schmettwitz ſich ernſtlich für eine
der Majorstöchter intereſſiere. Da er aber ſeine Huld‟
gleichmäßig auf beide verteilte, wußte ſie nur nicht, ob
ſeine Vegehrung Gextrud und Ella galt. Sie ſelbſt kam.

ſich vor wie einer Gefahr entronnen. Sie wurde wieder
heiterer und geſprächiger und es kam vor, daß ſie ſich mit
Schmettwitz, über deſſen Eitelkeit und Dummheit ſie ſich
innerlich königlich amüſierte, neckte und unterhielt. Seit
ſie ihn nicht mehr als Bewerber fürchten zu müſſen glaubte
war ſie netter gegen ihn als jemals früher.
Jesko von Schmettwitz aber war berauſcht von dieſen
offenbaren Gunſtbezeigungen‟ Ja, es war Tatſache
dieſe Eiferſuchtsmethode hatte Chriſta entſchieden verwan=
delt
und zutraulicher gemacht. Jedem Wort, jedem
Blick, jeder Miene Chriſtas legte er eine beſondere Be=
deutung
bei. Um ſie noch mehr zu reizen reſpektive ge=
fügiger
zu machen, wurde er immer aufmerkſamer und
liebenswürdiger gegen Ella und Gertrud. Aber während
er mit ihnen ſprach, liebkoſten ſeine Gedanken und Blicke
ſeine‟ Chriſta. Allerlei wundervolle Sachen malte er ſich
aus. Ihre weißen kleinen Hände würde er in den ſeinen
halten. Dieſe ſchlanken zierlichen Finger, die in graziöſem
Spiel leicht ihre Reden betonten, würde er küſſen, bis ihm
der Atem verging.
Dabei paſſierte es ihm eines Tages, als er wieder ſo
intenſiv und mit ſo heißen Wünſchen der weißen Mäd=
chenhände
gedachte, daß er anläßlich eines Waldſpazier=
ganges
der neben ihm ſchreitenden Majorin von Wertern
die Hand plötzlich drückte. Etwas verwundert und indig=
niert
ſchaute ihn die alte Dame an. Er aber murmelte
etwas von einer erklärlichen Verwechſelung und lächelnd
gewährte man ihm nun Verzeihung.
Der Zufall fügte es, daß das alte Fräulein von Helden
ſeinen 75. Geburtstag in dieſen Tagen feierte, Jesko von

Schmettwitz ließ es ſich nicht nehmen, zur Feier dieſes
Tages ein kleines Feſt zu veranſtalten.
Im erſten Hotel Talheims, dem Goldenen Zipfel
jetzt führte es außerdem noch den ſtolzen Namen Kur=
haus
hatte er das Diner beſtellt.
Die jungen Mädchen hatten die Tafel reizend geſchmückt
und rund um den Seſſel, auf dem Fräulein von Helden
ſitzen ſollte, eine Girlande von Blumen geflochten. Zwar
hatte Jesko von Schmettwitz aus der Reſidenz die wunder=
vollſten
Roſen ſchicken laſſen, aber beſcheiden ſtellte er die
prunkvollen Blumenarrangements beiſeite, um den jungen
Damen das hieß natürlich Chriſta die Freude nicht zu
verderben. Sie putzten den kleinen ſchmuckloſen Hotel=
ſaal
auch wirklich auf das geſchmackvollſte mit Tannengrün
heraus.
Ein Tiſchchen mit allerlei kleinen Ueberaſchungen, die
meiſt aus ſelbſtgefertigten Handarbeiten, Büchern oder
Süßigkeiten beſtanden, hatten die jungen Mädchen gleich=
falls
reich mit Blumen dekoriert und außerdem mit einem
Kranz von 75 Lichtern beſteckt. In was Herrn von Schmett=
witz
Geſchenk beruhte, verriet das große, fünffach geſiegelte
dicke Kouvert, das in der Mitte aller Gaben brangte,
äußerſt diskret!
Chrifta im weißen Kleide, einen grünen Tannenkranz
im Haar, begrüßte mit einem kleinen launigen Gedicht,
das ſie ſelbſt gemacht hatte, das Geburtstagskind und
führte es an den Gabentiſch.
Chriſta war fröhlich und ausgelaſſen wie noch nie.
Joachim hatte ihr heute geſchrieben, daß er mit einer gro=
ßen
Arbeit, einem Roman, fertig ſei und bereits a

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 20. September 1912.

Nummer 222.

Verleger für ſein Muſenkind gefunden habe. Zur Feier
des Tages ſäße er mit Peter Geißler am Wannſee, im
Schwediſchen Pavillen, um die freudige Tatſache zu be=
gießen
. Zum Schluß hatte eine ihr wohlbekannte Hand
unter die Karte geſchrieben, daß man ihrer herzlichſt ge=
denke
! Ihr Herz ſchlug ſo frei, ſo fröhlich heute! Sie fand
das Feſt der alten Dame zu reizend, und lachend ſtieß ſie
bei der Tafel mit Herrn von Schmettwitz, der immer und
immer wieder den altbekannten Trinkſpruch ausbrachte auf:
was wir lieben! an.
Er hat einen regelrechten Schwips, dachte ſie amüſiert.
Ihre vor innerer Freude heute ſo leuchtenden Augen
huſchten über die Tafelrunde. Es machte ihr Spaß, zu
konſtatieren, daß die Geiſter des Weines mehr oder min=
der
, mit Ausnahme von Mama, die vornehm und kühl
wie immer ausſah, wirkten. Die welken Bäckchen der
alten Damen waren roſig angehaucht, die weißen Scheitel
und Löckchen nickten und flogen hin und her. Die Zun=
gen
löſten ſich, man ſchwelgte in Erinnerungen vergange=
ner
Tage und kichernd erzählte man ſich kleine zahme
Anekdötchen. Die runzligen Händchen geſtikulierten leb=
haft
, und in den Augen lag ein Schein ehemaliger Jugend.
Auch Ellas und Gertruds Blicke ſprachen. Beinahe ver=
zückt
hingen ſie an den Lippen Jeskos von Schmettwitz,
der in buntem Durcheinander Dummes und Geiſtreiches
ſagte, das Dumme, das von ihm ſtammte, und das Geiſt=
reiche
, das er irgendwo aufgeleſen hatte und meiſt an
falſcher Stelle anbrachte. Je mehr er trank und er füllte
ſein Glas immer wieder von meuem deſto lebhafter
wurde er. Die Bewunderung feines dankkbaren Publikums
verſetzte ihn in eine Art von Rauſch. Dazu kam Chriſtas
freundliches Benehmen gegen ihn. Auch Frau von Leer=

ſen, die die Tochter ſorigeſeht heimnlich besdachtele, ſier
es auf. Sie hat endlich Vernunft angenommen! Mein
Weg war der richtige, ſagte ſie ſich, innerlich befriedigt.
Freundlich llächelnd nickte ſie Schmettwitz, deſſen rotes
Geſicht allmählich durch die Hitze und den Weingenuß eine
Art Kupferfärbung bekam, zu. Er hob das Glas und
trank ihr ſtumm zu. Er ſchien ſie verſtanden zu haben.
Bei dieſer Bewegung fiel ihm die Serviette, die ausge=
breitet
über ſeinen Knien lag, hinab. Ehe der Kellner, der
ſogleich herzueilte, ſie aufheben konnte, hatte ſich Schmett=
witz
gebückt und die Serviette erfaßt. Dabei ſtreifte ſeine
Hand zufällig an Chriſtas Kleid entlang.
Pardon, mein gnädiges Fräulein. Heiſer kam es von
ſeinen Lippen, und ſeine Hand zitterte, als er die Ser=
viette
auf ihren alten Platz legte.
Dieſes kleine Erlebnis hatte ihn aber ganz und gar
um den Reſt ſeiner Vernunft gebracht. Mit einer zufällig
erſcheinenden Bewegung rückte er ſeinen Stuhl näher an
den Chriſtas heran. Jetzt ſtreifte ſein Arm den ihren.
Beim Sprechen beugte er ſich nahe zu ihr hinüber, um den
Hauch ihres Atems zu ſpüren und den ſüßen Duft, der
von ihr ausging, einzuatmen. In ihm fieberte und raſte
die Leidenſchaft. Seine Augen tranken ſich förmlich feſt
in ihrem Geſicht. Schauer und Wonne durchbebten ihn.
Dieſe blaſſen Lippen würden rot werden unter ſeinen
Küſſen. Heute, heute noch wollte er den Verlobungskuß
darauf drücken. Unſinn, nicht einen Tag länger warte er!
Sein, ſeine anerkannte Braut mußte dieſes berückende Ge=
ſchöpf
heute noch werden!
Er gab den ihn mit Fragen beſtürmenden Schweſtern
ganz konfuſe Antworten. Dieſe aber faßten das als einen
Scherz auf und belachten alles, was er ſagte, weidlich, und

er indie ſenſich mit, gernen und ſontgeiſan von ſeinent
heimlichen Glück. Dabei merkte er nicht, wie die, die all
ſeine heißen Gedanken umgaben, immer ſtiller und ein=
ſilbiger
wurde.
Ein Unbehagen, eine große innere Angſt, eine Art Ekel
überkam Chriſta auf einmal vor ihrem Nachbar. Sie bebte
förmlich vor ihm zurück und vergeblich ſuchte ſie ſich mit
dem Gedanken zu beruhigen, daß er angetrunken ſei.
Wie erlöſt kam ſie ſich vor, als Fräulein von Helden
die Tafel aufhob.
Geräuſchvoll und unter allgemeinem Lachen und
Scherzen erfolgte der Aufbruch.
Ruhebedürftig zogen ſich die älteren Herrſchaften zu=
rück
, um ein kleines Nickerchen zu machen.
Das junge Volk, womit man Chriſta, die Majors=
töchter
und Herrn von Schmettwitz meinte, ſollte unten im
Park bleiben. Um 5 Uhr wollte man dort gemeinſam den
Kaffee nehmen.
Kichernd ſteckten ſich Ella und Gertrud, draußen ange=
langt
, die ihnen von Schmettwitz angebotenen Zigaretten
an. Sie hatten noch nie geraucht. Heute aber taten ſie
es, und beſonders darum, weil ſie gehört hatten, daß Herr
von Schmettwitz vorhin geſagt hatte, er fände es reizend,
wenn ſchöne Frauenhände graziös die Zigarette hand=
habten
. Während er das ſagte, hatte er bewundernd
Chriſta beobachtet. Sie hatte ſich etwas abſeits von dem
Tiſche geſetzt und blickte nachdenklich den blauen Rauch=
wölkchen
der Zigarette nach, die ſie gleichfalls von ihm
genommen hatte. Ueber die grünen bewaldeten Berge
hinweg flogen ihre Gedanken zu Joachim.
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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Freitar, den 20. September 1912.

Nummer 222.

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