Darmstädter Tagblatt 1912


05. September 1912

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monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
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175. Jahrgang
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.

Inſerafe
werden angenommen in Darmſtadt,
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ſowie von unſeren Agenturen und
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gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Der Kaiſer nahm nach ſeiner Ankunft in Zürich
am Dienstag abend an dem Bankett im Hotel Baur
au Lac und begab ſich am Mittwoch früh ins Ma=
növergelände
.
Prinz Heinrich von Preußen iſt geſtern in
Tſingtau eingetroffen.
Zu Ehren der ſchwediſchen Journaliſten fand
am Dienstag abend im Hotel Kaiſerhof in Berlin
ein Bankett ſtatt, dem der Staatsſekretär v. Kiderlen=
Wächter und der ſchwediſche Geſandte in Berlin bei=
wohnten
.
Durch eine Schlagwetterexploſion in der Grube
Clarence bei Béthune in Frankreich ſind gegen 40 Berg=
leute
getötet worden.

Das Recht der deutſchen Kapitäne
auf eigene Initiative.

Kampf gegen die Vermehrung der geſetz=
lichen
Vorſchriften über die Schnellig=
keit
der Schiffe.
** Auf Grund des vielleicht nicht ganz zutreffen=
den
Urteils des Lords Merſey, der die Schuld
am Unglück der Titanic der übermäßigen Schnellig=
keit
dieſes Schiffes und dem mangelnden Ausguck zu=
ſchrieb
, hatte Geheimrat Flamm einen Artikel verfaßt,
in dem er Vermehrung der geſetzlichen Vorſchriften über
die Schnelligkeit der Schiffe etc. fordert.
Dem gegenüber wird uns aus den Kreiſen
unſerer bewährten deutſchen Kapitäne
geſchrieben:
Im Jahre 1897 trat der Norddeutſche Lloyd mit
einem Dampfer, imlich Kaiſer Wilhelm dem Großen,
in die nordatlantiſche Fahrt ein, der gegen die bisher
von deutſchen Kapitänen geführten Schiffe einen weſent=
lich
größeren Sprung darſtellte, als die jetzige Einſtellung
eines Dampfers von der Größe und Schnelligkeit der
Titanic bedeuten würde. Es folgten die noch größeren
und ſchnelleren Dampfer des Norddeutſchen Lloyds
Kronprinz Wilhelm Kaiſer Wilhelm II., Kron=
prinzeſſin
Cecilie und die Deutſchland der Ham=
burg
=Amerika=Linie. Mit dieſen fünf Schiffen
unter Führung deutſcher Kapitäne und Offiziere
hat Deutſchland bis zum Jahre 1907 mit über 23 Knoten
( 43 Kilometer die Stunde) Durchſchnittsgeſchwindig=
keit
der Dampfer die Führung auf dem nordatlantiſchen
Ozean gehabt, bis ſchließlich dann England durch die
mit Staatsdarlehen gebauten Dampfer Luſitania und
Mauretania das blaue Band an ſich riß. Außer
den erwähnten fünf Schnelldampfern, von denen aller=
dings
die Deutſchland inzwiſchen zu einem Touriſten=
dampfer
umgebaut iſt, beſitzt Deutſchland gegenwärtig
neben vielen kleineren Dampfern 29 von über 10000 Re=
giſtertons
, die ſämtlich zwiſchen Europa und Nordamerika
verkehren und von ihren Kapitänen bislang, ebenſo wie
die genannten Schnelldampfer durch die Gebiete der trei=
benden
Eisberge ohne Kataſtrophen hindurch gebracht
ſind, trotzdem und wahrſcheinlich gerade weil ſich kein
Geſetz in die Navigation gemiſcht hat. Die Kapitäne ha=
ben
ſtets die volle Verantwortung für ihre Maßnahmen
tragen müſſen, ſind aber auch dadurch, was kaum zu be=
zweifeln
iſt, zu ſelbſtändigem, auf Erfahrungen baſieren=
dem
Urteil gekommen, daß ſie ſich nicht leicht werden
nehmen laſſen.
Es ſoll durchaus nicht beſtritten werden, daß bei
neuen Schiffen von der Größe und der Geſchwindigkeit
der Titanic das Fahrtmoment bedeutend wächſt und
der Stoppweg namentlich bei den relativ ſchwächeren
Rückwärtsturbinen vergrößert wird. Auch liegt es fern,
zu beſtreiten, daß die Sehweite in ihrem Marimum beim
einzelnen ſich annähernd beſtimmen läßt und daß dieſe
Sehweite unter Umſtänden kleiner ſein kann als der
Stoppweg der neuen großen Dampfer. Ebenſo unzweifel=
haft
aber iſt es, daß die Sehweite bei verſchiedenen Ob=
jekten
tatſächlich ſehr verſchieden iſt und die Eisberge ſind
nach allgemeiner ſeemänniſcher Erfahrung auch in dunkler,
aber ſonſt klarer Nacht beſonders weit ſichtbar, und zwar
weit genug, um bei gewiſſenhaft beſetztem Ausguck ihnen
unter allen Umſtänden, auch mit Schiffen vom Fahrt=
moment
und Stoppweg der Titanic ausweichen zu
können.
Die Größe des Fahrtmomentes beziehungsweiſe die
Länge des Stoppweges, worauf es praktiſch hauptſächlich
ankommt, wird ſchon ſeit Jahren bei allen großen Reede=
reien
nicht durch theoretiſche Erwägungen, ſondern durch
praktiſche Verſuche einwandfrei feſtgeſtellt.
Reſultate werden mit anderen wichtigen Daten, wie Größe
und Zeit des Drehkreiſes uſw., in die Manöbriertabelle
eingetragen, aus der Kapitän und Offiziere ſich jederzeit

über die Manövriereigenſchaft ihres Schiffes unterrichten
können. So zum Beiſpiel beträgt die Stoppzeit für den
Dampfer Kaiſer Wilhelm II. bei 23 Knoten Geſchwin=
digkeit
2 Minuten 45 Sekunden und der Stoppweg 600
Meter, das heißt mit anderen Worten: Kaiſer Wil=
helm
II. iſt bei normalem Tiefgang und ſeitlichem Wind
aus voller Fahrt in 2¾4 Minuten zum Stillſtand zu
bringen, nachdem er vom Augenblick der Umſteuerung der
Maſchinen nur noch 600 Meter ½ Seemeile zurück=
gelegt
hat. Weiter iſt unter anderem aus der durch prar.
tiſche Verſuche feſtgeſtellten Manöpriertabelle desſelben
Dampfers zu erſehen, daß er unter Beibehaltung der
Geſchwindigkeit bei Hartüberlegen des Ruders in 1½
Minuten, in denen er noch 1000 Meter durchläuft, 45 Grad
zum Abfallen gebracht werden kann.
Nach dieſen Erfahrungen wird man vielleicht ver=
ſtehen
, wenn das Urteil Lord Merſeys in glei=
cher
Weiſe, wie zum Beiſpiel auch die Times am
31. Juli dieſes Jahres für unkorrekt gehalten wird,
da es als Haupturſache der Kolliſion des Dampfers Ti=
tanic
mit dem Eisberge die Schnelligkeit des
Schiffes hinſtellt, während bewieſen iſt, daß
der Ausguck ungenügend beſetzt geweſen iſt.
Nichts ſpricht dagegen, daß andernfalls der verhängnis=
volle
Eisberg nicht rechtzeitig genug geſichtet wäre, un=
ihm
ausweichen zu können. Jeder Grund, die Fahrt zu
mäßigen, wäre außerdem hinfällig geweſen, wenn Kapi=
tän
Smith auf die Eismeldungen hin einen ſüdlicheren
Kurs genommen hätte: weshalb er dies trotz des klaren
Wetters zur größeren Vorſicht nicht getan hat, dürfte
gleich mir allen deutſchen Seeleuten ſchwer erklärlich ſein.
Es iſt berechtigt, und wohl ſtets von Sceleuten als
richtig und notwendia empfunden worden, daß die See=
ſtraßenordnung
die Mäßigung der Geſchwindigkeit bei
Nebel uſw. vorſchreibt. Es ſollte aber mit allen: Nach=
druck
gegen die Erlaſſung einer geſetzlichen Beſtimmung
gekämpft werden, nach der auch bei klarem Wetter dei
Eisgefahr nachts die Fahrt reduziert werden müßte.
Man ſollte es vielmehr nach wie vor dem Kavitän
überkaſſen, dies zu tun, wenn es ihm nach Lage
aller zu erwägenden Verhältniſſe notwendig erſcheint.
Häufig genug beſteht die Eisgefahr in einem oder auch
mehreren dicht beieinander treibenden Eisbergen, denen
man praktiſch durch Verlegen des Kurſes beſſer
entgeht als durch Reduzieren der Geſchwindigkeit.
Schiffe vom grünen Tiſch aus durch alle Fährniſſe
der See lenken zu wollen, erſcheint als ein nicht unge=
fährliches
Unternehmen. Zweifellos mehr dürfte man er=
reichen
, wenn man vermeidet, jeden Einzelfal zum An=
laß
von Vorſchriſten zu nehmen, durch die den Kaptänen
die eigene Initiative unterbunden und die
Freude am Beruf genommen wird. Solange das Ver=
antwortlichkeitsgefühl
deutſcher Kapitäne und
Offiziere für die Sicherheit der Schiffe einen wich=
tigen
Faktor darſtellt, ſollte man es zu erhalten und wo=
möglich
noch zu kräftigen ſuchen, aber nicht durch Bevor=
mundung
ſchwächen.

Kundgebungen und Beſchlüſſe zur Fleiſch=
teuerung
.

* In den letzten Tagen ſind mehrere bemerkenswerte
Kundgebungen und Beſchlüſſe ſeitens parlamentariſcher
Körperſchaften und Korporationen erfolgt, die bei dem
aktuellen Intereſſe und der großen Wichtigkeit der Frage
nicht unbeachtet bleiben können.
In der Sitzung der bayeriſchen Kammer der
Abgeordneten wurde am Dienstag die Inter=
pellation
der Sozialdemokraten betreffend die Nahrungs=
mittelteuerung
beraten.
Abgeordneter Auer (Soz.) forderte in ſeiner Begrün=
dung
, die bayeriſche Regierung möge im Bundesrat den
Antrag ſtellen, den Reichstag baldmöglichſt einzuberufen
und ihm Geſetzesvorlagen zu unterbreiten betreffend die
ſofortige Suspendierung der Zölle auf Lebens= und
Futtermittel, Oeffnung der Grenzen für ausländiſches
Vieh und Fleiſch unter Aufrechterhaltung der veterinär=
polizeilichen
Maßnahmen, Aufhebung der Einfuhrſcheine
und die Einfuhr von Gefrierfleiſch. Der Miniſter des
Innern wies in Beantwortung der Interpellation
darauf hin, daß die Steigerung der Lebensmittelpreiſe
im letzten Jahrzehnt eine internationale Erſcheinung ge=
worden
ſei. Jedenfalls beſtehe kein Anhaltspunkt, daß die
Preisſteigerung ihren Grund in den Beſtimmungen der
deutſchen Zollgeſengebung habe und es ſei alſo der Ver=
ſuch
, die Schuld an der jetzigen Lage der deutſchen Land=
wirtſchaft
oder der Regierung zuzuſchieben, unberechtigt.
Die deutſche und ſpeziell die bayeriſche Landwirtſchaft tat
im Gegenteil ihr möglichſtes, um den Nahrungsbebarf
für das deutſche Volk aufzubringen. Ebenſo unberechtigt
ſeien die Vorwürſe gegen die Staatsregierung und die
Reichsleitung, als ob dieſe unter dem Einfluß agrariſcher
Kreiſe ſtehen. Die Beſeitigung der Zölle würde zu einem
Zuſammenbruch des geſamten deutſchen Wirtſchaftslebens
führen. Eine Steigerung der Preiſe von Brotgetreide ſei
ſeit dem Jahre 1881 nicht eingetreten. Die Getreidezölle
und die Einfuhrſcheine trügen keine Schuld an der Ver=
teuerung
der Lebensmittel. Es müſſe an der bewährten
deutſchen Schutzollgpfepgebung unbe=
dingt
feſtgehalten werden. Der Miniſter

ſagte weiter: An die Stelle des unmittelbaren Verkehrs
der ſtädtiſchen Konſumenten mit dem Landwirt, der ſeine
Erzeugniſſe ſelbſt zu Markte brachte, iſt mehr und mehr die
Lebensmittelverſorgung durch Vermittlung des Groß=
handels
und des Zwiſchenhandels getreten,
die unvermeidlich zu einer zunehmenden Verteuerung
führen muß, weil nun im Preiſe für die Lebensmittel
nicht nur deren Erzeugungskoſten, ſondern neben den
Transport= und Lagerkoſten auch der Lebensunterhalt
und der Unternehmergewinn aller der Zwiſchenglieder
zwiſchen Produzenten und Konſumenten mitbezahlt wer=
den
muß. Das zeigt ſich vor allem auch bei den Fleiſch=
preiſen
, die ja dort verhältnismäßig billiger ſind, wo die
Metzger noch das Vieh bei den Bauern einkaufen und da=
durch
die Koſten der Händler und Schmuſer ſerſparen.
Die Erfahrungen, die Oeſterreich und die Schweiz mit
gefrorenem und gekühltem Fleiſch gemacht
haben, ſind keine beſonders günſtigen. Immerhin iſt es
nicht ausgeſchloſſen, daß ſich die Erfahrungen in Deutſch=
land
günſtiger geſtalten, und ich halte es unter den gegen=
wärtigen
Verhältniſſen für vertretbar, einen Verſuch
mit der Einfuhr ſolchen Fleiſches zu machen. Die Ein=
fuhr
von gefrorenem Fleiſch aus Auſtralien iſt ſchon heute
unbeſchränkt zugelaſſen, und es findet tatſächlich eine Ein=
fuhr
gefrorener Hammel aus Auſtralien ſtatt. In bezug
auf Argentinien beſchränkt ſich die Einfuhrerlaubnis auf
gefrorenes Hammelfleiſch. Wenn eine Einfuhr von Rind=
fleiſch
aus Auſtralien unterblieb, ſo hat das nach zuver=
läſſigen
Mitteilungen ſeinen Grund darin, daß der aus=
ländiſchen
Kompagnie, die den Transport von Kühl=
fleiſch
in der Hauptſache in Händen hat. der Paragraph 12
des Fleiſchbeſchaugeſetzes unbequem iſt und ſie ſich den
Beſtimmungen des Paragraphen nicht hat anpaſſen wol=
len
. Nun ſoll durch Verſuche einwandfrei feſtgeſtellt
worden ſein, daß ſich Rindfleiſch, in Hälften zerlegt, ſantt
Eingeweide, ſehr gut transportieren laſſe. Die deutſche
Induſtrie ſoll ſich dieſer Sache bereits bemächtigt haben,
und es wird nach glaubhaften Nachrichten ſchon in näch=
ſter
Zeit, etwa Ende Oktrber, mit der Zufuhr be=
deutender
Mengen ausländiſchen Ge=
frierfleiſches
auf den deutſchen Markt
zu rechnen ſein. Vorausſetzung der Verwertung
dieſes Fleiſches iſt natürlich, daß nicht nur in den Trans=
portſchiffen
, ſondern auch in den ſtädtiſchen Schlacht=
häuſern
geeignete Gefrier= und Kühlanlagen eingerichtet
werden. Sollte aber die Beſtimmung des Fleiſchbeſchau=
geſetzes
, wonach die Einfuhr von friſchem Fleiſch nur in
ganzen oder halben Tierkörpern, mit denen ein Teil der
Eingeweide in natürlichem Zuſammenhang ſtehen muß,
zuläſſig iſt. trotz des neuen Verfahrens die Einfuhr über=
mäßig
erſchweren und verteuern, ſo würde darauf hin=
zuwirken
ſein, daß verſuchsweiſe eine Ergänzung, dieſer
Beſtimmung in Betracht gezogen wird. Zur Herbeifüh=
rung
dieſes Erfolges iſt die bayeriſche Staatsregierung
mit der Reichsleitung bereits ins Benehmen ge=
treten
, und ich hoffe, daß hierdurch eine Erleichte=
rung
in der Fleiſchverforgung für die
jetzige ſchwierige Uebergangszeit erreicht wird Letztere
Mitteilung wurde von den anderen Rednern beifällig be=
grüßt
.
Die Stadtverordneten von Frank=
furt
a. M. beſchäftigten ſich am Dienstag zwei Stunden
lang mit der Fleiſchteuerung, wegen deren der Magiſtrat
bereits bei der Regierung vorſtellig geworden iſt. Die
Verſammlung ſprach ſich einſtimmig dafür aus, daß bei
der Reichsregierung und dem Bundesrat Anträge auf
ſofortige Einberufung des Reichstages
geſtellt werden, und beauftragte die beſtehende gemiſchte
Deputation mit der Beratung von Maßnahmen zur
Linderung der Fleiſchnot. Dagegen wurden die ſozial=
demokratiſchen
Anträge abgelehnt, wonach die Stadt die
Beſchaffung von billigem Fleiſch und die Einrichtung
von Seefiſchmärkten ſelbſt in die Hand nehmen ſoll. Auch
der Magiſtrat der Stadt München beſchloß
einſtimmig, den Bundesrat wegen der Teuerungsfrage
um ſofortige Einberufung des Reichstages zu erſuchen.
Der Referent der Stadtverwaltung Dr. Kühles erklärte
unter Zuſtimmung der Vertreter ſämtlicher Parteien, daß
die empfindliche Notlage der unteren, wie auch der mitt=
leren
Bevölkerungsſchichten ſchleunigſt wirkſame Abhilfs=
maßnahmen
erheiſche.
Die Berliner Fleiſcherinnung hat, wie
die Allgemeine Fleiſcher=Zeitung mitteilt, in ihrer Ge=
neralverſammlung
am Dienstag folgende Erklärung
einſtimmig angenommen: Die ungenügende Beſchickung
der deutſchen Schlachtviebmärkte hat zu einer Viehteuerung
und naturgemäß zu einer Fleiſchteuerung, wie ſolche noch
nicht dageweſen iſt, geführt. Aus Regierungskreiſen
werden Artikel veröffentlicht, welche zwar die Viehknapp=
heit
und Viehteuerung anerkennen, aber gleichwohl
zu beweiſen ſuchen, daß die deutſche Land=
wirtſchafk
an der Notlage keine Schuld trägt.
Gegenüber dieſen Aeußerungen vom grünen Tiſch
ſtellt die Berliner Kleiſcherinnung aus der Praxis des

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag,iden 5. September 1912.

Nummer 209.

geſchäftlichen Lebens die Tatſache feſt, daß die deutſche
Viehzucht, wenn auch ihr Auſſchwung nicht verkannt und
mit Freuden begrüßt wird, ſich außerſtande gezeigt hat
die geſtiegenen Anforderungen der Fleiſchernährung des
deutſchen Volkes zu befriedigen. Die Berliner Fleiſcher=
innung
kann nach den bisherigen Erfahrungen auch der
Vertröſtung, daß die deutſche Landwirtſchaft in Zukunft
ausreichend Schlachtrieh zu liefern ſtark ſein werde, nicht
den geringſten Wert beimeſſen. Die Berliner Fleiſcher=
innung
fordert daher von neuem als einziges Mittel zur
Abhilfe des Notſtandes Oeffnung der Grenzen für die
Einfuhr von lebendem Schlachtvieh.

Deutſches Reich.

Aus Deutſch=Oſtafrika. Gouverneur Dr
Schnee, der den Kolonialſtaatsſekretär Dr. Solf auf ſeiner
Reiſe durch Deutſch=Oſtafrika begleitet, ſprach ſich nach
einer Kabelmeldung der Kolonialen Korreſpondenz in
einer Verſammlung der weißen Anſiedler zur Begrüßung
des Kolonialſtaatsſekretärs zu Moſchi am Kilimandſcharo
ſehr anerkennend über die in kurzer Zeit erzielten glän=
zenden
wirtſchaftlichen Erfolge aus Er werde ſein Mög=
lichſtes
tun, um dieſe fruchtbaren Gebiete des Nordens der
Kolonie für deutſche Beſiedelung nutzbar zu machen. Zu
dieſem Zwecke ſollen für deutſche Siedelungen reſervierte
Gebiete geſchaffen werden. Des weiteren betonte der Gou=
verneur
, er werde ſich ſtets angelegen ſein laſſen, mit den
Anſiedlern Hand in Hand zu arbeiten. Eine Regierung,
die gegen die Anſiedler arbeite, ſei keine Regierung.
Die Befeſtigung von Borkum. Das Ar=
meeverordnungsblatt
veröffentlicht einen Erlaß, wonach
vom 1 Oktober ab eine ſelbſtändige Fortifikation Bor=
kum
eingerichtet wird. Dieſe Maßnahme erregt in der
engliſchen Preſſe großes Aufſehen. Man verweiſt darauf,
daß die Inſel ein zweites Helgoland wird, das den Dol=
lartbuſen
bewachen und eine Blockade der Emsmündung
verhindern ſoll Bekanntlich ſeien im Vorjahre zwei eng=
liſche
Hauptleute, Brandon und Trench, die die Inſel be=
ſuchten
, verhaftet und zu dreijähriger Feſtungshaft wegen
Spionage verurteilt worden. Die Vorausſage, daß die
Inſel befeſtigt werde, ſei in der engliſchen Preſſe ſchon im
Jahre 1910 erfolgt.
Ueber die Ausſchließung engliſchen
Journaliſten von den deutſchen Kaiſer=
manövern
erfährt die Voſſiſche Zeitung folgendes:
Sechs Vertreter engliſcher Zeitungen hatten um die Ge=
nehmigung
nachgeſucht, den Kaiſermanövern, beiwohnen
zu dürfen. Zwei Vertretern der engliſchen Preſſe, dem
Vertreter des Bureaus Reuter und des Daily Telegraph
iſt dieſes Geſuch bewilligt worden. Für die anderen vier
wurde die Genehmigung nicht erteilt.
Ein Mittelſtands=Sanatorium. Das
Rote Kreuz hat die Errichtung eines Mittelſtands= Sana=
toriums
beſchloſſen. Es iſt für weibliche Angehörige der
durch das neue Angeſtellten=Verſicherungsgeſetz verſicherten
Mittelſtandskreiſe beſtimmt. Zu den Neubauten ſoll am
15. September, dem 10jährigen Stiftungsfeſt der Heilſtätten
und Berufsſchulen vom Roten Kreuz in Hohenlychen, der
Grundſtein gelegt werden. Mit den Anſtalten wird auch
eine Schule zur Ausbildung der weiblichen Jugend im
Helferinnen= und Schweſterndienſt zur Ablegung der ſtaat=
lichen
Prüſung verbunden werden.

Ausland.
Italien.

Die Staatseinnahmen. Die Haupteinnahmen
Italiens im Juli und Auguſt 1912 betrugen 348 144000

Lire, was eine Mehreinnahme von 26406000 Lire gegen=
über
dem gleichen Zeitraum des Jahres 1911 bedeutet.
Die Monate Juli und Auguſt zeitigten in vergangenen
Jahren nie eine ſolche Mehreinnahme. In dieſen Mo=
naten
ſind die Einnahmen gewöhnlich geringer als in
den anderen. Die durchſchnittliche Mehreinnahme wäh=
rend
der letzten ſechs Jahre im Juli und Auguſt war
10700000 Lire.

Frankreich.

Die Truppen in Marokko. Nach einer amt=
lichen
Mitteilung hat die von Kriegsminiſter Millerand
zur Prüfung der Frage des Soldes des Beſatzungskorps
in Marokko eingeſetzte Kommiſſion beſchloſſen, daß vom
1. September ab ſämtliche in Marokko ſtehenden Truppen
doppelten Sold erhalten ſollen. Kriegsminiſter Mil=
lerand
teilte dem Generalreſidenten Liautey ferner mit,
daß er ſich bezüglich der anderen als notwendig erachteten
Solderhöhungen mit dem Finanzminiſter ins Einver=
nehmen
ſetzen werde. Die Koſten für das Beſatzungs=
korps
werden durch dieſe Maßnahme um 6 Millionen
Francs jährlich erhöht werden.

England.

Die Panamakanalfrage. Hinſichtlich der
kürzlich gebrachten Meldung betreffend die Forderung
eines Schiedsgerichts in der Panamakanalfrage wird jetzt
erklärt, daß die Abſicht der engliſchen Regierung nur ge=
wiſſe
Möglichkeiten ins Auge faßt. Ein endgültiger Be=
ſchluß
iſt noch nicht gefaßt worden.

Rußland.

Die Dumawahlen. In Petersburg, Moskau,
Kiew, Odeſſa und Riga werden die Dumawahlen nicht
vor dem 28. Oktober ſtattfinden. Für die übrigen Orte
ſind verſchiedene Termine angeſetzt, jedoch mit Berückſich=
tigung
des Umſtandes, daß die Duma nicht ſpäter als am
28. November eröffnet wird.

Türkei.

Neue Anleihe. Es verlautet, der Finanzminiſter
legte im Miniſterrat die Notwendigkeit einer Anleihe von
5 Millionen Pfund dar. Eine engliſche Gruppe bot be=
reits
4 Millionen,

* Der Beſuch der ſchwediſchen Jour=
naliſten
in Berlin. Staatsſekretär v. Kiderlen=
Wächter empfing am Dienstag nachmittag die Vertreter
der ſchwediſchen Preſſe im Garten des Auswärtigen
Amts. Der Vorſitzende des deutſchen Komitees
G. Schweitzer und die Legationsräte Eſternaur und Heil=
bronn
ſtellten die fremden Herren dem Staatsſekretär vor.
Zum Empfang waren außerdem verſchiedene hervor=
ragende
Perſönlichkeiten erſchienen, ſo Unterſtaatsſekretär
im Reichsamt des Innern Richter, der Vizepräſident des
Reichsbankdirektoriums v. Glaſenapp, Dr. Paul v. Schwa=
bach
, Vertreter des Auswärtigen Amts und mehrere Ver=
treter
der Berliner und auswärtigen Preſſe.
Abends fand zu Ehren der Gäſte im Hotel Kaiſerhof ein
glänzendes Bankett ſtatt, zu dem das deutſche Komitee
Einladungen an eine große Anzahl hervorragender Per=
ſönlichkeiten
der Reichshauptſtadt hatte ergehen laſſen.
Erſchienen waren u a. der Staatsſekretär des Auswär=
tigen
v. Kiderlen=Wächter, der ſchwediſche Geſandte Graf
Taube mit den Herren der Geſandtſchaft, der Unterſtaats=
ſekretär
im Staatsminiſterium v. Eiſenhart=Rothe, der
Reichstagspräſident Dr. Kaempf, der Wirkliche Legations=
rat
Frhr. Langwerth v. Simmern, die Legationsräte
Eſternaux und Heilbronn und viele Vertreter der Preſſe.
Die Reihe der Trinkſprüche eröffnete der ſchwediſche Ge=
ſandte
Graf Taube, der ausführte, daß die Vertreter der
ſchwediſchen Preſſe in Deutſchland viel ſehen werden,
was bei ihnen die höchſte Achtung und Bewunderung
hervorrufen müſſe, insbeſondere was es für ein empor=

ſtrebendes Volk bedeute, an ſeiner Spitze einen Herrſcher
zu haben, der das Beſte des Lebens ſeines Volkes per=
ſonifiziere
: Kraft, Fähigkeit und Pflichttreue. Für die
Aufrechterhaltung des Weltfriedens zolle ihm alle Welt
Dankbarkeit. Graf Taube ſchloß mit einem vierfältigen
Hurra auf das Glück und die Geſundheit des deutſchen
Kaiſers. Der Staatsſekretär des Auswärtigen v. Kider=
len
=Wächter erwiderte mit einem Hoch auf den König von
Schweden. Viele Deutſche an dieſer Feſttafel könnten
wohl aus eigener Erfahrung davon Zeugnis ablegen,
welche Liebe der König in ſeinem Lande genießt und mir
welch hohem Verſtändnis er allen Fragen der Gegenwart
entgegenkommt. Der aufſtrebenden Induſtrie und dem
Handel ſeines Landes, deſſen Emporentwicklung auf allen
Gebieten des geiſtigen Lebens, der Kunſt, der Wiſſenſchaft
und der Literatur galt die Fürſorge des Königs. Unent=
wegt
arbeite der König mit friſchem Soldatengeiſt dahin,
die Wehr= und Mannhaftigkeit ſeiner tapferen Schweden
zu erhalten. Der Obmann des deutſchen Komitees Chef=
redakteur
Schweitzer erinnerte an die unvergeßliche
Schwedenreiſe der deutſchen Journaliſten. Die dort ge=
ſchloſſene
Freundſchaft ſei echt und nachhaltig. Redner
trank auf das Wohl des Grafen Taube, der ſchwediſchen
Kollegen und auf das Land Schweden. Chefredakteur
Harald Sohlmann drückte in ſeiner Erwiderung den
Wunſch aus, daß die Freundſchaft zwiſchen den deutſchen
und ſchwediſchen Preſſeleuten, die geiſtige Saßnitz=Route,
reiche Frucht bringen möge. Sie ſei ein Bündnis des
Herzens, des Verſtandes und der perſönlichen Freund=
ſchaft
zwiſchen den Berufskameraden in den beiden ver=
wandten
Ländern. Er trank auf die Berliner Vertreter
der deutſchen Preſſe.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 5. September.

* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen geſtern die Pfarrer Römheld von
Ilbeshauſen, Weber von Reichelsheim i. O. und Strack
von Echzell i. d. Wetterau, den Oberlehrer Profeſſor
Dr. Bernius von Groß=Umſtadt, den Direktor der Duncan=
ſchule
Merz; zum Vortrag den Geheimen Staatsrat
Krug v. Nidda, den Oberſt z. D. Frhrn. Röder v. Diers=
burg
, den Vorſtand des Kabinetts Geheimerat Römheld.
* Ordensverleihung. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Pedellen an dem Neuen
Gymnaſium in Darmſtadt Friedrich Brückmann das
Silberne Kreuz des Verdienſtordens Philipps des Groß=
mütigen
verliehen.
* Großh. Regierungsblatt. Die Beilage Nr. 23
vom 4. September hat folgenden Inhalt: 1. Ordens=
verleihungen
. 2. Verleihung der Staatsmedaille für Aus=
ſtellungen
. 3. Ermächtigung zur Annahme und zum
Tragen fremder Orden. 4. Namensveränderung. 5. Zu=
laſſung
zur Rechtsanwaltſchaft. 6. Dienſtnachrichten.
7. Dienſtenthebung. 8. Dienſtentlaſſungen. 9. Charakter=
erteilungen
. 10. Ruheſtandsverſetzungen. 11. Sterbefälle.
g. Schwurgericht. Für die am 23. September
unter dem Vorſitz des Großh. Landgerichtsrats Schulz
beginnende dritte diesjährige Schwurgerichtsperiode iſt
bisher die Verhandlung gegen den Arbeiter Ohle=
müller
von Bensheim wegen Sittlichkeitsverbrechen
nach § 176,2 auf den erſten Tag und auf Dienstag, den
24. Sept., die Verhandlung gegen den Taglöhner
Müller aus Offenbach wegen Totſchlags anberaumt
worden. Weiter kommen in dieſer Tagung voraus=
ſichtlich
zwei Fälle wegen Totſchlags, einer wegen Tot=
ſchlagverſuchs
und einer wegen Kindestötung zur Ver=
handlung
. Die Anklage gegen den ehemaligen Rechner
der Nieder=Modauer Kaſſe Adam und Ge=
noſſen
kommt erſt in der Dezembertagung des Schwur=
gerichts
zur Verhandlung.
Vom Hoftheater. Auswärtige Theater=
beſucher
, namentlich ſolche aus der Bergſtraße, haben
eine Späterlegung der Züge angeregt. Um dieſes An=
liegen
zu unterſtützen, begab ſich Herr Generaldirektor
Dr. Eger am Montag nach Mainz zu einer perſön=
lichen
Rückſprache mit dem Fahrplandezernenten der
Eiſenbahndirektion. Die Fremdenlogen, welche
in ihrer ſeitherigen Form ſich keiner großen Beliebtheit
ſeitens des Publikums erfreuten, ſind in einzelne Logen
abgeteilt worden. Jede der beiden ſeitherigen Fremden=

Neues vom alten Perſiusſchen Hauſe‟.
Von Stadtpfarrer D. Dr. Diehl in Darmſtadt.

Zu den alten Darmſtädter Häuſern, die von jeher
das Intereſſe der Darmſtädter Lokalhiſtoriker auf ſich ge=
zogen
haben, gehört das ſtattliche und zweigiebelige
Haus, das die Ecke der Obergaſſe und der Alexander=
ſtraße
bildet und in den Schriften über Darmſtadts Ge=
ſchichte
kurzweg als das Perſiusſche Haus bezeichnet
wird. Nach der herkömmlichen Anſicht, die auch
Walther in ſeinem Buche Darmſtadt, wie es
war und wie es geworden iſt vertritt, iſt das
Haus im Jahre 1626 oder 1627 von dem berühmten
Kanzler Anton Wolf von Todenwart erbaut, aber be=
reits
1627 gegen das von Agnes von Rabenau, geborenen
von Hettersdorf, neu erbaute Haus am Jägerthor, das
ſpätere Gaſthaus zum goldenen Hirſch, das
auf dem noch vorhandenen freien Platz neben dem Gaſt=
haus
zum Landsberg ſtand, vertauſcht worden,
und hieß das Perſiusſche Haus, weil im 30jährigen Krieg
der 1642 verſtorbene fürſtliche Rat und Oberamtmann
Dominikus Porſius von Lonsdorf in ihm ſeine Wohn=
ung
gehabt haben ſoll. Die tauſchenden Parteien ſollen
Todenwart und Landgraf Georg II. geweſen ſein, welch
letzterer kurz vor 1627 das Rabenauiſche Haus erworben
hatte.
Ob dieſe Anſicht, die heute noch von den meiſten
Forſchern geteilt wird, richtig oder nicht richtig iſt, wage
ich nicht zu entſcheiden. Wohl liegt ein vom 11. Oktober
1627 datierter Tauſchvertrag vor, nach dem Todenwart
ſein im Jahr 1626 und 1627 neu aufgebautes
Haus, ſo allhier zu Darmbſtatt an dem Aſchafnaburger
Thor, zum Hereingehen in die Stadt uf der lincken Seite
zwiſchen dem Stadtwahl und dem Jägerhauß ligt und
vornen mit zweien Thoren auf die Gaß ſihet, hinden
aber an den Hundsgarten ſtößt gegen das Rabenauiſche
Haus vertauſchte. Aber es geht nicht ſo ohne weiteres
an, dies Todenwartiſche Haus in dem Hauſe Ecke der
Obergaſſe und Alexanderſtraße zu finden, wenn auch
nicht geleugnet werden kann, daß unter dem Aſchafna=
burger
Thor das Sprinzentor verſtanden ſein könnte
Ich habe zurzeit Bedenken, dieſer Anſicht beizuſtimmen,
da es mir ſcheinen will, daß das Haus Ecke der Ober=
gaſſe
und Aleranderſtraße aus zwei ganz verſchiedenen
Bauperioden ſtammt, was man bei Betrachtung der bei=
den
Giebel des Hauſes, von denen der nächſt der Ober=
gaſſe
gelegene aus der Zeit vor, der andere icher aus

der Zeit nach dem dreißigjährigen Kriege zu ſtammen
ſcheint, meines Erachtens deutlich erkennen kann.
Bleibt dieſe Frage mithin noch offen, ſo können wir
zur Geſchichte des Hauſes doch einen neuen Beitrag bie=
ten
, der ſicher manchen Leſer intereſſieren wird. Er be=
trifft
den Uebergang des Hauſes aus herrſchaftlichem in
Privatbeſitz. Die Akten, die uns hierüber vorliegen, be=
ginnen
mit dem Todesjahr Ludwigs VIII., dem
Jahr 1768. In dieſem Jahre war von dem Haus nur der
untere Stock bewohnt es hauſten in ihm die Witwe
Korndörfer und die Frau Oberkammerfourier ,
während der ganze obere Stock für die Herren Cava=
liers
reſerviert war, die daſelbſt ihr Abſteigequartier
nahmen, wenn ſie zu Hoffeſtlichkeiten nach Darmſtadt
kamen. Als nach Ludwigs VIIII. Tode Landgraf Lud=
wig
IX. den vielen Feſtivitäten ein Ende machte und
zur Sanierung der zerrütteten Finanzen des Hofs eine
größere Anzahl herrſchaftlicher Gebäude in Darmſtadt
verkaufte, ſollte auch das Perſiusſche Haus unter den
Hammer kommen. Es kam aber nicht dazu. Vielmehr
wurde nach langer Friſt einmal wieder das ganze
Haus einem hohen Herrſchaftsbeamten als Wohnung ein=
geräumt
. Die Inſaſſen des unteren Stocks, die Korn=
dörferin
und Kiſterin, mußten ausziehen, und Jäger=
meiſter
von Moſer, der bis dahin in dem von Wolfi=
ſchen
Hauſe am Jägertor gewohnt hatte, dies Haus aber
wegen deſſen Baufälligkeit hatte verlaſſen müſſen, nahm
als alleiniger Bewohner in dem Perſiusſchen Haus
ſeine Wohnſtatt. Er blieb in dem Haus zwölf Jahre
wohnen. Als des Jägermeiſters Bruder der in den
Jahren 17721780 die Geſchicke des Heſſenlandes als
erſter Staatsminiſter und Präſident ſämtlicher Kollegien
leitende, berühmte Friedrich Karl von Moſer
bei Landgraf Ludwig IX. in Ungnade fiel, ſah ſich der
Jägermeiſter, der inzwiſchen zum Range eines wirklichen
Geheimerats und Kammerpräſidenten aufgerückt war,
veranlaßt, Anfang 1781 ſeinen Abſchied zu nehmen. Er
ſiedelte nach Blaubeuren über, wo er einige Jahre als
Privatmann lebte, bis ihn die Gnade des Fürſten von
Thurn und Taxis 1786 in den Dienſt eines fürſtlich
Taxiſchen wirklichen Geheimerats und Kreisgeſandten zu
Ulm berief. Als von Moſer am 23. Januar 1781 das
Perſiusſche Haus geräumt hatte, ergab ſich aufs neue
die Frage der Verwendung dieſes Hauſes. Der Land=
graf
war wieder entſchloſſen, das Haus zu verkaufen, den
daran anſchließenden Zwinger oder herrſchaftlichen
Hopfengarten aber zu vermieten. Zu dieſem Zweck
wurde Aufang 1781 die Thüre, die von Moſer gebrochen

hatte, um den Zwinger mit dem Perſiusſchen Haus zu
verbinden, wieder zugemauert und am 16. Februar 1781
das Haus öffentlich verſteigert. Es fanden ſich zwei
Liebhaber ein, die auf das Haus boten: die beiden Schutz=
juden
Heyum Gundersheim und Joſeph
Braunfels, die beide ihre Prinzipale hatten, d. h.
ihre Hintermänner, für die ſie kaufen ſollten. Das höchſte
Gebot, das bei dieſer Verſteigerung erzielt ward, waren
7255 Gulden; taxiert war das Haus auf 7527 Gulden.
Aus dem Verkauf ward aber damals nichts. Am
7. April 1781 erhielt vielmehr der berühmte Juriſt
Höpfner den Zuſchlag für 6500 Gulden. Die weitere
Geſchichte des Hauſes iſt aus den mir vorliegenden Akten
nicht genau feſtſtellbar. Sicher iſt aber, daß wohl der
bedeutendſte Mann des damaligen Darmſtadt, der Kriegs=
rat
Johann Heinrich Merck, Ende der 80er Jahre
bis zu ſeinem am 27. Juni 1791 erfolgten Tode Bewoh=
ner
des Hauſes war, in dem er eine Kattunfabrik etablie=
ren
wollte und, als ſeine großzügigen ſozialen Pläne
ſcheiterten, ſich ſelbſt entleibte. Nach ihm erſcheint das
Haus im Beſitz des Landgrafen Friedrich, eines
Sohnes des Landgrafen Ludwig IX. Er ließ mancher=
lei
an ihm verändern, namentlich auch beſſere Stallun=
gen
einrichten, um ſeinen Marſtall unterzubringen.
Landgraf Friedrich wohnte in dem Hauſe wohl bis zu
ſeinem im Jahre 1802 erfolgten Tode. Mit dieſem Da=
tum
, dem Beginn des 19. Jahrhunderts, war es mit der
Herrlichkeit des Perſiusſchen Hauſes das ſo manchen
hohen Beamten, fürſtlichen Kavalier und Mann des
Geiſtes durch ſeine Gänge hatte ſchreiten ſehen, vorbei.
Es ward zu einer bürgerlichen Wohnſtatt, was es noch
heute iſt. Den Reigen eröffnete als Hausbeſitzer Kammer=
diener
Götz, in den 50er und 60er Jahren gehörte es
dem Lederhändler Volk. Seit Jahren iſt es Sitz einer
Bäckerei und Metzgerei, reſp. nunmehr einer Wirtſchaft,
welch letztere einen paſſenden altertümlichen Namen
(Zum Ritzſtein) trägt, der leider falſch geſchrieben iſt.
Dieſer orthographiſche F hler reiht ſich übrigens einem
ſeit Jahrzehnten üblichen würdig an. Das ſogenannte
Perſiusſche Haus muß nämlich in Wirklichkeit Porſius=
ſches
Haus heißen. Denn Herr Johann Dominik
hieß nicht Perſius, wie immer behauptet wird, ſondern
urſprünglich Pors und, als er vornehmer geworden war,
Porſius. Als Herr Porſius iſt er 1642 am 15. April
in Darmſtadt geſtorben, und ſeine Leiche als Herrn
Porſii Leich nach St. Goar in das Erbbegräbnis über=
geführt
worden.

[ ][  ][ ]

Nummer 209.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. September 1912.

Seite 3.

logen wurde in drei kleinere Logen zu je 6 Plätzen ein=
geteilt
. Intereſſenten können am Donnerstag und
Freitag, nachmittags von 3 bis 5 Uhr, die Logen be=
ſichtigen
und wird der Großh. Hausverwalter zu den
angegebenen Zeiten bereit ſein, Beſucher zu führen. Der
Abonnementspreis beträgt für eine Vorſtellung 3,50 Mk.
und werden unter den bekannten Bedingungen von
Freitag, den 6. September an, täglich vormittags von
10 bis 12½ Uhr, von Großh. Hoftheater= Haupt=
kaſſe
ſchriftliche oder mündliche Beſtellungen entgegen=
genommen
.
* Goldenes Dienſtjubiläum. Der Pedell des Neuen
Gymnaſiums, Herr Friedrich Brückmann, feierte
geſtern ſein 50jähriges Dienſtjubiläum. Um den Jubilar,
der an dem Neuen Gymnaſium ſeit Beſtehen der Anſtalt
tätig iſt, in würdiger Weiſe zu ehren, verſammelte ſich das
Lehrerkollegium um 12 Uhr zu einer kleinen Feier. Von der
Regierung war Herr Geheimer Oberſchulrat Nodnagel
erſchienen. Mit warmen Worten gedachte er der treuen
Dienſte des Jubilars und übergab ihm das von Sr. Kgl.
Hoheit dem Großherzog verliehene Silberne Kreuz des
Verdienſtordens Philipps des Großmütigen. Der Direk=
tor
der Anſtalt, Herr Geheimer Schulrat Dr Forbach,
überreichte hierauf im Namen der früheren und jetzigen
Lehrer des Neuen Gymnaſiums eine künſtleriſch ausge=
ſtattete
Adreſſe und eine Ehrengabe. Auch die dem päda=
gogiſchen
Seminar angehörenden Lehramtsreferendare
ließen ihre Glückwünſche ausſprechen. Tiefbewegt dankte
Herr Brückmann am Schluß der Feier für alle Ehrungen.
Herbſtmanöver. Der erſte Att der großen Herbſt=
übungen
, des Schlußſteins der Ausbildung, beginnt.
Die Truppen verlaſſen ihre Standorte, die berittenen
durch Marſch, die Fußtruppen mit der Eiſenbahn.
Unſere beiden Feld=Artillerie=Regimenter
halten ſchon ſeit einiger Zeit ihr Geländeſchießen ab.
Nun begibt ſich auch unſer Leibgarde=Infanterie= Regi=
ment
Nr. 115 in das Manövergelände in Rheinheſſen,
die Abfahrt mit der Eiſenbahn erfolgt heute früh 8 Uhr.
Die Leib=Eskadron des Leib=Dragoner=Regiments Nr. 24
und die zweite und dritte Eskadron des Dragoner=
Regiments Nr. 23 rückten bereits am Dienstag ab, die
erſte und vierte Eskadron des Dragoner=Regiments
Nr. 23 treten heute früh den Marſch ins Manöver=
gelände
an.
m. Fortbildungsſchule. Heute nachmittag um
2 Uhr beginnt für Kaufleute und Schreiber in dem
Schulhauſe am Ballonplatz die obligatoriſche
Fortbildungsſchule. Seit einem Jahre ſind für
dieſe Schüler als neue Fächer die doppelte Buchführung
und Unterricht in der franzöſiſchen Sprache eingeführt.
Der Geſamtunterricht wird an zwei Wochentagen in je
drei Stunden erteilt und dauert bis Mitte März. Die
Schüler, welche an dem franzöſiſchen Unterricht teil=
nehmen
, haben an drei Tagen zu erſcheinen. Für die
Fortbildungspflichtigen der anderen Berufsgruppen iſt
der Beginn des Unterrichts auf Montag, den 14. Ok=
tober
, feſtgeſetzt. Für dieſe Berufsgruppen findet der
Unterricht an drei Wochentagen ſtatt.
Die Stenographeu=Vereinigung Gabelsberger
begeht am Samstag, den 7. Auguſt, im Kaiſer= und
Fürſtenſaal ihr diesjähriges Stiftungsfeſt. Alle Vor=
bereitungen
ſind von Seiten des Vergnügungs= Aus=
ſchuſſes
getroffen und verſpricht das Feſt, wie alle
übrigen, auch diesmal glanzvoll zu werden. Die thea=
traliſchen
Darbietungen werden von Vereinigungs= Mit=
gliedern
ausgeführt und gelangt der Möblierte Herr,
ſowie ein Luſtſpiel in zwei Teilen Katzenjammer zur
Aufführung. Auch wird das preisgekrönte Wilhelm
Etzoldſche Männerquartett (Dirigent Herr Wilh. Etzold)
das Feſt durch einige Männerchöre verſchönen. Weiterhin
haben Fräulein V. Grote (Lieder zur Laute), ſowie Herr
F. Sautier (Tenor) ihre gütige Mitwirkung zugeſagt.
Gleichzeitig findet im Fürſtenſaal eine ſtenographiſche
Ausſtellung, beſtehend aus Stickereien, Malereien und
Stenogrammen von Mitgliedern, ſtatt, die gewiß für
jeden Feſtbeſucher von beſonderem Intereſſe ſein dürfte.
Die Muſik wird von der Kapelle des Leibgarde=
Infanterie=Regiments Nr. 115 ausgeführt. (Siehe
Anzeige.)
na. Von der Garniſon=Schwimm=Anſtalt. Die
Schwimm=Unterrichtskurſe für die Truppen der Gar=
niſon
in der Schwimm=Anſtalt am Großen Woog
fanden am Dienstag ihren offiziellen Abſchluß. Das
ſeit vielen Jahren ſtattfindende öffentliche Abſchwim=
men
, verbunden mit Preis= und Schauſchwimmen, das
ſtets eine große Zuſchauermenge angezogen hatte, konnte
leider infolge der kalten Witterung und der niedrigen
Waſſertemperatur der letzten Tage nicht abgehalten
werden, doch fanden als Schluß interne Schwimm=
prüfungen
der einzelnen Truppen=Verbände ſtatt. Ins=
geſamt
wurden 404 Schwimmſchüler von allen Truppen=
teilen
der Garniſon im Schwimmen ausgebildet. Eine
weit größere Zahl als im Vorjahre. Davon entfallen
auf das Leibgarde=Infanterie=Regiment Nr. 115 allein
214 Mann. Der geſamte Schwimmunterricht ſtand

unter der Leitung des Schwimmeiſters Herrn Feld=
webel
Bechtold vom Regt. 115 und 28 Unteroffiziere
von allen Truppenteilen der Garniſon waren als
Schwimmlehrer bei der Ausbildung der Mannſchaft
tätig. Die Oberaufſicht über die ſämtlichen Schwimm=
kurſe
führte mit beſonderem Erfolg Herr Leutnant
v. Fiſcher vom Garde=Dragoner=Regiment Nr. 23.
Sämtliche Mannſchaften konnten im Schwimmen aus=
gebildet
entlaſſen werden.
* Aſyl für Obdachloſe. Während des Monats
Auguſt wurde in dem im Lokal des zweiten Polizei=
reviers
in der Alexanderſtraße errichteten Aſyl für
Obdachloſe 358 Perſonen und in demjenigen im Lokal
des fünften Polizeireviers in der Ludwigshöhſtraße
23 Perſonen, zuſammen 381 Perſonen, Obdach gewährt.
* Beſitzwechſel. (Mitgeteilt von dem Darmſtädter
Hausbeſitzerverein, E. V.) Bei Großh. Ortsgericht Darm=
ſtadt
I wurden im Monat Auguſt d. J. folgende Kauf=
verträge
abgeſchloſſen: 4 über bebaute Grundſtücke mit
170000 Mk., 2 über unbebaute Grundſtücke mit 40 257 Mk.,
zuſammen 210 257 Mk.
* Dieburg, 4. Sept. Im benachbarten Eppertshauſen
goß die 10jährige Tochter des Peter Johann Müller
in Abweſenheit der Eltern Petroleum ins Feuer.
Die emporſchlagenden Flammen ergriffen das Mädchen,
das ſofort lichterloh brannte und ſo ſchwere Brandwun=
den
erlitt, daß es nach vier Stunden ſtarb.
tt. Dieburg, 3. Sept. Die Obſtverſteigerun=
gen
an den Kreisſtraßen des Kreiſes Dieburg finden
ſtatt vom Donnerstag, 5. Sept., bis Mittwoch, 11. Sept.
tt. Groß=Bieberau, 3. Sept. Die Abhaltung der
Ferkelmärkte zu Groß=Bieberau iſt vom Großh.
Kreisamt an folgenden Tagen zugelaſſen worden: 16.,
30. Sept., 14., 28. Okt., 11., 25. Nov., 9., 23. Dez.
Goddelau, 4. Sept. Geſtern früh entgleiſte auf
hieſiger Station ein Güterwagen, der mit Lack, Farben
und anderen leicht brennbaren Stoffen beladen war. Als=
bald
erfolgten auch mehrere Exploſionen, durch die
der Wagen in Brand geriet und zum großen Teil zer=
ſtört
wurde. Zum Glück trieb der Wind die Flammen
von einem nebenan befindlichen Benzinlager hinweg, ſo
daß ein größeres Unglück verhütet blieb. Mit Waſſer und
Sand wurde das Feuer durch Bahnarbeiter und zur Hilfe
herbeieilende Maurer gelöſcht.
Ofſenbach, 4. Sept. Die Diebſtahlsaffäre von
Gewehrſchlöſſern in der Kaſerne des hier garniſonierenden
Inf=Riſ,ts. Nr. 168 dürfte nach dem Ergebnis der Unter=
ſuchung
lediglich einen Bubenſtreich oder Racheakt dar=
ſtellen
, der von den Tätern in der Trunkenheit verübt
wurde. Die zwei noch fehlenden Gewehrſchlöſſer ſind in
dem Spülfaß gefunden worden. Trotz der ſtrengſten Ver=
höre
, denen ſich ſämtliche Mannſchaften unterziehen muß=
ten
, konnten die Täter nicht ermittelt werden
Heidesheim, 4. Sept Eine bemerkenswerte
Veredelung eines über 100 Jahre alten Birn=
baumes
hat der hieſige Baumwart Anton Scholles auf
einem Grundſtück des Landwirts Wilh. Diehl in der Ge=
wann
Oſtergarten im Frühjahr vorgenommen. Der
große Baum, welcher immer ein ſehr üppiges Wachstum
zeigte, aber nur geringe Erträge ſowohl in Menge als
Güte lieferte, hat einen Stammumfang von 2,.20 Meter
und Aeſte von 90 Zentimeter Umfang Es wurden zu=
ſammen
290 Pfropfreiſer einer mittelfrühen Tafelbirne
eingeſetzt, wovon nur 4 Reiſer ausgeblieben ſind; alle
übrigen dagegen haben prächtige lange Jungtriebe ent=
wickelt
.
Bad Nauheim, 2. Sept. Ein Hockey=Wettſpiel
zwiſchen dem Deutſchen Hockey=Klub Hannover und den
Mannſchaften des Frankfurter Turnvereins 1860 wurde
am Sonntag, den 1. September, ausgetragen. Eine ſehr
zahlreiche Menge von Sportliebhabern aus den Kreiſen
der Kurgäſte und aus den benachbarten Städten hatte ſich
eingefunden und folgte mit geſpanntem Intereſſe den
Abwechslungen und Spielzufällen dieſes intereſſanten
Raſenſports. Der Hannoveraner Klub, welcher die Welt=
meiſterſchaft
beſitzt, ſpielte mit großer Ruhe und Sicher=
beit
, während die wackere Frankfurter Mannſchaft, deren
beide beſten Spieler fehlten, in ſehr gewandter Weiſe ſich
hauptſächlich auf die Verteidigung beſchränkte. Das
Spiel ſchloß mit 4:0 zu Gunſten der Hannoveraner. Kur=
direktor
Oberſt v. Frankenberg überreichte den Siegern
einen ſilbernen Pokal mit Widmung und ſprach die Hoff=
nung
aus, daß dies Wettſpiel im nächſten Jahre wieder=
holt
werden möge. Im Namen ſeiner Mannſchaft dankte
Dr. Fiedler jun.=Hannover, im Namen der Frankfurter
Dr. Gerlach der Kurdirektion für das Arrangement des
Spieles.
Stockheim, 4. Sept. Gegenwärtig werden auf der
Glauburg von zwei Darmſtädter Herren Grabun=
gen
vorgenommen, die dieſer Tage von Erfolg begleitet
waren. Man legte nämlich eine Mauer blos, zwei Meter
hoch; Spuren vom Tore und vorhandenem Brunnen ſind
ſichtbar. Die Steine der Mauer ſind Baſalt und ſogen.

Lungſteine, ein poröſer Kalkſtein. Mörtel iſt nicht ver=
wendet
, ſondern Lehm. Sonſtige Funde wurden noch
nicht gemacht. Die Glauburg zwiſchen den Dörfern
Glauberg, Stockheim und Düdelsheim gelegen, iſt eine
Baſaltſteinkuppe von mäßiger Höhe. Der Sage nach ſoll
auf der Bergeshöhe eine Burg geſtanden haben; Spuren
ſind nicht mehr vorhanden, nur befand ſich auf der Höhe
ein kleiner Weiher. (G. A.)
Alsfeld, 4. Sept. Geſtern verunglückte das Auto=
mobil
des Hotelbeſitzers Schrödel in Eifa, als es einem
Fuhrwerk ausweichen wollte. Der Beſitzer und zwei
Fahrgäſte erlitten nicht unbedeutende Verletzungen.
Nidda, 3. Sept. Heute wurde unter ganz außerordent=
licher
Beteiligung von nah und fern einer der verdienſt=
vollſten
Bürger unſerer Stadt, Rechner Aug. Reuning,
zu Grabe geleitet. Nach ſeiner Schulentlaſſung 10 Jahre
auf der Amtsſtube ſeines Verwandten, des Bürgermei=
ſters
Reuning, beſchäftigt, widmete er ſich dem Rechnungs=
weſen
und übernahm in der Folge zahlreiche Aemter:
1869 die Gemeinderechnerſtelle zu Ober=Schmitten und
Ober=Lais, 1870 die Kirchenrechnerſtelle in letzterem Ort,
1872 die Auswanderer=Agentur nach Nordamerika ( Bre=
men
), 1874 die Gemeinderechnerſtelle Geiß=Nidda und
außerdem 1882 die Ortseinnehmerei Nidda. Auch die
Rechnerſtelle der iſraelitiſchen Religionsgemeinde Nidda
bekleidete er lange Jahre. Bis zu ſeinem Tode war er
Agent der Renten= und Lebens=Verſicherungsbank zu
Darmſtadt, die er in weite Kreiſe einführte, war außer=
dem
Vertreter der Kölner Feuer=, Hagel= und Unfallver=
ſicherung
und der Militär=Verſicherungsgeſellſchaft Han=
nover
. Fleiß, Pünktlichkeit und Gewiſſenhaftigkeit zeich=
neten
ihn aus, weshalb er wiederholt die Anerkennung
ſeiner vorgeſetzten Behörde erhielt. Auch von S. K. H.
dem Großherzog wurden ihm für ſeine Verdienſte 1902
das Verdienſtkrenz des Ordens Philipps des Großmüti=
gen
und 1910 die Krone hierzu verliehen.
Kloſter Arnsburg, 4. Sept. Gegenwärtig wird für
das Kloſter von der Firma Alfred Imhof (Bad Nauheim)
eine ſelbſtändige Waſſerleitung gebaut. Die Quelle
liegt im Peterſee. Intereſſant iſt es, bei dieſer Gelegen=
heit
zu erfahren, daß dieſe Quelle ſchon in früheren Jahr=
hunderten
von den Mönchen gefaßt worden iſt; daß über=
haupt
ſchon eine vollſtändige Waſſerleitung vom Peterſee
nach den Kloſtergebäuden beſtanden hat. Leider iſt ſie in
Kriegszeiten zerſtört worden. Man erzählt ſich, daß die
Ruſſen die Röhrenleitung ausgegraben und das Blei zu
Kugeln gegoſſen hätten. Daß die Mönche nicht nur her=
vorragende
Hochbautechniker waren, wie dies die Kirchen=
ruine
beweiſt, ſondern auch auf dem Gebiete des Tief=
baues
ſchon Vorzügliches leiſteten, zeigt die Tatſache, daß
man jetzt nach genauer Berechnung wieder den alten Leit=
ungsweg
wählen konnte, um das nötige Gefälle zu er=
halten
.

Reich nud Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 3. Sept. Als heute nach=
mittag
der Kaſſenbote einer Großbank auf einem
Schaltertiſch den Betrag von 23000 Mark in großen
Scheinen aufgezählt hatte, wurde er von einem elegant
gekleideten Herrn um eine Auskunft erſucht. Der Kaſſen=
bote
ließ, während er Beſcheid erteilte, einen Augenblick
den aufgezählten Geldbetrag aus dem Auge. Der Fremde
verſchwand darauf eiligſt. Der Kaſſenbote entdeckte beim
Nachzählen, daß 3000 Mark an den Scheinen fehlten.
Offenbar hatte der Fremde mit ſeiner Frage einem
Komplizen Gelegenheit gegeben, raſch drei Scheine von
je 1000 Mark an ſich zu nehmen. Die Kriminalpolizei
hat heute einen beſchäftigungsloſen Sänger verhaftet.
Dieſer hat mehrfach den Namen des Generalintendanten
der Königlichen Schauſpiele, Grafen v. Hülſen=Häſeler,
gefälſcht. Er wird ſich jetzt wegen ſchwerer Urkunden=
fälſchung
und Betrugs zu verantworten haben. Schon
früher wurde er wegen eines ähnlichen Verbrechens zu
einer Gefängnisſtrafe verurteilt. Geſtern abend hat ſich
auf der Nebenbahn Nauen-Velten in der Nähe der
Station Bötzow ein Unfall zugetragen. Gegen 9 Uhr
abends entgleiſte ein Perſonenzug infolge falſcher
Weichenſtellung. Die Maſchine, ſowie zwei Perſonen=
wagen
gerieten aus dem Geleiſe. Der Lokomotivführer
und der Heizer, die ſich durch Abſpringen retten wollten,
erlitten ſchwere Verletzungen und mußten ins Kranken=
haus
gebracht werden.
Hamburg, 3. Sept. Ein dreiſter Raubmordver=
ſuch
ſpielte ſich in den frühen Morgenſtunden in der
Eſſenſtraße 17 ab. Bei der dort wohnenden Frau Schrö=
der
erſchien gegen 8 Uhr morgens der Kolporteur Paul
Krüger und gab einige Bücher ab mit dem Bemerken, nach
einer halben Stunde wieder zu kommen. Krüger wartete
auf der Straße, bis die Tochter der Frau Schröder zur
Schule gegangen war und kehrte dann in die Wohnung
zurück, wo er die Frau bat, ihm ein Darlehen zu gewäh=
ren
. Als die Frau ſein Verlangen ablehnte, geiff er in
die mitgebrachte Büchertaſche und zog einen Schuſterham=

Von der Edertalſperre.

(*) Vöhl 3. Sept. Das ununterbrochene Regen=
wetter
hat die Arbeiten an der großen Sperrmauer bei
Hemfurth in den letzten Wochen ſehr geſtört. Die erfor=
derlichen
gewaltigen Steinmaſſen werden aus vier Stein=
brüchen
bei Bericher Hütte und Bringhauſen mittels gro=
ßer
Feldbahnen herbeigeſchafft. Alle Stunden trifft an
der Mauer ein Zug mit 30 Wagen ein, der die Steine in
mehreren Schleifen bis auf die Mauer befördert. Hier
regen etwa 500 Maure: Mörtelbereiter uſw. fleißig die
Hände. Es iſt ein eigenartiger Anblick, den man von
dem ſteilen Ederufer auf der Hemfurter Seite genießt:
Oben auf der faſt 20 Meter hohen Mauer hält der Eiſen=
bahnzug
mit den Steinen, daneben auf beiden Seiten
wimmelt es von Arbeitern, die fleißig mauern, Steine ab=
laden
uſw. Und über dieſem Menſchengewimmel eilen
in einer Höhe von etwa 30 Metern fortgeſetzt 4 Wagen
auf Drahtſeilbahnen hinüber und herüber. Sie haben
die Aufgabe, mittels Kranen und Mörteltrögen aus den
Sandmühlen und Mörtelbereitungsmaſchinen die Binde=
mittel
für die Mauer herbeizuſchaffen. Es ſieht ganz ge=
fährlich
aus, wenn aus der Höhe der große Mörtelbehäl=
ter
heruntergelaſſen wird, mitten unter die rührige Men=
ſchenſchar
. Unaufhörlich klappern die Sandmühlen, rol=
len
die Eiſenbahnwagen dahin und überſtimmen das
Rauſchen der raſch dahineilenden Eder. Die elektriſche
Kraft liefert die Stollmühle, welche in ein Elektrizitäts=
werk
umgewandelt worden iſt. Da dieſe Mühle ver=
ſchwindet
, ſo werden vor der Füllung des Stauſees Tur=
binen
in die Waſſerdurchläſſe eingebaut, die dann die
Kraftſtation abgeben. Das Bauerndörfchen Berich bietet
bereits ein troſtloſes Bild; überall Trümmer abgebroche=
ner
Hofreiten, dazwiſchen verlaſſene Anweſen, auf welche
die Dichterworte paſſen: Aus den öden Fenſterhöhlen
ſtarrt das Grauen Von dem einſt ſo ſchmucken Kirchlein
ſſehen nur noch die Mauernz die Hauptſteine auseden Ge=

wölben ſind nach Neu=Berich bei Arolſen gebracht, wo
die Kirche wieder in der alten Bauart aufgerichtet wird,
um den Bewohnern einſt eine teure Erinnerung zu ſein
an die vom See verſchlungene Heimat. Bei Bericher Hütte
ſteht eine uralte Linde; mehrere Meter wird einſt der See
über ihrem Wipfel rauſchen. Bei dem hier aufgeſtellten
Modell der Sverrmauer wird gegenwärtig das Modell
zur Diemel=Sverrmauer aufgebaut. Das von den Be=
richer
Landwirten einſt bearbeitete Gelände iſt einem
Pächter übertragen worden, der bis Herbſt 1913 die Fel=
der
bebaut und die Ernte einheimſt. Bei Bericher Hütte
mündet die Worbe in die Eder; 20 Minuten oberhalb
liegt das Dorf Nieder=Worbe, von welchem die Kirche
und 11 Hofreiten verſchwinden müſſen. Hier, bei Harbs=
hauſen
und Aſel, iſt bereits die Straße zu bauen begon=
nen
, welche rund um den ganzen Stauſee führen wird.
50 Sträflinge, die bei Harbshauſen in Baracken liegen,
ſind mit dem Straßenbau beſchäftigt. Die Barackenbau=
ten
koſteten allein 20000 Mk. In Aſel und Bringhauſen
hat man das gleiche Bild wie in dem halb verlaſſenen
Berich.
Auf dem Dandenberg, ſüdlich vom Sperrſee, wird für
die Bewohner Bringhauſens ein neues Dörfchen
gegründet, das den Namen Bringhauſen am See erhalten
ſoll. Noch im Herbſt wird mit dem Bau der Häuſer be=
gonnen
. Bei Herzhauſen, wo ſich das rauſchende Ge=
birgsbächlein
in die Eder ergießt, läuft der See aus. Der
niedere Dorfteil iſt bereits verlaſſen. Das alte Gaſthaus
Blöcher wird jetzt abgebrochen; der ſtattliche Neubau ſteht
mehrere Meter höher. Hier muß ſchon die Landſtraße
einen Meter hoch aufgefüllt werden. Die Geſamtzahl der
im Sperrgebiet tätigen Arbeiter beträgt über 1000. Von
der Mauer führt eine extra zur Beförderung von Arbei=
tern
und Material angelegte Kleinbahn über Afoldern
und Mehlen bis Giflis. Hinter Hemfurth iſt bereits ein
großer Meßſteg angelegt. Man hofft, die Sperrmauer
his Herbſt 1913 vollenden zu können.

Feuilleton.

C. K. Komiſche Theaterzettel. Der Theaterzettel von
heute iſt ein ernſtes und trockenes Ding, das nur die not=
wendigſten
Angaben in lakoniſcher Form verzeichnet;
höchſtens herumziehende Truppen huldigen noch der alten
Gewohnheit, Werk und Aufführung in langen Auslaſſun=
gen
und ſtarken Tönen anzupreiſen. Früher war das
anders. Iſt doch der Theaterzettel nur die ſchriftliche
Fixierung jener marktſchreieriſchen Reden, durch die in
den Kindheitstagen der modernen Bühne der Ausrufer
das Publikum in die Bude zu locken ſuchte. Damals war
der unfreiwilligen Komik noch ein weiter Spielraum in
den Theaterzetteln gewährt, aber Nachklänge dieſes
grotesken Humors haben ſich noch lange erhalten, wie
einige Beiſpiele zeigen, die ein Pariſer Blatt anführt.
So wurde z. B. 1865 in Cette Viktor Hugos Lucrezia
Vorgia folgendermaßen angeprieſen: Dieſen Abend
im Grand=Théätre ein Feſt zu Ferrara oder die Königin
der Giftmiſcherinnen von M. T. (der Direktor wagte
den Namen des damals verbannten Dichters nicht zu
nennen). Des weiteren hieß es: Das Gift, das ſie den
jungen Herren zu trinken gibt, iſt authentiſch und von
dem wohlbekannten Apotheker unſer Stadt geliefert.
Daher iſt es zweifellos, daß heute abend zahlreiche Ein=
wohner
in das Theater ſtrömen werden, um die furcht=
baren
und blutigen Wirkungen davon zu ſehen. 1860
zeigte eine Truppe ein Melodrama von Ganneron: Der
Wald von Bondy an und ſuchte den Reiz der Vorſtel=
lung
durch folgende Mitteilung zu erhöhen: Um das
Perſonal und den Erfolg des Stückes zu vermehren,
haben ſich die Beamten der Bürgermeiſterei gern dazu
bereit erklärt, die Zahl der Diebe zu vergrößern. Fol=
gendermaßen
wird das Drama Dreißig Jahre oder das
Leben eines Spielers angezeigt: Die Rolle des Georges
de Germany wird von M. Joſéphin geſpielt werden,
einem in der Welt des Baccarat wohlbekannten Falſch=

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Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. September 1912.

Nummer 209.

mer heraus und ſchlug die Frau mit zwei Schlägen auf
den Hinterkopf zu Boden. Durch einen dritten Schlag
brachte er ihr eine Verwundung am rechten Auge bei
Die Gewalt der Schläge wurde durch verſchiedene Haar=
kämme
aber ſo vermindert, daß die Frau das Bewußtſein
nicht verlor und um Hilfe rufen konnte. Darauf wandte
ſich der Verbrecher zur Flucht, ließ aber ſeinen Hut am
Tatort zurück. Krüger iſt aus Stargard in Pommern ge=
bürtig
, wo gegenwärtig noch ſeine Mutter lebt. Er iſt
mehrfach vorbeſtraft.
Baden b. Wien, 3. Sept. Vor dem hieſigen Bezirks=
gericht
fand heute der zweite Verſöhnungster=
min
in dem Eheſcheidungsprozeß der Frau Anna Hof=
richter
gegen ihren Gatten, den wegen Giftmord ver=
urteilten
ehemaligen Oberleutnant Hofrichter ſtatt. Die
Verhandlung verlief ebenfalls ergebnislos. Hofrichter er=
klärte
, von ſeinem Recht, drei Verſöhnungstermine abzu=
warten
, Gebrauch machen zu wollen. Demgemäß wurde
für die nächſte Zeit ein dritter Termin anberaumt. Hof=
richter
wurde unter Vorſichtsmaßregeln zur Verhandlung
geführt und unter ebenſolchen Vorſichtsmaßregeln in die
Militärſtrafanſtalt zurückgebracht.
Paris, 3. Sept. Muley Hafid iſt erkrankt und
muß das Bett hüten. Der Exſultan unternahm heute
vormittag eine Ausfahrt nach Paris; da er ſich unterwegs
jedoch nicht wohl fühlte, kehrte er nach Verſailles zurück.
Ein hinzugezogener Arzt ſtellte aber feſt, daß die Er=
krankung
nur leichter Natur iſt, ſo daß der Erſultan in
einigen Tagen wieder hergeſtellt ſein dürfte
Paris, 4 Sept. Erſt heute wird bekannt gegeben, daß
am 2. Auguſt d. J. aus dem Cluny=Muſeum ein
italieniſches Miniaturbild geſtohlen worden ſei,
das die Anrufung aller Heiligen darſtellt. Dieſes Bild,
deſſen Wert als unſchätzbar bezeichnet wird, ſtammt aus
dem 16. Jahrhundert und gehört zu der Sammlung, die
Baron Rothſchild dem Cluny=Muſeum vermacht hatte.
Der Polizei iſt es bisher nicht gelungen, bezüglich des
Diebes auch nur den geringſten Anhalt zu finden. Nach
Blättermeldungen wurde in Aegypten ein Belgier namens
Gery=Pieret verhaftet, der im September v. J zwei
venezianiſche Statuetten aus dem Louvre= Mu=
ſeum
geſtohlen hatte. Die Pariſer Staatsanwaltſchaft wird
die unverzügliche Auslieferung Gery=Pierets verlangen,
der auch in dem Verdacht ſteht bei dem Diebſtahl der
Giaconda ſeine Hand im Spiele gehabt zu baben.
Paris, 4. Sept. In Anweſenheit des Polizeipräſiden=
ten
Lépine und des Profeſſors Henriot wurden geſtern
Verſuche mit einem von dem Direktor des hieſigen
ſtädtiſchen Gemeindelaboratoriums Kling erfundenen Ge=
ſchoß
vorgenommen, das bei der Belagerung von Ban=
diten
zur Anwendung gelangen ſoll. Das Geſchoß ent=
wickelt
bei der Exploſion Gaſe, durch die Verbrecher voll=
ſtändig
geblendet werden. Die Verſuche ſollen ſehr be=
merkenswerte
Reſultate ergeben haben.
London, 3. Sept. Am 5. Juni d. J. hat ſich eine
engliſche Dame namens Evelyn Gainford aus ihrem Hauſe
in Salcombe in Devonſhire entfernt und iſt ſeither nicht
zurückgekehrt. Die Familie nahm zuerſt an, daß ein
Unglücksfall vorliege, und daß die Dame wahrſcheinlich
über einen Felſen ins Meer geſtürzt ſei Ihr Vruder je=
doch
vermutet, daß Mrs. Gainford aus irgend einem
Grunde plötzlich das Gedächtnis verloren habe (eine Krank=
heit
, die in England überraſchend häufig auftritt) und im
Lande planlos herumwandere. Er ſchickte eine Perſons=
beſchreibung
an die Geſellſchaft der Knabenkurdſchafter
und ſchrieb zugleich eine Belohnung von 2000
Mark aus, falls die Schweſter lebend nach Hauſe ge=
bracht
würde. Das Ergebnis iſt, daß jetzt 10000 Kund=
ſchafter
=Offiziere und 150000 Knaben auf der Suche nach
Mrs. Gainsford und auf der Suche nach den ausgeſchrie=
benen
2000 Mark ſind.
New=York, 3. Sept. Heute begann unter enormem
Andrange der Prozeß gegen den Polizeileut=
nant
Becker wegen Ermordung des New=Yorker
Spielhöllenbeſitzers Roſenthal. Zwei wichtige Be=
laſtungszeugen
ſind ſeit einigen Tagen plötzlich aus New=
York verſchwunden; wahrſcheinlich haben ſie von der
Polizei Reiſegeld nach Europa erhalten, um vor Gericht
nicht als Zeugen zu erſcheinen.
Charleſton (Weſtvirgina), 4. Sept. Wegen Gewalt=
tätigkeiten
der Kohlenarbeiter, die ſtreiken, iſt am
geſtrigen Tage das Standrecht verhängt worden.
Während der erſten 12 Stunden beſchlagnahmte die Miliz
200000 Patronen, ſieben Maſchinengewehre, 1500 Flin=
ten
und eine Menge Revolver.
Los Angeles, 4. Sept. Feuer zerſtörte im Seebad
Ozeanpark den Park und das Geſchäftsviertel. Der Scha=
den
beträgt eine Million Dollars.

Kunſtnotizen.

Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
uehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.)
* Chopin=Liſzt=Feſt. Raoul von Koe=
zalski
, der berühmte Klaviervirtuoſe, der auch unſerem
Publikum nicht unbekannt ſein dürfte, der aber in den
letzten Jahren von Darmſtadt fern blieb, veranſtaltet ein
Chopin=Liſzt=Feſt, das auf vier Abende be=
rechnet
iſt, und zwar ſindet der erſte am 11., der zweite
am 14., der dritte am 17. und der vierte am 23. September,
8 Uhr abends, im Saale des Hotels Traube ſtatt. Chopin
und Liſzt, deſſen Werke an dieſen Abenden ausſchließlich
zum Vortrag gelangen, gehören zu den hervorragendſten
Vertretern der romantiſchen Schule und dürfen mit Recht
als wahre Heroen des Klaviers bezeichnet werden. Wenn
man Chopin einen Impreſſioniſten, einen Dichter für das
Klavier nennt, ſo verdient Liſzt, der ſein Genie auf allen
Gebieten der Muſik verſuchte, als ein Vorläufer der
Moderne angeſehen zu werden. Beide haben aber zur
Entwickelung der neuen Tonkunſt ungeahnt viel beige=
tragen
und in ihren Werken findet man nicht ſelten Stel=
len
, die ſo neu und herrlich anmuten, als ob ſie erſt
heute erdacht worden ſind. Dabei blieben ſie aber im=
mer
dem oberſten Geſetz der Muſik, der Melodik, treu, was
man freilich nicht von allen modernen Komponiſten be=
haupten
kann. Dieſe hochkünſtleriſche Veranſtaltung
dürfte ein lebhaſtes Intereſſe in unſeren muſikaliſchen
Kreiſen wecken. Auf das Programm werden wir noch
zurückkommen.
* Sylveſter Schäffer. Der vielgefeierte uni=
verſelle
Varieté=Künſtler Sylveſter Schäffer, deſſen fabel=
hafte
Gage es ausgeſchloſſen erſcheinen läßt, daß er hier
in Darmſtadt auftreten könnte, abſolviert in den nächſten
Tagen ein kurzes Gaſtſpiel in dem Stadttheater in
Mainz. Vor kurzem hatte er bei ſeinem Auftreten in
Berlin die Ehre, daß Ihre Kaiſerlichen Hoheiten der
Kronprinz und die Kronprinzeſſin der Vorſtellung bei=
wohnten
und ihm ſehr ſchmeichelhafte Anerkennung
zollten. Den Ertrag ſeiner erſten Vorſtellung am
5. September hat Sylveſter Schäffer für wohltätige
Zwecke zur Verfügung geſtellt. Die Großherzog=
lichen
Herrſchaften werden dieſer Vorſtellung mit Ge=
folge
beiwohnen. Für Darmſtadt hat den Vorverkauf
bezw. Vormerkung für Plätze die Firma L. Schutter,
Eliſabethenſtraße, übernommen. Näheres hierüber wolle
aus den Anzeigen in unſerem Blatte entnommen
werden. Ueber des Künſtlers Auftreten im Neuen
Schauſpielhauſe in Gegenwart des Kronprinzenpaares
ſchreibt Der Roland von Berlin u. a.: Die Herr=
ſchaften
waren vorzüglicher Laune und drückten dem
Impreſario des ausgezeichneten Künſtlers, Herrn Rach=
mann
, wiederholt ihre Anerkennung über die vortreff=
lichen
Leiſtungen aus. Und die Vielſeitigkeit des Herrn
Schäffer iſt allerdings bewunderungswürdig. Er iſt in
einer Perſon Tell und Bellachini, Herkules und Paganini.
In der luſtigen Nummer der Hundedreſſur, als einer
der Foxterriers ſein Höschen verliert, lachte die Kron=
prinzeſſin
ſo laut und herzlich, daß ſich alle Blicke un=
willkürlich
auf die Hofloge richteten. Nach Schluß der
Vorſtellung erkundigten ſich die Herrſchaften bei Herrn
Rachmann nach dem Alter des Künſtlers und waren
erſtaunt, als ſie hörten, daß er erſt 26 Jahre alt ſei.
Das Haus war ausverkauft.

Kongreſſe und Verbandstage.
Deutſcher Verein für öffentliche Geſund=
heitspflege
.

Breslau, 3. Sept. Unter zahlreicher Beteiligung
ſeiner Mitglieder aus allen Teilen des Reiches trat heute
hier im Konzerthauſe der Deutſche Verein für
lffentliche Geſundheitspflege zu ſeiner 37.
Verſammlung zuſammen, nachdem geſtern im großen
Saale des Konzerthauſes ein Begrüßungsabend vorauf=
gegangen
war. Nach den begrüßenden Worten der Ver=
treter
der Staatsregierung, der Univerſität und der Stadt=
verwaltung
erſtattete der ſtändige Sekretär des Vereins,
Profeſſor Dr. Pröbſting (Köln) hierauf den Jahres=
bericht
. Als Beitrag für die Errichtung eines Koch=
Denkmals ſind vom Verein 500 Mark beigeſteuert worden.
Hierauf erſtattete Stabsarzt Dr. Mayer, Dozent an der
militäriſchen Akademie in München ein Referat über
Maſſenerkrankungen durch Nahrungs= und
Genußmittel. Er ſtellte hierbei eine Reihe von Leit=
ſätzen
auf, in denen er zunächſt die Urſache der Maſſen=
erkrankungen
auf chemiſche Gifte, Bakterien und deren

Giftſtoffe, ſowie auf Trichinen zurückführte, und erläu=
terte
, auf welche Weiſe die Maſſenerkrankungen als Folge
dieſer Urſachen auftreten. Als Mittel zur Abhilfe ſchlug
der Referent polizeiliche Aufſicht und Verordnung, ſowie
Belehrung von Produzenten und Konſumenten vor. In
ſeinen weiteren Ausführungen teilte der Redner einige
beſonders kraſſe Fälle von Nahrungs= und Genußmittel=
fälſchungen
mit und beſprach im Zuſammenhange damit
die einzelnen Materialien, die zur Wurſtbereitung ver=
wendet
würden. In ſeinem Schlußwort ſtellte der Re=
ferent
feſt, daß allſeits ſchärfere Mittel gegen Nahrungs=
und Genußmittelfälſchungen verlangt würden. Für die
Auswüchſe auf dieſem Gebiete genügten Geldſtrafen
nicht, es müßten unbedingt Gefängnisſtrafen hierfür ein=
geſetzt
werden.
Hierauf referierte Rechtsanwalt Dr. Ed. Bracken=
hoeft
(Hamburg) über die Feuerbeſtattung und
ihre Ausführung. Er legte folgende Leitſätze vor:
1. Die Beſtattung der Toten bildet eine wichtige Aufgabe
der öffentlichen Geſundheitspflege. Als eine auch den
Anforderungen der Pietät entſprechende Beſtattungsart
iſt aus hygieniſchen und volkswirtſchaftlichen Gründen die
moderne Feuerbeſtattung anzuerkennen. 2. Für die Ge=
ſtattung
und Ausführung der Feuerbeſtattung iſt bezüg=
lich
der geſetzlichen Vorausſetzungen für die Einäſcherung
im Einzelfalle die Verſicherung der nächſten Angehörigen
zu fordern, daß die Feuerbeſtattung den Anſchauungen
des Verſtorbenen nicht widerſpricht und die Feſtſtellung
der Todesurſache durch einen beamteten Arzt. Betreffend
die Anlagen und Einrichtungen (Krematorien) iſt die Her=
ſtellung
einwandfreier Einäſcherungsapparate, ſowie ge=
eigneter
Räume und Einrichtungen in dem Zwecke ent=
ſprechender
Würde der inneren und äußeren Ausgeſtalt=
ung
für die Abhaltung von Trauerfeierlichkeiten, die Un=
terbringung
von Leichen und die Beiſetzung einer be=
grenzten
Anzahl von Aſchenüberreſten zu verlangen. 3.
Die Aſchenüberreſte einer jeden Leiche ſind in einem be=
ſonderen
Behältnis in einer behördlich genehmigten Be=
ſtattungsanlage
beizuſetzen (Beiſetzungszwang).
In der Debatte ſprach zunächſt Medizinalrat Dr.
Riedel (Lübeck) gegen die finanziellen Bedenken, die viel=
fach
noch gegen die Krematorien geltend gemacht würden.
Tatſächlich ſei der Betrieb der Krematorien ſehr billig.
Bürgermeiſter Mayer (Hameln) beſchäftigte ſich mit dem
Miniſterialerlaß betreffend die Feuerbeſtattung und be=
mängelte
, daß die Beſtimmungen wegen Errichtung der
Oefen ſo umſtändlich ſeien. Oberbürgermeiſter Bender
(Breslau) erklärte, daß er kein Freund der Feuerbeſtatt=
ung
ſei, ihre Vorzüge jedoch anerkenne. Morgen wer=
den
die Verhandlungen fortgeſetzt.

* Stuttgart 4. Sept. Der Verein deut=
ſcher
Eiſenbahnverwaltungen trat heute im
Königsbau zu ſeiner diesjährigen Verbandsver=
ſammlung
zuſammen. Nach der Eröffnung des Prä=
ſidenten
Redlin begrüßte Miniſterpräſident Dr. v. Weiz=
ſäcker
die Anweſenden im Namen der württembergiſchen
Staatsregierung. Er erkannte die Verdienſte des Vereins
bei der Entwicklung des zentraleuropäiſchen Eiſenbahn=
weſens
an. Die glänzende Entwicklung des Eiſenbahn=
weſens
führe mit Notwendigkeit auf die Unterſuchung
der Frage der Vereinfachung der Staatsverwaltung und
auf dieſem Gebiet begrüße er die Anweſenden als Kampf=
genoſſen
. Den herzlichen Willkommengruß der Stadt
Stuttgart entbot Oberbürgermeiſter Lautenſchläger.

* Wien 4. Sept. Heute vormittag fand im Sitzungs=
ſaale
des Abgeordnetenhauſes in Anweſenheit des deut=
ſchen
Geſchäftsträgers Prinz zu Stollberg=Wernigerode
und des Juſtizminiſters, des Unterrichtsminiſters ſowie
der Spitzen der Zivilbehörden die feierliche Eröff=
nung
des 31. großen deutſchen Juriſten=
tages
ſtatt. Die Teilnahme war überaus groß, ſodaß
Saal und Tribünen überfüllt waren. Der frühere Juſtiz=
miniſter
Klein begrüßte im Namen des Ortsausſchuſſes
die Verſammlung und ſchlug die Wahl des Profeſſors
Exzellenz Brunner=Berlin zum Vorſitzenden vor, die
dieſer unter lebhaftem Beifall annahm. Nachdem Pro=
feſſor
Brunner das Begrüßungsſchreiben des Miniſter=
präſidenten
Stürgkh verleſen hatte, der durch Krankheit
am Erſcheinen verhindert iſt, hieß Juſtizminiſter Dr. von
Hochenburger im Namen der öſterreichiſchen Regie=
rung
und der Juſtizverwaltung den Juriſtentag in herz=
lichen
Worten willkommen. Im Auftrage des deutſchen
Reichsjuſtizamtes begrüßte dann Geh. Oberregierungsrat

ſpielers. Die Verzweiflungsſzene, wenn er ruiniert und
ausgebeutet zurückkehrt, wird ſo natürlich und mit einer
ſrlchen Gewalt der Wahrheit geſpielt, daß der Polizei=
kommiſſar
, der im Theater Dienſt hat, ſich gedrungen füh=
len
wird, einzugreifen und auf offener Szene Verhaftun=
gen
vorzunehmen. Unter dieſen peinlichen Umſtänden
richtet die Direktion an den Magiſtrat die dringliche Bitte,
die Umſicht zu zeigen, die die bis zu den äußerſten Gren=
zen
getriebene künſtleriſche Wahrheit verlangt, und zu
berückſichtigen, daß die Vorgänge auf dem Theater doch
ſtets reine Erfindung bleiben, auch wenn ein ſolcher
Künſtler wie M. Joſéphin ſie darſtellt. An den Mauern
von Montauban wurde Roſſinis Wilhelm Tell folgen=
dermaßen
angekündigt: Heut abend Wilhelm Tell oder
die von dem grimmen Tyrannen befreite Schweiz, der
wollte, daß man ſeinen Hut grüßte. Große Oper des Herrn
Roſſini, der ſich bereits durch mehrere Opern bei den
Liebhabern dieſer Stadt vorteilhaft eingeführt hat. 1873
las man in Mäcon folgenden Theaterzettel: Heute abend
8 Uhr, die Afrikanerin oder die Undankbarkeit eines be=
rühmten
Seefahrers gegen eine Negerin, Oper des Herrn
Meyerbeer. Die Ballade des Adamaſtor wird von unſerm
Mitbürger Mécigot geſungen, der erſt kürzlich die Ver=
dienſtmedaille
erhalten hat, weil er einen gefährlichen
Wilddieb auf dem Wege von Autun gefangen nahm.
C2 Das Recht auf den Tod. Aus New=York wird be=
richtet
: Ueber das Recht auf den Tod hat ſich in ganz
Amerika eine erregte Diskuſſion entſponnen, angeregt
durch den tragiſchen Fall einer unheilbar Erkrankten, die
ſich in einem ergreifenden Brief an die Oeffentlichkeit
wendet. Mrs. Sarah Harris, eine Frau von 33 Jahren,
leidet ſeit drei Jahren an Paralyſe; ſie erduldet die
furchtbarſten Qualen und hat nach der Anſicht der Aerzte
keine Hoffnung, je wieder geſund zu werden. Sie kann
noch zwanzig Jahre leben, aber ſie wird immer im Hoſpi=
tal
an das Bett gefeſſelt ſein; ſie wird in ihren Qualen
nur ſelten ihre drei Kinder ſehen können, da ſie ihnen
das Bild menſchlichen Elends, das ſie darbietet, vor=
enthalten
möchte. In ihrem Brief an die Oeffentlich=
keit
bittet ſie, dem ſchweren Problem einmal ein paar
Augenblicke des Nachdenkens zu widmen. Hier liegt
eine junge Frau, unbeweglich, des Bewegungsapparates
iihres Körpers beraubt, die furchtbarſten Qualen duldend,
(unfähig, einen Muskel anzuſpannen, aber doch im Voll=

beſitz ihrer geiſtigen Kräfte. Sie erſehnt nur das Ende
ihres unbeſchreiblichen Elends. Die Meiſter der medizi=
niſchen
Wiſſenſchaft ſind am Ende ihrer Bemühungen,
Erleichterung oder Rettung zu bringen. Wenn das
niederſte Tier ſeine Bewegungsfähigkeit verliert und
nur leiden muß, macht man dem Leiden ein Ende. Aber
ein menſchliches Weſen, das höchſte und edelſte der Ge=
ſchöpfe
, muß dahinſiechen und leiden, bis die Organe den
Dienſt verſagen. Was für eine grauſame Ordnung der
Welt! Natürlich können unſere eigenen Lieben dies nicht
ändern. Unſere Aerzte dürfen es nicht, denn ſie würden
verurteilt werden. Und ſo bleibt nur der Staat. Jeder,
der ſich meines Falles annimmt und überall bedarf es
eines Pioniers würde ewige Dankbarkeit von einer
Schwerleidenden ernten. Natürlich ſind die Meinungen
über dieſen Appell ſehr geteilt. Auch die bekannten Aerzte,
die man gefragt hat, ſind über die Frage, ob man Un=
heilbaren
einen leichten Tod verſchaffen ſolle, uneinig.
Aufſehen erregt die Feſtſtellung des Dr. Gregory aus
Jowa, daß der leichte Tod vielfach von den größten
Aerzten im Lande gegeben wird, die oft, indem ſie ſich
der Gefahr, als Mörder verurteilt zu werden, ausſetzen,
ein Menſchenleben beenden, weil ſie wiſſen, daß es eine
Wohltat für den Patienten und die Verwandten iſt. Von
anderen Aerzten wird dieſe Tatſache lebhaft beſtritten
und auch das Recht verneint, ein menſchliches Leben will=
kürlich
zu verkürzen. Abgeſehen von den religiöſen und
ethiſchen Bedenken, hebt man auch hervor, daß die ärzt=
liche
Kunſt noch in ihren Anfängen wäre, und Leiden, die
heute als unheilbar gelten, morgen ſehr wohl heilbar
werden können. Und auch die Kranken melden ſich zu
Wort; neben dem Brief von Mrs. Harris werden andere
von gleichfalls Unheilbaren abgedruckt, die tapfer und
ergeben ihr Schickſal hinnehmen und augenſcheinlich nicht
wünſchen, daß ihr Leben künſtlich verkürzt werde, ſon=
dern
ſtatt des Rechts auf den Tod das Recht auf das
Leben geltend machen.
Der Zylinderhmt im Reich der Mitte. Bei uns
bemüht man ſich, den Zylinderhut ein wenig zurückzu=
drängen
ins Reich der Mitte hält er jetzt ſeinen glor=
reichen
Einzug! Bei allen offiziellen Gelegenheiten iſt es
Vorſchrift, ihn zu tragen; ſo will es die neue Kleider=
ordnung
, die die Chineſen auf dem republikaniſchen
Kongreß in Peking, nachdem ſie die ſchickſalsvolle Frage

in zehn langen Sitzungen gründlich durchberaten hatten,
beſchloſſen haben. Der Streit der Meinungen war leb=
haft
, ja oft ſtürmiſch. Einen ganzen Tag lang wurde
um den Hut erbittert gekämpft, ſchließlich hat man ſich
doch geeinigt, und es wurde folgende Kleiderordnung an=
genommen
, die der Gaulois in fünf Paragraphen reſü=
miert
: 1. Alle chineſiſchen Beamten, ohne Unterſchied des
Grades, werden nach europäiſcher Art gekleidet ſein, das
heißt, ſchwarzen Rock, Zylinderhut mit chineſiſcher Seide,
und Lederſchuhzeug. (Die Hoſe wird mit keinem Worte
erwähnt!) Der kleine Filzhut, und zwar der ſteife oder
der weiche, wird zuſammen mit Jackett oder kurzem Rock
für die Promenade erlaubt. 2. Alle Bürger, die nicht
Beamte ſind, müſſen wie die Beamten gekleidet ſein, wenn
ſie an offiziellen Feierlichkeiten teilnehmen. 3. Die Mili=
tärs
, die Beamten der Polizeipräfektur, die Stadtbehör=
den
, die Profeſſoren und die Mitglieder der gelehrten
Körperſchaften müſſen die beſonders für die beſtimmten
Kategorien vorgeſchriebenen Uniformen anlegen. 4. Die
Frauen müſſen Hüte nach europäiſcher Art tragen; in den
Kleidern können ſie ihr Nationalkoſtüm behalten, wenn
auch mit gewiſſen Abänderungen. 5. Der Gruß wird fol=
gendermaßen
geregelt: beim gewöhnlichen Gruß müſſen
die Männer ihren Hut abnehmen und einmal grüßen. Für
den offiziellen Gruß muß der Hut dreimal abgenommen
werden. Erwähnt wird auch, daß die Frauen beim
Grüßen ihren Hut aufbehalten dürfen . . . Die Chineſen
können ſtolz ſein auf ihre Fortſchritte. Die Republik haben
ſie bereits, und nun bekommen ſie auch den Zylinderhut
als wichtigſtes Wahrzeichen der abendländiſchen Kultur.
BB. Unentgeltliche Reiſelektüre in der Eiſenbahn.
Eine nachahmenswerte Einrichtung hat die Direktion der
Haderslebener Kreisbahnen eingeführt. In den Wagen=
abteilungen
ſind nämlich kleine Schränke aufgehängt wor=
den
, die je zwanzig Bücher enthalten zur freien Benutz=
ung
durch die Reiſenden. Jeder Schrank trägt die Auf=
ſchrift
Guter Leſeſtoff für die Reiſe. Benutzung unent=
geltlich
. Die Bücher enthalten kleine Geſchichtchen und
Aufſätze aus allen Gebieten des Wiſſens; ferner Gedichte
und Kurzweilſachen wie Spiele, Rätſel uſw. Die Bahn=
verwaltung
glaubt nicht, daß einzelne Bücher gedanken=
los
als Andenken mitgenommen werden.

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Nummer 209.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. September 1912.

Seite 5.

Dr. Delbrück die Verſammlung und übermittelte das
Bedauern des Staatsſekretärs, nicht perſönlich an den
Verhandlungen, denen die deutſche Reichsjuſtizverwaltung
das größte Intereſſe entgegenbringe, teilnehmen zu kön=
nen
. Hierauf bewillkommneten Bürgermeiſter Neu=
mayr
namens der Stadt Wien, Geh. Rat Schwar=
zenau
namens des Verwaltungsgerichtshofes, Geh.
Rat Vitorelli als Oberlandesgerichtspräſident, der
Rektor der Univerſität Dr. Redlich, der Dekan der juri=
ſtiſchen
Fakultät v. Schwind und andere hervorragende
Vertreter juriſtiſcher Korporationen Deutſchlands und
Oeſterreichs die Verſammlung. Der Vorſitzende Prof. Dr.
Brunner dankte für alle Begrüßungen, insbeſondere
dem Juſtizminiſter, der hierauf unter dem lebhafteſten
Beifall und Händeklatſchen zum Ehrenpräſidenten des 31.
deutſchen Juriſtentages proklamiert wurde.
Vor dem Eintritt in die Tagesordnung wurde auf
Vorſchlag des Vorſitzenden beſchloſſen, Huldigungs=
depeſchen
an Kaiſer Wilhelm und Kaiſer Franz Joſef zu
ſenden. Ferner wurden Begrüßungstelegramme an die
Senioren des deutſchen Juriſtentages Exzellenz Schrötter=
Deutſchland und Exzellenz v. Unger=Oeſterreich abgeſandt.

* Amſterdam, 3. Sept. Der Verſicherungs=
kongreß
behandelte in ſeiner geſtrigen Sitzung die
Frage der Rückverſicherung. In der heutigen Sitzung, in
der Direktor v. Raſp den Vorſitz führte, wurde über das
ſtaatliche Penſionsweſen beraten. Das deutſche Referat
hielt Regierungsrat Pohl; weiter ſprachen die Vertreter
neun anderer Länder. In der Diskuſſion trat Hofrat
Blaſchke für das beſtehende Syſtem ohne Deckung gegen
mathematiſche Berechnung ein. Hoffmann (Amerika)
wandte ſich gegen beitragsloſe Altersrenten nach auſtrali=
ſchem
Vorbilde. Profeſſor Manes (Deutſchland) gab
mehrere Anregungen für Reformen und wies dabei auf
die Gefahr für den Staat bei der Ausbreitung von Pen=
ſionen
im Privatdienſt hin, der auf die Dauer keine guten
Beamten werde halten können. Staatsſekretär Delbrück
wurde zum Ehrenpräſidenten gewählt.

Der Kaiſerbeſuch in der Schweiz.
Der Kaiſer in Zürich.

* Zürich, 3. Sept. Der Kaiſerempfang ge=
ſtaltete
ſich zu einer ſehr herzlichen Ovation. Um 5.20
Uhr kündigte heller Jubel das Nahen der Bundesratsdele=
gation
, beſtehend aus dem Bundespräſidenten Dr.
Forrer, den Herren Hoffmann und Motta. Neben den
Kutſchern ſaßen auf den erſten drei Wagen die Bundes=
weibeln
. Neben den Vertretern des Bundesrats fanden
ſich Regierungspräſident Naegelin, der Präſident des
Ständerats Billeter, der ſchweizeriſche Geſandte in Berlin,
Dr de Claparéde, der deutſche Generalkonſul in Zürich
Faber du Faure, und verſchiedene Militärs zur Begrüß=
ung
des Kaiſers ein. Bei bedecktem, aber regenloſem
Himmel traf der kaiſerliche Sonderzug pünktlich 5.20
Uhr in Zürich ein. Unter den Klängen der Muſik ent=
ſtiegen
der Kaiſer und ſeine Begleiter dem Zuge. Der
Kaiſer trug die Uniform des Gardejäger=Bataillons
mit den Abzeichen eines Generalfeldmarſchalls. Der
Kaiſer drückte dem Bundespräſidenten und den Bundes=
räten
die Hand und nahm durch den Bundespräſidenten
die Vorſtellung der verſchiedenen Militärs und der Ver=
treter
der Behörden entgegen. Hierauf ſtellte der Kaiſer
dem Bundespräſidenten ſeine Begleiter vor, welche
Bundespräſident Dr. Forrer ſeinerſeits mit warmem
Händedruck begrüßte. Gefolgt von dem Bundespräſidenten
und den anderen Herren ſchritt der Kaiſer unter dem
Beifall der Menſchenmenge zum Bahnhofsplatz. Haupt=
mann
Moſer erſtattete beim Betreten des Bahnhofsplatzes
dem Kaiſer die vorgeſchriebene Meldung. Der Beifall von
allen Seiten erfreute ſichtlich den Kaiſer. Hierauf fuhren
die Wagen vor. Der Kaiſer beſtieg um 5 Uhr 38 Minuten
mit dem Bundespräſidenten den Wagen, dem zwei Dra=
goneroffiziere
zur Seite ritten. Um 6 Uhr traf der Kaiſer
in der Villa Rietberg ein. Auf der Villa wurde die
Kaiſerſtandarte gehißt
Bundespräſident Dr. Forrer ſowie die Bundes=
räte
Hoffmann und Motta, und ein Teil der ſonſtigen
Geladenen trafen um 6 Uhr 10 Minuten im Hotel
Baurau Lac ein. Das Publikum bereitete dem Kaiſer,
der überall freundlich grüßte, einen enthuſiaſtiſchen Empfang,
beſonders in der Bahnhofsſtraße. Der Saal im Hotel
Baur au Lac, in dem das Bankett ſtattfand, zeigte
außer Blumenſchmuck keine andere Dekoration, als deutſche
und ſchweizeriſche Fahnen. Um ½8 Uhr kam der Kaiſer
im Automobil im Hotel Baur au Lac an, begleitet vom
Oberſt=Korpskommandanten v. Sprecher, v. Bernegg und
den übrigen Delegierten. Er wurde vom Bundespräſident
Dr. Forrer und den Bundesräten Hoffmann und Motta
empfangen. Beim Eintritt des Kaiſers in das Hotel
ſpielte die Muſik die deutſche Nationalhymne. Nach fünf
Minuten nahmen die Gäſte an dem prachtvoll dekorierten
Tiſch des Speiſeſaals Platz. Links vom Kaiſer reihen
ſich an Bundespräſident Dr. Forrer, Exzellenz v. Bülow,
Bundesrat Motta und andere rechts vom Kaiſer folgten
Bundesrat Hoffmann,Generaloberſt v. Pleſſen, Regier=
ungspräſident
Naegelin und andere. Der Kaiſer zeigte ſich
von dem Empfang in Zürich ſehr erfreut. Dem Bundes=
präſident
drückte er ſeine Befriedigung darüber aus, wieder
in Zürich zu ſein, wo er ſchon einmal in ſeinen jungen
Jahren geweilt habe.
Um 8½ Uhr war das Diner im Hotel Baur au Lac
zu Ende. Hierauf wurde der Kaffee ſerviert. Der Kaiſer
unterhielt ſich mehrere Male mit dem Oberſten Wille,
Kommandant des dritten Armeekorps, der dort direkt
vom Manöver zum Diner gekommen war. Kurz vor
9 Uhr hatten ſich die Geſangvereine Männerchor und
Harmonie‟=Zürich im Hof des Hotels aufgeſtellt. Um
9 Uhr erſchienen der Kaiſer, der Bundespräſident und die
anderen Teilnehmer auf dem Balkon vor dem Haupt=
eingang
. Die Sänger trugen vier Stücke vor. Der
Kaiſer gab nach jedem Stück ſeinen Beifall zu erkennen.
Nach Schluß des Konzerts ließ ſich der Kaiſer die beiden
Dirigenten vorſtellen und unterhielt ſich mit ihnen. So=
dann
wurden ihm die beiden Direktoren vorgeſtellt, denen
gegenüber ſich der Kaiſer ſehr anerkennend über das Kon=
zert
ausſprach. Das Konzert habe ihn ſehr befriedigt und
der Chorgeſang, ſowie die Ausführung hätten ihm ſehr
gefallen. Dann ſprach der Kaiſer über Männergeſang
überhaupt, den er außerordentlich hochſchätze. Die Sänger
brachten ein dreifaches Hoch auf den Kaiſer aus Um
9.30 Uhr zog ſich der Kaiſer mit den übrigen Herren
wieder in den Salon zurück. Kurz vor 10 Uhr begab ſich
der Kaiſer mit den Oberſt=Korpskommandanten v. Spre=
cher
, von Bernegg und ſeinem Gefolge im Automobil unter
den Hochrufen der Menge wieder in die Villa Riet=
berg
zurück. Der Kaiſer war in vorzüglicher Stimmung
und äußerte ſich über den Verlauf des erſten Tages ſeines
Aufenthalts in Zürich ſehr befriediat.

Die Manöver.

* Kirchberg, 3. Sept. Die 6. rote Diviſion
hat von 11 Uhr an in Wil ſowie öſtlich und ſüdlich davon
geſicherte Halte bezogen. Die Aufklärung gegen den
Feind wurde fortgeſetzt. Um 1 Uhr erhielt Kavallerie=
brigade
Nr. 3, die ſeit mittag der 6. Diviſion zugeteilt iſt,
den Befehl, auf der Linie Oettwil=Gaehwil vorzugehen
und ſich den Anmarſchweg gegen den Feind von dort aus
zu ſichern Infanterieregiment Nr. 31 erhielt den Befehl.
der Kavalleriebrigade zu folgen mit dem gleichen Auftrag.
Infanterieregiment Nr. 32 und Infanteriebrigade Nr. 17
folgten auf der Straße Rickenbach=Kirchberg. Von 2 Uhr
an debouchierten blaue Kavalleriepatrouillen bei Gaehwil
in der Rechtung Kirchberg. Ungefähr gleichzeitig er=
reichte
die Spitze der roten Kavalleriebrigade dieſen Ort,
und eine rote Kavallerieſchwadron warf kurz vor 3 Uhr
etwa drei Züge blaue Kavallerie, die zu unvor=
ſichtig
vorgegangen waren, von dem Plateau weſtlich Kirch=
berg
zurück und verfolgte ſie gegen Gaehwil. Unterdeſſen
erreichte das vorderſte Bataillon der roten Infanterie
(Bataillon 75) das Plateau weſtlich von Kirchberg und
beſetzte deſſen Rand. Das Regimentskommando ent=
wickelte
noch weitere Kräfte ſeines Regiments auf der
gleichen Linie. Eine Abteilung des Feldartillerieregi=
ments
Nr 12 beſchoß inzwiſchen rechts und links die
Straße Kirchberg=Tiefenrüti. Ungefähr um ½4 Uhr fielen
im Walde weſtlich von Tiefenrüti die erſten Gewehrſchüſſe.
Nach 4 Uhr eröffnete auch rote Artillerie ihr Feuer auf
die feindlichen Kolonnen. Damit iſt die erſte Gefechts=
aktion
eröffnet. Von 1 Uhr an ſetzte heftiger Regen
ein, der erſt gegen 4 Uhr aufhörte.
* Kirchberg. 3. Sept., 450 Uhr. Etwas vor 4 Uhr
rückte blaue Infanterie vom Bataillon 71 gegen
Tiefenrüti vor und ging dort in Stellung. Batterie 61
eröffnete das Feuer gegen das Plateau von Kirchberg.
Kurz nach 4 Uhr traten auch die Schützenlinien von den
blauen Bataillonen 66 und 70 in den Kampf. Um 4.45
Uhr dauerte das Gefecht noch fort. In dieſem Augenblick
bezog eine Mitrailleurkompagnie ihre Stellung
* Bazenhaid, 3. Sept. Die 6 (rote) Diviſion
hat zwiſchen 3 und 4 Uhr nachmittags auf den Höhen
weſtlich Kirchberg ſich entwickelt. Das blaue Infan=
terieregiment
Nr. 28 und die Batterie Nr. 41 mußten ihre
Stellungen bei Tiefenrüti vor dem überlegenen Feuer des
Gegners gegen 5 Uhr nachmittags räumen und zogen ſich
außer Sicht zurück. Die rote Kavalleriebrigade 2 ging
bis Daitswil vor, wo die rote Mitrailleurkompagnie
Stellung bezog Die rote Artillerie ſchoß bis zum Ein=
bruch
der Dunkelheit mit der Schußrichtung Gaehwil und
Oettwil. Nach 5 Uhr erhielt die rote Diviſion die Mel=
dung
, daß ein blaues Detachement heranmarſchiere. Die
rote Artillerie in Marſchformation verſuchte, das Weiter=
vordringen
zu verhindern. BeiEinbruch der Dunkelheit
war der Kampf noch unentſchieden. Die rote Kavallerie=
brigade
3 ging um 6 Uhr von Daitswil zunächſt in den
nördlichen Teil von Kirchberg und dann in der Richtung
auf Rickenbach zurück. Die rote Infanterie richtete ſchon
um 5 Uhr ihre Stellung weſtlich von Kirchberg durch Erd=
arbeiten
zur hartnäckigen Verteidigung ein. Die fünfte
Diviſion hat den Uebergang aus dem Töff= nach dem
Thur=Tal in einer Kolonne über die Hulft=Eck vollzogen.
Die Truppen der vorderen Linien beziehen bei beiden
Parteien über Nacht hinter den Gefechtsvorpoſten Orts=
lage
, da angeſichts der kühlen Witterung und zumal auch
Regen droht, das Biwakieren der Truppen zu gewagt
wäre. Die Stellung der 6. Diviſion muß aber ſchon Mitt=
woch
früh vier Uhr wieder beſetzt ſein.
* Kirchberg, 4. Sept. 7.30 Uhr vormittags. Die
Lage bei den beiden Parteien hat ſeit dem
geſtrigen Gefechtsabbruch, der durch den Einbruch der
Nacht bedingt war, keine große Veränderung erfahren
Die rote Brigade VI hat folgende Aufſtellung: Bataillon
85 zwiſchen Kirchberg und Daitingen, Inf.=Regt. 31 auf
dem Höhenrande weſtlich von Kirchberg zu beiden Seiten
der Straße Kirchberg=Gaehwil, drei Bataillone des Inf.=
Regts. 32, die geſtern abend zur Abwehr des Angriffes des
blauen Regiments 25 nach links gezogen wurden, am lin=
ken
Flügel. Die Brigade drei ſteht in Sirnach. Die fünfte
Diviſion hat noch am ſpäten nachmittag des Dienstag
ihren Aufmarſch vor dem Plateau von Kirchberg vollzogen,
die Infanterie=Brigade 13 am rechten Flügel zwiſchen
Ober=Bazenhaid und Muſelbach, Regiment 25 rechts und
Regiment 26 links, die Infanterie=Brigade 14 am linken
Flügel von Muſelbach bei Punkt 843 ſüdweſtlich von Dei=
tiwil
. Die rote Infanterie=Brigade 17 mit dem Artillerie=
Regiment 11 hat Befehl, am Mittwoch morgen über Wilen
gegen den linken Flügel der blauen fünften Diviſion vor=
zugehen
. Sie hat ſchon vor Tagesanbruch den Vormarſch
angetreten. Die rote Artillerie hat den Kampf erſt heute
vormittag um ½8 Uhr wieder aufgenommen.
Die Trains der 6. Diviſion ſind ſchon heute morgen in der
Richtung auf Wil zurückgegangen, woraus unter nor=
malen
Verhältniſſen der Schluß gezogen werden könnte,
daß der Kommandant der Diviſion nicht die Abſicht hat,
die Stellung bei Kirchberg auf die Dauer zu halten. Im
vorliegenden Falle kann aber die Maßnahme auch der Ab=
ſicht
entſpringen, die Straßen für den Kaiſerbeſuch
und den zu erwartenden Andrang der Schlachtenbummler
freizuhalten. Schon jetzt befinden ſich in Kirchberg ſelbſt
und auf den umliegenden Höhen enorme Scharen von Zu=
ſchauern
, die nicht dazu angetan ſind, den militäriſchen
Eindruck der Manöverlage gebührend würdigen zu laſſen
Das Wetter iſt heute günſtig. Der Himmel ganz leicht be=
deckt
. Die fremden Offiziere ſind um 6 Uhr in Wil und
um 7 Uhr im Manövergelände eingetroffen.

Der Kaiſer im Manövergelände.

* Zürich. 4. Sept. Gegen 6 Uhr 20 Minuten er=
ſchien
der Kaiſer in Begleitung von Oberſtkorpskom=
mandant
von Sprecher. Er wurde auf dem Bahnſteig
vom Bundespräſidenten Forrer und Bundesrat Hoff=
mann
begrüßt. Die Herrſchaften nahmen im Salonwagen
Platz, Um 6.25 Uhr fuhr der Spezialzug nach Wil ab.
In allen durchfahrenen Ortſchaften hatte ſich zahlreiches
Publikum aufgeſtellt und grüßte mit Zurufen und Tücher=
ſchwenken
. Der Kaiſer trägt heute die Uniform der
Garde=Maſchinengewehrabteilung Nr. 2. Das Wetter iſt
ſehr ſchön.
* Kirchberg, 4. Sept. Der deutſche Kaiſer
iſt einige Minuten vor 8 Uhr auf dem Manöver=
felde
eingetroffen. Er fuhr zunächſt auf eine
Anhöhe, von der aus man einen vollſtändigen Ueberblick
über die Angriffs=Abſchlüſſe der fünften blauen Diviſion
genießt. Kurze Zeit nachher unternahm der Kaiſer in
Begleitung von Bundesrat Hoffmann eine Automobil=
fahrt
zur fünften Diviſion, um deren Aufſtellung ein=
gehend
zu beſichtigen. Die fünfte Diviſion eröffnete den
Angriff auf die roten Kolonnen um 8 Uhr 30 Minuten
durch ein lebhaftes Feuer auf ihre ganze Angriffsfront.
Ueber Nacht hatten ſich beide Kampflinien eingegraben
und die Trupen biwakierten in den Schützengräben. Der
Angriff iſt in ſeiner Gliederung und Durchführung wohl
überdacht und macht militäriſch einen ſehr guten Ein=
druck
. Nach einem heftigen Gegenanariff durch die raten

Truppen mußten die blauen Truppen Oit Wil räumen
und ſich nach Gaehwil zurückziehen. Um 10 Uhr 45 Minu=
ten
dauerte das Gefecht auf der ganzen Linie noch fort,
ohne daß eine bemerkenswerte Aenderung in der Stel=
lung
der beiden Parteien eingetreten wäre. Der Kaiſer
iſt um 10 Uhr von der Beſichtigungsfahrt der Stellung
der fünften Diviſion auf die Anhöhe weſtlich von Häus=
ligs
zurückgekehrt. Um 11 Uhr 15 Minuten war das Ge=
jecht
noch in vollem Gange.
* Kirchberg, 4. Sept. Gegen ½12 Uhr gelang
es der blauen Diviſion, die rote Diviſion im Zen=
trum
zurückzudrängen. Die rote Diviſion nahm vor 12
Uhr neuerdings Aufſtellung bei Hohenbühl. Das Gefecht
näherte ſich um 12 Uhr der Entſcheidung.
* Rickenbach, 4. Sept., 2,15 Uhr. Von 12 Uhr an
wogte der Inſanteriekampf bei Tiefenrüti mit
wechſelndem Erfolge hin und her. Das blaue Infan=
terie
=Regiment 27 wurde von der roten Brigade 17 hin=
ter
die Linie Kuppenmühle=Gaehwil zurückgedrängt und
zog ſich gegen Egg und Altbrunn zurück. Das blaue In=
fanterie
=Regiment 28 wurde dadurch in ſeinem Rücken
gefährdet und ſeine Stellung zwiſchen Ruppertswil und
Tiefenrüti war ebenfalls unhaltbar geworden. Inzwi=
ſchen
hatte aber die fünfte Diviſion am rechten Flügel
mehr Glück und errang hier größere Erfolge unter den
Gegnern. Außer dem bereits gemeldeten Durchbruch des
Zentrums der roten Stellung bei Häusligs gelang ihr
auch durch vorgeſchobene Truppen (das Infanterie= Regi=
ment
26, das nach Bazenhaid auf den rechten Flügel
vorgeſchoben worden war) eine Umfaſſung des linken
Flügels (Infanterie=Regiment 32). Die rote Infanterie
zog ſich hierauf um 12,30 Uhr gegen die Höhe 761 nörd=
lich
Kirchberg zurück. Sei es, daß der Kommandant der
ſechſten Diviſion infolge des Eindrückens ſeines linken
Flügels ſeine Lage in Kirchberg als unhaltbar erachtete,
oder ſei es, was wahrſcheinlicher iſt, daß er von der
Armeeleitung hierzu den Befehl erhielt, jedenfalls be=
gann
um 1 Uhr die rote Diviſion bei Kirchberg abzu=
bauen
und den Rückzug auf Wil anzutreten. Da es ſich
bei beiden Gegnern um Flügeldiviſionen handelte, war
durch den Erfolg der roten Brigade 17 die Stellung der
blauen Diviſion bedroht, während der Erfolg des rech=
ten
blauen Flügels die Verbindung des Gegners mit der
roten Armee gefährdete. Die blauen Truppen verfolgten
den abziehenden Feind bis über Kirchberg hinaus. Der
Gefechtslärm um Kirchberg herum verſtummte erſt um
2 Uhr.
* Frauenfelde. 4. Sept. Der Kaiſer ſtatteie
mit Gefolge und den übrigen Perſönlichkeiten um 1,45
Uhr dem Kloſter Schaffhauſen=Ittingen einen Beſuch ab
und fuhr um 3,15 Uhr nach Zürich weiter.
* Zürich, 4. Sept. Der Kaiſer iſt um 4,22 Uhr
mit ſeinem Gefolge in Zürich eingetroffen und wurde
von einer großen Volksmenge enthuſiaſtiſch begrüßt. Der
Kaiſer fuhr im Automobil nach der Villa Rietberg. Das
Wetter iſt andauernd prächtig.

Sport.
Neues Spielſyſtem im Fußball.

Von einſchneidendſter Bedeutung für das Spielſyſtem
des Verbands ſüddeutſcher Fußballvereine (V. ſ. F. V.)
war der Verbandstag am 18. Auguſt in Ludwigshafen.
Mit großer Mehrheit wurde die Schaffung einer
Ligaklaſſe aus der bisherigen A=Klaſſe beſchloſſen,
indem die Anzahl der A.=Vereine der einzelnen Kreiſe auf
8 reduziert wurde. Der achte Verein wurde jeweils durch
Qualifikationsſpiele der von achter Stelle an abwärts
ſtehenden Vereine mit dem B.=Kreismeiſter feſtgeſtellt.
Die ausſcheidenden Vereine der A.=Klaſſe bilden mit den
führenden Vereinen der B.=Klaſſe eine neue A.=Klaſſe, die
die Meiſterſchaft ebenfalls nach dem Ligaſyſtem ermittelt.
Der Sieger in der Meiſterſchaft der A.=Klaſſe tauſcht dann
mit dem in den Ligaſpielen an letzter Stelle ſtehendem
Verein den Platz. Er rückt nächſtes Jahr in die Ligaklaſſe
auf, während der ſchwächſte Ligaverein in die A.=Klaſſe
kommt. Die ſpielſchwächeren Vereine werden wie ſeither
in eine B.= und C.=Klaſſe eingeteilt, die erſt Gau= und
Kreismeiſter und dann den Meiſter des ſüddeutſchen Ver=
bandes
ausſpielen.
Die Vorteile des neuen Syſtems liegen auf der Hand. Um
nach der ſeitherigen Methode den Verbandsmeiſter recht=
zeitig
zur Teilnahme an der deutſchen Fußballmeiſterſchaft
melden zu können, ſah ſich der Spielausſchuß gezwungen,
infolge der großen Anzahl der auszutragenden Spiele (im
Nordkreis hatte im letzten Jahre jeder Verein 24 Spiele
zu abſolvieren), Sonntag für Sonntag die Mannſchaften
antreten zu laſſen, ſelbſt wenn die Wetterverhältniſſe einen
regelrechten Verlauf des Spieles nicht garantierten. Die
große Anzahl der Spiele hatte außerdem noch die unan=
genehme
Folge, daß der nach ungefähr 30 Spielen glücklich
ermittelte ſüddeutſche Meiſter mit Unluſt und überſpielt
in den Kampf um die deutſche Meiſterſchaft zog. Eine Er=
ſcheinung
, die bisher jedesmal bei dem Karlsruher Fuß=
ballverein
zu beobachten war. Durch das neue Spielſyſtem
werden alle dieſe Nachteile beſeitigt. Statt 3032 Spiele
bedarf es noch höchſtens 20, um den Meiſter zu ermitteln.
Infolgedeſſen iſt der Meiſter in der Lage mit friſchen
Kräften den Verband in der gebührenden Weiſe bei der
Meiſterſchaft vertreten zu können.
Der Weſtkreis, zu dem Darmſtadt gehört, ſtellt fol=
gende
8 Vereine zur Liga: F.=C. Phönix=Mannheim,
V. f. R., F.=C. Pfalz=Ludwigshafen, F=C. Phönir= Lud=
wigshafen
, F.=G 1903=Ludwigshafen, V. f. B. Boruſſia=
Neunkirchen, F.=C. Olympia=Darmſtadt, F.=V. Kaiſers=
lautern
. Jeder Verein hat in zwei Runden jc 7 Spiele
auszutragen, zuſammen 14 Der Meiſter ſpielt mit den
Meiſtern des Nord=. Oſt= und Südkreiſes um die Ver=
bandsmeiſterſchaft
. Der letzte Verein ſcheidet aus und
kommt in die A.=Klaſſe, während der A.=Meiſter in die
Liga kommt. Die Spiele beginnen am 22. September.

* Große Radrennen in Darmſtadt. Die am Sonntag,
8. September d. J., nachmittags 3 Uhr ſtattfindenden Rad=
rennen
des Velociped=Klubs Darmſtadt verſprechen nach
den eingegangenen Meldungen zahlreicher erſtklaſſiger
Fahrer ein ſportliches Ereignis nicht nur für Darmſtadt,
ſondern für ganz Deutſchland zu werden. Es haben näm=
lich
die zwei diesjährigen Meiſterfahrer von Belgien,
J. van Ginkel und Ch. van Oerle aus Brüſſel gemeldet,
die in dieſem Jahre in Belgien alles geſchlagen haben,
was ſich ihnen entgegengeſtellt hat. Da am Sonntag die
beſten Fahrer hier ſtarten werden, die der Deutſche Rad=
fahrer
=Bund beſitzt, z. B. Weltmeiſter Rode, Möſer, Köll=
ner
, Damus, Cohn ꝛc., ſowie die Nürnberger Meiſterfahrer
Schmidt und Reulein, ſo werden die hieſigen Rennen die
Frage entſcheiden, ob unſere deutſchen Fahrer den Bel=
giern
überlegen ſind oder nicht. Seit Jahren hat ſich keine
Gelegenheit zu einem Wettbewerb deutſcher Herrenfahrer
mit Ausländern geboten und deshalb verdienen die
Rennen am Sonntag beſondere Beachtung, weil mit ihnen
eine Frage gelöſt wird, die für die deutſche Radſport=
gemeinde
von großem Intereſſe iſt. Ein Beſuch der Rad=

[ ][  ][ ]

Seite 6

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. September 1912.

Nummer 209.

rennbahn lohnt ſich alſo am Sonntag ohne Zweifel, zumal
auch die Verloſung eines von der Firma Benz u. Co ge=
ſtifteten
Weſtfalen=Rades, das im Schaufenſter dieſer
Firma zur Zeit ausgeſtellt iſt, einen beſonderen Anreiz
bietet.
Frank Kramer gewinnt die Radwelt=
meiſterſchaft
. Auf der Bahn von Newark bei
New=York wurden die Zwiſchenläufe und der Endlauf der
Fliegerweltmeiſterſchaft ausgefahren. Für die Zwiſchen=
laufe
hatten ſich Friol, Perchicot, Dupuy, Kramer, Dro=
bach
, de Mara, Mac Kay, Cameron und Grenda quali=
fiziert
. Von dieſen nahmen an dem Endlauf Kramer,
Grenda und Perchicot teil. Der Amerikaner Kramer ging
eine Runde vor Schluß zum Spurt über und ſiegte er=
wartungsgemäß
vor dem Auſtralier Grenda und Perchi=
cot
=Frankreich.
* Athletik. Man ſchreibt uns Am Sonntag unter=
nahmen
verſchiedene der beſten deutſchen Werfer auf dem
Sportplatze des Fechenheimer Fußballklubs Germania
Rekordverſuche unter Aufſicht des Reichsverbandes für
Athletik. Dabei gelang es Herrn Joſeph Otto vom
Athleten=Verein Darmſtadt, folgende Rekords aufzu=
ſtellen
: Im Gewichtwerfen mit dem Viertelzentner einen
neuen Weltrekord von 18,68 Meter (der ſeitherige Welt=
rekord
wurde ron Cameron=Schottland mit 18,10 Meter
gehalten) ferner in derſelben Uebung mit dem Halb=
zentner
einen deutſchen Rekord mit 10,09 Meter (der ſeit=
herige
Rekord ſtand auf 8,47 Meter). Desgleichen gelang
auch ſeinem Bruder, Herrn Edmund Otto, die recht an=
ſprechende
Leiſtung von 16,10 Meter im Gewichtwerfen
mit dem Viertelzentner. Weiter wurden von Herrn
Joſeph Otto noch folgende zwei deutſche Rekords auf=
geſtellt
: Im Steinſtoßen mit dem Viertelzentner 10,38
Meter und im Hammerwerfen (7,25 Kilogramm) 29,48
Meter.

Luftfahrt.

Sr. Bei dem Waſſerflugzeugwettbe=
werb
in Heiligendamm wurde auch am Dienstag
wieder ein ausgezeichneter Erfolg erzielt. Thelen ſtar=
tete
bei ſchönem Wetter aber ſtarker Briſe auf ſeinem
Albatros=Doppeldecker in Begleitung eines Paſſagiers für
den Ausſcheidungsweitbewerb. Es gelang ihm dieſelbe
gute Leiſtung, wie ſie am Tage vorher Bruno Büchner
ausgeführt hatte. Thelen ſtieg vom Flugplatz am Lande
auf, blieb 10 Minuten in der Luft und ging dann auf
das Waſſer nieder, wo er den Motor vorſchriftsmäßig ab=
ſtellte
. Er ſtellte dann wieder den Motor ohne fremde
Hülfe vom Führerſitz aus an, erhob ſich in die Luft und
landete nach kurzem Fluge wieder auf dem Flugplatze.
Da die vorgeſchriebene Zeit aber um fünf Minuten über=
ſchritten
worden war, konnte das Schiedsgericht den Flug
nicht anerkennen. Abends 6 Uhr 20 Minuten unternahm
Thelen den Verſuch von Neuem. Das Reſultat dieſes
Fluges ſteht bei Redaktionsſchluß noch aus. Auf dem
Flugplatz herrſchte ſtarker Beſuch Auch der Großherzog
und die Großherzogin von Mecklenburg ſowie die Prin=
zeſſin
von Cumberland und Prinz und Prinzeſſin von
Schleswig=Holſtein=Glücksburg waren anweſend.
* Heiligendamm 4. Sept. Geſtern abend nach
6 Uhr ſtieg Thelen bei ſturmhohem Seegang im Ent=
ſcheidungswettbewerb
für Waſſerflugzeuge auf. Infolge
einer Beſchädigung des Motors mußte er im Waſſer nie=
dergehen
. Er wurde durch eine Pinaſſe an Land gezogen,
nachdem er 1½ Stunden auf See geweſen war.
* Frankfurt, 4. Sept. Wie die Delag mitteilt,
wird das Luftſchiff Viktoria Luiſe, das ſich zur
Zeit in Baden=Baden befindet, an Stelle der beſchädigten
Hanſa die geplante Fahrt nach Kopenhagen
ausführen. Zu dieſem Zwecke wird das Luftſchiff kom=
menden
Freitag früh in Baden=Baden zur Fahrt nach
Hamburg aufſteigen, von wo es am Sonntag früh mor=
gens
um 4 Uhr die Reiſe nach Kopenhagen antreten
wird Die Rückfahrt nach Hamburg ſoll am ſelben Tage
ungefähr bis 11 Uhr erfollgen. Am 10. Sept. wird die
Viktoria Luiſe in Baden=Baden zurück erwartet. Wie
verlautet, nimmt Graf Zeppelin an der Fahrt teil.
* Berlin, 4. Sept. Heute nacht 1 Uhr iſt das
Luftſchiff Schütte=Lanz zur Rückfahrt nach
Mannheim aufgebrochen. 6 Uhr 15 Minuten vaſſierte es
Gotha, 6 Uhr 45 Minuten Eiſenach und um 9 Uhr
20 Minuten Fulda.
* Fulda, 4. Sept. Das Luftſchiff Schütte=
Lanz iſt bei Neuhof wegen widriger Gegenwinde
niedergegangen. Man wird verſuchen, mach
Gotha zurückzukehren.
* Neuhof, 4. Sept. Das Luftſchiff Schütte=
Lanz iſt um 12 Uhr, nachdem es Benzin eingenommen
hatte, zur Rückfahrt nach Gotha aufgeſtiegen.
* Gotha, 4. Sept. Das Luftſchiff Schütte=
Lanz das bei Neuhof umgekehrt war, erſchien um
1 Uhr 40 Minuten wieder in Gotha. Veranlaßt war die
Rückkehr dadurch, daß der hintere Propeller des Luftſchif=
ſes
defekt geworden war und dieſer infolgedeſſen nicht
gegen den ſcharfen Wind ankämpfen konnte. In Gotha
wieder angelangt, wurde das Luftſchiff durch den heftigen,
8 Sekundenmeter Stärke betragenden Bodenwind daran
verhindert in die Halle einzufahren, ſo=
daß
es zunächſt außerhalb der Halle verankert
werden mußte. Der Schütte=Lanz wurde dann nach
3 Uhr in die Halle gebracht und war um 3 Uhr 20 Min.
in deren Innern geborgen.
* Méziéres, 3. Sept. Der Flieger Aſtley mit
Miß Davies landete hier um 11 Uhr 20 Minuten vor=
mittags
. Er nahm Benzin ein und ſtieg um 1 Uhr
15 Minuten zur Weiterfahrt nach Berlin auf.
* Bonn, 3. Sept. Der Flieger Aſtley mit Fräu=
lein
Davies iſt nach einer Zwiſchenlandung in der
Nähe von Köln heute abend um 7 Uhr auf dem Hange=
larer
Flugplatze glatt gelandet.
H.B. Bonn a. Rhein. 4. Sept. Der engliſche Flie=
ger
Aſtley, der geſtern mit Fräulein Davies als Paſſa=
gier
von Paris nach Berlin aufſtieg und bis Bonn kam,
will den Flug nach Berlin nicht fortſetzen, ſondern ent=
weder
nach Brüſſel oder nach Paris zurückfliegen. Zunächſt
wartet er beſſeres Wetter ab.
* Bonn 4. Sept. Der Flieger Aſtley iſt heute
vormittag zu einem kurzen Fluge aufgeſtiegen, jedoch
bald wieder gelandet. Er will beſſeres Wet=
ter
abwarten.
* Köln, 3. Sepi. Das Heck des Luftſchiffes
Z 2, das gegenwärtig zur Reparatur in der Halle liegt,
hat ſich infolge Reißens einer Aufhängeſchleife langſam
geſenkt und iſt dabei beſchädigt worden.
H. B. Paris, 4. Sept. Pasquier iſt heute mor=
gen
5 Uhr 26 Minuten auf dem Flugfelde von Etampes
äm=Wettbewerb um den Pommery=Pokal aufgeſtiegen und

will verſuchen, bis Sonnenuntergang zu fliegen und die
Reiſe bis Berlin und wenn möglich, weiter bis Warſchau,
durchzuführen.
* Deutſche Flugzeuge für die bulga=
riſche
Armee. Das bulgariſche Kriegsminiſterium,
das ſeit einiger Zeit beſtrebt iſt, ſeiner Armee eine Flie=
gertruppe
anzugliedern, hat, wie aus ſicherer Quelle ver=
lautet
, ſich entſchloſſen, ſeinen geſamten Bedarf an Flug=
apparaten
in Deutſchland zu decken. Seit einem Jahre
hat eine aus drei Offizieren beſtehende Kommiſſion die
franzöſiſchen und engliſchen Flugplätze beſucht und einige
Maſchinen, darunter auch zwei Bleriot=Eindecker, gekauft.
Die Verſuche mit dieſen Maſchinen befriedigten jedoch die
bulgariſche Heeresverwaltung ſo wenig, daß man ſich
entſchloß, deutſche Apparate zu kaufen. Vor einigen
Wochen ſind eine größere Anzahl von Albatros= Doppel=
deckern
feſt beſtellt und vier bulgariſche Oberleutnants
nach Johannisthal abkommandiert worden, wo ſie gegen=
wärtig
im Fliegen ausgebildet werden.

Landwirtſchaftliches.

Groß=Gerau, 3 Sept. Am verfloſſenen Fer=
kelmarkt
waren 644 Tiere aufgetrieben, die, bis auf
einige Ausnahmen, zu den ſeitherigen Preiſen flotten
Abſatz fanden. Bezahlt wurden nämlich für Ferkel 14 bis
25 Mark, für Springer 27 bis 34 Mark und für Einleger
38 bis 50 Mark pro Stück. Der nächſte Ferkelmarkt wird
am Montag, den 9. ds. Mts., abgehalten. Wir machen
noch beſonders darauf aufmerkſam, daß die unterm
29. April 1912 erlaſſenen beſonderen Vorſchriften noch
in vollem Umfange beſtehen und weiſen namentlich die
Verkäufer darauf hin, daß ſie nur unter Vorzeigung der
bürgermeiſteramtlichen Beſcheinigung über die Seuchen=
freiheit
ihrer Gemeinde und des betr. Kreiſes zum Markte
zugelaſſen werden können.

Handel und Verkehr.

H. Frankfurt a. M., 4. Sept. ( Fruchtmarkt=
bericht
.) Am Wochenmarkt war reichliches Angebot
vorhanden, jedoch blieben die Käufer anfangs zurück=
haltend
. Nachdem jedoch die Forderungen etwas er=
mäßigt
wurden, wurde der Verkehr belebter und es voll=
zogen
ſich zahlreiche Abſchlüſſe. Gerſte iſt feſt, aber nur
wenig gefragt, während für Hafer ſtärkere Konſumnach=
frage
beſtand, wobei die Preiſe gut behauptet blieben.
Ausländiſche Brotfrüchte ſind zum größten Teil unren=
tabel
, ſo daß darin nur ganz geringes Geſchäft war. Mais
wird wenig offeriert. Futterartikel unverändert. Mehl
wird noch weiter hoch im Preiſe gehalten und daher nur
das Notwendigſte abgenommen.
Der Mannheimer Getreidemarkt iſt ruhig
mit guter Kaufluſt für die ermäßigten norddeutſchen
Offerten. An der Berliner Produktenbörſe
war Weizen matter auf Realiſationen und auf willigere
Auslandsangebote, doch ſind die Preiſe nur wenig nied=
riger
, da ſtärkere Käufe für Exportzwecke vorhanden
waren. Hafer ruhig; von Lokoware waren beſonders
gute Sorten bevorzugt und feſt. Die Andienungen für
September ſind ganz unbedeutend. Nach den letzten
Kabelnachrichten von den amerikaniſchen Ge=
treidemärkten
(Chicago und New=York) war Wei=
zen
ſchließlich in feſter Tendenz auf umfangreiche Ver=
ſchiffungen
von den Seeplätzen. Mais anfangs zur
Mattigkeit geneigt auf günſtige Ernteberichte aus Kanſas
und dem Nordweſten der Vereinigten Staaten, ſchließlich
erholt infolge von Deckungen und kleineren Zufuhren
im Innern. Die ſichtbaren Weizenvorräte ſind dort in
dieſer Woche von 18,86 Millionen Buſhels auf 20.21 Mil=
lionen
Buſhels und die Maisvorräte von 1,57 Millionen
Buſhels auf 1,82 Millionen Buſhels geſtiegen, hingegen
die Weizenvorräte in Kanada von 569 Millionen Buſhels
auf 4,43 Millionen Buſhels zurückgegangen.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilo wie folgt:
Weizen, hieſiger und Wetterauer, 21,2521,50, Nord=
deutſcher
21,2521,50, Kurheſſiſcher 21,3521,50, Ruſſi=
ſcher
23,7524, Kanſas 23,5024, Donauweizen ( rumä=
niſcher
) 23,7524. La Plata 23,2523,75, Manitoba 21.75
bis 22,50, Redwinter 23,5024. Walla Walla 2323,75;
Roggen, hieſiger, 17,7517,90, Bayeriſcher (Pfälzer)
17,7517,90, Ruſſiſcher 17,7519,25, Amerikaniſcher
Rumäniſcher 17.5018,75; Gerſte, Pfälzer, 20,7521.50,
hieſige und Wetterauer 20.2521, Riedgerſte 20,25 bis
21.25, Ungariſche , Fränkiſche 20,5021, Futtergerſte
16,5016,75; Hafer, hieſiger, 20,7522, Bayeriſcher
20.7522, Ruſſiſcher 20,5021,50, Amerikaniſcher 18,75
bis 19,50, Rumäniſcher 20,5021,50; Mais mixed 15 bis
15.25. Ruſſiſcher 15.2515,75, Donaumais 1515,25, Ru=
mäniſcher
15,25 15,75, La Plata 15,2515,50, weißer
Mais 15,2515,75, Weizenſchalen 1111,25, Weizenkleie
1111,25, Roggenkleie 12.7513, Futtermehl 1416,
Viertreber, getrocknet, 13.5014: Weizenmehl, hieſiges
(Baſis ab Mannheim), Nr. 0: 31,7532, feinere Marken
3232,25. Nc. 1: 29,7530, feinere Marken 30,2530,50,
Nr. 2: 28,5028.75. feinere Marken 2929,25, Nr. 3:
26,7527, feinere Marken 27,2527.50, Nr. 4: 22.75 bis
23, feinere Marken 23,2523,50; Roggenmehl, hieſiges,
Nr. 0: 26,5027, Nr. 1: 24,5025, Nr. 2: 21,7522,25.

Vermiſchtes.

Verbot des Boxens der Schüler. Aus
Anlaß eines Einzelfalls machtſder preußiſche Kultusminiſter
darauf aufmerkſam, daß das Boxen nicht zu den lehr=
planmäßigen
Uebungen des Turnunterrichts gehört. Eine
Unterweiſung hierin iſt unſtatthaft Auch darf das Boren
der Schüler in den Räumen und auf den Plätzen der
Schule nicht geduldet werden. Es iſt mehrfach beobachtet
worden, daß ſich einzelne Schüler in dem Beſtreben, an=
dere
durch ihre Leiſtungen zu übertreffen, beim Turnen,
Spielen oder Sport zu übermäßiger Anſpannung ihrer
jugendlichen Kräfte hinreißen laſſen. Solche Uebertreib=
ungen
können zu ernſtlicher Schädigung der Geſundheit,
ſowie zu Störungen der geſamten Körperentwickelung füh=
ren
und ſind geeignet, weitere Kreiſe gegen turneriſche und
ſportliche Betätigung überhaupt bedenklich und mißtrauiſch
zu machen. Ihnen muß daher von allen Freunden geſun=
der
Leibesübungen, insbeſondere von den Turnlehrern
und Spielleitern, nachdrücklich entgegengetreten werden.
(2) Die beſteuerten Frauen. Von ſachkundi=
ger
Seite war kürzlich der Vorſchlag gemacht worden, die
Frauen der Eingeborenen in den deutſchen
Kolonien einer Steuer zu unterwerfen, und zwar mit
der ziemlich plauſiblen Begründung, daß für den Neger
das Weib in erſter Linie Arbeiterin, der Kauf vieler
Frauen alſo eine rein geſchäftliche Spekulation ſei. Der
Gedanke beſtach durch ſeine Originalität; aber dieſe Form
der Beſteuerung iſt, wie ſich jetzt herausſtellt, in Afrika
nicht neu, ſondern von den Engländern bereits ein=

geführt. Und zwar entwickelte ſie ſich, wie der bekannte
ſchwediſche Afrikareiſende Lindblom im Svenska Dagbladet
ſchreibt, folgendermaßen: Bei den Wakambas, einem tüch=
tigen
Negervolk, das zu den Bantu=Stämmen gehört be=
ſteuerten
die Engländer urſprünglich jede Hütte mit drei
Rupien. Nun iſt es bei dem Volke Sitte, daß jeder wohl=
habende
Mann mehrere Frauen beſitzt und für jede von
ihnen eine eigene Hütte einrichtet. Um ſich aber der
drückenden Steuer zu entziehen, kamen einige Neger auf
den Gedanken, mehrere Frauen in einer einzigen Hütte
einzuquartieren. Sie fanden bald Nachahmer, und der
engliſche Fiskus war dabei der Leidtragende. Indeſſen
erwieſen ſich am Ende die Engländer doch noch ſchlauer
als die Wakambas; ſie ſchafften die Hüttenſteuer ab und
verlangten dafür die drei Rupien auf den Kopf jeder
Frau!
C.K. Was iſt beim Rauchen ſchädlich? In=
tereſſante
wiſſenſchaftliche Unterſuchungen ſind von eng=
liſchen
Hygienikern über die Art der ſchädlichen Wirkung
des Rauchens angeſtellt worden Zunächſt ergab ſich nach
einem Bericht des Lancet, daß im Pfeifentabak in viel
höherem Grade Nikotin enthalten iſt, als in den Zigaret=
ten
. Während das Nikotin in der Pfeife zwiſchen 2,04 und
2,85 Prozent ſchwankt, erreicht es in den ägyptiſchen Zi=
garetten
nur 1,40 bis 1,74 und in anderen Zigaretten nur
bis 1,60 Prozent. Einen noch geringeren Nikotingehalt
hat die Havanna=Zigarre mit nur 0,64 Prozent Bei der
Unterſuchung des Rauches der verſchiedenen Tabakarten
ergab ſich, daß der der Zigarette 70 bis 80 Prozent weniger
Nikotin enthielt, als der Rauch der Zigarre und der Pfeife
Daraus wäre zu ſchließen, daß das Zigarettenrauchen am
wenigſten Bedenken für die Geſundheit hat; aber der
Lamcet führt weiter, aus, daß man bisher dem Nikotin in
dieſer Frage eine zu ausſchließliche Bedeutung zugemeſſen
hat. Unter den Stoffen, aus denen ſich der Tabakrauch
zuſammenſetzt, befindet ſich auch das Furfurol, das auch
in dem nicht denaturierten Alkohole und beſonders in dem
neuen Whisky enthalten iſt und eine Menge Alkalien pro=
duziert
. Dieſes Furfurol iſt in beſonderer Fülle in dem
Virginia=Tabak und in den Zigaretten, während es im
Rauch der Zigarre und der Pfeife faſt fehlt. So bringen
der Pfeifentabak und der Zigarrentabak bei der Verbren=
nung
verſchiedene Zuſammenſetzungen von Ammoniak, aber
faſt kein Furfurol hervor, während die Virginia= Zigaret=
ten
, die man billig kauft, nur geringe Spuren von Am=
moniak
aufweiſen, aber eine ſtarke Menge Furfurol ent=
wickeln
. Es ſcheint, daß gerade dieſes Furfurol die be=
ſondere
Entzündung der Kehle hervorruft, der die Raucher
ausgeſetzt ſind. Hält man nun die Wirkung der beiden
Gifte gegeneinander, ſo kommt man zu dem Schluß, daß
die Zigarette weniger gefährlich als die Pfeife iſt und die
Zigarre ſich in der Mitte zwiſchen beiden hält.
* Der größte Dinoſaurus. Nahe Rock Springs
im Staate Wyoming iſt das foſſile Skelett eines Dinoſau=
rus
ausgegraben worden, des größten der bisher in den
weſtlichen Staaten gefundenen Reptilien. Achtzig Wirbel=
knochen
des rieſigen Tieres ſind vollſtändig unverſehrt.
Sie gehören dem unteren Teil des Halſes und dem oberen
Teil des Schwanzes an. An den Hüften ſind die Wirbels
knochen einen Fuß lang. Das Reptil muß über 65 Fuß
lang geweſen ſein.

Literariſches,

* Die Negiſter der menſchlichen Stimm e,
Erſcheinungsform, Bedeutung, Behandlung. Von
Müller=Söllner Tonbildner in Darmſtadt.
Arnold Bergſträßers Hofbuchhandlung (W. Kleinſchmidt)
in Darmſtadt. Preis 80 Pfg. Die Schrift iſt als eine Er=
gänzung
zu desſelben Verfaſſers im vorigen Jahre er=
ſchienenen
Wegweiſer zum Kunſtgeſang gedacht. Der
hohen Bedeutung der Regiſterfrage wurde aber in jener
Schrift durch die knappe Behandlung nicht genügend ge=
dient
. Atmung, Mundſtellung und die richtige Führung
ſind in dem Wegweiſer eingehend behandelt worden und
ſind deshalb hier nur ſo weit geſtreift, als es die Regiſter=
frage
erheiſcht In einer Beſprechung des Buches in der
Zeitſchrift Die Muſik (Heft 23) wird darüber geſagt:
Mit immer mehr wachſendem Erſtaunen habe ich das
Büchlein geleſen und noch einmal geleſen und mit größter
Verwunderung aus der Hand gelegt. Warum? Weil
hier endlich einmal jedes Wort, jeder Satz goldene Wahr=
heit
iſt. Die Ausführungen des Verfaſſers über die immer
noch nicht genügend gewürdigte Wichtigkeit der Kopf=
reſonanz
ſollte jeder Geſangsbefliſſene auswendig lernen
und ſich dreimal täglich aufſagen. Der Anhang enthält in
prägnanter Kürze die wichtigſten, leider ſo ſelten befolgten
Regeln über die erſten Anfänge des Geſangsſtudiums,
die doch allein den richtigen Grund zu dem ſo überaus
kunſtvollen Bau der Geſangskunſt zu legen imſtande
ſind‟ Nicht nur dem Publikum und der Kritik, ſondern
auch den modernen Komponiſten und Dirigenten wird die
Schrift empfohlen.
Der Krake gehört unzweifelhaft zu denjenigen
Lebeweſen, mit denen ſich die Phantaſie aller Völker am
lebhafteſten beſchäftigt hat. Wer auf einem italieniſchen
Fiſchmarkt die ſchleimigen, weichlichen Leiber der Polpi
(Polypen) ſieht, mit ihren ſchlaff hingeſtreckten Armen,
beſchmutzt mit dem braunen Inhalt ihrer Tintenbeutel
der verſteht freilich kaum, wie die nordiſche Fabel ſie zum
Kraak, dem gewaltigſten Seeungeheuer, umdichten konnte.
Aber wer einmal ſolchen achtarmigen Rieſen der Krake
wird bis zu 3 Meter lang und gegen 50 Pfund ſchwer
in einem der großen Aquarien ſah, der wird bald inne, daß
er einen Gewaltigen unter den Meerestieren vor ſich hat.
In den eben erſchienen Lieferungen 7 und 8 des reich illu=
ſtrierten
Prachtwerks Die Wunder der Natur
(65 Lieferungen zu je 60 Pfg., Deutſches Verlagshaus
Bong u. Co., Berlin.) ſchildert der bekannte Berliner Zoo=
loge
Prof. Dr. R. Heſſe die ſeltſame Lebensweiſe dieſes
merkwürdigen Polypen. In denſelben Lieferungen ſpricht
Prof. Dr. Walter Maunders, der Direktor der Greenwicher
Sternwarte, über die Flammen auf der Sonne die
Sonnenprotuberanzen, Dr. A. Gradenwitz über die aus
anorganiſchen Stoffen zu züchtenden künſtlichen Pflanzen,
Prof. Dr. W. Migula über das Weſen der ſchlimmſten
Feinde des Menſchen, der Bakterien, Dr. M. Küſtenmacher
über das Entſtehen eines Bienenſtaats uſw. Alle dieſe
Aufſätze ſind durch zahlreich auserleſene Naturphoto=
graphien
illuſtriert.
Erſter deutſcher Kongreß für Jugend=
bildung
und Jugendkunde. Bund für
Schulreform. Arbeiten IIV und V. Bd. 1: Die Ar=
beitsſchule
. Bd. 2: Intelligenzproblem und Schule. Vor=
träge
und Verhandlungen. (Bd. 1 94 S., Bd. 2 103 S.)
Preis geh. je 2 Mk. Leipzig. Verlag von B. G. Teubner.
Die ſehr wertvollen Ergebniſſe des erſten deutſchen Kon=
greſſes
für Jugendbildung und Jugendkunde (Dresden,
Oktober 1911) liegen jetzt in einem handlichen Berichte
in zwei Bändchen von je etwa 100 Seiten vor, die außer
den Vorträgen auch die Verhandlungen wiedergeben.
Es ſind ſehr aktuelle, geiſtige Probleme, die erſte Auto=
ritäten
dort darſtellen und erörtern, Probleme, die zum

[ ][  ][ ]

Nummer 209

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. September 1912.

Seite 7.

erſtenmal in Deutſchland auf jenem Kongreß mit Laien
beraten werden konnten.
Ernſt Wichert: Die Schweſtern. Mit einer
Einleitung von Dr. Ernſt Schultze, einem Bilde des Ver=
faſſers
und Illuſtrationen von F. Cohrs. (Hausbücherei
Band 37) Verlag der Deutſchen Dichter=Gedächtnis= Stif=
tung
in Hamburg=Großborſtel. 154 Seiten. Preis gebun=
den
1 Mark. Das hübſch ausgeſtattete Buch erzählt von
der Eiferſucht zweier Schweſtern. Nach dem Tode der
einen Schweſter gilt die Eiferſucht der leidenſchaftlichen
Litauerin dem Kinde der Verſtorbenen, und ſie läßt ſich
zu einem Verbrechen hinreißen. Die Deutſche Dichter= Ge=
dächtnis
=Stiftung hat einen guten Griff getan, als ſie dieſes
feſſelnde und ſtarke Buch in einer billigen Ausgabe er=
ſcheinen
ließ.
Die beiden Häuſer am Markt. Novelle
von Elſa Lighty Parker. Verlag Boll u. Pickardt, Berlin
NW. Preis geh. 2,50 Mk. Das Buch redet eine ſchlichte,
natürliche, aber gerade deshalb ſo eindringliche und ge=
fällige
Sprache. Nicht auf großen dramatiſchen Geſcheh=
niſſen
baut ſich die Handlung auf, ſondern auf einfachen
Lebensſchickſalen, wie ſie ſich tagtäglich auf der Bühne des
Weltentheaters abſpielen. Der beſondere Reiz der Erzäh=
flung
liegt in den anmutig dahinfließenden Dialogen.
Die deutſchen Banken im Jahre 1911,
von Robert Franz; Sonderabdruck aus dem Deutſchen
Oekonomiſt, Berlin, Friedrichſtraße 10, Verlag von Wil=
helm
Chriſtians; Preis broſch. Mk. 2. Dieſe bekannte
ſtatiſtiſche Arbeit iſt nunmehr, nachdem ſie bereits in der
Zeitſchrift Der Deutſche Oekonomiſt veröffentlicht wor=
den
iſt, auch wieder in Broſchürenform erſchienen. Die
Abhandlung umfaßt die ſämtlichen deutſchen Noten=
banken
, Hypothekenbanken, ſowie die Kreditbanken mit
einem Aktienkapital von einer Million und darüber.
Außer den ſpeziellen, die einzelnen Inſtitute enthaltenden
Bilanztabellen für das letzte Jahr, greifen die ſtatiſtiſchen
Zuſammenſtellungen zurück bis zum Jahre 1883, ſo daß
der Leſer einen vollſtändigen Ueberblick gewinnt über die
Entwicklung des deutſchen Bankweſens ſeit dem genann=
ten
Zeitpunkte.

Schlagwetter=Kataſtrophe.

* Lens, 3. Sept. Auf der Grube Clarence
bei Béthune ereignete ſich eine Schlagwetter= Kata=
ſtrophe
. Rettungsmannſchaften begaben ſich nach der
Unglücksſtätte. Einzelheiten fehlen. Zur Zeit der Kata=
ſtrophe
waren 60 Arbeiter in der Grube beſchäftigt.
Vierzehn Arbeiter mit ſchweren Brandwunden ſind be=
reits
zu Tage gefördert worden.
* Béthune, 3. Sept. Die Schlagwetter=
kataſtr
ophe auf der Zeche Clarence ereignete
ſich um 2=Uhr 15 Minuten nachmittags Von 73 Arbeitern,
die ſich auf der Schachtſohle befanden, konnten ſich 10 un=
verſehrt
retten. 26 Bergleute erlitten ſchwere Brand=
wunden
, denen drei bereits erlegen ſind. Am Abend
waren noch 37 Arbeiter im Schacht, die als ver=
loren
gelten. Dichter Rauch erfüllt alle Stollen, die
in großer Ausdehnung einſtürzen, ſo daß die Rettungs=
mannſchaften
nur ſchwer vorwärts kommen. Eine angſt=
erfüllte
Menge drängt ſich um den Schachteingang. Der
Miniſter für öffentliche Arbeiten wird morgen hier ein=
treffen
.
* Paris, 4. Sept. Die Schlagwetter= Er=
ploſion
bei Béthune ereignete ſich in einer Tiefe
von 930 Metern. Nach den letzten Nachrichten ſind dabei
40 Bergleute ums Leben gekommen, 24 erlitten
ſehr ſchwere Verletzungen. Einer der verletzten Bergleute
wurde geiſtesgeſtört und ſchrie unaufhörlich: Zu Hilfe!
Mörder!

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Im Darmſtädter Tagblatt regt ein Einſender im
vermeintlichen Einverſtändnis der Kunſtfreunde an, daß
die Kunſt des Hoftheaters auf Koſten der Zirkuskunſt
eine bisher nicht gekannte Schonung erfahren ſolle. Es
iſt doch wirklich ein Zeichen von großer Einſeitigkeit und
Engherzigkeit, wenn der eine Kunſtzweig zugunſten des
anderen unterdrückt werden ſoll, und ich meine, daß ge=
rade
die wirklichen Kunſtfreunde ſich hüten würden,
ſolche Anſchauungen an den Tag zu legen, denn die Kunſt
ſoll ebenſo frei ſein, wie die Wiſſenſchaft. Wenn der Ein=
ſender
darauf hinweiſt, daß Zirkusunternehmen in Darm=
ſtadt
gute Geſchäfte gemacht haben, ſo iſt doch das nur
ein Zeichen daſür, daß im Publikum das Bedürfnis nach
Zirkusdarbietungen exiſtiert, und es iſt keineswegs Sache
einer Obrigkeit des zwanzigſten Jahrhunderts, das Pu=
blikum
in der Wahl ſeiner Kunſtgenüſſe zu bevormunden.
Es iſt auch gae nicht zu beſtreiten, daß der Zirkus einen
ganz anderen Intereſſentenkreis an ſich zieht, als die Oper,
das Schauſpiel oder ſelbſt die Operette; die Zirkuskunſt
iſt eine unmittelbare, populäre, gemeinverſtändliche Kunſt
und ſie iſt daher in erſter Linie die Kunſt des kleinen
Mannes, vor allem auch des Landbewohners, den die
Zirkusreklame zur Freude aller ſtädtiſchen Geſchäfts=
leute
in die Stadt zieht. Sie iſt alſo beim beſten Willen
keine Konkurrenz für Richard Wagner und Friedrich
Schiller. Nun kommt noch hinzu, daß die modernen Zir=
kuſſe
durch Heranziehung von exotiſchen Tieren und exo=
tiſchen
Völkern auch eine populär=wiſſenſchaftliche Auf=
gabe
erfüllen, deren Wichtigkeit in unſerem naturwiſſen=
ſchaftlich
intereſſierten Zeitalter durchaus nicht verkannt
werden darf. Kurz und gut: die wahren Kunſtfreunde
werden ſtets in Darmſtadt ein Zirkusgaſtſpiel mit Freu=

den begrüßen, zu welcher Zeit es auch ſtattfindet. Schließ=
lich
wollen doch die Zirkuſſe auch exiſtieren. Mancher
Zirkus repräſentiert ein größeres Kapital, als manches
Hoftheater.
Auch ein Kunſtfreund:

Anläßlich der Ausſtellung wäre es doch ſehr zweck=
mäßig
, die Läden an den Sonntagen (es ſind deren noch
4 bis zur Meſſe) einige Stunden offen zu halten. Den
vielen Beſuchern der Ausſtellung an Sonntagen wäre
dann wenigſtens Gelegenheit gegeben, ihre Einkäufe in
Darmſtadt zu decken, und die vielen Ladenbeſitzer hätten
auch einen pekuniären Nutzen von der Ausſtellung. In
unſeren Nachbarſtädten geſchieht dies von maßgebender
Stelle von ſelbſt, ohne daß es eines Hinweiſes bedarf.
Ich verweiſe nur auf Mainz, wo die Kaufkräftigkeit und
Heranziehung der Landbewohner durch die Veranſtalt=
ung
von Verkehrsſonntagen ſehr gehoben wird. Die Um=
ſätze
der Ladenbeſitzer in Darmſtadt ſind durch die Total=
ſonntagsruhe
zugunſten der Ladenbeſitzer und des
Hauſierhandels auf dem Lande ſehr zurückgegangen, ſo
daß es ſich ſehr empfehlen dürfte, die Läden an Sonn=
tagen
überhaupt wieder 2 Stunden offen zu halten. Ich
verweiſe beſonders auch in dieſem Falle auf unſere größte
Stadt in Heſſen. Mainz, wo man von einer gänzlichen
Sonntagsruhe nichts wiſſen will.
K.

Briefkaſten.

W. B. Der Eulerſchuppen gehört der Garniſonver=
waltung
.
Stammtiſch Juſtus. Zu 1: Nein. Zu 2: Rang
eines Diviſionskommandeurs, er kann den Charakter
als General der Infanterie erhalten, bleibt aber immer
im Rang eines Diviſionskommandeurs. Zu 3: In
Oeſterreich.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* München, 4. Sept. Die Kammer der Reichs=
räte
genehmigte die neue, von der Kammer der Abge=
ordneten
bereits angenommene Lokalbahnvorlage mit
einem Geſamtaufwand von 8 Millionen Mark und ging
dann zur Beratung des Lotterievertrages mit Preußen
über. Berichterſtatter war Graf von Crailsheim. Be=
kanntlich
lehnte die Kammer der Abgeordneten den Lotterie=
vertrag
mit Preußen ab und empfahl der Regierung, eine
eigene bayeriſche Klaſſenlotterie einzurichten. Im Aus=
ſchuß
der Kammer der Reichsräte wurde jedoch der Ver=
trag
mit Preußen genehmigt. Der Berichterſtatter er=
ſuchte
das Plenum, dem Beſchluß des Ausſchuſſes beizu=
treten
Auch der Finanzminiſter trat nochmals für die
Vorlage ein.
* Pardubitz, 4 Sept. Um Mitternacht ſind in Roſitz=
a
.d. Elbe zwei Güterzüge zuſammengeſtoßen.
Sechs Wagen wurden zertrümmert. Zwei Zugführer ſind
ſchwer, ein Lokomotivführer leicht verletzt worden. Die
Urſache iſt auf falſche Weichenſtellung zurückzuführen.
* Tſingtau, 4. Sept. Prinz Heinrich von
Preußen traf mit dem Chef des Kreuzergeſchwaders
und ſeinem Gefolge auf dem Panzerkreuzer Scharn=
horſt
hier ein Das Schiff wird von dem kleinen Kreuzer
Leipzig begleitet und geht am 5. September nach Yoko=
hama
in See.
* New=York, 3. Sept. Infolge der ſtarken Stimmen=
abgabe
der Demokraten und der Rooſeveltpartei bei den
geſtrigen Wahlen in Vermont haben die Republi=
kaner
bei der Gouverneurswahl nicht die Mehrheit er=
langt
, was ſeit Jahren nicht vorgekommen iſt.

H. B. Rom, 4. Sept. Hieſige informierte Kreiſe er=
klären
, daß die Friedensverhandlungen erfolg=
reich
fortſchreiten und daß ſie ſchon in kürzeſter Zeit für
offiziell erklärt werden würden.
Il. B. New=York, 4. Sept. Die gegen Mittag hier
eingetroffenen Nachrichten aus dem Ueberſchwemm=
ungsgebiet
in Weſtvirginia laſſen die Kata=
ſtrophe
viel ernſter erſcheinen, als urſprünglich ange=
nommen
wurde. Die noch immer unvollſtändigen. Nach=
richten
ſprechen von 36 Toten und von einem Schaden von
2 Millionen Dellars. Der Bahnverkehr iſt größtenteils
lahmgelegt. Durch die Ueberflutung der elektriſchen und
Gas=Anlagen ſind viele Orte ohne Beleuchtung. Der Werk=
ſtättenbetrieb
iſt größtenteils unterbrochen. Da das Ueber=
ſchwemmungsgebiet
vielfach weder durch die Eiſenbahn
noch telegraphiſch erreicht werden kann, iſt der ganze Um=
fang
der Kataſtrophe noch nicht klar gelegt.
II.B. New=York. 4. Sept. Ein Rieſenbrand zer=
ſtörte
im Seebade Ozeanpark bei Los Angeles in Kali=
fornien
das Parkhotel und das Geſchäftsviertel. Der
Schaden wird auf 4 Millionen Mark geſchätzt.

für Kinder in der Entwickelung von un=
Biosonl vergleichlicher Wirkung. Die Kleinen blühen
zuſehends auf. Das echte Bioſon, hergeſtellt unter Be=
nutzung
des D. R. P. 171371, iſt erhältlich in allen
Apotheken u. Drogerien, die Doſe ca. ½ kg 3 Mk. (D18554

Grösste Vollkommenheit
Ohne jede Naht
Gesäss. Sitz, Schenkel verstärk)
Ferdinand Carl Winter
Hoflieferanf Sr Königl. Hoheit des Grossherzogs.

8739a

zeigen an

Die glückliche Geburt einer
gesunden
TocHTER
Julius Oppenheimer
und Frau lda, geb. Löb.

Darmstadt, 4. September 1912.
Emilstr. 32.

(18605

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Die Depreſſion, die geſtern ſüdlich von Island lag,
hat ihre Lage wenig verändert, ſich aber ſehr verſtärkt.
Wir haben daher bei friſchen weſtlichen Winden wolkiges
Wetter. Niederſchläge werden von einigen deutſchen
Stationen gemeldet; die Temperaturen ſind etwas ge=
fallen
. Auf der Vorderſeite des langſam von Weſten
nach Oſten vorrückenden Tiefs haben wir wenig Aenderung
des herrſchenden Wetters zu erwarten.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, den
5. September: Trüb, regneriſch, Temperatur wenig ver=
ändert
, auffriſchende Weſtwinde.

Tageskalender.

Ausſtellung Der Menſch im Großh. Reſidenzſchloß
(geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends).
Eugen Bracht=Ausſtellung auf der Mathil=
denhöhe
(geöffnet von 106 Uhr).
Bibliſcher Vortrag um 8½ Uhr im Zelt an der
Lindenhofſtraße (Thema: Das neuteſtamentliche Heilig=
tum
).
Konzerte: Bürgerkeller um 8 Uhr. Perkeo um
8 Uhr. Singſpielhaus Metropole um 8 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Freitag, 6. September.
Hofreite=Verſteigerung der Johann Schnell
Witwe (Blumenthalſtraße 9) um 10 Uhr auf dem Orts=
gericht
I.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 11 Uhr
Waldſtraße 21.
Grummetgras=Verſteigerung um 4 Uhr ( Zu=
ſammenkunft
an der Kreisabdeckerei)

Großh. Landesmuſeum. Geöffnet: Sonn= und
Freitags von 101 Uhr, Mittwochs und Sonntags
von 35 Uhr, Eintritt frei; Dienstags, Donnerstags
und Samstags von 111 Uhr gegen Eintrittsgeld.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

Man verlange ausdrücklich
NRtauf
Narze

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. September 1912

Nummer 209.

BabvAusstattungen!
Eine Spezialltät unserer Wäsche-Abteilung.

Ausstattung
Erna‟
6 Erstlingshemdchen
, ,
à 18 Pfg.
6 weiss gestr. Jäckchen
, ,
à 30 Pfg.
6 Nabelbinden
à 15 Pfg. . . .
6 Windeln, ungebl.
à 35 Pfg. . .
2 weisse Einschlagdecken
à 95 Pfg.
,
1 weisse Einschlagdecke
umstochen .
1 weisses Wickelband . .
4 Moltondeckchen
à 35 Pfg. .

1 Gummieinlage, 45/45 cm
1 Baby-Badetuch, 80/100 cm
Mk.

11.-
1.08
1.80
0.90
= 2.10
1.90
0.65
0.45
1.40
0.38
0.95
11. 61

Ausstattung 24.
Paul- 6 Erstlingshemdchen mit Spitze, à 27 Pfg. 1.62 6 Erstlingshemdchen mit Feston, à 30 Pfg. 1.80 6 weiss gestr. Jäckchen ,
à 38 Pfg. 2.28 16 weiss gestr. Jäckchen ,
à 42 Pfg. - 2.52 16 Windeln Hygienisch‟ à 45 Pfg. . . - 2.70 6 Windeln Gerstenkorn‟ à 55 Pfg. - 3.30 6 Moltondeckchen à 35 Pfg. - 2.10 2 weisse Einschlagdecken à 95 Pfg. 1.90 2 weisse Einschlagdecken à 1.40 Mk. . 2.80 2 Wickelbänder à 50 Pfg. 1.00 2 gestr. Wickelbänder à 55 Pfg.
, , 1.10 1 Baby-Badetuch 100/100 cm . . .
= 1.25 1 Gummi-Unterlage 0.55 Mk. 24.92

Ausstattung
Hedwig‟ 38.-
6 Erstlingshemdchen
mit Feston à 30 Pfg. 1.80
6 Erstlingshemdchen
mit Stickerei à 45 Pfg. 2.70
6 weiss. gestr. Jäckch. à 50 Pfg. 3.
6 weiße Seidengarn-Jäckchen
4.80
à 80 Pfg.
6 Nabelbind. Ideal‟ à 45 Pfg. 2.70
6 Mull-Windeln à 55 Pfg. 3.30
6 Windeln Gerstenkorn‟
3.30
à 55 Pfg.
6 Windeln Porös‟ à 45 Pfg. 2.70
6. Molton-Deckchen à 35 Pfg. 2.10
3 Einschlagdecken
umstochen, à 95 Pfg. 2.85
3 Einschlagdecken
festoniert, à 1.40 . . 4.20
2 Wickelbänder
umstochen, à 70 Pfg. 1.40
2 Wickelbänder
gestrickt, à 65 Pfg. . 1.30
1 Baby-Badetuch 100/100 1.25
0.95
1 Gummi-Unterlage
Mk. 38.35

Größte Auswahl in Wagendecken, Wagen-
kissen
, Taufkleidchen, Taufhäubchen, Trag-
kleidchen
, Laufkleidchen, Tragunterröckchen.

Kinder-Häubchen
Mull-Häubchen, hübsch garn., 75
Cachemire-Häubchen
hellblau, rosa, festoniert 1.35
Seidenhäubch. m. Val.-Spitze 1.75
Astrachanhäubch., eleg. garn. 1.95

Größte Auswahl in Lätzchen, Schuhchen,
Photographiehemdchen:: Ueberziehjäckchen,
Erstlingsstrümpfchen.

Mlanner-Vvareraus

7 Markt 7

Guggenheim &. Marx

7 Markt 7.

(18572

Täglich friſch eintreffend

Fiſerne Kelter, faſt neu, Partie
lange u. ovale gute Stückfäſſer,
ſowie Eichenholz=Bütten von ca.
600 Liter, verkäuflich (18588a
Eliſabethenſtraße 52.

gebild. Herr
Jung.
aseckeeht Kavalier, 26 Jahre alt, in guter

per Pfund 35 Pfg.
Heilbutt im Ausschuit
per Pfund 80 Pfg.
34pfündige Fiſche
per Pfund 65 Pfg.
im Aus-
Schelinsche schnitt
(Isländer)
per Pfd. 35 u. 40 Pfg.
: Blaufelchen:
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[ ][  ][ ]

Nummer 209.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. September 1912.

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[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. September 1912.

Nummer 209.

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Damen und Herren zu recht zahlreicher Beteiligung höflichſt einladen.
Anmeldungen hierzu werden im Vereinslokal entgegengenommen.
Der Vorstand.

Gründlich. Unterricht
im Zuſchneiden u. Kleidermachen
bei mäßigem Honorar erteilt Elise
Beitz, Waldſtr. 35, 1. St (*5244md

Unterricht im Kleidermachen und Zuschnelden
nach dem System der Hirsch’schen Akademie,
Berlin und der Academie de coupe de Paris,

Paris, wird gründlich erteilt.

(18594a

Tilla Petry, Bismarckstrasse 48.
Beginn des Unterrichts 16. September.

Roserisches Tanz-Istitut.
An einem in der zweiten Hälfte des Monats September
ſtattfindenden
Damen=Kursus
können ſich noch Damen beteiligen.
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[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

39 104.

Donnerstag, 8. Sehtenber.

1912.

Bekanntmachung.

Die Grundbeſitzer unſeres Kreiſes werden hierdurch aufgefordert, die bei ihnen
aus Anlaß der Herbſtübungen entſtehenden Flurbeſchädigungen alsbald nach Be=
endigung
der Uebungen bei der betreffenden Bürgermeiſterei anzumelden, welche
das Erforderliche wegen Feſtſtellung und Abſchätzung der Beſchädigungen durch die
hierfür beſtellte Flurabſchätzungs=Kommiſſion, ſowie demnächſtiger Auszahlung der
Entſchädiaung veranlaſſen wird.
Falls die Aberntung oder die Beſtellung der beſchädigten Felder vor Eintreffen
der Flurabſchätzungs=Kommiſſion eintreten muß, wovon indeß nur in den dringend=
ſten
Fällen Gebrauch gemacht werden kann, ſo iſt dies bei der Bürgermeiſterei
beſonders zu beantragen.
Ausdrücklich wird darauf hingewieſen, daß Beſchädigungen, welche nicht durch
die Truppenübungen ſelbſt, ſondern auf andere Weiſe, insbeſondere dadurch ent=
ſtanden
ſind, daß die Beteiligten das rechtzeitige Abernten unterlaſſen haben, keinen
Anſpruch auf Vergütung begründen können:
Das Gleiche gilt von Arbeiten und Aufwendungen, von denen die Beteiligten
gewußt haben, daß ſie durch die Truppenübungen der nächſten Tage zerſtört
werden mußten.
Darmſtadt, den 27. Auguſt 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Michel.
An die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.
Unter Bezugnahme auf unſere vorſtehende Bekanntmachung empfehlen wir
Ihnen, die hiernach bei Ihnen erfolgenden Anmeldungen entgegenzunehmen und die
Nachweiſungen unter Beachtung des Nachſtehenden aufzuſtellen.
Das für dieſelben notwendige Formular wollen Sie bei uns anfordern.
Damit die Aufſtellung der Nachweiſung ohne jede Verzögerung begonnen
werden kann, iſt durch Umfrage bei den Truppenteilen feſtzuſtellen, ob und wann
die Herbſtübungen in ihren Gemarkungen beendet bezw. ob Flurbeſchädigungen nicht
mehr zu erwarten ſind. Die abgeſchlofſenen Nachweiſungen wollen Sie uns hiernach
ſofort einſenden.
In Hinſicht der Aufſtellung der Nachweiſungen bemerken wir:
1. In denſelben iſt der Flächeninhalt des ganzen Grundſtücks, auf dem oie
Beſchädigung entſtanden iſt (Spalte 5 der Nachweiſung) genau anzugeben.
2. Die Spalten 6 und 7 dieſer Nachweiſung ſind mit Blei, die Spalten 8bis 11
aber überhaupt nicht auszufüllen. Die Spalte 6a bleibt nur dann unausgefüllt,
wenn die Beteiligten keine beſtimmten Entſchädigungsforderungen ſtellen.

3. Falle die Aberntuns oder, die Beſtelung der beſchädgten Felbder vor Ein=
treifen
der Flurabſchätzungskommiſion eintreten muth, wovon indeß nur in den
dringendſten Fällen Gebrauch zu machen iſt, und dementſprechend von dem Orts=
vorſtande
in Gemäßheit der Beſtimmung der Ausführungsverordnung zum Natural=
leiſtungsgeſetz
vom 13. Juli 1898 III zu § 14 Abſ. 3 ff. (R. G. Bl. 1898 Seite 922 ff.)
angeordnet wird, hat eine Vorabſchätzung ſtattzufinden, die von einer aus dem
Bürgermeiſter oder Beigeordneten und zwei unparteiiſchen Ortseingeſeſſenen
beſtehenden Kommiſſion vorgenommen wird. Bei dieſer Vorabſchätzung wird nur
der Schadenumfang feſtgeſtellt und gegebenenfalls die Forderung der Beſchädigten
entgegengenommen. Der Betrag der zu gewährenden Entſchädigung iſt nicht feſt=
zuſtellen
. Dies geſchieht vielmehr allein durch die Flurabſchätzungskommiſſion.
4. Ueber die Anordnung der Aberntung und die Feſtſtellung des Umfangs des
Schadens iſt ein von den abſchätzenden Perſonen zu unterzeichnendes Protokoll auf=
zunehmen
, denn nur auf Grund ſchriftlicher Aufzeichnungen wird die ſpäter eintref=
fende
Flurabſchätzungskommiſſion in der Lage ſein, ihrer Aufgabe gerecht zu werden und
die zuſtändige Entſchädigung genau zu ermitteln. Dagegen läuft bei Außerachtlaſſung
der erwähnten Beſtimmungen, falls von der Flurabſchätzungskommiſſion ein Schaden
nicht mehr oder nur teilweiſe erkennbar iſt, der Beſchädigte Gefahr, gar keine bezw.
eine nicht gebührende Entſchädigungsſumme zu erhalten.
5. Die Anmeldungen der Flurſchäden ſind in der Art zuſammenzuſtellen, daß es
ermöglicht wird. bei der Begehung der angegebenen Aecker behufs Abſchätzung des
Schadens ohne Umwege vom 1. zum 2., vom 2. zum 3. Acker ufw. zu gelangen.
In der Flurſchädennachweiſung ſind danach die beſchädigten Grundſtücke nach
ihrer örtlichen Lage untereinander aufzuführen und nicht etwa alle Grundſtücke des=
ſelben
Beſitzers, wenn dieſe von einander getrennt liegen.
6. Beſchädigungen, welche nicht durch die Truppenübungen ſelbſt, ſondern auf
andere Weiſe, insbeſondere dadurch entſtanden ſind, daß die Bekeiligten das rechtzeitige
Abernten unterlaſſen haben, begründen keinen Anſpruch auf Vergütung.
7. Wegen Anlegung der Schützengräben ſind drainierte Ländereien in geeig
neter Weiſe als ſolche kenntlich zu machen.
8. Arbeiten und Aufwendungen, von denen die Beteiligten gewußt haben, daß
ſie durch die Truppenübungen der nächſten Tage zerſtört werden mutzten, begründen
keinen Anſpruch auf Entſchädigung.
(18080a
Darmſtadt, den 27. Auguſt 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Michel.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Rehpinſcher. 1 Spitzhund, 1 Wolfshund (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier
ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde
findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um 10 Uhr ſtatt. (18564

Bekanntmachung

betreffend Gefährdung der Verkehrsſicherheit auf der Straße
durch Radfahrer.
Es ſind in letzter Zeit mehrfach Klagen darüber geführt worden,
daß die Verkehrsſicherheit in den Straßen durch das Verhalten der
Radfahrer beeinträchtigt werde. Abgeſehen von dem zu ſchnellen
Fahren und dem Fahren ohne Laterne nach Einbruch der Dunkelheit,
ſowie unrichtigem Ausweichen und Ueberholen wurde oftmals
bemerkt, daß auf den Fahrrädern größere Gegenſtände mitgeführt
werden, welche entweder dem Fahrer den freien Ausblick benehmen
oder ihn nötigen, die eine Hand ſtändig zum Feſthalten des Gegen=
ſtandes
zu verwenden. Wenn auch geübte Fahrer im allgemeinen
ihr Rad mit einer Hand zu lenken vermögen, ſo kann an verkehrs=
reichen
Punkten im Innern der Stadt auch der geübteſte Fahrer in
Lagen kommen, in welchen er zum Lenken des Fahrrades beider
Hände bedarf. Iſt ihm in ſolchen Fällen der Gebrauch der einen
Hand durch Feſthalten des Gegenſtandes benommen, ſo iſt ein
Unglücksfall meiſt unvermeidlich. Dies kann ſowohl für den Rad=
fahrer
, als auch für das Publikum um ſo gefährlicher werden, je
größer und ſchwerer die mitgeführten Gegenſtände ſind; auch kann es
für den Radfahrer ſtrafrechtliche Verfolgung wegen fahrläſſiger
Körperverletzung oder Tötung, ſowie bedeutende zivilrechtliche
Schadenserſatzpflichten zur Folge haben.
Wir ſehen uns demgemäß veranlaßt erneut auf genaues
Einhalten der für den Radfahrverkehr beſtehenden Vorſchriften,
insbeſondere auch in der Hinſicht hinzuweiſen, daß jeder Radfahrer
die gehörige Vorſicht beim Leiten ſeines Fahrrades beachtet.
Dieſe würde derſenige außer Acht laſſen, der in verkehrsreichen
Straßen größere Gegenſtände, die den freien Ausblick oder den Ge=
brauch
beider Hände zum Lenken des Fahrrades verhindern, auf dem
Rade mit ſich führt.
Unſere Beamten ſind zu ſcharfer Beaufſichtigung des Rad=
fahrverkehrs
und energiſchem Einſchreiten bei Zuwiderhandlungen
angewieſen.
Darmſtadt, den 2. September 1912.
(18563ds
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Oktroi für Wein.

Der in der Stadt=Gemarkung hergeſtellte Wein und Obſtwein
unterliegt der Oktroi=Abgabe.
Wer Wein und Obſtwein herſtellt, hat dies vor Beginn der
Kelterung der Oktroiverwaltung ſchriftlich oder mündlich anzuzeigen
unter gleichzeitiger Angabe, an welchen Tagen die Kelterung be=
gonnen
und beendet werden ſoll. Ueber die Anzeige wird eine Be=
ſcheinigung
erteilt die im Kelterhauſe aufzubewahren und dem mit
der Aufſicht beauftragten Oktroiperſonal auf Verlangen vorzuzeigen iſt.
Die Kelterung wird durch das Oktroiperſonal überwacht, dem
zu jeder Zeit bereitwillig zu geſtatten iſt, die Menge des bereiteten
Moſtes, ſowohl im Kelterhaus als im Keller, feſtzuſtellen. Vor dieſer
Feſtſtellung darf von dem gewonnenen Moſt nichts verbraucht oder
entfernt werden.
Nach beendigter Kelterung wird der Oktroi von dem herge=
ſtellten
Moſt nach den Sätzen des Oktroitarifs berechnet und erhoben.
Hierbei werden von der durch die Aufnahme ermittelten Geſamt=
menge
5 Prozent für Hefe in Abzug gebracht.
* Ausgenommen von den vorſtehenden Kontrollmaßregeln ſind
die Weingroßhändler, denen die im § 2 der Bekanntmachung vom
30. November 1903, betreffend den Oktroitarif, vorgeſehene Erleichte=
rung
für den Weinhandel zugeſtanden iſt. Sie haben nach An=
leitung
der Verwaltung ein beſonderes Kelterregiſter zu führen, in
das die Menge des hergeſtellten Moſtes täglich gewiſſenhaft ein=
zuſchreiben
iſt. Am Schluſſe der Kelterung haben ſie einen eigen=
händig
unterſchriebenen Auszug aus dieſem Regiſter der Verwaltung
zuzuſtellen, Er dient als Grundlage für die Berechnung und Erhebung
des Oktrois.
Der Oktroiverwaltung ſteht das Recht zu, von dem oben vor=
geſchriebenen
Kelterregiſter Einſicht zu nehmen.
Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Beſtimmungen werden
entweder nach § 15 des Oktroi=Reglements vom 24. Auguſt 1832 als
Hinterziehung beſtraft oder, falls der Betrag des hinterzogenen
Oktrois nicht feſtgeſtellt werden kann, mit Ordnungsſtrafen von 2 Mk.
(17378a
bis 30 Mk. geahndet.
Darmſtadt, den 16. Auguſt 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Ekert.

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Zehrock u. Frackanzug a. Seide
14
gearb., gut erhalten, zu verk. Wanderer-Rad, billig

En unſer Handels=Regiſter, Ab=
teilung
B, wurde heute einge=
tragen
hinſichtlich der Firma:
Heinrich Elbert, Geſell=
ſchaft
mit beſchränkter
Haftung, Darmſtadt.
Die Prokura des Kaufmanns
Karl Guſtav Iſe in Darmſtadt iſt
erloſchen.
Wilhelm Buſchmann, Kaufmann
in Darmſtadt, iſt zum Prokuriſten
beſtellt.
Zur gültigen Firmenzeichnung
iſt die Unterſchriſt desſelben, ſowie
des bereits beſtellten Prokuriſten
Jean Hahn erforderlich.
Der Geſchäftsführer Richard
Soldan iſt ausgeſchieden, an ſeiner
Stelle iſt der Kaufmann Karl
Guſtav Iſe in Darmſtadt zum Ge=
ſchäftsführer
beſtellt. (18565
Darmſtadt, 28. Auguſt 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Bekanntmachung.

In unſer Handelsregiſter, Ab=
teilung
B, wurde heute hinſichtlich
der Firma:
Darmſtädter Eiſengießerei,
Maſchinenfabrik u. Mühlen=
bauanſtalt
, Geſellſchaft mit
ſchränkter Haftung, in
Darmſtadt,
folgender Eintrag vollzogen:
Kaufmann Nikolaus Knos
iſt als Geſchäftsführer aus=
(18566
ſchieden.
Darmſtadt, 30. Auguſt 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Grummeigras=
Versteigerung.
Freitag, 6. September,
wird das Grummetgras der
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öffentlich meiſtbietend verſteigert.
Zuſammenkunft 4 Uhr an der
Kreisabdeckerei.
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Müllerſtraße 14.
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Geländeenteignung Neue Ireneſtraße.

Gemäß Verfüguna Großherzogl., Kreisamts Darmſtadt vom
27. vor. Mts. liegt der Antrag auf Enteignung von Gelände zur
Durchführung der Neuen Ireneſtraße zwiſchen Schuknechtſtraße
und Arheilgerſtraße, in der Zeit vom 9. bis einſchl. 23. ds. Mts.
auf dem Stadthauſe, Zimmer 47, zur Einſicht offen.
(18578
Darmſtadt, den 3. September 19131
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Mueller.

Verſteigerungs-Anzeige.
Donnerstag, den 5. September 1912, nachm. 3 Uhr,

verſteigere ich im Saale Rundeturmſtraße 16 zwangsweiſe gegen
Barzahlung:
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Zigarrentaſchen, 2 Dutzend Portemonnais, 1 Schreibmaſchine,
Dutzend Pokale, 2 Dutzend ſilberne Manſchettenknöpfe,
½ Dutzend Brieftaſchen, ½ Dutzend ſilberne Broſchen, 1 Sofa,
1 kleines Schränkchen, 1 Büfett und verſchiedene andere
Gegenſtände;
ferner: 1 Pferd und 3 Ferkel.
Darmſtadt, den 4. September 1912.
(18603
Rollenhagen, Gerichtsvollzieher
in Darmſtadt.

Verſteigerungs=Anzeige.
Freitag, den 6. September d. Js., vorm. 11 Uhr,

werden im Verſteigerungslokal Waldſtraße 21 folgende Gegenſtände
zwangsweiſe gegen bar verſteigert:
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maſchine
, 1 Vertiko, 1 Schutwagen, 1 Warenſchrank mit
Friſeurartikel, 1 Chaiſelongue, 1 vollſt. Bett u. 1 Küchenſchrank.
Darmſtadt, den 3. September 1912.
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Wieser, Pfandmeiſter.

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[ ][  ][ ]

Seite 14:

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. September 1912.

Nummer 209.

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hatten den Herrn geliebt ſie fühlten ſich mit einem Male
wie zur Familie gehörig, weinten, beteten, küßten dem
Entſchlafenen die Hände und flüſterten Worte des Troſtes
und des Beileids den Hinterbliebenen, vor allem dem
gnädigen Fräulein, zu, das ſo ergreifend in ihrem faſſungs=
loſen
Leide war.
Der Arzt kam. Auf den Zehen gehend, verließen die
Dienſtboten das Zimmer.
Der alte Hofrat Mehner, ein kleiner kurzatmiger Herr
war ganz außer ſich vor Beſtürzung. Er war ein alter
Freund des Hauſes, in das er wohl auch als Arzt, öfter
aber zu fröhlichen Feſten gerufen worden war.
Meine arme, liebe, gnädige Frau! Ihre armen Kin=
der
! Durchdrungen von warmer Herzlichkeit, klangen ſeine
Beileidsworte, und in tiefer Ergriffenheit rannen ihm die
Tränen über das Geſicht, als er an das Lager des Mannes
trat, der ihm ſtets ein aufrichtiger Freund geweſen war
Er hatte es auf den erſten flüchtigen Blick bemerkt, hier
kam menſchliche Hilfe zu ſpät.
Zart und rückſichtsvoll erkkundigte er ſich nach den
letzten Stunden des Toten. Frau von Leerſen erzählte
ihm, daß ihr Gatte ihr eigenklich ſchon ſeit Wochen Sorge
gemacht habe, denn er ſei ſehr nervös und angegriffen ge=
weſen
. Die kleinſten Sachen hätten ihn heftig erregt. Oft
habe er über Schlafloſigkeit, Kopfſchmerzen, Schwindel=
gefühle
und Herzklopfen geklagt. Namentlich heute mor=
gen
ſei es ihr aufgefallen, wie verfallen und elend er aus=
geſehen
habe Sie hätte ſich vorgenommen gehabt ihm zu
ſagen, daß er den Arzt einmal konſultieren ſolle, habe ge=
rade
heute morgen, als er ins Schloß gerufen worden ſei,
über eine Erholungsreiſe für ihn nachgeſonnen. Wann er
heimgekehrt wäre von dieſer frühen Audienz beim Fürſten,
wiſſe ſie nicht, da er ſich nach ſeiner Gewohnheit ſogleich
in ſein Arbeitszimmer begeben habe. Als ſie dieſes gegen
Mittag mit Karl Auguſt betreten habe, hätten ſie ihn
ſchlafend auf ſeiner Chaiſelongue gefunden. Er ſchlief
aber den ewigen Schlaf, Herr Hofrat es muß wohl
ein Herzſchlag geweſen ſein? ſchloß ſie mit zitternder

Stimme, und etwas wie eine bange Frage lag in dieſen
letzten Worten.
Unzweifelhaft, unzweifelhaft, gnädige Frau, die Vor=
läufer
zu dem ſchnellen Ende haben ſich ja, wie ſie mir da
eben ſagten, bereits ſeit Wochen bemerkbar gemacht. Da
genügt eine einzige Aufregung, um das Lebenslicht zum
Verlöſchen zu bringen.
Auch die iſt nicht ausgeblieben. Ich fürchte und ver=
mute
, daß auch mein Mann viel bei den Silbergleitſchen
Betrügereien verloren hat.
Mein Gott, auch das noch! Gottes Hand ruht ſchwer
auf Ihnen, meine liebe, verehrte Freundin. Aber ver=
zagen
Sie nicht, er gab Ihnen auch einen Troſt und eine
Hoffnung. Dort ſtehen Ihre Kinder. Sie werden Ihnen
all das Schwere tragen helfen. Blicken Sie nicht ſo ſtarr,
ſo troſtlos um ſich, liebe gnädige Frau! Wenn Sie nur
weinen könnten, Ihren Schmerz in Tränen erleichtern!
Kommen Sie, ich führe Sie hinweg von hier In der Ein=
ſamkeit
löſt ſich vielleicht die Geſpanntheit Ihrer Nerven.
Sie brauchen Schonung, Sie brauchen Ruhe, ſonſt brechen
Sie mir zuſammen.
Abwehrend ſchüttelte Frau von Legeſen den Kopf.
Nein, ich bleibe bei Ihnen, Herr Hofrat! Geht, geht, Kin=
der
, laßt uns allein!
Nach einer kleinen halben Stunde öffneten ſich die
Türen wieder, und Hofrat Mehner rief die Kinder des
Verſtorbenen zurück zu ihrem toten Vater.
Und glauben Sie mir, liebe, gnädige Frau, ſein Ende
war ein gutes Ende für den ſtillen Schläfer, an deſſen
Herzen bereits ein innerer Kummer genagt hatte; es war
leicht und friedlich. Im Schlafe hat ihn ein Herzſchlag
getroffen.
Ein Herzſchlag getroffen? flüſterten zitternd Frau von
Leerſens Lippen, ihre Starrheit löſte ſich und fand die er=
löſenden
Tränen.
In der ganzen Stadt, im ganzen Lande und über
deſſen Grenzen hinaus nahm man Anteil an dem Tode
des Miniſters Leerſen. Nun zeigte es ſich erſt, wie helieht

und geachtet er bei vornehm und gering geweſen war.
Die Zeitungen prieſen in ſpaltenlangen Artikeln ſeine Um=
ſicht
und Klugheit, mit der er erfolgreich die Finanzen des
Staates geleitet hatte, ſeine vornehme Geſinnung als
Menſch, ſein taktvolles Benehmen und ſeine große Herzens=
güte
, die er ſeinen ihm untergebenen Beamten hatte zuteil
werden laſſen. Selbſt die oppoſitionellen Blätter fanden
keine tadelnden, zerkleinernden Worte über ihn. Ein paar
Tage zwar war von Neidern und böſen Zungen ein Ge=
rücht
durch die Stadt getragen worden, daß der plötzliche
Tod des Miniſters in engem Zuſammenhange ſtehe mit
den Aufregungen, die der Verſtorbene in der letzten Au=
dienz
bei dem Fürſten gehabt habe Der Grund dieſer
recht ſcharfen Auseinanderſetzung ſei in den großen Ver=
luſten
der fürſtlichen Schatulle bei dem Silbergleitſchen
Bankkrach zu ſuchen geweſen. Man wollte ſogar wiſſen,
daß Seine Durchlaucht dem Miniſter den Abſchied gegeben
habe.
Aber all dieſe Gerüchte fielen haltlos in ſich zuſammen
durch das Benehmen Seiner Durchlaucht nach dem Tode
des Miniſters. Nicht nur, daß das geſamte fürſtliche
Haus an der Trauerfeier im Hauſe und der Beiſetzung
auf dem Friedhof teilnahm, nein, auf den beſonderen
Wunſch und Befehl des Fürſten geſtaltele ſich die Beerdig=
ung
zu einer äußerſt prunkvollen. Nicht zu faſſen ver=
mochten
die hohen, weiten Empfangsräume des Leerſen=
ſchen
Hauſes, die ſchwarz dekoriert im düſteren Schmuck des
Todes prangten, die glänzende Trauergeſellſchaft. Bis
hinaus in das palmengeſchmückte Veſtibül, wo, verſchleiert
durch ſchwarze Florhüllen, die elektriſchen Kronleuchter
brannten, ſtand Kopf an Kopf die Menge der Leidtragen=
den
. Schwer nur gelang es einem Spätkommenden, ſich
durch die lebende Mauer zu drängen und bis zu der Witwe
Exzellenz und den nächſten Angehörigen zu gelangen, um
mit ihnen ein teilnehmendes Wort oder wenigſtens einen
Händedruck zu wechſeln.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 209.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. September 1912.

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(18575dfs
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Donnerstag, d. 5. September 1912.
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Wohltätigkeits=Vorſtellung
unter dem Protektorat Sr. Kgl.
Hoheit des Großherzogs.
Zur Aufführung gelangen drama=
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Szenen (Biedermeier=Szene).
Japaniſche Jonglerie. Hohe Schule
Freiherr, deutſcher Halbblut=
Wallach, Romeo andaluſiſcher
Hengſt. Dreſſur=Akt. Schieß=Akt.
Violin=Solo. Olympiſche Spiele.
Schluß=Apotheoſe.
Anfang 7 Uhr. Kaſſenöffnung
6½ Uhr. Ende 9½ Uhr.
Preiſe der Plätze (Gewöhnliche
Preiſe): Fremdenloge M. 5.20,
1 Rangloge Balkon, 1. Rangloge
M. 4, Sperrſitz 1.7. Reihe M. 4,
Sperrſitz 8.10. Reihe M. 3.50,
Num. Parterre 1.4. Reihe M. 3,
Num. Parterre 5.6. Reihe M. 1.80,
Num. Parterre 7.8. Reihe M. 1.50,
2. Rang 1. Reihe M. 3, 2. Rang
2. Reihe M. 2.50, 2. Rang 3. Reihe
M. 1.85, 3. Rang 1.3. Reihe
M. 1.75, 3. Rang M. 1.40, Galerie
1. Reihe M. 0.65, Galerie M. 0.55.

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Frédéric Chopin u. Franz Lisztgewidmet, veranstaltet von
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8 Uhr abends Dienstag, 17. Septbr.
8 Uhr abends (18609a Montag, 23. Soptbr.
8 Uhr abends

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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. September 1912.

Nummer 209.

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1. Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.

36 20.

Donnerstag, 5. Septenber.

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[ ][  ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 5. September 1912.

Nummer 209.

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Sonnenſchein, und leiſe Frühherbſtſtimmung legt ſich wie wie ein Schreckgeſpenſt auftauchenden Krinolinenrockes. eine ſeltene Erſcheinung, dafür will der leicht bluſige
ein feiner Schleier über alles, was die ſengende Sommer=Von dem ſolden Charakter der jetzigen Modeſormen gibt Kimonoärmel gar nicht zur Ruhe kommen, wenn auch
ſonne noch vor kurzem zum Reiſen und Ernten gebracht. auch unſer zweites Modell Nr. 19054 ein Beiſpiel, das die glatt eingeſetzte Form die tonangebende iſt. In bezug
Sommerfreuden liegen hinter uns, neue Pläne, neue. aus dunkelgrauem, geripptem Sammet gefertigt, bei aller auf Verzierungen ſpielen vor allem Knöpfe mit verzierten
Wünſche vor uns, und wenn erſt die luſtige Sommer=Eleganz ſehr dezent wirkte. Bemerkenswert an der halb= Knopflöchern eine Hauptrolle, die ſpeziell bei den ſchweren
gewandung wohlgeborgen in dunkler Schrankecke ruht, loſen Jacke iſt die geſchlitzte Kante des rechten Vorder=Mänteln oft rieſenhafte Dimenſionen annehmen. Eine
dann heißt’s für die Evatöchter: Umſchau halten und ſich teils, deren obere Hälfte ſich reversartig nach außen um= oft wiederkehrende Erſcheinung iſt das mit einer geſtickten
informieren. Ja was geruht denn eigentlich Dame legt, während der untere, den Schluß vermittelnde TeilFliege abſchließende Knopfloch, wie denn gerade dieſes
Mode für die nächſte Zukunft vorzuſchreiben? Trägt mit ſcharfer Ecke auf das linke Vorderteil übergreift. dem tailor made=Charakter beſonders angepaßte Ornament
ſie ſich mit Umſturzgedanken oder wandelt ſie fein ſittſam. Die Garnitur bildet neben Stahlknöpſchen eins der auch für Ziernähte ein beliebter Abſchluß iſt. Kleine, in

auf den betretenen Bahnen weiter ? Illu.
ſionen ſind immer etwas gefährlich, und
darum wird es gut ſein, nicht auf Senſationen
und Ueberraſchungen zu warten, die dies=
mal
bei den Herbſtkoſtümen und Mänteln
durch Abweſenheit glänzen. Als Neuer=
ſcheinung
wäre höchſtens die abſtechende
Jacke zum andersfarbigen Rocke zu nennen,
bei der es immerhin noch abzuwarten bleibt,
ob dieſe an und für ſich recht praktiſche Aus=
grabung
ſich auch durchſetzen wird, was aus
mancherlei Gründen zu wünſchen wäre,
Wie mancher ſparſamen Frau wäre es will=
kommen
, wenn ihr mit der zu verſchiedenen
Röcken zu tragenden einfarbigen Jacke das.
Koſtüm erſpart bliebe, ſie müßte allerdings
dann von einer andersfarbigen Jackengarni=
tur
abſehen, wie man ſie heute aus dem
Stoff des Rockes herzuſtellen liebt. Dieſe
abſtechenden, vielfach im Bluſengenre ge=
haltenen
Jacken, die man aus Sammet,
Tuch oder einfarbigen Stoffen trägt, machen
ſich auch in einer neuen Sackoform mit
Rückenriegel recht nett, können aber auch
halbloſe Formen mit den üblichen großen
Revers und abgerundeten Schoßteilen auf=
weiſen
. Man aſſortiert ihnen gern glatte,
mit Vorliebe aber ſchlanke, in Pliſſeefalten
gebrannte oder gelegte fußfreie Röcke, die
in großen verſchwommenen Schottenkaros
wieder beſonders modern ſind. Illuſtriert
wird dieſe hübſche Mode durch unſer jugend=
liches
Modell Nr. 19060, das eine havanna=
braune
halbloſe Jacke zeigt die durch einen
großkarierten Sonnenpliſſerock vervoll=
ſtändigt
wird. Das auf braunem Grunde
in Blau und Grün leicht verſchwommene Karo wieder=
holt
ſich auf den großen Revers der Jacke, die außerdem
Knöpfe und Knopflöcher beleben. Charakteriſtiſch an ihr
iſt der vorn abgerundete Schoß, der ſich an faſt allen
neuen Modellen vorfindet und ſeine Abrundung ſogar
auf einzelne Mäntel überträgt. Die Jackenſchöße ſind
analog den nicht mehr übertrieben engen Röcken etwas
weiter geworden und hinten mit Schlitz und Schoßhaken
verſehen. Die im Frühjahr aviſierten Tutenfalten= und
Glockenſchöße waren alſo nur Eintagsfliegen und die

Modell Nr. 19060.

Modell Nr. 19054.

Modell Nr. 19064.

beliebten Lingeriearrangements, die man auch an ſonnigen
Herbſtagen nicht miſſen will, den ſeitlich abgerundeten
Rock garnieren gleichfalls Knöpfchen. Für die rauhere
Jahreszeit bringen erfinderiſche Köpfe an Stelle der
hellen Robespierrekragen ſolche aus ſchwarzem Atlas, die,
in eine kurze, ſchmale Weſte übergehend, über den großen
Revers oder Aufſchlägen ſichtbar werden und höchſt apart
ausſehen. Möglich, daß durch ſie die Mode der abſtechen=
den
Weſten wieder zu Ehren gelangt. Die verbreiterte
Schulter, die an den Taillen und Bluſen eine ſo große

grellfarbiger ſtarker Wolle ausgeführte
Blumenſträußchen oder Eckverzierungen
machen ſich ſpeziell auf den Kragen dunkler
Konſektionen recht neit, da ſie dem ſonſt
nüchternen Ganzen eine pikante Note ver=
leihen
.
Was die neuen Mäntel anbelangt, ſo
machen ſie auch in dieſer Saiſon wieder dem
Koſtüm lebhafte Konkurrenz und finden
ſpeziell bei all den Frauen, die rechnen
müſen, viel Gegenliebe. Nur haben die
meiſten die Schattenſeite, daß ſie für zarte
Schultern oft eine ziemliche Laſt bedeuten,
denn gerade viele der dicken neuen Mäntel=
ſtoffe
zeichnen ſich durch ihren Mangel an
Leichtigkeit aus. Selbſtverſtändlich betonen
auch die neuen Faſſons immer wieder die
ſchlanke Linie, mit der eine gewiſſe Enge
gepaart iſt, über deren Unbequemlichkeit
beim Ausſchreiten im Rücken ein langer
Schlitz mit Schoßhaken hinweghilft. Weniger
enge Mäntel werden gern mit Rückenriegel
getragen, wie denn die Mode für Rücken=
ſpangen
auch an Jacketts ein beſonderes
Faible hat. Den Typ der neuen Mantel=
mode
vertritt unſer praktiſches Modell
Nr. 19064, das aus ſehr ſtarkem, gerippten
ſenfgelbem Stoff mit zwei Reihen rieſiger
Hornknöpfe ſchließt. Im Rücken mit Naht
und langem Schlitz, ziehen ſich ſeine um=
fangreichen
Aufſchläge vorn bis über Taillen=
ſchluß
herab. Den Stempel von 1912 erhält
er durch die untere Abrundung des rechten
Vorderteiles, während das linke eckig verläuft.
Außer Flauſchſtoffen mit karierter Abſeite
und grobkörnigen Friſégeweben werden zu
dieſen praktiſchen Mänteln vielfach ſtarke, ſchräggerippte
Stoffe in den verſchiedenſten Abſtufungen von Gelb bis
Braun, aber auch graue und dunkelblaue Gewebe ver=
wendet
, während für die elegante Konfektion vor allem
Sammet, glatter ſowohl wie der ſtarkrippige Cordſammet
und Veloursſerge ſtark begehrt iſt. Letztere eine beſonderei
Neuheit, die aufſeidenem Grundeſtarke dunklere oder hellere
Sammetlängsrippen zeigt, gilt auch für elegante Koſtüme
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