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Darmstädter Tagblatt

31. August 1912

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Abonnementspreis
Inſerake
175. Jahrgang
werden angenommen in Darmſtadl.
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
verbunden
mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
inren Beſtell entgegen zu 60 Pfg. monatl.
den Annonen=Expeditionen. — Bei
u. 1.30 Mk. vierkell. Verantwortlichkeit
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
kommt
jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 32 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Das Kaiſerpaar und die Prinzeſſin Viktoria Luiſe
ſind geſtern 10½ Uhr von Wilhelmshöhe nach Berlin
abgereiſt.
Der König von Sachſen ſtellte den deutſchen
Kronprinzen à la suite des 3. Ulanenregiments
Nr. 21.
Auf dem Schacht Alma der Gelſenkirchener
Bergwerks=Geſellſchaft brach im Schacht
eine Bühne zuſammen, auf der 8 Hauer arbeiteten.
5 Arbeiter waren ſofort tot, einer iſt ſchwer verletzt.
An Pilzvergiftungen ſind in Kirchberg in Sach=
ſen
zwei Mädchen und in Zürich fünf Perſonen ge=
ſtorben
.
Italien wird nach einer Mitteilung an die belgiſche
Regierung vom 1. September 1913 ab aus der
Zucker=Union ausſcheiden.
Auf den Präſidenten Taft wurde in Colombo
(Ohio) durch eine Frau ein Attentatsverſuch
gemacht

Politiſche Wochenſchau.

— Die Erkrankung des Kaiſers bewegte,
wenn es ſich auch um kein ernſtes Leiden handelte, in
der verfloſſenen Woche die Gemüter auf das lebhafteſte.
Zumal verſchiedentlich, namentlich, als die Beteiligung
des Kaiſers an den Paraden abgeſagt wurde, die Be=
fürchtung
auftauchte, daß in den Bulletins vielleicht doch
nicht die ganze Wahrheit offenbart werde. Inzwiſchen
iſt der Kaiſer nach Berlin zurückgekehrt. Wie jetzt be=
kannt
iſt, wird die Schweizer Reiſe nicht aufgegeben,
Wäre der Kaiſer gezwungit geweſen, den Schweizer
Manövern fern zu bleiben, ſo wäre das in hohem Maße
bedauerlich geweſen, denn damit würde ihm die Gele=
genheit
entgangen ſein, durch ſein perſönliches Auſtreten
gar manches falſche Urteil, das über uns in der Schweiz
beſteht, zu korrigieren. Steht es doch außer Frage, daß
der Schweizer Reiſe des Kaiſers ein gewiſſer politiſcher
Beigeſchmack beizumeſſen iſt, wenn auch die militäriſche
Seite des Beſuches in den Vordergrund gerückt wird.
Eine Annäherung Deutſchlands an die Schweiz mag
angeſichts deren geringer Größe von mäßigem Belang
erſcheinen, immerhin läßt ſich nicht leugnen, daß ſowohl
auf wirtſchaftlichem Gebiete ein gutes Nachbarverhält=
nis
von beſonderem Werte ſein kann, wie auch in einem
Ernſtfalle eine wohlwollende Neutralität der Schweiz
für uns von großer Wichtigkeit ſein könnte.
Wenn auf innerpolitiſchem Gebiete auch noch immer
die Stille vorherrſcht, ſo hat ſich doch allmählich ein
Moment entwickelt, das in politiſcher Hinſicht nicht
ohne ſchwere Folgen bleiben dürfte. Die Lebens=
mittelteuerung
, die ſich in den letzten Monaten
immer mehr geſteigert hat, hat die Gemüter lebhaft in
den Harniſch gebracht, ein lebhafter Preſſekampf hat ein=
geſetzt
, wem die Schuld hieran beizumeſſen iſt, wie
immer, will keiner es getan haben Die Fleiſchpreiſe
haben eine für den kleinen Mann faſt unerſchwingliche
Höhe erreicht, ſo daß ihm nichts weiter übrig bleiben
wird, als den Fleiſchgenuß auf ein Minimum zu be=
ſchränken
. Die Fleiſcher weiſen die Schuld für dieſe
enorme Preisſteigerung von ſich ab und ſchieben ſie den
Landwirten zu, und dieſe wiederum auf den Zwiſchen=
handel
. Gegenüber den vielfachen Wünſchen, die Grenze
zu öffnen, verhält ſich die Regierung ablehnend, weil
das doch zu nichts führen würde, da auch im Auslande
dieſelben Verhältniſſe vorliegen; dann aber ſprechen noch
wichtige veterinärpolizeiliche Bedenken dagegen. So
wird alſo alles beim Alten bleiben, oder vielmehr, es
wird aller Vorausſicht nach noch ſchlimmer werden. Es
liegt auf der Hand, daß die über die Teuerung in der
Bevölkerung entſtandene Stimmung auch auf die politi=
ſchen
Verhältniſſe einen Rückſchlag ausüben wird, und
man wird wohl auch im Reichstage nicht verfehlen, auf
dieſe wirtſchaftliche Situation nach Wiederzuſammen=
tritt
des Parlaments eingehend zurückzukommen.
Ueber die Vorſchläge des Grafen Verchtold
auf dem Wege des Gedankenaustauſches Mittel für eine
Beruhigung der Verhältniſſe auf dem Balkan aus=
findig
zu machen, iſt es etwas ſtiller geworden. Die
hnächte haben ſämtlich mehr oder minder aufrichtig
ihre Zuſtimmung gegeben, die Beſprechungen haben
aber jedoch noch immer nicht begonnen, denn gut Ding
will Weile haben. Allerdings kommen Nachrichten, aus
denen hervorgeht, daß die ganze Sache ſehr leicht illu=
foriſch
werden könnte. Wie es heißt, ſoll man in Kon=
ſtantinopel
den Vorſchlag nicht nur mit recht gemiſchten
Gefühlen aufgenommen haben, ſondern man habe aus=
drücklich
erklärt, daß man auf die Angelegenheit unter
keinen Umſtänden eingehen wolle, weil das Vorgehen
des öſterreichiſchen Miniſters ein Eingreifen in die inne=
ren
Verhältniſſe der Türkei darſtelle. Unter ſolchen Um=
ſtänden
würden die Beſprechungen lediglich einen aka=
demiſchen
Charakter tragen. Anſcheinend glaubt man
in Konſtantinopel, es nicht mehr notwendig zu haben,
nachdem eine Art Einigung zwiſchen der Regierung und
den drohenden Albaneſen hergeſtellt worden iſt. Von.
wie langer Dauer der Friede aber ſein wird. mögen die

Götter wiſſen! Wie der innere Friede notdürftig zu=
ſammengeflickt
iſt, ſcheint nunmehr endlich auch der
Friede nach außen bevorzuſtehen. Nach mehrfachen Ab=
leugnungen
geſteht man jetzt von offiziöſer italieniſcher
Seite zu, daß in der Schweiz Friedensverhandlungen
ſtotfinden, die, wie weiter berichtet wird, einen ziemlich
günſtigen Verlauf nehmen ſollen. In Paris hat der ita=
lieniſche
Botſchafter Tittoni eine längere Konferenz mit
Herrn Poincaré gehabt und in dortigen lomatiſchen
Kreiſen heißt es auch, man ſei dem Frieden näher, als
man zugeben wolle. Auf welcher Baſis man ſich einigen
wird iſt indeſſen noch nicht bekannt geworden.
Es war alles ſo ſchön ausgeklügelt und doch ſtimmt
das Exempel in Marokko nicht. Der Exſultan Muley
Hafid weilt auf franzöſiſchem Boden und amüſiert ſich
dort nach Herzensluſt, während es in der Heimat drunter
und drüber geht. Sein jüngerer Bruber Juſſuf wird
im Süden des Landes nicht anerkannt, dort hat ſich ein
Prätendent gefunden, der eine Gefolgſchaft findet und
auch ſich vor den Franzoſen nicht fürchtet, mit denen er
ſchon mehrere blutige Gefechte gehabt hat Seine An=
hängerzahl
vergrößert ſich von Tag zu Tag und den
Franzoſen ſtehen abermals ſchwere Kämpfe bevor. Die
Herren Franzoſen müßten jetzt die Erfahrung machen,
daß das marokkaniſche Abenteuer ihnen recht koſtſpielig
wird, und im ſtillen Herzenskämmerlein mag man ſich
ſagen, daß es vielleicht beſſer geweſen wäre, den
Deſutſchen größere Zugeſtändniſſe zu machen, dann
hätten dieſe wenigſtens die Zeche zu bezahlen gehabt.
Truppen über Truppen müſſen nach Marokko geſchickt
werden, und man erwägt daher auf das ernſthafteſte in
Paris, eine Schutzkolonialarmee zu ſchaffen, die für der=
artige
Expeditionen Verwendung finden ſoll.
Aehnlich wie im näheren Orient ſcheinen ſich die
Dinge auch im fernen Oſten etwas zu beſſern. Schon
mußte man glauben, daß ein ſchwerer Bürgerkrieg infolge
des Gegenſatzes zwiſchen Norden und Süden Chinas
losbrechen werde, indeſſen haben ſich die Gemüter ver=
hältnismäßig
ſchnell wieder beruhigt. Das Haupt der
Reformer, Sunyatſen, hat ſich nach Peking begeben, um
dort von Yuanſchikai Rechenſchaft zu fordern. Es ſcheint
dem alten Schlaukopf Yuanſchikai gelungen zu ſein,
Sunyatſen von der Richtigkeit ſeiner Maßnahmen zu
überzeugen, und beide ſind in großer Hochachtung von
einander geſchieden. Dabei hatte man anfänglich ge=
glaubt
. Sunyatſen werde das Schickſal der widerrechtlich
erſchoſſenen Generäle teilen. Man kann dieſe Wendung
der Dinge mit Genugtuung begrüßen, da ſich aus neuen
Komplikationen neue Schwierigkeiten ergeben könnten.
Senſationelle Gerüchte kommen in dieſer Woche aus
Rußland. Danach ſollten in Odeſſa nicht weniger als
300 Matroſen wegen Meuterei und revolutionärer Ge=
ſimung
verhaſtet worden ſein. Ja man ſprach ſogar
bavon, daß man mit einem meuternden Schiff kurzen
Prozeß gemacht habe, weil die Matroſen die Uebergabe
verweigerten, indem man es einſach in den Grund ge=
ſchoſſen
habe. Das mag übertrieben geweſen ſein, gleich=
wohl
erhellt aber trotz aller Heimlichtuerei aus den
durchſickernden Nächrichten, daß der Geiſt der ruſſiſchen
Marine ein ſehr unberechenbarer iſt, und daß im Ernſt=
falle
Rußland nicht unbedingt auf ſeine Kriegsmarine
ſich verlaſſen kann. Dies iſt um ſo bedenklicher, weil
man jetzt daran geht, dieſe ganz beträchtlich zu verſtärken.

Tſingtau im Mittelpunkt des Welt=
verkehrs

das iſt die Zukunftsperſpektive, die ein Aufſatz der Deut=
ſchen
Revue entrollt. Durch die chineſiſche Revolution
und ihre Begleiterſcheinungen iſt unſer oſtaſiatiſches
Schutzgebiet plötzlich in den Mittelpunkt unſerer In=
tereſſen
gerückt worden und hat eine beſondere Bedeutung
erhalten. War doch Tſingtau in der Zeit der größten
Nöte von allen europäiſchen Niederlaſſungen der einzige
ſichere Zufluchtsort für die Chineſen, und was früher nie
gelingen wollte, iſt dadurch zur Tat geworden: Viele
wohlhabende chineſiſche Kaufleute und ehemalige einfluß=
reiche
Würdenträger haben ſich mit ihren Familien aus
allen Teilen des Rieſenreiches in Tſingtau und im Schutz=
gebiet
angeſiedelt. Dadurch ſind wichtige und weitver=
zweigte
Handelsverbindungen hierher verpflanzt worden.
Das wirtſchaftliche Bild der Kolonie hat
während der letzten fünf Monate der Revolution ſich
deswegen ganz anders geſtaltet als an den anderen gro=
ßen
Handelsplätzen des Reiches, indem die Tſingtauer
Ausfuhr eine nicht, unbeträchtliche Steigerung erfuhr.
Tſingtau tritt als der günſtigſte Hafen für
Nordchina immer mehr in der Vordergrund; ſo hat
es in dieſem Jahre die ſehr beträchtliche Kuliausfuhr
nach der Mandſchurei, die bisher über Tſchifu ging, den
größten Teil der Viehausfuhr Schantungs und verſchie=
dene
andere Exportartikel zugeſchoben erhalten. An dem
chineſiſchen Importgeſchäft beteiligt ſich freilich, mit Aus=
nahme
der beträchtlichen Lieferungen für den Eiſenbahn=
bau
, die deutſche Induſtrie in überaus beſcheidenem

Maße. Indigo, Anilinfarben, Nähnadeln ſind Hauptein=
fuhrartikel
. Für die Errichtung deutſcher und deutſch=
chineſiſcher
Induſtrien in China beſitzt unſer Schutzgebiet
die günſtigſten Vorbedingungen. Ganz neue Erwerbs=
zweige
könnten hier geſchaffen werden, ſo Hochſee=
fiſchereien
, die bei dem Fiſchreichtum des chineſiſchen
Meeres die beſte Ausſicht auf Erfolg haben, Seiden= und
Baumwollſpinnereien, ſewie Oelmühlen. Die wichtigſte
aber unter allen Schutzinduſtrien verſpricht die Eiſen=
induſtrie
zu werden, da die in unſerer Konzeſſionszone
gelegenen Eiſenerzlager bei Tſchinlingſchen am Tientſchan
und die am Synuſchan gegen 30 Mill. Tonnen ohne Tiefbau
apinnenden Erzes mit 55 Prozent reinem Eiſen ent=
halten
.
Der Schwerpunkt des Strebens, uns in ein innigeres
wirtſchaftliches und kulturelles Verhältnis zu China zu
ſetzen und dem engliſch=japaniſch=amerikaniſchen Einfluß
Widerpart zu bieten, liegt jedoch zweifellos im deutſch=
chineſiſchen
Schulweſen. Zu der noch in der Ent=
wicklung
begriffenen Hochſchule in Tſingtau und einer auf
kleinerer Baſis aufgebauten mediziniſch=techniſchen Hoch=
ſchule
in Schanghai ſoll eine techniſche Schule in Hankau
treten. Daneben wären die höheren Miſſionsſchulen in
Süd=Schantung zu nennen. Doch müßte unſer Schul=
weſen
noch ſehr ausgebaut und unter die gemeinſame
Leitung eines erfahrenen Schulmannes gebracht werden,
um „als eine der beſten Warenproben aus unſerem oſt=
aſiatiſchen
Muſterkoffer Propaganda zu machen für
Deutſchland‟. Nicht minder wichtig aber iſt für die Be=
deutung
unſeres oſtaſiatiſchen Schutzgebietes die ausge=
zeichnete
Lage Tſingtaus, das über den beſten
Hafen der ganzen chineſiſchen Küſte verfügt und eine gute
Verbindung nach dem Herzen Schantungs ſowie nach der
eine große Zukunft verheißenden Tientſin=Pukowbahn
hat. Freilich iſt dafür notwendig, daß endlich mit dem
ſo lange verzögerten Bahnbau Itſchoufu=Kaumi begon=
nen
wird und daß die Schantung=Eiſenbahngeſellſchaft
durch Einführung niedriger Tarife der drohenden Kon=
kurrenz
die Spitze bietet. Erlangt Tſingtau den in Aus=
ſicht
ſtehenden günſtigen Anſchluß an die weiten und wich=
tigen
Gebiete ſeines Hinterlandes, dann wird es in der
bevorſtehenden Verkehrsentwicklung Chinas zu hoher
Bedeutung gelangen. Die chineſiſche Regierung muß ihr
umfangreich geplantes Bahnnetz mit allen Mitteln fördern
und die längſt beabſichtigte Bahn durch die Mongolei ge=
hört
zu den wichtigſten Projekten, wenn anders der Ver=
luſt
dieſer Rieſenprovinz nicht zur Tatſache werden ſoll.
Bei der ungeheueren Bedeutung der ſibiriſchen Ueberland=
verbindung
Europas mit Oſtaſien iſt es von höchſter Wich=
tigkeit
, daß für dieſen Hauptverkehrsweg immer Tſing=
tau
und nicht, wie bisher, Dalny der Hafen ſein wird,
durch den der Anſchluß von Südchina, Japan, den
Philippinen an dem großen Schienenſtrang nach Europa
geſucht wird. So wird Tſingtau dereinſt in den Mittel=
punkt
des Weltverkehrs gerückt werden.

Deutſches Reich.

— Deutſchland und die Marokkover=
handlungen
. Zu der Meldung ſpaniſcher Blätter,
daß Deutſchland den Fortgang der ſpaniſch=franzöſiſchen
Verhandlungen behindere, erfährt die Rheiniſch= Weſt=
fäliſche
Zeitung aus vorzüglicher Quelle, daß Deutſch=
land
allerdings gegen die Vereinbarung zwiſchen Frank=
reich
und Spanien über die marokkaniſche Zollgrenze
Proteſt eingelegt habe, weil das Deutſche Reich in
Marokko durch eine Zollgrenze nicht behindert werden darf.
— Der Vorentwurf eines Reichs= Woh=
nungsaufſichtsgeſetzes
. Die Wohnungskom=
miſſion
des Reichstages hat einen Vorentwurf für das
Reichs=Wohnungsaufſichtsgeſetz ausgearbeitet, der nach
dem eigenen Wunſche der Kommiſſion der Oeffentlichkeit
nicht vorenthalten werden ſoll. Der Entwurf iſt nicht als
fertiger Kommiſſionsbeſchluß anzuſehen, ſondern ſer ſoll
nur als Anhalt für die im Herbſt fortzuſetzendenl Bera=
tungen
dienen; ein offizieller Charakter iſt ihm nicht bei=
zumeſſen
.
Danach ſoll in allen Gemeinden eine ſtändige Woh=
nungsaufſicht
eingeführt werden, die ſich auf die Beſchaf=
fenheit
, Einrichtung und Benutung der Wohnungen in
geſundheitlicher oder ſittlicher Beziehung erſtreckt. Die
Wohnungsaufſicht ſoll beſchränkt werden auf 1. Woh=
nungen
, die einſchließlich Küche aus vier oder weniger
Räumen beſtehen, 2. größere Wohnungen, welche in Man=
ſarden
, Dach= oder Kellergeſc

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fremde, nicht zur Familie gehörige Perſonen ſtändig oder
gegen Entgelt beherbergt werden, 3. Schlafſtellen, Le=
digenheime
und Logierhäuſer, 4. Wohn= und Schlafräume
der Angeſtellten (Geſellen, Gehilfen, Lehrlinge, Arbeiter,
Geſinde). Die Wohnungsaufſicht ſoll den Gemeindevor=
ſtänden
obliegen, außerdem haben die Landesregierungen
beſondere Wohnungsaufſichtsbeamte zu beſtellen. Den.
mit der Wohnungsaufſicht betrauten Perſonen ſollen bei
Ausübung dieſer Aufſicht alle amtlichen Befugniſſe der
Ortspollizeibehörden zuſtehen, insbeſondere ſollen ſie be=
fugt
ſein, die der Wohnungsaufſicht unterliegenden
Räume innerhalb der vom Bundesrat oder den Landes=
zentralbehörden
feſtzuſetzenden Stunden zu beſichtigen.
Ueber ihre amtliche Tätigkeit haben die von den Landes=
regierungen
beſtellten Wohnungsaufſichtsbeamten Jahres=
berichte
zu erſtatten, die, zuſammenfaſſend bearbeitet, in
regelmäßigen Zwiſchenräumen dem Bundesrat und dem
Reichstag vorzulegen ſind. Der Bundesrat ſoll Vorſchrif=
ten
erlaſſen können, denen die zum dauernden Aufenthalt
von Menſchen dienenden Räume hinſichtlich ihrer Beſchaf=
fenheit
, Einrichtung und Benutzung in geſundheitlicher
oder ſittlicher Beziehung zu entſprechen haben, ebenſo
ſonſtige Anordnungen zur Durchführung der Wohnungs=
aufſicht
. Weiter enthält der Kommiſſionsentwurf Be=
ſtimmungen
über die Befugniſſe der Aufſichtsbeamten zur
Anordnung und Durchführung der auf Grund der erlaſ=
ſenen
Vorſchriften notwendigen Maßnahmen. Zur Räu=
mung
von beanſtandeten Wohnungen ſoll die Polizeibe=
hörde
nur beſugt ſein, wenn die weitere Benutzung er=
hebliche
Nachteile oder Gefahren herbeizuführen geeignet
iſt. Gegen die polizeilichen Verfügungen iſt Beſchwerde
an die höhere Verwaltungsbehörde und (in letzter In=
ſtanz
) an die Landeszentralbehörde zuläſſig, deren Ent=
ſcheidung
endgültig ſein ſoll. Gegenüber dem preußiſchen
Wohnungsgeſetzentwurf von 1904 unterſcheidet ſich der
vorliegende Entwurf der Reichstagskommiſſion weſent=
lich
dadurch, daß nach erſterem nur die Gemeinden mit
mehr als 10 000 Einwohnern zum Erlaß von Wohnungs=
ordnungen
verpflichtet werden ſollten, während der
jetzige Entwurf eines Reichs=Wohnungsaufſichtsgeſetzes
die Wohnungsaufſicht auf alle Gemeinden ausgedehnt
ſehen will. Die Reichsregierung ſcheint vorläufig noch
auf dem Standpunkt zu ſtehen, daß die Regelung der
Wohnungsaufſicht Sache der Einzelſtaaten ſei.
— Ergebniſſe bei der Invaliditäts=
und Altersverſicherung. Man ſchreibt uns:
Als zuverläſſiger Gradmeſſer der Beſchäftigung von In=
duſtrie
und Gewerbe im Deutſchen Reich muß der Verkauf
der Beitragsmarken für die Invaliditäts= und Altersver=
ſicherung
angeſehen werden.
Nach dem in den Amtlichen Nachrichten des Reichs=
verſicherungsamts
vom 15. Auguſt 1912 veröffentlichten
Ausweis für den Monat Juli 1912 war der Geſchäfts=
ſtand
ein geradezu glänzender, denn der Erlös aus Bei=
tragsmarken
betrug im Juli 1912 21844780 Mark, gegen
16135704 im Juli 1911, gegenüber dem Vorjahr mehr
5709076 Mark. Die Ausgaben im Juni 1912 an
Rentenzahlungen und Beitragserſtattungen der 31 Ver=
ſicherungsanſtalten
betrugen dagegen nur 13 732382 Mk.
gegen 14127610 im gleichen Monat des Vorjahres. Seit
1. Januar bis Ende Juli 1912 ſtellten ſich die Einnahmen
und Mehreinnahmen gegen das Vorjahr wie folgt:
Januar 18851000 Mark (— 2825000), Februar 17378000
Mark (— 3 721000), März 19695 000 (-— 4 247000), April
21067000 Mark (— 5343000), Mai 20 388000 Mark
(— 4 555000), Juni 20 938000 Mark (— 5945000), Juli
21844000 Mark (* 5709075). Zuſammen 140 161000 Mk.
( 32345075). Gleichzeitig liefert dieſe Aufſtellung wie=
der
einen ſchlagenden Beweis von der enormen Belaſtung
von Induſtrie, Gewerbe und Handel durch einen einzigen
Zweig der ſozialen Verſicherung — der Invaliditäts= und
Altersverſicherung — abgeſehen alſo von der Unfallver=
ſicherung
, von der Krankenverſicherung und neuerdings
auch von der Angeſtellten=Verſicherung.
— Regierungskriſe in Bayern? Der
Berliner Morgenpoſt geht aus München aus angeblich
beſter Quelle vom Hoflager in Hohenſchwangau ein
Stimmungsbild zu, worin behauptet wird, daß die ſchon
vorhandene latente Unſicherheit im Verkehr zwiſchen
Miniſterpräſident und Krone ſich infolge eines politiſchen
Berichtes des Grafen Lerchenfeld aus Berlin ſeit einigen
Tagen zu einer ſchleppenden Regierungskriſe verdichtet
habe. Graf Lerchenfeld, der erfolglos ſeinen Rücktritt
angeboten hätte, ſei heute gezwungen, hinter dem Rücken
des Miniſters des Königlichen Hauſes für dieſen recht
unerfreuliche Berichte an das Hoflager zu geben. An der
Tafelrunde ſehe man keinen der jetzigen Staatsminiſter.
Der Prinzregent ſei am ſchmerzlichſten von der Wahr=
nehmung
berührt, als könne er und ſein Haus eine Poli=
tik
verfolgen, die der Zugehörigkeit Bayerns zum Reiche
jeden inneren Wert nehmen müßte.

Ausland.

Frankreich.
Schädigung Frankreichs durch deutſche
Induſtrieartikel. Der Matin beſchäftigt ſich in
einem längeren Artikel mit der angeblichen Ueberſchwem=
mung
und Schädigung Frankreichs durch deutſche In=
duſtrieartikel
und ſchlägt gegen dieſe folgende Maßregeln
vor: 1. Eine Aenderung der franzöſiſchen Geſetzgebung
von 1867, durch welche es fernerhin unmöglich gemacht
werden ſoll, daß angeblich franzöſiſche Geſellſchaften von
Deutſchen in Frankreich gegründet werden und in Deutſch=
land
fabrizierte Artikel als franzöſiſche Fabrikate ver=
kaufen
. 2. Die franzöſiſche Regierung müſſe Maßregeln
ergreifen, um bei allen Lieferungen für Staatsbedürf=
niſſe
die Submiſſion nichtfranzöſiſcher Firmen und die
Lieferung nichtfranzöſiſcher Waren auszuſchließen-
Amerika.
Das Panamakanalgeſetz. Obwohl von Sei=
ten
des Staatsdepartements in Waſhington keine Ermäch=
tigung
zu einer ſolchen Erklärung vorliegt, darf es doch
als ſicher gelten, daß die Regierung es ablehnen wird,
die Rechtsfrage, ob die Vereinigten Staaten die ameri=
kaniſche
Schiffahrt von den Panamakanalgebühren be=
freien
dürfen, einem Schiedsgericht zu unterwerfen. Es
wird indeſſen mitgeteilt, daß dieſe Stellungnahme der
Regierung vielleicht erſt nach einiger Zeit in vollem Um=
fange
dargelegt werden wird.
Der Aufſtand in Nikaragua. Der ameri=
kaniſche
Kreuzer „California” iſt in Corinto in Nikaraqua
eingetroffen, hat dort 350 Matroſen und Marineſoldaten
gelandet und iſt dann nach Panama weiter gefahren, um
750 Marineſoldaten an Bord zu nehmen, die der Dampfer
„Prairie” zur Weiterbeförderung dorthin bringen wird.
China.
England und die Lage in Tibet. Der
engliſche Geſandte Jordan richtete an die chineſiſche Re=
gierung
eine Denkſchrift, in der er die Lage in Tibet und
die ausgeſprochene Abſicht Chinas, Tibet der chineſiſchen
Republik als Provinz anzugliedern, behandelt. Die Denk=
ſchrift
tritt dafür ein, daß den Tibetanern geſtattet
werde, ihre inneren Angelegenheiten ſelbſt zu ordnen
ohne daß ſich China einmiſche, und regt an, daß China
eine Vertretung in Lhaſſa errichte, welche die Tibetaner
über die auswärtige Politik zu unterrichten hätte. Dieſe
Vertretung ſolle eine Leibwache haben, aber China ſolle
in Tibet keine unbegrenzte Truppenmacht halten und
auch der jetzt auf dem Marſch befindlichen Expedition
nicht geſtatten, dorthin vorzurücken. China brauche in=
diſches
Gebiet jetzt nicht als Heerſtraße nach Tibet zu
benützen. Schließlich empfiehlt die Denkſchrift den Ab=
ſchluß
eines neuen engliſch=chineſiſchen Abkommens, das
der Anerkennung der chineſiſchen Republik durch England
vorangehen müſſe.

* Ueber den Spionagefall in Wanne
bei Bochum der ſchon erwähnt wurde, verlautet
noch: Der verhaftete Polier Heinrich Häußner in
Wanne hat in franzöſiſchen Dienſten geſtanden. Er ſtand
ſeit langem unter unausgeſetzter Beobachtung der deut=
ſchen
Behörden. Die Entdeckung erfolgte dadurch, daß
ein von ihm an einen Attachee der franzöſiſchen Botſchaft
in Berlin gerichteter Brief von der politiſchen Polizei
aufgefangen wurde. Die Antwort auf dieſen Brief ſollte
unter einem beſtimmten Kennzeichen poſtlagernd Herne
erfolgen. Die politiſche Polizei benachrichtigte die
Kriminalpolizei in Bochum, und dieſe beobachtete die
Briefausgabe des Poſtamtes in Herne. Vor einiger Zeit
ging nun das Antwortſchreiben unter dem verabredeten
Zeichen an Häußner ein und wurde von einem 15 Jahre
alten Burſchen abgeholt. Der mit der Beobachtung be=
auftragte
Kriminalkommiſſiar Müller, Bochum, verfolgte
den Knaben und ermittelte, daß dieſer im Auftrage des
Häußner handelte. Die Kriminalpolizei beobachtete
daraufhin den Häußner und ſammelte ſo viel Verdachts=
material
gegen ihn, daß zur Verhaftung des Spions ge=
ſchritten
werden konnte. Häußner iſt von Hauſe aus
Zimmermann. Er beſitzt nur Volksſchulbildung, hat ſich
aber als Autodidakt ſo weit fortgebildet, daß er mehrere
Fachſchulen beſuchen konnte. Er verfügt über eine An=
zahl
glänzender Zeugniſſe aus dem In= und Auslande.
Wie weiter gemeldet wird, ſoll Häußner verſucht haben,
die die Mobilmachung betreffenden Fahrpläne an Frank=

reich zu verkaufen. Häußner ſoll bereits geſtanden haben,
daß ihm für den Verrat dieſer Pläne ein Honorar vo
12 000 Mark zugeſagt worden iſt. Er lebte 8 Jahre von
ſeiner Frau getrennt, die ſich mit ihrem Kinde in einem
Berliner Vororte kümmerlich ernährte. Erſt vor 14 Tagen
war ſie auf Bitten ihres Mannes zu ihm nach Wanne
gezogen. Eine Hausſuchung in der Wohnung Häußners
ſoll neues, ſehr belaſtendes Material zutage gefördert
haben.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 31. Auguſt.

* Vom Hofe. Prinzeſſin Louiſe von
Battenberg iſt am Donnerstag nachmittag 5 Uhr
58 Min. zum Beſuch in Jagdſchloß Wolfsgarten einge=
troffen
. (Darmſt. Ztg.)
* Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Konrad Beppler aus Lang=Göns, Kreis Gießen, eine
Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Steinheim, in
demſelben Kreiſe; dem Schulamtsaſpiranten Albert
Fenchel aus Gedern, Kreis Schotten, die Lehrer=
ſtelle
an der Gemeindeſchule zu Höckersdorf, in demſelben
Kreiſe.
* Konſulariſche Dienſtverrichtungen. Der zum
Generalkonſul der Republik Panama in Hamburg er=
nannte
Herr Manuel de Obaldia, dem das Reichs=
exequatur
erteilt wurde, iſt zur Ausübung konſulariſcher
Dienſtverrichtungen im Großherzogtum zugelaſſen worden.
* Hilfsaktion des Odenwaldklubs. Ihre Königl.
Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin
haben der Ortsgruppe Darmſtadt des Odenwaldklubs
für die durch die Nieder=Modauer Kaſſen=
affäre
Geſchädigten eine Spende von 1000 Mark
überweiſen laſſen.
C. Ehrung. Geſtern, als am Geburtstage der ver=
ſtorbenen
Großherzogin Mathilde, wurden ſeitens
des Großh. Hofmarſchallamts zwei Kränze von
blühendem Heidekraut, in die Chryſanthemen einge=
flochten
waren, am Grabdenkmal der Verewigten in der
katholiſchen Kirche niedergelegt.
— Vom Hoftheater. Mit Beginn der neuen
Spielzeit iſt die Einrichtung getroffen worden, daß die
Tageskaſſe nicht wie bisher nur 2 Stunden, ſondern
an Wochentagen 4 Stunden (9½—1½ Uhr), an Sonn=
tagen
3 Stunden (10½—1½ Uhr) geöffnet iſt.
Abends beginnt der Billettverkauf, wie bisher, eine
Stunde vor Anfang der Vorſtellung.
Dl. Sonderausſtellung im Städtiſchen Muſeum. Zu
den verſchiedenen dankenswerten Ausſtellungen, die die
Leitung des hieſigen Städtiſchen Muſeums in den
letzten Jahren veranſtaltet hat, iſt dieſer Tage eine kleine
Sonderausſtellung getreten, die das Intereſſe
aller Freunde der Darmſtädter Ortsgeſchichte hervorzu=
rufen
geeignet iſt. Es iſt die Ausſtellung von ungefähr
70 Gebäude=Nachbildungen aus Alt=Darmſtadt nebſt
Mauern und Bäumen, die als Ganzes unter dem Namen
„Prinz=Georg=Bau=Spielkaſten Alt=
Darmſtadt” zuſammengefaßt worden. Wir ſehen da
aus Holz gefertigt einen großen Teil des alten Darmſtadt
vor uns. Vor allem das Reſidenzſchloß aus 15 Gebäude=
teilen
, dann die Häuſer am Markt und in der Kirchſtraße,
ſowie am Schloßgraben; den Marſtall und das franzöſi=
ſche
Jagdhaus am heutigen Paradeplatz, den alten Für=
ſtenhof
(Schwabſches Haus), den Weißen Turm, die
Darmſtädtey Tore (Neues Tor, Jägertor, Sporertor, Beſ=
ſunger
Tor, Frankfurter Tor), die Fleiſchwacht (am Ein=
gange
der heutigen Alexanderſtraße), das Pädagog nebſt
dem Waſchhaus am Kleinen Woog, die Stadtkirche und
die Kapelle, das alte Waiſenhaus (Ludwig=Georg= Gym=
naſium
), die Häuſer im Birngarten, den Tempel im
Herrngarten und anderes mehr. Alle dieſe Gebäude ſind
auf einem großen Plan aufgeſtellt, ſo daß der Beſchauer
— unbeſchadet einiger Ungenauigkeiten, die ſich des zu=
ſammengedrängten
Raumes wegen nicht vermeiden lie=
ßen
—, einen ganz ausgezeichneten Eindruck davon emp=
fängt
, wie das alte Darmſtadt vor etwa 150 Jahren aus=
ſah
. Wie ſchon angegeben, ſoll das Werk als Baukaſten
gelten. Es will die Jugend zur Freude an dem alten
Darmſtadt erziehen. Es ſteht wohl außer Zweifel, daß
dies gelingen wird, wenn dieſer Baukaſten in recht viele
Häuſer als Weihnachtsgeſchenk kommt. Der Schöpfer des
Ganzen iſt Herr Rentner C. Jochheim, der ſich dadurch
ein wirkliches Verdienſt erworben hat. Wie wir erfah=
ren
, ſoll — vorausgeſetzt, daß ſich genügend Beſteller bis
zum 1. Oktober melden — der Bäukaſten von einer
leiſtungsfähigen Fabrik unter möglichſt getreuer Origi=
nalwiedergabe
für Weihnachten vervielfältigt werden.
Hoffentlich findet er dann den Weg in recht viele Fami=
lien
, die an der Geſchichte unſerer Stadt ein Intereſſe
haben. Der Preis iſt auf 15 Mark geſetzt, der im Ver=
hältnis
zu der Reichhaltigkeit als billia zu bezeichnen
iſt. Wir empfehlen den Beſuch der kleinen Ausſtellung aufs
angelegentlichſte.
* Die Ausſtellung das Gas in Haus und Gewerbe
wird unwiderruflich Sonntag, den 1. September, abends
10 Uhr geſchloſſen. Es findet an dieſem geradeſo
wie am geſtrigen Tage nachmittags eine fortlaufende Vor=
führung
der Gaskocher im Betriebe ſtatt, wobei Fragen

Ein Charakterbild des neuen Mikado.

*⁎* Yoſhihito, der neue Kaiſer von Japan,
hat erſt ſeit kurzem ſeine Regierung angetreten, und es
intereſſiert die Welt, nähere Einzelheiten vom Leben und
Weſen dieſes neueſten Monarchen zu erfahren. Authen=
tiſches
Material bringt darüber ein Aufſatz des Publie
Ledger, aus dem uns die äußere und innere Erſcheinung
des Mikado lebendig entgegentritt. Auf einem ſchlanken,
ſchmalbrüſtigen Körper mit dürftigen Schultern und
etwas gebrechlichem Ausſehen ruht ein abnorm großer
Kopf, deſſen kohlſchwarze Augen und deſſen hartes
ſchwarzes Haar, ein etwas düſterer Ausdruck und vor=
geſchobene
Kinnbacken an ſeinen großen Vater erinnern.
Als dritter Sohn Mutſohitos, deſſen Mutter zudem nicht
die Kaiſerin, ſondern eine der Nebenfrauen, die Gräfin
Yanagawara, war, hatte er zunächſt keine Ausſicht auf
den Thron. Er war ſchwächlich von Jugend an und litt,
wie ſeine Brüder, an jener Gehirnkrankheit, die das
traurige Erbteil der wenigen herrſchenden Familien des
Landes iſt und von der die niederen Stände verſchont
ſind. Während ſeine beiden älteren Brüder ſtarben, war
ſeine Konſtitution widerſtandsfähig genug, um die An=
ſtürme
der Krankheit zu überwinden; er iſt, je älter er
wurde, immer kräftiger und geſünder geworden und heute
mit ſeinen 31 Jahren merkt man wenig mehr von den
ſchweren Fährniſſen, von denen ſein Organismus bedroht
war höchſtens eine gewiſſe Nervoſität iſt ihm geblieben.
Nachdem er 1887 zum Thronerben beſtimmt und 1889
feierlich als Kronprinz proklamiert worden war, wurde
leiner Erziehrmadie größte Aufmerkſamkeit zugewendet.

Er beſuchte die Adelsſchule, ein Erziehungsinſtitut, das
den Prinzen und Ariſtokraten vorbehalten iſt, aber doch
immerhin als öffentliche Anſtalt erſcheint, während früher
die königlichen Prinzen in ſtrengſter Abgeſchiedenheit von
anderen Kindern ihre Erziehung erhalten hatten. Der
jetzige Mikado dagegen wurde als ein Schüler unter Schü=
lern
betrachtet, beſaß keine Vorrechte vor den anderen
und er, der Nachkomme der Götter, der einſt ſelbſt ein
Gott, hatte ſich völlig der Schulzucht zu fügen. So wur=
den
in Yoſhihito ſoziale, demokratiſche Ideen entwickelt,
die ſeinem Vater noch völlig fremd geweſen waren. Dies
völlige Herabſteigen zu den Sterblichen, dieſes ſich
Miſchen unter die Mitmenſchen, das das Leitmotiv ſeiner
Erziehung bildete, hat ihn im Verkehr viel jovialer und
zugänglicher gemacht, als der verſtorbene Mikado war,
der mit ſeinen Untertanen nur durch die Mittlerſchaft ſei=
ner
Beamten verkehrte. Yoſhihito iſt dem Empfinden
des Volkes näher getreten, als man es je in Japan für
möglich gehalten, und das wird in den Grundformen ſei=
ner
Regierung zum Ausdruck kommen. Nachdem er die
Adelsſchule beſucht hatte, erhielt der Kronprinz noch den
beſonderen Unterricht des Generals Oku, dem ein Sprach=
gelehrter
Adaſchi beigegeben war. Durch ihn hat der
jetzige Mikado Deutſch, Engliſch und Franzöſiſch trefflich
ſprechen gelernt. Die militäriſche Ausbildung durch den
General Oku fand ihren Abſchluß in der Ernennung des
16jährigen Prinzen zum Oberſten der japaniſchen Armee.
Die Jugend und Ausbildung Yoſhihitos iſt in verhält=
nismäßig
großer Unabhängigkeit verlaufen. Er beſaß
von Kindheit an ſeinen eigenen Palaſt, freilich in der
Nähe der kaiſerlichen Reſidenz, aber doch von einem
eigenen großen Park umgeben. Hier verbrachte er unter

der Aufſicht eines Kanzlers und dreier Hofmeiſter und
bei einer jährlichen Apanage von 50000 Yen ſeine Schul=
zeit
und die Jahre ſeines Jünglingsalters.
Die Freiheit und Ungebundenheit, die ihn im Gegen=
ſatz
zu dem ſtrengen Zeremoniell gewährt wurden, trugen
ihre ſchönen Früchte in der Kräftigung und Stählung ſei=
nes
Körpers. Der zarte, gebrechliche Prinz hatte ſeinen
Turnſaal, ſeine Kegelbahn, ſeine Plätze zum Tennisſpie=
len
und Bogenſchießen, ſeine Rennbahn, ſeine Fiſch=
weiher
. So wurde in ihm die Liebe zum Sport, die
Freude an der Bewegung im Freien groß gezogen, die
ſeinen Ahnen ſo ſtreng verboten geweſen. Im fröhlichen
Spiel mit ſeinen Schweſtern, Vettern und anderen jugend=
lichen
Gefährten verbrachte er ſeine Tage und wurde kräf=
tig
und ſtark; ein blühender Jüngling, von dem man
nicht ahnte, daß ihn die Aerzte als Knaben ſchon aufge=
geben
hatten. Neben der körperlichen Ausbildung ward
die geiſtige nicht vernachläſſigt. Wie ſein Vater liebt
Yoſhihito die Literatur und fühlt ſich ſelbſt als Dichter.
Er macht Verſe in Japaniſch und Chineſiſch und iſt in
dem Schrifttum der beiden Schweſterländer ſehr bewan=
dert
. Bedeutſam iſt der europäiſche Einſchlag in ſeiner
Entwickelung; auch darin übertrifft er ſeinen Vater, der
doch immer noch „ein heimlicher Japaner” war. Der neue
Mikado trägt auch als ſeine gewöhnliche Haustoilette
europäiſche Kleidung: ſein 1906 erbauter dreiſtöckiger Pa=
laſt
iſt ganz europäiſch; er hat auch nicht mehr mehrere
Frauen, ſondern nur noch eine, und bei der Wahl der
heutigen Kaiſerin war nicht ſo das eiſerne Geſetz der ſtan=
desgemäßen
Familie, als die Geſundheit und Schönheit
der Braut maßgebend.

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Nummer 205.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Anguſt 1912.

Seite 3.

der Beſucher von den Vortragsdamen der Gaszentrale
gerne beantwortet werden. Abends 8 Uhr wird ein
Lichtbilder=Vortrag über „Gasbereitung und
Gasverwertung” durch den Leiter der Wanderausſtellung,
Herrn Ingenieur Puchala=Köln, ſtattfinden, der viel
des Intereſſanten und Belehrenden bietet, da er nicht nur
das in der Ausſtellung natürlich garnicht vertretene Ge=
biet
der Gasbereitung, ſondern auch andere, der beſchränk=
ten
Raumverhältniſſe halber auf der Ausſtellung nicht
vertretene Möglichkeiten der Gasverwertung in Wort und
Bild vorführt. Der Eintritt zu der Ausſtellung und den
Veranſtaltungen iſt frei. Der Elitetag am Donnerstag,
an welchem Eintrittsgeld erhoben wurde war naturgemäß
weniger ſtark beſucht als die vorhergehenden Tage und
gab ſo erwünſchte Gelegenheit, die Ausſtellung in Ruhe
zu beſichtigen und einem Kochvortrag ohne Gedränge bei=
zuwohnen
. Immerhin kann dem Verband für Jngend=
wohlfahrt
und Jugendpflege in der Stadt Darmſtadt ein
Betrag von über 100 Mark überwieſen werden. Daß
der Zweck der Ausſtellung, über die Vorzüge der Gasver=
wendung
in Haus und Gewerbe und die vielſeitige Ver=
wendbarkeit
des Gaſes aufzuklären, ſicher erreicht wird,
zeigt die bereits auf faſt 7000 angewachſene Beſuchsziffer. Die
Ausſtellung erregt nicht nur das Intereſſe der Bewohner
unſerer Stadt, ſondern auch derjenigen unſerer Nachbar=
ſtädte
Frankfurt, Mainz, Heidelberg, Worms uſw. Wie
wir hören, hat die mit einer beſonders ſchönen Kollektion
ihrer emaillierten kombinierten Gas=Kohlen= und reinen
Gas=Herde an der Ausſtellung teilnehmende n e u e
Herdfabrik, Darmſtädter Herdfabrik und Emaillierwerke
G. m. b. H., mit dem die Ausſtellung beſichtigenden In=
haber
einer Mailänder Firma einen größeren Abſchluß
für Mailand getätigt; ein Beweis dafür, daß auch unſere
einheimiſche Induſtrie auf dem Gebiete der Gasapparate
hervorragendes leiſtet. Sollte die ungünſtige Witterung
die Abhaltung des für Samstag abend vorgeſehenen
Gartenkonzertesg bei großer Illumination ver=
eiteln
, ſo wird letztere am Samstag und Sonntag abend
in der Zeit von 8½ bis 9½ Uhr für die Ausſtellungs=
beſucher
in Betrieb genommen.
Verein für Verbreitung von Volksbildung. Der
Vorſtand des Vereins für Verbreitung von Volksbildung
macht ſeinen Mitgliedern und den angeſchloſſenen Ver=
einen
bekannt: Angeſichts der Ziele unſerer Vereins=
beſtrebungen
erſcheint uns die in Darmſtadt eröffnete
Ausſtellung „Der Menſch” in ihrem eigenartigen
Charakter und in ihrer reichen Ausgeſtaltung ſo bedeut=
ungsvoll
, daß wir uns veranlaßt ſehen, ihre ſeltenen Werte
unſeren Vereinsmitgliedern auf beſondere Weiſe
nutzbar zu machen. Wir erſtreben neben den ermäßigten
Eintrittspreiſen Führungen, bei denen unter fach=
kundiger
Begleitung das Neue und Unbekannte erſchloſſen
und auf das Wertvollſte in ſeiner Beziehung zum Einzel=
menſchen
und dem Volksganzen belehrend hingewieſen
wird. Die Führungen ſollen in Gruppen von etwa 40 Per=
ſonen
ſtattfinden und ſich auf je 2 Abende erſtrecken; in
Rückſicht auf die tagsüber in Arbeit ſtehenden Mitglieder
und den lebhaften Tagesbeſuch der Ausſtellung empfehlen
ſich für ſolche Führungen die ruhigeren Abendſtunden, zu=
mal
die neueingerichtete Beleuchtung der Ausſtellungs=
räume
vorzüglich ausgefallen iſt. Sobald die Vorverhand=
lungen
mit der Ausſtellungsleitung und den Herren
Aerzten beendet ſind, werden am Verkehrsbureau
die Karten verabfolgt; hier iſt auch ein bedrucktes Blatt er=
hältlich
, auf dem die Führungstage und ſonſtige Beſtimm=
ungen
erſichtlich ſind. Vorausſichtlich kann die erſte Führ=
ung
in der nächſten Woche feſtgeſetzt werden
— Abgabe von Steuerertlarungen. Unter Be=
zugnahme
auf die Notiz in Nr. 203 unſeres Blattes,
die Abgabe von Steuererklärungen für 1913 betr., weiſen
wir noch darauf hin, daß das neue Gemeindeumlagen=
geſetz
allen Steuerpflichtigen, deren gewerbliches oder
landwirtſchaftliches rauhes Anlage= und Betriebskapital
mindeſtens 3000 Mk. beträgt, oder deren Kapitalver=
mögen
ſich auf 3000 Mk. und mehr beziffert, die Pflicht
auferlegt, für 1913 entſprechende Steuerdeklarationen
abzugeben.
— Dienſtjubiläum. Als Mitglied der Großh. Hof=
kapelle
vollendet am 1. September Herr Kammermuſiker
Albert Diedrich ſein 25. Dienſtjahr. Neben der
Betätigung vortrefflicher künſtleriſcher Fähigkeiten, auch
außerhalb des dienſtlichen Gebietes, als Violinlehrer
und Kammermuſikſpieler, ſteht der Jubilar mit einem
großen Teile der hieſigen Muſikfreunde ſeit Jahren in
regem perſönlichen Verkehr als Vermittler der Abonne=
ments
auf die Hofmuſik=Konzerte. Dem aufmerkſamen
Beobachter kann es nicht entgangen ſein, mit welchem Ge=
ſchick
Herr Diedrich ſein nicht leichtes Amt verſieht und
welche Vereinfachungen und Erleichterungen hier wäh=
rend
der Zeit ſeiner Geſchäftsführung entſtanden ſind.
Als einer der wenigen Männer, die vor ſechs Jahren den
Zuſammenſchluß aller in feſten Stellungen befindlichen
deutſchen Orcheſter in die Wege leiteten, wurde Herr
Diedrich zum Vorſitzenden des „Deutſchen Orcheſter= Bun=
des
” gewählt. Mit einer einzigen Ausnahme beſitzen
heute alle angeſtellten Kapellen Deutſchlands die Mit=

gliedſchaft. Faſt ohne Beiſpiel ſteht die Aufwärtsbeweg=
ung
da, die der „D. O.=B.” in ſo kurzer Zeit und durch
ihn der deutſche Orcheſtermuſiker in ſozialer Hinſicht ge=
nommen
hat und die im weſentlichen auf das Konto ihres
Führers zu ſetzen iſt. Zu dem hervorragenden organiſa=
toriſchen
Talente Diedrichs geſellt ſich die glückliche Gabe,
auch der ſchwierigſten Situationen zum VVorteil der zu er=
ſtrebenden
Ziele Herr zu werden und aus den ſcheinbar
ausſichtsloſeſten Verhandlungen Nutzen zu ziehen. Ruhi=
ges
, beſonnenes Handeln, entgegenkommendes, verſöhn=
liches
Weſen, insbeſondere auch den Berufsgenoſſen
gegenüber, das ſind die Werte, die den Namen Diedrich
zu einem der beſtklingenden in der geſamten deutſchen
Muſikwelt gemacht haben. Möge er noch lange Jahre in
gleicher Tüchtigkeit und Arbeitsfreudigkeit wie bisher
ſeinen hieſigen und auswärtigen Kollegen, ſowie ſeiner
ſchönen Kunſt erhalten bleiben.
Jubiläum. Am 1. September ſind es 25 Jahre, daß
Herr Buchhalter Leonhard Eitenmüller in der Firma
Karl Fay, Bierbrauerei, tätig iſt.
C. Vom Wetter. Nachdem der diesjährige Auguſt
überaus kühl und regenreich verlaufen iſt, erhebt wohl
jedermann die Frage, ob wohl dieſer Witterungscharakter
ſich auch im September fortſetzen wird. Eine ſichere Ant=
wort
läßt ſich hierauf bei dem heutigen Stande der
Wiſſenſchaft ſelbſtverſtändlich nicht geben. Immerhin iſt
es aber von Intereſſe, aus den Tabellen der letzten 50
Jahre zu ermitteln, wie ſich in ähnlichen Fällen der
September geſtaltet hat, bezw. ob die Urſachen, die das
naßkalte Auguſtwetter bedingen, auch im nächſten Monat
fortzuwirken pflegen. Hierbei ergibt ſich nun eine wenig
erfreuliche Tatſache. In Betracht kommen die Jahre
1864, 1870, 1882, 1885 1888, 1896, 1902 und 1908. Nur
in 2 unter dieſen 8 Jahren war der September zu trocken,
1mal normal und 5mal zu naß. Hinſichtlich der Tempe=
raturverhältniſſe
ergibt ſich die ebenfalls unerfreuliche
Tatſache, daß in dieſen 8 Jahren der September nur 1mal
normal, 7mal aber zu kühl war. Auch nicht ein einziges
Mal wurde der Wärmemangel des Auguſt durch einen
Wärmeüberſchuß des September ausgeglichen.
* Kriegerverein Darmſtadt. Wie aus dem Anzeigen=
teil
erſichtlich, findet nächſten Sonntag ein weiteres
Uebungsſchießen ſtatt, das den Kameraden ange=
legentlichſt
empfohlen wird, zumal bei dem demnächſt ſtatt=
findenden
Preisſchießen auch die beſten Schießleiſtungen
der vorangegangenen Uebungsſchießen mit Auszeichnungen
bedacht werden ſollen.
— Der Männergeſangverein „Concordia” der in
dieſem Jahre 10 Jahre unter der Leitung ſeines Dirigenten,
Herrn Richard Etzold, ſteht, feiert dieſes Jubiläum
heute, Samstag abend, durch Veranſtaltung eines
Konzerts unter Mitwirkung von Frau Gretel
Worret, ſowie hieſiger und auswärtiger Brudervereine,
und morgen, Sonntag, in Geſtalt eines Sommerfeſtes
mit Tanz. (Siehe Anzeige.)
Die Stenographen=Vereinigung „Gabelsberger”
begeht am Samstag, den 7. September cr. im Kaiſer=
und Fürſtenſaal ihr Stiftungsfeſt. Neben thea=
traliſchen
Darbietungen, die von Vereinigungs= Mit=
gliedern
ausgeführt werden, wird auch das preisgekrönte
Wilhelm Etzoldſche Männerquartett (Dirigent Herr
Wilhelm Etzold) das Feſt durch einige Männerchöre
verſchönen. Weiterhin haben Fräulein V. Grote
(Sopran) ſowie Herr F. Sautier (Tenor) ihre gütige
Mitwirkung zugeſagt. Auch findet an dieſem Abend im
Fürſtenſaal eine ſtenographiſche Ausſtellung, beſtehend
aus Stickereien, Malereien und Stenogrammen von
Mitgliedern, ſtatt, die gewiß für jeden Feſtbeſucher von
beſonderem Intereſſe ſein dürfte. Die Muſik wird von
der Kapelle des Leibgarde=Infanterie=Regiments Nr. 115
ausgeführt. (Siehe Anzeige.)
— Zinnſoldaten=Ausſtellung. Von Samstag, den
31. Auguſt, ab iſt in der Eck=Auslage der Firma D. Faix
& Söhne eine Darſtellung der Schlacht von Se=
dan
aus ſogen. „Heinrichſen=Zinnfiguren”
aufgeſtellt. War ſchon die Schlacht von Gravelotte, die
vom 18. Auguſt bis jetzt zu ſehen war, für die Kriegs=
veteranen
und die Zeitgenoſſen des großen Krieges eine
äußerſt intereſſante Erinnerung, ſo wird ſicher die Dar=
ſtellung
der großen Entſcheidungsſchlacht noch lebhafterem
Intereſſe begegnen. Der Arrangeur, Schlachtenmaler
Eymann, hat zwei Phaſen des Kampfes feſtgehalten:
die Erſtürmung von Bazailles durch die Bayern und den
großen franzöſiſchen Reiterangrff bei Illy=Floiny unter
General Gallifet, der von den Thüringern und Heſſen=
Naſſauern zurückgeſchlagen wurde. Auch bei dieſer Aus=
ſtellung
wird es ſicher an lebhafter Anerkennung aus den
Kreiſen der Kriegsveteranen und Offiziere nicht fehlen,
aber auch die Jugend wird auf ihre Koſten kommen, denn
ihr wird gezeigt, daß Bleiſoldaten nicht nur Spielzeug,
ſondern auch Lehrmittel ſind.
* Feſtkonzert im Saalbau. Im Städtiſchen Saalbau
findet heute, Samstag abend, anläßlich der Ausſtellung
„Das Gas in Haus und Gewerbe” ein großes Militär=

Konzert der Kapelle des Leib=Dragoner=Regiments Nr.
24 unter Leitung ihres Dirigenten, Herrn Obermuſik=
meiſter
Rühlemann ſtatt. Während des Konzertes
findet vom hieſigen Gaswerk große feſtliche Beleuch=
tung
des ganzen Gartens mit den verſchiedenen extra
hierzu angelegten Illuminationskörpern, Wappen, Schlan=
gen
, Sternen, Kugeln uſw. ſtatt. (Näheres ſiehe Anzeige).
* Auf der Ludwigshöhe findet am Sonntag, den
1. September, dem Sedantage, Militär=Konzert von
der Kapelle des Leibgarderegiments unter Obermuſik=
meiſter
Hauske ſtatt. Dasſelbe wird bei ungünſtigem
Wetter in die Säle verlegt. (Siehe Anzeige).
* Reſidenztheater. Die Direktion des Reſidenz=
theaters
am Weißen Turm teilt uns mit, daß ab heute
wieder einer von den ſo beliebten däniſchen Kunſtfilms,
betitelt: „Zwiſchen Himmel und Waſſer” zur Vorführung
gelangt. Das Drama iſt der Roman eines Matroſen
und äußerſt realiſtiſch, nichts übertriebenes. Eine feine,
zarte Stimmung durchzieht die ganze Handlung. Von
dem anderen Programm ſei neben den zwei humoriſtiſchen
Films die Naturaufnahme Monte Carlo und das in=
tereſſante
Wild=Weſtdrama Blonco Wilhelms Bivel her=
vorgehoben
. (Siehe Anzeige.)

-h- Jugenheim, 30. Aug. Am Sonntag wird der
Grundſtein zu der hieſigen katholiſchen Kirche
gelegt. Herr Dekan Miſchler in Heppenheim bat die
kirchlichen Funktionen übernommen.
-h- Zwingenberg, 30. Aug. Der Bergſträßer
Obſtmarkt, der täglich nachmittags ſtattfindet, iſt zur=
zeit
derartig mit Obſt aller Art befahren, daß die ſehr
geräumige neue Markthalle das Obſt nicht alles faſſen
kann. Beim geſtrigen Verkauf waren etwa 500 Körbe in
und vor der Markthalle aufgeſtellt. Der Handel ging flott
vonſtatten und recht hübſche Preiſe wurden bezahlt. Frank=
furt
, Leipzig, Mannheim und Stuttgart ſind die Haupt=
abnehmer
, und die Händler dieſer Städte haben zum Teil
Pack= und Aufbewahrungsräume in der Markthalle ge=
mietet
.
Reinheim, 29. Aug. In dem Konkursverfahren über
das Vermögen des landwirtſchaftlichen Konſumver=
eins
e. G. m. u. H. in Liquidation zu Nieder=
Modau fand geſtern vor dem hieſigen Amtsgericht Ter=
min
ſtatt zur Erklärung über die vom Konkursverwalter
eingereichte Vorſchußberechnung, die zur Deckung
des durch die Bilanz ermittelten Fehlbetrages dienen ſoll
Der Konkurs des landwirtſchaftlichen Konſumvereins
Nieder=Modau ſteht in engſtem Zuſammenhange mit dem
Zuſammenbruche des Vorſchuß= und Kreditvereins Nieder=
Modau e. G. m. u. H. Da die haftpflichtigen Mitglieder
des Vorſchuß= und Kreditvereins Nieder=
Modau mit je 200000 Mark zur Deckung des Fehl=
betrages
herangezogen werden ſollen, muß auch der land=
wirtſchaftliche
Konſumverein als haftpflichtiges Mitglied
des Vorſchuß= und Kreditvereins ebenfalls 200000 Mark
als Vorſchußzahlung aufbringen. Das Amtsgericht Rein=
heim
hat zur Deckung des dadurch beim landwirtſchaft=
lichen
Konſumverein in Liquidation entſtandenen Fehl=
betrages
eine Vorſchußzahlung von 30000 Mark pro Mit=
glied
feſtgeſetzt.
Mainz, 30. Aug. Ueber den Ausſtand der
Mainflößer teilen die Arbeitgeber folgendes mit:
Vor zwei Jahren haben die Rheinflößer Verbeſſerung
ihrer Lohnverhältniſſe und Arbeitszeit erreicht. Jetzt ſind
die Mainflößer in Streik eingetreten. Sie haben eine
Arbeitszeit von 5 Uhr morgens bis 8 Uhr abends und
verlangen Herabſetzung derſelben von 6 Uhr morgens
bis 7 Uhr abends. Außerdem wollen ſie eine Zulage
haben. Die Mainflößerei=Beſitzer wollen auf dieſe For=
derungen
nicht eingehen, da für dieſes Jahr bereits die
Holzverkäufe und Kalkulationen abgeſchloſſen ſind. So
iſt es zum Streik gekommen, von dem vierzehn Flößerei=
Unternehmen mit rund 250 Arbeitern betroffen ſind.”
Worms, 30. Aug. Einen Selbſtmordverſuch=
machte
geſtern ein 16jähriges Mädchen; es wollte von
der Eiſenbahnbrücke in den Rhein ſpringen, wurde aber
von einem Bahnbeamten noch rechtzeitig zurückgeriſſen. —
Die für geſtern angeſetzte Stadtverordneten=
verſammlung
mußte auf heute nachmittag verlegt
werden, da noch nicht die Hälfte der Stadtverordneten
erſchienen war.
(*) Gießen, 30. Aug. Die 30 Jahre alte Frau
Huthmüller überfiel geſtern nachmittag ihre beiden
Kinder, Mädchen im Alter von 6 und 5 Jahren, mit
einem großen Küchenmeſſer durchſchnitt ihnen
die Kehlen und erhängte ſich darauf ſelbſt. Die Mutter
konnte noch zum Leben zurückgebracht werden, die Kinder
waren bereits tot. Die Mutter hat bereits früher Wahn=
ſinnsanfälle
gehabt. Sie wurde ſogleich in die Irren=
anſtalt
verbracht.
(*) Mücke, 30. Aug Das Anweſen des Bürgermeiſters
Leun zu Bleidenrod wurde durch Feuer vernichtet,
man vermutet Brandſtiftung.

Feuilleton.

— Der größte Reiſende unter Frankreichs Komponiſten.
Camille Saint=Saéns iſt trotz ſeinen 76 Jahren ein un=
ermüdlicher
Weltenbummler. Im letzten Jahre hat der
Schöpfer von „Samſon et Dalila” einen erſtaunlichen
Rekord aufgeſtellt, indem er in ſieben Monaten nicht
weniger als 25000 Kilometer zurücklegte. Im Juli 1911
wohnte er einem Feſt bei, das in Ceſena in Italien zu
ſeinen Ehren veranſtaltet worden war. Sodann beſich=
tigte
er die Ausſtellung in Turin, machte einen Abſtecher
zu ſeinen Freunden in Aix=les=Bains und kehrte ſchließ=
lich
über Dieppe nach Paris zurück. Aber bald darauf
ſtieg er von neuem in die Eiſenbahn und fuhr nach Heidel=
berg
zum Liſzt=Feſt, wo er die „Danſe macabre” ſo glän=
zend
wie gewöhnlich ſpielte. Dann ging es wieder nach
Paris zur Premiere der „Déjanive” und wenige Tage
darauf fuhr Saint=Saéns ſchon nach Brüſſel, wo er der
Gaſt des belgiſchen Königspaares geweſen iſt. Nun folgte
eine Kreuzfahrt quer durch Frankreich bis Marſeille; dort
ſtieg der Meiſter auf einen Dampfer, der ihn nach Algier
brachte. Während er die Farbenpracht Afrikas auf ſich
wirken läßt, ergreift ihn plötzlich die Luſt, ſich eine be=
rühmte
Apollo=Statuette im Neapeler Muſeum anzu=
ſehen
. Saint=Saéns pflegt einen Reiſeplan nicht lange
aufzuſchieben, und ſo wird Neapel die nächſte Station auf
der Rundfahrt ohne Ende; denn nun lockte der Oſten, und
der Winter findet den Unermüdlichen in Kairo, wo er auf
der prächtigen Nilinſel Rodah, als Gaſt Mohammed Ali
Paſchas, des Bruders des Khedive, 5 Monate verbringt.
Im Frühling dieſes Jahres kehrte er nach Frankreich zu=
rück
und ſuchte zunächſt Bordeaux auf, und im Mai
durfte auch Paris ihn wiederſehen. Seitdem hat er dann
noch kleine Fahrten nach Frankfurt, London und Dieppe
unternommen. Und das alles in ſieben Monaten! — Die
vielen Länder und Völker, die er geſehen hat, geben der

Unterhaltung mit Saint=Saéns ihr beſonderes Gepräge.
Eine kleine Anſpielung genügt, und die Bilder aus Cey=
lon
und Braſilien, aus Aegypten und von den Kanari=
ſchen
Inſeln werden zum Entzücken der Zuhörer lebendig.
CK. Der Hinrichtungsbeſehl für Marie Antoinette.
Ein eigenartiges hiſtoriſches Dokument iſt, wie bereits
gemeldet, durch einen Zufall in einem alten Hauſe von
Waſhington aufgefunden worden. Es handelt ſich um
den von dem Revolutionstribunal ausgeſtellten Hinrich=
tungsbefehl
, der das Schickſal der unglücklichen Marie
Antoinette beſiegelte. Das Blatt, deſſen Authentizität
außer allem Zweifel ſteht, iſt ein vorgedrucktes Formular,
in dem der öffentliche Ankläger im Namen der Republik
die ſofortige Vollſtreckung des Urteils anbefiehlt „gegen
Marie Antoinette, Oeſterreich=Lothringerin, Witwe Louis
Capets” die um 10 Uhr morgens auf dem Revolutions=
platz
hingerichtet werden ſoll. Datiert iſt dieſer Befehl,
deſſen Lücken ganz ſchematiſch ausgefüllt ſind, vom 25.
Tage des zweiten Jahres der einen und unteilbaren fran=
zöſiſchen
Republik. Obgleich 119 Jahre alt, iſt das Doku=
ment
im Zuſtande tadelloſer Erhaltung; es iſt 15: 25
Zentimeter groß und trägt den Stempel des National=
archivs
und die Faſzikelnummer, unter der es eingereiht
war. Gefunden wurde die merkwürdige Reliquie von
einem Schneider in Waſhington, der in einem alten Kof=
fer
nachkramte. Dieſer Koffer ſtammte aus dem Beſitze
ſeines Schwagers Armand Laag, der 1873 aus Ville=
franche
nach Amerika ausgewandert war. Laag hatte das
Dokument von dem Sohn des Revolutionshenkers Henri
Samſon empfangen, der am 16. Oktober 1793 das Fall=
beil
der Guillotine auf das Haupt der Königin nieder=
ſauſen
ließ.
* Die Waſchmaſchine für Papiergeld. Im Schatzamt
zu Waſhington hat dieſer Tage eine neu erfundene Waſch=
maſchine
für Papiergeld mit außerordentlichem Exfolge

ihre Arbeit begonnen. Zwei Mädchen und ein Maſchiniſt
bedienen dieſe Maſchine, die der Chef der techniſchen Ab=
teilung
der amerikaniſchen Staatsdruckerei erfunden und
erbaut hat. Die Noten kommen zwiſchen zwei endloſen
Ketten von durchläſſigem Stoff, werden durch Seifen=
extrakt
und Waſſer gezogen, dann automatiſch getrocknet
und gebügelt, worauf ſie wie neu wieder zum Vorſchein
kommen. Die Direktoren der Staatsdruckerei erklären,
daß, wenn in jedem Subſchatzamte eine derartige Waſch=
maſchine
aufgeſtellt wird, die Regierung zweiundeinhalb
Millionen Kronen jährlich ſparen wird. Die durchſchnitt=
liche
Lebensdauer einer Eindollarnote beträgt ein Jahr
und die Herſtellung jeder Note koſtet fünf Cents.
* Verdiente Strafe. Eine Fabrikantentochter in Böh=
men
wurde die Braut eines Geſchäftsmannes. Am Tage
vor der Hochzeit erklärte der Bräutigam dem Vater, er
könne die Tochter nicht ehelichen, wenn ihre Mitgift nicht
verdoppelt würde. Der Vater ſprach mit der Tochter und
erklärte ihr, ihrem Glück nicht im Wege ſtehen zu wollen,
aber er beraube ſeine zwei übrigen Kinder, wenn er dem
Anſinnen des Bräutigams nachkomme. Sie ſolle entſchei=
den
. Die Tochter bat, der Forderung ihres Bräutigams
nachzugeben. Der Vater tat es. Des anderen Tages
trat das Paar vor den Altar. Laut und vernehmlich gab
der Bräutigam ſein„Ja”. Laut und vernehmlich erklärte
die Braut „Nein” und wiederholte es, als der Prieſter,
der falſch gehört zu haben glaubte, die Frage wiederholte.
Am Arme des Vaters ging das Mädchen ſodann nach
Hauſe, ihren verblüfften Bräutigam nicht mehr beachtend.
Auf des Vaters Frage, warum ſie ſo gehandelt habe, ant=
wortete
ſie: „Hätte ich die Heirat geſtern rückgängig ge=
macht
, würde es allgemein geheißen haben, mein Bräu=
tigam
habe mich ſitzen laſſen; dieſe Schande wollte ich mir
erſparen. Die Schande, die er jetzt trägt, iſt eine gerechte
Strafe dafür, daß er mein Geld, nicht mich heiraten
wollte.”

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Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Anguſt 1912.

Nummer 205.

Reich nud Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 29. Aug. Die Kron=
prinzeſſin
traf, aus Merſeburg kommend, heute
abend 6 Uhr 42 Min. auf dem Anhalter Bahnhof ein.
Sie nahm im kronprinzlichen Palais Wohnung. —
Fregattenkapitän v. Uſedom der vor einigen Tagen
aus dem Frontdienſt ſchied und von der Stellung des
perſönlichen Adjutanten beim Prinzen Heinrich von
Preußen zurücktrat, wird mit dem 1. September die Hof=
leitung
des Prinzen Waldemar von Preußen,
des älteſten Sohnes des Prinzen Heinrich, übernehmen.
Prinz Waldemar tut jetzt nach der Heimkehr von einer
Weltreiſe ſeinen erſten Dienſt als Referendar. Dem
Fregattenkapitän v. Uſedom wurde letzter Tage die Kam=
mihyerrnwürde
verliehen. — Direktor Monti’s
Bemühungen, eine Erſatzbühne für ſein abgebranntes
Theater zu finden, werden aller Vorausſicht nach zur
Pachtung des Krollſchen Theaters führen. Geſtern
nachmittag hat er endgültig auf das Neue Schauſpiel=
haus
verzichtet. Auch andere Bühnen kommen nicht mehr
in Betracht. Daher ſteht nur noch das Krollſche Theater
zur Wahl, und es iſt anzunehmen, daß der Pachtvertrag
mit ſeinen Eigentümern in den nächſten Tagen zum Ab=
ſchluß
gelangt. — Der Deutſch=Braſilianiſche
Tag (6.—8. September) findet ſeitens der ſtädtiſchen
Behörden von Berlin tatkräftige Unterſtützung. So wer=
den
die Teilnehmer Gelegenheit finden, das Märkiſche
Muſeum und das Virchow=Krankenhaus unter ſachver=
ſtändiger
Führung zu beſichtigen. Auch die Verwaltung
des Zoologiſchen Gartens hat den Gäſten aus Südamerika
bedeutende Eintrittsermäßigung und ſachverſtändige Füh=
rung
zugeſagt. Die Beteiligung an dieſem Kongreſſe ver=
ſpricht
übrigens über Erwarten groß zu werden.
Karlsruhe, 30. Aug. Im Großherzoglichen
Palais wurde wegen angeblichen Einbruchs ein Hof=
beamter
verhaftet. Es ſollte die Abſicht vorgelegen
haben, den Kronenſchmuck der Großherzogin zu ſtehlen.
Zürich, 30. Aug. Hier iſt eine zehnköpfige Familie
an Pilzvergiftung erkrankt; 5 Perſonen ſind be=
reits
geſtorben.
Genf, 29. Aug. Die Polizei verhaftete heute
nacht einen Deutſchen der keinerlei Ausweispapiere
bei ſich trug. Der Verhaftete gab an Bernhard von Per=
glas
zu heißen und aus Bonn zu kommen. In Brühl will
er einen Huſarenleutnant, wegen eines nach einem Spiele
entſtandenen Streites im Duell erſchoſſen haben und des=
halb
ſei er über die Grenze geflüchtet. Die Polizei ſteht
dieſen Angaben ziemlich ſkeptiſch gegenüber. Da der an=
gebliche
Perglas mehrere erhebliche Verletzungen aufzu=
weiſen
hatte, glaubt man, daß es ſich um einen aus einem
deutſchen Gefängnis ausgebrochenen Verbrecher handelt,
der mit ſeinem richtigen Namen Vogelſang heißt.
Wien, 30. Aug. Ueber das Etabliſſement „ Kaiſer=
garten
”, früher „Venedig in Wien” iſt der Konkurs
verhängt worden. Die Paſſiven betragen 1½ Millionen
Kronen.
Wien, 30. Aug. Laut Meldung der Nowa Gazeta
aus Petrikau kam es dort geſtern abend zu einem
Judenprogrom. Den Anlaß bildete die Erzählung
eines 12jährigen Mädchens, daß es bei einem Einkauf von
einer Kaufmannsfrau Gerber in den Keller gelockt und
daß dort ein Ritualmordverſuch an ihm verübt worden ſei.
Der Kaufmannsladen und eine Anzahl anderer jüdiſcher
Geſchäfte wurden zerſtört und beraubt. Das aufgebotene
Militär verwundete und verletzte zahlreiche Exzedenten.
Die Judenſchaft befürchtet weitere Ausſchreitungen.
Paris, 30. Aug. Aus Nizza wird gemeldet: Die
Sängerin Madelaine Grondona hat den aus
ruſſiſcher Familie ſtammenden Architekten Nikolaus von
Ikawetz, welcher ſechs Jahre lang ihr Geliebter geweſen
iſt, durch fünf Revolverſchüſſe getötet weil
Ikawetz ihr ſeine vor mehreren Monaten erfolgte Ver=
heiratung
verheimlicht hatte.
Marſeille, 30. Aug. Der italieniſche Arbeiter Amica=
rolli
Jonai verſuchet geſtern eine Erfindung. Er glaubte
ein unfehlbares Mittel gefunden zu haben, um die Wan=
zen
, welche ihn in ſeinem Bette plagten, zu vernichten,
indem er unter dem Bette zwei Dynamitpatronen
anzündete Natürlich flog das Bett mit dem unglücklichen
Jonai in die Luft. Jonai wurde am ganzen Körper ent=
ſetzlich
verwundet und ins Hoſpital gebracht, wo er als=
bald
ſeinen Verletzungen erlag Das Haus ſelbſt wurde
wenig beſchädigt.
London, 29. Aug. Die großen Londoner Volks=
bibliotheken
haben beſchloſſen, die Säle, die bis jetzt
für die Frauen reſerviert waren, zu ſchließen. Zu

dieſem Aufſehen erregenden Entſchluß ſind ſie gelangt,
nachdem ſich herausgeſtellt hat, daß die Leſerinnen Dieb=
ſtähle
verüben und in den Leſezimmern Dinge treiben,
die die Frauen ſonſt nur in verſchloſſenen Ankleidezimmern
vorzunehmen pflegen. Ein Bibliothekar ſagt in ſeinem
Bericht, daß die Damen nicht nur die Bücher, die ſie zu
leſen wünſchen, in einer bei Männern nie vorkommenden
Weiſe verderben, ſondern auch ganze Buchkapitel und Bil=
der
, die ſie beſonders intereſſieren, einfach herausſchneiden
und die wertvollſten Kunſtzeitſchriften und Modeblätter
mitgehen heißen, um ſie zu Hauſe in aller Bequemlichkeit
zu ſtudieren. Der Direktor der Volksbibliothek von Weſt=
minſter
hat dieſe Anſchuldigungen ſeines Kollegen vollauf
beſtätigt. An den Türen einiger Bibliotheken, die noch
nicht geſchloſſen ſind, ſtehen jetzt Wächterinnen, die jede
Frau beim Verlaſſen der Bibliothek genau muſtern und
eventuell auch unterſuchen, ob ſie nicht Bücher geſtohlen
hat. Kleine Diebſtä hle dieſer Art ſcheinen bei den
Londoner Damen zu einer wahren Manie geworden zu
ſein: man ſtiehlt nicht nur in Bibliotheken, ſondern auch
an anderen öffentlichen Orten und vor allem in den großen
Warenhäuſern. Der Sekretär eines ſehr bekannten
Frauenklubs erklärte einem Mitarbeiter der Daily News,
daß die Klubleiterinnen nicht mehr wüßten,wie ſie die faſt
jeden Tag vorkommenden Diebſtähle in den Garderoben
verhindern ſollten. Täglich verſchwinden Kleidungsſtücke
und aus den Toiletten Päckchen mit Seifen, Hut= und
Kleiderbürſten, Handtücher und anderes. Man ſollte es
nicht für möglich halten, daß ein Stückchen Seife zum
Stehlen anreizen könnte und doch iſt es ſo: der Seifen=
verbrauch
des Klubs iſt daher geradezu ungeheuerlich groß
Der Direktor eines großen Warenhauſes ſagte, daß die
Diebſtähle, die im Laufe eines Jahres von Frauen aus=
geführt
werden, ans Fabelhafte grenzen: ſo ſind in den
letzten ſechs Wochen in dem Warenhauſe zwanzig koſtbare
Toiletten=Neceſſaires entwendet worden. Wenn man die
Damen bei ihren Diebereien packe und verhaften laſſe,
führen ſie als Milderungsgrund regelmäßig die ſo beliebte
Kleptomanie an; in den meiſten Fällen aber handelt es
ſich um wirklichen Diebſtahl, der klug vorbereitet
und in einem beſtimmten Intereſſe kalten Blutes ausge=
führt
wurde. Ein Polizeiinſpektor behauptet dagegen, daß
der von Frauen begangene Diebſtahl, ſelbſt wenn es ſich
nicht um Kleptomanie handle, faſt immer auf einen plötz=
lichen
Impuls zurückzuführen ſei: die Frau fühle plötzlich
das Bedürfnis, ſich irgend eines Gegenſtandes, der in den
meiſten Fällen ziemlich wertlos ſei, zu bemächtigen, wenn
ſie ihn dann in Händen habe, bedauere und bereue ſie auch
ſchon ihre Tat, aber ſie habe nicht mehr den Mut, den
Gegenſtand wieder hinzulegen oder dem Eigentümer zu=
rückzugeben
. Ein Arzt endlich iſt der Anſicht, daß die
meiſten Frauen ſtehlen, weil ihnen der ſittliche Halt fehlt.
London, 30. Aug Geſtern nachmittag knieten in der
Olympia=Hall über 30000 Perſonen vor der Bahre des
Generals Booth. Heute wird der General auf dem
Abneypark=Kirchhof beigeſetzt werden.
Waſhington, 29. Aug. Während Präſident Taft
in Colombo (Ohio) weilte, ſtürzte ſich eine, wie man an=
nimmt
, wahnſinnige Frau die in ihrem Rock zwei
ſtarke Dolche verborgen hielt, auf ihn. Sie konnte
noch rechtzeitig von Detektiven gefaßt und verhaftet
werden.

Sitzung der Großh. Handelskammer Darmſtadt

vom 26. Auguſt.
Die Rechnung über die Einnahmen und Aus=
gaben
der Handelskammer, ſowie der Kauf=
männiſchen
Fortbildungsſchule Darm=
ſtadt
iſt dem Großh. Miniſterium des Innern zur Wei=
tergabe
an die Großh. Oberrechnungskammer übermittelt
worden. Die Einnahmen der Handelskammer für das
Rechnungsjahr 1911 betrugen 36 957,20 Mark, diejenigen
der Kaufmänniſchen Fortbildungsſchule 1367584 Mark,
während die Ausgaben der Handelskammer 28062,16 Mk.
und die der Kaufmänniſchen Fortbildungsſchule 13 675,84
Mark betrugen. Es ſtehen insgeſamt 50 633,04 Mark Ein=
nahmen
41 738.00 Mark Ausgaben gegenüber.
Die für den Monat Oktober in Ausſicht ſtehenden
Vertrauens= und Erſatzmännerwahlen
für die Angeſtelltenverſicherung wurden
beſprochen. Es wurde beſchloſſen, in gemeinſamen Be=
ratungen
mit einer Anzahl von Vertrauensleuten aus
den verſchiedenen Kreiſen des Handelskammerbezirks, ſo=
wie
mit den in Frage kommenden Korporationen dahin
zu wirken, daß möglichſt einheitliche Vorſchlagsliſten für
die Arbeitgeberwahlen zur Aufſtellung gelangen.

Eine Umfrage des Kaiſerlichen Patentamtes, ob die
Worte „Kapuziner” bezw. „Capuchin” im allge=
meinen
und freien Gebrauch für Spirituo=
ſen
wären und daher als Freizeichen zu gelten hätten,
wurde dahin beantwortet, daß dieſe Worte als Waren=
zeichen
für Spirituoſen im Handelskammerbezirk nicht
bekannt ſind.
Von der Zentralanſtalt für Arbeits= und Wohnungs=
nachweis
in Darmſtadt war ein Schreiben wegen einer
einheitlichen Organiſation der Arbeits=
vermittelung
in Darmſtadt eingelaufen, Die
Handelskammer verſpricht ſich von einer Zuſammenleg=
ung
der verſchiedenen gegenwärtig in Darmſtadt tätigen
Arbeitsnachweisſtellen zu einem Städtiſchen Arbeitsamte
Vorteile, weshalb ſie ſich bereit erklärt hat, an der Schaf=
fung
eines derartigen Amtes mitzuwirken.
Das badiſche Miniſterium des Innern hat an die
Stadt= und Gemeinderäte des Landes von Städten mit
über 4000 Einwohnern einen Erlaß gerichtet, worin unter
Hinweis auf das Daniederliegen der badiſchen Natur=
ſteininduſtrie
geſagt wird die Regierung habe in
Ausſicht genommen, die badiſche Steininduſtrie durch
namhafte Zuweiſung von Steinlieferungen bei ſtaatlichen
Neubauten nach Kräften zu unterſtützen. Es möchten
aber auch die Gemeinden des Landes bei ihren Vergeb=
ungen
die badiſche Naturſteininduſtrie tunlichſt berückſich=
tigen
. Unter Hinweis auf dieſen Erlaß hat die Handels=
kammer
das Heſſiſche Miniſterium des Innern erſucht,
darauf hinzuwirken, daß auch in Heſſen künftighin, ſo=
weit
irgendwie angängig, heſſiſches Material der Stein=
induſtrie
zur Verwendung gelange. Zu befürchten iſt,
daß nunmehr das Abſatzgebiet nach Baden unſerer Stein=
induſtrie
vollſtändig verloren geht. Außerdem befindet
ſich die heſſiſche Granitinduſtrie in einer noch ſchlechteren
Lage, als die badiſche, da Baden die bayeriſche, ſächſiſche
und die Harzer Konkurrenz weniger als Heſſen zu fürch=
ten
hat.
Nach Mitteilung des Kaiſerl. Botſchafters in Paris
an das Auswärtige Amt iſt am 14. Juli d. J. der Wort=
laut
der neuen franzöſiſchen Taraordnung
veröffentlicht worden, welche am 1. September in Kraft
tritt. Es ſind noch Ausführungsbeſtimmungen zu erwar=
ten
. Eine Abſchrift dieſer Taraordnung iſt den am Handel
mit Frankreich intereſſierten Firmen des Handelskammer=
bezirks
überſandt worden und kann außerdem auf dem
Handelskammerbureau eingeſehen werden.
Den am Handel mit Rußland beteiligten
Firmen des Handelskammerbezirkes wurde durch Rund=
ſchreiben
bekannt gegeben, es würde im Verlag der Grü=
nauerſchen
Buchdruckerei von Richard Krahl in Bromberg
demnächſt ein vom Eiſenbahnoberſekretär Moritz Nelte
zuſammengeſtellter Nachtrag zu der im vorigen Jahr her=
ausgegebenen
Ueberſetzung des Allgemeinen Tarifs der
ruſſiſchen Eiſenbahnen erſcheinen. Unter näherer Er=
örterung
des Inhalts des Nachtrags wurde noch mitge=
teilt
, daß der Preis des Nachtrags ungefähr 3 Mark
betrage.
Im Intereſſe der kleineren Tuchfabriken und Woll=
färbereien
wurde beſchloſſen, ſich der Eiſenbahndirektion
Mainz gegenüber für Aufhebung des Sperrig=
keitszuſchlages
für fabrikgewaſchene
Wolle auch bei Verſand in Säcken von weniger als 100
Kilogramm auszuſprechen.

Zur Fleiſchtenerung.

* Die Aelteſten der Kaufmannſchaft von
Berlin veröffentlichen folgende Reſolution zur
Frage der Fleiſchteuerung: Seit einer Reihe von Jahren
zeigt die Bewegung der Preiſe für Vieh und Fleiſch im
allgemeinen eine aufſteigende Richtung. Dieſe Verteuer=
ung
eines der wichtigſten Volksnahrungsmittel hat ſich in
den letzten Monaten wiederum verſchärft und bedroht die
Lebenshaltung weiter Bevölkerungskreiſe in einer auch für
Handel und Induſtrie beſorgniserregenden Weiſe. Der
Vergleich der diesjährigen Auguſtpreiſe mit denen der
Vorjahre zeigt ein von Jahr zu Jahr zu beobachtendes An=
ſteigen
der Preiſe für Rind=, Kalb= und Hammelfleiſch;
der Preis für Schweinefleiſch, das vor einem Jahre ver=
hältnismäßig
billig war, iſt im Auguſt 1912 weit über
ſeinen Stand vom Auguſt 1909 und 1910 emporgeſchnellt.
Die hohen Zölle verhindern, daß die Steigerung der
Vieh= und Fleiſchproduktion der Vermehrung der Bevöl=
kerung
und der Entwickelung des Volkswohlſtandes folgt
Unzweckmäßige Beſtimmungen des Viehſeuchen= und des
Fleiſchbeſchaugeſetzes hindern die erforderliche Ergänzung
der heimiſchen Fleiſchproduktion durch die Einfuhr von

Ein Jubiläum heſſiſcher Induſtrie.

Auf allen Gebieten und in allen Zweigen deutſchen
induſtriellen Schaffens macht ſich in unſerer Zeit ein Auf=
ſchwung
und Fortſchritt bemerkbar, der jeden Deutſchen
in gleichem Maße mit Stolz und Freude erfüllen muß,
als das Ausland ihn neidiſchen Blickes und mit jenem
Maße von — Furcht, offen oder geheim empfundener,
verzeichnet, das ſich immer häufiger in ein Geſchrei um
Krieg und Kriegsgefahr löſt. Unſere neidiſchen Nach=
barn
jenſeits des Rheines und die noch neidvolleren
Vettern jenſeits des Kanals die bisher nur den Geiſt
und die Waffenfähigkeit unſeres Heeres kannten und
fürchteten, können längſt nicht mehr ſich der Tatſache ver=
ſchließen
, daß ein viel gefährlicherer Feind als der auf
dem Schlachtfelde das friedliche Deutſchland iſt, mit
ſeinen ungeahnten wirtſchaftlichen Mächten, die ja ſchon
jetzt faſt überall herrſchende ſind oder doch im friedlichen
Kampfe um die Herrſchaft immer mehr, immer ſicherer,
wenn auch in langſamem Fortſchritt, ſich behaupten.
Deutſche Ingenieure tragen ihre ehrliche, von typiſch deut=
ſcher
Gründlichkeit erfüllte, ſtets nach dem Höchſterreich=
baren
ſtrebende Arbeit um das Weltall, und mit dieſer
Schritt hält der auf Reellität aufgebaute, auf ſicheren
wirtſchaftlichen Grundlagen fußende Geſchäftsgeiſt der
deutſchen Handelswelt. Erzeugniſſe deutſcher Induſtrie
ſind überall in der Welt zu treffen und — was das Wich=
tigere
iſt — ſie behaupten faſt überall in der Welt das
Feld gegenüber der heimiſchen Konkurrenz.
Nicht immer, vielleicht darf man ſagen ſelten, wer=
den
Erfindungen, große techniſche Neuerungen von
Deutſchland aus auf den Weltmarkt geworfen. Dem deut=
ſchen
Schaffensgeiſt liegt mehr das ruhige, ehrlich= zuver=
läſſige
, langſame, aber gründliche Arbeiten. Es
gibt keine bedeutende Erfindung, keinen Fabrikations=
zweig
des Auslandes, die nicht in Deutſchland Verbeſſer=
ung
und Vervollkommnung erfahren. Dabei kann in kei=
ner
Weiſe von Nachahmung geſprochen werden, denn
was die deutſche Induſtrie erzeugt, iſt in ſeiner vervoll=
kommneten
Art doch meiſt ein Eigenes, ein Neues. Das
weiß man heute überall im Auslande und das „Made
in, Germany” einſt gedacht als Warnung vor deutſchen
und zum Schutze eigener Erzeugniſſe, iſt heute längſt zur
beſten Empfehlung deutſcher Erzeugniſſe im Auslande

geworden. All das iſt ein hervorragendes Verdienſt un=
ſerer
deutſchen Induſtrie.
Vor wenigen Wochen hat unter der zum mindeſten
„Aufmerkſamkeit” der Welt die Firma Krupp ihr 100 jäh=
riges
Beſtehen gefeiert. Ein Jubiläum für Heſſen von
der gleichen Bedeutung, von ähnlicher vielleicht für ganz
Deutſchland, feiert heute die Firma Adam Opel=
Rüſſelsheim. Der Werdegang dieſer heſſiſchen
Firma, die heute Weltruf genießt — ihre Automobile
waren und ſind ſiegreich in faſt allen Weltteilen — ſpie=
gelt
im weſentlichen das wieder, was im Vorſtehenden
von der deutſchen Induſtrie im allgemeinen geſagt wurde.
Eiſerner, ehrlicher Fleiß, echt deutſches, zähes Feſthalten
an dem einmal geſteckten Ziel, das unverrückbar blieb,
ob auch Fehlſchläge nicht ausblieben, haben die Firma
Opel aus kleinen Anfängen heraus zu dem bedeutend=
ſten
heſſiſchen und einem der größten deutſchen Induſtrie=
betriebe
emporgearbeitet im wahrſten Sinne des
Wortes. Die Geſchichte des Hauſes, zum Jubiläum als
Feſtſchrift erſchienen, der wir im Nachſtehenden einige
Daten entnehmen, iſt Beweis dafür.
Begründer der Firma war Herr Adam Opel, der
im Jahre 1862, am 23. Auguſt, von der Wanderſchaft, die
damals noch jeder tüchtige Handwerker durchmachen
mußte, nach ſeiner Heimat Rüſſelsheim zurückkehrte und
zunächſt in der väterlichen Werkſtatt mit der Fabrikation
von Nähmaſchinen begann, deren Syſteme er in Paris
ſtudiert hatte. Schon nach einem halben Jahre grün=
dete
Adam Opel ſeine eigene Werkſtatk zur Fabrikation
von Nähmaſchinen, die er dann ſehr bald, trotz vieler und
großer Schwierigkeiten, vergrößerte und nach und nach
durch Aufſtellung von Werkzeugmaſchinen moderniſierte.
Dieſer mehr als beſcheidene Anfang bildete die Grund=
lage
zu dem heutigen Opelwerk. Die Erzeugniſſe der
kleinen Fabrik konnten ſich gegenüber der franzöſiſchen
und engliſchen Konkurrenz behaupten und oft konnte der
Nachfrage kaum genügt werden, ſo daß auch franzöſiſche
Nähmaſchinen importiert wurden. Das ging, bis die
mit Rieſenkapital arbeitende amerikaniſche Konkurrenz
auftrat, deren Maſchinen beſſer und moderner waren und
Opel zwangen, auch ſeinerſeits wieder zu „ moderniſie=
ren
” um konkurrenzfähig bleiben zu können. Schon nach
wenigen Jahren war das erreicht und wieder ſiegte die
deutſche Opelmaſchine. Das gleiche wiederholte ſich mit

der Fabrikation von Fahrrädern, die im Jahre 1886
einſetzte. Der ſchon nach wenigen Jahren mächtig auf=
blühende
Fahrradſport, dem ſich Opels Söhne mit
ganz außerordentlichen Erfolgen widmeten, verſchaffte
dem Namen Opel eine Popularität, wie ſie kaum je ein
anderer in Sportkreiſen beſaß. Die ſportlichen Erfolge
der Söhne waren die beſte Reklame für die Erzeugniſſe
der väterlichen Fabrik. Der älteſte der Söhne Adam
Opels, Karl, gewann in den Jahren 1889—1892 zirka
60 erſte Preiſe, darunter die Meiſterſchaft von Heſſen;
der zweite Sohn Wilhelm ungefähr um dieſelbe Zeit
70 Preiſe, darunter ebenfalls die Meiſterſchaft von Heſſen
und ferner die Meiſterſchaft von Mähren; Heinrich
Opel, der dritte im Bunde, errang in den Jahren 1892.
bis 1896 zirka 150 Preiſe, darunter neben der Meiſter=
ſchaft
von Heſſen, die ein Erbſtück der Familie Opel dar=
ſtellt
, ungefähr 10 weitere Meiſterſchaften. Der nächſte
der Söhne, Fritz, trat am häufigſten auf der Rennbahn
auf und muß, ebenſo wie ſein älterer Bruder Heinrich,
mit zu den bedeutendſten und beſtveranlagteſten Rad=
rennfahrern
aller Zeiten gezählt werden. Auch er ge=
wann
neben der Meiſterſchaft von Heſſen zirka 180 Preiſe,
darunter viele Meiſterſchaften; als bedeutendſter Erfolg
iſt ſein Sieg im Jahre 1894 bei der Fernfahrt Baſel-
Cleve über 620 Kilometer zu nennen, welche Strecke er
in 27 Stunden 50 Minuten zurücklegte. Unter verſchiede=
nen
anderen Preiſen war der von Seiner Majeſtät dem
deutſchen Kaiſer geſtiftete Ehrenpreis eine ſchöne Aner=
kennung
für dieſe großartige, einzig daſtehende ſportliche
Leiſtung. Der jüngſte Sohn Ludwig war ebenfalls
Meiſterfahrer von Heſſen und errang in den Jahren 1896
bis 1898 in jugendlichem Alter neben vielen Meiſterſchaf=
ten
zirka 100 Preiſe. An dieſer Stelle ſei der Schlußſatz
eines Artikels einer deutſchen Zeitſchrift über die Brüder
Opel wiedergegeben, der lautet: „Der Namen der Brüder
Opel als Rennfahrer iſt allgemein bekannt. Ihr liebens=
würdiges
und beſcheidenes Auftreten hat ihnen ebenſo
raſch die Sympathien aller Sportskameraden erobert, als
die Opel=Fahrräder ſelbſt am Weltmarkt ſich ihren alt=
bewährten
vorzüglichen Ruf geſchaffen haben.”
Von ſolchem Erfolg begleitet, konnte Adam Opel für
die Zukunft das Allerbeſte hoffen. Das Abſatzgebiet für
ſeine Produkte erſtreckte ſich über alle Teile Deutſchlands,
der Schweiz und Oeſterreichs; nach Holland entwickelte

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Nummer 205

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.

Seite 5.

ausländiſchem Vieh und Fleiſch, insbeſondere aus über=
ſeeiſchen
Gebieten. Infolge der ungünſtigen Witterungs=
verhältniſſe
des Vorjahres und der hierdurch bedingten
Ausfälle an Futtermitteln treten im lauſenden Jahre die
Wirtungen der hohen Zölle und der Einfuhrbeſchränkun=
gen
mit beſonderer Deutlichkeit in die Erſcheinung.
Die große Schärfe des herrſchenden Notſtandes er=
heiſcht
ſchleunige Maßregeln, die geeignet ſind, die Teuer=
ung
zu lindern und ihrer Wiederkehr vorzubeugen. Die
Aelteſten der Kaufmannſchaft von Berlin haben in einer
Reihe von Denkſchriften und Eingaben Vorſchläge zur
Milderung des Notſtandes gemacht; ſie ſtellen in der
Hauptſache folgende Forderungen auf: 1. Die
Einfuhrzölle auf Vieh und Fleiſch — auch Büchſanfleiſch —
müſſen, mindeſtens vorübergehend, aufgehoben oder er=
mäßigt
werden. 2. Das Viehſeuchen= und das Fleiſch=
beſchaugeſetz
müſſen unter Wahrung der Intereſſen der
öffentlichen Geſundheitspflege und der deutſchen Viehzucht
ſo abgeändert werden, daß in größerem Umfange als bis=
her
Vieh und Fleiſch aus dem Auslande eingeführt wer=
den
kann. 3. Es muß ſofort in eine Reviſion der Zölle
für Futtermittel, insbeſondere für Mais, eingetreten wer=
den
. 4. Die Bahnverwaltungen müſſen durch eine Er=
mäßigung
der Eiſenbahntarife für Vieh und Fleiſch und
durch ausreichende Geſtellung von Kühlwagen die Fleiſch=
verſorgung
der Großſtädte und Induſtriezentren erleich=
tern
.. 5. Zweckmäßig wird auch eine Ausgeſtaltung der
Viehſtatiſtit ſein, welche Lücken im Viehbeſtande ſchneller
erkennen läßt, als dies heute möglich iſt.

ſich ein reger Geſchäftsverkehr, in Spanien, Italien und
Rußland wurden Agenturen errichtet. Dänemark, Schwe=
den
und Norwegen waren auch gute Abſatzgebiete. Von
überſeeiſchen Ländern wurden ſpeziell Transvaal und
Auſtralien mit den Erzeugniſſen der Opel=Fabrik beſchickt.
Am 8. September 1895 ſtarb Adam Opel der
bis zu ſeinem Ende treu ſeinem Wahlſpruch blieb, der das
Weſen des tatkräftigen Mannes klar widerſpiegelt:
Im Denken beſonnen und klar.
Im Reden offen und wahr,
Im Wollen nur edel und recht,
Im Handeln ſtets feſt und gerecht;
Im Geſchäfte das Kühnſte nicht wagen,
In Gefahr niemals verzagen.
In ſeinem Teſtament ſetzte Adam Opel zu Erben ſeine
Frau und ſeine fünf Söhne ein; ſo wurde denn ſogleich
nach ſeinem Tode das Haus Opel als offene Geſellſchaft
mit den eingetragenen Geſellſchaftern Sophie Opel Wwe.
Karl und Wilhelm Opel weitergeführt. Mit bewun=
dernswerter
Energie iſt heute noch die Gattin des Grün=
ders
, Frau Sophie Opel, eine außergewöhnlich geiſt=
volle
und intelligente Dame, ihren Söhnen ein leuchten=
des
Vorbild und eine treffliche Sachwalterin des Erbes
ihres Gatten.
Eifrig verfolgten die Firma Opel und ihre Leiter
jeden Fortſchritt auf ſportlichem und dem dieſen betref=
fenden
Induſtrie=Gebiete, und bald begann man ſich auch
der Herſtellung von Automobilen zuzuwenden. Um
möglichſt ſchnell zu praktiſchen Erfolgen zu kommen, kaufte
man im Jahre 1898 die kleine Firma Lutzmann in Deſſau
mit allen Patenten uſw. auf, und ſchon im Frühjahr 1899
kam der erſte in Rüſſelsheim fabrizierte Opel=Patent=
Motorwagen heraus. Was die Firma Opel auf dieſem
Gebiete dann im Laufe der Jahre leiſtete, zunächſt in Ver=
bindung
mit den franzöſiſchen Firmen Renault und Dar=
racg
, dann mit eigenen Erzeugniſſen, liegt noch nicht ſo
weit zurück, um hier ins Gedächtnis zurückgerufen werden
zu müſſen. Nach anfänglichen Fehlſchlägen, deren ſchmerz=
lichſten
wohl das Gordon=Bennet=Rennen im Taunus
1904 brachte, folgten Erfolge auf Erfolge, und viele be=
deutende
Rennen des In= und Auslandes ſahen und ſehen
die Opel=Wagen ſiegreich, bis in die jüngſte Zeit hinein.
Daß viele Fürſtlichkeiten, vor allem Großherzog Ernſt
Ludwig, Prinz Heinrich von Preußen der deutſche Kaiſer,
der Zar uſw. Opelwagen fahren, ſei nur nebenbei er=
wähnt
-

Zu der Automobilfabrikation kommt noch die von
Motorrädern, Motorbooten, und als neueſtes Erzeugnis
der Flugmotor, der ebenfalls erfolgreich die Kon=
kurrenz
mit der franzöſiſchen Motoren=Fabrikation auf=
genommen
hat. Endlich werden fabriziert Automobil=
Feuerſpritzen und Motorpflüge.
Eigene Vertretungen reſpektive Filialunternehmun=
gen
hat die Firma Opel u. a. in Wien, Petersburg, Mai=
land
, Odeſſa, Moskau, Liſſabon uſw.
Daß das Opelwerk, das heute über 5000 Arbeiter
beſchäftigt, techniſch mit allen Errungenſchaften der Neu=
zeit
ausgerüſtet iſt, und daß die Firma ihren ſozialen
Pflichten in vorbildlicher Weiſe gerecht wird, bedarf kaum
der Erwähnung, das iſt ſelbſtverſtändlich. Der hohe Pro=
zentſatz
an Beamten und Arbeitern, die ein Menſchenalter
lang im Dienſte von Adam Opel ſtanden und jetzt ihre
Kräfte ſeinen Erben weihen, bezeugt ein ungewöhnliches
Gefühl treuer Zuſammengehörigkeit und einen ſeltenen
Sinn für patriarchaliſche Beziehungen. So war es bei
den kleinen Verhältniſſen in früheren Zeiten und ſo wird
es auch in Zukunft bleiben, trotzdem neben einer Fülle
von Beamten, zurzeit in der Fahrrad=Abteilung 630, in
der Motorwagen=Abteilung 3100 und in den übrigen Ab=
teilungen
590 Arbeiter beſchäftigt ſind, deren monatliche
Lohnſumme bei 26 Arbeitstagen ſich auf mehr als eine
halbe Million Mark beziffert.
Die Entwickelung des Hauſes Opel ſpiegelt in gewiſ=
ſem
Sinne die der ganzen deutſchen Induſtrie der letzten
50 Jahre wieder. Deutſche Schaffenskraft, zähe Energie
und emſiger Fleiß feiern heute mit der Firma das goldene
Jubiläum. Aus dem kleinen Pflänzlein von damals
ward ein Baum, der vielen Schatten ſpendet. Stürme
ſind über Haus und Firma Opel hinweggebrauſt und
haben es nicht zu erſchüttern vermocht in ſeinen Grund=
feſten
; Sonnenſchein hat ihnen geleuchtet und freudige
Erfolge haben ihneß geblüht. Fleißiges, emſiges Schaf=
fen
wurde dadurch nicht übermütig beeinträchtigt. In
ſtetem ernſten Streben ging’s dem Ziele zu. So wird’s
auch bleiben für die zweite Jahrhunderthälfte. Und wenn
neue größere Ziele entſtehen, wird das Haus Opel auf
dem Platze ſein. Dafür bürgt ſein achtunggebietender
feſt begründeter Ruf, dafür bürgt auch die Heſſentreue,
die hier eine gute und ſchöne Heimſtatt fand. An der freu=
digen
Jubelfeier nimmt ganz Heſſen Anteil. Auch wir
rufen der Firma und dem Hauſe Opel zu ein
Herzliches Glückauf!
M. St.

Manövertage in Sachſen.

* Dresden, 29. Aug. Heute abend um 7 Uhr fand
im Reſidenzſchloß Paradetafel zu 290 Gedecken ſtatt.
Nach der Tafel begab ſich der König mit ſämtlichen Fürſt=
lichkeiten
zu Fuß über den Theaterplatz zum Theater, um
von dort dem Zapfenſtreich der ſämtlichen ſächſiſchen
Militärmuſikkapellen zu hören. Als der König und die
Gäſte auf den großen offenen Theaterbalkon, der von
Kronleuchtern erhellt und von einem Baldachin überdacht
war, heraustraten, flammte ein Rotfeuer, das die hiſtori=
ſchen
Faſſaden des Schloſſes, der Hofkirche und des Zwin=
gers
beleuchtete, auf. Gleichzeitig marſchierten im Lichte
der Magneſiumfackeln die Infanteriekapellen unter den
Klängen des Parademarſches des Leib=Grenadier= Regi=
ments
über die Friedrich=Auguſt=Brücke heran, um auf
dem Theaterplatz Aufſtellung zu nehmen. Es folgten
vom Poſtplatz her mit dem Torgauer Marſch die Artillerie=
kapellen
, während von der dritten Seite die Trompeter
der Kavallerie mit dem Hohenfriedberger Marſch anrück=
ten
. Aus der Muſikaufführung ſeien genannt: Die Ouver=
türe
zur „Iphigenie in Aulis” der Krönungsmarſch aus
der Oper „Die Folkunger” und der Ambroſianiſche Lob=
geſang
. Es wirkten 31 Regimentskapellen und die Ka=
pellen
von ſechs ſelbſtändigen Bataillonen mit. Viele
Tauſende wohnten der glänzenden Aufführung bei. Das
Wetter iſt warm und ſchön. Nach dem Zapfenſtreich ver=
ließ
ein Teil der Fürſtlichkeiten noch Nachts Dresden,
während ein anderer Teil im Laufe des morgigen Vor=
mittags
die Stadt verläßt. Der deutſche Kron=
prinz
fährt morgen früh um 8 Uhr im Automobil nach
Berlin.
* Dresden, 29. Aug. Generalfeldmarſchall von
Bock und Polach ſtürzte bei der Parade, als ſich
nach dem Abreiten der Fronten die Fürſtlichkeiten und
Generäle zur Abnahme des Vorbeimarſches begaben, mit
dem Pferde. Er wurde im Automobil nach ſeinem Hotel
verbracht. Die ärztliche Unterſuchung ergab eine leichte
Verſtauchung reſpektive Quetſchung der rechten Schulter
und der linken Hüfte. Sein Befinden iſt zufriedenſtellend,
ſo daß er in zwei bis drei Tagen vollſtändig wieder her=
geſtellt
ſein dürfte. An der Paradetafel nahm v. Bock
und Polach nicht teil.
* Dresden, 30. Aug. Dem vom Oberhofmarſchall=
amt
ausgegebenen Bericht zufolge führte der König
bei der geſtrigen Paradetafel im Reſidenzſchloß folgendes
aus: Ich hoffe, daß dieſe Tage uns allen und ganz be=
ſonders
meiner Armee in angenehmſter Erinnerung ſein
möchten. Nachdem aber Eure Kaiſerliche Hoheit ein=
gedenk
der Traditionen Ihrer Vorfahren meiner Armee
Ihr freundliches Intereſſe bewieſen und heute geſehen
haben, was ſie leiſten kann, habe ich, begeiſtert durch die
Eindrücke des heutigen Tages, beſchloſſen, Eure Kaiſer=
liche
Hoheit in eine engere Beziehung mit meiner Armee
zu bringen, indem ich Sie an dem heutigen Tage

à la suite des 3. Ulanen=Regiments Nr. 21 geſtellt habe,
das Ihren erlauchten Vater ſeit ſieben Jahren als Chef
hat und in der kurzen Zeit ſeines Beſtehens bewies, daß
es den alten Regimentern voll ebenbürtig iſt.

Luftfahrt.

* Frankfurt a. Main, 30. Aug. Das Luft=
ſchiff
„Viktoria Luiſe” iſt heute nachmittag
3 Uhr 45 Min. mit 6 Paſſagieren an Bord zu einer Fahrt
nach Baden=Baden aufgeſtiegen.
* Berlin, 30. Aug. Nach beendeter Kaiſer=
Parade ſollen ſechs Flugmaſchinen Schau=
flüge
ausführen. Geſtern wurden auf der Nordſeite des
Paradefeldes von den Eiſenbahnern drei Zelte aufge=
ſchlagen
, welche die Flugapparate aufnehmen ſollten. An=
geſichts
einer großen Zuſchauermenge trafen am Nach=
mittag
die ſechs Flugmaſchinen ein. Es war aber verab=
ſäumt
worden, die Kinder, die ſich damit vergnügten, ihre
Drachen ſteigen zu laſſen, zu entfernen. Der erſte Flieger
Leutnant Jolly entging nur durch einen glücklichen Zufall
der Gefahr, mit ſeinem Propeller in die Drachenleinen zu
geraten.
* Braunſchweig, 30. Aug. Die Braunſchwei=
giſche
Landeszeitung meldet: Das vom Reichsmarineamt
erworbene, vorläufig in der Luftſchiffhalle in Johannis=
thal
eingeſtellte Marine=Luftſchiff wird in Kiel
ſtationiert. Ein auf der Zeppelin=Werft befindliches
zweites Luftſchiff kommt im März 1913 zur Ablieferung.
* Magdeburg, 30. Aug. Der Magdeburger
Flieger Dietzold ſtieg heute vormittag ½10 Uhr auf
dem Krakauer Anger auf und machte einen ſchönen Flug,
als plötzlich die Steuerung verſagte und der Apparat aus
10 Meter Höhe abſtürzte wobei er ſich überſchlug
und vollſtändig in Trümmer ging, während ſich Dietzold
vollſtändig unverſehrt aus den Trümmern heraus=
arbeiten
konnte.
* Heiligendamm 30. Aug. Dem Flieger
Thelen gelang es heute früh um 10 Uhr 15 Minuten,
auf einem Albatrosflugzeug vom Waſſer glatt
aufzuſteigen. Er legte in der Luft 500 Meter zurück,
worauf die Landung erfolgte. Um 10 Uhr 31 Minuten
ſtieg Thelen abermals auf und beſchrieb um den Kreuzer
„München” einen großen Halbkreis. Der Großlßrzog
von Mecklenburg=Schwerin wohnte den Flugvorführungen
bei.
* Mailand, 3. Aug. In Gozzano bei Novara
ſtürzte bei Flugverſuchen der Apparat des Leutnamts
Ariſta ab wobei der Schwanz des Flugzeuges
einem Knaben aus der Zuſchauermenge den Kopf
vom Rumpfe trennte. Der Leutnant konnte ſich
rechtzeitig durch Abſpringen retten. Mehrere andere Zu=
ſchauer
wurden leicht verletzt. Das Unglück ſoll durch
Verſagen des Steuers hervorgerufen worden ſein.
* Paris, 30. Aug. Der Flieger Brindejonc,
der bei Rodu in Luremburg wegen eines Ventilbruches
niedergehen mußte, iſt hierher zurückgekehrt. Der
Flug nach Berlin ſoll in den nächſten Tagen bei
günſtigem Wetter wiederholt werden.
sr. Ein tödlicher Fliegerabſturz ereignete
ſich in Frankreich. Auf dem Flugfelde von Douai ſtieg der
Offizierspilot Chandenier, der dort Dienſt hatte, zu
einem kurzen Ueberlandflug auf. Als er ſich nur noch zirka
20 Kilometer vom Ziel entfernt befand, wurde der Mo=
tor
defekt und Chandenier mußte eine Notlandung vor=
nehmen
. Bei dieſer ſchlug der Apparat plötzlich
um und wenige Meter über dem Erdboden explo=
dierte
der Benzintank, ſo daß die Maſchine Feuer
fing. Man konnte den Aviatiker nur noch als halb ver=
kohlten
Leichnam aus den Trümmern hervorziehen.
* London, 30. Aug. In der Nähe von Hendon
ſtürzte geſtern der Flieger Chalmers ab. Er wurde
am Kopf ſchwer verletzt. Der Apparat iſt zer=
trümmert
.
* London 30. Aug. Als Graham White geſtern
mit ſeiner Gattin in der Nähe von Clapton aufgeſtie=
gen
war, fing der Apparat plötzlich Feuer. Der Flieger
ſah ſich genötigt, auf das Waſſer niederzugehen. Er
wurde erſt nach geraumer Zeit von einer Jacht aufgefiſcht.

Sport.

— Die Leichtathletikabteilung des F.=K. „Olympia‟
nimmt morgen an den nationalen olympiſchen Wett=

ämpfen in Bingen teil. So viel bis jetzt zu er=
ſehen
iſt, hat eine Reihe hervorragender Athletiker ge=
meldet
. Sehr ſtark vertreten iſt das Rheinland: Köln,
Duisburg, Barmen, Elberfeld werden ihre beſten Kräfte ent=
ſenden
. Das Hauptintereſſe bildet auch hier das 3000
Meter=Stafettenlaufen um den Ehren= und Wanderpreis,
geſtiftet von der Stadt Bingen. In dieſer Konkurrenz
trifft die vorzügliche Mannſchaft des F.=K. „Olympia” auf
die Mannſchaft vom F.=K. Köln 1899.

Brände.

* Helgoland 30. Aug. Ein gewaltiges
Feuer wütete geſtern nachmittag im Maſchinenhauſe
der neuen Befeſtigungs=Anlage. Die geſamte Garniſon
wurde alarmiert. Man befürchtete jeden Augenblick eine
Exploſion der beiden unter Dampf ſtehenden Keſſel. Das
Maſchinenhaus und mehrere benachbarte Gebäulichkeiten
ſind vollſtändig abgebrannt. Den vereinigten Anſtrengun=
gen
der Garniſon und freiwilligen Feuerwehr gelung
es nach mehrſtündiger Arbeit, des Feuers Herr zu werden.
Der Schaden iſt beträchtlich.
* Hamburg, 29. Aug. Bei der Firma Hage=
mann
iſt heute Großfeuer ausgebrochen. Das
ganze Maſchinenhaus und mehrere Schuppen ſind nieder=
gebrannt
, doch iſt eine Keſſelexploſion verhindert wor=
den
. Durch Sturm und Funkenflug iſt eine Villa ſchwer
gefährdet. Der Betrieb der Schwebebahn iſt geſtört. Die
ganze Garniſon war alarmiert worden.
* Wien 29. Aug. Die Fabrikanlage der Oeſterrei=
chiſchen
Chemiſchen Werke in Neuerlaa bei Wien iſt
größtenteils abgebrannt. Der Schaden iſt durch
Verſicherung gedeckt.

Ueberſchwemmung in England.

* Norwich, 29 Aug. Die Fluten bedrohen
weiter die Stadt. Das Waſſer, das im Laufe der Nacht
gefallen war, iſt heute infolge eines neuen heftigen
Regenguſſes wieder geſtiegen. Es beſteht die Gefahr,
daß das Trinkwaſſer und die Lebensmittel heute aus=
gehen
. Auch wird der Ausbruch einer Seuche befürchtet.
Heute ſind über zehntauſend Perſonen obdachlos. Das
kommerzielle Leben iſt ſo gut wie unterbunden. In
hunderten von Läden iſt der Handelsverkehr unmöglich.
Viele Gebäude ſind eingeſtürzt. Die Leiche eines ertrun=
kenen
Kindes iſt gefunden worden. Die Eiſenbahnver=
bindung
nach Norwich iſt wieder aufgenommen worden.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redakkion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

— Tauſende beſuchen jetzt von auswärts die Aus=
ſtellung
„Der Menſch” im Reſidenzſchloß. Sie fahren
meiſtens vom Bahnhof durch die Rheinſtraße nach dem
Reſidenzſchloß und dann wohl wieder zurück, ohne die
Sehenswürdigkeiten Darmſtadts in Augenſchein zu neh=
men
. Ließe es ſich nicht ermöglichen, für die Fremden
eine Führung, vielleicht durch beſonders dazu beauftragte
Knaben, zu veranſtalten, damit ſie mehr von Darmſtadt
zu ſehen bekommen, als bloß die Rheinſtraße. Es würde
ſich umſo mehr empfehlen, als es wohl zweifelhaft er=
ſcheinen
muß, ob alle Fremden gute und neue Führer
durch Darmſtadt beſitzen. Die Führung müßte nach
einem beſtimmten Plan erfolgen, der vielleicht auch das
Oberwaldhaus oder die Ludwigshöhe in ſich ſchlöſſe,
damit die Fremden wenigſtens einen Begriff von unſeren
herrlichen Waldungen erhalten. Wir empfehlen
dieſen Vorſchlag zur möglichſt baldigen Erwägung. W.

Im Anſchluß an die in einer früheren Nummer
Ihres geſchätzten Blattes erwähnten Mißſtände wäre
noch hinzuzufügen, daß eine große Rückſichtsloſigkeit
gegenüber dem hieſigen konſumierenden Publikum ſei=
tens
eines großen Teiles der hier arbeitenden Milch=
händler
darin beſteht, daß die Milchkannen während der
Bedienung des betreffenden Hauſes vor die Straßentüre
geſtellt werden und unbewacht bleiben. Bei dem notori=
ſchen
Hundereichtum Darmſtadts ſpricht dieſe Rückſichts=
loſigkeit
für ſich ſelber. Einſender hat in den von ihm
ſeit langen Jahren beſuchten größeren Städten Deutſch=
lands
— dem unbeſtreitbaren Lande der, Reinlichkeit und
Ordnung — ein derartiges Verhalten der Milchhändler
nie entdeckt, und es wäre tatſächlich ſehr am Platze, wenn
das Publikum energiſch Front gegen derartige, als bar=
bariſch
zu bezeichnende Zuſtände machen würde, falls die
Polizei durch ihre ausführenden Organe ſich nicht ins
Ein vielgereiſter Darmſtädter.
Mittel legt.

Vermiſchtes.

— Dem Leiter des Kyffhäuſer=Technikums
(Polytechniſches Inſtitut), Frankenhauſen a. Kyffh.,
Direktor Huppert, wurde der Titel „Profeſſor” verliehen.
Eſperanto=Tagung. Die Anhänger der
verbeſſerten Weltſprache Eſperanto hielten dieſer Tage in
Leipzig ihren Verbandstag ab, zu dem Teilnehmer aus
Sachſen, Preußen Bayern, Mecklenburg und Böhmen er=
ſchienen
waren. Es wurde u. a. beſchloſſen, eifrig für die
weitere Einführung der immer mehr an Anhänger ge=
winnenden
Weltſprache zu wirken und zu dieſem Zwecke ein
kleines Lehrbuch zum Selbſtunterricht mit aufklärenden
Schriften herauszugeben. Der überaus intereſſanten Tag=
ung
ſchloß ſich eine Beſichtigung des Völkerſchlachtdenk=
males
und des Palmengartens an.

Literariſches.

Touriſtenkarte von Graubünden. Der
Verkehrsverein in Graubünden hat ſoeben eine neue
Touriſtenkarte des Kantons Graubünden im Maßſtabe
1:350000 herausgegeben, welche ſich durch Ueberſichtlich=
keit
und Reichhaltigkeit auszeichnet. Die Karte iſt in
Reliefmanier ausgeführt und gibt ein klares Bild der
vielverzweigten Täler des Bündnerlandes mit ihren
Bergketten und Flußläufen und ſeines ſich immer mehr
ausdehnenden Eiſenbahnnetzes. Die Nomenclatur iſt
eine äußerſt reichhaltige. Dieſe iſt zu beziehen durch das
Offizielle Verkehrsbureau für Graubünden in Chur.
— Rundſchau des Kunſtgewerbes, „Die Leip=
ziger
Meſſe”. 10. Band, Michgelis 1912. Preis
2 Mk. Moderner Kunſtverlag Dr. Trenkler u. Ko.,
Leipzig=Stötteritz. Rechtzeitig vor Beginn der Michaelis=
meſſe
1912 erſchien im obigen Verlage ein neuer Band
der beſtbekannten Zeitſchrift. Als 10. Band in der Reihe
der Meßnummern ſchließt er ſich auch diesmal ſeinen
Vorgängern würdig an. Die Ausſtattung iſt, wie immer,
muſtergültig. Die Abhandlungen über die verſchiedenen
Zweige des Kunſtgewerbes ſtammen von dafür anerkann=
ten
Autoren, und auch aktuelle Zeitfragen, welche unſere
Induſtrie heutigen Tages bewegen, werden von berufe=
ner
Feder erörtert. Die Abbildungen des umfangreichen

[ ← ][  ][ → ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.

Nummer 205.

Bandes ſtellen als Reproduktionen der gebrachten neueſten
Erzeugniſſe der Kunſtinduſtrie wieder kleine Meiſter=
werke
inbezug auf Auffaſſung und Schärfe der Wieder=
gabe
dar.

Darmſtadt, 31. Auguſt.
— Sonderzüge zum Beſuch der Ausſtellung „Der
Menſch”. Am morgigen Sonntag wird wieder ein
Sonderzug mit 2. und 3 Klaſſe zu ermäßigten Fahr=
preiſen
von Gelnhauſen nach Darmſtadt zum Be=
ſuche
der Ausſtellung „Der Menſch” verkehren.
Zu dem Sonderzug werden Fahrkarten auf allen Statio=
nen
von Gelnhauſen bis Frankfurt a. M.=Süd ausgege=
ben
. Wie bei den übrigen Sonderzügen hat auch dies=
mal
die Ausſtellungsleitung den Eintritt für alle Teil=
nehmer
auf 60 Pfg. ermäßigt. Der Fahrplan iſt folgen=
der
: Gelnhauſen ab 8.31 Uhr vorm. 2 Klaſſe 3.60 Mk.,
3. Klaſſe 2.50 Mk.; Meerholz ab 8.36 Uhr vorm. 2. Klaſſe
3,40 Mk., 3 Klaſſe 2.50 Mk.; Niedermittlau ab 8.40½ Uhr
vorm., 2. Klaſſe 3.20 Mk., 3. Klaſſe 2.30 Mk.; Langen=
ſelbold
ab 8.46½ Uhr vorm., 2. Klaſſe 3.— Mk., 3. Klaſſe
2.10 Mk.; Niederrodenbach ab 8.51½ Uhr vorm., 2. Klaſſe
3.— Mk., 3. Klaſſe 2.— Mk.; Pulverfabrik ab 8.58½ Uhr
vorm., 2. Klaſſe 2.60 Mk., 3. Klaſſe 1.80 Mk.; Hanau Oſt
ab 9.04 Uhr vorm., 2. Klaſſe 2.60 Mk., 3. Klaſſe 1.70 Mk.;
Klein=Steinheim ab 9.09 Uhr vorm., 2. Klaſſe 2.40 Mk.,
3. Klaſſe 1.70 Mk.; Mühlheim a. M. ab 9.16 Uhr vorm.,
2. Klaſſe 2.10 Mk., 3. Klaſſe 1.50 Mk.; Offenbach Hbf. ab
9.25 Uhr vorm., 2. Kl. 1.80 Mk., 3 Kl. 1.30 Mk.; Frankfurt=
Oberrad ab 9.29 Uhr vorm., 2. Klaſſe 1.70 Mk., 3. Klaſſe
1.10 Mk.; Frankfurt a. M.=Süd ab 9.35 Uhr vorm., 2. Kl.
1.60 Mk., 3. Klaſſe Mk. 1.—, an Darmſtadt 10.13 Uhr vorm.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
*. Berlin, 30 Aug. Der auſtraliſche Staats=
mann
Sir Charles Mackellar, der u. a. Präſident
des „State Children Relief Board” in Sydney iſt und ſich
mit großer Hingebung dem Studium der ſtaatlichen Ju=
gendfürſorge
in Auſtralien widmet, hält ſich kurze Zeit in
Berlin auf, um die hieſigen Jugendfürſorge=Einrichtungen
kennen zu lernen. Ihm zu Ehren gab der Staatsſekretär
des Auswärtigen, v. Kiderlen=Wächter, im „Kaiſerhof” ein
Frühſtück, an dem u. a. der britiſche Geſchäftsträger Earl
of Granville, Stadtrat Kaliſch, v. Gwinner, Amtsgerichts=
rat
Köhne und Paſtor Plaß teilnahmen.
* Mülhaluſen i. Elſ., 30. Aug. Die geſtrigen Unter=
handlungen
zwiſchen der Geſchäftsleitung und der Ar=

beiterſchaft der Firma Laederich u. Ko, blieben er=
folglos
, worauf geſtern nachmittag eine große Anzahl
Arbeiter in den Ausſtand traten. Bei der Firma
Dreifuß, Lanz u. Ko. ſind heute morgen 145 Spinner, An=
ſetzer
und Aufſtecker, die ſich weigerten, Streikarbeit für
die ſeit Wochen geſchloſſene Fabrik Kullmann u. Ko. zu
tun, ausgeblieben. Sie, verſuchten, Arbeitswillige von
der Arbeit zurückzuhalten, jedoch ohne Anwendung von
Gewalt.
* München, 30. Aug. Der Prinzregent lud den
Reichskanzler ein, auf ſeiner Rückreiſe nach Schloß
Linderhof zu kommen und einige Zeit der Hochwildjagd
obzulicgen.
* Karlsruhe 30. Aug. Die Meldung der Voſſiſchen
Zeitung, aus Karlsruhe, betreffend die Verhaftung
eines Hofbeamten wegen verſuchten Einbruchs, iſt
nach Informationen zuſtändiger Stellen dahin richtig zu
ſtellen, daß es ſich hier jedenfalls um den Fall des La=
kaien
R. handelt, der bereits ſeit einem Vierteljahr wegen
Verdachtes des verübten Einbruchsdiebſtahls und von Ur=
kundenfälſchung
in Unterſuchungshaft iſt.
* Kirchberg in Sachſen, 30. Aug. In Kunersdorf iſt
die Familie Reismann an Pilzvergiftung er=
krankt
. Zwei ſechs und acht Jahre alte Mädchen ſind
geſtorben, zwei Kinder und die Mutter liegen ſchwer=
krank
danieder.
* Gelſenkirchen, 30. Aug. Auf der Zeche Alma im
Schachte 5 der Gelſenkirchener Bergwerksaktiengeſellſchaft
ſtürzte geſtern abend gegen 8 Uhr die Arbeits=
bühne
, auf der ſich 6 Arbeiter befanden, über 16 Meter
tief auf die Schachtſohle hinab. 5 Arbeiter wurden ge=
tötet
, der ſechſte wurde ſchwer verletzt. Die Leichen ſind
geborgen.
* Brüſſel, 30. Aug. Die italieniſche Regierung teilte
der belgiſchen Regierung mit, daß Italien mit dem
1. September 1912 aus der Zuckerunion ausſchei=
den
wird.
H.B. Bern, 30. Aug. Der Bundespräſident Dr.
Forrer hat ſich von ſeinem Gichtanfall ſoweit erholt,
daß er heute vormittag an einer Bundesratsſitzung teil=
nehmen
konnte. Vorausſichtlich iſt der Bundespräſident
beim Eintreffen des Kaiſers in der Schweiz wieder voll=
ſtändig
hergeſtellt. Heute vormittag hat der ſchweize=
riſche
Geſandte in Berlin, Claparede, im Bundesrat vor=
geſprochen
. Er nimmt ebenfalls an dem Kaiſerbeſuch teil.

Briefkaſten.

F. T. Das Oktroi iſt beſtehen geblieben für Spiri=
tuoſen
, Wein und Bier und für Brennmaterialien.

Das
Kinder-Kräftigungsmittel
im Sommer
iſt und bleibt Scotts Emulſion. In ihr iſt
der nährſtoffreiche, doch ſchwer verdauliche
Lebertran in eine leicht bekömmliche Form
gebracht. Scotts Emulſion ſchmeckt im Sommer
ebenſo gut wie im Winter und hat in der
warmen Jahreszeit natürlich die gleiche Wir=
kungskraft
wie in der kalten. Als Kinder=
Kräftigungsmittel ſteht Scotts Emulſion, wo=
rin
der Nährwert des Tranes durch mineraliſche
Zuſätze weſentlich erhöht iſt, unſtreitig an
erſter Stelle, aber es muß die echte Sotts
Emulſion ſein, keine Nachahmung. (318198
Beſtandteile: Feinſter Medizinal=Lebertran 1500, prima
Glyzerin 50,0, unterphosphorigſaurer Kalk 4,3, unterphosphorig=
ſaures
Natron 2,0, pulv Tragant 3,0, feinſter arab. Gummi
pulv. 2,0, Waſſer 12,90 Alkohol 11,0. Hierzu aromatiſche
Emulſion mit Zimt=, Mandel= und Gaultheriaöl je 2 Tropfen.

ſich möglichſt
Den Schmelz der Jugend lang zu er=
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Unterrichtsweſen.

Die höhere Handelsſchule Landau (Pfalz)
war im ſechzehnten Schuljahre (12. Oktober 1911 bis
Ende Auguſt 1912) von 233 Schülern beſucht. In dem
mit der Anſtalt verbundenen Penſionate verblieben
während des ganzen Schuljahres 60 Zöglinge, während
des Winter= oder Sommerſemeſters insgeſamt 90 Zög=
linge
. Die Zahl der Halbpenſionäre belief ſich im Laufe
des Jahres anf 29 Schüler. Der Einjährig=Freiwilligen=
Prüfung in Speyer haben in dieſem Schuljahre bis
Frühjahr 24 Handelsſchüler ſich mit Erfolg
unterzogen.

für Spezial-Auskünfte, Er-
Detektw-institut mittelungen, Beobachtungen

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Uebarnahme nur einwandfreier Aufträge. Garantie für
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Aus dem Geſchäftsleben.

Ueber das Krupp=Feſtſpiel in Eſſen wird
uns nachträglich berichtet: Der Kaiſer betrat mit ſeinem
Gefolge und den Geladenen das mit Osram=Lampen
taghell beleuchtete Zelt, in welchem die Jubiläums=
Veranſtaltung der Firma Krupp in Form eines
hiſtoriſchen Feſtſpiels ſtattfand. Es handelte ſich um
eine Allegorie, die in einer Apotheoſe der Kruppſchen
Waffenſchmiedekunſt und in einer huldigenden Prophe=
zeiung
künftiger deutſcher Größe und Kaiſerherrlichkeit
gipfelte.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Die Depreſſion, die geſtern über England lag, zieht
nordoſtwärts ab. Ihre Randgebilde brachten uns heute
früh Bewölkung und vereinzelt leichten Niederſchlag. Die
Morgentemperaturen liegen in Deutſchland bei 150 C.
Wir haben morgen im Bereich des kontinentalen Hochs
zwar noch vielfach wolkiges, doch trockenes Wetter zu
erwarten.
Ausſichten in Heſſen für Samstag, den 31. Auguſt:
Wolkig, meiſt trocken, Temperatur wenig verändert.

Schmerzerfüllt machen wir die
traurige Mitteilung, dass unser
lieber, teurer Sohn und Bruder
Herr
Hermann Bechtold
am Typhus im 37. Lebensjahre im
Krankenhaus in Cöln heute sanft
verschieden.
Elisabeth Bechtold, geb. Koch,
Else Bechtold,
Philipp Bechtold.
Darmstadt, den 30. Aug. 1912.
Bestattung findet in der Stille statt.
(18304

Todes=Anzeige.
Heute nacht verſchied nach längerem Lei=
den
im 81. Lebensjahre unſere gute Mutter,
Großmutter, Urgroßmutter, Schwiegermutter
(B18271
und Schweſter
Frau Sophie Frantz
geb. Geyer.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
Hch. Frantz.
Darmſtadt, den 28. Auguſt 1912.
Die Beerdigung findet Samstag, nachmittags
3 Uhr, von der Leichenhalle des Beſſunger
Friedhofes aus, ſtatt.
Von Blumenſpenden und Beileidsbeſuchen
bittet man abſehen zu wollen.

Danksagung.
Herzlichen Dank für die Anteilnahme beim
Hinſcheiden ihrer lieben Schwägerin und Couſine
Frau
Johanna Metzler
geb. Schnittspahn
ſagen die
(18294
trauernden Hinterbliebenen.
In deren Namen:
Adelheid Metzler.
Darmſtadt, 30. Auguſt 1912.

Tageskalender.
Samstag, 31. Auguſt.

Konzert des Geſangvereins „Concordia” um 8½ Uhr
im „Mathildenhöhſaal”
Zuſammenkunft des Sachſen=Vereins um 9 Uhr im
Reſtaurant „Kaiſerſaal”.
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr — Saalbau um
„Perkeo” um 8 Uhr. — Singſpielhaus
8 Uhr.
„Metropol” um 8 Uhr.
Sonntag, 1. September.
Sedanfeier der Vereinigten Kriegervereine und Turn=
gemeinde
Darmſtadt um 8 Uhr in der Turnhalle am
Woogsplatz.
Vereinsſchießen des Kriegervereins um 3½ Uhr
auf Stand 6 der Militärſchießſtände.
Sommerfeſt des Geſangvereins „Concordia” um 4 Uhr
im „Mathildenhöhſaal”
Bibliſcher Vortrag um 8½ Uhr im Zelt an der
Lindenhofſtraße (Thema: „Das Schickſal des Gottloſen,
oder iſt die Qual des Sünders ewig?”).
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. — „Perkeo” um
4 und 8 Uhr. — Singſpielhaus „Metropol” um 4 und
8 Uhr. — Bürgerkeller um 4 und 8 Uhr.

Verſteigerungskalender.
Montag, 2 September.

Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 9 Uhr in der
Turnhalle am Woogsplatz.
Dünger=Verſteigerung um 10 Uhr in der Train=
kaſerne
(Eſchollbrückerſtraße).
Obſt=Verſteigerung um 9 Uhr in der Gemarkung
Eberſtadt (Zuſammenkunft am Pflanzgarten im Stecken=
born
).

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: i. V. Kurt
Mitſching; für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und
Mitteilungen aus der Geſchäftswelt: Hans Seitz, ſämtlich
in Darmſtadt. — Für den redaktionellen Teil beſtimmte
Mitteilungen ſind an die „Redaktion des Tagblatts” zu
adreſſieren. Etwaige Honorarforderungen ſind beizu=
fügen
; nachträgliche werden nicht berückſichtigt. Un=
verlanate
Banuſkripte werden nicht zurückgeſandt.

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Kurſe vom 30. Auguſt 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Zf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,10
3½ Deutſche Reichsanl. . 89,50
79,50
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99,90
89,50
3½ do. Conſols .
79,50
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,00
93,00
do.
3½
83,50
3.
de
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,00
88,00
do.
3½
3
do.
4 Hamburger Staatsanl. 99,80
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99,80
4 do. do. (unk. 1918) 99,80
87,80
do.
3½
77,50
do.
3 Sächſiſche Rente . . . . 80,10
4 Württemberger v. 1907 100,30
3½ do. v. 1875 95,00
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1½ Griechen v. 1887 . . 54,80
3¾ Italiener Rente .
4½ Oeſterr. Silberrente 90,25
4 do. Goldrente . . . 95,60
3 do. einheitl. Rente 87,40
3 Portug. unif. Serie I 64,30
5 do. unif. Ser. III 67,70
4 do. Spezial . . . . 9,70
4 Rumänier v. 1903 . . 101,30
4 do. v. 1890 . . 95,00
4 do. v. 1905 . . 92,20
90,70
4 Ruſſen v. 1880 .
90,70
3 do. v. 1902 ..
100,60
4½ do. v. 1905 . .
88,20
4½ Schweden ..
3 Serbier amort. v. 1895 84,70
4 Türk. Admin. v. 1903 82,40
4 Türk. unifiz. v. 1903 91,70
4 Ungar. Goldrente . . . 90,50
4 do. Staatsrente . . . 87,80

InProz.
Zf.
5 Argentinier .
.101,00
4
do.
87,00
4½ Chile Gold=Anleihe.
5 Chineſ. Staatsanleihe . 100,00
4½
do.
4½ Japaner . . . . .
94,50
5 Innere Mexikaner . . . 94,70
do.
59,00
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,10
5 Gold=Mexikaner . . . . 100,40
3 Buenos Aires Provinz 70%
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
.
157,90
5 Nordd. Lloyd .
.128,00
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 127,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 116,30
8 Baltimore und Ohio . 108,70
6½ Schantungbahn . . . 137,80
6‟ Luxemb. Prince Henri 162½
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 19½
6 Pennſylvania R. R. .123,00
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . 539,00
14 Chem. Fabrik Gries=
heim
. . . . . . . 260,25
30 Farbwerke Höchſt . . 649,50
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 356,50
10 Cement Heidelberg . . 151,00
30 Chem. Werke Albert 467,50
12½ Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 324,75
4 Lahmeyer . . . . . . . 127,204

Eete
Inpron,
Divid.
711 Schuchert, Nürnberg 162,00
12 Siemens & Halske . 240,50
5 Bergmann Electr. . . 139,50
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 170,50
0 Gummi Peter . . . . 119,50
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30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 583,00
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6 Wittener Stahlröhren 223,00
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15 Zellſtoff Waldhof . . 244,50
12½ Bad. Zucker= Wag=
häuſel
. . . . . . . 227,00
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 124,00
3 Südd. Immobilien . 62,90
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 197,70
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 241,00
11 Deutſch=Luxemburg.=
.182,20
Bergb. . .
10 Gelſenkirchener .
.204,00
8 Harpener . . . . . . . 199,40
15 Phönix Bergb. und
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4 Laurahütte . . . . . . 179,75
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11
7½ South Weſt Africha 144,00
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Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 88,10
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 91,00
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 89,40
3 Prag=Duxer . . . . . . 75,60
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn . 93,80
do.
79,70
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,60
4
do.
77,30

8t.
Zuſro
2¾10 Oeſt. Südb. (Lomb.) 53,90
77,60
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn 93,70
4 Ruſſ. Südweſt. .
4½ Moskau=Kaſan . . . 97,00
4
do.
87,75
88,50
4 Wladichawchas .
4 Rjäſan Koslow . . . . 88,00
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 78,40
do.
2½ Livorneſer . . . . . 69,60
3 Salonique=Monaſtir . 63,70
4 Bagdadbahn . . . . . . 82,90
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 96,90
4 Miſſouri=Pacific. .
71,80
98,40
4 Northern=Pacific
4 Southern=Pacific
94,80
5 St. Louis und San
85,30
Francisco. .
5 Tehuantepec . . . . . . 97,60
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10 Bank für elektriſche
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7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn . .
.150,30
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 172,40
6½ Darmſtädter Bank . 123,40
12½ Deutſche Bank . . . 259,50
6 Deutſche Bereinsbank . 123,00
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 117,70
10 Diskonto=Kommandit 189,80
8½ Dresdener Bank . 157,70
9½ Frankf. Hypoth.=B. 215,50
6½ Mitteld. Kreditbank 118,70
7 Nationalb. für Deutſchl. 125,75
7 Pfälziſche Bank . . . . 127,25
5.86 Reichsbank . . . 134,00
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,40
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 125,00
7½ Wiener Bankverein . 135,40
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 98,00

Zubrn
34.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 89,00
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 15—19, 21—26 97,20
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,00
3½
do.
88,00
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,40
do.
88,80
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
.99,40
S. 14, 15, 17, 24/26
18—23..
. 99,60
3½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—
88,80
S. 3—5 .
88,60
S. 9—11
88,70
4 Meininger Hyp.=Bank 99,00
do.
88,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 97,40
3½ do. (unk. 1914) . . 88,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,90
do.
3½
89,20
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt .
3½ do.
89,50
4 Frankfurt.
. 99,80
3½ do.
95,10
4 Gießen .
. 98,10
3½ do.
91,00
. 97,50
4 Heidelberg
87,90
3½ do.
4 Karlsruhe
98,50
88,20
3½ do.
. 99,90
4 Magdeburg
3½ do.
4 Mainz
98,00
90,00
do.
Mannheim
. 98,40
do.
80,0
4 München
.100,20
3½ Nauheim
4 Nürnberg.
.100,00
do.
88,00
4 Offenbach .

8t.
InPra
3½ Offenbach
4 Wiesbaden . 7.7. 4 —
3½ do.
95,20
4 Worms .
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888 .
Verzinsliche
Aulehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 109 —
3½ Cöln=Mindner , 100 134,40
3 Holl. Komm. . fl. 100
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 135,40
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 175,90
3 Oldenburger . . .
2½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
.. ſ. 7 —
Augsburger..
Braunſchweiger Tlr. 20 202,50
Fü. 15
Freiburger
Mailänder
Fs. 45
do.
Fs. 10 32,90
ſl. 7
Meininger .
Oeſterreicherv. 1864 fl. 100 515,00
do. v. 1858 fl. 100
Ungar. Staats . . fl. 100
Benebiger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 172,80
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sorereigns . . . .20,43½
20 Franks=Stücke . . . . 16,19
Amerikaniſche Noten.
4,18
Engliſche Noten . .
20,46
Franzöſiſche Noten.
80,95
Holländiſche Noten. . . . 169,25
Italieniſche Noten . . . . 80,15
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,75
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,85
Reichsbank=Diskonto . . . 4½
Reichsbans=Zeubas 5½

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Anguſt 1912.

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Seite S.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.

Nummer 20v.

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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.

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Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.

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Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

§6 102.

Sanstag. 31. Anguſt.

1912.

Zu Fr M. d. Z. I. 290.
Zunt 1912.
Betreffend: Maßregeln zur Abwehr der Schweinepeſt (Schweineſeuche).

Das Großherzogliche Miniſterium des Innern
an die Großherzoglichen Kreisämter.
In Gemäßheit der §§ 16 bis 30 und des § 79 Abſ. 2 des Reichsviehſeuchen=
geſetzes
vom 26. Juni 1909 und unter Hinweis auf die Strafbeſtimmungen in den
§§ 74 bis 77 des genannten Reichsgeſetzes beſtimmen wir das Nachſtehende:
Alle von Schweinehändlern zum Einſtellen von Zucht=, Einlegeſchweinen und
Ferkeln benutzten Stallungen und Räume unterliegen der Beauſichtigung durch den
Kreisveterinärarzt (§ 17 des Reichsgeſetzes) und ſind dieſem und der Ortspolizeibehörde
anzumelden.
II.
Die Kreisämter ſind angewieſen, ſobald ſie im Falle der Seuchengefahr durch
unſere Abteilung für öffentliche Geſundheitspflege hierzu aufgefordert werden, die
machſtehenden Anordnungen zu treffen.
Der Fall der Seuchengefahr iſt gegeben, wenn die Seuche im Großherzogtum
oder in außerheſſiſchen Gebieten herrſcht, aus welchen Zucht=, Einlegeſchweine oder
Ferkel in das Großherzogtum, ſei es direkt oder indirekt, eingeführt zu werden
pflegen.
a) Die in das Großherzogtum eingeführten Zucht=, Einlegeſchweine und Ferkel
unterliegen einer Quarantäne in beſonderen Räumen, nach denen ſie von der Grenze
oder von der Eiſenbahnſtation ab, an der ſie zur Ausladung kommen, auf kürzeſtem
Weg in Wagen zu verbringen ſind. Hiervon iſt der Ortspolizeibehörde und dem
Kreisveterinäramt alsbald Mitteilung zu machen. Erſt dann, wenn die Schweine
12 Tage nach ihrer Einführung in das Landesgebiet in Quarantäne gehalten und
während dieſer Zeit frei von der Seuche geblieben ſind, dürfen ſie in landwirt=
ſchaftliche
Betriebe eingeſtellt werden.
Bei Schweinen, die in Transporten von mehr als 50 Stück mit der Eiſenbahn
ankommen, iſt die 12tägige Friſt auf eine 5 tägige herabzuſetzen, vorausgeſetzt, daß
dieſe Schweinetransporte volzählig in einem und demſelben Gehöſtuntergebracht werden.
Sind in einem zur Quarantäne beſtimmten Gehöft neueingeführte Schweine
eingeſtellt worden, bevor die früher eingeſtellten daraus entfernt ſind, ſo unterliegen
die letzteren von da ab von neuem der 12=, bezw. 5 tägigen Quarantäne.
p) Perſonen die in das Großherzogtum eingeführte Zucht= Einlegeſchweine und
Ferkel zum Zweck des Feilbietens oder Verkaufs oder in Erfüllung eines Ueber=
lieferungsvertrags
transportieren oder transportieren laſſen oder einer anderen Perſon
zum Transport übergeben, müſſen mit einem amtlichen Zeugnis verſehen ſein, durch
das der Nachweis erbracht wird, daß die Schweine der unter a vorgeſchriebenen
Quarantäne unterlegen haben.
c) Schweinetransporte, welche in das Großherzogtum eingeführt und innerhalb
zwei Tagen aus dieſem wieder ausgeführt werden, unterliegen den Beſtimmungen
unter a und b nicht, wenn ſie während dieſer zwei Tage nicht in Gehöfte eingeſtellt
werden in denen andere Schweine ſich befinden. Solche Schweinetransporte müſſen
unter Angabe von Ort und Zeit der Einführung der Ortspolizeibehörde desjenigen
Orts angemeldet werden, in dem ſie zur Einſtellung kommen ſollen. Ueber die er=
folgte
Anmeldung hat die Polizeibehörde eine Beſcheinigung zu erteilen, in die außer
den Namen des Einführenden und Ausführenden die Zahl der zu transvortierenden
Schweine ſowie der Ort und die Zeit der ſtattgehabten Einführung und der beab=
ſichtigten
Ausführung enthalten ſein muß.
III.
Zucht=, Einlegeſchweine und Ferkel, welche aus in dem Großherzogtum befind=
lichen
unverſeuchten Zuchten ſtammen, unterliegen Beſchränkungen im Transport
nicht, doch müſſen Perſonen, welche dieſe Schweine zum Zweck des Feilbietens oder
Verkaufs oder in Erfüllung eines Ueberlieferungsvertrags transportieren oder
transportieren laſſen oder einer anderen Perſon zum Transport übergeben, mit einem
amtlichen Nachweis über die Herkunft der Schweine verſehen ſein.
IV
Die in II und III vorgeſchriebenen Zeugniſſe müſſen folgenden Anforderungen
entſprechen:
Die gemäß IIb verlangten Zeugniſſe ſind durch den Kreisveterinärarzt aus=
zuſtellen
und müſſen ſtets Angaben über Zahl, Alter und Herkunft der Schweine,
ſowie darüber enthalten, wann, wo und durch wen dieſe in das Großherzogtum ein=
geführt
worden ſind und wo ſie der Quarantäne unterlegen haben.
Die in III verlangten Zeuaniſſe ſind Urſprungszeugniſſe im Sinne des § 17 der
Bundesratsvorſchriften vom 7. Dezember 1911 und demgemäß von der Ortspolizei=
behörde
des Herkunftsortes der Schweine auszuſtellen und müſſen Ort und Zeit des
Erwerbs der Schweine, deren Alter und Zahl und die Namen der Beſitzer angeben,
deren Zuchten ſie entſtammen.
VI.
Die aus der Durchführung der Vorſchriften in I bis V erwachſenden Koſten
fallen, ſoweit es ſich um die Ueberwachung von Schweinetransporten und um die
Ausſtellung von Zeugniſſen handelt, dem Beſitzer zur Laſt.
VII.
Die nach Maßgabe dieſes Ausſchreibens auszuſtellenden Zeugniſſe erklären wir,
inſoweit ſie ſtempelpflichtig ſein ſollten, auf Grund des Artikels 10 des Urkunden=
ſtempelgeſetzes
vom 24. März 1910 mit Rückſicht auf das hierbei vorliegende veterinär=
polizeiliche
Intereſſe für ſtempelſrel.
von Hombergk.
Salomon.
An die Ortspolizeibehörden und die Gendarmerie des Kreiſes.
Die vorſtehenden Maßregeln zur Abwehr der Schweinepeſt (Schweineſeuche)
empfehlen wir Ihrer Beachtung,
Darmſtadt, den 21. Auguſt 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Rr. Reinhart.
(18238

Zu Nr. M. d. J. II. 2790.
Darmſtadt, am 12. Jumnt 1912
Betreffend: Die tierärztliche Ueberwachung der Viehmärkte.

Das Großherzogliche Miniſterium des Innern
an die Großherzoglichen Kreisämter.
Auf Grund des § 16 des Reichsviehſeuchengeſetzes vom 26. Juni 1909 und
Art. 16 des Ausführungsgeſetzes vom 29. April 1912 beſtimmen wir das Nachſtehende:
Alle Vieh= und Pferdemärkte, ſowie öffentliche Tierſchauen, die auf obrigkeitliche
Anordnung veranlaßten Zuſammenziehungen von Pferden und Viehbeſtänden und die
von Unternehmern behufs öffentlichen Verkaufs in öffentlichen oder privaten Räumlich=
keiten
zuſammengebrachten Biehbeſtände ſind der Beaufſichtigung durch den beamteten
Tierarzt zu unterſtellen.
Bei öffentlichen Tierſchauen, die nur aus dem Ausſtellungsort und aus deſſen
Nachbarorten beſchickt werden, kann das Kreisamt von der tierärztlichen Beaufſichtigung
abſehen falls nicht beſondere Gründe für deren Aufrechterhaltung vorliegen (§ 6 Abſ.
2 der Bundesratsvorſchriſten vom 7. Dez. 1911).
II.
Als Unternehmer gilt, ſofern ein anderer Unternehmer nicht erkennbar iſt, bei
öffentlichen Vieh= und Pferdemärkten die betreffende Gemeinde (Art. 16 Abſ. 3 des
Ausführ.=Geſ.). Der Unternehmer hat für diejenigen Einrichtungen Sorge zu tragen,
die eine ſachgemäße Ueberwachung und Unterſuchung des aufgetriebenen Viehs ermög=
lichen
(§§ 41 bis 52 der Bundesratsvorſchriften).
III.
Zu Zeiten der Seuchengefahr iſt das aufzutreibende Vieh ſchon vor dem Auftrieb
auf den Markt einer Beſichtigung durch den überwachenden Tierarzt zu unterziehen
und ſind dabei ſeuchenverdächtig befundene Tiere bis zur genaueren Feſtellung ihres
Zuſtandes vom Auftrieb auszuſchließen und zu ſeparieren.
Für geeignete Einrichtungen zum Zweck der vor dem Auftrieb vorzunehmenden
Beſichtigungen, ſowie für Räumlichkeiten zum Separieren verdächtiger Tiere und für
das etwa nötige Aufſichtsperſonal hat der Unternehmer Sorge zu tragen (§§ 41 bis
52 der Bundesratsvorſchriften).
Im Falle der Anordnung der im Abſ. 1 enthaltenen Vorſchrift iſt bei Vieh=
märkten
, bei denen die vorausſichlich aufgetriebene Viehzahl über 500 Stück Großvieh
(Pferde, Faſſel, Ochſen, Kühe, Stiere und Rinder) beträgt, zur Ueberwachung des
Marktes ein weiterer beamteter Tierarzt (der Kreisveterinärarzt eines Nachbarkreiſes),
oder falls ein ſolcher nicht zur Verfügung ſteht, ein für dieſes Geſchäft beſonders zu
verpflichtender praktiſcher Tierarzt (§ 2 Abſ. 2 des Reichsviehſeuchengeſetzes) zuzuziehen.

Schafe, Ziegen und Schweine) werden
zwei Stück für ein Stück Großvieh gerechnet.
IV.
Die Koſten der tierärztlichen Ueberwachung der Vieh= und Pferdemärkte, wie
der ſonſt nach § 1 gegenwärtigen Ausſchreibens zu überwachenden Viehbeſtände fallen
dem Unternehmer zur Laſt (Art. 10 des Ausführungsgeſetzes vom 29. April 1912 und
§ 5 Ziffer 3 der Verordnung vom 24. Auguſt 1904 Rgsbl. S. 318).
Iſt nach § 3 Abſ. 3 mehr als ein beamteter Tierarzt oder Stellvertreter eines
ſolchen zur Ueberwachung zuzuziehen, ſo erhöhen ſich die Gebühren um die Hälfte
und ſind in ſolchem Falle unter die Tierärzte zu teilen.
Die Kreisveterinärärzte haben bei Viehmärkten, Viehſchauen uſw. außerhalb
ihres Wohnortes außer der Gebühr Anſpruch auf die ihnen zuſtehenden Tagegelder.
VI.
Amtliche Beſcheinigungen, die infolge Anordnung Großb. Behörden verlangt
werden, hat der beamtete Tierarzt auf Viehmärkten unentgeltlich auszuſtellen, doch
hat für ſolche Fälle die Koſten für Formularien und Schreibhülfe der Unternehmer
des Marktes zu tragen.
VII.
Ueber die dem beamteten Tierarzte zuſtehenden Tagegelder und Gebühren,
ſowie über die Auslagen für verbrauchte Formularien und für etwaige Schreibhülfe
hat derſelbe eine Liquidation aufzuſtellen und dem betreffenden Bürgermeiſter zur
Dekretur vorzulegen.
VIII.
Die Vorſchriften dieſes Ausſchreibens ſind den Unternehmern mitzuteilen.
von Hombergk.
Salomon.
Das vorſtehende Miniſterialausſchreiben über die tierärztliche Ueberwachung
der Viehmärkte bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis.
Darmſtadt, den 21. Auguſt 1912.
Großh. Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.
(18058

Bekanntmachung.

Die nachſtehenden Vorſchriften über die tierärztliche Ueberwachung der
Geflügelausſtellungen bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis.
Darmſtadt, den 21. Auguſt 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
(18056

Darmſtadt, am 12. Juni 1912.
Zu Nr. M. d. J. II 2800.
Betreffend: Die tierärztliche Ueberwachung der Geflügelausſtellungen.

Das Großherzogliche Miniſterium des Innern
an die Großherzoglichen Kreisämter.
Zur Verhütung der Verbreitung von Geflügelſeuchen durch Geflügelausſtellungen
beſtimmen wir auf Grund des § 16 Abſ. 3 u. § 79 Abſ. 2 des Reichsviehſeuchengeſetzes:
Das für eine Geflügelausſtellung beſtimmte Geflügel muß bei ſeinem Eintreffen
am Ausſtellungsorte mit Urſprungszeugniſſen verſehen ſein, die eine genaue Bezeich=
nung
der einzelnen Tiere und die ortspolizeiliche Beſcheinigung enthalten müſſen, daß
der Herkunftsort der Tiere und deſſen Umgebung im Umkreiſe von 5 km ſeit min=
deſtens
6 Wochen frei von Geflügelcholera und anderen ſeuchenartig auftretenden
Geflügelkrankheiten ſind.
II.
Das am Ausſtellungsorte eintreffende Geflügel iſt beim Ausladen auf der
Eiſenbahn, oder, wenn es auf dem Landwege eingeht, vor der Verbringung nach
dem Ausſtellungsplatze durch den mit der Aufſicht betrauten beamteten Tierarzt zu
unterſluchen. Dieſer hat dabei die Beachtung der unter Nr. 1 für die Beibringung
von Urſprungszeugniſſen gegebenen Vorſchriften zu prüfen und darf nur für ſolche
Tiere, die auf Grund einer ſorgfältigen Unterſuchung unverdächtig erſcheinen, die
Ueberführung nach dem Ausſtellungsplatze geſtatten.
III.
Die zur Unterbringung des Geflügels auf der Ausſtellung dienenden Käfige
und ſonſtigen Behälter müſſen vor dem Gebrauche gehörig gereinigt und desinfiziert
werden. Dies gilt namentlich auch für ſolche Käfige, die nach Benutzung zum Trans=
port
des Geflügels im Ausſtellungsraum verwendet werden.
Die Reinigung und Desinfektion iſt in der Weiſe zu bewirken, daß nach Ent=
fernung
der Futkerreſte, des Kotes und ſonſtiger Unreinlichkeiten die Käfige uſw. in
allen ihren Teilen (auch Sitzſtangen, Futter= und Tränkgeſchirre) mit heißer Sodalauge
(3 lg käufliche Waſchſoda auf 100 1 Waſſer) gründlich gewaſchen und demnächſt mit
Kalkmilch beſtrichen werden. Statt Kalkmilch können auch andere gebräuchliche Des=
infektionsmittel
verwendet werden (§ 26 der Anlage A der Bundesratsvorſchriften).
Wenn die Ausſtellungskäfige unmittelbar nebeneinander aufgeſtellt werden,
empfiehlt es ſich, ſie durch dichte Scheidewände (z. B. Glas= oder Blechplatten) von
einander zu trennen.
IV.
In jeder Geflügelausſtellung iſt ein zur etwaigen Abſonderung und näheren
Unterſuchung kranken oder verdächtigen Geflügels beſtimmter, genügend großer und
entſprechend ausgeſtatteter Raum bereit zu ſtellen, der gegen die ſonſtigen Aus=
ſtellungsräume
derart abgeſchloſſen ſein muß, daß eine Uebertragung von Seuchen=
keimen
nicht ſtattfinden kann.
V.
Das ausgeſtellte Geflügel iſt während der Dauer der Ausſtellung fortlaufend
veterinärpolizeilich zu beobachten. Der mit der Aufſicht betraute beamtete Tierarzt
hat mindeſtens einmal am Tage ſämtliche Ausſtellungstiere zu beſichtigen. Bei der
Ueberwachung iſt namentlich darauf zu achten, daß Kadaver gefallener Tiere oder
erkranktes Geflügel aus den Käfigen uſw. keinesfalls ohne Vorwiſſen des beamteten
Tierarztes entfernt werden.
VI.
Bricht in einer Ausſtellung die Geflügelcholera oder eine andere leicht übertrag=
bare
Geflügelſeuche aus oder wird der Verdacht ſolcher Seuchen durch den beamteten
Tierarzt feſtgeſtellt, ſo ſind die erkrankten und die ſeuchen= oder anſteckungsverdächtigen
Tiere ſofort in dem Beobachtungsraum (Nr. 19) abzuſondern und zu bewachen. Das
Betreten dieſes Raumes iſt außer dem beamteten Tierarzte nur den mit der Pflege
der Tiere betrauten Perſonen zu geſtatten und dieſen der Zutritt zu den anderen
Ausſtellungsräumen zu verbieten,
Vorſtehende Anordnungen hat der beamtete Tierarzt ſchon vor dem polizeilichen
Einſchreiten zu treffen (§ 11 Abſ. 2 des Reichsviehſeuchengeſetzes). Zugleich hat er
ſofort die Ortspolizeibehörde von ſeinen Feſtſtellungen und Anordnungen in Kenntnis
zu ſetzen und dem Großherzoglichen Kreisamte, nötigenfalls telegraphiſch, Anzeige
zu erſtatten.
Derjenige Teil des Ausſtellungsplatzes, auf dem das kranke oder verdächtige
Geflügel geſtanden hat oder von dem nach den Umſtänden angenommen werden kann,
daß er durch Kot, Futterreſte uſw., die von jenem Geflügel herrühren, verunreinigt
worden iſt, iſt ſofort gehörig zu reinigen und zu desinfizieren.
VII.
Solange der Verdacht einer ſeuchenartigen Erkrankung beſteht, darf auch geſundes
Geflügel aus den Ausſtellungsräumen nicht entfernt werden, dasſelbe gilt nach amts=
tierärztlicher
Feſtſtelung eines Seuchenausbruches zu der ſtets eine bakteriologiſche
Prüſung erforderlich iſt, für die Dauer von fünf Tagen nach dem letzten Erkrankungs=
falle
, der ſich außerhalb des Beobachtungsraumes unter dem Ausſtellungsgeflügel
ereignet hat.
*Die Schlachtung geſunden Geflügels und die Ausführung der geſchlachteten
Tiere können auch vor Ablauf dieſer Friſt polizeilich geſtattet werden, ſofern nach dem
Gutachten des beamteten Tierarztes die Gefahr einer Seuchenübertragung damit nicht
verbunden iſt.
VIII.
Die Seuche gilt auch innerhalb des Beobachtungsraumes als erloſchen und die
Sperrmaßregeln ſind aufzuheben, wenn alle kranken oder verdächtigen Tiere gefallen
oder getötet ſind oder wenn die Unverdächtigkeit des überlebenden Geflügels durch
das Gutachten des beamteten Tierarztes feſtgeſtellt und wenn auberdem in allen
Fällen die Reinigung und Desinfektion der verſeuchten Käfige und Räumlichkeiten
nach Anweiſung des beamteten Tierarztes ausgeführt und dies von ihm beſcheinigt
worden iſt.
IX.,
Die Reinigung und Desinfektion (Nr. VI letzter Abſatz und Nr. VIII) hat nach
Maßgabe der Grundſätze in § 297 der Bundesratsvorſchriften vom 7. Dez. 1911 zu

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Nummer 102.

Amtsverkündigungsblatt Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt.
Samstag, den 31. Auguſt 1912.

erfolgen. Die Kleider und Stiefel des mit der Bewachung und Pflege des erkrankten
und verdächtigen Geflügels betrauten Aufwarteperſonals ſind nach § 3 und § 14
Ziffer 9 und 10 der Anlage A zu den Bundesratsvorſchriften vom 7. Dez 1911 zu
behandeln.
X.
Im übrigen finden die zur Bekämpfung der Geflügelcholera und Hühnerpeſt,
namentlich auch die über die unſchädliche Beſeitigung der Kadaver getroffenen Beſtim=
mungen
(§§ 290 bis 299 der Bundesratsvorſchriften) auch auf Seuchenausbrüche in
Geflügelausſtellungen Anwendung.
Vorſtehende Vorſchriften gelten unbeſchadet der bereits auf Grund der §§ 18
und 28 des Reichsviehſeuchengeſetzes erlaſſenen und der künftig etwa für den Fall
und die Dauer einer größeren Seuchengefahr zu erlaſſenden Verbote der Abhaltung
von Geflügelausſtellungen.
XI.
Bei Geflügelausſtellungen, die nur aus dem Ausſtellungsort und deſſen Nachbar=
orten
beſchickt werden, ſind die Großh. Kreisämter ermächtigt, von der Beaufſichtigung
Abſtand zu nehmen, falls nicht beſondere Gründe für deren Aufrechterhaltung ſprechen
(§ 6 Abſ. 2 der Bundesratsvorſchriften vom 7. Dez. 1911).
Salomon.
von Hombergk.

Darmſtadt, am 12. Juni 1912.
Zu Nr. M. d. J. II. 2806.
Betreffend: Maßregeln zur Verhütung der Einſchleppung von Geflügelſeuchen.

Das Großherzogliche Miniſterium des Innern
an die Großherzoglichen Kreisämter.
Bei der veterinärpolizeilichen Behandlung des aus dem Ausland eingeführten
Geflügels (Gänſe, Enten, Haushühner einſchl. Perlhühner, Truthühner, Pfauen,
Tauben und Schwäne) kommen im Gebiet des Deutſchen Reichs folgende Grundſätze
in Anwendung:
I.
Lebendes Geflügel darf aus dem Auslande nur an den von der Landesregierung
beſtimmten Grenzübergangsſtellen eingelaſſen werden. Die Einfuhr darf nicht mittels
Fußtransports und nur in ſolchen Wagen, Käfigen, Körben oder ähnlichen Behält=
niſſen
erfolgen, deren Einrichtung ein Herausfallen von Kot, Futterreſten und Streu
tunlichſt verhindert.
Ausnahmsweiſe kann das Treiben von Gänſen auf beſtimmten Straßen von
der Grenze zwecks Verladung nach der nächſten Eiſenbahnſtation geſtattet werden.
Beim Eiſenbahntransport iſt, wenn angängig, zu vermeiden, daß das aus=
ländiſche
Geflügel mit inländiſchem in ein und demſelben Wagen befördert und auf
den Güterböden und Laderäumen der Eiſenbahnen mit ihm zuſammengeſtellt wird.
II.
Die aus dem Auslande kommenden Geflügeltransporte ſind an den Einlaß=
ſtellen
einer amtstierärztlichen Unterſuchung zu unterziehen. Gänſe, die von der Grenze
nach der nächſten Eiſenbahnſtation getrieben werden dürfen, ſind ſpäteſtens bis zur
Verladung amtstierärztlich zu unterſuchen. Zum Zwecke der Unterſuchung iſt das in
Wagenladungen eingehende Geflügel, ſoweit tunlich, zu entladen.
III.
Die mit der Eiſenbahn in ganzen Wagenladungen — loſe oder in Stiegen ver=
packt
— eingehenden Geflügelſendungen ſind beim Einlaſſe, die Transporte von
Gänſen, die von der Grenze zur nächſten Station getrieben werden dürfen, bei der
Verladung dergeſtalt eiſenbahnamtlich unter Plombenverſchluß zu nehmen, daß eine
Beſeitigung von Tieren oder Kadavern ohne ſichtbare Beſchädigung des Verſchluſſes
nicht möglich iſt.
Ergibt ſich die Notwendigkeit, während der Beförderung den Plombenverſchluß
zu löſen, z. B. zum Zwecke der Fütterung oder Tränkung, ſo darf dies nur eiſenbahn=
amtlich
und unter eiſenbahnamtlicher Ueberwachung der Transporte bis zur Wieder=
anlegung
des Plombenverſchluſſes geſchehen. Die Löſung des Plombenverſchluſſes
am Entladeorte darf nur unter polizeilicher Ueberwachung derart erfolgen, daß eine
unbemerkte Beſeitigung etwa erkrankter oder verendeter Tiere ausgeſchloſſen iſt.
Iſt der Plombenverſchluß während der Beförderung unbefugter Weiſe geöffnet
worden und liegt der Verdacht vor, daß dies zur Beſeitigung kranker oder verendeter
Tiere geſchehen iſt, ſo iſt die Sendung bis zur Feſtſtellung der Seuchenfreiheit,
mindeſtens aber 24 Stunden lang, abzuſondern und unter polizeiliche Beobachtung
zu ſtellen.
IV.
Bei der Entladung oder, ſofern es ſich um Stückgutſendungen handelt, vor der
Auslieferung iſt das mit der Eiſenbahn oder zu Schiff eingegangene oder weiter
beförderte ausländiſche Geflügel einer abermaligen amtstierärztlichen Unterſuchung
zu unterwerfen. An Stelle oder neben dieſer Unterſuchung kann ſeine veterinärpoli=
zeiliche
Beobachtung am Entlade= oder am Beſtimmungsorte vorgeſchrieben werden.
Die amtstierärztliche Unterſuchung bei der Entladung kann unterbleiben, wenn
nicht mehr als 12 Stunden zwiſchen der Grenzunterſuchung und der Ankunft am
Orte der Entladung verſtrichen ſind.
V.
Auf das im Poſt= und Reiſegepäckverkehr und auf das über See aus dem
Ausland eingehende Geflügel ſowie bis auf weiteres auf die Durchfuhr von lebendem
Geflügel durch das Reichsgebiet finden vorſtehende Grundſätze keine Anwendung.
Auch können Ausnahmen davon zugelaſſen werden:
1. für Tauben,
2. für Geflügel, das im Bereiche des Verkehrs in den Grenzbezirken ſich bewegt,
ſofern es ſich um Transporte von weniger als 100 Stück handelt.
Wir beſtimmen hierzu, daß die in IV Abſ. 1, Satz 2 vorgeſehene veterinär=
polizeiliche
Beobachtung am Entlade= oder am Beſtimmungsort immer dann anzuordnen
und auf 3 Tage zu bemeſſen iſt, wenn es ſich um Transporte handelt, die bei der
Unterſuchung bei der Entladung oder vor der Ablieferung ſeucheverdächtig erſcheinen.
Die dreitägige Beobachtung (Quarantäne) iſt nur bei ſolchen Transporten
erforderlich, in denen ſich bei Ankunft am Beſtimmungsort ſeucheverdächtiges Geflügel

vorfindet. Geflügeltransporte, in denen eine Geflügelſeuche oder der Verdacht einer
ſolchen ermittelt wird, unterliegen den gleichen Beſtimmungen wie einheimiſche ver=
ſeuchte
Beſtände (§§ 289 bis 299 der Bundesratsvorſchriften).
von Hombergk.
Salomon.
An die Ortspolizeibehörden und die Gendarmerie des Kreiſes.
Die vorſtehenden Maßregeln zur Verhütung der Einſchleppung von Ge=
flügelſeuchen
empfehlen wir Ihrer Beachtung.
Darmſtadt, den 21. Auguſt 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.
(18057

Bekanntmachung.

Am 2. September d. Js. findet in dem Gelände zwiſchen Rohrbach, Wembach,
Hahn, Dilshofen, Zeilhard, Roßdorf, Ober=Ramſtadt, Nieder=Modau und Ober=Modau
ein Schießen des 1. Naſſauiſchen Feldartillerie=Regiments Nr. 27 Oranien mit ſcharfer
Munition ſtatt.
Das Regiment ſchießt in erſter Feuerſtellung öſtlich von Ober=Modau nach dem
Roſenberg, in der zweiten Feuerſtellung ſüdöſtlich Ober=Ramſtadt nach dem Röderberg.
Das durch die Poſtenlinie abgeſperrte Gelände darf am 2. September von 7 Uhr
vormittags ab bis nach Beendigung des Schießens vorausſichtlich 11 Uhr mittags
nicht betreten werden.
Den Weiſungen der Poſten iſt unbedingt Folge zu leiſten.
Nach Beendigung des Schießens werden die Poſten eingezogen und hierdurch
das Gelände für den Verkehr wieder frei gegeben.
Es wird eindringlichſt davor gewarnt, blindgegangene (nicht zerſprungene) Ge=
ſchoſſe
zu berühren, weil dadurch das Zerſpringen derſelben herbeigeführt werden kann
und dies mit Lebensgefahr verbunden iſt. Von dem Auffinden eines ſolchen Ge=
ſchoſſes
iſt der betreffenden Ortsbehörde und von dieſer dem Feldartillerie=Regiment
Nr. 27 Oranien in Mainz unter genauer Angabe des Fundortes umgehend Mitteilung
zu machen. Das Geſchoß muß bis zum Eintreffen des Sprengkommandos unter Be=
zeichnung
der Stelle durch ein Warnungszeichen unberührt liegen bleiben. Der Finder
erhält als Findegeld für jedes blindgegangene Geſchoß den Betrag von 1 Mark.
Darmſtadt, den 27. Auguſt 1912.
(18060ds
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: von Werner, Reg.=Rat.

Bekanntmachung.

Wir bringen hiermit zur Kenntnis der Intereſſenten, wie in nachſtehenden Ge=
meinden
des Kreiſes Offenbach der Beginn der allgemeinen Obſternte feſtgeſetzt
worden iſt.
(18231
Offenbach, den 24. Auguſt 1912.
Großherzogliches Kreisamt.
Lochmann.
Bieber:
14. September für Zwetſchen,
23. September für Aepfel und Birnen.
Dietesheim:
Kein beſtimmter Termin.
1. Oktober für Aepfel.
Dietzenbach:
Dreieichenhain: 30. September für Aepfel und Spätbirnen.
Dudenhofen:
Kein beſtimmter Termin.
Egelsbach:
16. September für Zwetſchen,
1. Oktober für Aepfel und Birnen.
9. September für Zwetſchen,
Froſchhauſen:
16. September für Aepfel,
1. Oktober für Spätbirnen.
Götzenhain:
1. September für Zwetſchen,
1. Oktober für Aepfel und Spätbirnen.
Groß=Steinheim: Kein beſtimmter Termin.
Hainhauſen:
Kein beſtimmter Termin.
Kein beſtimmter Termin.
Hainſtadt:
Hauſen:
Kein beſtimmter Termin.
Heuſenſtamm:
Kein beſtimmter Termin.
Jügesheim:
Kein beſtimmter Termin.
Klein=Auheim:
Kein beſtimmter Termin.
Klein=Krotzenburg: Kein beſtimmter Termin.
Klein=Steinheim: 20. September für ſämtliches Obſt.
Klein=Welzheim: Kein beſtimmter Termin.
Lämmerſpiel:
15. September für Zwetſchen,
25. September für Aepfel und Birnen.
Langen:
1. September für Zwetſchen und ſonſtiges Steinobſt,
25. September für Aepfel und Birnen.
Mainflingen: 2. September für Zwetſchen,
16. September für Aepfel und Birnen.
Mühlheim:
19.—23. September für alle Obſtſorten.
Neu=Iſenburg:
Kein beſtimmter Termin.
Obertshauſen:
Kein beſtimmter Termin.
10. September für Zwetſchen,
Offenthal:
25. September für Aepfel und Birnen.
Kein beſtimmter Termin.
Rembrücken:
Kein beſtimmter Termin.
Rumpenheim:
15. September für alle Obſtſorten.
Seligenſtadt:
30. September für Aepfel,
Sprendlingen:
10. Oktober für Spätbirnen.
23. September für Aepfel.
Steinbach:
Kein beſtimmter Termin.
Weiskirchen:
Kein beſtimmter Termin.
Zellhauſen:

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Gefunden: 1 Matratze für ein Kinderbett. 1 Medaillon.
1 goldener Zwicker. 1 Filzhut, 1 Mütze, 1 Selbſtbinder und Kragen=
knopfe
. 1 goldener Zwicker mit Etui. 1 ſchwarzſeidener Beutel mit
Portemonnaie nebſt Inhalt. 1 grünled. Kinderportemonnaie mit
Inhalt. 1 rotes mit Perlen verziertes Handtäſchchen mit Porte=
monnaie
und Taſchentuch. 2 mittelgroße Schlüſſel. 1 Damenſchirm
mit braunem Griff (in der elektr. Straßenbahn verwechſelt). 1 Trans=
porteur
. 1 Hutnadel. 1 ſchwarz. Damenſchirm. 1 Reißzeug. (18210

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=

licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher, 1 Foxterrier (zugelaufen). Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden.
Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
(18225
Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

Sonntagsruhe in den Apotheken. Am Sonntag, den

1. September, ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr abends
folgende Apotheken geöffnet: Merckſche Engel=Apotheke, Rheinſtraße,
und Beſſunger Apotheke, Karlſtraße. Alle übrigen Apotheken ſind
von 1 Uhr ab geſchloſſen.
Straßenſperre. Wegen Vornahme von Kanalbauarbeiten wird
die Weinbergſtraße zwiſchen der Ludwigshöh= und Kiesbergſtraße
vom 31. Auguſt bis 7. September ds. Js. für den Fuhrwerksverkehr
(18224
geſverrt.

Verkaufspreiſe der Fleiſch=u. Wurſtwaren i. d. Haupt= u. Reſidenzſtadt Darmſtadt.
(Nach den Mitteilungen des Vorſtandes der Metzger=Innung.)

per ½ kg
.100 Pfg.
Ochſenfleiſch
94
Rindfleiſch
Fett, roh
70
80
Fett, ausgelaſſen
Leber
80
Kalbfleiſch
100
Hammelfleiſch
.100
70
Bruſt
Schweinefleiſch
100
Rippchen, Kammſtück, ge=
ſalz
. Fleiſch u. Kottelets 110

per ½ kg
Speck, geräuchert
.120 Pfg.
Dörrfleiſch
. 120
Schinken m. Bein .
120
Rollſchinken
. 140
Schweineſchmalz, roh
. 96
u. ausgelaſſen
Schwartenmagen,
Fleiſch= u. Bratwurſt . 96
Leber= u. Blutwurſt . . 80

Dachpappe
Verſch. Schloſſer=Werkzeuge
wie Werkbank mit Schraubſtock,

Lötlampe, diverſe Feilen, ſowie
verkaufen
(*4728fso maszuglampe, faſt neu, bill. zu verk.
Littmann, Feldbergſtraße 30. 10 Frankfurterſtr. 55, II. I. (*4817

Mayer & Sender
ein Herren=Tandem billig zu Waldſtr. 35. Teleph. 670. (16434a

Bekanntmachung.

Montag, 16. September 1912,
vormittags 11 Uhr,
ſollen auf freiwilligen Antrag des
Rechtsanwalts Raab in Darm=
ſtadt
die den verſtorbenen Philipp
Erbes Eheleuten dahier gehörigen
Liegenſchaften:
Flur Nr. qm
I 453//10 203 Hofreite Lud=
wigshöhſtraße

Nr. 47,
I 453¾10 94 Grabgarten
daſelbſt,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, zum Dritten= und
Letztenmale verſteigert werden.
Darmſtadt, 28. Auguſt 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz. (VI18197

Dünger=Verkauf.

Montag, 2. September ds. Js.,
vormittags von 10 Uhr ab,
ſoll auf dem Hofe der Trainkaſerne
Eſchollbrücker Straße Nr. 24, die
Matratzenſtreu von zwei Kompag=
nien
öffentlich meiſtbietend verſtei=
gert
werden.
(18227
Train=Bataillon Nr. 18.

Dünger=Verkauf.

Montag, 2. September ds. Js.,
vormittags 10 Uhr,
wird auf dem Hofe der Artillerie=
ſowie
Iſolierplatten billigſt bei Kaſerne, Heidelbergerſtraße in
Darmſtadt, die Matratzenſtreu
einer Batterie meiſtbietend ver=
kauft
.
(18241
Feld=Artillerie=Regiment Nr. 25.

Sedan=Feier.

An die Einwohner Darmſtadts richte ich hiermit die Bitte, am
2. September
dem Sedantage
durch Schmuck der Häuſer darzutun, daß wir die Erinnerung an den
großen Tag und die Dankbarkeit gegen die tapferen Kämpfer von
1870/71 unauslöſchlich bewahren.
(17731ss
Darmſtadt, den 20. Auguſt 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Jaeger.

in der „Ernst-Ludwig-Heilanstalte
(Dr. Lossen’s Klinik)
ist ein Radiumemanatorium
eröffnet worden.
Inhalationszeit: 10—12 Vorm. (15727a
4—6 Nachm.
an Wochentagen. Sonntags nur Vormittags.
Günstig beeinflusst werden:
Gicht in allen Formen, chronischer Rheums-
tismus
der Muskeln u. Gelenke, Zuckerkrankheit,
Störungen des Stoffwechsels, Blutkrankheiten,
sowie eine Reihe von Haut- und Nervenleiden.


Casertlus

Mühlstrasse 20/22
Telefon 546
Baumaterialien- u. Nutzholz-Handlung
Cement — Kalk
Bretter — Dielen
Tonröhren
Rahmen — Latten
Bimscementdielen
Bauholz
Schwemmsteine
Eichen — Kiefern
Dach- und Isolierpappen Deutsche, schwedische u.
Carbolineum
amerik. Fußbodenriemen
Falzziegel- Biberschwänze Tellow Pine usw. usw.
Fußboden- und Wandplatten.
(1665a

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Nummer 205.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.

Seite 13.

her Haferankauf iſt aufgenommen worden. Der Ankauf
14 von Roggen, Heu und Stroh wird fortgeſetzt. (318203

Proviantamt Darmſtadt.

Versteigerungs Fnzeige!

Dienstag, den 3. September I. J., vorm. 9 Uhr,
verſteigere ich im Auftrag des Teſtamentsvollſtreckers im Hauſe
Saalbaustrasse I1 die zum Nachlaß der Frau Kammer=
muſikus
Bauer Witwe gehörigen Möbel und Haushaltungs=
gegenſtände
, und zwar:
1 Sofa mit 6 Stühlen, 1 Büfett nußb. pol., 2 Glasſchränke,
1 Chiffoniere, 2 Kommoden, 2 Pfeilerſchränkchen, 1 Chaiſe=
longue
, 1 Ausziehtiſch, verſch. andere Tiſche, Ziertiſche, Stühle
und Seſſel, 1 pol. Kleiderſchrank, 1 weiß lack. Kleiderſchrank,
1 großer zweitür. Kleiderſchrank;
2 komplette Betten mit Sprungfeder, Roßhaarmatratzen,
1 Waſchtiſch, 2 Nachttiſche, Spiegel, Bilder, Vorhänge,
Teppiche, Nippſachen, Porzellan, Glas, Tiſch= u. Bett=
wäſche
, ſowie alle ſonſtige Haushaltungsgegenſtände
1 noch ſehr guten Badeofen mit Wanne, 1 Eisſchrank
und 1 Fahrrad.
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare
Zahlung ſtatt.
Darmſtadt, den 31. Auguſt 1912.
(18239so
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator,
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.

Ehorme Auswanl

als

276

Büfetts

Verſteigerungs-Anzeige.

Montag, den 2. September 1912, vormittags
9 Uhr,
verſteigere ich im gefl. Auftrag der Firma Wolf & Co. nachſtehende
Lagermöbel
im kleinen Saal der Turngemeinde, Woogsplatz
Modernes Schlafzimmer
beſtehend aus 2 Betten mit dreiteiligen Matratzen, Waſch=
tiſch
mit Marmor= und Spiegelaufſatz, zweitürigem Spiegel=
ſchrank
, 2 Nachtſchränken und 2 Stühlen.
Komplette Küche, beſtehend aus Schrank,
Tiſch, Anrichte, 2 Stühlen und Brett.
1 Kaſſenſchrank auf 1.50X0.55X0.68 Mtr.
1 Diwan mit Umbau.
1 antiker Damenſchreibtiſch (Boule)
und Kommode.
Eichener Bücherſchrank, 2 weißlackierte Reform=
betten
m. Roßhaarmatratzen u. Waſchtiſch, 1 großer
vergold. Ankleideſpiegel, 2 Salongarnituren,
2 Sofas, 2 Seſſel und 6 Stühle, Schränke ( ein=
u
. zweitürig), Betten, 1 Ringſchiff=Nähmaſchine,
Kommode, Büfett, Diwan, Schreibtiſch, Steh=
pult
, Stühle, Spiegel, Tiſche, Waſchmaſchine,
Gaslampen, Gasheizofen, Petroleumofen uſw.
Die Gegenſtände ſind gut erhalten und können Samstag nach=
mittag
von 5 Uhr an in dem Verſteigerungslokal beſichtigt werden.
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare
Zahlung ſtatt.
(*4681ds
F. Kurtz, Anktionator und Taxator
Telephon 1202. Pädagogſtraße 2.
Aufträge werden jederzeit entgegengenommen.

— unſer Handelsregiſter, Abrei=
lung
A, wurde

1. am 23. Auguſt 1912 neu ein=
getragen
die Firma:
Rechts=Inkaſſo=Bureau
„Fortuna‟ Katharina Geb=
hardt
, Darmſtadt.
Inhaber: JakobGebhardt
Ehefrau, Katharina, geborene
Schiemer, in Darmſtadt.
Jakob Gebhardt, Kauf=
mann
in Darmſtadt, iſt zum
Prokuriſten beſtellt.
2. am 24. Auguſt 1912 einge=
tragen
bezüglich der Firma:
a) J. Keßler zu Darmſtadt.
Die Firma iſt erloſchen.
b) Darmſtädter Löwen=
brauerei
Ballé & Mohr,
Darmſtadt. (18288
Die Firma iſt erloſchen.
Darmſtadt, 24. Auguſt 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Dünger=Verkauf.

Dienstag, den 3. September,
von 930 Uhr vormittags ab,
wird auf dem hinteren Hofe der
alten Kavallerie=Kaſerne in Darm=
ſtadt
die Matratzenſtreu von einer
Eskadron öffentlich meiſtbietend
(18213so
verſteigert.
Garde=Dragoner=Regiment
Nr. 23.

(18211
Das
Grummetgras
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Näheres Dieburgerſtraße 93.

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Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1913.

Nummer 205.

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Seite 15.

Nummer 205.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.

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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.

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205.

Samstag, 31. Auguſt.

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Die däniſchen Auſternbänke und die
Auſternfiſcherei.
Von J. H. Andreſen (Berlin).

Der Feinſchmecker richtet ſein Augenmerk mit beſon=
derer
Vorliebe auf den Speiſezettel, wenn die Auſtern=
ſaiſon
beginnt, und ſieht dieſen Beſtandteil eines opulen=
ten
Mahles mit Wehmut von dieſem abgeſetzt. Die ſkan=
dinaviſche
Küſte, die ja in gutem Rufe ſteht, vermag auch
dem verwöhnteſten Geſchmack durch Beigabe der däniſchen
Auſter Rechnung zu tragen. Es dürfte daher weitere
Kreiſe intereſſieren, über ſie Näheres zu hören.
Bekanntlich ſiedelt die Auſter ſich auf ſogenannten
Bänken an, über die Waſſer mit mindeſtens 3 Prozent
Salzgehalt hinweggeht.
Die Auſtern wurden früher von der jütländiſchen
Küſte, um Skagen herum, unter der Bezeichnung „ Flad=
ſtrandauſter
” bezogen, während jetzt der Limfjord das
Gebiet der däniſchen Auſter bildet. Ein Blick auf die
Landkarte zeigt ihn als einen Meeresarm des Kattegat,
der durch den Thyborönkanal auch mit der Nordſee in
Verbindung ſteht, der 1460 Kilometer umfaßt und eine
Länge von 157 Kilometer hat.
Durch die von den däniſchen Archäologen Steenſtrup
und Worſage entdeckten Abfallhaufen (Kökkenmöddinger)
der Vorzeit, deren Erforſchung ſo unendlich viel zur Feſt=
ſtellung
der Vergangenheit des Nordens beigetragen hat,
iſt nachgewieſen daß während der älteſten Periode, der
Steinzeit (Stenalderen), Auſtern den Bewohnern als
Nahrungs= und Genußmittel bekannt waren. Es muß
daher angenommen werden, daß der Limfjord ſowohl
von der Nordſee wie von der Oſtſee Waſſerzufuhr erhalten
hat, da, wie bereits erwähnt, die Auſter ſonſt nicht lebens=.
fähig bleibt. Dieſe Verhältniſſe werden ſich geändert
haben, als durch Schlickbildung die Salzwaſſerzufuhr auf=
hörte
. Statt einer Durchgangswaſſerſtraße entſtand eine
Reihe von Binnenſeen, die ausſchließlich mit der Oſtſee
in Verbindung blieben.
Vom Waſſer des Limfjords umgeben, liegt die 365
Quadratkilometer große Inſel Mors deren Hauptſtadt
Nyköbing mit der Zuſatzbezeichnung p. M. (par Mors),
auf Mors, iſt.
Seit dem Chriſtentum kamen die Klöſter, und um das
Kloſter Dueholm ſiedelten ſich die Bewohner an, wodurch

Nyköbing entſtand Es waren die Einwohner wohl meiſt
Sceleute und Fiſcher, die als Schutzpatron den Heiligen
Clemens erkoren. Daher trägt auch die älteſte Kirche in
Nyköbing deſſen Namen, der auch in den Küſtenſtädten
Jütlands und auf den Inſeln der Oſtſee des öfteren ver=
treten
iſt. Von der Auſternfiſcherei aber war durch Jahr=
hunderte
am Limfjord nichts bekannt.
Als indes im Jahre 1825 die gewaltige Sturmflut
verheerend über die jütländiſche Weſtküſte hereinbrach
und das ſalzige Waſſer der Nordſee ſich bei Thyborön in
den Limfjord ergoß, richtete dies grenzenloſen Schaden
in dem Seengebiet an, indem es der Süßwaſſerfauna das
Todesurteil ſprach. Da wurden nach vier Jahren alſo
1829, von ungefähr bei der=Stadt Lemvig, an dem ſüd=
weſtlichen
Teile des Limfjords, nach mehr als 1000 jähri=
ger
Abweſenheit Auſtern gefunden, und von dort aus
haben ſie ſich über das ganze Waſſergebiet verbreitet und
die Bänke (Däniſch: Bredning) beſiedelt.
Dies erſcheint durch die biologiſchen Feſtſtellungen
leicht erklärlich. Eine Auſter hat eine Million Eier. Die
Laichzeit iſt vom Juni his zum September Die aus den
Eiern geſchlüpften Larven ſchre irmen mittels des ihnen
verliehenen Organs, des „Segels”, durch die Strömun=
gen
getrieben, aus. Nach Verluſt des „Segels”, das ihnen
von der Natur nicht wieder erſetzt wird werden ſie ſeß=
haft
und laſſen ſich, „der Not gehorchend”, auf einer der
Bänke nieder, um möglicherweiſe eine bereits vorhandene
Siedelung zu vergrößern oder eine neue zu bilden.
Es wurde der Auſternſiſcherei zunächſt eine größere
Bedeutung nicht beigemeſſen. Erſt im Jahre 1851, alſo
nach 22 Jahren, wurde dieſe von Staats wegen Privat=
perſonen
in Limfjord unterſagt. Man übertrug das
Recht des Auſternfiſchens Pächtern von zehn zu zehn
Jahren gegen eine jährliche Pacht von 3—400 Kronen.
Das Fangergebnis wurde pro Jahr auf 80000 Auſtern
angegeben. Für die nächſten zehn Jahre wurde die
Pachtſumme um das Doppelte erhöht, dafür aber holte
man in den letzten Pachtjahren bis zu fünf Millionen
Auſtern heraus. Bei ſolchen Fangergebniſſen ſchnellte
der Pachtpreis natürlich unheimlich in die Höhe und er=
reichte
endlich eine jährliche Pachtſumme von 24000 Kro=
nen
. Dieſe abnormen Verhältniſſe mußten naturgemäß
zur Raubfiſcherei und zum Ruin der Auſternbänke führen,
zumal über ſieben Millionen Auſtern pro Jahr gefangen
wurden. Der Auſternfang geſtaltet ſich mit ſogenannten
Auſternrechen äußerſt einfach. Der Rückſchlag war un=
vermeidlich
und führte denn auch zur behördlich angeord=
neten
Schonzeit.
Heute iſt die Auſternfiſcherei einer Geſellſchaft über=
tragen
mit einem ausführenden Direktor und einem
wiſſenſchaftlichen Leiter. Durch dieſe Maßnahme iſt die
Gewähr vorhanden, daß dem Lande eine dauernde Ein=
nahmequelle
geſichert, der zunächſt beteiligten Bevölker=
ung
Gelegenheit zur Arbeit geboten wird und Verdienſt
zufließt und trotzdem den Gefellſchaftern eine gute Divi=
dende
erwächſt. Die Geſellſchaft zahlt dem Staate eine
jährliche Pacht von 45000 Kronen, und das Ergebnis
der diesjährigen Saiſon, die Ende April ſchloß, war

3 900000 Auſtern, alſo ungefähr 600000 mehr als im
Vorjahre, was aber auf die Entdeckung einer neuen, bis=
her
nicht bekannten Auſternbank zurückzuführen iſt, die
einen außergewöhnlich reichen Fang zeitigte. Die letzte
Kampagne wird der Geſellſchaft ſicherlich einen Netto=
überſchuß
von 120000 Kronen gebracht haben.
Die Auſternfiſcherei wird mit fünf Fangſchiffen be=
trieben
, von dieſen aus wirken mechaniſche Auſternrechen,
die ſich heben und ſenken und die Beute an Bord ſchaffen.
Daß bei einem ſolchen Großbetrieb entſprechende Bau=
lichkeiten
und Anlagen für Aufnahme, Konſervierung und
Verſendung erforderlich ſind, bedarf wohl kaum der Er=
wähnung
. Dieſe befinden ſich unmittelbar vor den Toren
Nyköbings. Dort findet man auch ein Aquarium, das
im kleinen den Kampf ums Daſein in den Fluten veran=
ſchaulicht
.
Die Auſternfiſcherei iſt die Haupteinnahmequelle und
naturgemäß daher auch das ſtehende Geſprächsthema der
8000 Einwohner der Stadt. Es iſt daher nicht verwun=
derlich
, wenn alltags und bei feſtlichen Gelegenheiten die
Auſter in Poeſie und Proſa verherrlicht wird. Durch die
„Auſternpoeſie” geht ein gewiſſer humoriſtiſcher Zug, der
wohl nicht zum geringſten Teil darin ſeinen Grund hat,
daß man einer geſicherten Zukunft in pekuniärer Bezieh=
ung
entgegenſehen kann, umſomehr, als die Auſternkultur
nach wiſſenſchaftlichen Grundſätzen überwacht und ge=
leitet
wird und auch eine ſtete Nachfrage vorhanden iſt.
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Beweiſen in Schrift und Wort entgegengearbeitet wor=
den
, um der bildenden Kunſt eine weniger ſpezialiſtiſche
Richtung zu geben und ſie wieder in gemäßigtere Bahnen
zu leiten, welche der Forderung der Aeſthetik, einer Ver=
einigung
von Realismus und Idealismus, entſprechen.
Auch die Monographie des Karlsruher Profeſſors an der
Akademie der bildenden Künſte Ferdinand Keller iſt in
dieſem Sinne geſchrieben, und der Verfaſſer weiſt an der
Hand von deſſen Werken nach, daß Ferdinand Keller einer
der wenigen Künſtler unſerer Epoche iſt, welche die eiht=
ſchen
, äſthetiſchen, techniſchen Anforderungen an Werke
der bildenden Kunſt erfüllen. In ſeiner natürlichen Be=
ſcheidenheit
hat Ferdinand Keller alle neuzeitlichen Hilfs=
mittel
, ſich bekannt zu machen, abgelehnt. Infolgedeſſen
iſt bis heute kaum in die breite Maſſe gedrungen, daß
ſein Name einen Ehrenplatz in der Kunſtgeſchichte ein=
nimmt
. Jedem Kunſtliebhaber, der die Schönheit als
erſtes Grundprinzip in der Kunſt verehrt, iſt die Mono=
graphie
Ferdinand Kellers aufs angelegentlichſte zu emp=
fehlen
.

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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.

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Nummer 205.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.

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Roman von Sidonie Judeich=Mierswa.
Nachdruck verboten.)

3. Kapitel.
Joachim ſtand am Fenſter ſeines Wohnzimmers in
der elterlichen Villa. Suchend blickten ſeine Augen auf zu
dem grauen Märzhimmel, an dem regenſchwer die Wolken
hingen. Kein noch ſo heller Streifen zeigte ſich, durch den
die Sonne hätte hindurchdringen können.
Aufſeufzend trat der junge Mann zurück und begann
von neuem, was er ſchon ſeit Stunden getan hatte, ruhelos
im Zimmer auf und ab zu ſchreiten. Nervös ſpielte
er an der Kette ſeiner Uhr, die er in kurzen Zwiſchen=
räumen
immer wieder hervorzog. Wie langſam
die Zeit rückte! Erſt acht Uhr. Vor zehn Uhr war nicht
daran zu denken, mit den Eltenn, die dann erſt ihr Früh=
ſtück
einnahmen, zu reden. Noch zwei lange Stunden!
Zwei Stunden, dann ſtand er am Wendepunkt ſeines
Lebens! Jahrelang hatte er ſie getragen, dieſe Laſt eines
aufgedrängten Berufs, die ihm kein Glück, keine Befriedig=
ung
gewährt hatte Jetzt wollte er ſie endlich von ſich ab=
ſchütteln
, wollte ſich freimachen. Er wußte, daß die Aus=
einanderſetzungen
, die er nun mit den Eltern haben würde,
keine leichten ſein würden. Er wollte ſich wappnen mit
allem Mut, den er beſaß, um alle Angriffe und Gegenſtände
ſiegreich zurückzuſchlagen. Ein dorniger, ſteiniger Pfad lag
vor ihm, aber Adas Liebe würde ihm dieſen Weg mit
Roſen umſäumen.
Ada! Unbewußt und unhörbar fanden ſeine Lippen
dieſen Namen, und ein tiefes Glücksempfinden durchzitterte
ihn dabei. Ueber ſein bleiches, übernächtiges Geſicht ging
es wie ein Sonnenhauch und wiſchte für einen Augenblick
oll das Fipßere, Trotzige, das darauf lag, hinweg.

An wer ſehvitlichſein, der ſeine Brout Whren
nach ſchwerem Kampfe mit ihrem Vater war es ſo weit ge=
kommen
.
Mit greifbarer Deutlichkeit ſtanden all die Einzelheiten
des geſtrigen Abends vor ihm, und wieder durchlief er im
Geiſte die ganze Fülle von Empfindungen, die übermächtig
auf ihn eingeſtürmt waren. Der Schreck und Schmerz, als
er weinend und faſſungslos Ada in dem kleinen Flur ſtehen
ſah, hatten ſich in Empörung und Wut gewandelt und in
brennende Scham darüber, daß es ſeine Mutter war, die
dieſen Schlag gegen die Geliebte geführt hatte. Seine
Mutter, zu der er, trotz aller Herbheit und Kühle, die ihrem
Weſen eigen waren, bisher doch noch in kindlichem Glau=
ben
an die Vornehmheit ihrer Geſinnung aufgeſehen hatte,
war einer ſolchen Tat fähig geweſen! Mit kalter Grau=
ſamkeit
einen Menſchen grundlos auf das tiefſte in ſeiner
Ehre zu kränken? Wie mit Flammenſchrift hatte ſich der
Inhalt ihres Briefes in ſeine Seele gegraben:
„Mein Fräulein!
Zwingende Gründe veranlaſſen mich, Sie zu erſuchen,
die Malſtunden meiner Tochter als beendet anzuſehen und
mein Haus nicht mehr zu betreten. Das Honorar für den
laufenden Monat füge ich bei. Marie von Leerſen.”
Heiß wallte es von neuem in ihm auf. War es nicht
unwürdig einer Dame, ſolche Schmach einem jungen un=
beſcholtenen
Mädchen zuzufügen, ſie wie eine Verbrecherin
oon der Schwelle des Hauſes zu weiſen? Selbſt wenn die=
ſes
Mädchen nicht ſeine Braut war, hätte ihn ein derartiges
Vorgehen empört und mit Abſcheu erfüllt. Hier aber traf
es ihn mitten ins Herz. Um ſeinetwillen hatte Karl Au=
guſt
die Mutter veranlaßt, dieſen Brief zu ſchreiben. Und
er, der Ada hatte ſchützen wollen vor allen Unbilden des
Lebens, er war gewiſſermaßen ſelbſt ſchuld an ihren
Tränen!

Dn hute hrat ſche Auahe, it ſche Selſcherſch=
ung
verlaſſen, und er hatte Ada an ſeine Fruſt geriſſen.
Sie iſt mein, meine Braut, hatte er gerufen, als Herr Jer=
ling
wie benommen von dem, was er hörte, nicht geant=
wortet
hatte. Laſſen Sie mich doch gut machen an ihr,
was man ihr getan hat.
Dann war Leben und Bewegung in den alten Herrn
gekommen: Mein Gott, mein Gott, Herr Doktor, laſſen
Sie mein Kind! Machen Sie es nicht noch unglücklicher!
Und mit zitternden Händen hatte er ihm wehren wollen.
Aber er hatte Ada immer feſter gehalten. Namenloſe Angſt
hatte ihn überfallen, daß man ſie ihm rauben wollte. In
überſtürzenden Worten hatte er den Vater angefleht, ihm
Ada zum Weibe zu geben. Was er geſagt hatte, wußte er
nicht mehr, aber das Leid ſeines einſamen Lebens hatte
er dem alten Mann, deſſen Augen wie gebannt an ſeinen
Lippen hingen, entſchleiert. Da waren dieſem die Tränen
über die welken Wangen gelaufen, und er hatte ihm die
Hand gereicht. Dann hatte er langſam geſagt: Daß Sie Ada
lieben, glaube ich Ihnen, Herr von Leerſen. Mit Freuden
würde ich das Geſchick meines Kindes in Ihre Hände
legen, wenn die Kluft, die Sie von uns ſcheidet, nicht all
zu groß und tief wäre Ich bin ein alter Mann, ich kenne
das Leben und habe mir einſt mein Weib ſelbſt mit heißen
Kämpfen errungen. Aber es gehört viel Duldſamkeit und
eine große, ſtarke Liebe dazu, um es zu tragen. Sie wer=
den
um Adas willen viel zu erdulden haben. Würden Sie
ſtark genug ſein, das zu überwinden und es meinem Kinde
nicht entgelten zu laſſen? Sie werden auf Rang und
Reichtum — vielleicht auch auf die Liebe Ihrer Eltern Ver=
zicht
leiſten müſſen. Der Sohn des Miniſters von Leerſen
und die Tochter eines einfachen, abgedankten Ballett=
meiſters
, das paßt eben nicht zuſammen, ſelbſt wenn das
Mädchen zehnmal ſo ſchön gebildet und ehrenwert iſt!
Leſen Sie den Brief Ihrer Mutter und Sie werden ein=

[ ← ][  ][ → ]

Seite 20.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.

Nummer 205.

ſchen dis ich nißt inde Seine anſang ſo le
Stimme klang zuletzt bitter und ſcharf.
In heißer Beſchämung hatte aber er bei der Erwähn=
ung
des Briefes ſeiner Mutter die Blicke ſenken müſſen.
Ada aber hatte die Hände des an allen Gliedern
zitternden Vaters ergriffen und ſie zärtlich geſtreichelt.
Ihre Tränen waren verſiegt. Väterchen, Du, ſei nicht ſo
außer Dir!
Mein Kind, Du mein einziges Kind! Nun habe ich
mein ganzes Leben lang nur für Dich gelebt und geſorgt,
und habe Dir jede Wolke an Deiner Stirn verſcheuchen
wollen und muß nun ſtill dabei ſtehen und ſehen, wie all
mein Hoffen in Trümmer geht und mein ſtolzes Kind ge=
demütigt
und unglücklich gemacht wird!
Noch ehe er antworten konnte — denn der Vorwurf
hatte ihn tief getroffen — hatte Ada ernſt und feierlich ge=
ſagt
:
Ja, Vater, gekränkt und beleidigt kann ich wohl wer=
den
, das will ich gern tragen, aber unglücklich, ſieh Väter=
chen
, das würde ich nur — wenn — wenn — mir Joachims
Liebe genommen würde.
Da war das Dunkel ſeines zagenden Herzens wieder
licht geworden, und in tiefer Bewegung hatte er Adas
Hand an ſeine Lippen gezogen. Nur mühſam ihre Erreg=
ung
beherrſchend, hatten beide dann vereint den Vater um
ſeinen Segen gebeten. Aber erſt nach langem Zögern und
Schwanken hatte er eingewilligt.
Kein lachender, ſonniger Glücksrauſch lag über ihrer
Verobungsſtunde Ernſt, ſchwer, kampfreich ſetzte ihr ge=
meinſames
Leben ein.
Auch Peter Geißlers Glückauf!, als man ihm, der ſich

bientet in Schenihner anitegegeheitedie Fenlen
mitteilte, klang ernſt und feierlich, weil es aus einem
wirklich warmen Anteil nehmenden Herzen kam.
Weihevoll und ſtill waren die Stunden verfloſſen, die
man noch zuſammenblieb.
21 .
Kein ſtörender Gaſt, ein verſtehender Freund war
Peter Geißler in ihrem Kreiſe geweſen, und als
Joachim den jungen Maler dann heimbegleitet hatte,
hatten ſich ihm, dem ſonſt ſo Verſchloſſenen, wie von
ſelbſt die Lippen geöffnet; er hatte dem ihm bis vor kurzem
noch ſo Fremden ſein übervolles Herz ausgeſchüttet und
ein volles und tiefes Verſtändnis gefunden.
Und plötzlich hatte Peter Geißler ſeinen Arm um ihn
geſchlungen und in ſeiner raſchen, etwas poltrigen Art ge=
ſagt
: Sie ſind ein famoſer Kerl, Leerſen. Sagen wir Du
zueinander! Laß uns Freunde werden, Menſchenkind!
In Freud und Leid, Peter Geißler. Warm hatten ſie
einander die Hand gedrückt.
Na, wenn Du alſo mal einen brauchſt, der ſich für Dich
vierteilen oder totſchlagen laſſen ſoll, ſo wend Dich an
meine Adreſſe, hatte ihm Peter Geißler im Fortgehen noch
zugerufen.
Lange hatte er noch dageſtanden und dem ſich Ent=
fernenden
nachgeblickt. War er nicht jetzt reich und be=
neidenswert
? Peter Geißler war ſein Freund und Ada
ſeine Braut!
Dann hatten ſeine Augen die Fenſter des Hauſes
überflogen. Alles war dunkel. Nein, im Arbeitszimmer
des Vaters im Parterre war noch Licht. Vater war alſo
noch auf! Ob er jetzt, jetzt gleich mit ihm ſprechen ſollte?
Er hatte das unbeſtimmte Gefühl, als ob ihn ſein Vater

wenthlans wieleict dech berſchen, ihn rien ihn deſen
würde. Ihm gegenüber würde er auch die richtigen Worte
finden Wo die Mutter ſo ſchroff war, da hatte er doch
manchmal ausgleichend gewirkt. Vielleicht hätte er es auch
öfters getan, wenn Mutter nicht meiſt die Ausſchlaggebende
geweſen wäre. Ja, er wollte gleich zu ihm gehen. Aber
gerade, als er den Schlüſſel in die Gittertür der Garten=
pforte
ſteckte, erloſch das Licht. Das Zimmer des Vaters,
dunkel gleich den anderen Räumen, lag es da. Wie eine
böſe Vorbedeutung wollte ihm das erſcheinen. Aber er
hatte dieſen Gedanken ſogleich von ſich abgeſchüttelt. Es
war beſſer, wenn er morgen, nach reiflicher Ueberlegung
mit den Eltern ſprach, als jetzt, wo durch all das Voraus=
gegangene
jeder Nerv in ihm vor Aufregung zitterte und
bebte.
Heute war nun dieſer Morgen da! Und es fand ihn
gerüſttet. Er hatte ſogleich, als er aufgeſtanden war, Jakob,
den Diener, verſtändigt, daß man ihn rufen möchte, wenn
die Eltern frühſtückten.
Sie nahmen wochentags dieſes erſte Frühſtück ſtets
allein, ohne ihre Kinder ein. Karl Auguſt ſchlief, wenn er
auf Urlaub war, gern lange. Chriſtas Stunden, die ſie
noch in verſchiedenen Fächern und Sprachen nahm, be=
gannen
oft ſchon zeitig, und er ſelbſt hatte ziemlich frühe
Dienſtſtunden im Miniſterium. Heute konnte es allerdings
nichts helfen, daß es etwas ſpäter wurde.
Die ſtille Morgenſtunde, wo er die Eltern allein
wußte, ſchien ihm darum die geeignetſte zu einer Aus=
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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.

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Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.

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Seite 24.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.

Nummer 205.

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Seite 26.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.

Nummer 205.

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Sedantag und Herbſtparade. — Die Erkrankung des
Kaiſers. — Berlin bekommt Einquartierung. — Garde
und Linie. — Die Fremden. — Was ſie für Berlin be=
deuten
. — Berlin als Fremdenſtadt. — Umwandlungen. —
Das ſtille Plätzchen „vor der Stadt” — Straßen und ihre
Schickſale. — Der Neubau des Eſplanade=Hotels. — Das
eigene Heim und weltſtädtiſches Sein. — Der Brand des
Theaters des Weſtens. — Befürchtungen und Erwartungen
Trommelſchlag und Pfeifenklang, ſowie das Schmet=
tern
der Tſchingteraſſaſſa werden zu Beginn der neuen
Woche in Berlin den Ton angeben! Sedantag, Herbſt=
parade
das Garde= und dritte Armeekorps
in Berlin — Herzliebchen, was willſt du noch mehr!
Und Herzliebchen, das bekanntlich für zweierlei Tuch eine
beſondere Vorliebe hat, wird gewiß auf ſeine Rechnung
kommen. Verſchiedene Stadtteile werden ja in großartige

miltärſche Lager verwandelt ſein, dem nicht mur die ſ
Potsdamer Garniſon rückt ein, ſondern auch die Bran=
denburger
” wie man hier kurz die Truppen jenes braven
obigen Korps bezeichnet, werden ſich in hellen Scharen
bei uns einfinden, aus Frankfurt, aus Brandenburg, aus
Spandau, Wittenberg, Küſtrin, Neuruppin, Kroſſen, Lüb=
ben
und ſo fort. Die Parade am Montag wird ein mili=
täriſches
Schauſpiel darſtellen, wie es in dieſer außer=
gewöhnlichen
Bedeutung Berlin während der Regierung
des Kaiſers noch nicht geſehen, und das Intereſſe dafür
iſt diesmal noch größer wie ſonſt. Freilich, die Nachrich=
ten
über die Erkrankung des Kaiſers hatten auch
in dieſer Beziehung ihre weitgehende Wirkung ausgeübt
und die allgemeine Stimmung ſehr beeinträchtigt: mit
einem Schlage flaute die Nachfrage nach Tribünenkarten
ab, die beſonders ſtark geweſen, weil diesmal wegen Platz=
mangels
die Zuſchauerwagen ausgeſchloſſen ſind, da man
fürchtete daß der Kaiſer der Parade überhaupt fern blei=
ben
würde. Das ſcheint ja nun ausgeſchloſſen zu ſein,
obgleich Trübedeuter noch immer munkeln daß im letzten
Augenblick eine Abſage erfolgen könnte. Das würde Vie=
len
, ſehr Vielen eine arge Enttäuſchung bereiten, den Trup=
pen
wie den Berlinern und ihren Gäſten, nicht zuletzt auch
jenen 40000 ehemaligen Soldaten, die ſich am Sonntag
vormittag auf dem Tempelhofer Felde zu einem feierlichen
Feldgottesdienſte vereinen werden.
Für frohſinnig=buntfarbiges Leben und Treiben wird
an dieſen erſten Septembertagen, die uns noch Galaoper
und Zapfenſtreich beſcheren, ſicherlich genügend geſorgt
ſein, wenn der Wettergott, unter deſſen Mucken und Tücken
wir zur Genüge bereits gelitten haben, ein nur einiger=
maßen
freundliches Geſicht macht. In der allgemeinen Be=
wegung
und dem überall zum Ausdruck gelangenden Ge=
fühl
, daß was Beſonderes los iſt, wird Berlin ſeinen ge=
winnendſten
Eindruck machen und auch in dieſer Beziehung

die Fremden, die ſich grad jet bei uns in Hüle und
Fülle einfinden, zufrieden ſtellen. Sie ſind ja meiſt recht
ſcharfe Kritiker und haben ihr tüchtig Teil beigetragen,
Berlin zu dem zu machen, was es heute iſt. Die ſeltſame
und überraſchende Umwandlung, die nach dem blutigen
und gewaltigen in der Schlacht bei Sedan ihren Höhe=
punkt
findenden Kampfe um Deutſchlands Einigung mit
Berlin vorgegangen, bemerkten in erſter Linie die zahl=
loſen
Fremdenſcharen welche herbeieilten, um die von
Ruhm und Sieg umſtrahlte Stadt in ihrem neuen, ver=
jüngenden
Lichte zu ſchauen. Eher als die ſpreegetauften
Einwohner ſelbſt ſahen ſie, welche bedeutenden und tief=
einſchneidenden
Veränderungen ſich teils ſchon vollzogen
hatten, teils erſt vorbereiteten, wie ſich die Stadt in ihrem
Innern ſowohl wie auch nach außen hin umgeſtaltete, wie
ſtie ſich in kürzeſter Friſt verſchönte und den Rang, der ihr
unverſehens zuerteilt worden war, vollauf in Anſpruch
nehmen und ausfüllen wollte.
Der Ruf davon verbreitete ſich ſchneil; hatte bisher
Berlin faſt abſeits von der großen kontinentalen Fremden=
linie
gelegen, hatten nur wenige gewagt, es mit Paris
und London, ja auch nur mit Wien in einen Vergleich zu
ſtellen, ſo wurde dies in kürzeſter Zeit anders. Nicht nur,
daß die durch gemeinſam vergoſſenes Blut ſo eng mit dem
leitenden Staat vereinigten Bundesgenoſſen viel häufiger
als jemals zuvor die Reichshauptſtadt aufſuchten und dort
zu ihrer Freude nicht mehr das ſpeziſiſch „preußiſche
Berlin” vorfanden, auch von fernher lenkten ſich die
Fremdenſtröme mehr und mehr der neu emporblühenden
Weltſtadt zu und ſchenkten ihr dieſelbe Aufmerkſamkeit,
wie den bisher begünſtigten Gefährtinnen an der Seine.
der Themſe und Donau. Waren früher Ruſſen, Englän=
der
, Italiener, Amerilaner uſw nur vereinzelte Gäſte in
Berlin geweſen, ſo traten ſie jetzt in ſtets wichſender Zahl
auf; ſehr viele von ihnen gründeten ſich hier ein feſtes

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Nummer 205

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.

Seite 27.

Heim; andere wieder kehrten regelmäßig hierher zurück,
faſt immer in Gefolgſchaft. Bald ſchon konnte man von
feſtgegliederten engliſchen, amerikaniſchen, italieniſchen,
ruſſiſchen uſw. Kolonien ſprechen und zu dieſen Ländern ge=
ſellten
ſich neben anderen Japan und Siam, wie auch der zu=
erſt
ſo viel angeſtaunte Chineſe, im langen ſeidenen Rock
und mit ſauber geflochtenem Zopf, raſch eine gewohnte
Erſcheinung auf den Straßen Berlins wurde, die heute
niemanden mehr auffällig berührt. Sicherlich iſt es nicht
zu hoch gegriffen wenn wir die Zahl der jetzt jahrlich die
Hauptſtadt beſuchenden Fremden auf mehrere Millionen
ſchätzen, und dieſe Ziffer dürfte ſich in fortwährendem
Steigen befinden, ohne daß ein Rückſchlag zu befürchten
wäre.
Die wachſenden Fremdenſcharen bedingten für Berlin
eine neue Pflicht: für ihre genügende und gute Unter=
kunft
zu ſorgen. Freilich gab’s genug ausgezeichnete
Hotels, die an Bequemlichkeit das Möglichſte leiſteten, aber
ihre Räumlichkeiten reichten bald nicht mehr aus und eine
Ueberfüllung war oft unausbleiblich. Da trat nun für
Berlin eine neue Phaſe ein: es entſtanden die Rieſen=
hotels
, welche mehrere hundert Perſonen zugleich be=
herbergen
können, nicht von Einzelnen begründet, ſondern
von kapitalsfähigen Aktiengeſellſchaften. Die jüngſte Er=
ſcheinung
auf dieſem vielgeſtalteten Wege bedeutet der
kürzlich eröffnete Boarding=Palaſt, der am Kur=
fürſtendamm
entſtanden iſt und in ſeinen mannigfaltigen
Einrichtungen einen amerikaniſchen „Typ” für uns bedeu=
tet
. Alles iſt hier ins Große getrieben, die hunderte von
Wohn= und Schlafräumen finden ihre Ergänzung in Feſt=
ſälen
, einem ausgebreiteten Café, einer Kuranſtalt, einem
Trinkpavillon mit dem Ausſchank der verſchiedenſten Ge=
ſundheitszwecken
dienenden Brunnen, zahlloſen Läden, in
denen alles Mögliche und Unmögliche feilgeboten wird,
kurz, es iſt alles vorhanden, was einem das Daſein, wenn
es ſonſt nichts zu wünſchen übrig läßt, angenehm machen
kann. Nun müſſen ſich bloß noch die Fremden einfinden,
die all das in emſigen Verkehr ſetzen ſollen, denn es iſt
ein bißchen recht weit „draußen” für jene, die in Berlin
ſelbſt zu tun haben oder ſich dort des näheren umſchauen
wollen. Jedenfalls fehlt es den Unternehmern nicht an
kühnen Erwartungen über den Andrang der Beſucher=
ſcharen
und die Ausdehnung der Stadt nach dem äußeren
Weſten hin, und es iſt wohl möglich, daß ſich ihre Hoff=
nungen
erfüllen.
Darin hat uns Berlin ja ſchon genug an Ueberraſch=
ungen
geliefert. In den Erinnerungen von F. W Gubitz,
einem ſeinerzeit ſehr bekannten Berliner Tagesſchriftſteller,
ſtoßen wir auf eine Stelle, in der er berichtet, daß er ſich,
um ruhig arbeiten zu können, im Jahre 1813 eine lauſchige
und ſtille Sommerwohnung „vor der Stadt” gemietet habe
— jenes gerühmte entlegene Plätzchen befand ſich in der
heutigen Bellevueſtraße, nächſt dem Potsdamer
Platz! Kaum eine andere Straße des neueren Berlin zeigt
uns, wie ſtark der Herzſchlag der Stadt geworden iſt,

denn in weniger wie einem Jahrzehnt hat ſich völlig ihre
Eigenart verändert und wurde ſie in den Bann der Welt=
ſtadt
gezogen, dadurch aber nichts von ihrer ausgeſproche=
nen
Beliebtheit verlierend. Das beweiſt ſchon der nach
verhältnismäßig kurzer Friſt nötig gewordene Ergänz=
ungsbau
des monumentalen Eſplanade=Hotels
das jetzt im ganzen nicht weniger wie 14500 Quadrat=
meter
bebaute Fläche aufweiſt. Alles in allem wird es
400 Zimmer enthalten, während das Grand=Hotel in Paris
deren 700 birgt bei einer bebauten Grundfläche von 8800
Quadratmetern. Man ſieht daraus, wie ganz anders bei
uns für die Fremden geſorgt wird und welche Anforder=
ungen
hier an Licht und Luft, und in enger Verbindung
damit an die Errungenſchaften der Hygiene, geſtellt und
erfüllt werden. Auch bei dieſem Hotel=Neubau iſt alles
Enge und Gefährliche vermieden worden und wurde ihm
durch den zur Benutzung freigegebenen Park des benach=
barten
Wilhelm=Gymnaſiums ein Stück Natur angeglie=
dert
, wie es idylliſcher nicht zu denken iſt. Eine intereſſante
und jenen, die es dazu haben, ſehr willkommane Neuerung
iſt die Einrichtung für ſich abgeſchloſſener Wohnungen, die
innerhalb des ſich ſtets glatt und angenehm abſpielenden
Betriebes die Annehmlichkeiten eines eigenen Heims ver=
körpern
. Dieſe Wohnungen von ganz intimem Charakter
und ebenſo vornehmer wie behaglicher Ausſtattung um=
faſſen
ſtets ſieben Räume, zu denen ſich noch zwei Diener=
und drei Badezimmer geſellen. Der Eingang, wie das
Treppenhaus und der Aufzug ſind völlig für ſich geſondert,
ferner wurden mit erheblichen Koſten neue Fernſprech=
anlagen
und ſonſtige techniſch=praktiſche Vervollkommnun=
gen
angebracht, die in dieſer Beziehung den Höhepunkt
bedeuten dürften und vorläufig von keinem anderen Hotel
der Welt erreicht werden. Das kann man auch von dem
neuen Feſtſaal und dem neuen Wintergarten ſagen, die
während der langſam beginnenden Saiſon im geſelligen
Leben Berlins, das ja mehr und mehr in unſere prun=
kende
Hotels verlegt worden, ihre wichtige Rolle ſpielen
werden.
Den erſten Auftakt zu dieſem mählich beginnenden ge=
ſelligen
Leben haben, wie üblich, unſere Theater über=
nommen
, aus deren Reihe das Theater des Weſtens
plötzlich geſtrichen wurde. Binnen kürzeſter Zeit ward
ſein Inneres durch die Flammen, die glücklicherweiſe nicht
während einer Vorſtellung ihre verheerende Wut entfal=
teten
, zerſtört, ſo daß Monat um Monat vergehen wird,
ehe hier wieder Thalia ihr leichtbeſchwingtes Szepter führt
Mit bedenklicher Bewunderung vernahm man, wie raſch
der Bühnen= und Zuſchauerraum vernichtet wurde, und
malte ſich die Kataſtrophe aus, die höchſtwahrſcheinlich
entſtanden wäre, wenn das Feuer am Abend ausgebrochen
wäre Und grad dieſes Theater galt wegen ſeiner Ein=
richtungen
und ſeiner Geräumigkeit als ganz beſonders
ſicher! Iſt hier durch die Macht der Elemente ein Theater
gefallen, ſo fragt man ſich, welches nächſte Opfer unter
unſeren Theatern durch andere Macht dahingeriſſen wer=

den wird, und man muß leider annehmen, es bleibt nicht
bei dem einen Opfer. Noch nie zuvor war der Wettkampf
in unſerem Theaterleben um die Gunſt des Publi=
kums
ſo ſcharf, wie er ſich in dieſem Winter entfalten wird,
und man macht in den beteiligten Kreiſen ſchon heute
Wetten, wer als Sieger auf dem Plan bleibt und wer als
Unterlieger ausſcheidet. Dieſe ganzen Verhältniſſe ſind
ſo verworren und ſo ungeſund, daß auf jeden Fall, ſo oder
ſo, eine Klärung eintreten muß. Je eher dees der Fall
iſt, deſto erſprießlicher dürfte es für die förderſame Ent=
wickelung
unſeres geſamten Theaterlebens ſein, das gern
als Kulturmeſſer unſerer Zeit betrachtet wird.

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chem
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(Herr Purgold). Tot. 41:10. — Großes Strausberger
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Meter: 1. Herrn K. von Tepper=Laskis Liſel (Th.
Baſtian), 2. Miasma (Printen), 3. Libellule ( Lom=
matzſch
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F. R. Olſens Kollege (Lt. Wiedesheim=Paul) 2. Ugolino
(Lt. Frhr. von Berchem), 3. Laurin (Lt. von Egan= Krie=
ger
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Diſtanz 2500 Meter: 1. Dr. G. Loths Menelik (Streit),
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22

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Seite 28.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.

Nummer 205.

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bestehend in:
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Konzert, Kinderspielen,
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Programm
zu dem am Samstag, den
31. Aug., von 12 Uhr mittags ab
vor dem Neuen Palais ſtatt=
findenden
Konzert der Kapelle
des Garde=Drag.=Regts. Nr. 23.
1. Florentiner Marſch von Fucick.
2. Ouverture zur Oper „Zampa”
von Herold. 3. Fantaſie aus „Der
fliegende Holländer” von Wagner.
4. Liebestanz aus „Madame
Sherry” von Hoſchna. 5. „Valse
brune” von Krier. 6. „Klar zum
Gefecht”, Marſch von Blankenburg.

Woog, am 30. Auguſt 1912.

Waſſerhöhe am Pegel 3,63 m.
Luftwärme 180 G.
Waſſerwärme vorm. 7 Uhr 16%C.
Woog=Polizei=Wache.

Schiffsnachrichten d. Holland=

Amerika=Linie. Mitgeteilt durch
Aug. Geklarius, Darmſtadt,
Bleichſtraße 53.
Dampfer „Rotterdam”, 22. Aug.
nachmittags in Rorterdam einge=
troffen
.— Dampfer „Nieuw Amſter=
dam
”, am 27. Auguſt von New=
York abgegangen. — Dampfer
„Noordam” am 27. Auguſt in
New=York eingetroffen. — Dampfer
„Potsdam” 20. Auguſt vormittags
von New=York abgegangen.

Restaurant „zum Landgraten .
(Grafenstrasse Nr. 27).
Anerkannt vorzügliche Küche. Diner in und ausser dem Hause.
Reichhaltige Abendkarte.
Tag und Nacht geöffnet.
(*4913
Hochfeines Billard.
Prima Kaffee.
Um geneigten Zuspruch bittet höflichst M. Kaufmann.

Städtischer Saalbau.
Heute Samstag, den 31. Auguſt
Anläßlich der Ausſtellung „Das Gas in Haus und Gewerbe‟
Grosses Initur Ronzert
von der Kapelle des Leibdragoner-Regts. Nr. 24
unter Leitung ihres Dirigenten Herrn Obermuſikmeiſter Rühlemann.
Aus dem Programm: Ouvertüre z. Op. „Der Italiener in
Algier” v. G. Roſſini. Ouvertüre z. Op. „Das goldene Kreuz” v. Brüll.
Stücke aus der Op. „Das Glöckchen des Eremiten” v. Maillart. „Das
Leben für den Zar” v. Glinke. „Rienzi” v. R. Wagner.
Während des Konzertes findet vom
hiesigen Gaswerk grosse festliche Be-
leuchtung
des ganzen Gartens mit den
verschiedensten extra dazu angelegten
IIIuminationskörpern, Wappen,
Schlangen, Sternen, Kugeln etc. statt.
Anfang 8 Uhr
Eintritt 30 Pfg.
Dutzendkarten von Donnerstags=Konzerten haben Gültigkeit. —
Die Ausſtellung iſt geöffnet von 10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends.
Den Konzertbeſuchern iſt die Ausſtellung vom Garten aus zugänglich.
Eintritt zur Ausſtellung frei!
(18290

Bürger-Keller
ab 1. September täglich
Oesterreich. Damen-Orchester
„Linda‟
Stets freier Eintritt.
(18280soi

Ludwigshöhe.
Sonntag, den 1. September 1912 (Sedantag):
Iintar-Honzert
ausgeführt von der Kapelle des Leibgarde=Regiments
unter Leitung des Obermuſikmeiſters H. Hauske.
Anfang 4 Uhr.
(B18295)
Eintritt 25 Pfg.
NB. Der hintere Garten iſt für Nichtkonzertbeſucher
reſerviert. Bei ungünſtigem Wetter Konzert in den Sälen.

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Nummer 205.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.

Seite 29.

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Treffpunkt der die Ausstellungen besuchen-
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Es spricht schon drüber die ganze Stadt:
„Das ist ja das Verlosungsrad‟!
Für die Radrennbahn am achten/neun,
Wer wird wohl glücklicher Gewinner sein?
All Heil ihr Jünger vom Radfahrsport,
Beseht euch die schöne Maschine sofort,
Kauft Lose zu zwanzig Pfennig das Stück,
Damit euch winke am achten das Glück! (18177a

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8 Uhr, im Gemeindehause Kiesstrasse 17. Neuanmeldungen
nimmt der Dirigent, Herr Stadtorganist Borngässer, Grüner
Weg 9, entgegen. Nähere Auskunft erteilt
Der Vorstand.
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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.

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Qual des Sünders ewig?”
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Donnerstag: Das neuteſtamentliche Heiligtum.
Freitag; Gottesgericht in unſerer Zeit.
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Nummer 205.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.

Seite 31.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.

Geöffnet an Wochentagen von 9— 12 Uhr vorm. und
8— 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 26. Auguſt: Dem Schreiner Peter
* Bauer, Kirchſtraße 10, eine T. Am 23.: dem Maſchi=
niſten
Georg Johann Gehbauer, Feldbergſtraße 79,
ein S. Heinrich Karl. Am 27.: dem Eiſendreher Ludwig
Friedrich Haſſelmann, Liebfrauenſtraße 41, ein S.
Georg Louis Friedrich. Am 22.: dem Verſicherungs=
beamten
Karl Heinrich Auguſt Müller, Pallaswieſen=
ſtraße
54, ein S. Emil. Am 25.: dem Kaufmann Johann
Lenner, Kirchſtraße 8, eine T. Emma Mathilde Jo=
hanna
. Am 27.: dem Paſtillon Jakob Breitwieſer,
Mühlſtraße 62, ein S. Philipp Auguſt.
Aufgebotene. Am 26. Auguſt: Bahnarbeiter Karl
Sang, Friedberg=Fauerbach, mit Schneiderin Katha=
rina
Müller, Kaſinoſtraße 17. Taglöhner Johann Hein=
rich
Jakob Ludwig Löffel mit Lauffrau Walpurga
Marie Gerbig, beide Kleine Kaplaneigaſſe 4. Schrei=
ner
Johann Krämer, Blumenthalſtraße 99, mit Dienſt=
bote
Eliſabetha Katharina Hering, Schwanenſtraße 27.
Am 27.: Bierbrauer Jakob Oberhaus, Pfungſtadt, mit
Barbara Brack, Pfungſtadt. Bahnarbeiter Adam
Jäger, Fürth, mit Margaretha Hecht, hier. Friſeur
Friedrich Th. Gorr mit Anna Katharina Schnebele,
beide Schuſtergaſſe 15. Bureauaſſiſtent Auguſt Engel,
Charlottenburg, mit Kath. Charl. Dieter, Wenck=
ſtraße
44. Dachdecker Wilhelm Schärf, Worms, mit
Kath. Schwenck, hier. Mineralwaſſerfabrikant Phil.
Büttel Vl., Pfungſtadt, mit Marie Eliſab. Frieß,
Kiesſtraße 43. Am 29.: Regierungsbaumeiſter Julius
Friedr. Emil Berck, hier, mit Mathilde Wilhelmine
Karoline Cramerding, Gießen. Fabrikarbeiter Emil
Hally, Rüdenau, mit Köchin Klara Biſchof, Rüdenau.
Reichsbankaſſiſtent Martin ter Vehn, Erbacherſtraße 3,
mit Helene Eliſabeth Thereſe Jakobine Börſt, Inſel=
ſtraße
29. Steindrucker Johann Frommberger mit
Zimmermädchen Johanna Roſine Schätzler, beide in
Nürnberg. Kaufmann Emil Louis Otto Huf, Groß=
Umſtadt, mit Karoline Wilhelmine Johannette Fran=
ziska
Eliſabeth Frey, Liebigſtraße 77. Lageriſt Paul
Kurt Kretzſchmar, Liebigſtraße 63, mit Buchhalterin
Katharina Müller, Pallaswieſenſtraße 43.
Geſtorbene. Am 26. Auguſt: Johanna Maria Metz=
ler
, geb. Schnittſpahn, Witwe des Generalarztes, 68 J.,
ev., Hügelſtraße 51. Taglöhner Georg Krämer, 40 J.,
ev., Liebfrauenſtraße 41. Am 27.: Mary Helene
Schwarz, ohne Beruf, 22 J., ev., Erbacherſtraße 125.
Eva Eliſabeth Gärtner, geb. Weißbrod, Witwe des
Taglöhners. 52 J., ev., Ober=Ramſtadt. Steinbrecher Jo=
hannes
Würtenberger, 51 J., ev., Ober=Ramſtadt.
Spengler Hermann Albert Rudolf Aſſing, 28 J., ev.,
Hofgartenſtraße 9. Am 29.: Fanny Sender geb. Levi,
Ehefrau des Kaufmanns, 64 J., iſr., Saalbauſtraße 7.
Am 28.: Gasfabrikarbeiter Joſeph Petitjean, 39 J.,
kath., Schloßgaſſe 21.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt II.

Geöffnet an Wochentagen von 9—12 Uhr vorm. und
3—5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 13. Auguſt: dem Bahnſchaffner
Valentin Geyer, Beſſungerſtr. 122, eine T. Eleonore.
Am 10.: dem Großh. Amtsrichter Friedrich Karl Ludwig
Andreas Conradi, Hochſtr. 59, eine T. Eliſabeth Hed=
wig
. Am 14.: dem Packer Georg Becker, Heidelberger=
ſtraße
127 ein S. Johann Heinrich. Am 11.: dem Kultur=
techniker
Anton Ritter, Schießhausſtr. 33, ein S. Hugo
Anton. Am 12.: dem Kutſcher Heinrich Weber, Forſt=
meiſterſtr
. 5, ein S. Wilhelm Am 15.: dem Kaufmann
Wilhelm Friedrich Paſche, Beſſungerſtr. 104, ein S. Wil=
helm
Friedrich. Dem prakt Arzt Dr. Karl Johann Jakob
Robert Hammer, Beſſungerſtr. 3, eine T. Liſelotte Elſa
Luiſe Anna Chriſtiana. Am 20.: dem Sergeant im Feld=
Art.=Regt. Nr. 61, Willy Onimus, Heidelbergerſtr. 126,
eine T. Eliſabetha. Am 21.: dem Telegraphenaſſiſtent
Friedrich Frieß, Donnersbergring 34, ein S. Friedrich
Willi Walter. Am 25: dem Weißbinder Georg Friedrich
Vonderſchmidt, Forſtmeiſterſtr. 6, eine T. Marie Luiſe
Eliſabeth. Eine unehel. Tochter Minna.
Aufgebotene. Am 19. Auguſt: Gärtner Ludwig
Friedrich Johmann zu Karlsruhe, mit Eliſa Maria Jo=
hanna
Sachs, Niederſtr. 22. Am 21.: Leutnant und
Bataillons=Adjutant im Königs=Inf.=Regt. (6. Lothring.)
Nr. 145 Erich Kurt Eugen Julius Fabian Freiherr von
Maſſenbach zu Sablon, mit Maria Margaretha Hildegard
Koch, Wittmannſtr. 60. Am 27.: Kaufmann Heinrich
Leonhard Meß zu Nürnberg, mit Barbara Agnes
Bickelhaupt, Klappacherſtr. 24.
Eheſchließungen. Am 17. Aug.: Elektrotechniker Karl
Wolf, Beſſungerſtr. 35, mit Katharina Beckerle Lie=
bigſtr
. 69. Am 24.: Fabrikant Ernſt Hermann Pohlig
zu Langenberg (Rheinland), mit Anna Eliſabeth Katha=
rina
Goebel, Martinspfad 72.
Sterbefälle. Am 16. Aug: Weißbindermeiſter Valen=
tin
Stier, 35 J., ev., Sandbergſtr. 29. Am 25.: Katha=

rina Schanz, geb. Böhm, Ehefrau des Privatdieners
63 J., ev., Schießhausſtr. 44. Am 30. Juli: Ludwig
Spaar, 13 J., ev., Wingertsgäßchen 6. Am 26. Aug:
Minna Günther, geb. v. Gehren, Ehefrau des Rech=
nungsrats
, 71 J., ev., Bruchwieſenſtr. 2.

Kirchliche Anzeigen.

Evangeliſche Gemeinden.
13, Sonntag nach Trinitatis, den 1. September 1912
Sedan=Kollekte
Hofkirche: Kein Gottesdienſt.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Velte. —
Vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Velte.
Stadtkapelle: Vorm. um 9½ Uhr: Pfarrer D. Dr.
Diehl. — Vormittags um 11 Uhr: Kindergottesdienſt.
Pfarrer Vogel. — Nachmittags um 6 Uhr: Pfarrer
Kleberger.
Gemeindehaus, Kiesſtraße 17: Sonntag, den
1. Sept., vormittags um 11 Uhr: Chriſtenlehre für den
Südoſt bezirk. Pfarrer Kleberger.
Im Feierabend (Stiftſtraße 51): Sonntag, den
1. Sept, vormittags um 9 Uhr: Chriſtenlehre für den
Oſt bezirk (Knaben und Mädchen). Pfarrer Vogel.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Vorm. um 8 Uhr:
Diviſionspfarrer Liedtke. — Vorm. um 10½ Uhr:
Kindergottesdienſt, Steinſtr. 24 (Muſikſaal).
Johanneskirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Marx.
Vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. — Vorm.
um 9 Uhr: Chriſtenlehre für den Nord bezirk im Ge=
meindehaus
. Pfarrer Marx.
Martinskirche: Vormittags um 10 Uhr: Pfarrer
D. Waitz. Feier des heil. Abendmahls mit Vorbereitung.
Anmeldung von ½10 Uhr an in der Sakriſtei. — Vorm.
um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt für den Weſt bezirk.
Pfarrer D. Waitz. — Abends um 6 Uhr: Gottesdienſt
zur Eröffnung des Konfirmanden= Unter=
richts
für die drei Bezirke. Pfarrer Widmann. —
Nachmittags um 4 Uhr: Bibelſtunde im Martinsſtift.
Pfarrer Veller.
Eliſabethenſtift: Samstag, den 31. Auguſt, nachmit=
tags
um 3 Uhr: Beichte. — Sonntag, den 1. September,
vormittags um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit hl. Abend=
mahl
. Pfarrer Hickel. — Vormittags um 11½ Uhr:
Kindergottesdienſt.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde): 7. Jahresfeſt
der Jugend=Vereinigung. Vorm. um 10 Uhr:
Feſtgottesdienſt. Pfarraſſiſtent Lautenſchläger. Feier
des heil. Abendmahls mit vorhergehender Beichte und
Anmeldung in der Sakriſtei. Kollekte für den Landes=
verein
vom Roten Kreuz. — Abends um ½8 Uhr:
Familienabend.
Montag, den 2. September, vorm. um 11 Uhr:
Vorſtandsſitzung des Frauenvereins.
Pauluskirche: Vorm. um 8½ Uhr: Chriſtenlehre.
Pfarrer Rückert. — Vormittags um 10 Uhr: Haupt=
gottesdienſt
. Pfarrer Rückert. — Vorm. um 11¼ Uhr:
Kindergottesdienſt. Pfarrer Rückert.
Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 1. Sept.,
vormittags um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. — Nach=
mittags
um 4 Uhr: Bibelſtunde. Reiſeprediger Schmid.
— Abends um 8½ Uhr: Vortrag von Miſſionszögling
Gräf aus Barmen. — Montag, den 2. Sept., abends
um 8½ Uhr: Frauen=Bibelſtunde. — Dienstag, den
3. Sept., abends um 8½ Uhr: Junfrauen=Bibelſtunde und
Blaukreuzſtunde. — Mittwoch, den 4. Sept., nachm. von
2—3 Uhr: Hoffnungsbund für Knaben. — Von 3— 4 Uhr:
Hoffnungsbund für Mädchen. — Abends um 8½ Uhr:
Uebung des gemiſchten Chors. — Donnerstag, den 5. Sept.,
abends um 8½ Uhr: Bibelſtunde. — Freitag, den 6. Sept.,
abends um 8½ Uhr: Sonntagsſchul=Vorbereitung. —
Samstag, den 7. Sept., abends um 9 Uhr: Verſamm=
lung
für Beamte der Poſt, Eiſenbahn, Polizei, Gen=
darmerie
u. dergl. — Zweig der Stadtmiſſion
(Beſſungerſtraße 88, Hinterbau): Sonntag, den 1. Sept.,
vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. — Nachm. um
3 Uhr: Jugendbund für Jünglinge, nachm. um 4½ Uhr:
Jugendbund für Jungfrauen. — Freitag, den 6. Sept.,
abends um 8½ Uhr: Bibelſtunde.

Methodiſtengemeinde (Taunusſtraße 53): Sonntag,
den 1. Sept., nachmittags um ¾3 Uhr: Sonntagsſchule
(Kindergottesdienſt). — Abends um 8 Uhr: Predigt. Pre=
diger
Schubert aus Frankfurt a. M. — Freitag, den
6. Sept., abends um ½9 Uhr: Bibel= und Gebetsſtunde.

Katholiſche Gemeinden
14. Sonntag nach Pfingſten, den 1. September 1912
Schutzengel=Feſt
St. Ludwigskirche: Samstag, den 31. Auguſt, nach=
mittags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von ½ 6 Uhr an: Gelegenheit zur
hl. Beichte. — Um 6 Uhr: erſte heil. Meſſe. — Um
7 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. — Um 8 Uhr:
hl. Meſſe. — Um ½10 Uhr: Hochamt mit Predigt. —
Um 11 Uhr: letzte heil. Meſſe. — Nachm. um 3 Uhr:
Roſenkranz=Bruderſchaftsandacht mit Predigt und Pro=
zeſſion
. — Donnerstag, nachm. um 5 Uhr: Gelegenheit

zur hl. Beichte. — Freitag, vorm. um ¼9 Uhr: Segen=
amt
zu Ehren des Herzens Jeſu.
Kapelle der Warmherzigen Schweſtern: Sonntag, vormit=
tags
um ½ 7 Uhr: heil. Meſſe. — Nachmittags um 4 Uhr:
Vortrag und Verſammlung im Mädchenheim. — Um
6 Uhr: Andacht zu Ehren des hl. Geiſtes.
Kapelle der Engliſchen Fräulein: Sonntag, vormittaas
um 7 Uhr: heil. Meſſe.
Kapelle zu Nieder=Ramſtadt: Sonntag, vorm. um
9 Uhr: hl. Meſſe mit Predigt.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 31. Auguſt, nach=
mittags
um ½5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur hl.
Beichte. — Um ½7 Uhr: Frühmeſſe. — Um 8 Uhr: heil.
Meſſe mit Predigt. — Um ½ 10 Uhr: Hochamt und
Predigt. — Nachmittags um 2 Uhr: Andacht und Segen.
— Donnerstag, nachm. um 5 Uhr: hl. Beichte. — Frei=
tag
, nachm. 5½ Uhr: Herz=Jeſu=Andacht.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, den
31. Aug., nachmittags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr:
Gelegenheit zur heil. Beichte.
Sonntag, vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur
heil. Beichte. — Um ½ 7 Uhr: hl. Meſſe. — Um ½ 9 Uhr:
Amt mit Predigt. — Nachm. um ½3 Uhr: Andacht zu
den heil. Engeln. — Bibliothek (Herdweg 28): Dienstag,
nachmittags von 6—7 Uhr. — Donnerstag, nachm. um
5 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte.
Kirche zu Eberſtadt: Samstag, den 31. Auguſt, nach=
mittags
um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Beichtge=
legenheit
.
Sonntag, vormittags um ½6 Uhr: Beichtgelegen=
heit
. — Um ½7 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion.
— Um ¼10 Uhr: Hochamt und Predigt. — Nachmittags
um ½ 2 Uhr: Chriſtenlehre. — Um 2 Uhr: Andacht. —
Werktags, vormittags um ¼7 Uhr: Singmeſſe.
Kapelle zu Pfungſtadt: Sonntag, vorm. um 7 Uhr:
Beichtgelegenheit. — Um ½8 Uhr: Amt und Predigt.
— Nachm. um 4 Uhr: Andacht.

Getaufte, Getraute und Beerdigte.

Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 25. Aug.: Dem Schuhmacher
Adam Bock S. Kurt Hans, geb. 1, Aug. 23. Aug.: Dem
Taglöhner Philipp Schreiner T. Anna, geb. 25. Juni
1911. 25. Aug.: Dem Milchhändler Franz Weber S.
Wilhelm, geb. 18. Aug.
Johannesgemeinde: 25. Aug.: Dem Schloſſer
Emil Brommer T. Anna Chriſtine, geb. 15. Aug. Dem
Schmied Heinrich Albin Geyer T. Eliſabeth, geb. 17. Juni.
Martinsgemeinde: 23. Aug.: Dem Friſeur Joh.
Vollrath T. Sophie, geb. 4. Mai. Ein unehelicher Sohn
Joſeph, geb. 19. Mai. Dem Maurer Peter Wesp S.
Karl Philipp, geb. 6. Juni. 25. Aug.: Dem Schreiner
Friedrich Loth S. Otto, geb. 21. Juli. Dem Schornſtein=
fegermeiſter
Adam Wolf S. Philipp Adolf, geb. 31. Juli.
Petrusgemeinde: 25. Aug.: Dem Schloſſer Karl
Chriſtian Wittmann S. Karl Chriſtian, geb. 11. Aug.
Dem Lademeiſter Karl Schneider T. Anna Emilie, geb.
9. Aug.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 29. Aug.: Kaufmann Heinrich
Joſef Engelhardt und Katharina Mager.
Johannesgemeinde: 24. Aug.: Schloſſer Georg
Lannert und Eliſabeth Wedel von hier.
Martinsgemeinde: 24. Aug.: Wagner Joh.
Wilhelm Schönhals und Alma Hedwig Muller, gen.
Weber, beide hier. Der Bahnſchloſſer Adam Dörr und
Luiſe Philippine Schneider, beide hier. 26. Aug.: Der
Friſeur Franz Heimann zu Enſchede (Holland) und
Eliſabeth Eckart hier. 28. Aug.: Der Gaſtwirt Johann
Georg Ludwig Gelfius hier und Eliſabeth Wolf aus
Elsheim (Rhld.).
Paulusgemeinde: 24. Aug.: Fabrikant Ernſt
Hermann Pohlig zu Langenberg (Rhld.) und Anneliſe
Goebel.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 26. Aug: Rechnungsrat i. P.
Georg Neuſchäffer, 69 J., ſtarb 23. Aug. 28. Aug.: Privatier
Heinrich Weber, 74 J., ſtarb 25. Aug. zu Eberſtadt.
Johannesgemeinde: 28. Aug.: Sofie Heß,
geb. Ehrhard, Ehefrau des Lokomotivführers i. P., 65 J.,
ſtarb 26. Aug.
Martinsgemeinde: 22. Aug.: Eliſabeth Sior,
Tochter des Bäckers, 37 J., ſtarb 19. Aug. 26. Aug.:
Suſanna Bopp, Ehefrau des Kolonialwarenhändlers,
47 J., ſtarb 23. Aug.
Paulusgemeinde: 22. Aug.: Invalide David
Wied, 33 J., ſtarb 20. Aug. zu Eberſtadt. 27. Auguſt:
Katharine Schanz, geb. Böhm, Ehefrau des Privatdieners,
63 J., ſtarb 25. Aug. Marie Werner, Tochter des Kreis=
amtmanns
und Regierungsrats, 2½ J., ſtarb 25. Aug.
zu Mainz. 28. Aug.: Minna Günther, geb. v. Gehren,
Ehefrau des Rechnungsrates i. P., 71. J., ſtarb 26. Aug.

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