Darmstädter Tagblatt 1912


19. Juli 1912

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175. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Die Stadtverordneten=Verſammlung
ſtimmte geſtern den Verträgen zwiſchen der Stadt und
dem Reichsmilitärfiskus bezüglich des Austauſches von
Grundbeſitz, der Erbauung einer Garniſonkirche
und einer Bataillonskaſerne für das Infan=
terie
=Regiment, ſowie die Bebauung der Breiten
Alle zu.
Todesſturz. Geſtern früh 6 Uhr iſt auf dem Linden=
thaler
Flugplatz der Leutnant Preußer vom In=
fanterie
=Regiment 107 mit einem Grade=Eindecker ab=
geſtürzt
. Man fand ihn mit mehreren Schädel=, Arm=
und Beinbrüchen tot neben dem zertrümmerten
Apparat.
Zum Hafenarbeiterſtreik. Die Verhandlungen,
die von dem Premierminiſter Asquith eingeleitet wa=
ren
, um den Hafenarbeiterſtreik zu beenden, ſind end=
gültig
abgebrochen worden.
Rußland und Japan haben ſoeben einen
Vertrag unterzeichnet, der faſt als ein Bünd=
nis
der beiden Länder anzuſehen iſt und der Japan
volle Aktionsfreiheit in der Süd=Mandſchurei gewährt,
während Rußland ſeine Vorrechte in der Mongolei auf=
recht
erhält.
Im türkiſchen Senat kam es anläßlich der De=
miſſion
des Kabinetts zu einer erregten Szene.
Der greiſe Marſchall Fuad Paſcha verſetzte dem Seng=
tor
Batgaria eine ſchallende Ohrfeige. Nur mit
Mühe konnte ein Handgemenge der beiden Senatoren
verhindert werden.

Deutſchlands Weltſtellung im mediziniſchen
Unterricht.

ck. Im Jahre 1910 hatten zwei angeſehene ame=
rikaniſche
Gelehrte, der Präſident des Carnegie=Inſtituts
für Fortſchritt im Unterricht Henry S. Fritchett, und
der Profeſſor Abraham Flexner, ein vernichtendes Urteil
über das mediziniſche Unterrichtsweſen in den
Vereinigten Staaten gefällt und damit das
größte Aufſehen erregt. Nachdem man nun
einmal eingeſehen hatte, wie ſchlecht es mit
der Ausbildung derer beſtellt ſei, denen man die Ge=
ſundheit
des Volkes anvertraute, ſuchte man eifrig nach
Vorbildung für eine Reform des mediziniſchen Unter=
richts
, und das Reſultat dieſer Forſchungen iſt ein um=
faſſender
Bericht über die mediziniſche Ausbildung in
Europa, den Prof. Flexner ſoeben hat erſcheinen laſſen.
Er betrachtet hier den Bildungsgang des Mediziners
in Großbritannien, Frankreich und Deutſchland und
kommt zu dem Reſultat, daß Deutſchland allen anderen
Ländirn in der Ausbildung ſeiner Aerzte weit voraus
ſei, daß es eine vorkiltliche Weltſtellung im medizini=
ſchen
Unterricht einnehme. Was England anbetrifft, ſo
ſei ſchon die Vorbildung der Knaben für das mediziniſche
Studium völlig ungenügend. Wenn ein junger Mann
nicht bereits die Elementarkenntniſſe in Chemie, Phyſik
und Biologie beſitzt, bevor er in die mediziniſche Schule
eintritt, ſo wird es ihm unmöglich ſein, das Studium
für ſich nutzbringend zu geſtalten, da er mit wiſſenſchaft=
lichem
Denken und wiſſenſchaftlichen Namen nicht ver=
traut
iſt. Dazu kommt, daß faſt alle engliſchen Medizin=
ſtudenten
nur eine einzige moderne Sprache außer der
eigenen kennen, nämlich Franzöſiſch, und daß dieſe Un=
kenntnis
des Deutſchen ſie von der Hauptquelle aller
fortſchrittlichen Gedanken im Reiche der Heilwiſſenſchaft
ausſchließt. Ein wichtiges Moment dafür, daß Deutſch=
land
ſowohl England wie Frankreich im meliziniſchen
Unterricht überlegen iſt, wird durch die Tatſache bezeich=
net
, daß die mediziniſchen Wiſſenſchaften in Deutſchland
um ihrer ſelbſt willen gepflegt werden. Was in Eng=
land
und Frankreich an bedeutenden wiſſenſchaftlichen
Leiſtungen gezeitigt wird, verdankt ſeine'Entſtehung der
perſönlichen Anſtrengung des Einzelnen, während ſie in
Deutſchland durch die Inſtitute gefördert und hervorge=
bracht
werden. Die deutſchen Lehrer der Medizin ſind
Spezialiſten, die ihre ganze Zeit dem Lehren und For=
ſchen
widmen. In Großbritannien und Frankreich iſt
die größte Anzahl der Lehrer von einer mühevollen
Privatpraxis in Anſpruch genommen, die ihnen wenig
Muße für die Forſchung läßt. In England iſt gegen=
wärtig
die einzige mediziniſche Wiſſenſchaft, die um
ihrer ſelbſt willen gepflegt wird, die Phyſiologie; aber
dieſer wichtige Wiſſenszweig hat in der engliſchen Me=
dizin
gar keine Bedeutung, während der deutſche Klini=

ker ein geſchulter und oft auch ein wiſſenſchaftlich tätiger
Phyſiologe iſt. Ebenſo liegt das Studium der Patho=
logie
in England außerordentlich danieder. Es gibt
nur einen einzigen Ort in Großbritannien, wo ein Pro=
feſſor
mit zwei Aſſiſtenten tätig iſt, das iſt in Glasgow.
Weil dieſe Grundlage aller mediziniſchen Forſchun=
gen
vernachläſſigt wird, gibt es auch ſo wenig neue
Ideen und Fortſchritte in England im Vergleich zu
Deutſchland. Dazu kommt die elende Bezahlung der
engliſchen Univerſitätslehrer, während in Deutſchland
nicht ſelten das Gehalt eines Profeſſors größer iſt, als
das eines Miniſters oder hohen Gerichtsbeamten. Ein
beſonderer Vorzug der deutſchen Ausbildung iſt es, daß
die Studenten ermutigt werden, von einer Univerſität
zur anderen zu gehen. So kann ſich der deutſche Stu=
dent
in jedem Fach den beſten Lehrer wählen und die
beſte Ausbildung haben, die es überhaupt im ganzen
Lande gibt, während in England und Frankreich von
den Studenten erwartet wird, daß er an derſelben Schule
ſeine ganze Ausbildung erhält. Der engliſche Medizin=
ſtudierende
wird häufig wie ein Schulbube behandelt,
der ein Handwerk lernen ſoll, während der deutſche
Student eine bedeutende Freiheit und Selbſtändigkeit
genießt.
Der Bericht des amerikaniſchen Profeſſors kommt zu
dem Reſultat, daß die vorbildliche und muſter=
gültige
Ausbildung des Mediziners nur in
Deutſchland verwirklicht wird.

Englands Flottenſorgen.

C2 Wie man weiß, iſt für die jeweilige Regierung im
britiſchen Reiche die Flotte ein Sorgenkind, nicht etwa,
weil es dem Lande an Schiffen fehlt, ſondern hauptſäch=
lich
wegen der Rivalität mit Deutſchland. Jedesmal,
wenn dem deutſchen Reichstag ein neues Flottengeſetz
vorgelegt wird, worin neue Schiffe verlangt werden
mit der Begründung, daß unſere Flotte zur Stärkung
des überſeeiſchen Handels und zum Schutze der zahl=
reichen
Deutſchen im Auslande nicht mehr ausreicht, be=
mächtigt
ſich der Engländer ein geradezu panikartiger
Schrecken. Jenſeits des Kanals mißt man eben derar=
tigen
friedlichen Verſicherungen von offizieller deutſcher
Seite keinen Glauben bei, man läßt es ſich vielmehr
nicht ausreden, daß jede deutſche Flottenvermehrung
ſich in erſter Linie gegen England richtet. Regierung
und Bevölkerung befürchten, Deutſchland könne eines
Tages England mit Krieg überziehen, wenn es allzu
mächtig würde, und man machte auch in dem großen
Inſelreiche kein Hehl daraus, daß Großbritannien nie=
mals
auf die Suprematie zu Waſſer verzichten werde.
Auf dieſer Grundlage hat bekanntlich auch die eng=
liſche
Regierung mehrfach den Verſuch gemacht, mit
Deutſchland zu einer Verſtändigung über den Ausbau
der beiderſeitigen Flotten zu gelangen, die deutſche Re=
gierung
hat aber ſtets derartige Vorſchläge mit der Be=
gründung
abgelehnt, daß Deutſchland immer ſo viel
Schiffe bauen werde, wie es im Intereſſe ſeiner Küſten=
verteidigung
und ſeiner Kolonien für nötig halte.
Neuerdings war gemeldet worden, daß Marineminiſter
Churchill ſich der Auffaſſung der engliſchen Admiralität
anſchließen werde, wenn ſie in dieſem Jahre tatſächlich
Mehrforderungen für die Marine in Höhe von vier
Millionen Pfund Sterling aufſtellen ſollte. Dieſe Nach=
richt
wird von offiziöſer engliſcher Seite als unbegrün=
det
bezeichnet. Der Schatzſekretär habe noch eine zweite
Million von ſeinem Sechsmillionenüberſchuß dem Ma=
rineminiſter
bewilligt, aber das ſei auch alles, was für
die nächſten 6 Monate nötig ſei. Die beiden letzten
großen Streiks hätten die Schiffsbauten verzögert und
jetzt könne nur unter normalen Bedingungen weiter ge=
arbeitet
werden. Die Admiralität werde alſo mindeſtens
für die nächſten 6 Monate, wahrſcheinlich aber für das
ganze Finanzjahr, überreich Geld und Arbeit haben. Da=
gegen
würde nächſtes Jahr eine höhere Marinevorlage
nötig werden, wenn die neue deutſche Flottenvorlage zu
dem erwarteten Ergebnis führen ſollte. Aus dieſer von
der Regierung inſpirierten Notiz geht wieder klar her=
vor
, daß die Abſichten der Admiralität, die
mit der größten Beſtimmtheit aufgetreten waren,
abgeſchwächt werden ſollen, um ihnen den
ſcharfen Stachel zu nehmen. Bezeichnend
auch, daß abermals auf die deutſche Flottenvorlage Be=

zug genommen wird. Wenn es weiter in der Meldung
heißt, Miniſter Churchill beſtehe durchaus nicht auf eige=
nen
Dreadnoughts für das Mittelmeer, ſo wird man
gleichfalls gut tun, die definitiven Beſchlüſſe der eng=
liſchen
Regierung abzuwarten. Am nächſten Montag
ſoll der Ergänzungsetat der Marine dem Unterhauſe
vorgelegt werden. Dann wird man ja hören, ob die
Regierung auf Veranlaſſung Churchills, wie es heißt,
in der Mittelmeerfrage nachgegeben hat.

Deutſches Reich.

Die Einnahmen der Reichs=Poſt=und
Telegraphenverwaltung haben ſich im Mai d.
nicht günſtig geſtaltet. Es ſind 53,63 Mill. Mark
eingekommen, während der monatliche Durchſchnitt des
Etatſolls 65,59 Mill. Mark beträgt. Die Blätter für
Poſt und Telegraphie bemerken hierzu: Allerdings iſt
der Mai nächſt dem Februar und dem Auguſt der ſchlech=
teſte
Monat für die Einnahmen der Reichspoſt. Im Mai
vorigen Jahres waren 51,58 Mill. Mark vereinnahmt
worden, ſo daß die Zunahme gegenüber dem Vorjahre
2,05 Mill. Mark oder 3,9 v. H. beträgt. In den beiden
erſten Monaten des neuen Etatsjahres betrugen die Ein=
nahmen
124,94 Mill. Mark, d. i. 4,96 Mill. Mark weniger
als der entſprechende Anteil am Etatsanſchlag ausmacht.
Amerikaniſche Offiziere in deut=
ſchem
Dienſt. Die deutſche Reichsregierung geſtattete
der Regierung der Unionſtaaten, Offiziere nach Deutſch=
land
zu entſenden, um ein Jahr bei der Kavallerie Dienſt
zu tun.
Der ruſſiſche Spion. In der Spionage=
angelegenheit
des ruſſiſchen Hauptmanns Koſtewitſch
wird bekannt, daß ſchon in Düſſeldorf einige Vernehmun=
gen
gemacht worden ſind. Landgerichtsdirektor Dr. Groß
vom Reichsgericht, der ſeine Unterſuchungen in Berlin
abgeſchloſſen hat, iſt nach Düſſeldorf gegangen. Er wird
vorausſichtlich erſt Mitte nächſter Woche in Leipzig ein=
treffen
. Die Gattin des Hauptmanns Koſte=
witſch
hat ſich bei der Petersburger Regierung darüber
beſchwert, daß die Berliner ruſſiſche Botſchaft ſich nicht
genügend um Koſtewitſch kümmere. Daraufhin iſt die
Botſchaft angewieſen worden, dem Verhafteten einen
Verteidiger zu ſtellen, wofür gleichzeitig 5000 Rubel an=
gewieſen
wurden. Zur Vorgeſchichte des Falles iſt noch
zu berichten, daß Koſtewitſch noch nicht verhaftet worden
wäre, wenn man nicht befürchtet hätte, daß ſein Mitſchul=
diger
, Nikolski, der in der Ehrhardtſchen Fabrik in Düſ=
ſeldorf
war, nach Petersburg entkommen wollte. Beide
können als überantwortet gelten. Da noch neue Ver=
haftungen
vorgenommen wurden, ſo iſt die Verhandlung
vor dem Reichsgericht nicht vor Anfang September zu
erwarten.
Ermordung Deutſcher durch Kaby=
len
? Weder aus Ceuta noch aus einem anderen Ort
ſind Nachrichten über die von auswärtigen Blättern ge=
meldete
Ermordung deutſcher Untertanen eingegangen.
Offizielle Kreiſe verſichern, ſie hätten keinerlei Nachricht
von einem Morde. Der Miniſter des Aeußern erklärte,
die einzige Nachricht, die die Meldung von einer Ermor=
dung
hätte veranlaſſen können, ſei folgende: Die Kaby=
len
von Gomara griffen in der Nähe von Tetuan den
Mauren Mahemet Seret an, der Verbindungen mit frem=
den
Unternehmungen hat. Es gelang Seret, zu entkom=
men
und nach Tetuan zu flüchten. Mehrere Eingeborene,
die ihn, als er angegriffen wurde, begleiteten, wurden
getötet.
Aus Togo. Der ſtellvertretende Gouverneur
von Doering macht in Sonderausgaben des Amtsblattes
für Togo bekannt, daß er wegen des Vorkommens von
Gelbfieberfällen in Dahomey bis auf weite=
res
die Sperrung der Oſtgrenze des Schutzgebietes von
Anecho bis einſchließlich Sagada angeordnet hat. Aus
Dahomey nach Togo kommende Perſonen haben ſich
einer ſechstägigen Quarantäne in der bei Hilakondji er=
richteten
Quarantäneſtation zu unterwerfen. Gleichzeitig
wurden die Häfen von Agoſue, Groß=Popo, Quidah und
Cotonou wegen Ausbruch des Gelbfiebers in Dahomey
für verſeucht erklärt. Schiffe, die vor ihrer Ankunft auf
der Reede von Lome einen dieſer Häfen angelaufen
haben, müſſen ſich den durch den Kaiſerlichen Regierungs=
arzt
angeordneten Quarantänemaßregeln unterwerfen.
Die bayeriſche Kammer der Abgeord=
neten
lehnte, nachdem der Finanzminiſter von Breunig

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Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.

Nummer 168.

dem Lotteriegeſetzentwurf nochmals vertreten
hatte, mit großer Mehrheit den Geſetzentwurf betreffend
den Beitritt Bayerns zur Lotteriegemeinſchaft mit Preu=
ßen
und dem dazu gehörigen Staatsvertrag ab. Da=
gegen
ſtimmten geſchloſſen das Zentrum und die Sozial=
demokraten
und außerdem ein Teil der Liberalen und
Bauernbündler. Mit großer Mehrheit ſtimmte dagegen
das Haus dem Ausſchuß=Antrag zu, daß die Staatsre=
gierung
dem gegenwärtig verſammelten Landtag tunlichſt
bald eine Vorlage über die Einführung einer bayeriſchen
Landesklaſſenlotterie vorlege.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Der Präſident des ungariſchen Abge=
ordnetenhauſes
Graf Tisza richtete an die
Wähler in Arad ein offenes Schreiben, in dem er ſein
Vorgeher bei Vornahme der Abſtimmung über die
Wehrvorlage rechtfertigt. Er beruft ſich auf das Beiſpiel
Speckers und Brand im engliſchen Unterhauſe. Bezüg=
lich
der Abſtimmung ſagte Graf Tisza, es ſei allerdings
gegen die formelle Beſtimmung der Hausordnung ver=
ſtoßen
, doch ſei dieſer Formfehler dadurch geheilt, daß
die Majorität des Abgeordnetenhauſes das Vorgehen
des Präſidenten rückhaltlos gebilligt habe. Was die
Geſetzesvorlage betreffe, durch die jene ausgeſchloſſenen
Abgeordneten, die dem Ausweiſungsbeſchluſſe Wider=
ſtand
entgegenſetzten, ihres Mandates verluſtig erklärt
werden, ſagt Tisza, daß jedes Parlament genötigt ſei,
aus Gründen der Selbſterhaltung ſeinen Beſchlüſſen
Achtung zu verſchaffen. Jedes Parlament ſei mit einer
ganzen Skala Strafandrohungen gepanzert, die gegen
renitente Mitglieder angewendet werden. Das unga=
riſche
Parlament, das dem durch die Obſtruktion her=
vorgerufenen
anarchiſchen Zuſtande ein Ende geſetzt
habe, ſei in der ganzen Welt in der Achtung geſtiegen
und habe ſein Anſehen erhöht. Präſident Tisza ſagt am
Schluß des Briefes, er glaube nur ſo lange das Ver=
trauen
ſeiner Wählerſchaft beanſpruchen zu können, als
er auf dem beſchrittenen Wege, der die Rettung des Par=
lamentarismus
aus den Gefahren der Obſtruktion be=
zweckt
, unentwegt verharre.
Frankreich.
Bezüglich der Reiſe Katſuras wurde ei=
nem
Mitarbeiter des Temps auf der Pariſer japaniſchen
Botſchaft erklärt, daß Katfura, der vor 28 Jahren Mili=
tärattachs
in Berlin geweſen war, ſeit langem die Ab=
ſicht
gehabt habe, jene europäiſchen Länder wieder auf=
zuſuchen
, denen er ſeine geiſtige Bildung zu danken habe.
Katſura ſei mit keinerlei amtlichen Miſſionen betraut.
Er werde gewiß zu den hervorragenden europäiſchen
Perſönlichkeiten, Finanziers, Politikern, Volkswirtſchaft=
lern
und Schriftſtellern in Beziehung treten, aber er laſſe
ſich dabei lediglich von dem Wunſche leiten, ſich perſön=
lich
zu unterrichten. Das Echo de Paris ſchreibt: Die
Meldung über die bevorſtehende Unterzeichnung eines
ruſſiſch=japaniſchen Bündnisvertrages erſcheint unrichtig.
Im hieſigen Miniſterium des Aeußern erklärt man, daß
die ruſſiſche Regierung Frankreich von einem derartigen
Vorhaben niemals die geringſte Kenntnis gemacht habe.
Wie könnte man annehmen, daß Rußland gerade jetzt,
vor der Petersburger Reiſe Poincarés, das verbündete
Frankreich in vollſtändiger Unkenntnis über ein ſo wich=
tiges
Ereignis gelaſſen hätte. Dem Pariſer New=York
Herald wird aus Tokio gemeldet, daß nach dem eben
unterzeichneten ruſſiſch=japaniſchen Abkommen Japan
ſeine volle Autorität über die Südmandſchurei bewahre,
während die Prärogative Rußlands ſich auf die Mon=
golei
erſtrecke. England habe zu dem Abkommen ſeine

Zuſtimmung gegeben, wofür es freie Hand in Tibet er=
halten
habe.
Ein Freiwilligen=Korps. Wie die France
militaire aus Lille meldet, hat eine Anzahl dortiger Per=
ſönlichkeiten
den Plan gefaßt, ein Freiwilligen=Korps zu
bilden, deſſen Mitglieder von allen militäriſchen Ver=
pflichtungen
bereits befreit ſind, welches im Kriegsfalle
zur Verteidigung des verſchanzten Lagers von Lille ver=
wendet
werden würde.
England.
Englands Expeditionsheer. Man ſchreibt
uns: Die telegraphiſche Berichterſtattung über die Ver=
handlungen
des engliſchen Unterhauſes hat, wenn wir
nicht irren, eine bemerkenswerte Auslaſſung des neuen
Kriegsminiſters Oberſt Seely, die vom Standard
mitgeteilt wird, unerwähnt gelaſſen. Dem genannten
Blatt zufolge ſagte der Kriegsminiſter im Laufe einer
eingehenden Debatte über angebliche Mängel des Heeres:
Er wiederhole die früher abgegebene Erklärung, daß
England 150000 Mann in kürzeſter Friſt (short notice)
abſenden könne. Hauptmann Faber fragte, was der
Ausdruck short notice bedeute. Oberſt Seely ver=
weigerte
die Auskunft.
Spanien.
Infantin Eulalie. Nach einer Meldung aus
Madrid hätte die Infantin Eulalie und ihr Gatte, Prinz
Anton von Orleans, von dem ſie ſeit langen Jahren ge=
trennt
lebt, im gegenſeitigen Einverſtändnis den Ent=
ſchluß
gefaßt, ſich um die franzöſiſche Nationalität zu be=
werben
, um ihre Ehe rechtskräftig ſcheiden laſſen zu kön=
nen
. Beide hätten bereits zu dieſem Zweck an die fran=
zöſiſche
Regierung ein Naturaliſationsgeſuch gerichtet.
Juſtizminiſter Briand habe die Angelegenheit im letzten
Miniſterat erörtert und auf ihre beſondere Schwierigkeit
hingewieſen. König Alfons habe zu dem Schritt ſeiner
Tante, der Infantin Eulalie, ſelbſtverſtändlich ſeine Er=
mächtigung
verweigert, und ein diesbezügliches Schrei=
ben
der Infantin gar nicht beantwortet. Das Gerücht,
daß die Infantin ſich mit einem franzöſiſchen Journa=
liſten
verheiraten wolle, wird als unbegründet bezeichnet.
Serbien.
Geſandtenwechſel. Laut Politika iſt der in
Belgrad ſehr beliebte italieniſche Geſandte Baroli un=
vermutet
abberufen und durch den bisherigen italieni=
ſchen
Geſandten in Cetinje erſetzt worden. Politika fin=
det
es auffallend, daß in Cetinje gleichzeitig mit dem
italieniſchen Geſandten auch der ruſſiſche Geſandte verſetzt
wurde und zwar unmittelbar nach der warmen Auf=
nahme
des Königs Nikolaus in Wien.
Montenegro.
Ein Dementi. Ruſſiſche Blätter behaupten,
Rußland zahlte dem Fürſten, nachmaligen König Niko=
laus
von Montenegro, ſeit 1876 eine Militärſubvention
von 1 Million Rubel, die nicht beabſichtigten Zwecken
zugeführt worden ſei. Maßgebende Kreiſe in Cetinje
bezeichneten dem Korreſpondenten der Neuen Freien
Preſſe die Behauptungen als abſolut unwahr und er=
klärten
: Die ruſſiſche Militärſubvention wurde Mon=
tenegro
erſt ab 1896 gewährt und ſeitdem regelmäßig
und präziſe im Einvernehmen mit dem ruſſiſchen Mili=
täragenten
in Cetinje zur modernen Ausbildung des
Heeres verwendet. Die früher gegebene kleinere ruſſiſche
Subvention wurde für wirtſchaftliche, Verkehrs= und
Kulturzwecke der Beſtimmung entſprechend verwender,
immer im Einvernehmen mit den ruſſiſchen Vertretern
in Cetinje.
Amerika.
Das Repräſentantenhaus hat das Geſetz
über die drahtloſe Telegraphie, das ununterbrochenen

Dienſt der Telegraphenbeamten verlangt, angenommen,
Das Geſetz bedarf jetzt nur noch der Unterſchrift des
Präſidenten Taft. Das Haus hat außerdem eine Bill
angenommen, ein Arbeitsamt zu ſchaffen, deſſen Sekre=
tär
einen Sitz im Kabinett haben ſoll. Die Schaffung
eines Arbeitsamtes iſt lange von den Arbeitergewerk=
ſchaften
gefordert worden.
Im Senat wurde die Beratung der Panamakanal=
Bill fortgeſetzt. Senator Lodge ſagte, er habe der Se=
natskommiſſion
für auswärtige Angelegenheiten ange=
hört
, die über den Hayn=Pauncefote=Vertrag Bericht er=
ſtattet
hat. Er ſei damals der Meinung geweſen, daß
der Vertrag den Vereinigten Staaten die Freiheit biete,
ihren Handelsverkehr durch den Kanal zu regulieren und
er ſei auch heute noch der Anſicht, daß die Vereinigten=
Staaten nicht unter den Nationen einbegriffen ſeien, die
nach dem Vertrag gleichmäßig zu behandeln wären. Er
meinte, daß die Ueberweiſung des Streitfalles an das
Haager Schiedsgericht dadurch vermieden werden könnte,
daß die Regierung die Gebühren für die amerikaniſchen
Schifſe zahle. Wie die Entſcheidung im Haag ausfallen
würde, ſei kaum zweifelhaft. Auf die Zwiſchenfrage ei=
nes
Senators, ob Amerika verlieren würde, antwortete
er: Ohne Frage.
Paraguay. Eduardo Schaerer iſt zum Präſiden=
ten
, Pedro Bobadilla zum Vizepräſidenten von Para=
zuay
gewählt worden.

* Balholmen, 17. Juli. Die Jacht Hohen=
zollern
die Molde heute morgen um 6 Uhr bei
kühlem Wetter verließ, traf um 9 Uhr abends hier ein.
Der Kaiſer arbeitete während der Fahrt und nahm
den Vortrag des Chefs des Marinekabinetts entgegen.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 19. Juli.

Engen Bracht=Ausſtellung.
* Die Ausſtellung wird am Samstag, den 20.
dieſes Monats, mittags 12 Uhr, im Städtiſchen Ausſtel=
lungsgebäude
auf der Mathildenhöhe in Anweſenheit
Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs eröffnet
werden. Die Teilnahme an der Eröffnungsfeier
iſt nur den beſonders geladenen Perſonen geſtattet. Von
Nachmittags ab iſt die Ausſtellung für das Publikum
geöffnet. Wegen der Eintrittspreiſe und der Be=
ſichtigungszeit
wird auf die bezügliche Anzeige in der
heutigen Nummer verwieſen.

* Vom Hofe. Ihre Königl. Hoheit die Groß=
herzogin
beſuchte am Mittwoch vormittag 10 Uhr in
Begleitung der Oberhofmeiſterin Freiin v. Grancy die
Alice=Schule und hierauf das Eleonorenheim. Der
Kaiſerlich=Ruſſiſche Geſchäftsträger Graf Pilar von
Pilchau, Oberleutnant Alfthan und Leutnant Dillenius
vom Kaiſerlich=Ruſſiſchen 6. Huſaren=Kljaſtitzkij=Regiment
in Mlawa, ſowie Leutnant v. Boetticher nahmen am
Mittwoch an der Frühſtückstafel in Jagdſchloß Wolfs=
garten
teil. (Darmſt. Ztg.)
* Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
den Hofjunker Ernſt v. Küchler, Kaiſerlicher
Vizekonſul in Warſchau, zum Kammerjunker; den Lehr=
amtsaſſeſſor
Heinrich Küßner zu Nidda zum Ober=
lehrer
und Rektor an der höheren Bürgerſchule zu Nidda
mit Wirkung vom 1. Auguſt 1912 an; den Lehramts=
aſſeſſor
Albert Diemer zu Worms zum Oberlehrer an
der Oberrealſchule zu Worms und den Lehramtsaſſeſſor
Heinrich Miſchler zu Alzey zum Oberlehrer an der
Realſchule und dem Progymnaſium zu Alzey; den
Brückenmeiſteraſpiranten und Militäranwärter Franz
Aufleger aus Hamm zum Brückenmeiſter an der
fliegenden Brücke bei Oppenheim; ferner wurde der
Dammwärteraſpirant und Militäranwärter Franz Rapp
aus Gernsheim zum Dammwärter in Aſtheim ernannt.
* Entlaſſen haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
den Pfarrer Fritz Lahr zu Langd auf ſein
Nachſuchen zwecks Uebernahme der zweiten Pfarrſtelle
an der Nicolaikirche zu Potsdam aus dem Dienſt der
heſſiſchen evangeliſchen Landeskirche.

Die gegenwärtige Hitze und Dürre
und ihre Urſache.

A. K. Etwa ſeit dem 6. Juli herrſcht im größten
Teile Europas Wärme und Trockenheit vor; während
vorher, abgeſehen von einzelnen Tagen und Gegenden,
die Temperatur unter der normalen lag, ſtieg ſie ſeitdem
über dieſe. Bis zum 10. Juli traten indeſſen in verſchie=
denen
Gebieten noch Gewitter auf, die als Nachzügler
der ausgeprägten Gewitterperiode von Ende Juni bis
zum 4. Juli zu betrachten ſind, am 8. Juli aber noch ein=
mal
große Ausbreitung fanden. Die mit den Gewittern
verbundenen Niederſchläge unterbrachen zwar für kurze
Zeit die Trockenheit, übten jedoch auf die Temperatur
wenig Einfluß aus. Zunächſt bewegten ſich in dieſer
Periode die Maximaltemperaturen im allgemeinen
zwiſchen 21 Grad und 28 Grad Celſius, ſeit dem 11. Juli
nahm aber die Intenſität der Wärme und Trockenheit
allenthalben zu, ſodaß wir jetzt ſchon eine ganz ähnliche
Wetterlage zu verzeichnen haben wie im vorigen Som=
mer
. Auf 30 Grad Celſius ſtieg die Temperatur bereits
am 11. Juli in Wilhelmshaven, Aachen und Magdeburg
und auf 31 Grad in Frankfurt a. M. Vom 12. Juli mel=
deten
die Wetterkarten Nachmittagsmaxima von 30 Grad
aus Wilhelmshaven, Keitum, Hannover, Berlin und
Bamberg, 31 Grad aus Borkum, Kaſſel, Metz, Mülhau=
fen
i E. und Karlsruhe, endlich 32 Grad aus Aachen
Magdeburg und Frankfurt a. M. Am 13. Juli hatten
31 Grad Borkum, Metz, Mülhauſen i. E. und Karlsruhe
32 Grad Magdeburg und 33 Grad Aachen, am 14. Juli,
der ein wenig kühler war, 32 Grad nur Aachen. Beſon=
ders
hohe Extreme wurden vom 12. Juli aus Brüſſel,
Paris und Clermont gemeldet; die Temperatur erhob
ſich an dieſen Orten nämlich auf 34 Grad Celſius. Nie=
derſchläge
ſind in den letzten Tagen überhaupt nicht mehr
gefallen einzelne Regentropfen in Bamberg beſtätigen
als Ausnahme die Regel.
Als unmittelbare Urſache der Hitze und Dürre hat
man die Verteilung des Luftdrucks anzuſprechen: ſeit Be=
ginn
der Periode, alſo etwa ſeit dem 6. Juli, lagert über
dem mittleren Teile des europäiſchen Kontinents recht
loßer Lufedruck, der hald einen einzigen umfangreichen

Kern, bald mehrere verſprengte Kerne aufweiſt, die ſich
gegeneinander verſchieden oder vereinigen, worauf das
Spiel von neuem beginnt. In den letzten Tagen betrug
der Luftdruck in dieſen Zentren 770772 Millimeter.
Die primäre Urſache iſt zweifellos dieſelbe, wie die
der vorjährigen Hitze= und Dürreperioden; ich habe ſie
ſeinerzeit in der Aſtronomiſchen Korreſpondenz auf das
Verhalten der Sonne zurückgeführt und muß denſelben
Standpunkt auch heute wieder vertreten. Dem exorbitan=
ten
Fleckenmaximum von 19051908 iſt, wie ich ſchon im
vorigen Jahre betonte, ein ebenſo ſcharf charakteriſiertes
Fleckenminimum gefolgt, das beſonders im Jahre 1911,
aber auch noch im gegenwärtigen Jahre fleckenfreie Peri=
oden
von ſo langer Dauer aufwies, wie man ſie bisher
wohl nur ſelten beobachtet hat. Starke Fleckentätigkeit
iſt nun aber ein Zeichen erhöhten Vulkanismus, d. h.
größerer Unruhe des Sonnenkörpers, während das Feh=
len
von Flecken eine gleichmäßigere, allerdings auch vul=
kaniſche
Arbeit anzeigt die geſamte Photoſphäre bil=
det
ja ein ununterbrochenes feuerwogendes Meer von
Eruptionen. Man hat ſich daher die Strahlung der
Sonne in Fleckenminimaljahren nicht etwa geringer, ſon=
dern
nur gleichmäßiger, ja ſogar ſtärker vorzuſtellen als
in Fleckenmaximaljahren. Die Steigerung der Strah=
lung
iſt während des Minimums 1911/1912 ſo erheblich,
daß ſie eine deutliche Wirkung auf unſere meteorologiſchen
Verhältniſſe ausübt. Dieſe Wirkung erſtreckt ſich natür=
lich
auf die ganze Erde, ſie iſt auf der Halbkugel am in=
tenſivſten
, die gerade der Sonne zugeneigt iſt, d h. im
Sommer auf der nördlichen Hemiſphäre. So ſehen wir
in der Tat nicht allein auf dem europäiſchen Kontinent
dieſe Fernwirkung ſich äußern, ſondern in noch höherem
Maße auf dem großen nordamerikaniſchen Kontinent,
der ſowohl im vorigen, wie auch im gegenwärtigen Som=
mer
noch ſchwerer unter Hitze und Dürre zu leiden hatte
und noch leidet, als Europa.
Indeſſen auch im Winter ſcheint das abnorme Ver=
halten
der Sonne ſich in unſeren Witterungselementen
widerzuſpiegeln, und man wird kaum fehlgehen, wenn
man die ſeit Menſchengedenken hier nicht vorgekomme=
nen
. unerhörten Froſtverioden des Januar und Februar
1912 auf die gleichen Faktoren zurückführt. Wie bei den
ſommerlichen Litzeperioden bildet auch bei den winter=

lichen Kälteperioden der beſtändige hohe Luftdruck die
unmitelbare Urſache der Temperaturextreme.
Es ſei daran erinnert, daß die Hitze= und Trocken=
periode
des Sommers 1911 folgende Zeiten umfaßt:
vom 28. Mai bis 7. Juni, vom 24. bis 26. Juni, vom 7.
bis 14. Juli und beſonders vom 21. Juli bis 14. Auguſt.
Die heißeſten Tage während der letzten langandauern=
den
und wärmſten Periode waren der 23. und 25. Juli,
an denen zuerſt in Magdeburg und Frankfurt a. M., zu=
letzt
in Karlsruhe 38 Grad Celſius gemeſſen wurden.
Ferner ſei daran erinnert, daß die Perioden außerordent=
lich
heftigen Froſtes des Winters 1912 folgenden Zeiten
angehören: vom 7. bis 24. Januar und vom 27. Jan.
bis 7. Februar. Der kälteſte Tag in der letzten Periode
ſtärkſten Froſtes war der 4. Februar, der in der Nähe
von Hamburg ein Minimum von 27.5 Grad Celſius
brachte.
Zu den Folgen ſolcher allzuſtarker und allzulanger
Hitze und Trockenheit gehören neben den direkten Schädi=
gungen
des Körpers, insbeſondere durch Hitzſchlag, die
Begünſtigung bakterieller Krankheiten bei Menſch und
Tier (im vorigen Jahre erreichte die Maul= und Klauen=
ſeuche
ungeahnte Ausdehnung), das Verſiegen oder Zu=
rückgehen
vieler Quellen und Waſſerläufe (beiſpielsweiſe
gekennzeichnet durch das Sichtbarwerden ſog. Hunger=
ſteine
), das Ausdorren großer Landſtriche mit ihren
Pflanzenkulturen, die Begünſtigung von Wald=, Heide=
und Moorbränden, ſowie von Schadenfeuern (am 13. Juli
brannte ſchon das Durf Debſtedt bei Geeſtemünde zum
großen Teil nieder) und manches andere.
Ueber die mutmaßliche Dauer der gegenwär
tigen Trockenperiode läßt ſich auf Grund der ſekundären
Urſachen nichts Sicheres vorausſagen, doch zeigt der
über Mitteleuropa lagernde hohe Luftdruck eine große
Beſtändigkeit. Auf Grund der primären Urſache würde
theoretiſch eine Dauer bis etwa zum 19 Juli anzuneh=
men
ſein, wenn man vom 6. Juli als Beginn ausgeht.
dagegen eine Dauer bis etwa zum 24. Juli zu folgern
ſein, ſofern man vom 11. Juli als Beginn ausgeht. Die
Sonnenoberfläche iſt ſeit Verſchwinden des am 16. Juni
am Oſtrande aufgetauchten Fleckes am 29. Juni bisher
wieder ganz fleckenfrei geblieben
A. Stenchel.

[ ][  ][ ]

Nummer 168.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.

Seite 32.

Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Karl Muth aus Gimbsheim, Kreis Worms, eine
Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Ober=Roden,
Kreis Dieburg.
* Militärdienſtnachrichten. Sinemus, Militär=
Hilfsgeiſtlicher der 21. Div. in Mainz, behufs Wahr=
nehmung
der Div.=Pfarrſtelle zur 20. Div. nach Celle
zum 15. Juli, Wolf, Kriegsgerichtsrat von der 39. Div.,
zur Großh. Heſſ. (25.) Diviſion, Dehler, Ober=Militär=
Intend.=Sekretär des XVIII. Armeekorps, Münch, Mi=
litär
=Intendur=Rat des XVIII. Armeekorps, zur Intend.
des XIV. Armeekorps, Wiechard, Militär=Intend.=
Sekretär des XVI. Armeekorps, zu der Intendantur des
XVIII. Armeekorps zum 1. Oktober 1912 verſetzt.
* Verleihung der Doktorwürde. Auf einſtimmigen
Antrag der Abteilung für Ingenieurweſen
wurde durch Beſchluß von Rektor und Großem Senat der
Großh. Techniſchen Hochſchule zu Darmſtadt Herrn
Stadtbaurat Karl Steuernagel, Königl. Baurat in
Köln a. Rh., in Würdigung ſeiner hervorragenden wiſſen=
ſchaftlichen
und erfolgreichen ausübenden Tätigkeit auf
dem Gebiete des ſtädtiſchen Tiefbaues, namentlich der
Abwaſſerreinigung und der öffentlichen Geſundheits
pflege, die Würde eines Doktor=Ingenieurs
Ehrenhalber verliehen.
g. Ferienſtrafkammer. Die Ferienſtrafkammer hielt
geſtern unter dem Vorſitz von Herrn Landgerichtsrat
Tenner die erſte Sitzung ab. Der 63jährige Taglöh
ner Ludwig Schweitzer aus Offenbach wurde wegen
Kuppeleivergehens nach § 180 St.=G.=B. zu 14 Tagen
Gefängnis verurteilt. Wegen Bedrohung des
vom Vormundſchaftsgericht als Pfleger für ſeine Kinder
beſtellten Kaufmanns Otto Weil war der Stukkareur
Peter Auguſt Mayer aus Offenbach vom Schöffen=
gericht
zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Er
legte gegen das Urteil Berufung ein und gab zur Be=
gründung
an, er ſei ſehr erregt geweſen darüber, daß
ein anderer ſich um ſeine Kinder kümmerte. Er habe des=
halb
dem Weil auch geſagt, er ſolle weggehen, er habe
ber ihm nichts u ſüchen. Der Aeußerung, er würde ihm
den Hals durchſchneiden, die er gemacht haben ſolle, könne
er ſich nicht mehr erinnern. Wenn ſie gefallen iſt, ſo hätte
er damit ausdrücken wollen, daß er lieber ſeine Kinder
umbringen wolle, als daß er ſie anderen Leuten überlaſſe.
Das Gericht gab der Berufung ſtatt und ermäßigte die
Strafe auf 10 Mark Geldſtrafe. Der 38jährige
Korbmacher Philipp Kriſt aus Hamm bei Worms hatte
ſich im April beim Gaſtwirt Becker in Eſchollbrücken
für einen Satz von 1.50 Mark täglich einlogiert. Als er
acht Tage dort logiert hatte, lieh er ſich einen Schubkar
ren und verließ Eſchollbrücken. Der Schubkarren kam
erſt ſechs Wochen ſpäter in die Hände des Eigentümers
zurück. Becker hatte von Kriſt noch 10,75 Mark für Ver=
pflegung
zu erhalten. Kriſt ſtellt ihm jedoch eine Segen=
rechnung
auf, wonach er für zwei neue Körbe, die er
anderen für 80 Pfa. verkauſte, je 3 Mark zu verlangen
hätte, außerdem für drei Reparaturen je 1.70 Mark, ſo
daß er noch 90 Pfennig von Becker zu bekommen hätie.
Das Gericht kam nach dem Antrage des Staatsanwalts
zu einer Freiſprechung, da es nicht als erwieſen
anſah, daß Kriſt beim Einlogieren die Abſicht gehabt
hatte, nichts zu zahlen. Ein verheirateter Arbeiter von
Offenbach, der wegen einer längeren Krankheit die Miete
nicht zahlen konnte und deshalb die Wohnung gekündigt
erhielt, fertigte, da ihm bei der Wohnungsſuche überall
ein Mietsbuch abverlangt wurde, ein ſolches ſelbſt aus
und erhielt auf Vorzeigen dieſes gefälſchten Mietbuches
auch eine Wohnung. Hier konnte er jedoch auch nicht
ſofort bezahlen und ſo wurde der Vermieter um 27 Mk
geſchädigt. Der Staatsanwalt beantragte wegen der
Urkundenfälſchung in Idealkonkurrenz mit Betrug die
Mindeſtſtrafe von einer Woche Gefängnis da
der Angeklagte nur in ſeiner Verzweiflung gehandelt
habe und keinen beſſeren Auswea wußte. um ſeiner Fa=
milie
ein Unterkommen zu verſchaffen. Das Gericht tra
dem Antrage des Staatsanwalts bei und beſchloß von
Amtswegen Antrag auf Strafaufſchub zu ſtellen.
* Alademiſches Turn= und Sportfeſt in Darmſtadt.
Einen der Hauptanziehungsvunkte des Nachmittags wird
wohl die Hochſchul=Stafette bilden, zu der Se.
Königl. Hoheit der Großherzog einen Kranz ge=
ſtiftet
hat und die zwiſchen Gießen, Heidelberg und
Darmſtadt zum Austrag kommen wird. Die Mannſchaf=
ten
haben ſich ſchon einem ernſten Training unterzogen

und haben bereits gute Zeiten erzielt. Es werden 500
Meter in 5 Etappen mit fliegendem Start gelaufen. Die
Ueberreichung des Kranzes an die ſiegende Mannſchaft
wird auf dem Kommers erfolgen. Wie wir erfahren,
wird das Feſt auch von der Deutſchen Turnerſchaft
auf das tatkräftigſte unterſtützt.
* Die Ortsgruppe Darmſtadt des Heſſiſchen Landes=
verhandes
Jungdeutſchland hielt kürzlich im Saalbau
eine Vorſtandsſitzung ab, in der der Vorſitzende,
Herr Bürgermeiſter Mueller, von mancherlei erfreu=
lichen
Fortſchritten der Jungdeutſchlandſache Kunde
geben konnte. Die in der letzten Sitzung angeregte Pro=
paganda
für die Pflege der Leibesübungen in den Fort=
bildungsſchulen
wurde dem Heſſiſchen Landesverband
überlaſſen. Nach einer von Oberbürgermeiſter Dominikus
in Schöneberg aufgeſtellten Statiſtik iſt in 76 deutſchen
Städten von über 6000 Einwohnern der Turn= und
Spielunterricht in den Fortbildungsſchulen obligatoriſch,
in 38 fakultativ eingeführt, während in den übrigen Städ=
ten
noch nichts in dieſer Richtung geſchehen iſt. Eine
Reihe weiterer Darmſtädter Vereine haben ihren Beitritt
zur Ortsgruppe erklärt. Der Kreis Darmſtadt hat Herrn
Bürgermeiſter Mueller in dankenswerter Weiſe für Zwecke
der Jugendpflege den Betrag von 300 Mark überwieſen.
Sodann wurde mitgeteilt, daß für Sonntag, den
8. September, nachmittags, ein großes Jugend=
Volksfeſt auf dem hieſigen Exerzierplatz geplant iſt,
an dem möglichſt alle in der Ortsgruppe Darmſtadt zu=
ſammengeſchloſſenen
Jugendvereinigungen teilnehmen
und in dem die geſamte Darmſtädter Jugend, die auf
vaterländiſchem Boden ſteht, zu freiem Spiel und Wett=
kampf
der Kräfte ſich vereinigen ſoll. Sämtliche Vereine
werden daher dringend gebeten, dieſen Sonntag von an=
deren
Veranſtaltungen frei zu laſſen und ihre Beteiligung
bis 1. Auguſt anzumelden. (Der anfänglich für dieſes
Feſt in Ausſicht genommene Ludwigstag mußte fallen
gelaſſen werden, da für dieſen Tag der Fußballklub
Olympia ſchon ſeit längerer Zeit eine eigene größere
Veranſtaltung plant.) Man darf für dieſes erſte Darm=
ſtädter
Jugendfeſt gewiß auf das weitgehendſte Intereſſe
unſerer Bevölkerung rechnen. Bei dem weiteren Punkt
der Tagesordnung: Die Jungdeutſchland= Veranſtaltun=
gen
und die Sonntagsheiligung wurde bekannt gegeben,
daß einzelne vorgekommene und auch in der Preſſe er=
örterte
Verſtöße in der letzten Sitzung des Landesverban=
des
beſprochen und lebhaft bedauert worden ſind. Es ſoll
dahin geſtrebt werden, daß die Stunden für den Gottes=
dienſt
ſtets frei bleiben, und die Notwendigkeit der Sonn=
tagsheiligung
ſoll grundſätzlich ſtrengſtens reſpektiert
werden. Dieſe Stellungnahme fand allgemeine und leb=
hafte
Zuſtimmung. Wegen Beſchaffung eines gemein=
ſamen
Abzeichens für alle heſſiſchen Vereine ſind die
Verhandlungen noch nicht zum Abſchluß gelangt. Mit
weiteren Vorſchlägen zur Propaganda wurde die ſehr
angeregt verlaufene Verſammlung geſchloſſen.
* Fahrpreisermäßigung für Jungdeutſchland=
Vereine. Für das Gebiet der preußiſcheheſſiſchen Eiſen=
bahngemeinſchaft
und der Reichseiſenbahnen iſt den
dem Bunde Jungdeutſchland angeſchloſſenen Vereinen
für Fahrten im Intereſſe der Jugendpflege Fahr=
preisermäßigung
gewährt worden. Bei den von
dieſen Vereinen veranſtalteten derartigen gemeinſchaft=
lichen
Ausflügen werden jugendliche Perſonen, welche
das 20. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, und
die leitenden erwachſenen Perſonen (bei je 10 Jugend=
lichen
ein erwachſener Führer) in der 3. Klaſſe der
Perſonenzüge (ausnahmsweiſe auch in Eil= und Schnell=
zügen
) zum halben Fahrpreis befördert. Die
Ermäßigung, welche einem Verein höchſtens 12 mal im
Jahr gewährt wird, iſt von dem Verein bei der Ab=
gangsſtation
2 Tage vorher zu beantragen unter Bei=
fügung
einer Beſcheinigung, welche für die dem Heſ=
ſiſchen
Landesverbande Jungdeutſchland angeſchloſſenen
Vereine von der betreffenden Bezirksleitung auszu=
ſtellen
iſt. (Die ausführlichen Bedingungen für die Fahr=
preisermäßigung
können von den Bezirksvorſtänden wie
von der Geſchäftsſtelle des Landesverbandes Jung=
deutſchland
in Darmſtadt bezogen werden.)
* Bezirksverein Johannesviertel. In der Vor=
ſtandsſitzung
wurde die inzwiſchen ausgearbeitete Ein=
gabe
an die Heſſiſche Eiſenbahn=Aktien=Geſellſchaft
wegen Abſtellung der Mißſtände bei der elektriſchen
Straßenbahn im Verkehr zwiſchen dem Viertel und dem
Bahnhof wie wegen Fortführung der Linie durch die
Bismarckſtraße nach dem Bahnhof verleſen und ge=
nehmigt
. Gleichzeitig wurde angeſichts der im Viertel

beſtehenden hochgradigen Mißſtimmung beſchloſſen, dem
Herrn Oberbürgermeiſter eine Abſchrift der Eingabe
zuzufertigen mit der Bitte, ihren Zweck tat kräftig zu
öfrdern.
* Hoher Beſuch. Ihre Königl. Hoheit die Groß=
herzogin
beſuchte geſtern das Offenbacher Leder=
waren
= und Koffer=Spezial=Haus von Carl Sans,
Schulſtraße 1, und machte daſelbſt verſchiedene Einkäufe.
* Der Verein für Geflügel= und Vogelzucht
Ornis hielt ſeine Monatsverſammlung ab. Der
1. Vorſitzende eröffnete die Verſammlung und gab nach
Verleſen der Niederſchriften durch den 1. Schriftführer
zahlreiche Einläufe bekannt. Zwei neue Züchter ſind
dem Verein beigetreten. Nach Beſprechung von Klub=
angelegenheiten
und Verleſen einer lehrreichen Abhand=
lung
über das Kapaunen junger Hähne wurde zum
Hauptpunkt der Tagesordnung: Rationelle Aufzucht
der Kücken übergegangen. Herr Rechnungsrat Schömer
hatte in dankenswerter Weiſe dieſen Vortrag über=
nommen
. Redner verſtand es, in erſchöpfender aber
nicht ermüdender Form die Anweſenden mit einer wirk=
lich
rationellen Aufzuchtsweiſe der Kücken bekannt zu
machen. Der Dank des Vereins blieb ihm nicht vorent=
halten
. An der ſich daran anknüpfenden Ausſprache be=
teiligten
ſich beſonders die Herren Wührer (Arheilgen)
und Lehmann. Mit der üblichen Verloſung mit zahl=
reichen
Gowinnen ſchloß die Verſammlung.
* Findigkeit der Poſt. Eine Klaſſe der Oberreal=
ſchule
hatte dieſer Tage einen Ausflug nach der Saal=
burg
gemacht, von wo aus ſelbſtredend auch die üblichen
Anſichtskarten verſandt wurden. Einer der klei=
nen
, von der Saalburgſchönheit begeiſterten Schreiber
hatte, großem Beiſpiel nachahmend, nur mit Kurt unter=
zeichnet
und ſogar die Adreſſevergeſſen. Trotz=
dem
kam die Karte durch die Findigkeit der Poſt nach
3 Tagen richtig in die Hände des Empfängers. Man
hatte geſehen, daß die Mehrzahl der gleichzeitig aufgelie=
ferten
Anſichtskarten nach Darmſtadt ging und daraus
richtig den Beſtimmungsort geſchloſſen. Dann fand man
auch eine mit Curt und dem Zunamen unterzeichnete
Karte und an dieſer Stelle wurde dann mit Hilfe der
Handſchriftkunde der richtige Empfänger ermittelt.
Im Burgerteller tonzertiert zur Zeit ein aus
fünf Damen und zwei Herren beſtehendes Orcheſter=
Enſemble. Nordſtern nennt ſich die unter der
Direktion von Frau Elly Karger ſtehende Truppe,
deren Leiſtungen im Zuſammenſpiel und in Solo= Vor=
trägen
vorzüglich ſind. Populäre und klaſſiſche Kom=
poſitionen
weiſt das mit Geſchmack zuſammengeſtellte,
in der Hauptſache durch Streich=Inſtrumente zum Vor=
trag
gebrachte Programm auf, in das zwei eigenartige
Inſtrumente; eine Aluminium=Röhren=Orgel und ein
für Hämmer und Baßbogen eingerichtetes Schlag= und
Streichinſtrument Marimbophon Abwechslung bringen.
* Im Brauerei=Ausſchank Fay (Alexanderſtr. 23)
findet heute Freitag wieder ein Konzert ſtatt. (Siehe
Anzeige.)
Hugenſchütz’ Felſenkeller. Heute Freitag konzer=
tiert
die vollzählige Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=Regts.
Nr. 61 unter Heern Webers Leitung. Das Pro=
gramm
iſt als ein Albert Lortzing=, W. A.
Mozart= und Darmſtädter Komponiſten=Abend vorge=
ſehen
, wobei die Herren Hans Fiſcher, Fritz Brück=
mann
(Kammermuſiker), Siegfried May mit einer neuen
Kompoſition, und Paul Probſt vertreten ſind. (Siehe
Anzeige.)
Kranichſtein, 18. Juli. Geſtern nachmittag gegen 5
Uhr fuhr auf Bahnhof Kranichſtein ein Güterzug auf
vier im Einfahrtsgleis ſtehengebliebene Güterwagen. So=
wohl
die auffahrende Maſchine wie mehrere Wagen wur=
den
ſtark beſchädigt. Führer und Heizer erlitten
einen Nervenchoc und mußten ſich in ärztliche Behand=
lung
begeben. Der Materialſchaden dürfte 2000 bis 3000
Mark betragen.
Offenbach, 18. Juli. Die bekannte langwierige Streit=
frage
um die Stellvertretung des Oberbürger=
meiſters
von Offenbach, zu der die Stadtverordneten=
verſammlung
vom 26. Mai vorigen Jahres einen anderen
als den älteſten ſtädtiſchen Beigeordneten, wie es die heſ=
ſiſche
Städteordnung verlangt, beſtellt hat, iſt nun vor
ſämtlichen zuſtändigen Gerichtshöfen verhandelt worden.
Das Miniſterium als letzte Inſtanz hat beſchloſſen,
daß der dienſtälteſte Beigeordnete Porth künftighin als
Stellvertreter des Oberbürgermeiſters zu fungieren hat.

Die größten Weltmeertiefen.

Neuerdings kommt aus dem Malaien=Archipel die Mit=
teilung
, daß S. M. S. Planet im Juni d. J. öſtlich
von der Philippinen=Inſel Mindanao die Tiefe von 9780
Meter gelotet habe. Da die bisher bekannte größte Mee=
restiefe
, die 1899 von dem amerikaniſchen Schiffe Nero
bei der Marianeninſel gemeſſen wurde, nur 9636 Meter
betrug, iſt alſo die neugelotete Tiefe bei den Philippinen
nunmehr die größte Weltmeertiefe. Es iſt aber keineswegs
ausgeſchloſſen, daß in Zukunft auch dieſe noch übertroffen
wird. Sie gehört, wie faſt alle bedeutenden Meerestiefen,
einem ſogen. Graben, nämlich dem ſchon längere Zeit be=
kannten
Philippinengraben an. Es wird allgemein in=
tereſſieren
, eine Zuſammenſtellung der in den letzten Jahr=
zehnten
geloteten größten Tiefen unter 7000 Meter kennen
zu lernen; wir geben dieſe daher in der Faſſung, wie ſie
ſich in Kayſers Phyſik des Meeres herausgegeben von

Dr. Forch, findet, und fügen auch die neue größte Tiefe
überhaupt hinzu:

Philippinengraben ca. 90 n. Br. ca. 1270 5. L. 9780m
Marianengraben oder
12043' n. Br. 1450 49 5. L. 9636m
Nerotiefe
Kermadecgraben . . 300 28 n. Br. 176939’w. L. 9427m
Tongagraben . . . 23039' n. Br. 1750 4’w. L. 9184m
Philippinengraben .12923’n. Br. 125057 5. L. 8900m
Japangraben oder
Tuscaroratiefe . . 440 55 n. Br. 1520 26 5. L. 8513m
Portoricograben . . 19936’n. Br. 66' 26’w. L. 8341m
Palaugraben . . . . 7950 ſ. Br. 1350 10 5. L. 8138m
Atakamagraben . . . 25042' ſ. Br. 71032’w. L. 7635m
Yapgraben . . . . 99 10% ſ. Br. 1339 30’w. L. 7538m
Liukiugraben . . . 25030 n. Br. 126920’w. L. 7481m
Aleutengraben . . . 51053’n. Br. 171012' 5. L. 7384m
Romanchetiefe . . . 0011' ſ. Br. 18915’w. L. 7370m
4010% ſ. Br. 128920’w. L. 7248m
Talaugraben
Sundagraben . . . 100 2' ſ. Br. 1080 5 5. L. 7000m

Zu dieſen außerordentlich tiefen Rinnen, die übrigens
in einem gewiſſen Zuſammenhange mit den benachbarten
Vulkan= und Erdbebengebieten ſtehen, geſellen ſich noch
ſieben bekannte Gräben von mindeſtens 6000 Meter Soh=
lentiefe
.
Von der Ausdehnung ſolcher Tiefſeegräben erhält man
einen Begriff, wenn man erwägt, daß beiſpielsweiſe der
Marianengraben in einer Länge von mehr als 750 Kilo=

meter und einer Breite von mehr als 60 Kilometer, mithin
auf einer Fläche von 49000 Quadratkilometer durchweg
unter 7000 Meter liegt. Ja in dem Kermadecgraben be=
finden
ſich ſogar 78000 Quadratkilometer und in dem
Tongagraben noch 63000 Quadratkilometer unterhalb 8000
Meter. Alle Tiefſeegräben ſtreichen nahe einer ſteilen Küſte
hin; beiſpielsweiſe iſt nach Forch das Tief des Atakama=
grabens
von 7636 Meter von der Spitze des Llullaigo in
Nordchile mit 6600 Meter nur 350 Kilometer entfernt,
ebenſo iſt der Abſtand des Tiefs im Japangraben von 8500
Meter vom Gipfel des 3780 Meter hohen Fuſijama nur
gering.
Durch die Entdeckung der neuen Tiefe durch S. M. S.
Planet werden natürlich die Verhältniſſe zwiſchen Meer
und Land nicht nennenswert beeinflußt, wir dürfen des=
halb
auch bis auf weiteres die größten Erhebungen der
mächtigen Kettengebirge den Tiefſeegräben als nahezu
ebenbürtig gegenüberſtellen der höchſte Berg des Hima=
laya
, der Gauriſankar, ſteigt bis zu 8840 Meter empor
Vergleichen wir aber die Größen von Land und Waſſer
auf der ganzen Erde, ſo ſehen wir das letzte in ungeheurem
Maße überwiegen. Schon an Flächeninhalt ſteht das
Land weit zurück, denn von den 510 Millionen Quadrat=
kilometern
der geſamten Erdoberfläche entfallen nur 149
auf das Land, hingegen 361 auf das Meer; die Landober=
fläche
umfaßt alſo 29 Prozent, die Waſſeroberfläche 71 Pro=
zent
. Noch eindrucksvoller wird der Vergleich, wenn wiv
das Volumen (Inhalt) beider betrachten. Die mittlere
Erhebung der Kontinente beträgt nämlich rund 700 Meter
indeſſen die mittlere Meerestiefe 3700 Meter, woraus ſich
das Volumen des Feſtlandes zu rund 100 und das der
Ozeane zu rund 1330 Millionen Kubikkilometer ergibt.
Das Meer übertrifft das Feſtland infolgedeſſen etwa um
das 13fache, und würde das geſamte Feſtland in das Meer
verſenkt, ſo ſtiege deſſen Spiegel nur um 250 Meter. Coo=
pers
Lootſe hat gewiſſermaßen Recht, wenn er ausruft:
Es gibt gar kein feſtes Land, ſondern nur Meer, worin
bald größere, bald kleinere Inſeln ſchwimmen oder auch
Schleiden, wenn er ſagt: Auf der Oberfläche unſerer Erde
iſt das Waſſer die Regel und das Land die Ausnahme.
Zu einer weſentlich anderen Anſchauung gelangen wir
aber, ſobald wir das Volumen des Waſſers dem des gan=
zen
Erdkörpers gegenüberſtellen. Bei einer mittleren
Dichte von 5.5271 beträgt das Gewicht der Erde beinahe
6X10 Kilogramm, während das der 1330 Millionen

Kubikkilometer Waſſer nur etwa 1.37X10 Kilogramm
ausmacht. Daraus folgt nun die Tatſache, daß erſt auf je
4500000 Kilogramm des ganzen Erdballs 1 Kilogramm
Meerwaſſer kommt oder denkt man ſich, was noch an=
ſchaulicher
iſt, unſeren ungeheueren Planeten in einen
Würfel verkleinert, der nur 1 Meter Kantenlänge beſitzt
(1 Kubikmeter), ſo würde das geſamte Waſſer der Welt=
meere
bis auf faſt 1 Kubikzentimeter zuſammenſchrumpfen,
und die größten Tiefen würden auf 0,7 Millimeter herab=
ſinken
.

Feuilleton.

Das Tusculum des Reichskanzlers. Abſeits von den
großen Heerſtraßen gelegen und doch nur 4 Meilen von
Berlin entfernt, eignet ſich Hohenfinow wie wenige als
Erholungsaufenthalt für den höchſten Beamten des
Reiches, der als der allein Verantwortliche ſozuſagen nie=
mals
die Zügel aus den Händen geben kann. Wenn es not
täte, könnte Herr v. Bethmann=Hollweg in weniger als
zwei Stunden in Berlin ſein. Das Rittergut Hohenfinow
mit ſeinen Vorwerken iſt 9000 Morgen groß, von denen die
größere Hälfte Forſt iſt. Kaiſer Wilhelm II. hat in die=
ſen
Wäldern zwiſchen 1877 und 1896 häufig getagt; ein
Denkſtein am Waldesrande und eine von dem Herrſcher
im Jahre 1890 ſelbſt gepflanzte Eiche bezeichnen die Stelle,
wo der einſtige Prinz Wilhelm von Preußen ſeinen erſten
Rehbock in dieſem Revier auf die Decke legte. Daß man
in des Heiligen Römiſchen Reiches Streuſandbüchſe ſich
befindet, ſpürt man auf der Hohenfinower Flur nicht.
Große Schläge Weizen zeigen, daß der Boden fett und gut
iſt. Das herlichſte für den Beſucher aus der Großſtadt ſind
die Baumrieſen des Schloßparkes und die mächtigen Lin=
den
einer Allee, die vom Eingang in das Dorf zu einer
Anhöhe führt, von der aus man eine entzückende Fernſicht
über die Wieſen und Waſſeradern, die Dörfer und Städte
des Oderbruches genießt, das Preußens großer König vor
anderthalb Jahrhunderten erſt ſyſtematiſch koloniſiert hat.
Das Hohenfinower Schloß ein dreiſtöckiger Backſtein=
au
, der aus dem Ende des 17. Jahrhunderts ſtammt, hat
erſt durch ſpätere Anbauten ein gefälligeres Ausſehen ge=
wonnen
. Die Innenräume ſind ſchön und ſogar kunſt=
oll
ausgeſtattet zu nennen. Imponierend iſt der innere
Lichthof, das Treppenhaus. Die Herrenſitze der Umgebung
nd keineswegs prunkvoller, obwohl ſie zumeiſt viel länger

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.

Nummer 168.

Damit iſt der erwähnte Beſchluß der Stadtverordneten=
verſammlung
endgültig aufgehoben und die Frage endlich
erledigt. Nach der neuen Städteordnung hätte der oberſte
Verwaltungsgerichtshof zu entſcheiden gehabt.
4 Lindenfels, 18. Juli. In der Zeit vom 24. Auguſt
bis zum 11. September bekommt unſer Ort ununterbrochen
Einquartierung. Der Gemeinderat ſetzte die Ver=
gütung
für den Mann, ohne Unterſchied der Charge, auf
1,70 Mark feſt. Im Kreiſe Bensheim beſtanden im
letzten Jahre 22 freiwillige Feuerwehren mit
1016 Mann und 25 Pflichtfeuerwehren. Brände kamen 20
vor. Alle Gemeinden mit Ausnahme von Winterkaſten,
haben die erforderlichen Ausſtattungsgegenſtände beſchafft.
Dieburg, 18. Juli. Der wegen Vergehens nach § 176
in Unterſuchungshaft ſich befindende 64jährige Schmied
Th. von hier hat ſich geſtern in ſelbſtmörderiſcher Abſicht
die Pulsader der linken Hand aufgeſchnitten
und mußte daher ins Krankenhaus verbracht werden.
V. Büttelborn, 17. Juli. Die Hamſter und Feld=
mäuſe
ſind in dieſem Jahre wieder ſehr ſtark vertreten.
Es werden deshalb für bei der Bürgermeiſteei abgelieferte
alte Hamſter 10 Pfg., für junge Hamſter 5 Pfg. und für
Feldmäuſe 3 Pfg. pro Stück bezahlt.
Lampertheim, 18. Juli. In der Gemeinderats=
ſitzung
wurde dem Bau einer elektriſchen Bahn
von Mannheim über Sandhofen hierher grundſätzlich zu=
geſti
mmt. Die Bahn wird von der oberrheiniſchen
Elektrizitätsgeſellſchaft gebaut.
* Mainz, 17. Juli. Die Stadtverordneten=
verſammlung
genehmigte heute einſtimmig nach
einem Referat des Bergrats Prof. Dr. Steuer von der
Techniſchen Hochſchule zu Darmſtadt die Erbauung eines
Städt. Waſſerwerkes auf rechtsrheiniſchem Gebiet
bei Hof=Schönau mit einem Geſamtkoſtenwerte von
2650000 Mark. Die Frage der Eingemeind=
ung
von Koſtheim nahm längere Zeit in Anſpruch.
Sie wurde aber ſchließlich mit allen gegen 4 Stimmen
beſchloſſen. Die Wahl der beiden beſoldeten Bei=
geordneten
wird am nächſten Samstag in einer
Extraſitzung vorgenommen.
Budenheim, 18. Juli. An dem Rheinufer zwiſchen
hier und der Gemarkung Mainz=Mombach wurde geſtern
vormittag die Leiche eines unbekannten Mannes gelän=
det
, deſſen beide Hände mit einem ſtarken Bindfaden
zuſammengebunden waren. Ob hier ein Ver=
brechen
vorliegt, wird die eingeleitete Unterſuchung klar=
ſtellen
.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 17. Juli. Zum Regier=
ungsjubiläum
des Kaiſers am 15. Juni näch=
ſten
Jahres ſind ſchon jetzt vielfache Vorbereitungen ge=
troffen
, über die zuſammenfaſſend und frühere Einzel=
meldungen
ergänzend folgendes mitgeteilt wird: Der
Kaiſer hat die Prägung einer am Bande zu tragenden
Denkmünze für Statsbeamte, Offiziere Unteroffiziere,
Mannſchaften des Heeres und der Flotte, ſowie für
Perſonen, die zum preußiſchen Königshauſe in beſonde=
ren
Beziehungen ſtehen, verfügt. Induſtrielle Kreiſe
haben die Herausgabe einer literariſchen Jubiläums=
gabe
beſchloſſen, die den Werdegang der induſtriellen
lEntwickelung Deutſchlands bis zum Jahre 1913 ſchil=
dert
. Die Künſtlerſchaft will eine allgemeine Huldig=
ungs
=Kunſtausſtellung veranſtalten, die einen Ueberblick
auf das bildneriſche Schaffen in den 25 Jahren der Re=
gierung
des Kaiſers gewährt; außerdem ſoll ein gro=
ßes
Künſtlerfeſt im Landesausſtellungspark ſtattfinden.
Der Berliner Magiſtrat ſieht eine ſtädtiſche Feier vor,
wie ſolche vorausſichtlich auch in anderen Städtegemein=
den
Großberlins arrangiert werden. Der Deutſche
Kriegerbund beabſichtigt eine patriotiſche Spende, und
philateliſtiſche Kreiſe regen die Herausgabe einer Jubi=
läums
=Freimarke an. Den Berlinern iſt ſoeben
ein tragikomiſcher Lapſus paſſiert. Anläßlich des
30. Todestages Berthold Auerbachs, der ein
guter Berliner Bürger war, hatte man den Entſchluß
gefaßt, dem Schwarzwalddichter in ſeinem einſtigen
Wohnhauſe in der Hohenzollernſtraße eine Gedenktafel
zu widmen. Die Gedenktafel iſt jetzt fertiggeſtellt und
angebracht worden. Dabei iſt es aber geſchehen, daß
man ſie an einem falſchen Hauſe angebracht hat. Auer=
bach
wohnte in der letzten Zeit vor ſeinem Tode Hohen=
zollernſtraßs
20. Man hat die Gedenktafel nun auch an
dem Hauſe Hohenzollernſtraße 2 angebracht, hat aber

dabei ganz vergeſſen, daß nach Auerbachs Tode einmal
die Nummern in der Hohenzollernſtraße geändert wor=
den
ſind. Das Haus, in dem Auerbach wohnte, trägt
jetzt nicht mehr die Nummer 20, ſondern die Nummer 15.
Das Haus mit der jetzigen Nummer 20 hat alſo der Ber=
liner
Magiſtrat mit falſchen Federn geſchmückt. Auer=
bachs
Fuß hat es nie betreten. Ob die notwendige
Ueberſiedelung der Gedenktafel an das richtige Haus
nochmals eine Einweihungsfeier nach ſich ziehen wird?
Die engliſchen Studenten ſtatteten geſtern
der Charité einen dreiſtündigen Beſuch ab. Die recht
abenteuerliche Flucht eines Strafgefangenen
aus der Strafanſtalt Plötzenſee hatte vor der 3. Ferien=
ſtraſkammer
des Landgerichts III ein Nachſpiel. Ange=
klagt
wegen Beihilfe zum Diebſtahl war der aus dem
Zuchthauſe in Brandenburg vorgeführte Bäcker Ilch=
mann
. Der Angeklagte, der im Jahre 1908 eine län=
gere
Gefängnisſtrafe in dem Strafgefängnis zu Plötzen=
ſee
zu verbüßen hatte wurde dort in Gemeinſchaft mit
mehreren anderen Gefangenen in der Kartonfabrik des
Gefängniſſes beſchäftigt. Anfangs November 1908 ſchmie=
dete
ein Mitgefangener, ein gewiſſer Gottſchalk
einen Fluchtplan und teilte ihn den anderen mit, bei
denen er ſofort freudige Zuſtimmung fand, galt es doch,
der Behörde einen Streich zu ſpielen. Am 5. November
wurden von der Unternehmerfirma die fertigen Kartons
ſowie die Säcke mit den Abfällen mit Fuhrwerk abge=
holt
. Gottſchalk veranlaßte die eingeweihten Mitgefan=
genen
, einen beſonders großen Sack zu nähen, in den er
dann ſchnell hineinkroch. Der Sack mit dem lebendigen
Inhalt wurde, nachdem er mit Abfällen vollgeſtopft und
zugebunden worden war, von den Sträflingen auf den
Wagen gelegt, und zwar als letzter am hinteren Ende des
Wagens. Der in dem Sack verborgene Flüchtling ſchnitt
dieſen unterwegs mit einem Meſſer auf und verließ in
der Nähe des Kleinen Tiergartens ungeſehen den Wa=
gen
. Er wanderte dann in ſeiner Sträflingstracht unge=
hindert
durch ganz Berlin. Nachdem er ſich 14 Tage in
einer Laube verborgen gehalten hatte, wurde er wieder
feſtgenommen und wegen des Diebſtahls an verſchiedenen
aus dem Gefängnis entwendeten Sachen zu einer Zuſatz=
ſtrafe
von drei Monaten verurteilt. Ilchmann wurde
dagegen geſtern freigeſprochen, weil ſich die Beihilfe nicht
zweifelsfrei feſtſtellen ließ. Die Dachpappen=
fabrik
von Wigankow iſt heute abend nieder=
gebrannt
. Die Urſache des Brandes iſt noch nicht
ermittelt.
Sgarbrücken, 18. Juli. Vor der Ferienſtrafkammer
des hieſigen Landgerichts wurde heute der Rendant
Hoffmann der Spar= und Darlehenskaſſe zu Kai=
ſen
die der Darlehenskaſſe des Trierer Bauernvereins
angeſchloſſen iſt, wegen Unterſchlagung von 70 000
Mark, in Verbindung mit Urkundenfälſchung in 52 Fäl=
len
, zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt, wobei
ſieben Monate der Unterſuchungshaft in Anrechnung
kommen.
Hamm (Weſtfalen), 17. Juli. In der vergangenen
Nacht unternahmen fünf Arbeiter eine Kahn=
fahrt
auf der Lippe. Auf der Rückfahrt badete einer
der Arbeiter. Als er den Verſuch machte, wieder in den
Kahn zu kommen, kippte dieſer um. Drei der Inſaſſen
ertranken, während die übrigen ſich retten konnten.
Die Leichen der Ertrunkenen ſind noch nicht geborgen.
Hagen (Weſtfalen), 17. Juli. Geſtern nachmittag
ſtürzte in Dilſtern das Gerüſt von einer im Bau be=
griffenen
Eiſenbahnbrücke ein. Fünf Arbeiter wurden
ſchwer verletzt einer davon lebensgefährlich.
sh Hambung, 15. Juli. Der König der Boheme wie
er ſich beſcheiden ſelbſt nennt, Danny Gürtler der
wegen momentaner Verrücktheit eine Zeit lang in einem
Sanatorium untergebracht war, hat wieder einmal das
Bedürfnis gehabt, die Welt von ſich reden zu machen, und
zwar tat er das in der von ihm beliebten großzügigen
Art, über die das Fremdenblatt folgendes berichtet: Der
zu einem Gaſtſpiel im Intimen Theater hier eingetroffene
Bohemien Danny Gürtler hat heute ſich des Heine= Denk=
mals
bemächtigt. Er wollte ſeinem großen Vorbilde‟
wie er ſich ausdrückte, eine Gedächtnisrede halten. Kurz
nach 3 Uhr erklomm er das Denkmal, in der rechten Hand
einen großen Lorbeerkranz haltend. Zuerſt fehlte das
Feſtpublikum, doch dem konnte raſch abgeholfen werden,
zumal an einer ſo belebten Stätte, wie an der Paſſage des
Barkhofes. Neugierig blieben ſchon einige ſtehen, als
Danny Gürtler vom Denkmal herab verwundert fragte:
Iſt noch kein Schutzmann da! Der Schutzmann tat aller=
dings
dem Arrangeur den Gefallen nicht. Dafür blieben
aber, was der Zweck der Uebung war, viele Paſſanten

ſtehen. Die Schar wuchs von Minute zu Minute, als die
Denkmalfeier kinematographiſch inſzeniert wurde. Da=
zu
genügte ein Auto und einige Kollegen und Kolleginnen
des Herrn Gürtler. Abwechſelnd fuhren dieſe vor dem
Platz vor und markierten ſo die Auffahrt der Gäſte. Auf
die gleiche Art wurde der Bang zum Denkmal inſzeniert.
Jetzt konnte die Feier beginnen. In theatraliſcher Poſe
ſtellte ſich Danny Gürtler neben den ſteinernen Heine;
geſpannt wartete das Publikum, was kommen würder
Die Hauptſache waren vorläufig noch der photographiſche
und der kinematographiſche Apparat, die den denkwür=
digen
Augenblick im Bilde bannen mußten. Nachdem
dann noch Herr Gürtler die Umſtehenden inſtruiert hatte,
daß ſie bei der Niederlegung des Kranzes den Hut ziehen
möchten, hub die Feier an. Mit einer hohen Geſte über=
reichte
ein Herr den bewußten Kranz, der während der
ganzen Vorbereitungen mit umhergewandert war, Herrn
Danny Gürtler, und dieſer legte ihn unter Dankesworten
an die Herren Bach und Alexander, die dem Heine= Denk=
mal
eine würdige Stätte bereitet hätten und mit dem be=
dauernden
Hinweis, daß ihm ſein ſehnlichſter Wunſch,
ſeinem Vorbild ein Denkmal auf ſeinem eigenen Grund
und Boden am Rhein errichten zu dürfen, unmöglich ge=
macht
worden ſei, am Denkmal nieder. Die Feier war
beendet, und bald wird irgendwo ein Film auftauchen,
der der ſtaunenden Mitwelt von einer Heinefeier in
Hamburg berichtet. Armer Heine!
Dresden, 17. Juli. Ueber die in den letzten Tagen
in Dresden vorgekommenen Typhuserkrankun=
gen
wird von maßgebender Stelle mitgeteilt: Im gan=
zen
ſind erkrankt oder krankheitsverdächtig Dresden 60,
in den umliegenden Ortſchaften ungefähr 20 Perſonen.
In den beiden ſtädtiſchen Krankenhäuſern liegen 53 Er=
krankte
, darunter 9 auswärtige. Heute ſind 2 Perſonen
neu erkrankt. Nach den genauen ärztlichen Unterſuch=
ungen
und Feſtſtellungen über die einzelnen Fälle ver=
teilen
ſich dieſe über das ganze Gebiet der Stadt und
die nächſte Umgebung und ſtehen in gar keiner Bezieh=
ung
zu einander. Es handelt ſich alſo keineswegs um
eine Epidemie, die auf eine gemeinſame Urſache, wie
etwa den Genuß von Milch oder Fleiſch, zurückzuführen
wäre, ſondern nur um ein vermehrtes Auftreten der be=
ſonders
in Großſtädten ſtets vorkommenden Typhus=
fälle
. Die Erſcheinung beſchränkt ſich durchaus nicht auf
Dresden allein, ſondern ttritt auch in verſchiedenen an=
deren
Orten Sachſens auf. Worin der Grund für die
vermehrten Typhusfälle zu ſuchen iſt, hat ſich noch nicht
feſtſtellen laſſen. So viel iſt aber ſicher, daß ein Grund
zur Beunruhigung in keiner Weiſe vorhanden iſt, zumal
auch alle Vorſichtsmaßregeln getroffen ſind, um die wei=
tere
Verbreitung der Krankheit durch Anſteckung zu ver=
hindern
.
Gröba (Sachſen), 18. Juli. Im Elbbahnhof explo=
dierte
ein Benzinfaß infolge Selbſtentzündung in dem
Augenblick, als es in einen Eiſenbahnwaggon geladen
werden ſollte. Der Waggon ſtand ſofort in Flam=
men
und das Feuer breitete ſich dann weiter auf einen
großen Zollſpeicher der Sächſiſchen Staatsbahn aus, in
dem unter anderem 1500 Zentner Oel lagerten. Der Spei=
cher
, ſowie zwei weitere Eiſenbahnwaggons brannten
vollſtändig aus.
Wien, 18. Juli. Das Neue Wiener Tagblatt meldet
aus Gaſtein: Der Muſiker der Gaſteiner Kurkapelle Otto
Schneider aus Sachſen ſtürzte auf der Schwarzwand
beim Schwämmeſuchen ab und war ſofort tot.
Paris, 17. Juli. In Epinal verwundete der
Leutnant Collet in einem Wahnſinnsanfall ſeine
Gattin und ſein ſiebenjähriges Söhnchen durch zwei Re=
volverſchüſſe
ſchwer und entleibte ſich darauf.
Luxemburg, 18. Juli. Die zwei Verbrecher die
vor einigen Tagen vor dem Attentat auf die Polizeikom=
miſſare
von Eſch und Differdingen zahlreiche Schüſſe
auf ihre Verfolger abgaben und ſich dann mit ihren Be=
gleitern
in den Wald von Limpach flüchteten, wurden
dort vergeblich von der luremburgiſchen Polizei geſucht.
Zahlreiche Arbeiter der Gelſenkirchener Adolf=Emilhütte
ſchloſſen ſich der Polizei an. Als man die Banditen er=
wiſcht
zu haben glaubte, gaben ſie Revolverſchüſſe auf die
Verfolger ab. Sie liefen beſtändig im Zick=Zack, bald auf
franzöſiſchem, bald auf luxemburgiſchem Gebier. Da ſie
noch mehr Helfershelfer haben, iſt die ganze Gegend in
Erregung.
Tarascon, 17. Juli. Heute vormittag 10 Uhr ſtieß bei
Tarascon ein von Avignon kommender Perſonen=
zug
mit dem Schnellzug Marſeille-Bordeaux zuſam=
men
. Zehn Reiſende und fünf Eiſenbahnangeſtellte
ſind verletzt worden.

im Beſitz derſelben Familie ſind als Hohenfinow. Als
deſſen Name zuerſt in der Geſchichte auftauchte, gegen die
Mitte des 13. Jahrhunderts, iſt von einer Burg Hohen=
finow
die Rede, die als eine trutzige Warte ſich am
Rande des Barnim=Plateaus erhob und die Uebergänge
über die Finow ſchützte.
* Wie man Heimatmuſeen gründet. Ein Heimat=
muſeum
darf keine tote Sammlung von Sehenswürdig=
keiten
ſein, ſondern es ſoll eine lebendige Illuſtration der
heimatlichen Erdgeſchichte wie Menſchheitsgeſchichte bieten.
Wie dieſes ſchwere und doch für Heimatliebe und Heimat=
kunde
ſo notwendige Ziel erreicht werden kann, das er=
läutert
die Entſtehung des in ſeiner Art vorbildlichen Hei=
matmuſeums
im früheren Kloſter Heiligengrabe in der
Oſtpriegnitz, über die A. v. Auerswald in den Grenzboten
berichtet. Aus geringfügigen Anfängen iſt dieſes heute
recht ſtattliche Muſeum erwachſen. Den Grundſtock bildeten
ein paar prähiſtoriſche Steinmeſſerchen, Schaber und Boh=
rer
, die ein junger Künſtler in Rügen fand und nach Hei=
ligengrabe
brachte. In dem alten Kloſter, das jetzt evan=
geliſchez
. Stift und Erziehungsanſtalt iſt, wurden dieſe
Urzeugen menſchlicher Technik den Kindern gezeigt und
auch von Beſuchern beſichtigt. Dadurch ward ein weiteres
Intereſſe erweckt. Der eine oder andere, der einen ſeltſam
geformten Stein oder ſonſt irgend eine Merkwürdigkeit be=
ſaß
, brachte ſie herbei und war ſtolz, wenn ſie in die kleine
Sammlung aufgenommenwurden. Nun machte der Grün=
der
des Muſeums mit einigen Volksſchullehrern Fahrten
auf die Dörfer und kam ſo in perſönliche Verbindung mit
der Bevölkerung, die bald eine große Anteilnahme an der
Kultur und Geſchichte der Heimat zeigte. Man brachte
merkwürdige Verſteinerungen oder ſchön geglättete, gut zu=
gehauene
Steinwerkzeuge herbei und freute ſich zu erfahren,
was das alles bedeute, wozu es gedient habe. Das Muſeum
erwarb grundſätzlich nichts käuflich von Priegnitzern; die
überwieſenen Geſchenke aber blieben Eigentum der Prieg=
nitz
. Bauern, Handwerker, Tagelöhner brachten freudig
verſönliche Opfer und wieſen Angebote von Händlern für
alte Wertſtücke, Lehensbriefe uſw. ſtolz zurück mit den
Worten: Das ſchenken wir lieber in unſer Muſeum. So
iſt in der Sammlung eine erſtaunlich reiche Ausbeute an
prähiſtoriſchen Funden zuſammengekommen. Während
man vorher nur vereinzelte Denkmäler aus der Vorge=
Säicte dr Prieanitz gebabt hatte, ſchloß ſich nun ein

anſchauliches Bild der prähiſtoriſchen Epochen zuſammen.
Da gab es faſt kein Dorf, aus dem nicht Geſchenke kamen:
Steingeräte in großer Zahl, ungeſchliffene, roh zuge=
ſchlagene
, die in der Priegnitz die ältere Steinzeit repräſen=
tieren
, und Werkzeuge von großer Schönheit der Form und
Arbeit aus der jüngeren Steinzeit. Noch überraſchender
waren die Funde aus der Bronzezeit die faſt alle
großen Urnenfriedhöfen entſtammen, von denen der Pflug
des Bauern Scherben an das Tageslicht gebracht. Früher
hatte man ſolchen alten Begräbnisplätzen keine Aufmerk=
ſamkeit
zugewendet. Nachdem aber die Leute begriffen
haben, welchen Wert dieſe Dinge für das Muſeum beſitzen,
wie viel oft nur eine einzige Scherbe dem kundigen Auge
zu ſagen vermag, kommt das nicht mehr vor. Entweder
der Bauer ſelbſt oder der Lehrer des Dorfes erſtattet dem
Muſeum Meldung von dem Fund. Das Heimatsmuſeum
der Priegnitz in Heiligengrabe iſt wirklich ſo ein Mittel=
punkt
des Intereſſes unter der einfachen Bevölkerung ge=
worden
. Das zeigt das Buch, in das die Beſucher nach
beendetem Rundgang ihren Namen eintragen. Im erſten
Jahre, in dem es auslag, ſchrieben ſich etwa 2000 Perſonen
ein, im zweiten Jahr ſchon 3000 und in dieſem Jahr dürf=
ten
es weit über 4000 werden, und zwar ſind es nur zum
geringſten Teil Touriſten, hauptſächlich die Bauern, Hand=
werker
, Arbeiter, die nicht einmal, ſondern zu wiederholten
Malen kommen. Gerade die kleinen Leute tun auch oft
beträchtliche Scherflein in. die im Muſeum aufgeſtellte
Büchſe für freiwillige Gaben. Eine der Bauerngemeinden
hat ſogar einen Jahresbeitrag von 10 Mark für das
Muſeum bewilligt, in Anerkennung ſeines kulturellen
Wertes‟. Ebenſo hat ſich ein Handwerksverein zu einem
jährlichen Beitrag verpflichtet. Im übrigen erhält das
Muſeum Zuſchüſſe vom Stift, vom Kreiſe und von der Pro=
vinz
, die aber zuſammen die Summe von 600 Mark nicht
überſteigen.
ck. Aus der Welt der Perlen. Perlen ſind ſeit alters=
her
Symbole der Schönheit und der Tränen, und wirklich
ſtehen in der Welt, deren leuchtenden Mittelpunkt ſie bil=
den
, Lurus und Elend, Glanz und Trauer gar eng neben=
einander
. Die Dame, die ſich das herrliche Kollier um den
Hals legt, ahnt nichts von den Mühen und Enttäuſchungen,
den Aufregungen und Gefahren, mit denen das köſtliche
Kleinod dem Schoß des Meeres entriſſen wurde. In
inem Aufſatz über den Perlenhandel in der Revue erzählt

Léonard Roſenthal von der traurigen Lage der Perlen=
fiſcher
im Perſiſchen Golf. Die Perlenbänke befinden ſich
etwa 150 bis 200 Meilen von der arabiſchen Küſte, die eine
einzige große Wüſte darſtellt. Etwa 60 bis 80000 Einge=
borene
beſchäftigen ſich mit der Perlenfiſcherei; einer von
den 10 oder 15 reichen Arabern, in deren Hände das ganze
Land iſt, gibt ihnen etwas Reis, Datteln und Kaffee zur
Nahrung. Dafür müſſen ſie ihm das Vorkaufsrecht der
Perlen unter den günſtigſten Bedingungen zugeſtehen.
Die Art der Fiſcherei iſt außerordentlich primitiv: die ein=
zigen
Inſtrumente, deren ſie ſich bedienen ſind: eine kleine
Kneifzange aus Knochen, mit der ſie ſich die Naſenlöcher
zupreſſen, und Lederhandſchuhe, die ſie zum Schutz gegen
die ſpitzen Felſenriffe tragen. Ein kleiner Korb den ſie
vor ſich herhalten, und ein Stein, an dem ſie befeſtigt ſind
vervollſtändigen die Ausrüſtung. Sie tauchen 2 bis 3, ja
ſogar 5 Minuten. Kommen die Taucher wieder an die
Oberfläche, dann iſt ihr Anſehen jammervoll, die meiſten
ſchnappen mühſam nach Luft. Viele unter ihnen ſind taub,
und der Schiffskapitän geſtand mir, daß ſie ſelten länger
als 5 Jahre arbeiten können. Die Fiſcher, die ich ſah,
ſtiegen 20 Meter in die Tiefe. Plötzlich bemerkte ich eine
ungewohnte Bewegung auf der einen Seite des Bootes,
von der raſch etwa 10 Fiſcher zu gleicher Zeit tauchten. Der
Kapitän ſagte mir ganz ruhig: Ein Fiſcher gibt kein Zei=
chen
mehr mit ſeiner Leine, er iſt wahrſcheinlich von einem
Fiſch gebiſſen oder er hat eine Ohnmacht. Endlich ſah
ich einen Fiſcher auftauchen, der ſeinen lebloſen und blut=
bedeckten
Kameraden mühſam heranſchleppte. Man ſagte
mir, ein Fiſch, den ſie den Teufel nennen, habe ihm das
Blut ausgeſaugt. . . Des Abends wird dann die Beute
beſehen; aber ſie iſt ſelten gut. Findet ſich eine beſonders
ſchöne Perle, dann herrſcht Freude im Fiſcherlager. Alles
ſtrömt herbei, um ſie zu beſehen, und wahre Loblieder in
der blumenreichen Sprache des Orients werden zu Ehren
des Kleinods angeſtimmt, das der Araber noch mehr ver=
ehrt
als ſein Roß. Der Fiſcher verkauft dann ſeine Ernte
em reichen Araber, der ihn nährt, um ein geringes, und
dieſer führt nun ſeine Schätze nach dem Hauptperlenmarkt
des Orients, nach Bombay, wo ein wochenlanges Feil=
ſchen
beginnt. Perlen von beſonderer Schönheit der Form
und Reinheit des Glanzes werden viel höher bezahlt als
die gewöhnlichen barocken Perlen. Man hat auch ſchon aus
einer großen unſchönen Perle, die 29000 Fresrs koſtete,

[ ][  ][ ]

Kongreſſe und Verbandstage.

3 2. Deutſcher Glaſertag.
S.&H. Dresden, 17. Juli. Die fortgeſetzten Ver=
handlungen
des 32. Deutſchen Glaſertages brachten eine
Ehrung des Kaſſenführers Nauſchütz (Berlin), der ſein
25jähriges Mitgliedsjubiläum feiern konnte. Dem Jubi=
lar
wurde ein ſilberner Pokal, ſowie ein Ehrendiplom
überreicht. Hierauf wurde in die Fortſetzung der Be=
ratungen
eingetreten und zunächſt der Geſchäftsbe=
richt
bekanntgegeben. Nach demſelben umfaßt der Ver=
band
zurzeit 97 Innungen mit 3380 Mitgliedern und 593
Einzelmitgliedern. Das Verbandsvermögen beträgt
148000 Mark, wovon auf die Sterbekaſſe 115000 Mark,
auf die Zeitungskaſſe 17000 Mark und auf die Verbands=
kaſſe
15000 Mark entfallen. Der Antrag, den Verein
Deutſcher Spiegelglasfabriken zu erſuchen, die Fracht für
Spiegelglas von der nächſtgelegenen Hütte aus zu be=
rechnen
und die Speſen für die Emballage zu ermäßigen,
eventuell beim zuſtändigen Miniſterium dahin zu wirken,
daß der Zoll gänzlich beſeitigt oder, wenn das nicht tun=
lich
erſcheinen ſollte, wenigſtens auf die Hälfte ermäßigt
werden ſoll, wurde angenommen. Der Haushaltsplan
für 1912/13 wurde ſodann genehmigt. Die im Anſchluß
hieran vorgenommene Wahl des Vorſtandes ergab keine
Veränderung in der bisherigen Zuſammenſetzung des=
ſelben
. Als Ort für die nächſte Tagung wurde Leipzig
beſtimmt und ſodann die diesjährige Tagung von dem
Vorſitzenden geſchloſſen.
27. Verbandstag deutſcher Schloſſer=
Innungen.
S.CH. Bremen 17. Juli. In der fortgeſetzten
Beratung des Verbandstages deutſcher Schloſſer= Innun=
gen
ſprach Dreyer (Bremen) über die Frage: Gehört
ein Handwerker vor das Handelsgericht, und welche Fol=
gen
zieht das nach ſich? Der Referent vertrat die An=
ſicht
, daß ein Handwerker nicht Kaufmann oder Handels=
treibender
, ſondern eben Handwerker ſei und als ſolcher
nicht vor das Handelsgericht gehöre; das Geſetz biete
auch gar keinen Anhalt dafür, einen Handwerker als
Kaufmann zu betrachten. Die Beiſitzer der Sondergerichte
müßten auf jeden Fall nicht Kaufleute, ſondern Hand=
werker
ſein. Die Verſammlung ſtimmte den Ausführun=
gen
des Referenten bei. Meyerhoff (Braunſchweig)
behandelte das wichtige Thema: Schutz der Arbeitswil=
ligen
. Er legte eine Reſolution vor, in der das Erſuchen
kan die Reichs= reſp. Landesregierungen gerichtet wird,
für ein Verbot des Streikpoſtenſtehens einzutreten, ſowie
einen Schutz der Arbeiter auf der Werkſtätte einzuführen.
Nach kurzer Debatte wurde die Reſolution einſtimmig
angenommen. Bolte HHamburg) verbreitete ſich über
den paritätiſchen Arbeitsnachweis. Nach einem Referat
über: Rechte und Pflichten des Lehrherrn gegen den
Lehrling das Verbandsſyndikus Dr. Karwehl= Ber=
lin
erſtattete, beſprach Böttcher=Hamburg die nötig
erſcheinende Abänderung der Beſtimmungen über die
Ausbildung der Schiffsingenieure, für welche beſonders
die Kleinbetriebe paſſend ſeien. Ueber dieſen Punkt ent=
ſpann
ſich eine längere Debatte, in der den Anſchauungen
des Referenten beigepflichtet wurde. Nachdem der
Haushaltsplan für das Jahr 1912/13 genehmigt war,
wurde als Ort der nächſten Tagung Leipzig beſtimmt
und hierauf die Verhandlungen durch den Vorſitzenden
geſchloſſen.

Vom 17. deutſches Bundesſchießen.

* Frankfurt, 18. Juli. Die Delegiertenver=
ſammlung
des Deutſchen Schützenbundes hat
geſtern folgendes Telegramm an Prinz Heinrich ge=
richtet
: Die heute zuſammengetretene Delegiertenver=
ſammlung
aller dem Deutſchen Schützenbunde angehören=
den
Schützenvereine des Reiches hat mit großer Freude
von den Worten der Befriedigung Kenntnis genommen,
die Eure Königliche Hoheit an mich über den bisherigen
Verlauf des Feſtes zu richten die Güte hatten. Mit tief=
gefühltem
Dank blicken wir zurück auf die jedem von
uns unvergeßlichen Tage, die Eure Königliche Hoheit
inmitten der Eurer Königlichen Hoheit alle Zeit treu
ergebenen deutſchen Schützen verbracht haben. Mit dem
Gelöbnis unverbrüchlicher Treue zu Kaiſer und Vater=
land
verbinden wir die untertänigſte Bitte, Eure König=
liche
Hoheit wolle wie bisher auch ferner dem Diütſchen
Schützenbunde Höchſtihr Wohlwollen und förderndes
Intereſſe bewahren. An Kaiſer Franz Joſef wurde
folgendes Telegramm geſandt: Die beim Oeſterreicher=
Tage in der Feſthalle zu Ehren unſerer öſterreichiſchen
Schützenbrüder verſammelten Vertreter des Zentralaus=

ſchuſſes des 17. Deutſchen Bundes= und Goldenen Ju=
biläums
=Schießens bitten Eure Majeſtät, die aus die=
ſem
Anlaß dargebrachte Huldigung, welche dem Gefühle
tiefſter Verehrung entſprang, mit dem innigſten Wunſche
huldvollſt entgegennehmen zu wollen, daß das Bündnis
der Schützen der ſo eng verbrüderten Reiche ſo wie bis=
her
noch lange, lange Jahre des allergnädigſten Schutzes
Eurer Majeſtät teilhaftig werde.

Luftfahrt.

* Friedrichshafen, 18. Juli. Das Luftſchiff
Z. 3 ſtieg heute früh zu einer Fahrt nach Baden=
Oos auf, wo die Abnahmefahrten ſtattfinden ſollen.
* Baden=Oos, 18. Juli. Das Luftſchiff
Z. 3 das heute morgen 4,10 Uhr zu einer Fahrt nach
Baden=Oos aufgeſtiegn war, befand ſich um 7,08 Uhr
über der Halle, ſodaß es den Weg von Friedrichshafen
nach Baden=Oos in 2 Minuten weniger als 3 Stunden
zurückgelegt hat. Es machte alsdann einen Abſtecher
nach Straßburg, von wo es um 9 Uhr vor der Halle
landete. Um 9,20 Uhr war das Luftſchiff in der Halle
geborgen.
* Zweibrücken, 18. Juli. Heute früh 6,10 Uhr
trafen zwei Flieger der Fliegerſtation Metz hier
ein und landeten glatt auf dem großen Exerzierplatz.
Leutnant Reinhardt auf Albatros=Doppeldecker mit
einem Leutnant als Beobachtungsoffizier legte den Weg
MetzZweibrücken in 1 Stunde 30 Minuten zurück.
Oberleutnant Weller auf Rumpler=Taube mit Leutnant
Natorp als Beobachtungsoffizier gebrauchte für den
Weg nur 1 Stunde 15 Minuten. Die Flieger gedenken
heute abend 6 Uhr nach Frankfurt a. M. durch die Pfalz
weiter zu fliegen.
* Augsburg, 18. Juli. Heute früh um 9 Uhr
türzten die Straßburger Militärflieger Hau=
telmann
und Palmer, die um 5 Uhr in Stuttgart
zum Fluge nach München aufgeſtiegn waren in der
Nähe von Augsburg ab Das Untergeſtell des Apparates
wurde beſchädigt. Die beiden Flieger blieben unver=
letzt
.
* Hildesheim, 17. Juli. Das Militär=
flugzeug
, das ſeit Montag ſich auf dem Truppen=
übungsplatz
Heydekrug befindet, iſt heute abend kurz vor
8 Uhr mit Oberleutnant Albrecht als Führer und
Oberleutnant Zimmermann als Beobachtungsoffi=
zier
aufgeſtiegen Nach ungefähr hundert Meter brach
der Propeller und die Flieger gingen langſam zur
Erde nieder, wobei an einem Baum der linke Flügel
abbrach. Die Flieger blieben unverſehrt, der Apparat
wurde abmontiert.
* Johannisthal, 17 Juli. Heute abend un=
ternahm
Leutnant Liemann vom Infanterie=Regiment
Nr. 118 auf Luftfahrerdoppeldecker einen Flugverſuch.
Beim Landen wurde der Apparat vollſtändig zer=
trümmert
. Leutnant Liemann wurde herausge=
ſchleudert
und kugelte ſich den rechten Arm aus.
* Leipzig, 18. Juli. Heute früh iſt auf dem
Flugplatz Lindenthal der Flieger Leutnant Preu=
ßer
vom 107. Infanterie=Regiment in Leipzig t ödlich
verunglückt. Der Apparat ſtieß belm Landen ſo
heftig auf, daß er ſich zweimal überſchlug. Preußer erlitt
einen Schädelbruch und ander ſchwere Verletzungen und
ſtarb nach wenigen Minuten.
* Elbing, 17. Juli. Die Elbinger Zeitung meldet:
Der Flieger Abramowitſch iſt um 6,45 Uhr von
Winſau bei Elbing aufgeſtiegen, um über das Friſche
Haff Königsberg zu erreichen.
* Königsberg, 17. Juli. Abramowitſch
iſt auf ſeinem Fluge Berlin-Petersburg mit ſeinem
Begleiter Regierungsbaumeiſter Hackſtätter von Elbing
kommend um 8,43 Uhr abends auf demPlatze vor der
Luftſchiffhalle gelandet, nachdem die Flieger vorher einen
Flug um die Stadt und eine kurze Zwiſchenlandung
bei Quednau vorgenommen hatten, da ſie infolge des
nebeligen Wetetrs die Luftſchiffhalle nicht ſichten konn=
ten
. Die Flieger hatten auf der Fahrt von Elbing, die
am Friſchen Haff entlang führte, wobei ſie eine Ge=
ſchwindigkeit
von ungefähr 70 Kilometer erreichten, fort=
während
mit Schrägwinden zu kämpfen.
* Petersburg, 17. Juli. Leutnant Dybowsky
unternahm einen Flug von Sebaſtopol nach
Petersburg. Er flog am 15. Juli von Moskau ab,
traf in Zarskoje Sſelo ein, flog weiter nach Krasnoje
Sſelo und landete heute hier auf dem Exerzierplatz.

Ein neuer Studenten=Ausſchuß an der
Techniſchen Hochſchule.

Seit dem Winter=Semeſter 1308/09 beſteht an der
Darmſtädter Hochſchule ein Studentenausſchuß, der die
Aufgabe hat, die Studentenſchaft nach außen zu ver=
treten
=und ſie zum Zwecke der Repräſentation zu
einen. Dieſer Ausſchuß zählt fünf Mitglieder, zwei Kor=
porierte
, zwei Nichtinkorporierte und einen Vorſitzenden,
der je nach Zuſammenſetzung der Wahlverſammlung kor=
poriert
oder nichtinkorporiert ſein kann.
Nur ein Semeſter lang hat dieſer Ausſchuß friedlich
gearbeitet. Die Wahl des Vorſitzenden gab vom Winter
1909/10 an Anlaß zu heftigem Streit unter den Korpo=
rationen
, und vor allem zwiſchen Korporierten und Nicht=
inkorporierten
. Außerdem boten die häufigen Studenten=
verſammlungen
reiche Gelegenheit zu Zwiſtigkeiten aller
Art zwiſchen den beiden großen ſtudentiſchen Gruppen.
Als man allmählich aber auch die Luſt an hitzigen Debat=
ſten
verlor, da zeigte es ſich, daß außer feſtlichen Veran=
ſtaltungen
nur ſehr ſelten Dinge von Wichtigkeit verhandelt
wurden. So ſank das Intereſſe an Studentenverſamm=
lung
und Ausſchuß mehr und mehr. Zwar verſuchte der
Ausſchuß, im Dienſte der Studentenſchaft zu wirken; er
erwirkte Vergünſtigungen, er vermittelte Wünſche und
Anregungen an die Behörden. Aber ſeiner Arbeit fehl=
ten
Syſtem und Stetigkeit, aus dem einfachen Grunde,
weil ihm zu wenig Arbeitskräfte zur Verfügung ſtanden.
Schon ſtand zu befürchten, daß die Studentenſchaft
jedes Intereſſe an dem Ausſchuß verlieren würde ſchon
ſtellte eine Anzahl Korporationen keine Kandidaten für
die Wahlen mehr auf, ſchon wurde der Beſuch der Stu=
dentenverſammlung
bedenklich ſpärlich, als der Rektor der
Hochſchule, Geheimer Baurat Wickop, ſein lebhaftes In=
tereſſe
für einen Studentenausſchuß zu bekunden begann;
denn ſoeben war es in Leipzig gelungen, ein Studenten=
parlament
zu gründen, das alle Fehler zu vermeiden
ſchien, die das Beſtehen des Darmſtädter Ausſchuſſes
bedrohten.
Zunächſt galt es, die Studentenſchaft wieder zu der
Einſicht zu bringen, daß ſie viele gemeinſame In=
tereſſen
habe, daß ſie eines Studentenausſchuſſes
dringend bedürfe. Das war nicht allzu ſchwer, denn hier
hatte der Ausſchuß der Freien Studentenſchaft ſchon
vorbildlich für die Nichtinkorporierten gewirkt.
Dieſer Ausſchuß mit ſeinen etwa 30 Mitgliedern ſuchte
Vergünſtigungen zu erwirken; er vermittelte den Verkauf
von Büchern zwiſchen Studierenden; er wies praktiſche
Arbeit nach; er erweiterte die Bildungsmöglichkeiten der
Hochſchule durch fachwiſſenſchaftliche Exkurſionen, durch
allgemeinbildende Vorträge, Diskuſſionsabende und
Volksunterrichtskurſe; er ſchuf ſich eine eigene Zeitſchrift
in der er dafür eintrat, daß der Student ſich nicht nur
Fachbildung, ſondern auch allgemeine Bildung
erwerben müſſe. Das ſind Einrichtungen, die eigentlich
im Intereſſe der geſamten Studentenſchaft liegen und
deshalb auch des öfteren von Korporierten benutzt
wurden.
Auf dieſen Gebieten kann wirklich fruchtbringende
Arbeit zum Segen der Studentenſchaft geleiſtet werden.
Hier iſt ein Arbeitsfeld für einen Studenten=
ausſchuß
, das verſpricht, ihm das Intereſſe der
Studentenſchaft zu erhalten. Um aber derartige
Arbeit zu ermöglichen, muß die Zahl der
Ausſchußmitglieder erhöht werden; nur wenn
möglichſt viele intereſſierte Studierende aus allen
Kreiſen der Studentenſchaft ihre ſubjektive Mein=
ung
darüber abgeben, welche Einrichtungen im Inter=
eſſe
der Studentenſchaft liegen, läßt ſich ein objek=
tives
Bild über das Intereſſe dieſer großen
heterogenen Maſſe gewinnen. Die Studentenverſamm=
lung
gibt kein derartig objektives Bild. Denn erſtens
ſind oft große Gruppen der Studentenſchaft abweſend,
vor allem aber folgen große Menſchenmaſſen allzu leicht
blindlings wenigen Großſprechern; die große Maſſe
bildet ſich ſelten ein eigenes und ſachliches Urteil;
ihre Meinung iſt abhängig von allerlei Kleinigkeiten
und Stimmungen. Alſo iſt es das Gegebene, daß die
einzelnen ſtudentiſchen Gruppen diejenigen als Ver=
treter
in den Ausſchuß entſenden, die das größte
Intereſſe an der Sache haben. Dieſe werden im Gefühl
der Verantwortlichkeit Einrichtungen treffen, die der ge=
ſamten
Studentenſchaft dienen. Sie übertragen die
vraktiſche Durchführung dieſer Einrichtungen an Ehren=
beamte
. So erhalten wir einen Ausſchuß, der aus 27
Vertretern der Korporationen und etwa ebenſo viel
Nichtinkorporierten beſteht.
Nun waren in dem Entwurf noch die Streitigkeiten
zu berückſichtigen, die die Arbeit ſo oft geſtört hatten.
Die Intereſſenſphären der beiden großen Gruppen, Kor=
porierten
und Nichtinkorporierten, decken ſich nicht ganz;
es gibt vielerlei Dinge, die für die Nichtinkorporierten
von großer Wichtigkeit ſind, während die Korporationen
dafür kein Intereſſe haben und umgekehrt. Es muß
dafür geſorgt werden, daß die Korporierten nicht durch
eine zufällige Mehrheit Einrichtungen verhindern, die für
die Nichtinkorporierten von Bedeutung ſind. Dann fühlen
ſich dieſe majoriſiert, und es gibt einen Zank, der in brei=
teſter
Oeffentlichkeit ausgefochten wird und jede Arbeit
ſemeſterlang unterbindet. Um das zu verhindern, orga=
niſieren
ſich die Korporierten zu einem Korporations=
ausſchuß
, die Nichtinkorporierten zu einem Nichtinkorpo=
riertenausſchuß
. Gleichlautende Beſchlüſſe der beiden
Teile werden von dem gemeinſamen Vorſtand voll=
zogen
. Einrichtungen, die der andere Teil ablehnt, wer=
den
von dem einen ſelbſtändig und in ſeinem Namen
ausgeführt. So iſt jeder Streit ausgeſchloſſen; kann
man ſich nicht einigen, ſo marſchiert man eben getrennt,
und vor allem: es wird gearbeitet. Auch Wahl=
ſtreitigkeiten
um den Vorſitz gibt es nicht mehr, denn der
Vorſitz wechſelt einfach ſemeſterweiſe zwiſchen den ein=
zelnen
Gruppen bezw. Korporationen.
So ungefähr ſieht der neue Studentenausſchuß aus,
der auf der Studentenverſammlung am 17. Juli mit
212 gegen 78 Stimmen angenommen wurde. Hoffen
wir, daß durch die gemeinſame Arbeit Korporierte und
Nichtinkorporierte ſich näher treten werden, daß durch
gegenſeitiges Verſtändnis allmählich die Kluft ausge=
glichen
wird die heute noch zwiſchen den beiden großen
Gruppen beſteht. Möge der neue Ausſchuß wirken zum
Segen der Studentenſchaft, zum Segen der Darmſtädter
Hochſchule.
T.

Sport.

* Die internationale Automobil=Tourenfahrt um
den Preis des Zaren fand jetzt mit der Preisverteilung
ihren Abſchluß. Der Preis des Zaren fiel an Schrygin
auf einem deutſchen Loreley=Wagen, der
Preis des Großfürſten Michael an Petit auf Tedford,
der Lancia=Fabrik=Preis an Kynaſt auf Komnick, der
Preis des Baltiſchen Automobil=Klubs an Weinert auf
Komnick, der Preis der Stadt Reval an Lucke auf Kom=
üick
, der Preis der Stadt Riga an Valentin auf Hiſpano

durch Bearbeitung eine kleine, ſchöne Perle gewonnen, die
250000 Francs wert war. Der größte Teil der Perlenernte,
etwa 40 bis 60 Millionen Francs, ſkommt vom Perſiſchen
Golf; die anderen Fiſchereien von Auſtralien, Maſſaua,
Tahiti, Panama, Kalifornien, den holländiſchen Inſeln, die
alle ungefähr auf demſelben Meridian liegen, liefern
jährlich nur eine Ernte von je 2 bis 5 Millionen Francs.
Während die Nachfrage nach ſchönen Perlen immer größer
wird und immer höhere Preiſe dafür gezahlt werden, wird
das Angebot immer geringer. So hat man im Jahre
1911 im Perſiſchen Golf nur etwa 40 Perlen gefunden, die
das Gewicht von 25 Gran überſtiegen. Bisher hatte
man ſich noch mit den ungeheuren Vorräten geholfen, die
der Orient an alten Perlen beſitzt, hatte die Kleinode von
indiſchen Rajahs und aus chineſiſchen Gräbern herbeige=
bracht
. Aber die Schätze ſind nun erſchöpft, der Augen=
blick
iſt nahe, wo die alten herrlichen Pexlen völlig aus
dem Orient verſchwunden ſein werden, um die Nacken
unſerer Damen zu ſchmücken. Dann werden die Perlen=
fiſchereien
, die viel zu wenig liefern, allein genügen
müſſen, und die Preiſe werden ins Märchenhafte ſteigen,
ebenſo wie die Sehnſucht nach dieſen ſtrahlenden Wundern
des Meeres.
C2)2000 Jahre alter Wein. In der Nähe von Bordeaux
wurde in einem Sarkophag, der aus dem erſten Jahr=
hundert
n. Chr. ſtammt, ein merkwürdig geformtes Glas=
gefäß
von etwa einem halben Meter Länge gefunden.
Das Gefäß hatte die charakteriſtiſche Form der ſyriſchen
Gläſer, von denen der Louvre verſchiedene Beiſpiele ent=
hält
. In dem Gefäß befand ſich ein Pulver, deſſen Ana=
lyſe
ergab daß es einſt Wein enthalten hatte. Daraus
ſcheint hervorzugehen, daß Bordeaux in jenen Tagen
Wein von außerhalb importierte.
C Funde in Aleſia. Die Ausgrabungen in Aleſia
haben in letzterer Zeit ein galliſch=römiſches Wohnhaus
zutage gefördert; auf Unterbauten aus galliſcher Zeit er=
hoben
ſich galliſch=römiſche Bauwerke. Man legte dabei
eine Heizvorrichtung frei, deren Apparate noch ſehr gut er=
halten
ſind, und unter den Einzelfunden fallen beſonders
merkwürdige Töpferwaren und Eiſengeräte auf. Der
wertvollſte Fund iſt ein goldener Ring, der augenſchein=
lich
einem Kinde gehört hat.

* Der franzöſiſche Flieger Hubert La=
tham
, ein entfernter Verwandter der Fürſtin Bülow,
war einer der erſten und tüchtigſten Flieger Frankreichs.
Einer angeſehenen, ſehr wohlhabenden Familie ent=
ſtammend
, wandte er ſich zuerſt dem Automobilismus
zu und wurde dann eifriger Freiballonführer. Einen
Namen machte er ſich durch die Kanalüberfliegung im
Kugelballon, die er in Gemeinſchaft mit ſeinem Vetter
Jacques Faure im Februar 1905 ausführte. Seinen
erſten Rekord ſtellte Latham am 21. Mai 1909 auf, indem
er ſich 37 Minuten 37 Sekunden in der Luft hielt und
eine Stundengeſchwindigkeit von 72 Kilometer erreichte
Wenige Tage ſpäter gewann er die Coupe Ambroiſe
Goupy durch einen Ueberlandflug von Chalons nach
Vadenay. Im Juni 1909 machte er ſeinen erſten Verſuch,
den Kanal zu überfliegen, doch hinderte ein Motorſchaden
ihn, die engliſche Küſte zu erreichen. Am 19. Juni ſtartete
er nochmals in Sangace, doch war er gezwungen, ſchon
nach 11 Kilometer auf das Meer niederzugehen. Ein
dritter Verſuch endete mit demſelben Erfolge, daß der
Flieger im letzten Moment von einem franzöſiſchen Tor=
pedoboot
aus den Fluten herausgezogen wurde. Nach
ſeinen glänzenden Flügen auf der Flugwoche zu Reims
kam Latham nach Berlin, und ihm gebührt die Ehre,
den erſten Ueberlandflug in Deutſchland,
nämlich vom Tempelhofer Feld nach Johannisthal, aus=
geführt
zu haben. Große Erfolge errang er auch bei
der Flugwoche in Blackpool in England und in Ame=
rika
, wo er in faſt allen größeren Städten der Vereinia=
ten
Staaten Aufſtiege machte. Benerkenswert iſt übri=
gens
, daß er ſeine Jagdleidenſchaft auch von der Flug=
maſchine
aus betätigte. Er hat in Amerika mehrmals
hohe Wetten dadurch gewonnen, daß er vom Steuer
ſeines Eindeckers aus Hirſche erlegte. Er war bis zum
Frühjahr dieſes Jahres für die Antoinette=Werke in
Frankreich tätig, und er galt als der beſte Führer dieſer
überaus ſchwer zu handhabenden Maſchine. Er war
im Frühjahr von der franzöſiſchen Regierung in die
Kolonien geſandt worden, um dort die Verwendungs=
möglichkeiten
des Flugzeuges für den Kolonialdienſt zu
tudieren.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.

Nummer 168.

Suiza, der Individual=Preis an Effron auf Lancia und
endlich der Preis des Kaiſerlich Ruſſiſchen Automobil=
Klubs an Lapin auf Lancia.
* Olympiſche Spiele. Stockholm, 17. Juli. Im
Kampfe zwiſchen acht Ruderrennboote ſiegte im
erſten Rennen Deutſchland, Sport=Boruſſia
gegen Frankreich, im dritten Rennen ſiegte ebenfalls
Deutſchland, Rudergeſellſchaft Berlin, gegen Ungarn.
Beide Gruppen werden mit vier anderen zuſammen am
Schlußkampf teilnehmen.

Stadtverordneten=Verſammlung.
8. Sitzung.
St. Darmſtadt, 18. Juli.

Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing eröffnet die Sitz=
ung
um 4¾ Uhr und macht vor Eintritt in die Tages=
ordnung
folgende
Mitteilungen:
Der Stadtverordnete Sames hat letzter Tage ſein
25jähriges Geſchäftsjubiläum gefeiert. Der Oberbürger=
meiſter
hat ihm die herzlichſten Glückwünſche ausgeſprochen.
Stadtv. Bormet beantragt, in dem Gelände des
früheren Main=Neckar=Güterbahnhofes ein Bedürfnishäus=
chen
zu errichten.
Die heſſiſche Flugſtudiengeſellſchaft teilt mit,
daß die Flugveranſtaltungen in Darmſtadt kein Defi=
zit
ergeben haben, daß alſo die Stadt für ein ſolches
nicht in Anſpruch genommen werde. Den Herren, die am
Gelingen der Flugveranſtaltungen mitgewirkt haben,
ſpricht der Oberbürgermeiſter herzlichſten Dank aus.
Der Hausbeſitzerverein hat durch Herrn Mahr eine
erneute Eingabe an die Stadt gerichtet, das Waſſergeld
betreffend.
Stadtv. Stemmer führt Klage über verſchiedene
Mißſtände am Nordbahnhof, wie ſie auch in Ein=
geſandts
im Darmſtädter Tagblatt zum Ausdruck kamen.
Beig. Ekert iſt bereit, wenn genügend Material vor=
handen
iſt, erneut bei der Eiſenbahnbehörde vorſtellig zu
werden.
Stadtv. Koch fragt an, ob bei der Hitze nicht wieder
für die ſtädtiſchen Beamten die verkürzte Bureauzeit ein=
geführt
werden ſoll. Den Oberbürgermeiſter
wird der Frage näher treten.
Die ſtädtiſche Schulzahnklinik hat für die
ihr überwieſenen neuen Räume im Hauſe Waldſtraße 21
gedankt und lädt zur Beſichtigung der Anſtalt in ihrem
neuen Heim ein.
Herr Valentin Witzler bittet um Befreiung von der
Heranzlehung zu den Straßenherſtellungskoſten in der
Riedlingerſtraße.
Darauf wird in die Tagesordnung eingetreten. Ueber
den
Geländetauſch zwiſchen Militärfiskus
und Stadt uſw.
referiert ſeingehend der Oberbürgermeiſter. (Siehe be=
ſonderen
Artikel.) Finanz= und Hochbau=Ausſchuß, ſowie
Tiefbaudeputation haben ſich mit dem Zweck der Vorlage
einverſtanden erklärt und empfehlen, den Oberbürgermeiſter
zum Abſchluß der Verträge zu ermächtigen.
An das Referat des Oberbürgermeiſtferts
ſchloß ſich eine erhebliche Debatte. Stadtv. Henrich
kann in der Vorlage ein glänzendes Geſchäft für die Stadt
nicht erblicken. Wenn man die Bedeutung des Projektes
richtig einſchätzen will, muß man die Sache als Ganzes
betrachten. Die Uebernahme der Bauten zum Gelände=
tauſch
ſei eine bittere Beigabe. Die Vorteile der Vorlage
liegen auf wirtſchaftlichem Gebiete und dieſe ſind ſo groß,
daß man allerdings dem Vertrag zuſtimmen könne. Vor
allem iſt zu begrüßen, daß die Kaſerne in der Alexander=
ſtraße
verbleibt.
Stadtv. Dr. Noellner iſt ungefähr gleicher Mein=
ung
. Es iſt zwar nichts Glänzendes, was der Stadt hier
geboten wird, aber trotz mancher bitteren Pille könne man
doch zuſtimmen. Die Garniſonkirche gereicht dem Platz
zur Zierde und es darf gehofft werden, daß durch dieſen
Kirchenbau der Bau der Reformationskirche noch hinaus=
geſchoben
wird im Intereſſe der Steuerzahler. Die Bäume
an der Breiten Allee müßten erhalten werden. Uebrigens
werden durch die nun bekannt gewordenen Pläne ſehr
viele Gerüchte hinfällig, deren eines allerdings beachtens=
wert
war. Es hätte ſich doch hier für den Staat Gelegen=
heit
geboten, von dem frei werdenden Gelände am Exer=
zierplatz
Baugelände billig zu erwerben für die Errichtung
eines Staatsarchivgebäudes, das hier äußerſt
geeignet untergebracht werden könnte. Die Erbauung
eines ſolchen Gebäudes ſei ja doch notwendig und hier
iſt Gelegenheit zur billigen Erwerbung geboten.
Stadtv. Sames begrüßt das Projekt, weil endlich
einmal der Hopfengarten eine Beſtimmung findet, der
bisher nur viel Zinſen erfordert hat. Das ganze Ver=
tragsverhältnis
trifft den Steuerzahler nicht, ſodaß man
dem Vorſchlag wohl zuſtimmen darf. Stadtv. Fried=
rich
hält den Wert des auszutauſchenden Geländes zu
ungleich bemeſſen. Die Leiſtungen der Stadt ſeien er=
heblich
höher, als die der Militärbehörde. Stadtv.
Dr. Oſann erklärt, was ihm den Antrag ſchmackhaft
macht, ſei die Tatſache, daß laut Vertrag in erſter Linie
die Darmſtädter Unternehmer bei den neuen Bauten Be=
rückſichtigung
finden müſſen. Dem Baugewerbe wird dieſe
Arbeitszuwendung ſehr zuſtatten kommen und dafür ge=
bührt
der Bürgermeiſterei Dank. (Beifall.) Aehnlich
äußert ſich Stadtv. Saeng. Stadtv. Dr. Fülda
kritiſiert das Projekt abfällig. Er hätte gewünſcht, daß
auch die Kaſerne in der Wilhelminenſtraße in den Bereich
der Verträge gezogen wäre. Was die Stadt vom Exer=
zierplatz
erwerbe, ſei nur eine Kuliſſe, die die Stadt ſpäter
zwingen werde, mehr zu erwerben.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing tritt dem enß=
gegen
und verteidigt das Projekt, das nach den jahre=
langen
Verhandlungen endlich etwas Annehmbares bietet.
Stadtv. Möſer iſt für die Vorlage. Die Vertrags=
abſchließung
liege durchaus im Intereſſe der Stadt.
Stadtv. Schupp begrüßt die Vorlage, weil ſie der Stadt
Gelegenheit gibt, den Bahnhof wenigſtens ſcheinbar an
die Stadt heranzuziehen durch den Ausbau der Straße.
Die Kaſerne in der Wilhelminenſtraße müßte mit er=
worben
werden. Nach weiteren Ausführungen der
Stadtvv. Hüfner und Aßmuth ſchließt die Debatte.
Die Abſtimmung uſw. wird bis zum Schluß der Sitzung
vertagt und vorerſt die übrige Tagesordnung erledigt.
Für einen Mädchenhort.
Zum Zweck der Unterbringung eines Mädchenhorts,
ſowie der Gewinnung weiterer ſehr nötiger Unterrichts=
räume
ſollen zwei Räume im Sockelgeſchoß der Stadt=
mädchenſchule
II für dieſe Zwecke hergerichtet werden.
Hochbau= und Finanzausſchuß empfehlen den Antrag des
Oberbürgermeiſters und die erforderlichen Mittel von
2180. Mark zur Genehmigung. Nach dem Referat des
Eladtr. Markwort ſtimmt die Verſammlung zu.

Bei
Einlegung des Waſſerverſoorgungsrohrs
in die Aeußere Ringſtraße, vom Fiedlerweg ab, und durch
die Dieburger Straße bis zu den Hirſchköpfen mußten ſich
die Intereſſenten ſeinerzeit verpflichten, die Anlagekoſten
gemäß der beſtehenden Grundſätze entweder zu verzin=
ſen
oder vorzulegen. Da ſich inzwiſchen die Rentabilität
der Waſſerleitung erwieſen hat, die Dieburger Straße auf
der einen Seite in den Bebauungsplan einbezogen wurde
und die Stadt auch eigene Anlagen an die Leitung an=
ſchloß
, befürworten Waſſerwerks=Deputation und Finanz=
ausſchuß
nach Antrag des Oberbürgermeiſters die Auf=
hebung
der Zinsverpflichtung und die Rückzahlung der
ſeinerzeit geleiſteten Koſtenvorlagen. Die Verſammlung
iſt damit einverſtanden. Referent Stadtv. Saeng.
Beim Ortsgericht II
(Beſſungen) hat ſich die Beſchaffung eines feuerſicheren
Schranks zur Unterbringung wichtiger Urkunden als not=
wendig
erwieſen. Hochbau= und Finanzausſchuß befür=
worten
den Antrag und die Genehmigung des erforder=
lichen
Kredits von 620 Mark. Die Anträge finden An=
nahme
. Referent Stadtv. Widmann.
Auf dem Gehlaborner Hoffeld
iſt die Herſtellung eines Vorflutkanals zur beſſeren Ent=
wäſſerung
des Geländes dringend erforderlich, um einer
Beeinträchtigung der Ertragsfähigkeit eines größeren Teils
des Feldes vorzubeugen. Landwirtſchafts=Deputation und
Tiefbau=Deputation haben ſich mit dem Projekt einver=
ſtanden
erklärt und empfehlen Bewilligung des erforder=
lichen
Kredits von 10000 Mark. Die Verſammlung
ſtimmt nach dem Referat des Stadtv. Markwort zu.
Baudispensgeſuch.
Für einen Neubau vor dem Hauptbahnhof wird um
Befreiung von der Beſtimmung in § 68 der Ausführungs=
Verordnung zur Allgemeinen Bauordnung nachgeſucht.
Der Hochbauausſchuß befürwortet das Geſuch, das nach
dem Referat des Beig. Jäger angenommen wird.
Für ein Bauvorhaben in der Stiftſtraße wird um Be=
freiung
von den Beſtimmungen in §§ 45 und 50 der All=
gemeinen
Bauordnung nachgeſucht. Der Hochbauausſchuß
befürwortet das Geſuch nicht. Die Verſammlung ſchließt
ſich dem an. Referent Beig. Jäger.
Ein neues Stadtbild im Bahnhof.
Im neuen Hauptbahnhof ſollen in der Bahnſteighalle
drei große Bilder in einheitlicher Aufmachung angebracht
werden, die in der Mitte, ca. 5X2½ Meter groß, eine
Anſicht von Darmſtadt zeigen, vom Hochzeitsturm
aus geſehen, und links und rechts davon, ca. 2½X2½
Meter groß, Pläne von Darmſtadt mit den Straßenzügen
und in ſeiner Lage inmitten der Wälder, beſonders in
Odenwald uſw. Das Gemälde ſoll ca. 2½ Tauſend Mark
koſten. Es wird nach längerer Debatte beſchloſſen, die ein=
gehendere
Ausarbeitung noch einer Kommiſſion zu über=
laſſen
, im übrigen wird zugeſtimmt.
Es folgt geheime Sitzung.

Verträge zwiſchen der Stadt und dem Reichs=
militärfiskus
bezüglich des Austauſches von
Grundbeſitz, der Erbanung einer Garniſonkirche
und einer Bataillonskaſerne für das Infanterie=
Regiment, ſowie die Bebauung der Breiten
Allee.

Bereits ſeit dem Jahre 1907 hatte die Städtiſche Ver=
waltung
ſich mit dem Reichsmilitärfiskus in Verbindung
geſetzt, um die aus Anlaß des Bahnhofsneubaues not=
wendig
gewordene Aenderung militäriſcher Anlagen und
die Neuanlegung von Straßen zu beſprechen. Es handelte
ſich hierbei unter anderem auch um die Erbauung einer
Garniſonkirche, die Verlegung der Infanteriekaſerne nach
Weſten, den Verkauf des Ererzierplatzes an die Stadt und
die Schaffung eines neuen Exerzierplatzes bei Griesheim.
Die Erwerbung des Exerzierplatzes ſeitens der Stadt
war ſo gedacht, daß die Stadt von dem Reichsmilitärfis=
kus
das Gelände zum vollen Bauplatzwert erwerben und
im Wege der Enteignung ein ſehr großes Gebiet, zwi=
ſchen
Griesheim und Eſchollbrücken gelegen, als Erſatz
für den Exerzierplatz erwerben ſollte. Der Oberbürger=
meiſter
vertrat die Anſicht, daß das ſtädtiſche Intereſſe
ſich zunächſt auf eine Verbindung der im Südoſten gelege=
nen
Stadtquartiere mit dem Hauptbahnhof beſchränke
und daher die Erwerbung des ganzen Exerzierplatzes
für die Stadt erſt in zweiter Linie in Frage kommen
könne. Die Verhandlungen konnten in den Jahren 1907,
1908, 1909 und 1910 zu einem greiſbaren Ergebnis nicht
führen, zumal verſchiedene Projekte einzelner Truppen=
teile
erſt ſpäter ſpruchreif wurden. Im Oktober 1910 ver=
ſuchte
der Oberbürgermeiſter, Verhandlungen auf neuer
Grundlage einzuleiten. Das Königl. Generalkommando
zu Frankfurt lehnte ein Eingehen auf die neuen Verhand=
lungen
zunächſt ab, da das Königliche Kriegsminiſterium
zu Berlin beſtimmt hatte, daß Teile des Exerzierplatzes
vor dem Rheintore nicht veräußert werden ſollten. Es
gelang jedoch, dieſe Verhandlungen fortzuſetzen, nachdem
am 10. Februar 1911 eine entſcheidende Sitzung mit dem
Generalkommando zu Frankfurt a. M. ſtattgefunden
hatte. Der Oberbürgermeiſter vertrat hier die Auffaſſung,
daß es der Stadt nicht möglich ſei, den Exerzierplatz im
Kauf oder Tauſchwege zu erwerben, zumal mit Rückſicht
auf das Riſiko des Erwerbes für das Erſatzgebiet. Es
handelte ſich nach einer vorläufigen Berechnung bei dem
als Erſatz für den Exerzierplatz in Ausſicht genommenen
Gelände um 3 380000 Quadratmeter und um einen Ge=
ländewert
von etwa 1800000 Mark. Es war der Stadt
nicht möglich, den vollen Wert des neuen Exerzierplatzes
zu zahlen, den alten Exerzierplatz dagegen zu übernehmen
und die Wertdifferenz beider Plätze herauszuzahlen. Die
Wertdifferenz erſchien ſchon bei vorläufiger Berechnung
ſo hoch, daß eine Einigung nicht möglich war. Die Stadt
mußte auch erwägen, daß ſie durch ihre Teilnahme an
dem durch die Bahnhofsverlegung freiwerdenden Gelände
mit 2700000 Mark belaſtet iſt. Als hierauf die Mög=
lichkeit
erörtert wurde, in unmittelbarer Nähe des gegen=
wärtigen
Exerzierplatzes durch Beſeitigung des Waldes
ein neues Erſatzgebiet für den Exerzierplatz zu ſchaffen,
konnte ſich die Städtiſche Verwaltung auch mit dieſer
Löſung nicht einverſtanden erklären. Mit Rückſicht auf
die durch die neue Bahnhofsanlage bedingten Einſchnitte
mußte die Verwaltung auf die Erhaltung des Waldes in
unmittelbarer Nähe des gegenwärtigen Exerzierplatzes
Wert legen. Nachdem die Militärverwaltung ſich ent=
ſchloſſen
hatte, die Kaſerne des Infanterie=Regiments in
der Stadt beizubehalten und damit eine Entſcheidung er=
gangen
war, die im ſtädtiſchen Intereſſe nur begrüßt
werden konnte, näherten ſich die Stadt und die Militär=
verwaltung
auch in anderer Richtung dem Ziele der
Einigung. Die Militärverwaltung mußte damit rechgen,

daß mit der Erhaltung der Infanterie=Kaſerne in der
Stadt das früher in der Nähe des Artillerieſchießplatzes
als Erſatzgelände in Betracht kommende Gebiet nunmehr
als Exerzierplatz zu entlegen war. Die Stadt erklärte ſich
bereit, den Wünſchen einzelner Truppenteile auf Erwerb=
ung
von ſtädtiſchem Gelände entgegen zu kommen. Es
wurden daher nach einer Rückſprache des Oberbürgermei=
ſters
mit dem kommandierenden General, Exzellenz von
Eichhorn, neue Verhandlungen zwiſchen der Stadt und
der Intendantur im Februar 1911 begonnen. Zunächſt
prüfte man, ob in der Nähe der Infanterie=Kaſerne im
Nordoſten Gelände beſchafft werden könnte. Die Ver=
wertung
des Interimstheaters, die Erbauung einer Ka=
ſerne
für die Maſchinengewehrkompagnie und drei andere
Kompagnien, die zur Zeit im Griesheimer Lager unter=
gebracht
ſind, die Erwerbung des alten Lazaretts, die
Verwertung der Kaſerne an der Wilhelminenſtraße und
der Erwerb eines Streifens an dem Exerzierplatz in un=
mittelbarer
Nähe der Breiten Allee bildeten die Aufgaben
eingehendſter Sonderverhandlungen. Die Städtiſche
Verwaltung war bei ihrer Stellungnahme von dem Be=
ſtreben
geleitet, die Verhandlungen durch die Ausſcheid=
ung
zweifelhafter Projekte zu vereinfachen und die För=
derung
der ſtädtiſchen und militäriſchen Intereſſen durch
eine vertragliche Löſung der wichtigſten Aufgaben zu er=
reichen
. Dabei erſchien der gegenwärtige Zeitpunkt
durchaus geeignet mit Rückſicht auf die Notwendigkeit,
die aus Anlaß der Bahnhofsverlegung geſchaffenen Ver=
hältniſſe
zu ordnen. Von vornherein war ſicher, daß in
der ablehnenden Haltung des Kriegsminiſteriums nur
dann eine Wandlung eintreten würde, wenn die Heeres=
verwaltung
ohne Aufwendung von Baukoſten zu den
neuen notwendigen Bauten kommen konnte. Es iſt nötig,
für ein Bataillon des Infanterie=Regiments eine Kaſerne
zu errichten, ſodann eine weitere Kaſerne für die Maſchi=
nengewehrkompagnie
und eine Garniſonkirche. Die
Städtiſche Verwaltung mußte ſich hiernach entſchließen,
die Bauten auf ihre Koſten herzuſtellen und ſie an die
Heeresverwaltung zu vermieten. Die Mietſumme iſt ſo
bemeſſen, daß ſie die Stadt in jeder Weiſe finanziell ſicher=
ſtellt
. Die ſeit März 1911 geführten Verhandlungen und
Vorarbeiten führten zu dem erfreulichen Ergebniſſe, daß
die Städtiſche Verwaltung nunmehr bezüglich der großen
Frage des Geländeaustauſches der Erbauung der Gar=
niſonkirche
und einer Kaſerne endgültig Stellung nehmen
kann. Es ſteht zu hoffen, daß die zur Zeit noch in ein=
zelnen
Fragen ausſtehenden Differenzen das Ergebnis
der Einigung nicht in Frage ſtellen.
Hiernach tritt die Stadt an den Militärfiskus
nach einem im Entwurfebereits vorliegenden Tauſchver=
trage
ab:
1. Von dem Hopfengarten:
a) 15000 Quadratmeter an der Ringſtraße,
b) 29950 Quadratmeter an dem Gr.=Gerauer Weg,
zuſammen 44950 Quadratmeter.
2. Den Wald an der Weſtſeite des Exerzierplatzes
von 21371 Quadratmeter.
3. Uebernimmt die Stadt für den Militärfis=
kus
die Koſten des Bahngeländes von 6266 Quad=
ratmeter
an der Kreuzung der Eſchollbrücker Straße
und der neuen Bahnlinie und des auf ihm befind=
lichen
Schuppens.
Dagegen tritt der Militärfiskus an die Stadt
ab einen etwa 560 Meter langen und 67 Meter
breiten Streifen des Exerzierplatzes längs der Brei=
ten
Allee zwiſchen der Anlage und dem Stirnweg.
Auf der Fläche des Hopfengartens unter 1a von
15000 Quadratmeter baut der Militärfiskus eine Kaſerne
für eine Maſchinengewehr=Kompagnie.
Für Erbauung der Kaſerne für ein Bataillon Infan=
terie
iſt das Mittelſtück des Hopfengartens von 40000
Quadratmeter, das iſt der Reſt des von Holzhofallee,
Ringſtraße, Stadtallee und Groß=Gerauer Weg einge=
ſchloſſenen
Teiles des früheren Beſitztums, auserſehen.
Aufgrund eines beſonderen, im Entwurf ebenfalls
ſchon vorliegenden Vertrages baut die Stadt die Ba=
taillonskaſerne
auf dieſen Teil des Hopfengartens, ver=
mietet
Kaſerne und Grundſtück an den Militärfiskus
gegen eine Jahresmiete von 4½ Prozent des Grundſtücks=
wertes
, und in den erſten Jahren 5¼ Prozent, ſpäter
5 Prozent der geſamten durch den Bau entſtandenen
Koſten ſo lange, bis die Aufwendungen der Stadt für die
Kaſerne und der angenommene Grundſtückswert, bei An=
rechnung
von 1 Prozent Tilgung, gedeckt ſind. Dann
gehen Kaſerne und Grundſtück in das Eigentum des
Militärfiskus über.
Nach weiteren, ebenfalls im Entwurf bereits
vorliegenden Verträgen erwirbt die Stadt den dem
Militärfiskus gehörigen Marienplatz, baut auf ihm eine
Garniſonkirche und vermietet dieſe gegen Zahlung von
5 Prozent der Geländeerwerbskoſten und in den erſten
Jahren 5¼ Prozent, ſpäter 5 Prozent aller durch den Bau
entſtandenen Koſten, ebenfalls ſo lange, bis die Aufwend=
ungen
der Stadt, bei Anrechnung von 1 Proz. Tilgung,
gedeckt ſind. Dann gehen die Kirche und das zu ihr zu
rechnende Gelände (einſchließlich Antreteplatz) an den
Militärfiskus über, während der übrige weſtliche Teil des
Marienplatzes der Stadt für Zwecke des öffentlichen Ver=
kehrs
verbleibt.
Zu dem Abkommen im allgemeinen ſei an dieſer Stelle
das Folgende bemerkt:
Bereits in dem der Stadtverordneten=Verſammlung
am 4. Januar d. J. erſtatteten Vortrage hat der Ober=
bürgermeiſter
auf die hohe Bedeutung der vorliegenden
Verträge verwieſen. Die Verträge haben den
Zweck, aus allgemeinen Geſichtspunkten
die Intereſſenſphären der Stadt und der
Militärverwaltung abzugrenzen. In einer
erfreulichen Weiſe iſt es gelungen, die
Frage des Exerzierplatzes in einer Weiſe
zu löſen, die den beiderſeitigen Intereſſen
in der Gegenwart entſpricht. Der Exek=
zierplatz
wird für das in der Stadt ver=
blleibende
Infanterie=Regiment als Exer=
zierplatz
erhalten. Die Breite Allee foll
zu einer ſchönen und würdigen Eintritts=
ſtraße
von dem neuen Hauptbahnhofe in
die Stadt geſtaltet werden. Das Ziel
ſoll dadurch erreicht werden, daß an der
Breiten Allee öffentliche und private Ge=
bäude
in Verbindung mit Annlagen ent=
ſtehen
, die den derzeitigen ſchönen Blick
auf die Bergſtraße erhalten.
Bezüglich der Einzelheiten der Bebauung wird die
ſtädtiſche Verwaltung eine beſondere Vorlage der
Stadtverordneten=Verſammlung demnächſt unterbreiten. So=
weit
dies unter Aufrechterhaltung der ſtädtiſchen Intereſſen
möglich iſt, hat die Stadt die Pflicht, als große Garniſon=
ſtadt
auch die Intereſſen der Militärverwaltung zu för=
dern
. Wenn die Stadt ſich entſchließt, auf ſtädtiſchen Kre=
dit
eine Kaſerne und eine Garniſonkirche zur Ausführung

[ ][  ][ ]

Nummer 168.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.

Seite 7.

zu bringen, ſo hat ſie hierbei die augenblickliche Belaſtung
des ſtädtiſchen Kredits nicht leicht genommen. Die
Steuerzahler werden in keiner Weiſe belaſtet, zumal das
Reich die Stadt in jeder Weiſe finanziell ſicherſtellt. Da
das Reich bei Erbauung von militäriſchen Bauten be=
ſtimmte
Grundſätze befolgt, die unter Zuſtimmung des
Reichstags feſtgelegt ſind, ſteht die ſtädtiſche Verwaltung
in dieſer Beziehung vor gegebenen Verhältniſſen. Im
übrigen darf doch darauf verwieſen werden, daß neuer=
dings
auch andere Städte, wie z. B. Hanau, Lahr, Offen=
burg
, Freiburg i. Br., Fulda, Perleberg und Babenhauſen,
Kaſernenbauten auf ihre Koſten auf der Grundlage der
vorliegenden Vertragsentwürfe zur Ausführung gebracht
haben. Die Stadtverwaltung hat bei den bisherigen
Vorverhandlungen auch beſonderen Wert darauf gelegt,
daß die Intereſſen der hieſigen Unternehmer und deren
Arbeiter bei Abſchluß und Ausführung der Bauverträge
nach jeder Richtung gewahrt ſind. Sie hat weiter vorbe=
halten
, daß Gas und Waſſer aus den ſtädtiſchen Werken
und im Bedarfsfalle Elektrizität aus den hieſigen Werken
entnommen werden.
Die geſtrige Stadtverordneten=Verſammlung hatte
über die Vorträge zu beſchließen. Ueber die Verhand=
lungen
ſiehe beſonderen Bericht.

Die Stadtverordneten ſtimmten dem Antrage des
Oberbürgermeiſters zu, die Verwaltung zu den weiter er=
forderlich
werdenden Verhandlungen mit dem Kriegs=
miniſterium
zu bevollmächtigen und das Ergebnis der
Schlußverhandlung der Stadtverordneten=Verſammlung
zur Genehmigung vorzulegen.

Handel und Verkehr.

* Berlin, 18. Juli. Die Geſellſchaft für
drahtloſe Telegraphie beabſichtigt, einen funken=
telegraphiſchen
Verkehr zwiſchen Nauen und Nord=
amerika
einzurichten. Zu dieſem Zweck will ſie in der
Nähe von New=York eine große Station bauen, die
auf eine Entfernung von 5500 Kilometer mit Nauen in
Verbindung treten ſoll.
Paris, 18. Juli. Nach einer Blättermeldung
wurden geſtern im Lager bei Reims in Anweſenheit
des Unterſtaatsſekretärs für das Poſt= und Telegraphie=
weſen
Verſuche mit einem von dem Ingenieur Thi=
bault
erfundenen ſehr leichten und ſehr empfindlichen
Taſchentelefunkenapparat vorgenommen. Die
Verſuche hätten trotz der wenig günſtigen Witterungs=
verhältniſſe
befriedigende Reſultate ergeben. Man glaube,
daß der Apparat der Armee und der Marine und
namentlich den Lenkballons und Flugzeugen gute
Dienſte leiſten könne.

Streiks.

* London, 18. Juli. Die Verhandlungen zwiſchen
den Vertretern der Arbeitgeber und den Strei=
kenden
im Londoner Hafen ſind geſtern abend wieder
abgebrochen worden. Die Vertreter der Leute lehnten
die Forderung der Arbeitgeber ab, daß alle Arbeiter=
kategorien
ſofort die Arbeit wieder aufnehmen müßten
und daß alles weitere ſpäteren Verhandlungen über=
laſſen
bleiben müßte. Die Polizei konfiszierte geſtern
früh in einem Extrazug, der organiſierte Arbeiter nach
Tilbury beförderte, 15 Revolver.
* Bodaibo, 18. Juli. Die erſten Tauſend der
ſtreikenden Arbeiter der Lenagoldwäſchereien
ſind heute mit ihren Familien von hier abgereiſt.
Zwiſchenfälle ſind nicht vorgekommen.

Die Kriſis in der Türkei.

* Konſtantinopel, 17. Juli. Die Demiſ
ſion des Kabinetts iſt verurſacht durch Schwierig=
keiten
, die im letzten Augenblick für die Uebernahme des
Kriegsminiſteriums durch Mahmud Mukhtar Paſcha
erhoben worden ſind, deſſen Bedingungen, namentlich
ſoweit ſie Albanien betreffen, als unannehmbar ange=
ſehen
wurden. Auch die geſtern abend gegebene De=
miſſion
des Marineminiſters hat zum Rücktritt des Ka=
binetts
beigetragen.
* Konſtantinopel, 17. Juli. Das Demiſ=
ſionsſchreiben
des Großweſirs, das von
geſtern datiert iſt, hat folgenden Wortlaut: Sire! Ob=
wohl
Ihr Reich die Gnade Gottes und reiche Quellen
des Lebens beſitzt, obwohl die von gewiſſen Seiten auf=
getauchten
politiſchen Fragen nicht danach ſind, Beun=
ruhigung
einzuflößen, iſt es, wie ich bereits geſtern in
öffentlicher Kammerſitzung klar und deutlich erklärt habe,
unbedingt notwendig, daß die Perſönlichkeit, welche zum
Kriegsminiſter ernannt werden ſoll, unabläßlich ihre
Aufmerkſamkeit der Aufrechterhaltung einer wirklichen
Diſziplin, ſowie der militäriſchen Erziehung der Armee
zuwendet. Unter den drei Perſönlichkeiten, welche die
erforderlichen Eigenſchaften beſitzen und die für das
Kriegsminiſterium in Vorſchlag gebracht wurden, hatten
nun aber zwei über die politiſchen Fragen Anſichten, die
zum Teil mit jenen des gegenwärtigen Kabinetts nicht
übereinſtimmen, während die dritte Perſönlichkeit aus
Schwäche eine ablehnende Antwort gab. Ferner gab
Churſchid Paſcha ſeine Demiſſion als Marineminiſter
und Leiter des Kriegsminiſteriums. Da es auch un=
möglich
iſt, eine geeignete Perſönlichkeit für die entſpre=
chende
Verwaltung der Finanzen des Reiches zu finden
und daher auch dieſes Miniſterium interimiſtiſch ge=
führt
werden muß, und in der Erwägung, daß die Fort=
dauer
der Vakanz dreier wichtiger Miniſterien die
Machtgefährdung des Kabinetts unter allen Verhält=
niſſen
, namentlich aber während des Krieges, behindert,
bitte ich, mich von dem Poſten eines Großweſies zu ent=
heben
.
Der Sultan erwiderte, indem er die von
dem Großweſir und den Miniſterien unter ſchwierigen
Verhältniſſen geleiſteten Dienſte würdigte und ſein Be=
dauern
über die Demiſſion des Kabinetts ausſprach.
Da der Großweſir darauf beharrte, nahm der Sultan
die Demiſſion an und verfügte, daß ſämtliche Mitglieder
des Kabinetts, Churſchid Paſcha einbegriffen, bis zur
Bildung eines neuen Kabinetts die Geſchäfte der Regier=
ung
weiter führen.
* Konſtantinopel, 17. Juli. Obwohl die De=
miſſion
des Kabinetts erſt um 3 Uhr nachmittags ge=
geben
wurde, verbreitete ſich das Gerücht bereits mittags
und rief in der Kammer große Ueberraſch=
ung
hervor. Der Präſident brachte der Kammer
von der Demiſſion Kenntnis und hob die Sitzung auf.
Die Präſidenten der Kammer und des Senats wurden
in das Palais berufen, um an der Beratung über die
Lage teilzunehmen. Der Demiſſion des Marinemini=
ſters
ging eine lange Audienz beim Sultan voraus. Nach
der Demiſſion begab ſich der Großweſir zur Pforts, wo

er noch mit den hervorragendſten demiſſionierten Mini=
ſtern
verhandelte. Die jungtürkiſchen Kreiſe ſcheinen die
Wiederernennung Said Paſchas zu wünſchen. Gerücht=
weiſe
verlautet, daß der türkiſche Botſchafter in London,
Tewfik Paſcha, neuerdings ſondiert wurde, ob er den
Poſten des Großweſirs übernehmen wolle. Es iſt jedoch
wenig Hoffnung vorhanden, daß er den Poſten an=
nimmt
.
In gewiſſen militäriſchen Kreiſen verlautet, daß der
unmittelbare Grund der Demiſſion des Kabinetts die
Haltung der höheren Offiziere des erſten Armeekorps
geweſen ſein ſoll. Hätte das Miniſterium heute nicht
demiſſioniert, ſo wären mehrere höhere Offiziere auf der
Pforte erſchienen, um die Demiſſion des Kabinetts zu
verlangen. Man behauptet, das Komitee ſtütze ſich nun=
mehr
auf die Zöglinge der Militärſchule.
* London, 17. Juli. Parlamentsunterſekretär
Acland erklärte auf die Frage, ob die türkiſche Regierung
beſchloſſen habe, öſterreichiſche, franzöſiſche und engliſche
Fachmänner als Ratgeber und Inſpektoren für das Mini=
ſterium
des Innern zu verpflichten: Die engliſche Re=
gierung
erhielt von der türkiſchen Regierung ein Geſuch,
betreffend die Dienſtleiſtung von drei engliſchen Unter=
tanen
in Verbindung mit der Inſpektionskommiſſion für
das Miniſterium des Innern. Das Geſuch wird jetzt
erwogen. Ich hörte nicht, daß ähnliche Geſuche an an=
dere
Regierungen gerichtet wvorden ſind.
* Konſtantinopel, 17. Juli. Es beſtätigt ſich,
daß der Sultan den Botſchafter in London, Tew=
fik
Paſcha, telegraphiſch von ſeiner Ernennung zum
Großweſir benachrichtigt und ihn aufgefordert hat, nach
Konſtantinopel zu kommen, doch glaubt man, daß dieſer
nicht annehmen wird. Wie es heißt, wird in dieſem
Falle verſucht werden, ein Kabinett unter dem Vorſitze
des Miniſters des Aeußern, Aſſim Bey, der geſtern vom
Sultan empfangen worden iſt, zu bilden. Die jung=
türkiſche
Partei nahm in einer Verſammlung Kenntnis
von dem Rücktritt des Kabinetts und drückte ihr Erſtau=
nen
darüber aus, daß zwei Tage, nachdem die Kammer
faſt einſtimmig dem Kabinett ihr Vertrauen ausſprach,
deſſen Rücktritt erfolgte.
H. B. Konſtantinopel, 18. Juli. Ueber die Er=
nennung
Tewfik Paſchas zum Großweſir wird
von gut unterrichteter Seite mitgeteilt, daß Tewfik das
Großweſirat nicht annehmen wird, weil Freiherr
von Marſchall, der ein alter Freund Tewfiks iſt, jetzt den
Londoner Poſten eben übernommen hat, und auch, weil
das Bleiben Tewfiks in London für die Türkei von grö=
ßerem
Nutzen ſein kann. Die Mehrheitsparteien be=
ſchloſſen
, Said Paſcha wieder zur Neubildung des Ka=
binetts
vorzuſchlagen. Es verlautet, daß, wenn Said
nicht annimmt, Hilmi Paſcha mit der Neubildung des
Kabinetts betraut wird.

Zum Krieg um Tripolis.

* Rom, 17. Juli. Das Kriegsminiſterium
veröffentlicht die Liſte der ottomaniſchen Kriegs=
gefangenen
. Seit Beginn der Feindſeligkeiten ſind
insgeſamt 87 Offiziere, von denen 24 ausgeliefert wur=
den
, 57 Unteroffiziere, 160 Korporale und 1436 Soldaten,
davon 2 ausgeliefert, gefangen genommen worden. Drei
Korporale und 19 Soldaten ſind während der Gefangen=
ſchaft
geſtorben. Die Geſamtzahl der Gefangenen, aus=
ſchließlich
der Ausgelieferten und Geſtorbenen, be=
trägt
1741.

Literariſches.

Neue Verkehrskarte von Süddeutſch=
land
. Maßſtab 1:800000. 5. Auflage. (Muthſche
Verkehrskarte Nr. 5.) Preis 50 Pfg. Porto 5 Pfg. Stutt=
gart
, Muthſche Verlagshandlung. Die Muthſchen Ver=
kehrskarten
nehmen durch ihre klare und überſichtliche
Anordnung, ſowie durch ihre vorzügliche techniſche Aus=
führung
in vier Farben auf den erſten Blick für ſich ein.
Die jetzt in neuer Auflage uns vorliegende Karte Süd=
deutſchland
dient ſowohl als Verkehrskarte, auf der
ſämtliche Eiſenbahnen durch ſatten Rotdruck ſcharf her=
vortreten
, wie auch als politiſche Karte, da ſich die Gren=
zen
der Staaten deutlich von einander abheben. Die
Ortsangaben ſind überaus reichhaltig.
Die offizielle Speſſartkarte des Ver=
eins
der Hochſpeſſartfreunde Rothenbuch, gezeichnet von
Hans Ravenſtein, Wegemarkierungen von Hermann
Ritter, iſt ſoeben erſchienen und in allen Buchhandlun=
gen
, ſowie Ludwig Ravenſteins Verlag, Frankfurt a. M.,
erhältlich. Der ſeit Jahren fühlbare Mangel einer guten,
zuverläſſigen Speſſartkarte iſt jetzt beſeitigt. Eine her=
vorragende
Arbeit, ſowohl hinſichtlich des Inhaltes wie
inbezug auf deutliche Lesbarkeit und Klarheit der Zeich=
nung
, iſt geſchaffen. Da trotz der Größe von 60:66
Zentimeter die achtfarbige Karte auf Leinwand mit rück=
ſeitig
aufgedruckten Wanderungen nur 1,80 Mark koſtet,
ſo iſt ihr eine um ſo größere Verbreitung gewiß.
Was ſoll ich leſen? Darauf gibt die beſte Aus=
kunft
Die Leſe die bekannte literariſche Zeitung für
das deutſche Volk, herausgegeben von Dr. Georg Muſch=
ner
in München, die das Organ des großen deutſchen
Leſevereins iſt und in wöchentlichen Heften eine Ausleſe
aus der beſten Literatur der Gegenwart und Vergangen=
heit
bietet. Die Leſe iſt das intereſſanteſte Unterhalt=
ungsblatt
für die Familie und dürfte in keinem Hauſe
fehlen. Probenummern verſendet gratis und franko die
Geſchäftsſtelle Stuttgart, Ludwigſtraße 26. Die uns vor=
liegenden
vier letzten Hefte des vorigen Halbjahres ſind
außergewöhnlich kraftvoll und geben einen erfriſchenden
Ueberblick über das wache geiſtige Leben der Zeit. Der
Jahrgang dieſer Wochenſchrift koſtet mit 2 Jahrbüchern
nur 6 Mark.
Im Verlage der Hofbuchhandlung von R. Lupus
in Metz erſchien kürzlich eine kleine Schrift: Die ge=
ſchichtliche
Entwickelung des Verkehrs in
Elſaß=Lothringen von Ferdinand Schey=
rer
. Den billigen Preis von 20 Pfg. für die Erwerb=
ung
dieſes neueſten Werkes des Verfaſſers anzulegen
(der ſich u. a. durch die zweibändige Geſchichte der Main=
Neckar=Bahn, die Geſchichte der Revolution in Baden
1848/49, Lebensbilder von Heinrich Stephan und Fried=
rich
Liſt rühmlich bekannt gemacht hat), wird niemand
gereuen, der auch nur einigermaßen Sinn und Intereſſe
für das Wohl und Wehe der ſchönen Reichslande hat.
Auf nur 20 Seiten wird hier ein überaus feſſelndes Bild
der Entwickelung des Verkehrs in allen ſeinen Bezieh=
ungen
gegeben, von den Römerzeiten ab bis auf unſere
Tage. Es werden die Botendienſte, auch die Metzger=
poſten
im 10. Jahrhundert und früher, die Poſtreiter
Landkutſchen, Ordinaripoſten, Diliganzen ebenſo an=
ſchaulich
geſchildert, wie das Telegraphenweſen, der
Fernſprecher und die Schiffahrt, und weiterhin die Ent=
wickelung
des Eiſenbahnweſens mit einem Ausblick auf
die Zukunft der Luftſchiffahrt geſchloſſen. In Darmſtadt
iſt das Schriftchen durch die Heßſche Buchhandlung zu
heziehen.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Hamburg, 18. Juli. Hier traten heute nach der
langen Hitzeperiode Gewitter mit Hagelſchlägen auf.
Die Hagelſchloßen hatten die Größe von Nüſſen.
* Bremen, 18. Juli. Der Dampfer Großer Kur=
fürſt
vom Nordd. Lloyd trat heute ſeine Polar=
fahrt
an, die zunächſt an Schottland und Island ent=
lang
gehen ſoll.
* Cetinje, 18. Juli. Nach einer amtlichen Meldung
kam es an der türkiſch=montenegriniſchen Grenze in der
Nähe des Skutariſees geſtern zu einem blutigen
Zuſammenſtoß zwiſchen den Montenegri=
nern
und den türkiſchen Truppen. Zwei auf
montenegriniſchem Gebiet mit Feldarbeiten beſchäftigte
Montenegriner wurden plötzlich aus dem nächſten tür=
kiſchen
Blockhauſe von türkiſchen Soldaten beſchoſſen und
verwundet. Als mehrere Montenegriner zu Hilfe eilten,
wurden 9 von ihnen durch Salven der Türken getötet,
5 ſchwer verletzt. Nachdem die Montenegriner, die unbe=
waffnet
waren, ſich zurückzogen, überſchritten die türki=
ſchen
Soldaten die Grenze und verſtümmelten die
Leichen mit den Bajonetten. Unter der Grenzbevölkerung
herrſcht ungeheure Aufregung.
* New=York, 18. Juli. Die Tribuna meldet aus
Waſhington: Tafts Hilfsſekretär Allen öffnete ein
an Taft gerichtetes Paket, das eine Höllen=
maſchine
mit 6 Pfund Dynamit enthielt. Er erſtickte
die brennende Zündſchnur noch rechtzeitig. Die Aſſocia=
ted
Preß erklärt demgegenüber, daß die Meldung de=
mentiert
ſei.
Berlin, 18. Juli. Auf der Untergrundbahn= Neu=
bauſtrecke
Kurfürſtendamm explodierte heute vor=
mittag
eine Tynamitpatrone, die anſcheinend
von Pionieren, die hier Sprengarbeiten vorgenommen
hatten, liegen gelaſſen war. Dem Arbeiter Gracyk
wurde der linke Arm ausgeriſſen. Auch ſonſt
ſwurde er ſchwer verletzt.
Chemnitz, 18. Juli. Zwiſchen den Statiohten
Waldheim und Hartha wurde ein Kraftwagen von
einem Eiſenbahnzug angefahren. Das Au=
tomobil
wurde zertrümmert, der Beſitzer ſchwer,
ein Inſaſſe leicht verletzt.
Croſſen a. O., 18. Juli. Unter dem Verdacht, an
ihrem Mann, dem Wollſpinnereibeſitzer Witzker einen
Giftmordverſuch verübt zu haben, wurde deſſen
Gattin geſtern abend verhaftet.
HI. B. Bad Harzburg, 18. Juli. Geſtern abend gegen
10 Uhr brach auf dem Grundſtück des Hotels Stadt Ham=
burg
Feuer aus in einem hinter dem Hotel gelegenen
Wirtſchaftsgebäude und ſprang dann auf die übrigen Ge=
bäude
und Stallungen über, die völlig niederbrannten.
Der Brand konnte auf ſeinen Herd beſchränkt werden und
die Hotelräumlichkeiten ſelbſt ſind völlig intakt geblieben.
H. B. Wien, 18. Juli. Ein ſchwerer Unfall
durch Kurzſchluß der elektriſchen Leitung ereignete ſich
heute vormittag. In Rothſchen, in der Metallwaren=
fabrik
im 3. Stadtbezirk trat eine Störung im elektriſchen
Maſchinenbetriebe ein, mit deren Behebung vier Arbeiter
beauftragt wurden. Während der Arbeiten ſchoß plötz=
lich
infolge Kurzſchluſſes eine Stichflamme hervor und
alle vier Leute erlitten ſchwere Brandwunden. Die Ret=
tungsmannſchaft
leiſtete den Verletzten die erſte Hilfe
und brachte ſie ins Spital.
H. B. New=York, 18. Juli. Der Profeſſor an der
Techniſchen Hochſchule in Hannover Blum, der ſich auf
der Durchreiſe von Colon nach Deutſchland einige Tage
hier aufhielt, iſt geſtern abend in der 14. Straße auf dem
Wege nach dem Dampfer von einem elektriſchen Straßen=
bahnwagen
geſtürzt und hat einen Schädelbruch erlitten.
Er wurde bewußtlos ins nächſte Hoſpital gebracht. Sein
Zuſtand iſt bedenklich.

Briefkaſten.

Stammtiſch Kranichſteinerſtraße. Im
Bundesrat haben Preußen 17, Bayern 6, Sachſen und
Württemberg je 4, Baden und Heſſen je 3, Mecklenburg=
Schwerin und Braunſchweig je 2, alle übrigen Bundes=
ſtaaten
je 1 Stimme. Jeder Einzelſtaat kann ſoviel
Bevollmächtigte ernennen, als er Stimmen hat.

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Der Druck fällt in ganz Europa. Geſtern trat ſchon
Bewölkung ein, jedoch war es bei uns noch trocken.
Heute morgen iſt es vielfach wolkig bei verhältnismäßig
hohen Temperaturen. Die Winde wehen aus ver=
ſchiedenen
Richtungen. Heute ſtehen noch Gewitter
bevor, die einen Witterungsumſchlag vorbereiten.
Ausſichten für Freitag, den 19. Juli 1912:
Wolkig, Regenſchauer, mäßig warm.

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[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.

Nummer 168,

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Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Heute morgen verſchied ſanft unſere Tante
und Schwägerin
(15615
Fräulein
Dorothea Gelfius
im 80. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 18. Juli 1912.
Die Beerdigung findet ſtatt:
Samstag, den 20. Juli, nachmittags 5½ Uhr,
vom Portale des Darmſtädter Friedhofes aus.

(Statt beſonderer Anzeige.)
Todes=Anzeige.
Geſtern entſchlief in Seeheim ſanft im
62. Lebensjahre nach längerem Leiden unſere
liebe Schweſter, Schwägerin, Tante und
Großtante
(B15578
Fräul. Emilie Werner
Tochter des Geheimen Medizinalrats
Dr. Friedrich Werner.
Wir bitten um ſtille Teilnahme.
Darmſtadt (Grüner Weg 27), Mainz, Mann=
heim
, München und Laubach, am 17. Juli 1912.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
Auguste Werner.
Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. Juli,
um 10 Uhr vormittags, von der Kapelle des
Darmſtädter Friedhofes aus, ſtatt.

Todes=Anzeige.
Heute morgen entſchlief ſanft nach ſchwerem
Leiden unſere gute, treubeſorgte Tante und
Schwägerin
(B15616
Fräulein Anna Hanau.
Margarethe Hanau,
Lisa Hanau, geb. Orthenberger,
Hans Hanau.
Darmſtadt,
Frankfurt a. M., . den 18. Juli 1912.
Berlin,
Die Einäſcherung findet auf Wunſch der Ver=
ſtorbenen
in Offenbach in der Stille ſtatt.

Statt jeder beſonderen Anzeige.
Heute wurde unſere liebe Schweſter,
Schwägerin und Tante
(15593
Frau
Luise Lichthammer
geb. Schmidt
im 91. Lebensjahre von langem, ſchwerem
Leiden durch den Tod erlöſt.
Mit der Bitte um ſtilles Beileid
die irauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, 17. Juli 1912.
Die Beerdigung findet Samstag, den 20. Juli,
vormittags 9 Uhr, vom Eliſabethenſtift aus,
ſtatt.

Dankſagung.
(Statt Karten.)
Hierdurch ſprechen wir Allen, welche uns beim
Hinſcheiden unſeres lieben Sohnes und Bruders
ſo warme Teilnahme bewieſen, ſowie Denjenigen,
die ihn zur letzten Ruheſtätte geleiteten, unſeren
innigſten Dank aus.
(15592
Im Namen der Hinterbliebenen:
Frau Elise Kaiser Wwe.
Darmſtadt, den 18. Juli 1912.

Beſichtigung des Großh. Reſidenzſchloſ=
ſes
: An jedem Wochentage von 34 Uhr; Sonntags
von 111 Uhr.

Statt jeder beſonderen Anzeige.
Geſtern abend verſchied nach langem,
ſchwerem Leiden unſere liebe Mutter (15589
Frau
Marie Caemmerer
geb. Lennig
im achtzigſten Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Auguſte Caemmerer,
Profeſſor E. Caemmerer mit Frau und
Kindern.
Darmſtadt und
Durlach b. Karlsruhe, den 18. Juli 1912.
Turmbergſtr. 24,
Das Seelenamt wird Samstag, den 20. d. M.,
7 Uhr, in der St. Martinskapelle abgehalten.
Die Beerdigung findet Samstag, den 20. d. M.,
nachm. 3 Uhr, vom Trauerhauſe Herdweg 25
aus, auf dem Darmſtädter Friedhof ſtatt.
Beileidsbeſuche werden mit Dank abgelehnt.

Gottesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 19. Juli:
Vorabendgottesdienſt 7 Uhr 30 Min.
Samstag, den 20. Juli
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Sabatt=
ausgang
9 Uhr 25 Min.
Dienstag (Faſttag Zerſtörung Jeruſalems).
Vorabend 9 Uhr 20 Min. Dienstag morgens 6 Uhr
45 Min., abends 7 Uhr 45 Min.

Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religions=
geſellſchaft
.
Samstag, den 20. Juli:
Vorabend 7 Uhr 35 Min. Morgens 7 Uhr 30 Min.
Nachmittags 5 Uhr. Sabattausgang 9 Uhr 20 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 21. Juli, an:
Morgens 6 Uhr. Nachmittags 7 Uhr 15 Min.
NB. Montag, den 22. Juli: Nachmittags 6 Uhr
15 Min., abends 9 Uhr 15 Min. Dienstag (Faſten
d. 9 Aw.): Nachmittags 7 Uhr 45 Min.

Tageskalender.

Konzerte: Hugenſchütz’ Felſenkeller um 8 Uhr.
Brauerei Fay um 8 Uhr. Perkeo um 8 Uhr.
Bürgerkeller um 8 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23): Die
Kaiſerzuſammenkunft in Baltiſchport; zu den Olympi=
ſchen
Spielen in Stockholm; der Düſſeldorfer Hafen,
vom Luftballon aus geſehen; die ruſſiſche Fürſtin
Tſchakowsky, die das Pilotenexamen beſtand.
Gewerbe=Bibliothek u. Vorbilderſamm=
lung
. Der Leſeſaal iſt geöffnet: an allen Wochen=
tagen
von 8½12½ u. 35½ Uhr (Samstag=Mittag
ausgenommen). Leſeabende: Dienstags und Frei=
tags
, abends von 810 Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: i. V.: Max Streeſe; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus der Geſchäftswelt: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

Kurſe vom 18. Juli 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Zf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,20
3½ Deutſche Reichsanl. . 90,00
3
80,10
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,00
90,10
3½ do. Conſols
80,00
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,00
93,00
do.
3½
85,60
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,50
do.
88,20
3½
do.
3
4 Hamburger Staatsanl. 100,30
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99,90
4 do. do. (unk. 1918) 100,10
3½
88,10
do.
do.
3
77,90
3 Sächſiſche Rente . . . . 80,20
4 Württemberger v. 1907 100, 10
do. v. 1875 95,00
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887 54,30
3¾ Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 91,20
4 do. Goldrente . . . 96,20
4 do. einheitl. Rente 87,90
3 Portug. unif. Serie I 63½
3 do. unif. Ser. III 66,50
3 do. Spezial
9,80
5 Rumänier v. 1903 . . 101,50
4 do. v. 1890
4 do. v. 1905 . . 91,79
4 Ruſſen p. 1880 . . . . 90,30
4 do. v. 1902
90,80
4½ do. v. 1905 . . . . 100,60
94,75
3½ Schweden .
4 Serbier amort. v. 1895 85,30
4 Türk. Admin. v. 1903 82,30
4 Türk. unifiz. v. 1903 89,30
4 Ungar. Goldrente . . . 90,80
4 de. Staatsrente . . . 88,.50.

Zf.
InProz.
5 Argentinier .
.100,80
4
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 94,00
5 Chineſ. Staatsanleihe.
4½
do.
93,60
4½ Japaner . . .
94,70
5 Innere Mexikaner . . . 95,20
do.
60,00
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,40
5 Gold=Mexikaner . . .
3 Buenos Aires Provinz 71,40
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 142,20
5 Nordd. Lloyd . . . . 118,80
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 124,30
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 113,50
8 Baltimore und Ohio . 107½
6½ Schantungbahn . . . 130½
6½ Luxemb. Prince Henri 158,00
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 19,40
6 Pennſylvania R. R. . 121,90
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger . .
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik
. 518,50
14 Chem. Fabrik Gries=
heim

. 259,25
30 Farbwerke Höchſt . . 642,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim .
10 Cement Heidelberg . 154,00
30 Chem. Werke Albert 460,40
12½ Holzverkohlung Kon=
ſtanz

.. . . 316,00
4 Lahmeyer .
. .126,00

In Proz
Letzte
Divid.
7½Schuchert, Nürnberg 161,10
12 Siemens & Halske . 240,00
5 Bergmann Electr. .
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 168,10
0 Gummi Peter . . . . 123,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 126,25
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 539,75
10 Maſchinenf. Badenia
6 Wittener Stahlröhren 219,00
8 Steana Romana Petr. 140,75
15 Zellſtoff Waldhof . . 236,40
12½ Bad. Zucker=Wag=
.. 223,00
häuſel . .
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 120,50
3 Südd. Immobilien . 69,00
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 189,00
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 234,90
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 174,00
10 Gelſenkirchener . . . . 192,00
188,50
8 Harpener .
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 263,25
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
81,75
Caro. . .
4 Laurahütte . . . . . . 173,60
10 Kaliwerke Aſchersleben
Weſteregeln 194,00
7½ South Weſt Africa 142,60
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 88,10
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 94,70
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 90,00
3 Prag=Duxer . . . . . . 75,20
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn . 94,25
78,40
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,75

In Proz.
Bf.
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 76,40
do.
53,50
3 Raab=Oedenburg
76,80
4 Kronprinz Rudolfbahn 93,50
4 Ruſſ. Südweſt.
89,00
4½ Moskau=Kafan
96,70
do.
4 Wladichawchas
88,90
4 Rjäſan Koslow .
89,20
3 Portugieſ. Eiſenb.
74,40
do.
90,00
2¼/10 Livorneſer . . . . . 68,30
3 Salonique=Monaſtir 63,50
4 Bagdadbahn .
83,80
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 96,90
4 Miſſouri=Pacific.
71,40
4 Northern=Pacific
100,00
4 Southern=Pacific
95,00
5 St. Louis und San
87,75
Francisco. .
5 Tehuantepec
. . . 98,70
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 198,25
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn . . . . . . . 150,75
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 167½
6½ Darmſtädter Bank . 121,90
12½ Deutſche Bank . . . 254,70
6 Deutſche Vereinsbank . 124,50
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 117,10
10 Diskonto=Kommandit 187,00
½ Dresdener Bank . . 154,00
9½ Frankf. Hypoth.=B. 216,00
6½ Mitteld. Kreditbank 119,00
7 Nationalb. für Deutſchl. 123,00
7 Pfälziſche Bank . . . . 128,75
5.86 Reichsbank . . . . 135,00
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,20
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 125,50
Wiener Bankverein . 134½
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 98,30

R. Pfandbriefe. InProz.
8½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 89,10
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 1519, 2126 97,50
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,00
88,00
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 100,20
89,20
do.
8½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
99,80
S. 14, 15, 17, 24/26
1829 . .
99,90
½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68
89,20
S. 35 .
89,00
S. 911
89,10
4 Meininger Hyp.=Bank 99,20
do.
88,30
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 97,80
do. (unk. 1914) . . 88,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,90
do.
8½
89,40
Städte=
Obligationen.
Darmſtadt . . . . . § 98,50
8½ do.
4 Frankfurt.
100,20
do.
92,80
4 Gießen .
99,00
8½ do.
89,00
4 Heidelberg
99,60
8½ do.
88,30
4 Karlsruhe
8½ do.
89,00
4 Magdeburg.
99,10
½ do.
4 Mainz
99,00
3½ do.
90,00
4 Mannheim
99,20
3½ do.
4 München .
98,70
3½ Nauheim
Nürnberg.
100,00
3
do.
-
4 Offenbach.

In Proz.
3f.
88,20
3½ Offenbach .
4 Wiesbaden .
99,60
3½ do.
4 Worms.
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888 79,00
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100 124,10
3½ Cöln=Mindner , 100 134,50
3 Holl. Komm. . fl. 100 108,70
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 135,30
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 173,00
3 Oldenburger . . . . . . 125,50
2½ Raab=Grazer fl. 150 137,70
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
.ſl. 7
Augsburger . .
Braunſchweiger Tlr. 20 197,00
Freiburger .
Fs. 15 74,90
Mailänder
Fs. 45
Fs. 10
do.
fl. 7
Meininger .
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 515,00
do. v. 1858 fl. 100 454,00
Ungar. Staats . . fl. 100
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 172,20
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns
20,42
20 Franks=Stücke .
16,31
4,18½
Amerikaniſche Noten
20,46
Engliſche Noten .
81,20
Franzöſiſche Noten.
169,70
Holländiſche Noten.
80,20
Italieniſche Noten
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,95
Ruſſiſche Noten .
81,05
Schweizer Noten . . .
Reichsbank=Diskonto . .
Reichsbank=Bombard 34 5½

[ ][  ][ ]

hr gut erh. Kinderwag. zu verk
*1437) Rhönring 93, 2. St.

Seite 9.

Weiblich
Tücht. brauchekund.
Verkäuferin
längere Jahre in größeren, feinen
Schuhgeſchäften tätig, ſucht Stelle
als I. Verkäuferin oder Filial-
leiterin
. Offerten unter C 31
an die Exp.
(*1487
Durchaus perf. Bügl., hat Tage
frei. la Ref. Wenckſtr. 7, pt. (*1222idf
Weißzeugnäherin, auch tüchtig
im Ausbeſſern, nimmt noch Kund.
an. Berta Neßling, gewerbsmäßige
Stellenvermittlerin, Ludwigstr. 8. (*1482
Junge ſaubere Frau ſucht Lauf=
dienſt
Fuhrmannſtr. 3. (*1444
Jung., fleiß, ehrl. Mädchen ſucht
tagsüb. Beſchäft., geht auch als Aus=
hilfe
. Näh. Kl. Ochſengaſſe 13. (*1439
Jung. Fräul. ſ. Stelle zu einem
od. 2 kleinen Kindern bei beſſerer
Familie. Leichte Hausarbeiten wer=
den
mit verrichtet. Offerten unter
C 26 an die Exped. (*1478fs
Junges Fraut, weiches ſich in
Kochen und in der Haushaltung
auszubilden wünſcht, ſucht paſſende
Stelle in beſſerer Familie, event.
ohne gegenſeitige Vergütung. Off.
unt. C 25 an die Exp. (*1475fs
Junges Mädchen ſucht Aus=
hilfsſtelle
von morgens 7 bis
abends 7 Uhr. Steinmann,
Gärtnerei, Klappacherſtr. 64. (15585fs
Frau geht halbe Tage waſchen
und putzen Kirchſtr. 4, Htb. (*1459
Beſſere Frau wünſcht mit Kind.
nachmittags auszugehen. Offerten
unter C 23 an die Exp. (*1450
Fräulein ſucht ſofort Aushil=
ſtellung
bis 1. Auguſt. Off. unt.
C 32 an die Exp. (*1486
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welch. fein bürgerl. koch. k., ſucht bis
nach d. Spülen, Beſchäftigung. (*1453
Emma Frank, gewerbsmäßige
Stellenvermittlerin, Karlſtr. 31.
Einf. Kinderfrl., welch. Kenntn.
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beſitzt, ſucht Stelle tagsüber zu 1
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mädchen
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bedingung
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Gehalt. Mit Zeug=
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(15074t
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mutterl. Haush. ſof. geſ. Näh. b.
Fr. Hein, Gartenſtr. 12. (*1480fs
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ſofort geſucht (*1468fs
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ſtunden von 812½ Uhr und von 2½6 Uhr.
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und Arbeitnehmer.
Waldſtraße 6, Zimmer Nr. 6
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ſtunden
von 812 Uhr und von 36 Uhr.
(12980a
Von den Herrſchaften wird eine Einſchreibgebühr von
20 Pfg. und eine Vermittlungsgebühr von 1 Mk. erhoben.
Für Dienſtboten iſt die Benutzung der Abteilung koſtenlos.
Zentralanſtalt für Arbeits= und Wohnungsnachweis.
Ordentl. Monatsfrau geſucht
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B15602) Mathildenſtr. 54, I.
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Dame bis zum 1. oder 15. Auguſt
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N. Grafenſtr. 18, III. I., vorm. (*1456fs

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Bauer, Gerviniusſtr. 49, I. (*1466

Laufmädchen tagsüber geſucht
Heidelbergerſtr. 59, 1. St. (*1493

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Kochinnen köchin, feine
Hausmädchen ꝛc. geſucht. Emma
Frank, gewerbsmäßige Stellen=
vermittlerin
, Karlſtr. 31. (*1454

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[ ][  ][ ]

Seite 10,
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.

Nummer 168.

Sitzung der Großh. Handelskammer Darmſtadt
vom 15. Juli.

Der Voranſchlag der Handelskammer
nebſt der Kaufmänniſchen Fortbildungs=
ſchule
Darmſtadt für das Jahr 1912 beträgt 52378
Mark. Davon entfallen unter Einrechnung des Betriebs=
fonds
in Höhe von 8888 Mark auf die Handelskammer
38378 Mark und auf die Kaufmänniſche Fortbildungs=
ſchule
13900 Mark.
Zum Handelsſachverſtändigen bei dem
Kaiſerl Generalkonſulat in Yokohama iſt der bisherige
Gewerbeaſſeſſor Dr. Neumeiſter ernannt worden.
Der Ausſchuß des Deutſchen Handelstages hatte
über den Schutz der Arbeitswilligen bei
Streiks verhandelt und die deutſchen Handelskammern
aufgefordert, über ihre diesbezüglichen Erfahrungen zu
berichten. Es wurde beſchloſſen, zu antworten, daß nach
Anſicht der Kammer eine Verſchärfung der beſtehenden
geſetzlichen Beſtimmungen oder gar der Erlaß eines be=
ſonderen
Geſetzes zum Schutze der Arbeitswilligen nicht
nötig ſei. Durch § 153 der Gewerbeordnung und durch
die Polizeiverordnungen über die Regelung des Ver=
kehrs
erſcheint der Schutz der Arbeitswilligen hinreichend
gewährleiſtet, wenn die betreffenden Beſtimmungen nur
zu entſchiedener Anwendung gelangen. Gewünſcht wird
ſeitens der Kammer, es möchten die Polizeibeamten bei
jedem Streik von neuem darauf hingewieſen werden, daß
ſie rechtzeitig zum Schutze der Arbeitswilligen eingrei=
fen
. Weiter empfiehlt es ſich nach Anſicht der Kammer,
daß bei einem Streik ſowohl die Arbeitswilligen wie
Streikende oder ausgeſperrte Arbeiter durch öffentliche
Bekanntmachung auf die geſetzlichen Beſtimmungen auf=
merkſam
gemacht werden und dafür Sorge getragen
wird, daß jede Verletzung dieſer Beſtimmungen zwecks
Beſtrafung der Schuldigen zur Anzeige gebracht wird.
Den heſſiſchen Handelskammern war der Entwurf
eines Geſetzes zur Aenderung der §§ 74, 75 und des
§ 76 Abſ. 1 des Handelsgeſetzbuches vorgelegt worden,
welcher ſich mit der Abänderung der Konkur=
renzklauſel
beſchäftigt. Die Handelskammer hatte
zu dieſer Angelegenheit bereits früher gemelnſam mit
den übrigen heſſiſchen Handelskammern Stellung genom=
men
. Zu dem vorliegenden Geſetzentwurf wurde dem
Großh. Miniſterium des Innern wiederum eine gemein=
ſame
Antwort der heſſiſchen Handelskammern unterbrei=
tet
, welche an deren früherer Stellungnahme feſthält.
Dieſe Stellungnahme findet ſich im Jahresbericht der
Handelskammer Darmſtadt über 1910 Seite 89102.
Auf Veranlaſſung der Handelskammer iſt ſeitens des
heſſiſchen Handelskammertages eine gemeinſame Vor=
ſtellung
an den Deutſchen Handelstag gegen die vom
Reichsbankdirektorium geplanten Maß=
nahmen
bezüglich Hebung des bargeld=
loſen
Zahlungsverkehrs gerichtet worden. Es
hat das Reichsbankdirektorium ſeine Bau= und Verwal=
tungsabteilung
angewieſen, zukünftig bei Anſchaffungen
aller Art nur noch mit ſolchen Lieferanten in Geſchäfts=
verbindung
zu bleiben oder zu treten, die ſich zur Ein=
richtung
eines Bank= oder Poſtſcheckkontos bereit erklä=
ren
, und die Bankanſtalten aufgefordert, ebenſo zu ver=
fahren
, ſoweit es nach den örtlichen Verhältniſſen an=
gängig
erſcheint.
Beim Deutſchen Handelstage war beantragt worden,
es möchte der Erlaß einer Beſtimmung erwirkt werden,
wonach die in offenen Stücken feilgebotene
Seife nur in Gewichtseinheiten von 125, 250
und 500 Gr. unter Zulaſſung einer Fehlergrenze
von 10 Prozent zum Verkauf kommen dürfe. Es wurde
beſchlloſſen, ſich gegen eine derartige Beſtimmung als
praktiſch undurchführbar auszuſprechen, da in der Sei=
fenfabrikation
lediglich Toiletteſeifen in Stücken von den
verſchiedenartigſten Größen hergeſtellt werden, welche
jedoch, dem Wunſche des kaufenden Publikums entſpre=
chend
, in bedeutend geringern Gewichtseinheiten, näm=
lich
ſchon von etwa 60 Gr. an, in den Handel gelangen.
Haushaltungsſeifen werden teilweiſe in Stücken, teil=
weiſe
in Riegeln hergeſtellt. Es iſt jedoch unmöglich,
einen Unterſchied in dem Verkauf von Toilette= und
Haushaltungsſeifen zu machen, da vom kaufenden Pu=
blikum
zahlreiche Haushaltungsſeifen auch als Toilette=
ſeifen
gekauft und verwendet werden. Ebenſo unmög=
lich
iſt die Durchführung einer Fehlergrenze von 10
Prozent, da der natürliche Waſſergehalt, welcher bei den
beſten Seifen 2830 Prozent beträgt, unter Umſtänden,
hauptſächlich bei längerem Lagern, eine höhere Fehler=
grenze
als 10 Prozent bedingt. Je nach der Art der
Seife können es zuerſt vielleicht 10 Prozent und nach
längerer Zeit noch weitere 78 Prozent Gewichtsverluſt
ſſein.
Auf Grund einer Rundfrage des Deutſchen Handels=
tages
ſprach ſich die Handelskammer dahin aus, ſie ſei
der Anſicht, daß die Beſtimmungen der Ge=
werbeordnung
über das Auskunfts=
weſen
auf das Schärfſte gehandhabt werden müßten
Die in Bayern getroffenen beſonderen Beſtimmungen
ſtellen eine recht brauchbare Grundlage zur befriedigen=
den
Regelung des Auskunftsweſens dar. Im Gegenſatz
zu den dort erlaſſenen Beſtimmungen wünſcht die Han=
delskammer
jedoch eine gleichartige ſcharfe Kontrolle
für ſämtliche kaufmänniſche Auskunfteien
Von ſeiten des Großh. Kreisamtes Darmſtadt wird
darüber Klage geführt, daß die Anträge wegen Aus=
ſtellung
der Legitimationskarten für
Handlungsreiſende oftmals ſo ſpät geſtellt wür=
den
, daß nicht genügend Zeit zur Prüfung der Anträge
übrig bleibe. Nach Prüfung der Angelegenheit ſieht ück=
die
Handelskammer veranlaßt, die intereſſierten Firmen
zu erſuchen, ſie möchten ihre Anträge auf Ausſtellung
von Legitimationskarten, deren Prüfung etwa 54
Tage beträgt, rechtzeitia ſtellen. Dies kann ſchon jeweils
Anfang Dezember für das folgende Jahr geſchehen.
In Uebereinſtimmung mit dem Bunde der Indu=
ſtriellen
in Berlin ſteht die Handelskammer auf dem

Standpunkt, daß eine Aenderung der Vorſchriften des
§ 10 der Poſtordnung, welcher aufgegebene Waren=
muſter
als Warenproben zulaſſen ſoll, ſehr er=
wünſcht
iſt, da die jetzigen Beſtimmungen unzeitgemäß
ſind und nicht mehr den gegenwärtigen Verkehrsverhält=
niſſen
entſprechen. Es ſoll eine diesbezügliche gemein=
ſame
Vorſtellung bei der Poſtverwaltung ſtattfinden.
Eine Anfrage des Deutſchen Handelstages wegen
Telegrammperſtümmelung im Verkehr
mit den Vereinigten Staaten von Amerika
iſt dahin beantwortet worden, daß auch im Handels=
kammerbezirk
verſchiedene Firmen Anlaß zu derartigen
Klagen hätten. Hierbei handelte es ſich verſchiedentlich
um eine ganze Reihe von Vorkommniſſen. Alle Rekla=
mationen
ſind erfolglos, da von ſeiten der Verwaltung
jede Verantwortlichkeit abgelehnt wird. Beſondere Kla=
gen
ſind darüber laut geworden, daß in den letzten
Jahren Verſtümmelungen von Kabeltelegrammen vorge=
kommen
ſeien, welche in verabredeter Sprache abgefaßt
waren. Der Deutſche Handelstag wurde gebeten, dieſe
Angelegenheit weiter zu verfolgen.
Im Anſchluß an eine Sitzung der Kommiſſion für
Verkehrsweſen der Handelskammer war an die königl.
preußiſche und großh. heſſiſche Eiſenbahndirektion Mainz
eine längere Eingabe wegen der Wünſche für den
kommenden Winterfahrplan gerichtet wor=
den
. In mündlicher Erörterung mit dem Herrn Fahr=
plandezernenten
genannter Eiſenbahndirektion wurde
eine Anzahl von Verkehrsverbeſſerungen in Ausſicht ge=
ſtellt
. Beſonderes Augenmerk richtete die Handelskam=
mer
auf die Durchführung direkter Verbindungen von
dem Süden Deutſchlands über Heidelberg, Darmſtadt,
Mainz nach den rechtsrheiniſchen Stationen und umge=
kehrt
. Weiter ſollen die außerordentlich langen Fahr=
zeiten
auf der Strecke Aſchaffenburg-Darmſtadt-Mainz
und umgekehrt möglichſt verkürzt werden. Beſonders iſt
es erwünſcht, daß der Zug 639 Darmſtadt-Mainz, ab
Darmſtadt 9,30 Uhr vormittags, einen Anſchluß an die
günſtige Vormittagsfernverbindung nach Köln über
Wiesbaden erlangt. Auch die Verbindung von Darm=
ſtadt
nach Rheinheſſen ſoll durch Herſtellung beſſerer An=
ſchlüſſe
vervollkommnet werden. Weiter wünſcht die
Handelskammer eine Ausgeſtaltung der direkten Ver=
bindungen
Darmſtadt-Worms und umgekehrſt. Ins=
beſondere
iſt gemeinſam mit der Handelskammer Worms
der Antrag geſtellt worden, auf Durchführung der Eil=
züge
80 und 81 Darmſtadt-Worms von Worms nach
Kaiſerslautern bezw. Biebermühle-Pirmafens. Außer=
dem
wurden einige weitere Zugverbindungen auf der
Strecke Stockſtadt-Gernsheim und Darmſtadt=Oſt- Nie=
der
=Ramſtadt im Intereſſe des Schüler= bezw. Arbei=
terverkehrs
befürwortet. Die Anſchlüſſe in Bensheim-
Worms an die Riedbahn werden einer eingehenden Prü=
fung
unſterzogen. Auch mit der Generaldirektion der
badiſchen Staatseiſenbahnen in Karlsruhe wurde ſowohl
ſchriftlich wie mündlich wegen Zugverbeſſerungen auf der
Strecke Wimpfen-Jagſtfeld nach Heilbronn-Stuttgart
bezw. Eberbach-Heidelberg und umgekehrt verhandelt.
Endlich ſtrebt die Handelskammer die Wiederherſtellung
einer direkten Vormittags=Schnellzugsverbindung mit
Stuttgart, wie ſie bis zum 1. Mai 1911 beſtanden hat, an.
Der von der Handelskammer beantragte Bau von
Bahnſteighallen auf dem neuen Bahnhof
Bensheim wurde ſeitens der Eiſenbahndirektion
Mainz zugeſagt.
Seitens des königl. Eiſenbahn=Zentralamtes in
Berlin wird auf den rechtzeitigen Bezug von
Maſſengütern für den Herbſt aufmerkſam ge=
macht
. Es wird betont, daß der Güterverkehr auf der
Eiſenbahn andauernd bei guten Ernteausſichten und
günſtiger Wirtſchaftslage ſehr lebhaft iſt. Infolgedeſſen
werden im kommenden Herbſt, beſonders im Oktober
und November, wieder große Anſprüche an die Leiſtungs=
fähigkeit
der Eiſenbahn geſtellt werden. Zur Milderung
der Geſtellungsſchwierigkeiten von Wagen im Herbſte
erſcheint es wünſchenswert, daß Maſſengüter, wie be=
ſonders
Düngemittel und Kohlen, tunlich ſchon jetzt be=
zogen
werden.
Eine Anfrage der Eiſenbahndirektion Mainz wegen
der eventuellen Weitergewährung des Ausnahme=
tarifs
für Fleiſch von friſch geſchlachte=
tem
Vieh nach dem 31. Dezember 1912 wurde dahin
zu beantworten beſchloſſen, daß die Verhältniſſe, die ſei=
nerzeit
zur Einführung und ſpäter zur Verlängerung
des Ausnahmetarifs geführt haben, gegenwärtig in
vielfach noch verſchärftem Maße beſtehen und ſehr
wahrſcheinlich auch für die folgenden Jahre die aleichen
hleiben werden. Es ſei daher dringend erwünſcht, daß
dem deutſchen konſumierenden Publikum auch für die
Zukunft einigermaßen erträgliche Fleiſchpreiſe gewähr=
leiſtet
werden.
Die Anfrage der Generaldirektion der ſächſiſchen
Staatseiſenbahnen wegen der Fracht für Leder=
abſchnitzel
und Spaltabfälle wurde dahin
beantwortet, daß für Lederabſchnitzel und Spaltabfälle,
welche zur Verwendung von Lederwaren nicht mehr ge=
eignet
ſind und nur noch für die Kunſtdüngerfabrikation
in Betracht kommen, bei der Geringwertiakeit dieſer
Produkte eine Verfrachtung nur nach Speeialtarif 2 in
Frage kommen könne. Eine Verwendung dieſer Abfäl
zur Verfertigung von Lederwaren, wie z. B. Verdich=
tungsringe
uſw ſei nur in geringem Maße vorhanden,
jedoch ſei hier eine Verfrachtung nach Spezialtarif 2 er=
träglich
, während eine Verfrachtung der übrigen Abfälle
nach dieſem Tarife den Verſand derſelben vollſtänd
unmöglich mache.
Der Verband deutſcher Kachelofenfabrikanten hat bei
der Generaldirektion der ſächſiſchen Staatseiſenbahnen
eine Verſetzung der Ofenkacheln in den
Spezialtarif 3 beantragt. Die Handelskammer
befürwortete dieſe Frachtberabſetzung, indem ſie gleich=
zeitig
der Anſicht Ausdruck verlieh, es werde dadurch
eine weſentliche Verſchiebung der Abſatzverhältniſſe nicht
eintreten.

Sport.

* Pferdeſport. Rennen zu Hoppegarten.
Preis von Friedrichshagen; 5000 Mark, Diſtanz 1000
Meter: 1. Herrn E. F. Guetſchows Roſenkavalier
(Raſtenberger), 2. Otter (Spear), 3. Jutta (F. Bullock).
Tot. 16:10. Zierow=Handikap; 5000 Mark, Diſtanz
2400 Meter: 1. Herrn G. von Lippas Maſter (F. Bullock),
2. Lord Mayor (Shurgold), 3. Aeronaut (Evans). Tot.
3810. Aſpirant=Rennen; 5000 Mark, Diſtanz 1000
Meter: 1. Herrn E. Dyckhoffs Quart (Mac Dermont),
2. Courſchleppe (Spear), 3. Prinzgemahl (Schläfke). Tot.
24:10. Maria=Rennen; 9600 Mark, Diſtanz 1800 Meter:
1. Herrn J. Beutlers Rex II (Raſtenberger). 2. Loge
(Liſter), 3. Mansfeld (Evans). Tot. 92:10. Müggel=
Rennen; 3800 Mark, Diſtanz 1200 Meter: 1. Herrn v. Fo=
rells
Bilbao (Casper), 2. Hellia (Bach), 3. Roſa ( Schef=
fer
). Tot. 89110. Herdringen=Rennen; 5000 Mark,
Diſtanz 1600 Meter: 1. Herrn R. v. Wallenbergs Haſard
(O. Müller),2 Pelleas (Fox), 3. Tiefland (Lane.) Tot.
19:10. Hoffnungs=Preis; 9600 Mark, Diſtanz 1200
Meter: 1. Herren A. und C. v. Weinbergs Metaſtaſio
(Fox), 2. Pro Patria (Schläfke), 3. Kröſus (Lane).
Tot. 15:10.
* Radſport. Rütt=Stol, die bekannte Sechstage=
mannſchaft
, gewann in Charleroi ein Vierſtunden=
mannſchaftsfahren
überlegen gegen die Franzoſen Char=
ron
=Rouſſeau. Den Großen Preis von Breſt für
Flieger landete Hourlier vor Fournous und P. Didier.
Pouchois Stephani und Appelhans waren geſtürzt. Im
Tandemfahren ſiegten Fournous=Didier vor Michaud=
Martin und Gebr. Couſeau.
* Das internktionale Schachmeiſter=Turnier in Bres=
lau
wurde mit der zweiten Runde fortgeſetzt. Es ſiegten
Perlis=Hannover gegen Spielmann=München, Marſchall=
Amerika gegen Balla=Ungarn, Erich Cohn=Berlin gegen
Mieſes=Leipzig. Lewitzky=Rußland gegen Lowitzky= Leip=
zig
, Breyer=Ungarn gegen Przepiorka=München. Wäh=
rend
dieſe ſämtlich von den Anziehenden gewonnen
wurden, ſiegte im Nachzuge Rubinſtein=Warſchau gegen
Burns=England, Tarraſch=Nürnberg gegen Teichmann=
Berlin. Remis wurden die beiden Partien Schlechter=
Wichn gegen Duras=Prag und Baraſh=Ungarn gegen
Treybach=Ungarn. Die veiden Hängepartien der erſten
Runde ſind gleichfalls entſchieden. Teichmann ſiegte
gegen Treybach und Marſchall gegen Tarraſch.
* Das itternationale Lawn=Tennis=Turnier des Oft=
preußiſchen
Lawn=Tennis=Turnier=Verbandes in Cranz=
Weſtende fand ſeinen Abſchluß. Im Herren=Einzelſpiel
um den Kaiſer=Preis ſiegte H. Schomburgk=Leipzig,
ebenſo im Herren=Einzelſpiel um die Meiſterſchaften von
Weſtende und im Herren=Einzelſpiel um den Baltiſchen
Gold=Pokal. Das Damen=Einzelſpiel um die Meiſter=
ſchaft
von Weſtende gewann Fräulein Köttgen=Berlin.
Mit Scheiffler=Berlin als Partner gewann ſie auch das
gemiſchte Doppelſpiel. Auch das Damen=Einzelſpiel mit:
Vorgabe konnte ſie trotz eines Handikaps von 50 gegen
Fräulein Kaminsky=Königsberg ( 30%) gewinnen. An
Schomburgk fiel ferner noch das Herren=Doppelſpiel das
er mit Reißland=Leipzig zuſammen gewann.

Literariſches.

Reiſeliteratur. Das Internatio=
nale
Oeffentliche Verkehrsbureau in Ber=
lin
, Unter den Linden 14, hat folgende Broſchüren
herausgegeben: Bayern als Touriſtenland.
Schweiz, Touriſtenkarte in Reliefform 1:650000.
Badnerland Ueberſendung erfolgt an Intereſſen=
ten
koſtenlos. Wegekarte durch den weſt=
lichen
Taunus und das Rheingaugebirge. Soeben
iſt die vom Rhein= und Taunusklub Wiesbaden heraus=
gegebene
Karte in 14. Auflage erſchienen, wodurch dieſe
beliebte Karte in 35000 Eremplaren verbreitet wird.
Gegen die früheren Auflagen wurde das Gebiet ganz
erheblich vergrößert. Der Preis für die ſolid auf Lein=
wand
aufgezogene Karte beträgt 1,75 Mark. Zu be=
ziehen
iſt die Karte, welche im Selbſtverlage des Klubs
erſcheint, durch alle Buchhandlungen (buchhändleriſcher
Vertrieb Moritz und Münzel in Wiesbaden). In
ſechſter Auflage erſchienen iſt kürzlich im Druck und Ver=
lag
von Dr. Götz Werbrun (für den Buchhandel im Ver=
lage
der Krebsſchen Buchhandlung) in Aſchaffenburg die
amtlich anerkannte und geſchützte Offizielle
Speſſartkarte Wiederum iſt die Karte von dem
Grundſatz ausgegangen, hauptſächlich dem von aus=
wärts
kommenden Wanderer ein getreuer, unbedingt
verläſſiger Führer zu ſein, was zu großzügiger Anlage
führen mußte. Die Offizielle Speſſartkarte iſt von
allen Markierungskarten die wohlfeilſte und erſpart einen
Führer. Der Rheiniſche Verkehrsverein in Koblenz,
die Zentralſtelle des Fremdenverkehrs für das Rhein=
gebiet
, hat einen neuen Rheinführer, betitelt: Die
Rheinlande herausgegeben. Das ſchmucke Büch=
lein
in einem Umfange von 96 Druckſeiten ſtellt ſich in
geſchmackvoller Aufmachung dar. Das neue Werk kann
als ein überaus brauchbarer Führer durch das Rhein=
gebiet
und als ein treuer Begleiter des Rheinreiſenden
bezeichnet werden. Der Führer: Die Rheinlande iſt
durch das Zentralbureau des Rheiniſchen Verkehrsver=
eins
in Koblenz zum Preiſe von 0,75 Mk. portofrei zu
beziehen. Mit mir durch Dresden von
heute Preis 1 Mk. Verlag von Gerhard Kühlmann
in Dresden. Der Führer enthält u. a. neue aktuelle Bei=
träge
von Heinz Tovote, Bertha v. Suttner, Guſtav
Wied, Ernſt Zahn, Sarah Bernhardt, Marcell Salzer
und des kürzlich verſtorbenen Edwin Bormann.
F. Beyers Touriſt=Bureau, Bergen, Chriſtiania,
Trondhjem, Stavanger, Molde (Ndrwegen) verſendet
gratis eine reich illuſtrierte neue Broſchüre über Reiſen
in Norwegen, herausgegeben unter dem Titel: Für
Reiſende nach Norwegen. Auskunft über die
verſchiedenen Routen nach Skandinavien und die
empfehlenswerteſten Touren in Norwegen.

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5 Stück 20 Pfg.

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sind für jede Küche unentbehrlich!

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Heyl & John, Manufakturwaren. (1410

[ ][  ][ ]

Nummer 168.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=

licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher, 1 Jagdhund. 2 Pinſcher, 1 Dachshund ( zuge=
laufen
). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=
Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde
findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt. (15580

Bekanntmachung.

Die nachſtehende Polizeiverordnung bringen wir erneut mit
dem Anfügen zur allgemeinen Kenntnis, daß die Schutzmannſchaft
angewieſen iſt, auf den Befolg dieſer Vorſchrift beſonders zu achten.
Die Verkäufer der in § 1 bezeichneten Gegenſtände werden hier=
mit
erſucht, nicht nur ihre Angeſtellten, ſondern auch die nicht in ihren
Dienſten ſtehenden Fuhrleute und Arbeiter, ſowie die Käufer der=
artiger
Gegenſtände entſprechend zu verſtändigen.
Darmſtadt, den 16. Juli 1912.
(15542df
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Polizeiverordnung,
betr. das Auf= und Abladen, ſowie den Transport von
Metallgegenſtänden.
Auf Grund des § 366 Ziffer 10 St.=G.=B. und des Art. 56
Ziffer 1 der Städte=Ordnung wird nach Anhörung der Stadtverord=
neten
=Verſammlung mit Genehmigung Großherzoglichen Miniſteriums
des Innern und der Juſtiz vom 22. September 1893, zu Nr. M. J.
26979, für den Bezirk der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt ver=
ordnet
, was folgt:
§ 1. Bei dem Auf= und Abladen und bei dem Transport
von Gegenſtänden, welche bei dem Herabwerfen oder bei dem Trans=
port
auf Wagen ein ſtarkes Geräuſch verurſachen, wie eiſerne Trag=
balken
, Schienen, Metallröhren und Stangen, Bleche, Ketten
und dergleichen, ſind ſolche Einrichtungen zu treffen, daß beläſtigendes
Geräuſch vermieden wird. Namentlich müſſen derartige Metallgegen=
ſtände
, welche bei dem Transport durch Aneinanderſchlagen ein ſtarkes
Geräuſch verurſachen, in zweckentſprechender Weiſe mit Stroh oder
anderem geeigneten Material unterlegt oder ſo feſt mit einander
verbunden werden, daß der Lärm vermieden wird. Solche Gegen=
ſtände
dürfen beim Abladen nicht vom Wagen herabgeworfen,
ſondern müſſen, gegebenen Falles unter Anwendung geeigneter Vor=
richtungen
, langſam herabgelaſſen werden.
§ 2. Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Beſtimmung wer=
den
in Gemäßheit des § 366 Ziffer 10 des R.=Str.=B. mit Geldſtrafe
bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen beſtraft.
§ 3. Dieſe Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Ver=
kündigung
in Kraft.
Darmſtadt, den 9. Oktober 1893.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.

Ausführung von Gasanlagen im Innern der
Gebäude und Grundſtücke.

Die Einrichtung von Gas=Beleuchtungs=, Heiz= und Kraft=
Anlagen im Innern der Gebäude und Grundſtücke, welche an das
Rohrnetz des ſtädtiſchen Gaswerks angeſchloſſen werden ſollen, ſowie
alle Erweiterungen, Veränderungen und Reparaturen darf nur durch
ſolche Inſtallateure erfolgen, die von Großherzoglicher Bürgermeiſterei
eine ſchriftliche Erlaubnis hierzu erhalten und ſich verpflichtet haben,
alle dieſe Einrichtungen unter Zugrundelegung und gewiſſenhafter
Beobachtung der hierfür erlaſſenen Beſtimmungen und Vorſchriften
auszuführen.

Dieſe Erlaubnis iſt folgenden Firmen erteilt:

Gottfried Beck, Karlſtr. 39.
Gebr. Becker Nachf., Grafen=
ſtraße
27.
Heinrich Becker, Brandgaſſe 2.
Karl Bohl, Blumenthalſtr. 107.
Lud. Breitwieſer, Nieder= Ram=
ſtädterſtr
. 54.
Heinr. Brunner, Eliſabethenſtr. 33.
Karl Darmſtädter, Sandbergſtr. 66
W. Eberhardt, Nieder= Ram=
ſtädterſtr
. 11.
Fr. Ewald (Inh. Fr. Wenz)
Soderſtraße 49 und 54.
Theodor Fey, Kranichſteinerſtr. 8a.
Georg Aug. Fink, Rhönring 53.
Ludwig Fiſcher, Langgaſſe 21.
Bernhard Gans, Rheinſtr. 47.
Franz Geiger, Karlſtraße 36.
Wilh. Gelfius, Fuhrmannſtraße 6.
Jakob Glock, Langegaſſe 9.
Guſtav Göckel, Karlſtr. 12.
Alexander Guntrum, Stiftſtr. 52.
Philipp Handſchuch, Schloß=
gartenſtraße
37.
Ludwig Heppenheimer, Luiſen=
ſtraße
2.
Wilh. Heppenheimer, Kiesſtr. 80.
Kurt Hiſſerich, Bleichſtr. 28.
Karl Hoffmann, Wienersſtr. 44.
Balth. Ittmann, Liebfrauenſtr. 89.
Hermann Jung, Bleichſtr. 11.
Karl Jung, Kaplaneigaſſe 17.
Philipp Jung, Alexanderſtr. 9.
Karl Kämmerer, Parcusſtraße 10.
Gg. Kaiſer, Rheinſtr. 5.
Rob. Kaiſer, Landgraf Georgſtr. 8.
Georg Keil, Eliſabethenſtr. 36.
Auguſt Keller, Dieburgerſtr. 18.
Adolf Kling, Grafenſtr. 35.
Ludw. Kling & Co., Rheinſtr. 17.
Klink & Rettberg, Ludwigspl. 8½.
Albert Klöpfer, Beſſungerſtr. 84.

Phil. Kraus Nachf. (Inh. Adam
Bender), Karlſtraße 51.
Hugo Kötting, Liebfrauenſtr. 75.
Wilh. Krätzinger, Ludwigſtr. 11.
Chriſt. Landzettel, Kaupſtr. 7.
Ludwig Lautenſchläger, Neckar=
ſtraße
26.
Ernſt Lorey, Karlſtr. 56.
Ludw. Luck, Heidelbergerſtr. 59.
V. Marquardt u. Ph. Wamſer,
Dieburgerſtraße 54.
Phil. Maul, Heidelbergerſtr. 19.
Müller u. Dilling, Kaſinoſtr. 27.
Gg. Neumann, Heidelbergerſtr. 117
Aug. Neumeyer Wwe., Große
Ochſengaſſe 22.
Heinr. Ningler, Landwehrſtr. 47.
Jakob Nohl, Martinſtr. 24.
Heinrich Pauli, Orangerie=Allee7.
Ludwig Pohl, Heinheimerſtr. 15.
F. W. Preußner, Bleichſtr. 40.
Karl Rockel Nachf. (Inh. Georg
Momberger), Schützenſtr. 4.
G. W. Roth, Moosbergſtr. 97.
Philipp Roth, Mühlſtr. 17.
J. Rühl, Saalbauſtr. 24.
Phil. Schäfer, Landwehrſtr. 29.
Friedr. Schiller, Tannenſtraße 7.
Franz Schulz, Karlſtr. 104½.
Heinrich Schwarz, Kiesſtr. 36.
Leonh. Sommer, Roßdörferſtr. 3.
Wilh. Stauß, Inſelſtraße 21.
Karl Tänzer, Marktplatz 7.
Michael Vollrath, Nieder= Ram=
ſtädterſtraße
51.
Hch. Waldſchmidt, Ludwigshöh=
ſtraße
21.
Otto Wamboldt, Heerdweg 2.
Joh. Waſſer, Alexanderſtr. 7.
Val. Wedel, Beckerſtraße 7.
Karl Wenz, Wendelſtadtſtr. 39.
Karl Zahrt, Hofſtallſtraße 8.

Darmſtadt, den 16. Juli 1912.
Städtiſche Gaswerks=Verwaltung.
(15572fs
J. V.: Kalbfuß.

Haferernte-Verſteigerung.
Dienstag, 23. Juli, vormittags 8 Uhr,

wird aus Gemarkung Eberſtadt vor der Kühruhe Flur XXI die
gut ſtehende fiskaliſche Haferernte von 0,7 ha in 2 Loſen öffentlich
verſteigert.
Zuſammenkunft auf dem Kühruhweg, Ecke der neuen Ein=
friedigung
.
Auskunft erteilt Forſtwartſchüler Karl Kirſchner zu Eberſtadt,
(15588
Georgſtraße 19.
Eberſtadt, den 16. Juli 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Eberſtadt.
Joſeph.

Verkaufe Badew., Eisſchr., Sitz=
badew
., Waſſerleitungs=Rohr
Beſſungerſtraße 115.
(*1472)
preisw. ½ Geige, ſow. photogr.=
1 Apparat, 9X12, billig abzugeben.
(*1471
Wo? ſagt die Exped.
Eine Kaute Miſt abzugeben
*1479fs) Schröder, Karlſtr. 26.

Selbſteingemachtes
Sauerkraut
per Pfd. 18 Pfg. bei (*1458fsc
L. Stilling Wwe., Hochſtr. 4.

gut erhalt. Sportwagen mi
Verdeck billig zu verk. (*145a
Heinheimerſtr. 12, Hinterh.

Ueberſicht

der Durchſchnittspreiſe von folgen=
den
Früchten und Verbrauchsgegen=
ſtänden
in der Zeit
vom 1. bis 15. Juli 1912:
per Sack à 100 Kilo
Weizen von Mk. 24. bis 26.25
Korn
17.50 21.-
Gerſte
19.25 22.
Hafer
20.75 22.-
Butter ½ Kilo Mk. 1.40
Butter in Partien Mk. 1.30
Eier per Stück 8 Pfg.
Eier in Partien per 25 Stück
Mk. 1.75
Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 14.
Kartoffeln per 25 Kilo Mk. 4.
Kornſtroh per 50 Kilo Mk. 4.
Heu per 50 Kilo Mk. 5.
Darmſtadt, 17. Juli 1912.
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.

Steuer=Erhebung.

Das 2. Ziel der Gemeinde=
ſteuer
für das Rechnungsjahr
1912 iſt, bei Vermeidung der Mah=
nung
, bis längſtens Ende dieſes
Monats an den Werktagen, vor=
mittags
von 8 bis 12½ Uhr, hier=
her
zu entrichten.
Im Intereſſe raſcheſter Ab=
fertigung
an den Zahlſchaltern
wird gebeten, die Gelder abge=
zählt
bereit zu halten.
Darmſtadt, 15. Juli 1912.
Die Stadtkaſſe.
Koch. (15577a

Bekanntmachung.
Freitag, den 26. Juli l. Js.,
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leuten
von Darmſtadt, jetzt in Hoch=
emmerich
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Darmſtadt zugeſchriebene
Liegenſchaft:
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II 283 75 Hofreite Ober=
gaſſe
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in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K27/12
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nichtentgegenſtehen, kann Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er=
reicht
.
Darmſtadt, den 2. Juli 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V14572

Bekanntmachung.
Freitag, 2. Auguſt 1912,
vormittags 10 Uhr,

ſollen die dem Heinrich Jacoby
in Darmſtadt, in der Gemarkung
Beſſungen gelegenen Liegen=
ſchaften
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XIII 64 1313 Acker, oberſte
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XIII 65 881 Acker, daſelbſt,
XIII 140 2631 Acker, am
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Weg,
XXXVI 28 975 Wieſe, die
Rudolphs=
wieſe
,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, zwangsweiſe ver=
ſteigert
werden.
Die Genehmigung der Verſtei=
gerung
wird auch dann erfolgen,
falls ein der Schätzung entſprechen=
des
Gebot nicht eingelegt wird und
andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen.
Darmſtadt, 8. Juli 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
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24. Juli 1912, nachmittags von
35 Uhr, wobei auch jede andere
Auskunft erteilt wird. Die An=
gebote
ſind bis Mittwoch, den
31. Juli 1912, morgens 8 Uhr,
einzureichen.
(15574
Eberſtadt, 17. Juli 1912.
Direktion
der Provinzial=Pflegeanſtalt.
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Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.

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Der gerade Weg.
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(Nachdruck verboten.)
(6)

Der alte Herr, der mit ſchweren Schritten im Zim=
mer
auf und ab gegangen war, fiel keuchend in einen
Seſſel, auf der Stirn perlte ihm der Schweiß, er ſah zum
Erbarmen aus.
Suſanne, mäßige dich, der Onkel iſt krank.
Ich bin überzeugt, daß die Frau die Wahrheit ge=
ffagt
hat, fuhr das junge Mädchen unbeirrt fort. Aber
wie es auch ſei, der Knabe iſt ein Bagewitz, und dami=
zugleich
dein Erbe, Großvater. An ihm kannſt du alle
Schuld vergangener Tage auslöſchen. Ich fordere es
von dir.
Ein langes Schweigen folgte dieſen Worten, man
hörte nur den raſſelnden Atem des alten Herrn, der ſich
wohl zum erſtenmal der Größe ſeiner Schuld voll be=
wußt
wurde. Mit ſeltſamem Ausdruck ruhten die Augen
Friedrich Wilhelms auf der ſchlanken Geſtalt der Gelieb=
ten
, die ihm in ihrem weißen Gewand und dem verklär=
ten
Ausdruck ihrer weit weit in vergangene Tage
zurückblickenden Augen wie die Verkörperung holdſelig=
ſter
Reinheit und ſtolzen Mädchentums erſchien.
Wenn nun dieſer Knabe wirklich der Erbe würde,
dann würde er arm, ſo arm, daß er keine Frau ernäh=
ren
konnte. Sollte er Suſanne verlieren für immer?
Wußte ſie es denn, was ſie tat? Was konnte ihr dieſer
fremde Knabe ſein, deſſen Kinderhände ihr großes Glück
zu zertrümmern drohten. Das konnte ſie doch nicht
wollen.

In der peinigenden Angſt, ſie zu verlieren, ſtürzte er
zu Suſanne hin und riß ſie in ſeine Arme, ihren Mund
mit heißen Küſſen bedeckend. Du biſt mein, Suſanne,
zerſtöre uns nicht mutwillig unſer Glück.
Suſanne! Wie ein Hauch tönte es zu ihr hin und ſie
näherte ſich wie unter einem ſeeliſchen Zwang dem Groß=
vater
, deſſen Kopf nach hinten geſunken war wie bei
einem Schwerkranken.
Großvater!
Kannſt du mir vrzeihen?
Wie die ſonſt ſo herriſchen Augen um Erbarmen
flehten. Erſchüttert ſank die Enkelin neben ihn
auf die Kniee. Er taſtete mit zitternden Händen nach
ihr. Ich will nichts beſchönigen, Kind. Ich war ein
harter Mann und in meinem Stolz auf das ſchwerſte
verletzt. Meine Frau hetzte mich auch noch mehr auf
Jetzt bin ich ein anderer geworden, ich habe euch lieb und
möchte an euch gut machen
Und an dem lieben Knaben.
Ja, ja, es ſoll alles unterſucht werden. Sage mir
wann erhielſt du den Brief vom Gericht?
Geſtern, gleich nach eurer Abfahrt iſt er mir vom
Rechtsanwalt durch die Poſt zugegangen.
Friedrich Wilhelm blickte voll Erbarmen auf die
Geliebte, die binnen wenigen Stunden ſo viel des Grau=
ſamen
erlebt hatte, daß ein Mann darunter zuſammen=
gebrochen
wäre. Mit ihr durfte man nicht rechten, man
mußte nur verſuchen, Zeit zu gewinnen.
So hat er doch geſprochen.
Er hat wohl nie geglaubt, ſo früh zu ſterben, Groß=
vater
. Es iſt doch begreiflich, daß er dem letzten Gruß

meiner Mutter an mich einige Worte zufügte. Willſt
du ſie leſen?
Nein nein. Laß alles ruhen ruhen. Friede
nur Friede!
Der Kopf des alten Herrn fiel vornüber, Suſanne
konnte nur noch zufaſſen, um ihn zu halten, die letzten
Worte waren faſt unverſtändliches Lallen geweſen.
Das junge Mädchen wagte nicht, ſich zu rühren, doch
atmete ſie erleichtert auf, als eine ſtärkere Hand ſie beiſeite
ſchob, um den Körper des Bewußtloſen vorſichtig in die
Tiefen des Seſſels zurückzulehnen und einen zweiten
unter die Füße zu ſchieben.
So es wird bald vorübergehen, Suſanne, ängſtige
dich nicht ſo.
Die eiſige Furcht, die das junge Mädchen bei dem
Anfall gepackt hatte, löſte ſich in Tränen, die unaufhalt=
ſam
dahinſtrömten Sie litt es, daß Friedrich Wilhelm
ſie in ſeinen Arm nahm, ſie zu tröſten. Arme Suſanne!
Er vermochte nur immer wieder dieſes Wort zu
ſagen, das ſie begleitet hatte von Kindertagen an. Ach,
immer nur ſo liegen bleiben, in ſtarken Armen geborgen,
gebettet an ſtarker Bruſt!
Doch auch dieſe Minuten gänzlicher Ohnmacht gingen
vorüber bei dem Alter ſowohl wie bei der Jugend. Der
Kammerher kam zu ſich, und damit wurde Suſanne ſich
der Gefahr bewußt, in der ſie ſich befand. Nur nicht
ſchwach werden! Ein Zurück gab es für ſie nicht, wenn
ſie nicht alle Selbſtachtung verlieren wollte. Das Schick=
ſal
würde ſie für ihre Selbſtverleugnung und für ihr
mutiges Auftreten nicht alſo ſtrafen, daß der Großvater
daran zugrunde ging. Nein, er ſollte der Sühne jras

[ ][  ][ ]

Nummer 168.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.

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Hände legte.
Ich will das Kind ſehen. Bald vielleicht morgen
ſchon. Ich will ſchlafen Johann!
Man geleitete den Kranken vorſichtig über den
langen Flur zu ſeinem Zimmer. Friedrich Wilhelm
blieb bei ihm. Er fühlte, daß es das Klügſte war, Su=
ſſanne
jetzt ſich ſelber zu überlaſſen. Von einem Arzt
wollte der Kammerherr nichts wiſſen, ſo begnügte man
ſich dabei, dem Hausarzt telephoniſche Weiſung zugehen
zu laſſen, ſich bereit zu halten. Doch ſchon nach Stunden
konnte man ihm mitteilen, daß ſich der beängſtigende An=
fall
in einem ruhigen, erquickenden Schlaf gelöſt hatte,
aus dem Bagewitz friſch erwachte und nach Nahrung
verlangte.
Suſanne empfing dieſe Nachricht durch Dörthe und
atmete tief auf. Mit dem Schwinden der Lebensgefahr
wurde ihr auch wieder die Hoffnung auf den Erfolg
ihrer Miſſion.
Ja, es war ihr zur Miſſion geworden. Wer konnte
wohl beſſer dazu paſſen, dieſes Kind auf den Platz zu
ſtellen, der ihm zukam. Friede! hatte der Großvater
geſagt er ſollte ihm werden und zwar durch dieſes
Kind.
Mit leuchtenden Augen eilte ſie zu der Fenſterniſche,
in der ihr Schreibtiſch ſtand und griff zur Feder: An
Frau Anna Wronka! Ueberlaſſen Sie mir das Kind für
einige Tage. Dörthe wird es morgen holen, ſie ſind ja
iſchon ganz vertraut miteinander. Alles geſchieht zu

Ihrem Beſten, auch wenn ich Sie bitte, ſich ganz ruhig
zu verhalten. Ueberlaſſen Sie dieſe Angelegenheit ver=
trauensvoll

Ihrer ergebenen
Suſanne von Bagewitz.
Johann wurde damit beauftragt, dieſes Briefchen in
das Forſthaus zu tragen. Und als er zurückkam, brachte
er als Antwort ein ebenſo kurzes Briefchen zurück: An
Fräulein Suſanne von Bagewitz. Mein Sohn wird
morgen bereit ſein. Ich lege meine gerechte Sache in
Ihre Hände.
Ihre ergebene
Anna von Bagewitz, geb. Wronka.
Wie die Augen in leidenſchaftlichem Feuer geblitzt
hatten, als Anna Wronka die Botſchaft erhielt. Der
Diener berichtete es Dörthe nach ſeiner Heimkehr.
Ein ſchönes Weib, Dörthe. Die hat den Satan im
Leibe, ſage ich Ihnen. Ich kenne die Sorte.
Und die ſoll unſere Herrin werden? Ich kann’s
nicht glauben, Johann. Unſer Engelsfräulein heiratet
den jungen Herrn und das Kind wird adoptiert.
Geht nicht, Dörthe, dazu iſt das gnädige Fräulein
noch viel zu jung, und der Herr auch.
Dann findet ſich ein anderer Ausweg. Es gäb ja
keine Gerechtigkeit mehr auf Erden, wenn die Perſon hier
als Herrin einzöge.
Gerecht wäre es ſchon, Dörthe, denn das Kind iſt doch
mal da. Aber dumm wär’s ſaudumm! Denn das
läuft nie gut ab. Denken Sie an mich, wenn das Un=
glück
da iſt.

Sechſtes Kapitet
Das Kind war im Schloß, und Dörthe beaufſichtigte
es, wenn Suſanne es nicht um ſich hatte. Da die Zim=
mer
Suſannes an einem Nebengang lagen, durch den
man direkt in den Park gelangen konnte, ſo bemerkte man
wenig von der Anweſenheit des Kleinen. Aber die
ganze Art ſeiner Einführung, daß er in den Räumen
des jungen Mädchens lebte, auch dort , nur in ihrer
Begleitung in den Park ging, erregte die Dienerſchaft
auf das äußerſte. Man beſtürmte Dörthe und Johann
mit Fragen, da ſie mit Recht als Eingeweihte betrachtet
wurden. Sie hätten eher Steine zum Reden gebracht
als dieſe beiden Getreuen.
Die einzige, die dem Gegenſtand allgemeiner Neu=
gierde
näher kam, war Suſannes Jungfer, und da ihr
kein Schweigegebot auferlegt war, ließ ſie ihrer flinken
Zunge freien Lauf.
Ein goldiges Kind! rühmte ſie. Und das gnädige
Fräulein ſo vernarrt in ihn. Es gleicht ja auch zum
Verwundern in die Familie, ganz der junge und der
alte Herr! Dann kam eine bedeutungsvolle Pauſe, ſie
ſah die Zuhörer pfiffig an, und dieſe nickten voller Ver=
ſtändnis
.
Mit der Zeit wurde es bekannt, woher das vom Him=
mel
gefallene Kind ſtammte. Die Wronka war mehrfach
geſehen worden, und ſie war eine Erſcheinung, die man
nicht gut überſehen konnte. Daß der Knabe ihr Sohn
war, erfuhr man auch, und damit war nun dem Klatſch
Tor und Tür geöffnet.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.

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Nummer 168.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.

Seite 15.

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Dr. Schneider,
Dr. Wissmann. (15497mf

Während meiner
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haben die Güte mich zu vertreten
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Dr. Bodenheimer (bis zu
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Dr. Kautzsch,
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San.-Rat Dr. Holländer.

D

Collatz iſt bis 20. Auguſt
(*1445
verreiſt.

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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.

Nummer 168.

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