Abonnementspreis
Inſerate
175. Jahrgang
1 monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadt.
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
ſowie von unſeren Agenturen und
1 u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
DDie auf dem „Großen Sande” bei Mainz erbaute neue
Flugzeughalle wurde am Mittwoch eingeweiht.
Der Kaiſer iſt am Mittwoch abend an Bord der
„Hohenzollern” in Bergen eingetroffen.
Der Prinz von Wales hat am Mittwoch Paris
wieder verlaſſen.
Die Inſel Ikaria hat ſich von der Türkei losgeſagt
und die Vereinigung mit Griechenland
prokla=
miert.
Auf der Strecke der zentralbraſilianiſchen Bahn ſind in der
nächſten Umgebung der Stadt Rio de Janeiro zwei
Züge zuſammengeſtoßen. Gegen hundert
Per=
ſonen ſollen getötet oder verwundet worden ſein.
Ein merkwürdiges Urteil.
* Die engliſche Unterſuchungskommiſſion, die die
Schuldfrage bei der „Titanie”=Kataſtrophe zu
wrüfen hatte, hat geſprochen. Nicht weniger denn 74
Fo=
nioſeiten umfaßt das Gutachten, das der Vorſitzende
LLord Merſey mit einem Zeitaufwand von
zweiein=
toalb Stunden verlas und das doch etwas anders lautet,
uls die bisherigen Meldungen vermuten ließen. Dieſes
merkwürdige Schriftſtück läßt das Unglück in einem
neuen Lichte erſcheinen: alle Leute, denen eine
Verant=
wortung an dem furchtbaren Ereignis beizumeſſen iſt,
itehen unſchuldig da und die Schuld an der Kataſtrophe
wird dem — man höre und ſtaune — Publikum in die
Schuhe geſchoben!
Der Bericht zerfällt in drei Abſchnitte: Der eine
wetrifft den „Irrtum” des Kapitäns Smith
und führt dabei aus: „Zwei Wege ſtanden dem Kapitän
jeffen. Der eine war, nach Süden zu ſteuern, ſtatt die
weſtliche Route einzuhalten. Der andere, die
Geſchwin=
wigkeit ſofort herabzuſetzen, als die Nacht hereinbrach.
EEr tat weder das eine noch das andere. Ich bin nicht
umſtande, Kapitän Smith deswegen zu tadeln. Es hatte
ſeie Anſicht beſtanden, Smith hätte Einflüſſen
nachgege=
heen, die in der Gegenwart von Generaldirektor Ismay
hagen. Er habe dadurch Vorſichtsmaßregeln
vernachläſ=
ſigt, die er anderwärts befolgt haben würde. Ich neige
rnicht zu dieſer Annahme. Der Augenſchein ergibt, daß
er nicht verſuchte, irgend eine Rekordzahl aufzuſtellen.
(Er ſuchte niemand zu gefallen, ſondern war auf eigene
Rechnung und Gefahr beſtrebt, eine möglichſt gute Fahrt
au machen. Das war ein Fehler, ein ſehr ſchwerer
Irr=
trum, aber eine Vernachläſſigung ſeiner Kapitänpflicht
dann daraus nicht hergeleitet werden. Es iſt nach
mei=
mer Anſicht unmöglich, einen Tadel über Kapitän Smith
auszuſprechen.
Das zweite Kapitel iſt dem Generaldirektor
Fsmay gewidmet. Es heißt in dem Bericht, man
nabe angenommen, ſeine Stellung als leitender
Direk=
vor der Dampfſchiffahrtsgeſellſchaft habe ihm die
mora=
lſiſche Pflicht auferlegt, an Bord zu bleiben, bis das
Schiff unterging. Dieſer Anſchauung kann ich nicht
zu=
ſtimmen. Nachdem Ismay mehreren Paſſagieren Hilfe
geleiſtet hatte, begab er ſich in das letzte Boot an der
Steuerbordſeite. Zu dieſer Zeit befand ſich niemand
unders dort. Es war Platz für ihn und er ſprang hinein.
Wäre er nicht hineingeſprungen, ſo wäre lediglich ein
Mann mehr verloren gegangen.
Das dritte Kapitel betrifft die
Zwiſchendeck=
paſſagiere. Es war behauptet worden, daß die
dritter Klaſſepaſſagiere „unfair” behandelt wurden, daß
ihhnen der Zutritt zu den Bootsſtellen verwehrt wurde,
und daß, als ſie das Deck erreichten, den erſter und
zwei=
ter Klaſſepaſſagieren der Vortritt zu den Booten gewährt
wurde. Bisher hat ſich nichts ergeben, was die
Wahr=
heit dieſer Aufſtellung bekräftigen könnte. Es beſteht kein
Bweifel, daß das Verhältnis der dritter Klaſſepaſſagiere
zu den geretteten Paſſagieren erſter und zweiter Klaſſe
ein ungünſtiges iſt. Aber man muß das darauf
zurück=
fführen, daß die dritter Klaſſepaſſagiere ſich weigerten,
ſich von ihrem Gepäck zu trennen und das Schiff zu
ver=
haſſen, das ſie für unſinkbar hielten.”
Alſo: Ein Kapitän, der in unverantwortlicher Weiſe
das Leben der ihm anvertrauten Paſſagiere und das
Schiff aufs Spiel ſetzt, begeht einen entſchuldbaren „
Irr=
tum‟. Der Herr Generaldirektor Ismay, auf deſſen
Be=
treiben zweifellos die jetzt abgeſtrittene Rekordfahrt
ge=
macht wurde, wird als blitzblanker Ehrenmann der
ſtau=
nenden Mitwelt wiedergegeben. Aber die Paſſagiere, die
ſo dumm waren, unbedingtes Vertrauen in die „
Unſink=
barkeit” des Schiffes zu ſetzen, haben den größten Teil
der Schuld.
Die engliſche Preſſe preiſt natürlich Lord Merſeys
Bericht über das Unterſuchungsergebnis als meiſterhaftes
Dokument. Ob jedoch das Publikum eine ebenſo hohe
Meinung davon hat, darf bezweifelt werden. Das
Ur=
teil bildet überdies einen ſcharfen Kontraſt zu dem
Be=
richt der amerikaniſchen Unterſuchungskommiſſion.
Die Blätter ſtellen feſt, daß die Bedeutung des
Berichtes von Lord Merſey darin liege, die White
Star Line von jeder wirklichen Verantwortung
an der Kataſtrophe freizumachen. Wenn Lord
Merſey anders geurteilt hätte, ſo hätte die White Star
Line auf Grund des Handelsſchiffahrtsgeſetzes von 1894
für allen durch die Kataſtrophe verurſachten Schaden
aufkommen müſſen.
Deutſches Reich.
— Die Veteranenfürſorge. Die Meldung,
daß in den Etat für 1913 bedeutende Mittel zur
Erwei=
terung der Veteranenfürſorge eingeſtellt worden ſeien,
beruht, wie jetzt behauptet wird, auf keinerlei
Mittei=
lungen aus dem Reichsſchatzamt. Sie treffe außerdem
mit allen ihren Vorausſetzungen und Einzelheiten nicht
zu. Im beſonderen ſei man an den zuſtändigen Stellen
überraſcht, zu hören, daß der Kaiſer in letzter Zeit zu
einer detaillierten Willensäußerung Anlaß gefunden
ha=
ben ſoll.
— Zu den Jeſuitendebatten in der
bayeriſchen Reichsratskammer, über die
geſtern berichtet wurde, iſt noch nachzutragen:
Reichsrat Schanz beurteilte den Jeſuitenerlaß als
einen großen taktiſchen Fehler und mißbilligte beſonders
die Erbſchaftsauslegung, laut deren Hertling die Sache
vom vorigen Miniſterium übernommen habe. Der
frühere Miniſterpräſident Graf Crailsheim teilt mit dem
Grafen Moy die Anſicht, daß die letzte Ausſchußſitzung
kein Mißtrauensvotum gegen die Regierrhig bedeutet,
nur an einzelnen Punkten habe man Ausſtellungen
ge=
macht, Hertling ſelbſt aber habe bloß um ein Minimum,
nicht um ein Maximum von Vertrauen gebeten. Wie
immer man über den Urſprung und Fortbeſtand des
Jeſuitengeſetzes denken möge, jedenfalls fordere die Art
und Weiſe des Vorgehens der Regierung geradezu zur
Kritik heraus. Jedenfalls wäre es beſſer geweſen,
vor=
her, nicht nachher eine Anfrage an den Bundesrat zu
richten. Fürſt Löwenſtein, der bekannte Vorſitzende
vieler Katholikentage, betont namentlich die
wiſſenſchaft=
liche Tätigkeit der Jeſuiten. Ein gehäſſiges
Ausnahme=
geſetz ſollte nicht auch noch durch willkürliche Auslegung
verſchärft werden Der Münchener Erzbiſchof Bettinger
beſtreitet, daß viele katholiſche Geiſtliche der
Rückberu=
fung der Jeſuiten ablehnend gegenüberſtänden Im
ganzen Deutſchen Reiche dächten derart kaum zehn, die
Biſchöfe dagegen ſeien einſtimmig für die Jeſuiten. Der
Miniſter des Innern, Frhr v Soden, entrüſtete ſich über
den in Törrings Worten liegenden unerhörten Vorgang.
Des Schutzes der Reichsregierung bedürfe man um ſo
weniger, da die eigene bayeriſche Regierung den
Bundes=
rat angerufen habe Soden ſchilderte dann anſchaulich,
welch ungeheuere Entrüſtung entſtanden wäre wonn
man auf Grund des Wehnerſchen Auguſt=Erlaſſes etwa
einen Jeſuiten von der Kanzel heruntergeholt hätte Der
Präſident des proteſtantiſchen Oberkonſiſtoriums, Bezzel,
glaubt, die wiſſenſchaftliche Tätigkeit der Jeſuiten
objek=
tiv würdigen zu können, und erkennt beſonders die
naturwiſſenſchaftlichen Verdienſte des Paters Wasmann
an, aber er könnte die Namen hochſtehender Katholiken,
ſogar die von Kardinälen nennen, die aus ihren
Be=
denken gegen die Jeſuiten kein Hehl machten. Wenn
Frhr. v. Hertling meine, für die Störung des
konfeſſio=
nellen Friedens ſei kein Beweis erbracht, ſo ſtelle er dem
das eine Wort Gegenreformation gegenüber, in das ſich
die keineswegs als Geſpenſterfurcht einzuſchätzenden
Be=
fürchtungen der Proteſtanten zuſammenfaſſen ließen.
Noch einmal ſprach zum Schluß der Debatte v. Hertling
und wies weit jene Mittel zurück, mit denen ſeinerzeit
die Gegenreformation durchgeführt worden ſei. Heute
könne es ſich nur um einen geiſtigen Kampf handeln.
— Sächſiſcher Proteſt gegen tſchechiſche
Schikanen. Die ſächſiſche Regierung hat, wie aus
Dresden gemeldet wird, an der zuſtändigen Stelle in
Wien Vorſtellungen erhoben wegen des ſtarken
Rück=
gangs des Elbwaſſerſtandes, der in letzter Zeit
wieder=
holt plötzlich eingetreten iſt. Dieſer Rückgang iſt auf
ab=
ſichtliche Machenſchaften tſchechiſcher Strombeamten in
Böhmen zurückzuführen, die bei Unterberkowitz eine
Stauung des Elbwaſſers und damit einen niedrigen
Waſſerſtand für die ſächſiſche Strecke veranlaßten. Der
Rückgang hat ſchwere Schädigungen der deutſchen
Schiff=
fahrt nach ſich gezogen.
Ausland.
England.
Teilnahmekundgebung für Japan. Im
Unterhauſe brachte Premierminiſter Asquith eine
Reſo=
lution zu dem Tode des Kaiſers von Japan ein. Er
wies auf die gewaltigen Veränderungen hin, die der
Kaiſer in ſeiner denkwürdigen Regierung erlebt habe.
Unter ſeiner Regierung ſei Japan aus der unnahbar
ſcheinenden Abſonderung in den Vordergrund der
Völ=
kerfamilie getreten und eine große Militär= und
Marine=
macht geworden, die glänzende Leiſtungen von
Aus=
dauer, Manneszucht und Heldenmut vollbracht habe. Seit
zehn Jahren ſei Japan mit England durch einen
Bünd=
nisvertrag verbunden. Dieſes Bündnis ſei ſeitdem
zwei=
mal erneuert und erweitert worden und nachdem es die
Probe beſtanden habe, ruhe es heute auf feſter, und, wie
man hoffe und glaube, auf dauernder Grundlage. Es
ſei ein Bündnis nicht zum Angriff oder zur
Herausfor=
derung, ſondern für die Verteidigung gemeinſamer
In=
tereſſen zur Entwickelung der Ideale der Menſchheit und
vor allem zur Aufrechterhaltung des Friedens. Die
Re=
ſolution wurde darauf angenommen. — Im Oberhauſe
wurde das Andenken des Kaiſers von Japan in ähnlicher
Weiſe geehrt wie im Unterhauſe. Der Staatsſekretär für
Indien ſagte, der Kaiſer erinnere an einen anderen
Sou=
verän, den deutſchen Kaiſer Wilhelm I., der, wie der
Kai=
ſer von Japan, im Mittelpunkt großer Ereigniſſe bei, der
Entſtehung einer neuen Nation war, doch gern die
An=
erkennung und den Beifall des Volkes den
Staatsmän=
nern und Feldherren überließ, die ihm bei der
Vollbrin=
gung ſo großer Ereigniſſe halfen.
Die indiſche Preſſe iſt entrüſtet über die
Oberhaus=Rede des Staatsſekretärs für Indien.=Eine
einflußreiche weit verbreitete Zeitung Bengalens
pro=
phezeit einen neuen Ausbruch der revolutionären
Bewe=
gung, wenn den Indiern jede Hoffnung auf
Selbſtver=
waltung genommen werde.
Türkei.
Fortdauer der Kriſe. In der Kammer
er=
ſchien am Mittwoch gegen 4 Uhr das geſamte Kabinett,
ausgenommen Kiamil und Nazim Paſcha, und übergab
dem Präſident einen Dringlichkeitsantrag auf Aenderung
des Artikels 7 der Verfaſſung betreffend das Recht des
Sultans zur Auflöſung der Kammer. Die Regierung
verlangt, dem Sultan das Recht zu geben, die Kammer,
falls ungewöhnliche Umſtände vorliegen, aufzulöſen,
nachdem ſich gleichfalls der Senat dafür ausgeſprochen
hat. Die Einbringung des Antrags wurde von der
Kam=
mer als verfaſſungswidrig erklärt. Die Abſtimmung über
den Antrag mußte nach einer ſtürmiſchen Debatte, in
der die dem Komitee angehörenden Abgeordneten dem
Kabinett das Recht zur Einbringung eines ſolchen
Aenderungsantrags beſtritten, wegen Beſchlußunfähigkeit
des Hauſes unterbleiben. Trotz des Vertrauensvotums
unterzieht die jungtürkiſche Preſſe das
Regierungspro=
gramm einer ſehr ſcharfen Kritik. Der Deputierte
Babanzade erklärt im „Tanin”: Obwohl die neue
Regie=
rung behaupte, daß ſie die Geſchäfte nur übernommen
habe um die Ruhe wieder herzuſtellen, handele ſie doch
ſo, als ob ſie den Kampf beginnen wollte. Es ſei eine
neuerliche Maſſenentlaſſung von Beamten zu befürchten.
Durch dieſe Maßregel werde die größte Verwirrung
her=
vorgerufen werden.
Abfall der Inſel Ikaria. Die Bevölkerung
der Inſel Ikaria (Nikaria), einer der 12 ſüdlichen
Spo=
raden, die die Italiener nicht beſetzt haben, hat ſich
er=
hoben. Die türkiſchen Behörden wurden feſtgenommen
und in Kleinaſien an Land gebracht. Die Bevölkerung
hat ſodann die griechiſche Fahne gehißt und die
Ver=
einigung mit Griechenland proklamiert.
Vereinigte Staaten.
Die Panamakanal=Bill. Es iſt nicht
unwahr=
ſcheinlich, daß die Verhandlungen über die
Panama=
kanal=Bill bis zur nächſten Seſſion im Dezember
ver=
ſchoben werden. Zwiſchen den Häuſern des Kongreſſes
beſtehen grundſätzliche Meinungsverſchiedenheiten über
die Bill. Der Präſident wünſcht, daß wenigſtens die
Leite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 2. Auguſt 1912.
Nummer 180.
verwaltungsrechtlichen Beſtimmungen der Bill ohne
Auf=
ſchub erledigt werden, aber das Repräſentantenhaus will
nicht darauf eingehen, weil es glaubt, daß es bei einer
ſolchen Trennung der Beratung gezwungen werden
könnte, nachher in der Frage der Gebühren und des
Ausſchluſſes der Schiffe, welche Eiſenbahngeſellſchaften
gehören, dem Senate nachzugeben.
Afrika.
Südweſtafrika und die
Funnkentele=
graphie. Die ſüdafrikaniſche Regierung hat der
eng=
liſchen Regierung ihre Bereitwilligkeit mitgeteilt, eine
funkentelegraphiſche Station zu errichten und damit
Süd=
afrika an das funkentelegraphiſche Syſtem des britiſchen
Reiches anzuſchließen. Die Regierung der Union hat
bereits bei Pretoria ein Gelände zur Errichtung einer
Kraftſtation ausgeſucht und will die Koſten in Höhe von
etwa 1600000 Mark übernehmen.
Japan.
Eine kaiſerliche Botſchaft, die die
Thron=
beſteigung anzeigt, wurde durch den Kaiſer in
Gegen=
wart der Miniſter, Geheimen Räte und anderen
Wür=
denträgern verleſen. In der Botſchaft heißt es: Das
Ableben des Kaiſers bedeutet für uns und die Nation
einen ſchweren Kummer. Da es unmöglich iſt, den Thron
leer und die Regierung unbeſetzt zu laſſen, haben wir
ſofort den Thron beſtiegen. Es wird dann den
Tugen=
den des Kaiſers gehuldigt. Die Botſchaft fährt fort:
Wir folgen ihm jetzt in der Herrſcherwürde und werden
das Reich unter dem Schutze unſerer kaiſerlichen
Vor=
fahren regieren, wobei wir hoffen, nicht irregeleitet zu
werden. Wir werden, verſuchen, das Werk des
dahin=
gegangenen Kaiſers weiter zu fördern und hoffen auch,
daß unſere Untertanen ihr Beſtes für uns tun werden,
wie ſie es für Mutſuhito getan haben und treu zu uns
ſtehen werden. Der Miniſterpräſident, der nach dem
Kaiſer ſprach, pries die Tugenden und Taten des
Ver=
ſtorbenen und gelobte dem neuen Herrſcher
unwandel=
bare Treue.
* Königsberg, 31. Juli. Die Sammlungen für
die National=Flugſpende haben nach den
letz=
ten Feſtſtellungen in der Provinz Oſtpreußen,
einſchließlich des Betrages für ein von der Stadt
Allen=
ſtein dem 20. Armeekorps zu überweiſendes Flugzeug,
die Summe von 98870 Mark ergeben.
* Bergen, 1. Aug. Bei der Abreiſe des Kaiſers
von Balholm regnete es in Strömen. Es war ſo kalt
wie in Molde; das Wetter klärte aber während der Fahrt
auf. Die Ankunft erfolgte geſtern um 6 Uhr abends.
Die Nordlandgäſte werden am 1. Auguſt von Bord
gehen und am Nachmittag von Swinemünde nach
Ber=
lin reiſen. Mit den zurückbleibenden Herren wird der
Kaiſer am 6. Auguſt Swinemünde verlaſſen. An Bord
iſt alles wohl.
* Pretoria 31. Juli. Dr Solf weilt heute und
morgen hier als Gaſt des ſtellvertretenden
General=
gouverneurs Premierminiſter Botha gab zu Ehren des
Staatsſekretärs ein Lunch, an dem die Mitglieder
des Miniſteriums und Adminiſtratur der Provinz
Transvaal und andere angeſehene Perſönlichkeiten
teil=
nahmen. Abends fand im Regierungspalais ein Bankett
ſtatt. Morgen reiſt Dr. Solf nach der Delagoabai ab.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 2. Auguſt.
Verkehrsförderung.
s. Eben und in den nächſten Monaten finden ſehr
beträchtliche ſtädtiſche Arbeiten ſtatt, durch welche teilweiſe
dringenden allgemeinen Bedürfniſſen Rechnung getragen
wird. Es handelt ſich vor allem um die lang erſehnte
elektriſche Straßenbahnlinie zwiſchen dem
Stadtmittel=
punkt und dem Oſtbahnhof. Der Ausführung dieſer
Strecke mußten die Kanaliſation der Landgraf=Georg=
Straße nebſt Waſſer= und Gasrohrlegung und der
Ab=
bruch des von der Stadt zu dieſem Zweck gekauften
frühe=
ren Häußleinſchen Hauſes am alten Schlachthofplatz
vor=
ausgehen. Letzterer iſt eben im Gange und die
Kanali=
ſation vom Markt bis zur Beckſtraße bereits beendigt. Es
wird deshalb die Legung der Straßenbahngleiſe von der
Schirngaſſe bis zur Beckſtraße in den nächſten Tagen
be=
ginnen, während inzwiſchen die durch Geländeerwerbung
uſw. ſeither aufgehaltene Kanaliſation der Landgraf=
Georg=Straße zwiſchen Beckſtraße und Roſenhöhe
nach=
geholt werden ſoll. Alsdann wird man das Gleis auch
für dieſe Strecke und für das Stück vom Markt über den
Schillerplatz fertigſtellen. Die Arbeiten dürften nur wenige
Monate in Anſpruch nehmen. Die neue Linie erhält an
ihrem Endpunkt eine Schleife (ähnlich wie am alten
Bahn=
hof), indem ſie vom Damm nördlich des Großen Woogs
zu dem über die Erbacher Straße ſüdwärts verlängerten
Speſſartring zum Oſtbahnhof läuft, dann den
Speſſart=
ring bis zur Erbacher Straße, ſowie dieſe bis zum
Fied=
lerweg weſtwärts benutzt und durch letzteren in den
Aus=
gangspunkt am Damm zurückkehrt. Das von den
genann=
ten vier Seiten begrenzte Gelände iſt als Baublock
pro=
jektiert. In naher Zeit iſt alſo eine weitere wichtige
Straßenbahnverbindung, die nach Eröffnung des
Haupt=
bahnhofes noch dringlicher geworden war, zuſtande
ge=
bracht.
Außer den erwähnten Kanaliſations= und
Straßen=
herſtellungen liegt unſerem Tiefbauamt eben die
Ausfüh=
rung des Durchbruches zwiſchen Bismarckſtraße und dem
Dornheimer Weg ob, wobei nicht weniger als 18000
Kubikmeter Grund zu entfernen ſind. Der dort jene
bei=
den Straßen noch trennende alte Bahnkörper muß 4½
Meter tief und etwa 22 Meter breit bis zum
Straßen=
niveau beſeitigt werden. Es iſt dies die Stelle, an
wel=
cher früher durch Tunnelbau der große Entlaſtungskanal
der Bismarckſtraße durchgeführt wurde. Die Entfernung
der Erdmaſſen erfolgt bis auf weiteres von der
Feldberg=
ſtraße aus und bietet Bauintereſſenten ſehr günſtige
Ge=
legenheit, für ihre Zwecke dort Sand holen zu laſſen. Bei
Erbauung der Bahn im vorigen Jahrhundert wurde
nämlich zur fraglichen Aufſchüttung der aus dem
Bahn=
einſchnitt ſüdlich der Station Beſſungen gewonnene, recht
reine Sand verwendet, und er eignet ſich wohl für
Bau=
zwecke. Viele Fuhrleute benutzen auch bereits die
be=
queme Gelegenheit, und man ſollte noch mehr von ihr
Gebrauch machen, wodurch auch der Stadt die Koſten
jenes Durchbruches verringert würden. Dieſe Arbeit wird
ebenfalls nach Kräften gefördert; dient ſie doch dazu, durch
Verbindung der erwähnten Straßen eine direkte Zufahrt
vom neuen Güterbahnhof zu ſchaffen und gleichzeitig die
Durchführung der elektriſchen Straßenbahn vom Weſtende
der Bismarckſtraße durch den Dornheimer Weg zu dem
Hauptbahnhof zu ermöglichen. Zwar muß vorläufig
zwecks Wegſchaffung des Bahnmaterials noch ein Gleis
an der Durchbruchſtelle bleiben, doch wird dieſes entweder
in das Straßenniveau heruntergelegt, oder ſpäter auf
einer proviſoriſchen Brücke übergeführt werden, daß es
nicht weiter hindert.
Als dritte größere Arbeit des Tiefbauamtes in
näch=
ſter Zeit ſind die zwei Straßen zu nennen, die vom
Dorn=
heimer Weg weſtlich der Zentralwerkſtätten und von der
Griesheimer Landſtraße in der Nähe des Baſſins nach
dem neuen Waldfriedhof angelegt werden müſſen.
Be=
ſonders die erſtere wird zur Herbeiſchaffung von
Mate=
rialien für die Friedhofsanlegung benutzt werden.
* Vom Hofe. Die Großherzoglichen
Herr=
ſchaften begaben ſich Mittwoch nachmittag 4 Uhr
mit Gefolge im Auto zum Polo=Spiel nach
Frank=
furt; die Rückkehr nach Jagdſchloß Wolfsgarten erfolgte
um 7½ Uhr. (Darmſt. Ztg.)
* Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Kaiſerlichen Legationsſekretär
Dr. jur. Kurt Freiherrn v. Lersner zu Paris die
Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von
Sr. Maj. dem Deutſchen Kaiſer, König von Preußen,
ver=
liehenen Königl. Preußiſchen Kronen=Ordens 4. Klaſſe
und des ihm von Sr. Maj. dem König der Belgier
ver=
liehenen Ritterkreuzes des Königl. Belgiſchen Leopold=
Ordens erteilt, ſowie dem Hofſtallmagazinsverwalter
Heinrich Kircher das Dienſtehrenzeichen für 50
Hof=
ienſtjahre in Silber verliehen.
Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger
Feuer=
wehren wurde verliehen: Jakob Emrich zu Ortenberg;
Johann Kaſpar Dietrich, Johann Philipp Engel
und Heinrich Peter Möller zu Friedberg; Adam
Schön II., Ernſt Bauer und Chriſtof Wießler zu
Butzbach; Johannes Spörer II. zu Rodheim v. d. H.;
Chriſtian Schmidt II., Friedrich Müller II., Dieter
Schmidt, Friedrich Hennemann I., Georg
Hart=
mann III., Georg Büdinger II., Heinrich Büdinger I.,
Philipp Eiſinger III., Friedrich Bohn VI., Auguſt
Dornbach, Johann Pathenſchneider, Chriſtian
Pfeifer, Johannes Hartmann III., Adam Daum II.
und Georg Müller II. zu Seeheim; Jakob Haag, Georg
Kneib IV., Georg Illy I., Martin Henß II., Georg
Plattner I., Johann Becker IV., Georg Kraffert
und Wilhelm Maus zu Zornheim; Michael Joſeph
Schledt zu Eppertshauſen; Wilhelm Auer und Abraham
Loeb zu Dieburg; Georg Weber IV. zu Heubach; Karl
Schnell, Konrad Krömmelbein, Friedrich Rockel,
Georg Stöpler, Heinrich Schmelz IV. und Konrad
Roth zu Allmenrod=Sickendorf; Adam Kiſſel und
Adam Biener zu Groß=Umſtadt; Lorenz Reckert, Georg
Bungert, Georg Fleiſcher, Philipp Joſef Schäfer,
Philipp Weis, Anton Barth III., Valentin Reckert,
Peter Berg, Philipp Bungert, Philipp Gros,
Bern=
hard Hattemer, Johann Bungert Heinrich
Molitor, Moritz Nathan und Philipp Jakob
Schäfer zu Ockenheim.
* Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Friedrich Ahlheim aus Ober=Lais, Kreis Schotten,
eine Lehrerſtelle an der evangeliſchen Schule zu
Gimbs=
heim, Kreis Worms.
* Verſetzung in den Ruheſtand. Se. Königl.
Hoheit der Großherzog haben den Waſſerbaugeometer
Ernſt Seiler zu Mainz auf ſein Nachſuchen, unter
Anerkennung ſeiner langjährigen treuen Dienſte, mit
Wirkung vom 1. September d. J. in den Ruheſtand
ver=
ſetzt und ihm den Charakter als Rechnungsrat verliehen.
* Militärdienſtnachrichten. Welſch, Zahlmeiſter
vom Inf.=Regt. Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116,
der Titel „Oberzahlmeiſter” verliehen. Stettin,
Haupt=
mann vom 3. Großh. Heſſ. Inf.=Regt. Nr. 117, zur
Infanterie=Schießſchule kommandiert.
* Kirchliche Dienſtnachrichten. Ernannt wurden:
Pfarramtskandidat Guſtav Hoffmann zu Haardt zum
Pfarrvikar, dann zum Pfarrverwalter an der
Chriſtus=
gemeinde zu Mainz; Pfarramtskandidat Schultheis zu
Hartershauſen zum Pfarrvikar in Birkenau; Pfarrvikar
Deggau zu Beerfelden (erſte Pfarrſtelle) zum
Pfarr=
verwalter daſelbſt; Pfarramtskandidat Köppler zu
Worms zum Pfarrvikar in Nieder=Ramſtadt;
Pfarr=
amtskandidat Werner zu Groß=Umſtadt zum Pfarrvikar
in Seligenſtadt Pfarrvikar Stumpf zu Beerfelden zum
Pfarrvikar in Büdingen (dritte Pſarrſtelle);
Pfarramts=
kandidat Reith zu Wörrſtadt zum Pfarrvikar in Maar;
Pfarramtskandidat Heymann zu Rodheim a. d. B. zum
Pfarrverwalter in Grünberg (zweite Pfarrſtelle);
Pfarr=
verwalter Vogt zu Hopfmannsfeld zum Pfarrverwalter
in Uſenborn; Pfarraſſiſtent Bröckelmann zu Hangen=
Weisheim zum Pfarraſſiſtenten in Klein=Linden;
Pfarr=
amtskandidat Weik zu Eberſtadt zum Pfarraſſiſtenten
in Hangen=Weisheim. Die Schlußprüfung im Juni
1912 haben beſtanden: Wilhelm Franck von
Eber=
ſtadt zu Friedrichsdorf i. T., Hugo Heymann zu
Rodheim a. d. B., Guſtav Hoffmann von Heßheim zu
Hardt (Pfalz), Hans Hoffmann von Planig zu Haardt
(Pfalz), Auguſt Köppler von Friedberg zu Worms,
Georg Reith zu Wörrſtadt, Heinrich Schultheis von
Maulbach zu Hartershauſen, Friedrich Weik von
Heppen=
heim a. d. B. zu Eberſtadt, Karl Werner von Eberſtadt
zu Groß=Umſtadt. Geſtorben iſt: der evangeliſche
Pfarrer Geh. Kirchenrat D. Ludwig Frohnhäuſer zu
Mainz, Dekanat Mainz, am 29. Juni.
* Dem Großh. Geheimen Baurat Profeſſor Adolf
Pfarr an der hieſigen Techniſchen Hochſchule iſt durch
Be=
ſchluß der Techniſchen Hochſchule in Aachen in
Wür=
digung ſeiner hervorragenden Verdienſte als ſchaffender
Ingenieur und erfolgreicher Lehrer um die Förderung
des Waſſerkraft=Maſchinenbaues die Würde eines
Doktor=Ingenieurs Ehrenhalber verliehen
worden.
* Einrichtung eines regelmäßigen Dienſtes zur
Be=
obachtung des Bodenwaſſers im Großherzogtum Heſſen.
Das moderne volkswirtſchaftliche Leben, das durch die
gewaltige Konzentration großer Volksmaſſen in den
gro=
ßen Städten in die äußere Erſcheinung tritt, bringt nicht
nur tiefgreifende Umwälzungen mit ſich, deren Urſachen
und Wirkungen klar vor Augen liegen, ſein Einfluß er=
Die Bayreuther Feſtſpiele 1912.
Bayreuth, Ende Juli.
Zum letzten Male hat heuer Bayreuth unter dem
Schild der Schutzfriſt geſpielt, die den Werken ſeines
Meiſters durch die Beſtimmungen des deutſchen Geſetzes
gezogen iſt.
Was wird nun aus Bayreuth?
Kein Geſetz ſchirmt mehr ſein Werk. Und doch ſchützt
dieſes Werk — das darf man als ſicher annehmen — ſich
ſelbſt. Durch ſeine Arbeit, die Eigenart ſeiner Arbeit und
die Idealität, die über den Schöpfungen Bayreuths
ſchwebt.
Mit ſolchem Eindruck ging man auch in dieſem Jahre
aus dem erſten Zyklus der Bayreuther Feſtſpiele.
In aller ſchwülen Juli=Hitze hat das internationale
Publikum, das zu den Feſtſpielen aus aller Welt
herbeige=
ſtrömt war, mit einer Andacht und Begeiſterung
ausge=
halten, wie ſie eben nur in Bayreuth möglich iſt. Wo in
aller Welt fiele es ſonſt den Leuten ein, ſich in den heißeſten
Tagen des Sommers in ein Theater zu ſetzen und von 4
Uhr nachmittag bis 11 Uhr nachts Wagner=Vorſtellungen
anzuhören?
Wo aber auch würden ſich die Künſtler dazu verſtehen.
vor den Feſtſpielen geſchlagene zwei Monate ſich nach
Bayreuth zu ſetzen und ſtatt in den Bergen oder an der
See im Urlaub zu ſchwelgen, hochnotpeinliche Proben von
Sachen über ſich ergehen zu laſſen, die ſie im heimiſchen
Theaterbetrieb hundertmal ſchon geſpielt oder geſungen
haben?
Wenn man dieſelben Künſtler unter dem Jahre
ge=
fragt hätte, ob ſie ſich ihre Aufgaben auch vollendet zu
be=
herrſchen getrauten, gewiß: alle hätten damals im
Bruſt=
ton der Ueberzeugung mit Ja geantwortet.
In Bayreuth haben ſie nun ihre Wagner=Sünden
er=
kannt und gewiſſermaßen eine Generalbeichte abgelegt. Des
Talmi=Schmuckes ihres „Kammerſängertums” ſind ſie
ent=
kleidet und als ſchlichte Diener dem großen Werk geweiht
worden. Jeder einzelne — mag er auch den größten und
berühmteſten Namen tragen — mußte ſich unter die
Ge=
famteinheit unterordnen und dem Geſamtkunſtwerke
dienen. Dafür haben ſie alle zuſammen aber auch geholfen,
ein Werk zu errichten, wie es in der Geſchichte des deutſchen
Wheaterweſens einzig daßch
Die Wagner=Aufführungen in Bayreuth haben die
Schöpfungen des Meiſters auch diesmal wieder mit einer
Vollendung auf die Szene geſtellt, wie man ſie ſonſt
nir=
gends auf der Welt treffen wird.
*
Daß der eine oder andere Erdenreſt an einer
Auf=
führung klebte, iſt ſelbſtverſtändlich. Auch Bayreuth muß
mit den gegebenen Verhältniſſen rechnen. Wie jede andere
Bühne empfand es auch heuer ſchmerzlich den Mangel an
wirklich großen, erſten Wagner=Sängern. Die wenigen
Soliſten, die ernſthaft für erſte Rollen in Betracht kamen,
kann man ja an den Fingern herzählen. Bayreuth hat
heuer unter ihnen immerhin im ganzen eine gute Auswahl
getroffen.
Allen voran ſtand im Ring der Siegfried Alfred
von Barys. Dieſer große, herrliche Künſtler brachte die
Rolle des Wälſungen=Sproſſen in einer ſchlechthin
vollen=
deten Art zur Darſtellung. Er vereinigte in ſeinem Jung=
Siegfried eine ausgeſprochene Kindlichkeit, Natürlichkeit
und Urwüchſigkeit mit einer tiefergreifenden dramatiſchen
Geſtaltung im Siegfried der Götterdämmerung. Dieſe
Kombination iſt bei ihm vielleicht ganz einzigartig. Und
gerade darum wirkt das Verhängnis das über ſeinem
lich=
ten, ſtimm=ſonnigen Siegfried heraufzieht doppelt tragiſch.
Dieſes Verhängnis: der Fluch, den Alberich über den Ring
geſprochen hat, ſchien in der Geſtalt des Bayreuther Hagen
geradezu lebendig geworden zu ſein. Carl Braun,
von der Wiener Hofoper, der nunmehr nach Berlin
ver=
pflichtet iſt, gab den finſteren Sohn des Alben mit einer ſo
packenden Unheimlichkeit, wie man ſie ſelbſt in Bayreuth
noch nicht erlebt hat. Schon die Maske war ein
Meiſter=
ſtück für ſich. Aber auch jede Bewegung, jeder Blick war
Vollendung. Muſtergültig ſang er auch im Rheingold den
verliebten Rieſen Faſolt. Ihm am nächſten kam Frau
Schumann=Heinck mit ihrer Erda und Waltraute.
Der Günther Weils (Stuttgart) war von einer
ſchmerzvollen Hoheit erfüllt, Aber er war wohl — den
An=
ordnungen der Bayreuther Regie entſprechend — etwas
allzu weich im Ausdruck gehalten. Das Gleiche gilt von
Soomers (Dresden) gewaltigem Wotan und Wanderer.
Stimmlich wird Soomer in dieſer Rolle, zumal als
Wan=
derer, wenig Rivalen haben. Seine Töne ziehen mit einer
natürlichen Wärme, die niemals durch Forcieren
erzwun=
gen iſt, über das Orcheſter. In vielen Augenblicken ge=
ſtaltet er auch wahrhaft groß und unmittelbar ergreifend.
Namentlich die große Erzählung im zweiten Aufzug der
Walküre und den Abſchied von Brunhilde brachte Soomer
ganz wundervoll zu Gehör. Aber er ſcheint bisweilen
unter dem Bann mancher Bayreuther Regie=Anordnungen
zu ſtehen, die vielleicht ſeiner perſönlichen künſtleriſchen
Ueberzeugung nicht entſprechen. Daher erſcheint bei ihm
manchen etwas gezwungen und mechaniſch, und er will im
entſcheidenden Momenten zu keiner eigentlichen Größe des
Ausdrucks kommen.
Breuers Mime iſt ein Kabinettſtück, das man in
dieſem Jahre zum 25. Mal in der Bayreuther Spielzeit
bgrüßte. Mit Recht war dieſem Mime nach der
Aufführ=
ung über ſeinem Stammtiſch in einer bekannten
Bay=
reuther Künſtlerkneipe ein Transparent mit dem Siegfried=
Zitat errichtet: „Hei Mime wie glückt Dir das!” Habich
ſang einen dämoniſchen Alberich. Leider iſt ſeine Stimme
etwas zu hell und zu wenig wuchtig für dieſe Rolle.
Guths Fafner iſt eine wohldurchdachte, auch ſtimmlich
hervorragende Leiſtung. Schäfendorf=Belllwidts
Donner iſt dagegen den Bayreuther Anforderungen aus
rein ſtimmlichen Gründen nicht gewachſen. Er verſpuckt
ſich im Konſonantenkampf. Frau Reuß=Belce war
eine hoheitsvolle, ſich im ſtrengſten Bayreuther Stil
be=
wegende Fricka.
Eine altbewährte Sängerin Bayreuths iſt auch Frau
Ellen Gulbranſon. Ihre Brunhilde iſt ſeiner Zeit
noch auf das Genaueſte von Frau Coſima Wagner
ein=
ſtudiert worden. Man empfindet heute noch den
monumen=
talen, auf große Bewegung und Gebärde eingeſtellten Stil
dieſer Künſtlerin und freut ſich über ihre ſtimmliche
Friſche und Ausdauer. Urlus (Leipzig) war ein
aus=
gezeichneter Siegmund, Frau Stevens=Saltzmann
eine liebliche Sieglinde; ihr Beſtes waren ihre hohen
Töne, während ſie in der Mittellage teilweiſe verſagte.
Paul Knüpfer war ein gewaltiger Hunding. Im
Rhein ſchwanden und ſangen als Rheintöchter munter
Fräulein Gertrude Foerſtel (Wien), Frau Sofie
Biſchoff=David und Frau Ottilie Metzger=
Lattermann. Leider war Gertrude Foerſtel im
Sieg=
fried als Waldvogel erheblich indisponiert. Heinrich
Henſel (Wiesbaden) war ein guter Loge. Eine
Spe=
zialität in dieſer Rolle — wie ſeiner Zeit mit dem
ver=
ſtorbenen Otto Brieſemeiſter — konnte Bayreuth freilich in
dieſem Jahre anſcheinend nicht auf die Bühne ſtellen.
Nummer 180.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 2. Auguſt 1912.
Seite 3.
ſtreckt ſich auch unter die Erde, wo, wie wir wiſſen, die
großen Waſſerbehälter verborgen liegen, aus denen die
geſamte organiſche Welt ihr Leben ſchöpft. Die großen
Städte mit ihrem ungeheueren Waſſerbedürfnis ziehen
täglich Tauſende von Kubikmetern Waſſer aus entfernten
Gegenden, wo das Bodenwaſſer, wie man
anneh=
men muß, ſich dadurch ſenken wird. Auch die
Geradeleg=
ung der Flußläufe, die Ausbaggerung der
Schiffahrts=
wege beeinfluſſen die unterirdiſchen Bodenwaſſerläufe. Es
läßt ſich denken, daß das Pflanzenwachstum durch dieſe
gewaltigen Entwäſſerungsanlagen, beſonders in trockenen
Jahren, notleiden könnte. Wenn auch Uebelſtände von
bedenklicher Art bisher nicht eingetreten ſind, ſo muß die
Regelung der unterirdiſchen Gewäſſer doch im Intereſſe
der Erhaltung der Ertragsfähigkeit unſerer
Landwirt=
ſchaft eine ernſte Sorge der maßgebenden Behörden ſein.
Davon ausgehend hat, der „Darmſt. Ztg. zufolge, die
Großherzogliche Regierung, damit auch einer Anregung
des Deutſchen Landwirtſchaftsrates folgend, jetzt damit
begonnen, einen regelmäßigen und ſtändigen
Bodenwaſ=
ſerbeobachtungsdienſt für das Großherzogtum Heſſen
ein=
zurichten, nachdem bereits ſeit längerem einleitende
Ver=
handlungen geführt worden waren. Dieſer wird nach
wiſſenſchaftlichen Grundſätzen durch die Geologiſche
Lan=
desanſtalt weſentlich im Verein mit den Forſtbehörden,
Waſſerbauämtern, Kulturinſpektionen,
Kreisbauinſpekto=
ren, der Bergbehörde und anderen Stellen durchgeführt.
Alsbald wird eine größere Zahl von Beobachtungsſtellen
ausgewählt, die nach und nach vermehrt werden, ſo daß
ſich mit der Zeit ein entſprechend dichtes Netz über das
ganze Land ausbreitet. Die Beobachtung geſchieht durch
Erſtellung von Bohrbrunnen, die mit einem
Beobachtungs=
rohr verſehen werden. Mit Hilfe von beſonderen
Meß=
apparaten läßt ſich das Steigen und Fallen des
Boden=
waſſers kontrollieren. Die größeren Waſſerwerke im
Lande ſollen an den Beobachtungen beteiligt und
veran=
laßt werden, geeignete Beamte dienſtlich damit zu
beauf=
tragen und ſich dieſem allgemeinen Arbeitsplan
anzu=
ſchließen. Auch die kleineren Waſſerwerke der
Landgemein=
den ſind, ſoweit irgend möglich, zu den Beobachtungen
hinzuzuziehen. — Alljährlich werden die
Beobachtungs=
ergebniſſe in Form von Tabellen veröffentlicht und, wenn
nötig, mit begleitendem Text verſehen. Beſonders
wich=
tige Ergebniſſe ſollen in graphiſcher Darſtellung gegeben
werden. Es darf erwartet werden, daß durch dieſe
Ein=
richtung in der bis jetzt noch nicht erforſchten, für das
Volksleben ſo hochbedeutſamen Frage der Bewegung des
Bodenwaſſers Klarheit gewonnen wird.
s. Ferienſtrafkammer. Die geſtrige Sitzung brachte
nur drei kleine Fälle von geringem allgemeinen
Inter=
eſſe. Zwei davon wurden unter Ausſchluß der
Oeffent=
lichkeit verhandelt und endigten mit Verurteilung. Der
33 jährige Gürtler Heinrich Michel von Offenbach
er=
hielt wegen Verbrechens gegen § 176 Poſ. 3 St. G. B.,
trotzdem er leugnete, unter Zubilligung mildernder
Um=
ſtände 8 Monate Gefängnis, während auf Berufung
des Knechts Jakob Kiehl aus Eberbach deſſen
Schöffen=
gerichtsſtrafe von zwei Wochen Gefängnis durch 30 Mk.
Geldſtrafe erſetzt wurde. In einer weiteren
Berufungs=
ſache des Taglöhnees Michael Wich von Offenbach
wurde zwar nochmals verhandelt, doch erkannte der vom
Schöffengericht wegen Körperverletzung zu 40 Mk.
Ver=
urteilte alsdann dieſe Strafe an. Er hatte ſich mit dem
bei ihm wohnenden Bräutigam ſeiner Schweſter, dem
Portier Adolf Gänslen, herumgeprügelt und war von
ihm mit offenem Meſſer bedroht worden. Gänslens
Strafe wurde damals gleich rechtskräftig; Wich ſchützte
erfolglos Notwehr vor.
D Aus der Stadtverwaltung. Herr
Bürger=
meiſter Mueller geht am Samstag auf 4 Wochen
in Urlaub. In ſeiner Eigenſchaft als Vorſitzender
der Ortsgruppe Darmſtadt des Jungdeutſchlandbundes
wird er in dieſer Zeit durch Herrn Profeſſor Kiſſinger,
Stadthaus, vertreten.
sk* Das verlorene Lotterielos. Urteil des
Reichs=
gerichts. (Nachdruck auch im Auszuge verboten.)
Es iſt eine eigene Tücke des Schickſals, daß, wenn jemand
in der Lotterie einen Hauptgewinn gemacht hat, ſich der
Geltendmachung ſeiner Gewinnanſprüche oft
Schwierig=
keiten mancherlei Art entgegenſtellen, die meiſt erſt in
lang=
wierigen Prozeſſen von dem „glücklichen” Gewinner
über=
wunden werden müſſen. Nieten werden in der Regel
ſorgſam behütet, bis man ſich an der Hand der
Ziehungs=
liſte von ſeinem Peche überzeugen kann; Loſe dagegen,
auf die ein Haupttreffer fällt, ſind juſt gerade in dem
Momente verloren oder verlegt, wo man ſich das Geld
holen möchte. Ganz beſonderes Pech aber hatte der
Schreinermeiſter L. in Darmſtadt, der das
Los Nr. 51 404 der St. Johanneskirchgemeinde=,Lotterie‟
in Ansbach ſpielte, auf welches bei der letzten Ziehung
am 9. Dezember 1909 der Hauptgewinn von 20000 Mark
gefallen war. L. hatte das Los ſchon vor der Ziehung
verloren, den Verluſt aber noch rechtzeitig am 1. Dezember
1909 angemeldet und am 6. Januar 1910 bei dem Königl.
Amtsgerichte Ansbach das Aufgebotsverfahren
ange=
meldet, in deſſen Verlauf die Zahlungsſperre verfügt und
das Los durch Ausſchlußurteil vom 1. Oktober 1910 für
kraftlos erklärt wurde. Nun erwuchſen aber für L. neue
Schwierigkeiten dadurch, daß das Bankgeſchäft M. u. Co.
in Nürnberg, dem die geſamte Abwickelung des
Lot=
teriegeſchäftes übertragen worden war, den Gewinn
trotzdem nicht auszahlen wollte, ſo daß L. am 12. Dez.
1910 Klage erhob. Das Bankgeſchäft behauptete nämlich
einmal, es ſei nur Zahlſtelle der Kirchenverwaltung,
könne alſo gar nicht direkt verklagt werden; außerdem ſei
der Anſpruch auf den Gewinn nicht mehr rechtzeitig
inner=
halb der vorgeſchriebenen Friſt von ſechs Monaten
gel=
tend gemacht worden. Landgericht Ansbach,
Oberlandes=
gericht Nürnberg, ſowie auch das Reichsgericht
ſprachen aber dem Kläger L. den umſtrittenen
Gewinn zu, indem alle drei Inſtanzen annahmen,
daß der zwiſchen der Beklagten und der Kirchengemeinde
geſchloſſene Vertrag nur dahin ausgelegt werden könne,
die Beklagte habe ſich darin verpflichtet, die Befriedigung
der Losinhaber zu bewirken, und zwar in der Weiſe, daß
dieſe unmittelbar das Recht erwerben ſollten, die
Ge=
winne von der Beklägten zu fordern. Auch den Angriff
der Reviſion, der Anſpruch auf den Gewinn ſei nicht
rechtzeitig innerhalb ſechs Monaten erhoben, wies das
Reichsgericht zurück. Die Ausführungen des
Berufungs=
gerichtes, ſo führte das Urteil aus, beruhen nach dieſer
Richtung auf der grundſätzlichen Anſchauung, daß das
abhanden gekommene Los eine Schuldverſchreibung auf
den Inhaber geweſen ſei. Daß Lotterieloſe in der Regel
den Charakter von Inhaberpapieren im Sinne des § 793
Bürgerlichen Geſetzbuches haben, iſt faſt allgemein
an=
erkannt und wird auch von der Reviſion nicht bezweifelt.
Dagegen macht die Reviſion geltend, daß die §§ 801, 802
BGB. hier vom Berufungsrichter unrichtig angewendet
ſeien. Die in dem Loſe angegebene Friſt von 6 Monaten
für die Abhebung der Gewinne ſtelle nicht eine
Vorleg=
ungsfriſt im Sinne des § 801 BGB. dar, ſondern eine
Präkluſivfriſt, nach deren Ablauf jeder Anſpruch aus dem
Loſe erloſchen ſei. Auch dieſen Ausführungen der
Revi=
ſion konnte nicht beigepflichtet werden. Die in dem Loſe
für die Abhebung der Gewinne vorgeſchriebene Friſt von
ſechs Monaten, welche mit dem dritten Ziehungstage
be=
ginnt, wird zwar vom Berufungsrichter als
Verjährungs=
friſt aufgefaßt, ſie iſt aber ohne Zweifel gleichzeitig eine
Vorlegungsfriſt, denn das Los muß innerhalb dieſer Friſt
„vorgezeigt” werden. Nach § 802 BGB. wird aber der
Lauf der Vorlegungsfriſt, ſowie die Verjährung durch
die Zahlungsſperre zu Gunſten des Antragſtellers
ge=
hemmt. Jedenfalls dürfte es nicht im Sinne der
Kirchen=
ſtiftung, der Lotterieunternehmerin, gelegen haben, dieſe
Hemmung der ſechsmonatlichen Friſt durch eine im
Auf=
gebotsverfahren ergehende Zahlungsſperre auszuſchließen.
Wirkte die Zahlungsſperre aber hemmend, ſo war, wie
das Berufungsgericht darlegt, zur Zeit der Klagezuſtellung
am 12. Dezember 1910 die ſechsmonatliche Friſt noch nicht
abgelaufen.
— Provinzialausſchuß. Tagesordnung zur Sitzung
am Donnerstag, den 8. Auguſt, vormittags 9,30 Uhr:
1. Wirtſchaftskonzeſſionsgeſuch des Franz Taver Kohl in
Lampertheim. 2. Desgleichen des Eduard Boxheimer
daſelbſt. 3. Desgleichen des Martin Schuſter in
Hütten=
feld. 4. Desgleichen des Friedrich Ehle zu Darmſtadt.
5. Antrag auf Entziehung des dem Friedrich Ickler zu
Offenbach erteilten Führerſcheines für Kraftfahrzeuge.
6. Feuerlöſchweſen in der Gemeinde Mörfelden.
* Militäriſches. Nach Rußland abgereiſt iſt
vor=
geſtern eine Offizier=Deputation des Leib=Dragoner=
Reaiments Nr. 24 deſſen Inhaber bekanntlich
Kaiſer Nikolaus von Rußland iſt, um am 3. Auguſt das
Feſt des 100 jährigen Beſtehens des unſerm Großberzog
als Chef unterſtellten 16. Huſaren=Regiments
Kljatizki im Kreiſe der ruſſiſchen Kameraden
mitzu=
feiern. Die Deputation, beſtehend aus dem Rittmeiſter
und Chef der Leib=Eskadron Rogalla v. Bieberſtein,
dem Oberleutnant Riedeſel Freiherrn zu Eiſenbach
(Johann) und dem Leutnant v. Boetticher, überbringt
dem Regiment ein Allerhöchſtes Handſchreiben ſeines
hohen Chefs.
Eine intereſſante Uhr. Man ſchreibt uns:
Intereſſenten ſeien auf eine zur Zeit im Schaufenſter
des Uhrmachers „Bribach, Alexanderſtraße, ausgeſtellte
Schreibtiſchühr aufmerkſam gemacht. Die Uhr, in
einer goldenen Muſchel ruhend, iſt umrahmt von ſechs
reizenden Medaillonbildern, die die Bildniſſe der Königin
Victoria von England, des Prinzgemahls Prinzen
Albert, des Prinzen von Wales (König Eduard VII.),
der Prinzeſſinnen Victoria (Kaiſerin Friedrich), Alice
(ſpätere Großherzogin von Heſſen) und Beatrix (
Prin=
zeſſin Heinrich von Battenberg) darſtellen. Dieſe Uhr
dürfte wahrſcheinlich ein Geſchenk der Königin=Mutter
ſein, das ſie ihrer Tochter Alice bei ihrem erſten
Beſuch in der Heimat im Jahre 1863 als heſſiſche
Prin=
zeſſin gemacht hat.
Die Stenographen=Vereinigung „Gabelsberger”
hält, wie aus dem Anzeigenteil erſichtlich, morgen Samstag
abend im Fürſtenſaal (Grafenſtraße) ihre
Monatsver=
ſammlung mit gemütlichem Beiſammenſein ab, worauf
auch an dieſer Stelle nochmals hingewieſen ſei.
* Vereinigte Ortskrankenkaſſe Darmſtadt. Der
Mitgliederſtand betrug am 27. Juli l. J.
männ=
lich 9920, weiblich 6536, zuſ. 16 456, in Prozenten 60,28,
39,72. Der Krankenſtand betrug am 27. Juli l. J.
männlich 393, weiblich 307, in Prozenten 3,96, 4,49.
An Krankengeld wurden ausgezahlt in der Woche
vom 22. Juli bis 27. Juli l. J. 5110,37 Mk. An
Wöch=
nerinnen waren vorhanden am 27. Juli l. J. 21.
Sterbefälle kamen vor in der Woche vom 22. Juli
bis 27. Juli l. J. 4.
Schützenhof. Es wird nochmals auf den heute
im Schützenhof ſtattfindenden Konzert= und Liederabend
des Kilianſchen Männer=Sextetts hingewieſen.
(Siehe Anzeige.)
— Hugenſchütz=Felſenkeller. Heute Freitag
konzer=
tiert wiederum die Kapelle des Großh. Heſſ. Artillerie=
Regiments Nr. 61 unter Herrn Webers Leitung. Das
Konzert ſteht diesmal im Zeichen eines patriotiſchen
Feſtabends und bringt im zweiten Teil nur patriotiſche
Weiſen; das beliebte Tongemälde Deutſchlands
Er=
innerungen an die Kriegsjahre 1870—71 wird den dritten
Teil des Programms ausfüllen. (Siehe Anzeige und
Plakate.)
. Perkeo. Das zugkräftige Juli=Programm wird
durch zwei hervorragende Gäſte erweitert: Wally Norden,
die vorzügliche Exzentrik=Verwandlungs=Soubrette, und
Liſſi Loſelly, die ausgezeichnete Kinder=Darſtellerin. Neben
den bewährten Kräften iſt auch noch der Groteske=Komiker
Paul Goldler zu einem weiteren Gaßtſpiel verpflichtet.
V Büttelborn, 1. Aug. Hier fiel das 1jährige Kind
des Maurers Philipp Schmidt in einen mit Waſſer
gefüll=
ſten Waſchkroppen und ertrank. Obgleich Hilfe
da war, blieben alle Wiederbelebungsverſuche erfolglos.
n. Bickenbach, 1. Aug. Ein Einbruch, der
wäh=
rend der letzten Nacht im hieſigen Pfarrhaus verübt
wurde, iſt auffälligerweiſe der dritte ganz gleichartige
bin=
nen fünf Jahren, ohne daß in den früheren Fällen die
Ermittelung des Täters möglich war. Wie damals
be=
nutzte er auch jetzt eine Leiter, erbrach verſchiedene
Behäl=
ter und eignete ſich Gegenſtände (das letztemal einen
grö=
ßeren Geldbetrag) an. Das nunmehr Geſtohlene iſt noch
nicht näher feſtgeſtellt, weil Herr Pfarrer Görs, um nicht
die unter Verwendung eines Polizeihundes
ſtattfinden=
den Nachforſchungen zu erſchweren, das Betreten bezw.
nähere Durchſuchen des betreffenden Zimmers
wohlweis=
lich vermied. Der Täter ſcheint mit den örtlichen
Verhält=
niſſen vertraut geweſen zu ſein, und es iſt wohl kein
Zu=
fall, daß die Einbrüche ſtets dann geſchehen, wenn von
dem Beſtohlenen gerade vorher ein größerer Geldbetrag
vereinnahmt worden war. Bis jetzt fehlen noch nähere
Anhaltspunkte, doch iſt die Staatsanwaltſchaft, in deren
Auftrag ſich Kriminalkommiſſar Repp alsbald an Ort und
Stelle begab, eifrig mit Aufklärung des Falles beſchäftigt.
n. Hirſchhorn, 1. Aug. Dem hieſigen Möbelhändler
Hirſch wurde eine größere, für auswärts beſtimmte und
bereits auf dem Wagen verladene Möbellieferung
angezündet, ſo daß ſie völlig verbrannte und ein
Schaden von 700 bis 800 Mark entſtand. Verſchiedene
Um=
ſtände, insbeſondere auch eine in der Nähe gefundene
Frau Hafgreen=Waag war eine liebliche Freia mit
blühenden Tönen und einem etwas buntblumigen Koſtüm,
Kirchhoff ein friſch drauflosſingender Gott Froh.
Weniger prägnant als im Ring geſtalteten ſich die
ſo=
liſtiſchen Figuren in den Aufführungen der
Meiſter=
ſinger und des Parſival. Hier, wo mehr Bedeutung
auf die Wirkungen in Volks= und Chorſzenen gelegt war,
trat das ſoliſtiſche Moment naturgemäß mehr in den
Hintergrund,
Immerhin war auch hier der ſtarke Einfluß der
Bay=
reuther Schule unverkennbar. Am deutlichſten und man
darf wohl ſagen, am glänzendſten zeigte ſich dieſe Schule
bei dem Sänger des Beckmeſſer den Bayreuth im wahrſten
Sinne des Wortes erſt entdeckt hat. Kam da vor einigen
Jahren auf der Fahrt nach Süddeutſchland ein junger
Chorſänger der Weimarer Oper nach Bayreuth, um dort
Probe zu ſingen. Als man ihm mit einigem Mißtrauen
und der in Bayreuth üblichen Reſerve begegnete, meinte er
ganz naiv: „Ihr müßt mich nehmen. Denn wißt Ihr:
ich bin der beſte Beckmeſſer!” Natürlich lachte alles. Aber
der junge Chorſänger hatte wenigſtens erreicht, daß man
ihn anhörte. Und in der Tat: die Qualifikationen des
Herrn Schultz — ſo hieß der junge Künſtler — ſchienen
für die Rolle des Beckmeſſer ungewöhnlich. Schon das
Ge=
ſicht war eine Beckmeſſer=Maske. Dann aber lag auch in
den Gebärden, vielleicht noch aus der früheren, vor der
Theater=Karriere liegenden Zeit, wo Herr Schultz ſelbſt
ehrſamer Handwerker, ein Kupferſtecher, geweſen war, ſo
viel trocken Pedantiſches, man möchte ſagen:
Zunft=
mäßiges. Die Bayreuther Schule nahm ſich nunmehr des
jungen Sängers energiſch an und arbeitete mit ihm einen
Beckmeſſer heraus der in der Tat auf der deutſchen Bühne
ſeinesgleichen ſucht. Schultz gab keine Karikatur, ſondern
einen ernſten, aber feingiftigen, malitiöſen Meiſterſinger,
dem Neid, Kleinlichkeit und eiferſüchtige Verliebtheit auf
die Stirn geſchrieben ſind. Muſikaliſch und darſtelleriſch
war die ſchwierige Rolle bis auf das Tüpfelchen
ausge=
arbeitet, und in der Stimme ſaß jeder Ton.
Gegenüber dieſer überragenden Figur unter den
Meiſterſingern hatten alle anderen einen ſchweren Stand.
Weil (Stuttgart) ſang den Hans Sachs mit edler,
vor=
nehm warmer Stimme. Er gab den Schuſterpoeten mit
Humor, Poeſie und echtem deutſchen Sinn. Aber beſondere
Eindrücke konnte er trotz der fleißzigſten Durcharbeitung der
Rolle nicht geben. Schärfer gezeichnet war ſchon der Veit
Pogner Paul Knüpfers (Berlin) und der Kothner
Geiße=Winkels (Wiesbaden). Beide imponierten
auch durch ihr prächtiges, ſonores Stimmaterial. Lilli
Hafgreen=Haag war ein Evchen, das ſchon durch den
Charme der Erſcheinung und der Stimme gewann.
Schade, gerade im Quintett, in dem man von dem
An=
ſteigen ihres ſaftigen, vollen Soprans viel erwartet hatte,
ſank ſie merklich im Ton. Bedauerlicherweiſe ſekundierte
ihr in dieſem Punkte auch die Jungfer Magdalena, welche
von Frau Staudigl geſungen wurde. Und Walter
Stolzing — Herr Kirchhoff, der ſonſt einen ganz
pracht=
vollen Junker aus Frankenland ſang — kam offenbar durch
ſolches Mißgeſchick um die Ruhe ſeines ſchwierigen
Ein=
ſatzes, den er infolge der eigentümlichen Bayreuther
Auf=
ſtellung zum Quintett — Sachs und Stolzing ſtehen mit
dem Rücken gegen das Publikum und wenden ſich dem
Ev=
chen zu — anſtatt vom Dirigenten eigentlich von David zu
erhalten gehabt hätte. Davidchen, „der liebe Geſell” Herr
Ziegler aus Wien, ſchien noch der ſattelfeſteſte. Er hielt,
ſoweit ihm eine Einwirkung verſtattet war, tapfer die
Stimmung des Quintetts und ſteuerte an einigen
bedenk=
lichen Momenten kühn vorbei.
Im Parſifal ragte unter den Soliſten einzig Frau
Bahr=Mildenburgs Kundry hervor. Eine geniale
Figur, die ſich in dem hypnotiſierenden Augenſpiel und
dem dramatiſch hinreißenden Sang der Mildenburg
wunderſam ſpiegelte. Van Dyks Parſifal enttäuſchte
ſtimmlich ziemlich bedeutend. Darſtelleriſch war er der alte
Große. Gut war auch der Gurnemanz des Wiener
Mayr. Dagegen entbehrte der Amfortas des Herrn
Engel ſchmerzlich der Bedeutung.
Vor Zufälligkeiten ſind eben auch in Bayreuth die
So=
liſten nicht gefeit. Anders iſt es mit den Chören und der
Regie. Die Chöre hat Hugo Rüdel (Berlin) ſo
zu=
ſammengeſtellt, daß ſie alle Stellen — auch die ganze Fuge
in der Prügelſzene — a capella auswendig ſingen können!
Es iſt eine Freude, ſolche Chöre zu hören. Jedes Motiv
ſaß und der ganze chorale Bau der Meiſterſinger=Partitur
ward einem bei einer ſo vollendeten Ausführung
gewiſſer=
maßen zum erſtenmal lebendig. Zufälligkeiten ſind da
bei einem ſolchen Studium ziemlich ausgeſchloſſen.
Gerade die Leiſtungen der Chöre, die Bayreuth dem
eiſernen Fleiß Hugo Rüdels verdankt, laſſen das Werk
Bayreuths als jeder Konkurrenz entrückt erſcheinen. Denn
ſolche Klänge kann es nicht an einem Theater geben, das
mit Repertoirebetrieb belaſtet iſt. Man fühlt die zwei
Monate Probe die von den Chören auf die wenigen
Stellen verwendet worden ſind.
Ein Aehnliches gilt von der Regie die
Sieg=
fried Wagner ſelbſt und mit ausgeſprochenem ganz
großen Talent in die Hand genommen hat. Jeder Takt iſt
von ihm durcherwogen und mit dem Blick des erfahrenen
Wagner=Regiſſeurs durchdacht worden. So lebt bei ihm
jede Szene. In den Meiſterſingern und im Parſifal hat
ſich dabei Siegfried mit anerkennenswertem Mut von allen
antiquierten Pietäts=Erwägungen losgeriſſen und mit
mo=
dernem Geiſt und mit modernen Mitteln geſtaltet.
Seine Entfaltung der großen Szenen auf der Feſtwieſe
war ein gleiches Meiſterſtück wie die Art, in der er auch
ge=
ruhſame und beſchauliche Bilder, wie z. B. die Stimmung
vor Pogners Haus oder die Schuſterbuben=Szene, einführte
und weiter entwickelte.
Im Ring ſtand Siegfried Wagner vielleicht, was
Szenerie anbetrifft, noch etwas unter dem Einfluß jener
alten, vielgetreuen Bayreuther Paladine, die die
Um=
ſtoßung einer alten ſzeniſchen Anordnung aus dem Grunde
unlieb empfinden, weil Richard Wagner mit der
da=
maligen, unvollkommenen ſzeniſchen Löſung einverſtanden
war.
Das iſt natürlich kein Grund. Denn Wagner war der
erſte, der ſelber ſagte: „Kinder, bringt Neues!”
Nein, über die teilweiſe von modernen Tendenzen
ge=
tragenen Inſzenierungen ſeines Sohnes Siegfried würde
ſich Richard Wagner vermutlich mit von Herzen freuen.
„Siegfried erfreu ſich des Siegs!” Ob er aber auch mit
dem Dirigieren ſeines Sohnes im Bayreuther
Feſt=
ſpielhaus ſo rückhaltlos einverſtanden wäre das iſt eine
andere Frage. Denn Siegfried hat dieſen Ring zwar ſehr
lebendig, flüſſig und elegant, aber doch vielfach ohne Größe
und Plaſtik an entſcheidenden Stellen geleitet. Dafür
waren Dr. Richter der ehrwürdige beneidenswert
friſche Dirigent der Meiſterſinger, und Dr. Muck, der
ſcharfſinnige, klargeſtaltende Leiter des Parſifal, auch
dies=
mal berufene Führer des Bayreuther Orcheſters das im
ganzen mit einer Klangſchönheit und Farbenpracht ſpielte,
wie man ſie ſonſt wohl bei keinem anderen Orcheſter der
Welt antrifft.
Das Publikum, das an allen Abenden das Haus bis
auf den letzten Platz füllte, klatſchte begeiſterten Beifall und
ruhte nicht eher, als bis ſich Siegfried Wagner am Schluſſe
Ar.
der Götterdämmerung auf der Bühne zeigte.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 2. Auguſt 1912.
Nummer 180.
Petroleumkanne wieſen auf ein boshaftes Bubenſtück hin,
deſſen Täter hoffentlich der Beſtrafung nicht entgeht. Als
verdächtig wurde bereits eine Perſon durch die
Gendar=
merie feſtgenommen. Für die Staatsanwaltſchaft
Darm=
ſtadt ſtellte heute Gerichtsaſſeſſor Hainer hier
Ermittelun=
gen an.
Offenbach, 1. Aug. In gemeinſchaftlicher Sitzung
des Verfaſſungsausſchuſſes und der Betriebsdeputation
wurde geſtern die Direktorſtelle für das
Elektrizi=
tätswerk, die Straßenbahn und den Hafen zum zweiten
Male beſetzt. Von den zwei in engſter Wahl ſtehenden
Kandidaten ging Dr. Karl Klein, Betriebsleiter der
Städtiſchen Elektrizitätswerke zu Poſen, als Sieger
her=
vor. Die Anſtellung erfolgt unwiderruflich bei einem
Gehalt von 8000 Mark jährlich, das von drei zu drei
Jah=
ren um 500 Mark bis zu 10000 Mark ſteigt. — Geſtern
mittag gegen halb 1 Uhr wurde Ecke Kaiſer= und
Dom=
ſtraße ein etwa acht Jahre alter Schüler von der
Straßen=
bahn überfahren.: Der Verletzte wurde zu dem in
der Nähe wohnenden Arzt Dr. Groſch gebracht, der dem
Knaben die erſte Hilfe leiſtete. Der Junge hat auf der
Straße geſpielt und trotz der Warnung eines
Schutz=
manns auf die herannahende Straßenbahn nicht acht
ge=
geben.
Worms, 1. Aug. Der große
Juwelendieb=
ſtahl vom 4. Oktober vorigen Jahres hat jetzt zur
Ent=
deckung des Täters geführt oder doch die Spur auf ihn
gebracht. An dieſem Tage war aus der Toreinfahrt
des Hotels Hartmann ein Muſterkoffer mit goldenen
Ringen im Werte von 35000 Mark zum Nachteil des
Vertreters einer Stuttgarter Firma geſtohlen worden.
Der Koffer war am folgenden Morgen erbrochen und
mit einem Strick zugeſchnürt in der Zufuhrſtraße zum
Güterbahnhof aufgefunden worden. Der größte Teil
der Ringe befand ſich noch im Koffer, die übrigen, im
Werte von 13000 Mark, fehlten. Trotz eifriger
Nach=
forſchungen war es bisher nicht möglich, eine Spur
be=
züglich der Täterſchaft zu finden. Im Pfandhaus
er=
ſchien am letzten Montag ein Mann, um zwei Ringe zu
verſetzen. Um ſich von der Echtheit zu überzeugen,
ent=
fernte ſich der Beamte. Dadurch war in dem
Ueberbrin=
ger der Verdacht erwacht, der Beamte ſetzte die Polizei
in Kenntnis. Schleunigſt ergriff er unter Zurücklaſſung
der Ringe die Flucht auf ſeinem Fahrrad, das zur
Er=
mittelung ſeiner Perſon führte. Es gelang, ihn bald in
der Perſon des Fabrikarbeiters Adam Jakob, in Worms=
Neuhauſen wohnhaft, zu ermitteln und zu verhaften.
Dieſer hatte, als er ſich verfolgt glaubte, die Ringe in
einem verſchnürten Beutel einer Nachbarsfrau zum
Auf=
bewahren übergeben und bezeichnete auch bei ſeiner
Feſt=
nahme den Ehemann der Frau als Dieb; er will die
Ringe nur in Verwahr genommen haben. Im Verlauf
der Unterſuchung haben ſich eine Anzahl Perſonen
frei=
willig gemeldet, die von Jakob Ringe gekauft hatten
oder geſchenkt erhielten. Die Unterſuchungen ſind noch
in vollem Gange.
Nieder=Ingelheim, 31. Juli. Die
Bürgermeiſter=
wahl vom 23. März ſtand heute vor dem
Provinzial=
ausſchuß der Provinz Rheinheſſen zur Verhandlung. Es
wurde bekanntlich mit 381 Stimmen der Lehrer
Mun=
termann gegen den ſeitherigen Bürgermeiſter
Saal=
wächter der nur 311 Stimmen erhielt, gewählt.
Die Parteigänger des Bürgermeiſters Saalwächter, der
18 Jahre das Oberhaupt der Gemeinde war, legten gegen
die Wahl des Lehrers Muntermann beim Kreisausſchuß
Bingen Berufung ein. Der Vertreter der Freiſinnigen
Partei, Rechtsanwalt Schreiber (Ober=Ingelheim),
be=
hauptete, daß auf Grund einer Miniſterialentſcheidung
und unter Hinweis auf ein Urteil des
Provinzialaus=
ſchuſſes in Rheinheſſen bezüglich der
Stadtverordneten=
wahl in Mainz 1907 die Ungültigkeitserklärung der auf
Lehrer Muntermann entfallenen Stimmen und
Nominie=
rung des nächſthöchſtbeſtimmten Kandidaten Saalwächter
eintreten müſſe. Der Vertreter der Parteigänger des
Lehrers M., Juſtizrat Dr. Schmitt, beantragte
Gültig=
keitserklärung der Wahl des Lehrers auf Grund der
Tat=
ſache, daß der Gewählte nach dem Wahltage aus dem
Schuldienſte ausgeſchieden ſei. Der Kreisausſchuß
Bin=
gen erklärte die Wahl des Lehrers Muntermann für
un=
gültig, weil M. am Tage der Wahl noch Volksſchullehrer
geweſen, und Volksſchullehrer auch nach der neuen
Land=
gemeindeordnung das paſſive Wahlrecht nicht beſitzen.
M. war am Tage vor dem Termin am Kreisausſchuß aus
dem Schuldienſt ausgeſchieden. Bei dem Urteil
beruhig=
ten ſich beide Parteien nicht und legten Rekurs beim Pro=
vinzialausſchuß ein. Nach einſtündiger Verhandlung wies
der Provinzialausſchuß beide Rekurſe ab. Jeder Teil
hat die entſtandenen Koſten zu tragen und einen
Averſio=
nalbetrag zur Provinzialkaſſe in Höhe von je 10 Mark zu
leiſten. Gegen die Entſcheidung ſoll von beiden Seiten
Berufung beim Verwaltungsgerichtshof
eingelegt werden. Wird dort die gleiche Entſcheidung
ge=
fällt, dann muß eine neue Bürgermeiſterwahl ſtattfinden.
Dittelsheim, 1. Aug. Einen luftigen
Stand=
ort hat ſich hier ein Holunderſtrauch gewählt. Im
Jahre 1876 hatte der Blitz den Kirchturm getroffen; da
der Turm ſehr gefährdet war, ließ die Behörde einen
Reif anlegen, der ihn zuſammenhielt. Seit jener Zeit
wächſt in der Höhe zwiſchen Reif und Kirchturm ein
Holundſtrauch, der jetzt eine Höhe von zwei Metern
auf=
zuweiſen hat. Der Strauch bietet in ſeinem friſchen Grün
einen intereſſanten Anblick.
Gießen, 31. Juli. Der Aſſiſtenzarzt an der
Univer=
ſitäts=Frauenklinik, Herr Dr. Rudolf Theodor Jaſchke,
geboren zu Pettau in Steiermark, erhielt am 27. Juli die
venia legendi bei der mediziniſchen Fakultät für
Geburts=
hilfe und Gynäkologie.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 31. Juli. Bürgermeiſter
Dr. Reicke erklärte auf Anfrage, daß er zu wiederholten
Malen eine Erklärung in dem Streite mit der Sezeſſion
abgelehnt hat. Somit iſt feſtzuſtellen, daß die
Er=
klärung der Sezeſſion den Tatſachen nicht entſpricht. —
Der Hauſierhandel in Eiſenbahnwagen
wird jetzt mit Strenge bekämpft. In und bei Berlin
werden in Bahnwagen von „fliegenden Händlern”
Kin=
derſpielzeug, Bonbons, Paſtillen, Obſt u. a. m. zum
Kauf angeboten. Die Hauſierer ſind im Beſitz einer
Monatskarte für eine gewiſſe Strecke und fahren auf
die=
ſer tagtäglich hin und her. Da ſie oft aufdringlich
wa=
ren, liefen zahlreiche Beſchwerden bei den
Eiſenbahn=
dienſtſtellen ein. Die Schaffner ſind nun angewieſen,
jeden Händler aus dem Zuge zu entfernen, und ebenſo
die „Bahnmuſikanten” und „Bahnartiſten”, die nach
Aus=
übung ihrer „Kunſt” bei den Fahrgäſten ſammeln. —
Bei der Dresdener Bank iſt ein Brief eines Unbekannten
eingelaufen, der ſich erbietet, derartige Angaben über
den Aufenthalt des Defraudanten Bruning zu
machen, daß dieſer ohne Schwierigkeit verhaftet werden
kann, aber unter der Bedinaung, daß er auch dann eine
Belohnung erhalte, wenn Bruning das unterſchlagene
Geld nicht mehr habe. Die Antwort erbittet der
ano=
nyme Briefſchreiber im Berliner Tageblatt. Darauf hat
die Direktion der Dresdener Bank dem Berliner
Tage=
blatt mitgeteilt, daß ſie dem Briefſchreiber eine
ange=
meſſene Belohnung auszahlen werde, wenn er Brunings
Verhaftung veranlaſſen könne, ganz gleich, ob und
wie=
viel Geld bei Bruning gefunden wird. — Die Urſachen
der folgenſchweren Exploſion, die geſtern in der
Dresdener Straße ſtattfand, ſind noch nicht feſtgeſtellt.
Einerſeits wird geſagt, daß die beiden jungen Leute, die
einen ſchrecklichen Tod erlitten, in den Keller des
Gebäu=
des gegangen ſeien, wo ſie vielleicht Zigaretten rauchten,
andererſeits iſt die Annahme aufgetaucht, die Exploſion
ſei beim Miſchen von Benzin mit einer anderen Maſſe
entſtanden. Welche Gewalt die durch die Exploſion
ent=
ſtandenen Stichflammen hatten, geht aus der Tatſache
hervor, daß die beiden verunglückten jungen Leute ein
großes Stück weit fortgeſchleudert wurden. Als man die
beiden Opfer fand, waren ſie bis zur Unkenntniskeit
ver=
ſtümmelt. — Einen ſchrecklichen Tod hat das
drei=
jährige Söhnchen des Landarbeiters Hellwig aus
Berg=
dorf bei Kalkberge gefunden. Der Kleine hatte mit
an=
deren Kindern auf dem Felde geſpielt und ſich dabei
an den Strauch eines Stechapfels herangemacht.
Ahnungslos verzehrte das Kind eine der giftigen Früchte.
Zu Hauſe angelangt, brach der Junge zuſammen, und
nach wenigen Stunden erlag er unter furchtbaren
Qua=
len den Wirkungen des Giftes. — In der
Werkzeug=
maſchinenfabrik Ludwig Löwe und Co in der
Hutten=
ſtraße ſchlug ein eiſerner Korb auf zwei auf einem
Ge=
rüſt beſchäftiate Arbeiter. Sie fielen auf die
un=
tenſtehenden Maſchinen und wurden ſchwer verletzt.
Einer iſt geſtorben.
Heidelberg, 1. Aug. Heute vormittag fand an dem
neuen Königſtuhl=Tunnel die feierliche
Schluß=
ſteinlegung ſtatt, als Zeichen der Beendigung aller
Steinmetz= und Maurerarbeiten. Es erübrigt ſich nur
noch die Verlegung der Schienen, um den Tunnel
be=
triebsfertig zu machen.
Köln, 1. Aug. Die Leiche des Kardinals Fiſcher
wird am Samstag, den 3. Auguſt, morgens acht Uhr,
vom erzbiſchöflichen Palais aus im Dom beigeſetzt
werden. Die „Kölniſche Volkszeitung” veröffentlicht die
anläßlich des Todes Kardinal Fiſchers bei dem
Dom=
kapitel eingelaufenen Beileidstelegramme, darunter ſolche
von der Kaiſerin, dem Papſt; ferner vom König von
Sachſen, von der Großherzogin von Luxemburg, dem
Großherzog von Baden und der Landgräfin von Heſſen,
von dem Nuntius Früwirth in München, dem
Reichs=
kanzler von Bethmann Hollweg aus Hohenfinnow, von
Miniſter v. Dallwitz und von Kardinal Ferrari (Rom).
Köln, 31. Juli. Geſtern iſt hier ein Mann verhaftet
worden, bei dem eine Anzahl Edelſteine, ſowie einige
Silberplatten vorgefunden wurden. Die
Unter=
ſuchung ergab, daß die Edelſteine wahrſcheinlich aus der
Kaiſerrkette des Kölner
Männergeſſang=
vereins herrühren.
Mehlis, 31. Juli. Als die Ehefrau des hieſigen
Ge=
wehrfabrikanten Robert Anſchütz vom Markte
zurück=
kehrte, begegnete ihr der frühere Buchhalter ihres
Man=
nes Muth und begleitete ſie bis zu ihrer Villa. Dort
feuerte Muth mehrere Revolverſchüſſe auf die
Frau ab, die tot zuſammenbrach und tötete ſich
dann ſelbſt durch einen Schuß in den Mund. Muth,
der von Herrn Anſchütz wegen ungenügender Leiſtungen
entlaſſen wurde, hat, wie er auf einem Zettel angibt, die
Tat aus Rache begangen.
Hamburg, 1. Aug. Heute früh wurde im Zentrum
der Stadt, in der Kloſterſtraße 20, ein Raubmord
entdeckt. Dort iß der 57jährige Johann Menzel,
Pro=
kuriſt einer großen Schiffsverfrachter=Firma erdroſſelt
aufgefunden worden. Die Leiche lag mit dem Kopf nach
unten auf einem alten Kontor=Jacket. Die Täter haben
ihn mit einer Rouleaux=Schnur erdroſſelt, nachdem ſie
ihn niedergeriſſen hatten. Die Tat muß geſtern vor
12 Uhr nachts verübt worden ſein, denn Menzel hatte
die Angewohnheit, bis ſpät in die Nacht hinein zu
arbei=
ten. Die Mörder hatten es augenſcheinlich auf die am
1 Auguſt auszuzahlenden Gehälter abgeſehen, die ſie im
Geldſchrank vermuteten, aber nicht fanden, denn Menzel
bewahrte das Geld ſtets in ſeinem Schreibtiſch auf.
Hamburg, 31. Juli. Während des letzten
Elektri=
ker=Streikes in Hamburg lud der Vorſitzende des
Streikausſchuſſes, der Elektriker Born, den
Maſchinen=
arbeiter Peter vor das Streikbureau, weil er dieſen im
Verdacht hatte, Streikbrecherdienſte geleiſtet zu
haben. Als Peter in dem Streikbureau angekommen war,
ſtellte ihn Born in Anweſenheit von mehreren Streikenden
zur Rede. Es entſpann ſich eine erregte
Auseinanderſetz=
ung zwiſchen Peter und Born, in deren Verlauf Born
einen Gummiſchlauch hervorzog und mit dem Rufe „Du
Streikbrecher” dem Peter einen Hieb über den Kopf
ver=
ſetzte, ſo daß dieſer eine 10 Zentimeter lange Wunde
da=
vontrug. Das Schöffengericht verurteilte Born wegen
dieſer Tat zu einem Monat Gefängnis. Gegen dieſes
Urteil legten ſowohl der Verurteilte als auch der
Staats=
anwalt Berufung ein. Die Strafkammer erhöhte dann
die Strafe auf zwei Monate fünf Tage
Ge=
fängnis.
Breslau, 31. Juli. Heute nachmittag entſtand in der
Brauerei Zwilling Kurzſchluß. Durch den plötzlich
hervorbrechenden elektriſchen Strahl wurde der die
Ma=
ſchine bedienende Monteur, ſowie der neben ihm ſtehende
Brauereibeſitzer Zwilling durch den ganzen Raum
gewor=
fen. Beide wurden ſchwer verletzt ins Krankenhaus
ge=
bracht. Der Monteur hat auch das Augenlicht eingebüßt.
Paris, 31. Juli. Heute hat ſich in Paris ein Drama
abgeſpielt, das beſonders in dem Kreiſe der
Frauen=
rechtlerinnen großes Aufſehen erregt. Eine 35
jäh=
rige Schriftſtellerin, Frau Bloch, lebte mit ihrem
Ge=
mahl, einem Handlungsreiſenden, in unglücklicher Ehe.
Urſache des häuslichen Unglücks war die Untreue des
Mannes, der ſeit einiger Zeit mit einer Amerikanerin
zu=
ſammenlebte die im Begriffe war, ſich von ihrem Manne
ſcheiden zu laſſen. Frau Bloch hatte ihre Nebenbuhlerin
vor einiger Zeit gebeten, doch ihren Mann freizugeben,
aber vergeblich: Bloch kam nicht mehr nach Hauſe. Heute
morgen wollte Frau Bloch einen letzten Verſuch machen.
Sie begab ſich zu der Amerikanerin und bat ſie noch
ein=
mal, den Kindern den Vater wiederzugeben. Deren Ant=
Feuilleton.
C. K. Wie der Mikado wohnt. Am 11. Januar 1889
ewegte ſich ein feierlicher Zug durch die Straßen von
Tokio: der Kaiſer und die Kaiſerin von Japan ſiedelten
unter großem Gepränge mit dem geſamten Hof nach dem
neuen Palaſt über der an der Stelle der alten
abgebrann=
en Reſidenz des Schoguns errichtet worden war. Bisher
hatte der Mikado ſich in den alten Deimio=Häuſern, ſo gut
es ging, einrichten müſſen, die noch an vielen Stellen die
Wappen der geſtürzten Tokugawa=Dynaſtie zeigten. Nun
war das neue hochgelegene Palais fertig. Bei herrlichem
Wetter fuhren der Tenno und ſeine Gemahlin im
Gala=
wagen, von einer Kavallerie=Eskorte begleitet, durch die
aufgeſtellten Schulen und das ſpalierbildende Gardekorps
ſindurch, über die beiden großen Brücken in das neue
Palais hinein, in deſſen kleinem Audienzſaale ſogleich ein
Empfang ſtattfand. Ottmar v. Mohl, der als einziger
Fremder dabei anweſend war, ſchildert den Eindruck, wie
man plötzlich aus der kunſtvollen Herrlichkeit Alt=Japans
n eine moderne europäiſche Sphäre verſetzt war. Jetzt
erſt war der Bruch mit der Vergangenheit Alt=Nippons
völlig vollzogen; bald folgte die Verfaſſungsproklamation
ind die Eröffnung des erſten japaniſchen Parlaments.
Der ſehr umfangreiche Schloßbau, in dem nunmehr der
Beherrſcher Japans ſein Leben verbringt, iſt bei allem
Luxus und Komfort äußerlich nur einſtöckig und hat
äußer=
lich nichts Auffallendes oder gar Impoſantes an ſich. Das
Gebäude beſteht vorwiegend aus Balken und Brettern
ohne Ornamentik und trägt ein ſchräges, unbedeutendes
Ziegeldach. Der Beſucher gelangt, wie Graf Vay de Vayja
in ſeinen Erinnerungen erzählt, durch einen langen
Korri=
dor im japaniſchen Stil in ein geräumiges, ganz modern
eingerichtetes Geſellſchaftszimmer, wo auch nichts mehr
an den alten Nationalgeſchmack erinnert. Durch endlos
lange Gänge führt der Weg in die Privatwohnung des
Mikado. Hier iſt im Gegenſatz zu den Empfangs= und
Re=
präſentationsräumen der altmodiſche, traditionelle Stil
noch erhalten. So ſind z. B. die kaiſerlichen Gemächer
nicht, wie die im weſtlichen Geſchmack eingerichteten
Zimmer, mit Warmwaſſerheizung verſehen, ſondern
wer=
den durch Kohlenpfannen nur dürftig erwärmt. Das
kleine, echt japaniſche Audienzzimmer hat keine Fenſter
ſſondern nur gleitende Schutzwände und entbehrt jeder
Ausſtattung. Ueberhaupt hereſcht in den Appartements
des Mikado die größte Einfachheit. In einem
benach=
baren Flügel liegen die Wohnräume der Kaiſerin. Ihr
Boudoir iſt im franzöſiſchen Stil gehalten, aber durch die
Fenſter blickt man auf ein japaniſches Gärtchen. Hier
dehnt ſich ein Miniaturweiher, nicht größer als ein
ge=
wöhnliches Waſſerbaſſin, von künſtlichen Felſen umrahmt,
während über einem kaum ſichtbaren, wenige Zoll breiten
Strom eine niedliche Holzbrücke ſich wölbt. Das
Sommer=
häuschen erinnert an eine Puppenſtube, ſelbſt die Bäume
ſind zwergenhaft in dieſer Liliputwelt, und plötzlich iſt man
mitten hineinverſetzt in die vom Winzigen und Zierlichen
entzückte Sphäre japaniſcher Anmut. Und ſo iſt es
über=
all in der Wohnung des japaniſchen Herrſcherpaares.
Weſten und Oſten miſchen ſich hier zu einem bunten
Wirr=
warr; nüchtern klare Gegenwart und ſpieleriſch
phan=
taſtiſche Vergangenheit ſtoßen hart aufeinander. Man
ſchreitet durch die Staatsſäle, die vom europäiſchen Prunk
ſtarren, und ergötzt ſich an den mannigfachen japaniſchen
Kunſtſchätzen, die in den kleineren Räumen und den
Korri=
doren aufgeſtellt ſind. Am feinſten wirken die
Wanddeko=
rationen, die aus außerordentlich feinen und kunſtvollen
Kunſtſchnitzereien beſtehen; ebenſo ſind die Decken mit
ihren Gebälkrahmen auf Goldgrund in Farbe und
Zeich=
nung ſehr reizvoll. So verſchönen doch immer noch die
Umgebung des zum modernen Monarchen gewordenen
Mikedo hie und da die lieblichen Wunder jenes
Kunſt=
gewerbes, das in Schnitzerei und Bronzeguß unſterbliche
Werke vollbracht hat.
— Die Parade der ſchwarzen Soldaten vor König
Viktor Emanuel. Aus Rom wird berichtet: Seit dem
letzten Sonntag ſteht die ewige Stadt im Zeichen der
ſchwarzen Soldateska, und in einem wahren Taumel der
Begeiſterung fraterniſiert ganz Rom mit den Askaris, den
eriträiſchen Negerſoldaten, die am Sonntag morgen zum
erſtenmal in ſtolzer Parade vor ihrem König und höchſten
Kriegsherrn vorbeizogen. Das fünfte Askaribataillon hat
nach tapferem viertägigen Marſche ſeinen Einzug in Rom
gehalten, hat in der Kaſerne der Via dei Mille Quartter
bezogen und am Sonntag morgen zu früher Stunde
trie=
ben fröhliche militäriſche Klänge die ſäumigen Bürger an
die Fenſter und auf die Straße: in dem großen Hof der
Kaſerne von Caſtro Pretorio begrüßte Viktor Emanuel
ſeine ſchwarzen Truppen. In ihrer ſchmucken,
ſchneewei=
ßen Paradeuniform hatten die Kompagnien Aufſtellung
genommen und vor den Fronten ſab man in ihrer hellen
Afrikatracht die Offiziere ihre gelehrigen Mauleſel
tum=
meln. Punkt 8 Uhr erſchien der König, von den Miniſtern,
dem diplomatiſchen Korps und dem Bürgermeiſter Nathan
begleitet, im Hofe; eine ungeheuere Menſchenmenge war
inzwiſchen herbeigeſtrömt, die Begeiſterung kannte keine
Grenzen. „Es lebe der König, es lebe das italieniſche
Tripolis, hoch die Askaris!‟ Der König tritt zu den am
linken Flügel aufgeſtellten Mannſchaften, die in Lybien
verwundet wurden und erſt jetzt aus dem Krankenhaus
kommen; er ſpricht mit den einzelnen Leuten; ein paar
Minuten ſpäter ertönen Kommandoworte, das Karree der
Askaris löſt ſich, die Kompagnien treten zur Parade an
und im Laufſchritt ziehen die Söhne Afrikas am König
vorüber. Dann eine kurze Kritik der Herrſcher mit ſeinem
Gefolge entſernt ſich und nun begimt die Verbrüderung
Roms mit ſeinen neuen ſchwarzen Soldaten. Der Jubel
der Menge iſt unbeſchreiblich, im Nu iſt die
Carabinieri=
kette durchbrochen und die ſchwarzen Krieger, die lächelnd
dieſe Ovationen der Europäer entgegennehmen, könſten
ſich nur mühſam im Gänſemarſch aus der Mitte des
Vol=
kes retten. Die Askaris ſind die Lieblinge Roms
gewor=
den, die Bürger reißen ſich um die Ehre, einen der Söhne
des italieniſchen Afrikas als Tiſchgaſt mit nach Hauſe
führen zu dürfen. Am Tage darauf genießen die
Schwar=
zen die Ehre, zur Totenmeſſe für König Humbert am
Pantheon die Ehrenwache zu ſtellen, auch die Königin
be=
grüßt hier Italiens ſchwarze Kämpen und feierlich wird
den Askaris eine prächtige neue Standarte überreicht, die
die Frauen von Friul mit Liebe und Fleiß für die
Afri=
kaner geſtickt haben.
* Lebensretter und Bureaukratie. Aus Neutra wird
gemeldet, daß der Paſſagier eines Schnellzuges in dem
Augenblick, als der Zug über den Waag fuhr, die Notleine
zog, weil er einen Mann geſehen hatte, der in den Fluß
gefallen war und mit den Wellen kämpfte. Der Paſſagier
ſprang ſofort in den Strom und rettete den Mann, worauf
der Zug ſeine Fahrt fortſetzte. Auf der nächſten Station
wurde der Mann verhaftet, weil er die Notbremſe gezogen
hatte, ohne daß der Zug oder ein Paſſagier in Gefahr
ge=
weſen war.
* Eine liebe Kollegin. 1. Balletteuſe: „Weißt Du, die
Geſchichte, die Du vorhin erzählteſt, iſt aber ſchon fünfzig
Jahre alt.” 2. Balletteuſe: „Und Du haſt ſie ſo lange
be=
halten?‟
Nummer 180.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 2. Auguſt 1912.
Seite 5.
wort ſcheint Frau Bloch außer ſich gebracht zu haben.
Sie zog einen Revolver und tötete ihre
Neben=
buhlerin. Nachher ſtellte ſie ſich der Polizei. Frau
Bloch ſchreibt unter dem Namen Beaulieu Erzählungen
in einer illuſtrierten Zeitung. Sie hat auch ein
Theater=
ſtück bearbeitet, das von dem Theater Palais Royale
an=
igenommen worden iſt. Sie iſt ſehr bekannt unter den
Frauenrechtlerinnen und gehört dem Lyceumklub an.
Paris, 1. Aug. Der Prinz von Wales verließ
geſtern nachmittag vier Uhr Paris und fuhr nach
Eng=
land. In London trifft der Prinz mit dem König von
Spanien zuſammen, der ihm das Goldene Vließ
über=
reichen wird.
Paris, 1. Aug. In dem Städtchen St. Amand in
der Nähe von Bourges fand der Maire auf einem zum
Rathauſe gehörigen Speicher ein Gemälde, welches
Leonardo da Vinei oder ſeinem Schüler Andreas
So=
lario zugeſchrieben wird. Es handelt ſich um ein
Por=
trät des Herzogs Karl von Amboiſe.
Brüſſel, 31. Juli. Der in der vorigen Woche im
königlichen Park überfallene franzöſiſche Abbé Fleuret,
iſt heute nachmittag ſeinen Verletzungen erlegen.
Kriſtiania, 31. Juli. Der Südpol=Entdecker
Amundſen iſt heute mittag eingetroffen und vom
König in Audienz empfangen worden.
New=York, 1. Aug. Ein Marconigramm verzeichnet
die Auffindung einer Flaſche in der Nähe
von Black Island, in der ſich ein Zettel mit folgendem
Inhalt befand: „16 April. Wir ſind hier mitten im
Meere auf einem Floß und haben weder Vorräte noch
Waſſer. Major Butt.” Major Butt war bekanntlich
einer der Paſſagiere der „Titanic”
Luftfahrt.
Von der „Delag‟.
* Die Kataſtrophe, die vor Monatsfriſt die „
Schwa=
ben” vernichtete, wird in ihren Konſequenzen unter
Um=
ſtänden von erheblichem Einfluß auf die weitere
Ent=
wickelung der Deutſchen Luftſchiffahrts=Aktien=Geſellſchaft
in Frankfurt a. M. ſein. Aus den Informationen im
Abendblatt vom 30. Juli iſt bekannt geworden, daß die
Geſellſchaft ſich den Erſatz des Wertes des verloren
ge=
gangenen Luftſchiffes (400000 Mark) erſt im Prozeßweg
von den engliſchen Verſicherungs=Unternehmern
erſtrei=
ten muß, welche die Erſatzpflicht zunächſt abgelehnt
haben. Es kann nicht Aufgabe der Preſſe ſein, dem
rich=
terlichen Urteil vorzugreifen. Man wird nur — dies im
Intereſſe der Delag, die auch ihre anderen Luftſchiffe in
England verſichert hat — bedauern müſſen, daß die
Ver=
ſicherungspolicen nicht von vornherein derart abgefaßt
worden ſind, daß auch der Unglücksfall, durch den die
„Schwaben” verloren ging, mit Sicherheit und ohne
wei=
teres unter den Verſicherungsſchutz in einer Weiſe geſtellt
wurde, die jeden Zweifel und jede Einrede von
vorn=
herein ausſchloß. Die Tatſache, daß die Delag eine
Feuerverſicherungspolice nahm, beweiſt zunächſt nur, daß
ſie ſich gegen Eventualitäten decken wollte, wie deren
eine die „Schwaben” vernichtete inwieweit es der Delag
gelungen iſt, ihrem Willen in den
Verſicherungsbeding=
ungen Wirkſamkeit zu verſchaffen, iſt eben die
Streit=
frage. Man wird daher vorerſt das Urteil darüber noch
zurückſtellen müſſen, ob etwa auf Seite der Delag=
Ver=
waltung ein Verſäumnis vorliegt. Für alle
Intereſſen=
ten der Delag — deren Zahl iſt außerordentlich groß —
wird der Verlauf des „Schwaben”=Streitfalles von
hohem Intereſſe ſein. Dieſes Intereſſe iſt ein auch in
hohem Grade finanzielles.
Die Geſchäfte der Delag ſind ſchon bisher ſehr wenig
günſtig verlaufen. Gewiß, ein Unternehmen, wie die
Delag, darf, auch wenn es ein Erwerbsunternehmen iſt,
nicht ausſchließlich von finanziellen Geſichtspunkten aus
beurteilt und gewürdigt werden. Die Delag hat mit den
Fahrten ihrer Zeppelin=Luftſchiffe ſehr viel zur
Popu=
lariſierung der Groß=Luftſchiffahrt beigetragen und die
deutſche Luftſchiffahrtstechnik mit in den Stand geſetzt,
einen erſten Platz unter den Kulturvölkern zu erringen
und zu behaupten. Aber an die finanzielle Entwickelung
iſt letzten Endes die Exiſtenzfähigkeit und Werbekraft
auch dieſes Unternehmens gebunden. Und die rein
ge=
ſchäftliche Entwickelung war bei allen techniſchen
Erfol=
gen bislang ſehr unbefriedigend. Von nicht weniger als
262 Gründern, darunter 21 Banken und Bankfirmen, zwei
Stadtverwaltungen und 10 Induſtrieunternehmungen,
wurde Mitte November 1909 die Delag geſchaffen und
mmit 3 Millionen Mark Kapital ausgeſtattet. Das
allge=
meine Intereſſe war ſo ſtark, daß dem Unternehmen in
der Gewährung von Luftſchiffhallen, Landungsplätzen,
freier Beihilfe und vielem anderen weitgehende
Fazili=
täten allenthalben gewährt wurden. Trotzdem: die
Geſellſchaft rentiert nicht nur nicht, ſie arbeitet dauernd
mit ſtarker Unterbilanz. Das erſte Geſchäftsjahr ſchloß
bereits mit 286 617 Mark Verluſt ab, das zweite
Ge=
ſchäftsjahr ſogar mit 369568 Mark Verluſt, nachdem
220000 Mark von den Koſten der Wiederherſtellung des
am 16. Mai 1911 an der Halle in Düſſeldorf geſcheiterten
Luftſchiffes abſorbiert worden waren. Der Totalverluſt
war Ende 1911 auf 656 185 Mark angewachſen. Wie die
Geſellſchaft im laufenden Jahre bisher gearbeitet hatte,
darüber liegen Ziffern noch nicht vor. Nach unſeren
In=
formationen dürfte der Betrieb an ſich wieder Verluſt
ergeben haben. Zunächſt hat nun das Unternehmen
da=
mit zu rechnen, daß ihm — und auch das nur im Falle
eines günſtigen Ausgangs des in England zu führenden
Rechtsſtreites — der den Erſatz der Schwaben”
dar=
ſtellende Kapitalbetrag fehlt. Jedenfalls werden, dem
Riſiko des Prozeſſes entſprechend, von der Delag in ihrer
nächſten Bilanz zum mindeſten entſprechende
Abſchreib=
ungen und Rücklagen zu machen ſein; auch muß für die
Prozeßkoſten Vorkehrung getroffen werden. Es iſt
ſo=
mit damit zu rechnen, daß ſich zunächſt die Verluſte der
Delag noch erheblich erhöhen werden, zumal natürlich
im weiteren Verlaufe des Jahres 1912 ein Luftſchiff
weniger im Betriebe iſt. Ein Bau „Erſatz Schwaben”
aber beanſprucht Mittel, die ihrer Höhe wegen nicht eben
leicht zu beſchaffen und zu entbehren ſein werden, ſolange
die engliſche Verſicherungsſumme nicht eingefloſſen iſt
oder wenigſtens mit voller Sicherheit erwartet werden
kann.
Auf jeden Fall hat die wirtſchaftliche Entwickelung
der Geſellſchaft manche Erwartungen ſtark enttäuſcht.
Schwer belaſtend machten ſich zudem die wiederholten
Luftſchiffsunfälle geltend, deren Wiederkehr beweiſt, daß
die Delag mit einem ſehr hohen Riſiko dauernd rechnen
muß. Beſonders belaſtend aber iſt für die Delag
offen=
bar auch der Umſtand, daß in Hinblick auf die Koſten
der Luftſchiffe und deren begrenzte Lebensdauer, endlich
auf die Höhe der Betriebskoſten der Fahrpreis ſo hoch
normiert werden muß, daß auch eine regelmäßig ſtarke
Benutzung der Luftſchiffe anſcheinend nicht einen
einiger=
maßen billigen, für breite Kreiſe des Publikums
er=
ſchwingbaren Jahrpreis ermöglicht. So ſind die Delag=
ſchiffe für heute und wohl auch für abſehbare Zukunft
Luxusfahrzeuge, deren Benutzung auch in hohem Grade
von dem Reiz der Neuheit abhängig iſt, der zunächſt wohl
noch die Fahrt mit einem „Zeppelin” umgibt. Ob dieſe
Verhältniſſe ſich einmal ändern werden, ſteht dahin. Es
iſt in hohem Grade bedauerlich, daß der Deutſchen
Luft=
ſchiffahrts=Aktiengeſellſchaft kein freundlicheres Los
be=
ſchieden iſt. Es geht ihr, wie ſchon häufig kühnen
Unter=
nehmern: die Qualität der Leiſtung findet eine nur
un=
genügende wirtſchaftliche Baſis. Man kann nur hoffen,
daß die zahlreichen und finanziell im allgemeinen
außer=
ordentlich potenten Aktionäre der Delag, die ja wohl ihre
Kapitalien zum großen Teile à fonds perdu hingegeben
haben, auch in der Folge treu zu ihrem Unternehmen
hal=
ten und ſeinen Bedürfniſſen verſtändnisvoll
entgegenkom=
men. Sie werden damit dem Allgemeinintereſſe einen
Dienſt erweiſen. (Frkf. Ztg.)
* Mainz, 31. Juli. Auf dem Flugplatz „Großer
Sand” veranſtaltete heute abend der hieſige Verein für
Flugweſen in Anweſenheit der Spitzen der Behörden und
Vertretungen der Brudervereine von Frankfurt,
Darm=
ſtadt und Gießen ein Einweihungsfeſt der neuen
Flug=
zeughalle. Die Halle ſoll zur vorübergehenden Aufnahme
hier landender auswärtiger Flieger, insbeſondere
Mili=
tärflieger, dienen.
* Frankfurt a. M., 1. Aug. „Viktoria Luiſe‟
wird, wenn die Umſtände es erlauben, am 18. Auguſt auf
ſeiner Fahrt, von Gotha kommend, eine Zwiſchenlandung
in Leipzig vornehmen. Es würde dies das erſte Mal
ſein, daß ein Zeppelin=Luftſchiff in Leipzig landet.
* Friedrichshafen, 1. Aug. Infolge
zahlrei=
cher Anfragen aus Norddeutſchland teilt der Luftſchiffbau
Zeppelin mit, daß für die Fahrt der „Hanſa” nach
Hamburg eine beſtimmte Zeit noch nicht feſtgeſetzt iſt.
Zunächſt ſind die Arbeiten an einem der Motoren zu
beendigen. Dann hat noch eine Probefahrt
ſtattzufin=
den. Von ihrem Ausfall hängt es ab, wann die große
Fahrt angetreten werden wird
* Heilbronn, 1. Aug. Heute früh 5 Uhr 45 Min.
landeten die beiden Offizierflieger Schmikaly und
Aigler, die um 5 Uhr 20 Min. bei Ludwigsburg
aufge=
ſtiegen waren, infolge Motordefektes auf den Böckinger
Wieſen. Die Flieger waren zu einer militäriſchen Uebung
nach Frankfurt a. M. aufgeſtiegen und hoffen, heute
nach=
mittag den Flug fortſetzen zu können.
* Johannisthal 31. Juli. Heute abend
unter=
nahm der „Schütte=Lanz”=Ballon eine Fahrt über
Berlin. Er ſtieg um 7 Uhr 20 Min. auf dem Flugplatz
Johannisthal auf und kehrte um 8 Uhr 15 Min. zurück
und landete glatt. — Das Luftſchiff Schütte=Lanz” ward
geſtern vom amerikaniſchen Botſchafter und
deſſen Gemahlin, ſowie von dem Militärattachee der
Bot=
ſchaft unter Führung von Profeſſor Schütte eingehend
beſichtigt.
H. B. Petersburg, 1. Aug. Der Flieger
Abra=
mowitſch, der ſeit vergangenem Freitag in Wenden,
ungefähr 200 Kilometer öſtlich von Riga wegen
Kurbel=
wellenbruches feſtgehalten wurde, iſt von dort geſtern
abend, nachdem der Motor in die Wrightſche Maſchine
eingebaut worden war, abgeflogen. Nach einem ſchnellen
Fluge in bedeutender Höhe landete er geſtern abend
glatt in Pſkow. Heute morgen wollte der Flieger mit
ſeinem Paſſagier, Regierungsbaumeiſter Hackſtätter, von
Pſkow weiter fliegen. Bei dem Start aber hinderte ihn
die neugierige Volksmenge derartig, daß Abramowitſch
auf dem ſehr kleinen Gelände kurz nach dem Anlauf eine
ſtarke Rechtskurve machen mußte, in der der Apparat
ſeit=
lich abrutſchte und ſich überſchlug. Dabei wurden die
Tragflächen ſtark beſchädigt. Abramowitſch und ſein
Paſſagier kamen mit leichten Hautabſchürfungen davon.
sr. Verſchollene Aviatiker. Große Beſorgnis
herrſcht in Paris über das Schickſal zweier engliſcher
Aviatiker, die von dem Aerodrom Graham Whites in
Hendon aufgeſtiegen waren. Es handelt ſich um die
Avia=
tiker Gaſtey und Noel. Beide wollten nach Paris
fliegen, um in dem Aerodrom von Bue einen für die
eng=
liſche Armee beſtimmten Flugapparat zu übernehmen.
Trotz ſchlechten Wetters und der Warnungen aller Flieger
ſtiegen beide Samstag abend auf und flogen ab.
Seit=
dem fehltjede Nachricht von den beiden Fliegern.
Man befürchtet, daß ſie in der Nacht die Fahrt über den
Aermel=Kanal verſuchten und ſich verirrten, oder daß ſie
in einen Wald ſtürzten.
Vermiſchtes.
— Veteranen=Not. In den Nachrichten des
Deutſchen Wehrvereins leſen wir: In dieſen Tagen ging
durch die Preſſe die Nachricht von dem tragiſchen Tode,
den ein deutſcher Veteran, der eine monatliche Beihilfe
von 10 Mark bezog, in Berlin gefunden hat. Der Deutſche
Wehrverein betrachtet es mit als ſeine Aufgabe, die
Oef=
fentlichkeit über die Notlage der deutſchen
Ve=
teranen aufzuklären und an ſeinem Teile
mitzuwir=
ken, daß hier endlich ausgiebig Wandel geſchaffen wird.
Der dem Deutſchen Wehrverein angeſchloſſene
Veteranen=
dank in Leipzig hat die Abſicht, eine große, umfaſſende
Veteranenfürſorge einzurichten. Wie notwendig das iſt,
mag Nachſtehendes beweiſen:
Ende des Feldzuges 1870 ſtanden auf franzöſiſchem
Boden ungefähr 800000 Mann. Zurzeit leben noch
un=
gefähr 425000 dieſer alten Krieger unter uns. Die Liſten
des Kyffhäuſerbundes enthalten an Veteranen 225000
Preußen, 75000 Angehörige anderer Bundesſtaaten,
außerdem ſind zirka 125000 Veteranen nicht organiſiert;
insgeſamt 425000 Mann, von denen 231000 durch
ſtaat=
liche Mittel dauernd unterſtützt werden. Wie gering
die ſtaatlichen Mittel ſind, iſt allgemein bekannt; ſie
rei=
chen nicht aus, um auch nur den notwendigſten
Lebens=
unterhalt bei vielen unſerer bedürftigen Veteranen zu
gewährleiſten. Wenn man bedenkt, daß die Veteranen
durchſchnittlich heute 65 Jahre alt ſind, und erfährt, daß
jährlich an die 25000 Unterſtützungsgeſuche allein an den
Deutſchen Kriegerbund gerichtet werden, wird man der
Forderung zuſtimmen müſſen, daß der Staat ſich endlich
auf ſeine Pflicht beſinnt; ebenſo kann der Erwartung
Ausdruck gegeben werden, daß der deutſche
Reichs=
tag in dieſer Frage einmal ein kräftiges Wort ſpricht
und dafür ſorgt, daß denen, die ihr Leben für die Größe
der Nation eingeſetzt haben, wenigſtens ein einigermaßen
erträglicher Lebensabend bereitet wird. Unſer Volk muß
die Mittel haben, für diejenigen zu ſorgen, die es durch
ihr Heldentum groß gemacht haben.
* Anſichtspoſtkarte und Heimatsſinn.
Die Anſichtskarte als Mittel zur Hebung des
Heimats=
ſinnes zu verwerten, iſt kein übler Gedanke, und dürfte
vielſeitig unterſtützt werden. Er iſt von der Regierung
in Kaſſel ausgegangen, welche die Kreisſchulinſpektoren
ihres Bezirks angewieſen hat, die Pflege des
Heimats=
ſinnes in den Schulen auch dadurch zu fördern, daß
Sammlungen von Poſtkarten mit Abbildungen aus der
Heimat in gemeinſamer Arbeit von Lehrern und
Schü=
lern angelegt und, auf Pappbogen oder in
Sammelrah=
men befeſtigt, an den Wänden der Schulzimmer in
Kopf=
höhe der Kinder angebracht werden.
C. K. 11½ Millionen Telephonanſchlüſſe.
Ueber die Verbreitung des Telephons auf der Erde gibt
eine ſoeben erſchienene amtliche Statiſtik Aufſchluß, die
zugleich erkennen läßt, in welch gewaltigem Maße auf
dieſem Gebiete, Amerika die alte Welt überholt hat. Am
1. Januar 1911 zählte man in Aſien rund 170000
Tele=
phonanſchlüſſe; davon entfallen auf Japan 128500, auf
Indien 12000, auf China 8400 und auf Formoſa 3000. In
Afrika wurden insgeſamt 31000 Fernſprechſtellen
ge=
zählt; 14700 davon ſind in Südafrika, 8000 in Aegypten,
5600 in Algier, 1450 in Tunis und 1000 auf Madagaskar.
In Auſtralien zählt man 122000 Anſchlüſſe; in
Amerika dagegen nicht weniger als 8355000, von
denen allein auf die Vereinigten Staaten rund 8
Millio=
nen Anſchlüſſe entfallen, während bereits in Kanada die
Ziffer auf 240000 ſinkt. Rechnet man dazu die 2848000
Fernſprechſtellen Europas, ſo ergibt ſich für die Erde
die imponierende Zahl von 11526000 Fernſprechſtellen.
mi. Englands neue
Verſicherungsmar=
ken. Das Inkrafttreten der engliſchen
Verſicherungs=
geſetze eröffnet den Markenſammlern die angenehme
Aus=
ſicht auf ein neues dankbares Betätigungsfeld. Die
eng=
liſche Krankenverſicherung ſetzt nicht weniger als 13
ver=
ſchiedene Markenvaritäten in Umlauf, die alle das gleiche
Schema aufweiſen: ein Wappenſchild, dem die Wertziffer
eingedruckt iſt, und das von den Emblemen der vier
Län=
der des Vereinigten Königreichs umrahmt und von der
Schlange und der Vaſe des Aeskulap gekrönt iſt. Die
Farbe der Marken wechſelt mit dem jeweiligen Wert. Die
für die Arbeitsloſenverſicherung beſtimmten Marken
zei=
gen ein Segelſchiff, das alte Wahrzeichen des
Handels=
amts, umfaſſen aber nur drei Sorten. Sie ſind wie die
Krankenverſicherungsmarken jetzt dem Verkehr übergeben
worden.
Literariſches.
— Ausland=Erzähler. Die neuen Ausland=Bücher
ſind ſoeben im Verlage von Ullſtein & Co., Berlin,
er=
ſchienen. Für die erſten vier Bände (jeder Band koſtet
1 Mark) hat man, um das neue Unternehmen von
vorn=
herein auf ein vornehmes literariſches Niveau zu ſtellen,
vier Schriftſteller allererſten Ranges als künſtleriſche
Repräſentanten ihrer Nationen ausgewählt. Der
Meiſter=
erzähler des modernen Frankreich, Guy de Maupaſſant,
iſt mit ſeinem unſterblichen Roman „Der ſchöne Georg”
(Bel-ami) vertreten, dieſem Zeitbilde von unnachahmlicher
Schärfe und Konſequenz, über das ſein Genie den Duft
liebenswürdigſter Anmut ausgegoſſen hat. Den echt
eng=
liſchen Humor mit ſeinem friſch=fröhlichen Behagen am
ungebundenen Leben in der freien Natur repräſentiert
der berühmte Roman des luſtigen Jerome K. Jerome: „Drei
Mann in einem Boot” Selma Lagerlöf, der aus der
Sagenwelt ihrer ſchwediſchen Heimat ein nie verſiegender
Born dichteriſcher Geſichte zuſtrömt, zeigt ſich in dem
Novellenband „Unſichtbare Bande” wieder als Schöpferin
und Geſtalterin von poetiſcher Vollkraft. Und ſchließlich
iſt noch Rußlands großer Dichterphiloſoph Tolſtoj als
der würdigſte Repräſentant oſteuropäiſcher Dichtung in
dieſe Muſterausleſe aufgenommen worden. Mit ſeinem
hochintereſſanten Jugendwerk „Die Koſaken” das ſchon
ſo viel von den ſeeliſchen Zweifeln und Nöten verrät,
mit denen der ſpätere Tolſtoj ſich herumzuſchlagen hatte,
und aus denen er dann die weltbekannten Konſequenzen
zog, erſcheint der ruſſiſche Menſchheitsfreund und Dichter
ausgezeichnet charakteriſiert. Jedem der ebengenannten
Werke iſt aus der Feder eines bekannten deutſchen
Schrift=
ſtellers eine einleitende Darlegung von dem Weſen und
der Bedeutung des fremdländiſchen Autors
voraus=
geſchickt, und in Felix Salten, Bruno Wille, Henriy
F. Urban und Heinz Tovote haben die Ausländer
fein=
fühligſte Interpreten gefunden.
— Aus der Kinderzeit der Luftſchiffahrt berichten
allerlei Intereſſantes die neueſten Lieferungen (150—155)
von Hans Kraemers Prachtwerk „Der Menſch und die
Erde‟ (Deutſches Verlagshaus Bong & Co., Berlin W. 57,
Lieferung 60 Pf.), die ſoeben erſchienen ſind. Der
Ver=
faſſer giebt uns hier eine außerordentlich wertvolle
Ueber=
ſicht über die allmähliche Verwirklichung der menſchlichen
Sehnſucht, fliegen zu können, von Ikarus bis zur
modern=
ſten Flugmaſchine. Gegenüber der Flut von literatiſchen
Belehrungen über Neues und Neueſtes auf dem Gebiete
der Flugtechnik, mit der wir überſchüttet werden, bietet
dieſe ausgezeichnete und populäre Schilderung eine
zuſam=
menfaſſende, grundlegende Ergänzung, um ſo
willkom=
mener, als dieſes aktuelle Thema mit gleicher
Vollſtändig=
keit und pointierter Klarheit bisher noch nicht behandelt
worden iſt. Einen beſonderen Hinweis verdient auch die
große Zahl der ausgezeichneten und ſeltenen bildlichen
Darſtellungen, die geeignet ſind, jedem Laien das
Ver=
ſtändnis für die techniſchen Einzelheiten ohne weiteres zu
vermitteln.
— „Ueber Land und Meer.” In den
vor=
liegenden Nummern 37 bis 40 der Zeitſchrift „Ueber
Land und Meer” (Stuttgart, Deutſche Verlagsanſtalt),
findet der Freund guter Unterhaltungslektüre wiederum
eine reiche Auswahl, ſo daß allen Bedürfniſſen und
An=
ſprüchen im beſten Sinne des Wortes Rechnung getrage:
iſt. Die Betätigung auf den Gebieten der Kunſt iſt
hervorragender Weiſe durch eine Reihe ſchöner
Repr=
duktionen feſtgehalten, einem Plaſtiker, Karl Hilger
und einem Maler, dem Steiermärker Alois Penz, ſind
außerdem beſondere Artikel mit Illuſtrationen gewidmet.
Dem Garten und dem Park gelten zwei Abhandlungen.
Dem weitverzweigten Gebiet der Naturwiſſenſchaft
ge=
hören ſodann an der bilderreiche Artikel „Das Leben
ohne Mikroben” und die intereſſante Plauderei von
Wilhelm Bölſche über „Neues von den Wundern des
Olm”. Recht unterhaltend lieſt ſich auch der Eſſay von
Ernſt Klein „Wie Wien fährt” Vortreffliche Winke und
Ratſchläge über das Reiten erteilt weiterhin der
be=
kannte Sportsmann Hans Joachim von Winterfeld in
einer mit zahlreichen Zeichnungen geſchmückten
Abhand=
lung „Reiter? und Reiter!”. Von beſonderem Wert
er=
weiſt ſich fortgeſetzt die in jeder Nummer mehrere
Sei=
ten umfaſſende, alle hauptſächlichen Wiſſensgebiete
be=
rührende Abteilung „Kultur der Gegenwart”.
— Wie mache ich Inventur und
Bilanz=
abſchluß? Die geſetzlichen Vorſchriften in
gemein=
verſtändlicher Erläuterung nebſt Bilanzentwürfen. Aus
der Praxis für die Praris dargeſtellt (Verfaſſer: Max
Luſtig, kaufm. Sachverſtändiger; Kaufmänn.=juriſt.
Ver=
lag G. m. b. H., Mainz 3; Preis Mk. 1.50). 2. Auflage.
Für die Beliebtheit des vorliegenden Büchleins ſpricht
die Notwendigkeit der Herausgabe einer 2.
unveränder=
ten Auflage. (Die 1. Auflage war in 7 Wochen
vergrif=
fen! Das treffliche Büchlein gehört in jedes Kontor!
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 2. Auguſt 1912.
Nummer 180.
Wider Alen
Erwarten
der ungemein rasch
aus-
hat sich
der 1911— gebaut u. ist
beiratio-
neller Kellerbehandlung flaschenreif
geworden. Ich habe bereits
Ober-
haardter, Edenkobener, Rhodter,
Guntersblumer, Alsheimer, Pfaffen-
Schwabenheimer u. Langsurer auf die
Flasche genommen, welche Sorten
sich in der Preislage von 90 ₰ an per
Flasche ohne Glas bis ℳ 1.40 bewegen.
Wilnenn Rieber
Darmstadt.
(16365a
Mar noch einige fage
kommen große Posten gute moderne
Senanwuren
spottbillig zum Verkauf.
Nur einige Beispiele:
Für Damen:
1 Post. moderne schwarze
Halbschuhe
Derbyschnitt, Lackkappe,
Leder-
futter, niedriger u. amerikanischer
Absatz, in allen Grössen
1 Post. sehr schöne braune
Halbschuhe
Derbyschnitt, Lackkappe, moderne
amerikanische Fasson, in alleu
Grössen
Posten sehr schöne
0
Chevr.-Schnürstiefel
Tmoderne, breite Fasson,
Lack-
kappe, amerikanischer Absatz, in
allen Grössen
Mk.
75, 6.50 und 10.50 Mk.
Hochfeine Chevreanx- und Boxkalf.
Schnür-Halbsch
u. Stiofel
in schwarz und farbig
Auffallend billi,
Für Herren:
50 und 9.50 Mk.
Solide Herren-Wichsleder
Schnür-, Zug- und Schnallenstiefel
Ein Posten sollde
Box-Schnürstiefel
Mk.
Mk.
guter Boden, weiches Leder,
breite Fasson,
sonstiger Preis Mk. 7,50
Ein Posten hochfeine
in moderner Fasson
prima Boden
sonstiger Preis bis Mk. 10.−
90. 10.50 md 52.30
Mk.
Ia kindoox-Kinderstiefer
in schwarz und braun
Garantie für jedes Paar
sind 1 Posten:
Grösse 25/26 27/28 29/30 31/33 34/35
m. .i5 3.0 3.35 4.75 3.5
27/30
Grösse 25/26
31/35
Mk
3.60
3.95
1.50
Ca. 150 Paar
Grraussert. Linzelpaate Herren-, Damch u. Kinderstietel
unter Selbstkostenpreis.
Es ist völlig ausgeschlossen, dass Sie irgendwo moderne
gute Schuhwaren billiger kaufen können als bei uns.
Markr J.
Cbr. Blann
Schwarz-weisse
Rabattmarken.
(16358)
Wir unterhalten mit das
— Grösste Lager
am hies. Platze. Part. u. 1. Stock.
En
erhalt. Weinfäſſer
für Obſtwein und Einmachzwecke
geeignet, billig zu verkaufen.
Gebr. Wenglein, Weinhandlg.,
Steinackerſtr. 1. (B16184
Taſt neuer Liegſportwag. (
Nickel=
geſtell ) billig zu verk. (*2442ds
Frankenſteinſtraße 50, 2. St.
Ttradivari us-Salon-Violine 1701 zu
B verkaufen. Anfr. unter F 18
an die Exped. ds. Bl. (*2505ds=
Zeunert’s Brillant=
Waschblaupapier
erzeugt in der Tat blütenweiße Wäſche, iſt giftfrei,
liefert kriſtallklares Blauwaſſer und iſt zu haben bei
Georg Liebig & Co. Nachf.,
(10993a
Darmſtadt.
Gabelsberger.
Stenographen=Vereinigung.
Samstag, den 3. ds. Mts., abends 9 Uhr,
im Fürſtenſaal (Grafenſtraße)
Monats-Versammlung
mit gemütlichem Beiſammenſein
(16370
wozu freundlich einladet
Der Vorstand.
Nichtmitglieder haben Zutritt, ſind jedoch
dem 1. Vorſitzenden vorzuſtellen.
Schützenhof.
Freitag, den 2. August, abends 8 Uhr,
Konzert- und Lieder-Abend
des rühmlichst bekannten
Kilian’schen Männer-Sextett
Mitglieder erster Hof- und Stadt-Theater.
(16320
Eintritt 30 Pfg.
Ludwigshöhe.
Jeden Mittwoch u. Samstag
Kur-Konzer t.
Eintritt 25 Pfg. 10 Abonnementskarten zu
Mk. 1.50 ſind zu haben im Verkehrsbureau und an der Kaſſe. (B14217
Hugenschütz Felsenkeller
Tel. 1445. Freitag, den 2. August, abends 8 Uhr Tel. 1445.
Tur Ronzert
Srosses 1
der vollzähligen Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=
Regts. Nr. 61, Leitung: M. Weber.
I. Teil: Populäre Opernsätze. II. Teil: Patriotisch.
III. Teil: Deutschlands Erinnerungen an die Kriegsjahre 1870/71.
Tongemälde mit Schlachtenmuſik von H. Saro.
Erklärung: Einleitung. Tiefer Friede. Chor der Landleute.
1. König Wilhelm ſaß ganz heiter. 2. Frankreichs Kriegserklärung
an Deutſchland. 3. König Wilhelm an ſein Volk. 4. Erwiderung
des deutſchen Volkes. 5. Einberufung der Reſerve und Landwehr.
6. Signal dreiviertelneun Uhr (Morgen marſchieren wir) Signal
9 Uhr. 7. Nachtruhe. Wecken. 8. Abmarſch der Truppen. 9.
Ein=
ſteigen in die Eiſenbahn. (Es iſt beſtimmt in Gottes Rat). 10.
Ab=
fahrt der Truppen. 11. Ankunft am Rhein. 12. Yorckſcher Marſch.
13. Hurra=Marſch. 14. Harmoniſcher Zapfenſtreich der Kavallerie.
15. Signal der franzöſiſchen Infanterie. 16. Signal der franzöſiſchen
Kavallerie. 17. Franzöſiſches Gebet: Partant pour la Syrie. (Die
franzöſiſchen Signale werden in der Entfernung geblaſen).
Morgen=
rot. 18. Die beiderſeitigen Armeen werden alarmiert. 19.
Sturm=
marſch. 20. Schlachtenmuſik. 21. Sieg der Deutſchen. 22. Vormarſch
nach Paris. 23. Zapfenſtreich und Gebet. 24. Friede.
(16371
Eintrit mit Programm 10 Pfg.
Hans Tod, Restaurateur.
warlete ue Theatersaufgrerkes
Alexanderstrasse 12.
Monat August täglich: (16374a
Das große Variété- und Theater-Programm!
Wally Norden, die kleine Trikot-Nymphe
Neu: Lissl Loselig, Kinderkopistin. — Neu!
Wo gehen wir wahrend der
hitze gegen Abend hin?
rilis Oberwalahaus vondei.
Tanz-instltut Schrimph und Frau
Neckarstrasse 22, parterre
(*2549
Einem Privatkursus können Damen und Herren beitreten.
Unsere Winter-Tanzkurse fangen wieder an im
September. Einzelunterricht jederzeit (eig. Saal).
Unser erfolgreicher Unterricht wird von ersten hiesigen
Familien empfohlen unserer Lehrtätigkeit wurde seit Uebernahme
es Instituts ein grösseres Vertrauen bezeigt, wovon der nach wie
vor vermehrte Zuspruch zu unseren Tanzzirkeln Zeugnis ablegt.
Gefl. Anmeldungen zu den gewissenhaft geleiteten
Lehr-
kursen nehmen wir täglich entgegen. .
Frühkartoffeln
(Pfälzer Kaiserkrone)
empfiehlt in jed. Quantum, ſowie
Portionenà 1 Mk. frei Haus (15033a
W. Nungesser
Fernſpr. 864. Dieburgerſtr. 10.
Vorzügl. echten
Malagawein
Ausnahmepreis Mk. 1.55
pr. Fl., ſonſtiger Verkaufspreis
Mk. 2.50.
(16093a
Gg. Aumüller,
Eliſabethenſtr. 28.
Nummer 180.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 2. Auguſt 1912.
Seite 9.
SCEDER
Soeder’s
Herz
Stiefel
Caisen-Ausverkauf
SCEDER
mitden Herz
fder
aller Saison-Schuhwaren!
Untenstehend einige Ausnahme-Preise. mangelt es an Platz.
Alle anzuführen,
KINDER DAMEN HERREN fard. u. eimere Schnltrlieſel.No. 19/22,
bisher ℳ 2.20
jetzt 1. Bual. u. Geſt. Lu0t. u. Schleilclt
Rahmenarbeit,
bisher ℳ 12.50 .
jetzt 2.90 Boxc.-Herr.-Agr.. 12.50
Stiet. jetzt8.860 Desgleichen von „HERZ‟
Boxcalf und Chevreaux,
bisher ℳ 4.50 . .
jetzt 2.50 Desgl. Ia Cherreaux und Boxcalf
Rahmenarbeit,
bisher ℳ 16.50
jetzt 6 60 trüh. 41220
Desgleichen in Cherreauk
jetzt 6.60
früher ℳ 16.50 .
jetzt 9.80
früher ℳ 18.50
jetzt 11.80 in echt Gewrenr-hungbldt ur Llacſt.
No. 21/22,
bisher ℳ 7.50 . .
jetzt 3.50 Desgleichen in braun
bisher ℳ 12.50 .
jetzt O0 Boxcalf-Agraffen-Stiefel
Rahmenarbeit,
bisher ℳ 16.50 .
jetzt 11.00 Cherreaux- und Boxcalf-Oesenstiefel
No. 27/30, bisher ℳ 8.00 . .
. jetzt 4.50
No. 31/35, bisher ℳ 9.00 . . . jetzt 5.50 Desgl. Ia Cherreaux und Boxcalf
Rahmenarbeit,
bisher ℳ 16.50 .
jetzt 6 ,8 Desgleichen in braun . . . . jetzt 9.6
„ Rahmenarbeit. . jetzt 12.50 Braun Ziegenleder-Oesenstiefel
No. 31/35,
bisher ℳ 7.50
. jetzt 4.50 Degeiehen Aarlte glblte
braun Chevreaux,
bisher bis 26.50 ℳ
jetzt 15.0 Ein Posten Damen-Spangenschuhe
No. 36/37, früher ℳ 5.50 . . jetzt 2.00 Melie Mdede-Kuopt unl Schulrslcht
Marke=HERZ:, No. 21—23½,
bisher ℳ 9.50
jetzt 5.50 Giaher die zu Mkt. 18.50)
in allen mögl. Ausführ. und
Halnschune Formen, braun u. schwarz,
Preise jetzt Mk. 3.50, 4.80, 5.50, 6.80 etc. Herren- u. Dam.-Lasting-Halbsch. ℳ 2.00
Damen-Lasting-Zugstiefel No. 36/38 ℳ 1.00
Keine
Auswahl-Sendungen
während des
Saison-Ausverkaufs
Schamaus Frieurich Soeder
Hoflieferant
Ludwigstrasse 12.
Des starken Andrangs
halber bitten wir die,
Vormittags-Stund. zum
Einkauf zu benutzen.
16372
August Schäfer
Inhaber des Ateliers Wolff
Ludwigsplatz 6 Fernruf 1703 Ludwigsplatz 6
Werkstätten für:
Photographie, Vergrösserung,
Malerei, Heim- und Aussen-
Aufnahmen, Gruppenbilder ——
— bei billigster Berechnung —
Bestellungen von Medaillons, Schmucksachen mit Semi
oder echter Emaille in verschiedenster Ausführung
und in allen Preislagen werden angenommen
Lager von Ständern in Holz und in echter Bronze
Sonntags geöffnet von 11—5 Uhr. (9481a
ich empfehle als Spezialität:
eucde und enoteldde
garantiert rein, in allen Preislagen.
— Racahout —
vorzügliches Nähr- u. Kräftigungsmittel für Magen- u. Darmleidende.
Friedrich Schaefer
Grossherzoglicher Hoflieferant
Drogen und Chemikalien en gros und en detail
7 Ludwigsplatz 7. 1190a
Wegzngsh. billig zu verk.:
Bucherſchrank
1 Sofa, 1 Schreibtiſch, 1 Waſcht.,
2 1tür. Kleiderſchr., 2 Tiſche, 2 Dienſt=
Schreibtiſch (Diplomat) mit botenbett., 1 Küchenſchr. m.
Glasauf=
gl. Zügen, eichen, dunkel gebeizt, 1ſatz, 1 Küchentiſch m. 2Stühl., 1 kompl.
rima Arbeit; ferner 1 hochfeines Schaufenſtereinrichtung für Kon=
(*2557fs
Büfett u. Kredenz, dunkel eichen, ditorei oder Bäckerei
ehr billig zu verkaufen (*2552
Schloßgartenſtraße 91
Hügelſtr. 29, Möbelwerkſtätte.
zu verkaufen
11 Morg, ewig. Klee zu verk.
2 *2526) Sandbergſtraße 49.
Leichte Lederrolle (*2553fs
Rheinſtraße 51.
Trauringe
ohne Lötfuge 11500a
das Paar von Mark 10.−
bis zu Mark 60.−
Gravierung gratis.
Uhren
K. Jäger, und Goldwaren
Rheinstr. 33 Telephon 2579.
I. Hess. Versich. geg. Ungeziefer
Ibel & Lotz, G. m. b. H.
Schuchardſtr. 14, p. Telephon 461.
Vertilgung von Ungeziefer jeder
Art, wie Wanzen, Käfer, Ratten,
Mäuſe uſw. billigſt unt. Garantie
und ſtrengſter Diskretion.
Für Hausbeſ., Hotels, Bäckereien,
Reſtaur. uſw. Verſicherung geg.
Ungeziefer beſond. zu empfehlen.
Aeußerſt geringe Jahresprämie.
Koſtenloſe Ausſprache an Ort und
Stelle. Poſtkarte genügt. (14191a
er beste Schutz gegen Einbruch-Diebstahl-
DSchäden u. eine Beruhigung für die Reisezeit
ist der Abschluss einer Versicherung. Die Prämien sind
gering. Auskunft und Prospekte durch die
(12566a
Nachener und Mänchener Fener-Versich.-Gesellschaft
Ernst-Ludwigstr. 6. Darmstadt. X. KLEIN.
Schmutx fliegt
beim Waschen mit
Pfeildreieck-Seife
Ueberall erhältlich.
Seifenfabrik Aug. Jacobi, Darmstadt
. Desr Heerdigungsgeschaft
Zismarckstr. 21.
Telephon 987.
Uebernahme und Ausführung von Beerdigungen, Feuer bestattungen,
Ueber-
führungen, Trauerdekorationen und Aufbahrungen, sowie aller zur
Bestattung nötigen Besorgungen.
(867a
Mert ie Set
3 Obergaſſe 30.
(Rüde) 15 Mk
Gelb. Boxer alt, zu verkauf
Näh. Hartenſtr. 19, I., links. (*2532
Ein reier hehane
tichelhaarig, weil keine
Verwer=
tung, zu verkaufen
(16297
Arheilgen, Seeſtraße 9.
Nummer 180
ſeite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 2. Auguſt 1912.
Sport.
* Pferderennen zu Strausberg. Juli=Preis:
2000 Mark, Diſtanz 1200 Meter: 1. Fürſt Hohenlohe=
Oehringens Quodlibet (Raſtenberger), 2. Brangäne (O.
Müller), 3. Baſalt II (Jentzſch). Tot. 110:10, Pl. 24, 13,
32:10. Unpl.: Galanterie (4), Knappe, Eilgut,
Heu=
ſchrecke, Mona Liſa, Lady Pekin, Erle, Chutben. Sicher
½—1 Lg. — Spitzmühle=Jagd=Rennen; Ehrenpreis und
2000 Mark, Diſtanz 4000 Meter: 1. Lt. Prinz W. zu
Schaumburg=Lippes Kilmallock (Lt. Graf Strachwitz),
2. Beautiful Eve (Lt. Frhr. von Berchem), 3. Byrthle
Bough (Lt. von Egan=Krieger). Tot. 14:10. Drei liefen.
Ueberlegen 2 Lg.-Weile. — Preis vom Waſſerturm;
2000 Mark, Diſtanz 3000 Meter: 1. Herrn A. Kaſtens
Nor=
ton Lizzi (Torke), 2. Common Senſe (M. Seiffert), 3.
Li=
bellule (V. Roſack). Tot. 32110, Pl. 13, 12, 19110. Unpl.:
Etty (4), Skipper, Waldtraut, Prärie, Nortrud.
Ueber=
legen 8—2 Lg. — Oſtbahn=Jagd=Rennen; Ehrenpreis und
2000 Mark, Diſtanz 3500 Meter: 1. Rittmeiſter Freiherrn
von Wachtmeiſters Mixed Pickles (Herr von
Weſtern=
hagen), 2. Waterman (Lt. Graf Bethuſy=Huc), 3. Moſel
(Dr. Rieſe). Tot. 20110, Pl. 13, 26:10. Unpl.: Verchland.
Sicher 1—2½ Lg. — Strausberger Sommer=Handikap:
Ehrenpreis und 4000 Mark, Diſtanz 4000 Meter: 1. Lt. A.
von Hanſemanns Galrani (Weishaupt), 2. Goldwährung
(Lommatzſch), 3. Regina (Torke). Tot. 15:10, Pl. 12,
23:10. Unpl.: Bäuerin (4), Fälſcher. Kanter, 8—½ Lg.
— Sommer=Hürden=Rennen; 2300 Mark, Diſtanz 2600
Meter: 1. Herrn M. Lehmanns Schönbrunn (Th.
Ba=
ſtian), 2. Wackerlos (V. Roſack), 3. Dakota (Dittmar)
Tot. 83110, Pl. 25, 15, 41:10. Unpl.: Hades (4), Melitta,
Anthemis, Julius Cäſar, Pfefferminz, Tourbillon,
Knall=
gas. Leicht 2—4 Lg.
* Lawn=Tennis. Das Internationale
Lawn=Tennis=Turnier zu Karlsbad hatte
in dieſem Jahre wieder eine ſtarke internationale
Be=
teiligung vereinigt. Von bedeutenden Spielern ſeien
ge=
nannt Kreuzer, Gebrüder Kleinſchroth, Kinzl, v. Weſſely,
Dr. Pipes. Das Herren=Einzelſpiel um den Pokal der
Stadt Karlsbad gewann R. Kleinſchroth gegen H.
Klein=
ſſchroth ohne Spiel, nachdem R. Kleinſchroth vorher
v. Weſſely und H. Kleinſchroth Kinzl geſchlagen hatten.
Im Herren=Doppelſpiel ſiegten R. Kleinſchroth=Kreuzer
gegen Bertrand=Pipes, im gemiſchten Doppelſpiel
Fräu=
lein Amende=Kinzl gegen Frau Maſchka=Bertrand ohne
Spiel. Das Herren=Einzelſpiel um den Bäderpreis,
deſſen Schlußrunde in Marienbad geſpielt wurde,
ge=
wann Kinzl gegen R. Kleinſchroth. Das Herren=
Einzel=
ſpiel um den Pokal des Fürſten Fürſtenberg fiel an den
Oeſtereicher Spenzer.
Das Internationale Lawn=Tennis=
Turnier zu Warnemünde iſt jetzt in allen
Kon=
kurrenzen entſchieden. Das Herren=Einzelſpiel um den
Warnemünder Pokal gewann Rahe gegen Gaſt nach
ſpannendem Kampf 4—6, 6—1, 6—2, 4—6, 6—1. Die
Damenmeiſterſchaft von Warnemünde wurde von Frau
Bruns ohne Spiel gegen Fräulein Rudolfi gewonnen.
Das gemiſchte Doppelſpiel ohne Vorgabe fiel an das
Ehepaar Bruns gleichfalls ohne Spiel, da Geſchwiſter
Rahe gegen ſie nicht antraten. Von den Vorgabeſpielen
gewannen das Herren=Doppelſpiel von Lepel=Raps, das
Herren=Einzelſpiel Klaſſe A. Raps, Klaſſe B Hoff, und
das Damen=Einzelſpiel Fräulein Schulz, das gemiſchte
Doppelſpiel Fräulein Schulz=Dr. Jonas.
* Schach. Im Internationalen Schach=
Turnier zu Breslau brachte die 14. Runde eine
überraſchende Niederlage von Rubinſtein=Warſchau durch
Lowtzky=Leipzig. Als Anziehende gewannen Schlechter
gegen Burn=England und Przepiorka=München gegen
Karl=Hannover. Mit den ſchwarzen Steinen waren
er=
folgreich Breyer=Ungarn gegen Lewtzky=Rußland und
Spielmann=München gegen Treybal=Ungarn. Remis
wurde die Partie Erich Cohn=Berlin gegen Barrasz=
Ungarn. Die übrigen Partien wurden abgebrochen, und
zwar ſpielten gegeneinander Duras=Prag gegen
Mar=
ſhall=New=York, Dr. Tarraſch=Nürnberg gegen Balla=
Ungarn, ſowie Mieſes=Leipzig gegen Teichmann=Berlin.
Vermiſchtes.
— Wie man Sterne am Theaterhimmel entdeckt. Die
Direktoren der Pariſer Großen Oper haben in Bayonne
einen neuen Tenor entdeckt, dem ſie nach einem
erfolg=
reichen Debut eine glänzende Laufbahn prophezeien.
Wie=
der iſt alſo am Himmel der Bühne ein leuchtender Stern
aufgegangen, an deſſen Pracht man ſich erfreut, ohne
wei=
ter nach ſeiner Herkunft zu fragen. Dieſe Herkunft liegt
häufig weit ab von Kunſt und Bühne. Der neue Stern
Cazenave war bisher Reiſender in Lederwaren, bevor
das Gold in ſeiner Kehle entdeckt wurde. Der Gaulois
führt bei dieſer Gelegenheit eine Reihe anderer
Bühnen=
ſterne auf, die aus den Niederungen des ſozialen Lebens
zur Höhe emporſtiegen. Der berühmte Tenor Sellier,
der aus einer armen, kinderreichen Familie ſtammte, kam
völlig mittellos nach Paris und wurde Kellner in einem
kleinen Reſtaurant. Eines Abends kam zufällig Edmond
About in dieſes Vorſtadtcafé und blieb ziemlich lange,
ſo daß er ſchließlich der letzte Gaſt war. Da hörte er
plötzlich im Zimmer nebenan eine Stimme, die ihn
ent=
zückte. Er ſah nach: es war der Kellner. Nun mußte
Sellier vor Ambroiſe Thomas, der damals Direktor des
Konſervatoriums war, ſeinen Geſang hören laſſen und
ſein Glück war gemacht. Der große Tamagno war
Droſchkenkutſcher in Genua, bevor man dieſen herrlichſten
Verdi=Sänger auf die in ſeiner Stimme ſchlummernden
Schätze aufmerkſam machte. Due hatte als
Karren=
ſchieber ſeine Laufbahn begonnen, Escalais war Böttcher
und Gibert Arbeiter auf einem Gute von Landes. Franz,
der heute der erſte Tenor der Oper iſt, verdiente ſein
täglich Brot als Limonadenverkäufer, bis er ſchließlich
wagte, ſich bei dem vor fünf Jahren veranſtalteten
Wett=
bewerb der Tenöre zu beteiligen. Der geniale Sänger
Faure, ebenſo durch ſein hinreißendes Spiel wie durch
ſeine einzigartige Manet=Sammlung berühmt, ſang als
Kind im Chor einer Kirche von Moulins mit; der
Direk=
tor eines Provinztheaters hörte den herrlichen Sopran
des Kindes aus dem Geplärre ſeiner Genoſſen heraus
und bewog ſeine Eltern, den Knaben ins
Konſervato=
rium zu ſchicken. Mit 22 Jahren betrat er die Bühne
der Opéra comique und begann ſo eine beiſpiellos
glän=
zende Bühnenkarriere. Verſchiedene große Tenöre ſind
zuerſt Orcheſtermuſiker geweſen, ſo Soulacroix, der in
einer kleinen Bierkapelle die zweite Violine ſpielte, ſo
Alvarez, der zuerſt einen Kapellmeiſterpoſten bekleidete,
ſo der bedeutende Wagnerſänger Dalmorés. Der
präch=
tige Baſſiſt Boudouresque war lange Zeit
Kaffeehaus=
beſitzer in Marſeille und erfreute tagaus tagein ſeine
Gäſte mit ſeinen Liedern, bis er das Büfett mit der
Bühne vertauſchte. Yvette Guilbert war bekanntlich
Verkäuferin und die berühmte Sängerin Mme. Delna
Küchenmädchen in einem Reſtaurant von Meudon.
* Wie der Sultan Abdul Aſis nach Paris kam.
Es dürfte vielleicht nicht allgemein bekannt ſein — ſo
leſen wir im „Buch für Alle” — daß die
Beherr=
ſcher der Türkei niemals das Gebiet ihres Reiches
ver=
laſſen dürfen. Der Sultan darf ſich daher nur dann ins
Ausland begeben, wenn er auszieht, um mit dem
Schwert in der Fauſt neue Provinzen zu erobern. Das
erklärt zu Genüge, weshalb die Sultane nur ſelten auf
Reiſen gehen. Wie überall, ſo gibt es freilich auch hier
Ausnahmen, und die Nachfolger des Propheten griffen zu
den merkwürdigſten Ausflüchten, um ſich in Paris
amü=
ſieren zu können. Es war im Jahre 1867, und der
Sul=
tan Abdul Aſis brannte vor Verlangen, die Pariſer
Welt=
ausſtellung als Gaſt Napoleons III. zu beſuchen.
Natür=
lich mußte man auf irgend eine Weiſe das Reiſeverbot
des Korans zu umgehen ſuchen. Kluge Leute rieten dem
reiſeluſtigen Sultan, ſo zu tun, als ob er Frankreich den
Krieg erklärt habe, und nun „mit dem Schwert in der
Fauſt” nach Paris gehe Das war jedoch ein
bedenk=
icher Plan, und darum wurde ein weit bequemerer
er=
ſonnen. Als die Reiſe beſchloſſen war, meldeten die
Konſtantinopeler Blätter, daß der Kaiſer Napoleon
Frankreich dem Sultan zum Geſchenk gemacht habe; der
Sultan könne ſich alſo nach Paris begeben, ohne
Gebiet ſeines Landes zu verlaſſen. Die Franzoſen
amü=
ſierten ſich köſtlich über dieſe Vorſpiegelung, hatten aber
nichts dagegen einzuwenden. Als Abdul Aſis ſich dann
wieder einſchiffte, um nach Konſtantinopel
zurückzu=
ehren, ſchenkte er Frankreich großmütig ſeinem
Be=
herrſcher zurück.
Literariſches.
— Deutſche Roman=Zeitung und
Roman=
bibliothek. Von dieſer intereſſanten
Familien=
wochenſchrift ſind inzwiſchen wieder Heft 31/40 erſchienen
An Romane gelangen zum Abdruck: „Das neue Ich” von
Oskar Myſing, „Ein Kampf um Gott” von Heinrich
Welcker, „Der Rächer” von Walter Bloem, „Die
Mond=
ſcheinſonate” von Oswald Bergener, „Die keinen
Som=
mer haben” von Jaſſy Torrund. Das Beiblatt bringt:
„Der Steindlnarr” von Julie Adam, „Erkenntnis” von
Iſidore Kaulbach, „Die Dryade” von Paul Klie und
viele andere Novellen und Erzählungen mehr. Unſeren
Leſern ſtellt die Verlagsbuchhandlung von Otto Janke,
Berlin SW 11, auf Wunſch Probenummern gern
koſten=
los zur Verfügung.
— Ueber die Anzahl der Gewitter und die Zahl der
zündenden Blitzſchläge, vor allen Dingen auch über die
Blitzableiterfrage, plaudert der bekannte
naturwiſſen=
ſchaftliche Schriftſteller Bruno H. Bürgel im neueſten 26.
Heft der illuſtrierten Zeitſchrift „Zur Guten
Stunde” (Deutſches Verlagshaus Bong u. Co
Ber=
lin W 57, Preis des Vierzehntagesheftes 40 Pfg.) Dem
Artikel ſind ausgezeichnete Bilder beigegeben. Auch ſonſt
bringt das Heft eine Fülle von unterhaltenden und
be=
lehrenden Aufſätzen. Den Hauptinhalt bilden die beiden
großen Romane „Die Vetternreiſe” von C. von Dornau
und „Fata Morgana” von Wilhelm Rubiner. Gedichte
und Novellen ſchließen ſich an. Zwei Extrarubiken „
Er=
findungen und Entdeckungen” und „Für unſere Frauen”
berichten über die neueſten Erſcheinungen aus dem Reiche
der Technik und dem Haus= und Wirtſchaftsleben. Das
Heft iſt ſehr reich illuſtriert. Es ſei beſonders auf die
farbige Kunſtbeilage von K. Storch, „Bei der
Kunſt=
töpferin” hingewieſen.
elikatess-
Süderkraue
Lohe Ja und
Eaawwurken
Vorzüglichen
O9sr E9sg
zum Einmachen
per Liter 24 Pfg.
Feinsten
Bstragon-Esolg
empfiehlt (V16360
Fertie
Karlstrasse 47. Telephon 641.
Ein noch neuer Kinderwagen
billig zu verkaufen (*2513
Beckerſtr. 27, 1. St. links.
Genesende
die durch erſchöpfende
Krankhei=
geſchwächt ſind, trinken mit größt
Nutzen Altbuchhorſter Markſp
del Starkquelle. Sein hoher
halt an wertvollen Mineral= 1
Nährſalzen hebt ſchnell die geſun
nen Kräfte, ſteigert mächtig d
Appetit, fördert den Stoffwechſe
macht den Körper blutreicher u
widerſtandsfähiger. Lebensfreu
Mut u. Energie kehren raſch wie
u. verſcheuchen die letzten Reſte
perlichen Unbehagens. Von za
Profeſſoren und Aerzten glänze
begutachtet. Fl. 95 Pfg. in
Engros=Niederlage Friedr. Schae
ferner in der Hof=Drogerie
Jahuien. Rbeinſtr. 8. (149
(315752
Aus der Serie:
„Hogiene im Leben‟
i heisser, drückender Atmosphäre ist 2 Eau
de Cologne” das denkbar beste Erfrischungs-
Mittel. — Ausserordentlich belebend. — Ganz
besonders anregend auf Teint und Haut. — Bei
starkem Kopfschmerz, heſtiger Migräne mn
Wir-
kung unübertroffen.
Im Interesse seiner
Gesund-
heit, seines Wohlbefmdens
und der Hygiene sollte man
stets einen Flakon mit‟
bei sich führen. 1st
einzig mn Qualitat!
Sommerschuhwaren
Für Damen
als beſonders billig
empfehle:
Hausschläppchen von
25 Pf. an, Hausschuhe,
Lederſohle m. Fleck, Mk. 1.—
Lasting-
Morgenschu-
he v. Mk. 1.25 an,
Leder-
hausschuhe von Mk. 1.90
bis Mk. 4.50,
Lederspan-
genschuhe von Mk. 1.90
an, Plüschschuhe mit
Fleck von Mk. 1.50 an bis
Mk. 4.—,
Segeltuch-
schuhe von Mk. 2.— an,
Lederschnürschuhe v.
Mk. 3.50 an.
Boxcalf-
und Chevreauxstiefel
in grösster Auswahl
Mk. 7.50 bis 16.50
Garantie für jedes Paar.
Für Herren:
Hausschläppchen von
35 Pf. an, Hausschuhe
mit Fleck von Mk. 1.30 an,
Plüsch- und
Stramin-
schuhe mit Rahmenſohl.
Mk. 3.— b. Mk. 4.50,
Leder-
hausschuhe von Mk. 4.—
Segeltuchschuhe von
Mk. 3.50 an,
Wichsleder-
stiefel, von Mk. 4.50 an.
Boxcalf-
u. Chevreauxstiefel
in einfachster bis feinster
Ausführung von Mk. 7.50 bis
Mk. 18.—
Garantie für jedes Paar.
Große Auswahl in
Kin-
der-, Mädchen- u.
Kna-
benstiefel. Die beliebten
Wildfang- und
Natura-
formstiefel, ſowie
San-
dalen, Reiseschuhe,
Turnschuhe und alle
übrigen Schuhwaren empf.
bei Bedarf billigſt
G. Keilmann
Marktplatz 6.
Reparaturen auf eigener Werkstätte
billigst. (14846a
Schwarzweisse Rabattmarken.
ſpott=
Gr. Meſſing=Waage bill. au
verk. Anſchaffpr. 130 M., jetzt 50 M.
*2512fs) L. Stilling Ww., Hochſtr. 4
Nummer 180.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 2. Anguſt 1912.
Seite 11.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
icher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Dalmatiner, 1 ſchottiſcher Schäferhund, 1 Jagdhund.
1 Pinſcher (zugelaufen). Die Hunde können von den Eigentümern
bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der
nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags
um 10 Uhr, ſtatt.
(16334
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Bekämpfung der Schnakenplage.
Im Anſchluß an unſere öffentliche Aufforderung vom 11.
Ja=
nuar d. Js. und unter Hinweis auf § 3 ff. der Polizeiverordnung
des Großh. Kreisamts Darmſtadt vom 11. März 1911 fordern wir
die Grundſtückseigentümer auf, in den Sommermonaten die auf
ihren Grundſtücken befindlichen Jauche= und Abortgruben mit
einem zur Vernichtung der Schnakenbrut geeigneten Mittel
(Saprol, Petroleum oder dergl.) mindeſtens einmal monatlich
zu übergießen.
Darmſtadt, den 30. Juli 1912.
(16332fs
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
Bekanntmachung,
die Aufſtellung der Kehrichtgefäße betreffend.
Beſtehender Vorſchrift zufolge iſt das Aufſtellen der
Kehricht=
gefäße vor den Hofreiten auf der Straße verboten.=Ebenſo dürfen
offene Kehrichtgefäße innerhälb der Hofreiten an den Eingängen nicht
ſo aufgeſtellt werden, daß ihr oft widerwärtiger oder Ekel erregender
Inhalt von der Straße aus geſehen werden kann. Zur
Aufbewah=
rung des Hauskehrichts eignen ſich am beſten die mit Deckel verſehenen
Kehrichtgefäße, wie ſie von hieſigen Firmen in den Handel gebracht
werden. Dieſe runden Kehrichteimer mit Tragbügel und daran
befeſtigtem Deckel verhindern das Herausſcharren und Verſchleppen
des Kehrichts durch Hunde, erleichtern die Entleerung der Behälter
bei der Abfuhr und ſind, wenn ſie, wie vorgeſchrieben, innerhalb der
Hofreiten an den Eingängen aufgeſtellt werden, für das
Straßen=
bild nicht mißſtändig.
Darmſtadt, den 30. Juli 1912.
(16333fs
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes,
Polizei=Verordnung
für die Stadt Darmſtadt, die Beaufſichtigung der Hunde betr.
Nach Anhörung der Stadtverordneten=Verſammlung wird mit
Genehmigung des Großh. Miniſteriums des Innern vom 20. Juli
1912 zu Nr. M. d. J. II, 3562 auf Grund des Artikels 129b Abſ. II,
Ziff. 1 der Städteordnung hierdurch folgendes verordnet:
I.
Die §§ 2 und 15 Abſ. 2 der Polizei=Verordnung, die
Beauf=
ſichtigung der Hunde betreffend, vom 24. März 1909 werden
aufge=
hoben und durch folgende neue Vorſchriften erſetzt:
§ 2. Alle Hunde ſind an der Leine zu führen
1. in den dem Publikum geöffneten
Großherzog=
lichen Hofgärten,
2. in den Anlagen weſtlich der früheren Main=
Neckar=Bahn,
3. in den neuen Bahnhofsanlagen zwiſchen Allee,
Stirn= und Dornheimer Weg,
4. in den Bahnhöfen,
5. in Wirtſchaften und Wirtsgärten.
§ 15 Abſ. 2. Die Polizei=Verordnung für den Kreis Darmſtadt
vom 29. November 1911, das Fahren mit Hunden
betreffend, wird durch die Vorſchriften dieſer Polizei=
Verordnung nicht berührt.
II.
Dieſe Polizei=Verordnung tritt mit ihrer Veröffentlichung im
Darmſtädter Tagblatt in Kraft.
Darmſtadt, den 29. Juli 1912.
(16266ds
Großherzogliches Polizeiamt
Gennes.
Stipendium.
Aus der von den Baurat Klunk Eheleuten zum Andenken
an ihren am 6. Oktober 1870 verſtorbenen Sohn, den Dr. med Klunk,
gegründeten Stipendienſtiftung für Studierende der Medizin ſoll
ein Stipendium von jährlich 257 Mk. 14 Pfg. vergeben werden.
Vorausſetzungen zum Bezuge des Stipendiums ſind:
1. Heimatberechtigung in Darmſtadt. Wenn geeignete Bewerber
aus Darmſtadt nicht auftreten, ſo kann das Stipendium auch
an einen Bewerber aus einem anderen Orte der Provinz
Starkenburg vergeben werden;
2. gute Zeugniſſe über ſittliches Verhalten und fleißige
Be=
nützung der Studienzeit
3. mindeſtens einjähriges Studium auf einer deutſchen
Hoch=
ſchule;
4, daß die Bewerber nicht bereits ein Stipendium haben, das
ihnen ausreichende Mittel zum Unterhalt und zur Pflege
ihrer Studien gewährt, ſo daß der Beſitz eines geringeren
anderweiten Stipendiums den Bezug des gegenwärtigen
nicht unbedingt ausſchließt.
Da das Stipendium bis nach Ablauf des vierten Studien
jahres bezogen werden kann, ſo kann ſich die Verwilligung, je nach
bereits zurückgelegter Studienzeit, auf 1 bis 3 Jahre erſtrecken.
Die Vergebung erfolgt durch die hieſige Stadtverordneten=
Verſammlung.
Bewerbungen um das Stipendium ſind unter Vorlage
ent=
ſprechender Zeugniſſe bis längſtens den 8. September ds. Js. hier
einzureichen.
Darmſtadt, 28. Juni 1912.
(14671a
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.
Infolge der dauernd ſteigenden
Schweine=
preiſe ſehen ſich die Darmſtädter
Schweine=
metzger zu einem weiteren Aufſchlag für Fleiſch=u.
Wurſtwaren gezwungen, der ab Samstag
er=
folgen wird. Sie haben weiter beſchloſſen, den
Verkauf nur noch nach Gewicht, nicht unter
s Pfund, von jetzt ab zu betätigen.
Metzger=Innung Darmſtadt.
46357)
roßgärtnerei Henkel d. m. h. H. Darmstadt
empfiehlt sich zur Unterhaltung u. Anlage von Gärten.
Besprechungen und Voranschlüge kostenlos und
unverbindlich. — Schenswerte Anlagen,
Gewächs-
u. Palmenhäuser Rossdörferstrasse 199, Tel. 297. (1394a
Bekanntmachung.
Das Konkursverfahren über das
Vermögen der Firma A. & J.
Gandenberger, Dampf= und
Ring=
ofenziegelei in Pfungſtadt, und
des Mitinhabers dieſer Firma,
Jakob Gandenberger II. daſelbſt,
wird auf Antrag der
Gemeinſchuld=
ner, nachdem letztere die
Zuſtim=
mung aller Konkursgläubiger
bei=
gebracht haben und Widerſpruch
gemäß der Vorſchrift des § 203
K. O. hiergegen nicht erhoben
wor=
den iſt, eingeſtellt. (16344
Darmſtadt, den 27. Juli 1912.
Großherzogliches Amtsgericht II.
5—6 Morgen
gute Aecker
(Oberfeld) 'zu pacht. geſucht. Off
unt. E 98 an die Exp. (16257df
Original Mallers
Petroleumkocher
garant. gefahr- u. geruchlos
von 85 Pfg. an
Original Hallers
Gaskocher
sparsam im Gebrauch
von 95 Pfg. an
Spirituskocher
in bewährten Fabrikaten
von 28 Pfg. an
Ludwigstr. 10 Telef. 1804.
apston
zum Reinigen und Auffriſchen von
Tapeten, Zimmerdecken, Gemälden eic
hat ſich glänzend bewährt.
Alleinverkauf für Darmſtadt
und Umgebung
Nach Bachtssgsee
Bleichstr. 46 Teleſon 188.
Ferner bringe in empfehlende
Erinnerung:
Bernstein-Fussbodenlacke
per 1kg=Doſe 1,30 u. 1,80 Mk.,
Linoleum-Fussbodenlacke
per 1 kg=Doſe 1,25 Mk., offen
per Pfd. 50 Pf.,
Parkettboden- und Linoleumwichse
in Doſen und offen,
Stahlspähne, Terpentinöl (rein),
Sangajol (Terpentinerſatz),
Créme-
farben, Stoff- u. Blusenfarben,
Oxyd-
fussbodenfarben, ſtreichfertig, per
Pfd. 40 Pf.
(6714a
Beseltigen Sie das
Leichen des Alters
diskret, ohne dass es Ihre
Um-
gebung merkt, mit Fr. Tillmann’s
:: Haarfarbe-Wiederhersteller :
„GLORIA‟
Preis per Flacon 2.50 Mk.,
für mehrere Monate reichend.
Fr. Tillmann,
Elisabethenstrasse 21.
(10839a
Hessische Handels-Lenranstalt
Fernsprecher 923 Darmstadt Rheinstrasse 6
Neue Kurse beginnen Dienstag, 13. August.
Während des-Umbaues halte ich Montag bis Frei-
(16023a
tag, 11—12 und 3—5 Uhr
Rheinstr. 8, III., Sprechstunden ab.
Wilhelm Siedersleben, Diplom-Handelslehrer.
Schönster und be ter
Taillenschnitt mit 1,
2. 3 u. 4 Seitenteil.
Damen-Zuschneide-
Institnt
Prämiiert mit Ehrendiplom f.
sehr gute Leistung.
Erstkl. Ausbildung für den Berut
als:
(8478a
Direetricen, Zuschneiderinnen,
Arbeitslehrerinnen, sowie
privat schneidernde Damen.
Neue Kurse beginnen jed. Montag
A. & J. Schieger
Luisenstrasse 10.
Bekanntmachung.
Betreffend: Vorkehrungen zur Verhütung von
Ueberſchwem=
mungen kanaliſierter Grundſtücke.
Im Hinblick auf die bei heftigen Regenfällen eintretenden
Ueber=
ſchwemmungen kanaliſierter Grundſtücke innerhalb der Stadt erſcheint
es angezeigt, nachſtehend einige Schutzmaßregeln bekannt zu geben,
durch deren Beachtung ſolchen Ueberſchwemmungen vorzubeugen iſt.
Nach unſeren Feſtſtellungen ſind die Ueberſchwemmungen
meiſtenteils zurückzuführen auf eine unſachgemäße Anordnung oder
mangelhafte Unterhaltung und Bedienung der
Hausentwäſſerungs=
anlagen und der in dieſe eingeſchalteten Rückſtauverſchlüſſe.
Wir empfehlen den Hausbeſitzern, deren Grundſtücke
ſeit=
her infolge unzureichender Ausbildung der Entwäſſerungsanlagen
durch Ueberſchwemmungen zu leiden hatten, ſich mit dem
Tief=
bauamte ins Benehmen zu ſetzen, das dann durch eine genaue
Unterſuchung feſtſtellen wird, in welcher Weiſe mit nicht zu hohen
Koſten Abhilfe zu ſchaffen iſt.
Die Hofſinkkaſten ſind möglichſt rein von Sand und Schlamm
zu halten und iſt beſonders darauf zu achten, daß der Einfluß des
Waſſers nicht durch die Ueberdeckung der Einfallgitter mit Laub,
Papier, Stroh ꝛc. erſchwert wird.
Zur Verhütung des Eindringens von Waſſer in die Gebäude
ſind die Hofſinkkaſten von dieſen mindeſtens 2 Meter entfernt, am
beſten im mittleren Teile des Hofes, zu verſetzen. Aus gleichem Grunde
ſollen Kellerfenſter, Lichtſchachte, Keller= und Hauseingänge mit ihren
Schwellen erhöht gegen die anſchließenden Hof= und Straßenflächen
ſitzen.
Iſt ſolches nicht zu ermöglichen, ſo müſſen Schutzvorkehrungen
gegen den Eintritt des Waſſers in tiefgelegene Räume geſchaffen
werden, wie die Abdeckung der Lichtſchachte durch Glasplatten,
An=
bringung von Kellerkränzen an den Kellerfenſtern, von Falzen und
dichtſchließenden Schutzbrettern an tiefgelegenen Eingängen.
Die in die Hausentwäſſerungen eingeſchalteten Vorrichtungen
gegen Rückſtau ſind während der Zeit der heftigen Regenfälle, alſo
von Mitte März bis Mitte September, in betriebsfähigem Zuſtande
zu erhalten. Es empfiehlt ſich, dieſe Vorrichtungen mit Beginn
ge=
nannter Periode und auch nach jedem heftigen Regenfalle in allen
Teilen vom Schmutze zu reinigen und bei Klappvorrichtungen die
Scharniere, bei Hähnen die Gleitflächen des Konus und bei Schiebern
die Schieberſcheibe, die Gleitflächen und Schrauben gründlich
einzu=
fetten. Um ſolches bequem ausführen zu können, ſollen die
Vorrich=
tungen an einem leicht zugänglichen Orte verſetzt ſein.
Selbſtverſtändlich hängt die richtige Wirkung der Rückſtau=
Vorrichtungen auch von einer zweckentſprechenden Einfügung derſelben
in die Hausleitungen ab.
Nicht ſelten werden ſolche derart in den Hauptſtrang eingefügt,
daß durch ſie allerdings der Rückſtau aus dem angeſtauten
Straßen=
kanal verhütet, dabei aber auch der Abfluß des Regenwaſſers vom
Grundſtück nach dem Straßenkanal unmöglich gemacht wird.
Ueber=
ſchwemmungen der Grundſtücke durch die ſich allmählich anſammelnden
Regenmengen ſind die Folge hiervon. Um ſolches zu verhüten, dürfen
daher Rückſtau=Vorrichtungen nur in Zweigleitungen eingeſetzt
werden, in die Regenabfallrohre und Regeneinläufe oberhalb
der Rückſtau=Vorrichtung nicht einmünden.
Die im Keller verſetzten Eingüſſe und Reviſionsſchachte ſind
durch geeignete Verſchlußvorrichtungen gegen den Rückſtau zu ſichern.
Die von Hand bedienbaren Vorrichtungen ſind während der Periode
der heftigen Regenfälle geſchloſſen zu halten, und ſollen dieſelben
jedenfalls nicht über Nacht offen ſtehen.
Die an die Kanäle angeſchloſſenen Regenrohre ſind bei Eintritt
des Frühjahrs zu unterſuchen, ob ſolche nicht unter der Einwirkung
des Froſtes gelitten haben und ſind etwa vorgefundene Mängel zu
beſeitigen.
Nächſt den Fundamentmauern ſollen die Regenrohranſchlüſſe
nur aus ſoliden eiſernen Rohren gebildet werden, da die Tonröhren
eine zu geringe Widerſtands fähigkeit gegen den Froſt beſitzen und auch
bei Setzungen des Straßenuntergrundes leicht Beſchädigungen
aus=
geſetzt ſind.
Häufig wird auch der Abfluß des Dachwaſſers durch die
An=
ſammlung von Feſtkörpern in den Regenrohrkanälen erſchwert.
Der=
artige Verſtopfungen werden verhütet durch die Einfügung kleiner
eiſerner Sinkkaſten mit feſtſtehendem Gitter.
Bei manchen älteren Hausentwäſſerungsanlagen finden ſich
noch in den Kellerräumen ſchlecht gedichtete Tonrohre, die infolge ihrer
undichten Stellen die Veranlaſſung zu Ueberſchwemmungen geben. Da
die hierdurch veranlaßten Mißſtände von nachteiligſter Einwirkung
auf den Geſundheitszuſtand der Hausbewohner ſind, ſo ſollten
der=
artige undichte Tonrohrleitungen durch ſolide eiſerne, mit Blei zu
dichtende Rohrſtränge erſetzt werden; zum mindeſten müßten aber
die mit Letten gedichteten Muffen ſolcher Tonrohr=Stränge
nachträg=
lich gut ummauert werden, um dem Austritt des Schmutzwaſſers
und der Kanalgaſe vorzubeugen.
Nicht ſelten tritt auch das Regenwaſſer von Straßen und Höfen
durch undichte Stellen der Grundmauern in die Keller ein,
beſon=
ders dort, wo die Verſorgungsleitungen und die Kanalanſchlüſſe
durch dieſe Mauer geführt ſind. Die hierdurch veranlaßten
Aus=
waſchungen der Mauerfugen ſind von nachteiligſter Einwirkung auf
den Beſtand der Grundmauern, und es ſollte dem Tiefbauamt
unver=
züglich Mitteilung von derartigen Mängeln gemacht werden, damit
dasſelbe eine genaue Feſtſtellung der Urſache veranlaſſen kann. Eine
ſorgfältige Ausbeſſerung und Dichtung der Grundmauern iſt in
ſolchen Fällen dringend geboten.
(16336fs
Darmſtadt, den 1. Auguſt 1912.
Städtiſches Tiefbauamt.
Keller.
Ein gebrauchter Benzinmetor
und ein großes
Wasser=
reservoir billig zu verkaufen.
16353fso) Apotheke Arheilgen.
empfiehlt ſich im
Ein Blinder Stuhl=und
Korb=
flechten. Karte genügt. (B16350
Ludwig Emig, Ludwigshähſtr. 64.
vom 3. August bis 10. August
* Ausnahme-Preise
Ausserdem verabfolgen wir
bei Einkauf von 3 Mk. an ein hübsches Kinder-Präsent
(Soldaten — Puppen — Baukasten — Brottaschen etc.)
Ausdrücklich machen wir darauf aufmerksam, dass wir unser gesamtes Lager
in Kinder-Schuhwaren auf die Dauer von 8 Tagen zu bedeutend ermässigten
Sandalen
Mädchen-Schnürstiefel
Preisen zum Verkauf stellen.
Knaben-Schnürstiefel
starke Ausführung,
in Naturaformen
30 31-33 34-35 36-38
Gr. 25—26 27—28 29—30
1
jetzt 175 195 225
kräft. Kipsleder, breite Form 990
Gr. 31—33 34—35 36—42
feines Boxleder, moderne be-
. . jetzt 350 410
queme Form
jetzt
2
2 2 3
Kleiner Auszug
unserer enorm
reichh. Auswahl:
jetzt 4. 330
fein. Chromled.-Derbyschnitt, 48
Lackkappe, mod. Form jetzt 5 470
Ia Boxkalf-Derbyschnitt,
. . jetzt 595 585
aparte Form
Kinder-Stiefelchen
370
440
470
335
465
520
675
E05
485 ₰
505 (95
560 660
725 815
Gr. 18-21 22-24 25-26
braun und schwarz Chagrin, breite, bequeme 120
.. . . . jetzt 1
Form . . . .
*920
17
solides Boxleder, moderne
amerikanische Form . . jetzt
jeizt
Ferner: Braune Stiefel u. Schuhe, Spangenschuhe,
Schnürschuhe, Sandalen, Turnschuhe,
Hausschuhe etc, weit unter Preis.
jetzt 220 336 395
schwarz Chevreaux, elegant
Besichtigen Sie unsere Spezial-Dekoration mit den ausgestellten Geschenken!
Sohafaehs
Darmstadt: nus Ludwigstrasse 17
ie
G. m. b. H.
Wir bitten unsere geehrte Kundschaft, in Ihrem eigenen
Interesse auf Firma und Hausnummer 17 zu achten!
1. Preussisch-Süddeutsche
(227.) Königl. Preuss. Klassen-Lotterie.
Gehrock=, Frack=, Smoking=
An=
züge, Zylinder, zu verleihen
Rheinſtraße 5, 2. Stock. (12036a
Zu der am 9. und 10. August 1912 stattfindenden Ziehung
2. Klasse 227. Lotterie habe ich noch Kauflose abzugeben:
Los ¼/ Los 1½ Los 11 Los
Zwei gut erhaltene Bettſtellen
O mit Matratzen und 1 Sport=
Preis für Los:
ℳ 10.—
½ Los
zu jeder wei-
36 20.-
¼/ Los
ℳ 40.—
½ Los
wagen billig zu verkaufen
*2433df)
Kiesſtr. 67, part.
Weg. Umz. bilig zu verkaufen:
1 Sekretär, 1 Sofa, 2 Kleiderſchr.,
1 Bettſtelle m. Matr., 1
Sitzbade=
wanne. Kiesbergstr. 64, pt. (*2342mdf
teren Klase: ℳ 5.— ℳ 10.—− ℳ 20.− ℳ 40.-
(16010a
Darmstadt, Rheinstrasse 33.
Philipp J. Schmidt,
Königl. Preuss. Lotterie-Einnehmer.
I Posten einz. Leinen-Gardinen
unter Preis.
Bleichstr. Ic.
PORTUNE
151222.
Mann, bittesofort
bei Anton Fischer
Frankfurterstr. 12/14
1 Dose Email-Lack
zu 30, 50 70 und
100 Pf. (7520a
prachtvolle Farben
leicht zu streichen.
Konlensadrebäder
nach Patent Keller, unübertroffen an Kohlenſäuregehalt,
10 K. Mk. 13.− jederzeit zu haben im
Marienbad
Landgraf Philippanlage Nr. 62
Telefon Nr. 835.
Einige Urteile über die Bäder nach P. Keller:
Seit 3 Jahren gehe ich nicht mehr nach Nauheim, da ich die
Bäder bei Ihnen beſſer bekomme.
Kanzleir. D.
Ihre Kohlenſäurebäder enthalten entſchieden mehr Kohlenſäure
wie die Bäder in Nauheim.
Lehrer M.
„Warm zu empfehlen iſt Zucker's
Patent-Medizinal-Seife gegen unreine
Haut, Miteſſer,
Ficken
Knötchen, Puſteln uſw. Spezial=Arzt
Dr. W.” à St. 50 Pf. (15% ig) u.
1.50 M. (35%ig, ſtärkſte Form).
Daz. Zuckoch-Creme (75 Pf. u. 2 M.).
Bei Fr. Schaefer, A. Logel, Ch. Schwinn,
Dorg., u. Gg. Frz. Frank, Parfümerie.
tlasfirmenſchild, 4 m lang,
50 cm hoch, 2 Bogenlampen
u. div. elektr. Glühlampen(Osram
billig zu verkaufen.
Oppen=
heimer& Co., Schulſtr. 2. (*2255if
Speiſezim., 2 gebr. Sofa, Diwan,
1 Chaiſelonque, Vorplatz=
Garde=
robe, Trumeaur, Stühle bill. z. verk.
L. Menger, Bleichſtr. 1. (16025a
Futerh. Kinderbett bill. abzugeb.
Erbacherſtraße 59. (*2531fs
Der gerade Weg.
Roman von Julia Jobſt.
(Nachdruck verboten.)
28
Ruhelos ſchritt Suſanne umher, durch den Park, den
Blumengarten, bis ſie zur Terraſſe kam. Bubi! Der
Ge=
danke an das Kind, das heute allein in der neuen
Wohn=
ung war, ließ ſie eilenden Fußes die Stufen nehmen, ſie
ging durch die Halle und begegnete dort Jette.
Schläft der Kleine?
Ja, gnädiges Fräulein, Dörthe iſt bei ihm, damit er
ſich in der neuen Umgebung nicht ängſtigt.
Ich werde noch einmal nach ihm ſehen, Jette. Iſt
alles fertig geworden?
Bis auf den letzten Nagel, gnädiges Fräulein. Auch
die Koffer der gnädigen Frau ſind ſchon hier. Ich habe
Order erhalten, alles auszupacken. Iſt das eine Pracht!
Gnädige Frau hat einen Geſchmack!
Suſanne fragte freundlich: Bei Frau von Bagewitz
werden Sie mehr Ehre mit Ihrer Geſchicklichkeit einlegen,
Jette.
Gnädiges Fräulein ſind auch zu einfach.
Suſanne antwortete nicht mehr, die Ungeduld, zum
Kind zu kommen, trieb ſie vorwärts.
Soll ich gnädiges Fräulein begleiten?
Ein denbanchung deneinte, di ſchete Sichaute
fiel ins Schloß. Suſanne ſchritt durch die lange Reihe der
Zimmer, in denen je ein einſames Licht brannte, ſie ſahen
ſo öde aus in ihrer ſteifen, unbewohnten Pracht. Nun kam
das Herrenzimmer, ſie hatte bisher vermieden, es zu
be=
treten, doch heute abend konnte ſie nicht widerſtehen, den
Raum zu ſehen, in dem der geliebte Mann leben ſollte.
Sie ſchob die breite Schiebetür zurück und ſchlug
über=
raſcht den Vorhang auseinander, denn eine Flut von Licht
ſtrömte ihr entgegen.
Friedrich Wilhelm!
Suſanne! rief der Mann, der ſich bei dem Geräuſch
der ſich öffnenden Tür umgedreht hatte und nun aufſprang.
Ich hatte keine Anhnung, daß du hier warſt. Ich
wollte zum Kinde.
Wie wir wieder eins ſind in demſelben Gedanken. Ich
wollte mir aus den Augen meines Kindes Kraft ſchöpfen
zu dem Schritt, den ich morgen tue. Ich glaubte, Du
wäreſt ſchon fort. Onkel ſchrieb mir — —
Ich habe meinen Entſchluß im letzten Moment
ge=
ändert, ich konnte Bubi nicht allein laſſen.
Willſt du ihn ſehen, er ſchläft gleich nebenan.
Das Kinderzimmer iſt doch drüben.
Das iſt nur zum Spielen, Suſanne, wenn er nicht bei
mir iſt. Hier, Bagewitz deutete in die Runde, und
neben=
an iſt unſere Welt.
Er des den Daſhan, der die dald geiſete Zir
e=
deckte und bat Suſanne, einzutreten. Erſt als ſie die
Schwelle überſchritten hatte, ſah ſie, daß ſie in Bagewitz
Schlafzimmer ſtand. Verwirrt ſtockte ihr Fuß, dieſe
In=
timität verletzte ihr feines Empfinden, das ſchon erhob
ſich jenſeits des Bettes, beleuchtet von dem roſigen
Schim=
mer der Ampel, ein ſchönes Kinderköpfchen und ſchaute
ſelig lachend zu den beiden geliebten Menſchen hin.
Tante, ich ſchlafe heute und immer — immerzu bei
Vaterchen.
Du ſchläfſt ja noch gar nicht, mein Kerlemännchen,
ſchalt Friedrich Wilhelm und eilte zu Bubi, um ſeine
innere Erregung unter Scherzen und Lachen zu verbergen.
Tante, gute Nacht ſagen.
Suſanne ging zu ihm, und als ſie ſich über ihn beugte,
hing ſich der Schelm feſt an ihrem Halſe, ſie hatte Mühe,
die feſten Fäuſtchen zu löſen.
Tante beten.
Haſt du noch nicht gebetet? fragte ſie, nur um etwas
zu ſagen.
Vaterchen und ich haben es vergeſſen. Wir tuns
nicht wieder, brauchſt darum nicht zu weinen.
Suſanne hätte den indiskreten Mund gern mit ihren
Küſſen geſchloſſen, aber es war zu ſpät. Durch Tränen ſah
ſie, wie Friedrich Wilhelm die Hände faltete, was der
Kleine ſofort nachahmte.
Nummer 180.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 2. Auguſt 1912.
Seite 13.
So bete, Wilhelm.
Durch die Stille des dämmernden Raumes tönte die
helle Kinderſtimme, die in feierlichem Ernſt das kurze
Ge=
bet ſprach. Dann aber ſah Wilhelm bittend zur Tante
hin=
über und fügte bittend hinzu: Bitte, lieber Gott, laß Tante
bald wieder kommen zu ihr Bubi.
So Gott will, mein Liebling, flüſterte Suſanne ganz
gebrochen in die Ohren des Knaben, den ſie mit
mütter=
licher Hand von neuem bettete. Nun ſchlafe auch ein.
Bleibſt du noch bei Vaterchen nebenan?
Wenn du geſchwind einſchlafen willſt.
Ganz geſchwind, aber laß die Tür offen.
Sie ließen die Tür offen, die beiden Menſchen, die ſich
ſo viel zu ſagen hatten, und ſich doch ſtumm
gegenüber=
ſtanden.
Wann willſt du morgen fort, Suſanne?
Mit dem Zehnuhrzug.
So fahren wir zuſammen.
Sie antwortete nicht, aber es ſtand bei ihr feſt, daß
ſie mit dem früheren Zuge fahren würde. Das ging über
ihre Kraft, ihn noch bis Berlin zu begleiten.
Suſanne, wenn ich ſterben ſollte, willſt du dann
hier=
her kommen und die Hüterin meines Kindes werden?
Anna könnte vielleicht ihre Pflicht vergeſſen, wenn mein
Auge nicht mehr über ihr wacht.
Du biſt jung, Friedrich Wilhelm, du wirſt lange
leben.
Wirſt du wiederkommen?
Wie eine Dohle werde ich ſein, die von Zeit zu Zeit
ihrem Turm, in ihrem Reſt einkehrt, verſuchte ſie zu
ſcherzen. Sie wollte kein anderes Geſpräch aufkommen
laſſen.
Suſanne mußte dies alles ſein? Warum blieb ich
nicht feſt wie Du.
Ja. Friedrich Wilhelm, es muß ſein?
Suſanne, wenn wir beide worgen zum Altar ſchritten!
Spiele nicht mit ſolchen Möglichkeiten. Du haſt dir
Anna zur Gattin erwählt, ſieh nicht mehr zurück.
Du haſt mich ſofort aufgegeben, Suſanne, und haſt
mich einſamer gemacht, als ich vorher war. Und nun der
lange Winter mit der Wronka zuſammen. Ich habe kein
Fiſchblut in den Adern. So habe ich das Spiel verloren
und den Einſatz dazu.
Und ich habe mein Spiel ſchon längſt gewonnen, denn
du liebſt das Kind. Gute Nacht, Friedrich Wilhelm, halte
das Glück deines Knaben in feſten Händen, damit es nicht
zerbricht.
Unter den Händen ſeiner ſchönen, leichtſinnigen
Mutter.
Friedrich Wilhelm!
Sie kann den Vergleich mit dir nicht aushalten,
Su=
ſanne. Mir wird das Herz ſo ſchwer.
Sie iſt fremden Blutes, aber ſie bleibt ihr Kind. Nein,
nein, nimm mir den Glauben nicht. Sie wird es uns
dan=
ken, daß wir ſie in unſere Familie aufgenommen haben.
Wir wollen es hoffen, Suſanne. Und du — — bleibe
meinem Leben in Zukunft fern, ſo gut du es vermagſt.
Er geleitete ſie ſelber zum Turm zurück. Sie ſprachen
nur noch über nebenſächliche Dinge.
Jette hatte Suſanne bei Friedrich Wilhelm eintreten
ſehen, und ſie folgte ihnen auch jetzt durch die Mondnacht.
Sie war ſehr enttäuſcht, daß ſie ſo ruhig nebeneinander
gingen und an der Tür, die Johann aufſchloß, nur mit
einem Händedruck Abſchied nahmen. Aber ihrer Herrin
würde ſie dieſes alles nicht verſchweigen, die Wronka
würde es ihr ſchon danken. Was die elegant war, daneben
konnte ſich Fräulein Suſanne verkriechen. Ja, die paßte
in den Turm zu den Eulen und Geſpenſtern, die da
um=
gehen ſollten. Brr! Ihr graute ſchon vor den Mauern!
Nein, die Jette war nicht für das Einfache, bei der
mußte alles kniſtern und rauſchen. Koſtbare Spitzen und
ſchimmernde Seide und darunter duftige Röcke. Ach dieſe
Wäſche, ſo etwas hatte Jette noch nie unter den Händen
gehabt.
Ob der Anton noch herüberkam, ſie hatte ihm ſo viel
zu erzählen. Langſam ging ſie den Weg am Graben
ent=
lang zurück, denn ſie wollte dem Herrn nicht begegnen. Da
lag der breite Fuhrweg vor ihr, der durch den Park führte.
Ob ihr Schatz ſchon unterwegs war? Sie ging einige
Schritte hinein, er lag taghell im Mondenſchein vor ihr,
ſo daß ſie ihre Furcht überwand.
Da ſprang plötzlich ein Mann aus dem tiefen Schatten
der Bäume hervor. Jette wollte ſchreien, doch des
Bur=
ſchen Mund ſchloß ihre Lippen, ehe ein Laut zu hören war.
Sie fühlte es an dem Griff, daß es Volkmann war, und
ließ ſich willig von ihm fortziehen aus dem verräteriſchen
Licht in das ſchützende Dunkel.
(Fortſetzung folgt.)
20 gespiette Flales
von Mk. 80.− bis Mk. 850.−
der Marken Schiedmayer, Erard,
2 Heinrich Arnold etc. etc. 6
darunter ganz wenig gespielte, nur einige Monate
vermietet gewesene Instrumente.
GARANTIEI GARANTIEI
Gegenwärtig günstigste Gelegenheit!
Heinricn-Arhoid
(16346a
HOFLIEFERANT
Mühlstrasse 1-3: Wilhelminenstr. 9
direkt neben dem
: : Musikalten : :
: Militär-Lazaret:
Musik-Instrumente
FERNSPRECHER 640 u. 691.
Khein=Wildenten
Kehbrweh
(halbe Ziemer von Mk. 4.— an
Rehragout per Pfund 40 Pfg.
Lapins von 70 Pfg. an
Zeinſtgemanere Gauſe, Enten, Hahnen.
Als ſehr vorteilhaft empfehle
Zarte Frikaſſee=Hühner und
(16318
junge Tauben.
Heinrich Grimm
Hoflieferant.
Filialen an allen größeren Plätzen.
Bilanzprüfungen
Rheinische
Splan
Stierer
für Herren und Damen
in eleganter, solider Ausführung
zum Einheitspreise
von Mk.
in neuesten englischen, amerikanischen und deutschen Fassons,
schwarz und farbig, in Schnür-, Schnallen-, Zug-, Knopf-, auch
in Derby-Schnitt mit und ohne Lackkappe, auch in ganz Lack
Trotz des billigen Preises nur gute
dauerhafte und zuverlässige Ware.
Ein Blick in unsere Schaufenster Sagt Ihnen alles.
Für gute Haltbarkeit unserer Schuhwaren über-
3
nehmen wir volle Garantie.
30
Jedes Paar
ohne Ausnahme!
Ein einziger Versuch macht
Sie zu dauerndem Kunden.
chan-Haus
plan
im Hause
Valentin Schropp
Marktplatz. (9515a
Treuhand-Gesellschaft A.-G.
O7, 26, MANNHEIM Tel. No. 7155.
Aktienkapital Mk. 1 500 000.−
Buchhaltungs- und Betriebs-Organisationen. Liquidationen,
Sanierungen. Vermögens-Verwaltungen. Seriöse Gründungen.
Gutachten in Steuer- u. Auseinandersetzungssachen. Eingehende
Beratung in Beteiligungs-Angelegenheiten.
Weitverzweigte Beziehungen zu ersten Finanzkreisen.
(568D
Unbedingte Verschwiegenheit.
Daren- u. Beute
mit und ohne Firma kaufen Sie
(*2313mfo
billig bei
Jakob Skurnik
Spezialhaus für Papierwaren
Wendelſtadtſtr. 28 Telef. 1791.
Enuren ültg kaufen Sie
Vertiko, Schränke, Tiſche, Stühle,
Trumeauxſpiegel, Büffets,
Schreibtiſche, Diwan, Matratzen,
ſowie komplette
Wohnungsein=
richtungen in reicher Auswahl
und in nur prima Arbeit bei
Große Ochſen=
J. Teicher, gaſſe 12. (16152a
Sehr gut erhallener Kinderlieg=
und Sitzwagen zu verk.
*2540) Müllerſtr. 35, Hths. I.
billig ab=
Einmachfässer zugeben
Traiſer, Eliſabethenſtr. 55. (16347a
Herrenrad
für 50 Mk.
m. Freilf. (Gericke
zu verk. (*2435df
Soderſtraße 48.
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 2. Auguſt 1912.
Nummer 780.
Wer möchte mit Beſitzer
allein ausgeſpr. herrſchaftl. Villa
bewohn. (6 Z.=Wohn.)? Pr. 1800 M.
Off. unt. E 67 an d. Exp. (*2318mdf
Soderſtr. 90, Ecke Beckſtraße,
große 5 Zimmer=Wohnung mit
Gas, Bad u. allem Zubehör
als=
bald billig zu vermieten. Näheres
Griesheimerweg 19, Kontor. (16323t
Kiesſtr. 77, Neubau, I. u. II.
Stock je 5 Zimmer, III. Stock
3 Zimmer mit Zubeh. per 1.
Ok=
tober zu vermieten. (16348if
Schöne 4 Zimmerwohnung
mit oder ohne Laden im Zentrum
der Stadt, Nähe des Marktes, per
1. Sept. reſp. 1. Okt zu vm. Näh.
Schuſtergaſſe 19, Laden. (15954t
ſtraße 2¼. Laden.
mit Bal=
4 Zimmerwohnung kon, Gas
u. Waſſerleitung per 1. Okt. I. J.
zu verm. Näheres Pankratius=
(16307t
Manſ., frdl.
Stiftstr. 32, II. 3
Zimmer=
wohnung m. Gas p. ſofort. (16364t
Hofstallstr. 8, u. Stock
kleine 3=Zimmerwohn. per 1. Sept.
zu vermieten. Einzuſehen von
1—4 Uhr nachmittags. (16297t
Kiesſtr. 77, Neubau, Hinterh.,
2X2=Zimmerwohn. mit Gas und
abgeſchloſſenem Vorplatz per 1. Ok=
(16349if
tober zu vermieten.
Kapellplatz 14, 2. St., unmöbl.
(15796t
Zimmer zu verm.
One Zimmeruh
Obergaſſe 30 kleine Wohnung
für 10 Mk. zu verm.
(*2525
Manſarde per
Mollerſtraße 6, 1. September,
Preis 19 Mk. per Mon. (16324ms
Eberstadt v. D.
Moderne 5 Zim.=Wohnung,
Gas, Kalt= und
Warmwaſſer=
leitung, Veranda, in nächſter
Nähe der Straßenbahn, per
1. Okt. d. J. zu verm. (14616t
Darmſtädterſtr. 35.
Zu vermieten.
Reizendes Landhaus mit groß.
Zimmern, Bad, Garten u. ſ. w.,
10 Minuten von Darmſtadt, ſofort
günſtig zu verm. Dasſelbe eignet
ſich für 2 Familien. Off. erb. unter
F 25 an die Exp. ds. Bl. (16337t
In beſter Geſchäftslage
Laden
mit großen Lagerräumen, zirka
125 qm, 2 Schaufenſter, mit oder
ohne Wohnung, mit oder ohne
Kellereien, ſofort od. ſpät. zu vm.
Off. unt. E 41 an die Exp. (16115a
Ecke Grafen= u. Waldſtr. 11
kleiner Laden, auch als Bureau,
billig zu vermieten. (16131if
Im Zentrum der Stadt in
beſter verkehrsreicher Geſchäfts=
(16326if
ſtraße iſt ein
Laden
mit und ohne 4 Zimmerwohnung
ſof. zu verm. Näh. Schuſtergaſſe 19.
Satamänder
„
Einheitspreis
Mk.
Die populärste Marke der Welt
28
Damen-Halbschuhe
werden dieses Jahr mit Vorliebe getragen
mit braunen, grauen und
schwarzen sämisch Einsätzen
S2Ir NANTDEr
EAULAATEAS Z. C2
Ludwigsstrassel5.
Bleichſtr. 3, gochbart, au nuöbl.
Zim. an beſſ. Herrn ſof. (15942a
Soderſtraße 17, pt., frdl. mbl.
Zimmer zu verm.
(15679t
Luifenplatz 7, II., ſchön. möbl.
Zim. an ſol. Herrn z. vm. (15407t
Neckarſtr. 10, Eing. Waldſtr.,
2 Tr., ſch. gr. gut möbl. Zim. (15420t
Landwehrſtraße 13, II., ſchön
möbl. Zim. mit oder ohne Penſ.
per ſof. od. 1. Aug. z. vm. (15837t
Karlſtr. 65, Hinterb., 1. Stock
links, ein möbliertes Zimmer
ſo=
fort zu vermieten. (B15906t
Ecke Schul= und Kirchſtr. 27,
möbl. Zimmer z. vermieten. (16053t
Luiſenſtr. 6, III. ſchön möbl.
Zimmer ſofort zu verm. (16104t
Waldſtr. 15, pt., möbl. Ziſtm.
zu vermieten.
(*2346mdf
Marktpl. 1, II., ſchön möbl.
2 Fenſter=Zimmer ſof. zu v (16201t
Mathildenpl. 3, Stb., II., einſ.
möbl. Z., 3 Mk. m. Kaff (16200t
Schwanenſtr. 72, II., 3feinmöbl.
Zimmer an ſol. Herrn. (*2311mdfs
Landwehrſtr. 11, part., groß.
u. kl. ſep. gel. möbl. Zimmer ſofort
(*2329mdf
zu vermieten.
Ludwigſtr. 17, 2. St., 1 oder
2 möbl. freundl. Zimmer an ſolid.
Herrn billig zu verm. (*2381mdf
Kiesſtr. 47, part, möbl. Z. an
beſſ. Herrn i. kinderl. Fam. (*2273imdf
Bleichſtr. 5, hochpart., gut möbl.
Zim. an beſſ. Herrn ſof. (*2400mdf
Eſchollbrückerſtraße 6, I., ſchön
möbl. Zimmer, auch Wohn= und
Schlafzim, per ſofort oder ſpäter
(*2415mdf
zu vermieten.
Karſtr. 23, Hch, einf. möbl i
Zimmer ſofort zu verm. (*2535fso
Viktoriaſtr. 72, I. links, groß.
möbl. Zimmer mit Kaffee 16 Mk.
(*2538
per Monat.
Eliſabethenſtr. 29, I. 2 f. möbl.
Zim. (Wohn= u. Schlafzim.) (16361a
Grafenſtraße 8, II., ſch. möbl.
Manſ.=Zim. d. Woche 3 M. (*2559
Soderſtr. 4, II., auf d. Kapellpl.
ſchön möbl. Zimmer. (*2541fso
In einem feinen Hauſe
findet ein gebildeter älterer
Herr ſchönes gemütliches
Heim u. beſte Verpflegung
zum Preiſe von jährlich
Mk. 3000.—. Offerten unter
W71 an die Exp. (B14903if
Farterre liegender Raum im
Zentrum hier alsbald zu
mieten geſucht. Offerten unter
P 32 an die Exped. (*2533
1 2 jere Zimmer
zum Aufſtellen von Möbeln in der
Nähe der alten Bahnhöfe geſucht.
Größe der Zimmer angeben. Off.
u. E72 a. d. Exp. erbet. (16170mdf
Landwehrſtr. 46, I., hell möbl.
Z. zu vm., ſep. Eing. (*2463df
Eliſabethenſtr. 52, part., möbl.
Zim., Mk. 16 mit Kaffee. (*2492dfs
Bleichſtr. 40, 2. Stock, möbl.
Zimmer zu vermieten. (*2487df
Lauteſchlägerſtraße 10, Stb.,
infach möbl. Zimmer. (*2443df
Grafenſtr. 18, 4. St. lks., ſchön
möbl. Zimmer zu vm. (*2423df
Karlſtraße 11, II., großes,
ſehr hübſch möbliertes Zimmer mit
Diplomatenſchreibtiſch, ev. auch m.
Penſion, preisw. z. verm. (16308omf
Obere Elisabethenstr. 4, II.
(Pension Mink). Wohn= u.
Schlaf=
zimmer, ſowie Einzelzimmer mit
guter Penſion von 70 Mk. an
aufwärts zu vermieten. (16312a
Wendelſtadtſtr. 31, I., großes
ruhig., fein möbl. Zim., aufmerkſ.
Bedienung, ſofort zu vm. (16129if
Mauerstrasse 15
möbl. Zimmer, auf Wunſch m.
Penſion zu verm. (*2215if
Ecke Rhein- u. Grafenstr.
iſt per 15. Oktober ds. Js.
Ladenlokar
nebſt Lagerräume, i. welchem
ſeit Jahren ein Blumengeſch.
m. beſt. Erfolg betrieb. wurde,
anderweit. zu verm. (16325fs
Gg. Ludwig Kriegk
Rheinſtraße 17.
zu vermieten (15795t
Keller Kapellplatz 14, 2. St.
in
Oeere
Schuchardſtr. 16, 2. St., gut
möbl. Zimmer zu verm. (15957mf
Saalbauſtr. 36 gut möbl., ſep.
Zim. ſof. zu vermieten. (*2511
Tanmsſtrafe25, 1. S., ſchön
möbl. Zimmer, event. Wohn= und
Schlafzimmer, an gebildeten Herrn
in ruh. Hauſe zu verm. (12335if
Eliſabethenſtr. 22, II., ſch. m. 3.
a. ſol. H. o. Frl. b. kinderl. Fam. (1630
möbl. Zimmer
Obergaſſe 30 für anſtändiger
(*2524
Arbeiter zu vermieten.
Ernſt=Ludwigſtr. 1, III., 2 ſchön
möbl. Zim., auf W. Klav. (*2520fso
Waldſtr. 23, 3. St. r., ſch. möbl. Z.
m. ſep. Eing. p. ſofort zu verm. (16314a
Grafenſtr. 37, 1. St., ſchön
möbl. Zimmer zu verm. (*2517fs
Waldſtr. 24, Vorderh., 2. St.,
Wohn= u. Schlafzim. m. 2 Betten,
auf Wunſch m. voll. Penſion. (*2514
Grafenſtr. 39 ſch. möbl.
Wohn=
u. Schlafz. preisw. zu verm. (16315a
Luiſenſtr. 14 2 ſchön möblierte
Zimmer mit oder ohne Penſion,
auf Wunſch auch getrennt. (*2399fs
zemütliches Heim mit Penſion
von ſol. f. Herrn, 39 J. (
Ge=
ſchäftsmann) geſucht. Offerten
unter F 33 an die Exped. (*2539
uf 15. Auguſt wird helles
möbl. Zimmer mit ſeparat.
Eingang geſucht.
Offerten mit Preis unter E 94
an die Exp. ds. Bl. (*2432dfs
ein möbl. Zim.
n Umgegend v. 2 Damen auf
10—14 Tg. geſucht. Off. m. Preis
an Korin, Mollerſtraße 35. (*2534
neu zu er=
Reſtauration, öffnen a
werd. per alsbald tücht. kautionsf.
Wirtsleute geſucht. Offert. unt.
F 35 an die Exp.
(*2554
Mmeruer
Villenkolonie Lndwigshöhe
Einfamilienhaus 10 Zim. enth.
mit großem Garten zu verkaufen.
Gefl. Anfragen u. P20 Exp. (B16310
Feldbergstrasse
Haus mit Kolonialwarengeſchäft,
Werkſtatt u. großem Hof zu verk.
Gefl. Anfragen u. F 19 Exp. (16309a
Moderhe Vila
in wundervoller, geſchützter Lage
am Walde, perſ. Verhältniſſe halb.
preiswert zu verkaufen. Das Haus
hat 9 Wohnräume, Bad, ger.
Bal=
kons, elektr. Licht und Waſſerleit.,
ſchöner Garten mit reich tragend.
Obſtbäumen. Günſtige
Gelegen=
heit für Naturfreunde, da das ſch.
Objekt mit kleiner Anzahl. bei bill.
Hypothek zu erwerben iſt. (15133a
Näh. im Kurhaus Trautheim.
mitten der Stadt, m. Tor=
Hauls, einfahrt u. Laden z. verk.
Off. unt. F34 a. d. Exp. (*2545fo
Abſchlag
Kaiserkrone-Kartoffel
heutiger Tagespreis 3 Pfund
1
Neue
per Zentner ℳ 4.50.
NEUE
Saisgarken
Heues Sauerkraut
Stück
15
vorzügliches Kompott
Pfund
eeren
10 Pfd.=Eimer ℳ 3.20.
Grünkern gemahlen
Grünkern gans
Pfund 35 ₰
Pfund
Beſonders preiswert:
Essiggurken, Figed Pickles,
Snberzwieber
großes Glas
für Wirte
Apfelpuree
und grössere Haushaltungen
ſpeziell empfohlen:
Apfelpuree . . . . . 10 Pfd.=Doſe 275₰
4=Pfd.=Doſe 118₰
Vorausbeſtellungen für dieſen Artikel bitten wir
unſeren Filialen zu übergeben.
Neu eingeführt:
Schade & Füllgrabe’s
Randierter Korhattee
Ein neuer Erſatz für Bohnen=Kaffee, ausgiebig,
kräftig und wohlſchmeckend, dabei billig im Preis.
½ Pfd.=Paket 36 ₰ ½= Pfd.=Paket 15 ₰
Ein Versuch lohnt!
(16366
Schudeerungraße
300000.− Mk.
in größeren und kleineren
Be=
trägen ſind zu billigſtem Zinsfuß
lange unkündbar auszuleihen.
Carl Herms, Bankgeſchäft
Magdeburg, Kronprinzenſtr. 6
Telefon Nr. 3215 u. 3355. (16340l
auf Möbel, Wechſel,
Darlehen Erbſchaft, Schuldſch.
durch J. Hett, Vertreter H. Huber.
Karlstr. 41, I., Spr. 9—1 u. 3—8. (*2525
Beamten=Darlehen
(auch penſionierten) von 1000 Mk. an auf 10 Jahre ohne Bürgen.
Größere Vermächtnis= und Erbſchafts=Beleihungen und Kauf,
wenn auch geſperrt und mit Nießbrauch behaftet. Albert Helms,
Finanzierungsgeſchäft, Bremen Nr. 31.
(163525
diskontiert Wechſel geg
Wer Nachlaß. Offerten unt.
(*2530
F 29 an die Exped.
ittagstisch
Fleisch u. veg. Kost von
bendtisch
Fleisch u. veget. Kost v.
60 Pf. b. M. 1.— im Abonn.
0 Pf. b. 70 Pf. im Abonn.
Auschaut des berühmten
:: Wormser Weinmostes::
Kein Trinkzwang. (114
Reform-Restaurant
4 Alexanderstrasse 4, 1. Stock.
Elanideisseluid
Leiter: (14940a
Emil Held
Handelslehrer u. beeidigt. Bücherrevisor
Hieron. Schneider
Handelslehrer und Bücherrevisor
Gründl. Ausbildung in sämtlich. kaufm. Fächern.
Stenogr., Maschinenschr. — Fremde Sprachen —
Getrennte Klassen für Fortbildungs- Schüler.
Beginn neuer Kurse: 12. August.
Luisenstrasse 10.
Stelleae
Weiblich
Perfekte, erfahrene
Schneiderin
lange Jahre in erſt. Geſchäft tätig,
wünſcht Kundſchaft auß. d. Hauſe
nur nachm. Off. F23 Exp. (*2519
Flickfrau empfiehlt ſich im
Aus=
beſſ. v. Kleid., Weißz., ſow.
Herren=
kleidern Heinheimerſtr. 40. (*2537
Unabh. Mädchen ſ. Lauſdienſt für
d. ganz. Tag. Langegaſſe 2. (*2446df
20 Jahre,
Junges Mädchen, welches
ſchon in beſſerem Hauſe tätig war,
ſucht Stellung zum 1. Sept. als
Hausmädchen. Gute Zeugniſſe
vorhanden. Offerten unter E 96
an die Expedition d. Bl. (*2457df
als Haushält. b. ält. Hrn. od. Dame.
Off. unt. F 21 an die Exp. (*2515fs
Erfahrene Frau hat noch Tage
zum Waſchen frei
Sandberg=
ſtraße 30, parterre. (B16351
im Kochen u. Haus=
Mädchen, arbeit erfahren, ſucht
zum 1. od. 15. Sept. ev. ſpäter
Stel=
lung als bürgerl. Köchin od. Allein
mädchen in beſſ. Haush. Off. unt.
F 30 an die Exped. (*2529
Junge, unabh. Frau ſucht
Lauf=
dienſt morgens und mittags
*2550) Erbacherſtr. 16, Hinterb.
14 jähr. Mädch. ſucht
Beſchäf=
tigung tagsüber zu Kindern. Näh
Mühlſtraße 28, Hinterh. (*2551
Männlieh
29 Jahre alt,
Junger Mann, verheiratet,
ſ. dauernde Stellung als Kaſſierer,
Bürodiener, Magazinier oder
ſonſtiges, mit Büroarb. vertraut.
Gefl. Off. u. E 93 Exp. (*2428df
Zuverl. Kaufm. ſ. f. halbe Tage
Kont. od. Lager irgendw.
Beſchäfti=
gung. Gefl. Off. unt. Nr. 658 an
die Annoncen-Exped. vonachr.
Kull-
mann, Wilhelminenſtr. 9. (K16369
ſuch. aus=
Stellenloſe Kellner hufsw. o
dauernde Stellung. Näh. Bernh.
Schulze Vögeling, Mauerſtr. 4. (*2555
Für Jungen mit gutem
Zeichen=
talent wird paſſende Lehrſtelle
geſucht, Offerten unter F 36 an
die Espedition ds. Bl. (*2558
Ofene Stelle
Weiblich
Einige geübte Näherinnen
ſuchen für ſofort Emil
Grün-
baum & Co., Mützenfabrik,
Rheinſtraße 47.
(*2543
Eehrmädchen
aus achtb. Fam. ſucht (16317fs
Jean Stichel
Rheinſtraße 4.
Zuverläſſige, ſaub. Köchin
die ſelbſtändig gut bürgerlich kochen
kann und Hausarbeit
mitüber=
nimmt, zu ſofortigem Eintritt geſ.
16155a) Wendelſtadtſtraße 6, I.
Braves, ſchulentlaſſenes
Mädchen
für vormittags per ſofort geſucht.
Heinheimerſtr. 8, rechter Aufgang,
(*2510dfs
1. Stock.
Saub., unabhäng. Lauffrau
für täglich 2—3 Stunden vom
1. Auguſt ab geſucht (
Frankfurter=
ſtraße). Näh. in der Exp. (16319
Alleinmädchen, beſſ., f. ſof. geſ.
Saalbauſtr. 69, 1. Stock. (*2548fs
Köchinnen, Haus= u. Kinderm.,
Alleinmädch., welche koch. u. nicht
koch. k., Kindergärtnerin ſofort u.
ſpäter geſucht. Minna Dingel=
Dein, gewerbsmäßige Stellenvermittlerin,
Schützenstraße 10½, Teleph. 531. (*2547
Schenkammen ſofort geſucht,
Fr. Minna Dingeldein,
gewerbs=
mäßige Stellenvermittlerin,
Schü=
tzenſtraße 10½ Teleph. 531. (*2546.
Platzvertreter
oder Wiederverkäufer
für den Vertrieb unſerer erſtklaſſigen ſtationären
Hoch=
vacnum=Entſtaubungsanlagen geſucht. Bei
Archi=
tekten, Stadtbehörden, Hausbeſitzer ꝛc. gut eingeführte
Herren bevorzugt.
(I16338
Vacuumanlagen- und Apparatebau, Gesellschaft
m. b. H. Frankfurt a. M., Stiftstrasse 6.
einer Fabrik für Eisenbau wird ein
Techniker
mit längerer Erfahrung im Eisen-
Ich ſuche Stelle Hochbau, Hotter Statiker
gesucht. (16216M
Gefl. Offerten unt. F. N. P. 833
an Budolf Mosse, Frankfurt a. M. Junger Mann
mit guter Schulbildung, kauf=
männiſch gebildet, gewandter
Stenograph u. Maſchinenſchreiber,
zum ſofortigen Eintritt geſucht.
Offerten unter E 97 an die
Expedition d. Blattes. (16255df Fierter zeichner
für Perſpektive, ſpeziell Vogelper=
ſpektive geſucht. Offerten unter
F. P. T. 8763 an Rudolf
Mosse, Frankfurt a. M. (16341) Vertreter
für Darmstadt gesucht.
Herren, auch Nichtkaufleuten, iſt
Gelegenh. geboten, ſ. d. e. Neuh., d.
in jedem Haushalt verlangt wird,
eine gute Exiſtenz zu gründen. Vor=
zuſtell. Hotel „Prinz Carl” Sams=
tag v. 9—12 u. 2—6 Uhr. (*2518. Herren u. Damen zum Verkauf
eines Konſum=Artikels geſucht
(*2544
Viktoriaplatz 2, II. und mehr täglich zu
2—10 Mk. verdienen. Proſpekt
gratis. Joh. H. Schultz, Adressen-
Verlag, Cöin W. 56.
(13948HI aller Berufe
Offene Stellen enthält ſtets die
Zeitung: Deutſche Vakanzen=Poſt
Eßlingen 143. (2533M den Herrn, der bereit
Ich bitte Zigarren an Wirte zu
verk. geg. hohe Proviſion od. M. 165
Vergütg. pr. Mt. gleich zu ſchreiben.
Wilh. Volckmann, Hamburg 39. (16339n 2
Wellbindergeschaltg
ſucht tüchtigen, energiſchen
Werkführer
Offerten u. F. O. R. 854 an
Rudolf Mosse, Frankfurt a. M. Spengler= u. Inſtallateurge=
hilfe ſofort geſucht. Karl Zahrt,
(*2496df
Hofſtallſtraße. geſucht (16286df
Buchbinder A. Leinberger. Tücht.
ſelbſt. Wembinder
geſucht. W. & K. Gerbig,
Weißbindermſtr., Worfelden. (16331 Suche per ſof.
mehrere Kellner
für dauernd und aushilfsweiſe.
Näh. Büro Mauerſtr. 4. (*2556 Jüngerer Hausburſche
(Radfahrer) geſ. Näh. Exp. (*2406mdf Zuver=
läffiger Hausbälsche
(Radfahrer)
für dauernd geſucht.
(16373
Speiers Schuhwaren=Haus
Ludwigſtraße 16.
Lehrling
geſucht von hieſigem
Kolonial-
waren en gros Geschäft geg.
ſteigende Vergütung. Offerten
unter F 26 an die Expedition
ds. Bl. erbeten.
(16342a
Den Kindern
ein Genuss
der Hausfrau
eine Freude
ist ein Kuchen aus
Liebigs Backpulver
durch die vielen Gratis-
Zugaben.
Badeeinrichtungen
Gasherde
Gaslampen u. s. w.
Erstklassige Fabrikate.
Billigste Preise.
(*2036sis
Ferner
tossfeste Brano-Glähkörper.
Georg Kaiser
Rheinstr. 5.
Telefon 1067
Köſtliche
Erfriſchung
Apfelfrada pr. Flaſche 45 ₰
Cider (Apfelſaft) „ 50 ₰
Sendungen frei Haus!
Johannes Horn
Alexanderſtr. 4, I. (15284 4
Sagsssse
wie neu,
Hessen-Rad ſehrbill.
Grafenſtraße 26.
(11832a
Eichen=Hauſpäne Mk. 1.—
Eichen=Scheitholz „ 1.—
Buchen=Scheitholz, 1.25
Tannen=Klötzchen „ 1.40
per Ztr. frei Keller
la trocken, kurzgeſchnitten u.
geſpalten. (12640a
Bei Abnahme von 5 Ztr. an
billiger
Martin Jahn
Brennholz-Dampfschneiderei
Pallaswiesenstr. 30. — Tel. 305.
Von der Reise zurück
Mac Meswahdr
Zahnarzt
Wilhelminenstrasse 29.
Telef. 1659. (16359soim
vom 5. Auguſt ab.
Vereise Es werd. mich gütigſt
vertreten die Herren: San.-Rat Dr.
Birnbaum, Georgenſtr. 8, Dr. E.
Draudt (a. O.=K.=K. Merkur),
Hein=
richſtr. 17, San.-R. Dr. Habicht,
Kaſino=
ſtraße 2, San.-Rat Dr. Markel,
Wald=
ſtraße 14, San.-Rat Dr. W. Orth II.,
Heinrichſtraße 50.
(16327fs
an.-R. Dr. Maurer Tel. 495
Verloren
eine goldene Nadel
mit Brillant.
Abzugeben geg. gute Belohnung
Heidelbergerſtraße 28. (B16296
Woog, am 1. Auguſt 1912.
Waſſerhöhe am Pegel 3,54 m.
Luftwärme 170 C.
Waſſerwärme vorm. 7 Uhr 21%C.
Woog=Prlizei=Wache.
Bilige Schuhtage
im
Schuhhaus L. Spler
1 Luisenplatz 1.
Als besonders preiswert kommen zum Verkauf:
Herren-
Boxleder-Schnürstiefel
Boxleder-Zug- u. Schnallenstiefel
Roßchevreau-Schnürstiefel, Lackkappen
Braune Kalbleder-Schnürstiefel
Wichsleder-Zug- u. Schnürstiefel
Wichsleder-Zug- u. Schnürschuhe
Segeltuch-Schnürschuhe
Leder-Hausschuhe 40—46
Stoff-Hausschuhe, Ledersohlen, Fleck
6.50
7.25
7.50
8.50
4.50
4.−
2.50
2.50
1.25
Damen-
Elegante Schnürstiefel mit Lackkappen
4.90
Chevr.-Knopf- u. Schnürstiefel 36—34
5.50
Chevr.-Schnürstiefel, Derby-Lackkappen . . . 6.75
Moderne Boxleder-Schnürstiefel
6.25
Braune Chevreaux-Schnürstiefel, Lackkappen 7.50
Moderne Halbschuhe mit Lackkappen
5.-
5.-
Elegante Hochlaschenschuhe mit Schnallen
Braune Sandalen 36—42
3.50
1.60
Segeltuch-Schuhe in braun und schwarz
1.75
Leder-Hausschuhe 36—42
1.25
Lasting-Morgenschuhe 36—42
Stoff-Hausschuhe 36—42
0.75
Kinder
27—30 31—35
Wichsleder-Knopfstiefel
2.95 3.45
4.− 4.50
Braune Schnürstiefel
Boxleder-Schnürstiefel
3.90 4.40
Braune Sandalen
2.25 2.75
Segeltuch-Schuhe
1.— 1.25
Zurückgesetzte Schuhwaren
weit unter Preis.
(16367
Schuhwarenhaus
L. Spier
1 Luisenplatz 1.
Haare
ausgekämmte und abgeſchnittene,
kauft fortwährend zu den höchſten
(15350a
Preiſen
G. Kanzler, Marktſtr. 3.
Besl.ℳ& Jah-f. Mannlasburuaran, HAAhds,
Parkettböden
werd. gerein. Dieburgerſtr. 4. (12138a
kann angef.
Baugrund werden am
Neubau verl. Soderſtr., Einfahrt
1. d. Darmſtr. Verg, 10=Pf. (16062a.
Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt. Freitag, den 2. Auguſt 1912.
Nummer 180.
bei
Jedes Stück unseres gesamten Warenlagers ist im Preise reduziert, deshalb
Werletztkauft, spart viel Geld
zum Einmachen, früh. Preis
55 ₰ . . jetzt jedes Stück Kaffeekannen
weiss, echt Porzellan
Ausverkaufspreis Stück 2 Kaffee-Tassen
weiss und dekoriert
Stück 8 und 2 Wasch-Garnitur
mit hübschem Decor, weit
unter Preis . jede Garnitur Bürsten-Garnitur
Karton mit 6 Bürsten für
den täglichen Gebrauch Spiritus-Kocher
2 flammig, auf Gussgestell
jetzt nur 6 Kaffee-Service
9teilig, echt Porzellan
Ausverkaufpreis 0 Fruchtpressen
schwer verzinkt, statt 7.25
Ausverkaufspreis Aermelbretter
mit gutem Ueberzug
jetzt nur 2 8₰ Waschklammern
60 Stück jetzt nur Ess-Service
mit hübschen neuen Dekor.
23 teilig . Ausverkaufspreis Tonnen-Garnitur
16 teilig, m. mod. Zeichnungen
jetzt 5.50 und Markttaschen
aus prima Ledertuch,
. jetzt nur
schwarz Auf sämtliche
Einmach-Arti kel
30 Brotkapseln
schön lackiert, rund und
jetzt nur 6
oval . 6 Süßwein-Gläser
hübsche Form, früher 42 ₰
jetzt Stück 15 u. wie: Einmach-Gläser, Ver-
schluss-Gläser, Einkoch-
Apparate, Ansetz-Flasch.
etc.
Extra-Rabatt von 4 Aluminiumschüssel
rund, 28 cm
Ausverkaufspreis 6 3₰ Fliegenfallen
jetzt
aus Draht . . .
Fliegenfänger
Pyramiden . . jetzt Stück Japan-Reisekörbe
mit starken Leder-Doppelriemen
4 Grössen, jetzt Stück
4.95 6.25 7.50 6.25 Fleisch-
Hackmaschinen
Alexanderwerk, schwer ver-
zinkt od. emailliert, jetzt nur Abseifbürsten
jetzt Stück
Schrubber
jetzt Stück 28 ₰ Eine Partie
Glasvasen
sehr elegante Sachen
jedes Stück 30 Fenster-Leder
jetzt Stück 20 ₰
Gummi-Absätze
rund, für Damen . . jetzt 25₰