Darmstädter Tagblatt 1912


23. August 1912

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175. Jahrgang
rnonatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 12 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Miniſterpräſident Poincaré hat nach ſeiner
Rückkehr aus Rußland in Dünkirchen in einer Rede
über den Erfolg ſeiner Reiſe berichtet.
Der franzöſiſche Pilot Frantz iſt geſtern von Char=
tres
aus zu einem Fluge nach Berlin aufge=
ſtiegen
.
Von der Türkei wird offiziell zugegeben, daß ſeit
zirka 8 Tagen mit Italien Verhandlungen
wegen Herbeiführung des Friedens ſtatt=
finden
.
Der türkiſche Thronfolger Juſſuf Izzedin
iſt geſtern in Wien eingetroffen.

Die Behandlung freigeſprochener
Geiſteskranker.

* Es war bereits mitgeteilt worden, daß die in Aus=
ſicht
genommene Neureglung des Strafrechts eine Beſei=
jigung
des Mißſtandes ins Auge faßt, daß ſich
Geiſteskranke, trotz wiederholter Straftaten infolge
Unzurechnungsfähigkeit, auf freiem Fuße be=
finden
. Dazu wird jetzt noch geſchrieben:
Unſer Strafrecht kennt keine gerichtlichen Maßnahmen
tregen gemeingefährliche Geiſteskranke. Es können aller=
dings
wegen Geiſteskrankheit Freigeſprochene nach den
landesgeſetzlichen Vorſchriften zwangsweiſe in ein
Irrenhaus gebracht werden, jedoch nur, wenn ſie von der
Werwaltungsbehörde als gemeingefährlich anerkannt ſind,
und zwar ohne Rückſicht auf den ſtrafrecht=
lichen
Vorgang.
Gegen nur vermindert Zurechnungsfähige ſind in der
Regel überhaupt keine ſichernden Maßnahmen mög=
lich
. Und ſchließlich erfolgte die Unterbringung in ein
Frrenhaus auch da, wo ſie geboten iſt, aus Mangel an
Platz und anderen Gründen oft überhaupt nicht oder
ſzehr ſpät und nur auf kurze Zeit, ſo daß irre Ver=
precher
und verbrecheriſche Irre, die ſich auf freiem Fuße
laewegen, vielfach eine ernſte Gefahr für die Geſellſchaft
und die öffentliche Sicherheit geworden ſind. Dieſen
beklagenswerten Zuſtand will der Vor=
ſſentwurf
für das Strafgeſetzbuch beſei=
tigen
. Und die Strafrechtskommiſſion hat dieſe Abſicht
mneingeſchränkt gebilligt. Nach den Vorſchhigen des
Entwurfs ſollen Unzurechnungsfähige, die freigeſprochen
nder außer Verfolgung geſetzt werden, vermindert Zu=
nechnungsfähige
, die zu einer milderen Strafe verurteilt
ſind, in einer öffentlichen Heil= oder Pflegeanſtalt unter=
gebracht
werden. Dieſe Maßnahme ſoll das Gericht
ſelbſt anordnen, ſofern die öffentliche Sicherheit
ſie erfordert. Eine ſolche gerichtliche Unterbringung Un=
zurechnungsfähiger
findet ſich bereits in den Geſetzge=
bungen
mehrerer Staaten. Es bleibt nur zu erwägen, ob
es angängig iſt, eine ſo dringend erforderliche Maßnahme
bis zum Inkrafttreten des neuen Strafgeſetzbuches von
dem uns bekanntlich noch wenigſtens ſechs Jahre tren=
nen
zu verſchieben. Die Frage erſcheint wohl er=
wägenswert
, ob es nicht notwendig iſt, die vorhandene
Lücke unſeres Strafrechts ſchon vorher durch einen
geſetzgeberiſchen Akt zu ſchließen.

Wie Frankreich ſeine Kongokolonie
wirtſchaftlich erſchließt.

** Infolge der Abtretungen im Kongogebiet iſt in
Frankreich die Kolonie Aequatorial=Afrika im gewiſſen
Sinne erſt volkstümlich geworden, nachdem das weite
Tropengebiet vorher von der Heimat lange ſtiefmütter=
lich
behandelt worden war. Die Franzoſen gehen nun
laußerordentlich tatkräftig in der Erſchließung des
ihnen verbliebenen großen Reſtes zwiſchen dem Atlan=
tiſchen
Ozean, dem Kongo und unſerem Schutzgebiet
Kemerun vor, indem ſie eine Anleihe von 172
Millionen Francs für das Schutzgebiet ins Auge
gefaßt haben. Die diesbezügliche Geſetzesvorlage hat
ſchon die Billigung der kolonialen Verwaltung, des
Gouverncments und der Landesräte gefunden, befindet
ſiech zurzeit in den maßgebenden Miniſterien und wird
hämen kurzem vor das Parlament kommen, das ohne

Zweifel der Anleihe zuſtimmen wird. Die 172 Millio=
nen
ſollen in der Hauptſache für Eiſenbahnen Ver=
wendung
finden; vorgeſehen iſt ein Schienenweg, der
etwa 85 Millionen koſten ſoll, zwiſchen der Hauptſtadt
der Kolonie Brazzaville und dem Hafen Pointe Noire.
Größeres Intereſſe für uns hat die in Ausſicht ge=
nommene
Strecke von Ndjole im Hinterland von Libre=
ville
nach Tandjama, weil ſie nicht allzu fern von unſe=
rer
neuen Kameruner Südgrenze und parallell mit die=
ſer
verläuft. 45 Millionen Francs ſind für dieſe Eiſen=
bahn
eingeſtellt. Außerdem enthält der Geſetzentwurf
noch 15 Millionen für eine Schmalſpurlinie von Bangi
am oberen Ubangi nach Fort Crampel. Der Reſt von
27 Millionen Francs ſoll nutzbar gemacht werden für
die Ausgeſtaltung der Seehäfen Pointe Noire, Kap
Lopes, Libreville, ſowie der Flußhäfen von Ndjole,
Brazzaville und Bangin. Ein verhältnismäßig kleiner
Poſten ſoll der Herſtellung einer drahtloſen Telegraphen=
linie
von 2600 Kilometer Länge dienen und der Reſt
geſundheitlichen Zwecken ſowie zur Errichtung von
Poſtanſtalten und Schulen. Eine franzöſiſche Kolonial=
zeitſchrift
ſchätzt, daß die Erfüllung aller dieſer Aufgaben
zehn Jahre erfordern wird, daß dann aber auch
die Möglichkeit gegeben ſei, die durch den Vertrag vom
4. November v. J. herbeigeführte Verſtümmelung wie=
der
gut zu machen und ihre Folgen zu heilen. Das
Blatt befürwortet den ganzen Plan mit dem Hinweis
darauf, daß es nicht mehr an der Zeit ſei, Franzöſiſch=
Aequatorial=Afrika Troſt zu ſpenden und die Kolonie
mit Sentimentalitäten zu bedenken, ſondern daß nach
der ſchmerzlichen Amputation tatſächliche und reelle
Hilfe notwendig ſei.

China.

Ueber die Vorgänge, die ſich im äußerſten Orient
abſpielen, hat man den Blick weniger auf die Vorgänge
im ferneren Oſten gelenkt, und doch bereiten ſich hier
Dinge vor, die an Wichtigkeit denen am Balkan kaum
nachſtehen, Ueberhaupt haben die augenblicklichen Ver=
hältniſſe
in China große Aehnlichkeit mit denen in der
Türkei: Auch hier ſcheint es drunter und drüber zu
gehen, die augenblicklichen Machthaber ſind nicht in der
Lage, eine Konſolidierung der Verhältniſſe herbeizu=
führen
, die Parteien arbeiten gegeneinander, und man
ſchreckt nach echt orientaliſcher Art auch vor grauſamen
Gewaltmitteln nicht zurück, um mißliebige Perſönlichkei=
ten
zu beſeitigen
Auch in China hatte man ſich von dem Siege der
Reformpartei eine neue Blüte des Landes verſprochen,
aber ſchon in den erſten Anfängen zeigte ſich eine Un=
ſchlüſſigkeit
, die dartat, daß man eigentlich nicht recht
wußte, was man wolle. Auch die Schaffunz
einer monarchiſchen Republik war ein Unding, ſie erwies
ſich von vornherein als ein Mißgriff. Desgleichen war
die Wahl Yuanſchikais zum Präſidenten dieſer Republik,
ein Akt, deſſen Folgen jetzt einzutreten ſcheinen. Es iſt
wohl kaum dageweſen, daß man bei einer ſiegreichen
Revolution einen Gegner mit der Macht betraut, aber
in China iſt dies eben möglich, weil man dort für eine
Verfaſſung noch lange nicht reif iſt. Viel hat die augen=
blickliche
Regierung in den Monaten ihres Beſtehens
wahrlich nicht getan, im weſentlichen iſt alles beim Alten
geblieben, auch in der Korruption. Nun ſcheint ſich aber
Yuanſchikai ſelber einen Strick gedreht zu haben, indem er
zwei Generäle, die ihrem Mißmut über das Verhalten
Yuanſchikais Ausdruck gegeben hatten, nicht erſt durch
ein Gerichtsverfahren aburteilte, ſondern ſie einfach nie=
derſchießen
ließ. Dieſe Tat hat, wie ſchon erwähnt, in
den Kreiſen der Reformer ungeheure Erbitterung erregt,
die ſich vorläufig zwar erſt nur in Proteſtverſammlungen
geäußert hat, zweifellos üßer kurz oder lang, ſich gewalt=
ſam
Luft machen wird. Man ſteht daher in China ohne
Frage vor ſehr ernſten Ereigniſſen, und die europäiſchen
Staatskanzleien haben daher alle Urſache, den Gang der
Dinge im fernen Oſten mit großer Aufmerkſamkeit zu ver=
folgen
.
Es trifft ſich recht gut, daß gerade jetzt Prinz Heinrich
nach China kommt, da ein Eingreifen der Mächte bei Zu=
ſpitzung
der Situation ſehr leicht eintreten könnte. Der
Bruder des Kaiſers könnte bei irgend welchem Zwiſchen=
fall
oder Verhandlungen ſeine ganze Autorität in die
Wagſchale legen, ſei es auch nur indirekt. Deutſchland

hat ein großes Intereſſe an der Haltung Chinas, eine
Aufteilung, wie ſie wohl in manchem Kopfe vorſchwebt,
könnte nur den Keim weiterer Konflikte in ſich bergen.
Unſere wirtſchaftlichen Beziehungen nach Oſtaſien und
namentlich der Beſitz von Kiautſchau diktieren unſere
Politik in Oſtaſien. Wir wünſchen keine Abenteuer,
können aber darauf beharren, daß Deutſchland ſeinen
Platz an der Sonne behält, und ſich nicht von anderen
sur Seite drängen läßt. Ein feſtes aber nicht aggreſſives
Auftreten iſt unter ſolchen Umſtänden notwendig und nach
den bisher dort gemachten Erfahrungen, können wir ver=
trauensvoll
in die Zukunft blicken.
Yuanſchikai hat die Forderung der Nationa=
verſammlung
abgelehnt, daß er und der Kriegsminiſter
vor der Verſammlung erſcheinen und Botſchaft über die
Hinrichtung der Generale in Hankau geben ſollen. Der
Präſident lud die Vorſitzenden der Provinz von Hupeh zu
ſich ein und ſetzte ihnen in freundſchaftlicher Weiſe die
Haltung der Regierung anseinander. Die Beſucher er=
boten
ſich freiwillig, den Verſuch zu machen, die National=
verſammlung
zu bewegen, von dem geplanten Tadels=
votum
gegen die Regierung Abſtand zu nehmen.

Deutſches Reich.

Nochmals der Doppelſalut für Poin=
caré
. Man ſchreibt der Tägl. Rundſchau von unter=
richteter
Seite: Wie die erſte Begegnung des franzöſi=
ſchen
Panzerkreuzers Condé mit dem franzöſiſchen
Miniſterpräſidenten Poincars an Bogd auf der Aus=
reiſe
nach Kronſtadt mit den verſchiedenen Teilen der
deutſchen Hochſeeflotte eine rein zufällige in der Oſtſee
war, ſo iſt auch die zweite Begegnung des Condé auf.
der Rückreiſe nach Frankreich im Belt am vergangenen
Sonntag mit einem weiteren deutſchen Kriegsſchiff voll=
ſtändig
zufällig, nicht beabſichtigt, geweſen. Und zwar
handelt es ſich bei dieſer zweiten Begegnung mit dem
Condé um das Linienſchiff Elſaß, das ſich zu jener
Zeit auf der Reiſe von Wilhelmshaven nach Kiel be=
fand
. Für dieſe ſeit langem beſtimmte Fahrt der El=
ſaß
waren lediglich dienſtliche Gründe maßgebend. Die
Elſaß, die ſich ſeit Monaten in Wilhelmshaven be=
fand
, hatte in den Tagen ihren Mannſchaftsbeſtand auf=
gefüllt
und ſeit Wochen den Befehl, ſich zum Anfang
dieſer Woche in Kiel einzufinden, um ſich dem neuen,
dritten, Geſchwaderverband als ſechſtes Linienſchiff ein=
zureihen
, den Vizeadmira! Rollmann am 14. Auguſt in
Kiel für die Abhaltung der großen Flottenherbſtmanö=
ver
zu formieren hatte. Eine Kursänderung der El=
ſaß
, um dem Condé nicht zu begegnen, müßte nach
jeder Richtung hin als unangenehm bezeichnet werden.
Im gegebenen Falle wäre eine ſolche bei den Fahrwaſſer=
verhältniſſen
in den däniſchen Gewäſſern ganz abge=
ſehen
von allen anderen Fragen auch unmöglich ge=
weſen
. Will man etwas bei dieſer zweiten Begegnung
des Condé mit einem deutſchen Kriegsſchiff betonen,
ſo iſt es vielleicht gerade ein merkwürdiger Zufall,
daß der Elſaß dieſe Begegnung zufallen mußte. Das
Wappen der Elſaß am Bug des Schiffes hätte man
unſchwer mit dem Glaſe an Bord des Condé erkennen
können!
Die Schutztruppe von Südweſtafrika
iſt gemäß den im Reichstage gegebenen Verſprechungen
bedeutend vermindert worden, obwohl dieſe Maßnayme
in der Kolonie mit großer Beunruhigung aufgenommen
wurde. Die Schutztruppe zählt jetzt 90 Offiziere,
20 Aerzte, 9 Tierärzte, 38 Beamte, 369 Unteroffiziere
und 1444 Mannſchaften, insgeſamt 1970 Köpfe. Die
Verminderung hat eine andere Gliederung und Garni=
ſonsverteilung
notwendig gemacht. Die Garniſonen ſind
möglichſt an die Eiſenbahn gelegt worden, damit im
Falle eines Aufſtandes die Mobilmachung und die Fort=
ſchaffung
der Truppen nach den bedrohten Punkten ſchnel=
ler
vor ſich gehen kann. Die Truppe gliedert ſich in
9 Kompagnien mit 3 Maſchinengewehrzügen (rund 1140
Mann), 3 Batterien (12 Geſchütze mit 360 Mann), 182
Mann Telegraphentruppen, 162 Manm Depotperſonal.
35 Mann Verwaltungsperſonal, 29 Mann beim Kom=
mando
, 26 Mann bei den Bezirkskommandos, 32 Mann
auf detachierten Stabsoffizierpoſten. Jeder Mann der
Schutztruppe koſtet bei dieſer neuen Verteilung der Kräfte
etwa 5000 Mark pro Jahr und im Durchſchnitt. Ob die

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Anguſt 1912.

Nummer 198,

niedrige Zahl von noch nicht 2000 Soldaten genügen
wird, um die Kolonie bei Aufſtänden hinreichend zu
ſchützen, ſei dahingeſtellt. Die Werte in der Kolonie ſind
ungemein geſtiegen, ein Aufſtand würde alſo tiefere
Wunden als bisher ſchlagen. Eine Entblößung der
Farmen von Weißen ließe ſich jetzt nicht mehr durch=
führen
. Aus der weißen Bevölkerung laſſen ſich bis
jetzt nur kleine Reſerven herausziehen, nach genauen Er=
nittlungen
kann man höchſtens 450 Reſerviſten nehmen.
Ein Aufſtand wäre alſo mit 2400 Mann zu bekämpfen,
wovon 1000 Mann für den Stations= und Etappendienſt
gebraucht werden, das Feldheer betrüge alſo nur 1100
Mann.
Nutzbarmachung der Waſſerkräfte
in Bayern. Der bayeriſche Thronfolger, Prinz Lud=
wig
, hat ſich in der Reichsratskammer über die Nutzbar=
machung
der Waſſerkräfte Bayerns zu induſtriellen Zwek=
ken
geäußert. Er erklärte, mit der Nutzbarmachung
ſeiner Waſſerkräte müſſe man in Bayern endlich vorwärts
kommen, in der Schweiz und Italien ſei man ſchon wei=
ter
und wenn Bayern die einzige Gelegenheit, vorwärts
zu kommen, jetzt verſäume und die Waſſerkräfte nicht
ausnütze, dann werde es weiter zurückgedrängt werden,
und aus dieſem Grunde ſage er: Endlich einmal vor=
wärts
, nicht immer kleinerer Bedenken halber zurück=
weichen
!

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Die Aktion des Grafen Berchtold. Der
Wiener Allgemeinen Zeitung wird von informierter
Seite mitgeteilt: Aus einzelnen türkiſchen Stimmen
iſt erſichtlich, daß man in manchen Kreiſen Konſtanti=
nopels
über die wahre Bedeutung der Aktion des Gra=
fen
Berchtold noch nicht ganz klar iſt. Beſonders das
Wort Dezentraliſation wird vielfach mißdeutet. In
dem Vorſchlag der öſterreichiſch=ungariſchen Regierung
iſt bekanntlich ausdrücklich darauf hingewieſen worden,
daß es gelte, die Richtung, die jetzt in der Türkei vor=
herrſcht
, und die auch von der türkiſchen Armee ge=
billigt
wird, zu unterſtützen. Dieſe Richtung iſt es, die
im Gegenſatz zu der in Konſtantinopel ſelbſt als un=
möglich
erkannten ſtraff zentraliſtiſchen Politik der
Jungtürken als Dezentraliſation bezeichnet wird; daher
iſt es nicht leicht erfindlich, wie darin, daß in dem Vor=
ſchlag
des Wiener Kabinetts die gegenwärtige Richtung
in der türkiſchen Politik ausdrücklich gebilligt wird, von
türkiſchen Patrioten, die die Richtung gleichfalls billi=
gen
, etwas den türkiſchen Intereſſen Entgegengeſetztes
erblickt werden kann. Uebrigens iſt dieſe irrige Auf=
faſſung
auch in Konſtantinopel nicht durchaus verbreitet,
wie die anerkennende Beurteilung des öſterreichiſch=
ungariſchen
Vorſchlags von mehreren türkiſchen Zeitun=
gen
beweiſt.
Der frühere franzöſiſche Botſchafter Crozier erklärt
in einem Schreiben an den Temps, Graf Aehrenthal habe,
um an dem Prinzip feſtzuhalten, daß es im politiſchen
Sinne noch ein Europa gäbe, die europäiſchen Mächte
zu einer Konverſation über die Beendigung des italie=
niſch
=türkiſchen Krieges eingeladen. Er ſei aber von der
Fruchtloſigkeit dieſer Beſchlüſſe überzeugt geweſen. Schon
während der bosniſchen Annexionskriſis habe er die da=
mals
von Frankreich unterſtützte Konferenz gutgeheißen,
um ſeinem europäiſchen Empfinden Ausdruck zu geben.
Deutſchland habe aber gegen die Konferenz gearbeitet,
die ſchließlich in Folge gewiſſer Schwankungen in der
Triple=Entente vollſtändig ad acta gelegt worden ſei.
Oeſterreich habe indeſſen keine Urſache gehabt, ſich darüber
zu freuen Crozier ſpielt hier auf das Fehlſchlagen ge=
wiſſer
öſterreichiſcher Finanz=Transaktionen an. Der

Temps bemerkt, daß durch die ungewohnte Sprache
Croziers unbekannte Einzelheiten der Oeffentlichkeit
preisgegeben würden.
Frankreich.
Poincaré über ſeine Reiſe. Während
des Frühſtücks im Rathauſe zu Dünkirchen hielt Poin=
caré
eine Rede.
Er erklärte, er ſei von der Aufnahme, die er in
Rußland gefunden, und die ſich an die ganze befreun=
dete
und verbündete Nation gerichtet habe, tief gerührt.
Als offizieller Vertreter Frankreichs ſei er beauftragt,
Frankreich die Sympathien Rußlands zu übermitteln.
Poincaré fuhr fort: Die Gefühle, die wir unſeren
Verbündeten dauernd bewieſen, finden bei ihnen ein
treues Echo. Die Freundſchaft beider Länder iſt un=
veränderlich
. Die Zeit, weit davon entfernt, ſie erkalten
zu laſſen, gab ihr neue Lebhaftigkeit. Rußland und
Frankreich ſind in gleicher Weiſe an der Feſtigkeit des
Bündniſſes intereſſiert, das ihhen geſtattet, ſich jeder=
zeit
zu einer diplomatiſchen Aktion zuſammenzutun und
an der Aufrechterhaltung des Friedens zuſammenzu=
arbeiten
, indem ſie dabei wachſam den ſich abſpielenden
Ereigniſſen folgen und ſich voller Uebereinſtimmung
gegen die Zufälligkeiten der Zukunft ſchützen. Dieſes
Bündnis wird durch unſere Entente eordiale mit Eng=
land
vervollſtändigt und erweitert. Sicherlich kann nie=
mand
in dieſer friedlichen Gruppierukig der drei be=
freundeten
Mächte Provokation oder Angriffsluſt er=
blicken
. Dank ihrer Politik der Klugheit, Kaltblütigkeit
und Würde wußte die Republik die Stellung Frankreichs
in der Welt zu behaupten. Unſere materielle und mora=
liſche
Stärke iſt es, die allein unſerer Freundſchaft Wert
verleihen und uns draußen dauernde Unterſtützung ver=
ſchaffen
kann. Wir müſſen uns alſo bemühen, die vita=
len
Kräfte des Landes zu erhalten und zu vermehren.
Ich meine damit nicht lediglich das Heer und die Flotte,
ſondern vor allem ein einheitliches, gemeinſchaftliches
Nationalgefühl, das die Größe, den Ruhm und die Un=
ſterblichkeit
des Volkes ausmacht.
Die Rede wurde oft von lebhaftem Beifall unter=
brochen
und mit zahlreichen Hochrufen auf den Miniſter=
präſidenten
aufgenommen.
Türkei.
Die Miniſterkrifis. Das Portefeuille der
Juſtiz iſt nach der Demiſſion des bisherigen Miniſters
dem Senator Halim Bey angeboten worden, der ſich zur
Annahme bereit erklärt hat. Das Miniſterium des In=
nern
iſt Scherif Paſcha angeboten worden, doch ſteht deſ=
ſen
Antwort noch aus. Wie es heißt, ſteht der Rücktritt
Kiamil Paſchas und des Scheiks ul Islam unmittelbar
bevor.
Vereinigte Staaten.
Maßnahmen gegen Nicaragua. Der
Staatsſekretär der Marine von Meyer befahl dem Kreuzer
California, von San Diego nach Panama in See zu
gehen, wo er 750 Seeſoldaten an Bord nehmen und dann
nach Nicaragua ſegeln ſoll. Das Marinedepartement be=
abſichtigt
, eine Streitmacht von 2000 Seeſoldaten inner=
halb
10 Tagen an Land zu bringen, um das Eigentum
der Fremden zu ſchützen und die Verbindung zwiſchen
Managua und der Küſte aufrecht zu erhalten.
Japan.
Truppeſnvermehrung in Korea. Die
japaniſchen Militärbehörden haben beſchloſſen, den lange
beſtehenden Plan einer Vermehrung der Truppen in
Korea durch zwei Diviſionen auszuführen. Die Trup=
penvermehrung
ſoll in den Jahren 19131918 durchge=
führt
werden. Die Koſten belaufen ſich auf 26 Millionen
Yen.

* Bern 21. Aug. Nach den vorliegenden amt=
lichen
Mitteilungen wird das Gefolge des Kai=
ſers
bei ſeinem Beſuche in der Schweiz
aus folgenden Herren beſtehen: Generaladjutant Gene=
raloberſt
v. Pleſſen, Fürſt Fürſtenberg, Oberhofmarſchall

Graf Eulenburg, General der Infanterie v. Moltke, Chef=
des
Generalſtabes der Armee, General der Infanterie
Frhr. Hoiningen, gen. Huene, Generaladjutant General=
der
Inf. Frhr. v. Lyncker, Chef des Militärkabinetts,
Wirkl Geheimrat v. Valentini, Chef des Geheimen
Zivilkabinetts, Vizezeremonienmeiſter v. Roeder, Ge=
ſandter
Frhr. v Jeniſch, Kammerherr Frhr. v. Kleiſt,
Generalarzt v Ilberg. Flügeladjutant Oberſtleutnam
v. Mutius, Flügeladjutant Major Frhr. v Holzing=
Berſtett, Hauptmann v. Bismarck, Militärattachée
bei der deutſchen Geſandtſchaft in Bern, ſowie aus drei
zur Dienſtleiſtung beim Kaiſer kommandierten ſchwei=
zeriſchen
Offizieren. Die Abordnung der Baſeler Re=
gierung
zur Begrüßung des Kaiſers am 3. September=
bei
ſeinem Eintritt in die Schweiz beſteht aus dem
Vizepräſidenten Dr. Aemmer und den Regierungsräten
Dr. Burckhardt und Dr. Speiſer.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 23. Auguſt.

* Militärdienſtnachrichten. Graf v. Schlieffen,
Gen. der Kav. und Gouverneur von Mainz, à la suitel
des Kür.=Regts. Königin (Pomm.) Nr. 2 geſtellt. Diel
Vizefeldwebel bezw. Vizewachtmeiſter Krüger (Stettin)
des Colberg. Gren.=Regts. Graf Gneiſenau (2. Pomm.)
Nr. 9, Schmaus (I Darmſtadt) des 1. Naſſau. Inf.=
Regts. Nr. 87, Müller (I Darmſtadt) des Großh=
Art.=Korps, 1. Großh. Heſſ. Feld=Art.=Regts. Nr. 25,
Wallot (I Darmſtadt) des 3. Bad. Feld=Art.=Regts,
Nr. 50, Dietrich (Mainz) des 2. Naſſau. Feld=Artg
Regts. Nr. 63 Frankfurt zu Lts. der Reſerve befördert,
Schade (II Darmſtadt), Lt. der Landw.=Inf. 2. Aufg
gebots, der Abſchied bewilligt.
g. Ferienſtrafkammer. Der bereits vorbeſtrafte
20 jährige Schuhmachergeſelle Hugo Elbert aus
Unterliederbach hatte ſich geſtern vor der Strafkammer
wegen Diebſtahls zu verantworten. Er hatte mit dem
Schloſſer Martin Krötſch in Offenbach eine gemein=
ſame
Stube. Am 8. oder 9. April verſchwand nun
Elbert auf Nimmerwiederſehen und ließ einen Anzug
im Werte von 8 Mark und ein Paar Stiefel im Wertel
von 3 Mark, die Eigentum des Krötſch waren, mit
gehen. Elbert wurde dann erſt nach Einleitung des
Verfahrens gegen ihn wegen Diebſtahls vom Gericht
ermittelt, trotzdem erzählte er, er hätte die Sachen nur
vorübergehend benutzen wollen. Er habe vorher Krötſch
gebeten, er möge ſie ihm leihweiſe überlaſſen, was
dieſer aber ablehnte, weshalb er ſie ſo mitgenommen
habe. Eine Diebſtahlsabſicht habe er nicht gehabt. Das
Gericht verurteilte ihn unter Zubilligung mildernder
Umſtände zu der Mindeſtſtrafe von 3 Monaten Ge=
fängnis
abzüglich 3 Wochen der Unterſuchungshaft.
Wegen Betrugs hatte ſich der ebenfalls vorbeſtrafte, in
Trebur geborene 39 jährige Maſchiniſt Johann Philipp=
Weller zu verantworten. Er hatte am 23. Dez. 1911
in Groß=Gerau den Uhrmacher Jakob Diehl dadurch um
19,50 Mark geſchädigt, daß er eine Uhr auf Kreditl
kaufte, die er ſofort wieder verſetzte. Er wird zu
4 Monat Gefängnis verurteilt.
Die Ausſtellung Der Menſch bei Abends=
beleuchtung
. Um den zahlreichen Beſuchern, die durch
ihren Beruf verhindert ſind, die Ausſtellung Der=
Menſch in Darmſtadt am Tage eingehend zu be=
ſichtigen
, Gelegenheit zu ungeſtörtem Beſuch zu gebem
iſt eine elektriſche Beleuchtungsanlage
eingerichtet worden, die am Abend ein gründliches
Studium der einzelnen Objekte genau wie am Tageſ
ermöglicht. Die verſchiedenen Hallen bieten in dert
Abendbeleuchtung einen ganz beſonders intimen Reizl
und verbreiten dadurch eine Art weihevolle Stimmung,
die dem ernſten Zweck der Ausſtellung durchaus ent=
ſpricht
. Es empfiehlt ſich namentlich für die zahl=
reichen
Pereine, die ſich zum Beſuch angemeldet habent=
und denen am Tage durch den großen Andrang ein=
ruhiges
Studium oft nicht möglich iſt, dieſe Abend=
ſtunden
zum Beſuch zu wählen. Die Eintrittspreiſe
für Vereine ſind beſonders ermäßigt und zwar koſten
1050 Karten 70 Pfg. das Stück, 50100 Karten 60 Pfg.
das Stück, über 100 Karten 50 Pfg. das Stück. Die
Karten haben 4 Tage Gültigkeit und können auch für
die nächſten Familienmitglieder (Ehegatten und Kinder
verwendet werden.
Stadtverordneter Stephan F. Herr Wilhelm
Stephan, Stadtverordneter und Kaſſierer der Ver=
einigten
Ortskrankenkaſſe Darmſtadt, der am Mittwoch
im 59. Lebensjahre geſtorben iſt, gehörte der ſozial=
demokratiſchen
Partei an. Er war ſeit 1901 Stadt=
verordneter
. Sein eigentliches Arbeitsfeld lag auf dem

Bilder aus dem Leben des General Booth.

Selten hat ſich das Wort des Pſalmiſten von dem
Leben, das Mühe und Arbeit geweſen iſt wenns köſtlich
geweſen iſt, in einem Schickſal ſo ganz erfüllt, wie in dem
des Generals Booth. Das bibliſche Alter der 80 Jahre
hatte er überſchritten, und wenn er auch nicht, wie er in
ſeinem zukunftsfreudigen Lebensmut verſichert, hundert
Jahre geworden iſt, ſo war er doch jung bis zuletzt, uner=
müdlich
im Wirken und Schaffen für das geiſtige und leib=
liche
Heil der Menſchheit, das er wie ſeine perſönlichſte An=
gelegenheit
betrachtete. Noch in den Achtzigern arbeitete
er täglich 12 bis 15 Stunden in der angeſtrengteſten Weiſe,
als der Feldherr eines über die ganze Welt verbreiteten
Heeres die Pläne entwerfend zu neuen Kämpfen und
Siegen, Befehle erteilend an ſeine Anhänger, ſchreibend,
betend, predigend. Wochenlang ſaß er im Auto, den gan=
zen
europäiſchen Kontinent durcheilend, durchquerte Süd=
afrika
von Kapſtadt und Natal bis zu den letzten Block=
häuſern
von Rhodeſia, ließ ſeinen Kriegsruf im fernen
Oſten erſchallen und wanderte als Pilger und
Prophet nach dem heiligen Land. Die Augen des
Körpers, die ſo lange in einem ſaszinierenden
Feuer geleuchtet hatten, waren ihm freilich ver=
dunkelt
: mit 80 hatte er ſich noch einer Operation unter=
zogen
und die Aerzte von ſeinem Krankenbett verjagt, die
ihm das Arbeiten verbieten wollten. Oft hielt er auch zu=
letzt
noch ſechs Anſprachen an einem Tage. Aber ſein Wort
hat auch Wunder gewirkt in unſerer an Wundern armen
Zeit, und da der ſo lange verachtete Schwarmgeiſt und
Sektierer nun dahingegangen, hinterläßt er in allen
Teilen der Erde dankbare und glückliche Seelen, die durch
ihn erweckt und zu einem neuen beſſeren Leben geführt
worden ſind. In Lappland werden nun Eskimos ſich ver=
ſammeln
, um für ihren großen guten Vater zu beten;
in Honolulu winden Töchter des Stillen Ozeans Kränze
von tropiſchen Blumen in ehrfürchtigem Gedenken um ſein
Bild; in Japan wird man unter Chryſanthemenblüten ihn
ehren die Söhne und Töchter von 40 Völkern danken
heute dem Manne, der auch für ſie gelebt.
Sorgen und Mühen ſind ſein Los geweſen. Seine
Frau, die neben ihm geſtanden hat in den ſchwerſten
Kämpfen für die große Sache, ſtarb nach langem qualvollen
Leiden an Krehs; die Lochter, die ihren Platz eingenommen

hatte, wurde unter tragiſchen Umſtänden bei einem Eiſen=
vahnunfall
getötet mitten in der Arbeit für die Heilsarmee.
Schwerer noch ſchmerzte ihn der Abfall anderer ſeiner
Kinder, beſonders der ſeines zweiten Sohnes, der ſich di=
rekt
gegen ihn erhob; denn für den General, der in ſich die
Strenge und das Ehrgefühl eines echten Kriegers trug,
war Fahnenflucht das größte Verbrechen, war Hochverrat.
Mit der größten Milde verband er die eiſernſte Zucht und
opferte dem Ganzen jedes perſönliche Glück. Stets beſchäf=
tigten
ihn die Leiden der Menſchheit mehr als ſein eigen
Leiden; ſchon von früh an ließ es ihn nicht ruhen und
raſten, wie dereinſt den Prinzen Buddha, daß Elend und
Not in der Welt war als Fluch der Sünde. Dies waren
die Grundgefühle ſeiner ganzen Exiſtenz, die ihn zu ſeiner
bewundernswerten Lebensarbeit antrieben: religiöſe In=
brunſt
und Mitleiden. Aus altem Puritanergeiſt, aus dem
Sektenweſen der Methodiſten, deren Stifter John Wesley
ſein leuchtendes Vorbild war, iſt ſeine Perſönlichkeit her=
vorgewachſen
. Als Prediger trat er auf, als Bußapoſtel
und Erwecker: außerhalb jeder Kirche ſtehend, ganz mittel=
los
zog er mit Frau und Kindern umher, predigte auf
Jahrmärkten und im Zirkus und trommelte wie ein Buden=
beſitzer
das Publikum zuſammen. So entſtand ſeine erſte
Halleluja=Rotte eine Schar der härteſten Sünder und
Trunkenbolde, die nun als Bekehrte nicht mit den feinſten
Mitteln für ihn zeugten. Die Zerknirſchung des Herzens,
die Erweckung zu einem anderen Leben war ihm ſtets die
Hauptſache. Bekehrung iſt Bekehrung hat er noch in
ſeinen letzten Jahren einem Interviewer erklärt. Iſt ein
Menſch bekehrt, dann iſt ein Werk in ihm durch den heili=
gen
Geiſt geſchehen. Es iſt ein Wandel der Natur. Die
Erregung, die Ausſchüttung ſeines früheren Selbſt hilft
ihm hinüber in den Himmel. Mit kalten logiſchen Be=
weiſen
wird man niemanden zu Gott bringen.
Mit jähem Tonwechſel und in ſtürmiſch bewegter
Weiſe ſprach General Booth, bald als Prediger, bald als
Soldat, der ſeine Kommandorufe zum Angriff unter ſeine
Truppen ſchleudert. Wirken wollte er und ſchaffen, und
aus dieſem beherrſchenden Gefühl heraus erklären ſich die
uns wunderlich und grotesk anmutenden Mittel, deren er
ſich bediente. Lange als ein religiöſer Hanswurſt ver=
achtet
, verhöhnt, von rohen Volksmaſſen mißhandelt, ward
er allmählich beſonders nach ſeinem ſiegreichen Feldzug
durch das dunkelſte England allgertein anrkamt

und geehrt. Kaiſer und Könige unterſtützten ihn, Orford
machte den Phantaſten, der als Gehilfe in einem Pfand=
leihgeſchäft
angefangen hatte, zum Ehrendoktor, London
zum Ehrenbürger. Das Licht aber, das ihm immerdan
aus tiefſtem Dunkel zu den Lebenshöhen hinan geleuchtet,
war das Mitleiden mit ſeinen Brüdern, das den=
methodiſten
in dem Elend des Londoner Oſten ſo tief ge=
packt
und aufgewühlt hatte. Im dunkelſten London, in
dieſem undurchdringlichen Sumpf von Verbrechen, Ge=
meinheit
, und Elend, hat Booth den Beruf ſeines Lebens
entdeckt. Ich weihte all meine Kräfte dem Ziel, ihnen zur
helfen. Ich hatte keine Ahnung, wer mir ſeine Hand dar=
bieten
oder einen Schilling geben würde. Ich vertraute
auf Gott, ging an die Arbeit und es ging. Der erſte
der mir half, war ein königlicher Kaufmann, Samuel Mor=
ley
. Er ließ mich in ſein Kontor kommen, ſagte, er haben
Vertrauen zu mir, gab mir einen Scheck mit einer großen
Summe und dann noch mehr. Es gab noch ſchwere langen
Kämpfe, viele, viele Jahre, bevor die Heilsarmee ihre
definitive Geſtalt hatte. Dann barſt die Wolke, die
Waſſer fielen.
Der Nachfolger von Booth wird, wie ſchon
offiziell angekündigt wird, ſein älteſter Sohn werden,
William Bramwell Booth der ſchon ſeit vielen
Jahren einen beträchtlichen Anteil an der Leitung der
rieſigen Gemeinſchaft hat. Er iſt ſeit langem der General=
ſtabschef
ſeines Vaters geweſen hat es aber mit ebenſo
viel Diplomatie wie Selbſtüberwindung bisher verſtanden,
ſich möglichſt im Hintergrund zu halten. Nun tritt Wil=
liam
Booth II. in die breiteſte Oeffentlichkeit, und ein
Charakterbild von ihm wird daher beſonderes Intereſſe
finden. Bramwell Booth verfügt über eine ganz eigen=
artige
Verbindung ſeltener Gaben. Er hat von ſeinem
Vater die Gabe praktiſcher Geſchäftstüchtigkeit und das
Organiſationstalent geerbt, von ſeiner Mutter die feine
Menſchenkenntnis und die ſeltene Fähigkeit, die Herzen
zu gewinnen. Mit ſeiner Bekehrung hatten die Eltern
ſchon in früheſter Zeit begonnen, aber es wollte zunächſt
nicht ſo recht glücken. Der Knabe wurde 8 Jahre, bis er
ſich endlich gerettet fühlte und der Sünde entſagte‟. Da=
für
hat er aber auch ſpäter mit unwandelbarer Treue an
der Heilsarmee gehangen und ihr all ſeine Kräfte gewid=
met
, während Booth mit anderen Kindern in dieſer Hin=
ſicht
trübe=Erfahrungen machte.in ä

[ ][  ][ ]

Nummer 198.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Anguſt 1912.

Seite 3.

Gebiete der ſozialen Verſicherung, ſpeziell dem der
Krankenkaſſenverſicherung. Um die Darmſtädter Orts=
hrankenkaſſe
, in der er von 1892 bis 1909 Vorſitzender
und von 1909 ab Kaſſierer war, hat er ſich beſondere
Werdienſte erworben und ſie erleidet durch ſeinen Tod
einen ſchweren Verluſt.
Lutherfeſtſpiel. Die Rollenverteilung iſt
bis auf ganz wenige noch zu beſetzende Partien jetzt be=
imdet
, ſo daß mit den Proben Mitte September be=
onnen
werden kann. Sie werden geleitet von Herrn
Oberregiſſeur Dalmonico aus Weimar, der gegenwärtig
noch mit der Einübung des Devrientſchen Guſtav Adolf
mm Worms beſchäftigt iſt. Der Nonnenchor hat ſeine
Broben aufgenommen und wird von jetzt an jede Woche
regelmäßig Proben halten, deren pünktlicher Beſuch
ringend erforderlich iſt. Der nötige Männerchor iſt
übenfalls in der Bildung begriffen. Einladungen dazu
ſind an ſämtliche männliche Mitglieder der hieſigen
Kirchengeſangvereine, des Lehrerſängerchors und des
Arbeiter= und Handwerkervereins ergangen, und liegen
bereits zahlreiche Meldungen zur Mitwirkung vor.
Gaben zum Garantiefonds und à fonds perdu ſind
abenfalls bereits eingegangen. Doch ſteht auf viele er=
gangene
Aufforderungen die Antwort noch aus; ſie
niöge hierdurch bei den Beteiligten in gefällige Er=
Uinerung gebracht ſein.
* Eine Submiſſion. Die Eiſenbahnbauabteilung in
Darmſtadt hatte die Erd= und Abtragungsarbeiten des
Dammes der Odenwaldbahn zur Vergebung aus=
geſchrieben
. Am 20. Auguſt wurden die Angebote ge=
ffnet
; es zeigte ſich, dem M. J. zufolge, ein verblüf=
gendes
Ergebnis: der Unterſchied zwiſchen der Forder=
ung
des niedrigſten Unternehmers und der des
höchſten betrug 122904 Mark, in Worten einhundert=
tweiundzwanzigtauſendneunhundert
und vier Mark!
Das niedrigſte Angebot, das ein Mainzer Unterneh=
mer
abgegeben hatte, lautete auf 47136 Mark der nächſte
ſorderte 53 660 Mark, dann geht es hinauf über die 60=
und 70000 in die 80000; von 8090000 Mark forderten
ſeben Unternehmer; dann kommen vier Forderungen
won 90000 bis 119600 Mark; der nächſte will die Arbeit
fr 148 880 Mark ausführen, und eine Frankfurter Firma
foordert 170040 Mark.
** Am Stadthaus iſt nunmehr auch ein Stadtwap=
pen
angebracht worden, ſo daß auch dem Fremden das
Stadthaus ohne weiteres als öffentliches Gebäude kennt=
lich
iſt. Das grün umrandete Wappen iſt in Gold, Sil=
wer
, Purpur und Blau ausgeführt und in der Mitte des
Balkons über der Toreinfahrt angebracht.
* Hugenſchütz’ Felſenkeller. Heute Freitag findet
iur würdigen Erinnerung an die Schlacht bei Gravelotte
Ein patriotiſches Konzert ſtatt, wobei nur dem
Charakter des Tages entſprechende Stücke geſpielt werden.
Der beliebte Trompeterſoliſt der 6ler Kapelle, Fritz
LLemmer, wird außer einigen Liedern noch die Variationen
Uber den Deſſauer=Marſch vortragen. Zum Schluß
kommt das militäriſche Potpourri Kriegsraketen von
II. Conradin zur Aufführung. (Siehe Anzeige.)
D’Inntaler. Humor und Kunſt iſt die Deviſe
ller derjenigen, die jetzt allabendlich das Singſpielhaus
Metropole beſuchen. D’Inntaler, täglich neue Vor=
nragsnummern
bringend, haben ſich im Fluge die Gunſt
der Darmſtädter erworben. Auf vielſeitigen Wunſch
wird dieſe Kapelle heute Freitag abend einen Koſchat=
Abend veranſtalten. (Siehe Anzeige.)
=gs. Verunglückt iſt am Mittwoch abend gegen
10 Uhr ein Beamter beim Kaffeekochen, da der Spiri=
tus
kocher umfiel. Er erlitt an Händen, Geſicht
und Beinen ſo ſchwere Brandwunden, daß ihn
tie Rettungswache nach Anlegung eines Notverbandes
it das Städtiſche Krankenhaus bringen mußte.
§ Zimmerbrand. Am Mittwoch vormittag hat im
Hauſe Wenckſtraße Nr. 41 in der Wohnung der Auguſt
Schlapp Witwe ein Zimmerbrand ſtattgefunden,
der durch die herbeigerufene Tagesfeuerwache nach kurzer
Zeit gelöſcht wurde. Der entſtandene Mobiliar= und
Iömmobiliarſchaden iſt erheblich.

Pfungſtadt, 21. Aug. In Stuttgart verſchied
worgeſtern der bis vor zwei Jahren hier amtierende erſte
Geiſtliche, Pfarrer Dr. Adolf Koch. Er ſtammte aus
Württemberg und hat vor der Uebernahme der heſigen
Pfarrſtelle als Hofprediger des Fürſten Alexander von
Bulgarien das wechſelvolle Schickſal dieſes Regenten
miterlebt und in einem Buche ſeine Erlebniſſe feſſelnd
geſchildert. In der vergangenen Nacht wurde in der
Wirtſchaft des Herrn Vetter in der Waldſtraße ein
Einbruch verübt. Es wurden eln großer Vorrat
Bigarren, eine Flaſche Kognak und eine Mark geſtohlen.
Wegen der mißlichen Zuſtände im Perſonenverkehr
der hieſigen Nebenbahn ſtellten geſtern zwei Beamte der

Eiſenbahndirektion Mainz an Ort und Stelle Erheb=
ungen
an.
Pfungſtadt, 22. Aug. Geſtern wurde in der hieſigen
Kirche die Synode des Dekanates Eberſtadt
abgehalten. Eröffnet wurde ſie mit Schriftverleſung und
Gebet durch Pfarrer Krämer=Pfungſtadt. Außer den faſt
vollzählig erſchienenen Mitgliedern nahmen als Gäſte teil
Kirchenrat Stamm, Geh. Juſtizrat Lahr, Oberkonſiſtorial=
rat
Dr. Bernbeck und Pfarrer Glock. Die Verhandlungen
wurden geleitet von dem Dekanſtellvertreter Pfarrer Sch==Biebesheim. Nachdem die regelmäßigen Verhand=
lungsgegenſtände
(Berichterſtattung des Dekanatsausſchuſ=
ſes
über den kirchlichen und religiös=ſittlichen Zuſtand der
Dekanatsgemeinden, Mitteilung über die Tätigkeit d.
Dekanatsausſchuſſes uſw.) erledigt waren, wurden mehrere
Wahlen vorgenommen. Gewählt wurden: Pfarrer Schä=
fer
=Biebesheim, zzum Dekan, Pfarrer Vogel=Gernsheim,
zum Dekanſtellvertreter, Pfarrer Römheld=Pfungſtadt, zum
geiſtlichen Mitglied der Landesſynode. Alsdann hielt
Pfarrer Wagner=Stockſtadt ein auf ſorgfältigem Studium
beruhendes Referat über das auf der letzten Tagung der
Landesſynode beſchloſſene Kirchengeſetz, betreffend die Ver=
beſſerung
der Einkünfte der Pfarrſtellen und des Zentral=
kirchenfonds
. Beſonders dankbar begrüßte es die Synode,
daß als Ergänzung zu dem Vortrag Oberkonſiſtorialrat Dr.
Bernbeck eingehende Mitteilung über die Entſtehung und
die Ausführung dieſes für unſere Landeskirche höchſt wich=
tigen
Geſetzes machte und auf die geſtellten Fragen Aus=
kunft
gab. Die Berichterſtattung für Innere Miſſion
(Pfarrer Vogel=Gernsheim), Aeußere Miſſion (Pfarrer
Frank=Rohrbach), Heſſiſcher Hilfsausſchuß für Oeſterreich
(Pfarrer Schäfer=Crumſtadt) zeigten, daß auch im letzten
Jahr auf dieſen Gebieten ſchöne Fortſchritte zu verzeichnen
waren. Mit Geſang wurde die Synode geſchloſſen.
Offenbach, 21. Aug. Der Raubmörder Otto Knite=
lius
von hier, der wegen Ermordung eines Apo=
thekers
in Magdeburg zu fünfzehn Jahren Zuchthaus
verurteilt wurde, iſt jetzt aus dem Zuchthaus wegen
Geiſteskrankheit entlaſſen und in eine Irren=
anſtalt
übergeführt worden.
Offenbach, 22. Aug. Vom Miniſterium iſt die Ver=
pachtung
und Erhebung des Brückengeldes für die
neue Mainbrücke nach Fechenheim ausge=
ſchrieben
worden. Der ſtädtiſche Verfaſſungsaus=
ſchuß
, der ſich mit dieſer Angelegenheit befaßte,
beſchloß, die Selbſtübernahme abzulehnen.
Beim Durchlaſſen von Flößen wurde heute morgen
in der Offenbacher Schleuſe die Leiche eines 8 bis
10 Jahre alten Knaben geländet. Derſelbe
war gut gekleidet und hat nach dem Ausſehen der
Leiche zu ſchließen, erſt kurze Zeit im Waſſer gelegen. Die
Leiche wurde von der Frankfurter Polizei abgeholt.
Seligenſtadt, 22. Aug. Der Landwirt Matthäus
Friedmann von hier wollte geſtern morgen einen
Wagen Dung auf ſeinen Acker fahren. Unterwegs be=
gegnete
ihm ein mit Dielen hochbeladenes Fuhrwerk der
Holzhandlung Bacherach und Kleeblatt. Die Pferde des
Friedmann ſcheuten und raſten in ſchnellſtem Tempo
der Stadt zu. Friedmann fiel vom Wagen und
bekam noch Fußtritte von den Pferden, ſo daß er
hoffnungslos danieder liegt. Friedmann iſt ver=
heiratet
, 38 Jahre alt und Vater von zwei noch unmün=
digen
Kindern.
* Lindenfels, 22. Aug. Die Landwirte halten wegen
der bevorſtehenden Manöver mit dem Verkaufe von
Vieh ſehr zurück. Für Schweine werden 85 Pfennig für
das Pfund Schlachtgewicht bezahlt, und ſelbſt zu dieſem
Preiſe ſind ſie nur ſchwer zu bekommen. In den Orten des
Weſchnitztales haben die Metzger nun beſchloſſen, den
Bauern kein Schwein abzukaufen und dieſe von auswärts
zu beziehen. Die erſte Waggonladung iſt bereits einge=
troffen
. Die hieſige Spar= und Darlehns=
kaſſe
bewilligte für die bedrängten Mitglieder der
Modauer Kaſſe eine einmalige Beihilfe von 500
Mark.
Alsheim, 21. Aug. Hier wurde eine Auskunfts= und
Fürſorgeſtelle für Lungenkranke eröffnet. In noch ſechs
anderen Orten des Kreiſes ſoll dieſe Einrichtung ein=
geführt
werden, und zwar in Oſthofen, Eich, Weſthofen,
Pfeddersheim und Gundersheim.
Wendelsheim, 21. Aug. Gaſtwirt und Altbürger=
meiſter
Karl Dexheimer wurde geſtern auf der Jagd
im Walde von einem auswärtigen Jäger ange=
ſchoſſen
. Er erlitt ſchwere Verletzungen in der Seite
und wurde in einem Automobil in das Krankenhaus
nach Alzey gebracht. Sein Zuſtand ſoll zu den ſchlimm=
ſten
Befürchtungen Anlaß geben.
Gießen, 22. Aug. Die Reichsbankverwaltung
läßt für ihre hieſige Filiale einen prächtigen Neubau auf=
führen
. Mit der Leitung der Arbeiten, die in aller Kürze
beginnen, wurde Architekt Möbius betraut.

Friedberg, 22. Aug. Geſtern ging ein Gewitter
über unſere Stadt nieder. Der Blitz ſchlug in das
Haus des Poſtſchaffners Fiſcher in der Schmittſtraße
ein und richtete in einem Zimmer beträchtlichen Scha=
den
an. Die Bewohner des Hauſes kamen mit dem
Schrecken davon.
Schlitz, 21. Aug. Der Kaiſer wird ſich beim 1000 Jubiläum der Stadtkirche am 20. September
durch ſeinen Sohn Prinz Auguſt Wilhelm vertreten
laſſen.
(*) Aus dem Kreiſe Büdingen, 22. Aug. Sein 25 Bürgermeiſter=Jubiläum beging
das Ortsoberhaupt zu Berſtadt. Kreisrat Böckmann
überbrachte dem Bürgermeiſter Wolf die Glückwünſche der
Regierung. In Eichelsdorf erhängte ſich aus
Liebeskummer ein Mädchen von 21 Jahren.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 21. Aug. Die Norddeutſche
Allgemeine Zeitung ſchreibt zu der kürzlich durch die
Tagespreſſe gegangenen Meldung von dem angeblichen
Hungertode des Veteranen Drux, dieſer ſei
nach amtlichen Ermittelungen in ſeiner Heimat als Trin=
ker
, Bettler und Landſtreicher bekannt. Seit zwanzig
Jahren hielt er ſich von ſeinen Angehörigen fern und
trieb ſich von Ort zu Ort umher. Seinen Söhnen ſei
es unmöglich geweſen, für ihn zu ſorgen, da alle Ver=
ſuche
, Drux zu Hauſe zurückzuhalten, vergeblich geweſen
ſeien. Von 1889 bis 1911 war Drux nicht weniger als
76mal wegen Bettelei und Landſtreichens beſtraft. Zwölf
Jahre brachte er im Arbeitshauſe zu und wurde 1911
wegen gefährlicher Körperverletzung zu zehn Monaten
Gefängnis verurteilt. Bis wenige Wochen vor ſeinem
Tode befand er ſich im Landkrankenhauſe zu Hanau, wo
er ſeit 1911 auf Koſten des Landarmenverbandes ver=
pflegt
wurde. Unmittelbare Todesurſache war Herz=
ſchlag
, der nicht, wie angenommen wurde, auf Entkräf=
tung
zurückzuführen iſt, da der Verſtorbene, laut ärzt=
licher
Feſtſtellung, ſich in gutem Ernährungszuſtande be=
funden
hätte. Drux hatte ſeine Lage ganz allein der
Trunkſucht und ſeiner unglücklichen Veranlagung zuzu=
ſchreiben
, die ihn ein ungeregeltes Leben einem ſorgen=
freien
Aufenthalt bei ſeinen Angehörigen vorziehen
ließen. Zu beſonderem Mitleid lag hiernach jeden=
falls
kein Anlaß vor. Der Bau einer Groß=
beeren
=Gedenkhalle durch den Kreis Teltow
iſt nunmehr geſichert, ſo daß die Halle im nächſten Jahre
zur Hundertjahrfeier der Befreiungskriege fertig da=
ſtehen
wird. In der Stendalerſtraße wurde geſtern
der drei Jahre alte Sohn des Drehers Florzak von
einem Straßenbahnwagen erfaßt und zu
Boden geſchleudert. Das Kind geriet unter den Vorder=
perron
und erlitt ſo ſchwere Verletzungen, daß es bald
darauf ſtarb.
Kronbenig, 22. Aug. Der Kaſſer fuhr heute früh
10 Uhr in Begleitung der Kronprinzeſſin von Griechen=
land
und des Prinzen und der Prinzeſſin Friedrich Karl
von Heſſen nach Rönigſtein im Taunus und ſtattete der
Großherzogin=Mutter von Luxemburg einen Beſuch ab.
Um 11 Uhr 10 Minuten fuhr der Kaiſer nach einſtündi=
gem
Beſuche bei der Großherzogin=Mutter von Luxem=
burg
nach der Saalburg.
München, 22. Aug. In der Nähe von Ingolſtadt, bei
Reichertshofen, fuhr geſtern ein Automobil, in welchem
ſich die Gattin und zwei Töchter des amerika=
niſchen
Botſchafters in Berlin, Leiſhman, mit ihrer
Kammerfrau befanden, als es einem Fuhrwerk auswich,
gegen einen Baum und ſtürzte in einen Straßengraben.
Die Inſaſſen wurden herausgeſchleudert; eine Tochter er=
litt
Quetſchungen, die andere eine leichte Gehirnerſchütter=
ung
. Die übrigen Inſaſſen blieben unverletzt. Das des Weges
kommende Auto des Fabrikanten Blum aus Zwickau ver=
brachte
die Verunglückten nach Ingolſtadt, wo Bezirks=
artzt
Dr. Schön die erſte Hilfe leiſtete. Von München
requirierte man dann Sanitäts=Automobile, welche die
verletzten Damen nach München in das Regina=Palaſt=
Hotel verbrachten. Dort traf heute nacht der ſofort ver=
ſtändigte
amerikaniſche Botſchafter Leiſhman von Berlin
aus ein.
Bonn, 22. Aug. Eine ruchloſe Tat vollführ=
ten
mehrere Arbeiter aus Hönningen in der Nacht auf
Mittwoch iin der Nähe von Nieder=Breiſig, wo ſie mit
mehreren Perſonen Streit begannen und ohne weiteres
in die Menge hineinſchoſſen. Dabei wurden eine
unbeteiligte Frau, ſowie ein Dachdecker ſo ſchwer ver=
letzt
, daß beide in die Bonner Klinik geſchafft werden
mußten, wo der Dachdecker berelis geſtorben iſt. In
der Nacht gelang es, die Täter auf einem Ueberfahrt=
Boot zu verhaften. Sie leiſteten heftigen Widerſtand,
konnten aber ſchließlich in das Unterſuchungsgefängnis

nung iſt er ſeinem Vater ſehr unähnlich. Der jüngere
Booth, der heute ein Fünfziger iſt, iſt bereits ganz grau;
die eigentümliche Art ſeines Auftretens erklärt ſich für den
ungezwungen, der weiß, daß er ſehr ſchwerhörig iſt. Trotz
dieſes körperlichen Mangels beſitzt er in den Kreiſen der
Heilsarmee eine große Popularität; man empfindet, daß
man auf ihn unbedingt bauen kann, denn er hängt mit
mallen Faſern ſeiner Exiſtenz an ſeinem Vater, an den Leh=
nen
und an dem Werk ſeines Vaters. Von dem Londoner
Hauptquartier aus leitet der grauhaarige Generalſtabschei
ſeit langem alle äußeren Geſchäfte der Heilsarmee, und er
wird auch als ihr Führer dafür ſorgen, daß das enge
Band beſtehen bleibt, das alle die einzelnen Fähnlein des
lgroßen Heeres miteinander verbindet. Wie leidenſchaftlich
Booth II. für alle Einzelheiten der Heilsarmee eintritt,
ntöge ein kleiner Zug illuſtrieren. Er war zur Krönung
König Eduards VII. eingeladen, erklärte aber, er könne
Unur kommen, wenn ihm geſtattet werde, in voller Heils=
harmee
=Uniform zu erſcheinen. Die offizielle Antwort lau=
tete
, daß unbedingt die vorgeſchriebene Hoftracht angelegt
werden müſſe, und nun teilte die Heilsarmee dem König
mit, daß ſie bei ſeiner Krönung nicht vertreten ſein könne,
daß dies aber nicht aus Mangel an Loyalität geſchehe.
Darauf griff der König ſelbſt ein, gab die Erlaubnis, und
Bramwell Booth ſtand nun unter den Würdenträgern des
Leiches in Weſtminſter=Abtei in voller Heilsarmee= Uni=
form
.

Feuilleton.

* Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben. Das
Kittlere Lebensalter in Deutſchland. Man
ſchreibt uns: So hoch man den Wert hygieniſcher und
ſozialer Maßnahmen auch veranſchlagen mag, ſo wenig
darf man ihren zweifelloſen Erfolgen gegenüber doch
vergeſſen, daß die natürlichen günſtigen oder ungünſtigen
Bebensbedingungen die ſtärkeren ſind und daß die
hygieniſchen Maßnahmen im beſten Falle nur ein Surro=
gat
für günſtige natürliche Bedingungen darſtellen. Ein=
geſtandenermaßen
ſteht Deutſchland bezüglich der ſani=

tären und ſozialen Maßnahmen zugunſten der Volks=
ggeſundheit
an erſter Stelle. Trotzdem wird die mittlere
Lebensdauer in Deutſchland die im allgemeinen einen
guten Maßſtab für den Erfolg derartiger Maßnahmen
abgibt, von der mancher anderen Länder erheblich über=
troffen
. Während ſie z. B. nach einer von der Sozialen
Praxis angeführten, aus dem Jahre 1907 ſtammenden
Statiſtik der Statiſtique Generale de la France für
Deutſchland für das männliche Geſchlecht 40,6, für das
weibliche Geſchlecht 44 Jahre betrug, betrug ſie in Schwe=
den
50,9 und 53,6, in den Niederlanden 46,2 bezw. 49,
in Belgien 45,4 bezw. 48,8 und in England 44,1
bezw. 47,8. Die Gründe für dieſes ungünſtige Ergeb=
nis
liegen angenſcheinlich darin, daß die Lebensbeding=
ungen
für unſere raſch angewachſene und in den Städten
zuſammengedrängte Induſtriebevölkerung ungünſtiger
ſind, als in anderen Ländern mit überwiegend ländlicher
Bevölkerung oder auch in einem alten Induſtrielande
wie England deſſen althergebrachtes Einfamilienwohn=
haus
hygieniſchen Anſprüchen in höherem Maße ent=
ſpricht
, als vielfach unſere Arbeiterviertel. Daß deutſcher=
ſeits
jedoch auf dieſem Gebiete mit Erfolg gearbeitet
wird, beweiſt der Umſtand, daß das Deutſche Reich an
der allgemein beobachteten Zunahme der mittleren
Lebensdauer in günſtiger Weiſe teilnimmt, und zwar in
erſter Linie durch einen weſentlichen Rückgang der Säug=
lingsſterblichkeit
. Spätere ſtatiſtiſche Mitteilungen wer=
den
hoffentlich ein Fortſchreiten dieſer bereits gewonne=
nen
Beſſerung ergeben. Auch für die Frage der Bevöl=
kerungszunahme
, die in der letzten Zeit ſo oft im Mittel=
punkte
der Erörterung geſtanden hat, iſt dieſe Frage von
großer Bedeutung, da die Bevölkerungszunahme nicht
nur durch die Zahl der Geburten, ſondern ebenſo auch
durch die Menge der Ueberlebenden, alſo die Hinaus=
rückung
der Sterblichkeitswahrſcheinlichkeit bedingt iſt.
Phonograph und Telephon. Wie uns die
Elektrotechniſchen Nachrichten, Steglitz, mitteilen, ſteuert
die Berliner Telephonanlage immer mehr der automati=
ſchen
Bedienung zu. Hinter der noch nicht einmal ganz
durchgeführten Umgeſtaltung zu dem Dienſtätungs=

betrieb bei dem jede Verbindung durch zwei Beamtin=
nen
ausgeführt wird, erheben ſich ſchon wieder neue For=
derungen
, um das Vermittelungsgeſchäft zu erleichtern.
Um den Telephonbeamtinnen wieder einen Teil ihrer
ſehr aufreibenden Arbeit abzunehmen, ſoll jetzt auch der
Phonograph in den Dienſt der Telephonämter geſtellt
werden. Auf dem Telephonamt Lützow werden jetzt die
erſten Verſuche gemacht. Es iſt zunächſt ein Phonograph
aaufgeſtellt worden, der für den Fall einer Leitungs=
ſtörung
die Worte ſpricht: Die Leitung iſt geſtört‟ Der
Phonograph wird direkt in die Telephonverbindung
eingeſchaltet und erſpart ſo der Telephonbeamtin das
SSprechen. Wenn dieſe Verſuche gelingen, werden bald
auch die anderen Mitteilungen der Telephonbeam=
tinnen
, wie: Beſetzt, bitte ſpäter rufen Sprechen Sie
noch uſw. durch den Phonographen erledigt werden.
In den großen Sälen der Telephonämter wird es dann
noch geräuſchloſer zugehen als bisher.
* Der Kaiſer in Mainz. Der Kaiſer war bei ſeiner
Rückkehr von der Truppenſchau in Mainz ſehr gut
gelaunt. So ſagte er ſcherzhaft zu dem ihn begrüßenden
Oberbürgermeiſter, die vielen Kinder, die ihm heute zu=
gejubelt
hätten, ſeien ein Beweis, daß in Mainz das
Zweikinderſyſtem noch nicht eingeführt ſei. Als der
Oberbürgermeiſter darauf hinwies, wie dankbar man die
Beſeitigung der inneren Feſtungswälle empfinde, wozu
der Kaiſer ſeinerſeits den Auflaſſungsbefehl erlaſſen habe,
wandte ſich der Kaiſer an den Großherzog und ſagte:
Sieh mal da. hier iſt ein Oberbürgermeiſter, der mit
mir zufrieden iſt. Weſter ſprach der Kaiſer darüber, daß
die neuen Forts ſehr weit vor die Stadt kämen, und ſetzte
ſcherzhaft hinzu: Ich muß doch dafür ſorgen, daß Euch
im Ernſtfalle nicht die erſten Granaten auf den Kopf fal=
len
. Schließlich beauftragte der Kaiſer den Oberbür=
germeiſter
, der Bevölkerung von Mainz für den herzlichen
Empfang zu danken.
CK. Der Schlitten Napoleons im Muſeum 1812. Das
Moskauer Muſeum des Jahres 1812 wird in den nächſten
Tagen, um ein koſtbargs hiſtoriſches Stück bereichert wer=

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Auguſt 1912.

Nummer 198,

nach Sinzig abgeführt werden. Unterwegs verſuchte
eine Menſchenmenge die rohen Burſchen zu lynchen.
Eſſen (Ruhr), 22. Aug. Auf Schacht 3 und 4 der
Gewerkſchaft Friedrich der Große bei Herne wurden drei
Arbeiter verſchüttet. Einer war ſofort tot,
die beiden anderen ſind ſchwer verletzt.
Siegburg, 22. Aug. Der Orden der Benedik=
tiner
beabſichtigt, auf dem Michaelisberge bei Sieg=
burg
eine Niederlaſſung zu errichten. Die Gebäulich=
keiten
, die bis 1914 noch als Strafanſtalt dienen, ſind
für 120000 Mark angekauft worden. Der Orden will
dort eine Bibliothek und ein Muſeum errichten.
Dresden, 22. Aug, Der Einbrecher, der die Villa
des Kammerſängers Perron ausgeraubt
hatte, iſt geſtern abend feſtgenommen worden. Es handelt
ſich um einen 23jährigen Kupferſchmied, der die geſtohlenen
Juwelen im Werte von 18000 Mark bei einem Juwelier
verkaufen wollte. Der Juwelier ſchöpfte Verdacht und ließ
die Polizei benachrichtigen. Der Dieb ſetzte den Gen=
darmen
ſcharfen Widerſtand entgegen und verwundete
einen von ihnen durch Revolverſchüſſe. Die Juwelen wur=
den
noch ſämtlich vorgefunden.
Kiel, 21. Aug. In der Eckernförder Bucht fand geſtern
die erſte Erprobung des Unterſeebootes Atro=
pos
ſtatt, das die Germaniawerft im Auftrage der
italieniſchen Regierung baute. Die Probe=
fahrt
iſt ſehr günſtig verlaufen. Als Höchſtgeſchwindig=
keit
ergaben ſich im Mittel von zwei aufeinander folgen=
den
Durchläufen durch die gemeſſene Meile 14,7 Knoten.
Der Vertrag bedingt nur 12 Knoten. Atropos iſt das
erſte in Deutſchland mit Dieſelmotoren
zur Erprobung gelangende Unterſeeboot. Die Motoren,
die gleichfalls von der Germaniawerft nach einem eige=
nen
Zweitakttyp gebaut worden ſind, bewährten ſich wäh=
rend
der Fahrt vorzüglich. Die Probefahrt fand in
Gegenwart des italieniſchen Marineattachés ſtatt. Die
Schiffslänge beträgt 44,5 m, die Breite 4,4 m, das
Deplacement an der Oberfläche 285 Tonnen, im unter=
getauchten
Zuſtande 320 Tonnen. Die Torpedoarmier=
ung
beſteht aus zwei Rohren, wofür vier Torpedos mit=
geführt
werden.
Glücksburg, 22. Aug. Ein Kellner des abge=
brannten
Strandhotels iſt unter dem Verdacht der vor=
ſätzlichen
Brandſtiftung verhaftet worden. Der Kell=
ner
hatte Streit mit dem Pächter gehabt und ſollte in
24 Stunden entlaſſen werden.
Wien, 22. Aug. In der Wiener Niederlage der Pra=
ger
=Runiker Korbfabrik in der Baugaſſe brach heute nacht
ein großer Brand aus. Die ausgedehnten Räume
wurden total eingeäſchert. Begünſtigt wurde das
Feuer durch die vielen Lackmaſſen. Eine Anzahl Feuer=
wehrleute
wurde während der Löſcharbeiten durch herab=
fallende
brennende Holzſtücke und durch den großen Fun=
kenregen
mehr oder minder ſchwer verletzt. Der durch das
Feuer angerichtete Schaden iſt ſehr groß.
Rom, 21. Aug. Eine Rache nach 40 Jahren
verſuchte dieſer Tage ein aus dem Zuchthaus entlaſſener
Greis auszuführen. Er hatte im Jahre 1872 in Rom einen
Barbter, bei dem er als Gehilfe arbeitete, erſchoſſen und
wurde, obgleich kein geringerer als Francesco Crispi
ihn vor dem Schwurgericht verteidigte, zu lebensläng=
lichem
Zuchthaus verurteilt. In der Verhandlung waren
die Zeugenausſagen eines ſeiner Kollegen beſonders be=
laſtend
für ihn geweſen, und das hat er dieſem nicht ver=
geſſen
. Als er durch einen Gnadenakt des Königs jüngſt
nach 40jähriger Strafverbüßung die Freiheit wieder er=
langte
, hatte der nun 72 Jahre alte Barbiergehilfe nichts
Dringenderes zu tun, als den damaligen Arbeitsgenoſſen
in Rom ausfindig zu machen und ihn mit einer Stich=
war
zu überfallen. Zum Glück ging der Stoß fehl, der
unverbeſſerliche Verbrecher wurde überwältigt und in
Gewahrſam gebracht, aus dem er nun wohl bis zu ſei=
nem
Ableben nicht mehr befreit werden wird.
Paris, 22. Aug. Der Temps verweiſt darauf, daß am
22. Auguſt genau ein Jahr verfloſſen iſt ſeit dem
Tage, wo die erſten Gerüchte über den Raub der Gio=
conda
in Paris auftraten. Die anfangs bezweifelte
Nachricht wurde noch am ſelben Abend von der Polizei.
deren Nachforſchungen ergebnislos blieben, beſtätigt. Bis
heute iſt trotz aller Ermittelungen das geraubte Bild
nicht wieder herbeigeſchafft worden. Der Unterſuchungs=
richter
Drioux, der die Nachforſchungen leitet, hat heute
einem Vertreter des Temps erklärt, daß er offen zu=
geſtehen
müſſe, daß trotz eifriger Verfolgung aller Spu=
ren
die Polizei heute noch auf demſelben Standpunkte
ſteht, wie damals. Die Recherchen werden zwar auch
heute noch fortgeſetzt, jedoch fehlt der Polizei jede Baſis,
auf der ſie weitere Nachforſchungen anſtellen kann. Der
Temps fügt wehmütig hinzu, daß nach dieſen Auslaſſun=
gen
wohl alles Hoffen auf eine Wiedererlangung
des Bildes vergeblich ſein dürfte und die Pariſer

ihre Gioconda wohl niemals wieder zu Geſicht bekom=
men
werden.
Paris, 22. Aug. Eine furchtbare Panik brach
geſtern abend an Bord des Dampfers Liamona
aus. Das Schiff hatte um 5 Uhr den Hafen von Mar=
ſeille
verlaſſen. Es herrſchte dichter Nebel. Nach einer
Fahrt von einigen Stunden ſignaliſierte der Ausguck
plötzlich in einer Entfernung von 25 Metern einen Spitz=
berg
. An Bord entſtand eine furchtbare Panik unter den
Paſſagieren. Viele Reiſende brachen ohnmächtig zuſam=
men
. Dank der Kaltblütigkeit und Energie des Kapitäns
und der Mannſchaft wurde das Schiff zwei Meter vor
dem Felſen zum Stillſtand gebracht, wodurch eine große
Kataſtrophe verhindert wurde. Es handelt ſich um den
Spitzberg auf der Inſel Maire, wo ſich vor einigen Jah=
ren
die Kataſtrophe des Liban zugetragen hat.
Paris, 21. Aug. Aus Cherbourg wird gemeldet, daß
der Rieſenpaſſagierdampfer Olympie‟
von der White Star Line während der Ueberfahrt von
New=York nach Cherbourg eine Schraube verloren hat
und daher ſeine Reiſe um einen Tag verzögern muß.
Der Olympic wird erſt am Samstag in Plymouth
eintreffen und nicht in Cherbourg anlegen. Die Paſſa=
giere
von Cherbourg werden von Plymouth mit Paſſa=
gierdampfern
herüberbefördert.
San Sebaſtian, 22. Aug. Die Maultiere des
Wagens, in dem der Infant Jaime ſaß, wurden durch
einen vorüberfahrenden Zug erſchreckt, guingen durch und
warfen den Wagen in einen Graben. Der Infant blieb
unverſehrt.
Kriſtiania, 21. Aug. Das berühmte engliſche Me=
dium
Mrs. Wriedt, die Leiterin des von William
Stead begründeten ſpiritiſtiſchen Bureaus Julia hat
dieſer Tage hier Sitzungen abgehalten, die ſchließlich zu
ihrer Entlarvung geführt haben. Die Sitzungen
fanden in Anweſenheit einer wiſſenſchaftlichen Kom=
miſſion
ſtatt, an deren Spitze der bekannte Phyſiker Pro=
feſſor
Birkeland ſtand. Das Medium pflegte in die Mitte
eines Zimmers eine Blechtrompete zu ſtellen, durch
welche die Geiſter ſprachen‟ Letzten Mittwoch bemerkte
Profeſſor Birkeland während der Sitzung leiſe Exploſio=
nen
in der Trompete, drehte das elektriſche Licht auf und
bemächtigte ſich gleichzeitig mit einem ſchnellen Griff des
Inſtruments. In großer Erregung ging man auseinan=
der
, nachdem der Profeſſor ſich mit der Trompete ent=
fernt
hatte, um ihre Beſchaffenheit zu unterſuchen. Jetzt
veröffentlicht nun Birkeland das Ergebnis ſeiner Unter=
ſuchung
und kommt zu dem Endurteil, daß Mrs. Wriedts
Sitzungen natürlich auf Schwindel beruhten. Er hat
in der Trompete Lycopodium und Waſſer feſtgeſtellt.
Außerdem ſei ein phosphoreſzierender Schirm in der
Größe eines menſchlichen Geſichts verwandt worden, um
einen leuchtenden Geiſt darzuſtellen. Birkeland meint
übrigens, daß auch beim Gedankenleſen neben gewöhn=
licher
Taſchenſpielerei komplizierte moderne Mittel ge=
braucht
würden. Mrs. Wriedt hat auf die Angriffe
des Profeſſors hin Kriſtiania verlaſſen.
London, 22. Aug. In ſeiner Beileidskund=
gebung
zum Tode des Generals der Heilsarmee,
Booth, ſagte König Georg, die Nation habe einen
großen Organiſator und die Armen hätten einen Freund
verloren.
Pittsburg, 22. Aug. Ein auf dem Dache einer Zigar=
renfabrik
angebrachter Waſſertank durchſchlug das
Dach und zwei Stockwerke. Fünf Mädchen wur=
den
getötet, zwölf ſchwer verletzt. Eine große Anzahl
weiterer Perſonen iſt leicht verletzt worden.

Heer und Flotte.

* Berlin, 21. Aug. In einer Sonderausgabe des
Militär=Wochenblattes werden die Perſonalverän=
derugen
im Heer auf die Geſuchsliſten für den Mo=
nat
Auguſt bekannt gegeben, auf die nach altem Brauch
die Entſcheidungen am 18. Auguſt, als dem Erinnerungstag
der Schlacht von Gravelotte-Saint Privat, ergangen ſind.
Mit Rückſicht auf die Manöver findet in dieſem Monat
nur ein geringer Wechſel in den höheren Kommandoſtellen
ſtatt, und ſo wurde bei der Infanterie nur das Regiment
Nr. 57 in Weſel neu beſetzt. Die Hauptveränderungen ſind
dem Monat September vorbehalten. Ernannt wurden im
ganzen ſechs Oberſten und zwar je einer bei der Infan=
terie
, Kavallerie, Feldartillerie, Fußartillerie, Ingenieur=
und Pionierkorps und Bekleidungsämter. Ferner 451
Leutnants, davon 291 als Abiturienten mit einem um
zwei Jahre vordatierten Patent, ſowie 56 Fähnriche aller
Waffen. Außerdem wurden zehn Offiziere der verſchie=
denen
Waffen auf ein Jahr zu Geſandtſchaften komman=
diert
, und zwar ein Hauptmann zur Geſandtſchaft in
Buenos Aires, je ein Oberleutnant zu der Geſandtſchaft in
Santiago, Bukareſt, Athen, Bern, Teheran und zur diplo=

matiſchen Agentur und zum Generalkonſulat in Kairo, je
ein Leutnant zur Botſchaft in Waſhington und zur Ge=
ſandtſchaft
in München und Madrid.

Luftfahrt.

* Aeroplan=Turnier in Gotha. Das Preiss
gericht erklärte Lindpaintner in allen Konkurrenzen als=
Sieger. Die Preiſe wurden wie folgt verteilt: Wurf=Preis
auf das Truppen=Biwak: 1. Lindpaintner (Ago= Doppel=
decker
) 10000 Mk., 2. von Gorriſſon (Ago=Doppeldecker)
5000 Mk.; Wurf=Preis auf den Zeppelin=Ballon: 1. Lind=
paintner
3000 Mk., 2. Falderbaum (Grade=Eindecker) 2000
Mark; Manövrier=Uebung: 1. Lindpaintner 2000 Mk., 2.
Falderbaum 1400 Mk., Hanuſchke (Eindecker eigener Kon=
ſtruktion
) 1300 Mk.; Photographier=Wettbewerb: 1. Lind=
paintner
1800 Mk., 2. von Gorriſſen 1000 Mk. Troſtpreiſe
in Höhe von je 1200 Mk. erhielten ferner: Weyl (Lochner=
Doppeldecker), Schall (Grade=Eindecker), Pentz (Grade= Ein=
decker
), Schauenburgk (A. F. G.=Doppeldecker).
* Gotha, 22. Aug. Das Luftſchiff Viktoria Luiſer
iſt geſtern früh um 6.50 Uhr mit zehn Fahrgäſten zu einer
Fernfahrt nach Chemnitz aufgeſtiegen und landete
um 9.15 Uhr glatt auf dem Chemnitzer Exerzierplatz. Nach
einem Aufenthalt von 40 Minuten trat es wieder die Rück=
fahrt
nach Gotha an, wo es um 4.30 Uhr glatt vor der
Luftſchiffhalle landete. Auf der Rückfahrt hatte das Luft=
ſchiff
, wie das Jenaer Volksblatt meldet, einen ſchweren
Kampf mit den Elementen. Immer wieder wurde es von
der Gewalt des Sturmes zurückgetrieben. Wohl eine halbe
Stunde währte das Ringen mit Wind und Regen.
Einmal näherte ſich das Luftſchiff dem Erdboden auf etwa
fünfzehn Meter. Wie von der Leitung des Gothaer Luft=
ſchiffhafens
mitgeteilt wird, war die Landung des Luft=
ſchiffes
trotz des herrſchenden heftigen Windes ſehr glatt=
Das Fahrzeug erlitt nicht die geringſte Beſchädigung und
bewährte ſich während der ſiebenſtündigen Sturmfahrt
von Chemnitz nach Gotha glänzend.
* Paris 22. Aug. Der Savary=Pilol
Frantz hat heute früh 5 Uhr 14 Min. das zirka 40 Klm,
ſüdlich von Paris gelegene Flugfeld von Chartres ver=
laſſen
, in der Abſicht, ſich um den Pomery=Preis zu
bewerben. Der Windrichtung entſprechend wird der
Flieger verſuchen, über Belgien nach Deutſchland bis
Berlin und wenn möglich, noch weiter zu fliegen.

Sport.

* Lawn=Tennis. Der Nennungsſchluß zum 1. Bad=
Nauheimer Lawn=Tennis=Turnier hat ein
ſehr befriedigendes Reſultat ergeben. Am Mittwoch vor=
mittag
iſt mit den Spielen begonnen worden, leider
konnten dieſe nicht ſo, wie wünſchenswert, gefördert wer=
den
, weil einerſeits eine große Anzahl von Spielern noch
nicht eingetroffen iſt und andererſeits die Spiele häufig
durch Gewitterregen unterbrochen wurden. Von den Spie=
len
am Mittwoch iſt der Sieg Kreuzer über Fitting 62,
62, ſowie der von Frl. J. Weihermann 15,2 über Frl.
A. Heinemann ½ zu erwähnen. Einen weiteren ſtarken
Kampf gab es im Damen=Einzelſpiel mit Vorgabe zwiſchen
Frl. Stoll und Frau Andrege von denen die erſtere ſieg=
reich
blieb. Ein Senioren=Einzelſpiel ſoll in die Reihe
der Konkurrenzen noch aufgenommen werden.
* Die Deutſchen Lawn=Tennis=Meiſterſchaften ſind
jetzt ſämtlich entſchieden. Das Herren=Einzelſpiel gewann
O. v. Müller mit 26 61 62 gegen H. Schomburgh
der vorher Graf Salm 64 64 geſchlagen hatte, wüh
rend O. v. Müller in der Vorſchlußrunde Gaſt beſiegen
konnte. Das Damen=Einzelſpiel fiel, wie ſchon kurz ge=
meldet
, an Fräulein Köring, die Frau Lent 62 62
abfertigte. Im Herren=Doppelſpiel um die Meiſterſchaft
von Deutſchland ſiegten Heyde-Traſenſter 61 63 64
gegen H. Schomburgk-O. v. Müller. Im gemiſchten
Doppelſpiel um die Meiſterſchaft ſiegten Fräulein Köring=
H. Schomburgk gegen Fräulein Rieck-Heyden 36 64
62.
* Ruderſport. Das Frankfurter Ausſcheid=
ungsrennen
für das Paris=Frankfurter Achter= Ru=
dermatch
, das am Dienstag abend zwiſchen der Mann=
ſchaft
des Frankfurter Rudervereins und einer kombinier=
ten
Auswahlmannſchaft des Frankfurter Regattavereins
gerudert wurde, blieb ohne Reſultat. Der Frankfurte
Ruderverein hatte anfangs die Führung. Die kombiniert
Mannſchaft holte dann aber auf und es entſpann ſich ein
heißer Kampf um die Spitze zwiſchen den beiden Mann=
ſchaften
, bis ſich dieſe durch ein Dampfer=Glockenſigna
täuſchen ließen, das ſie für ein Signal des Begleitdamp=
fers
hielten. Sie ſtoppten ab und gingen beide nich
durchs Ziel. Es wurde beſchloſſen, nochmals ein Auss
ſcheidungsrennen rudern zu laſſen.

den, um den Schlitten, den Napoleon nach dem Zuſam=
menbruch
der großen Armee auf der Flucht aus Rußland
benutzte. In dieſem Schlitten trat der Kaiſer in Kras=
noje
noch während der Schlacht von Smolensk die Fahrt
nach dem Dniepr an, und mit ihm erreichte er am 7. No=
vember
ruſſiſchen Stils Dubrowna in der Provinz Mo=
hilew
, wo die Fürſtin Lubomirska ihm Gaſtfreundſchaft
gewährte. In der Nacht trat Tauwetter ein und Napo=
leon
mußte die Fahrt im Wagen fortſetzen. Er ſchenkte
den Schlitten damals dem Dr. Georg Zekert, der Arzt am
Krankenhauſe war. Dr. Zekert hütete das Geſchenk Na=
poleons
als eine koſtbare Erinnerung, und bis zum Jahr
1881 blieb der Schlitten im Beſitz der Famklie. Damals
ging er in das Muſeum von Mohilew über, von dem er
jetzt dem Moskauer Muſeum von 1812 zugeführt wird,
um dort ſeine endgültige Stätte zu finden.
Stolz lieb’ ich den Räuber! Der berüchtigte kala=
breſiſche
Räuberhauptmann Muſolino, der letzte Vertreter
der vielbeſungenen italieniſchen Banditenromantik, iſt
nach Verbüßung der zehnjährigen Einzelhaft aus dem
Zuchthauſe Portolongone an Bord eines Torpedobootes
nach der Strafanſtalt von Ventolene bei Neapel überge=
führt
worden, wo er während des Reſtes ſeiner Strafe
interniert bleibt. Die zehnjährige Einzelhaft, die für die
Mehrzahl der Gefangenen faſt ſtets den geiſtigen Tod zu
bedeuten pflegt, hat dem gefürchteten Bandenführer nichts
getan. Friſch und elaſtiſch ſtieg Muſolino ans Land und
beantwortete die Aufforderung des Aufſehers, ſeinen
Koffer zu tragen: Muſol’no iſt kein Gepäckträger! Holen
Sie einen Mann, der meine Sachen transportiert!
* Eine wunderliche Verordnung hat das ſchwediſche
Storthing erlaſſen. Danach iſt es verboten, in den Eiſen=
bahnwagen
Spirituoſen auch ſolche, die man ſich ſelbſt
mitgebracht hat zu genießen. Für dieſes wunderliche
Geſetz haben 61, dagegen 59 Abgeordnete geſtimmt. Wer
alſo nach Schweden reiſt, laſſe die Spirituoſen daheim!

Die Jungfrauen von heute.

* Aus Leſerkreiſen wird uns geſchrieben: Wenn
man heutzutage unſere jungen Bürgerstöchter nach
der Berufsrichtung frägt, die ſie beim Verlaſſen
der Schule einzuſchlagen gedenken, ſo darf man
ſicher ſelin, auf zehn Fragen neunmal die Antwort zu
hören, daß ſie Berufe außerhalb des Hauſes ſuchen wer=
den
, als Lehrerin, in Ateliers, in Bureaus und Geſchäf=
ten
, nur nicht in der Hauswirtſchaft, Und während einer=
ſeits
ein Ueberangebot von Arbeitskräften Hungerlöhne
ſchafft, iſt es andererſeits ein Kunſtſtück, praktiſch er=
probte
Hilfskräfte fürs Haus zu gewinnen. Tüchtige
Wirtſchafterinnen, Haushälterinnen, Zimmermädchen und
Köchinnen ſind Perlen, die man in Gold faſſen muß, will
man ſie beſitzen; und ſelbſt an einfachen Hausmädchen
herrſcht Mangel. Und doch baut ſich auf dieſem ſchönen,
echt weiblichen Beruf, der bei unſeren Frauen und Mäd=
chen
ſo wenig Fürliebe genießt, der Wohlſtand und das
Glück der Familien auf. Iſt es da nicht ſündhaft, ihn
aus Leichtſinn, aus Hochmut oder auch nur aus Bequem=
lichkeit
zu vernachläſſigen? Was nützen die Erwerbs=
quellen
des Mannes, möchten ſie auch noch ſo ergiebig
ſein, wenn die Frau nicht die wirtſchaftlichen Schleuſen
ſo zu richten weiß, daß ſie der Familie zum Segen ge=
reichen
. Glück und Liebe werden illuſoriſch, wo die Frau
nicht zu wirtſchaften verſteht. Wo aber ſoll ſie die Wiſſen=
ſchaft
hierzu hernehmen, ſie, die ihren Beruf bis zu ihrer
Verheiratung außerhalb des Hauſes fand? Man wende
nicht ein, daß ſich das bischen Hauswirtſchaften von
ſelbſt lernt. Nur was man von Grund aus gelernt hat,
verſteht man zu werten und richtig zu führen. Und wie
ſchnell kommt zu dem Hauswirtſchaften zumeiſt der zweite
Beruf der Frau, die Kindererziehung. Sie, die in ihrer
Hausarbeit ſich noch kaum zurechtfindet, ſoll nun ſchon
wieder einen neuen, ſchweren und verantwortungsvollen
Poſten dazu übernehmen, mit ihrer ungeſchulten Kraft.
Da ſinkt dann bald der Mut auf der einen wie auf der
anderen Seite; aus den guten Vorſätzen werden Vor=
würfe
, und die hübſchen Anſätze von häuslichem Wohl=

ſtand und Glück zerſchellen gar bald am wirtſchaftlichen
Unvermögen der Frau. Der Mann aber auch wird un
zufrieden in ſeinem Beruf, der ihm bei aller Hingabe
nicht ſo viel abwirft, daß er ſeine Familie über Waſſer
halten kann; der Mißmut beeinträchtigt ſeinen Arbeits=
mut
und zehrt an ſeiner Arbeitskraft. So zieht eine Ung
zufriedenheit die andere nach ſich. Der Mann ſucht Ver=
geſſen
im Wirtshaus, und nun geht es langſam dem
Run entgegen, wenn nicht ein Glückszufall oder ein guter
Menſch die Abwärtsgleitenden ſtützt. Es iſt an der Zeit
daß die Frauen ſich darauf beſinnen, welch ein Segen iſ
der Hausarbeit liegt, und daß ſie ihren Töchtern den Beruf
wieder ſchätzen lernen, der bei unſeren Voreltern als der
vornehmſte Frauenberuf galt. Nicht die Männer ſindes
die die Hausfrauenarbeit mißachten, denn dazu habenſi
ſich ſelbſt zu lieb; die Frau ſelbſt iſt es, die ihr den
Makel der Niedrigkeit anhängen möchte, damit ſie außen
halb des Hauſes, vielleicht ungebundener, dafür aber auch
gefährdeter, ihre Arbeit ſuchen kann. Es ſollten darum
dieſe Worte als Mahnung allen Eltern zu Ohren dringen,
die noch nicht von dem Hochmutsduſel unſerer Zeit er=
faßt
worden ſind und die noch nicht nur in außerhäus=
lichen
und ſogenannten höheren Berufen für ihre Töchter
das Glück meinen ſuchen zu müſſen. Man ſchaffe end=
lich
wieder praktiſche Hausfrauen, die den alten, aus=
ſterbenden
Stamm erſetzen können! Man ſchaffe tüch=
tige
, zuverläſſige Wirtſchafterinnen, und ſehe es auch in
beſſeren Bürgerfamilien nicht als Schande an, ſeine
Töchter im Dienſte fremder Häufer zur eigenen Tüchtig=
keit
ſich heranbilden zu laſſen. Eine ſehr lobenswerte
Einrichtung hierfür kann dadurch getroffen werden, in=
dem
der Hausfrauenverein junge, ſchulentlaſſene Mäd=
chen
in Lehrſtellen unterzubringen ſucht, wo ſie in prak=
tiſcher
Tätigkeit unter der Aufſicht tüchtiger, zuverläſſiger
Hausfrauen, genannt Lehrfrauen, ſo herangebildet wer=
den
ſollen, daß ſie vorbildlich für die anderen wirken.
Der Hausfrauenverein kann auf dieſem Wege hoffen, der
bitteren Klage über die Unfähigkeit der Hausmädchen
Herr zu werden und alle Untüchtigkeit aus den häus=
lichen
Berufen zu verdrängen ſuchen.

[ ][  ][ ]

Nummer 198.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Auguſt 1912.

Seite 5.

Stimmen aus dem Publikum.
Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
Ginerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Ernſt ſoll nun gemacht werden mit dem Ausbau
mnſerer elektriſchen Straßenbahn nach dem Oſtbahnhof
lein weſentlicher Schritt vorwärts, den großzügig ange=
Legten Straßenzug Landgraf=Georgſtraße‟
feiner Vollendung entgegenzuführen. Wenn dieſe Haupt=
werkehrsader
der Stadt vom Hauptbahnhof nach Darmſtadt=
Oſt unſerer Vaterſtadt große Opfer auferlegt hat, ſo er=
ſeennt
man in dieſem Straßenzug doch die weitgehende
Werkehrspolitik unſerer Herren Stadtverordneten. Die
Anlage dieſer Linie erfordert nun aber, die Erledigung
eeines wichtigen Punktes zu prüfen. Was ſoll mit
unſerem Wochenmarkt werden, denn die Platzverhältniſſe
find, wie man am Samstag hauptſächlich beobachten
Sonnte, jetzt ſchon ſehr knapp. Am letzten Samstag hat
EEinſender mit noch vielen anderen Steuerzahlern die
Wahrnehmung gemacht, daß der Marktmeiſter nicht mehr
twußte, wo er die Händler und Bauersleute alle unter=
Gringen ſollte, daß ſogar die engen Straßen noch teilweiſe
Abenutzt werden mußten. Jetzt kommt aber die Frage,
two ſollen die in großer Anzahl erſcheinenden=Wagen hin?
Am Schloßgraben, welcher ja hierzu ſehr geeignet iſt,
ſſchon wegen der Nähe des Marktes, damit der Eigentümer
aauch in der Lage iſt, nach ſeinem Vieh zu ſehen, hauptſäch=
lich
ſchon wegen Unglücksfällen, aber auch um Diebſtähle
Zu vermeiden. Was nicht an dem Schloßgraben unterge=
bracht
werden kann, wird von der Polizei, durch die
engen Straßen der Altſtadt nach dem Platz hinter dem
Hallenſchwimmbad dirigiert, was wie Einſender glaubt,
lm Falle eines Brandes ſehr bedenklich iſt. Was ſoll aber
werden, wenn die elektriſche Straßenbahn über den Schiller=
nund
Marktplatz geführt wird, wenn der Markt, wie man
wvor einiger Zeit durch den Altſtadtverein bekannt gegeben
ſhat, auch während des Bahnbaues dort belaſſen werden ſoll?
Wie das geſchehenſoll, iſt nicht leicht begreiflich. Wer die letz=
iten
vierzehn Tage Gelegenheit hatte, über den Schlachthof=
ſplatz
zu gehen, der kann ſich ein Bild machen, wie es wäh=
rrend
des Bahnbaues auf dem Markt und Schillerplatz aus=
ſſieht
. Und dadurch und darüber hinweg ſollen unſere
Frauen gehen, um ihre Produkten einzukaufen. Das
Rann man doch ſicher nicht verlangen. Wie der Herr Markt=
rmeiſter
denkt, die Marktbeſucher unterzubringen, iſt mir ein
Rätſel. Wenn man ſagen will, was nicht Platz bekommt,
rmag ſonſtwohin gehen, ſo iſt damit nichts getan, denn je
tweniger Produkte der Stadt zugeführt werden können, um
fſo teuerer werden die Lebensmittel, die ohnedies ſchon
tteuer genug ſind. Ich glaube, daß unſere Stadtver=
twaltung
den Steuerzahlern gegenüber verpflichtet iſt, einen
latz für den Marktverkehr zu ſchaffen, welcher vollſtändig
ausreichend iſt, und die Händler nicht auf Plätze ſtellt, auf
idenen ſie nichts abſetzen können. Einſender, ſowie noch viele
gandere Steuerzahler erheben hiergegen Einſpruch
rund bitten vor allem während des Bahnbaues über den
Markt, den geſamten Markt ſo lange zu verlegen, um Un=
gglücksfälle
, ſowie der Verteuerung der Lebensmittel vor=
izubeugen
. Wie Einſender weiter in Erfahrung gebracht,
ſſollen Tiſche für den Gemüſeverkauf aufgeſtellt werden,
das iſt ja an und für ſich nicht zu verwerfen. Ebenſo ſoll
die vor dem Schloß ſtehende Bedürfnisanſtalt verlegt wer=
den
. Wenn man jetzt die Ausgaben für beide Projekte
szuſammen nimmt, ſo könnte man doch beſſer eine Markthalle
lbauen, denn mit dieſem Geld kann ſchon ein großer Teil
der Anlageſumme gedeckt werden. Die Marktbeſucher
kkönnten Keller bekommen und wären nicht jeder Witterung
ausgeſetzt. Es wird ja von der Stadtverwaltung viel
getan, könnte man auch nicht dieſes Opfer noch bringen?

Aus der bayeriſchen Abgeordnetenkammer.

* München, 22. Aug. Bei der Generaldebatte zu
dem Militäretat führte der Kriegsminiſter (Frhr. Kreß
von Kreſſenſtein unter anderem aus, es liege im
Intereſſe des Heeres und es ſei die Pflicht der Heeres=
t
verwaltung, darüber zu wachen, daß die Stärkung der
Eſozialdemokratiſchen Ideen bei den Heeresangehörigen
nicht ſtattfinde. Den Offizieren falle es aber nicht ein,
Soldaten, die ſich etwas zuſchulden kommen ließen, zu
fragen, ob ſie Sozialdemokrat ſeien oder nicht. Eine
Statiſtik und eine Berichterſtattungskontrolle über die
Sozialdemokraten im Heere würden nicht geführt. Es
lägen auch keine Beobachtungen vor, daß im bayeriſchen
Heere Sozialdemokraten, die ſich zweifellos auch darin
befinden, irgend etwas Bemerkenswertes gemacht hätten.
Bei dem Erlaß betreffend das Verbot der Beteiligung
von Offizieren bei den Wahlen, handele es ſich nicht um
einen Eingriff in das geheime Wahlrecht, ſondern es
ſollte damit das öffentliche Eintreten der Offiziere zu
Gunſten der Sozialdemokratie getroffen werden. Der
Erlaß ſei ausgegeben worden lange bevor der Landtag
aufgelöſt wurde und lange vor den Neuwahlen. Das
Recht, über den Krieg zu entſcheiden bemerkte der
KKriegsminiſter den Sozialdemokraten gegenüber , ſei
durch die Beſtimmungen der Reichsverfaſſung feſtgelegt
und ſetze auch die Zuſtimmung des Bundesrates voraus.
Auch bei republikaniſchen Staaten entſcheide nicht das
Volk über den Krieg. Freiherr v. Franckenſtein
BZentrum) betonte, die Entſcheidung über Krieg und
Frieden müſſe der verantwortlichen Stelle, dem Kaiſer,
überlaſſen bleiben. Die Kriegsverwaltung müſſe ſich in=
nerhalb
der Verfaſſung gegen die Sozialdemokratie wen=
den
. Der Kriegsminiſter hätte ſeine programmatiſche
Erklärung nach dieſer Richtung hin noch ſchärfer unter=
ſtreichen
müſſen. (Unruhe links.) Wir müſſen, fuhr der
Jedner fort, auf das beſtimmteſte verlangen, daß von
den Kaſernen die Sozialdemokratie fern bleibe. Es wäre

das Höchſte, wenn in der Kaſerne, wo der Fahneneid
geleiſtet iſt, gegen den Fahneneid von der Sozialdemo=
kkratie
agitiert wird. (Zuruf des Soz. von Vollmar:
Das iſt eine Unverſchämtheit! Große Unruhe links.
Der Präſident ruft von Vollmar zur Ordnung.) Frhr.
v. Franckenſtein (fortfahrend): Ich nehme kein Wort von
dem, was ich geſagt habe, zurück. Durch die ſozialdemo=
kratiſche
Preſſe, die in die Kaſerne kommt, werden die
Disziplin und die Liebe zum Königshaus untergraben.
(Rollwagen (Soz.) ruft unter ſtändig wachſender Un=
ruhe
links: Das iſt eine Verleumdung!) Er wird vom
Präſidenten zur Ordnung gerufen.

Friedensverhandlungen.

* Konſtantinopel, 22. Aug. Nunmehr wird
offiziell zugeſtanden, daß ſeit zirka acht Tagen mit
Itallen wegen Herbeiführung eines Friedens
Verhandlungen ſtattfinden. Senator Azarian, der
den Kronprinzen nach der Schweiz begleitet, wird dem
türkiſchen Delegierten in Paris weitere Inſtruktionen
übergeben. Es dürfte vorerſt zu einem Waffenſtillſtand
kommen.
* Paris, 22. Aug. Der Eclair meldet aus Rom:
In halbamtlichen Kreiſen beſtätigt man, daß die Frie=
densunterhandlungen
, welche einige Zeit
unterbrochen waren, neuerdings in Lauſanne zwiſchen
dem türkiſchen Delegierten Nabih und dem italieniſchen
Delegierten Grafen Volpi wieder aufgenommen wurden.
Man hofft, daß demnächſt eine Verſtändigung erzielt
wird.
HB. Konſtantinopel, 22. Aug. Die türkiſche
und die italieniſche Regierung haben beſchloſſen, die
Friedensbeſprechungen völlig geheim zu
halten, ſodaß alle Veröffentlichungen als Kombinationen
gelten können.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Burrean.)

* Berlin, 22. Aug. Der Bankbeamte Klotſch vom
A. Schaaffhauſenſchen Bankverein wurde bereits durch den
Kriminalkommiſſar Haſenjäger in ſeiner Wohnung
in Charlottenburg, Niehburſtraße 67 feſtgenommen.
Er hatte ſich für 120000 Mark preußiſche Konſols angeeig=
net
, davon ſeit April 1911 für 50000 Mk. verkauft und den
Erlös verjubelt. Geſtern verkaufte er den Reſt der Papiere
und deponierte die dafür erhaltene Summe von 70 000
Mark bei der eigenen Bank, was auffiel. Als man heute
vormittag zur Reviſion ſchritt, wurde die Unterſchlagung
entdeckt. Klotſch verſchwand unbemerkt, wurde jedoch, ehe
er flüchten konnte, in ſeiner Wohnung feſtgenommen.
* Homburg v. d. H., 22. Aug. Der Kaiſer traf gegen
¾1 Uhr auf der Saalburg ein und fuhr nach kurzem
Aufenthalt nach Homburg. Hier fand bei Landrat Ritter
v. Marx Frühſtückstafel zu 24 Gedecken ſtatt. Der
Kaiſer verblieb bis 3.15 Uhr in der Villa des Landrats
Ritter v. Marx und fuhr dann mit der Kronprinzeſſin von
Griechenland und dem Prinzen und der Prinzeſſin Fried=
rich
Karl von Heſſen und Gefolge nach dem Bahnhof.
Hier hatten ſich zum Abſchied eingefunden: Admiral Sir
Fitz George, Landrat v. Marx und Oberbürgermeiſter
Lübke. Nach herzlichem Abſchied von ſeinen Schweſtern
beſtieg der Kaiſer den Hofzug nach Wilhelmshöhe, welcher
pünktlich 3.20 Uhr den Bahnhof verließ.
* Wien, 22. Aug. Der türkiſche Thronfolger Juſſuf
Izzedin iſt heute vormittag elf Uhr inkognito hier ein=
getroffen
. Er wurde von den Herren der Botſchaft
empfangen. Der Botſchafter fuhr ihm bis Preßburg ent=
gegen
.
* Paris, 22. Aug. Der Figaro ſchreibt: Das fran=
zöſiſch
=ruſſiſche Zuſammenwirken, deſſen
Kraft und Stetigkeit eben in der Reiſe des Herrn Poin=
caré
zutage getreten iſt, wird ſofort Gelegenheit haben,
ſich zu betätigen. Die Ereigniſſe auf dem Balkan er=
heiſchen
neben anderem bereits jetzt die unabläſſige Auf=
merkſamkeit
der beiden Regierungen. Nach der ſehr höf=
lichen
Antwort, welche den öſterreichiſchen Vorſchlägen
zuteil wurde, wird Oeſterreich, das die Zuſtimmung der
Mächte im Prinzip erhalten hat, wahrſcheinlich in Ein=
zelhekten
eintreten und gewiſſe Punktereines Programms
von Reformen im Balkan, die einer baldigen Verwirk=
lichung
fähig ſind, näher präziſieren. Ueber dieſes Pro=
gramm
werden Rußland und Frankreich ſich verſtändigen,
natürlich ohne England zu vergeſſen. Die Reiſe des
Miniſters Saſonow nach London und Balmoral, wo er
der Gaſt des Königs Georg iſt, wird noch dazu beitragen,
die Bande der Triple=Entente enger zu ſchließen.
* Taſchkent, 22. Aug. Im Prozeſſe gegen die an
den meuteriſchen Vorgängen im hieſigen Sappeurlager be=
teiligten
Unteroffiziere und Soldaten wurden 15 Ange=
klagte
zum Tod durch den Strang, 112 zu Zwangs=
arbeit
, 79 zu Zuchthaus und 15 zur Einreihung in das
Disziplinarbataillon verurteilt. Sieben Angeklagte ſind
freigeſprochen worden.
* Cetinje, 22. Aug. Aus amtlicher Quelle wird ge=
neldet
: Die aus Konſtantinopel ſtammende
Anſchuldigung gegen Montenegro iſt un=
begründet
, da ſich Montenegro an die Großmächte wen=
dete
, damit ſie ſich mit der unerträglichen Lage befaſſen,
die durch die fortwährenden, von den türkiſchen Truppen
hervorgerufenen Grenzzwiſchenfälle geſchaffen iſt. Mon=
tenegro
wird geduldig den Erfolg des Schrittes abwar=
ten
und iſt entſchloſſen, bis dahin alles zu vermeiden,
was die ſchon genug ernſte Lage noch verwickeln könnte.
Unſere Leute erhielten den ſtrengen Befehl, nur dann
zu ſchießen, wenn die Angreifer die Grenze über=
ſchreiten
.

Konſtantinopel, 22. Ang. Die Erderſchütter=
ungen
im Gebiete des Marmarameeres dauern
fort. Viele Häuſer drohen einzuſtürzen.
* Fez, 22. Aug. Muley Juſſuf reiſt am Sams=
tag
nach Rabat. Einem alten Brauche folgend, beſucht
er vorher die geheiligten Stätten der Stadt.
H. B. Berlin, 22. Aug. Von verſchiedenen Seiten
wurde gemeldet, daß der türkiſche Thronfolger
bei ſeiner demnächſtigen Auslandreiſe neben Wien auch
Berlin berühren würde. Das iſt, wie die B. Z. am
Mittag erfährt, nicht zutreffend. Dagegen rechnet man
in hieſigen unterrichteten Kreiſen ſtark mit der Möglich=
keit
eines Zuſammentrefſens des älteſten Sohnes des
Sultans mit dem Kaiſer in der Schweiz bei den dorti=
gen
Manövern. Es heißt, der Prinz wolle im Auftrage
ſeines Vaters dem Monarchen perſönlich für die kaiſer=
liche
Spende von 10000 Fres. für die Notleidenden des
türkiſchen Erdbebens am Marmarameer danken.
Allinge (Inſel Bornholm), 22. Aug. Ein furcht=
bares
Gewitter wütete heute in Dänemark. Wolken=
brüche
und Hagelſchauer gingen nieder.
Innsbruck, 22. Aug. Der Sekretär Dittmann=
München, ſtürzte von der Dreitorſpitze ab. Er war ſo=
fort
tot.
New=York, 22. Aug. Der Flieger Wright iſt
bei der Probe eines neuen Aeroplans bei Dayton in Ohio
in den Miami=Fluß geſtürzt, als die Maſchine in einer
Höhe von 20 Meter verſagte. Der Flieger iſt leicht ver=
letzt
, er konnte ans Ufer ſchwimmen.
HB. Tanger, 22. Aug. Die deutſche Botſchaft in
Tanger iſt offiziell davon benachrichtigt worden, daß die
deutſche Kolonie die wegen der herrſchenden
Unſicherheit Marrakeſch verlaſſen hatte, wohlbehalten
in Safni eingetroffen iſt.

Unterrichtsweſen.

Das Technikum Mittweida iſt ein unter
Staatsaufſicht ſtehendes, höheres techniſches Inſtitut zur
Ausbildung von Elektro= und Maſchinen=Ingenieuren,
Technikern und Werkmeiſtern und zählt jährlich ca.
23000 Beſucher. Der Unterricht ſowohl in der Elektro=
technik
als auch im Maſchinenbau wurde in den letzten
Jahren erheblich erweitert. Das Winterſemeſter beginnt
am 15. Oktober 1912, und es finden die Aufnahmen für
den am 30. September beginnenden, unentgeltlichen
Vorkurſus von Mitte September an wochentäglich ſtatt.
Ausführliches Programm mit Bericht wird koſtenlos
vom Sekretariat des Technikum Mittweida (Königreich
Sachſen) abgegeben.

Gottesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 23. Auguſt:
Vorabendgottesdienſt 7 Uhr 15 Min.
Samstag, den 24. Auguſt:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Predigt 9 Uhr
25 Min. Sabbatausgang 8 Uhr 10 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religiong=
geſellſchaft
.
Samstag, den 24. Auguſt:
Vorabend 6 Uhr 55 Min. Morgens 7 Uhr 45 Min.
Nachmittags 5 Uhr. Sabbatausgang 8 Uhr 15 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 25. Aug., an:
Morgens 6 Uhr. Nachmittags 7 Uhr.

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Die Depreſſion wandert nun ſüdöſtlich und liegt
heute mit ihrem Kern über Südſkandinavien. Rand=
wirbel
beeinfluſſen Deutſchland. Die norddeutſchen
Stationen melden Niederſchläge, die ſüddeutſchen ſind
trocken. Die größte Menge Regen meldet heute Hernö=
ſand
mit 62 mm. Ueber Südweſteuropa liegt hoher
Druck. In Deutſchland fällt der Druck, ſo daß wir mit
dem Einfluß der Depreſſion zu rechnen haben.
Ausſichten für Freitag, den 23. Auguſt: Trüb,
Regenſchauer, kühl.

Tageskalender.

Ausſtellung Der Menſch im Großh. Reſidenzſchloß
(geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends).
Eugen Bracht=Ausſtellung auf der Mathil=
denhöhe
(geöffnet von 106 Uhr).
Bibliſcher Vortrag um 8½ Uhr im Zelt an der
Lindenhofſtraße.
Konzerte: Hugenſchütz’ Felſenkeller um 8 Uhr.
Perkeo um 8 Uhr. Singſpielhaus Metropol um
8 Uhr.

Verſteigerungskalender.
Samstag, 24. Auguſt:

Dünger=Verſteigerung um 8 Uhr in der Artil=
lerie
=Kaſerne (Regt. Nr. 61), um 9½ Uhr in der Dra=
goner
=Kaſerne (Regt. Nr. 23).

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: i. V. Kurt
Mitſching; für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und
Mitteilungen aus der Geſchäftswelt: Hans Heitz, ſämtlich
Darmſtadt. Für den redaktionellen Teil beſtimmte
Mitteilungen ſind an die Redaktion des Tagblatts zu
adreſſieren. Etwaige Honorarforderungen ſind beizu=
fügen
; nachträgliche werden nicht berückſichtigt. Un=
verlangte
Manuſkripte werden nicht zurückgeſandt.

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Seite 6.

Darmſtädter Dagbtatt, Freitag, den 23. Auguſt 1912.

Numwer 198.

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Eine Geldrolle
enthaltend 50 Mark verloren.
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ſagt die Expedition.
(*4126

Gunterricht zu mäß. Honorar
erteilt Georg Göbel, Musiklehrer,
Neckarſtr. 3, Mittelb. lisks. (4204a

Verloren
am Sonntag, den 18. Auguſt ein
goldenes Kettenarmband mit
Steinen (2 Brillanten u. einem
Saphir) Ludwigshöhe oder Weg
Ludwigshöhe Böllenfalltor
elektr. Bahn Hauptbahnhof od.
zurück. Gegen gute Belohnung
abzugeb. Mühlſtr. 79, I. (*4133

Tula-Taschenuhr
mit Monogramm H. St. mit
ſchwarzer Bandkette
(*4169
verleren.
Vor Ankauf wird gew. Abzug. geg.
Belohn. bei Kraffert, Niederſtr. 25, p.

Herr

in ſicherer Stellung, 27 J., evang.,
wünſcht, da es ihm an Damen=
verkehr
fehlt, edeldenkende Dame
im Alter von 2026 Jahren
zwecks Heirat kennen zu lernen.
Offerten beliebe man unter § 50
Postamt 2.
(*4153
in Unteroffiziersrock (Regt. 115)
(Einj.=Frw.), mittl. Statur, ab=
zugeb
. Eliſabethenſtr. 48. L.r. (*4182

[ ][  ][ ]

Nummer 198.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Auguſt 1912.

Seite 7.

Neuverpachtung
der Waldwirtſchaft auf der Ludwigshöhe
bei Darmſtadt.
Die Waldwirtſchaft auf der Ludwigshöhe ſoll auf dem Sub=
näſſionswege
neu verpachtet werden.
Die Ludwigshöhe liegt auf einer Anhöhe, ungefähr eine halbe
zſunde von Darmſtadt entfernt. Sie iſt von der Halteſtelle der
l=ktriſchen oder der Dampfſtraßenbahn in 1520 Minuten zu er=
tachen
. Wegen ihrer Lage inmitten ausgedehnter Waldungen mit
brachtvollem Blick auf Bergſtraße, Rheintal und Taunus wird ſie
luch als Luftkurort geſchätzt.
Die Pachtzeit beginnt mit dem 1. Noyember 1912 und endigt
im 31. Oktober 1921. Submiſſions= und Verpachtungsbedingungen
i gen vom 18. d. Mts. 14 Tage lang von morgens 912 Uhr auf
m Geſchäftszimmer der unterzeichneten Behörde zur Einſicht offen.
Laſelbſt können Abdrücke der Bedingungen koſtenlos bezogen werden.
Pachtluſtige wollen gefälligſt bis längſtens 10. September
. Js., abends 6 Uhr, ihre Gebote verſchloſſen und verſiegelt mit
dr Aufſchrift: Waldwirtſchafts=Verpachtung bei der unterzeich=
neten
Behörde einreichen.
Das dem ſeitherigen Pächter gehörige Inventar kann mit
Hernommen werden.
Darmſtadt, den 18. Auguſt 1912.
(17720
Großherzogliche Oberförſterei Beſſungen.
J. V.: Wilbrand.

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Waſſerwärme vorm. 7 Uhr 16½ C.
Woog=Polizei=Wache.

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Ludwig Weicker, Friedhof=Allee82.

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Seite 8,

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Auguſt 1912.

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198.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Auguſt 1912.

Seite 9.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polzeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
inden
ſich: 1 Pinſcher. 2 Spitzbunde (zugelaufen). Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden.
düe Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(17704

Bekanntmachung

betr. das Abladen von Schutt auf öffentliche Wege und Plätze,
ſowie auf Privatgrundſtücke.
Das Abladen von Schutt, Baugrund uſw. auf öffentliche
Wege oder Plätze iſt nur mit ſchriftlicher Erlaubnis des Tiefbau=
arnts
und nur an den in der Erlaubniskarte bezeichneten Stollen
zuläſſig.
Bei Zuwiderhandlungen wird die Beſtrafung des Schuldigen,
ſſ wie die Entfernung des unrechtmäßig verbrachten Schuttes, Bau=
grundes
uſw. auf Koſten des Verbringers veranlaßt werden.
II. Zum Abladen von Schutt auf Privatgrundſtücke iſt die
Errlaubnis des Grundeigentümers oder ſeines Vertreters erforderlich.
Eigentümer von Bauplätzen, die eine Erlaubnis zum Abladen
ron Schutt behufs Auffüllens dieſer Plätze erteilen, haben dafür
worge zu tragen, daß keine in Fäulnis übergehenden Abfallſtoffe,
die den Boden verunreinigen können, auf die Bauplätze verbracht
veerden.
In Fällen, in denen eine die Geſundheit gefährdende Verun=
reinigung
des Bodens durch Verbringung derartiger Abfallſtoffe auf
Baugelände feſtgeſtellt wird, wird deren Beſeitigung auf Koſten des
Eigentümers angeordnet werden.
Darmſtadt, den 20. Auguſt 1912.
(17703fi
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Verſicherungsgeſetz für Angeſtellte.

Die Wahl der Vertrauensmänner und Erſatzmänner für
die Angeſtelltenverſicherung für den Wahlkreis Darmſtadt, um=
iaaſſend
den Bezirk der Stadt Darmſtadt, findet ſtatt:
a) für die Arbeitgeber:
Dienstag, den 8. Oktober 1912, vormittags 9 Uhr
bis nachmittags 1 Uhr und nachmittags 3 bis 7 Uhr,
b) für die Angeſtellten:
Mittwoch, den 9. Oktober 1912, vormittags 9 Uhr
bis nachmittags 1 Uhr und nachmittags 3 bis 7 Uhr.
Gewählt wird in Darmſtadt im Sitzungsſaale des ſtädtiſchen
Hauſes Waldſtraße 6 (Zimmer Nr. 10).
Es ſind zu wählen 6 Vertrauensmänner und 12 Erſatz=
männer
.
Die Vertrauens= und Erſatzmänner werden je zur Hälfte aus
den verſicherten Angeſtellten, die nicht Arbeitgeber ſind, und aus
Den Arbeitgebern der verſicherten Angeſtellten gewählt. Es
rählen alſo die verſicherten Angeſtellten 3 Vertrauensmänner und
6 Erſatzmänner und ebenſoviel Vertrauens= und Erſatzmänner die
Arbeitgeber der verſicherten Angeſtellten.
Die Vertrauens= und Erſatzmänner aus den Arbeitgebern wer=
Den von den Arbeitgebern der verſicherten Angeſtellten, die übrigen
won den verſicherten Angeſtellten gewählt.
Wahlberechtigt ſind volljährige Deutſche männlichen und
wweiblichen Geſchlechts, ſofern ſie zu den verſicherten Angeſtellten oder
Deren Arbeitgebern gehören und im Bezirke der Stadt Darmſtadt
wwohnen.
Wahlberechtigt als Arbeitgeber ſind wenn ſie nicht als An=
geſtellte
wahlberechtigt ſind auch:
1. die geſetzlichen Vertreter geſchäftsunfähiger und beſchränkt
geſchäftsfähiger natürlicher Perſonen,
2. bei juriſtiſchen Perſonen die Mitglieder des Vorſtandes, bei
Geſellſchaften mit beſchränkter Haftung die Geſchäftsführer,
bei anderen Handelsgeſellſchaften die perſönlich haftenden
Geſellſchafter, ſoweit ſie nicht von der Vertretung aus=
geſchloſſen
ſind. Sind hiernach für eine juriſtiſche Perſon
oder Geſellſchaft mehrere wahlberechtigte Perſonen vor=
handen
, ſo darf nur eine von ihnen das Wahlrecht ausüben.
Wählbar ſind nur Verſicherte, die nicht Arbeitgeber ſind, und
Arbeitgeber der verſicherten Angeſtellten, die im Bezirke der Stadt
Darmſtadt wohnen oder beſchäftigt werden oder ihren Betriebsſitz haben.
Wählbar als Arbeitgeber ſind wenn ſie nicht als Angeſtellte
wählbar ſind auch:
1. die geſetzlichen Vertreter geſchäftsunfähiger und beſchränkt
geſchäftsfähiger natürlicher Perſonen,
2. die Mitglieder des Vorſtandes einer juriſtiſchen Perſon, die
Geſchäftsführer einer Geſellſchaft mit beſchränkter Haftung,
die perſönlich haftenden Geſellſchafter bei anderen Handels=
geſellſchaften
, ſoweit ſie nicht von der Vertretung aus=
geſchloſſen
ſind.
3. die bevollmächtigten Betriebsleiter.
Weder wahlberechtigt noch wählbar iſt, wer:
1. infolge ſtrafgerichtlicher Verurteilung die Fähigkeit zur Be=
kleidung
öffentlicher Aemter verloren hat oder wegen eines
Verbrechens oder Vergehens, das den Verluſt dieſer Fähig=
keiten
zur Folge haben kann, verfolgt wird, falls gegen ihn!
das Hauptverfahren eröffnet iſt,
2. infolge gerichtlicher Anordnung in der Verfügung über ſein
Vermögen beſchränkt iſt.
Angeſtellte, die nach § 390 des Verſicherungsgeſetzes für An=
geſtellte
von der Beitragsleiſtung befreit ſind, ſind ſowohl wahl=
berechtigt
als auch wählbar.
Gewählt wird ſchriftlich nach den Grundſätzen der Verhält=
niswahl
.
Die Wahlberechtigten werden aufgefordert, Vorſchlagsliſten
für die Wahl bis ſpäteſtens drei Wochen vor dem erſten Wahltag,
d. i. bis 17. September d. J., bei dem Unterzeichneten einzureichen.
Die Vorſchlagsliſten ſind für die Arbeitgeber und die ver=
ſicherten
Angeſtellten getrennt aufzuſtellen. Jede Vorſchlagsliſte ſoll
mindeſtens ſo viel Namen enthalten, als Vertrauensmänner und
Erſatzmänner zu wählen ſind; ſie darf höchſtens die doppelte Zahl
ſolcher Namen aufweiſen.
Die Vorgeſchlagenen ſind nach Vor= und Zunamen, Stand
oder Beruf und Wohnort zu bezeichnen und in erkennbarer Reihen=
folge
aufzuführen. Mangels anderer ausdrücklicher Erklärung wird vierteljahr 1912 iſt bei Mei=
angenommen
, daß die an erſter Stelle Aufgeführten als Vertrauens=
männer
vorgeſchlagen werden.
Die Vorſchlagsliſten müſſen von mindeſtens fünf Wahl=
berechtigten
unter Benennung eines für weitere Verhandlungen
bevollmächtigten Vertreters unterſchrieben ſein.
Die Vorſchlagsliſte ſoll die Wählervereinigung, von der ſie
ausgeht, nach unterſcheidenden Merkmalen kenntlich machen.
Hat ein Wähler mehrere Vorſchlagsliſten unterzeichnet, ſo wird
ſeine Unterſchrift auf allen Vorſchlagsliſten geſtrichen.
Die Vorſchlagsliſten ſind ungültig, wenn ſie verſpätet ein=
gereicht
werden oder wenn ſie nicht vorſchriftsmäßig unterſchrieben
ſind und der Mangel nicht rechtzeitig behoben wird.
Zwei oder mehr Vorſchlagsliſten können in der Weiſe mit= von 9" Uhr vormittags ab,
einander verbunden werden, daß ſie den Vorſchlagsliſten andererwird auf dem vorderen Hofe der
Wählervereinigungen gegenüber als eine einzige Vorſchlagsliſte
gelten. In dieſem Falle müſſen die Unterzeichner der Vorſchlags=
liſten
oder die bevollmachtigten Vertreter übereinſtimmend ſpäteſtens
bis zum Ablauf des elften Tages vor dem erſten Wahltag,
d. i. bis 27. September d. J., die Erklärung abgeben, daß die
Vorſchlagsliſten miteinander verbunden ſein ſollen. Andernfalls iſt
die Erklärung über die Verbindung ungültig.
Wird von den Arbeitgebern oder von den verſicherten An=
geſtellten
bis zum 17. September 1912 nur eine Vorſchlagsliſte ein=Zur Rl. Schloſſerwerkſtätte!
gereicht, ſo findet für die betreffende Gruppe keine Wahl ſtatt.
Die in der Vorſchlagsliſte gültia verzeichneten Perſonen gelten Landskronſtr. 79, part. (B12689

dann in der für den Wahlbezirk erforderlichen Zahl in der
Reihenfolge des Vorſchlags als von dieſer Gruppe gewählt.
Die Wähler haben ſich über ihre Wahlberechtigung auszuweiſen.
Für die verſicherten Angeſtellten dient die Verſicherungskarte als
Ausweis, für die Arbeitgeber eine Beſcheinigung. Die Arbeitgeber
werden aufgefordert, ſich die Beſcheinigung ausſtellen zu laſſen. Ein
Muſter hierfür iſt unten abgedruckt. Die Ausſtellung erfolgt durchſchriebene Liegenſchaft:
das ſtädtiſche Bureau Waldſtraße 6 (Zimmer Nr. 2).
Das Wahlrecht wird in Perſon und durch Abgabe eines
Stimmzettels ausgeübt. Die Stimmzettel dürfen nicht unterſchrieben
ſein und keinen Proteſt oder Vorbehalt enthalten. Sie ſind außer=
halb
des Wahlraums handſchriftlich oder im Wege der Vervielfälti=
gung
herzuſtellen.
Den Arbeitgebern iſt es geſtattet, an Stelle der perſönlichen
Stimmabgabe ihren Stimmzettel dem Wahlleiter unter Beifügung
des Ausweiſes über ihre Wahlberechtigung brieflich einzuſenden.
Die erforderlichen Umſchläge erhalten die Arbeitgeber auf Verlangen
von dem Vorſteher der Wahl (Bureau Waldſtraße, 6) ausgehändigt.
Der Brief muß ſpäteſtens am 7. Oktober 1912 bei dem Unterzeichneten
eingegangen ſein. Nachträglich eingehende Stimmzettel ſind ungültig.
Jeder Wahlberechtigte hat eine Stimme. Arbeitgeber, die mehr
als fünfzig, aber nicht mehr als hundert verſicherte Angeſtellte be=
ſchäftigen
, haben zwei Stimmen. Für je weitere angefangene
hundert verſicherte Angeſtellte erhöht ſich die Zahl um eine Stimme.
Kein Arbeitgeber hat mehr als zwanzig Stimmen.
Hat ein Arbeitgeber mehrere Stimmen, ſo hat er jeden
Stimmzettel in einem beſonderen Umſchlag zu verſchließen.
Enthält ein Umſchlag mehrere Stimmzettel, ſo gelten ſie alsEheleuten dahier zugeſchriebene
ein Stimmzettel, wenn ſie gleichlautend ſind; andernfalls ſind ſie
ungültig.
Der Wahlberechtigte darf ſein Wahlrecht nur in dem Wahl=
kreis
, in dem er wohnt, ausüben.
Es kann nur für unveränderte Vorſchlagsliſten geſtimmt
werden; auch die Reihenfolge der Vorgeſchlagenen in der Vor=in unſerem Burtau zwangsweiſe
ſchlagsliſte darf nicht geändert werden.
Ungültig iſt die Wahl einer Perſon, die zurzeit der Wahl nicht
wählbar war.
Ungültig iſt ferner die Wahl einer Perſon, von der oder zu
deren Gunſten von Dritten die Wahl rechtswidrig (§§ 107 bis 109,
240, 339 des Reichsſtrafgeſetzbuchs) oder durch Gewährung oder Ver=
ſprechung
von Geſchenken beeinflußt worden iſt, es ſei denn, daß da=reicht.
durch das Wahlergebnis nicht verändert worden iſt.
Darmſtadt, den 20. Auguſt 1912.
Der Oberbürgermeiſter:
I. V.: Jaeger.

Muſter
für die Beſcheinigung der Arbeitgeber gemäß § 149 des Ver=
ſicherungsgeſetzes
für Angeſtellte.

Dem
. . zu Darmſtadt
Der (Name des Arbeitgebers)
wird beſcheinigt, daß & regelmäßig mindeſtens einen (mehr als
aber nicht mehr als
. .) verſicherteln)
Angeſtellteln) nach dem Verſicherungsgeſetze für Angeſtellte vom
20. Dezember 1911 beſchäftigt.
Darmſtadt, den
1912.
Der Oberbürgermeiſter.

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Das Schulgeld für das Großh.
Realgymnaſinm, die Großh.
Liebigs= und die Großh. Lud=
wigs
=Oberrealſchule, die Vor=
ſchule
der Großh. Gymnaſien,
die Viktoriaſchule und das Leh=
rerinnenſeminar
, die Eleonoren=
u
. Frauenſchule ſowie die Mittel=
ſchulen
für das III. Kalender=
dung
des Beitreibungsverfahrens
bis Ende I. Mts. an den
Werktagen, vormittags von 8 bis
12½ Uhr, hierher zu entrichten.
Darmſtadt, 2. Auguſt 1912.
Die Stadtkaſſe.
(16665a
Koch.

Dünger=Verkauf.

Samstag, den 24. Auguſt,
alten Kavallerie=Kaſerne in Darm=
ſtadt
die Matratzenſtreu von einer
Eskadron öffentlich meiſtbietend
(17536df
verſteigert.
Garde=Dragoner=Regiment
Nr. 23.

1 ältere Drehbank billig zu verk.

Konſtursverfahren.

In dem Konkursverfahren über
das Vermögen des Georg Kär=
cher
I. in Griesheim bei Darm=
ſtadt
iſt infolge eines von dem Ge=
meinſchuldner
gemachten Vor=
ſchlags
zu einem Zwangsvergleiche
Vergleichstermin auf
Mittwoch, 4. September 1912,
vormittags 10 Uhr,
vor dem Großherzoglichen Amts=
gericht
Darmſtadt II, neues Ge=
richtsgebäude
, am Mathildenplatz,
Zimmer Nr. 118, anberaumt.
Der Vergleichsvorſchlag und die
Erklärung des Gläubigeraus=
ſchuſſes
ſind auf der Gerichts=
ſchreiberei
des Konkursgerichts zur
Einſicht der Beteiligten nieder=
gelegt
.
(17711
Darmſtadt, 20. Auguſt 1912.
Merkel,
Gerichtsſchreiber des Großherzogl.
Amtsgerichts II.

Bekanntmachung.

Das Konkursverfahren über den
Nachlaß der am 15. Februar 1912
zu Darmſtadt verſtorbenen Schnei=
derin
Bertha Olga Herold iſt
auf Antrag des Konkursverwal=
ters
und mit Einwilligung allerKon=
kursgläubiger
eingeſtellt worden.
Darmſtadt, 19. Auguſt 1912.
Der Gerichtsſchreiber (17707
Großherzoglichen: Amtsgerichts I.

Bekanntmachung.

Großherzogliches Miniſterium
der Juſtiz hat den 9. September
1912 als den Tag beſtimmt, an
dem mit dem eigentlichen An=
legungsverfahren
für die neue
Flur 1 der Gemarkung Darmſtadt
(17714
zu beginnen iſt.
Darmſtadt, 21. Auguſt 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Matratzenſtren=Verkauf.

Am Samstag, den 24. d. Mts.,
um 8 Uhr vorm., wird in der
Kaſerne am Beſſungerweg die
Matratzenſtreu aus 3 Batterie=
ſtällen
öffentlich und meiſtbietend
(17246a
verſteigert.
Darmſtadt, im Auguſt 1912.
I. Abteilung Feldartillerie=
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Bekanntmachung.
Freitag, 6. September I. Js.,
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ſoll die der Johann Schnell Witwe
und deren Kindern dahier zuge=
Flur Nr. qm
22 512/100 129 Hofreite Blu=
menthalſtr
.
Nr. 91,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K34/12
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, wird Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er=
reicht
.
Darmſtadt, 9. Auguſt 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V17114

Bekanntmachung.
Freitag, 30. Auguſt I. Js.,
vormittags 10 Uhr,

ſoll die den Wirt Ludwig Volk
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
Mühl=
II 618/0 484 Hofreite
II 619¼/0 394 Hofreitef ſtraße
Nr. 25,
verſteigert werden.
(K33/12
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, kann Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er=
Darmſtadt, 5. Auguſt 1912.
(17706a Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V16762

Bekanntmachung.
Freitag, den 4. Oktober I. Js.,
vormittags 10 Uhr,

ſoll die dem Jakob Gebhardt da=
hier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
28 3365//100 191 Hofreite Irene=
ſtraße
,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K66/12
Darmſtadt, 20. Auguſt 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V17694

Bekanntmachung.
Freitag, den 4. Oktober I. Js.,
vormittags 10 Uhr,

ſoll die den Johann Adam Huth
Eheleuten dahier zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
I 170¼/10 1017 Hofreite Bleich=
ſtraße
,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K72/12
Darmſtadt, 21. Auguſt 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
J. V.: Ganß, (V17695
älteſter Gerichtsmann.

Bismarckſtraße 56 I.

Bekanntmachung.
Montag, 26. Auguſt 1912,
vormittags 11 Uhr,

ſollen auf freiwilligen Antrag des
Rechtsanwalts Raab in Darm=
ſtadt
die den verſtorbenen Philipp
Erbes Eheleuten dahier gehörigen
Liegenſchaften:
Flur Nr. qm
I 453//10. 203 Hofreite Lud=
wigshöhſtraße

Nr. 47,
I 453¾/10 94 Grabgarten
daſelbſt,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, wiederholt verſteigert
werden.
Darmſtadt, 5. Auguſt 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz. (VI16761

Bekanntmachung.
Freitag, 27. September 1912,
vormittags 10 Uhr,

ſoll die den Jean Papatheodoros
Eheleuten zu Zürich (Schweiz) ge=
hörige
, in der Gemarkung Beſſungen
gelegene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
VI 219¾o 1647 Bauplatz auf
der Kehr=
wieſe
,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, zwangsweiſe ver=
ſteigert
werden.
Darmſtadt, den 30. Juli 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen.)
Frantz. (VI17696

ebr. Zwetſchen u. Birnen z.
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[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Auguſt 1912.

Nummer 198.

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Roman von Sidonie Judeich=Mierswa.
(Nachdruck verboten.)

u)
1. Kapitel
Verzeih’, Mama, daß ich warten ließ! Ich habe mich
bei meinem Morgenritt verſpätet. Zärtlich drückte der
junge Mann ſeine Lippen auf die ſchmale, weiße Hand
Frau von Leerſens, die dieſe ihm zum Willkommen ge=
reicht
hatte.
Nicht doch, mein Sohn, Du haſt Dich nicht verſpätet.
Wir haben noch gar nicht gefrühſtückt. Das Feſt bei Hofe
hat geſtern länger gedauert als ſonſt, und Papa erklärte,
er wolle heut’ ausſchlafen. Dich hat wohl Dein junger
Dichterruhm nicht länger in den Federn gelitten, Joachim?
Ein leiſer, kaum merklicher Spott lag in der ſonoren
Stimme der hohen, ſchlank gewachſenen Frau, deren blaue
Augen langſam und prüfend über das feingeſchnittene,
raſſige Geſicht des Sohnes glitten.
Unter dieſen forſchenden Blicken vertiefte ſich das
leichte Rot, das darauf lag. Eine kleine Unmutsfalte ſchob
ſich zwiſchen die dunklen Brauen. Der von einem kurz ge=
ſchnittenen
Schnurrbart beſchattete Mund ſchloß ſich feſt,
als müſſe er einem vorſchnellen Worte den Weg verſchlie=
ßen
. Nicht die Worte der Mutter hatten ihn verletzt, ſon=
dern
die Art und Weiſe, wie ſie ſie ausſprach. So ging
es ihm ſtets Mit vollem, warmem Herzen kam er. Ver=
ſſtimmt
und gekränkt ging er von ihr.
Ich bin nicht eitel, Mama.
Nein, aber Du vergißt zuweilen, daß Du in erſter
(Linie Juriſt und dann erſt Schriftſteller biſt,

S, duchuns nich. Daſir wird ven Seien heher
Familie ja in liebenswürdigſter Weiſe geſorgt.
Joachim! Ich will doch Dein Beſtes! Weicher, müt=
terlicher
klangen die Worte und ſie verfehlten ihren Zweck
nicht. Der Unmut aus dem Geſicht des Sohnes verflog.
Im Gegenteil, fuhr Frau von Leerſen fort, ich war
geſtern abend ſogar ſehr ſtolz auf Dich. Von allen Seiten
bekam ich die größten Lobreden über Deinen Geiſt und
Dein Talent zu hören. Durchlaucht beehrte mich durch
eine lange Anſprache und Dich zeichnete er geradezu aus.
Abſichtlich überhörte Frau von Leerſen einen wenig
reſpektvollen Einwurf ihres Sohnes. Sie ſchritt, gleich=
ſam
als wollte ſie das Geſpräch abbrechen, nach dem Früh=
ſtückstiſch
hinüber, der in einer Ecke der großen, mit Pal=
men
und Blumen reich dekorierten Veranda gedeckt war
Leiſe rauſchte die Schleppe des eleganten Morgengewan=
des
hinter der noch immer ſchönen Frauengeſtalt über den
mit rot=weißen Matten bedeckten Fußboden.
Joachim ſah der Mutter nachdenklich nach. Ihr Gang
hatte etwas Ruhiges, Sicheres, wie alle ihre Bewegungen.
Wie ſtolz ſie den Kopf mit dem blonden, an den Schläfen
nur etwas weißmelierten Haar trug! Jetzt ſtand ſie an
dem Tiſch, auf dem golden die Morgenſonne lag. Ihre
feinen, blaugeäderten Hände hantierten graziös und un=
hörbar
an der ſilbernen Kaffeemaſchine. Sie beugte ſich
hinunter, um die Spiritusflamme anzuſtecken. Joachim
ſah dabei ihr feines, ihn in ſeiner Reinheit immer an ein
klaſſiſches Kunſtwerk erinnerndes Profil. Heute aber ſah
er außer dieſer Schönheit auch das, was er damals nicht
geſehen hatte: den Zug des Hochmutes und der ſouveränen
Verachtung, die ſeine Mutter für alle nicht zu ihrer

Erie e hanſten u0 Pitge Mieg me
Jetzt lag wieder dieſer Ausdruck auf ihren Zügen und
jetzt, das fühlte er, jetzt galt er ihm und ſeiner Geſinnung.
Da legten ſich zwei weiche Hände über ſeine Augen.
Er fing ſie mit den ſeinen und führte ſie an die Lippen
Chriſta, man hört Dich ja gar nicht, Du ſchwebſt wohl
nur noch? neckte er die Schweſter, die, ohne daß er es ge=
merkt
hatte, vom Eßzimmer aus auf die Veranda ge=
treten
war.
Ja, genau wie Du in höheren Regionen, Joachim!
Weißt Du, wie Du eben daſtandeſt? Wie, wenn um mit
jenem Liede zu reden, Deine Seele ihre Flügel ausge=
ſpannt
und heimwärts geflogen wäre! Soll ich Dir auch
ſagen, wo das Heim Deiner Seele iſt? Leiſe, nur ihm
verſtändlich, ſagte ſie: Ada.
Chriſta, ich bitte Dich! Erſchrocken fuhr Joachim zu=
ſammen
. Dann folgte er langſam der Schweſter.
Das junge Mädchen aber ſtürmte lachend davon. Mit
Ungeſtüm küßte ſie der Mutter die Hand zum Guten Mor=
gen
und warf ſich in einen der roten Korbſeſſel, die am
Frühſtückstiſch ſtanden.
Chriſta, willſt Du denn nie manierlich werden! ver=
wies
ſie die Mutter. Wie oft ſchon habe ich Dir geſagt,
der gute Ton verlangt es, daß man ſich zu Haus ebenſo
korrekt benimmt wie in Geſellſchaft.
Ach, Mama, Herzensmama! Laß mich nur mit dem
guten Ton in Ruh. Sei doch zufrieden, wenn ich mein
heftiges Temperament auswärts ſo einzwänge, daß ich
all meinen Freundinnen von deren Mütter als leuchtendes
Beiſpiel beſcheidener Mädchenhaftigkeit hingeſtellt werde,
und gönne mir zu Haus ein wenig Freiheit. Sag’ ſelbſt,

[ ][  ][ ]

Mummer 198,

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Auguſt 1912.

Seite 11.

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Männer und Frauen ſeine wohl=
tätige
Wirkung empfinden, der
Körper kommt zu Kräften u. die alte
Spannkraft u. Lebensfreude kehrt
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95 Pf. in der Engros=Niederlage;
Friedr. Schaefer, ferner in der Hof=!
Drog.Chr. Schwinn, Rheinſtr. 8. (14857E

Ser ih e er en er eite ie neter en
nommen? Charmant, charmant, hauchte ſelbſt die alte,
falſche Katze, die Oberhofmeiſterin, als ich ihr meinen
Knix machte Huh, wie kann nur ein Weib ſo garſtig aus=
ſehen
wie die Recken, Mama! Und dazu noch ſo unglaub=
lich
dekolletiert. Dabei hat ſie nichts, was ſie zeigen kann.
Chriſta, das geht zu weit! Ein ſtrafender Blick traf
das junge Mädchen, das ganz ungerührt von dem mütter=
lichen
Zorn ihr Frühſtücksbrötchen mit Butter beſtrich.
Ach ja, entſchuldige, Mama, ſagte ſie, das war eine
häßliche Bemerkung, aber auf meinem Felde iſt ſie nicht
gewachſen. Sie iſt geiſtiges Eigentum Deines älteſten
Sohnes Karl Auguſt von Leerſen, Oberleutnant bei den
Neuſtädter Dragonern. Da kommt er übrigens mit Papa.
Chriſta ſowohl als Jogchim erhoben ſich, um den
Vater zu begrüßen.
Dieſer, ein alter Herr Mitte der Sechziger, kam lang=
ſam
näher. Mit ſeiner kleinen, ſchmächtigen Geſtalt reichte
er der junoniſchen Erſcheinung ſeiner Gattin nur bis zur
Schulter. Das ſpärliche weiße Haar hatten die geſchickten
Hände ſeines Kammerdieners ſo kunſtvoll über den ſchon
zum größten Teil kahlen Kopf gekämmt, daß nur geübte
Augen dieſes Manko der Natur bemerkten. Friſch gekräu=
ſelt
und gefärbt war der kleine Bart über dem ſchmal=
lippigen
, ſchon recht eingefallenen Mund Mit jugend=
lichem
Feuer aber blitzten die dunklen, von ſtarken Brauen
beſchatteten Augen aus dem ſchmalen, große Intelligenz
verratenden Geſicht hervor. Etwas Liebenswürdiges,
Verbindliches lag auf dieſen Zügen. Doch das auf ihnen
weilende konventionelle Lächeln hatte im Laufe der Jahre
etwas Gewohnheitsmäßiges bekommen.
Er küßte ſeiner Frau die Hand und Chriſtas Stirn.
Joachim bekam einen Händedruck.
Karl Auguſt, ſein älteſter Sohn, machte ihm alles

er er en er aer er reter en e
wenig Herzlichkeit an den Tag, daß Chriſta es nicht unter=
laſſen
konnte, mit ihrem Lieblingsbruder Joachim, dem
ſie auch äußerlich ſehr ähnlich war, einen raſchen Blick des
Einverſtändniſſes zu wechſeln.
Karl Auguſt von Leerſen war das getreue Abbild
ſeiner Mutter. Groß, ſchlank, blond, Ariſtokrat vom Schei=
tel
bis zur Sohle. Auch in ſeinen Geſinnungen und An=
ſichten
ſtand er ſeiner Mutter am nächſten.
Das Geſpräch drehte ſich in der Hauptſache um die
Erlebniſſe des geſtrigen Balles, und immer waren es
Chriſtas treffende und zum größten Teil drollige Bemerk=
ungen
, die es belebten. Joachim beteiligte ſich wenig an
der Unterhaltung Was aber von den Lippen des Leer=
ſenſchen
Ehepaares und denen ihres älteſten Sohnes kam,
war äußerſt taktvoll, gemeſſen und überſchritt im Lob ſo=
wohl
wie im Tadel nie die korrekten Grenzen. Exzellenz
Leerſen, der fürſtliche Finanzminiſter, hatte ſich ſchon lange
am Hofe bewegt und hatte im Zwang der Etikette es von
früh auf gelert, ſeine Gefühle und Empfindungen zu
meiſtern und zu beherrſchen. Seiner Gattin und ſeinem
Sohn Karl Auguſt aber ſchien dieſe Kunſt angeboren zu
ſein, denn ſie hielten es für ſelbſtverſtändlich, ſich nicht
gehen zu laſſen. Jonchim wurde es ſchon ſchwerer, und
gerade ihm wäre doch für ſeine Diplomatenkarriere dieſes
Ueber=ſeinen=Gefühlen=Stehen von großem Nutzen ge=
weſen
! Er war einige Jahre in Diplomatendienſten aus=
wärts
geweſen, und dieſe Jahre, frei vom Elternhauſe,
hatten vieles in ihm ausreifen laſſen. Er war nicht wil=
lens
, ſich in eine Schablone preſſen zu laſſen. Er wollte
ſich ſein Leben ſo geſtalten, wie es ihn glücklich machte.
Als Blinder war er fortgegangen aus dem Elternhauſe,
als Sehender war er heimgekehrt. Er ſah, wie hohl, wie
ſchal dieſes nach außen ſo prunkvolle Leben im Eltern=

hauſe war, das, nur auf Aeußerlichkeiten gerichtet, nichts
von inneren Werten wußte. Mit großer Freude aber er=
füllte
es ihn, daß ſein warmherziges Schweſterchen mit
ſeinem geſunden Urteilsvermögen ſich weder durch Er=
ziehung
noch eingeimpfte Vorurteile hatte beeinfluſſen
laſſen. Sie war dasſelbe prächtige Menſchenkind geblie=
ben
, wie er ſie als halbes Kind verlaſſen hatte. Und mit
erneuter Liebe hatte er ſich eng an die Schweſter ange=
ſchloſſen
.
Augenblicklich nahm ihn der Zauber, der von ſeinem
reizenden, ſprühenden Schweſterchen ausging, ganz ge=
fangen
. Er bewunderte ihre Schlagfertigkeit. Auf alle
Neckereien des Vaters, deren erklärter Liebling ſie war,
hatte ſie eine treffende Antwort, und er mußte über ihre
drollige Mimik lachen, wie ſie dieſen oder jenen der Hof=
geſellſchaft
karikierte.
Chriſta, Du biſt eine geborene Schauſpielerin.
Ja, das hat man mir geſtern abend, als ich die Haupt=
rolle
in Deinem Feſtſpiel gemimt hatte, in allen Ton=
arten
geſungen. Sogar Durchlaucht geruhte mich huld=
vollſt
darauf anzuſprechen: Famos, famos, meine kleine
ſchöne Gräfin. Sie küßte verzückt die eigenen Finger=
ſpitzen
, die geborene Aktrice. Ich lege Ihnen meine Hul=
digung
zu den reizenden Füßchen. Und dann lachte ſie
eine ganze Skala von ſilbernen Tönen.
Ach, Väterchen, mach’ doch nur nicht ſo ein böſes Ge=
ſicht
. Ich verſpotte ja Durchlaucht gar nicht Im Gegen=
teil
, ich liebe das alte Männchen mit allem Reſpekt und
aller Devotion, wie es einer ſeiner untertänigſten Landes=
töchter
zukommt.
Chriſta , aber ſchon verſchloß ein Kuß von über=
mütigen
Mädchenlippen dem alten Herrn den Mund.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Augnſt 1912.

Nummer 198.

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Ludwigsplatz
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Bruchleidende.

Bekannte Tatſache iſt, daß Brucheinklemmungen oft tötlichen Aus=
gang
nehmen, daher empfiehlt es ſich, ein wirklich gut ſitzendes Bruch=
band
anzuſchaffen, wozu ſich meine Erfindung eines Bruchbandes
hne Feder, aus Lederhergeſtellt, ganz beſonders eignet Es iſt leicht,
bequem und ſolid gearbeitet, bei Tag und Nacht zu tragen. Es wird
mit Recht als Spezialität erſten Ranges und als wahre Wohltat für
Bruchleidende bezeichnet. Intereſſe eines jeden Bruchleidenden iſt, ’ſich
eines dieſer bequemen Bruchbänder zu beſchaffen, wozu ſich die beſte Ge=
legenheit
bietet, die Durchreiſe meines Vertreters zu benutzen, welcher
am Freitag, d. 23. Auguſt von 93 Uhr in Bensheim, Bahnhofhotel,
Samstag, 24. 93 Eberstadt, Gaſthaus zur Traube,
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