Abonnementspreis
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175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
den Annoneen=Expeditionen. — Bei
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
für Aufnahme von Anzeigen an
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Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
kommt jeder Anoneenrabatt in Wegfal
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
In Zürich wurde zu Ehren des Kaiſers am
Mitt=
woch auf dem Züricher See ein Nachtfeſt
veran=
ſtaltet. Am Donnerstag früh 4½ Uhr begab ſich der
Kaiſer wieder ins Manövergelände.
Die bayeriſche Kammer der Reichsräte
nahm den Lotterievertrag mit Preußen mit allen gegen
3 Stimmen an. Die Abgeordnetenkammer verwies den
Vertrag zu erneuter Beratung an den Finanzausſchuß.
Die Vertreter der ſchwediſchen Preſſe ſind
geſtern Mittag in Dresden eingetroffen.
Nach einer Meldung der Täglichen Rundſchau ſoll der
Friede zwiſchen Italien und der
Tür=
kei im Prinzip geſchloſſen ſein.
Die Zahl der Opfer der Schlagwetter=
Kataſtrophe von Béthune beträgt nach den
letzten Meldungen 71 Tote und 13 Verwundete.
Die Reichs=Wohnungsaufſicht.
*⁎* Nachdem einzelne deutſche Staaten, wie z. B.
Heſſen, Hamburg und Lübeck, mit dem Erlaß eines
Woh=
nungsgeſetzes vorangegangen waren und andere Staaten,
wie Bayern und Württemberg, die Angelegenheit auf dem
Verordnungswege zu regeln verſucht hatten, war auch von
der preußiſchen Regierung im Jahre 1904 ein
Wohnungs=
geſetzentwurf ausgearbeitet und im März 1905 dem
Land=
tage unterbreitet worden, ohne daß es zur Verabſchiedung
der Vorlage gekommen wäre. Inzwiſchen iſt nun eine
reichsgeſetzliche Regelung der Materie in die Wege geleitet
und dieſer Tage ein von der Wohnungskommiſſion des
Reichstags herrührender Vorentwurf für ein Reichs=
Wohnungsaufſichtsgeſetz veröffentlicht worden, der ſich im
allgemeinen an die preußiſche Vorlage anlehnt, jedoch
nicht, wie dieſe, die Gemeinden unter 10000 Einwohnern
ausſchließt, ſondern ſich auf alle Gemeinden des Reiches
ohne Unterſchied der Größe erſtreckt.
Daß die Wohnungaufſicht in ſozialer, geſundheitlicher
und ſittlicher Beziehung von großer Bedeutung ſein kann,
darüber herrſcht wohl nirgends ein Zweifel, ebenſo
dar=
über nicht, daß ſie auf das ganze Reich ausgedehnt werden
und ſich auf den baulichen Zuſtand der Wohnungen, auf
die genügende Zufuhr von Luft und Licht, auf die
Trink=
waſſerverſorgung, die Entwäſſerungs= und Abortanlagen,
auf das Schlafſtellenweſen erſtrecken muß. Wenn aber die
Wohnungsaufſicht in allen Gemeinden ausgeübt werden
ſoll, ſo iſt auch nicht einzuſehen, weshalb man ſie nur auf
kleinere Wohnungen beſchränken will, denn große
Woh=
nungen geben keineswegs immer die Gewähr für eine
gute Beſchaffenheit in geſundheitlicher und ſittlicher
Hin=
ſicht. Die Regierung ſollte deshalb, um jeden Schein zu
vermeiden, als ſollten nur die Wohnungsverhältniſſe der
unteren und mittleren Bevölkerungsklaſſen unter
behörd=
liche Aufſicht geſtellt werden, letztere ohne Rückſicht auf die
Größe der Wohnungen einführen.
Bei dem großen Publikum werden ohnehin die
einzu=
führenden Kontrollen unſympathiſch berühren und die zu
treffenden Maßnahmen als Härten und Unbilligkeiten
empfunden werden. Wirte und Mieter werden ſich in
ihrem Selbſtbeſtimmungsrechte beſchränkt fühlen, und das
Bewußtſein einer dauernden Beaufſichtigung durch
be=
hördliche Organe in den eigenen vier Pfählen iſt ja auch
nicht ſehr erhebend. Aber bei einer verſtändigen, dem
ſozialen und ethiſchen Empfinden Rechnung tragenden
Durchführung der Aufſicht braucht dieſe nicht drückend und
läſtig zu werden, und deshalb wäre auf eine ſorgfältige
Auswahl des Aufſichtsperſonals beſonderer Wert zu
legen. Daß die Aufſicht den Gemeinden übertragen
wer=
den ſoll, wird manchen, der einer neuen polizeilichen
Be=
vormundung entſchieden widerſtreben würde, mit der
Kon=
trolle ausſöhnen. Auch daß die örtlichen Verhältniſſe zu
berückſichtigen und angemeſſene Friſten zur Durchführung
der erlaſſenen Vorſchriften zu geben ſind, iſt zu billigen.
Der Vorentwurf der Wohnungskommiſſion ſoll nur
als Baſis zu weiteren Verhandlungen im Reichstage
dienen, aber er zeigt doch ſchon, wie die definitive Vorlage
ungefähr ausſehen wird. Den Einzelſtaaten bleiben auch
noch genug Aufgaben in der Wohnungsfürſorge. So
wollte der preußiſche Geſetzentwurf von 1904 der
rückſichts=
loſen Bodenſpekulation, der ungeſunden Werterhöhung
des ſtädtiſchen Grundbeſitzes und der damit im engſten Zu=
ſammenhang ſtehenden übertriebenen Ausnutzung der
Baufläche entgegentreten, weil dieſe Zuſtände die Schuld
daran tragen, daß Tauſende von Familien in der
Groß=
ſtadt gezwungen ſind, durch Abvermieten den Druck der
hohen Wohnungsmiete herabzumindern. In dieſer
Hin=
ſicht Maßnahmen zu treffen, bleibt der Landesgeſetzgebung
noch ein weiter Spielraum, und ſo können Reich,
Einzel=
ſtaaten und Kommunen demnächſt zuſammenwirken, um
das wichtige Problem der Wohnungsfrage ſeiner Löſung
rntgegenzuführen.
Bayern und das Reich.
* Die bayeriſche Kammer der
Reichs=
räte beriet am Mittwoch den Lotterievertrag mit
Preußen. Berichterſtatter war Graf Crailsheim,
Be=
kanntlich hatte die Kammer der Abgeordneten den
Lotterie=
vertrag mit Preußen abgelehnt und der Regierung
empfoh=
len, eine eigene bayeriſche Klaſſenlotterie einzurichten.
Im Ausſchuß der Kammer der Reichsräte wurde jedoch
der Vertrag mit Preußen genehmigt. Der Berichterſtatter
erſuchte das Plenum, dem Beſchluß des Ausſchuſſes
beizu=
treten. Auch der Finanzminiſter trat nochmals für die
Vorlage ein. Nach ihm ſprach Reichsrat von Schanz gegen
die Vorlage. Sodann würdigte Miniſterpräſident
Frei=
herr von Hertling in eingehender Weiſe die politiſche
Seite der Vorlage, die wie die finanzielle zu ihrer
An=
nahme beſtimmen müſſe. Darauf wurde die Vorlage mit
allen gegen drei Stimmen angenommen. Die anweſenden
Prinzen des königlichen Hauſes hatten ebenfalls für die
Annahme geſtimmt.
In der Debatte führte Miniſterpräſident Freiherr
v. Hertling aus, er empfehle dringend die Annahme
des Staatsvertrages mit Preußen über die Klaſſenlotterie
auch aus politiſchen Geſichtspunkten. Bei
den Erörterungen in der Abgeordnetenkammer und in der
Preſſe ſpielten neben wirtſchaftlichen und finanziellen
Fragen auch gewiſſe Imponderabilien mit. Im politiſchen
Leben dürfe man die Bedeutung der Imponderabilien
nicht unterſchätzen, man dürfe nicht vergeſſen, daß ſolche
Imponderabilien nach zwei Seiten wirkſam ſein können.
Wenn auf der einen Seite gewiſſe Stimmungen ſich
gel=
tend machten, die zur Ablehnung der Vorlage führten,
müßten auf der anderen Seite Verſtimmungen
hervorge=
rufen werden. Bayern nehme zurzeit im Reiche
eine durchaus gute Stellung ein. Die Beziehungen
Bayerns zu den deutſchen Bundesſtaaten ſeien durchaus
befriedigend. Daß gerade die Stellung Bayerns
im Bundesrat ſo ausgezeichnet ſei, verdanke man
größtenteils der langjährigen und ausgezeichneten
Ver=
tretung, welche Bayern im Bundesrat beſitze. Wir
dür=
fen, fuhr der Miniſter fort, dieſe ausgezeichnete Stellung
auch in keiner Weiſe aufs Spiel ſetzen. Daß Bayern im
Reich eine Sonderſtellung einnimmt und durch beſondere
Vorrechte vor anderen Bundesſtaaten ausgezeichnet iſt,
verdanken wir Bismarck und rechnen ihm das hoch an.
Wir müſſen aber außerordentlich vorſichtig ſein und dieſe
Stellung zu den übrigen Bundesſtaaten mit größer
Rück=
ſicht auf deren etwaige Empfindlichkeit wahren. Es wäre
nichts gefährlicher, als wenn Bayern in dieſer Frage, die
Bayern ſelbſt angeregt und zu eingehenden Verhandlungen
geführt hat, ſich nachträglich auf die Seite ſtellen würde.
Wer ſich ſelbſt auf die Seite ſtellt, wird von anderen auf
die Seite gelegt, wo er die Unterſtützung der anderen ſehr
notwendig hätte. Der tut nicht gut, ſich zu iſolieren, der
wieder auf freundliche Unterſtützung angewieſen iſt. Wenn
wir mit der größten Rückſicht auf die Empfindlichkeit
an=
derer Bundesſtaaten unſere Stellung im Reich
wahren wollen, ſo brauchen wir nicht alles nachzumachen,
was von dem einen oder anderen Bundesſtaat gemacht
wird. Wenn wir aber ſelbſt Verhandlungen angeregt
haben, ſo müſſen wir eine Verſtimmung befürchten, wenn
plötzlich dieſe Verhandlungen nicht zum Ziel führen. Ich
bin der Meinung, daß preußenfreundliche Geſinnung mit
lebhafter Betonung des bayeriſchen Selbſtgefühls und des
bayeriſchen Patriotismus wohl vereinbar iſt.
Friede?
* Die italieniſche Regierung dementiert offiziös die
Nachricht, daß die Friedensverhandlungen, die
gegenwärtig in der Schweiz zwiſchen italieniſchen und
tür=
kiſchen Delegierten geführt werden, jemals eine Unter=
brechung erfahren haben. Die Verhandlungen gehen
zwar langſam, aber doch ſtändig vorwärts; nur
dei Umſtande, daß die türkiſchen Delegierten bisher noch
in keiner Weiſe den italieniſchen Vorſchlägen zugeſtimmt
hätten, ſei es zuzuſchreiben, daß die Verhandlungen bis
jetzt noch kein poſitives Ergebnis gezeitigt hätten.
Die „Tägliche Rundſchau” meldet demgegenüber aus
Berlin: Aus diplomatiſchen Kreiſen wird mitgeteilt, daß
im Laufe des Nachmittags Drahtungen aus der Schweiz
eingetroffen ſind, wonach der Friede zwiſchen
Italien und der Türkei im Prinzip
ge=
ſchloſſen iſt. Die Türkei tritt Tripolis und die
Cyrenaika an Italien ab und erkennt das
Annektions=
dekret an. Der Sultan bleibt jedoch unbeſchränkter Kalif
der Gläubigen in beiden Provinzen. Die Türkei erhält
(für die türkiſchen Domanialgüter eine von den amtlichen
Delegierten feſtzuſetzende Ablöſungsſumme. Die beſetzten
ägäiſchen Inſeln erhalten eine beſchränkte Autonomie.
Italien verpflichtet ſich, die türkiſchen Wünſche nach
Er=
hebung der Zölle und Aufhebung der Kapitulationen mit
allen diplomatiſchen Mitteln bei den Großmächten zu
unterſtützen.
Eine Beſtätigung dieſer Mitteilungen von zuſtändiger
Berliner Stelle liegt bisher nicht vor.
Deutſches Reich.
— Der Reichsverein liberaler Arbeiter
und Angeſtellten veröffentlicht ſeinen erſten
Auf=
ruf, in dem es heißt: „Neues politiſches Leben regt ſich
unter den liberalen Arbeitern und Angeſtellten. In ihrer
Vereinzelung waren ſie bisher einflußlos und vielfacher
Bedrückung preisgegeben. Nur mit großer
Selbſtverleug=
nung konnten ſie oftmals ihre liberale Geſinnung
betä=
tigen. Insbeſondere waren es ſozialdemokratiſche
Par=
teigenoſſen, die häufig jede Achtung vor dem Recht der
Perſönlichkeit auf eigene Meinung vermiſſen ließen. Das
wird jetzt anders. Der Reichsverein, auf vaterländiſchem
Boden ſtehend, kämpft für politiſche Freiheit und ſozialen
Fortſchritt, alſo auch gegen jede Beeinträchtigung der
per=
ſönlichen Meinungsfreiheit, woher ſie auch kommen möge.
Groß und ſtark muß aber der Verein ſein, wenn er ſein
Ziel erreichen ſoll. Deshalb laden wir alle liberalen
Arbeiter und Angeſtellten Deutſchlands zum Beitritt
herz=
lich ein und rufen ihnen zu: „Kommt in Maſſen in den
Reichsverein!‟ Es wird weiterhin mitgeteilt, daß man
in Leipzig beſchloſſen habe, das Programm der
Fort=
ſchrittlichen Volkspartei als Mindeſtprogramm
anzu=
nehmen und ſich in die Organiſation dieſer Partei
einzu=
gliedern. Die Hauptprogrammpunkte des Reichsvereins
werden aufgeführt, und mit einem nochmaligen Appell zur
politiſchen Arbeit und Opferfreudigkeit ſchließt das
wir=
kungsvolle Fingblatt.
— Schutz der Arbeitswilligen. Wie die
„Landesztg. f. b. Mecklenburg” aus zuverläſſiger Quelle
erfährt, liegen beim Bundesrat von ſechs
Bundesregierun=
gen, darunter einer ſüddeutſchen, Anträge auf Verſchärfung
der Schutzbeſtimmungen für Arbeitswillige vor.
— Der Rudolſtädter Landtag wurde am
Mittwoch mittag 12 Uhr von dem Staatsminiſter v. der
Recke mit der Verleſung der Thronrede eröffnet. Die
Thronrede kündigt die Vorlage des Staatshaushaltetats
für die Finanzperiode 1912/14 an. Ferner wird die
nach=
trägliche Genehmigung von vier bereits erlaſſenen
Ge=
ſetzen, darunter der bekannten Teuerungszulage, erbeten.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Die Parlamentskriſe in Ungarn. Der
„Budapeſti Hirlap” bringt die Nachricht, daß, falls die
Oppoſition nach Zuſammentritt des ungariſchen
Abge=
ordnetenhauſes die Arbeiten unmöglich machen ſollte, der
Miniſterpräſident vom König Vollmacht habe, das Haus
aufzulöſen. Bei den am 23. d. M. zuſammentretenden
Delegationen wird die Oppoſition nicht vertreten ſein.
Das Organ der Volkspartei bringt die Meldung, daß auf
Veranlaſſung des Präſidenten des Abgeordnetenhauſes,
Tisza, der Stadthauptmann eine neue Gruppe von
Polizei=
männern aufgeſtellt habe, die zum Dienſt im
Abgeordneten=
hauſe ausgebildet werden. Nach Schluß der Manöver
in Ungarn werden alle Gendarmen zu Fuß und die
be=
rittene Gendarmerie nach Ofen=Peſt einberufen werden,
ehenſo wird ein ſtärkeres Militäraufgebot als im Früh=
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. September 1912.
Nummer 210.
jahr in der ungariſchen Hauptſtadt konzentriert. Dieſes
Militär wird aber nicht vor dem Parlament biwakieren
ſondern ſich in einer nahe gelegenen Kaſerne aufhalten.
Frankreich.
Der Kriegsminiſter hat an die
Korpskom=
mandeure ein Rundſchreiben gerichtet, in welchem er auf
das nachdrücklichſte daran erinnert, daß es aktiven
Offi=
zieren verboten ſei, unter irgend einem Vorwand einer
Vereinigung politiſchen oder religiöſen Charakters
anzu=
gehören und daß die Zuwiderhandelnden exemplariſch
be=
ſtraft würden. Was die Reſerve= und Landwehr=
Offi=
ziere und die Offiziere des Ruheſtandes anbelange, ſo
dürfen dieſe keiner Vereinigung angehören, welche den
Zweck verfolgt, Maßnahmen der Militärbehörden zu
er=
örtern und ſich namentlich anläßlich von
Avancements=
fragen in die Tätigkeit der Kriegsverwaltung
einzu=
miſchen. Einzelne Blätter erörtern das Rundſchreiben
des Kriegsminiſters in zuſtimmender Weiſe. Der Temps
ſpricht die Hoffnung aus, daß derſelbe endlich der
poli=
tiſchen Gärung ein Ende machen werde, welche für die
Armee bedenklich werden könne. Das nationaliſtiſche
Echo de Paris bemerkt hierzu: Hoffentlich werden
nun=
mehr diejenigen Offiziere, die in einem Augenblick der
Verwirrung dem Freimaurerorden beigetreten ſind, dieſe
politiſche, geheime und behördlich nicht genehmigte
Ver=
einigung verlaſſen, ohne daß zu irgend einer ſtrengen
Maßregel gegriffen werden muß.
Serbien.
Gewehrlieferungen für die Armec.
Von den ausländiſchen Angeboten auf Gewehrlieferungen
für die ſerbiſche Armee ſind die billigſten die der Fabril
Steyer mit 79 und Mauſer mit 80 Francs. Franzoſen
und Engländer ſtellten erheblich höhere Forderungen. Die
Fabrik Mauſer hat die meiſten Ausſichten, da gegen die
Vergebung an eine öſterreichiſche Fabrik hier Bedenken
beſtehen.
Türkei.
Der jungtürkiſche Kongreß, nahm in
namentlicher Abſtimmung mit 66 gegen 13 Stimmen eine
Reſolution an, in der es heißt: Das Komitee für Einheit
und Fortſchritt, das die Schließung der Kammer als einen
Angriff auf die Verfaſſung betrachtet, beſchloß, an den
Wahlen doch teilzunehmen, um durch geſetzliche Mittel die
vollendete Tatſache wieder gut zu machen und der Nation
ihre Rechte zurückzugeben. In der nächſten Sitzung am
Samstag ſoll die Neuorganiſation des Komitees beraten
werden.
Japan.
Empfang bei Hofe. Am Mittwoch früh
emp=
fingen der Kaiſer und die Kaiſerin gemeinſam die
Mit=
glieder des diplomatiſchen Korps mit ihren Damen. Ein
ſolcher Empfang hat in Japan bisher noch nicht
ſtattge=
funden, denn früher hielten der Kaiſer und die Kaiſerin
getrennte Audienzen ab. Die Diplomaten, die
Mit=
glieder der engliſchen Botſchaft an der Spitze, zogen
darauf vor dem Sarg des Kaiſers Mutſuhito vorllber.
Der engliſche Botſchafter Macdonald, als Doyen des
dip=
lomatiſchen Korps, trat vor und verlas eine franzöſiſche
Anſprache, in der er der kaiſerlichen Familie das Beileid
der Mitglieder des diplomatiſchen Korps ausdrückte und
die Tugenden des verſtorbenen Herrſchers hervorhob.
So=
dann legte er im Namen des diplomatiſchen Korps einen
ſilbernen Kranz am Sarge nieder.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 6. September.
* Vom Hofe. Se. Königl. Hoheit der Großherzog
begab ſich am Mittwoch 5 Uhr früh auf Jagd in den
Kranichſteiner Park. — Ihre Königl. Hoheit die
Groß=
herzogin mit Prinzeſſin Ludwig von Battenberg nebſt
Prinzeſſin Louiſe und Fürſtin zu Solms=Lich mit
Kindern beſuchten am Mittwoch vormittag die Bracht=
Ausſtellung auf der Mathildenhöhe. (Darmſt. Ztg.)
* Uebertragen wurde dem Lehrer Karl Oſterheld
zu Olfen, Kreis Erbach, eine Lehrerſtelle (die
Rektorats=
ſtelle) an der Gemeindeſchule zu Schotten.
* In den Ruheſtand verſetzt wurde der Lehrer
an der Gemeindeſchule zu Ruttershauſen, Kreis Gießen,
Albert Wolf auf ſein Nachſuchen, unter Anerkennung
ſeiner langjährigen Dienſte, vom 1. Oktober 1912 an.
* Entlaſſen wurde der Lehrer an der Volksſchule
zu Darmſtadt Otto Krenz auf ſein Nachſuchen aus
dem Schuldienſt.
* Ernannt wurden die Gefangenwärter am
Landes=
zuchthaus Marienſchloß Franz Merz und Heinrich
Müller zu Gefangenaufſehern an dieſer Anſtalt mit
Wirkung vom 1. Oktober 1912.
Pfarrperſonalien. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog haben den evangeliſchen Pfarrer Friedrich
Clemm zu Büdingen auf ſein Nachſuchen unter
Aner=
kennung ſeiner langjährigen treu geleiſteten Dienſte, mit
Wirkung, vom 1. Oktober 1912, in den Ruheſtand verſetzt
und den durch die Dekanatsſynode des Dekanats
Eber=
ſtadt für den Reſt der laufenden Wahlperioden
voll=
zogenen Wahlen des evangeliſchen Pfarrers Albert
Schäfer zu Biebesheim zum Dekan und des
evan=
geliſchen Pfarres Adolf Vogel zu Gernsheim zum
Stellvertreter des Dekans des Dekanats Eberſtadt die
Beſtätigung erteilt; ferner den evangeliſchen Pfarrer Karl
Böll zu Ober=Eſchbach auf ſein Nachſuchen unter
Aner=
kennung ſeiner langjährigen treu geleiſteten Dienſte, mit
Wirkung vom 24. Oktober 1912, in den Ruheſtand verſetzt
und dem Bibliothekar an der Univerſitätsbibliothek zu
Gießen Dr. Georg Koch, mit Wirkung vom 1. Oktober
1912, die evangeliſche Pfarrſtelle zu Langd übertragen.
-g. Ferienſtrafkammer. Das bisher unbeſtrafte 22
jäh=
rige Dienſtmädchen Eliſabeth L. von hier hatte ſich geſtern
wegen eines ſchweren Diebſtahls und Urkundenfälſchung
vor der hieſigen Strafkammer zu verantworten. Die
An=
geklagte war in einem hieſigen Geſchäft tätig und die
Mathilde Schlitt als Verkäuferin. Am 29. Mai war bei
dem Dienſtmädchen Anna Müller, die im ſelben Hauſe
bedienſtet war, eingebrochen worden, wozu ein falſcher
Schlüſſel verwendet wurde. Geſtohlen war nichts, nur
war von dem auf mehrere hundert Mark lautenden
Sparkaſſenbuch ein Betrag von 15 Mark abgehoben. Die
Angeklagte, auf die der Verdacht fiel, gab auch die Tat
zu, doch gab ſie an, Fräulein Schlitt habe ſie dazu
veran=
laßt, da ſie viel Geld für Wäſche brauchte. Sie habe
auch die Kammertür mit dem falſchen Schlüſſel geöffnet.
Von dem geſtohlenen Geld habe die Schlitt 12 Mark
er=
halten. Die Schlitt leugnet unter ihrem Eide ab, an dem
Einbruch überhaupt beteiligt zu ſein, oder Geld erhalten
zu haben. Das Gericht kam zu einer Verurteilung wegen
ſchweren Diebſtahls und Urkundenfälſchung und erkannte
auf die geſetzliche Mindeſtſtrafe von 3 Monaten
5 Tagen Gefängnis. — Der 34jährige Arbeiter
Wilhelm Stapp aus Langen wurde wegen
Sittlich=
keitsverbrechens nach §§ 176,3 und 183 St.=G.=B. zu
11 Monaten Gefängnis verurteilt. — Wegen
Mißhandlung des Dienſtmädchens Marie Schwinn
ſtand die 41jährige Ehefrau Louiſe des praktiſchen
Arztes Dr. Berg von König vor der hieſigen
Straf=
kammer. Die Angeklagte hat bereits wegen ähnlicher
Mißhandlungen im Jahre 1896 eine Geldſtrafe von 50
Mark erhalten, 1895 war ſie vom Schöffengericht
Wies=
baden zu 2 Monaten Gefängnis und 500 Mark Buße
ver=
urteilt worden. Auf ihre Berufung ermäßigte jedoch die
Strafkammer die Strafe auf 300 Mark Strafe und 275
Mark Buße. Im Dezember 1911 nun hatte ſie ſich vor
dem Schöffengericht in König zu verantworten unter der
Beſchuldigung, im Dezember 1910 fortgeſetzt das
Dienſt=
mädchen Schwinn mit einem Spazierſtock und einem
ſpa=
niſchen Rohr, ſowie durch Schläge körperlich ſchwer
miß=
handelt zu haben. Das Schöffengericht erkannte auf
Frei=
ſprechung, obgleich durch ein ärztliches Gutachten
feſtge=
ſtellt worden war, daß das Kind am ganzen Körper eine
ganze Anzahl Spuren größerer und kleinerer
Verwund=
ungen aufwies. Gegen das freiſprechende Urteil legte
der Amtsanwalt Berufung ein, die geſtern vor der
hie=
ſigen Strafkammer zur Verhandlung kam. Die
Ange=
klagte beſtreitet, die Zeugin mißhandelt zu haben, ſie
habe ihr vielleicht auch mal einen Klaps gegeben, wenn
ſie ihre Buben gezüchtigt habe. Sie habe ſehr viel Aerger
mit der Schwinn gehabt, da ſie fortwährend ihr Zimmer
und ihr Bett verunreinigt habe. Die Zeugin Schwinn,
ein kleines, ſchmächtiges Mädchen, erzählt in durchaus
glaubwürdiger Weiſe, wie die Angeklagte ſie
fortwäh=
rend mißhandelt habe. Sie habe mit dem Kochlöffel nach
ihr geſchlagen, ferner faſt jeden Tag mit dem Spazier=
ſtock oder einem ſpaniſchen Rohr, da ſie angeblich immer
ihr Zimmer beſchmutzt haben ſolle. Sie habe es dann
auch immer aus Angſt eingeſtanden, daß ſie das Zimmer
beſchmutzt habe. Sie ſei es aber nie geweſen. Auch habe
ſie viel von den Kindern zu leiden gehabt, da dieſe oft
nach ihr ſchlugen. Das habe die Angeklagte ſehr oft mit
angeſehen, ohne einzugreifen. Einmal ſei ſie zu Boden
geworfen worden, wobei ſie mit dem Kopf gegen den
Nähtiſch fiel, ſo daß eine blutende Wunde entſtand. Die
Angeklagte verſucht in jeder Weiſe, die Schwinn der
Lügenhaftigkeit und der Diebſtahlſucht zu überführen. Die
Angeklagte gibt dann auch zu, der Schwinn geſagt zu
haben, das beſte wäre für ſie, ſie ginge ins Waſſer. Das
Schlagen mit dem Stocke ſtellt ſie entſchieden in Abrede,
die Spuren der Mißhandlungen könnten auch durch
Bal=
gereien mit ihren Kindern entſtanden ſein. Nach dem
Gut=
achten des Geh. Medizinalrats Kreisarzt Dr. Walger
iſt die Angeklagte eine hyſteriſche, exentriſche Perſon, die
ſich ſehr ſchwer in verünftigen Grenzen halten
kann. Er habe bei einer früheren Unterſuchung
nicht finden können, daß ihre Hyſterie ſo
bös=
artig ſei, daß ſie für ihre Handlungen nicht
ver=
antwortlich zu machen ſei. Die Zeugin Schwinn
ſei ein wenig beſchränkt; er glaube, daß den Erzählungen
tatſächliche Begebenheiten zugrunde liegen, denn ihre
An=
gaben in der erſten Inſtanz und die in der heutigen ſeien
ſo übereinſtimmend, daß ſie nicht erfunden ſein könnten.
Wenn ein Mädchen auch ab und zu lüge oder unredlich
ſei, könne man deshalb doch nicht annehmen, daß ſie eine
derartige Reihe von Begebenheiten ſo überzeugend
dar=
ſtellen könnte, wenn ſie ſie nicht erlebt habe. Die Zeugin
iſt in dieſem Jahre 16 Jahre alt geworden, ſo daß ſie
diesmal vereidigt werden kann. Das Gericht beſchließt,
die Vereidigung vorzunehmen. Der Staatsanwalt
bean=
tragt eine Geldſtrafe von 200 Mark. Das Gericht
er=
kannte in Anbetracht der ſchlechten Vermögenslage und
der Krankheit der Angeklagten auf eine Geldſtrafe
von 75 Mark, die eventuell mit 20 Tagen Gefängnis
zu verbüßen iſt.
* Zulaſſungen zur Rechtsanwaltſchaft. Am
2. Juli wurde der Referendar Dr. Gregor
Wennes=
heimer zu Abenheim zur Rechtsanwaltſchaft bei der
Kammer für Handelsſachen in Worms und dem
Amtsgericht Worms, am 11. Juli wurde der bereits
bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg
zuge=
laſſene Rechtsanwalt Ludwig Landzettel zu
Darm=
ſtadt auch bei dem Amtsgericht Darmſtadt I zur
Rechts=
anwaltſchaft zugelaſſen; an demſelben Tage wurde der
Rechtsanwalt Geh. Juſtizrat Friedrich Purgold zu
Darmſtadt, mit Wirkung vom 15. Juli an, zur
Rechts=
anwaltſchaft bei dem Amtsgericht Darmſtadt I
zuge=
laſſen, nachdem er die Zulaſſung beim Landgericht der
Provinz Starkenburg, mit Wirkung vom gleichen Tage
an, aufgegeben hatte; am 25. Juli wurde der
Rechts=
anwalt Freiherr Schenck zu Schweinsberg zu
Lauterbach mit Wirkung von dem Zeitpunkte an, in
dem er die Rechtsanwaltſchaft bei dem Amtsgericht
Lauterbach aufgeben wird, zur Rechtsanwaltſchaft bei
dem Landgericht der Provinz Oberheſſen; an demſelben
Tage wurde der Referendar Sally Levi zu Groß=
Bieberau zur Rechtsanwaltſchaft bei dem Landgericht
der Provinz Starkenburg, am 5. Auguſt wurde der
Rechtsanwalt Ferdinand Eberwein zu Reinheim zur
Rechtsanwaltſchaft bei dem Amtsgericht Dieburg, mit
Wirkung von der Aufgabe ſeiner Zulaſſung bei dem
Amtsgericht Reinheim an, am 12. Auguſt wurde der
Gerichtsaſſeſſor Dr. Eugen Koelſch zu Büdingen zur
Rechtsanwaltſchaft bei dem Amtsgericht Büdingen
zugelaſſen.
Volksvorſtellungen im Hoftheater. Der
bis=
herigen Gepflogenheit folgend, iſt auch in dieſer
Spiel=
zeit eine Anzahl von Schüler= und
Volks=
vorſtellungen in Ausſicht genommen. Dieſe ſollen
nicht nur an Wochenabenden ſtattfinden, vielmehr ſollen
einzelne auch an Sonntagnachmittagen
veran=
ſtaltet werden, um ſo den breiteſten Kreiſen der
Be=
völkerung Gelegenheit zum Beſuche zu geben. Für dieſe
Vorſtellungen ſind altbewährte Werke der Schauſpiel=
und Opernliteratur vorgeſehen. Durch die
Weiter=
führung der volkstümlichen und Schülervorſtellungen
kommt die Leitung des Hoftheaters einem beſonderen
Wunſche des hieſigen Vereins der Bildungsfreunde, des
Vereins für Verbreitung von Volksbildung uſw. entgegen.
— Der Verband evangeliſch=kirchlicher Frauenvereine
im Großherzogtum Heſſen hielt in Darmſtadt ſeine
Haupt=
verſammlung ab. Dem Jahresbericht entnehmen wir,
daß die Arbeit des jungen Verbandes rüſtig fortſchreitet,
im letzten Jahre ſind 5 neue Vereine beigetreten, ſo daß
der Verband jetzt 51 Vereine umfaßt mit über 10700
Darmſtadt auf der Städteausſtellung
in Düſſeldorf.
(Spezialbericht des Darmſtädter Tagblatts.)
II.
An der Beſchickung der Städteausſtellung für
Rhein=
land=Weſtfalen und benachbarte Gebiete haben ſich
natur=
gemäß die letzteren weniger ſtark als die beiden
genann=
ten Provinzen beteiligt. Immerhin iſt von
Süddeutſch=
land mancherlei Intereſſantes und Eigenartiges auf dieſer
Ausſtellung vorhanden, und auch Darmſtadt iſt mit
einer Anzahl beachtenswerter Objekte vertreten. Es muß
leider geſagt werden, daß das ganze Arrangement dieſer
Ausſtellung als zweckentſprechend nicht erachtet werden
kann und daß die gemachten Fehler nur das eine Gute
haben, deutlich darauf hinzuweiſen, wie es in Zukunft
nicht gemacht werden ſoll.
Grundprinzip der Ausſtellung ſcheint geweſen zu ſein,
alles Gleichartige überſichtlich zuſammenzufaſſen,
um ſo dem Fachmann die Anſtellung von Vergleichen zu
erleichtern. An ſich ſehr löblich, aber auch durch andere,
als die angewandten Mittel erreichbar. Man hat die vier
Hauptgruppen „Städtebau, geſundheitliche Einrichtungen,
Krankenweſen und Hochbauten” gebildet, ihnen eine ſehr
ausgedehnte Gruppe „Induſtrie” angeſchloſſen (in der
mancherlei in ſehr loſem oder gar keinem Zuſammenhang
mit der Städteausſtellung Stehendes zu finden, wie z. B
Kanonen) und die Gruppen hat man in Abteilungen und
Unterabteilungen zerlegt. Dadurch hat man auf dem
Papier eine ſyſtematiſche Differenzierung geſchaffen, an
der derjenige, der ſich darin vertieft, ſeine Freude haben
kann. Die Praxis hat aber wieder einmal mit der Theorie
aufgeräumt. In Wirklichkeit war es nicht einmal
mög=
lich, teils der Räumlichkeiten wegen, teils weil eine ſcharfe
Abgrenzung bei vielen Objekten untunlich, bei der
Ein=
reihung der Objekte die Abteilungen feſtzuhalten, ſo daß
mancherlei ſich in ganz anderen Zelten vorfindet, als der
Katalog angibt. Man hat aber durch die „Gleichartigkeit”
nur Einförmigkeit, zum Teil Langweiligkeit geſchaffen, da
dem naiven Ausſtellungsbeſucher zahlloſe Pläne, Karten
und keighnungen als einander alle ähnlich erſcheinen und
das Intereſſe erlahmen muß, wenn man ſcheinbar immer
dasſelbe zu ſehen bekommt. Es wäre viel richtiger
ge=
weſen, wenn man die Ausſtellungsobjekte einer Stadt
ſämtlich in einer Koje unterbrachte; man hätte trotzdem
jedes Objekt mit der Nummer und Subnummer der
betreſ=
fenden Gruppe bezeichnen können; jede Stadt hätte etwas
mehr für Ausſchmückung der Koje tun können (Wappen,
Embleme und dergleichen) und es wäre eine reiche
Ab=
wechſelung in das Ganze gekommen. Unter den
obwal=
tenden Umſtänden wird die Bedeutung der Ausſtellung
beim großen Publikum herabgedrückt und die Städte ſelbſt
kommen nur dann zur Geltung, wenn ſie mit großen
Auf=
bauten oder Maſſenhaftigkeit des Materials dem
Be=
ſucher ins Auge fallen. So kommt es, daß manche
hoch=
intereſſante, aber beſcheiden ſich in eine Ecke drängende
Darſtellung kaum beachtet wird und andere weniger
wichtige Sachen, die ſich recht auffällig präſentieren,
an=
geſtaunt werden.
Sie werden angeſtaunt, gewiß, aber ſehr oft nichts
weniger als verſtanden. Und das iſt wieder ein
ſchwerer Fehler der Ausſtellung, daß es an klaren,
popu=
lären, kurz zuſammenfaſſenden, die Sache kennzeichnenden
Erklärungen fehlt, daß ſolche in den meiſten Fällen
überhaupt nicht vorhanden ſind, und wo ſie erſcheinen,
für den Fachmann berechnet ſind. Daß es auch anders
geht, beweiſen die wenigen Ausnahmefälle; die Objekte
einer Stadt, nicht ſonderlich hervorragend und nicht
ein=
mal aktuelle Stoffe behandelnd, werden vom Publikum
eifrigſt ſtudiert, weil ſolche klare, gedruckte Erklärungen
vorhanden ſind, die das Objekt erhellen, verdeutlichen.
Daß man in dieſer Richtung Fehler begangen, ſcheint die
Leitung zu fühlen. Es finden Führungen ſtatt, die aber
in ihrer lapidaren Kürze nicht genügen und auch nur für
zufällig anweſende Beſucher von Wert ſein können. Im
ganzen ſcheint es unfaßbar, daß man auf die großen
Maſ=
ſen des Laienpublikums gar ſo wenig Rückſicht genommen
hat. Man kann nicht behaupten, daß es ſich um eine für
Fachleute beſtimmte Fachausſtellung handelt; dem
wider=
ſprechen die zahlreichen eingerichteten Sonderzüge, durch
welche man Tauſende von Nichtfachleuten zum Beſuch der
Ausſtellung veranlaßt. Das Gros des zahlenden
Publi=
kums ſetzt ſich aus Laien zuſammen, die ſohr gern in popu=
lärer Weiſe über die Dinge unterrichtet ſein möchten, die
beſtändig die Stadtverordneten=Verſammlungen
beſchäf=
tigen.
In der Abteilung „Hiſtoriſche Pläne” iſt
Darmſtadt ganz hervorragend vertreten. Die ſechs
ausgehängten Pläne, wenn ſchon ſie erſt mit der Mitte
des 18. Jahrhunderts beginnen, ſind auch hier
Nichtein=
wohnern der Stadt Darmſtadt deshalb von großem
In=
tereſſe, weil ſie hiſtoriſchen Wert haben, weil ſie den
Beſchauer durch zahlloſe kleine Einzelheiten in längſt
entſchwundene Zeiten hineinverſetzen und oft in wenigen
Strichen, mit einigen Karten, das Milieu jener Zeit
ſchil=
dern. Und noch etwas lehren uns dieſe alten Pläne, vor
denen wir ſinnend ſtehen: Alles iſt vergänglich, und wie
wir heute mur noch ein überlegenes Lächeln haben für
Mancherlei, das der damals lebenden Generation
bedeu=
tend und wichtig geweſen, ſo wird eine ſpätere Zeit
lächelnd zurückſchauen auf das, was uns heute wichtig und
bedeutend erſcheint und uns oft aufs tiefſte bewegt.
Der Plan vom Jahre 1759 nennt ſich:
Accura=
ter Grundriß der Hochfürſtlich Heſſen Darmſtädtiſchen
Reſidenz mit ihren offenen Plätzen und Hauptgebäuden
und Straſſen, gezeichnet von Plenz 1759. Der Plan iſt
nach der damaligen Sitte in Merianſcher Manier (Merian
war ein berühmter Kupferſtecher des 17. Jahrhunderts
und hat mehrere tauſend Stadtpläne gezeichnet) gehalten,
das heißt es ſind auf ihm getreulich die einzelnen Gebäude
als ſolche plaſtiſch wiedergegeben, und zwar in
primitiv=
ſter Form, etwa ſo, wie in den Nürnberger billigen
Spiel=
zeugkäſten unſerer Zeit Kirchen, Häuſer, Bäume und
der=
gleichen ſich präſentieren. Die hauptſächlichſten Gebäude
ſind denn auch in einem beſonderen Verzeichnis namhaft
gemacht, wie: das Herrſch. Schloß (mit Waſchhauß,
Canz=
ley, Fürſten Hoff), Ihre Hochfürſtl. Durchl. des Herrn
Landgrafen Georg Wilhelms Palais; ferner der Weiſe
Thurm, das Kametzkyſche Hauß, die Stadt Kirche, das
Pädagogium, das Wayſen Hauß, das Teich Hauß mit
denen Teiche, das Stockhauß, die Caſerne, Opernhauß,
die Herrſchaftl. Meyerey; neben anderem auch der Birn
Garten, die Reuther Caſerne, Marſtall, Stadt und
Sol=
daten Kirchhoff, Marckt Brunnen, Löwenbrunnen, der
Meinz Roehr Brunnen, die alte Eich, das Hospital, Oeſt=
Nummer 210.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. September 1912.
Seite 3.
Mitgliedern. Sein Hauptintereſſe richtete er im
ver=
gangenen Jahre auf die Gewinnung und Ausbildung
von Nothelferinnen in der Landkrankenpflege. Mädchen
und Frauen ſollen inſtand geſetzt werden, berufsmäßig,
wenn auch im Nebenamt, in ihren Gemeinden die
Kran=
kenpflege auszuüben. Die Ausbildung erfolgt im
Darm=
ſtädter Diakoniſſenhaus und in der Großh. Zentrale für
Mutterſchutz und Säuglingspflege. Die Anſtellung
ge=
ſchieht durch die Gemeinde oder deren Frauenverein, aber
ſo, daß der Verband eine Art Oberaufſicht behält, und die
Ausübung der Krankenpflege jederzeit der Kontrolle des
Arztes unterliegt. Zwar ſind im vergangenen Jahre erſt
drei ſolcher Nothelferinnen ausgebildet worden, aber der
Anfang iſt gemacht und der Fortgang der Arbeit wird
ihre Notwendigkeit und ihren Segen erweiſen. Nachdem
der Rechnerin des Verbandes, Ihrer Durchlaucht Fürſtin
zu Erbach=Schönberg, Entlaſtung erteilt, Wahlen und
Satzungsänderungen vorgenommen worden waren, hielt
Herr Pfarrer Meiſinger von Fränkiſch=Crumbach ſeinen
angekündigten Vortrag über: „Das künſtleriſche
Wand=
bild in ſeiner Bedeutung fürs deutſch=evangeliſche Haus”.
Die Bilder, die unſere Wände ſchmücken, ſollen unſere
Freude ſein, ſollen unaufhörlich eine Quelle reinſter
Er=
holung für uns bilden. Sie ſind auch die Miterzieher
der Kinder, die ihre Seelen von klein auf mit edlem und
reinem Inhalt füllen. Deutſche Landſchaften, deutſches
Volksleben, deutſche Helden haben ein Vorrecht,
Gegen=
ſtand unſerer Kunſtfreude zu ſein und das deutſch=
epan=
geliſche Haus geſund und froh zu erhalten. Durch
Pro=
ben künſtleriſch ausgeführter Wandbilder veranſchaulichte
der Redner ſeine ſchönen Ausführungen.
Der „VereinHeſſiſcher penſionierter Staatsbeamken,
Lehrer und deren Hinterbliebenen” hielt am Mittwoch in der
„Stadt Pfungſtadt” eine aus allen Teilen des Landes ſehr
zahlreich beſuchte Verſammlung ab in der von den
verſchiedenſten Seiten die durch unaufhörliche Steigerung
aller Lebensbedürfniſſe entſtandene Not aller Beteiligten —
und namentlich bei den Altpenſionären und Witwen mit
ihren geringfügigen Bezügen — draſtiſch geſchildert wurde.
Es wurde unbegreiflich befunden, daß trotz zwanzigjähriger
mündlicher und ſchriftlicher Bitten um Mitberückſichtigung
bei der viermal erfolgten Gehaltserhöhung der aktiven
Be=
amten die Großh. Regierung und Landſtände dieſe Not
zwar bedauernd anerkannt, ſie aber nicht abgeſtellt und zum
zweiten Male nur eine „Unterſtützung” für die „
Bedürf=
tigſten” in Ausſicht geſtellt haben, deren Annahme faſt
allen (ſchriftlich auch von den vielen durch Krankheit,
Mittelloſigkeit ꝛc. Nichterſchienenen) aus Ehrenhaftigkeit
widerſtrebt. — Nach dreiſtündiger Beratung einigte man
ſich über folgende, einſtimmig angenommene
Reſo=
lution:
„Der Verein Großh. Heſſiſcher penſionierter
Staats=
beamten und Lehrer, ſowie deren Hinterbliebenen, heute
aus allen Landesteilen in „Stadt Pfungſtadt” zu
Darm=
ſtadt zahlreich verſammelt, ſpricht nach Anhören (auch
vieler Briefe, namentlich von Altpenſionären und Witwen)
der unter ihnen ſchon lange herrſchenden großen Not, ſein
lebhaftes Bedauern aus, daß die Großh. Regierung und
die Landſtände alle ſeine Bitten um Aufbeſſerung ſeit 20
Jahren unberückſichtigt gelaſſen und nach viermaliger
Auf=
beſſerung der aktiven Beamten den früher ebenſo treu und
eifrig gedient habenden Altpenſionären jetzt zum zweiten
Male nur eine „Unterſtützung” gewährt haben, deren
Er=
langung von der Beantwortung eines Fragebogens
ab=
hängt, die einem ehrliebenden Manne widerſtreben muß
Hiernach ſollen auch diejenigen, die ſich trotz der früher
geringen Gehalte und vieler Abzüge dennoch etwas
er=
ſpart oder etwas geerbt haben, nichts erhalten,
was der Gerechtigkeit und der Gleichheit aller Heſſen vor
dem Geſetze widerſpricht.
Die Altpenſionäre, von denen man mit Recht eine
loyale und patriotiſche Geſinnung und deren Verbreitung
im Volke vorausſetzt und erwartet, glauben vielmehr
ein Recht auf Erhöhung ihrer Bezüge zu haben, gleich
den aktiven Beamten, deren wiederholt erhöhte Gehalte
ſie in der Steuer nun auch noch mit aufzubringen haben,
wie ſie auch im Hinblicke auf ihre Eintrittsſumme und
langjährig eingezahlten Beiträge zur Witwenkaſſe, die
den aktiven Beamten ſeit 15 Jahren erlaſſen ſind,
dringend fordern, daß die von ihnen erhobenen
Sum=
men auch für ihre Hinterbliebenen verwendet und die
Witwen= und Waiſenbezüge von 30 auf 50 Proz. derPenſion
des verſtorbenen Familienhauptes erhöht werden mögen
wie dies in einigen deutſchen Staaten längſt igeſchehen iſt.”
* Vereine auf der Ausſtellung „Der Mkinſch”.
Wie im vorigen Jahre die Internationale Hygiene=
Ausſtellung in Dresden für eine große Anzahl von
Vereinen und Korporationen der Anlaß war, ihre
Kon=
greſſe und Tagungen nach Dresden zu verlegen, um die
Ausſtellung beſichtigen zu können, ſo haben ſich auch für
die Darmſtädter Ausſtellung „Der Menſch” eine ſtattliche
Reihe von Vereinen aller Gebiete zum gemeinſamen
Beſuche angemeldet. Darunter befinden ſich
Vereinig=
ungen von Aerzten, Verwaltungsbeamten, Lehrern und
Lehrerinnen, Vereinigungen von Krankenpflegern und
Krankenpflegerinnen, Arbeitervereine, Vereinigungen von
Eiſenbahn= Poſt= und Polizeibeamten, Dentiſtenvereine,
Juſtizbeamtenvereine, Turn= und Sportvereine,
Kunſt=
vereine, Volksbildungsvereine und eine Anzahl
Jugend=
vereine, Pfadfinder, ferner Schüler und Schülerinnen etc.
und viele andere. Allein von Darmſtädter
Ver=
einen haben ſich bis jetzt über 13000 Perſonen
zum Beſuche der Ausſtellung angeſagt.
* Eugen Bracht=Ausſtellung. Unſere diesjährige
Kunſt=
ausſtellung auf der Mathildenhöhe erfreut ſich ganz
be=
ſonderer Beliebtheit und eines ſtändig wachſenden
Be=
ſuchs. Beſonders groß iſt die Zahl der Beſucher von
aus=
wärts. Welcher Wertſchätzung ſie in dem
kunſtverſtändi=
gen Publikum begegnet, beweiſt am beſten die Tatſache,
daß die Zahl der Verkäufe eine ganz unerwartete Höhe
erreicht hat, und ſchon an 60 beträgt. Eine große Anzahl
der verkauften Werke bleibt hier in Darmſtadt. Von
grö=
ßeren Bildern ſei erwähnt, daß das wohl reifſte Werk des
Künſtlers aus dieſem Jahre, die „Eichen am
Meeres=
ſtrand” die allgemeines Aufſehen erregten, vor wenigen
Tagen in Privatbeſitz nach Wiesbaden verkauft
wor=
den iſt.
* Chopin=Liſzt=Feier. Zu der geſtrigen Notiz ſei
nachgetragen, daß Abonnements auf alle 4 Abende
nur bis zum 8. September bei der Fa. Gg. Thieß
Nachfl. (Leop. Schutter) entgegengenommen werden
können.
* Der Darmſtädter Vortragsverband, in dem
jetzt 30 Darmſtädter Vereine zuſammengeſchloſſen ſind,
hat, wie wir hören, für den Winter 1912/13 folgendes
Vortragsprogramm aufgeſtellt: Freitag, 20.
Sep=
tember 1912, im großen Saale des „Kaiſerſaals”
Vor=
trag von Generaldirektor Dr. Paul Eger=Darmſtadt:
„Das moderne Theater” (mit Lichtbildern). Mittwoch,
30. Oktober 1912, im großen Saale des „Kaiſerſaals”:
Ernſt Zahn=Abend: Zweite Vorleſung des Dichters
aus eigenen Werken. Dienstag, 12. November 1912,
im großen Saale des „Kaiſerſaals”: Rudolf Herzog=
Abend: Vorleſung des Dichters aus eigenen Werken.
Freitag, 6. Dezember 1912, im großen Saale des
„Kaiſerſaals”: Luſtiger Abend von Alexander Roda:
Roda=München. (Eigene Dichtungen.) Mittwoch,
22. Januar 1913, im Feſtſaale der Turngemeinde:
Peter Roſegger=Abend des Kgl. Bayeriſchen
Hof=
ſchauſpielers Max Hofpauer=München. Donnerstag,
17. April 1913, im großen Saale des „Kaiſerſaals” zur
Vorfeier von Richard Wagners bundertjährigem
Ge=
burtstag und zum Beſten der Richard Wagner=
Stipendien=
ſtiftung. Vortrag von Profeſſor Dr. Henning=Leipzig:
Richard Wagners „Parſifal” (mit Vorträgen am Klavier
und Lichtbildern).
Krieger=Verein Darmſtadt. Die Mittwoch abend
im Vereinslokal, Turnhalle am Woogslatz, abgehaltene
Monatsverſammlung war von den Kameraden gut
be=
ſucht. Der 1. Vorſitzende begrüßte die Erſchienenen und
erſtattete Bericht über die Tätigkeit, des Vorſtandes in
den letzten drei Monaten. Das Andenken der ſeit der
letzten Verſammlung verſtorbenen Kameraden wurde
durch Erheben von den Sitzen geehrt. Zum erſten
Punkt der Tagesordnung berichtet Kamerad
Acker=
mann über die Kyffhäuſerfahrt der „Haſſia” Seine
Worte waren voll des Lobes über den wohlvorbereiteten
und gut durchgeführten Ausflug, der unter Führung
des 1. Vorſitzenden vor ſich ging und dank der
Unter=
ſtützung der Kameraden in den beſuchten Städten bei
den Teilnehmern einen bleibenden Eindruck hinterließ.
Weiter hatte der Vorſtand Schritte unternommen, um
auch ſeinen Vereinsmitgliedern nebſt deren Angehörigen
den Beſuch der Ausſtellungen „Der Menſch” und „Eugen
Bracht” zu ermäßigten Preiſen zu ermöglichen, was
ihm auch gelungen iſt. Von Freitag, den 6. d. Mts.,
ab ſind Karten, welche 8 Tage Gültigkeit haben, vom
Abſtempelungstage, der auf der Karte angegeben iſt, an
gerechnet, in nachſtehenden Verkaufsſtellen erhältlich:
K. F. Bender, Beſſungerſtaße 47, S. Joſeph,
Rhein=
ſtraße 20, und P. Kadel, Schloßgartenſtraße 1. Nähere
Auskunft erteilen die Verkaufsſtellen, ſowie Kamerad
Schriftführer Junge, Schloßgartenſtraße 45. (Siehe
Inſeratenteil.) Nach erfolgter Bücherausgabe ſchloß der
Vorſitzende die Verſammlung.
* Uebung der Sanitätskolonnen. Man ſchreibt uns
verſpätet: Von gutem Wetter begünſtigt, fand am
verfloſſenen Sonntag in der Gegend Hahn-Eberſtadt die
diesjährige Gelände=Uebung der Freiwilligen
Sanitäts=Kolonnen vom Roten Kreuz des
Kreiſes Darmſtadt in Gegenwart des Inſpekteurs der
Freiwilligen Sanitäts=Kolonnen des Großherzogtums
Heſſen, Herrn Generalarzt Dr. Lindemann, ſtatt. An
dieſer Uebung nahmen teil: die Hauptkolonne Darmſtadt
mit ſeinen Außenabteilungen Arheilgen und Roßdorf, die
Zweigkolonne Nieder=Ramſtadt und die Kolonne
Eber=
ſtadt. Die Oberleitung lag in den Händen des Haupt=
Kolonnenführers, Herrn Oberleutnant a. D R.
Lothei=
ßen. Im Dorfe Hahn war im dortigen Rathaus ein
Feld=
lazarett errichtet worden, aus welchem von den dort
lagern=
den Verwundeten nach vorausgegangenen Kämpfen um
den Rheinübergang bei Gernsheim 10 Schwerverwundete
in das Etappenlazarett Darmſtadt übergeführt werden
ſoll=
ten. Die Sanitätsmannſchaften hatten zu dieſem Zwecke
aus Hahn, Pfungſtadt und Eberſtadt beſchaffte
Bauern=
wagen zum Transport der Verwundeten hergerichtet, eine
Arbeit, welche dieſelben mit großem Geſchick und in kurzer
Zeit erfüllten und um ſo mehr Anerkennung finden muß,
als das hierzu nötige Material erſt an Ort und Stelle
beſchafft oder unterwegs mitgenommen worden war. Nach
Unterbringung der Verwundeten auf dieſe Wagen
wur=
den dieſelben nach dem Bahnhof Eberſtadt übergeführt,
woſelbſt die Verladung in ebenfalls zum Krankentransport
hergerichtete Güterwagen ſtattfand. Ein zahlreiches
Pu=
blikum wohnte der Uebung von Anfang bis zu Ende bei
und verfolgte mit großem Intereſſe das Verbinden, ſowie
das Ein= und Ausladen der Verwundeten, und gar
man=
chem wird es klar geworden ſein, daß Freiwillige
Sani=
täts=Kolonnen nicht nur in der Keimat, ſondern auch auf
dem Schlachtfelde von unſchätzbarem Wert ſind. Nach
Be=
endigung der Uebung wurde in der Nähe des Bahnhofs
Eberſtadt im Freien das Mittagsmahl eingenommen,
wo=
ſelbſt die Kolonne Eberſtadt die ihr geſtellte Aufgabe, ein
Verband= und Erfriſchungszelt herzurichten und ein
Ab=
kochen zu veranſtalten zur Speiſung der Kolonnen, zur
Zufriedenheit Aller ausgeführt hatte. Hierbei ſei erwähnt,
daß die Maggi=Geſellſchaft in dankenswerter Weiſe das
Material in Geſtalt von Erbswürfeln gratis zur
Verfüg=
ung geſtellt hatte. Allen mundete die Erbsſuppe
vorzüg=
lich, und wurde derſelben wacker zugeſprochen. Nachdem
noch ein Vorbeimarſch vor den Herren Offizieren
ſtattge=
funden hatte, zogen die Kolonnen mit klingendem Spiel
in Eberſtadt ein, um, einer Einladung der Kolonne
Eber=
ſtadt folgend, noch ein Stündchen in kameradſchaftlichem
Zuſammenſein zu verweilen. Zum Schluß dankten Herr
Generalarzt Dr. Lindemann und Herr Oberleutnant
Lotheißen den Mannſchaften für das Wohlgelingen der
Uebung.
* Von der Turngemeinde Darmſtadt wird uns
ge=
ſchrieben: Durch das ſtetig wachſende Intereſſe am
Fechten hat auch die deutſche Turnerſchaft dieſem
Ge=
biet der Turnerei mehr Aufmerkſamkeit zugewandt.
Die=
ſes war nur mit Freuden zu begrüßen, denn hierdurch
wurde manche Fechtriege aus ihrem Schlummer
aufge=
rüttelt und iſt heute wieder zu altem Anſehen gelangt. So
dürfte in hieſiger Stadt in vielen Kreiſen des Publikums
nicht allgemein bekannt ſein, daß die Turngemeinde am
Woogsplatz neben ihren Turn=, Schwimm= und
Spiel=
abteſlungen auch eine Fechtriege beſitzt. Die Leitung dieſer
Riege liegt in fachmänniſchen Händen (Fechtmeiſter
Kaiſer) und es iſt Mitgliedern der Gemeinde Gelegenheit
geboten, in allen Zweigen der Fechtkunſt Unterricht zu
er=
halten. Auch verfügt bekanntlich die Turngemeinde über
geeignete Uebungs= und Umkleideräume.
* Jung=Deutſchland=Feſtzug. Sämtliche Mitglieder
und Freunde des Wartburg=Vereins und der Jugend=
Vereinigung der Stadtgemeinde ſeien nochmals an dieſer
Stelle zwecks zahlreicher Beteiligung an dem am
kommenden Sonntag ſtattfindenden Feſtzug darauf
auf=
merkſam gemacht, daß die Sammlung im Vereinslokal
ſtattfindet, woſelbſt der Abmarſch bei genügender
Be=
teiligung mit Muſik um 1½ Uhr ſtattfindet.
Ueber die Tätigkeit der Arbeitsnachweisſtelle
im ſtädtiſchen Hauſe Waldſtraße 6 und Grafenſtraße 30,
(Telephon 371), werden für den Monat Auguſt folgende
Zahlen mitgeteilt: 778 offene Stellen, 953
Arbeits=
ſuchende, 348 Vermittelungen, darunter 110 Dienſtboten.
Die Herren Arbeitgeber werden im eigenſten Intereſſe
dringend gebeten, ſich bei Bedarf der Vermittlung der
Zentralanſtalt für Arbeitsnachweis zu bedienen.
A Von der Herbſtmeſſe. Für die am Sonntag,
den 22. September beginnende Herbſtmeſſe ſind für
die Stadtkaſſe an Platzgeld rund 9100 Mk. erzielt
worden. Der Juxplatz verſpricht recht reichhaltig zu
werden. Außer den Karuſſells und Schiffs=Schaukeln,
darunter auch ein Dampfkaruſſell, werden ein Hippodrom,
ein Kinematographentheater, eine humoriſtiſche Küche,
ein Theater dreſſierter Störche und ſonſtige
Sehens=
würdigkeiten Aufſtellung finden. Auch an Photographie=
lich liegt auf dem Plane die Altſtadt mit den Straſſen:
Kirchgaſſe, Holtzſtraſſe, Amſel= Bach= Hinkelgaſſe, der
Kleinen und Großen Ochſengaſſe, der Lange= und
Schloß=
gaſſe, der Heiligegeiſtberggaſſe; links vom „Marck” (ſo
eingezeichnet) und oberhalb des Parade Platz ſieht man
die: Reich=Wacht. Südlich iſt die neue Vorſtadt mit dem
Neuen Thor, weſtlich zieht ſich die „alte Straſſe nach
Frankfurt” hin; ferner ſind Gärten vorhanden. Ein noch
vorhandener, ebenfalls von 1759 ſtammender, kleiner
Plan beſteht aus zwei Teilen, deſſen oberer Teil eine
Planzeichnung ungefähr in der heutigen Manier (Linien)
iſt und dem eine „Explication” beigegeben iſt, die Thore
Gebäude, Stadtmauer u. a. m. enthält, indes iſt das
Ganze unklar gehalten; der andere Teil zeigt das Bild
der neuen Vorſtadt, u. a. die Caſerne der Gard zu Pfert,
das Schloß, Rahthaus, Stadtkirch, Hundsſtall. Aus der
Zeit LLudwigs X. (1790—1830) ſind drei Pläne
vor=
handen, und zwar aus verſchiedenen Perioden der
ereig=
nisreichen Geſchichte. Der älteſte der drei Pläne, ohne
Jahreszahl, aus der Zeit gegen Ende des 18.
JJahrhun=
derts anſcheinend ſtammend, zeigt die Stadt gegen den
beſchriebenen letzten Plan nicht ſonderlich verändert. Dem
Plan ſind nicht weniger als 70 Benennungen von
Straſ=
ſen und hervorragenden Gebäuden beigegeben, zum
großen Teil die bereits genannten. Indes treten hier
einige Thore genauer hervor: Beſſungerthor, Jägerthor,
Sprinzethor, Sporerthor. Von Straßen finden ſich hier
u. a. Schirm=, Schuſter=, große und kleine Kaplanei= und
eine Paedagoggaſſe; auch eine Hinteregaſſe und das
Stoppe Eck.
Ungleich intereſſanter iſt ein Plan von
Darm=
ſtadt, der um die Zeitvon 1816— 18 20 entſtanden
ſein muß. Dieſer Plan führt den Titel: Geometr. Plan
der Großherz. Reſidenzſtadt Darmſtadt, ſowie derſelbe
von der Großherz. Kngl. Hoheit genehmigt worden;
Ver=
lag von Wilhelm Leske; aufgenommen von B. Louis.
Dieſer Plan iſt „Seiner Königlichen Hoheit Ludewig I.
Großherzog von Heſſen und bei Rhein u. ſ. w.
allerunter=
thänigſt gewidmet vom Verleger.” Im November 1813
ſchloß ſich Ludewig I. den Verbündeten an, verlor aber
auf dem Wiener Kongreß Weſtfalen, wofür er durch Ge=
Diete auf dem kinken Bheinufer entſchädigt wurde. Im
Juli 1816 nannte ſich der Fürſt Großherzog von Heſſen
und bei Rhein. Es iſt alſo zweifellos, daß der vorliegende
Plan aus der nachnapoleoniſchen Zeit ſtammt. Von
bis=
her noch nicht genannten Straßen treten hervor: Rhein=,
Hügel=, Bauſtraſſe, wie denn jetzt die „Straſſe” an die
Stelle der „Gaſſe” tritt und letztere ſich nur noch als
Ueber=
bleibſel vergangener Zeit erhielt; ferner iſt der
Louiſen=
platz, Paradeplatz und Ballonplatz zu erwähnen. Im
Norden ſieht man das „Großherz. Bosquet,
Gartenan=
lagen des Groß= und Erbprinzen; noch höher im Norden
den Garten der Frau Großherzog; im Süden findet ſich
das „Operntheater”, dann das Reſidenzſchloß und der
Markt. Vom Jahre 1823 ſtammt der dritte Plan jener
Zeitepoche; die Bebauung der Stadt ſcheint um dieſe Zeit
nicht viel ſtärker, denn vorher, geweſen zu ſein.
Aus der Zeit Ludwigs II. iſt kein Stadtplan
vorhan=
den, wenigſtens keiner ausgeſtellt, wohl aber zwei Pläne
aus der Regierungszeit Ludwigs III. (1848
bis 1877). (Der ältere der beiden Pläne, dem Großherzog
gewidmet von Lieutenant Chriſtian von Bechtold im
Großh. Heſſ. II. Infant. Regiment, ſcheint aus den 50 er
Jahren des vorigen Jahrhunderts zu ſtammen; es ſinden
ſich auf ihm an Denkmälern das Ludwigsmonument,
Prinz Emil Veteranen=Denkmal, die Standbilder von
Landgraf Philipp dem Großmütigen und Georg II.,
Stif=
ter der Heſſen=Darmſtädt. Linie. Der Plan iſt im
Ver=
lag von Ferd. Wirtz in Darmſtadt erſchienen.
Außerordentlich intereſſant iſt der ſechſte Plan
von 1865. Dieſer Plan bezeichnet auf dem
Geſamtter=
rain der Stadt die Entſtehungspe riode der
ein=
zelnen Stadtteile. Darmſtadt zur Katzenelnbogen Zeit
um=
faßt nur die innere Altſtadt. Die Stadt erhielt unter
Graf Diether III. von Katzenelnbogen Stadtrecht (1330)
und die alte Burg war bis 1375 vollendet. Bis zum
Re=
gierungsantritt Georgs I. (der Fromme) 1567 hatte „die
Stadt ſo viel Kriegsungemach zu beſtehen, daß von einem
Aufſchwunge in ihr keine Rede ſein konnte. 1479 war
Darmſtadt an Heſſen gekommen, 1518 hatte es von Franz
von Sickingen zu leiden, und im ſchmalkaldiſchen Kriege
(1546) ward die Stadt von einem niederländiſch=ſpaniſchen
Korps mit Liſt eingenommen, geplündert und das Schloß
in die Lukt geſprevat. Darmſtadt bließ nun Lange in
Trümmern liegen, bis Georg I. es zu ſeiner Reſidenz
wählte. Der Plan zeigt die Erweiterung der Stadt
unter dieſem Fürſten und ſeinem Nachfolger Ludwig V.;
Schloß und Ballonplatz ſind in dieſem Rayon erkennbar.
So zeigen weitere ſechs Ringe die fortſchreitende
Ver=
größerung und Erweiterung der Stadt, und zwar: unter
Georg II. und Ludwig VI. (1626—1678), unter welch
erſterem Darmſtadt wieder von der Furie des 30jährigen
Krieges ſchwer zu leiden hatte, obgleich der Landgraf
Schonungsverträge mit Schweden und Frankreich
abge=
ſchloſſen hatte, während unter Ludwig VI., dem das
Land ſehr viel zu verdanken hatte, Darmſtadt wieder
emporblühte; ferner Darmſtadts Fortſchreiten unter Ernſt
Ludwig (1678—1738), obſchon auch unter ihm die
Reſi=
denz zweimal von den Franzoſen genommen und
ge=
brandſchatzt wurde; ſodann Darmſtadt unter Ludwig Ix.
ferner unter Ludewig I. (vorher Ludwig X.), unter deſſen
Regierung die Gegend der Rheinſtraße bis Riedeſelſtraße
entſtand, endlich unter Ludwig II. (Heinrich= und
Stein=
ſtraßengegend) und unter Ludwig III., zu deſſen
Regier=
ungszeit im Norden, Süden und Oſten die Stadt ſich
dehnte und ſtreckte.
Man muß die alten Pläne zu leſen verſtehen, und
das werden die Einwohner der alten Reſidenz noch
beſſer können, als der der Geſchichte der Stadt und des
Landes Fernſtehende freilich iſt es mit einem
oberfläch=
lichen Ueberfliegen nicht getan, es iſt ſchon ein gewiſſes
Vertiefen und Vergleichen notwendig. Dann aber ſteigt
dem Beſchauer die alte Zeit vergangener Jahrhunderte
oder wenigſtens ein Teil derſelben lebendig empor und
er lernt die Entwickelung deutſcher Städte verſtehen, ihren
Aufſtieg und Niedergang, ihr immer wieder aus den
Trümmern neu erſtehendes Werden, und in den Reſten
der Mauern und alten Bauwerke erkennt er die Zeiten
der Gewalt, da deutſches Land der ſelbſtverſtändliche
Kriegsſchauplatz für die Fehden aller möglichen Fürſten
und Völker geweſen. Und wenn er dann der neuen
Stra=
ßen lange Zeile und ihre Prachtbauten betrachtet, dann
mag er wohl ſinnend ſagen: Gott ſei Dank, daß jene
gewalttätigen Tage vorüber ſind und mögen ſie nimmer
wiederkehren!
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. September 1912.
Nummer 210.
Schieß=, Waffel= und derartigen Buden wird kein Mangel
ſein. Auf der eigentlichen Warenmeſſe ſind die
verfüg=
baren Plätze größtenteils wieder von deren ſeitherigen
Inhabern erſtanden. Mit der Herbſtmeſſe fällt dieſes
Jahr auch die Beſſunger Vor= und Nachkirchweihe
zu=
ſammen.
* Fürſorgeſtelle für Lungenkranke. Nach einer in der
heutigen Nummer enthaltenen Bekanntmachung des
Ober=
bürgermeiſters finden die Sprechſtunden in der
Fürſorge=
ſtelle für Lungenkranke (Wilhelminenſtraße 34) bis auf
weiteres wieder Mittwochs vormittags von 11—12 Uhr
und nachmittags von 1½—3 Uhr ſtatt.
* Der American Bio, Ernſt Ludwig=Straße 23, bringt
vom Samstag, den 7., bis Dienstag, den 10. d. M., den
packenden hiſtoriſchen Film „Karl Theodor
Kör=
ner” ein Lebensbild des deutſchen Freiheitshelden, von
der Wiege bis zu ſeinem Heldentode. Die umfangreiche
Darſtellung dieſes bewegten Heldenlebens, an Schlachten
und kriegeriſchen Maſſenſzenen reich, umfaßt drei
Abteil=
ungen mit insgeſamt über 40 Bildſzenen. (S. Anz.)
Unfall. In der Neckarſtraße, wo jetzt neue Schienen
ſgelegt werden, entgleiſte geſtern vormittag der letzte
Wagen der Straßenbahn. Die Schaffner hoben den
Wagen wieder in das Geleiſe.
§ Herrenloſe Hunde. Im Auguſt ſind durch den
hieſigen Polizeihundefänger 28 Hunde eingefangen worden.
Hiervon wurden 14 Hunde von ihren Eigentümern wieder
ausgelöſt. 2 Hunde ſind verkauft worden und 12 Hunde
mußten getötet werden.
Arheilgen, 4. Sept. Der „Arheilger Anzeiger” ſchreibt:
Wie aus dem letzten Gemeinderatsbericht erſichtlich iſt.
haben ſich nunmehr die Kreisämter Darmſtadt und
Bens=
heim vermittelnd dahingehend ausgeſprochen, eine
Ver=
treterverſammlung der in Frage kommenden Orte, die
bei der Elektriſierung der Vorortbahnen
beteiligt ſind, in Bälde einzuberufen. Während man, wie
erinnerlich, ſich im Gemeinderat auf das erſte Schreiben
der Stadt Darmſtadt hin ziemlich ablehnend verhielt, hat
man ſich am letzten Donnerstag abend einſtimmig ſofort
dazu bereit erklärt außer dem Bürgermeiſter noch zwei
weitere Vertreter in dieſe Verſammlung zu entſenden, in
welcher ſodann Beſchwerden, Wünſche, Forderungen uſw.
vorgebracht werden ſollen.
— Pfungſtadt, 5. Sept. Zu ernſtlichen
Differen=
zen iſt es zwiſchen dem Zigarrenfabrikanten Freund
aus Darmſtadt und den in ſeiner hieſigen Fabrik
beſchäf=
tigten Arbeitern gekommen. Weil der Fabrikherr dem
Wortführer der hieſigen organiſierten Arbeiterſchaft
ge=
kündigt hatte, traten nicht nur die hieſigen Tabakarbeiter,
ſondern auch diejenigen der Griesheimer Filiale in den
Ausſtand. Da jedoch die vorgeſchriebene Kündigungsfriſt
ſeitens der Zigarrenarbeiter hierbei nicht eingehalten
wurde, ſo hat Herr Freund gegen die Streikenden
Klage erhoben. Von zwei Streikpoſten wurde ferner
ein Arbeitswilliger mißhandelt. Auch gegen
die Urheber der tätlichen Mißhandlung wurde der
Fabrik=
beſitzer klagbar. Die in den Ausſtand getretenen Arbeiter
verlangen unter anderem einheitliche Regelung der
Ar=
beitszeit in ſämtlichen Betrieben des Beſitzers und
Er=
höhung der Löhne.
-h- Von der Bergſtraße, 5. Sept. Der allgemeine
Weinbergſchluß beginnt in Bensheim mächſten
Samstag und in Auerbach und Zwingenberg im Laufe
der nächſten Woche. Wenn nicht bald beſſeres Wetter
ein=
tritt, dann dürfte der 1912er Wein eine geringe Qualität
abgeben. — Die Obſtverſteigerungen an den Kreisſtraßen
des Kreiſes Bensheim beginnen am 9. September. —
Ohne Zweifel infolge der hohen Fleiſchpreiſe und wohl
auch niemals mehr ſo ſinkend wie vor 10—20 Jahren,
iſt die Geflügelzucht bei uns ganz bedeutend
ge=
ſtiegen. Mehrere Großzuchtanſtalten, ſo u. a. auf dem
Talhof bei Jugenheim und am Bahnhof in Bickenbach
wurden in letzter Zeit eingerichtet, abgeſehen von vielen
kleinen Hühnerhöfen, die allerorts entſtanden ſind und
noch fortwährend an Zahl zunehmen. Auf die
Raſſen=
zucht legt man weniger Wert als auf gutes Nutzgeflügel
und kommen in der Hauptſache nur zwei Faktoren in
Be=
tracht: Gute Eierleger und gutes Fleiſchgeflügel.
W Mainz, 5. Sept. Unter Führung des Herrn
Provinzialdirektors Dr. Breidert ſtatteten heute ca.
370 Perſonen, meiſt Lehrer und Lehrerinnen des Stadt=
und Landkreiſes Mainz, mit Herrn Kreisſchulinſpektor
Dr. Bach an der Spitze, der Darmſtädter
Aus=
ſtellung „Der Menſch” einen Beſuch ab. Die Teil=
nehmer, denen ſich auch zahlreiche Bürgermeiſter und
Gemeindebeamte der Landorte ſowie die Beamten und
Angeſtellten des Kreisamtes Mainz mit Herrn
Regie=
rungsrat Werner an der Spitze angeſchloſſen hatten,
fuhren um 7,40 Uhr vormittags mittels Extrazugs von
Mainz nach Darmſtadt, wo man ſich nach den
Ausſtellungs=
räumen begab. Zweckdienliche Erläunerungen wurden
den Beſuchern durch mehrere Herren zuteil, die Tags
zu=
vor die Ausſtellung zu dieſem Zwecke beſucht hatten. An
die Beſichtigung reihte ſich ein Beſuch des Landesmuſeums
worauf um 10 Uhr im Saale des Rummelbräu ein
ge=
meinſames Mittagsmahl eingenommen wurde. Hierbei
gedachte Herr Bürgermeiſter Becker=Gonſenheim
in einem freudig aufgenommenen Hoch des Herrn
Pro=
vinzialdirektors, deſſen Initiative das ganze Arrangement
des Beſuchs der Ausſtellung zu verdanken iſt. Herr
Provinzialdirektor Dr. Breidert feierte in einem Hoch
die Lehrer und Lehrerinnen des Kreiſes Mainz, die ſo
außerordentlich zahlreich ſeiner Einladung gefolgt waren.
An die am Nachmittag noch vorgenommene Beſichtigung
der „Brachtſchen Ausſtellung” reihte ſich ein kleiner
Rund=
gang durch die Reſidenz, worauf um 6,30 Uhr der
Extra=
zug die von dem Geſehenen hochbefriedigten Teilnehmer
des Ausflugs wieder nach Mainz zurückbrachte. Herr
Provinzialdirektor Dr. Breidert hatte jedenfalls allen
aus dem Herzen geſprochen, als er gelegentlich ſeiner
An=
ſprache den Wunſch ausſprach, es möchten in der Zukunft
noch öfters ſolche gemeinſamen Ausflüge ſtattfinden, die
ihn der Lehrerſchaft ſeines Kreiſes näher brächten.
Mainz, 5. Sept. Die Inbetriebnahme
wei=
terer Triebwagen am Rhein iſt in Ausſicht
genom=
men. Station für die Triebwagen wird Niederlahnſtein
wo auch die elektriſche Ladeſtation für die Akkumulatoren
errichtet wird. Von Niederlahnſtein aus ſollen die Wagen
einmal nach Koblenz und Boppard weiterhin bis
Brau=
bach und von da nach Ems verkehren, um den Klagen
über ſchlechte Verbindung der Lahnorte mit den
Rhein=
orten abzuhelfen; vereinzelte Wagen dürften bis
Rüdes=
heim und auf der Lahnbahn auf größeren Strecken
ver=
kehren. Während die erſten Wagen, die im
Direktions=
bezirk Mainz in Betrieb genommen wurden, nur 60 Kilo
meter, und die jetzt im Verkehr befindlichen 120 Kilometer
Aktionsradius haben, ſind die neuen Wagen bis 180
Kilo=
meter verwendbar, ohne daß eine Neuladung der
Akku=
mulatoren zu erfolgen braucht. Das bedeutet einen
gro=
ßen Fortſchritt, nzeil man fortan die Triebwagen auf
er=
heblich längeren Strecken benützen kann, als dies bisher
möglich iſt. Erſt dadurch läßt es ſich erreichen, daß ſie
wirklich die Lücken im Fahrplan zwiſchen den
Perſonen=
zügen ausfüllen. — Ein Kaufmann aus Eſſen
verun=
glückte auf recht merkwürdige Weiſe auf der
Eiſenbahn=
fahrt hierher. Ehe der Zug in Bingen hielt, war der
Kaufmann von ſeinem Sitz aufgeſtanden; beim Halten in
Bingen gab es den bekannten Ruck, der Fahrgaſt kam zu
Fall und brach ein Bein. Hier angekommen, mußte
er von der Sanitätswache ins Hoſpital gebracht werden.
* Worms, 5. Sept. Wormſer Guſtav=Adolf=
Feſtſpiele 1912. Es wird an dieſer Stelle darauf
hingewieſen, daß die erſte Aufführung der Feſtſpiele
be=
reits nächſten Sonntag, den 8. September, im
Feſtſpiel=
haus ſtattfindet, unter Mitwirkung von 280 Wormſer
Bür=
gern und Bürgerinnen. Der Kartenvorverkauf bei dem
Hausmeiſter des Feſtſpielhauſes iſt an allen Wochentagen
von 10 bis 1 und 3 bis 5 Uhr.
Hechtsheim 4. Sept Bei dem Scharfſchießen
der 25. Artillerie=Brigade hatten ſich vier junge Leute
aus Bodenheim unbefugter Weiſe Zugang in die nächſte
Nähe der Zielſcheiben verſchafft. Als bereits einige Schüſſe
abgegeben waren, bemerkte man die lebenden Weſen in
höchſter Gefahr; es wurde Halt geblaſen und ein
Gen=
darm ritt den Flüchtigen nach und ſtellte ihre Perſonalien
feſt. Sie gaben an, ſie hätten Kugeln ſuchen wollen. In
ihrer unmittelbaren Nähe waren bereits einige Schüſſe
eingeſchlagen, ſo daß ſie ſchleunigſt das Weite ſuchten.
Gießen, 5. Sept. Mit einem eigenartigen
An=
liegen kam dieſer Tage eine Frau aus Weſtfalen zu
einem hieſigen Rechtsanwalt und bat ihn um Hilfe
da aus dem Euter ihrer Kühe ſtatt Milch Blut komme.
Sie behauptete, ihre Kühe ſeien verhext und erſuchte den
Rechtsanwalt, einen Einwohner ihres Ortes, den ſie als
Täter im Verdacht hatte, zu belangen. Einige Zettel mit
Beſchwörungsformeln hatte ſie gleich mitgebracht.
Natür=
lich konnte ihr der Rechtsanwalt nicht helfen, ſondern ſuchte
ſie, allerdings mit wenig Erfolg, zu überzeugen, daß die
Kühe erkrankt ſeien und gab ihr den guten Rat, ſich an
einen Tierarzt zu wenden, wenn ſie das Uebel mit
Er=
folg beſeitigen wolle. (G. A.)
(*) Friedberg, 4. Sept. Eine
Schulgeſangskon=
ferenz, die von den Lehrern aus nah und fern ſtark
beſucht war, tagte heute nachmittag im Hotel Trapp. Der
Vorſitzende des Lehrerbezirks Friedberg-Bad=Nauheim
eröffnete die Verſammlung mit einem Hinweis auf das
Vorwärtsſtreben auf allen Gebieten der Pädagogik untd
der Schule. Reallehrer Müller erſtattete Bericht über
den Schulgeſang in Volksſchulen und höheren
Lehranſtal=
ten. Das größte Intereſſe bot der Vortrag des
Volks=
ſchullehrers Eitz=Eisleben über Das Tonwort im
Ge=
ſangsunterricht‟. Er erklärt das Singen nach Geige und
Klavier für ein Abrichten der Kinder, wie man Vögel
ab=
richtet. Das Ziel des Geſangsunterrichts muß ſein:
Sin=
gen vom Blatt oder muſikaliſches Leſen. Mit Hilfe des
Tonwortes iſt es möglich, daß 95 Prozent der Schüler
vom Blatt ſingen lernen. Das Tonwort iſt der ſangliche
Name für den Ton Die Tonwortmethode ſei die
Ge=
ſangsmethode der Zukunft. Redner veranſchaulichte ſeine
Tonworte auf einer Wandtafel; ſo bezeichnet er z. B. die
Noten e defghac mit den geſanglicheren Namen bi to
gu ſu la fa ni bi. Der halbe Ton iſt an dem gleichen
Selbſtlaut erkenntlich. Das Tonwort iſt nicht nur Name
für Töne und Noten, es kann auch für die Taſten und
Griffe der Muſikinſtrumente benutzt werden. Reallehrer
Müller ſchildert ſeine Erfahrungen mit der Eitzſchen
Methode als ſehr erfolgreich, ebenſo Seminarmuſiklehrer
Höckert. Seminardirektor Dr. Schäfer iſt für ein
Pro=
bieren der Methode. Zwei weitere Redner traten unter
lebhaftem Beifall für den Verſuch mit der Eitzſchen
Methode ein. Unter den Gäſten befanden ſich noch
Schul=
rat Süß und der Direktor Dr. Ritſert von der
Auguſtiner=
ſchule
Vilbel, 4. Sept. Geſtern abend um 8.30 Uhr
ver=
unglückte kurz vor Vilbel der Kellner Philipp
Lehr=
mund, indem er unter die Räder eines Automobils
ge=
riet, mit dem er nach Frankfurt fahren wollte. Der
Frank=
furter Bäckermeiſter Reif, der Lehrmund als Vertreter
der von ihm fabrizierten Salzſtengel für Gießen engagiert
hatte, wollte ihn zum Abſchluß des Vertrages in ſeinem
Automobil mit nach Frankfurt nehmen. Kurze Zeit vor
dem Unfall wollte Lehrmund die Laternen des Autos
an=
zünden, was ihm aber unterſagt wurde. Da das Auto
nach Ausſage der Inſaſſen ſehr langſam fuhr ſtieg
Lehr=
mund aus, um, neben dem Wagen hergehend, die Laternen
anzuzünden; dabei geriet er unter die Räder, die ihm über
den Hals gingen, wodurch ſofort der Tod herbeigeführt
wurde.
Reich nud Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 4. Sept. Heute abend
folg=
ten die ſchwediſchen Journaliſten und das
deutſche Komitee einer Einladung des ſchwediſchen
Gene=
ralkonſuls Robert von Mendelsſohn. Damit erreichte der
Berliner Aufenthalt der ſchwediſchen Gäſte ſein Ende.
Heute vormittag fahren die Herren nach Dresden. —
Einen großen Silberſchatz hat die Polizei auf
dem Bahnhof Alexanderplatz entdeckt und beſchlagnahmt.
Es handelt ſich um die Beute eines internationalen
Ein=
brechers der in Frankfurt a. d. O. verhaftet wurde. Auf
zahlreichen Gütern der Berlin benachbarten Kreiſe hat er
Einbrüche verübt. Auf der Gepäckaufbewahrungsſtelle
des Bahnhofs Alexanderplatz fand man für 15 bis
20000 Mark Silberzeug. — Als geſtern ein Güterzug
die Gleiſe der Ringbahn in Schöneberg paſſierte,
wurde auf einen Wagen ein Schuß abgegeben, der einen
Bremſer am Oberſchenkel vrietzte. Obgleich der Zug
ſo=
fort hielt und die Strecke abgeſucht wurde, gelang es nicht,
den Uebeltäter zu ermitteln. — Das Kammergericht
be=
ſtätigte ein Urteil einer Strafkammer, wonach ein
Ver=
ein, der von einem Gaſtwirt als Skatklub gegründet
worden war, aber keinerlei Satzungen beſaß, nicht als
ernſtliche Vereinsgründung anzuſehen ſei. Die Frage
war dadurch zu einer richterlichen Entſcheidung
gekom=
men, daß in der Gaſtwirtſchaft nach Eintritt der
Polizei=
ſtunde noch Skat geſpielt und Bier verſchänkt worden
war. Der Wirt begründete dies damit, daß es ſich um
eine geſchloſſene Geſellſchaft handle, für die eine
Polizei=
ſtunde nicht in Frage komme.
München, 4. Sept. Bei der Beiſetzung des Frhrn. v.
Speidel auf dem Waldfriedhof zu München kam es zu
einem Zwiſchenfall. Oberſtabsarzt Dr. Zollner hatte für
die Intendanz den Nachruf geſprochen, als der amtierende
Feuilleton.
* Fernphotographie. Um eine möglichſt ſchnelle
bild=
liche Berichterſtattung über das Eintreffen des Kaiſers in
der Schweiz zu ermöglichen, wurde von der Kornſchen
Fernphotographie=Station des Berliner Lokal=Anzeigers
eine transportable Gebeſtation abgeſandt, welche am
Dienstag früh in Straßburg eintraf und ſofort in dem
dortigen phyſikaliſchen Inſtitut der Univerſität des durch
ſeine phyſikaliſchen Forſchungen bekannten Profeſſors
Braun aufgeſtellt werden konnte. Straßburg, als der
Schweiz ſehr nahe liegend, wurde mit Rückſicht darauf
ge=
wählt, daß die zwiſchen Berlin und Straßburg
beſtehen=
den Telephonleitungen ſehr gut ſind und ſich für
Bilder=
übertragungen beſonders eignen. Die in Baſel und Zürich
hergeſtellten Bilder wurden dann noch an demſelben Abend
per Bahn nach Straßburg überbracht und von dort auf
bildtelegraphiſchem Wege nach der Station des Berliner
Lokal=Anzeigers übermittelt. Die Uebertragung jedes
Bil=
des erfordert etwa 15 Minuten. Die Einregulierung der
Apparate ging ſehr ſchnell vor ſich, ſobald die telephoniſche
Verbindung zwiſchen Berlin und Straßburg hergeſtellt
war. Nach einer kurzen Beſprechung zwiſchen beiden
Stationsleitern wurde ſofort die Einſtellung der Apparate
ausgeführt, die nur etwa 2—3 Minuten in Anſpruch nahm,
und dann ſofort mit der eigentlichen Bildübertragung
be=
gonnen, die dann auch ohne jegliche Störung vor ſich
ging, ſo daß bereits um 5 Uhr morgens die Aufnahme in
Berlin zur Verfügung ſtand. Die Leitung der Verſuche
lag in den Händen der Profeſſoren Korn und Glatzel,
welche den Betrieb in Straßburg bezw. Berlin
über=
wachten. Das erzielte Reſultat iſt um ſo bemerkenswerter,
als es ſich hier um eine in größter Eile proviſoriſch
auf=
geſtellte Station handelt, bei welcher es keineswegs
mög=
lich war, wie ſonſt bei feſten Stationen, z B. zwiſchen
Paris und Berlin, lang dauernde Einſtellungsverſuche zu
machen.
* Die Villa Napoleons auf Elba. Ueber die
Ver=
ſteigerung der napoleoniſchen Villa San Martino auf Elba
veröffentlicht der italieniſche Hiſtoriker Guido Biagi im
Corriere della Sera einen Aufſatz als Antwort auf eine
Zuſchrift, die der Geſchichtsſchreiber Mar Gebhardt an den
Direktor dieſes Blattes gerichtet und in der er es als eine
Schande bezeichnet hatte daß das Haus Napoleons zur
Verſteigerung gelange. Habe auch Napoleon u. kein allzu
großes Anrecht auf die Dankbarkeit der Italiener ſo ſei er
doch nicht der unbedeutendſte Mann, der auf italieniſchem
Boden geboren ſei Man könnte aus der Villa ein
napo=
leoniſches Muſeum machen, das für zahlreiche Fremde eine
große Anziehungskraft böte. Deutſche
Unternehmungs=
luſt würde in einem ſolchen Falle anders vorgehen. Dieſe
Vorwürfe ſucht Biagi dadurch zu entkräften, daß er
da=
rauf hinweiſt, die zur Verſteigerung beſtimmte Villa ſei
nicht die eigentliche Reſidenz Napoleons geweſen. Er habe
die ſogenannte „Palazzina dei Mulini” zuſammen mit der
Prinzeſſin Pauline Borgheſe bewohnt. Die Villa San
Martino habe der verbannte Kaiſer nur hier und da
be=
ſucht, wenn er das Bedürfnis vollſtändiger Ruhe gefühlt
habe. Hier ſei er mit landwirtſchaftlichen Arbeiten be
ſchäftigt geweſen. So habe er einen Baum gepflanzt, der
heute noch grüne. Wie wir dem Aufſatz entnehmen, hat
Napoleon im Jahre 1814 das Beſitztum heimlich ankaufen
laſſen. Mit beſonderer Freude leitete er die Erbauung der
Villa und die Anlage des Gartens. Die Zimmer wurden
nach ſeinen genauen Vorſchriften in ägyptiſchem Stile
aus=
geſtattet. Im Erdgeſchoß liegen ein Badezimmer, ein
An=
kleideraum, die Küche und eine Vorratskammer. Eine
ſchmale Holztreppe führt in den oberen Stock, der ein
Vor=
zimmer, das Schlafzimmer des Kaiſers, den Speiſeſaal,
den ägyptiſchen Salon und noch zwei andere kleine
Ge=
mächer enthält. Von den Einrichtungsgegenſtänden iſt nur
ganz Weniges geblieben: ein Bett aus Mahagoniholz, ein
Nachtkäſtchen, ein Schubladekaſten und zwei Seſſel im
Schlafzimmer Napoleons, das außerdem noch einen kleinen
Schreibtiſch, ein Tintenfaß und ein Barometer aufweiſt.
Im Speiſeſaal erinnern nur noch eine Platte mit den
Reſten eines Porzellangeſchirrs und vier Stühle an ſeine
Beſtimmung Ganz leer iſt aber das napoleoniſche
Mu=
ſeum, das Fürſt Anatol Demidow, der Gemahl der
Prin=
zeſſin Mathilde Bonaparte 1852 hat erbauen laſſen und das
ſich unterhalb der Villa von San Martino ſtattlich mit
ſeiner breiten in griechiſchem Stile errichteten Faſſade
er=
hebt. Aber alle napoleoniſchen Kunſtſchätze, die der Eidam
eines Napoleoniden ſorgfältig geſammelt hatte wanderten
im Jahre 1880 nach allen Windrichtungen auseinander, als
der Sohn des Gründers dieſer würdigen
Erinnerungs=
ſtätte alles pietätlos an den Meiſtbietenden verkaufte. So
iſt das Muſeumsgebäude heute ein leerer Rahmen, dem das
Bild fehlt.
* Ein poſtaliſches Intermezzo. Wir leſen in der
Kölniſchen Zeitung: Ort der Handlung: Ein Münchener
Poſtbureau. Zeit: An einem Freitagabend zur
Fremden=
ſaiſon. Perſonen: Eine Dame ich, Schalterbeamte,
Bu=
reauvorſtand, Bureaudiener. Eine ſchicke Dame tritt in
den Schalterraum der Poſt, beſetzt einen freien
Schreib=
tiſch, entnimmt ihrer eleganten Handtaſche einige
groß=
formatige Briefe, die ſie adreſſieren will. Sie verſucht alle
herumliegenden erreichbaren Federhalter, aber entweder
ſteckt keine Feder darin, oder wenn doch, ſo hat die Feder
nur ein Bein, oder ſie ſpritzt derart, als ob A=B=C=
Schützen ſie längere Zeit eifrig bearbeitet hätten. Die
Dame, eine Ausländerin, wendet ſich fragend an mich, wie
ſie wohl zu einer ordentlichen Feder gelangen könne Da
ſie nur mangelhaft Deutſch ſpricht erbiete ich mich, ihr zu
helfen. Wir gehen zum erſten Schalterbeamten. „
Könn=
ten Sie vielleicht dieſer Dame eine Stahlfeder geben?“
Er geruht nur, mit dem Kopfe ein Verneinungszeichen zu
machen. Beim zweiten Schalter werde ich ſchon
beſcheide=
ner: „Würden Sie nicht die Güte haben, dieſer Dame für
einige Minuten eine Stahlfeder zu leihen?” Antwort:
„Ich brauche meine Feder ſelbſt.” Beim dritten Schalter
haben wir Glück. Ich moduliere meine Anrede
folgender=
maßen: „Wären Sie wohl ſo liebenswürdig, uns
Auf=
ſchluß zu geben, auf welchem Wege wir zu einer
Stahl=
feder gelangen könnten?” — „Ja, da müſſen Sie ſich an
den Bureauvorſtand wenden.‟ Der Herr Vorſtand, den
wir nach Durchſchreiten ſoundſo vieler Gänge finden, ein
hoher Beamter hat ein Einſehen mit unſerm Anſuchen;
er überreicht mit Daumen, Zeigefinger und großer
Liebens=
würdigkeit aus einer vollen Schachtel eine nagelneue
Stahlfeder. Die Dame ſtrahlt vor Vergnügen, und
nach=
dem abermals ein Schreibpult erobert iſt, ſehe ich ſie eben
ihre Schreibtätigkeit beginnen Aber da naht ſich ihr das
Verhängnis. Ein Bureaudiener muß wohl beobachtet
haben, wie ſie die Stahlfeder dem Halter einverleibte, er
ſchreitet mit großen Schritten auf ſie zu, nimmt die Feder
aus dem Halter und ſpricht mit ſtrafender Stimme: „Ja,
was wär denn dös! Eine neie Feder! Dös gibt’s net.
Heint is ja erſt Freitag, am Samstag kommen die neuen.
Wo kämen mir denn da hin.” Sprachs, zerknickte die
Feder und warf ſie in den Papierkorb. So geſchehen im
Jahre des Heils — nein, die Zahl will ich lieber
ver=
ſchweigen, niemand wird es ja glauben, daß es heute noch
pflichttreue Bureaudiener gibt, denen der Zopf bis zur
Erde hängt.
Nummer 210
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. September 1912.
Seite 5.
Geiſtliche ſeine Rede mit dem Hinweis begann, daß es
ein ungewöhnlicher Vorgang ſei, wenn vor dem
Geiſt=
lichen ein Laie das Wort nehme. Am Grabe gebühre
der Kirche das erſte Wort.
Dresden, 5. Sept. Infolge eines
Gerichts=
beſchluſſes des Dresdener Amtsgerichts iſt der
Ver=
kauf der neuen Ausgabe des Karl Mayſchen Buches
„Mein Leben und Streben” verboten worden. Das Werk
ſoll angeblich Beleidigungen gegen Dr. Gerlach, den
Rechtsbeiſtand der Erben des Verlagsbuchhändlers
Münchmeyer, enthalten, gegen die Karl May zu Lebzeiten
noch einen Prozeß auf Herauszahlung einer größeren
Summe mit nur teilweiſem Erfolge geführt hat.
Hamburg, 5. Sept. In der Sprechſtunde eines
Arztes erſchien ein Patient und bat um Unterſuchung,
da er lungenkrank ſei. Nach der Unterſuchung fragte er,
was er ſchuldig ſei. Statt des Portemonnaies zog der
Eindringling einen Revolver und hielt ihn dem
Arzte mit den Worten vor: Ich brauche Geld! Der Arzt
ſchlug ſeinem Angreifer die Waffe aus der Hand und
ſchenkte ihm einige Mark. (!)
Hamburg, 5. Sept. Nach dem Genuß von
Eß=
waren erkrankte die 16jährige Tochter der Familie
Nauwarck und ſtarb. Es wird angenommen, daß ſie ſtatt
Peterſilie Schierling genoſſen hat.
Hamhurg, 5. Sept. Die Polizei beſchlagnahmte
bei einem Krämer 6000 Pfund Molkereibutter, die einen
zu hohen Waſſergehalt hatte.
Wien, 5 „Sept. Prinz Georg von Serbien
erlitt bei einer Vergnügungsreiſe in die Schweiz vor
einigen Tagen einen derartigen Anfall von
gemeingefähr=
lichem Irrſinn, daß er in eine Heilanſtalt in Glarus
gebrecht werden mußte.
Peſt, 4. Sept. Im Militärlager von Oerkiny, wo
gegenwärtig Artillerie=Uebungen ſtattfinden, ereignete ſich
beim Aufſtieg eines Drachenballons ein ſchwerer
Un=
fall. Während der Vorbereitungen zu einem Aufſtieg
wurden die Sicherheitsſtücke des Ballons des ſtarken
Windes wegen von über hundert Artilleriſten gehalten.
Nachdem Oberleutnant Nietſchdörfer den Korb beſtiegen
hatte, entriß ein Windſtoß den Ballon. Die
Soldaten ließen die Stricke in einer Höhe von einem
Me=
ter los. Drei Artilleriſten, die dazu nicht mehr imſtande
waren, wurden mit emporgeriſſen und ſtürzten aus einer
Höhe von über hundert Metern ab. Sie waren ſofort
tot. Nietſchdörfer landete glatt und unverletzt bei
Lajosmiſſe.
Genua, 4. Sept. In der Via venti Settembre
gerie=
ten heute abend auf einem Straßenbahnwagen drei
Fahr=
gäſte mit dem Schaffner in Streit. Als ſie den Wagen
verließen und der Schaffner ihnen wegen des
Fahr=
geldes nachlief, wurde er durch Revolverſchüſſe
niedergeſtreckt. Polizeibeamte verfolgten die
Mör=
der, wobei auf beiden Seiten mindeſtens 40 Schüſſe
abgegeben wurden. Einer der Mörder und zwei
Polizei=
beamte wurden getötet, zwei Karabiniere und drei
Polizeibeamte verletzt. Die beiden anderen Mörder
ent=
kamen zunächſt, wurden aber noch in der Nacht
ver=
haftet: Einer von ihnen gab ſich als Gipsarbeiter Battiſta
Ferrerio aus Marſeille aus und erklärte, erſt vor zwei
Tagen nach Genua gekommen zu ſein. Bei ſeiner
Ver=
haftung verſuchte er, von ſeinem Revolver Gebrauch zu
machen, wurde aber unſchädlich gemacht. Die
Polizei=
beamten mußten den Verhafteten vor der Menge, die ihn
lynchen wollte, ſchützen.
Paris, 4. Sept. Ein rätſelhafter
Selbſt=
mord wurde im Nordexpreß Berlin-Paris begangen.
Als der Zug auf dem Pariſer Nordbahnhof einlief,
ent=
deckte man im Schlafwagen eine ſchöne Frau im Alter
von etwa 30 Jahren, die ſich auf der Reiſe anſcheinend
vergiftet hatte. Ihr Bett war ganz mit Blumen
bedeckt, ſie trug eine blauſeidene Robe und eine
rot=
ſeidene Bluſe mit weißem Spitzenkragen. Als man ſie
fand, gab ſie noch ſchwache Lebenszeichen von ſich, ſtarb
aber, ohne das Bewußtſein wieder erlangt zu haben,
im Krankenhauſe. In dem Abteil fand man ein Blatt
Papier mit den Worten: „Laßt mich in Frieden fahren
bis nach Paris” Man hat nicht die geringſten
Anhalts=
punkte, wer die Dame ſein kann. Ihre Wäſche war mit
den Buchſtaben A. C. gezeichnet. Man fand bei ihr eine
größere Summe Geld.
London, 4. Sept. Vierzehn
Telegraphen=
drähte ſind in einer der letzten Nächte in der Nähe von
Potters Bar unweit London durchſchnitten
wor=
den. An den Telegraphenſtangen ſind Zettel angeheftet
gefunden worden des Inhalts, daß die Tat wegen der
Haltung der Liberalen und der Regierung gegenüber den
Suffragetten verübt worden ſei.
London, 4. Sept. Ein verwegener Einbruch
wurde in der Nacht vom Sonntag zum Montag im
Lon=
doner Hippodrom verübt, das an der Ecke von Charing
Croß Road und Cranbourne Street dicht bei dem
ver=
kehrsreichen Leiceſterſquare liegt und als eines der
größ=
ten Varietétheater gilt. Der Wächter machte zwiſchen
2 und 3 Uhr nachts ſeine Runde und ſtieg gerade eine
ſchmale Wendeltreppe hinab, die vom Hausflur nach dem
im Erdgeſchoß gelegenen Kaſſenraum führt, als er auf
zwei unbekannte maskierte Männer ſtieß, die plötzlich
aus dem Dunkel auftauchten. Ehe er ſich zur Wehr ſetzen
konnte, preßten ſie ihm ein mit Chloroform getränktes
Tuch aufs Geſicht, ſo daß er bewußtlos wurde. Als er
drei Stunden ſpäter wieder zu ſich kam, lag er auf der
Matte des Kaſſenzimmers. Der Geldſchrank war
umge=
ſtürzt, das Schloß durch ein Exploſivmittel geſprengt
worden. Die Diebe hatten den geſamten Inhalt, die
Tageseinnahme vom Samstag — etwa viertauſend Mk. —
herausgenommen und ſich dann durch eine nach einer
Sei=
tenſtraße führenden Hintertür entfernt. Zu dieſem Zweck
hatten ſie erſt noch ein großes Vorhängeſchloz ſprengen
müſſen. Auffällig erſcheint es der Polizei, daß niemand
die Exploſion gehört hat. Der Kaſſenraum, dee im
übrigen wenig beſchädigt iſt, liegt gerade unter dem
Pflaſter einer auch in der Nacht noch belebten Straße.
Man nimmt an, daß die Einbrecher, von denen bis jetzt
jede Cpur ſehlt, ſich vi leicht ſchon wih end der
Vor=
tellung am Sams ngabend ins Theater eingeichtichen und
ſich zur Ausführung ihres verbrecheriſchen Vorhabens den
ganzen Sonntag über in dem leeren Theater verborgen
haben.
Kongreſſe und Verbandstage.
Kongreß für öffentliche
Geſundheits=
pflege.
— Breslau, 4. Sept. Die heutige zweite
Hauptverſammlung des Deutſchen Kongreſſes
für öffentliche Geſundheitspflege eröffnete N Vorſitzende
Geheimer Baurat und Stadtrat Peters (Magdeburg).
An erſter Stelle referierte Oberingenieur Dr. Mautner
(Düſſeldorf) über „Schallſichere Bauten‟. Er
ſtellte eine Reihe von Leitſätzen auf, in welchen ausgeführt
wird, daß es eine ganze Reihe von Möglichkeiten gibt,
bei den modernen Hochbaukonſtruktionen den Schall
mög=
lichſt abzudämpfen, jedoch dürfe das nicht auf Koſten der
Wirtſchaftlichkeit, der konſtruktiven Sicherheit, der
Feuer=
ſicherheit und anderer hygieniſcher Aufgaben geſchehen.
— Profeſſor Dr. Bruno Heymann (Berlin) behandelte die
„Mückenplage und ihre Bekämpfung‟. Er
betonte, daß die Zunahme der Stechmücken in
Deutſch=
land und die durch ſie herbeigeführte ſchwere
wirtſchaft=
liche Einbuße für Kur= und Badeorte, ſowie durch ſonſtige
Schädigungen durchgreifende Maßregeln zu ihrer
Be=
kämpfung unabweisbar machen. Dieſe Maßregeln
müſ=
ſen auf einer möglichſt gründlichen Kenntnis der
Entwick=
lungs= und Lebensbedingungen der Mücken, ſowie auf
den Ergebniſſen einwandfreier Verſuche beruhen. Die
Bekämpfung würde alſo zerfallen in Maßregeln zur
Ver=
hütung neuer Mückenentwicklungen in den warmen
Mo=
naten (Sommer=Bekämpfung) und in Maßregeln zur
Vernichtung der überwinternden Mücken (Winter=
Be=
kämpfung). Der Referent gab eine Ueberſicht über die
einzelnen Faktoren dieſer verſchiedenen
Bekämpfungs=
arten und beſprach die Erforderniſſe für eine erfolgreiche
Durchführung derſelben. Zu letzteren gehört die
Organi=
ſation zuverläſſiger ſachverſtändiger Mannſchaften unter
kundiger Leitung, die Bewilligung von Geldmitteln,
Unterſtützung ſeitens des Publikums uſw. Hinſichtlich
der Koſtenaufbringung bemerkte der Referent, daß
die=
ſelbe am beſten aus öffentlichen Mitteln erfolgen ſolle, in
zweiter Linie durch Privatintereſſenten oder durch
Ver=
ſchönerungs=, Fremdenverkehrs= uſw Vereine. — In der
Debatte wies u. a. Oberbürgermeiſter Ebeling(Deſſau)
darauf hin, daß die Mückenplage, die zum großen Teil auf
Hochwäſſer zurückzuführen ſei, erſt nachgelaſſen habe, als
man in Deſſau in die mückenverſeuchten ſtehenden
Ge=
wäſſer Stichlinge eingeſetzt habe, welche ſogar die Larven
von Mücken gefreſſen haben. — Hierauf wurden die
wei=
teren Beratungen auf morgen vertagt.
Der Kaiſerbeſuch in der Schweiz.
Geſchenk des Kaiſers an den Bundeskat.
* Bern, 4. Sept. Der deutſche Kaſſer hat den
Bundesrat mit einem prachtvollen Geſchenk
über=
raſcht. Am Mittwoch morgen langte im Bundeshaus
aus Berlin eine große Kiſte an. Unter Anleitung eines
Beamten der königlich preußiſchen Porzellanmanufaktur
in Berlin, der die Sendung auf der Fahrt begleitet hatte,
wurde eine etwa 2,50 Meter hohe Standuhr
ausge=
packt, ein Meiſterwerk der Porzellankunſt.
Auf einem kleinen Marmorfuß befindet ſich ein zierlicher
Sockel, der von einem mit blauen Porzellan=Ornamenten
reich geſchmückten Ziffernblatt belegt iſt. Figuren
be=
leben anmutig unter und neben dem Ziffernblatt das
Ganze. Die Mitte des Sockels ſchmückt ein kleines
Land=
ſchaftsbild. Der Stil iſt Rokoko, die Farben ſind in
zar=
ten Tönen gehalten. Die Ornamente ruhen auf einem
Goldbronzeſchmuck. Die Uhr iſt im ſogenannten
Audienz=
ſaal im alten Bundeshaus aufgeſtellt, zu deſſen Brokat=
Tapiſſerie und Prunkmöbeln die Rokoko=Uhr ausgezeichnet
paßt. In dieſem Saal wird auch der Kaiſer am Freitag
vom Bundesrat offiziell empfangen. Wie verlautet, hat
der Kaiſer den Wunſch geäußert, das Geſchenk bei ſeinem
Einzug im Bundeshaus montiert zu ſehen.
Feſtlichkeiten zu Ehren des Kniſers.
* Zürich, 4. Sept. Ein wunderbarer Abend, wie
gemacht für ein Nachtfeſt, wölbte ſich über Zürich.
Schon von 6 Uhr ab wälzen ſich die Menſchenmengen
gegen den See. Die Paſſage der Brücke war ſchon nach
77 Uhr nicht mehr möglich. Die Zahl der Zuſchauer
ſtieg bis zum Einbruch der Nacht auf HHunderttauſende
an. Der Kaiſer trat auf dem Schiff „Stadt Zürich”
gegen halb (8 Uhr die Seefahrt an, die ihn ungefähr
dreiviertel Stunde weit auf die Höhe des Sees führte.
Kurz vor ½9 Uhr kehrte das Kaiſerſchiff gegen die Stadt
zurück. Schon ſeit 8 Uhr füllten Hunderte, zum Teil
überaus prächtig beleuchtete Boote das Seebecken. Punkt
ℳ9 Uhr gab eine Signalbombe das Zeichen für den
Be=
ginn der Beleuchtung, die mit großer
Regelmäßig=
keit einſetzte und ein Bild von unbeſchreiblicher,
wunder=
voller Pracht bot. Um 8 Uhr 40 Minuten begann das
Feuerwerk, das genau eine Viertelſtunde dauerte. Unter
den Beifallsrufen der Menge folgte ein Bild dem
an=
deren, bis um 8 Uhr 55 Minuten ein Rieſenbukett,
be=
ſſtehend aus dreitauſend Raketen, Granaten,
Koboldbatte=
gien und vielen Polyp=Bomben, das Feuer beendete. Es
cherrſchte eine enthuſiaſtiſche Stimmung. Der Kaiſer
lan=
dete kurz nachher zur Rückkehr in die Villa Rietberg. Auf
dem Schiff „Stadt Zürich” waren mit dem Kaiſer und
dem Bundespräſidenten außerdem das Gefolge des
Kai=
ſers an Bord, Mitglieder der Regierung des Kantons
Zürich und der Stadt Zürich, die Vertreter der Stadt
Zürich in der Bundesverſammlung und andere
Ehren=
gäſte. Während der Fahrt an den mannigfach
beleuch=
teten Ufern des Sees entlang zog der Kaiſer und der
Bundespräſident zahlreiche Anweſende ins Geſpräch. Die
Muſikkapelle des Schützen=Bataillons Nr. 6 ſpielte deutſche
und ſchweizeriſche Märſche, unter anderem den Berner
Marſch” Das Jodler=Sextett des Turnvereins Alte
Sek=
tion Zürich trug Volkslieder vor.
* Zürich, 4. Sept. Beim heutigen Abendeſſen
in der Villa Rietberg nahmen 19 Perſonen teil; außer
den Herren des kaiſerlichen Gefolges auch die zum
perſön=
lichen Dienſt des Kaiſers kommandierten ſchweizeriſchen
Offiziere und Oberſt Wille. Als Tafelſchmuck dienten
alte ſilberne Becher und getriebene Schalen und
Gold=
ſchmiedearbeiten aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die
aus dem Familienbeſitz des Hauſes ſtammen.
Am Alpenkai, in der Höhe des Hotels Baur au Lac,
nickte der Kaiſer bei der Vorbeifahrt einem Zuſchauer
freundlich zu. Der Kaiſer machte den Bundespräſidenten
auf dieſen Zuſchauer aufmerkſam und ſagte: „Das iſt
mein Sohn, Prinz Adalbert‟. Der Prinz war nach
Zürich gereiſt, um inkognito (unter dem Namen eines
Grafen von Hohenſtein) als Zuſchauer bei dem Beſuche
ſeines Vaters zugegen zu ſein.
Die Manöver.
* Kirchberg, 4. Sept. Die rote 6. Diviſion
hat um Mittag von ihrem Armeekommando den Befehl
erhalten zur Deckung der linken Flanke der Armee, die
hinter Wil zurückgeht. Sie iſt dieſem Auftrage im Laufe
des Nachmittags nachgekommen, nachdem auf
Anord=
nung des Diviſionskommandanten die
Infanterie=
brigade 17 und das Artillerieregiment Nr. 11 die Höhen
nördlich von Wil zu hartnäckiger Verteidigung
einrich=
teten. Die Infanteriebrigade 16 deckte den Rückzug und
marſchierte zurück bis Tobel. Die Kavalleriebrigade 3
iſt von Beckenau nach Zuzwil zurückgegangen. Die blaue
5. Diviſion verfolgte den Gegner mit der Brigade 13 und
dem Kavallerieregiment Nr. 10, die bis auf die Linien
Rickenbach=Wil=Bußwil vorrückten. Die Infanterie=
brigade und das Artillerieregiment Nr. 9 folgten bis
Kirchberg=Dietzwil. Diviſionsſtab 5 und Brigadeſtab 14
befinden ſich in Kirchberg. Es wird vorausſichtlich am
5. September morgens abermals zu einem vorbereiteten
Angriff der 5. Diviſion auf die Stellung der 6. Diviſion
nördlich von Wil kommen. Das Wetter hat ſich tagsüber
gut gehalten.
* Zürich, 5. Sept. Der Kaiſer fuhr heute früh
um 4,30 Uhr im Sonderzug nach Wil ins
Manöver=
gelände. Das Wetter iſt unfreundlich. Es regnete die
ganze Nacht.
* Wil, 5. Sept. Der Kaiſer traf um 5½ Uhr hier
ein und fuhr, von einem zahlreichen Publikum mit
Hoch=
rufen begrüßt, im Automobil nach dem Oelberg. Der
Regen dauert an. Die rote Diviſion hat ihre
Stel=
lung am Südrande der Wälder zwiſchen Bronſchhofen
und Roßrüti durch Erdarbeiten für die Infanterie und
Artillerie verſtärkt. Auch die Südweſtecke des
Nieſelberg=
waldes iſt in die Verteidigungslinie einbezogen worden.
Von hier aus kann der Gegner bei einem Angriff von
Wil auf die Stellung Bronſchhofen=Roßrüti unter
Flan=
kenfeuer genommen werden. Die Stellung iſt von der
17. Brigade beſetzt. Die 16. Brigade iſt als
Diviſions=
reſerve rechts bei Bettwieſen aufgeſtellt. Die blaue 5.
Diviſion ſchob heute früh die 14. Brigade auf die Linie
Wil=Sirnach vor. Heute nacht ſtanden kleinere
Aufklär=
ungsabteilungen um Wil im Gefecht. Die roten
Ba=
taillone 81 und 82, die bei Wil genächtigt hatten, haben
ſich vor Tagesanbruch auf den Oelberg zurückgezogen.
Die Stellung auf dem Oelberge bietet dem Verteidiger
große Vorteile, weil das Vorgelände ziemlich ſteile
Hänge aufweiſt. Ein Angriff hätte nur dann Ausſicht
auf Erfolg, wenn ſtark überlegene Kräfte verfügbar
wären. Die rote Artillerie eröffnete um 5½ Uhr das
Feuer auf die blaue Artillerie weſtlich von Wil. Nach
7 Uhr entſpann ſich ein lebhafteres Gefecht.
Die blaue Diviſion die heute morgen in der
Richtung auf den Oelberg zum Angriff überging,
über=
ſchritt um 6 Uhr mit der Infanterieſpitze die
Vorpoſten=
linie Rickenbach-Sirnach. Um 7 Uhr hatte die blaue
Infanterie Wil in Beſitz und ging in Schützenlinien gegen
die roten Stellungen vor. Um 8 Uhr entwickelte ſich ein
lebhaftes Infanteriegefecht nördlich von Wil.
Das Bataillon Nr. 73 geriet in Marſchkolonne in ein
hef=
tiges blaues Artilleriefeuer und wurde außer Gefecht
ge=
ſetzt. Um 9 Uhr war die blaue Infanterie auf der ganzen
Linie Waid-Münchwilen entwickelt. Von Rot ſtand das
Infanterie=Regiment Nr. 33 auf dem Oelberg, das
In=
fanterie=Regiment Nr. 34 auf dem Nieſelberg. Die roten
Truppen vermochten auf dem linken Flügel der Diviſion
ihre Stellungen zu behaupten. Um 9 Uhr 10 Min. wurde
das Gefecht abgebrochen. Der Kaiſer ſah den
Manövern vom Oelberg aus zu. Nach dem Abbruch des
Gefechts wurden die fremden Offiziere dem
Bundesprä=
ſidenten und dem Kaiſer vorgeſtellt.
* Zürich, 5. Sept. Um 12 Uhr mittags traf der
Sonderzug mit dem Kaiſer auf dem Hauptbahnhof ein.
Der Monarch begab ſich direkt in die Villa Rietberg, der
Bundespräſident Forrer und die Bundesräte fuhren ins
Hotel Baur au Lac.
* Zürich, 5. Sept., 12.15 Uhr mittags. Die
Ma=
növer ſind beendet. Der Kaiſer iſt nach Zürich
zurückgefahren. Die vorgeſehene Manöverkritik wurde
vom Oberſtkorpskommandanten Wille in lletzter Stunde
abgeſagt. Morgen vormittag findet bei Aadorf der
Schlußvorbeimarſch ſtatt. Das Wetter iſt andauernd
un=
freundlich.
Luftfahrt.
sr. Die Preisverteilung für den
Aero=
planflug Rund um Berlin, der am letzten
Sams=
tag und Sonntag ſtattfand, wurde von dem Preisgericht
abgehalten. Im ganzen waren 61500 Mark zu verteilen.
Lt. Krüger der auf Harlan die beſte Zeit über 3 Runden
erzielte, erhielt im ganzen 26836 Mark einſchließlich des
Preiſes der Heeresverwaltung von 6000 Mark; außerdem
fiel ihm auch der vom Miniſterium der öffentlichen
Ar=
beiten geſtiftete wertvolle Ehrenpreis zu Bayerlin
er=
hielt als Zweiter im Endklaſſement 18810 Mark, Caspar
8613 Mark. An Hirth fielen 4743 Mark, an Schmidt 1500
Mark und an Hartmann 998 Mark. Faller, der
nachträg=
lich diſtanziert wurde, weil er eine Wendemarke am erſten
Tage nicht ordnungsmäßig genommen hatte, dürfte ebenſo
wie Mohns noch Troſtpreiſe erhalten, über die das
Preis=
gericht noch nicht endgültig Beſchluß gefaßt hat.
sr. Das deutſche Waſſerflugzeugmeeting
zu Heiligendamm wurde auch am Mittwoch durch
anhaltendes Regenwetter geſtört. Bruno Büchner
ſtar=
tete auf ſeinem Aviatik=Doppeldecker morgens gleich nach
7 Uhr für die Hauptkonkurrenz. Er vollführte den durch
die Propoſition geforderten Flug von 30 Minuten über
Waſſer, ging darauf auf dem durch Bojen gekennzeichneten
Quadrat von ca. 150 Meter Seitenlänge auf dem Waſſer
nieder, ſtellte den Motor ab und nach kurzer Zeit erhob
ſich der Apparat mit Leichtigkeit wieder von der
Waſſer=
fläche. Büchner unternahm nun den verlangten
Höhen=
flug, bei dem er eine Höhe von 300 Meter erreichen muß.
Er konnte jedoch die Bedingungen nicht erfüllen und war
gezwungen, wieder auf die Waſſerfläche zurückzukehren, da
ſein Benzin=Vorrat zu Ende war. Ein Torpedoboot zog
den Apparat ans Land. Mittags 12 Uhr ging der von
dem ruſſiſchen Piloten Dünetz geführte Alk=Eindecker, der
eine Fläche von ca. 24 Quadratmeter beſitzt, zu Waſſer,
um ſeine erſte Probefahrt zu unternehmen Der Pilot
geriet aber etwa 2 Kilometer vom Lande in heftige Böen
und ſein Apparat kenterte. Von einer ſchnell
herbeieilen=
den Dampfpinaſſe wurde Dünetz aufgenommen, während
das Flugzeug vollſtändig im Waſſer verſackte. Der
Appa=
rat wurde durch die Pinaſſe und ein Torpedoboot an Land
geſchleppt. Nachmittags verſtärkte ſich das Regenwetter
noch mehr und die See ging ſo hoch, daß kein Apparat ſich
hinauswagen konnte. Vormittags war der Großherzog
von Oldenburg auf ſeiner Jacht eingetroffen, um den
Verſuchen beizuwohnen. Er fuhr aber mittags wieder
ab. Der Großherzoglich Mecklenburgiſche Hof hat am
Mittag Heiligendamm verlaſſen.
Der engliſche Flieger Aſtley, der mit Miß
Davis als Paſſagierin am Dienstag den Verſuch
ge=
macht hatte, im Wettbewerb um den Pommery=Pokal von
Paris nach Berlin zu fliegen, der aber abends 7 Uhr in
Bonn hatte landen müſſen, hat den Weiterflug nach
Berlin aufgegeben und iſt von dort Mittwoch
vor=
mittag bald nach 11 Uhr über Brüſſel nach Paris
zurück=
geflogen. Inzwiſchen iſt, wie gemeldet, ein neuer
Be=
werber um den Pommery=Pokal in Frankreich geſtartet
und zwar flog am Mittwoch früh 4 Minuten nach ½6 Uhr
Baron Pasquier von dem Flugfelde von Etampes mit
der Abſicht fort, Warſchau über Berlin zu erreichen. Er
benutzte eine Bleriot=Maſchine mit 50 PS.=Gnome=Motor.
Die Anſprüche an die Bewerber um den Pommery=Pokal
ſind mit Ablauf der letzten Auguſttage noch geſtiegen,
nach=
dem Bathigt einen Flug von 820 Kilometer abſolviert
hat, indem er von Calais aus den Ort Contis les Bains
83 Kilometer ſüdlich von Biarritz erreichte. Während für
die Bewerber bisher nur der alte Rekord von Bedell
(Villaxoublay bis Biarritz, 656,250 Kilometer) in Frage
kam, müſſen ſie jetzt die Leiſtung von 820 Kilometer
über=
bieten. Die Prämie wird Ende Oktober vergeben und
wird Bathiat zufallen, falls ſeine Leiſtung nicht noch
über=
troffen wird.
* Bonn, 5. Sept. Der Flieger Aſtley und
Fräu=
lein Davis als Paſſagier ſind um ½8 Uhr nach Brüſſel
abgeflogen.
* Frankfurt a. M., 5. Sept. Wie uns die „Delag”
mitteilt, wird das Luftſchiff „Viktoria Luiſe” von
Baden=Oos nach Frankfurt a. M. kommen und gegen
5 Uhr hier eintreffen. Morgen früh ſoll die Weiterfahrt
nach Hamburg angetreten werden.
* Frankfurt a. M., 5. Sept. Die für heute
nach=
mittag angeſetzte Fahrt der „Viktoria Luiſe” von
Baden=Oos nach Frankfurt a. Main konnte wegen
un=
günſtiger Winde nicht ausgeführt werden. Bei
günſtiger Witterung findet die Fahrt vorausſichtlich
mor=
gen ſtatt.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung: für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
„In der Nacht vom . . . zum . . . wurde im (
ge=
wöhnlich: Pfarrhaus) zu . . . eingebrochen.‟ Einen
Be=
richt nach dieſem Schema kann der fleißige Zeitungsleſer
gegenwärtig ſo häufig genießen, daß er es ſeinem Blatte
ordentlich übel nehmen würde, wenn es einmal eine Woche
verſtreichen ließe, ohne ihm einen ſolchen Einbruchsbericht
zum Morgen= oder Nachmittagskaffee vorzuſetzen. Um ſo
intereſſanter ſind dieſe Mitteilungen, als die
Begeben=
heiten ſich alle miteinander in der näheren oder weiteren
Umgebung von Darmſtadt zutragen. Die Täter ſind
offen=
bar in den meiſten Fällen dieſelben. In Höchſt, Groß=
Umſtadt, Bickenbach, Lengfeld Nauheim, Meſſel, Roßdorf,
Egelsbach, Groß=Gerau, Dieburg, Sprendlingen wurde
ziemlich in der gleichen Weiſe während der letzten Wochen
eingebrochen. Dabei ſind das nur die Orte, die uns
be=
kannt geworden und im Gedächtnis geblieben ſind; die
amt=
liche Liſte iſt jedenfalls noch um ein gut Teil länger Die
Romantik der Schinderhannes=Zeit lebt wieder auf! Die
Betroffenen werden dieſe Dinge freilich weniger
roman=
tiſch finden. Es iſt nicht zu verwundern, daß allmählich
eine gewiſſe Beunruhigung ſich weiter Kreiſe bemächtigt.
Auch die Allgemeinheit hat Urſache, ſich ernſthaft mit
die=
iſen Vorkomniſſen zu beſchäftigen. Wir Deutſche haben ja
im allgemeinen ein ziemlich unbegrenztes Vertrauen zu
ver Macht des Staates und ſeiner Organe. In ihrem
Schutze glaubt der gute Bürgertruhig wohnen und-ſchlafen
zu können. Wenn man ſich auch von der törichten
Mein=
ung frei weiß, als ob die Polizeigewalt des Staates alle
derartigen Verbrechen unmöglich machen könne, ſo muß es
doch bedenklich ſtimmen, daß die gleichen Täter ihr
Ver=
brechen in raſcher Aufeinanderfolge und in einem
be=
ſchränkten Umkreis ſo und ſo oft ausführen können, ohne
gefaßt zu werden. Dieſe Beobachtung muß doch dahin
führen, daß jenes Vertrauen zur Staatsgewalt erſchüttert
wird. Zudem iſt nicht zu bezweifeln, daß in dem Maße,
als die verbrecheriſchen Taten ſtraflos bleiben, das
Ver=
brechertum zunimmt und zu einer ernſten Gefahr wird.
Sollte es keine Mittel geben, dem Unweſen der häufigen
Einbrüche in unſerer Provinz energiſch zu begegnen?
M. M.
Die Berchtoldſchen Vorſchläge.
* Berlin, 5. Sept. Der Köln. Ztg. wird von hier
gemeldet: Wie vorauszuſehen war, nimmt die
Ver=
handlung der Vorſchläge des Grafen Berchtold einen
ſehr langſamen Fortgang, was diejenigen nicht
über=
raſchen kann, denen von vornherein die Schwierigkeit der
Aufgabe bewußt war, vor welche die Diplomatie hier
geſtellt wurde. Daß der Modus einer Behandlung von
Kabinett zu Kabinett den Abſchluß auch nicht
beſchleu=
nigen kann, liegt auf der Hand, weil, wenn zwiſchen
einem oder mehreren Kabinetten eine Einigung erzielt
iſt, die Auffaſſung eines andern Kabinetts wieder eine
zeitraubende Umwandlung des Programms erforderlich
machen kann. Mit dieſer Lage hat Graf Berchtold
zwei=
felsohne ſelbſt gerechnet und wenn er der Verhandlung
von Kabinett zu Kabinett den Vorzug gab vor einer etwa
einzuberufenden Konferenz, ſo dürfte das deshalb
ge=
ſchehen ſein, weil ein bei einer Konferenz hervortretender
Widerſpruch der Meinungen leicht einen ſcharfen
Charak=
ter annehmen und die ganze Sache gefährden kann.
Be=
kanntlich ſieht man in der Türkei den von Oeſterreich=
Ungarn angeregten Beſprechungen mit einem gewiſſen
Unbehagen entgegen, obgleich die Abſichten der Wiener
Regierung ſicher nicht auf eine Schädigung der Türkei
hinauslaufen. Hätte man ſich zur Einberufung einer
Konferenz entſchloſſen, ſo würde dies Mißtrauen nur noch
ſtärker hervorgetreten ſein, was man der Türkei inſofern
nicht ſehr hätte verdenken können, als ſie bisher bei allen
Konferenzen ſchlechte Geſchäfte gemacht hat. Deutſchland
iſt von vornherein der Wiener Diplomatie ſehr
bereit=
willig entgegengekommen, und von dieſer Seite ſind ſicher
keine Schwierigkeiten zu beſorgen. Anderſeits iſt es aber
auch klar, daß Deutſchland, weil ja alle Mächte in
Be=
tracht kommen, nicht viel zur Beſchleunigung beitragen
kann. Wenn jetzt der Reichskanzler, Herr v Bethmann=
Hollweg, den Grafen Berchtold in Buchlau beſuchen wird,
ſo iſt es ja ſelbſtverſtändlich, daß auch die ſchwebenden
diplomatiſchen Verhandlungen in den Bereich der
Be=
ſprechungen gezogen werden. Ein unmittelbarer Einfluß
auf die Durchführung der Verhandlungen iſt aber aus den
angeführten Gründen kaum zu erwarten, wie ja auch der
ganze Beſuch keineswegs eigens mit Rückſicht auf die
Berchtoldſchen Vorſchläge gemacht worden iſt. Er war
vielmehr auf eine Anregung des Grafen Berchtold ſchon
im Sommer beſchloſſen worden, als die Vorſchläge des
öſterreichiſch=ungariſchen Miniſters noch gar nicht bekannt
waren.
* Paris, 5. Sept. Ueber die von dem
öſterreichiſch=
ungariſchen Geſchäftsträger dem Miniſterpräſidenten
Poincaré übermittelten Erläuterungen zu dem
Vorſchlage des Grafen Berchtold ſchreibt
das Echo de Paris: „Am Quai d’Orſay wird das vollſte
Geheimnis über die von dem Grafen Berchtold
aufgeſtell=
ten Fragen beobachtet, doch glauben wir zu wiſſen, daß
man daſelbſt das von dem öſterreichiſch=ungariſchen
Mini=
ſter des Aeußern dargelegte Programm für ſehr
weiſe hält und daß es hier in ſehr freundſchaftlichen, ja
günſtigem Sinne geprüft werden wird. Die Antwort
der franzöſiſchen Regierung wird zweifellos im Laufe der
nächſten Wochen dem öſterreichiſch=ungariſchen
Geſchäfts=
träger übergeben werden.”
Die Schlagwetter=Exploſion in Frankreich.
* Lens 4. Sept. Heute morgen um 2 Uhr waren
21 Leichen aus der Grube Clarence geborgen.
Sodann wurden die Nachforſchungen wegen der Gefahr
für die Rettungsmannſchaften eingeſtellt. Um vier
Uhr ereignete ſich eine neue Exploſion, durch die
einer von den Rettungsmannſchaften getötet und drei
andere ſchwer verletzt wurden. Ein Ingenieur, der in
die Grube eingefahren iſt, iſt nicht wieder zum Vorſchein
gekommen. Er wurde bisher nicht gefunden. Zwei
weitere Ingenieure fuhren darauf in die Grube ein, um
das Rettungswerk zu leiten, doch mußten die
Mannſchaf=
ten infolge der häufiger auftretenden Exploſionen wieder
ausfahren. Die Fortſchritte des Feuers werden vielleicht
die Schließung der Grube notwendig machen. Der
Mini=
ſter der öffentlichen Arbeiten Dupuy iſt am Schauplat
der Kataſtrophe eingetroffen.
* Béthune, 4. Sept. Die aus der Grube Clarence
ans Tageslicht beförderten Leichname ſind
unkennt=
lich. Die Verletzten ſind ſchrecklich verbrannt und
ver=
ſtümmelt. Am Schachteingang ſpielten ſich herzzerreißende
Szenen ab. Bis abends waren 25 Leichen geborgen,
darunter befindet ſich einer der zur Rettung
Einge=
fahrenen. Fünf Verwundete ſind im Hoſpital geſtorben.
* Béthune 4. Sept. Nachdem ein
Ober=
ingenieur heute abend die Grubenſtollen in einer
Tiefe von 1000 Meter noch einmal nach allen Richtungen
durchforſcht, aber keine Lebenszeichen mehr gefunden hatte,
ſtellten die Ingenieure, um nicht Menſchenleben unnötig
aufs Spiel zu ſetzen, die Einfahrt ein. Mehrere
neue Exploſionen wurden gehört. Der Miniſter
für öffentliche Arbeiten beſuchte die Krankenhäuſer in
Bruay und Auchel und wies für die Hinterbliebenen
2000 Francs an.
* Paris, 5. Sept. Die Zahl der Opfer der
Kataſtrophe von Béthune beträgt nach den
letz=
ten Meldungen 71 Tote und 13 Verwundete.
Literariſches.
Unſere verbreitetſten
Zimmerpflan=
zen. Von Alfred Lehmann, Wilkau i. S. 8. (140 S.)
1912. Preis geh. 1,50 Mk. Verlag von B. G. Teubner,
Leipzig und Berlin. Das Buch unterrichtet trefflich über
alle in Betracht kommenden Fragen und will den Laien
vor allem in Stand ſetzen, die vorhandenen Pflanzen zu
beſtimmen und ihre Kultur und biologiſchen
Eigentümlich=
keiten kennen zu lernen. Neben der Darſtellung der
allge=
meinen Lebens= und Entwicklungsbedingungen der
Pflan=
zen wird jeweils eine praktiſche Anweiſung gegeben, auf
welche Weiſe ſie ſich ohne beſondere Umſtände erfolgreich
kultivieren laſſen. Die beigegebenen Tafeln und
Abbil=
dungen wollen eine Beſtimmung der Pflanzen in
Zwei=
felsfällen ermöglichen.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* München, 5. Sept. Die
Abgeordneten=
kammer verwies den Staatsvertrag mit
Preußen über die Klaſſenlotterie zu neuerlicher
Be=
ratung an den Finanzausſchuß.
* Dresden, 5. Sept. Heute mittag um 12 Uhr 4 Min.
trafen 15 Vertreter der ſchwediſchen Preſſe in
Be=
gleitung der Chefredakteure Schweitzer=Berlin und
Wynecken=Königsberg und anderer Herren ein. Sie
wur=
den von den Herren des Dresdener Empfangsausſchuſſes
und dem ſchwediſchen Konſul Mittaſch, ſowie dem
Vizekon=
ſul Lindig begrüßt und in den Kaiſer Franz=Joſef=Saal
des Hauptbahnhofes geleitet. Hier überreichten junge
Schwedinnen in Nationalkoſtümen den Gäſten Feſtzeichen
und Blumenſträuße in den ſächſiſchen und ſchwediſchen
Farben. Die Herren begaben ſich hierauf in das Hotel
„Europäiſcher Hof” Um 1½ Uhr findet auf dem
König=
lichen Belvedere ein Frühſtück ſtatt
* Oberſchöneweide, 6. Sept. Zwei Schweſtern
im Alter von 17 und 19 Jahren ſowie die 12jährige
Freundin Becker werden vermißt. Sie wurden in letzter
Zeit wiederholt in Begleitung eines jungen Mannes
ge=
ſehen, der als Mädchenhändler bekannt iſt.
* Hoyerswerda, 6. Sept. Bei der Landſtändiſchen
Bank iſt geſtern eine Unterſchlagung in Höhe
von 200000 Mark entdeckt worden. Der Täter iſt der
flüchtig gewordene Sohn eines Kaſſenbeamten Wolff,
der zeitweiſe ſeinen Vater vertrat.
* Paris, 5. Sept. Der franzöſiſche
Bot=
ſchafter in Rom Barrère wurde heute morgen bei
Montfort l’Amaury in der Nähe von Rambouillet infolge
eines Automobilzuſammenſtoßes verletzt. Der
Chauf=
feur ſoll getötet ſein.
* Stockholm, 6. Sept. Als ein Poſtbeamter in der
Nähe der Station Ulea während der Fahrt die
Platt=
form betrat, wurde er von einem maskierten
Mann überfallen. Nach wütendem Kampfe gelang
es dem Beamten, den Räuber zu Boden zu werfen und
in das Innere des Wagens zu bringen. Als der Zug
auf der nächſten Station hielt, war der Räuber
ver=
ſchwunden.
H. B. Berlin, 5. Sept. Die deutſch=aſiatiſche
Korre=
ſpondenz wird von der türkiſchen Botſchaft ermächtigt, zu
erklären, daß die Meldung eines Berliner Blattes von
einem angeblichen Friedensſchluß von A bis Z
un=
richtig iſt. Die Schweizer Beſprechungen ſind noch
durch=
aus inoffizieller und unverbindlicher Art. Der Inhalt
eines künftigen Friedensſchluſſes würde auch keineswegs
den Mitteilungen der fraglichen Notiz entſprechen.
— Bordeaux, 5. Sept Während ſich in einem Varieté=
Theater eine Seiltänzerin über einem offenen
Löwenkäfig produzierte, verlöſchte plötzlich das
elek=
triſche Licht. Einige Männer zündeten Streichhölzer an.
Die Künſtlerin benützte den ſchwachen Lichtſchimmer, um
das Ende des Drahtes zu erreichen und auf die Bühne zu
ſpringen. Nach einigen Minuten hellte ſich der Saal auſ.
Die Zuſchauer bereiteten der Dame große Ovationen
— London, 5. Sept. Nach einer Privatmeldung, die
der Vertreter des Daily Chronicle aus Sebaſtopol
erhielt, hat die Mannſchaft der ruſſiſchen
Schwarzen Meer=Flotte abermals gemeutert.
Die Kriegsſchiffe bombardierten die Forts, die das Feuer
aufs energiſchſte erwiderten und ein angreifendes Schiff
in den Grund ſchoſſen. Ein Kreuzer iſt entkommen und
in Burgas in Bulgarien eingetroffen. Eine Beſtätigung
der Meldung liegt hier nicht vor.
— New=York, 5. Sept. Die polizeilichen Erhebungen
über den am 15. Juli erfolgten Tod der Ungarin
Mentſchik ergaben, daß der Tod durch den New=Yorker
Rechtsanwalt Gibſon veranlaßt wurde, indem dieſer das
Boot, in dem er mit der Ungarin Platz genommen hatte,
zum Kentern brachte. Die Ungarin ertrank, Gibſon
wurde gerettet. Er verſuchte, die Hinterlaſſenſchaft der
Mentſchik an ſich zu bringen, was ihm aber durch das
Eintreten von Freunden der Mentſchik mißlang. Die
Unterſuchung ergab, daß der Rechtsanwalt vermutlich
auch einen Eiſenbahnbeamten umgebracht hat, um eine
größere, bei einer Bank hinterlegte Summe zu erhalten.
Der Anwalt iſt verſchwunden.
Ich wette, Sie haben auch nicht die Zeit
ſich ins Bett zu legen, wenn Sie Halsſchmerzen
haben, oder wenn ein Katarrh Sie quält. Machen
Sie’s alſo wie ich: Spüre ich auch nur die
ge=
ringſte Beſchwerde, dann nehme ich ſofart Fays
ächte Sodener Mineral=Paſtillen nach Vorſchrift.
Die haben mir noch immer geholfen und ich
habe nicht eine Stunde aus dem Geſchäft bleiben
müſſen, ſeit ich die kleinen Dinger bei mir
trage. Laſſen Sie ſich raten und machen Sie’s
ebenſo! Sie werden’s gewiß nicht bereuen. Die
Schachtel koſtet nur 85 Pfg., achten Sie aber,
daß Sie keine Nachahmung erhalten. (M18624
Verlangen Sie ausdrücklich in Ihrer Apoth.,
Drog. o. Friſ. Dr. Kuhn’s Nürnberger
Brennessel-Haarwasser. Hilft ſofort gegen
Haarausfall, Schuppen, Haarſpalte. Keine
Glatze mehr! Depot: Seifenfabrik Grodhaus. (V8288
Todes=Anzeige.
Freunden und Bekannten die traurige
Mit=
teilung, daß geſtern mittag mein lieber Gatte,
unſer guter Vater, Bruder, Schwiegervater
und Großvater
(18659
Adam Hoffmann
früher Schloſſer in der Zentralwerkſtätte
der Main=Neckar=Bahn
nach kurzem ſchwerem Krankenlager verſchieden iſt.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Margarethe Hoffmann,
geb. Kiefer.
Darmſtadt, Arheilgen, den 4. Septemb. 1912.
Die Beerdigung findet Samstag nachmittag
3½ Uhr, von der Friedhofskapelle aus, ſtatt.
Ausgewählte Gruppen
ausiderInternationalen
HygienesAusſtellung=
Dresden ſ1911
Im Großherzoglichen
Reſidenzſchloß
Nummer 210.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. September 1912.
Seite 7.
Statt jeder besonderen Anzeige.
Am 2. September 1. J. verstarb zu Wiesbaden nach längerem Leiden im
81. Lebensjahre
der Kaiserlich Russische Staatsrat a. D.
Dr. med. Dduard Friedrich von Pander.
Die Einäscherung ist am 5. 1. M. in Mainz erfolgt.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Mathilde von Pander, geb. zur Hosen.
Darmstadt, am 5. September 1912.
(18658
Dankſagung.
Für die überaus zahlreichen Beweiſe
freund=
licher Teilnahme bei dem Heimgang unſeres nun
in Gott ruhenden einzigen, innigſtgeliebten, guten
Kindes, Enkels und Neffen
(18636
Georgchen
ſowie für die zahlreiche Begleitung zur letzten
Ruheſtätte und für die vielen Blumenſpenden,
insbeſondere auch für die aufopfernde, treue Pflege
der Schweſtern im Eliſabethenſtift zu Darmſtadt
während der Krankheit des Entſchlafenen und für
die tröſtende Grabrede des Herrn Pfarrer Veller
ſagen wir hiermit unſeren herzlichſten Dank.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen:
Kreisstraßenmeister L. Plöser und Frau,
Steueraufseher i. P Ph. Kling und Familie,
Lehrer Gg. Kling und Familie.
Groß=Gerau, Pfungſtadt und Gießen,
den 4. September 1912.
Gottesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 6. September:
Vorabendgottesdienſt 6 Uhr 45 Min.
Samstag, den 7. September:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min.
Sabbataus=
gang 7 Uhr 45 Min.
Gottesdienſt an den Wochentagen: Morgens 6 Uhr
30 Min. Abends 6 Uhr.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen
Religionz=
geſellſchaft.
Samstag, den 7. September:
Vorabend 6 Uhr 30 Min. Morgens 7 Uhr 45 Min.
Nachmittags 7 Uhr. Sabbatausgang 7 Uhr 45 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 8. Sept., an:
Sonntag: Morgens 5 Uhr. Montag und Dienstag:
5 Uhr 15 Min. Mittwoch: 4 Uhr 45 Min.
Nach=
mittags: 6 Uhr 45 Min.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Das Tiefdruckgebiet iſt etwas nach Oſten gezogen,
ſüdliche Randwirbel brachten überall in Deutſchland
leichte Regenfälle. Die Morgentemperaturen liegen in
Deutſchland bei 12‟. Im Norden von Deutſchland wehen
friſche Weſtwinde, die nach Süden zu abnehmen. Ueber
England liegt ein Steigegebiet, ſo daß wir mit dem
Einfluſſe des zunehmenden Hochdruckgebietes zu rechnen
haben.
Ausſichten in Heſſen für Freitag, den 6.
Sep=
tember: Aufheiternd, meiſt trocken, wärmer.
Tageskalender.
Ausſtellung „Der Menſch” im Großh. Reſidenzſchloß
(geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends).
Eugen Bracht=Ausſtellung auf der
Mathil=
denhöhe (geöffnet von 10—6 Uhr).
Bibliſcher Vortrag um 8½ Uhr im Zelt an der
Lindenhofſtraße (Thema: „Gottes Gericht in unſerer
Zeit”).
Konzerte: Bürgerkeller um 8 Uhr. — „Perkeo” um
8 Uhr. — Singſpielhaus „Metropole” um 8 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 4—11 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23):
Der Empfang des Kaiſerpaares in Luzern bei der erſten
Schweizerreiſe Kaiſer Wilhelms II. im Mai 1893; das
Luftſchiff „Hanſa” während einer Fernfahrt über
Helgo=
land; die neue Vigiljochbahn bei Meran; der
Kamerad=
ſchaftsſchwur öſterreichiſcher Offiziere.
Hochzeitsturm. Turmzimmer und
Ausſtellungs=
räume, täglich geöffnet von 9—12 und 3—6 Uhr.
Druc und Beragt z. g. Miäſhihe Hoſtuchbrnckert
Verantwortlich efür den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
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im Zelt an der Lindenhofſtr.
Deute Freitag, abends 8½, Uhr:
Gottes Gericht in unſerer Zeit.
Sonntag, abends 8½ Uhr:
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Das Erbe der Gerechten.
Jedermann willkommen.
Eintritt frei.
Kirchweihe zu Pfungstadt.
Zu der am 8. und 9. September ſtattfindenden
Kirchweihe
ladet Freunde und Gönner freundlichſt ein
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zwiſchen 10—1 Uhr
18666fs) Gutenbergſtr. 52, I.
Kurſe vom 5. September 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
InProz.
8f.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,00
3½ Deutſche Reichsanl. . 88,75
78,60
do.
3
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,00
3½ do. Conſols . . . 88,75
78,60
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 99,80
93,20
do.
13½
82,60
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,00
87,60
do.
3½
77,90
do.
4 Hamburger Staatsanl. 99,80
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 100,00
4 do. do. (unk. 1918) 100,00
do.
87,30
3½
do.
77,10
3 Sächſiſche Rente.
4 Württemberger v. 1907 100,00
do. v. 1875
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887 . . 55,90
3¾/ Italiener Rente . . 96,60
4½ Oeſterr. Silberrente 90,70 6½ Luxemb. Prince Henri 162,50
4 do. Goldrente . . . 95,50 10 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 20%
4 do. einheitl. Rente 87,25
3 Portug. unif. Serie I 64,10
3 do. unif. Ser. III 67,70
3 do. Spezial . . . . 9,90
5 Rumänier v. 1903 . . 101,70
4 do. v. 1890 . . 94,80
4 do. v. 1905 . . 91,20
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 90,60
4 do. v. 1902 . . . . 91,00
4½ do. v. 1905 . . . . 100,75
3½ Schweden . . . . . . 87,90
4 Serbier amort. v. 1895 85,00
4 Türk. Admin. v. 1903 83,40
4 Türk. unifiz. v. 1903 91,70
4 Ungar. Goldrente . . . 90,40
Jf.
InProt.
5 Argentinier .
.101,25
4
do.
87,40
4½ Chile Gold=Anleihe . 93,50
5 Chineſ. Staatsanleihe . 100,10
4½
do.
4½ Japaner . . . . . . . 94,75
5 Innere Mexikaner . . . 94,30
3
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,00
5 Gold=Mexikaner . . . . 100,25
3 Buenos Aires Provinz 71,00
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt . . . . . . . 156,60
5 Nordd. Lloyd . . . . . 126,50
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 127,25
79,00 Aktienausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 118,80
8 Baltimore und Ohio . 108,70
6½ Schantungbahn . . . 137,50
6 Pennſylvania R. R. . 123,00
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger . . 72,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik .
. . . 552,90
14 Chem. Fabrik
Gries=
heim .
.259,80
30 Farbwerke Höchſt . . 656,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 356,00
10 Cement Heidelberg . . 150,00
30 Chem. Werke Albert 470,50
12½ Holzverkohlung
Kon=
ſtanz . . . . . . . 334,50
* do. Staatsrepte. . . 87,801 4 Lahmeyer . . . . . . . 128,00
Iuprear
Eente
Divid.
7½Schuchert, Nürnberg 161,00
12 Siemens & Halske .240,25
5 Bergmann Electr. . . 138,40
10Deutſch. Ueberſee Electr. 169,70
0 Gummi Peter . . . . 119,50
0 Kunſtſeide Frankfurt 117,20
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 585,50
10 Maſchinenf. Badenia 180,00
6 Wittener Stahlröhren 217,00
8 Steana Romana Petr. 159,00
15 Zellſtoff Waldhof . . 243,80
12½ Bad. Zucker=
Wag=
häuſel . . . . . . . 205,25
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 121,00
3 Südd. Immobilien . 66,00
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 194,90
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 238½
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 180,00
10 Gelſenkirchener . . . . 205,00
8 Harpener . . . . . . . 200½
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 276,30
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . .
4 Laurahütte . . . . . . 179,75
10 Kaliwerke Aſchersleben 168,50
Weſteregeln 215,00
11
7½ South Weſt Africa 143,80
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 88,10
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 94,20
4 Franz=Jofefs=Bahn . .
3 Prag=Duxer . . . . . . 75,25
5 Oeſterr. Staatsbahn . 103,10
4 Oeſterr. Staatsbahn . 93,70
80,00
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 100,10
4
do.
77,50)
In Prot.
2¾/10 Oeſt. Südb. (Lomb.) 54,90
3 Raab=Oedenburg . . . 77,00
4 Kronprinz Rudolfbahn
4 Ruſſ. Südweſt . . . . .
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,90
88,40
do.
4 Wladichawchas . . . . 88,75
4 Rjäſan Koslow .
88,00
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 77,70
4½
do.
88,00
2¼/10 Livorneſer . . . . .
3 Salonique=Monaſtir . 64,00
4 Bagdadbahn . . . . . . 83,30
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 97,25
4 Miſſouri=Paciſic.
71,70
4 Northern=Paciſic
98,80
4 Southern=Pacific . . . 94,70
5 St. Louis und San
86,10
Francisco . .
5 Tehuantepec . .
98,00
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 199,00
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn . . . . . . . 150,20
9½ Berlin. Handelsgeſ. .171,50
6½ Darmſtädter Bank . 123,50
12½ Deutſche Bank . . . 258,70
6 Deutſche Vereinsbank . 123,20
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 117,00
10 Diskonto=Kommandit 188,90
8½ Dresdener Bank . . 157,20
9½ Frankf. Hypoth.=B. 215,50
6½ Mitteld. Kreditbank 119,00
7 Nationalb. für Deutſchl. 126,00
7 Pfälziſche Bank . . . . 127,00
5.86 Reichsbank . . . . . 133,25
7 Rhein. Kreditbank. . . 135,25
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 123,75
7½ Wiener Bankverein . 135,60
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 98.00
Zuzron.
8.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 88,80
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 15—19, 21—26 97,20
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,00
do.
3½
88,00
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,90
3½
do.
88,80
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
99,40
S. 14, 15, 17, 24/26
18—23.
99,60
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2,
88,60
S. 3—5
88,80
S. 9—11
88,70
4 Meininger Hyp.=Bank 99,00
3½
do.
88,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 97,40
3½ do. (unk. 1914) . . 88,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,90
do.
3½
89,40
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . . . . —
3½ do.
4 Frankfurt.
.. 100,00
3½ do.
95,00
4 Gießen .
98,10
do.
31
91,00
4 Heidelberg
3½ do.
83,00
4 Karlsruhe
98,50
3½ do.
87,80
4 Magdeburg:
99,90
3½ do.
4 Mainz
98,50
3½ do.
89,50
Mannheim
98,40
do.
88,20
4 München .
. 99,50
3½ Nauheim
4 Nürnberg.
.100,00
3½ do.
88,00
4 Offenbach
-
In Pra
Bf.
, ₰ 90,50
3½ Offenbach .
4 Wiesbaden . .7 . 4
95,10
8½ do.
97,50
4 Worms .
88,60
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . Tlr. 109 171,80
8½ Cöln=Mindner 100 134,00
3 Holl. Komm. . fl. 100
3 Madrider . . Fs. 100 74,00
4 Meininger Pr.=
Pfand=
briefe . . . . . . . 135,50
4 Oeſterr. 1860er Loſe .
3 Oldenburger . . . . . . 125,00
2½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . ſl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 205,00
Fs. 15
Freiburger .
Fs. 45 —
Mailänder
do.
Fs. 10 32,00
ftl. 7 33,10
Meininger .
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 521,00
do. v. 1858fl.100 450,00
Ungar. Staats . . fl. 100
Venediger . . . . Fs. 30
Tärkiſche . . . . Fs. 400 174,60
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,42
20 Franks=Stücke . . . . 16,17
Amerikaniſche Noten . . . 4,18
Engliſche Noten
20,42
Franzöſiſche Noten. .
80,85
Holländiſche Noten. . . . 169,35
Italieniſche Noten . . . . 80,20
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,80
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,80
Reichsbank=Diskonto.
Reichshank=Lombard 33½ 5½
mzug.
Nummer 210.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. September 1912.
Weiblich in 4 SaiAngeh. Modiſtin, ſonen au
gebildet, ſucht Stelle in Privatge
ſchäft, Darmſtadt bevorz. Anerb
unt. N 59 an die Exp. (*5405fsc Perfekte Schneiderin empfiehlt
ſich in und außer dem Hauſ
Wienersſtr. 69, 2. St. (*5428f Schneiderin, tücht. im Veränd
v. Kleid. u. Weißzeugnäh., beſſer
Wäſche aus, nimmt Kunden an
*5416) Lauteſchlägerſtr. 17, Htb. I. Perſt. Schneiderin, ſgeſetzl. ge
prüft) garantiert f. gut. Sitz, emp
ſich auß. dem Hauſe. Berta Frenzel
Eliſabethenſtraße 35, 2. St. (*541 empf. ſich ir
Perf. Schneiderin u. außer
Hauſe Liebfrauenſtr. 63, pt. (*5136mf Geſucht für 15. September oder einige Kunden, da erſt hier zuge Hotelzimmermädchen ſuch
Stellg. ſofort oder 15. Sept. Näh
Eliſabethenſtr. 39, I., I. (*5262mdf Junge, fleibige Frau hat noc
halbe Tage frei z. Waſch. u. Putz
*5340df) Fr. Beck, Liebfrauenstr. 86, I Fräulein, 19 J., aus guter
bürgerlicher Familie, ſucht in
evangel. Hauſe (*5178mdf
Stellung als Stütze.
Familienanſchl., keine gegen=
ſeitige Vergütung. Off. unt.
N 6 an die Exped. ds. Bl. Ein nett. Mädchen m. g. Zeugn. das ſelbſtändig kochen kann und
w. g. bürgerl. koch. k., ſ. Stelle p. 1. Okt
n. Frankf. i. beſſ. Hauſ. Fr. Bleonore
Roth, gewerbsmäßige Stellenvermittlerin
Schloßgartenſtraße 49. (*5363fs Saub. reinl. Frau ſ. waſch. od
putz. Liebfrauenſtr. 79, Manſ. (*537 Aelt. Mädchen, weich. 4 Jahr
b. einem Herrn war, ſucht bei 1od.;
Herrn Stelle. Landmädch. mit gut.
Zeugniſſen, Kindermädch. ſuchen i
und Aushilfen ſuchen tagsüber
oder Stundenbeſchäftigung. Frau in der Exped. ds. Bl. (*5392fso
Berta Neßling,
gewerbsmäßige Stellenvermitt=
lerin, Ludwigſtraße 8. (*5385fsc Unabh. Mädch. Sucht Laufstelle
Näh. Waldſtr. 23, b. Bretsch. (*5391 Ige., gut empf. Frau ſucht Lauf=
ſtelle Lauteſchlägerſtr. 44. (*5389! Suche Mädch., welch. koch. können Mädch. ſucht 2 Stunden Lauf=
dienſt Schloßgaſſe 3, II. (*5418 Junges Mädchen aus guter
Fam., welches etwas nähen und
bügeln kann, ſucht bis 1. Oktober
Stellung zu Kindern. Zu erfrag. möglichſt von 10 bis 3½ Uhr
Blumenthalſtr. 64. (*5426 Haushälterin, perf. im Nähen,
Jungfer, Hausmädch., könn. ſerv., Suche: Köching 2. Hausm., Allein=
ſchneid. bügeln, Kinderfrl., Stützen,
Alleinmädchen ſuchen Stellen für
ſofort u. 1. Okt. Frau Minna
Dingeldein, gewerbsmäßige Stel=
lenvermittlerin, Schützenſtr. 10½,
Telefon 531.
(*5432 Männlich Mann. 10 Jahre alt, Inalde,
ſucht leichte Beſchäft. irgendw. Art.
Offert. unter N 2 Exped. (*5173mdf Abiturient d. Oberrealſch. ſucht
Stell. als Volontär in e. Bankgeſch.
Off. unt. N 61 an die Exp. (*5415 Herrschartiich. Chadheat Mechaniker, höfl. Umgangsformen,
tüchtig., zuverläſſiger Fahrer und
Reparateur, fährt jedes Syſtem u.
Ps, ſucht, geſtützt auf b. langi. Zeugn.
Engagement. W. Offert. erb. unt.
N 50 an die Exped.
(*5371 Olen
G.
u Weiblich Verkäuferinnen
geſucht. Wilh. Kraetzinger,
(18613fs
Ludwigſtraße.
ein Fräulein im Alter von 18 bis
20 Jahren aus beſſerer Familie
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Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. September 1912.
Nummer 210.
Sport.
* Radrennen in Darmſtadt. Die am nächſten
Sonn=
tag, den 8. September, ſtattfindenden Radrennen, die der
Velociped=Klub Darmſtadt auf ſeiner Rennbahn an der
Heidelbergerſtraße veranſtaltet und die nachmittags 3 Uhr
beginnen, erwecken auch außerhalb Darmſtadts Intereſſe,
wie aus zahlreichen auswärtigen Kartenbeſtellungen zu
ſchließen iſt Man iſt in Sportkreiſen der Anſicht, daß
unſere deutſchen Fahrer den gemeldeten belgiſchen
Mei=
ſterfahrern van Oerle und van Ginkel aus Brüſſel
gegen=
über recht ſchweren Stand haben werden. Allerdings
be=
ſitzen wir in dem Weltmeiſter Rode=Mainz einen Fahrer
von ſehr hoher Klaſſe der alles daran ſetzen wird, ſeinen
im Vorjahre begründeten Ruf als Weltmeiſter zu erhalten,
aber es wird erbitterte Kämpfe koſten, wenn ſich am
Sonn=
tag unſere deutſchen Fahrer, von denen neben Rode noch
Möſer, Reulein, Köllner, Cohn und Damus beſondere
Er=
wähnung beanfpruchen, ehrenvoll behaupten wollen.
In=
folge mehrerer Nachmeldungen hat die Fahrerliſte eine
Verſtärkung erfahren, ſo daß die einzelnen Rennen
außer=
ordentlich ſtarke Felder aufweiſen werden. So ſind z. B.
für das Ermunterungsfahremn 22 und für das
Hauptfah=
gen 21 Meldungen erfolgt, während das Mehrſitzerfahren
8 Mannſchaften und das 50 Kilometer=Mannſchaftsfahren
nach Art der Sechstagerennen nicht weniger als 20 Paare,
alſo 40 Fahrer, beſtreiten. Das iſt eine Zahl, die ſelbſt
bei den großen Sechstagerennen noch nicht vertreten war
und deshalb dürfte das 50 Kilometer=Rennen am
Sonn=
tag ſehr ſpannend und in ſeinen einzelnen Phaſen
außer=
ordentlich intereſſant werden. Jede Mannſchaft in dieſem
Rennen beſteht aus zwei Fahrern, die ſich beliebig
ab=
wechſeln können und ſo wird dadurch ein recht flottes
Tempo zuſtande kommen.
sr. Das Deutſche Freiwilligen=Automobilkorps, deſſen
Kommando kürzlich Prinz Waldemar von Preußen, der
Sohn des Prinzen Heinrich von Preußen, übernahm,
dürfte an den diesjährigen Kaiſermanövern in anſehnlicher
Stärke teilnehmen. Vorausſichtlich werden etwa 50 Wagen
bei der Manöverleitung, bei dem Stabe der
Oberſchieds=
richter und bei dem Armee=Oberkommando verwendet
wer=
den. Neben dem Freiwilligen=Automobilkorps werden
auch die freiwilligen Motorradfahrer in größerer Zahl
ausrücken. Dazu kommen die Laſtautomobile und die
Perſonen=Kraftwagen des Kraftfahr=Bataillons, die neben
den Armee=Laſtzügen zur Perſonenbeförderung, ſowie zum
Nachfahren von Lebensmitteln für Kavallerie verwendet
werden dürften. Neben Flugzeugen und lenkbaren
Luft=
ſchiffen dürften in dieſem Jahre zum erſten Maale auch
Motorboote Verwendung finden und zwar bei dem großen
Brückenbau, der während des Manövers geplant iſt.
Vermiſchtes.
C) Das Gebetbuch der Königin Marie Antoinette
Georges Cain, der Konſervator des „Muſee
Carna=
valet” in Paris, hat in Chalons ein Gebetbuch Marie
Antoinettes entdeckt, das die Königin ſtets bei ſich trug,
und in dem ſie wenige Stunden vor ihrer Hinrichtung
ihre letzten Gedanken aufzeichnete. Man lieſt dort auf
Seite 220 die folgende, mit feſter, wenn auch flüchtiger
Handſchrift niedergeſchriebenen Zeilen: „Am 16. Oktober
um ½5 Uhr morgens. Mein (Gott! Erbarme Dich
mei=
ner! Meine Augen haben keine Tränen mehr, um Euch,
meine armen Kinder, zu beweinen: Adieu. Adieu! Marie
Antoinette.‟ Ein Zweifel an der Echtheit der
Nieder=
ſchrift iſt ausgeſchloſſen. Es iſt Zug für Zug dieſelbe
Handſchrift, wie die des berühmten Briefes, den die
un=
glückliche Königin am Tage ihrer Hinrichtung an ihre
Schwägerin, Madame Eliſabeth, ſchrieb, und deſſen
Echt=
heit Fouquier Tinville durch ſeine Unterſchrift
beglau=
bigte. Wie dieſen Brief hatte die Königin auch die Notiz
in dem Gebetbuch urſprünglich vom 15. Oktober datiert,
um dann, nachdem ihr das richtige Datum zum
Bewußt=
ſein gekommen, aus der 5 eine 6 zu machen. Das
Gebet=
buch mit der bemerkenswerten Eintragung der
unglück=
lichen Königin iſt in dunkelgrünes Leder gebunden, mit
ſchön gemuſterten Ecken und Schlüſſen verſehen, trägt in
der Mitte ein Kreuz und zeigte in den Ecken und dem
Rücken des Einbandes Lilien, die indeſſen fein ſäuberlich
ausgekratzt worden ſind. Die Beantwortung der Frage,
wie das Gebetbuch der Königin nach Chalons verſchlagen
wurde, bildet eine anſchauliche Illuſtration zu dem Wort,
daß auch Bücher ihre Schickſale haben. Es war
Robes=
pierre in eigener Perſon, der ſich des Buches bemächtigt
und es mit anderen Büchern und Schriftſtücken der
könig=
lichen Familie in Verwahrung genommen hat. Zu
wel=
chem Zwecke das geſchehen, iſt nicht recht klar; in jedem
Falle aber hielt er die Dokumente ſorgſam in einem
Ver=
ſteck verwahrt, das er in ſeinem Bette angebracht hatte.
Hier fand ſie Courtois, der nach dem neunten Thermidor
damit betraut worden war, die Papiere des „Tyrannen”
einer Durchſicht zu unterziehen. Er verfuhr dabei wie
Robespierre: er eignete ſich die Dokumente an, in der
augenſcheinlichen Abſicht, daraus bei gelegener Zeit
Ka=
pital zu ſchlagen. Aber der Herzog Decazes machte ihm
einen Strich durch dieſe Rechnung; er mochte wohl Wind
von dem Schatze, den Courtois verwahrte, erhalten
haben und ließ im Januar 1816, während Courtois im
Exil in Belgien lebte, in ſeiner Wohnung Hausſuchung
abhalten und die Papiere beſchlagnahmen. Ein Teil
dieſer beſchlagnahmten Bücher und Papiere wurde 1831
dem Sohne des viel verfolgten, dabei aber ſchwer reich
gewordenen Courtois durch Vermittelung des Miniſters
Caſimir Perier wieder zurückgegeben. Courtois’ Sohn
hinterließ ſie ſeiner Schweſter Charmette, die ſie ihrerſeits
dem Dr. Dorie in Chalons, bei dem ſie lebte, vermachte.
Aus deſſen Nachlaß erwarb das Gebetbuch die
Stadt=
bibliothek von Chalons.
CK Eine Abſtionmung vor dem Areopag der Tanzkunſt,
Die ſchwierigen und heiß umſtrittenen Fragen der
moder=
nen Tanzkunſt haben nunmehr vor einem ſachverſtändigen
Areopag ihre zahlenmäßige Entſcheidung gefunden. Die
franzöſiſche Akademie der Tanzmeiſter hat eine
Um=
frage unter allen Lehrern der Choreographie
veran=
ſtaltet, die mit dieſem Inſtitut in Verbindung ſtehen. 2767
Stimmen ſind abgegeben worden; die bedeutendſten
Tanzlehrer der ganzen Welt haben ſich zu dieſer
Abſtim=
mung vereinigt, und das Reſultat darf den berechtigſten
Anſpruch auf autoritative Wirkung erheben. Die erſte
Frage lautete: „Welches ſind die Tänze, die man heute
am beſten empfehlen kann?” Und zwar war die Auswahl
gelaſſen zwiſchen den alten klaſſiſchen und den neuen
modernen Tänzen. Das Neueſte hat, wie ſo oft, geſiegt.
Der amerikaniſche Boſton im Dreivierteltakt erhielt 2530
Stimmen; den zweiten Preis erlangte der Walzer mit
2401 Stimmen; der Two Step im Sechsachtel=Takt fand
2311 Verehrer die ihn als den beſten Tanz empfahlen.
Die exotiſche Sherlockinette brachte es auf 2137 Stimmen;
die Polka mußte ſich mit 1806 Stimmen begnügen, die
Mazurka mit 1786; der Pas de Quatre brachte es nur auf
1600 Stimmen, und als letzter in der Gunſt der
Tanzmei=
ſter ſteht der früher ſo beliebte „Pas de Patineurs” der
nur 1520 Fürſprecher fand. Die zweite Frage: „Welche
Tänze ſind als ſchlecht zu bezeichnen?” führte zu einer
reſoluten Ablehnung aller jener modernſten Ausgeburten
des Tanzſaales, die ſchon ſeit langem die Entrüſtung der
berufenen Hüter des Tanzes erregen. Die Mehrzahl der
Antworten ſtellte feſt, daß jeder Tanz auszuſchließen iſt,
der keinen geregelten Rhythmus und beſtimmten
Charak=
ter hat, der ſtatt der Anmut und Geſchmeidigkeit
Verrenk=
ung der Glieder und Plumpheit hervorruft. Die Damen
werden alſo darauf verzichten müſſen, ſich im Tango und
im Bärentanz zu zeigen. Der Areopag der Tanzkunſt
hat es verboten; er macht ſchon ſo genug Zugeſtändniſſe
an den Geſchmack der Menge, wenn er die Sherlockinette
geſtattet und den „Fliegerſchritt” Bei der letzten Frage
aber ſprach das Herz der Tanzlehrer mit. Hier konnten
ſie zeigen, wo ihre ſtille Liebe liegt, die freilich weit ab
geht von der heutigen Mode. „Welches ſind ihre
Lieb=
lingstänze?”, lautete die weitere Frage. Die
Ant=
worten erzählen von der feinen Schönheit der alten Tänze,
die noch immer das Ideal jedes choreographiſch
durchge=
bildeten Geſchmackes ſind. Die meiſten Stimmen erhielten
die Frangaiſe, die Gavotte, das Menuett und die Pavane,
die zu zwei und vier Paaren getanzt die Anmut der
Tanz=
kultur am ſchönſten enthüllen.
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Bekanntmachung,
den Wagen= und Fußgängerverkehr am Großh. Hoftheater betr.
Bei dem bevorſtehenden Beginne der Spielzeit im Großh.
Hof=
theater bringen wir die nachſtehenden polizeilichen Anordnungen zur
Regelung des Wagen= und Fußgängerverkehrs am Großh. Hoftheater
vom 10. Dezember 1907 in Erinnerung.
Darmſtadt, den 4. September 1912.
(18638fso
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Bekanntmachung,
die Regelung des Wagen= und Fußgängerverkehrs bei Beginn
und Schluß der Vorſtellungen im Großherzoglichen Hoftheater
zu Darmſtadt betr.
I. Auf Grund des § 1 der Polizeiverordnung, die Erhaltung
der Sicherheit und Ordnung in und vor dem Großherzoglichen
Hof=
theater zu Darmſtadt betreffend, vom 1. September 1906 haben wir
zur Regelung des Wagen= und Fußgängerverkehrs bei Beginn und
Schluß der Vorſtellungen im Großherzoglichen Hoftheater die
nach=
ſtehenden Anordnungen getroffen, die an die Stelle der früheren
Anordnungen (vergl. unſere Bekanntmachung vom 6. v. Mts.)
ge=
treten ſind:
1. Die An= und Abfahrt der Wagen vor dem Großherzoglichen
Hoftheater bei Beginn und Ende der Vorſtellungen hat
aus=
ſchließlich unter der Säulenhalle des Hauptportals auf der
Süd=
ſeite des Hoftheaters, und zwar vor dem mittleren Ausgang,
zu erfolgen.
2. Wagen, welche bei Beginn der Vorſtellungen Perſonen nach
dem Großherzoglichen Hoftheater bringen, haben von Weſten,
d. i. von der Zeughausſtraße her, unter der Säulenhalle des
Hauptportals anzufahren und ſofort nach dem Ausſteigen der
Perſon nach Oſten abzufahren.
Die öſtlich des Großherzoglichen Hoftheaters aus der
Hochſchulſtraße, Alexanderſtraße oder der Straße am
Schloß=
graben anfahrenden Wagen müſſen daher an der Hinterbrücke
des Reſidenzſchloſſes vorbei bis zur Südweſtecke des
Theater=
platzes fahren und alsdann die obige Fahrtrichtung nehmen.
3. Die zum Abholen des fahrenden Publikums nach Schluß der
Vorſtellung beſtimmten Wagen haben auf beiden Seiten der
an der Oſtſeite des Theaterplatzes herziehenden Fahrbahn vor
dem Reſtaurant „Zur Oper” hintereinander Aufſtellung zu
nehmen. Inſoweit daſelbſt Platz nicht mehr vorhanden iſt, hat
die Aufſtellung nach Anweiſung des dienſthabenden
Polizei=
beamten in gleicher Weiſe auf der von dem Hoftheater nach
dem alten Theater führenden Straße zu geſchehen. Für
Auto=
mobile können nötigenfalls beſondere Aufſtellungsplätze
an=
gewieſen werden.
4. Der Aufruf bei der Abfahrt der Wagen erfolgt durch den
aus=
ſchließlich hierzu befugten Bedienſteten des Großherzoglichen
Hoftheaters. Iſt bei dem Anfahren unter dem Hauptportal
ein Einſteigen ohne Zeitverluſt nicht möglich, ſo muß der
Wagenführer abfahren und abermals auf den
Aufſtellungs=
plätzen ſo lange halten, bis er aufgerufen wird.
5. Das Ein= und Ausſteigen an anderer Stelle als an der unter 1
angegebenen, iſt verboten.
6. Die An= und Abfahrt der Wagen hat, ſoweit dies
gegebenen=
falls möglich iſt, im Trabe zu erfolgen. Unter der Säulenhalle
darf nur im Schritt gefahren werden.
7. Die vorſtehenden Beſtimmungen finden keine Anwendung auf
die Hofwagen, die an den Hauptportalen auf der Oſt= und
Weſtſeite des Großherzoglichen Hoftheaters anfahren.
8. Es iſt verboten, unbefugt den Wagen= und Fußgängerverkehr
vor dem Hoftheater zu hindern.
9. Bezüglich des Ausweichens gilt die allgemeine Beſtimmung
des § 271 des Polizeiſtrafgeſetzes, wonach bei entgegengeſetzter
Fahrtrichtung beide Wagen nach rechts und bei gleicher
Fahrt=
richtung der vordere zurückbleibende Wagen nach rechts, der
nachkommende überholende Wagen nach links auszuweichen hat.
II. Wer den vorſtehenden Beſtimmungen oder anderen zur
Regelung des Verkehrs vor dem Großherzoglichen Hoftheater
er=
gehenden Anordnungen der Aufſichtsbeamten zuwiderhandelt, wird
gemäß § 4 der eingangs erwähnten Polizeiverordnung vom 1.
Sep=
tember 1906 auf Grund des § 366 pos. 10 des Reichsſtrafgeſetzbuchs
mit Geldſtrafe bis zu 150 Mk. oder mit Haft bis zu 14 Tagen beſtraft.
Darmſtadt, den 10. Dezember 1907.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Bekanntmachung.
Betreffend: Feierabendſtunde in offenen Verkaufsſtellen.
Es iſt die Wahrnehmung gemacht worden, daß die geſetzlichen
Beſtimmungen über die Feierabendſtunde für offene
Verkaufs=
ſtellen (Ladenſchluß) nicht immer beachtet werden.
Wir machen deswegen wiederholt darauf aufmerkſam, daß nach
§§ 139e und k der Gewerbeordnung und den Bekanntmachungen des
Großh. Kreisamts Darmſtadt vom 7. Oktvber 1908 und 18. März
1909, abgeſehen von den ſogenannten „Ausnahmetagen”, welche von
uns beſtimmt und beſonders bekannt gemacht werden, ſämtliche
offene Verkaufsſtellen, — mit Ausnahme derjenigen der Konditoren
und Friſeure, für die auch weiterhin der Neunuhrladenſchluß gilt —
von 8 Uhr abends bis 5 Uhr morgens und an den Samstagen
vou 9 Uhr abends an für den geſchäftlichen Verkehr geſchloſſen
ſein müſſen. Die beim Ladenſchluß im Laden ſchon anweſenden
Kunden dürfen noch ausbedient, nach Eintritt des Ladenſchluſſes aber
Kunden in den Laden nicht mehr eingelaſſen werden.
Zuwiderhandlungen werden gemäß § 146a der Gewerbe=
Ordnung mit Geldſtrafe bis zu 600 Mk., im
Unvermögens=
falle mit Haft beſtraft.
Wir haben die Schutzmannſchaft mit ſtrenger Ueberwachung
der Einhaltung der Vorſchriften über den geſetzlichen Ladenſchluß
beauftragt und werden Uebertretungen unnachſichtlich zur Anzeige
bringen laſſen.
(18639fs
Darmſtadt, den 3. September 1912.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
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Freitag, den 6. September d. Js., vorm. 11 Uhr,
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verſteigert werden. (K114/11
Falls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen, wird
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
er=
eicht.
Darmſtadt, 22. Auguſt 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
J. V.: Ganß, (V18130
älteſter Gerichtsmann.
Bekanntmachung.
Freitag, den 4. Oktober I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Jakob Gebhardt
da=
hier zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
28 3365//100 191 Hofreite
Irene=
ſtraße,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K66/12
Darmſtadt, 20. Auguſt 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V17694
Bekanntmachung.
Freitag, den 4. Oktober I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Johann Adam Huth
Eheleuten dahier zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
I 170/10 1017 Hofreite
Bleich=
ſtraße,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K72/12
Darmſtadt, 21. Auguſt 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
J. V.: Ganß, (V17695
älteſter Gerichtsmann.
Bekanntmachung.
Freitag, 27. September 1912,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Jean Papatheodoros
Eheleuten zu Zürich (Schweiz)
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örige, in der Gemarkung Beſſungen
gelegene Liegenſchaft:
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mannſtraße 1, zwangsweiſe
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ſteigert werden.
Darmſtadt, den 30. Juli 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
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(Nachdruck verboten.)
13)
In dem großen Mittelſaale ſtand der dunkle
Eichen=
ſarg unter dem großen, aus der Hofkirche entlehnten
Kruzifix aufgebahrt. Rechts und links brannten in hohen
ſchwarzumhüllten Kandelabern große Wachskerzen und
warfen zitternde Lichter auf die Ueberfülle von Blumen,
Kränze und Fächerpalmen, die den Sarg ſchmückten.
Nur die Blumenſpenden der hohen und allerhöchſten
Herrſchaften, der Familie und der nächſten Freunde hatte
man hier unterzubringen vermocht, aber nach Hunderten
zählten die Kranzſpenden und Blumendekorationen, die
man in den Nebenräumen verteilt hatte.
Umwallt von ſchwarzen, kreppbeſetzten Gewändern,
ſtand Frau von Leerſen im Kreiſe der Ihren.
Ihre hohe, ſchlanke Geſtalt war gerade, aufgerichtet
Keine gebeugte, troſtloſe Witwe, nein, eine Frau, die mit
königlichem Anſtand und vornehmer Würde den Schlag des
Schickſals trägt. Ihr zur Seite ſtanden ihre Kinder. Karl
Auguſt in großer Uniform, gleich ihr tadellos in ſeiner
Haltung, trotz ſeines Schmerzes, um den Vater durch und
durch Herr ſeiner ſelbſt. Joachim bleich, nur mühſam
be=
herrſcht, und Chriſta, trotz aller vorhergegangenen
mütter=
lichen Ermahnungen, ſich zuſammenzunehmen, bitterlich
weinend. Ihr war es ganz egal, was in von ihr und
ihrem Benehmen dachte und ſprach. Sie hatte nur die
einzige Empfindung: nur kurze Zeit noch und dann
nehmen ſie Dir das, was von Deinem geliebten Vater Dir
noch blieb, und tragen es hinaus in die Gruft=
Da ging eine Bewegung durch die
Trauerverſamm=
lung.
Die hohen Herrſchaften kamen.
Karl Auguſt und Joachim gingen ihnen entgegen und
geleiteten ſie nach den ihnen reſervierten Plätzen.
Harmoniumtöne erklangen. Klar und rein, in
ge=
tragenen Tönen ſetzte der Domchor ein Die Trauerfeier,
die ſich zu einer ergreifenden geſtaltete, begann. Und als
ſie beendet war und man den Sarg hinaustrug, um ihn
unter den Klängen des Chopinſchen Trauermarſches nach
dem Friehof zu geliten, da ſtanden draußen mit
entblöß=
en Häuptern zahlloſe Menſchen, die, als die endloſe, dem
Leichenwagen folgende Wagenreihe zu Ende war, ſich
an=
ſchloſſen, um dem Verſtorbenen die letzte Ehre zu geben.
Oben, hinter den Vorhängan ihres Schlafzimmers
ſtand bebend Frau von Leerſen und ſah mit heißen,
trockenen Augen dem Zuge nach. Ueber alles die Ehre
ſtand im Wappen der Leerſen. Sie mumelte die Worte
vor ſich hin, ohne daß ſie es wußte. Wie, wenn ein
an=
derer, als ſie, jenes unſcheinbare Pulverpapier im Zimmer
ihres Gatten und jenen verhängnisvollen Brief auf ſeinem
Schreibtiſch gefunden hätte! — Die Beerdigung des
Mi=
niſters Ferdinand von Leerſen wäre dann eine andere
ge=
weſen.
5. Kapitel.
Schon ſeit drei Tagen ruhte Miniſter von Leerſen in
der kühlen Erde. Immer kleiner und geringer wurde die
Zahl der Neugierigen, die hinaus nach der Gruft
wall=
fahrteten, um die Blumen und Kränze zu bewundern und
die Widmungen auf den Schleifen und Bändern der
Blumenſpenden einer eingehenden Prüfung zu unter=
ziehen. Das öffentliche Intereſſe wandte ſich von dem
ſtillen Schläfer draußen den Hinterbliebenen zu Was
würde die Familie tun? Die ganze Stadt wußte es auf
einmal, daß Miniſter von Leerſen aus Schreck über den
Verluſt ſeines ganzen Vermögens einem Herzſchlag erlegen
war. Die einſt ſo begüterte Familie ſollte nichts, nichts
mehr haben! Alle Beſſergeſinnten und die, denen durch
den Leichtſinn des betrügeriſchen Bankiers Silbergleit ein
gleiches oder ähnliches Geſchick widerfahren war, hegten
warmes anteilnehmendes Mitleid für die doppelt vom
Schickſal geprüfte Familie; aber es gab auch ſolche — und
deren waren viele, die ſich ſchadenfroh die Hände rieben
und einander zuraunten: es ſei ganz gut, wenn einmal
ſolche Leute, denen im Leben immer alles für voll
ausge=
gangen ſei, etwas auf den Kopf kriegten. Aber der
Ref=
rain bei beiden Teilen war der gleiche: wie werden ſich
die verwitwete Exzellenz von Leerſen und ihre Kinder
bei der völligen Umwälzung ihrer Verhältniſſe benehmen?
Dieſe ſtolzen, einſtigen Sonnenkinder des Glückes!
Die Klatſchſucht und das Senſationsgelüſt der guten
Bellburger fanden denn auch reichlich Stoff zu
Aufreg=
ungen. Es wurde in der Tat mit einem Schlage alles
anders bei der Familie Leerſen, aber die Haltung der
ganzen Familie — darüber herrſcht nur eine Stimme —
blieb wirklich bewunderungswürdig. Ruhig, gefaßt, als
ſei es ſelbſtverſtändlich, geſchah alles, und alle, die in
war=
mer Freundſchaft hatten tröſten wollen, fanden nur
ſpär=
lich Gelegenheit dazu, ihre gewiß löbliche Abſicht
auszu=
führen, denn man hörte keine Klage. Der bekannte, oft
verletzende Stolz der Leerſen hielt auch dem Unglück ſtand.
Aber in dieſem Falle wurde er nicht getadelt, ſondern man
verſagte ihm die Anerkennung nicht, umſomehr, da man
wußte, daß auch die hohen und höchſten Herrſchaften ſich
in dieſem Sinne geäußert hatten.
Bald nach der Beerdigung waren die Söhne, die
Seiner Durchlaucht die Orden des Verſtorbenen
zurück=
brachten, in Audienz empfangen worden.
Seine Durchlaucht war ſichtlich ergriffen geweſen und
hatte bei dieſem Alleinſein mit den beiden jungen
Leer=
ſens die wärmſten Gefühlstöne angeſchlagen, als er von
dem Geſtorbenen geſprochen hatte Er hatte beide immer
wieder ſeiner Geneigtheit verſichert und ſie gebeten, ihm
von ihren Zukunftsplänen zu ſprechen.
Karl Auguſt, dem ſonſt ſo Gewandten, war es
bitter=
ſchwer geworden, von ſeiner Verſetzung aus der
Kaval=
lerie zur Infanterie, die ſich der Verhältniſſe wegen nötig
machte, zu ſprechen.
Seine Durchlaucht ſah es ihm an, und in ſeiner gütigen
Weiſe tröſtete er den jungen Mann. Ei, das freut mich,
lieber Leerſen, daß Sie nach Bellburg kommen, dann wird
man Sie öfter, als bisher, bei Hofe ſehen. Soldat iſt
Sol=
dat. Wir tragen ſo gut bei der Infanterie wie bei der
Karallerie des Königs Rock! Man kann ja nicht wiſſen,
ob nicht in abſehbarer Zeit ein Adjutantenpoſten frei wird
Da will ich an Sie denker!
Durchlaucht! Karl Auguſt beugte ſich tief über die Hand
ſeines gütigen Fürſten.
Dann wandte ſich Seine Durchlaucht zu Joachim, der
ernſt etwas hinter ſeinem älteren Bruder ſtand. Und Sie,
mein junger Freund, der Sie Ihrem verſtorbenen Vater
ſo ähnlich ſehen, Sie werden ſicher, gleich ihm ein tüchtiger
Juriſt, im Miniſterium von Stufe zu Stufe ſteigen und
Ihrem Fürſtenhauſe die Laſt der Regierungsgeſchäfte
tragen helfen.
Durchlaucht, ich hoffe, meinem Fürſtenhauſe auch in
anderer Weiſe meine Treue und Ergebenheit beweiſen zu
können. Ich wollte um meinen Abſchied bitten. Ich
ge=
dere
Oh. bedauernd ſchüttelte Seine Durchlaucht den grauen
Kopf. Und warum?
Ich will nach Berlin gehen, um dort als freier
Schrift=
ſteller zu leben, und gedenke auch ſo dem Namen meines
Vaters keine Unehre zu machen. Hochaufgerichtet ſtand
Joachim, offen und frei ſah er dem hohen Herrn ins
An=
geſicht. Jetzt, da an ſolcher Stelle dieſes Wort
ausge=
ſprochen war, gab es kein Zurück mehr.
Ja, ja, ich weiß, Sie haben Talent, großes Talent,
ſagt man! Möchten Sie auf der von Ihnen gewählten
neuen Lebensbahn gleichfalls Glück und Anerkennung
fin=
den: Das iſt mein aufrichtiger Wunſch für Sie. Er reichte
Joachim flüchtig die Fingerſpitzen und unterhielt ſich
wäh=
rend des Reſtes der Audienz nur noch mit Karl Auguſt,
der in Devotion und Ehrerbietung vor dem hohen Herrn
förmlich erſtarb.
Während der Rückfahrt nach Hauſe wechſelten die
Brüder kein Wort. Karl Auguſt dachte darüber nach, daß
das Benehmen Seiner Durchlaucht ihm gegegüber für ihn
die glänzendſten Ausſichten eröffnete. Daß Joachim beim
Fürſten einfach total abgefallen war, lag auf der Hand.
Und das erfüllte ihn förmlich mit Genugtuung. Der Menſch
war einfach verrückt mit ſeiner verbohrten Idee,
Schrift=
ſteller zu werden. Was hatte er nur mit ihm ſchon für
Auseinanderſetzungen gehabt deswegen! Zu all den
ſchmerzvollen und unglücklichen Erlebniſſen der letzten Tage
auch das noch! Aber, was ging es ihn ſchließlich an,
Joachim trug die eigene Haut zu Markte dabei!
Joachims Gedanken beſchäftigten ſich gleichfalls mit
dem, was er ſoeben bei Seiner Durchlaucht erlebt hatte
Er hatte es ſehr wohl empfunden, daß deſſen Wohlwollen
ſich nach ſeiner Erklärung ſichtlich Karl Auguſt zugewendet
hatte. Aber das focht ihn weiter nicht an. Darauf hatte
er ſich bereits gefaßt gemacht, daß man mißbilligend auf
ſeine neue Berufswahl blicken würde. Er ſehnte ſich nach
Ada. In all den ſchweren Tagen, die ſeit des Vaters Tod
üher ihn hereingebrochen wagen, hatte er ſie nur ein Lagre
mal ganz flüchtig geſehen und geſprochen. Er hatte ſich
mit Karl Auguſt in all die traurigen Pflichten und
Ob=
liegenheiten redlich geteilt, die dieſer plötzliche Todesfall
mit ſich gebracht hatte. Alle perſönlichen Wünſche waren
naturgemäß dahinter zurückgetreten. Seine Mutter hatte,
als er im Uebermaß ſeines Schmerzes ſeine Arme um ſie
geſchlungen hatte, kein freundliches Wort für ihn gehabt.
In ihrem Blick lag es fortgeſetzt, wenn ſie ihn anſah, wie
eine Anklage, wie ein ſtummer Vorwurf.
Am Nachmittag desſelben Tages, an dem ihre Söhne
früh bei Seiner Durchlaucht geweſen waren, hatte ſie mit
ihnen eine lange ernſte Unterredung. Lange hatte ſie mit
ſich gekämpft, war aber dann zu der Gewißheit gelangt,
daß ſie den hinterlaſſenen Brief des Toten, dieſen Aufſchrei
der Verzweiflung, dieſes keuevolle Geſtändnis ſeiner
Schuld und ſeine Bitte um ihre Vergebung den Söhnen
nicht vorenthalten durfte. Abſichtlich hatte ſie aber erſt
die Audienz beim Fürſten vorbeigehen laſſen, ohne ihnen
etwas davon zu ſagen, denn unbefangen und ohne
Kennt=
nis von dem Fehlen und der Schuld des Vaters ſollten
ſie vor den hohen Herrn treten, der, wie ſein Tun und
Laſſen bezeugte, großmütig verziehen hatte und der
Fa=
milie nichts nachtrug In fürſtlicher Huld hatte er ſogar
die für ihre Anſprüche beſcheidene Witwenpenſion
bedeu=
tend erhöht. Wie wohlgeſinnt er den Hinterbliebenen
ſeines ungetreuen Beamten war, hatte auch der ganze
Verlauf der heutigen Audienz bewieſen. Joachim freilich
— aber er hatte es ja ſelbſt ſo gewollt!
Sie ließ alſo ihre Söhne zu ſich bitten. Chriſta ſchloß
ſie von dieſer Unterredung aus. Sie war noch zu jung, zu
unerfahren, und das arme Kind war ſo ſchon durch den
Tod des Vaters wie niedergebrochen. Hofrat Mehnert
hatte ſogar jetzt ſchon Beſorgniſſe für ihre Geſundheit
geäußert. Rein, nein, ſie ſollte geſchont werden!
(Fortſetzung folgt.)
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. September 1912.
Nummer 210.
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Nummer 210
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 6. September 1913.
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