Abonnementspreis
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175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
tnren Beſtell, entgegen zu 60 Pfg. monatl.
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 14 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Die dſeuſtſch=franzöſiſche Kommiſſſion,
die in Bern tagt, um die Ausführung des
deutſch=
franzöſiſchen Kongo=Abkommens vom 4. November
1911 in die Wege zu leiten, hat ihre Arbeiten beendet.
Die Italiener geben zu, daß
Torpedo=
boote 20 Km. weit in die Dardanellen
hineinge=
fahren ſeien, doch werden die Beſchädigungen der
Forts in Abrede geſtellt.
In Liſſabon und Oporto iſt Revolution
ausgebrochen.
Der Sultan hat eine Botſchaft an das
Heer gerichtet, in der er die von einigen Offizieren
formulierten Forderungen als Verletzung der
Ver=
faſſung und der Diſziplin bezeichnet und zur
Unter=
werfung auffordert.
Der Kaiſer von Japan iſt ernſthaft an einem
Magenleiden erkrankt. Er war bereits bewußtlos.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.
Der zweite italieniſche Angriff auf die
Dardanellen.
*⁎* Die erſten Meldungen über den erneuten
Ver=
ſuch der Italiener, die Dardanellen zu forzieren, lauteten
ſehr widerſprechend, doch konnte man an der Tatſache
ſelbſt und daran, daß der Verſuch geſcheitert ſei, nicht
gut zweifeln, denn andernfalls, wenn die Italiener
auch nur den geringſten Erfolg aufzuweiſen hätten,
wür=
den von Rom aus Siegesnachrichten in die Welt
hinaus=
geſandt worden ſein. Beſtätigen ſich die Verluſte, die
der italieniſchen Torpedobootsflottille beigebracht
wor=
den ſein ſollen, ſo wird das den Mut und die
Wider=
ſtandskraft der Türken erheblich ſtärken, denn letztere
können mit Recht darauf hinweiſen, daß bei allen
bis=
herigen Aktionen in Tripolis, im Roten und im
Aegä=
iſchen Meere die Italiener in ſolcher Uebermacht waren,
daß ihre Erfolge nicht die geringſte Bewunderung
ver=
dienen, daß die italieniſchen Seeſtreitkräfte aber jetzt, wo
ſie vor einer wirklich ernſten und ſchwierigen Aufgabe
ſtanden, verſagten.
Ob dieſe neue Aktion der Italiener mit der kürzlich
gemeldeten geheimnisvollen Abreiſe des Herzogs der
Abruzzen von Salſomaggiore zuſammenhängt, läßt ſich
im Augenblick noch nicht feſtſtellen. Vielleicht hat der
Tatendurſt des Herzogs, deſſen Operationen im
Joni=
ſchen Meere zu Beginn des Krieges unliebſames
Auf=
ſehen erregten, zu dem kühnen Anſchlag auf die
Darda=
nellen geführt. Wie das einzige Ergebnis des erſten
Angriffs am 18. April die Schließung der Waſſerſtraße
für jeglichen Verkehr war, ſo wird es auch jetzt ſein, und
die Pforte hat bereits die nötigen Maßregeln
angeord=
net. Durch die Legung von Minen wird nun
neuer=
dings jeder Schiffsverkehr durch die Meerenge
unter=
brochen, und die Kalamität, die dem internationalen
Handeil ſo ſſchwere Schädigungen zufügte, wird
wie=
derum beginnen. Der Türkei kann man es nicht
verden=
ken, daß ſie alles tut, um ſich vor einer Ueberrumpelung
im Marmara=Meer ſeitens der Italiener zu ſchützen, die
durch dieſen Krieg mehr und mehr die Sympathien
Europas verlieren. Man darf wohl hoffen, daß das
Fehlſchlagen des Verſuchs, in die Dardanellen
einzu=
dringen, die Italiener von einer Wiederholung
abhal=
ten wird, damit die Meerenge dem Handelsverkehr recht
bald wieder geöffnet werden kann.
Wie es ſcheint, hat der Anſchlag des Feindes auf
die Gemüter in Konſtantinopel ernüchternd gewirkt und
die innerpolitiſche Beruhigung gefördert. Unter dem
Eindrucke des Ereigniſſes iſt wohl auch die Zuſtimmung
Tewfik Paſchas zu ſeiner Berufung als Großweſir
er=
folgt, der gegenüber ſich dieſer Staatsmann, der ſeit
geraumer Zeit ſein Vaterland am Hofe von St. James
vertritt, zuerſt ablehnend verhielt. Wir werden, ſobald
ihm das ſchwierige Werk der Kabinettsbildung
gelun=
gen ſein wird, auf ihn zurückkommen,
Deutſches Reich.
— Die deutſch=franzöſiſche
Kommiſ=
ſion, die ſeit Mitte Juni in Bern tagte, um die
Ausführung des deutſch=franzöſiſchen Kongo=
Abkom=
imens vom 4. November 1911 in die Wege zu leiten,
hat ihre Arbeit beendet. Die Arbeiten haben für beide
Teile einen durchaus befriedigenden Verlauf genommen.
Der nächſte Zweck hat darin beſtanden, die techniſche
Tätigkeit der an Ort und Stelle zu entſendenden
Ab=
grenzungskommiſſion vorzubereiten. Sodann ſollte
eine Vereinbarung über die Modulation und Daten für
eine Uebernahme der Gebiete, die abzutreten ſind,
ge=
troffen werden. Die Kommiſſion hat dieſe Aufgaben in
der Weiſe gelöſt, daß ſie über jede der beiden Fragen
den Text für eine Vereinbarung feſtlegte, die den
Regie=
rungen zur Ratifizierung unterbreitet werden ſollen.
Darüber hinaus iſt es der Kommiſſion gelungen, die
im November=Abkommen in Ausſicht genommene
ſpe=
zielle Vereinbarung über Konzeſſionsgeſellſchaften durch
einen Entwurf vorzubereiten, der in 50 Artikeln dieſe
umfangreiche ſchwierige Materie zu regeln beſtimmt iſt.
— Die deutſch=franzöſiſche
Kongo=
kommiſſion unterzeichnete das Schlußprotokoll, das
den Wortlaut der den beiderſeitigen Regierungen zu
unterbreitenden Vereinbarungen enthält.
— Das Scheitern des
Lotterievertra=
ges mit Bayern. Das Reſultat der Abſtimmung
im bayeriſchen Abgeordnetenhauſe über den
Lotteriever=
trag mit Preußen, Baden und Württemberg mußte nach
dem Verlaufe der Debatte vorausgeſehen werden. Es
ſind bei dieſem Votum wohl hauptſächlich
partikulari=
ſtiſche Stimmungen maßgebend geweſen, denn das
An=
gebot war in finanzieller Hinſicht für Bayern ſehr
gün=
ſtig. Letzteres ſollte für die erſten 5 Jahre der zunächſt
auf 15 Jahre feſtgeſetzten Vertragsdauer je 2215000
Mark erhalten und vom 6. Jahre ab 42 Mark für jedes
im Jahre vorher abgeſetzte Loos. Bayern konnte alſo
ohne eigenes Riſiko mit einer verhältnismäßig
erheb=
lichen Einnahme rechnen, ohne daß bei der Art des
Be=
triebs eine durch künſtliche Anfachung der Spielluſt
veranlaßte unwirtſchaftliche Steigerung des Spiels zu
befürchten war. Die Ablehnung des Lotterievertrages
dürfte auf ähnliche Gründe zurückzuführen ſein wie die
Abneigung Bayerns, die eigenen Poſtwertzeichen
aufzu=
geben. Württemberg hat dies längſt getan, ohne daß
dadurch ſeiner Poſthoheit Eintrag geſchehen wäre, und
es ſteht ſich finanziell gut dabei. Ob die Hoffnungen
Bayerns, aus einer Landeslotterie mehr
herauszuſchla=
gen, in Erfüllung gehen werden, iſt noch fraglich, denn
man darf nicht vergeſſen, daß das Abſatzgebiet ſehr
be=
ſchränkt iſt und in Preußen ſehr ſcharfe Beſtimmungen
gegen den Vertrieb ausländiſcher Loſe beſtehen. Und
Bayern iſt in dieſer Beziehung für Preußen Ausland!
Daß auch aus nationalen Gründen das Scheitern der
Lotteriegemeinſchaft zu bedauern iſt, brauchen wir nicht
beſonders hervorzuheben.
— Keine Miniſterkriſis in Baden. Die
amtliche Karlsruher Zeitung bezeichnet das aus einem
Berliner Blatte in badiſche Zeitungen übergegangene
Gerücht von einer Miniſterkriſis als jeder tatſächlichen
Begründung entbehrend. Die Mitglieder des
Staats=
miniſteriums erfreuen ſich ohne Ausnahme des vollen
Vertrauens des Landesherrn. Weder jetzt noch zur Zeit
des Landtagsſchluſſes iſt das Ausſcheiden einzelner
Miniſter zu erwarten.
— Die fürſtliche Staatsregierung von
Schwarzburg=Rudolſtadt verfügte die
Ueber=
weiſung einer Teuerungszulage in Höhe von 8 Prozent
des Gehaltes an ſämtliche Staatsbeamte und
Volks=
ſchullehrer des Landes für das laufende Jahr. Dies
erfordert eine Ausgabe von rund 130000 Mark, wofür
die nachträgliche Genehmigung des Landtags
erforder=
lich iſt.
Ausland
England.
Unterhaus. An den Vertreter des
Auswär=
tigen Amtes wurde eine große Anzahl Anfragen
gerich=
tet, die lebhaftes Intereſſe an den in den Gummibezirken
von Putumayo an den Indianern begangenen
Grau=
ſamkeiten bekundeten. Parlamentsunterſekretär Acland
erklärte, einer der Gründe der kürzlich erfolgten
Her=
ausgabe des Blaubuches war die Abſicht, die öffentliche
Meinung in den Vereinigten Staaten von Nordamerika
zu beeinfluſſen, die beſſer Gelegenheit hätten, in der
Angelegenheit etwas zu unternehmen, als irgend eine
andere intereſſierte Regierung. Der Unioniſt Sandys
ſtellte erſtens die Anfrage, ob Grey ſeine
Aufmerkſam=
keit den Artikeln der deutſchen Preſſe widmete, die
be=
haupteten, daß britiſche Untertanen Grauſamkeiten in
Putumayo begingen; zweitens, ob im Blaubuch
voll=
ſtändig und klar auseinandergeſetzt ſei, daß die britiſche
Regierung jede in ihrer Macht liegende Maßnahme
er=
griff, um die peruaniſche Regierung zur Beſeitigung der
in Putumayo vorhandenen Zuſtände zu veranlaſſen;
drittens, ob die einzigen in Betracht kommenden
briti=
ſchen Untertanen eine Anzahl Eingeborener aus
Bar=
bados ſeien; viertens, ob Grey die Aufmerkſamkeit der
deutſchen Regierung auf die Angelegenheit lenken wolle,
da die falſchen Darſtellungen der deutſchen Preſſe, wenn
ihnen nicht widerſprochen werde, geeignet ſeien, die
öffentliche Meinung Deutſchlands ungünſtig zu
beein=
fluſſen. Acland erwiderte: Ich weiß nicht, ob Grey
die in Frage kommenden Artikel ſah. Wir erhielten
keine Mitteilung über dieſe Sache vom diplomatiſchen
Vertreter in Berlin. Die tatſächlichen Erklärungen im
zweiten und dritten Teil der Anfrage Sandys ſind
voll=
ſtändig richtig. Von Engländern ſind keine
Grauſam=
keiten irgend welcher Art begangen worden. Was den
letzten Teil der Anfrage betrifft, ſo denke ich, daß die von
Sandys auf die Sache gelenkte Aufmerkſamkeit genügt,
um den irrtümlichen Eindruck, der vielleicht durch
un=
vollſtändiges Leſen des Blaubuches entſtanden iſt,
rich=
tig zu ſtellen. Ich habe keinen Grund zu behaupten, daß
abſichtlich falſche Darſtellungen gegeben worden ſind.
Die Suf fragetten. Die Kabinettsmitglieder,
die ſich und ihre Angehörigen ſtändig von den
Suffra=
getten bedroht ſehen, haben ihre Kaltblütigkeit verloren.
Mehrere ſtehen vor dem nervöſen Zuſammenbruch,
be=
ſonders bei dem Premierminiſter Asquith, deſſen
Be=
finden ſeit einiger Zeit nicht befriedigend iſt und bei
dem ſich die Aufregungen unangenehm fühlbar machen.
Ein Heer von Poliziſten begleiten die Miniſter jetzt auf
ihren Ausgängen. Die Preſſe fordert energiſche
Maß=
regeln gegen dieſen unhaltbaren Zuſtand.
Der engliſche Ergänzungs=Flotten=
Etat. Man ſchreibt uns: Die Londoner
Veröffent=
lichung über den engliſchen Ergänzungs=Flotten=Etat iſt
ſo knapp gehalten, daß ſie kein Urteil über die
Trag=
weite der neuen Forderung ermöglicht. Vielleicht holt
der Marineminiſter Churchill am Montag wenigſtens
einigermaßen nach, was der Wortlaut des Ergänzungs=
Etats verſchweigt. Die Geſamtheit der neuen
Forde=
rungen hält ſich mit dem Betrage von rund 17,6
Millio=
nen Mark ſcheinbar in gewiſſen Grenzen. Es können
aber in den neu angeforderten Summen die
Vorberei=
tungen zu den umfaſſendſten Vergrößerungsplänen
ſtecken. Darum wäre es verfrüht, aus dem
verhältnis=
mäßig kleinen Geſamtbetrage des engliſchen
Ergän=
zungs=Flotten=Etats Schlüſſe auf ſeine wahre
Bedeu=
tung zu ziehen.
Rußland.
Das Abkommen zwiſchen Rußland und
Japan, welches abgeſchloſſen, aber noch nicht
unter=
zeichnet iſt, enthält außer den Abgrenzungen der
Ein=
flußſphären beider Mächte in der Mandſchurei und
Mon=
golei die Verpflichtung zu gemeinſamer Verteidigung in
jenen Gebieten, falls eine der Mächte angegriffen werde.
Amerika.
Der kubaniſche Aufſtand. Der
Negergene=
ral Pedro Ivonet auf Kuba wurde bei dem Vegg von
Ballaco von Regierungstruppen getötet. Dadurch iſt
der kubaniſche Aufſtand tatſächlich beendet. Das
Ma=
rineamt ordnete bereits die Zurückziehung zweier
Kom=
pagnien Marinetruppen aus Kuba an. Die
Zurück=
ziehung aller amerikaniſchen Truppen ſteht unmittelbar
bevor.
Marokko.
Marglis de Segonzae, der kürzlich von
ei=
ner im Auftrage des marokkaniſchen Komitees
under=
nommenen Forſchungsreiſe aus Fez zurückgekehrt iſt,
erklärte einem Mitarbeiter des Temps, daß die
Ent=
ſendung von weiteren Verſtärkungen nach Marokko in
Höhe von etwa 25000 Mann ſeiner Anſicht nach
uner=
läßlich ſei. Hiervon müſſen 10000 Mann für die Durch=
Seitze 2.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Juli 1912.
Nummer 170.
führung der erforderlichen Maßnahmen in der Gegend
von Marrakeſch und 10000 Mann für die Beſetzung von
Taza verwendet werden. Er halte es für ſeine Pflicht,
die öffentliche Meinung Frankreichs an den Gedanken
zu gewöhnen, daß eine neue Kraftanſtrengung
notwen=
dig ſei, wenn der unſicheren Stellung Frankreichs in
Marokko ein Ende gemacht werden ſolle, Jeder Franzoſe
wünſche, daß die Durchführung des marokkaniſchen
Pro=
tektorats eine möglichſt geringe Belaſtung der
Streit=
kräfte des Mutterlandes bilde, aber die Lage Frankreichs
in Europa würde nur beſſer werden, wenn es mittels
eines ſofortigen Opfers in Marokko den Beginn einer
Periode der Sicherheit beſchleunigen wolle.
Mulay Hafid der auf ſeiner Abſicht,
abzudan=
ken und nach Paris zu kommen, beſteht, hat beſchloſſen,
zuerſt eine Wallfahrt nach Mekka zu unternehmen.
Durch dieſe Reiſe würde er als guter Muſelmann
an=
erkannt werden und könnte dann unbehindert Paris
be=
fuchen. Der Korreſpondent des Figaro tritt dafür ein,
daß Frankreich Abdul Aſis, den früheren Sultan und
Bruder Mukay Hafids, wieder auf den Thron ſetze.
Ab=
dul Aſis habe ſich durch ſeine würdige Haltung bei den
Marokkanern ein gewiſſes Anfehen zurückerobert und es
wäre für Frankreich ſehr nützlich, wenn es ſich bei
ſei=
nen Unternehmungen in Marokko mit dem Namen
Ab=
dul Aſis decken könnte.
China.
Wenn die Nationalverſam mlung
Huanſchikais Kandidaten für die
Mini=
ſterpoſten abgelehnt hat, ſo liegt der Grund
erſtens in der Abneigung von Tangſchaoyis Partei gegen
eine Koalitionsregierung, zweitens in der
Unzufrieden=
heit anderer Parteien mit ihrer angeblich ungenügenden
Vertretung im Miniſterium und drittens in der
perſön=
lichen Abneigung gegen gewiſſe Kandidaten
Yuanſchi=
kais. Es wird halbamtlich erklärt, wenn die Parteien
den erneuten Vorſtellungen Yuanſchikais nicht
nachgä=
ben, werde er die Nationalverſammlung auffordern,
ſelbſt das Kabinett zu ernennen. Bei der
Zwieſpältig=
keit der Parteien in der Verſammlung erſcheint dies aber
unmöglich und es iſt Ausſicht vorhanden, daß die
Par=
keien ſich dem Präſidenten fügen werden.
* Baleſtrand, 19. Juli. Der Kaiſer beſuchte
heute nachmittag die enlgiſche Jacht „Rasvenska‟
* Baleſtrrand, 19. Juli. Die zunehmende
warme Witterung erlaubt dem Kaiſer, ſehr ſchöne
Spaziergänge zu machen. Zur Frühſtückstafel waren
heute außer dem Staatsſekretär des Reichsſchatzamtes
Kühn die Familien der Profeſſoren Dahl und Unger
ge=
laden. An Bord iſt alles wohl.
* Petersburg, 19. Juli. Prinz Waldemar
beſichtigte das Winterpalais und begab ſich in
Beglei=
tung des Grafen Grabbe zum engliſchen Kai uuf dos
Torpedoboot „Woiskowoi” mit dem ſich der Prinz
nach der Jacht „Standart” begibt zur Begrüßung des
Kaiſervaares von Rußland. Anweſend waren der
Ma=
rineminiſter, der Chef des Marinegeneralſtabes, der
Hafenkommandeur und die Mitglieder der deutſchen
Bot=
ſchaft. Gegen 1 Uhr lichtete das Torpedoboot die
Anker.
Pekersburg, 19. Juli. Prinz Walde
mar iſt bei der Kaiſerjacht „Standart” eingetroffen und
wurde vom Kaiſerpaar empfangen.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 22. Juli.
* Vom Hofe. Die Fürſtin=Mutter zu
Erbach=Schönberg nahm am Freitag an der
Früh=
ſtückstafel in Jagdſchloß Wolfsgarten teil. (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Samstag den Oberregierungsrat
Weber von Eſſen, den Oberſteuerinſpektor Schnupp von
Worms, den Maler Pellar; zum Vortrag den Miniſter
des Innern v. Hombergk zu Vach, den Oberjägermeiſter
Frhrn. van der Hoop, den Vorſtand des Kabinetts
Geheimerat Römheld, den Direktor der
Kabinetts=
bibliothek Hauptmann a. D. Zobel.
g. Ferienſtrafkammer. Der bereits mehrfach
vor=
beſtrafte 41jährige Taglöhner Georg Hehr aus
Gerns=
heim wurde am 14. Juni auf dem Grundſtück der
Schön=
bergerſchen Brauerei beobachtet, wie er mit einem Beil
hantierte. Bei näheren Nachforſchungen ſtellte ſich heraus,
daß dort in Säcken größere Kupfer= und Meſſingmaſſen
im Werte von 200 bis 300 Mark lagen, die aus der
Eiſen=
bahnbetriebswerkſtätte geſtohlen waren. Am 12. Juni
wurde er abermals von einem Bekannten geſehen, als
er in das umfriedete Beſitztum des Holzhändlers
Kon=
rad Schydlowski eindrang. Der Beſtohlene, der früher
mit dem Hehr zuſammen gearbeitet hatte, ſtellte feſt,
daß am Gartenzaun Latten herausgebrochen und am
Gartenhäuschen die mit einem Vorhängeſchloß
ver=
wahrte Tür erbrochen war. Geſtohlen war aus dem
Häuschen ein Paar Stiefel im Werte von 10 Mark. Der
Beſtohlene bekundete, daß er auch ſchon vorher einmal
Hehr in ſeinem Beſitztum beobachtet hatte. Die Stiefel
konnten dem Hehr noch abgenommen werden. Hehr
gibt an, er habe das Meſſing und Kupfer gefunden, daß
es geſtohlenes Gut war, habe er nicht gewußt, in den
Garten des Sch, ſei er nur eingedrungen, um ſeinen
Durſt zu ſtillen. Das Gericht nahm im erſten Falle an,
daß Diebahl nicht erwieſen ſei, wohl aber müſſe Hehlerei
angenommen werden und erkannte auf 6 Monate
Ge=
fängnis, wegen des Einbruchsdiebſtahls auf 1 Jahr
1Jahr 6 Monaten Gefängnis und 5 Jahren Ehr=
1 Jahr 6 Monate Gefängnis und 5 Jahre
Ehr=
verluſt. — Der 52jährige vorbeſtrafte Schornſteinfegen
Franz Kinsberger aus Fürfeld (Kreis Alzey) kam
am 23. Mai auf der Wanderſchaft nach Darmſtadt. Nach
ſeiner Angabe war er völlig mittellos, und um ſich
Exiſtenzmittel zu verſchaffen, entwendete er zwei
Fahr=
radlaternen, die ihm jedoch noch abgenommen werden
konnten, bevor er ſie verkaufen konnte Das Gericht ſah
bei dem geringen Wert der geſtohlenen Gegenſtände
Notdiebſtahl als vorliegend an und verurteilte
Kinsberger zu 6 Wochen Gefängnis wovon
4 Wochen auf die Unterſuchungshaft angerechnet
wer=
den. — Am 23 Mai fuhren die Arbeiter Guſtav
Tau=
chert Joh. Prößler, Alb. Guſt. Rud. Beitke und
Joh. Heinrich Meder aus Offenbach mit der Bahn
von Heuſenſtamm nach Offenbach. Unterwegs ſtand
Tauchert auf der Plattform des Wagens und zog die
Bremſe derart an, daß die Geſchwindigkeit des Zugs
verlangſamt wurde. Der Hilfsſchaffner Kirzinger ließ
daraufhin in= Bieber die Perſonalien des Tauchert und
Prößler feſtſtellen, wobei es zu einer Prügelei kam.
Hieran ſollen ſich die vier Angeklagten beteiligt haben.
Die beiden Angeklagten Tauchert und Prößler wurden
auf Antrag der Eiſenbahnverwaltung wegen
Körperver=
letzung zu 4 Wochen Gefängnis und 3 Mark
Geldſtrafe bezw 12 Tagen Gefängnis verurteilt. Die
Angeklagten Beitke und Mader wurden freigefprochen:
Wegen dieſſes Freiſpruchs legte der Amtsanwalt
Be=
rufung ein. Meder gibt in der Verhandlung vor der
hieſigen Strafkammer an, der Hilfsſchaffner Kirzinger
habe ihm einen Stoß verſetzt, worauf er K. genommen
und ihn an die Wand geſtellt habe. Beitke ſtellt jede
Teilnahme an der Rauferei in Abrede. Das Gericht
verurteilte Meder zu 3 Wochen Gefängnis
wegen Widerſtands gegen die Staatsgewalt,
Beleidi=
gung und Bedrohung. Beitke wurde
freigeſpro=
chen.
-g. Kriegsgericht. Wegen Vergehens gegen das
neue Geſetz betr. den Verkehr mit Kraftfahrzeugen hatten
ſich am Samstag zwei Leutnants der hieſigen Garniſon
vor dem Kriegsgericht der 25. Diviſion zu verantworten.
Beide waren im Juni zur Anzeige gebracht worden,
weil ſie wiederholt die Wilhelminenſtraße entlang
fuh=
ren, ohne im Beſitz des polizeilichen Führerſcheines für
Kraftfahrzeuge zu ſein. Nach den früheren
Beſtim=
mungen wurden derartige Unterlaſſungen als
Ueber=
tretung von den Polizeibehörden geahndet, während
es nach dem neuen Geſetz Vergehen ſind und
infolge=
deſſen vom Gericht abzuurteilen ſind. Beide Angeklagte
ſind geſtändig, der eine gibt an, er habe geglaubt, es
genüge, wenn er von der Kommandantur die
Erlanb=
nis zum Fahren erhalten habe, der zweite hat bereits
einen Führerſchein gehabt, hat jedoch verſäumt, ſich
einen neuen Schein ausſtellen zu laſſen. Das Gericht
erkannte gegen den einen auf 5 Mark und gegen den
zweiten auf 10 Mark Geldſtrafe. — Der
Garde=
füſelier Lorenz Adam Aßmuth vom Leibgarde=
Re=
giment Nr. 115 hatte ſich wegen drei einfachen
Dieb=
ſtählen zu verantworten. Pfingſten vorigen Jahres
hat er einem gefundenen Portemannaie ein
Zweimark=
ſtück entnommen. Im Februar dieſes Jahres hat er
einem Kameraden ein Paar Stiefel entwendet und für
ſich benutzt. Dann hat er im Juli einem Kameraden
auf der Stube 4.20 Mark aus dem Portemonnaie ge=
ſtohlen. Das geſtohlene Geld hat er im Strohſack
ver=
ſteckt. Den erſten Diebſtahl gibt der Angeklagte zu, im
zweiten Falle will er gerade an dem Tage, an dem ſie
ihm abgenommen wurden, die Stiefel zurückgegeben,
nach=
dem er ſie vier Monate getragen hatte. Im letzten Fall
beſtreitet er den Diebſtahl, das Geld müſſe ein ihm
feindlich geſinnter Kamerad in das Bett geſteckt haben.
Das Gericht erkannte auf 4 Wochen ſtrengen
Ar=
reſt und Verſetzung in die zweite Klaſſe des
Soldaten=
ſtandes.
Provinzialausſchuß. Die Tagesordnung
zur Sitzung des Provinzialausſchuſſes der Provinz
Starkenburg am Samstag, den 27. Juli, vormittags
9½ Uhr, lautet: 1. Wirtſchaftskonzeſſionsgeſuch des
Wilhelm Dillmann zu Darmſtadt. 2.
Wirtſchafts=
konzeſſionsgeſuch des Jakob Schäfer zu Darmſtadt.
3. Antrag der Johannes Loos Ehefrau zu
Offenbach=
auf Ausſtellung eines Wandergewerbeſcheines. 4. Den
Gewerbebetrieb des Trödlers Bernhard Meiberg zu
Offerhach
* Wettbewerb. Im Sitzungsſaale der Zentralſtelle
für die Gewerbe war auf einige Tage eine größere
An=
zahl Entwürfe ausgeſtellt, die das Reſultat eines von
den drei heſſiſchen Baugewerkſchulen veranſtalteten
Wettbewerbs zeigen. Sie wird dieſe Woche
von Dienstag ab auch in Jugenheim, dem ja der
Wett=
bewerb galt, einer größeren Oeffentlichkeit zugänglich
gemacht werden. Ueber die Richtlinien, die für die
Aus=
ſtellung maßgebend waren, mag folgendes wiedergegeben
ſein: Die Ausſtellung zeigt ein richtiges Bild der
Lei=
ſtungen der drei heſſiſchen Baugewerkſchulen, denn die
Arbeiten mußten programmgemäß genau nach den
Vor=
ſchriften der allgemeinen Wettbewerbsordnung
ausge=
führt werden und war infolgedeſſen auch jede
Mithilfe=
der Schule oder Lehrer ausgeſchloſſen. Unſere
Bau=
gewerkſchulen haben es ſich erſichtlich zur ernſten Aufgabe
gemacht, die Schüler dergeſtalt heranzubilden, daß ſie
ſpäter imſtande ſein können, ihre Aufgaben im Sinne
einer ſchlichten bodenſtändigen Bauweiſe zu löſen. Es
wird ja wohl jedem auffallen, der offenen Auges die
Welt anſehen kann, wie durch häßliche ungeſchickte
Bau=
ten unſere Heimat entſtellt iſt, wie das Landſchaftsbild
durch Verwendung ungeeigneter Materialien bei den
Bauten in Stadt und Land zerſtört wurde. Den aus
den Baugewerkſchulen herausgehenden Technikern wurde
früher oft der Vorwurf gemacht, daß ſie die Urheber
die=
ſer Bauſünden ſeien; es mag dahingeſteſtt ſein, ob
die=
ſer Vorwurf mit Recht oder Unrecht erhoben wurde. Es
ſtehl feſt, daß man im Verlaufe der Entwickelung
wirt=
ſchaftlicher und künſtleriſcher, den einzelnen nicht für
vor=
handene Mängel haftbar machen kann und wenn wir
heute in Bezug auf die Geſtaltung der einfachen Bauten
in Stadt und Land erſichtlich einer beſſeren Zeit
entge=
gen gehen, ſo wird man die Baugewerkſchulen als
be=
deutſamen Kulturfaktor beachten müſſen. Und das iſt
der Zweck dieſer ausgeſtellten Pläne, daß ſie Zugnis
ablegen ſollen von dem Können der werdenden
Tech=
niker, daß ſie den Willen und den Geiſt dokumentieren,
der in der Schule herrſcht und zur Entfaltung und zur
Blüte reifen will. Zum großen Teile charakteriſieren ſich
die ausgeſtellten 33 Arbeiten als Schülerarbeiten, aber
immerhin als Arbeiten, die zeigen, daß ernſter Eifer,
Verſtändnis und Können erfolgreich angeleiter waren.
Es iſt erſtaunlich, in welcher Vielſeitigkeit, wenn auch
nicht immer mit Geſchick, das Projekt von den
Bewer=
bern behandelt wurde und es gibt darunter ſehr viele
anerkennenswerte Arbeiten und namentlich die
Preisträ=
ger haben etwas Hochbefriedigendes geſchaffen. Sie
ge=
hören ſämtlich der Landesbaugewerkſchule Darmſtadt
an. Mit Geſchick und feinem äſthetiſchen Sinn haben ſie
Entwürfe gewählt, die ſich entſprechend der heimiſchen
Bauweiſe einfügen, während man durchweg von den
Offenbacher Arbeiten beiſpielsweiſe das nicht ſagen
kann.
C. Meteorologiſches aus Heſſen (vergl. Nr. 144
dieſes Blattes vom 21. Juni). Der diesjährige Juni=wich
in ſeiner Mitteltemperatur von dem zehnjährigen Juni=
Durchſchnitt 1901—1910 nur wenig ab, dagegen blieb er
in Darmſtadt, wo mehr als 50jährige Beobachtungen
vorliegen, um einen halben Grad hinter dem Durchſchnitt
zurück. Das höchſte Monatsmittel weiſt wieder Mainz
mit einem Wert von 17,9 Grad Celſius auf, dem
Lauter=
bach mit nur 15,1 als kühlſte Station gegenüberſteht
(Darmſtadt: 17,1). Hinſichtlich der höchſten
Thermo=
meterſtände, die meiſtens auf den 23. fielen, bilden Mainz
mit 31,4 und Gießen mit 27,5 Grad die Gegenſätze,
wäh=
rend die niedrigſte Monatstemperatur in Lauterbach mit
3,6 Grad am 1. beobachtet wurde. In Mainz ſank
da=
gegen das Thermometer nicht unter 9,2 Grad (Darmſtadt:
8,7). Die Zahl der ſogenannten Sommertage ſchwankte
zwiſchen 7 in Mainz und 3 in Neunkirchen (Darmſtadt 5).
Der Monat war in anbetracht der Jahreszeit arm an
Eine Fahrt durch die Dardänellen,?)
Von G. Kleibömer=Konſtantinopel.
Im Aegäiſchen Meer wehte ein ſcharfer, kalter Wind
der unſer Schiff über Nacht ſtark zurückgehalten hatte und
uns nötigte, hinter den Aufbauten auf Deck Schutz zu
ſuchen. Aber in die Kajüte gehen wollte niemand denn
wir nahten uns allmählich der Dardanellenſtraße, und
ſchon ſahen wir Klein=Aſiens Feſtland. Profeſſor Dörpfeld
machte uns aufmerkſam, wie die ſchneebedeckten Höhen
von Samothrake links und die ebenfalls weißen Höhen
des Idagebirges rechts herübergrüßten. Sie begrenzen
auch den Blick, wenn man auf Trojas Hügel ſteht, und
der Sänger der Ilias läßt auf jener dem Meere
entſtei=
genden Höhe Poſeidon thronen, hier aber den gewaltigen
Zeus, als hätte er dieſes Landſchaftsbild ſelbſt geſchaut.
Und an den kleinen Inſeln fuhren wir vorbei, auf die der
eilende Götterbote den beflügelten Fuß ſetzte, ehe er das
Feſtland betrat.
Vom Schiffe aus ſahen wir mehrere kegelförmige
Hügel die trojaniſche Ebene zum Meere hin abgrenzen
Tumuli, Heldengräber; zwei nahe beieinander liegende
tragen die ſtolzen Namen „Grab des Achilleus” und
„Grab des Patroklos‟. Es iſt begreiflich, daß ſich ſchon
oft das Verlangen der Forſcher geregt hat, hier einmal
gründliche Ausgrabungen vorzunehmen; aber die
tür=
kiſche Regierung verweigert ſtreng die Erlaubnis dazu,
weil ſich in der Nähe die Batterien von Kum=Kale
be=
finden.
Der Name Kum=Kale oder Kumkaleſſi iſt in dieſen
Tagen des türkiſch=italieniſchen Krieges häufig in den
*) Der Angriff der Italiener auf die Dardanellen
verleiht folgender Schilderung unſeres Konſtantinopeler
Mitarbeiters von einer Fahrt durch die Meeresſtraße
und von einem Beſuch in der Stadt der Dardanellen ein
Die Red.
armeles Iutereſſe.
Zeitungen genannt worden. (Auch jetzt wieder iſt von
dieſem Fort aus das Feuer auf die herannahenden
Schiffe der Italiener zuerſt aufgenommen worden. Die
Rted.) Den meiſten Leſern war das Wort wohl ganz neu:
nur wenige mögen gewußt haben, daß ihnen die Gegend
von Kum=Kale ſchon in der Schulzeit bekannt geworden
iſt, allerdings unter einem anderen Namen. Vor faſt
4000 Jahren kam auch eine Flotte durchs Aegäiſche Meer
geſchwommen und nahte ſich hier dem Feſtland. Zwar
waren die Schiffe viel beſcheidener als die feuerſpeienden
Eiſenkoloſſe der Italiener, aber die Helden, die
daher=
geſegelt kamen, haben ſich einen vieltanſendjährigen
Nach=
ruhm erworben; Odyſſeus, Achilleus, Agamemnon .
Die verſteckten türkiſchen Befeſtigungen auf der
klein=
aſiatiſchen Seite und ebenſolche auf dem thrakiſchen
Cher=
ſones der europäiſchen Seite, beherrſchen wundervoll die
Einfahrt in die Dardanellenſtraße. Es muß für eine gut
ausgebildete Artillerie ein wahrer Spaß ſein,
herannahen=
den Schiffen ein donnerndes Halt zurufen zu können, mit
dem ſicheren Bewußtſein, die Befolgung dieſer
Aufforder=
ung immer erzwingen zu können. Sicherheit bieten
dieſe modernen Befeſtigungen, aber ſchöner und
male=
riſcher war doch das Mittelalter, das uns dort am linken
Ufer durch die alten Feſtungstürme und Mauern begrüßt.
Iſt’s die Vergangenheit, die um dieſe mittelalterlichen
Stätten eine ſolche Fülle von Romantik häuft, oder hat
auch ſchon in jener Zeit, da dieſe Bauwerke noch modern
waren, alles das die Phantaſie ſo mächtig angeregt wie
heute noch die Reſte? Sei es mit der Romantik und der
Phantaſie, wie es wolle, aber ſchön waren dieſe Bauten
auch ſchon damals denn auch zu jener Zeit vereinigten ſie
ſich mit der umgebenden Landſchaft zu dieſem reizvollen
Bilde.
Nun waren wir endlich — die Sonne neigte ſich ſchon
ſtark am Horizont — nahe der Stadt der Dardanellen.
Ich freute mich, ſie wiederzuſehen, denn mit dieſer
Ein=
fahrt in die Dardanellen verbanden ſich mir ſtarke
Ein=
drücke, die ich ein Jahr vorher hier empfangen hatte. Da
legte auf der Fahrt nach Konſtantinopel das Schiff hier
eine gute Stunde an, um die Päſſe revidieren zu laſſen.
Und in dieſer Stunde hatte ſich mir der erſte Blick in den
Orient aufgetan. Zum erſten Mal ſah ich die Kaiks in
drängender Jagd herankommen, um Menſchen ans Land
oder Händler aufs Schiff zu bringen. Im Nu hatte ſich
das Deck in einen türkiſchen Bazar verwandelt. Auf dem
Boden hatten ſich die Händler breit gemacht. Hier hatte
einer ſeiner kleinen Töpfe mit Joghurt, der in der Türkei
wie in Griechenland ſo beliebten Sauermilch, ausgeſtellt;
daneben hatte ein anderer Hammelköpfe ausgelegt. Es
ſah entſetzlich aus. Sie waren ja wohl übergebraten, aber
man hätte doch glauben mögen, daß ſie aus dem Sack
eines Knochenſammlers kämen. Ich habe auch nicht
ge=
glaubt, daß wirklich jemand das eſſen würde bis ich’s
er=
lebte und an dem Geſicht des Käufers noch erkennen mußte,
daß er einen Feſtſchmaus erſtanden hatte. Nicht zu
ver=
geſſen ſind auch die Topfhändler, die allerlei buntbemalte
Töpfereien zum Kauf anboten. Sie zeugten nicht von
einem blühenden Kunſtgewerbe, dieſe Produkte, ſtanden
in ihrem Werte auch hinter unſerer „Bauernkunſt” weit
zurück. Aber ſie müſſen erwähnt werden, denn nach ihnen
hat die Stadt der Dardanellen ihren Namen; ſie heißt
auf türkiſch „Tſchanak=Kaleſſi”, das „Topfſchloß”.
Und auch das türkiſche Volksleben ſchaute ich hier
zum erſten Mal. Vor allem war es natürlich die
tür=
kiſche Frau, die jeden Europäer ihres Schleiers wegen ſo
beſonders reizt. Unter den vielen neuen Menſchen, die
aufs Schiff gekommen waren, um nach der Hauptſtadt zu
fahren, waren auch Offiziere, die ihre Frauen
mitge=
bracht hatten. Schnell waren durch Decken Ecken auf dem
Deck abgeteilt, hinter denen die Frauen verſchwunden
waren. Ich ſuchte und fand auch einen Platz, von wo ich
in das Lager hineinſchauen konnte. Und ich ſah auch eine
verſchleierte Frau, Es war aber eine alte Negerin, eine
Dienerin, und nun war mein Intereſſe bedeutend
abge=
ſchwächt. Das war mein erſtes Zuſammentreffen mit
dem europäiſchen Orient geweſen, und ob ich gleich dann
Nummer 170.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Juli 1912.
Seite 3.
Sonnenſchein; ſo meldet zum Beiſpiel Darmſtadt, wo
11jährige Beobachtungen vorliegen, den hohen
Prozent=
ſatz der Bewölkung von 65, während der 11jährige
Durch=
ſſchnitt nur 55 beträgt. In Lauterbäch und Michelſtadt,
als den trübſten Stationen, kamen ſogar Sätze von 73
vor, während Schotten mit 60 Prozent den meiſten
Son=
nenſchein aufwies. Die örtlichen Niederſchlagsſummen,
die im weſentlichen von dem Auftreten von Gewittern
ſabhingen, wichen naturgemäß ſtark voneinander ab. Die
trockenſte der 69 Stationen war Gernsheim mit nur 29
Millimetern Niederſchlag; die näſſeſte Herchenhain mit
127,1 (Darmſtadt: 67,1). Das regenreichſte Gebiet des
Landes war der hohe Vogelsberg, wo über 150 Prozent
des zehnjährigen Juni=Durchſchnitts fielen, während in
einzelnen Teilen Oberheſſens und Rheinheſſens kaum 50
Prozent gemeſſen wurden. Die Gewitter, deren Zahl
zwiſchen zwei und zehn ſchwankte, waren öfter von Hagel
begleitet. Eine Gewitterböe warf am 23. bei
Kranich=
ſtein eine große Anzahl Bäume, deren Holz auf 1500 bis
2000 Feſtmeter geſchätzt wurde. Die Waſſerſtände blieben
bei Rhein und Main abermals ziemlich erheblich hinter
dem langjährigen Durchſchnitt zurück.
* Der Verein Rechtsſchutzſtelle für Frauen und
Mädchen möchte an dieſer Stelle vor den
Schwindel=
firmen warnen, die oft eine unheilvolle, für die
minder=
bemittelten Volkskreiſe, wie für den ſoliden Handel
gleich nachteilige Folgen haben. Dieſelben leben von
der Vertrauensſeligkeit und der Unvorſichtigkeit des
Publikums. Vor kurzer Zeit hat eine Klientin einem
Reiſenden einer ſolchen Firma, das Bild ihres Mannes
auf eine Broſche eingelaſſen, beſtellt und mußte dafür
die Summe von 10 Mk. bezahlen. Nach langer Zeit
ſchickte man der Frau eine leere Hülle; das beſtellte
Bild und das zum Muſter gegebene wurden nicht
ab=
geliefert. Durch das energiſche Eingreifen der
Rechts=
ſchutzſtelle bekam die Frau ihr Geld zurück, das ſonſt
ſicherlich rettungslos verloren geweſen wäre. Die Frauen
ſollten ſich vor dieſen Beſtellungen hüten und ſich vorher
bei der Rechtsſchutzſtelle befragen. Die Sprechſtunden
finden Montags und Donnerstags von 4—6 Uhr, Altes
Theater, Hochſchulſtraße ſtatt.
* Im Silberkranze. Herr Oekonom Heinrich Kaus
und Frau, geb. Sehnert, Grüner Weg 93, begehen
morgen Dienstag das Feſt ihrer Silbernen Hochzeit.
* Vereinigte Ortskrankenkaſſe Darmſtadt. Der
Mitgliederſtand betrug am 13. Juli l. J.
männ=
lich 9858, weiblich 6553, zuſ. 16411, in Prozenten 60,07,
39,93. Der Krankenſtand betrug am 13. Juli l. J.
männlich 385, weiblich 275, in Prozenten 3,90, 4,20.
An Krankengeld wurden ausgezahlt in der Woche
vom 8. Juli bis 13. Juni I. J. 4835,08 Mk. (1911: 4549,77
Mark.) An Wöchnerinnen waren vorhanden am
13. Juli I. J. 24. Sterbefälle kamen vor in der
Woche vom 8. Juli his 13. Juni l. J. 2.
* Städtiſcher Saalbau. Wegen dienſtlicher
Verhin=
derung findet das 8. Konzert der vollſtändigen Kapelle
des Leibgarde=Regiments nicht Donnerstag,
ſondern morgen Dienstag, den 23. Juli, ſtatt. Aus
der Vortragsfolge ſind beſonders hervorzuheben die
erſte Peer Gynt=Suite von Grieg, eine Fantaſie aus
Samſon und Dalila von Saint=Saéns und die hiſtoriſche
Aufführung von Böttge. — Das Donnerstags=
Konzert am 25. Juli übernimmt die bedeutend
ver=
ſtärkte Kapelle des Garde=Dragoner=Regiments unter
Leitung ihres Muſikmeiſters Herrn Mittelſtädt.
* Bilder vom Tage: In der Auslage unſerer
Ex=
pedition (Rheinſtraße 23) ſind von heute ab folgende
Bilder neu ausgeſtellt: Kaiſer Wilhelm und ſein Enkel
an Bord der „Hohenzollern”; vom Feſtzug zum
Bundes=
ſchießen in Frankfurt; die feierliche Eröffnung der
olympiſchen Spiele in Stockholm; Manöver der
fran=
zöſiſchen Gebirgstruppe.
V. Groß=Gerau, 20. Juli. Heute morgen fand eine
Frau, die auf dem Friedhof ein Grab mit Blumen
ſchmücken wollte, einen alten Mann tot zwiſchen den
Sträuchern liegen. Das Gericht ſtellte feſt, daß ſich der
etwa 70jährige Mann mit einem Meſſer Hals und
Puls=
adern durchſchnitten hat. Perſönlichkeit, ſowie das
Mo=
tiv zur Tat iſt noch unbekannt.
n. Egelsbach, 19. Juli. Der etwa 75 Jahre alte Maurer
Philipp Welz von hier hat ſich heute vormittag 11 Uhr
in ſeiner Wohnung erhängt. Einſeitige körperliche
Lähmungen, verurſacht durch öftere Schlaganfälle, haben
den alten Mann in den Tod getrieben.
Offenbach, 20. Juli. In Offenbach haben in der
letz=
ten Zeit Werkſtattmarder die es beſonders auf
Tiſchlerwerkſtätten abgeſehen haben, ihr Unweſen
getrie=
ben. In mehreren hieſigen Tiſchlerwerkſtätten brachen
die Spitzbuben ein, packten das geſamte Werkzeug, das
ſie vorfanden, in die Schürzen der Tiſchler ein und ver=
ſchwanden wieder. Von hier zogen ſie nach Nied und
von dort nach Frankfurt. Ueberall aber ließen ſie
Spu=
ren ihrer Tätigkeit zurück. Die Polizei konnte der
ge=
fährlichen Burſchen noch nicht habhaft werden.
Seligenſtadt, 20. Juli. Durch einen Sturz aus
dem Fenſter büßte der bei dem Metzgermeiſter Jean
Rettig in Gadernheim als Gehilfe beſchäftigte, aus
Se=
ligenſtadt ſtammende Georg Bitſch in der geſtrigen
Nacht das Leben ein. Der junge Mann ſoll, als er
abends ſeine im zweiten Stockwerk gelegene
Schlafkam=
mer aufſuchte, etwas angetrunken geweſen ſein, hat ſich
wahrſcheinlich ſpäter aus dem Fenſter gebeugt, das eine
niedrige Brüſtung beſitzt, und dabei das Gleichgewicht
verloren. Er fiel in den Hof, und zwar ſo ungrücklich,
daß infolge der Verletzungen der Tod alsbald eintrat.
— Lindenſels, 20. Juli. Der Luftkurort
Linden=
fels iſt unbeſtritten der ſchönſte Punkt des Odenwaldes
und ſchon ſeit Jahren als ſolcher bekannt. Ueber die
Vorzüge dieſes Kurortes hat die „Illuſtrierte
Reiſe= und Bäder=Zeitung” in Dresden=
Blaſe=
witz in ihrer Nummer vom 17. dieſes Monats einen reich
illuſtrierten Artikel veröffentlicht. Anſichtsnummer wird
allen Intereſſenten koſtenlos zugeſandt.
Mainz, 20. Juli. Geſtern abend waren wieder
Se=
niorenkonvent und Stellenbeſetzungskommiſſion mehrere
Stunden beiſammen, um über die Wahl des
juri=
ſtiſch vorgebildeten Beigeordneten zu beraten.
Man kam abermals nicht zu einem endgültigen Ergebnis,
nur iſt der Kreis der zur Wahl ſtehenden Bewerber
da=
durch verengert worden, daß man die Mainzer
Kandida=
ten ausſchied. Von den Auswärtigen ſoll ein
Bürger=
meiſter aus Norddeutſchland und ein Herr aus Gießen
günſtige Ausſichten haben. Vor der entſcheidenden
Stadt=
verordnetenſitzung treten heute Seniorenkonvent und
Stellenbeſetzungskommiſſion nochmals zuſammen, um
endgültig zu beſchließen. — Ein Matroſe, der auf
einem im Guſtavsburger Hafen vor Anker liegenden
Schiffe bedienſtet iſt, lehnte ſich vorgeſtern abend in
an=
getrunkenem Zuſtande zu weit über das
Brückengelän=
der der alten Eiſenbahnbrücke auf der Guſtavsburger
Seite. Er bekam das Uebergewicht und ſtürzte etwa
15 Meter tief auf eine Wieſe. Dort blieb er
bewußt=
los mit ſchweren inneren Verletzungen im ſtrömenden
Regen bis zum frühen Morgen liegen. Arbeiter fanden
ihn und ſorgten für ſeine Ueberführung durch die
Sani=
tätswache ins Spital.
Worms, 19. Juli. Bei einem ſtarken Gewitter
ſchlug geſtern abend der Blitz in die Oberleitung der
Straßenbahn und machte dieſe auf kürzere Zeit ſtromlos,
ſo daß eine kleine Stockung im Betrieb erfolgte. —
Vermißt wird ſeit letzten Sonntag der frühere
Fabrik=
arbeiter, zuletzt gewerbloſe 63jährige Philipp Klag aus
Horchheim. Der Genannte hat ſich am Sonntag morgen
von zu Hauſe entfernt, um die Kirche zu beſuchen, ging
aber nicht dahin und iſt ſeitdem ſpurlos verſchwunden.
Die Angehörigen befürchten, daß ihm ein Leid zugeſtoßen
iſt, oder daß er umherirrt, da er infolge Nervenleidens
ſeit mehreren Jahren geiſtig nicht mehr normal iſt.
Alzey, 20. Juli. Man ſchreibt dem Alzeyer
Beob=
achter: Der Zeitungsſtreit und die Aufregung über die
Badeverchälltniſſe in der neuen Volksſchule
rufen mir einenqalten, aber guten Witz ins Gedächtnis,
den ich den Leſern nicht vorenthalten möchte: In
ei=
nem kleinen Dorfe am Rhein badeten an einer ſeichten
Stelle im Sommer ſtets alle Kinder, Knaben und
Mäd=
chen, in harmloſer Unſchuld zuſammen. Ein Kaplan,
deſſen ſehr empfindliches Sittlichkeitsgefühl dadurch
ſchwer gekränkt wurde, verbot das Zuſammenbaden bei
großer Strafe. Trotzdem hatte ein kleiner, kaum
ſchul=
pflichtiger Junge wieder mit den Mädchen gebadet, was
dem Herrn Kaplan zu Ohren kam und ihn veranlaßte,
das Kind ſchwer ins Gebet zu nehmen. „Ich habe es
doch ausdrücklich verboten” herrſchte er den Jungen
an, „daß ihr Buben mit den Mädchen badet.” „Ja”
heulte unſchuldsvoll der kleine Knirps, „wie konnt ich
denn wiſſen, daß es Mädchen waren, die hatten
ja keine Röckchen an.” Tableau!
Friedberg, 20. Juli. Der 19jährige Streckenarbeiter
Beckel aus Obereſchbach begab ſich geſtern nach
Pfaffen=
wiesbach, wo ſeine 21jährige Geliebte, Eliſe Rodeck, ſich
aufhält. Dieſe hatte das ſeit drei Jahren beſtehende
Verhältnis mit B. ſchriftlich gelöſt. Um ſich zu rächen,
erſchoß Beckel die Rodeck vor der Wohnung
ihrer Eltern und jagte ſich dann ſelbſt eine Kugel in
den Kopf. die ſeinen Tod berbeiführte. — Bei dem
hieſigen Bahnbau ſprangen einige Wagen auf der Strecke
Homburg aus dem Geleiſe und wurde einem an
der Stelle beſchäftigten Italiener, der ſich nicht mehr
retten konnte, ein Bein abgefahren. Nachdem
ein Notverband angelegt worden war, brachte man den
Verunglückten ins Bürgerhoſpital.
* Bad Nauheim, 20. Juli. Bis zum 18. dieſes Monats
ſind 23 388 Kurgäſte angekommen, wovon an genanntem
Tage noch 8081 anweſend waren. Bäder wurden bis
zum 18. Juli 275891 abgegeben.
Klein=Linden, 19. Juli. Geſtern nachmittag gegen
6 Uhr wurde in der Lahn die verweſte unbekleidete
Leiche eines Mädchens im Alter von 16—17 Jahren
von zwei Schulknaben aufgefunden. Die Schulknaben
nahmen einen Kahn zur Hilfe und brachten die Leiche an
das Ufer. Es handelt ſich um die Leiche der ſeit Januar
vermißten Eliſabeth Hofmann deren Kleider
da=
mals zum Teil im Heßler gefunden wurden.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 20. Juli. Am
Sterbe=
tage der Königin Luiſe war das Mauſoleum in
Charlottenburg würdig mit Blumen und Pflanzen
ge=
ſchmückt. In der Gruft ließ der Kaiſer am Sarge der
Königin ſieben ſchlichte Lorbeerkränze, entſprechend der
Zahl der Kinder der Königin, niederlegen. — Nach altem
Brauche fand am Todestage der unvergeßlichen Fürſtin
in deren Sterbeſtunde die Trauung der
Luiſen=
brautpaare in der Potsdamer Garniſonkirche ſtatt.
Es war eine weihevolle Feier, an der diesmal ſechs junge
Paare den Kirchenſegen zu ihrem Herzensbunde fanden.
Der Geſang „Lobe den Herren” leitete die Trauerfeier
ein, zu der ſich eine zahlreiche Gemeinde in dem
Gottes=
hauſe verſammelt hatte. Hofprediger Richter hatte
ſeiner Feſtpredigt die Worte: „Ich und mein Haus wir
wollen dem Herrn dienen” zugrunde gelegt. In ſeiner
Anſprache entwarf der Geiſtliche den Paaren das Bild
der Königin, deren Andenken die Stiftung Luiſendenkmal
geweiht iſt, aus der die Brautpaare eine
Ausſtattungs=
beihilfe für ihren jungen Hausſtand empfangen. Zu je
zwei Paaren hintereinander fand darauf die feierliche
Einſegnung und der Ringwechſel ſtatt. Auch ein
Silber=
paar, der Gepäckträger Otto Kalkbrenner mit ſeiner
Ehe=
frau Marie Luiſe, empfangen den beſonderen Segen des
Geiſtlichen. Mit gemeinſamem Geſang und
Ueberreich=
ung der Traubibel endete die ſchlichte erhebende Feier. —
Die engliſchen Studenten beendeten ihren
achttäg=
igen Aufenthalt in Berlin und ſetzten ihre Reiſe nach Jena
fort. Dort werden ſie heute nachmittag Gäſte des
Pro=
rektors ſein und am Montag einer Freilichtaufführung
von „Wallenſteins Lager” beiwohnen. — Eine
gefähr=
liche Wette wurde dieſer Tage in Tegelort bei
Ber=
lin ausgeſpielt. Zwei Berliner Ausflügler ſaßen
plau=
dernd bei der Taſſe Kaffee im Reſtaurant am Strande.
Da ſahen ſie, wie eine junge Dame zum
Schokoladen=
automaten geht, ihr Portemonnaie aus der Handtaſche
zieht, einen Nickel herausnimmt und es dann wieder in
die Handtaſche zurücklegt. Ohne die Taſche zu ſchließen,
kehrt ſie zu den in der Nähe ſtehenden Freundinnen und
Freunden zurück. „Welcher Leichtſinn,” ſagte der eine
Herr zu ſeinem Freunde, „das müßte manch einer ſehen,
und die wäre ihr Portemonnaie gleich los.” „Na, ſo
leicht iſt das denn doch nicht,” antwortete der andere, „es
müßte ſchon einer von der Zunft der geübten
Lang=
finger ſein.” „Unſinn,” ſagte der erſte Herr, „ein jeder
kann das unter Umſtänden ohne weiteres machen.” „Ich
möchte das bezweifeln.” „Was gilt die Wette?” „Was
— Du wollteſt?” „Warum nicht.” „Natürlich nur um
es zu beweiſen.” „Gut,” entgegnete nun der Freund
„wenn Du das fertig bringſt, geht die heutige Zeche auf
meine Rechnung, andernfalls mußt Du alles bezahlen.”
Mit einem „Abgemacht!” nähert ſich nun auch der erſte
Herr auch ſchon behutſam der Dame, welche noch
immer mit ihrer Umgebung achtlos weiter plaudert und
die Handtaſche noch offen an der Hand hängen hat.
Un=
behindert und ungeſehen holt der Herr das Portemonnaie
tatſächlich aus dieſer offenen Taſche hervor, zeigt es mit
erhobener Hand ſeinem Freunde und läßt es dann wieder
in die Handtaſche zurückgleiten. Dies mußte wohl einen
kleinen Ruck verurſacht haben, denn ſchnell wendet ſich die
Dame um, ſieht ihre offene Taſche, ſieht auch, daß der
Herr ſchleunigſt ſeine Hand zurückzieht und ſchreit nun
gleich: „Hilfe! Taſchendiebe!” Im Nu iſt der Herr
um=
ringt und erfaßt; man würgt, knufft und ſtößt ihn.
Dann ſchreits durcheinander nach einem Schutzmann
und „zur Polizei mit dem Spitzbuben!” Schreckensbleich
proteſtiert der Herr, er will die Sache aufklären, aber
man läßt ihn nicht zu Worte kommen und ſchleppt ihn
fort. Aufs äußerſte beſtürzt iſt auch gleich der Freund
herbeigeeilt. Er tritt der Menge in den Weg. „Meine
Herrſchaften, es handelt ſich tatſächlich nur um einen
dummen Scherz. Hier iſt meine Legitimation, ich bin
der Schauſpieler T. aus Berlin und das iſt mein Freund,
Inhaber der Firma Z. aus Berlin, ich verbürge mich!“
Nun wurde durch ſchnelle Erzählung des Herganges die
Stambul geſehen hatte mit ſeinem bunten Leben, war
mir doch dieſer erſte Eindruck friſch geblieben in der Er=
Zinerung.
Heute erlebten wir den Anblick des bunten Lebens
nicht, denn die Sonne ſank, als wir Anker warfen.
Unſere Aufmerkſamkeit wurde ganz auf ein Boot
gerich=
tet, das die deutſche Flagge gehißt hatte. Sie war noch
nagelneu, denn der deutſche Vizekonſul, der da
ange=
fahren kam, war eben erſt mit dieſem Amte betraut
wor=
den. Es war ein Grieche, und er wollte es ſich nicht
nehmen laſſen, den hier überall bekannten und ſehr
ge=
ſchätzten Profeſſor Dörpfeld mit ſeiner jungen
Reiſe=
geſellſchaft zu begrüßen und uns bei den Paßformalitäten
nach Kräften behilflich zu ſein.
Wir verteilten uns auf die beiden vorhandenen
Hotels. Wer ins alte kam, empfand es als einen Vorzug,
in dem Hauſe zu wohnen, in dem früher Schliemann
ab=
geſtiegen war, und wer ins neue kam, freute ſich eben
darüber, daß er in einem neuen Hauſe wohnte. Diesmal
war allerdings die Freude wenig begründet, denn auch
das alte Hotel war ſauber. In einer griechiſchen
Gar=
küche nahmen wir dann gemeinſam das Abendeſſen ein.
(Es war uns alles neu, und darum machte uns das
Pri=
mitive Spaß.
Und dann verſuchten wir noch einmal, Entdeckungen
lin der Stadt zu machen. Aber wers noch nicht kannte,
ider lernte hier, was eine türkiſche Stadt nach
Sonnen=
runtergang iſt. Totenſtill die ganze Stadt; kein Menſch
kauf der Straße. Kein Licht fällt aus den Fenſtern, denn
ſſie ſind ja alle mit dichten Holzgittern verſehen. Nur
neben ließen ſich die Häuſer noch unterſcheiden. Die
rmeiſten waren aus Holz gebaut; dazwiſchen einige neue
raus roten Ziegelſteinen, und manche zeigten auf
ſteiner=
inem Unterbau hölzerne Etagen. Und immer Erker,
über=
gall Erker. Charakteriſtiſch dabei iſt, daß ſie übereck zur
HHausfronat gebaut ſind, wodurch ein beſſerer Ueberblick
tüber die Straße und ein leichteres Durchſtreichen des
„Windes durch die Wohnungen ermöglicht wird was im
Sommer ſehr angenehm in den Holzhäuſern ſein dürfte.
Einen einſamen Griechen trafen wir auf der
Straße. Mit unſeren zuſammengetragenen
Sprachkennt=
niſſen fragten wir ihn aus, wohin man hier denn des
Abends gehen könne. Er verwies uns in ein Kaffeehaus.
Aber als wir da eingetreten waren, erſchraken wir vor
unſeren eigenen Stimmen, ſo ruhig war es dort. Rings
an den Wänden hin hockten die Türken auf den langen
Bänken. Hatten ſie vorher vielleicht mit einander
ge=
plaudert, ſo waren ſie über die ungewohnten
Eindring=
linge jedenfalls ſtarr. Nur hin und wieder hörte man
die Blaſen in einer Waſſerpfeife gluckſen, oder der Wirt
ging an den großen Kohlenteller, der mitten im Lokal
ſtand, und holte eine glühende Kohle für ſeine Pfeife.
Wir tranken möglichſt ſchnell unſeren heißen ſchwarzen
Kaffee und verließen das Lokal, weil dieſe Stille ſich uns
auf die Nerven legte. Das alſo war das Nachtleben
einer wirklichen türkiſchen Stadt!
Der Not gehorchend, unterwarfen wir uns der
ge=
ſunden türkiſchen Sitte, die Nacht zum Schlafen zu
ge=
brauchen, bis uns zu früher Morgenſtunde das
Pferde=
getrappel auf der Straße weckte. Schnell machte jeder
Toilette und ſuchte auf die Straße zu kommen, um das
beſte Pferd zu erhalten. Und dann gings hinaus ins
Land! Auf der Straße zogen Kamelkarawanen an uns
vorbei; türkiſche Bauern, drohend bewaffnet, und
pluder=
hoſige Frauen, das Antlitz keuſch vor den fremden
Män=
nern verbergend, ritten auf trägen Eſeln dahin. Auf
ſchlängelnder Straße kamen wir auf eine Höhe. Da
hiel=
ten wir und ſchauten noch einmal zurück auf das liebliche
Bild der Dardanellen, auf die Stadt und die grünen,
reichbewäſſerten Länder, die ſo unſanft aus ihrer
türki=
ſchen Ruhe aufgeſchreckt wurden, als die Kanonen von
Kum=Kale ſprachen, und die nun vielleicht in dieſen
Tagen den Entſcheidungskampf des ſeltſamen Krieges
ſehen werden. Kum=Kale, die Batterien nahe Troja,
unſerm Reiſeziel, dem wir nun im fröhlichen Galopp
ent=
gegenritten!
Feuilleton.
* Was ein Volk leiſten kann. Man trifft in der
Preſſe vielfach auf die Anſicht, das deutſche Volk ſei nicht
in der Lage, eine weitere Verſtärkung des Heeres
finau=
ziell tragen zu können. Angeſichts dieſer Behauptung
iſt es gut, ſich einmal vor Augen zu halten, was Jena
und Auerſtädt dem preußiſchen Staate und ſeinem
Volke gekoſtet haben. Durch den Tilſiter Frieden wurde
Preußen von 570 Quadratmeilen mit 9¾ Millionen
Einwohnern auf etwa 280 Quadratmeilen mit 4½
Mil=
lionen Einwohnern heruntergedrückt. Trotzdem mußte
von dieſem, auf die Hälfte verkleinerten Preußen die
volle Schuldenlaſt des früheren Beſitzſtandes
übernom=
men werden. Durch das Pariſer Traktat vom 8.
Sep=
tember 1808 hatten die 4½ Millionen Preußen volle 1129
Millionen Mark aufzubringen, in den drei folgenden
Jahren wurde, wie Oberſtleutnant Wagner in ſeinen
„Grundlagen der Kriegstheorie” feſtſtellt, vertragswidrig
Lieferungen und Leiſtungen im Betrage von 10¾
Mil=
lionen abgepreßt. Der Durchzug der großen Armee
gegen Rußland koſtete 136 Millionen Taler. Der
Ge=
ſamtſchaden, den dieſer Durchzug verurſachte, betrug 309
Millionen Taler. Das Land war derartig verarmt, daß
eine zu allen vorhergegangenen Steuern erſt 1812 neu
ausgeſchriebene ſtarke Vermögens= und Einkommenſteuer
faſt gar keinen Nutzen für den Staat hatte. Die
Pro=
vinz Alt=Preußen brachte ſtatt der 25 Millionen Taler
nur 4½ Millionen. Als Napoleon geſchlagen aus
Ruß=
land zurückkehrte und Preußens Volk ſich zur Befreiung
erhob, hatte die Hauptſtaatskaſſe nur 6000 Taler baren
Geldes. Trotzdem gelang es im Laufe weniger Monate,
das nur 40000 Mann ſtarke Heer auf 271000 Mann zu
vermehren, obgleich man allgemein nur annahm, daß
Preußen nicht mehr als 80000 Mann auf die Beine zu
bringen imſtande ſei. Gegenüber dieſen Laſten und
Leiſtungen, die von 4½ Millionen Preußen getragen
wurden (auf den Kopf der Bevölkerung verrechnet,
koſteten die ſieben Jahre franzöſiſcher Herrſchaft 458
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Juli 1912.
Nummer 170.
Sache aufgeklärt und der „Taſchendieb” dann unter
all=
gemeiner Heiterkeit endlich befreit.
Frankfurt, 20. Juli. Nach dem feſtgeſtellten
Pro=
gramm kommt der Kaiſer am 19. Auguſt von
Wil=
helmshöhe hier mit der Bahn an und wird dort von
Ober=
bürgermeiſter Adickes Gencral v. Eichhorn,
Regierungs=
präſident Meiſter und Polizeipräſident Rieß v.
Scheurn=
ſchloß begrüßt. Er begibt ſich alsdann nach dem
Oſt=
hafen, wo der Oberbürgermeiſter die Erklärungen
über=
nimmt, und hierauf zum Frühſtück in den Römer.
Homburg v. d. H., 20. Juli. Schwere
Unwet=
ter, die an den Feld= und Getreidefrüchten enormen
Schaden anrichteten, ſind in den letzten Tagen im
Tau=
nus niedergegangen. An der Getreideernte, die zur Zeit
im vollen Gange iſt, wurde bedeutender Schaden
ange=
richtet, in berſchiedenen Gemarkungen iſt ſie faſt
vernich=
tet worden. Auch an den Obſtbäumen wurde nicht
un=
erheblicher Schaden angerichtet, ſodaß die Hoffnungen
auf eine beſonders gute Ernte zunichte gemacht wurden.
Auch in den Wäldern wurde großer Schaden angerichtet.
Marburg, 20. Juli. Der Raubmörder
Wald=
ſchmidt, der vorgeſtern aus der Landesirrenanſtalt
Herborn entwichen iſt, wurde geſtern abend in ſeiner
Heimat Gladenbach verhaftet.
Stuttgart, 20. Juli. Der in deutſchen Turnerkreiſen
hochgeſchätzte langjährige Leiter der Königlichen
Turn=
lehrer=Anſtalt Profeſſor Heinrich Jaeger iſt, 84jährig,
geſtorben.
Neuſtadt a. H., 20. Juli. Heute vormittag 11 Uhr
wurde in der Sauterſtraße der praktiſche Arzt Dr. Kuntze
von ſeinem eigenen Automobil überfahren. Er
wollte, vor dem Automobil ſtehend, die Kurbel andrehen,
während das Automobil noch nicht ganz ſtill ſtand.
Da=
bei wurde er von einem Rade erfaßt, das ihm über die
Bruſt ging. Er wurde in bewußtloſem Zuſtande in ein
benachbartes Haus gebracht, wo ſich mehrere Kollegen
um ihn bemühten. Inzwiſchen iſt er zwar wieder zum
Bewußtſein gekommen, aber er iſt noch nicht
transport=
fähig.
Regensburg, 20. Juli. Geſtern abend wurde in ihrer
verſchloſſenen Wohnung die 35jährige unverheiratete
Helene Hincker, Teilhaberin der Firma Hincker u.
Dorf=
müller, tot aufgefunden. Die Gerichtskommiſſion
ſtellte feſt, daß ſie durch mehrere Meſſerſtiche ins Herz
getötet wurde. Es dürfte Raubmord vorliegen.
Köln, 20. Juli. Heute in der Mittagsſtunde iſt
einem Kaſſierer des A. Schaaffhauſenſchen Bankvereins
im Bankgebäude ein Portefeuille geſtohlen
worden, das zirka 47600 Mark in ausländiſchen
Geld=
ſorten enthielt. Wie ſich der Diebſtahl ereignen konnte,
muß die Unterſuchung ergeben.
Bremen, 20. Juli. Der Großkaufmann Knoop,
Teilhaber der bekannten Baumwollfirma Knoop und
Fabarius, dem geſtern beim Verlaſſen der
Baumwoll=
börſe ein Stück eines Geſimſes auf den Kopf fiel, iſt
ſei=
nen Verletzungen erlegen.
Wilhelmshaven, 19. Juli. Als das ſchnellſte
Schiff der Welt galt bisher das deutſche
Torpedo=
boot „G. 194” das bei den vor Jahresfriſt abgehaltenen
Probefahrten eine Höchſtgeſchwindigkeit von 36 Knoten
in der Stunde erreichte. Dieſe erſtaunliche Leiſtung iſt
nunmehr um eine Kleinigkeit, nämlich um ein Viertel
Knoten, ſübertroffen worden vom ruſſiſchen
Torpedo=
bootszerſtörer „Nowik” Man würde aber fehlgehen
in der Annahme, daß dieſe Steigerung der Leiſtung etwa
auf Koſten des ruſſiſchen Schiffbaues zu ſetzen wäre. Die
Pläne zu dieſem Boot, das bis auf weiteres als das
ſchnellſte Schiff der Welt bezeichnet werden wird, ſind
vielmehr von einer deutſchen Werft, der Vulkanwerft zu
Stettin, entworfen, die auch die Maſchinen geliefert hat.
Man wird alſo den Erfolg in erſter Linie der deutſchen
Schiffbaukunſt zuſchreiben dürfen. „Nowik” hat 1280
Tonnen Waſſerverdrängung und iſt mit Turbinen von
86000 Wellenpferden ausgerüſtet.
Wien, 20. Juli. Der Chef des Wiener Hauſes
Rothſchild hat ſich in London mit einer Enkelin des
bekannten Philantropen Montefiore und einzigen
Tochter des großen Londoner Bankiers Sebach
ver=
llobt.
Paris, 20. Juli. Es iſt bisher noch immer nicht
auf=
geklärt, wie das Gerücht über ein bei den
Flotten=
manövern im Mittelmeer vorgekommenen Unfall
ent=
ſtanden iſt. Wie ernſt es genommen wurde, geht daraus
hervor, daß Präſident Fallieres den Seepräfekten von
Toulon telephoniſch um Auskunft erſuchte. Dieſer richtete
ein Funkentelegramm an den auf dem Panzerkreuzer
„Edgar Quinet” dem Manöver beiwohnenden
Marine=
miniſter Delcaſſé, der geſtern abend folgende
funkentele=
graphiſche Antwort gab: An dem Gerücht über einen dem
Kreuzer „Cavalier” angeblich zugeſtoßenen Unfall iſt
kein wahres Wort. Die großen Flottenmanöver
gehen gut von ſtatten.
Paris, 20. Juli. In Toulon wurde geſtern der
Spion Zimmerle zu 2 Jahren Gefängnis und den
üblichen Zuſatzſtrafen verurteilt. Seine Geliebte
Pi=
cardie erhielt 1 Jahr Gefängnis. Zimmerle war
Be=
amter bei der Direktion der Marine=Artillerie und hatte
verſucht, einer befreundeten Macht Zeichnungen der
Schnellfeuerkanone 47 auszuliefern.
London, 20. Juli. An der engliſchen Südoſtküſte
wird der untergegangene Ozeandampfer „Oceana”
geſprengt. Das Meer iſt weithin blutrot gefärbt, da
der Dampfer eine große Weinladung an Bord hatte.
Die Fiſche ſterben zu Tauſenden. Zahlreiche Touriſten
wohnen dem Schauſpiel bei. Die Sprengungen dürften
vier Wochen wegen der ſtarken Stahlwände in Anſpruch
nehmen.
Zum Krieg um Tripolis.
Die Dardanellen.
* Konſtantinopel, 20. Juli. Nach einem
Tele=
gramm aus den Dardanellen will ein Dampferkapitän
bei Tonedos 22. italieniſche Kriegsſchiffe und
Transport=
dampfer bemerkt haben. Fünf Panzerkreuzer hätten vor
den Dardanellen gekreuzt.
* Odeſſa, 19. Juli. Die ruſſiſche
Schiffahrtsgeſell=
ſchaft erfährt aus Konſtantinopel, daß die Durchfahrt
durch die Dardanellen nach Zurückweiſung des
Angriffes der Italiener wieder frei iſt.
* Rom, 19. Juli. Tribuna beſpricht heute die
ver=
ſchiedenen Hypotheſen über die von den
Dardanel=
lenforts abgegebenen Schüſſe. Sie hält es
für möglich, daß infolge des Erſcheinens einiger
italieni=
ſcher Torpedoboote eine Revolte oder Panik in der
türki=
ſchen Flotte ſtattfand. Des längeren hält ſich das Blatt
bei der Vermutung auf, daß die Türkei einen Vorwand
für die Schließung der Dardanellen habe ſchaffen wollen,
die die letzte Drohung des jungtürkiſchen Kabinetts im
Augenblick der Demiſſion gegen die Mächte ſein würde.
Giornale d’Italia ſchreibt: Wenn das Komitee für
Ein=
heit und Fortſchritt die Dardanellen ſchließt, um
nachträg=
lich ſeine Rache an Europa auszulaſſen, ſo handelt es ſich
um eine ernſte Maßnahme. Aber es bleibt abzuwarten,
ob die Wirkungen der neuen Drohung gegen Europa die
ſein werden die das Komitee erwarter. Giornale
d’Ita=
lia hatte eine Unterredung mit einer kompetenten
Perſön=
lichkeit, die erklärt hat, die italieniſchen Kriegsſchiffe
hät=
ten unmöglich verſucht, die Dardanellen zu forcieren.
Mit vier Torpedobooten würden die Italiener einen
der=
artigen Verſuch nicht unternehmen. Wenn die
Torpedo=
boote vor den Dardanellen erſchienen ſeien, um die
tür=
kiſche Flotte zu überwachen, und ſie von den
Dardanellen=
forts bombardiert worden wären, um die Schließung der
Meerenge zu rechtfertigen, ſo beweiſe dies, daß die
Jung=
türken verſucht haben, die Verantwortung für den
Scha=
den, der den neutralen Mächten aus der Sperrung
er=
wächſt, auf Italien zu wälzen.
* Rom, 19. Juli. Bei der Regierung iſt, wie
die Agenzia Stefani berichtet, nichts über die Aktion der
italieniſchen Torpedoboote vor den Dardanellen bekannt.
Der Flottenkommandant war allerdings darüber
infor=
miert, daß, wie auch ausländiſche Zeitungen berichteten,
türkiſche Torpedoboote die Dardanellen verlaſſen, um
einzelne italieniſche Flotteneinheiten anzugreifen. Es
iſt daher möglich, daß italieniſche Torpedoboote ihnen
entgegen gefahren ſind. Es wäre aber unſinnig,
anzu=
nehmen, fünf Torpedoboote wollten die Dardanellen
forcieren. So iſt das Bombardement von ſeiten der
Forts entweder mit der jetzt herrſchenden Panik zu
erklä=
ren oder es wurde mit wohl überlegter Abſicht gehandelt,
um einen Vorwand für die erneute Schließung der
Dar=
danellen zu ſchaffen, wie dies bereits durch Depeſchen als
Beſchluß des zurückgetretenen Kabinetts gemeldet wurde.
* Rom, 20. Juli. Die von der Agenzia Stefani
veröffentlichte Note beſagt weiter: Trotzdem die
Tor=
pedoboote von zahlreichen Scheinwerfern entdeckt
und von den vielen Forts an den beiden Ufern, ſowie
aus Gewehren und Maſchinengewehren beſchoſſen
wur=
den, gingen ſie doch weiter vor, bis ſie feſtgeſtellt hatten,
daß das feindliche Geſchwader ſich in einer wirkſamen
Verteidigungsſtellung befand und durch eine Sperrkette
geſchützt war. Sie entſchloſſen ſich, dann erſt
zurückzu=
gehen, da ſie feſtſtellten, daß es vollſtändig unmöglich
ſei, Angriffe auf die verankerten feindlichen Schiffe
aus=
zuführen. Der Rückzug ging in voller Ordnung vor
ſich. Obſchon ſich die Fahrt bei dem ſehr lebhaften
Feuer aller Forts der Dardanellen und der Schiffe zu
einer Fahrt auf Leben und Tod geſtaltete, gewann doch
das italieniſche Geſchwader das Aegäiſche Meer wieder,
ohne daß die feindlichen Torpedobootszerſtörer auch nur
wagten, ſie zu verfolgen. Dank der maritimen
mili=
täriſchen Geſchicklichkeit und der getroffenen Maßnahmen
und infolge des mangelhaften Zielens der Feinde,
ver=
ließen unſere Torpedoboote vollkommen
unbe=
fchädigt und ohne Verluſte an Menſchenleben die
Dardanellen. So konnte die ſehr kühne Erkundung
aus=
geführt werden, die der königlichen Marine zur Ehre ge=
reicht und eine Probe darſtellt von der
bewundernswer=
ten Fähigkeit und Kühnheit des Kommandanten, ſowie
der Diſziplin und Kaltblütigkeit der Beſatzung.
* Rom, 20. Juli. Meſſagero ſchreibt, er ſei in der
Lage, erklären zu können, daß die türkiſche Behauptung,
italieniſche Torpedoboote zum Sinken
gebracht oder beſchädigt zu haben, falſch ſei. —
Aus Konſtantinopel verlautet, der Sultan habe
be=
ſchloſſen, eine aus Senatoren und Exminiſtern beſtehende
Kommiſſion einzuſetzen, die die innere Lage prüfen ſoll.
Ueber den Angriff in der geſtrigen Nacht auf die
Darda=
nellen fehlen authentiſche Einzelheiten. Terdjimani
Ha=
kikat richtet an die Bevölkerung Mahnungen zur Ruhe
denn der Hannibal ſtehe vor den Toren. Die Pforte
richtete an die Patriarchate Briefe, in denen erklärt wird,
da ſich am 23. Juli, am Jahrestage der Verfaſſung,
Zwiſchenfälle ereignen könnten, ſei es notwendig, der
chriſtlichen Bevölkerung zu raten, kaltes Blut zu
bewah=
ren und den Kundgebungen fern zu bleiben. Der
ökume=
niſche Patriarch erwiderte, er werde in dieſem Sinne
wirken. Er hoffe, daß durch die Maßnahmen der Pforte
Zwiſchenfälle vermieden würden.
* Rom, 20. Juli. Die Agencia Stefani gibt zu,
daß die ſitalieniſchen Torpedoboote
vor=
geſtern nacht ungefähr 20 Kilometer in die
Darda=
nellen eingefahren ſind und trotz des Feuers
der türkiſchen Forts wichtige Verteidigungsſtellungen
auf=
geklärt haben. Sie ſeien dann in voller Ordnung, ohne
einen Verluſt, in das Aegäiſche Meer zurückgekehrt.
* Konſtantinopel, 20. Juli. Weitere
offi=
zielle Meldungen über den Angriff auf die
Dar=
danellen liegen nicht vor. Die Konſular= und die
privaten Meldungen erwähnen bloß den Beginn der
Kanonade noch vor 12,30 Uhr nachts. Den Blättern
zu=
folge wurde das italieniſche Geſchwader von dem in
der Meerenge kreuzeliden türkiſchen Torpedoboote
„Kutahia” bemerkt, das ſich unter den Schutz der
Feſtun=
gen flüchtete. Da italieniſche Torpedoboote den „
Ku=
tahia” angreifen wollten, erwiderten die Feſtungen das
Feuer, an dem ſich der „Kutahia” beteiligte. Außer
den zwei geſunkenen Torpedobooten wurden an zwei
anderen die Maſten und Rauchfänge zerſtört. Wie die
Blätter erfahren, ſollen die Dardanellen nicht geſchloſſen
werden, ſofern kein neuer Angriff erfolgt.
* Konſtantinopel, 20. Juli. Laut Beſchluß des
Miniſterrates werden die Dardanellen
vorläu=
fig nicht geſperrt. Es wird aber die Rinne
für=
freie Fahrt um die Hälfte enger gemacht. Die Schiffahrt
durch die Dardanellen verlief geſtern nach amtlicher
Feſt=
ſtellung ungeſtört.
* Konſtantinopel, 20. Juli. (Amtlich.)
Einige Stunden nach dem Gefecht bei den Dardauellen
ſind geſtern drei itylieniſche Kriegsſchiffe
bei der kleinen Inſel Venettko in der Nähe der Südſpitze
von Chios angekommen.
Die Proklamation des Sultans.
* Konſtantinopel, 19. Juli. Die vom Sultan
an die Armee gerichtete Proklamation, die heute vor den
beim Selamlik verſammelten Truppen, ſpäter in allen
Kaſernen der Stadt verleſen wurde, hat folgenden
Wort=
laut: „Infolge der Demiſſion des Kabinetts fordere ich
gemäß der Verfaſſung nach vorheriger Beratung mit dem
Senatspräſidenten und der Kammer Tewfik Paſcha auf,
das Großweſirat zu übernehmen. Ich wünſche und halte
es für notwendig, daß das neue Kabinett aus
Perſönlich=
keiten zuſammengeſetzt iſt, die große Erfahrung und eine
unabhängige Meinung beſitzen, ferner frei von allen
Ein=
flüſſen ſind. Die geſtern im Namen einiger Offiziere
formulierten Forderungen widerſtreiten der Verfaſſung
und den Hoheitsrechten des Sultans und des Kalifats,
welche von allen geachtet werden müſſen. Ich bin
über=
zeugt, daß in der Armee, deren oberſter Chef ich bin, es
keinen einzigen Soldaten gibt, der Forderungen
aufſtel=
len könnte, die gegen die Verfaſſung verſtoßen, auf die er
den Eid geleiſtet hat. Ich nehme an, daß Soldaten, die
für den Augenblick ihre Verpflichtungen vergeſſen, die
verſchwindende Minderheit bilden. Pflicht der Soldaten
iſt es, Disziplin, Ordnung und Subordination zu halten,
die die Grundlage der Anhänglichkeit an das Kalifat und
den Thron bilden. Die Soldaten müſſen ſich fern von
der Politik halten und die Befehle der Vorgeſetzten
wörtlich ausführen und ſich ausſchließlich der
Verteidig=
ung des Vaterlandes widmen. Gegen dieſe Vorſchriften
zu handeln, hieße Verrat an der Nation und dem
Vater=
lande üben. Dieſe ernſten Zwiſchenfälle ſind es, die den
Feind ermutigt haben, geſtern Nacht bis vor die Tore der
Hauptſtadt zu kommen. Ich gebe vorſtehende Jrade
be=
kannt, indem ich den Kriegsminiſter beauftrage, es in
allen Kaſernen der Hauptſtadt verleſen zu laſſen und zur
Kenntnis aller Truppen zu bringen.
* Konſtantinopel, 20. Juli. Der
interimi=
ſtiſche Leiter des Kriegsminiſterium, der geſtern in
Jildis die Proklamation des Sultans an
Mark für jeden Einwohner Preußens), nimmt ſich das
heutige Jammern über die „drückende Wehrlaſt” recht,
recht kläglich aus. Was wir aber für im Frieden
ver=
ſäumte Pflicht im Ernſtfalle an Gut und Blut zu zahlen
haben, ſteht auf einem ungeſchriebenen Blatte; darüber
nachzudenken, ſcheuen viele, die über die drückende
Wehr=
laſt großes Geſchrei erheben.
C) Alma=Tademas ſchönſtes Werk. Wie man auch
über den Wert und die Dauer der vielen Gemälde denken
mag, die der kürzlich verſtorbene Hiſtorienmaler Alma=
Tadema geſchaffen — jedenfalls hat er ein Werk
hinter=
laſſen, das in ſeiner wundervollen Einheitlichkeit die
Per=
ſönlichkeit des Meiſters am reinſten widerſpiegelt und
am eheſten Unſterblichkeit verdient: dies Werk beſteht
nicht aus Leinwand und Farben, ſondern aus Stein.
Es iſt das Haus, das er ſich in London in
jahrzehnte=
llangem Mühen zu einem idealen Künſtlerheim geſtaltet
hat. Die ganze Liebe und Begeiſterungsfähigkeit der
ſtarken Künſtlernatur hing an dieſen Räumen; ſein
er=
leſener Geſchmack und ſein feines Gefühl für den Duft
vergangener Kulturen iſt hier ausgebreitet. Nun ſteht
das Haus zum Verkauf, und man hofft in weiten
Krei=
ſen der engliſchen Kunſtfreunde, daß es der britiſchen
Nation als eine Art Alma=Tadema=Muſeum erhalten
bleiben wird. Auch das Haus Leightons iſt auf dieſe
Weiſe von dem Untergang bewahrt worden, und Alma=
Tademas Wohnung iſt unendlich viel wertvoller als die
des ihm befreundeten Akademikers. Durch eine ſchattige
Pergola, die ſich kühl und ſchlank in einem von alten
Eichen beſtandenen Garten erhebt, gelangt man zu dem
Eingang dieſes römiſchen Tuskulums und ſteht, wie in
einer Laube von Roſen und Fuchſien, vor dem
reich=
geſchnitzten maſſiven Holztor mit den herrlichen
Bronze=
beſchlägen. Man tritt in eine Halle und atmet die
ſpezi=
ſiſche, heiter=kühle, anmitig=lichte Stimmung der beſien
Bilder des Malers. Der mit perſiſchen Ziegeln belegte
Boden, die leuchtend weißen Wände im klaſſiſchen Stil
die Treppe mit dem koſtbar gearbeiteten
Meſſinggelän=
der — all das iſt feierlich und heimlich zugleich. Von
Raum zu Raum entfaltet ſich nun immer reicher und
prächtiger das Lebenswerk des Künſtlers in einer Folge
von überraſchenden Schönheiten. Die weiße Halle, die
ganz ſo angelegt iſt wie ein römiſches Periſtyl, iſt mit
Wandmalereien von den intimen Freunden des Meiſters
geſchmückt, und ſo gibt dieſe erleſene Galerie von
deko=
rativer Pracht einen Ueberblick über die engliſche
Male=
rei von Leighton bis Sargent. Aus der Welt der
klaſſi=
ſchen Form verliert man ſich in die Herrlichkeiten des
Orients, denn den Ankleideraum ſchmücken chineſiſche und
japaniſche Kunſtwerke. Von einem Balkon blickt man in
ein Marmorbaſſin hernieder, in dem der feine Strahl
eines Springbrunnens ſteigt und fällt. Noch ein
Durch=
gang, noch eine Tür: ein niederländiſches Interieur mit
kleinen Fenſtern, mit alter Holzvertäfelung und
präch=
tigen holländiſchen Arbeiten umfängt den Beſucher. Hier
hat Alma=Tadema ſeiner Heimatliebe einen kleinen
Tem=
pel errichtet. Das Atelier iſt ein Meiſterwerk für ſich.
Das ſchimmernde Gran des Aluminiums an der Kuppel,
die graugrünen Marmorplatten an den Wänden, die
koſtbaren Gobelins — alles vereint ſich zu einer
Symphonie von ruhig ſtillem Grau, das zur Sammlung
und Einkehr auffordert. Das Haus iſt ein wahres
Mu=
ſeum von Schätzen, die aus allen Winkeln Europas
und Aſiens geſammelt ſind aber es iſt zugleich mehr als
ein Muſeum, iſt der individuelle Ausdruck einer
Per=
ſönlichkeit, die ſich hier das zu ihr paſſende Milieu
ge=
ſchaffen hat.
** Kamerun=Tabak. Tabak aus Kamerun hat
plötz=
lich einen ganz unerwarteten Erfolg erzielt; es
wur=
den für ihn in Bremen ſehr hohe Preiſe bezahlt, und
der Pflanzer dieſes Tabaks, der Beſitzer der Plantage
Sooſung, Herr Raethke, erhielt den Preis der deutſchen
Kolonialgeſellſchaft von 6000 Mark. Ueber dieſen
Ka=
merun=Tabak und ſeine Pflanzung berichtet der
Kunſt=
maler Ernſt Vollbehr nach Tagebuchaufzeichnungen in
der Umſchau. Die Tabakspflanzung Raethkes liegt 1660
Meter hoch, an dem 2040 Meter hohen Kupe=Gebirge. Bis
jetzt waren 30 Hektar angepflanzt; nun ſollen nach den
letzten großen Erfolgen 120 Hektar bebaut werden. Der
Tabak wird in Saatbeeten gezogen; dann werden die
kleinen Pflänzchen aufs freie Feld verpflanzt und nach
zwei Monaten geerntet. Dann kommen die Blätter drei
volle Wochen lang in die großen Trockenſcheunen, die
2 Millionen Blätter faſſen können. Seit 1905 werden
dieſe Verſuche mit Anbau von Tabak gemacht; Proben
davon wurden ſo hoch bewertet, daß Raethke, der zuerſt
für die Eingeborenen angebaut hatte, nunmehr
aus=
ſchließlich für den deutſchen Markt arbeitet. Der Tabak
aus der Ernte von 1910 wurde im November 1911 in 56
Ballen — 4500 Kilogramm auf den Bremer Markt
ge=
bracht, und während vorher alle Tabakkenner dem
Ka=
merun=Tabak jegliche Zukunft abgeſprochen hatten, fand
man ihn nun ſo vortrefflich, daß er den außerordentlich
hohen Preis von 8,50 Mark für das Kilogramm erzielte.
Es iſt damit für Kamerun ein neues Produkt von
erheb=
licher Wichtigkeit gewonnen worden.
Der Glockenguß von Peking. In der
außer=
ordentlich reichen, bis jetzt aber faſt gar nicht
geſammel=
ten Märchen= und Sagenliteratur der Chineſen befindet
ſich auch eine Erzählung, die eine gewiſſe Aehnlichkeit
mit Wilhelm Müllers aus alten Leſebüchern der
Schul=
zeit bekanntem Gedicht: „Der Glockenguß zu Breslau”
hat. Sie lautet: In Peking wurde während der
Regier=
ung des Kaiſers Yung Lo, der von 1403 bis 1424 n. Chr
herrſchte, ein gewaltiger Turm errichtet, in dem eine
Glocke angebracht werden ſollte, deren Schall man über
die ganze Rieſenſtadt hin hören ſollte. Kuan Yu, ein
be=
währter Glockengießer, ſollte ſie liefern; aber trotz aller
die Armee verlas, begründete die Proklamation in einer
Rede. Er forderte die den verſchiedenen Komitees und
Parteien angehörenden Offiziere auf, aus dieſem
aus=
zutreten. Der Miniſter fügte hinzu, man befand es für
gut, dem Sultan ein Schriftſtück zu überreichen, das von
einem geheimen Offizierskomitee gefertigt war und
Forderungen enthielt. Der Sultan war ſehr betroffen
und er erließ dieſe Proklamation. Jeder Offizier müſſe
eine Erklärung unterſchreiben, daß er die
ungeſetzmäßi=
gen Forderungen nicht überreichte. Er, der Miniſter,
überlaſſe es den Offizieren, ſich über jene ein Urteil zu
bilden, welche dieſe Erklärung verweigern würden. —
Tanin verlangt die Beſtrafung der Offiziere, die dem
Sultan die Forderungen unterbreiteten. Falls ſie
ſtraf=
los ausgingen, müſſe befürchtet werden, daß das
Jani=
tſcharentum, das den Verluſt der Hälfte des Reiches
herbeiführte, nun auch die zweite Hälfte in Gefahr
bringe.
* Konſtantinopel, 20. Juli. Seit geſtern
ent=
wickelt auch die hieſige geheime Militärliga ihre
Tätigkeit. Ueber die dem Palais unterbreiteten
For=
derungen, über welche die Proklamation des Sultans
ſpricht, fehlen genaue Angaben, doch dürften die
For=
derungen mit den Bedingungen Nazim Paſchas identiſch
ſein, welche geſtern durch eine geheime Proklamation
in der Stadt verbreitet wurden und in der auch die
Er=
hebung der Anklage gegen das Kabinett Hakki Paſcha
gefordert wird. Das jungtürkiſche Komitee richtete an
ſeine Klubs ein Zirkular, in dem es erklärt, daß es alle
Forderungen annehme und ſich nur der Berufung Kiamil
Paſchas eventuell gewaltſam widerſetze. — Die
Divi=
ſionen von Bruſſa und Jamid Biledſchik ſollen im
Ge=
heimen der Militärliga Treue geſchworen haben.
* Rom, 21. Juli. (Agencia Stefani.) Vizeadmiral
Viale meldet mittels Funkenſpruch von Bord des
Linienſchiffes „Regina Elena” vom 20. Juli: In der
Mitternacht vom 18. auf 19. Juli gelang es einem
Ge=
ſchwader, das aus den Hochſeetorpedobooten „Spica”,
„Centauro” „Aſtore” „Climene” und „Perſeo” gebildet
war, durch Liſt in die Dardanellenmündung
hineinzu=
fahren. Das Torpedoboot „Aſtor” das am Ende des
Geſchwaders dampfte, wurde bald entdeckt. Sofort
er=
öffneten die Batterien der beiden Küſtenufer das Feuer
auf das Schiff. Die Wachen, die am Ufer zahlreich in
geringer Entfernung aufgeſtellt waren, gaben das
Alarm=
ſignal weiter. Die Torpedobootsflottille, ſtets von
un=
gefähr einem Dutzend Scheinwerfer beleuchtet, verfolgte
kühn in enger Formation mit einer Geſchwindigkeit von
21 Knoten ihren Weg und hielt ſich ſehr dicht an der
europäiſchen Küſte. Als ungefähr Kilidbahr erreicht
war, wurde das Feuer lebhafter. Das Torpedoboot
„Spica”, die Spitze der Flottille bildend, rann gegen
eine Stahltroſſe. Nachdem es losgekommen war,
dampfte es weiter und ſtieß wiederum mit einer Troſſe
zuſammen, von der es ebenfalls loskam, indem es
Voll=
dampf ſetzte. Jenſeits Kilidbahr und Tſchanak war die
Waſſerfläche durch Scheinwerfer von der Küſte und den
türkiſchen Kriegsſchiffen her vollſtändig hell beleuchtet.
Vom Lande und den Schiffen aus wurden ſie durch
hef=
tiges Artilleriefeuer beſtrichen. Die ſich kreuzenden
zahl=
reichen Lichtkegel und Scheinwerfer machten es
unmög=
lich, die türkiſchen Kriegsſchiffe zu erkennen oder auch
nur eine annähernde Feſtſtellung ihrer Lage
vorzuneh=
men. Daher hielt es der Kommandeur Millo für
un=
nütz, einen Angriff zu unternehmen, der den Verluſt der
meiſten Torpedoboote zur Folge gehabt hätte. Da er
ſich weiter ſagte, daß die Erkundungsfahrt im übrigen
vollſtändig geglückt ſei, gab er den Befehl zur Rückfahrt,
die in Ruhe und Ordnung vorgenommen wurde.
Ob=
gleich das Feuer der türkiſchen Batterien an Stärke
zu=
nahm, haben die italieniſchen Torpedoboote nur geringe
Beſchädigung erlitten.
* Konſtantinopel, 21. Juli. Das Miniſterium
des Innern gibt bekannt, daß um 6 Uhr früh drei
italie=
niſche Panzerſchiffe und zwei Torpedoboote im Hafen von
Kalamonti und zwei Panzerſchiffe im Hafen von Chios
einliefen, und ſich nach zwei Stunden wieder entfernten.
Zwei Panzerſchiffe und ſechs Torpedoboote, die von Zara
in ſüdlicher Richtung fuhren, ſind geſichtet worden. Der
Depeſchenwechſel, der mit Tewfik Paſcha gepflogen wird,
dauert fort.
* Konſtantionopel 21. Juli. Die Proklamation
des Sultans iſt mittags in allen Kaſernen ſowie vor dem
Kriegsminiſterium verleſen worden. Von den Offizieren
wurde ſie mit Stillſchweigen aufgenommen. — Die
Nach=
richt, daß die Pforte an die Patriarchate ein Schreiben
ge=
richtet habe, in dem auf die Möglichkeit von
Zwiſchen=
fällen am 23. Juli, dem Jahrestage der Verfaſſung,
hinge=
wieſen wird, wird dementiert.
Ein Unfall der deutſchen Marine.
* Kiel, 19. Juli. Das von dem Linienſchiff
„Heſſen” während der Nachtübung gerammte
Torpedoboot „G. 110‟ (nicht „G. 112‟) iſt heute
abend 6½ Uhr in havariertem Zuſtande, von drei
Tor=
pedobooten geſchleppt, hier eingetroffen. Voraus fuhr
das Torpedoboot „G. 112” mit den drei Opfern des
Un=
glücks. Die Flaggen der Boote wehten auf Halbſtock.
H. B. Kiel, 20. Juli. Die Leichen der bei dem
Zuſammenſtoß des Torpedoboots „G. 110” mit
dem Linienſchiff „Heſſen” unweit der Inſel Rügen
verunglückten drei Seeleute trafen geſtern abend auf dem
Torpedoboot „G. 112” im Kieler Hafen ein. Sie wurden
ſofort nach der Leichenhalle des Marine=Lazaretts
ige=
bracht. Im Hafen ging die Flagge auf Halbſtock. Eine
Stunde ſpäter lief das ſchwer havarierte Torpedoboot
„G. 110‟, geſchleppt und über Waſſer gehalten von drei
Torpedobooten, in den Hafen ein. Das Achterſchiff lag
bis zum hintern Turm unter Waſſer. Die Signalmaſten
fehlen vollſtändig. Das Schiff, deſſen Beſchädigungen
erſt durch die Unterſuchung feſtgeſtellt werden können,
wurde in das Schwimmdock der Torpedoboote gebracht,
während die Beſatzung ſofort auf die anderen
Torpedo=
boote überging.
Luftfahrt.
* Baden=Oos 19. Juli. Das
Militärluft=
ſchiff „Z. 3” iſt um 5 Uhr 50 Min. nachmittags zu einer,
wie es heißt, 20ſtündigen Dauerfahrt aufgeſtiegen.
* Metz, 19. Juli. Heute früh kurz nach halb 3 Uhr
erſchien ein Zeppelinluftſchiff, aus der Richtung
von Saarbrücken kommend, über der Stadt und kreuzte
etwa 10 Minuten lang und verſchwand dann in ſüdlicher
Richtung auf Straßburg. Anſcheinend handelt es ſich um
den zu einer Probefahrt aufgeſtiegenen „Z. 3‟.
* Baden=Oos, 20. Juli. Um 8 Uhr fuhr das
Militärluftſchiff „Z. 3” von der Halle aus in
be=
trächtlicher Höhe, etwa 12—1400 Meter, in der Richtung
auf Baden=Baden in ſüdlicher Richtung.
* Karlsruhe, 20. Juli. Das
Militärluft=
ſchiff „Z. 3‟ kam um ¾9 Uhr, von Baden=Baden
kom=
mend, in Sicht und überflog die Reſidenz in der
Richt=
ung nach Weſten.
* Straßburg, 20. Juli. Das auf einer
zwanzig=
ſtündigen Dauerfahrt begriffene Militärluftſchiff
„Z. 3” erſchien um 10 Uhr, von Nordoſten kommend,
über Straßburg, ſchwenkte dann in großem Bogen bis
gegen Münſter hin und verſchwand dann wieder in der
Richtung auf Kehl.
* Baden=Oos, 20. Juli. Das
Militärluft=
ſchiff „Z. 3” iſt heute vormittag um 11.50 Uhr hier
glatt gelandet und in die Halle gebracht worden. Mit
dieſer 18 Stunden=Fahrt gilt die vorgeſchriebene 20
ſtün=
dige Fahrt als erledigt weil eine Unterbrechung wegen
Gewitter im ganzen oberen Rheintal notwendig war.
Für die Fahrt waren noch genügend Betriebsmittel
vor=
handen. Mit dieſer Dauerfahrt war auch eine
Höhen=
fahrt verbunden. Am nächſten Montag früh wird noch
eine Geſchwindigkeitfahrt unternommen werden.
* Frankfurt, 19. Juli. Die „Viktoria Lzuiſe‟
iſt um 5 Uhr 18 Min. zu ihrer Nachmittagsfahrt
aufge=
ſtiegen. Die Fahrt führte in den Taunus. Um halb 6
Uhr wurde Vilbel, um 5.52 Uhr Bad Nauheim und um
6 Uhr 12 Min. Homburg paſſiert. Um 6 Uhr 31 Min.
kehrte das Luftſchiff hierher zurück und landete um 6¾
Uhr glatt, vor der Halle.
* Frankfurt a. M., 19. Juli. Heute abend halb
8 Uhr ſind auf dem hieſigen Flugplatz Oberleutnant
Weller und Leutnant Reinhardt aus Metz
ge=
landet. Beide Apparate ſind in der Luftſchiffhalle
unter=
gebracht worden.
* München, 20. Juli. Die öſterreichiſch=
ungari=
ſchen Kolonien in Bayern haben in den letzten drei
Wochen 36000 Kronen geſammelt als Stiftung zur
Be=
ſchaffung eines Flugzeuges für die
öſterreichiſch=
ungariſche Kriegsmarine.
* Tilſit, 20. Juli. Abramowitſch iſt mit
ſeinem Begleiter Hackſtetter um 6 Uhr 50 Minuten von
Szillen nach Rußland weitergeflogen.
* Tauroggen, 20. Juli. Der Flieger
Abra=
mowitſch und Regierungsbaumeiſter Hackſtätter
ſind nach 9 Uhr in der Nähe von Tauroggen glatt
ge=
landet.
* Paris, 20. Juli. Im Matin beſchwert ſich der
Fliegerhauptmann Clavenad Leiter des
Flugparkes in Caſablanca, in ſcharfen Worten über das
Vorgehen des Bureaus des Kriegsminiſteriums, welches
den Militärfliegern und ihren Mechanikern die ihnen von
dem Kriegsminiſterium bewilligten Geldmittel
verwei=
gert. Die Militärflieger hätten ſich ſogar genötigt
ge=
ehen, in Rabat vor Mulay Hafid Schauflüge zu veran=
ſtalten, um die ihnen gewährten Gratifikationen an ihre
Mechaniker verteilen zu können.
* London, 19. Juli. Die Luftſchifferliga
von Großbritannien erließ einen nationalen Aufruf für
die Sammlung von einer Million Schilling, die dazu
bei=
tragen ſoll, das Flugweſen Großbritanniens mit dem
Auslande auf gleiche Höhe zu bringen.
Handel und Verkehr.
Patent=Anmeldungen! Mitgeteilt von
Dipl.=Ing. Klemens Herßberg u. Ko., Darmſtadt. 42b
P. 28 730. Fühlhebel für Feinmeſſungen. Dr.=Ing. Ernſt
Preuß, Darmſtadt, Stiftſtraße 25. 25. 4. 12. —
Ge=
brauchsmuſter. 44b. 515 930. Portemonnaie mit
ſelbſtzündender Feuerzeug=Vorrichtung. Fa. D.
Hey=
mann, Offenbach a. M. 18. 3. 12. H. 55 224.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender werantwortlich.)
Ein Hilferuf für unſeren Friedhof.
Wenn man ſieht, mit welcher Sorgfalt die öffentlichen
Anlagen und Plätze gepflegt und täglich mit Waſſer
ver=
ſorgt werden, wie die Waſſerwagen bis hinaus an den
Wald das erfriſchende Naß befördern, da iſt es
unbegreif=
lich, warum gerade unſer, von hunderten von Perfonen
täglich beſuchter Friedhof, ſo ſtiefmütterlich behandelt
und der verſengenden Sonnenglut nicht durch wohltätige
Sprengung entgegengearbeitet wird. Im vorigen heißen
Sommer ſind unzählige ſchöne Bäume und Sträucher
aus Mangel an Waſſer dort zu Grunde gegangen und
in dieſem Jahre ſcheint es noch ſchlimmer zu werden,
wenn es dem Publikum nicht möglich gemacht wird durch
Gießen der Grabſtätten ſchweren Schäden vorzubeugen.
Aber die Pumpe auf dem erſten Teil des Friedhofes iſt
nur mit Aufwendung großer Körperkräfte zu handhaben
und geradezu widerwärtig iſt es, wie um Herausgabe
der Gießkannen mit dem Aufſeher gekämpft werden muß.
Es wird von demſelben darauf hingewieſen, daß das
Publikum ſelbſt an den ſtrengen Maßregeln über
Aus=
gabe der Kannen ſchuld ſei, indem dieſe oft nach Gebrauch
nicht zurückgebracht, ſondern in den Wegen und Hecken
ſtehen gelaſſen würden. Aber ſoll denn für die Untat
Einzelner die Geſamtheit geſtraft werden? Könnte nicht,
wie in vielen anderen Städten bei Entnahme einer Kanne
eine kleine Hinterlegungsgebühr, welche nach Rückgabe
zurückerſtattet wird gefordert werden? Dann wäre
die=
ſem Unfug doch ſofort geſteuert. Wenn auch unſere
Stadt=
väter ihr Intereſſe und die Bewilligung rieſiger
Geld=
mittel dem neu zu ſchaffenden Friedhof in der „Tanne”
zuwenden, ſo haben wir doch das Vertrauen, daß die
Pietät für den alten Friedhof erhalten bleibt und noch
Mittel für ein paar Dutzend Gießkannen und
Inſtand=
haltung der Pumpen, wenn Waſſerhahnen nicht zu ſchaffen
ſind, aufgebracht werden können. Es ſollte doch dem
Publikum möglichſt leicht gemacht werden, die ihm lieb
und heilig gewordenen Ruheſtätten ſeiner entſchlafenen
Lieben zu pflegen und ſein Teil dazu beitragen zu können,
unſeren alten Friedhof vorzeitig vor Verwüſtung zu
be=
wahren.
Hoffentlich dienen dieſe Zeilen zur Abhilfe dieſer von
vielen Friedhofsbeſuchern bitter empfundenen Mißſtände.
Streiks.
* Havre, 20. Juli. Geſtern abend kam es zwiſchen
400 ſtreikenden eingeſchriebenen
See=
leuten und der Polizei zu einem Zuſammenſtoß. Die
Streikenden bewarfen die Polizei mit Steinen und
Flaſchen. Mehrere Perſonen wurden verletzt, eine Frau
wurde ins Waſſer geworfen, konnte ſich aber retten. Man
befürchtet heute neue Zwiſchenfälle. Die Polizei ergriff
die nötigen Maßregeln.
* Paris, 20. Juli. Aus Bordeaux wird gemeldet:
700 Arbeiter der ſtaatlichen Pulverfabrik
St. Medard beſchloſſen, die Arbeit heute um zwei
Stun=
den abzukürzen, weil ihnen verboten worden war, ihr
Frühſtück in den Werkſtätten zu verzehren. Der Direktor
der Pulverfabrik hatte dieſe Maßregel erlaſſen, weil er
befürchtete, daß die Arbeiter, in dem ſie während ihrer
Arbeit ihre Mahlzeiten einnehmen, das ſehr heikle
Pul=
ver B verunreinigen könnten.
* Köln, 20. Juli. Im Rheinland iſt eine
um=
fangreiche Metallarbeiterbewegung
ein=
geleitet. Allein in Köln, Mülheimer Induſtriegebiet,
haben fünf große Verſammlungen zum Zwecke der
Ver=
kürzung der Arbeitszeit ſtattgefunden. Es kommen
20000 Metallarbeiter in Betracht.
angewandten Kunſt mißglückte der Guß zweimal. Der
zornige Kaiſer gab Kuan Yu eine dritte, aber auch letzte
Gelegenheit; ſollte auch diesmal der Guß nicht
befriedi=
gend ausfallen, ſo war des Meiſters Leben verwirkt. Der
nun hatte ein einziges Kind, ein Mädchen von ſechzehn
Sommern, das er über alles liebte. Es verdiente in der
Tat dieſe Liebe. Ko Ai, ſo hieß die Tochter, hatte
man=
delförmige Augen, die wie im Sonnenſchein glitzernde
Wellen ſtrahlten; die Wangen waren weiß wie Schnee,
durch den ein zartes Roſenrot ſchimmert; die Zähne
gli=
chen Perlen, umgeben von Korallenlippen; das Haar war
ſchwarz wie Gagat und weich wie Seide. Auch ſchrieb
ſie ſinnvolle Gedichte, war ſehr gewandt im Sticken und
im Hauſe das Muſter eines dienſtbefliſſenen Mädchens, —
kurz, Ko Ai ſchien ein Weſen aus einer höheren Welt zu
ſein. Seit einiger Zeit glaubte ſie, im Geſichte ihres
Vaters tiefe Trauer zu leſen. Sie fragte ihn nach dem
Grunde. Als ſie dieſen vernahm, war ſie über die
Droh=
ung des Kaiſers ſehr aufgebracht und rief aus: „Teurer
Vater, tröſte Dich! Der Himmel wird nicht gleich
un=
barmherzig ſein. Deine beiden Mißerfolge werden nur
noch mehr zum Ruhme Deines ſchließlichen Gelingens
beitragen. Ich bin ein Mädchen und kann Dir nur mit
meinen Gebeten beiſtehen; täglich und ſtündlich will ich
ſie gen Himmel ſenden, und die Bitten für meinen
gelieb=
ten Vater müſſen erhört werden.” Ko’s Worte flößten
dem alten Manne neuen Mut ein, und er machte ſich mit
erneuten Kräften ans Werk. Eines Tages nun kam Ko
Ai auf den Gedanken, einen berühmten Sterndeuter
auf=
zuſuchen, um ihn über die Fehlſchläge ihres Vaters zu
befragen. Der Wahrſager erklärte, der dritte Guß würde
ebenfalls mißlingen, wenn nicht die Glockenſpeiſe mit
dem Blute einer Jungfrau vermiſcht würde. Ko Ai kehrte
niedergeſchlagen nach Hauſe zurück, aber mit dem feſten
Entſchluß, ſich lieber ſelbſt zu opfern, als daß der letzte
Verſuch ihres Vaters wiederum fehlſchlagen ſollte.
Endlich war der Tag für den Guß herangekommen. Von
Freundinnen begleitet ſtellte Ko Ai ſich in der Nähe der
Form auf. Totenſtille herrſchte in der verſammelten
Menge, als die Metallſpeiſe in die Form ſtrömte.
Plötz=
lich wurde die Stille durch einen lauten Schrei: „Um
meinen Vater zu retten!” unterbrochen; Ko Ai ſtürzte ſich
in das ſiedende und ziſchende Metall. Eine ihrer
Beglei=
terinnen verſuchte, ſie zurückzuhalten, doch vergebens; nur
ein Schuh Ko Ais blieb in ihrer Hand zurück; Kuan Yu
wollte in Verzweiflung ſeinem Kinde folgen. Nur mit
Mühe hielten die Umſtehenden ihn ab. Als einen
irrſin=
nig Raſenden führte man ihn nach Hauſe. Die
Prophe=
zeiung des Sterndeuters aber erfüllte ſich: nach
Beſeitig=
ung der Förm fand man, daß der Guß herrlich gelungen
war. Kurze Zeit darauf wurde ſie auf Befehl des
Kai=
ſers in den Glockenturm gehängt: Der Sohn des
Him=
mels wohnte perſönlich dem erſten Geläute bei.
Meilen=
weit tönte der tiefe ſilberreine Klang über Peking und
weit, weit hinaus, aber — Schaudern ergriff die
viel=
tauſendköpfige Menge — ihn begleitete ein leiſe klagender
Ton, der an den Wehlaut einer Frauenſtimme im
Todes=
kampfe erinnerte. Deutlich konnte man das Wort „Hſieh”
(Schuh) hören. Und bis auf den heutigen Tag
wim=
mert die Glocke bei jedem Schlage „Hſieh‟ Das Volk
aber weiß, daß es die Stimme der armen Ko Ai iſt, die
bittet, man ſolle ihr den zurückgelaſſenen Schuh
wieder=
geben.
ck. Amerikaniſche Straußenfarmen. Neben den
wei=
ten Gebäuden und Anlagen des Hagenbeckſchen
Tier=
parks in Stellingen erhebt ſich ſeit einiger Zeit ein
klei=
neres ſchmuckes Häuschen im Villenſtil, an das ſich eine
Reihe von eingezäunten Gehegen anſchließt. Und hier
wandeln nun durch die niederdeutſche Landſchaft mit ſtolz
gehobenem Haupt und gravitätiſchen Schritten Strauße,
die befiederten Könige der Vogelwelt, in zahlreichen
Scharen Den ganzen Werdegang des Straußes kann
man hier verfolgen, von den großen Eiern an, die in
künſtlichen Brutapparaten ausgebrütet werden; von den
kleinen winzigen Babys, die junge Hühnchen zur
Geſell=
ſchaft erhalten, bis zu den großen mächtigen Tieren, deren
herrliche Federn im Vorderhaus zum Verkauf ſtehen und
das Entzücken der Damenwelt erregen. Ein bedeutſamer
Anfang iſt hier geſchehen, den Strauß in unſerer kalten
Zone heimiſch zu machen, und vielleicht blicken wir in
einiger Zeit auf ebenſo günſtige Reſultate zurück wie die
Vereinigten Staaten, in denen die Straußenzucht
inner=
halb von 30 Jahren zur reichen Blüte gelangt iſt. Die
Einführung von Straußen in Amerika datiert, wie wir
einem Aufſatz der Illuſtration entnehmen, aus dem Jahre
1882; die letzte größere Menge wurde 1901 importiert.
Einige Jahre ſpäter wurde die Ausfuhr der Eier und
Tiere aus dem Kapland bei Gefängnisſtrafe verboten.
Die Geſamtzahl der ausgeführten Tiere ſcheint nicht mehr
als 460 bis 500 betragen zu haben, von denen noch viele
raſch eingingen. Heute zählt man in den Vereinigten
Staaten 17 große Farmen, die etwa 20000 Strauße
be=
ſitzen; mehr als die Hälfte iſt in Kalifornien und
Ari=
zona. Dieſe bedeutende Zunahme iſt jedoch gering im
Vergleich zu der der Kapkolonie, wo es 1865 80 Strauße
gab und heute eine Million. Die Preiſe ſind
außerordent=
lich verſchieden. Ein einen Monat alter Strauß koſtet
200 bis 300 Mark; für erwachſene Strauße werden 600
bis 800 Mark gezahlt; der Preis der Eier beträgt 250
bis 500 Mark für das Dutzend. Jeder erwachſene Vogel
hat etwa 700 Gramm Federn von einem
Durchſchnitts=
vert von 120 Mark; die Unterhaltungskoſten werden auf
etwa 40 Mark geſchätzt. Die Schönheit und Menge der
Federn hängen von der Geſundheit der Tiere und ihrer
Raſſe ab. Man reißt die Federn nicht aus, ſondern
ſchneidet ſie, ohne einen Tropfen Blut zu vergießen oder
dem Tiere weh zut un, ab und entfernt nach etwa zwei
Monaten den vertrockneten Stumpf. Auch die Franzoſen
haben Verſuche mit Straußenfarmen gemacht, auf
Mada=
gaskar und im Süden von Tunis, und zwar mit ſehr
gutem Erfolge.
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Juli 1912.
Nummer 170.
Eugen Bracht=Ausſtellung.
Die Eröffnung.
Samstag mittag kurz nach 12 Uhr wurde die von der
„Freien Vereinigung Darmſtädter Künſtler” im Städt.
Ausſtellungsgebäude auf der Mathildenhöhe
veranſtal=
tete Eugen Bracht=Ausſtellung durch einen ſchlichten, aber
eindrucksvollen Feſtakt eröffnet. In dem
Ehren=
ſaale hatten ſich zur Teilnahme an der Feier die Spitzen
der Geſellſchaft und der künſtleriſchen Kreiſe Darmſtadts
und auch von auswärts eingefunden. U. a. ſahen wir
die Herren Finanzminiſter Dr. Braun und Miniſter
des Innern von Hombergk zu Vach, den
preußi=
ſchen Geſandten Frhrn. von Rücker=Jeniſch mit
Gemahlin, den Geheimerat Römheld mit Gemahlin,
den Geh. Staatsrat Krug von Nidda,
Oberſtall=
meiſter Frhrn. Riedeſel zu Eiſenbach,
General=
major von Heyl, Provinzialdirektor Fey,
Ober=
bürgermeiſter Dr. Gläſſing, ſowie die Geheimeräte
Hans Thoma und Eugen Bracht. Um 12¼ Uhr
erſchien das Großherzogspaar mit Gefolge, am
Eingang von den Herren des Arbeitsausſchuſſes
empfan=
gen. Im Saale vegrüßte der Großherzog beſonders
herzlich Herrn Bracht und ſpäter auch Hans Thoma.
Dann beſtieg Herr Bürgermeiſter Mueller das
Redner=
pult und hielt folgende Feſtanſprache:
Königliche Hoheiten! Hochanſehnliche Verſammlung!
Als Eugen Bracht am 3. Juni den 70. Geburtstag
feierte, hat die ganze kunſtverſtändige und kunſtliebende
Welt in ſeltener Einmütigkeit ihm ihre Huldigung
dar=
gebracht. Von hohen und höchſten Stellen wurde er
aus=
gezeichnet. Euere Königliche Hoheit ſelbſt haben ihm
durch Verleihung der goldenen Medaille für Kunſt einen
glänzenden Beweis Allerhöchſter Anerkennung gegeben.
Nicht zuletzt haben ſeine Künſtlerkollegen Bracht
auf=
richtig und neidlos gefeiert. Die echte Künſtlerſeele iſt
frei vonskleinlichen Gedanken. In der Kunſt gibt es ja
auch keine alleinige unanfechtbare Wahrheit, kein Geſetz
der Schönheit, das an Regeln gebunden wäre. Nirgends
iſt die Souveränität der Empfindungen, des eigenen
Ur=
teils, mehr gewahrt und anerkannt als in der Kunſt.
Der Erfolg iſt das ſchließliche geſchichtliche Zeugnis des
Verdienſtes. Denn der Erfolg kann ſich dauernd nur an
das wirklich Gute und Schöne heften. Auch die „Freie
Vereinigung Darmſtädter Künſtler” will ihrem
Ehren=
mitglied zum 70. Geburtstag eine Freude bereiten. In
ihren Reihen iſt zuerſt der Gedanke aufgetaucht, eine
große Ausſtellung ſeines Lebenswerkes zu veranſtalten,
und Eugen Bracht, den tauſend Fäden noch mit der
alten Heimat verbinden, hat ſich unter manchen
ſchmeichel=
haften Angeboten freudig für Darmſtadt entſchieden. Seit
Wochen haben ſich nun in dieſen Räumen fleißige Hände
geregt, der Künſtler ſelbſt iſt unermüdlich mit tätig
ge=
weſen. Mit größtem Intereſſe haben alle Kreiſe
un=
ſerer Stadt dem Kommenden entgegengeſehen und uns
nach Kräften unterſtützt. Euere Königliche Hoheit haben
perſönlich das Protektorat übernommen. Das Großh.
Miniſterium des Innern, die Stadt Darmſtadt, viele
unſerer kunſtliebenden Bürger haben ſich an der
Ga=
rantie in entgegenkommendſter Weiſe beteiligt. Allen
Förderern und Freunden des nun vollendeten Werkes
gebührt aufrichtiger Dank. Und nun öffnen wir die
Tore unſeres Olbrichbaues in der Gewißheit, daß dieſes
lebendige Zeugnis eines künſtleriſchen Werdeganges
nicht ohne Wirkung bleiben kann: Werke aus fünfzig
Schaffensjahren und doch das einheitliche wuchtige Bild
einer ragenden Perſönlichkeit „Die Kunſt iſt ein Stück
Natur, geſehen durch ein Temperament‟ Dies Wort
findet auch hier einen greifbaren Ausdruck. Die hier im
Bilde gefeſſelte Natur iſt künſtleriſch erlebt. Mit Euerer
Königlichen Hoheit gnädigſter Erlaubnis eröffne ich die
Ausſtellung mit dem herzlichen Wunſche, daß ihr ein
voller Erfolg beſchieden ſein möge. Die Verſammlung
aber bitte ich, mit mir einzuſtimmen in den Ruf: Der
Allerhöchſte Protektor der Ausſtellung, Seine Königliche
Hoheit der Großherzog Ernſt Ludwig, und Ihre
König=
liche Hoheit die Großherzogin Eleonore, ſie leben hoch!
Die Feſtverſammlung ſtimmte begeiſtert in das
Hoch ein.
Unter Führung Geheimrats Eugen Bracht und
der ſachverſtändigen Mitglieder des Ausſchuſſes machte
das Großherzogspaar einen Rundgang durch die
Aus=
ſtellung, die allgemeine Bewunderung fand.
Samstag Abend fand im Anſchluß an die
offizielleEr=
öffnung der „Bracht=Ausſtellung” noch eine intimere
Feier im kleinen Kreis im Hotel „Zur Traube” ſtatt.
Der Einladung des Arbeitsausſchuſſes waren, neben dem
Helden des Tages und mehreren ſeiner Verwandten,
ge=
folgt die Herren Miniſter Braun und von Hombergk,
Geheimerat Römheld, Provinzialdirektor Fey,
Mini=
ſterialrat Dr. Weber, Oberbürgermeiſter Dr.
Gläſ=
ſing und Juſtizrat Dr. Oſann.
Im Laufe des Mahles ergriff Herr Bürgermeiſter
Mueller das Wort, um Herrn Geheimerat Bracht als
Künſtler und Menſchen zu feiern. Er hob hervor, daß die
Stadt ſich glücklich ſchätzen dürfe, als erſte und einzige die
Ausſtellung des Lebenswerks des Künſtlers veranſtaltet
zu haben. Bracht ſei uns allerdings ja kein Fremder, er
nenne Darmſtadt ſeine Heimat und in unſerer Erde
ruh=
ten die ſtarken Wurzeln ſeiner Perſönlichkeit. Es habe
alſo wohl nahe gelegen, daß er uns das herrliche Geſchenk
der Ausſtellung machte. Gleichwohl könne man dieſes
Geſchenk nicht hoch genug einſchätzen. Die Kunſtſtadt
Dresden, in der er ſeit langen Jahren wirke und Ehrungen
aller Art erfahre, habe wohl auch einen Anſpruch darauf
gehabt, und Darmſtadt könne Bracht doch das nicht bieten,
was Dresden und andere größere Städte, die für die
Aus=
ſtellung etwa in Betracht gekommen wären, hätten bieten
können. Aber Bracht habe uns die ihm vertrauensvoll
entgegengeſtreckte Hand ergriffen und dafür ſeien wir ihm
zu großem Danke verpflichtet. Wenn wir es den anderen
Städten nicht gleichtun könnten, im warmen Pulsſchlag
unſeres Herzens ließen wir uns von Niemanden
über=
treffen. Es ſei ja auch nicht nur der Künſtler Bracht,
der uns begeiſtere, ſondern auch der Menſch, ſeine ganze
Perſönlichkeit, die ſchlicht=vornehme Art und Ritterlichkeit
feines Weſens.
In das von dem Redner ausgebrachte Hoch ſtimmten
die Anweſenden begeiſtert ein.
Unmittelbar darauf erhob ſich Geheimerat
Bracht, um in tief empfundenen Worten allen denen
ſeinen Dank auszuſprechen, die an dem Werke mitgearbeitet
hatten, ſeinen Dank auch der Vorſehung, die es ihm
ge=
ſtattet habe, dieſe Ausſtellung ſeines Lebenswerkes
per=
ſſönlich mitzumachen, ſtatt aus dem Eliſium auf ſie
herab=
zublicken. Er erinnerte dann an die eigentliche
Veranlaſ=
ſung der Ausſtellung, ſeinen 70. Geburtstag, und ſprach
nochmals ſeine Freude über die Glückwünſche aus, die ihm
damals in Dresden Herrn Profeſſor Beyer überbracht
hatte. Von beſonderem Intereſſe waren ſeine hiernach
folgenden Ausführungen über ſeine Berliner Zeit. Er
knüpfte an ein Wort, das er damals geleſen hatte: „In
Berlin werden diejenigen intellektuellen Kräfte verbraucht,
die an anderen Orten im Reich im Stillen gewonnen
wor=
den ſind.” Wenn man die Namen Wallot, Meſſel,
Hoff=
mann höre, ſo könne man mit einigem Recht ſagen, daß
die Berliner Architektur ihre Wurzeln in Darmſtadt habe.
Auch für ihn ſelber ſeien die Grundlagen ſeiner
Entwik=
kelung durchaus hier in Darmſtadt zu ſuchen und dies
er=
fülle ihn mit beſonderer Dankbarkeit. Er ſei ſtolz auf
ſeine Vaterſtadt und tief gerührt, daß man ihn hier auch
ſo verſtehe und ihm ſo warm entgegenkomme. Sein Hoch
galt der Stadt Darmſtadt und ihrer ferneren Entwickelung
als lieblicher Wohnort und als Kunſtſtadt.
Erſt ſpät trennten ſich die Teilnehmer in dem
Bewußt=
ſein, einen höchſt anregenden Abend verlebt zu haben. Das
einfache Mahl war von Herr Reuter vorzüglich zubereitet.
Vermiſchtes.
* Das Technikum Mittweida iſt ein unter
Staatsaufſicht ſtehendes, höheres techniſches Inſtitut zur
Ausbildung von Elektro= und Maſchinen=Ingenieuren,
Technikern und Werkmeiſtern und zählt jährlich zirka
2—3000 Beſucher. Der Unterricht ſowohl in der
Elektro=
technik als auch im Maſchinenbau wurde in den letzten
Jahren erheblich erweitert und wird durch die
reichhal=
tigen Sammlungen, Laboratorien für Elektrotechnik
und Maſchinenbau, Werkſtätten und Maſchinenanlagen
uſw. ſehr wirkſam unterſtützt. Das Winterſemeſter
be=
ginnt am 15. Oktober 1912, und es finden die Aufnahmen
für den am 30. September beginnenden, unentgeltlichen
Vorkurſus von Mitte September an wochentäglich ſtatt
Ausfübrliches Programm mit Bericht wird koſtenlos
vom Sekretariat des Technikum Mittweida (Königreich
Sachſen) abgegeben. In den mit der Anſtalt
verbun=
denen zirka 3000 Quadratmeter bebaute Grundfläche
umfaſſenden Lehr=Fabrikwerkſtätten finden Praktikanten
zur praktiſchen Ausbildung Aufnahme. Auf allen bisher
beſchickten Ausſtellungen erhielten das Technikum
Mitt=
weida bezw ſeine Präziſions=Werkſtätten hervorragende
Auszeichnungen. Induſtrie= und Gewerbeausſtellung
Plauen: die Ausſtellungsmedaille der Stadt Plauen „für
hervorragende Leiſtungen‟ Induſtrie= und
Gewerbe=
ausſtellung Leipzig: die Königl. Staatsmedaille „für
hervorragende Leiſtungen im techniſchen
Unterrichts=
weſen”. Induſtrieausſtellung Zwickau: die goldene
Me=
daille. Internationale Weltausſtellung Lüttich: den
Prix d’onnheur.
Literariſches.
Pierre Mille: Marianne Ueberſee.
Erzählungen. Mit einem Vorwort von Hanns Heinz
Ewers. 3 Mk., geb. 4 Mk. Verlag von Georg Müller in
Leipzig. Marianne Ueberſee nennt Hanns Heinz Ewers
einen Band des Franzoſen Pierre Mille, dem er in
einem Vorwort ’zur deutſchen Ausgabe Patendienſte
leiſtet. Marianne — das iſt Frankreich — kennen wir
ja gut genug am heimiſchen Herde, Ueberſee aber, in
ihren Kolonien, iſt ſie uns noch recht unbekannt. Ganz
beſonders intereſſant und aktuell wird der Band
da=
durch, daß eine ganze Reihe Geſchichten in den
Kongo=
gebieten ſpielen, die Marianne gerade gegen Marokko
dem deutſchen Michel abtrat, die alſo deutſches
Ueberſee=
gebiet ſind. Pierre Mille iſt ein durchaus moderner
Er=
zähler, klug, einfach und doch künſtleriſch, die Freunde
von J. V. Jenſen, L. Brun, H. H. Ewers, Kipling
wer=
den hier einen durchaus gleichwertigen Dichter kennen
lernen.
Kaukaſiſche Novellen. Von Baron
Woldemar von Uxkull. Preis 1,50 Mk. broſch.,
2,50 Mk. gebd. Verlag von Edwin Runge in Berlin=
Lichterfelde. Der Verfaſſer des mit Beifall
aufgenom=
menen Romanes „Die Schwurbrüder” iſt in den fünf
No=
vellen dieſes vom Verleger geſchmackvoll ausgeſtatteten
Bandes ſeinem Milieu und auch ſeiner Liebe zu Land
und Leuten des Kaukaſus treu geblieben. Die
Erzähl=
ungen reihen ſich aneinander, zuſammengehalten von der
Einheit des Landes und der ſittlichen Anſchauungen von
Freundſchaft und Heldengröße, die in Urkulls kraftvoller
Darſtellung einen neuen Verkünder gefunden hat. Die
ſchöne Schlichtheit, die in des Verfaſſers Kunſt oft zu
er=
greifendem Ausdrucke kommt, zeigt ſich auch in der
Schil=
derung der Landſchaft, die in ruhigen, klaren Linien
pla=
ſtiſch vor dem Leſer aufgebaut wird und ſo einen
leben=
digen Hintergrund für die mannigfachen Geſchehniſſe
bildet.
Akademiſches Turn= und Sportfeſt
zu Darmſtadt.
(Unter dem Protektorat des Großherzogs.)
*⁎* Erfreulich zahlreich war die ſportbegeiſterte
aka=
demiſche Jugend dem Aufruf des „Akademiſchen
Aus=
ſchuſſes für Leibesübungen an der Techniſchen Hochſchule
zu Darmſtadt” an deſſen Spitze neben dem Rektor magn.
Prof. Wickop, Herr Profeſſor Dr. Finger ſteht,
ge=
folgt, um in brüderlichem Wettkampf um die Palme des
Sieges zu ſtreiten und den immer mehr an Ausdehnung
gewinnenden ſportlichen Beſtrebungen an unſeren
Hoch=
ſchulen fördernd zu dienen. Das Feſt, das leider unter
der Ungunſt des regneriſchen Wetters nicht unerheblich zu
leiden hatte, wurde am Samstag abend durch einen
akademiſchen Feſtakt
im Hörſaal 326 unſerer Hochſchule vielverſprechend
einge=
leitet.
Zu dem Feſtakt waren erſchienen der Großherzog,
der Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach,
Provinzialdirektor Geheimerat Fey und weitere
Ver=
treter der ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden, Vertreter
der Univerſitäten von Gießen und Heidelberg, ſowie der
Rektor und der Lehrkörper der hieſigen Techniſchen
Hoch=
ſchule. Nach dem Erſcheinen des Großherzogs
er=
griff der Rektor Geh. Baurat Profeſſor Wickop das
Wort zu ſeiner Begrüßungsanſprache:
Eurer Königlichen Hoheit entbietet die Techniſche
Hochſchule zu Beginn ihres erſten Akademiſchen Turn=
und Sportfeſtes ehrfurchtvollſt Gruß und Dank. Das
Heſſenland weiß, daß es, wo immer es ſich um
Beſtreb=
ungen edler Kultur handelt, auf die Förderung ſeines
hohen Fürſtenhauſes rechnen kann. So haben Eure
König=
liche Hoheit auch den heute eingeleiteten akademiſchen
Wett=
kämpfen der ſtudentiſchen Jugend unſerer
Landeshoch=
ſchulen und der benachbarten Schweſteranſtalt, Ihren
Aller=
höchſten Schutz gewährt, in Würdigung der hohen Ziele,
die dieſe Wettkämpfe verfolgen. — Gruß und Dank ſage
ich auch den Herren Vertretern der hohen Staatsregierung,
insbeſondere Sr. Exzellenz Herrn Miniſter von Hombergk
zu Vach, die dem Gedeihen unſerer Hochſchule ſtets ihre
mächtige Förderung zuteil werden laſſen. — Mit
beſon=
derer Freude begrüße ich unter uns die Vertreter unſerer
Nachbarhochſchulen, der alten Ruperto=Carola zu Hei=
delberg und unſerer Schweſteranſtalt, der
Landesuniver=
ſität Gießen, ſowohl die Herren Profeſſoren als auch die
ſtudentiſche Jugend, die gekommen iſt, um ſich mit ihren
hieſigen Kommilitonen in brüderlichem Wettkampf zu
meſſen.
Zum erſtenmal treten, dem Beiſpiel anderer deutſchen
Hochſchulen folgend, die Angehörigen dieſer drei
Akademi=
ſchen Anſtalten miteinander in die Schranken. Hoffen wir,
daß aus dieſem erſten Verſuch ſich eine ſegensreiche
dauernde Einrichtung entwickeln werde! Was wir
er=
ſtreben, ſind nicht gelegentliche Feſtlichkeiten; wir haben
der Feſte übergenug in unſerem Volk. Sondern wir treten
mit dieſer Veranſtaltung handelnd ein in eine große und
wichtige Kulturbewegung, die heute alle Nationen
durch=
weht und auch in Deutſchland, nachdem ſie lange ſehnlich
erſtrebt, machtvoll zum Ausdruck kommt. Allzulange
hat=
unſer deutſches Volk freilich in ehrlichem Streben nach
Vervollkommnung, ſeiner Jugend einſeitig geiſtige Koſt
geboten; endlich hat ſich, aus dem Volk, aus der Jugend
heraus, die Erkenntnis Bahn gebrochen, daß zu wahrer
Kultur auch ein geſunder, zu Kraft und Schönheit
gebil=
deter Körper gehört — eine Erkenntnis, die ſeit den Tagen
des Altertums nur in einzelnen Geſellſchaftsſchichten wach
geblieben war und jetzt wieder Volksgemeingut wird
Und wir wiſſen, daß mit dieſer geſteigerten Körperkultun
uns noch andere Früchte in den Schoß fallen werden: grös
ßere Friſche in aller geiſtigen Betätigung, Erziehung des
Charakters zu entſchlußfroher Tat, zu ritterlicher Achtung
des Gegners, zur Selbſtzucht und zu edler Sittlichkeit. Und
nicht zum wenigſten muß dieſer edle Wettſtreit erſt
ein=
mal zum Volksgut geworden, zur Milderung der ſozialen
und politiſchen Gegenſätze und zur Hebung des deutſchen
Nationalgefühls beitragen! Die akademiſche Jugend hat
in ihren Korporationen ritterliche Waffenübung und
da=
neben in ihren Turnvereinen die körperliche Tüchtigkeitz
ja ſchon bisher gepflegt, und zu den turneriſchen
Beſtreb=
ungen ſind mehr und mehr die ſportlichen getreten. Auch
unſeren akademiſchen Turnvereinen haben ſich
Sport=
abteilungen angegliedert; unſer heutiges Feſt mag
Ge=
legenheit geben, die vielfachen Einzelbeſtrebungen durch
neue Organiſationen zuſammenzufaſſen. Der Anfang iſt
hier gemacht durch die Gründung unſeres Akademiſchen
Ausſchuſſes für Leibesübungen, deſſen unermüdlicher
Vor=
ſitzender Herr Profeſſor Finger, ſchon ſeit langem die
körperliche Betätigung unſerer=Jugend mit Begeiſterung
fördet und nun die Füchte ſeiner Tätigkeit reifen ſieht,
Schon im vorigen Jahre wurde der Entſchluß zum
dies=
jährigen akademiſchen Wettkampf gefaßt — freilich in viel
beſcheidenerem Rahmen. Der Anregung unſeres erhabenen
Landesherrn iſt es zu verdanken, wenn wir nun mit
die=
ſer Veranſtaltung an die Oeffentlichkeit treten und den
Anfang machen zu alljährlich wiederkehrenden akademiſchen
Wettſpielen.
Wir haben die ganz beſondere Freude, am heutigen
Abend, den verdienſtvollen Förderer deutſchen Sports, den
Vorſitzenden des Akademiſchen Deutſchen Sportbundes,
Herrn Dr. Mallwitz als Feſtredner unter uns zu begrüßen,
Wir werden gern ſeine Anregungen entgegen nehmen,
Streben wir doch alle, wenn auch auf verſchiedenen Wegen,
nach einem Ziel. „Getrennt marſchieren und vereint
ſchla=
gen” dieſes Wort unſeres großen Heerführers muß auch
für uns gelten! So eröffne ich denn im Namen unſarer
Techniſchen Hochſchule Darmſtadt das erſte Akademiſche
Turn= und Sportfeſt, indem ich die Hoffnung ausſpreche,
daß aus dieſem erſten, in leider kurzer Vorbereitung
ge=
ſchaffenen Verſuch ſich die brüderlichen Wettkämpfe unſerer
akademiſchen Jugend unſerer Nachbarhochſchulen zu einer
dauernden und lebenskräftigen Einrichtung entwickeln
mögen! (Lebhafte Zuſtimmung.)
Es ergriff nun der Vorſitzende des Akademiſchen
Deutſchen Sportbundes, Dr. Mallwitz=Dresden,
das Wort zu ſeinem Vortrag über
„Sport und deutſches Studentenleben”.
Deutſchland ſteht an einem Scheidewege, ſo führte der
Redner aus, wo es ſich entſchließen muß, ob es auch auf
dem Gebiete des Sports und der Körperpflege in der
Welt vorangehen will. Da verlohne es ſich, einmal zu
unterſuchen, welche Stellung der Sport an den deutſchen
Hochſchulen einnehme. Bisher habe lediglich die
geſell=
ſchaftliche und wiſſenſchaftliche Bildung das Kriterium
abgegeben für die perſönliche Stellung des Einzelnen=
Dies ſei erfreulicherweiſe bereits etwas anders
gewor=
den. Die Stellung des Menſchen in der Natur zwinge
ihn zum geregelten Betriebe von Leibesübungen, um
alle Körperteile harmoniſch auszubilden, und da ſich
dieſe Erkenntnis jetzt immer mehr Bahn breche, ſei es
bei der Gründlichkeit und Wiſſenſchaftlichkeit des
Deut=
ſchen zu erwarten, daß er auch den Sportbetrieb nicht um
des Sports willen betreibt, ſondern um den Endzweck,
die Höherbildung und Entwickelung der Raſſe, zu
er=
reichen. Und ſo werden auch bei der nächſten Olympiade
in Berlin die Beziehungen des Sports zu Kunſt und
Wiſſenſchaft eine entſprechend wichtige Rolle ſpielen. Die
Deutſchen werden es erreichen, auf dem Gebiete der
Körperpflege in der Welt voranzugehen, aber vorher
müſſe noch ein gut Teil alter Gewohnheiten abgeſtreift
werden. Es haben ſich ja erfreulicherweiſe an den
deut=
ſchen Hochſchulen Sport und Spiel hervorragend
ent=
wickelt, aber dieſe Betätigung müſſe allgemeiner werden.
Es müſſe etwas mehr vom nur gelehrten Tun
abge=
gangen werden und für die Körperlichkeit des Menſchen
etwas mehr getan werden. Auf dieſem Gebiete
könn=
ten wir von England viel lernen, gelte doch hier eine
gute ſportliche Leiſtung geradezu als
Aufnahmeprüf=
ung für die akademiſchen Verbände. So viel man auch
von dem Lande des intenſivſten Sportbetriebes, von
Amerika, lernen könne ſo ſei doch die dort herrſchende
Spezialiſierung des Sports nicht zu empfehlen. Mit
den jetzt in Darmſtadt veranſtalteten akademiſchen
Wett=
kämpfen ſeien wir in Deutſchland ſchon einen großen
Schritt dem erſtrebten Ziele, der umfaſſenden Sport=, näher gekommen. Auch die verſchiedentlichen
akademiſchen Sportverbände und die an faſt allen
deut=
ſchen Hochſchulen beſtehenden Ausſchüſſe für
Körper=
pflege laſſen erhoffen, daß Deutſchland auf dem richtigen
Wege begriffen iſt, auch im Sportbetrieb in der Welt
voran zu gehen. Der Vortragende zeigte ſodann noch
eine Reihe intereſſanter Lichtbilder von den letzten
olympiſchen Spielen in Athen, ſowie verſchiedene
Auf=
nahmen ſportlicher Leiſtungen.
Dem intereſſanten, humorvollen Vortrag wurde
leb=
hafter Beifall gezollt, dem auch der Rektor, Geh.
Bau=
rat Profeſſor Wickop, Worte des Dankes an den
Red=
ner und die Gäſte anſchloß und hierauf den Abend
ſchloß.
Die turneriſchen und ſportlichen
Wettkämpfe
begannen am geſtrigen Sonntag vormittag von 7 Uhr
ab auf dem Sportplatz des Fußballklubs „Olympia 1898‟
(Rennbahn an der Heidelbergerſtraße). Es wurden am
Vormittag im weſentlichen die Vorkämpfe und der tur=
Nummer 170.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Inli 1912.
Seite 7.
neriſche Fünfkampf zum Austrag gebracht, während
nachmittags, meiſt durch ſtrömenden Regen ſtark
beein=
flußt, die Schlußkämpfe ausgefochten wurden, die
außer=
ordentlich ſtarkes Intereſſe erweckt hatten. Die Tribünen
und die für den hohen Protektor des Feſtes, Se. Königl.
Hoheit den Großherzog und Gefolge reſervierte
be=
ſondere Tribüne waren dicht beſetzt. Trotz des
anhal=
tenden Regens hielten die Beſucher bis zum Schluſſe der
Wettkämpfe —gegen 7 Uhr abends — aus. Es dürfte
auch niemand dieſes Ausharren bereut haben, denn was
an Sport geboten wurde, war ſowohl im Ganzen, wie
in Einzelleiſtungen ganz hervorragend und zeugte
leb=
haft davon, daß die modernen, nun auch von unſerer
Techniſchen Hochſchule aufgenommenen und lebhaft
geför=
derten, gediegenen ſportlichen Beſtrebungen allgemein
auf Verſtändnis unſerer ſtudierenden Jugend ſtoßen.
Kurz nach 4 Uhr fuhr das Automobil des
Groß=
herzogs vor und der Fürſt ſowie die Frau
Groß=
herzogin wurden freudig und lebhaft begrüßt.
Wei=
ter erſchienen Miniſter des Innern vonHombergk
zu Vach, Geheimerat Römheld und Gemahlin,
Ge=
neraladjutant Hahn, Miniſterialrat Dr. Weber,
fer=
ner faſt vollzählig der Lehrkörper der Hochſchule mit
Rektor magn. Wickop an der Spitze, viele Proſeſſoren
von Heidelberg und Gießen uſw — Von den
Wett=
kämpfen des Nachmittags erregte der
Hochſchuleil=
botenlauf um den Kranz des Großherzogs
beſonderes Intereſſe und mit rauſchendem Beifall
wur=
den die Sieger — die Darmſtädter — begrüßt. Se.
Kgl. Hoheit der Großherzog ließ ſich die ſiegende
Mann=
ſchaft vorſtellen und ſprach ihnen herzliche Glückwünſche
aus. In ſeinem Auftrage überreichte Exz. v
Hom=
bergk dem Sieger den Großherzogskranz. Ueberhaupt
haben die Darmſtädter am beſten abgeſchnitten, ſie
konn=
ten alle bedeutenden Siege an ſich bringen. Die
Wett=
kämpfe hatten folgendes Ergebnis:
A. Turneriſche Wettkämpfe (Regeln der Deutſchen
Turnerſchaft). I. Fünfkampf: 1. Reck, 2. Barren,
3. Weithochſprung, 4. Schleuderballwerfen, 5. 150
Meter=
lauf. (Erreichbar 120 Punkte. 80 Punkte berechtigen zu
Kranz und Urkunde.) Erſter Preis Wiechen=
Darmſtadt, 108 Punkte, 2. Breidenbach=Darmſtadt,
105½ Punkte, 3. Klarhorſt=Darmſtadt, 97½ Punkte, 4.
Neumann=Gießen, 91½ Punkte, 5. Lhotzky=Darmſtadt,
91 Punkte, 6. Hochſchild=Heidelberg, 90½ Punkte, 7.
Leſchmann=Darmſtadt, 89½ Punkte, 8. Soldat=Gießen,
87½ Punkte, 9. Beijer=Darmſtadt, 87 Punkte, 10. v.
Ki=
piani=Darmſtadt, 86 Punkte.
II. Einzelkämpfe: 1. 100 Meter=Hürdenlauf
über 4 Hürden (1 Meter hoch, 80 Ztm. feſt, 20 Zim.
bieg=
ſam) Ein Viertel der Bewerber Sieger. Erſter
Recknagel=Heidelberg 14,3 Sek., zweiter und
drit=
ter Bickert=Darmſtadt und Holſchuh=Gießen 14,4 Sek. —
Fauſtra I: Geßen zweite Mannſchaft gegen „
Fran=
konia‟=Heidelbera 23:57. Gießen dritte Mannſcheft
ge=
gen „Hercynia”=Heidelberg 17145, „Allemannia‟=
Darm=
ſtadt gegen Gießen erſte Mannſchaft 34:30, Akademiſche
Turnriege Darmſtadt gegen Heidelberg zuſammengeſetzte
Mannſchaft 58159. — Tamburin: Gießen gem.
Mannſchaft gegen Spielkurs Heidelberg 19141 und 54:36.
Schülerwettkampf, Dreikampf in Weithochſprung,
Steinſtoßen und 100 Meter=Lauf. Von 44 Teilnehmern
errangen 18 Kränze, davon Wenzel einen goldenen
und v. d Au einen ſilbernen. Die Kränze waren von
der Hochſchule geſtiftet.
B. Sportliche Wettkämpfe (Regeln der Deutſchen
Sportbehörde für Athletik). I. Dreikampf: 100
Me=
ter=Lauf, Hochſprung, Kugelſtoßen (7¼ Kg.). Erſter
Loos=Darmſtadt, 14 Punkte, zweiter und dritter
Binz=Darmſtadt und Klement=Gießen 8 Punkte, vierter
Recknagel=Heidelberg 7 Punkte, fünfter Dang 4 Punkte.
III. Einzelkämpfe: 1. 400 Meter=Lauf.
Erſter Loos=Darmſtadt, 59 Sek., zweiter Gebhard=
Gießen 60½ Sek., dritter Miething=Darmſtadt 61 Sek.
2. Diskuswurf: Erſter Loos=Darmſtadt 35,10
Meter, zweiter Binz=Darmſtadt 28,75 Meter, dritter
Gethmann=Heidelberg 26,35 Meter. — 3.
Speerwer=
fen: Erſter Teerkamp=Heidelberg 40,70 Meter,
zweiter W. Salomon=Gießen 37,89 Meter, dritter Mayer=
Darmſtadt 36,68 Meter. — 4. Weitſprung: Erſter
Clarius=Gießen 5,87 Meter, zweiter Loos=
Darmſtadt 5,42 Meter, dritter Recknagel=Heidelberg 5,35
Meter.
III. Mannſchaftskämpfe (Eilbotenlauf 5X100
(Meter) Hochſchulwettkampf um den Ehrenpreis des
Großherzogs. Erſte Darmſtadt mit 1 Minute,
zweite Gießen, dritte Heidelberg.
Abends fand im Kaiſerſaal Feſtkommers mit
Preisverteilung ſtatt.
Darmſtadt, 22. Juli.
Mozart=Verein. Das für Samstag vorgeſehene
Sommernachtfeſt wurde durch das andauernd
reg=
neriſche Wetter leider ſtark beeinflußt. Anſtatt des
vorgeſehenen Gartenfeſtes fand im großen
Saalbau=
ſaale Promenade=Konzert ſtatt, bei dem man
die Muſik in der Mitte des Saales plaziert hatte und
dadurch doch wenigſtens der Jugend Gelegenheit gab,
zu den Klängen der wie immer Vortreffliches leiſtenden
Kapelle Hauske zu „promenieren‟. Es ſtellte ſich
dann auch bald eine recht animierte Stimmung ein, die
ihren Höhepunkt allerdings erſt erreichte, als der Saal
für den Tanz geräumt wurde, dem man dann recht
ausgiebig huldigte.
* Mainz, 20. Juli. Nachdem der Beigeordnete
Berndt als beſoldeter Stadtrat mit Wirkung vom
1. September nach Berlin berufen wurde, waren von
der Bürgermeiſterei diesmal zwei Beigeordnetenſtellen
ausgeſchrieben. Insgeſamt waren 317 Bewerbungen
eingelaufen. In der heutigen nichtöffentlichen Sitzung
wurde gewählt zum juriſtiſchen Beigeordneten an Stelle
des bisherigen Beigeordneten Berndt Herr Günther,
Magiſtratsſyndikus aus Stettin, ein geborener Badenſer,
der früher im Reichsverſicherungsamt tätig war, mit
33 Stimmen. Die zweite Stelle wurde mit Herrn
Stadt=
verordneten Dr. Külb aus Mainz, auf den 32
Stim=
men entfielen, beſetzt.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 21. Juli. Die japaniſche Botſchaft
erhielt folgendes Telegramm: Der Kaiſer leidet ſeit
dem 14. Juli an einer Magen= und Darmkrankheit. Am
19. Juli trat eine leichte Störung des Bewußtſeins ein.
An demſelben Abend ſtieg die Temperatur auf 40½ Grad,
Puls 104, Atem 38. Nach einer Reutermeldung aus
Tokio iſt das Befinden des Kaiſers bis 6 Uhr abends
unverändert. Der Zuſtand des Kronprinzen, der die
Windpocken hatte und ſich auf dem Wege der Geneſung
befand, nahm durch die Nachricht von der Erkrankung
des Kaiſers eine Wendung zum Schlimmeren. — Nach
einem heute mittag ausgegebenen Bulletin zeigt ſich im
Befinden des Kaiſers eine Wendung zum
Schlimmeren. Die Temperatur betrug morgens
9 Uhr 39,3 Grad, der Puls, der unregelmäßig und
ſchwächer war, 100, die Atmung 30, die Zunge iſt trocken
und die Fieberphantaſien dauern an. Krämpfe und
andere ſchwere Symtome haben ſich eingeſtellt.
* Frankfurt a. M., 21. Juli. In der Feſthalle fand
am Sonntag Nachmittag ein Schlußbankett ſtatt.
Der Vorſitzende des Zentralausſchuſſes, Juſtizrat Dr.
Friedleben, dankte im Namen der Feſtleitung allen
denen, die mitgewirkt haben, zum Gelingen des Feſtes. Ganz
beſonders dankte er dem Prinzen Heinrich für die
Ueber=
nahme des Protektorats, für das Intereſſe, das er dem
deut=
ſchen Schützenbund entgegengebracht habe. Dies ſei ein
Be=
weis, daß man allerhöchſten Orts den Patriotismus und
die nationalen Beſtrebungen des Bundes anerkenne. Am
Schluſſe dankte er noch allen Ausſchußmitgliedern für die
geleiſteten Arbeiten und ſchloß mit einem Hoch auf die
deutſchen und ausländiſchen Schützen. —
Oberſchützen=
meiſter Jung verlas ein beim hieſigen öſterreichiſchen
General=Konſulat eingelaufenes Telegramm von
Kaiſer Franz Joſef, lautend: Den beim
geſtrigen Oeſterreichertage verſammelten Vertretern
der deutſchen Schützenvereine wolle der allerhöchſte
Dank Seiner kaiſerlich=königlich=apoſtoliſchen Majeſtät
für dargebrachte Huldigung bekannt gegeben werden. —
Ferner gab er ein Telegramm aus Karibib (Deutſch=
Südweſtafrika) bekannt: Heute gegründeter
Deutſch=
ſüdweſtafrikaniſcher Landes=Schützenverband übermittelt
treudeutſchen Gruß. Uhlmann, Vorſitzender. — Der
Kaiſerliche Rat Gerſtle dankte in warmen Worten für
die glänzende Aufnahme, die ſie in Frankfurt gefunden
haben. Er brachte einen Toaſt auf die Frankfurter
Damen aus, die die Wiener ganz beſonders herzlich
empfangen hätten.
*Camenz (Schloß), 21. Juli. Prinzeſſin Friedrich
Wilhelm von Preußen iſt nachts von einer
Prin=
zeſſin glücklich entbunden worden.
* Halle a. d. S., 20. Juli. Auf einem Neubau in
dem Vorort Giebichenſtein ſtürzte heute vormittag ein
Gerüſt zuſammen. Ein Maurer wurde getötet,
zwei ſchwer und einer leicht verletzt.
* Hamburg, 20. Juli. Der Direktor der Botaniſchen
Staatsinſtitute, Profeſſor Dr. Fitting, nahm die
Be=
rufung an die Univerſität Bonn an. Er wird am
1. Oktober aus ſeiner hieſigen Stellung ausſcheiden.
* Baleſtrand, 20. Juli. Der Beſitzer der engliſchen
Jacht „Revenska” wurde mit ſeinen Gäſten geſtern
vom Kaiſer zur Abendtafel geladen. Vormittags
unternahm der Kaiſer einen Spaziergang. Das Wetter
war warm und nicht ganz klar. An Bord iſt alles wohl.
* Haag, 20. Juli. Eine amtliche Depeſche aus
Niederländiſch=Indien berichtet vom 19. Juli:
Unter 300 chineſiſchen Arbeitern, die für die
ſtaatlichen Zinngruben auf der Inſel Banka angeworben
ſind, brachen Unruhen aus. Obwohl die Behörden ihr
Beſtes getan, um die Arbeiter zu beruhigen, griffen dieſe
doch das Bureaugebäude an und töteten eine Perſon.
Sie ließen ſich durchaus nicht durch das herbeigerufene
Militär einſchüchtern. Die Truppen feuerten ſchließlich,
erſchoſſen drei Rebellen und verwundeten 15,
von denen 6 geſtorben ſind. Die Ordnung iſt wieder
hergeſtellt. Die Unruhen entſtanden dadurch, daß die
Arbeiter verlangten, alle in ein und derſelben Grube
be=
ſchäftigt zu werden. Dem Wunſche konnte nicht entſprochen
werden.
* Madrid, 20. Juli. Der Korreſpondent des
Uni=
verſo in Orenſe übermittelt ein aus Verin ſtammendes
Telegramm, nach welchem in Oporto und Liſſabon
die Revolution ausgebrochen ſein ſoll.
* London, 20. Juli. Das Reuter=Bureau meldet
aus Kanea: Heute vormittag brach auf Deck des vorm
Hafen verankerten Dampfers „Paros” der deutſchen
Levantelinie ein heftiges Feuer aus, das durch die
Exploſion der Benzinfäſſer weiter verſtärkt wurde. Der
Zuſtand des Dampfers iſt hoffnungslos, da man eine
Keſſelexploſion befürchtet. Menſchenleben ſind
wahr=
ſcheinlich nicht zu beklagen. Die deutſche Levantelinie
Hamburg erhielt die Mitteilung, daß eine Benzin=
Exploſion an Bord des „Paros” der heute vormittag
aus Antwerpen hier eingetroffen war, erheblichen Schaden
angerichtet hat. — Um 3 Uhr nachmittags brannte
der „Paros” noch. Kapitän und Mannſchaften
kämpften mit großer Kaltblütigteit gegen das Feuer und
verſuchen, es durch Pumpen auf das Hinterſchiff zu
beſchränken. Die in der Sudabai liegenden
Stations=
ſchiffe boten Hilfe an. Der Kapitän hofft, das Feuer
von den Keſſeln fernhalten zu können.
* Swakopmund, 20. Juli. Von der Reiſe
Dr. Solfs wird gemeldet: Vom 15. bis 18. Juli
wurden die Eiſenbahnwerkſtätten, die Marmorbrüche in
und bei Karibib, die Betriebsanlagen der Otavibahn,
insbeſondere die Wohlfahrtseinrichtungen für weiße und
farbige Arbeiter und die Werkſtätten in Uſakos beſichtigt.
Dr. Solf ſprach dem Direktor der Otavibahn, Goetz, ſeine
Anerkennung aus. In Swakopmund fand ein feierlicher
Bierabend ſtatt.
* Ardebil, 20. Juli. Die perſiſche Strafexpedition
von 4000 Reitern und Artillerie ſchloß ſich nordweſtlich
von Ardebil den ruſſiſchen Truppen des Generals
Fida=
row an. Die Schahſewennen traten den
Rück=
zug an.
Herde ausgeſtellt, an welchen zu ſehen iſt, welche
Fort=
ſchritte im Laufe der Jahre auf dieſem Gebiete gemacht
worden ſind. Wie ein Herd im allgemeinen ausſieht,
weiß ja das Publikum aus ſeiner eigenen Behauſung
hat aber wohl nicht die richtige Vorſtellung von dem
Werdegang dieſes Artikels. Um dem Publikum Einblick
in die Fabrikation einer modern veranlagten Herdfabrik
zu geben, hat die Firma es ſich angelegen ſein laſſen,
den Fabrikationsgang eines emaillierten Herdes
auszu=
ſtellen. An den Materialien iſt zu ſehen, wie ſolche vom
Roheiſen und Blech allmählich dem Fertigfabrikat
ent=
gegengehen und von beſonderem Intereſſe ſind die
ver=
ſchiedenen ausgeſtellten Materialien für die
Emailfabri=
kation.
Erbitterte Feinde des Menſchen ſind die in ihrer
verderblichen Wirkſamkeit von der Wiſſenſchaft immer
mehr beleuchteten Bakterien, die in unermeßlichen Scharen
jeden Augenblick unſer Daſein umlauern. Ihnen
gegen=
über iſt der Menſch faſt nur auf die Abwehr dadurch
angewieſen, daß er ihnen möglichſt wenig Augriffspunkte
bietet und das ſind vorzüglich offene Wunden uſw. Oft
bringt es jedoch der Beruf mit ſich, daß man ſich bei
aller Vorſicht eine Verletzung zuzieht und da iſt es dann
ein Gebot der Selbſterhaltung, für ſchleunige Beſeitigung
der Wunde zu ſorgen. Hierbei iſt es von Wert, ſofort
ein geeignetes Heilmittel an der Hand zu haben und ein
ſolches iſt Rino=Salbe. Rino=Salbe heilt Geſchwüre
und Abſzeſſe mit derſelben überraſchenden Leichtigkeit
und Schnelle wie Wunden und Hautverletzungen aller
Art, und hat dabei, weil völlig frei von ſchädlichen
Be=
ſtandteilen, keinerlei ſchädliche Nebenwirkungen. Man
erhält die Rino=Salbe in Doſen à Mark 1,15 und 2,25
in den Apotheken, achte aber auf die Original=Packung
weiß=grün=rot und Firma Rich. Schubert und Co., chem.
Fabrik, Weinböhla=Dresden.
Man ſchreibt uns: Einen Beweis ihrer
hervorragen=
den Qualität haben dieſer Tage die Benzwagen beit
der vom Ruſſiſchen Kriegsminiſterium veranſtalteten
Zuverläſſigkeitsprüfung für Automobile abgelegt, die
von St. Petersburg über Pkow, Dwinsk, Wilna, Kowno,
Grodno, Minsk, Moskau nach St. Petersburg führte
und ſich über ca. 2800 Kilometer erſtreckte. Die vier
Benz=
wagen legten die vierzehntägige, größtenteils durch
weg=
loſe Sand= und Steppengebiete führende und daher
außerordentlich beſchwerliche Fahrt, bei der die Wagen
oft bis über die Räder in den Sand ſanken, ohne
jeden Defekt der Maſchinen= unb Getriebeteile zurück.
Dieſer Beweis iſt doppelt kräftig, wenn man ſich
er=
innert, daß die Benzwagen bereits bei der ruſſiſchen
Kaiſerpreisfahrt des Vorjahres, die unter ähnlich ſchweren
Bedingungen vor ſich ging, unter mehr als 60
teil=
nehmenden Wagen mit dem erſten Spezialpreis für beſte
Geſamtleiſtung ausgezeichnet werden konnten. Die
Leiſtungsfähigkeit der Benzfahrzeuge hat das ruſſiſche
Kriegsminiſterium veranlaßt, die vier Benzwagen, die
die Prüfungsfahrt ſo erfolgreich beſtritten, ſofort
an=
zukaufen.
Familiennachrichten.
Unbedingt keimfreie
in warmer Jahreszeit
zuverlässioste Nahrung
für kleine Kinder
Für einen Verſuch ſenden
eine Probebüchſe koſtenfrei Muffler & Cie., Freiburg i. Brg.
Aus dem Geſchäftsleben.
Die Darmſtädter Herdfabrik und
Email=
lierwerk, G. m. b. H., Landwehrſtraße 63, hat in dem
Laden Ernſt Ludwigſtraße 19 eine Kollektion emaillierter
Todes=Anzeige.
(Statt Karten.)
Verwandten, Freunden und Bekannten
hiermit die ſchmerzliche Nachricht, daß unſer
lieber Sohn, Bruder, Enkel und Neffe
nach langem, ſchwerem Leiden ſanft ent=
(B15774
ſchlafen iſt.
Familie Emil Frank-Kriegbaum
„ Dachdeckermeister Müller.
Darmſtadt, 21. Juli 1912.
Die Beerdigung findet am 23. Juli,
nachmit=
tags 5 Uhr, vom Portale des Beſſunger
Fried=
hofs aus, ſtatt.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Todes=Anzeige.
Heute abend 7 Uhr entſchlief ſanft nach
langem, ſchwerem Leiden mein herzensguter
Gatte, unſer Vater, Bruder und Schwiegervater
Herr Heinrich Dörr
Großherzoglicher Oberlandesgerichtsdiener
(15776
im 56. Lebensjahr.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Helene Dörr, geb. Steingäßer
Georg Dörr
Marie Hahn, geb. Dörr
Willi Hahn, Zahlmeiſter=Aſpirant
Mathilde Dörr
Heinrich Dörr
Georg Dörr, Oberpoſtaſſiſtent, und Familie
Lina Dörr
Liſa Dörr.
Darmſtadt, Kahlertſtr. 8, 20. Juli 1912.
Die Beerdigung findet Dienstag, 23. Juli 1912,
nachmittags 3½ Uhr, vom Trauerhauſe ab, ſtatt.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Juli 1912.
Nummer 170.
Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten die
traurige Mitteilung, daß heute mittag unſere
geliebte Mutter, Großmutter, Schwägerin und
Tante
(15771
Frau Rosa May
geb. Mann
nach langem, ſchwerem Leiden im Alter von
67 Jahren ſanft verſchieden iſt.
Darmſtadt, den 20. Juli 1912.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet Montag, den 22. Juli,
nachmittags 4 Uhr, von der Kapelle des
iſraelitiſchen Friedhofes aus, ſtatt.
Von Blumenſpenden bitte man gütigſt
ab=
ſehen zu wollen.
Dankſagung.
Für die uns beim Ableben unſerer lieben
Schweſter, Tante und Großtante
(B15750
räufenrEie Werken
erwieſene Teilnahme, ſowie für die zahlreichen
Blumenſpenden, ſagen wir Allen, auch Denen,
welche der Dahingeſchiedenen die letzte Ehre
er=
wieſen haben, ſowie Herrn Pfarraſſiſtenten Herpel
für ſeine tröſtenden Worte unſeren innigſten Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Auguste Werner,
Karl Pirsch.
Darmſtadt, 20. Juli 1912.
Statt beſonderer Anzeige.
Am 20. ds. Mts. entſchlief im
Land=
krankenhaus in Hanau meine liebe Tochter,
unſere gute Schweſter
(15777
Margarete Bender
Schwester des Hess. Diakonie-Vereins.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen:
Frau Mélanie Bender.
Hans Bender,
Leutnant im Leibregiment Großherzogin.
Otto Bender.
Darmſtadt, den 20. Juli 1912.
Die Beerdigung findet Dienstag nachmittag
4 Uhr, von der ſtädtiſchen Friedhofskapelle
aus, ſtatt.
Kriegerverein
Darmſtadt.
Die Beerdigung unſeres
Mit=
glieds Herrn
(15775
Heinrich Dörr,
Oberlandesgerichts=
kanzleidiener, findet am Dienstag, den 23. Juli,
nachmittags 3½ Uhr, vom Sterbehauſe
Kahlert=
ſtraße 8 aus, ſtatt.
Wir erſuchen die Kameraden von Schupp
bis Zöller, ſowie des 3. Bezirks, ſich dort zu
verſammeln.
Der Vorſtand.
Unentgeltliche ärztliche Beratungsſtelle
für Säuglingspflege, Heinheimerſtraße 21.
Sprechſtunden: Montags und Donnerstags ½5—6 Uhr,
Dienstags und Freitags 4½—6 Uhr. —
Ludwigshöh=
ſtraße 4: Dienstags und Freitags 5—6 Uhr.
Städtiſches Hallenſchwimmbad
Mühl=
ſtraße 33 (geöffnet an Werktagen von 7 Uhr morgens
bis 8½ Uhr abends, Sonntags von 7—12½ Uhr
morgens).
Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Verwandten, Freunden und Bekannten
hierdurch die tieftraurige Mitteilung, daß
meine unerſetzliche, herzensgute Gattin,
un=
ſere Mutter, Schwiegermutter, Großmutter,
Schweſter und Schwägerin
(15763
Frau Eva Möser
geb. Herbert
geſtern abend 11½ Uhr infolge eines
Herz=
ſchlages unerwartet plötzlich ſanft verſchieden iſt.
Um ſtille Teilnahme bitten
Joh. Heinrich Möſer
Adolf Möſer
Marg. Möſer, geb. Günther
und ein Enkel.
Darmſtadt, den 20. Juli 1912.
Die Beerdigung findet am Montag vormittag
um 10 Uhr, von der Leichenhalle aus, ſtatt.
Einlanmehhaus.
Im Geiſenſee 11, Ecke
Schieß=
hausſtraße, nach den Plänen des
Herrn Prof. Pützer ſolid u.
prak=
tiſch erbaut, mit 8 Zimmern,
4 Manſarden, Bad, elektr. Licht,
ſchönen Wirtſchaftsräumen im
Suterrain u. Zentralheiz., iſt ſof.
zu verkaufen oder zu vermieten.
Geſamtflächengehalt einſchl. des
Gartens 711 qm. Die
Beding=
ungen ſind günſtig geſtellt.
Wei=
teren Aufſchluß erteilt das
Immo=
biliengeſchäft Sebastian Eckler,
Rheinſtr. 9, Telef. 243. (11935a
Tageskalender.
Eugen Bracht Ausſtellung auf der
Mathil=
denhöhe (geöffnet von 10—6 Uhr).
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 23. Juli.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 3 Uhr
Lud=
wigshöhſtraße 4.
Haferernte Verſteigerung um 8 Uhr in
Ge=
markung Eberſtadt (Zuſammenkunft um 8 Uhr auf dem
Kühruhweg, Ecke der neuen Einfriedigung)
Holzverſteigerung um 10 Uhr bei A. Krämer II.
zu Eſchollbrücken.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: i. V.: Max Streeſe; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den, Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus der Geſchäftswelt: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
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In der Nacht vom 16.—17. Juli
5 iſt ein eiſernes Kellergitter
entwendet worden. Dem
Wieder=
bringer Belohnung.
(*1658
Wienersſtraße 59.
Derienige, welcher am Sonntag,
den 14. d. Mts. meine
aus Ver=
Guitarre
ſehen
mitgenommen
hat, iſt erkannt; falls nicht baldige
Rückgabe erfolgt, wird Strafanzeige
erſtattet. Hans Tod, Reſtaurateur,
Dieburgerſtraße 97.
(*1663
Freitag nach=
Entflogen mittag ein
gelber Kanarienvogel.
Wiederbringer Belohnung.
Ab=
zugeben Kaupſtr. 51, I. links. (*1665
Schiffsbericht. Hamburg=
Ame=
rika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Hrn. Adolf Rady,
Darm=
ſtadt, Zimmerſtraße 1. Dampfer
„Moltke”, von New=York nach
Genua, 18. Juli 1 Uhr 30 Minuten
achmittags in Neapel. — Dampfer
„Pennſylvania”, von New=York
kommend, 19. Juli 6 Uhr 30
Mi=
nuten morgens in Hamburg. —
Dampfer „Preſident Lincoln”,
18. Juli 11 Uhr morgens von New=
York über Plymouth und
Cher=
bourg nach Hamburg. — Dampfer
„Kronprinzeſſin Tecilie” vierte
Nordlandfahrt, 18. Juli 7 Uhr
morgens in Tromſö.
ee
Wir ſind b. Mitte
Auguſt verreiſt.
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Ich kaufte mir 2 Doſen und die
Flechte iſt ſeitdem verſchwunden.
Ich ſage Ihnen meinen beſten Dank
ſo ſpät, weil ich erſt wiſſen wollte,
ob der Erfolg ein dauernder iſt, was
ich jetzt nach 2 Jahren wohl annehmen
darf.
Em. Marx.
Görlitz, den 14./2. 06.
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Nummer 170.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Juli 1912.
Seite 9.
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Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Spitzhund, 1 deutſcher Schäferhund. 1 Dachshund
(zugelaufen). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem
5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht
ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um
10 Uhr, ſtatt.
(15745
Bekanntmachung.
Die nachſtehenden Vorſchriften der Polizeiverordnung über den
Woog bringen wir erneut zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 18. Juli 1912.
Großherzogliches Polizeiamt
Gennes.
Polizeiverordnung,
den Woog betreffend.
(„Darmſtädter Tagblatt‟ Nr. 212 vom 9. September 1908.)
Auf Grund des Art. 56 Abſ. 2 Ziffer 1 des Geſetzes, die
Städte=
ordnung betreffend, vom 15. Juni 1874, wird nach Anhörung der
Stadtverordnetenverſammlung der Haupt= und Reſidenzſtadt
Darm=
ſtadt mit Genehmigung Großherzoglichen Miniſteriums des Innern
vom 21. Auguſt l. J. zu Nr. M. d. J. 14409, verordnet, was folgt:
Die polizeiliche Aufſicht über den Woog ſteht dem Großh.
Polizeiamt zu, das ſie durch die ihm unterſtellten Organe,
insbe=
ſondere auch durch den als Polizeiaufſeher zu beſtellenden Pächter
der ſtädtiſchen Badeanſtalten am Woog ausübt.
Den zur Aufrechterhaltung der Sicherheit, Ruhe und
Ord=
nung an und auf dem Woog ergehenden Anordnungen und Weiſungen
des Großh. Polizeiamts Darmſtadt oder der dienſthabenden
Polizei=
beamten hat jedermann Folge zu leiſten.
Unterſagt iſt jeder Unfug im Waſſer, an den Ufern, in
den Badehäuſern und in den Anlagen des Woogs; jede Beſchädigung
der Dämme, Uferwerke, Badehäuſer, Nachen, Bäume, überhaupt aller
an und auf dem Woog befindlichen Anlagen und Einrichtungen;
ferner das Anhängen an die unter den Duſchebrücken befindlichen
Waſſerleitungsröhren, das Betreten der Grasflächen, ſowie aller nicht
beſtimmungsgemäß den Badenden für immer oder zeitweiſe zur
Be=
nutzung überlaſſenen Wege, Treppen und Anlagen, ſchließlich das
eigenmächtige Oeffnen oder das Ueberſteigen der Einfriedigungen.
In den Anlagen des Woogs müſſen Hunde an der Leine
geführt werden.
Das Mitnehmen der Hunde in die Badehäuſer und an die
öffentlichen Badeplätze, ſowie die unmittelbar am Waſſer
herführen=
den Wege an der Weſt= und Südſeite des Woogs iſt nicht geſtattet.
Das Fahren und Reiten auf dem über den weſtlichen
Woogsdamm fühenden Weg iſt unterſagt. Ausgenommen von dieſem
Verbot ſind leichte, durch menſchliche Kraft bewegte Fahrzeuge, z. B.
Fahrräder, Kinderwagen.
Während der Badezeit iſt das unbefugte Betreten des
Frauenbades durch männliche Perſonen mit Ausnahme von Knaben
bis zu 5 Jahren unterſagt.
Ebenſo dürfen weibliche Perſonen während der Badezeit die
für Männer beſtimmten Badeanſtalten, Badeplätze und die
unmittel=
bar am Woog herführenden Wege an der Weſt= und Südſeite nicht
unbefugt betreten.
Das Baden im offenen Woog iſt des Schwimmens nicht
kundigen Perſonen nur an der ſogenannten „Inſel”, ſowie an den
durch Einfriedigungen und durch Anſchlag hierfür beſonders kenntlich
gemachten Stellen geſtattet.
Ganz unterſagt iſt das Baden und das Fahren mit Nachen in
der hinter der Militärſchwimmanſtalt gelegenen (nordweſtlichen) Ecke
des Woogs, ſowie für männliche Perſonen jenſeits der nach den
Frauenbädern zu durch Fäſſer bezeichneten Grenze.
Das Aus= und Ankleiden darf nur unmittelbar am Ufer,
dagegen nicht an oder auf den Dämmen geſchehen.
Ebenſo iſt das Betreten der Dämme und Anlagen in
entklei=
detem Zuſtande, ſowie das Abſpringen von den Landungsbrücken
verboten.
Die Badenden haben ſich, falls ſie nicht in einer
geſchloſ=
ſenen Zelle baden, der Badehoſen oder Badeanzüge zu bedienen.
Die Benutzung von Seife, das Waſchen von
Kleidungs=
ſtücken, ſowie jede ſonſtige Verunreinigung des Waſſers, der
Bade=
zellen und=Hallen, der Ufer und Dämme, ſowie das Einwerfen von
Steinen und ſonſtigen Gegenſtänden in das Waſſer iſt verboten.
Hunde oder andere Tiere dürfen in dem Woog weder gewaſchen
noch gebadet werden.
Die Benutzung der Badehäuſer iſt nur nach Entrichtung
der von Großh. Bürgermeiſterei feſtgeſetzten Gebühr und nach Löſung
einer Badekarte geſtattet. Die Badekarte iſt ſowohl den
Polizei=
beamten als auch dem Woogspächter und ſeinen Beauftragten auf
Verlangen vorzuzeigen.
Innerhalb der Badeanſtalten, mit Ausnahme des Kaſſenraums,
iſt das Rauchen verboten.
Von Einbruch der Dunkelheit bis 5 Uhr morgens iſt das
Baden unterſagt. Der Schluß der Badezeit wird durch ein
Glocken=
ſzeichen angegeben.
Zuwiderhandlungen gegen die vorſtehenden Vorſchriften
twerden, inſofern nicht andere ſtrafgeſetzliche Beſtimmungen Platz
igreifen, mit Geldſtrafe bis zu 30 Mk. beſtraft.
Außerdem haben Zuwiderhandelnde gegebenenfalls die
zwangs=
weiſe Wegweiſung vom Woog zu gewärtigen.
Dieſe Polizeiverordnung tritt am 15. I. Mts. in Kraft;
von dieſem Tage an iſt die Polizeiverordnung, den Woog betreffend,
vom 7. Juni 1885, außer Kraft geſetzt.
Darmſtadt, den 7, September 1908.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Dr. Kratz.
Umban der Evangeliſchen Kirche zu Eberſtadt.
Die nachſtehend aufgeführten Arbeiten und Lieferungen ſollen
auf dem Wege der öffentlichen Ausſchreibung vergeben werden.
1. Weißbinder= und Anſtreicherarbeiten,
2. Glaſerarbziten,
3. Gas= und Waſſerleitungsanlage,
4. Schreinerarbeiten,
5. Pflaſterarbeiten,
6. Schloſſerarbeiten (Anſchlägerarbeiten).
Die mit Preiſen und Namensunterſchrift verſehenen Angebote
ſind verſchloſſen und mit entſprechender Aufſchrift verſehen bis zum
29. Juli, mittags 12 Uhr, im Pfarrhaus zu Eberſtadt bei Herrn
Pfarrer Paul abzugeben. Daſelbſt werden auch die
Angebots=
formulare zum Selbſtkoſtenpreis, und zwar am 22., 23. und 24. Juli,
vormittags von 8—12 Uhr, abgegeben. Die Zeichnungen liegen zur
genannten Zeit zur Einſicht offen.
Die Eröffnung der Angebote erfolgt am 29. Juli, nachmittags
3 Uhr, in Gegenwart der etwa erſchienenen Bewerber im Rathausſaal.
(15617so
Eberſtadt, den 19. Juli 1912.
Der Kirchenvorſtand:
Die Bauleitung:
Paul, Pfarrer.
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III 112 3723/10
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in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K25/12
Falls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen, kann
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nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
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reicht.
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buch der Gemarkung Darmſtadt
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Bachgaſſe
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in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K20/12
Falls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen, kann
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
er=
eicht.
Darmſtadt, 20. Juni 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
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Inſtallationsarbeiten,
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Bad. Eiſenbahn=Bauabteilung au
und ſind daſelbſt während den
Geſchäftsſtunden von 8—12 und
3—6 Uhr einzuſehen, woſelbſt auch
ie Abgabe der Bedingungen und
Angebotsformulare gegen Erſat
des Selbſtkoſtenpreiſes von 50 Pfg.
(315753
erfolgt.
Die Angebote ſind verſchloſſen,
poſtfrei und mit der Aufſchrift
B. A. Nr. 10 verſehen bis längſtens
Donnerstag, 1. Auguſt 1912,
vormittags 10 Uhr,
anher einzureichen.
Weinheim, den 17. Juli 1912.
Großh. Bad. Eiſenbahn=
Bauabteilung.
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zu verkaufen. Anzuſeh. Gervinus=
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ſtraße 36, part.
1541so)
Steuer=Erhebung.
Das 2. Ziel der
Gemeinde=
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1912 iſt, bei Vermeidung der
Mah=
nung, bis längſtens Ende dieſes
Monats an den Werktagen,
vor=
mittags von 8 bis 12½ Uhr,
hier=
her zu entrichten.
Im Intereſſe raſcheſter
Ab=
fertigung an den Zahlſchaltern
wird gebeten, die Gelder
abge=
zählt bereit zu halten.
Darmſtadt, 15. Juli 1912.
Die Stadtkaſſe.
Koch. (15577a
Bekanntmachung.
Das Konkursverfahren über das
Vermögen des Zimmermeiſters
Heinrich Kehr zu Nieder=
Ram=
ſtadt wird wegen Mangels an
Maſſe gemäß des Antrags des
Kon=
kursverwalters aufgehoben. (15759
Darmſtadt, den 16. Juli 1912.
Großherzogliches Amtsgericht II.
Dus Ubst
hier vom Gute iſt abzugeben und
ſind mir Gebote darauf
ange=
nehm.
(15741oim
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Der gerade Weg.
Roman von Julia Jobſt.
(Nachdruck verboten.)
18)
Ich bewundere die Geduld dieſer Wronka, ſagte
Friedrich Wilhelm zu Suſanne, als ſie allein waren und
ſie ſich ihm wie auf der Flucht entziehen wollte.
Sie iſt ſich bewußt, daß es Großem gilt. Haſt du
ſie ſchon geſehen?
Nein, mich verlangt nicht nach ihrem Anblick, ſie
kam als die Zerſtörerin unſeres Glücks. Nein, Suſanne,
entziehe dich mir nicht wieder.
Ich muß nach Wilhelm ſehen.
Wilhelm — Wilhelm! — Immer der Knabe, bin ich
für dich ein Nichts? Was wird aus uns, wenn er hier
als alleiniger Erbe einzieht? Sogar dein Erbteil
ſchmä=
lert er dir, da die Hälfte ihm zugehört.
Laß doch alles ruhen, Friedrich Wilhelm.
Nein, ich will klar ſehen.
Du wirſt bis zur Mündigkeit des Knaben der
Ver=
walter ſeines Beſitzes werden.
Hat Onkel das geſagt?
Nein, ich denke es mir ſo.
Und Du? — — So ſprich doch. Haſt du dir ſchon
vorſorglich den Platz beſtimmt, den du in Zukunft in
Altenwerder einnehmen wirſt?
Hüte dich, ungerecht zu werden, Friedrich Wilhelm.
Warten wir doch in Ruhe ab, wie Großvater alles
ord=
nen wird.
In Ruhe! — Sieh mich an, Suſanne, biſt du wirklich
die Heilige, die alle Wünſche irdiſcher Leidenſchaft fana=
tiſch unterdrückt? Haſt du über deiner Miſſion vergeſſen,
was wir uns ſind?
Nein, Friedrich Wilhelm, aber ich weiß, daß Frau von
Buchberg ihren Knaben niemals hergeben wird. Und
zieht ſie als Herrin auf Altenwerder ein, ſo iſt meines
Bleibens nicht mehr.
Und mir muteſt du zu, hier den Verwalter zu ſpielen,
wo ich Herr zu ſein gedachte. Gehſt du — ſo gehe ich auch.
Er nahm die Aufſchluchzende in ſeine Arme und
preßte ſie an ſich in leidenſchaftlichem Verlangen.
Su=
ſanne duldete es ſchweigend, dann löſte ſie ſich von ihm
und ſagte traurig: „Du haſt dir ein armes Schätzchen
aus=
geſucht, Friedrich Wilhelm.
Und du einen armen Schatz!
Früh am Morgen ſchritt Anna Wronka durch den
tau=
friſchen Wald dem Strom zu. Man hatte ihr die Kunde
zugetragen von dem bevorſtehenden Fiſchzug, und daß der
alte Her mit ihrem Knaben dabei ſein würde. Das ſchien
ihr eine willkommene Gelegenheit, um die Bekanntſchaft
des Schloßhern zu machen. Sie fieberte ſchon ſeit langem
dieſer Stunde entgegen, ſie wollte ſich mit eigenen Augen
davon überzeugen, daß Wilhelm dem Großvater
unent=
behrlich geworden war, wie Suſanne ihr verſichert hatte.
Anna Wronka war ſehr klug, ſie durchſchaute die
Ab=
ſicht, ſie von ihrem Kinde zu trennen. Man würde ihr eine
Abfindungsſumme bieten. Da galt es, die Situation ſo
bald als möglich zu klären. Den Knaben bekamen ſie nicht
ohne Mutter, ſie würde ſich keines ihrer Rechte nehmen
laſſen.
Zog ſie aber neben Wilhelm in Schloß Altenwerder
ein, ſo würde ſie Suſanne zu entfernen wiſſen. Und ihr
Verlobter? — Bah, ein armer Aſſeſſor, der konnte weiter
Verwalter ſpielen. Er ſah gut aus, dieſer Friedrich
Wil=
helm, ſie hatte ihn eines Tages aus dem Verſteck
beobach=
tet, als er vorbei ritt, ſie würden ſchon gute Freunde
wer=
den. Sie konnte einen Freund brauchen in der Einſamkeit,
die ihre wartete.
Die Wronka lachte vor ſich hin, daß die weißen Zähne
blitzten. Wie ſie alle nach ihrer Pfeife tanzen würden, der
alte Herr als erſter! Und mit der Armut war es
end=
gültig vorbei. Sie blickte verächtlich auf ihre einfache
Toilette, doch wußte ſie, daß ſie ſie kleidete. Gut, daß es
Sommer war, ſolch weißes Fähnchen iſt billig. Ihre
etwas zu üppige Geſtalt zeigte mit Grazie die zierlich
be=
ſchuhten Füßchen unter dem Rockſaum. Sie waren ihr
Stolz, dieſe feingliedrigen Füße, die zarten Knöchel, die
ihr Polenblut verrieten. Die Taille ließ den Halsanſatz
frei, in köſtlicher Weiſe ſchimmerte er unter den Spitzen
hervor. Hände und Arme waren von langen weißen
Handſchuhen aus Wildleder bedeckt. Ein Strohhut mit
einer Fülle von rotem Mohn brachte Farbe in das Bild
ihrer Erſcheinung. Das ſchwarze Haar quoll überall in
reicher Fülle in natürlichem weichem Gelock hervor. Wie
die blauen Augen leuchteten, es ſchillerte manchmal
grünes, phosphoreszierendes Licht aus ihren Tiefen. Sie
verſtanden es, zu beſtricken. Und den alten Herrn wollte
ſie betören, er hielt ihr Schickſal in ſeinen Händen, nicht
Suſanne, die weichherzige Törin.
Das Haus des Fiſchmeiſters kam in Sicht. Alſo hier
hatte dieſe Lena gelebt? Natürlich wußte die Wronka
auch das. Dieſe unglückſelige Geſchichte hatte Anna den
Schlüſſel zu der Seele Suſannes gegeben.
Nammer 170
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Juli 1912.
Seite 11,
Viele Menſchen hatten nach der Meinung Annas
irgend eine Verrücktheit an ſich und trieben einen geiſtigen
Sport. Der eine als Volksbeglücker, der andere als
barm=
herziger Samariter, der als Weltverbeſſerer, jener als
Bußprediger. Suſanne gefiel ſich in der Sorge um ſolche
Kinder. Sie hatte wohl geglaubt, der kleine Wilhelm
ge=
höre auch zu dieſer Kategorie. Die Wronka lachte ihr
aufreizendes kurzes Lachen.
Dumm, erzdumm ſind ſolche Weiber, dieſe
Tugend=
protzen! dachte Anna. Ihr Verlobter kann mir nicht
dank=
bar genug ſein, daß ich ihn vor dem Unglück einer ſolchen
Ehe bewahre.
Das Rollen eines Wagens wurde hörbar, er kam von
der Waſſerallee, wo ſie die erſte bedeutungsvolle
Begeg=
nung mit Suſanne gehabt hatte. Wie der Zufall ihr
wie=
der entgegen kam! Das Fuhrwerk hatte ſie jetzt erreicht
und eine helle Kinderſtimme rief: Mama! — Mama!
Ein Ruf ließ den Kutſcher halten, und Anna Wronka
ſah den alten Herrn raſch dem Wagen entſteigen, gefolgt
von dem Kleinen, der mit einem Jubelruf auf ſeine
Mut=
ter zulief. Sie bemerkte aber auch, daß Suſanne von
Bage=
witz ſich im Wagen befand und mit einem freundlichen
Gruß nach ihr hin ruhig ſitzen blieb, um denſelben Weg
zurückzufahren, den ſie gekommen war.
Dem Kammerherrn war es recht, daß ſeine Enkelin
ihn bat, ſie zu beurlauben, weil ſie Wichtiges zu beſorgen
habe. Da nun mal dieſe Begegnung nicht ungeſehen
ge=
macht werden konnte, war es ihm lieb, wenn ſie ohne
Su=
ſannes Gegenwart ſtattfand. Er fühlte ſich freier. Welchen
Gefallen er damit der Wronka erwies, das ahnte der alte
Herr nicht.
Anna hatte in Berlin von ihrem Freund genug über
das Vorleben des Kammerherrn gehört. Sie wußte nur
zu gut, wie ſolche alte Herren behandelt werden müſſen.
Der Kleine half in ſeiner Kinderart über die erſte
Verlegenheit hinweg. Er packte die Mutter bei der Hand
und zog ſie dem alten Herrn, ſeinem beſten Freund,
ent=
gegen. Sie mußten beide über ſeinen Eifer lachen.
Was haben Sie für ein liebes Kind, gnädige Frau.
Sie neigte lächelnd den Kopf und warf ihm einen
Blick zu, halb kokett, halb verſchämt, Bagewitz dachte bei
ſich: „verflucht ſchönes Weib! Was hat mein Junge für
einen guten Geſchmack gehabt.
Der kleine Wilhelm hatte derweil mit ſeinen Händen
die von Bagewitz und von ſeiner Mutter ergriffen und
ſpazierte zwiſchen den Beiden ernſthaft einher, als ſei es
das Natürlichſte von der Welt.
Frage mal deine Mama, kleiner Mann, ob es ihr
Spaß macht, einen Fiſchzug zu erleben?
Der Wronka klopfte das Herz bis zum Erſticken, ein
zündender Blick traf den alten Herrn unter der roten Glut
des Hutes her.
Bezauberndes Weib! murmelte Bagewitz nach Art der
alten Leute halblaut in den Bart hinein, aber das feine
Ohr Annas hatte es gehört. Ein tiefer Atemzug hob ihre
Bruſt, ſie fühlte, ſie hatte ihr Spiel gewonnen, ein neuer
Verbündeter ſtand ihr zur Seite. Nun war ſie ganz
dank=
bare töchterliche Hingabe. Sie wurden immer vertrauter
miteinander, ſo daß Bagewitz ihr den Platz an ſeiner
Seite anwies, als ſie das Boot beſtiegen, das ſie zum
Schauplatze des Fiſchzugs bringen ſollte. Die
Gerechti=
ſame der Ausübung der Fiſcherei im Strome gehörte ſeit
alten Zeiten dem Ritergute Altenwerder zu.
Andreas machte große Augen, als er die Wronka
an=
ſtatt des verehrten gnädigen Fräuleins im Boote ſitzen
ſah. Er machte ſein grimmigſtes Geſicht, denn er wußte
von Johann alles, was an Gerüchten über ſie umging.
Aber dem Kinde konnte er nicht grob begegnen, es war zu
lieb anzuſchauen, und als das Netz gehoben war, und
Wilhelm begehrlich zu der zappelnden Beute hinſah,
hieß er dem Knecht ihm den Kleinen hinüberzureichen.
Er ſelbſt hütete ihn wie ſeinen Augapfel und kümmerte ſich
nicht mehr um die ſchöne Mutter, die nunmehr den alten
Herrn ganz für ſich hatte.
Was waren der Wronka die glänzenden
Schuppen=
tiere, ſie gedachte ſelber einen Fiſch zu fangen, einen
be=
mooſten Karpfen, wie ſie heimlich lachend den alten
Grau=
kopf titulierte, der ebenſo verliebt wie beluſtigt in ihre
blitzenden Augen ſah. Etwas von dem früheren
Bage=
witz, dem unbekümmerten Lebemann, wachte in ihm auf.
Er konnte der Verſuchung nicht widerſtehen, auf ihr Spiel
einzugehen.
Der Knecht, der ſie hierher gefahren hatte, half beim
Einholen der Beute, ſo ſaßen ſie ganz allein in dem leicht
ſchaukelnden Fahrzeug, das an dem breiten Fiſcherboot
feſtgemacht war. Um ſie war der blitzende Strom, vor
ihnen die jetzt eifrig arbeitenden Männer, und in deren
Mitte das blonde Bübchen, das über jeden beſonders
großen Fiſch hell aufjauchzte.
Das müßte man im Bilde feſthalten können, ſagte
Bagewitz und deutete hinüber, dabei blickte er aber die
ſchöne Frau bewundernd an, als gälte nur ihr ſein Wort.
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[ ← ][ ]Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Juli 1912.
Nummer 170.
Sammlung von Briefen und
Tage=
büchern aus Kriegszeiten.
* In Preußen, Baden und anderen deutſchen Ländern
bemüht man ſich ſeit einigen Jahren mit Erfolg, die
er=
haltenen Briefe und Tagebücher aus Kriegszeiten zu
ſammeln, um ſie an einer Stelle für die Zukunft zu
er=
halten. Mit vollem Recht, denn zu den geſchichtlichen
Ouellen gehören nicht nur die amtlichen Aktenſtücke
und die Aeußerungen und Niederſchriften der führenden
Perſönlichkeiten, ſondern auch die Schriftſtücke ieder Art,
aus denen man die Auffaſſungen und Empfindungen
der verſchiedenen Volksklaſſen ertennen kann. Nirgends
llernen wir ja den Geiſt, der die Heere beſeelt, und die
Stimmung, die das Volk erfüllt hat, beſſer kennen als
aus dieſen Zeugniſſen. Es erwächſt daraus die Pflicht,
dieſen koſtbaren Schatz für die Geſchichte unſeres Volkes,
ſo lange es noch möglich iſt, vor Verſchleuderung und
Vernichtung zu ſchützen.
Auch in unſerer heſſiſchen Heimat ſind ſicherlich
noch ſolche Briefe und Tagebücher, namentlich aus den
Kriegen 1866 und 1870/71, ſowie aus den Kämpfen in
China und Afrika zahlreich in den Händen alter
Kriegs=
veteranen und ihrer Familien erhalten. Aber wie lange
wird es, wenn nichts zu ihrem Schutze geſchieht, noch
dauern, bis auch ſie dem Untergang verfallen. Was
heute noch ſorglich gehegt wird, weil es den
Kriegs=
teilnehmer an Selbſterlebtes, Selbſtdurchkämpftes
er=
innert, wird von den Erben, wie die Erfahrung leider
lehrt, nur allzu oft in ſeinem Werte verkannt und mit
landeren Papieren achtlos beiſeite geworſen. Wie wenig
hat ſich z. B., um nur eines anzuführen, von heſſiſchen
Soldatenbriefen aus den Kriegen des erſten Napoleon
in unſere Zeit herüber gerettet! Wie die Dinge liegen,
gibt es nur einen Weg, ſolche Schriftſtücke vor dem
Schickſal, das ſie faſt ohne Ausnahme bedroht, zu
be=
wahren: die Ueberweiſung an eine ſtaatliche Anſtalt, die
jede Bürgſchaft für ſichere Erhaltung bietet.
Die Großherzogliche Regierung hat in
Ueberein=
ſtimmung mit den anderen hier in Betracht kommenden
Stellen die Großherzogliche Hofbibliothek
in Darmſtadt als Landesbibliothek für das
Groß=
herzogtum Heſſen zur Sammel= und
Aufbewahrungs=
ſtelle beſtimmt. Die Unterzeichneten richten daher an
ſalle Heſſen, die an Feldzügen teilgenommen haben,
ſſowie an deren Angehörige, die ſich im Beſitze von
Feld=
zugsbriefen und Kriegstagebüchern befinden, die dringende
Bitte, dieſe Schriftſtücke der Großherzoglichen
Hof=
bibliothek zu überlaſſen, ſei es als Geſchenk, ſei es als
Leihgabe unter Wahrung des Eigentumsrechtes. Auch
jeder Hinweis auf das Vorhandenſein ſolcher
Aufzeich=
nungen iſt erwünſcht. Jeder ſchlichte Soldatenbrief, der
in einfachen Worten Empfinden und Denken des
Schreibers wiederſpiegelt, iſt willkommen. Wohl mag
es manchem nicht leicht fallen, ſich von dem Beſitz zu
trennen; allein das Bewußſein, daß dieſe ſchriftlichen
Zeugniſſe aus großer, ſturmbewegter Zeit nur auf dieſe
Weiſe erhalten bleiben, wird ihm, ſo vertrauen wir, das
Opfer, das er dem allgemeinen Nutzen damit bringt,
erleichtern.
Das Präſidium der Kriegerkameradſchaft Haſſia.
J. A.: Beck.
Die Direktion des Großh. Haus= u. Staatsarchivs.
Dr. Dieterich.
Die Direktion der Großherzoglichen Hofbibliothek.
Dr. Schmidt.
Sport.
* Pferdeſport. Statiſtik der erfolgreichen
Flachrennſtälle. Die diesjährige Rennſaiſon ſteht
faſt ausſchließlich im Zeichen von Graditz. Wenn auch
ab und zu einmal ein wertvolleres Rennen von einem
Privatſtall gewonnen wird, in der Hauptſache dominieren
doch die Träger der ſchwarz=weißen Streifen. Dadurch
hat das Königliche Hauptgeſtüt in der erſten, jetzt
abge=
ſſchloſſenen Saiſonhälfte bereits annähernd eine halbe
Million, genau 480 430 Mark, gewonnen. Genau die
Hälfte der Summe entfält auf den Derbyſieger Gulliver II,
der leider durch den gemeldeten unglücklichen Fehltritt
bei der Arbeit ſeine Rennlaufbahn bereits vorzeitig
ab=
geſchloſſen hat. Sonſt ſind noch hervorzuheben Flagge
mit 48930 Mk., Matterhorn mit 35000 Mk., Waſſerlilie
mit 26 000 Mk., die zweijährige Lena mit 20 000 Mk., ihr
Altersgefährte Meißel mit 18 000 Mk., Abwechslung mit
16250 Mk., Loreley mit 14900 Mk. Granat mit 12100
Mark und Grita mit 10800 Mk. Durch den Sieg von
Dolomit im Großen Preis von Berlin hat Freiherr S.
A. v. Oppenheim die Herren A. u. C. v. Weinberg aus
ihrer zweiten Poſition verdrängt. 128 425 Mk. beträgt
die Gewinnſumme des Schlenderhaner Züchters. 60 000
Mark entfallen davon auf Dolomit, der jetzt noch vor
einer großen Saiſon ſteht, da er nach dem Ausſcheiden
von Gulliver II keinen ebenbürtigen Gegner mehr in
Deutſchland beſitzt. Von den übrigen Inſaſſen des Op=
etenter e ene it nr er er en
Mark, und Jor, der 14195 Mark gewann, auszeichnen.
Durch eine Reihe beſcheidener Erfolge kamen die Herren
A. u. C. v Weinberg zu einer Gewinnſumme von 127930
Mark. An der Spitze ihrer erfolgreichen Pferde ſteht
wieder der unverwüſtliche Fervor mit 32550 Mk. vor
Carino mit 32150 Mk., dem hervorragenden Zweijährigen
Metaſtaſio mit 20000 Mk. und Sagitta mit 13000 Mk.
Von der langen Reihe der übrigen deutſchen
Rennſtall=
beſitzer vermochte noch keiner in dieſer Saiſon die 100 000
Mark zu überſchreiten. An vierter Stelle ſteht Herr A.
v. Schmieder mit 88060 Mk., wovon 20500 Mk. auf
Col=
leoni, 19670 Mk. auf Flaminio, 15800 Mk. auf Hüon und
10000 Mk. auf Nachtſchatten entfallen.
Die Eclipſe=Stakes, das zweite der drei
eng=
liſchen 200 000 Mark=Rennen, kam bei den Rennen zu
Sandewn=Park im Beiſein des Königs Georg von
Eng=
land zur Entſcheidung. Von den acht um den Rieſenpreis
konkurrierenden Pferden ſtartete Stedfaſt (D. Maher),
der Zweite aus dem vorjährigen engliſchen Derby, als
Favorit. Der Hengſt des Lord Derby wurde aber von
Mr. T. Pilkingtons Prince Palatine, auf dem der
fran=
zöſiſche Jockei O Neill im Sattel war, nach hartem Kampfe
um einen Kopf geſchlagen. Erſt ſechs Längen zurück
endete Mr. J. B. Joels Lycaom (F. Wootton) als Dritter.
Im geſchlagenen Felde befand ſich auch die diesjährige
engliſche Derbyſiegerin Tagalie. Wetten 531.
* Olympiſche Spiele. In dem Schluß=
Wett=
rudern für Einer ſiegte Kinnear=England über
Veirmann=Belgien, in dem für Vierer ſiegte das
Boot des Ludwigshafener Rudervereins über den
Ruder=
klub „Themſe‟=England. Im Schluß=Wettrudern für
Achter errang die Leander=Mannſchaft=England über die
des New College=England den Sieg. Die ſiegreichen
Boote erhalten die goldene, die übrigen die ſilberne
Me=
daille. Damit iſt das Wettrudern abgeſchloſſen.
* Das Breslauer Meiſterſchafts=Schachturnier wurde
mit der 4. Runde fortgeſetzt. Es ſiegten Marſhall=Amerika
gegen Lowitzki=Leipzig, Erich Cohn=Berlin gegen
Drze=
piorka=München, Breyer=Ungarn gegen Treybal=Ungarn,
Lewitzky=Rußland gegen Carls=Hannover, Tarraſch=
Nürn=
berg gegen Burn=England. Remis wurden die Partien
Teichmann=Berlin-Spielmann=München, Rubinſtein=
Warſchau-Schlechter=Wien, Miſes=Leipzig-Duras=Prag
und Barraſh=Ungarn-Balla=Ungarn.
Handel und Verkehr.
H. Frankfurt a. M 20. Juli. (
Börfen=
wochenbericht.) Die deutſchen Börſen bekunden
an=
dauernd eine feſte Haltung, wozu insbeſondere der
gün=
ſtige Geldſtand weſentlich beiträgt. Alle politiſchen
Mel=
dungen, die zum Teil äußerſt ernſt lauteten, werden kaum
beachtet, da man der Anſicht huldigte, daß die Mächte
ſelbſt den Frieden brauchen, am nötigſten Italien. Unter
dieſem Geſichtspunkte glaubt man weiter zuverſichtlich an
eine Löſung der ſchwebenden Streitfragen. So iſt guch
bereits ſeitens der Vereinigten Staaten die kritiſche
Aus=
legung des Hay=Pauncefote=Vertrags dahin erledigt,
daß amerikaniſche wie fremde Schiffe die gleichen
Gebüh=
ren im Panamakanal zu bezahlen haben. Am
Kupfer=
markt hat ſich wieder größere Lebhaftigkeit entwickelt und
dabei feſtere Preiſe gebracht; ebenſo hört man von dem
Stahlwerksverband, daß die mutmaßlichen
Er=
gebniſſe der großen Werke weiter ſehr befriedigend ſind;
nachdem im Juni zum erſten Male in dieſem Jahre die
vollen Beteiligungsziffern überſchritten wurden und
ſchon jetzt der Abſatz in ungeminderter Höhe auch für die
zweite Hälfte des Jahres geſichert erſcheint.
Zu den Einzelheiten des Verkehrs übergehend
blei=
ben deutſche Renten, bei allerdings kleinem Geſchäft, gut
behauptet. Die ſeiner Zeit von der Seehandlung
über=
nommenen Reichsſchatzanweiſungen und preußiſchen
Schatzanweiſungen ſollen, einer neuerlichen Meldung
zu=
folge, wieder verkauft ſein und die Nachfrage trotz der
allgemeinen Stille, weiter anhalten. Dabei ſollen auch
ganz anſehnliche Beträge nach dem Ausland gehen.
Aus=
ländiſche Staatsfonds waren durchweg in guter Tendenz.
Bemerkenswert matt ſind in London nur die Kurſe der
engliſchen Konſols (bis 74½/); es ſcheint doch daß die
Rüſtungspolitik in England nicht mehr die Sympathie
der Allgemeinheit bei den Engländern findet, denn der
Barometer der engliſchen Volksanſichten dokumentiert ſich
auch vorwiegend in dem Kursausdruck des
Staats=
papiers.
Von Transportwerten waren Hamburger Paketfahrt
und Norddeutſcher Lloyd ſchwächer; anſcheinend auf den
Bericht des Vereins Hamburger Reeder über den
Frach=
tenmarkt, der etwas peſſimiſtiſch über die Zukunft
abge=
faßt iſt. Es kommt darin ſchließlich in Betracht, daß die
Schiffsbautätigkeit allmählich einen Umfang
angenom=
men hat, der auf die Dauer wieder zu einem
Ueberange=
bot von Schiffsraum auf den Frachtenmärkten der Welt
führen muß. Schantung waren ebenfalls zeitweiſe ge=
brüickt auf unbeſtätigte Gerichte von Ueberſchwemnungen.
Lebhafte Umſätze fanden in Lombarden ſtatt, für welche
die Spekulation eine regere Tätigkeit entwickelte. Dabei
ſtimulierten die Erklärungen der Verwaltung der
Süd=
bahn, daß die Einnahmeverhältniſſe ſich weſentlich
günſti=
ger geſtalten; dabei aber immerhin auch mit erhöhten
Ausgaben zu rechnen ſei. 3prozentige lombardiſche
Prioritäten waren ebenfalls ſtärker gefragt, bis 53,75
an=
ziehend. — Der Bankenmarkt war weniger belebt, bei
unbedeutender Preisveränderung.
Am Montangebiet herrſchte zwar ziemliches
Geſchäft, doch war die Tendenz nicht einheitlich.
Bochumer weſentlich höher, auf größere Beſtellungen von
Eiſenbahnmaterial; ebenſo Gelfenkirchener wieder mehr
beachtet. Bei Phönix verlautete, daß die Geſellſchaft dem
Ausdehnungsdrang der übrigen großen gemiſchten Werke
folgt und jetzt auf der Zeche Weſtende einen neuen
Schacht=
niederbringt. Der Ausſperrung der Hälfte der
Ar=
beiterſchaft auf den Düſſeldorfer Röhrenwerken legt die
Börſe keine Bedeutung bei, obwohl der Phönix an
die=
ſen Werken durch Intereſſengemeinſchaft beteiligt iſt. Die
Aktien der Kohlenbergwerke waren feſt auf die ziemlich
befriedigenden Meldungen vom Kohlenmarkte. Die
fran=
zöſiſchen Kokswerke haben den Preis für Hochofenkoks
für das dritte Quartal erhöht; ebenſo hörte man von
Preiserhöhungen für oberſchleſiſche Walzeiſen; die
bei=
verſchiedenen Eiſenſorten zwiſchen 2 und 4 Mark betragen.
Elektrizitätsaktien etwas ruhiger und ſchwächer. Es
ver=
lautet von der Allgem. Elektrizitäts=Geſellſchaft, daß trotz
des guten Geſchäftsganges nicht mit einer Erhöhung der
Dividende zu rechnen ſei. Große Umſätze vollzogen ſich
in Aktien der Automobilfabriken. Daimler ſtiegen um
über 60 Prozent bis 363, gaben aber auf die
Gewinſt=
abgaben wieder 25 Prozent nach (338). Benz wurden bis
230 genannt, Kleyer bis 544,75. Die erneute
Auf=
wärtsbewegung der Zuckermärkte infolge der trockenen
und heißen Witerung, bewirkte eine Kursſteigerung der
Zuckeraktien: Waghäuſel bis 223,75, Frankenthal 409,30.
Inzwiſchen hat jedoch der eingetretene Regen, mit
gleich=
zeitiger Temperatur=Abkühlung, die Hauſſeluſt der
Zuckermagnaten etwas gedämwpft.
Von Kaſſainduſtriepapieren waren die Chemiſchen
weniger belebt, aber feſt. Deutſche Gold= und Silber=
Scheideanſtalt 669, Albert 461, Holzverkohlung 319
Höch=
ſter 647. Weſentlich profitierten Wittener Stahlröhren
und Moenus; auch Naphtha und Steana Romana
ſchließen höher. Gummi Peter und Kunſtſeide ſchwach
(124,75 reſp. 126). Von Kaliwerten ſtiegen Beſteregeln
bis 198,75 auf die beſſere Quotenbeteiligung. — Wie die
Verwaltung der Daimler=Motoren=
Gaſell=
ſchaft miteilt, hat nach ausgedehnten Studien in
fran=
zöſiſchen, engliſchen und deutſchen Fabriken die General
Vehicle Company New=York, eine Tochtergeſellſchaft der
General Electric Company New=York, von der Daimler
Motoren=Geſellſchaft eine Lizenz für die Herſtellung der
Daimler=Laſtwagen in den Vereipigten Staaten
er=
worben. Die General Vehiele Company gedenkt den
Bau der Laſtwagen, Syſtem Daimler, in großem Stile
aufzunehmen.
Von Loſen notieren: Augsburger 34.10,
Braun=
ſchweiger 198.— Genua 206.—, Freiburger 70 B.,
Mei=
ninger 35.—, Mailänder 45 Fres. 135.90, Mailänder
10 Fres 35— Pappenheimer 60.—, Türkiſche 171.20,
Ungariſche 366—, Venediger 46.40, Raab=Grazer Anr.=
Scheine 37.10 in Reichsmark; Gothaer Präm, II. 118.—
Donau=Regulierung 152.10, Madrider 74.50 in Prozent;
ferner ſchließen: 4proz. Reichs (unkundb. b. 1918) 100.90,
3½proz. Reichs 89.90, 3proz. Reichs 80.05, 4proz. Heſſen
v. 1899 100 G., 4proz. Heſſen v. 1906 100.20, 4proz. Heſſen
v 1908/09 100.20 G Aproz. Heſſen (unkündb b. 1921)
100.50, 3½proz. Heſſen 88.10 G., 3proz. Heſſen 77.90,
4proz. Darmſtädter 98.60 G., 3½proz. Darmſtädter 89.50,
4proz. Heſſ. Land=Hyp.=Pfdbr. (S. 18—23) 100.—, 4proz.
Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 24—25) 100.20, 3½proz. Heſſ.
Land=Hyp.=Pfdbr. (§ 3—5) 89 G., 3½gproß. Heſſ. Land.=
Hop=Pfdbr. (S. 9—11) 89.10 G., 4proz Heſſ. Kom.=
Pfdbr. (S. 10—12) 100 G., 4proz. Heſſ. Kom.=Pfdbr.,
(S. 13—14) 100.20 G., 3½proz. Heſſ. Kom.=Pfdbr. (S.
1—3) 89.20 G., 3½proz. Heſſ. Kom.=Pfdbr. (S. 4) 89.10,
Darmſt. Bank 121‟ G Südd. Eiſ.=Geſellſch. 124.30 G.,
Südd. Immob.=Geſellſch. (Mainz) 69 B., Lederwerke
vorm. Spicharz (Offenbach a M.) 71 B., Schramms
Lack= u. Farb.=Fabr. (Offenbach a. M.) 271 B., Chemiſche!
Mülheim a. Main 63.50, Schantungbahn 130½,
South=
weſtafrika 142.50 G. Otavi=Anteile 93.25, Otavi=
Genuß=
ſcheine 65, 4½proz. Ruſſen 100.40 G., 4proz. 1880er Ruſſen
90.25, 4proz. 1902er Ruſſen 90.80, 3¼proz. Ruſſen 82.80,
3½proz. Ruſſen 83.70 G., 3proz. Ruſſen 81.25, 4proz.
unifizierte Türken 89.30, 4proz. Adminiſtrations=Türken
82 6 Aproz. Bagdadbahn 8t G, Aproz, konvertierte Tür=,
ken (1905/1911) 80.70 G., dproz. Chineſen 90.30, 4'gproz.=
Chineſen 93.80, 5proz. (Tientſin= Pukow) 98.60, 4½pr9z.,
Japaner 88.25, 5proz. Buenos Aires 70.50.
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