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monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
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ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
175. Jahrgang
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
Inſerafe
werden angenommen in Darmſtadl,
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
In Berlin fand geſtern in Gegenwart des Kaiſers
und vieler Fürſtlichkeiten die Parade über das
Gardekorps und das 3. Armeekorps ſtatt.
Zu dem Gegenbeſuch, den ſie in Erwiderung des
deutſchen Journaliſtenbeſuches in Schweden dem
Deutſchen Reiche abſtatteten, ſind am Samstag abend
16 hervorragende Vertreter der ſchwediſchen
Preſſe in Berlin eingetroffen.
Auf der ſozialdemokratiſchen
Landesver=
ſammlung in Heilbronn kam es zu heftigen
Zuſammenſtößen zwiſchen Reviſioniſten und
Ra=
dikalen.
Bei einem Straßenbahnunglück in Werden
wurden mehrere Perſonen ſchwer verletzt. Zwei Knaben
ſind geſtorben.
Der däniſche Dampfer Kursk” iſt auf der Fahrt von
Antwerpen nach Petersburg mit der geſamten 23 Mann
ſtarken Beſatzung untergegangen.
Der Bauleiter des Panamakanals hat in einem
Schreiben an das Hafenamt erklärt, der Kanal werde
noch im Jahre 1913 fertiggeſtellt
werden.
Vom Auslandsdeutſchtum.
C) Einer unſerer hoffnungsvollſten Kulturvorpoſten
iſt das Deutſchtum in der Bukowina, das etwa
21 Prozent der Bevölkerung des Buchenländchens
aus=
mächt, ſeit altersher feſt zum Deutſchtum hält und an dem
wirtſchaftlichen Aufſchwung des Landes ganz beſonders
ſtark beteiligt iſt. Wirtſchaftlich ſteht es im allgemeinen
gefeſtigt da, dank der gut ausgebauten Organiſation
ſſeiner Raiffeiſenkaſſen, und in geiſtiger Hinſicht beſitzt es
in der deutſchen Univerſität Ezernowitz einen Mittelpunkt,
um den es mancher andere verſprengte Bruchteil unſeres
Volkes in der Fremde beneiden kann. Für die
Erhal=
tung und Verſtärkung des Deutſchtums in der Bukowina
und den angrenzenden Ländern iſt dieſe Univerſität
inſo=
fern von beſonderer Bedeutung, als aus ihr ſich nicht
nur der deutſche Lehrer und Geiſtliche, ſondern auch das
bewährte deutſche Beamtentum rekrutiert, das das
Rück=
grat des deutſchen Verwaltungscharakters der Bukowina
darſtellt. Dieſe kulturelle Vormachtſtellung wird in der
letzten Zeit jedoch dadurch gefährdet, daß ſowohl die
rutheniſche wie die rumäniſche Jugend des Landes,
ge=
fördert durch reiche nationale Mittel, ſich immer mehr zum
Studium und damit zur Teilnahme an der
Landesver=
waltung drängt. Will das Deutſchtum in der Bukowina
ſich ſeinen alten Platz weiter erhalten, ſo muß es ſich zu
größeren Anſtrengungen auch auf dieſem Gebiete
auf=
raffen. Hierzu aber fehlt es vielfach an Mitteln, da die
Univerſität in erſter Linie von den Söhnen der nur
wenig bemittelten deutſchen Bauern in der Bukowina
und im benachbarten Galizien beſucht wird, d. h. von
Leuten, deren Eltern zu größeren Leiſtungen für die
Er=
ziehung ihrer Kinder nicht in der Lage ſind. Um hier
Rat zu ſchaffen, hat Profeſſor Dr. Raimund Kaindl von
der Univerſität Czernowitz, einer der bewährteſten
Ken=
ner und Vorkämpfer des Deutſchtums in den
Karpathen=
ländern, die Gründung eines Stivendienfonds für
deutſche Studierende an der Czernowitzer Hochſchule in
die Wege geleitet, die die volle Sympathie und
Unter=
ſtützung auch der Reichsdeutſchen verdient. Handelt es
ſich doch, wie die Zeitſchrift „Das Deutſchtum im
Aus=
lande” dazu bemerkt, faſt durchgehends um beſonders
be=
gabte und tüchtige junge Leute, die eben wegen ihrer
Tüchtigkeit auf Anraten des Dorfpfarrers oder Lehrers
von den Eltern oft mit ſchweren Opfern zum Studium
beſtimmt wierden. Verſiegt dieſer deutſche Nachwuchs
der dortigen Beamtenſchaft, ſo treten Rumänen und
Ruthenen an ſeine Stelle, was natürlich für die
Erhal=
tung des Deutſchtums nicht wünſchenswert iſt.
Ein Bärendienſt.
D Die Wiener „Reichspoſt” hat kürzlich über die
Abſichten des Grafen Berchtold bei ſeinem viel
er=
örterten Vorſchlage Auslaſſungen gebracht, die um ſo
mehr befremden mußten, als das Blatt vielfach ſonſt
politiſch gut unterrichtet iſt und auch zu offiziöſen Aus=
laſſungen benutzt wird. Das gilt beſonders von dem
Paſſus, in dem es heißt:
„Wenn die gemeinſamen Unterhandlungen nicht zu
gemeinſamen Maßnahmen führen ſollten, ſo iſt dies
dann nicht die Schuld Oeſterreich=Ungarns, und das
Wiener Kabinett wird mit gutem Gewiſſen alle ſich
daraus ergebenden Folgen ablehnen können. Oeſterreich=
Ungarn hat mit dem Vorſchlage des Grafen
Berch=
told ſeinen guten Willen bewieſen. Wenn man dies
nicht genügend reſpektiert, nun, ſo wird es eben dann mit
freien Händen eine allein ſeinen Intereſſen nützende
Po=
litik ohne weitere Rückſicht auf fremde Empfindlichkeit
befolgen müſſen.”
Da eben erſt die Zuſtimmungen der Mächte zu den
Erörterungen vollſtändig eingetroffen ſind, Graf
Berch=
told aber ſich des näheren über ſeine Pläne noch nicht
ausgelaſſen hat, ſo daß alſo die übrigen Mächte noch
keine Veranlaſſung gehabt haben, zu ihnen Stellung zu
nehmen, wird man eine derartige halbe Drohung in
einem gelegentlich offiziöſen Blatte im wohlverſtandenen
Intereſſe der Abſichten des Grafen Berchtold nur
be=
dauern können. Solche Auslaſſungen wären vielleicht
verſtändlich in einem Augenblicke, wo die Aktion infolge
des Widerſpruches und der Quertreibereien anderer
Mächte vor dem Scheitern ſtünde, nicht aber jetzt, da es
gilt, ihr Freunde zu erwerben und dem Grafen Berchtold
die Aufgabe obliegt, bei den nun folgenden
Unterhand=
lungen nachzuweiſen, daß ſeine Vorſchläge wirklich
un=
eigennützig und ehrlich gemeint ſind, und daß keine
egoiſtiſchen Sonderabſichten Oeſterreichs ſich damit
ver=
binden. Aus ſolchen Erwägungen halten wir es für
aus=
geſchloſſen, daß der Artikel der „Reichspoſt” offiziöſen
Urſprungs iſt. Vielmehr kann es ſich dabei nur um eine
„redaktionelle Entgleiſung” handeln, von der Graf
Berch=
told ſicher am wenigſten erbaut ſein wird.
Deutſches Reich.
— Deutſchland und China. Der Tamps
meldet aus Peking, daß deutſche Finanzhäuſer die
Stö=
rung der Unterhandlungen zwiſchen China und dem
Finanzkonſortium für ſich auszunutzen verſuchen.
Deut=
ſche Kapitaliſten unterzeichneten größere Anleihen und
erhielten dafür vorteilhafte Konzeſſionen von China.
Fertigſtellung des
Reichstheatter=
geſetzes. Wie Berliner Blätter melden, dürfte der
Teil des Theatergeſetzentwurfs, der ſich mit den
ſozial=
politiſchen Verhältniſſen befaßt, im weſentlichen
fertigge=
ſtellt ſein. Es handelt ſich hier u. a. um die Dauer der
Arbeitszeit, die Gewährung von Ruhepauſen uſw.
Dage=
gen ſchweben noch Erwägungen über die Regelung des
Engagementsvertrages, für die im weſentlichen die
Be=
ſtimmungen des Bürgerlichen Geſetzbuches über den
Dienſtvertrag als Grundlage dienen. Dabei ſcheidet die
Gehaltsfrage als der freien Vereinbarung unterliegend
gänzlich aus.
Die Eröffnung neuer
Einnahme=
quellen für das Reich. Die Voſſiſche Ztg.
mel=
det aus Berlin: In einer Unterredung erklärte Exzellenz
Wermuth, es ſei, wenn die Geſundung der Reichsfinanzen
nicht noch preisgegeben werden ſolle, nicht zu umgehen,
daß ſchon der Etat von 1913 die Oeffnung neuer
Ein=
nahmequellen vorſehe. Um welche Einahmequellen es ſich
dabei handelt, brauche er nicht nochmals zu erörtern.
— Der preußiſche Städtetag wird=ſich mit
der Fleiſchteuerung zu befaſſen haben. Der Magdeburger
Magiſtrat hat nämlich beſchloſſen, auf dem 7. Städtetag
in Düſſeldorf den Antrag zu ſtellen, den Bundesrat zu
er=
ſuchen, die Grenzen des Reichs für die Einfuhr von Fleiſch
und lebendem Schlachtvieh aus dem Auslande unter
Auf=
hebung oder Ermäßigung der darauf ruhenden
Einfuhr=
zölle unter Wahrung der vom veterinärpolizeilichen
Standpunkt aus gebotenen Vorſichtsmaßregeln zu öffnen.
— Die proteſtantiſchen Kirchenvorſtände
in Bayern zur Jeſuitenfrage. Sämtliche
Kirchenvorſtände der proteſtantiſchen Landeskirche in
Bayern wenden ſich mit nachſtehendem Proteſt gegen die
geplante Aufhebung des Jeſuitengeſetzes und gegen jede
etwaige Abſchwächung an das Kirchenregiment:
Die katholiſchen Biſchöfe Bayerns haben an den
Bundesrat eine Eingabe gerichtet um Aufhebung des
Jeſuitengeſetzes. Katholiſche Dekanate haben in
Reſolu=
nen dis dringende Verlangen nach Rükderaſung der
zu Ausdruck gebracht. Die Gefahr, daß der
Orden, der unſerer evangeliſchen Kirche die tiefſten Wun=
den geſchlagen hat, der über die Bekenner des
evange=
liſchen Glaubens in der Gegenreformation blutiges,
un=
vergeſſenes Weh gebracht hat, in Deutſchland wieder
Ein=
laß findet, rückt näher. Wir halten es darum für unſere
Pflicht, nicht aus Furcht, aber aus Liebe zu unſerem
ganzen Volke, das den konfeſſionellen Frieden braucht,
einmütig Proteſt zu erheben gegen die begehrte
Auf=
hebung des Jeſuitengeſetzes. Der Orden der Geſellſchaft
Jeſu iſt der er war und bleibt, der er war. Mit
Gewalt=
mitteln wird er wohl im 20. Jahrhundert die
evange=
liſche Konfeſſion nicht niederſchlagen wollen, wie er es
ehe=
dem verſucht hat, aber er wird andere Mittel zur
An=
wendung bringen, um der Kirche des Evangeliums das
Leben zu erſchweren. Wir wiſen, daß unſere Kirche
unter dem Schutz des Allerhöchſten ſteht, der die
Refor=
mation zum Segen Deutſchlands gewollt hat; die
Be=
kenner des Evangeliums werden ſich auch ihres Feindes,
wenn er kommt, zu erwehren wiſſen; aber um unſer
Volk, das mit Kämpfen reichlich beſchwert iſt, noch vor
dem ſchwerſten aller Kämpfe, dem religiöſen, zu
bewah=
ren, erheben wir nochmals feierlichen Proteſt nicht bloß
gegen die Aufhebung des Jeſuitengeſetzes, ſondern auch
gegen jede Abſchwächung des noch geltenden Geſetzes.
— Die bayeriſche Lotterſe. Der einzige
Gegner des preußiſch=bayeriſchen Lotterieverträges war
im Ausſchuß der bayeriſchen Reichsratskammer der
be=
kannte Würzburger Nationalökonom Univerſitätsprofeſſor
v. Schanz. Dieſer bekannte ſich als Gegner der Lotterie
überhaupt und meinte, mit dem Charakter des Staates
und ſeinen Aufgaben vertrage es ſich nicht, daß der Staat
das Lotterieſpiel betreibe. Bei der Klaſſenlotterie verleite
der Staat zum Spiel, und die ganze Einrichtung der
Klaſſenlotterie wirke, wenn kleinere Leute die günſtigen
Chancen nicht opfern und ein Los durch alle Klaſſen
durch=
ſpielen wollten, gleich einem harten Steuerexekutor. Das
Hauptargument, das für die Lotterie vorgebracht wird,
daß nämlich ohne bayeriſche Lotterie das Geld zum Lande
hinausgetragen werde, ſei überhaupt nichts wert.
Reichs=
rat Graf Törring trat entſchieden für den Anſchluß an
Preußen ein, und Prinz Ludwig erklärte, daß er zwar
grundſätzlich auf dem Standpunkt des Reichsrats von
Schanz ſtehe, daß er nun aber bei der einmal gegebenen
Zwangslage ſich trotz alledem für die Einführung einer
Staatslotterie auch in Bayern aausſprechen müſſe, er
glaube, daß ſich die Beteiligung an der
Lotteriegemein=
ſchaft mit Preußen am beſten empfehle. Finanzminiſter
v. Breunig verteidigte die Regierungsvorlage und den
Anſchluß an Preußen. Die Abſtimmung ergab dann, daß
ſämtliche Mitglieder des Ausſchuſſes gegen die Stimme
des Reichsrats Schanz für die Annahme des
Staatsver=
trages mit Preußen und für das Lotteriegeſetz ſtimmten.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Graf Berchtold wird noch in dieſem Monat
in Racconigi’zur Vorſtellung beim König von Italien
erwartet Er wird dabei eine Beſprechung mit
Miniſter=
präſident Giolitti und dem Miniſter des Aeußern di San
Guiliano haben.
Die Friedensbedingungen der
Oppo=
ſitionspartei in Ungarn. Durch eine
In=
diskretion ſind die Bedingungen, unter denen die
Oppo=
ſition den Frieden anbietet, bereits jetzt bekannt
ge=
worden. Die Oppoſition wünſcht die Entſendung eines
Vertrauensmannes der Krone zwecks Verhandlungen
wegen Wiederherſtellung der Parlamentsordnung; ſie
er=
kennt die Notwendigkeit der beſchloſſenen Wehrgeſetze an,
falls ſie nochmals zur formalen Beſchlußfaſſung dem
Parlament zugehen. Graf Tisza müßte zuvor die
Prä=
ſidentſchaft niederlegen, die neue unter ihm beſchloſſene
Geſchäftsordnung müſſe ungültig erklärt werden, ein
Wahlrechtskabinett ſei zu bilden und ein neues Parlament
lediglich zur Kotierung eines neuen Wahlgeſetzes auf
Grund des allgemeinen und gleichen Wahlrechts zu
wäh=
len. Als Vertrauensmann der Krone wird Graf Zichy
genannt.
Rußland.
Einfuhrverbot für ausländiſches
Ge=
treide. Angeblich arbeitet der Handelsminiſter einen
Geſetzentwurf aus, der ein vollſtändiges Einfuhrverbot
für ausländiſches Getreide nach Rußland aufſtellt. Der
Entwurf richtet ſich vor allem gegen die Einfuhr deutſchen
Getreides über Reval. Eine Beſtätigung der Nachricht
liegt noch nicht vor.
Türkei.
Die Kotſchana=Affäre. In dem
halbamt=
lichen Communiqué über das Ergebnis der
Unter=
ſuchung der Ereigniſſe in Kotſchana wird zugegeben,
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 3. September 1912.
Nummer 207.
daß einige nicht feſtgeſtellte Soldaten mehrere Bulgaren
geſchlagen haben, dagegen wird die Beteiligung von
Po=
liziſten an den Angriffen in Abrede geſtellt. Eine
Plün=
derung fand tatſächlich ſtatt, die Urheber ſind aber
un=
möglich feſtzuſtellen. Infolge der Bombenerploſion ſind
26 Perſonen umgekommen, darunter 19 Bulgaren. 21
Perſonen wurden während der Tumulte getötet, 30
Mo=
hammedaner und 15 Bulgaren verwundet. 16 Perſonen
ſind als mutmaßliche Urheber der Anſchläge der Morde
verhaftet worden.
Serbien.
Kriegsſtimmung gegen die Türkei,
Am Sonntag vormittag fand in Belgrad eine vom
patriotiſchen Verein für nationale Verteidigung
einbe=
rufene Volksverſammlung ſtatt, an der mehr als 3000
Bürger und viele Offiziere teilnahmen. Nachdem
meh=
rere kriegeriſche Reden gehalten worden waren, wurde
eine Reſolution angenommen, in der die Regierung zu
energiſchen Schritten gegen die weitere Ausrottung des
ſerbiſchen Volkes und zur Erwirkung einer Genugtuung
für die Opfer von Sienitza und Biolopolke aufgèfordert
wird. Unter den Rufen: Krieg der Türkei! zerſtreute ſich
die Verſammlung.
Spanien.
Die ſpaniſch=franzöſiſchen Marokko=
Verhandlungen. Der Miniſter des Aeußern
er=
klärte einigen Journaliſten: „Ich hatte mit dem
fran=
zöſiſchen Botſchafter eine Beſprechung, in der wir unſere
Anſichten austauſchten und nach einer Formel ſuchten,
die es uns erlaubte, die Schwierigkeiten zu beheben, die
uns von Deutſchland und England in der marokkaniſchen
Zollfrage gemacht werden. Ich hoffe, daß die Streitfrage
eine leichte Löſung finden wird. Der Zeitpunkt der
Unterzeichnung des ſpaniſch=franzöſiſchen Vertrags hängt
davon ab, wann die Schwierigkeiten aus dem Wege
ge=
räumt ſein werden.
Marokko.
Der Ernſt der Lage. General Liautey
er=
klärte in einem Geſpräch mit einem franzöſiſchen
Journa=
liſten die Situation in Marokko für ernſt und ſprach die
Vermutung aus, ſie werde in einigen Tagen noch ernſter
werden. Er erwarte jedoch die ihm von der Regierung
zugeſagten Verſtärkungen. Es würde ihm, ſagte er, ſehr
nützlich ſein, noch zwei Bataillone Alpenjäger zu
erhal=
ten, da die Truppen zwiſchen Fez und Mekinez einen
ſehr anſtrengenden Dienſt zu machen hätten und es ihm
erwünſcht wäre, Streitkräfte zur Ablöſung zu haben.
Was die in Marrakeſch eingeſchloſſenen Landsleute
be=
treffe, ſei die Situation ſicherlich kritiſch, aber er halte
ſie nicht für verfehlt. Einflußreiche eingeborene
Perſön=
lichkeiten beſchäftigen ſich mit großem Opfermut mit dem
Schickſal der Eingeſchloſſenen. Es ſei zu hoffen, daß ihre
Anſtrengungen von Erfolg gekrönt werden. — Ein
Tele=
gramm des Generalreſidenten Liautey meldet aus
Mo=
gador vom 30. Auguſt: Eine Landungsabteilung wurde
ohne Störung ausgeſchifft, um die Ruhe in der Stadt zu
ſichern und die Kolonien der Ausländer zu ſchützen.
China.
Die Tibetfrage. Die chineſiſche Regierung hat
infolge des engliſchen Memorandums das nach Tibet
ent=
ſandte Erpeditionskorps angewieſen, alle Operationen
einzuſtellen. Die engliſche Note wird in China als der
Beginn der Aufteilung des Reiches angeſehen.
Die Mongolei. Nach in Petersburg
vorliegen=
den Meldungen ſind die ſechs ſüdlichen und inneren
Für=
ſtentümer der Mongolei neuerdings von China
abge=
fallen und haben ſich der unabhängigen Mongolei
ange=
ſchloſſen und den Feldzug gegen China eröffnet. Zum
Oberkommandierenden der mongoliſchen Streitkräfte
gegen China iſt Fürſt Udai ernannt worden. Die ſechs
Fürſtentümer wollen 200000 Mann zur Verfügung
ſtel=
len, von denen aber nicht mehr als 20 Prozent bewaffnet
ſein ſollen.
*
* Briefe Guſtav Freytags. In den
Zei=
tungen werden jetzt Auszüge aus dem in einem Berliner
Verlag erſcheinenden Werke „Guſtav Freytags
Briefe an ſeine Braut und Gattin”
ver=
öffentlicht, die ſich mit der Leidensgeſchichte Kaiſer
Friedrichs und zum Teil auch mit dem jetzigen Kaiſer
be=
ſchäftigen. Man erfährt nicht, ob Guſtav Freytag mit der
Veröffentlichung dieſer vertraulichen Briefe (an ſeine
dritte Frau, die geſchiedene Frau des bekannten
Dekla=
mators Strakoſch) einverſtanden geweſen iſt, wir können
es aber kaum glauben, jedenfalls iſt ſie kein Beweis von
beſonderem Taktgefühl. Denn, weder iſt dem Andenken
Guſtav Freytags damit gedient, noch auch dem des
Kaiſers Friedrich und noch weniger der Kaiſerin Friedrich,
über die gar böſe Dinge geſagt werden. Die
Veröffent=
lichung dieſer Briefe, die als ein geſchichtliches Dokument
nicht angeſehen werden und zur Vervollſtändigung des
Charakterbildes Guſtav Freytags nichts beitragen können,
muß deshalb aufs peinlichſte berühren und wäre beſſer
unterblieben. Als man dem großen Moltke im Kriege
einmal einen aufgefangenen Brief eines höheren Offiziers
an ſeine Frau, der ſich über Moltke geringſchätzig äußerte,
hinterbrachte, weigerte er ſich, ihn zu leſen mit der
Be=
merkung: „Was ein Mann an ſeine Frau ſchreibt, geht
keinen Dritten etwas an.” Wenn man aber dieſe
vertrau=
lichen Briefe Guſtav Freytags an ſeine Gattin
veröffent=
lichen wollte, ſo hätte man im Intereſſe des Dichters
wenigſtens mit richtigem Takte eine entſprechende
Aus=
wahl treffen ſollen.
* Köln, 1. Sept. Die dem
Arbeitgeberver=
band der Metallinduſtriellen angeſchloſſenen
Unternehmer erklärten ſich bereit, einige Zugeſtändniſſe
zu machen, die Hauptforderungen der Arbeiter indeſſen
nicht zu bewilligen. In den bisher abgehaltenen
Ver=
ſammlungen der Arbeiter wurde erklärt, daß es
voraus=
ſichtlich zu einer großen Ausſperrung kommen werde. Im
Köln=Mülheimer Gebiet handelt es ſich um nicht weniger
als 50 000 Arbeiter.
Stad: und Land.
Darmſtadt, 3. September.
* Vom Hofe. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog begab ſich am Samstaa 5 Uhr früh auf Jagd
in den Kranichſteiner Park. — Ihre Königl. Hoheit die
Großherzogin empfing um 11.30 Uhr vormittags im
Reſidenzſchloß Frau v. Branconi nebſt Tochter und Geh.
Hofrat Werner. — Prinz Friedrich Karl von Heſſen und
Erbprinzeſſin Leopold von Anhalt trafen um 1 Uhr
nach=
mittags zum Beſuch im Jaadſchloß Wolfsgarten ein. —
Den Gottesdienſt in der Bonifatius=Kapelle zu
Jagd=
ſchloß Wolfsgarten hielt am Sonntaa vormittag Pfarrer
Schuſter aus Hering i. O. ab. Prinz Ludwig von
Battenberg, ſowie Prinz Friedrich Karl von Heſſen
nebſt Erbprinzeſſin Leopold von Anhalt reiſten am
Sonntag im Laufe des Nachmittags von Jagdſchloß
Wolfsgarten wieder ab. (Darmſt. Ztg.)
* Ordensverleihung, Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Kaiſerlichen Regierungsrat
und Mitglied des Kaiſerlichen Statiſtiſchen Amtes, Carl
Meiſinger zu Berlin, die Erlaubnis zur Annahme
und zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dem Deutſchen
Kaiſer und König von Preußen verliehenen Roten Adler=
Ordens 4. Klaſſe erteilt.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Max Heil zu
Eppertshauſen, Kreis Dieburg, eine Lehrerſtelle an der
Gemeindeſchule zu Sulzheim, Kreis Oppenheim; dem
Lehrer Sebaſtian Fink in Lampertheim, Kreis
Bens=
heim, eine Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Finthen,
Kreis Mainz; dem Lehrer Karl Zechmeiſter zu
Laubenheim, Kreis Mainz, eine Lehrerſtelle an der
Ge=
meindeſchule zu Gonſenheim, in demſelben Kreiſe; dem
Schulamtsaſpiranten Johann Bärſch aus Abenheim,
Kreis Worms, eine Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule
zu Finthen, Kreis Mainz; dem Schulamtsaſpiranten
Johannes Lahr aus Eckelsheim, Kreis Alzey, eine
Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Ensheim, Kreis
Oppenheim; der Schulamtsaſpirantin Gertrude Nahm
aus Mainz eine Lehrerinſtelle an der Gemeindeſchule zu
Finthen, Kreis Mainz.
* Kirchliche Dienſtnachrichten. Ernannt
wur=
den: Pfarraſſiſtent Weik zu Hangen=Weisheim zum
Pfarrverwalter daſelbſt, Pfarrvikar Bürſtlein zu
Pfung=
ſtadt zum Pfarraſſiſtenten daſelbſt, Pfarraſſiſtent Weidner
zu Langen zum Pfarrverwalter der neu errichteten
zweiten Pfarrſtelle daſelbſt. Geſtorben ſind: der
evangeliſche Pfarrer und Dekan Karl Stock zu Hangen=
Weisheim, Dekanat Alzey, am 7. Auguſt, der evangeliſche
Pfarrer i. P. Dr. Adolf Wilhelm Koch von Pfungſtadt
zu Stuttgart am 19. Auguſt.
* Im Armee=Verordnungsblatt wird die A. K.=
Order, d. d. Wilhelmshöhe, den 24. Auguſt 1912, betr.
Verleihung des Kaiſerabzeichens an die im Jahre 1912
im Schießen beſten Kompagnien uſw., vom
Kriegs=
miniſterium zur Kenntnis der Armee gebracht. In
jedem Armeekorps wird jährlich diejenige Infanterie=
Kompagnte feſtgeſtellt, die in ihrer Geſamtſchießleiſtung
am beſten befunden worden iſt. In den letzten ſechs
Jahren fiel dieſe Schießauszeichnung fünfmal einer
Kompagnie aus dem Bereich der 25. und nur einmal
(1910) einer ſolchen der 21. Diviſion zu. Im Jahre
1907 errang ſie die 2. Kompagnie Regiments Kaiſer
Wilhelm Nr. 116, 1908 und 1909 wurde Großherzogs
Leibkompagnie (Hauptmann Frhr. Röder v. Diersburg)
des Leibgarde=Infanterie=Regiments Nr. 115 Siegerin
und 1911 ſowohl wie im laufenden Jahre fiel die
Schießauszeichnung der 3. Kompagnie unſeres Infanterie=
Leibregiments Großherzogin Nr. 117 (Hauptmann
Tauſcher) zu. Das Kaiſerabzeichen beſteht bekanntlich
aus einem gelbmetallenen Eichenlaubkranz mit
ge=
kreuzten Gewehrläufen und Kaiſerkrone darüber und
wird auf einem Tuchſtück auf dem rechten Aermel des
Waffenrocks glatt aufgenäht.
g. Kriegsgericht. Der vorbeſtrafte Dragoner Jakob
Hefner von der 4. Schwadron des Garde=Dragoner=
Regiments Nr 23 aus Schwabenheim hatte ſich geſtern
wegen Ungehorſam, Achtungsverletzung und Bedrohung
eines Vorgeſetzten vor dem Kriegsgericht der 25. Diviſion
zu verantworten Hefner war Revierkranker und durfte
als ſolcher auch nicht ausgehen. Trotzdem ging er am
21. Auguſt in die Stadt. Als er deshalb bei ſeiner
Rück=
kehr von dem Sergeant Luſt zur Rede geſiellt wurde,
brummte er und gab keine Antwort. Kurz danach traf der
Sergeant den Hefner,wieder vor ſeiner Stube mit ſeinem
Bettzeug. Der Sergeant befahl ihm, er ſolle ſofort wieder
aufs Revier gehen, er ſei noch nicht geſund geſchrieben.
Hefner warf daraufhin das Bettzeug zu Boden, ſtieß mit
ſeinem Degen auf und rief dem Sergeanten zu: Laſſen Sie
mich in Ruhe, ſonſt gibt es noch ein Unglück. Er ließ ſich
auch erſt nach mehrmaliger Aufforderung dazu bewegen,
auf die Revierſtube zurückzugehen. Der Angeklagte gibt
an, er ſei betrunken geweſen und könne ſich der Vorgänge
nicht mehr erinnern. Das Gericht verurteilte den
Ange=
klagten zu 4 Monaten 3 Tagen Gefängnis. Für
eine Widerſetzung und Mißbrauchs der Waffe wurden die
Beweiſe als nicht ausreichend erachtet. — Dem Sergeanten
Johann Reifſchneider von der Maſchinengewehr=
Kompagnie des Leibgarde=Infanterie=Regiments Nr 115
wird zur Laſt gelegt, daß er einen Soldaten vorſätzlich
übel behandelt habe. Der Sergeant Reifſchneider hatte am
29. Januar mit einer Abteilung von vier Geſchützen
Exer=
zierubungen auf dem Griesheimer Truppenübungsplatz.
Hierbei ſind an jedem Geſchütz 5 Mann und die beiden
Soldaten, denen der ſchwerſte Dienſt obliegt, die
Num=
mern 2 und 3, werden in ihrer Tätigkeit abgewechſelt. Der
Gardefüſilier Auguſt Franz gibt nun in einem am 23.
Juli 1912 beim Regiment eingelaufenen Strafantrag gegen
den Sergeanten Reifſchneider an, es ſei ſeine Krankheit,
die ſeine vorläufige Invalidität und damit ſeine
Dienſt=
entlaſſung verurſachte, eine Folge der vorſchriftswidrigen
Behandlung, die ihm am 29. Januar von Reifſchneider
zuteil geworden ſein ſoll. Durch die Verhandlung wird
nun feſtgeſtellt, daß Franz, der Nummer 3 hatte,
tatſäch=
lich nicht abgelöſt, während Nummer 2 abgelöſt wurde.
Er führt das darauf zurück, daß R. gegen ihn
voreinge=
nommen geweſen ſei, da er durch ſeine Veranlaſſung vom
Feldwebel zurecht gewieſen wurde. Franz war bei dem
Feldwebel Putzer, und der Angeklagte hatte von Franz
verlangt, daß er Blei ſuchen ſollte, ſo daß er alſo dem
Feldwebel die Sachen nicht putzen konnte. Als der
Feld=
webel davon hörte, ſagte er dem Reifſchneider, er möchte
den Franz frei laſſen, damit er bei ihm putzen könne. Durch
die Vernehmung ſeiner Kameraden wird aber auch
feſt=
geſtellt, daß er nicht infolge einer Voreingenommenheit
mehrmals ererzieren mußte, ſondern weil er ſchlapp
exer=
zierte Am Abend und am Tage nach dem Exerzieren
äußerte nun Franz Kameraden gegenüber, daß er Stechen
in der Bruſt habe und jedenfalls krank würde. Er wurde
dann auch einige Tage ſpäter ins Lazarett aufgenommen
und am 13. Mai als Invalide entlaſſen. Er iſt dann nach
ſeiner Entlaſſung noch einmal in der Kaſerne geweſen
und hat auch mit ſeinen ehemaligen Kameraden und
Vor=
geſetzten geſprochen, jedoch weder hier noch während ſeiner
Behandlung im Lazarett ſeine Krankheit auf das
Verhal=
ten des Sergeanten Reifſchneider zurückgeführt. Am 23.
Juli erfolgte dann die Eingabe, die von ſeinem Bruder
verfaßt und von ihm unterſchrieben war. Der Angeklagte
gibt an, er habe keinerlei Voreingenommenheit gegen
Franz gehabt, auch enthalten die Dienſtvorſchriften
keiner=
lei Anordnungen, daß die Mannſchaften abwechſeln ſollen.
Daß die Leute bei dem Exerzieren ſchwitzten, ſei ganz
natürlich. Auch dem aufſichtführenden Leutnant iſt keine
Ueberanſtrengung des Franz aufgefallen. Nach dem
Gut=
achten des Oberſtabsarztes hatte Franz eine
Rippenfell=
entzündung gehabt. Es gibt nun primäre
Rippenfellent=
zündungen, die von rheumatiſchen Leiden herrühren, und
ſekundäre, die die Folge einer Erkrankung anderer Organe
ſei. Anfänglich ſei er der Meinung geweſen, die
Rippen=
fellentzündung des Franz ſei eine Folge einer Erkältung
geweſen, doch ſei dann eine chroniſche Entzündung der
Lungenſpitze feſtgeſtellt worden, und es ſei zweifellos, daß
die Rippenfellentzündung eine Folgeerkrankung des
Grund=
leidens, der Lungenſpitzenentzündung, geweſen ſei. Dieſe
habe auch zweifellos ſchon am 29. Januar beſtanden, die
durch das Exerzieren veranlaßte ſtärkere Atmung habe
ihm aber erſt die Erkrankung durch Stiche bemerkbar
ge=
macht Der Anklagevertreter führte aus, daß er geſchwankt
habe, ob er das Strafverfahren einleiten ſolle oder nicht.
Er habe ſich für das erſtere entſchieden, denn nur dadurch
ſei es möglich, die objektive Wahrheit in vollem Umfange
zu ermitteln. Er glaube, daß die volle Unſchuld des
An=
geklagten erwieſen ſei und beantrage daher Freiſprechung.
Das Gericht erkannte auf Freiſprechung und betonte
im Urteil, daß der Freiſpruch nicht wegen Mangels an
Schuldbeweiſen, ſondern wegen erwieſener Unſchuld
er=
folge.
Qualvolle Amüſements.
** Mit all den ſchönen Dingen, die unſere moderne
Kultur der neuen Welt verdankt, mit den Bars, den
Nig=
ger=Songs und dem Bärentanz, ſind auch die Sitten und
Formen amerikaniſcher Vergnügungen bei uns eingezogen,
wie ſie ſich auf den Rummelplätzen entfalten; mögen dieſe
nun „White City” oder Lunapark heißen. In dieſen
Ver=
gnügungslokalen iſt ein Moment des Amüſements zur
höchſten Vollendung ausgebildet, das in der alten Welt
bisher nur im beſcheidenen Maße mitſprach: die Freude
ind der Drang, ſich allerlei peinlichen Unannehmlichkeiten
auszuſetzen, auf dieſem künſtlichen Wege in unſer ſo
lang=
weiliges polizeilich geregeltes Leben etwas
Abenteuer=
liches, Spannendes zu bringen, ſich freiwillig einem
Mar=
tyrium zu unterwerfen. Was für verhältnismäßig
harm=
loſe Einrichtungen ſind unſere Karuſſells und Rutſchbahnen
gegen die komplizierten Apparate, die der erfinderiſche
Yankeegeiſt erſonnen, um dem Menſchen ſein Vergnügen
durch recht viel Not und Plagen erſt ſchmackhaft und
an=
genehm zu machen. Auch zu uns ſind ſie gekommen und
haben viel Beifall und noch mehr Kopfſchütteln gefunden,
dieſe Folterwerkzeuge, der Wackeltopf, die bewegliche
Treppe uſw. Aber in dem Lande der unbegrenzten
Mög=
lichkeiten ſteht man nicht ſtill; man arbeitet weiter an
dieſer Vergnügungsfolter, und ſo ſind neue
Pro=
dukte entſtanden, die ſich gegenwärtig auf Coney Island
der größten Beliebtheit erfreuen und von den
amerikani=
ſchen Blättern als wahre Kulturtaten angeprieſen werden.
Da iſt zunächſt das Spinnennetz. Das iſt ein
gigan=
tiches Gewebe, aus dicken Seilen hergeſtellt, die mit Stolf
überzogen ſind. Es ſieht ganz ſo aus wie ein rieſiges
Spinnennetz; die Maſchen werden immer breiter und
brei=
ter, je mehr man dem Mittelpunkte zuſteuert, dem
End=
ziel aller derer, die ſich dieſem löchrigen Boden
anver=
trauen. An den Rändern, auf den dichten Maſchen geht
die Wanderung noch verhältnismäßig leicht von ſtatten,
aber je mehr man ſich den Klüften und Abgründen der
Mitte nähert, deſto weniger erfreulich wird der Weg für
den Schreitenden und deſto luſtiger für die Zuſchauenden.
Einer nach dem andern purzelt herunter und beſonders die
Damen mit den langen Röcken haben einen ſchweren Stand.
Um ſich von dieſer langſamen und gefährlichen Reiſe zu
erholen, kann man dann verſuchen, die Eſelsbrücke zu
über=
ſchreiten. Das ſcheint auf den erſten Blick recht leicht zu
ſein Die freundlichen Grautiere, die dem Wagemutigen
willig ihren breiten Rücken leihen, haben etwas
Gutmüti=
ges, Vertrauenerweckendes. Man ſteigt alſo auf und mit
ganz kleinen Schritten nähert ſich Bruder Langohr dem
ſchmalen Steg, der ſich über einen kleinen Abgrund ſchwingt.
Auf der einen Seite dieſes Brückchens iſt ein freundliches
Waſſer, auf der anderen ein großes Fangnetz. Kaum iſt
man auf dem Steg, dann fängt das Klagen an. Die Brücke
hat ihre Tücken; ſie bewegt ſich in einer beunruhigenden
Weiſe beſtändig hin und her und die Eindrücke, die
da=
durch hervorgerufen werden, ähneln verzweifelt denjenigen,
die eine ſtürmiſche Seefahrt oder ein Ritt auf
Kamels=
rücken im Innern der Sterblichen aufwühlen. Die
er=
ſchreckten Eſel werden ſtörriſch, wollen nicht weiter, bocken
und ſchlagen aus, ſo daß dem beſten Reiter Hören und
Sehen vergehen kann. Nachdem der Unglückliche lang
ge=
nug verſucht hat, das ſtörriſche Tier herüberzutreiben, und
dafür durch endloſe Lachſalven der Zuſchauer belohnt
wor=
den iſt, gibt er ſeine Sache verloren und läßt ſich
hinab=
werfen — ins Netz oder ins Waſſer, ganz nach Belieben.
Und nun locken andere Beförderungsmittel, die nicht
minder gefährlich und unbequem ſind, als die ſtörriſchen
Grautiere. Man hockt ſich in einem kleinen Wagen auf
vier Räder nieder, in dem zu ſitzen eigentlich nur
bein=
loſen Krüppeln möglich iſt, und nun geht die wilde Jagd
los auf einer Berg= und Talbahn, gegen die ähnliche
Ein=
richtungen auf dem Kontinent gar nichts bedeuten. Man
fliegt über Hinderniſſe wird gegen Felſen geſchleudert,
überkugelt ſich; ſelbſt die Führer, die in dies Paradies
einladen, geben zu, daß die Fahrt nur etwas für
Schwer=
gewichtige ſei, während leichtere Weſen ſofort aus dem
Wägelchen geſchleudert werden. Nicht geringere
Erſchüt=
terungen ruft das Herabſauſen von einem ſteilen Abhang
in einem korbähnlichen Waggon hervor.
Iſt man durch dieſe wunderlichen Uebungen erhitzt,
ſo kann man ſich bei einem Schiffsuntergang mit
obliga=
tem Gewitter” angenehm abkühlen. Man nimmt in einem
Boot Platz, das auf einem ziemlich geräumigen Teich fährt.
Eine beſondere Vorrichtung ruft in dem Waſſer
Wellen=
bewegungen hervor, die immer wilder und höher werden
Maſchinen erzeugen dazu den nötigen Orkan, Blitze und
Donner; es fehlt nicht an der Näſſe von oben, die in
Ge=
ſtalt eines Hagels herniedergeht, und an einem
ohren=
betäubenden Getöſe. Endlich ſchlägt das Voot um, die
Geſellſchaft liegt im Waſſer und das Amüſement iſt zu
Ende. . .
Nummer 207.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 3. September 1912.
Seite 3.
* Der neue Eiſenbahnpräſident. Der
Eiſenbahn=
direktionspräſiden: Laury in Mainz hat die
Dienſt=
geſchäfte übernommen.
Programmbücher am Hoftheater. Eine
in=
tereſſante Neuerung, die zweifellos vom Publikum
dankbar begrüßt werden wird, bildet die Einführung
von Programmbüchern an unſerem Hoftheater. Dieſelben
werden außer dem offiziellen Theaterzettel eine Anzahl
von Theaternachrichten von nah und fern enthalten,
weiter kurze biographiſche Notizen über hervorragende
Gäſte und die neuen Mitglieder, ſowie Berichte über
intereſſante Aufführungen in Deutſchland und auch im
Auslande bringen. Auch ein Fahrplan, der die
wich=
tigſten Zugverbindungen von und nach Darmſtadt
ent=
halten wird, ſoll beigefügt werden. Jeder
Theater=
beſucher hat auf Grund ſeiner Eintrittskarte das Anrecht,
am Abend bei den Billetteuren unentgeltlich ein
Exemplar der neu erſcheinenden Programmbücher zu
beziehen. Für dieſe Bücher ſind im Preis der
Eintritts=
karten 10 Pfg. und bei den billigen Sitzen 5 Pfg.
vor=
geſehen. Sie werden von der J. C. Herbertſchen
Hof=
buchdruckerei hier hergeſtellt und repräſentieren ſich als
ein kleines typographiſches Kunſtwerk.
D Herr Kammerſänger Riechmann empfing
an=
läßlich des Tages, an dem er vor 25 Jahren zum
erſtenmale die Darmſtädter Hofbühne als engagiertes
Mitglied betrat (1. September 1887) von Herrn
General=
direktor Dr. Eger folgendes Schreiben: Darmſtadt den
31. Auguſt 1912. Hochverehrter Herr Kammerſänger!
Es gereicht mir zum beſonderen Vergnügen, Ihnen zu
Ihrem 25 jährigen Wirken an unſerer Hofbühne meine
aufrichtigen und herzlichſten Glückwünſche ausſprechen zu
können. Sie waren während Ihrer langjährigen
Tätig=
keit ſtets eine Zierde des Enſembles. Sowohl in der
Oper wie auch ſpäter im Schauſpiel war Ihnen
Gelegen=
heit geboten, ſich reiche Lorbeeren zu verdienen und
auch in Ihrer Regietätigkeit hatten Sie manchen ſchönen
Erfolg aufzuweiſen. Es wird mir ſelbſtverſtändlich eine
Freude ſein, Ihnen bei einer offiziellen Feier, die wir
im Laufe der Saiſon veranſtalten werden, nochmals den
Dank und die Anerkennung der Direktion auszuſprechen.
* Doppeljubiläum. Am 3. September feiern Herr
Meſſerſchmiedemeiſter und chirurg. Inſtrumentenmacher
M. Kattler=Darmſtadt und ſeine Gattin das Feſt der
ſilbernen Hochzeit und gleichzeitig das 25
jäh=
rige Geſchäftsjubiläum. Möge Beiden noch ein
recht langes ſonniges Leben in behaglichem Wohlſtande
beſchieden ſein, möge ihr ſchönes Geſchäft, das ſie durch
fleißige Arbeit und Umſicht empor gebracht, weiter blühen
und gedeihen, ſo daß beide, Jubelpaar und Jubelfirma,
vereint auch das goldene Jubiläum feiern können! Der
Zentralverband der Vereinigungen Deutſcher
Meſſer=
ſchmiede= und=Schleifermeiſter, deren Schatzmeiſter Herr
Kattler iſt, und der Süddeutſche Meſſerſchmiedeverein,
deſſen Mitbegründer er iſt, bringen in ihrem Fachorgan
ſehr herzlich gehaltene Glückwunſchartikel, in deren
letz=
terem es u. a. heißt: „Wir alle wiſſen, was der Name
Kattler in der Geſchichte unſeres Verbandes bedeutet: als
Mitbegründer des Süddeutſchen Meſſerſchmiedeverbandes
gehört er von Anfang an unſerem Vorſtande an, in der
Freien Einkaufsgemeinſchaft und in der
Einkaufsgenoſ=
ſenſchaft unſeres Verbandes ſtand und ſteht er in
vorder=
ſter Reihe, im Vorſtande des Zentralverbandes vertritt
er unſeren Verband ſeit Beginn, überall und allezeit
be=
reit, Zeit und Kraft der Allgemeinheit zu widmen und
uns allen zu dienen. Unvergeßlich ſind uns allen noch
die Tage, die wir ſeiner und ſeiner lieben Familie
Gaſt=
freundſchaft im verfloſſenen Juni verdankten. So
be=
nutzen wir die Gelegenheit der doppelten Jubelfeier in
ſeinem Hauſe, ihm unſeren herzlichen Dank darzubringen
für alles, was er uns war und iſt, und was er uns
hof=
fentlich noch recht lange ſein und bleiben wird.”
Sedan. Die Feier des Sedantages wurde in
Darmſtadt in der üblichen Weiſe begangen. Die
Schul=
ausflüge fielen wegen des ſchlechten Wetters aus, dafür
fanden in den Schulen kurze Feiern ſtatt, wobei die
kleineren Kinder mit Brezeln bedacht wurden. Die
Gebäude der Behörden, ſowie viele Privatgebäude hatten
Fahnenſchmuck angelegt.
* Hofjagden. Wie aus dem Anzeigenteil erſichtlich,
kommen am 1. und 3. Oktober d. Js. ſchöne
Hofjagd=
reviere (Dam= und Rehwild, Haſen, nebenbei Faſanen,
Enten, Hühner, Schnepfen) mit meiſt guter
Unterkunfts=
möglichkeit in der Gegend Darmſtadt und Alsfeld (
Ober=
heſſen) für längere Zeit zu öffentlicher Verpachtung an
weidgerechte Jäger. Gute Bahnverbindungen, gute
Auto=
ſtraßen. Nähere Auskunft erteilt Großh. Hofjagdamt in
Darmſtadt.
Sprechſtunden der Fürforgeſtelle für
Lungen=
kranke. Es wird darauf hingewieſen, daß die
Sprech=
ſtunden der hieſigen Fürſorgeſtelle für Lungenkranke
vom 4. September an bis auf weiteres Mittwoch
von 11—12 Uhr vormittags und von 1½—3 Uhr
nach=
mittags abgehalten werden.
* Darmſtädter Vortragsverband. Für den
Vor=
trag, den Generaldirektor Dr. Eger am 20. September
über „Das moderne Theater” zu halten gedenkt, macht
ſich ſchon jetzt ein ſo lebhaftes Intereſſe geltend, daß es
ſich für alle, die den Abend zu beſuchen beabſichtigen,
empfehlen dürfte, ſich im Verkehrsbureau baldigſt mit
Eintrittskarten zu verſehen. Das um ſo mehr, da
wegen der Beteiligung mehrerer Verbandsvereine nur
eine beſchränkte Anzahl von Karten dem allgemeinen
Verkauf unterſtellt werden kann.
* Kriegerverein Darmſtadt. Nachdem die
Ver=
einsſchießen infolge Umbaues der Militärſchießſtände
einige Wochen ausgefallen waren, hatten ſich die
Kameraden zahlreicher denn früher zu einem ſolchen
Sonntag nachmittag wieder eingefunden. Das Schießen
begann pünktlich um 3½ Uhr auf Stand 6. Wie bei
den früheren Uebungen wurde auch dieſesmal wieder
ſtehend aufgelegt und ſtehend freihändig auf
Ring=
ſcheibe aus einer Entfernung von 150 m geſchoſſen,
wobei von den Kameraden recht gute Schießreſultate
erreicht wurden. Ehrenſcheiben errangen die Kameraden
K. Bender jr., Türtmann und Momm. Der
Verein beabſichtigt, nun bald ein größeres Preisſchießen
abzuhalten, wobei einige Preiſe an die beſten Schützen
zur Verteilung gelangen. Es werden deshalb die
Kameraden gebeten, ſich an den ſtattfindenden vorherigen
Uebungsſchießen recht rege beteiligen zu wollen. Das
nächſte Uebungsſchießen findet vorausſichtlich am
22. September ſtatt.
* Antrag zur Bekämpfung der Fleiſchnot. Die
Stadtverordneten Gallus, Henrich, Dr.=Ing. Heyd, Kahn,
Kalbfuß, Dr. Kolb, Leyerzapf, Lindt, Möſer, Pickert,
Saeng, Sames, Dr. Vaubel, Wagner und Werner
haben am 1. September nachfolgenden Antrag für die
Stodt verordneten=Verſammlung eingereicht:
Wir beantragen, der Herr Oberbürgermeiſter wolle
un=
verzüglich Maßnahmen zur Linderung der allgemeinen
Notlage auf dem Gebiete der Fleiſchverſorgung
er=
wägen und der Stadtverordneten=Verſammlung
vor=
ſchlagen. Wir bitten zugleich um alsbaldige Einberufung
des erweiterten ſozialpolitiſchen Ausſchuſſes zur
Be=
ratung der erforderlichen Maßnahmen.
* Das Bahnhofsgebände des früheren Beſſunger
Bahnhofs wird gegenwärtig zu Privatwohnungen
umgebaut.
* Stenographie. An dieſer Stelle wird auf die
Anzeige des Vereins für Stenotachygraphie betr.
Kurſus=
eröffnung beſonders hingewieſen. Zahlreiche Beteiligung
iſt erwünſcht.
§ Polizeibericht. Eine hier bedienſtete Kellnerin
wurde auf Erſuchen der Staatsanwaltſchaft in Ansbach
wegen Meineidverdachts in Haft genommen. — Sonntag
abend gegen 11 Uhr entſtand in der Obergaſſe zwiſchen
Ziviliſten und Militär eine Schlägerei, wobei ein Soldat
am Kopfe Verletzungen davontrug.
* Wegen Betrugs zur Anzeige gebracht wurde
ein verheirateter hieſiger Mann. Dieſer hat ſich bei
ver=
ſchiedenen Klavierbeſitzern in Ober= und Nieder=Beerbach
als Stimmer der hieſigen Firma Karl Arnold
aus=
gegeben und die betreffenden Klaviere in einen
unbe=
ſchreiblichen Zuſtand verſetzt und ſich außerdem für ſein
angebliches Stimmen Beträge von 2,50 Mk. bis 3,50 Mk.
bezahlen laſſen.
C. Arheilgen, 2. Sept Geſtern fand hier unter ſehr
ſtarker Beteiligung nach Jahrhunderte langer
Unterbrech=
ung wieder katholiſcher Gottesdienſt ſtatt. Das
Lokal war von der politiſchen Gemeinde in dankenswerter
Weiſe zur Verfügung geſtellt worden. Das Hochamt und
die ergreifende Feſtpredigt hielt Herr Pfarrer Fink von
St. Eliſabeth in Darmſtadt, wohin unſere Cemeinde
ein=
gepfarrt iſt. Nachmittags fand im „Deutſchen Haus” ein
Familienfeſt ſtatt, bei dem ſich faſt alle hieſigen Katholiken
und zahlreiche Mitglieder des katholiſchen Männer= und
Arbeitervereins, ſowie des Geſellenvereins Darmſtadt
eingefunden hatten. Die muſikaliſchen, dramatiſchen und
deklamatoriſchen Darbietungen fanden reichen Beifall.
b. Weiterſtadt, 2. Sept. Geſtern morgen 10 Uhr iſt
ein einjähriges Kind in einen großen Topf mit Waſſer
geſtürzt und da keine Hilfe zugegen war, ertrunken
Rumpenheim, 2. Sept. Geſtern nachmittag gegen
5 Uhr wurde im Luhrwald in der Nähe des Siebenweg=
Tempels eine männliche Leiche erhängt aufgefunden.
Der Selbſtmörder, welcher in das Leichenhaus des
hieſi=
gen Friedhofes verbracht wurde, gehört anſcheinend dem
Arbeiterſtande an und ſtand im Alter von etwa 45 Jahren.
* Babenhauſen, 2. Sept Der 20jährige Adam
Kör=
ber aus Schlierbach wurde heute morgen beim
Ein=
fahren in die Station Babenhauſen vom Zug
über=
fahren und getötet. Der Verunglückte hat ſich
an=
ſcheinend vorſchriftswidrig auf der Plattform des Wagens
aufgehalten und iſt durch den beim Bremſen entſtandenen
Ruck auf die Schienen gefallen.
Lindenfels, 1. Sept. Der älteſte Einwohner
un=
ſeres Städtchens, Herr Johannes Dietrich, vollendete
geſtern ſein 93. Lebensjahr. — Die hier
einquar=
tierten 87er veranſtalteten geſtern auf der Burg eine
Sedanfeier. Herr Hauptmann von Lahr hielt die
Feſtrede. Die Mannſchaften erregten durch volkstümliche
Spiele und Uebungen die Aufmerkſamkeit der Beſucher.
Die Regimentskapelle konzertierte; mit großem Beifall
wurde das Schlachtenpotpourri aufgenommen. —
Nach=
dem in den letzten Tagen die Beſichtigung der beiden
Re=
gimenter Nr. 87 und 88 ſtattgefunden hat, beginnt morgen
das Brigadexerzieren.
Viernheim, 2. Sept. Ein Antrag von weitreichender
ſozialer Bedeutung wurde in der letzten
Gemeinderats=
ſitzung verhandelt. Die Bürgermeiſterei hatte nämlich den
Antrag geſtellt, die Gemeinde möge zur Hebung des
Klein=
wolſnungsweſens an die Errichtung von
Ein=
familienhäuſern als Wohnungen für
Minderbe=
mittelte herantreten. Durch den ſogenannten
Rezeß=
baufonds, aus dem für jeden Hausneubau etwa
1200 Mark zugezahlt werden, iſt die Gemeinde um ſo
leichter dazu in der Lage und der Vorſchlag der
Bürger=
meiſterei fand daher einſtimmige Aufnahme. Eine
Kom=
miſſion ſoll umgehend die notwendigen Vorarbeiten,
ins=
beſondere das Studium bereits beſtehender ähnlicher
Ein=
richtungen beſorgen. Es wird dann für hieſige
Ein=
wohner möglich ſein, ſich für eine Anzahlung von 600 oder
800 Mark ein eigenes kleines Häuschen zu erwerben.
Worms, 2. Sept. Am Samstag verſammelten ſich zur
Einleitung des Deutſchen Feſtes die Haſſiavereine
des Bezirkes Worms mit der Muſikkapelle an der Spitze
an den Gräbern der 1870/71 gefallenen
Krieger zu einer würdigen Gedenkfeier. Nach einer
feierlichen Anſprache bewegte ſich der Zug nach dem
Feſt=
platz. Das ſchön aufgeſtellte Programm enthielt
Männer=
chöre der verſchiedenen hieſigen Geſangvereine, turneriſche!
Vorführungen, ſowie muſikaliſche Darbietungen. Der
erſte. Vorſitzende des Haſſiabezirkes Worms, Herr
Ritt=
meiſter und Kommerzienrat Dörr, erinnerte in markigen
Worten an die Zeit vor 42 Jahren. Im Namen des
Präſidiums der Haſſia ſprach Generaldirektor
Hochge=
ſandt. Ferner hielten Anſprachen Bürgermeiſter Dr.
Weber, Herr Oberſt Behr, Kreisamtmanin Emmerling
u. a. Es war in dieſem Jahre zum epſten Male, daß der
Kommers von der Haſſia und der Bürgerſchaft gemeinſam
begangen wurde. Am Sonntag, dem Hauptfeſttag,
fan=
den am Vormittag turneriſche Vorführungen ſtatt, ferner
Wettſpiele und der Kampf um den
Nibelunngen=
ſchild. Dieſer Preis wurde jedoch noch keinem Verein
zugeſprochen, da ſich Differenzen ergeben haben, die
erſt in einer Proteſtverſammlung am Mittwoch abend!
zum Austrag kommen werden. Der Fremdenſtrom zu
dem Teſt war ein außerordentlich ſtarker.
Worms, 2. Sept. Selbſtmord verübte in letzter
Nacht in ſeinem Logierzimmer in der Gauſtraße ein 24
Jahre alter hier beſchäftigter lediger Schloſſergeſelle
namens Viggo Jenſen aus Kopenhagen, indem er ſich
am Fenſterkreuz erhängte. Der Beweggrund iſt
unbe=
kannt.
(*) Klein=Linden, 1. Sept. Von einem Pferde
gebiſſen wurde ein ſiebenjähriger Knabe, der mit
Bauersleuten auf das Feld fuhr. Der Knabe machte ſich
bei dem ſonſt treuen Tiere zu ſchaffen, das ihn plötzlich
an der Bruſt faßte, in die Höhe hob und dann fallen ließ.
Das Tier hatte dem Jungen die linke Bruſt vollſtändig
losgeriſſen. Die loſen Fleiſchteile mußten auf operativem=
Wege entfernt werden.
Nidda, 1. Sept. In dem Millionenkonkurſe des
Vor=
ſchuß= und Kreditvereins Ober=Mockſtadt,
e. G. m. u. H., ſind vor dem Amtsgericht Nidda unter dem
Vorſitze des Aſſeſſors Lanz zwei bedeutſame Termine
ab=
gehalten worden. In dem erſten Termin wurde, wie
ge=
meldet, die zur Deckung des noch vorhandenen Fehlbetrages
von 363000 Mark erforderliche Einziehung einer zweiten
Vorſchußzahlung in Höhe von 2700 Mark für vollſtreckbar
Feuilleton.
* Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben. Der Brief
von Richard Strauß, der natürlich heftigen
Wider=
ſpruch hervorruft, war für die Veröffentlichung beſtimmt.
Herr Ludwig Karpath bemerkt dazu im Hamburger
Fremdenblatt: „Als ich das Schreiben des Garmiſcher
Meiſters erhielt, war ich der Meinung, es ſei in einer
erſten Aufwallung abgefaßt worden, und ich hatte
Be=
denken, es zu veröffentlichen. Ich teilte Strauß alle meine
Beſorgniſſe mit und beantragte einige Abſchwächungen.
Aber Richard Strauß wollte davon nichts wiſſen, und ſo
ge=
wann ich denn die Ueberzeugung, daß der Meiſter ſeinen
geharniſchten Proteſt wohl überlegt hatte. Nun habe ich
meinerſeits nichts mehr zu bedenken, denn ich ſtehe auf
dem Standpunkt, daß ein Künſtler von der Bedeutung
Richard Strauß ſeine Anſichten ſelbſt zu vertreten habe.”
Denkende Pferde. Neue Verſuche mit
rechnen=
den Pferden hat Herr Krall in Elberfeld angeſtellt,
denen man natürlich ſkeptiſch gegenüberſteht. Jetzt haben
zu dieſen Verſuchen die Herren Prof. Dr H. Kraemer=
Hohenheim=Stuttgart, Dr. Paul Saraſin=Baſel und Prof.
Dr. H. E. Ziegler=Stuttgart folgende Erklärung zu
die=
ſen Verſuchen abgegeben. In Anbetracht des Umſtandes, daß
von verſchiedenen Seiten öffentlich behauptet wird, es
wür=
den von Herrn Krall und ſeinem Pferdepfleger oder einem
von beiden den Pferden bei der Löſung der ihnen geſtellten
Aufgaben abſichtliche oder unabſichtliche Zeichen oder
Hilfen gegeben, haben die Unterzeichneten ſich verpflichtet
geſehen, die Frage einer objektiven Prüſung zu
unter=
werfen. Sie haben während mehrerer Tage die
Vor=
führungen geſehen, und jeweils vormittag? und
nach=
mittags mehrſtündigen Verſuchsreihen beigewohnt, wobei
ſie auch ſelbſt an der Stellung der Aufgaben ſich
beteilig=
ten. Sie faſſen das Ergebnis ihrer Beobachtungen in
fol=
genden Sätzen zuſammen. 1. Es ſteht feſt, daß die Tiere
Zahlen und Zahlwörter (deutſch oder franzöſiſch, phonetiſch
geſchrieben) von der Tafel ableſen und mit dieſen Zahlen
die mündlich oder ſchriftlich angegebenen
Rechenoperatio=
nen ausführen. 2. Es ſteht feſt, daß diejenigen Pferde,
welche erſt einige Monate unterrichtet ſind,
verhältnis=
mäßig einfache Rechnungen richtig ausführen, ſchwierigere
Aufgaben aber nicht löſen können 3. Es ſteht feſt, daß
die länger unterrichteten Pferde — Muhamed und Zarif —
auch für ſchwierigere Rechnungen die richtige Löſung
an=
geben. Dabei läßt ſich ein individueller Unterſchied in der
Begabung feſtſtellen. Ferner iſt zu beachten, daß von den
Pferden zuweilen die Löſung ſelbſt ganz leichter Aufgaben
verweigert wird. Dieſe Tatſache hängt augenſcheinlich mit
dem Stimmungswechſel der Tiere zuſammen, der oft auch
aus dem ſonſtigen Verhalten deutlich zu erkennen iſt. 4.
Es ſteht feſt, daß die Pferde ſowohl Zahlwörter als auch
Namen u. a. m. mittels der Tabelle in Buchſtaben
aus=
zudrücken vermögen auch ſolche, welche ſie vorher nicht
gehört haben. Die Schreibweiſe richtet ſich nach dem Klang
des Wortes und iſt oft eine unerwartete. 5. Es ſteht feſt,
daß die Pferde zuweilen von ſich aus verſtändliche
Aeuße=
rungen nach der Buchſtabentabelle hervorbringen. 6. Es
ſteht feſt, daß bei allen dieſen Leiſtungen der Pferde
Zei=
chengebung nicht in Betracht kommt Es geht dies ſowohl
aus der Art vieler Antworten hervor als auch daraus, daß
Verſuche (auch mit ſchwierigen Rechenaufgaben) ſelbſt
dann gelangen, wenn der Pferdepfleger abweſend war,
und Herr Krall ſich außerhalb des Verſuchsraumes
auf=
hielt, ſo daß er von den Pferden nicht geſehen werden
konnte. Es wurde auch ein Erfolg in ſolchen Fällen
er=
reicht, in welchen ſämtliche Anweſende ſich aus dem
Ver=
ſuchsraum entfernt hatten und den Pferden unſichtbar
blieben.
* Die Menüs für die Kaiſereſſen in der Schweiz. Die
Schweiz hat glänzende Vorbereitungen für den Beſuch
Kaiſer Wilhelms in ihrem ſchönen Lande getroffen. Ein
wichtiger Punkt in dem Feſtprogramm, der den
Arran=
geuren viel Kopfzerbrechen zu bereiten pflegt, iſt ſtets die
Verpflegungsfrage, Mit Intereſſe dürfte daher der Leſer
von den Menüs Konntnis nehmen, die dem Kaiſer bei den
verſchiedenen Feſtmählern ſerviekt werden ſollen. Das
Diner am 3. September, abends 7½ Uhr im Hotel Baur
au lac in Zürich, gegeben vom ſchweizeriſchen Bundesrat,
bringt folgende appetitweckende Speiſekarte: Vorgerichte.
Kanzler=Kraftbrühe. Feines Forellengericht à la Caecilia.
Kaiſerrindfleiſch. Schinkenmus in Gelee. Selleriekerne
nach Züricher Art. Faſan in Schmorpfanne mit Grande
Champagne Meukow. Salat „nach der ſchönen
Gärt=
nerin” Kompott Auflauf nach Figaro. Eis.
Lecker=
biſſen. Früchte — Weine: Alter Clicquot=Pouſardin
(blaßrot, ſüß). Clos des Renauds 1906. Chateau
Mou=
ton Rotſchild 1906. G. H. Mumm Cordon Rouge 1904. —
Das Frühſtück, das der Bundesrat nach dem erſten
Ma=
növertage am 4. September mittags in der Karthauſe
Ittingen bei Frauenfeld dem Kaiſer darbietet, beſteht aus
folgenden Gängen: Mercedes=Creme. Languſten nach
nor=
wegiſcher Art. Schinken in Madeira. Grüne Bohnen und
Thronfolger=Kartoffeln. Poularden à la Karthauſe.
Bre=
dow=Salat und Kompott. Richelieu=Creme. Gefrorene
Wein=Creme. Käſeſtangen. Früchte. — Cetränke in
Ka=
raffen: Karthäuſer, weiß, 1911. Karthäuſer, rot, 1911.
Karthäuſer, rot, 1908. Rheinwein. Paſuger
Mineral=
waſſer. Fürſtenbergbräu.
— Neuigkeiten für Briefmarkenſammler. Den
Jün=
gern Philatelias hat kürzlich das Wunderland Indien
ein neues Markengebiet beſchert. Es handelt ſich um
das kleine Sultanat Kedah, das früher Siam
tribut=
pflichtig war. Vor etwa zwei Jahren wurden die drei
Sultanate Kedah, Kelantan und Trengganu infolge „
güt=
lichen” Uebereinkommens von Siam losgetrennt und den
engliſchen Malayenſtaaten einverleibt. Während
Kelan=
tan und Trengganu bereits ſeit Jahresfriſt eigene
Brief=
marken beſitzen, hat Kedah erſt vor kurzem eine eigene
Markenſerie herausgegeben. Dieſe lange Verzögerung
indeſſen hat das Gute gehabt, daß nunmehr die neue
Serie recht prächtig ausgefallen iſt. Sie beſteht aus 13
Werten von 1 Cent bis zu 5 Dollars in ſauberer,
zwei=
farbiger Kupferdruckausführung und wird jeder
Samm=
lung zur Zierde gereichen. Die niederen Werte von 1
bis zu 8 Cents bringen in geſchmackvollem Rahmen ein
Reisbündel zur Darſtellung, die mittleren Wertſtufen von
10 bis zu 50 Cents zeigen einen pflügenden
Eingebore=
nen, hinter dem für dieſe Länder charakteriſtiſchen
Ochſen=
geſpann, und die Dollarmarken, ohne die ein exotiſches
Land anſcheinend nicht auskommen kann, prunken mit
einem palaſtähnlichen Gebäude, das wahrſcheinlich die
Regierungsſtätte des Rajahs darſtellt. Allzu viel
Sor=
gen werden dem Fürſten die Regierungsgeſchäfte
ohne=
hin nicht bereiten, da die wirklichen Herren des Landes
in dieſer Beziehung außerordentlich zuvorkommend ſind.
— Im übrigen kommt der Philateliſt vor lauter
Neu=
erſcheinungen in dieſem Sommer wenig zur Ruhe. Da
ſind in erſter Linie die engliſchen
Kolonialmarr=
ken zu nennen. Faſt jeder Tag bringt neue Marken mit
dem Kopfe König Georgs. Anläßlich des Regierungs=
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 3. September 1912.
Nummer 207.
erklärt. Später fand, wie die Darmſt. Ztg. berichtet, eine
Gläubigerverſammlung ſtatt, auf deren
Tages=
ordnung zwei Punkte ſtanden: 1. Bericht des
Konkursver=
walters über den derzeitigen Stand des Konkurſes; 2.
An=
lage der von den Genoſſen erhobenen und noch
einzu=
ziehenden Beträge (Vorſchüſſe). Aus dem Berichte des
Konkursverwalters, Rechtsanwalts Sandmann=Hungen, iſt
zu entnehmen: Bezahlt ſind bis jetzt an die Glaubiger 35
Prozent, eine weitere Abſchlagszahlung von 5 Prozent iſt
im Laufe des Herbſtes zu erwarten; 25 Prozent liegen zur
Verteilung bereit, dürfen aber nicht vor Ende des
Kon=
kurſes verteilt werden, weil ſie aus Vorſchüſſen der
Mit=
glieder ſtammen; 15 Prozent können noch beigetrieben
wenden bezw. werden aus Zinſen zuwachſen, und der
Reſt von 20 Prozent ſoll eben durch die zweite
Vorſchuß=
zahlung der haftpflichtigen Mitglieder gedeckt werden.
Kreisrat Böckmann=Büdingen legte dann der
Verſamm=
lung den Plan einer neuen Hilfsaktion vor. Er kam
zu=
rück auf die vor zwei Jahren unter Mitwirkung von
Frank=
furter Philanthropen (Soziales Muſeum) projektierte
Hilfsaktion, die daran ſcheiterte, daß der Kreis Friedberg
ſich weigerte, für ein Sechſtel der Garantieſumme
aufzu=
kommen, nachdem der Kreis Büdingen fünf Sechſtel
über=
nommen hatte. Außerdem war damals die Mehrzahl der
Gläubiger mit einem Abzug von 20 bis 25 Prozent nicht
einverſtanden. Jetzt ſind die meiſten der Gläubiger wohl
anderer Anſicht geworden; die geplante neue Akktion dürfte
alſo alle Ausſicht auf Erfolg haben. Es liegt, wie
be=
merkt, ½ Million Mark Gelder bereit — eine weitere halbe
Million Mark wird durch die Nachſchüſſe dazu kommen—
die bei den Sparkaſſen Nidda, Büdingen, Ortenberg,
Gie=
ßen angelegt ſind. Dieſes Geld könnte nutzbar gemacht
werden, wenn die Verſammlung dem Konkursverwalter
die Ermächtigung erteilte, dies Geld bei einem neu zu
gründenden Verein anzulegen, der es ſich ſeinerſeits zur
Aufgabe machen müßte, die Forderungen an die
Konkurs=
maſſe mit dieſem Geld aufzukaufen. Kreisrat Böckmann
gab darauf den Entwurf eines Statuts für dieſen „
Hilfs=
verein für Ober=Mockſtadt” mit dem Sitz zu
Ranſtadt bekannt. Der Antrag des Konkursverwalters
Rechtsanwalts Sandmann lautete: Gelder aus den
Vor=
ſchüſſen der Mitglieder dürfen außer bei den
Bezirksſpar=
kaſſen Nidda, Büdingen Ortenberg und Gießen,
vorüber=
gehend auch bei der Mitteldeutſchen Kreditbank (Filiale
Gießen) zinstragend angelegt werden. Sollte ein
Hilfs=
verein für Ober=Mockſtadt gegründet werden und
Rechts=
fähigkeit erlangen, dann dürfen jene Gelder auch bei
die=
fem angelegt werden, jedoch nur gegen die von dem
Gläu=
biger=Ausſchuß zu beſtimmenden Sicherheiten und gegen
die von dieſem feſtzuſetzenden Beſtimmungen; der
Zins=
fuß ſoll nicht unter 3¾ Prozent bemeſſen werden.
Juſtiz=
rat Metz, Nidda, Vorſitzender des Gläubiger=Ausſchuſſes.
war mit dieſem Antrag einverſtanden. Darauf wurde der
Antrag einſtimmig angenommen. — Nach Schluß der
offiziellen Verſammlung folgte noch eine private
Beſprech=
ung der Gläuhiger wegen Gründung des Hilfsvereins für
Obek=Mockſtadt.
Reich nud Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 1 Sept. Sechzehn
hervor=
ragende Vertreter der ſchwediſchen Preſſe ſind
heute abend hier eingetroffen, um den Beſuch zu erwidern,
den vor zwei Jahren eine größere Anzahl deutſcher
Jour=
naliſten auf die Einladung des ſchwediſchen
Publiziſten=
klubs dem ſchönen Schwedenlande abgeſtattet hat. Die
Herren wurden am Stettiner Bahnhof von dem
ſchwedi=
ſchen Geſandten, Taube, und verſchiedenen Mitgliedern
des einladenden Komitees, ſowie der ſchwediſchen Kolonie
empfangen. Da der Zug einige Verſpätung hatte, fuhren
die Heren nach dem Hotel „Kaiſerhof” und dann ſofort in
das Königliche Opernhaus zur Paradevorſtellung.
Heute gegen Mittag ſtieß das Automobil des
Prin=
zen Auguſt Wilhelm in Steglitz mit einem
Straßen=
bahnwagen zuſammen. Das Auto war infolge des ſtarken
Bremſens ins Schleudern geraten, wobei auch ein
Straßenbrunnen beſchädigt wurde. Das Auto erlitt
gleich=
falls Beſchädigungen. Der Prinz blieb unverletzt. Er
nahm einen anderen Wagen. — Ein „
Milliarden=
haus” in Berlin. Dieſen Namen verdient, wie der
Konfektionär mitteilt, das in der Linkſtraße belegene
„Fugger=Haus” Von allen Bureaupaläſten wiegt dieſes
modern gebaute und ſehr vornehm gehaltene Gebäude
zweifellos am „ſchwerſten”. Hier hat nicht nur die
rheiniſche Schwerinduſtrie ihren Sitz, ſondern auch der
Zentralverband Deutſcher Induſtrieller, der Verein
Deut=
ſcher Eiſen= und Stahlwareninduſtrieller, der Verein
Deutſcher Zuckerinduſtrieller, ſowie die Schoeller Stahl=
Geſellſchaft Außerdem ſind unter den insgeſamt 52
Mie=
tern und Betrieben verſchiedene bedeutende
Aktiengeſell=
ſchaften Deutſchlands vertreten. Zweifellos ſiellen die in
jubiläums Königs Ferdinand hat Bulgarien ſoeben
drei hübſche Gedenkmarken verausgabt. Nächſtes Jahr
ſoll in Rußland die langerwartete Jubelmarkenreihe mit
Bildern aus der Geſchichte des Zarenhauſes Romanow
erſcheinen. Auch das kriegsluſtige Montenegro plant
wieder eine neue Ausgabe. In München erzählt man
ſich ſchon längere Zeit, daß die kurſierenden Marken mit
dem Bildnis des Prinzregenten durch eine ſchönere
Serie erſetzt werden ſollen. Ob etwas ſchöneres
heraus=
kommt, muß abgewartet werden. Die vorjährigen
Re=
gierungs=Jubiläumsmarken waren geradezu unſchön und
doch iſt vorher alles mögliche verſprochen worden. Nach
über zehnjähriger Pauſe will auch die deutſche
Reichspoſt mit neuen Marken aufwarten, und zwar
ſind dem Vernehmen nach vorläufig zwei Werte geplant,
die anläßlich des 25jährigen Regierungsjubiläums
Kai=
ſer Wilhelms vorausſichtlich deſſen Bild ſchmücken wird.
Hoffentlich geht der fromme Wunſch aller Sammler nach
etwas recht Schönem in Erfüllung und die langweilige
Germania mit ihren groben, eckigen Geſichtszügen, die
das Feld mehr als zu lange behauptet hat, verſchwindet
endgültig von den deutſchen Reichsmarken. Alle dieſe
Neuheiten finden Aufnahme in dem bewährten Schaubeck=
Album und deſſen alljährlichen Nachträgen. (Mitgeteilt
von C. F. Lücke, G. m. b. H., Leipzig.)
* Dann freilich. Während ſeiner letzten Reiſe nach
Paris hat der marokkaniſche Miniſter El Mokri, wie der
Rappel erzählt, im franzöſiſchen Finanzminiſterium mit
ſüdlicher Beredtſamkeit dem Monſieur Klotz lange Reden
gehalten, um zu beweiſen, daß ſein erhabeuer Herr
Mu=
ley Hafid um ſeinen großen Haushalt ſtandesgemäß
führen zu können, durchaus eine Zivilliſte von 4 Millionen
Francs haben müſſe. „Vier Millionen!” rief der Miniſter
entſetzt, „der Präſident der franzöſiſchen Republik hat ja
nur eine Zivilliſte von 1200000 Francs!‟ El Mokri hob
die Augen empor und murmelte nur mit ſanfter Stimme:
„Ja, Falliéres hat auch nur eine Frau!”
* Begriffsverwechſelung. Die Kinder ſpielen
Kranken=
ſtube. Erna iſt krank und liegt im Bett Hermine ſitzt als
Arzt davor, unterſucht den Patienten genau, fühlt lange
am Handgelenk und ſagt: „Nein, Fieber iſt nicht da, der
Puls geht ruhig. Und wie iſt es mit dem Fahrſtuhl?”
dem Fugger=Haus untergebrachten Verbände und
Geſell=
ſchaften ein nach Milliarden zählendes Kapital dar, denn
daß man bei der Zuſammenſtellung mit Millionen allein
nicht auskommen würde, ergibt ſchon die Anweſenheit des
Zentralverbandes Deutſcher Induſtrieller. So kann man
getroſt ſagen, daß das Fugger=Haus in Berlin das
„ſchwerſte‟ Cebäude Deutſchlands iſt, denn ſelbſt unſere
Großbanken nierden ſchwerlich eine ſolche Kapitalmacht
vertreten, wie man ſie hier vorfindet. — Die Leichen
der drei bei dem ſchweren Bootsunfall auf dem
Rummelsburger See in der Nacht zum Sonntag
Ertrunkenen, wurden im Laufe des Sonntag vormittag
ge=
borgen.
Frankfurt, 2. Sept. Exkönig Manuel von
Portugal, der vier Tage inkognito in Frankfurt
ge=
weilt und im Frankfurter Hof gewohnt hatte, iſt heute
morgen von hier nach Würzburg gereiſt, Von dort
be=
gibt er ſich nach Nürnberg.
Mannheim, 1. Sept. In Neckarau wurde ein
junger Mann ins Freie gelockt und dort von vier
Män=
nern überfallen. Zwei von ihnen hielten den
Ueberfallenen feſt, der dritte ſtreckte ihm einen Revolver
entgegen und der vierte nahm ihm mit den Worten: Geld
oder das Leben!” ſein Geld ab. Als der junge Mann
das Geld hergegeben hatte, gelang es ihm, den ihm
ent=
gegengehaltenen Revolver dem Betreffenden zu
ent=
reißen ſund drehte den Spieß um. Er verlangte nun
wieder unter Drohung des Erſchießens ſein Geld
zu=
rück. Unglücklicherweiſe ſtürzte der junge Mann und die
vier Strolche nahmen ihm den Revolver wieder ab. Er
konnte ſich aber flüchten, verfolgt von den vier Gaunern,
die ihm drei Revolverſchüſſe nachſandten, ohne ihn zu
treffen. Nun iſt es der Kriminalpolizei gelungen, zwei
von den Burſchen zu verhaften, und die anderen zwei
liefen der Polizei auf der Straße in die Hände. Einer
von ihnen, der 26 Jahre alte Karl Friedrich Renius aus
Neckarau, riß ſich wieder los und ergriff die Flucht,
ver=
folgt von einem Schutzmann, dem ſich eine große
Men=
ſchenmenge anſchloß. Die Verfolgung ging durch mehrere
Straßen, bis der Flüchtling plötzlich Halt machte. Der
ihn verfolgende Schutzmann ging mit vorgehaltenem
Re=
volver gegen den gefährlichen Burſchen vor, der
eben=
falls einen Revolver aus der Taſche zog, um ſich, da er
keinen anderen Ausweg mehr ſah, durch einen Schuß in
die Schläfe zu töten. Der Flüchtling brachte ſich eine
ſchwere Kopfverletzung bei und ſtürzte auf der Straße
zuſammen.
Werden, 1. Sept. Auf der Werdener Kirmes löſte
ſich beim Rangieren von elektriſchen Wagen der Velbert=
Werdener Straßenbahn an der Halteſtelle in der Nähe
des Kirmesplatzes ein Anhängewagen und ſauſte
die ziemlich ſteile Straße hinab direkt in den
Kirmes=
trubel hinein. Durch einen ſtarken Maſt, der von dem
Wagen umgerannt wurde, wurde die Schnelligkeit der
Fahrt vermindert und ſomit ein viel größeres Unglück
verhütet. Die Zahl der Verletzten beträgt neun,
darunter vier Schwerverletzte. Sämtliche Verletzten
wur=
den ins Krankenhaus gebracht. Der Schaffner iſt
ver=
haftet worden.
Leipzig, 1. Sept. Das Leipziger Tageblatt meldet
aus Bodenbach: Heute nachmittag entgleiſte ein
Perſonenzug der Eiſenbahnlinie Dresden-Prag bei
Schönbrieſen bei Auſſig. Fünf Perſonen wurden ſchwer,
eine Anzahl leicht verletzt. In dem Zuge befanden
ſich viele ſächſiſche Touriſten.
Freienwalde, 2. Sept. Auf einer Jagd, die auf dem
Rittergut Proetzel ſtattfand, beſtieg die Jagdherrin,
Freifrau v. Eckardtſtein, die Wildkanzel und zielte
von dort auf eine Sau, auf die gleichzeitig Graf
Finckenſtein vom Anſchlag am Fuße der Kanzel
an=
gelegt hatte. Der Schuß des Grafen ging fehl und drana
der Baronin in den Unterleib. Schwer getroffen brach
ſie zuſammen. Die Jagd wurde abgebrochen und
Frei=
frau von Eckardtſtein nach Berlin in die Klinik des
Ge=
heimrats Bier übergeführt. Hier wurde die Kugel
ent=
fernt. Die Verletzungen ſind jedoch ſo ſchwerer Natur,
daß das Schlimmſte zu befürchten iſt.
Marienburg, 2. Sept. Geſtern erſtach der 21jährige
Franz Wiegand ſeinen Vater, den Speicherarbeiter
Wie=
gand, nachdem er zuvor einen Wortwechſel mit ihm
ge=
habt hatte. Der Vater iſt ſeinen Verletzungen erlegen.
Der Mörder wurde verhaftet.
Romanshorn, 31. Aug. Der geiſtesgeſtörte Soldat
Schwakz, der aus ſeiner Wohnung auf Paſſanten ſchoß
und dann flüchtete, iſt von der Polizei überwältigt
wor=
den, nachdem er noch einen Verfolger, den Küfer Enderli,
erſchoſſen hatte. Schwarz hat ſich ſelbſt durch Schüſſe
ſchwer verletzt. Er tötete insgeſamt ſieben
Perſonen und verletzte mehrere ſchwer.
In einem gegen Amriswil gelegenen Wald hatte
der Verbrecher hinter Bäumen Poſto gefaßt und gegen
ſeine Verfolger, die Feuerwehr von Romanshorn, ein
wohlgezieltes Gewehrfeuer gerichtet, wobei um 5 Uhr ein
weiterer Bürger von Romanshorn, ein Küfer,
totgeſchoſ=
ſen wurde. Erſt als der Wahnſinnige durch Kugeln an
einem Fuß und ſin ein Ohr getroffen wurde, warf er
das Gewehr weg, um zu verſuchen, ſich mit einem der
beiden Revolver, die er bei ſich trug, weiter zu
vertei=
digen. Die Feuerwehr umging nun aber ſeine Stellung.
Schwarz wurde niedergeworfen, gefeſſelt und in die
Ir=
renanſtalt Münſterlingen verbracht. Dort iſt unterdeſſen
einer der in der Nacht vem Freitag auf den Samstag
ſchwer verletzten Italiener geſtorben, ſodaß die Zahl der
Toten, wie bemerkt, nunmehr ſieben, die der Verletzten
ſechs beträgt. Einer von dieſen ſchwebt noch in
Lebens=
gefahr. Schwarz iſt ſchwer verletzt und wird kaum am
Leben bleiben. Bei ſeiner Feſtnahme fand man bei ihm
96 Gewehrpatronen und 140 Revolverpatronen. Durch die
Unterſuchung wurde feſtgeſtellt, daß er durch drei Schüſſe
verletzt worden iſt. Die Menge hätte ihn gelyncht, wenn
ihn die Polizei nicht geſchützt hätte. In Romanshorn
zweifelt man an der geiſtigen Unzurechnungsfähigkeit und
hält Schwarz für einen raffinierten Verbecher. Er hatte
ein großes Munitionslager angelegt und betrieb eifrig
Wilddieberei.
Prag, 1. Sept. Auf einem Kinderſpielplatz
in der Vorſtadt blieben mehrere Kilogramm Zyankali,
die von einem Diebſtahl herrühren dürften, verſtreut
liegen. Die vierjährige Tochter eines Schuhmachers, die
das Pulver für Zucker hielt und naſchte, ſtarb ſofort.
Der Spielplatz wurde polizeilich abgeſperrt. Der Täter
iſt unbekannt.
Mailand, 1. Sept. Im Bahnhof Vaxeſe ſtieß ein
Perſonenzug der elektriſchen Vollbahn und ein
Güterzug zuſammen. Der Zugführer konnte im letzten
Augenblick bremſen. Beide Lokomotiven wurden zerſtört.
Ein elektriſcher Wagen verbrannte. Vier Perſonen
wur=
den mehr oder weniger ſchwer verletzt.
Lucca, 1. Sept. Bei Pontevico fand abends ein Z
u=
ſammenſtoß zwiſchen einem
Straßenbahn=
wagen und einem Automobilomnibus ſtatt,
wobei von den Fahrgäſten des letzteren einer getötet und
fünf verletzt wurden. Wie es heißt, ſoll es ſich um
Aus=
länder handeln.
Paris, 2. Sept. Baron Elimar von Saucken,
ehe=
maliger deutſcher Militärattaché an den Höfen von Wien
und Petersburg, iſt im Alter von 53 Jahren nach kurzer
Krankheit in Paris geſtorben.
London, 1. Sept. Die Ueberſchwemmungen
von Norwich ſind noch unverändert. Man hegt ernſte
Befürchtungen wegen des Geſundheitszuſtandes. Norwich
iſt bekanntlich eine Fabrikſtadt mit 125000 Einwohnern.
Das Hilfskomitee hat mehrere Depots errichtet, wo an die
Bevölkerung Nahrungsmittel verteilt werden. Die
öffent=
lichen Schlafſtellen werden von 20000 Perſonen benutzt.
Die Sammlungen für die Notleidenden haben bisher
10000 Pfund ergeben.
Petersburg, 1 Sept. Bei Ausgrabungen in der Bucht
von Cherſon ſind wertvolle Funde aus dem dritten
Jahrhundert v. Chr. gemacht worden, darunter
Terra=
kottafiguren und goldene Schmuckgegenſtände.
New=York, 1. Sept. Die Union=Regierung hat für
10 Jahre die Jagd auf Seehunde in den
ameri=
kaniſchen Gewäſſern unterſagt. Dieſe Maßregel iſt
er=
folgt wegen der Maſſentötung von Seehunden, da man
befürchtet, daß die Tiere ausſterben werden.
New=York, 2. Sept. Während eines Schauturnens
in Columbus wurden 6000 Kinder und 4000 Erwachſene
von der Hitze übermannt, ſo daß die Veranſtaltung
ab=
gebrochen werden mußte. In Chicago war geſtern mit
40 Grad Celſius der heißeſte Tag des
Som=
mers, während in New=York herbſtliche Kühle herrſcht.
Kongreſſe und Verbandstage.
25. Verbandstag Deutſcher Gebirgs= und
Wandervereine zu Büdingen.
II.
* Büdingen, 31. Aug. Im Rathausſaale
be=
grüßte Verbandsvorſitzender Möckel=Leipzig die
zahlreich erſchienene Verſammlung, insbeſondere den
Ehrenvorſitzenden des Verbandstages, den Fürſten
Wolf=
gang zu Yſenburg und Büdingen, ferner die Vertreter
der Großherzoglichen Regierung und der Stadt
Bü=
dingen. Herr Möckel überbrachte die beſten Wünſche zur
erfolgreichen Tagung, Herr Schulrat Scherer für das
Miniſterium, Abteilung für Schulangelegenheiten, Herr
Forſtmeiſter Bücking für das Miniſterium,
Forſtabteil=
ung, Herr Kreisamtmann Froelich für die
Großherzog=
liche Verwaltungsbehörde und den Kreisausſchuß von
Büdingen, Herr Bürgermeiſter Fendt für die Stadt
Bü=
dingen und Herr Kreisrat Böckmann für den
Geſamt=
verein des V. H. C. und des Feſtausſchuſſes. Dem
Jah=
resbericht des Hauptausſchuſſes iſt zu entnehmen,
daß 3 neue Vereine eingetreten ſind, ſo daß der Verband
zurzeit aus 71 Vereinen mit insgeſamt 2400
Zweigver=
einen und 246000 Mitgliedern beſteht. Vertreten waren
Mitglieder aus 38 Verbandsvereinen. Der Bericht über
das Jugendwandern brachte nur erfreuliche
Mitteil=
ungen. Neben dem Herbergweſen nach Hohenelber Art
ſollen auch Herbergen für alle Arten von Schülern und
in unbeſchränkter Zahl überall erſtrebt werden. 22
Ver=
bandsvereine betreiben Jugendwanderungen mit
Volks=
ſchülern und anderen Jugendlichen. Bezüglich des Wald=
und Wegverbotes wurde, da die Verhältniſſe in den
ein=
zelnen Staaten verſchieden liegen, beſchloſſen, jeder
Ver=
bandsverein ſolle den nötigen Schutz ſelbſt herbeiführen.
Auf Antrag von Geheimrat Profeſſor Dr. Conwentz=
Berlin und Geheimerat Walbe=Darmſtadt wurde
be=
ſchloſſen, daß die Verbandsvereine erneut ihre
Aufmerk=
ſamkeit den Naturſchutzbeſtrebungen zuwenden
ſollten, insbeſondere durch Aufklärung der weiteſten
Kreiſe vermittels geeigneter Vorträge. Infolge des
ſtar=
ken Automobilverkehrs ſollen beſondere Fußwege abſeits
der Landſtraßen, beſonders in Wäldern, angeſtrebt
wer=
den. Als Sitz für den nächſtjährigen Verbandstag
wurde einſtimmig Koburg gewählt.
Nachdem hiermit der geſchäftliche Teil erledigt war,
konnten ſich die Teilnehmer um 8½ Uhr abends zu dem
von der Stadt Büdingen in den feſtlich dekorierten
Räu=
men des Fürſtenhof arrangierten Feſtkommers
ein=
finden. Lange vor der feſtgeſetzten Zeit waren die
Feſt=
ſäle bis auf den letzten Platz beſetzt. Herr Kreisrat
Böck mann hieß die Feſtgäſte im Namen des
Aus=
ſchuſſes herzlich willkommen. In formvollendeter Rede
wies er auf den hohen Wert des Wanderns hin und
be=
tonte, daß bereits Rouſſeau vor 200 Jahren der damals
überkultivierten Welt ſein „Zurück zur Natur!” zurief.
Heute iſt die hohe Bedeutung des Wanderns von allen
Seiten anerkannt, und ſelbſt von hoher und höchſter
Stelle erfährt es die Würdigung, die ihm zukommt.
Kaiſer und Großherzog wiſſen ſich einig mit ihrem Volk,
wenn ſie ihre hohe Protektion beſonders dem Wandern
unter Deutſchlands Jugend angedeihen laſſen. Ihnen
gilt darum nach echter deutſcher Männerſitte das erſte
Hoch. Den begeiſterten Worten des Redners folgte ein
ſchwungvoller Prolog, vorgetragen von Fräulein
Schä=
fer, in dem das Wandern in Gottes herrlicher Natur
ge=
prieſen wurde, gedichtet von Oberamtsrichter Römheld=
Nidda. Den Willkomm der Stadt Büdingen brachte
Bürgermeiſter Fendt den Feſtgäſten dar. Nachdem
verſchiedene Begrüßungstelegramme verleſen waren,
ſandte die Verſammlung ein Huldigungstelegramm an
Kaiſer und Großherzog. Beſonderen Jubel löſten die
Worte des Fürſten Wolfgang zu Yſenburg=
Büdingen aus, der die Feſtgäſte in herzlicher Weiſe
begrüßte. Nach ihm ſprach Pfarrer Löſcher vom
Haupt=
ausſchuß zündende Worte voll Humor und Begeiſterung.
Herr Link=Rudingshain dankte dem Fürſten für das
Intereſſe, das er der Wanderſache und ſveziell dem
dies=
jährigen Wandertage entgegengebracht habe. Herr
Strömfeld vom Schwäbiſchen Albverein feierte in
beredten Worten die deutſche Einigkeit der
Wander=
brüder, die keine politiſchen Grenzen kennt, und Herrn
Derns=Offenbach Toaſt galt den Wanderſchweſtern,
die dem Wandern erſt den rechten Reiz verleihen. Tiefen
Eindruck machten die poeſiedurchwehten Worte des Herrn
Profeſſors Kiſſinger=Darmſtadt. Rede folgte auf
Rede, jede gipfelte in dem Lob auf das herrliche
Wan=
dern, die gaſtliche Aufnahme und die reizende Lage
Büdingens.
Luftfahrt.
sr. Rund um Berlin. Der vom Kaiſerlichen
Automobil=Klub, dem Berliner Verein für Luftſchiffahrt
und dem Kaiſerlichen Aero=Klub unter dem Protektorate
des Prinzen Heinrich von Preußen veranſtaltete
Wett=
flug Rund um Berlin hat am Samstag nachmittag
3½ Uhr auf dem Flugplatz Johannisthal ſeinen Anfang
genommen. Der Flug führt von Johannisthal über
Lindenberg, Flugfeld Schulzendorf, Spandau nach dem
Luftſchiffhafen bei Potsdam. Von dort führt die Strecke
nach Teltow und dann zurück nach dem Flugplatz
Jo=
hannisthal. An den vier Orten Lindenberg, Schulzen=
Nummer 207.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 3. September 1912.
Seite 3.
dorf, Potsdam und Teltow müſſen dort aufgeſtellte
Wendemarken umflogen werden. Trotz des ungünſtigen
Wetters hatte ſich am Nachmittag auf dem Flugplatz
Johannisthal eine große Zuſchauermenge eingefunden,
die die großen Tribünen und die Stehplätze an der
Wald=
ſeite vollſtändig beſetzte. Von den 16 gemeldeten
Flie=
gern erſchienen 11 am Start. Um 3 Uhr 46 Minuten
meldete Charles Boutard als Erſter ſeinen Start an und
ſtieg bald darauf auf ſeiner M.=B.=Taube mit
Oberleut=
nant zur See Schulze als Paſſagier auf. Die übrigen
Flieger folgten in verſchiedenen Abſtänden. Die meiſten
von ihnen wurden vom Pech verfolgt und waren zu
Not=
landungen gezwungen, darunter auch die Favoriten
Hirth und Stiploſchek. Nur drei Flieger haben die Strecke
bis zum Ziel durchflogen. Die beſte Leiſtung vollbrachte
Leutnant a. D. Krueger auf einem Harlan=Apparat, der
die Strecke in 1 Stunde 21 Minuten zurücklegte und als
Erſter wieder in Johannisthal landete. A. Baierlein auf
ſeinem Otto=Zweidecker gebrauchte 1 Stunde 32
Minu=
ten und Referendar Caspar auf Etrich=Rumpler=Taube
2 Stunden 32 Minuten, wobei über eine Stunde auf eine
Notlandung entfiel. Am Sonntag mußte die Strecke
zweimal durchflogen werden.
Von den Samstag ordnungsmäßig gelandeten
Flie=
gern ſind Sonntag früh noch vier in Johannisthal
einge=
troffen. Hirth war Sonntag früh um ½6 Uhr von
Mal=
chow aufgeſtiegen und landete aus 1600 Meter Höhe in
ſchönem Gleitflug in Johannisthal. Seine
Geſamtflug=
zeit iſt 11 Stunden 37 Minuten. Bald nach ihm erſchien
auch der Jeannin=Pilot Krieger, der bei Teltow in
Not=
landung niedergegangen war. Als aber aus Teltow die
Nachricht kam, daß er die Wendemarke unvorſchriftsmäßig
paſſiert hatte, kehrte Krieger ſofort noch einmal um,
um=
flog die Wendemarke richtig und landete dann zum
zwei=
ſten Male in Johannisthal nach einer Flugzeit von 17
Stunden 22 Minuten. Um 7 Uhr 45 Minuten landete
in Johannisthal noch Hartmann auf ſeinem Wright=
Doppeldecker. Seine Geſamtflugzeit beträgt 14
Stun=
den 14 Minuten. Ferner ſtellte ſich noch Faller auf
Avia=
ſtik=Doppeldecker ein, er kommt aber für die
Preisverteil=
ung nicht in Betracht. Sonntag nachmittag war um
3 Uhr der Flugplatz in Johannisthal ſchon wieder ſtark
beſetzt. Es ſtarteten im ganzen 8 Flieger. Stiploſchek,
der geſtern bei Groß=Glienicke auf den Bäumen gelandet
war, und Boutard, der abmontiert hat, ſcheiden
defini=
tiv aus dem Rundfluge aus. Um 3 Uhr 38 Minuten
ſtar=
ſtete E. Krüger als Erſter mit Leutnant Friedrich als
Paſſagier. Die übrigen Flieger folgten in kurzen
Ab=
ſtänden, mit Ausnahme von Karl Mohns, der mit ſeiner
Maſchine nicht hochkommen konnte. E. Krüger hatte ſeine
erſte Runde um 4 Uhr 49 Minuten vollendet und landete
in ſchönem Gleitflug in Johannisthal. Er ſtieg um 5 Uhr
zur zweiten Runde wieder auf. Er vollendete auch dieſe
glücklich und landete um 6 Uhr 17 Minuten in
Johannis=
thal als endgültiger Sieger des zweitägigen
Rund=
fluges. Stürmiſcher Beifall umbrauſte den kühnen
Flie=
ger bei ſeiner Ankunft. Er hat zu den 303 Kilometern,
die in den beiden Tagen zurückzulegen waren, 3 Stunden
45 Minuten gebraucht, iſt alſo unumſtrittener Sieger in
dem Rundflug um Berlin. 4 Minuten ſpäter kandete
Baierlein mit Leutnant von Linſingen um 6 Uhr 21
Mi=
nuten auf dem Flugplatz Johannisthal. Er iſt mit
3 Stunden 54 Minuten Geſamtflugzeit zweiter Sieger.
* Paris 2. Sept. Der franzöſiſche Flieger Hasly,
der mit Frau Davis ſchon einigemal den Kanal überflog,
wird mit Bleriot=Eindecker am 3. September von Paris
nach Berlin fahren und unterwegs in Meziéres und
Göt=
tingen landen.
Sport.
* Darmſtädter Sportklub 1905. Die
Leichtath=
letik=Abteilung beendete mit dem Beſuch der
nationalen olympiſchen Spiele in Höchſt am Main ihre
Saiſon Der Darmſtädter S.=C. 1905 hat die Herren
Ackermann, Kretzſchmar und Merkel nach dort entſandt und
war es dieſen vergönnt, 3 erſte, 1 zweiten und 3 dritte
Preiſe zu erringen. Und zwar Ackermann den 1. Preis im
Kugelſtoßen, den 2. Preis im Steinſtoßen und den 3. Preis
im Diskuswerfen; Kretzſchmar den 1. Preis im 800 Meter=
Laufen, den 3. Preis im 400 Meter=Laufen und im
Speer=
werfen und Merkel den 1. Preis im 1000 Meter=
Vorgabe=
laufen, wobei er als Malmann lief. Die Fußballabteilung
war minder vom Glücke begünſtigt, indem die 1.
Mann=
ſchaft des Darmſtädter S.=C. gegen die gleiche des
Frank=
furter Fußballvereins 2:8 verlor. Die hohe Niederlage iſt
darauf zurückzuführen, daß die Mannſchaft zeitweiſe mit
10 bezw. 9 Mann das Spiel austrug. Die 2. Mannſchaft
gewann in Waldhof mit 210 Toren.
— Radſport. Am Sonntag, den 8. September,
nach=
mittags 3 Uhr, finden die letzten diesjährigen
Radren=
nen auf der hieſigen Radrennbahn ſtatt, die der
Veran=
ſtalter, der Velociped=Klub Darmſtadt, mit einem
beſon=
ders intereſſanten Programm ausgeſtattet hat. Neben je
einem Ermunterungs=, Haupt=, Mehrſitzer=,
Ausſcheid=
ungs= und Motorfahren dürften ein 20=Kilometerrennen
mit Tandemführung, ſowie ein 50=Kilometer=
Mannſchafts=
rennen nach Art des Sechstagerennens, eine ſehr glücklich
gewählte Abwechslung bringen. Das Rennen mit
Tan=
demführung beſonders verheißt ſpannende Kämpfe und
bietet mit den vielen Führungsmannſchaften ein ſehr
leb=
haftes Bild, das an frühere Zeiten erinnert, als es noch
keine Schrittmacher=Motoren gab. Auch das 50=
Kilo=
meter=Mannſchaftsrennen nach Art des Sechstagerennens
iſt geeignet, ſportliche Genüſſe zu bieten. Je zwei Fahrer
bilden eine Mannſchaft, und dieſelben können ſich beliebig
abwechſeln. Das Tempo wird dadurch ein recht ſcharfes
werden, und da naturgemäß jede Mannſchaft verſuchen
wird, die übrigen Teilnehmer zu überrunden, ſo wird
man genau ein Rennen nach der Art des
Sechstageren=
nens beobachten können. Jedenfalls bringt der nächſte
Sonntag das intereſſanteſte Programm, das der
Veloci=
ped=Klub in dieſem Jahre geboten hat. Eine weitere
An=
ziehungskraft gewährt die gelegentlich der Rennen
erfol=
gende Ausloſung eines Rades, das von der Firma Benz
& Co., Grafenſtraße, geſtiftet und zurzeit in deren
Ge=
ſchäftslokal ausgeſtellt iſt.
Parade in Berlin.
* Berlin, 2. Sept. Heute vormittag begann bei
günſtigem Wetter die Parade über das Gardekorps
und das dritte Armeekorps. Der Kaiſer nahm den
Frontrapport entgegen und begann, nachdem beide
Ar=
meekorps präſentiert und drei Hurras ausgebracht hatten,
mit dem Abreiten der Fronten. Mit dem Kaiſer ritten
der Kronprinz, die Prinzen des Königlichen Hauſes, die
Prinzeſſin Viktoria Luiſe in Huſarenuniform, die
Prin=
zeſſin Eitel Friedrich in Dragoneruniform, der
Großher=
zog von Mecklenburg=Schwerin, Prinz Leopold von
Bayern, der Erbprinz von Sachſen=Meiningen, Fürſt zu
Fürſtenberg und die Militärbevollmächtigten, ſowie die
fremdherrlichen Offiziere. Die Kaiſerin folate in
einem offenen ſechsſpännigen Wagen, mit ihr die
an=
weſenden Schweſtern des Kaiſers. In einem weiteren
Wagen die Prinzeſſinnen des Königlichen Hauſes, die
Söhne des Kronprinzen, die Kinder der Prinzeſſin
Friedrich Karl von Heſſen. Der Kaiſer ritt alle drei
Fronten vom rechten Flügel ab, währenddeſſen erſchienen
zwei Lenkballons und eine Fliegertaube über dem
Pa=
radeſeld Zeitweiſe ſetzte ein leichter Regen ein. Um
8 Uhr 5 Minuten begann ein einmaliger Vorbeimarſch
für die Fußtruppen in Regimentskolonnen, der Kavallerie
in Eskadronfronten und der Artillerie in
Abteilungs=
fronten. Den Vorbeimarſch eröffnete die Leib=
Gendar=
merie unter der vertretungsweiſen Führung des Generals
à la suite v. Chelius. Der Kaiſer führte dann, nachdem
das Kadettenkorps defiliert hatte, das erſte
Garde=
regiment zu Fuß, der Erbprinz von Sachſen=Meiningen
ging mit dem Regiment Franz vorüber. Inzwiſchen
ſtiegen Militärflieger aller Syſteme auf, acht zu gleicher
Zeit, und überflogen nochmals den Paradeplatz.
Auf die Gardeinfanterie folgte die des dritten Korps.
Das Leib=Grenadierregiment König Friedrich
Wil=
helm III. (1. Brandenburgiſches) Nr. 8 führte der Kaiſer.
Der Großherzog von Mecklenburg=Schwerin führte fein
Infanterie=Regiment Großherzog Friedrich Franz II.
Mecklenburg=Schwerin (4. Brandenburgiſches) Nr. 24.
Die Kavallerie ritt im Trab. Der Vorbeimarſch endete
um 10 Uhr 45 Minuten. Die großen Tribünen waren
dicht beſetzt. Die hiſtoriſchen Paradeſtraßen vom Schloß
bis zum Paradefeld waren ſchwarz von Menſchenmaſſen,
die den Majeſtäten lebhafte Ovationen darbrachten bei
der Hinfahrt zur Parade, wie bei der Rückkehr. Der Kaiſer
ſetzte ſich nach der Kritik an die Spitze der Feldzeichen und
führte dieſe ins Schloß. Die Fahnenkompagnie ſtellte
das 1. Garde=Regiment zu Fuß. Im kleinen Schloßhof
ſah der Kaiſer das Abbringen der Fahnen. Der Kaiſer
nahm dann, noch immer im Sattel, militäriſche
Meldun=
gen und die Rapporte der Leibregimenter entgegen und
hielt die Beſprechung mit den Schiedsrichtern für das
Kaiſermanöver ab.
Literariſches.
Adolf Bartels, Jeremias Gotthelfs
Leben und Schaffen. Mit einem Bildnis des
Dich=
ters, zwei Abbildungen und einem Briefe als
Hand=
ſchriftprobe. Leipzig, Heſſe u. Becker, Verlag. 1,50 Mk.
Dieſer Sonderdruck aus der Heſſeſchen Ausgabe von
„Gotthelfs ausgewählten Werken” des großen Schweizer
Pfarrers Albert Bitzius Leben, Wirken und Werke
ent=
haltend, hat vor vielen anderen das Recht, ſelbſtändig
aufzutreten. Bartels, der Frieſe, hat zum erſtenmal und
vorbildlich in umfaſſender Gründlichkeit die noch immer
nicht allſeitig anerkannte Größe des Schweizers
gewür=
digt, des erſten Schweizer Dorfgeſchichtenſchreibers nicht
nur, ſondern des erſten, größten und reinſten deutſchen
„Naturaliſten” im beſten Sinne des oft mißbrauchten
Wortes.
Verkehrs=Verein.
V V Eine gut beſuchte Sitzung hielt der Vorſtand
des Verkehrs=Vereins im Reſtaurant Sitte ab.
Zuge=
wählt in den Vorſtand wurden noch die Herren:
Hof=
lieferant Rudolf Reuter, Hauptmann d. L. Schröder und
Architekt K. Schulz. — Auf die Eingabe an die Großh.
Bürgermeiſterei betr. die beſſere Beleuchtung der „Breiten
Allee” wurde mitgeteilt, daß Einrichtung getroffen wurde,
wonach für die Folge ſtets eine über die andere Lampe
bis Tagesanbruch brennt, und dadurch allen Wünſchen
entſprochen iſt. Da die Anbringung einer Uhr an der
Außenſeite des Verkehrsbureaus, die von vielen Seiten
ge=
wünſcht worden war, aus grchitektoniſchen Gründen nicht
gut durchführbar iſt, hat ſich das betreffende
Vorſtands=
mitglied bereit erklärt, die für das Verkehrsbureau
zuge=
ſagte Stiftung einer Normaluhr auf das Haus der
Hoch=
zone in der Nieder=Ramſtädter Straße zu übertragen.
Dieſe Bereitwilligkeit wurde von allen Seiten, beſonders
aber auch von dem anweſenden Vorſitzenden des
Bezirks=
vereins „Süd=Oſt” freudigſt begrüßt. Auf wiederholtes
Eintreten des Verkehrsvereins hat die
Straßenbahnver=
waltung zu den Frühzügen ab 6.38, 6.43 und 6.46 Uhr
Wagen eingelegt. Dieſe Wagen verkehren ab
Böllen=
falltor 6.14, ab Herdweg 6.20, ab Landskronſtraße 6.14,
ab Taunusſtraße 6.20 und kommen 6.34 Uhr am
Haupt=
bahnhof an und wurde dadurch vielen berechtigten
Wün=
ſchen entſprochen. Als ſehr wünſchenswert wurde die
Anbringung von Schildern mit dem Hinweis auf die
Zonengrenze der Straßenbahnlinien bezeichnet, ebenſo
würde die Wiedereinführung der Block= oder Knipskarten
ſehr begrüßt werden. Weiter ſollen Schritte getan
wer=
den, daß an Kreuzungsſtellen der Straßenbahn
Ruhe=
bänke aufgeſtellt und ein Fahrplan der elektriſchen Bahn
angebracht würde. Wegen raſcherer Auslieferung des
Reiſegepäcks wurde man bei dem Bahnhofsvorſtande
vorſtellig.
Sehr vermißt wurde ſchon wiederholt am hieſigen
Oſtbahnhof ein Hebekrahn zum Entladen von ſchweren
Gütern. Zu vielerlei Beanſtandungen hat der Umſtand
geführt, daß die Peiſe der Fahrkarten ab Darmſtadt
Nord nicht den richtigen Verhältniſſen entſprechen, öfters
ſogar höher ſind, als die gleiche Fahrkarte ab
Hauptbahn=
hof. Zur Beſeitigung dieſer und anderer ſich gezeigten
Mißſtände werden geeignet erſcheinende Schritte
einge=
leitet. Eine anregende Debatte rief eine in hieſigen und
auswärtigen Blättern erſchienene Notiz über die
angeb=
liche Bevölkerungsabnahme unſerer Stadt, die ja
inzwi=
ſchen ſchon von dem Herrn Oberbürgermeiſter widerlegt
wurde, hervor. Es kam hierbei zum Ausdruck, daß
Staat und Stadt alles tun müßten, daß durch äußerſte
Sparſamkeit eine Steuererhöhung vermieden würde. Nur
dann könnte der Zuzug von auswärts mehr gefördert
werden und unſere Stadt einer Konkurrenz mit anderen
Städten beſſer Stand halten. Die von dem
Verkehrs=
verband für den vorderen Odenwald herausgegebenen
Neklamemarken lagen vor und empfahl der Vorſitzende
die weiteſte Verbreitung derſelben. Wiederholt ſchon
wurde die Herausgabe einer Reklamepoſtkarte, die auf der
Vorderſeite in gedrängter Form auf alles Sehens= und
Wiſſenswerte unſerer Stadt aufmerkſam macht, angeregt.
Es ſoll nun eine derartige Karte beſchafft und an die
Mit=
glieder zur weiteſten Verbreitung umſonſt abgegeben
wer=
den. Der beabſichtigten Reform des Arbeitsnachweiſes
ſteht der Verkehrs=Verein, wenn auch nicht zu ſeinen
Be=
ſtrebungen zählend, ſympathiſch gegenüber und hat einen
Herrn des Vorſtandes zu den weiteren Verhandlungen
delegiert. Bei Beſprechung dines Eingeſandts wegen
Herſtellung einer beſſeren Abendverbindung Darmſtadt=
Pfungſtadt, um den dortigen Bewohnern den Beſuch des
Hoftheaters zu ermöglichen, entſtand eine allgemeine
De=
batte über das Hoftheater. Hierbei wurde dem Aufruf
des Herrn Oberbürgermeiſters voll und ganz zugeſtimmt.
Sehr begrüßt wurde es, daß nunmehr auch die ſchon längſt
gewünſchten Sonntagnachmittagsvorſtellungen kommen
ſollen. Im weiteren wurde darauf hingewieſen, daß es
im Interſſe des Heftheaters liegen würde, wenn während
der Spielzeit demſelben Konkurrenten, z. B. große reiſende
Zirkus=Unternehmungen, ferngehalten würden, wie dies
auch in anderen Städten der Fall iſt. Dieſe
Unterneh=
mungen ſollten nur während des Sommers zugelaſſen
werden und wird der Verkehrs=Verein dieſe Beſtrebungen
unterſtützen. Die in einer hieſigen Buchhandlung
er=
ichenene Broſchüre „Die wunderherrliche Bergſtraße‟
iſt in den hieſigen Blätter ſchon derart kritiſiert worden,
daß es ſich der Vorſtand verſagen konnte, näher darauf
einzugehen. Lebhafte Klage wurde wiederum über die
Zuſtände in der Ludwigsſtraße geführt. Durch die
Ein=
ziehung des Schutzmannspoſtens an der Ecke Marktplatz=
Ludwigsſtraße ſeien dort Zuſtände geſchaffen, die auf die
Dauer unhaltbar ſind. Auch die Sauberkeit dieſer ohne
Aufſicht bleibenden Straße laſſe ſehr viel zu wünſchen übrig
Es ſollen wiederholt Schritte getan werden wegen dieſer
Mißſtände. Schließlich teilte der Vorſitzende noch mit,
daß für die „Eugen=Bracht=Ausſtellung” für die
Mitglie=
der des Vereins Eintrittskarten zum ermäßigten Preiſe
im Verkehrsburau zu haben ſeien. Bei genügender
Be=
teiligung würden ſolche evtl. auch für die Ausſtellung
„Der Menſch” aufgelegt werden. Die äußerſt anregend
verlaufene Sitzung fand erſt gegen 12 Uhr ihr Ende.
Darmſtadt, 3. September.
D Vom Hoftheater. Die Umwandlung der
Fremdenlogen die das Intereſſe aller
kunſtfreund=
lichen Kreiſe in ſo hohem Maße erregt hat, wurde durch
verhältnismäßig ſehr einfache Mittel in kaum acht Tagen
erreicht. Während auf der Bühne bereits (um durch das
Klopfen nicht geſtört zu werden, bei herabgelaſſenem
eiſernen Vorhang) probiert wurde, war das Hochbauamt
rüſtig am Werk. Zwiſchenwände wurden aufgeſtellt,
Vor=
hänge gezogen und der Sehwinkel für jeden einzelnen
Zuſchauer ausprobiert. So gelang es, aus den
Fremden=
logen ſechs vortreffliche Mittellogen zu
ſchaf=
fen, deren Plätze mit die beſten des Hauſes ſind und die
ſich zweifellos beim Publikum beſonderer Beliebtheit
er=
freuen werden.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 2. Sept Während der heutigen Parade
wurden vor der Berliner Bockbrauerei 3 Perſonen von
einem durchgehenden Geſpann überfahren und
verletzt.
* Berlin, 2. Sept. In dem vor dem Landgericht III.
begonnenen Prozeß gegen den Kaſſenboten
Haaſe von der American Expreß Company erklärte
Rechtsanwalt Davidſohn, es ſei unrichtig, daß die Mutter
Haaſes von dem flüchtigen Rechtsanwalt Bredereck die
Be=
lohnung von 4000 Mark erhalten habe. Die Frau erhielt
von Bredereck nur 1000 Mark, 2000 Mark gab ihr
Brede=
reck in Wechſeln auf ſeine Perſon und 1000 Mark behielt er.
* Berlin, 2. Sept. In dem Pro=eß Haaſe
er=
kannte das Gericht gegen Haaſe auf 2 Jahre Gefängnis,
gegen Thomas wegen Anſtiftung und Hehlerei auf 5 Jahre
Gefängn’s und 5 Jahre Ehrverluſt, gegen Förſter wegen
Begünſtigung auf 6 Wochen Gefängnis.
* Frankfurt, 2. Sept. Heute nachmittag gegen
½3 Uhr geriet in dem Hauſe, Kaiſerſtraße 49, bei
Repara=
turarbeiten ein Lehrling in einen Aufzug, wobei ihm
der Kopf zerquetſcht wurde. Der Tod trat auf der
Stelle ein.
* Ems. 2. Sept. Als der Gendarm Bechſtein
gegen eine Anzahl die Ruhe ſtörender Burſchen vorging,
bedrohten ihn dieſe mit Meſſern. In Notwehr erſchoß
Bechſtein den Bergmann Kühchen aus Cadenbach Vater
von acht Kindern. Mehrere Angreifer wurden leicht
ver=
letzt.
* Werden (Ruhr), 2. Sept. Von den bei dem
Stra=
ßenbahnunglück auf der Werdener Kirmes verletzten neun
Perſonen ſind zwei Knaben im Alter von 9 und 13 Jahren
heute nacht im Krankenhauſe geſtorben. Von den
ande=
ren Verletzten ſchwebt noch einer in Lebensgefahr.
* Freienwalde, 2. Sept. Freifrau von
Eckardt=
ſtein die auf dem Rittergut Proetzel durch einen
Schuß ſchwer verletzt wurde, iſt gleich nach der Operation
geſtorben.
* Los Angeles, 2. Sept. Der Chefingenieur des
Pa=
namakanals erklärte in einem Schreiben an das
Ha=
fenamt, der Kanal werde noch im Jahre 1913 fertiggeſtellt
ſein.
* London, 2. Sept. Nach einer Blättermeldung aus
Waſhington erhielt das Staatsdepartement von dem
Geſandten in Mexiko Wilſon ein Telegramm, in dem
ge=
meldet wird, daß 2000 Amerikaner in Kanea von
Re=
bellen eingeſchloſſen ſind. Die Einnahme der
Stadt ſei bevorſtehend und ein Gemetzel zu befürchten.
Wilſon drängt das Staatsdepartement, von der
mexika=
niſchen Regierung die ſchleunige Entſendung von Truppen
zur Befreiung der Amerikaner zu verlangen.
HB Halle a. S., 2. Sept. Im Städtiſchen
Elektrizi=
tätswerk verunglückten infolge einer Exploſion drei
Arbeiter. Sie wurden mit ſchweren Brandwunden ins
Krankenhaus gebracht, wo ſie hoffnungslos
danieder=
liegen.
HB Plauen i. V., 2. Sept. Der 13jährige Sohn
des Gaſtwirtes Prautzſch hat ſich, wie die Neue
Vogt=
ländiſche Zeitung meldet, weil er 5 Mark veruntreut hatte,
am Sonntag abend in der Nähe des Bahnhofes von
einem Zuge überfahren laſſen. Der Knabe
wurde auf der Stelle getötet.
H.B. Stuttgart, 2. Sept. Auf der
ſozialdemo=
kratiſchen Landesverſammlung, die am
Samstag und Sonntag in Heilbronn ſtattfand und
zu der aus Berlin die Mitglieder des Zentralvorſtandes
der Partei Ebert und Braun delegiert waren, kam es
zwiſchen dem Führer der Reviſioniſten im Reichstage,
Hildenbrand, und dem Führer der Radikalen,
Weſt=
meyer, zu einem heftigen Zuſammenſtoß. Den
Höhepunkt erreichte der Tumult, als der Reviſioniſt
Heimann bei der Begründung einer Reſolution, in der
Weſtmeyer wegen ſeiner verhetzenden Tätigkeit die
Fähig=
keit zur Bekleidung von Ehrenämtern in der Partei
aberkannt wird, mit Schimpfworten, wie Lump, Strolch,
Lügner und dergleichen belegt und durch einen
andauern=
den Skandal am Sprechen verhindert wurde. Die
revi=
ſioniſtiſche Mehrheit nahm die Reſolution mit großer
Majorität an, was mit ſtürmiſchen Pfuirufen auf Seiten
der Radikalen beantwortet wurde. Die Wahl des
Landes=
vorſtandes ergab am Schluß einen großen Sieg der
Reviſioniſten mit 300 Stimmen über die Radikalen
mit 80 Stimmen.
H. B. London, 2. Sept. Daily Telegraph berichtet
aus San Sebaſtian: Der älteſte der Gebrüder
Mannesmann iſt hier eingetroffen, um ſich mit Gan=
Seite O.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 3. September 1912.
Nummer 207.
darias, Vorſtzender des Vewaltungsrats für das
Riſ=
gebiet, zu unterhalten. Mannesmann erhebt Anſpruch
auf einen Teil der Gruben des Riffgebietes und zwar
auf Grund einer ihm von Abdul Aſis erteilten
Konzeſ=
ſion. Es wäre möglich, daß nun ein Kompromiß
abge=
ſchloſſen wird. Mannesmann iſt ein Kompagnon des
Herzogs von Towar und anderer Spanier, die an den
Riffminen ſtark intereſſiert ſind. Er beabſichtigt, wie
ver=
lautet, ſofort nach Unterzeichnung des franco=ſpaniſchen
Abkommens die Grubenausbeutung in der Gegend von
Alhuzemas in die Wege zu leiten.
H. B. Kopenhagen, 2. Sept. Der bereits vermißte
Dampfer „Kursk” der Vereinigten
Dampfſchiff=
fahrts=Geſellſchaft iſt auf dem Wege von Antwerpen nach
Petersburg während des Sturmes in der Nacht vom
vergangenen Dienstag mit der geſamten 23 Mann
ſtar=
ken Beſatzung untergegangen.
Briefkaſten.
F. St. Wenden Sie ſich doch direkt an den
betref=
fenden Arzt. Wir müſſen doch auch erſt bei dieſem
an=
fragen.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Unter dem Einfluß gleichmäßig verteilten niederen
Druckes haben wir heute morgen in Deutſchland wolkiges
Wetter bei leichten Winden aus wechſelnden Richtungen.
Niederſchläge melden die meiſten mitteleuropäiſchen
Sta=
tionen. Die Temperaturen liegen bei 12 Grad. Ueber
Deutſchland fällt der Druck, während er von England her
ſteigt. Wir haben daher vorläufig noch mit wolkigem,
regneriſchem Wetter zu rechnen.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, 3. September:
Wolkig, ſtrichweiſe Regenſchauer, Temperatur wenig
ver=
ändert, ſpäter leicht aufheiternd.
Keine schlaflosen Nächte
in der Zahnzeit des Kindes wird die
Mutter durchmachen, die ihm vor und
während dieſer Zeit Scotts Emulſion
gibt. Tauſende von Müttern beſtätigen,
daß Scotts Emulſion ihren Kleinen
während des Zahnens ein Segen
ge=
weſen iſt u. ihnen zu ſtarken, geſunden
Zähnchen verholfen hat. Die große
Vorliebe der lieben Kleinen für Scotts
Emulſion iſt bekannt, leider weniger die
Tatſache, daß das Präparat im
Som=
mer ebenſo ſchmeckt und ebenſo gut
be=
kommt wie zu jeder anderen Jahreszeit.
Scotts Emulſion iſt und bleibt auch
im Sommer das beſte Kinder=
Kräftigungsmittel.
Beſtandteile: Feinſter Medizinal=Lebertran 150.0, prima
Glyzerin 50,0, unterphosphorigſaurer Kalk 4,3,
unterphosphorig=
ſaures Natron 2,0, pulv Tragant 3,0 feinſter arab. Gummi
pulv. 2,0, Waſſer 129,0 Alkohol 11,0. Hierzu aromatiſche
Emulſion mit Zimt=, Mandel= und Gaultheriaöl je 2 Tropfen.
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Porto für die Rückſendung beigefügt! Beachten Sie die
(18414
heutige Beilage.
Die Petroleum=Lampe iſt mit den länger werdenden
Abenden wieder in ihre Rechte getreten. Bei den
vielen Unglücksfällen, welche durch Exploſionen von
Petroleum=Lampen oder durch Umfallen reſp.
Zertrüm=
mern brennender Lampen hervorgerufen werden,
recht=
fertigt ſich wohl ein beſonderer Hinweis auf das ſeit
ca. 30 Jahren im Handel befindliche nicht explodierbare
Petroleum. Während das gewöhnliche Petroleum einen
Entflammungspunkt von ca. 21‟ C. hat, liegt derſelbe
beim Kaiſeroel laut Atteſte erſter Autoritäten bei über
50% C. Auch eignet ſich dasſelbe zur Speiſung von
Petroleum=Oefen und Petroleum=
Koch=
maſchinen.
ie Ziehung der 1. Alsſelder Geldlotterie zum
Beſten der Wiederherſtellung des Rathauſes und der
Walpurgiskirche findet in einigen Tagen ſtatt. Es
kommen 3333 Geldgewinne zur Auszahlung, darunter
Haupttreffer mit 20000 und 5000 Mk. ꝛc. Das Los
koſtet 1 Mk. und da die Nachfrage nach den Loſen ſehr
ſtark iſt und die Ziehung beſtimmt zu den feſtgeſetzten
Termine ſtattfindet, ſo eile man in die bekannten
Los=
verkaufsſtellen oder beſtelle direkt bei dem Generaldebit
Lotteriebank G. m. b. H. Eiſenach.
Tagestiltnder.
Beginn der Proben des Evang.
Kirchengeſang=
vereins für die Stadtkirche um 8 Uhr Kiesſtraße 17.
Bibliſcher Vortrag um 8½ Uhr im 2elt vor der
Lindenhofſtraße (Thema: „Das tauſendjährige Reich”)
Konzerte: Bürgerkeller um 8 Uhr. — „Perkeo” um
8 Uhr.
Familiennachrichten.
Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten
die ſchmerzliche Mitteilung, daß es Gott dem
Allmächtigen gefallen hat, unſer einziges,
innigſtgeliebtes, gutes Kind, Neffe und Enkel
Georachen
im 6. Lebensjahre nach kurzem, ſchwerem
Lei=
den heute morgen 8¾ Uhr zu ſich in ein beſſeres
(18364
Jenſeits abzurufen.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Kreisstraßenmeister Ludwig Plöser
und Frau.
Groß=Gerau, Pfungſtadt und Gießen,
den 1. September 1912.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 3. d. M.,
nachmittags 4¼ Uhr, vom Eliſabethenſtift in
Darmſtadt aus, auf dem Darmſtädter
Fried=
hofe ſtatt.
Die Einſegnung findet ½ Stunde vorher, um
4 Uhr, in der Stiftskapelle ſtatt.
Statt jeder beſonderen Anzeige.
Geſtern nacht entſchlief ſanft nach langem,
ſchwerem, mit Geduld ertragenem Leiden meine
liebe, unvergeßliche Schweſter
(*5095
Frau Bürgermeister
Marie Berck Wwe.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Lina Götz Wwe.
Darmſtadt, den 2. September 1912.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 4. Sept.,
nachmittags 2 Uhr, vom Portale des
Fried=
hofes aus, ſtatt.
Dankſagung.
Herzlichen Dank für die Anteilnahme beim
Hinſcheiden unſerer lieben Mutter, Schwieger=
(18403
mutter und Großmutter
Frau Katharina Roth
ſagen
geb. Jacoby
die trauernden Hinterbliebenen:
Ludwig Roth,
Familie Leißler,
Familie Roßmann.
Darmſtadt, den 2. September 1912.
Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 4. September.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 11 Uhr
Rundeturmſtraße 16.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 3 Uhr in
der „Ludwigshalle‟.
Bierflaſchen=Verſteigerung um 6 Uhr
Die=
burgerſtraße 96.
Obſt=Verſteiger un g um 11 Uhr zu Forſthaus
Kühkopf.
Deuck und Beriagt 4. 6. Wiliſe Hoſtuchtunchert.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilaßen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
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Nummer 207.
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die Mutter lange und ernſt an. Was lag in dem Blick?
Sie mußte den ihren davor ſenken, und als ſie ihn aufhob,
war der Platz, an dem Joachim geſtanden hatte leer. Er
hatte die Veranda verlaſſen.
Wie eine plötzliche Schwäche überfiel es Frau von
Leerſen. Sie ſchlug die Hände vor das Geſicht und
ſtöhnte leiſe auf. Joachim wußte es gar nicht, wie tief
er ihr Herz und — ihren Stolz getroffen hatte.
Eine große Unruhe überfiel ſie mit einemmal. War
ſie zu ſchroff geweſen, hätte ſie ihn zarter anfaſſen ſollen?
Er war aus anderem Holz geſchnitzt, als Karl Auguſt.
Er war ſenſibel und empfindlich, daran hätte ſie denken
müſſen! Nein, nicht doch. Sie hatte recht gehandelt,
ge=
rade durch ihre Strenge würde ſie ihn zur Räſon bringen.
Wie gut, daß Karl Auguſt jetzt da war! Der ſollte ihr
da=
bei helfen!
Sie klingelte heftig.
Mein Sohn, der Herr Oberleutnant, ſoll kommen,
herrſchte ſie den Diener an.
Karl Auguſt kam, kam überraſchend ſchnell, als habe
er nur auf dieſen mütterlichen Ruf gewartet.
Etwas befremdet ſah ihm Frau von Leerſen entgegen.
Er ſah ſo derangiert aus, war ſo eigentümlich. Das
ſonſt ſo tadellos friſierte Haar lag ihm wirr auf der Stirn,
die Litewka ſtand offen.
Karl Auguſt aber ſah die Erregung in den Zügen der
Mutter und ſein vorher ſchon bleiches Geſicht ward noch
fahler.
So iſt es alſo wahr, Mutter, ſtieß er hervor. Geſtern
im Klub hörte ich es. Es traf mich wie ein Blitz aus
heieren Hiumet Keht Aage hede ih Pente Lacßt
ge=
ſchloſſen.
Frau von Leerſen aber ſenkte wie unter einem
Schlage, den ſie erhalten, den Kopf. Alſo ſtadtbekannt
war der Skandal ſchon — vielleicht hatte Joachim ihr nicht
einemal alles geſagt.
Mutter, nur mühſam brachte Karl Auguſt die Worte
über die Lippen, hat denn Papa alles verloren?
Ver=
waltet denn Bankier Silbergleit unſer ganzes Vermögen?
Frau von Leerſen hob den Kopf. Wie? Was ſollte
das heißen? Silbergleit — Vermögen —? Sie verſtand
gar nicht, was Karl Auguſt wollte. Was hatte das mit
Joachim zu tun? Karl Auguſt ſprach von Geldſachen? Was
meinte er eigentlich?
Der fürſtliche Hof ſoll den größten Teil ſeines
Pri=
vatvermögens bei dem Zuſammenbruch Silbergleits
ver=
lieren. Unglaubliche Gerüchte gehen durch die Stadt.
Die=
ſer verfluchte Jude! Ich konnte es nie begreifen, daß
Papa dieſem Menſchen ſo zugetan war, ihn förmlich
hofierte. Von jeher hatte ich eine Averſion gegen den
Kerl. Aber ſo ſprich doch nur, rede, ſage mir etwas! Du
weißt ja gar nichts, was für mich dabei auf dem Spiele
ſteht. Ich ſehe es Dir doch an, Du weißt Näheres.
Frau von Leerſen aber faßte, wie nach Halt ſuchend,
nach dem Arm ihres Sohnes. Der Boden begann unter
ihr zu ſchwanken. Wenn es wirklich wahr wäre, was
Karl Auguſt da geſagt hatte, dann — es war nicht
auszu=
denken, das Entſetzliche. Die Szene mit Joachim war
von ihr vergeſſen. Wie ein Blitz durchflammte ſie der
eine Gedanke — darum hatte man ihren Gatten ins
Schloß gerufen! Er wußte bereits darum!
Nichts, nichts, gar nichts weiß ich, ſtammelte ſie mit
bleichen Lippen. Sage, erzähle mir alles, alles was Du
gehört haſt, Karl Auguſt!
Und Karl Auguſt erzählte, ſich überſtürzend, haſtend
eine lange verworrene Geſchichte von Spekulationen,
Defraudation, Unterſchlagungen und furchtbaren
Schwin=
delmanövern, die Silbergleit ſeit Jahren begangen hätte.
Durch den Sturz einer Berliner Bank ſei alles zutage
ge=
kommen. Nun ſei er fort, wohin, wiſſe kein Menſch. Wie
ein Lauffeuer ſei geſtern in ſpäter Abendſtunde die
Nach=
richt von ſeiner Flucht durch die Stadt geeilt, überall
Aufregung und Schrecken verbreitend, denn Silbergleit
hatte als Bankier des Fürſten das Vextrauen aller Kreiſe
beſeſſen. In ſpäter Nachtſtunde hatten Hunderte von
Menſchen vor dem geſchloſſenen Hauſe Silbergleits
geſtan=
den und Flüche und Drohungen hatte die Menge
ausge=
ſtoßen. Im Klub habe auch eine ſchauderhaft deprimierte
Stimmung geherrſcht. Keiner habe dem andern zeigen
wollen, daß auch er mit zu jenen gehörte, die
gebrand=
ſchatzt worden waren. Ihn ſelbſt habe eine ſcheußliche
Angſt befallen, die er verſucht habe, in Wein zu vergeſſen.
Erſt gegen Morgen ſei er heimgekehrt. Ihm ſei ganz
mies und elend zumute. Ordentlich gefiebert hätte er
danach, Gewißheit zu haben, ob tatſächlich auch ſie von
dem Unheil mitbetroffen ſeien. Du warſt ſo beſtürzt,
er=
regt, als ich eintrat, Mama. Selbſtverſtändlich nahm ich
da an, Du ſeieſt orientiert.
Nein, nein, ich war nicht orientiert! Nichts, gar nichts
wußte ich! Aber, wenn das wahr iſt, was Du ſagſt —
dann — dann —, die zuckenden Lippen vermochten die
Worte nicht zu formen, hätten wir alles verloren und
wären — bettelarm!
(Fortſetzung folgt.)
Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.
„§ 103.
Diensiag, 3. Septenber.
1912.
Bekanntmachung.
Unter Hinweis auf das im Regierungsblatt Nr. 28 abgedruckte Geſetz vom
17. Juli d. Js. über die Abänderung des Urkundenſtempelgeſetzes und auf die im
Regierungsblatt Nr. 29 veröffentlichte Bekanntmachung dazu vom gleichen Tage,
welche am 15. Juli d. Js. in Kraft getreten ſind, bringen wir die nachſtehend
abge=
druckten Beſtimmungen, die für das Publikum von erheblichem Intereſſe ſind, zur
allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 21. Auguſt 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Werner.
Geſetz
die Abänderung des Geſetzes über den Urkundenſtempel vom 12. Auguſt 1899
in der Faſſung der Bekanntmachung vom 24, März 1910 betreffend.
Vom 17. Juli 1912.
Artikel 1.
Der Tarif zum Geſetz über den Urkundenſtempel vom 12. Auguſt 1899 in der
Faſſung der Bekanntmachung vom 24. März 1910 wird dahin geändert:
7) Zwiſchen Tarifnummer 43 und 44 werden als Tarifnummern 43a, b und e eingefügt:
43a. Jagdpacht.
Jagdpachtverſteigerungen, ſowie ſonſtige Verträge über die Verpachtung
der Lagd auf im Großherzogtum gelegenen Grundſtücken
6 Mark
von jedem angefangenen 100 Mark des nach der Dauer eines Jahres zu
be=
rechnenden Pachtzinſes.
Bei Verträgen, die zur Zeit des Inkrafttretens dieſer Vorſchriften bereits
abgeſchloſſen ſind, iſt der Stempel nach Maßgabe der in vollen Pachtjahren
beſtehenden Reſtpachtzeit zu entrichten.
Verträge, die ein Grundeigentümer mit einer Gemeinde zwecks
gemein=
ſamer Verpachtung abſchließt oder die eine Ueberlaſſung von
Eigentums=
jagden an die Gemeinden zu Weiterverpachtung bezwecken, ſind ſtemweifrei.
Vereinbarungen über die Erlaubnis zum Abſchuſſe jagdbarer Tiere auf
im Großherzogtum gelegenen Grundſtücken gegen Entgelt ſtehen den
Jagd=
pachtverträgen gleich mit der Maßgabe, daß das innerhalb des laufenden
Kalenderjahres zu zahlende Entgelt an die Stelle des nach der Dauer eines
Jahres zu berechnenden Pachtzinſes tritt. Sie unterliegen indeſſen einem
Mindeſtſtempel von jährlich
15 Mark.
Die Abgabe iſt auch dann zu entrichten, wenn die im Artikel 1 dieſes
Ge=
ſetzes bezeichneten Vorausſetzungen der Stempelpflicht nicht vorliegen.
Der Stempel iſt vorbehältlich der Beſtimmung des Artikels 12 dieſes
Ge=
ſetzes über die Haftung für die Stempelabgabe von dem Pächter zu entrichten.
Zuſatzbeſtimmungen:
1. Die Miniſterien des Innern und der Finanzen beſtimmen, welche
Be=
hörden den Stempel anzuſetzen und zu erheben haben, und können anordnen,
daß die vereinnahmten Beträge nicht in Stempelmarken zu verwenden ſind.
2. Der Verpächter iſt verpflichtet, der mit der Feſtſetzung des Stempels
beauftragten Behörde bei Meidung der in Artikel 31 dieſes Geſetzes
ange=
drohten Strafen binnen 14 Tagen von allen der Stempelpflicht
unterliegen=
den Vereinbarungen Kenntnis zu geben. Auf Staats= und Kommunalbeamte
findet Artikel 30 dieſes Geſetzes Anwendung.,
3. Die Abgabe iſt zu Beginn eines jeden Pachtjahres zu entrichten. Die
Vorauszahlung der Abgabe auf einen über ein Jahr hinausgehenden
Zeit=
raum iſt zuläſſig.
4. Auf die Verlängerung von Verträgen findet Artikel 4 Abſatz 4 dieſes
Geſetzes auch dann Anwendung, wenn ſie mündlich erfolgt.
43b. Jagdgenoſſenſchaften.
1. Genehmigung des Miniſteriums des Innern zur Bildung von
Jagd=
genoſſenſchaften nach Artikel 1 Abſ. 1 des Geſetzes, die Bildung von
Jagd=
genoſſenſchaften betreffend, vom 19. Auguſt 1893; bei einer Zahl bis zu
10 Mark,
5 Mitgliedern der Genoſſenſchaft
für jedes weitere nicht als Erſatzteilhaber neu eintretende Mitglied 5 Mark.
2. Genehmigung des Kreisamtes zur Einſtellung eines Erſatzteilhabers für
ein ausſcheidendes Mitglied der Jagdgenoſſenſchaft nach Artikel 1 Abſatz 2
5 Mark.
des in Ziſſer 1 erwähnten Geſetzes
43c. Jagdſchutz.
Beſcheinigung des Kreisamtes über die auf Antrag des Jagdberechtigten
erfolgte Verpflichtung von Jagdſchützen
5 Mark.
9) Zwiſchen Tarifnummer 47 und 48 wird als Tarifnummer 47a eingefügt:
*47a. Kraftfahrzeuge.
1. a) Erteilung des Führerſcheins (§ 14 Abſatz 1 bis 3 der Verordnung des
Bundesrats vom 3. Februar 1910 (R.=G.=Bl. Nr. 5)
5 Mark,
b) Verſagung desſelben
3 Mark.
2. Erteilung
a) der Zulaſſungsbeſcheinigung (§ 6 der Bundesrats=Verordnung)
bei Kraſtwagen
5 Mark,
bei Krafträdern
2 Mark.
b) der Beſcheinigung über die Zulaſſung zur Veranſtaltung von
Probe=
fahrten (§ 31 der Bundesrats=Verordnung)
bei Kraftwagen . . .
10 Mark,
bei Krafträdern
4 Mark.
3. Erteilung der Typenbeſcheinigung (§ 5 Abſatz 3 der Bundesrats=Verordnung)
bei Kraftwagen . .
30 Mark,
. 10 Mark.
bei Krafträdern .
4. Zulaſſung zur gewerbsmäßigen Ausbildung von Führern (Anl. B Ziffer I,
4 zu § 14 Abſatz 4 der Bundesrats=Verordnung‟
von Kraftwagen
. 25 Mark.
von Krafträdern
10 Mark.
10) Zwiſchen Tarifnummer 63 und 64 wird als Tarifnummer 63a eingeſchaltet:
63a. Saiſonarbeiter.
Ausländiſche Saiſonarbeiter haben ſpäteſtens am zehnten Tage nach
Antritt der Arbeit für eine auf den Reſt des Kalenderjahres zu löſende
Steuerkarte zu entrichten:
bei nicht mehr als 3 Mark Tagesverdienſt
„ 6 Mark,
bei mehr als 3 Mark Tagesverdienſt
.. . 10 Mark.
Wird die Steuerkarte in der Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember eines
Jahres gelöſt, ſo beträgt die Abgabe die Hälfte.
Von dem erhobenen Stempel iſt ein Drittel an die Gemeinde abzuliefern,
in der ſich der Abgabepflichtige zur Zeit der Löſung der Steuerkarte aufhielt.
Für die Zeit, auf die die Steuerkarte lautet, iſt der Inhaber der Karte
nicht zur Einkommenſteuer zu veranlagen.
13) Zwiſchen Tarifnummer 82 und 83 wird als Tarifnummer 82a eingeſchaltet:
82a. Verſicherungsverträge (Verſicherungsſcheine, Polize).
1. Lebensverſicherungsverträge einſchließlich der Verſicherungsverträge auf
den Lebensfall (Alters=, Witwen=, Ausſteuer, Militärdienſt= und ähnliche
Verſicherungen), ſofern die Verſicherung bei einem
Verſicherungsunter=
nehmen mit dem Sitze in Heſſen erfolgt oder ſich auf in Heſſen
wohn=
hafte Perſonen bezieht, ein einmaliger Betrag von 5 Pfennigen von jedem
angefangenen 100 Mark der Verſicherungsſumme.
Verſicherungsverträge bei denen die Verſicherungsſumme den Betrag
von 3000 Mark nicht überſteigt, ſind ſtempelfrei.
2. Rentenverſicherungsverträge, ſofern die Verſicherung bei einem
Verſicherungs=
unternehmen mit dem Sitze in Heſſen erfolgt oder ſich auf in Heſſn
wohnhafte Perſonen bezieht, ein einmaliger Betrag von . . 5 Pfennigen
von jedem angefangenen 100 Mark des Kaufpreiſes der Rente und in
Ermangelung eines ſolchen des zehnfachen Betrages der Rente.
Verſicherungsverträge, bei denen der Kaufpreis der Rente oder in
deſſen Ermangelung der zehnfache Betrag derſelben den Betrag von
300 Mark nicht überſteigt, ſind ſtempelfrei.
3. Feuerverſicherungsverträge über in Heſſen befindliche Mobilien 1 Pfennig
für jedes Jahr der Verſicherungsdauer und von jedem angefangenen
100 Mark der Verſicherungsſumme.
Verſicherungsverträge, bei denen die Verſicherungsſumme den Betrag
von 3000 Mark nicht überſteigt, ſind ſtempelfrei.
4. Haftpflicht, Unfallverſicherungs= und ſonſtige nicht bereits unter Ziffer 1,
2 oder 3 fallende Verſicherungsverträge, ſofern die Verſicherung bei einem
Verſicherungsunternehmen mit dem Sitze in Heſſen erfolgt oder ſich auf
in Heſſen wohnhafte Perſonen oder in Heſſen befindliche Gegenſtände
bezieht, ein einmaliger Betrag von
50 Pfennigen
von jedem angefangenen 100 Mark des Geſamtbetrages der vereinbarten
Prämien.
Stempelfrei ſind Hagel= und Viehverſicherungsverträge,
Transport=
verſicherungsverträge mit Ausnahme der Automobilſachverſicherung, ſowie
Rückverſicherungsverträge.
Die Abgabe iſt auch dann zu entrichten, wenn die im Artikel 1 dieſes
Geſetzes bezeichneten Vorausſetzungen der Stempelflicht nicht vorliegen.
Zuſatzbeſtimmungen:
1. Verträge auf weniger als ein Jahr gelten als auf ein Jahr abgeſchloſſen,
Verträge auf weniger als ein halbes Jahr ſind ſtempelfrei.
Verlängerungen gelten als neue Verträge. Auf Verlängerungen für weniger
als ein Jahr finden die Vorſchriften des Abſatzes 1 entſprechende Anwendung.
Iſt im Verſicherungsvertrag beſtimmt, daß die Verſicherung, falls nicht gekündigt
wird, ſich für einen ferneren Zeitraum verlängert, ſo iſt für die auf dieſe Weiſe
ein=
tretenden tatſächlichen Verlängerungen die Abgabe ebenfalls zu entrichten.
2. Die Abgabe wird in den Fällen der Zifern 1, 2 und 4 mit Abſchluß des
Vertrags, in den Fällen der Ziffer 3 mit den jeweiligen Prämienzahlungen fällig.
Sie iſt unbeſchadet der Vorſchriften des Artikels 12 dieſes Geſetzes von dem Verſicherer
für Rechnung des Verſicherungsnehmers durch Verwendung von Stempelmarken
zu entrichten.
3. Werden von demſelben Verſicherer mehrere gleichartige Verſicherungsverträge
mit derſelben Perſon abgeſchloſſen, ſo berechnet ſich der Stempel nach dem
Geſamt=
betrag der verſicherten Summe.
4. Auswärtige Verſicherungsunternehmen, die nicht ſchon gemäß § 115 des
Reichsgeſetzes über die privaten Verſicherungsunternehmungen vom 12. Mai 1901
einen Hauptbevollmächtigten im Großherzogtum beſtellt haben, ſind zur Beſtellung!
eines Vertreters im Großherzogtum, von dem die Abgabe zu entrichten iſt, verpflichtet.
Kommt eine Verſicherungsunternehmung dieſer Verpflichtung innerhalb der von dem
Miniſterium beſtimmten Friſt nicht nach, ſo kann letzteres anordnen, daß für
ſtempel=
pflichtige Verſicherungsverträge mit dieſer Geſellſchaft der doppelte Betrag des
regel=
mäßigen Stempels inſolange zu entrichten iſt, als die Geſellſchaft mit der Erfüllung ihrer
Verpflichtung lich im Rückſtand befindet.
Die Verſicherungsunternehmungen ſind verpflichtet, den Namen ihres Vertreters
allährlich in der Darmſtädter Zeitung” bekannt zu geben.
5. Die Miniſterien des Innern und der Finanzen beſtimmen, in welcher Weiſe
die Kontrolle über den Anſatz und die Erhebung des Stempels auszuüben iſt.
6. Die in einem anderen Bundesſtaat für einen Verſicherungsvertrag entrichtete
Abgabe kann auf die heſſiſche Abgabe angerechnet werden, wenn von dem andern
Bundesſtaat Heſſen gegenüber die Gegenſeitigkeit verbürgt wird.
7. Für Verſicherungsverträge, die zur Zeit des Inkraftretens dieſes Geſetzes
bereits abgeſchloſſen ſind, wird der unter dieſer Tarifnummer beſtimmte Stempel
nicht erhoben.
Dagegen finden die Vorſchriften dieſer Tarifnummer Anwendung auf
Feuer=
verſicherungsverträge, aus denen Prämienzahlungen ſeit dem 1. April 1912 fällig
geworden ſind. Der Stempel wird hier fällig:
a) bei alljährlicher Prämienzahlung mit der Fälligkeit der erſten Prämie nach dem
Inkraftreien des Geſetzes;
b) wenn die Prämie vor dem Inkrafttreten des Geſetzes bereits für mehrere
Jahre vorausbezahlt iſt, von dem Zeitpunkt an, der im Fall jährlicher
Prämienzahlung für den Beginn der Stempelpflicht nach a maßgebend wäre.
Artikel II.
Dieſes Geſetz tritt am 15. Juli 1912 in Kraft.
Bekanntmachung
zur Ausführung vom 17. Juli 1912, Abänderung des Geſetzes über den
12. Auguſt 1899
Urkundenſtempel vom
betreffend.
24. März 1910
Vom 17. Juli 1912.
Zur Ausführung obigen Geſetzes wird folgendes beſtimmt:
(Zu Tarifnummer 43a (Jagdpachtenl.)
Bezieht ſich der Vertrag über die Verpachtung der Jagd oder den Abſchuß
jagdbarer Tiere auf Domanialjagden, ſo hat Großherzogliches Miniſterium der
Finanzen, Abteilung für Forſt= und Kameralverwaltung, den Jahresſtempelbetrag
feſtzuſetzen und hierüber alljährlich nach Bezirkskaſſen getrennte Hebliſten nebſt
Zuſammenſtellungen der Großherzoglichen Steuerkontrolle zuzuſtellen.
Bezieht ſich der Vertrag auf Gemeinde= oder Privatjagden, ſo erfolgt die
Feſtſetzung der Jahresſtempelabgabe durch dasjenige Kreisamt, in deſſen Bezirk die
Jagd ganz oder zum größeren Teile liegt. Das Kreisamt hat ebenfalls alljährlich
1. nach Bezirkskaſſen getrennte Hebliſten aufzuſtellen und unmittelbar an die
Bezirkskaſſen abzugeben,
2. gleichzeitig über die einzelnen Hebliſten eine ſummariſche Ueberſicht
aus=
zufertigen, die nach Eingang der Beſcheinigungen der Bezirkskaſſen über den
Empfang der Hebliſten an die Großherzogliche Steuerkontrolle einzuſenden
iſt. Die Kontrollierung der Abgabe wird durch die Steuerkontrolle ſodann.
den Bezirkskaſſen beſonders mitgeteilt werden.
Die Hebliſten ſind jährlich zweimal aufzuſtellen, und zwar einmal im Monat
März für die Verpachtungen, bei denen das Pachtjahr in der Zeit vom 1. Juli des
vorhergehenden Jahres bis Ende Februar des laufenden Jahres beginnt, und ſodann
im Monat Zult für die übrigen Verpachtungen
Die Abgabe iſt in erſter Linie ſtets dem erſteingeſchriebenen Pächter anzuſetzen.
Bei innerhalb des Großherzogtums wohnenden Schuldnern iſt ſie an die Bezirkskaſſe
ihres Wohnorts, bei außerhalb des Großherzogtums wohnenden Schuldnern an
diejenige Bezirkskaſſe zu überweiſen, in deren Bezirk die Jagd ganz oder zum
größeren Teil liegt.
Die Behörde die die Abgabe feſtſetzt, hat gleichzeitig mit der Abgabe der
Heb=
liſten an die Beziriskaſſen die Pächter von dem Abgabebetrag in Kenntnis zu ſetzen
und aufzufordern, ihn innerhalb 10 Tagen an die näher zu bezeichnende Bezirkskaſſe
zu entrichten.
Die Abgabe kann nur an die Bezirkskaſſe, nicht an eine Untererhebſtelle bezahlt
werden.
§ 2.
(Zu Tarifnummer 63a ſSaiſonarbeiterl.)
1. Nach dem 14. Juli 1912 in Arbeit tretende ausländiſche Saiſonarbeiter
haben ſpäteſtens am zehnten Tage nach Antritt der Arbeit für den Reſt
des Kalenderjahres bei dem Finanzamt, in’ deſſen Bezirk ſie in Arbeit treten, eine
Steuerkarte zu löſen. Die Pflicht, eine Steuerkarte zu löſen, beſteht auch dann, wenn.
der Arbeiter noch über das Kalenderjahr hinaus, für welches ihm eine Steuerkarte
erteilt iſt, in Heſſen in Arbeit bleibt. Ausländiſche Saiſonarbeiter im Sinne dieſer
Vorſchrift ſind nicht einem deutſchen Bundesſtaate angehörende Erd=, Ernte= und
ſonſtige Arbeiter, die nur einen Teil des Jahres in Heſſen ihren Erwerb ſuchen, den
andern Teil aber außerhalb Heſens zubringen.
2. Der Antrag auf Ausſtellung einer Steuerkarte ſoll enthalten: 1. Vor= und
Zunamen, ſowie Beruf des Pflichtigen, 2. Geburtsort und Heimatſtaat, 3. Namen,
Wohnort und Beruf des Arbeitgebers, 4. den baren Tages=, Wochen= oder
Monats=
verdienſt und die Angabe, ob freie Koſt und Wohnung gewährt wird. 5. Ort der
Beſchäftigung, Tag des Arbeitsantritts und Wohnung.
Der Antrag iſt ſchriftlich oder zu Protokoll des Finanzamts oder der
Bürger=
meiſterei, die ihn dann ſofort an das Finanzamt weiterzugeben hat, zu ſtellen. Zur
Antragſtellung iſt auch der Arbeitgeber berechtigt. Wird der Antrag bei der
Bürger=
meiſterei geſtellt, ſo kann gleichzeitig der vorausſichtliche Abgabebetrag, einſchließlich
des durch die Zuſendung an das Finanzamt etwa entſtehenden Portos und
Beſtell=
geldes, hinterlegt werden. Der Abgabebetrag iſt alsdann durch die Bürgermeiſterei
an das Finanzamt einzuſenden.
3. Der zuziehende ausländiſche Saiſonarbeiter iſt bei der polizeilichen Anmeldung
unter Hinweis auf ſeine Verpflichtung zur Stellung des Antrags anzuhalten. Damit
das Finanzamt die Abgabe rechtzeitig feſtſetzen kann, hat ihm die Bürgermeiſterei,
ſalls nicht ſofort bei der polizeilichen Anmeldung die Ausſtellung der Steuerkarte
beantragt wird, von jedem Zuzug eines ausländiſchen Saiſonarbeiters ſofort Kenntnis
zu geben. Die Benachrichtigung hat die unter Ziffer 2 Abſatz 1 erwähnten Angaben
zu enthalten. Der Vordruck für das Verzeichnis über den Zugang von
einkommen=
ſteuerpflichtigen Perſonen (vgl. §§ 1 ff. der Verordnung die allgemeine
Einkommen=
ſteuer und die Vermögensſteuer betreffend, vom 28. März 1900) kann hierbei
ver=
wendet werden. In dieſem Fall iſt jedoch ausdrücklich kenntlich zu machen, daß es
Nummer 103.
Amtsverkündigungsblatt Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt. Dienstag, den 3. September 1912.
ſch un auständiſche Salſonarbeiter handeſt. Auberden ſind in der
Bemerlungs=
ſpalte anzugeben Name, Wohnort und Beruf des Arbeitgebers, ſowie der bare
Tages=
arbeitsverdienſt, und es iſt anzufügen, ob freie Koſt und Wohnung gewährt werden.
4. Wird die Steuerkarte nicht rechtzeitig gelöſt, ſo wird die Stempelabgabe
angeſetzt, mit einer Friſt von 5 Tagen bei Meidung der Beitreibung angefordert und
nötigenfalls zwangsweiſe beigetrieben. Die Bürgermeiſtereien haben die durch die
Finanzämter auszufertigenden Anforderungszettel den Schuldnern zuſtellen zu laſſen.
Die geſchuldete Abgabe iſt an die ſtaatliche Hebeſtelle des Wohnorts des
Zahlungs=
pflichtigen (Bezirkskaſſe oder Untererhebeſtelle) zu entrichten.
5. Der Pflichtige hat die Steuerkarte während ihrer Gültigkeitsdauer
aufzu=
bewahren und auf Verlangen vorzuzeigen.
6. Die den Gemeinden zuſtehenden Anteile an der Abgabe werden ihnen
halb=
jährlich aus der Staatskaſſe vergütet, und zwar jeweils bezüglich der in der Zeit vom
1. Januar bis 30. Juni und der vom 1. Juli bis 31. Dezember eines Jahres
ein=
gegangenen Beträge.
§ 3.
(Zu Tarifnummer 82a Verſicherungsſtempell.)
1. Alle nach dem 14. Juli l. Js. abgeſchloſſenen Verſicherungsverträge, ſowie
die bereits abgeſchloſſenen Feuerverſicherungsverträge, aus denen Prämieneinzahlungen
ſeit dem 1. April l. Js. (einſchließlich) fällig geworden ſind, unterliegen dem
Verſiche=
rungsſtempel nach Tarifnummer 82a des Geſetzes.
2. Die Verwaltung des Verſicherungsſtempels liegt, ſoweit eine behördliche
Mitwirkung nötig iſt, den Hauptſteuerämtern ob.
Zuſtändig iſt das Hauptſteueramt, in deſſen Bezirk das
Verſicherungsunter=
nehmen (der in Heſſen aufgeſtellte Bevollmächtigte) ſeinen Sitz hat.
Soweit es etwa hiernach an einem zuſtändigen Hauptſteueramt fehlt, iſt das
Hauptſteueramt zuſtändig, in deſſen Bezirk der Verſicherte wohnt oder der verſicherte
Gegenſtand ſich befindet.
3. Die Stempelmarken ſind bei den Bezirkskaſſen zu beziehen.
4. Der Stempel wird in der Weiſe entrichtet, daß die Marken von dem
Ver=
ſicherungsunternehmen (dem in Heſſen aufgeſtellten Bevollmächtigten) in möglichſt
geringer Anzahl auf den Verſicherungsurkunden (Verſicherungsſcheinen, Verlängerungs=,
Nachtrags= und Nachſchußurkunden, Prämienſcheinen) aufgeklebt und entwertet werden.
5. Die Entwertung iſt in der Weiſe zu vollziehen, daß auf den Marken von dem
Verſicherungsunternehmen (dem in Heſſen aufgeſtellten Bevollmächtigten)
handſchrift=
lich mit haltbarer Tinte das Datum der Verwendung vermerkt wird. Bei Angabe
des Datums ſind die üblichen Abkürzungen, z. B. 30. Aug. 12, zuläſſig, auch kann die
Verwendung eines beſonderen Datumſtempels von dem zuſtändigen Hauptſteueramt
geſtattet werden.
6. Ueber die ſtempelpflichtigen Verträge iſt für jedes Kalenderjahr ein
Stempel=
merkbuch zu führen, das die Verſicherungsunternehmer ſich auf ihre Koſten zu
be=
ſchaffen haben.
Darin ſind die Lebens= und Rentenverſicherungsverträge der Ziffer 1 und 2 des
Tarifs, die Feuerverſicherungsverträge der Ziffer 3 und die Haftpflicht=, Unfall= uſw.
Verſicherungsverträge der Ziffer 4 des Tarifs je beſonders aufzuführen. Innerhalb
einzelner Abteilungen ſind ſodann alle Verträge nach der Zeitfolge des Abſchluſſes
und unter Angabe der Nummer der Verſicherungsurkunde (vergl. oben Ziffer 4), des
Namens des Verſicherungsnehmers, der Verſicherungsſumme oder des Geſamtbetrags
der vereinbarten Prämien und des verwendeten Stempels einzutragen. Für die
ein=
zelnen Arten von Verſicherungsverträgen kann auch je ein beſonderes Merkbuch
ge=
führt werden.
Die Führung beſonderer Stempelmerkbücher kann unterbleiben, wenn die
Ge=
ſchäftsbücher der Verſicherungsunternehmung eine dem Inhalt von
Stempelmerk=
büchern gleichkommende Ueberſicht gewähren, wenn alſo insbeſondere die ſtempelfreien
Vieh=, Hagel= und Transportverſicherungen von den ſtempelpflichtigen Verſicherungen
getrennt vorgetragen werden.
7. Die Stempelmerkbücher ſind von den Verſicherungsunternehmungen 10 Jahre
lang aufzubewahren; ſie unterliegen der Einſichtnahme und Prüfung der
Steuerver=
waltung. Auch bleibt die Einſichtnahme der die Stempelmerkbücher erſetzenden
Ge=
ſchäftsbücher und der ſonſtigen Geſchäftsregiſter, Verſicherungsbücher und
Verſicherungs=
akten durch die Steuerbehörde in den Geſchäftsräumen der
Verſicherungsunterneh=
mungen vorbehalten.
Soweit beſondere Stempelmerkbücher nicht zu führen ſind (ſiehe Ziffer 6, Abſ. 3),
kann die Steuerbehörde verlangen, daß ihr von den ſich auf den Stempelanſatz
be=
ziehenden Einträgen der Geſchäftsbücher Abſchriften behändigt werden.
8. Wird die Verſicherungsſumme erhöht, ſo iſt der Stempel aus der neuen
Geſamtverſicherungsſumme zu erheben. Der aus der bisherigen Verſicherungsſumme
für den Reſt der Verſicherungsdauer oder einen Teil davon etwa bereits bezahlte
Stempel darf an dem neu fällig werdenden Stempel abgezogen werden. In den
Büchern oder Akten des Verſicherungsunternehmens und auf der neuen
Verſicherungs=
urkunde (vergl. oben Ziffer 4) iſt in ſolchem Fall unter Hinweis auf die frühere
Ver=
ſicherung eine kurze Stempelberechnung anzufügen.
In gleicher Weiſe iſt zu verfahren, wenn mit derſelben Perſon ein weiterer
Ver=
ſicherungsvertrag abgeſchloſſen wird.
9. Wird die Verſicherungsſumme im Laufe einer Verſicherungsperiode (§ 9 des
Reichsgeſetzes über den Verſicherungsvertrag vom 30. Mai 1908, R.=G.=Bl. S. 263)
herabgeſetzt, ſo wird für die laufende Verſicherungsperiode ein neuer Stempel nicht
angeſetzt. Es findet aber auch keine teilweiſe Rückvergütung des Stempels ſtatt. In
den Büchern oder Akten des Verſicherungsunternehmens und auf den
Verſicherungs=
urkunden (vergl. oben Ziffer 4) iſt in dieſem Fall auf die frühere Verſicherung und
den dafür bezahlten Stempel zu verweiſen.
10. Die Vorſchriften der Ziffern 8 und 9 ſind entſprechend anzuwenden, wenn
bei den Verſicherungen der Ziffer 4 des Tarifs die Prämie erhöht oder
herab=
geſetzt wird.
11. Von Verſicherungen, bei denen die Verſicherungsurkunde (vergl. oben Ziffer 4)
nicht eingelöſt wird, iſt ein Stempel nicht zu entrichten.
12. Der Stempel wird zurückvergütet
a) wenn eine Verſicherungsurkunde (vergl. oben Ziffer 4), auf der die
Stempel=
marke bereits entwertek iſt, von dem Verſicherungsnehmer nicht eingelöſt wird
— im vollen Betrag;
b) wenn bei bei einer auf mehrere Jahre abgeſchloſſenen Feuerverſicherung mit
Vorausbezahlung der ganzen Prämie die Verſicherung vor Eintritt in das
letzte Verſicherungsjahr aufhört — in Höhe des auf die nicht eingetretenen
Ver=
ſicherungsjahre entfallenden Stempelbetrags:
c) wenn bei einer auf mehrere Jahre abgeſchloſſenen Feuerverſicherung mit
Voraus=
bezahlung der ganzen Prämie eine Herabminderung der Verſicherungsſumme
vor Eintritt in das letzte Verſicherungsjahr ſtattfindet — in dem Betrag, in dem
der Stempel für die verminderte Verſicherungsſumme niederer angeſetzt iſt, als
der früher angeſetzte.
13. Die Fälle der Rückvergütung ſind von dem Verſicherungsunternehmen unter
Benützung des Muſters für das Stempelmerkbuch in eine Ueberſicht zu bringen, die
dem Hauptſteueramt je auf den 30. Juni, 30. September, 31. Dezember und 31. März
jeden Jahres vorzulegen iſt. Die Richtigkeit und Vollſtändigkeit der Ueberſicht hat das
Verſicherungsunternehmen oder deſſen Bevollmächtigter zu beſcheinigen. Soweit
mög=
lich, ſind die Belege (nicht eingelöſte Prämienſcheine, Empfangsbeſcheinigung des
Ver=
ſicherungsnehmers über den zurückerhaltenen Stempel) anzuſchließen.
Darmſtadt, den 17. Juli 1912.
Großherzogliches Miniſterium
Großherzogliches Miniſterium
der Finanzen
des Innern
Braun.
von Hombergk.
Noll.
18424)
Bekanntmachung.
In einem Stalle des Großh. Kabinettsguts Kranichſtein dahier iſt die
Maul= und Klauenſeuche ausgebrochen.
Auf Grund des § 19 des Reichsviehſeuchengeſetzes vom 26. Juni 1909 und der
Ausführungsvorſchriften des Bundesrats hierzu vom 7. Dezember 1911 wird Folgendes
angeordnet.
Das Großh. Kabinettsgut Kranichſtein (Hof mit Gutsbezirk) bildet einen
Sperrbezirk.
Für dieſen Sperrbezirk gelten folgende Beſtimmungen:
a) Sämtliche Hunde ſind feſtzulegen. Der Feſtlegung iſt das Führen an der
Leine und bei Ziehhunden die feſte Anſchirrung gleich zu achten. Die
Ver=
wendung von Hirtenhunden zur Begleitung von Herden und von Jagdhunden
bei der Jagd ohne Leine kann geſtattet werden.
b) Schlächtern, Viehkaſtrierern, ſowie Händlern und anderen Perſonen, die
ge=
werbsmäßig in Ställen verkehren, ferner Perſonen, die ein Gewerbe im
Um=
herziehen ausüben, iſt das Betreten aller Ställe und ſonſtiger Standorte von
Klauenvieh im Sperrbezirke, desgleichen der Eintritt in die Seuchengehöfte
verboten.
c) Dünger und Jauche von Klauenvieh, ferner Gerätſchaften und Gegenſtände
aller Art, die mit ſolchem Vieh in Berührung gekommen ſind, dürfen aus dem
Sperrbezirke nur mit polizeilicher Erlaubnis unter den polizeilich
anzuordnen=
den Vorſichtsmaßregeln ausgeführt werden
6) Die Einfuhr von Kauendieh in den Sperrbeſirk ſowie das Durchtreiben von
ſolchem Vieh durch den Bezirk iſt verboten. Dem Durchtreiben von Klauenvieh
iſt das Durchfahren mit Wiederkäuergeſpannen gleichzuſtellen. Die Einfuhr
von Klauenvieh zur ſofortigen Schlachtung, im Falle eines beſonderen
wirt=
ſchaftlichen Bedürfniſſes auch zu Nutz= und Zuchtzwecken, kann von uns
ge=
ſtattet werden.
e) Die Ver= und Entladung von Klauenvieh auf den Eiſenbahnſtationen im
Sperrbezirk iſt verboten. Ausnahmen hiervon können von uns zugelaſſen
werden. Die Vorſtände der betroffenen Stationen ſind zu benachrichtigen.
f) Sämtliches Klauenvieh der nicht verſeuchten Gehöfte des Sperrbezirks
unter=
liegt der Abſonderung im Stalle (§ 19 Abſ. 1, 4 des Geſetzes). Jedoch darf das
abgeſonderte Klauenvieh mit polizeilicher Erlaubnis zur ſofortigen Schlachtung
entfernt werden.
g) Sofern dringende wirtſchaftliche Gründe die Aufſtallung oder die
uneinge=
ſchränkte Durchführung der Abſonderung des Klauenviehs der nicht verſeuchten
Gehöfte untunlich erſcheinen laſſen, können Erleichterungen von uns zugelaſſen
werden.
h) In dieſem Falle dürfen, um die Verwendung der Tiere zur Feldarbeit oder
ihren Auftrieb auf die Weide zu ermöglichen oder zu erleichtern, von den
Tieren zu benutzende öffentliche Wege vorübergehend gegen den Verkehr auch
von Perſonen geſperrt werden.
II.
Es wird ein Beobachtungsgebiet gebildet, beſtehend aus den Gehöften
der Kranichſteinerſtraße dahier und zwar des Straßenteils nordöſtlich der
äußeren Ringſtraße, ſowie den Gemeinden und Gemarkungen Arheilgen und
Meſſel.
Für dieſes Beobachtungsgebiet gelten folgende Beſtimmungen:
1. Aus dem Beobachtungsgebiet darf Klauenvieh ohne polizeiliche Genehmigung
nicht entfernt werden. Auch iſt das Durchtreiben von Klauenvieh und das
Durchfahren mit fremden Wiederkäuergeſpannen durch das Beobachtungsgebiet
verboten.
2. Die Ausfuhr von Klauenvieh zum Zwecke der Schlachtung iſt, wenn die
früheſtens 48 Stunden vor dem Abgang der Tiere vorzunehmende tierärztliche
Unterſuchung ergibt, daß der geſamte Viehbeſtand des Gehöfts noch ſeuchenfrei
iſt, geſtattet und zwar:
a) nach Schlachtſtätten in der Nähe liegender Orte;
b) nach in der Nähe liegenden Eiſenbahnſtationen zur Weiterbeförderung
nach Schlachtviehhöfen und öffentlichen Schlachthäuſern, vorausgeſetzt, daß
dieſen die Tiere auf der Eiſenbahn unmittelbar oder von der Entladeſtation
aus zu Wagen zugeführt werden.
Für den Transport nach in der Nähe liegenden Orten und
Eiſenbahn=
ſtationen wird angeordnet, daß er zu Wagen oder auf ſolchen Wegen erfolgt,
die von anderem Klauenvieh nicht betreten werden. Durch Vereinbarung mit
der Eiſenbahnverwaltung und, ſoweit nötig, durch polizeiliche Begleitung iſt
dafür Sorge zu tragen, daß eine Berührung mit anderem Klauenvieh, ſofern
dies nicht gleichfalls aus einem Beobachtungsgebiete ſtammt, auf dem Transporte
nicht ſtattfinden kann. Die Polizeibehörde des Schlachtorts iſt von dem
bevor=
ſtehenden Eintreffen der Tiere rechtzeitig zu benachrichtigen.
3. Die Ausfuhr von Klauenvieh zu Nutz= oder Zuchtzwecken darf nur mit unſerer
Genehmigung erfolgen. Dieſe Genehmigung wird nur unter der Bedingung
erteilt werden, daß eine früheſtens 24 Stunden vor dem Abgang der Tiere
vor=
zunehmende amtstierärztliche Unterſuchung die Seuchenfreiheit des geſamten
Viehbeſtandes des Gehöfts ergibt, und daß ſich die Polizeibehörde des
Beſtim=
mungsorts mit der Einfuhr einverſtanden erklärt hat. Am Beſtimmungsorte
ſind die Tiere auf die Dauer von mindeſtens einer Woche der polizeilichen
Beobachtung (§ 19 Abſ. 1, 4 des Geſetzes) zu unterſtellen. Auf den Transport
und die Anmeldung der Tiere finden die Beſtimmungen des Abſ. 2 ſinngemäße
Anwendung.
4. Im ganzen Bereiche des Beobachtungsgebietes iſt der gemeinſchaftliche
Weide=
gang von Klauenvieh aus den Beſtänden verſchiedener Beſitzer und die
gemein=
ſchaftliche Benutzung von Brunnen, Tränken und Schwemmen für Klauenvieh
verboten.
III.
Zuwiderhandlungen gegen die vorſtehenden Anordnungen werden nach § 74 ff.
des Reichsviehſeuchengeſetzes und bei wiſſentlichen Vergehen nach § 328 des R.=Str.=G.=B.
beſtraft.
IV.
Die Anordnungen unſerer Bekanntmachung vom 6. Mai d. Js. bleiben durch
vorſtehende Vorſchriften unberührt.
Darmſtadt, den 31. Auguſt 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.
An die Ortspolizeibehörden des Kreiſes.
Wir machen Sie auf vorſtehende Bekanntmachung aufmerkſam. Sie wollen
dieſelbe ortsüblich — auch durch Anſchlag — veröffentlichen laſſen und außerdem die
in Ihren Gemeinden anſäſſigen Viehhändler noch beſonders darauf hinweiſen.
Darmſtadt, den 31. Auguſt 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
(18396
Bekanntmachung.
Die Maul= und Klauenſeuche in Arheilgen iſt erloſchen. Gemäß § 176 der
Ausführungsvorſchriften des Bundesrats vom 7. Dezember 1911 zum
Reichsviehſeuchen=
geſetze vvm 26. Juni 1909 werden die durch unſere Bekanntmachung vom 12. Juni
1912 (Amtsverkündigungsblatt Nr. 69 vom 13. Juni 1912) angeordneten
Schutzmaß=
regeln aufgehoben mit der Maßgabe jedoch, daß wegen des Ausbruchs der
Maul= und Klauenſeuche in dem Großh. Kabinettsgut Kranichſtein, dieſes als
Sperrgebiet, die Gemeinde und Gemarkung Arheilgen als Beobachtungsgebiet
erklärt werde. (S. die Bekanntmachung vom Heutigen über den Ausbruch der Maul=
und Klauenſeuche in der Stadt Darmſtadt.)
(18394
Darmſtadt, den 31. Auguſt 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
Bekanntmachung.
Nach Mitteilung des Vorſtandes der Landesverſicherungsanſtalt „Großh. Heſſen”
werden die Sprechſtunden in der Fürſorgeſtelle für Lungenkranke dahier vom 4.
Sep=
tember 1912 ab bis auf weiteres Mittwochs von 11—12 Uhr vormittags und von
1½—3 Uhr nachmittags abgehalten.
Darmſtadt, den 2. September 1912.
(18395
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
In Dietzenbach, Kreis Offenbach, iſt die Maul= und Klauenſeuche erloſchen.
Der Kreis Offenbach iſt ſomit ſeuchenfrei.
(18366
Bekanntmachung.
Es wird zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß das Großh. Proviantamt
Darmſtadt den Ankauf von Hafer aufgenommen hat. Der Ankauf von Roggen,
Heu und Stroh wird fortgeſetzt.
Darmſtadt, den 29. Auguſt 1912.
(18367ii
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.
Bekanntmachung.
Zum 1. November 1912 werden bei der IV. Matroſen=Artillerie=Abteilung
Cux=
haven noch Dreijährig=Freiwillige angenon men. Mindeſtgrößenmaß: 1,64 Meter,
ferner kräftiger Körperbau.
Geſuche ſind unter Beifügung eines Meldeſcheins an das Kommando der
IV. Matroſen=Artillerie=Abteilung zu Cuxhaven zu richten.
Der Meldeſchein iſt bei dem Unterzeichneten zu beantragen.
Darmſtadt, den 23. Auguſt 1912.
Der Civil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion des Aushebungsbezirks
Darmſtadt.
Dr. Reinhart.
An die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Ich empfehle Ihnen, die vorſtehende Bekanntmachung in ortsüblicher Weiſe
zur allgemeinen Kenntnis zn bringen.
(17932iii
Darmſtadt, den 23. Auguſt 1912.
Der Civil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion des Aushebungsbezirks
Darmſtadt.
Dr. Reinhart.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 3. September 1912.
Seite 13.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Spitzhund, 1 Wolfshund, 1 Boxer (zugelaufen). Die Hunde
können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dort=
(18390
ſelbſt jeden Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Erteilt Einjährigenzeugnis. (15901D
Uebergangsklassen für Gymnasiasten.
Verpachtung von Hofjagden.
I. Dienstag, 1. Oktober, 2 Uhr nachmittags, werden in
Darmſtadt (Fürſtenſaal, Grafenſtraße 20) folgende ab
Darmſtadt, Frankfurt a. M., Mainz gut erreichbare
Jagden auf länger einzeln verpachtet:
1. von Harras 152 ha, 2. von Harras=Trieſch 188 ha,
3. Eichwäldchen 78 ha, dicht bei Darmſtadt=Griesheim,
4. Faulbruch 173 ha, unmittelbar bei Station Erzhauſen,
5. Koberſtadt 357ha bei Egelsbach, 6. Frankenſtein 253 ha
bei Eberſtadt, 7. Darsberg 80ha, 8. Felsberg 61ha, beide
bei Jugenheim (Bergſtraße), 9. Burgwald 111 ha bei
Auerbach (Bergſtraße), 10. Schönauer Hof 216 ha Feld
bei Biſchofsheim, 11. Sensfelder Hardt mit Hoffeld 24 ha
Wald, 65 ha Feld bei Wixhauſen, 12. Sensfelder Tanne,
Hegberg Kräſee 340ha bei Egelsbach=Mörfelden, 13.
Wie=
ſental, Groß=Gerauer Wald 730 ha bei Mörfelden-Groß=
Gerau, 14. Mitteldick 1295 ha unmittelbar bei Station
Sprendlingen und Halteſtelle Mitteldick, 15. Forſtwald
1089 ha bei Station Dieburg und Altheim. Schönauer
Hof iſt gute Haſen= und Hühnerjagd, alle übrigen Reviere
ſind ſchöne Waldjagden, meiſt mit Wieſen. Vorkommende
Wildarten: Rehe, Haſen, dazu in Nr. 12, 13, 14 Damwild,
in Nr. 4 und 15 Faſanen.
II. Donnerstag, 3. Oktober, ¾12 Uhr vormittags in
Gießen (Lenz’ſcher Felſenkeller) folgende bei Alsfeld (Bahn
Gießen-Fulda) gelegene ſchöne Waldjagden (
hauptſäch=
lich Rehe:
1. Forſtwarteien Ruhlkirchen und Ohmes 702 ha Wald
nebſt 520 ha Feldſchutzjagden, 2. Forſtwartei Röddingen
und Teil von Diſtrikt Stollenberg 480 ha Wald, 26 ha
Wieſen, nebſt 320 ha Feldſchutzjagden, 3. Domanialwald
Burg=Gemünden nördlicher Teil 514 ha Wald, 9 ha Wieſen,
nebſt 323 ha Feldſchutzjagd, 4. Domanialwald Burg=
Ge=
münden ſüdlicher Teil 584 ha Wald, 8 ha Wieſen, nebſt
(K18380
546 ha Feldſchutzjagd.
Auskunft erteilt Großh. Hofjagdamt in Darmſtadt,
Paradeplatz 4, woſelbſt wie bei den betr. Oberförſtereien
Ein=
teilung und Bedingungen Werktags, 8—12 Uhr vormittags,
ein=
zuſehen, ebenſo bei Firma Jakob Sackreuter, Frankfurt am
Main, und Großh. Oberförſterei Schiffenberg in Gießen
(8—12 Uhr vormittags).
Grummetgras=Verſteigerung.
Am Donnerstag, den 5. September d. Js., wird
vormittags 11 Uhr die Grummetgras=Ernte im Prinz Emil
Garten dahier,
nachmittags 2 Uhr im Herrngarten dahier,
nachmittags 4 Uhr im Schloßgarten zu Kranichſtein
öffentlich meiſtbietend verſteigert.
Darmſtadt, den 3. September 1912.
(18406
Großherzogliches Hofmarſchallamt.
J. A.: Meinhardt, Hofkammerrat.
Obſt=Verſteigerung.
Donnerstag, den 5. September, vormittags 10 Uhr,
wird das Obſt, beſtehend in guten Sorten Aepfel und etwas Birnen,
an der Straße von der Emelinenhütte nach Traiſa abteilungsweiſe
an Ort und Stelle meiſtbietend verſteigert.
Traiſa, den 31. Auguſt 1912.
(18376
Großherzogliche Bürgermeiſterei Traiſa.
Walter.
Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 4. September 1912, vorm. 11 Uhr,
werden im Pfandlokale Rundeturmſtraße 16 (Roſenhöhe)
verſchiedene Möbel, darunter Vertikos, Pianinos, Büfetts,
Kredenz, Diwans, Bücherſchrank, Kleiderſchränke, ferner
Ladentheke und Regale, 5 eiſ. Samenbehälter, 1
Gram=
mophon, 1 Fahrrad, 2 Smyrnateppiche, 148
Kokos=
matten, Läufer u. Teppiche, 1 Coupee u. 3 goldene Ringe
zwangsweiſe verſteigert.
(18417
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher,
Georgenſtraße 11. I,
Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, 4. September 1912, nachm. 3 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungslokal „Zur Ludwigshalle”
Ober=
gaſſe”, meiſtbietend gegen Barzahlung:
1 Fahrrad
1 Schreibtiſch, 1 Bank mit Rohrſitz, 2 Bilder in
Gold=
rahmen, 1 Sitztruhe mit Umbau und Spiegel, 1
Trumeaux=
ſpiegel u. a. m.
Ferner nachmittags um 6 Uhr an Ort und
Stelle, Dieburgerſtraße 96:
ca. 6000 große und kleine Bierſlaſchen.
Die Verſteigerung der in Fettdruck aufgeführten Sachen finde
(18419
vorausſichtlich beſtimmt ſtatt.
Darmſtadt, den 2. September. 1912.
Kapp, Großh. Gerichtsvollzieher
in Darmſtadt, Friedrichſtraße 24, I.
Real- und Handelsschule Miltenberg u. Main
r. Schiffskoffer, für Schreiner
einige gedr. Tiſchbeine, 2 gr.
weiß. Kaſten f. Blumen z. verkaufen
Lauteſchlägerſtraße 6, II. (*5097
eleg. Koſtüme, biau und grau,
2 Gr. 44, billig zu verkaufen
*5080) Karlſtraße 30, 1. Stock.
gute Herrenüberzieher, 1 Herren=
4 capes, 2 Herrenhemden, 2 Paar
Herrenſtief., f.1 Part. Damenbluſ. u.
Jack., Capes, 2 Damenwinterhüte,
2 Bettdeck., Tiſchdeck., 1 Ofenſchirm,
1 Weckeruhr Stiftſtr. 85, I., nachm.
von 2 Uhr ab zu verk. (*5074
Ueberſicht
der Durchſchnittspreiſe von
folgen=
den Früchten und
Verbrauchsgegen=
ſtänden in der Zeit
vom 16. bis 31. Auguſt 1912:
per Sack à 100 Kilo
Weizen von Mk. 24.— bis 25.75
Korn
20.−
18.−
,
Gerſte
21.—
„ „ 18.75
Hafer
19.75 „ 23.−
Butter ½ Kilo Mk. 1.40
Butter in Partien Mk. 1.30
Eier per Stück 8 Pfg.
Eier in Partien per 25 Stück
Mk. 2.—
Kartoffeln per 50 Kilo Mk. 8.—
Kartoffeln per 25 Kilo Mk. 4.—
Kornſtroh per 50 Kilo Mk. 3.50
Heu per 50 Kilo Mk. 4.50
Darmſtadt, 2. September 1912.
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.
Oeffentliche Impfung.
Unentgeltliche Impf= und
Nach=
chautermine finden, ſolange
Be=
dürfnis, jeden Mittwoch,
nach=
mittags von 5 Uhr ab, im
Schul=
haus in der Rundeturmſtraße
für im Vorjahr geborene, ſowie
für ältere mit der Impfung im
Rückſtande verbliebenen Kinder
ſtatt.
(13179a
Darmſtadt, den 11. Juni 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Jaeger.
Randſteine.
Die Lieferung von 400 lfd. Mtr.
geraden Randſteinen aus
Baſalt=
lava ſoll verdungen werden.
Die Lieferungs=Bedingungen
liegen bei dem Tiefbauamte,
Zim=
mer Nr. 7, zur Einſicht offen. Auch
werden dort die Angebotſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis
Samstag, 7. September I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle
einzu=
reichen.
(18317oi
Darmſtadt, 30. Auguſt 1912.
Tiefbauamt.
Keller.
Bekanntmachung.
In unſer Handelsregiſter,
Ab=
teilung A, wurden folgende
Ein=
räge vollzogen.
Am 28. Auguſt 1912.
Neu eingetragen die Firma:
Georg Kühnel in
Darm=
ſtadt.
Inhaber: Georg Kühnel,
Kauf=
nann in Darmſtadt.
Am 30. Auguſt 1912.
Aenderung hinſichtlich der Firma:
Georg Kühnel in
Darm=
ſtadt.
Geſchäft und Firma ſind auf
Kaufmann Johannes Radtke in
Darmſtadt übergegangen.
Der Uebergang der in dem
Be=
triebe des Geſchäfts begründeten
Verbindlichkeiten und Forderungen
ſt bei dem Erwerbe des Geſchäfts
durch Johannes Radtke
ausge=
ſchloſſen.
(18375
Die Firma iſt geändert in:
Johannes Radtke, vorm.
Georg Kühnel.
Darmſtadt, 30. Auguſt 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
Dünger=Verkauf.
Donnerstag, 5. Septbr. ds. Js.,
vormittags 10 Uhr,
wird auf dem Hofe der Artillerie=
Kaſerne, Heidelbergerſtraße in
Darmſtadt, die Matratzenſtreu
einer Batterie meiſtbietend
ver=
kauft.
(18397
Feld=Artillerie=Regiment Nr. 25.
Fünf gute Halbſtückfäſſer
billig abzugeben. Georg Starck,
Hahn bei Pfungſtadt.
(*5088ii
dupferne Zarm. Gaslüſter
ſehr billig zu verkaufen
*5066) Ludwigſtraße 16, II.
neue Bettſtelle m. Matratzen,
* 1 Diwan, 1 pol.
Auszieh=
tiſch, 1 Nähtiſch, 1
Blumen=
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Schuchardſtr. 4, I. rechts. (*5118
o1z GunseEnten.
verſende mit Garantie lebend.
An=
kunft, 10 Stück gr. ausgewachſ.
feder=
volle Gänſe 32 Mk., 10 Stck. gr.
aus=
geſuchte federvolle Gänſe 36 Mk.,
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M. Müller, Neuberun Nr. 11 (Oberſchl.) (M18355
Duchthühner, große Sendung
friſch eingetroffen (*5033id
Sandſtr. 40, Schröder, Karlſtr. 22.
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Mollerſtraße 10.
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Forſtmeiſterſtraße 18.
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Seite 14
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 3. September 1912.
Nummer 207.
Sport.
* Pferderennen. Rire aux Larmes Sieger
Im Großen Preis von Baden=Baden. Das
Internationale Meeting im Oostale erreichte am
Sams=
tag ſeinen Höhepunkt. Leider wurde, wie ſchon gemeldet,
auch der Große=Preis=Tag wiederum von trübem,
regne=
riſchem Wetter ſtark beeinträchtigt. Trotzdem war der
Be=
ſuch ein ausgezeichneter. Auch der Großherzog von
Ba=
den traf mit Gefolge vor Beginn der Rennen ein. Sechs
franzöſiſche Pferde, darunter vier der beſten Klaſſe,
wur=
den neben dem Oeſterreicher Kſiaze Pan für das 80000
Mark=Rennen geſattelt, und die beiden einzigen deutſchen
Vertreter Mönus und Semmering hatten von vornherein
gegen dieſe Gegner wenig zu beſtellen. La Boheme II
jetzte ſich bald nach dem Start an die Spitze vor
Semme=
ring, Mönus, De Viris und Rire aux Larmes. Matchleß
und Gorgorito bildeten den Beſchluß. Matchleß
verbeſ=
ſerte nach dem erſten Bogen raſch ſeinen Platz, ſo daß
Mitte der gegenüberliegenden Seite La Boheme II, Rire
aux Larmes, Matchleß, De Viris und der dann bald
völ=
lig geſchlagene Semmering das Vordertreffen bildeten.
Im vorletzten Bogen fiel auch La Boheme II zurück.
Matchleß und Rire aux Larmes kamen mit zwei Längen
Vorſprung in die Gerade, hinter ihnen De Viris und
Mönus, der in der Geraden einen recht guten Moment
Ekwanok im Fremersberg Hürden=Handikap 3 wertvolle
gab es einen kurzen Kampf zwiſchen den beiden
Führen=
den, doch behielt Rire aux Larmes ſehr ſicher mit vier
Fünftel Längen die Oberhand über Matchleß. Auf dem
dritten Platz endete der im Einlauf aufgerückte Gorgorito
von La Boheme II, Mönus, De Viris und Semmering.
Die franzöſiſchen Ställe dominierten auch weiterhin, da
durch die ſpielenden Siege von Babette II im Oppenheim=
Memorial, Don Diegue im Preis von Mariahalden und
Ekwanok im Fremersber Hürden=Handikap drei wertvolle
Preiſe über die Grenze wanderten.
Der Schlußtag des Internationalen Meeting ging
wiederum bei trübem Wetter, aber ausgezeichnetem
Be=
ſuch vor ſich. Auch der Großherzog von Baden traf
wie=
der vor Beginn der Rennen mit Gefolge im Hof=Pavillon
ein. Preis von Lichtenthal; 5000 Mark, Diſtanz 1600
Me=
ter: 1. Herrn v. Weinbergs Perilla (Fox), 2. Frauenlob
(Schläfke), 3. Fox „(Bullock). Tot. 23:10. Drei liefen.
Leicht 2—3 Lg. — Badener Prince of Wales=Stakes;
20000 Mark, Diſtanz 1300 Meter: 1. Monſ. Jean Sterns
Gilles de Rais (Mac Gee), 2. Bibre (Parfrement), 3.
Night Rider (Winkfield). Tot. 26:10, Pl. 15, 21:20.
Un=
plaziert: Golf (4), Holly Hill, La Choiſille (5). Leicht
2—1 Lg. — Preis der Stadt Baden; 12700 Mark, Diſtanz
2000 Meter: 1. Hrn. Utzſchneiders Cairo (Blades), 2.
Col=
leoni (Lane). Tot. 13:10. Zwei liefen. Sicher ¾ Lg. —
Heidelberg=Handikap; 13000 Mark, Diſtanz 3200 Meter:
1. Herrn L. Scholls Arboterum (Brumme), 2. Maliſe (J.
Lane), 3. Kreuzer (F. Bullock). Tot. 206:10, Pl. 54, 18,
33:10. Unpl.: Adjunkt, Sagely, Ik eerſt. Vallouiſe,
Litera=
ture. Sicher 1½—1 Lg.-Kopf. — Abſchieds=Handikap;
5600 Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. Herrn H. de Mumms
Orge II (F. Bullock), 2. Geraldine (Brumme), 3. Trotz
(Schläfke). Tot. 43:10, Pl. 16, 49, 22110. Unpl.: Ruby.
Mc. Kie (4), Lady Jim, Hongrie, Far Niente, Senechal,
Tubereuſe II, Virulente. ½—½ Lg. — Große Badener
Handikap=Steeple=Chaſe; 20000 Mark, Diſtanz 6000
Me=
ter; 1. Herrn H. Junks Coram populo (Parfrement), 2.
Old Rum (Wicks), 3. Aliquando (Mekenzie). Tot. 17110,
Pl. 19. 28, 40:10. Unpl.: Onvide (4), Alvo, Caipai Ruadh,
Clin d’oeil, Kephir.
Rennen zu Grunewald. Jungfern=Rennen;
5000 Mark, Diſtanz 1800 Meter: 1. Herrn A. v.
Schmie=
ders Malateſta (Kaſper), 2. Herkules Monte (Gabriel),
3. Renaiſſance (Murray). Tot. 14:10, Pl. 15, 42:10.
Un=
plaziert: Frau Holle, Homchen (4). Sehr leicht 5—4 Lg.
— Rubin=Hürden=Rennen; 4500 Mark, Diſtanz 2400=
Me=
ter: 1. Fürſt Hohenlohe=Oehringen (Th. Baſtian)
2. Luchs (Streit), 3. Ortrud (Hoffmann). Tot. 16:10,
Pl. 12, 13, 38:10. Unpl.: Americus, Fabius,
Sturm=
wind II, Damara, Adriano, Cant, Frühwach (4), Hellia.
Ueberlegen 3—5 Lg. — Le Juſticier=Handikap; 7200 Mk.,
Diſtanz 2000 Meter: 1. Herrn W. Biſchoffs Mansfeld
(Evans), 2. Germania I (Raſtenberger), 3. Octopus
(Shurgold). Tot. 239110, Pl. 68, 27, 26:10. Unpl.:
Am=
fortas (4), Haſcham, Petarde, Stradella, Habsburg,
Ro=
ſella, Pakt, Hubertus, Pikkolo, Sherlock Holmes,
Jung=
türke, Loretta. Kampf Kopf-Hals. — Preis von Golm;
4200 Mark, Diſtanz 3500 Meter: 1. Graf Stauffenbergs
Chicago (Streit), 2. Edda (Weishaupt), 3. Tarpaulin II
(Seeliſch). Tot. 104:10, Pl. 25, 16, 41:10. Unpl.: Ruſticus
(4), The Sinner, Wolfdog, Wilkina, Go Ahead,
Goldwäh=
rung, Myſtie Light, Aſtree III, Sommon Senſe, Le Nil.
Leicht Hals-Kopf. — Ghibelline=Rennen; 6200 Mark,
Diſtanz 1000 Meter: 1. Herrn H. Suermondts Friſch
(Spear), 2. Cſardas (Archibald), 3. Salomo (Ludwig)
Tot. 73:10, Pl. 22, 16, 89.10. Unpl.: Ortrecht, Hebron,
Carolus, Reichsanwalt, Rubel, Montblanc, Luntrus,
Schlingel, Maſſai, Saint Theobald, L’Amour, Jasmin,
Sonnenſtern, Wad, Saint Gabriel. Leicht 2—1½ Lg. —
Preis von Oranienburg; 6000 Mark, Diſtanz 4000 Meter:
1. Leutn. M. v. Boxbergs Flittergold (Naſh), 2.
Wacker=
los (Lommatzſch), 3. Ela (Sandow). Tot. 97110, Pl.
17, 21, 13:10. Unpl.: Maßlieb (4), Abendſonne, Florian,
Sherry Cobler. Sicher 1½—2—3 Lg. — Margarete=
Ren=
nen; 6200 Mark, Diſtanz 1000 Meter: 1. Herrn K. v.
Goſ=
ſow=Schönborns Oceana (Jentzſch), E2. Counteß Dorothy
(Shurgold), 3. Havanna (Kaſper). Tot. 26:10, Pl. 16,
17, 127:10. Unpl.: Aurevoir (4), Hexe, Muſidora,
An=
leihe, Fides, Fröhliche Zeit, Waſſerrecht. Jutla, Qui Vive,
Zarina, Bora. Sehr leicht 3 Lg.-Kopf.
Rennen zu Dresden. Totaliſator=Rennen;
3000 Mark, Diſtanz 3200 Meter: 1. Herrn H. v. Tresckows
Fiſchotter (Matouſch), 2. Entweder oder (Brederecke), 3.
Samum (Block). Tot. 16:10. Pl. 10, 10:10. Drei liefen.
2—20 Lg. — Preis von Sedlitz; 2500 Mark, Diſtanz 1200
Meter: 1. Herrn F. Lindenſtädts Goldamſel (Bleuler),
2. Drakon (Cleminſon), 3. Gloriette (Hughes). Tot.
80:10, Pl. 20, 13, 23:10. Unpl.: Brennus (4), Matador
Flower ſeller, Mirabeau, Jeuneville. ½—1 Lg. — Preis
vom Herkules; Ehrenpreis und 3500 Mark, Diſtanz 1600
Meter: 1. Herrn G. Nettes Thereſe (Hr. Dodel), 2. Sekret.
(Leutn. Graf Strachwitz), 3. Sigismund (Beſ.). Tot.
17110, Pl. 15, 21:10. Unpl.: Hadwiga, Chantecler,
Phö=
nix (4). 1—2 Lg. — Dresdener Jugend=Rennen; 12000
Mark, Diſtanz 1200 Meter: 1. Herrn L. Peſchs
Blumen=
ſegen (Cleminſon), —2. Grille (Oleijnik), —2.
Nachtſchat=
ten (Müller). Tot. 99110, Pl. 16, 12, 12110. Unpl.:
Roſen=
kavalier (4), Pro Patria, Felſenburg, Katarakt. Kampf
Hals-Tot. Rennen-¾ Lg. — Preis vom Weißen Hirſch;
3000 Mark, Diſtanz 3500 Meter: 1. Herrn E. F. Guetſchows
Grandezza (Herr v. Hatten), 2. Adler (Leutn. Frhr. von
Berchem), 3. Freude (Leutn. v. Witzleben). Tot. 40:10,
Pl. 12, 66, 13:10. Unpl.: Aladin (4), Gruna, Lobelia,
Peter und Paul. — Preis von Sedan; 3800 Mark, Diſt.
1600 Meter: 1. Herrn C. Fröhlichs Spion (Leiner), 2.
Oranier (O. Müller), 3. Mansfield (Oleijnik). Tot. 87110,
Pl. 36, 45, 86:10. Unpl. Gernot, Seehund, Black River,
Ruſtic, Chicane, Julius Cäſar, Dürkheim. Kampf 1 Lg.
bis Kopf.
* Radrennen. Der Bol d’or, das klaſſiſche 24=
Stunden=Rennen, nahm am Samstag abend 6 Uhr auf
der Pariſer Buffalo=Bahn ſeinen Anfang. Wie gemeldet
wird, zeigte Leon Georget, der die Konkurrenz ſchon
ſechs=
mal gewonnen hat, während des ganzen Rennens eine
vorzügliche Form und konnte abermals einen leichten
Sieg erringen. Mit der Spitze abgehend, verſuchten
an=
fänglich ſein Bruder Emile, dann auch Lapize und Petit
Breton, ſeiner Pace zu widerſtehen; doch rieben ſie ſich
völlig dabei auf. Bis zur 9. Stunde wurden die alten
Rekords geſchlagen. Petit Breton und Emile Georget
fielen dann allmählich zurück, während Lapize, der ſich
als der hartnäckigſte Gegner von Leon Georget zeigte,
bald infolge völliger Erſchöpfung aufgeben mußte. Kurze
Zeit darauf ſchied auch Emile Georget aus. Das 12
Stun=
den=Reſultat war: Leon Georget 508,750 Kilometer,
La=
fourcade 85 Runden, Petit Breton 114 Runden, van den
Berghe 126 Runden, Niedergang, Dhulſt und
Eigeldin=
ger weit zurück. In der 14. Stunde mußte van den
Berghe aufgeben, kurze Zeit darauf auch Petit Breton.
Eigeldinger, der ſehr weit zurückgefallen war, erwachte
plötzlich zu neuem Leben und vermochte noch bis auf den
dritten Platz vorzurücken. Das Reſultat war: 1. Leon
Georget 951,570 Kilometer, 2. Lafourcade 927,250
Kilo=
meter, 3. Eigeldinger 886,500 Kilometer, 4. Niedergang
864,351 Kilometer, 5. Dhulſt 831,250 Kilometer.
Radrennen in Eſſen. Den Robl=Erinnerungs=
Preis über 20 Kilometerggewann der Holländer Van Gent
in 16 Minuten 2 Sekunden vor Böſchlin 30 Meter,
Dickent=
man 200 Meter, Schelling 1000 Meter und Roſenlöcher
2800 Meter zurück. Im Großen Stadtwald=Preis über
30 Kilometer hatte Böſchlin bis vier Runden vor Schluß
die Spitze, als ihm die Lenkſtange brach wodurch er um
einen ſicheren Sieg kam. Sieger blieb Dickentman in 23
Minuten 24 Sekunden vor Schelling 580 Meter, Böſchlin
2100 Meter, Van Gent 3250 Meter und Roſenlöcher 4550
Meter zurück. Den Großen Sommer=Preis gewann
dann Böſchlin, der 50 Kilometer in 40118,4 zurücklegte,
2. Schelling 740 Meter, 3. Van Gent 3260 Meter, 4.
Roſen=
löcher weit zurück. Dickentman aufgegeben.
Das Große Steher=Derby, ein
Dauer=
rennen über 75 Kilometer, kam auf der Radrennbahn zu
Hannover bei gutem Wetter und ausgezeichnetem
Beſuch zur Entſcheidung. Es ſiegten in den beiden
Vor=
läufen über je 20 Kilometer Tommy Hall in 15:43,3 vor
Kjeldſen 16:42,1, und Ahrens=Köln bezw. Goor in 16:03
vor Louis=Hannover. Im Endlauf über 75 Kilometer
nahm Tommy Hall ſofort die Spitze, mußte ſie aber nach
dem 10. Kilometer an den Belgier Goor (Continental=
Pneumatik) abgeben, der ſie während des ganzen
Ver=
laufs behielt und in 59:31,4 gewann. Tommy Hall blieb
210, Kjeldſen 6630 Meter und Louis weit zurück.
Bei den Radrennen in Erfurt war der
Franzoſe Leon Didier der beſte Mann. Er ſchlug alle
Bahnrekorde von 15 bis 30 Kilometer und gewann
ſämt=
liche Dauerrennen überlegen. Im einzelnen waren die
Reſultate: Großer Verbiſt=Preis, 20 Kilometer: 1. Didier
19:07,3, 2. Ryſer 800 Meter, 3. Zeißler 1250 Meter, 4.
No=
wack 2100 Meter zurück. Theile=Erinnerungsrennen, 25
Kilometer: 1. Didier 23:32, 2. Ryſer 1120 Meter, 3.
Zeiß=
ler 1550 Meter, 4. Nowack 3150 Meter zurück. Robl=
Memorial, 30 Kilometer: 1. Didier 28118,4, 2. Ryſer 1900
Meter, 3. Zeißler 2750 Meter, 4. Nowack 3700 Meter
zurück.
Die Radrennen zu Brüſſel mußten am
Sonntag wegen Regen ausfallen.
Die Radrennen in Zürich=Oerlikon
brachten dem Berliner Arthur Stellbrink auf
Continen=
tal=Pneumatik einen ſchönen Erfolg, da er alle 3
Dauer=
rennen gewinnen konnte. Die Reſultate waren: 10
Kilo=
meter: 1. Stellbrink 8 Minuten 14,4 Sekunden, 2. Humann
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2. Bericht über die Kyffhäuſerfahrt der Haſſia,
3. Beſuch der Ausſtellungen „Der Menſch”
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