Abonnementspreis
Inſerate
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 14 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Das zweite Geſchwader der Hochſeeflotte
ging am Sonntag vor Nidden vor Anker. Eine Jolle
vom Schiff „Thüringen” geriet dabei in die
enorme Brandung und kenterte mit 14 Offizieren.
Ein Zahlmeiſter und ein Intendanturſekretär ſind
er=
trunken.
Einen Weltrekord im motorloſen
Gleit=
flugapparat ſtellte geſtern hier stud. Guthermuth
aus Darmſtadt bei Flugverſuchen in der Rhön auf.
Der franzöſiſche Miniſterpräſident
Poincaré hat in der Vogeſenſtadt Gerardmer, wo
der Kongreß der Unterrichtsliga verſammelt war, eine
große Rede gehalten, in der er die Politik der
Regie=
rung verteidigte.
Das neue türkiſche Kabinett iſt gebildet.
Fürſt Katſura, der in Petersburg eingetroffen iſt,
wird infolge der Erkrankung des Kaiſers
von Japan ſeine Reiſe durch Europa
auf=
geben und nach Japan zurückkehren.
Zur Erkrankung des Mikado.
*⁎* Der Geſundheitszuſtand des Kaiſers von
Japan ſcheint nach den vorliegenden Meldungen ernſte
Beſorgnis einzuflößen und die Möglichkeit eines
Thron=
wechſels nahe zu rücken. Ein ſolcher würde natürlich
das oſtaſiatiſche Inſelreich mit aufrichtiger und tiefer
Trauer erfüllen und die Teilnahme des geſamten
Aus=
landes erwecken. Schließen doch die 45 Jahre der
Re=
gierung dieſes im 60. Lebensjahre ſtehenden Monarchen
ſo gewaltige Umwälzungen ein, wie ſie in ſolchem
Um=
fange und in ſo kurzer Zeit kein einziger Staat der Erde
aufzuweiſen hat. Unter Mutſuhito wurde die
Allein=
herrſchaft des Miakdo nach Unterwerfung des Ghogun
hergeſtellt, und Japan begann ſeine innere Umgeſtaltung,
ſein Beſtraben, ſich europäiſche Kultur anzueignen,
glückte ihm in geradezu wunderbarer Weiſe, das Land
wurde ein modernes Staatsweſen mit all ſeinen
tech=
niſchen Hilfsmitteln während das Volk ſeinen alten
Geiſt, ſeine alten Anſchauungen beibehielt. Und was
das auffallendſte iſt, die Umwälzung vollzog ſich, ohne
daß ſich dagegen eine ſtarke Reaktion bei den Maſſen
bemerkbar gemacht hätte. In Militär und Induſtrie, in
Handel und Verkehr, in Kunſt und Wiſſenſchaft
lauſch=
ten die Japaner den Ländern abendländiſcher Kultur
alles ab und führten in praktiſcher Weiſe das Neue bei
ſich ein, ſodaß ihr Reich heute den Kulturſtaaten der
Erde kaum noch nachſteht.
Die unter der Herrſchaft des Mikado erzielten
Er=
folge wurden gefördert durch eine Opferwilligkeit der
Großen des Reiches, wie ſie in der Geſchichte faſt einzig
daſteht. Im Jahre 1870 gaben die drei Reichsfürſten,
die die nominellen Führer der imperialiſtiſchen
Bewe=
gung geweſen waren, ihre große Lehen aus freien
Stücken an den Kaiſer zurück, und ihnen folgten bald
alle anderen. Der Schritt geſchah in der Erkenntnis,
daß eine ſtarke Reichsgewalt auch der Geſamtheit der
Landeseinnahmen bedürfe. Im Jahre 1889 wurde
Ja=
pan ein Verfaſſungsſtaat, es erhielt ein Parlament,
je=
doch blieb der Monarch der Träger der ganzen
Staats=
gewalt. Ein geradezu beiſpielloſer Aufſtieg, wie ihn
Japan zu verzeichnen hat, konnte aber nur unter einem
ungewöhnlich intelligenten, jedem Fortſchritt
zugäng=
lichen Herrſcher geſchehen. Unſere heutige Generation
kennt dieſen Aufſtieg, der das ferne, noch vor einem
hal=
ben Jahrhundert dem Auslande verſchloſſene Inſelreich
in die Reihe der Kulturſtaaten und Großmächte verſetzt
hat. Hoffen wir, daß die Befürchtungen um das Leben
des Mikado ſich als grundlos erweiſen.
Die mißlungene Gegenrevolution in Portugal.
* Ein Berichterſtatter der Times hat ſich in das
nordportugieſiſche Grenzgebiet begeben und teilt
Nach=
richten mit, aus denen hervorgeht, warum der
An=
ſchlag der portugieſiſchen Monarchiſten
nicht gelungen iſt.
Die Eindringlinge, führt er aus, waren mit
Waf=
ken und Geld gut verſehen, auch ſtark genug an Zahl,
um der herrſchenden Partei einen ſchweren Schlag zu
verſetzen und wenn ſie im Lande ſelbſt eine tätige
Unter=
ſtützung gefunden hätten, wäre ihnen die Herſtellung des
Königtums vielleicht gelungen. Allein es fehlte den
Königlichen an einem ordentlichen Gefüge, an Vorſorge
für Nachſchub und an williger Hilfe bei der
portugie=
ſiſchen Bevölkerung; denn ſogar in der ſtreng
katholi=
ſchen Gegend von Chaves ſchienen die Bauern den
Royaliſten lebhaft abgeneigt zu ſein. Daß unter den
ungünſtigen Umſtänden ſchon jetzt losgeſchlagen wurde,
wird einerſeits dem Drängen der ſpaniſchen Regierung
zugeſchrieben, die auf Veranlaſſung der portugieſiſchen
Regierung dem Treiben der Verſchwörer auf galiciſchem
Boden ein Ende machen wollte, anderſeits dem
Bedürf=
nis der Verſchwörer ſelbſt, für das Geld, das ihnen
hauptſächlich aus Braſilien zufloß, auch etwas zu tun
ut aliquid fecisse viderentur, wie der Lateiner ſagt.
Es war ausgemacht, daß die Royaliſten an zwei
Stellen zugleich, in Valenca und Chaves, die Grenze
überſchreiten ſollten, um von dieſen Feſten aus über die
beiden von dort auslaufenden Straßen nach Braga
und Opokto vokzudringen. Beide Unteriehmungen
ſchlugen fehl. Am Sonntag, den 14. Juli, früh ging der
ehemalige Leutnant z. S. Sepulveda über den Minho
und näherte ſich Valenca. Die Beſatzung beſtand aus
einer Handvoll Soldaten, die gar keine Neigung
hat=
ten, das Feuer zu eröffnen. So hätte der Platz den
Königlichen leicht in die Hände fallen können. Doch
dieſe waren überhaupt nicht auf Widerſtand gefaßt, und
die ſchwache Gegenwehr genügte um die Angreiſer zu
vertreiben, die nach einigen Revolverſchiſſen abzogen,
nunmehr ihrerſeits von der Beſatzung verfolgt, die
hin=
ter ihnen drein ſchoß. Ein unternehmungsluſtiger
Ser=
geant hatte von den Mauern den Anfang damit gemacht
und das genügte, um die Ropaliſten zu verjagen und
die Republikaner aufzumuntern, die nun einige der
Monarchiſten töteten oder verwundeten. Einige der
letz=
teren, darunter ihr Führer, ergaben ſich den
ſpani=
ſchen Behörden, wurden indes auf ihr Ehrenwort
frei=
gelaſſen; andere, die den Portugieſen in die Hände
fielen, wurden in Valenca eingekerkert. Seither iſt die
Beſatzung der kleinen Feſte zweimal alarmiert worden:
das eine Mal waren es ein paar Bäume, die Anlaß zur
Beunruhigung gegeben hatten, das andere Mal ergab
ſich, daß die Truppe auf einige Hunde gefeuert hatte.
An demſelben Tage hate der Anführer der
Mon=
archiſten, der ehemalige Hauptmann Paiva
Con=
ceiro, die Grenze etwa 100 Kilometer öſtlich von
Cha=
ves überſchritten und den kleinen Ort Montalegre
auf=
gefordert, ſich zu ergeben. Es wurde nach Chaves, das
nur mehr als 65 Kilometer weit entfernt iſt, um
Ver=
ſtärkungen telegraphiert, deren Ankunft Conceiro indes
nicht abwartete; vielmehr zog er ihnen entgegen, und
bei Einbruch der Dunkelheit hatte er Chaves erreicht.
Es iſt eine alte Stadt am Tamegafluß, über den eine
Römerbrücke führt; die Stadt iſt wichtig als der Punkt,
wo zwei Gebirgsketten ſich vereinigen. Ob Conceiro
Freunde in der Stadt hatte oder nicht, ſeine Liſt war
ihm gelungen: Chaves war von Truppen völlig
ent=
blößt, da alle Mann ihm nach Montalegre
entgegen=
gczogen waren; er hatte einen Umweg gemacht. Ein
Milchmann, der am Montag den 15. Juli in die Stadt
kam, gab von der Anweſenheit der Monarchiſten
Nach=
richt, und ſofort erbrachen die Bürger das Zeughaus,
bewaffneten ſich und zogen den Königlichen entgegen.
Es kam zu einem ziemlich lebhaften Feuer auf beiden
Seiten, und Conceiro beſchoß die Stadt aus einem
7 Zentimeter=Geſchütz, traf auch einige Häuſer, allein die
Geſchoſſe taugten nichts und platzten nur, wenn ſie auf
etwas Hartes aufſchlugen. Allmählich gelang es den
Bürgern, die Angreifer zurückzudrängen, und darüber
erſchienen die Truppen, die nach Montalegre geeilt
wa=
ren, und griffen die Monarchiſten nun auch in der
Flanke an. Da gab es keine Rettung mehr als in der
Flucht. Die Royaliſten hatten 16 Tote und zahlreiche
Verwundete, die Bürger dagegen keine Verluſte; nur
zwei Soldaten blieben tot. Es verblieben den
Republi=
kanern zwei Gebirgsgeſchütze und ein beſonders kunſtvoll
gearbeiteter Säbel, der dem Herrn d’Almeida. einem
der Unterführer Conceiras, gehörte; wie es heißt, geht
das Stück nach Liſſabon in das Revolutionsmuſeum.
Almeida ſelbſt verfiel der Gefangenſchaft und dem
Kriegsgericht. Die Earbonarios, die Anführer des
Wi=
derſtandes der Städter, haben die Waffen nicht ſofort
wiedergegeben. und Carbonario iſt ſo ziemlich ein jeder
in Chaves. Mit der Waffe in der Fauſt glauben ſie,
den Soldaten Befehle erteilen zu dürfen.
Die chineſiſche Anleihe.
* Die Norddeutſche Allgemeine Zeitung kommt in
ihrer Wochenrundſchau wieder auf die chineſiſche
Anleihefrage zu ſprechen und erklärt, daß die
Verhandlungen jetzt völlig ins Stocken
ge=
raten ſeien. Sie ſagt:
Mehrfach iſt die Meinung geäußert worden, daß
China die Anleihe aufgedrängt werden ſoll.
Davon kann nicht im entfernteſten die Rede ſein. Der
Vereitwilligkeit der großen Bankengruppe, die die Sache
in die Hand genommen hat, liegt lediglich die Abſicht
zu Grunde, das neue China finanziell zu ſtärken und
ihm die Mittel zu gewähren, zunächſt Ruhe und
Ordnung im Reiche herzuſtellen und ſodann eine
ruhige Entwickelung Chinas ſicher zu ſtellen. Es gilt nicht
nur, rückſtändige und laufende Verpflichtungen des
chine=
ſiſchen Reiches zu erfüllen, ſondern auch den chineſiſchen
Staat auf gefeſtigter Grundlage ſo auszubauen, daß er
ſich ohne neue Erſchütterungen und Rückſchläge
gedeih=
lich entfalten kann.
Gewiß hat der internationale Handell
ein Intereſſe an der Beſeitigung der herrſchenden
Un=
ſicherheit, indeſſen iſt doch kein Zweifel darüber möglich,
daß es für China geradezu ein Lebensintereſſe iſt, über
die erforderlichen Mittel zur Erreichung dieſes Zieles
zu verfügen. Anderſeits iſt ebenſo unbeſtreitbar, daß
China bis zur Herſtellung völlig geordneter ſtaatlicher
Verhältniſſe keine erheblichen Darlehen von fremden
Geldgebern zu erhalten vermag, ohne beſondere
Bürgſchaften zu bieten. Dazu gehört einmal eine
Kontrolle über eine zweckentſprechende Verwendung
der dargeliehenen Gelder und zum anderen eine
Ge=
währ für die Sicherheit der Anleihe durch beſtimmte
Einnahmequellen, wie die Salzzölle Ferner iſt eine
ge=
wiſſe Marktfreiheit durch Umgeſtaltung beſtimmter
in=
ländiſcher Abgaben erforderlich. Dieſe Bedingungen
liegen aber ſo ſehr in dem Weſen des Anleihegeſchäfts
ſelbſt begründet, daß die Vermutung irgend welcher
po=
litiſcher Nebenabſichten jeder Grundlage in der
Wirk=
lichkeit entbehrt.
Sicherlich wird China bei einer geſunden
Ent=
wickelung einmal dahin kommen, daß es auch finanziell
auf eigenen Füßen ſtehen wird. Kein nüchterner
Be=
urteiler der Dinge, wie ſie gegenwärtig liegen, vermag
ſich aber der Ueberzeugung zu verſchließen, daß das
chineſiſche Reich zu dieſem Ziele nur durch eine
Zwi=
ſchenpgriode ffremder finanzieller Unterſtützung
gelan=
gen kann.
Deutſches Reich.
— Der katholiſche Adel und die
Kolo=
nien. Das Zentrum iſt ſehr kolonialfreundlich
gewor=
den. Zu einer Zuſammenſtellung in den Kolonien
tä=
tiger Adeliger ſchreibt der Abg. Erzberger im Deutſchen
Volksblatt:
Unter allen hier aufgezählten Namen findet ſich
kaum ein Katholik Gewiß iſt die Liſte nicht
vollkom=
men, es finden ſich Angehörige der Familien
Bären=
ſtein, Mallinckrodt, Praſchma in unſeren
Schutzgebie=
ten, aber mehr ſind nicht bekannt. Hier tritt ein nicht
zu leugnendes Manko hervor; namentlich der katholiſche
Hochadel ſollte ſich mehr für die Kolonialpolitik
intereſ=
ſieren; für ſeine nachgeborenen Söhne wäre hier ein
weites Feld fruchtbarer Tätigkeit. Es iſt für uns
deutſche Katholiken nicht gleichgültig, wer ſich in unſeren
Schutzgebieten anſiedelt, und wir möchten hier unſere:.
alten adeligen Familien nicht miſſen, Sie können Geld
in die Kolonien bringen. Sie können an dem
Auf=
ſchwung derſelben erheblich mitarbeiten und für ihre
Kinder ein gutes geſichertes Auskommen ſchaffen.
Nach=
dem der Kaiſer mit gutem Beiſpiel vorangegangen iſt
und in Südweſt eine Farm kaufte, dürften unſere
Ade=
ligen folgen. Als Katholiken wollen wir nirgends im
Rückſtande ſein, auch nicht bei der Erſchließung der
Schutzgebiete.
— Gegen die Miſchehen. Sämtliche
Miſ=
ſiomen Deutſch=Südweſtafrikas ſtehen jetzt
erfreulicher=
weiſe in der Frage der Miſchehen auf dem gleichen
Standpunkt. Sie mißbilligen ſolche Ehen und lehnen
es ab, bei Abſchluß eines derartigen Ehebundes
mit=
zuwirken. Der Präfekt der im Namalande tätigen
ka=
tholiſchen Miſſion, der Oblaten des hl. Franz von
Sa=
les, hat beim Gouvernement eine Erklärung eingereicht,
wonach auch von ihm Miſchehen nicht gutgeheißen
wer=
den und wonach ſeitens dieſer Miſſionsgeſellſchaft
kirch=
liche Trauungen von Weißen und Eingeborenen nicht
mehr vorgenommen werden.
— Die badiſche Geſandtſchaft in
Mün=
chen. Die Meldung mehrerer Blätter, die von der
ba=
diſchen Zweiten Kammer abgelehnte Geſandtſchaft in
München werde vom Großherzog von Baden aus
eige=
nen Mitteln aufrecht erhalten werden, wird von der
Neuen Badiſchen Landeszeitung entſchieden dementiert,
— Konfliktsſtoff im „roten Landtag”.
Die Regierung von Schwarzburg=Rudolſtadt verfügte,
wie ſchon kurz gemeldet, ohne vorhergegangene
verfaſ=
ſungsmäßige Zuſtimmung des Landtages die Hergabe
einer Teuerungszulage in Höhe von 8 Prozent des
Ge=
haltes an ſämtliche Staatsbeamten und
Volksſchulleh=
rer des Landes. Dieſe Zulage iſt angewieſen für das
laufende Jahr; ſie erfordert eine Aufwendung von rund
130000 Mark. Die Verfaſſung des Landes ſtellt den
Erlaß der Verordnung ohne vorherige Zuſtimmung des
Landtages nur dann frei, wenn infolge Auflöſung oder
aus ſonſtigen Gründen überhaupt kein Landtag da iſt.
Das trifft nicht zu, da der vorhandene Landtaa nach
Seite 2.5
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. Juli 1912.
Nummer 171.
den Beſtimmungen der Verfaſſung zu einer
außerordent=
lichen Tagung zum Zwecke der Verabſchiedung der
Vor=
lage einzuberufen war. Die verfaſſungsmäßig in
ſol=
chem Falle erforderliche nachträgliche Genehmigung durch
den Landtag iſt, da die ſozialdemokratiſche Mehrheit
ſich grundſätzlich gegen einzelne Beſtimmungen der
Ver=
ordnung ausgeſprochen hat, ausgeſchloſſen. Die
Vor=
lage hatte im Frühling ſchon den Landtag beſchäftigt,
war damals aber nicht zur Verabſchiedung gelangt. Die
Sozialdemokraten wollen den Geiſtlichen, die bei der
Zulage einbezogen ſind, grundſätzlich nichts gewähren;
ſie verlangen Trennung von Staat und Kirche. Sie
verlangten in der Märztagung weiter, daß den
Volks=
ſchullehrern, die ſonſt ihr Gehalt überhaupt nicht vom
Staat, ſondern von der Gemeinde erhalten, die
Zula=
gen vom Staate zu gewähren ſeien. Die Regierung
hat dieſem Wunſche entgegen ihrer urſprünglichen
Stellung in der jetzt erlaſſenen Verordnung entſprochen.
Ausland.
Frankreich.
Eine Rede des franzöſiſchen
Miniſter=
präſidenten. Miniſterpräſident Poincaré hat auf
einem Feſtmahl am Schluß des Kongreſſes der Liga für
Unterrichtsweſen eine Rede gehalten, in der er
aus=
führte, daß er ſich trotz ſeiner Trauer verpflichtet gefühlt
habe, in das Land der Vogeſen zu kommen, dem die
Republik nicht zu viel Ehre und Dankbarkeit erweiſen
könne; denn im letzten Jahre, wo die Zukunft düſter
und drohend ſchien, ſeien von dort Beiſpiele von
Feſtig=
keit, Kaltblütigkeit und Zuverſicht ausgegangen, die die
ganze Nation ſofort begriffen habe und denen ſie
nach=
gefolgt ſei. Poincaré erinnerte dann daran, daß das
Miniſterium unter ſchwierigen Umſtänden gebildet
wor=
den ſei, und ſprach mit Stolz davon, daß er ſo leicht
mehrere der hervorragendſten Führer der
republika=
niſchen Partei habe um ſich verſammeln können,
nament=
lich Briand und Bourgeois. Der Miniſterpräſident
be=
tonte die unzerſtörbare Einigkeit und Solidarität aller
Mitglieder der Regierung in der Verteidigung der
Un=
abhängigkeit der Schule und der Neutralität des
Unter=
richtsweſens ſowie in der Schaffung von Flottengeſetzen
für die Aufrechterhaltung der Ehre und Würde
Frank=
reichs. Die Regierung habe zum großen Teil die letzten
ſechs Monate der Löſung der auswärtigen Fragen
ge=
widmet, die von Bedeutung ſeien ſowohl für die
Zu=
kunft des franzöſiſchen Kolonialreichs als auch
be=
ſonders für das europäiſche Gleichgewicht. Die
Regie=
rung habe niemals die Notwendigkeit aus dem Auge
verloren, die Bündniſſe und Freundſchaften Frankreichs
intakt zu erhalten und von Tag zu Tag wirkſamer zu
geſtalten, noch auch den Wert, den eine große arbeitſame
Demokratie der Aufrechterhaltung des Friedens beilegen
müſſe. Da aber ſtarke Nationen die einzigen ſeien, deren
Bündnis oder Freundſchaft geſucht ſei, da ſie auch die
einzigen ſeien, die kriegeriſche Anwandlungen bei andern
zurückhalten könnten, ſo habe die franzöſiſche Regierung
die wichtigſte ihrer Aufgaben in der Entwicklung der
militäriſchen und maritimen Stärke Frankreichs erblickt.
Und alle Maßregeln, die vom Kriegsminiſter und vom
Marineminiſter zur Stärkung des Heeres und der Flotte
getroffen worden ſeien, ſeien durch beide in voller
Ueber=
einſtimmung mit den Abſichten der Regierung vorbe=
reitet und zur Anwendung gebracht worden. Zum
Schluſſe wandte ſich Poincaré der Wahlreform zu und
erklärte, daß die Regierung, ohne ihre Prinzipien
auf=
zugeben, bereit ſei, unter Mitwirkung der Republikaner
beiden Kammern nach Verbeſſerungen für den
Geſetzent=
wurf zu ſuchen.
Die Rede des Miniſterpräſidenten Poincaré,
na=
mentlich die die Wahlreform betreffende Stelle, werden
von den Blättern lebhaft erörtert. Die
proportiona=
liſtiſche Action ſagt: Die Rede Poincarés iſt eine
Ant=
wort auf das Manifeſt Clemenceaus. Der
Miniſterprä=
ſident hat als Republikaner zu Republikanern
geſpro=
chen und ſeine Erklärungen, die keinerlei
Herausforde=
rung bilden, werden einen tiefen Eindruck machen. Der
Radical, das amtliche Organ der ſozialiſtiſch=radikalen
Partei, ſchreibt: Die Regierung hat an die
republi=
kaniſche Einigkeit des Senats appelliert. In dieſem
Geiſte wird der Senat auch mit der Regierung
zuſam=
meſtarbeiten, um das Wahlreformgeſetz zu verbeſſern
und in den Augen aller Republikaner angenehmer
er=
ſcheinen zu laſſen.
Der Abſſchluß der Berner
Verhand=
lungen. Der Siecle erörtert mit lebhafter
Befrie=
digung den Abſchluß der Berner Verhandlungen der
deutſch=franzöſiſchen Kamerun=Kongo=Kommiſſion und
meint, das Ergebnis gereiche den Vertretern
Frank=
reichs und Deutſchlands und namentlich den erſten
De=
legierten Conty und Frhrn, von der Lancken zur
größ=
ten Ehre. Es habe ſich wieder einmal gezeigt, daß die
internationaln Probleme eine friedliche Löſung
fin=
den, wenn auf beiden Seiten die gleiche bona fides
be=
tätigt werde. Man ſei leicht und raſch zu einer
Ver=
ſtändigung gelangt trotz der Wichtigkeit und
Schwierig=
keit der ſtrittigen Fragen und trotz des heiklen
Cha=
rakters, der ſeit 40 Jahren notgedrungen allen
Verhand=
lungen zwiſchen Frankreich und Deutſchland anhaftet.
Angeſichts der nunmehr ſchon faſt ein Jahr dauernden
franzöſiſch=ſpaniſchen Verhandlungen ſollte die BBerner
Verſtändigung eine gute Lehre für die Regierungen
von Paris und Madrid bilden.
England.
Die Aerzte und die
Verſicherungs=
geſetze. Der Ausſchuß der mediziniſchen Geſellſchaft
Großbritanniens beſchloß in Liverpool mit 185 gegen
21 Stimmen der Geſellſchaft den Abbruch aller
Verhand=
lungen mit dem Schatzkanzler Lloyd George bezüglich
ihrer Mitwirkung bei der Durchführung des
Verſiche=
rungsgeſetzes zu empfehlen. Der Antrag ſoll der am
Dienstag ſtattfindenden Jahresverſammlung der
Ge=
ſellſchaft, zu welcher 4000 bis 5000 Aerzte erwartet
wer=
den, unterbreitet werden.
Rußland.
Fürſt Katſuras Beſuch in Petersburg.
Fürſt Katſura iſt in Petersburg eingetroffen. Wegen
der Krankheit des Mikado mußte der angeſagte
feier=
liche Empfang abgeſagt werden. Die ruſſiſche Preſſe
beſchäftigt ſich in weiteren Kommentaren mit der
poli=
tiſchen Miſſion des Fürſten Katſura. So erklärt der
Rjetſch: Die Reiſe des Fürſten Katſura wird den
Abſchluß eines ruſſiſch=japaniſchen Bündniſſes zur Folge
haben. Dies wird auch durch die Tatſache beſtätigt,
daß der Fürſt nach ſeiner Rückkehr nach Japan einen
wichtigen politiſchen Poſten bekleiden wird. Die
Bör=
ſenzeitung ſchreibt: Die ruſſiſche Regierung wird kein
Bündnis abſchließen, das im Gegenſatz zur europäiſchen
Gruppierung der Mächte ſteht. Vorerſt dürften die
Verhandlungen indeſſen abgebrochen werden, denn wie
aus Tokio gemeldet wird, wird Fürſt Katſura infolge
der Erkrankung des Kaiſers von Japan ſeine Reiſe durch
Europa aufgeben und nach Japan zurückekhren,
Eine Hungersnot in Sicht. Trotz der
durch=
ſchnittlich zufriedenſtellenden Ernte ſind einige Bezirke
an der Wolga, wie jetzt endgültig zu überſehen iſt, durch
eine Mißernte ſchwer gefährdet.Gerade das Zentrum
des vorjährigen Hungerbezirks, das Gonvernement
Saratow und das öſtliche Wolgaufer, hat auch für den
kommenden Winter unzureichende Nahrungsmittel zur
Verpflegung der eingeſeſſenen Bevölkerung. Die
Land=
räte des Gouvernements Saratow haben gemeldet, daß
von den 422000 Köpfen Geſamtbevölkerung über 255000
notleiden werden. Für Notſtandsarbeiten öffentlicher
Art werden deshalb ſchon jetzt 2½ Millionen Rubel
an=
gefordert, ferner eine halbe Million zu wohltätigen
Zwecken, 65000 Rubel für Küchen in Schuken ſowie für
die Lieferung ſämtlichen Saatkorns. Das
Geſamterfor=
dernis für das Saratower Gouvernement wird von dem
Gouvernementsrat in einer Meldung an das
Mini=
ſterium des Innern auf 6 Mill. Rubel angegeben
Türkei.
Das neue Kabinett. Ein Reſkript über die
Ernennung Achmed Mukhtars zum Großweſir und
Dſchemal Eddins zum Scheich ül Islam iſt bekann
gegeben worden. Im neuen Kabinett Tewfik Paſchas
übernimmt der England freundliche Kiamil Paſcha das
Aeußere, der Albaneſe Ferid Paſcha das Innere und
das Kriegsportefeuille Nazim Paſcha, der früher
Mit=
glied des Komitees war, aber von dieſem wegen ſeiner
Oppoſition als Gouverneur von Bagdad kaltgeſtellt
wurde. Der neue Großweſir Mukhtar Paſcha nimmt
ei=
nen gemäßigten fortſchrittlichen Standpunkt ein.
China.
Die Zuſammenſetzung des künftigen
Parlaments. Die Nationalverſammlung ſteht in
der Beratung über die Zuſammenſetzung des künftigen
chineſiſchen Parlaments. Bisher ſind folgende
Beſtim=
mungen angenommen worden: Das Parlament ſoll aus
zwei Häuſern beſtehen. In dem Senat ſoll jede der 22
Provinzen durch zwei Mitglieder vertreten ſein, Tibet
durch 10, die Mongolei durch 30; die im Auslande
leben=
den Chineſen werden 6 Vertreter haben und die
Erzie=
hungsgeſellſchaft 8. Ein Drittel des Senats wird alle
zwei Jahre neugewählt werden. Ueber die Vertretung
der Mongolei und Tibets im Repräſentantenhauſe kam
es zu einer heftigen Debatte. Es wurde betont, daß die
Mongolei und Tibet durch die Fürſten, den Adel und die
Geiſtlichkeit regiert werde und daß, wenn das
mongo=
liſche und tibetaniſche Volk keine beſondere Vertretung
erhalten, dies zu ernſten Folgen führen könne. Es wäre
beſſer, wenn man die Politik vorläufig in den Händen
der lokalen Machthaber laſſe. Die Debatte über dieſe
Frage wurde vertagt, ohne daß eine Entſcheidung
ge=
fällt wurde.
„
* Graf Zeppelin an Jungdeutſchland.
Die Stuttgarter Ortsgruppe des
Jungdeutſchlandbun=
des hatte dem Grafen Zeppelin, als ihrem
Ehrenvor=
ſitzenden, ihre Glückwünſche zum 74. Geburtstag durch
eine Feier an der Bismarckſäule dargebracht. Graf
Zeppelin hat nunmehr ſeinen herzlichen Dank für die
Paradoxe Gedanken eines
Sommer=
friſchlers.
(Nachdruck verboten.)
Es gibt Leute, die weniger ihrer ſelbſt, als der
ande=
ren wegen Sommerreiſen machen. Sie, die ſich zu Hauſe
allen Komfort und alle Erholungsmöglichkeiten verſchaffen
können, reiſen oft nur in die Berge oder an die See, um
die nach Schluß der Saiſon an ſie herantretende
ſtereo=
type Frage: „Wo waren Sie dieſen Sommer?”
ſtandes=
gemäß beantworten zu können.
*
Wer vor der ſog. Saiſon reiſt, wird gut aufgenommen
und individuell behandelt, der Reiſende während der
Sai=
ſon iſt nur eine Nummer. Seine individuelle Behandlung
ſeitens der Hotelbedienſteten richtet ſich nach ſeiner
Trink=
geldzahlungsfähigkeit.
Unſere Zeit iſt nicht nur ſchnellebig, ſondern auch
ſchnellgenießend. Während man früher zu Fuß wanderte
oder mit der Poſtſchnecke durch die Berge fuhr, durchraſt
man ſie heute mit dem Automobil und genießt die
Natur=
ſchönheiten mit der Schnelligkeit und dem raſchen Wechſel
einer Kinovorführung.
„An ſich iſt nichts weder gut noch ſchlecht das Denken
macht es erſt dazu” ſagt Hamlet. — „An ſich iſt nichts
weder ſittlich noch unſittlich, die Umgebung macht es erſt
dazu” ſagt der moderne Menſch. Würde jemand die
Ge=
bräuche in den Familienbädern auf die Straße oder in
den Salon verpflanzen, ſo würde er mit der Polizei oder
dem Irrenarzte unliebſame Bekanntſchaft machen. Die
Nähe des Waſſers und ſeine Gebrauchsmöglichkeit ſtellen
die herkömmlichen Anſchauungen von Sitte auf den Kopf,
obwohl die ſittlichen Normen allgemeingültig ſein und
nicht nur bedingungsweiſe und für einen beſtimmten Ort
oder eine beſtimmte Zeit gelten ſollen. Was unter
all=
gemeiner Oeffentlichkeit und vor aller Augen in
Familien=
bädern erlaubt iſt, ſollte es auch auf der Straße ſein, und
wenn man konſequent ſein wollte, müßte man die
Bade=
koſtüme auch für die Straße freigeben.
Was die Menſchen immer geſehen haben, das ſehen
ſie nicht mehr. Ein Fremder bewunderte einem
Gebirgs=
bewohner gegenüber die Schönheit der mit Schnee
bedeck=
ten Alpen, worauf dieſer erwiderte: „Ach ja, das iſt ja
wahr da liegt ja auch Schnee‟.
Wenn man keine Sommerreiſen machen würde, würde
man nicht zu der Erkenntnis kommen, daß es „zu Hauſe
am ſchönſten iſt”.
Wir rümpfen die Naſe über romantiſch angehauchte
Menſchen, auf der Reiſe heucheln wir aber oft romantiſches
Empfinden, weil es für gebildet gilt, Verſtändnis für
Naturſchönheiten zu zeigen.
Es iſt leichter, einen Diamanten im märkiſchen Sande,
als an der See oder in den Bergen einen Ort ohne
Som=
merfriſche zu finden.
Die Tatſache, etwas geſehen zu haben, iſt für viele
Sommer=Reiſende wertvoller, als der Genuß, es geſehen
zu haben.
Ein morgens krähender Hahn iſt zu Hauſe ein
Gegen=
ſtand größten Aergerniſſes, in der Sommerfriſche iſt er ein
entzückendes Idyll.
Herr Rentner P. fährt immer vierter Klaſſe, wohnt in
Gaſthäuſern dritter Klaſſe und benutzt die Warteſäle
zweiter Klaſſe, denn er iſt ein Geizhals erſter Klaſſe.
„Nichts Gewaltigeres gibt es als den Menſchen”
ſagte Sophokles. Und er hat doch den modernen Menſchen
noch nicht gekannt, der nicht nur alle Widerſtände zu Waſſer
und zu Lande durch die Wunderwerke ſeiner Technik
be=
zwungen, ſondern auch die Luft erobert hat. Aber
gewal=
tiger als der Menſch iſt die Fliege, denn ſie iſt imſtande,
der Krone der Schöpfung dauernd die Ruhe und den
Schlaf zu rauben. Mit einem Löwen oder einem Adler,
die ihn im Schlafe ſtören würden, würde der allgewaltige
Menſch fertig werden, aber gegen eine Fliege iſt er
macht=
los, und ſie kann ihn zur Verzweiflung treiben.
enn das letzte Poſthorn im Muſeum aufgehängt iſt und
die Antos und die Zahnradbahnen die Gipfel ſämtlicher
Ber=
gesrieſen erklommen haben, und es für das reiſewütige
Pu=
blikum keine neuen Senſationen mehr gibt, dann treten
die Luftſchiffe und die Flugzeuge in ihr Recht und
er=
ſchließen der an Reiſeeindrücken überſättigten Menſchheit
das grenzenloſe Neuland der Lüfte, das zu befahren um
ſo mehr Reize bieten wird, je mehr Gefahren damit ver=
W.
bunden ſind.
Hundstäge.
C) Am 24. Juli treten wir in die Zeit der
Hundstage ein, die für die heißeſten des Jahres
gel=
ten und denen man auch heute noch vielfach nichts
Gutes zutraut. Woher kommt der merkwürdige Name
dieſer Wochen, woher der Aberglaube an allerlei ſchlimme
Ereigniſſe, der ſich mit ihnen verbindet? Die Hundstage
ſind ein vieltauſendjähriges Vermächtnis, das die
alt=
ägyptiſche Aſtronomie bis auf unſere Tage
ver=
erbt hat, denn der Sirius, dieſer Stern erſter Größe im
Sternbilde des Großen Hundes, den die Söhne das
Pharao Sothis nannten, ſpielte bei ihnen eine große
Rolle. Zunächſt hatte in Aegypten als Jahresanfang
der Beginn der Nilüberſchwemmungen gegolten, die mit
ihrem fruchtbaren Naß für das ganze Land von größter
wirtſchaftlicher Bedeutung waren und noch ſind. Dieſer
Zeitmoment in der zweiten Hälfte des Juli kündigte ſich
nun aſtronomiſch dadurch an, daß die Sonne beim
Heran=
nahen dieſer Periode mit dem Sirius gleichzeitig
auf=
ging; dieſer hellſte Stern am ganzen Firmament war in
der Morgendämmerung zu ſehen. Da die Aegypter den
Sothis wegen ſeines ſtrahlenden Glanzes hoch
verehr=
ten, ſo brachten ſie bald dieſen „heliakiſchen Aufgang”
des Sternes mit der Nilüberſchwemmung in enge
Be=
ziehung. Er galt als ein Vorläufer des ſegensreichen
Hinſtrömens der Waſſer über das Land und wurde unter
die wohltuenden Götter verſetzt. Der Beginn des
Jah=
res wurde geſetzlich zu gleicher Zeit mit dem Erſcheinen
des Sirius in der Morgendämmerung angeordnet.
Zu=
nächſt rechneten die Aegypter ein reines Sonnenjahr mit
360 Tagen, aber bald merkten ſie, daß bei dieſer
An=
nahme ſchon nach wenigen Jahren der Beginn der
Nil=
überſchwemmung und des gleichzeitigen Aufgangs des
Sirius mit der Sonne ſich ſehr bedeutend gegen einander
verſchoben. Wie die Mythe berichtet, ſoll der Gott Thot
der Mondgöttin Iſis im Brettſpiel fünf Tage
abge=
wonnen haben, die er den Menſchen zu den bisherigen 360
Tagen des Jahres als Zugabe hinzuſchenkte, ſodaß ſie
nun 365 Tage im Jahre beſaßen. Aber auch dieſe
Tage=
zahl im Jahre bewirkte, wenn auch nicht ſo raſch, ſo doch
ällmählich, eine Verſchiebung des heliakiſchen
Siriusauf=
ganges gegen den Jahresanfang; alle vier Jahre betrug
dieſe einen Tag, ſodaß alſo erſt nach je 4mal 365 oder
1460 Jahren der gleichzeitige Aufgang des Sirius mit
der Sonne mit dem Jahresanfang zuſammenfiel. Dieſe
große Periode, die die Aegypter die Sothis=Periode
nannten, iſt ein Beweis dafür, daß dieſe alten
Aſtrono=
men die Dauer eines Jahres bereits zu 365¼ Tagen
be=
ſtimmt hatten. Dieſe Zahl bildete dann ja die s
Huldigung in einem Schreiben zum Ausdruck gebracht,
ün dem er u. a. folgende Worte ſagt:
„Dadurch trat in ſchöner Weiſe noch klarer in die
Erſcheinung, wie die gezeigte Begeiſterung nicht ſowohl
mneiner Perſon als dem Werke galt, das ich zum
Vor=
ſteil unſeres Vaterlandes zu ſchaffen berufen war.
Mei=
mer oft mühe= und ſorgenvollen Arbeit ſchönſter Lohn
iſt die von Ihnen, meine lieben jungen Freunde,
kund=
gegebene Erkenntnis, daß meine Schöpfung Ihrem
künf=
ſigen Tun als Männer ein weites Gebiet neuer
Kultur=
aaufgaben eröffnet hat, daß Ihnen ein Werkzeug
gege=
ben iſt, mit dem Sie arbeiten können an der Erhaltung
und Mehrung von Deutſchlands Wohlfahrt, Macht und
Wröße. Aber das merken Sie ſich bei Ihren
Betrach=
itungen darüber: Beinahe wäre der Ausbau meiner
Wuftſchiffe an der Vielheit der deutſchen Meinungen,
aam leidigen rechthaberiſchen deutſchen Widerſpruchsgeiſt
Berſchellt. Da hat der Gott Deutſchlands zur rechten
Stunde eingegriffen und hat den Sturm mein Luftſchiff
wernichten heißen. Da brannte dort oben bei
Echter=
ingen die Flamme auf, die die Seele des deutſchen
Wolkes zu einer gewaltigen Lohe entfachte. Das war
ddie Rettung! Vergeſſet es nie: nur Einigkeit macht
ſſtark. Derjenige Staat iſt der mächtigſte und umfaßt
die glücklichſten Bürger, in dem in ſelbſtloſer Weiſe alle
geinzelnen und alle Parteien die ganze Kraft einſetzen
Zum Wohle der Allgemeinheit.”
Graf Zeppelin hat dieſes Schreiben durch Kunſtdruck
in größerer Anzahl vervielfältigen laſſen und den
Wunſch geäußert, daß es den Jungdeutſchlandleuten
überreicht wird Weiter hat der Graf zum Ausdruck
ggebracht, er habe dieſen Weg gewählt, weil er bei dieſer
Welegenheit den Jungdeutſchlandleuten ein ernſtes Wort
mit auf den Lebensweg habe geben wollen, das für
das Verſtändnis der Jugend wohl zu hoch ſei, das aber
mmanche aufbewahren würden, ſodaß es ihnen in
ſpä=
ſteren Jahren noch von Nutzen werden könne.
* Verlobung im Zarenhauſe. Die Ver=
Aobung der ruſſiſchen Großfürſtin Olga, der älteſten
Tochter des Zarenpaares, mit dem Großfürſten Dimitri,
einem Neffen des Zaren, Sohn des Großfürſten Paul
Alexandrowitſch aus ſeiner erſten Ehe mit der am 12.
September 1891 verſtorbenen Prinzeſſin Alexandra
Geor=
giewna von Griechenland, ſoll nach der Zuſammenkunft
des Zaren mit dem ſchwediſchen Königspaare bekannt
gegeben werden. Großfürſtin Olga wurde am 3.
No=
wember 1895 geboren, ſteht alſo im 17. Lebensjahre.
Wroßfürſt Dimitri wurde am 6. September 1891 geboren
lund wird alſo am 6. September dieſes Jahres 21 Jahre
galt werden. Die Meldung dürfte mindeſtens
ver=
ffrüht ſein.
* Genf, 22. Juli. Die Vertreter der
bedeu=
ſtendſten Genfer Induſtr ie haben ſich zu einem
Werband der Arbeitgeber zuſammengeſchloſſen, um
er=
ffolgreicher gegen die Führer der ſtreikenden Arbeiter
worzugehen.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 23. Juli.
* Vom Hofe. Pfarrer Walter aus Worms nahm
arm Sonntag an der Frühſtückstafel in Jagdſchloß
Wolfs=
marten teil. (Darmſt. Ztg.)
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog dem Rentner Ernſt Windecker I. zu
Fried=
werg das Ritterkreuz 2. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps
des Großmütigen.
* Entlaſſen wurde der Lehrer an der Gemeindeſchule
zu Münzenberg, Kreis Friedberg, Friedrich Rockel auf
ſein Nachſuchen aus dem Schuldienſte.
* Verſetzt wurde der Steueraufſeher Lang zu
Lampertheim mit Wirkung vom 2. September d. J. ab
aen die Zuckerfabrik Friedberg.
* In den Ruheſtand verſetzt wurde der
Bahn=
wärter in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft
Friedrich Stein zu Kohden vom 1. November d. J. an.
* Das Großh. Regierungsblatt Nr. 26 vom
22. Juli hat folgenden Inhalt: 1. Geſetz, die Ab=
änderung des Geſetzes vom 21. Juli 1900 und 30.
Ok=
tober 1905 über die Witwen= und Waiſenkaſſe der
Volksſchullehrer betreffend. — 2. Bekanntmachung, die
Ausführung des Verſicherungsgeſetzes für Angeſtellte
betreffend.
Militärdienſtnachrichten. Lübbe, Major und
Bat.=Kommandeur im Inf.=Regt. Prinz Carl (4. Großh.
Heſſ.) Nr. 118, mit der geſetzlichen Penſion zur
Dis=
poſition geſtellt und zum Kommandeur des
Landwehr=
bezirks Duisburg ernannt. Kulm, Leutnant im Inf.=
Leib=Regt. Großherzogin (3. Großh. Heſſ.) Nr. 117, ins
9. Rhein. Inf.=Regt. Nr. 160 verſetzt. Wolf, Leutnant
im Inf.=Regt. Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116
zur Unteroffizier=Vorſchule Annaburg verſetzt. Zierold,
Major und Kommandeur des Leib=Drag.=Regts. (2. Groß.
Heſſ.) Nr. 24, zum Oberſtleutnant befördert. Freiherr
v. Lersner, Leutnant im Leib=Drag.=Regt. (2. Großh.
Heſſ.) Nr. 24, wird bis Ende September 1913 zur
Reit=
anſtalt der Kriegsakademie kommandiert. v.
Cons=
bruch, Oberleutnant im Großh. Art.=Korps, 1. Groß.
Heſſ. Feldart.=Regt. Nr. 25, wird zum überzähligen
Hauptmann befördert. v. Lindeiner, gen. v. Wildau,
überzähiger Major und Lehrer an der Kriegsſchule in
Hersfeld — trägt die Uniform des Leibg.=Inf.=Regts.
(1. Großh. Heſſ.) Nr. 115 — wird zum Stabe des
Magdeburg. Jäger=Bats. Nr. 4 verſetzt. Kuhn,
Ober=
leutnant im Inf.=Regt. Prinz Carl (4. Großh. Heſſ.)
Nr. 118, wird als Inſp.=Offizier zur Kriegsſchule in
Metz kommandiert. Viktor Graf zu Sayn=
Wittgenſtein=Berleburg wird der Abſchied mit
der geſetzlichen Penſion bewilligt, zugleich wird derſelbe
bei den Offizieren der Landwehr 1. Aufgebots
ange=
ſtellt. Wolff, Hauptmann der Reſerve des Inf.=Leibg.=
Regts. Nr. 115, der Abſchied bewilligt mit der Erlaubnis
zum Tragen der Landwehr=Armeeuniſorm. v. Notz,
Major und Kommandeur der Unteroffizier=Vorſchule in
Greifenberg, als Bats.=Kommaudeur ins Inf.=Regt.
Prinz Carl (4. Großh. Heſſ.) Nr. 118 verſetzt.
* Die Ausſtellung „Der Menſch” in Darmſtadt im
Großherzoglichen Reſidenzſchloß wird mit einer elektriſchen
Lichtanlage verſehen werden und abends geöffnet bleiben.
Dadurch wird den werktätigen Kreiſen der Bevölkerung
Gelegenheit gegeben, die Ausſtellung noch abends zu
be=
ſichtigen. Es iſt dies eine Neuerung im Ausſtellungsweſen,
die nur mit Freude begrüßt werden kann. Auch den
aus=
wärtigen Beſuchern wird dadurch die Beſichtigung der
berühmten Sammlung erleichtert.
* Die Akademiſchen Unterrichtskurſe, die bisher ſchon
eine rühmliche ſegensreiche Tätigkeit entfalteten und im
nächſten Semeſter, wie man hört, auf noch breiterer
Grund=
lage aufgebaut werden ſollen, veranſtalteten am Samstag
abend im „Kaiſerſaal” ihr wohlgelungenes, ſtark beſuchtes
Semeſterſchlußfeſt. Veeſchiedene Gründe zwangen
dazu, es diesmal in anderer Weiſe als ſonſt, wo es meiſt
als Ausflug in die Bergſtraße ſtattfand, zu begehen, und
auch einige unvorhergeſehene Programmſchwierigkeiten,
die eingreifende Aenderungen notwendig machten, ſtellten
ſich ein; aber trotz allem nahm das Feſt einen ſchönen
Ver=
lauf. Nach kurzen Begrüßungsworten plauderte Student
Halbertſchma in feſſelnder Weiſe über England,
in=
dem exr eine große Anzahl hervorragender Lichtbilder aus
London und ſeiner herrlichen Umgebung, aus Edinbourgh
uſw. anſchaulich und humorvoll erläuterte. Darauf ſang
Herr Botſch mit ſympathiſchem Organ und gutem Vortrag
mehrere Lieder zur Laute, und Herr Levi trug gleichfalls
unter lebhaftem Beifall verſtändnisvoll alte und neue,
ernſte und heitere Gedichte vor. Den Abſchluß des bunten
Teils bildete das Luſtſpielchen „Die Eiferſüchtigen” von
Roderich Benedix, von 2 Teilnehmerinnen und 3
Teil=
nehmern der Kurſe mit Eifer und Temperament geſpielt;
die Darſteller gefielen nicht minder als das harmloſe luſtige
Stück. Nachdem dann noch ein Hörer den Veranſtaltern
der Kurſe für ihre unermüdliche Arbeit gedankt und eifrig
für das kommende Semeſter geworben hatte, hielt ein
Tänzchen die Gäſte noch lange in froher Stimmung
bei=
ſammen.
* Turngemeinde Beſſungen. Eine ſehr würdige
und allen Anweſenden unvergeßliche Feier veranſtaltete
die Turngemeinde Beſſungen am Samstag abend unter
ſehr zahlreicher Beteiligung bei der Wochenverſammlung.
Es galt, ihrem langjährigen Vorſitzenden und
Ehren=
vorſitzenden, Herrn Stadtverordneten L. Ph.
Witt=
mann, den ſchon vor einiger Zeit von dem Ausſchuß
der Deutſchen Turnerſchaft ausgeſtellten Ehrenbrief
für verdienſtvolle Leiſtungen im Turnweſen auf
aus=
drücklichen Wunſch im engſten Kreiſe der Gemeinde zu
überreichen. Nachdem zur Eröffnung die
Sing=
mannſchaft ein Lied vorgetragen, feierte der 1. Sprecher,
Herr Profeſſor Kiſſinger, die Verdienſte des Herrn
Wittmann in bekannter kerniger und zu Herzen gehender
Anſprache, die in ein kräftiges Gut Heil der
Verſamm=
lung ausklang. Für die Vorturner und Turnmannſchaft
ſprach der 1. Turnwart Herr Bläß in warmen Worten
den Dank aus und überreichte hierbei einen mit den
Turnfarben geſchmückten mächtigen Eichenlaubſtrauß.
Als beſondere Ueberraſchung überreichte als älteſtes
Mit=
glied der Gemeinde, Diener Jäger, einen Eichenlaubſtrauß
mit Glückwunſch. Nachdem der Ehrenvorſitzende Herr
Witt=
mann in bewegten Worten gedankt und der Gemeinde
fernerhin ein Blühen und Gedeihen gewünſcht hatte,
verherrlichte die Singmannſchaft noch durch verſchiedene
Chöre den Abend, die im Wechſel mit Vorträgen und
Anſprachen die Turner noch lange beiſammen hielten.
* Geſangverein Harmonie Darmſtadt. Das am
Sonn=
tag abgehaltene Sommerfeſt im Schützenhof war trotz der
ſchlechten Witterung ſehr gut beſucht. Abwechſelnd
Kon=
zertſtücke, Tanz und Geſangsvorträge hielten die Beſucher
in gemütlicher Stimmung. Auch das Preisſchießen und
die Verloſung fanden einen guten Zuſpruch. Die
Har=
monie kann mit dem ſchönen Verlauf des Feſtes zufrieden
ſein.
* Radfahrer=Klub „Germania” Am Sonntag hielt
der Radfahrer=Klub „Germania” ſein
Vereins=
rennen über 65 Klm. ab, mit folgendem Reſultat.
1. Heinrich Fiſcher; 2. Karl Hannemann; 3. Ludw Lang;
4. Adolf Spahn; 5. Georg Hunsdorf; 6. Hans Thomas;
7. Wilhelm Glaſer; 8. Hans Hering. Auch beabſichtigt
der Verein in dieſem Jahre ein offenes Rennen rund
um Darmſtadt zu veranſtalten.
* Radrennen. Die nächſten Radrennen auf der
hieſigen Radrennbahn des Veloziped=Klubs Darmſtadt
finden am Sonntag, den 28. Juli, nachmittags 3½ Uhr,
ſtatt. Das Programm des Tages umfaßt je ein Erſt=,
Klub=, Vorgabe=, Tandem= und Hauptfahren, ſowie ein
Dauerrennen mit Motorführung und zwei Motorrennen.
Die eingegangenen Meldungen vereinigen eine bedeutende
Anzahl guter Fahrer, die ſtark beſetzte und daher
inter=
eſſante Felder ermöglichen, ſodaß die Kämpfe um die
ausgeſetzten Preiſe außerordentlich ſpannend zu werden
verſprechen. Bei dem ſtetig zunehmendeu Intereſſe des
hieſigen Publikums für Radrennen — eine Folge der
vor=
züglichen Darbietungen des Veloziped=Klubs — dürfte
auch der nächſte Sonntag für den Veranſtalter von
Er=
folg begleitet ſein.
C. Das Ende der Trockenheit. Während vom 1. bis
17. Juli nur die äußerſt geringe Menge von 15 Millimeter
Regen gefallen war, hat uns der 18. bis 22. nicht weniger
als 44 Millimeter gebracht, ſo daß von einer Trockenheit
keine Rede mehr ſein kann. Durch dieſe reichliche
Regen=
ſpende unterſcheidet ſich der heurige Juli vorteilhaft von
dem vorjährigen, der im Ganzen nur 12 Millimeter
Nie=
derſchlag geliefert hatte, jedoch inbezug auf
Temperatur=
verhältniſſe dem diesjährigen ſehr ähnlich war. Der
Darm=
bach, der Mitte voriger Woche ausgetrocknet war, führt
be=
reits wieder Waſſer, ein Umſtand, der dem niedrigen
Pegelſtand des Woogs bald wieder aufhelfen wird.
X Schlachtungen. Nach dem Monatsberichte des
Fleiſchbeſchauamts ſind während des Monats Mai
im hieſigen Schlachthaus geſchlachtet worden: 120
Ochſen, 5 Bullen, 259 Kühe, 21 Jungrinder, 1181 Kälber,
2785 Schweine, 77 Schafe, 8 Ziegen und 15 Pferde. —
Beanſtandet wurden: 83 Ochſen, 3 Bullen, 184 Kühe,
14 Jungrinder, 27 Kälber, 540 Schweine und 13 Schafe. —
Minderwertig wurde erklärt das Fleiſch von: 2 Ochſen,
4¾ Kühen, 1 Jungrind, 6¾ Kälbern und 9¾ Schweinen.
— Bedingt tauglich war das Fleiſch von: 1¾ Kühen,
¼ Kalb und ¾ Schweinen. — Untauglich waren:
für den von Julius Cäſar eingeführten
Juliani=
ſchen Kalender, den auch wir noch benutzen.
So ſtehen alſo die Hundstage, die von den
Aegyptern als Jahresbeginn eingeführt wurden, mit
unſerer gegenwärtigen Jahreseinteilung
im enger Beziehung. Die glückverheißende Bedeutung,
die man dem die Nilüberſchwemmung verkündenden
Sirius in der Morgendämmerung zuſchrieb, fand aber
nicht ihre Ausdehnung auf die ganze Zeit. Mit dem
fruchtbaren Waſſer kam nämlich zugleich die Zeit der
großen Hitzen, der gefährlichen Krankheiten, der
ſchlim=
men Epidemien und des großen Sterbens. Giftige
Miasmen ſtiegen aus dem zurückbleibenden Schlamm
des Fluſſes, und nach dem Segen kam das Elend, für
das man nun ebenfalls den Sothis verantwortlich machte.
wie Griechen, die dem Hundsgeſtirn den Namen Sirius
gaben, übernahmen dieſen Glauben an die
unheilbrin=
gende Macht des Sternes. Sie ſahen in ihm einen
ſagen=
haften Hund der Unterwelt, der von den Göttern an das
Firmament verſetzt ſei, hielten ihn für das Sinnbild des
houndes, den Jupiter dem Totenrichter Minios ſchenkte,
der ihn wieder an die Procris weitergab. Ptolemäus
gibt ihm eine feuerrötliche Farbe, und man opfert zu
Beginn dieſer Periode einen roten Hund, um das ſchlimme
toundgeſtirn zu verſöhnen und günſtig zu ſtimmen. Nach
den Angaben von Hippokrates und Plinius „beginnt an
dem Tage, wo der Hundeſtern ſich erhebt, das Meer zu
kochen, der Wein wird ſchlecht, die Hunde bekommen die
Wollwut, die Galle vergrößert ſich und wird gereizt, alle
Tiere verfallen in Schlaffheit und Trübſinn; die
Krank=
heiten, die dieſe Periode am häufigſten hervorruft, ſind
die heißen und andauernden Fieber, die Darmkatarrhe
und die Tobſuchtsanfälle‟
Bei der ungeheuren Autorität, die Hippokrates im
Mittelalter beſaß, iſt es kein Wunder, daß die
Vorſtel=
llingen von der Gefährlichkeit der Hundstage noch bis
im die neuere Zeit hinein beſtehen blieben. Nach alten
Rezeptbüchern und ärztlichen Ratgebern muß man in
diieſer Zeit beſonders vorſichtig ſein, ſich tüchtig zur Ader
laſſen, nicht baden, wenig eſſen, nicht zu viel ſchlafen uſw.
Letzte Reflexe ſolcher abergläubiſchen Ideen ſind ja auch
n och in unſerer Gegenwart wirkſam.
Feuilleton.
* Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
National=
h-ygiene=Muſeum in Dresden. Wie bekannt,
betrug der Ueberſchuß bei der Dresdener Hygiene=
Aus=
ſtellung zirka eine Million Mark. Dieſer wurde dem
Fonds für das National=Hygiene=Muſeum in Dresden
überwieſen, dem der Staat einmalig 2000000 Mark und
die Stadt einen jährlichen Zuſchuß von 150000 Mark zu=
führen werden. Das Muſeum wird in zirka 3 Jahren
eröffnet. Den Grundſtock bildet die populäre Halle.
Dieſe einzigartige Ausſtellung „Der Menſch” wird wie
bekannt, vorher nur noch einmal, und zwar in
Darm=
ſtadt — Auguſt bis Oktober d. J. — im Großh.
Reſidenz=
ſchloß zu ſehen ſein.
Spielplan des Frankfurter Theaters
Oper: Dienstag, 23. Juli: Eva. Mittwoch, 24.: Mignon.
Donnerstag, 25.: Rigoletto. Freitag, 26.: Geſchloſſen.
Samstag, 27.: Violetta (La Traviata). Sonntag, 28.:
Triſtan und Iſolde. Montag, 29.: Königskinder.
Diens=
tag, 30.: Aleſſandro Stradella.
— Der Friedhof als Schlafſtätte. Auch ein Beitrag
zum Kapitel des Geburtenrückgangs‟! Eine
Lon=
doner Aerztin, Miß Mac Millan, iſt auf eine originelle
Idee gekommen, um den Schäden abzuhelfen, die das
Wohnungselend für die Kinder mit ſich
bringt. Sie iſt am Krankenhauſe in Deptford tätig,
einer beſonders traurigen Gegend der Millionenſtadt, und
ſie konnte nur zu oft beobachten, wie die Geſundheit der
Kinder unter den unzureichenden, dumpfigen
Wohnun=
gen in den Mietskaſernen leidet. Nun liegt in jenem
Viertel ein ſchöner, alter luftiger Friedhof, der mit
präch=
tigen Bäumen beſtanden iſt und der ſeit einem
Jahrhun=
dert nicht mehr ſeinem Zwecke dient. Er gehört zu der
berühmten St. Nicholas=Kirche, die von der Königin
Eliſabeth oft beſucht wurde und in der die engliſchen
Admirale und Kapitäne ihren letzten Gottesdienſt
ab=
hielten, ehe ſie zum Kampfe gegen die ſpaniſche Armada
auszogen. Miß Mac Millan ſchlug vor, dieſen Friedhof
als Schlafſtätte für arme Kinder zu benutzen. Anfangs
fand ſie bei den Müttern, denen der Ort zu unheimlich
vorkam, manchen Widerſtand; aber mit der Zeit hat ſie
den Aberglauben überwunden, und augenblicklich ſchlafen
ſchon 16 Knaben über den Gräbern ſo feſt und friedlich,
als lägen ſie irgendwo in der freien grünen Natur. Die
Geſundheit der kränklichen Kinder hat ſich beträchtlich
ge=
beſſert, ſeitdem ſie unter freiem Himmel ſchlafen; ſie
empfangen auf dem Friedhof auch ihren Schulunterricht
und arbeiten in ihren freien Stunden eifrig daran, ihn
in einen blühenden Garten zu verwandeln.
* Der künſtlich gebräunte Teint. Schon ſieht man ſie
in den Straßen der Großſtadt, wenn auch erſt vereinzelt,
die bereits aus der Sommerfriſche Heimgekehrten, weithin
kenntlich durch ihre tiefgebräunten Geſichter, neben denen
das Antlitz der zurückgebliebenen in geiſterhafter Bläſſe
ſchimmert. In wenigen Wochen wird die Schar der „
Rot=
häute” die Großſtädte überfluten. Aber iſt ein
rotgebräun=
ter Teint wirklich noch ein untrüglicher Beweis dafür, ſo
fragt die Nat.=Ztg., daß ſein Beſitzer eben vom beſonnten
Meere? trande oder von ſturmumbrauſten Bergesgipfeln
kommt? Ein furchtbarer Verdacht ſteigt auf. In einer
Berliner Tageszeitung war folgendes Inſerat zu leſen:
Braunolin ſonnenverbrannten Teint, Schnell=
Bräunungsmittel gibt nach Gebrauch einen haltbaren
gebräunten Teint. Preis pro Flacon 2 Mark.‟ Dieſe
An=
nonce eröffnet ungeahnte Perſpektiven. Wer will noch
unterſcheiden können, ob der Herr mit den weißen Hoſen
und der blauen Jachtmütze, deſſen Antlitz die leuchtende
Röte eines gekochten Krebſes zeigt, wirklich an den
Re=
gatten in Cowes teilgenommen, oder ſich nur für zwei
Mark eine Flaſche „Braunolin” gekauft hat? Wer kann noch
wiſſen, ob das früher hochgradig bleichſüchtige junge
Mäd=
chen, das jetzt braun wie eine Indianerin ausſieht, die
Kur in Bad Pyrmont oder einfach eine billigere
Brauno=
linkur gebraucht hat? Von dem arretierten Defraudanten
Haaſe wurde berichtet, daß er bis zur Unkenntlichkeit
gebräunt geweſen ſei als er ſich liebenswürdiger Weiſe
der Polizei ſelbſt ſtellte. Sollte etwa auch er zwei Mark
der defraudierten Summe für einen Flacon „Braunolin”
ſpendiert haben? Und Bruning und Zebell, verdanken ſie
etwa ihre Unſichtbarkeit demſelben Zaubermittel?
* Ein urwüchſiger Abgeordneter. Aus München wird
geſchrieben: Der Hutzenauerbauer von Ruhpolding, wie
der altbayeriſche Bauernbündlerführer und
Landtagsab=
geordnete Eiſenberger von ſeinen Landsleuten genannt
wird liebt es, in der heimatlichen oberbayeriſchen
Ge=
birgstracht in den Landtag zu gehen. Am letzten
Mitt=
woch aber iſt er gar ohne Weſte und ohne Kragen, mit
offenem Hemd und der Tabakspfeife in den
Finanzaus=
ſchuß gekommen. Da gerade der Forſtetat zur Beratung
ſtand, ſo ſollte die Gewandung offenbar eine ſinnige
Auf=
merkſamkeit für die am Forſtetat intereſſierten Holzknechte
ſein. Die Landtagskollegen hatten leider kein
Verſtänd=
nis dafür, ſondern bekundeten geringe Freude über die
allzu urwüchſigen Manieren des Herrn Deputierten.
* Eine originelle Dankſagung erläßt Herr Conradi
vom „Theater=Enſemble Wiedemann” an die Pfulldorfer
aus Anlaß ſeines letzten Benefizabends. Er ſchreibt:
„Herzlichen Dank allen für die ſchönen Kranz= und
Blumen=
ſpenden, die koſtbaren Halsbinden, Manſchetten,
Taſchen=
tücher und Handſchuhe, ſowie für die in meinem kleinen
Haushalt ſo verwendbaren Artikel, wie Kaffee, Tee,
Zucker, Schokolade, für die Seite geräucherten
Schweine=
ſpecks u. a. Ganz beſonderen Dank den lieben Spendern
der bei mir ſonſt ſo raren blau und grünlich ſchimmernden
bunten Lappen, ſowie auch innigſten Dank der geehrten
Redaktion des geſchätzten Blattes für gütige Mitwirkung.
Ich werde Pfulldorf bis an mein Lebensende in gutem
An=
denken behalten, und die Erinnerung an alle die lieben und
guten Menſchen wird mir ſtets ein Lichtblick meines Lebens
in trüben Tagen ſein.”
1 Kuh, 2 Jungrinder, 1 Kalb, 1 Schwein, 1435 Organe,
194 kg Fett und 74 kg Fleiſch von 864 Tieren. — Auf
Trichinen wurden unterſucht: 2785 im Schlachthaus
geſchlachtete Schweine, ſowie 3901 kg für hieſige Metzger
eingeführtes friſches Fleiſch von 195 Schweinen. — Der
Nachunter ſuchung wurden unterzogen: 729 Sendungen
eingeführtes Fleiſch, enthaltend: 25089 kg Rindfleiſch,
3901 kg Schweinefleiſch, 154 kg Kalbfleiſch, 790 kg
Ham=
melfleiſch, 293 kg Ziegenfleiſch und 169 kg Pferdefleiſch.
* Hugenſchütz’ Felſenkeller. Heute Dienstag, den
23. Juli, ſpielt wiederum Herr Klein mit ſeinen
Trompetern des Train=Bataillons Nr. 18 in
Hugen=
ſſchütz Felſenkeller. Das Programm iſt wieder recht
reichhaltig. Im großen ganzen trägt das Konzert den
Charakter eines „Populären Abends‟. Es kommt alſo
wieder jeder auf ſeine Koſten. (Näheres ſiehe Anzeige
und Plakate.)
Seligenſtadt, 22. Juli. Heute nacht entſtand
ge=
legentlich der Tanzmuſik im „Schützenhof” eine
Strei=
tigkeit zwiſchen dem 26jährigen Küfergeſellen
Niko=
laus Dalquen und dem 22jährigen Guſtav Voigt.
Auf dem Nachhauſeweg, um 3,30 Uhr heute früh, ſtach
Voigt dem D. auf dem Markplatze mit einem
feſtſtehen=
den Meſſer in die Schlagader an der rechten
Schulter. Der verletzte D. wollte ſich noch zu einem
Arzt ſchleppen, brach aber auf dem Wege dorthin
zuſam=
men und ſtarb auf dem Pflaſter. Der Täter wurde
ſo=
fort verhaftet. Eine gerichtliche Sektion der Leiche fand
heute ſtatt.
Heppenheim, 22. Juli. Geſtern morgen 7 Uhr
ereig=
nete ſich auf der Bergſtraße gegen Laudenbach zu ein
ſchweres Automobilunglück. Die hieſige Sanitätskolonne
eilte ſofort zu Hilfe und fand bei dem demolierten Auto
im Chauſſeegraben einen Toten liegen, deſſen
Kopf und Körperſeite zerſchmettert und zerriſſen waren.
Der Chauffeur war noch am Leben, aber ſo bedenklich
verletzt, daß man ihn ſofort nach Heidelberg in die
Klinik bringen mußte. Er konnte noch angeben, daß er
von Frankfurt komme und von dem jetzt Toten dort
ge=
beten worden ſei, ihn mit nach Heidelberg zu nehmen.
Die Medizinalbehörde und das Amtsgericht von Lorſch
waren kurz nach 11 Uhr auch ſchon an der Unglücksſtelle.
Es wurde feſtgeſtellt, daß das Auto das Zeichen
IV. B—D 2162 trug und ein Mietauto von Freiburg i. B.
ſei. Der Tote trug beſſere Kleidung und eine goldene
Uhr mit ſchwerer goldener Kette. Er mag 40—45 Jahre
alt ſein und ſoll Baromowsky heißen. Gegen 1 Uhr
wurde er in die Leichenhalle nach dem hieſigen Friedhof
gebracht. Das demolierte Auto wurde hierher in
Sicher=
heit gefahren.
Lindenfels, 21. Juli. Das Burgfeſt, das mit ſo
großer Freude erwartet wurde, verregnete leider. Der
anhaltende Regen machte ein Verweilen auf der Burg
unmöglich. Man war genötigt, das Feſt zu unterbrechen
und dasſelbe am Abend im Gartenſaale des Hotels „
Oden=
wald” fortzuſetzen. Am kommenden Sonntag findet nun
eine Nachfeier ſtatt.
Mainz, 22. Juli. Die 60jährige Witwe des früheren
Weinwirtes B. Beaury hat ſich geſtern früh in ihrer
Wohnung in der Welſchnonnengaſſe erhängt. Die
Leiche wurde auf den Friedhof gebracht. — Eine
gut=
gekleidete, etwa 25jährige Dame ſprang geſtern am
alten Winterhafen in den Rhein. Die Lebensmüde,
die ſchon untergegangen war, wurde von einem
Mit=
gliede des Ruderklubs aus dem Waſſer geholt und dann
von der Sanitätswache ins Hoſpital gebracht. Sie
ver=
weigert hartnäckig die Angaben ihrer Perſonalien.
Geſtern früh haben 60 Arbeiter aus Frankfurt a. M.,
Offenbach, Mainz und Wetzlar durch Vermittelung des
Ausſchuſſes für Volksvorleſungen unter Führung des
Oberlehrers Kieſewetter eine Studienreiſe nach
Eng=
land angetreten. Der Beſuch gilt hauptfächlich der
Stadt London, wo ein Aufenthalt von ſechs bis ſieben
Tagen geplant iſt.
Gießen, 22. Juli. Durch ein offenſtehendes Fenſter
einer Wirtſchaft in der Marburger Straße ſtiegen in
ver=
floſſener Nacht Diebe ein und erbrachen Sammelbüchſen
und ſonſtige Behältniſſe, wobei ihnen etwa 20 Mark
Bar=
geld in die Hände fielen. Außerdem taten ſie ſich an
Speiſen und Getränken gütlich und ließen auch noch
Zigar=
ren und Zigaretten für den ſpäteren Gebrauch mitgehen.
(*) Friedberg, 22. Juli. Die Einweihung des
neuen Gewerbeſchulhauſes fand geſtern
vor=
mittag ſtatt Um 11 Uhr verſammelten ſich zahlreiche
Gäſte vor dem Neubau zur Ueberreichung des Schlüſſels.
Dipl.=Ing. Schneidt übergab als Bauleiter den Schlüſſel
dem Vorſitzenden des Ortsgewerbevereins, Frick, der die
Schule dem Aufſichtsrat übergab. In dem unteren Saal
begrüßte der Vorſitzende der Baukommiſſion, Hieronymus,
die Gäſte, beſonders die Vertreter der Regierung,
Ober=
regierungsrat Gräf=Darmſtadt, und der Großh.
Zentral=
ſtelle für die Gewerbe, Schulrat Meier=Darmſtadt, u. a.
Darauf überreichte Oberregierungsrat Gräf=Darmſtadt
Herrn Ernſt Windecker das ihm vom Großherzog
ver=
liehene Ritterkreuz 2. Klaſſe Philipps des Großmütigen.
Herr Windecker hat ſich um die Verwirklichung des Baues
dadurch verdient gemacht, daß er 50000 Mark ſpendete.
Das Gebäude hat insgeſamt 100000 Mark gekoſtet. Es
umfaßt neun Lehrſäle, ein Sitzungszimmer, Zimmer für
Bibliothek, Archiv, Modellſammlung, zwei Lehrerzimmer,
ein Phyſikalium, Aufenthaltsräume für Schüler,
Direk=
tionszimmer eine Wohnung für den Schuldiener und
zwei Werkſtätten. An der Schule wirken neun Lehrkräfte.
An die Beſichtigung des Gebäudes ſchloß ſich die
Beſichtig=
ung der ausgeſtellten Schülerarbeiten.
(*) Bad=Nauheim, 21. Juli. Die Freie
Ver=
einigung der Krankenkaſſen im Großherzogtum
Heſſen hielt geſtern und heute hier ihre 20.
Jahresver=
ſammlung unter ſtarker Beteiligung ab. Vorſitzender
Neumann=Offenbach begrüßte die Vertreter der Behörden,
Kreisamtmann Herberg=Friedberg, den Vorſitzenden der
Landesverſicherungsanſtalt, Geheimerat Dr. Die tz=
Darm=
ſtadt, den Beigeordneten Lenz=Bad=Nauheim, Oberſekretär
Reitz=Offenbach, Amtmann Kroll=Darmſtadt, Amtmann
Scheld=Mainz. Der Vorſitzende Neumann=Offenbach
er=
ſtattete den Jahresbericht. Die Rechnungsergebniſſe der
Kaſſen ſind folgende: Von 30 zurzeit der Vereinigung
an=
gehörenden Ortskrankenkaſſen haben 29 die Nachweiſungen
eingerichtet. Die Durchſchnittszahl der Mitglieder in
die=
ſen 29 Ortskrankenkaſſen beträgt für das Jahr 1911:
100 105; zuſammen ſind alſo an der Statiſtik beteiligt 33
Kaſſen mit 107209 Mitgliedern. An Geſamteinnahmen
verzeichnen dieſe Kaſſen 4 523 557,88 Mark. Die
Geſamt=
ausgaben betragen 4185807,23 Mark. Das
Geſamtver=
mögen der 33 Kaſſen betrug Ende 1911: 2 722554,05 Mark.
Ende 1910 betrug es 2 297075,06 Mark. Es erhöhte ſich
alſo um 435 478,99 Mark. An Reſervefonds war
vorhan=
den Ende 1911: 1774544,99 Mark, gegenüber 1910 ein
Mehr von 228332,88 Mark. Krankenkaſſenkontrolleur Hch.
Fourier=Gießen gab in einem längeren Vortrag Winke
ßr die Kaſſenverwaltungen zum Invalidn Hinter=
bliebenen=Verſicherungsgeſetz. Landeswohnungsinſpektor
Gretzſchel=Darmſtadt ſprach über die Praxis der
Woh=
nungsreform. Durch die beſſere Beſchaffenheit der
Woh=
nungen werde die Geſundheit des Arbeiters gehoben. Der
Vorſtand wurde wiedergewählt. Die nächſtjährige
Haupt=
verſammlung des Vereins findet in der Provinz
Starken=
burg ſtatt, wahrſcheinlich in Bensheim.
(*) Hungen, 22. Juli. Verſchüttet und getötet
wurde auf der Grube „Friedrich” der Bergmann
Hir=
zinger aus Utphe.
Rudingshain, 22. Juli. Hier ſind einige Fälle von
Typhuserkrankungen vorgekommen, die
wahr=
ſcheinlich auf den Genuß von ſchlechtem Waſſer im Felde
zurückzuführen ſind. Die erforderlichen Maßnahmen ſind
vom Kreisgeſundheitsamt ſofort angeordnet worden und
da auch ein Witterungsumſchlag eingetreten iſt, ſo iſt zu
hoffen, daß die Krankheit bald behoben ſein wird.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 21. Juli. In dieſen Tagen
hat ſich eine große Anzahl von gemeinnützigen
Organi=
ſationen (mehr als 40) aller Richtungen und Parteien
zu=
ſammengeſchloſſen, um für Groß=Berlin eine Einrichtung
zu ſchaffen, die im dringendſten Intereſſe der
erwerbs=
tätigen Frauenwelt liegt. Es handelt ſich um die
Schaf=
fung einer Auskunftsſtelle für
Frauenbe=
rufe. Ihre Aufgabe iſt Aufklärung und Belehrung. Die
mündlichen Auskünfte werden in den täglichen
Sprech=
ſtunden koſtenlos erteilt. — 204638
Fernſprechan=
ſchlüſſe hat der Oberpoſtdirektionsbezirk Berlin nach
der neueſten Aufnahme vom 30. Juni. Am 31. Dezember
1911 hatte der Bezirk 194 582 Anſchlüſſe. Von den jetzt in
Betrieb befindlichen Anſchlüſſen entfallen faſt 140000 auf
die Berliner Aemter, der Reſt auf die Vororte. — Die
zahlreichen Ausflügler die geſtern in die nähere
und weitere Umgebung Berlins gezogen waren, wurden
von ſtarkem Staub beläſtigt. Der vorgeſtrige
Witterungs=
umſchlag brachte keinen Tropfen Regen. Beim Baden in
den Seen ereigneten ſich wieder zahlreiche Unfälle.
Gegen das Baden an verbotener Stelle ſchritten
verſchie=
dentlich Gendarmen ein. — Die 19jährige Kontoriſtin
Schwenke wurde, als ſie für ihre Firma vom
Poſtſcheck=
amt 200 Mark abholte, von einem 20jährigen Burſchen zu
Boden geworfen, gewürgt und der Handtaſche
be=
raubt. Paſſanten verfolgten den Räuber und
veran=
laßten ſeine Verhaftung. Auf der Polizei ſtellte er ſich
taubſtumm. Die Kontoriſtin kam mit dem Schrecken
da=
von.
München, 22. Juli. Die Münchener Neueſten
Nach=
richten melden: Der Direktor der Bayeriſchen
Landwirt=
ſchaftsbank in München, Gottfried Braun, unternahm
am vorigen Montag eine Tour auf die Zugſpitze und wird
ſeitdem vermißt. Die Nachforſchungen ſind wegen des
eingetretenen ſtarken Schneefalles eingeſtellt worden.
Stuttgart, 22. Juli. Die Königin hat ſich zu den
Bayreuther Feſtſpielen begeben.
Schwetzkau (Provinz Poſen), 22. Juli. Auf dem
nahegelegenen Linkſee kenterte ein Kahn mit drei
Land=
wirtsſöhnen. Zwei ertranken vor den Augen ihrer
Eltern, der dritte konnte mit vieler Mühe gerettet werden.
Wien, 21. Juli. Fürſt Alfred von Thurn und
Taxis hat gegen den Prinzen Miguel von
Bra=
ganza in London eine Klage auf eine Million
Kronen angeſtrengt, eine Schuld, die aus einer
Wech=
ſelbürgſchaft ſtammt, die Fürſt Thurn und Taxis für
den Prinzen von Braganza geleiſtet hatte, als der Prinz
auf Freiersfüßen ging und infolgedeſſen alle ſeine
klei=
neren Schulden tilgte, um ſich vor Wechſelklagen zu
ſichgen. Das Heiratsprojekt mit Miß Pullman
ſchei=
terte aber damals. Fürſt Thurn und Taxis hat bereits
1907 eine Klage auf eine halbe Million Kronen gegen
den Prinzen angeſtrengt. Er fiel aber vollſtändig durch,
weil die übrigen Gläubiger den Prinzen bis auf den
letzten Stuhl ausgepfändet, hatten. Später hat der
Prinz von Braganza Miß Stewart geheiratet, mit der
er in London lebt. Ein Telegramm aus London
be=
ſagt nun, daß die Klage nicht zugeſtellt werden konnte,
da ſich der Prinz von Braganza in Portugal befindet,
wo er an der Seite der Royaliſten gegen die
Republi=
kaner kämpft.
Toblach, 21. Juli. Das aus Cortina kommende
Poſt=
automobil ſtürzte heute früh bei der Einfahrt in
das Hotel Toblach in den Straßengraben. Zehn
Paſſagiere wurden zum Teil ſchwer verletzt. Frau Emilie
Heinrich aus Leipzig wurde getötet. Ihr Sohn und ihre
Tochter erlitten einen heftigen Nervenchok.
Zürich, 22. Juli. In den Bergen iſt nach dem
geſtri=
gen Wetterſturz heute vollkommenes
Winter=
wetter eingetreten. Die meiſtbegangenen Alpenpäſſe,
wie die (Furka, die Grimſel, der Gotthardt und der Julier
melden 20 Zentimeter Schneefall; Rigi. Pilatus und
Stanzenhorn ſind bis zu 1400 Metern abwärts mit 30
Zentimeter tiefem Neuſchnee bedeckt.
Rom, 21. Juli. Großes Aufſehen erregt hier die
Er=
mordung der bekannten Varitéſängerin Olga
Flora, die mit großem Erfolg in einem Neapeler Varieté
auftrat. Die Sängerin hatte mit einem jungen Kaufmann
ein Liebesverhältnis, das ſehr koſtſpielig war. In der
letzten Zeit befand ſich das Liebespaar in großer Geldnot.
In der vergangenen Nacht erſchoß der junge Mann ſeine
Braut im Schlaf und jagte ſich dann eine Kugel in den
Kopf, die ſofort tödlich wirkte.
Paris, 21. Juli. Heute nachmittag ereigneie ſich im
Louvre ein aufſehenerregender Vorfall. Eine Frau
hatte ſich bereits längere Zeit vor einem Bilde in
verdäch=
tiger Weiſe zu ſchaffen gemacht, bis man ſchließlich
ent=
deckte, daß die Frau das Bild, ein Gemälde von
Bou=
cher, derartig beſchmutzt und beſchädigt hatte,
daß es zweifelhaft erſcheint, ob es noch einmal repariert
werden kann. Die Frau wurde feſtgenommen. Vor dem
Unterſuchungsrichter gab ſie an, daß die Tat von ihr aus
Not begangen worden ſei. Sie habe damit beabſichtigt,
die Oeffentlichkeit auf ſich aufmerkſam zu machen.
Laon, 22. Juli. Ein ſchweres
Automobil=
unglück hat ſich in der Nähe von Yuvincourt
ereig=
net. Ein Induſtrieller aus Reims, der einem nicht
be=
leuchteten Wagen ausweichen wollte, ſchlug mit ſeinem
Auto um. Hierbei wurde er getötet und zwei weitere
Inſaſſen des Autos ſchwer verletzt.
Plymouth, 22. Juli. Der amerikaniſche Dampfer
„St. Louis” aus New=York kam geſtern mit
Paſſa=
gieren und Poſtſachen in Plymouth mit Verſpätung
an. Die Matroſen und Heizer hatten ſich in
New=York geweigert, den Dienſt zu verrichten. Die
Schiffsgeſellſchaft ſah ſich gezwungen, an ihrer Stelle
Neger einzuſtellen. Die Schiffs=Stewards wurden als
Matroſen verwendet und mußten auf Deck Dienſt
verrich=
ten. Die Geſchwindigkeit des Dampfers auf dem Ozean
betrua 15 Knoten.
San Sebaſtian, 22. Juli. Das Blatt Pueblo Vasco
hat eine Geldſammlung für die Errichtung eines
Standbil des der Königin Witwe Marie
Chriſtine veranſtaltet. Als die Königin=Witwe
hier=
von Kenntnis erhielt, ließ ſie dem Herausgeber des
Blattes erklären, daß ſie eine ſolche Ehrung durchaus
nicht annehme und gegen die Ausführung des
Vorha=
bens Einſpruch erhebe. Sollte man ſich über dieſen
ihren Willen hinwegſetzen, dann würde ſie ſofort ihr
Schloß Miramar verkaufen und niemals mehr nach
San Sebaſtian zurückkehren. Was das Erträgnis der
Sammlung anlange, ſo wünſche ſie, daß dies für die
Errichtung eines Kinderaſyls verwandt
werde.
New=York, 21. Juli. Die Bergſtädte
Ma=
kuma und Seventhougs in der Nähe von
Remo im Staate Nevada ſind durch Wolkenbrüche und
Wirbelſtürme faſt vollſtändig vernichtet
wor=
den. 30 Leichen ſind bis jetzt geborgen, es werden
hun=
derte von Menſchen vermißt, die zweifellos alle
umge=
kommen ſind, viele hunderte ſind verwundet. Der
Zu=
gang zu den Ruinen der Stadt iſt äußerſt ſchwierig. Die
umliegenden Städte ſenden Nahrungsmittel, Aerzte
und Wärter. Viele Bewohner Remos eilten mit
Auto=
mobilen an den Schauplatz der Kataſtrophe, konnten
aber nicht vordringen, da die Bergſtraßen durch Waſſer
zerſtört ſind. Die Ueberlebenden durchſuchen mit
La=
ternen die Trümmer und befinden ſich in
unbeſchreib=
licher Verwirrung, da das Waſſer des Humboldtfluſſes
plötzlich ſtieg und vielen Bewohnern den Weg zur
Ret=
tung abſchnitt. Die Nachrichten laufen nur ſehr ſpärlich
ein, da die Drähte aller Leitungen zerſtört ſind.
New=York, 21. Juli. Angeſichts der Meldungen, der
Spieler Roſe habe die Namen von vier Männern
mit=
geteilt, welche kurz vor Roſenthals Ermordung
in dem Mordautomobil ſaßen, fällt es auf, daß die Polizei
keine weiteren Verhaftungen vorgenommen hat. Man
er=
klärt in Spielerkreiſen, im Oſtviertel ſei der Plan,
Roſen=
thal zu ermorden, das allgemeine Geſprächsthema geweſen.
Die Polizei gibt zu, daß die Mörder die Stadt verlaſſen
hätten. Der Spieler Sullivan erklärte, er habe den
Poli=
zeileutnant Becker wenige Minuten vor der Ermordung
verlaſſen. Der Anwalt des Chauffeurs des Mord=
Auto=
mobils erklärte poſitiv, der Mord ſei nicht im Auftrage
von Spielern verübt worden. Der Anwalt erhält
zahl=
reiche Drohbriefe. Ein Augenzeuge ſagte aus, in der Nacht
der Mordtat hätten die Mörder gemächlich das
Mordauto=
mobil beſtiegen und ſeien langſam davongefahren. Eine
Minute ſpäter ſei der Poliziſt an der Mordſtelle geweſen.
Die Mörder ſchlugen den Chauffeur, um ihn zu
veran=
laſſen, das Automobil in Bewegung zu ſetzen. Ein
Poli=
ziſt ſoll kurz vor der Mordtat die Paſſanten aus der
Nach=
barſchaft des Hotels fortgejagt haben. Ein zweites
Auto=
mobil habe dem nachfolgenden Automobil mit den
Poli=
ziſten den Weg verſperrt.
New=York, 21. Juli. Der Rebellenführer
Zapakla überfiel heute mit 500 Mann einen
Perſonenzug zwiſchen der Stadt Mexiko und
Cuernavara im Staate Morelos. Die Lokomotive wurde
mit Dynamit in die Luft geſprengt. Gegen 60
Paſſa=
giere wurden getötet. Die Reiſenden und der
Gepäck=
wagen wurden ausgeplündert und ſchließlich wurde
alles mit Petroleum begoſſen und in Brand geſteckt.
Eine Eskorte von Bundestruppen wurde von den
Re=
bellen zurückgeſchlagen.
Feſtkommers der Darmſtädter Studentenſchaft.
Den Schluß des Erſten Akademiſchen Turn= und
Sportfeſtes zu Darmſtadt bildete der am Sonntag abend
im feſtlich geſchmückten Kaiſerſaal ſtattgefundene
Kommers. Um hier die Siege des Tages zu feiern,
hatte ſich ein großer Teil der Studentenſchaft
zuſammen=
gefunden, beſtrebt, auch hier noch einmal zu zeigen,
wel=
ches Intereſſe ſie alle an den Turn= und
Sportbeſtrebun=
gen an deutſchen Hochſchulen nehmen.
Das Präſidium führte Herr cand. arch. Fritz Düvel,
der 1. Vorſitznde des Ausſchuſſes der Studierenden. Der
Kommers wurde eröffnet mit den Klängen des
Hohen=
friedberger Marſches, worauf Herr Düvel das Wort
er=
griff und im Namen der Darmſtädter Studentenſchaft
alle Anweſenden willkommen hieß, insbeſondere die
Herren Rektoren der Darmſtädter und Gießener
Hoch=
ſchule, ſowie die Profeſſoren und Kommilitonen der
drei Hochſchulen, deren Angehörige ſich zu gemeinſamen
Kämpfen in der Hauptſtadt des Heſſenlandes
zuſammen=
gefunden hatten. Hierauf ging der Redner noch
ein=
mal kurz auf das Akademiſche Turn= und Sportfeſt ein
und hob hervor, daß die Kämpfer ſich durch Mißerfolge
nicht ſollten abſchrecken laſſen. Das Ziel der ganzen
Be=
wegung ſei es ja nicht, möglichſt viel Siegerkränze zu
erringen, ſondern durch tüchtige Uebung und fleißige
Be=
tätigung zu erreichen, daß von möglichſt vielen eine gute
Geſamtleiſtung erzielt werde, das heißt, daß Geſundheit
und Lebenskraft mit allen Mitteln gefördert werden,
Zum Schluß dankte der Vorſitzende noch Herrn Profeſſor
Finger, dem Vorſitzenden des Akademiſchen
Aus=
ſchuſſes für Leibesübungen, für die Leitung des Feſtes
und die Tätigkeit, die er ſchon ſeit Jahren entwickelte zur
Förderung der turneriſchen Beſtrebungen an der hieſigen
Hochſchule, ſowie Sr. Königl. Hoheit dem
Großher=
zog, der das ganze Feſt durch ſein reges Intereſſe daran
und durch die Stiftung eines Kranzes für den
Eilboten=
lauf überhaupt erſt ermöglicht habe. Mit Begeiſterung
ſtimmten alle Anweſenden die Nationalhymne an.
Nach einem weiteren Liede wurde Sr. Magnifizenz
dem Rektor der Darmſtädter Hochſchule, Herrn Geh.
Bau=
rat Wickop das Wort erteilt. Er dankte auch
ſeiner=
ſeits den Heidelberger und Gießener Kollegen und
Kommilitonen für ihr zahlreiches Erſcheinen, und Herrn
Profeſſor Dr. Finger und Herrn Dr. Mallwitz, ſowie
allen Unterſtützern der guten Sache für ihre eifrige Hilfe=
Es ſei ein Beweis für die Freudigkeit, mit der man ſich
dieſer Angelegenheit angenommen habe, daß in ſo
kur=
zer Zeit ſchon ſo ausgezeichnete Leiſtungen erzielt
wor=
den ſeien; die Hauptſache aber ſei, daß von nun an
die Leibesübungen offiziell in den
Stu=
dienplan der Hochſchule aufgenommen
ſeien. Er hoffe, daß von jetzt an die Beteiligung der
akademiſchen Jugend immer allgemeiner werde und
bald die ganze Studentenſchaft umfaſſe, denn dieſe
Be=
ſtrebungen ſeien eine nationale Aufgabe, die man ernſt
nehmen müſſe. Es ſei allerdings wahr, daß Deutſchland
augenblicklich an einem großen Wendepunkt ſtehe, aber
die allgemeine Rückkehr zur Einfachheit und zu edlen
Be=
ſtrebungen beweiſe, daß die Kriſis wohl ſchon
überſtan=
den ſei, und zu dieſem Erfolge könne man das deutſche
Volk von ganzem Herzen beglückwünſchen. Der Redner
ſchloß ſeine Ausführungen mit der Hoffnung, daß die
drei benachbarten und befreundeten Hochſchulen ſich
weiterhin regelmäßig zu gemeinſamen Wettkämpfen
zu=
kammenfinden und ſomit dazu beitragen möchten, das
Nummer 171.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. Juli 1912.
Seite 5.
Band, das alle deutſchen Studenten zuſammenhält, auch
ihrerſeits zu verſtärken und gemeinſam an dem großen
Ziele, der Ertüchtigung des deutſchen Volkes, zu
ar=
beiten. Darauf bat Se. Magnifizenz Kollegen und
Kommilitonen, mit ihm einen donnernden Salamander
auf das Wohl der Hochſchulen Gießen und Heidelberg
zu reiben.
Nach einem Dank an Se. Magnifizenz den Rektor
unſerer Hochſchule für ſeine überaus eifrige Mitarbeit
und an die Herren Preisrichter, deren prompter Arbeit
man es verdanke, daß man ſchon jetzt die Sieger
verkün=
den könne, ſchritt Herr Profeſſor Dr. Finger zur
Preisverteilung. Den von der Gießener
Univer=
ſität zum Dreikampf geſtifteten Kranz überreichte Se.
Magnifizenz der Rektor, Herr Geh. Rat Profeſſor Dr.
König, den für den Fünfkampf geſtifteten Kranz der
Univerſität Heidelberg Herr Profeſſor Dr. Rinour.
Herr Mathes vom Ausſchuß der Studentenſchaft
Gießen und „Herr Göltz vom Ausſchuß für
Leibesübun=
gen Heidelberg dankten für die Einladung der
Darm=
ſtädter Hochſchule. — Mit ſcherzenden Worten wies Herr
cand. arch. Otto Schmitt vom Akademiſchen Chor darauf
hin, daß die Darmſtädter Damen dem Feſte entſchieden
mehr Wohlwollen bewieſen hätten, wie ihr zahlreiches
Erſcheinen zeige, als ihre himmliſche Schweſter, die
Sonne, die allein es nicht für nötig gehalten hätte, zur
Verherrlichung des Tages beizutragen. Es ſei darum
um ſo anerkennenswerter, daß die anweſenden Damen
dieſes Vergehen wieder gut machen wollten. Während
dieſer Reden hatten kräftige Studentenlieder mit
don=
nernden Salamandern abgewechſelt, ſodaß ſich die ganze
Verſammlung bald in gehobener Stimmung befand.
Gegen ½12 Uhr fand der offizielle Teil ſein Ende und
Se. Magnifizenz der Rektor der Univerſität Gießen
über=
nahm das=Präſidium für den inoffiziellen Teil, der bei
fröhlichem Sang und Trunk die Feſtteilnehmer noch
lange zuſammenhielt.
Hg.
17. deutſches Bundesſchießen.
* Frankfurt a. M., 21. Juli. Nach dem
Schluß=
bankett fand die Verteilung der Schießpreiſe
ſtatt. Der Deutſche Schützenbund konnte diesmal nicht
weniger als ſechs deutſche Meiſtertitel vergeben, wobei die
Schützen die Bedingungen mit über 900 Ringen erfüllt
haben. Erſter wurde Richard Berr=Wien (950 Ringe), der
gleichzeitig einen neuen Rekord aufgeſtellt hat. Zweiter
E. Pachmayr=Traunſtein, dritter E. Reitzenſtein=
Mühl=
hauſen bei Bamberg, vierter J. Schmitz=Frankfurt a. M.,
fünfter F. R. Bachmeyer=Schwabach, ſechſter K. Weiß=
München. Die Reſultate ſind beſſer, als ſie je auf einem
deutſchen Bundesſchießen erzielt wurden. Der von dem
deutſchen Kaiſer geſtiftete Preis wurde auf die erſte
Feſt=
ſcheibe (300 Meter) vergeben und fiel auf Rolle=Berlin,
den Preis des Prinzen Heinrich erhielt Franz Walcher=
Wangen auf die Armeegewehrſcheibe Vaterland (300 Meter
Feld), den des Prinzen Friedrich Karl von Heſſen J.
Klees=Frankfurt a. M. auf die Jubiläumsſcheibe 1887
(Stand 175), den Preis des Kaiſers von Oeſterreich
Bör=
ner=Eisfeld auf die Standfeſtſcheibe Heimat (175 Meter),
den Preis der Stadt Frankfurt E. Schmidt=Grünau auf
die Standfeſtſcheibe Hamburg, den Preis des Kronprinzen
G. Arndt=Stettin auf die Piſtolenfeſtſcheibe Main (35
Meter).
* Mainz, 22. Juli. Die öſt erreichiſchen
Schützen trafen heute nachmittag gegen 3 Uhr, von
Frankfurt kommend,hier ein. Zum offiziellen Empfang
hatte ſich ſeitens der Stadt Mainz Oberbürgermeiſter Dr.
Göttelmann, der Vorſtand und das Komitee der
Mainzer Schützengeſellſchaft, ſowie eine große Anzahl
Mainzer Schützenbrüder eingefunden. Nach herzlicher
Be=
grüßung ſetzte ſich der Zug unter Vorantritt der Kapelle
des Infanterie=Regiments Nr. 88 in Bewegung, welcher
die Kapelle der Hoch= und Deutſchmeiſter folgte. Die
Schützen zogen unter klingendem Spiel durch die Straßen
der Stadt, von dem Publikum allſeitig herzlich begrüßt.
Auf dem Käſtrich wurde zur Beſichtigung der Sektkellerei
von Kupferberg Halt gemacht. Darauf folgte in
bereit=
ſtehenden Wagen eine Fahrt durch die Stadt nach dem
Stadtpark. Gegen 7 Uhr erfolgte die Rückfahrt in
Son=
derwagen der elektriſchen Straßenbahn nach der Feſthalle,
wo die Kapelle der Hoch= und Deutſchmeiſter konzertieren
wird. An das Konzert ſchließt ſich ein Gartenfeſt an.
Luftfahrt.
Weltrekord im motorloſen Gleitflug.
C Bekanntlich machen die meiſt in jugendlichem Alter
ſtehenden Mitglieder der „
Flugſportvereinig=
ung Darmſtadt” ſeit längerem auf der Waſſerkuppe
bei Gersfeld in der Rhön Flugverſuche mit motorloſen
Gleitflugapparaten. Die jungen Flugkünſtler haben
da=
mit ſchon recht hübſche Reſultate erzielt. Geſtern
nach=
mittag gelang es nun dem Studenten der
Maſchinenbau=
kunde, Herrn Guthermuth, mit einem neuen
ſelbſt=
konſtruierten Apparat einen Gleitflug von 840
Metern in 112 Sekunden auszuführen. Damit hat G.
einen neuen Weltrekord im motorloſen Gleitfluge
aufge=
ſtellt und den bisherigen Rekord um über 300 Meter
ge=
ſchlagen.
Militäriſches.
* Für Verſetzungen von
Militär=
perſonen hat das preußiſche Kriegsminiſterium der
„Köln. Ztg.” zufolge neue Beſtimmungen erlaſſen.
Da=
nach werden verſetzten Militärperſonen neben der
Miet=
entſchädigung die baren Auslagen erſtattet, die ihnen für
die Weitervermietung der Wohnung und Pferdeſtallung
an dem bisherigen Standort erwachſen ſind. Als
er=
ſtattungsfähig gelten neben den Koſten der einmaligen
Bekanntmachung in zwei Zeitungen oder der
zweimali=
gen Bekanntmachung in einer Zeitung die Ausgaben für
ſſonſtige dem Ortsgebrauch entſprechende Verſuche zur
Gewinnung eines Mieters (Aushang, Annahme eines
Vermittlers). Dieſe Beträge werden mit der
Mietent=
ſchädigung angefordert und bei demjenigen Fonds
ver=
rechnet, dem die Ausgabe an Mietentſchädigung zufällt.
Die Bekanntgabe des Verſetzungsbefehls verpflichtet den
Verſetzten zur ſofortigen Einleitung geeigneter Schritte
für die Weitervermietung der Wohnung. Danach
ge=
nügt die ſofortige Kündigung der Wohnung auf Grund
eines abgeſchloſſenen Mietvertrags für die verſetzten
Militärperſonen nicht mehr, deren Verträge bei
Verſet=
zungen in der Regel eine vierteljährliche Kündigung
vorſehen, ſondern der Verſetzte hat auch ſogleich nach
Kenntnis von dem Verſetzungsbefehl die nötigen Schritte
zum Verſuch der Weitervermietung der Wohnung zu
machen, jas unter Umſtänden Schwierigkeiten bereiten
wird, da der Vermieter nicht verpflichtet iſt, einen jeden
vorgeſchlagenen Erſatz als Nachmieter anzunehmen.
Handel und Verkehr.
* Mannheim, 22. Juli. In der heutigen
Auf=
ſichtsratsſitzung der Benz u. Co., Rheiniſche
Automobil= und Motoren=Fabrik Aktiengeſellſchaft
Mannheim, wurde der Abſchluß vorgelegt. Der
Brutto=
gewinn einſchließlich 183611 Mark Vortrag beträgt
12 180 908 Mark (Vorjahr 6 154 212). Nach Abzug der
Generalunkoſten von 5734103 Mark (2 704388) und der
Abſchreibungen von 2001 404 Mark (1437048),
zuſam=
men alſo 7 735506 Mark (4141436) verbleibt ein
Rein=
gewinn von 4445 402 Mark (2012776). Es wurde
be=
ſſchloſſen, der auf den 12. Auguſt einzuberufenden
Gene=
ralverſammlung vorzuſchlagen: 1407707 Mark (519165)
für Extraabſchreibungen zu verwenden, 10 Prozent (8
Prozent) Dividende zu verteilen, der Arbeiter= und
Beamtenunterſtützungskaſſe zuſammen 90000 Mark
(40000) zuzuweiſen und nach Beſtreitung der
ſtatutariſchen und vertraglichen Gewinnanteile und
Gratifikationen 1007695 Mark (183611) auf neue
Rech=
nung vorzutragen. Außerdem wird der
Generalver=
ſammlung vorgeſchlagen werden, das Grundkapital um
vier Millionen Mark zu erhöhen. Der Auftragbeſtand
weiſt eine Rekordziffer auf, die Ausſichten für das
laufende Jahr ſind als gut zu bezeichnen.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfangerder Einſender verantwortlich.)
— In Nr. 169 dieſes Blattes wird behauptet, in dem
konzeſſionierten Vorgarten, Ecke Soder= und Beckſtraße,
werde fortgeſetzt ruheſtörender Lärm verurſacht. Das
ent=
ſpicht jedoch keinesfalls den Tatſachen, vielmehr iſt
feſtzu=
ſtellen, daß die dort verkehrenden Gäſte — anſtändige
Bürgersleute — wenn das Wetter es ihnen geſtattet, in
dem kleinen Vorgarten abends „nach des Tages Mühe und
Arbeit”, um mit dem Einſender zu reden, ruhig ihr Glas
Bier trinken. Den betreffenden Wirt aber für Spektakel,
der nicht in ſeiner Wirtſchaft, vielmehr auf der Straße und
von jungen Burſchen verurſacht wird, verantwortlich zu
machen, iſt ein Unrecht, das zurückgewieſen wird.
Viel=
leicht hat der Herr Einſender vergeſſen, daß die geplagten
Geſchäftsleute gerade diejenigen ſind, die Steuern und
Abgaben genug bezahlen müſſen. Jedenfalls ſollte man
erwarten und verlangen daß, bevor ſolche den Betroffenen
ſchwer ſchädigende Einſendungen an die Blätter geſandt
werden, man ſich erſt erkundigt, ob das, was behauptet
wird, den Tatſachen entſpricht, was hier ganz und gar nicht
der Fall iſt.
Schiffsunfälle.
* Hamburg, 22. Juli. Die Levantelinie
er=
hielt weitere Nachrichten, nach denen das Deck und die
Ladung des Hinterſchiffes beim Dampfer Paros” faſt
ganz vernichtet ſind. Der Großmaſt iſt über Bord
ge=
gangen. Die Maſchiniſtenkammern ſind ausgebrannt, die
Maſchine ſelbſt iſt unverſehrt. Falls die (Ruder noch
arbeiten, beabſichtigt der Kapitän, den Dampfer nach dem
Piräus laufen zu laſſen. Ueber die Höhe des Schadens
an Schiff und Ladung liegen noch keine beſtimmten
Nach=
richten vor.
H. B. Königsberg, 22. Juli. Als das zweite
Geſchwader der Hochſeeflotte, aus 26 (Schiffen
be=
ſtehend, geſtern früh bei Nidden auf der Kuriſchen
Nehr=
ung vor Anker ging, erhielten die Offiziere und
Mann=
ſchaften Landurlaub. Als dieſe wieder zurückkehren
woll=
ten, war die Brandung ſo ſtark geworden, daß es
ſchwer war, die Jollen und Barkaſſen durch die
Brand=
ung zu bringen. Eine Jolle vom Schiff „Thüringen”
mit 14 Offizieren und Mannſchaften beſetzt, kenterte
und die Beſatzung fiel ins Waſſer. Die an Land
befind=
lichen Offiziere eilten ſofort herbei und retteten den
größ=
ten Teil ihrer Kameraden. Die Offiziere wurden ſogleich
wieder an den Strand gebracht; ſie waren aber ſchon ſehr
erſchöpft. Die Wiederbelebungsverſuche hatten bis auf
zwei (1 Zahlmeiſter und 1 Intendanturſekretär) Erfolg.
Ein Oberſtabsarzt iſt ſchwer erkrankt. Ein Zahlmeiſter
und ein Sekretär wurden erſt ſpäter aufgefiſcht; es war
aber nicht mehr möglich, dieſe beiden ins Leben
zurückzu=
rufen.
H. B. Königsberg, 22. Juli. Eine große Barkaſſe
des Schiffes „Pommern” mit Mannſchaften
be=
ſetzt, wurde auf den Strand geworfen und ſchwer
beſchädigt. Torpedoboote verſuchen jetzt, die Barkaſſe
abzubringen.
* Königsberg, 22. Juli. Zu dem Unfall der
Jolle des Linienſchiffes „Thüringen” wird
ergänzend gemeldet: Das Linienſchiff legte geſtern abend
am Außenhafen von Nidden an der kuriſchen Nehrung an.
Bald darauf wurde die Mannſchaft ausgebootet. Bei dem
ſtarken Wellengang kippte das Boot um und die
Be=
ſatzung fiel ins Waſſer. Von dem Rettungsboot in Nidden
wurde der Unfall bemerkt; diejenigen Mannſchaften, die
ſich an das Boot angeklammert hatten, wurden gerettet.
Wie bereits gemeldet, ſind der Intendanturſekretär Vielke
und der Zahlmeiſter Thunen ertrunken.
H.B. London, 22. Juli. Ein Radio=Telegramm
berichtet vom Untergang des franzöſiſchen
Dampfers „Afriq ue” an der neufundländiſchen
Küſte in der Nähe von Longley. Die geſamte Beſatzung
hat den Tod in den Wellen gefunden. Einzelheiten
über den Umfang der Kataſtrophe fehlen noch.
Verbrechen engliſcher Wahlrechtsweiber.
* London, 20. Juli. Die geſtrigen polizeilichen
Vernehmungen der Frauenrechtlerinnen laſſen keinen
Zwei=
fel mehr darüber zu, daß die Frauen ſich in Dublin
eine förmliche Bombenfabrik eingerichtet haben,
in der ſie eine große Anzahl von Sprengkörpern
fabrizier=
ten, die gegen den Miniſterpräſidenten während ſeinen
Anweſenheit in Dublin geſchleudert werden ſollen. Eine
der dort angefertigten Bomben wurde, wie bereits
gemel=
det, vorgeſtern mit dem brennenden Stuhl zuſammen gegen
den Theatervorhang geworfen, mit der Abſicht, das ganze
Gebäude in Brand zu ſtecken oder durch eine Exploſion
zu zerſtören.
Mr. Asquith ſprach übrigens erſt geſtern abend in
dem Theater. Man verſteht alſo noch nicht recht, aus
wel=
chem Grunde das Attentat ſchon am Tage vorher
ausge=
führt worden iſt, und die bisherigen polizeilichen
Ver=
nehmungen ergaben darüber nichts.
Außerdem wurde feſtgeſtellt, daß die Wahlrechtsweiber
brennende Streichhölzeir und brennende
Ker=
zen in den Raum warfen, in dem ſich die
kinematogra=
phiſchen Maſchinen befanden, mit der Akücht, die leicht ent=
zündlichen Films in Brand zu ſtecken, um dann ein
großes Feuer in dem Theater ſelbſt hervorzurufen.
Fer=
ner hatten verſchiedene von dieſen außer Rand und Band
geratenen Frauensperſonen die Holzſtufen und die
Logen=
vorhänge mit Petroleum getränkt.
Die Perſon, die das Beil gegen Mr. Asquith
ge=
ſchleudert hat, aber Mr. Redmond traf, wurde ebenfalls
dem Polizeigericht vorgeführt. Sie gab zu, das Attentat
ausgeführt zu haben mit der ausdrücklichen Verſicherung,
daß es ihre beſtimmte Abſicht geweſen ſei, den
Miniſter=
präſidenten zu verwunden.
Die offizielle Vereinigung der
Frauenrechtlerin=
nen behauptet, nichts mit dem Vorgehen der
Wahl=
rechtsweiber in Dublin zu ſchaffen zu haben,
aber nichtsdeſtoweniger findet man in dem offiziellen
Or=
gan der Frauenbewegung „Votes for Women” ein
In=
ſerat in fetten Lettern, in dem die offizielle Vereinigung
der Frauenrechtlerinnen auffordert, Geld für die
Vertei=
digung der „Schweſter” einzuſenden, die verſucht hatte, das
Landhaus des Kolonialminiſters in Brand
zu ſtecken. Angeſichts dieſes Inſerates fällt es ſehr
ſchwer, zu glauben, daß die offizielle Vereinigung der
Frauenrechtlerinnen an dem Treiben in Dublin wirklich
ganz unſchuldig geweſen ſein ſoll.
In Dublin ſelbſt kam es übrigens geſtern zu wüſten
Straßenſzenen. Als Miſter Asquith in dem Theater
Royal, in demſelben, wo tags vorher die brennenden
Ge=
genſtände, geworfen werden, ſprach, hatten ſich zahlreiche
Menſchen vor dem Gebäude angeſammelt, darunter auch
viele Frauenrechtlerinnen, die ſich vergeblich bemühten, in
das Innere des Theaters hineinzugelangen. Aber die
Vorſichtsmaßregeln waren diesmal ſo ſtreng getroffen
worden, daß nicht eine einzige von den Wahlrechtsweibern
Einlaß fand. Dafür aber griff der Pöbel ſie an. Mehrere
von dieſen wurden windelweich geprügelt. Sie mußten
ſich ſchließlich vor dem Mob in das Generalpoſtamt
flüch=
ten, wo eine ſtarke Polizeiabteilung ſie ſo lange beſchützte,
bis ſich die Menge verlaufen hatte. In den Nebenſtraßen
beim Theater kam es in ſpäter Nachtſtunde zu noch
wüſte=
ren Ausſchreitungen. Denn dort verſuchte der Mob, einige
Weiber, denen man die Kleider vom Leibe geriſſen hatte,
in den Liffneyfluß zu werfen. Im letzten Augenblick
er=
ſchien auch hier als Helferin in der Not die Polizei und
befreite die halbnackten Frauenrechtlerinnen aus den
Hän=
den des Pöbels. Insgeſamt hat die Polizei acht
Anhänge=
rinnen des Frauenſtimmrechtes verhaftet, die an den
geſtrigen Vorfällen beteiligt waren. In ihren Wohnungen
fand man Schießpulver, Petroleum und andere
entzünd=
liche Stoffe.
Der italieniſch=türkiſche Krieg.
* Rom, 21. Juli. Der Meſſagero hebt die
Bra=
vour in dem Vorgehen der italieniſchen
Tor=
pedobootsflottille hervor, die der Türkei bewieſen
habe, daß Italien während des Krieges ſich ſeine
Beweg=
ungsfreiheit gewahrt habe. Das Blatt rühmt die nicht
nachlaſſende Vorſicht der türkiſchen Flotte gegenüber der
Kühnheit der italieniſchenMarine. Popolo
Romano charakteriſiert den Vorſtoß der Torpedoboote als
eine glänzend gelungene Aufklärungsfahrt.
Vita ſchreibt: Das italieniſche Torpedobootsgeſchwader
vollbrachte mit dem Eindringen in die Dardanellen die
geſchichtliche Tat, die eine unvergleichliche Ehre der
italieniſchen Marine bleibe. Die geſamte Provinzpreſſe
bringt ähnliche Artikel. Dem Meſſagero zufolge iſt der
Marineminiſter von allen militäriſchen Behörden,
Mili=
tär= und Marineattachés und Botſchaften beglückwünſcht
worden. Der Marineattaché der engliſchen Botſchaft drückte
ſeine hohe Bewunderung für die Aktion der Torpedoboote
aus, die er als eine heldenmütige bezeichnete. Von allen
Seiten gingen dem Marineminiſter aus Italien
Glück=
wunſchdepeſchen zu.
* Rom 21. Juli. In der Note, die die türkiſchen
Meldungen über die Operation in den
Dardanel=
len wiedergibt, erklärt die Agenzia Stefani, daß dieſe
Meldungen vollkommen falſch ſeien. Erſtens hätten die
Italiener keinen Verluſt an Torpedobooten gehabt und
ferner hätten die Torpedoboote nicht bei der erſten
Sperr=
linie Halt gemacht, ſondern ſeien noch über die zweite bis
Chanak vorgedrungen, während die längs an den Ufern
der Meerenge aufgeſtellten türkiſchen Torpedobootzerſtörer
unbeweglich geblieben ſeien. Endlich ſei es falſch, daß
Schiffe des italieniſchen Geſchwaders die Torpedoboote
unterſtützt oder an der Operation teilgenommen hätten.
Unrichtig iſt auch die Nachricht, daß ein italieniſches
Ge=
ſchwader gegenwärtig zwiſchen Mytilene, Imbros ſund
Tenedos kreuze. Weiter ſtellt die Note der Agenzia Stefani
feſt, daß der Widerſpruch zwiſchen den einzelnen
Meld=
ungen der Dardanellenforts über die Anzahl und die
Ver=
luſte der Torpedobote ihre beſte Widerlegung ſei.
* Rom 21. Juli. Journal d’Italia hebt den
mora=
liſchen und politiſchen Wert der Fahrt in die
Dar=
danellen hervor und fragt, was die Flotte in der
mili=
täriſchen Organiſation der Jungtürken vorſtelle. Wenn
ſie, nachdem ſie ſich ſeit Beginn des Krieges in einem
abge=
ſchloſſenen Meere eingeſchloſſen hat, mit dem Vorwand,
es mit der italieniſchen Flotte nicht aufnehmen zu können,
es jetzt nicht gewagt hat, ſich zu rühren, während ſie
wohl=
geſchützt war und es nicht wagte, fünf italieniſche
Torpe=
doboote anzugreifen und unter dem Schutze des Feuers
von den Ufern und den Forts die Dardanellen zu
ver=
laſſen, wenn die italieniſche Marine einen glänzenden
moraliſchen Sieg errungen hat, ſoſhat die türkiſche Marine
eine umſo ſchlimmere Niederlage erlitten. So vermeidet
die Türkei jede Berührung mit dem Gegner, mögen die
Bedingungen auch noch ſo günſtig ſein, während ſie mit.
allzu törichtem Stolze ſich weigert, Frieden zu ſchließen
und den Krieg in die Länge ziehen will, ohne ihn doch
führen zu können oder zu wollen. Aber außer dem
mora=
liſchen Wert hat die Fahrt noch einen politiſchen und
mili=
täriſchen Wert erſten Ranges, ſelbſt wenn die Wirkung,
auf welche ſie abzielte, infolge unvorhergeſehener Gründe
nicht erreicht wurde. In der Tat hielt man es nicht
für möglich, ſo doch wenigſtens für ſehr gefährlich, die
Dardanellen zu forzieren. Heute haben es die italieniſchen
Torpedoboote unter dem feindlichen Feuer ohne Schaden
vollbracht.
Die Lage in der Türkei.
* Konſtantinopel, 22. Juli. Heute wird die
Liſte des neuen türſliſchen Kabinetts
ver=
öffentlicht. Darnach iſt Naſim Paſcha, Kriegsminiſter,
Kiamil Paſcha. Miniſter des Aeußeren und Ferid
Paſcha, Miniſter des Innern.
* Konſtantinopel, 20. Juli. Der
Senats=
präſident erhielt Depeſchen aus Kanja, Kalknakelen,
Djakowa, Monaſtir und Mitrovitza, wonach die
Be=
völkerung ſich in Aufregung befinde und den Wunſch
ßege, daß ein vertrauenswürdiges Kabinett
ms Ruder komme Eine Depeſche verlangt auch die
Einſtellung einer Expedition nach Albanien. Die
De=
peſchen werden dem Sultan vorgelegt.
* Konſtantinopel, 21. Juli. Nach einer
Mel=
dung der „Voſſiſchen Zeitung” aus Ueskueb, haben
die Albaneſen bereits begonnen, ihre
Streit=
kräfte in Bewegung zu ſetzen. Die
Aufſtän=
diſchen ſind mit den modernſten Waffen verſehen. Es
wird nur auf den Befehl der nationalen Zentralleitung
gewartet, um auf Mitrewitſa zu marſchieren und von
dort will man dann den Vormarſch auf Konſtantinopel
antreten, In der Ebene von Djakowa ſollen ſich 12000
Mann unter Mahmud Zamis verſammelt haben und
auf den Befehl warten, ſich zur Bahnſtation zu begeben.
Die Zahl der Aufſtändiſchen in Albanien wird auf
80000 angegeben.
* KKonſtantinopel, 22. Juli. Ikdam zufolge
ſtellte Tewfik Paſcha für die Uebernahme des
Groß=
weſirats folgende Bedingungen: Annullierung der
ungeſetzlichen Wahlen und Neuwahlen in den
betreffen=
den Wahlbezirken, die Aufhebung des
Belagerungszu=
ſtandes, Amneſtie, Aufhebung gewiſſer proviſoriſcher
Ge=
ſetze. Es verlautet, daß das Kabinett die drei letzten
Maßnahmen durchführen wird.
* Konſtantinopel, 22. Juli. Mit Ausnahme
des Tanin nimmt die geſamte Preſſe die Ernennung
von Achmed Mukhtar günſtig auf, da ſie die
Löſ=
ung im Sinne der Nation bedeute. Jeni Gazetta hofft,
das neue Kabinett werde das „Land aus den Gefahren
retten. Ikdam glaubt, das neue Kabinett werde die
Kammer auf legalem Wege auflöſen müſſen, da ſie mit
den Jungtürken nicht werde arbeiten können.
Saloniki, 22. Juli. Obwohl die
Prokla=
mation des Sultans, in der die Neubildung
eine von unabhängigen Männern zuſammengeſetzten
Kavinetts verſprochen wird, in allen Städten
Alba=
niens bekannt gemacht wurde, hat ſich die Lage bisher
in keiner Weiſe verändert. Allerſeits,
nament=
lich in Priſtina, werden bedenkliche Anſammlungen
ge=
meldet. Die Straßen ſind von Arnauten beſetzt; die
Märkte ſind geſchloſſen. Die Arnautenführer beſtehen auf
der Kammerauflöſung. Es verlautet, daß, falls der
For=
derung nicht entſprochen wird, am Jahrestage der
Ver=
faſſung ernſte Ereigniſſe erwartet werden. — In Tikveſch
explodierte eine Bombe; mehrere Häuſer, darunter das
Rathaus, ſind beſchädigt worden.
* Wien 22. Juli. Die Neue Freie Preſſe meldet
aus Saloniki: Die Situation iſt fortgefetzt bedrohlich.
Die größte Aufregung herrſcht in Priſtina, wo 1000
Ar=
nauten verſammelt ſind. Auch in Prizrend iſt die Lage
bedrohlich. Die Behörden mußten den dortigen
Muteſ=
ſarif in Sicherheit bringen, weil ihn die Arnauten töten
wollten. Die Straßen ſind von Arnauten geſperrt.
* Wien 22. Juli. Die Neue Freie Preſſe meldet
aus Konſtantinopel: Die Komiteeführer Dſchawid
und Talaat werden unauffällig bewacht. Die
Regier=
ung beruft aus der Provinz verläßliche Gendarmen.
Am 23. Juli werden wichtige Ereigniſſe erwartet. In
Bruſſa wurde das Klubgebäude des Komitees von der
aufgeregten Volksmenge zerſtört.
Vermiſchtes.
— Bauberatung und Baupolizei Der
bei der Zentralſtelle für Volkswohlfahrt in Berlin
be=
ſtehende Hauptausſchuß für Bauberatung hat ſich in
ſeiner letzten Sitzung mit der Frage „Bauberatung und
Bauvolizei” befaßt. Er hat beſchloſſen, eine von Dr.
Altenrath verfaßte und von Landesbaurat Goecke mit
einer Einleitung verſehene Flugſchrift (Berlin. Karl
Heymanns Verlag), in der die weſentlichen
Geſichts=
punkte und die bisherigen praktiſchen Erfahrungen in
gedrängter Faſſung dargeſtellt ſind, den in Frage
kom=
menden Stellen zu überſenden. Die hierbei zu
empfehlen=
den Grundſätze für die Beziehungen zwiſchen Baupolizei
und Bauberatung hat der Ausſchuß in folgenden
Leit=
ſätzen kurz formuliert:
1. Der Hauptausſchuß für Bauberatung vertritt nach
wie vor den Standpunkt, daß die Organiſation und der
Aufgabenkreis der Bauberatungsſtellen in Anpaſſung an
die jeweils in Frage kommenden Verhältniſſe geregelt
werden müſſen und daß die verſchiedenſten Organe und
Einrichtungen ſich zur Angliederung von
Bauberatungs=
ſtellen eignen. 2. Unter den für die Angliederung in
Frage kommenden Organen ſteht die Baupolizei an erſter
Stelle, da ihr alle Projekte von Belang zur Kenntnis
kommen und die ganze Entwickelung dahin drängt, daß
ſie ſich nicht lediglich als Polizeibehörde ſondern mehr
als Beraterin des banenden Publikums herausbildet.
3. Wird der Baupolizeibehörde, bezw. auf dem Lande
den techniſchen Beratern der polizeilichen Organe
offi=
ziell die Funktion einer Bauberatungsſtelle übertragen,
ſſo iſt darauf zu halten und Vorſorge zu treffen, daß
der Bauberatungstätigkeit jeder polizeiliche Charakter
fehlt, daß Mißbräuche vermieden werden und daß das
Publikum und die Architektenſchaft das vollſte Vertrauen
zu der Sache gewinnen können. Zu dieſem Zwecke iſt
vor allem folgendes zu beachten: a) Wo
Privatarchitek=
ten oder Architektenorganiſationen vorhanden ſind, ſind
Vertreter derſelben mit heranzuziehen und muß im
Ein=
vernehmen mit dieſen gearbeitet werden.
Gegebenen=
falls kann auch eine ehrenamtliche Mitwirkung der
Privatarchitekten in den Beratungsſtellen angeſtrebt
werden, b) Zweckmäßig iſt die Bildung eines
Aus=
ſchuſſes, der dem Bauberater einerſeits als Rückhalt
gegenüber ungerechtfertigten Anfeindungen ſeiner
Tätig=
keit dient und der andererſeits in prinzipiellen Fragen u.
bei etwaigen Beſchwerden entſcheidet. Die
Zuſammen=
ſetzung des Ausſchuſſes muß eine unparteiiſche Arbeit
gewährleiſten. Architektenſchaft und
Bauunternehmer=
tum ſollen darin vertreten ſein. e) Wo die Zahl der
zur Verfügung ſtehenden Kräfte es geſtattet, ſollte die
Bauberatung und die polizeiliche Prüfung der Projekte
verſchiedenen Perſonen übertragen werden. d) Die
unbedingt notwendige Vorausſetzung für die
Uebertra=
gung der Bauberatung an die Baupolizei iſt das
Vor=
handenſein einer techniſch und künſtleriſch durchgebildeten
Perſönlichkeit, die ſich in ſelbſtloſer Hingabe der Sache
widmet. Wo dieſe Vorausſetzung nicht zutrifft, ſoll eine
Bauberatungsſtelle nicht eingerichtet werden. Ganz
unzuläſſig iſt es, daß Nichtfachleute die Bauberatung
ausüben, 4. Auch dort, wo die Bauberatung nicht der
Baupolizei übertragen, ſondern anderweitig organiſiert
wird, empfiehlt ſich ein verſtändnisvolles
Zuſammen=
arbeiten der beiden Stellen insbeſondere in der Weiſe,
daß die Baupolizei auf die Benutzung der
Beratungs=
kolle hinwirkt.
Literariſches.
* Pou erſchienene Braſchüren. Die Or=
Haten der Landes=Zentraken für Säuglingsſchutz unter
beſonderer Berückſichtigung der Mitarbeit der Aerzte.
Vortrag, gehalten von Regierungsrat Piſtor, in der
Aus=
ſchußſitzung der Deutſchen Vereinigung für Säuglingsſchutz
in Berlin (25. II. 12). Säuglingsfürſorge in Heſſen —
Säuglingsfürſorge auf dem Lande, von W. Schubert,
Hilfsarbeiterin der Großh. Zentrale f. M. u. S. Die
Säuglingsfürſorge im Reichstag 1912 (Anhang).
Verlag von Georg Stilke, Berlin, Hofbuchhändler Sr. K.
u. K. Hoheit des Kronprinzen.. — Dr. B. Lindemann, Die
Erde. Eine allgemein verſtändliche Geologie. Band II:
Geologie der deutſchen Landſchaften. Lieferung 1.
Kos=
mos, Geſellſchaft der Naturfreunde (Franckhſche
Verlags=
handlung), Stuttgart. 80 Pfg. — Was muß jeder
Ver=
ſicherte von der Reichsverſicherung wiſſen?
Krankenver=
ſicherung, Unfallverſicherung, Invaliden= und
Hinter=
bliebenenverſicherung. Von Ernſt Funke, Kaiſerlicher
Rechnungsrat im Reichsverſicherungsamt. Verlag von
Franz Vahlen in Berlin W. 9, Linkſtraße 16. 154 Seiten
8%, Preis 1 Mark, Partiepreiſe geringer. — Einfache und
billige Familienhäuſer, Sommer und Winter bewohnbar.
Anleitung zum Selbſtbau kkleiner Holzhäuſer mit 1—4
Zimmern, Küche, Balkon, Veranda, Zubehör von Hans
Konwiczka. Mit 65 Abbildungen. S. Modes Verlag,
Berlin. Englands Weltherrſchaft und die deutſche
„Luxusflotte” Von Lookout. Politik, Verlagsanſtalt und
Buchdruckerei G. m. b. H., Berlin SW. 48,
Wilhelm=
ſtraße 121.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Köln, 22. Juli. Die Sandſteinzeugwerke C.
Groß=
peter in Großkönigsdorf ſind geſtern nacht
nieder=
gebrannt. Ein großer Teil der Vorräte wurde durch
das Feuer vernichtet; der Schaden iſt durch Verſicherung
gedeckt. Der Betrieb konnte heute nachmittag wieder
auf=
genommen werden.
* Bremen, 22. Juli. Der kleine Kreuzer
„Magdeburg” hat geſtern ſeine erſte Probefahrt
in See unternommen. Der Kreuzer Magdeburg” iſt der
erſte Turbinenkreuzer, den die Aktiengeſellſchaft Weſer
für die Kaiſerliche Marine fertigſtellte. Das Schiff iſt mit
Weſer=Bergmann=Turbinen ausgeſtattet. Die Erprobung
dieſer neuartigen Maſchinenanlage verlief bei der
geſtri=
gen Fahrt ſo befriedigend, daß die Probefahrt für die
Uebergabe bereits Ende dieſes Monats ſtattfindet.
* Baleſtrand, 22. Juli. Der Kaiſer begab ſich
geſtern nachmittag mit dem Depeſchenboot Sleipner”
nach Framnaes zu einer eingehenden Beſprechung über
den zukünftigen Platz des Frithjof=Denkmals. Das
Wet=
ter hatte ſich aufgeklärt und ein kühler Wind begünſtigte
die Unternehmung. An Bord iſt alles wohl.
* Krakau, 22. Juli. Auf dem Bahnhof Szezakowa
wollte die Polizei geſtern zwei verdächtige Perſonen
ver=
haften die ſich losriſſen und auf der Flucht zahlreiche
Schüſſe auf ihre Verfolger abgaben. Ein
Polizeioffi=
zier wurde ſchwer verwundet. Schließlich feuerten die
Banditen auf ſich ſelbſt. Einer war ſofort tot, der andere
iſt ſchwer verletzt. Bei der erſten Feſtnahme gaben ſie an,
Mielenk und Joſefowicz zu heißen und aus Lodz zu
ſtammen. Wahrſcheinlich handelt es ſich um Verbrecher,
die zahlreiche Morde und Raubtaten in Oberſchleſien und
in Ruſſiſch=Polen verübten.
* Paris, 22. Juli. Der Kriegsminiſter
be=
ſtrafte den Hauptmann Clavenad den Leiter
des Flugzeugparkes in Caſablanca, wegen eines kürzlich
in einer Pariſer Zeitung veröffentlichten Artikels, in dem
er die Verwaltungsbureaus des Kriegsminiſteriums
einer ſcharfen Kritik unterzogen hatte, mit 45 Tagen
Arreſt. Clavenad wird in ſein Korps an der Oſtgrenze
zurück verſetzt.
* Liſſabon, 22. Juli. Die Nachrichten aus allen
Tei=
len des Landes melden vollſtändige Ruhe. Truppen
und Freiwillige aus der Bürgerſchaft durchſtreifen die
Gegenden, in denen ſich die royaliſtiſchen Umtriebe
ereig=
neten. Die Landbevölkerung ſteht auf ſeiten der
republi=
kaniſchen Beamten.
— Köpenick, 22. Juli. Ein 43jähriger Arbeiter und
deſſen 5jährige Tochter ſtarben trotz ärztlicher Hilfe
nach dem Genuß von Räucherwaren binnen
weniger Stunden. — Gleichzeitig werden aus Berlin drei
Fälle von Fleiſchvergiftung gemeldet.
— Dresden, 22. Juli. Auf dem Truppenübungsplatz
Königsbrück hob der Infanteriſt Heinrich vom Infanterie=
Regiment Nr. 102 ein Artilleriegeſchoß auf,
wo=
bei dieſes explodierte. Heinrich wurde ſo
verſtüm=
melt, daß er kurz darauf ſtarb. Zwei andere Soldaten
wurden leicht verletzt.
Brüſſel, 22. Juli. Beim Nationalfeſt ereignete ſich
ein ſchwerer Unfall. Ein Ehepaar mit 3 Kindern
wurde von einem Automobil erfaßt und gegen die
Mauer gedrückt. Der Mann war ſofort tot, die Frau
und die drei Töchter wurden ſchwer verletzt.
— London, 22. Juli. Als der Friedensrichter
Ed=
ward Lirpewatts am Sonntag mit ſeiner Frau aus der
Kirche kam, wurde zweimal auf ihn geſchoſſen. Er
wurde an Schulter und Rückarat verletzt. Der Täter, ein
Förſter aus dem Bezirk des Friedensrichters, erſchoß ſich.
Man glaubt, daß ein Racheakt voliegt.
— Lund (Schweden), 22. Juli. Von einem aus 20
Meter Höhe abſtürzenden Aeroplan wurde ein
Rad=
fahrer getötet. Der Flieger wurde leicht verletzt.
H.B. Madrid, 22. Juli. 400 portugieſiſche
Monarchiſten ſind hier eingetroffen und wurden als
Gefangene nach Couenca und Ternel abgeführt, wo ſie
unter Aufſicht der ſpaniſchen Behörden bleiben werden.
Briefkaſten.
Streitende in der Kette. Der Geſangverein „
Har=
monie‟= Darmſtadt beſteht ſeit Januar 1881 und ſteht
demnach im 32. Vereinsjahr, micht 29. Vor 2 Jahren
feierte die „Harmonie” ihr 30jähriges Beſtehen,
verbun=
den mit Geſangwettſtreit.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Die Wetterlage hat ſich ſeit geſtern wenig verändert.
Die Verteilung des Drucks, ſowie die Temperaturen
ſind ungefähr gleich geblieben. Unter der Einwirkung
von Teildepreſſionen ſind geſtern teilweiſe erhebliche
Regen gefallen. Vorläufig iſt noch unbeſtändiges Wetter,
ſpäter allmählich Beſſerung zu erwarten.
Ausſichten für Dienstag, den 23. Juli 1912:
Wechſenld bewölkt, noch geringe Niederſchläge, Temperatur
wenig verändert.
Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Mitteilung.)
Am 19. d. M. entſchlief ſanft nach langer
Krankheit meine liebe Frau, unſere treubeſorgte
Mutter, Großmutter, Schweſter, Tante und
Schwägerin
(*1698
rauAuguste Warten
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Paul Walter.
Die Beerdigung fand in aller Stille ſtatt.
Statt jeder beſonderen Anzeige.
Heute nachmittag verſchied nach kurzem,
ſchwerem Leiden unſer herzensguter
Hans
im Alter von 8 Jahren.
(15792
Darmſtadt, den 21. Juli 1912.
Im Namen aller Hinterbliebenen:
E. Gröninger
Poſtſekretär.
Die Beerdigung findet am Mittwoch, den
24. Juli, nachmittags 1 Uhr, in Groß=
Umſtadt ſtatt.
Beſuche dankend verbeten.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Anteilnahme,
die bei dem herben Verluſte unſerer herzlichſt
ge=
liebten, unvergeßlichen Gattin, Mutter,
Groß=
mutter, Schwiegermutter und Schweſter (15822
Frau Eva Hoser
uns entgegengebracht wurden, insbeſondere für
die zahlreichen Blumenſpenden und die
troſt=
reichen Worte des Herrn Pfarrer Dr. Waitz,
ſagen herzlichen Dank.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Joh. Heinrich Möſer, Stadtverordneter.
Dankſagung.
Für die herzliche Teilnahme bei dem Ableben
unſerer lieben Tante und Schwägerin (15804
Fräulein
Dorothea Gelfius
ſagen wir hiermit unſeren innigſten Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, 22. Juli 1912.
Tageskalender.
Eugen Bracht Ausſtellung auf der
Mathil=
denhöhe (geöffnet von 10—6 Uhr).
Zuſammenkunft des Engliſchen Klubs um 8½ Uhr
im „Darmſtädter Hof”.
Konzerte: Saalbau um 8 Uhr. — „Perkeo” um 8 Uhr
Hugenſchütz’ Felſenkeller um 8 Uhr. — Bürgerkeller um
8 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23)
Kaiſer Wilhelm und ſein Enkel an Bord der „Hohens
zollern; vom Feſtzug zum Bundesſchießen in
Frank=
furt; die feierliche Eröffnung der olympiſchen Spiele
in Stockholm; Manöver der franzöſiſchen
Gebirgs=
truppen.
Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 24. Juli.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 11 Uhr
Rundeturmſtraße 16.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 3 Uhr in
der „Ludwigshalle‟
Beſichtigung des Großh.
Reſidenzſchloß=
ſes: An jedem Wochentage von 3—4 Uhr; Sonntags
von 11—1 Uhr.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtiat. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgelandt.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. Juli 1912.
Seite 7.
Reichardt der Reinſte!
Die auch vom Publikum anerkannte unübertroffene Reinheit der Reichardt=Fabrikate gründet ſich insbeſondere auf zwei Faktoren: ſorgfältige Auswahl des
Rohmaterials und techniſch vollendetſte Reinigung. Damit geht die Reichardt=Geſellſchaft weit über die für die Induſtrie als Norm beſchloſſenen Reinheitsvorſchriften
hinaus und verwirklicht zugleich das Reinheitsideal, wie es auf den internationalen Kongreſſen als wünſchenswertes Ziel ins Auge gefaßt worden iſt. Hiernach ſind
die Kakaobohnen nicht nur von Schalen, ſondern auch von Samenhäutchen und Keimen zu reinigen, während die unter deutſchen Fabrikanten
vereinbarte Norm nur eine Entfernung der Schalen fordert.
Auf dieſe feſtſtehenden Tatſachen wies die Reichardt=Compagnie im April hin. Eine kleine Zahl von Kakaofabrikanten fühlte ſich getroffen und
bean=
tragte bei der Kammer für Handelsſachen zu Altona eine einſtweilige Verfügung, die im Beſchlußverfahren und ohne irgendwelche Anhörung der Reichardt=
Compagnie erlaſſen wurde. Um den Inſtanzenzug in Gang zu ſetzen, war die letztere gezwungen, die Gegner vor dieſelbe Kammer zum Widerſpruch zu
laden, womit die Beſtätigung des Beſchluſſes von ſelbſt gegeben war.
Es hat alſo in dem Verfahren bisher lediglich ein Richter geſprochen. Dagegen hat ſich weder das Oberlandesgericht noch das Reichsgericht zu äußern
vermocht, da das Verfahren ſoeben erſt in die Berufung gelangt iſt.
Den vom erſten Richter extrahierten Beſchluß beuten unſere Gegner in ihrer neuerlichen Annonce vom 16. d. M. abermals aus. Sie verfolgen hierbei wiederum
die Taktik, den Kernpunkt der Sache zu unterdrücken, über Inhalt und Umfang des Gerichtsbeſchluſſes zu täuſchen, ſodaß dem Publikum Wahrheit und
Unwahrheit nicht mehr erkennbar iſt.
Auf Grund der Tatſachen ſteht folgendes unabwendbar feſt:
Wahrheit iſt, daß die Firmen, die unter dem neuen Inſerat der Gegner verzeichnet ſtehen, die einſtweilige Verfügung nicht erwirkt haben; nur ein
Teil derſelben hat den Antrag geſtellt. Die übrigen haben nach Falſtaffſcher Manier die Vorſicht als den beſſeren Teil der Tapferkeit
betrachtet, machen ſich jetzt aber den Beſchluß zu Nutze, der wohl keinen mehr überraſcht hat, als die Gegner ſelbſt.
Wahrheit iſt, daß die Reichardt=Compagnie voll berechtigt iſt, die wahre Tatſache zu behaupten, ſie reinige ihre Kakaos bis zu der
äußerſten Grenze techniſcher Möglichkeit, alſo nicht nur von Schalen, ſondern auch von Samenhäutchen und Keimen. Ueber
dieſe unbeſtrittene Tatſache, die ſattſam nachgewieſen iſt, hatte das Gericht überhaupt nicht zu befinden. Nur die unter meiner
Verant=
wortung gewählte Form des Hinweiſes auf die mangelhaften Reinheitsvorſchriften der Induſtrie ſtand zur Entſcheidung.
Wahrheit iſt, daß die Reinheitsvorſchriften der übrigen Induſtrie eine Entfernung lediglich der Schalen fordern.
Wahrheit iſt, daß die Theſen der internationalen Kongreſſe, ſo auch in Genf, übereinſtimmend mit der Fabrikationspraxis der Reichardt=
Compagnie auch die Beſeitigung der Samenhäutchen und Keime verlangen.
Wahrheit iſt, daß der bereits früher genannte deutſche Kongreßvertreter erklärt hat, die Verbandsleitung, der er als Syndikus angehört, habe faſt
zwei Jahre daran gearbeitet, eine Beſeitigung der Genfer Beſchlüſſe zu ermöglichen.
Wahrheit iſt, das es die übrige Induſtrie unterläßt, die beſtehenden Reinigungsvorſchriften zu ändern, wie ſie auch zu der diesjährigen Verſammlung
des Bundes Deutſcher Nahrungsmittelfabrikanten und=Händler trotz Aufforderung keinerlei Abänderungsanträge geſtellt hat.
Wahrheit iſt, daß die Reichardt=Compagnie dem Gericht 84 Analyſen von vereidigten Nahrungsmittelchemikern und gerichtlichen Sachverſtändigen
der verſchiedenſten Orte vorgelegt hat, wonach in den unterſuchten Kakaos, die von den Gutachtern in allen Preislagen eingekauft
wurden, nicht nur Samenhäutchen und Keime, ſondern auch Schalenteile bis zu den erheblichſten Mengen feſtgeſtellt worden ſind, gerade
auch in Fabrikaten eines großen Teiles unſerer jetzigen Gegner. Ja ſogar Schimmelmycel und Eoſinfärbung wurden analyſiert. Bei
einer Anzeige hätte dies geſetzlich als Verdorbenheit und Verfälſchung von Nahrungs= und Genußmitteln beurteilt werden müſſen.
Die Reichardt=Compagnie glaubte das Intereſſe der Allgemeinheit wahren zu können, auch ohne Anzeige zu erſtatten oder die Analyſen
zu veröffentlichen.
Wahrheit iſt, daß die gegneriſche Firma S. in B. in einem neuen Warenkataloge nachſtehendes kundgibt: „Unſer Konſumkakao wird aus nur
ein=
wändsfreien und unbeſchädigten Rohbohnen und unter gänzlicher Entfernung der Kakaoſchalen und Keime hergeſtellt. Dieſem Prinzip
wird leider nicht von allen Fabrikanten gehuldigt.‟ Dieſe Firma weiſt hier alſo nicht nur auf die früher vom Kaiſerlichen
Statiſtiſchen Amt beſtätigte Einfuhr verdorbener Kakaobohnen nach Deutſchland hin, ſondern ſie betont ſogar als branchekundige
Tat=
ſache die bloße Schlußfolgerung der Reichardt=Compagnie, daß aus den beſtehenden Reinheitsvorſchriften hervorgehe, wie weit die übrige
Induſtrie grundſätzlich von dem Reinheitsideal der internationalen Kongreſſe entfernt ſei. Im Widerſpruch hierzu ſteht freilich die Tatſache,
daß unter den dem Gericht überreichten Analyſen ſich auch ſolche über Fabrikate dieſer Gegnerin, ſogar mit Schalen, vorfinden. Dieſes
mehrfache Doppelſpiel iſt für die Mittel, mit denen der der Reichardt=Compagnie aufgezwungene Kampf geführt wird, bezeichnend.
Wahrheit iſt, daß ein gegneriſches Organ, nämlich der „Konfitüren=Markt”, unterm 15. Mai 1912 als Grund für das Verſchweigen der Namen der
Antragſteller in der erſten Veröffentlichung des Gerichtsbeſchluſſes den Umſtand angibt, daß die Mitglieder des Verbandes geſchont
werden ſollen, die in ihrer Maſchinerie rückſtändig ſind und daher ihre Kakaos tatſächlich von Schalen, Samenhäutchen und Keimen
nicht völlig befreien.
Wahrheit iſt, daß dieſelbe Zeitſchrift unterm 15. Juli erklärt, daß trotz des Gerichtsbeſchluſſes nicht zu verſchweigen ſei, daß recht viele „ihrer” Fabriken
keineswegs auf der Höhe ſind, daß deren Kakao ſtark zu wünſchen übrig läßt, was ſeine Vermahlung und Pulveriſierung anbetrifft,
und daß ihr Aufſchließungsverfahren mehr oder weniger fehlerhaft iſt. Der Artikel fügt hinzu, daß, falls dieſen Fabriken die Verbeſſerung
ihres Verfahrens nunmehr als dringende Notwendigkeit erſcheint, der Hinweis der Reichardt=Compagnie ſein Gutes gehabt habe.
Wahrheit iſt, daß die Reichardt=Compagnie ſchon vor Jahren die Oeffentlichkeit anrief, um dergeſtalt von außen einen Zwang zur weitergehenden
Reinigung auszuüben; daß ſie im Jahre 1910 von neuem, durch ihre auch öffentlich bekanntgegebene Eingabe an den Bundesrat,
dieſes Ziel zu erreichen ſuchte, — eine Eingabe, die die übrige Induſtrie trotz der Bitten der Reichardt=Compagnie nicht unterſtützte.
Wahrheit iſt, daß die Reichardt=Compagnie lediglich zu dem gleichen Zwecke in ihrem Inſerat vom 3. April d. J. auf die derzeitig noch geltenden
beſchränkten Reinheitsvorſchriften hinwies.
Wenn angeſichts der vorgeſchilderten unwiderleglichen Tatſachen die fortgeſetzten Anſtrengungen der Reichardt=Compagnie, die Durchführung der weitgehendſten
Reinheitsbeſtrebungen im Intereſſe des Publikums zum Gemeingut der deutſchen Induſtrie zu machen, von den Gegnern zu einem Verſtoß gegen die guten Sitten
geſtempelt werden, ſo kann dieſe völlig neue und eigenartige Ausdehnung des Begriffes der guten Sitten bei dem konſumierenden Publikum niemals Verſtändnis
und Billigung finden. Bei dieſer Auslegung würde Vernunft-Unſinn, Wohltat-Plage. Daran ändert auch nichts die von den Gegnern aus dem Zuſammenhang
geriſſene und einer Reichsgerichtsentſcheidung, die mit dem gegenwärtigen Fall nicht den geringſten Berührungspunkt hat, entlehnte Begriffsbeſtimmung.
Wohl aber enthält es handgreiflich den gröbſten Verſtoß gegen das Anſtandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden, einen noch nicht rechtskräftigen
Beſchluß ohne Publikationsbefugnis in der unerhörteſten und entſtellteſten Weiſe auszubeuten, und ebenſo iſt es der Gipfelpunkt der Argliſt, wahrheitswidrig einen
Erfolg vorzuſpiegeln, wie dies diejenigen Firmen tun, die ſich durch Unterzeichnung des Inſerats nachträglich als Prozeßpartei hinſtellen, obwohl ſie ſich dem Verfahren
beizutreten wohlweislich gehütet haben.
So ſehen die Dinge in Wahrheit aus.
(157850
Deshalb können auch die gegenwärtigen Ausführungen mit den Worten geſchloſſen werden: Reichardt der Reinſte und
inſte!
Reichardt der
im Juli 1918.
Dr. jur. Max von Gbſtfelder.
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Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. Juli 1912.
Nummer 171,
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Kirchstrasse 12,
gegenüb. der Stadtkirche.
Schwarz-weisse Rabattmarken.
1eet
Kurſe vom 22. Juli 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
InProz.
Zf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,20
3½ Deutſche Reichsanl. . 90,00
80,00
3
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,10
89,80
3½ do. Conſols
80,00
do.
3 do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,00
93,20
do.
3½
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,00
88,20
do.
3½
do.
3
4 Hamburger Staatsanl. 100, 40
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 100,30
4 do. do. (unk. 1918) 100,20
do.
3½
do.
77,50
3
3 Sächſiſche Rente . . . . 80,00
4 Württemberger v. 1907 100,10
do. v. 1875 95,00
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887 . . 54,30
3¾ Italiener Rente .
4½ Oeſterr. Silberrente 90,60
4 do. Goldrente . . . 96,30
4 do. einheitl. Rente . 87,60
3 Portug. unif. Serie I 64,20
3 do. unif. Ser. III 66,80
3 do. Spezial .
10,00
5 Rumänier v. 1903 . . 101,70
4 do. v. 1890 . . 95,80
4 do. v. 1905 . . 92,20
90,30
4 Ruſſen v. 1880 .
4 do. v. 1902 . . . . 90,90
100,50
4½ do. v. 1905 .
94,10
3½ Schweden .
4 Serbier amort. v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903 82,00
4 Türk. unifiz. v. 1903 89,30
4 Ungar. Goldrente . . . 90,80
4 d. Emaxatt. (8750
InProz.
Zf.
Argentinier . . . . . . 101,10
do.
86,70
4½ Chile Gold=Anleihe . 91,00
5 Chineſ. Staatsanleihe . 100,00
93,75
do.
4½
4½ Japaner . . . . . . . 94,50
5 Innere Mexikaner . . . 95,20
3
do.
60,00
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,40
5 Gold=Mexikaner . . . . 100,00
3 Buenos Aires Provinz 71,00
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt . . . . . . . 142,20
5 Nordd. Lloyd . . . . . 119,70
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 124,30
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 113,30
8 Baltimore und Ohio . 108,30
6½ Schantungbahn . . . 131,00
6½ Luxemb. Prince Henri 158,00
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.)
6 Pennſylvania R. R. . 122,20
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger
74,50
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 520,75
14 Chem. Fabrik Gries=
260,00
heim
30 Farbwerke Höchſt . . 653,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . .
10 Cement Heidelberg . . 153,50
30 Chem. Werke Albert 460,40
12½ Holzverkohlung
Kon=
ſtanz . . . . . . . 324,80
4ahmeprp. . 3 2. 2.ℳ 125,80
Letzte
In Proz.
Divid.
7½ Schuchert, Nürnberg 159,60
12 Siemens & Halske . 240,00
5 Bergmann Electr. . . 141,20
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 171,90
0 Gummi Peter . . . . 123,25
0 Kunſtſeide Frankfurt 119,00 4½ Moskau=Kaſan
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 544,90
10 Maſchinenf. Badenia
6 Wittener Stahlröhren 226,50
8 Steana Romana Petr. 142,50
15 Zellſtoff Waldhof . . 244,75
12½ Bad. Zucker=
Wag=
häuſel . .
. . . 224,00
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 121,00
3 Südd. Immobilien .
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 188,25
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 234,75
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 173,70
10 Gelſenkirchener . . . . 192,00
. 187,75
8 Harpener
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 263,25
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
.. . 81,75
Caro.
4 Laurahütte
10 Kaliwerke Aſchersleben
Weſteregeln 203,00
11
7½ South Weſt Africa
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 88,10
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 94,75 5.86 Reichsbank . . . . . 135,30
4 Franz=Jofefs=Bahn . .
3 Prag=Duxer . . . . . . 75,30
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn 94,30
79,10
3
do.
5 Hſtarr. Sdb.
In Pro;
Zf.
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 77,30
27/10
53,90
do.
76,80
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn 93,20
88,50
4 Ruſſ. Südweſt.
96,70
do.
-
4 Wladichawchas
-
4 Rjäſan Koslow .
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 73,50
4½
do.
90,00
2¼/10 Livorneſer
68,40
3 Salonique=Monaſtir . 63,60
4 Bagdadbahn .
83,60
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 96,90
4 Miſſouri=Pacific.
71,40
-
4 Northern=Pacific
4 Southern=Pacific
95,00
5 St. Louis und San
Francisco.
87,75
5 Tehuantepec . .
98,60
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 197,90
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn . . . . . . . 150,75
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 167,50
6½ Darmſtädter Bank . 121,70
12½ Deutſche Bank . . . 254,90
6 Deutſche Bereinsbank . 124,50
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 117,00
10 Diskonto=Kommandit 186,80
8½ Dresdener Bank . . 153,30
9½ Frankf. Hypoth.=B. 216,00
6½ Mitteld. Kreditbank 118,50
7 Nationalb. für Deutſchl. 122,60
7 Pfälziſche Bank . . . . 128,75
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,20
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 125,30
7½ Wiener Bankverein
4 Frankf. Hypoth.=Bank
ag
B. Pfandbriefe. InProz.
8½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 89,10
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 15—19, 21—26 97,50
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,00
8½
88,00
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 100,20
do.
89,20
4 Hefſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16 . . . . 99,80
S. 14, 15, 17, 24/26
18—28 . . . . . . . . . 99,90
Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—8
89,20
S. 3—5 .
89,00
S. 9—11
89,10
4 Meininger Hyp.=Bank 99,20
do.
8½
88,30
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 97,80
½ do. (unk. 1914) . . 88,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,90
do.
8½
89,40
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . . . . —
8½ do.
89,10
4 Frankfurt.
* 100, 10
8½ do.
94,00
4 Gießen .
8½ do.
90,10
4 Heidelberg
99,00
9½ do.
88,30
4 Karlsruhe
8½ do.
89,20
4 Magdeburg
99,10
8½ do.
4 Mainz
98,80
3½ do.
90,00
4 Mannheim
99,20
3½ do.
4 München .
98,70
3½ Nauheim
4 Nürnberg.
100,00
3½
do.
-
In Proz.
Zf.
„ 88,25
3½ Offenbach .
7 100,30
4 Wiesbaden .
89,20
3½ do.
98,50
4 Worms .
88,25
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner, 100 133,50
3 Holl. Komm. . fl. 100 108,70
3 Madrider . . Fs. 100 —
4 Meininger Pr.=
Pfand=
briefe . . . . . . . 135,20
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 173,70
125,00
3 Oldenburger . .
2½ Raab=Grazer fl. 150 113,50
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
fl. 7
Augsburger.
Braunſchweiger Tlr. 20 198,60
Fs. 15
Freiburger .
Fs. 45 —
Mailänder
Fs. 10—
do.
ſt. 7
Meininger .
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 —
do. v. 1858fl. 100 —
Ungar. Staats . . fl. 100 —
Benediger . . . . Fs. 30 —
Fs. 400 171,40
Türkiſche .
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,43
16,31
20 Franks=Stücke .
Amerikaniſche Noten . . . 4,18½
20,46
Engliſche Noten .
81,15
Franzöſiſche Noten.
Holländiſche Noten. . . . 169,70
80,20
Italieniſche Noten .
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,95
Ruſſiſche Noten .
Schweizer Noten . . . . . 81,20
Reichsbank=Diskonto . . .
Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.
§ 50.
Dienstag, 23. Juli.
1912.
Bekanntmachung.
Die nachſtehende Zuſammenſtellung bringen wir zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 12. Juli 1912.
(15644a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppen=Uebungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 23. Juli bis 19. Auguſt 1912.
Dauer der
Die Abſperrung
Datum
Tag
Truppenteil 1 Abſperrung
erſtreckt ſich
von bis
23. Juli 1. Dienstag
10%0 V.
24. Juli Mittwoch
00 V. 1 1200 M.
Ueber das ganze
25. Juli Donnerstag
Feldartillerie 800 V. 1200 M.
Abſperr=Gelände
26. Juli 1 Freitag
1200 M.
27. Juli Samstag
800 V. 1200 M.
Bekanntmachung.
Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß von Truppenteilen des
XVIII. Armeekorps am 18., 19., 22., 23., 25., 26., 29., 30. Juli, 1., 2., 5.,
7 Uhr abends Schießen mit
ſcharfer Munition auf dem Schiehplatz bei Meſſi abgehalten wird.
Schußrichtung vom Steinhügel, 1 km nördlich Meſſel in nordnordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete
Gelände=
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich,
: Weſten: Dammweg-Brunnersweg ausſchließlich,
„ Süden: Forſthaus Steinacker-Steinhügel ausſchließlich,
„ Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über
Milches=
wieſe-Sauwieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegſchranken und Warnungstafeln abgeſperrt.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten. (
Polizeiver=
ordnung Kreisamt Darmſtadt 25. September 1909, Kreisamt Offenbach a. M. 20.
Sep=
tember 1909).
Darmſtadt, den 19. Juni 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
(13886a
An die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.
Durch die andauernde Hitze können Feuerlöſchgeräte, insbeſondere Spritzen ant
Schläuche in ihrer ſofortigen Verwendbarkeit beeinträchtigt werden. Wir empfehlen
Ihnen, dafür Sorge zu tragen, daß während der Dauer der heißen Witterung die
Feuerlöſchgeräte regelmäßig angefeuchtet und auf ihre Bereitſchaft geprüft werden.
Darmſtadt, am 18. Juli 1912.
(15620si
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Meier rene eteterterenete
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Dachshund (zugelaufen). Die Hunde können von
den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die
Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(15790
Bekanntmachung.
Die nachſtehenden Vorſchriften der Polizeiverordnung über den
Woog bringen wir erneut zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 18. Juli 1912.
Großherzogliches Polizeiamt
Gennes.
Polizeiverordnung,
den Woog betreffend.
(„Darmſtädter Taablatt‟ Nr. 212 vom 9. September 1908.)
Auf Grund des Art. 56 Abſ. 2 Ziffer 1 des Geſetzes, die
Städte=
ordnung betreffend, vom 15. Juni 1874, wird nach Anhörung der
Stadtverordnetenverſammlung der Haupt= und Reſidenzſtadt
Darm=
ſtadt mit Genehmigung Großherzoglichen Miniſteriums des Innern
vom 21. Auguſt l. J. zu Nr. M. d. J. 14409, verordnet, was folgt:
Die polizeiliche Aufſicht über den Woog ſteht dem Großh.
Polizeiamt zu, das ſie durch die ihm unterſtellten Organe,
insbe=
ſondere auch durch den als Polizeiaufſeher zu beſtellenden Pächter
der ſtädtiſchen Badeanſtalten am Woog ausübt.
Den zur Aufrechterhaltung der Sicherheit, Ruhe und
Ord=
nung an und auf dem Woog ergehenden Anordnungen und Weiſungen
des Großh. Polizeiamts Darmſtadt oder der dienſthabenden
Polizei=
beamten hat jedermann Folge zu leiſten.
Unterſagt iſt jeder Unfug im Waſſer, an den Ufern, in
den Badehäuſern und in den Anlagen des Woogs; jede Beſchädigung
der Dämme, Uferwerke, Badehäuſer, Nachen, Bäume, überhaupt aller
an und auf dem Woog befindlichen Anlagen und Einrichtungen;
ferner das Anhängen an die unter den Duſchebrücken befindlichen
Waſſerleitungsröhren, das Betreten der Grasflächen, ſowie aller nicht
beſtimmungsgemäß den Badenden für immer oder zeitweiſe zur
Be=
nutzung überlaſſenen Wege, Treppen und Anlagen, ſchließlich das
eigenmächtige Heffnen oder das Ueberſteigen der Einfriedigungen.
In den Anlagen des Woogs müſſen Hunde an der Leine
geführt werden.
Das Mitnehmen der Hunde in die Badehäuſer und an die
öffentlichen Badeplätze, ſowie die unmittelbar am Waſſer
herführen=
den Wege an der Weſt= und Südſeite des Woogs iſt nicht geſtattet.
Das Fahren und Reiten auf dem über den weſtlichen
Woogsdamm fühenden Weg iſt unterſagt. Ausgenommen von dieſem
Verbot ſind leichte, durch menſchliche Kraft bewegte Fahrzeuge, z. B.
Fahrräder Kinderwagen.
Während der Badezeit iſt das unbefugte Betreten des
Frauenbades durch männliche Perſonen mit Ausnahme von Knaben
bis zu 5 Jahren unterſagt.
Ebenſo dürfen weibliche Perſonen während der Badezeit die
für Männer beſtimmten Badeanſtalten, Badeplätze und die
unmittel=
bar am Woog herführenden Wege an der Weſt= und Südſeite nicht
unbefugt betreten.
Das Baden im offenen Woog iſt des Schwimmens nicht
kundigen Perſonen nur an der ſogenannten „Inſel”, ſowie an den
durch Einfriedigungen und durch Anſchlag hierfür beſonders kenntlich
gemachten Stellen geſtattet.
Ganz unterſagt iſt das Baden und das Fahren mit Nachen in
der hinter der Militärſchwimmanſtalt gelegenen (nordweſtlichen) Ecke
des Woogs, ſowie für männliche Perſonen jenſeits der nach den
Frauenbädern zu durch Fäſſer bezeichneten Grenze.
Das Aus= und Ankleiden darf nur unmittelbar am Ufer,
dagegen nicht an oder auf den Dämmen geſchehen.
Ebenſo iſt das Betreten der Dämme und Anlagen in
entklei=
detem Zuſtande, ſowie das Abſpringen von den Landungsbrücken
verboten.
Die Badenden haben ſich, falls ſie nicht in einer
geſchloſ=
ſenen Zelle baden, der Badehoſen oder Badeanzüge zu bedienen.
Die Benutzung von Seife, das Waſchen von
Kleidungs=
ſtücken, ſowie jede ſonſtige Verunreinigung des Waſſers, der
Bade=
zellen und =Hallen, der Ufer und Dämme, ſowie das Einwerfen von
Steinen und ſonſtigen Gegenſtänden in das Waſſer iſt verboten
Hunde oder andere Tiere dürfen in dem Woog weder gewaſchen
noch gebadet werden.
Die Benutzung der Badehäuſer iſt nur nach Entrichtung
der von Großh. Bürgermeiſterei feſtgeſetzten Gebühr und nach Löſung
einer Badekarte geſtattet. Die Badekarte iſt ſowohl den
Polizei=
beamten als auch dem Woogspächter und ſeinen Beauftragten auf
Verlangen vorzuzeigen.
Innerhalb der Badeanſtalten, mit Ausnahme des Kaſſenraums,
iſt das Rauchen verboten.
Von Einbruch der Dunkelheit bis 5 Uhr morgens iſt das
Baden unterſagt. Der Schluß der Badezeit wird durch ein
Glocken=
zeichen angegeben.
Zuwiderhandlungen gegen die vorſtehenden Vorſchriften
werden, inſofern nicht andere ſtrafgeſetzliche Beſtimmungen Platz
greifen, mit Geldſtrafe bis zu 30 Mk. beſtraft.
Außerdem haben Zuwiderhandelnde gegebenenfalls die
zwangs=
weiſe Wegweiſung vom Woog zu gewärtigen.
Dieſe Polizeiverordnung tritt am 15. I. Mts. in Kraft;
von dieſem Tage an iſt die Polizeiverordnung, den Woog betreffend,
(15770oi
vom 7. Juni 1885, außer Kraft geſetzt.
Darmſtadt, den 7. September 1908.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Dr. Kratz.
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(13179a
Darmſtadt, den 11. Juni 1912.
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Darmſtadt, 18. Juli 1912.
(15579fsi
Dörr, ſtädt. Pfandmeiſter.
Verſteigerungs=Anzeige.
Mittwoch, den 24. Juli 1912, nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungslokal „Zur Ludwigshalle‟,
Ober=
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1 Waſſerkrug, 1 poliertes Vertiko, 1 Trumeau mit
Spiegel, 1 kleine Säule, 1 Sofa mit geblümtem
Ueber=
zug und 4 gevolſterten Stühlen, 1 Zimmerteppich,
1 Etagere, 1 Aquarium, 1 Schreibtiſch mit Aufſatz,
1 Kanapee mit braunem Plüſchbezug, 1 polierten
Klei=
derſchrank, 1 Geſchäftsſchrank und 1 ovalen Tiſch.
Ferner: 1 großen Kaſſenſchrank, 16 verſchiedene Oefen,
2 iriſche Oefen, 1 Schreibmaſchine, 2 Diwans 1 Waſchtiſch
mit Spiegel, 1 Spiegelſchrank, 1 Vertiko, 1 Plüſchgarnitur,
beſtehend aus Sofa und 6 Stühlen, 1 Trumeau mit Spiegel
u. a. m.
(15815
Die Verſteigerung der in Fettdruck aufgeführten Gegenſtände
findet vorausſichtlich beſtimmt ſtatt.
Darmſtadt, den 22. Juli 1912.
Kapp, Großh. Gerichtsvollzieher
Friedrichſtraße 24, I.
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Mittwoch, den 24. Juli 1912, vorm. 11 Uhr,
werden im Pfandlokale Rundeturmſtraße 16 (Roſenhöhe)
verſchiedene Möbel darunter Büfett, Kredenz,
Schreib=
tiſche, Diwans, Schrank mit Spiegel, Waſchkommode,
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Gerüſtſtangen, Handkarren, Kokosmatten, Kokosläufer
und 1 Partie Zigarren
(15813
verſteigert.
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher,
Georgenſtraße 11.
Holz=Verſteigerung.
Dienstag, den 23. cr., vormittags 10 Uhr, verſteigere ich
im Auftrage des Herrn Ad. Krämer II., Eſchollbrücken, am alten
Neckar=Bahnhof
ca. 100 Haufen Brennholz, Bord, Pfoſten ꝛc.
(15814
öffentlich meiſtbietend gegen gleich bare Zahlung,
Kapp, Großh. Gerichtsvollzieher.
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Der gerade Weg.
Roman von Julia Jobſt.
(Nachdruck verboten.)
19
Er ſaß allein auf der Bank, die Wronka hatte ſich im
Boot ausgeſtreckt und ſchaute mit ſchillernden Augen zu
ihm auf. Sie ließ alle ihre Künſte ſpielen. Auf ſeine
Aufforderung hin erzählte ſie von ſich und ihrer Jugend.
Daß die Phantaſie oftmals mit ihr durchging und aus
dem ſchleſiſchen Gut eine große Herrſchaft wurde, erſchien
ihr natürlich. Dann kam ſie auf ihre Ehe mit Wilhelm zu
ſprechen.
Er wurde mir zum Schickſal, vollendete ſie mit einer
Diskretion, die für den alten Herrn geradezu von einer
entzückenden Drolerie war. Der Hauch von Sinnlichkeit,
der um ſie war, nahm Bagewitz völlig gefangen.
Es war die volle Wahrheit, die er damals Friedrich
Wilhelm gegenüber ausſprach: Ich liebe ſolche Frauen,
nur darf man ſie nicht ernſt nehmen.
Er nahm auch die Wronka nicht ernſt, aber er fand
ein ſolches Gefallen an ihr, daß Suſannes Forderung, ſie,
die Muter Wilhelms, in Altenwerder als Herrin
einzu=
führen, auch bei ihm zum feſten Vorſatz wurde. Es war
und blieb der einzige Ausweg aus dieſer zerfahrenen
Si=
tuation. Er beſchloß, noch heute ſeinem Neffen ein
Ulti=
matum zu ſtellen.
Wie bisher ging es nicht weiter, man wurde zum
Ge=
ſpött der Leute, auch konnte ja dies Zuſammenſein von ihm
und der Wronka nicht ohne Folgen bleiben. Sein
erfah=
gener Blick las nur zu gut in den Augen von Andreas.
was dieſer dachte, der ſah in der Wronka auch die Geliebte
von Friedrich Wilhelm. Seine Leute mußten bald die
Wahrheit erfahren, ehe der Klatſch über die Grenzen von
Altenwerder hinausging.
Wegen der zukünftigen Stellung derWronka in der
Ge=
ſellſchaft war ihm nicht bange. Ein paar Jahre würden
dem jungen Weib vergehen in kluger ſelbſtgewollter
Ein=
ſamkeit, und dann würden die lieben Nächſten die Frau
des Entgleiſten in ihrer Mitte aufnehmen und vergeſſen
wollen. Dazu ſtand ein Bagewitz auf Altenwerder zu
mächtig und zu unabhängig da, als daß ihn dergleichen
aus dem Sattel heben würde.
Er hatte ehrlich gehandelt, würde man ſagen, und:
Die Frau iſt ſo ſchön und klug, daß ſie jedem Salon zur
Zierde gereicht.
Er kannte doch die Welt! Doch während er ſo ſeinen
Gedanken freien Lauf ließ, erwärmte er ſich an der
tem=
peramentvollen Art der Wronka, und ſie berauſchte ſich
der=
art an ihren eigenen Worten, daß ſie zur Scheherezade
wurde, die den alten Herrn derart zu feſſeln wußte, daß
ihm all ſein Denken und Planen verging, und er ſich in
dem Zauber ihrer Perſönlichkeit völlig verlor.
Die Wronka pflegte oftmals von ſich zu ſagen: Wehe
dem, den ich beſtricken will, er iſt mir verfallen. Wie oft
hatte ſie dieſe Kunſt bei ihren Freunden erprobt, wenn
deren Leidenſchaft zu erkalten drohte. Sie hatte ſie immer
wieder an ſich gefeſſelt, feſter denn je zuvor.
Die ſchöne Frau ſchwieg auch und hing ihren Ge
danken nach, nur das Geplauder des Kleinen ging zwiſchen
den beiden hin und her, denn ſie ſaßen jetzt nebeneinander
im Wagen, der ſie in raſcher Fahrt heimwärts führte.
Sie werden mir geſtatten, gnädige Frau, Sie an der
Förſterei abzuſetzen. Nein, nein, ich nehme keine
Weiger=
ung an. Nicht wahr Bubi, wir bringen Mama nach
Hauſe?
Nun hielt der Wagen, und die Förſterfrau kam eilig
herbeigeſprungen. Dieſe Ehre, Herr Kammerherr! Bitte,
gnädige Frau, ſich einen Augenblick gedulden zu wollen,
das Eſſen iſt ſofort bereit.
Willſt du nicht ein wenig bei mir bleiben, fragte Anna
den Knaben.
Wilhelm blickte unſchlüſſig von einem zum andern,
dann aber ſetzte er ſich zu dem alten Herrn, packte energiſch
deſſen Hand, und indem er mit verlegenem Geſicht zur
Mutter ſah, ſagte er entſchuldigend: Ich kann nicht,
Mama, ich muß zu die Pferde und die Hunde.
Bagewitz lachte vergnügt. Verargen Sie es dem
Schlingel nicht, gnädige Frau, in dem Alter ſind einem
richtigen Jungen Pferde und Hunde lieber als die ſchönſte
Frau. Später ändert ſich das allerdings ſehr.
Noch ein verſtändnisinniger Blick, ein koketter Gruß
der Wronka, und der Wagen fuhr von dannen. Nun der
Kleine bei ſeinen Lieblingen war, ſtand der Mund nicht
mehr ſtill. Wunder von Klugheit hatte er dem Großvater
von den Hunden zu berichten und erſt von ſeiner Reiterei
— ſeit geſtern ſtand ein frommes Pony im Stall, und
Friedrich, der alte Kutſcher, ließ es ſich nicht nehmen, dem
Kleinen den erſten Unterricht zu geben. Wilhelm war der
Liebling von allen im Schloß — nur Onkel Friedrich
Wil=
helm, der ihm ſo gut gefiel, hielt ſich zu ſeinem Kummer
von ihm fern.
Snſene ſchbte lchn ihr in banpſen, ais ſie
ver=
fuhren. Ein Blick auf den Großvater genügte, und ſie
wußte, daß Anna Wronka ihn bezaubert hatte, dieſes
be=
ſtätigten ihr noch ſeine Worte: Es iſt mir eine große
Freude geweſen, Suſanne, die Mutter Wilhelms kennen
gelernt zu haben. — —
Was waren das jetzt für gemeinſame Mahlzeiten!
Ein jeder war mit ſeinen Plänen und Gedanken beſchäftigt,
der argloſe Verkehr war geſtört, das Wort gefror einem im
Munde, ehe es kühl und geſchäftsmäßig erklang. Der
Kammerherr erhob ſich auch heute ſo früh wie möglich, das
unerquickliche Zuſammenſein damit beendend. Friedrich
Wilhelm atmete tief auf und auch er verabſchiedete ſich
unter dem Vorwand, daß er zu tun habe und verſchwand
durch die hohe Glastür, die direkt auf die Terraſſe führte.
Der Kleine blickte ihm traurig nach, dann lief er raſch auf
den alten Herrn zu und bat: Bubi darf bei dir bleiben,
Großvater?
Wenn er artig ſein will.
Ich bin ganz ſtill, wenn du ſchläfſt.
Suſanne, hörſt du, wie indiskret der Schlingel iſt.
Er verrät die unbarmherzige Schwäche des Alters.
Laßt gut ſein, Großvater, verſuchte das junge
Mäd=
chen zu ſcherzen, wir werden nach wie vor ſagen: Der
Kammerherr wünſchen nicht geſtört zu werden, da er zu
arbeiten hat.
Bagewitz lachte gut gelaunt, um dann wehmütig
hin=
zuzuſetzen: Ach, Kind, wie wird ſich jetzt hier ſo vieles
verändern.
Das iſt der Lauf der Welt, antwortete ſie herb.
Das ſagt man ſo, und das Sterben gehört auch dazu.
Wer weiß, wie viele Tage mir noch vorbehalten ſind.
Noch viele, Großvater. Du biſt heute ſo friſch wie
ſeit=lange nicht.
Des auch, das ich un muit uir in deiten din. Da=
Gewißheit, und ſei ſie auch noch ſo traurig, befreit,
wäh=
rend alles Ungewiſſe, Schwankende lähmt. Ich ſehe es
dir an, daß wir uns verſtehen. Kopf hoch, Kind, wir
blei=
ben uns die Alten, und du wirſt ſtets deine Stellung auf
Altenwerder behalten, ſo lange ich lebe. Und nach meinem
Tode iſt gut für dich geſorgt.
Ich weiß es, Großvater. Alles was wir tun, geſchieht
ja nur um dieſes geliebten Kindes willen.
Und zu dem Kinde gehört die Mutter, und um dieſes
Kindes wegen werden die Menſchen dieſer fremden Frau
die Stellung geben, die ihr zukommt. Befehlen läßt ſich
dergleichen nicht. Zeit laſſen — Zeit laſſen! Das Alter
verſteht das ſo gut und hat doch ſo wenig Zeit mehr übrig,
gut zu machen, was in einem langen Leben geſündigt
wor=
den iſt.
Suſanne hing plötzlich ſchluchzend an des Großvaters
Halſe, während der kleine Wilhelm, der aus Langeweile
während der Unterhaltung allein auf die Terraſſe
heraus=
gelaufen war, eilig herbeikam und ſich ängſtlich an ſie
klammerte.
Meine Dirn, meine geliebte alte Dirn! tröſtete
Bage=
witz. Es wird noch alles gut werden.
Suſanne richtete ſich ebenſo raſch, wie der Ausbruch
gekommen war, wieder auf und eilte zur Tür hinaus, die
auf den langen Flur hinausging, der zu ihrem Zimmer
führte. Bagewitz blickte ihr kopfſchüttelnd nach und ging
dann Hand in Hand mit dem Kleinen in ſein Zimmer, wo
ſich alltäglich dasſelbe Manöver wiederholte. Wilhelm
ſchob und rückte an dem Lehnſtuhl herum, obwohl es ſeinen
ſchwachen Kräften nicht gelang, das ſchwere Möbel zu
rühren, und holte die Decke, die Johann ſchon ſorglich
bereit gelegt hatte. Sie ſchleppte lang hinter ihm Hr,
Unter Scherzen und Lachen wurde der alte Herr behaglich
gebettet, und Wilhelm legte ſich alsdann der Länge nach
auf den Fußboden auf den bunten Teppich und ſpielte.
Wie lang der Großvater heute ſchlief? Den Kleinen
packte die Ungeduld, er ſchlich zum Fenſter und verſuchte,
auf die Terraſſe zu ſehen. Hatte draußen nicht die tiefe
Stimme Tells, des ſchönen Hühnerhundes, Laut gegeben.
Jetzt wieder! Er hielt es nicht länger aus. Noch
einen Blick auf den Schlafenden, und er ſchlich hinaus.
Nebenan im Wohnzimmer ſtand die Tür zur Terraſſe weit
offen, das wußte er, und der Kaffeetiſch war dort
ſicher=
lich ſchon gedeckt. Tante Suſanne erwartete ihn wohl
längſt.
Eine große Enttäuſchung harrte ſeiner, denn weder
das junge Mädchen war dort, noch Johann, der ſo
geſchäf=
tig das Zelt zu ordnen pflegte, unter dem geveſpert wurde,
wenn die Sonne es mit ihren Strahlen zu gut meinte.
Aber der Hund mußte da ſein, denn ein leiſes freudiges
Knurren begrüßte das Erſcheinen des Kleinen.
Tell — Tell! lockte Bubi.
Wieder das leiſe Knurren, deſſen Klang der Kleine
nachging. Die Orangerie, die die Terraſſe mit ihren
Lor=
beer= und Orangebäumen ſchmückte, wehrte dem Kleinen
jeden Ueberblick, es waren der mächtigen Holzkübel zu
viele, die in ſeinem Geſichtskreis ſtanden. Aber er
ver=
folgte beharrlich ſein Ziel. Jetzt hatte er die äußerſte Ecke
erreicht, wo Myrten und Oleander eine dichte Wand
bil=
deten und ein heimliches Plätzchen ſchufen, von wo man
einen herrlichen Ausblick über Blumenparterre und Park
hatte.
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Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. Juli 1912.
Nummer 171.
Vom Reiſegepäck in alter Zeit.
C) Der moderne Sommerreiſende, der in dem
mäch=
tigen Bauche eines Rieſenkoffers mühelos eine Unmenge
von Kleidungsſtücken und Gebrauchsgegenſtänden
unter=
bringt, vergißt leicht, daß nur eine Jahrhundert lange
Entwicklung des Reiſeweſens das Gepäck zu der
Bequem=
lichkeit unſerer Tage führen konnte. Die Reiſenden
ver=
gangener Jahrhunderte mußten die Fahrt in die Ferne
buchſtäblich mit Kiſten und Kaſten antreten und aus
Raumgründen auf manchen Gegenſtand verzichten, den
wir heute bei der Fahrt in die Sommerfriſche nicht mehr
entbehren möchten. Einen zeitgemäßen Ueberblick über
den Entwicklungsgang des Gepäckweſens gibt ein
inter=
eſſantes Werk, das Louis Vuitton in Paris veröffentlicht
hat; es führt uns zurück bis in jene babariſchen Zeiten,
da der „Reiſende” auf ſeinen Streifzügen ſein „Gepäck”
roh in eine Tierhaut gehüllt und mit Baſt verſchnürt auf
ſeinem Rücken durch die Wälder trug. Aber ſchon den
Phöniziern, dem Reiſevolk des Altertums, waren Koffer
und Reiſekiſten wohl bekannt, während die Griechen erſt
zu Zeiten der perſiſchen Invaſion beſondere Gerätſchaften
entwickeln. Man verfertigt ſchwere Käſten aus maſſivem
Holz, die in ſpäterer Zeit noch mit Bronzeplatten und
eiſernen Beſchlägen verſtärkt und mit kunſtvollen Riegeln
und Schlöſſern verſchloſſen werden. Die Schlöſſer gehen
auf die Zeit des Perikles zurück. Aber freilich waren dieſe
Käſten urſprünglich nicht zur Reiſe beſtimmt und verſahen
im Haufe den Dienſt von Truhen oder Schränken, die
dann den Beſitzer auf ſeinen Fahrten als „Gepäck”
beglei=
teten. Die praktiſche Anpaſſungsfähigkeit der Römer
läßt ſie dann dieſe von den Phöniziern und Griechen
vor=
gebildeten Reiſekiſten übernehmen und vervollkommnen,
und ſie bereichern das Arſenal der Gepäckſtücke um den
„Safe”, der eine römiſche Erfindung iſt und zuerſt als
eine Art mit Eiſenplatten beſchlagener Holzkoffer
auf=
taucht. Aber ſchon zu Neros Zeiten iſt mit dem Luxus
der Reiſegefährten auch der Lurus der Reiſekaſten hoch
entwickelt. Reiche Leute ſchmücken ihre „Koffer” ſogar
mit Edelſteinen und koſtbaren Goldbeſchlägen oder
Elfen=
beinſchnitzereien. Den Sklaven fiel dann die wenig
be=
neidenswerte Aufgabe zu, dieſe koſtbaren und
empfind=
lichen Reiſekäſten von Stadt zu Stadt zu ſchleppen.
In Mitteleuropa taucht der Reiſekoffer erſt zur Zeit
Karls des Großen auf, um dann im raſchen
Entwicklungs=
gange Formen anzunehmen, die bisweilen ſchon ſehr ſtark
an manche moderne Gepäckſtücke gemahnen. Noch ſind
die Koffer aus Holz gearbeitet, aber ſie werden zum
Schutze gegen die Witterung bereits mit Leder überzogen
und zugleich entſteht ein kleiner Koffer, ein Vorläufer
unſerer Handtaſche, der von den vornehmen Reiſenden,
insbeſondere von den Damen, ſelbſt getragen wird, weil
in dieſen kleinen Behältern Juwelen, Gold, Urkunden
und manche kleine Toilettengeheimniſſe verwahrt werden.
Uns intereſſiert von dieſen Reiſegeräten beſonders das
ſo=
genannte „Reiſefäßchen” der Renaiſſance; wir glauben
eine ganz moderne elegante Hutkiſte vor uns zu ſehen.
Freilich, an der Stärke des verwandten Holzes und an
den ſchweren kunſtvollen Schmiedearbeiten der Verſchlüſſe
erkennen wir den Geiſt einer fernen, kunſtſinnigen Zeit,
die es noch nicht gelernt hat, die Reiſeausrüſtung
nüch=
terner Zweckdienlichkeit unterzuordnen. Aber ſchon
be=
innt ſich in dieſen noch oft mit Holzſchnitzereien
ge=
ſchmückten Reiſefüßiyen die Fbrm ünferes movernen
Kof=
fers anzukündigen; die ſcharfen Kanten werden
abgerun=
det, die Deckel wölben ſich, und mit der Zeit der
Poſtkut=
ſchen und der erſten Eiſenbahnen ſetzt ſich dann das
Prin=
zip durch, die Reiſeutenſilien bei möglichſt großer
Wider=
ſtandsfähigkeit leichter zu geſtalten. Die Bretter der
Kiſten werden dünner, man beginnt, ſie mit ſchweren
Leinenſtoffen zu überziehen, und dann taucht auch die uns
auf vielen Stichen vertraute Reiſetaſche aus Großmutiers
Zeiten auf, die aus Stoff gefertigt iſt und in leuchtenden
Farben ein kühn geſtreiftes oder verwegen geblümtes
Muſter aufweiſt. Freundliche Hände finden ſich bereit,
dieſe uns ſo altmodiſch anmutende Taſche mit einer
Woll=
ſtockerei zu ſchmücken, die fromm und ſchlicht „Glückliche
Reiſe” wünſcht. Die Zeit der Eiſenbahnen hat begonnen
und in ihr wird der Schritt von Großmutters Reiſetaſche
und ihrem noch unförmigen Koffer bis zu unſerer
modernen Ledertaſche und dem leichten Rohrplattenkoffer
raſch zurückgelegt.
Sport.
* Pferdeſport. Rennen zu Grunewald. Preis
von Münchehofe. 5000 Mark, Diſtanz 1000 Meter: 1. Kgl.
Hauptgeſtüt Graditz’ Haparanda (F. Bullock), 2. Ger (W.
Bullock), 3. Reſeda (Lane). Tot. 36:10. — Oder=Hürden=
Rennen; 4200 MMark, Diſtanz 2400 Meter: 1. Herren E. und
G. Buggenhagens Santuzza (Sandmann), 2. Grace
(Naſh), 3. Priotina (Newey). Tot. 14:10. — Minus=
Jagd=Rennen; 5200 Mark, Diſtanz 3500 Meter: 1. Herrn
G. Nettes Reine du Jour (Printen), 2. Forefather
(Weishaupt), 3. Sieglinde (Lufta). Tot. 26:10. — VII.
Klaſſen=Erſatz=Preis; 13000 Mark, Diſtanz 2400 Meter:
—1. Herren A. und C. v. Weinbergs Sagitta (Fox), P1.
Herrn Balduins Papyrus (Weatherdon), 3. Hermidad
(Archibald). Tot. 18:10. — Preis von Kartzow; 4500
Mark, Diſtanz 3500 Meter: 1. Rittmeiſter Bramſchs
Bleib=
treu II (Fritſche), 2. Monſalvat (Theilen), 3. Harald I
(Weishaupt). Tot. 26:10. — Preis von Römerhof; 5000
Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. Graf J. Sierſtorpffs
Trumpf=Aß (Cleminſon), 2. Pikkolo (H. Teichmann),
3. Pantagruel (Fox). Tot. 46:10. — Flieger=Handikap;
7200 Mark, Diſtanz 1200 Meter: 1. Graf C. E. Reventlows
Sultan Saladin (Smith), 2. Bascaville (Wurſt), 3.
Hu=
ſarenliebe (Bleuler). Tot. 50:10.
Das dreitägige Meeting zu Doberan
nahm am Samstag in Anweſenheit der Kronprinzeſſin
Cecilie und des Großherzoglichen Paares von
Mecklen=
burg=Schwerin ſeinen Anfang. Paul Friedrich=Rennen;
5500 Mark und goldene Peitſche, Diſtanz 2000 MMeter:
1. Herrn J. Beutlers Rex II (Raſtenberger), 2. Major
Fife (Weatherdon), 3. Bürgermeiſter (Cleminſon). Tot.
32:10. — Alexandrinen=Rennen; Ehrenpreis und 2000
Mark, Diſtanz 2000 Meter: 1. Herrn H. von Oertzens
Ben=
zentö (Leutn. v. Egan=Krieger), 2. Bob (Leutn. v. Keller),
3. Pignone (Herr Jahrmarkt). Tot. 26:10. —
Erinner=
ungs=Rennen; 5000 Mark, Diſtanz 950 Meter: 1. Herrn
E. Zeyns Melone (Cleminſon), 2. Abdul (Shurgold),
3. Qui Vive (Evans). Tot. 45:10. — Offizier=Hürden=
Rennen; Ehrenpreis und 2000 Mark, Diſtanz 2600 Meter:
1. Prinz W. Schaumburg=Lippes Kilmallock (Leutn. Graf
Strachwitz), 2. Le Nil (Leutn. v. Schoeller), 3.
Water=
mann (Leutn. Graf Bethuſy=Huc). Tot. 13:10. — Graf
Pleſſen=Rennen; 6500 Mk., Diſtanz 2200 Meter: 1. Leutn.
v. Entreß=Fürſtenecks Franzisko (Blades), 2. Hirondelle
(Shurgold), 3. Barbaroſſa (F. Bullock). Tot. 38:10. —
Die Reſultate am Sonntag waren: Pauls=Rennen; 5000
Mark, Diſtanz 950 Meter: 1. Frhrn. Hans v. Reiſchachs
Jean la Folle (Shurgold), 2. Galanterie (O. Müller),
3. Muſidora (Torke). Tot. 38:10. — Alexandra=Rennen;
Ehrenpreis und 1500 Mark, Diſtanz 1500 Meter: 1. Herrn
M. Hartmanns Ingraban (Leutn. v. Keller), 2.
Water=
mann (Leutn. Graf Bethuſy=Huc), 3. Konſtantin (Leutn.
Graf Strachwitz). Tot. 17110. — Friedrich Franz=Rennen;
goldene Peitſche und 7500 Mark, Diſtanz 2200 Meter:
1. Herrn J. Beutlers Rex II (Raſtenberger), 2.
Raub=
geſell (O. Müller), 3. Quirl (Blades). Tot. 19110. —
Verkaufs=Hürden=Rennen; 2000 Mk., Diſtanz 2600 Meter:
1. Herrn v. Goßlers Agatu (Leutn. Graf Strachwitz),
2. Meermädchen (Beſ.), 3. Fairfax (Leutn. v. Oertzen).
Tot. 15.10. — Union=Klub=Preis: 4000 Mark, Diſtanz 2000
Meter: 1. Geſtüt Stiebitz’ Bob (Blades), 2. Germania I
(Raſtenberger), 3. Lancaſter (Evans). Tot. 89110.
Rennen zu Halle a. d. S. Erſtes Rennen:
1. Wriggler (Beſ.), 2. Boryſthene (Beſ.). Tot. 18:10. —
Zweites Rennen: 1. Veſtalin (Beſ.), 2. Heidenkind (Lt.
Beaulieu). — Drittes Rennen: 1. Radegaſt (Leutn. von
Stammer). 2. Koralle (Leutn. Graf Baudiſſin), 3.
Syn=
dikus (Leutn. Streſemann). Tot. 23:10. — Viertes
Ren=
mn: 1. Haſchiſch (Beſ.), 2. Versbau (Leutn. Graf
Baudiſ=
ſin). Tot. 14:10. — Fünftes Rennen: 1. Snowdens
Knight (Lt. Streſemann), 2. Oktavius (Beſ.), 3.
Theo=
dore (Lt. Graf Baudiſſin). Tot. 46:10. — Sechſtes
Ren=
nen: 1. Escamiklo (Beſ.), 2. Ida (Beſ.), 3. Gladys (Beſ.).
Tot. 27110.
Der Grand Prix d’Oſtende kam am
Sonn=
tag zur Entſcheidung. Das mit 100000 Francs
aus=
geſtattete, über 2900 Meter führende Rennen wurde von
11 Pferden beſtritten, darunter 6 Vertretern der
franzö=
ſiſchen Zucht. Der Favorit Quité (Heapy) des belgiſchen
Rennſtallbeſitzers Monſ. Brugmann wurde von dem
franzöſiſchen Vertreter Gorgorito (Sharpe) des Monſ.
San Miguel ſicher geſchlagen, während Baron E. de
Rotſchilds Predicateur (A. Woodland) als Dritter endete,
Tot. 141:10.
* Radſport. Berliner Olympia=Bahn.
Hauptfahren: 1. Schürmann, 2. Hoffmann ½ Lg. 3. Peter,
4. Packebuſch. 50 Kilometer=Rennen mit
Tandemführ=
ung: 1. Rütt 1 St. 2. Min. 42,4 Sek., 2. Appelhans 420
Meter, 3. Seigneur 810 Meter zurück, Lorenz aufgegeben.
Großer Sommer=Preis, 20 Kilometer: 1. Miquel 15:46,6,
2. Walthour 190 Meter, 3. Janke 370 Meter, 4. Gnilka
410 Meter, 5. Saldow 1310 Meter zurück. 1 Stunde:
1. Janke (auf Continental=Pneumatik) 77,110 Kilometer,
2. Walthour 76,670 Kilometer, 3. Miquel 72,090
Kilo=
meter, 4. Saldow 68,840 Kilometer, Gnilka geſtürzt.
Tan=
dem=Verfolgungs=Rennen: 1. Kudela=Wegener, 2. Aſchoff=
Sonntag, 3. Packebuſch=Süßmilch.
Goldenes Rad von Erfurt. Weiß=
Frank=
furt a. M. ſiegte mit 61,660 Kilometern vor Lange=Erfurt
mit 61,360 Kilometern, Huybrechts 60,960 Kilometer und
Demke 57,760 Kilometer.
Internationale leichtathletiſche Wettkämpfe in
Berlin. 1000 Meter Vorgabelaufen: 1. Gramſe (Berl.
S. C.) (100 Meter Vorgabe) 4 Min. 4,3 Sek., 2. Ernſt
(B. S. C.) (45 Meter) 30 Meter zurück, 3. Seiffert=
Char=
lottenburg. 100 Meter=Mallaufen: 1. Rau=
Charlotten=
burg 10,7 Sek., 2. Lippincott=Amerika Handbreite, 3.
Ger=
hardt=Amerika 1 Meter zurück. 800 Meter=Mallaufen?
1. Hanns Braun=München 1:54,7, 2. Meredith=Amerika
20 Meter zurück. 200 Meter=Mallaufen: 1. Lippincott=
Amerika 21,9 Sek., 2. Rau ½ Meter zurück. Hochſprung
mit Anlauf: 1. Horime=Amerika 1,86 Meter, 2. Lieſche=
Hamburg 1,83 Meter. 1000 Meter=Junioren=Stafette:
1. Berl. Sportklub 1. Min. 91,9 Sek., 2. Berl.
Turner=
ſchaft 30 Meter zurück. Dreiſprung: 1. Schelenz (Berla
Ballſp.=Kl.) 13,96 Meter, 2. Lieſche=Hamburg 13,83
Me=
ter, 3. Weinſtein (Berl. Sp.=Kl.). Weitſprung aus dem
Stand: 1. Tſiclitiras=Griechenland 3,25 Meter, 2. Lieſche=
Hamburg 3 Meter, 3. Horime=Amerika 2,99 Meter,
100 Meter=Ermunterungslaufen: 1. Prahl (S. C.
Char=
lottenburg) 11,5 Sek., 2. Lewandowsky (Berl. T.=Gem.),
3. Schelens (B. B. C.). Kugelſtoßen: 1. Roſe=Amerika
14,51 Meter, 2. Ziegler (Berl, Sp.=Kl.) 13,15 Meter, 3.
Do=
riſis=Griechenland. 1600 Meter=Junioren=Stafetter
1. Sp.=Kl. Charlottenburg 3 Min. 34¾/10 Sek., 2. Berl.
Sport=Klub 30 Meter zurück. 3000 Meter=Junioren=
Mannſchaftslaufen: 1. Komet in 9 Min. 33,4 Sek., 2. Berla
Vereinigung; Berl. Sp.=Kl., Sp.=Kl. Charlottenburg und
Verein für Volksſport aufgegeben. 3000 Meter
Ver=
ſuchslaufen (Rekordverſuch): Berner=Amerika 9 Minz=
¾/10 Sek. (unterm deutſchen Rekord). Diskuswerfen:
1. Doriſias=Griechenland mit 40,36 Meter, 2. Ziegler
(Berl. Sp.=Kl.) 39 Meter, 3. Ralph Roſe=Amerika 38,95
Meter. Olympiſche Stafette (Länderkampf Amerika
gegen Deutſchland) ausgefallen. Stabhochſprung: 1.
Bab=
cock=Amerika 3,60 Meter, 2. Wright=Amerika 3,55 Meter,
3. Coyle=Amerika 3,50 Meter.
* Ruderſport. Das tradionelle Achterruder=Rennen
um den Ehrenpreis der Stadt Frankfurt a. M. gelangte
am Sonntag bei Regenwetter unter ſtarker Anteilnahme
der Bevölkerung zum Austrag. Sieger blieb der
Frank=
furter Ruder=Verein vor Germania=Frankfurt und
Ruder=
geſellſchaft Sachſenhauſen.
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ſchienen. Im erſten Teil hat man ſich zur Aufgabe
ge=
ſtellt, eine vorwiegend kompilatoriſche Darſtellung des
Rechtszuſtandes bei dem Reiche, in Heſſen und den
ande=
ren Bundesſtaaten zu geben, im zweiten Teil (Nachtrag)
eine kritiſche Unterſuchung über die Rechtsſtellung von
unverheirateten Zivilbeamten und Lehrern im heſſiſchen
Beamtenrecht vorzunehmen. Die Broſchüre will in der
Allgemeinheit ein gewiſſes Intereſſe für dieſe Fragen
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