Darmstädter Tagblatt 1912


27. Juli 1912

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175. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 28 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Der ſächſiſche Juſtizminiſter von Otto,
Vorſitzender des Staatsminiſteriums, iſt geſtern ge=
ſtorben
.
Ueber Bayern iſt am Donnerstag abend ein furchtbares
Unwetten niedergegangen, das großen Schaden
anrichtete. Gleiche Meldungen kommen aus Brüſſel.
Das engliſche Unterhaus lehnte einen Antrag
der Radikalen auf Verminderung des Voranſchlags
mit 331 gegen 39 Stimmen ab.
Die türkiſche Militärliga hat der Kammer
ein Ultimatum überſandt, das in der Kammer
große Entrüſtung hervorgerufen) hat.
Die Weſtküſte Japans wurde von großen
Ueberſchwemmungen heimgeſucht, der viele
Menſchen zum Opfer gefallen ſind.

Politiſche Wochenſchau.

Das wichtigſte Ereignis der verfloſſenen Woche
war die große Flottenrede des engliſchen
Marineminiſters Churchikl im Unterhauſe.
Bedeutungsvoll war ſie weniger ihres Inhalts wegen,
denn neue Momente konnte der Miniſter kaum vorbrin=
gen
; ſie erhielt vielmehr erſt ihre große Bedeutung durch
die anerkennenswerte Offenheit, mit der ſich der Staats=
mann
über die Urſache der neuen Flottenrüſtungen ſeines
Vaterlandes und über das deutſche Flottengeſetz ausge=
ſprochen
hat. Allerdings hat Lord Churchill nicht zum
erſten Male dieſe offenherzige Methode angewandt, dieſe
ſcheint ſogar allmählich die Ausdrucksweiſe des engliſchen
Parlamentarismus werden zu ſollen, der ſich ſonſt durch
eine ſtarke Reſerve auszeichnet. Für Deutſchland iſt es
ja ganz gut, daß die leitenden Männer jenſeits des Ka=
nals
die Dinge endlich beim rechten Namen nennen, denn
wir wiſſen jetzt, was wir von England zu halten haben.
Bei ſeinen Vergleichen zwiſchen der engliſchen und deut=
ſchen
Flotte hat der Miniſter mitunter etwas ſtark aufge=
tragen
und Zahlen genannt, die, ſoweit ſie Deutſchland
betreffen, nicht immer richtig waren. Man wird ihm
von ſeinem Standpunkte aus das nicht allzuſehr ver=
übeln
, da er den Beweis erbringen mußte, daß ſeine For=
derungen
gerechtfertigt ſind. Schließlich hat er ja auch
inſofern ſein Ziel erreicht, als das neue engliſche Flotten=
geſetz
vom Parlament mit großer Mehrheit angenommen
worden iſt. Die Debatten im Unterhauſe, wie auch im
Hauſe der Lords haben gezeigt, daß der Wettlauf in den
Seerüſtungen auch die kommenden Jahre beherrſchen
wird, denn die Aufrechterhaltung der Oberherrſchaft zur
See wird die Engländer nicht ruhen laſſen. Neuerdings
ſpielt das Geſpenſt der Ueberlegenheit der Flotten Oeſter=
reich
=Ungarns und Italiens im Mittelmeer eine Rolle.
Nach wie vor indeſſen ſieht ſich England in ſeiner Sicher=
heit
durch das Anwachſen der deutſchen Flotte bedroht.
Es ſcheint tatſächlich in England kaum einen Menſchen zu
geben, der den deutſchen Verſicherungen Glauben ſchenkt,
wonach Deutſchland das von ihm beſtimmte Maß ſeiner
Seerüſtungen für die Sicherung ſeiner Handels= und
Lebensintereſſen nötig hat. Unter dieſen Umſtänden müſ=
ſen
wir es den Engländern überlaſſen, die ihnen erfor=
derlich
ſcheinenden Gegenmaßregeln zu treffen und ſo
viel Schiffe zu bauen, wie ſie für erforderlich halten. Da
das Mutterland die gewaltigen Koſten nicht mehr allein
tragen will, hat man jetzt auch die engtiſchen Kolonien
in Bewegung geſetzt, und aus Kanada kommen bereits
Nachrichten, daß das Parlament demnächſt größere Sum=
men
für Flottenzwecke bewilligen werde.
Die durch den Rücktritt des türkiſchen
Kriegsminiſters Mahmud Schefket Paſcha hervor=
gerufene
innere Kriſe hat, wie vorauszuſehen war,
den Zuſammenbruch des jungtürkiſchen Komitees nach ſich
gezogen. Die Meuterer in Albanien wollten auf Kon=
ſtantinopel
losziehen, wenn man ihren Wünſchen nicht
entgegenkomme. Das hat ſchließlich den Sultan bewogen,
Männer an die Regierung zu berufen, die den ernſten
Willen haben, in Albanien wieder für geordnete Zuſtände
zu ſorgen. Der neue Großweſir Achmed Muthtar iſt eine
bedeutende Perſönlichkeit, der im Hintergrunde ſtehende
kluge Kiamil iſt gleichfalls der richtige Mann, um ſich bei
den Ofizieren die nötige Achtung zu verſchaffen. Gleich
im erſten Miniſterrat hat die neue türkiſche Regierung eine
Reihe wichtiger Entſchließungen getroffen, die der allge=
meinen
Beruhigung dienen ſollen. Es wurde beſchloſſen,
die militäriſchen Operationen in Albanien ſofort einzu=
ſtellen
und eine Kommiſſion an Ort und Stelle zu ent=
ſenden
, die ſich darüber informieren ſoll, wie weit die
Forderungen der Albaneſen berechtigt ſind. Außerdem
wurde der Belagerungszuſtand, der vor drei Jahren über
Konſtantinopel verhängt wurde, aufgehoben und eine all=
gemeine
Amneſtie beſchloſſen. Merkwürdig iſt eine Kund=
gebung
der türkiſchen Militärliga, die die Schäden des
alten Regimes hervorhebt, die durch die Revolution von
*1908 hervorgerufen wurden, ſodann die konſtitutionelle
Verfaſſung verherrlicht und die Urſachen der gegenwärti=
gen
Kriſis unterſucht. Dieſe Kundgebung der Militärliga
iſt als ein Zeichen dafür zu betrachten, daß die kürzlich
ſo blötzlich ausgebrochene Kriſis noch keineswegs üher=

wunden iſt, und ſie dürfte leicht noch weitere bedenkliche
Ueberraſchungen zeitigen. Der Krieg mit Italien
iſt infolge der inneren Wirren gänzlich in den Hinter=
grund
getreten. Ab und zu hört man auf italieniſcher
Seite über ziemlich unbedeutende Zuſammenſtöße auf dem
Kriegsſchauplatz, die der Quelle entſprechend naturgemäß
immer zugunſſen der Italiener ausgehen. Die Nach=
richten
über die Einfahrt italieniſcher Torpedoboote in
die Dardanellen, die ſo gewaltiges Aufſehen hervorge=
rufen
hat, ſind wieder gänzlich verſtummt, ohne daß man
über den ganzen Vorgang eine klares Bild gewinnen
konnte.
Während der japaniſche Staatsmann Katſura in Ruß=
land
weilt, um mit den leitenden Staatsmännern wichtige
Verhandlungen zu pflegen, kam aus Tokio ganz uner=
wartet
die Meldung von einer ſehr ſchweren Erkrankung
des Mikado. Nach den letzten Depeſchen zu urteilen,
iſt es ſehr fraglich, ob der Kaiſer wieder geneſen wird.
Der jetzt 60jährige Monarch leidet ſchon lange an Zucker=
krankheit
und chroniſcher Nierenentzundung, zu der ſich
noch eine ſchwere Darm= und Magenerkrankung geſellt
hat. Da der Kranke nicht mehr bei Bewußtſein iſt, macht
ſich das japaniſche Volk mit tiefer Beſtürzung darauf ge=
faßt
, dieſen bedeutenden Kaiſer zu verlieren, der es aus
weltabgeſchloſſener Begrenztheit in die Reihe der Groß=
mächte
geleitet hat. Zwar iſt die Perſönlichkeit des Mi=
kado
während ſeiner 45jährigen Regierung, den japani=
ſchen
Sitten entſprechend, im geheimnisvollen Halbdunkel
geblieben, aber bei der gewaltigen Machtfülle, die er in
ſeinen Händen vereinte, kann doch ſein Anteil an der faſt
märchenhaften Entwickelung des Inſelreiches im letzten
Halbjahrhundert nicht gering geweſen ſein. Wenn daher
der Kaiſer von Japan jetzt die Augen ſchließen ſollte, ſo
wird nicht nur in ſeinem Vaterlande, ſonhern überall im
Oſten und Weſten die welthiſtoriſche Bedeutung der gro=
ßen
Sendung erkannt werden, die er mit wunderbarer
Beharrlichkeit während ſeiner Regierungszeit erfüllt hat.

Englands internationale Beziehungen
und die Flottenrüſtungen.

* Im Unterhauſe gab Premierminiſter Asquith
bei der Beratung des Etats des Reichsverteidigungs=
ausſchuſſes
einen Ueberblick über die Tätigkeit dieſes
Ausſchuſſes. Er betonte, daß der Reichsverteidigungs=
ausſchuß
nicht in die Verantwortung des Kabinetts hin=
ſichtlich
der Politik eingreife, und fuhr fort:
Obwohl der Ausſchuß nicht die Politik beſtimmt,
wird er doch in ſeinen Entſchließungen notwendig ge=
leitet
durch die Rückſichtnahme auf unſere internationalen
Beziehungen. In dieſer Hinſicht vollzog ſich, ſeitdem
wir zur Regierung gelangten, kein irgendwie gearteter
Wechſel in der Politik. Ich erkläre das mit größtem
Nachdruck. Unſere internationalen Beziehungen werden
jetzt eſbenſo wie für den größten Teil der letzten 10 Jahre
geleitet nach vollkommen abgegrenzten beſtimmten Richt=
linien
, die während der ganzen Zeit weder nach rechts
noch nach links abgewichen ſind Wir pflegen mit wach=
ſender
Herzlichkeit auf beiden Seiten unſere beſonderen
internationalen Freundſchaften. Sie haben die Prü=
fungszeit
und zwar die Prüfung bei ſchlechtem und
gutem Wetter beſtanden. Dieienigen Mächte, die mit
uns in beſonders freundſchaftlichen Beziehungen geſtan=
den
haben und glücklicherweiſe noch ſtehen, ſind die
Mächte, mit denen wir in verſchiedenen Teilen der Welt
in enge und intime Berührung gebracht ſind. Zwiſchen
uns und jenen Großmächten, mit denen wir ſtändig in
enge Beziehung gebracht ſind, iſt die Geſchichte der letzten
acht Jahre, wie ich mit Befriedigung feſtſtelle, eine Ge=
ſchichte
des wechſelſeitigen Verſtehens, des Freiſeins von
Reibungen und erwachſender Herzlichkeit und Lohalität,
Der Premierminiſter führte weiter aus: Ich ſage=
mit
Ueberlegung, daß wir keinen Anlaß haben und ſo
viel ich weiß keine Gelegenheit für einen
Zwiſt mit irgendeinem Lande in irgendeinem
Teil der Welt. (Beifall.) Wir blicken ohne den gering=
ſten
Argwohn und ohne Unzufriedenheit, im Gegenteil,
mit Gleichmut und mehr als Gleichmut auf ſolche be=
ſonderen
Unterredungen und Meinungsaustauſch, wie
ſie z. B. zwiſchen Rußland und Deutſchland ſtattgefun=
den
haben. Unſere Beziehungen zum großen
Deutſchen Reich ſind in dieſem Augenblick, wie ich
mich freue ſagen zu können, Beziehungen vollkommener
Freundſchaft und vollkommenen guten Willens Ich bin=
gewiß
, daß es wahrſcheinlich ſo bleiben wird. Lord
Haldane machte Anfang dieſes Jahres in Berlin
einen Beſuch und trat in Unterredungen und Meinungs=
austauſche
ein, die ſeither im Geiſte vollkommener Offen=
heit
und Freundſchaft auf beiden Seiten fortgeſetzt ſind.
Ich freue mich, ſagen zu können, daß wir den Vorteil
der Teilnahme eines ganz ausgezeichneten Diplomaten
haben, den der Kaiſer in dies Land geſandt hat. ( Bei=
fall
.) Ich ſage unſere Freundſchaften ſind in keinem
Sinne ausſchließende Freundſchaften, und
das aus ſehr guten Gründen. Das größte Intereſſe
Großbritanniens iſt der Friede der Wolt. Wenn
unglücklicherweiſe hier wie überall die Ausgaben für
die Rüſtungen in beklagenswerter Weiſe wachſen, ſo gibt
es keine Macht in der Welt, die nicht ganz genau weiß,
daß, ſoweit wir in Betracht kommen und ſoweit wir
gezwungen werden, au dieſen Ausgaben teilzunehmen,

wir keinen aggreſſiven Zweck verfolgen. (Beifall.) Wir
begehren keinen Gebietzuwachs. Wir haben weder den
Wunſch, noch fühlen uns verſucht, das Gebiet unſerer
Verantwortlichkeit irgendwie zu erweitern. Wenn wir
gezwungen ſind, die Fonds, die wir jetzt auf die Erhal=
tung
, insbeſondere eines Uebergewichts zur See verwen=
den
, anderen ergiebigen, vorteilhafteren Zwecken zu ent=
ziehen
, wird dieſe Ausgabe von uns einfach als not=
wendige
Verſicherung der enormen inneren und äußeren
Intereſſen angeſehen, deren getreue und wachſame Hüter
die Regierung und das Parlament ſind und ſein müſſen.
Hierauf ergriff der Führer der Oppoſition Bonar
Law das Wort: Vor zehn Jahren beherrſchten wir
jedes Meer, heute beherrſchen wir nur die Nordſee. Ich
möchte nicht behaupten, daß etwas dieſe Aenderung ver=
hindern
konnte, aber in der kritiſchen Zeit taten wir
alles, was wir konnten, um die Aenderung zu erleich=
tern
und zu beſchleunigen dadurch, daß wir in den Jahren
1906, 1907 und 1908 nicht die genügende Zahl von Schif=
fen
auf Stapel legten. Dieſer Wechſel veränderte unſere
ganze Stellung in der auswärtigen Politik Wir kön=
nen
nicht länger in der Stellung der Iſoliertheit be=
harren
und in verhältnismäßiger Gleichgültigkeit gegen=
über
der Gruppierung der Mächte. Der Schlüſſel unſe=
rer
auswärtigen Politik ſollte eine ſtets und beharrliche
Freundſchaft mit den Mächten ſein, die mit uns in der
Triple=Entente vereint ſind. Jede Mächtegruppierung
begünſtigt den Frieden, obſchon ſie den Krieg nicht un=
möglich
macht. Wir wären äußerſt töricht, wenn
wir nicht die Möglichkeit ins Auge faßten, daß andere
Mächte des Bundes teilnehmen könnten an dem Kriege,
den wir möglicherweiſe mit einem Mitglied des Drei=
bundes
führen. Wir können das Beſtehen des Drei=
bundes
nicht außer Rechnung laſſen. Law kam ſodann
auf die Erklärung Churchills vom 22 Juli zu ſprechen
und ſagte: Churchill beſchrieb uns die Wilkung des
neuen deutſchen Flottengeſetzes. Die
deutſche Preſſe hat ſeine Erklärungen als richtig be=
zeichnet
. Ich habe niemals eine ſchwerer wiegende Er=
klärung
gehört. Ich weiß, es gibt Mitglieder des Hauſes,
die denken, es ſei provozierend, unſere Stärke mit der
Deutſchlands in Vergleich zu ſtellen. Das erſcheint mir
abſurd. Der ganze Zweck der Erhaltung unſerer De=
fenſivſtreitkräfte
gründet ſich auf die Annahme, daß wir
eines Tages vielleicht in den Krieg ziehen müſſen. Wenn
wir die Möglichkeit eines Krieges ins Auge zu faſſen
haben, müſſen wir ſie von dem Geſichtspunkt derjenigen
Macht erwägen, die am meiſten in der Lage iſt, uns wehe
zu tun, wenn es zu einem Krieg kommen ſollte. Das
ſoll nicht im geringſten bedeuten, daß wir irgend eine
Feindſeligkeit oder ein Uebelwollen gegenüber Deutſch=
land
empfinden oder daß wir die Lage Deutſchlands
nicht verſtehen. Ich entſinne mich, in einem deutſchen
Buche folgenden Satz geleſen zu haben, der großen Ein=
druck
auf mich machte: Die Abrüſtung iſt keine Frage
der praktiſchen Politik, ſo lange eine Macht imſtande
iſt, wenn ſie wünſcht, über Nacht unſere Handelsflotte
zu vernichten und unſeren Ueberſeehandel zu zerſtören.
Das iſt eine ſehr natürliche Anſicht für einen Deutſchen.
Wenn ich ein Deutſcher wäre, würde ich ſie wahrſchein=
lich
auch haben. Die Deutſchen haben gewiß Recht, die=
ſer
Anſicht zu ſein, aber ſie iſt unverträglich mit unſerer
Sicherheit, weil unſere Wohlfahrt und Exiſtenz von der
Ueberlegenheit unſerer Flotte abhängt.
Im Verlaufe der Diskuſſion beantragte der Radi=
kale
Ponſonby eine Verringerung des Voranſchlags.
Er kritiſierte die Politik, die zu der jetzigen Lage geführt
habe und forderte die Herbeiführung freundlicher
Beziehungen zu Deutſchland, wodurch das
ſinnloſe Wettrüſten vollſtändig überflüſſig würde.
Sir Edward Grey erwiderte ihm, indem er ausführte:
Es könne nicht ſtark genug betont werden, wie ſchwer
die Laſten der Rüſtungen ſeien. Er ſei aber der Mei=
nung
, daß Kräfte am Werke ſind, die mit der Zeit eine
Wirkung auf die Rüſtungen ausüben werden. Er
hoffe, daß die internationale öffentliche Meinung in Zu=
kunſt
ſo michtig werden wird, daß man im Falle von
Streitigkeiten nicht mehr an die Gewalt, ſondern an
andere Inſtanzen wird appellieren können. Er meine
auch, daß die wachſende finanzielle Unabhängigkeit der
Nationen voneinander ihre Wirkung tun werde. Hierauf
bekämpfte Grey die Behauptung Ponſonbys, daß die
britiſche auswärtige Politik verantwortlich ſei für die
großen Ausgaben für Rüſtungszwecke. Er ſei der
Meinung, daß die von Ponſonby gewünſchte Aufgabe
der in den letzten 10 Jahren verfolgten Politik die Dinge
nicht beſſer ſondern ſchlimmer machen würde Pon=
ſonby
wünſchte, daß England keine beſtimmten Freunde
in der auswärtigen Politik habe, doch das würde zu der
Politik der glänzenden Iſolierung zurückführen, wie ſie
von 1880 bis 1900 beſtanden habe Dieſe Politik hahe
Gerückte von Kriegen mit Frankreich, Rußland und
Deutſchland verurſacht und zu politiſchen Reibungen mit
allen dieſen Ländern geführt. Wenn man zu dieſer Po=
litik
zurückkehre, ſo werde man bald die Flotte nicht nach
dem Ein, oder Zweinächte=Standart, ſondern nach ei=
nem
viel höberen bauen müſſen. Wir haben, fuhr der
Miniſter fort, Freundſchaft mit Frankreich
und Rußland geſchloſſen, mit denan wir ſo viel
Reibungsflächen gehabt haben und wenn wir dieſe
Herzlichkeit ſich verringern laſſen, ſo werden wir alle
Urſachen zu Reibungen wieder erſtehen ſehen. Sir Ed=
ward
Grey ſchloß: Wenn wir unſere auswärtige

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 27. Juli 191:

Nummer 17d.

Politik geändert haben, iſt dann wirklich anzuneh=
men
, daß das eine Wirkung auf die Flottenausgaben
in Europa haben würde? Iſt unſere auswärtige Po=
litik
verantwortlich für die deutſche Flotte? Die
Erklärung, in der angekündigt wird, daß Deutſchland
eine großzügige Flottenpolitik eröffnen werde, geſchah
in dem Flottengeſetz von 1900. Wie konnte ſeitdem
irgend eine britiſche Politik verantwortlich ſein für die
deutſche Politik? Man darf den ſehr einleuchtenden mög=
lichen
Grund für die Erbauung der deutſchen Flotte nicht
überſehen: nämlich, daß die wachſende Nation
wünſcht, mächtig zu ſein, ohne daß ſie doch notwendiger
Weiſe Angriffsabſichten verfolgt, noch auch eine be=
ſtimmte
Gefahr vermeiden will. Ueber die Beſchrän=
kung
der Rüſtungen zu ſprechen, iſt nicht ſehr in=
tereſſant
für die deutſche Oeffentlichkeit, wenn die Leute,
die darüber ſprechen, nicht genug ſagen können, was
ſie wollen. Auf welcher Baſis wünſchen ſie, daß Abkom=
men
getroffen werden? Der Gleichheit oder der Ueber=
legenheit
der britiſchen Flotte? Wenn ſie nicht bereit
ſind, hierauf einzugehen, können ſie nicht erwarten, daß
die deutſche öffentliche Meinung ſehr entgegenkommend
iſt. Alles was ſie tun können, iſt, zu beweiſen: daß ſie
keine aggreſſiven Abſichten haben, die Freundſchaften,
die ſie mit anderen unterhalten, keine aggreſſiven Zwecke
haben und nicht gegen eine andere Macht gerichtet ſind.
Das tun wir und werden es auch weiter tun.
Ponſonbys Antrag auf Verminderung
des Voranſchlages wurde mit 331 gegen 39
Stimmen abgelehnt.
Zu den Parlamentsverhandlungen führt
der Daily Chroniele aus, daß die Aenderung der
auswärtigen Politik Englands auf ſſeine
Wehrpolitik zurückgewirkt habe. Die allmähliche Ver=
ſchlechterung
der diplomatiſchen Beziehungen
zlhiſſchen England und Deukiſchland etwa
ſeit 1900 führte zu der deutſchen Flottenpolitik. Die Ver=
ſtärkung
der deutſchen Flotte war die Antwort auf un=
ſere
Diplomatie. Das Blatt will nicht unterſuchen, ob
die engliſche Diplomatie wirklich zu einer Zeit ſo anti=
deutſche
Abſichten verfolgt habe, wie man auf dem
Kontinent annehme. Die Hauptſache ſei, daß ſie jetzt
weder antideutſch ſein noch ſcheinen dürfe. Daily Chro=
nicle
glaubt, daß die Freundſchaft Englands
mit Frankreich und Rußland eine Freund=
ſchaft
mit Deutſchland nicht notwendig verhindern
müſſe, obwohl es noch bis vor kurzem dieſen
Anſchein hatte. Die Erklärungen des Miniſters ſeien
vortrefflich, aber es beſtehe auch der Wunſch, die Freund=
ſchaft
mit Deutſchland auf dieſelbe Baſis wie die mit
Frankreich und Rußland zu ſtellen. Soll die Triple=
Entente nicht mehr dem Dreibund gegenübergeſtellt wer=
den
? Vielleicht iſt es zu früh, dieſe Frage aufzuwer=
fen
. Sie ſoll auch nicht in dem Sinne aufgeworfen
werden, daß Frankreich und Rußland aufgegeben wer=
den
ſollen, aber ſo lange die Frage nicht endgültig in
dem Sinne beantwortet iſt, daß Deutſchland in unſere
Freundſchaften auf der Baſis der meiſtbegünſtigten Na=
tion
aufgenommen wird, darf das Ende des ruinöſen
Wettrüſtens nicht erwartet werden. Die Times
ſchreibt: Die Summen, die wir auf die Flotte ver=
wenden
, ſind Verſicherungsprämien und nichts weiter.
Ein Angriff unſerſeits iſt für jeden unbegreiflich, der
ſich ruhig, überlegt, daß wir völlig außer Stande wären,
dem entſcheidenden Seeſieg eine Kampagne auf feind=
lichem
Gebiet folgen zu laſſen. Wir hegen keine Feind=
ſchaft
gegen irgend eine Macht und gewiß nicht gegen
Deutſchland. Wir verſtehen ſeine Haltung und neh=
men
ſie nicht übel, aber wir ſehen uns zu Vorſichtsmaß=
regeln
gegen die möglichen Folgen veranlaßt. Zu dieſen
Vorſichtsmaßregeln gehören unſere internationalen
Freundſchaften: Wir pflegen dieſe Freundſchaften, aber
es ſind in keinem Sinne exkluſive Freundſchaften und
ſie haben keine Spitze gegen irgend eine Macht oder
Nation.

Deutſches Reich.

Die Vorarbeiten für den Reichstag.
Wie man Berliner Blättern ſchreibt, werden bereits im
Beginn des nächſten Monats die Anmeldungen der ver=
ſchiedenen
Reichsreſſorts für den Haushaltsplan des
nächſten Jahres beim Reichsſchatzamt eingehen. Nach
erfolgter Prüfung dieſer Anmeldungen wird dann vom
Reichsſchatzamt auf ſchriftlichem Wege zu ihnen Stellung
genommen. Hierauf haben die Reſſorts innerhalb einer
beſtimmten Friſt die Ausführungen des Reichsſchatz=
amtes
ebenfalls ſchriftlich zu beantworten. Soweit

durch dieſen Schriftwechſel eine Verſtändigung zwiſchen
dem Reichsſchatzamt und den einzelnen Reichsämtern
noch nicht erzielt iſt, wird dieſe auf dem Wege münd=
licher
Verhandlungen herbeigeführt. Die endgültige
Entſcheidung über etwaige dann noch vorhandene Mei=
nungsverſchiedenheiten
liegt beim Reichskanzler. Die
Fertigſtellung des Entwurfes wird in dieſem Jahre je=
denfalls
bis Ende September erreicht werden müſſen.
Denn die Beratungen im Bundesrat, in den Ausſchüſſen
nd im Plenum nehmen erfahrungsgemäß drei Wochen
in Anſpruch. Dieſelbe Zeit iſt aber auch erforderlich,
um die Drucklegung des Reichsetats zu bewirken. Da
nun aber die Abſicht beſteht, den neuen Etat dem Reichs=
tag
gleich bei ſeinem Zuſammentritt am 26. Oktober
vorzulegen, muß die Aufſtellung des Entwurfs ſpäteſtens
Anfang Oktober beendet ſein. Mit Rückſicht auf den
frühen Termin, auf den das Oſterfeſt im nächſten Jahre
fällt, dürfte die Reichsregierung jedenfalls Wert darauf
legen, daß der Etat in erſter Leſung, und wenn möglich,
wenigſtens zum Teil auch in zweiter Leſung, noch vor
den Weihnachtsferien durchberaten wird.
Die Schulden des Reiches und der
Bundesſtaaten. Einer amtlichen Zuſammenſtellung
über die Finanzen des Reiches und der Bundesſtaaten,
die in den Vierteljahrsheften zur Statiſtik des Deutſchen
Reiches veröffentlicht wird, iſt zu entnehmen, daß Reich
und Bundesſtaaten zuſammen nach den Voranſchlägen
für 1911 einen Schuldenbetrag von 20,4 Milliarden Mark
hatten gegen 20,3 Milliarden im Jahre 1910, ſodaß im
letzten Jahre eine Zunahme von 0,1 Milliarde Mark ſtatt=
gefunden
hat. Seit 1902 ſind die Schulden im Reich
um 2,0 und in den Bundesſtaaten um 4,3 Milliarden
Mark, zuſammen alſo um 6,3 Milliarden Mark ge=
ſtiegen
.
Die Konſervativen und die Beſitz=
ſteuer
. Die Kreuz=Zeitung ſchreibt: Die konſervative
Partei iſt nicht geſonnen, bloß um der ſchönen Augen
der gegneriſchen Agitatoren willen irgend eine Konzeſ=
ſion
in der Beſitzſteuerfrage zu machen. Sie wird es ab=
lehnen
, die Verantwortung für irgend welche ſteuer=
lichen
Maßnahmen zu übernehmen, ſo lange ihr nicht
deren Notwendigkeit überzeugend )nachgewieſen iſt.
Dieſe Notwendigkeit wird in erſter Linie nur dann an=
zunehmen
ſein, wenn wider Erwarten ein dringender
Finanzbedarf neu hervortreten ſollte.
Neue Forderungen zur Unterſtützung
der Veteranen ſind nach der Braunſchw. Landes=
ztg
. im Voranſchlag des Reichsetats von 1913 und 1914
eingeſtellt. Unabhängig davon finden auf Veranlaſſung
des Kaiſers zur Zeit Erhebungen ſtatt über eine durch=
greifende
Umwandlung der bisherigen Reichsveteranen=
fürſorge
.
Eine Jeſuitendebatte im baye=
riſchen
Reichsrat. Im Finanzausſchuß des baye=
riſchen
Reichsrates kam es am Dienstag zu einer großen
Jeſuitendebatte.
Reichsrat Freiherr v. Kramer=Klatt hatte in ſeinem
Referat betont, daß man darüber ſtreiten könne, ob es
politiſch klug war, daß das neue Miniſterium in ſeinen
erſten Lebenstagen ſich mit dem Vollzug des Jeſuitenge=
ſetzes
beſchäftigt habe. Ein Verdienſt des Erlaſſes wäre
es, ’wenn er den Anſtoß dazu geben würde, daß endlich
vom Reiche aus das Jeſuiten=Geſetz aufgehoben würde,
und zwar, betonte der Reichsrat, ſolle das Geſetz aus
folgenden Gründen abgeſchafft werden: 1) Der Staat
ſoll ſich nicht ſcheuen, Dinge aus der Welt zu ſchaffen, die
er im Zorn befohlen hat. 2) Es iſt bedauerlich, daß ein
mächtiges Volk der Welt ſich vor einigen Ordensprieſtern
fürchtet, während dasſelbe Volk Anarchiſten ruhig ihre
Verſammlungen unter den Augen der Polizei und
Staatsregierung geſtattet. Die Jeſuiten, deren Ver=
dienſte
um Wiſſenſchaft und Kultur groß ſind, ſeien am
berufenſten, unſere gebildeten Klaſſen, die mehr und
mehr dem Unglauben verfallen, wieder zum Glauben
zurückzubringen. In der Debatte äußerte ſich zunächſt
Reichsrat zu Törring=Jettenbach zu der Frage und be=
tonte
, daß es ein großer taktiſcher Fehler war, daß die
neue Regierung in den erſten Tagen ihres Wirkens dieſe

Frage zu löſen verſuchte. Der Graf ſchloß ſich der An=
ſicht
des Grafen Kramer=Klatt über die Bedeutung der
Jeſuiten für Wiſſenſchaft und Kultur nicht an und er=
klärte
, daß im großen und ganzen die Ordensmitglieder
mit der Wiſſenſchaft nichts zu tun haben. Wenn man die
Frage zu entſcheiden hätte, ob ein Geſetz gegen die Jeſu=
iten
beſchloſſen werden ſolle, würde er nein ſagen.
Nachdem aber die Jeſuiten ausgeſperrt ſeien, müſſe es
auch bei dem Zuſtande bleiben, der auch der Wunſch
der Mehrheit der Bevölkerung ſei. Im gleichen Sinne
ſprach ſich auch der Reichsrat Graf Moy aus und erklärte,
daß keine Veranlaſſung zur Aufhebung des beſtehen=
den
Jeſuitengeſetzes beſtünde. Bezeichnend war, daß
der neue Miniſter des Innern, Freiherr v. Soden, ſehr
warm für die Jeſuiten eintrat und erklärte, daß ſie für
die Wiſſenſchaft ſehr viel getan hätten. Er ſtellte ſich auf
die Seite des Referenten Grafen Kramer=Klatt und ſuchte
die Anſichten der Grafen Törring=Jettenbach und Moy=
zu
widerlegen. Die neue Staatsregierung habe, ſo ſchloß
der Miniſter, den Erlaß als eine Notwendigkeit be=
trachtet
. Der frühere Miniſterpräſident Graf v. Crails=
heim
, der ja ſelbſt den Redemptoriſten die Rückkehr nach
Bayern während ſeiner Miniſterpräſidentſchaft geſtattet
hat, ſtellte ſich ebenfalls gegen das neue Miniſterium
und betonte, daß er erſtaunt geweſen ſei, daß das neue
Miniſterium mit dem Jeſuitenerlaß ſeine Tätigkeit auf=
genommen
habe, und daß das neue Miniſterium durch
dieſen Erlaß die Gemüter beunruhigt und dem konfeſſio=
nellen
Frieden im Lande entgegengearbeitet hätte. Der
frühere Miniſterpräſident betonte ausdrückliche daß der
Erlaß in den weiteſten Kreiſen die größte Beunrahigung
hervorgerufen hätte. Weiter betonte der frühere Mini=
ſterpräſident
, daß der Erlaß auch taktiſch falſch geweſen
ſei, man hätte zuerſt den Antrag beim Bundesrat ein=
bringen
und abwarten ſollen, wie dieſer beſchloß, nicht
aber erſt den Erlaß herausgeben und dann beim Bun=
desrat
anfragen.

Ausland.

Frankreich.
Poincarés Reiſe nach Rußland. Einer
offiziöſen Mitteilung zufolge wird ſich Miniſterpräſident
Poincaré vorausſichtlich am 4. Auguſt in Cherbourg an
Bord des Condé einſchiffen und am 8. Auguſt in
Kronſtadt eintreffen. Es beſtätigt ſich, daß der Juſtiz=
miniſter
interimiſtiſch das Miniſterpräſidium und das
Miniſterium des Aeußern leiten wird.
Frianzöſiſche Geiſtliche) in Marokko.
Unter Hinweis auf die von mehreren konſervativen De=
putierten
und Journaliſten erhobene Forderung, daß
die franzöſiſche Regierung wegen der Erſetzung der ſpa=
niſchen
Franziskaner in Marokko durch franzöſiſche
Geiſtliche in direkte amtliche Verhandlungen mit dem
Vatikan eintreten ſolle, erinnert der Matin daran, daß
die italieniſche Regierung nach der Beſetzung von Eri=
thraea
dort eine Menge franzöſiſcher Lazariſten und
barmherzige Schweſtern einfach auswies und durch ita=
lieniſche
Kapuziner und Kloſterſchweſtern erſetzen ließ,
ohne daß der Vatikan irgend welchen Einſpruch erho=
ben
habe. An dieſen Präzedenzfall möge man ſich im
Vatikan erinnern.
England.
Die Aerzte gegen Lloyd George. Wie
bereits kurz berichtet, hat die Generalverſammlung der
Britiſh Medical Aſſociation beſchloſſen, die Verhand=
lungen
mit dem Schatzſekretär Lloyd George über die
Mitwirkung dieſer größten engliſchen Aerztegeſellſchaft
bei der Durchführung des Arbeiterverſicherungsgeſetzes
abzubrechen. Damit iſt mindeſtens vorläufig die Ein=
führung
des großen Reformwerkes des ſozialen Ver=
ſicherungsgeſetzes
in Frage geſtellt. Vorausſichtlich wird
jetzt Lloyd George zunächſt nach arbeitswilligen
Aerzten Umſchau halten. Aber es iſt mehr als fraglich,
ob es ihm gelingen wird, von ihnen die zur Durchfüh= der Verſicherung notwendige Zahl zu finden. Da=
ſich
aber ſoziale Verſicherung und ärztliche Berufsfrei=
heit
ſehr wohl vereinigen laſſen, ſo iſt zu erwarten, daß
ſchließlich doch noch die Grundlage einer beide Parteien
befriedigenden Einigung gefunden wird.
Griechenland.
Neue Panzerkreuzer. Der Miniſterrat hat
beſchloſſen, die Beſtellung des neuen Panzerkreuzers

Zum 8. deutſchen Sängerfeſt
in Nürnberg.

Von ihrer Zinnen Höhen, von ihrer Türme Kranz
Begrüßt die Stadt, die alte, des heut’gen Tages Glanz;
Der Feſte ſah ich viele, ein ſolches nimmermehr:
Zieh’ ein in ihre Mauern, du fröhliches Sängerheer!
Mit dieſem Spruch, der im Jahre 1861 beim 1. Deut=
ſchen
Sängerfeſt am Frauentor in Nürnberg die deut=
ſchen
Sänger willkommen hieß, kann die alte Noris auch
zum 50. Jubelfeſte des deutſchen Sänger=
bundes
die vielen Tauſende von Sängern und Sanges=
freunden
begrüßen, die in den Tagen des 27. bis 31.
Juli nach Nürnberg ziehen werden. Unter allen großen
Feſten, die Deutſchlands Sänger, Schützen und Turner ge=
feiert
haben, dürfte das 8. Deutſche Sänger=
bundesfeſt
in Nürnberg eins der bedeutendſten
werden. Haben ſich doch von den 5680 Vereinen mit
722 700 Sängern, die der Deutſche Sängerbund heute um=
faßt
, über 1700 Vereine mit etwa 38000 Sängern und
1500 Fahnen zu dem Feſte angemeldet, während z. B. bei
den beſuchteſten Sängerfeſten bisher höchſtens 12000 Sän=
ger
endgültig vorher angemeldet waren. Außer Deutſch=
land
wird Oeſterreich mit einer großen Anzahl Sanges=
brüder
vertreten ſein, ferner Amerika, Rußland, Rumänien
Konſtantinopel uſw.
Mit offenen Armen und offenen Herzen werden alle
Sangesbrüder in der Stadt der Meiſterſinger aufgenom=
men
werden, die ſich ſchon ſeit Monaten für das Feſt vor=
bereitet
hat. Während das 1. Deutſche Sängerfeſt im Jahre
1861 im Maxfeld, Nürnbergs altem Stadtpark im Norden
der Stadt, wo noch heute im Roſengarten eine mächtige
Vaſe mit plaſtiſchem Schmuck an das erſte Deutſche Sänger=
feſt
erinnert, abgehalten wurde, findet das 8. Deutſche
Sängerbundesfeſt im Luitpoldhain ſtatt, Nürnbergs
Aem grächeigen Stadpar im Süden, wo auch im Jahre

1906 die 3. Bayeriſche Landesausſtellung Platz hatte. Von
dieſer Ausſtellung her ſteht dort noch eine große Feſthalle,
ie damalige Maſchinenhalle, ein mächtiger Glaspalaſt,
50 Meter breit, 180 Meter lang, mit einer Bodenfläche von
9000 Quadratmeter. In dieſer ſtädtiſchen Feſthalle wird
der Begrüßungsabend abgehalten werden, die drei Kom=
merſe
und die Abſchiedsfeier. Gegenüber dieſer Halle iſt
für das Feſt extra eine große Sängerhalle errichtet, die bei
einer Länge von 132 Meter und einer Breite von 60 Me=
ter
7920 Quadratmeter Bodenfläche bedeckt. Die darin
errichtete Sängerbühne faßt mit 3000 Quadratmeter
Bodenfläche 15000 Sänger und 200 Muſiker. Im Zu=
hörerraum
ſtehen zuſammen 12000 Sitz= und Stehplätze
zur Verfügung. In dieſer Halle finden die Geſangs= und
Muſikaufführungen ſtatt. Außerdem iſt als Feſthalle noch
der altehrwürdige, mit Dürerſchen Wandgemälden ge=
ſchmückte
Saal des alten Rathauſes in Ausſicht genommen.
Am Samstag, 27. Juli, beginnt das eigentliche
Sängerfeſt mit einer Begrüßungsfeier in der ſtädtiſchen
Feſthalle. Der Sonntag, 28. Juli, bringt am Vormittag die
Gedenkfeier zur 50jährigen Gründung des Deutſchen
Sängerbundes in der Sängerhalle. Bei dieſer Gelegenheit
wird das Bundesbanner der Stadt Nürnberg übergeben
und mit einem goldenen Lorbeerkranz geſchmückt. Auch
eine Ehrung der Sängerveteranen vom Allgemeinen
Deutſchen Sängerfeſt in Nürnberg 1861, von denen über 50
erwartet werden, und der Bünde, die bei der Gründung
des Deutſchen Sängerbundes 1862 in Koburg vertreten
waren, iſt bei dieſer Gedenkfeier vorgeſehen. Der Mon=
tag
und Dienstag bringen nachmittags je eine Hauptauf=
führung
in der Sängerhalle, und der Sonntag=, Montag=
und Dienstag=Abend je einen Kommers in der ſtädtiſchen
Feſthalle. Am Mittwoch vormittag findet der Sängertag
im großen Rathausſaal ſtatt, und abends beſchließt eine
Abſchiedsfeier in der ſtädtiſchen Feſthalle das Jubelfeſt,
Einen Hauptanziehungs= und Glanzpunkt des Feſtes
wird des Iubiläumsfeſtzug am Sonntag nach=

mittag bilden. Man rechnet, daß etwa 25000 Sänger an
ihm teilnehmen. Ungefähr 35 Muſikkorps ſind für den Zug
verpflichtet, und große von Künſtlern entworfene Koſtüm=
gruppen
werden die einzelnen Reihen der zahlreichen
Sänger unterbrechen. Eine eigenartige Huldigung iſt dem
größten Meiſterſinger, Hans Sachs zugedacht. Umgeben
von Meiſterſingern und hervorragenden Bürgern und Pa=
triziern
ſeiner Zeit wird er gegenüber dem alten Rathaus
neben der Sebalduskirche da, wo einſt der zierliche gotiſche
Prachtbau der alten Schau geſtanden hat, die deutſchen
Sänger des 20. Jahrhunderts begrüßen, die ihm ihrerſeits
ihre Huldigung darbringen werden. Für die Ausgeſtalt=
ung
des Feſtzuges ſind allein 47000 Mark ausgeſetzt wor=
den
. Für eine künſtleriſche Ausſchmückung der
Straßen und Häuſer iſt diesmal ganz beſonders Sorge
getragen. Nürnbergs Künſtlerſchaft hat ihre bewährten
Kräfte in den Dienſt der großen Sache geſtellt; ganze
Straßenzüge werden einheitlichen Schmuck tragen und
manches Emblem und mancher Spruch wird an das 1
Deutſche Sängerfeſt erinnern.
Auch für die Unterbringung der Tauſende von Sän=
gern
und Feſtgäſten iſt in jeder Beziehung Sorge getragen
von einem beſonderen Wohnungsausſchuß, der allein über
200 Mitglieder zählt. In nicht weniger als 74 Schul=
häuſern
und Turnhallen ſtehen 18000 gemeinſame Sänger=
quartiere
zur Verfügung, zu welchen die vielen Tauſenden
von Bürgerquartieren kommen, ganz abgeſehen von den
zahlreichen Hotels Gaſthäuſern und Penſionen, an denen
es in Nürnberg ja nicht fehlt. Wie die alte Noris mit
offenen Armen empfangen wird, ſo werden die Sänger auch
nach Nürnberg mit offenen Herzen kommen. Die große Zahl
der Anmeldungen zu dem Feſt beweiſt allein ſchon Nürn=
bergs
Anziehungskraft als Feſtſtadt, die nicht umſonſt den
Ehrennamen des Deutſchen Reiches Schatzkäſtlein führt.

[ ][  ][ ]

Mänmer E5.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 27. Juli 1912.

Seite 3.

von 13500 Tonnen an die Vulkanwerft zu vergeben, die
in jeder Beziehung das günſtigſte Angebot gemacht
hätte.
Chile.
Das Miniſterium demiſſionierte infolge
einer Interpellation an den Miniſter der öffentlichen
Arbeiten.
Cſina.
Die Miniſterkriſe. Die Nationalverſamm=
lung
hat die Abſtimmung über die Miniſterliſte noch ver=
ſchoben
. Die Partei Tangſchaoyis war gegen jeden Auf=
ſchub
, augenſcheinlich in der Hoffnung, daß die Liſte
verworfen würde. Zahlreiche Geſellſchaften und Par=
teien
haben die Nationalverſammlung telegraphiſch vor
den gefährlichen Folgen einer Obſtruktion gewarnt. In
Verſammlungen von Militär= und Polizeivereinen wur=
den
Reſolutionen angenommen, die Juanſchikai Unter=
ſtützung
verſprechen, und die zur Militärdiktatur auffor=
dern
, falls die Obſtruktion der Verſammlung fort=
dauere
.
* Baleſtrand, 26. Juli. Der Kaiſer unternahm
geſtern bereits vor dem erſten Frühſtück einen Spazier=
gang
. Geſtern nachmittag fand Tanzfeſt auf der Hohen=
zollern
ſtatt. Das Wetter iſt andauernd ſchön. Die
Rückkehr nach Swinemünde ſoll am 3. Auguſt
abends erfolgen. An Bord iſt alles wohl.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 27. Juli.

* Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
GGroßherzog haben zum 26. d. Mts. verliehen: das
Komturkreuz 1. Klaſſe mit der Krone des Verdienſtordens
Philipps des Großmütigen dem Großh. Generalmajor
àà la suite der Kavallerie Freiherrn v. Heyl. Ferner
hhat der Großherzog dem Oberlehrer Profeſſor Dr. Georg
Eduard Clemm zu Gießen aus Anlaß ſeiner Verſetzung
in den Ruheſtand mit Wirkung vom 1. Auguſt d. J. an
die Krone zum Ritterkreuz 1. Klaſſe des Verdienſtordens
Whilipps des Großmütigen verliehen.
* Neue Ehrenritter des Johanniterordens. Der
König von Preußen hat den Rittmeiſter à la suite der
Armee Fürſten und Grafen Alexander zu Erbach=
Schönberg zu König im Odenwald, den Oberſt und
Mommandeur des Infanterieregiments Prinz Carl
14. Großh. Heſſ.) Nr. 118 Karl von Behr, den Haupt=
mann
und Kompagniechef im Leibgardeinfanterie=
rregiment
(1. Großh. Heſſ.) Nr. 115 Paul von Hom=
bergk
zu Vach, den Leutnant à la suite der Armee
Erbgrafen Wilhelm von Schlitz gen. von Görtz
zu Darmſtadt nach Prüfung derſelben durch das
Kapitel und auf Vorſchlag des Herrenmeiſters Prinzen
Eitel=Friedrich von Preußen zu Ehrenrittern des
Johanniterordens ernannt.
* Die definitive Beſoldungsvorlage. Mehrere
Zeitungen haben in den letzten Tagen Mitteilungen über
Verhandlungen gebracht, die früher und jetzt über die den
Landſtänden demnächſt zu bringende Beſoldungs=
vorlage
in den Miniſterien ſtattgefunden haben. Die
Darmſt. Ztg. iſt von der Großh. Regierung wie auch
von den in den Zeitungsnachrichten perſönlich genannten
Beamten zu folgender Erklärung ermächtigt: 1. Daß
ſich die Großh. Regierung und ihre Mitglieder mit der
pefinitiven Beſoldungsvorlage ernſtlich
und fortgeſetzt beſchäftigen und daß darüber
auch mündliche Beſprechungen und Sitzungen ſtattfinden,
ſſt ſchon mit Rückſicht auf die Wichtigkeit und Eil=
vedürftigkeit
der Sache ſelbſtverſtändlich.
L. Was im übrigen in jenen Zeitungsnotizen an Einzel=
heiten
mitgeteilt wird, beruht auf müßigen Kombi=
nationen
.

Von der Techniſchen Hochſchule. Der Diplom=
Ingenieur Max Grünzwe ig aus Ludwigshafen a. Rh.
hat ſich am 24. Juli an der hieſigen Techniſchen Hoch=
ſchule
der mündlichen Doktor=Ingenieur=Prüfung im
Chemiſchen Fache unterzogen und mit Auszeichnung
beſtanden
Landwirtſchaftskammer für das Großherzogtum
Heſſen. In der Vorſtandsſitzung wurde zunächſt
von der Entſchließung des Großh. Miniſteriums, den
Hauptvoranſchlag 1912 betr., Kenntnis gegeben. Die Er=
ledigung
einer größeren Anzahl Verwaltungsangelegen=
heiten
nahm geraume Zeit in Anſpruch. Ferner wurde
von den ſeitens des Großh. Miniſteriums des Innern
bis jetzt eingeleiteten Verhandlungen bezüglich der Um=
wandlung
von Eichenſchälwald in Weiden Kenntnis ge=
geben
. Die Verhandlungen ſollen nach Abſchluß von zur
Zeit ſchwebenden Erhebungen demnächſt mit der Großh.
Regierung gemeinfam weiter verfolgt werden. Dem
Ausbau eines Zuchtviehmarktes in Gießen ſteht die
Landwirtſchaftskammer nach wie vor ſympathiſch gegen=
über
und ſollen in der Sache die Wünſche der Kammer
der Großh. Regierung unterbreitet werden. Von den
im Herbſt 1912 ſtattfindenden Truppenübungen wird
Kenntnis gegeben. Ueber Abänderungsvorſchläge zum
Feldbereinigungsgeſetz ſoll Vorſtand und Ackerbaukom=
miſſion
im Spätherbſt in gemeinſchaftlicher Sitzung be=
raten
. Die Veranſtaltung einer Beſichtigungsreiſe für
Gemüſezüchter nach Würzbura und Bamberg nebſt Um=
gebung
wird genehmigt. Die in Ulrichſtein ausgebro=
chene
Maul= und Klauenſeuche ſoll auf Einſchleppung
(von einem preußiſchen Viehmarkt zurückzuführen ſein.
Die Landwirtſchaftskammer wird dieſerhalb wiederholt
bei dem Großh. Miniſterium vorſtellig werden, daß die
Seuchenbeſtimmungen in Preußen ſtreng nach dem Geſetz
gehandhabt werden.
* Vom Truppen=Uebungsplatz. Als zweite und
letzte Brigade iſt die 21. Feldartillerie= Bri=
gade
mit ihren beiden Regimentern, dem 1. Naſſauiſchen
Feldartillerie=Regiment Nr. 27 Oranien und dem
2. Naſſauiſchen Feldartillerie=Regiment Nr. 63 Frank=
furt
, zur Abhaltung ihrer diesjährigen Schießübung
auf dem Truppen=Uebungsplatz im Lager daſelbſt ein=
getroffen
. Die Brigade ſteht wie bisher unter dem
Kommando des Generalmajors Dreßler. Die Schieß=
übungen
der beiden Regimenter, deren jedes aus zwei
Abteilungen zu je 3 fahrenden Batterien beſteht, endigen
am 9., unter Umſtänden ſchon am 7. Auguſt. Die zweite
Abteilung des Regiments Nr. 63 iſt mit der leichten
Feldhaubitze 98, die drei anderen Abteilungen ſind mit
der Feldkanone 96 ausgerüſtet.
Hygiene=Ausſtellung Der Menſch in Darmſtadt.
Es iſt eine merkwürdige Erſcheinung, daß der Menſch
ſeinen eigenen Körper viel zu wenig kennt. Nur dieſe Un=
kenntnis
erklärt die ſchlechte Behandlung des menſchlichen
Organismus, die wieder einen vorzeitigen Kräfteverbrauch
und damit eine Minderung des Wohlbefindens und des
Glückgefühls des Einzelnen mit ſich bringt. Selbſt die
populärſten Bücher helfen da nichts. Es/war notwendig,
die einfachen Grundſätze der Hygiene einmal im wahren
Sinne des Wortes greifbar darzuſtellen, um eine allge=
meine
Wirkung hervorzubringen. Am meiſten wirkungs=
voll
iſt dies auf der Dresdener Hygiene=Ausſtellung gelun=
gen
, wo die Halle Der Menſch geradezu ein vollendetes
Schulbeiſpiel genannt werden konnte. Das Anſchauungs=
material
, das wir jetzt, zum letztenmal außerhalb
Dresdens in einer deutſchen Stadt, in Darmſtadt, zu
ſehen bekommen, iſt mit großem Aufwand von Zeit und
Arbeit in eigens dazu gegründeten Ateliers und durch einen
eigens dafür gewonnenen Stab von Wiſſenſchaftlern, Tech=
nikern
und Künſtlern hergeſtellt worden. Zahlloſe Ver=
ſuche
gingen voraus und viele Erfahrungen mußten ge=
ſammelt
werden, bis dieſe Ausſtellung, wie wir ſie jetzt
haben, vollendet war. In ihrer wohl noch nie erreichten
eindringlichen Darſtellungsweiſe wird ſie aber auch von
keinem Menſchen ohne Nutzen geſehen, oder, wie man
beſſer ſagen könnte, erlebt werden.
X Schlachtungen. Nach dem Monatsberichte des
Fleiſchbeſchauamts ſind während des Monats Juni
im hieſigen Schlachthaus geſchlachtet worden: 129
Ochſen, 2 Bullen, 273 Kühe, 4 Jungrinder, 974 Kälber,

2475 Schweine, 93 Schafe, 3 Ziegen und 13 Pferde.
Beanſtandet wurden: 90 Ochſen, 1 Bulle, 207 Kühe,
3 Jungrinder, 21 Kälber, 436 Schweine, 17 Schafe u. 1 Pferd.
Minderwertig wurde erklärt das Fleiſch von:
¼ Bullen, 5 Kühen und 14¾ Schweinen. Bedingt
tauglich war das Fleiſch von: ¾ Bullen und
2¼ Schweinen. Untauglich waren: 2 Kühe, 1 Kalb,
1 Schwein, 1406 Organe, 213½ kg Fett und 100 kg
Fleiſch von 776 Tieren. Auf Trichinen wurden
unterſucht: 2475 im Schlachthaus geſchlachtete Schweine,
ſowie 3378,5 kg für hieſige Metzger eingeführtes friſches
Fleiſch von 171 Schweinen. Der Nachunterſuchung
wurden unterzogen: 662 Sendungen eingeführtes Fleiſch,
enthaltend: 15064 kg Rindfleiſch, 3518 kg Schweine=
fleiſch
, 181 kg Kalbfleiſch, 527 kg Hammelfleiſch und
73 kg Ziegenfleiſch.
Ludwigshöhe. Am kommenden Sonntag konzer=
tiert
die Kapelle des Großh. Artillerie=Korps unter
Leitung des Herrn Obermuſikmeiſters Mickley. Das
Programm enthält Opern=, neueſte Operetten= und
Novitätenmuſik. (Siehe Anzeigenteil.)
* Schützenhof. Am Sonntag, den 28. Juli, abends,
konzertiert die Kapelle des Großh. Art.=Korps unter
Mickleys Leitung. Das Programm enthält Opern=,
Operetten= und Novitätenmuſik uſw. (Näheres ſiehe
Anzeige.)
Ludwigshöhe. Während der Abweſenheit der
Kapelle des Leibgarde=Regiments Nr. 115 werden die
Kurkonzerte heute Samstag, den 27. Juli, und am
Samstag, den 3. Auguſt, von der Kapelle des Großh.
Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61 ausgeführt. Am Mittwoch,
den 31. Juli, wirkt beim Abendkonzert ein hieſiger
Männergeſangverein mit und am Donnerstag, den
1. Auguſt, findet nachmittags das erſte Kinderfeſt ſtatt,
worauf ſchon heute hingewieſen ſei. (Siehe Anzeige.)
*Heſſiſcher Hof. Das heutige Konzert wird da=
durch
einen beſonderen Reiz erhalten, indem außer der
Kapelle der 61er unter Herrn Webers Leitung das
mehrfach preisgekrönte Wilhelm Etzoldſche Männer=
quartett
, Dirigenk Wilhelm Etzold, eine im Männer=
geſang
hier hochgeſchätzte Perſönlichkeit, mitwirken wird,
wobei Chöre von N. von Wilm, H. Schöne, H. Uth=
mann
, Zeilett und K. Kern zur Aufführung gelangen
werden. (Siehe Anzeige.)
Saalbau. Am kommenden Dienstag, den 30. Juli,
konzertiert wieder die Kapelle des Großh. Art.=Korps
unter Mickleys Leitung. Herr Mickley hat für diesmal
ein ganz beſonders reichhaltiges, für jeden Konzert=
beſucher
paſſendes Programm aufgeſtellt. Es iſt
noch zu bemerken, daß wieder der Eintrittspreis er=
mäßigt
iſt und Dutzendkarten der Donnerstags=Konzerte
Gültigkeit haben. (Näheres ſiehe Anzeige.)
§ Feſtgenommen. Ein 24 Jahre alter Hausburſche
von hier iſt wegen Unterſchlagung vereinnahmter Kunden=
gelder
feſtgenommen worden.
§ Brand. Donnerstag abend um 6 Uhr entſtand
im Hauſe Obergaſſe 20 dadurch ein kleines Feuer, indem
ein ſieben Jahre altes Mädchen in der Küche den Platt=
ofen
anſteckte, wobei durch Zugluft vor dem Ofen be=
findliche
Holzwolle Feuer fing. Durch ſofortiges Auf=
gießen
von Waſſer wurde das Feuer gelöſcht. Die her=
beigerufene
Feuerwehrwache brauchte nicht in Tätigkeit
zu treten.
* Pfungſtadt, 26. Juli. Der in Sportkreiſen beſt=
bekannte
Fußballklub Germania‟=Pfungſtadt, einer der
führenden Vereine der B=Klaſſe des Mittelrheingaues,
begeht am kommenden Sonntag, den 28. Juli, das Feſt
der Einweihung ſeines neuen Sport=
platzes
. Da verſchiedene hochintereſſante Wettſpiele
ſtattfinden, ſo dürfte das Feſt eine Anziehungskraft auf
das ſportliebende Publikum ausüben, zumal Konzert
und Tanz zur weiteren Unterhaltung beitragen werden.
Für die erſte Mannſchaft iſt die gleiche Mannſchaft des
Fußballklubs Britannia‟=Frankfurt gewonnen. Der
Sportplatz befindet ſich an der Straße Eberſtadt= Pfung=
ſtadt
.
Groß=Gerau, 25. Juli. Eine hieſige Perſönlichkeit
leiſtet ſich gegenwärtig das Vergnügen, Leute mit Er=
preſſerbriefen
zu beläſtigen, in denen die damit
Bedrohten aufgefordert werden, eine beſtimmte Summe
in einer näher bezeichneten Stelle aus dem Eiſenbahn=

Feuilleton.

* Aus Kunſt und Wiſſenſchaft. Die Münchener
Kunſtakademie hat, wie man uns aus München
ſchreibt, ſeit kurzem einen prächtigen Feſt= und Ausſtel=
Lungsſaal erhalten, der ihr merkwürdigerweiſe bisher
rioch fehlte. Profeſſor Dr. Friedrich von Thierſch
Hat dieſe Aula geſchaffen. Zu einer Sehenswürdigkeit
erſten Ranges wird dieſe Neuſchöpfung aber vor allem
durch die zehn prachtvollen Gobelins, womit der
Raum geſchmückt iſt. Dieſe ſtammen aus der königl.
Gobelinmanufaktur in Paris und wurden nach Raffael=
ſchen
Fresken auf Befehl Ludwigs XIV angefertigt.
Wie dieſe überaus koſtbaren Wandteppiche nach München
kamen, iſt noch nicht aufgeklärt. Entweder ſind ſie ſchon
durch die Schwägerin Ludwigs XIV Eliſabeth Char=
lotte
von Orleans (Liſelotte), an das pfälziſche Kur=
fürſtenhaus
gekommen, oder via Napoleon I., der dem
König Max I. große Geſchenke machte. Aus einem Dach=
boden
der alten Akademie hat man ſie wieder hervorge=
holt
, geringe, durch Ratten und Mäuſe verurſachte Be=
ſchädigungen
ausgebeſſert und zunächſt einzelne an die
Profeſſoren=Ateliers gegeben, wo ſie wenig Beachtung
fanden. Nun hat man ſie im würdigſten Rahmen, den
man ſich denken kann, wieder vereinigt. Da leuchten nun
von den Wänden: der Parnaß, der Heliodor, die Schule
von Athen und die Meſſe von Bolſena und alle die herr=
tlichen
Meiſterwerke aus den Stanzen des Vatikan. Mün=
chen
iſt dadurch um eine Sehenswürdigkeit erſten Ran=
ges
reicher geworden.
Verſchiedenes. Dr. Emil Preetorius=
München wurde zum Mitglied des Arbeitsausſchuſſes
der Gruppe III: Unterricht der großen internationalen
Ausſtellung für Buchgewerbe und Graphik, Leipzig 1914,
ernannt. Akademieprofeſſor Ludwig Habich=
Stuttgart hat ſich im Auftrage des württembergiſchen
Kultusminiſters nach Paris und Brüſſel begeben, um die
erſten franzöſiſchen und belgiſchen Künſtler zur Be=
ſchickung
der 1913 in Stuttgart ſtattfindenden großen
Kunſtausſtellung einzuladen. In der römiſchen Hafen=
ſtadt
Oſtia wurden bei Ausgrabungen die Ueberreſte
zeines antiken Theaters aufgedeckt. Auch fand
man an der Tiber die Ruinen von Warenmagazinen
und Kornſpeichern, die den regen Verkehr zwiſchen Oſtia
und Rom deutlich vor Augen führen.
Königin Elenas Sommeridyll. Königin Elena hat
unlängſt einer Dame, die ihr während ihres Sommer=
ſaufenthalts
in San Roſſore einen Beſuch machte,
hein anziehend das einfache idylliſche Leben geſchildert,

das ſie mit dem königlichen Gemahl und ihren Kindern
in den Tagen der Muße führt. Weit dehnt ſich die Ebene
um San Roſſore, grüne Wieſen und dichte Gebüſche, ſo=
weit
das Auge reicht; tiefer Frieden ringsum, in dem
nur der Geſang der Vögel hörbar wird. Inmitten der
Ebene erhebt ſich das kleine Schloß der Cascine, ein
alter, wahrhaft königlicher Wohnſitz, der koſtbare Er=
innerungen
an Viktor Emanuel II. birgt und in dem der
König ſeine Empfänge abhält. Wenn in dieſem Königs=
palaſt
der Beſucher aus dem großen Saakl über den klei=
nen
Korridor in die intimeren Gemächer eindringen
würde, ſo würde er überraſcht ſehen, wie hier eine kleine
Schneiderwerkſtatt aufgetan iſt, aus der faſt alle Kleider
des kleinen Prinzen und der Prinzeſſinnen hervorgehen,
und er könnte die Königin dabei beobachten, wie ſie die
Schneiderinnen und Kammerfrauen bei ihrer Arbeit
überwacht und ihnen Anweiſungen erteilt. Das Königs=
paar
wohnt jedoch nicht in dieſem Schloß, ſondern in
einem Schlößchen Del Gombe das nur wenige Meter
vom Meeresſtrande entfernt erbaut iſt. Dem heran=
nahenden
Beſucher fällt hier ſofort der Maſt der Station
für drahtloſe Telegraphie auf, durch die der König in
ſteter Verbindung mit der Welt da draußen bleibt. Eine
kleine Jacht ſchaukelt auf den Wellen, auf der die Köni=
gin
mit ihren Kindern häufig Kreuzfahrten unternimmt.
Unſer Leben, ſo erzählte die Königin, iſt das, das
man am Strande zu führen pflegt, mit Seebädern und
Fahrten auf dem Meere. Meine Kinder tummeln ſich
lange im Waſſer und finden ihr beſonderes Vergnügen
darin, kleine Krabben zu fiſchen und Seeſterne zu ſam=
meln
. Ich beobachte ſie dabei und bin immer mit ihnen
zuſammen. Von Zeit zu Zeit fahren wir im Boot, um
einen kleinen Fiſchzug zu unternehmen, oder im Auto=
mobil
, das ich ſelbſt auf den großen Wegen des Parkes
führe. Für meine Kinder bin ich Chauffeuſe gewor=
den
. Dann machen wir im Automobil Halt und wan=
dern
zu Fuß weiter. Um 1 Uhr mittags verſammeln
wir uns zum Frühſtück, und um ½9 Uhr abends iſt die
Hauptmahlzeit. Nur zwei Kammerfrauen verſehen den
Dienſt in dem kleinen Schloß.
B.B. Ein Elfenbeinregen mit 250000 Mark Schaden
iſt am Donnerstag, wie aus Wandsbek gemeldet wird,
über das Alſtertal niedergegangen. In Wellingsbüttel
befindet ſich eine Elfenbeinbleiche. Eine Windhoſe riß
nun die in Glasſchalen und Zinkblechkäſten zum Bleichen
lagernden Elfenbeinvorräte, die einen Wert von etwa
einer Million Mark repräſentierten, mehrere Hundert
Meter hoch in die Luft und zerſtreute ſie auf weite Ent=
fernung
hin in die Felder und Forſten. Natürlich war

es nach dem Aufhören des Unwetters der ausgeſandten
Arbeiterſchaft nicht möglich, das geſamte Elfenbein wie=
der
einzuſammeln. Ein großer Teil des wertvollen Ma=
terials
blieb unauffindbar und gilt als verloren. Auch
die von der Windhoſe losgeriſſenen Eiſenſtangen und
Metallkäſten richteten am Elfenbein beim Niederfallen
großen Schaden an. Der Geſamtſchaden beträgt nach
fachmänniſcher Schätzung rund 250000 Mark. Mehrfach
wurden auch Feldarbeiter uſw. von den niedergehenden
Elfenbeinſtücken getroffen und verletzt, ſo daß vielleicht
noch Schadenerſatzklagen in Ausſicht ſtehen.
* Ueber eine Kremſerführt mit Hinderniſſen teilt die
Mariendorfer Zeitung folgendes mit: Am Sonntag hatte
ein Geſangverein einen Ausflug nach Lichtenrade ge=
macht
. Von dort ging es nach Mahlow und Blankenfelde
weiter. Als man auf der Heimreiſe in einem Reſtaurant
in Mariendorf einkehren wollte, und der Kutſcher die
Häupter ſeiner Lieben zählte, fehlten zwei Sangesbrüder.
Sofort kehrte man um nach Lichtenrade und fand beide
Männer im Chauſſeegraben ſchlafend. Ob ſie aus dem
Wagen gefallen oder ihn während der Fahrt verlaſſen
hatten, konnte nicht feſtgeſtellt werden. Man lud beide in
den Wagen, und zurück ging’s, nach Berlin zu. Gegen
11 Uhr abends kam man wieder in Mariendorf an. Plötz=
lich
gab es einen Knall, der Wagen legte ſich zur Seite,
und ſtill ſtanden die Pferde das Hinterrad war ge=
brochen
. Da eine Ausbeſſerung unmöglich war, ſchleppte
man den Wagen in die Markgrafenſtraße und ließ ihn
dort ſtehen; die Pferde ſpannte man aus. Auf den einen
Gaul ſetzte ſich der Kutſcher, während das andere Pferd
der Vereinsvorſitzende beſteigen wollte. Da dieſer nicht
allein hinaufkommen konnte, halfen die anderen 17 San=
gesbrüder
dergeſtalt, daß dieſer auf der anderen Seite
wieder zur Erde ſtürzte. Hierbei zog er ſich eine klaffende
Stirnwunde zu. Der Verletzte wurde notdürftig verbun=
den
, und man benutzte die Straßenbahn nach Berlin. Als
der Wagen ſich in Bewegung ſetzte, erklang aus ihm das
ſchöne Lied: Wer hat dich, du ſchöner Wald, aufgebaut
o hoch da droben!
* Die richtige Adreſſe‟ Die Gerichtsſchreiberei des
Königlichen Amtsgerichts Berlin=Mitte hat einer Pro=
zeßpartei
folgendes Schreiben zugeſtellt: In Sachen U.
gegen S werden Sie hierdurch benachrichtigt, daß die
Ladung dem Beklagten nicht hat zugeſtellt werden kön=
nen
, da derſelbe verſtorben iſt. Sie wollen die richtige
Adreſſe baldigſt zu den Akten anzeigen. Der Gerichts=
ſchreiber
(Name unleſerlich).

[ ][  ][ ]

Seite C.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 27. Juli 1912.

Nummer 170

zug zu werfen. Einen derartigen Brief erhielt vor kur=
zem
ein Groß=Gerauer Bauunternehmer und erſt kürz=
lich
ein Gutsbeſitzer der Umgegend.
Offenbach, 25. April. Ueber den bereits geſtern ge=
meldeten
tödlichen Unfall des 19 Jahre alten Offen=
bacher
Portefeuillers Gg. Englert in Petersburg er=
fährt
die Offb. Ztg. noch folgendes: Der Verunglückte
badete mit ſeinen Kollegen, den Brüdern Jean und
Joſeph Spiegel, ebenfalls aus Offenbach, in der Oſtſee
bei Chriſtowski. Hierbei wurde er plötzlich von einer
ſtarken Strömung erfaßt, die ihn vom Lande abtrieb.
Sein Gefährte Jean Spiegel ſchwamm ihm ſofort nach,
doch konnte er den Unglücklichen nicht mehr erreichen, der
vor ſeinen Augen in den Wellen verſchwand. Nur mit
Mühe vermochte ſich Spiegel ſelbſt an den Strand zu
retten. Ein Boot, das ſofort zur Unfallſtelle abging,
kam gleichfalls zu ſpät. Auch die Leiche konnte den ſtart
bewegten Wellen nicht mehr entriſſen werden.
Offenbach, 26. Juli. Dem Schüler der Offenbacher
Maſchinenbauſchule Heinrich Germann aus Frank=
furt
wurde von der Zentralſtelle für die Gewerbe
Darmſtadt die Vergünſtigung des § 89 Abſatz 6a der
Deutſchen Wehrordnung (erleichtertes Einjährigen=
Examen) verliehen. Die von dem Prüfling in hervor=
ragender
Weiſe ausgeführte Berechnung eines elekzriſchen
Leitungsnetzes und Beſtimmung der elektriſchen Ein=
richtung
in der Stromerzeugungsſtelle hatte der Tech=
niſchen
Hochſchule zu Darmſtadt zur Begutachtung vor=
gelegen
, worauf dem Genannten die vorerwähnte Ver=
günſtigung
zuerkannt worden iſt. Heute morgen
gegen 4 Uhr wurde die Feuerwehr vom Schlacht=
hof
aus durch Großfeuer=Meldung alarmiert, das auf
der Heylandsruhe ausgebrochen ſein ſollte. Infolge=
deſſen
rückte die Feuerwehr mit dem Automobillöſchzug
und dem Dampfſpritzenlöſchzug nach der Brandſtätte
aus Dort waren ein Holzſchuppen und ein Hühner=
ſtall
in Brand geraten. Die Löſcharbeiten geſtalteten
ſich inſofern ſchwierig, als der nächſte Hydrant faſt 1
Kilometer von der Brandſtelle entfernt war, und daher
die Dampfſpritze zur Erhöhung des Drucks mit in =
tigkeit
treten mußte. Nach 1½ſtündiger Tätigkeit war
das Feuer vollſtändig gelöſcht und die Feuerwehr konnte
wieder abrücken. Schuppen und Stall waren ein Raub
der Flammen geworden, und auch eine Anzahl Hühner
kamen in den Flammen um. Die Wirtſchaftsgebäude
blieben jedoch vollſtändig unverſehrt. (Off. Ztg.)
sd. Aus dem ſüdlichen Odenwald, 26. Juli. Das ſeit
einigen Tagen herrſchende gute Wetter hat ſehr gün=
ſtig
auf die Kulturen gewirkt. Der Roggen zeigt
ſchöne, vollbeſetzte Aehren. Die Sommerſaaten haben
auch ſehr gewonnen, beſonders die Gerſte ſteht am
ſchönſten. Der Hafer hat ſich auch ſehr gebeſſert, doch
ſteht er ungleichmäßig. Die Hackfrüchte haben gute Fort=
ſchritte
gemacht und auch der Klee wächſt gut nach, ſo daß
man im allgemeinen auf einen guten zweiten Schnitt
rechnen kann.
Heppenheim, 25. Juli. Der ſtändige, ſehr ſtarke
Automobilverkehr an der Bergſtraße iſt ſeit dem
wiederholten verhängnisvollen Unfall am letzten Sonn=
tag
täglich noch viel ſtärker, indem viele Autobeſitzer,
ſelbſt ſolche aus weiteſter Ferne, die Unfallſtelle
einzig zu dem Zwecke aufſuchen, die kritiſche Stelle in
Augenſchein zu nehmen, um ſich ſo vor ähnlichen Un=
fällen
zu ſchützen. Bekanntlich iſt die Bergſtraße eine der
ſchönſten und beſten Autoſtraßen. Auch führt die Straße
faſt nur in ganz geraden Linien. Die einzig ſchlimme
Stelle zwiſchen Heidelberg und Darmſtadt iſt die der
genannten Unfälle. Es iſt dies ein Kilometer oberhalb
der Landes=Irrenanſtalt am Geſalzenen Waſſer‟ Dort
macht die Straße auf einer Strecke von nur 100 Schrit=
ten
zwei ſcharfe Bogen, ſo daß raſende Autos unver=
meidlich
zu Schaden kommen, wenn ſie nicht ſchon von
der Ferne die Warnungsſignale bemerken. Deshalb ſind
auch alle Autobeſitzer darin einig, daß an dieſer Stelle
weit ſichtbare Warnungsſignale anzubringen ſind, die
auch nachts zu beleuchten ſeien.
Lindenfels, 25. Juli. Der Verwalter B. des
hieſigen Sanatoriums wird ſeit geſtern vermißt.
Er mietete ein Privatauto und ließ ſich um 1 Uhr nachts
angeblich nach Darmſtadt fahren. Das Auto kam aber
nicht mehr zurück. Von dem Auto und ſeinen Inſaſſen
fehlt bis jetzt jede Nachricht. Die Prüfung der Bücher
und Kaſſe des Sanatoriums ſoll einen nicht unbedeu=
tenden
Fehlbetrag ergeben haben. Die Staatsanwalt=
ſchaft
hat die Angelegenheit in Händen. Verwalter B.
wurde heute nacht in Bensheim verhaftet, als er mit
dem gemieteten Auto wieder nach Lindenfels zurückfahren
wollte. Er kam von einer Vergnügungsfahrt, die ihn nach
Heppenheim, Worms, Heidelberg führte. Heute nacht
wurde im Heſſ. Haus und im evangeliſchen Pfarrhaus
eingebrochen. Im erſteren erbeuteten die Diebe
den Inhalt einer Sammelbüchſe, ſowie Schinken, Kognak
und Wein, während ſie ſich in letzterem an einem Topf
Dickmilch labten und einen Regenſchirm mitnahmen. Ein
von Bensheim hierher gebrachter Polizeihund konnte eine
beſtimmte Spur nicht mehr aufnehmen.
Lampertheim (Kr. Worms), 26. Juli. Hier war
geſtern Termin zur Beſichtigung des Altrheins und
der mit dieſem verbundenen Verkehrs= und Fiſche=
reiverhältniſſe
anberaumt, wozu Geh. Oberbau=
rat
Imroth, Miniſterialrat Dr. Kratz, Bauinſpektor
Ickes, ſowie der Präſident der in Rheinſachen vereinig=
ten
Rheingemeinden und des Fiſchereivereins, Freiherr
Heyl zu Herrnsheim, und der Bürgermeiſter von Lam=
pertheim
, Boxheimer, geladen waren. An Ort und Stelle
wurde, wie die Wormſer Ztg. berichtet, zunächſt über die
Durchfahrtöffnung am Querdamm vor dem Ort, die im
Bau begriffen iſt, ſodann über den Schiffahrtskanal und
die Laichplätze für die Fiſchzucht verhandelt, wobei ſich
allgemeine Uebereinſtimmung ergab. Die Pläne und
Anordnungen der Großh. Regierung erwieſen ſich als
die beſte Löſung. Insbeſondere wurde anerkannt, daß,
wenn der Uferbau am Neurhein bald hergeſtellt und auf
eine entſprechende Höhe gebracht ſein wird, das Welſch=
loch
vor Verſandung geſchützt, alſo für die Fiſcherei ge=
rettet
ſein wird. Damit werden die berechtigten Wünſche
der Wormſer Fiſcher eine volle Berückſichtigung erfahren.
Während der Fahrt mit dem Regierungsdampfer ſtrom=
abwärts
nach Worms gab Geheimerat Imroth die
intereſſanteſten Aufſchlüſſe über Erweiterung des Hoch=
waſſerſtromprofils
von Lampertheim bis zur Eiſenbahn=
brücke
. Dieſe gefährlichſte Stelle am Strom iſt nun gegen
Dammbrüche und den Ueberlauf des Hochwaſſers, ſo=
weit
menſchliche Wiſſenſchaft und Arbeit reicht, in der
vorteilhafteſten Weiſe ſichergeſtellt, was von großer Be=
deutung
für das ganze Ried iſt, das durch Dammbrüche
von dieſer Stelle aus in früherer Zeit häufig völlig über=
ſchwemmt
worden war. Ohne die Beſeitigung der Schiff=
brücke
und die Erbauung der ſtehenden Brücke wäre die
ſachgemäße Durchführung dieſer wichtigen Arbeiten nicht=
möglich
geweſen. Die dringlichen Aufgaben zum Schutze

des Rieds und der Stadt Worms waren es deshalb, die
hauptſächlich den Anlaß zur Erbauung der ſtehenden
Brücke gaben, wie dies ſchon oft nachgewieſen wurde.
Infolge der rechtsſeitigen Erweiterung des Hochflut=
profils
gewann auch die Stadt Worms freie Bahn zur
Entwickelung der Stadt nach der Stromſeite hin, die
onſt das Hochflutprofil zu ſtark eingeſchnürt hätte.
* Mainz, 26. Juli. Für die Schiffahrt iſt es wichtig,
zu erfahren, daß der Rheinarm zwiſchen der
Petersaue und der Mainz=Kaſteler Seite
bedeutend tiefer gebaggert werden ſoll, um ein gutes
Fahrwaſſer herzuſtellen. Auch die großen Wandſchwellen
am Kopf der Petersaue, die dort das Fahrwaſſer ein=
engen
, ſollen weggebaggert werden. Auf dieſe Weiſe ſoll
einem lang gehegten Wunſch der niederrheiniſchen Reede=
reien
entgegengekommen werden. Auch die Ausladeplätze
in Mainz=Kaſtel ſollen bedeutend vergrößert und mit
beſſeren Einrichtungen verſehen werden.
R Mainz, 26. Juli. Heute nachmittag ſtürzte
ſich beim Holztor ein Mann in älteren Jahren in den
Rhein, geriet unter die Schleppkähne und konnte trotz
aller Bemühungen nicht gerettet werden. Wer der
Selbſtmörder iſt, konnte nicht feſtgeſtellt werden. Er
hatte vorher ſchon an einer anderen Stelle verſucht in
den Rhein zu ſpringen, war aber von Paſſanten daran
gehindert worden.
Dienheim, 26. Juli. Eine hiſtoriſche Straße
wird hier ſoeben aufgebrochen. Napoleon I. ließ ſie
1809 herſtellen als eine der Heerſtraßen, die ſeine Trup=
pen
auf dem Wege nach Rußland benutzten. Das
Pflaſter hat alſo über 100 Jahre dem Verkehr getrotzt,
und heute noch haben die Arbeiter Mühe, die Steine
loszuhauen. In ungefähr zwei Monaten iſt die neue
Straße fertig und damit wieder ein Zeuge von Deutſch=
lands
Niedergang verſchwunden.
§ Gießen, 25. Juli. Die Geſellſchaft Liebig=
Muſeum, die ſich heute vor einem Jahr gegründet hat,
hielt heute nachmittag im Liebig=Laboratorium ihre
zweite Jahresverſammlung ab. Geheimerat Profeſſor
Sommer begrüßte die Verſammlung und erſtattete den
Jahresbericht und gab zugleich einen Ueberblick über die
Geſchichte des Liebig=Laboratoriums in den letzten zehn
Jahren. Die Geſellſchaft zählt jetzt 50 Mitglieder Der
Beſitzſtand der Geſellſchaft iſt geſichert, ihr Zweck iſt die
Erhaltung und Wiederherſtellung des Laboratoriums des
großen Forſchers Liebig. Dem Arbeitsausſchuß gehören
an: Medizinalrat Dr. Merck=Darmſtadt, Profeſſor
Sommer, Geheimerat Behaghel, Geheimerat Elbs, Ge=
heimerat
Naumann, Dr. Liebig, Dr. Thome und Apothe=
ker
Werner. Zahlreiche Geſchenke ſind dem Muſeum be=
reits
überwieſen worden, ſo von Medizinalrat Merck=
Darmſtadt, Apotheker Schwiedo=Gießen (Apparate und
Gegenſtände von der Familie Liebig), von Verlagsbuch=
händler
Tögelmann eine lückenloſe Serie von den Anna=
len
Liebigs. Ferner erhielt die Geſellſchaft ein Bild der
Apotheke in Heppenheim, alte Bücher und Schriften.
Privatdozent Dr. Beſchke hielt einen ſehr intereſſanten
Vortrag über Juſtus von Liebig und Friedrich Wöhler,
die Geſchichte einer Freundſchaft In ſeinen Dankes=
worten
ſtellte Profeſſor Sommer feſt, daß der heutige
Vortrag wieder der erſte wiſſenſchaftliche Vortrag ge=
weſen
ſei, der ſeit Jahrzehnten hier in dieſem Audito=
rium
gehalten worden ſei.
Bad Nauheim, 26. Juli. Bis zum 25. Juli ſind
25 193 Kurgäſte angekommen, wovon an genanntem Tage
noch 8291 anweſend waren. Bäder wurden bis zum 25.
Juli 302885 abgegeben.
Ober=Rosbach v. d. H.,, 25. Juli Geſtern nachmit=
tag
wurde das dreieinhalbjährige Kind des Konſum=
vorſtehers
Velte, das mit anderen Kindern auf der
Straße ſpielte, vom Auto der Siemenswerke ( Fried=
berg
) überfahren. Den Führer des Automobils
trifft keine Schuld, da er langſam gefahren iſt und mehr=
fach
Signal gegeben hat. Die Automobiliſten verbrach=
ten
das Kind ſofort ins Hoſpital nach Friedberg, wo
es ſtarb.
Büdingen, 25. Juli. Geſtern nacht gegen ½12 Uhr
brach in Wolf Feuer aus. Im Gehöfte des Rechners
Henrich brannten die Scheuer, die zum Teil gefüllt war,
und ein anliegender Schuppen vollſtändig nieder. Nur
durch das raſche Eingreifen der Feuerwehr, die bald von
den umliegenden Wehren unterſtützt wurde, gelang es,
das Feuer von den benachbarten Gebäuden abzuhalten.
Der Schaden ſoll durch Verſicherung gedeckt ſein.
Ober=Widdersheim, 25. Juli. Dieſer Tage kehrte
hier ein ſchon längſt verſchollen Geglaubter in
ſein Heimatdorf zurück. Es iſt dies der jetzt 42 Jahre
alte Schmied Wilhelm Kammer, der vor 12 Jahren
von der Strafkammer in Gießen wegen Körperverletzung
mit zehn Monaten Gefängnis beſtraft wurde. Als er be=
ſtraft
war, wurde er zu Arbeiten außerhalb des Arreſt=
hauſes
verwendet und ergriff hier die Flucht. Er flüch=
tete
nach Frankreich und ließ ſich bei der Fremden=
legion
anwerben, wo er bis vor wenigen Tagen
diente. Da ſeine Kräfte im Abnehmen ſind, wurde er
mit wenigen Francs entlaſſen. Von Heimweh ergriffen
eilte er in ſein Heimatdorf und ſtellte ſich der Behörde,
um jetzt ſeine zehn Monate Gefängnis zu verbüßen.
Wie ſo viele, hat auch er bei der Fremdenlegion keine
Eroberungen gemacht, ſondern nur ſeine Geſundheit ein=
gebüßt
. (G. A.)
(*) Hochwaldhauſen im Vogelsbera, 24. Juli. Die
Dürer=Schule, eine Reformanſtalt für Knaben und
Mädchen. tritt nunmehr beſtimmt in Tätigkeit und wird
ihren erſten Unterrichtskurſus am 2. September beginnen
Die Schule kommt einem Realgymnaſium mit Oberreal=
ſchule
in Entwickelung gleich.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 26. Juli. Offiziös wird
mitgeteilt: Um die Zenſur der kinematographi=
ſchen
Vorführungen wirkſamer zu geſtalten und
gleichzeitig die Ortspolizeibehörden bei der Ausübung der
Zenſur zu entlaſten und zu unterſtützen, erſcheint deren
weitergehende Zentraliſierung erforderlich. Ein mini=
ſterielles
Rundverfügen beſtimmt daher, daß die Ortspoli=
zeibehörden
anzuweiſen ſind dem Polizeipräſidenten in
Berlin in Zukunft von den Lichtbilderfilms, welche ihnen
im Hinblick auf öffentliche Vorführung vorgelegt werden,
Mitteilung zu machen, falls die Films von dem Polizei=
präſidenten
in Berlin noch nicht geprüft worden ſind, oder
aber ſeitens der mitteilenden Ortspolizeibehörde eine Be=
urteilung
erfahren, die von der Berliner Zenſur abweicht.
Dies gilt ſowohl für Films, die in Berlin zugelaſſen, da=
gegen
an anderen Orten verboten werden, als auch für
ſolche, deren Vorführung ungeachtet des Berliner Verbots
an anderen Orten geſtattet wird. Wenn die Beurteilung
der Ortspolizeibehörden von der Berliner Zenſur nur zum
Teil abweicht, z. B. inbezug auf die Frage, ob der Film
ſich nur zur Vorführung vor Erwachſenen oder auch vor

Kindern eignet, oder inbezug auf einzelne Filmteile, ſo
wird es dem Ermeſſen der Ortspolizeibehörden überlaſſen,
ob ſie nach Lage des Einzelfalls eine Mitteilung für er=
forderlich
oder angezeigt erachten. Die Ausliefer=
ung
des Falſchſpielers Stallmann wird nach einem
geſtern gefaßten Beſchluß des Appellgerichtshofes in Bow=
ſtreet
in London entſprechend dem Erſuchen der deutſchen
Behörden erfolgen. Stallmann war wegen Falſchſpiels
im Berliner Hotel Fürſtenhof zunächſt in Kalkutta feſt=
genommen
, jedoch wieder auf freien Fuß geſetzt worden.
Vor einigen Monaten wurde er erneut in London ver=
haftet
. Seine Verteidiger ſtützten ſich darauf, daß wegen
derſelben Sache nicht ein zweimaliges Verfahren ſtattfin=
den
könne. Demgegenüber pflichtete der Lord=Oberrichter
dem Generalſtaatsanwalt bei, daß Stallmann in Indien
nur in ein Ermittelungsverfahren verwickelt geweſen ſei.
Dadurch ſei eine nochmalige Fortführung der Unterſuch=
ung
nicht ausgeſchloſſen.
München, 26. Juli. Zwei Leutnants des 10. Feld=
artillerie
=Regiments in Erlangen, Funkler und
Dommaier, machten einen Ausflug in die Hohen
Tauern, von dem ſie nicht mehr zurückkehrten. Es wurde
eine Expedition ausgeſandt, um nach ihnen zu forſchen.
Uelzen, 26. Juli. In Linden erkrankten geſtern
nach einem Richtfeſt, an dem außer den Zimmerleuten
auch ſämtliche Tagelöhner des Dorfes teilgenommen
hatten, die ſämtlichen Teilnehmer an dem Eſſen, etwa 35
Perſonen, Männer, Frauen und Kinder, unter Ver=
giftungserſcheinungen
mit hohem Fieber.
Banſin, 25. Juli. Während der Reunion im Hotel
Meeresſtrand ereignete ſich heute nacht, wie ſchon gemel=
det
, um 1 Uhr ein aufſehenerregender Unglücksfall.
Als die Muſikkapelle eben eine heitere Melodie angeſtimmt
hatte und die Paare ſich im Tanze drehten, ertönte ein
ſcharfer Schuß und blutüberſtrömt brach eine in Ge=
ſellſchaft
mehrerer Herren befindliche Dame zuſammen.
Sie war ſofort tot. Durch den herbeigerufenen Amtsvor=
ſteher
von Banſin wurde noch in der Nacht folgendes feſt=
geſtellt
: Die Dame iſt eine Frau Gertrud Levy aus Ber=
lin
=Wilmersdorf. Ihr Mann hatte ſie geſchäftehalber auf
einen Tag allein laſſen müſſen. Er war nach der Reichs=
hauptſtadt
gefahren und hatte einen Freund einen Kauf=
mann
Daſſel aus Berlin, beauftragt, ſich während der Ab=
weſenheit
ſeiner Frau anzunehmen. Den Abend verbrach=
ten
die beiden in Geſellſchaft noch eines anderen befreun=
deten
Herrn, des Fabrikdirektors Walter Bintz aus Ber=
lin
, im Kurſaale. Dabei zeigte Herr Daſſel der Dame eine
neu erworbene Browningpiſtole. Frau Levy nahm
die Piſtole an ſich, ſcheint aber unvorſichtig damit umge=
gangen
zu ſein, denn plötzlich krachte ein Schuß, und ins
Herz getroffen brach die Dame zuſammen. Der Gatte
wurde heute morgen früh durch die Polizei von dem Vor=
fall
benachrichtigt. Die Leiche iſt vorläufig von der Staats=
anwaltſchaft
beſchlagnahmt worden. Nach den Ausſagen
des Augenzeugen Bintz trifft den Beſitzer der Browning=
piſtole
keine Schuld an dem Tode der Frau. Nur das eine
iſt unbegreiflich, daß er nämlich auf einem Tanzver=
gnügen
einen geladenen Revolver bei ſich
trug.
Brandenburg, 26. Juli. Geſtern nachmittag ertran=
ken
drei Schulkinder in einem Nebenarm der Havel.
Die Leichen wurden geborgen. Zwei der Verunglückten
ſind Brüder.
Brüſſel, 25. Juli. In einem hieſigen Park drang ein
Mann auf den franzöſiſchen Abbé Fleuret ein und
verwundete ihn unter dem Rufe: Es lebe die Re=
publik
, es lebe das gleiche Wahlrecht! durch einen Dolch=
ſtich
. Er erklärte, wenn er einen Revolver gehabt hätte,
würde er geſtern während der Kammerſitzung auf den Mi=
niſterpräſidenten
geſchoſſen haben. Der Angriff auf den
Abbé wurde mit einem Schlachtermeſſer ausgeführt.
Fleuret iſt ſchwer verletzt. Der Täter, der offenbar geiſtes=
geſtört
iſt, heißt Beyl und ſtammt aus Gent.
Paris, 25. Juli. Die Agence Havas meldet aus Kon=
ſtantinopel
: Das Gebäude des jungtürkiſchen Klubs
in Beglerbegloi am aſiatiſchen Ufer des Bosporus iſt
niedergebrannt.
Paris, 26. Juli. Dem Echo de Paris wird aus Tou=
lon
gemeldet, daß während der Manöver in einer der
Pulverkammern des Panzerſchiffes Mirabeau=
durch
Kurzſchluß ein Brand entſtanden ſei. Der Kom=
mandant
habe ſofort den Befehl gegeben, die Pulverkam=
mern
unter Waſſer zu ſetzen; dies ſei ſehr raſch ausgeführt
und ſo jede Gefahr beſeitigt worden.
Paris, 26. Juli. Der nach Hinterlaſſung einer Schul=
denlaſt
von mehr als einer Million Mark flüchtig gewor=
dene
Kaufmann Arnold Koghem wurde verhaf=
tet
und an Deutſchland ausgeliefert. Er befindet ſich
bereits im Unterſuchungsgefängnis in Berlin.
Epernay, 25. Juli. Heute abend brach auf dem Grund=
ſtück
einer großen Champagnerfirma Feuer aus. Die
Gebäude brannten in einer Länge von etwa 100 Metern.
Mehrere Feuerwehrleute wurden verwundet. Zwei Per=
ſonen
wurden unter einer einſtürzenden Mauer begraben.
Das Feuer griff ſehr raſch um ſich und erhielt durch die
rieſigen Vorräte an Korkſtopfen, Strohhüllen, Kiſten und
Körben immer neue Nahrung. Erſt nach mehrſtündigen
Anſtrengungen konnte das Feuer gelöſcht werden.
Das Feuer wütete im Innern des rieſigen Gebäudes
wo es an dem aufgeſtapelten Material reiche Nahrung
fand. Eine Million Korkſtöpſel und mehrere 100000
Strohpuppen für die Flaſchen, etwa 4000 Körbe, ſowie
ſämtliche Werkſtätten mit unzähligen Holzkiſten verbrann=
ten
und bildeten ein rieſiges Feuermeer, deſſen Flammen
in mächtigen Garben hochauf zum Himmel loderten und
weit von den Anhöhen der Umgegend Epernays zu ſehen
waren. Mehr als fünf Stunden dauerte der Brand, und
erſt, als das Feuer im Innern keine Nahrung mehr fand
konnten die benachbarten Gebäude und vor allem del
Bahnhof als gerettet angeſehen werden. Der Komman
deur von Epernay, General Beaudemoulin, der die
ſperrung perſönlich leitete, entging nur knapp dem Tod
Eine Mauer ſtürzte über ihm ein und der General konnfe
ſich nur durch einen Sprung in Sicherheit bringen. Der
Schaden, der bis jetzt noch gar nicht zu ſchätzen iſt, dürfte
mit zwei Millionen Francs nicht zu hoch gegriffen ſein.
London, 26. Juli. Der Schatzkanzler und der Kriegs=
miniſter
nahmen heute in Fulham jeder in einem mit
drahtloſer telephoniſcher Einrichtung aus=
geſtatteten
Kraftwagen Platz und führten mit=
einander
auf hundert engliſche Meilen Entfernung ein Ge=
ſpräch
. Der Erfinder Mathews wird ſeine drahtloſe Tele=
phonie
den Militärbehörden bei den Auguſtmanövern in
Alderſhot vorführen.
New=York, 26. Juli. Im Verbrecherviertel
kam es zwiſchen Poliziſten, die ſich auf der Suche nach
den Mördern Roſenthals befanden, und einer Anzahl
Verbrecher, die ſich in einem Hauſe verſchanzt hatten, zu
einem Revolverkampf. Als es den Poliziſten nach
vieler Mühe gelungen war, ſich Eintritt in das Haus zu
verſchaffen, waren die Verbrecher nicht mehr zu finden.
Eie hatten durch einen unterirdiſchen Gang das Weite

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Nummer 175.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 27. Juli 1912.

Seite 5.

geſucht. Bei dem Kampf wurde ein Poliziſt durch einen
Schuß lebensgefährlich verwundet.
Tokio, 26. Juli. Große Ueberſchwemmungen
haben die Weſtküſte Japans heimgeſucht und viele Men=
ſchenopfer
gefordert. Mehrere Bahnverbindungen ſind
zerſtört. In manchen Gegenden wurde die Reisernte ver=
nichtet
. In der Stadt Ogawa ſollen bei einer Ueber=
ſchwemmung
400 Badegäſte den Tod in den Wellen ge=
funden
haben.

Kongreſſe und Verbandstage.

* Berlin, 25. Inli. Im großen Sitzungsſaal
des Herenhauſes erfolgte heute vormittag die Eröffnung
des 12, Kongreſſes des Royal Inſtitute
of public health (Königl. Inſtitut für öffentliche
Geſundheitspflege). Auch zahlreiche deutſche hervor=
ragende
Mediziner waren anweſend. Earl Beauchamp
übernahm den Vorſitz. Der Ehrenſekretär teilte mit, daß
Profeſſor Dr. Roui vom Pariſer Paſteur=Inſtitut die
Goldene Medaille der Geſellſchaft erhielt. Zu Ehren=
mitgliedern
wurden Generalſtabsarzt Prof. Dr. Schjer=
ning
und Wirklicher Geh. Obermedizinalrat Kirchner er=
nannt
. Begrüßungsanſprachen hielten u. a. Medizinal=
rat
Kirchner und Bürgermeiſter Dr. Reicke, der Rektor
der Univerſität Lenz und der Rektor der Techniſchen
Hochſchule Joſſe
Die Teilnehmer des Kongreſſes ſandten an den
deutſchen Kaiſer und den König von Eng=
land
Huldigungstelegramme, die mit dem Wunſche
ſchließen, daß der Kongreß zur Förderung der fried=
lichen
Beziehungen, die erfreulicherweiſe zwiſchen dem
deutſchen und dem engliſchen Volk immer beſtanden ha=
ben
, beitragen möge.
* Berlin, 25. Juli. Zu Ehren des Royal In=
ſtitute
of public health veranſtaltete die
Stadt Berlin heute abend einen glänzenden
Empf ang im Rathauſe, dem ſämtliche Mitglie=
der
der Generalverſammlung der Royal Society, ſowie
die Bürgermeiſter, Stadträte und Stadtverordneten
Berlins, außerdem die Spitzen der mediziniſchen und
hygieniſchen Behörden. Polizeipräſident von Jagow,
zahlreiche hervorragende Perſönlichkeiten aus ärztlichen
Kreiſen und Mitglieder von ſozialen Vereinigungen bei=
wohnten
. Bürgermeiſter Dr Reicke brachte ein Hoch
auf den Kaiſer und den König von England aus und
hielt ſodann einen wiederholt durch lauten Beifall unter=
brochenen
Trinkſpruch auf das Gedeihen und die Erfolge
der Arbeiten des Kongreſſes der Royal Society. Der
engliſche Miniſter der öffentlichen Arbeiten Beau=
champ
als Präſident des Kongreſſes dankte für die
gaſtfreugdliche Aufnahme mit herzlichen Worten. Er
drückte ſeine größte Befriedigung über die wahrhaft
freundſchaftliche Aufnahme aus, die den Mitgliedern
des Kongreſſes auch nach der Rückkehr in die Heimat
wohl im Gedächtnis bleiben werde. Er gebe das Ver=
ſprechen
ab, auch in Zukunft dieſer Aufnahme zu geden=
ken
. Der ſtellvertretende Vorſitzende der Stadtverord=
netenverſammlung
Gericke dankte für die freund=
lichen
Worte des Miniſters. Schließlich nahm der Lord=
Mayor von London Croßby das Wort, um unter
Hinweis auf ein im Feſtſaale ſtehendes Bild des Ber=
liner
Kongreſſes der langjährigen Beziehungen Deutſch=
lands
zu England zu gedenken und der Stadtverwaltung
von Berlin den Dank für den feſtlichen Abend auszu=
ſprechen
. Die ganze Veranſtaltung war von warmen,
herzlichen Gefühlen freundlichen Zuſammenſeins erfüllt.

Sport.

* Großes Rad= und Motorrennen in Darmſtadt. Für
Die großen Rad= und Motorrennen, die vom Velociped=
Klub Darmſtadt auf Sonntag, 28. d. M., nachmittags 3½
Uhr, angeſetzt ſind, haben ſich insgeſamt 54 Fahrer gemel=
Het, eine Zahl, die heiße Kämpfe um die ausgeſetzten wert=
vollen
Preiſe erwarten läßt. Die ſpannendſten Rennen
ſind die Vorgaberennen, in denen die erſtklaſſigen Fahrer
den ſchwächeren Fahrern Vorgaben zu bewilligen haben,
wodurch dieſe Rennen immer ſehr ſchnell gefahren wer=
den
. Im Programm des nächſten Sonntags ſind nicht
weniger als ſechs Vorgaberennen enthalten, die neben zwei
Motorrennen und den übrigen intereſſanten Wettbewerben
einen Beſuch der Rennbahn lohnen. Der Vertrieb der
Loſe für das zur Ausloſung beſtimmte Wotanrad der
Firma Aug. Engel, Schuchardſtraße, hat begonnen, worauf
Intereſſenten aufmerkſam gemacht ſeien. Nach den
Rennen findet im Fürſtenſaal, Grafenſtraße, die Ver=
eilung
der Preiſe an die Sieger ſtatt.

Handel und Verkehr.

Patent=Anmeldungen. Mitgeteilt von
Dipl.=Ing. Clemens Herszberg u. Co.=Darmſtadt. 63c
O. 7903. Lenkvorrichtung für Motorwagen. Firma Ad.
Opel, Rüſſelsheim a. M. 17. 1. 12. Gebrauchsmuſter.
12c 516521. Stativſtütze zur Unterſtützung der aufge=
ſichraubten
Kamera. Ernſt Freienſehner, Worms, Gewerbe=
ſchulſtraße
23. 5. 6. 12. F. 27032. 42f 516040. Feder=
eriefwagen
. Paul Meltzer, Darmſtadt, Karlſtraße 66.
15. 6. 12. M. 42 581.

Vermiſchtes.

Zeugniſſe ſind ſofort zu beanſtanden.
Wenn Handlungsgehilfen gegen ihr Zeugnis Grund zu
Einwendungen zu haben glauben, ſo müſſen ſie bald nach
Ausſtellung auf Abänderung klagen und nicht wie das die
Gepflogenheit vieler Angeſtellter iſt, abzuwarten, bis ſie
gerade in die Lage kommen, beim Stellungſuchen ein
beſſeres Zeugnis zu gebrauchen. Ein Lageriſt, der vor
dem Berliner Kaufmannsgericht als Kläger erſchien, war=
tete
2 Jahre, bis er ſich entſchloß, gegen ſeinen früheren
Arbeitgeber auf Ausſtellung eines beſſeren Zeugniſſes zu
klagen. Das Gericht ſagt in ſeinem den Kläger abweiſen=
den
Urteil, daß, wenn ein Gehilfe ſo lange Zeit ein Zeug=
nis
unbeanſtandet behält, man annehmen kann, daß er
deſſen Inhalt gutheißt.
Kamerun=Tabak. Tabak aus Kamerun hat
plötzlich einen ganz unerwarteten Erfolg erzielt; es wur=
den
für ihn in Bremen ſehr hohe Preiſe bezahlt, und der
Pflanzer dieſes Tabaks, der Beſitzer der Plantage Sco=
ſung
, Herr Raethke, erhielt den Preis der Deutſchen Ko=
lonialgeſellſchaft
von 6000 Mark. Ueber dieſen Kamerun=
Tabak und ſeine Pflanzung berichtet der Kunſtmaler Ernſt
Vollbehr nach Tagebuchaufzeichnungen in der Umſchau.
Die Tabakspflanzung Raethkes liegt 1060 Meter hoch, an
dem 2040 Meter hohen Kupe=Gebirge. Bis jetzt waren 30
Hektar angepflanzt; nun ſollen nach den letzten großen
Erfolgen 120 Hektar bebaut werden. Der Tabak wird in
Saatbeeten gezogen; dann werden die kleinen Pflänzchen
aufs freie Feld verpflanzt und nach zwei Monaten ge=
erntet
. Dann kommen die Blätter drei volle Wochen lang
in die graßen Trockenſchennen, die zwei Millionen Blät=

ter faſſen können. Seit 1905 werden dieſe Verſuche mit
Anbau von Tabak gemacht; Proben davon wurden ſo hoch
bewertet, daß Raethke, der zuerſt für die Eingeborenen
angebaut hatte, nunmehr ausſchließlich für den deutſchen
Markt arbeitet. Der Tabak aus der Ernte von 1910 ward
im November 1911 in 56 Ballen gleich 4500 Kilogramm
auf den Bremer Markt gebracht, und während vorher alle
Tabakkenner dem Kamerun=Tabak jegliche Zukunft abge=
ſprochen
hatten, fand man ihn nun ſo vortrefflich, daß er
den außerordentlich hohen Preis von 8 Mark 50 Pfg. für
das Kilogramm erzielte. Es iſt damit für Kamerun ein
neues Produkt von erheblicher Wichtigkeit gewonnen
worden.

Literariſches.

Wie ſchaffe ich mir einen Nebenerwerb?
Heft 1: Die ſchriftſtelleriſche Tätigkeit. Heft 2: Der Selbſt=
verlag
. Jedes Heft 60 Pfg. Erfurt, Thuringia Verlag.
Dieſe neue Sammlung, die für jeden etwas Paſſendes
bringen will, erſcheint uns ſehr zeitgemäß. Neu an den
hübſch ausgeſtatteten Büchern iſt, daß ſie nicht nur zeigen
wollen, wie dieſes oder jenes gemacht werden ſoll, ſondern
auch, wie man ſeine Produkte, ſeien ſie nun geiſtiger oder
materieller Natur, an den Mann bringen kann.
* Neu erſchienene Broſchüren. Die okkulti=
ſtiſche
Bewegung. Eine Aufklärungsſchrift von Hans Frei=
mark
. Leipzig. Verlag von Wilhelm Heims. Rauch=
berg
, Dr., Heinrich, Politiſche Erziehung, Rede, gehalten
am 28. Oktober 1911 bei der Uebernahme der Rektorswürde
an der k. k. deutſchen Univerſität in Prag. 34 S. gr. 8.
Verlag von F. Tempsky in Wien. Preis 1 K. 20 h.
Rennit: Iſt die Zuckerkrankheit heilbar? Preis broſch. 30
Pfg. Kommiſſionsverlag v. P. Hauptmann, Bonn.
Die freiwillige Verſicherung (Selbſtverſicherung, freiwillige
Weiterverſicherung und freiwillige Zuſatzverſicherung) bei
der Invaliden= und Hinterbliebenenverſicherung nach der
Reichsverſicherungsordnung vom 19. Juli 1911. Gemein=
verſtändlich
dargeſtellt von Hans Waßmuth, Sekretär der
Landes=Verſicherungsanſtalt Heſſen=Naſſau. Kaſſel. Ver=
lag
von Ernſt Hühn, Hof=Buchhandlung. Wie akquiriert
man mit Erfolg? Praktiſche Erfahrungen von Ingenkeur
G. H. Beck. München 45 Brieffach. Selbſtverlag.
Wie ich meinen Glauben verlor! Das Bekenntnis einer
Atheiſtin von Anna Dorothea. Verlag: O. Th. Scholl,
München. Reinigung, Auffriſchung, Verjüngung des
Blutes Von Dr. med. Paczkowski, Arzt. XI. Auflage,
1,50 Mk. Hof=Verlagsbuchhandlung Edmund Demme
Leipzig.

Unwetter.

* Marburg, 26. Juli. Bei dem geſtrigen Ge=
witter
iſt in Ebsdorf der Schulknabe Lemmer vom
Blitz erſchlagen worden.
* München 26. Juli. Ueber Bayern iſt geſtern
abend ein ſtundenlang wütendes Unwetter niederge=
gangen
, wie es in ſolcher Heftigkeit ſelten erlebt wurde.
In München iſt die Iſar mächtig angeſchwollen. Es wur=
den
Kanäle verſtopft und Straßen überſchwemmt. Die
Waſſermaſſen ergießen ſich vielfach in die Läger und
Keller und richten großen Schaden an. In Berchtesgaden
zündete an mehreren Stellen der Blitz. Aus Roſenheim
und Tölz werden ebenfalls Brände infolge Blitzſchlag ge=
meldet
. Auch in Niederbayern richtete das Wetter Ver=
heerungen
an. Die Bahndämme ſind an vielen Stellen
unterwaſchen.
* Emmerich, 26. Juli. Geſtern nachmittag wurde
die hieſige Gegend durch ein Unwetter ſchwer heim=
geſucht
. An der Grenze gegen Babberich (Holland)
erſchlug der Blitz den Poſtenführer der holländiſchen
Grenzwache. Der neben ihm ſtehende Grenzwärker wurde
gelähmt. In Beez (Belgien), ſchlug der Blitz in ein
großes Bauernhaus, das vollkommen eingeäſchert wurde.
Auf freiem Felde wurden zwei Frauen vom Blitz er=
ſchlagen
.
* Brüſſel, 26. Juli. Ein fürchterliches Ge=
witter
das zwei Stunden andauerte, iſt geſtern abend
über Brüſſel und Umgebung niedergegangen. Stellen=
weiſe
wurden Keller und Untergeſchoſſe überſchwemmt.
Die Feuerwehr mußte wiederholt helfend eingreifen. Der
Straßenbahnverkehr mußte teilweiſe eingeſtellt werden.
Die Senne iſt aus ihren Ufern getreten.

Unfälle an See.

* Wyk (auf Föhr), 26. Juli. Bei einem
Spaziergang auf dem Wattenweg zwiſchen
Föhr und Amrum iſt geſtern ein Fräulein Dommes aus
Magdeburg mit einer Freundin in eine Untiefe verſun=
ken
und ertrunken. Fiſcher ſahen ſie mit den Wel=
len
kämpfen und eilten mit Booten herbei. Sie konn=
ten
aber nur eine Dame den Fluten entreißen; die
andere war weggeſpült worden. Aber die Wie=
derbelebungsverſuche
an der Geborgenen blieben er=
folglos
.
* Baabe (Rügen), 20. Juli. Bei hohem Wel=
lengang
ſind auf der Selliner Gemarkung geſtern
zwei Damen und zwei Herren verunglückt. Frau
Baronin v Stuckrad=Regensburg und Frau Direk=
tor
Bouſſet=Nikolasſee b. Berlin ſind ertrunken. Durch
den am Orte weilenden Kommerzienrat Bader=Berlin
wurden der Kammerſänger Rüdiger und Baron Stuck=
rad
in bewußtloſem Zuſtande gerettet.
Den tragiſchen Vorgang ſchildert ein Telegramm des
Lokal=Anzeigers aus Göhren: In dem durch ſeine ſchöne
Lage ausgezeichneten Badeort Baabe weilte ſeit mehre=
ren
Wochen die Frau des Direktors der Berliner Hoch=
und Untergrundbahn, Regierungsbaumeiſters J. Bouſſet,
mit ihren Kindern. Während dieſer Zeit hatte ſie ſich mit
Frau von Stuckrad, der Gattin des Oberſtallmeiſters des
Fürſten von Thurn und Taxis und Leutnants der Garde=
Landwehr=Kavallerie Rudolf von Stuckrad aus Regens=
burg
, angefreundet. Beide Damen, denen ſich auch Herr
von Stuckrad anſchloß, badeten nach ihrer Gewohnheit
gemeinſam. Auch der Kammerſänger Rüdiger geſellte ſich
zu ihnen. Wie nun das Unglück geſchah, konnte bis zur
Stunde noch nicht feſtgeſtellt werden; man vermutet je=
doch
, daß eine der Damen in eine tiefe Stelle geriet und
bei dem Verſuche der anderen, ſie zu retten, auch die an=
deren
in Lebensgefahr gerieten. Ihre Hilferufe alarmier=
ten
alle im Bad und am Strand Weilenden, und dieſe
taten alles, um den Ertrinkenden Rettung zu bringen;
doch die Hilfe kam zu ſpät. Als man die Unglücklichen er=
reichte
, waren die beiden Frauen ſchon in den Wellen ver=
ſunken
. Die beiden Herren, der Kammerſänger Rüdiger
und Herr von Stuckrad hatten ſich ſo lange über Waſſer
zu halten vermocht, bis die Rettung nahte. Kommerzien=
rat
Bader (Berlin), der ſich bei dem ganzen Rettungs=
werk
auszeichnete, erfaßte ſie und brachte ſie an den
Strand in Sicherheit. Frau Bouſſet hinterläßt 3 Kinder
im Alter von 7 bis 11 Jahren, Frau von Stuckrad, eine
geborene von Tiedemann, ein Töchterchen im Alter von
5 Jahren.

Die Kriſis in der Türkei.

Das neue Kabinett.
* Konſtantinopel, 25. Juli. Der interimiſtiſche
Thef des Generalſtabes, General Hadi Paſcha, iſt
ndgültig mit dieſem Amt betraut worden. Alle türki=
ſchen
Blätter bis auf den Tanin veröffentlichen das
geſtern mitgeteilte Programm der Militärliga. Wie ver=
rautet
, wünſcht die Offiziersliga die Einberufung der
konſtituierenden Verſammlung zwecks Reviſion der Ver=
faſſung
. Dieſer Gedanke wird von der Yeni Gazetta leb=
haft
unterſtützt. Die Blätter heben mit Befriedigung die
Viederherſtellung der Preßfreiheit hervor.
Ikdam veröffentlicht aus der Provinz eingetroffene
Depeſchen, in welchen Befriedigung über die
Bildung des neuen Miniſteriums ausgedrückt
wird. Dagegen berichtet der Tanin von zahlreichen De=
peſchen
an das Präſidium der Kammer, ſowie an die Re=
gierung
, in denen die durch die Ereigniſſe der letzten
Tage hervorgerufene Aufregung geſchildert wird.
Bei Beſprechung dieſer Telegramme erörtert der Tanin
die Nachteile, die eine Auflöſung der Kammer hätte.
Selbſt wenn die Partei für Einheit und Fortſchritt eine
Majorität bei den Neuwahlen erlangen könnte, würde
dieſe doch nicht eine Mehrheit ergeben, die genügend ſtark
ſei, die Regierung zu unterſtützen. Das Blatt verlangt,
daß das Kabinett durch die Ausſcheidung einiger Mini=
ſter
einen wirklich unparteiiſchen Charakter annehme.
Yeni Gazetta erklärt, die Aufregung dauere fort, weil das
Kabinett noch nicht alle Wünſche der Nation befriedigt
habe, namentlich was Amneſtie und die Unterſuchung
der letzten Wahlen betreffe, die notwendig ſeien, um end=
gültig
über das Los der Kammer zu entſcheiden. Das
Blatt hebt die dringende Notwendigkeit hervor, die
Wünſche bald zu erfüllen. Jede Verzögerung wäre ein
Fehler, welcher zukünftig unüberwindliche Schwierigkei=
ten
hervorrufe.
Ein Ultimatum der Militärliga an die
Kammer.
* Konſtantinopel, 25. Juli. Der Präſident
der Kammer teilte mit, daß ein Offizier geſtern abend
in ſeinem Hauſe einen von der Offiziersliga unter=
zeichneten
Brief hinterließ, in dem die Schließung der
Kammer binnen 48 Stunden verlangt wird. Der Prä=
ſident
erklärte unter anhaltendem begeiſterten Beifall
das Abgeordnetenhaus werde ſeine patriotiſche Pflicht
tun. Das Ultimatum der Militärliga rief einen
Sturm der Entrüſtung hervor. Alle Redner ſpra=
hen
der Liga ihre Verachtung aus und erklärten, die
Abgeordneten würden bis zum Tode Widerſtand leiſten.
Die Kammer beſchloß einſtimmig, den Großweſir und
en Kriegsminiſter um Erklärungen zu erſuchen, und er=
klärte
eine Dauerſitzung.
Der Text des Briefs, der von der Offiziersliga
an den Kammerpräſidenten gerichtet wurde, lautet: Nach
ſo vielen ſchlechten Taten, die ihr im Komitee ſowie in
der Kammer begangen habt, erfuhr unſere Liga von
euren Schritten und Intrigen beim Sultan. Dieſe
Taten verdienen die ſchwerſten Strafen. Aber da wir
uns nicht mit ſchmutzigem Blut beflecken wollen, ſo halten
wir es für notwendig, euch zu benachrichtigen, daß ihr
beweiſen müßt, daß ihr nicht aufhalten, ſondern erleich=
tern
wollt die Erfüllung des dringendſten Wunſches der
Nation und der Armee, nämlich: die Kammerauflöſung,
oder vielmehr des Klubs, dieſes Theaterklubs. Wenn
ihr nicht in 48 Stunden ſo handelt, ſo benachrichtigen wir
euch, daß wir unſere patriotiſche Pflicht vollſtändig er=
füllen
werden.
Die Verleſung des Ultimatums der Militärliga rief
eine ſtürmiſche Debatte hervor. Der Vorſitzende
der jungtürkiſchen Partei erklärte: Die Kammer wird bis
zum letzten Atemzuge bleiben, denn ſie iſt der wahre
Träger der öffentlichen Meinung und gehorcht nur ihrem
Gewiſſen. Wir weiſen den Vergleich mit einem Theater
zurück. Der im Namen der Liga geſandte Brief berührt
nicht die ganze Armee. In dem Augenblick, wo der
Feind bis vor die Tore der Stadt kommt, ſollte die Armee
die Waffen gegen den Feind, der von außen kommt, ge=
brauchen
, und nicht gegen die Abgeordneten. Der Depu=
tierte
Omernadji rief in lebhafter Erregung aus: Die
Kammer fürchtet den Tod nicht. Bis jetzt hat noch kein
türkiſcher Offizier die Feigheit begangen, einen anony=
men
Brief abzuſchicken. (Bravo!) Wir werden ſiegen
oder ſterben. (Frenetiſcher Beifall. Rufe: Wir werden
alle ſterben!) Mehrere Abgeordnete verlangten, daß der
Kriegsminiſter ſofort erſcheine. Die Armenier Haladian,
Vartakech und Zohrab ſprachen von den Offizieren der
Liga als von Verbrechern und elenden Feiglingen, die
nicht die Ehre der ganzen Armee beſchmutzen könnten.
Schließlich nahm die Kammer eine Reſolution an,
in der ſie den Großweſir und den Kriegsminiſter auf=
fordert
, ſofort zu erſcheinen und Erklärungen abzugeben.
Um 6 Uhr trat der Kriegsminiſter ein. Er
ſagte: Ich bedauere den Zwiſchenfall, aber ſeit der Ein=
ſetzung
der Konſtitution ſind ſolche Bluffs häufig vorge=
ommen
. Nach dem Offizier, der den Brief zurückgelaſſen
hat, wird geſucht. Natürlich wird er beſtraft. Auf die
Frage, ob auch gegen die Offiziere, die der Preſſe eine
Proklamation im Namen der Offiziersliga übergaben,
Maßnahmen getroffen werden, erwiderte der Miniſter:
h werde nach den Offizieren forſchen und ſie be=
rafen
. Ich bin erſt ſeit kurzem Miniſter und brauche
Zeit, um die Ordnung in der Armee wieder herzuſtellen.
Der Großweſir beſchloß, die Verfolgung gegen die Zeit=
ungen
einzuleiten, die die Proklamation veröffentlicht
haben. Said Bey erklärte, die Kammer nehme von den
Erklärungen des Miniſters Kenntnis und wünſche, daß
die Schuldigen ſo bald als möglich beſtraft werden. Die
Kammer fand die Erklärung für ausreichend.
Die Lage in Albanien.
* Konſtantinopel, 26. Juli. Der Sultan
ſanktionierte für die Miſſion, die nach Albanien
abgereiſt iſt, die ausgearbeiteten Inſtruktionen. Die Miſſion
wird die Beſchwerden gegen die Beamten anhören und
eine Unterſuchung anſtellen. Sie wird ferner die Beam=
ten
, die Unzufriedenheit veranlaßten, ſofort abſetzen und
neue Beamte ernennen, die der albaniſchen Sprache mäch=
tig
ſind und wird den Eigentümern der im Laufe der
militäriſchen Operationen zerſtörten Häuſer Entſchädig=
ungen
gewähren. Der Großweſir, Kiamil Paſcha und
Huſſein Hilmi Paſcha erhielten Glückwunſchdepeſchen von
Albanern von Priſchtina und der Umgegend, in welchen
dieſe der Regierung ihre Treue verſichern. Die Yeni
Sazetta veröffentlicht einen Brief aus Priſchtina, welcher
beſagt, nur die Kammerauflöſung würde die Albaner
vollſtändig beruhigen.
* Konſtantinopel 26. Juli. Beim Einmarſch
in Priſchtina waren die Aufſtändiſchen ca. 10000
Mann ſtark. Der Gendarmeriekommandant ſchloß ſich
u Aerkſtämnüſchen au. Eie Arſtändſchen lielen 461.

[ ][  ][ ]

Seite 6

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 27. Juli 1912.

Nummer 175.

Häftlinge frei und bewaffneten ſie. Sie bemächtigten ſich
der Waffendepots, bewaffneten die Bevölkerung und bra=
chen
in der Richtung auf Voriſowitſch in der Abſicht auf,
den Marſch nach Uesküb fortzuſetzen, wo eine
Panik herrſchen ſoll. Aus allen Richtungen ziehen be=
waffnete
Trupps nach Priſchtina.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Berlin, 26. Juli. Der Gouverneur von Ka=
merun
trat, wie wir hören, vor einigen Tagen eine
längere Dienſtreiſe nach dem Süden des Schutzgebietes
an. Im November gedenkt Gouverneur Ebermaier
die deutſchen Tſchadſeeländer zu beſuchen. Während die=
ſer
Reiſe, die etwa ſechs Monate dauern ſoll, übernimmt
der Referent für Kamerun und Togo im Reichskolonial=
amt
, Geheimer Regierungsrat Dr. Meyer, die Leitung
der Geſchäfte des Gouvernements in Buea. Dr. Meyer
tritt am 9. Oktober die Ausreiſe an.
* Badenweiler, 26. Juli. Morgen Samstag abend
7,23 Uhr treffen der Großherzog und die Groß=
herzogin
von Baden mit Gefolge zu längerem
Kuraufenthalt in Badenweiler ein. Der Groß=
herzog
dürfte vorausſichtlich auch dem am Sonntag ſtatt=
findenden
Badenweiler Rennen auf dem Neuenburger
Exerzierplatz beiwohnen. Ferner iſt Prinz Johann
Georg von Sachſen mit Gemahlin in Badenweiler ein=
getroffen
.
Köln, 26. Juli. Heute morgen wollte ein Auto=
mobil
bei Niederau einem anderen Gefährt ausweichen.
Es ſchlug um und wurde vollſtändig zertrümmert. Ein
Inſaſſe wurde getötet ein anderer leicht verletzt.
Dresden, 26. Juli. Juſtizminiſter von Otto,
Vorſitzender des Staatsminiſteriums, iſt heute mittag nach
kurzem Leiden geſtorben.
* Hamburg, 26. Juli. Die Vulkanwerke in
Hamburg und Stettin erhielten vor etwa 8 Tagen
von der griechiſchen Marine einen Auftrag auf
acht Hochſeetorpedoboote. Geſtern beſchloß der Miniſterrat
in Athen, der gleichen deutſchen Werft einen Auftrag auf
einen Panzerkreuzer zu erteilen. Anläßlich dieſes im inter=
nationalen
Wettbewerb errungenen Erfolges wurde die
Werft durch eine Allerhöchſte Kundgebung aus=
gezeichnet
: Vulkan ſage ich herzlichſten und aufrichtigen
Glückwunſch zu dem wohlverdienten ſchönen Erfolge auf
den die geſamte deutſche Induſtrie mit Freude und Stolz
blicken darf. Wilhelm I. R.
* Brüſſel, 26. Juli. In dem Befinden des geſtern
verletzten franzöſiſchen Abbés Fleuret iſt eine Wendung
zum Beſſeren eingetreten, jedoch iſt er noch nicht verneh=
mungsfähig
. Der Miniſterpräſident hat ihm geſtern nach=
mittag
einen Beſuch abgeſtattet. Nach Blättermeldungen
hat der Attentäer Beyl bereits in Frankreich eine zehn=
jährige
Zwangsarbeitsſtrafe auf Guyana verbüßt. In der
letzten Zeit ſoll er hier als Maurer gearbeitet haben vor
Jahren aber in einem hieſigen Krankenhaus angeſtellt ge=
weſen
ſein, wo er als ein ſtreng katholiſcher Mann galt.
* Gijon (Provinz Oviedo), 26. Juli. Der deutſche
Frachtdampfer Uranus ſtieß mit dem kleinen
ſpaniſchen Dampfer Fernan Cortes zuſammen. Der
Fernan Cortes wurde entzwei geſchnitten und ſank. Der
ebenfalls beſchädigte Uranus wurde von einem Schlepp=
dampfer
in den Hafen bugſiert. Perſonen wurden nicht
verletzt.
* Tokio, 26. Juli. Ueber das Befinden des
Kaiſers wurde geſtern kein Bulletin ausgegeben,
was als ein ſchlimmes Zeichen angeſehen wird. Wie man
erfährt, beträgt die Temperatur 37,77, der Puls 100 bis
108, der Atem 30 bis 32.
Berlin, 26. Juli. In der Grafenſtraße erlitten zwei
Mädchen durch unvorſichtiges Umgehen mit dem Spiritus=
kocher
tödliche Brandwunden. Sie ſtarben im
Krankenhauſe.
Philippstal, 26. Juli. Auf der Kali=Gewerkſchaft
Alexander=Hall wurde eine Anzahl Arbeiter verſchüttet.
Einer iſt tot, die anderen wurden gerettet.
Brandenburg a. d. H., 26. Juli. Der Chauffeur
einer Automobilfabrik in Reichſtein fuhr auf der Föhrder
Chauſſee in eine Gruppe Knaben. Einer war ſofort
tot.

Briefkaſten.

HB. Anonyme Anfragen wandern in den Papierkorb.

Reine schlaflosen Nächte
in der Zahnzeit des Kindes wird die Mutter
durchmachen, die ihm vor und während dieſer
Zeit Scotts Emulſion gibt. Tauſende von
Müttern beſtätigen, daß Scotts Emulſion ihren
Kleinen während des Zahnens ein Segen ge=
weſen
iſt und ihnen zu ſtarken, geſunden Zähn=
chen
verholfen hat. Die große Vorliebe der
lieben Kleinen für Scotts Emulſion iſt be=
kannt
, leider weniger die Tatſache, daß das
Präparat im Sommer ebenſo ſchmeckt und
ebenſo gut bekommt wie zu jeder anderen Jahres=
zeit
. Scotts Emulſion iſt und bleibt auch
im Sommer das beste (716036
Kinder-Kräftigungsmittel.

Beſtandteile: Feinſter Medizinal=Lebertran 1500, prima
Glyzerin 50,0, unterphosphorigſaurer Kalk 4,3, unterphosphorig=
ſaures
Natron 20, pulv. Tragant 3,0 feinſter arab. Gummi
pulv. 2.0, Waſſer 1290 Alkohol 11,0. Hierzu aromatiſche
Emulſion mit Zimt=, Mandel= und Gaultheriaöl je 2 Tropfen.

über Vermögens=, Fami=
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1e.

Aus dem Geſchäftsleben.

Man ſchreibt uns: In der Ernſt=Ludwig= Heil=
anſtalt
(Dr. Loſſens Klinik) iſt ein Radium=
emanatorium
eröffnet worden. Dadurch hat der
reichhaltige Heilſchatz dieſer allgemein als muſtergültig
eingerichtet anerkannten Anſtalt eine weitere weſentliche
Ergänzung erfahren. Nur der Umſtand, daß der humane
Geiſt des Gründers noch jetzt ſtets maßgeblich in der
Anſtalt iſt, macht es möglich, im Intereſſe des All=
gemeinwohls
ihre Einrichtungen auf der durch die
Fortſchritte der mediziniſchen Forſchung bedingten Höhe
zu halten.
Man ſchreibt uns: Der Königl. Mineral=
brunnen
zu Fachingen hat ſoeben eine neue
populäre Broſchüre herausgegeben, die nach verſchiedener
Richtung hin als eine Neuerung betrachtet werden darf
und deren Ausführung geſetzlich geſchützt iſt. Abgeſehen
von den künſtleriſchen Original=Illuſtrationen, enthält
die Schrift eine Menge Bemerkenswertes. Beſonders
intereſſieren dürfte u. a. die Mitteilung, daß vor Zeiten
in Fachingen ein Kloſter geſtanden hat. Alte Chroniſten
glauben auch, daß ſchon die Inſaſſen des ehemaligen
Fachinger Kloſters (15. und 16. Jahrhundert) auf ihren
Streifzügen und Wanderungen das mildtätige Waſſer
bekannt gemacht haben.

Familiennachrichten.

Todes=Anzeige.
Hierdurch die traurige Mitteilung, daß
geſtern abend 8 Uhr meine innigſtgeliebte
Gattin, unſere liebe Mutter
(16045
Frau Anna Zimmermahn
geb. Ruppel
im Alter von 52 Jahren nach langem, ſchwerem
Leiden durch einen ſanften Tod erlöſt wurde.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Cl. Zimmermann u. Kinder.
Darmſtadt, den 26. Juli 1912.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 28. Juli,
vormittags 10 Uhr, vom Portale des Darm=
ſtädter
Friedhofes aus, ſtatt.

m 25. Juli entſchlief unſer lieber Vater,
Schwiegervater und Großvater (16061
Herr Karl Weber
im Alter von 73 Jahren.
Um ſtille Teilnahme bitten:
Familie Julins Gröninger, Heinheimerſtr. 80,
Familie Georg Weifenbach, Heinheimerſtr. 84.
Die Beerdigung findet Samstag nachmittag
um 5 Uhr, vom Portale des Darmſtädter
Friedhofes aus, ſtatt.

Kriegerverein
Darmſtadt.

Die Beerdigung unſeres Mit=
glieds
und Feldzugskameraden
Herrn Karl Weber, Schuhmacher,
findet am Samstag, den 27. Juli, nachmittags
5 Uhr, vom Portale des Darmſtädter Fried=
hofes
aus, ſtatt.
(16075
Wir erſuchen die Kameraden von Eckhard
bis Heppenheimer, ſowie des 2. Bezirks, ſich
dort zu verſammeln.
Der Vorſtand.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meiner innigſtgeliebten Gattin,
unſerer guten Tochter, Schweſter, Schwägerin
und Tante
(16096
Frau Eleonore Eppel
geb. Vock
ſagen wir Allen unſeren aufrichtigſten Dank. Ins=
beſondere
danken wir dem Herrn Pfarrer Beringer
für ſeine troſtreiche Grabrede.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Wendelin Eppel
Familie Vock.
Darmſtadt, Groß=Gerau, 26. Juli 1912.

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Das Hochdruckgebiet hat ſich nach dem Oſten zurück=
gezogen
. In Mitteleuropa ſteigt der Druck wieder an
einigen Stationen. Das weſtliche Tief hat ſich etwas ver=
flacht
. Geſtern gingen in Heſſen vielfach Gewitter nieder.
Die Morgentemperaturen ſind etwas gefallen. Es iſt vor=
läufig
Beſſerung zu erwarten.
Ausſichten für Samstag, 27. Juli 1912:
Zunächſt ziemlich heiter und warm; ſpäter Trübung und
Gewitter.

Tageskalender.
Samstag, 27. Jult.

Verſammlung des Vereins Braunshardter Heim
um 4 Uhr im Strafkammerſaal des neuen Gerichts=
gebäudes
.
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. Heſſiſcher Hof
um 8 Uhr. Perkeo um 8 Uhr. Bürgerkeller um
8 Uhr. Gaſthaus Zum Löwen zu Arheilgen um 8
Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23)§
Kaiſer Wilhelm und ſein Enkel an Bord der Hohen=
zollern
; vom Feſtzug zum Bundesſchießen in Frank=
furt
; die feierliche Eröffnung der olympiſchen Spiele=
in
Stockholm; Manöver der franzöſiſchen Gebirgs=
truppen
.
Sonntag, 28. Juli.
Vortrag von Leutnant a. D. von Herff um 4½ und 8½
Uhr Waldſtraße 18.
Rad= und Motorrennen um 3½ Uhr auf der
Rennbahn an der Heidelbergerſtraße (Velociped=Klub),
Familienausflug des Kriegervereins nach Bens=
heim
(Abfahrt 1.40 Uhr).
Sippenwanderung des Deutſch=völkiſchen Tumn=
vereins
Jahn nach Auerbach (Abfahrt 2.12 Uhr).
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. Schützenhof um
8 Uhr. Brauerei Erker um 8 Uhr.

Verſteigerungskalender.
Montag, 29. Juli.

Torf=Verſteigerung um 10 Uhr im Rathaus
Pfungſtadt.

Großb. Landesmuſen m. Geöfnet: Sonn= untl
Freitags von 101 Uhr, Mittwochs und Sonntag
von 35 Uhr, Eintritt frei; Dienstags, Donnerstag
und Samstags von 111 Uhr gegen Eintrittsgeld.
Beſichtigung des Großh. Reſidenzſchloſ=
ſes
: An jedem Wochentage von 34 Uhr; Sonntags
von 111 Uhr.
Eugen Bracht=Ausſtellung auf der Mathil=
denhöhe
(geöffnet von 106 Uhr).
he American Bio Co., Ernſt=Ludwigsſtr. 23,
Vorſtellungen von 411 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 411 Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: J. V.: Adam Fleiſchmann, ſämt=
lich
in Darmſtadt. Für den redaktionellen Teil be=
ſtimmte
Mitteilungen ſind an die Redaktion des Tag=
blatts
zu adreſſieren. Etwaige Honorarforderungen
ſind beizufügen; nachträgliche werden nicht berückſichtigt.
Unverlangte Manuſkripte werden nicht zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

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jetzt

[ ][  ][ ]

Seite 8

Darmſtädter Tagblatt, Samstaa, den 27. Juli 1912.

Nummer 175.

Weiblich

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[ ][  ][ ]

Nummer 176.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 27. Juli 1912.

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Wellenſittich

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 27. Juli 1912.

Nummer 175,

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.

Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
8 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 21. Juli: dem Schutzmann Peter Phil.
May, Stiftſtr. 52, eine T. Maria Katharine Eliſabethe.
Am 15.: dem Vizefeldwebel im Leibgarde=Inf.=Regt. Nr.
115, Andreas Froſt, Magdalenenſtr. 17, eine T. Martha
Marianne. Am 21.: dem Maler und Lackierer Karl Kaſpar
Pullmann, Nieder=Ramſtädterſtr. 13, eine T. Emma.
Dem Schreiner Friedrich Loth, Taunusſtr. 47, ein S.
Otto. Am 20.: dem Großh. Kabinettskanzleidiener Ja=
kob
Liebig, Dieburgerſtr. 39, ein S. Hans Heinrich. Am
18.: dem Schloſſer Johannes Auguſt Avemarie, Lieb=
frauenſtr
. 67, eine T. Marie Luiſe. Am 25.: dem Bahn=
arbeiter
Peter Hoffmann, Liebfrauenſtr. 81, eine T.
Katharina und eine T. Eliſabeth.
Aufgebotene. Am 22. Juli: Kaufmann Heinrich Lud=
wig
Bernhard, Kiesſtr. 3, und Auguſte Friederike
Henge Heinheimerſtr. 80. Schuhmacher Heinrich Schön=
berger
, Friedrichſtr. 20, und Chriſtiane Lutz zu Bönnig=
heim
. Am 23.: Bahnarbeiter und Hilfswärter Joh. Peter
Wiederhold, Obergaſſe 36, und Marie Schulz, Hoff=
mannſtr
. 21. Am 24.: Bankbeamter Ernſt Albert Friedrich
Franz Naegelé, und Maria Hoch, beide zu Neu= Iſen=
burg
. Ingenieur Adam Phil. Beck zu Bielefeld, und
Anna Katharina Philippine Heß, Karlſtr. 36. Schutz=
mann
Karl Alfred Müller zu Mannheim, und Schneiderin
Eliſabetha Schäfer zu König. Rangierer Georg Sulz=
mann
zu Arheilgen, und Eliſabetha Feick, Helfmann=
ſtraße
30.
Geſtorbene. Am 22. Juli: Schloſſer Peter Breit=
wieſer
, 28 J., ev., Ober=Ramſtadt. Am 23.: Chriſtine
Finger, geb. Wiederſchein, geſchieden von dem Maurer,
58, J. ev., Artillerieſtr. 10. Emma Eppel, geb. Vock,
Ehefrau des Taglöhners, 30 J., ev., Hügelſtr. 87. Am 19.:
Anna Maria Eva Möſer, geb. Herbert, Ehefrau des
Stadtverordneten Johann Heinrich Möſer, 57 J., evl,
Ruthsſtr. 24. Am 24.: Dienſtmagd Johanna Vogt, 18
J., ev., Martinſtr. 36. Heinrich Anthes, S. des Hand=
arbeiters
, 8 Mte., ev., Arheilgen. Am 25.: Oktroiaufſeher
i. P. Valentin Göttmann, 58 J., ev., Rhönring 73.

Kirchliche Anzeigen.

Evangeliſche Gemeinden.
8. Sonntag nach Trinitatis, den 28. Juli 1912
Hoſkirche: Vormittags um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Beringer.
Stadtkapelle: Vormittags um 9½ Uhr: Pfarrer
D. Dr. Diehl. Feier des heil. Abendmahls mit Vor=
bereitung
. Nachm. 6 Uhr: Pfarrer Kleberger.
Gemeindehaus, Kiesſtraße 17: Sonntag, den
28. Juli, vormittags um 11 Uhr: Chriſtenlehre für den
Südoſt bezirk. Pfarrer Kleberger. Vormittags um
11¼ Uhr: Chriſtenlehre für den Kaplaneibezirk.
Pfarrer Beringer.
Militärgemeinde: Kein Gottesdienſt. Vorm. um
11 Uhr: Gottesdienſt im Lager. Kindergottesdienſt
fällt aus.
Johanneskirche: Vormittags um 10 Uhr: Pfarrer
Dingeldey.
Martinskirche: Vormittags um 10 Uhr: Pfarrer
Veller. Kindergottesdienſt und Chriſtenlehre für den
Oſt bezirk fällt aus. Nachm. um 2 Uhr: Chriſtenlehre
für den Nordbezirk in der Kirche, für den Weſt bezirk
im Gemeindehaus. Nachm. um 4 Uhr: Bibelſtunde
im Martinsſtift. Pfarrer Veller.
Pfründnerhaus: Vorm. um 10 Uhr: Pfarraſſiſtent
Müller.
Eliſabekhenſtift: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarrer Stein.
Beſſunger Kirche (Betrusgemeinde): Vormittags um
8½ Uhr: Chriſtenlehre. Pfarrer Wagner. Vorm.
um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Pfarrer Wagner.
Pauluskirche: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt.
Pfarraſſiſtent Herpel.
Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 28. Juli,
nachmittags um 4 Uhr: Bibelſtunde. Abends um
8½ Uhr: Evangeliſation. Thema: Wie komme ich
an der Todesfurcht vorbei? Dienstag, den
30. Juli, abends um 8½ Uhr: Blaukreuzſtunde. Mitt=
woch
, den 31. Juli, abends um 8½ Uhr: Uebung des
gemiſchten Chors. Donnerstag, den 1. Auguſt, abends
um 8½ Uhr: Bibelſtunde. Freitag, den 2. Auguſt,

abends um 8½ Uhr: Bibelbeſprechſtunde für Männer.
Samstag, den 3. Auguſt, abends um 9 Uhr: Ver=
ſammlung
für Beamte der Poſt, Eiſenbahn, Polizei, Gen=
darmerie
und dergl. Zweig der Stadtmiſſion
(Beſſungerſtr. 88, Hinterbau): Sonntag, den 28. Juli,
vorm. um 11¼ Uhr: Sonntagsſchule. Nachm. 3 Uhr:
Jugendbund fur Jünglinge, nachm. um 4½ Uhr: Jugend=
bund
für Jungfrauen. Freitag, den 2. Auguſt. abends
um 8½ Uhr: Bibelſtunde.
Gottesdienſt der Aenapoſtoliſchen Gemeinde (Neue Nieder=
ſtraße
10): Sonntag, nachmittags um 4 Uhr. Mitt=
woch
, abends um 8½ Uhr.

Gemeinde gläubig getauſter Chriſten (Baptiſten), Mauer=
ſtraße
17: Sonntag, den 28. Juli: Vormittags um
9½ Uhr und nachm. 4 Uhr: Predigt. Prediger Höpfner.
Vorm. um 10½ Uhr: Sonntagsſchule. Abends
um 6 Uhr: Jugendverein. Mittwoch, den 31. Juli,
abends um 8½ Uhr: Gebetsverſammlung.

Methodiſtengemeinde (Taunusſtraße 53): Sonntag,
den 28. Juli, nachmittags um ¾3 Uhr: Sonntagsſchule
(Kindergottesdienſt). Um 4 Uhr: Predigt. Freitag,
den 2. Auguſt, abends um ½9 Uhr: Bibel= und Gebets=
ſtunde
.

Katholiſche Gemeinden
St. Ludwigskirche: Samstag, den 27. Juli, nachmit=
tags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit
zur heil. Beichte.
9. Sonntag nach Pfingſten, den 28. Juli 1912
Vorm. von ½ 6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um 6 Uhr: erſte heil. Meſſe. Um 7 Uhr: Aus=
teilung
der heil. Kommunion. Um 8 Uhr: Militär=
gottesdienſt
mit Predigt. Um ½10 Uhr: Hochamt
mit Predigt. Um 11 Uhr: letzte heil. Meſſe. Nach=
mittags
um 3 Uhr: Armenſeelenandacht für die Abge=
ſtorbenen
der Gemeinde. Abends um 6 Uhr: Herz=
Mariä=Bruderſchaftsandacht mit Predigt. Donnerstag,
nachm. um 5 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte. Frei=
tag
, vormittags um ¼9 Uhr: Segenamt zu Ehren des
Herzens Jeſu.
Kapelle der Barmherzigen Schweſtern: Sonntag, vor=
mittags
um ½7 Uhr: hl. Meſſe. Nachmittags um
2 Uhr: Aloyſianiſche Andacht. Um 4 Uhr: Verſamm=
lung
im Mädchenheim. Um 4 Uhr: Vortrag für die
Jugendabteilung der Jungfrauen=Kongregation. Um
½5 Uhr: Verſammlung der Jungfrauen=Kongregation.
Kapelle der Engliſchen Fräulein: Sonntag, vormittags
um 7 Uhr: heil. Meſſe.
Kapelle in Griesheim: Sonntag, vorm. um 9 Uhr:
heil. Meſſe mit Predigt.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 27. Juli, nach=
mittags
um ½5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur heil. Beichte.
Sonntag, den 28. Juli 1912
Vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um ½ 7 Uhr: Frühmeſſe. Um 8 Uhr: heil. Meſſe.
Um ½10 Uhr: Hochamt und Predigt. Nachmittags
um 2 Uhr: Andacht. Donnerstag, nachm. um 5 Uhr:
Beichtgelegenheit. Freitag, nachm. um 5½ Uhr: Herz=
Jeſu=Andacht.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, den
27. Juli, nachmittags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr:
Gelegenheit zur heil. Beichte.
9. Sonntag nach Pfingſten, den 28. Juli 1912
Vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um ½ 7 Uhr: heil. Meſſe. Um ½ 9 Uhr: Amt mit
Predigt. Nachm. um ½3 Uhr: Armenſeelenandacht;
darauf Verſammlung des Marienvereins. Bibliothek
(Herdweg 28): Dienstag, nachmittags von 67 Uhr.
Donnerstag, nachmittags um 5 Uhr: Gelegenheit zur
heil. Beichte.
Kirche zu Eberſtadt: Samstag, den 27. Juli, nachm.
um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Beichtgelegenheit.
9. Sonntag nach Pfingſten, den 28. Juli 1912
Vormittags um ½ 6 Uhr: Beichtgelegenheit. Um
7 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion. Um
¼10 Uhr: Hochamt und Predigt. Nachmittags um
2 Uhr: Chriſtenlehre. Um 2 Uhr: Andacht. Um
5 Uhr: Aloyſianiſche Andacht. Werktags, vormittags
um ¼7 Uhr: Singmeſſe.
Kapelle zu Pſungſtadt: 9. Sonntag nach Pfingſten,
den 28. Juli, vorm. um 7 Uhr: Beichte. Um ½ 8 Uhr:
Amt und Predigt. Nachmittags um 4 Uhr: Andacht.

Getaufte, Getraute und Beerdigte.

Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 19. Juli: Dem Metzger Joh.
Hofmann T. Anna Suſanna, geb. 26. März. Dem Tag=
löhner
Philipp Hamann= S. Heinrich, geb. 16. April.
21. Juli: Dem Dachdecker Philipp Schuchmann Zwillinge
T. Sofie und S. Heinrich, geb. 14. Juni. Dem Gärtner
Bernhard Weidmann S. Arthur Joſeph, geb. 22. Juni.
23. Juli: Dem Taglöhner Georg Geier S. Juſtus, geb.
21. September 1911. 21. Juli: Dem Lackierer Konrad
Weygand S. Friedrich Johann Philipp, geb. 17. Juni.
Dem Hilfsſtationsſchaffner Adam Marx S. Georg Phil.,
geb. 23. Juni. 25. Juli: Dem Bau=Ingenieur Karl Kraft
T. Marie, geb. 24. Juni.
Martinsgemeinde: 18. Juli: Dem Gaſtwirt
Georg Härting S. Ludwig, geb. 8. Juni. 20. Juli: Dem
Taglöhner Ludwig Leißler S. Otto, geb. 5. Mai. 21. Juli:
Dem Fuhrmann Philipp Eiſenhauer T. Marie Marg.,
geb. 19. Juni. Dem Kaufmann Johann Schnellbacher
S. Hans Adam Georg, geb. 23. Juni.
Petrusgemeinde: 21. Juli: Dem Schloſſer Her=
mann
Richard Schulz T. Eliſabethe Emilie Margarethe,
geb. 11. Juli. Dem Fabrikarbeiter Wilhelm Howahrde
T. Auguſte Anna, geb. 3. Juni. Dem Taglöhner Georg
Crößmann T. Margaretha, geb. 20. Juni. Dem Schreiner
Valentin Kraemer T. Elſa Pauline, geb. 14. Juni.
Paulusgemeinde: 21. Juli: Dem Juwelier
Ernſt Hermann Ludwig Macholdt S. Willi Alexander,
geb. 6. Juli.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 20. Juli: Oberlehrer Dr. Peter
Ehrhard in Bingen und Emma Katharina Götz in Oppen=
heim
. Hilfsarbeiter Heinrich Fink und Marg. Schimpf.
18. Juli: Profeſſor am Gymnaſium zu La Chaux de Fonds
Charles Samuel Favez und Conradine Franziska Hedwig
Freiin von Zedlitz und Neukirch.
Johannesgemeinde: 20. Juli: Bürobeamter
Karl Martin und Anna Luther von hier.
Martinsgemeinde: 20. Juli: Großh. Geo=
meter
II. Kl. Guſtav Lang und Margarethe Heid.
21. Juli: Bahnarbeiter Friedrich Steinbach und Johannette
Reuter, beide hier.
Petrusgemeinde: 20. Juli: Weißbinder Georg
Grünig V. aus Pfungſtadt und Eliſabethe Margaretha
Ockin von hier. Monteur Johann Adam Friedrich Wil=
helm
Sulzmann und Anna Mathilde Maria Staege.
21. Juli: Schloſſer Heinrich Kiefer und Eliſabethe Helfert.
24. Juli: Großh. Bankaſſiſtent Heinrich Rühl u. Katha=
rine
Marie Henriette Flint.
Paulusgemeinde: 21. Juli: Kutſcher Otto
Creder und Philomena Wenniſch, beide hier.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 21. Juli: Guſtav Emil Sadtler,
1 J., ſtarb 18. Juli. 22. Juli: Katharina Anna Maria
Geier, Tochter des Taglöhners, 4 J., ſtarb 20. Juli.
25. Juli: Emma Eppel, geb. Vock, Ehefrau des Fabrik=
arbeiters
zu Groß=Gerau, 28 J., ſtarb 23. Juli. Chriſtine
Finger, geb. Wiederſchein, Witwe des Taglöhners, 58 J.,
ſtarb 23. Juli. 20. Juli: Privatin Dorothea Gelfius,
79 J., ſtarb 18. Juli. 21. Juli: Luiſe Chriſt, geb. Sander,
Ehefrau des Güterexpeditionsvorſtehers i. P., 68 J., ſtarb
18. Juli.
Johannesgemeinde: 22. Juli: Auguſte Walter,
geb. Heberer, Ehefrau des Rentners, 58 J., ſtarb 19. Juli
zu Hofheim. 23. Juli: Kanzleidiener Heinrich Dörr,
56 J., ſtarb 20. Juli.
Martinsgemeinde: 18. Juli: Fuhrmann Chriſtian
Miſchliſch, Witwer, 69 J., ſtarb 16. Juli. 22. Juli: Friedr.
Wilhelm Nicolay, Sohn des Schachtmeiſters, 3½ J., ſtarb
20. Juli. 22. Juli: Anna Marie Eva Möſer, geb. Herbert,
Ehefrau des Generalagenten und Stadtverordneten, 57 J.,
ſtarb 19. Juli.
Petrusgemeinde: 24. Juli: Juliane Lipp,
Ehefrau des Gaſtwirts, 55 J., ſtarb 22. Juli.
Paulusgemeinde: 19. Juli: Privatin Emilie
Werner, 64 J., ſtarb 16. Juli. 20. Juli: Luiſe Genth,
geb. Klimſch, Witwe des Oberförſters, 74 J., ſtarb
18. Juli. 22. Juli: Hans Grönniger, Sohn des Poſt=
ſekretärs
, 8 J., ſtarb 21. Juli (Einſegnung). 23. Juli:
Margarete Bender, Schweſter des heſſ. Diakonievereins,
21 J., ſtarb 20. Juli. Dachdecker Richard Otto Krieg=
baum
, 23 J., ſtarb 21. Juli.

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[ ][  ][ ]

Bekanntmachung.

Es wird zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß das Großh. Proviantamt
Darmſtadt den Ankauf von Roggenſtroh aufgenommen hat. Der Heuankauf wird
fortgeſetzt.
Darmſtadt, den 22. Juli 1912.
(16008
Großberangliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß von Truppenteilen des
XVIII. Armeekorps am 25., 26., 29., 30. Juli, 1., 2., 5., 6., 8., 9., 12., 13. Auguſt 1912
von 7 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends Schießen mit ſcharfer Munition auf dem
Schießplatz bei Meſſel abgehalten wird.
Schußrichtung vom Steinhügel, 1 km nördlich Meſſel in nordnordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände=
im
Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich,
. Weſten: Dammweg-Brunnersweg ausſchließlich,
Süden: Forſthaus Steinacker-Steinhügel ausſchließlich,
Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milches=
wieſe
-Sauwieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegſchranken und Warnungstafeln abgeſperrt.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten. ( Polizeiver=
ordnung
Kreisamt Darmſtadt 25. September 1909, Kreisamt Offenbach a. M. 20. Sep=
tember
1909).
Darmſtadt, den 19. Juni 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
(13886a

Bekanntmachung.

Die nachſtehende Zuſammenſtellung bringen wir zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 12. Juli 1912.
(15644a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppen=Uebungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 29. Juli bis 3. Anguſt 1912.

Dauer der
Die Abſperrung
Datum
Truppenteil 1 Abſperrung
Tag
erſtreckt ſich
von bis
29. Juli Montag
1200
30. Juli 1 Dienstag
So B. 120 M.
31. Juli Mittwoch
Ueber das ganze
1. Aug. Donnerstag 1 Feldartillerie 180 B. 1120 M
Abſperr=Gelände
z. 1200
2. Aug. Freitag
1200 M.
3. Aug. 1 Samstag
200 N.
300 V.

Bekanntmachung.
Die Einſtellung von Drei= und Vierjährig=Freiwilligen für das III. See=
bataillon
(Marine=Infanterie) in Tſingtau (China) findet Oktober 1912 ſtatt; Aus=

reiſe nach Mſinglau: Famtar oder Frühahr 1915, Heinreiſe Frähahr 1915 bezw. 1914.
Bedingungen: Mindeſtens 1,65 m groß, kräftig, geſunde Zähne, vor dem 1. Oktober 1893
geboren (jüngere Leute nur bei beſonders guter körperlicher Entwicklung). In Tſingtau
wird außer Vöhnung und Verpflegung täglich 050 Mark Teuerungszulage gewährt;
die Vierjährig=Freiwilligen erhalten im vierten Dienſtjahre eine Ortszulage von täglich
1 Mk. 50 Pfg. Meldungen mit genauer Adreſſe ſind unter Beifügung eines vom
unterzeichneten Zivilvorſitzenden ausgeſtellten Meldeſcheins zum freiwilligen Dienſt=
eintritt
auf drei bezw. vier Jahre zu richten an: das Kommando des III. Stamm=
ſeebataillons
, Wilhelmshaven.
Darmſtadt, den 16. Juli 1912.
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt.
Dr. Reinhart.

Bekanntmachung.

Die Einſtellung von Drei= und Vierjährig=Freiwilligen für die Matroſen=
artillerie
=Abteilung Kiautſchon (Küſtenartillerie) in Tſingtau (Ehina) findet
Oktober 1912 ſtatt; Ausreiſe nach Tſingtau: Januar 1913 bezw. 1914, Heimreiſe Früh=
jahr
1915 bezw. 1916. Bedingungen: Mindeſtens 1,64m groß, kräftig, geſunde Zähne,
vor dem 1. Oktober 1893 geboren (jüngere Leute nur bei beſonders zuter körperliche:
Entwicklung). Bevorzugt werden: Techniker Elektrotechniker, Monteure, Mechaniker,
Chauffeure, Schuſter und Schneider. In Tſingtau wird außer Vöhnung und Ver=
pflegung
täglich 0,50 Mark Teuerungszulage gewährt; die Vierjährig=Freiwilligen er=
halten
im vierten Dienſtjahre eine Ortszulage von täglich 1 Mk. 50 Pfg. Meldungen
mit genauer Adreſſe ſind unter Beifügung eines vom unterzeichneten Zivilvorſitzenden
ausgeſtellten Meldeſcheins zum freiwilligen Dienſteintritt auf drei bezw. vier Jahre
zu richten an; das Kommando der Stammabteilung der Matroſenartillerie
Kiautſchou, Cuxhaven.
Darmſtadt, den 16. Juli 1912.
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt.
Dr. Reinhart.

Bekanntmachung.

Unter Bezugnahme auf die beiden vorſtehenden Bekanntmachungen, betreffend:
1. Einſtellung von Drei= und Vierjährig=Freiwilligen für das III. See=
bataillon
und
2. Einſtellung von Drei= und Vierjährig=Freiwilligen für die Matroſen=
artillerie
=Abteilung Kiautſchou,
bringe ich zur Kenntnis derjenigen, welche die Abſicht haben, ſich zum Dienſteintritt
melden zu wollen, daß die Erteilung des Meldeſcheius abhängig iſt von Erbringung:
1. eines Geburtsſcheins,
2. einer ſchriftlichen und beglaubigten Einwilligung des Vaters,
3. einer Beſcheinigung, daß der ſich Meldende durch Zivil=Verhältniſſe
nicht gebunden iſt,
4. eines Leumundszeugniſſes.
Die Beſcheinigung zu 1 wird durch das zuſtändige Standesamt erteilt, die zu 2
erforderliche Beglaubigung und die Beſcheinigung zu 3 erfolgt in der Regel durch die
Bürgermeiſterei des Wohnſitzes. Für die in der Stadt Darmſtadt wohnhaften Leute
wird das Leumundszeugnis (Ziffer 4) durch das Großh. Polizeiamt Darmſtadt aus=
gefertigt
. Sämtliche Beurkundungen ſind koſtenfrei.
Darmſtadt, den 16. Juli 1915
(15624sss
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion des Aushebungsbezirks
Darmſtadt.
Dr. Reinhart.

etier ene e re re ete
Gefunden: 1 Kinder=Sportleiterwagen. 1 goldener Zwicker.

1 Taſchenmeſſer mit Hornſtiel. 1 vergoldete große Nadel mit rotem
Stein. 1 ſchwarze Sämthandtaſche mit Taſchentuch. 1 ſilberne Rock=
nadel
mit Emaileinlage. 1 kleines Portemonnaie mit einigem Inhalt.
1 weißes Kinderhütchen. 1 Kanne weiße Farbe. In letzter Zeit
im ſtädtiſchen Hallenſchwimmbad liegen geblieben und von der
Direktion abgeliefert: 1 Nickelremontotruhr mit Gehäuſe und Kette.
1 goldener Herrenring mit Monogramm M. R. 1. Elfenbeinbroſche
(Zweig darſtellend). 1 Taſchenmeſſer. 1 altes Raſiermeſſer. 2 Taſchen=
ſpiegel
mit Kämmchen. Vorſtecknadeln. 1 ſilbernes Halskettchen
(16026
mit Anhänger. 1 Paar Manſchetten.
Polizeilich eingefangene und zugelanfene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher. 1 Pinſcher, 1 Vorer (zugelaufen). Die Hunde
können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dort=
(16044
ſelbſt ieden Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt,u
Sonntagsruhe in den Apotheken. Am Sonntag, den 28. Juli,
ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr abends folgende
Apotheken geöffnet: Hirſch=Apotheke, Nieder=Ramſtädterſtr., und
Apotheke am Juſtizpalaſt, Bismarckſtraße. Alle übrigen Apotheken
ſind von 1 Uhr ab geſchloſſen.

Verkaufspreiſe der Fleiſch= u. Wurſtwaren t. d. Haupt= u. Keſidentſtadt Darmſtadt.
(Nach den Mitteilungen des Vorſtandes der Metzger=Innung.) (8823

per ½ kg
96 Pfg.
Ochſenfleiſch
. 90
Rindfleiſch
100
Kalbfleiſch
. 100
Hammelfleiſch
Bruſt .
60
90
Schweinefleiſch
Rippchen, Kammſtück u.
geſalzenes Fleiſch . . 100
Kottelets, geſchnitten . 110

per kg
.120 Pfg.
Speck, geräuchert
.110
Dörrfleiſch
. 120
Schinken m. Bein:
Rollſchinken
.140
Schweineſchmalz, roh
u. ausgelaſſen . . . 86
Schwartenmagen,
Fleiſch=u Bratwurſt . 90
Leber= u. Blutwurſt . . 70

her Ankauf von Roggenſtroh iſt aufgenommen.
L Heuankauf wird fortgeſetzt.
315853)
Proviantamt Darmſtadt.

Die beſte Gelegenheit
gebr. Möbel all. Art am ſchnellſten u. ſich. z. verw., biet. mein Unternehmen.
Uebernahme zur Verſteigerung und Verkauf vollſtändiger
Haushaltungen, ſowie Nachläſſe, einzelne Möbel uſw.
Auf Wunſch vorherige Taxation. Geſchäftsprinzip korrekt u. diskret.
Abrechnung kann ſof. nach der Verſteigerung bezw. Verkauf erfolgen.
Wege u. Umziehenden beſtens zu empfehlen. Beſte Reſerenzen.
Johannes Krummeck,
Auktionator und Taxator.
Wohnung: Grafenſtraße 4.
Unterhalte ſtändige Lager von neuen, gebrauchten u. antiken
(15283a
Möbeln. Beſichtigung jederzeit ohne Kaufzwang.

Torfverſteigerung.

Montag, den 29. Juli 1912, vormittags 10 Uhr
anfangend, werden auf dem Rathauſe zu Pfungſtadt
eg. 400000 Stück Torf
meiſtbietend verſteigert.
(15945ds
Pfungſtadt, den 24. Juli 1912.
Großh Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
. T. Nungeſſer.

Steuer=Erhebung.

Das 2. Ziel der Gemeinde=
ſtener
für das Rechnungsjahr
1912 iſt, bei Vermeidung der Mah=
nung
, bis längſtens Ende dieſes
Monats an den Werktagen, vor=
mittags
von 8 bis 12½ Uhr, hier=
her
zu entrichten.
Im Intereſſe raſcheſter Ab=
fertigung
an den Zahlſchaltern
wird gebeten, die Gelder abge=
zählt
bereit zu halten.
Darmſtadt, 15. Juli 1912.
Die Stadtkaſſe.
Koch. (15577a

Bekanntmachung.
Mittwoch, 31. Juli I. Js.,
vormittags 10 Uhr,

ſoll die den Schuhmacher Wilhelm
Valentin Neubauer Eheleuten da=
hier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. am
II 897/10 108 Hofreite Große
Ochſengaſſe
Nr. 16,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K52/12
Darmſtadt, 25. Juni 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V13982

Bekanntmachung.
Montag, 12. Auguſt I. Js.,
vormittags 10 Uhr,

ſoll die den Erben des Andreas
Friedrich Ruhland dahier gehö=
rigen
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
V 14//100 396//10 Hofreite
Wendel=
ſtadtſtraße

zwecks Aufhebung der beſtehenden
Gemeinſchaft in unſerem Büro
zwangsweiſe verſteigert werden.
Darmſtadt, 11. Juli 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
K61/12Müller. (V15185

Bekanntmachung.
Mittwoch, 31. Juli I. Js.,
vormittags 10 Uhr,

ſoll die dem Friedrich Balls zu
Offenbach a. M. und dem Jakob
Mohr zu Darmſtadt, im Grund=
buch
hieſiger Gemarkung zuge=
ſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. am
III 110¾/10 198 Grab= Die=
garten
burger=
III 112 3723%0 Hof.ſtraße
reite Nr. 96,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(B51/12
verſteigert werden.
Darmſtadt, 22. Juni 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V13981

Bekanntmachung.
Mittwoch, 14. Anguſt 1. Js.,
vormittags 11 Uhr,

ſoll die den Jakob Mohr Ehe=
leuten
dahier zugeſchriebene Lie=
genſchaft
:
Flur Nr. qm
350 1644 Hofreite
Neckarſtr.
Nr. 4,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (B30/12
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, kann Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er=
reicht
.
Darmſtadt, 8. Juli 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V15134

Belianntmachung.
Donnerstag, 1. Augnſt I. Js.,
vormittags 10 Uhr,

ſoll die dem Friedrich Balls zu
Offenbach und dem Jakob Mohr
zu Darmſtadt im Grundbuch hie=
ſiger
Gemarkung zugeſchriebene

Liegenſchaft:

Flur Nr. qm
III 110¾/10 198 Grab=
garten

III 112 3723¾/10 Hof=
reite
385

in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert Lorden. (K25/12
Falls andke rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, kann Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er=
reicht
.
Darmſtadt, 12. Juli 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (*15457

Bekanntmachung.

Für Schulden, die meine Frau
macht, hafte ich von heute ab nicht
(*2026
mehr.
Darmſtadt, 25. Juli 1912.
Heberer,
Oberrechnungs=Reviſor.

1 Wagon
Wetteraner Kaiſerkronen
extra groß ausgefallene Ware, ein=
getroffen
, Ztr. 5 Mk., frei Haus.
Fried. Ewald
Obergaſſe 4. (*2138

Bekanntmachung.
Montag, 5. Auguſt 1912,
vormittags 10 Uhr,

ſollen auf freiwilligen Antrag des
Rechtsanwalts Raab in Darm=
ſtadt
die den verſtorbenen Philipp
Erbes Eheleuten dahier gehörigen
Liegenſchaften:

Flur Nr. am
I 453//10 203 Hofreite am
Ludwigsweg
( Ludwigshöh=
ſtraße
47),
I 4535/10 94 Grabgarten
daſelbſt,

in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, verſteigert werden.
Darmſtadt, den 23. Juli 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz. (V16017

kann angeſ.
Bangrund werden am
Neubau verl. Soderſtr., Einfahrt
v. d. Darmſtr. Verg. 10 Pf. (16062a

Ofizierpferd, tadel=
Luchsſtute, losgeritten, truppen=
und ſtraßenfromm, urlaubshalber
zu verkaufen. Näh. bei Kühne,
Blumenthalſtraße 75. (15762omds

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wegen Aufgabe des Stalles billig
(*2068
abzugeben.
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Heidelbergerſtraße 102, 3. Stock.

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Wienersſtr. 66, 3. St. (*2157ao

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und ſchon andreſſiert, abreiſehalber
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beſitzer
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E 27 a. d. Exped. ds. Bl. (*2162

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 27. Juli 1912.

Nummer 175.

Wichtig!
Achtung!
für alle Hausbeſitzer.
Keine Röhren mehr
auf den Kaminen,
Keinen Rauch mehr
in den Manſarden od. Stockwerken
durch meinen gemauerten Kamin=
aufſatz
! Beſeit. Rauchbeläſtigungen
auf dem einfachſten, natürl. Wege.
Wirkt zuverläſſig unter allen ge=
gebenen
Verhältniſſen. Zahlreiche
Referenzen hier am Platze. Spezia=
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Zu erfragen in der Expedition
dieſes Blattes.
(*2126

Schiffsbericht. Hamburg= Ame=
rika
=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Hrn. Adolf Rady, Darm=
ſtadt
, Zimmerſtraße 1. Dampfer
Bulgaria von Boſton und Bal=
timore
kommend, 24. Juli 9 Uhr
abends in Hamburg. Dampfer
Graf Walderſee, nach Phila=
delphia
, 24. Juli 11 Uhr 55 Mi=
nuten
mittags Cuxhaven paſſiert.
Dampfer Hamburg 24. Juli
Uhr 30 Minuten nachmittags in
New=York. Dampfer Kron=
prinzeſſin
Cecilie vierte Nordland=
fahrt
, 23. Juli nachmittags in Sme=
renberg
Bay. Vergnügungs=
dampfer
Meteor fünfte Nord=
landfahrt
, 24. Juli 8 Uhr morgens
in Naes.

Städtiſches Hallenſchwimmbad.

Vom 1. Auguſt an werden verſuchsweiſe
für das Damenſchwimmbad
Monatskarten zum Preiſe von 2 Mark 75 Pfg. ausgegeben.
Gleichzeitig wird, ebenfalls verſuchsweiſe,
für das Damenſchwimmbad
der Preis eines Einzelbades für Erwachſene von 40 Pfg. auf 30 Pfg.,
Kinder
20 15
ermäßigt.
Der Preis der Einzelkarten an Volkstagen beträgt, wie bis=
her
, 10 Pfg.
Städtiſche Badeverwaltung.
Klein.
(15773a

ie unterzeichneten Geſchäftsführer der Geſellſchaft mit be=
ſchränkter
Haftung Darmſtädter Baugeſchäft in
Darmſtadt machen hierdurch bekannt, daß durch Beſchluß der
Geſellſchafter=Verſammlung vom 8. Juli d. Js. das Stammkapital
der Geſellſchaft um Mk. 136000 herabgeſetzt worden iſt.
Gemäß § 58 Ziffer 1 des Geſetzes betr. die G. m. b. H. werden
die Gläubiger aufgefordert, ſich zu melden.
Darmſtadt, den 20. Juli 1912.
(16082soi
E. Harres.
H. Stirtz.

Großh. Landes-Baugewerkſchule
Darmſtadt.

Die Schule iſt eine Staatsanſtalt und umfaßt je 5 Klaſſen.
Gründliche Ausbildung im Hochbau und Tiefbau. Pflege der heimat=
lichen
Bauweiſe.
Vorbereitung für die mittlere Beamtenlaufbahn im Baufache.
Die Abgangszeugniſſe der Großh. Landes=Baugewerkſchule ſind den=
jenigen
der Königl. Preußiſchen Baugewerkſchulen gleichgeſtellt.
Semeſterdauer 20 Wochen. Unterrichtsgeld 100 Mk. Das
Winterſemeſter beginnt am 3. Oktober d. Js.
Schluß der Anmeldefriſt 15. September.
Programme und Anmelbeformulare ſind durch die Direktion,
Darmſtadt, Neckarſtraße 3, zu erhalten.
(16084sss
Die Direktion.

Hessische Handels-Lehranstalt
Fernsprecher 923 Darmstadt Rheinstrasse 6
Neue Kurse beginnen Dienstag, 13. August.
Während des Umbaues halte ich Montag bis Frei-
tag
, 1112 und 35 Uhr
(16023a
Rheinstr. 8, III., Sprechstunden ab.
Wilhelm Siedersleben, Diplom-Handelslehrer.

Dierker’s Privat-Handelsschule
1 Schulstrasse 1.
Individuellen Unterricht in allen Handelsfächern.
Beginn der Herbstkurse mit vollem Tagesunterricht
am 1. Oktober. Anmeldungen erbeten.
(16011a
Einzelfächer täglich.

Real- und Handelsschule Miltenberg u. Main

mit Schülerheim.

Erteilt Einjährigenzeugnis. (15901D
Uebergangsklassen für Gymnasiasten.

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an Wochentagen. Sonntags nur Vormittags.
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Gicht in allen Formen, ehronischer Rheuma-
tismus
der Muskeln u. Gelenke, Zuckerkrankheit,
Störungen des Stoffwechsels, Blutkrankheiten,
sowie eine Reihe von Haut- und Nervenleiden.
er beste Schutz gegen Einbruch-Diebstahl-
WSchäden u. eine Beruhigung für die Reisezeit
ist der Abschluss einer Versicherung. Die Prämien sind
gering. Auskunft und Prospekte durch die
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[ ][  ][ ]

Nammer 175.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 27. Juli 1912.

Seite 15.

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Fuß), wie neu, unt. Garant. bill.
abzug. Hölgesſtr. 3, part. (*2125

Dr. Hof bis 25. August verreist.
Die Vertretung haben gütigſt
übernommen Herr Dr. Bönning,
Mauerſtr., (Ecke Dieburgerſtr.), Herr
San.=Rat Dr. Buchhold, Viktoria=
ſtraße
85, Herr Dr. Dietz, Karls=
ſtraße
85, Herr Dr. Göring, Mühl=
ſtraße
64, (bis zu ſeiner Abreiſe)
Herr Dr. Kayser, Hügelſtr. 6, (bis
zu ſeiner Abreiſe), Herr San.=Rat
Dr. Kolb, Riedeſelſtr. 23, Herr Dr.
Langsdorf, Hügelſtr. 11. (*2078so

Von der Reise

zurück.

(16098

Dal.-Kat Dl. Gatonbtis

Während meiner Ab-
wesenheit

(15886ms
haben die Herren:
San.=Rat Dr. Birnbaum,
San.=Rat Dr. Gutenberg,
Dr. Kautzsch,
San.=Rat Dr. Markel
die Güte, mich zu vertreten.
Dr. Bodenheimer.

Dr. F. Schnppe
Rheinstrasse 15
von der Reise zurück.
(*1830mds)

San. Rat Dr. Quetsch
wird während ſeiner Abweſenheit
gütigſt vertreten von den Herrn:
Dr. Dietz, (*2072som
Dr. Kayser,
Dr. Löb,
San.-Rat Dr. Markel,
Dr. Mayer,
Dr. Schneider.

Dr. med. Babucke, Spez.-Arzt.
Weisbrod & Witwitzkv, Spez. f.
Haut-u. weschlechtsleiden
Harnröhrenerkrankungen,
Ausflüsse, Sxphilis.
Frankfurt a. M., Kalserstr. 60
Schmerzloses rasches Heilver-
fahren
ohne Ouecksilber.
Rasche Heilungen nach

Ehrlich-Hata 606.
Sprechstund.: 111 und 48
Uhr. Sonnt. u. Feiert. 10 1 Uhr.
(14412a)

Kurſe vom 26. Juli 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
8f.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,30
3½ Deutſche Reichsanl. . 90,00
do.
80,00
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,00
3½ do. Conſols . . . 90,00
79,90
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 99,90
do.
93,20
3½
88,10
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 99,80
88,10
do.
do.
4 Hamburger Staatsanl. 100,40
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 100,10
4 do. do. (unk. 1918) 100,20
88,30
do.
3½
77,60
do.
. 80,00
3 Sächſiſche Rente.
4 Württemberger v. 1907 100,10
3½
do. v. 1875 95,00
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887 . . 54,30
4 Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 90,50
do. Goldrente . . . 96,00
4 do. einheitl. Rente . 87,50
3 Portug. unif. Serie I 64,20
3 do. unif. Ser. III 67,00
§ do. Spezial . . . . 10,00
5 Rumänier v. 1903 . . 101,40
4 do. v. 1890 . . 95,90
4 do. v. 1905 . . 91,10
90,00
4 Ruſſen v. 1880 .
90,70
4 do. v. 1902 .
4½ do. v. 1905 . . . . 100,50
3½ Schweden
4 Serbier amort. v. 1895 85,00
4 Türk. Admin. v. 1903 82,00
4 Türk. unifiz. v. 1903 89,30
4 Ungar. Goldrente . . . 90,60
4 do. Staatsrente. . . 88,20

Zf.
InProz.
. .101,10
5 Argentinier
86,40
do.
1 Chile Gold=Anleihe.
5 Chineſ. Staatsanleihe . 99,70
do.
4½
93,70
4½ Japaner . . . . . . . 94,40
5 Innere Mexikaner . . . 95,00
3
do.
60,00
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,40
5 Gold=Mexikaner . . . . 100,30
3 Buenos Aires Provinz 71,00
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
.. . . . . . 142,00
5 Nordb. Lloyd . . . . . 121,50
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 124,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 112,80
8 Baltimore und Ohio . 108,10
6½ Schantungbahn . . . 130,70
6½ Luxemb. Prince Henri 158,00
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 18,50
6 Pennſylvania R. R. . 122,30
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger ..
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 522,50
14 Chem. Fabrik Gries=
heim

.. . . 345,00
30 Farbwerke Höchſt . . 653,50
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 345,00
10 Cement Heidelberg . . 152,00
30 Chem. Werke Albert 463,00
12½ Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 324,80
4 Lahmeyer . . . . . . . 126,00

Letzte
In Proz.
Divid.
7½ Schuchert, Nürnberg 159,90
12 Siemens & Halske . 240,00
5 Bergmann Electr. . . 140,00
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 170,00
0 Gummi Peter . . . . 122,50
0 Kunſtſeide Frankfurt 117,00
30 Adler = Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 569,25.
10 Maſchinenf. Badenia 170,00
6 Wittener Stahlröhren 224,50
8 Steana Romana Petr. 140,80
15 Zellſtoff Waldhof . . 240,10
12½ Bad. Zucker= Wag=
häuſel
. . . . . . . 230,50
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 120,00
3 Südd. Immobilien
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 189,00
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 236,50
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . 175,50
10 Gelſenkirchener . . . . 191,50
8 Harpener .
. 190,30
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 265,00
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro.
82,00
4 Laurahütte . . . . . . 173,00
10 Kaliwerke Aſchersleben
1 Weſteregeln 202,25
7½ South Weſt Africa 141,00
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. 88,10
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 99,70
4 Eliſabethbahn, freie . . 94,70
4 Franz=Jofefs=Bahn .
3 Prag=Duxer . . . . . . 75,00
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn . 94,00
do.
79,00
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,60

Bf.
In Proz.
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 77,50 3½ Frankf. Hypoth.=Bank
53,20
do.
2/10
3 Raab=Oedenburg
77,10
4 Kronprinz Rudolfbahn 93,40
4 Ruſſ. Südweſt.
88,20
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,50
4
do.
4 Wladichawchas
. 88,90
4 Rjäſan Koslow .
88,10
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 73,70
do.
90,00
68,70
2¼/10 Livorneſer . .
3 Salonique=Monaſtir . 63,50.
4 Bagdadbahn .
83"
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 96,80
4 Miſſouri=Paciſic. . . . 71,40
4 Northern=Pacific
4 Southern=Pacific . . . 94,80
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 87,60
5 Tehuantepec . . . . . . 98,75

Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 197,50
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn . . . . . . . 150,20
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 167,30
6½ Darmſtädter Bank . 121,20
12½ Deutſche Bank . . . 253½ 14 Gießen
6 Deutſche Vereinsbank . 123,50l 8½ do.
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 116,60
10 Diskonto=Kommandit 186, 10
8½ Dresdener Bank . . 154,00
9½ Frankf. Hypoth.=B. 216,00
6½ Mitteld. Kreditbank 118,40
7 Nationalb. für Deutſchl. 123,00
7 Pfälziſche Bank . . . . 127,00
5.86 Reichsbank . . . . 135,50
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,00
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 124,75
7½ Wiener Bankverein . 134,10
4 Frankf. Hypoth.=Bank
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S. 19 . . . . . . . 89,10
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S.1519, 2126 97,50
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,00
do.
88,00
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 100,00
do.
89,00
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
.99,60
S. 14, 15, 17, 24/26
1828 . .
99,7
½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6
89,00
S. 85
88,80
S. 911
88,90
4 Meininger Hyp.=Bank 99,00
do.
8½
88,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 97,80
8½ do. (unk. 1914) . . 88,00
4 Güdd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,90
do.
8½
89,40
Städte=
Obligationen.
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9½ do.
88,80
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100,00
8½ do.
95,00
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8½ do.
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99,10
3½ do.
4 Mainz .
3½ do.
90,00
4 Mannheim
99,20
3½ do.
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99,90
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100,00
3½ do.
88,80
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3½ Offenbach . . . . . 89,10
4 Wiesbaden . . .7. 7 100,20
3½ do.
94,40
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98,20
3½ do.
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3½ Cöln=Mindner , 100 133,50
3 Holl. Komm. . fl. 100 108,70
3 Madrider . . Fs. 100 74,50
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 135,90
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 173,8
3 Oldenburger . . . . . . 125,
3½ Raab=Grazer fl. 150 112,8
Unverzinsliche
Aulehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 197,00
Fs. 15
Freiburger
Mailänber
Fr. 45 151,00
Js. 10
do.
Meininger .
.fl. 7
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 514,00
do. v. 1858fl.100
Ungar. Staats . . fl. 100 365,00
Venediger . . . . Fs. 30 42,90
Türkiſche . . . . Fs. 400 171,00
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,43
20 Franks=Stücke . . . . 16,29
Amerikaniſche Noten . . . 4,18¼
Engliſche Noten . . . . . 20,46
Franzöſiſche Noten. . . . 81,10
Holländiſche Noten. . . . 169,70
Italieniſche Noten . . . . 80,20
Oeſterr.=Ungariſche Noten 85,00
Ruſſiſche Noten . . . .
Schweizer Noten . . . . . 81,20
Reichsbank=Diskonto. . . 4½
Reichshank=Lombard 892 5½

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 27. Juli 1912.

Nummer 175.

Wasservogel‟
Saison-Ausverkauf
nur noch bis Mittwoch, den 31. Juli.

Mein Saison-Ausverkauf ist für jede Dame von
grösstem Interesse. Ich stelle diesmal grosse Posten
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billigen Preisen, zum Teil unter Fabrik- Herstellungs-
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[ ][  ][ ]

Nummmr 175.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 27. Juli 1912.

Seite 15.

Berliner Stimmungsbilder.
Von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten).

Berliner Gaſtlichkeit. Engliſcher Beſuch. Die Olym=
piſchen
Spiele. Das Feſtefeiern in Berlin. Von den
alten Volksfeſten. Sommerliche Vergnügungen. Unſer
Zoo. Alltags und Sonntags. 60000 Menſchen.
Ihr einnehmendes Weſen. Weltſtadtziffern.
Mit vollem Recht ſtreckt die Geſtalt der Berolina,
die ſich inmitten des brandenden Verkehrs auf dem Alexan=
derplatz
erhebt, bewillkommnend ihre rechte Hand aus.
Berlin iſt eine gaſtfreundliche Stadt und zeigt
dies auch in dieſen Sommermonden, in denen hier viele
fremde Beſucher Einkehr halten. Den engliſchen Studen=
ten
, die in der letzten Woche bei uns geweilt, ſchließen ſich
jetzt einige hundert Mitglieder der Engliſchen gſich
ſellſchaft für öffentliche Geſundheit an,
welche gegenwärtig hier ihre Jahresverſammlung abhält.
Es darf uns mit Freude erfüllen, daß hierzu von eng=
liſcher
Seite Berlin gewählt wurde, denn unſere Gäſte von
jenſeits des Kanals müſſen doch wohl annehmen, daß ſie
hier für ihr Studiengebiet vielſache Anregungen und wich=
tige
neue Eindrücke empfangen können. Die Stadt wird
einen Feſtabend veranſtalten und auch ſonſt wird es nicht
an allerhand geſelligen Zerſtreuungen fehlen, die nach Er=
ledigung
der wiſſenſchaftlichen Tagesarbeit es ſind ja
bloß 150 Vorträge ſowie 25 Beſichtigungen von der Ge=
ſundheitspflege
dienenden Inſtituten angeſetzt! der Er=
holung
und Zerſtreuung dienen.
Bisher hat Berlin ſeltſamerweiſe noch nicht Gelegen=
heit
gehabt, in großem Umfang ſeine Gaſtlichkeit zu ent=
falten
. Die Berliner Gewerbeausſtellung, die auch ſchon
ſechzehn Jahre zurückliegt, hatte zum letzten Male einen
beträchtlichen Fremdenandrang veranlaßt, ſo daß man in
dieſer Hinſicht von einer Ueberfüllung Berlins ſprechen
konnte. Seitdem ſind die allgemeinen Verhältniſſe andere
geworden und hat ſich die Kaiſerreſidenz als ſchönheitsvolle
und vergnügungsſüchtige Stadt gehörig herausgemauſert.
Eine vielumfaſſende Aufgabe, die Fremden aller Länder zu
empfangen und ihnen etwas beſonderes zu bieten, damit
ſie Spree=Athen in guter Erinnerung behalten und das
Wiederkommen nicht vergeſſen wird Berlin im Jahre 1916
geſtellt werden, da nach dem kürzlich in Stockholm geſaßten
Beſchluß die Olympiſchen Spiele dann hier ſtatt=
finden
ſollen. Daß alles, was die Organiſation anbelangt,
trefflich gelöſt werden wird, iſt nicht zu bezweifeln. Da=
gegen
darf man geſpannt ſein, wie das Thema des
Feſtefeierns ſeine Erledigung finden wird. Auf
dieſem Gebiet haben wir noch keine rechten Erfahrungn ge=
ſammelt
, und was man bisher davon hier im kleineren
Stil geſehen und erlebt, war nicht allzu erfreulicher Art,
am wenigſten die Haltung des Publikums, die mit dem
Wachstum der Bevöllerung und deren bunter Vermiſchung
allerhand ſtets zunehmende, recht häßliche Begleiterſchein=
ungen
aufwies. Dies war mit die hauptſächliche Schuld,
daß unſere einſtigen Volksfeſte gänzlich aus dem Leben
des neuen Berlin ausgewiſcht worden ſind. Und wie wur=
den
ſie früher gefeiert, wie bewegten ſie Alt= und Jung,
Arm und Reich wie waren ſie wochenlang vorher und
wochenlang nachher in Aller Munde welchen Lichtblick bil=
deten
ſie in dem Jahreslaufe des Daſeins der Berliner Be=
wohner
! Da war das Freiſchießen der Schützengilde,
dann die Feier der Schlacht von Groß=Beeren, ferner der
Stralauer Fiſchzug, einige Zeit hindurch auch das Sedan=
feſt
alles vorbei und für immer erledigt!
Nun bietet ja freilich auch das neue Berlin Tag für
Tag ſo viele Abwechſlungen, ſo viele Vergnügungen, und
zwar meiſt für einen ſehr winzigen Betrag, daß, auch ab=
geſehen
von den Rüpeleien und dem Radau, nach beſonde=
ren
feſtlichen Veranſtaltungen gar kein Verlangen mehr
ſich zeigt. Nach welchem Teile Verlins man während die=
ſer
ſommerlichen Abendſtunden die Schritte richten mag,
ob nach dem Weſten, dem Norden, dem Oſten, dem Nord=
oder
Südweſten, überall liegt eine reichhaltige Speiſekarte
von Vergnügungen und Erholungsſtätten vor uns ausge=
breitet
. Es mag abſonderlich klingen, und doch wage ich
die Behauptung auszuſprechen, daß die Einwohnerſchaft
des modernen Berlin, von deſſen ſteinernem Häuſerbann
man ſo gern ſpricht, weit mehr in das Freie kommt, als
die Bevölkerung des vor= oder auch nachmärzlichen Berlin.
Ueber wieviele Parks und Parkanlagen verfügt gegen=
wärtig
unſere Stadt, wie breit und luftia mit reizenden
Blumen= und Raſengürteln verſehen, ſind die neuen
Straßenzüge auf Charlottenburger, Schöneberger, Wil=
imersdorfer
Gebiet, wieviele ſchatige große Gärten der be=
ikannten
Brauereien laden zum Verweilen ein, doft bei
Muſik und Tanzvergnügen und wie leicht führen uns
ffür wenige Nickel die Straßen=, Stadt= und Hochbahn
hinaus ins Freie.

Aber auch in der Stadt ſelbſt ſehlt es uns nicht an her=
vorragenden
Vergnügungsſtätten, unter denen der Zoo=
logiſche
Garten noch immer den erſten Rang ein=
nimmt
und ſich ſeine alte Beliebtheit bewahrt hat. Jetzt,
wo ſo ungezählte Berliner fern ſind, iſt ſeine Hoch=Saiſon
da. So manche, die ihre Ferien hier verbringen oder die
ſich eine kurze Ausſpannung gönnen können, widmen ihm
einen ganzen Tag und haben es nicht zu bereuen. Wie
anmutig wandert es ſich hier an einem ſchönen Vormittag
entlang: ſchmetternder Vogelgeſang ertönt aus den breit=
äſtigen
Baumkronen, filberner Tau liegt auf Gräſern und
Halmen, goldene Sonnenſtrahlen huſchen über Weg und
Steg, mit munterem Geſchnatter ziehen in kleinen Zügen
die Entenſcharen durch die von künſtlichem Felsgeröll und
ſchattigen Weiden umrahmten Teiche, an deren Ufern lang=
beinige
Reiher und Flamingos gravitätiſch umher=
ſtolzieren
. Wer. Luſt hat, kann in dieſen Stunden am
beſten die Tiere betrachten und ſtudieren, deren Käfige und
Gehege ſeitens der Wärter geſäubert werden und die viel=
fach
jetzt ſchon ihre Fütterung für den Tag erhalten. Der
Beſuch iſt um dieſe Zeit noch nicht zahlreich; zwar treffen
wir zuweilen auf lange Kinderzüge, beſtehend aus Schülern
und Schülerinnen dieſer oder jener Gemeindeſchulen, die
unter Führung ihrer Lehrer infolge eines ſtädtiſchen Zu=
ſchuſſes
zu dem Unternehmen den Garten unentgeltlich be=
ſuchen
dürfen, aber wie könnten ſie uns ſtören, dieſe
Scharen kleiner Blond= und Schwarzköpfe, die mit ausge=
laſſenem
Jubel die Affenkäfige umdrängen und ſich nicht
ſatt ſehen können, an den drolligen Sprüngen der langge=
ſchwänzten
Vierfühler von denen der Sandaſſel großen
Reſpekt genießt, die mit ſcheuer Ehrfurcht die Löwen be=
trachten
und ſchreckhaft zurückweichen, wenn der König der
Wüſte ſeine dröhnende Stimme erſchallen läßt, welche mit
weit aufgeriſſenen Augen die ſtelzenartigen Bewegungen
der Giraffen verfolgen und gern ihr ſpärliches Früh=
ſtücksbrot
mit den Rehen teilen, die bereits an die gut=
mütigen
Geber gewöhnt ſind und ſich zutraulich nähern.
Erſt um die vierte und fünfte Nachmittagsſtunde wird
es lebhafter, da erregen jedoch mehr die Menſchen als die
Tiere die Aufmerkſamkeit. Die elegante Welt Berlins ver=
ſammelt
ſich in dem am großen See gelegenen vornehmen
Reſtaurant, das im letzten Jahre eine weſentliche Er=
weiterung
erfahren und auf ſeinen Terraſſen Tauſenden
Platz gewährt. Kaffee und Klatſch, pardon, geſellſchaftliche
Unterhaltung, kommen zu ihrem Recht. Wie das hin= und
hertuſchelt, hinüber und herüber plaudert, kritiſiert und
diskutiert, wie man auf das ſchnellſte unterrichtet wird
üler alles, was in den Salons des weſtlichen Berlin ſich
ereignet, wie eingehend all die Erlebniſſe des Tages und
noch mehr die lieben Nächſten behandelt werden! Letztere
oft genug auf Hör=, mindeſtens auf Sehweite. Nicht um=
ſonſt
heißt ja der ſich zwiſchen dem See und dem Reſtau=
rant
entlang, ziehende Weg die Läſter=Allee! Mit jeder
vorſchreitenden Stunde nimmt das Gewühl auf ihr zu,
man kann die Moden vom Morgen beobachten und ſeine
helle Freude haben an nicht wenigen Damen, die ihre
Koſtüme nur nach einem Karikaturenalbum zuſammenge=
ſtellt
haben können. Geſchmackloſigkeit iſt da oft Trumpf,
aber wenn ſchon nach altem Wort jedes Tierchen ſein Plai=
ſierchen
hat warum nicht auch dieſe Exemplare der viel=
geſtalteten
Gattung Menſch. Jedenfalls tragen ſie reichlich
zum Plaiſier der übrigen vernunftbegabten Lebeweſen bei.
Ein reizvolles großſtädtiſches Bild iſt es, wenn zur Abend=
ſtunde
die elektriſchen Flammen ihr ſtrahlendes Licht ver=
breiten
, wenn die rauſchenden Muſikklänge der Militär=
kapellen
ertönen, wenn es kühl und behaglich unter den
weitkronigen Bäumen wird und ſich auf den blumenge=
ſchmückten
, weißgedeckten Tiſchen die Kriſtallgläſer mit dem
roten oder goldigen Rebenſaft füllen.
Ganz anders ſchaut’s an einem erſten Sonntag im
Monat aus, an welchem der Eintrittspreis nur 25 Pfen=
nige
beträgt. Von früh an pilgert es aus allen Stadtteilen
dann heran in dichten Mengen, die Verkehrsmittel, deren
Ziel der Zoo iſt, ſind überfüllt, vor den Kaſſen drängen ſich
in langen Reihen die Einlaßbegehrenden, bei gutem Wet=
ter
beträgt die Zahl der verkauften Karten über 60 000.
Aber der Garten iſt ja groß und beherbergt gut dieſe un=
geheueren
Maſſen, die ein ſo einnehmendes Weſen haben.
Hier ein kleines Pröbchen davon: nicht weniger als 25000
Gläſer Berliner Bier und halbſoviele echter Biere gelang=
ten
kürzlich zum Ausſchank neben Wein, Mineralwäſſern
und Limonaden; außer 2000 feſten Mahlzeiten wurden
1200 Portionen zu Einzelpreiſen ausgegeben, und in
rieſigen Mengen gingen die Butterbrote von 30 bis 60
Pfennig ab. Natürlich müſſen die Angeſtellten beträchtlich
vermehrt werden und zwar bis zu 1000 Perſonen, bedienen
doch allein zirka 350 Kellner. Man kann ſich denken, wie=
viel
Geſchirr und wieviele Beſtecke uſw. nötig ſind, werden
doch nicht weniger als 20 000 Kaffeetaſſen und mindeſtens
benſoviele Teller verſchiedener Größen, ferner 15000 Ser=
vietten
in Gebrauch genommen. Nur durch die Hilfe der

modermen techniſchen Eirichtungen welche das ſchmuzige
Geſchirr und Silber, ſowie die Wäaſche binnen kürzeſter
Zeit wieder rein und tadellos an die Oberfläche befördern.
ermöglicht ſich die Aufrechterhaltung eines derartig großen
Reſtaurationsbetriebes in vollem Umfang.
An ſolchen Sonntagen hallt der ganze gewaltige Gar=
ten
von Frohſinn und Freude wieder. Die Behaglichkeit
und Eemütlichkeit der Berliner, daneben aber auch ihr
Witz und ihre Spottluſt, gelangen zur vollſten Geltung.
Welche Kalauer werden vor den Tierzwingern geriſſen,
welche Vergleiche mit dieſen oder jenen frei dreſſierten
zweibeinigen Anweſenden und den eingekerkerten vierbei=
nigen
gezogen, und wie viele gewagte zoologiſche Behaup=
tungen
werden hier und da laut, daß ſich die Tiere, wenn
ſie Verſtändnis hätten, in die Seele ihrer Beſchauer hinein
ſchämen würden. Bis zur ſpäten Abendſtunde hält das
Menſchengewühl an, dann wird der oft ſehr weite Heim=
weg
unternommen, häufig zu Zuß, da alle Verkehrsver=
bindungen
beſetzt ſind; matt und müde und verſtaubt langt
man zu Hauſe an, aber . . . hübſch war es doch, iſt die all=
gemeine
Kritik, und In vier Wochen gehts wieder nach
dem Zapperlotſchen! erklärt gebieteriſch das Familien=
haupt
, und Frau wie Sprößlinge ſtimmen freudig dieſem
Entſchluſſe bei.

Sport.

* Pferderennen zu Karlshorſt. Priemel=Jagd=
Rennen, 3300 Mark, Diſtanz 3200 Meter: 1. Hrn. Perch=
ners
Fromme Helene (Theilen), 2. Regina (Torke), 3. Sprüh=
feuer
(E. Weber). Tot. 25.10, Pl. 11, 11. 1610. Unpl.:
Waldtraut (4), Prioti (ref.), Verchland, Red Beß, Gieß=
bach
. Leicht 2½4 La. Perleberger Jagd=Rennen,
Ehrenpreis und 3000 Mark, Diſtanz 3600 Meter: 1. Lt.
Stahlknechts Beautiful Eve (Lt. Frhr. v. Berchem), 2.
Wedding Morn (Beſ.), 3. Bulawayo (Lt. Graf Strach=
witz
). Tot. 42110. Drei liefen. Sicher ½10 Lg.
Deutſches Hürden=Rennen, 12000 Mark, Diſtanz 3500
Meter: 1. Hrn. Perchners Horridoh (G. Winkler), 2. Gal=
vani
(Weishaupt), 3. Oben Hinaus (Printen). Tot. 14110,
Pl. 12, 18:10. Unpl.: San Pedro. Leicht 110 Lg.
Berolina=Jagd=Rennen, Ehrenpreis und 15000 Mark, Di=
ſtanz
3600 Meter: 1. Hrn. J. Kühns Thu’s lieber (Lt. von
Egan=Krieger) 2. Maaslieb (Beſ.), 3. Freifahrt (Lt. von
Witzleben). Tot. 93.10, Pl. 15, 14, 24:10. Unpl.: Cob=
den
(4), Großherzog, Doppelgänger, Princeß of Wales,
Oberbayer, Goldwährung. Sehr leicht 121½ Lg.
Markt=Jagd=Rennen, 3000 Mark. Diſtanz 32000 Meter:
1. Lt. Wittmacks Tegleaze (Printen), 2. Mixed Pickles
(Newey), 3. Our Vill (Adolph). Tot. 7110, Pl. 19, 18,
38:10. Unpl.: Adler (4), Muſe, Sinner, Puzzi (gef.),
Sprottau, Prudentia. Sicher 17 Lg. Sommer=Preis,
8000 Mark, Diſtanz 2700 Meter: 1. Hrn. Buggenhagens
Santuzza (Sandmann), 2. Loretta (Newey), 3. Salut
(Printen). Tot. 18310, Pl. 11, 13, 13110. Unpl.: Grace
(4), Clou, Poſtillon, Omama (gef.), Eilige, Cudowa (gef.).
Ueberlegen 1/ Lg. Kinder=Rennen 4000 Mart, Di=
ſtanz
1200 Meter: 1. Hrn. Schlöskes Kröſus (Archibal), 2.
Solitair (Shurgold), 3. Brangäne (Fox). Tot. 29110, Pl.
16, 33, 21:10. Unpl.: Jeune fille (4), Oberon, Reichsanwalt,
Perle, Sühne, Saint Sabina, Delila, Ger (gef.), Erfin=
derin
Jasmin, Seekind, Frieda. Sicher ½1 Lg.
* Radrennen. Die 13. Etappe der Rund durch Frank=
reich
=Fahrt von Breſt nach Cherbourg brachte nach einem
ſcharfen Reunen Jean Alaboine ſeinen zweiten Sieg in
dieſer Rundfahrt. 45 Teilnehmer, und zwar 27 Gruppen=
und 17 Einzelfahrer, wurden bereits um 2 Uhr morgens
auf die 405 Kilometer lange Reiſe geſchickt. In Guingamp
(116 Kilometer) beſtand die führende Gruppe noch aus 23
Teilnehmern, denen bald darauf Alavoine glücklich ent=
wiſchte
, jedoch wurde er wieder eingeholt, um hinter Con=
tances
(329 Kilometer) endgültig zu entkommen. Alavoine
ſiegte in 14 Std. 10 Min., in kurzen Abſtänden von Van=
denberghe
, Defraye und Thys gefolgt. Im Geſamtklaſſe=
ment
führt immer noch mit großem Vorſprung der Bel=
gier
Defraye mit 44 Punkten vor Chriſtophe mit 81 und
Garrigou mit 105 Punkten.
* Schach. Das Breslauer Schachmeiſter=
turnier
ergab in der 9. Runde die Siege von Rubin=
ſtein
=Warſchau gegen Lowtzky=Leipzig, Mieſes=Leipzig
gegen Balla=Ungarn, Przepiorka=München gegen Treibal=
Ungarn, Breyer=Ungarn gegen Karls=Hannover, Schlech=
ter
=Wien gegen Lewitzky=Rußland und Bum=England gegen
Marſhall=Amerika. Remis wurden die Partien Spiel=
mann
=München gegen Erich Cohn=Berlin, ſowie Teich=
mann
=Berlin gegen Barrasz=Ungarn. Unbeendet blieb
die Partie Tarraſch=Rürnberg gegen Duras=Prag. Von
den Hängepartien ergab diejenige zwiſchen Karls und
Barrasz remis Breyer gewann die ſeinige gegen Lowtzky.
Barrasz und Teichmann haben mit je ſechs Gewinnpunk=
ten
die Führung vor Rubinſtein, Schlechter und Tarraſch.

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[ ][  ][ ]

Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 27. Juli 1912.

Nummer 175.

Schneider’s bekannt billiger

beginnt heute Samstag früh 8 Uhr.
Um mit den gesamten Beständen der Saison zu räumen, habe ich die Preise für große
Warenposten bedeutend ermäßigt. Man prüfe daher meine bekannt vorzüglichen
;
;
Qualitäten und vergleiche die Preise.
:

Serie 1
Serie 1I
00
Kleiderstoh-Reste und Abschmete

e
ohne Rücksicht auf den früheren Verkaufswert.

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Achtes Kapitel.
Ein Jahr war vergangen. Für Anna Wronka eine
harte Zeit der Entſagung auf die Freuden früherer Tage.
Doch ſie verlor ihr Ziel nicht aus den Augen und, wie
ſie vorausgeſehen hatte, brachte der lange Winter in der
Einſamkeit Altenwerdes auch eine ſchwache Stunde
Friedrich Wilhelms. An einem Abend, da der Sturm
um die dicken Mauern des Schloſſes tobte und die Flam=
men
in dem Kamin wild auflodernd ſprühten, gleich den
Lichtern in den ſchwarzen Augen der Wronka, ſchlang der
Mann, dem nach friſchem Leben und heißer Liebesluſt
verlangte, ſeine ſtarken Arme um das ſchöne Weib, das
um ihn buhlte.
Er wußte ja, daß dem Onkel nichts lieber ſein konnte,
als wenn auf dieſe Weiſe alle Sünden der Vergangenheit
gelöſcht würden, und ſein Name an die Stelle deſſen trat,
der ihn ſchmählich verwirkt hatte. Doch als Anna dem
alten Herrn die frohe Botſchaft bringen wollte, bat er noch
um Aufſchub. Er ſchämte ſich, daß er Suſanne ſo raſch
vergeſſen konnte. Er begriff ſich überhaupt nicht, denn er
war ſich’ bewußt, daß Anna den Frauen glich, mit denen
er früher in der großen Welt ſein Spiel getrieben hatte,

und von denen der Onkel ſagte: Ich habe ſie ſehr geliebt
man muß ſie nur nicht, ernſt nehmen.
Aber ſeine Scham und ſeine Zweifel verloren ſich in
der Zeit des ſchwülen, heißen Begehrens, die der heim=
lichen
Verlobung folgte. Die Wronka ließ ihn nicht zur
Beſinnung kommen. Sie gab ſich ihm hin im glühenden
Liebesſpiel, um ſich ihm die nächſten Tage ganz zu ent=
ziehen
, und bei alledem überſchritt ſie nie die Grenzen,
die ihr geſetzt waren, doch nutzte ſie die ihr als Frau zu=
ſtehende
größere Bewegungsfreiheit zu ihren Gunſten aus
Der alte Herr ſah dieſem Treiben beluſtigt zu. Wenn
er auch nicht wußte, daß ſie ſchon verlobt waren, ſo ſah er
doch den Neffen in den Netzen der bezaubernden Frau ge=
fangen
und wartete geduldig der Stunde, in der er ſich
ihm offenbaren würde.
Im Frühjahr wurde Friedrich Wilhelm zu einer mili=
täriſchen
Uebung eingezogen und er wünſchte, daß der
Onkel vorher ins Vertrauen gezogen würde. Anna war
mit allem einverſtanden und beſchloß, die Wochen in Ber=
lin
zuzubringen, um, wie ſie lachend ſagte, ihren Trouſ=
ſeau
zu beſorgen. Es wurde feſtgeſetzt, daß gleich nach
Bagewitz Heimkehr die Hochzeit in aller Stille in Berlin
ſtattfinden ſollte. Der Kammerherr ordnete die geſchäft=
lichen
Dinge mit einer Zartheit und einer Großartigkeit,
daß Anna ihm gerührt um den Hals fiel. Sie gewann
einen Einblick in den fürſtlichen Beſitz, der ihrem Sohn
dereinſt zufallen würde. Dann hatte der alte Herr es er=

möglicht, einige der alten Familienbeſtimmungen z
Gunſten ſeines Neffen alſo zu ändern, daß ihm auf Les
benszeit die Nutznießung des Nebengutes Friedrichshof
verſchrieben wurde. Das machte ihn mit dem Gehalt eines
Vormundes und Verwalters zu einem vermögenden
Manne.
Anna, die als Frau eines Enterbten keinerlei An=
ſprüche
zu machen hatte, wurde auf Familienbeſchluß jetzt
in ihre vollen Rechte eingeſetzt, das hieß, daß ſie als Frall
von Friedrich Wilhelm die Einkünfte der Frauen auf
Altenwerder bezog, ſowie ihr auch nach ſeinem Todeds
Wittum zufallen würde.
Als der Großvater Suſanne die Nachricht der
lobung mitteilte, ſchrieb ſie einen ſehr herzlichen Brief an
Friedrich Wilhelm und erbat ſich in ſeiner und Anns
Abweſenheit zum Großvater zu kommen, um den Knahen
zu betreuen. Das wurde mit großem Dank angenommen,
So ſah ſich Anna zu ihrer großen Freude eines Tages
wieder allein in Berlin. Friedrich Wilhelm hatte es ſich
nicht nehmen laſſen, ſie in eine der vornehmſten Penſionen
zu führen, wo zwei Zimmer für ſie bereit ſtanden. Jetzt
ſaßen ſie zum letzten Plauderſtündchen zuſammen, da
Bagewitz noch heute abend beim Regiment eintreffen
wollte.
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Fiür den Schmuck werde ich Sorge tragen. Den Familien=
Aſchmuck der Bagewitz behält ſich Onkel noch bis zu ſeinem
Llode vor. Hier haſt Du einen Scheck auf die Bank, ich
Adenke, er wird genügen.
Anna nahm das koſtbare Papier in Empfang und er=
ſchhrak
, als ſie die Höhe der Summe las.
Onkel hat es alſo beſtimmt, Du mußt ihm ſpäter da=
für
danken. Er beſorgt auch die ganze Einrichtung unſerer
AWohnung. Nur ein Zimmer habe ich mir vorbehalten.
Taann möchte ich Dich bitten, Dein Mädchen zu entlaſſen.
Marie? Ich möchte ſie ſo gern behalten.
Unter keinen Umſtänden.
Ich bin ſo an ſie gewöhnt.
Du wirſt Dich mit einer anderen behelfen müſſen.
Leine Jungfer iſt ſchon beſorgt.
Von wem?
Von Suſanne. Sie hat es auf Onkels Bitte hin
freundlicherweiſe übernommen, unſere Leute aus Ange=
rigen
des Gutes auszuwählen. Sie überläßt Dir ihre
Zette.
Du biſt wohl eiferſüchtig auf mein früheres Leben,
Friedrich Wilhelm? Anna lachte den Verlobten aus.
Eiferſüchtig! Nein, das iſt nicht das richtige Wort,
Amna, aber ich möchte nicht, daß Du an die früheren trau=
rigen
Zeiten erinnert würdeſt. Berlin iſt groß, ich denke,
keiner erkennt in Dir die Schauſpielerin wieder, die an
eimer Vorſtadtbühne auftrat. Ich vertraus Deiner Klug=
hekt
, daß Du dieſe erniedrigende Phaſe Deines Lebens 1
zegen niemand erwähnſt.

Weſer weiſt Dn, daß ich Schnſteiein onf
Suſanne erzählte es mir. Hatteſt Du ſie um Schwei=
gen
gebeten?
Nein. Wie lieb von Dir, daß Du niemals davon
ſprachſt. Um des Kindes willen
Ich weiß ich weiß, unterbrach er die Rede
raſch. Laß es für immer begraben ſein. Aber ich bitte
Dich noch einmal, ſei vorſichtig. Kleide Dich auf der Straße
ſo einfach wie möglich. Unſere Damen pflegen es in Ber=
lin
ſtets ſo zu halten, nur in Begleitung des Mannes ge=
ſtatten
ſie ſich etwas mehr Extravaganz, obgleich ich gar
kein Freund davon bin. Je einfacher um ſo beſſer. Nur
bei feſtlichen Gelegenheiten mögt Ihr Euch ſchmücken, aber
dazu wirſt Du in unſerer Einſamkeit nicht oft Gelegenheit
haben.
Werden wir denn wie in einem Kloſter leben? Euere
Familie iſt doch groß, und der Bekanntenkreis auch.
Wir müſſen abwarten, Anna, welche Stellung ſie Dir
und Deinem Knaben einräumen werden. Ich glaube ja
nicht, daß ſie über mich weg Dich Wilhelms Schuld büßen
laſſen werden. Mit dem Tage, da Du meinen Namen
trägſt, biſt Du eine Andere geworden.
In Annas Augen glomm ein heimlicher Zorn, aber
ſie hielt es für klüger, zu ſchweigen, und Friedrich Wil=
helm
fuhr fort: Du biſt eine Fremde und kennſt unſere
Art noch nicht, beſonders nicht unſere Frauen. Fragen
wir Suſanne um Rat, die kann Dir bei der Auswahl des
Trouſſeaus zur Hand gehen. Sie iſt ja in wenigen Stun=
den
hier, wenn Du ihrer bedarfſt. Bisher trugſt Du mit
Vorliebe ſchwarz und weiß, Du wirſt aber jetzt auch Far=

öiges oihen. Ling aur ucht aiht Rebernes ins ant.
Die Mode bevorzugt ja heute das Auffallende.
Sag mal, Friedrich Wilhelm, denkſt Du ein Aſchen=
brödel
aus mir zu machen? Wie trugen ſich denn die Da=
men
, mit denen Du als Berliner Aſſeſſor verkehrteſt.
Denen Du die Cour machteſt, die waren ſicher gut ange=
zogen
. Alſo
Bagewitz lachte herzlich, ſie war zu drollig in ihrem
Eifer, die Poſition für ſich zu retten.
Du wirſt mir doch nicht die Geſchmackloſigkeit zu=
trauen
, Dir Theaterplunder ins Haus zu bringen. Ich
werde mich dagegen bemühen, daß ich unſerem lieben alten
Herrn eine Augenweide ſein werde. Er verſteht was von
ſchönen Frauen, darum können wir es ſo gut miteinander.
Doch nun wird es Zeit für Dich, der Zug wartet nicht.
Noch ein heißes Umfangen, ein zärtliches Wort, und
Friedrich Wilhelm war gegangen. Kaum, daß die Tür
hinter ihm zugefallen war, ſo nahm die Wronka das koſt=
bare
Papier, wie ſie noch nie eins beſeſſen hatte, in die
Hand die Wünſchelrute, die ihr alles geben würde, nach
dem ſie ſich oft krank geſehnt hatte. Sie hörte ſeidene Ge=
wänder
rauſchen, über die koſtbare Spitzen rieſelten. In
zartem Weiß ſchimmerte die Leibwäſche aus Batiſt, mit
Stickereien reich verziert. Sie ſah ihre dunkle Schönheit
in der koſtbaren Hülle duftiger Negligees, oder geſchmack=
voller
Nachmittagskleider und auf dem ſchwarzen Haar die
Modetorheit der rieſigen Hüte.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 27. Juli 1912.

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[ ][  ][ ]

Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Samstaa, den 27. Juli 1912.

Nummer 175.

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Nummer 175

Darmſtädter Tagblätt, Samstag, den 27. Juli 1912.

Seite 25.

Ungewöhnliche Reiſegelegenheiten.
Plauderei von Dolly Marriot.
(Nachdruck verboten.)

E. Vor einer Reihe von Jahren durchlief eine allſei=
tige
Aufmerkſamkeit erregende Notiz, welche die Reiſe
eines Südamerikaners zum Gegenſtand hatte, die Zei=
tungen
. Jener, ein geborener Spanier, war in ſeiner Ju=
gend
nach einem der ſüdamerikaniſchen Küſtenländer aus=
gewandert
, hatte es dort zu großem Reichtum gebracht
und hegte nun den Wunſch, vor ſeinem Tode noch einmal
die Heimat wiederzuſehen. Er muß wohl eine in ver=
ſchiedener
Hinſicht ſehr bemerkenswerte Perſönlichkeit ge=
weſen
ſein, denn abgeſehen davon, daß er ſich trotz ſeines
hohen Alters er zählte nämlich mehr als hundert Jahre
noch ungeſchwächter körperlicher und geiſtiger Kraft und
Geſundheit erfreute, vereinte er in ſich hervorragenden
praktiſchen Sinn, organiſatoriſche Fähigkeit, Talent zum
Herrſchen und eine gewiſſe, von lebhafter Phantaſie be=
gleitete
Exzentrizität. Dieſe letztere ſprach ſich auch in der
Art aus, wie er ſeine Reiſe ins Werk ſetzte. Er ließ ſich
für dieſelbe ein Schiff bauen, das äußerlich völlig ſeinem
ſpaniſchen Vaterhaus glich. Auf dem Schiffskörper be=
fanden
ſich überdachte Wände mit Fenſtern, Türen, Balkon
und Veranda, ja ſogar ein Garten umgab das Gebäude.
Allerdings war er, da er nur aus einem ſchmalen Gange
mit einigen zumeiſt blechernen Pflanzen darauf beſtand,
mehr markiert, als wirklich vorhanden, aber immerhin
trug er doch dazu bei, in dem Methuſalem das Gefühl zu
erwecken, als ob es tatſächlich die ländliche Villa ſeiner
Eltern wäre, in der er über den Ozean ſchwamm. Natür=
lich
war auch die innere Einrichtung, wenn auch in ver=
kleinertem
Maßſtabe, die gleiche bei der Kopie, wie bei dem
Original. Der Greis hatte ſeine ſämtliche, höchſt zahl=
reiche
Nachkommenſchaft von Kindern, Enkeln, Urenkeln
uſw. auf die Meerfahrt mitgenommen und herrſchte unter
ihr wie ein König oder richtiger, wie ein altteſtamentari=
ſcher
Patriarch. In jedem Hafen, in dem das ſeltſame
Schiff anlegte, erregte es ſelbſtverſtändlich das höchſte In=
tereſſe
des Publikums, das nicht verfehlte, über die abſon=
derliche
Laune des Alten zu ſpotten.
Indeſſen iſt ſie in der Tat ſo abſonderlich? Es
ſcheint ſo und doch lehrt uns die Erfahrung, daß der
Wunſch, ſich auf Reiſen die Illuſion zu ſchaffen, als ob
man ſich daheim zwiſchen ſeinen vier Wänden befände,
keineswegs ſo ſelten iſt. Eigentlich will es uns paradox
dünken, dieſe Reiſeſehnſucht, dieſen Trieb in die Ferne
und das Anklammern an die Häuslichkeit in einer und
derſelben Perſon vereinigt zu finden, aber die Geſchichte
aller Zeiten, vom Altertum bis in unſere Gegenwart zeigt
uns genug Beiſpiele davon. Schon unter der Flotte von
Delos, von der antike Schriftſteller, die ſich mit Perikles
beſchäftigen, berichten, ſoll ſich ein Schiff befunden haben,
das Perikles in ſeinem Innern genau ſo ausſtatten ließ,
wie ſein Lieblingsgemach in ſeinem atheniſchen Hauſe.
Auch einem gewiſſen Konrad von Zitzewitz, der in der
Mitte des ſechzehnten Jahrhunderts im Auftrage ſeines
Herrn, eines Herzogs von Pommern=Stettin, eine Reiſe
nach Dänemark antreten mußte ließen ſeine Freunde als
beſondere Ueberraſchung ſeine Schiffskoje nach dem Muſter
ſeines Stettiner Arbeitszimmers einrichten. Die Chronik
hebt noch beſonders hervor, daß man ſogar einen grünen
Ofen hineingeſetzt hatte, der täuſchend dem glich, welcher
den Zitzewitz daheim vor winterlicher Kälte zu ſchützen
pflegte. Daß dieſe Rieſenkutſchen, in denen Katharina II.
gelegentlich der Reiſe fuhr, bei der ſie die berühmten Po=
temkinſchen
Dörfer ſah, im Innern verkleinerte Abbilder
der zumeiſt von ihr bewohnten Gemächer in dem Peters=
burger
ſogenannten Neuen Palais waren, dürfte wohl all=
gemein
bekannt ſein. Die eine enthielt ihr Schlaf= und
ihr Schreibzimmer, die zweite das Speiſezimmer uſw.;
wenn man unterwegs Raſt machte, ſo ließen ſich alle Kut=
ſchen
zuſammenſtellen, ſo daß ſie eine Reihe von Gemächern
bildeten, die man, ohne auszuſteigen, betreten konnte.
Dieſer Trieb der Menſchheit, ſich auf Reiſen zu Hauſe
fühlen zu wollen, äußerte ſich in alten Zeiten jedoch immer
nur darin, daß man Schiff oder Wagen die annähernde
Beſchaffenheit eines der üblichen Wohnräume lieh, in
unſerer Neuzeit aber, mit ihren ungezählten vervollkomm=
neten
Einrichtungen auf dem Gebiet von Verkehr und Tech=
nik
, hat er zu dem Erſinnen der abſonderlichen Reiſegele=
genheiten
geführt. Wie wohl kaum geſagt zu werden

braucht, ſind Engländer und Amerikaner darin allen an=
deren
Nationen voran. Während der vorerwähnte Trieb
ſich bei ihnen manchmal hauptſächlich darin ausſpricht, daß
ſie ſich die Illuſion der Häuslichkeit ſchaffen wollen, findet
er bisweilen zumeiſt ſeinen Ausdruck in ſolchen Einrich=
tungen
, welche ihnen jene Ungeſtörtheit und Bequemlich=
keit
ermöglichen, die das Reiſeleben ſonſt ſchwer gewährt.
Ein Fall der letzteren Art wird von einem ehemaligen
Viehhändler und ſpäteren Milliardär aus Chicago, James
Bloomfield, erzählt. Er fuhr auf den Rieſenſtrömen Ame=
rikas
auf einer Fähre, die aus einer Anzahl von Platt=
formen
beſtand, deren jede ein Zimmer darſtellte und die
untereinander durch ſchmale überwölbte Brücken und Glas=
wände
verbunden waren. Der Betrieb war elektriſch, wo=
her
denn auch am Abend das ganze Gefährt im hellen
Lichtglanz erſtrahlte. Mr. Bloomfield pflegte ſich immer
eine Schar von Gäſten auf ſeinen Fahrten mitzunehmen;
aber da jeder derſelben ſein eigenes Zimmer hatte, deſſen
Baſis völlig getrennt war von der Plattform, auf welcher
die ſeinen lagen, ſo wurde er nie von deren. Anweſenheit
geſtört und konnte auch auf Reiſen füglich ſagen: my
home is my caſtle‟ An Land ging er nie, da ſeine Fähre
mit ihren vielen Brückchen ihm Gelegenheit bot, ohnedies
ſpazieren zu gehen und auf dem Zweirad zu fahren.
Auf eine kurioſe Idee kam ein anderer Bürger des
freien Amerika; er erließ vor ungefähr 3 Jahren ein Preis=
ausſchreiben
zwecks Erfindung eines laufenden Gleiſes,
auf das man ein Häuschen ſtellen könnte. Er dachte es
ſich eben ſo ſchön, darin behaglich wohnend, durch die Welt
zu reiſen. Wie er ſich die Sache ſo recht vorgeſtellt hat,
vermag ich nicht zu ſagen; ich las die Notiz nur in einer
Zeitung. Solche laufenden Gleiſe, auf die man ſich ſtellt
und dann, ohne ſich vom Fleck zu rühren, eine kleine Ent=
fernung
zurücklegt, kenne ich zwar aus Ausſtellungen, aber
wie dieſelben ſich durch weite Länder fortbewegen können,
kann ich mir nicht erklären. In der genannten Notiz
wurde übrigens auch geſagt, daß der Preis nicht hatte
erteilt werden können, mangels zweckmäßiger Entwürfe.
Iſt den Leuten, die auf Reiſen nach häuslicher Be=
quemlichkeit
verlangen, von der gütigen Natur die Götter=
gabe
Phantaſie in die Wiege gelegt worden, ſo entwickeln
ſich daraus mitunter Kaprizen, die aus einem Traum oder
Märchen zu ſtammen ſcheinen. Der folgende Fall, den ich
vor acht Jahren ſelbſt erlebte, macht vollſtändig den Ein=
druck
, als ob er von dem Dänen Anderſen erfunden wäre,
um als Epiſode eines ſeiner poetiſchen Märchen zu
ſchmücken. Auf den Lofoten, zwiſchen dem 69. und 70. Grad
ördlicher Breite, wars, wo ich ein junges engliſches Ehe=
paar
kennen lernte, welches jene Inſeln zu Waſſer durch=
querte
und zwar wählte es nicht den Weg über Seen,
Fjörde und Flüſſe, ſondern fuhr ausſchließlich im Ruder=
boot
durch Gräben und Bäche. Die Lofoten, die ſtreng ge=
nommen
, nichts als ein Gewirr von Höhlen, Schluchten,
Bergen, Felſen und ungezählten Waſſerläufen jeder nur
irgend denkbaren Art darſtellen, ſind auch an Gräben und
Bächen ſo überaus reich, daß man, immer auf dieſen blei=
bend
, recht gut jeden Platz der Inſeln kennen lernen
könnte, die Schwierigkeit dabei iſt nur die, daß man des
öfteren an eine Stelle gelangt, wo der Graben oder das
Flüßchen ſich als Waſſerfall in eine Schlucht ergießt oder
die Geſtalt einer reißenden Klamm annimmt. Um in ſol=
chem
Fall nicht in ihrer Ruhe geſtört zu werden, hatten
Mr. und Mrs. John Bull ſich eine ſinnvolle Einrichtung
usgedacht. Auf das eine Ende des Bootes war eine Art
Sänfte geſetzt, die ihnen zum Aufenthalt diente und die,
wenn der Waſſerweg unpaſſierbar wurde, ein paar der
Bootsleute von dem Kahn abhoben und weiter trugen, in=
des
die andern das ſchwanke Gefährt vermöge eines kunſt=
vollen
Mechanismus an Tauen oder Ketten über die ge=
fährliche
Stelle bugſierten. Daß auch dieſe letzteren der=
weilen
den Kahn verlaſſen mußten, verſteht ſich von ſelbſt,
denn wenn dieſer z. B. am Waſſerfall heruntergelaſſen
wurde, ſo konnte natürlich kein lebendes Weſen darin ver=
leiben
. Befand man ſich dann wieder an einer ſchiffbaren
Stelle des Waſſerlaufs, ſo wurde die Sänfte von neuem
auf das Boot geſtellt. Die Sänfte enthielt nichts als das
Lager des Ehepaars, mit ausziehbaren, als Tiſchchen oder
Pulte dienenden Brettchen daran, aber mit welch poetiſch=
hantaſtiſchem
Raffinement war ſie ausgeſtattet! Ich
glaube, ihren Beſitzern muß bezüglich ihrer Dekoration ein
Blumenkelch vorgeſchwebt haben, denn mehrere Lagen ver=
ſchieden
gefärbter Seidenvorhänge, die ſich wie Blumen=

bäater übereinander bauſchten und die man nach Belieben
zu= und aufziehen konnte, waren darum drapiert. Bei
ſchönem Wetter ließ man die Sänfte oben offen, bei ſchlech=
tem
aber wurde das Glasdach darüber geſchloſſen. Sie
hatte überhaupt das Ausſehen eines Glaskaſtens, deſſen
Seitenfenſter ebenfalls zum Oeffnen eingerichtet waren;
die Vorhänge hatte man im Innern angebracht. Nun
muß man ſich vorſtellen, daß das Ehepaar ſich in ſeiner
nächtlichen Ruhe abſolut nicht ſtören ließ, wenn der Kaſten
vom Kahn gehoben und als richtige Portechaiſe weiter ge=
tragen
wurde! Ja, die junge Frau behauptete, daß ihr
gerade die Nachtfahrten ein beſonderes Vergnügen bereite=
ten
, und das um ſo mehr, als ſie ihren poetiſch=traumhaften
Reiz noch durch muſikaliſche Genüſſe ſteigerte. Die Ruderer
mußten nämlich auf Kommando Volkslieder ſingen, auch
gab es einen Phonographen, welcher die Töne einer Aeols=
harfe
reproduzierte, in dem Glaskaſten. Das Eſſen nahm
das Ehepaar an Land in irgendeiner Herberge ein oder
ließ es ſich in die Gondel bringen. Die beiden erkundig=
ten
ſich, als ſie hörten, daß ich eine Deutſche wäre, bei mir
nach den Waſſerverhältniſſen im Spreewald, da ſie beab=
ſichtigten
, auch dort eine Tour zu unternehmen.
Gegenüber Reiſegelegenheiten, wie den beſchriebenen,
von denen doch eigentlich nur Millionäre Gebrauch
machen können, erſcheinen andere gleichfalls höchſt unge=
wöhnliche
, deren Schilderung ich las oder hörte, ſo primi=
tiv
daß man die Gewohnheiten eines antiken Spartaners
haben muß, um ſich ihrer zu bedienen. Wer hätte nicht die
Kunde von dem Manne vernommen, der in einem ausge=
höhlten
Baumſtamm über den Ozean fuhr! Sein Seiten=
ſtück
bildet jener Gentleman, der es verſuchte, auf einem
Floß nach Amerika zu ſchwimmen, leider aber dabei er=
rrank
. Beide Unternehmen ſollen auf eine Wette zurück=
zuführen
ſein. Das gleiche trifft für die Reiſe eines
Italieners zu, der von Florenz nach Rom auf den Dächern
der Eiſenbahnwagen gefahren iſt. Er machte es möglich,
unbeobachtet darauf zu gelangen und ſich bei der Ankunft
durch raſches Abſpringen und Dayonlaufen vor Beſtraf=
ung
zu ſchützen. Uebrigens habe ich in einem alten Band
Gartenlaube aus dem Jahre 1876 in einem Artikel über
Amerikareiſen geleſen, daß gelegentlich der Ackerbauaus=
ſtellung
bei Cleveland im September 1872 zahllofe ſolcher
Deckpaſſagiere die Reiſe dorthin unentgeltlich gemacht
hätten. Sogar auf der Lokomotive, wo ſich ein glasbe=
dachtes
Coupé für den Führer und ſeine Gehilfen befindet,
ſollen ſie ſich eingedrängt haben. Wenn der Zug noch im
langſamen Einfahren in den Bahnhof war, ſprangen ſie
auf Dächer von Wagen, die auf den Nebengeleiſen ſtanden,
um nicht von der Menge aufgehalten zu werden. Man
pflegt ſolche Leute, die, ohne zu bezahlen, von einer Ver=
kehrsgelegenheit
widerrechtlich Gebrauch machen, gemein=
hin
blinde Paſſagiere zu nennen. Ihrer gibt’s viele.
Wie mancher unter uns hätte nicht ſchon beobachtet, daß
man ein Kind, in einen Koffer oder eine Kiſte geſteckt, ins
Eiſenbahncoupé einſchmuggelte! Auch der bekannte italie=
niſche
Journaliſt Barzini erzählt, daß ſich auf der Reiſe,
die er in Begleitung des Herzogs der Abruzzen im Auto=
mobil
nach Sibirien gemacht, wiederholt Leute gefunden
hätten, die es verſuchten, ein Wägelchen an den Kraftwagen
anzubinden.
Unter den ungewöhnlichen Reiſegelegenheiten habe ich
es bis jetzt verabſäumt, das Luftſchiff und den Flug=
pparat
zu nennen. Warum? Nun, weil es wahrſchein=
lich
bald aufhören wird, dazu zu zählen. Haben wir doch
bereits Luftſchiffe, die für den regelmäßigen Gebrauch der
Paſſagiere eingeſtellt find und wenn die Sache bezüglich
ihrer bis jetzt auch immer etwas ſchief gegangen iſt, ſo
wird es ſicherlich bald beſſer werden. Alſo ſprechen wir
nicht von den Luftreiſenden.
Ich könnte nun noch von der Beförderungsart der
Reiſenden mit Hilfe von Elefanten und Dromedaren, auf
deren Rücken ſich kleine Pavillons befinden, erzählen, aber
auch dieſe Reiſegelegenheiten ſind in den exotiſchen Län=
dern
, in denen man ihnen begegnet, nicht ungewöhnlich.
Dies Beiwort gebührte höchſtens noch den verſchiedenartig
konſtruierten Waſſervelozipeden, Segelfähren, Schwimm=
apparaten
uſw., auf denen ihre kühnen Erfinder die Fahrt
über den Ozean wagen. Die Zahl dieſer Gefährte iſt aber
zu groß auch vergrößert ſie ſich beſtändig als daß ich
es unternehmen könnte, mich über die Beſchaffenheit auch
rur der beſſer konſtruierten unter ihnen zu verbreiten.

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Seite 26

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 27. Inli 1912.

Nummer 175.

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Nummer 175.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 27. Juli 191s.

Seite 27.

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Eintrittspreise wie bisher. Vorverkauf bei den durch Plakate kenntlichen Stellen, num. Karten nur Verkehrsbüro.
Während der Rennen wird ein Wotan-Halbrenner, welcher bei der Firma August Engel, Schuchardstrasse, ausgestellt
ist, verlost.
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nachmittags, ſtattfindenden

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Aug. Engel, Schuchardstrasse, ausgestellt
und kann jederzeit besichtigt werden.

Herzliche Einladung zu den Vorträgen
Welcher Menſch geht einer
ſicheren Zukunff entgegen?
Sonntag, den 28. Juli, nachm. 4½, abends8 ½ Uhr,
außerdem Montag, den 29. Juli, und Dienstag, den
30. Juli, abends 8½ Uhr, im Saale Waldſtr. 18.
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Eintritt frei!
Redner: Leutnant a. D. von Herff.

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unter Mitwirkung des Wilhelm Etzold’schen Männer-
quartetis
(preisgekrönt), Dirigent Wilhelm Etzold.
Chöre: Offenbarung, N. v. Wilm. Waldestroſt, H. Schöne Mein
Lied, H. Uthmann. Uebers Jahr, Zerlett. Im tieſen Keller, K. Kern.
Eintritt mit Programm 20 Pfg.
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Schutzenhol.
Sonntag, den 28. Juli:
Grosses Miltär-Konzert
ausgeführt von der Kapelle des Grossh. Art.-Korps
Leitung: Herr Obermuſikmeiſter F. Mickley.
Anfang 8 Uhr.
Programm: U. a. Jubel=Ouvertüre von Bach. Divertiſſe=
ment
ans Troubadour von Verdi. WValse Brunes von Krier.
Angereihte Stücke aus Der fidele Bauer von Fall. Schlummer=
liedchen
von Kockert. Vortragsſtücke, aus Kompoſitionen älterer
Meiſter bearbeitet von Necke:
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::Militär-Konzert::

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Ludwigshöhe
Sonntag, den 28. Juli:
großes
Iiimfar-Konzert
ausgeführt von der Kapelle des Grossh. Artillerie-Korps
Leitung: Herr Obermuſikmeiſter F. Mickley.
Programm. U. a. Ouvertüre zur Oper Martha von
Flotow. Fantaſie aus Mignon von Thomas. Angereihte
Stücke aus Lohengrin von Wagner. Tanz=Suite von Wald=
teufel
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Herr Speier. Ballettmuſik aus Die Jüdin von Hale vy.
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Ländler=Idyll von Kockert. Knallbonbons, Potpourri aus den
neueſten Operetten von Moren a.
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Samstag, den 27. Juli 1912, abends 8. Uhr:
Mnlitar-Garten-Konzert
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unter perſ. Leitung des Herrn Muſikmeiſter=Aſp. W. Klein.
Im Programm u. a.: Moderne Operetten=Muſik und neueſte
Schlager, ſowie Solo=Vorträge für Cornet à Piſton, Trompete,
Tenorhorn und Solo=Cornet=Quartett.
Soliſten: die Herren W. Klein, Jürgen, Schomburg,
Biereigel, Kraus und Schmidt.
Eintritt mit Programm: 15 Pfg. (15898ds

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Luftwärme 172 C.
Waſſerwärme vorm. 7 Uhr 220C.
Woog=Polizei=Wache.

Programm
zu Zem am Samstag, den
27Sili, von 12 Uhr mittags ab
vor vem Neuen Palais ſtatt=
findenden
Konzert der Kapelle
des Garde=Drag.=Regts. Nr. 23.
1. Klar zum Gefecht Marſch
von Blankenburg. 2. Ouverture
zur Oper Das Glöckchen des
Eremiten von Maillart. 3. Rot=
feder
, indiſche Romanze von Kerry
Mills. 4. Fantaſie aus Der Trom=
peter
von Säkkingen von Neßler.
5. Eva=Walzer aus der Opereite
Die moderne Eva von Gilbert.
6. Amerikaniſcher Zapfenſtreich von
Carl E. Me Coy.
Sonntag, den 28. Jnli
von 11½12¼ Uhr mittags auf
dem Paradeplatz Konzert der
Kapelle des Großh. Art.=Korps.
Programm=
1. Siegreicher Adler‟, Marſch
von Roſey. 2. Ouverture zur Op.
Martha von Flotow. 3. Valse
Brune von Krier. 4. Fantaſie
aus Troubadour von Verdi.
5. Intermezzo und Barcgrole aus
Hoffmanns Erzählungen von
Offenbach. 6. Rotfeder indiani=
ſches
Intermezzo vom Mc. Coy.

(15980
am weissen Turm
Ab heute
Neues Programm
unter anderem:
Eine Epiſode aus der Zeit
des 1. Konſuls in 2 Akten.
Auf vielſeit. Verlangen:
Originalaufnahme d. R.=C.
Darmstädter
u. Frankfurter Schützen
im
restzus.

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von J. Plößer I. (14383a

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wird angenommen‟
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[ ][  ]

Seite 28.

Darmſtarter Tagblatt, Samstag, den 27. Inli 1912.

Nummer 175.

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unt. E 14 an die Exp. (*2110 Heinheimerſtr. 20, 3. Stock. (827a

Einem verehrten Publikum, Freunden und Gönnern mache
hiermit ergebenſt bekannt, daß ich Montag, den 29. Juli, die Wirtſchaft
von Herrn W. Hille, Arheilgerſtraße 50, übernehmen werde.
Es wird ſtets meine erſte Aufgabe ſein, gute Speiſen und

Getränke zu verabreichen.
Um geneigten Zuſpruch bittet

(*2163

Heinrich Schwarz.