Abonnementspreis
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
wärts nehmen die Poſtämter u. die
Agen=
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
175. Jahrgang
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
Inſerate
werden angenommen in Darmſtadt.
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Das Haus Opel in Rüſſelsheim feierte am
Sams=
tag ſein 50jähriges Jubiläum. Der Feier
wohnte der Großherzog bei.
Prinz Heinrich von Preußen iſt am Samstag
in Wladiwoſtok eingetroffen.
Die Korreſpondenz Hoffmann bezeichnet die Meldungen
von einer Miniſterkrifis in Bayern als lere
Erfindungen und ſagt, daß das gute
Einverneh=
men zwiſchen dem Reiche und Bayern auch
durch die Jeſuitenfrage nicht getrübt werden kann.
Das bisherige Ergebnis der
Nationalflug=
ſpende ſoll nach einer Berliner Meldung rund ſechs
Millionen Mark betragen.
Bei dem Rennen um den Großen Preis von
Baden=Baden waren die Franzoſen Sieger.
In Haſpe wurden von Einbrechern zwei
Polizei=
beamte, die Jagd auf ſie machten, erſchoſſen und
ſpäter zwei ſchwer verletzt.
Ein irrſinnig gewordener Soldat tötete
in Romanshorn vier Perſonen, verletzte eine tödlich
und ſieben zum Teil ſchwer.
Der König von Bulgarien erließ auläßlich ſeines
25jährigen Jubiläums ein Manifeſt an die
bul=
gariſche Nation, in dem die
bewunderungswür=
digen Fortſchritte Bulgariens im Laufe der letzten
25 Jahre ꝛc. hervorgehoben werden.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7 und 8.
die Schweizerreiſe des deutſchen Kaiſers.
*⁎* Es fehlt in dieſem Sommer wahrlich nicht an
großen politiſchen Ereigniſſen, und mit Spannung ſieht
alle Welt der Entwicklung der Dinge am Balkan, in
Marokko, China, Perſien uſw. entgegen. Aber doch wendet
ſich augenblicklich das allgemeine Intereſſe einem
freund=
licheren Bilde zu, nämlich der Reiſe, die Kaiſer
Wilhelm nach der Schweiz unternimmt
und von der er ſich durch die nunmehr glücklich
über=
ſtandene Krankheit nicht hat abhalten laſſen. Alsbald
nach den militäriſchen Feſtlichkeiten in Berlin tritt der
Kaiſer die Fahrt an, trifft, wie wir nochmals
zuſammen=
ſtellen wollen, am Dienstag abend in Zürich ein, begibt
ſich am Mittwoch früh ins Manöverfeld, das ſich zwiſchen
Winterthur und Wyl befindet, wohnt auch am
Donners=
tag bis Mittag den Manövern bei und pflegt bis
Frei=
tag vormittag in Zürich der Ruhe. Dann erfolgt die
Ab=
reiſe nach Bern, wo die offizielle Begrüßung im alten
Bundesratshauſe ſtattfindet und nach dem Empfang der
Deutſchen Kolonie das offizielle Feſtbankett abgehalten
wird. Abends 9½ Uhr verläßt der Kaiſer Bern und
be=
gibt ſich nach Konſtanz. Es iſt nicht ausgeſchloſſen, daß
noch dieſe oder jene Aenderungen an dem Programm
vor=
genommen werden.
Mit großen Erwartungen ſieht das Schweizervolk dem
kaiſerlichen Beſuche entgegen, es begrüßte voller Freude
den Entſchluß des Kaiſers und empfand beſonders
darüber Genugtuung, daß der oberſte Kriegsherr des
mächtigen Deutſchen Reiches ein ſo lebhaftes Intereſſe für
das ſchweizeriſche Heer zeigte und dieſes im „Krieg im
Frieden” kennen lernen wollte. Kaiſer Wilhelm kommt
als Herrſcher jetzt zum zweiten Mal nach der Schweiz;
das erſte Mal im Mai 1893 war er von ſeiner Gemahlin
begleitet und wurde in Luzern vom Bundespräſidenten
begrüßt.
Bei den Beſuchen von Staatsoberhäuptern in
frem=
den Ländern fragt man heute gewöhnlich nach der
politi=
ſchen Bedeutung, die ein ſolches Ereignis hat oder haben
könnte. Die jetzige Reiſe Kaiſer Wilhelms iſt lediglich
ein Zeichen des freundlichen Intereſſes, das der Kaiſer
für dim Nachbarſtaat hegt, und ein Widerhall der guten
Beziehungen, die das Deutſche Reich und die Schweiz
verbinden. Kleine wirtſchaftliche Reibereien ſind zwiſchen
ihnen wohl ab und zu vorgekommen, aber das
Verhält=
nis iſt doch nie ernſtlich getrübt worden, insbeſondere hat
Deutſchland der Schweiz niemals Anlaß gegeben, für ihre
Selbſtändigkeit und Neutralität zu bangen. Verkehr und
Handel zwiſchen beiden Ländern ſind ſehr rege und in einer
ſtets aufwärtsſtrebenden Entwicklung begriffen; an dem
Fremdenverkehr der Schweiz partizipieren wir mit einem
hohen Prozentſatze und ſind für die ſchweizeriſchen
Pro=
dukte die beſten Abnehmer. Ob nicht trotzdem und trotz
der edeutſchen Abſtammung des größten Teils der Be=
völkerung deren Sympathien mehr nach der romaniſchen
Seite hinneigen, wie vielfach behauptet wird, wollen wir
unerörtert laſſen. In dieſen Tagen merkt man hiervon
auch nichts, die großartigen Vorbereitungen, welche für
den kaiſerlichen Beſuch getroffen worden ſind, die
freu=
dige Erregung, die im ganzen Schweizervolke herrſcht
und die auch in der Preſſe zum Ausdruck kommt, zeigen,
daß Kaiſer Wilhelm eines ebenſo herzlichen wie
aufrich=
tigen Empfangs ſicher ſein darf. Wir wollen hoffen, daß
die Anweſenheit des Monarchen in der Nachbarrepublik
den Erwartungen entſprechend verläuft und dazu
bei=
trägt, die alten freundſchaftlichen Beziehungen zwiſchen
beiden Völkern und Ländern weiter zu feſtigen und zu
ſtärken.
* In der geſamten Preſſe der Schweiz
herrſcht eine einmütige Freude, daß der in den letzten
Tagen ſo ſehr gefährdete Beſuch des Kaiſers nun
doch zur Ausführung kommt. Man verhehlt nicht, daß
eine vollſtändige Abſage eine außerordentliche
Enttäu=
ſchung geweſen wäre. Es trägt zu den Sympathien, die
der Kaiſer in der Schweiz ohnehin genießt, nur bei, daß
er entgegen den Vorſtellungen der ärztlichen Ratgeber an
ſeinem Vorhaben ſo entſchieden feſtgehalten hat. Da und
dort drückt man die Hoffnung aus, daß der Kaiſer das
Berner Oberland wie andere Teile des Schweizer
Hoch=
gebirgs vielleicht bei einem andern Anlaß kennen lernen
werde. Die Vorbereitungen zum Empfang in Zürich
nehmen ihren Fortgang. An der Spalierbildung
wer=
den ſich auch reichsdeutſche Militär= und Kriegervereine
beteiligen. Die ſchlechte Witterung hat aufgehört, und
nach dem allgemeinen meteorologiſchen Dafürhalten iſt
für die erſten Septembertage gutes Wetter zu erwarten,
was dem geſamten Programm außerordentlich zuſtatten
kommen würde. Die Beteiligung von auswärtigen
Zu=
ſchauern in Zürich und Bern ſcheint nach den
vorliegen=
den Nachrichten ungeheuer zu werden. Inzwiſchen hat
ſich auch die Einſtellung der einberufenen Truppen
voll=
zogen. Die eigentlichen Manöver werden wohl erſt in
der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch beginnen.
Fleiſcheinfuhr aus den Kolonien.
* Während in Deutſchland die Fleiſchpreiſe zum
ſchwer=
ſten Schaden der Volksgeſundheit und Volkswirtſchaft
eine ſchier unerſchwingliche Höhe erreichen und eine
Fleiſchnot in Erſcheinung tritt, kommen aus unſeren
Kolonien die lauteſten Klagen über den
mangeln=
den Abſatz des reichlich vorhandenen Viehbeſtandes,
flehentliche Bitten um Lohn für die mühevolle und im
Dienſte unſerer kolonialen Beſtrebungen doch ſo
dankens=
werte Farmerarbeit, ſo daß ſelbſt die agrariſche
Tages=
zeitung den Notſchrei eines Südweſtafrika=Farmers
ver=
öffentlicht. In dem Briefe heißt es:
„Jährlich wächſt die Zahl des Viehes, die Käufer
haben ſich veringert, und was dann? Nur das
Mut=
terland kann hier Abhilfe ſchaffen. Wenn Deutſchland
geſtattet, daß von Zeit zu Zeit einige tauſend Ochſen und
Hämmel nach Deutſchland ausgeführt werden dürfen. wird
unſer Neuland vor dem ſicheren Ruine vieler Exiſtenzen
geſchützt. Dieſe geringe Einfuhr kann doch bei unſerem
Maſſenverbrauch nicht in die Wagſchale fallen und den
inländiſchen Markt kaum beeinfluſſen.”
Dieſe Ausführungen werden in einem weiteren
Schreiben eines ſüdweſtafrikaniſchen Farmers an die
„Deutſche Fleiſcherzeitung” mit folgenden ziffermäßigen
Tatſachen belegt: „Für Hämmel bekomme ich pro Kilo
Schlachtgewicht nur 70 Pfg, und bei Ochſen ſelbſt das
nicht. So habe ich vor 14 Tagen ſechs große fette Ochſen,
die ausgeſchlachtet pro Stück 700 bis 800 Pfund hatten.
nach Kerimanshooy geſandt, und was bekam ich dafürs
Fürs Stück 190 Mark, für eine fette Kuh 140 Mark, für
einen Hammel von ca, 25 Kilo Schlachtgewicht 16, höchſtens
18 Mark Noch etwa 20 fette Ochſen habe ich ſtehen.
Schade, daß man die Tiere nicht nach Deutſchland liefern
kann! Man wird doch Abſatz nach auswärts ſuchen
müſ=
ſen. Denn wenn ein geordneter Farmbetrieb im Gange
iſt, wird ſehr viel Vieh produziert, das Abſatz ſucht. Meine
Farm z. B. iſt wie die meiſten Farmen des Südens 80 00.)
preußiſche Morgen groß; ſie iſt ein großes Grasfeld mit
teilweiſem Buſch= und Baumbeſtand. In mittleren
Jahren kann eine ſolche Farm 500 Schafe und 50
Rin=
der ernähren. Es gibt genug Farmer, die es auf etliche
Hundert Rinder und 4000 bis 5000 Stück Kleinvieh
ge=
bracht haben.”
Aus alledem geht hervor daß für unſere Kolonien
mit der Erlaubnis zur Ausfuhr von Vieh nach Deutſchland
großer Segen zu ſtiften wäre und den Konfumenten in
Deutſchland wäre dieſe kleine Hilfe gewiß zu gönnen.
Tatſächlich ſcheint man denn auch in zuſtändigen
Kreiſen nicht abgeneigt zu ſein, die Fleiſcheinfuhr aus
den Kolonien zu geſtatten, wenigſtens hat ſich
Staats=
ſekretär Dr. Solf nach einer Meldung der Windhuker
Zeitung „Südweſt” bei ſeiner Anweſenheit in dem
nörd=
lichen Bezirk Grootfontein dahingehend geäußert. Er
erklärte: „Die Frage der Viehausfuhr iſt meiner
An=
ſicht nach ja noch nicht ſo brennend, und ich glaube, daß,
wenn der Zeitpunkt eintritt, Sie auch den Markt offen
finden werden Deutſchland muß noch etwa 5 v. H.
ſeines Fleiſchbedarfes einführen, und Sie können
ver=
ſichert ſein, daß Ihr Fleiſch willig Aufnahme finden wird.
Als Beruhigung mag Ihnen dienen, wenn ich Ihnen
er=
kläre, daß einer der hervorragendſten Agrarier und
Reichs=
tagsabgeordneten Mitglied der Liebig=Kompagnie iſt,
Außerdem wird Südafrika Ihnen einen ſicheren Markt
bieten.‟
Deutſches Reich.
— Der Etat für 1913 wird dem Bundesrat
anfangs November zugehen. Dem bis Ende November
zuſammentretenden Reichstag wird der ganze Etat ſchon
beſtimmt vorliegen.
— Gouverneur Dr. Seitz hat das Schutzgebier
verlaſſen und wird ſeinen Urlaub in Deutſchland
verbrin=
gen. Nach einer Badekur wird er an wichtigen Beratungen
im Reichs=Kolonialamt teilnehmen, vorausſichtlich auch
im Reichstage zum Nachtragskredit für Deutſch=
Südweſt=
afrika ſprechen, der bekanntlich die Forderungen für das
Bodenkredit=Inſtitut und die Waſſererſchließungen
enthal=
ten wird. Im März n. Js. dürfte der Gouverneur nach
dem Schutzgebiet zurückkehren. Stallvertretender
Gouver=
neur iſt bis dahin Geheimrat Hintrager.
— Der Hanſabund teilt mit, daß ſeine
Mitglie=
derzahl im Wachſen ſei und daß in 25 neuen Orten
Ver=
trauensmänner gewonnen und eine Ortsgruppe neu
ge=
gründet worden ſei. 21 große Verbände der Induſtrie,
des =Handwerks und der Angeſtellten, darunter der
Ver=
band der Fiſchinduſtriellen Deutſchlands, der
Arbeitgeber=
verband Flensburgs, der Baugewerbeverband in
Grünberg, der Verein deutſcher Militäreffekten=
Fabrikanten, die Genoſſenſchaft für Handel und
In=
duſtrie in Apolda, der Zweigverein Hütte der deutſchen
Techniker in Danzig, der Verband deutſcher Parfümerie=
Fabrikanten u. a. m. ſeien dem Hanſabunde neuerdings
korporativ beigetreten.
Zum Fall Borchardt=Leinert. Aus
parlamentariſchen Kreiſen wird mitgeteilt: Der Fall
Borchardt wird am 23. September in Berlin zur
gericht=
lichen Verhandlung ſtehen. Es wird vielfach
angenom=
men, daß in dieſer Verhandlung die Abgeordneten
Borchardt und Leinert bereits verurteilt werden könnten.
Dies trifft jedoch nicht zu. Das Abgeordnetenhaus hat
lediglich die Genehmigung zur Einleitung eines
Ermit=
telungsverfahrens erteilt, um die die Staatsanwaltſchaft
nachſuchte, eine Genehmigung zur Strafverfolgung iſt nicht
erteilt worden. Wahrſcheinlich dürfte die bevorſtehende
Verhandlung auch erſt zeigen, ob die Staatsanwaltſchaft
ein Strafverfahren einleiten will. Zu der Verhandlung
ſind die Abgeordneten Borchardt, Leinert und Schifferer
geladen.
Lohnbewegung in der
Metallin=
duſtrie. Mehrere Großbetriebe der Metallinduſtrie in
Rheinland und Weſtfalen ſind nicht geneigt, die
Forde=
rung der Arbeiterſchaft auf Einführung einer
wöchent=
lichen Arbeitszeit von 56 Stunden als berechtigt
zuzu=
geben. Man erklärt als äußerſte Grenze des
Entgegen=
kommens die Einführung einer 57ſtündigen Arbeitszeit.
Für die nächſten Tage ſind zahlreiche Verſammlungen
anberaumt, in denen die Lage beſprochen werden ſoll. —
In Leipzig ſind die elektrotechniſchen Monteure in eine
Lohnbewegung eingetreten. Sie fordern einen
Stunden=
lohn von 75 Pfennig.
— Aus Bayern. Die Korreſpondenz Hoffmann
meldet: Berliner Blätter bringen Artikel, die ſich mit den
an Mitglieder des früheren Miniſteriums ergangenen
allerhöchſten Einladungen und mit dem Erſcheinen der
der=
zeitigen Miniſter am Hoflager befaſſen. Dieſe Artikel
ſtellen ſowohl hinſichtlich ihrer tatſächlichen Mitteilungen
als auch der daraus gezogenen Schlußfolgerungen eine
Reihe dreiſter Erfindungen dar. Sämtliche derzeitige
Reſſortminiſter ſind wiederholt am Königlichen Hoflager
ſowohl in Berchtesgaden, wie in Hohenſchwangau zum
Vortrage empfangen worden, der Vorſitzende im
Miniſter=
rat bisher dreimal. Als geradezu ungeheuerlich muß es
bezeichnet werden, was dieſe Auslaſſungen über den
Seite 2.
Nummer 200.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 2. September 1912.
bayeriſchen Geſandten in Berlin zu erzählen wiſſen. Den
Grafen Lerchenfeld ſchützt ſeine allbekannte vornehme
Ge=
ſinnung davor, daß Erzählungen, wie ſie hier über Berlin
verbreitet werden, Glauben finden. Wirkliche Kenner der
Verhältniſſe wiſſen zudem, daß Graf Lerchenfeld ſeit
Dezennien mit Freiherrn von Hertling befreundet iſt, ſodaß,
wenn er eine Wahrnehmung über eine Störung der
Be=
ziehungen Bayerns zum Reiche machen würde, er hiervon
wohl von Anfang an den Vorſitzenden im Miniſterrate in
Kenntnis ſetzen würde. Endlich fei feſtgeſtellt, daß Graf
Lerchenfeld Berlin am 24. Juli, dem Tage ſeines
Urlaubs=
antritts, verlaſſen, und der allerhöchſten Stelle ſeither
weder ein Rücktrittsgeſuch, noch einen Bericht unterbreitet
hat. All dieſes zeigt, wie hinfällig und ſchlecht erfunden
die weiteren Kombinationen ſind, in denen ſich alle,
angeb=
lich auf zuverläſſigen Informationen beruhenden Berliner
Artikel ergehen. Schließlich möge noch daran erinnert
werden, daß es außer der bis zum Ueberdruß
auf=
gebauſchten Jeſuitenfrage ſehr viele andere und wichtige
Dinge gibt, in denen ſich die Intereſſen Bayerns mit
jenen des Reiches berühren. Von einer Störung des
guten Einvernehmens zwiſchen dem Reiche und Bayern
kann nicht die Rede ſein. Aber auch von der
Jeſuiten=
frage iſt eine ſolche nicht zu befürchten, nachdem die
bayeriſche Regierung ſie ſelber dem Bundesrat zur
Ent=
ſcheidung überwieſen hat.
Ausland.
Italien.
General Caneva iſt am Freitag abend in Rom
eingetroffen.
Frankreich.
Saſonows Beſuch in Paris. Wie das
Echo de Paris meldet, dürfte der ruſſiſche Miniſter des
Aeußern Saſonow in den erften Tagen des Oktober auf
der Rückkehr von ſeiner Reiſe nach England nach Paris
kommen, um hier eine Unterredung mit dem
Miniſter=
präſidenten Poincaré zu haben. Saſonow wird von dem
Präſidenten der Republik empfangen werden, der ihm zu
Ehren ein großes Diner geben wird. „In franzöſiſchen
diplomatiſchen Kreiſen” ſchreibt das Echo de Paris, „
be=
trachtet man die Tatſache, daß Saſonow auf der Reiſe
von Paris nach Petersburg ſich in Berlin aufhalten wird,
um den Reichskanzler und den Staatsſekretär des
Auswär=
tigen zu beſuchen, als einen ganz ſelbſtverſtändlichen
Höf=
lichkeitsakt.”
England.
Beſchleunigung der engliſchen
Schiffs=
bauten. Da die Admiralität beſchloſſen hat, die
Fertig=
ſtellung der augenblicklich im Bau befindlichen
Kriegs=
ſchiffe zu beſchleunigen, ſind die königlichen Werften
ange=
wieſen worden, den Stapellauf des Schlachtſchiffes „Iron
Duke” der zuerſt im November erfolgen ſollte, einen
Monat früher anzuſetzen, um ſo früher mit dem Bau des
im laufenden Flottenbudget vorgeſehenen neuen Ueber=
Dreadnought beginnen zu können.
Der Streit um Tibet. Die Regierungspreſſe
iſt aufgebracht über das Vorgehen des Auswärtigen Amts
in Peking wegen Tibet. Daily News nennt es eine
ge=
fährliche Torheit, ein britiſches Protektorat in Tibet zu
errichten. Man habe doch wiederholt Chinas
Oberherr=
lichkeit über Tibet anerkannt und von Peking einen Teil
der durch den Younghusband=Vertrag feſtgeſetzten
Ent=
ſchädigung angenommen. Allem Anſchein nach bilde
Jordans Note den Vorläufer für die Ernennung eines
britiſchen Reſidenten in Lhaſa und in Verbindung
da=
mit für die Unterhaltung einer britiſchen Garniſon. Das
ſonſt gefügige Blatt Chronicle drückt ſeinen Unwillen noch
ſchärfer aus, wittert ruſſiſche Eingebung in dem Vorgehen
und fragt, ob Rußland gegen freie Hand in der Mongolei
eingewilligt habe, Tibet fernzubleiben. Es hofft, der
Vor=
ſchlag der konſervativen Preſſe auf Beſtellung eines briti=
ſchen und eines ruſſiſchen Vertreters in Lhaſa werde nicht
befolgt; denn das bedeute nur die Wiederholung des
perſiſchen Trauerſpiels. Das Blatt weiſt auf die Ironie
hin, die in dieſem Schritt Englands liege, das von
China mit Drohungen die Freiheit und Unabhängigkeit
für Tibet verlange, anderſeits aber ruhig zuſehe, wie
Perſiens Unabhängigkeit untergraben werde.
Rußland.
Auflöſung der Duma. Wie verlautet, wird
anfangs nächſter Woche die dritte Duma formell
aufge=
löſt und der Wahltermin feſtgeſetzt werden.
Bulgarien.
Ein Manifeſt des Königs. Das Amtsblatt
veröffentlicht ein Manifeſt, das der König Ferdinand
an=
läßlich der Jubiläumsfeſtlichkeiten an die Nation richtete.
Der König ſpricht hierin ſeine Freude über die
bewun=
derungswürdigen Fortſchritte Bulgariens im Laufe der
letzten 25 Jahre aus, rühmt die politiſche Klugheit und
die hohen Eigenſchaften des bulgariſchen Volkes, die dem
Lande einen ehrenvollen Platz in der ziviliſierten Welt
geſichert hätten und erklärt, er ſei glücklich, ſein
beſchei=
denes Teil zu dieſem hohen kulturellen Aufſchwunge
bei=
getragen zu haben. Schließlich dankt der König für die
Gefühle der Liebe und Treue, die ihm zum 25.
Jahres=
tage ſeiner Thronbeſteigung bekundet wären.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 2. September.
* Vom Hofe. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Freitag nachmittag 2½ Uhr zu
Jagdſchloß Wolfsgarten den Kunſtmaler Pellar.
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Samstag den Bürgermeiſter
Poſtſekretär a. D. Schmitt von Oſthofen, den Juwelier
W. Sauerwein von Mainz, den Profeſſor Barth von
Wimpfen, den Oberſchützenmeiſter Jung von
Frank=
furt a. M., den Photographen Hilsdorf von Bingen, den
Hauptmann der Reſerve Müller=Hickler; zum
Vortrag=
den Kabinettsſekretär Dr. Wehner.
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift
„Für Verdienſte”: dem Feldwebel Klös und dem
Vize=
feldwebel Kern, beide ſeither im 5. Großh. Heſſ. Inf.=
Regt. Nr. 168; dem Vizewachtmeiſter Trompeter
Weihe, ſeither im Leib=Dragoner=Regiment (2. Großb.
Heſſ.) Nr. 24.
* Militärdienſtnachrichten. Schmidt,
Proviant=
amtsinſp. und Zweiter Fabrikvorſtand bei der Fabrik in
Mainz, zur Armee=Konſervenfabik in Spandau verſetzt.
Kinzel (Kontrolleführer), Welker,
Proviantamts=
inſpektoren, bei der Armee=Konſervenfabrik in Mainz,
jenem die Geſchäfte als Zweiter Fabrikvorſtand, dieſem
als Kontrolleführer übertragen.
-g. Provinzialausſchuß. Der Provinzialausſchuß
ver=
handelte am Samstag über das
Wirtſchaftskonzeſſions=
geſuch des Hermann Schönberger in Darmſtadt.
Schönberger hat bereits am 3. Juli 1911 um die
Konzeſ=
ſion für ein zu errichtendes Gebäude Ecke Dornheimer
Weg und Rößlerſtraße nachgeſucht; Polizeiamt und
Stadt=
verordnetenausſchuß verneinten die Bedürfnisfrage,
worauf der Kreisausſchuß das Geſuch ablehnte. Ein
hier=
gegen eingelegter Rekurs wurde am 16. März 1912 vom
Provinzialausſchuß verworfen. Der Geſuchſteller hat
nunmehr ſein Geſuch erneut eingereicht.
Stadtverordne=
tenausſchuß und Polizeiamt, ſowie der Gaſtwirteverein
verneinten abermals die Bedürfnisfrage. Das
Polizei=
amt wendet gegen das Geſuch ein, daß ſich die
Verhält=
niſſe inzwiſchen nicht verändert haben, ſondern noch zu
Ungunſten des Geſuchſtellers verſchlechtert, indem
gegen=
über dem Grundſtück des Geſuchſtellers die Wirtſchaft von
Schulz genehmigt wurde. Nach der neuen
Verwaltungs=
ordnung beſchäftigte das Geſuch den Provinzialausſchuß
als erſte Inſtanz. Das Geſuch wird diesmal unter den
üblichen Bedingungen genehmigt. — Zur Durchführung
der Ludwigſtraße benötigt die Gemeinde
Erzhau=
ſen ein Grundſtück des Peter Pohl I. und Ehefrau in
der Größe von 238 Quadratmetern. Der Beſitzer verlangt
6 Mark für den Quadratklafter, während die Gemeinde
5 Mark zahlen will. Auch vor der Lokalkommiſſion konnte
eine Einigung nicht ſtattfinden. Die Lokalkommiſſion
erkannte den Preis von 60 Pfg. für den Quadratmeter
und 3,75 Mark für den Quadratklafter als ortsüblich.
Hierauf zog die Gemeinde ihr Angebot zurück und
bean=
tragte Enteignung vor dem Provinzialausſchuß. Pohl
verlangte nunmehr aber 8,50 Mark, mit der
Behaupt=
ung, es ſeien von der Gemeinde bereits 11 und 12 Mark
gezahlt worden. Der Provinzialausſchuß ſpricht die
Ent=
eignung aus und ſetzt gleichzeitig den Preis auf 5 Mark
pro Quadratklafter oder 80 Pfg. für den Quadratmeter
feſt. — Franz Weisbecker Ehefrau zu Eberſtadt
iſt im Beſitze eines Wandergewerbeſcheins für den Handel
von Hämmern, Türſchließern, Schuheréme uſw. Sie hat
nun beantragt, ihren Ehemann als Begleiter
anzuerken=
nen, damit er ihr die Waren nachtragen kann. Da der
Ehemann bereits wiederholt vorbeſtraft iſt, erkennt der
Provinzialausſchuß auf Ablehnung des Geſuches unter
Verurteilung der Klägerin in die Koſten des Verfahrens.
g. Ferienſtrafkammer. Wegen Urkundenfälſchung und
Betrugs ſtand am Samstag der 22jährige
Kartonagen=
zuſchneider Karl Otto Schäfer aus Offenbach vor der
hieſigen Strafkammer. Der Angeklagte hatte Aufträge für
ſtädtiſche Schulen auszuführen, wie Bücher einbinden,
Bilder einrahmen uſw.‟ Dieſe Arbeiten erledigte er jedoch
nicht, ſondern ſtellte ſelbſt eine Beſcheinigung aus, daß die
Arbeiten gemacht ſeien, und fälſchte die Unterſchrift des
Hauptlehrers. Um nicht Verdacht zu erwecken, verteilte er
die ganze Summe, etwa 70 Mark, auf drei Rechnungen. Als
er das Geld erhalten hatte, ging er flüchtig und konnte
zunächſt nicht ermittelt werden Das Gericht verurteilte
den Angeklagten wegen Urkundenfälſchung und Betrugs
in drei Fällen zu 2 Monaten Gefängnis. — Der
34jährige Taglöhner Jakob Daum aus Neu=Iſenburg
wurde wegen Verbrechens nach § 176,3 zu 10 Monaten
Gefängnis verurteilt, 1 Monat der
Unterſuchungs=
haft wird dem Angeklagten angerechnet. In einer weiteren
Strafſache gegen den Angeklagten wurde der Termin
ver=
legt. — In der bereits mehrmals verhandelten Strafſache
gegen den 34jährigen Taglöhner Stephan Dony den
23jährigen Friedrich Gerhardt und den 34jährigen
Chriſtoph Huthmann wegen des am 15. März an der
Eiſenbahnlinie Darmſtadt=Aſchaffenburg verübten
Kabel=
diebſtahls wurde am Samstag abermals verhandelt,
nach=
dem der letzte Termin zwecks weiterer Beweisaufnahme
vertagt worden war. Die drei Angeklagten waren am 15.
März am Odenwaldbahndamm von einem Schutzmann
beim Wegtragen der Kabelſtücke beobachtet und angehalten
worden. Sie ergriffen jedoch alle drei die Flucht und
ließen die geraubten Sachen zurück. Als ſie ſeſtgenommen
waren, geſtanden Dony und Gerhardt den Diebſtahl zu,
und gaben an, Huthmann ſei nur zum Transport mit
herangezogen worden In der letzten Verbandlung
leug=
neten ſie jedoch den Diebſtahl und wollten die Kabelſtücke
in einem Graben gefunden und für herrenlos gehalten
haben Das ärztliche Gutachten bezeichnet den Angeklagten
Dony als ſchwachſinnig und unzurechnungsfähig, er
wurde nunmehr freigeſprochen. Gerhardt wurde unter
Verſagung mildernder Umſtände zu 1 Jahr
Gefäng=
nis und 3 Jahren Ehrverluſt verurteilt Huthmann
wurde wegen Beihilfe zu 3 Wochen Gefännnis verurteilt.
Der 39jährige vorbeſtrafte Fuhrmann Johann
Evan=
geliſt Grasberger aus Babenhauſen, hat ſich als
Fuhrmann bei der Stadtmühle zu Babenhauſen Mehl
und Kleingeld im Geſamtwert von 1362 Mark durch
Dieb=
ſtahl und Untreue angeeignet. Er wird zu 2 Monaten
Gefängnis abzüglich 6 Wochen der Unterſuchungshaft
verurteilt.
D Die Umwandlung der Fremdenlogen im Hoftheater.
Vom Hoftheater wird uns mitgeteilt: „Die beiden
Frem=
denlogen des Großh. Hoftheaters werden mit
Aller=
höchſter Genehmigung durch bauliche Veränderungen in
je drei kleinere Logen umgewandelt, die
unter=
einander durch Zwiſchenwände getrennt ſind und im
äußeren Anblick den anderen Logen gleichen. Es
unter=
liegt wohl keinem Zweifel, daß durch die Herſtellung
die=
ſer Mittellogen eine Anzahl neuer Sitze geſchaffen wird,
die ſich beim Publikum beſonderer Beliebtheit erfreuen
werden. Die baulichen Veränderungen an den
Fremden=
logen werden bis zur Eröffnungsvorſtellung ſchon
voll=
endet ſein.”
Wir hatten gelegentlich des Saiſonſchluſſes bereits
darauf hingewieſen, daß aus den Kreiſen des
zahlungs=
kräftigen Publikums, das die Abonnenten ſtellt, Klage
darüber geführt worden ſei, daß durch den Umbau des
Hoftheaters viele Logenplätze verloren gegangen ſeien, da
für ſie nur die wenigen vorderen Plätze der
Balkon=
logen in Betracht kommen können, während die hinteren
minderwertig ſeien. Infolgedeſſen hätten ſich viele alte
Abonnenten, die früher daran gewohnt waren, eine Loge
für ſich zu haben, zurückgezogen. Der Umbau der
Frem=
denlogen, die nicht beliebt und verhältnismäßig wenig
beſucht waren, beweiſt, daß der neue Generaldirektor auch
nach dieſer Richtung hin beſtrebt iſt, Mängeln
abzuhel=
fen und den Wünſchen des Publikums entgegenzukommen,
und es iſt nicht zu bezweifeln, daß dieſe Neuerung von
den Logen=Abonnenten dankbar begrüßt werden wird.
Himmelserſcheinungen im September.
AK. Am 23. September, um 11 Uhr vormittags,
ge=
langt die Erde in ihrer Jahresbahn an denjenigen Punkt,
wo die Sonne ſenkrecht über dem Aequator ſteht und Tag
und Nacht auf der ganzen Erde gleich lang ſind, in
den Herbſtpunkt oder das Herbſt=Aequinoktium. Im
Kalender ſteht zu dieſer Zeit verzeichnet: Sonne in der
„Wage”, am Firmament befindet ſich die Sonne im Bilde
der „Jungfrau” Für die nördliche Halbkugel bedeutet
das den Beginn des Herbſtes, für die ſüdliche den
Beginn des Frühlings.
Während des Monats ſinkt die Sonne in ihrer
ſcheinbaren Bewegung um mehr als 11 nach Süden
herab: am 1. betrug ihre Deklination noch — 89 20‟
39.‟3, am 23. 0' und am 30. beträgt ſie ſchon — 20 44‟
36.‟4, ſie verwandelt ſich alſo von nördlicher in ſüdliche
Deklination. Um den gleichen Betrag nimmt auch die
Mittagshöhe der Sonne ab, nämlich für den
Paral=
lel von 54 (Norddeutſchland) von 44½ am 1. auf 33½
Grade am 30. September, für den Parallel von 51 (
Mit=
ſteldeutſchland) von 47½ am 1. auf 36¼ Grade am 30.
und für den Parallel von 48 (Südddeutſchland und
Oeſterreich, etwa die Breite von Wien) von 50½ am 1.
auf 39¼ Grade am 30 September. Daraus wieder folgt
eine Abnahme der Tageslänge im nördlichen und
mittleren Deutſchland von 13½ auf 11½ Stunden und im
ſüdlichen Deutſchland, Oeſterreich und der Schweiz von
12½ auf 11¾ Stunden.
Der Mond zeigt im September folgenden
Phaſen=
wechſel: Letztes Viertel am 4., um 2 Uhr 23 Min. nachm.
Neumond am 11., um 4 Uhr 48 Min. vorm., erſtes Viertel
am 18., um 8 Uhr 55 Min. vorm., und Vollmond am 26.,
um 12 Uhr 34 Min. nachm. Der Mond befindet ſich am
9. September, um 7 Uhr 3 Min, nachmittags, in Erdnähe
bei einem Abſtande von 56.5 Erdhalbmeſſern und am
21. September, um 9 Uhr 3 Min. nachmittags, in Erdnähe
bei einem Abſtande von 63.5 Erdhalbmeſſern à 6378
Kilo=
mehr. — Im Sertemher werden künf ſchwächere Sterne
vom Monde bedeckt, der hellſte von ihnen. Epſylon des
„Steinbocks” Größe 4.7, am Abend des 22.; ſein Eintritt
erfolgt für Berlin um 9 Uhr 15.9 Min. und ſein Austritt
um 10 Uhr 35.1 Min. Dagegen nähert ſich der Mond
im Laufe des Monats dreimal hellen Sternen bis auf
ſehr kurze Diſtanz, nämlich am 5., um 7 Uhr vorm., Beta
des „Stiers”, am 13., um 1 Uhr nachm., Alpha der „
Jung=
frau” und am 17., um 1 Uhr vorm., Alpha des
„Skorpions”.
Am 26. Sept, ereignet ſich eine bei uns nicht ſichtbare
partielle Mondfinſternis. Ihr Anfang findet
um 12 Uhr 3.4 Min. mittags, ihr Ende um 1 Uhr
26.4 Min, ſtatt. Die Größe der Verfinſterung= beträgt
in Teilen des Monddurchmeſſers nur 0.122. Sichtbar iſt
die Finſternis in Nordamerika, im Großen Ozean, in
Auſtralien und der Oſthälfte Aſiens.
Von den Hauptplaneken beherrſcht nur der
Saturn die Nächte des September, die übrigen ſtehen
weniger günſtig oder bleiben ganz verborgen. Merkur,
der am 8., um 5 Uhr vormittaas, in ſeine größte weſtliche
Elongation, 170 58' kommt, iſt um dieſe Zeit bis Mitte
des Monats eine Weile vor Sonnenaufgang am
Oſthim=
mel zu beobachten. Er gelangt am 11., um 10 Uhr abends,
in ſeine Sonnennähe, entfernt ſich aber von uns von 0.76
auf 1.39 Erdbahnhalbmeſſer à 149.48 Millionen Kilometer,
wobei ſein ſcheinbarer Durchmeſſer ſehr erheblich, von
8.‟8 bis auf 4.‟8, abnimmt. Am 9 September, um 1 Uhr
nachmittags, nähert ſich Merkur dem Firſtern 1. Größe
Alpha im „Löwen” bis auf 5' und am gleichen Tage,
nach=
mittags 8 Uhr, dem Monde, der nördlich an dem
Plane=
ten vorübergeht. — Venus bleibt wegen ihrer
Sonnen=
nähe im September noch unſichtbar; ihre Konjunktion mit
Mars, dem ſie ſich am 9. September, um 10 Uhr
vormit=
tags, bis auf 29’ nähert, kann daher nicht beobachtet
wer=
den. Der Erdabſtand der Venus verkleinert ſich von 1.64
auf 1.52 Einheiten (Erdbahnhalbmeſſer), ihr ſcheinbarer
Durchmeſſer wächſt infolgedeſſen von 10.‟3 auf 11.‟0. —
Mars bleibt aus gleichem Grunde verborgen. Seine
Entfernung von der Erde wird vorläufig noch größer,
und zwar von 2.54 bis anf 2.58. Einheiten — eritz am
8. Oktober tritt die Wende ein, ſein Scheibendurchmeſſer
erreicht daher rechneriſch nahezu ſeinen kleinſten Wert,
3.‟6. Der Konjunktion von Mars und Venus haben wir
eben ſchon gedacht. — Jupiter kann am ſüdweſtlichen
Abendhimmel im Bilde des „Skorpions” noch reichlich
eine Stunde lang beobachtet werden, ſteht aber ſehr tief,
ja ſeine ſüdliche Deklination nimmt noch weiter von 21
bis auf 21.5 Grade zu. Die Entfernung der Erde vom
Jupiter nimmt zu von 5.23 auf 5.67 Einheiten, der
Schei=
bendurchmeſſer des Planeten verkleinert ſich daher von
38.‟1 auf 35.‟3. Am 17. September, um 2 Uhr vormitt
tags, nach Untergang, hat der Mond mit dem Planeten
Konjunktion, wobei der Mond 4 50 ſüdlich vom Jupiter
ſteht. — Saturn geht im Bilde des Stiers” anfänglich
gegen 10, zuletzt bereits gegen 8 Uhr abends im Nordoſten
auf und bleibt darauf während der ganzen Nacht als
Stern 1. Größe in vorteilhafteſter Stellung ſichtbar. Er
kulminiert um Monatsmitte um 5 Uhr morgens. Da ſeine
Deklination ſtark nördlich iſt, nämlich faſt 19” ſteigt er
in vorgerückter Nachtzeit hoch im Süden empor. Die Erde
nähert ſich dem Saturn während des Monats von 8.95
bis auf 8.49 Einheiten; darum wächſt der ſcheinbare
Durch=
meſſer ſeiner Kugel von 18."2 bis auf 19."2. während die
große Achſe ſeines Ringſyſtems Mitte des Monats 43.‟1,
die kleine Achſe 18.‟2, alſo nicht viel weniger als der
Kugeldurchmeſſer, beträgt. Im November 1912 erreicht
das Ringſyſtem ſeine größte Oeffnung, von Süden
ge=
ſehen. Mit dem Monde hat Saturn am 4. September,
um 3 Uhr vormittags, Konjunktion, doch bleibt der
Mond noch 6½ Grade nördlich von dem Planeten.
Uranus in tiefer Stellung im Steinbock am ſüdlichen
und ſüdweſtlichen Abendhimmel, kulminiert zuerſt gegen
9½, zuletzt gegen 7½ Uhr nachmittags. Die Erde
ent=
fernt ſich von ihm von 18.98 auf 19.40 ihrer Bahnradien;
der Durchmeſſer des Uranus beläuft ſich auf nur 4.‟3.
Seine genauen Oerter ſind am 1. September AR
(Rektaſzenſion) 20 h 9 m 38s und D (Deklination)
20% 44.5, am 30. AR 20 h 7 m 24s und D — 20
50.1. — Neptun weilt im Bilde der „Zwillinge” am,
frühensMargenhimmel. Sein Erdebltand vermindertich
Nummer 206.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 2. September 1912.
Seite 3
Hoffentlich werden dieſe neuen Logen nun auch recht
fleißig benützt.
* Herr Kammerſänger Riechmann feiert zu Beginn
der Saiſon ſein 25jähriges Jubiläum. Er wurde
von 1887/88 ab für unſer Hoftheater als Nachfolger von
Gillmeiſter engagiert, nachdem er in der vorhergehenden
Saiſon als Marcel und Rumkatt gaſtiert hatte.
— Edle Tat einer Schweſter. Im Hauſe
Pankratius=
ſtraße 67 verbrannte ſich vor einiger Zeit ein 9jähriger
Knabe ſo ſchwer, daß er noch heute im Krankenhaus liegt,
ohne daß Heilung in Ausſicht iſt. Die Aerzte können die
Brandwunden nur durch Auflegen von geſunder Haut
heilen. Der Knabe iſt aber zu elend, um die Haut von
ihm abnehmen zu können. Jetzt hat ſich ſeine 14 Jahre
alte Schweſter erboten, drei Stücke Haut von ſich nehmen
zu laſſen, damit dem Bruder das Leben gerettet wird.
— Die Beſucher der Ausſtellung „Der Menſch”.
Wer als aufmerkſamer Beobachter die Ausſtellung
„Der Menſch” im Großherzoglichen Reſidenzſchloß zu
Darmſtadt durchſchreitet, dem wird vor allem auffallen,
daß ſich hier wie kaum in einer anderen Ausſtellung die
Beſucherſchichten aus allen Berufs= und
Geſellſchafts=
klaſſen zuſammenſetzen. Lehrer, Beamte, höhere Offiziere,
Gelehrte und ſchlichte Arbeiter, junge Mädchen,
Kranken=
ſchweſtern, Aerzte und Studenten wandern durch die
zahl=
reichen Räume der Ausſtellung; nicht haſtig und in
flüch=
tiger Neugierde, wie es wohl ſonſt zu geſchehen pflegt,
ſondern aufmerkſam und mit ſichtlichem Intereſſe von
einem Objekt zum anderen gehend und mit offenbarem
Vergnügen und Lerneifer an den Modellen und Apparaten
Verſuche machend, gleichſam ſich ſelbſt belehrend.
Aller=
dings ſind auch die meiſten Ausſtellungen mehr oder
weniger Fachausſtellungen, die ſich nur an einen kleinen
Kreis wenden und nur ſolche Gebiete behandeln, die wohl
alle verſtehen, die aber nicht jeden gleichmäßig
intereſſie=
ren. Die Darmſtädter Ausſtellung „Der Menſch”
da=
gegen wendet ſich an Alle; ſie behandelt alles, was den
Menſchen ſelbſt berührt, ſeine Geſundheit und ſeine
Lebensführung, das ganze menſchliche Daſein von der
Geburt bis zum Grabe, und der Beſucher, ſelbſt der
hygieniſch ungeſchulte Laie, ſpürt, daß er hier Belehrung
und Aufklärung empfangen wird, die für ihn von
höchſter Bedeutung iſt. Wie gut die Bedeutung der
Ausſtellung vom Publikum erkannt worden iſt, das
zeigt ſich an der Zahl der Beſucher. Mit jedem Tage
iſt die Anzahl der Ausſtellungsbeſucher gewachſen, die
an manchem Tage die Höhe von über 3000 Perſonen
annahm. Seit ihrer Eröffnung bis heute iſt die
Aus=
ſtellung von nahezu 35000 Perſonen beſucht worden.
— Bezüge der Altpenſionäre. Manſchreibt uns: Am
Mittwoch, den 4. September, nachmittags 3 Uhr, hält der
„Verein penſionierter Beamter und Lehrer und deren
Hinter=
bliebenen” eine Verſammlung in Darmſtadt in der
„Stadt Pfungſtadt” ab. In dieſer Verſammlung ſoll
Einſpruch dagegen erhoben werden, daß in Heſſen den
Altpenſionären und Althinterbliebenen nur
unter=
ſtützungsweiſe Erhöhung ihrer Bezüge zugeſtanden
werden ſoll. In der Einladung zu der Verſammlung
heißt es unter anderem: „Wir haben Anſpruch auf eine
geſetzliche Beſſerſtellung und ſind der Anſicht, daß
die von uns aus den früheren hohen Einlagen und
Beiträgen herrührenden Millionen der Witwenkaſſe für
Beamte und für Lehrer lediglich zu Gunſten der
Witwen Verwendung ſinden müſſen, wie in
Württem=
berg geſchehen, das damals die Witwengelder von
33½ Proz. auf 50 Proz. erhöhte.” Hoffentlich gelingt
es, die öffentliche Meinung zu Gunſten der ergrauten
Beamten und Witwen aufzurufen und die Regierung
von dem „guten Recht” der Altpenſionäre und
Alt=
hinterbliebenen zu überzeugen.
Volksbildungsverein und Ausſtellung „Der
Menſch”. Im Anſchluß an unſeren letzten Artikel
betreffend Führungen des Vereins für Verbreitung von
Volksbildung in der Ausſtellung „Der Menſch” teilt
uns der Vorſtand des Vereins weiter mit, daß ihm
durch gütige Zuwendung mehrerer Spenden die Mittel
gegeben ſind, minderbemittelten Vereinsmitgliedern die
Teilnahme an den abendlichen Führungen zu erleichtern.
Die Beſtimmung über die Zeit, die Kartenbeſtellung uſw.
finden ſich in der Bekanntgabe des Vereins im
Anzeigen=
teil heutiger Nummer.
* Verband evangeliſch=kirchlicher Frauenvereine
im Großherzogtum Heſſen. Auf die am 4. September
im Gemeindehaus”, Kiesſtraße 17, nachmittags 3 Uhr,
ſtattfindende Hauptverſammlung ſei hierdurch nochmals
hingewieſen. Nach Erledigung der Tagesordnung wird
Herr Pfarrer Meiſinger=Fränkiſch=Crumbach einen
Vor=
trag halten über: „Das künſtleriſche Wandbild in ſeiner
Bedeutung fürs deutſch=evangeliſche Haus.‟ Der Redner
leitet ſchon ſeit einigen Jahren Wanderausſtellungen
zur Verbreitung künſtleriſchen Wandſchmucks. Bilder
gehören zu einer geſchmackvoll ausgeſtatteten Wohnung,
welche die Liebe zur Häuslichkeit erhöht und wodurch
der Drang nach anderer Umgebung vermindert wird.
Bilder wirken auch erzieheriſch auf die heranwachſende
Jugend und ſind darum, wie ein Kenner unſeres Volkes
nicht mit Unrecht ſagt: „Gift oder Mitgift für die
folgende Generation”.
(*) Der Vorſtand des Landeslehrervereins beruft
die Obmänner der Bezirksvereine zu einer
Obmänner=
verſammlung auf den 13. September nach
Frankfurt, um über die Beſoldungsordnung,
die bekanntlich im Winterſemeſter vom heſſiſchen
Land=
tag definitiv geregelt werden ſoll, zu beraten. Alle
Be=
zirksvereine ſollen bis dahin die Vorſchläge des
Vor=
ſtandes beſprochen haben, ſo daß die Obmänner die
Wünſche ihrer Lehrer vorbringen können. Die
grund=
ſätzliche Forderung „Gleichſtellung der Volksſchullehrer
im Gehalte mit den mittleren Finanzbeamten, die nach
der letzten Beſoldungsvorlage einen penſionsfähigen
Ge=
halt von 4900 Mk. erhalten ſollten” gibt der Vorſtand
nicht auf; er wünſcht ferner Gleichſtellung mit den
Real=
lehrern, das ſind Volksſchullehrer an höheren Schulen.
Vereinigte Ortskrankenkaſſe Darmſtadt. Der
Mitgliederſtand betrug am 24. Auguſt l. J.
männ=
lich 9837, weiblich 6565, zuſ. 16 402, in Prozenten 60,00,
40,00. Der Krankenſtand betrug am 24. Auguſt l. J.
männlich 424, weiblich 331, in Prozenten 4,31, 5,05.
An Krankengeld wurden ausgezahlt in der Woche
vom 19. Aug. bis 24. Aug. l. J. 5442,24 Mk. (1911: 5054,31
Mark). An Wöchnerinnen waren vorhanden am
24. Auguſt l. J. 26. Sterbefälle kamen vor in der
Woche vom 19. Auguſt bis 24. Auguſt l. J. 3.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer
Expedition (Rheinſtraße 23) ſind von heute ab folgende
Bilder neu ausgeſtellt: Der erſte Beſuch Kaiſer
Wilhelms II. in der Schweiz im Mai 1893, der
Empfang des Kaiſerpaares in Luzern; das Luftſchiff
„Hanſa” während einer Fernfahrt über Helgoland. Die
neue Vigiljochbahn (Drahtſeilbahn) bei Meran;
Aus=
muſterung öſterreichiſcher Offiziere, der Schwur der
Kameradſchaft.
2 Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
vergangener Woche. Butter ½ Kg. 1,50 M., in Partien
1,40 M., Eier 6—10 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 20 Pf.,
Handkäſe 4—10 Pf., Kartoffeln Zentner 3,00—3,25 M.,
Kumpf (10 Liter) 50—55 Pf., ½ Kg. 5 Pf., Mäuschen ½ Kg.
10 Pf.; Obſt u. dgl.: Aepfel Zentner 5—12 M., ½ Kg.
5—15 Pf., Birnen Zentner 5—14 M., ½ Kg. 5—15 Pf.,
Zwetſchen ½ Kg. 10—12 Pf.; Brombeeren ½ Ltr. 12 Pf.,
Mirabellen ½ Kg. 30 Pf., Zitronen 6 Pf., ausländiſche
Trauben ½ Kg. 30 Pf.: Salat, Gemüſe: Kopfſalat
5 Pf., Endivien 3—4 Pf., Bündel Radieschen 2 Pf., Rettiche
3—5 Pf., Schälgurken 3—10 Pf., Einleggurken 100 Stück
50—80 Pf., Bündel Roterüben 5—6 Pf., Bündel Römiſch=
Kohl 2 Pf., Spinat ½ Kg. 12—14 Pf., Meerrettich 15 bis
30 Pf., Zwiebeln ½ Kg. 8 Pf., Tomaten ½ Kg. 16 Pf.,
Wirſing 4—6 Pf., Blumenkohl 5—15 Pf., Weißkraut 8
bis 10 Pf., Rotkraut 10—15 Pf. Bohnen ½ Kg. 10—15 Pf.;
Geflügel, Wild: junge Gänſe 5 M., Enten 3—4 M.,
Hahnen und Hühner 1,50—2,00 M., Tauben 60 Pf.; Fiſche
½ Kg.: Aal 90 Pf., andere Rheinfiſche 35—40 Pf.,
Rot=
zungen 80 Pf., Schollen 35 Pf., Kabeljau 35 Pf.,
Schell=
fiſche 25 Pf.; in den Fleiſchſtänden ½ Kg.: Rindfleiſch
70 Pf., Hackfleiſch 76—80 Pf., Rindsfett 70 Pf.,
Rinds=
würſtchen (Stück) 15 Pf., Schweinefleiſch 96 Pf., geſalzenes
und Koteletts 1 M., Schwartenmagen und Fleiſchwurſt
90 Pf., Leber= und Blutwurſt 70 Pf.
§ Einbruchdiebſtahl. Freitag nacht wurde in der
Spaniſchen Weinſtube, Mathildenplatz, eingebrochen und
eine Kaſſette mit 150 Mark geſtohlen.
f. Groß=Zimmern, 30. Aug. Mit der Verſehung der
hieſigen Gemeinderechnerſtelle während der
Vakanzzeit wurde Herr Rechnungsreviſor Aug.
Stör=
ger (Darmſtadt), ein Sohn des verſtorbenen hieſigen
Ge=
meinderechners, beauftragt. — Herr Dekan Bitz kann
dieſer Tage auf eine 25jährige ſegensreiche Tätigkeit in
hieſiger Gemeinde zurückblicken. Aus dieſem Anlaß ſoll
eine größere Feſtlichkeit am 6. Oktbr. veranſtaltet werden.
Offenbach, 31. Aug. In der verfloſſenen Nacht kam
es in einer Wirtſchaft in der Ziegelſtraße zwiſchen dem
33jährigen Gelegenheitsarbeiter Heinrich Landſetzer,
Großer Biergrund 41, und dem 29 Jahre alten
Geflügel=
händler Eduard Bohn, Borngaſſe 6, infolge geringfügiger
Urſachen zu Meinungsverſchiedenheiten, in deren Verlauf
Landſetzer aus einem Revolver einen Schuß auf ſeinen
Gegner abgab, der dieſen in die linke Bruſtſeite traf. B.
mußte nach dem Stadtkrankenhaus gebracht werden. Die
Verletzung iſt lebensgefährlich. Landſetzer wurde
ver=
haftet.
Erbach i. O., 30. Aug. Ein ſchweres
Automo=
bilunglück ereignete ſich am Donnerstag in der Nähe
von Ebersberg bei Erbach. Ein von Eberbach
kommen=
des Automobil, das voll beſetzt war, geriet in einer
naſ=
ſen Stelle im Walde, als es einem Laſtfuhrwerk
auswei=
chen wollte, ins Rutſchen, lief in den Straßengraben und
überſchlug ſich. Sämtliche Inſaſſen wurden
herausge=
ſchleudert und kamen zum Teil unter das Auto zu liegen.
Sie wurden alle mehr oder minder verletzt. Ein
Fabri=
kant aus Groß=Bieberau erlitt eine Quetſchung des
Bruſtkorbes, ein Herr aus Bad Nauheim
verſchie=
dene komplizierte Armbrüche. Aerztliche Hilfe war raſch
zur Stelle. Die Schwerverletzten wurden ins
Kran=
kenhaus nach Darmſtadt transportiert.
* Heppenheim, 30. Aug. Auf Einladung des Beſitzers
des neu erbauten Hotels zum „Halben Mond” hatten ſich
über 100 Gäſte aus allen Kreiſen unſerer Bürgerſchaft
und auch von auswärts im „Halben Mond” eingefunden,
um an dem zur Feier der Wieder=Erſtehung
des Gaſthauſes veranſtalteten Feſteſſen
teilzuneh=
men. Das Eſſen war ausgezeichnet, der Weinkeller
ſpen=
dete vortreffliche Weine, darunter die vorzügliche
Haus=
marke „Steinköpfer Ausleſe”, eigenes Wachstum des
„Halben Mondes” aufmerkſame Bedienung und eine
tadelloſe, wenn auch etwas post kestum einſetzende
Tafel=
muſik taten das ihre, und ſo konnte es nicht ausbleiben,
daß die beſte Stimmung herrſchte. Außer den leiblichen
Genüſſen war auch für geiſtige Anregung geſorgt. Kaum
hatte das Mahl begonnen, ſo beſtieg ein Enkel des „alten
Franck” die Bühne, um mit lauter Stimme einen
ſinni=
gen Prolog, gedichtet vom Odenwalddichter Karl
Schä=
fer aus Darmſtadt, welcher mit ſeiner Frau Gemahlin
am Feſteſſen teilnahm, vorzutragen. Die Feſtrede hatte
Herr Kreisrat v. Hahn übernommen, der eingangs
ſei=
ner Worte zuerſt des Ludwigstages und damit des
Na=
menstages unſeres allverehrten Landesfürſten Ernſt
Lud=
wig gedachte und ein Hoch auf unſeren geliebten
Groß=
herzog ausbrachte, welches begeiſterte Aufnahme fand.
In Verfolg ſeiner Rede gedachte er in einem geſchichtlichen
Rückblick der Schickſale des alten „Halben Mondes” „Es
werde behauptet, daß der Gaſthof ſchon im 17.
Jahrhun=
dert beſtanden habe. An ſeiner Stelle habe vor ihm
viel=
leicht ein Edelhof geſtanden, dem vielleicht auch das letzten
Winter gefundene und jetzt am Eingang eingemauerte
Wappen entſtamme. Im 18. Jahrhundert war der „Halbe
Mond” bereits ein bekanntes und berühmtes Gaſthaus.
So wohnte im Jahre 1793 die damalige ruſſiſche Kaiſerin.
in dem Hauſe, als ſie, von Frankfurt kommend, unterwegs
erkrankt war, und blieb bis zu ihrer Wiederherſtellung.
Auch beim Uebergang der früheren Mainziſchen Aemter
an der Bergſtraße an Heſſen im Jahre 1803 wird der
„Halbe Mond” urkundlich erwähnt, indem der
Regier=
ungskommiſſar, der am Vormittag des 18. Januar die
Beamten auf die neue Regierung verpflichtet hatte, am
Nachmittag im „Halben Mond” ein Feſteſſen gab. Im
gleichen Jahre am Ludwigstage beſuchte der damalige
Landgraf Ludwig X., der ſpätere Großherzog
Ludewig I., mit ſeiner Gemahlin Heppenheim,
um ſich huldigen zu laſſen, und dann in allen Baſthäuſern
der Stadt ſeine Untertanen bewirten zu laſſen, und
jeden=
falls nicht an letzter Stelle im „Halben Mond”. 1826 kam
das Haus in den Beſitz der Familie Franck. Ludwig F.
brachte das Haus zu hoher Blüte. Auch die erfolgende
Erbauung der Main=Neckar=Bahn brachte dem „Halben
Mond” lebhaften Verkehr, da die Bahn nach ihrer
Fertig=
ſtellung einige Zeit nur bis Heppenheim ging. Im Jahre
1859 übernahm Herr Heinrich Franck das Gaſthaus.
Wäh=
rend der Beſitzzeit des Herrn Heinrich F. erfuhr das Hotel
auch mehrfach bauliche Vergrößerungen, die letzte im
Jahre 1898 mit Erſtellung des von Profeſſor Metzendorf.
entworfenen neuen Saales, der dem Brand im Jahre 19111
zum Opfer fiel. Im Jahre 1908 erfolgte der Uebergang
auf Herrn K. M. Seibert. Prof. H. Metzendorft
von 30.70 auf 30.27 Einheiten, doch kommt ſein
ſchein=
barer Durchmeſſer nicht über 2.‟5 hinaus. Genaue Orte
des nur für große Inſtrumente als Scheibe erkennbaren
Planeten ſind: am 1. AR 7 h 47 m 55s und D — 20
37.2, am 30. AR 7h 50 m 41 s und D — 20% 30%
Mit Zunahme der Länge und Dunkelheit unſerer
Nächte erhöht ſich auch der Glanz des
Firſternhim=
mels doch wird dieſer in der zweiten Monatshälfte
abends durch Mondſchein abgeſchwächt. Die weniger
eindrucksvollen, an hellen Sternen armen
Sommerſtern=
bilder ſchwinden nun allmählich dahin, und an ihre
Stelle treten die, zuerſt freilich noch ſehr ſpät (erſt gegen
Morgen) aufgehenden ſchönen Winterſternbilder. Abends
gegemn 10 Uhr erhebt ſich der unendlich ferne
Sternen=
ſtrom der Milchſtraße, der unſer ungeheures Weltſyſtem
gleich einem Okeanos aus Licht umgürtet, am
Nordoſt=
horizont, ſteigt gerade empor zum Zenit und ſenkt ſich
jenſeits wieder gerade zum Südweſthorizont, wo er ſich
in zwei Arme gabelt. Lacteus orbis, Cireulus lacteus
(Milchkreis) oder Via lactea (Milchweg) nannten ihn die
Römer, Gäls. (Milch) oder Galaxias kyklos (Milchkreis)
oder auch einfach Galaxſas die Griechen, Fl-madscherra
Zug) die alten, Nahr el-madscherra (Nahr heißt Fluß)
nennen ihn die jetzigen Araber; auch ſymboliſierten ihn
die Araber mit der Om el-semä, der Mutter des
Him=
mels, die den Himmel gleichſam mit ihrer Milch
näh=
rende. Beim Zenit gewahren wir um dieſe Zeit das
Bild des „Schwans” deſſen vier Sterne Delta, Gamma,
Epſylon, Zeta die Milchſtraße ſenkrecht durchſchneiden.
Noch näher dem Zenit finden wir den Stern 1. Größe
Alpha dieles Bildes; er hieß arabiſch Dseneb el-
ded-
schädsche, Schwanz der Henne, denn der „Schwan” war
bei den Arabern El=-dedschädsche, die Henne, und
ſeit=
dem trägt Alpha den Namen Deneb. Nach Nordoſten
ſchließen ſich an „Caſſiopeja” „Perſeus” und „
Fuhr=
mann” mit Capella, nach Südweſten „Leier” mit Wega,
„Delphin” und „Adler‟. Den Tierkreis bezeichnen von
Südweſten nach Nordoſten die Bilder „Schütze”, „
Stein=
bock”. „Waſſermann”, „Fiſche”, „Widder” und „Stier”,
deſſen Siebengeſtirn, gefolgt von Aldebaran, abends im
Oſten auftaucht. Zwiſchen „Widder” und Caſſiopeja”
ſehen wir die „Andromeda” daneben rechts (ſüdlich vom
„Schwan”) dem „Pegaſus” im Weſten den „Bootes”
mit Arctur, darüber die „Krone”, im Nordnordweſten den
„Großen Bären” und darüber am nördlichen
Himmels=
pole, den „Kleinen Bären” mit dem Polarſterne.
Fenilketon.
* Die Tragödie einer ſpäten Liebe. Die
Liebes=
geſchichte zweier Sechzigjährigen, die in der Rue
Poli=
veau zu Paris einen blutigen Abſchluß fand, klingt faſt
wie ein Dickensſcher Roman. Marguerite Baillif war
in ihren Jugendjahren eine gefeierte Tänzerin, die mit
ihrer Schönheit und ihrer Kunſt in allen großen Städten
Europas Triumphe feierte. Sie fand Anbeter, ſo viel
ſie wollte, und lebte ſorgenlos im Luxus. Aber wie ſo
viele ihrer Art, dachte Marguerite nicht an die Zukunft,
und mit 60 Jahren lief ſie nun als Straßenhändlerin in
Paris und pries in den Höfen der Häuſer ihre Beſen und
Aufwiſchlappen an. Aus ihrer Glanzzeit hatte die
frü=
here Tänzerin ihre Koketterie bewahrt und die
geheim=
nisvolle Gabe, die Männer anzulocken. Trotz der weißen
Haare ihrer 60 Jahre hatte Marquerite Baillif noch
Liebhaber. Im November vergangenen Jahres lernte
die Straßenhändlerin in einer Schenke Jules Noeppel
kennen, einen braven Schloſſer, der im ſelben Alter ſtand,
wie ſie. Noeppel hatte geerbt. Er hatte 3000 Francs
in der Taſche. Er konnte Marquerites Reizen nicht
widerſtehen, und bald wurden die beiden Alten einig.
Noeppel zog zu der Baillif, und ſie verlebten nun, wie
junge Eheleute, wonnevolle Flitterwochen. Aber Jules
Glück ging zu Ende, und zwar gleichzeitig mit dem Gelde.
Aus ihren früheren Jahren hatte die grauſame Schöne
auch die Gewohnheit beibehalten, die Liebhaber vor die
Tür zu ſetzen, wenn kein Geld mehr da war. Als am 10.
Juli Jules konſtatieren mußte, daß ſein Kapital auf 400
Francs zuſammengeſchrumpft war, war es mit der Liebe
aus, und Marguerite warf ihn hinaus. Sie fand bald
einen reicheren Liebhaber. Gebrochenen Herzens lief
Jules in den Straßen von Paris herum. Mit 60 Jahren
lernte Jules nun auch die Eiferſucht kennen. Wo er
Marguerite fand, machte er ihr Szenen. Er flehte,
drohte, aber die Tänzerin hatte kein Mitleid. Jules
Noeppel trug ſeine letzten zehn Francs zum
Waffen=
händler. Dann klopfte er an die Tür der Angebetenen,
die ihm aber nicht geöffnet wurde. Zwei Stunden
war=
tete er nun vor dem Hauſe, bis Marguerite heraustrat.
Ein letztes Mal flehte er die Grauſame an, ihn wieder
aufzunehmen. Als Antwort ſpie ihm die Tänzerin ins
Geſicht. Da ertönten ſechs Schüſſe. An der Ecke der
Rue Poliveau lagen zwei Leichen.
* Ein Hochzeitszug auf dem Fahrrade. Ein
Hoch=
zeitszug von nicht gexade alltäglichem Ausſehen bewegte
ſich kürzlich durch die Straßen Brüſſels nach dem
Rat=
haus: ein Hochzeitszug auf dem Fahrrade. Braut und
Bräutigam, die beiden Hauptbeteiligten, Brautvater und
Brautmutter, Trauzeugen und eine Anzahl geladener
Gäſte im hochzeitlichen Gewande, die Kavaliere im
Geh=
rock und Zylinder, die Damen in weißen Kleidern,
ſtram=
pelten luſtig dahin. Sie ſind ſämtlich Mitglieder des
Radfahrervereins „La Pedale” und haben ſich
anſchei=
nend zum Grundſatz gemacht, in allen Lebenslagen das
Pedal zu treten. Auf den Boulevards der inneren Stadt
ſtrömten die Neugierigen in Scharen zuſammen. Voraus
kam mit einer weißen Blume im Knopfloch und der
Ver=
einsfahne der Hochzeitslader, dann folgten mehrere
Paare und ein Dreirad, auf dem in der Mitte ein Herr
ſaß, während zwei Damen zur Seite die Fortbewegung
beſorgten. Auf einem Tandem in gleichmäßigem Auf
und Nieder der Pedale zog das Brautpaar dahin, der
glückliche Bräutigam führte, wie es in einer richtigen Ehe
ſein ſoll. Aber auch die Braut hatte Hoſen an, und
manche Zuſchauer wollten das faſt als eine
Vorbedeut=
ung für die Geſtaltung dieſer Radfahrer=Ehe nehmen.
Auf dem Rathausplatz fuhr der ganze Zug eine Runde,
und im ſchönen Trauungsſaal ſprach der Standesbeamte
das Paar zuſammen. Unter den Klängen der
Braban=
conne, der belgiſchen Nationalhymne, ſetzte ſich der Zug
dann wieder in Bewegung, um in einer nahegelegenen
Kneipe das Ereignis zu begießen.
— Die Katzenplage in Waſhington. Die Polizei in
Waſhington hat gegenwärtig neben ihren anderen
Oblie=
genheiten auch noch mit der Vernichtung der verwilderten
Katzen zu tun, die eine wahre Stadtplage geworden ſind.
3000 Tiere ſind von den Poliziſten bereits abgeſchoſſen
worden, die heute noch Tag für Tag 50 Stück zur Strecke
bringen. Man behauptet, daß keine Stadt der Welt mehr
Katzen hat, als Waſhington, und daß dieſe
Katzenüber=
ſchwemmung auf das leichtſinnige Anerbieten eines
Menageriebeſitzers zurückzuführen iſt, der vor 15 Jahren
für Fütterung ſeiner Raubtiere Katzen ſuchte und pro
Stück 80 Pfennig zu zahlen verſprach. Die Offerte ſoll
ein ſolches Angebot von Katzen zur Folge gehabt haben,
daß der Menageriebeſitzer angeſichts des Andrangs
Ver=
kaufsluſtiger die Annahme ſchließlich verweigern mußte,
was die Katzenbeſitzer beſtimmte, die Tiere, die ſie nicht
los werden konnten, freizulaſſen, um ſich die Mühe des
Rücktransports zu erſparen.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 2. September 1912.
Nummer 206.
ſſchuf die Baupläne zum Neubau, und unter der
gewiſſen=
haften Leitung des Herrn Verwalters Liſtmann iſt der
Bau zu dem geworden, wie er heute vor uns ſteht. Sein
Hoch galt dem „Halben Mond” und den Familien Franck
und Seibert. Herr Bürgermeiſter Kohl betonte in einer
ſpäteren Rede, daß auch die Stadtgemeinde als ſolche ein
lebhaftes Intereſſe an einem erſtklaſſigen Gaſthauſe habe
und wünſchte dem Hauſe ferneres Wachſen, Blühen und
Gedeihen. Während der Reden wechſelten Muſikſtücke
mit allgemeinen Geſängen, ſo daß am Schluß des
Feſt=
mahles allgemeiner Frohſinn herrſchte, der noch lange
an=
hielt.
Mainz, 30. Aug. Wie gemeldet, iſt im Winterhafen
von dem Laufbrett eines vor Anker liegenden Schiffes ein
Mädchen in den Rhein geſtürzt und ertrunken. Wie
die Unterſuchung ergab, wollte die Ertrunkene mit einem
Matroſen (beide waren betrunken) an Bord gehen. Der
Kapitän des Schiffes gab dies aber nicht zu. Während
der Verhandlungen ſtürzte das betrunkene Mädchen in
den Rhein und ertrank. Geſtern wurden der Kapitän
und der Matroſe von der Polizei vom Schiffe geholt und
auf der Kriminalpolizei vernommen. Die Vernehmung
ergab, daß die beiden Leute völlig unſchuldig an dem
Unglücksfalle ſind, worauf ſie entlaſſen wurden.
Wendelsheim, 31. Aug. Gegen den unglücklichen
Jäger, der vor einigen Tagen den Landwirt
Dex=
heimer von hier auf der Hühnerjagd aus
Unvorſichtig=
keit durch einen Schrotſchuß ſo ſchwer verletzte, daß
in=
folge der Verletzung der Tod eintrat, iſt von der
Staatsanwaltſchaft in Mainz ein Strafverfahren
eingeleitet worden wegen fahrläſſiger Körperverletzung
mit tödlichem Erfolge.
D Bad Nauheim, 31. Aug. Bis zum 29. Auguſt ſind
32 418 Kurgäſte angekommen, wovon an genanntem
Tage noch 5798 anweſend waren. Bäder wurden bis zum
29. Auguſt 416 113 abgegeben.
Reich nud Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 31. Aug. Das
Kaiſer=
paar und die Prinzeſſin Viktoria Luiſe ſind
geſtern nachmittag 5 Uhr 50 Minuten im Sonderzug auf
dem Potsdamer Bahnhof eingetroffen. Das Kaiſerpaar
verließ, von einer großen Menſchenmenge ſtürmiſch mit
Hochrufen begrüßt, den Bahnhof und fuhr nach dem
Schloſſe. — Eine glänzende Marſchleiſtung
vollführten 23 Primaner der Oberrealſchule zu Mülheim
(Ruhr), die am Donnerstag hier eintrafen. Sie haben
unter Führung ihres Turnlehrers, Herrn Klinckert, und
lähres Direktors, Herrn Dr. Neuendorf, den ganzen Weg
von Mülheim (Ruhr) bis Berlin zu Fuß zuruckgelegt.
Die Wanderung, die über den Harz führte, hat 21 Tage
gedauert. In Berlin wollen die jungen Leute fünf Tage
bleiben, um die Reichshauptſtadt anzuſehen und
Wett=
kämpfe im Rudern und Schlagballſpielen auszuführen.
Sie ſind bei den Schülern von Berliner höheren
Lehr=
fanſtalten einquartiert worden. —— Die erneut
anbe=
raumte Hauptverhandlung gegen den Raubmörder
Trenkler muß wieder ausgeſetzt werden, da Trenkler
nach ärztlicher Anſicht zurzeit nicht
verhandlungs=
fähig iſt.
Biebrich, 30. Aug. Die Biebricher
Stadt=
kaſſe hat in dieſen Tagen an den Wiesbadener
Arzt Dr. Ziemſſen den Betrag von 50000 Mark
ausbezahlt. Das iſt das teilweiſe Ergebnis eines
nun=
mehr über fünf Jahre dauernden gerichtlichen Streites
wegen einer gebrochenen Zehe. Der Kläger hat
neben der oben genannten Summe noch den Anſpruch auf
eine jährliche Rente von 6860 Mark vom 20. Juli d. J.
ab bis 20. 3. 1917, und eine lebenslängliche jährliche Rente
von 3000 Mark ab 20. März 1917. Dr. Ziemſſen hatte am
20. Oktober 1906 einen Ritt über die Adolfshöhe gemacht
und war auf ein Grundſtück geraten, das die Verbindung
zur Vorgartenſtraße herſtellt. Dabei geriet ſein Pferd
mit einem Fuß in einen dort befindlichen
Waſſermeſſer=
ſchacht, deſſen Deckel einbrach, wodurch der Kläger vom
Pferde ſtürzte und ſich dabei einen Bruch der Daumenzehe
des linken Fußes zuzog. Obwohl die Stadt eine
Haft=
pflicht ablehnte, da ſich der Unfall außerhalb des
eigent=
lichen Reitweges abſpielte, kam es zu der Verurteilung,
wie oben angegeben. Das Reichsgericht ſtellte ſich
näm=
lich in der Reviſionsverhandlung auf den Standpunkt,
daß dieſer Zugang zur Vorgartenſtraße, für den kein
Reitverboten beſtanden habe, als öffentlicher Weg zu
gelten habe, da nach der Spruchpraxis des Reichsgerichts
die Oeffentlichkeit eines Weges dann anzunehmen ſei,
ſwenn die rechtlich Beteiligten auch nur ſtillſchweigend ihr
Einverſtändnis damit zu erkennen gegeben haben, daß
der Weg als öffentlicher benutzt wird. Bei der Bemeſſung
der Rente nahm das Gericht durch die Angaben des
Klä=
gers als erwieſen an, daß der Unfall bleibende nachteilige
Folgen für ihn durch die Verminderung ſeiner
Erwerbs=
möglichkeit hat. Die Stadt Biebrich iſt übrigens gegen
den ihr entſtandenen Haftſchaden durch Verſicherung
ge=
deckt.
Rüdesheim, 30. Aug. Allgemein herrſcht die
Mein=
ung, das lange Regenwetter habe die Ausſichten des
Weinherbſtes weſentlich beeinträchtigt und die Reife
verzögert. Demgegenüber muß betont werden, daß ſchon
am nächſten Samstag der Weinbergſchluß im
Rüdeshei=
mer Berg ſtattfindet. Die Trauben haben ſich
vor=
züglich entwickelt, man trifft überall reife
Bee=
ren an. Die Entwickelung derſelben iſt weiter vor als im
vorigen Jahre, und man glaubt aus dieſem Grunde, daß
— machen die Trauben weiter ſo Fortſchritte —, der
1912er nicht weit hinter dem 1911er „marſchieren”,
viel=
leicht ſogar ihn quantitativ noch übertreffen wird, wenn
der September viel Sonne bringt.
München, 30. Aug. Auf dem Zirler Berg ereignete
ſich heute vormittag auf der Strecke Ettl-Garmiſch ein
ſchwerer Automobilunfall. Um 12½ Uhr mittags
ſauſte ein mit ſieben Engländern beſetztes
Mietsauto=
mobil mit raſender Geſchwindigkeit aus Garmiſch über
Seefeld nach Zirl. In dem Wagen befanden ſich Miß
Sang und ihre Mutter, ferner zwei Amerikanerinnen, ein
Amerikaner namens Funjack aus New=York und ein Herr
Gerſon, ſowie ein Knabe. Als der Wagen den Zirler
Berg herunterfuhr, verſagte plötzlich die Bremſe. Der
Wagenlenker verſuchte, das Automobil auf die andere
Seite der Straße zu reißen, doch gelang ihm das nicht
und der Wagen ſtürzte um. Der Chauffeur flog in
wei=
tem Bogen über den Straßenrand, die anderen Inſaſſen
blieben neben dem Auto liegen. Während der
Chauf=
feur und eine Dame ſofort tot waren, wurde
eine andere Dame in ſchwer verletztem Zuſtande in das
Krankenhaus nach Zirl gebracht, wo ſie bald nach ihrer
Einlieferung ſtarb. Ein Herr, der den Chauffeur am
Lenkrad abgelöſt hatte, wurde verhaftet.
München, 31. Aug. Auf der Station Winter=
Schneid=
bach wurde ein auf den Schienen ſtehendes Kind vom
Zuge erfaßt und getötet. Der Lokomotivführer
bekam vor Schreck hierüber einen Schlaganfall und
wurde bei der Station Treuchtlingen tot von der
Ma=
ſchine gehoben.
Karlsruhe, 31. Aug. Ueber den verſuchten
Dieb=
ſtahl des Staatsſchmuckes der Großherzogin
wird noch gemeldet: Es handelt ſich um einen Hoflakai
namens Richert, der etwa 35 Jahre alt, ſeit über 15
Jah=
ren im Schloſſe angeſtellt iſt und als treuer Diener galt.
Richert telephonierte mit verſtellter Stimme an das
Schloßperſonal und beauftragte einen Hofbedienſteten,
den Staatsſchmuck der Großherzogin aus dem Gewölbe
des Hoffinanzamtes abzuholen. Richert beabſichtigte,
dem Boten den Schmuck dann abzunehmen, und zwar
unter der Vorſpiegelung, er ſolle ihn direkt zur
Großher=
zogin ins Palais bringen. Alle Vorbereitungen zu der
Flucht hatte er bereits getroffen. Dem Boten wurde
je=
doch der Schmuck nicht ausgehändigt, weil er keine
Be=
ſcheinigung hatte. Der verſuchte Juwelendiebſtahl wurde
durch Zufall entdeckt, der Täter konnte aber nicht ermittelt
werden. Erſt durch eine private Anzeige kam die Affäre
zur Kenntnis der Kriminalpolizei. Die Frau Richerts,
die von ihrem Manne ſchlecht behandelt und finanziell
zugrunde gerichtet war, erſtattete gegen ihren Mann
An=
zeige, daß er bei einem Hofkurier eingebrochen und eine
Kaſſette mit 500 Mark und ein Sparkaſſenbuch geſtohlen
hätte. Die Polizei hielt nun bei R. eine Hausſuchung
ab, und bei dem Verhör durch die Staatsanwaltſchaft
ſtellte ſich heraus, daß Richert auch derjenige war, der
ver=
ſucht hatte, den Staatsſchmuck der Großherzogin zu
ſteh=
len. R. war vollſtändig geſtändig. Er wurde zunächſt in
Unterſuchungshaft genommen und dann zur Beobachtung
ſeines Geiſteszuſtandes der Irrenanſtalt Illenau
zuge=
führt.
Hagen i. W., 31. Aug. Eine aufregende
Verbre=
cherjagd zog ſich heute nacht durch das ganze
Lenne=
tal hin. In Haſpe waren Diebe beim Einbruch in das
Kontor der Firma Boelling überraſcht worden. Als ein
Polizeibeamter eindrang, wurde er von den Verbrechern
mit Revolverſchüſſen empfangen. Er brach
zu=
ſammen und wurde ſchwer verletzt. Die Diebe, 4 bis 5
Perſonen, entkamen und flüchteten in die Lenneper
Straße hinab. In Vogelſang ſtreckten ſie den ihnen
ent=
gentretenden Beamten gleichfalls durch Revolverſchüſſe
nieder. Die von der Flucht benachrichtigte Polizei in
Milspe ſtellte dort die Verbrecher. Es kam zu einer
regelrechten Schlacht. Ein Polizeiwachtmeiſter
und ein Schutzmann wurden ſchwer verletzt. Ein
Beam=
ter erhielt Streifſchüſſe. Von den Einbrechern wurde
einer, ein 40jähriger Arbeiter aus Barmen, kampfunfähig
gemacht und feſtgenommen. Die anderen entkamen in
der Dunkelheit.
Neumünſter, 31. Aug. In den frühen
Morgenſtun=
den iſt heute die große Tuchfabrik von Chriſtian
Friedrich Köſter bis auf den Grund
niederge=
brannt. Nur das Kontorgebäude und das Keſſel= und
Maſchinenhaus ſind ſtehen geblieben. Das Feuer brach
um 3½ Uhr früh in einem alten Fabrikgebäude aus und
ſprang auf das neue über. Die geſamten wertvollen
Einrichtungen und Maſchinen wurden ein Raub der
Flammen. Ueber 300 Arbeiter ſind brotlos. Die
Ent=
ſtehungsurſache des Brandes iſt unbekannt.
Frankfurt a. O., 31. Aug. Die
Kriminalpoli=
zei verhaftete auf dem hieſigen Bahnhof einen
ſchweren Einbrecher, der ſich Kowatſchek nennt und angibt,
in Amſterdam wohnhaft zu ſein. In ſeinem Koffer
wur=
den Silberſachen im Werte von mehreren Tauſend Mark
gefunden. Er trug fünf Militärpäſſe bei ſich. Eine Reihe
von Einbrüchen auf verſchiedenen Rittergütern hat er
be=
reits eingeſtanden. Die Polizei nimmt an, daß er einer
internationalen Bande angehört.
Romanshorn, 31. Aug. Geſtern abend
verbarrika=
dierte ſich der wegen Geiſtesſtörung aus dem
Militär=
dienſt entlaſſene 25jährige Hermann Schwarz in
ſei=
ner Wohnung und ſchoß mit einem Ordonnanzgewehr
von ½7 Uhr bis nach 11 Uhr auf die Paſſanten und auf
die Leute, die das Haus ſtürmen wollten. Schwarz
tötete vier Perſonen, verletzte eine tödlich und ſieben
zum Teil ſchwer. Als das Haus nach 12 Uhr erſtürmt
werden konnte, war der Irrſinnige verſchwunden. Er
muß in den nahen Wald geflüchtet ſein. Das Gewehr
wurde in dem Haus vorgefunden, dagegen trägt der
Irr=
ſinnige noch einen Revolver bei ſich. Schwarz wird
nun=
mehr von Polizeihunden geſucht werden.
Rom, 31. Aug. Die Grafen Falzacappa und
Barbiel=
lini und ſechs Mitſchuldige wurden auf Befehl des
Mini=
ſters des Innern heute nacht verhaftet. Sie ſollen
Wertpapiere, Teilhaberſcheine und Lotterieſcheine
ge=
fälſcht haben.
Paris, 31. Aug. Zum Zwecke der Aufnahme eines
kinematographiſchen Films, der eine
Selbſt=
mordſzene darſtellen ſollte, führte der 19jährige Figurant
Le Clinche einen Sprung von der Seinebrücke bei
Billan=
court in den Fluß aus. Aber das Spiel verwandelte ſich
in ſchreckliche Wirklichkeit. Le Clinche kam nicht wieder
zum Vorſchein. Bisher wurde nicht einmal ſeine Leiche
gefunden.
Paris, 31. Aug. In der Nacht vom Donnerstag zum
Freitag wurden aus einer Waffenhandlung am
Boule=
vard de Strasbourg in Paris Handfeuerwaffen
im Werte von 600 Francs durch Einbruch geſtohlen,
darunter ein Mauſerkarabiner, fünf Stevypiſtolen und
mehrere Browningrevolver. Man hat noch keine Spur
von den Tätern. Dieſes Verbrechen erinnert an die
zahl=
reichen Einbrüche in Waffenläden, die der Verübung der
ſogenannten anarchiſtiſchen Verbrechen der Bande
Bon=
not, Garnier, Vallet und Konſorten vorauszugehen
pflegten.
Petersburg, 31. Aug. Die Regierung hat wegen des
Eiſenbahnunfalles, der den Zug des Prinzen
Heinrich in Sibirien betroffen hat, eine beſondere
Unterſuchung durch einen hohen Beamten angeordnet.
Kongreſſe und Verbandstage.
— Büdingen, 30. Aug. Nach wochenlangen
emſi=
gen Vorbereitungen konnte heute der 25. Wandertag
Deutſcher Gebirgs= und Wandervereine,
der in dieſem Jahre in unſerem gaſtlichen Städtchen vom
30. Auguſt bis 2. September tagt, eröffnet werden. Der
Vogelsberger Höhen=Klub (V. H. C.) hatte als feſtgeben
der Verein ſich für ſeine Gäſte, die aus allen Gauen des
Deutſchen Reiches angemeldet waren, eine artige
Ueber=
raſchung als Feſtgabe ausgeſonnen mit der
Veranſtalt=
ung einer Ausſtellung Vogelsberger
Er=
zeugniſſe. Den Feſtgäſten ſollte durch die
Ausſtel=
lung ein anſchauliches Bild von dem Gewerbefleiß und
Kunſtſinn der Bewohner des Vogelsberges gegeben
wer=
den, ſo lags im Plane der Ausſtellungsleitung. Beim
Beſuche der Ausſtellung, die in unübertrefflicher Weiſe
in den herrlichen Räumen des neuen, von Profeſſor
Vetterlein erbauten Schulhauſes eingerichtet iſt, drängt
ſich einem der wohltuende Eindruck auf, ein gut Stückchen
echten, wahren Vogelsberger Lebens vor ſich zu ſehen
mit all ſeiner friſchen Natürlichkeit. Von den
einfache=
ren, aber in ihrer Art erſtklaſſig vertretenen Gewerben,
bis zu den feingeiſtigen Arbeiten, den Zeichnungen,
Ge=
mälden und Plaſtiken oberheſſiſcher Künſtler, der
Ubbe=
lohde, Fries, Landgrebe Eimer, Bahner, Ködding,
Fräu=
lein Weber u. a., alles beſtbekannte Namen, tut ſich dem
überraſchten Beſucher ein nichtgeahntes Bild
Vogels=
berger Eigenart auf in reizvoller Vielgeſtaltigkeit. Ein
Geiſt ſtammbewußter Heimatliebe, ſelbſtvertrauender
Kraft und zielſicheren Strebens beherrſcht dieſe kleine,
reizvolle Ausſtellung, die in würdiger Weiſe das
Jubel=
feſt der Deutſchen Wandertage heute eröffnet hat. Sie
kann bis zum 22. September beſichtigt werden.
Wenn in dieſem intimeren Teile der Ausſtellung
lediglich Vogelsberger Gewerbefleiß und Kunſtſinn zu
Wort kommt, ſo iſt in einem zweiten, angegliederten
Teile, dem Wunſche der Verbandsleitung entſprechend,
noch eine Ausſtellung bodenſtändiger
Reiſe=
andenken aus den Bezirken der verſchiedenen Deut=
Naturgeſchichtliches von den Inſeln
der Nordſee.
(Zu einer Serie von Stereoſkopbildern
die im Muſeum aufgeſtellt ſind.)
Unſere deutſche Nordküſte wird durch eine Reihe von
Inſeln geſäumt, welche dem Bewohner des Binnenlandes
bekannt ſind wegen der Seebäder, in denen er
allſommer=
lich Erholung findet. Dort empfindet er die kräftigende
Wirkung des Meerwaſſers und der ſtaubfreien Seeluft,
er ergötzt ſich an dem vielfarbigen Strandleben mit vielen
anderen Menſchen zuſammen, einer Geſellſchaft, die auch in
der Sommerfriſche nicht auf Luxus und ſtädtiſche
Lebens=
genüſſe verzichtet. Von dem eigentümlichen Aufbau dieſer
Inſeln, von ihrem Pflanzen= und Tierleben lernt er da
nur wenig kennen, denn die lebendige Natur weicht dem
lauten Menſchengetriebe ſo weit wie möglich aus, und
für ſie muß es noch als ein Glück betrachtet werden, wenn
der Badegaſt ihr nicht durch Mövenſchießen und anderen
Sport feindlich entgegentritt. Und doch bietet dieſe
Inſel=
welt dem Kundigen reiche Anregung und zeigt auch den
Laien Beziehungen zwiſchen den Tieren und Pflanzen
und ihrer heimiſchen Erde, die wohl einer genaueren
Be=
trachtung wert ſind.
Schon die Geſchichte dieſer Inſeln, wie ſie uns die
geologiſche Forſchung lehrt, iſt intereſſant. Beſchränken
wir uns einmal auf die nordfrieſiſche Gruppe an der
Schleswig=Holſteiner Küſte, ſo erfahren wir, daß ſie
ur=
ſprünglich einen zuſammenhängenden Dünenwall vor
dem jetzigen Wattenmeer bildeten, ähnlich wie heute die
friſche und kuriſche Nehrung vor dem Haff, und daß jener
allmählich durch die Gewalt der Wogen, die ja erſt im
letz=
ten Jahr die ſchützende Düne vor dem Seebad Weſterland
mit allem, was darauf ſtand, auf eine weite Strecke
ver=
ſchlungen hat, in einzelne Infeln zerriſſen wurde. Un=
aufhörlich zerbröckelt die anſtürmende Flut das Land, löſt
es in ſeine Beſtandteile, die Sandkörner, auf und ſchwemmt
dieſe entweder hinaus in die offene See, oder an geſchützte
Orte, wo ſie ſich feſtlegen, zuſammen, ſo daß manche Inſeln
durch Ab= und Zunehmen förmlich wandern. Die
um=
formende Tätigkeit des Waſſers wird ergänzt durch den
Wind, der den trocken gewordenen Sand fortführt und
dadurch an einer Stelle den Pflanzenwuchs durch
Weg=
nahme des Bodens vernichtet, während er ihn an einer
anderen Stelle durch Verſchütten erſtickt. Es beſteht
des=
halb auf den frieſiſchen Inſeln, beſonders aber an deren
Küſten, ein fortwährender Kampf zwiſchen Meer und
Land, bei dem Wogen, Wind und Pflanzen als Streiter
auftreten, die Tierwelt iſt dabei nur leidend beteiligt.
Eine aus größerer Anzahl gewählte Reihe von
Stereoſkopbildern, welche in einem Automat in der
Zoologiſchen Abteilung des Großh. Muſeums zu ſehen
ſind, läßt uns einen Blick auf die eben berührten
Verhält=
niſſe werfen und die kurzen Erklärungen, welche hier
ab=
gedruckt ſind. werden manchem das im Sommer Geſehene
vor ſein geiſtiges Auge zurückrufen und Vieles, was ihm
da noch unklar war, verſtändlich erſcheinen laſſen. Die
Anordnung der Bilder wird dieſen Zweck erreichen helfen.
Bild 1. Ufer des Wattenmeeres bei Liſt auf Sylt
zeigt das nur wenig bewegte Meer, an das ſich ein
feuch=
ter Sandſtreifen anſchließt, welcher durch Anſammlungen
von friſch angeſchwemmtem Seegras (Zoſtera) begrenzt
wird. Darauf folgt, landeinwärts, ein breiterer Streifen,
während der Ebbe nahezu abgetrockneter, nur noch einige
feuchte Streifen zeigender faſt weißer Sand. Dann
kammt eine kleine Stufe, durch Haufen von faulendem
Seegras, welches die letzte Flut ausgeworfen hat,
be=
zeichnet. Hinter dieſer folgt dann eine ziemlich ſteil
an=
ſteigende Fläche trockenen Sandes, den ein ſtärkerer Wind
zwar noch fortblaſen kann, der aber durch einzelne Büſchel
von Strandreggen (Hordeum arenarium) und einige
andere Pflanzen ſchon etwas gefeſtigt iſt. Ganz im
Hin=
tergrunde mit einem ſteilen Abfall, oder ſogar Ueberhang
beginnend, kommt dann das eigentliche Ufer, das hier
durch Strandhafer (Psamma arenaria), zwiſchen dem ſich.
noch verſchiedene Landpflanzen finden, eine feſte, der Kraft
des Windes widerſtehende Decke beſitzt. Die Abfallinie
wird durch Springfluten oft unterwaſchen und dann
ver=
ändert, ſie würde ohne den Strandhafer raſch gegen das
Inland vorrücken.
Bild 2. Nahaufnahme des Flachſtrandes (der
inner=
ſten Zone des vorigen Bildes entſprechend) bei
Ellen=
bogen. Der naſſe Strand zeigt die durch Reibung des
Waſſers entſtandenen Wellenfurchen. Auf ſeiner
Ober=
fläche liegen verſchiedene angeſpülte Muſcheln und
da=
zwiſchen die Kothäufchen des im Sand vergrabenen
Spier=
wurms (Arenicola).
Bild 3. Trockener Sand des Abhanges (vergl. B. 1.)
mit einzelnen Büſcheln des blauen Halms oder
Strand=
roggens, der den Sand allſeitig mit ſeinen Grundſtämmen
durchwächſt und dadurch feſtlegt. Dazwiſchen die ſaftigen
Stengel der Salzmiere (Monkenya), beide Pflanzen, welche
ſowohl das öftere Ueberfluten mit Salzwaſſer, als auch
das Zuſchütten mit Sand, über letzterem wachſen ſie
immer wieder empor, vertragen können.
Bild 4. Flache, von höheren Fluten noch
über=
laufene Landzunge zwiſchen kleinem Hafen und
Königs=
hafen bei Liſt. Der Sand, durch einzelne Büſchel des
Strandroggen feſtgehalten, von angeſchwemmten Tang=
und Seegrasreſten bedeckt, iſt jetzt trocken. Im
Vorder=
grund befindet ſich eine kleine Grube, das Neſt einer
Zwergſeeſchwalbe mit 3 Eiern. Der kleine Turm ganz im
Hintergrund rechts iſt ein Flutmeſſer.
Bild 5. Ein Teil der kleinen, nur etwa 1 Meter
über die mittlere Flutgrenze hervorragenden Inſel
Jord=
ſand, mit einem dichten Teppich von Strandpflanzen
be=
deckt. Davor die Fläche der großen Sandbank, auf der
Nummer 206.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 2. September 1912.
Seite 5.
ſchen Wandervereine angeſchloſſen. Auch was wir
hier ſehen, überſteigt bei weitem unſere Erwartungen.
Büdingen zeigt mir ſeiner Wandertagausſtelung, daß
das jahrelange Streben nach einer Geſundung auf
die=
ſem Geviete nicht erfolglos geblieben iſt.
Der Eröffnung der Ausſtellung ſchloß ſich die
Sitz=
ung für Jugendwanderungen an. Der
Vor=
ſitzende, Pfarrer Löſcher, begrüßt die Abgeordneten der
angeſchloſſenen Vereine und weiſt darauf hin, daß ſeit
dem letzten Verbandstage das Jugendwandern
erfreu=
liche Fortſchritte gemacht habe. Zu dem Punkt „Schüler=
und Studentenherverge” berichtet der Vorſitzende über die
Tätigkeit des Ausſchuſſes. Die Zahl der Schüler= und
Studentenherbergen hat ſich erfreulich vermehrt und
be=
trägt in Deutſchland jetzt über 300, ſoweit ſie an
Hohen=
elbe angeſchloſſen ſind. Bei der zweiten Frage, „
Lehr=
lingsherbergen” wurde von verſchiedenen Seiten
be=
richtet, daß zunächſt die Zahl der Wanderluſtigen ſehr
gering ſei, doch ſei dies zum Teil dadurch zu erklären, daß
es an der nötigen freien Zeit fehle. Bei Punkt 3, „
Allge=
meine Jugendpflege”, wurde empfohlen, mit Hilfe der
Preſſe an die Oeffentlichkeit zu treten und vor allem auch
die Gemeinden möglichſt heranzuziehen. Folgender
Punkt, der nicht auf der Tagesordnung ſteht, wurde
wegen ſeiner Wichtigkeit beſprochen: Es handelt ſich um
die Frage der Fahrpreisermäßigung. Die Beſchlüſſe, die
von dem Eiſenbahnrat gefaßt worden ſind, bringen nach
allgemeiner Meinung wenig Fortſchritte. Der Verband
will vor allem dagegen Stellung nehmen, daß ein
Ver=
ein nur 12mal im Jahre Anſpruch auf
Fahrpreisermäßig=
ung hat. Ueber die Frage „Feueranzünden im Wald”
gab es eine längere Beſprechung. Das Entgegenkommen
der heſſiſchen Forſtbehörde wurde allſeitig anerkannt.
Ueber dieſe Frage wurde kein Beſchluß gefaßt und die
weitere Erledigung dem Vorſtand überlaſſen.
Hierauf hielt vor gefülltem Saale Geh. Baurat
Pro=
feſſor Walbe=Darmſtadt einen äußerſt intereſſanten,
von warmer Liebe zu unſerer heimatlichen,
bodenſtän=
digen Bauweiſe getragenen Vortrag. Profeſſor Walbe
hat es verſtanden, uns Wanderern die Augen zu öffnen,
indem er uns an der Hand zahlreicher Lichtbilder zeigte,
wie die heſſiſche Bauart kein Produkt des Zufalls iſt,
ſon=
dern, Zweck und Gegend wohl angepaßt, gerade ihrer
Wahrheit wegen, einen ſo köſtlichen und wohltuenden Reiz
auf uns ausübte. Gewiß hat in aller Herzen der Appell
Anklang gefunden, bei den Wanderungen alles
aufzuwen=
den, daß der köſtliche Beſitzſtand bäuerlicher Kunſt
er=
halten und nicht verſchleudert werde.
Die Jubelfeier im Hauſe Opel.
Rüſſelsheim, 31. Auguſt.
„Rüſſelsheim iſt Opel, und Opel iſt Rüſſelsheim!” —
Wohl ſelten hat ein Ausſpruch mehr Berechtigung und
durch die Tatſachen mehr Beweiskraft erfahren, wie dieſer
von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog geprägte und der
Verwaltung der kleinen Gemeinde Rüſſelsheim als
Leit=
ſtern ihrer Lokalpolitik vorſchwebend. Rüſſelsheim prangt
im Feſtesſchmuck, als gelte es die Feier eines eigenen
be=
deutſamen Feſtes. Für jeden Einwohner iſt das heutige
Opeljubiläum ein Feſttag und der kleine geſchäftige Ort
am Main iſt heute das Ziel Tauſender, die von Nah und
Fern herbeiſtrömen zur Teilnahme an der Feier des
fünfzigſten Geburtstages der großen Lebenswerke ſeines
größten Sohnes. In das Poltern der Dampfbämmer und
das eintönige Summen tauſender Maſchinen miſcht ſich
heute nichtgewohnter Geſchützdonner, und feierlich vom
Winde herübergetragener Klang aller Kirchenglocken
über=
tönt ſtimmungsvoll das Hurrarufen aus tauſend
Kinder=
kehlen, die dem Großherzog, Heſſens vielgeliebtem
Herrſcher, entgegenſchallen.
Begrüßung des Großherzogs.
In ſeinem neueſten 100pferdigen Opelwagen traf der
Großherzog mit Gefolge gegen fünf Uhr in Rüſſelsheim
ein, mit Böllerſchüſſen und Glockengeläut begrüßt und
umjubelt von Tauſenden. Feſtlich gekleidete Kinder
bil=
deten ein Spalier, das ſeine Fortſetzung fand anf dem
ganzen Wege, den die Großherzoglichen Automobile
ſpäter nahmen. Am Eingang des Ortes hielt Herr
Bürger=
meiſter Treber eine Begrüßungsanſprache, etwa
fol=
gendes ausführend:
Ew. Königl. Hoheit ſind nach Rüſſelsheim gekommen,
um die ſchaffende Arbeit zu ehren, die vielen Tauſenden
Segen und Gedeihen bringt und dem ganzen Lande
täg=
lich neue Kraft und Nahrung zuführt. Was freudig
leuch=
tende Augen, was Glockengeläute und Geſchützdonner
verkünden, ich rufe es Ew. Königl Hoheit dankerfüllt im
Namen der Bürgerſchaft zu: „Ein herzliches nud freu=
diges Willkommen in Rüſſelsheim” Unter Ew. Königl.
Hoheit Vorfahren Regierung legte auf dieſem Boden
Adam Opel den Grund, unter Ew. Königl. Hoheit
Regier=
ung arbeiteten in hoher Pflichttreue weiter ſeine
Nach=
folger, alle getragen von dem Streben, den Segen der
Arbeit zu verbreiten und das Gemeinwohl zu fördern.
Die Erzeugniſſe friedlicher Arbeit haben den Ruhm
heſſiſchen Gewerbefleißes in aller Welt verbreitet, und
unſer geliebtes Heſſen ſteht als Kulturland an der Spitze
der modernen Entwicklung. Mit Stolz zählt ſich unſer
Rüſſelsheim zu Heſſem, dankbar blicken wir zu unſerem
Herrſcherhauſe auf, deſſen Regierung Arbeit und
gewerb=
lichen Fleiß ſtets ſichtbar und erfolgreich förderte. So feſt
wie der Stahl, der hier verbraucht wird, iſt die Treue der
Rüſſelsheimer Bürgerſchaft zu ihrem Landesherrn
Nehmen Ew. Königl. Hoheit die Huldigungen von
Rüſſelsheims Bürgerſchaft gnädig entgegen, zugleich mit
dem Gelübde unwandelbarer Treue und Liebe mit dem
Rufe, Se. Königl. Hoheit unſer allergnädigſter Großherzog
hurra, hurra, hurra!”
Der Großherzog war durch den unerwarteten
Will=
kommensgruß ſichtlich angenehm überraſcht und dankte
dem Bürgermeiſter für die freundlichen Worte. In
lang=
ſamem Tempo fuhr der Großherzog dann weiter durch die
geſchmückten Straßen, überall freudigſt begrüßt von der
ſpalierbildenden Jugend, die mit enthuſigsmierten
Be=
wohnern Rüſſelsheims und Umgebung eine dichte Mauer
bildeten, nach Villa Sophienheim. Hier hatten ſich
die fünf Brüder Opel mit ihrer Mutter, der Witwe des
Begründers der Werke, zum Empfang des Großherzogs
verſammelt.
Der akademiſche Feſtakt.
Nach kurzer Raſt begab ſich der Großherzog zu Fuß
nach der jenſeits der Bahnlinie liegenden großen Feſthalle,
die in überreichem Blumen= und Fahnenſchmuck prangte.
Der Weg ſelbſt war mit koſtbarem Teppich belegt und
durch Birkenbäume flankiert, die mit ihrem Weiß und
Grün das ſatte Rot des Teppichs wirkſam unterſtützten.
In der Feſthalle hatten inzwiſchen die Gäſte, ſowie alle
Beamten und Arbeiter des Hauſes Opel Platz
genom=
men. Beim Eintritt des Großherzogs ertönten die
weihe=
vollen Klänge des Einzugsmarſches des Meiſter aus den
„Meiſterſingern”, die von einem ſehr ſtark beſetzten
Or=
cheſter vorgetragen, bei allen Anweſenden ſichtbarlich tiefen
Eindruck hinterließen. Nachdem Se. Königl. Hoheit und
alle Ehrengäſte Platz genommen, ſtimmte der Chor den
„Chor an Hans Sachs” aus den Meiſterſingern als
Ein=
leitung zum eigentlichen Feſtakt an. Zur Vegrüßung des
Großherzogs beſtieg jetzt Kommerzienrat Carl Opel
die Rednertribüne und ſagte ungefähr folgendes:
Eure Königliche Hoheit bei der Fünfzigjahrfeier des
Hauſes Opel, an der Schwelle zwiſchen den erſten und
zweiten 50 Jahren unſerer Geſchichte empfangen zu dürfen,
iſt für alle, die mit dem Namen Opel irgendwie verbunden
ſind, eine tiefempfundene Ehre Euer Königlichen Hoheit
Teilnahme und Anweſenheit gibt der Fünfzigjahrfeier des
Hauſes Opel den Weihe=Stempel und zeigt, daß die
ver=
gangenen 50 Jahre ſich der allerhöchſten Billigung
er=
freuen und iſt Bürge für die Fortdauer des gnädigſten
Intereſſes auch für die Zukunft. Der Familie Opel
unter=
tänigſten Dank, wie denjenigen aller Angehörigen der
Firma bitte ich Euer Königlichen Hoheit hier zum
Aus=
druck bringen zu dürfen. Mit freudiger Genugtuung und
mit dem Ausdruck warmen Dankes für die weitgehende
Förderung, welche das Haus Opel ſeit ſeiner Gründung
gefunden hat, geſtatte ich mir, willkommen zu heißen den
Vertreter der Großherzoglichen Regierung, Seine
Magni=
fizenz den Herrn Rektor unſerer Techniſchen Hochſchule und
deren hohe Vertreter, der ſtaatlichen und Kommunal=
Behörden, außerdem Freunde der Firma und der
Fa=
milie, endlich und nicht minder herzlich die jetzigen und
die früheren Arbeiter und Beamten der Firma. Die
An=
weſenheit Euer Königlichen Hoheit und Teilnahme aller
hier Erſchienenen eröffnet uns in glückverheißender Weiſe
die Tore der vor uns liegenden Zukunft. Was die
Zu=
kunft bringen mag, iſt menſchlichem Auge verſchloſſen.
Nicht ſchwankend und unſicher iſt der Boden, auf dem unſer
Haus errichtet iſt; ſoweit unſere Kräfte reichen, iſt
vorge=
beugt, den Schäden, die vielleicht die Zukunft bringt, zu
begegnen. Sollte ſich im Wandel der Zeiten der Boden
des Unternehmens verſchieben und verändern, unſere
Ar=
beits=Gemeinſchaft und die Intereſſenverbindung aller
wird ſich allen Fährniſſen widerſtandsfähig erweiſen.
Die Zugehörigkeit in unſerem Hauſe, deſſen 50jährige
Ge=
ſchichte an Erfolg reich iſt, verbindet uns alle. Wenn wir
uns heute über das Erreichte mit Genugtnung und Stolz
freuen, wenn wir und die Angehörigen unſeres Hauſes
heute vor Eurer Königlichen Hoheit feierlich geloben, in
Treue ein ferneres Gedeihen zu fördern, ſo tun wir es in
dem Bewußtſein der Bedeutung der Firma Opel und daß
unſere Arbeit anerkannt wird. Wer unter uns mit offe=
Jordſand liegt. Der viereckige, auf Pfählen ruhende
Kaſten iſt die Wohnung des Vogelwärters während der
Sommermonate. Dieſer iſt von dem Vogelſchutzverein
„Jordſand” der dieſe Inſel und die Halbinſel
Ellen=
bogen gepachtet hat, um die hier brütenden Strandvögel
während der Brutzeit zu ſchützen, angeſtellt.
Bild 6. Hallig Hooge. Eine größere, fruchtbare
Inſel im Wattenmeer, welche jetzt eingedeicht wird.
Vorne rechts Widerſtoß (Statice limonium) mit ſchön
violettblauen Blüten, eine Charakterpflanze der Halligen.
Im Mittelgrund ein ziemlich trocken gelaufener Priel, in
deſſen Waſſerlöchern eine große Anzahl von
Taſchen=
krebſen ſich aufhält. Hinten Bakkerwarft, eine künſtliche
Erhöhung, auf der die Häuſer der Einwohner Schutz vor
den Sturmfluten finden. In der Mitte der Warft iſt
eine Einſenkung, worin ſich das Regenwaſſer, das einzige
Süßwaſſer auf der Inſel, anſammelt.
Bild 7. Oſtrand von Hooge mit weidendem Vieh.
Man ſieht am Ufer die zerſtörenden Wirkungen der Wellen
deutlich.
Bild 8. Schlickſtrand am kleinen Hafen von Liſt.
Nahaufnahme. Der, durch tonige Beimiſchungen zähe,
ſalzhaltige Boden zeigt vorne einzelne Stengel des
Quellers oder Glasſchmalzes (Salicornia), einer
blatt=
loſen Salzpflanze, in der Mitte eine Kolonie des däniſchen
Löffelkrautes (Cochlearia) blühend, dahinter den
ſilber=
weißen, ſtark duftenden Meerbeifuß (Artemisa maritima).
Bild 9. Blick auf die Dünen im ſüdlichen Teil der
Inſel Röm. Man erkennt die charakteriſtiſchen
Tälerfor=
men und deren Ueberwachſung mit Heidekraut,
Rauſchbee=
ren und anderen Pflanzen, welche den Sand feſthalten.
Bild 10. Dünenhang im Klappholtal auf Sylt,
Nah=Aufnahme. Ganz vorne (angepflanzt) Legföhre oder
Latſche (Pinus pumilio) mit Zapfen, dahinter ein großer
Buſch der Rauſchbeere (Empetrum).
Bild 11. Große Wanderdüne bei Liſt. Oberer
Rand mit einigen Halmkupſen, die nach und nach
aus=
geblaſen werden. Die übrige Fläche iſt reiner Flugſand
und bei ſtärkerem Wind in Bewegung. Sie bedroht das
vorliegende Gelände, hier die niedrigere, ruhende Düne
mit Ueberſchüttung.
Bild 12. Neſt mit Eiern der Silbermöve (Larus
argentatus) im Halm. Düne von Ellenbogen.
Bild 13. Neſt der Zwergſeeſchwalbe (Sterne
minuta) mit 4 Eiern, am Königshafen von Liſt. Eine
einſache Grube ohne Ausfütterung. Trotzdem ſind die
Eier nur ſehr ſchwer zu finden, da man ſie zwiſchen den
Muſchelſchalen und Strandmieren nur ſchlecht erkennen
kann. Bei Sturmfluten werden die an dieſer Stelle
be=
findlichen Neſter zerſtört und die Eier weggeſpült.
Bild 14. Neſt der Raubſeeſchwalbe (Sterna
tachegrava caspia) vor einigen angeſchwemmten
Rohr=
ſtengeln mit 2 Eiern an der Spitze von Ellenbogen. Dieſe
Art, welche ſonſt nirgends an der Nordſee brütet, bildete
früher auf Sylt eine große Kolonie. Dieſes Jahr waren
nur noch drei Paare vorhanden, deren ſämtliche Neſter
ſchon einmal verweht wurden.
Bild 15. Neſt eines Auſternfiſchers (Haematopus).
Ein Junges iſt ſchon ausgelaufen, das zweite iſt eben
ausgekrochen, noch feucht und mit Reſten der Eiſchale
bedeckt, das dritte Ei wird eben von dem Jungen von
innen her aufgepickt.
Bild 16. Ausgelaufener Auſterufiſcher im
Dunen=
kleid. Hat ſich in einen Graben gedrückt und läßt ſich
photographieren, ohne ſich zu bewegen, weil er auf ſeine
Schutzfärbung vertraut.
Bild 17. Junge Küſtenſeeſchwalbe (Sterna
macrura) im Strandhafer von Jordfand, wo Hunderte
dieſer Art niſten, verſteckt.
Bild 18. =Regenpfeifer (Charadrius hiaticula)
im Dunenkleid auf der Sandbank um Jordſand
herum=
laufend. Der Kleine trägt am linken Bein einen
Alu=
miniumring mit der Bezeichnung: Vogelwarte
Helgo=
land. Solche Ringe werden von den Beamten der
Vogel=
warten jungen Wandervögeln angelegt, um durch ſie die
Wege des Vogelzugs nach und nach zu erkunden. (Einige
Muſter im Muſeum aufgeſtellt.) Wer ſich etwas mit dem
vorliegenden Thema befaſſen will, dem ſei: Kuckuck, der
Nordſeelootſe, oder, wer es noch gründlicher
ſtudie=
ren will, das Dünenbuch (Enke), in dem ſich weitere
Lite=
ratur findet, empfohlen.
G. von Koé.
nem Auge tätig iſt, erkennt in der Fabrik den Nährboden,
auf dem und unter dem eine ſtarke Gemeinſchaft
empor=
blüht. Wenn auch das Haus Opel im Rahmen des großen
Ganzen nur ein Stein unter vielen iſt, ſo hoffen wir, daß
es auch in der Zukunft einer der Punkte ſei, auf den unſer
Heſſenland ſich ſtützen darf.
Dies geloben wir, indem wir rufen, Eure Königliche
Hoheit, unſer allergnädigſter Großherzog hoch, hoch, hoch!”
Begeiſtert ſtimmten alle Anweſenden ein und der
Großherzog dankte durch mehrfaches Verneigen. Dann
ſchritt Geheimer Baurat Profeſſor Berndt=Darmſtadt
zum Rednerpult und hielt
die Feſtrede.
Er gab zunächſt ein Spiegelbild der Geſchichte des
Hauſes Opel und der Entwicklung der Firma, und führte
weiter aus: In den 80er Jahren baute Adam Opel
aus=
ſchließlich Nähmaſchinen und wenn auch die Nähmaſchine
ein Spezialartikel iſt, nach welchem immer Nachfrage ſein
wird, ſo iſt es doch für jede Fabrik mißlich, nur einen
ſolchen Artikel zu haben. Es lag deshalb in der Natur, der
Sache, daß Adam Opel bedacht ſein mußte, neben dem Bau
von Nähmaſchinen noch eine weitere Spezialität zu
be=
treiben. Zur rechten Zeit das Richtige erfaſſen, iſt im
Leben des Einzelnen ſowohl, als auch in jedem Geſchäfte
mit die größte Kunſt. Bei ſeinen vielen Reiſen in das
In= und Ausland lernte Adam Opel in den 80er Jahren
das Fahrrad kennen, und da ſeine älteren Söhae, wie auch
alle ſeine Kinder vom Vater die Freude am Sport ererbt
hatten und durch die Mitteilungen des Vaters für ſein
Fahrrad begeiſtert wurden, ſo wünſchten ſie ſich bald
der=
artige Räder, welche natürlich ab und an repariert
wer=
den mußten. Schließlich baten ſie den Vater um
Her=
ſtellung neuer Räder. Auf dieſem ganz natürlichen Wege
kam Adam Opel zur Anfertigung von Fahrrädern und
dann auf die Idee, die Fabrikation des Fahrrades in
größerem Umfange aufzunehmen, womit er im Jahre 1886
begann. Das Fahrrad diente zwar zuerſt in der
Haupt=
ſache dem Sport, nach und nach wurde es aber immer
mehr und mehr ein Verkehrsmittel und heute kommt es
wohl nur noch als ſolches in Frage. Kann man doch beit
gleicher Anſtrengung in derſelben Zeit mittels des
Fahr=
rades einen dreimal ſo großen Weg zurücklegen als zu
Fuß, was bei der immer größer werdenden Entfernung
der Wohn= und Arbeitsſtätten von großer Bedeutung iſt.
Bei der ſteigenden Entwicklung des Fahrrades
nahm=
aber auch die Zahl der Fahrradfabriken gewaltig zu,
wo=
mit ein Niedergang der Preiſe und ein Rückgang des
Ge=
winnes Hand in Hand ging. Man mußte ſich deshalb
noch nach einer weiteren Spezialität umſehen, ſofern die
Fabrik nicht einen Rückgang erleiden ſollte Da nun dier
ſportlichen Intereſſen in allen Söhnen, wie ich ſchon
früher erwähnte, ſtets einen ſtarken Widerhall fanden
und ſie den weitſchauenden Blick des Vaters geerbt hatten,
ſo iſt es ganz verſtändlich, daß ſie bei ihren
diesbezüg=
lichen Erwägungen auf ein Ende der 80er Jahre
auf=
tauchendes neues Verkehrsmittel kamen und den Bau von
Kraftfahrzeugen aufnahmen Dieſer Entſchluß ſollte fürt
die Weiterentwicklung der Opelwerke von größter
Bedeu=
tung werden, denn heute ſtehen die Opelwerke mit an der
erſten Stelle der Fabriken des Großherzogtums. Wenn
auch das Antomobil anfangs vielfach verpönt und ſeine=
Verwendung ins Lächerliche gezogen wurde, ſo ſahen doch
einſichtige Leute ſchon gleich die gewaltige Bedeutung
dieſes neuen Verkehrsmittels für die Zukunft voraus,
und zu dieſen gehörten auch die Gebrüder Opel.
Die Leiter der Opelwerke hatten in richtiger Weiſe
die Bedeutung des Automobils erkannt Um nicht erſt
lange Verſuche machen zu müſſen, kauften ſie im Jahre
1898 eine kleine in Deſſau befindliche Automobilfabrik des
Hofſchloſſermeiſters Lutzmann auf. Lutzmann hatte
be=
reits mehrere Wagen gebaut und mit einem ſolchen ſich an
der Konkurrenz Berlin=Leipzig=Berlin im Mai 1898
be=
teiligt. Dieſe Fabrik wurde im Winter 1898/99 nach
Rüſſelsheim übergeführt und Lutzmann ſelbſt als Beamter
der Opelwerke verpflichtet. Der Lutzmann=Wagen beſaß
noch einen hinten liegenden Einzylinder=Motor, der
mit=
tels Riemen eine Zwiſchenwelle antrieb, von welcher die
Räder durch Kette betrieben wurden. Derartige Wagen
wurden von den Opelwerken zuerſt im Frühjahr 1899
fertiggeſtellt. Dieſes Lutzmann=Syſtem entſprach aber
nicht den Anforderungen der Gebr. Opel und da die
franzöſiſche Automobilinduſtrie die urdeutſche Erfindung
gerade um die Jahrhundertwnede beſonders entwickelt
hatte, ſo entſchloß man ſich, die Alleinvertretung der
fran=
zöſiſchen Fabrik von Darracg in Surefnes für Deutſchland
zu übernehmen. Dieſe franzöſiſche Firma lieferte den
Opelwerken die Chaſſis, welche in Rüſſelsheim mit der
er=
forderlichen Karoſſerie verſehen wurden. Die mit den
Lutzmann= und Darracg=Wagen gemachten Erfahrungen
wurden emſig weiter verfolgt und führten ſchließlich zur
Erbauung eines eigenen Wagens welcher Ende 1902
fertig=
geſtellt werden konnte. Derſelbe beſaß natürlich vorn
liegenden Motor und Zahnräderantrieb. Bei dem großen
Verſtändnis und der Freude der Gebr. Opel an dem Sport,
ſah man ſofort, daß am beſten durch den Sport ein Erfolg
auf dem Gebiete des Automobilbaues zu erzielen ſei und
daß dieſer auch befruchtend auf den Bau der Wagen
ein=
wirken müßte. Man beteiligte ſich deshalb an den
Ren=
nen und viele Rennpreiſe wurden auf Opelwagen
ge=
wonnen. So errang z. B im Taunusrennen 1907 der
Opelwagen den von Sr. Majeſtät Kaiſer Wilhelm II.
ge=
ſtifteten Preis für den beſten deutſchen Wagen. Bei der
zweiten Internationalen Prinz Heinrich=Fahrt 1909
ge=
wann Wilhelm Opel den erſten Preis. Bei der dritten
Internationalen Prinz Heinrich=Tourenfahrt 1910 wurde
ein Opelwagen als erſter deutſcher Wagen qualifiziert.
Anfangs des Jahres 1912 wurde die
Winterzuverläſſig=
keitsfahrt Göteburg=Stockholm=Göteburg gewonnen und
im Juli dieſes Jahres erhielten die Opelwerke in der
Alpenfahrt den Team=Preis; einen der drei beteiligten
Wagen ſteuerte Fritz Opel. Durch dieſe Rennen haben die
Opelwerke aber nicht nur die Leiſtungsfähigeit, ſondern
auch ganz beſonders die Betriebsſicherheit ihrer Wagen
be=
wieſen. Die dabei gemachten Erfahrungen und erhaltenen
Anregungen wurden ſelbſtredend ſofort entſprechend
ver=
wertet.
Aber auch Eurer Königl. Hoheit verdanken die
Opel=
werke weitgehende Anregungen und viele der erzielten
Erfolge ſind hierauf zurückzuführen, wobei ich nur auf die
zweckentſprechende Karoſſerieform hinzuweiſen brauche.
Zufolge der Gradheit der Linien hat dieſelbe nicht nur ein
gefälligeres Aeußere, ſondern auch einen erheblich
ge=
ringeren Luftwiderſtand als die üblichen Ausführungen
mit vorſpringenden Ecken und Kanten. Die
Automobil=
abteilung in den Opelwerken hat ſich demzufolge in den
letzten Jahren ganz gewaltig gehoben, ſo daß ſie heute die
größte Automobilfabrik Deutſchlands iſt In dem
Auto=
mobilbau werden zurzeit monatlich rund 350 Wagen
her=
geſtellt und zurzeit etwa 6mal ſo viel Arbeiler beſchäftigt,
als im Fahrradbau. Der größte Teil dieſer Automobile
bleibt im Inlande, aber auch der Export iſt ſchon ein ganz
edeutender geworden. Um die Automobile in einer
olchen Menge gut und dabei nicht zu teuer bauen zu
können, iſt es erforderlich, tunlichſt alles zu normaliſieren
und eine geeignete Maſſenfabrikation einzurichten, was in
weitgehendſter Weiſe durchgeführt iſt. Die einzelnen
Teile werden in entſprechend großer Anzahl auf
Spezial=
maſchinen aus beſtem Material und vielfach aus den
Vollen herausgearbeitet. Die Gußſtücke werden von
Spe=
zialfirmen bezogen, ebenſo die im Geſenk geſchmiedeten
Teile, für welch letztere in nächſter Zeit aber eine eigene
Werkſtätte eingerichtet werden ſoll. Flugzeugmotoren ſind
von den Opelwerken gleichfalls geliefert worden, ebenſo
Automobilſpritzen und neuerdings werden auch
Motor=
pflüge gebaut, welche für die Landwirtſchaft von
weit=
gehender Bedeutung ſein dürften. Dem geſteigerten
Ab=
ſatz entſprechend hat ſich auch die Zahl der Beamten und
Arbeiter vermehrt. Während im Jahre 1862 es nur
einige wenige Arbeiter waren, wurden 1895 beim Tode
des Gründers bereits 600 beſchäftigt und heute, am Tage
der Feier des 50jährigen Beſtehens beträgt dieſe Zahl
4500.
Daß die Familie Opel für ihre Arbeiter ſtets ein
warmes Herz gehabt hat und beſitzt, beweiſt das herzliche
Verhältnis, welches zwiſchen ihr und den bei ihr
Beſchäftig=
ten beſteht. Von der Gründung an bis zum heutigen Tage iſt
der Grundſatz vertreten und befolgt, daß die Leiter nur
die erſten Arbeiter in ihrem Unternehmen ſind und daß ſie
in ihren Angeſtellten und in ihren Arbeitern, wenn es
auch der geringſte iſt, Mitarbeiter zu erblicken haben an
dem unternommenen Werke. Dieſes Werk aber immer
weiter und weiter im Sinne des Gründers auszubauen,
iſt und bleibt die vornehmſte Aufgabe aller. So finden
wir denn, daß in den Opelwerken bereits Männer aus drei
Generationen beſchäftigt werden, deren Familien
demzu=
folge auch mit dem Unternehmen gleichſam verwachſen
ſind. Gute Arbeit kann aber nur mit guten und mit
ge=
ſunden Arbeitern erzielt werden. Um die Arbeiter
ge=
ſund zu erhalten, muß neben einer guten Bezahlung auch
auf geſunde Arbeitsräume geſehen werden. Wie ſich jeder
von uns leicht überzeugen kann, ſind die vorhandenen
Werkſtätten Muſterwerkſtätten auch nach dieſer Richtung.
Neben dem geſchmackvollen Aeußeren und der
feuer=
ſicheren Ausführung derſelben in Eiſenbeton, fällt
beſon=
ders die außerordentlich weitgehende natürliche
Beleuch=
tung zufolge der vielen großen Fenſter, ſowie die
Sauber=
keit der Arbeitsräume auf. Gute Ventilation und
Staub=
abſaugung ſind an allen erforderlichen Stellen zu finden
Badegelegenheit für die Arbeiter iſt genügend vorgeſehen.
Da bei der großen Zahl von Arbeitern es ausgeſchloſſen
iſt, daß alle in Rüſſelsheim wohnen und viele der Arbeiter
einen Weg bis zu 40 Kilometer von ihrer Wohnung bis
zur Werkſtätte haben, ſo war es erforderlich, eatſprechende
Speiſehallen und Kantinen vorzuſehen. Was die
Arbeiter=
wohnungsfrage anbelangt, ſo hat Adam Opel ſchon das
Eigenheim als die richtigſte Löſung hierfür erkannt, und
ſes werden deshalb weitgehendſte finanzielle
Unterſtütz=
fungen den Arbeitern zuteil, welche ſich ein eigenes Haus
erbauen wollen. Um einen guten Stamm von Arbeitern
heranzubilden, iſt eine eigene Lehrlingsabteilung
vorge=
ſehen und für Fortbildungs= und Gewerbeſchulen zur
wei=
ſteren Ausbildung iſt geſorgt. Mit der Vergrößerung des
Unternehmens hat ſich aber auch die Schwierigkeit in der
Leitung desſelben in großem Maße erhöht und dieſe
Schwierigkeiten zu überwinden, war nur möglich, daß
jeder der 5 Söhne des Gründers an ſeiner Stelle ſeine
ganze Kraft einſetzte, um das Werk bis zu dieſer Höhe zu
bringen.
Wir wollen deshalb am heutigen Tage der Familie
Opel wünſchen, daß unter ihren Nachkommen ſich ſtets
Männer finden die in gleicher Weiſe das Ererbte
aus=
bauen und auf der Höhe zu halten wiſſen. Dann werden
die Opelwerke auch weiter blühen und gedeihen unter der
Huld und Fürſorge unſeres allergnädigſten Großherzogs
zum Wohle der Arbeiterſchaft, zum Segen der Familie
Opel und zum Ruhme unſerer vaterländiſchen Induſtrie.”
Glückwünſche und Ordensauszeichnungen.
Hierauf überbrachte Geh. Regierungsrat Dr.
Wal=
lau als Vertreter der Großherzoglich Heſſiſchen
Regier=
ung der Firma und deren Inhabern Glückwünſche, denen
er als Kreisrat die des Kreiſes Groß=Gerau folgen ließ.
Er führte etwa aus: „Im Namen und Auftrage der
Großherzoglichen Regierung habe ich der Firma Opel
jund ihren Inhabern die allerherzlichſten Glückwünſche
darzubringen und zugleich das Bedauern der Herren
Mi=
niſter auszuſprechen, daß dieſe der hentigen Feier durch
Krankheit und Erholungsreiſen beizuwohnen abgehalten
ſind. Die Großherzogliche Regierung drückt durch mich
ffür die Zukunft die Hoffnung und den Wunſch aus, daß
das Unternehmen feſt gefügt, geleitet von Männern, welche
mit ſcharfem Blick für die Bedürfniſſe der Zeit friſchen
fWagemut und vornehme kaufmänniſche Geſinnungen
ver=
binden, noch weitere Geſchlechter überdauern möge und
daß das ſtolze Haus Opel, getragen von den Tugenden
Fleiß, Pflichttreue und Redlichkeit wachſen, blühen und
gedeihen möge, als eine feſte Burg hoher Kultur und
ehrenvoller Arbeit. Als Kreisrat des Kreiſes Groß=Gerau
ſtehe ich hier, erfüllt von Freude und Stolz, daß es mir
vergönnt iſt, den heutigen Tag mitzuerleben und der
Firma Opel auch Namens des Kreiſes die innigſten
Glückwünſche darzubringen
Ich bin beauftragt, die Auszeichnungen bekannt
zu geben, die Se. Königliche Hoheit, unſer geliebter
Großherzog zu verleihen die Gnade hatte, nämlich: das
Nitterkreuz 1. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des
Großmütigen dem Herrn Heinrich Opel, dem Herrn
Fritz Opel das Ritterkreuz 2. Klaſſe des
Verdienſt=
ordens Philipps des Großmütigen dem Herrn Prokuriſt
Friedrich Diehl, dem Herrn Oberingenieur
Wil=
helm Wenske und das allgemeine Ehrenzeichen mit
der Inſchrift: „Für treue Arbeit” an die Herren: Konrad
Boerner. Jacob Schmitt, Johannes Treber, Martin
Hummel, Martin Daum, Phil. Heinrich Müller, Adam
Schnell, Heinrich Daum, Peter Schmitt, Martin Burk,
Jacob Herrlich, Friedrich Schilling, Adam Hummel, Adam
Diehl VIII., Johannes Hummel XIV.
Se. Kgl. Hoh. der Großherzog überreichte dann
perſönlich jedem der Dekorierten die Ordensauszeichnungen
und ſprach ihnen als erſter, unter brauſendem Jubel der
Feſtverſammlung, die herzlichſte Glückwünſche aus.
Geheimerat Wallau fuhr dann fort: Wir haben ſoeben
der treuen Mitarbeiter des Hauſes Opel gedacht, die 3 bis
5 Jahrzehnte lang mithalfen an dem Wachſen und
Ge=
deihen des Hauſes. Und nun laſſen Sie uns derjenigen
gedenken, die dem Gründer unſerer Jubiläumsfirma und
rauch den jetzigen Inhabern vom Jahre 1868 an die treueſte
und pflichteifrigſte Mitarbeiterin war, unſerer
hochver=
ehrten, lieben Frau Sophie Opel; ſie blickt auf ein
arbeitsreiches Leben zurück, ein Leben oft voll ſchwerer
Sorgen, aber auch ein Leben voll beiſpielloſer Erfolge
Nicht nur als Gattin, Mutter und Mithelferin ſtehen wir
bewundernd vor ihr, die ſchönſte Tugend der deutſchen
Frau ziert auch ſie in hervorragendſtem Maße, die
Barm=
herzigkeit. Wie viele Tränen hat ſie geſtillt, wieviel
Kum=
imer und Sorgen mit milder Hand gelindert und ganz
ſim Stillen Troſt und Glück geſpendet. So laſſer Sie mich
Purſche ſchcen, daß uere liehe Srom Sophie
Opel noch lange Jahre auf das Werk ihres Lebens
zurück=
blicken kann, daß ihr noch lange Jahre vergönnt ſeien, im
Kreiſe ihrer Familie das zu genießen, was ſie ſo oft im
Stillen anderen geſpendet hat: Glück und Zufriedenheit. —
Das walte Gott!”
Der Bürgermeiſter von Rüſſelsheim
über=
brachte als nächſter der Firma Opel die Glückwünſche der
Gemeinde Rüſſelsheim. Er betonte u. a. wie das Werk in
den beiden letzten Dezennien wuchs und Rüſſelsheim ſich
im gleichen Maße entfaltete. Ganze Straßenzüge
ent=
ſtanden, Handel und Gewerbe blühten, die Landwirtſchaft
erhielt neuen Aufſchwung. So gibt das Werk vielen Brot,
iſt für Tauſende eine Quelle und Fülle des Wohlſtandes
und für die Geſamtheit ein Segen. Der Werdegang
Rüſſelsheims ſpiegelt ſich alſo wieder in der Entwicklung
des Hauſes Opel. Bei dem Rückblick auf die vergangenen
50 Jahre ragt vor allem das Bildnis des Gründers des
Hauſes Opel, der auch viele Jahre in tatkräftigſter
Anteil=
nahme ſich für die Geſchicke der Gemeinde verwandte.
Drum hat der Gemeinderat als Ehrung für den vor
17 Jahren Dahingeſchiedenen beſchloſſen, gemeinſam mit
den Arbeitern, Beamten und Freunden des Hauſes ein
Denkmal aufzuſtellen, deſſen Errichtung und Geſtaltung
vorbereitet iſt. Daß aber die Gemeinde nicht nur
ver=
verknüpft iſt mit der Firma, ſondern auch mit der
Fa=
milie Opel, des zum Zeichen beſchloß der Gemeinderat,
bereits vorhandene und neue Straßen, nach dem Namen
Adam, Sophie, Georg, Karl, Wilhelm, Heinrich, Fritz und
Ludwig zu bennenen. Möge es der jetzigen Leitung
ver=
gönnt ſein, die alte Firma weiter zu führen im Geiſte des
Gründers, möge ſie weiter blühen und gedeihen zum
Ruhme des Hauſes zur Ehre Rüſſelsheims zum Heile
und Segen Heſſens und unſeres Vaterlandes — das iſt
unſer innigſter Wunſch! Daß er in Erfüllung gehe, daran
vollen wir Rüſſelsheimer unſer Teil beitragen, wenn wir
uns immer eingedenk bleiben der ſo ſchön und treffend
die Bedeutung des Hauſes Opel ausdrückenden Wörte,
die Ew. Königl. Hoheit prägten und mir als
Rüſſels=
heimer für meine Verwaltung ans Herz legten: „Opel
iſt Rüſſelsheim und Rüſſelsheim iſt Opel!”
„Doktor=Ingenieur Ehrenhalber”
Als nächſter Redner ſprach Se. Magnifizenz der
Rek=
tor der Techniſchen Hochſchule, Geh. Baurat Dr. Wickop:
Bei dem Jubelfeſt, das heute die 50jährige Entwickelung
der Opelwerke zu einem der größten induſtriellen
Unter=
nehmungen Heſſens begeht, darf die Techniſche Hochſchule
unſeres Landes mit ihren Glückwünſchen nicht fehlen.
Denn was hier geleiſtet wurde, wäre nicht möglich
ge=
weſen, ohne die ſtille Vorarbeit der techniſchen
Wiſſen=
ſchaft, und umgekehrt: wenn die techniſchen Wiſſenſchaften
in Deutſchland zu ſo mächtiger Blüte gelangt ſind, ſo
ver=
danken ſie es der beſtändigen Anregung und Förderung
durch die lebendig ſchaffende Praxis. Durch ein ſelten
glückliches Zuſammenwirken auf verſchiedenſten Gebieten
haben die Mitglieder der Familie Opel die Rüſſelsheimer
Werke zum Stolz des heſſiſchen Landes emporgehoben
und die Ebenbürtigkeit und hoffentlich in Zukunft die
Vorherrſchaft Deutſchlands auf einem der wichtigſten
Ge=
biete modernen Lebens, des Verkehrsweſens, begründen
helfen. Ihnen allen gilt heute unſer Glückwunſch. Ihr
Werk zu ehren, hat die Techniſche Hochſchule in Darmſtadt,
als höchſte Vertreterin der Techniſchen Wiſſenſchaft
unſe=
res Landes, beſchloſſen, dem älteſten techniſchen
Mitarbei=
ter Ihres Hauſes, ihrem früheren Schüler, Herrn
Kom=
merzienrat Wilhelm Opel die höchſte akademiſche
Ehrung zu verleihen, die ſie durch den Willen unſeres
Erlauchten Landesherrn zu vergeben berufen iſt:
Rektor und Senat der Großh. Techniſchen Hochſchule
zu Darmſtadt haben auf einſtimmigen Antrag der
Abteil=
ung für Maſchinenbau beſchloſſen, Herrn Kommerzienrat
Wilhelm Opel, Mitinhaber der Firma Adam Opel zu
Rüſſelsheim, die Würde eines Doktor=Ingenieurs
Ehren=
halber zu verleihen, in Anerkennung ſeiner Verdienſte
um die heſſiſche Induſtrie, insbeſondere um die
Entwick=
lung des Automobilbaues. — Indem ich Ihnen,
hochver=
ehrter Herr Kommerzienrat, hiermit die
Ernennungsur=
kunde überreiche, beehre ich mich, Ihnen ſowie Ihrer
Firma, dem Welthaus Opel, als Vertreter der Techniſchen
Hochſchule die herzlichſten Glückwünſche zu Ihren
bisheri=
gen Erfolgen und für die Zukunft auszuſprechen. —
Wei=
ter gratulierten die Herren Beig. Külb namens der
Stadt Mainz, Friedrich Treber namens der
Arbeiter=
ſchaft, die ein Modell des Denkmals in verkleinertem
Maß=
ſtabe auf koſtbarem Eichenpoſtament als Geſchenk
über=
weiſen ließ, Oberingenieur Wenske als Vertreter der
Beamten. Die Beamtenſchaft ließ ein Gipsrelief von
Adam Opel, das ſpäter in Bronce das Portal des
Neu=
baues zieren ſoll, enthüllen und als Geſchenk überweiſen.
Der Dank des Hauſes Opel — Stiftungen in Höhe
von 380000 Mark.
Kommerzienrat Wilhelm Opel dankte nunmehr allen
Vorrednern für die vielen und guten Wünſche, ſowie die
den Inhabern der Firma und deren langjährigen
Mit=
arbeitern zuteil gewordenen Ehren und Auszeichnungen,
indem er ſagte:
Eure Königliche Hoheit!
Hochverehrte Feſtverſammlung!
In dieſem erhabenen Augenblick einer Feier, die
deutſcher Arbeit, deutſchem Fleiß und deutſcher Ausdauer
gilt, zu der Fürſt und Volk von einem Gedanken beſeelt
ſich zuſammengefunden haben, iſt es auch für mich eine
ehrenvolle Pflicht und ein inniges Herzensbedürfnis,
nochmals im Namen der Firma Opel untertänigſt zu
dan=
ken für die hohe Ehre, die Ew. Kgl. Hoheit ander
Jubel=
feier uns huldvollſt zu erweiſen geruhten. Nochmals danke
ich Ew. Königl. Hoheit für das allergnädigſte Intereſſe,
das ſeither ſtets dem Hauſe und der Familie Opel zuteil
geworden iſt. Untertänigſten Dank auch für alle in ſo
großer Zahl verliehenen Auszeichnungen. Sie ſind ein
fürſtlicher Ausdruck landesväterlicher Huld und ein Dank
für ehrliche, treue Arbeit. Sie ſind aber nicht nur für
die Ausgezeichneten, ſondern zugleich für uns alle ein
neuer Anſporn, unſexe ganze Kraft einzuſetzen für das
weitere Blühen unſeres Werkes zur Ehre unſeres
ge=
liebten Heſſenlandes. Dank ſage ich dem Vertreter der
Großherzoglichen Regierung für die überbrachten
Glück=
wünſche. Dank auch dem Rektor der Techniſchen
Hoch=
ſchule für die Würdigung, welche dieſe unſerer Induſtrie
und ihrer Technik angedeihen ließ, und für die hohe
Aus=
zeichnung, welche mir perſönlich zuteil wurde. Alle
ehe=
maligen Angehörigen der Techniſchen Hochſchule wiſſen
und bekennen freudig, daß dieſe Hochburgen deutſcher
Wiſſenſchaft und Technik für uns alle, die wir zu ihren
Füßen ſaßen, ein Jungborn ſind, aus welchem ein jeder
zur Fortentwickelung unſerer Technik täglich reiche
An=
regung und Nahrung ſchöpft. Beſonderen Dank auch
dem Herrn Geheimerat Berndt, der in überaus großer
Liebenswürdigkeit ſich bereit erklärte, die Feſtrede zu
halten und dadurch zur Weihe dieſer Feier beizutragen.
Dank dem Vertreter des Kreiſes Groß=Gerau für die
Glückmünſche des Kreiſes und beſonders für die überaus
herzlichen Worte, die derſelbe unſerer lieben Mutter
ge=
widmet hat. Dank ferner dem Bürgermeiſter von
Rüſſelsheim, ſowie dem Herrn Vertreter der Stadt Mainz
für ihre freundlichen Worte. Groß iſt die Zahl derer, die
hier und in der Ferne an unſerem heutigen Jubelfeſte Anteil
nehmen, zahlreich ſind die Glückwünſche, die am heutigen
Tage eintreffen. Ihnen allen, und auch den Damen und
Herren, die durch ihren Geſang unſer Feſt verſchönern
halfen und uns dadurch erfreut haben, ſei hiermit
innig=
ſter Dank abgeſtattet. Endlich und ganz beſonders
herz=
lichen Dank der Beamten= und Arbeiterſchaft für die uns
ehrenden Gaben. Mit freudigem Stolz erfüllt ſich unſer
Herz und aufrichtiger Dank ſei dafür geſagt, daß Arbeiter,
Beamte und Freunde des Hauſes in Verbindung mit
der Gemeinde Rüſſelsheim ein Denkmal aufzuſtellen
be=
ſchloſſen. Dieſes Denkmal iſt nicht nur eine ſtete
Erinner=
ung an unſeren früh dahingeſchiedenen Vater, ſondern
ſoll von uns allen als ein Sinnbild der Verkörperung
ge=
meinſamer Arbeit und gemeinſamer Intereſſen betrachtet
und gewürdigt werden. Alle zum Ausdruck gebrachten
Anerkennungen, alle die herzlichen Glückwünſche zu
unſe=
rem Jubelfeſte hinterlaſſen in uns das Gefühl tiefſter
Dankbarkeit. Unter dieſen Umſtänden betrachten wir es
als unſere beſondere Pflicht, unſerer allzeit fleißigen und
treuen Mitarbeiter zu gedenken, und haben wir beſtimmt,
dem bereits beſtehenden Arbeiter=Unterſtützungsfonds den
Betrag von 150000 Mark, dem Beamten=Penſionsfonds
die Summe von 100000 Mark zuzuführen. Als einen
beſonderen Beweis des guten Einvernehmens zwiſchen
der Gemeinde Rüſſelsheim und unſerem Hauſe faſſen wir
die unſerer Familie zuteil gewordene Ehrung auf, wonach
Straßen Rüſſelsheims in Zukunft unſere Vornamen
tra=
gen ſollen. Zu allen Zeiten waren unſere Beziehungen
zu der Gemeinde die allerbeſten. Als ein Ausdruck der
Anhänglichkeit zu unſerer Heimat ſtiftet unſere Mutter,
Frau Sophie Opel Wwe., als Erinnerung an den
Grün=
der des Werkes zu gemeinnützigen Zwecken den Betrag
von 100000 Mark. Dazu ſtellen wir der Gemeinde
Rüſſels=
heim zu gemeinnützigen Zwecken den Betrag von 30000
Mark zur. Verfügung. Mögen dieſe Beweiſe unſerer
Dank=
barkeit ein Zeichen ſein, daß wir die Mitarbeit eines
Jeden würdigen und daß die Fürſorge für unſere
Ar=
beiterſchaft uns oberſte Herzensſache iſt. Ein Band
ge=
meinſamen Wirkens umſchlingt uns alle; möge es zu
unſerer aller Wohl für immerdar feſtgeknüpft ſein. In
dieſem Geiſte iſt das Werk groß geworden und nur in
dieſem Geiſte wird es ſein. Das iſt unſer innigſter Wunſch,
eine Segensquelle für uns alle und für die kommenden
Geſchlechter.”
Weitere Glückwünſche.
Nun ließ ſich der Männerchor mit einer prachtvollen,
ſtimmfriſchen Wiedergabe des „Altniederländiſchen
Dank=
gebetes” von R. Kremſer hören; hierauf ſprach als
Ver=
treter ſämtlicher Abnehmer des Hauſes Opel Herr
Gabriel Kropf aus Nürnberg, ferner Ernſt Sachs
im Namen der Lieferanten und zum Schluſſe Herr Dr.
Sperling im Namen des Vereins Deutſcher
Motor=
fahrzeug=Induſtrieller.
Nachdem die Klänge des Haydnſchen Chores „Sei
mir gnädig” mit deſſen ſtimmungsvoller Wiedergabe ſich
die Rüſſelsheimer Sänger und Sängerinnen beſonders
auszeichneten und bezeugten, daß die Sage von
rheini=
ſcher Sangesfreudigkeit keine leere Mär, verklungen
waren, verließ der Großherzog, begleitet von Frau
Sophie Opel Witwe und ihren Söhnen und allen
Ehren=
gäſten, unter den brauſenden Hochrufen der faſt 5000
Feſt=
teilnehmer die Halle. Er begab ſich ſodann nach Villa
Sophienheim, wo er ſich aufs herzlichſte von allen
An=
weſenden verabſchiedete und mit dem Dank für das ſelten
weihevolle Feſt ſeine höchſte Anerkennung verband. Dann
fuhr der Großherzog in ſeinem Opelwagen unter
fort=
währenden Hochrufen der in den Straßen harrenden
Men=
ſchenmengen nach ſeinem Jagdſchloß Wolfsgarten zurück.
Das Feſtmahl.
Ein den Ehrengäſten, Freunden der Familie Opel,
Jubilaren und Beamten gegebenes Feſtmahl im „
Rüſſels=
heimer Hof” bildete den Abſchluß des Jubelfeſtes, das
einen ſelten harmoniſchen Verlauf genommen hat. Ueber
350 Herren nahmen an dem Feſtmahl teil. Während des
Mahles brachte Herr Kommerzienrat Karl Opel nach
herzlicher Begrüßung der Gäſte als erſten Trinkſpruch
den auf den Landesherrn aus. Mit Dankbarkeit kannte
der Redner an, daß die Entwickelung des Unternehmens
in dieſem Maße nur möglich war, weil eine ſtarke und
weiſe Regierung die Grundlage der ſtaatlichen
Sicher=
heit und Ordnung nach außen und innen ſchuf und in
ſteter Fürſorge zu erhalten ſtrebte, aus denen allein
Han=
del und Wandel gedeihen und ſich zur vollen Blüte
ent=
falten konnte. Er fuhr dann fort: Wie wir Heſſen auf
die hiſtoriſche Entwickelung unſeres Landes ſtolz ſein
können, ſo können wir auch ſtolz ſein, daß wir in einer
fruchtbar ſchönen Zone Deutſchlands lebend, mitarbeiten
an dem induſtriellen Aufſchwung unſeres Volkes.
Unſe=
res Vaters Gründung leuchtete ein gütiger Stern, der
uns, ſeinen Nachfolgern, hell ſtrahlt. Möge Heſſens
Fürſt, der heute durch ſeine Anweſenheit unſere Feier
aus dem Rahmen des Alltäglichen hob möge er ſich
immerfort den Bedürfniſſen der Neuzeit
entgegenkom=
mend erweiſen und in ferneren Zeiten unſerem Hauſe
ſein lebhaftes Intereſſe bekunden. All unſere Wünſche
und Hoffnungen drängen ſich nur in dieſem Gedanken
zuſammen. Se. Kgl. Hoheit, Ernſt Ludwig,
Großherzog von Heſſen und bei Rhein,
hoch.”
Ein mächtiges Hoch brachten aus viele ſtarke
Manneskehlen, dem ſich die Nationalhymne im Orcheſter
miſchte, die alle Anweſenden ſtehend mitanhörten.
Eine ſehr bedeutſame und beſonders eindrucksvolle
Rede hielt Herr Dr. Ludwig Opel: Wenn
heimge=
kehrt von weiter ferner Reiſe der Wanderer Rückſchau
hält und denkt und ſinnet, wie Dies und Das und Jenes
ſich ereignet, dann ſinkt zurück in ewiges Vergeſſen, was
nur der Tag gebracht und wird verwehet, dem Staube
gleich zerſtreut in alle Winde. Und nur was ſeine Seele
tief ergriffen, was hoch emporragt aus des Tages
Ge=
woge, ſteht unauslöſchlich vor des Geiſtes Auge. — So
halten Rückſchau wir in dieſer Stunde. 50 Jahre liegen
hinter uns. 50 Jahre Induſtrie. 50 Jahre, — beſonders
mahnt uns dieſes Wort, wie viel älter auch inzwiſchen
das deutſche Volk geworden iſt. Die Taten, die kraftvoll,
wuchtig im letzten Jahrhundert den Wandel der Zeiten
erzwangen, bannen uns. Bald nach Beginn der
Ge=
ſchichte unſeres Hauſes iſt in jugendlicher Kraft ein
deut=
ſches Reich erſtanden. Eines Kaiſers Auge ruht wieder
auf uns und verfolgt ſtolz den Siegeslauf heimiſchen
Ge=
werbefleißes. Wir ſind ein jugendliches Volk und die
Männer, die unſerer heutigen Zeit die nächſten Vorfahren
ſind, haben alle die Not gekannt. Aber aus Not und
Er=
ziehung entwickelt ſich der Zwang, Pflicht und
Schuldig=
keit zu tun. Aus dieſem Bewußtſein gewann unſer
deut=
ſches Volk ſeine Geſtalt. Der Zeiten Umſchwung ißt ge=
Nummer 266₰
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 2. September 1912.
Seite 7.
waltig; allüberall ſtürmt das Neue heftig auf uns ein;
heute dehnt ſich alles mächtig in die Breite. Die Zeit
mühſeliger Entwickelung iſt die Zeit der Ernte, der
Maſſenentwickelung, der Vervielfältigung mit all ihrem
Glanz und all ihren Gefahren gefolgt. Die moderne
Großinduſtrie iſt der Ausgangspunkt größter Erfolge,
vielleicht aber auch größter Schickſalsfragen. Auf
wel=
ches Gebiet wir auch blicken, allüberall ſehen wir uns vor
der Aufgabe, plötzlich gewordene Menſchenklaſſen
anzu=
gliedern dem langſam aufwachſenden Bau unſeres
Lebens. Unſer Vater war in und mit der Fabrik groß
geworden, er kannte den Arbeiter und den induſtriellen
Betrieb. Seine Anſichten und Ueberlieferungen, wenn
auch vielfach verändert und unſerer Zeit angepaßt, leben
auch heute in uns fort. Erbe ſein heißt nicht nur den
Beſitz der Väter übernehmen, ſondern in Wiſſen und
Denken ihm nachhandeln und ſich nicht nur als
Nach=
folger, ſondern als Erbe verantwortlich fühlen. So
wurzeln auch wir, ſeine Söhne, die Erben, tief in der
Ver=
gangenheit und ihren Ueberlieferungen. Die alten
patriarchaliſchen Formen ſind vergangen. Unmöglich iſt,
wie früher, ein unmittelbares Band vom Einzelnen zum
Einzelnen aufrecht zu erhalten. Und doch wollen wir
ver=
knüpfen, in richtiger Fortentwickelung, die bewährten
Triebfedern vergangener Zeiten mit den neuen Kräften
in der Seele einer Arbeiterwelt. Einer Arbeiterwelt,
deren Daſeinsgrundlage doch erſt unſere moderne
In=
duſtrie geſchaffen hat. So beſteht zwiſchen vielen unter
uns eine tief bewurzelte Arbeitsgemeinſchaft, die ſtärker
iſt als alle Mächte, die horizontal teilen wollen, was von
der Wurzel bis zur Krone ein einheitliches Gebilde iſt.
Dieſe Arbeitsgemeinſchaft iſt heute beſonders vertreten
durch Sie, meine verehrten Jubilare, die im Dienſte der
Arbeit grau geworden ſind und die ich hier beſonders
grüße. Unſer Haus iſt ein Glied am Körper unſeres
Vol=
kes; wie dieſes Glied gewachſen und groß geworden iſt,
ſo wird es jung und ſtark nur mit ihm bleiben. Jung
und ſtark bleibt nur, wer die Tugenden und Fähigkeiten
ſeiner Jugend ſtählt und pflegt. Auf die Dauer gibt es
keine Ernte, wo vergeſſen wurde, zu ſäen. Immer von
neuem zu ſäen in dem ſtillen Pflanzgarten unſerer
Ju=
gend, muß unſere vornehmſte Pflicht ſein. Zu ſäen Luſt
und Liebe zur Arbeit; denn nur der Freude an harter
Ar=
beit verdanken wir unſeren Aufſtieg. Wem Freude an
der Arbeit ſchwindet, wem Reichtum als Mittel zum
Zweck des Wohllebens dünkt, iſt verloren. Mit rauher
Hand und rückſichtsloſer Entſchiedenheit muß daher der
der ſeine Linie nicht in ſich trägt, an den Platz geſtellt
werden, wohin er gehört. Die Liebe zur Arbeit iſt eine
Macht; tauſendfältig ſtark iſt dieſe Macht, wenn ein jeder
in freier Selbſtbeſtimmung, ſeinem ineren Leitſtern
fol=
gend, ſich als Schaffender in Reihe und Glied ſtellt.
Dies gilt für uns alle; vornehmlich aber für den
Ar=
beiter. Welche Wege unſere moderne Entwickelung auch
immer geht, der Arbeiter wird ſich nicht losreißen können
von den ſtarken Wurzeln deutſcher Kraft, von dem
wärmeumſtrahlten Herd ſeiner Familie und von dem
heimiſchen Gemeinſchaftsgefühl. Wir ſehen mit eigenen
Augen, welchen ſtaunenswerten, von aller Welt
bewun=
derten Aufſtieg in den letzten 30 Jahren unſere
In=
duſtrie und unſere Arbeiterwelt genommen hat.
Blicken wir zurück in die Entwickelung unſeres
Vol=
kes im letzten Jahrhundert, zurück in die Zeit der
Frei=
heitskriege und in die ſtürmiſchen und gärenden
Verhält=
niſſe der ſpäteren Zeit, ſo empfinden wir freudig erregt,
wie viel reicher, wie viel größer und wie viel mächtiger
unſer Deutſchland geworden iſt. Und auf dieſe Blüte
ſeines Volkes ſtolz zu ſein, hat niemand mehr Anlaß, als
der deutſche Arbeiter. Er iſt mit unſerem Volk groß
ge=
worden und ſollte für ſein Land und für ſein Volk
immerfort bitten. Er ſollte glücklich ſein, einem Volk
an=
gehören zu dürfen, das inmitten des engen Europa lebt,
nicht mehr, wie früher, in den Wolken ſchwebt, ſondern
arbeiten, leben und ſich mehren will.
Im Drange der täglichen Arbeit mag es für manchen
ein dunkles Gefühl ſein, aber in dieſem Augenblicke der
Sammlung liegt es ſonnenklar vor uns, daß das bisher
Erreichte nur dann weitere Geſchlechter überdauert, wenn
wir im Kampf und Getriebe nicht nur von Pflichttreue und
Redlichkeit uns leiten laſſen, ſondern allüberall mit
Tat=
kraft gepaartem Fleiß einſetzen. Doch ich ſage, durch
Stre=
ben allein erlangt man nicht Ehre und Reichtum, mehr als
alle Gewalt fördert ein günſtiges Glück; doch ich ſage, auf
die Dauer hat nur der Tüchtige Glück, denn Arbeit und
Fleiß ſind die Flügel, die führen über Strom und Hügel.
Oder wie unſer Schiller in ſeiner Glocke uns läutete:
Arbeit iſt des Bürgers Zierde, Segen iſt der Mühe Preis.”
(Brauſender Beifall.)
Herr Kreisrat Dr. Wallau=Groß=Gerau
über=
brachte zunächſt die Grüße und Wünſche der Regierung.
In humorvoller Weiſe zerpflückte er ſodann den Strauß
der Reden des Feſtaktes, beſonders die der Lieferanten
und Abnehmer, als deren Extrakt er herausgehört. Die
Bereitwilligkeit der erſteren, in Zukunft 50 Prozent
bil=
liger zu liefern und die der letzteren, 50 Prozent mehr zu
zahlen. Unter dieſen Umſtänden könnten ja die Erfolge
der Firma Opel in Zukunft nicht ausbleiben und die
Er=
füllung aller Wünſche ſei gewährleiſtet. Des Redners
Hoch galt der Firma Opel und der derzeitigen Inhaberin.
Herr Pfarrer Fuchs=Rüſſelsheim überbrachte die
Glückwünſche der evangeliſchen Gemeinde und entwarf
daran anſchließend ein feſſelndes Bild von Vergangenheit
zur neuen Zeit, wie aus einer ſtillen Welt der
Frömmig=
keit der haſtende Geiſt der Arbeit geboren, die doch nicht
poeſielos und reizlos ſei, ſondern auch eine ſchöne und
er=
hebende Sprache ſpreche für den, der ihre Größe zu
ver=
ſtehen ſich bemüht. Dem Hauſe Opel und ſeinen Arbeitern
galt ſein Hoch, das lebhaften Widerhall fand.
Herr Englert, Vorſitzender des Frankfurter
Auto=
mobilklubs, betonte die vorzüglichen perſönlichen
Bezieh=
ungen zu den Herren Opel, die ein Bindeglied zwiſchen
Sport und Induſtrie bilden, wie es in gleicher Weiſe kaum
wieder vorhanden ſei. Sein Hoch galt dem Weiterblühen
des Sports, wie das Haus Opel ihn pflegt.
Weitere Trinkſprüche brachten aus Herr Dr. L. Opel
auf ſeinen Bruder Karl und Oberingenieur Wenske, die
am Tage der Jubelfeier auch ihren Eeburtstag feiern,
Herr Geheimerat Kittler auf die Arbeiter der Firma
Opel, Herr Kropff=Nürnberg auf die allerdings
ab=
weſenden Damen und ein Vertreter der Preſſe auf das
Haus Opel. Das ſehr animiert und harmoniſch verlaufene
Mahl hielt die Gäſte bis lange nach Mitternacht
zu=
ſammen.
Beim Feſteſſen wurde folgende Speiſefolge
auf=
getragen: Schildkröten=Suppe (Veldenzer Geisberg 1911,
Wachst. W. Steinhauer Wwe., Veldenz a. d. Moſel),
Rheinſalm, Holſteiner Kalbsrücken (Nierſteiner
Heiligen=
baum, Wachst. Geſchw. W. Schuch, Nierſtein a. Rh.), junge
Pommerſche Gans, Eis nach Fürſt Pückler (Henkell Trocken
„Opel Cuvee 1862——1912‟), Käſe, Früchte. Die
Tafel=
muſik wurde von der geſamten Kapelle des 1. Großh.
Heſſ. Leib=Garde=Inf.=Regts. Nr. 115 unter
Obermuſik=
meiſter Hauske ausgeführt
Die Feſtſchrift
die wie mehrfach erwähnt, aus Anlaß der Jubelfeier
er=
ſchien, iſt ſowohl inhaltlich, wie auch in der techniſchen
und auch künſtleriſchen Ausſtattung ein Muſterbeiſpiel ihrer
Art. Sie gibt in knappen aber erſchöpfenden Umriſſen
Aufſchluß über Haus und Familie Opel, dann über
die faſt beiſpielloſe Entwickelung des Geſchäftes,
eine Darſtellung der Entwickelung der deutſchen
Induſtrie, im beſonderen des Automobilbaues, der eine
ſehr eingehende Beſchreibung, auch in techniſcher Hinſicht
findet, die durch zahlloſen Detaililluſtrationen bereichert
iſt. Als Titelbilder enthält das umfangreiche Werk
ganz=
ſeitige Bildniſſe des Begründers der Firma und des
Groß=
herzogs, der an ſeinen neueſten Opelwagen lehnt. Die
textlichen Beiträge der Feſtſchrift beſorgte Reg.=Aſſ. Dr.
L. Opel, Rüſſelsheim. Druck von der L. C.
Wittich=
ſchen Hofbuchdruckerei in Darmſtadt. Die
Titelzeichnung wurde nach einem Entwurf von Dipl.=Ing.
P. Th. Frankl, Architekt in Berlin, ausgeführt. Alle
Neu=
aufnahmen fertigte Photograph Joſ. Magnus in
Darm=
ſtadt. Die Zinkkliſchees und Autotypien lieferte F. Guhl
u. Co., Graphiſche Kunſtanſtalt und Kliſcheefabrik in
Frank=
furt a. M., das Papier Krauſe u. Baumann A.=G.,
Dres=
den=A., den Bütten=Umſchlag=Karton die Aſchbachwerke in
Waldmichelbach i. Odw. Gebunden wurde das Buch in
der Hofbuchbinderei Ph. Böcher in Darmſtadt.
Eine Rede des Kaiſers.
*Berlin, 31. Aug. Bei der heutigen Tafel für
die Provinz Brandenburg im Weißen Saale
des königlichen Schloſſes hielt der Kaiſer folgende Rede:
Meine Herren von der Provinz Brandenburg! Die
großen Herbſtübungen und Beſichtigung des Garde= und
3. Armeekorps geben mir erwünſchten Anlaß, die
Ver=
treter der Provinz Brandenburg und der Reichshauptſtadt
wieder einmal um mich zu verſammeln. Ich hoffe, Sie ſind
gern und leichten Herzens gekommen, und nicht wie jene
Abgeordnete der Mark zu Kaiſer Sigismund mit
begründe=
ten Klagen und Bitten um durchgreifende Abhilfe. Denn ich
meine, wir können mit den jetzigen Verhältniſſen, trotz der
Unvollkommenheiten, die nun einmal allem Irdiſchen
anhaften, zufrieden ſein. Vor feindlichem Uebermut und
kriegeriſchen Ueberfällen durch ein ſchlagfertiges Heer
und eine wachſende Flotte geſchützt, kann in unſerem
geordneten Staatsweſen der Landmann ſeinen Acker
beſtellen, der Kaufmann, Fabrikant und Handwerker
ſeinem Geſchäft nachgehen und der Arbeiter ſeines
wohl=
verdienten Lohnes gewiß ſein. Sie alle können ſich der
Früchte ihrer Arbeit und der Gaben unſerer Kultur
erfreuen. Wer aber glaubt, Grund zu Klagen zu
haben oder wer neue Kraft und Freudigkeit zu weiterer
Arbeit — ſei es für den eigenen Herd, ſei es für das
Geſamtwohl — ſucht, der mache mit mir hin und
wieder auf ſeinem Wege Halt und ſchaue zurück auf die
Zeit, wo es nicht wie heute in unſerem Vaterlande
aus=
ſah. Zu ſolchen Rückblicken bietet das Jahr 1912 mit
ſeinen Gedenktagen gute Gelegenheit, iſt es doch 500 Jahre
her, daß Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg ſeinen
weltgeſchichtlichen Zug in die Mark unternahm, um auf
Geheiß ſeines kaiſerlichen Herrn zunächſt als Verweſer
wieder Ordnung in die durch Eigennutz und Willkür
verfahrenen Verhältniſſe zu bringen und die Mark vor
dem Untergang zu retten
Wahrlich, eine Aufgabe, deren Löſung nur einem
Manne anvertraut werden konnte, der, wie Friedrich, klug.
gerecht, energiſch und zielbewußt war und ſich in Treue zu
Kaiſer und Reich bewährt hatte. Wie er die ihm von der
Vorſehung zugewieſene Miſſion erfüllt und welche
Bedeu=
tung der erſte Fußſtapfen eines Hohenzollern auf
märki=
ſchem Boden für unſer Land hatte, das tritt uns heute
klar vor Augen, wenn wir auf die Geſchichte des
bran=
denburg=preußiſchen Staates und des Deutſchen Reiches
blicken, deren gemeinſames Fundament feſt auf märkiſchem
Boden ſteht. Markgraf Friedrich aber, wie die nach ihm
kommenden Herren ſeines Geſchlechtes, hätten ihre
ſegens=
reichen Lebenswerke nicht vollendet, und das Staatsſchiff
nicht ſo ſicher durch Brandung, Sturm und Wogen führen
können, hätten ſie nicht ihre Märker hinter ſich gehabt.
Dieſe haben, nachdem das anfängliche Mißtrauen gegen
den fremden Herrn überwunden war, mit Gut und Blut
treu zu ihrem Markgrafen geſtanden und ihnen aus ihrer
Mitte Männer von echtem Schrot und Korn geſtellt, die
wie die märkiſchen Eichen Sturm und Wetter
widerſtan=
den und eine feſte Stütze in Kriegs= und Friedenszeiten
boten.
Auch in Zukunft werden — des bin ich gewiß — die
brandenburgiſchen Mannen, wenn König und Vaterland
rufen, als erſte ſich ſtellen mit weithin ſchallendem „Hie
quet Brandenburg allewege!‟ Daß deutſche Männer mir
tets und meinem Hauſe erſtehen mögen und daß der
märkiſchen Eichen, der märkiſchen Kiefern und des
mär=
kiſchen Sandes nie alle werden mögen, darauf leere ich
mein Glas. Es lebe die Provinz Brandenburg! Hurra.
Richard Strauß und die Parſifalfrage.
* Hamburg, 31. Aug. Das Hamburger
Fremden=
blatt veröffentlicht einen an ſeinen Wiener
Muſikreferen=
ten Ludwig Karpath gerichteten Brief von Richard
Strauß, in dem der Komponiſt auf Erſuchen des
Adreſſaten ſeine Meinung zur „Parſifal”=Frage
kundgibt. Das Schreiben lautet:
Garmiſch, den 18. Auguſt 1912. Lieber Herr Karpath!
Für mich gibt es in der Parſifalfrage nur einen
Rich=
tungspunkt: Reſpekt vor dem Willen des
Genies. Leider haben aber in der Frage des
Parſifal=
ſchutzes nicht Leute zu entſcheiden, denen die Steigerung
und Verfeinerung unſerer Kultur am Herzen liegt, ſondern
nur Juriſten und Politiker, deren Horizont nicht bis zu
dem Verſtändnis von den unbeſchränkten Rechten des
gei=
ſtigen Eigentümers reicht. Ich habe ſeinerzeit den
acht=
tägigen Verhandlungen des Deutſchen
Reichsta=
ges perſönlich beigewohnt, wo die Vertreter des deutſchen
Volkes. mit ganz wenigen Ausnahmen, in
beneidenswer=
ter Unkenntnis der Materie über Urheberrecht und
Schutz=
friſt debattierten. Ich habe ſelbſt gehört, daß ein Herr
Eugen Richter in unverſchämteſten Lügen die Rechte von
armſeligen zweibundert deutſchen Komponiſten — die
Erben Richard Wagners miteingeſchloſſen — zugunſten
von zweihunderttauſend deutſchen Gaſtwirten zu Boden
trat.
Dies wird auch nicht anders werden, ſolange das
blöde allgemeine Wahlrecht beſtehen bleibt,
und ſolange die Stimmen gezählt und nicht gewogen
werden, ſolange nicht beiſpielsweiſe die Stimme eines
einzigen Richard Wagner hunderttauſend und ungefähr
zehntauſend Hausknechte zuſammen eine Stimme
bedeu=
ten. Dann würde ich vielleicht auch im Goethebund nicht
mehr die Phraſen hören: von den Rechten der deutſchen
Nation, die befugt ſein ſoll, das Genie, das ſie bei Leh=
zeiten verbannt und verhöhnt hatte, noch dreißig Jahre
nach ſeinem Tode auszuplündern und ſein Werk in den
kleinſten Provinzbühnen zu proſtituieren.
Wir Wenigen werden vergebens proteſtieren, und
der deutſche Spießbürger wird in zwei Jahren
am Sonntag nachmittag, zwiſchen Mittageſſen und
Abend=
ſchoppen ſtatt fortwährend in den Kientopp und in
Operet=
ten zu gehen, auch für fünfzig Pfennig den Parſifal hören.
Und da wundern wir uns, daß uns die Franzoſen und
Italiener in allen Kulturfragen immer noch für
Bar=
baren halten. Dr. Richard Strauß.
Herr Richard Strauß — das muß man ihm laſſen —
beſitzt wenigſtens den Mut, ſeine Ueberzeugung
auszu=
ſprechen und ſchreckt dabei vor ſchweren Beleidigungen
nicht zurück. Eine andere Frage iſt, ob er mit der
Ver=
öffentlichung ſeines Briefes einverſtanden geweſen iſt.
Im entgegengeſetzten Falle läge ein ſchwerer
Vertrauens=
bruch vor.
Luftfahrt.
* Baden=Oos, 30. Aug. Das Luftſchiff „
Vik=
toria Luiſe” das um 3 Uhr 45 Minuten in Frankfurt
(Main) aufgeſtiegen war, iſt nach glatter Landung
um 6 Uhr 35 Minuten in der hieſigen Luftſchiffhalle
ge=
borgen worden. — Die für den 1. September angeſetzte
Fahrt der „Viktoria Luiſe” nach Stuttgart iſt wegen
der ungünſtigen Witterung verſchoben worden.
* Köln, 31. Aug. Als heute mittag das
Militär=
luftſchiff „Z. 2” zu einer Fernfahrt aus der Halle
gebracht wurde, wurde es von einem heftigen Windſtoß
gegen das Hallentor gedrückt, wobei die
Steuerung beſchädigt wurde. Infolge des heftigen
Win=
des erhob ſich das Luftſchiff, das bereits bemannt war,
und ſtieß einen Kamin um. Das Luftſchiff wurde jedoch
dann wieder zum Landen gebracht. Es hat einigen
Schaden genommen.
* KKöln, 31. Aug. Ueber den Unfall des
Mili=
tärluftſchiffes „Z. 2” erhalten wir folgende
Dar=
ſtellung: Durch den infolge des Regens in den letzten
Tagen ſehr naſſen Lehmboden verloren die Mannſchaften,
die das Luftſchiff aus der Halle bringen ſollten, die
Ge=
walt über den rieſigen Ballonkörper, der vom Winde zur
Seite gedrückt wurde und gegen das Hallentor ſtieß,
wo=
bei die Steuerflächen beſchädigt wurden. Der Führer
des Luftſchiffes mußte trotz des Defektes aufſteigen, da
ein Halten des Ballons zur Unmöglichkeit geworden war.
Das Luftſchiff verſuchte wieder vor der Halle
niederzu=
gehen, was jedoch nicht gelang, ſo daß etwa 500 Meter
davon zur Landung geſchritten werden mußte. Bei der
Landung wurde das Luftſchiff abermals zur Seite
ge=
drückt, wobei zwei Zellen eingeknickt und außerdem zweit
Propeller beſchädigt wurden. Der Ballonkörper wurde
ſo nach der Halle geſchleppt. Bei den
Bergungsarbeiten=
erlitten zwei Leute leichte Kontuſionen.
Sport.
* Leichtathletik. Der Fußballklub Olympia
Darm=
ſtadt hat mit dem Beſuch der nationalen olympiſchen
Spiele in Bingen am geſtrigen Sonntag ſeine diesjährige
Leichtathletikſaiſon beendet. Auch in der Rheinſtadt
Bingen waren den ſchwarz=weißen Vertretern ſchöne
Er=
folge beſchieden. Nicht weniger als 4 erſte, 3 zweite und
2 dritte Preiſe, darunter zwei Wanderpreiſe, konnte der
Verein erringen. Nachſtehend die Reſultate: 50 Meter
Juniorlauf H. Wenzel 1. Preis, Fritz Weber 2. Preis.
Diskuswerfen E. Ensgraber 3. Preis. 400 Meter
Junior=
ſtafette 1. Preis, 490 Meter Seniorſtafette 2. Preis, 3000
Meter A=Stafette 1. Preis, B=Stafette 2. Preis, 1500
Meter Stafette 1. Preis, zweiter wurde F.=C. Köln 1899.
Im 1500 Meter Lauſen H. Schreck den 3. Preis.
* Baden=Baden, 31. Aug. In dem
Ren=
nen um den Großen Preis wurde erſter Rire acz
Larmes, zweiter Matchleß, dritter Gorgorito, vierter La
Bohème, ſämtlich Franzoſen.
Literariſches.
— Wilhelm Repfold, Malſchülers
An=
fang (14 Schattenriſſe) 1 Mk., die Malſchule (13
Schattenriſſe) 1 Mk., Profeſſor und Modell (14
Schatten=
riſſe) 1 Mk. Kunſtwartverlag Georg D. W. Callwey,
Mün=
chen. Der Schattenriß iſt wieder Mode geworden. Die
verſchiedenen Ausſtellungen der letzten Zeit haben
ge=
zeigt, wie viele Kräfte am Werke ſind, Silhouetten zu
ſchneiden oder auch — das iſt oft noch leichter — zu
zeich=
nen. Die bisher vom Kunſtwart herausgegebenen
Unter=
nehmungen zeigen, wie ernſt er es mit ſeinem Beſtreben
nimmt, wirklichen Talenten freie Bahn zu ſchaffen.
Nach=
dem im Anfang des Jahres die Kunſtfreunde durch neu
aufgefundene Werke Karl Fröhlichs und durch die
Schöpf=
ungen einer modernen Künſtlerin, Gertrud Stamm,
über=
raſcht wurden, bringt der Kunſtwart jetzt Werke eines
Talentes vollkommen anderer Art. Es ſind drei kleine
Folgen eines modernen Bildhauers und Radierers, der
mit glänzender Lanne Schattenriſſe aus dem
Künſtler=
leben geſchnitten hat. In den Blättern wird das
Kunſt=
akademietreiben ſo luſtig beſpöttelt, daß ſie ſchon
des=
halb zahlreicher Freundſchaften ſicher ſind.
— Strafgeſetzbuch für das Deutſche
Reich. Neue, ab 5. Juli 1912 gültige Faſſung.
Taſchen=
format. Preis 1,10 Mk. Geſetzverlag L. Schwarz u. Ko.,
Berlin S. 14, Dresdener Straße 80. Die am 5. Juli 1912
in Kraft getretenen vielen Aenderungen des Reichs=
Strafgeſetzbuches haben eine Neuausgabe erforderlich
ge=
macht, denn alle früheren Ausgaben ſind veraltet und
unrichtig, zumal ſeit Beſtehen des Reichsſtrafgeſetzbuches
im Laufe der Jahre 15 verſchiedene Novellen Geſetzeskraft
erhalten haben.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 31. Aug. Der Kaiſer unternahm heute
morgen einen Spaziergang im Tiergarten. Um 10
Uhr wurde das 200jährige Beſtehen der Sophienkirche
begangen, die reich geſchmückt war. Die Häuſer der
Um=
gebung hatten geflaggt. Der Kaiſer, der ſich morgens
entſchloß, der Feier beizuwohnen, erſchien unter dem
Jubel einer zahlreichen Menge. Vorher war das
Kron=
prinzenpaar eingetroffen. Der Gottesdienſt war dicht
gefüllt mit Mitgliedern der Gemeinde. Nach der Feier
nahm der Kaiſer den Vorbeimarſch der
Ehren=
kompagnie ab.
* Berlin, 1. Sept. Im Verfolg der Feſtlichkeiten
an=
läßlich der Kaiſermanöver, an denen das dritte
Armeekorps beteiligt war, fand heute mittag 12 Uhr auf
dem Tempolhofer Feld feierlicher Gottesdienſt ſtatt Die
evangeliſche und katholiſche Militärgeiſtlichkeit des
Stand=
orts Berlin des dritten Armeekorps hatte ſich beim
Feld=
altar aufgeſtellt. Rechtswinklig nach beiden Seiten bauten
ſich Abordnungen evangeliſcher und katboliſcher Mayn=
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 2. September 1912.
Nummer 206,
ſchaften gemiſcht auf, die beiden anderen Teiten des
Vier=
ecks wurden von Kriegervereinen und Sanitätskolonnen
gebildet. Bei dem Kaiſerzelt fanden ſich u. a. der
Ober=
befehlshaber in den Marken, Generaloberſt v. Keſſel
Kriegsminiſter v. Heringen, der Chef des Generalſtabes
v. Moltke, der Chef des Militärkabinetts Freiherr von
Lyncker, die militärbevollmächtigten fremdherrlichen
Offi=
ziere, die Prinzen und Prinzeſſinnen des königlichen
Hau=
ſes, der deutſche Kronprinz, ferner die Kronprinzeſſin von
Griechenland, Prinzeſſin Friedrich Karl von Heſſen, der
Erbprinz von Sachſen=Meiningen und Prinz Leopold
von Bayern ein. Um 11¾ Uhr erſchienen die Kaiſerin
und Prinzeſſin Viktoria Luiſe im geſchloſſenen Automobil,
kurz vor 12 Uhr der Kaiſer im offenen Automobil. Der
Sängerchor der zweiten Garde=Infanterie=Brigade trug
das niederländiſche Dankgebet vor. Dann predigte der
evangeliſche Feldpropſt der Armee, Wölfing Ein Gebet
nach dem Zapfenſtreich ſchloß die Feier. Es folgte der
Vorbeimarſch der Truppen. Hierauf nahm der Kaiſer die
Rapporte der Kriegervereine und Sanitätskolonnen
ent=
gegen und ritt die Fronten der Vereine ab, wobei er
viele alte Krieger durch Anſprachen auszeichnete. Nach
1½ Uhr kehrte der Kaiſer ins Schloß zurück. Das Wetter
iſt ſchön
München, 1. Sept. Der Generalintendant der
Königlichen Theater, Freiherr v. Speidel, iſt heute
vormittag an den Folgen der Gallenſteinoperation, der
er ſich vor einiger Zeit unterzogen hatte, geſtorben.
München, 1. Sept. Der Verbandstag deutſcher
Schuhwarenhändler faßte den Beſchluß, infolge der
geſteigerten Einkaufspreiſe eine entſprechende Erhöhung
der Detailpreiſe für Schuhwaren eintreten zu laſſen.
* München, 31. Aug. Die regierende Großherzogin
Marie Adelheid pon Luxemburg, die vor
einigen Tagen zum Beſuch bei ihrer Tante, der
Her=
zogin Karl Theodor in Poſſenhofen eingetroffen war,
ſtattete in Hohenſchwangau in Begleitung ihres Oheims,
Herzogs Don Miguel von Braganza, dem
Prinzregen=
ten einen offiziellen Beſuch ab. Nach dem Frühſtück bei
dem Prinzregenten kehrte die Großherzogin nach
Poſſen=
hofen zurück.
* Langenburg, 31. Aug. Der Fürſt von
Hohen=
lohe=Langenburg beging heute unter Teilnahme
der ganzen Stadt ſeinen 80. Geburtstag. Eine große
offizielle Feier hat der Fürſt aus Geſundheitsrückſichten
abgelehnt.
* Rummelsburg, 1. Sept. Nachts kenterte auf
dem Rummelsburger See ein Boot mit acht Inſaſſen,
drei ſind ertrunken.
* Wien, 31. Aug. Das Fremdenblatt meldet: Der
deutſche Reichskanzler wird am 7. September
hier eintreffen und ſich zum Beſuche des Grafen
Berch=
told nach Buchlau begeben. Der Reichskanzler verläßt
am 8. September abends Buchlau und begibt ſich nach
Berchtesgaden zurück. In Buchlau werden zur ſelben
Zeit auch der deutſche Botſchafter in Wien und der
öſter=
reichiſch=ungariſche Botſchafter in Berlin als Gäſte
ein=
treffen.
* Bad Gaſtein, 1. Sept. Die Jagdeinladung nach
Linderhof, die der Prinzregent an den
Reichs=
kanzler ergehen ließ, bezieht ſich auf Oktober. Der
Reichskanzler kehrt nach dem Beſuch beim Grafen
Berch=
told auf Schloß Buchlau nach Berlin zurück.
Paris, 31. Aug. Im Dorfe Berlin im
Departe=
ment Pas=de=Galais erkrankte die geſamte Familie
des öſterreichiſchen Beramanns Jerniſchk nach dem Genuß
eines Gerichtes im Wald geſammelter Pilze. Die
39jährige Frau Jerniſchk und fünf ihrer Kinder im Alter
von fünf bis dreizehn Jahren ſowie der in ihrem Hauſe
als Penſionär wohnende öſterreichiſche Bergmann Franz
Reſen ſind geſtorben. Drei andere Familienmitglieder
liegen im Sterben.
Lamotte Breuil, 1. Sept. Der für die Armee
be=
ſtimmte Lenkballon ſtieg geſtern zu einer
zwanzig=
ſtündigen Fahrt mit acht Paſſagieren auf. Er fuhr nach
Diepe, kreuzte über dem Kanal und kehrte heute früh
zurück, nachdem er über 800 Kilometer zurückgelegt hatte.
Chriſtiania, 31. Aug. Ein im Mitteldal gelegene
Pulvermühle iſt heute früh in die Luft
ge=
flogen. Einzelheiten fehlen, doch beſteht die Hoffnung,
daß Menſchen nicht ums Leben gekommen ſind.
* San Sebaſtian, 1. Sept. Der ſpaniſche
Mi=
niſter des Aeußern und der franzöſiſche
Bot=
ſchafter in Madrid ſind geſtern abend hier eingetroffen.
Sie ſetzten heute ihre Beſprechungen fort mit dem
End=
ziel, den: Widerſtand Deutſchlands gegen die
Erhebung von Zöllen innerhalb Marokkos zu
beſei=
tigen.
*Konſtantinopel, 1. Sept. Die griechiſche
Geſandt=
ſchaft überreichte der Pforte eine Verbalnote, in
der die Aufmerkſamkeit der Pforte auf die jüngſten
Grenzzwiſchenfälle gelenkt wird und eine
Unter=
ſuchung verlangt wird.
Salonikt, 1. Sept. Das Infanterie=Regiment
Nr. 69 erhielt Befehl, ſofort von Janina nach
Preveſa abzugehen.
* Wladiwoſtok, 31. Aug. Prinz Heinrich von
Preußen iſt heute nachmittag hier eingetroffen. Nach
der Begrüßung durch die Ehrenwache, die von der
ſibiriſchen Flottenmannſchaft geſtellt war, und der zum
Empfang erſchienenen Vertreter der Behörden unternahm
Prinz Heinrich eine Automobilfahrt durch die Stadt,
wobei er dem Feſtungskommandanten, dem Gouverneur
und dem deutſchen Konſul Beſuche abſtattete. Darauf
begab ſich der Prinz an Bord des deutſchen
Panzer=
kreuzers „Scharnhorſt” mit dem er ſeine Reiſe fortſetzte.
Buenes Aires, 1. Sept. Der argentiniſche Dampfer
„Colartine” iſt in der Nähe von Rio Grande
unter=
gegangen. Die geſamte Mannſchaft iſt ertrunken. Zwei
Leichen und Trümmer des Schiffes wurden aufgefunden.
H.B. Frankfurt a. M., 31. Aug. Das blutige
Piſto=
lenduell, das am 1. Mai in Raſtatt zwiſchen dem
Oberarzt Dr. Brüning und dem Oberleutnant und
Ab=
teilungs=Adjutanten Sprenger ſtattfand, hatte heute ein
Nachſpiel vor dem Kriegsgericht der 21. Diviſion.
Stabs=
arzt Dr. Richard Bethge hatte bei dem Duell als
Kartell=
träger fungiert. Das Kriegsgericht verurteilte ihn wegen
Kartelltragens mit Rückſicht darauf, daß er ſich ſeines
Auftrages in Erfüllung einer kameradſchaftlichen Pflicht
nicht entziehen konnte und es ihm nach Lage der Sache
unmöglich war, einen Ausgleich zu verſuchen, zu der
ge=
ringſten Strafe von einem Tage Feſtung. In dem
Duell war der Oberleutnant Sprenger ſo ſchwer verletzt
worden, daß er bald darauf ſtarb.
Verkaufs-
stellen durch
dieses Plakat
kenntlich.
VI 6419
Unbedingt keimfreie
in warmer Jahreszeit
V
zuverlässigste Hahrung
für kleine Kinder
e
Für einen Verſuch ſenden
ine Probebüchſe koſtenfrei Muffler & Cie,, Freiburg i. Brg.
Fabrik ant:
August Jacobi
Darmstadt.
Hauswirtſchaftliches. Auf mehrere Millionen Mark
könnte man die Verluſte beziffern, welche die deutſche
Volkswirtſchaft alljährlich erleidet durch Verwendung
ſcharfer und die Wäſche ſchnell zerſtörender Waſchmittel.
Die Hausfrauen wiſſen auch aus eigner Erfahrung, wie
hoch die Koſten ſind für Neuanſchaffung von Wäſche
infolge zu ſchnellen Verſchleißens. Dr. Thompſon’s
Seifenpulver, Marke Schwan, hat ſich ſeit länger
als 30 Jahren überall bewährt, weil es garantiert
unſchädlich iſt und die Wäſche nicht angreift. Ebenſo
un=
ſchädlich iſi das von den Fabriken von Dr. Thompſon’s
Seifenpulver, G. m. b. H., in Düſſeldorf in den Handel
gebrachte Bleichmittel Seifix, das einen
voll=
ſtändigen Erſatz für Raſenbleiche bietet.
Aus dem Geſchäftsleben.
Für Märchen iſt das Kindergemüt
be=
ſonders empfänglich, und muß man es aus dieſem
Grunde als einen guten Einfall der Firma Neſtle’s
Kindermehl begrüßen, daß ſie für ihre
Ausſchneide=
puppen Märchenmotive gewählt hat. Nachdem nun
ſchon eine Auflage „Aſchenhrödel” erſchienen iſt, gibt die
Firma jetzt „Rotkäppchen” heraus. Jeder Leſer erhält
auf Wunſch von Neſtle’s Kindermehl, G. m. b. H.,
Berlin W 57, eine Probedoſe des berühmten
Kinder=
mehls gratis und franko. Der Probedoſe wird eine
illuſtrierte Broſchüre nebſt Ausſchneidepuppe beigefügt.
Familiennachrichten.
Freunden und Bekannten
hier-
mit die schmerzliche Mitteilung,
dass mein herzensguter Mann, der
treubesorgte Vater seines Kindes,
unser lieber Schwager
(18351
Herr
Hermann Bechtold
nach sehr schwerem Leiden am
30. Aug. in Köln verschieden ist.
Henriette Bechtold, geb. Kriegbaum,
Fredi Bechtold,
Familie Kriegbaum.
Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten
hierdurch die traurige Mitteilung, daß unſere
(18349
liebe Mutter
Frau Eva Veit Witwe
geb. Jährling
nach langem Leiden ſanft verſchieden iſt.
Nie tieftrauernden Hinterbliebenen:
Kath. Mohr, geb. Veit.
Guſtav Veit u. Frau.
Adolf Veit u. Frau.
Darmſtadt, den 31. Auguſt 1912.
Die Beerdigung findet Montag, den 2. Sept.,
nachmittags 3½ Uhr, vom Portale des
Fried=
hofes aus, ſtatt.
Dankſagung.
Für die bei dem Heimgang unſerer lieben,
unvergeßlichen, teuren Tochter und Schweſter in
ſo reichem Maße erwieſene Teilnahme ſagen wir
hiermit unſeren innigſten Dank.
(18350
Darmſtadt, im Auguſt 1912.
Großherzogl. Hofmeierei.
Familie W. Schwarz.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlichſter Teilnahme
bei dem ſchweren Verluſte meines lieben Mannes,
unſeres guten Vaters,
(18340
Joseph Petitjean
ſagen wir Allen, insbeſondere ſeinen Vorgeſetzten
und Mitarbeitern im Städtiſchen Gaswerk, dem
Laternenwärterperſonal und für die überaus
zahlreichen Blumenſpenden auf dieſem Wege
unſeren aufrichtigſten Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, 30. Auguſt 1912.
Tageskalender.
Ausſtellung „Der Menſch” im Großh. Reſidenzſchloß
(geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends).
Eugen Bracht=Ausſtellung auf der
Mathil=
denhöhe (geöffnet von 10—6 Uhr).
Wiederbeginn der Proben des Muſikvereins um
8 Uhr Steinſtraße 24.
Monatsverſammlung des Vereins für Vogel= und
Geflügelzucht um 9 Uhr in der „Krone”.
Konzerte: Bürgerkeller um 8 Uhr. — Singſpielhaus
„Metropole” um 8 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23):
Der Empfang des Kaiſerpaares in Luzern bei der erſten
Schweizerreiſe Kaiſer Wilhelms II. im Mai 1893; das
Luftſchiff „Hanſa” während einer Fernfahrt über
Helgo=
land; die neue Vigiljochbahn bei Meran; der
Kamerad=
ſchaftsſchwur öſterreichiſcher Offiziere.
Verſteigerungslalender.
Dienstag, 3. September.
Meßplätze=Verſteigerung um 9 Uhr in der
Turnhalle am Woogsplatz.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 9 Uhr
Saal=
bauſtraße 11.
Dünger=Verſteigerung um 9½ Uhr in der
Dra=
gonerkaſerne (Regt. Nr. 23).
Grummetgras=Verſteigerung um 10 Uhr in
der Oberförſterei Meſſel bei dem Pflanzgarten im
Forſt Eichen
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
Das Einfamilienhaus
Schießhausſtr. 130, neuzeitl.
einger. mit 12 Zim.,
Zentral=
heizg., elektr. Licht, Gas, Balk.,
Logg., viele Nebenr., groß.
Garten zu verkauf. od. z. vm.
Näh. daſelbſt od. b. Seb. Eckler,
Rheinſtr. 9.
(B15322
Bauplätze
mit 12—15 m Front im
Südoſt=
viertel zum Preiſe von 6—8000 Mk.
zu verkaufen (4 ſtöckige, geſchloſſene
Bauweiſe und fertige Straße)
Offerten unter M 32 an die Ex=
Verkauf.
Das Einfamilienhaus, im
Gei=
ſenſee 11, Ecke Schießhausſtr.,
nach den Plänen des Herrn Prof.
Pützer ſolid u. prakt. erbaut, mi
8 Zim., 4 Manſ., Bad, elektr. Licht,
ſchön. Wirtſchaftsräumen im
Sou=
terrain u. Zentr.=Heiz., iſt ſofort
zu verkaufen oder zu vermieten.
Geſamtfläch.=Geh. einſchl. des
Gar=
tens 711 am. Die Bedingungen
ſind günſt. geſtellt. Weiteren
Auf=
ſchluß erteilt das
Immobilien=
geſchäft Sebastian Eckler, Rheinſtr. 9,
Telephon 243.
(17359a
pedition ds. Blattes. (*4882so4 pedition dieſes Blattes. (*4862so
zu kaufen geſucht mi
3 od. 4 Zimmerw. wo
Haus
Käufer zinsfrei wohnt.
Offerten unter M 28 an die Ex=
Das Anweſen
thildenſtraf
neu hergerichtetes 2½ ſtöckiges
5 Zimmerhaus mit hübſchem
Garten wird zu dem ſehr billigen
aber feſten Preiſe von M. 35000
verkauft. Weiteren Aufſchluß nur
bei der Firma Sebastian Eckler,
Rheinſtr. 9, Telefon 243. (B1787s
Hausverkauf.
In ff. ſüdöſtl. freier Höhenlage
iſt ein neues 3X6 Zimmerhaus
m. ſchönem Garten (prima Mieter
enthaltend) zu denkbar günſt.
Be=
dingungen zu verkaufen. Ernſte
Reflekt. wollen unt. K. 84 bei d.
Expedition anfragen. (17861a
an den durch das früher E. Merck
ſche Fabrikviertel ziehenden
Stra=
ßen gelegen, wird in beliebigen
Größen zu ſehr günſtigen
Beding=
ungen verkauft. Planeinſicht und
weiterer Aufſchluß bei Seb. Eckler,
Rheinſtr. 9, od. im Büro von Harres
& Barth, Saalbauſtr. 79. (17358a
Bauplätze
in feinſter ſüdöſtlicher Höhenlage
unter koulanten Bedingungen zu
verkaufen. Anfragen unt. M 65
an die Exp. d. Bl.
(18348a
Dachreparaturen
werden raſch u. billig ausgeführt
Adam May, Dachdecker,
Rundeturmſtr. 16. (18132a
Aufpol. v. Möb.
Spezialität: uſw., ſowie
all=
vorkomm. Schreinerarbeiten (1265a
Adolf Zeller, Schützenſtraße 8.
gegen hypo=
5—600 Mark thekariſche
Sicherheit ſof. zu leihen geſ.
Ver=
mittler verbeten. Off. u. L 79
(18091a
an die Exp.
Nummer 206.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 2. September 1912.
Seile 9.
Mlittagstiſch
wird gut und preiswert gegeben; daher ſpeiſen täglich
viele Gäſte, auch Rbonnenten, im
Brauerei=Ausſchank Heß, Kirchſtraße.
14761a
Weiblich
in Stenographie und
Fräulein, Maſchinenſchreiben
bewandert, und ſich in
Bureauar=
beiten ausbilden möchte, ſucht
Stellung per 1. Oktober. Off. u.
M63 an die Exped. (*5011
Büglerin (Anfängerin) ſucht
Kunden außer dem Hauſe. Näh.
Ruthsſtraße 20, II.
(*4971om
Als Hausdame
ſucht alleinſt. Dame, Mitte 30er,
in Küche u. Haush. erfahr. zum
1. Oktob. Stellg. in frauenl.
Haus=
halte u. zur Erziehung mutterloſ.
Kinder. Offerten erb. unt. M 15
an die Expedition. (*4775fso
Landmädch., dar. mehr.
Ober=
heſſinnen, ſuch. in Darmſtadt Stell.
Frau Berta Nessling, gewerbsmäßige
Stellenvermittlerin, Ludwigstr. 8. (*4733fso
Beſſeres Mädchen, 25 Jahre
alt, ſucht Stellung im Haushalt;
gute Behandlung Bedingung, es
wird nicht auf hohen Lohn geſehen.
Gefl. Anerbieten an A. Z., Eberstadt
b. Darmstadt, Weingartenstr. 9. (18172soi
Junge Frau ſucht Laufdienſt
Weil, Ludwigshöhſtr. 46. (*4843so
Junges Mädchen ſucht tagsüber
Beſchäftigung. Geht auch zu zwei
Leuten oder einzelner Dame.
Wen=
delſtadtſtraße 56, I. I. (*4974oi
Sauberes Mädchen ſucht ſofort
Aushilfeſt. b. beſ. Herrſch. 4—6Woch.
Zu erfr. Mühlſtr. 36, II. Ik. (*4982oi
Bess. Mädchen ſucht einige Wochen
Beſchäftig, in od. außer d. Hauſe.
Offerten u. M 54 Exped. (*4980
Frau ſucht 2 Std. vorm. Laufd.
Fuhrmannſtr. 16, Hinths. II. (*5005
Reinl. Frau ſucht Laufd. b. einz.
Herrn ſof. Wienersſtr. 66, Hb. (*5002
Gut empf. Frau ſucht morg. od.
mittags Laufd., geht auch waſchen
od. putzen Langegaſſe 39. (*5013
Männlien
Junger Bureaugehilfe, m. flott.
Handſchrift, ſucht geeigneten
Neben=
verdienſt von nachmitt. 3 Uhr ab.
Offerten u. M 60 Exped. (*5008
Junger Maun, der Dienerſchule
beſucht, ſucht bis 1. Oktober Stelle,
geht auch als zweiter Diener.
Näh. Heinrichſtraße 29. (*4806so
Uhrmacher=Lehrſtelle
geſucht für Sohn guter Familie.
Bereits 16 Jahre. Offerten erb.
unter M 55 a. d. Exp. (*4993oim
für kräft. Jungen
Kochlehrſtellt ſofort geſ. Offert.
unter M 50 an d. Exped. (*4983
Ofe Stelle
Weiblich
Redegewandte Dame auf
reli=
giöſe Zeitſchriften gegen hohe
Pro=
viſion u. Fixum geſucht. Offert.
u. L 33 an die Exped. (17956a
Tüchtige, ſelbſtändige
Verkäuferin
mit guter Kenntnis der
Kolonial=
warenbranche u. prima
Zeug=
niſſen, welche auf dauernde, gut
dotierte Stellung reflektiert, per
ſofort geſucht. Ausführliche Off.
ſind zu richten unter L. 65 an die
Expedition d. Bl. (*4632fso
Tücht. Rock= u. Taillenarbeite
rinnen find. dauernde Beſchäftigung
Konfektion, Hügelſtr. 63, II. (*4649do
Ordentliches Mädch. tagsüb.
geſ. Wienersſtr. 72, 1. St. (*4751fso
weich. ohne Haus=
Mädchen, frau kl. Haushalt
vorſtehen kann, geſ. Herrſch. ſucht
wegen Verheiratung d. Mädchens
braves Dienſtmädchen. Aelteres
Ehepaar wünſcht Mädchen, welch.
etwas kochen kann. Frau Berta
Neßling, gewerbsmäßige
Stellen=
vermittlerin, Ludwigſtr. 8. (*4735fso
Alleinmädchen geſ., gleich od.
ſpäter Saalbauſtr. 69, II. (*4967so
zu einzelner Dame ein
Geſucht Mädchen mit guten
Zeugn. für Küche u. Hausarbeit.
Zu erfr. vorm. u. abends von 6 bis
8 Uhr Hochſtr. 35, I. (18160fso
Wegen Verheiratung
meines Mädchens (5 Jahre in der
Stelle, Vorgängerin 9 Jahre) ſuche
ich durchaus tücht. Alleinmädch.
oder auch unabh. Frau. Solche,
die in der bürgerlichen Küche
per=
fekt bevorzugt. Eintritt ſof., event.
15. Sept. od. 1. Okt. (*4761fso
Näh. Eliſabethenſtr. 27, im Geſch.
Saubere Lauffrau, in der Nähe
der Riedeſelſtraße auf 2 Stunden
vormittags geſucht.
Arbeitsnach=
weis Grafenſtr. 30, part. (18250a
Geſucht zum 1. Okt. br.
Mäd=
chen, das koch. kann, Hausarbeit
gründlich verſteht, gute Zeugniſſe
beſitzt, zu einer Dame.
Wittmann=
ſtraße 39, part.
(18341od
Kräftiges, fleißiges Mädchen
mit guten Zeugniſſen ſofort, evtl.
ſpäter geſ. Beckſtr. 65, p. (*4988omf
Suche ſof. u. 1. ſOkt. tücht. Köch,
Haus= u. Alleinmädch. in g.
Privat=
u. Geſchäfsh. Johannette
Weiß=
mantel, gewerbsmäßige
Stellenver-
nittlerin, Kasinostrasse 17. (*4996
Aelteres, braves Mädchen
für alle Hausarbeit gegen guten
Lohn baldigſt geſucht. Vorſtellung
nach 6 Uhr abends. Näheres in
der Expedition ds. Bl. (18315
Fleissiges Mädchen
mit guten Zeugniſſen zum 1. Okt
in kleine Familie geſucht. Näheres
Liebigſtraße 44, 1. Stock. (*5001od
eine ſaubere junge
Geſucht Frau für 2
Stun=
den vormittags
(*5009
Schießhausſtraße 45, 2. St.
Köchinnen, Beiköchin
Haus=, Zimmer=, Küchen=,
Spül=
mädch., Mädchen, welche koch. u.
nicht kochen können, Stützen für
Hotels, Büfett= u.
Servierfräu=
lein geſucht
(*5014
Frau Minna Dingeldein,
gewerbsmässige Stellenvermittterin,
Schützenſtraße 10½. Telephon 531.
Männlich
Tücht. Kolportage=
Buchhand=
ungsreiſende gegen hohe
Pro=
viſion u. Fixum geſucht. Offerten
unt. L 32 an die Exped. (17955a
Gut eingeführte Lebens=,
Un=
fall= und Haftpflicht=
Verſiche=
rungs=Geſellſchaft ſucht für
Rheinpfalz und Heſſen=
Darm=
ſtadt einen
Tüchtige Bewerber wollen ihre
Offerte mit Lebenslauf und
An=
abe von Referenzen u. F 3950
an Daube & Co., Mannheim
richten.
(D18110
60 Mk.
Wochenlohn
oder 50—60% Provision erhält
Jeder der den Verkauf meiner
Schilder u. Waren an Private
übernimmt. Branchekenntnis
nicht erforderlich;
Ausweis-
papiere etc. werden beschafft.
Auch als Nebenbeschäftigung
können nachweisslich 10 Mk. u.
mehr pro Tag verdient werden.
Auskunft u. Mu st. gratis. (18331M
Lonis Klöckner, Erbach i. Westerwald.
Eebensstellunge
Sichere Exiſtenz wird von alter
Verſicherungsgeſellſchaft energiſch.
Herrn, welcher ſich dem
Außen=
dienſt widmen will, geboten. Die
Tätigkeit bietet ſtrebſamen Herrn
hohe Einkünfte und Gelegenheit,
ſelbſtändige Poſition zu gründen.
Vertrag nur m. d. Direktion. Off
unt. M 59 an die Exped. (*4997
Jakett=Arbeiterin, I. Kraft
ſowie mehrere
Jüngere Schneiderinnen
(18208so
per ſofort geſucht.
G. m. b. H.,
D. Rehfeld & C0., Ludwigſtr. 5.
Likör= und Eſſig=Fabrik
ſucht auf 1. Oktober oder ſpäter
einen
jungen Mann
für Büro und kleinere Reiſen.
Handſchriftl. Offerten mit
Zeug=
nis=Abſchriften und Gehalts=
An=
ſprüchen unter M 1 an die
Expe=
dition ds. Bl.
(18139fso
Für das Büro
eines hieſigen größeren
De=
tail=Geſchäftes wird ein
jüngerer Gehilfe
mit guter Handſchrift und
etwas Kenntniſſen in
Buch=
haltung geſucht. Dauernde,
gut dotierte Stellung. Off.
nebſt Gehaltsanſprüchen unt.
M 57 a. d. Exped. (18338
Verlassriche Forsoken
können ohne Riſiko hoh. Verdienſt
erzielen. Dauernde Exiſtenz.
An=
genehmes und leichtes Verkaufen.
Gefl. Offerten unter M 49 an
die Expedition.
(*4975
Sohde EKistenz.
Für das Großherzogtum Heſſen
wird die Fabrikation und
Allein=
vertriebsſtelle eines
konkurrenz=
loſen, reellen, täglich gebrauchten
Konſum=Artikels (Nachnahme=
Ver=
ſand) abgegeben. Uebernehmer
wird von Fachmann angelernt.
Wohnort gleichgültig. Auch für
Nichtkaufleute, die ſich ſelbſtändig
machen wollen. 5—700 Mk.
Ka=
pital erforderlich. Andere
Regie=
rungsbezirke bereits verkauft.
Offerten unt. No. 100 an Rudolf
Mosse, Nördlingen. (18330M
2—3 ältere tüchtige
Bauschlosser
für dauernd geſucht. (18134fso
J. Jacobi, Karlſtraße 34.
Selbſt. Schneider für Großſtück
auf Werkſtätte geſucht. (18281a
Robert Waldherr, Markt 1.
Tüchtige
Bhlandder
werden eingeſtellt.
(18214D
Ziegenhorn & Jucker,
Hofmöbelfabrik, Erfurt.
Mehrere tüchtige
Former
für unſere Eiſengießerei bei gutem
Verdienſt geſucht (18122fom
Carl Schenck
Eiſengießerei und Maſchinenfabrik
G. m. b. H. Darmſtadt.
Einige (18309om
tüchtige Schloſſer
von hieſiger Fabrik geſucht.
An=
gebote unter M51 an die Exped.
Tüchtiger
II. Hausbursche
(Radfahrer) für unſer
De=
likateſſengeſchäft z. 15. Sept.
geſucht.
(18343
Koſt und Wohnung im
Hauſe. Nur gut empfohlene
jge. Leute wollen ſich melden.
Gg. Wilh. Weidig Nachf.
Oskar u. Ernst Matzelt u
Hoflieferanten,
Darmſtadt, Schulſtr. 4.
Jungeret, ſandheret
Hausbursche
als Nachfrager geſucht. Nur ſolche,
die ſchon in ähnlichen Geſchäften
tätig waren und platzkundig ſind
vollen ſich melden
(18344
Moriz Landau
Kolonialwaren, Mathildenplatz 1.
17 Jahre alt, zur
Junge, Beſorgung von
Aus=
gängen und leichter Arbeit geſucht
Saalbauſtraße 12. (18174a
Feinſte franzöſiſche Tafel=
geſucht Grafenſtr.2,
Schuljunge Laden.
(*500a
Auven
Pfund
Tomaten
per Pfund 17 ₰
Neues Sauerkraut Pfund 7₰
mittel
große
Salzgurken Stück
2 Stück 9 ₰
10
Kartoffelr
Pfund 35 ₰
Feinste Süssrahm-
Areibatter Pfund112
Dörrfleisch, mager . . Pfund 112 ₰
Speck
per Pfund 110 ₰
Vorzügliches
preiswertes D1C2
aus der neueröffneten, hygieniſch muſtergültigen
Brotfabrik Osthafen
Vollkommen ausgebacken,
kräftig im Geschmack!
Schlüchtern
Pfund=Laib
Schwarzbrot
4 Pfund=Laib
Weissbrot
Laib .
2 Pfund=
3 Laib . .
Pfund=
.8 ₰
3 Laib .
37₰
Schadesrungtube
Kräftige Taglöhner
per ſofort geſucht
(*18326
Georg Schneider, Kohlenhandl.,
Friedrichſtraße 40.
Kraſt. Arbeuler
für dauernd geſucht (*4762fso
Lippmann May,
Weiterſtädterſtr. 70.
Eehrlinge
Junger Mann aus guter
Familie mit höh. Schulbild.
findet ſofort oder ſpäter in
meinem Hauſe inſtruktive
Lehrſtelle. Monatliche
Ver=
gütung wird gewährt. (17116a
H. L. Schlapp
Hofbuchhandl. — Antiquariat.
per ſofort ode
Lehrling ſpäter geſucht.
Drogerie Ludwig Petri
Roßdörferſtraße 5. (*4634dsi
Dachdeckerarbeiten
werd. prompt u. billigſt ausgeführt
August Aßmus. (*5000
Dachdeckermeiſter,
nur Liebfrauenſtraße 66.
Einf. Schreibt., Zteil. Wollmatr.,
Rohrſ., Oelbild, eingel. Tiſch b.
z. v. Soderſtr. 79, 2. St. (*5015oi
gut erh., bill
Kinderwagen, zu verkaufen
*5004)
Grüner Weg 10, 1. St.
zahle ich
Die höchſten Preiſe für gut
erh. Kleider, Schuhe, Gold, Silber
Zahngeb., Fahrräd. u. ſonſtige alte
Sach. Poſtk. gen. Ph. Becker, Große
Bachgaſſe 3, chriſtl. Geſchäft. (*5010
Geſucht Ladeneinrichtung
ev. einzelne Teile davon, gut
er=
halten, für Kolonialwaren. Off
mit Preis unter M 62 an die
Expedition.
(18346
Haare
ausgekämmte und abgeſchnittene,
kauft fortwährend zu den höchſten
Preiſen
(15350a
G. Kanzler, Marktſtr. 3.
Mittag- und Abendtisch
Privat-wienerstrasse 73, II. (16727a
von Photograph.
Schaufenſtel, inne, p. 1. Oktob.
zu vm. Näh. Kirchſtr. 27. (18329ms
Zmeterat
Zum 1. Oktober evtl. 1. November
O wird eine Wohnung von
5—6 Zimmern
und Zubehör in der Nähe der
Steinſtraße zu mieten geſucht.
Preisofferten unter M 53 an
ie Exped. d. Blattes. (*4981oi
Geſucht in Darmſtadt
4—5 Zimmerwohnung m. Zubeh.,
Gartenant. erw. Off. m. Größe u.
Preisang. u. K. G. 47 postl. Postamt 2,
ad Kreuznach a. d. Nahe. (18076a
Aelterer penſioniert. Beamter
2
ſucht zum 1. Oktober ein gut
möbliertes, größeres Zimmer
(dauerndes gemütliches Heim) in
ruhiger Lage, 1. oder 2. Stock, bei
anſtändigen Leuten ohne Kinder
oder alleinſtehender älterer Frau
(keine Berufsvermieter), mit
Mor=
genkaffee und Mittageſſen, ſowie
Beſorgg. der Wäſche. Nebenmieter
nicht erw. Gefl. Angeb. b. 5. Sept.
unt. M 52 an die Exped. (18310
Für 1. September
als Alleinmieter von älterem
Herrn geſucht: 2 möbl. Zimmer
ohne Balkon, 1. bis 3. Stock,
1 zweifenſtr. und 1 einfenſtr.,
ſonnige, ruhige Lage, guter
Kachel=
ofen erwünſcht. Offerten mit
Preisang. u. M 26 an die
Ex=
pedition ds. Blattes erb. (18204so
Dame, in den 30er Jahren, ſucht
per 15. September od. 1. Okt.
in ruhigem Hauſe volle Penſion.
Offerten mit Preisangabe unter
M61 an die Expedition dieſes
Blattes,exbeten.
(*5006
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 2. September 1912.
Nummer 206.
Wie erhöht man das Wohlbefinden der Kinder
Das beſte Mittel ſind leichtverdauliche
und doch nahrhafte Speiſen.
Mlondamih=Milchflammer!
und Eier=Milchspeise
erfüllen dieſen Zweck nach jeder Richtung
hin, ſie bieten für heranwachſende Kinder voll
und ganz die nötige Nahrung, ſind
ſchmack=
haft und dienlich und beſonders im Sommer
den Fleiſchſpeiſen vorzuziehen. Mondamin=
Milchflammeri kann mit Früchten zuſammen
gekocht oder auch als Beigabe zu friſchem,
gekochtem Obſt verabreicht werden.
Mondamin überall erhältlich in Paketen à 60, 30
und 15 Pfg.
(VI 18336
Handel und Verkehr.
Patent=Erteilungen. (Mitgeteilt von
Dipl.=Ing. Klemens Herszberg u. Co., Patent= und
Ingemneur=Bureau Darmſtadt) 50 e. 250639. Fliehkraft=
Staubſammler mit kreiſender Gasſäule. Dr.=Ing. Viktor
Blaeß=Darmſtadt, Heinrichſtraße 140. 21. 5. 12 B. 58 738.
71b. 250 544. Schnürverſchluß. Adam Schmitt=Mainz,
Gartenfeldſtraße 4. 5. 3 10. Sch. 35059. —
Gebrauchs=
muſter. 15a. 518530. Klötzchen zum geſchloſſenen
FFeſthalten der auf= und hintereinanderliegenden Typen
im Setzmagazin für Setz= und Ablegemaſchinen mit an
der Vorderſeite drehbar federndem Arm. Carl Collin=
Offenbach a. M., Domſtraße 70. 5. 8. 12. C*. 9705. 30 a.
518742. Elektriſches, ſteriliſierbares Pantoskop zur
Be=
leuchtung von Körperhöhlen. Wilhelm Rodſchinka=
Bingen. 19. 7. 12 R. 33 297. 44b. 518707. Zigarren= und
Zigarettenetui mit gefalteten Stegen. Stern u. Cie,
Offenbach a. M. 29. 6. 12. St. 16455. 45f. 518 711.
Pflanzenkübel. Dr. Ludwig Linck=Auerbach, Heſſen. 4. 7. 12.
L 29608. 45kf. 518712. Pflanzenbehälter Dr.
Lud=
wig Linck=Auerbach, Heſſen. 4. 7. 12. L. 29600 63e.
518776. Schutzring für die Luftſchlänche von
Fahr=
rädern und ſonſtigen Fahrzeugen. Karl Herrmann=Worms
a. Rh., Alzeyerſtraße 1. 23. 12. 11. H. 54920. — Patent=
Anmeldungen. 33b. H. 56 649. Bügel für
Damen=
taſchen, Geld= Reiſetaſchen oder dergleichen; Zuſatz zum
Patent 244071. Huppe und Bender=Offenbach a. M 22.
1. 12.
H. Frankfurt a. M., 31. Aug. (
Börſenwochen=
bericht.) Am Geldmarkt iſt wieder eine Anſpannung
eingetreten, die dem Privatdiskont eine Erhöhung bis
4¾1 Prozent (in Berlin 4¾ Prozent) brachte. Aber
dies=
mal ſind die Geldverhältniſſe in Deutſchland weniger
un=
günſtig wie in England. Am Donnerstag hat die Bank
von England ihren offiziellen Bankſatz auf 4 Prozent
er=
höht, während in der letzten Sitzung des
Zentralaus=
ſchuſſes unſerer Reichsbank der Vorſitzende erklärte, daß
entſcheidende Gründe für eine Diskont=Erhöhung nicht
rorlägen Der Status der Bank zeige zwar eine gewiſſe
Anſpanung, aber die Lage ſei doch befriedigend, nament=
lich ſei die Zunahme des Metallbeſtandes erfreulich.
Ferner ſei beſonders der Stand der fremden Gelder
gün=
ſtig und die Deviſenkurſe zeigten keine bedenkliche Höhe.
Die Ultimoregulierung nahm ebenfalls einen glatten
Ver=
lauf, da Ultimogeld, wenn auch etwas teuerer (4¾
Pro=
zent), reichlich zur Verfügung ſtand. Die Seehandlung
und die Preußenkaſſe unterſtützten den Markt und auch
die Hypothekenbanken beteiligten ſich, von dem immerhin
annehmbaren Zinsſatze Nutzen ziehend, einigermaßen am
Ausleihgeſchäft. Die Haltung der Börſe geſtaltete ſich
während der ganzen Geſchäftswoche zu einer recht feſten
und der Verkehr vollzog ſich bei reger Beteiligung der
Spekulation in ziemlich lebhafter Weiſe.
Zu den Einzelheiten übergehend, waren deutſche
Ren=
ten faſt die einzige Gattung, welche vernachläſſigt blieb
und eher zur Mattigkeit neigten. Dabei fällt allerdings
die augenblicklich geringere Rentabilität dieſer Werte
weſentlich ins Gewicht; es vollzogen ſich in dieſer Woche
wieder Tauſchoperationen gegen höherverzinsliche Papiere.
Dem Privatpublikum dürfte indes ganz entſchieden
ab=
geraten werden, ſeine ſolide deutſche Anlage bei dem
jetzigen, ſo gedrückten Kursſtand zu veräußern; es kommt
auch für dieſe wieder eine Periode der Aufwärtsbewegung,
nur muß man Geduld haben.
Von den ausländiſchen Staatsfonds waren
Argen=
tinier beſſer auf die günſtige Beurteilung des Budgets
des Landes; auch öſterreichiſch=ungariſche Renten, Ruſſen,
Rumänier und Türken waren feſt. Türkiſche Loſe
avan=
cierten um mehrere Mark auf die Friedenspourparlers in
Montreux. Große Lebhaftigkeit herrſchte nach längerer
Zeit wieder auf dem Bankenmarkt, wobei ganz
anſehn=
liche Kursſteigerungen getätigt wurden. Die Spekulation
glaubte ſie als im Preiſe zurückgeblieben, in Anbetracht
der befriedigenden Erträgniſſe, die unſere Großinſtitute
im laufenden Jahre erzielten, und ſchritt zu bedeutenden
Meinungskäufen.
Von Transportaktien blieben Hamburger Paketfahrt
und Nordd. Lloyd weiter beachtet und weiter ſteigend;
auch Orientbahnen erhöhten ſich auf 167 und Schantung
profitierten faſt 2 Prozent gegen die Vorwoche. Die
gün=
ſtigen Einnahmeverhältniſſe geſtalten ſich bei dieſen
Bah=
nen in fortſchreitender Weiſe und man erwartet
dement=
ſprechend gute Dividenden Das Montangebiet
dokumen=
tierte vorzügliche Haltung unter dem Einfluß
ausgezeich=
neter Berichte, beſonders aus Amerika. So hört man,
daß der amerikaniſche Steeltruſt mit 93 Prozent ſeiner
Leiſtungsfähigkeit arbeite. Ferner werden aus Belgien
weitere Preiserhöhungen gemeldet und die
Ertragsver=
hältniſſe des Kohlenbergbaues finden im allgemeinen eine
gute Beurteilung. Mit den hohen Dividendetarationen
war man dieſe Woche weniger zuverſichtlich, umſomehr
die jetzigen Ausſichten höchſt befriedigend ſein dürfen.
In=
folge der ebenfalls guten Lage am ſchleſiſchen Eiſenmarkte
waren Oberſchleſiſche Eiſeninduſtrie und anderer Bedarf
ſtärker gefragt. Elektrizitätsaktien waren wieder in recht
guter Stimmung, beſonders Allgemeine Elektrizitäts=
Ge=
ſellſchaft auf die Bezugsrechtshoffnungen. Akkumulatoren
lagen ruhiger bei etwa 560. Wie verlautet, wird der
Ka=
pitals=Erhöhungsbeſchluß erſt im nächſten Jahre zu
er=
warten ſein; auch dürfte die Dividende kaum über 25
Pro=
zent hinausgehen. Am Kaſſainduſtriemarkt entwickelte ſich
reges Geſchäft, und zwar vorwiegend in Aktien der
Auto=
mobil= und Waggonbranche. Kleyer konnten 583 erreichen,
Gritzner=Durlach 290¼, Daimler 341, Bielefelder
Ma=
ſchinenfabrik Dürkopp 502,75 und Benz wurden bis 241
genannt. Einzelne chemiſche Aktien waren wieder befeſtigt.
Deutſche Gold= und Silber=Scheideanſtalt 704½, Albert
471, Chemiſche Griesheim 260½, Höchſter und
Holzver=
kohlung waren ruhiger, aber feſt. Fahrzeug. Eiſenach
beſſerten ſich auf 126. Petroleumwerte waren weiter feſt=
(Steana Romana 158 und Naphtha 346), doch werden jetzt
auch Stimmen laut, die ſolche allzu raſche Steigerungen
nicht rechtfertigen. Zuckeraktien wenig verändert (Wag= 227 und Frankenthal 433). Von den 40 Millionen
Mark Aktien der „Metallbank und Metallurgiſchen
Geſell=
ſchaft” ſind bekanntlich 32 Millionen Mark voll und 8
Mil=
lionen Mark mit 25 Prozent einbezahlt. Auf dieſe 8
Mil=
lionen Mark wird die Reſteinzahlung von 75 Pcozent auf
den 1. Oktober einberufen, wodurch der Geſellſchaft 6
Mil=
lionen Mark neue Mittel zufließen werden.
Von Loſen notieren: Augsburger 35,50,
Braunſchwei=
ger 202,50, Pappenheimer 64,75, Genua 205 G., Türkiſche
173,80, Freiburger 72 G., Ungariſche 365,50, Meininger
35,10, Venediger 43,—, Mailänder 45=Fres.=Loſe 155
nomi=
nell, Mailänder 10=Fres.=Loſe 32,90, Raab=Grazer Anr.=
Scheine 37,80 in Reichsmark; Gothaer Prämie II 117,50,
Donau=Regulierung 150,—, Madrider 73,90, in Prozent.
Ferner ſchließen: 4proz. Reichs (bis 1918 unkündbar)
100,90, 3½proz. Reichs 89,50, 3proz. Reichs 79,45, 4proz.
Heſſen von 1899 99,80. 4proz Heſſen von 1906 100 B.,
4proz. Heſſen von 1908/09 99,80, 4proz. Heſſen (bis 1921
unkündbar) 100,50. 3½proz. Heſſen 87,80 G., 3proz. Heſſen
77,50, 4proz. Darmſtädter 98,50 G., 3½proz. Darmſtädter
89,50. 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (Serie 13—23)
99,80 G., 4proz. Heſſ. Land.=Hyp=Pfdbr. (Serie 24—25)
29,90 G., 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (Serie 3—5)
88,60 G., 3½proz. Heſſ. Land=Hyp.=Pfdhr. (Serie 9—11)
88,70 G., 4proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 10—12)
99,40, 4proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 13—14)
99,40, 3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr (Serie 1—3)
88,80 G., 3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 4)
38,70 G., Darmſtädter Bank 123,40, Südd. Eiſenb.=
Geſell=
ſchaft 127.—, Südd. Immobilien=Geſellſchaft (Mainz)
62,90 G Lederwerke vorm. Spicharz (Offenbach a M.)
68 B., Schramms Lack= und Farbenfabriken (Offenbach
a. M.) 271 B., Chemiſche Mühlheim a. M. 62.45,
Schan=
tungbahn 137,50, South=Weſtafrika 144.— Otavi=Anteile
93.—, Otavi=Genußſcheine 72 G., 4½proz. Ruſſen 100,55,
4proz. 1880er Ruſſen 90,70, 4proz 1902er Ruſſen 90,70,
3¾/0 proz. Ruſſen 88,20, 3½proz. Ruſſen 83,40 B., 3proz.
Ruſſen 75,50, 4proz. unifizierte Türken 91,79, 4proz.
Ad=
minſtrations=Türken 82,40 6 4proz. Bagdadbahn 83,25,
4proz konvertierte Türken (1905/11) 81,— 5proz. Chineſen
100.—, 4½proz. Chineſen 94,75, 5proz. Chineſen (Tientſin=
Pukow) 97,10 4½proz. Japaner 94,45. 4proz. Japaner
87,50, 3proz. Buenos=Aires 70½.
Sport.
* Das Lawn=Tennis=Turnier in Homburg v. d. Höhe
brachte in ſeinem weiteren Verlauf in der
Hauptkonkur=
renz, dem Herreneinzelſpiel um den Homhurger Pokal,
folgende Reſultate: 1. Runde: v. Biſſing ſchlägt Graf
Can=
crin 6—1, 6—0, C. Kreuzer ſchlägt Görnemann 6—2, 6—0,
P. Grüder ſchlägt v. Spiegl 6—2, 6— 2; 2 Runde: O.
Kreu=
zer ſchlägt Lindpaintner 6—0, 6—0, C. Kreuzer ſchlägt
Bonnington 6—0, 6—2 Lowe ſchlägt Floda 4—6, 7—5,
6—4, Albrecht ſchlägt P. Grüder 6—1, 5—2, Wolfgang
ſchlägt Tatham 6—2, 6—0; 3. Runde: O. Kreuzer ſchlägt
C. Kreuzer ohne Spiel, Albrecht ſchlägt Wolfgang 11—3,
6—4.
6e
SiftF
Braderer FPlaschen Falluns
in Wirtſchaften und Niederlagen.
Blrekt Vor der Brauefen
Telephon 393.
Telephon 393.
18318a)
Zu verkaufen wegen Aufgabe
des Haushalts: ein gut erh.
Küchenſchrank, dito eintür.
Kleider=
ſchrank, 1 Waſchtiſch, 1 Nachttiſch,
1 Küchentiſch, verſch. alte Stühle
*4972oi) Viktoriaſtr. 25, 1. St.
„
Farme
(18319a
billig zu
Biedermeierzimmer verkaufen
*4970) Heidelbergerſtr. 29, 1. St.
3 emaillierte
iriſche Oefen
zu verkaufen
(18314od
Am Breitwieſenberg 9.
wie neu, ſehr
Wanderer-Rad
billig
12024a)
Grafenſtraße 26.
Sohlen, Holz und Briketts
empfiehlt ins Haus geliefert
V10582) J. Müller, Kiesſtr. 20.
Das beſte
(18334ff
zur Erzielung und Erhaltung
zarter, geſchmeidiger Haut,
Be=
ſeitigung aller Hautunreinigkeiten,
Pickel, Miteſſer und dergl. iſt der
ſtändige Gebrauch v. Obermeyers
Medizinal=Herba=Seife.
Medi=
zinal=Herba=Seife à Stck. 50 Pfg.,
30 pCt. ſtärk. Präp. Mk. 1.— zu
haben i. all. Apoth., Drog., Parfüm.
Das neue Bartpflegemittel Struwwelin
gibt dem Barte jede Form, ohne zu kleben, ohne Brenneiſen u. ohne
Bart=
binde, hergeſtellt v. C. D. Wunderlich, Hofl., Nürnberg, zu ℳ 1 u. ℳ2 pr. Fl.
A. Walchner Nachf, Hofl., Ecke Eliſabethen= u. Luiſenſtr.
(V829
ie fankeln!
wie die Augen des Katers in dunkler Nacht, nämlich
Ihre Stiefel, wenn Sie diese mit Dr. Gentner’s
Schuhcreme „Nigrin” behandeln lassen.
Hochglanz im Momenti!
Alleiniger Fabrikant auch des so beliebten
Veilchenseffen-
pulvers „Goldperle‟:
Carl Gentner, Fabrik chem.-techn. Predukte Göppingen.
adeneinrichtung für
Ko=
lonialwaren , gr. Eisſchrank
und Erkereinrichtung billig zu
erkaufen. Näh. J. V. Hanzel,
(*4987od
Rheinſtraße 37.
u klein gew. Knabenſachen, gut
O erhalt., billig zu verk. (Mantel,
Mütze, einige P. Stiefelchen ꝛc.) Alter
3—5 J. Karlſtr. 119, II. (*4977
rößere Partie gut erh. Stück= u.
Halbſtückfäſſer verkäuflich
17394a) Eliſabethenſtraße 52.
(5720m
Gelegenheltbkauf.
Schwarzes Salonmöbel
beſt. in Polſtergarnitur,
Silber=
ſchrank, Nipptiſchen, Vorhänge,
Teppich, billig zu verkaufen.
Anzuſeh. v. 2—5 Uhr nachm.
*4998) Eliſabethenſtr. 70, II.
Heyl & John, Mannfakturwaren. (14900a
Ich kaufe
getr. Herren= u. Damen=Kleider,
auch Stiefel, Bettfedern, Gold,
Silber ꝛc. Zahle Ihnen ſtets
kon=
kurrenzl. Preiſe. Der erſte Verkauf
überzeugt Sie. Poſtkarte genügt.
Max Schnitzer, Schloßgaſſe 29,
Telefon 2097.
(18050a
Höchste
Preiſe zahle ich für getragene
Herren= u. Damenkleider, Stiefel
u. Wäſche. Jeden Mittwoch hier.
Off. u. L 74 an die Exp. (18120fso
Geldbaeh
Zahle für getragene Kleider,
Schuhe, Wäſche, ſowie gebrauchte
Möbel, alte Federbetten u.
Zahn=
gebiſſe, ſtets die höchſte Preiſe.
Der erſte Verkauf überzeugt Sie.
Poſtkarte genügt. (18233a
Schloßgasse 23.
Zahle höchſte Preiſe
für getragene Kleider, Schuhe,
Wäſche, Möbel ꝛc. Poſtk. gen.
A. Hochmann, (dsc
Kleine Ochſengaßſe 16.
1924!!
Wer dort ? (18036a
hier V. Schatz, Alexanderſtr. 15
Ich komme ſof. u. zahle Ihnen für
getrag. Kleid., Schuhe, Möbel,
Zahn=
gebiſſe, alte Federbett. ſtets die höchſt.
Preiſe. Tel. Nr. 1924. Poſtk. genügt.
kauft, repar.,
Kontrollkassen vernickelt
Rades, Mechaniker, Wiesbaden
(*4481mfo
Moritzſtraße 23.
Haare
ausgekämmte und abgeſchnittene
kauft fortwährend zu den höchſten
Preiſen
(11048a
Friedrich Tillmann,
Eliſabethenſtraße 21.
Brillanten, Perlen
Platin, Gold und Silber
kauft zum höchſten Wert (16951a
A. Kurtz, Pädagogſtraße 2.
Telephon 1202
Für altes Eisen, alte Metalle,
Papierabfälle aller Art,
Ge-
schäftspap. Bücher u. Akten
unter Garantie des Einſtampfens
zahle ſtets die höchſt. Preiſe. (14858a
Lippmann May,
Tel. 157. Kl. Ochſengaſſe 14.
Aufträge werd. jederz. prompt erled
mittelgroß,
Benerhrandoſen
gebraucht,
zu kaufen geſucht. Offerten unter
L 55 an die Exved. (*1559mfo
Nummer 206.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 2. September 1912.
e
Seite 11.
Ich habe mich in Darmstadt als Rechtsanwalt niedergelassen.
Mein Bureau befindet sich Grafenstr. 18, I. (Kaisersaal).
Telephon 1534.
S. Levi
Telephon 1534.
(18301soi
K
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Pinſcher. 1 Pinſcher, 1 Boxer lzugelaufen). Die Hunde
können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet
dort=
ſelbſt jeden Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(18313
Kraftloserklärung von Pfandſcheinen.
Die Inhaber der angeblich abhanden gekommenen Pfandſcheine
Nr. 99 000, 99 572, 1906, 7518, 7882, 8415, 11103,
12683, 13 489, 17060, 17319, 19237 und 19548
werden hiermit aufgefordert, ihre Anſprüche innerhalb 14 Tagen,
vom Tage des Erſcheinens dieſer Bekanntmachung an gerechnet, in
unſerem Geſchäftszimmer — Kirchſtraße Nr. 9 — geltend zu machen,
widrigenfalls nach Ablauf dieſer Friſt gemäß § 32 des Statuts vom
18. Auguſt 1900, betreffend die ſtädtiſche Pfandleihanſtalt Darmſtadt,
die Kraftloserklärung der Pfandſcheine erfolgen wird.
(18307
Darmſtadt, den 1. September 1912.
Städtiſche Pfandhausverwaltung.
Paul.
Versteigerungs Anzeige.
Dienstag, den 3. September I. J., vorm. 9 Uhr,
verſteigere ich im Auftrag des Teſtamentsvollſtreckers im Hauſe
Saalbaustrasse 11 die zum Nachlaß der Frau Kammer=
Auſikus Bauer Witwe gehörigen Möbel und
Haushaltungs=
gegenſtände, und zwar:
1 Sofa mit 6 Stühlen, 1 Büfett nußb. pol., 2 Glasſchränke,
1 Chiffoniere, 2 Kommoden, 2 Pfeilerſchränkchen, 1
Chaiſe=
longue, 1 Ausziehtiſch, verſch. andere Tiſche, Ziertiſche, Stühle
und Seſſel, 1 pol. Kleiderſchrank, 1 weiß lack. Kleiderſchrank,
1 großer zweitür. Kleiderſchrank;
2 komplette Betten mit Sprungfeder, Roßhaarmatratzen,
1 Waſchtiſch, 2 Nachttiſche, Spiegel, Bilder, Vorhänge,
Teppiche, Nippſachen, Silber, Porzellan, Glas, Tiſch= u.
Bettwäſche, ſowie alle ſonſtige Haushaltungsgegenſtände;
1 noch ſehr guten Badeofen mit Wanne, 1 Eisſchrank
und 1 Fahrrad.
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare
Zahlung ſtatt.
Darmſtadt, den 31. Auguſt 1912.
(18239so
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator,
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.
Obſt=Verſteigerung.
Mittwoch, den 4. September d. Js., vormittags 11 Uhr,
wird zu Forſthaus Kühkopf die diesjährige Apfelernte vom
Sommer=
damm des Diſtrikts Kühkopf losweiſe öffentlich verſteigert.
Worms, den 30. Auguſt 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Worms.
Schaub.
(18308
Zum Beginn der neuen Jahrgänge
von: Velhagen & Klasing Monatshefte
Westermann Monatshefte
Buch für Alle
Bibliothek der Unterhaltung (18321a
Zur guten Stunde
sowie aller anderen Journale und Modenzeitungen
empfiehlt sich zur Besorgung
Buchhandlung
Karl Hess.
Nachfolger Alfred Hoefer
Wilhelminenstrasse 31 Telephon 657.
Zuschneide Lchristhent
von C. Schacht Wwe.
Karlſtraße 56, I.
Damen=Konfektion.
Habe neben meiner Damen=Konfektion einen Unterricht im
Zuſchneiden und Kleidermachen eingerichtet. Derſelbe ſteht unter
(B17810
der gewiſſenhaften Leitung meiner Tochter.
Syſtem erſter Akademie. — Modernſter Schnitt.
Masch.-Techn.Arbeiten!
Kostenanschläge, Berechnungen-Pröjekte,
Unter-
suchungen, an Masch--Gutachfen. Durcharbeitung
von Erfindungsideen-Entwerten sowie Ausziehen
und Beschxesben von Zeichnungen etc. etc.
übernimart-billigst als Nebenbesch. erfahr.-Fachmann.
eteff. unt. K 83 befördert die Expedition. (4394a
F inteneſher ir n ir ahſeit niſten
männliche Ingend, hier: Beginn des Unterrichts für die
kauf=
männiſchen Klaſſen.
Für die kaufmänniſchen Klaſſen (Kaufleute und Schreiber)
der obligatoriſchen Fortbildungsſchule beginnt der Unterricht in dieſem
Jahre Donnerstag, den 5. September, nachmittags 2 Uhr.
Der Unterricht findet ſtatt an 2 Nachmittagen der Woche von
½ —4½ Uhr und dauert vom 5. September 1912 bis 14. März
1913, mit Unterbrechung vom 26. September bis 9. Oktober (
Herbſt=
ferien) und vom 12. Dezember bis 5. Januar (Weihnachtsferien). Die
am franzöſiſchen Unterricht teilnehmenden Schüler haben an 3
Nach=
mittagen Schule. Es iſt wünſchenswert, daß die Schüler, die den
franzöſiſchen Unterricht beſuchen wollen, ſich hierfür ſchon am 5.
Sep=
tember anmelden.
Der Unterricht iſt für alle Schüler unentgeltlich.
Die Fortbildungsſchulpflichtigen aus den Jahrgängen 1910
und 1911, die im vorigen Winter die kaufmänniſchen Klaſſen in
dem Schulhauſe am Ballonplatz (Lehrer Kratz, Link und Eß) beſucht
haben, haben ſich Donnerstag, den 5. September, 2 Uhr
nach=
mittags, in der Turnhalle der Ballonſchule einzufinden.
Zur gleichen Zeit haben ſich daſelbſt alle diejenigen zu ſtellen,
die Oſtern 1912 aus den Stadtknabenſchulen I und II, aus der
Bezirksſchule in der Lagerhausſtraße und aus den
Knabenmittel=
ſchulen I und II entlaſſen worden ſind und ſich dem kanfmänniſchen
oder Schreiberberufe gewidmet haben, ebenſo die von auswärts
zugezogenen ſchulpflichtigen Lehrlinge dieſer Berufsgruppen.
Die im Bezirk der ehemaligen Gemeinde Beſſungen
woh=
nenden Kaufmanns= und Schreiberlehrlinge aus den Jahrgängen
1910, 1911 und 1912 können auf Wunſch ebenfalls dieſen Klaſſen,
deren Unterricht im Schulhaus am Ballonplatz ſtattfindet, zugeteilt
werden, wenn ſie ſich Donnerstag, den 5. September, um 2 Uhr
da=
ſelbſt einfinden.
Vom Beſuche der obligatoriſchen Fortbildungsſchule befreit ſind
die Schüler der kaufmänniſchen Schule (Schulſtraße) und diejenigen
jungen Leute, die anderen genügenden Schulunterricht genießen.
Ferner ſind befreit die Schüler höherer Lehranſtalten, die ein Jahr
lang die Obertertia beſucht und in den weſentlichen Lehrfächern das
Klaſſenziel erreicht haben.
Geſuche um gänzliche oder zeitweiſe Befreiung vom
Be=
ſuche der Fortbildungsſchule ſind bei Meidung der
Nichtberückſichtig=
ung alsbald ſchriftlich an Großh. Kreisſchulkommiſſion
Darm=
ſtadt (Neckarſtraße 3) zu richten. Die Geſuche müſſen von den
Schülern ſelbſt verfaßt, geſchrieben und unterſchrieben ſein und
An=
gaben enthalten über Alter, Heimatort, Namen und Geſchäft der
Eltern, ſeitherigen Schulbeſuch und dermaligen Arbeitsherrn des
Schülers. In den Eingaben ſind die Gründe anzuführen, aus
welchen Befreiung beanſprucht wird, außerdem ſind Art, ſowie
wöchentliche Stundenzahl etwaigen anderen Unterrichts und die dieſen
Unterricht erteilenden Lehrer zu bezeichnen.
Für die übrigen Berufsgruppen beginnt der Unterricht
Montag, den 14. Oktober, und findet an drei Nachmittagen
der Woche ſtatt. Beſondere diesbezügliche Bekanntmachung erfolgt
anfangs Oktober.
(17837sms
Darmſtadt, den 24. Auguſt 1912.
Der Vorſitzende des Schulvorſtandes.
Dr. Gläſſing.
Hessische Mandelslehranstalt
Fernsprecher 923 Darmstadt Rheinstrasse 6
I. Einjährige Handelsschule mit vollem
Tages-
unterricht.
II. Halbjahrkurse zur Vorbereitung für den kaufm.
Beruf.
(17360a
Beste, langjährig bewährte Lehrkräfte.
Das Wintersemester beginnt Dienstag, den 8. Oktober.
Lehrplan und Aufnahmebedingungen durch
Wilhelm Siedersleben,
staatl. geprüfter Handelslehrer.
Abbruchſtelle Wittmannſtr. 47.
Von Montag, den 2. September,
werden noch gut erh. Zimmertüren,
Fenſter, Bord, Bau= u. Brennholz,
Fenſtergeſtelle im Sandſtein, ſowie
Backſteine verk. Näh. daſ. (*4849sid
Adler-Rad
wie neu hergerichtet, ſehr billig.
Zurückgeſetzte neue Räder
bedeu=
tend ermäßigt.
(17556a
Hoflieferant Ober, Karlſtraße 30.
Meruen
Buchführungs=
Unterricht
ſowie in allen käufmänniſchen
Fächern, Rund= u. Lackſchrift erteilt
Düsing, Darmstadt
Eliſabethenſtr. 42, II.
Uebernahme jeglicher
Geſchäfts=
buchführungen. Anfertigung von
Maſchinenſchreibarbeit. (17525a
JungeMädchen könnend.
Weiſ=
nähen u. Zuſchneid. grdl. erlern
Frau Zeitz, Schützenſtr. 7, I. (17872a
Berlitz-School
Grösstes Sprachinstitut
Wilhelminenstrasse 19, II.
Telephon 613.
Für
Englisch u.
Französisch
beginnen am 2. Sept.
Abendkurse
für Anfänger und Vorgeschrittene
sowie
Separat-Klassen für Damen
monatlich 7 Mk.
Am 16. Sept. beginnen
Tageszirkel
monätlich 10 Mk.
Anmeldungen im Büro
von 9—1 u. 3—9 Uhr.
Jederzeit Probestunden gratis.
Jeune francais
échange conversation avec
étu-
diant ou maſtre d'école. Dubuls
bei Vetter, Waldstr 18, pt. (*4981
eränidt lalt ntertet
wird erteilt. — Näheres in der
Exped. dieſes Blattes. (*4978oim
Randſteine.
Die Lieferung von 400 lfd. Mtr.
geraden Randſteinen aus
Baſalt=
lava ſoll verdungen werden.
Die Lieferungs=Bedingungen
liegen bei dem Tiefbauamte,
Zim=
mer Nr. 7, zur Einſicht offen. Auch
werden dort die Angebotſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis
Samstag, 7. September I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle
einzu=
reichen.
(18317oi
Darmſtadt, 30. Auguſt 1912.
Tiefbauamt.
Keller.
Bekanntmachung.
Montag, 14. Oktober I. Js.,
vormittags 10½ Uhr,
ſoll die dem Ingenieur Friedrich
Borchert zu Frankfurt am Main,
im Grundbuch hieſiger Gemarkung
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
22 611/1000 322¾10 Hofreite
Viktoria=
ſtraße,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K44/12
verſteigert werden.
Falls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen, wird
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
er=
reicht.
Darmſtadt, 27. Auguſt 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
I. V.: Ganß, (V18324
älteſter Gerichtsmann.
Bekanntmachung.
Montag, 14. Oktober I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Weißbindermeiſter Karl
Blümlein dahier zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. am
II 1002//10 688//10 Hofreite
Darmſtraße,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(K76/12
Darmſtadt, 29. Auguſt 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
J. V.: Ganß, (V18323
älteſter Gerichtsmann,
Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über
das Vermögen des Hans Volland
in Nieder=Ramſtadt iſt zur
Ab=
nahme der Schlußrechnung des
Verwalters, zur Erhebung von
Einwendungen gegen das
Schluß=
verzeichnis der bei der Verteilung
zu berückſichtigenden Forderungen,
ſowie zur Anhörung der
Gläu=
biger über die Erſtattung der
Aus=
lagen und die Gewährung einer
Vergütung an die Mitglieder des
Gläubigerausſchuſſes, der
Schluß=
termin auf
(18327
Dienstag, 1. Oktober 1912,
vormittags 11 Uhr,
vor dem Großh. Amtsgericht II
hierſelbſt, neues Gerichtsgebäude,
Erdgeſchoß, Zimmer Nr. 118,
be=
ſtimmt.
Darmſtadt, 30. Auguſt 1912.
Merkel,
Gerichtsſchreiber des Großherzogl.
Amtsgerichts II.
Dünger=Verkauf.
Dienstag, den 3. September,
von 930 Uhr vormittags ab,
wird auf dem hinteren Hofe der
alten Kavallerie=Kaſerne in
Darm=
ſtadt die Matratzenſtreu von einer
Eskadron öffentlich meiſtbietend
(18213so
verſteigert.
Garde=Dragoner=Regiment
Nr. 23.
Zugelaufen
ſeit einigen Wochen, in d. Nähe
des Friedhofs, eine weiße, weibl.
Katze. Liebhaber für dieſelbe od.
Beſitzer werden gebeten, ſich unt.
(*4994
M 56 zu melden.
Speltonz D.
Abonnement zu teilen geſucht.
Näh. Soderſtr. 114, II. (*4961so
Von der Reise zurück
Dr. Johanna Schmidt
Aerztin für Frauen und
Kinder. (K18342
Bis 15. September
verreist
Wilh. Rechel
Dentist. (18306so
ühneraugen
und Nageloperationen
werden ſorgfält. ausgeführt
Fr. Hartmann, appr. Heilgeh.,
Gnſt
Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 2. September 1912.
Nummer 206.
Bürger-Keller
ab 1. September täglich
Desterreich. Damen-Orchester
„Linda‟
Stets freier Eintritt
(18280soi
A
usſtellung für Kochkunft, Ernährung,
: Küchentechnik und Fachliteratur
Geölfnet lägl. 10—1 u. 2—5 Uhr. 50 Pfg.
Mittwoch 2—5 u. Sonntags 10—1 Uhr frel.
Ziehungs-Verlegung
Ziehung am 11.uf2.Sept. 1912
Alstalllgn-
aeMe-Gattere
3333 Gewinne zus Mark:
Porto u. Liste 25Pfg.
OSE A-A.Mh. versendet:
Lntteriebank üm bhl. Eiscnach.
überschreitet jetzt der Versicherungsbestand.
Leipziger Lebensversicherungs-Gesellschaft
auf Gegenseitigkeit (Alte Leipziger)
gegründet 1830.
(1161a
Deckungsmittel über 380 Millionen Mark.
Bestes Prämien- und Dividendensystem.
Unanfechtbarkeit :: Unverfallbarkeit:: Weltpolice.
Vertreter: G. Beyser, Darmstadt
Bruchwiesenstrasse 4.
Sosstatee
Dede Dane
weiß es, daß die besten u. billigsten
Haararbeiten
bei mir angefertigt werden.
Haarzopfe
je nach Länge der Haare
Mk. 2.00, 3.00, 4.50, 6.50
(5
s . Haarzöpfe.
aus Naturhaar
Mk. 6.05, 8.0), 10.00,
12.00 bis 30.00
Haarzöpfe .
aus prima Schnitthaar
Mk. 15.00, 18.00, 24.00
bis 59.00.
N
Scheltel-Unterlagen
Haarunterlagen f. Scheitel-Frisuren
Mk. 3.00, 5.00, 8.00 bis 2000.
Für runde Frisnren dieselben Preise.
Nur prima Materia‟.
ichg
Anfertigung aller anderen
prakt. Haar-Ersatzteile.
Auffärben alter Haararbeiten
in kurzer Zeit.
Empfehle den
Damen mein.
nach den
neuesten
Er-
fahrung.
ein-
gerichteten
Damen-Salon
Vollständ. separat
Kahineneinteilung
Neueste elektrische
Zentral-Trockenanlage
Größte Anlage am Platze.
Gesündeste Behandlung
der Haare.
ne
Kopfwaschen
mit Frisur
Mk. 1.00
Kopfwaschen
m. Ondulation
Mk. 1.50
Kinder-
75 Pfg.
Kopfwaschen
(11336a
Friedrich
Tmmann
Spezial-Damen-Salon
Elisabethenstraße 21.
o0
Matk=vererkt.
Wiederbesim der Proßen
Montag, den 2. September 1912, abends 8 Uhr,
(Tinel, Franciseus).
Um vollzähliges und pünktliches Erſcheinen wird erſucht.
Um den zur Aufführung gelangenden Tonwerken eine möglichſt
wirkungsvolle Wiedergabe zu ſichern, iſt es wünſchenswert, den Chor
des Vereins tunlichſt zu verſtärken. Der Vorſtand des Vereins
er=
laubt ſich daher, ſtimmbegabte Damen und Herren, welche den
großen Chor= und Orcheſterwerken Intereſſe entgegenbringen, zum
Eintritt in den Verein als aktive Mitglieder aufzufordern. Der
Jahresbeitrag beträgt 18 Mk.; von mehreren demſelben häuslichen
Familienverbande angehörigen aktiven Perſonen zahlt eine den ganzen
Beitrag, die übrigen nur die Hälfte. Den Mitgliedkarten der Aktiven
wird ein Abſchnitt beigegeben, gegen deſſen Vorzeigung eine Perſon
freien Eintritt zu den Hauptproben der vier Konzerte hat. Die Damen
und Herren, welche dem Verein als Aktive beitreten wollen, ſind
ge=
beten, ſich unſerem Dirigenten, Herrn Hofrat W. de Haan, in ſeiner
Wohnung, Hobrechtſtraße 5, vormittags von 9—10 Uhr oder an den
Probeabenden im Vereinshauſe, Steinſtraße 24, vorſtellen zu wollen.
18316)
Der Vorstand.
Maturweine
1911er von 80 Pfg. an per Flasche
sowie rote u. weisse Qualitätsweine
empfiehlt
(17361a
Gg. Sauerwein, Landwehrstr. 7.
In Darmstadt: Schmidt, Kulimann, Ohnacker, 1
Petrenz, Königl. Pr. Lott.-Einn., ferner W. Dember
Kererertentererererererererteretertererererererererertererterterenter
Angef. Handarbeiten
bedeutend reduziert.
PORTUNE
Bleichstr. Ic.
15113a
roßgärtnerei Henkel
G. m. b. H.
Darmstadt
empfiehlt sich zur Unterhaltung u. Anlase von Gärten.
Besprechungen und Voranschläge kostenlos und
unverbindlich. — Schenswerte Anlagen, Gewüchs-
gut erhalten,
tann ab
Jasbadeofen geſucht.Guter Gartengrund gefahr=
Hölgesſtraße 10.werden Mauerſtr. 22.
(*4986
Verem für Sogel= und Geſingelzucht
(älterer Verein).
Montag, den 2. September 1912, abends 9 Uhr,
Fiehats Versamnung
im Vereinslokal Brauerei zur Krone.
NB. Verloſung von 3 Paar verſchiedenfarbigen Pfautauben.
18312)
Der Vorstand.
Sarmstädter Vertrugsverband.
Freitag, 20. September 1912, abends 8 ¼ Uhr,
im grossen Saale des Kaisersaales:
Vortrat
von Herrn Generaldirektor Dr. Paul Eger:
„Das moderne Theater” (mit Lichtbildern)
Eintrittskarten für Nichtmitglieder: Sperrsitz zu 3 Mk.,
(18311.
Vorsaal zu 1 Mk., Galerie zu 50 Pfg.
Der Vorverkauf im Verkehrsbüro ist eröffnet.
Der Vorstand.
Verein fürgerbreitung von Volksbildung.
Für die für unſere Mitglieder und angeſchloſſene Vereine
vorbereiteten Führungen durch die Ausſtellung „Der Menſch” gelten
folgende Beſtimmungen:
1) 1. Führung: Dienstag und Mittwoch (3. und 4. September).
2. Führung: Donnerstag und Freitag (5. und 6. September).
3. Führung: Montag und Dienstag (9. und 10. September).
4. Führung: Mittwoch u. Donnerstag (11. und 12. September).
5. Führung: Freitag und Samstag (13. und 14. September)
uſw. nach Bedarf.
2) Die Führungen werden von Aerzten geleitet und beginnen
abends 8 Uhr.
3) Preise: Karten für eine Führung (gültig 2 Tage) — 1 Mk.,
für weniger bemittelte Mitglieder = 60 Pfg.
(Einzelkarten, die zur Teilnahme an den Führungen
nicht berechtigen, koſten 50 Pfg.)
4) Die Karten für die Führungen ſind zu beſtellen, ſchriftlich oder
mündlich, bei unſerer Geſchäftsſtelle (Gutenbergſtr. 68) und
Zigarrenhandlung Kaminsky (Rheinſtr. 4).
(18335
5) Kartenausgabe am Verkehrsbureau (Ernſt=Ludwigsplatz).
Gesellschaft „Arminius‟ Darmstadt
Gegründet 1911.
(17892a
Vereinslokal: „Zum Landgrafen Georg‟.
Unſer diebjähriges Stiftungsfeſt findet am Samstag, den
7. September a. c., abends 8½ Uhr, im Konkordiaſaale,
Wald=
ſtraße 33, in Form einer
Abendunterhaltung mit Ball
ſtatt. U. a. gelangt zur Aufführung: „Die Villa” in Darmſtädter
Mundart, Geſang= und Muſikvorträge ꝛc. Die Muſik wird von einer
Abteilung des Leibgarde=Dragoner=Regiments Nr. 23 geſtellt. —
Eintrittskarten im Vorverkauf à 25 Pfg., an der Abendkaſſe à 30 Pfg.
Vorverkaufsſtellen in ſämtlichen Filialen des Zigarren=Importhauſes
D. Numrich, in unſerem Vereinslokal und im Verkehrsbüro.
. Spanische Weinhalle 22
Weingroßhandlung
Mathildenplatz 8 u. Nieder-Ramstädterstr. 45
empfiehlt seine selbstgebauten vorzüglichen
Spanischen Rot- und Weißweine
von 70 Pfg. an per Liter.
Neu renovierte Lokalitäten.
18305a)
J. Foix & Söhne
Inh.: Juan Prim.
Süssen Aepfelmost
stets frisch von der Kelterei
(17292a
empfiehlt
CarlPh. Müller
Aepfelwein-Dampf-Kelterei. Tel. 1053.
Nummer 206.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 2. September 1912.
Seite 13.
Telefon 790 Gebr. Hoslein Ludwiosplatz
Montag, 2. Sept.
Dienstag, 3. Sept.
Mittwoch, 4. Sept.
100S0
10
Alle Reste der vergangenen Saison enorm billig, im Parterre auf Tischen ausgelegt.
Kleiderstohe, Blusenstole, Houssehles, Herrenstone etc. Gtc.
Auch auf die Reste schwarz-weisse Rabattmarken.
(18244so
Rheinstr. 47
Bernhard Gans Teleph. 955
Kupferschmiede u. Installationsgeschäft
Kupferne Kessel, Apparate u. Kochgeschirre
:: Bierdruckapparate u. Reduzier-Ventile
:: Beleuchtungskörper für Gasglühlicht
Reparaturen und Verzinnen (16530a)
Lager i. ffüss. Kohlensäure u. kompr. Sauerstoff.
chem. Reinigen unt.
Garantie
und Desinfizieren
per Kilo 40 Pfg.
Lieferung schnellstens.
Hoffärberei
C. 4 G. Neich.,
Kupferne Keſſel
auch außeiſerne, billigſt bei
Mayer & Sender
Waldſtr. 35. (16435a
Wer bei Enträſtung,
Nerven-
schwäche
und Abgeſpanntheit eines
Kräfti=
gungsmittels bedarf, kann nichts
beſſeres tun, als Altbuchhorſter
Markſprudel Starkquelle trinken.
Dieſes ausgezeichnete Heilwaſſer
enthält in leichtverdaulicher, äußerſt
bekömmlicher Form alle wertvollen
u. kräftigenden Nähr= u.
Mineral=
ſalze, die der geſchwächte Körper
zu ſeiner Wiederauffriſchung
be=
darf dabei iſt es von prickelndem
Wohlgeſchmack. Von zahlr.
Pro=
feſſoren und Aerzten glänzend
be=
gutachtet. Fl. 95 Pf. in der
En=
gros=Niederlage Friedr. Schaefer,
ferner in der Hof=Drogerie Chr.
Schwinn, Rheinſtr. 8. (14590E
Patente
Musterschutz
Warenzeichen
Entstaubungsanlagen
Leiden Sie an Rheumatismus,
Gicht, Hexenschuss, Muskelschmerz
usw. dann probieren Sie einmal
per Dose Mk. 1.20 und Mk. 1.75. Zu haben
Zahn’s Salbe, in den Apotheken oder dirckt bei
I. P. Zahn in Ober-Ingelheim a. Rh. — Bestandt. d. Salbe: Ung. Vaselin 68.5,
gera. Hav. 10.6. Tannin 7.4, ol. tereb. 12.0, camphorat. 3.5. (16987a
Kaldstris kiturstaaten.
Min o. oiete
aller
(2305a
Epochemachende Neuheit für Damen.
ldealster hygienischer Korsett-Ersatz mit allen Vorzügen, doch ohne die
Nachteile des modernen Korsetts. Gibt ohne Einschnürung in der Taille
dem Körper Halt und eine hochelegante, moderne, schlanke Figur.
Unübertroffen auch zugleich als Leibbinde für leidende Frauen.
Neuheit: Kinder- u. Backfisch-Kalasiris.
Verkaufsstellein Darmstadt: Schulstr. 12, 1. St.
Günſtige Gelegenheit
für Brautlente!
Pol. u. lack. Schlafzimmer,
Küchen=
einrichtungen, Schränke Vertikos,
Kommoden, Tiſche, Stühle, Betten,
alles ſehr gut erhalten, ſtaunend
billig Wendeſtadtſtr. 2. (*4950so
Verſch. Schloſſer=Werkzenge
wie Werkbank mit Schraubſtock,
Vötlampe, diverſe Feilen, ſowie
ein Herren=Tandem billig zu
verkaufen
(*4728fso
Littmann, Feldbergſtraße 30.
Madrdrberten Smha verrrauenssdeler
bevor Sie eine Arbeit anfertigen laſſen, verlangen Sie Aufklärung über Qualität der Haare. Sämtliche Haare, welche in meinem Spezial-Atelier für
Kunst-
haararbeiten verarbeitet werden, ſind von mir ſelbſt präparierte Schnitthaare.
6)0
5
-
Ernst Köhler, Damenfriseur und Perrückenmacher
22 Ernst-Ludwigstrasse 22.
Telephon 1682.
Kein Laden.
Kein Laden.
(16167a
Jamilie Heerſen.
Roman von Sidonie Judeich=Mierswa.
(Nachdruck verboten.)
9)
Es klopfte. Jäh fuhr Joachim aus ſeinem Gedanken
empor. Auf ſeinen Hereinruf trat Jakob ein.
Ich wollte nur melden, daß Exzellenz ſoeben ganz
plötzlich in wichtiger Angelegenheit zu Sr. Durchlaucht
ge=
rufen worden ſind. Die gnädige Fräu Mutter aber ſind
unten in der Veranda beim Frühſtück.
So, ſo — es iſt gut! Joachim nahm ſich zuſammen,
damit man ſeiner Stimme nicht die Enttäuſchung anhörte,
in die ihn die Meldung verſetzte. Das war fatal, gerade
heute! Sonſt ging Papa nie vor ½12 Uhr ins Schloß.
Was nun tun? Er hatte beide Eltern ſprechen wollen,
hatte ſie gemeinſam bitten wollen, ihm Freiheit zu dem
von ihm gewählten Beruf geben zu wollen.
Ich habe bereits Ihrer Exzellenz gemeldet, daß der
gnädige Herr Sie zu ſprechen wünſchte. Sie läßt bitten.
Schön! Ich komme ſogleich! Joachim ſah dem ſich
lautlos Entfernenden nach.
Alſo, es ſollte ſo ſein! Der Mutter ſollte er ſich zuerſt
offenbaren. Gut! Im Vorwärtsſchreiten faßte er noch
einmal in ſeine Bruſttaſche, in der ihr Brief an Ada
ruhte. Er fühlte das kniſternde Papier zwiſchen ſeinen
Fingern und nickte.
Langſam ſtieg er die breiten, teppichbelegten Stufen
hinab aus der erſten Etage, wo ſeine zwei Zimmer lagen,
ins Erdgeſchoß. Die bunten Flurfenſter dämpften das
eindringende Tageslicht, und auch in dem mit Blatt=
wirnten rech dernien Giſteit aus den eine Reme
hoher, weißer, mit Gold eingelegter Flügeltüren nach den
verſchiedenen Räumen und Empfangsſalons führten, lag
infolge, des dunklen Regenhimmels draußen ein graues
Dämmern.
Joachim ſchritt durch die Tür, die ihm Jakob öffnete,
und ging durch das große, ſaalartige Eßzimmer mit dem
Rieſenkronleuchter, aus ſeltenen Geweihen gebildet, und
den hohen, alten, geſchnitzten Eichenmöbeln, die alle das
Leerſenſche Wappen trugen.
Wie kam es, daß es ihm heute beſonders auffiel,
wie prunkvoll die Ausſtattung der Wohnung ſeiner Eltern
war? Aber es war eine kalte Pracht, der nichts
An=
heimelndes anhaftete.
Auch die Veranda, die geſtern, als ſie die goldene
Märzſonne durchleuchtet hatte, ſo traulich geweſen war,
wirkte ohne dieſen lebenden Sonnenſchein grau und
nüchtern.
Frau von Leerſen ſaß allein am Frühſtückstiſch in
tiefes Sinnen verloren. Warum hatte man ihren Gatten
ſo zeitig ins Schloß gerufen? Es mußte etwas Wichtiges
geſchehen ſein. Ferdinand ſchien es nicht zu wiſſen, denn
er hatte alle Fragen und Vermutungen kurz abgelehnt.
Und nicht einmal ſo lange hatte er gewartet, bis
ange=
ſpannt war. Zu Fuß war er ſogleich ins Schloß geeilt.
Ganz nervös und echauffiert hatte er ausgeſehen, als er ſich
von ihr verabſchiedete. Eine leichte Falte erſchien zwiſchen
den feinen Brauen Frau von Leerſens Das Ausſehen
ihres Gatten gefiel ihr überhaupt nicht in den letzten
Mchen die gerteſte Mantgeit eone ihr ſeſt angen
und heſtig machen!
So ging das entſchieden nicht weiter! Er mußte
ein=
mal ausſpannen, ſich Urlaub nehmen und ſich eine längere
Erholungszeit gönnen! Vielleicht eine Reiſe nach Süden?
Er war ja auch geradezu mit Arbeit überbürdet, d. h. er
überbürdete ſich ſelbſt! Dazu die Winterſaiſon mit all
ihren anſtrengenden Repräſentationspflichten und
geſell=
ſchaftlichen Anforderungen! Sie war ſelbſt ſchon ganz
müde und froh, daß der Frühling kam. Ferdinand aber
ſchien körperlich dieſen Anſtrengungen nicht mehr
ge=
wachſen zu ſein. Es war direkt auffallend, wie er in den
letzten Wochen gealtert war. Ja, was er ſonſt nie getan
hatte, er ſchien mit dem Gedanken ab und zu zu ſpielen,
ſeinen Abſchied zu nehmen. So oft das aber zur Sprache
gekommen war, hatte ſie mit allen ihr zu Gebote ſtehenden
Mitteln ihm dieſe Idee auszureden verſucht. Abſchied!
Nein, nur das nicht! Ihr graute davor geradezu. Sie
kannte das Leben bei Hofe zu genau. Nur wer die Macht.
hat, wird bewundert, geſucht, gefeiert — gefürchtet. Und
ſie wollte die Macht beſitzen, ſo lange es irgend ging.
Hatte ſie nicht darum nur den ſo viel älteren Mann
ge=
heiratet, ſie, die einſt ſo gefeierte Schönheit des Hofes, weil
ſie glänzen und auf der Sonnenſeite des Lebens ſtehen
wollte. Und das tat ſie jetzt Sie nahm die erſte Stellung
in der Geſellſchaft ein und die Gunſt des fürſtlichen
Hauſes ſtrahlte ihr und ihrer Familie überreich. Aber
wenn Ferdinand zurücktrat von ſeinem Poſten, wenn er
aufhörte, die rechte Hand ſeines Fürſten zu ſein, änderte
ſich das mit einem Schlage. Dann müßte ſie hinter der
Frau zurückſtehen, deren Gatte dieſe Stelle bei Hofe
be=
kleidete. Das aber konnte ſie, wollte ſie nicht! Nicht allein
um ihrer ſelbſt willen, auch um ihrer Kinder willen.
Chriſta ging das erſte Jahr aus. Als Tochter des
Mi=
niſters hatte ſie ganz andere Chancen, eine glänzende
Par=
tie zu machen. Und die Jungens, ſie brauchten beide für
ihre Karriere Konexionen und Protektionen, ſowohl im
Regiment, wie im Amt. Und dann, der glänzende Gehalt,
den Ferdinand jetzt bezog, durfte nicht von einer
immer=
hin mageren Penſion abgelöſt werden! Ihr
Privatver=
mögen war nur mäßig. Chriſta aber ſollte ſtandesgemäß
ausgeſtattet werden, und der Zuſchuß für Karl Auguſt
und Joachim mußte doch auch ſein. Karl Auguſt machte
nicht kleine Anſprüche an den Geldbeutel ſeiner Eltern.
Erſt geſtern wieder hatte er Geld zur Deckung von
Schul=
den verlangt. Joachim ſchien es ihm nachmachen zu wollen.
Sicher führte ihn ein gleiches Anſinnen heute her!
Aber da war er ja ſchon! Wie bleich er war! Es
ſchien ihm ſchwer zu werden, ſie um Geld zu bitten. Es
war ja das erſtemal! Sie nahm ſich vor, ihm großmütig
zu gewähren, um was er ſie bitten würde Allzu hoch
würde ja die Summe ſicher nicht ſein! Wie oft hatte ſie
Karl Auguſt aushelfen müſſen! Und Karl Auguſt kam gar
nicht demütig, ſondern fordernd, als ſei es
ſelbſtverſtänd=
lich, daß er es erhielt! Wie anders war Joachim!
Langſam reichte ſie ihm die Hand, die er an ſeine
Lippen führte.
Beider Augen trafen ſich, und beide, Mutter und
Sohn, konſtatierten innerlich, daß der andere ſchlecht und
angegriffen ausſähe.
Nun, was ſoll die feierliche Anmeldung, Joachim?
Und warum ſchließt Du ängſtlich die Tür nach dem
Eß=
zimmer? Es wird uns niemand ſtören! Alſo, was haſt
Du mir für Geheimniſſe anzuvertrauen?
Geheimniſſe nicht, Mama! Aber es iſt etwas ſehr
Ernſtes, in mein Leben Einſchneidendes! Es iſt ſchade,
daß Papa nicht zugegen iſt. Er ſollte es mit hören. Willſt
Du mich jetzt allein anhören?
Gewiß!
Frau von Leerſen lehnte ſich in den Korbſeffel zurück,
aber ſie ſaß gerade und aufrecht da. Ihre dunkel
be=
wimperten Augen blickten prüfend zu dem Sohn hinüber,
der ſich ihr gegenüber geſetzt hatte und augenſcheinlich nach
den paſſenden Einleitungsworten ſuchte. Sie kam ihm zu
Hilfe.
Ich weiß, was Dich herführt, Joachim! Drum kurz,
ohne lange Präludien! Du haſt Schulden! Wieviel
iſt es?
Schulden? Ich, nein. Dieſes Nein klang ſo
ab=
weiſend, daß Frau von Leerſen befremdet aufhorchte.
Nicht? Was dann?
Ich wollte Dir und Papa mitteilen, daß ich mich
geſtern mit Fräulein Jerling verlobt habe
Joachim! Frau von Leerſen ſtarrte ihren Sohn
bei=
nahe erſchrocken an, als ob ſie ſeine Worte nicht faſſen
könnte. Dann fuhr ſie in ſich ſteigernder Erregung fort:
Du biſt von Sinnen! Mit der Tochter des
Ballett=
meiſters! Das — das iſt undenkbar — unmöglich iſt es!
Es iſt ſo, wie ich geſagt habe!
Dieſes Mädchen, das ich aus dem Hauſe wies?
Iſt meine Braut, und ſobald ich ihr eine Exiſtanz
bieten kann, wird ſie meine Frau werden. Ihre Ehre iſt
fortan die meine! Er zog den Brief aus ſeiner Bruſttaſche
und legte ihn auf den Tiſch. Das — Mutter, das hätteſt
Du nicht tun ſollen. Seine Züge waren ernſt, beinahe
finſter, als er das ſagte.
Ich bin niemand Rechenſchaft ſchuldig über mein
Tun! Die Stimme von Frau von Leerſen wurde immer
ſchärfer. Was willſt Du eigentlich? Es konvenierte mir
nicht, eine Perſon in meinem Hauſe und in der Nähe
Deiner jungen, unſchuldigen Schweſter zu wiſſen, die ſich
nicht entblödete, mit dem Bruder ein Liebesverhältnis
an=
zuknüpfen!
Mutter, fuhr Joachim auf, ich beſchwöre Dich — Du
weißt nicht, was Du da ſagſt.
Das weiß ich wohl, mein Sohn! Und wie ſehr
be=
gründet meine Beſorgnis war —, nun, das beweiſt ja
Deine heutige, über alles Erwarten überraſchende
Eröff=
nung. Indeſſen — ich nehme ſie nicht ernſt und ineſſe ihr
irgendwelche Bedeutung nicht bei. Für uns, Deine
An=
gehörigen, exiſtiert Deine Verlobung nicht. Somit wird
Dir nichts anders übrig bleiben, mein Sohn, als dieſes —
Verhältnis zu löſen. Das in dieſem Falle nötige Geld,
um von ſolchen Leuten loszukommen, wird Dir Dein Vater
ſelbſtverſtändlich geben.
Jeder Blutstropfen war während der Rede ſeiner
Mutter aus Joachims Geſicht gewichen. Er mußte alle
Gewalt zuſammennehmen, um ruhig zu bleiben. Aber je
weiter ſeine Mutter ſprach, um ſo ſchwerer wurde ihm
das. Und als ſie geendet und er in ihr Geſicht blickte,
das ſo deutlich den Ausdruck wegwerfender Verachtung
trug, ſprang er auf und trat vor ſie hin.
Wärſt Du nicht meine Mutter, ſtieß er endlich, ſich nur
mühſam beherrſchend, bebend hervor, ſo würde ich jetzt
antworten: Pfui über ſolche Geſinnung. Das zu ſagen,
aber verbietet mir die kindliche Rückſicht. Das eine kann
ich Dir jedoch hoch und heilig verſichern, wer von dem
heutigen Tage an das Mädchen beſchimpft, das meine
Braut iſt, beſchimpft mich. Ob für meine Familie meine
Verlobung exiſtiert oder nicht, werde ich nicht fragen
Jedenfalls aber wird Ada, ſobald es geht, meinen Namen
tragen.
(Fartſetzung folgt.
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 2. September 1912.
Nummer 206.
Ernst-Ludwig- und Färberei Hugo Luckner (Inh. Gebr. Röver), Leipzig
strasse 12,
Darmstade Rheinstr. 23,
chem. Waschanstalten.
Farborel Gebr. Rover, Frankfurt a. M. Hügelstrasse 2
ca. 1000 Angestellte. (9008a
Chem. Reinigen u. Färben v. Damen-, Herren- u. Kinder-Kleidern, Vorhängen, Decken, Fellen, Spitzen, Handschuhen etc.
„Salamander
0
Einheitspreis 12
650
Luxus-Ausführung
Alle nur Erdenklichen
. . Ausführungen . .
11747a)
SALAMANDER
AuEAras 8Ce
Ludwigsstrassefa.
Damen-Salon
mit neuzeitl. Trockenanlage
Kopfwaſchen 1.— Kinder 70 Pf.
inkluſiv? Friſur
Zöpfe von 1.50 u. höher an
(17863
Naturzöpfe
a
von blond bis ins höchſte grau
ſchon von 5 Mk. an
Haarunterlage, Turbaus
Locken=
tuffs, einzelne Teile u. ſ. w.
Haar-Arbeiten
wie bekannt, in nur ſolid.
Aus=
führung u. billiger Berechnung.
Ausgekämmte Haare können dazu
verwandt werden.
Friſeur
A. Daniel, Ludwigsplatz 8.
„ATIRIN
die neueste und beste
deutsche Nähmaschine
5 Jahre Garantie. (9549a
Alleinverkauf
Haas & Bernhard
19 Rheinstrasse 19.
Ludwig King Sco.
nstallationsgeschäft u. Bauspenglerei
Rheinstr. 17, Ecke der Grafenstr.
Telephonruf 636. (16950a
Musterlager aller
ein-
schlägigen Artikel.
Dambrreinigung
für Bettfedern u. Daunen.
Beſte Einrichtung am Platz. Lager
n Köper für neue Hüllen. (6585a
J. Stritzinger, Hölgesſtr. 11, I.
Verkaufe wegen
Ueber=
füllung billigſt:
14 bis 16 kleinere Orpingtonkücken
(gelb), gebe ab größere Poſten gute
Tafelbirnen. Ohlystr. 40. (B18236
Rheinische
Treuhand-Gesellschaft A.-G.
O7, 26, MANNHEIM Tel. No. 7155.
Aktienkapital Mk. 1 500 000.−
Weitverzweigte Beziehungen zu ersten Finanzkreisen.
568D)
Bilanzprüfungen.
Buchhaltungs- und Betriebs-Organisationen. Liquidationen,
Sanierungen. Vermögens-Verwaltungen. Seriöse Gründungen.
Gutachten in Steuer- u. Auseinandersetzungssachen. Eingehenda
Beratung in Beteiligungs-Angelegenheiten.
Unbedingte Verschwiegenheit.
mit Aufſatz u. Spiegel,
Bertiko gut erh., 1 Diwau,
neu, und 1 Klapptiſch billig
zu verkaufen Riedeſelſtraße 48,
(*4821so
Hinterhaus.
„Ich war am Leibe mit einer
Flechte
behaftet, welche mich durch das
ewige Jucken Tag u. Nacht peinigte.
In 14 Tag. hat Zuckers Patent-
Medizinal-Seife das Uebel
be=
ſeitigt. Dieſe Seife iſt nicht 1.50 M.,
ſondern 100 M. wert. Serg. M.”
à St. 50 Pf. (15% ig) und 1.50 M.
(35% ig, ſtärkſte Form). Dazu
Zuckooh-Creme (à 75 Pf. und
2 Mk.) Bei Fr. Schaefer, A. Logel,
Ch. Schwinn, Drogerien und Gg.
Frz. Frank, Parfümerie. (10886E
Meine Schaufenster sind sehenswert. Sie zeigen
stets die neuesten Erzeugnisse der Mode zu sehr
mäßigen Preisen. Spezialhaus für Damen-
Kon-
fektion HERMANN BERGER, Hoflieferant,
10 Ernst-Ludwigstraße 10, Ecke Marktpassage.
(5746a
Nächste Ziehungen:
Alsfelder Geldlotterie à 1 Mk., Ziehg. 11. Sept.
Münchener Kunstlott. à 1 Mk., „ 11. „
Heidelberger Lose à 1 Mk.,
14. „
lainzer Pferdelott, à 1Mk., „ 21.
zu haben: (18038a
Lotterie-
Agentur Fr. Marguth
Ecke Grosse
Darmstadt ochsengasse.
— Filiale: Farktstrasse 3. —
Aus dem Nachlaſſe von
E. Pallmann werden billigſt
abgegeben:
1 komplett. Büfett in pitſch=pine,
3 Meter lang, davon 2,10 Mtr.
Nikolin= und 0,90 Meter mit
Marmorbelag, Holzplatte zum
Herausziehen, Granitſockel m.
Majolika=Schankſäule, Figur
Gambrinus u. 3 Hähnen, nebſt
allen dazu gehör. Montierung.
1 Gläſerſchrank, 5 Marmortiſche,
rund, 1 Sofa, 1 Doppel=Sofa,
4 Hocker, 1 Lüſter, 1
Meſſing=
ſtange mit Vorhang.
Näh. im Eisengeschäft Fallmann,
Nachf., Kirchstrasse 21. (16936a
zus Heriſteſtcſiuſen
faſt kaum getrag. Kleider kaufen
Sie am beſten (17370a
10 Ballonplatz 10
Kein Laden. — Kein Laden.
Nang., faſt neu. D.=Mankel, ſchwz.
2 D.=Filzhut mit Crep, 3 ſchwarz.
Fr.=Röcke, ält. Fr.=Kleider, 2 weiß.
Pig.=Decken bill. zu verk. (*4946so
Erbacherſtr. 63, II.
I. Hess. Versich. geg. Ungezierer
Ibel & Lotz, G. m. b. H.
Schuchardſtr. 14, p. Telephon 461.
Vertilgung von Ungeziefer jeder
Art, wie Wanzen, Käfer, Ratten,
Mäuſe uſw. billigſt unt. Garantie
und ſtrengſter Diskretion.
Für Hausbeſ., Hotels, Bäckereien,
Reſtaur. uſw. Verſicherung geg.
Ungeziefer beſond. zu empfehlen.
Aenßerſt geringe Jahresprämie.
Koſtenloſe Ausſprache an Ort und
Stelle. Poſtkarte genügt. (14191a
Nummer 206.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 2. September 1912.
Seite 15.
Theodor Heyl
Telefon 1208
Telefon 1208 DARMSTADT
Marktplatz Ludwigsstrasse 1
Mitglied des Rabatt-Sparvereins.
Merbsvurvnner1ofz
Hierdurch beehre ich mich, den Eingang sämtlicher Neuheiten in
Daliicn- G.Verren Kleiderstonen
sowie allen sonstigen Manufakturwaren ergebenst anzuzeigen.
Unterröcke, Weißwaren, Schürzen
Ausstattungen, Betten.
O00D
(18156fi
Muster und Auswahlsendungen zu Diensten.
Hanpk!
Das ist das Brennmaterial, welches
billiger und besser ist als Steinkohle.
Shorr BrrkStUT
Erhältlich in den Kohlenhandlungen!
in nur bester
Quali-
tät. Für Haltbarkeit
der Borsten wird
weitgehendste
Ga-
rantie geleistet.
Parfümerie Gg. Frz. Frank
Elisabethenstrasse 9.
(6543a)
Telephon 8
Lleg. neuer Sitz= u. Liegewagen GBehrock=, Frack=, Smoking=
An=
züge, Zylinder, zu verleihen
billig zu verkaufen
Liebigſtraße 5, III. Rheinſtraße 5, 2. Stock. (18320a
*4796so)
Für darfenhesiczer
Ia Flobertgewehr, 9 mm, faſt
geräuſchlos ſchießend, gezogen
und mit Stechſchloß, wie neu, für
Mk. 14.— zu verkaufen. Näheres
(*4652dfso
Expedition.
Nächste Verlosungen.
Künstler-Wohlf.-Lotterie, Los 1 Mk.
Zieh. 11. u. 12. Sept. 1912.
Alsfelder Geldlotterie, Los 1 Mk.
Zieh. 11. u. 12. Sept. 1912.
Heidelberger Lotterie, Los 1 Mk.
Zieh. 14. Sept. 1912. (17544a
empfiehlt und verſendet
Philipp J. Schmidt,
Kgl. Preuß. Lott.=Einnehmer,
Darmſt., Rheinſtr. 33, Tel. 127.
Zaſt n., gut gepolſt., reine Sprung=
2 federmatratze, 90X1,80 gr.,
ſow. 2 gr., ält. Zim.=Teppiche bill. z.
verk. Erbacherſtr. 63, II, (*4945so
Küchenschrank, Tisch, Topfbrett u.
Kindersehlitten billig zu verk.
Eckhardtſtr. 35, II., rechts. (*4953so
Hochfeines Pſanino (kreuzſait.)
wird unter ſechsjähriger
Ga=
rantie billig abgegeben. Teilzahl.
geſtattet. Nied.=Ramſtädterſtr. 31,
1. Stock rechts.
(*4976
P. P.
Viele Jahre litt ich an einer naſſen
Wanderflechte, verſuchte vieles, aber
alles umſonſt, bis ich 1904 in der
Zeitung von Ihrer Rino=Salbe las.
Ich kaufte mir 2 Doſen und die
Flechte iſt ſeitdem verſchwunden.
Ich ſage Ihnen meinen beſten Dank
ſo ſpät, weil ich erſt wiſſen wollte,
ob der Erfolg ein dauernder iſt, was
ich ſetzt nach 3 Jahren wohl annehmen
darf.
Em. Marx.
Görlitz, den 14./2. 06.
Dieſe Rino=Salbe wird mit Erfolg
gegen Beinleiden, Flechten und Haut= —
leiden angewandt und iſt in Doſen à —
Mk. 1.15 und Mk. 2.25 in den Apotheken
vorrätig; aber nur echt in Original= Si
packung weiß=grün=rot und Firma —
Schubert & Co., Weinböhla=Dresden.
Fälſchungen weiſe man zurück.
Schöner Zwergpinſcher
zu verk. Parcusſtr. 9, I. (*4840soi
Eine große Kaute
Pferdemiſt
zu verkaufen (18248som
Beckſtraße 54.
Bestes, sicherstes und billigstes Licht
gibt die durch
Giserder
(nicht explodierbares Petroleum)
gespelste
Petroleumlampe.
aiserder
Bestes Licht, weil am schonendsten für die
Augen.
Sicherstes Licht, da beim Gebrauch von
Kaiseroel selbst beim Umfallen oder
Zer-
trümmern der Lampe Explosions- u.
Feuers-
gefahr ausgeschlossen ist.
Billigstes Licht, denn Gas und elektrisches
Licht bedingen
weit höhere Anschaffungskosten
weit höhere Erhaltungskosten
Kosten für Miete von Messaparaten
und Lichtanlage in jedem einzelnen Zimmer,
die bei der Petroleumlampe fortfallen. Die mit
gefüllte Lampe ist brennend
Ralsefoel getahrlos transportabel, deshalb
zur Erleuchtung mehrerer Zimmer verwendbar.
Garantiert echt zu haben im Hauptdepot für Darmstadt
und Umgegend:
Gg. Wilh. Weidig Nachf.
Oskal u. Erust Matzen
Hoflieferanten
(VI18325
Telefon 233 DARMSTADT Schulstr. 4.
Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 2. September 1912.
Nummer 206,
Iverver brokfet
Sämtliche Neuheiten in diesem Artikel sind eingetroffen u. ist unser Prinzip,
auch hierbei nur wirklich gute Qualitäten zu billigen Preisen zu verkaufen.
Beachten Sie bitte unser diesbezügliches Schaufenster.
engl. Geschmack,
Meter 8.50, 6.50,
Elegante Nouveautes
Anzugstoffe
Neuheiten in Meltonstoffe
— im Tragen dae Beste
Meter 8.50, 7.20, 6.50
EElegante Drapés
oxtrafeine Foulé-Webart in dunkelblau und schwarz
Mtr. 11.50, 8.50,
50
Das Neueste in
Hosen-
für Eleg. und Strapazierhosen,
Meter von 12.− bis
streifen
50
Für schwarze Anzüge
Kammgarne,
Cheviot und Twilet für solide Strassenanzüge
Meter 7.50, 5.40,
gute Fabrikate, Aachener Qualitäten,
Meter 8.50, 7.20,
Drapés
für feine Gesellschafts-Anzüge
Meter 11.50, 8.50,
1
Gelegenheite-
posten la Buxkin
Meter
in hell und dunkel .
80
Unser billiger Reste-Verkauf in Buxkin
wird fortgesetzt.
Herren-Krawatten
Herren-Wäsche
Neueste Dessins
in grosser Auswahl
zu wirklich vorteilhaften Preisen!
wie Hemden, Kragen, Manschetten, Serviteurs etc.
sehr preiswert.
C. 2 LaRTFGFTu&
Gugs
Markl?
Karlſtr. 46, 2. St., gut möbl.
Zim. ſof. z. verm., 16 Mk. (17688t
Waldſtraße 32, möbl. Zimmer
(17423t
u vermieten.
Soderſtr. 90, Ecke Beckſtraße,
große 5 Zimmer=Wohnung mit
Gas, Bad u. allem Zubehör
als=
bald billig zu vermieten. Näheres
Griesheimerweg 19, Kontor. (18337t
Neuba
Heinrichſtraße 136. Herrſchaftliche
5 u. 6 Zimmerwohnungen per 1. Okt.
o. ſpät. zu verm. Näh. daſelbſt von
4—6 Uhr nachmittags. (17990mso
Schützenſtraße 10½, II. St.,
4=Zimmerwohnung mit 2 großen
Bodenkammern per 1. Oktober zu
vermieten. Einzuſehen von 9—12
14308oms
und 2—7 Uhr.
Grafenſtr. 21, I., geräumige
4=Zimmerwohnung per 1. Oktbr.
zu vermieten. Näheres Brauerei
Wagner, Gr. Ochſeng. 26. (18347omds
Zimmer
Eliſabethenſtr. 29, Htb., ſchöne
3=Z.=Wohnung per ſofort. (14862o
Mathildenplatz 11, Vorderh.,
Manſ., 3=Zimmerwohnung m.
Zu=
behör z. vm. Erſr. 1. Stock. (16504t
Saalbaustrasse 25, I.
3 Zimmerwohn m. großem
Bade=
zimmer per 1. Oktober zu verm
Näh. Zimmerſtr. 5, part. (18090a
freundliche
Pankratinsſtr.
3=
Zimmer=
wohnung ſofort zu vm. (*4825som
Parterre, 3 Zimmer nebſt
Kam=
mer und Zubehör, Gasleitung, iſt
ſofort zu vermieten. Näheres bei
Ernſt Weichſel, Zigarrenhandl.,
Wexanderſtraße 16. (18322a
mmer
Eliſabethenſtr. 29, Htb., 2 Zim=
Wohn. Näh. im Laden. (17811som
Alexanderſtr. 25, Hinterbau,
Manſarde, 2 Zim. mit Küche an
ruhige Leute zu verm. (1783soms
Schuchardſtr. 10, Stb., 2 Zim.=
Wohn. für 19 Mk. mtl. zu verm.
Näh. Seitenb.*1 Tr. (*4714sosm
Oeete ece
Eberstadt L. D.
Moderne 5 Zim.=Wohnung,
Gas, Kalt= und
Warmwaſſer=
leitung, Veranda, in nächſter
Nähe der Straßenbahn, per
1. Okt. d. J. zu verm. (16742t
Darmſtädterſtr. 35.
Ernst-Ludwigstr. 9
iſt der 1. Stock, beſtehend aus
6 Räumen, für Bureauzwecke
oder Wohnung zu vermieten.
Näh. daſ. 1. St. (Papierhaus
(17380oms
Elbert).
Schulſtraße 10.‟
Olee
Läden
ſehr geeignet für Friſeur=Geſchäft,
Näheres Hügelſtraße 27.
Laden mit Wohnung Wohn= u. Schlafzim. in freier ge=
Näh. Kahlertſtr. 1. (18161oidf
Eliſabethenſtr. 2, inne
geräum. Laden m. Ladenzit
1. Oktober d. J. anderweit.
Näh. Zimmerſtraße 1. (157
m
Uer
Roßdörferſtraße 35, 1
ſchön möbl. Wohn= und 6
zimmer zu vermieten. (1
Ludwigstr. 17, II. St., 1
Wilhelmſtr. 2, II., 1—2 ſchönmöbl. Zimmer zu vermieten. —
Einzuſehen zwiſchen 6—½8 Uhr
abends.
(B13517od z Bismarckſtraße 82, parterre,
ein gut möbl. Zim. mit oder ohne
Penſion zu verm. (17871oms Steinackerſtr. 6, part., möbl.
Zimmer zu vermieten. (B17451oms Landwehrſtr. 19, helles Zim=
mer ſofort zu verm. (*4600mso Eliſabethenſtr. 43, H. 2. St. l.,
ſchönes, freundl. Zimmer mit ſep.
Eingang per 1. Septbr. (17280au Landwehrſtr. 24, part., groß.,
ſchönes, gut möbl. Zimmer zu
(15986oms1
vermieten. Waldſtraße 10, II., möbliertes
Zimmer an beſſ. Herrn. (*4631dso Saalbauſtraße 38, II., möbl.
Zimmer zu vermieten. (*4633dso Luiſenplatz 7, II., ſchön. möbl.
Zim. an ſol. Herrn z. vm. (17196t Saalbauſtr. 25, III., gut möbl.
n.Wohn= u. Schlafz. zu vm. (17146t. n In gut. Hauſe behagliches Zim.
(18182oms mit, ev. ohne Penſion. Angenehm.
Familienleben, Klavierbenutzung,
Gelegenheit zum gemeinſamen
Muſizieren. Schülern auf Wunſch
Nachhilfe. Adr. i. d. Exv. (17202t
Eliſabethenſtraße 49, part., g.
möbl. Zimmer zu verm. (16668t Saalbauſtr. 40, III., ein frdl.
per ſofort zu vermieten. (15073od möbl. Zimmer ſof. zu verm. (17492t Zimmer zu vermieten. (17505t Soderſtr. 6½, 2. St., eleg. möbl.
(Holzſtraße 8) zu vermiet., ev. zu ſunder Lage zu verm. (17363t .Wohn= und Schlaßimmer
de elegant und modern eingerichtet,
erſofort zu vermieten. (17417omf
m.
Karlſtraße 11, 2. Stock. 8
Elisabethenstr. 4 II. Pens. Mink
Wohn= und Schlafzimmer, ſowie
je,Einzelzim. mit gut. Penſ. zu verm.,
af=auch auf Tage u. Wochen. (17105a d Saalbauſtraße 65, 1. Stock,
d.2 ſchöne möblierte Zimmer mit
id. Balkon, Gas u. elektriſchem Licht
8a lzu vermieten.
(*4959so
Bleichſtr. 45, II., ſchön möbl.
Hochſtraße 12, II., frdl.= möbl.
zim. mtl. 15 Mk. m. K. (18101a
Karlſtr. 10, 2. St. l., ein frdl.
2. St., ſchönes, möbl. Zimmer zu verm. (*4696fso
Rheinſtraße 19, II., gut möbl.
Zimmer zu vermieten. (*4748fso
Kiesſtr. 66, 2. St., möbl. Wohn=
Luiſenſtraße 14, 2. St., ſchön
ſöbl. Zim. mit Penſion ſof. zu
ermieten. Monatl. 60 Mark.
Daſelbſt auch ein Zim. mit Penſ.
vöchentl. 11 Mark. (*4780fso
(1319
Mühlſtraße 17, 2. St., freundl.
köbliertes Zimmer ſof. (*4827so
Liebfrauenſtr. 89 II., m. Z., 3.50
m. K. (*4831so
Mauerſtr. 12, 2. St., gut möbl.
Heinheimerſtr. 3 möbliertes Zim. mit Penſion ſof. (*4818soi
Gartenſtr. 20, III., frdl. möbl.
(*4888so
Zimmer zu verm.
Saalbauſtr. 16 möbl. Zimmer
zu verm. Sep. Eingang. (18254t
Bleichſtraße 40, II., Aufgang
rechts, möbl. Zim. zu verm. (*4878so
Aliceſtr. 8, 1. St., frdl. möbl.
Zimmer mit Penſion. (*4812so
Lauteſchlägerſtr. 5½ 2. Stock,
ſchön möbl. Wohn= und Schlaf=
lich. zu. vermieten.
(*4804so
Grafenſtr. 18, 4. St. I., ſchön
möbl Zimmer zu verm. (*4798so
Taunusſtr. 28, Ecke Wenckſtr.,
ein möbl. Zimmer mit zwei Betten
zu verm. evtl. mit Kaſt. (18192a
Neckarſtr. 10, Eing. Waldſtr.,
2 Tr., ſch. gr. gut mbl. Zim. (18183t
Landwehrſtraße 11, parterre,
gr. gutes u. kleines einfach möbl
Zimmer zu vermieten. (*4923so
Waldſtr. 24, Seitenb., II. Stock,
einf. möbl. Zimmer z. verm. (18270t
Grafenſtr. 4, Hinterh., I. St.
möbl. Zimmer zu verm. (*4920so
part., groß.
Gartenſtraße 20, neumöbl.
Zimmer ſofort zu verm. (*4921so
Liebigſtraße 67, parterre, ſchön
möbl. Zimmer zu verm. (*4899so
Magdalenenſtr. 7, part., ſchön
möbl. Wohn= u. Schlafzimmer zu
vermieten.
(18279ods
Nierer=Ramſtädterſtr. 5½, III.,
hübſch möbl. Z. m. ſep. Eing., evt.
mit Klavier ſof. oder ſpäter. (18276a
Lundwigſtr. 16, III., möbl. Z.
mit od. ohne Penſion. (*4938so
Rheinſtr. 2, Hinterhaus, möbl.
Zimmer zu vermieten. (*4958so
Kaſinoſtr. 26, I., gut möbliert.
(*4952so
Zimmer für 18 Mk.
Mauerſtr. 15 einf. möbl. Zim.
für 12 Mk. zu verm. (*4727fo
Grafenſtr. 39, ſch. möbl.
Wohn=
u. Schlafz. preisw. zu verm. (17919a
Luiſenſtr. 32, II., b. Gg. Wodel,
einf. möbl. Z. n. d. Str. m. P. (*5003oi
Waldſtraße 39, part., ſchön
möbl. Zimmer zu verm. (*4999
Wenckſtr. 9, part., möbl. Zim.,
evtl einfache Penſion. (*4989oi
Gartenſtr. 18, I. Etage, ſchön
möbl. Zimmer für ſofort. (*4990
Heidelbergerstr. 29, I
hübſches Wohn= u. Schlafz. (*4991
Luiſenſtr. 32, I., bei Waldherr,
einf. möbl. Z. m. od. oh. Penſ. (*4995oi
Neckarſtr. 10, Eing. Waldſtr.,
2 Tr., gr. ſch., g. möbl. Zim. (18328t
Schuchardſtraße 4, I., gut möbl.
Zimmer mit Gas und ſep. Eing.
ſofort zu vermieten. (*4973
Neue Schwanenſtr. 72, II., 2fein
möbl Zim. an ſol. Herren. (*5012eim
N.=Ramſtädterſtr. 57, Metzg.,
möbl. Zim. m. vollſt. Penſ. preisw.
abzugeben, daſelbſt auch Privat=
Mittag=, und Abendtiſch. (17985ms