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175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
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gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Die Stadtverordneten=Verſammlung
ſtimmte geſtern den Verträgen zwiſchen der Stadt und
dem Reichsmilitärfiskus bezüglich des Austauſches von
Grundbeſitz, der Erbauung einer Garniſonkirche
und einer Bataillonskaſerne für das
Infan=
terie=Regiment, ſowie die Bebauung der Breiten
Alle zu.
Todesſturz. Geſtern früh 6 Uhr iſt auf dem
Linden=
thaler Flugplatz der Leutnant Preußer vom
In=
fanterie=Regiment 107 mit einem Grade=Eindecker
ab=
geſtürzt. Man fand ihn mit mehreren Schädel=, Arm=
und Beinbrüchen tot neben dem zertrümmerten
Apparat.
Zum Hafenarbeiterſtreik. Die Verhandlungen,
die von dem Premierminiſter Asquith eingeleitet
wa=
ren, um den Hafenarbeiterſtreik zu beenden, ſind
end=
gültig abgebrochen worden.
Rußland und Japan haben ſoeben einen
Vertrag unterzeichnet, der faſt als ein
Bünd=
nis der beiden Länder anzuſehen iſt und der Japan
volle Aktionsfreiheit in der Süd=Mandſchurei gewährt,
während Rußland ſeine Vorrechte in der Mongolei
auf=
recht erhält.
Im türkiſchen Senat kam es anläßlich der
De=
miſſion des Kabinetts zu einer erregten Szene.
Der greiſe Marſchall Fuad Paſcha verſetzte dem
Seng=
tor Batgaria eine ſchallende Ohrfeige. Nur mit
Mühe konnte ein Handgemenge der beiden Senatoren
verhindert werden.
Deutſchlands Weltſtellung im mediziniſchen
Unterricht.
ck. Im Jahre 1910 hatten zwei angeſehene
ame=
rikaniſche Gelehrte, der Präſident des Carnegie=Inſtituts
für Fortſchritt im Unterricht Henry S. Fritchett, und
der Profeſſor Abraham Flexner, ein vernichtendes Urteil
über das mediziniſche Unterrichtsweſen in den
Vereinigten Staaten gefällt und damit das
größte Aufſehen erregt. Nachdem man nun
einmal eingeſehen hatte, wie ſchlecht es mit
der Ausbildung derer beſtellt ſei, denen man die
Ge=
ſundheit des Volkes anvertraute, ſuchte man eifrig nach
Vorbildung für eine Reform des mediziniſchen
Unter=
richts, und das Reſultat dieſer Forſchungen iſt ein
um=
faſſender Bericht über die mediziniſche Ausbildung in
Europa, den Prof. Flexner ſoeben hat erſcheinen laſſen.
Er betrachtet hier den Bildungsgang des Mediziners
in Großbritannien, Frankreich und Deutſchland und
kommt zu dem Reſultat, daß Deutſchland allen anderen
Ländirn in der Ausbildung ſeiner Aerzte weit voraus
ſei, daß es eine vorkiltliche Weltſtellung im
medizini=
ſchen Unterricht einnehme. Was England anbetrifft, ſo
ſei ſchon die Vorbildung der Knaben für das mediziniſche
Studium völlig ungenügend. Wenn ein junger Mann
nicht bereits die Elementarkenntniſſe in Chemie, Phyſik
und Biologie beſitzt, bevor er in die mediziniſche Schule
eintritt, ſo wird es ihm unmöglich ſein, das Studium
für ſich nutzbringend zu geſtalten, da er mit
wiſſenſchaft=
lichem Denken und wiſſenſchaftlichen Namen nicht
ver=
traut iſt. Dazu kommt, daß faſt alle engliſchen
Medizin=
ſtudenten nur eine einzige moderne Sprache außer der
eigenen kennen, nämlich Franzöſiſch, und daß dieſe
Un=
kenntnis des Deutſchen ſie von der Hauptquelle aller
fortſchrittlichen Gedanken im Reiche der Heilwiſſenſchaft
ausſchließt. Ein wichtiges Moment dafür, daß
Deutſch=
land ſowohl England wie Frankreich im meliziniſchen
Unterricht überlegen iſt, wird durch die Tatſache
bezeich=
net, daß die mediziniſchen Wiſſenſchaften in Deutſchland
um ihrer ſelbſt willen gepflegt werden. Was in
Eng=
land und Frankreich an bedeutenden wiſſenſchaftlichen
Leiſtungen gezeitigt wird, verdankt ſeine'Entſtehung der
perſönlichen Anſtrengung des Einzelnen, während ſie in
Deutſchland durch die Inſtitute gefördert und
hervorge=
bracht werden. Die deutſchen Lehrer der Medizin ſind
Spezialiſten, die ihre ganze Zeit dem Lehren und
For=
ſchen widmen. In Großbritannien und Frankreich iſt
die größte Anzahl der Lehrer von einer mühevollen
Privatpraxis in Anſpruch genommen, die ihnen wenig
Muße für die Forſchung läßt. In England iſt
gegen=
wärtig die einzige mediziniſche Wiſſenſchaft, die um
ihrer ſelbſt willen gepflegt wird, die Phyſiologie; aber
dieſer wichtige Wiſſenszweig hat in der engliſchen
Me=
dizin gar keine Bedeutung, während der deutſche Klini=
ker ein geſchulter und oft auch ein wiſſenſchaftlich tätiger
Phyſiologe iſt. Ebenſo liegt das Studium der
Patho=
logie in England außerordentlich danieder. Es gibt
nur einen einzigen Ort in Großbritannien, wo ein
Pro=
feſſor mit zwei Aſſiſtenten tätig iſt, das iſt in Glasgow.
Weil dieſe Grundlage aller mediziniſchen
Forſchun=
gen vernachläſſigt wird, gibt es auch ſo wenig neue
Ideen und Fortſchritte in England im Vergleich zu
Deutſchland. Dazu kommt die elende Bezahlung der
engliſchen Univerſitätslehrer, während in Deutſchland
nicht ſelten das Gehalt eines Profeſſors größer iſt, als
das eines Miniſters oder hohen Gerichtsbeamten. Ein
beſonderer Vorzug der deutſchen Ausbildung iſt es, daß
die Studenten ermutigt werden, von einer Univerſität
zur anderen zu gehen. So kann ſich der deutſche
Stu=
dent in jedem Fach den beſten Lehrer wählen und die
beſte Ausbildung haben, die es überhaupt im ganzen
Lande gibt, während in England und Frankreich von
den Studenten erwartet wird, daß er an derſelben Schule
ſeine ganze Ausbildung erhält. Der engliſche
Medizin=
ſtudierende wird häufig wie ein Schulbube behandelt,
der ein Handwerk lernen ſoll, während der deutſche
Student eine bedeutende Freiheit und Selbſtändigkeit
genießt.
Der Bericht des amerikaniſchen Profeſſors kommt zu
dem Reſultat, daß die vorbildliche und
muſter=
gültige Ausbildung des Mediziners nur in
Deutſchland verwirklicht wird.
Englands Flottenſorgen.
C2 Wie man weiß, iſt für die jeweilige Regierung im
britiſchen Reiche die Flotte ein Sorgenkind, nicht etwa,
weil es dem Lande an Schiffen fehlt, ſondern
hauptſäch=
lich wegen der Rivalität mit Deutſchland. Jedesmal,
wenn dem deutſchen Reichstag ein neues Flottengeſetz
vorgelegt wird, worin neue Schiffe verlangt werden
mit der Begründung, daß unſere Flotte zur Stärkung
des überſeeiſchen Handels und zum Schutze der
zahl=
reichen Deutſchen im Auslande nicht mehr ausreicht,
be=
mächtigt ſich der Engländer ein geradezu panikartiger
Schrecken. Jenſeits des Kanals mißt man eben
derar=
tigen friedlichen Verſicherungen von offizieller deutſcher
Seite keinen Glauben bei, man läßt es ſich vielmehr
nicht ausreden, daß jede deutſche Flottenvermehrung
ſich in erſter Linie gegen England richtet. Regierung
und Bevölkerung befürchten, Deutſchland könne eines
Tages England mit Krieg überziehen, wenn es allzu
mächtig würde, und man machte auch in dem großen
Inſelreiche kein Hehl daraus, daß Großbritannien
nie=
mals auf die Suprematie zu Waſſer verzichten werde.
Auf dieſer Grundlage hat bekanntlich auch die
eng=
liſche Regierung mehrfach den Verſuch gemacht, mit
Deutſchland zu einer Verſtändigung über den Ausbau
der beiderſeitigen Flotten zu gelangen, die deutſche
Re=
gierung hat aber ſtets derartige Vorſchläge mit der
Be=
gründung abgelehnt, daß Deutſchland immer ſo viel
Schiffe bauen werde, wie es im Intereſſe ſeiner
Küſten=
verteidigung und ſeiner Kolonien für nötig halte.
Neuerdings war gemeldet worden, daß Marineminiſter
Churchill ſich der Auffaſſung der engliſchen Admiralität
anſchließen werde, wenn ſie in dieſem Jahre tatſächlich
Mehrforderungen für die Marine in Höhe von vier
Millionen Pfund Sterling aufſtellen ſollte. Dieſe
Nach=
richt wird von offiziöſer engliſcher Seite als
unbegrün=
det bezeichnet. Der Schatzſekretär habe noch eine zweite
Million von ſeinem Sechsmillionenüberſchuß dem
Ma=
rineminiſter bewilligt, aber das ſei auch alles, was für
die nächſten 6 Monate nötig ſei. Die beiden letzten
großen Streiks hätten die Schiffsbauten verzögert und
jetzt könne nur unter normalen Bedingungen weiter
ge=
arbeitet werden. Die Admiralität werde alſo mindeſtens
für die nächſten 6 Monate, wahrſcheinlich aber für das
ganze Finanzjahr, überreich Geld und Arbeit haben.
Da=
gegen würde nächſtes Jahr eine höhere Marinevorlage
nötig werden, wenn die neue deutſche Flottenvorlage zu
dem erwarteten Ergebnis führen ſollte. Aus dieſer von
der Regierung inſpirierten Notiz geht wieder klar
her=
vor, daß die Abſichten der Admiralität, die
mit der größten Beſtimmtheit aufgetreten waren,
abgeſchwächt werden ſollen, um ihnen den
ſcharfen Stachel zu nehmen. Bezeichnend
auch, daß abermals auf die deutſche Flottenvorlage Be=
zug genommen wird. Wenn es weiter in der Meldung
heißt, Miniſter Churchill beſtehe durchaus nicht auf
eige=
nen Dreadnoughts für das Mittelmeer, ſo wird man
gleichfalls gut tun, die definitiven Beſchlüſſe der
eng=
liſchen Regierung abzuwarten. Am nächſten Montag
ſoll der Ergänzungsetat der Marine dem Unterhauſe
vorgelegt werden. Dann wird man ja hören, ob die
Regierung auf Veranlaſſung Churchills, wie es heißt,
in der Mittelmeerfrage nachgegeben hat.
Deutſches Reich.
— Die Einnahmen der Reichs=Poſt=und
Telegraphenverwaltung haben ſich im Mai d.
nicht günſtig geſtaltet. Es ſind 53,63 Mill. Mark
eingekommen, während der monatliche Durchſchnitt des
Etatſolls 65,59 Mill. Mark beträgt. Die Blätter für
Poſt und Telegraphie bemerken hierzu: „Allerdings iſt
der Mai nächſt dem Februar und dem Auguſt der
ſchlech=
teſte Monat für die Einnahmen der Reichspoſt. Im Mai
vorigen Jahres waren 51,58 Mill. Mark vereinnahmt
worden, ſo daß die Zunahme gegenüber dem Vorjahre
2,05 Mill. Mark oder 3,9 v. H. beträgt. In den beiden
erſten Monaten des neuen Etatsjahres betrugen die
Ein=
nahmen 124,94 Mill. Mark, d. i. 4,96 Mill. Mark weniger
als der entſprechende Anteil am Etatsanſchlag ausmacht.”
— Amerikaniſche Offiziere in
deut=
ſchem Dienſt. Die deutſche Reichsregierung geſtattete
der Regierung der Unionſtaaten, Offiziere nach
Deutſch=
land zu entſenden, um ein Jahr bei der Kavallerie Dienſt
zu tun.
— Der ruſſiſche Spion. In der
Spionage=
angelegenheit des ruſſiſchen Hauptmanns Koſtewitſch
wird bekannt, daß ſchon in Düſſeldorf einige
Vernehmun=
gen gemacht worden ſind. Landgerichtsdirektor Dr. Groß
vom Reichsgericht, der ſeine Unterſuchungen in Berlin
abgeſchloſſen hat, iſt nach Düſſeldorf gegangen. Er wird
vorausſichtlich erſt Mitte nächſter Woche in Leipzig
ein=
treffen. — Die Gattin des Hauptmanns
Koſte=
witſch hat ſich bei der Petersburger Regierung darüber
beſchwert, daß die Berliner ruſſiſche Botſchaft ſich nicht
genügend um Koſtewitſch kümmere. Daraufhin iſt die
Botſchaft angewieſen worden, dem Verhafteten einen
Verteidiger zu ſtellen, wofür gleichzeitig 5000 Rubel
an=
gewieſen wurden. Zur Vorgeſchichte des Falles iſt noch
zu berichten, daß Koſtewitſch noch nicht verhaftet worden
wäre, wenn man nicht befürchtet hätte, daß ſein
Mitſchul=
diger, Nikolski, der in der Ehrhardtſchen Fabrik in
Düſ=
ſeldorf war, nach Petersburg entkommen wollte. Beide
können als überantwortet gelten. Da noch neue
Ver=
haftungen vorgenommen wurden, ſo iſt die Verhandlung
vor dem Reichsgericht nicht vor Anfang September zu
erwarten.
— Ermordung Deutſcher durch
Kaby=
len? Weder aus Ceuta noch aus einem anderen Ort
ſind Nachrichten über die von auswärtigen Blättern
ge=
meldete Ermordung deutſcher Untertanen eingegangen.
Offizielle Kreiſe verſichern, ſie hätten keinerlei Nachricht
von einem Morde. Der Miniſter des Aeußern erklärte,
die einzige Nachricht, die die Meldung von einer
Ermor=
dung hätte veranlaſſen können, ſei folgende: Die
Kaby=
len von Gomara griffen in der Nähe von Tetuan den
Mauren Mahemet Seret an, der Verbindungen mit
frem=
den Unternehmungen hat. Es gelang Seret, zu
entkom=
men und nach Tetuan zu flüchten. Mehrere Eingeborene,
die ihn, als er angegriffen wurde, begleiteten, wurden
getötet.
— Aus Togo. Der ſtellvertretende Gouverneur
von Doering macht in Sonderausgaben des Amtsblattes
für Togo bekannt, daß er wegen des Vorkommens von
Gelbfieberfällen in Dahomey bis auf
weite=
res die Sperrung der Oſtgrenze des Schutzgebietes von
Anecho bis einſchließlich Sagada angeordnet hat. Aus
Dahomey nach Togo kommende Perſonen haben ſich
einer ſechstägigen Quarantäne in der bei Hilakondji
er=
richteten Quarantäneſtation zu unterwerfen. Gleichzeitig
wurden die Häfen von Agoſue, Groß=Popo, Quidah und
Cotonou wegen Ausbruch des Gelbfiebers in Dahomey
für verſeucht erklärt. Schiffe, die vor ihrer Ankunft auf
der Reede von Lome einen dieſer Häfen angelaufen
haben, müſſen ſich den durch den Kaiſerlichen
Regierungs=
arzt angeordneten Quarantänemaßregeln unterwerfen.
— Die bayeriſche Kammer der
Abgeord=
neten lehnte, nachdem der Finanzminiſter von Breunig
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.
Nummer 168.
dem Lotteriegeſetzentwurf nochmals vertreten
hatte, mit großer Mehrheit den Geſetzentwurf betreffend
den Beitritt Bayerns zur Lotteriegemeinſchaft mit
Preu=
ßen und dem dazu gehörigen Staatsvertrag ab.
Da=
gegen ſtimmten geſchloſſen das Zentrum und die
Sozial=
demokraten und außerdem ein Teil der Liberalen und
Bauernbündler. Mit großer Mehrheit ſtimmte dagegen
das Haus dem Ausſchuß=Antrag zu, daß die
Staatsre=
gierung dem gegenwärtig verſammelten Landtag tunlichſt
bald eine Vorlage über die Einführung einer bayeriſchen
Landesklaſſenlotterie vorlege.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Der Präſident des ungariſchen
Abge=
ordnetenhauſes Graf Tisza richtete an die
Wähler in Arad ein offenes Schreiben, in dem er ſein
Vorgeher bei Vornahme der Abſtimmung über die
Wehrvorlage rechtfertigt. Er beruft ſich auf das Beiſpiel
Speckers und Brand im engliſchen Unterhauſe.
Bezüg=
lich der Abſtimmung ſagte Graf Tisza, es ſei allerdings
gegen die formelle Beſtimmung der Hausordnung
ver=
ſtoßen, doch ſei dieſer Formfehler dadurch geheilt, daß
die Majorität des Abgeordnetenhauſes das Vorgehen
des Präſidenten rückhaltlos gebilligt habe. Was die
Geſetzesvorlage betreffe, durch die jene ausgeſchloſſenen
Abgeordneten, die dem Ausweiſungsbeſchluſſe
Wider=
ſtand entgegenſetzten, ihres Mandates verluſtig erklärt
werden, ſagt Tisza, daß jedes Parlament genötigt ſei,
aus Gründen der Selbſterhaltung ſeinen Beſchlüſſen
Achtung zu verſchaffen. Jedes Parlament ſei mit einer
ganzen Skala Strafandrohungen gepanzert, die gegen
renitente Mitglieder angewendet werden. Das
unga=
riſche Parlament, das dem durch die Obſtruktion
her=
vorgerufenen anarchiſchen Zuſtande ein Ende geſetzt
habe, ſei in der ganzen Welt in der Achtung geſtiegen
und habe ſein Anſehen erhöht. Präſident Tisza ſagt am
Schluß des Briefes, er glaube nur ſo lange das
Ver=
trauen ſeiner Wählerſchaft beanſpruchen zu können, als
er auf dem beſchrittenen Wege, der die Rettung des
Par=
lamentarismus aus den Gefahren der Obſtruktion
be=
zweckt, unentwegt verharre.
Frankreich.
Bezüglich der Reiſe Katſuras wurde
ei=
nem Mitarbeiter des Temps auf der Pariſer japaniſchen
Botſchaft erklärt, daß Katfura, der vor 28 Jahren
Mili=
tärattachs in Berlin geweſen war, ſeit langem die
Ab=
ſicht gehabt habe, jene europäiſchen Länder wieder
auf=
zuſuchen, denen er ſeine geiſtige Bildung zu danken habe.
Katſura ſei mit keinerlei amtlichen Miſſionen betraut.
Er werde gewiß zu den hervorragenden europäiſchen
Perſönlichkeiten, Finanziers, Politikern,
Volkswirtſchaft=
lern und Schriftſtellern in Beziehung treten, aber er laſſe
ſich dabei lediglich von dem Wunſche leiten, ſich
perſön=
lich zu unterrichten. Das Echo de Paris ſchreibt: Die
Meldung über die bevorſtehende Unterzeichnung eines
ruſſiſch=japaniſchen Bündnisvertrages erſcheint unrichtig.
Im hieſigen Miniſterium des Aeußern erklärt man, daß
die ruſſiſche Regierung Frankreich von einem derartigen
Vorhaben niemals die geringſte Kenntnis gemacht habe.
Wie könnte man annehmen, daß Rußland gerade jetzt,
vor der Petersburger Reiſe Poincarés, das verbündete
Frankreich in vollſtändiger Unkenntnis über ein ſo
wich=
tiges Ereignis gelaſſen hätte. — Dem Pariſer New=York
Herald wird aus Tokio gemeldet, daß nach dem eben
unterzeichneten ruſſiſch=japaniſchen Abkommen Japan
ſeine volle Autorität über die Südmandſchurei bewahre,
während die Prärogative Rußlands ſich auf die
Mon=
golei erſtrecke. England habe zu dem Abkommen ſeine
Zuſtimmung gegeben, wofür es freie Hand in Tibet
er=
halten habe.
Ein Freiwilligen=Korps. Wie die France
militaire aus Lille meldet, hat eine Anzahl dortiger
Per=
ſönlichkeiten den Plan gefaßt, ein Freiwilligen=Korps zu
bilden, deſſen Mitglieder von allen militäriſchen
Ver=
pflichtungen bereits befreit ſind, welches im Kriegsfalle
zur Verteidigung des verſchanzten Lagers von Lille
ver=
wendet werden würde.
England.
Englands Expeditionsheer. Man ſchreibt
uns: Die telegraphiſche Berichterſtattung über die
Ver=
handlungen des engliſchen Unterhauſes hat, wenn wir
nicht irren, eine bemerkenswerte Auslaſſung des neuen
Kriegsminiſters Oberſt Seely, die vom Standard
mitgeteilt wird, unerwähnt gelaſſen. Dem genannten
Blatt zufolge ſagte der Kriegsminiſter im Laufe einer
eingehenden Debatte über angebliche Mängel des Heeres:
Er wiederhole die früher abgegebene Erklärung, daß
England 150000 Mann in kürzeſter Friſt (short notice)
abſenden könne. Hauptmann Faber fragte, was der
Ausdruck „short notice” bedeute. Oberſt Seely
ver=
weigerte die Auskunft.
Spanien.
Infantin Eulalie. Nach einer Meldung aus
Madrid hätte die Infantin Eulalie und ihr Gatte, Prinz
Anton von Orleans, von dem ſie ſeit langen Jahren
ge=
trennt lebt, im gegenſeitigen Einverſtändnis den
Ent=
ſchluß gefaßt, ſich um die franzöſiſche Nationalität zu
be=
werben, um ihre Ehe rechtskräftig ſcheiden laſſen zu
kön=
nen. Beide hätten bereits zu dieſem Zweck an die
fran=
zöſiſche Regierung ein Naturaliſationsgeſuch gerichtet.
Juſtizminiſter Briand habe die Angelegenheit im letzten
Miniſterat erörtert und auf ihre beſondere Schwierigkeit
hingewieſen. König Alfons habe zu dem Schritt ſeiner
Tante, der Infantin Eulalie, ſelbſtverſtändlich ſeine
Er=
mächtigung verweigert, und ein diesbezügliches
Schrei=
ben der Infantin gar nicht beantwortet. Das Gerücht,
daß die Infantin ſich mit einem franzöſiſchen
Journa=
liſten verheiraten wolle, wird als unbegründet bezeichnet.
Serbien.
Geſandtenwechſel. Laut Politika iſt der in
Belgrad ſehr beliebte italieniſche Geſandte Baroli
un=
vermutet abberufen und durch den bisherigen
italieni=
ſchen Geſandten in Cetinje erſetzt worden. Politika
fin=
det es auffallend, daß in Cetinje gleichzeitig mit dem
italieniſchen Geſandten auch der ruſſiſche Geſandte verſetzt
wurde und zwar unmittelbar nach der warmen
Auf=
nahme des Königs Nikolaus in Wien.
Montenegro.
Ein Dementi. Ruſſiſche Blätter behaupten,
Rußland zahlte dem Fürſten, nachmaligen König
Niko=
laus von Montenegro, ſeit 1876 eine Militärſubvention
von 1 Million Rubel, die nicht beabſichtigten Zwecken
zugeführt worden ſei. Maßgebende Kreiſe in Cetinje
bezeichneten dem Korreſpondenten der Neuen Freien
Preſſe die Behauptungen als abſolut unwahr und
er=
klärten: Die ruſſiſche Militärſubvention wurde
Mon=
tenegro erſt ab 1896 gewährt und ſeitdem regelmäßig
und präziſe im Einvernehmen mit dem ruſſiſchen
Mili=
täragenten in Cetinje zur modernen Ausbildung des
Heeres verwendet. Die früher gegebene kleinere ruſſiſche
Subvention wurde für wirtſchaftliche, Verkehrs= und
Kulturzwecke der Beſtimmung entſprechend verwender,
immer im Einvernehmen mit den ruſſiſchen Vertretern
in Cetinje.
Amerika.
Das Repräſentantenhaus hat das Geſetz
über die drahtloſe Telegraphie, das ununterbrochenen
Dienſt der Telegraphenbeamten verlangt, angenommen,
Das Geſetz bedarf jetzt nur noch der Unterſchrift des
Präſidenten Taft. Das Haus hat außerdem eine Bill
angenommen, ein Arbeitsamt zu ſchaffen, deſſen
Sekre=
tär einen Sitz im Kabinett haben ſoll. Die Schaffung
eines Arbeitsamtes iſt lange von den
Arbeitergewerk=
ſchaften gefordert worden.
Im Senat wurde die Beratung der Panamakanal=
Bill fortgeſetzt. Senator Lodge ſagte, er habe der
Se=
natskommiſſion für auswärtige Angelegenheiten
ange=
hört, die über den Hayn=Pauncefote=Vertrag Bericht
er=
ſtattet hat. Er ſei damals der Meinung geweſen, daß
der Vertrag den Vereinigten Staaten die Freiheit biete,
ihren Handelsverkehr durch den Kanal zu regulieren und
er ſei auch heute noch der Anſicht, daß die Vereinigten=
Staaten nicht unter den Nationen einbegriffen ſeien, die
nach dem Vertrag gleichmäßig zu behandeln wären. Er
meinte, daß die Ueberweiſung des Streitfalles an das
Haager Schiedsgericht dadurch vermieden werden könnte,
daß die Regierung die Gebühren für die amerikaniſchen
Schifſe zahle. Wie die Entſcheidung im Haag ausfallen
würde, ſei kaum zweifelhaft. Auf die Zwiſchenfrage
ei=
nes Senators, ob Amerika verlieren würde, antwortete
er: Ohne Frage.
Paraguay. Eduardo Schaerer iſt zum
Präſiden=
ten, Pedro Bobadilla zum Vizepräſidenten von
Para=
zuay gewählt worden.
* Balholmen, 17. Juli. Die Jacht „
Hohen=
zollern” die Molde heute morgen um 6 Uhr bei
kühlem Wetter verließ, traf um 9 Uhr abends hier ein.
Der Kaiſer arbeitete während der Fahrt und nahm
den Vortrag des Chefs des Marinekabinetts entgegen.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 19. Juli.
Engen Bracht=Ausſtellung.
* Die Ausſtellung wird am Samstag, den 20.
dieſes Monats, mittags 12 Uhr, im Städtiſchen
Ausſtel=
lungsgebäude auf der Mathildenhöhe in Anweſenheit
Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs eröffnet
werden. Die Teilnahme an der Eröffnungsfeier
iſt nur den beſonders geladenen Perſonen geſtattet. Von
Nachmittags ab iſt die Ausſtellung für das Publikum
geöffnet. Wegen der Eintrittspreiſe und der
Be=
ſichtigungszeit wird auf die bezügliche Anzeige in der
heutigen Nummer verwieſen.
* Vom Hofe. Ihre Königl. Hoheit die
Groß=
herzogin beſuchte am Mittwoch vormittag 10 Uhr in
Begleitung der Oberhofmeiſterin Freiin v. Grancy die
Alice=Schule und hierauf das Eleonorenheim. — Der
Kaiſerlich=Ruſſiſche Geſchäftsträger Graf Pilar von
Pilchau, Oberleutnant Alfthan und Leutnant Dillenius
vom Kaiſerlich=Ruſſiſchen 6. Huſaren=Kljaſtitzkij=Regiment
in Mlawa, ſowie Leutnant v. Boetticher nahmen am
Mittwoch an der Frühſtückstafel in Jagdſchloß
Wolfs=
garten teil. (Darmſt. Ztg.)
* Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog den Hofjunker Ernſt v. Küchler, Kaiſerlicher
Vizekonſul in Warſchau, zum Kammerjunker; den
Lehr=
amtsaſſeſſor Heinrich Küßner zu Nidda zum
Ober=
lehrer und Rektor an der höheren Bürgerſchule zu Nidda
mit Wirkung vom 1. Auguſt 1912 an; den
Lehramts=
aſſeſſor Albert Diemer zu Worms zum Oberlehrer an
der Oberrealſchule zu Worms und den Lehramtsaſſeſſor
Heinrich Miſchler zu Alzey zum Oberlehrer an der
Realſchule und dem Progymnaſium zu Alzey; den
Brückenmeiſteraſpiranten und Militäranwärter Franz
Aufleger aus Hamm zum Brückenmeiſter an der
fliegenden Brücke bei Oppenheim; ferner wurde der
Dammwärteraſpirant und Militäranwärter Franz Rapp
aus Gernsheim zum Dammwärter in Aſtheim ernannt.
* Entlaſſen haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog den Pfarrer Fritz Lahr zu Langd auf ſein
Nachſuchen zwecks Uebernahme der zweiten Pfarrſtelle
an der Nicolaikirche zu Potsdam aus dem Dienſt der
heſſiſchen evangeliſchen Landeskirche.
Die gegenwärtige Hitze und Dürre
und ihre Urſache.
A. K. Etwa ſeit dem 6. Juli herrſcht im größten
Teile Europas Wärme und Trockenheit vor; während
vorher, abgeſehen von einzelnen Tagen und Gegenden,
die Temperatur unter der normalen lag, ſtieg ſie ſeitdem
über dieſe. Bis zum 10. Juli traten indeſſen in
verſchie=
denen Gebieten noch Gewitter auf, die als Nachzügler
der ausgeprägten Gewitterperiode von Ende Juni bis
zum 4. Juli zu betrachten ſind, am 8. Juli aber noch
ein=
mal große Ausbreitung fanden. Die mit den Gewittern
verbundenen Niederſchläge unterbrachen zwar für kurze
Zeit die Trockenheit, übten jedoch auf die Temperatur
wenig Einfluß aus. Zunächſt bewegten ſich in dieſer
Periode die Maximaltemperaturen im allgemeinen
zwiſchen 21 Grad und 28 Grad Celſius, ſeit dem 11. Juli
nahm aber die Intenſität der Wärme und Trockenheit
allenthalben zu, ſodaß wir jetzt ſchon eine ganz ähnliche
Wetterlage zu verzeichnen haben wie im vorigen
Som=
mer. Auf 30 Grad Celſius ſtieg die Temperatur bereits
am 11. Juli in Wilhelmshaven, Aachen und Magdeburg
und auf 31 Grad in Frankfurt a. M. Vom 12. Juli
mel=
deten die Wetterkarten Nachmittagsmaxima von 30 Grad
aus Wilhelmshaven, Keitum, Hannover, Berlin und
Bamberg, 31 Grad aus Borkum, Kaſſel, Metz,
Mülhau=
fen i E. und Karlsruhe, endlich 32 Grad aus Aachen
Magdeburg und Frankfurt a. M. Am 13. Juli hatten
31 Grad Borkum, Metz, Mülhauſen i. E. und Karlsruhe
32 Grad Magdeburg und 33 Grad Aachen, am 14. Juli,
der ein wenig kühler war, 32 Grad nur Aachen.
Beſon=
ders hohe Extreme wurden vom 12. Juli aus Brüſſel,
Paris und Clermont gemeldet; die Temperatur erhob
ſich an dieſen Orten nämlich auf 34 Grad Celſius.
Nie=
derſchläge ſind in den letzten Tagen überhaupt nicht mehr
gefallen — einzelne Regentropfen in Bamberg beſtätigen
als Ausnahme die Regel.
Als unmittelbare Urſache der Hitze und Dürre hat
man die Verteilung des Luftdrucks anzuſprechen: ſeit
Be=
ginn der Periode, alſo etwa ſeit dem 6. Juli, lagert über
dem mittleren Teile des europäiſchen Kontinents recht
loßer Lufedruck, der hald einen einzigen umfangreichen
Kern, bald mehrere verſprengte Kerne aufweiſt, die ſich
gegeneinander verſchieden oder vereinigen, worauf das
Spiel von neuem beginnt. In den letzten Tagen betrug
der Luftdruck in dieſen Zentren 770—772 Millimeter.
Die primäre Urſache iſt zweifellos dieſelbe, wie die
der vorjährigen Hitze= und Dürreperioden; ich habe ſie
ſeinerzeit in der „Aſtronomiſchen Korreſpondenz” auf das
Verhalten der Sonne zurückgeführt und muß denſelben
Standpunkt auch heute wieder vertreten. Dem
exorbitan=
ten Fleckenmaximum von 1905—1908 iſt, wie ich ſchon im
vorigen Jahre betonte, ein ebenſo ſcharf charakteriſiertes
Fleckenminimum gefolgt, das beſonders im Jahre 1911,
aber auch noch im gegenwärtigen Jahre fleckenfreie
Peri=
oden von ſo langer Dauer aufwies, wie man ſie bisher
wohl nur ſelten beobachtet hat. Starke Fleckentätigkeit
iſt nun aber ein Zeichen erhöhten Vulkanismus, d. h.
größerer Unruhe des Sonnenkörpers, während das
Feh=
len von Flecken eine gleichmäßigere, allerdings auch
vul=
kaniſche Arbeit anzeigt — die geſamte Photoſphäre
bil=
det ja ein ununterbrochenes feuerwogendes Meer von
Eruptionen. Man hat ſich daher die Strahlung der
Sonne in Fleckenminimaljahren nicht etwa geringer,
ſon=
dern nur gleichmäßiger, ja ſogar ſtärker vorzuſtellen als
in Fleckenmaximaljahren. Die Steigerung der
Strah=
lung iſt während des Minimums 1911/1912 ſo erheblich,
daß ſie eine deutliche Wirkung auf unſere meteorologiſchen
Verhältniſſe ausübt. Dieſe Wirkung erſtreckt ſich
natür=
lich auf die ganze Erde, ſie iſt auf der Halbkugel am
in=
tenſivſten, die gerade der Sonne zugeneigt iſt, d h. im
Sommer auf der nördlichen Hemiſphäre. So ſehen wir
in der Tat nicht allein auf dem europäiſchen Kontinent
dieſe Fernwirkung ſich äußern, ſondern in noch höherem
Maße auf dem großen nordamerikaniſchen Kontinent,
der ſowohl im vorigen, wie auch im gegenwärtigen
Som=
mer noch ſchwerer unter Hitze und Dürre zu leiden hatte
und noch leidet, als Europa.
Indeſſen auch im Winter ſcheint das abnorme
Ver=
halten der Sonne ſich in unſeren Witterungselementen
widerzuſpiegeln, und man wird kaum fehlgehen, wenn
man die ſeit Menſchengedenken hier nicht
vorgekomme=
nen. unerhörten Froſtverioden des Januar und Februar
1912 auf die gleichen Faktoren zurückführt. Wie bei den
ſommerlichen Litzeperioden bildet auch bei den winter=
lichen Kälteperioden der beſtändige hohe Luftdruck die
unmitelbare Urſache der Temperaturextreme.
Es ſei daran erinnert, daß die Hitze= und
Trocken=
periode des Sommers 1911 folgende Zeiten umfaßt:
vom 28. Mai bis 7. Juni, vom 24. bis 26. Juni, vom 7.
bis 14. Juli und beſonders vom 21. Juli bis 14. Auguſt.
Die heißeſten Tage während der letzten
langandauern=
den und wärmſten Periode waren der 23. und 25. Juli,
an denen zuerſt in Magdeburg und Frankfurt a. M.,
zu=
letzt in Karlsruhe 38 Grad Celſius gemeſſen wurden.
Ferner ſei daran erinnert, daß die Perioden
außerordent=
lich heftigen Froſtes des Winters 1912 folgenden Zeiten
angehören: vom 7. bis 24. Januar und vom 27. Jan.
bis 7. Februar. Der kälteſte Tag in der letzten Periode
ſtärkſten Froſtes war der 4. Februar, der in der Nähe
von Hamburg ein Minimum von — 27.5 Grad Celſius
brachte.
Zu den Folgen ſolcher allzuſtarker und allzulanger
Hitze und Trockenheit gehören neben den direkten
Schädi=
gungen des Körpers, insbeſondere durch Hitzſchlag, die
Begünſtigung bakterieller Krankheiten bei Menſch und
Tier (im vorigen Jahre erreichte die Maul= und
Klauen=
ſeuche ungeahnte Ausdehnung), das Verſiegen oder
Zu=
rückgehen vieler Quellen und Waſſerläufe (beiſpielsweiſe
gekennzeichnet durch das Sichtbarwerden ſog.
Hunger=
ſteine), das Ausdorren großer Landſtriche mit ihren
Pflanzenkulturen, die Begünſtigung von Wald=, Heide=
und Moorbränden, ſowie von Schadenfeuern (am 13. Juli
brannte ſchon das Durf Debſtedt bei Geeſtemünde zum
großen Teil nieder) und manches andere.
Ueber die mutmaßliche Dauer der gegenwär
tigen Trockenperiode läßt ſich auf Grund der ſekundären
Urſachen nichts Sicheres vorausſagen, doch zeigt der
über Mitteleuropa lagernde hohe Luftdruck eine große
Beſtändigkeit. Auf Grund der primären Urſache würde
theoretiſch eine Dauer bis etwa zum 19 Juli
anzuneh=
men ſein, wenn man vom 6. Juli als Beginn ausgeht.
dagegen eine Dauer bis etwa zum 24. Juli zu folgern
ſein, ſofern man vom 11. Juli als Beginn ausgeht. Die
Sonnenoberfläche iſt ſeit Verſchwinden des am 16. Juni
am Oſtrande aufgetauchten Fleckes am 29. Juni bisher
wieder ganz fleckenfrei geblieben
A. Stenchel.
Nummer 168.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.
Seite 32.
Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Karl Muth aus Gimbsheim, Kreis Worms, eine
Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Ober=Roden,
Kreis Dieburg.
* Militärdienſtnachrichten. Sinemus, Militär=
Hilfsgeiſtlicher der 21. Div. in Mainz, behufs
Wahr=
nehmung der Div.=Pfarrſtelle zur 20. Div. nach Celle
zum 15. Juli, Wolf, Kriegsgerichtsrat von der 39. Div.,
zur Großh. Heſſ. (25.) Diviſion, Dehler, Ober=Militär=
Intend.=Sekretär des XVIII. Armeekorps, Münch,
Mi=
litär=Intendur=Rat des XVIII. Armeekorps, zur Intend.
des XIV. Armeekorps, Wiechard, Militär=Intend.=
Sekretär des XVI. Armeekorps, zu der Intendantur des
XVIII. Armeekorps — zum 1. Oktober 1912 verſetzt.
* Verleihung der Doktorwürde. Auf einſtimmigen
Antrag der Abteilung für Ingenieurweſen
wurde durch Beſchluß von Rektor und Großem Senat der
Großh. Techniſchen Hochſchule zu Darmſtadt Herrn
Stadtbaurat Karl Steuernagel, Königl. Baurat in
Köln a. Rh., in Würdigung ſeiner hervorragenden
wiſſen=
ſchaftlichen und erfolgreichen ausübenden Tätigkeit auf
dem Gebiete des ſtädtiſchen Tiefbaues, namentlich der
Abwaſſerreinigung und der öffentlichen Geſundheits
pflege, die Würde eines Doktor=Ingenieurs
Ehrenhalber verliehen.
g. Ferienſtrafkammer. Die Ferienſtrafkammer hielt
geſtern unter dem Vorſitz von Herrn Landgerichtsrat
Tenner die erſte Sitzung ab. Der 63jährige Taglöh
ner Ludwig Schweitzer aus Offenbach wurde wegen
Kuppeleivergehens nach § 180 St.=G.=B. zu 14 Tagen
Gefängnis verurteilt. — Wegen Bedrohung des
vom Vormundſchaftsgericht als Pfleger für ſeine Kinder
beſtellten Kaufmanns Otto Weil war der Stukkareur
Peter Auguſt Mayer aus Offenbach vom
Schöffen=
gericht zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Er
legte gegen das Urteil Berufung ein und gab zur
Be=
gründung an, er ſei ſehr erregt geweſen darüber, daß
ein anderer ſich um ſeine Kinder kümmerte. Er habe
des=
halb dem Weil auch geſagt, er ſolle weggehen, er habe
ber ihm nichts u ſüchen. Der Aeußerung, er würde ihm
den Hals durchſchneiden, die er gemacht haben ſolle, könne
er ſich nicht mehr erinnern. Wenn ſie gefallen iſt, ſo hätte
er damit ausdrücken wollen, daß er lieber ſeine Kinder
umbringen wolle, als daß er ſie anderen Leuten überlaſſe.
Das Gericht gab der Berufung ſtatt und ermäßigte die
Strafe auf 10 Mark Geldſtrafe. — Der 38jährige
Korbmacher Philipp Kriſt aus Hamm bei Worms hatte
ſich im April beim Gaſtwirt Becker in Eſchollbrücken
für einen Satz von 1.50 Mark täglich einlogiert. Als er
acht Tage dort logiert hatte, lieh er ſich einen Schubkar
ren und verließ Eſchollbrücken. Der Schubkarren kam
erſt ſechs Wochen ſpäter in die Hände des Eigentümers
zurück. Becker hatte von Kriſt noch 10,75 Mark für
Ver=
pflegung zu erhalten. Kriſt ſtellt ihm jedoch eine
Segen=
rechnung auf, wonach er für zwei neue Körbe, die er
anderen für 80 Pfa. verkauſte, je 3 Mark zu verlangen
hätte, außerdem für drei Reparaturen je 1.70 Mark, ſo
daß er noch 90 Pfennig von Becker zu bekommen hätie.
Das Gericht kam nach dem Antrage des Staatsanwalts
zu einer Freiſprechung, da es nicht als erwieſen
anſah, daß Kriſt beim Einlogieren die Abſicht gehabt
hatte, nichts zu zahlen. — Ein verheirateter Arbeiter von
Offenbach, der wegen einer längeren Krankheit die Miete
nicht zahlen konnte und deshalb die Wohnung gekündigt
erhielt, fertigte, da ihm bei der Wohnungsſuche überall
ein Mietsbuch abverlangt wurde, ein ſolches ſelbſt aus
und erhielt auf Vorzeigen dieſes gefälſchten Mietbuches
auch eine Wohnung. Hier konnte er jedoch auch nicht
ſofort bezahlen und ſo wurde der Vermieter um 27 Mk
geſchädigt. Der Staatsanwalt beantragte wegen der
Urkundenfälſchung in Idealkonkurrenz mit Betrug die
Mindeſtſtrafe von einer Woche Gefängnis da
der Angeklagte nur in ſeiner Verzweiflung gehandelt
habe und keinen beſſeren Auswea wußte. um ſeiner
Fa=
milie ein Unterkommen zu verſchaffen. Das Gericht tra”
dem Antrage des Staatsanwalts bei und beſchloß von
Amtswegen Antrag auf Strafaufſchub zu ſtellen.
* Alademiſches Turn= und Sportfeſt in Darmſtadt.
Einen der Hauptanziehungsvunkte des Nachmittags wird
wohl die Hochſchul=Stafette bilden, zu der Se.
Königl. Hoheit der Großherzog einen Kranz
ge=
ſtiftet hat und die zwiſchen Gießen, Heidelberg und
Darmſtadt zum Austrag kommen wird. Die
Mannſchaf=
ten haben ſich ſchon einem ernſten Training unterzogen
und haben bereits gute Zeiten erzielt. Es werden 500
Meter in 5 Etappen mit fliegendem Start gelaufen. Die
Ueberreichung des Kranzes an die ſiegende Mannſchaft
wird auf dem Kommers erfolgen. — Wie wir erfahren,
wird das Feſt auch von der „Deutſchen Turnerſchaft”
auf das tatkräftigſte unterſtützt.
* Die Ortsgruppe Darmſtadt des Heſſiſchen
Landes=
verhandes Jungdeutſchland hielt kürzlich im Saalbau
eine Vorſtandsſitzung ab, in der der Vorſitzende,
Herr Bürgermeiſter Mueller, von mancherlei
erfreu=
lichen Fortſchritten der Jungdeutſchlandſache Kunde
geben konnte. Die in der letzten Sitzung angeregte
Pro=
paganda für die Pflege der Leibesübungen in den
Fort=
bildungsſchulen wurde dem Heſſiſchen Landesverband
überlaſſen. Nach einer von Oberbürgermeiſter Dominikus
in Schöneberg aufgeſtellten Statiſtik iſt in 76 deutſchen
Städten von über 6000 Einwohnern der Turn= und
Spielunterricht in den Fortbildungsſchulen obligatoriſch,
in 38 fakultativ eingeführt, während in den übrigen
Städ=
ten noch nichts in dieſer Richtung geſchehen iſt. — Eine
Reihe weiterer Darmſtädter Vereine haben ihren Beitritt
zur Ortsgruppe erklärt. Der Kreis Darmſtadt hat Herrn
Bürgermeiſter Mueller in dankenswerter Weiſe für Zwecke
der Jugendpflege den Betrag von 300 Mark überwieſen.
Sodann wurde mitgeteilt, daß für Sonntag, den
8. September, nachmittags, ein großes Jugend=
Volksfeſt auf dem hieſigen Exerzierplatz geplant iſt,
an dem möglichſt alle in der Ortsgruppe Darmſtadt
zu=
ſammengeſchloſſenen Jugendvereinigungen teilnehmen
und in dem die geſamte Darmſtädter Jugend, die auf
vaterländiſchem Boden ſteht, zu freiem Spiel und
Wett=
kampf der Kräfte ſich vereinigen ſoll. Sämtliche Vereine
werden daher dringend gebeten, dieſen Sonntag von
an=
deren Veranſtaltungen frei zu laſſen und ihre Beteiligung
bis 1. Auguſt anzumelden. (Der anfänglich für dieſes
Feſt in Ausſicht genommene Ludwigstag mußte fallen
gelaſſen werden, da für dieſen Tag der Fußballklub
„Olympia” ſchon ſeit längerer Zeit eine eigene größere
Veranſtaltung plant.) Man darf für dieſes erſte
Darm=
ſtädter Jugendfeſt gewiß auf das weitgehendſte Intereſſe
unſerer Bevölkerung rechnen. — Bei dem weiteren Punkt
der Tagesordnung: „Die Jungdeutſchland=
Veranſtaltun=
gen und die Sonntagsheiligung” wurde bekannt gegeben,
daß einzelne vorgekommene und auch in der Preſſe
er=
örterte Verſtöße in der letzten Sitzung des
Landesverban=
des beſprochen und lebhaft bedauert worden ſind. Es ſoll
dahin geſtrebt werden, daß die Stunden für den
Gottes=
dienſt ſtets frei bleiben, und die Notwendigkeit der
Sonn=
tagsheiligung ſoll grundſätzlich ſtrengſtens reſpektiert
werden. Dieſe Stellungnahme fand allgemeine und
leb=
hafte Zuſtimmung. — Wegen Beſchaffung eines
gemein=
ſamen Abzeichens für alle heſſiſchen Vereine ſind die
Verhandlungen noch nicht zum Abſchluß gelangt. — Mit
weiteren Vorſchlägen zur Propaganda wurde die ſehr
angeregt verlaufene Verſammlung geſchloſſen.
* Fahrpreisermäßigung für Jungdeutſchland=
Vereine. Für das Gebiet der preußiſcheheſſiſchen
Eiſen=
bahngemeinſchaft und der Reichseiſenbahnen iſt den
dem Bunde Jungdeutſchland angeſchloſſenen Vereinen
für Fahrten im Intereſſe der Jugendpflege
Fahr=
preisermäßigung gewährt worden. Bei den von
dieſen Vereinen veranſtalteten derartigen
gemeinſchaft=
lichen Ausflügen werden jugendliche Perſonen, welche
das 20. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, und
die leitenden erwachſenen Perſonen (bei je 10
Jugend=
lichen ein erwachſener Führer) in der 3. Klaſſe der
Perſonenzüge (ausnahmsweiſe auch in Eil= und
Schnell=
zügen) zum halben Fahrpreis befördert. Die
Ermäßigung, welche einem Verein höchſtens 12 mal im
Jahr gewährt wird, iſt von dem Verein bei der
Ab=
gangsſtation 2 Tage vorher zu beantragen unter
Bei=
fügung einer Beſcheinigung, welche für die dem
Heſ=
ſiſchen Landesverbande Jungdeutſchland angeſchloſſenen
Vereine von der betreffenden Bezirksleitung
auszu=
ſtellen iſt. (Die ausführlichen Bedingungen für die
Fahr=
preisermäßigung können von den Bezirksvorſtänden wie
von der Geſchäftsſtelle des Landesverbandes
Jung=
deutſchland in Darmſtadt bezogen werden.)
* Bezirksverein Johannesviertel. In der
Vor=
ſtandsſitzung wurde die inzwiſchen ausgearbeitete
Ein=
gabe an die Heſſiſche Eiſenbahn=Aktien=Geſellſchaft
wegen Abſtellung der Mißſtände bei der elektriſchen
Straßenbahn im Verkehr zwiſchen dem Viertel und dem
Bahnhof wie wegen Fortführung der Linie durch die
Bismarckſtraße nach dem Bahnhof verleſen und
ge=
nehmigt. Gleichzeitig wurde angeſichts der im Viertel
beſtehenden hochgradigen Mißſtimmung beſchloſſen, dem
Herrn Oberbürgermeiſter eine Abſchrift der Eingabe
zuzufertigen mit der Bitte, ihren Zweck tat kräftig zu
öfrdern.
* Hoher Beſuch. Ihre Königl. Hoheit die
Groß=
herzogin beſuchte geſtern das Offenbacher
Leder=
waren= und Koffer=Spezial=Haus von Carl Sans,
Schulſtraße 1, und machte daſelbſt verſchiedene Einkäufe.
* Der Verein für Geflügel= und Vogelzucht
„Ornis” hielt ſeine Monatsverſammlung ab. Der
1. Vorſitzende eröffnete die Verſammlung und gab nach
Verleſen der Niederſchriften durch den 1. Schriftführer
zahlreiche Einläufe bekannt. Zwei neue Züchter ſind
dem Verein beigetreten. Nach Beſprechung von
Klub=
angelegenheiten und Verleſen einer lehrreichen
Abhand=
lung über das „Kapaunen junger Hähne” wurde zum
Hauptpunkt der Tagesordnung: „Rationelle Aufzucht
der Kücken” übergegangen. Herr Rechnungsrat Schömer
hatte in dankenswerter Weiſe dieſen Vortrag
über=
nommen. Redner verſtand es, in erſchöpfender aber
nicht ermüdender Form die Anweſenden mit einer
wirk=
lich rationellen Aufzuchtsweiſe der Kücken bekannt zu
machen. Der Dank des Vereins blieb ihm nicht
vorent=
halten. An der ſich daran anknüpfenden Ausſprache
be=
teiligten ſich beſonders die Herren Wührer (Arheilgen)
und Lehmann. Mit der üblichen Verloſung mit
zahl=
reichen Gowinnen ſchloß die Verſammlung.
* Findigkeit der Poſt. Eine Klaſſe der
Oberreal=
ſchule hatte dieſer Tage einen Ausflug nach der
Saal=
burg gemacht, von wo aus ſelbſtredend auch die üblichen
Anſichtskarten verſandt wurden. Einer der
klei=
nen, von der Saalburgſchönheit begeiſterten Schreiber
hatte, großem Beiſpiel nachahmend, nur mit „Kurt”
unter=
zeichnet und ſogar die — Adreſſevergeſſen.
Trotz=
dem kam die Karte durch die Findigkeit der Poſt nach
3 Tagen richtig in die Hände des Empfängers. Man
hatte geſehen, daß die Mehrzahl der gleichzeitig
aufgelie=
ferten Anſichtskarten nach Darmſtadt ging und daraus
richtig den Beſtimmungsort geſchloſſen. Dann fand man
auch eine mit Curt und dem Zunamen unterzeichnete
Karte und an dieſer Stelle wurde dann mit Hilfe der
Handſchriftkunde der richtige Empfänger ermittelt.
Im Burgerteller tonzertiert zur Zeit ein aus
fünf Damen und zwei Herren beſtehendes Orcheſter=
Enſemble. Nordſtern nennt ſich die unter der
Direktion von Frau Elly Karger ſtehende Truppe,
deren Leiſtungen im Zuſammenſpiel und in Solo=
Vor=
trägen vorzüglich ſind. Populäre und klaſſiſche
Kom=
poſitionen weiſt das mit Geſchmack zuſammengeſtellte,
in der Hauptſache durch Streich=Inſtrumente zum
Vor=
trag gebrachte Programm auf, in das zwei eigenartige
Inſtrumente; eine Aluminium=Röhren=Orgel und ein
für Hämmer und Baßbogen eingerichtetes Schlag= und
Streichinſtrument „Marimbophon” Abwechslung bringen.
* Im Brauerei=Ausſchank Fay (Alexanderſtr. 23)
findet heute Freitag wieder ein Konzert ſtatt. (Siehe
Anzeige.)
Hugenſchütz’ Felſenkeller. Heute Freitag
konzer=
tiert die vollzählige Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=Regts.
Nr. 61 unter Heern Webers Leitung. Das
Pro=
gramm iſt als ein „Albert Lortzing=, W. A.
Mozart= und Darmſtädter Komponiſten=Abend”
vorge=
ſehen, wobei die Herren Hans Fiſcher, Fritz
Brück=
mann (Kammermuſiker), Siegfried May mit einer neuen
Kompoſition, und Paul Probſt vertreten ſind. (Siehe
Anzeige.)
Kranichſtein, 18. Juli. Geſtern nachmittag gegen 5
Uhr fuhr auf Bahnhof Kranichſtein ein Güterzug auf
vier im Einfahrtsgleis ſtehengebliebene Güterwagen.
So=
wohl die auffahrende Maſchine wie mehrere Wagen
wur=
den ſtark beſchädigt. Führer und Heizer erlitten
einen Nervenchoc und mußten ſich in ärztliche
Behand=
lung begeben. Der Materialſchaden dürfte 2000 bis 3000
Mark betragen.
Offenbach, 18. Juli. Die bekannte langwierige
Streit=
frage um die Stellvertretung des
Oberbürger=
meiſters von Offenbach, zu der die
Stadtverordneten=
verſammlung vom 26. Mai vorigen Jahres einen anderen
als den älteſten ſtädtiſchen Beigeordneten, wie es die
heſ=
ſiſche Städteordnung verlangt, beſtellt hat, iſt nun vor
ſämtlichen zuſtändigen Gerichtshöfen verhandelt worden.
Das Miniſterium als letzte Inſtanz hat beſchloſſen,
daß der dienſtälteſte Beigeordnete Porth künftighin als
Stellvertreter des Oberbürgermeiſters zu fungieren hat.
Die größten Weltmeertiefen.
Neuerdings kommt aus dem Malaien=Archipel die
Mit=
teilung, daß S. M. S. „Planet” im Juni d. J. öſtlich
von der Philippinen=Inſel Mindanao die Tiefe von 9780
Meter gelotet habe. Da die bisher bekannte größte
Mee=
restiefe, die 1899 von dem amerikaniſchen Schiffe „Nero”
bei der Marianeninſel gemeſſen wurde, „nur” 9636 Meter
betrug, iſt alſo die neugelotete Tiefe bei den Philippinen
nunmehr die größte Weltmeertiefe. Es iſt aber keineswegs
ausgeſchloſſen, daß in Zukunft auch dieſe noch übertroffen
wird. Sie gehört, wie faſt alle bedeutenden Meerestiefen,
einem ſogen. Graben, nämlich dem ſchon längere Zeit
be=
kannten Philippinengraben an. Es wird allgemein
in=
tereſſieren, eine Zuſammenſtellung der in den letzten
Jahr=
zehnten geloteten größten Tiefen unter 7000 Meter kennen
zu lernen; wir geben dieſe daher in der Faſſung, wie ſie
ſich in „Kayſers Phyſik des Meeres” herausgegeben von
Dr. Forch, findet, und fügen auch die neue größte Tiefe
überhaupt hinzu:
Philippinengraben ca. 90 n. Br. ca. 1270 5. L. 9780m
Marianengraben oder
12043' n. Br. 1450 49 5. L. 9636m
Nerotiefe
Kermadecgraben . . 300 28 n. Br. 176939’w. L. 9427m
Tongagraben . . . 23039' n. Br. 1750 4’w. L. 9184m
Philippinengraben .12923’n. Br. 125057 5. L. 8900m
Japangraben oder
Tuscaroratiefe . . 440 55 n. Br. 1520 26 5. L. 8513m
Portoricograben . . 19936’n. Br. 66' 26’w. L. 8341m
Palaugraben . . . . 7950 ſ. Br. 1350 10 5. L. 8138m
Atakamagraben . . . 25042' ſ. Br. 71032’w. L. 7635m
Yapgraben . . . . 99 10% ſ. Br. 1339 30’w. L. 7538m
Liukiugraben . . . 25030 n. Br. 126920’w. L. 7481m
Aleutengraben . . . 51053’n. Br. 171012' 5. L. 7384m
Romanchetiefe . . . 0011' ſ. Br. 18915’w. L. 7370m
4010% ſ. Br. 128920’w. L. 7248m
Talaugraben
Sundagraben . . . 100 2' ſ. Br. 1080 5 5. L. 7000m
Zu dieſen außerordentlich tiefen Rinnen, die übrigens
in einem gewiſſen Zuſammenhange mit den benachbarten
Vulkan= und Erdbebengebieten ſtehen, geſellen ſich noch
ſieben bekannte Gräben von mindeſtens 6000 Meter
Soh=
lentiefe.
Von der Ausdehnung ſolcher Tiefſeegräben erhält man
einen Begriff, wenn man erwägt, daß beiſpielsweiſe der
Marianengraben in einer Länge von mehr als 750 Kilo=
meter und einer Breite von mehr als 60 Kilometer, mithin
auf einer Fläche von 49000 Quadratkilometer durchweg
unter 7000 Meter liegt. Ja in dem Kermadecgraben
be=
finden ſich ſogar 78000 Quadratkilometer und in dem
Tongagraben noch 63000 Quadratkilometer unterhalb 8000
Meter. Alle Tiefſeegräben ſtreichen nahe einer ſteilen Küſte
hin; beiſpielsweiſe iſt nach Forch das Tief des
Atakama=
grabens von 7636 Meter von der Spitze des Llullaigo in
Nordchile mit 6600 Meter nur 350 Kilometer entfernt,
ebenſo iſt der Abſtand des Tiefs im Japangraben von 8500
Meter vom Gipfel des 3780 Meter hohen Fuſijama nur
gering.
Durch die Entdeckung der neuen Tiefe durch S. M. S.
„Planet” werden natürlich die Verhältniſſe zwiſchen Meer
und Land nicht nennenswert beeinflußt, wir dürfen
des=
halb auch bis auf weiteres die größten Erhebungen der
mächtigen Kettengebirge den Tiefſeegräben als nahezu
ebenbürtig gegenüberſtellen — der höchſte Berg des
Hima=
laya, der Gauriſankar, ſteigt bis zu 8840 Meter empor
Vergleichen wir aber die Größen von Land und Waſſer
auf der ganzen Erde, ſo ſehen wir das letzte in ungeheurem
Maße überwiegen. Schon an Flächeninhalt ſteht das
Land weit zurück, denn von den 510 Millionen
Quadrat=
kilometern der geſamten Erdoberfläche entfallen nur 149
auf das Land, hingegen 361 auf das Meer; die
Landober=
fläche umfaßt alſo 29 Prozent, die Waſſeroberfläche 71
Pro=
zent. Noch eindrucksvoller wird der Vergleich, wenn wiv
das Volumen (Inhalt) beider betrachten. Die mittlere
Erhebung der Kontinente beträgt nämlich rund 700 Meter
indeſſen die mittlere Meerestiefe 3700 Meter, woraus ſich
das Volumen des Feſtlandes zu rund 100 und das der
Ozeane zu rund 1330 Millionen Kubikkilometer ergibt.
Das Meer übertrifft das Feſtland infolgedeſſen etwa um
das 13fache, und würde das geſamte Feſtland in das Meer
verſenkt, ſo ſtiege deſſen Spiegel nur um 250 Meter.
Coo=
pers Lootſe hat gewiſſermaßen Recht, wenn er ausruft:
„Es gibt gar kein feſtes Land, ſondern nur Meer, worin
bald größere, bald kleinere Inſeln ſchwimmen” oder auch
Schleiden, wenn er ſagt: „Auf der Oberfläche unſerer Erde
iſt das Waſſer die Regel und das Land die Ausnahme.”
Zu einer weſentlich anderen Anſchauung gelangen wir
aber, ſobald wir das Volumen des Waſſers dem des
gan=
zen Erdkörpers gegenüberſtellen. Bei einer mittleren
Dichte von 5.5271 beträgt das Gewicht der Erde beinahe
6X10‟ Kilogramm, während das der 1330 Millionen
Kubikkilometer Waſſer nur etwa 1.37X10‟ Kilogramm
ausmacht. Daraus folgt nun die Tatſache, daß erſt auf je
4500000 Kilogramm des ganzen Erdballs 1 Kilogramm
Meerwaſſer kommt oder denkt man ſich, was noch
an=
ſchaulicher iſt, unſeren ungeheueren Planeten in einen
Würfel verkleinert, der nur 1 Meter Kantenlänge beſitzt
(1 Kubikmeter), ſo würde das geſamte Waſſer der
Welt=
meere bis auf faſt 1 Kubikzentimeter zuſammenſchrumpfen,
und die größten Tiefen würden auf 0,7 Millimeter
herab=
ſinken.
Feuilleton.
— Das Tusculum des Reichskanzlers. Abſeits von den
großen Heerſtraßen gelegen und doch nur 4 Meilen von
Berlin entfernt, eignet ſich Hohenfinow wie wenige als
Erholungsaufenthalt für den höchſten Beamten des
Reiches, der als der allein Verantwortliche ſozuſagen
nie=
mals die Zügel aus den Händen geben kann. Wenn es not
täte, könnte Herr v. Bethmann=Hollweg in weniger als
zwei Stunden in Berlin ſein. Das Rittergut Hohenfinow
mit ſeinen Vorwerken iſt 9000 Morgen groß, von denen die
größere Hälfte Forſt iſt. Kaiſer Wilhelm II. hat in
die=
ſen Wäldern zwiſchen 1877 und 1896 häufig getagt; ein
Denkſtein am Waldesrande und eine von dem Herrſcher
im Jahre 1890 ſelbſt gepflanzte Eiche bezeichnen die Stelle,
wo der einſtige Prinz Wilhelm von Preußen ſeinen erſten
Rehbock in dieſem Revier auf die Decke legte. Daß man
in des „Heiligen Römiſchen Reiches Streuſandbüchſe” ſich
befindet, ſpürt man auf der Hohenfinower Flur nicht.
Große Schläge Weizen zeigen, daß der Boden fett und gut
iſt. Das herlichſte für den Beſucher aus der Großſtadt ſind
die Baumrieſen des Schloßparkes und die mächtigen
Lin=
den einer Allee, die vom Eingang in das Dorf zu einer
Anhöhe führt, von der aus man eine entzückende Fernſicht
über die Wieſen und Waſſeradern, die Dörfer und Städte
des Oderbruches genießt, das Preußens großer König vor
anderthalb Jahrhunderten erſt ſyſtematiſch koloniſiert hat.
Das Hohenfinower Schloß ein dreiſtöckiger
Backſtein=
au, der aus dem Ende des 17. Jahrhunderts ſtammt, hat
erſt durch ſpätere Anbauten ein gefälligeres Ausſehen
ge=
wonnen. Die Innenräume ſind ſchön und ſogar
kunſt=
oll ausgeſtattet zu nennen. Imponierend iſt der innere
Lichthof, das Treppenhaus. Die Herrenſitze der Umgebung
nd keineswegs prunkvoller, obwohl ſie zumeiſt viel länger
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.
Nummer 168.
Damit iſt der erwähnte Beſchluß der
Stadtverordneten=
verſammlung endgültig aufgehoben und die Frage endlich
erledigt. Nach der neuen Städteordnung hätte der oberſte
Verwaltungsgerichtshof zu entſcheiden gehabt.
4 Lindenfels, 18. Juli. In der Zeit vom 24. Auguſt
bis zum 11. September bekommt unſer Ort ununterbrochen
Einquartierung. Der Gemeinderat ſetzte die
Ver=
gütung für den Mann, ohne Unterſchied der Charge, auf
1,70 Mark feſt. — Im Kreiſe Bensheim beſtanden im
letzten Jahre 22 freiwillige Feuerwehren mit
1016 Mann und 25 Pflichtfeuerwehren. Brände kamen 20
vor. Alle Gemeinden mit Ausnahme von Winterkaſten,
haben die erforderlichen Ausſtattungsgegenſtände beſchafft.
Dieburg, 18. Juli. Der wegen Vergehens nach § 176
in Unterſuchungshaft ſich befindende 64jährige Schmied
Th. von hier hat ſich geſtern in ſelbſtmörderiſcher Abſicht
die Pulsader der linken Hand aufgeſchnitten
und mußte daher ins Krankenhaus verbracht werden.
V. Büttelborn, 17. Juli. Die Hamſter und
Feld=
mäuſe ſind in dieſem Jahre wieder ſehr ſtark vertreten.
Es werden deshalb für bei der Bürgermeiſteei abgelieferte
alte Hamſter 10 Pfg., für junge Hamſter 5 Pfg. und für
Feldmäuſe 3 Pfg. pro Stück bezahlt.
Lampertheim, 18. Juli. In der
Gemeinderats=
ſitzung wurde dem Bau einer elektriſchen Bahn
von Mannheim über Sandhofen hierher grundſätzlich
zu=
geſti mmt. Die Bahn wird von der oberrheiniſchen
Elektrizitätsgeſellſchaft gebaut.
* Mainz, 17. Juli. Die
Stadtverordneten=
verſammlung genehmigte heute einſtimmig nach
einem Referat des Bergrats Prof. Dr. Steuer von der
Techniſchen Hochſchule zu Darmſtadt die Erbauung eines
Städt. Waſſerwerkes auf rechtsrheiniſchem Gebiet
bei Hof=Schönau mit einem Geſamtkoſtenwerte von
2650000 Mark. — Die Frage der
Eingemeind=
ung von Koſtheim nahm längere Zeit in Anſpruch.
Sie wurde aber ſchließlich mit allen gegen 4 Stimmen
beſchloſſen. — Die Wahl der beiden beſoldeten
Bei=
geordneten wird am nächſten Samstag in einer
Extraſitzung vorgenommen.
Budenheim, 18. Juli. An dem Rheinufer zwiſchen
hier und der Gemarkung Mainz=Mombach wurde geſtern
vormittag die Leiche eines unbekannten Mannes
gelän=
det, deſſen beide Hände mit einem ſtarken Bindfaden
zuſammengebunden waren. Ob hier ein
Ver=
brechen vorliegt, wird die eingeleitete Unterſuchung
klar=
ſtellen.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 17. Juli. Zum
Regier=
ungsjubiläum des Kaiſers am 15. Juni
näch=
ſten Jahres ſind ſchon jetzt vielfache Vorbereitungen
ge=
troffen, über die zuſammenfaſſend und frühere
Einzel=
meldungen ergänzend folgendes mitgeteilt wird: Der
Kaiſer hat die Prägung einer am Bande zu tragenden
Denkmünze für Statsbeamte, Offiziere Unteroffiziere,
Mannſchaften des Heeres und der Flotte, ſowie für
Perſonen, die zum preußiſchen Königshauſe in
beſonde=
ren Beziehungen ſtehen, verfügt. Induſtrielle Kreiſe
haben die Herausgabe einer literariſchen
Jubiläums=
gabe beſchloſſen, die den Werdegang der induſtriellen
lEntwickelung Deutſchlands bis zum Jahre 1913
ſchil=
dert. Die Künſtlerſchaft will eine allgemeine
Huldig=
ungs=Kunſtausſtellung veranſtalten, die einen Ueberblick
auf das bildneriſche Schaffen in den 25 Jahren der
Re=
gierung des Kaiſers gewährt; außerdem ſoll ein
gro=
ßes Künſtlerfeſt im Landesausſtellungspark ſtattfinden.
Der Berliner Magiſtrat ſieht eine ſtädtiſche Feier vor,
wie ſolche vorausſichtlich auch in anderen
Städtegemein=
den Großberlins arrangiert werden. Der Deutſche
Kriegerbund beabſichtigt eine patriotiſche Spende, und
philateliſtiſche Kreiſe regen die Herausgabe einer
Jubi=
läums=Freimarke an. — Den Berlinern iſt ſoeben
ein tragikomiſcher Lapſus paſſiert. Anläßlich des
30. Todestages Berthold Auerbachs, der ein
guter Berliner Bürger war, hatte man den Entſchluß
gefaßt, dem Schwarzwalddichter in ſeinem einſtigen
Wohnhauſe in der Hohenzollernſtraße eine Gedenktafel
zu widmen. Die Gedenktafel iſt jetzt fertiggeſtellt und
angebracht worden. Dabei iſt es aber geſchehen, daß
man ſie an einem falſchen Hauſe angebracht hat.
Auer=
bach wohnte in der letzten Zeit vor ſeinem Tode
Hohen=
zollernſtraßs 20. Man hat die Gedenktafel nun auch an
dem Hauſe Hohenzollernſtraße 2 angebracht, hat aber
dabei ganz vergeſſen, daß nach Auerbachs Tode einmal
die Nummern in der Hohenzollernſtraße geändert
wor=
den ſind. Das Haus, in dem Auerbach wohnte, trägt
jetzt nicht mehr die Nummer 20, ſondern die Nummer 15.
Das Haus mit der jetzigen Nummer 20 hat alſo der
Ber=
liner Magiſtrat mit falſchen Federn geſchmückt.
Auer=
bachs Fuß hat es nie betreten. Ob die notwendige
„Ueberſiedelung” der Gedenktafel an das richtige Haus
nochmals eine „Einweihungsfeier” nach ſich ziehen wird?
— Die engliſchen Studenten ſtatteten geſtern
der Charité einen dreiſtündigen Beſuch ab. — Die recht
abenteuerliche Flucht eines Strafgefangenen
aus der Strafanſtalt Plötzenſee hatte vor der 3.
Ferien=
ſtraſkammer des Landgerichts III ein Nachſpiel.
Ange=
klagt wegen Beihilfe zum Diebſtahl war der aus dem
Zuchthauſe in Brandenburg vorgeführte Bäcker
Ilch=
mann. — Der Angeklagte, der im Jahre 1908 eine
län=
gere Gefängnisſtrafe in dem Strafgefängnis zu
Plötzen=
ſee zu verbüßen hatte wurde dort in Gemeinſchaft mit
mehreren anderen Gefangenen in der Kartonfabrik des
Gefängniſſes beſchäftigt. Anfangs November 1908
ſchmie=
dete ein Mitgefangener, ein gewiſſer Gottſchalk
einen Fluchtplan und teilte ihn den anderen mit, bei
denen er ſofort freudige Zuſtimmung fand, galt es doch,
der Behörde einen Streich zu ſpielen. Am 5. November
wurden von der Unternehmerfirma die fertigen Kartons
ſowie die Säcke mit den Abfällen mit Fuhrwerk
abge=
holt. Gottſchalk veranlaßte die eingeweihten
Mitgefan=
genen, einen beſonders großen Sack zu nähen, in den er
dann ſchnell hineinkroch. Der Sack mit dem lebendigen
Inhalt wurde, nachdem er mit Abfällen vollgeſtopft und
zugebunden worden war, von den Sträflingen auf den
Wagen gelegt, und zwar als letzter am hinteren Ende des
Wagens. Der in dem Sack verborgene Flüchtling ſchnitt
dieſen unterwegs mit einem Meſſer auf und verließ in
der Nähe des Kleinen Tiergartens ungeſehen den
Wa=
gen. Er wanderte dann in ſeiner Sträflingstracht
unge=
hindert durch ganz Berlin. Nachdem er ſich 14 Tage in
einer Laube verborgen gehalten hatte, wurde er wieder
feſtgenommen und wegen des Diebſtahls an verſchiedenen
aus dem Gefängnis entwendeten Sachen zu einer
Zuſatz=
ſtrafe von drei Monaten verurteilt. Ilchmann wurde
dagegen geſtern freigeſprochen, weil ſich die Beihilfe nicht
zweifelsfrei feſtſtellen ließ. — Die
Dachpappen=
fabrik von Wigankow iſt heute abend
nieder=
gebrannt. Die Urſache des Brandes iſt noch nicht
ermittelt.
Sgarbrücken, 18. Juli. Vor der Ferienſtrafkammer
des hieſigen Landgerichts wurde heute der Rendant
Hoffmann der Spar= und Darlehenskaſſe zu
Kai=
ſen die der Darlehenskaſſe des Trierer Bauernvereins
angeſchloſſen iſt, wegen Unterſchlagung von 70 000
Mark, in Verbindung mit Urkundenfälſchung in 52
Fäl=
len, zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt, wobei
ſieben Monate der Unterſuchungshaft in Anrechnung
kommen.
Hamm (Weſtfalen), 17. Juli. In der vergangenen
Nacht unternahmen fünf Arbeiter eine
Kahn=
fahrt auf der Lippe. Auf der Rückfahrt badete einer
der Arbeiter. Als er den Verſuch machte, wieder in den
Kahn zu kommen, kippte dieſer um. Drei der Inſaſſen
ertranken, während die übrigen ſich retten konnten.
Die Leichen der Ertrunkenen ſind noch nicht geborgen.
Hagen (Weſtfalen), 17. Juli. Geſtern nachmittag
ſtürzte in Dilſtern das Gerüſt von einer im Bau
be=
griffenen Eiſenbahnbrücke ein. Fünf Arbeiter wurden
ſchwer verletzt einer davon lebensgefährlich.
sh Hambung, 15. Juli. Der „König der Boheme” wie
er ſich beſcheiden ſelbſt nennt, Danny Gürtler der
wegen momentaner Verrücktheit eine Zeit lang in einem
Sanatorium untergebracht war, hat wieder einmal das
Bedürfnis gehabt, die Welt von ſich reden zu machen, und
zwar tat er das in der von ihm beliebten großzügigen
Art, über die das Fremdenblatt folgendes berichtet: Der
zu einem Gaſtſpiel im Intimen Theater hier eingetroffene
Bohemien Danny Gürtler hat heute ſich des Heine=
Denk=
mals bemächtigt. Er wollte „ſeinem großen Vorbilde‟
wie er ſich ausdrückte, eine Gedächtnisrede halten. Kurz
nach 3 Uhr erklomm er das Denkmal, in der rechten Hand
einen großen Lorbeerkranz haltend. Zuerſt fehlte das
Feſtpublikum, doch dem konnte raſch abgeholfen werden,
zumal an einer ſo belebten Stätte, wie an der Paſſage des
Barkhofes. Neugierig blieben ſchon einige ſtehen, als
Danny Gürtler vom Denkmal herab verwundert fragte:
Iſt noch kein Schutzmann da!” Der Schutzmann tat
aller=
dings dem Arrangeur den Gefallen nicht. Dafür blieben
aber, was der Zweck der Uebung war, viele Paſſanten
ſtehen. Die Schar wuchs von Minute zu Minute, als die
Denkmalfeier — kinematographiſch inſzeniert wurde.
Da=
zu genügte ein Auto und einige Kollegen und Kolleginnen
des Herrn Gürtler. Abwechſelnd fuhren dieſe vor dem
Platz vor und markierten ſo die Auffahrt der Gäſte. Auf
die gleiche Art wurde der Bang zum Denkmal inſzeniert.
Jetzt konnte die Feier beginnen. In theatraliſcher Poſe
ſtellte ſich Danny Gürtler neben den ſteinernen Heine;
geſpannt wartete das Publikum, was kommen würder
Die Hauptſache waren vorläufig noch der photographiſche
und der kinematographiſche Apparat, die den „
denkwür=
digen” Augenblick im Bilde bannen mußten. Nachdem
dann noch Herr Gürtler die Umſtehenden inſtruiert hatte,
daß ſie bei der Niederlegung des Kranzes den Hut ziehen
möchten, hub die Feier an. Mit einer hohen Geſte
über=
reichte ein Herr den bewußten Kranz, der während der
ganzen Vorbereitungen mit umhergewandert war, Herrn
Danny Gürtler, und dieſer legte ihn unter Dankesworten
an die Herren Bach und Alexander, die dem Heine=
Denk=
mal eine würdige Stätte bereitet hätten und mit dem
be=
dauernden Hinweis, daß ihm ſein ſehnlichſter Wunſch,
ſeinem Vorbild ein Denkmal auf ſeinem eigenen Grund
und Boden am Rhein errichten zu dürfen, unmöglich
ge=
macht worden ſei, am Denkmal nieder. Die Feier war
beendet, und bald wird irgendwo ein Film auftauchen,
der der ſtaunenden Mitwelt von einer „Heinefeier in
Hamburg” berichtet. — Armer Heine!
Dresden, 17. Juli. Ueber die in den letzten Tagen
in Dresden vorgekommenen
Typhuserkrankun=
gen wird von maßgebender Stelle mitgeteilt: Im
gan=
zen ſind erkrankt oder krankheitsverdächtig Dresden 60,
in den umliegenden Ortſchaften ungefähr 20 Perſonen.
In den beiden ſtädtiſchen Krankenhäuſern liegen 53
Er=
krankte, darunter 9 auswärtige. Heute ſind 2 Perſonen
neu erkrankt. Nach den genauen ärztlichen
Unterſuch=
ungen und Feſtſtellungen über die einzelnen Fälle
ver=
teilen ſich dieſe über das ganze Gebiet der Stadt und
die nächſte Umgebung und ſtehen in gar keiner
Bezieh=
ung zu einander. Es handelt ſich alſo keineswegs um
eine Epidemie, die auf eine gemeinſame Urſache, wie
etwa den Genuß von Milch oder Fleiſch, zurückzuführen
wäre, ſondern nur um ein vermehrtes Auftreten der
be=
ſonders in Großſtädten ſtets vorkommenden
Typhus=
fälle. Die Erſcheinung beſchränkt ſich durchaus nicht auf
Dresden allein, ſondern ttritt auch in verſchiedenen
an=
deren Orten Sachſens auf. Worin der Grund für die
vermehrten Typhusfälle zu ſuchen iſt, hat ſich noch nicht
feſtſtellen laſſen. So viel iſt aber ſicher, daß ein Grund
zur Beunruhigung in keiner Weiſe vorhanden iſt, zumal
auch alle Vorſichtsmaßregeln getroffen ſind, um die
wei=
tere Verbreitung der Krankheit durch Anſteckung zu
ver=
hindern.
Gröba (Sachſen), 18. Juli. Im Elbbahnhof
explo=
dierte ein Benzinfaß infolge Selbſtentzündung in dem
Augenblick, als es in einen Eiſenbahnwaggon geladen
werden ſollte. Der Waggon ſtand ſofort in
Flam=
men und das Feuer breitete ſich dann weiter auf einen
großen Zollſpeicher der Sächſiſchen Staatsbahn aus, in
dem unter anderem 1500 Zentner Oel lagerten. Der
Spei=
cher, ſowie zwei weitere Eiſenbahnwaggons brannten
vollſtändig aus.
Wien, 18. Juli. Das Neue Wiener Tagblatt meldet
aus Gaſtein: Der Muſiker der Gaſteiner Kurkapelle Otto
Schneider aus Sachſen ſtürzte auf der Schwarzwand
beim Schwämmeſuchen ab und war ſofort tot.
Paris, 17. Juli. In Epinal verwundete der
Leutnant Collet in einem Wahnſinnsanfall ſeine
Gattin und ſein ſiebenjähriges Söhnchen durch zwei
Re=
volverſchüſſe ſchwer und entleibte ſich darauf.
Luxemburg, 18. Juli. Die zwei Verbrecher die
vor einigen Tagen vor dem Attentat auf die
Polizeikom=
miſſare von Eſch und Differdingen zahlreiche Schüſſe
auf ihre Verfolger abgaben und ſich dann mit ihren
Be=
gleitern in den Wald von Limpach flüchteten, wurden
dort vergeblich von der luremburgiſchen Polizei geſucht.
Zahlreiche Arbeiter der Gelſenkirchener Adolf=Emilhütte
ſchloſſen ſich der Polizei an. Als man die Banditen
er=
wiſcht zu haben glaubte, gaben ſie Revolverſchüſſe auf die
Verfolger ab. Sie liefen beſtändig im Zick=Zack, bald auf
franzöſiſchem, bald auf luxemburgiſchem Gebier. Da ſie
noch mehr Helfershelfer haben, iſt die ganze Gegend in
Erregung.
Tarascon, 17. Juli. Heute vormittag 10 Uhr ſtieß bei
Tarascon ein von Avignon kommender
Perſonen=
zug mit dem Schnellzug Marſeille-Bordeaux
zuſam=
men. Zehn Reiſende und fünf Eiſenbahnangeſtellte
ſind verletzt worden.
im Beſitz derſelben Familie ſind als Hohenfinow. Als
deſſen Name zuerſt in der Geſchichte auftauchte, gegen die
Mitte des 13. Jahrhunderts, iſt von einer Burg
Hohen=
finow die Rede, die als eine trutzige Warte ſich am
Rande des Barnim=Plateaus erhob und die Uebergänge
über die Finow ſchützte.
* Wie man Heimatmuſeen gründet. Ein
Heimat=
muſeum darf keine tote Sammlung von
Sehenswürdig=
keiten ſein, ſondern es ſoll eine lebendige Illuſtration der
heimatlichen Erdgeſchichte wie Menſchheitsgeſchichte bieten.
Wie dieſes ſchwere und doch für Heimatliebe und
Heimat=
kunde ſo notwendige Ziel erreicht werden kann, das
er=
läutert die Entſtehung des in ſeiner Art vorbildlichen
Hei=
matmuſeums im früheren Kloſter Heiligengrabe in der
Oſtpriegnitz, über die A. v. Auerswald in den Grenzboten
berichtet. Aus geringfügigen Anfängen iſt dieſes heute
recht ſtattliche Muſeum erwachſen. Den Grundſtock bildeten
ein paar prähiſtoriſche Steinmeſſerchen, Schaber und
Boh=
rer, die ein junger Künſtler in Rügen fand und nach
Hei=
ligengrabe brachte. In dem alten Kloſter, das jetzt
evan=
geliſchez. Stift und Erziehungsanſtalt iſt, wurden dieſe
Urzeugen menſchlicher Technik den Kindern gezeigt und
auch von Beſuchern beſichtigt. Dadurch ward ein weiteres
Intereſſe erweckt. Der eine oder andere, der einen ſeltſam
geformten Stein oder ſonſt irgend eine Merkwürdigkeit
be=
ſaß, brachte ſie herbei und war ſtolz, wenn ſie in die kleine
Sammlung aufgenommenwurden. Nun machte der
Grün=
der des Muſeums mit einigen Volksſchullehrern Fahrten
auf die Dörfer und kam ſo in perſönliche Verbindung mit
der Bevölkerung, die bald eine große Anteilnahme an der
Kultur und Geſchichte der Heimat zeigte. Man brachte
merkwürdige Verſteinerungen oder ſchön geglättete, gut
zu=
gehauene Steinwerkzeuge herbei und freute ſich zu erfahren,
was das alles bedeute, wozu es gedient habe. Das Muſeum
erwarb grundſätzlich nichts käuflich von Priegnitzern; die
überwieſenen Geſchenke aber blieben Eigentum der
Prieg=
nitz. Bauern, Handwerker, Tagelöhner brachten freudig
verſönliche Opfer und wieſen Angebote von Händlern für
alte Wertſtücke, Lehensbriefe uſw. ſtolz zurück mit den
Worten: Das ſchenken wir lieber in unſer Muſeum. So
iſt in der Sammlung eine erſtaunlich reiche Ausbeute an
prähiſtoriſchen Funden zuſammengekommen. Während
man vorher nur vereinzelte Denkmäler aus der Vorge=
Säicte dr Prieanitz gebabt hatte, ſchloß ſich nun ein
anſchauliches Bild der prähiſtoriſchen Epochen zuſammen.
Da gab es faſt kein Dorf, aus dem nicht Geſchenke kamen:
Steingeräte in großer Zahl, ungeſchliffene, roh
zuge=
ſchlagene, die in der Priegnitz die ältere Steinzeit
repräſen=
tieren, und Werkzeuge von großer Schönheit der Form und
Arbeit aus der jüngeren Steinzeit. Noch überraſchender
waren die Funde aus der Bronzezeit die faſt alle
großen Urnenfriedhöfen entſtammen, von denen der Pflug
des Bauern Scherben an das Tageslicht gebracht. Früher
hatte man ſolchen alten Begräbnisplätzen keine
Aufmerk=
ſamkeit zugewendet. „Nachdem aber die Leute begriffen
haben, welchen Wert dieſe Dinge für das Muſeum beſitzen,
wie viel oft nur eine einzige Scherbe dem kundigen Auge
zu ſagen vermag, kommt das nicht mehr vor. Entweder
der Bauer ſelbſt oder der Lehrer des Dorfes erſtattet dem
Muſeum Meldung von dem Fund.‟ Das Heimatsmuſeum
der Priegnitz in Heiligengrabe iſt wirklich ſo ein
Mittel=
punkt des Intereſſes unter der einfachen Bevölkerung
ge=
worden. Das zeigt das Buch, in das die Beſucher nach
beendetem Rundgang ihren Namen eintragen. Im erſten
Jahre, in dem es auslag, ſchrieben ſich etwa 2000 Perſonen
ein, im zweiten Jahr ſchon 3000 und in dieſem Jahr
dürf=
ten es weit über 4000 werden, und zwar ſind es nur zum
geringſten Teil Touriſten, hauptſächlich die Bauern,
Hand=
werker, Arbeiter, die nicht einmal, ſondern zu wiederholten
Malen kommen. Gerade die kleinen Leute tun auch oft
beträchtliche Scherflein in. die im Muſeum aufgeſtellte
Büchſe für freiwillige Gaben. Eine der Bauerngemeinden
hat ſogar einen Jahresbeitrag von 10 Mark für das
Muſeum bewilligt, „in Anerkennung ſeines kulturellen
Wertes‟. Ebenſo hat ſich ein Handwerksverein zu einem
jährlichen Beitrag verpflichtet. Im übrigen erhält das
Muſeum Zuſchüſſe vom Stift, vom Kreiſe und von der
Pro=
vinz, die aber zuſammen die Summe von 600 Mark nicht
überſteigen.
ck. Aus der Welt der Perlen. Perlen ſind ſeit
alters=
her Symbole der Schönheit und der Tränen, und wirklich
ſtehen in der Welt, deren leuchtenden Mittelpunkt ſie
bil=
den, Lurus und Elend, Glanz und Trauer gar eng
neben=
einander. Die Dame, die ſich das herrliche Kollier um den
Hals legt, ahnt nichts von den Mühen und Enttäuſchungen,
den Aufregungen und Gefahren, mit denen das köſtliche
Kleinod dem Schoß des Meeres entriſſen wurde. In
inem Aufſatz über den Perlenhandel in der Revue erzählt
Léonard Roſenthal von der traurigen Lage der
Perlen=
fiſcher im Perſiſchen Golf. Die Perlenbänke befinden ſich
etwa 150 bis 200 Meilen von der arabiſchen Küſte, die eine
einzige große Wüſte darſtellt. Etwa 60 bis 80000
Einge=
borene beſchäftigen ſich mit der Perlenfiſcherei; einer von
den 10 oder 15 reichen Arabern, in deren Hände das ganze
Land iſt, gibt ihnen etwas Reis, Datteln und Kaffee zur
Nahrung. Dafür müſſen ſie ihm das Vorkaufsrecht der
Perlen unter den günſtigſten Bedingungen zugeſtehen.
„Die Art der Fiſcherei iſt außerordentlich primitiv: die
ein=
zigen Inſtrumente, deren ſie ſich bedienen ſind: eine kleine
Kneifzange aus Knochen, mit der ſie ſich die Naſenlöcher
zupreſſen, und Lederhandſchuhe, die ſie zum Schutz gegen
die ſpitzen Felſenriffe tragen. Ein kleiner Korb den ſie
vor ſich herhalten, und ein Stein, an dem ſie befeſtigt ſind
vervollſtändigen die Ausrüſtung. Sie tauchen 2 bis 3, ja
ſogar 5 Minuten. Kommen die Taucher wieder an die
Oberfläche, dann iſt ihr Anſehen jammervoll, die meiſten
ſchnappen mühſam nach Luft. Viele unter ihnen ſind taub,
und der Schiffskapitän geſtand mir, daß ſie ſelten länger
als 5 Jahre arbeiten können. Die Fiſcher, die ich ſah,
ſtiegen 20 Meter in die Tiefe. Plötzlich bemerkte ich eine
ungewohnte Bewegung auf der einen Seite des Bootes,
von der raſch etwa 10 Fiſcher zu gleicher Zeit tauchten. Der
Kapitän ſagte mir ganz ruhig: Ein Fiſcher gibt kein
Zei=
chen mehr mit ſeiner Leine, er iſt wahrſcheinlich von einem
Fiſch gebiſſen oder er hat eine Ohnmacht.‟ Endlich ſah
ich einen Fiſcher auftauchen, der ſeinen lebloſen und
blut=
bedeckten Kameraden mühſam heranſchleppte. Man ſagte
mir, ein Fiſch, den ſie den „Teufel” nennen, habe ihm das
Blut ausgeſaugt. . .‟ Des Abends wird dann die Beute
beſehen; aber ſie iſt ſelten gut. Findet ſich eine beſonders
ſchöne Perle, dann herrſcht Freude im Fiſcherlager. Alles
ſtrömt herbei, um ſie zu beſehen, und wahre Loblieder in
der blumenreichen Sprache des Orients werden zu Ehren
des Kleinods angeſtimmt, das der Araber noch mehr
ver=
ehrt als ſein Roß. Der Fiſcher verkauft dann ſeine Ernte
em reichen Araber, der ihn nährt, um ein geringes, und
dieſer führt nun ſeine Schätze nach dem Hauptperlenmarkt
des Orients, nach Bombay, wo ein wochenlanges
Feil=
ſchen beginnt. Perlen von beſonderer Schönheit der Form
und Reinheit des Glanzes werden viel höher bezahlt als
die gewöhnlichen barocken Perlen. Man hat auch ſchon aus
einer großen unſchönen Perle, die 29000 Fresrs koſtete,
Kongreſſe und Verbandstage.
3 2. Deutſcher Glaſertag.
S.&H. Dresden, 17. Juli. Die fortgeſetzten
Ver=
handlungen des 32. Deutſchen Glaſertages brachten eine
Ehrung des Kaſſenführers Nauſchütz (Berlin), der ſein
25jähriges Mitgliedsjubiläum feiern konnte. Dem
Jubi=
lar wurde ein ſilberner Pokal, ſowie ein Ehrendiplom
überreicht. — Hierauf wurde in die Fortſetzung der
Be=
ratungen eingetreten und zunächſt der
Geſchäftsbe=
richt bekanntgegeben. Nach demſelben umfaßt der
Ver=
band zurzeit 97 Innungen mit 3380 Mitgliedern und 593
Einzelmitgliedern. Das Verbandsvermögen beträgt
148000 Mark, wovon auf die Sterbekaſſe 115000 Mark,
auf die Zeitungskaſſe 17000 Mark und auf die
Verbands=
kaſſe 15000 Mark entfallen. Der Antrag, den Verein
Deutſcher Spiegelglasfabriken zu erſuchen, die Fracht für
Spiegelglas von der nächſtgelegenen Hütte aus zu
be=
rechnen und die Speſen für die Emballage zu ermäßigen,
eventuell beim zuſtändigen Miniſterium dahin zu wirken,
daß der Zoll gänzlich beſeitigt oder, wenn das nicht
tun=
lich erſcheinen ſollte, wenigſtens auf die Hälfte ermäßigt
werden ſoll, wurde angenommen. Der Haushaltsplan
für 1912/13 wurde ſodann genehmigt. — Die im Anſchluß
hieran vorgenommene Wahl des Vorſtandes ergab keine
Veränderung in der bisherigen Zuſammenſetzung
des=
ſelben. Als Ort für die nächſte Tagung wurde Leipzig
beſtimmt und ſodann die diesjährige Tagung von dem
Vorſitzenden geſchloſſen.
27. Verbandstag deutſcher Schloſſer=
Innungen.
S.CH. Bremen 17. Juli. In der fortgeſetzten
Beratung des Verbandstages deutſcher Schloſſer=
Innun=
gen ſprach Dreyer (Bremen) über die Frage: Gehört
ein Handwerker vor das Handelsgericht, und welche
Fol=
gen zieht das nach ſich?‟ Der Referent vertrat die
An=
ſicht, daß ein Handwerker nicht Kaufmann oder
Handels=
treibender, ſondern eben Handwerker ſei und als ſolcher
nicht vor das Handelsgericht gehöre; das Geſetz biete
auch gar keinen Anhalt dafür, einen Handwerker als
Kaufmann zu betrachten. Die Beiſitzer der Sondergerichte
müßten auf jeden Fall nicht Kaufleute, ſondern
Hand=
werker ſein. Die Verſammlung ſtimmte den
Ausführun=
gen des Referenten bei. — Meyerhoff (Braunſchweig)
behandelte das wichtige Thema: „Schutz der
Arbeitswil=
ligen”. Er legte eine Reſolution vor, in der das Erſuchen
kan die Reichs= reſp. Landesregierungen gerichtet wird,
für ein Verbot des Streikpoſtenſtehens einzutreten, ſowie
einen Schutz der Arbeiter auf der Werkſtätte einzuführen.
Nach kurzer Debatte wurde die Reſolution einſtimmig
angenommen. — Bolte HHamburg) verbreitete ſich über
den paritätiſchen Arbeitsnachweis. Nach einem Referat
über: „Rechte und Pflichten des Lehrherrn gegen den
Lehrling” das Verbandsſyndikus Dr. Karwehl=
Ber=
lin erſtattete, beſprach Böttcher=Hamburg die nötig
erſcheinende Abänderung der Beſtimmungen über die
Ausbildung der Schiffsingenieure, für welche beſonders
die Kleinbetriebe paſſend ſeien. Ueber dieſen Punkt
ent=
ſpann ſich eine längere Debatte, in der den Anſchauungen
des Referenten beigepflichtet wurde. — Nachdem der
Haushaltsplan für das Jahr 1912/13 genehmigt war,
wurde als Ort der nächſten Tagung Leipzig beſtimmt
und hierauf die Verhandlungen durch den Vorſitzenden
geſchloſſen.
Vom 17. deutſches Bundesſchießen.
* Frankfurt, 18. Juli. Die
Delegiertenver=
ſammlung des Deutſchen Schützenbundes hat
geſtern folgendes Telegramm an Prinz Heinrich
ge=
richtet: Die heute zuſammengetretene
Delegiertenver=
ſammlung aller dem Deutſchen Schützenbunde
angehören=
den Schützenvereine des Reiches hat mit großer Freude
von den Worten der Befriedigung Kenntnis genommen,
die Eure Königliche Hoheit an mich über den bisherigen
Verlauf des Feſtes zu richten die Güte hatten. Mit
tief=
gefühltem Dank blicken wir zurück auf die jedem von
uns unvergeßlichen Tage, die Eure Königliche Hoheit
inmitten der Eurer Königlichen Hoheit alle Zeit treu
ergebenen deutſchen Schützen verbracht haben. Mit dem
Gelöbnis unverbrüchlicher Treue zu Kaiſer und
Vater=
land verbinden wir die untertänigſte Bitte, Eure
König=
liche Hoheit wolle wie bisher auch ferner dem Diütſchen
Schützenbunde Höchſtihr Wohlwollen und förderndes
Intereſſe bewahren. — An Kaiſer Franz Joſef wurde
folgendes Telegramm geſandt: Die beim Oeſterreicher=
Tage in der Feſthalle zu Ehren unſerer öſterreichiſchen
Schützenbrüder verſammelten Vertreter des Zentralaus=
ſchuſſes des 17. Deutſchen Bundes= und Goldenen
Ju=
biläums=Schießens bitten Eure Majeſtät, die aus
die=
ſem Anlaß dargebrachte Huldigung, welche dem Gefühle
tiefſter Verehrung entſprang, mit dem innigſten Wunſche
huldvollſt entgegennehmen zu wollen, daß das Bündnis
der Schützen der ſo eng verbrüderten Reiche ſo wie
bis=
her noch lange, lange Jahre des allergnädigſten Schutzes
Eurer Majeſtät teilhaftig werde.
Luftfahrt.
* Friedrichshafen, 18. Juli. Das Luftſchiff
„Z. 3‟ ſtieg heute früh zu einer Fahrt nach Baden=
Oos auf, wo die Abnahmefahrten ſtattfinden ſollen.
* Baden=Oos, 18. Juli. Das Luftſchiff
„Z. 3‟ das heute morgen 4,10 Uhr zu einer Fahrt nach
Baden=Oos aufgeſtiegn war, befand ſich um 7,08 Uhr
über der Halle, ſodaß es den Weg von Friedrichshafen
nach Baden=Oos in 2 Minuten weniger als 3 Stunden
zurückgelegt hat. Es machte alsdann einen Abſtecher
nach Straßburg, von wo es um 9 Uhr vor der Halle
landete. Um 9,20 Uhr war das Luftſchiff in der Halle
geborgen.
* Zweibrücken, 18. Juli. Heute früh 6,10 Uhr
trafen zwei Flieger der Fliegerſtation Metz hier
ein und landeten glatt auf dem großen Exerzierplatz.
Leutnant Reinhardt auf Albatros=Doppeldecker mit
einem Leutnant als Beobachtungsoffizier legte den Weg
MetzZweibrücken in 1 Stunde 30 Minuten zurück.
Oberleutnant Weller auf Rumpler=Taube mit Leutnant
Natorp als Beobachtungsoffizier gebrauchte für den
Weg nur 1 Stunde 15 Minuten. Die Flieger gedenken
heute abend 6 Uhr nach Frankfurt a. M. durch die Pfalz
weiter zu fliegen.
* Augsburg, 18. Juli. Heute früh um 9 Uhr
türzten die Straßburger Militärflieger
Hau=
telmann und Palmer, die um 5 Uhr in Stuttgart
zum Fluge nach München aufgeſtiegn waren in der
Nähe von Augsburg ab Das Untergeſtell des Apparates
wurde beſchädigt. Die beiden Flieger blieben
unver=
letzt.
* Hildesheim, 17. Juli. Das
Militär=
flugzeug, das ſeit Montag ſich auf dem
Truppen=
übungsplatz Heydekrug befindet, iſt heute abend kurz vor
8 Uhr mit Oberleutnant Albrecht als Führer und
Oberleutnant Zimmermann als
Beobachtungsoffi=
zier aufgeſtiegen Nach ungefähr hundert Meter brach
der Propeller und die Flieger gingen langſam zur
Erde nieder, wobei an einem Baum der linke Flügel
abbrach. Die Flieger blieben unverſehrt, der Apparat
wurde abmontiert.
* Johannisthal, 17 Juli. Heute abend
un=
ternahm Leutnant Liemann vom Infanterie=Regiment
Nr. 118 auf Luftfahrerdoppeldecker einen Flugverſuch.
Beim Landen wurde der Apparat vollſtändig
zer=
trümmert. Leutnant Liemann wurde
herausge=
ſchleudert und kugelte ſich den rechten Arm aus.
* Leipzig, 18. Juli. Heute früh iſt auf dem
Flugplatz Lindenthal der Flieger Leutnant
Preu=
ßer vom 107. Infanterie=Regiment in Leipzig t ödlich
verunglückt. Der Apparat ſtieß belm Landen ſo
heftig auf, daß er ſich zweimal überſchlug. Preußer erlitt
einen Schädelbruch und ander ſchwere Verletzungen und
ſtarb nach wenigen Minuten.
* Elbing, 17. Juli. Die Elbinger Zeitung meldet:
Der Flieger Abramowitſch iſt um 6,45 Uhr von
Winſau bei Elbing aufgeſtiegen, um über das Friſche
Haff Königsberg zu erreichen.
* Königsberg, 17. Juli. Abramowitſch
iſt auf ſeinem Fluge Berlin-Petersburg mit ſeinem
Begleiter Regierungsbaumeiſter Hackſtätter von Elbing
kommend um 8,43 Uhr abends auf demPlatze vor der
Luftſchiffhalle gelandet, nachdem die Flieger vorher einen
Flug um die Stadt und eine kurze Zwiſchenlandung
bei Quednau vorgenommen hatten, da ſie infolge des
nebeligen Wetetrs die Luftſchiffhalle nicht ſichten
konn=
ten. Die Flieger hatten auf der Fahrt von Elbing, die
am Friſchen Haff entlang führte, wobei ſie eine
Ge=
ſchwindigkeit von ungefähr 70 Kilometer erreichten,
fort=
während mit Schrägwinden zu kämpfen.
* Petersburg, 17. Juli. Leutnant Dybowsky
unternahm einen Flug von Sebaſtopol nach
Petersburg. „Er flog am 15. Juli von Moskau ab,
traf in Zarskoje Sſelo ein, flog weiter nach Krasnoje
Sſelo und landete heute hier auf dem Exerzierplatz.
Ein neuer Studenten=Ausſchuß an der
Techniſchen Hochſchule.
Seit dem Winter=Semeſter 1308/09 beſteht an der
Darmſtädter Hochſchule ein Studentenausſchuß, der die
Aufgabe hat, die Studentenſchaft nach außen zu
ver=
treten =und ſie zum Zwecke der Repräſentation zu
einen. Dieſer Ausſchuß zählt fünf Mitglieder, zwei
Kor=
porierte, zwei Nichtinkorporierte und einen Vorſitzenden,
der je nach Zuſammenſetzung der Wahlverſammlung
kor=
poriert oder nichtinkorporiert ſein kann.
Nur ein Semeſter lang hat dieſer Ausſchuß friedlich
gearbeitet. Die Wahl des Vorſitzenden gab vom Winter
1909/10 an Anlaß zu heftigem Streit unter den
Korpo=
rationen, und vor allem zwiſchen Korporierten und
Nicht=
inkorporierten. Außerdem boten die häufigen
Studenten=
verſammlungen reiche Gelegenheit zu Zwiſtigkeiten aller
Art zwiſchen den beiden großen ſtudentiſchen Gruppen.
Als man allmählich aber auch die Luſt an hitzigen
Debat=
ſten verlor, da zeigte es ſich, daß außer feſtlichen
Veran=
ſtaltungen nur ſehr ſelten Dinge von Wichtigkeit verhandelt
wurden. So ſank das Intereſſe an
Studentenverſamm=
lung und Ausſchuß mehr und mehr. Zwar verſuchte der
Ausſchuß, im Dienſte der Studentenſchaft zu wirken; er
erwirkte Vergünſtigungen, er vermittelte Wünſche und
Anregungen an die Behörden. Aber ſeiner Arbeit
fehl=
ten Syſtem und Stetigkeit, aus dem einfachen Grunde,
weil ihm zu wenig Arbeitskräfte zur Verfügung ſtanden.
Schon ſtand zu befürchten, daß die Studentenſchaft
jedes Intereſſe an dem Ausſchuß verlieren würde ſchon
ſtellte eine Anzahl Korporationen keine Kandidaten für
die Wahlen mehr auf, ſchon wurde der Beſuch der
Stu=
dentenverſammlung bedenklich ſpärlich, als der Rektor der
Hochſchule, Geheimer Baurat Wickop, ſein lebhaftes
In=
tereſſe für einen Studentenausſchuß zu bekunden begann;
denn ſoeben war es in Leipzig gelungen, ein
Studenten=
parlament zu gründen, das alle Fehler zu vermeiden
ſchien, die das Beſtehen des Darmſtädter Ausſchuſſes
bedrohten.
Zunächſt galt es, die Studentenſchaft wieder zu der
Einſicht zu bringen, daß ſie viele gemeinſame
In=
tereſſen habe, daß ſie eines Studentenausſchuſſes
dringend bedürfe. Das war nicht allzu ſchwer, denn hier
hatte der Ausſchuß der Freien Studentenſchaft ſchon
vorbildlich für die Nichtinkorporierten gewirkt.
Dieſer Ausſchuß mit ſeinen etwa 30 Mitgliedern ſuchte
Vergünſtigungen zu erwirken; er vermittelte den Verkauf
von Büchern zwiſchen Studierenden; er wies praktiſche
Arbeit nach; er erweiterte die Bildungsmöglichkeiten der
Hochſchule durch fachwiſſenſchaftliche Exkurſionen, durch
allgemeinbildende Vorträge, Diskuſſionsabende und
Volksunterrichtskurſe; er ſchuf ſich eine eigene Zeitſchrift
in der er dafür eintrat, daß der Student ſich nicht nur
Fachbildung, ſondern auch allgemeine Bildung
erwerben müſſe. Das ſind Einrichtungen, die eigentlich
im Intereſſe der geſamten Studentenſchaft liegen und
deshalb auch des öfteren von Korporierten benutzt
wurden.
Auf dieſen Gebieten kann wirklich fruchtbringende
Arbeit zum Segen der Studentenſchaft geleiſtet werden.
Hier iſt ein Arbeitsfeld für einen
Studenten=
ausſchuß, das verſpricht, ihm das Intereſſe der
Studentenſchaft zu erhalten. Um aber derartige
Arbeit zu ermöglichen, muß die Zahl der
Ausſchußmitglieder erhöht werden; nur wenn
möglichſt viele intereſſierte Studierende aus allen
Kreiſen der Studentenſchaft ihre ſubjektive
Mein=
ung darüber abgeben, welche Einrichtungen im
Inter=
eſſe der Studentenſchaft liegen, läßt ſich ein
objek=
tives Bild über das Intereſſe dieſer großen
heterogenen Maſſe gewinnen. Die
Studentenverſamm=
lung gibt kein derartig objektives Bild. Denn erſtens
ſind oft große Gruppen der Studentenſchaft abweſend,
vor allem aber folgen große Menſchenmaſſen allzu leicht
blindlings wenigen Großſprechern; die große Maſſe
bildet ſich ſelten ein eigenes und ſachliches Urteil;
ihre Meinung iſt abhängig von allerlei Kleinigkeiten
und Stimmungen. Alſo iſt es das Gegebene, daß die
einzelnen ſtudentiſchen Gruppen diejenigen als
Ver=
treter in den Ausſchuß entſenden, die das größte
Intereſſe an der Sache haben. Dieſe werden im Gefühl
der Verantwortlichkeit Einrichtungen treffen, die der
ge=
ſamten Studentenſchaft dienen. Sie übertragen die
vraktiſche Durchführung dieſer Einrichtungen an
Ehren=
beamte. So erhalten wir einen Ausſchuß, der aus 27
Vertretern der Korporationen und etwa ebenſo viel
Nichtinkorporierten beſteht.
Nun waren in dem Entwurf noch die Streitigkeiten
zu berückſichtigen, die die Arbeit ſo oft geſtört hatten.
Die Intereſſenſphären der beiden großen Gruppen,
Kor=
porierten und Nichtinkorporierten, decken ſich nicht ganz;
es gibt vielerlei Dinge, die für die Nichtinkorporierten
von großer Wichtigkeit ſind, während die Korporationen
dafür kein Intereſſe haben und umgekehrt. Es muß
dafür geſorgt werden, daß die Korporierten nicht durch
eine zufällige Mehrheit Einrichtungen verhindern, die für
die Nichtinkorporierten von Bedeutung ſind. Dann fühlen
ſich dieſe majoriſiert, und es gibt einen Zank, der in
brei=
teſter Oeffentlichkeit ausgefochten wird und jede Arbeit
ſemeſterlang unterbindet. Um das zu verhindern,
orga=
niſieren ſich die Korporierten zu einem
Korporations=
ausſchuß, die Nichtinkorporierten zu einem
Nichtinkorpo=
riertenausſchuß. Gleichlautende Beſchlüſſe der beiden
Teile werden von dem gemeinſamen Vorſtand
voll=
zogen. Einrichtungen, die der andere Teil ablehnt,
wer=
den von dem einen ſelbſtändig und in ſeinem Namen
ausgeführt. So iſt jeder Streit ausgeſchloſſen; kann
man ſich nicht einigen, ſo marſchiert man eben getrennt,
und vor allem: es wird gearbeitet. Auch
Wahl=
ſtreitigkeiten um den Vorſitz gibt es nicht mehr, denn der
Vorſitz wechſelt einfach ſemeſterweiſe zwiſchen den
ein=
zelnen Gruppen bezw. Korporationen.
So ungefähr ſieht der neue Studentenausſchuß aus,
der auf der Studentenverſammlung am 17. Juli mit
212 gegen 78 Stimmen angenommen wurde. Hoffen
wir, daß durch die gemeinſame Arbeit Korporierte und
Nichtinkorporierte ſich näher treten werden, daß durch
gegenſeitiges Verſtändnis allmählich die Kluft
ausge=
glichen wird die heute noch zwiſchen den beiden großen
Gruppen beſteht. Möge der neue Ausſchuß wirken zum
Segen der Studentenſchaft, zum Segen der Darmſtädter
Hochſchule.
T.
Sport.
* Die internationale Automobil=Tourenfahrt um
den Preis des Zaren fand jetzt mit der Preisverteilung
ihren Abſchluß. Der Preis des Zaren fiel an Schrygin
auf einem deutſchen Loreley=Wagen, der
Preis des Großfürſten Michael an Petit auf Tedford,
der Lancia=Fabrik=Preis an Kynaſt auf Komnick, der
Preis des Baltiſchen Automobil=Klubs an Weinert auf
Komnick, der Preis der Stadt Reval an Lucke auf
Kom=
üick, der Preis der Stadt Riga an Valentin auf Hiſpano
durch Bearbeitung eine kleine, ſchöne Perle gewonnen, die
250000 Francs wert war. Der größte Teil der Perlenernte,
etwa 40 bis 60 Millionen Francs, ſkommt vom Perſiſchen
Golf; die anderen Fiſchereien von Auſtralien, Maſſaua,
Tahiti, Panama, Kalifornien, den holländiſchen Inſeln, die
alle ungefähr auf demſelben Meridian liegen, liefern
jährlich nur eine Ernte von je 2 bis 5 Millionen Francs.
Während die Nachfrage nach ſchönen Perlen immer größer
wird und immer höhere Preiſe dafür gezahlt werden, wird
das Angebot immer geringer. So hat man im Jahre
1911 im Perſiſchen Golf nur etwa 40 Perlen gefunden, die
das Gewicht von 25 Gran überſtiegen. Bisher hatte
man ſich noch mit den ungeheuren Vorräten geholfen, die
der Orient an alten Perlen beſitzt, hatte die Kleinode von
indiſchen Rajahs und aus chineſiſchen Gräbern
herbeige=
bracht. Aber die Schätze ſind nun erſchöpft, der
Augen=
blick iſt nahe, wo die alten herrlichen Pexlen völlig aus
dem Orient verſchwunden ſein werden, um die Nacken
unſerer Damen zu ſchmücken. Dann werden die
Perlen=
fiſchereien, die viel zu wenig liefern, allein genügen
müſſen, und die Preiſe werden ins Märchenhafte ſteigen,
ebenſo wie die Sehnſucht nach dieſen ſtrahlenden Wundern
des Meeres.
C2)2000 Jahre alter Wein. In der Nähe von Bordeaux
wurde in einem Sarkophag, der aus dem erſten
Jahr=
hundert n. Chr. ſtammt, ein merkwürdig geformtes
Glas=
gefäß von etwa einem halben Meter Länge gefunden.
Das Gefäß hatte die charakteriſtiſche Form der ſyriſchen
Gläſer, von denen der Louvre verſchiedene Beiſpiele
ent=
hält. In dem Gefäß befand ſich ein Pulver, deſſen
Ana=
lyſe ergab daß es einſt Wein enthalten hatte. Daraus
ſcheint hervorzugehen, daß Bordeaux in jenen Tagen
Wein von außerhalb importierte.
C Funde in Aleſia. Die Ausgrabungen in Aleſia
haben in letzterer Zeit ein galliſch=römiſches Wohnhaus
zutage gefördert; auf Unterbauten aus galliſcher Zeit
er=
hoben ſich galliſch=römiſche Bauwerke. Man legte dabei
eine Heizvorrichtung frei, deren Apparate noch ſehr gut
er=
halten ſind, und unter den Einzelfunden fallen beſonders
merkwürdige Töpferwaren und Eiſengeräte auf. Der
wertvollſte Fund iſt ein goldener Ring, der
augenſchein=
lich einem Kinde gehört hat.
* Der franzöſiſche Flieger Hubert
La=
tham, ein entfernter Verwandter der Fürſtin Bülow,
war einer der erſten und tüchtigſten Flieger Frankreichs.
Einer angeſehenen, ſehr wohlhabenden Familie
ent=
ſtammend, wandte er ſich zuerſt dem Automobilismus
zu und wurde dann eifriger Freiballonführer. Einen
Namen machte er ſich durch die Kanalüberfliegung im
Kugelballon, die er in Gemeinſchaft mit ſeinem Vetter
Jacques Faure im Februar 1905 ausführte. Seinen
erſten Rekord ſtellte Latham am 21. Mai 1909 auf, indem
er ſich 37 Minuten 37 Sekunden in der Luft hielt und
eine Stundengeſchwindigkeit von 72 Kilometer erreichte
Wenige Tage ſpäter gewann er die Coupe Ambroiſe
Goupy durch einen Ueberlandflug von Chalons nach
Vadenay. Im Juni 1909 machte er ſeinen erſten Verſuch,
den Kanal zu überfliegen, doch hinderte ein Motorſchaden
ihn, die engliſche Küſte zu erreichen. Am 19. Juni ſtartete
er nochmals in Sangace, doch war er gezwungen, ſchon
nach 11 Kilometer auf das Meer niederzugehen. Ein
dritter Verſuch endete mit demſelben Erfolge, daß der
Flieger im letzten Moment von einem franzöſiſchen
Tor=
pedoboot aus den Fluten herausgezogen wurde. Nach
ſeinen glänzenden Flügen auf der Flugwoche zu Reims
kam Latham nach Berlin, und ihm gebührt die Ehre,
den erſten Ueberlandflug in Deutſchland,
nämlich vom Tempelhofer Feld nach Johannisthal,
aus=
geführt zu haben. Große Erfolge errang er auch bei
der Flugwoche in Blackpool in England und in
Ame=
rika, wo er in faſt allen größeren Städten der
Vereinia=
ten Staaten Aufſtiege machte. Benerkenswert iſt
übri=
gens, daß er ſeine Jagdleidenſchaft auch von der
Flug=
maſchine aus betätigte. Er hat in Amerika mehrmals
hohe Wetten dadurch gewonnen, daß er vom Steuer
ſeines Eindeckers aus Hirſche erlegte. Er war bis zum
Frühjahr dieſes Jahres für die Antoinette=Werke in
Frankreich tätig, und er galt als der beſte Führer dieſer
überaus ſchwer zu handhabenden Maſchine. Er war
im Frühjahr von der franzöſiſchen Regierung in die
Kolonien geſandt worden, um dort die
Verwendungs=
möglichkeiten des Flugzeuges für den Kolonialdienſt zu
tudieren.
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.
Nummer 168.
Suiza, der Individual=Preis an Effron auf Lancia und
endlich der Preis des Kaiſerlich Ruſſiſchen Automobil=
Klubs an Lapin auf Lancia.
* Olympiſche Spiele. Stockholm, 17. Juli. Im
Kampfe zwiſchen acht Ruderrennboote ſiegte im
erſten Rennen Deutſchland, „Sport=Boruſſia”
gegen Frankreich, im dritten Rennen ſiegte ebenfalls
Deutſchland, Rudergeſellſchaft Berlin, gegen Ungarn.
Beide Gruppen werden mit vier anderen zuſammen am
Schlußkampf teilnehmen.
Stadtverordneten=Verſammlung.
8. Sitzung.
St. Darmſtadt, 18. Juli.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing eröffnet die
Sitz=
ung um 4¾ Uhr und macht vor Eintritt in die
Tages=
ordnung folgende
Mitteilungen:
Der Stadtverordnete Sames hat letzter Tage ſein
25jähriges Geſchäftsjubiläum gefeiert. Der
Oberbürger=
meiſter hat ihm die herzlichſten Glückwünſche ausgeſprochen.
Stadtv. Bormet beantragt, in dem Gelände des
früheren Main=Neckar=Güterbahnhofes ein
Bedürfnishäus=
chen zu errichten.
Die heſſiſche Flugſtudiengeſellſchaft teilt mit,
daß die Flugveranſtaltungen in Darmſtadt kein
Defi=
zit ergeben haben, daß alſo die Stadt für ein ſolches
nicht in Anſpruch genommen werde. Den Herren, die am
Gelingen der Flugveranſtaltungen mitgewirkt haben,
ſpricht der Oberbürgermeiſter herzlichſten Dank aus.
Der Hausbeſitzerverein hat durch Herrn Mahr eine
erneute Eingabe an die Stadt gerichtet, das Waſſergeld
betreffend.
Stadtv. Stemmer führt Klage über verſchiedene
Mißſtände am Nordbahnhof, wie ſie auch in
Ein=
geſandts im Darmſtädter Tagblatt zum Ausdruck kamen.
— Beig. Ekert iſt bereit, wenn genügend Material
vor=
handen iſt, erneut bei der Eiſenbahnbehörde vorſtellig zu
werden.
Stadtv. Koch fragt an, ob bei der Hitze nicht wieder
für die ſtädtiſchen Beamten die verkürzte Bureauzeit
ein=
geführt werden ſoll. — Den Oberbürgermeiſter
wird der Frage näher treten.
Die ſtädtiſche Schulzahnklinik hat für die
ihr überwieſenen neuen Räume im Hauſe Waldſtraße 21
gedankt und lädt zur Beſichtigung der Anſtalt in ihrem
neuen Heim ein.
Herr Valentin Witzler bittet um Befreiung von der
Heranzlehung zu den Straßenherſtellungskoſten in der
Riedlingerſtraße.
Darauf wird in die Tagesordnung eingetreten. Ueber
den
Geländetauſch zwiſchen Militärfiskus
und Stadt uſw.
referiert ſeingehend der Oberbürgermeiſter. (Siehe
be=
ſonderen Artikel.) Finanz= und Hochbau=Ausſchuß, ſowie
Tiefbaudeputation haben ſich mit dem Zweck der Vorlage
einverſtanden erklärt und empfehlen, den Oberbürgermeiſter
zum Abſchluß der Verträge zu ermächtigen.
An das Referat des Oberbürgermeiſtferts
ſchloß ſich eine erhebliche Debatte. Stadtv. Henrich
kann in der Vorlage ein glänzendes Geſchäft für die Stadt
nicht erblicken. Wenn man die Bedeutung des Projektes
richtig einſchätzen will, muß man die Sache als Ganzes
betrachten. Die Uebernahme der Bauten zum
Gelände=
tauſch ſei eine bittere Beigabe. Die Vorteile der Vorlage
liegen auf wirtſchaftlichem Gebiete und dieſe ſind ſo groß,
daß man allerdings dem Vertrag zuſtimmen könne. Vor
allem iſt zu begrüßen, daß die Kaſerne in der
Alexander=
ſtraße verbleibt.
Stadtv. Dr. Noellner iſt ungefähr gleicher
Mein=
ung. Es iſt zwar nichts Glänzendes, was der Stadt hier
geboten wird, aber trotz mancher bitteren Pille könne man
doch zuſtimmen. Die Garniſonkirche gereicht dem Platz
zur Zierde und es darf gehofft werden, daß durch dieſen
Kirchenbau der Bau der Reformationskirche noch
hinaus=
geſchoben wird im Intereſſe der Steuerzahler. Die Bäume
an der Breiten Allee müßten erhalten werden. Uebrigens
werden durch die nun bekannt gewordenen Pläne ſehr
viele Gerüchte hinfällig, deren eines allerdings
beachtens=
wert war. Es hätte ſich doch hier für den Staat
Gelegen=
heit geboten, von dem frei werdenden Gelände am
Exer=
zierplatz Baugelände billig zu erwerben für die Errichtung
eines Staatsarchivgebäudes, das hier äußerſt
geeignet untergebracht werden könnte. Die Erbauung
eines ſolchen Gebäudes ſei ja doch notwendig und hier
iſt Gelegenheit zur billigen Erwerbung geboten.
Stadtv. Sames begrüßt das Projekt, weil endlich
einmal der Hopfengarten eine Beſtimmung findet, der
bisher nur viel Zinſen erfordert hat. Das ganze
Ver=
tragsverhältnis trifft den Steuerzahler nicht, ſodaß man
dem Vorſchlag wohl zuſtimmen darf. — Stadtv.
Fried=
rich hält den Wert des auszutauſchenden Geländes zu
ungleich bemeſſen. Die Leiſtungen der Stadt ſeien
er=
heblich höher, als die der Militärbehörde. — Stadtv.
Dr. Oſann erklärt, was ihm den Antrag ſchmackhaft
macht, ſei die Tatſache, daß laut Vertrag in erſter Linie
die Darmſtädter Unternehmer bei den neuen Bauten
Be=
rückſichtigung finden müſſen. Dem Baugewerbe wird dieſe
Arbeitszuwendung ſehr zuſtatten kommen und dafür
ge=
bührt der Bürgermeiſterei Dank. (Beifall.) — Aehnlich
äußert ſich Stadtv. Saeng. — Stadtv. Dr. Fülda
kritiſiert das Projekt abfällig. Er hätte gewünſcht, daß
auch die Kaſerne in der Wilhelminenſtraße in den Bereich
der Verträge gezogen wäre. Was die Stadt vom
Exer=
zierplatz erwerbe, ſei nur eine Kuliſſe, die die Stadt ſpäter
zwingen werde, mehr zu erwerben.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing tritt dem
enß=
gegen und verteidigt das Projekt, das nach den
jahre=
langen Verhandlungen endlich etwas Annehmbares bietet.
Stadtv. Möſer iſt für die Vorlage. Die
Vertrags=
abſchließung liege durchaus im Intereſſe der Stadt.
Stadtv. Schupp begrüßt die Vorlage, weil ſie der Stadt
Gelegenheit gibt, den Bahnhof wenigſtens ſcheinbar an
die Stadt heranzuziehen durch den Ausbau der Straße.
Die Kaſerne in der Wilhelminenſtraße müßte mit
er=
worben werden. — Nach weiteren Ausführungen der
Stadtvv. Hüfner und Aßmuth ſchließt die Debatte.
Die Abſtimmung uſw. wird bis zum Schluß der Sitzung
vertagt und vorerſt die übrige Tagesordnung erledigt.
Für einen Mädchenhort.
Zum Zweck der Unterbringung eines Mädchenhorts,
ſowie der Gewinnung weiterer ſehr nötiger
Unterrichts=
räume ſollen zwei Räume im Sockelgeſchoß der
Stadt=
mädchenſchule II für dieſe Zwecke hergerichtet werden.
Hochbau= und Finanzausſchuß empfehlen den Antrag des
Oberbürgermeiſters und die erforderlichen Mittel von
2180. Mark zur Genehmigung. Nach dem Referat des
Eladtr. Markwort ſtimmt die Verſammlung zu.
Bei
Einlegung des Waſſerverſoorgungsrohrs
in die Aeußere Ringſtraße, vom Fiedlerweg ab, und durch
die Dieburger Straße bis zu den Hirſchköpfen mußten ſich
die Intereſſenten ſeinerzeit verpflichten, die Anlagekoſten
gemäß der beſtehenden „Grundſätze” entweder zu
verzin=
ſen oder vorzulegen. Da ſich inzwiſchen die Rentabilität
der Waſſerleitung erwieſen hat, die Dieburger Straße auf
der einen Seite in den Bebauungsplan einbezogen wurde
und die Stadt auch eigene Anlagen an die Leitung
an=
ſchloß, befürworten Waſſerwerks=Deputation und
Finanz=
ausſchuß nach Antrag des Oberbürgermeiſters die
Auf=
hebung der Zinsverpflichtung und die Rückzahlung der
ſeinerzeit geleiſteten Koſtenvorlagen. Die Verſammlung
iſt damit einverſtanden. Referent Stadtv. Saeng.
Beim Ortsgericht II
(Beſſungen) hat ſich die Beſchaffung eines feuerſicheren
Schranks zur Unterbringung wichtiger Urkunden als
not=
wendig erwieſen. Hochbau= und Finanzausſchuß
befür=
worten den Antrag und die Genehmigung des
erforder=
lichen Kredits von 620 Mark. Die Anträge finden
An=
nahme. Referent Stadtv. Widmann.
Auf dem Gehlaborner Hoffeld
iſt die Herſtellung eines Vorflutkanals zur beſſeren
Ent=
wäſſerung des Geländes dringend erforderlich, um einer
Beeinträchtigung der Ertragsfähigkeit eines größeren Teils
des Feldes vorzubeugen. Landwirtſchafts=Deputation und
Tiefbau=Deputation haben ſich mit dem Projekt
einver=
ſtanden erklärt und empfehlen Bewilligung des
erforder=
lichen Kredits von 10000 Mark. Die Verſammlung
ſtimmt nach dem Referat des Stadtv. Markwort zu.
Baudispensgeſuch.
Für einen Neubau vor dem Hauptbahnhof wird um
Befreiung von der Beſtimmung in § 68 der Ausführungs=
Verordnung zur Allgemeinen Bauordnung nachgeſucht.
Der Hochbauausſchuß befürwortet das Geſuch, das nach
dem Referat des Beig. Jäger angenommen wird.
Für ein Bauvorhaben in der Stiftſtraße wird um
Be=
freiung von den Beſtimmungen in §§ 45 und 50 der
All=
gemeinen Bauordnung nachgeſucht. Der Hochbauausſchuß
befürwortet das Geſuch nicht. Die Verſammlung ſchließt
ſich dem an. Referent Beig. Jäger.
Ein neues Stadtbild im Bahnhof.
Im neuen Hauptbahnhof ſollen in der Bahnſteighalle
drei große Bilder in einheitlicher Aufmachung angebracht
werden, die in der Mitte, ca. 5X2½ Meter groß, eine
Anſicht von Darmſtadt zeigen, vom Hochzeitsturm
aus geſehen, und links und rechts davon, ca. 2½X2½
Meter groß, Pläne von Darmſtadt mit den Straßenzügen
und in ſeiner Lage inmitten der Wälder, beſonders in
Odenwald uſw. Das Gemälde ſoll ca. 2½ Tauſend Mark
koſten. Es wird nach längerer Debatte beſchloſſen, die
ein=
gehendere Ausarbeitung noch einer Kommiſſion zu
über=
laſſen, im übrigen wird zugeſtimmt.
Es folgt geheime Sitzung.
Verträge zwiſchen der Stadt und dem
Reichs=
militärfiskus bezüglich des Austauſches von
Grundbeſitz, der Erbanung einer Garniſonkirche
und einer Bataillonskaſerne für das Infanterie=
Regiment, ſowie die Bebauung der Breiten
Allee.
Bereits ſeit dem Jahre 1907 hatte die Städtiſche
Ver=
waltung ſich mit dem Reichsmilitärfiskus in Verbindung
geſetzt, um die aus Anlaß des Bahnhofsneubaues
not=
wendig gewordene Aenderung militäriſcher Anlagen und
die Neuanlegung von Straßen zu beſprechen. Es handelte
ſich hierbei unter anderem auch um die Erbauung einer
Garniſonkirche, die Verlegung der Infanteriekaſerne nach
Weſten, den Verkauf des Ererzierplatzes an die Stadt und
die Schaffung eines neuen Exerzierplatzes bei Griesheim.
Die Erwerbung des Exerzierplatzes ſeitens der Stadt
war ſo gedacht, daß die Stadt von dem
Reichsmilitärfis=
kus das Gelände zum vollen Bauplatzwert erwerben und
im Wege der Enteignung ein ſehr großes Gebiet,
zwi=
ſchen Griesheim und Eſchollbrücken gelegen, als Erſatz
für den Exerzierplatz erwerben ſollte. Der
Oberbürger=
meiſter vertrat die Anſicht, daß das ſtädtiſche Intereſſe
ſich zunächſt auf eine Verbindung der im Südoſten
gelege=
nen Stadtquartiere mit dem Hauptbahnhof beſchränke
und daher die Erwerbung des ganzen Exerzierplatzes
für die Stadt erſt in zweiter Linie in Frage kommen
könne. Die Verhandlungen konnten in den Jahren 1907,
1908, 1909 und 1910 zu einem greiſbaren Ergebnis nicht
führen, zumal verſchiedene Projekte einzelner
Truppen=
teile erſt ſpäter ſpruchreif wurden. Im Oktober 1910
ver=
ſuchte der Oberbürgermeiſter, Verhandlungen auf neuer
Grundlage einzuleiten. Das Königl. Generalkommando
zu Frankfurt lehnte ein Eingehen auf die neuen
Verhand=
lungen zunächſt ab, da das Königliche Kriegsminiſterium
zu Berlin beſtimmt hatte, daß Teile des Exerzierplatzes
vor dem Rheintore nicht veräußert werden ſollten. Es
gelang jedoch, dieſe Verhandlungen fortzuſetzen, nachdem
am 10. Februar 1911 eine entſcheidende Sitzung mit dem
Generalkommando zu Frankfurt a. M. ſtattgefunden
hatte. Der Oberbürgermeiſter vertrat hier die Auffaſſung,
daß es der Stadt nicht möglich ſei, den Exerzierplatz im
Kauf oder Tauſchwege zu erwerben, zumal mit Rückſicht
auf das Riſiko des Erwerbes für das Erſatzgebiet. Es
handelte ſich nach einer vorläufigen Berechnung bei dem
als Erſatz für den Exerzierplatz in Ausſicht genommenen
Gelände um 3 380000 Quadratmeter und um einen
Ge=
ländewert von etwa 1800000 Mark. Es war der Stadt
nicht möglich, den vollen Wert des neuen Exerzierplatzes
zu zahlen, den alten Exerzierplatz dagegen zu übernehmen
und die Wertdifferenz beider Plätze herauszuzahlen. Die
Wertdifferenz erſchien ſchon bei vorläufiger Berechnung
ſo hoch, daß eine Einigung nicht möglich war. Die Stadt
mußte auch erwägen, daß ſie durch ihre Teilnahme an
dem durch die Bahnhofsverlegung freiwerdenden Gelände
mit 2700000 Mark belaſtet iſt. Als hierauf die
Mög=
lichkeit erörtert wurde, in unmittelbarer Nähe des
gegen=
wärtigen Exerzierplatzes durch Beſeitigung des Waldes
ein neues Erſatzgebiet für den Exerzierplatz zu ſchaffen,
konnte ſich die Städtiſche Verwaltung auch mit dieſer
Löſung nicht einverſtanden erklären. Mit Rückſicht auf
die durch die neue Bahnhofsanlage bedingten Einſchnitte
mußte die Verwaltung auf die Erhaltung des Waldes in
unmittelbarer Nähe des gegenwärtigen Exerzierplatzes
Wert legen. Nachdem die Militärverwaltung ſich
ent=
ſchloſſen hatte, die Kaſerne des Infanterie=Regiments in
der Stadt beizubehalten und damit eine Entſcheidung
er=
gangen war, die im ſtädtiſchen Intereſſe nur begrüßt
werden konnte, näherten ſich die Stadt und die
Militär=
verwaltung auch in anderer Richtung dem Ziele der
Einigung. Die Militärverwaltung mußte damit rechgen,
daß mit der Erhaltung der Infanterie=Kaſerne in der
Stadt das früher in der Nähe des Artillerieſchießplatzes
als Erſatzgelände in Betracht kommende Gebiet nunmehr
als Exerzierplatz zu entlegen war. Die Stadt erklärte ſich
bereit, den Wünſchen einzelner Truppenteile auf
Erwerb=
ung von ſtädtiſchem Gelände entgegen zu kommen. Es
wurden daher nach einer Rückſprache des
Oberbürgermei=
ſters mit dem kommandierenden General, Exzellenz von
Eichhorn, neue Verhandlungen zwiſchen der Stadt und
der Intendantur im Februar 1911 begonnen. Zunächſt
prüfte man, ob in der Nähe der Infanterie=Kaſerne im
Nordoſten Gelände beſchafft werden könnte. Die
Ver=
wertung des Interimstheaters, die Erbauung einer
Ka=
ſerne für die Maſchinengewehrkompagnie und drei andere
Kompagnien, die zur Zeit im Griesheimer Lager
unter=
gebracht ſind, die Erwerbung des alten Lazaretts, die
Verwertung der Kaſerne an der Wilhelminenſtraße und
der Erwerb eines Streifens an dem Exerzierplatz in
un=
mittelbarer Nähe der Breiten Allee bildeten die Aufgaben
eingehendſter Sonderverhandlungen. Die Städtiſche
Verwaltung war bei ihrer Stellungnahme von dem
Be=
ſtreben geleitet, die Verhandlungen durch die
Ausſcheid=
ung zweifelhafter Projekte zu vereinfachen und die
För=
derung der ſtädtiſchen und militäriſchen Intereſſen durch
eine vertragliche Löſung der wichtigſten Aufgaben zu
er=
reichen. Dabei erſchien der gegenwärtige Zeitpunkt
durchaus geeignet mit Rückſicht auf die Notwendigkeit,
die aus Anlaß der Bahnhofsverlegung geſchaffenen
Ver=
hältniſſe zu ordnen. Von vornherein war ſicher, daß in
der ablehnenden Haltung des Kriegsminiſteriums nur
dann eine Wandlung eintreten würde, wenn die
Heeres=
verwaltung ohne Aufwendung von Baukoſten zu den
neuen notwendigen Bauten kommen konnte. Es iſt nötig,
für ein Bataillon des Infanterie=Regiments eine Kaſerne
zu errichten, ſodann eine weitere Kaſerne für die
Maſchi=
nengewehrkompagnie und eine Garniſonkirche. Die
Städtiſche Verwaltung mußte ſich hiernach entſchließen,
die Bauten auf ihre Koſten herzuſtellen und ſie an die
Heeresverwaltung zu vermieten. Die Mietſumme iſt ſo
bemeſſen, daß ſie die Stadt in jeder Weiſe finanziell
ſicher=
ſtellt. Die ſeit März 1911 geführten Verhandlungen und
Vorarbeiten führten zu dem erfreulichen Ergebniſſe, daß
die Städtiſche Verwaltung nunmehr bezüglich der großen
Frage des Geländeaustauſches der Erbauung der
Gar=
niſonkirche und einer Kaſerne endgültig Stellung nehmen
kann. Es ſteht zu hoffen, daß die zur Zeit noch in
ein=
zelnen Fragen ausſtehenden Differenzen das Ergebnis
der Einigung nicht in Frage ſtellen.
Hiernach tritt die Stadt an den Militärfiskus
nach einem im Entwurfebereits vorliegenden
Tauſchver=
trage ab:
1. Von dem Hopfengarten:
a) 15000 Quadratmeter an der Ringſtraße,
b) 29950 Quadratmeter an dem Gr.=Gerauer Weg,
zuſammen 44950 Quadratmeter.
2. Den Wald an der Weſtſeite des Exerzierplatzes
von 21371 Quadratmeter.
3. Uebernimmt die Stadt für den
Militärfis=
kus die Koſten des Bahngeländes von 6266
Quad=
ratmeter an der Kreuzung der Eſchollbrücker Straße
und der neuen Bahnlinie und des auf ihm
befind=
lichen Schuppens.
Dagegen tritt der Militärfiskus an die Stadt
ab einen etwa 560 Meter langen und 67 Meter
breiten Streifen des Exerzierplatzes längs der
Brei=
ten Allee zwiſchen der Anlage und dem Stirnweg.
Auf der Fläche des Hopfengartens unter 1a von
15000 Quadratmeter baut der Militärfiskus eine Kaſerne
für eine Maſchinengewehr=Kompagnie.
Für Erbauung der Kaſerne für ein Bataillon
Infan=
terie iſt das Mittelſtück des Hopfengartens von 40000
Quadratmeter, das iſt der Reſt des von Holzhofallee,
Ringſtraße, Stadtallee und Groß=Gerauer Weg
einge=
ſchloſſenen Teiles des früheren Beſitztums, auserſehen.
Aufgrund eines beſonderen, im Entwurf ebenfalls
ſchon vorliegenden Vertrages baut die Stadt die
Ba=
taillonskaſerne auf dieſen Teil des Hopfengartens,
ver=
mietet Kaſerne und Grundſtück an den Militärfiskus
gegen eine Jahresmiete von 4½ Prozent des
Grundſtücks=
wertes, und in den erſten Jahren 5¼ Prozent, ſpäter
5 Prozent der geſamten durch den Bau entſtandenen
Koſten ſo lange, bis die Aufwendungen der Stadt für die
Kaſerne und der angenommene Grundſtückswert, bei
An=
rechnung von 1 Prozent Tilgung, gedeckt ſind. Dann
gehen Kaſerne und Grundſtück in das Eigentum des
Militärfiskus über.
Nach weiteren, ebenfalls im Entwurf bereits
vorliegenden Verträgen erwirbt die Stadt den dem
Militärfiskus gehörigen Marienplatz, baut auf ihm eine
Garniſonkirche und vermietet dieſe gegen Zahlung von
5 Prozent der Geländeerwerbskoſten und in den erſten
Jahren 5¼ Prozent, ſpäter 5 Prozent aller durch den Bau
entſtandenen Koſten, ebenfalls ſo lange, bis die
Aufwend=
ungen der Stadt, bei Anrechnung von 1 Proz. Tilgung,
gedeckt ſind. Dann gehen die Kirche und das zu ihr zu
rechnende Gelände (einſchließlich Antreteplatz) an den
Militärfiskus über, während der übrige weſtliche Teil des
Marienplatzes der Stadt für Zwecke des öffentlichen
Ver=
kehrs verbleibt.
Zu dem Abkommen im allgemeinen ſei an dieſer Stelle
das Folgende bemerkt:
Bereits in dem der Stadtverordneten=Verſammlung
am 4. Januar d. J. erſtatteten Vortrage hat der
Ober=
bürgermeiſter auf die hohe Bedeutung der vorliegenden
Verträge verwieſen. Die Verträge haben den
Zweck, aus allgemeinen Geſichtspunkten
die Intereſſenſphären der Stadt und der
Militärverwaltung abzugrenzen. In einer
erfreulichen Weiſe iſt es gelungen, die
Frage des Exerzierplatzes in einer Weiſe
zu löſen, die den beiderſeitigen Intereſſen
in der Gegenwart entſpricht. Der
Exek=
zierplatz wird für das in der Stadt
ver=
blleibende Infanterie=Regiment als
Exer=
zierplatz erhalten. Die Breite Allee foll
zu einer ſchönen und würdigen
Eintritts=
ſtraße von dem neuen Hauptbahnhofe in
die Stadt geſtaltet werden. Das Ziel
ſoll dadurch erreicht werden, daß an der
Breiten Allee öffentliche und private
Ge=
bäude in Verbindung mit Annlagen
ent=
ſtehen, die den derzeitigen ſchönen Blick
auf die Bergſtraße erhalten.
Bezüglich der Einzelheiten der Bebauung wird die
ſtädtiſche Verwaltung eine beſondere Vorlage der
Stadtverordneten=Verſammlung demnächſt unterbreiten.
So=
weit dies unter Aufrechterhaltung der ſtädtiſchen Intereſſen
möglich iſt, hat die Stadt die Pflicht, als große
Garniſon=
ſtadt auch die Intereſſen der Militärverwaltung zu
för=
dern. Wenn die Stadt ſich entſchließt, auf ſtädtiſchen
Kre=
dit eine Kaſerne und eine Garniſonkirche zur Ausführung
Nummer 168.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.
Seite 7.
zu bringen, ſo hat ſie hierbei die augenblickliche Belaſtung
des ſtädtiſchen Kredits nicht leicht genommen. Die
Steuerzahler werden in keiner Weiſe belaſtet, zumal das
Reich die Stadt in jeder Weiſe finanziell ſicherſtellt. Da
das Reich bei Erbauung von militäriſchen Bauten
be=
ſtimmte Grundſätze befolgt, die unter Zuſtimmung des
Reichstags feſtgelegt ſind, ſteht die ſtädtiſche Verwaltung
in dieſer Beziehung vor gegebenen Verhältniſſen. Im
übrigen darf doch darauf verwieſen werden, daß
neuer=
dings auch andere Städte, wie z. B. Hanau, Lahr,
Offen=
burg, Freiburg i. Br., Fulda, Perleberg und Babenhauſen,
Kaſernenbauten auf ihre Koſten auf der Grundlage der
vorliegenden Vertragsentwürfe zur Ausführung gebracht
haben. Die Stadtverwaltung hat bei den bisherigen
Vorverhandlungen auch beſonderen Wert darauf gelegt,
daß die Intereſſen der hieſigen Unternehmer und deren
Arbeiter bei Abſchluß und Ausführung der Bauverträge
nach jeder Richtung gewahrt ſind. Sie hat weiter
vorbe=
halten, daß Gas und Waſſer aus den ſtädtiſchen Werken
und im Bedarfsfalle Elektrizität aus den hieſigen Werken
entnommen werden.
Die geſtrige Stadtverordneten=Verſammlung hatte
über die Vorträge zu beſchließen. Ueber die
Verhand=
lungen ſiehe beſonderen Bericht.
Die Stadtverordneten ſtimmten dem Antrage des
Oberbürgermeiſters zu, die Verwaltung zu den weiter
er=
forderlich werdenden Verhandlungen mit dem
Kriegs=
miniſterium zu bevollmächtigen und das Ergebnis der
Schlußverhandlung der Stadtverordneten=Verſammlung
zur Genehmigung vorzulegen.
Handel und Verkehr.
* Berlin, 18. Juli. Die Geſellſchaft für
drahtloſe Telegraphie beabſichtigt, einen
funken=
telegraphiſchen Verkehr zwiſchen Nauen und
Nord=
amerika einzurichten. Zu dieſem Zweck will ſie in der
Nähe von New=York eine große Station bauen, die
auf eine Entfernung von 5500 Kilometer mit Nauen in
Verbindung treten ſoll.
Paris, 18. Juli. Nach einer Blättermeldung
wurden geſtern im Lager bei Reims in Anweſenheit
des Unterſtaatsſekretärs für das Poſt= und
Telegraphie=
weſen Verſuche mit einem von dem Ingenieur
Thi=
bault erfundenen ſehr leichten und ſehr empfindlichen
Taſchentelefunkenapparat vorgenommen. Die
Verſuche hätten trotz der wenig günſtigen
Witterungs=
verhältniſſe befriedigende Reſultate ergeben. Man glaube,
daß der Apparat der Armee und der Marine und
namentlich den Lenkballons und Flugzeugen gute
Dienſte leiſten könne.
Streiks.
* London, 18. Juli. Die Verhandlungen zwiſchen
den Vertretern der Arbeitgeber und den
Strei=
kenden im Londoner Hafen ſind geſtern abend wieder
abgebrochen worden. Die Vertreter der Leute lehnten
die Forderung der Arbeitgeber ab, daß alle
Arbeiter=
kategorien ſofort die Arbeit wieder aufnehmen müßten
und daß alles weitere ſpäteren Verhandlungen
über=
laſſen bleiben müßte. — Die Polizei konfiszierte geſtern
früh in einem Extrazug, der organiſierte Arbeiter nach
Tilbury beförderte, 15 Revolver.
* Bodaibo, 18. Juli. Die erſten Tauſend der
ſtreikenden Arbeiter der Lenagoldwäſchereien
ſind heute mit ihren Familien von hier abgereiſt.
Zwiſchenfälle ſind nicht vorgekommen.
Die Kriſis in der Türkei.
* Konſtantinopel, 17. Juli. Die Demiſ
ſion des Kabinetts iſt verurſacht durch
Schwierig=
keiten, die im letzten Augenblick für die Uebernahme des
Kriegsminiſteriums durch Mahmud Mukhtar Paſcha
erhoben worden ſind, deſſen Bedingungen, namentlich
ſoweit ſie Albanien betreffen, als unannehmbar
ange=
ſehen wurden. Auch die geſtern abend gegebene
De=
miſſion des Marineminiſters hat zum Rücktritt des
Ka=
binetts beigetragen.
* Konſtantinopel, 17. Juli. Das
Demiſ=
ſionsſchreiben des Großweſirs, das von
geſtern datiert iſt, hat folgenden Wortlaut: Sire!
Ob=
wohl Ihr Reich die Gnade Gottes und reiche Quellen
des Lebens beſitzt, obwohl die von gewiſſen Seiten
auf=
getauchten politiſchen Fragen nicht danach ſind,
Beun=
ruhigung einzuflößen, iſt es, wie ich bereits geſtern in
öffentlicher Kammerſitzung klar und deutlich erklärt habe,
unbedingt notwendig, daß die Perſönlichkeit, welche zum
Kriegsminiſter ernannt werden ſoll, unabläßlich ihre
Aufmerkſamkeit der Aufrechterhaltung einer wirklichen
Diſziplin, ſowie der militäriſchen Erziehung der Armee
zuwendet. Unter den drei Perſönlichkeiten, welche die
erforderlichen Eigenſchaften beſitzen und die für das
Kriegsminiſterium in Vorſchlag gebracht wurden, hatten
nun aber zwei über die politiſchen Fragen Anſichten, die
zum Teil mit jenen des gegenwärtigen Kabinetts nicht
übereinſtimmen, während die dritte Perſönlichkeit aus
Schwäche eine ablehnende Antwort gab. Ferner gab
Churſchid Paſcha ſeine Demiſſion als Marineminiſter
und Leiter des Kriegsminiſteriums. Da es auch
un=
möglich iſt, eine geeignete Perſönlichkeit für die
entſpre=
chende Verwaltung der Finanzen des Reiches zu finden
und daher auch dieſes Miniſterium interimiſtiſch
ge=
führt werden muß, und in der Erwägung, daß die
Fort=
dauer der Vakanz dreier wichtiger Miniſterien die
Machtgefährdung des Kabinetts unter allen
Verhält=
niſſen, namentlich aber während des Krieges, behindert,
bitte ich, mich von dem Poſten eines Großweſies zu
ent=
heben.
Der Sultan erwiderte, indem er die von
dem Großweſir und den Miniſterien unter ſchwierigen
Verhältniſſen geleiſteten Dienſte würdigte und ſein
Be=
dauern über die Demiſſion des Kabinetts ausſprach.
Da der Großweſir darauf beharrte, nahm der Sultan
die Demiſſion an und verfügte, daß ſämtliche Mitglieder
des Kabinetts, Churſchid Paſcha einbegriffen, bis zur
Bildung eines neuen Kabinetts die Geſchäfte der
Regier=
ung weiter führen.
* Konſtantinopel, 17. Juli. Obwohl die
De=
miſſion des Kabinetts erſt um 3 Uhr nachmittags
ge=
geben wurde, verbreitete ſich das Gerücht bereits mittags
und rief in der Kammer große
Ueberraſch=
ung hervor. Der Präſident brachte der Kammer
von der Demiſſion Kenntnis und hob die Sitzung auf.
Die Präſidenten der Kammer und des Senats wurden
in das Palais berufen, um an der Beratung über die
Lage teilzunehmen. Der Demiſſion des
Marinemini=
ſters ging eine lange Audienz beim Sultan voraus. Nach
der Demiſſion begab ſich der Großweſir zur Pforts, wo
er noch mit den hervorragendſten demiſſionierten
Mini=
ſtern verhandelte. Die jungtürkiſchen Kreiſe ſcheinen die
Wiederernennung Said Paſchas zu wünſchen.
Gerücht=
weiſe verlautet, daß der türkiſche Botſchafter in London,
Tewfik Paſcha, neuerdings ſondiert wurde, ob er den
Poſten des Großweſirs übernehmen wolle. Es iſt jedoch
wenig Hoffnung vorhanden, daß er den Poſten
an=
nimmt.
In gewiſſen militäriſchen Kreiſen verlautet, daß der
unmittelbare Grund der Demiſſion des Kabinetts die
Haltung der höheren Offiziere des erſten Armeekorps
geweſen ſein ſoll. Hätte das Miniſterium heute nicht
demiſſioniert, ſo wären mehrere höhere Offiziere auf der
Pforte erſchienen, um die Demiſſion des Kabinetts zu
verlangen. Man behauptet, das Komitee ſtütze ſich
nun=
mehr auf die Zöglinge der Militärſchule.
* London, 17. Juli. Parlamentsunterſekretär
Acland erklärte auf die Frage, ob die türkiſche Regierung
beſchloſſen habe, öſterreichiſche, franzöſiſche und engliſche
Fachmänner als Ratgeber und Inſpektoren für das
Mini=
ſterium des Innern zu verpflichten: Die engliſche
Re=
gierung erhielt von der türkiſchen Regierung ein Geſuch,
betreffend die Dienſtleiſtung von drei engliſchen
Unter=
tanen in Verbindung mit der Inſpektionskommiſſion für
das Miniſterium des Innern. Das Geſuch wird jetzt
erwogen. Ich hörte nicht, daß ähnliche Geſuche an
an=
dere Regierungen gerichtet wvorden ſind.
* Konſtantinopel, 17. Juli. Es beſtätigt ſich,
daß der Sultan den Botſchafter in London,
Tew=
fik Paſcha, telegraphiſch von ſeiner Ernennung zum
Großweſir benachrichtigt und ihn aufgefordert hat, nach
Konſtantinopel zu kommen, doch glaubt man, daß dieſer
nicht annehmen wird. Wie es heißt, wird in dieſem
Falle verſucht werden, ein Kabinett unter dem Vorſitze
des Miniſters des Aeußern, Aſſim Bey, der geſtern vom
Sultan empfangen worden iſt, zu bilden. Die
jung=
türkiſche Partei nahm in einer Verſammlung Kenntnis
von dem Rücktritt des Kabinetts und drückte ihr
Erſtau=
nen darüber aus, daß zwei Tage, nachdem die Kammer
faſt einſtimmig dem Kabinett ihr Vertrauen ausſprach,
deſſen Rücktritt erfolgte.
H. B. Konſtantinopel, 18. Juli. Ueber die
Er=
nennung Tewfik Paſchas zum Großweſir wird
von gut unterrichteter Seite mitgeteilt, daß Tewfik das
Großweſirat nicht annehmen wird, weil Freiherr
von Marſchall, der ein alter Freund Tewfiks iſt, jetzt den
Londoner Poſten eben übernommen hat, und auch, weil
das Bleiben Tewfiks in London für die Türkei von
grö=
ßerem Nutzen ſein kann. Die Mehrheitsparteien
be=
ſchloſſen, Said Paſcha wieder zur Neubildung des
Ka=
binetts vorzuſchlagen. Es verlautet, daß, wenn Said
nicht annimmt, Hilmi Paſcha mit der Neubildung des
Kabinetts betraut wird.
Zum Krieg um Tripolis.
* Rom, 17. Juli. Das Kriegsminiſterium
veröffentlicht die Liſte der ottomaniſchen
Kriegs=
gefangenen. Seit Beginn der Feindſeligkeiten ſind
insgeſamt 87 Offiziere, von denen 24 ausgeliefert
wur=
den, 57 Unteroffiziere, 160 Korporale und 1436 Soldaten,
davon 2 ausgeliefert, gefangen genommen worden. Drei
Korporale und 19 Soldaten ſind während der
Gefangen=
ſchaft geſtorben. Die Geſamtzahl der Gefangenen,
aus=
ſchließlich der Ausgelieferten und Geſtorbenen,
be=
trägt 1741.
Literariſches.
Neue Verkehrskarte von
Süddeutſch=
land. Maßſtab 1:800000. 5. Auflage. (Muthſche
Verkehrskarte Nr. 5.) Preis 50 Pfg. Porto 5 Pfg.
Stutt=
gart, Muthſche Verlagshandlung. Die Muthſchen
Ver=
kehrskarten nehmen durch ihre klare und überſichtliche
Anordnung, ſowie durch ihre vorzügliche techniſche
Aus=
führung in vier Farben auf den erſten Blick für ſich ein.
Die jetzt in neuer Auflage uns vorliegende Karte
Süd=
deutſchland dient ſowohl als Verkehrskarte, auf der
ſämtliche Eiſenbahnen durch ſatten Rotdruck ſcharf
her=
vortreten, wie auch als politiſche Karte, da ſich die
Gren=
zen der Staaten deutlich von einander abheben. Die
Ortsangaben ſind überaus reichhaltig.
— Die offizielle Speſſartkarte des
Ver=
eins der Hochſpeſſartfreunde Rothenbuch, gezeichnet von
Hans Ravenſtein, Wegemarkierungen von Hermann
Ritter, iſt ſoeben erſchienen und in allen
Buchhandlun=
gen, ſowie Ludwig Ravenſteins Verlag, Frankfurt a. M.,
erhältlich. Der ſeit Jahren fühlbare Mangel einer guten,
zuverläſſigen Speſſartkarte iſt jetzt beſeitigt. Eine
her=
vorragende Arbeit, ſowohl hinſichtlich des Inhaltes wie
inbezug auf deutliche Lesbarkeit und Klarheit der
Zeich=
nung, iſt geſchaffen. Da trotz der Größe von 60:66
Zentimeter die achtfarbige Karte auf Leinwand mit
rück=
ſeitig aufgedruckten Wanderungen nur 1,80 Mark koſtet,
ſo iſt ihr eine um ſo größere Verbreitung gewiß.
— Was ſoll ich leſen? Darauf gibt die beſte
Aus=
kunft „Die Leſe” die bekannte literariſche Zeitung für
das deutſche Volk, herausgegeben von Dr. Georg
Muſch=
ner in München, die das Organ des großen deutſchen
Leſevereins iſt und in wöchentlichen Heften eine Ausleſe
aus der beſten Literatur der Gegenwart und
Vergangen=
heit bietet. „Die Leſe” iſt das intereſſanteſte
Unterhalt=
ungsblatt für die Familie und dürfte in keinem Hauſe
fehlen. Probenummern verſendet gratis und franko die
Geſchäftsſtelle Stuttgart, Ludwigſtraße 26. Die uns
vor=
liegenden vier letzten Hefte des vorigen Halbjahres ſind
außergewöhnlich kraftvoll und geben einen erfriſchenden
Ueberblick über das wache geiſtige Leben der Zeit. Der
Jahrgang dieſer Wochenſchrift koſtet mit 2 Jahrbüchern
nur 6 Mark.
Im Verlage der Hofbuchhandlung von R. Lupus
in Metz erſchien kürzlich eine kleine Schrift: „Die
ge=
ſchichtliche Entwickelung des Verkehrs in
Elſaß=Lothringen” von Ferdinand
Schey=
rer. Den billigen Preis von 20 Pfg. für die
Erwerb=
ung dieſes neueſten Werkes des Verfaſſers anzulegen
(der ſich u. a. durch die zweibändige Geſchichte der Main=
Neckar=Bahn, die Geſchichte der Revolution in Baden
1848/49, Lebensbilder von Heinrich Stephan und
Fried=
rich Liſt rühmlich bekannt gemacht hat), wird niemand
gereuen, der auch nur einigermaßen Sinn und Intereſſe
für das Wohl und Wehe der ſchönen Reichslande hat.
Auf nur 20 Seiten wird hier ein überaus feſſelndes Bild
der Entwickelung des Verkehrs in allen ſeinen
Bezieh=
ungen gegeben, von den Römerzeiten ab bis auf unſere
Tage. Es werden die Botendienſte, auch die
Metzger=
poſten im 10. Jahrhundert und früher, die Poſtreiter
Landkutſchen, Ordinaripoſten, Diliganzen ebenſo
an=
ſchaulich geſchildert, wie das Telegraphenweſen, der
Fernſprecher und die Schiffahrt, und weiterhin die
Ent=
wickelung des Eiſenbahnweſens mit einem Ausblick auf
die Zukunft der Luftſchiffahrt geſchloſſen. In Darmſtadt
iſt das Schriftchen durch die Heßſche Buchhandlung zu
heziehen.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Hamburg, 18. Juli. Hier traten heute nach der
langen Hitzeperiode Gewitter mit Hagelſchlägen auf.
Die Hagelſchloßen hatten die Größe von Nüſſen.
* Bremen, 18. Juli. Der Dampfer „Großer
Kur=
fürſt” vom Nordd. Lloyd trat heute ſeine
Polar=
fahrt an, die zunächſt an Schottland und Island
ent=
lang gehen ſoll.
* Cetinje, 18. Juli. Nach einer amtlichen Meldung
kam es an der türkiſch=montenegriniſchen Grenze in der
Nähe des Skutariſees geſtern zu einem blutigen
Zuſammenſtoß zwiſchen den
Montenegri=
nern und den türkiſchen Truppen. Zwei auf
montenegriniſchem Gebiet mit Feldarbeiten beſchäftigte
Montenegriner wurden plötzlich aus dem nächſten
tür=
kiſchen Blockhauſe von türkiſchen Soldaten beſchoſſen und
verwundet. Als mehrere Montenegriner zu Hilfe eilten,
wurden 9 von ihnen durch Salven der Türken getötet,
5 ſchwer verletzt. Nachdem die Montenegriner, die
unbe=
waffnet waren, ſich zurückzogen, überſchritten die
türki=
ſchen Soldaten die Grenze und verſtümmelten die
Leichen mit den Bajonetten. Unter der Grenzbevölkerung
herrſcht ungeheure Aufregung.
* New=York, 18. Juli. Die Tribuna meldet aus
Waſhington: Tafts Hilfsſekretär Allen öffnete ein
an Taft gerichtetes Paket, das eine
Höllen=
maſchine mit 6 Pfund Dynamit enthielt. Er erſtickte
die brennende Zündſchnur noch rechtzeitig. Die
Aſſocia=
ted Preß erklärt demgegenüber, daß die Meldung
de=
mentiert ſei.
— Berlin, 18. Juli. Auf der Untergrundbahn=
Neu=
bauſtrecke Kurfürſtendamm explodierte heute
vor=
mittag eine Tynamitpatrone, die anſcheinend
von Pionieren, die hier Sprengarbeiten vorgenommen
hatten, liegen gelaſſen war. Dem Arbeiter Gracyk
wurde der linke Arm ausgeriſſen. Auch ſonſt
ſwurde er ſchwer verletzt.
Chemnitz, 18. Juli. Zwiſchen den Statiohten
Waldheim und Hartha wurde ein Kraftwagen von
einem Eiſenbahnzug angefahren. Das
Au=
tomobil wurde zertrümmert, der Beſitzer ſchwer,
ein Inſaſſe leicht verletzt.
— Croſſen a. O., 18. Juli. Unter dem Verdacht, an
ihrem Mann, dem Wollſpinnereibeſitzer Witzker einen
Giftmordverſuch verübt zu haben, wurde deſſen
Gattin geſtern abend verhaftet.
HI. B. Bad Harzburg, 18. Juli. Geſtern abend gegen
10 Uhr brach auf dem Grundſtück des Hotels Stadt
Ham=
burg Feuer aus in einem hinter dem Hotel gelegenen
Wirtſchaftsgebäude und ſprang dann auf die übrigen
Ge=
bäude und Stallungen über, die völlig niederbrannten.
Der Brand konnte auf ſeinen Herd beſchränkt werden und
die Hotelräumlichkeiten ſelbſt ſind völlig intakt geblieben.
H. B. Wien, 18. Juli. Ein ſchwerer Unfall
durch Kurzſchluß der elektriſchen Leitung ereignete ſich
heute vormittag. In Rothſchen, in der
Metallwaren=
fabrik im 3. Stadtbezirk trat eine Störung im elektriſchen
Maſchinenbetriebe ein, mit deren Behebung vier Arbeiter
beauftragt wurden. Während der Arbeiten ſchoß
plötz=
lich infolge Kurzſchluſſes eine Stichflamme hervor und
alle vier Leute erlitten ſchwere Brandwunden. Die
Ret=
tungsmannſchaft leiſtete den Verletzten die erſte Hilfe
und brachte ſie ins Spital.
H. B. New=York, 18. Juli. Der Profeſſor an der
Techniſchen Hochſchule in Hannover Blum, der ſich auf
der Durchreiſe von Colon nach Deutſchland einige Tage
hier aufhielt, iſt geſtern abend in der 14. Straße auf dem
Wege nach dem Dampfer von einem elektriſchen
Straßen=
bahnwagen geſtürzt und hat einen Schädelbruch erlitten.
Er wurde bewußtlos ins nächſte Hoſpital gebracht. Sein
Zuſtand iſt bedenklich.
Briefkaſten.
Stammtiſch Kranichſteinerſtraße. Im
Bundesrat haben Preußen 17, Bayern 6, Sachſen und
Württemberg je 4, Baden und Heſſen je 3, Mecklenburg=
Schwerin und Braunſchweig je 2, alle übrigen
Bundes=
ſtaaten je 1 Stimme. Jeder Einzelſtaat kann ſoviel
Bevollmächtigte ernennen, als er Stimmen hat.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Der Druck fällt in ganz Europa. Geſtern trat ſchon
Bewölkung ein, jedoch war es bei uns noch trocken.
Heute morgen iſt es vielfach wolkig bei verhältnismäßig
hohen Temperaturen. Die Winde wehen aus
ver=
ſchiedenen Richtungen. Heute ſtehen noch Gewitter
bevor, die einen Witterungsumſchlag vorbereiten.
Ausſichten für Freitag, den 19. Juli 1912:
Wolkig, Regenſchauer, mäßig warm.
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Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.
Nummer 168,
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Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Heute morgen verſchied ſanft unſere Tante
und Schwägerin
(15615
Fräulein
Dorothea Gelfius
im 80. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 18. Juli 1912.
Die Beerdigung findet ſtatt:
Samstag, den 20. Juli, nachmittags 5½ Uhr,
vom Portale des Darmſtädter Friedhofes aus.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Todes=Anzeige.
Geſtern entſchlief in Seeheim ſanft im
62. Lebensjahre nach längerem Leiden unſere
liebe Schweſter, Schwägerin, Tante und
Großtante
(B15578
Fräul. Emilie Werner
Tochter des Geheimen Medizinalrats
Dr. Friedrich Werner.
Wir bitten um ſtille Teilnahme.
Darmſtadt (Grüner Weg 27), Mainz,
Mann=
heim, München und Laubach, am 17. Juli 1912.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
Auguste Werner.
Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. Juli,
um 10 Uhr vormittags, von der Kapelle des
Darmſtädter Friedhofes aus, ſtatt.
Todes=Anzeige.
Heute morgen entſchlief ſanft nach ſchwerem
Leiden unſere gute, treubeſorgte Tante und
Schwägerin
(B15616
Fräulein Anna Hanau.
Margarethe Hanau,
Lisa Hanau, geb. Orthenberger,
Hans Hanau.
Darmſtadt,
Frankfurt a. M., . den 18. Juli 1912.
Berlin,
Die Einäſcherung findet auf Wunſch der
Ver=
ſtorbenen in Offenbach in der Stille ſtatt.
Statt jeder beſonderen Anzeige.
Heute wurde unſere liebe Schweſter,
Schwägerin und Tante
(15593
Frau
Luise Lichthammer
geb. Schmidt
im 91. Lebensjahre von langem, ſchwerem
Leiden durch den Tod erlöſt.
Mit der Bitte um ſtilles Beileid
die irauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, 17. Juli 1912.
Die Beerdigung findet Samstag, den 20. Juli,
vormittags 9 Uhr, vom Eliſabethenſtift aus,
ſtatt.
Dankſagung.
(Statt Karten.)
Hierdurch ſprechen wir Allen, welche uns beim
Hinſcheiden unſeres lieben Sohnes und Bruders
ſo warme Teilnahme bewieſen, ſowie Denjenigen,
die ihn zur letzten Ruheſtätte geleiteten, unſeren
innigſten Dank aus.
(15592
Im Namen der Hinterbliebenen:
Frau Elise Kaiser Wwe.
Darmſtadt, den 18. Juli 1912.
Beſichtigung des Großh.
Reſidenzſchloſ=
ſes: An jedem Wochentage von 3—4 Uhr; Sonntags
von 11—1 Uhr.
Statt jeder beſonderen Anzeige.
Geſtern abend verſchied nach langem,
ſchwerem Leiden unſere liebe Mutter (15589
Frau
Marie Caemmerer
geb. Lennig
im achtzigſten Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Auguſte Caemmerer,
Profeſſor E. Caemmerer mit Frau und
Kindern.
Darmſtadt und
Durlach b. Karlsruhe, den 18. Juli 1912.
Turmbergſtr. 24,
Das Seelenamt wird Samstag, den 20. d. M.,
7 Uhr, in der St. Martinskapelle abgehalten.
Die Beerdigung findet Samstag, den 20. d. M.,
nachm. 3 Uhr, vom Trauerhauſe Herdweg 25
aus, auf dem Darmſtädter Friedhof ſtatt.
Beileidsbeſuche werden mit Dank abgelehnt.
Gottesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 19. Juli:
Vorabendgottesdienſt 7 Uhr 30 Min.
Samstag, den 20. Juli
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min.
Sabatt=
ausgang 9 Uhr 25 Min.
Dienstag (Faſttag Zerſtörung Jeruſalems).
Vorabend 9 Uhr 20 Min. Dienstag morgens 6 Uhr
45 Min., abends 7 Uhr 45 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen
Religions=
geſellſchaft.
Samstag, den 20. Juli:
Vorabend 7 Uhr 35 Min. Morgens 7 Uhr 30 Min.
Nachmittags 5 Uhr. Sabattausgang 9 Uhr 20 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 21. Juli, an:
Morgens 6 Uhr. Nachmittags 7 Uhr 15 Min.
NB. Montag, den 22. Juli: Nachmittags 6 Uhr
15 Min., abends 9 Uhr 15 Min. — Dienstag (Faſten
d. 9 Aw.): Nachmittags 7 Uhr 45 Min.
Tageskalender.
Konzerte: Hugenſchütz’ Felſenkeller um 8 Uhr.
Brauerei Fay um 8 Uhr. — „Perkeo” um 8 Uhr. —
Bürgerkeller um 8 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23): Die
Kaiſerzuſammenkunft in Baltiſchport; zu den
Olympi=
ſchen Spielen in Stockholm; der Düſſeldorfer Hafen,
vom Luftballon aus geſehen; die ruſſiſche Fürſtin
Tſchakowsky, die das Pilotenexamen beſtand.
Gewerbe=Bibliothek u.
Vorbilderſamm=
lung. Der Leſeſaal iſt geöffnet: an allen
Wochen=
tagen von 8½—12½ u. 3—5½ Uhr (Samstag=Mittag
ausgenommen). — Leſeabende: Dienstags und
Frei=
tags, abends von 8—10 Uhr.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: i. V.: Max Streeſe; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus der Geſchäftswelt: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
Kurſe vom 18. Juli 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
InProz.
Zf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,20
3½ Deutſche Reichsanl. . 90,00
3
80,10
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,00
90,10
3½ do. Conſols
80,00
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,00
93,00
do.
3½
85,60
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,50
do.
88,20
3½
do.
3
4 Hamburger Staatsanl. 100,30
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99,90
4 do. do. (unk. 1918) 100,10
3½
88,10
do.
do.
3
77,90
3 Sächſiſche Rente . . . . 80,20
4 Württemberger v. 1907 100, 10
do. v. 1875 95,00
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887 54,30
3¾ Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 91,20
4 do. Goldrente . . . 96,20
4 do. einheitl. Rente 87,90
3 Portug. unif. Serie I 63½
3 do. unif. Ser. III 66,50
3 do. Spezial
9,80
5 Rumänier v. 1903 . . 101,50
4 do. v. 1890
4 do. v. 1905 . . 91,79
4 Ruſſen p. 1880 . . . . 90,30
4 do. v. 1902
90,80
4½ do. v. 1905 . . . . 100,60
94,75
3½ Schweden .
4 Serbier amort. v. 1895 85,30
4 Türk. Admin. v. 1903 82,30
4 Türk. unifiz. v. 1903 89,30
4 Ungar. Goldrente . . . 90,80
4 de. Staatsrente . . . 88,.50.
Zf.
InProz.
5 Argentinier .
.100,80
4
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 94,00
5 Chineſ. Staatsanleihe. —
4½
do.
93,60
4½ Japaner . . .
94,70
5 Innere Mexikaner . . . 95,20
do.
60,00
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,40
5 Gold=Mexikaner . . .
3 Buenos Aires Provinz 71,40
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt . . . . . . . 142,20
5 Nordd. Lloyd . . . . 118,80
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 124,30
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 113,50
8 Baltimore und Ohio . 107½
6½ Schantungbahn . . . 130½
6½ Luxemb. Prince Henri 158,00
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 19,40
6 Pennſylvania R. R. . 121,90
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger . .
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik
. 518,50
14 Chem. Fabrik
Gries=
heim
. 259,25
30 Farbwerke Höchſt . . 642,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim .
10 Cement Heidelberg . 154,00
30 Chem. Werke Albert 460,40
12½ Holzverkohlung
Kon=
ſtanz
.. . . 316,00
4 Lahmeyer .
. .126,00
In Proz
Letzte
Divid.
7½Schuchert, Nürnberg 161,10
12 Siemens & Halske . 240,00
5 Bergmann Electr. .
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 168,10
0 Gummi Peter . . . . 123,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 126,25
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 539,75
10 Maſchinenf. Badenia
6 Wittener Stahlröhren 219,00
8 Steana Romana Petr. 140,75
15 Zellſtoff Waldhof . . 236,40
12½ Bad. Zucker=Wag=
.. 223,00
häuſel . .
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 120,50
3 Südd. Immobilien . 69,00
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 189,00
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 234,90
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 174,00
10 Gelſenkirchener . . . . 192,00
188,50
8 Harpener .
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 263,25
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
81,75
Caro. . .
4 Laurahütte . . . . . . 173,60
10 Kaliwerke Aſchersleben
Weſteregeln 194,00
7½ South Weſt Africa 142,60
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 88,10
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 94,70
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 90,00
3 Prag=Duxer . . . . . . 75,20
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn . 94,25
78,40
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,75
In Proz.
Bf.
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 76,40
do.
53,50
3 Raab=Oedenburg
76,80
4 Kronprinz Rudolfbahn 93,50
4 Ruſſ. Südweſt.
89,00
4½ Moskau=Kafan
96,70
do.
4 Wladichawchas
88,90
4 Rjäſan Koslow .
89,20
3 Portugieſ. Eiſenb.
74,40
do.
90,00
2¼/10 Livorneſer . . . . . 68,30
3 Salonique=Monaſtir 63,50
4 Bagdadbahn .
83,80
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 96,90
4 Miſſouri=Pacific.
71,40
4 Northern=Pacific
100,00
4 Southern=Pacific
95,00
5 St. Louis und San
87,75
Francisco. .
5 Tehuantepec
. . . 98,70
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 198,25
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn . . . . . . . 150,75
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 167½
6½ Darmſtädter Bank . 121,90
12½ Deutſche Bank . . . 254,70
6 Deutſche Vereinsbank . 124,50
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 117,10
10 Diskonto=Kommandit 187,00
½ Dresdener Bank . . 154,00
9½ Frankf. Hypoth.=B. 216,00
6½ Mitteld. Kreditbank 119,00
7 Nationalb. für Deutſchl. 123,00
7 Pfälziſche Bank . . . . 128,75
5.86 Reichsbank . . . . 135,00
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,20
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 125,50
Wiener Bankverein . 134½
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 98,30
R. Pfandbriefe. InProz.
8½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 89,10
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 15—19, 21—26 97,50
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,00
88,00
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 100,20
89,20
do.
8½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
99,80
S. 14, 15, 17, 24/26
18—29 . .
99,90
½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—8
89,20
S. 3—5 .
89,00
S. 9—11
89,10
4 Meininger Hyp.=Bank 99,20
do.
88,30
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 97,80
do. (unk. 1914) . . 88,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,90
do.
8½
89,40
Städte=
Obligationen.
Darmſtadt . . . . . § 98,50
8½ do.
4 Frankfurt.
100,20
B½ do.
92,80
4 Gießen .
99,00
8½ do.
89,00
4 Heidelberg
99,60
8½ do.
88,30
4 Karlsruhe
8½ do.
89,00
4 Magdeburg.
99,10
½ do.
4 Mainz
99,00
3½ do.
90,00
4 Mannheim
99,20
3½ do.
4 München .
98,70
3½ Nauheim
Nürnberg.
100,00
3
do.
-
4 Offenbach.
In Proz.
3f.
88,20
3½ Offenbach .
4 Wiesbaden .
99,60
3½ do.
4 Worms.
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888 „ 79,00
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100 124,10
3½ Cöln=Mindner , 100 134,50
3 Holl. Komm. . fl. 100 108,70
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.=
Pfand=
briefe . . . . . . . 135,30
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 173,00
3 Oldenburger . . . . . . 125,50
2½ Raab=Grazer fl. 150 137,70
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
.ſl. 7
Augsburger . .
Braunſchweiger Tlr. 20 197,00
Freiburger .
Fs. 15 74,90
Mailänder
Fs. 45
Fs. 10
do.
fl. 7
Meininger .
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 515,00
do. v. 1858 fl. 100 454,00
Ungar. Staats . . fl. 100
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 172,20
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns
20,42
20 Franks=Stücke .
16,31
4,18½
Amerikaniſche Noten
20,46
Engliſche Noten .
81,20
Franzöſiſche Noten.
169,70
Holländiſche Noten.
80,20
Italieniſche Noten
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,95
Ruſſiſche Noten .
81,05
Schweizer Noten . . .
Reichsbank=Diskonto . .
Reichsbank=Bombard 34 5½
hr gut erh. Kinderwag. zu verk
*1437) Rhönring 93, 2. St.
Seite 9.
Weiblich
Tücht. brauchekund.
Verkäuferin
längere Jahre in größeren, feinen
Schuhgeſchäften tätig, ſucht Stelle
als I. Verkäuferin oder
Filial-
leiterin. Offerten unter C 31
an die Exp.
(*1487
Durchaus perf. Bügl., hat Tage
frei. la Ref. Wenckſtr. 7, pt. (*1222idf
Weißzeugnäherin, auch tüchtig
im Ausbeſſern, nimmt noch Kund.
an. Berta Neßling, gewerbsmäßige
Stellenvermittlerin, Ludwigstr. 8. (*1482
Junge ſaubere Frau ſucht
Lauf=
dienſt Fuhrmannſtr. 3. (*1444
Jung., fleiß, ehrl. Mädchen ſucht
tagsüb. Beſchäft., geht auch als
Aus=
hilfe. Näh. Kl. Ochſengaſſe 13. (*1439
Jung. Fräul. ſ. Stelle zu einem
od. 2 kleinen Kindern bei beſſerer
Familie. Leichte Hausarbeiten
wer=
den mit verrichtet. Offerten unter
C 26 an die Exped. (*1478fs
Junges Fraut, weiches ſich in
Kochen und in der Haushaltung
auszubilden wünſcht, ſucht paſſende
Stelle in beſſerer Familie, event.
ohne gegenſeitige Vergütung. Off.
unt. C 25 an die Exp. (*1475fs
Junges Mädchen ſucht
Aus=
hilfsſtelle von morgens 7 bis
abends 7 Uhr. Steinmann,
Gärtnerei, Klappacherſtr. 64. (15585fs
Frau geht halbe Tage waſchen
und putzen Kirchſtr. 4, Htb. (*1459
Beſſere Frau wünſcht mit Kind.
nachmittags auszugehen. Offerten
unter C 23 an die Exp. (*1450
Fräulein ſucht ſofort
Aushil=
ſtellung bis 1. Auguſt. Off. unt.
C 32 an die Exp. (*1486
Sehr gut empfohl. älteres Mädch.,
welch. fein bürgerl. koch. k., ſucht bis
nach d. Spülen, Beſchäftigung. (*1453
Emma Frank, gewerbsmäßige
Stellenvermittlerin, Karlſtr. 31.
Einf. Kinderfrl., welch. Kenntn.
im Franzöſ., ſow. Nähen u. Büg.
beſitzt, ſucht Stelle tagsüber zu 1
od. 2 Kindern. Off. unter M. E.
Marthahaus, Darmstadt. (*1499
Männlien
Techniker
Baugew.=Schul=ſowie
Hochſchul=
bildung, ſucht per ſofort auf techn.
Büro Stellung gegen mäß. Gehalt.
Off. u. C 4 a. d. Exp. (*1410df
Ein tüchtiger Gartenarbeiter,
mit allen Arbeiten vertraut, ſucht
Stellung. Wo? ſagt d. Exp. (*1489
Ofene Stellen
Welblich
Fräulein oder Herr
perfekt in Stenographie nach Diktat
und Schreibmaſchine per ſof. für
dauernd geſucht. Off. unt. Chiffer
C 33 an die Exp.
(*1496fs
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Putz-Atelier
ſuchen
II. Zuarbeiterin
zum Eintritt per 1. Sept.
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15153a) Markt 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.
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schwarz und maccofarbig
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. Paar 28 ₰
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45 und 50 cm lang
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s zu jedem annehmbaren Preise.
Geseld
Lehrmädchen
aus achtbarer Familie per ſofort
geſucht Schuhhaus Neptun,
(*1403df
Marktplatz.
Ein in der gut bürgerl. Küche
gewandtes, wie auch mit allen
Hausarbeiten vertrautes, fleißiges
Mädchen, nicht unter 20 Jahren,
in guten Haushalt von 2 Perſonen
zum 1. Oktober geſucht.
Haus=
mädchen wird gehalten.
Haupt=
bedingung gute Zeugniſſe bei
ent=
ſprechendem Gehalt. Mit
Zeug=
niſſen zu melden Heinrichſtr. 16,
(15074t
parterre.
Zum 1. Auguſt eine
Herrſchafts=
köchin geſucht oder eine Stütze, die
gut kochen und einmachen kann.
Frau von Linsingen
*1095omf) Alsbach a. d. B.
Ein Mädch. zu ein. Dame ges., ein Mädch.,
das koch. k., zu 2 Leuten, sehr gute Stelle,
hoh. Lohn. Frau Susanna Röse, gewerbsmäßige
Stellenvermittlerin, Kiesstr. 35, I. (*1474
Aelt. unabh. Mädch. od. Frau in
mutterl. Haush. ſof. geſ. Näh. b.
Fr. Hein, Gartenſtr. 12. (*1480fs
2 tüchtige Servierfräulein
ſofort geſucht (*1468fs
Obergaſſe 3 (Ratskeller).
Unpartelischer Arbeitsnachweis Darmstadt
Grafenſtraße 30, part. (Tele=
1. Gewerbliche Abteilung, phon Nr. 371). — Geſchäfts=
ſtunden von 8—12½ Uhr und von 2½—6 Uhr.
Allgemeiner unentgeltlicher Nachweis für Arbeitgeber
und Arbeitnehmer.
Waldſtraße 6, Zimmer Nr. 6
2. Dienſtboten=Abteilung, (Telephon Nr. 371). —
Geſchäfts=
ſtunden von 8—12 Uhr und von 3—6 Uhr.
(12980a
Von den Herrſchaften wird eine Einſchreibgebühr von
20 Pfg. und eine Vermittlungsgebühr von 1 Mk. erhoben.
Für Dienſtboten iſt die Benutzung der Abteilung koſtenlos.
Zentralanſtalt für Arbeits= und Wohnungsnachweis.
Ordentl. Monatsfrau geſucht
EinfacheHaushälterin Heidelbergerſtraße 75. (B15601
oder älteres beſſ. Alleinmädchen,
ſelbſtänd. und erfahren im Kochen
und aller Hausarbeit, zu Mitte
Auguſt geſucht. Gehalt 25—30 Mk.
Vorzuſtellen zwiſch. ½ 12 u. ½ 7 Uhr
Hobrechtſtraße 5, 2. Stock. (*1430
Laufmädchen für 4 Wochen
zur Aushilfe geſucht.
B15602) Mathildenſtr. 54, I.
Ein nicht zu junges gut
em=
pfohlenes Dienſtmädchen v. einer
Dame bis zum 1. oder 15. Auguſt
geſucht Martinsſtr. 48. (B15582
Junges Mädchen vom Lande
zur Beihilfe im Haushalt geſucht.
N. Grafenſtr. 18, III. I., vorm. (*1456fs
Ein Laufmädchen ſofort geſucht
Bauer, Gerviniusſtr. 49, I. (*1466
Laufmädchen tagsüber geſucht
Heidelbergerſtr. 59, 1. St. (*1493
u. Aushilfs=
Kochinnen köchin, feine
Hausmädchen ꝛc. geſucht. Emma
Frank, gewerbsmäßige
Stellen=
vermittlerin, Karlſtr. 31. (*1454
Männlich
Künſtl.beſchigte, praktiſcherſahrene
Innenarchitekten
in dauernde Stellung geſ. (*1435
Pref. Albin Müller, Künſtlerkolonie.
In all. Orten (Kreis
Existenl. Darmſt.) richte f. tägl.
verl. Konſumartik. Verſandſtelle ein.
Off. unt. C34 an die Exp. (*1498
durchaus prakt. erfahren (ledig),
nach auswärts per ſofort geſucht.
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Arch. L. Schäfer, Seitersweg 11. (14984a
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Offene Stellen enthält ſtets die
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Schriftl. Proſp. frei durch Adr.=
Verlag ,,Germania‟, Friedenau. (*1497
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Kopiermaſchinen ꝛc. tadellos
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Seite 10,
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.
Nummer 168.
Sitzung der Großh. Handelskammer Darmſtadt
vom 15. Juli.
Der Voranſchlag der Handelskammer
nebſt der Kaufmänniſchen
Fortbildungs=
ſchule Darmſtadt für das Jahr 1912 beträgt 52378
Mark. Davon entfallen unter Einrechnung des
Betriebs=
fonds in Höhe von 8888 Mark auf die Handelskammer
38378 Mark und auf die Kaufmänniſche
Fortbildungs=
ſchule 13900 Mark.
Zum Handelsſachverſtändigen bei dem
Kaiſerl Generalkonſulat in Yokohama iſt der bisherige
Gewerbeaſſeſſor Dr. Neumeiſter ernannt worden.
Der Ausſchuß des Deutſchen Handelstages hatte
über den Schutz der Arbeitswilligen bei
Streiks verhandelt und die deutſchen Handelskammern
aufgefordert, über ihre diesbezüglichen Erfahrungen zu
berichten. Es wurde beſchloſſen, zu antworten, daß nach
Anſicht der Kammer eine Verſchärfung der beſtehenden
geſetzlichen Beſtimmungen oder gar der Erlaß eines
be=
ſonderen Geſetzes zum Schutze der Arbeitswilligen nicht
nötig ſei. Durch § 153 der Gewerbeordnung und durch
die Polizeiverordnungen über die Regelung des
Ver=
kehrs erſcheint der Schutz der Arbeitswilligen hinreichend
gewährleiſtet, wenn die betreffenden Beſtimmungen nur
zu entſchiedener Anwendung gelangen. Gewünſcht wird
ſeitens der Kammer, es möchten die Polizeibeamten bei
jedem Streik von neuem darauf hingewieſen werden, daß
ſie rechtzeitig zum Schutze der Arbeitswilligen
eingrei=
fen. Weiter empfiehlt es ſich nach Anſicht der Kammer,
daß bei einem Streik ſowohl die Arbeitswilligen wie
Streikende oder ausgeſperrte Arbeiter durch öffentliche
Bekanntmachung auf die geſetzlichen Beſtimmungen
auf=
merkſam gemacht werden und dafür Sorge getragen
wird, daß jede Verletzung dieſer Beſtimmungen zwecks
Beſtrafung der Schuldigen zur Anzeige gebracht wird.
Den heſſiſchen Handelskammern war der Entwurf
eines Geſetzes zur Aenderung der §§ 74, 75 und des
§ 76 Abſ. 1 des Handelsgeſetzbuches vorgelegt worden,
welcher ſich mit der Abänderung der
Konkur=
renzklauſel beſchäftigt. Die Handelskammer hatte
zu dieſer Angelegenheit bereits früher gemelnſam mit
den übrigen heſſiſchen Handelskammern Stellung
genom=
men. Zu dem vorliegenden Geſetzentwurf wurde dem
Großh. Miniſterium des Innern wiederum eine
gemein=
ſame Antwort der heſſiſchen Handelskammern
unterbrei=
tet, welche an deren früherer Stellungnahme feſthält.
Dieſe Stellungnahme findet ſich im Jahresbericht der
Handelskammer Darmſtadt über 1910 Seite 89—102.
Auf Veranlaſſung der Handelskammer iſt ſeitens des
heſſiſchen Handelskammertages eine gemeinſame
Vor=
ſtellung an den Deutſchen Handelstag gegen die vom
Reichsbankdirektorium geplanten
Maß=
nahmen bezüglich Hebung des
bargeld=
loſen Zahlungsverkehrs gerichtet worden. Es
hat das Reichsbankdirektorium ſeine Bau= und
Verwal=
tungsabteilung angewieſen, zukünftig bei Anſchaffungen
aller Art nur noch mit ſolchen Lieferanten in
Geſchäfts=
verbindung zu bleiben oder zu treten, die ſich zur
Ein=
richtung eines Bank= oder Poſtſcheckkontos bereit
erklä=
ren, und die Bankanſtalten aufgefordert, ebenſo zu
ver=
fahren, ſoweit es nach den örtlichen Verhältniſſen
an=
gängig erſcheint.
Beim Deutſchen Handelstage war beantragt worden,
es möchte der Erlaß einer Beſtimmung erwirkt werden,
wonach die in offenen Stücken feilgebotene
Seife nur in Gewichtseinheiten von 125, 250
und 500 Gr. unter Zulaſſung einer Fehlergrenze
von 10 Prozent zum Verkauf kommen dürfe. Es wurde
beſchlloſſen, ſich gegen eine derartige Beſtimmung als
praktiſch undurchführbar auszuſprechen, da in der
Sei=
fenfabrikation lediglich Toiletteſeifen in Stücken von den
verſchiedenartigſten Größen hergeſtellt werden, welche
jedoch, dem Wunſche des kaufenden Publikums
entſpre=
chend, in bedeutend geringern Gewichtseinheiten,
näm=
lich ſchon von etwa 60 Gr. an, in den Handel gelangen.
Haushaltungsſeifen werden teilweiſe in Stücken,
teil=
weiſe in Riegeln hergeſtellt. Es iſt jedoch unmöglich,
einen Unterſchied in dem Verkauf von Toilette= und
Haushaltungsſeifen zu machen, da vom kaufenden
Pu=
blikum zahlreiche Haushaltungsſeifen auch als
Toilette=
ſeifen gekauft und verwendet werden. Ebenſo
unmög=
lich iſt die Durchführung einer Fehlergrenze von 10
Prozent, da der natürliche Waſſergehalt, welcher bei den
beſten Seifen 28—30 Prozent beträgt, unter Umſtänden,
hauptſächlich bei längerem Lagern, eine höhere
Fehler=
grenze als 10 Prozent bedingt. Je nach der Art der
Seife können es zuerſt vielleicht 10 Prozent und nach
längerer Zeit noch weitere 7—8 Prozent Gewichtsverluſt
ſſein.
Auf Grund einer Rundfrage des Deutſchen
Handels=
tages ſprach ſich die Handelskammer dahin aus, ſie ſei
der Anſicht, daß die Beſtimmungen der
Ge=
werbeordnung über das
Auskunfts=
weſen auf das Schärfſte gehandhabt werden müßten
Die in Bayern getroffenen beſonderen Beſtimmungen
ſtellen eine recht brauchbare Grundlage zur
befriedigen=
den Regelung des Auskunftsweſens dar. Im Gegenſatz
zu den dort erlaſſenen Beſtimmungen wünſcht die
Han=
delskammer jedoch eine gleichartige ſcharfe Kontrolle
für ſämtliche kaufmänniſche Auskunfteien
Von ſeiten des Großh. Kreisamtes Darmſtadt wird
darüber Klage geführt, daß die Anträge wegen
Aus=
ſtellung der Legitimationskarten für
Handlungsreiſende oftmals ſo ſpät geſtellt
wür=
den, daß nicht genügend Zeit zur Prüfung der Anträge
übrig bleibe. Nach Prüfung der Angelegenheit ſieht
ück=
die Handelskammer veranlaßt, die intereſſierten Firmen
zu erſuchen, ſie möchten ihre Anträge auf Ausſtellung
von Legitimationskarten, deren Prüfung etwa 5—4
Tage beträgt, rechtzeitia ſtellen. Dies kann ſchon jeweils
Anfang Dezember für das folgende Jahr geſchehen.
In Uebereinſtimmung mit dem Bunde der
Indu=
ſtriellen in Berlin ſteht die Handelskammer auf dem
Standpunkt, daß eine Aenderung der Vorſchriften des
§ 10 der Poſtordnung, welcher aufgegebene
Waren=
muſter als Warenproben zulaſſen ſoll, ſehr
er=
wünſcht iſt, da die jetzigen Beſtimmungen unzeitgemäß
ſind und nicht mehr den gegenwärtigen
Verkehrsverhält=
niſſen entſprechen. Es ſoll eine diesbezügliche
gemein=
ſame Vorſtellung bei der Poſtverwaltung ſtattfinden.
Eine Anfrage des Deutſchen Handelstages wegen
Telegrammperſtümmelung im Verkehr
mit den Vereinigten Staaten von Amerika
iſt dahin beantwortet worden, daß auch im
Handels=
kammerbezirk verſchiedene Firmen Anlaß zu derartigen
Klagen hätten. Hierbei handelte es ſich verſchiedentlich
um eine ganze Reihe von Vorkommniſſen. Alle
Rekla=
mationen ſind erfolglos, da von ſeiten der Verwaltung
jede Verantwortlichkeit abgelehnt wird. Beſondere
Kla=
gen ſind darüber laut geworden, daß in den letzten
Jahren Verſtümmelungen von Kabeltelegrammen
vorge=
kommen ſeien, welche in verabredeter Sprache abgefaßt
waren. Der Deutſche Handelstag wurde gebeten, dieſe
Angelegenheit weiter zu verfolgen.
Im Anſchluß an eine Sitzung der Kommiſſion für
Verkehrsweſen der Handelskammer war an die königl.
preußiſche und großh. heſſiſche Eiſenbahndirektion Mainz
eine längere Eingabe wegen der Wünſche für den
kommenden Winterfahrplan gerichtet
wor=
den. In mündlicher Erörterung mit dem Herrn
Fahr=
plandezernenten genannter Eiſenbahndirektion wurde
eine Anzahl von Verkehrsverbeſſerungen in Ausſicht
ge=
ſtellt. Beſonderes Augenmerk richtete die
Handelskam=
mer auf die Durchführung direkter Verbindungen von
dem Süden Deutſchlands über Heidelberg, Darmſtadt,
Mainz nach den rechtsrheiniſchen Stationen und
umge=
kehrt. Weiter ſollen die außerordentlich langen
Fahr=
zeiten auf der Strecke Aſchaffenburg-Darmſtadt-Mainz
und umgekehrt möglichſt verkürzt werden. Beſonders iſt
es erwünſcht, daß der Zug 639 Darmſtadt-Mainz, ab
Darmſtadt 9,30 Uhr vormittags, einen Anſchluß an die
günſtige Vormittagsfernverbindung nach Köln über
Wiesbaden erlangt. Auch die Verbindung von
Darm=
ſtadt nach Rheinheſſen ſoll durch Herſtellung beſſerer
An=
ſchlüſſe vervollkommnet werden. Weiter wünſcht die
Handelskammer eine Ausgeſtaltung der direkten
Ver=
bindungen Darmſtadt-Worms und umgekehrſt.
Ins=
beſondere iſt gemeinſam mit der Handelskammer Worms
der Antrag geſtellt worden, auf Durchführung der
Eil=
züge 80 und 81 Darmſtadt-Worms von Worms nach
Kaiſerslautern bezw. Biebermühle-Pirmafens.
Außer=
dem wurden einige weitere Zugverbindungen auf der
Strecke Stockſtadt-Gernsheim und Darmſtadt=Oſt-
Nie=
der=Ramſtadt im Intereſſe des Schüler= bezw.
Arbei=
terverkehrs befürwortet. Die Anſchlüſſe in Bensheim-
Worms an die Riedbahn werden einer eingehenden
Prü=
fung unſterzogen. Auch mit der Generaldirektion der
badiſchen Staatseiſenbahnen in Karlsruhe wurde ſowohl
ſchriftlich wie mündlich wegen Zugverbeſſerungen auf der
Strecke Wimpfen-Jagſtfeld nach Heilbronn-Stuttgart
bezw. Eberbach-Heidelberg und umgekehrt verhandelt.
Endlich ſtrebt die Handelskammer die Wiederherſtellung
einer direkten Vormittags=Schnellzugsverbindung mit
Stuttgart, wie ſie bis zum 1. Mai 1911 beſtanden hat, an.
Der von der Handelskammer beantragte Bau von
Bahnſteighallen auf dem neuen Bahnhof
Bensheim wurde ſeitens der Eiſenbahndirektion
Mainz zugeſagt.
Seitens des königl. Eiſenbahn=Zentralamtes in
Berlin wird auf den rechtzeitigen Bezug von
Maſſengütern für den Herbſt aufmerkſam
ge=
macht. Es wird betont, daß der Güterverkehr auf der
Eiſenbahn andauernd bei guten Ernteausſichten und
günſtiger Wirtſchaftslage ſehr lebhaft iſt. Infolgedeſſen
werden im kommenden Herbſt, beſonders im Oktober
und November, wieder große Anſprüche an die
Leiſtungs=
fähigkeit der Eiſenbahn geſtellt werden. Zur Milderung
der Geſtellungsſchwierigkeiten von Wagen im Herbſte
erſcheint es wünſchenswert, daß Maſſengüter, wie
be=
ſonders Düngemittel und Kohlen, tunlich ſchon jetzt
be=
zogen werden.
Eine Anfrage der Eiſenbahndirektion Mainz wegen
der eventuellen Weitergewährung des
Ausnahme=
tarifs für Fleiſch von friſch
geſchlachte=
tem Vieh nach dem 31. Dezember 1912 wurde dahin
zu beantworten beſchloſſen, daß die Verhältniſſe, die
ſei=
nerzeit zur Einführung und ſpäter zur Verlängerung
des Ausnahmetarifs geführt haben, gegenwärtig in
vielfach noch verſchärftem Maße beſtehen und ſehr
wahrſcheinlich auch für die folgenden Jahre die aleichen
hleiben werden. Es ſei daher dringend erwünſcht, daß
dem deutſchen konſumierenden Publikum auch für die
Zukunft einigermaßen erträgliche Fleiſchpreiſe
gewähr=
leiſtet werden.
Die Anfrage der Generaldirektion der ſächſiſchen
Staatseiſenbahnen wegen der Fracht für
Leder=
abſchnitzel und Spaltabfälle wurde dahin
beantwortet, daß für Lederabſchnitzel und Spaltabfälle,
welche zur Verwendung von Lederwaren nicht mehr
ge=
eignet ſind und nur noch für die Kunſtdüngerfabrikation
in Betracht kommen, bei der Geringwertiakeit dieſer
Produkte eine Verfrachtung nur nach Speeialtarif 2 in
Frage kommen könne. Eine Verwendung dieſer Abfäl
zur Verfertigung von Lederwaren, wie z. B.
Verdich=
tungsringe uſw ſei nur in geringem Maße vorhanden,
jedoch ſei hier eine Verfrachtung nach Spezialtarif 2
er=
träglich, während eine Verfrachtung der übrigen Abfälle
nach dieſem Tarife den Verſand derſelben vollſtänd
unmöglich mache.
Der Verband deutſcher Kachelofenfabrikanten hat bei
der Generaldirektion der ſächſiſchen Staatseiſenbahnen
eine Verſetzung der Ofenkacheln in den
Spezialtarif 3 beantragt. Die Handelskammer
befürwortete dieſe Frachtberabſetzung, indem ſie
gleich=
zeitig der Anſicht Ausdruck verlieh, es werde dadurch
eine weſentliche Verſchiebung der Abſatzverhältniſſe nicht
eintreten.
Sport.
* Pferdeſport. Rennen zu Hoppegarten.
Preis von Friedrichshagen; 5000 Mark, Diſtanz 1000
Meter: 1. Herrn E. F. Guetſchows Roſenkavalier
(Raſtenberger), 2. Otter (Spear), 3. Jutta (F. Bullock).
Tot. 16:10. — Zierow=Handikap; 5000 Mark, Diſtanz
2400 Meter: 1. Herrn G. von Lippas Maſter (F. Bullock),
2. Lord Mayor (Shurgold), 3. Aeronaut (Evans). Tot.
3810. — Aſpirant=Rennen; 5000 Mark, Diſtanz 1000
Meter: 1. Herrn E. Dyckhoffs Quart (Mac Dermont),
2. Courſchleppe (Spear), 3. Prinzgemahl (Schläfke). Tot.
24:10. — Maria=Rennen; 9600 Mark, Diſtanz 1800 Meter:
1. Herrn J. Beutlers Rex II (Raſtenberger). 2. Loge
(Liſter), 3. Mansfeld (Evans). Tot. 92:10. — Müggel=
Rennen; 3800 Mark, Diſtanz 1200 Meter: 1. Herrn v.
Fo=
rells Bilbao (Casper), 2. Hellia (Bach), 3. Roſa (
Schef=
fer). Tot. 89110. — Herdringen=Rennen; 5000 Mark,
Diſtanz 1600 Meter: 1. Herrn R. v. Wallenbergs Haſard
(O. Müller),2 Pelleas (Fox), 3. Tiefland (Lane.) Tot.
19:10. — Hoffnungs=Preis; 9600 Mark, Diſtanz 1200
Meter: 1. Herren A. und C. v. Weinbergs Metaſtaſio
(Fox), 2. Pro Patria (Schläfke), 3. Kröſus (Lane).
Tot. 15:10.
* Radſport. Rütt=Stol, die bekannte
Sechstage=
mannſchaft, gewann in Charleroi ein
Vierſtunden=
mannſchaftsfahren überlegen gegen die Franzoſen
Char=
ron=Rouſſeau. — Den Großen Preis von Breſt für
Flieger landete Hourlier vor Fournous und P. Didier.
Pouchois Stephani und Appelhans waren geſtürzt. Im
Tandemfahren ſiegten Fournous=Didier vor Michaud=
Martin und Gebr. Couſeau.
* Das internktionale Schachmeiſter=Turnier in
Bres=
lau wurde mit der zweiten Runde fortgeſetzt. Es ſiegten
Perlis=Hannover gegen Spielmann=München, Marſchall=
Amerika gegen Balla=Ungarn, Erich Cohn=Berlin gegen
Mieſes=Leipzig. Lewitzky=Rußland gegen Lowitzky=
Leip=
zig, Breyer=Ungarn gegen Przepiorka=München.
Wäh=
rend dieſe ſämtlich von den Anziehenden gewonnen
wurden, ſiegte im Nachzuge Rubinſtein=Warſchau gegen
Burns=England, Tarraſch=Nürnberg gegen Teichmann=
Berlin. Remis wurden die beiden Partien Schlechter=
Wichn gegen Duras=Prag und Baraſh=Ungarn gegen
Treybach=Ungarn. Die veiden Hängepartien der erſten
Runde ſind gleichfalls entſchieden. Teichmann ſiegte
gegen Treybach und Marſchall gegen Tarraſch.
* Das itternationale Lawn=Tennis=Turnier des
Oft=
preußiſchen Lawn=Tennis=Turnier=Verbandes in Cranz=
Weſtende fand ſeinen Abſchluß. Im Herren=Einzelſpiel
um den Kaiſer=Preis ſiegte H. Schomburgk=Leipzig,
ebenſo im Herren=Einzelſpiel um die Meiſterſchaften von
Weſtende und im Herren=Einzelſpiel um den Baltiſchen
Gold=Pokal. Das Damen=Einzelſpiel um die
Meiſter=
ſchaft von Weſtende gewann Fräulein Köttgen=Berlin.
Mit Scheiffler=Berlin als Partner gewann ſie auch das
gemiſchte Doppelſpiel. Auch das Damen=Einzelſpiel mit:
Vorgabe konnte ſie trotz eines Handikaps von — 50 gegen
Fräulein Kaminsky=Königsberg (— 30%) gewinnen. An
Schomburgk fiel ferner noch das Herren=Doppelſpiel das
er mit Reißland=Leipzig zuſammen gewann.
Literariſches.
Reiſeliteratur. Das
Internatio=
nale Oeffentliche Verkehrsbureau in
Ber=
lin, Unter den Linden 14, hat folgende Broſchüren
herausgegeben: „Bayern als Touriſtenland”.
„Schweiz”, Touriſtenkarte in Reliefform 1:650000.
„Badnerland” Ueberſendung erfolgt an
Intereſſen=
ten koſtenlos. — Wegekarte durch den
weſt=
lichen Taunus und das Rheingaugebirge. Soeben
iſt die vom „Rhein= und Taunusklub Wiesbaden”
heraus=
gegebene Karte in 14. Auflage erſchienen, wodurch dieſe
beliebte Karte in 35000 Eremplaren verbreitet wird.
Gegen die früheren Auflagen wurde das Gebiet ganz
erheblich vergrößert. Der Preis für die ſolid auf
Lein=
wand aufgezogene Karte beträgt 1,75 Mark. Zu
be=
ziehen iſt die Karte, welche im Selbſtverlage des Klubs
erſcheint, durch alle Buchhandlungen (buchhändleriſcher
Vertrieb Moritz und Münzel in Wiesbaden). — In
ſechſter Auflage erſchienen iſt kürzlich im Druck und
Ver=
lag von Dr. Götz Werbrun (für den Buchhandel im
Ver=
lage der Krebsſchen Buchhandlung) in Aſchaffenburg die
amtlich anerkannte und geſchützte „Offizielle
Speſſartkarte” Wiederum iſt die Karte von dem
Grundſatz ausgegangen, hauptſächlich dem von
aus=
wärts kommenden Wanderer ein getreuer, unbedingt
verläſſiger Führer zu ſein, was zu großzügiger Anlage
führen mußte. Die „Offizielle Speſſartkarte” iſt von
allen Markierungskarten die wohlfeilſte und erſpart einen
Führer. — Der Rheiniſche Verkehrsverein in Koblenz,
die Zentralſtelle des Fremdenverkehrs für das
Rhein=
gebiet, hat einen neuen Rheinführer, betitelt: Die
Rheinlande” herausgegeben. Das ſchmucke
Büch=
lein in einem Umfange von 96 Druckſeiten ſtellt ſich in
geſchmackvoller Aufmachung dar. Das neue Werk kann
als ein überaus brauchbarer Führer durch das
Rhein=
gebiet und als ein treuer Begleiter des Rheinreiſenden
bezeichnet werden. Der Führer: „Die Rheinlande” iſt
durch das Zentralbureau des Rheiniſchen
Verkehrsver=
eins in Koblenz zum Preiſe von 0,75 Mk. portofrei zu
beziehen. — „Mit mir durch Dresden von
heute” Preis 1 Mk. Verlag von Gerhard Kühlmann
in Dresden. Der Führer enthält u. a. neue aktuelle
Bei=
träge von Heinz Tovote, Bertha v. Suttner, Guſtav
Wied, Ernſt Zahn, Sarah Bernhardt, Marcell Salzer
und des kürzlich verſtorbenen Edwin Bormann.
F. Beyers Touriſt=Bureau, Bergen, Chriſtiania,
Trondhjem, Stavanger, Molde (Ndrwegen) verſendet
gratis eine reich illuſtrierte neue Broſchüre über Reiſen
in Norwegen, herausgegeben unter dem Titel: „Für
Reiſende nach Norwegen. Auskunft über die
verſchiedenen Routen nach Skandinavien und die
empfehlenswerteſten Touren in Norwegen”.
Koil= Boanton=Farter
5 Stück 20 Pfg.
einzelne Würfel 5 Pfg.
sind für jede Küche unentbehrlich!
(15118M
& Schwarz, BOTTI Gesellschaft m. b. H., München.
„Mein Schlager‟
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Elisabethenstr. 12. (14845a) Tel. 979.
Heyl & John, Manufakturwaren. (1410
[ ← ][ ][ → ]Nummer 168.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Pinſcher, 1 Jagdhund. 2 Pinſcher, 1 Dachshund (
zuge=
laufen). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=
Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde
findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt. (15580
Bekanntmachung.
Die nachſtehende Polizeiverordnung bringen wir erneut mit
dem Anfügen zur allgemeinen Kenntnis, daß die Schutzmannſchaft
angewieſen iſt, auf den Befolg dieſer Vorſchrift beſonders zu achten.
Die Verkäufer der in § 1 bezeichneten Gegenſtände werden
hier=
mit erſucht, nicht nur ihre Angeſtellten, ſondern auch die nicht in ihren
Dienſten ſtehenden Fuhrleute und Arbeiter, ſowie die Käufer
der=
artiger Gegenſtände entſprechend zu verſtändigen.
Darmſtadt, den 16. Juli 1912.
(15542df
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Polizeiverordnung,
betr. das Auf= und Abladen, ſowie den Transport von
Metallgegenſtänden.
Auf Grund des § 366 Ziffer 10 St.=G.=B. und des Art. 56
Ziffer 1 der Städte=Ordnung wird nach Anhörung der
Stadtverord=
neten=Verſammlung mit Genehmigung Großherzoglichen Miniſteriums
des Innern und der Juſtiz vom 22. September 1893, zu Nr. M. J.
26979, für den Bezirk der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt
ver=
ordnet, was folgt:
§ 1. Bei dem Auf= und Abladen und bei dem Transport
von Gegenſtänden, welche bei dem Herabwerfen oder bei dem
Trans=
port auf Wagen ein ſtarkes Geräuſch verurſachen, wie eiſerne
Trag=
balken, Schienen, Metallröhren und Stangen, Bleche, Ketten
und dergleichen, ſind ſolche Einrichtungen zu treffen, daß beläſtigendes
Geräuſch vermieden wird. Namentlich müſſen derartige
Metallgegen=
ſtände, welche bei dem Transport durch Aneinanderſchlagen ein ſtarkes
Geräuſch verurſachen, in zweckentſprechender Weiſe mit Stroh oder
anderem geeigneten Material unterlegt oder ſo feſt mit einander
verbunden werden, daß der Lärm vermieden wird. Solche
Gegen=
ſtände dürfen beim Abladen nicht vom Wagen herabgeworfen,
ſondern müſſen, gegebenen Falles unter Anwendung geeigneter
Vor=
richtungen, langſam herabgelaſſen werden.
§ 2. Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Beſtimmung
wer=
den in Gemäßheit des § 366 Ziffer 10 des R.=Str.=B. mit Geldſtrafe
bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen beſtraft.
§ 3. Dieſe Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer
Ver=
kündigung in Kraft.
Darmſtadt, den 9. Oktober 1893.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Ausführung von Gasanlagen im Innern der
Gebäude und Grundſtücke.
Die Einrichtung von Gas=Beleuchtungs=, Heiz= und Kraft=
Anlagen im Innern der Gebäude und Grundſtücke, welche an das
Rohrnetz des ſtädtiſchen Gaswerks angeſchloſſen werden ſollen, ſowie
alle Erweiterungen, Veränderungen und Reparaturen darf nur durch
ſolche Inſtallateure erfolgen, die von Großherzoglicher Bürgermeiſterei
eine ſchriftliche Erlaubnis hierzu erhalten und ſich verpflichtet haben,
alle dieſe Einrichtungen unter Zugrundelegung und gewiſſenhafter
Beobachtung der hierfür erlaſſenen Beſtimmungen und Vorſchriften
auszuführen.
Dieſe Erlaubnis iſt folgenden Firmen erteilt:
Gottfried Beck, Karlſtr. 39.
Gebr. Becker Nachf.,
Grafen=
ſtraße 27.
Heinrich Becker, Brandgaſſe 2.
Karl Bohl, Blumenthalſtr. 107.
Lud. Breitwieſer, Nieder=
Ram=
ſtädterſtr. 54.
Heinr. Brunner, Eliſabethenſtr. 33.
Karl Darmſtädter, Sandbergſtr. 66
W. Eberhardt, Nieder=
Ram=
ſtädterſtr. 11.
Fr. Ewald (Inh. Fr. Wenz)
Soderſtraße 49 und 54.
Theodor Fey, Kranichſteinerſtr. 8a.
Georg Aug. Fink, Rhönring 53.
Ludwig Fiſcher, Langgaſſe 21.
Bernhard Gans, Rheinſtr. 47.
Franz Geiger, Karlſtraße 36.
Wilh. Gelfius, Fuhrmannſtraße 6.
Jakob Glock, Langegaſſe 9.
Guſtav Göckel, Karlſtr. 12.
Alexander Guntrum, Stiftſtr. 52.
Philipp Handſchuch,
Schloß=
gartenſtraße 37.
Ludwig Heppenheimer,
Luiſen=
ſtraße 2.
Wilh. Heppenheimer, Kiesſtr. 80.
Kurt Hiſſerich, Bleichſtr. 28.
Karl Hoffmann, Wienersſtr. 44.
Balth. Ittmann, Liebfrauenſtr. 89.
Hermann Jung, Bleichſtr. 11.
Karl Jung, Kaplaneigaſſe 17.
Philipp Jung, Alexanderſtr. 9.
Karl Kämmerer, Parcusſtraße 10.
Gg. Kaiſer, Rheinſtr. 5.
Rob. Kaiſer, Landgraf Georgſtr. 8.
Georg Keil, Eliſabethenſtr. 36.
Auguſt Keller, Dieburgerſtr. 18.
Adolf Kling, Grafenſtr. 35.
Ludw. Kling & Co., Rheinſtr. 17.
Klink & Rettberg, Ludwigspl. 8½.
Albert Klöpfer, Beſſungerſtr. 84.
Phil. Kraus Nachf. (Inh. Adam
Bender), Karlſtraße 51.
Hugo Kötting, Liebfrauenſtr. 75.
Wilh. Krätzinger, Ludwigſtr. 11.
Chriſt. Landzettel, Kaupſtr. 7.
Ludwig Lautenſchläger,
Neckar=
ſtraße 26.
Ernſt Lorey, Karlſtr. 56.
Ludw. Luck, Heidelbergerſtr. 59.
V. Marquardt u. Ph. Wamſer,
Dieburgerſtraße 54.
Phil. Maul, Heidelbergerſtr. 19.
Müller u. Dilling, Kaſinoſtr. 27.
Gg. Neumann, Heidelbergerſtr. 117
Aug. Neumeyer Wwe., Große
Ochſengaſſe 22.
Heinr. Ningler, Landwehrſtr. 47.
Jakob Nohl, Martinſtr. 24.
Heinrich Pauli, Orangerie=Allee7.
Ludwig Pohl, Heinheimerſtr. 15.
F. W. Preußner, Bleichſtr. 40.
Karl Rockel Nachf. (Inh. Georg
Momberger), Schützenſtr. 4.
G. W. Roth, Moosbergſtr. 97.
Philipp Roth, Mühlſtr. 17.
J. Rühl, Saalbauſtr. 24.
Phil. Schäfer, Landwehrſtr. 29.
Friedr. Schiller, Tannenſtraße 7.
Franz Schulz, Karlſtr. 104½.
Heinrich Schwarz, Kiesſtr. 36.
Leonh. Sommer, Roßdörferſtr. 3.
Wilh. Stauß, Inſelſtraße 21.
Karl Tänzer, Marktplatz 7.
Michael Vollrath, Nieder=
Ram=
ſtädterſtraße 51.
Hch. Waldſchmidt,
Ludwigshöh=
ſtraße 21.
Otto Wamboldt, Heerdweg 2.
Joh. Waſſer, Alexanderſtr. 7.
Val. Wedel, Beckerſtraße 7.
Karl Wenz, Wendelſtadtſtr. 39.
Karl Zahrt, Hofſtallſtraße 8.
Darmſtadt, den 16. Juli 1912.
Städtiſche Gaswerks=Verwaltung.
(15572fs
J. V.: Kalbfuß.
Haferernte-Verſteigerung.
Dienstag, 23. Juli, vormittags 8 Uhr,
wird aus Gemarkung Eberſtadt vor der Kühruhe Flur XXI die
gut ſtehende fiskaliſche Haferernte von 0,7 ha in 2 Loſen öffentlich
verſteigert.
Zuſammenkunft auf dem Kühruhweg, Ecke der neuen
Ein=
friedigung.
Auskunft erteilt Forſtwartſchüler Karl Kirſchner zu Eberſtadt,
(15588
Georgſtraße 19.
Eberſtadt, den 16. Juli 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Eberſtadt.
Joſeph.
Verkaufe Badew., Eisſchr.,
Sitz=
badew ., Waſſerleitungs=Rohr
Beſſungerſtraße 115.
(*1472)
preisw. ½ Geige, ſow. photogr.=
1 Apparat, 9X12, billig abzugeben.
(*1471
Wo? ſagt die Exped.
Eine Kaute Miſt abzugeben
*1479fs) Schröder, Karlſtr. 26.
Selbſteingemachtes
Sauerkraut
per Pfd. 18 Pfg. bei (*1458fsc
L. Stilling Wwe., Hochſtr. 4.
gut erhalt. Sportwagen mi
Verdeck billig zu verk. (*145a
Heinheimerſtr. 12, Hinterh.
Ueberſicht
der Durchſchnittspreiſe von
folgen=
den Früchten und
Verbrauchsgegen=
ſtänden in der Zeit
vom 1. bis 15. Juli 1912:
per Sack à 100 Kilo
Weizen von Mk. 24.— bis 26.25
Korn
„ „ 17.50 „ 21.-
Gerſte
„ „ 19.25 „ 22.
Hafer
20.75 „ 22.-
Butter ½ Kilo Mk. 1.40
Butter in Partien Mk. 1.30
Eier per Stück 8 Pfg.
Eier in Partien per 25 Stück
Mk. 1.75
Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 14.—
Kartoffeln per 25 Kilo Mk. 4.—
Kornſtroh per 50 Kilo Mk. 4.—
Heu per 50 Kilo Mk. 5.—
Darmſtadt, 17. Juli 1912.
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.
Steuer=Erhebung.
Das 2. Ziel der
Gemeinde=
ſteuer für das Rechnungsjahr
1912 iſt, bei Vermeidung der
Mah=
nung, bis längſtens Ende dieſes
Monats an den Werktagen,
vor=
mittags von 8 bis 12½ Uhr,
hier=
her zu entrichten.
Im Intereſſe raſcheſter
Ab=
fertigung an den Zahlſchaltern
wird gebeten, die Gelder
abge=
zählt bereit zu halten.
Darmſtadt, 15. Juli 1912.
Die Stadtkaſſe.
Koch. (15577a
Bekanntmachung.
Freitag, den 26. Juli l. Js.,
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Ehe=
leuten von Darmſtadt, jetzt in
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emmerich, im Grundbuch der
Ge=
markung Darmſtadt zugeſchriebene
Liegenſchaft:
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II 283 75 Hofreite
Ober=
gaſſe Nr. 6,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K27/12
Falls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nichtentgegenſtehen, kann
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
er=
reicht.
Darmſtadt, den 2. Juli 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V14572
Bekanntmachung.
Freitag, 2. Auguſt 1912,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die dem Heinrich Jacoby
in Darmſtadt, in der Gemarkung
Beſſungen gelegenen
Liegen=
ſchaften:
Flur Nr. qm
XIII 64 1313 Acker, oberſte
Golläcker,
XIII 65 881 Acker, daſelbſt,
XIII 140 2631 Acker, am
Pfungſtädter
Weg,
XXXVI 28 975 Wieſe, die
Rudolphs=
wieſe,
in unſerem Geſchäftszimmer,
Witt=
mannſtraße 1, zwangsweiſe
ver=
ſteigert werden.
Die Genehmigung der
Verſtei=
gerung wird auch dann erfolgen,
falls ein der Schätzung
entſprechen=
des Gebot nicht eingelegt wird und
andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen.
Darmſtadt, 8. Juli 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
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Tür die Provinzial=Pflegeanſtalt
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Modell auf dem Submiſſionsweg
vergeben werden. Das Modell iſt
einzuſehen in der Provinzial=
Pflegeanſtalt am Mittwoch, den
24. Juli 1912, nachmittags von
3—5 Uhr, wobei auch jede andere
Auskunft erteilt wird. — Die
An=
gebote ſind bis Mittwoch, den
31. Juli 1912, morgens 8 Uhr,
einzureichen.
(15574
Eberſtadt, 17. Juli 1912.
Direktion
der Provinzial=Pflegeanſtalt.
Dr. Textor.
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Der gerade Weg.
Roman von Julia Jobſt.
(Nachdruck verboten.)
(6)
Der alte Herr, der mit ſchweren Schritten im
Zim=
mer auf und ab gegangen war, fiel keuchend in einen
Seſſel, auf der Stirn perlte ihm der Schweiß, er ſah zum
Erbarmen aus.
Suſanne, mäßige dich, der Onkel iſt krank.
Ich bin überzeugt, daß die Frau die Wahrheit
ge=
ffagt hat, fuhr das junge Mädchen unbeirrt fort. Aber
wie es auch ſei, der Knabe iſt ein Bagewitz, und
dami=
zugleich dein Erbe, Großvater. An ihm kannſt du alle
Schuld vergangener Tage auslöſchen. Ich fordere es
von dir.
Ein langes Schweigen folgte dieſen Worten, man
hörte nur den raſſelnden Atem des alten Herrn, der ſich
wohl zum erſtenmal der Größe ſeiner Schuld voll
be=
wußt wurde. Mit ſeltſamem Ausdruck ruhten die Augen
Friedrich Wilhelms auf der ſchlanken Geſtalt der
Gelieb=
ten, die ihm in ihrem weißen Gewand und dem
verklär=
ten Ausdruck ihrer weit — weit in vergangene Tage
zurückblickenden Augen wie die Verkörperung
holdſelig=
ſter Reinheit und ſtolzen Mädchentums erſchien.
Wenn nun dieſer Knabe wirklich der Erbe würde,
dann würde er arm, ſo arm, daß er keine Frau
ernäh=
ren konnte. Sollte er Suſanne verlieren — für immer?
Wußte ſie es denn, was ſie tat? Was konnte ihr dieſer
fremde Knabe ſein, deſſen Kinderhände ihr großes Glück
zu zertrümmern drohten. Das konnte ſie doch nicht
wollen.
In der peinigenden Angſt, ſie zu verlieren, ſtürzte er
zu Suſanne hin und riß ſie in ſeine Arme, ihren Mund
mit heißen Küſſen bedeckend. Du biſt mein, Suſanne,
zerſtöre uns nicht mutwillig unſer Glück.
Suſanne! Wie ein Hauch tönte es zu ihr hin und ſie
näherte ſich wie unter einem ſeeliſchen Zwang dem
Groß=
vater, deſſen Kopf nach hinten geſunken war wie bei
einem Schwerkranken.
Großvater!
Kannſt du mir vrzeihen?
Wie die ſonſt ſo herriſchen Augen um Erbarmen
flehten. Erſchüttert ſank die Enkelin neben ihn
auf die Kniee. Er taſtete mit zitternden Händen nach
ihr. Ich will nichts beſchönigen, Kind. Ich war ein
harter Mann und in meinem Stolz auf das ſchwerſte
verletzt. Meine Frau hetzte mich auch noch mehr auf
Jetzt bin ich ein anderer geworden, ich habe euch lieb und
möchte an euch gut machen —
Und an dem lieben Knaben.
Ja, ja, es ſoll alles unterſucht werden. — Sage mir
wann erhielſt du den Brief vom Gericht?
Geſtern, gleich nach eurer Abfahrt iſt er mir vom
Rechtsanwalt durch die Poſt zugegangen.
Friedrich Wilhelm blickte voll Erbarmen auf die
Geliebte, die binnen wenigen Stunden ſo viel des
Grau=
ſamen erlebt hatte, daß ein Mann darunter
zuſammen=
gebrochen wäre. Mit ihr durfte man nicht rechten, man
mußte nur verſuchen, Zeit zu gewinnen.
So hat er doch geſprochen.
Er hat wohl nie geglaubt, ſo früh zu ſterben,
Groß=
vater. Es iſt doch begreiflich, daß er dem letzten Gruß
meiner Mutter an mich einige Worte zufügte. Willſt
du ſie leſen?
Nein — nein. Laß alles ruhen — ruhen. Friede —
nur Friede!
Der Kopf des alten Herrn fiel vornüber, Suſanne
konnte nur noch zufaſſen, um ihn zu halten, die letzten
Worte waren faſt unverſtändliches Lallen geweſen.
Das junge Mädchen wagte nicht, ſich zu rühren, doch
atmete ſie erleichtert auf, als eine ſtärkere Hand ſie beiſeite
ſchob, um den Körper des Bewußtloſen vorſichtig in die
Tiefen des Seſſels zurückzulehnen und einen zweiten
unter die Füße zu ſchieben.
So — es wird bald vorübergehen, Suſanne, ängſtige
dich nicht ſo.
Die eiſige Furcht, die das junge Mädchen bei dem
Anfall gepackt hatte, löſte ſich in Tränen, die
unaufhalt=
ſam dahinſtrömten Sie litt es, daß Friedrich Wilhelm
ſie in ſeinen Arm nahm, ſie zu tröſten. Arme Suſanne!
Er vermochte nur immer wieder dieſes Wort zu
ſagen, das ſie begleitet hatte von Kindertagen an. Ach,
immer nur ſo liegen bleiben, in ſtarken Armen geborgen,
gebettet an ſtarker Bruſt!
Doch auch dieſe Minuten gänzlicher Ohnmacht gingen
vorüber bei dem Alter ſowohl wie bei der Jugend. Der
Kammerher kam zu ſich, und damit wurde Suſanne ſich
der Gefahr bewußt, in der ſie ſich befand. Nur nicht
ſchwach werden! Ein Zurück gab es für ſie nicht, wenn
ſie nicht alle Selbſtachtung verlieren wollte. Das
Schick=
ſal würde ſie für ihre Selbſtverleugnung und für ihr
mutiges Auftreten nicht alſo ſtrafen, daß der Großvater
daran zugrunde ging. Nein, er ſollte der Sühne jras
Nummer 168.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.
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Hände legte.
Ich will das Kind ſehen. Bald — vielleicht morgen
ſchon. Ich will ſchlafen — Johann!
Man geleitete den Kranken vorſichtig über den
langen Flur zu ſeinem Zimmer. Friedrich Wilhelm
blieb bei ihm. Er fühlte, daß es das Klügſte war,
Su=
ſſanne jetzt ſich ſelber zu überlaſſen. Von einem Arzt
wollte der Kammerherr nichts wiſſen, ſo begnügte man
ſich dabei, dem Hausarzt telephoniſche Weiſung zugehen
zu laſſen, ſich bereit zu halten. Doch ſchon nach Stunden
konnte man ihm mitteilen, daß ſich der beängſtigende
An=
fall in einem ruhigen, erquickenden Schlaf gelöſt hatte,
aus dem Bagewitz friſch erwachte und nach Nahrung
verlangte.
Suſanne empfing dieſe Nachricht durch Dörthe und
atmete tief auf. Mit dem Schwinden der Lebensgefahr
wurde ihr auch wieder die Hoffnung auf den Erfolg
ihrer Miſſion.
Ja, es war ihr zur Miſſion geworden. Wer konnte
wohl beſſer dazu paſſen, dieſes Kind auf den Platz zu
ſtellen, der ihm zukam. Friede! hatte der Großvater
geſagt — er ſollte ihm werden und zwar durch dieſes
Kind.
Mit leuchtenden Augen eilte ſie zu der Fenſterniſche,
in der ihr Schreibtiſch ſtand und griff zur Feder: An
Frau Anna Wronka! Ueberlaſſen Sie mir das Kind für
einige Tage. Dörthe wird es morgen holen, ſie ſind ja
iſchon ganz vertraut miteinander. Alles geſchieht zu
Ihrem Beſten, auch wenn ich Sie bitte, ſich ganz ruhig
zu verhalten. Ueberlaſſen Sie dieſe Angelegenheit
ver=
trauensvoll
Ihrer ergebenen
Suſanne von Bagewitz.
Johann wurde damit beauftragt, dieſes Briefchen in
das Forſthaus zu tragen. Und als er zurückkam, brachte
er als Antwort ein ebenſo kurzes Briefchen zurück: An
Fräulein Suſanne von Bagewitz. Mein Sohn wird
morgen bereit ſein. Ich lege meine gerechte Sache in
Ihre Hände.
Ihre ergebene
Anna von Bagewitz, geb. Wronka.
Wie die Augen in leidenſchaftlichem Feuer geblitzt
hatten, als Anna Wronka die Botſchaft erhielt. Der
Diener berichtete es Dörthe nach ſeiner Heimkehr.
Ein ſchönes Weib, Dörthe. Die hat den Satan im
Leibe, ſage ich Ihnen. Ich kenne die Sorte.
Und die ſoll unſere Herrin werden? Ich kann’s
nicht glauben, Johann. Unſer Engelsfräulein heiratet
den jungen Herrn und das Kind wird adoptiert.
Geht nicht, Dörthe, dazu iſt das gnädige Fräulein
noch viel zu jung, und der Herr auch.
Dann findet ſich ein anderer Ausweg. Es gäb ja
keine Gerechtigkeit mehr auf Erden, wenn die Perſon hier
als Herrin einzöge.
Gerecht wäre es ſchon, Dörthe, denn das Kind iſt doch
mal da. Aber dumm wär’s — ſaudumm! Denn das
läuft nie gut ab. Denken Sie an mich, wenn das
Un=
glück da iſt.
Sechſtes Kapitet
Das Kind war im Schloß, und Dörthe beaufſichtigte
es, wenn Suſanne es nicht um ſich hatte. Da die
Zim=
mer Suſannes an einem Nebengang lagen, durch den
man direkt in den Park gelangen konnte, ſo bemerkte man
wenig von der Anweſenheit des Kleinen. Aber die
ganze Art ſeiner Einführung, daß er in den Räumen
des jungen Mädchens lebte, auch dort aß, nur in ihrer
Begleitung in den Park ging, erregte die Dienerſchaft
auf das äußerſte. Man beſtürmte Dörthe und Johann
mit Fragen, da ſie mit Recht als Eingeweihte betrachtet
wurden. Sie hätten eher Steine zum Reden gebracht
als dieſe beiden Getreuen.
Die einzige, die dem Gegenſtand allgemeiner
Neu=
gierde näher kam, war Suſannes Jungfer, und da ihr
kein Schweigegebot auferlegt war, ließ ſie ihrer flinken
Zunge freien Lauf.
Ein goldiges Kind! rühmte ſie. Und das gnädige
Fräulein ſo vernarrt in ihn. Es gleicht ja auch zum
Verwundern in die Familie, ganz der junge und der
alte Herr! Dann kam eine bedeutungsvolle Pauſe, ſie
ſah die Zuhörer pfiffig an, und dieſe nickten voller
Ver=
ſtändnis.
Mit der Zeit wurde es bekannt, woher das vom
Him=
mel gefallene Kind ſtammte. Die Wronka war mehrfach
geſehen worden, und ſie war eine Erſcheinung, die man
nicht gut überſehen konnte. Daß der Knabe ihr Sohn
war, erfuhr man auch, und damit war nun dem Klatſch
Tor und Tür geöffnet.
(Fortſetzung folgt.)
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.
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Seite 15.
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San.=Rat Dr. Habicht, Kaſinoſtr. 2
San.=Rat Dr. Hoffmann, Annaſtr. 40
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Dr. Wißmann, Lauteſchlägerſtr. 27.
15586fg) Dr. Sior.
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S.-R. Dr. Buchhold,
Dr. Draudt,
Dr. Kautzsch,
S.-R. Dr. W. Orth,
Dr. Schneider,
Dr. Wissmann. (15497mf
Während meiner
Abwesenheit
haben die Güte mich zu vertreten
die Herren:
Dr. Bodenheimer (bis zu
ſeiner Abreiſe),
Dr. Kautzsch,
San.=Rat Dr. Kolb,
Dr. Langsdorf,
San.=Rat Dr. Markel,
Dr. Schneider. (K15581
San.-Rat Dr. Holländer.
D
Collatz iſt bis 20. Auguſt
(*1445
verreiſt.
Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 19. Juli 1912.
Nummer 168.
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