Abonnementspreis
Inſerake
175. Jahrgang
werden angenommen in Darmſtadl.
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
wärts nehmen die Poſtämter u. die
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verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
inren Beſtell entgegen zu 60 Pfg. monatl.
den Annonen=Expeditionen. — Bei
u. 1.30 Mk. vierkell. Verantwortlichkeit
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
für Aufnahme von Anzeigen an
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 32 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Das Kaiſerpaar und die Prinzeſſin Viktoria Luiſe
ſind geſtern 10½ Uhr von Wilhelmshöhe nach Berlin
abgereiſt.
Der König von Sachſen ſtellte den deutſchen
Kronprinzen à la suite des 3. Ulanenregiments
Nr. 21.
Auf dem Schacht Alma der Gelſenkirchener
Bergwerks=Geſellſchaft brach im Schacht
eine Bühne zuſammen, auf der 8 Hauer arbeiteten.
5 Arbeiter waren ſofort tot, einer iſt ſchwer verletzt.
An Pilzvergiftungen ſind in Kirchberg in
Sach=
ſen zwei Mädchen und in Zürich fünf Perſonen
ge=
ſtorben.
Italien wird nach einer Mitteilung an die belgiſche
Regierung vom 1. September 1913 ab aus der
Zucker=Union ausſcheiden.
Auf den Präſidenten Taft wurde in Colombo
(Ohio) durch eine Frau ein Attentatsverſuch
gemacht
Politiſche Wochenſchau.
— Die Erkrankung des Kaiſers bewegte,
wenn es ſich auch um kein ernſtes Leiden handelte, in
der verfloſſenen Woche die Gemüter auf das lebhafteſte.
Zumal verſchiedentlich, namentlich, als die Beteiligung
des Kaiſers an den Paraden abgeſagt wurde, die
Be=
fürchtung auftauchte, daß in den Bulletins vielleicht doch
nicht die ganze Wahrheit offenbart werde. Inzwiſchen
iſt der Kaiſer nach Berlin zurückgekehrt. Wie jetzt
be=
kannt iſt, wird die Schweizer Reiſe nicht aufgegeben,
Wäre der Kaiſer gezwungit geweſen, den Schweizer
Manövern fern zu bleiben, ſo wäre das in hohem Maße
bedauerlich geweſen, denn damit würde ihm die
Gele=
genheit entgangen ſein, durch ſein perſönliches Auſtreten
gar manches falſche Urteil, das über uns in der Schweiz
beſteht, zu korrigieren. Steht es doch außer Frage, daß
der Schweizer Reiſe des Kaiſers ein gewiſſer politiſcher
Beigeſchmack beizumeſſen iſt, wenn auch die militäriſche
Seite des Beſuches in den Vordergrund gerückt wird.
Eine Annäherung Deutſchlands an die Schweiz mag
angeſichts deren geringer Größe von mäßigem Belang
erſcheinen, immerhin läßt ſich nicht leugnen, daß ſowohl
auf wirtſchaftlichem Gebiete ein gutes
Nachbarverhält=
nis von beſonderem Werte ſein kann, wie auch in einem
Ernſtfalle eine wohlwollende Neutralität der Schweiz
für uns von großer Wichtigkeit ſein könnte.
Wenn auf innerpolitiſchem Gebiete auch noch immer
die Stille vorherrſcht, ſo hat ſich doch allmählich ein
Moment entwickelt, das in politiſcher Hinſicht nicht
ohne ſchwere Folgen bleiben dürfte. Die
Lebens=
mittelteuerung, die ſich in den letzten Monaten
immer mehr geſteigert hat, hat die Gemüter lebhaft in
den Harniſch gebracht, ein lebhafter Preſſekampf hat
ein=
geſetzt, wem die Schuld hieran beizumeſſen iſt, wie
immer, will keiner es getan haben Die Fleiſchpreiſe
haben eine für den kleinen Mann faſt unerſchwingliche
Höhe erreicht, ſo daß ihm nichts weiter übrig bleiben
wird, als den Fleiſchgenuß auf ein Minimum zu
be=
ſchränken. Die Fleiſcher weiſen die Schuld für dieſe
enorme Preisſteigerung von ſich ab und ſchieben ſie den
Landwirten zu, und dieſe wiederum auf den
Zwiſchen=
handel. Gegenüber den vielfachen Wünſchen, die Grenze
zu öffnen, verhält ſich die Regierung ablehnend, weil
das doch zu nichts führen würde, da auch im Auslande
dieſelben Verhältniſſe vorliegen; dann aber ſprechen noch
wichtige veterinärpolizeiliche Bedenken dagegen. So
wird alſo alles beim Alten bleiben, oder vielmehr, es
wird aller Vorausſicht nach noch ſchlimmer werden. Es
liegt auf der Hand, daß die über die Teuerung in der
Bevölkerung entſtandene Stimmung auch auf die
politi=
ſchen Verhältniſſe einen Rückſchlag ausüben wird, und
man wird wohl auch im Reichstage nicht verfehlen, auf
dieſe wirtſchaftliche Situation nach
Wiederzuſammen=
tritt des Parlaments eingehend zurückzukommen.
Ueber die Vorſchläge des Grafen Verchtold
auf dem Wege des Gedankenaustauſches Mittel für eine
Beruhigung der Verhältniſſe auf dem Balkan
aus=
findig zu machen, iſt es etwas ſtiller geworden. Die
hnächte haben ſämtlich mehr oder minder aufrichtig
ihre Zuſtimmung gegeben, die Beſprechungen haben
aber jedoch noch immer nicht begonnen, denn gut Ding
will Weile haben. Allerdings kommen Nachrichten, aus
denen hervorgeht, daß die ganze Sache ſehr leicht
illu=
foriſch werden könnte. Wie es heißt, ſoll man in
Kon=
ſtantinopel den Vorſchlag nicht nur mit recht gemiſchten
Gefühlen aufgenommen haben, ſondern man habe
aus=
drücklich erklärt, daß man auf die Angelegenheit unter
keinen Umſtänden eingehen wolle, weil das Vorgehen
des öſterreichiſchen Miniſters ein Eingreifen in die
inne=
ren Verhältniſſe der Türkei darſtelle. Unter ſolchen
Um=
ſtänden würden die Beſprechungen lediglich einen
aka=
demiſchen Charakter tragen. Anſcheinend glaubt man
in Konſtantinopel, es nicht mehr notwendig zu haben,
nachdem eine Art Einigung zwiſchen der Regierung und
den drohenden Albaneſen hergeſtellt worden iſt. Von.
wie langer Dauer der Friede aber ſein wird. mögen die
Götter wiſſen! Wie der innere Friede notdürftig
zu=
ſammengeflickt iſt, ſcheint nunmehr endlich auch der
Friede nach außen bevorzuſtehen. Nach mehrfachen
Ab=
leugnungen geſteht man jetzt von offiziöſer italieniſcher
Seite zu, daß in der Schweiz Friedensverhandlungen
ſtotfinden, die, wie weiter berichtet wird, einen ziemlich
günſtigen Verlauf nehmen ſollen. In Paris hat der
ita=
lieniſche Botſchafter Tittoni eine längere Konferenz mit
Herrn Poincaré gehabt und in dortigen lomatiſchen
Kreiſen heißt es auch, man ſei dem Frieden näher, als
man zugeben wolle. Auf welcher Baſis man ſich einigen
wird iſt indeſſen noch nicht bekannt geworden.
Es war alles ſo ſchön ausgeklügelt und doch ſtimmt
das Exempel in Marokko nicht. Der Exſultan Muley
Hafid weilt auf franzöſiſchem Boden und amüſiert ſich
dort nach Herzensluſt, während es in der Heimat drunter
und drüber geht. Sein jüngerer Bruber Juſſuf wird
im Süden des Landes nicht anerkannt, dort hat ſich ein
Prätendent gefunden, der eine Gefolgſchaft findet und
auch ſich vor den Franzoſen nicht fürchtet, mit denen er
ſchon mehrere blutige Gefechte gehabt hat Seine
An=
hängerzahl vergrößert ſich von Tag zu Tag und den
Franzoſen ſtehen abermals ſchwere Kämpfe bevor. Die
Herren Franzoſen müßten jetzt die Erfahrung machen,
daß das marokkaniſche Abenteuer ihnen recht koſtſpielig
wird, und im ſtillen Herzenskämmerlein mag man ſich
ſagen, daß es vielleicht beſſer geweſen wäre, den
Deſutſchen größere Zugeſtändniſſe zu machen, dann
hätten dieſe wenigſtens die Zeche zu bezahlen gehabt.
Truppen über Truppen müſſen nach Marokko geſchickt
werden, und man erwägt daher auf das ernſthafteſte in
Paris, eine Schutzkolonialarmee zu ſchaffen, die für
der=
artige Expeditionen Verwendung finden ſoll.
Aehnlich wie im näheren Orient ſcheinen ſich die
Dinge auch im fernen Oſten etwas zu beſſern. Schon
mußte man glauben, daß ein ſchwerer Bürgerkrieg infolge
des Gegenſatzes zwiſchen Norden und Süden Chinas
losbrechen werde, indeſſen haben ſich die Gemüter
ver=
hältnismäßig ſchnell wieder beruhigt. Das Haupt der
Reformer, Sunyatſen, hat ſich nach Peking begeben, um
dort von Yuanſchikai Rechenſchaft zu fordern. Es ſcheint
dem alten Schlaukopf Yuanſchikai gelungen zu ſein,
Sunyatſen von der Richtigkeit ſeiner Maßnahmen zu
überzeugen, und beide ſind in großer Hochachtung von
einander geſchieden. Dabei hatte man anfänglich
ge=
glaubt. Sunyatſen werde das Schickſal der widerrechtlich
erſchoſſenen Generäle teilen. Man kann dieſe Wendung
der Dinge mit Genugtuung begrüßen, da ſich aus neuen
Komplikationen neue Schwierigkeiten ergeben könnten.
Senſationelle Gerüchte kommen in dieſer Woche aus
Rußland. Danach ſollten in Odeſſa nicht weniger als
300 Matroſen wegen Meuterei und revolutionärer
Ge=
ſimung verhaſtet worden ſein. Ja man ſprach ſogar
bavon, daß man mit einem meuternden Schiff kurzen
Prozeß gemacht habe, weil die Matroſen die Uebergabe
verweigerten, indem man es einſach in den Grund
ge=
ſchoſſen habe. Das mag übertrieben geweſen ſein,
gleich=
wohl erhellt aber trotz aller Heimlichtuerei aus den
durchſickernden Nächrichten, daß der Geiſt der ruſſiſchen
Marine ein ſehr unberechenbarer iſt, und daß im
Ernſt=
falle Rußland nicht unbedingt auf ſeine Kriegsmarine
ſich verlaſſen kann. Dies iſt um ſo bedenklicher, weil
man jetzt daran geht, dieſe ganz beträchtlich zu verſtärken.
Tſingtau im Mittelpunkt des
Welt=
verkehrs
das iſt die Zukunftsperſpektive, die ein Aufſatz der
Deut=
ſchen Revue entrollt. Durch die chineſiſche Revolution
und ihre Begleiterſcheinungen iſt unſer oſtaſiatiſches
Schutzgebiet plötzlich in den Mittelpunkt unſerer
In=
tereſſen gerückt worden und hat eine beſondere Bedeutung
erhalten. War doch Tſingtau in der Zeit der größten
Nöte von allen europäiſchen Niederlaſſungen der einzige
ſichere Zufluchtsort für die Chineſen, und was früher nie
gelingen wollte, iſt dadurch zur Tat geworden: Viele
wohlhabende chineſiſche Kaufleute und ehemalige
einfluß=
reiche Würdenträger haben ſich mit ihren Familien aus
allen Teilen des Rieſenreiches in Tſingtau und im
Schutz=
gebiet angeſiedelt. Dadurch ſind wichtige und
weitver=
zweigte Handelsverbindungen hierher verpflanzt worden.
Das wirtſchaftliche Bild der Kolonie hat
während der letzten fünf Monate der Revolution ſich
deswegen ganz anders geſtaltet als an den anderen
gro=
ßen Handelsplätzen des Reiches, indem die Tſingtauer
Ausfuhr eine nicht, unbeträchtliche Steigerung erfuhr.
Tſingtau tritt als der günſtigſte Hafen für
Nordchina immer mehr in der Vordergrund; ſo hat
es in dieſem Jahre die ſehr beträchtliche Kuliausfuhr
nach der Mandſchurei, die bisher über Tſchifu ging, den
größten Teil der Viehausfuhr Schantungs und
verſchie=
dene andere Exportartikel zugeſchoben erhalten. An dem
chineſiſchen Importgeſchäft beteiligt ſich freilich, mit
Aus=
nahme der beträchtlichen Lieferungen für den
Eiſenbahn=
bau, die deutſche Induſtrie in überaus beſcheidenem
Maße. Indigo, Anilinfarben, Nähnadeln ſind
Hauptein=
fuhrartikel. Für die Errichtung deutſcher und
deutſch=
chineſiſcher Induſtrien in China beſitzt unſer Schutzgebiet
die günſtigſten Vorbedingungen. Ganz neue
Erwerbs=
zweige könnten hier geſchaffen werden, ſo
Hochſee=
fiſchereien, die bei dem Fiſchreichtum des chineſiſchen
Meeres die beſte Ausſicht auf Erfolg haben, Seiden= und
Baumwollſpinnereien, ſewie Oelmühlen. Die wichtigſte
aber unter allen Schutzinduſtrien verſpricht die
Eiſen=
induſtrie zu werden, da die in unſerer Konzeſſionszone
gelegenen Eiſenerzlager bei Tſchinlingſchen am Tientſchan
und die am Synuſchan gegen 30 Mill. Tonnen ohne Tiefbau
apinnenden Erzes mit 55 Prozent reinem Eiſen
ent=
halten.
Der Schwerpunkt des Strebens, uns in ein innigeres
wirtſchaftliches und kulturelles Verhältnis zu China zu
ſetzen und dem engliſch=japaniſch=amerikaniſchen Einfluß
Widerpart zu bieten, liegt jedoch zweifellos im
deutſch=
chineſiſchen Schulweſen. Zu der noch in der
Ent=
wicklung begriffenen Hochſchule in Tſingtau und einer auf
kleinerer Baſis aufgebauten mediziniſch=techniſchen
Hoch=
ſchule in Schanghai ſoll eine techniſche Schule in Hankau
treten. Daneben wären die höheren Miſſionsſchulen in
Süd=Schantung zu nennen. Doch müßte unſer
Schul=
weſen noch ſehr ausgebaut und unter die gemeinſame
Leitung eines erfahrenen Schulmannes gebracht werden,
um „als eine der beſten Warenproben aus unſerem
oſt=
aſiatiſchen Muſterkoffer Propaganda zu machen für
Deutſchland‟. Nicht minder wichtig aber iſt für die
Be=
deutung unſeres oſtaſiatiſchen Schutzgebietes die
ausge=
zeichnete Lage Tſingtaus, das über den beſten
Hafen der ganzen chineſiſchen Küſte verfügt und eine gute
Verbindung nach dem Herzen Schantungs ſowie nach der
eine große Zukunft verheißenden Tientſin=Pukowbahn
hat. Freilich iſt dafür notwendig, daß endlich mit dem
ſo lange verzögerten Bahnbau Itſchoufu=Kaumi
begon=
nen wird und daß die Schantung=Eiſenbahngeſellſchaft
durch Einführung niedriger Tarife der drohenden
Kon=
kurrenz die Spitze bietet. Erlangt Tſingtau den in
Aus=
ſicht ſtehenden günſtigen Anſchluß an die weiten und
wich=
tigen Gebiete ſeines Hinterlandes, dann wird es in der
bevorſtehenden Verkehrsentwicklung Chinas zu hoher
Bedeutung gelangen. Die chineſiſche Regierung muß ihr
umfangreich geplantes Bahnnetz mit allen Mitteln fördern
und die längſt beabſichtigte Bahn durch die Mongolei
ge=
hört zu den wichtigſten Projekten, wenn anders der
Ver=
luſt dieſer Rieſenprovinz nicht zur Tatſache werden ſoll.
Bei der ungeheueren Bedeutung der ſibiriſchen
Ueberland=
verbindung Europas mit Oſtaſien iſt es von höchſter
Wich=
tigkeit, daß für dieſen Hauptverkehrsweg immer
Tſing=
tau und nicht, wie bisher, Dalny der Hafen ſein wird,
durch den der Anſchluß von Südchina, Japan, den
Philippinen an dem großen Schienenſtrang nach Europa
geſucht wird. So wird Tſingtau dereinſt in den
Mittel=
punkt des Weltverkehrs gerückt werden.
Deutſches Reich.
— Deutſchland und die
Marokkover=
handlungen. Zu der Meldung ſpaniſcher Blätter,
daß Deutſchland den Fortgang der ſpaniſch=franzöſiſchen
Verhandlungen behindere, erfährt die Rheiniſch=
Weſt=
fäliſche Zeitung aus vorzüglicher Quelle, daß
Deutſch=
land allerdings gegen die Vereinbarung zwiſchen
Frank=
reich und Spanien über die marokkaniſche Zollgrenze
Proteſt eingelegt habe, weil das Deutſche Reich in
Marokko durch eine Zollgrenze nicht behindert werden darf.
— Der Vorentwurf eines Reichs=
Woh=
nungsaufſichtsgeſetzes. Die
Wohnungskom=
miſſion des Reichstages hat einen Vorentwurf für das
Reichs=Wohnungsaufſichtsgeſetz ausgearbeitet, der nach
dem eigenen Wunſche der Kommiſſion der Oeffentlichkeit
nicht vorenthalten werden ſoll. Der Entwurf iſt nicht als
fertiger Kommiſſionsbeſchluß anzuſehen, ſondern ſer ſoll
nur als Anhalt für die im Herbſt fortzuſetzendenl
Bera=
tungen dienen; ein offizieller Charakter iſt ihm nicht
bei=
zumeſſen.
Danach ſoll in allen Gemeinden eine ſtändige
Woh=
nungsaufſicht eingeführt werden, die ſich auf die
Beſchaf=
fenheit, Einrichtung und Benutung der Wohnungen in
geſundheitlicher oder ſittlicher Beziehung erſtreckt. Die
Wohnungsaufſicht ſoll beſchränkt werden auf 1.
Woh=
nungen, die einſchließlich Küche aus vier oder weniger
Räumen beſtehen, 2. größere Wohnungen, welche in
Man=
ſarden, Dach= oder Kellergeſc
fremde, nicht zur Familie gehörige Perſonen ſtändig oder
gegen Entgelt beherbergt werden, 3. Schlafſtellen,
Le=
digenheime und Logierhäuſer, 4. Wohn= und Schlafräume
der Angeſtellten (Geſellen, Gehilfen, Lehrlinge, Arbeiter,
Geſinde). Die Wohnungsaufſicht ſoll den
Gemeindevor=
ſtänden obliegen, außerdem haben die Landesregierungen
beſondere Wohnungsaufſichtsbeamte zu beſtellen. Den.
mit der Wohnungsaufſicht betrauten Perſonen ſollen bei
Ausübung dieſer Aufſicht alle amtlichen Befugniſſe der
Ortspollizeibehörden zuſtehen, insbeſondere ſollen ſie
be=
fugt ſein, die der Wohnungsaufſicht unterliegenden
Räume innerhalb der vom Bundesrat oder den
Landes=
zentralbehörden feſtzuſetzenden Stunden zu beſichtigen.
Ueber ihre amtliche Tätigkeit haben die von den
Landes=
regierungen beſtellten Wohnungsaufſichtsbeamten
Jahres=
berichte zu erſtatten, die, zuſammenfaſſend bearbeitet, in
regelmäßigen Zwiſchenräumen dem Bundesrat und dem
Reichstag vorzulegen ſind. Der Bundesrat ſoll
Vorſchrif=
ten erlaſſen können, denen die zum dauernden Aufenthalt
von Menſchen dienenden Räume hinſichtlich ihrer
Beſchaf=
fenheit, Einrichtung und Benutzung in geſundheitlicher
oder ſittlicher Beziehung zu entſprechen haben, ebenſo
ſonſtige Anordnungen zur Durchführung der
Wohnungs=
aufſicht. Weiter enthält der Kommiſſionsentwurf
Be=
ſtimmungen über die Befugniſſe der Aufſichtsbeamten zur
Anordnung und Durchführung der auf Grund der
erlaſ=
ſenen Vorſchriften notwendigen Maßnahmen. Zur
Räu=
mung von beanſtandeten Wohnungen ſoll die
Polizeibe=
hörde nur beſugt ſein, wenn die weitere Benutzung
er=
hebliche Nachteile oder Gefahren herbeizuführen geeignet
iſt. Gegen die polizeilichen Verfügungen iſt Beſchwerde
an die höhere Verwaltungsbehörde und (in letzter
In=
ſtanz) an die Landeszentralbehörde zuläſſig, deren
Ent=
ſcheidung endgültig ſein ſoll. Gegenüber dem preußiſchen
Wohnungsgeſetzentwurf von 1904 unterſcheidet ſich der
vorliegende Entwurf der Reichstagskommiſſion
weſent=
lich dadurch, daß nach erſterem nur die Gemeinden mit
mehr als 10 000 Einwohnern zum Erlaß von
Wohnungs=
ordnungen verpflichtet werden ſollten, während der
jetzige Entwurf eines Reichs=Wohnungsaufſichtsgeſetzes
die Wohnungsaufſicht auf alle Gemeinden ausgedehnt
ſehen will. Die Reichsregierung ſcheint vorläufig noch
auf dem Standpunkt zu ſtehen, daß die Regelung der
Wohnungsaufſicht Sache der Einzelſtaaten ſei.
— Ergebniſſe bei der Invaliditäts=
und Altersverſicherung. Man ſchreibt uns:
Als zuverläſſiger Gradmeſſer der Beſchäftigung von
In=
duſtrie und Gewerbe im Deutſchen Reich muß der Verkauf
der Beitragsmarken für die Invaliditäts= und
Altersver=
ſicherung angeſehen werden.
Nach dem in den Amtlichen Nachrichten des
Reichs=
verſicherungsamts vom 15. Auguſt 1912 veröffentlichten
Ausweis für den Monat Juli 1912 war der
Geſchäfts=
ſtand ein geradezu glänzender, denn der Erlös aus
Bei=
tragsmarken betrug im Juli 1912 21844780 Mark, gegen
16135704 im Juli 1911, gegenüber dem Vorjahr mehr
5709076 Mark. Die Ausgaben im Juni 1912 an
Rentenzahlungen und Beitragserſtattungen der 31
Ver=
ſicherungsanſtalten betrugen dagegen nur 13 732382 Mk.
gegen 14127610 im gleichen Monat des Vorjahres. Seit
1. Januar bis Ende Juli 1912 ſtellten ſich die Einnahmen
und Mehreinnahmen gegen das Vorjahr wie folgt:
Januar 18851000 Mark (— 2825000), Februar 17378000
Mark (— 3 721000), März 19695 000 (-— 4 247000), April
21067000 Mark (— 5343000), Mai 20 388000 Mark
(— 4 555000), Juni 20 938000 Mark (— 5945000), Juli
21844000 Mark (* 5709075). Zuſammen 140 161000 Mk.
( 32345075). Gleichzeitig liefert dieſe Aufſtellung
wie=
der einen ſchlagenden Beweis von der enormen Belaſtung
von Induſtrie, Gewerbe und Handel durch einen einzigen
Zweig der ſozialen Verſicherung — der Invaliditäts= und
Altersverſicherung — abgeſehen alſo von der
Unfallver=
ſicherung, von der Krankenverſicherung und neuerdings
auch von der Angeſtellten=Verſicherung.
— Regierungskriſe in Bayern? Der
Berliner Morgenpoſt geht aus München aus angeblich
beſter Quelle vom Hoflager in Hohenſchwangau ein
Stimmungsbild zu, worin behauptet wird, daß die ſchon
vorhandene latente Unſicherheit im Verkehr zwiſchen
Miniſterpräſident und Krone ſich infolge eines politiſchen
Berichtes des Grafen Lerchenfeld aus Berlin ſeit einigen
Tagen zu einer ſchleppenden Regierungskriſe verdichtet
habe. Graf Lerchenfeld, der erfolglos ſeinen Rücktritt
angeboten hätte, ſei heute gezwungen, hinter dem Rücken
des Miniſters des Königlichen Hauſes für dieſen recht
unerfreuliche Berichte an das Hoflager zu geben. An der
Tafelrunde ſehe man keinen der jetzigen Staatsminiſter.
Der Prinzregent ſei am ſchmerzlichſten von der
Wahr=
nehmung berührt, als könne er und ſein Haus eine
Poli=
tik verfolgen, die der Zugehörigkeit Bayerns zum Reiche
jeden inneren Wert nehmen müßte.
Ausland.
Frankreich.
Schädigung Frankreichs durch deutſche
Induſtrieartikel. Der Matin beſchäftigt ſich in
einem längeren Artikel mit der angeblichen
Ueberſchwem=
mung und Schädigung Frankreichs durch deutſche
In=
duſtrieartikel und ſchlägt gegen dieſe folgende Maßregeln
vor: 1. Eine Aenderung der franzöſiſchen Geſetzgebung
von 1867, durch welche es fernerhin unmöglich gemacht
werden ſoll, daß angeblich franzöſiſche Geſellſchaften von
Deutſchen in Frankreich gegründet werden und in
Deutſch=
land fabrizierte Artikel als franzöſiſche Fabrikate
ver=
kaufen. 2. Die franzöſiſche Regierung müſſe Maßregeln
ergreifen, um bei allen Lieferungen für
Staatsbedürf=
niſſe die Submiſſion nichtfranzöſiſcher Firmen und die
Lieferung nichtfranzöſiſcher Waren auszuſchließen-
Amerika.
Das Panamakanalgeſetz. Obwohl von
Sei=
ten des Staatsdepartements in Waſhington keine
Ermäch=
tigung zu einer ſolchen Erklärung vorliegt, darf es doch
als ſicher gelten, daß die Regierung es ablehnen wird,
die Rechtsfrage, ob die Vereinigten Staaten die
ameri=
kaniſche Schiffahrt von den Panamakanalgebühren
be=
freien dürfen, einem Schiedsgericht zu unterwerfen. Es
wird indeſſen mitgeteilt, daß dieſe Stellungnahme der
Regierung vielleicht erſt nach einiger Zeit in vollem
Um=
fange dargelegt werden wird.
Der Aufſtand in Nikaragua. Der
ameri=
kaniſche Kreuzer „California” iſt in Corinto in Nikaraqua
eingetroffen, hat dort 350 Matroſen und Marineſoldaten
gelandet und iſt dann nach Panama weiter gefahren, um
750 Marineſoldaten an Bord zu nehmen, die der Dampfer
„Prairie” zur Weiterbeförderung dorthin bringen wird.
China.
England und die Lage in Tibet. Der
engliſche Geſandte Jordan richtete an die chineſiſche
Re=
gierung eine Denkſchrift, in der er die Lage in Tibet und
die ausgeſprochene Abſicht Chinas, Tibet der chineſiſchen
Republik als Provinz anzugliedern, behandelt. Die
Denk=
ſchrift tritt dafür ein, daß den Tibetanern geſtattet
werde, ihre inneren Angelegenheiten ſelbſt zu ordnen
ohne daß ſich China einmiſche, und regt an, daß China
eine Vertretung in Lhaſſa errichte, welche die Tibetaner
über die auswärtige Politik zu unterrichten hätte. Dieſe
Vertretung ſolle eine Leibwache haben, aber China ſolle
in Tibet keine unbegrenzte Truppenmacht halten und
auch der jetzt auf dem Marſch befindlichen Expedition
nicht geſtatten, dorthin vorzurücken. China brauche
in=
diſches Gebiet jetzt nicht als Heerſtraße nach Tibet zu
benützen. Schließlich empfiehlt die Denkſchrift den
Ab=
ſchluß eines neuen engliſch=chineſiſchen Abkommens, das
der Anerkennung der chineſiſchen Republik durch England
vorangehen müſſe.
* Ueber den Spionagefall in Wanne
bei Bochum der ſchon erwähnt wurde, verlautet
noch: Der verhaftete Polier Heinrich Häußner in
Wanne hat in franzöſiſchen Dienſten geſtanden. Er ſtand
ſeit langem unter unausgeſetzter Beobachtung der
deut=
ſchen Behörden. Die Entdeckung erfolgte dadurch, daß
ein von ihm an einen Attachee der franzöſiſchen Botſchaft
in Berlin gerichteter Brief von der politiſchen Polizei
aufgefangen wurde. Die Antwort auf dieſen Brief ſollte
unter einem beſtimmten Kennzeichen poſtlagernd Herne
erfolgen. Die politiſche Polizei benachrichtigte die
Kriminalpolizei in Bochum, und dieſe beobachtete die
Briefausgabe des Poſtamtes in Herne. Vor einiger Zeit
ging nun das Antwortſchreiben unter dem verabredeten
Zeichen an Häußner ein und wurde von einem 15 Jahre
alten Burſchen abgeholt. Der mit der Beobachtung
be=
auftragte Kriminalkommiſſiar Müller, Bochum, verfolgte
den Knaben und ermittelte, daß dieſer im Auftrage des
Häußner handelte. Die Kriminalpolizei beobachtete
daraufhin den Häußner und ſammelte ſo viel
Verdachts=
material gegen ihn, daß zur Verhaftung des Spions
ge=
ſchritten werden konnte. Häußner iſt von Hauſe aus
Zimmermann. Er beſitzt nur Volksſchulbildung, hat ſich
aber als Autodidakt ſo weit fortgebildet, daß er mehrere
Fachſchulen beſuchen konnte. Er verfügt über eine
An=
zahl glänzender Zeugniſſe aus dem In= und Auslande.
Wie weiter gemeldet wird, ſoll Häußner verſucht haben,
die die Mobilmachung betreffenden Fahrpläne an Frank=
reich zu verkaufen. Häußner ſoll bereits geſtanden haben,
daß ihm für den Verrat dieſer Pläne ein Honorar vo
12 000 Mark zugeſagt worden iſt. Er lebte 8 Jahre von
ſeiner Frau getrennt, die ſich mit ihrem Kinde in einem
Berliner Vororte kümmerlich ernährte. Erſt vor 14 Tagen
war ſie auf Bitten ihres Mannes zu ihm nach Wanne
gezogen. Eine Hausſuchung in der Wohnung Häußners
ſoll neues, ſehr belaſtendes Material zutage gefördert
haben.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 31. Auguſt.
* Vom Hofe. Prinzeſſin Louiſe von
Battenberg iſt am Donnerstag nachmittag 5 Uhr
58 Min. zum Beſuch in Jagdſchloß Wolfsgarten
einge=
troffen. (Darmſt. Ztg.)
* Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Konrad Beppler aus Lang=Göns, Kreis Gießen, eine
Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Steinheim, in
demſelben Kreiſe; dem Schulamtsaſpiranten Albert
Fenchel aus Gedern, Kreis Schotten, die
Lehrer=
ſtelle an der Gemeindeſchule zu Höckersdorf, in demſelben
Kreiſe.
* Konſulariſche Dienſtverrichtungen. Der zum
Generalkonſul der Republik Panama in Hamburg
er=
nannte Herr Manuel de Obaldia, dem das
Reichs=
exequatur erteilt wurde, iſt zur Ausübung konſulariſcher
Dienſtverrichtungen im Großherzogtum zugelaſſen worden.
* Hilfsaktion des Odenwaldklubs. Ihre Königl.
Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin
haben der Ortsgruppe Darmſtadt des Odenwaldklubs
für die durch die Nieder=Modauer
Kaſſen=
affäre Geſchädigten eine Spende von 1000 Mark
überweiſen laſſen.
C. Ehrung. Geſtern, als am Geburtstage der
ver=
ſtorbenen Großherzogin Mathilde, wurden ſeitens
des Großh. Hofmarſchallamts zwei Kränze von
blühendem Heidekraut, in die Chryſanthemen
einge=
flochten waren, am Grabdenkmal der Verewigten in der
katholiſchen Kirche niedergelegt.
— Vom Hoftheater. Mit Beginn der neuen
Spielzeit iſt die Einrichtung getroffen worden, daß die
Tageskaſſe nicht wie bisher nur 2 Stunden, ſondern
an Wochentagen 4 Stunden (9½—1½ Uhr), an
Sonn=
tagen 3 Stunden (10½—1½ Uhr) geöffnet iſt.
Abends beginnt der Billettverkauf, wie bisher, eine
Stunde vor Anfang der Vorſtellung.
Dl. Sonderausſtellung im Städtiſchen Muſeum. Zu
den verſchiedenen dankenswerten Ausſtellungen, die die
Leitung des hieſigen Städtiſchen Muſeums in den
letzten Jahren veranſtaltet hat, iſt dieſer Tage eine kleine
Sonderausſtellung getreten, die das Intereſſe
aller Freunde der Darmſtädter Ortsgeſchichte
hervorzu=
rufen geeignet iſt. Es iſt die Ausſtellung von ungefähr
70 Gebäude=Nachbildungen aus Alt=Darmſtadt nebſt
Mauern und Bäumen, die als Ganzes unter dem Namen
„Prinz=Georg=Bau=Spielkaſten Alt=
Darmſtadt” zuſammengefaßt worden. Wir ſehen da
aus Holz gefertigt einen großen Teil des alten Darmſtadt
vor uns. Vor allem das Reſidenzſchloß aus 15
Gebäude=
teilen, dann die Häuſer am Markt und in der Kirchſtraße,
ſowie am Schloßgraben; den Marſtall und das
franzöſi=
ſche Jagdhaus am heutigen Paradeplatz, den alten
Für=
ſtenhof (Schwabſches Haus), den Weißen Turm, die
Darmſtädtey Tore (Neues Tor, Jägertor, Sporertor,
Beſ=
ſunger Tor, Frankfurter Tor), die Fleiſchwacht (am
Ein=
gange der heutigen Alexanderſtraße), das Pädagog nebſt
dem Waſchhaus am Kleinen Woog, die Stadtkirche und
die Kapelle, das alte Waiſenhaus (Ludwig=Georg=
Gym=
naſium), die Häuſer im Birngarten, den Tempel im
Herrngarten und anderes mehr. Alle dieſe Gebäude ſind
auf einem großen Plan aufgeſtellt, ſo daß der Beſchauer
— unbeſchadet einiger Ungenauigkeiten, die ſich des
zu=
ſammengedrängten Raumes wegen nicht vermeiden
lie=
ßen —, einen ganz ausgezeichneten Eindruck davon
emp=
fängt, wie das alte Darmſtadt vor etwa 150 Jahren
aus=
ſah. Wie ſchon angegeben, ſoll das Werk als Baukaſten
gelten. Es will die Jugend zur Freude an dem alten
Darmſtadt erziehen. Es ſteht wohl außer Zweifel, daß
dies gelingen wird, wenn dieſer Baukaſten in recht viele
Häuſer als Weihnachtsgeſchenk kommt. Der Schöpfer des
Ganzen iſt Herr Rentner C. Jochheim, der ſich dadurch
ein wirkliches Verdienſt erworben hat. Wie wir
erfah=
ren, ſoll — vorausgeſetzt, daß ſich genügend Beſteller bis
zum 1. Oktober melden — der Bäukaſten von einer
leiſtungsfähigen Fabrik unter möglichſt getreuer
Origi=
nalwiedergabe für Weihnachten vervielfältigt werden.
Hoffentlich findet er dann den Weg in recht viele
Fami=
lien, die an der Geſchichte unſerer Stadt ein Intereſſe
haben. Der Preis iſt auf 15 Mark geſetzt, der im
Ver=
hältnis zu der Reichhaltigkeit als billia zu bezeichnen
iſt. Wir empfehlen den Beſuch der kleinen Ausſtellung aufs
angelegentlichſte.
* Die Ausſtellung das Gas in Haus und Gewerbe
wird unwiderruflich Sonntag, den 1. September, abends
10 Uhr geſchloſſen. Es findet an dieſem geradeſo
wie am geſtrigen Tage nachmittags eine fortlaufende
Vor=
führung der Gaskocher im Betriebe ſtatt, wobei Fragen
Ein Charakterbild des neuen Mikado.
*⁎* Yoſhihito, der neue Kaiſer von Japan,
hat erſt ſeit kurzem ſeine Regierung angetreten, und es
intereſſiert die Welt, nähere Einzelheiten vom Leben und
Weſen dieſes neueſten Monarchen zu erfahren.
Authen=
tiſches Material bringt darüber ein Aufſatz des Publie
Ledger, aus dem uns die äußere und innere Erſcheinung
des Mikado lebendig entgegentritt. Auf einem ſchlanken,
ſchmalbrüſtigen Körper mit dürftigen Schultern und
etwas gebrechlichem Ausſehen ruht ein abnorm großer
Kopf, deſſen kohlſchwarze Augen und deſſen hartes
ſchwarzes Haar, ein etwas düſterer Ausdruck und
vor=
geſchobene Kinnbacken an ſeinen großen Vater erinnern.
Als dritter Sohn Mutſohitos, deſſen Mutter zudem nicht
die Kaiſerin, ſondern eine der Nebenfrauen, die Gräfin
Yanagawara, war, hatte er zunächſt keine Ausſicht auf
den Thron. Er war ſchwächlich von Jugend an und litt,
wie ſeine Brüder, an jener Gehirnkrankheit, die das
traurige Erbteil der wenigen herrſchenden Familien des
Landes iſt und von der die niederen Stände verſchont
ſind. Während ſeine beiden älteren Brüder ſtarben, war
ſeine Konſtitution widerſtandsfähig genug, um die
An=
ſtürme der Krankheit zu überwinden; er iſt, je älter er
wurde, immer kräftiger und geſünder geworden und heute
mit ſeinen 31 Jahren merkt man wenig mehr von den
ſchweren Fährniſſen, von denen ſein Organismus bedroht
war höchſtens eine gewiſſe Nervoſität iſt ihm geblieben.
Nachdem er 1887 zum Thronerben beſtimmt und 1889
feierlich als Kronprinz proklamiert worden war, wurde
leiner Erziehrmadie größte Aufmerkſamkeit zugewendet.
Er beſuchte die Adelsſchule, ein Erziehungsinſtitut, das
den Prinzen und Ariſtokraten vorbehalten iſt, aber doch
immerhin als öffentliche Anſtalt erſcheint, während früher
die königlichen Prinzen in ſtrengſter Abgeſchiedenheit von
anderen Kindern ihre Erziehung erhalten hatten. Der
jetzige Mikado dagegen wurde als ein Schüler unter
Schü=
lern betrachtet, beſaß keine Vorrechte vor den anderen
und er, der Nachkomme der Götter, der einſt ſelbſt ein
Gott, hatte ſich völlig der Schulzucht zu fügen. So
wur=
den in Yoſhihito ſoziale, demokratiſche Ideen entwickelt,
die ſeinem Vater noch völlig fremd geweſen waren. Dies
völlige Herabſteigen zu den Sterblichen, dieſes ſich
Miſchen unter die Mitmenſchen, das das Leitmotiv ſeiner
Erziehung bildete, hat ihn im Verkehr viel jovialer und
zugänglicher gemacht, als der verſtorbene Mikado war,
der mit ſeinen Untertanen nur durch die Mittlerſchaft
ſei=
ner Beamten verkehrte. Yoſhihito iſt dem Empfinden
des Volkes näher getreten, als man es je in Japan für
möglich gehalten, und das wird in den Grundformen
ſei=
ner Regierung zum Ausdruck kommen. Nachdem er die
Adelsſchule beſucht hatte, erhielt der Kronprinz noch den
beſonderen Unterricht des Generals Oku, dem ein
Sprach=
gelehrter Adaſchi beigegeben war. Durch ihn hat der
jetzige Mikado Deutſch, Engliſch und Franzöſiſch trefflich
ſprechen gelernt. Die militäriſche Ausbildung durch den
General Oku fand ihren Abſchluß in der Ernennung des
16jährigen Prinzen zum Oberſten der japaniſchen Armee.
Die Jugend und Ausbildung Yoſhihitos iſt in
verhält=
nismäßig großer Unabhängigkeit verlaufen. Er beſaß
von Kindheit an ſeinen eigenen Palaſt, freilich in der
Nähe der kaiſerlichen Reſidenz, aber doch von einem
eigenen großen Park umgeben. Hier verbrachte er unter
der Aufſicht eines Kanzlers und dreier Hofmeiſter und
bei einer jährlichen Apanage von 50000 Yen ſeine
Schul=
zeit und die Jahre ſeines Jünglingsalters.
Die Freiheit und Ungebundenheit, die ihn im
Gegen=
ſatz zu dem ſtrengen Zeremoniell gewährt wurden, trugen
ihre ſchönen Früchte in der Kräftigung und Stählung
ſei=
nes Körpers. Der zarte, gebrechliche Prinz hatte ſeinen
Turnſaal, ſeine Kegelbahn, ſeine Plätze zum
Tennisſpie=
len und Bogenſchießen, ſeine Rennbahn, ſeine
Fiſch=
weiher. So wurde in ihm die Liebe zum Sport, die
Freude an der Bewegung im Freien groß gezogen, die
ſeinen Ahnen ſo ſtreng verboten geweſen. Im fröhlichen
Spiel mit ſeinen Schweſtern, Vettern und anderen
jugend=
lichen Gefährten verbrachte er ſeine Tage und wurde
kräf=
tig und ſtark; ein blühender Jüngling, von dem man
nicht ahnte, daß ihn die Aerzte als Knaben ſchon
aufge=
geben hatten. Neben der körperlichen Ausbildung ward
die geiſtige nicht vernachläſſigt. Wie ſein Vater liebt
Yoſhihito die Literatur und fühlt ſich ſelbſt als Dichter.
Er macht Verſe in Japaniſch und Chineſiſch und iſt in
dem Schrifttum der beiden Schweſterländer ſehr
bewan=
dert. Bedeutſam iſt der europäiſche Einſchlag in ſeiner
Entwickelung; auch darin übertrifft er ſeinen Vater, der
doch immer noch „ein heimlicher Japaner” war. Der neue
Mikado trägt auch als ſeine gewöhnliche Haustoilette
europäiſche Kleidung: ſein 1906 erbauter dreiſtöckiger
Pa=
laſt iſt ganz europäiſch; er hat auch nicht mehr mehrere
Frauen, ſondern nur noch eine, und bei der Wahl der
heutigen Kaiſerin war nicht ſo das eiſerne Geſetz der
ſtan=
desgemäßen Familie, als die Geſundheit und Schönheit
der Braut maßgebend.
Nummer 205.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Anguſt 1912.
Seite 3.
der Beſucher von den Vortragsdamen der Gaszentrale
gerne beantwortet werden. Abends 8 Uhr wird ein
Lichtbilder=Vortrag über „Gasbereitung und
Gasverwertung” durch den Leiter der Wanderausſtellung,
Herrn Ingenieur Puchala=Köln, ſtattfinden, der viel
des Intereſſanten und Belehrenden bietet, da er nicht nur
das in der Ausſtellung natürlich garnicht vertretene
Ge=
biet der Gasbereitung, ſondern auch andere, der
beſchränk=
ten Raumverhältniſſe halber auf der Ausſtellung nicht
vertretene Möglichkeiten der Gasverwertung in Wort und
Bild vorführt. Der Eintritt zu der Ausſtellung und den
Veranſtaltungen iſt frei. Der Elitetag am Donnerstag,
an welchem Eintrittsgeld erhoben wurde war naturgemäß
weniger ſtark beſucht als die vorhergehenden Tage und
gab ſo erwünſchte Gelegenheit, die Ausſtellung in Ruhe
zu beſichtigen und einem Kochvortrag ohne Gedränge
bei=
zuwohnen. Immerhin kann dem Verband für
Jngend=
wohlfahrt und Jugendpflege in der Stadt Darmſtadt ein
Betrag von über 100 Mark überwieſen werden. Daß
der Zweck der Ausſtellung, über die Vorzüge der
Gasver=
wendung in Haus und Gewerbe und die vielſeitige
Ver=
wendbarkeit des Gaſes aufzuklären, ſicher erreicht wird,
zeigt die bereits auf faſt 7000 angewachſene Beſuchsziffer. Die
Ausſtellung erregt nicht nur das Intereſſe der Bewohner
unſerer Stadt, ſondern auch derjenigen unſerer
Nachbar=
ſtädte Frankfurt, Mainz, Heidelberg, Worms uſw. Wie
wir hören, hat die mit einer beſonders ſchönen Kollektion
ihrer emaillierten kombinierten Gas=Kohlen= und reinen
Gas=Herde an der Ausſtellung teilnehmende n e u e
Herdfabrik, Darmſtädter Herdfabrik und Emaillierwerke
G. m. b. H., mit dem die Ausſtellung beſichtigenden
In=
haber einer Mailänder Firma einen größeren Abſchluß
für Mailand getätigt; ein Beweis dafür, daß auch unſere
einheimiſche Induſtrie auf dem Gebiete der Gasapparate
hervorragendes leiſtet. Sollte die ungünſtige Witterung
die Abhaltung des für Samstag abend vorgeſehenen
Gartenkonzertesg bei großer Illumination
ver=
eiteln, ſo wird letztere am Samstag und Sonntag abend
in der Zeit von 8½ bis 9½ Uhr für die
Ausſtellungs=
beſucher in Betrieb genommen.
Verein für Verbreitung von Volksbildung. Der
Vorſtand des Vereins für Verbreitung von Volksbildung
macht ſeinen Mitgliedern und den angeſchloſſenen
Ver=
einen bekannt: Angeſichts der Ziele unſerer
Vereins=
beſtrebungen erſcheint uns die in Darmſtadt eröffnete
Ausſtellung „Der Menſch” in ihrem eigenartigen
Charakter und in ihrer reichen Ausgeſtaltung ſo
bedeut=
ungsvoll, daß wir uns veranlaßt ſehen, ihre ſeltenen Werte
unſeren Vereinsmitgliedern auf beſondere Weiſe
nutzbar zu machen. Wir erſtreben neben den ermäßigten
Eintrittspreiſen Führungen, bei denen unter
fach=
kundiger Begleitung das Neue und Unbekannte erſchloſſen
und auf das Wertvollſte in ſeiner Beziehung zum
Einzel=
menſchen und dem Volksganzen belehrend hingewieſen
wird. Die Führungen ſollen in Gruppen von etwa 40
Per=
ſonen ſtattfinden und ſich auf je 2 Abende erſtrecken; in
Rückſicht auf die tagsüber in Arbeit ſtehenden Mitglieder
und den lebhaften Tagesbeſuch der Ausſtellung empfehlen
ſich für ſolche Führungen die ruhigeren Abendſtunden,
zu=
mal die neueingerichtete Beleuchtung der
Ausſtellungs=
räume vorzüglich ausgefallen iſt. Sobald die
Vorverhand=
lungen mit der Ausſtellungsleitung und den Herren
Aerzten beendet ſind, werden am Verkehrsbureau
die Karten verabfolgt; hier iſt auch ein bedrucktes Blatt
er=
hältlich, auf dem die Führungstage und ſonſtige
Beſtimm=
ungen erſichtlich ſind. Vorausſichtlich kann die erſte
Führ=
ung in der nächſten Woche feſtgeſetzt werden
— Abgabe von Steuerertlarungen. Unter
Be=
zugnahme auf die Notiz in Nr. 203 unſeres Blattes,
die Abgabe von Steuererklärungen für 1913 betr., weiſen
wir noch darauf hin, daß das neue
Gemeindeumlagen=
geſetz allen Steuerpflichtigen, deren gewerbliches oder
landwirtſchaftliches rauhes Anlage= und Betriebskapital
mindeſtens 3000 Mk. beträgt, oder deren
Kapitalver=
mögen ſich auf 3000 Mk. und mehr beziffert, die Pflicht
auferlegt, für 1913 entſprechende Steuerdeklarationen
abzugeben.
— Dienſtjubiläum. Als Mitglied der Großh.
Hof=
kapelle vollendet am 1. September Herr Kammermuſiker
Albert Diedrich ſein 25. Dienſtjahr. Neben der
Betätigung vortrefflicher künſtleriſcher Fähigkeiten, auch
außerhalb des dienſtlichen Gebietes, als Violinlehrer
und Kammermuſikſpieler, ſteht der Jubilar mit einem
großen Teile der hieſigen Muſikfreunde ſeit Jahren in
regem perſönlichen Verkehr als Vermittler der
Abonne=
ments auf die Hofmuſik=Konzerte. Dem aufmerkſamen
Beobachter kann es nicht entgangen ſein, mit welchem
Ge=
ſchick Herr Diedrich ſein nicht leichtes Amt verſieht und
welche Vereinfachungen und Erleichterungen hier
wäh=
rend der Zeit ſeiner Geſchäftsführung entſtanden ſind.
Als einer der wenigen Männer, die vor ſechs Jahren den
Zuſammenſchluß aller in feſten Stellungen befindlichen
deutſchen Orcheſter in die Wege leiteten, wurde Herr
Diedrich zum Vorſitzenden des „Deutſchen Orcheſter=
Bun=
des” gewählt. Mit einer einzigen Ausnahme beſitzen
heute alle angeſtellten Kapellen Deutſchlands die Mit=
gliedſchaft. Faſt ohne Beiſpiel ſteht die
Aufwärtsbeweg=
ung da, die der „D. O.=B.” in ſo kurzer Zeit und durch
ihn der deutſche Orcheſtermuſiker in ſozialer Hinſicht
ge=
nommen hat und die im weſentlichen auf das Konto ihres
Führers zu ſetzen iſt. Zu dem hervorragenden
organiſa=
toriſchen Talente Diedrichs geſellt ſich die glückliche Gabe,
auch der ſchwierigſten Situationen zum VVorteil der zu
er=
ſtrebenden Ziele Herr zu werden und aus den ſcheinbar
ausſichtsloſeſten Verhandlungen Nutzen zu ziehen.
Ruhi=
ges, beſonnenes Handeln, entgegenkommendes,
verſöhn=
liches Weſen, insbeſondere auch den Berufsgenoſſen
gegenüber, das ſind die Werte, die den Namen Diedrich
zu einem der beſtklingenden in der geſamten deutſchen
Muſikwelt gemacht haben. Möge er noch lange Jahre in
gleicher Tüchtigkeit und Arbeitsfreudigkeit wie bisher
ſeinen hieſigen und auswärtigen Kollegen, ſowie ſeiner
ſchönen Kunſt erhalten bleiben.
Jubiläum. Am 1. September ſind es 25 Jahre, daß
Herr Buchhalter Leonhard Eitenmüller in der Firma
Karl Fay, Bierbrauerei, tätig iſt.
C. Vom Wetter. Nachdem der diesjährige Auguſt
überaus kühl und regenreich verlaufen iſt, erhebt wohl
jedermann die Frage, ob wohl dieſer Witterungscharakter
ſich auch im September fortſetzen wird. Eine ſichere
Ant=
wort läßt ſich hierauf bei dem heutigen Stande der
Wiſſenſchaft ſelbſtverſtändlich nicht geben. Immerhin iſt
es aber von Intereſſe, aus den Tabellen der letzten 50
Jahre zu ermitteln, wie ſich in ähnlichen Fällen der
September geſtaltet hat, bezw. ob die Urſachen, die das
naßkalte Auguſtwetter bedingen, auch im nächſten Monat
fortzuwirken pflegen. Hierbei ergibt ſich nun eine wenig
erfreuliche Tatſache. In Betracht kommen die Jahre
1864, 1870, 1882, 1885 1888, 1896, 1902 und 1908. Nur
in 2 unter dieſen 8 Jahren war der September zu trocken,
1mal normal und 5mal zu naß. Hinſichtlich der
Tempe=
raturverhältniſſe ergibt ſich die ebenfalls unerfreuliche
Tatſache, daß in dieſen 8 Jahren der September nur 1mal
normal, 7mal aber zu kühl war. Auch nicht ein einziges
Mal wurde der Wärmemangel des Auguſt durch einen
Wärmeüberſchuß des September ausgeglichen.
* Kriegerverein Darmſtadt. Wie aus dem
Anzeigen=
teil erſichtlich, findet nächſten Sonntag ein weiteres
Uebungsſchießen ſtatt, das den Kameraden
ange=
legentlichſt empfohlen wird, zumal bei dem demnächſt
ſtatt=
findenden Preisſchießen auch die beſten Schießleiſtungen
der vorangegangenen Uebungsſchießen mit Auszeichnungen
bedacht werden ſollen.
— Der Männergeſangverein „Concordia” der in
dieſem Jahre 10 Jahre unter der Leitung ſeines Dirigenten,
Herrn Richard Etzold, ſteht, feiert dieſes Jubiläum
heute, Samstag abend, durch Veranſtaltung eines
Konzerts unter Mitwirkung von Frau Gretel
Worret, ſowie hieſiger und auswärtiger Brudervereine,
und morgen, Sonntag, in Geſtalt eines Sommerfeſtes
mit Tanz. (Siehe Anzeige.)
Die Stenographen=Vereinigung „Gabelsberger”
begeht am Samstag, den 7. September cr. im Kaiſer=
und Fürſtenſaal ihr Stiftungsfeſt. Neben
thea=
traliſchen Darbietungen, die von Vereinigungs=
Mit=
gliedern ausgeführt werden, wird auch das preisgekrönte
Wilhelm Etzoldſche Männerquartett (Dirigent Herr
Wilhelm Etzold) das Feſt durch einige Männerchöre
verſchönen. Weiterhin haben Fräulein V. Grote
(Sopran) ſowie Herr F. Sautier (Tenor) ihre gütige
Mitwirkung zugeſagt. Auch findet an dieſem Abend im
Fürſtenſaal eine ſtenographiſche Ausſtellung, beſtehend
aus Stickereien, Malereien und Stenogrammen von
Mitgliedern, ſtatt, die gewiß für jeden Feſtbeſucher von
beſonderem Intereſſe ſein dürfte. Die Muſik wird von
der Kapelle des Leibgarde=Infanterie=Regiments Nr. 115
ausgeführt. (Siehe Anzeige.)
— Zinnſoldaten=Ausſtellung. Von Samstag, den
31. Auguſt, ab iſt in der Eck=Auslage der Firma D. Faix
& Söhne eine Darſtellung der Schlacht von
Se=
dan aus ſogen. „Heinrichſen=Zinnfiguren”
aufgeſtellt. War ſchon die Schlacht von Gravelotte, die
vom 18. Auguſt bis jetzt zu ſehen war, für die
Kriegs=
veteranen und die Zeitgenoſſen des großen Krieges eine
äußerſt intereſſante Erinnerung, ſo wird ſicher die
Dar=
ſtellung der großen Entſcheidungsſchlacht noch lebhafterem
Intereſſe begegnen. Der Arrangeur, Schlachtenmaler
Eymann, hat zwei Phaſen des Kampfes feſtgehalten:
die Erſtürmung von Bazailles durch die Bayern und den
großen franzöſiſchen Reiterangrff bei Illy=Floiny unter
General Gallifet, der von den Thüringern und Heſſen=
Naſſauern zurückgeſchlagen wurde. Auch bei dieſer
Aus=
ſtellung wird es ſicher an lebhafter Anerkennung aus den
Kreiſen der Kriegsveteranen und Offiziere nicht fehlen,
aber auch die Jugend wird auf ihre Koſten kommen, denn
ihr wird gezeigt, daß Bleiſoldaten nicht nur Spielzeug,
ſondern auch Lehrmittel ſind.
* Feſtkonzert im Saalbau. Im Städtiſchen Saalbau
findet heute, Samstag abend, anläßlich der Ausſtellung
„Das Gas in Haus und Gewerbe” ein großes Militär=
Konzert der Kapelle des Leib=Dragoner=Regiments Nr.
24 unter Leitung ihres Dirigenten, Herrn
Obermuſik=
meiſter Rühlemann ſtatt. Während des Konzertes
findet vom hieſigen Gaswerk große feſtliche
Beleuch=
tung des ganzen Gartens mit den verſchiedenen extra
hierzu angelegten Illuminationskörpern, Wappen,
Schlan=
gen, Sternen, Kugeln uſw. ſtatt. (Näheres ſiehe Anzeige).
* Auf der Ludwigshöhe findet am Sonntag, den
1. September, dem Sedantage, Militär=Konzert von
der Kapelle des Leibgarderegiments unter
Obermuſik=
meiſter Hauske ſtatt. Dasſelbe wird bei ungünſtigem
Wetter in die Säle verlegt. (Siehe Anzeige).
* Reſidenztheater. Die Direktion des
Reſidenz=
theaters am Weißen Turm teilt uns mit, daß ab heute
wieder einer von den ſo beliebten däniſchen Kunſtfilms,
betitelt: „Zwiſchen Himmel und Waſſer” zur Vorführung
gelangt. Das Drama iſt der Roman eines Matroſen
und äußerſt realiſtiſch, nichts übertriebenes. Eine feine,
zarte Stimmung durchzieht die ganze Handlung. Von
dem anderen Programm ſei neben den zwei humoriſtiſchen
Films die Naturaufnahme Monte Carlo und das
in=
tereſſante Wild=Weſtdrama Blonco Wilhelms Bivel
her=
vorgehoben. (Siehe Anzeige.)
-h- Jugenheim, 30. Aug. Am Sonntag wird der
Grundſtein zu der hieſigen katholiſchen Kirche
gelegt. Herr Dekan Miſchler in Heppenheim bat die
kirchlichen Funktionen übernommen.
-h- Zwingenberg, 30. Aug. Der Bergſträßer
Obſtmarkt, der täglich nachmittags ſtattfindet, iſt
zur=
zeit derartig mit Obſt aller Art befahren, daß die ſehr
geräumige neue Markthalle das Obſt nicht alles faſſen
kann. Beim geſtrigen Verkauf waren etwa 500 Körbe in
und vor der Markthalle aufgeſtellt. Der Handel ging flott
vonſtatten und recht hübſche Preiſe wurden bezahlt.
Frank=
furt, Leipzig, Mannheim und Stuttgart ſind die
Haupt=
abnehmer, und die Händler dieſer Städte haben zum Teil
Pack= und Aufbewahrungsräume in der Markthalle
ge=
mietet.
Reinheim, 29. Aug. In dem Konkursverfahren über
das Vermögen des landwirtſchaftlichen
Konſumver=
eins e. G. m. u. H. in Liquidation zu Nieder=
Modau fand geſtern vor dem hieſigen Amtsgericht
Ter=
min ſtatt zur Erklärung über die vom Konkursverwalter
eingereichte Vorſchußberechnung, die zur Deckung
des durch die Bilanz ermittelten Fehlbetrages dienen ſoll
Der Konkurs des landwirtſchaftlichen Konſumvereins
Nieder=Modau ſteht in engſtem Zuſammenhange mit dem
Zuſammenbruche des Vorſchuß= und Kreditvereins Nieder=
Modau e. G. m. u. H. Da die haftpflichtigen Mitglieder
des Vorſchuß= und Kreditvereins Nieder=
Modau mit je 200000 Mark zur Deckung des
Fehl=
betrages herangezogen werden ſollen, muß auch der
land=
wirtſchaftliche Konſumverein als haftpflichtiges Mitglied
des Vorſchuß= und Kreditvereins ebenfalls 200000 Mark
als Vorſchußzahlung aufbringen. Das Amtsgericht
Rein=
heim hat zur Deckung des dadurch beim
landwirtſchaft=
lichen Konſumverein in Liquidation entſtandenen
Fehl=
betrages eine Vorſchußzahlung von 30000 Mark pro
Mit=
glied feſtgeſetzt.
Mainz, 30. Aug. Ueber den Ausſtand der
Mainflößer teilen die Arbeitgeber folgendes mit:
Vor zwei Jahren haben die Rheinflößer Verbeſſerung
ihrer Lohnverhältniſſe und Arbeitszeit erreicht. Jetzt ſind
die Mainflößer in Streik eingetreten. Sie haben eine
Arbeitszeit von 5 Uhr morgens bis 8 Uhr abends und
verlangen Herabſetzung derſelben von 6 Uhr morgens
bis 7 Uhr abends. Außerdem wollen ſie eine Zulage
haben. Die Mainflößerei=Beſitzer wollen auf dieſe
For=
derungen nicht eingehen, da für dieſes Jahr bereits die
Holzverkäufe und Kalkulationen abgeſchloſſen ſind. So
iſt es zum Streik gekommen, von dem vierzehn Flößerei=
Unternehmen mit rund 250 Arbeitern betroffen ſind.”
Worms, 30. Aug. Einen
Selbſtmordverſuch=
machte geſtern ein 16jähriges Mädchen; es wollte von
der Eiſenbahnbrücke in den Rhein ſpringen, wurde aber
von einem Bahnbeamten noch rechtzeitig zurückgeriſſen. —
Die für geſtern angeſetzte
Stadtverordneten=
verſammlung mußte auf heute nachmittag verlegt
werden, da noch nicht die Hälfte der Stadtverordneten
erſchienen war.
(*) Gießen, 30. Aug. Die 30 Jahre alte Frau
Huthmüller überfiel geſtern nachmittag ihre beiden
Kinder, Mädchen im Alter von 6 und 5 Jahren, mit
einem großen Küchenmeſſer durchſchnitt ihnen
die Kehlen und erhängte ſich darauf ſelbſt. Die Mutter
konnte noch zum Leben zurückgebracht werden, die Kinder
waren bereits tot. Die Mutter hat bereits früher
Wahn=
ſinnsanfälle gehabt. Sie wurde ſogleich in die
Irren=
anſtalt verbracht.
(*) Mücke, 30. Aug Das Anweſen des Bürgermeiſters
Leun zu Bleidenrod wurde durch Feuer vernichtet,
man vermutet Brandſtiftung.
Feuilleton.
— Der größte Reiſende unter Frankreichs Komponiſten.
Camille Saint=Saéns iſt trotz ſeinen 76 Jahren ein
un=
ermüdlicher Weltenbummler. Im letzten Jahre hat der
Schöpfer von „Samſon et Dalila” einen erſtaunlichen
Rekord aufgeſtellt, indem er in ſieben Monaten nicht
weniger als 25000 Kilometer zurücklegte. Im Juli 1911
wohnte er einem Feſt bei, das in Ceſena in Italien zu
ſeinen Ehren veranſtaltet worden war. Sodann
beſich=
tigte er die Ausſtellung in Turin, machte einen Abſtecher
zu ſeinen Freunden in Aix=les=Bains und kehrte
ſchließ=
lich über Dieppe nach Paris zurück. Aber bald darauf
ſtieg er von neuem in die Eiſenbahn und fuhr nach
Heidel=
berg zum Liſzt=Feſt, wo er die „Danſe macabre” ſo
glän=
zend wie gewöhnlich ſpielte. Dann ging es wieder nach
Paris zur Premiere der „Déjanive” und wenige Tage
darauf fuhr Saint=Saéns ſchon nach Brüſſel, wo er der
Gaſt des belgiſchen Königspaares geweſen iſt. Nun folgte
eine Kreuzfahrt quer durch Frankreich bis Marſeille; dort
ſtieg der Meiſter auf einen Dampfer, der ihn nach Algier
brachte. Während er die Farbenpracht Afrikas auf ſich
wirken läßt, ergreift ihn plötzlich die Luſt, ſich eine
be=
rühmte Apollo=Statuette im Neapeler Muſeum
anzu=
ſehen. Saint=Saéns pflegt einen Reiſeplan nicht lange
aufzuſchieben, und ſo wird Neapel die nächſte Station auf
der Rundfahrt ohne Ende; denn nun lockte der Oſten, und
der Winter findet den Unermüdlichen in Kairo, wo er auf
der prächtigen Nilinſel Rodah, als Gaſt Mohammed Ali
Paſchas, des Bruders des Khedive, 5 Monate verbringt.
Im Frühling dieſes Jahres kehrte er nach Frankreich
zu=
rück und ſuchte zunächſt Bordeaux auf, und im Mai
durfte auch Paris ihn wiederſehen. Seitdem hat er dann
noch kleine Fahrten nach Frankfurt, London und Dieppe
unternommen. Und das alles in ſieben Monaten! — Die
vielen Länder und Völker, die er geſehen hat, geben der
Unterhaltung mit Saint=Saéns ihr beſonderes Gepräge.
Eine kleine Anſpielung genügt, und die Bilder aus
Cey=
lon und Braſilien, aus Aegypten und von den
Kanari=
ſchen Inſeln werden zum Entzücken der Zuhörer lebendig.
CK. Der Hinrichtungsbeſehl für Marie Antoinette.
Ein eigenartiges hiſtoriſches Dokument iſt, wie bereits
gemeldet, durch einen Zufall in einem alten Hauſe von
Waſhington aufgefunden worden. Es handelt ſich um
den von dem Revolutionstribunal ausgeſtellten
Hinrich=
tungsbefehl, der das Schickſal der unglücklichen Marie
Antoinette beſiegelte. Das Blatt, deſſen Authentizität
außer allem Zweifel ſteht, iſt ein vorgedrucktes Formular,
in dem der öffentliche Ankläger im Namen der Republik
die ſofortige Vollſtreckung des Urteils anbefiehlt „gegen
Marie Antoinette, Oeſterreich=Lothringerin, Witwe Louis
Capets” die um 10 Uhr morgens auf dem
Revolutions=
platz hingerichtet werden ſoll. Datiert iſt dieſer Befehl,
deſſen Lücken ganz ſchematiſch ausgefüllt ſind, vom 25.
Tage des zweiten Jahres der einen und unteilbaren
fran=
zöſiſchen Republik. Obgleich 119 Jahre alt, iſt das
Doku=
ment im Zuſtande tadelloſer Erhaltung; es iſt 15: 25
Zentimeter groß und trägt den Stempel des
National=
archivs und die Faſzikelnummer, unter der es eingereiht
war. Gefunden wurde die merkwürdige Reliquie von
einem Schneider in Waſhington, der in einem alten
Kof=
fer nachkramte. Dieſer Koffer ſtammte aus dem Beſitze
ſeines Schwagers Armand Laag, der 1873 aus
Ville=
franche nach Amerika ausgewandert war. Laag hatte das
Dokument von dem Sohn des Revolutionshenkers Henri
Samſon empfangen, der am 16. Oktober 1793 das
Fall=
beil der Guillotine auf das Haupt der Königin
nieder=
ſauſen ließ.
* Die Waſchmaſchine für Papiergeld. Im Schatzamt
zu Waſhington hat dieſer Tage eine neu erfundene
Waſch=
maſchine für Papiergeld mit außerordentlichem Exfolge
ihre Arbeit begonnen. Zwei Mädchen und ein Maſchiniſt
bedienen dieſe Maſchine, die der Chef der techniſchen
Ab=
teilung der amerikaniſchen Staatsdruckerei erfunden und
erbaut hat. Die Noten kommen zwiſchen zwei endloſen
Ketten von durchläſſigem Stoff, werden durch
Seifen=
extrakt und Waſſer gezogen, dann automatiſch getrocknet
und gebügelt, worauf ſie wie neu wieder zum Vorſchein
kommen. Die Direktoren der Staatsdruckerei erklären,
daß, wenn in jedem Subſchatzamte eine derartige
Waſch=
maſchine aufgeſtellt wird, die Regierung zweiundeinhalb
Millionen Kronen jährlich ſparen wird. Die
durchſchnitt=
liche Lebensdauer einer Eindollarnote beträgt ein Jahr
und die Herſtellung jeder Note koſtet fünf Cents.
* Verdiente Strafe. Eine Fabrikantentochter in
Böh=
men wurde die Braut eines Geſchäftsmannes. Am Tage
vor der Hochzeit erklärte der Bräutigam dem Vater, er
könne die Tochter nicht ehelichen, wenn ihre Mitgift nicht
verdoppelt würde. Der Vater ſprach mit der Tochter und
erklärte ihr, ihrem Glück nicht im Wege ſtehen zu wollen,
aber er beraube ſeine zwei übrigen Kinder, wenn er dem
Anſinnen des Bräutigams nachkomme. Sie ſolle
entſchei=
den. Die Tochter bat, der Forderung ihres Bräutigams
nachzugeben. Der Vater tat es. Des anderen Tages
trat das Paar vor den Altar. Laut und vernehmlich gab
der Bräutigam ſein„Ja”. Laut und vernehmlich erklärte
die Braut „Nein” und wiederholte es, als der Prieſter,
der falſch gehört zu haben glaubte, die Frage wiederholte.
Am Arme des Vaters ging das Mädchen ſodann nach
Hauſe, ihren verblüfften Bräutigam nicht mehr beachtend.
Auf des Vaters Frage, warum ſie ſo gehandelt habe,
ant=
wortete ſie: „Hätte ich die Heirat geſtern rückgängig
ge=
macht, würde es allgemein geheißen haben, mein
Bräu=
tigam habe mich ſitzen laſſen; dieſe Schande wollte ich mir
erſparen. Die Schande, die er jetzt trägt, iſt eine gerechte
Strafe dafür, daß er mein Geld, nicht mich heiraten
wollte.”
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Anguſt 1912.
Nummer 205.
Reich nud Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 29. Aug. Die
Kron=
prinzeſſin traf, aus Merſeburg kommend, heute
abend 6 Uhr 42 Min. auf dem Anhalter Bahnhof ein.
Sie nahm im kronprinzlichen Palais Wohnung. —
Fregattenkapitän v. Uſedom der vor einigen Tagen
aus dem Frontdienſt ſchied und von der Stellung des
perſönlichen Adjutanten beim Prinzen Heinrich von
Preußen zurücktrat, wird mit dem 1. September die
Hof=
leitung des Prinzen Waldemar von Preußen,
des älteſten Sohnes des Prinzen Heinrich, übernehmen.
Prinz Waldemar tut jetzt nach der Heimkehr von einer
Weltreiſe ſeinen erſten Dienſt als Referendar. Dem
Fregattenkapitän v. Uſedom wurde letzter Tage die
Kam=
mihyerrnwürde verliehen. — Direktor Monti’s
Bemühungen, eine Erſatzbühne für ſein abgebranntes
Theater zu finden, werden aller Vorausſicht nach zur
Pachtung des Krollſchen Theaters führen. Geſtern
nachmittag hat er endgültig auf das Neue
Schauſpiel=
haus verzichtet. Auch andere Bühnen kommen nicht mehr
in Betracht. Daher ſteht nur noch das Krollſche Theater
zur Wahl, und es iſt anzunehmen, daß der Pachtvertrag
mit ſeinen Eigentümern in den nächſten Tagen zum
Ab=
ſchluß gelangt. — Der Deutſch=Braſilianiſche
Tag (6.—8. September) findet ſeitens der ſtädtiſchen
Behörden von Berlin tatkräftige Unterſtützung. So
wer=
den die Teilnehmer Gelegenheit finden, das Märkiſche
Muſeum und das Virchow=Krankenhaus unter
ſachver=
ſtändiger Führung zu beſichtigen. Auch die Verwaltung
des Zoologiſchen Gartens hat den Gäſten aus Südamerika
bedeutende Eintrittsermäßigung und ſachverſtändige
Füh=
rung zugeſagt. Die Beteiligung an dieſem Kongreſſe
ver=
ſpricht übrigens über Erwarten groß zu werden.
Karlsruhe, 30. Aug. Im Großherzoglichen
Palais wurde wegen angeblichen Einbruchs ein
Hof=
beamter verhaftet. Es ſollte die Abſicht vorgelegen
haben, den Kronenſchmuck der Großherzogin zu ſtehlen.
Zürich, 30. Aug. Hier iſt eine zehnköpfige Familie
an Pilzvergiftung erkrankt; 5 Perſonen ſind
be=
reits geſtorben.
Genf, 29. Aug. Die Polizei verhaftete heute
nacht einen Deutſchen der keinerlei Ausweispapiere
bei ſich trug. Der Verhaftete gab an Bernhard von
Per=
glas zu heißen und aus Bonn zu kommen. In Brühl will
er einen Huſarenleutnant, wegen eines nach einem Spiele
entſtandenen Streites im Duell erſchoſſen haben und
des=
halb ſei er über die Grenze geflüchtet. Die Polizei ſteht
dieſen Angaben ziemlich ſkeptiſch gegenüber. Da der
an=
gebliche Perglas mehrere erhebliche Verletzungen
aufzu=
weiſen hatte, glaubt man, daß es ſich um einen aus einem
deutſchen Gefängnis ausgebrochenen Verbrecher handelt,
der mit ſeinem richtigen Namen Vogelſang heißt.
Wien, 30. Aug. Ueber das Etabliſſement „
Kaiſer=
garten”, früher „Venedig in Wien” iſt der Konkurs
verhängt worden. Die Paſſiven betragen 1½ Millionen
Kronen.
Wien, 30. Aug. Laut Meldung der Nowa Gazeta
aus Petrikau kam es dort geſtern abend zu einem
Judenprogrom. Den Anlaß bildete die Erzählung
eines 12jährigen Mädchens, daß es bei einem Einkauf von
einer Kaufmannsfrau Gerber in den Keller gelockt und
daß dort ein Ritualmordverſuch an ihm verübt worden ſei.
Der Kaufmannsladen und eine Anzahl anderer jüdiſcher
Geſchäfte wurden zerſtört und beraubt. Das aufgebotene
Militär verwundete und verletzte zahlreiche Exzedenten.
Die Judenſchaft befürchtet weitere Ausſchreitungen.
Paris, 30. Aug. Aus Nizza wird gemeldet: Die
Sängerin Madelaine Grondona hat den aus
ruſſiſcher Familie ſtammenden Architekten Nikolaus von
Ikawetz, welcher ſechs Jahre lang ihr Geliebter geweſen
iſt, durch fünf Revolverſchüſſe getötet weil
Ikawetz ihr ſeine vor mehreren Monaten erfolgte
Ver=
heiratung verheimlicht hatte.
Marſeille, 30. Aug. Der italieniſche Arbeiter
Amica=
rolli Jonai verſuchet geſtern eine Erfindung. Er glaubte
ein unfehlbares Mittel gefunden zu haben, um die
Wan=
zen, welche ihn in ſeinem Bette plagten, zu vernichten,
indem er unter dem Bette zwei Dynamitpatronen
anzündete Natürlich flog das Bett mit dem unglücklichen
Jonai in die Luft. Jonai wurde am ganzen Körper
ent=
ſetzlich verwundet und ins Hoſpital gebracht, wo er
als=
bald ſeinen Verletzungen erlag Das Haus ſelbſt wurde
wenig beſchädigt.
London, 29. Aug. Die großen Londoner
Volks=
bibliotheken haben beſchloſſen, die Säle, die bis jetzt
für die Frauen reſerviert waren, zu ſchließen. Zu
dieſem Aufſehen erregenden Entſchluß ſind ſie gelangt,
nachdem ſich herausgeſtellt hat, daß die Leſerinnen
Dieb=
ſtähle verüben und in den Leſezimmern Dinge treiben,
die die Frauen ſonſt nur in verſchloſſenen Ankleidezimmern
vorzunehmen pflegen. Ein Bibliothekar ſagt in ſeinem
Bericht, daß die Damen nicht nur die Bücher, die ſie zu
leſen wünſchen, in einer bei Männern nie vorkommenden
Weiſe verderben, ſondern auch ganze Buchkapitel und
Bil=
der, die ſie beſonders intereſſieren, einfach herausſchneiden
und die wertvollſten Kunſtzeitſchriften und Modeblätter
mitgehen heißen, um ſie zu Hauſe in aller Bequemlichkeit
zu ſtudieren. Der Direktor der Volksbibliothek von
Weſt=
minſter hat dieſe Anſchuldigungen ſeines Kollegen vollauf
beſtätigt. An den Türen einiger Bibliotheken, die noch
nicht geſchloſſen ſind, ſtehen jetzt Wächterinnen, die jede
Frau beim Verlaſſen der Bibliothek genau muſtern und
eventuell auch unterſuchen, ob ſie nicht Bücher geſtohlen
hat. Kleine Diebſtä hle dieſer Art ſcheinen bei den
Londoner Damen zu einer wahren Manie geworden zu
ſein: man ſtiehlt nicht nur in Bibliotheken, ſondern auch
an anderen öffentlichen Orten und vor allem in den großen
Warenhäuſern. Der Sekretär eines ſehr bekannten
Frauenklubs erklärte einem Mitarbeiter der Daily News,
daß die Klubleiterinnen nicht mehr wüßten,wie ſie die faſt
jeden Tag vorkommenden Diebſtähle in den Garderoben
verhindern ſollten. Täglich verſchwinden Kleidungsſtücke
und aus den Toiletten Päckchen mit Seifen, Hut= und
Kleiderbürſten, Handtücher und anderes. Man ſollte es
nicht für möglich halten, daß ein Stückchen Seife zum
Stehlen anreizen könnte und doch iſt es ſo: der
Seifen=
verbrauch des Klubs iſt daher geradezu ungeheuerlich groß
Der Direktor eines großen Warenhauſes ſagte, daß die
Diebſtähle, die im Laufe eines Jahres von Frauen
aus=
geführt werden, ans Fabelhafte grenzen: ſo ſind in den
letzten ſechs Wochen in dem Warenhauſe zwanzig koſtbare
Toiletten=Neceſſaires entwendet worden. Wenn man die
Damen bei ihren Diebereien packe und verhaften laſſe,
führen ſie als Milderungsgrund regelmäßig die ſo beliebte
Kleptomanie an; in den meiſten Fällen aber handelt es
ſich um wirklichen Diebſtahl, der klug vorbereitet
und in einem beſtimmten Intereſſe kalten Blutes
ausge=
führt wurde. Ein Polizeiinſpektor behauptet dagegen, daß
der von Frauen begangene Diebſtahl, ſelbſt wenn es ſich
nicht um Kleptomanie handle, faſt immer auf einen
plötz=
lichen Impuls zurückzuführen ſei: die Frau fühle plötzlich
das Bedürfnis, ſich irgend eines Gegenſtandes, der in den
meiſten Fällen ziemlich wertlos ſei, zu bemächtigen, wenn
ſie ihn dann in Händen habe, bedauere und bereue ſie auch
ſchon ihre Tat, aber ſie habe nicht mehr den Mut, den
Gegenſtand wieder hinzulegen oder dem Eigentümer
zu=
rückzugeben. Ein Arzt endlich iſt der Anſicht, daß die
meiſten Frauen ſtehlen, weil ihnen der ſittliche Halt fehlt.
London, 30. Aug Geſtern nachmittag knieten in der
Olympia=Hall über 30000 Perſonen vor der Bahre des
Generals Booth. Heute wird der General auf dem
Abneypark=Kirchhof beigeſetzt werden.
Waſhington, 29. Aug. Während Präſident Taft
in Colombo (Ohio) weilte, ſtürzte ſich eine, wie man
an=
nimmt, wahnſinnige Frau die in ihrem Rock zwei
ſtarke Dolche verborgen hielt, auf ihn. Sie konnte
noch rechtzeitig von Detektiven gefaßt und verhaftet
werden.
Sitzung der Großh. Handelskammer Darmſtadt
vom 26. Auguſt.
Die Rechnung über die Einnahmen und
Aus=
gaben der Handelskammer, ſowie der
Kauf=
männiſchen Fortbildungsſchule
Darm=
ſtadt iſt dem Großh. Miniſterium des Innern zur
Wei=
tergabe an die Großh. Oberrechnungskammer übermittelt
worden. Die Einnahmen der Handelskammer für das
Rechnungsjahr 1911 betrugen 36 957,20 Mark, diejenigen
der Kaufmänniſchen Fortbildungsſchule 1367584 Mark,
während die Ausgaben der Handelskammer 28062,16 Mk.
und die der Kaufmänniſchen Fortbildungsſchule 13 675,84
Mark betrugen. Es ſtehen insgeſamt 50 633,04 Mark
Ein=
nahmen 41 738.00 Mark Ausgaben gegenüber.
Die für den Monat Oktober in Ausſicht ſtehenden
Vertrauens= und Erſatzmännerwahlen
für die Angeſtelltenverſicherung wurden
beſprochen. Es wurde beſchloſſen, in gemeinſamen
Be=
ratungen mit einer Anzahl von Vertrauensleuten aus
den verſchiedenen Kreiſen des Handelskammerbezirks,
ſo=
wie mit den in Frage kommenden Korporationen dahin
zu wirken, daß möglichſt einheitliche Vorſchlagsliſten für
die Arbeitgeberwahlen zur Aufſtellung gelangen.
Eine Umfrage des Kaiſerlichen Patentamtes, ob die
Worte „Kapuziner” bezw. „Capuchin” im
allge=
meinen und freien Gebrauch für
Spirituo=
ſen wären und daher als Freizeichen zu gelten hätten,
wurde dahin beantwortet, daß dieſe Worte als
Waren=
zeichen für Spirituoſen im Handelskammerbezirk nicht
bekannt ſind.
Von der Zentralanſtalt für Arbeits= und
Wohnungs=
nachweis in Darmſtadt war ein Schreiben wegen einer
einheitlichen Organiſation der
Arbeits=
vermittelung in Darmſtadt eingelaufen, Die
Handelskammer verſpricht ſich von einer
Zuſammenleg=
ung der verſchiedenen gegenwärtig in Darmſtadt tätigen
Arbeitsnachweisſtellen zu einem Städtiſchen Arbeitsamte
Vorteile, weshalb ſie ſich bereit erklärt hat, an der
Schaf=
fung eines derartigen Amtes mitzuwirken.
Das badiſche Miniſterium des Innern hat an die
Stadt= und Gemeinderäte des Landes von Städten mit
über 4000 Einwohnern einen Erlaß gerichtet, worin unter
Hinweis auf das Daniederliegen der badiſchen
Natur=
ſteininduſtrie geſagt wird die Regierung habe in
Ausſicht genommen, die badiſche Steininduſtrie durch
namhafte Zuweiſung von Steinlieferungen bei ſtaatlichen
Neubauten nach Kräften zu unterſtützen. Es möchten
aber auch die Gemeinden des Landes bei ihren
Vergeb=
ungen die badiſche Naturſteininduſtrie tunlichſt
berückſich=
tigen. Unter Hinweis auf dieſen Erlaß hat die
Handels=
kammer das Heſſiſche Miniſterium des Innern erſucht,
darauf hinzuwirken, daß auch in Heſſen künftighin,
ſo=
weit irgendwie angängig, heſſiſches Material der
Stein=
induſtrie zur Verwendung gelange. Zu befürchten iſt,
daß nunmehr das Abſatzgebiet nach Baden unſerer
Stein=
induſtrie vollſtändig verloren geht. Außerdem befindet
ſich die heſſiſche Granitinduſtrie in einer noch ſchlechteren
Lage, als die badiſche, da Baden die bayeriſche, ſächſiſche
und die Harzer Konkurrenz weniger als Heſſen zu
fürch=
ten hat.
Nach Mitteilung des Kaiſerl. Botſchafters in Paris
an das Auswärtige Amt iſt am 14. Juli d. J. der
Wort=
laut der neuen franzöſiſchen Taraordnung
veröffentlicht worden, welche am 1. September in Kraft
tritt. Es ſind noch Ausführungsbeſtimmungen zu
erwar=
ten. Eine Abſchrift dieſer Taraordnung iſt den am Handel
mit Frankreich intereſſierten Firmen des
Handelskammer=
bezirks überſandt worden und kann außerdem auf dem
Handelskammerbureau eingeſehen werden.
Den am Handel mit Rußland beteiligten
Firmen des Handelskammerbezirkes wurde durch
Rund=
ſchreiben bekannt gegeben, es würde im Verlag der
Grü=
nauerſchen Buchdruckerei von Richard Krahl in Bromberg
demnächſt ein vom Eiſenbahnoberſekretär Moritz Nelte
zuſammengeſtellter Nachtrag zu der im vorigen Jahr
her=
ausgegebenen Ueberſetzung des Allgemeinen Tarifs der
ruſſiſchen Eiſenbahnen erſcheinen. Unter näherer
Er=
örterung des Inhalts des Nachtrags wurde noch
mitge=
teilt, daß der Preis des Nachtrags ungefähr 3 Mark
betrage.
Im Intereſſe der kleineren Tuchfabriken und
Woll=
färbereien wurde beſchloſſen, ſich der Eiſenbahndirektion
Mainz gegenüber für Aufhebung des
Sperrig=
keitszuſchlages für fabrikgewaſchene
Wolle auch bei Verſand in Säcken von weniger als 100
Kilogramm auszuſprechen.
Zur Fleiſchtenerung.
* Die Aelteſten der Kaufmannſchaft von
Berlin veröffentlichen folgende Reſolution zur
Frage der Fleiſchteuerung: Seit einer Reihe von Jahren
zeigt die Bewegung der Preiſe für Vieh und Fleiſch im
allgemeinen eine aufſteigende Richtung. Dieſe
Verteuer=
ung eines der wichtigſten Volksnahrungsmittel hat ſich in
den letzten Monaten wiederum verſchärft und bedroht die
Lebenshaltung weiter Bevölkerungskreiſe in einer auch für
Handel und Induſtrie beſorgniserregenden Weiſe. Der
Vergleich der diesjährigen Auguſtpreiſe mit denen der
Vorjahre zeigt ein von Jahr zu Jahr zu beobachtendes
An=
ſteigen der Preiſe für Rind=, Kalb= und Hammelfleiſch;
der Preis für Schweinefleiſch, das vor einem Jahre
ver=
hältnismäßig billig war, iſt im Auguſt 1912 weit über
ſeinen Stand vom Auguſt 1909 und 1910 emporgeſchnellt.
Die hohen Zölle verhindern, daß die Steigerung der
Vieh= und Fleiſchproduktion der Vermehrung der
Bevöl=
kerung und der Entwickelung des Volkswohlſtandes folgt
Unzweckmäßige Beſtimmungen des Viehſeuchen= und des
Fleiſchbeſchaugeſetzes hindern die erforderliche Ergänzung
der heimiſchen Fleiſchproduktion durch die Einfuhr von
Ein Jubiläum heſſiſcher Induſtrie.
Auf allen Gebieten und in allen Zweigen deutſchen
induſtriellen Schaffens macht ſich in unſerer Zeit ein
Auf=
ſchwung und Fortſchritt bemerkbar, der jeden Deutſchen
in gleichem Maße mit Stolz und Freude erfüllen muß,
als das Ausland ihn neidiſchen Blickes und mit jenem
Maße von — Furcht, offen oder geheim empfundener,
verzeichnet, das ſich immer häufiger in ein Geſchrei um
Krieg und Kriegsgefahr löſt. Unſere neidiſchen
Nach=
barn jenſeits des Rheines und die noch neidvolleren
Vettern jenſeits des Kanals die bisher nur den Geiſt
und die Waffenfähigkeit unſeres Heeres kannten und
fürchteten, können längſt nicht mehr ſich der Tatſache
ver=
ſchließen, daß ein viel gefährlicherer Feind als der auf
dem Schlachtfelde das friedliche Deutſchland iſt, mit
ſeinen ungeahnten wirtſchaftlichen Mächten, die ja ſchon
jetzt faſt überall herrſchende ſind oder doch im friedlichen
Kampfe um die Herrſchaft immer mehr, immer ſicherer,
wenn auch in langſamem Fortſchritt, ſich behaupten.
Deutſche Ingenieure tragen ihre ehrliche, von typiſch
deut=
ſcher Gründlichkeit erfüllte, ſtets nach dem
Höchſterreich=
baren ſtrebende Arbeit um das Weltall, und mit dieſer
Schritt hält der auf Reellität aufgebaute, auf ſicheren
wirtſchaftlichen Grundlagen fußende Geſchäftsgeiſt der
deutſchen Handelswelt. Erzeugniſſe deutſcher Induſtrie
ſind überall in der Welt zu treffen und — was das
Wich=
tigere iſt — ſie behaupten faſt überall in der Welt das
Feld gegenüber der heimiſchen Konkurrenz.
Nicht immer, vielleicht darf man ſagen ſelten,
wer=
den Erfindungen, große techniſche Neuerungen von
Deutſchland aus auf den Weltmarkt geworfen. Dem
deut=
ſchen Schaffensgeiſt liegt mehr das ruhige, ehrlich=
zuver=
läſſige, langſame, aber gründliche Arbeiten. Es
gibt keine bedeutende Erfindung, keinen
Fabrikations=
zweig des Auslandes, die nicht in Deutſchland
Verbeſſer=
ung und Vervollkommnung erfahren. Dabei kann in
kei=
ner Weiſe von Nachahmung geſprochen werden, denn
was die deutſche Induſtrie erzeugt, iſt in ſeiner
vervoll=
kommneten Art doch meiſt ein Eigenes, ein Neues. Das
weiß man heute überall im Auslande und das „Made
in, Germany” einſt gedacht als Warnung vor deutſchen
und zum Schutze eigener Erzeugniſſe, iſt heute längſt zur
beſten Empfehlung deutſcher Erzeugniſſe im Auslande
geworden. All das iſt ein hervorragendes Verdienſt
un=
ſerer deutſchen Induſtrie.
Vor wenigen Wochen hat unter der zum mindeſten
„Aufmerkſamkeit” der Welt die Firma Krupp ihr 100
jäh=
riges Beſtehen gefeiert. Ein Jubiläum für Heſſen von
der gleichen Bedeutung, von ähnlicher vielleicht für ganz
Deutſchland, feiert heute die Firma Adam Opel=
Rüſſelsheim. Der Werdegang dieſer heſſiſchen
Firma, die heute Weltruf genießt — ihre Automobile
waren und ſind ſiegreich in faſt allen Weltteilen —
ſpie=
gelt im weſentlichen das wieder, was im Vorſtehenden
von der deutſchen Induſtrie im allgemeinen geſagt wurde.
Eiſerner, ehrlicher Fleiß, echt deutſches, zähes Feſthalten
an dem einmal geſteckten Ziel, das unverrückbar blieb,
ob auch Fehlſchläge nicht ausblieben, haben die Firma
Opel aus kleinen Anfängen heraus zu dem
bedeutend=
ſten heſſiſchen und einem der größten deutſchen
Induſtrie=
betriebe emporgearbeitet im wahrſten Sinne des
Wortes. Die Geſchichte des Hauſes, zum Jubiläum als
Feſtſchrift erſchienen, der wir im Nachſtehenden einige
Daten entnehmen, iſt Beweis dafür.
Begründer der Firma war Herr Adam Opel, der
im Jahre 1862, am 23. Auguſt, von der Wanderſchaft, die
damals noch jeder tüchtige Handwerker durchmachen
mußte, nach ſeiner Heimat Rüſſelsheim zurückkehrte und
zunächſt in der väterlichen Werkſtatt mit der Fabrikation
von Nähmaſchinen begann, deren Syſteme er in Paris
ſtudiert hatte. Schon nach einem halben Jahre
grün=
dete Adam Opel ſeine eigene Werkſtatk zur Fabrikation
von Nähmaſchinen, die er dann ſehr bald, trotz vieler und
großer Schwierigkeiten, vergrößerte und nach und nach
durch Aufſtellung von Werkzeugmaſchinen moderniſierte.
Dieſer mehr als beſcheidene Anfang bildete die
Grund=
lage zu dem heutigen Opelwerk. Die Erzeugniſſe der
kleinen Fabrik konnten ſich gegenüber der franzöſiſchen
und engliſchen Konkurrenz behaupten und oft konnte der
Nachfrage kaum genügt werden, ſo daß auch franzöſiſche
Nähmaſchinen importiert wurden. Das ging, bis die
mit Rieſenkapital arbeitende amerikaniſche Konkurrenz
auftrat, deren Maſchinen beſſer und moderner waren und
Opel zwangen, auch ſeinerſeits wieder zu „
moderniſie=
ren” um konkurrenzfähig bleiben zu können. Schon nach
wenigen Jahren war das erreicht und wieder ſiegte die
deutſche Opelmaſchine. Das gleiche wiederholte ſich mit
der Fabrikation von Fahrrädern, die im Jahre 1886
einſetzte. Der ſchon nach wenigen Jahren mächtig
auf=
blühende Fahrradſport, dem ſich Opels Söhne mit
ganz außerordentlichen Erfolgen widmeten, verſchaffte
dem Namen Opel eine Popularität, wie ſie kaum je ein
anderer in Sportkreiſen beſaß. Die ſportlichen Erfolge
der Söhne waren die beſte Reklame für die Erzeugniſſe
der väterlichen Fabrik. Der älteſte der Söhne Adam
Opels, Karl, gewann in den Jahren 1889—1892 zirka
60 erſte Preiſe, darunter die Meiſterſchaft von Heſſen;
der zweite Sohn Wilhelm ungefähr um dieſelbe Zeit
70 Preiſe, darunter ebenfalls die Meiſterſchaft von Heſſen
und ferner die Meiſterſchaft von Mähren; Heinrich
Opel, der dritte im Bunde, errang in den Jahren 1892.
bis 1896 zirka 150 Preiſe, darunter neben der
Meiſter=
ſchaft von Heſſen, die ein Erbſtück der Familie Opel
dar=
ſtellt, ungefähr 10 weitere Meiſterſchaften. Der nächſte
der Söhne, Fritz, trat am häufigſten auf der Rennbahn
auf und muß, ebenſo wie ſein älterer Bruder Heinrich,
mit zu den bedeutendſten und beſtveranlagteſten
Rad=
rennfahrern aller Zeiten gezählt werden. Auch er
ge=
wann neben der Meiſterſchaft von Heſſen zirka 180 Preiſe,
darunter viele Meiſterſchaften; als bedeutendſter Erfolg
iſt ſein Sieg im Jahre 1894 bei der Fernfahrt Baſel-
Cleve über 620 Kilometer zu nennen, welche Strecke er
in 27 Stunden 50 Minuten zurücklegte. Unter
verſchiede=
nen anderen Preiſen war der von Seiner Majeſtät dem
deutſchen Kaiſer geſtiftete Ehrenpreis eine ſchöne
Aner=
kennung für dieſe großartige, einzig daſtehende ſportliche
Leiſtung. Der jüngſte Sohn Ludwig war ebenfalls
Meiſterfahrer von Heſſen und errang in den Jahren 1896
bis 1898 in jugendlichem Alter neben vielen
Meiſterſchaf=
ten zirka 100 Preiſe. An dieſer Stelle ſei der Schlußſatz
eines Artikels einer deutſchen Zeitſchrift über die Brüder
Opel wiedergegeben, der lautet: „Der Namen der Brüder
Opel als Rennfahrer iſt allgemein bekannt. Ihr
liebens=
würdiges und beſcheidenes Auftreten hat ihnen ebenſo
raſch die Sympathien aller Sportskameraden erobert, als
die Opel=Fahrräder ſelbſt am Weltmarkt ſich ihren
alt=
bewährten vorzüglichen Ruf geſchaffen haben.”
Von ſolchem Erfolg begleitet, konnte Adam Opel für
die Zukunft das Allerbeſte hoffen. Das Abſatzgebiet für
ſeine Produkte erſtreckte ſich über alle Teile Deutſchlands,
der Schweiz und Oeſterreichs; nach Holland entwickelte
Nummer 205
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.
Seite 5.
ausländiſchem Vieh und Fleiſch, insbeſondere aus
über=
ſeeiſchen Gebieten. Infolge der ungünſtigen
Witterungs=
verhältniſſe des Vorjahres und der hierdurch bedingten
Ausfälle an Futtermitteln treten im lauſenden Jahre die
Wirtungen der hohen Zölle und der
Einfuhrbeſchränkun=
gen mit beſonderer Deutlichkeit in die Erſcheinung.
Die große Schärfe des herrſchenden Notſtandes
er=
heiſcht ſchleunige Maßregeln, die geeignet ſind, die
Teuer=
ung zu lindern und ihrer Wiederkehr vorzubeugen. Die
Aelteſten der Kaufmannſchaft von Berlin haben in einer
Reihe von Denkſchriften und Eingaben Vorſchläge zur
Milderung des Notſtandes gemacht; ſie ſtellen in der
Hauptſache folgende Forderungen auf: 1. Die
Einfuhrzölle auf Vieh und Fleiſch — auch Büchſanfleiſch —
müſſen, mindeſtens vorübergehend, aufgehoben oder
er=
mäßigt werden. 2. Das Viehſeuchen= und das
Fleiſch=
beſchaugeſetz müſſen unter Wahrung der Intereſſen der
öffentlichen Geſundheitspflege und der deutſchen Viehzucht
ſo abgeändert werden, daß in größerem Umfange als
bis=
her Vieh und Fleiſch aus dem Auslande eingeführt
wer=
den kann. 3. Es muß ſofort in eine Reviſion der Zölle
für Futtermittel, insbeſondere für Mais, eingetreten
wer=
den. 4. Die Bahnverwaltungen müſſen durch eine
Er=
mäßigung der Eiſenbahntarife für Vieh und Fleiſch und
durch ausreichende Geſtellung von Kühlwagen die
Fleiſch=
verſorgung der Großſtädte und Induſtriezentren
erleich=
tern.. 5. Zweckmäßig wird auch eine Ausgeſtaltung der
Viehſtatiſtit ſein, welche Lücken im Viehbeſtande ſchneller
erkennen läßt, als dies heute möglich iſt.
ſich ein reger Geſchäftsverkehr, in Spanien, Italien und
Rußland wurden Agenturen errichtet. Dänemark,
Schwe=
den und Norwegen waren auch gute Abſatzgebiete. Von
überſeeiſchen Ländern wurden ſpeziell Transvaal und
Auſtralien mit den Erzeugniſſen der Opel=Fabrik beſchickt.
Am 8. September 1895 ſtarb Adam Opel der
bis zu ſeinem Ende treu ſeinem Wahlſpruch blieb, der das
Weſen des tatkräftigen Mannes klar widerſpiegelt:
Im Denken beſonnen und klar.
Im Reden offen und wahr,
Im Wollen nur edel und recht,
Im Handeln ſtets feſt und gerecht;
Im Geſchäfte das Kühnſte nicht wagen,
In Gefahr niemals verzagen.
In ſeinem Teſtament ſetzte Adam Opel zu Erben ſeine
Frau und ſeine fünf Söhne ein; ſo wurde denn ſogleich
nach ſeinem Tode das Haus Opel als offene Geſellſchaft
mit den eingetragenen Geſellſchaftern Sophie Opel Wwe.
Karl und Wilhelm Opel weitergeführt. Mit
bewun=
dernswerter Energie iſt heute noch die Gattin des
Grün=
ders, Frau Sophie Opel, eine außergewöhnlich
geiſt=
volle und intelligente Dame, ihren Söhnen ein
leuchten=
des Vorbild und eine treffliche Sachwalterin des Erbes
ihres Gatten.
Eifrig verfolgten die Firma Opel und ihre Leiter
jeden Fortſchritt auf ſportlichem und dem dieſen
betref=
fenden Induſtrie=Gebiete, und bald begann man ſich auch
der Herſtellung von Automobilen zuzuwenden. Um
möglichſt ſchnell zu praktiſchen Erfolgen zu kommen, kaufte
man im Jahre 1898 die kleine Firma Lutzmann in Deſſau
mit allen Patenten uſw. auf, und ſchon im Frühjahr 1899
kam der erſte in Rüſſelsheim fabrizierte Opel=Patent=
Motorwagen heraus. Was die Firma Opel auf dieſem
Gebiete dann im Laufe der Jahre leiſtete, zunächſt in
Ver=
bindung mit den franzöſiſchen Firmen Renault und
Dar=
racg, dann mit eigenen Erzeugniſſen, liegt noch nicht ſo
weit zurück, um hier ins Gedächtnis zurückgerufen werden
zu müſſen. Nach anfänglichen Fehlſchlägen, deren
ſchmerz=
lichſten wohl das Gordon=Bennet=Rennen im Taunus
1904 brachte, folgten Erfolge auf Erfolge, und viele
be=
deutende Rennen des In= und Auslandes ſahen und ſehen
die Opel=Wagen ſiegreich, bis in die jüngſte Zeit hinein.
Daß viele Fürſtlichkeiten, vor allem Großherzog Ernſt
Ludwig, Prinz Heinrich von Preußen der deutſche Kaiſer,
der Zar uſw. Opelwagen fahren, ſei nur nebenbei
er=
wähnt-
Zu der Automobilfabrikation kommt noch die von
Motorrädern, Motorbooten, und als neueſtes Erzeugnis
der Flugmotor, der ebenfalls erfolgreich die
Kon=
kurrenz mit der franzöſiſchen Motoren=Fabrikation
auf=
genommen hat. Endlich werden fabriziert Automobil=
Feuerſpritzen und Motorpflüge.
Eigene Vertretungen reſpektive
Filialunternehmun=
gen hat die Firma Opel u. a. in Wien, Petersburg,
Mai=
land, Odeſſa, Moskau, Liſſabon uſw.
Daß das Opelwerk, das heute über 5000 Arbeiter
beſchäftigt, techniſch mit allen Errungenſchaften der
Neu=
zeit ausgerüſtet iſt, und daß die Firma ihren ſozialen
Pflichten in vorbildlicher Weiſe gerecht wird, bedarf kaum
der Erwähnung, das iſt ſelbſtverſtändlich. Der hohe
Pro=
zentſatz an Beamten und Arbeitern, die ein Menſchenalter
lang im Dienſte von Adam Opel ſtanden und jetzt ihre
Kräfte ſeinen Erben weihen, bezeugt ein ungewöhnliches
Gefühl treuer Zuſammengehörigkeit und einen ſeltenen
Sinn für patriarchaliſche Beziehungen. So war es bei
den kleinen Verhältniſſen in früheren Zeiten und ſo wird
es auch in Zukunft bleiben, trotzdem neben einer Fülle
von Beamten, zurzeit in der Fahrrad=Abteilung 630, in
der Motorwagen=Abteilung 3100 und in den übrigen
Ab=
teilungen 590 Arbeiter beſchäftigt ſind, deren monatliche
Lohnſumme bei 26 Arbeitstagen ſich auf mehr als eine
halbe Million Mark beziffert.
Die Entwickelung des Hauſes Opel ſpiegelt in
gewiſ=
ſem Sinne die der ganzen deutſchen Induſtrie der letzten
50 Jahre wieder. Deutſche Schaffenskraft, zähe Energie
und emſiger Fleiß feiern heute mit der Firma das goldene
Jubiläum. Aus dem kleinen Pflänzlein von damals
ward ein Baum, der vielen Schatten ſpendet. Stürme
ſind über Haus und Firma Opel hinweggebrauſt und
haben es nicht zu erſchüttern vermocht in ſeinen
Grund=
feſten; Sonnenſchein hat ihnen geleuchtet und freudige
Erfolge haben ihneß geblüht. Fleißiges, emſiges
Schaf=
fen wurde dadurch nicht übermütig beeinträchtigt. In
ſtetem ernſten Streben ging’s dem Ziele zu. So wird’s
auch bleiben für die zweite Jahrhunderthälfte. Und wenn
neue größere Ziele entſtehen, wird das Haus Opel auf
dem Platze ſein. Dafür bürgt ſein achtunggebietender
feſt begründeter Ruf, dafür bürgt auch die Heſſentreue,
die hier eine gute und ſchöne Heimſtatt fand. An der
freu=
digen Jubelfeier nimmt ganz Heſſen Anteil. Auch wir
rufen der Firma und dem Hauſe Opel zu ein
Herzliches Glückauf!
M. St.
Manövertage in Sachſen.
* Dresden, 29. Aug. Heute abend um 7 Uhr fand
im Reſidenzſchloß Paradetafel zu 290 Gedecken ſtatt.
Nach der Tafel begab ſich der König mit ſämtlichen
Fürſt=
lichkeiten zu Fuß über den Theaterplatz zum Theater, um
von dort dem Zapfenſtreich der ſämtlichen ſächſiſchen
Militärmuſikkapellen zu hören. Als der König und die
Gäſte auf den großen offenen Theaterbalkon, der von
Kronleuchtern erhellt und von einem Baldachin überdacht
war, heraustraten, flammte ein Rotfeuer, das die
hiſtori=
ſchen Faſſaden des Schloſſes, der Hofkirche und des
Zwin=
gers beleuchtete, auf. Gleichzeitig marſchierten im Lichte
der Magneſiumfackeln die Infanteriekapellen unter den
Klängen des Parademarſches des Leib=Grenadier=
Regi=
ments über die Friedrich=Auguſt=Brücke heran, um auf
dem Theaterplatz Aufſtellung zu nehmen. Es folgten
vom Poſtplatz her mit dem Torgauer Marſch die
Artillerie=
kapellen, während von der dritten Seite die Trompeter
der Kavallerie mit dem Hohenfriedberger Marſch
anrück=
ten. Aus der Muſikaufführung ſeien genannt: Die
Ouver=
türe zur „Iphigenie in Aulis” der Krönungsmarſch aus
der Oper „Die Folkunger” und der Ambroſianiſche
Lob=
geſang. Es wirkten 31 Regimentskapellen und die
Ka=
pellen von ſechs ſelbſtändigen Bataillonen mit. Viele
Tauſende wohnten der glänzenden Aufführung bei. Das
Wetter iſt warm und ſchön. Nach dem Zapfenſtreich
ver=
ließ ein Teil der Fürſtlichkeiten noch Nachts Dresden,
während ein anderer Teil im Laufe des morgigen
Vor=
mittags die Stadt verläßt. Der deutſche
Kron=
prinz fährt morgen früh um 8 Uhr im Automobil nach
Berlin.
* Dresden, 29. Aug. Generalfeldmarſchall von
Bock und Polach ſtürzte bei der Parade, als ſich
nach dem Abreiten der Fronten die Fürſtlichkeiten und
Generäle zur Abnahme des Vorbeimarſches begaben, mit
dem Pferde. Er wurde im Automobil nach ſeinem Hotel
verbracht. Die ärztliche Unterſuchung ergab eine leichte
Verſtauchung reſpektive Quetſchung der rechten Schulter
und der linken Hüfte. Sein Befinden iſt zufriedenſtellend,
ſo daß er in zwei bis drei Tagen vollſtändig wieder
her=
geſtellt ſein dürfte. An der Paradetafel nahm v. Bock
und Polach nicht teil.
* Dresden, 30. Aug. Dem vom
Oberhofmarſchall=
amt ausgegebenen Bericht zufolge führte der König
bei der geſtrigen Paradetafel im Reſidenzſchloß folgendes
aus: Ich hoffe, daß dieſe Tage uns allen und ganz
be=
ſonders meiner Armee in angenehmſter Erinnerung ſein
möchten. Nachdem aber Eure Kaiſerliche Hoheit
ein=
gedenk der Traditionen Ihrer Vorfahren meiner Armee
Ihr freundliches Intereſſe bewieſen und heute geſehen
haben, was ſie leiſten kann, habe ich, begeiſtert durch die
Eindrücke des heutigen Tages, beſchloſſen, Eure
Kaiſer=
liche Hoheit in eine engere Beziehung mit meiner Armee
zu bringen, indem ich Sie an dem heutigen Tage
à la suite des 3. Ulanen=Regiments Nr. 21 geſtellt habe,
das Ihren erlauchten Vater ſeit ſieben Jahren als Chef
hat und in der kurzen Zeit ſeines Beſtehens bewies, daß
es den alten Regimentern voll ebenbürtig iſt.
Luftfahrt.
* Frankfurt a. Main, 30. Aug. Das
Luft=
ſchiff „Viktoria Luiſe” iſt heute nachmittag
3 Uhr 45 Min. mit 6 Paſſagieren an Bord zu einer Fahrt
nach Baden=Baden aufgeſtiegen.
* Berlin, 30. Aug. Nach beendeter Kaiſer=
Parade ſollen ſechs Flugmaſchinen
Schau=
flüge ausführen. Geſtern wurden auf der Nordſeite des
Paradefeldes von den Eiſenbahnern drei Zelte
aufge=
ſchlagen, welche die Flugapparate aufnehmen ſollten.
An=
geſichts einer großen Zuſchauermenge trafen am
Nach=
mittag die ſechs Flugmaſchinen ein. Es war aber
verab=
ſäumt worden, die Kinder, die ſich damit vergnügten, ihre
Drachen ſteigen zu laſſen, zu entfernen. Der erſte Flieger
Leutnant Jolly entging nur durch einen glücklichen Zufall
der Gefahr, mit ſeinem Propeller in die Drachenleinen zu
geraten.
* Braunſchweig, 30. Aug. Die
Braunſchwei=
giſche Landeszeitung meldet: Das vom Reichsmarineamt
erworbene, vorläufig in der Luftſchiffhalle in
Johannis=
thal eingeſtellte Marine=Luftſchiff wird in Kiel
ſtationiert. Ein auf der Zeppelin=Werft befindliches
zweites Luftſchiff kommt im März 1913 zur Ablieferung.
* Magdeburg, 30. Aug. Der Magdeburger
Flieger Dietzold ſtieg heute vormittag ½10 Uhr auf
dem Krakauer Anger auf und machte einen ſchönen Flug,
als plötzlich die Steuerung verſagte und der Apparat aus
10 Meter Höhe abſtürzte wobei er ſich überſchlug
und vollſtändig in Trümmer ging, während ſich Dietzold
vollſtändig unverſehrt aus den Trümmern
heraus=
arbeiten konnte.
* Heiligendamm 30. Aug. Dem Flieger
Thelen gelang es heute früh um 10 Uhr 15 Minuten,
auf einem Albatrosflugzeug vom Waſſer glatt
aufzuſteigen. Er legte in der Luft 500 Meter zurück,
worauf die Landung erfolgte. Um 10 Uhr 31 Minuten
ſtieg Thelen abermals auf und beſchrieb um den Kreuzer
„München” einen großen Halbkreis. Der Großlßrzog
von Mecklenburg=Schwerin wohnte den Flugvorführungen
bei.
* Mailand, 3. Aug. In Gozzano bei Novara
ſtürzte bei Flugverſuchen der Apparat des Leutnamts
Ariſta ab wobei der Schwanz des Flugzeuges
einem Knaben aus der Zuſchauermenge den Kopf
vom Rumpfe trennte. Der Leutnant konnte ſich
rechtzeitig durch Abſpringen retten. Mehrere andere
Zu=
ſchauer wurden leicht verletzt. Das Unglück ſoll durch
Verſagen des Steuers hervorgerufen worden ſein.
* Paris, 30. Aug. Der Flieger Brindejonc,
der bei Rodu in Luremburg wegen eines Ventilbruches
niedergehen mußte, iſt hierher zurückgekehrt. Der
Flug nach Berlin ſoll in den nächſten Tagen bei
günſtigem Wetter wiederholt werden.
sr. Ein tödlicher Fliegerabſturz ereignete
ſich in Frankreich. Auf dem Flugfelde von Douai ſtieg der
Offizierspilot Chandenier, der dort Dienſt hatte, zu
einem kurzen Ueberlandflug auf. Als er ſich nur noch zirka
20 Kilometer vom Ziel entfernt befand, wurde der
Mo=
tor defekt und Chandenier mußte eine Notlandung
vor=
nehmen. Bei dieſer ſchlug der Apparat plötzlich
um und wenige Meter über dem Erdboden
explo=
dierte der Benzintank, ſo daß die Maſchine Feuer
fing. Man konnte den Aviatiker nur noch als halb
ver=
kohlten Leichnam aus den Trümmern hervorziehen.
* London, 30. Aug. In der Nähe von Hendon
ſtürzte geſtern der Flieger Chalmers ab. Er wurde
am Kopf ſchwer verletzt. Der Apparat iſt
zer=
trümmert.
* London 30. Aug. Als Graham White geſtern
mit ſeiner Gattin in der Nähe von Clapton
aufgeſtie=
gen war, fing der Apparat plötzlich Feuer. Der Flieger
ſah ſich genötigt, auf das Waſſer niederzugehen. Er
wurde erſt nach geraumer Zeit von einer Jacht aufgefiſcht.
Sport.
— Die Leichtathletikabteilung des F.=K. „Olympia‟
nimmt morgen an den nationalen olympiſchen Wett=
ämpfen in Bingen teil. So viel bis jetzt zu
er=
ſehen iſt, hat eine Reihe hervorragender Athletiker
ge=
meldet. Sehr ſtark vertreten iſt das Rheinland: Köln,
Duisburg, Barmen, Elberfeld werden ihre beſten Kräfte
ent=
ſenden. Das Hauptintereſſe bildet auch hier das 3000
Meter=Stafettenlaufen um den Ehren= und Wanderpreis,
geſtiftet von der Stadt Bingen. In dieſer Konkurrenz
trifft die vorzügliche Mannſchaft des F.=K. „Olympia” auf
die Mannſchaft vom F.=K. Köln 1899.
Brände.
* Helgoland 30. Aug. Ein gewaltiges
Feuer wütete geſtern nachmittag im Maſchinenhauſe
der neuen Befeſtigungs=Anlage. Die geſamte Garniſon
wurde alarmiert. Man befürchtete jeden Augenblick eine
Exploſion der beiden unter Dampf ſtehenden Keſſel. Das
Maſchinenhaus und mehrere benachbarte Gebäulichkeiten
ſind vollſtändig abgebrannt. Den vereinigten
Anſtrengun=
gen der Garniſon und freiwilligen Feuerwehr gelung
es nach mehrſtündiger Arbeit, des Feuers Herr zu werden.
Der Schaden iſt beträchtlich.
* Hamburg, 29. Aug. Bei der Firma
Hage=
mann iſt heute Großfeuer ausgebrochen. Das
ganze Maſchinenhaus und mehrere Schuppen ſind
nieder=
gebrannt, doch iſt eine Keſſelexploſion verhindert
wor=
den. Durch Sturm und Funkenflug iſt eine Villa ſchwer
gefährdet. Der Betrieb der Schwebebahn iſt geſtört. Die
ganze Garniſon war alarmiert worden.
* Wien 29. Aug. Die Fabrikanlage der
Oeſterrei=
chiſchen Chemiſchen Werke in Neuerlaa bei Wien iſt
größtenteils abgebrannt. Der Schaden iſt durch
Verſicherung gedeckt.
Ueberſchwemmung in England.
* Norwich, 29 Aug. Die Fluten bedrohen
weiter die Stadt. Das Waſſer, das im Laufe der Nacht
gefallen war, iſt heute infolge eines neuen heftigen
Regenguſſes wieder geſtiegen. Es beſteht die Gefahr,
daß das Trinkwaſſer und die Lebensmittel heute
aus=
gehen. Auch wird der Ausbruch einer Seuche befürchtet.
Heute ſind über zehntauſend Perſonen obdachlos. Das
kommerzielle Leben iſt ſo gut wie unterbunden. In
hunderten von Läden iſt der Handelsverkehr unmöglich.
Viele Gebäude ſind eingeſtürzt. Die Leiche eines
ertrun=
kenen Kindes iſt gefunden worden. Die
Eiſenbahnver=
bindung nach Norwich iſt wieder aufgenommen worden.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redakkion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
— Tauſende beſuchen jetzt von auswärts die
Aus=
ſtellung „Der Menſch” im Reſidenzſchloß. Sie fahren
meiſtens vom Bahnhof durch die Rheinſtraße nach dem
Reſidenzſchloß und dann wohl wieder zurück, ohne die
Sehenswürdigkeiten Darmſtadts in Augenſchein zu
neh=
men. Ließe es ſich nicht ermöglichen, für die Fremden
eine Führung, vielleicht durch beſonders dazu beauftragte
Knaben, zu veranſtalten, damit ſie mehr von Darmſtadt
zu ſehen bekommen, als bloß die Rheinſtraße. Es würde
ſich umſo mehr empfehlen, als es wohl zweifelhaft
er=
ſcheinen muß, ob alle Fremden gute und neue Führer
durch Darmſtadt beſitzen. Die Führung müßte nach
einem beſtimmten Plan erfolgen, der vielleicht auch das
Oberwaldhaus oder die Ludwigshöhe in ſich ſchlöſſe,
damit die Fremden wenigſtens einen Begriff von unſeren
herrlichen Waldungen erhalten. Wir empfehlen
dieſen Vorſchlag zur möglichſt baldigen Erwägung. W.
Im Anſchluß an die in einer früheren Nummer
Ihres geſchätzten Blattes erwähnten Mißſtände wäre
noch hinzuzufügen, daß eine große Rückſichtsloſigkeit
gegenüber dem hieſigen konſumierenden Publikum
ſei=
tens eines großen Teiles der hier arbeitenden
Milch=
händler darin beſteht, daß die Milchkannen während der
Bedienung des betreffenden Hauſes vor die Straßentüre
geſtellt werden und unbewacht bleiben. Bei dem
notori=
ſchen Hundereichtum Darmſtadts ſpricht dieſe
Rückſichts=
loſigkeit für ſich ſelber. Einſender hat in den von ihm
ſeit langen Jahren beſuchten größeren Städten
Deutſch=
lands — dem unbeſtreitbaren Lande der, Reinlichkeit und
Ordnung — ein derartiges Verhalten der Milchhändler
nie entdeckt, und es wäre tatſächlich ſehr am Platze, wenn
das Publikum energiſch Front gegen derartige, als
bar=
bariſch zu bezeichnende Zuſtände machen würde, falls die
Polizei durch ihre ausführenden Organe ſich nicht ins
Ein vielgereiſter Darmſtädter.
Mittel legt.
Vermiſchtes.
— Dem Leiter des Kyffhäuſer=Technikums
(Polytechniſches Inſtitut), Frankenhauſen a. Kyffh.,
Direktor Huppert, wurde der Titel „Profeſſor” verliehen.
Eſperanto=Tagung. Die Anhänger der
verbeſſerten Weltſprache Eſperanto hielten dieſer Tage in
Leipzig ihren Verbandstag ab, zu dem Teilnehmer aus
Sachſen, Preußen Bayern, Mecklenburg und Böhmen
er=
ſchienen waren. Es wurde u. a. beſchloſſen, eifrig für die
weitere Einführung der immer mehr an Anhänger
ge=
winnenden Weltſprache zu wirken und zu dieſem Zwecke ein
kleines Lehrbuch zum Selbſtunterricht mit aufklärenden
Schriften herauszugeben. Der überaus intereſſanten
Tag=
ung ſchloß ſich eine Beſichtigung des
Völkerſchlachtdenk=
males und des Palmengartens an.
Literariſches.
Touriſtenkarte von Graubünden. Der
Verkehrsverein in Graubünden hat ſoeben eine neue
Touriſtenkarte des Kantons Graubünden im Maßſtabe
1:350000 herausgegeben, welche ſich durch
Ueberſichtlich=
keit und Reichhaltigkeit auszeichnet. Die Karte iſt in
Reliefmanier ausgeführt und gibt ein klares Bild der
vielverzweigten Täler des Bündnerlandes mit ihren
Bergketten und Flußläufen und ſeines ſich immer mehr
ausdehnenden Eiſenbahnnetzes. Die Nomenclatur iſt
eine äußerſt reichhaltige. Dieſe iſt zu beziehen durch das
Offizielle Verkehrsbureau für Graubünden in Chur.
— Rundſchau des Kunſtgewerbes, „Die
Leip=
ziger Meſſe”. 10. Band, Michgelis 1912. Preis
2 Mk. Moderner Kunſtverlag Dr. Trenkler u. Ko.,
Leipzig=Stötteritz. Rechtzeitig vor Beginn der
Michaelis=
meſſe 1912 erſchien im obigen Verlage ein neuer Band
der beſtbekannten Zeitſchrift. Als 10. Band in der Reihe
der Meßnummern ſchließt er ſich auch diesmal ſeinen
Vorgängern würdig an. Die Ausſtattung iſt, wie immer,
muſtergültig. Die Abhandlungen über die verſchiedenen
Zweige des Kunſtgewerbes ſtammen von dafür
anerkann=
ten Autoren, und auch aktuelle Zeitfragen, welche unſere
Induſtrie heutigen Tages bewegen, werden von
berufe=
ner Feder erörtert. Die Abbildungen des umfangreichen
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.
Nummer 205.
Bandes ſtellen als Reproduktionen der gebrachten neueſten
Erzeugniſſe der Kunſtinduſtrie wieder kleine
Meiſter=
werke inbezug auf Auffaſſung und Schärfe der
Wieder=
gabe dar.
Darmſtadt, 31. Auguſt.
— Sonderzüge zum Beſuch der Ausſtellung „Der
Menſch”. Am morgigen Sonntag wird wieder ein
Sonderzug mit 2. und 3 Klaſſe zu ermäßigten
Fahr=
preiſen von Gelnhauſen nach Darmſtadt zum
Be=
ſuche der Ausſtellung „Der Menſch” verkehren.
Zu dem Sonderzug werden Fahrkarten auf allen
Statio=
nen von Gelnhauſen bis Frankfurt a. M.=Süd
ausgege=
ben. Wie bei den übrigen Sonderzügen hat auch
dies=
mal die Ausſtellungsleitung den Eintritt für alle
Teil=
nehmer auf 60 Pfg. ermäßigt. Der Fahrplan iſt
folgen=
der: Gelnhauſen ab 8.31 Uhr vorm. 2 Klaſſe 3.60 Mk.,
3. Klaſſe 2.50 Mk.; Meerholz ab 8.36 Uhr vorm. 2. Klaſſe
3,40 Mk., 3 Klaſſe 2.50 Mk.; Niedermittlau ab 8.40½ Uhr
vorm., 2. Klaſſe 3.20 Mk., 3. Klaſſe 2.30 Mk.;
Langen=
ſelbold ab 8.46½ Uhr vorm., 2. Klaſſe 3.— Mk., 3. Klaſſe
2.10 Mk.; Niederrodenbach ab 8.51½ Uhr vorm., 2. Klaſſe
3.— Mk., 3. Klaſſe 2.— Mk.; Pulverfabrik ab 8.58½ Uhr
vorm., 2. Klaſſe 2.60 Mk., 3. Klaſſe 1.80 Mk.; Hanau Oſt
ab 9.04 Uhr vorm., 2. Klaſſe 2.60 Mk., 3. Klaſſe 1.70 Mk.;
Klein=Steinheim ab 9.09 Uhr vorm., 2. Klaſſe 2.40 Mk.,
3. Klaſſe 1.70 Mk.; Mühlheim a. M. ab 9.16 Uhr vorm.,
2. Klaſſe 2.10 Mk., 3. Klaſſe 1.50 Mk.; Offenbach Hbf. ab
9.25 Uhr vorm., 2. Kl. 1.80 Mk., 3 Kl. 1.30 Mk.; Frankfurt=
Oberrad ab 9.29 Uhr vorm., 2. Klaſſe 1.70 Mk., 3. Klaſſe
1.10 Mk.; Frankfurt a. M.=Süd ab 9.35 Uhr vorm., 2. Kl.
1.60 Mk., 3. Klaſſe Mk. 1.—, an Darmſtadt 10.13 Uhr vorm.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
*. Berlin, 30 Aug. Der auſtraliſche
Staats=
mann Sir Charles Mackellar, der u. a. Präſident
des „State Children Relief Board” in Sydney iſt und ſich
mit großer Hingebung dem Studium der ſtaatlichen
Ju=
gendfürſorge in Auſtralien widmet, hält ſich kurze Zeit in
Berlin auf, um die hieſigen Jugendfürſorge=Einrichtungen
kennen zu lernen. Ihm zu Ehren gab der Staatsſekretär
des Auswärtigen, v. Kiderlen=Wächter, im „Kaiſerhof” ein
Frühſtück, an dem u. a. der britiſche Geſchäftsträger Earl
of Granville, Stadtrat Kaliſch, v. Gwinner,
Amtsgerichts=
rat Köhne und Paſtor Plaß teilnahmen.
* Mülhaluſen i. Elſ., 30. Aug. Die geſtrigen
Unter=
handlungen zwiſchen der Geſchäftsleitung und der Ar=
beiterſchaft der Firma Laederich u. Ko, blieben
er=
folglos, worauf geſtern nachmittag eine große Anzahl
Arbeiter in den Ausſtand traten. Bei der Firma
Dreifuß, Lanz u. Ko. ſind heute morgen 145 Spinner,
An=
ſetzer und Aufſtecker, die ſich weigerten, Streikarbeit für
die ſeit Wochen geſchloſſene Fabrik Kullmann u. Ko. zu
tun, ausgeblieben. Sie, verſuchten, Arbeitswillige von
der Arbeit zurückzuhalten, jedoch ohne Anwendung von
Gewalt.
* München, 30. Aug. Der Prinzregent lud den
Reichskanzler ein, auf ſeiner Rückreiſe nach Schloß
Linderhof zu kommen und einige Zeit der Hochwildjagd
obzulicgen.
* Karlsruhe 30. Aug. Die Meldung der Voſſiſchen
Zeitung, aus Karlsruhe, betreffend die Verhaftung
eines Hofbeamten wegen verſuchten Einbruchs, iſt
nach Informationen zuſtändiger Stellen dahin richtig zu
ſtellen, daß es ſich hier jedenfalls um den Fall des
La=
kaien R. handelt, der bereits ſeit einem Vierteljahr wegen
Verdachtes des verübten Einbruchsdiebſtahls und von
Ur=
kundenfälſchung in Unterſuchungshaft iſt.
* Kirchberg in Sachſen, 30. Aug. In Kunersdorf iſt
die Familie Reismann an Pilzvergiftung
er=
krankt. Zwei ſechs und acht Jahre alte Mädchen ſind
geſtorben, zwei Kinder und die Mutter liegen
ſchwer=
krank danieder.
* Gelſenkirchen, 30. Aug. Auf der Zeche Alma im
Schachte 5 der Gelſenkirchener Bergwerksaktiengeſellſchaft
ſtürzte geſtern abend gegen 8 Uhr die
Arbeits=
bühne, auf der ſich 6 Arbeiter befanden, über 16 Meter
tief auf die Schachtſohle hinab. 5 Arbeiter wurden
ge=
tötet, der ſechſte wurde ſchwer verletzt. Die Leichen ſind
geborgen.
* Brüſſel, 30. Aug. Die italieniſche Regierung teilte
der belgiſchen Regierung mit, daß Italien mit dem
1. September 1912 aus der Zuckerunion
ausſchei=
den wird.
H.B. Bern, 30. Aug. Der Bundespräſident Dr.
Forrer hat ſich von ſeinem Gichtanfall ſoweit erholt,
daß er heute vormittag an einer Bundesratsſitzung
teil=
nehmen konnte. Vorausſichtlich iſt der Bundespräſident
beim Eintreffen des Kaiſers in der Schweiz wieder
voll=
ſtändig hergeſtellt. Heute vormittag hat der
ſchweize=
riſche Geſandte in Berlin, Claparede, im Bundesrat
vor=
geſprochen. Er nimmt ebenfalls an dem Kaiſerbeſuch teil.
Briefkaſten.
F. T. Das Oktroi iſt beſtehen geblieben für
Spiri=
tuoſen, Wein und Bier und für Brennmaterialien.
Das
Kinder-Kräftigungsmittel
im Sommer
iſt und bleibt Scotts Emulſion. In ihr iſt
der nährſtoffreiche, doch ſchwer verdauliche
Lebertran in eine leicht bekömmliche Form
gebracht. Scotts Emulſion ſchmeckt im Sommer
ebenſo gut wie im Winter und hat in der
warmen Jahreszeit natürlich die gleiche
Wir=
kungskraft wie in der kalten. Als Kinder=
Kräftigungsmittel ſteht Scotts Emulſion,
wo=
rin der Nährwert des Tranes durch mineraliſche
Zuſätze weſentlich erhöht iſt, unſtreitig an
erſter Stelle, aber es muß die echte Sotts
Emulſion ſein, keine Nachahmung. (318198
Beſtandteile: Feinſter Medizinal=Lebertran 1500, prima
Glyzerin 50,0, unterphosphorigſaurer Kalk 4,3,
unterphosphorig=
ſaures Natron 2,0, pulv Tragant 3,0, feinſter arab. Gummi
pulv. 2,0, Waſſer 12,90 Alkohol 11,0. Hierzu aromatiſche
Emulſion mit Zimt=, Mandel= und Gaultheriaöl je 2 Tropfen.
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Den Schmelz der Jugend lang zu
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Unterrichtsweſen.
Die höhere Handelsſchule Landau (Pfalz)
war im ſechzehnten Schuljahre (12. Oktober 1911 bis
Ende Auguſt 1912) von 233 Schülern beſucht. In dem
mit der Anſtalt verbundenen Penſionate verblieben
während des ganzen Schuljahres 60 Zöglinge, während
des Winter= oder Sommerſemeſters insgeſamt 90
Zög=
linge. Die Zahl der Halbpenſionäre belief ſich im Laufe
des Jahres anf 29 Schüler. Der Einjährig=Freiwilligen=
Prüfung in Speyer haben in dieſem Schuljahre bis
Frühjahr 24 Handelsſchüler ſich mit Erfolg
unterzogen.
für Spezial-Auskünfte, Er-
Detektw-institut mittelungen, Beobachtungen
— u. Vortrauens-Angelegenheiten.
Uebarnahme nur einwandfreier Aufträge. Garantie für
nenisermhuttg Kriefiaunz. Biesstr. 38 I. Pel. 1668. (V1134
Aus dem Geſchäftsleben.
Ueber das Krupp=Feſtſpiel in Eſſen wird
uns nachträglich berichtet: Der Kaiſer betrat mit ſeinem
Gefolge und den Geladenen das mit Osram=Lampen
taghell beleuchtete Zelt, in welchem die Jubiläums=
Veranſtaltung der Firma Krupp in Form eines
hiſtoriſchen Feſtſpiels ſtattfand. Es handelte ſich um
eine Allegorie, die in einer Apotheoſe der Kruppſchen
Waffenſchmiedekunſt und in einer huldigenden
Prophe=
zeiung künftiger deutſcher Größe und Kaiſerherrlichkeit
gipfelte.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Die Depreſſion, die geſtern über England lag, zieht
nordoſtwärts ab. Ihre Randgebilde brachten uns heute
früh Bewölkung und vereinzelt leichten Niederſchlag. Die
Morgentemperaturen liegen in Deutſchland bei 150 C.
Wir haben morgen im Bereich des kontinentalen Hochs
zwar noch vielfach wolkiges, doch trockenes Wetter zu
erwarten.
Ausſichten in Heſſen für Samstag, den 31. Auguſt:
Wolkig, meiſt trocken, Temperatur wenig verändert.
Schmerzerfüllt machen wir die
traurige Mitteilung, dass unser
lieber, teurer Sohn und Bruder
Herr
Hermann Bechtold
am Typhus im 37. Lebensjahre im
Krankenhaus in Cöln heute sanft
verschieden.
Elisabeth Bechtold, geb. Koch,
Else Bechtold,
Philipp Bechtold.
Darmstadt, den 30. Aug. 1912.
Bestattung findet in der Stille statt.
(18304
Todes=Anzeige.
Heute nacht verſchied nach längerem
Lei=
den im 81. Lebensjahre unſere gute Mutter,
Großmutter, Urgroßmutter, Schwiegermutter
(B18271
und Schweſter
Frau Sophie Frantz
geb. Geyer.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
Hch. Frantz.
Darmſtadt, den 28. Auguſt 1912.
Die Beerdigung findet Samstag, nachmittags
3 Uhr, von der Leichenhalle des Beſſunger
Friedhofes aus, ſtatt.
Von Blumenſpenden und Beileidsbeſuchen
bittet man abſehen zu wollen.
Danksagung.
Herzlichen Dank für die Anteilnahme beim
Hinſcheiden ihrer lieben Schwägerin und Couſine
Frau
Johanna Metzler
geb. Schnittspahn
ſagen die
(18294
trauernden Hinterbliebenen.
In deren Namen:
Adelheid Metzler.
Darmſtadt, 30. Auguſt 1912.
Tageskalender.
Samstag, 31. Auguſt.
Konzert des Geſangvereins „Concordia” um 8½ Uhr
im „Mathildenhöhſaal”
Zuſammenkunft des Sachſen=Vereins um 9 Uhr im
Reſtaurant „Kaiſerſaal”.
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr — Saalbau um
„Perkeo” um 8 Uhr. — Singſpielhaus
8 Uhr.
„Metropol” um 8 Uhr.
Sonntag, 1. September.
Sedanfeier der Vereinigten Kriegervereine und
Turn=
gemeinde Darmſtadt um 8 Uhr in der Turnhalle am
Woogsplatz.
Vereinsſchießen des Kriegervereins um 3½ Uhr
auf Stand 6 der Militärſchießſtände.
Sommerfeſt des Geſangvereins „Concordia” um 4 Uhr
im „Mathildenhöhſaal”
Bibliſcher Vortrag um 8½ Uhr im Zelt an der
Lindenhofſtraße (Thema: „Das Schickſal des Gottloſen,
oder iſt die Qual des Sünders ewig?”).
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. — „Perkeo” um
4 und 8 Uhr. — Singſpielhaus „Metropol” um 4 und
8 Uhr. — Bürgerkeller um 4 und 8 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Montag, 2 September.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 9 Uhr in der
Turnhalle am Woogsplatz.
Dünger=Verſteigerung um 10 Uhr in der
Train=
kaſerne (Eſchollbrückerſtraße).
Obſt=Verſteigerung um 9 Uhr in der Gemarkung
Eberſtadt (Zuſammenkunft am Pflanzgarten im
Stecken=
born).
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: i. V. Kurt
Mitſching; für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und
Mitteilungen aus der Geſchäftswelt: Hans Seitz, ſämtlich
in Darmſtadt. — Für den redaktionellen Teil beſtimmte
Mitteilungen ſind an die „Redaktion des Tagblatts” zu
adreſſieren. Etwaige Honorarforderungen ſind
beizu=
fügen; nachträgliche werden nicht berückſichtigt.
Un=
verlanate Banuſkripte werden nicht zurückgeſandt.
Seite 7
Kurſe vom 30. Auguſt 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
InProz.
Zf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,10
3½ Deutſche Reichsanl. . 89,50
79,50
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99,90
89,50
3½ do. Conſols .
79,50
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,00
93,00
do.
3½
83,50
3.
de
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,00
88,00
do.
3½
3
do.
4 Hamburger Staatsanl. 99,80
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99,80
4 do. do. (unk. 1918) 99,80
87,80
do.
3½
77,50
do.
3 Sächſiſche Rente . . . . 80,10
4 Württemberger v. 1907 100,30
3½ do. v. 1875 95,00
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1½ Griechen v. 1887 . . 54,80
3¾ Italiener Rente .
4½ Oeſterr. Silberrente 90,25
4 do. Goldrente . . . 95,60
3 do. einheitl. Rente 87,40
3 Portug. unif. Serie I 64,30
5 do. unif. Ser. III 67,70
4 do. Spezial . . . . 9,70
4 Rumänier v. 1903 . . 101,30
4 do. v. 1890 . . 95,00
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90,70
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100,60
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3 Serbier amort. v. 1895 84,70
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4 Ungar. Goldrente . . . 90,50
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InProz.
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5 Argentinier .
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do.
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4½
do.
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6‟ Luxemb. Prince Henri 162½
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10 Cement Heidelberg . . 151,00
30 Chem. Werke Albert 467,50
12½ Holzverkohlung
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ſtanz . . . . . . . 324,75
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4 Oeſterr. Staatsbahn . 93,80
do.
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5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,60
4
do.
77,30
8t.
Zuſro
2¾10 Oeſt. Südb. (Lomb.) 53,90
77,60
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn 93,70
4 Ruſſ. Südweſt. .
4½ Moskau=Kaſan . . . 97,00
4
do.
87,75
88,50
4 Wladichawchas .
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3 Portugieſ. Eiſenb. . . 78,40
do.
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4½ Anatoliſche Eiſenb.. 96,90
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71,80
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8½ Dresdener Bank . 157,70
9½ Frankf. Hypoth.=B. 215,50
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7 Nationalb. für Deutſchl. 125,75
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Italieniſche Noten . . . . 80,15
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1912.
Zu Fr M. d. Z. I. 290.
Zunt 1912.
Betreffend: Maßregeln zur Abwehr der Schweinepeſt (Schweineſeuche).
Das Großherzogliche Miniſterium des Innern
an die Großherzoglichen Kreisämter.
In Gemäßheit der §§ 16 bis 30 und des § 79 Abſ. 2 des
Reichsviehſeuchen=
geſetzes vom 26. Juni 1909 und unter Hinweis auf die Strafbeſtimmungen in den
§§ 74 bis 77 des genannten Reichsgeſetzes beſtimmen wir das Nachſtehende:
Alle von Schweinehändlern zum Einſtellen von Zucht=, Einlegeſchweinen und
Ferkeln benutzten Stallungen und Räume unterliegen der Beauſichtigung durch den
Kreisveterinärarzt (§ 17 des Reichsgeſetzes) und ſind dieſem und der Ortspolizeibehörde
anzumelden.
II.
Die Kreisämter ſind angewieſen, ſobald ſie im Falle der Seuchengefahr durch
unſere Abteilung für öffentliche Geſundheitspflege hierzu aufgefordert werden, die
machſtehenden Anordnungen zu treffen.
Der Fall der Seuchengefahr iſt gegeben, wenn die Seuche im Großherzogtum
oder in außerheſſiſchen Gebieten herrſcht, aus welchen Zucht=, Einlegeſchweine oder
Ferkel in das Großherzogtum, ſei es direkt oder indirekt, eingeführt zu werden
pflegen.
a) Die in das Großherzogtum eingeführten Zucht=, Einlegeſchweine und Ferkel
unterliegen einer Quarantäne in beſonderen Räumen, nach denen ſie von der Grenze
oder von der Eiſenbahnſtation ab, an der ſie zur Ausladung kommen, auf kürzeſtem
Weg in Wagen zu verbringen ſind. Hiervon iſt der Ortspolizeibehörde und dem
Kreisveterinäramt alsbald Mitteilung zu machen. Erſt dann, wenn die Schweine
12 Tage nach ihrer Einführung in das Landesgebiet in Quarantäne gehalten und
während dieſer Zeit frei von der Seuche geblieben ſind, dürfen ſie in
landwirt=
ſchaftliche Betriebe eingeſtellt werden.
Bei Schweinen, die in Transporten von mehr als 50 Stück mit der Eiſenbahn
ankommen, iſt die 12tägige Friſt auf eine 5 tägige herabzuſetzen, vorausgeſetzt, daß
dieſe Schweinetransporte volzählig in einem und demſelben Gehöſtuntergebracht werden.
Sind in einem zur Quarantäne beſtimmten Gehöft neueingeführte Schweine
eingeſtellt worden, bevor die früher eingeſtellten daraus entfernt ſind, ſo unterliegen
die letzteren von da ab von neuem der 12=, bezw. 5 tägigen Quarantäne.
p) Perſonen die in das Großherzogtum eingeführte Zucht= Einlegeſchweine und
Ferkel zum Zweck des Feilbietens oder Verkaufs oder in Erfüllung eines
Ueber=
lieferungsvertrags transportieren oder transportieren laſſen oder einer anderen Perſon
zum Transport übergeben, müſſen mit einem amtlichen Zeugnis verſehen ſein, durch
das der Nachweis erbracht wird, daß die Schweine der unter a vorgeſchriebenen
Quarantäne unterlegen haben.
c) Schweinetransporte, welche in das Großherzogtum eingeführt und innerhalb
zwei Tagen aus dieſem wieder ausgeführt werden, unterliegen den Beſtimmungen
unter a und b nicht, wenn ſie während dieſer zwei Tage nicht in Gehöfte eingeſtellt
werden in denen andere Schweine ſich befinden. Solche Schweinetransporte müſſen
unter Angabe von Ort und Zeit der Einführung der Ortspolizeibehörde desjenigen
Orts angemeldet werden, in dem ſie zur Einſtellung kommen ſollen. Ueber die
er=
folgte Anmeldung hat die Polizeibehörde eine Beſcheinigung zu erteilen, in die außer
den Namen des Einführenden und Ausführenden die Zahl der zu transvortierenden
Schweine ſowie der Ort und die Zeit der ſtattgehabten Einführung und der
beab=
ſichtigten Ausführung enthalten ſein muß.
III.
Zucht=, Einlegeſchweine und Ferkel, welche aus in dem Großherzogtum
befind=
lichen unverſeuchten Zuchten ſtammen, unterliegen Beſchränkungen im Transport
nicht, doch müſſen Perſonen, welche dieſe Schweine zum Zweck des Feilbietens oder
Verkaufs oder in Erfüllung eines Ueberlieferungsvertrags transportieren oder
transportieren laſſen oder einer anderen Perſon zum Transport übergeben, mit einem
amtlichen Nachweis über die Herkunft der Schweine verſehen ſein.
IV
Die in II und III vorgeſchriebenen Zeugniſſe müſſen folgenden Anforderungen
entſprechen:
Die gemäß IIb verlangten Zeugniſſe ſind durch den Kreisveterinärarzt
aus=
zuſtellen und müſſen ſtets Angaben über Zahl, Alter und Herkunft der Schweine,
ſowie darüber enthalten, wann, wo und durch wen dieſe in das Großherzogtum
ein=
geführt worden ſind und wo ſie der Quarantäne unterlegen haben.
Die in III verlangten Zeuaniſſe ſind Urſprungszeugniſſe im Sinne des § 17 der
Bundesratsvorſchriften vom 7. Dezember 1911 und demgemäß von der
Ortspolizei=
behörde des Herkunftsortes der Schweine auszuſtellen und müſſen Ort und Zeit des
Erwerbs der Schweine, deren Alter und Zahl und die Namen der Beſitzer angeben,
deren Zuchten ſie entſtammen.
VI.
Die aus der Durchführung der Vorſchriften in I bis V erwachſenden Koſten
fallen, ſoweit es ſich um die Ueberwachung von Schweinetransporten und um die
Ausſtellung von Zeugniſſen handelt, dem Beſitzer zur Laſt.
VII.
Die nach Maßgabe dieſes Ausſchreibens auszuſtellenden Zeugniſſe erklären wir,
inſoweit ſie ſtempelpflichtig ſein ſollten, auf Grund des Artikels 10 des
Urkunden=
ſtempelgeſetzes vom 24. März 1910 mit Rückſicht auf das hierbei vorliegende
veterinär=
polizeiliche Intereſſe für ſtempelſrel.
von Hombergk.
Salomon.
An die Ortspolizeibehörden und die Gendarmerie des Kreiſes.
Die vorſtehenden Maßregeln zur Abwehr der Schweinepeſt (Schweineſeuche)
empfehlen wir Ihrer Beachtung,
Darmſtadt, den 21. Auguſt 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Rr. Reinhart.
(18238
Zu Nr. M. d. J. II. 2790.
Darmſtadt, am 12. Jumnt 1912
Betreffend: Die tierärztliche Ueberwachung der Viehmärkte.
Das Großherzogliche Miniſterium des Innern
an die Großherzoglichen Kreisämter.
Auf Grund des § 16 des Reichsviehſeuchengeſetzes vom 26. Juni 1909 und
Art. 16 des Ausführungsgeſetzes vom 29. April 1912 beſtimmen wir das Nachſtehende:
Alle Vieh= und Pferdemärkte, ſowie öffentliche Tierſchauen, die auf obrigkeitliche
Anordnung veranlaßten Zuſammenziehungen von Pferden und Viehbeſtänden und die
von Unternehmern behufs öffentlichen Verkaufs in öffentlichen oder privaten
Räumlich=
keiten zuſammengebrachten Biehbeſtände ſind der Beaufſichtigung durch den beamteten
Tierarzt zu unterſtellen.
Bei öffentlichen Tierſchauen, die nur aus dem Ausſtellungsort und aus deſſen
Nachbarorten beſchickt werden, kann das Kreisamt von der tierärztlichen Beaufſichtigung
abſehen falls nicht beſondere Gründe für deren Aufrechterhaltung vorliegen (§ 6 Abſ.
2 der Bundesratsvorſchriſten vom 7. Dez. 1911).
II.
Als Unternehmer gilt, ſofern ein anderer Unternehmer nicht erkennbar iſt, bei
öffentlichen Vieh= und Pferdemärkten die betreffende Gemeinde (Art. 16 Abſ. 3 des
Ausführ.=Geſ.). Der Unternehmer hat für diejenigen Einrichtungen Sorge zu tragen,
die eine ſachgemäße Ueberwachung und Unterſuchung des aufgetriebenen Viehs
ermög=
lichen (§§ 41 bis 52 der Bundesratsvorſchriften).
III.
Zu Zeiten der Seuchengefahr iſt das aufzutreibende Vieh ſchon vor dem Auftrieb
auf den Markt einer Beſichtigung durch den überwachenden Tierarzt zu unterziehen
und ſind dabei ſeuchenverdächtig befundene Tiere bis zur genaueren Feſtellung ihres
Zuſtandes vom Auftrieb auszuſchließen und zu ſeparieren.
Für geeignete Einrichtungen zum Zweck der vor dem Auftrieb vorzunehmenden
Beſichtigungen, ſowie für Räumlichkeiten zum Separieren verdächtiger Tiere und für
das etwa nötige Aufſichtsperſonal hat der Unternehmer Sorge zu tragen (§§ 41 bis
52 der Bundesratsvorſchriften).
Im Falle der Anordnung der im Abſ. 1 enthaltenen Vorſchrift iſt bei
Vieh=
märkten, bei denen die vorausſichlich aufgetriebene Viehzahl über 500 Stück Großvieh
(Pferde, Faſſel, Ochſen, Kühe, Stiere und Rinder) beträgt, zur Ueberwachung des
Marktes ein weiterer beamteter Tierarzt (der Kreisveterinärarzt eines Nachbarkreiſes),
oder falls ein ſolcher nicht zur Verfügung ſteht, ein für dieſes Geſchäft beſonders zu
verpflichtender praktiſcher Tierarzt (§ 2 Abſ. 2 des Reichsviehſeuchengeſetzes) zuzuziehen.
Schafe, Ziegen und Schweine) werden
zwei Stück für ein Stück Großvieh gerechnet.
IV.
Die Koſten der tierärztlichen Ueberwachung der Vieh= und Pferdemärkte, wie
der ſonſt nach § 1 gegenwärtigen Ausſchreibens zu überwachenden Viehbeſtände fallen
dem Unternehmer zur Laſt (Art. 10 des Ausführungsgeſetzes vom 29. April 1912 und
§ 5 Ziffer 3 der Verordnung vom 24. Auguſt 1904 Rgsbl. S. 318).
Iſt nach § 3 Abſ. 3 mehr als ein beamteter Tierarzt oder Stellvertreter eines
ſolchen zur Ueberwachung zuzuziehen, ſo erhöhen ſich die Gebühren um die Hälfte
und ſind in ſolchem Falle unter die Tierärzte zu teilen.
Die Kreisveterinärärzte haben bei Viehmärkten, Viehſchauen uſw. außerhalb
ihres Wohnortes außer der Gebühr Anſpruch auf die ihnen zuſtehenden Tagegelder.
VI.
Amtliche Beſcheinigungen, die infolge Anordnung Großb. Behörden verlangt
werden, hat der beamtete Tierarzt auf Viehmärkten unentgeltlich auszuſtellen, doch
hat für ſolche Fälle die Koſten für Formularien und Schreibhülfe der Unternehmer
des Marktes zu tragen.
VII.
Ueber die dem beamteten Tierarzte zuſtehenden Tagegelder und Gebühren,
ſowie über die Auslagen für verbrauchte Formularien und für etwaige Schreibhülfe
hat derſelbe eine Liquidation aufzuſtellen und dem betreffenden Bürgermeiſter zur
Dekretur vorzulegen.
VIII.
Die Vorſchriften dieſes Ausſchreibens ſind den Unternehmern mitzuteilen.
von Hombergk.
Salomon.
Das vorſtehende Miniſterialausſchreiben über die tierärztliche Ueberwachung
der Viehmärkte bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis.
Darmſtadt, den 21. Auguſt 1912.
Großh. Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.
(18058
Bekanntmachung.
Die nachſtehenden Vorſchriften über die tierärztliche Ueberwachung der
Geflügelausſtellungen bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis.
Darmſtadt, den 21. Auguſt 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
(18056
Darmſtadt, am 12. Juni 1912.
Zu Nr. M. d. J. II 2800.
Betreffend: Die tierärztliche Ueberwachung der Geflügelausſtellungen.
Das Großherzogliche Miniſterium des Innern
an die Großherzoglichen Kreisämter.
Zur Verhütung der Verbreitung von Geflügelſeuchen durch Geflügelausſtellungen
beſtimmen wir auf Grund des § 16 Abſ. 3 u. § 79 Abſ. 2 des Reichsviehſeuchengeſetzes:
Das für eine Geflügelausſtellung beſtimmte Geflügel muß bei ſeinem Eintreffen
am Ausſtellungsorte mit Urſprungszeugniſſen verſehen ſein, die eine genaue
Bezeich=
nung der einzelnen Tiere und die ortspolizeiliche Beſcheinigung enthalten müſſen, daß
der Herkunftsort der Tiere und deſſen Umgebung im Umkreiſe von 5 km ſeit
min=
deſtens 6 Wochen frei von Geflügelcholera und anderen ſeuchenartig auftretenden
Geflügelkrankheiten ſind.
II.
Das am Ausſtellungsorte eintreffende Geflügel iſt beim Ausladen auf der
Eiſenbahn, oder, wenn es auf dem Landwege eingeht, vor der Verbringung nach
dem Ausſtellungsplatze durch den mit der Aufſicht betrauten beamteten Tierarzt zu
unterſluchen. Dieſer hat dabei die Beachtung der unter Nr. 1 für die Beibringung
von Urſprungszeugniſſen gegebenen Vorſchriften zu prüfen und darf nur für ſolche
Tiere, die auf Grund einer ſorgfältigen Unterſuchung unverdächtig erſcheinen, die
Ueberführung nach dem Ausſtellungsplatze geſtatten.
III.
Die zur Unterbringung des Geflügels auf der Ausſtellung dienenden Käfige
und ſonſtigen Behälter müſſen vor dem Gebrauche gehörig gereinigt und desinfiziert
werden. Dies gilt namentlich auch für ſolche Käfige, die nach Benutzung zum
Trans=
port des Geflügels im Ausſtellungsraum verwendet werden.
Die Reinigung und Desinfektion iſt in der Weiſe zu bewirken, daß nach
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fernung der Futkerreſte, des Kotes und ſonſtiger Unreinlichkeiten die Käfige uſw. in
allen ihren Teilen (auch Sitzſtangen, Futter= und Tränkgeſchirre) mit heißer Sodalauge
(3 lg käufliche Waſchſoda auf 100 1 Waſſer) gründlich gewaſchen und demnächſt mit
Kalkmilch beſtrichen werden. Statt Kalkmilch können auch andere gebräuchliche
Des=
infektionsmittel verwendet werden (§ 26 der Anlage A der Bundesratsvorſchriften).
Wenn die Ausſtellungskäfige unmittelbar nebeneinander aufgeſtellt werden,
empfiehlt es ſich, ſie durch dichte Scheidewände (z. B. Glas= oder Blechplatten) von
einander zu trennen.
IV.
In jeder Geflügelausſtellung iſt ein zur etwaigen Abſonderung und näheren
Unterſuchung kranken oder verdächtigen Geflügels beſtimmter, genügend großer und
entſprechend ausgeſtatteter Raum bereit zu ſtellen, der gegen die ſonſtigen
Aus=
ſtellungsräume derart abgeſchloſſen ſein muß, daß eine Uebertragung von
Seuchen=
keimen nicht ſtattfinden kann.
V.
Das ausgeſtellte Geflügel iſt während der Dauer der Ausſtellung fortlaufend
veterinärpolizeilich zu beobachten. Der mit der Aufſicht betraute beamtete Tierarzt
hat mindeſtens einmal am Tage ſämtliche Ausſtellungstiere zu beſichtigen. Bei der
Ueberwachung iſt namentlich darauf zu achten, daß Kadaver gefallener Tiere oder
erkranktes Geflügel aus den Käfigen uſw. keinesfalls ohne Vorwiſſen des beamteten
Tierarztes entfernt werden.
VI.
Bricht in einer Ausſtellung die Geflügelcholera oder eine andere leicht
übertrag=
bare Geflügelſeuche aus oder wird der Verdacht ſolcher Seuchen durch den beamteten
Tierarzt feſtgeſtellt, ſo ſind die erkrankten und die ſeuchen= oder anſteckungsverdächtigen
Tiere ſofort in dem Beobachtungsraum (Nr. 19) abzuſondern und zu bewachen. Das
Betreten dieſes Raumes iſt außer dem beamteten Tierarzte nur den mit der Pflege
der Tiere betrauten Perſonen zu geſtatten und dieſen der Zutritt zu den anderen
Ausſtellungsräumen zu verbieten,
Vorſtehende Anordnungen hat der beamtete Tierarzt ſchon vor dem polizeilichen
Einſchreiten zu treffen (§ 11 Abſ. 2 des Reichsviehſeuchengeſetzes). Zugleich hat er
ſofort die Ortspolizeibehörde von ſeinen Feſtſtellungen und Anordnungen in Kenntnis
zu ſetzen und dem Großherzoglichen Kreisamte, nötigenfalls telegraphiſch, Anzeige
zu erſtatten.
Derjenige Teil des Ausſtellungsplatzes, auf dem das kranke oder verdächtige
Geflügel geſtanden hat oder von dem nach den Umſtänden angenommen werden kann,
daß er durch Kot, Futterreſte uſw., die von jenem Geflügel herrühren, verunreinigt
worden iſt, iſt ſofort gehörig zu reinigen und zu desinfizieren.
VII.
Solange der Verdacht einer ſeuchenartigen Erkrankung beſteht, darf auch geſundes
Geflügel aus den Ausſtellungsräumen nicht entfernt werden, dasſelbe gilt nach
amts=
tierärztlicher Feſtſtelung eines Seuchenausbruches zu der ſtets eine bakteriologiſche
Prüſung erforderlich iſt, für die Dauer von fünf Tagen nach dem letzten
Erkrankungs=
falle, der ſich außerhalb des Beobachtungsraumes unter dem Ausſtellungsgeflügel
ereignet hat.
*Die Schlachtung geſunden Geflügels und die Ausführung der geſchlachteten
Tiere können auch vor Ablauf dieſer Friſt polizeilich geſtattet werden, ſofern nach dem
Gutachten des beamteten Tierarztes die Gefahr einer Seuchenübertragung damit nicht
verbunden iſt.
VIII.
Die Seuche gilt auch innerhalb des Beobachtungsraumes als erloſchen und die
Sperrmaßregeln ſind aufzuheben, wenn alle kranken oder verdächtigen Tiere gefallen
oder getötet ſind oder wenn die Unverdächtigkeit des überlebenden Geflügels durch
das Gutachten des beamteten Tierarztes feſtgeſtellt und wenn auberdem in allen
Fällen die Reinigung und Desinfektion der verſeuchten Käfige und Räumlichkeiten
nach Anweiſung des beamteten Tierarztes ausgeführt und dies von ihm beſcheinigt
worden iſt.
IX.,
Die Reinigung und Desinfektion (Nr. VI letzter Abſatz und Nr. VIII) hat nach
Maßgabe der Grundſätze in § 297 der Bundesratsvorſchriften vom 7. Dez. 1911 zu
Nummer 102.
Amtsverkündigungsblatt Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt.
Samstag, den 31. Auguſt 1912.
erfolgen. Die Kleider und Stiefel des mit der Bewachung und Pflege des erkrankten
und verdächtigen Geflügels betrauten Aufwarteperſonals ſind nach § 3 und § 14
Ziffer 9 und 10 der Anlage A zu den Bundesratsvorſchriften vom 7. Dez 1911 zu
behandeln.
X.
Im übrigen finden die zur Bekämpfung der Geflügelcholera und Hühnerpeſt,
namentlich auch die über die unſchädliche Beſeitigung der Kadaver getroffenen
Beſtim=
mungen (§§ 290 bis 299 der Bundesratsvorſchriften) auch auf Seuchenausbrüche in
Geflügelausſtellungen Anwendung.
Vorſtehende Vorſchriften gelten unbeſchadet der bereits auf Grund der §§ 18
und 28 des Reichsviehſeuchengeſetzes erlaſſenen und der künftig etwa für den Fall
und die Dauer einer größeren Seuchengefahr zu erlaſſenden Verbote der Abhaltung
von Geflügelausſtellungen.
XI.
Bei Geflügelausſtellungen, die nur aus dem Ausſtellungsort und deſſen
Nachbar=
orten beſchickt werden, ſind die Großh. Kreisämter ermächtigt, von der Beaufſichtigung
Abſtand zu nehmen, falls nicht beſondere Gründe für deren Aufrechterhaltung ſprechen
(§ 6 Abſ. 2 der Bundesratsvorſchriften vom 7. Dez. 1911).
Salomon.
von Hombergk.
Darmſtadt, am 12. Juni 1912.
Zu Nr. M. d. J. II. 2806.
Betreffend: Maßregeln zur Verhütung der Einſchleppung von Geflügelſeuchen.
Das Großherzogliche Miniſterium des Innern
an die Großherzoglichen Kreisämter.
Bei der veterinärpolizeilichen Behandlung des aus dem Ausland eingeführten
Geflügels (Gänſe, Enten, Haushühner einſchl. Perlhühner, Truthühner, Pfauen,
Tauben und Schwäne) kommen im Gebiet des Deutſchen Reichs folgende Grundſätze
in Anwendung:
I.
Lebendes Geflügel darf aus dem Auslande nur an den von der Landesregierung
beſtimmten Grenzübergangsſtellen eingelaſſen werden. Die Einfuhr darf nicht mittels
Fußtransports und nur in ſolchen Wagen, Käfigen, Körben oder ähnlichen
Behält=
niſſen erfolgen, deren Einrichtung ein Herausfallen von Kot, Futterreſten und Streu
tunlichſt verhindert.
Ausnahmsweiſe kann das Treiben von Gänſen auf beſtimmten Straßen von
der Grenze zwecks Verladung nach der nächſten Eiſenbahnſtation geſtattet werden.
Beim Eiſenbahntransport iſt, wenn angängig, zu vermeiden, daß das
aus=
ländiſche Geflügel mit inländiſchem in ein und demſelben Wagen befördert und auf
den Güterböden und Laderäumen der Eiſenbahnen mit ihm zuſammengeſtellt wird.
II.
Die aus dem Auslande kommenden Geflügeltransporte ſind an den
Einlaß=
ſtellen einer amtstierärztlichen Unterſuchung zu unterziehen. Gänſe, die von der Grenze
nach der nächſten Eiſenbahnſtation getrieben werden dürfen, ſind ſpäteſtens bis zur
Verladung amtstierärztlich zu unterſuchen. Zum Zwecke der Unterſuchung iſt das in
Wagenladungen eingehende Geflügel, ſoweit tunlich, zu entladen.
III.
Die mit der Eiſenbahn in ganzen Wagenladungen — loſe oder in Stiegen
ver=
packt — eingehenden Geflügelſendungen ſind beim Einlaſſe, die Transporte von
Gänſen, die von der Grenze zur nächſten Station getrieben werden dürfen, bei der
Verladung dergeſtalt eiſenbahnamtlich unter Plombenverſchluß zu nehmen, daß eine
Beſeitigung von Tieren oder Kadavern ohne ſichtbare Beſchädigung des Verſchluſſes
nicht möglich iſt.
Ergibt ſich die Notwendigkeit, während der Beförderung den Plombenverſchluß
zu löſen, z. B. zum Zwecke der Fütterung oder Tränkung, ſo darf dies nur
eiſenbahn=
amtlich und unter eiſenbahnamtlicher Ueberwachung der Transporte bis zur
Wieder=
anlegung des Plombenverſchluſſes geſchehen. Die Löſung des Plombenverſchluſſes
am Entladeorte darf nur unter polizeilicher Ueberwachung derart erfolgen, daß eine
unbemerkte Beſeitigung etwa erkrankter oder verendeter Tiere ausgeſchloſſen iſt.
Iſt der Plombenverſchluß während der Beförderung unbefugter Weiſe geöffnet
worden und liegt der Verdacht vor, daß dies zur Beſeitigung kranker oder verendeter
Tiere geſchehen iſt, ſo iſt die Sendung bis zur Feſtſtellung der Seuchenfreiheit,
mindeſtens aber 24 Stunden lang, abzuſondern und unter polizeiliche Beobachtung
zu ſtellen.
IV.
Bei der Entladung oder, ſofern es ſich um Stückgutſendungen handelt, vor der
Auslieferung iſt das mit der Eiſenbahn oder zu Schiff eingegangene oder weiter
beförderte ausländiſche Geflügel einer abermaligen amtstierärztlichen Unterſuchung
zu unterwerfen. An Stelle oder neben dieſer Unterſuchung kann ſeine
veterinärpoli=
zeiliche Beobachtung am Entlade= oder am Beſtimmungsorte vorgeſchrieben werden.
Die amtstierärztliche Unterſuchung bei der Entladung kann unterbleiben, wenn
nicht mehr als 12 Stunden zwiſchen der Grenzunterſuchung und der Ankunft am
Orte der Entladung verſtrichen ſind.
V.
Auf das im Poſt= und Reiſegepäckverkehr und auf das über See aus dem
Ausland eingehende Geflügel ſowie bis auf weiteres auf die Durchfuhr von lebendem
Geflügel durch das Reichsgebiet finden vorſtehende Grundſätze keine Anwendung.
Auch können Ausnahmen davon zugelaſſen werden:
1. für Tauben,
2. für Geflügel, das im Bereiche des Verkehrs in den Grenzbezirken ſich bewegt,
ſofern es ſich um Transporte von weniger als 100 Stück handelt.
Wir beſtimmen hierzu, daß die in IV Abſ. 1, Satz 2 vorgeſehene
veterinär=
polizeiliche Beobachtung am Entlade= oder am Beſtimmungsort immer dann anzuordnen
und auf 3 Tage zu bemeſſen iſt, wenn es ſich um Transporte handelt, die bei der
Unterſuchung bei der Entladung oder vor der Ablieferung ſeucheverdächtig erſcheinen.
Die dreitägige Beobachtung (Quarantäne) iſt nur bei ſolchen Transporten
erforderlich, in denen ſich bei Ankunft am Beſtimmungsort ſeucheverdächtiges Geflügel
vorfindet. Geflügeltransporte, in denen eine Geflügelſeuche oder der Verdacht einer
ſolchen ermittelt wird, unterliegen den gleichen Beſtimmungen wie einheimiſche
ver=
ſeuchte Beſtände (§§ 289 bis 299 der Bundesratsvorſchriften).
von Hombergk.
Salomon.
An die Ortspolizeibehörden und die Gendarmerie des Kreiſes.
Die vorſtehenden Maßregeln zur Verhütung der Einſchleppung von
Ge=
flügelſeuchen empfehlen wir Ihrer Beachtung.
Darmſtadt, den 21. Auguſt 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.
(18057
Bekanntmachung.
Am 2. September d. Js. findet in dem Gelände zwiſchen Rohrbach, Wembach,
Hahn, Dilshofen, Zeilhard, Roßdorf, Ober=Ramſtadt, Nieder=Modau und Ober=Modau
ein Schießen des 1. Naſſauiſchen Feldartillerie=Regiments Nr. 27 Oranien mit ſcharfer
Munition ſtatt.
Das Regiment ſchießt in erſter Feuerſtellung öſtlich von Ober=Modau nach dem
Roſenberg, in der zweiten Feuerſtellung ſüdöſtlich Ober=Ramſtadt nach dem Röderberg.
Das durch die Poſtenlinie abgeſperrte Gelände darf am 2. September von 7 Uhr
vormittags ab bis nach Beendigung des Schießens vorausſichtlich 11 Uhr mittags
nicht betreten werden.
Den Weiſungen der Poſten iſt unbedingt Folge zu leiſten.
Nach Beendigung des Schießens werden die Poſten eingezogen und hierdurch
das Gelände für den Verkehr wieder frei gegeben.
Es wird eindringlichſt davor gewarnt, blindgegangene (nicht zerſprungene)
Ge=
ſchoſſe zu berühren, weil dadurch das Zerſpringen derſelben herbeigeführt werden kann
und dies mit Lebensgefahr verbunden iſt. Von dem Auffinden eines ſolchen
Ge=
ſchoſſes iſt der betreffenden Ortsbehörde und von dieſer dem Feldartillerie=Regiment
Nr. 27 Oranien in Mainz unter genauer Angabe des Fundortes umgehend Mitteilung
zu machen. Das Geſchoß muß bis zum Eintreffen des Sprengkommandos unter
Be=
zeichnung der Stelle durch ein Warnungszeichen unberührt liegen bleiben. Der Finder
erhält als Findegeld für jedes blindgegangene Geſchoß den Betrag von 1 Mark.
Darmſtadt, den 27. Auguſt 1912.
(18060ds
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: von Werner, Reg.=Rat.
Bekanntmachung.
Wir bringen hiermit zur Kenntnis der Intereſſenten, wie in nachſtehenden
Ge=
meinden des Kreiſes Offenbach der Beginn der allgemeinen Obſternte feſtgeſetzt
worden iſt.
(18231
Offenbach, den 24. Auguſt 1912.
Großherzogliches Kreisamt.
Lochmann.
Bieber:
14. September für Zwetſchen,
23. September für Aepfel und Birnen.
Dietesheim:
Kein beſtimmter Termin.
1. Oktober für Aepfel.
Dietzenbach:
Dreieichenhain: 30. September für Aepfel und Spätbirnen.
Dudenhofen:
Kein beſtimmter Termin.
Egelsbach:
16. September für Zwetſchen,
1. Oktober für Aepfel und Birnen.
9. September für Zwetſchen,
Froſchhauſen:
16. September für Aepfel,
1. Oktober für Spätbirnen.
Götzenhain:
1. September für Zwetſchen,
1. Oktober für Aepfel und Spätbirnen.
Groß=Steinheim: Kein beſtimmter Termin.
Hainhauſen:
Kein beſtimmter Termin.
Kein beſtimmter Termin.
Hainſtadt:
Hauſen:
Kein beſtimmter Termin.
Heuſenſtamm:
Kein beſtimmter Termin.
Jügesheim:
Kein beſtimmter Termin.
Klein=Auheim:
Kein beſtimmter Termin.
Klein=Krotzenburg: Kein beſtimmter Termin.
Klein=Steinheim: 20. September für ſämtliches Obſt.
Klein=Welzheim: Kein beſtimmter Termin.
Lämmerſpiel:
15. September für Zwetſchen,
25. September für Aepfel und Birnen.
Langen:
1. September für Zwetſchen und ſonſtiges Steinobſt,
25. September für Aepfel und Birnen.
Mainflingen: 2. September für Zwetſchen,
16. September für Aepfel und Birnen.
Mühlheim:
19.—23. September für alle Obſtſorten.
Neu=Iſenburg:
Kein beſtimmter Termin.
Obertshauſen:
Kein beſtimmter Termin.
10. September für Zwetſchen,
Offenthal:
25. September für Aepfel und Birnen.
Kein beſtimmter Termin.
Rembrücken:
Kein beſtimmter Termin.
Rumpenheim:
15. September für alle Obſtſorten.
Seligenſtadt:
30. September für Aepfel,
Sprendlingen:
10. Oktober für Spätbirnen.
23. September für Aepfel.
Steinbach:
Kein beſtimmter Termin.
Weiskirchen:
Kein beſtimmter Termin.
Zellhauſen:
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Gefunden: 1 Matratze für ein Kinderbett. 1 Medaillon.
1 goldener Zwicker. 1 Filzhut, 1 Mütze, 1 Selbſtbinder und
Kragen=
knopfe. 1 goldener Zwicker mit Etui. 1 ſchwarzſeidener Beutel mit
Portemonnaie nebſt Inhalt. 1 grünled. Kinderportemonnaie mit
Inhalt. 1 rotes mit Perlen verziertes Handtäſchchen mit
Porte=
monnaie und Taſchentuch. 2 mittelgroße Schlüſſel. 1 Damenſchirm
mit braunem Griff (in der elektr. Straßenbahn verwechſelt). 1
Trans=
porteur. 1 Hutnadel. 1 ſchwarz. Damenſchirm. 1 Reißzeug. (18210
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Pinſcher, 1 Foxterrier (zugelaufen). Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden.
Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
(18225
Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Sonntagsruhe in den Apotheken. Am Sonntag, den
1. September, ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr abends
folgende Apotheken geöffnet: Merckſche Engel=Apotheke, Rheinſtraße,
und Beſſunger Apotheke, Karlſtraße. Alle übrigen Apotheken ſind
von 1 Uhr ab geſchloſſen.
Straßenſperre. Wegen Vornahme von Kanalbauarbeiten wird
die Weinbergſtraße zwiſchen der Ludwigshöh= und Kiesbergſtraße
vom 31. Auguſt bis 7. September ds. Js. für den Fuhrwerksverkehr
(18224
geſverrt.
Verkaufspreiſe der Fleiſch=u. Wurſtwaren i. d. Haupt= u. Reſidenzſtadt Darmſtadt.
(Nach den Mitteilungen des Vorſtandes der Metzger=Innung.)
per ½ kg
.100 Pfg.
Ochſenfleiſch
94
Rindfleiſch
Fett, roh
70
80
Fett, ausgelaſſen
Leber
80
Kalbfleiſch
100
Hammelfleiſch
.100
70
Bruſt
Schweinefleiſch
100
Rippchen, Kammſtück,
ge=
ſalz. Fleiſch u. Kottelets 110
per ½ kg
Speck, geräuchert
.120 Pfg.
Dörrfleiſch
. 120
Schinken m. Bein .
120
Rollſchinken
. 140
Schweineſchmalz, roh
. 96
u. ausgelaſſen
Schwartenmagen,
Fleiſch= u. Bratwurſt . 96
Leber= u. Blutwurſt . . 80
Dachpappe
Verſch. Schloſſer=Werkzeuge
wie Werkbank mit Schraubſtock,
Lötlampe, diverſe Feilen, ſowie
verkaufen
(*4728fso maszuglampe, faſt neu, bill. zu verk.
Littmann, Feldbergſtraße 30. 10 Frankfurterſtr. 55, II. I. (*4817
Mayer & Sender
ein Herren=Tandem billig zu Waldſtr. 35. Teleph. 670. (16434a
Bekanntmachung.
Montag, 16. September 1912,
vormittags 11 Uhr,
ſollen auf freiwilligen Antrag des
Rechtsanwalts Raab in
Darm=
ſtadt die den verſtorbenen Philipp
Erbes Eheleuten dahier gehörigen
Liegenſchaften:
Flur Nr. qm
I 453//10 203 Hofreite
Lud=
wigshöhſtraße
Nr. 47,
I 453¾10 94 Grabgarten
daſelbſt,
in unſerem Geſchäftszimmer,
Witt=
mannſtraße 1, zum Dritten= und
Letztenmale verſteigert werden.
Darmſtadt, 28. Auguſt 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz. (VI18197
Dünger=Verkauf.
Montag, 2. September ds. Js.,
vormittags von 10 Uhr ab,
ſoll auf dem Hofe der Trainkaſerne
Eſchollbrücker Straße Nr. 24, die
Matratzenſtreu von zwei
Kompag=
nien öffentlich meiſtbietend
verſtei=
gert werden.
(18227
Train=Bataillon Nr. 18.
Dünger=Verkauf.
Montag, 2. September ds. Js.,
vormittags 10 Uhr,
wird auf dem Hofe der
Artillerie=
ſowie Iſolierplatten billigſt bei Kaſerne, Heidelbergerſtraße in
Darmſtadt, die Matratzenſtreu
einer Batterie meiſtbietend
ver=
kauft.
(18241
Feld=Artillerie=Regiment Nr. 25.
Sedan=Feier.
An die Einwohner Darmſtadts richte ich hiermit die Bitte, am
2. September
dem Sedantage
durch Schmuck der Häuſer darzutun, daß wir die Erinnerung an den
großen Tag und die Dankbarkeit gegen die tapferen Kämpfer von
1870/71 unauslöſchlich bewahren.
(17731ss
Darmſtadt, den 20. Auguſt 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Jaeger.
in der „Ernst-Ludwig-Heilanstalte
(Dr. Lossen’s Klinik)
ist ein Radiumemanatorium
eröffnet worden.
Inhalationszeit: 10—12 Vorm. (15727a
4—6 Nachm.
an Wochentagen. Sonntags nur Vormittags.
Günstig beeinflusst werden:
Gicht in allen Formen, chronischer
Rheums-
tismus der Muskeln u. Gelenke, Zuckerkrankheit,
Störungen des Stoffwechsels, Blutkrankheiten,
sowie eine Reihe von Haut- und Nervenleiden.
Casertlus
Mühlstrasse 20/22
Telefon 546
Baumaterialien- u. Nutzholz-Handlung
Cement — Kalk
Bretter — Dielen
Tonröhren
Rahmen — Latten
Bimscementdielen
Bauholz
Schwemmsteine
Eichen — Kiefern
Dach- und Isolierpappen Deutsche, schwedische u.
Carbolineum
amerik. Fußbodenriemen
Falzziegel- Biberschwänze Tellow Pine usw. usw.
Fußboden- und Wandplatten.
(1665a
Nummer 205.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.
Seite 13.
her Haferankauf iſt aufgenommen worden. Der Ankauf
14 von Roggen, Heu und Stroh wird fortgeſetzt. (318203
Proviantamt Darmſtadt.
Versteigerungs Fnzeige!
Dienstag, den 3. September I. J., vorm. 9 Uhr,
verſteigere ich im Auftrag des Teſtamentsvollſtreckers im Hauſe
Saalbaustrasse I1 die zum Nachlaß der Frau
Kammer=
muſikus Bauer Witwe gehörigen Möbel und
Haushaltungs=
gegenſtände, und zwar:
1 Sofa mit 6 Stühlen, 1 Büfett nußb. pol., 2 Glasſchränke,
1 Chiffoniere, 2 Kommoden, 2 Pfeilerſchränkchen, 1
Chaiſe=
longue, 1 Ausziehtiſch, verſch. andere Tiſche, Ziertiſche, Stühle
und Seſſel, 1 pol. Kleiderſchrank, 1 weiß lack. Kleiderſchrank,
1 großer zweitür. Kleiderſchrank;
2 komplette Betten mit Sprungfeder, Roßhaarmatratzen,
1 Waſchtiſch, 2 Nachttiſche, Spiegel, Bilder, Vorhänge,
Teppiche, Nippſachen, Porzellan, Glas, Tiſch= u.
Bett=
wäſche, ſowie alle ſonſtige Haushaltungsgegenſtände
1 noch ſehr guten Badeofen mit Wanne, 1 Eisſchrank
und 1 Fahrrad.
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare
Zahlung ſtatt.
Darmſtadt, den 31. Auguſt 1912.
(18239so
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator,
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.
Ehorme Auswanl
als
276
Büfetts
Verſteigerungs-Anzeige.
Montag, den 2. September 1912, vormittags
9 Uhr,
verſteigere ich im gefl. Auftrag der Firma Wolf & Co. nachſtehende
Lagermöbel
im kleinen Saal der Turngemeinde, Woogsplatz
Modernes Schlafzimmer
beſtehend aus 2 Betten mit dreiteiligen Matratzen,
Waſch=
tiſch mit Marmor= und Spiegelaufſatz, zweitürigem
Spiegel=
ſchrank, 2 Nachtſchränken und 2 Stühlen.
Komplette Küche, beſtehend aus Schrank,
Tiſch, Anrichte, 2 Stühlen und Brett.
1 Kaſſenſchrank auf 1.50X0.55X0.68 Mtr.
1 Diwan mit Umbau.
1 antiker Damenſchreibtiſch (Boule)
und Kommode.
Eichener Bücherſchrank, 2 weißlackierte
Reform=
betten m. Roßhaarmatratzen u. Waſchtiſch, 1 großer
vergold. Ankleideſpiegel, 2 Salongarnituren,
2 Sofas, 2 Seſſel und 6 Stühle, Schränke (
ein=
u. zweitürig), Betten, 1 Ringſchiff=Nähmaſchine,
Kommode, Büfett, Diwan, Schreibtiſch,
Steh=
pult, Stühle, Spiegel, Tiſche, Waſchmaſchine,
Gaslampen, Gasheizofen, Petroleumofen uſw.
Die Gegenſtände ſind gut erhalten und können Samstag
nach=
mittag von 5 Uhr an in dem Verſteigerungslokal beſichtigt werden.
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare
Zahlung ſtatt.
(*4681ds
F. Kurtz, Anktionator und Taxator
Telephon 1202. Pädagogſtraße 2.
Aufträge werden jederzeit entgegengenommen.
— unſer Handelsregiſter,
Abrei=
lung A, wurde
1. am 23. Auguſt 1912 neu
ein=
getragen die Firma:
Rechts=Inkaſſo=Bureau
„Fortuna‟ Katharina
Geb=
hardt, Darmſtadt.
Inhaber: JakobGebhardt
Ehefrau, Katharina, geborene
Schiemer, in Darmſtadt.
Jakob Gebhardt,
Kauf=
mann in Darmſtadt, iſt zum
Prokuriſten beſtellt.
2. am 24. Auguſt 1912
einge=
tragen bezüglich der Firma:
a) J. Keßler zu Darmſtadt.
Die Firma iſt erloſchen.
b) Darmſtädter
Löwen=
brauerei Ballé & Mohr,
Darmſtadt. (18288
Die Firma iſt erloſchen.
Darmſtadt, 24. Auguſt 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
Dünger=Verkauf.
Dienstag, den 3. September,
von 930 Uhr vormittags ab,
wird auf dem hinteren Hofe der
alten Kavallerie=Kaſerne in
Darm=
ſtadt die Matratzenſtreu von einer
Eskadron öffentlich meiſtbietend
(18213so
verſteigert.
Garde=Dragoner=Regiment
Nr. 23.
(18211
Das
Grummetgras
von ca. 4 Morgen Wieſen
iſt zu verkaufen
Näheres Dieburgerſtraße 93.
Herren=Fahrrad, ſpottbill.abzugeb.
Heinheimerſtr. 82, I. lks. (*4964
Abbruchſtelle Wittmannſtr. 47.
Von Montag, den 2. September,
werden noch gut erh. Zimmertüren,
Fenſter, Bord, Bau= u. Brennholz,
Fenſtergeſtelle im Sandſtein, ſowie
Backſteine verk. Näh. daſ. (*4849sid
2 ältere, gute
Violnen
mit Kaſten
billig zu verkaufen
Schuchard=
ſtraße 14, part., im Büro. (*4854
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Zuchen=Scheitholz , 1.25
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Habe neben meiner Damen=Konfektion einen Unterricht im
Zuſchneiden und Kleidermachen eingerichtet. Derſelbe ſteht unter
der gewiſſenhaften Leitung meiner Tochter.
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Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1913.
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Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.
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Die däniſchen Auſternbänke und die
Auſternfiſcherei.
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Der Feinſchmecker richtet ſein Augenmerk mit
beſon=
derer Vorliebe auf den Speiſezettel, wenn die
Auſtern=
ſaiſon beginnt, und ſieht dieſen Beſtandteil eines
opulen=
ten Mahles mit Wehmut von dieſem abgeſetzt. Die
ſkan=
dinaviſche Küſte, die ja in gutem Rufe ſteht, vermag auch
dem verwöhnteſten Geſchmack durch Beigabe der däniſchen
Auſter Rechnung zu tragen. Es dürfte daher weitere
Kreiſe intereſſieren, über ſie Näheres zu hören.
Bekanntlich ſiedelt die Auſter ſich auf ſogenannten
Bänken an, über die Waſſer mit mindeſtens 3 Prozent
Salzgehalt hinweggeht.
Die Auſtern wurden früher von der jütländiſchen
Küſte, um Skagen herum, unter der Bezeichnung „
Flad=
ſtrandauſter” bezogen, während jetzt der Limfjord das
Gebiet der däniſchen Auſter bildet. Ein Blick auf die
Landkarte zeigt ihn als einen Meeresarm des Kattegat,
der durch den Thyborönkanal auch mit der Nordſee in
Verbindung ſteht, der 1460 Kilometer umfaßt und eine
Länge von 157 Kilometer hat.
Durch die von den däniſchen Archäologen Steenſtrup
und Worſage entdeckten Abfallhaufen (Kökkenmöddinger)
der Vorzeit, deren Erforſchung ſo unendlich viel zur
Feſt=
ſtellung der Vergangenheit des Nordens beigetragen hat,
iſt nachgewieſen daß während der älteſten Periode, der
Steinzeit (Stenalderen), Auſtern den Bewohnern als
Nahrungs= und Genußmittel bekannt waren. Es muß
daher angenommen werden, daß der Limfjord ſowohl
von der Nordſee wie von der Oſtſee Waſſerzufuhr erhalten
hat, da, wie bereits erwähnt, die Auſter ſonſt nicht lebens=.
fähig bleibt. Dieſe Verhältniſſe werden ſich geändert
haben, als durch Schlickbildung die Salzwaſſerzufuhr
auf=
hörte. Statt einer Durchgangswaſſerſtraße entſtand eine
Reihe von Binnenſeen, die ausſchließlich mit der Oſtſee
in Verbindung blieben.
Vom Waſſer des Limfjords umgeben, liegt die 365
Quadratkilometer große Inſel Mors deren Hauptſtadt
Nyköbing mit der Zuſatzbezeichnung p. M. (par Mors),
auf Mors, iſt.
Seit dem Chriſtentum kamen die Klöſter, und um das
Kloſter Dueholm ſiedelten ſich die Bewohner an, wodurch
Nyköbing entſtand Es waren die Einwohner wohl meiſt
Sceleute und Fiſcher, die als Schutzpatron den Heiligen
Clemens erkoren. Daher trägt auch die älteſte Kirche in
Nyköbing deſſen Namen, der auch in den Küſtenſtädten
Jütlands und auf den Inſeln der Oſtſee des öfteren
ver=
treten iſt. Von der Auſternfiſcherei aber war durch
Jahr=
hunderte am Limfjord nichts bekannt.
Als indes im Jahre 1825 die gewaltige Sturmflut
verheerend über die jütländiſche Weſtküſte hereinbrach
und das ſalzige Waſſer der Nordſee ſich bei Thyborön in
den Limfjord ergoß, richtete dies grenzenloſen Schaden
in dem Seengebiet an, indem es der Süßwaſſerfauna das
Todesurteil ſprach. Da wurden nach vier Jahren alſo
1829, von ungefähr bei der=Stadt Lemvig, an dem
ſüd=
weſtlichen Teile des Limfjords, nach mehr als 1000
jähri=
ger Abweſenheit Auſtern gefunden, und von dort aus
haben ſie ſich über das ganze Waſſergebiet verbreitet und
die Bänke (Däniſch: Bredning) beſiedelt.
Dies erſcheint durch die biologiſchen Feſtſtellungen
leicht erklärlich. Eine Auſter hat eine Million Eier. Die
Laichzeit iſt vom Juni his zum September Die aus den
Eiern geſchlüpften Larven ſchre irmen mittels des ihnen
verliehenen Organs, des „Segels”, durch die
Strömun=
gen getrieben, aus. Nach Verluſt des „Segels”, das ihnen
von der Natur nicht wieder erſetzt wird werden ſie
ſeß=
haft und laſſen ſich, „der Not gehorchend”, auf einer der
Bänke nieder, um möglicherweiſe eine bereits vorhandene
Siedelung zu vergrößern oder eine neue zu bilden.
Es wurde der Auſternſiſcherei zunächſt eine größere
Bedeutung nicht beigemeſſen. Erſt im Jahre 1851, alſo
nach 22 Jahren, wurde dieſe von Staats wegen
Privat=
perſonen in Limfjord unterſagt. Man übertrug das
Recht des Auſternfiſchens Pächtern von zehn zu zehn
Jahren gegen eine jährliche Pacht von 3—400 Kronen.
Das Fangergebnis wurde pro Jahr auf 80000 Auſtern
angegeben. Für die nächſten zehn Jahre wurde die
Pachtſumme um das Doppelte erhöht, dafür aber holte
man in den letzten Pachtjahren bis zu fünf Millionen
Auſtern heraus. Bei ſolchen Fangergebniſſen ſchnellte
der Pachtpreis natürlich unheimlich in die Höhe und
er=
reichte endlich eine jährliche Pachtſumme von 24000
Kro=
nen. Dieſe abnormen Verhältniſſe mußten naturgemäß
zur Raubfiſcherei und zum Ruin der Auſternbänke führen,
zumal über ſieben Millionen Auſtern pro Jahr gefangen
wurden. Der Auſternfang geſtaltet ſich mit ſogenannten
Auſternrechen äußerſt einfach. Der Rückſchlag war
un=
vermeidlich und führte denn auch zur behördlich
angeord=
neten Schonzeit.
Heute iſt die Auſternfiſcherei einer Geſellſchaft
über=
tragen mit einem ausführenden Direktor und einem
wiſſenſchaftlichen Leiter. Durch dieſe Maßnahme iſt die
Gewähr vorhanden, daß dem Lande eine dauernde
Ein=
nahmequelle geſichert, der zunächſt beteiligten
Bevölker=
ung Gelegenheit zur Arbeit geboten wird und Verdienſt
zufließt und trotzdem den Gefellſchaftern eine gute
Divi=
dende erwächſt. Die Geſellſchaft zahlt dem Staate eine
jährliche Pacht von 45000 Kronen, und das Ergebnis
der diesjährigen Saiſon, die Ende April ſchloß, war
3 900000 Auſtern, alſo ungefähr 600000 mehr als im
Vorjahre, was aber auf die Entdeckung einer neuen,
bis=
her nicht bekannten Auſternbank zurückzuführen iſt, die
einen außergewöhnlich reichen Fang zeitigte. Die letzte
Kampagne wird der Geſellſchaft ſicherlich einen
Netto=
überſchuß von 120000 Kronen gebracht haben.
Die Auſternfiſcherei wird mit fünf Fangſchiffen
be=
trieben, von dieſen aus wirken mechaniſche Auſternrechen,
die ſich heben und ſenken und die Beute an Bord ſchaffen.
Daß bei einem ſolchen Großbetrieb entſprechende
Bau=
lichkeiten und Anlagen für Aufnahme, Konſervierung und
Verſendung erforderlich ſind, bedarf wohl kaum der
Er=
wähnung. Dieſe befinden ſich unmittelbar vor den Toren
Nyköbings. Dort findet man auch ein Aquarium, das
im kleinen den Kampf ums Daſein in den Fluten
veran=
ſchaulicht.
Die Auſternfiſcherei iſt die Haupteinnahmequelle und
naturgemäß daher auch das ſtehende Geſprächsthema der
8000 Einwohner der Stadt. Es iſt daher nicht
verwun=
derlich, wenn alltags und bei feſtlichen Gelegenheiten die
Auſter in Poeſie und Proſa verherrlicht wird. Durch die
„Auſternpoeſie” geht ein gewiſſer humoriſtiſcher Zug, der
wohl nicht zum geringſten Teil darin ſeinen Grund hat,
daß man einer geſicherten Zukunft in pekuniärer
Bezieh=
ung entgegenſehen kann, umſomehr, als die Auſternkultur
nach wiſſenſchaftlichen Grundſätzen überwacht und
ge=
leitet wird und auch eine ſtete Nachfrage vorhanden iſt.
(Aus der Zeitſchrift Nordland Heft 17) Berlin=Halenſee.)
Literariſches.
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den” impreſſioniſtiſchen Propaganda mit überzeugenden
Beweiſen in Schrift und Wort entgegengearbeitet
wor=
den, um der bildenden Kunſt eine weniger ſpezialiſtiſche
Richtung zu geben und ſie wieder in gemäßigtere Bahnen
zu leiten, welche der Forderung der Aeſthetik, einer
Ver=
einigung von Realismus und Idealismus, entſprechen.
Auch die Monographie des Karlsruher Profeſſors an der
Akademie der bildenden Künſte Ferdinand Keller iſt in
dieſem Sinne geſchrieben, und der Verfaſſer weiſt an der
Hand von deſſen Werken nach, daß Ferdinand Keller einer
der wenigen Künſtler unſerer Epoche iſt, welche die
eiht=
ſchen, äſthetiſchen, techniſchen Anforderungen an Werke
der bildenden Kunſt erfüllen. In ſeiner natürlichen
Be=
ſcheidenheit hat Ferdinand Keller alle neuzeitlichen
Hilfs=
mittel, ſich bekannt zu machen, abgelehnt. Infolgedeſſen
iſt bis heute kaum in die breite Maſſe gedrungen, daß
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3. Kapitel.
Joachim ſtand am Fenſter ſeines Wohnzimmers in
der elterlichen Villa. Suchend blickten ſeine Augen auf zu
dem grauen Märzhimmel, an dem regenſchwer die Wolken
hingen. Kein noch ſo heller Streifen zeigte ſich, durch den
die Sonne hätte hindurchdringen können.
Aufſeufzend trat der junge Mann zurück und begann
von neuem, was er ſchon ſeit Stunden getan hatte, ruhelos
im Zimmer auf und ab zu ſchreiten. Nervös ſpielte
er an der Kette ſeiner Uhr, die er in kurzen
Zwiſchen=
räumen immer wieder hervorzog. Wie langſam
die Zeit rückte! Erſt acht Uhr. Vor zehn Uhr war nicht
daran zu denken, mit den Eltenn, die dann erſt ihr
Früh=
ſtück einnahmen, zu reden. Noch zwei lange Stunden!
Zwei Stunden, dann ſtand er am Wendepunkt ſeines
Lebens! Jahrelang hatte er ſie getragen, dieſe Laſt eines
aufgedrängten Berufs, die ihm kein Glück, keine
Befriedig=
ung gewährt hatte Jetzt wollte er ſie endlich von ſich
ab=
ſchütteln, wollte ſich freimachen. Er wußte, daß die
Aus=
einanderſetzungen, die er nun mit den Eltern haben würde,
keine leichten ſein würden. Er wollte ſich wappnen mit
allem Mut, den er beſaß, um alle Angriffe und Gegenſtände
ſiegreich zurückzuſchlagen. Ein dorniger, ſteiniger Pfad lag
vor ihm, aber Adas Liebe würde ihm dieſen Weg mit
Roſen umſäumen.
Ada! Unbewußt und unhörbar fanden ſeine Lippen
dieſen Namen, und ein tiefes Glücksempfinden durchzitterte
ihn dabei. Ueber ſein bleiches, übernächtiges Geſicht ging
es wie ein Sonnenhauch und wiſchte für einen Augenblick
oll das Fipßere, Trotzige, das darauf lag, hinweg.
An wer ſehvitlichſein, der ſeine Brout Whren
nach ſchwerem Kampfe mit ihrem Vater war es ſo weit
ge=
kommen.
Mit greifbarer Deutlichkeit ſtanden all die Einzelheiten
des geſtrigen Abends vor ihm, und wieder durchlief er im
Geiſte die ganze Fülle von Empfindungen, die übermächtig
auf ihn eingeſtürmt waren. Der Schreck und Schmerz, als
er weinend und faſſungslos Ada in dem kleinen Flur ſtehen
ſah, hatten ſich in Empörung und Wut gewandelt und in
brennende Scham darüber, daß es ſeine Mutter war, die
dieſen Schlag gegen die Geliebte geführt hatte. Seine
Mutter, zu der er, trotz aller Herbheit und Kühle, die ihrem
Weſen eigen waren, bisher doch noch in kindlichem
Glau=
ben an die Vornehmheit ihrer Geſinnung aufgeſehen hatte,
war einer ſolchen Tat fähig geweſen! Mit kalter
Grau=
ſamkeit einen Menſchen grundlos auf das tiefſte in ſeiner
Ehre zu kränken? Wie mit Flammenſchrift hatte ſich der
Inhalt ihres Briefes in ſeine Seele gegraben:
„Mein Fräulein!
Zwingende Gründe veranlaſſen mich, Sie zu erſuchen,
die Malſtunden meiner Tochter als beendet anzuſehen und
mein Haus nicht mehr zu betreten. Das Honorar für den
laufenden Monat füge ich bei. Marie von Leerſen.”
Heiß wallte es von neuem in ihm auf. War es nicht
unwürdig einer Dame, ſolche Schmach einem jungen
un=
beſcholtenen Mädchen zuzufügen, ſie wie eine Verbrecherin
oon der Schwelle des Hauſes zu weiſen? Selbſt wenn
die=
ſes Mädchen nicht ſeine Braut war, hätte ihn ein derartiges
Vorgehen empört und mit Abſcheu erfüllt. Hier aber traf
es ihn mitten ins Herz. Um ſeinetwillen hatte Karl
Au=
guſt die Mutter veranlaßt, dieſen Brief zu ſchreiben. Und
er, der Ada hatte ſchützen wollen vor allen Unbilden des
Lebens, er war gewiſſermaßen ſelbſt ſchuld an ihren
Tränen!
Dn hute hrat ſche Auahe, it ſche
Selſcherſch=
ung verlaſſen, und er hatte Ada an ſeine Fruſt geriſſen.
Sie iſt mein, meine Braut, hatte er gerufen, als Herr
Jer=
ling wie benommen von dem, was er hörte, nicht
geant=
wortet hatte. Laſſen Sie mich doch gut machen an ihr,
was man ihr getan hat.
Dann war Leben und Bewegung in den alten Herrn
gekommen: Mein Gott, mein Gott, Herr Doktor, laſſen
Sie mein Kind! Machen Sie es nicht noch unglücklicher!
Und mit zitternden Händen hatte er ihm wehren wollen.
Aber er hatte Ada immer feſter gehalten. Namenloſe Angſt
hatte ihn überfallen, daß man ſie ihm rauben wollte. In
überſtürzenden Worten hatte er den Vater angefleht, ihm
Ada zum Weibe zu geben. Was er geſagt hatte, wußte er
nicht mehr, aber das Leid ſeines einſamen Lebens hatte
er dem alten Mann, deſſen Augen wie gebannt an ſeinen
Lippen hingen, entſchleiert. Da waren dieſem die Tränen
über die welken Wangen gelaufen, und er hatte ihm die
Hand gereicht. Dann hatte er langſam geſagt: Daß Sie Ada
lieben, glaube ich Ihnen, Herr von Leerſen. Mit Freuden
würde ich das Geſchick meines Kindes in Ihre Hände
legen, wenn die Kluft, die Sie von uns ſcheidet, nicht all
zu groß und tief wäre Ich bin ein alter Mann, ich kenne
das Leben und habe mir einſt mein Weib ſelbſt mit heißen
Kämpfen errungen. Aber es gehört viel Duldſamkeit und
eine große, ſtarke Liebe dazu, um es zu tragen. Sie
wer=
den um Adas willen viel zu erdulden haben. Würden Sie
ſtark genug ſein, das zu überwinden und es meinem Kinde
nicht entgelten zu laſſen? Sie werden auf Rang und
Reichtum — vielleicht auch auf die Liebe Ihrer Eltern
Ver=
zicht leiſten müſſen. Der Sohn des Miniſters von Leerſen
und die Tochter eines einfachen, abgedankten
Ballett=
meiſters, das paßt eben nicht zuſammen, ſelbſt wenn das
Mädchen zehnmal ſo ſchön gebildet und ehrenwert iſt!
Leſen Sie den Brief Ihrer Mutter und Sie werden ein=
Seite 20.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.
Nummer 205.
ſchen dis ich nißt inde Seine anſang ſo le
Stimme klang zuletzt bitter und ſcharf.
In heißer Beſchämung hatte aber er bei der
Erwähn=
ung des Briefes ſeiner Mutter die Blicke ſenken müſſen.
Ada aber hatte die Hände des an allen Gliedern
zitternden Vaters ergriffen und ſie zärtlich geſtreichelt.
Ihre Tränen waren verſiegt. Väterchen, Du, ſei nicht ſo
außer Dir!
Mein Kind, Du mein einziges Kind! Nun habe ich
mein ganzes Leben lang nur für Dich gelebt und geſorgt,
und habe Dir jede Wolke an Deiner Stirn verſcheuchen
wollen und muß nun ſtill dabei ſtehen und ſehen, wie all
mein Hoffen in Trümmer geht und mein ſtolzes Kind
ge=
demütigt und unglücklich gemacht wird!
Noch ehe er antworten konnte — denn der Vorwurf
hatte ihn tief getroffen — hatte Ada ernſt und feierlich
ge=
ſagt:
Ja, Vater, gekränkt und beleidigt kann ich wohl
wer=
den, das will ich gern tragen, aber unglücklich, ſieh
Väter=
chen, das würde ich nur — wenn — wenn — mir Joachims
Liebe genommen würde.
Da war das Dunkel ſeines zagenden Herzens wieder
licht geworden, und in tiefer Bewegung hatte er Adas
Hand an ſeine Lippen gezogen. Nur mühſam ihre
Erreg=
ung beherrſchend, hatten beide dann vereint den Vater um
ſeinen Segen gebeten. Aber erſt nach langem Zögern und
Schwanken hatte er eingewilligt.
Kein lachender, ſonniger Glücksrauſch lag über ihrer
Verobungsſtunde Ernſt, ſchwer, kampfreich ſetzte ihr
ge=
meinſames Leben ein.
Auch Peter Geißlers Glückauf!, als man ihm, der ſich
bientet in Schenihner anitegegeheitedie Fenlen
mitteilte, klang ernſt und feierlich, weil es aus einem
wirklich warmen Anteil nehmenden Herzen kam.
Weihevoll und ſtill waren die Stunden verfloſſen, die
man noch zuſammenblieb.
21 .
Kein ſtörender Gaſt, ein verſtehender Freund war
Peter Geißler in ihrem Kreiſe geweſen, und als
Joachim den jungen Maler dann heimbegleitet hatte,
hatten ſich ihm, dem ſonſt ſo Verſchloſſenen, wie von
ſelbſt die Lippen geöffnet; er hatte dem ihm bis vor kurzem
noch ſo Fremden ſein übervolles Herz ausgeſchüttet und
ein volles und tiefes Verſtändnis gefunden.
Und plötzlich hatte Peter Geißler ſeinen Arm um ihn
geſchlungen und in ſeiner raſchen, etwas poltrigen Art
ge=
ſagt: Sie ſind ein famoſer Kerl, Leerſen. Sagen wir Du
zueinander! Laß uns Freunde werden, Menſchenkind!
In Freud und Leid, Peter Geißler. Warm hatten ſie
einander die Hand gedrückt.
Na, wenn Du alſo mal einen brauchſt, der ſich für Dich
vierteilen oder totſchlagen laſſen ſoll, ſo wend Dich an
meine Adreſſe, hatte ihm Peter Geißler im Fortgehen noch
zugerufen.
Lange hatte er noch dageſtanden und dem ſich
Ent=
fernenden nachgeblickt. War er nicht jetzt reich und
be=
neidenswert? Peter Geißler war ſein Freund und Ada
ſeine Braut!
Dann hatten ſeine Augen die Fenſter des Hauſes
überflogen. Alles war dunkel. Nein, im Arbeitszimmer
des Vaters im Parterre war noch Licht. Vater war alſo
noch auf! Ob er jetzt, jetzt gleich mit ihm ſprechen ſollte?
Er hatte das unbeſtimmte Gefühl, als ob ihn ſein Vater
wenthlans wieleict dech berſchen, ihn rien ihn deſen
würde. Ihm gegenüber würde er auch die richtigen Worte
finden Wo die Mutter ſo ſchroff war, da hatte er doch
manchmal ausgleichend gewirkt. Vielleicht hätte er es auch
öfters getan, wenn Mutter nicht meiſt die Ausſchlaggebende
geweſen wäre. Ja, er wollte gleich zu ihm gehen. Aber
gerade, als er den Schlüſſel in die Gittertür der
Garten=
pforte ſteckte, erloſch das Licht. Das Zimmer des Vaters,
dunkel gleich den anderen Räumen, lag es da. Wie eine
böſe Vorbedeutung wollte ihm das erſcheinen. Aber er
hatte dieſen Gedanken ſogleich von ſich abgeſchüttelt. Es
war beſſer, wenn er morgen, nach reiflicher Ueberlegung
mit den Eltern ſprach, als jetzt, wo durch all das
Voraus=
gegangene jeder Nerv in ihm vor Aufregung zitterte und
bebte.
Heute war nun dieſer Morgen da! Und es fand ihn
gerüſttet. Er hatte ſogleich, als er aufgeſtanden war, Jakob,
den Diener, verſtändigt, daß man ihn rufen möchte, wenn
die Eltern frühſtückten.
Sie nahmen wochentags dieſes erſte Frühſtück ſtets
allein, ohne ihre Kinder ein. Karl Auguſt ſchlief, wenn er
auf Urlaub war, gern lange. Chriſtas Stunden, die ſie
noch in verſchiedenen Fächern und Sprachen nahm,
be=
gannen oft ſchon zeitig, und er ſelbſt hatte ziemlich frühe
Dienſtſtunden im Miniſterium. Heute konnte es allerdings
nichts helfen, daß es etwas ſpäter wurde.
Die ſtille Morgenſtunde, wo er die Eltern allein
wußte, ſchien ihm darum die geeignetſte zu einer
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 205.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.
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Seite 26.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.
Nummer 205.
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Sedantag und Herbſtparade. — Die Erkrankung des
Kaiſers. — Berlin bekommt Einquartierung. — Garde
und Linie. — Die Fremden. — Was ſie für Berlin
be=
deuten. — Berlin als Fremdenſtadt. — Umwandlungen. —
Das ſtille Plätzchen „vor der Stadt” — Straßen und ihre
Schickſale. — Der Neubau des Eſplanade=Hotels. — Das
eigene Heim und weltſtädtiſches Sein. — Der Brand des
Theaters des Weſtens. — Befürchtungen und Erwartungen
Trommelſchlag und Pfeifenklang, ſowie das
Schmet=
tern der Tſchingteraſſaſſa werden zu Beginn der neuen
Woche in Berlin den Ton angeben! Sedantag,
Herbſt=
parade das Garde= und dritte Armeekorps
in Berlin — Herzliebchen, was willſt du noch mehr!
Und Herzliebchen, das bekanntlich für zweierlei Tuch eine
beſondere Vorliebe hat, wird gewiß auf ſeine Rechnung
kommen. Verſchiedene Stadtteile werden ja in großartige
miltärſche Lager verwandelt ſein, dem nicht mur die ſ
Potsdamer Garniſon rückt ein, ſondern auch die
Bran=
denburger” wie man hier kurz die Truppen jenes braven
obigen Korps bezeichnet, werden ſich in hellen Scharen
bei uns einfinden, aus Frankfurt, aus Brandenburg, aus
Spandau, Wittenberg, Küſtrin, Neuruppin, Kroſſen,
Lüb=
ben und ſo fort. Die Parade am Montag wird ein
mili=
täriſches Schauſpiel darſtellen, wie es in dieſer
außer=
gewöhnlichen Bedeutung Berlin während der Regierung
des Kaiſers noch nicht geſehen, und das Intereſſe dafür
iſt diesmal noch größer wie ſonſt. Freilich, die
Nachrich=
ten über die Erkrankung des Kaiſers hatten auch
in dieſer Beziehung ihre weitgehende Wirkung ausgeübt
und die allgemeine Stimmung ſehr beeinträchtigt: mit
einem Schlage flaute die Nachfrage nach Tribünenkarten
ab, die beſonders ſtark geweſen, weil diesmal wegen
Platz=
mangels die Zuſchauerwagen ausgeſchloſſen ſind, da man
fürchtete daß der Kaiſer der Parade überhaupt fern
blei=
ben würde. Das ſcheint ja nun ausgeſchloſſen zu ſein,
obgleich Trübedeuter noch immer munkeln daß im letzten
Augenblick eine Abſage erfolgen könnte. Das würde
Vie=
len, ſehr Vielen eine arge Enttäuſchung bereiten, den
Trup=
pen wie den Berlinern und ihren Gäſten, nicht zuletzt auch
jenen 40000 ehemaligen Soldaten, die ſich am Sonntag
vormittag auf dem Tempelhofer Felde zu einem feierlichen
Feldgottesdienſte vereinen werden.
Für frohſinnig=buntfarbiges Leben und Treiben wird
an dieſen erſten Septembertagen, die uns noch Galaoper
und Zapfenſtreich beſcheren, ſicherlich genügend geſorgt
ſein, wenn der Wettergott, unter deſſen Mucken und Tücken
wir zur Genüge bereits gelitten haben, ein nur
einiger=
maßen freundliches Geſicht macht. In der allgemeinen
Be=
wegung und dem überall zum Ausdruck gelangenden
Ge=
fühl, daß was Beſonderes los iſt, wird Berlin ſeinen
ge=
winnendſten Eindruck machen und auch in dieſer Beziehung
die Fremden, die ſich grad jet bei uns in Hüle und
Fülle einfinden, zufrieden ſtellen. Sie ſind ja meiſt recht
ſcharfe Kritiker und haben ihr tüchtig Teil beigetragen,
Berlin zu dem zu machen, was es heute iſt. Die ſeltſame
und überraſchende Umwandlung, die nach dem blutigen
und gewaltigen in der Schlacht bei Sedan ihren
Höhe=
punkt findenden Kampfe um Deutſchlands Einigung mit
Berlin vorgegangen, bemerkten in erſter Linie die
zahl=
loſen Fremdenſcharen welche herbeieilten, um die von
Ruhm und Sieg umſtrahlte Stadt in ihrem neuen,
ver=
jüngenden Lichte zu ſchauen. Eher als die ſpreegetauften
Einwohner ſelbſt ſahen ſie, welche bedeutenden und
tief=
einſchneidenden Veränderungen ſich teils ſchon vollzogen
hatten, teils erſt vorbereiteten, wie ſich die Stadt in ihrem
Innern ſowohl wie auch nach außen hin umgeſtaltete, wie
ſtie ſich in kürzeſter Friſt verſchönte und den Rang, der ihr
unverſehens zuerteilt worden war, vollauf in Anſpruch
nehmen und ausfüllen wollte.
Der Ruf davon verbreitete ſich ſchneil; hatte bisher
Berlin faſt abſeits von der großen kontinentalen
Fremden=
linie gelegen, hatten nur wenige gewagt, es mit Paris
und London, ja auch nur mit Wien in einen Vergleich zu
ſtellen, ſo wurde dies in kürzeſter Zeit anders. Nicht nur,
daß die durch gemeinſam vergoſſenes Blut ſo eng mit dem
leitenden Staat vereinigten Bundesgenoſſen viel häufiger
als jemals zuvor die Reichshauptſtadt aufſuchten und dort
zu ihrer Freude nicht mehr das ſpeziſiſch „preußiſche
Berlin” vorfanden, auch von fernher lenkten ſich die
Fremdenſtröme mehr und mehr der neu emporblühenden
Weltſtadt zu und ſchenkten ihr dieſelbe Aufmerkſamkeit,
wie den bisher begünſtigten Gefährtinnen an der Seine.
der Themſe und Donau. Waren früher Ruſſen,
Englän=
der, Italiener, Amerilaner uſw nur vereinzelte Gäſte in
Berlin geweſen, ſo traten ſie jetzt in ſtets wichſender Zahl
auf; ſehr viele von ihnen gründeten ſich hier ein feſtes
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 205
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.
Seite 27.
Heim; andere wieder kehrten regelmäßig hierher zurück,
faſt immer in Gefolgſchaft. Bald ſchon konnte man von
feſtgegliederten engliſchen, amerikaniſchen, italieniſchen,
ruſſiſchen uſw. Kolonien ſprechen und zu dieſen Ländern
ge=
ſellten ſich neben anderen Japan und Siam, wie auch der
zu=
erſt ſo viel angeſtaunte Chineſe, im langen ſeidenen Rock
und mit ſauber geflochtenem Zopf, raſch eine gewohnte
Erſcheinung auf den Straßen Berlins wurde, die heute
niemanden mehr auffällig berührt. Sicherlich iſt es nicht
zu hoch gegriffen wenn wir die Zahl der jetzt jahrlich die
Hauptſtadt beſuchenden Fremden auf mehrere Millionen
ſchätzen, und dieſe Ziffer dürfte ſich in fortwährendem
Steigen befinden, ohne daß ein Rückſchlag zu befürchten
wäre.
Die wachſenden Fremdenſcharen bedingten für Berlin
eine neue Pflicht: für ihre genügende und gute
Unter=
kunft zu ſorgen. Freilich gab’s genug ausgezeichnete
Hotels, die an Bequemlichkeit das Möglichſte leiſteten, aber
ihre Räumlichkeiten reichten bald nicht mehr aus und eine
Ueberfüllung war oft unausbleiblich. Da trat nun für
Berlin eine neue Phaſe ein: es entſtanden die
Rieſen=
hotels, welche mehrere hundert Perſonen zugleich
be=
herbergen können, nicht von Einzelnen begründet, ſondern
von kapitalsfähigen Aktiengeſellſchaften. Die jüngſte
Er=
ſcheinung auf dieſem vielgeſtalteten Wege bedeutet der
kürzlich eröffnete Boarding=Palaſt, der am
Kur=
fürſtendamm entſtanden iſt und in ſeinen mannigfaltigen
Einrichtungen einen amerikaniſchen „Typ” für uns
bedeu=
tet. Alles iſt hier ins Große getrieben, die hunderte von
Wohn= und Schlafräumen finden ihre Ergänzung in
Feſt=
ſälen, einem ausgebreiteten Café, einer Kuranſtalt, einem
Trinkpavillon mit dem Ausſchank der verſchiedenſten
Ge=
ſundheitszwecken dienenden Brunnen, zahlloſen Läden, in
denen alles Mögliche und Unmögliche feilgeboten wird,
kurz, es iſt alles vorhanden, was einem das Daſein, wenn
es ſonſt nichts zu wünſchen übrig läßt, angenehm machen
kann. Nun müſſen ſich bloß noch die Fremden einfinden,
die all das in emſigen Verkehr ſetzen ſollen, denn es iſt
ein bißchen recht weit „draußen” für jene, die in Berlin
ſelbſt zu tun haben oder ſich dort des näheren umſchauen
wollen. Jedenfalls fehlt es den Unternehmern nicht an
kühnen Erwartungen über den Andrang der
Beſucher=
ſcharen und die Ausdehnung der Stadt nach dem äußeren
Weſten hin, und es iſt wohl möglich, daß ſich ihre
Hoff=
nungen erfüllen.
Darin hat uns Berlin ja ſchon genug an
Ueberraſch=
ungen geliefert. In den Erinnerungen von F. W Gubitz,
einem ſeinerzeit ſehr bekannten Berliner Tagesſchriftſteller,
ſtoßen wir auf eine Stelle, in der er berichtet, daß er ſich,
um ruhig arbeiten zu können, im Jahre 1813 eine lauſchige
und ſtille Sommerwohnung „vor der Stadt” gemietet habe
— jenes gerühmte entlegene Plätzchen befand ſich in der
heutigen Bellevueſtraße, nächſt dem Potsdamer
Platz! Kaum eine andere Straße des neueren Berlin zeigt
uns, wie ſtark der Herzſchlag der Stadt geworden iſt,
denn in weniger wie einem Jahrzehnt hat ſich völlig ihre
Eigenart verändert und wurde ſie in den Bann der
Welt=
ſtadt gezogen, dadurch aber nichts von ihrer
ausgeſproche=
nen Beliebtheit verlierend. Das beweiſt ſchon der nach
verhältnismäßig kurzer Friſt nötig gewordene
Ergänz=
ungsbau des monumentalen Eſplanade=Hotels
das jetzt im ganzen nicht weniger wie 14500
Quadrat=
meter bebaute Fläche aufweiſt. Alles in allem wird es
400 Zimmer enthalten, während das Grand=Hotel in Paris
deren 700 birgt bei einer bebauten Grundfläche von 8800
Quadratmetern. Man ſieht daraus, wie ganz anders bei
uns für die Fremden geſorgt wird und welche
Anforder=
ungen hier an Licht und Luft, und in enger Verbindung
damit an die Errungenſchaften der Hygiene, geſtellt und
erfüllt werden. Auch bei dieſem Hotel=Neubau iſt alles
Enge und Gefährliche vermieden worden und wurde ihm
durch den zur Benutzung freigegebenen Park des
benach=
barten Wilhelm=Gymnaſiums ein Stück Natur
angeglie=
dert, wie es idylliſcher nicht zu denken iſt. Eine intereſſante
und jenen, die es dazu haben, ſehr willkommane Neuerung
iſt die Einrichtung für ſich abgeſchloſſener Wohnungen, die
innerhalb des ſich ſtets glatt und angenehm abſpielenden
Betriebes die Annehmlichkeiten eines eigenen Heims
ver=
körpern. Dieſe Wohnungen von ganz intimem Charakter
und ebenſo vornehmer wie behaglicher Ausſtattung
um=
faſſen ſtets ſieben Räume, zu denen ſich noch zwei Diener=
und drei Badezimmer geſellen. Der Eingang, wie das
Treppenhaus und der Aufzug ſind völlig für ſich geſondert,
ferner wurden mit erheblichen Koſten neue
Fernſprech=
anlagen und ſonſtige techniſch=praktiſche
Vervollkommnun=
gen angebracht, die in dieſer Beziehung den Höhepunkt
bedeuten dürften und vorläufig von keinem anderen Hotel
der Welt erreicht werden. Das kann man auch von dem
neuen Feſtſaal und dem neuen Wintergarten ſagen, die
während der langſam beginnenden Saiſon im geſelligen
Leben Berlins, das ja mehr und mehr in unſere
prun=
kende Hotels verlegt worden, ihre wichtige Rolle ſpielen
werden.
Den erſten Auftakt zu dieſem mählich beginnenden
ge=
ſelligen Leben haben, wie üblich, unſere Theater
über=
nommen, aus deren Reihe das Theater des Weſtens
plötzlich geſtrichen wurde. Binnen kürzeſter Zeit ward
ſein Inneres durch die Flammen, die glücklicherweiſe nicht
während einer Vorſtellung ihre verheerende Wut
entfal=
teten, zerſtört, ſo daß Monat um Monat vergehen wird,
ehe hier wieder Thalia ihr leichtbeſchwingtes Szepter führt
Mit bedenklicher Bewunderung vernahm man, wie raſch
der Bühnen= und Zuſchauerraum vernichtet wurde, und
malte ſich die Kataſtrophe aus, die höchſtwahrſcheinlich
entſtanden wäre, wenn das Feuer am Abend ausgebrochen
wäre Und grad dieſes Theater galt wegen ſeiner
Ein=
richtungen und ſeiner Geräumigkeit als ganz beſonders
ſicher! Iſt hier durch die Macht der Elemente ein Theater
gefallen, ſo fragt man ſich, welches nächſte Opfer unter
unſeren Theatern durch andere Macht dahingeriſſen wer=
den wird, und man muß leider annehmen, es bleibt nicht
bei dem einen Opfer. Noch nie zuvor war der Wettkampf
in unſerem Theaterleben um die Gunſt des
Publi=
kums ſo ſcharf, wie er ſich in dieſem Winter entfalten wird,
und man macht in den beteiligten Kreiſen ſchon heute
Wetten, wer als Sieger auf dem Plan bleibt und wer als
Unterlieger ausſcheidet. Dieſe ganzen Verhältniſſe ſind
ſo verworren und ſo ungeſund, daß auf jeden Fall, ſo oder
ſo, eine Klärung eintreten muß. Je eher dees der Fall
iſt, deſto erſprießlicher dürfte es für die förderſame
Ent=
wickelung unſeres geſamten Theaterlebens ſein, das gern
als Kulturmeſſer unſerer Zeit betrachtet wird.
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Maliſe (J. Lane), 2. Cambronne (Winkfield), 3. Loreley
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Ren=
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Kothes Sirene II (Bleuler), 2. — Knappe (H. Teichmann),
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Bleu=
ler), 3. Abelard (Stübing). Tot. 121:10. — Klug=Jaad=
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Me=
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Ber=
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Meter: 1. Herrn K. von Tepper=Laskis Liſel (Th.
Baſtian), 2. Miasma (Printen), 3. Libellule (
Lom=
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Ehren=
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(Lt. Frhr. von Berchem), 3. Laurin (Lt. von Egan=
Krie=
ger). Tot. 114:10. — Preis von Kagel; 2500 Mark,
Diſtanz 2500 Meter: 1. Dr. G. Loths Menelik (Streit),
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22
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findenden Konzert der Kapelle
des Garde=Drag.=Regts. Nr. 23.
1. Florentiner Marſch von Fucick.
2. Ouverture zur Oper „Zampa”
von Herold. 3. Fantaſie aus „Der
fliegende Holländer” von Wagner.
4. Liebestanz aus „Madame
Sherry” von Hoſchna. 5. „Valse
brune” von Krier. 6. „Klar zum
Gefecht”, Marſch von Blankenburg.
Woog, am 30. Auguſt 1912.
Waſſerhöhe am Pegel 3,63 m.
Luftwärme 180 G.
Waſſerwärme vorm. 7 Uhr 16%C.
Woog=Polizei=Wache.
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Bleichſtraße 53.
Dampfer „Rotterdam”, 22. Aug.
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troffen.— Dampfer „Nieuw
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dam”, am 27. Auguſt von New=
York abgegangen. — Dampfer
„Noordam” am 27. Auguſt in
New=York eingetroffen. — Dampfer
„Potsdam” 20. Auguſt vormittags
von New=York abgegangen.
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Reichhaltige Abendkarte.
Tag und Nacht geöffnet.
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Um geneigten Zuspruch bittet höflichst M. Kaufmann.
Städtischer Saalbau.
Heute Samstag, den 31. Auguſt
Anläßlich der Ausſtellung „Das Gas in Haus und Gewerbe‟
Grosses Initur Ronzert
von der Kapelle des Leibdragoner-Regts. Nr. 24
unter Leitung ihres Dirigenten Herrn Obermuſikmeiſter Rühlemann.
Aus dem Programm: Ouvertüre z. Op. „Der Italiener in
Algier” v. G. Roſſini. Ouvertüre z. Op. „Das goldene Kreuz” v. Brüll.
Stücke aus der Op. „Das Glöckchen des Eremiten” v. Maillart. „Das
Leben für den Zar” v. Glinke. „Rienzi” v. R. Wagner.
Während des Konzertes findet vom
hiesigen Gaswerk grosse festliche
Be-
leuchtung des ganzen Gartens mit den
verschiedensten extra dazu angelegten
IIIuminationskörpern, Wappen,
Schlangen, Sternen, Kugeln etc. statt.
Anfang 8 Uhr
Eintritt 30 Pfg.
Dutzendkarten von Donnerstags=Konzerten haben Gültigkeit. —
Die Ausſtellung iſt geöffnet von 10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends.
Den Konzertbeſuchern iſt die Ausſtellung vom Garten aus zugänglich.
Eintritt zur Ausſtellung frei!
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„Linda‟
Stets freier Eintritt.
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Ludwigshöhe.
Sonntag, den 1. September 1912 (Sedantag):
Iintar-Honzert
ausgeführt von der Kapelle des Leibgarde=Regiments
unter Leitung des Obermuſikmeiſters H. Hauske.
Anfang 4 Uhr.
(B18295)
Eintritt 25 Pfg.
NB. Der hintere Garten iſt für Nichtkonzertbeſucher
reſerviert. Bei ungünſtigem Wetter Konzert in den Sälen.
Nummer 205.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.
Seite 29.
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Es spricht schon drüber die ganze Stadt:
„Das ist ja das Verlosungsrad‟!
Für die Radrennbahn am achten/neun,
Wer wird wohl glücklicher Gewinner sein?
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Beseht euch die schöne Maschine sofort,
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Damit euch winke am achten das Glück! (18177a
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Qual des Sünders ewig?”
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Donnerstag: Das neuteſtamentliche Heiligtum.
Freitag; Gottesgericht in unſerer Zeit.
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Ecke Heinrichſtraße.
Nummer 205.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 31. Auguſt 1912.
Seite 31.
Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.
Geöffnet an Wochentagen von 9— 12 Uhr vorm. und
8— 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 26. Auguſt: Dem Schreiner Peter
* Bauer, Kirchſtraße 10, eine T. Am 23.: dem
Maſchi=
niſten Georg Johann Gehbauer, Feldbergſtraße 79,
ein S. Heinrich Karl. Am 27.: dem Eiſendreher Ludwig
Friedrich Haſſelmann, Liebfrauenſtraße 41, ein S.
Georg Louis Friedrich. Am 22.: dem
Verſicherungs=
beamten Karl Heinrich Auguſt Müller,
Pallaswieſen=
ſtraße 54, ein S. Emil. Am 25.: dem Kaufmann Johann
Lenner, Kirchſtraße 8, eine T. Emma Mathilde
Jo=
hanna. Am 27.: dem Paſtillon Jakob Breitwieſer,
Mühlſtraße 62, ein S. Philipp Auguſt.
Aufgebotene. Am 26. Auguſt: Bahnarbeiter Karl
Sang, Friedberg=Fauerbach, mit Schneiderin
Katha=
rina Müller, Kaſinoſtraße 17. Taglöhner Johann
Hein=
rich Jakob Ludwig Löffel mit Lauffrau Walpurga
Marie Gerbig, beide Kleine Kaplaneigaſſe 4.
Schrei=
ner Johann Krämer, Blumenthalſtraße 99, mit
Dienſt=
bote Eliſabetha Katharina Hering, Schwanenſtraße 27.
Am 27.: Bierbrauer Jakob Oberhaus, Pfungſtadt, mit
Barbara Brack, Pfungſtadt. Bahnarbeiter Adam
Jäger, Fürth, mit Margaretha Hecht, hier. Friſeur
Friedrich Th. Gorr mit Anna Katharina Schnebele,
beide Schuſtergaſſe 15. Bureauaſſiſtent Auguſt Engel,
Charlottenburg, mit Kath. Charl. Dieter,
Wenck=
ſtraße 44. Dachdecker Wilhelm Schärf, Worms, mit
Kath. Schwenck, hier. Mineralwaſſerfabrikant Phil.
Büttel Vl., Pfungſtadt, mit Marie Eliſab. Frieß,
Kiesſtraße 43. Am 29.: Regierungsbaumeiſter Julius
Friedr. Emil Berck, hier, mit Mathilde Wilhelmine
Karoline Cramerding, Gießen. Fabrikarbeiter Emil
Hally, Rüdenau, mit Köchin Klara Biſchof, Rüdenau.
Reichsbankaſſiſtent Martin ter Vehn, Erbacherſtraße 3,
mit Helene Eliſabeth Thereſe Jakobine Börſt,
Inſel=
ſtraße 29. Steindrucker Johann Frommberger mit
Zimmermädchen Johanna Roſine Schätzler, beide in
Nürnberg. Kaufmann Emil Louis Otto Huf, Groß=
Umſtadt, mit Karoline Wilhelmine Johannette
Fran=
ziska Eliſabeth Frey, Liebigſtraße 77. Lageriſt Paul
Kurt Kretzſchmar, Liebigſtraße 63, mit Buchhalterin
Katharina Müller, Pallaswieſenſtraße 43.
Geſtorbene. Am 26. Auguſt: Johanna Maria
Metz=
ler, geb. Schnittſpahn, Witwe des Generalarztes, 68 J.,
ev., Hügelſtraße 51. Taglöhner Georg Krämer, 40 J.,
ev., Liebfrauenſtraße 41. Am 27.: Mary Helene
Schwarz, ohne Beruf, 22 J., ev., Erbacherſtraße 125.
Eva Eliſabeth Gärtner, geb. Weißbrod, Witwe des
Taglöhners. 52 J., ev., Ober=Ramſtadt. Steinbrecher
Jo=
hannes Würtenberger, 51 J., ev., Ober=Ramſtadt.
Spengler Hermann Albert Rudolf Aſſing, 28 J., ev.,
Hofgartenſtraße 9. Am 29.: Fanny Sender geb. Levi,
Ehefrau des Kaufmanns, 64 J., iſr., Saalbauſtraße 7.
Am 28.: Gasfabrikarbeiter Joſeph Petitjean, 39 J.,
kath., Schloßgaſſe 21.
Nachrichten des Standesamts Darmſtadt II.
Geöffnet an Wochentagen von 9—12 Uhr vorm. und
3—5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 13. Auguſt: dem Bahnſchaffner
Valentin Geyer, Beſſungerſtr. 122, eine T. Eleonore.
Am 10.: dem Großh. Amtsrichter Friedrich Karl Ludwig
Andreas Conradi, Hochſtr. 59, eine T. Eliſabeth
Hed=
wig. Am 14.: dem Packer Georg Becker,
Heidelberger=
ſtraße 127 ein S. Johann Heinrich. Am 11.: dem
Kultur=
techniker Anton Ritter, Schießhausſtr. 33, ein S. Hugo
Anton. Am 12.: dem Kutſcher Heinrich Weber,
Forſt=
meiſterſtr. 5, ein S. Wilhelm Am 15.: dem Kaufmann
Wilhelm Friedrich Paſche, Beſſungerſtr. 104, ein S.
Wil=
helm Friedrich. Dem prakt Arzt Dr. Karl Johann Jakob
Robert Hammer, Beſſungerſtr. 3, eine T. Liſelotte Elſa
Luiſe Anna Chriſtiana. Am 20.: dem Sergeant im Feld=
Art.=Regt. Nr. 61, Willy Onimus, Heidelbergerſtr. 126,
eine T. Eliſabetha. Am 21.: dem Telegraphenaſſiſtent
Friedrich Frieß, Donnersbergring 34, ein S. Friedrich
Willi Walter. Am 25: dem Weißbinder Georg Friedrich
Vonderſchmidt, Forſtmeiſterſtr. 6, eine T. Marie Luiſe
Eliſabeth. Eine unehel. Tochter Minna.
Aufgebotene. Am 19. Auguſt: Gärtner Ludwig
Friedrich Johmann zu Karlsruhe, mit Eliſa Maria
Jo=
hanna Sachs, Niederſtr. 22. Am 21.: Leutnant und
Bataillons=Adjutant im Königs=Inf.=Regt. (6. Lothring.)
Nr. 145 Erich Kurt Eugen Julius Fabian Freiherr von
Maſſenbach zu Sablon, mit Maria Margaretha Hildegard
Koch, Wittmannſtr. 60. Am 27.: Kaufmann Heinrich
Leonhard Meß zu Nürnberg, mit Barbara Agnes
Bickelhaupt, Klappacherſtr. 24.
Eheſchließungen. Am 17. Aug.: Elektrotechniker Karl
Wolf, Beſſungerſtr. 35, mit Katharina Beckerle
Lie=
bigſtr. 69. Am 24.: Fabrikant Ernſt Hermann Pohlig
zu Langenberg (Rheinland), mit Anna Eliſabeth
Katha=
rina Goebel, Martinspfad 72.
Sterbefälle. Am 16. Aug: Weißbindermeiſter
Valen=
tin Stier, 35 J., ev., Sandbergſtr. 29. Am 25.: Katha=
rina Schanz, geb. Böhm, Ehefrau des Privatdieners
63 J., ev., Schießhausſtr. 44. Am 30. Juli: Ludwig
Spaar, 13 J., ev., Wingertsgäßchen 6. Am 26. Aug:
Minna Günther, geb. v. Gehren, Ehefrau des
Rech=
nungsrats, 71 J., ev., Bruchwieſenſtr. 2.
Kirchliche Anzeigen.
Evangeliſche Gemeinden.
13, Sonntag nach Trinitatis, den 1. September 1912
Sedan=Kollekte
Hofkirche: Kein Gottesdienſt.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Velte. —
Vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Velte.
Stadtkapelle: Vorm. um 9½ Uhr: Pfarrer D. Dr.
Diehl. — Vormittags um 11 Uhr: Kindergottesdienſt.
Pfarrer Vogel. — Nachmittags um 6 Uhr: Pfarrer
Kleberger.
Gemeindehaus, Kiesſtraße 17: Sonntag, den
1. Sept., vormittags um 11 Uhr: Chriſtenlehre für den
Südoſt bezirk. Pfarrer Kleberger.
Im Feierabend (Stiftſtraße 51): Sonntag, den
1. Sept, vormittags um 9 Uhr: Chriſtenlehre für den
Oſt bezirk (Knaben und Mädchen). Pfarrer Vogel.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Vorm. um 8 Uhr:
Diviſionspfarrer Liedtke. — Vorm. um 10½ Uhr:
Kindergottesdienſt, Steinſtr. 24 (Muſikſaal).
Johanneskirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Marx.
Vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. — Vorm.
um 9 Uhr: Chriſtenlehre für den Nord bezirk im
Ge=
meindehaus. Pfarrer Marx.
Martinskirche: Vormittags um 10 Uhr: Pfarrer
D. Waitz. Feier des heil. Abendmahls mit Vorbereitung.
Anmeldung von ½10 Uhr an in der Sakriſtei. — Vorm.
um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt für den Weſt bezirk.
Pfarrer D. Waitz. — Abends um 6 Uhr: Gottesdienſt
zur Eröffnung des Konfirmanden=
Unter=
richts für die drei Bezirke. Pfarrer Widmann. —
Nachmittags um 4 Uhr: Bibelſtunde im Martinsſtift.
Pfarrer Veller.
Eliſabethenſtift: Samstag, den 31. Auguſt,
nachmit=
tags um 3 Uhr: Beichte. — Sonntag, den 1. September,
vormittags um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit hl.
Abend=
mahl. Pfarrer Hickel. — Vormittags um 11½ Uhr:
Kindergottesdienſt.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde): 7. Jahresfeſt
der Jugend=Vereinigung. Vorm. um 10 Uhr:
Feſtgottesdienſt. Pfarraſſiſtent Lautenſchläger. Feier
des heil. Abendmahls mit vorhergehender Beichte und
Anmeldung in der Sakriſtei. Kollekte für den
Landes=
verein vom Roten Kreuz. — Abends um ½8 Uhr:
Familienabend.
Montag, den 2. September, vorm. um 11 Uhr:
Vorſtandsſitzung des Frauenvereins.
Pauluskirche: Vorm. um 8½ Uhr: Chriſtenlehre.
Pfarrer Rückert. — Vormittags um 10 Uhr:
Haupt=
gottesdienſt. Pfarrer Rückert. — Vorm. um 11¼ Uhr:
Kindergottesdienſt. Pfarrer Rückert.
Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 1. Sept.,
vormittags um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. —
Nach=
mittags um 4 Uhr: Bibelſtunde. Reiſeprediger Schmid.
— Abends um 8½ Uhr: Vortrag von Miſſionszögling
Gräf aus Barmen. — Montag, den 2. Sept., abends
um 8½ Uhr: Frauen=Bibelſtunde. — Dienstag, den
3. Sept., abends um 8½ Uhr: Junfrauen=Bibelſtunde und
Blaukreuzſtunde. — Mittwoch, den 4. Sept., nachm. von
2—3 Uhr: Hoffnungsbund für Knaben. — Von 3— 4 Uhr:
Hoffnungsbund für Mädchen. — Abends um 8½ Uhr:
Uebung des gemiſchten Chors. — Donnerstag, den 5. Sept.,
abends um 8½ Uhr: Bibelſtunde. — Freitag, den 6. Sept.,
abends um 8½ Uhr: Sonntagsſchul=Vorbereitung. —
Samstag, den 7. Sept., abends um 9 Uhr:
Verſamm=
lung für Beamte der Poſt, Eiſenbahn, Polizei,
Gen=
darmerie u. dergl. — Zweig der Stadtmiſſion
(Beſſungerſtraße 88, Hinterbau): Sonntag, den 1. Sept.,
vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. — Nachm. um
3 Uhr: Jugendbund für Jünglinge, nachm. um 4½ Uhr:
Jugendbund für Jungfrauen. — Freitag, den 6. Sept.,
abends um 8½ Uhr: Bibelſtunde.
Methodiſtengemeinde (Taunusſtraße 53): Sonntag,
den 1. Sept., nachmittags um ¾3 Uhr: Sonntagsſchule
(Kindergottesdienſt). — Abends um 8 Uhr: Predigt.
Pre=
diger Schubert aus Frankfurt a. M. — Freitag, den
6. Sept., abends um ½9 Uhr: Bibel= und Gebetsſtunde.
Katholiſche Gemeinden
14. Sonntag nach Pfingſten, den 1. September 1912
Schutzengel=Feſt
St. Ludwigskirche: Samstag, den 31. Auguſt,
nach=
mittags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr:
Gelegen=
heit zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von ½ 6 Uhr an: Gelegenheit zur
hl. Beichte. — Um 6 Uhr: erſte heil. Meſſe. — Um
7 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. — Um 8 Uhr:
hl. Meſſe. — Um ½10 Uhr: Hochamt mit Predigt. —
Um 11 Uhr: letzte heil. Meſſe. — Nachm. um 3 Uhr:
Roſenkranz=Bruderſchaftsandacht mit Predigt und
Pro=
zeſſion. — Donnerstag, nachm. um 5 Uhr: Gelegenheit
zur hl. Beichte. — Freitag, vorm. um ¼9 Uhr:
Segen=
amt zu Ehren des Herzens Jeſu.
Kapelle der Warmherzigen Schweſtern: Sonntag,
vormit=
tags um ½ 7 Uhr: heil. Meſſe. — Nachmittags um 4 Uhr:
Vortrag und Verſammlung im Mädchenheim. — Um
6 Uhr: Andacht zu Ehren des hl. Geiſtes.
Kapelle der Engliſchen Fräulein: Sonntag, vormittaas
um 7 Uhr: heil. Meſſe.
Kapelle zu Nieder=Ramſtadt: Sonntag, vorm. um
9 Uhr: hl. Meſſe mit Predigt.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 31. Auguſt,
nach=
mittags um ½5 Uhr und abends um 8 Uhr:
Gelegen=
heit zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur hl.
Beichte. — Um ½7 Uhr: Frühmeſſe. — Um 8 Uhr: heil.
Meſſe mit Predigt. — Um ½ 10 Uhr: Hochamt und
Predigt. — Nachmittags um 2 Uhr: Andacht und Segen.
— Donnerstag, nachm. um 5 Uhr: hl. Beichte. —
Frei=
tag, nachm. 5½ Uhr: Herz=Jeſu=Andacht.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, den
31. Aug., nachmittags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr:
Gelegenheit zur heil. Beichte.
Sonntag, vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur
heil. Beichte. — Um ½ 7 Uhr: hl. Meſſe. — Um ½ 9 Uhr:
Amt mit Predigt. — Nachm. um ½3 Uhr: Andacht zu
den heil. Engeln. — Bibliothek (Herdweg 28): Dienstag,
nachmittags von 6—7 Uhr. — Donnerstag, nachm. um
5 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte.
Kirche zu Eberſtadt: Samstag, den 31. Auguſt,
nach=
mittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr:
Beichtge=
legenheit.
Sonntag, vormittags um ½6 Uhr:
Beichtgelegen=
heit. — Um ½7 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion.
— Um ¼10 Uhr: Hochamt und Predigt. — Nachmittags
um ½ 2 Uhr: Chriſtenlehre. — Um 2 Uhr: Andacht. —
Werktags, vormittags um ¼7 Uhr: Singmeſſe.
Kapelle zu Pfungſtadt: Sonntag, vorm. um 7 Uhr:
Beichtgelegenheit. — Um ½8 Uhr: Amt und Predigt.
— Nachm. um 4 Uhr: Andacht.
Getaufte, Getraute und Beerdigte.
Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 25. Aug.: Dem Schuhmacher
Adam Bock S. Kurt Hans, geb. 1, Aug. 23. Aug.: Dem
Taglöhner Philipp Schreiner T. Anna, geb. 25. Juni
1911. 25. Aug.: Dem Milchhändler Franz Weber S.
Wilhelm, geb. 18. Aug.
Johannesgemeinde: 25. Aug.: Dem Schloſſer
Emil Brommer T. Anna Chriſtine, geb. 15. Aug. Dem
Schmied Heinrich Albin Geyer T. Eliſabeth, geb. 17. Juni.
Martinsgemeinde: 23. Aug.: Dem Friſeur Joh.
Vollrath T. Sophie, geb. 4. Mai. Ein unehelicher Sohn
Joſeph, geb. 19. Mai. Dem Maurer Peter Wesp S.
Karl Philipp, geb. 6. Juni. 25. Aug.: Dem Schreiner
Friedrich Loth S. Otto, geb. 21. Juli. Dem
Schornſtein=
fegermeiſter Adam Wolf S. Philipp Adolf, geb. 31. Juli.
Petrusgemeinde: 25. Aug.: Dem Schloſſer Karl
Chriſtian Wittmann S. Karl Chriſtian, geb. 11. Aug.
Dem Lademeiſter Karl Schneider T. Anna Emilie, geb.
9. Aug.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 29. Aug.: Kaufmann Heinrich
Joſef Engelhardt und Katharina Mager.
Johannesgemeinde: 24. Aug.: Schloſſer Georg
Lannert und Eliſabeth Wedel von hier.
Martinsgemeinde: 24. Aug.: Wagner Joh.
Wilhelm Schönhals und Alma Hedwig Muller, gen.
Weber, beide hier. Der Bahnſchloſſer Adam Dörr und
Luiſe Philippine Schneider, beide hier. 26. Aug.: Der
Friſeur Franz Heimann zu Enſchede (Holland) und
Eliſabeth Eckart hier. 28. Aug.: Der Gaſtwirt Johann
Georg Ludwig Gelfius hier und Eliſabeth Wolf aus
Elsheim (Rhld.).
Paulusgemeinde: 24. Aug.: Fabrikant Ernſt
Hermann Pohlig zu Langenberg (Rhld.) und Anneliſe
Goebel.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 26. Aug: Rechnungsrat i. P.
Georg Neuſchäffer, 69 J., ſtarb 23. Aug. 28. Aug.: Privatier
Heinrich Weber, 74 J., ſtarb 25. Aug. zu Eberſtadt.
Johannesgemeinde: 28. Aug.: Sofie Heß,
geb. Ehrhard, Ehefrau des Lokomotivführers i. P., 65 J.,
ſtarb 26. Aug.
Martinsgemeinde: 22. Aug.: Eliſabeth Sior,
Tochter des Bäckers, 37 J., ſtarb 19. Aug. 26. Aug.:
Suſanna Bopp, Ehefrau des Kolonialwarenhändlers,
47 J., ſtarb 23. Aug.
Paulusgemeinde: 22. Aug.: Invalide David
Wied, 33 J., ſtarb 20. Aug. zu Eberſtadt. 27. Auguſt:
Katharine Schanz, geb. Böhm, Ehefrau des Privatdieners,
63 J., ſtarb 25. Aug. Marie Werner, Tochter des
Kreis=
amtmanns und Regierungsrats, 2½ J., ſtarb 25. Aug.
zu Mainz. 28. Aug.: Minna Günther, geb. v. Gehren,
Ehefrau des Rechnungsrates i. P., 71. J., ſtarb 26. Aug.
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