Darmstädter Tagblatt 1912


05. Juli 1912

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175. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 20 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Die Zweite Kammer lehnte geſtern die Anträge
der ſozialdemokratiſchen Partei und des Bauernbun=
des
zur Beamtenbeſoldungsvorlage ab und
nahm den Antrag des Finanzausſchuſſes mit 38 gegen
11 Stimmen und weiter einen Antrag Schmitt an,
wonach dem Großherzog zwecks Aufbeſſerung der Be=
züge
der Hofbeamten und Hofbedienſteten ein Betrag
von 75000 Mark für ein Jahr zur Verfügung geſtellt
werden ſoll.
Der Kaiſer iſt geſtern vormittag an Bord der Hohen=
zollern
in Baltiſchport eingetroffen und vom
Zaren begrüßt worden.
Nach endgültiger Feſtſtellung hat die Schlagwetter=
kataſtrophe
auf der Zeche Oſterfeld ins=
geſamt
22 Opfer gefordert. 16 Bergleute ſind tot,
6 ſind ſchwer verletzt.
Durch einen Unfall bei den Schießübungen auf
dem Truppenübungsplatz Lockſtedt wurden
zwei Mann getötet und drei ſchwer verletzt, von
denen einer noch geſtorben iſt.
Bei einem Zugzuſammenſtoß bei Corning
(New=Yorh) wurden 30 Perſonen getöret und
50 verwundet.

Baltiſchport.

* Baltiſchpiort, woſelbſt die Zuſammenkunft
der beiden Kaiſer ſtattfindet, liegt in Eſtland, im
Eingange des Finniſchen Meerbuſens. Es iſt
ein kleines Neſt von kaum 1200 Einwohnern, das mit
Reval und weiterhin mit Narva und St. Petersburg
durch eine Bahn verbunden iſt. Sein Ruhm iſt begrün=
det
durch einen vorzüglichen Seehafen für Handelsſchiffe,
der eine tiefe Zufahrtsſtraße beſitzt und im Winter faſt
immer eisfrei bleibt. Der Rogerviek, ſo heißt die
Bucht, ſind die Inſeln Klein= und Groß=Rogoe vorge=
lagert
, die ſich früher im Beſitze der Klöſter Dünamünde
und Padis befanden.
Unter Peter dem Großen war Baltiſchport wie
wir einem Artikel der Berl. Neueſten Nachrichten entneh=
men
beſtimmt, der umfangreichſte und beſte Seehafen
der ruſſiſchen Flotte zu werden Von hier aus ſollte
die Flotte nicht nur den Finniſchen, ſondern auch den
Rigaiſchen Meerbuſen beherrſchen. Nach mehrjährigem
Unterſuchen der Küſte und des Fahrwaſſers, an dem
Peter der Große zeitweiſe perſönlich teilnahm, wurde
im Jahre 1715 unter dem Oberſt Luberace mit dem Bau
begonnen. Sträflinge und Soldaten wurden in Menge
zu den Arbeiten herangezogen und am Strande ange=
ſiedelt
. Trotzdem ſchritt das Werk nur langſam vor=
wärts
. Ja, das Intereſſe des Hofes wandte ſich ſogar
von ihm ab, als Peter im Jahre 1725 geſtorben war.
Später zwang der Mangel an Geld zur Einſtellung der
Arbeiten, obwohl die Kaiſerin Eliſabeth geneigt war,
das Unternehmen ihres großen Vaters weiterzuführen.
Immerhin wurde 1760 durch den General Schilling der
noch jetzt benutzte Hafen für Handelsſchiffe angelegt.
Katharina II. nahm den Plan Peters des Großen wie=
der
auf: ſie übertrug die Fortſetzung des Baues dem
Grafen Münnich, der ſich erboten hatte, den Kriegshafen
mit 50000 Mann innerhalb 20 Jahren fertigzuſtellen.
Aber auch jetzt machte ſich kein ſchnelleres Zeitmaß be=
merkbar
. Nach einer Beſichtigung befahl die Kaiſerin,
unzufrieden mit dem Geſehenen, die Arbeiten einzuſtel=
len
, obwohl angeblich ſchon mehr als ein Kilometer
Steindamm fertig war und die Ausgaben über ſieben
Millionen Rubel betragen hatten. Lange Zeit war
Baltiſchport ziemlich ſtark befeſtigt. So wurden noch
im Jahre 1808 zu beiden Seiten des Hafens Batterien
angelegt, um den engliſchen Kriegsſchiffen, deren An=
griff
befürchtet wurde, ein Paroli zu bieten. Baltiſch=
port
wurde damals auch mit einem Bombardement be=
dacht
, das jedoch wenig Schaden anrichtete.
Die Anſtrengungen Rußlands, ſeine baltiſche Flotte
wieder auszubauen und ihr neben Libau und Kronſtadt
noch einen weiteren befeſtigten Kriegshafen zu ſichern,
haben natürlich den Blick von neuem auf Baltiſchport
igelenkt. Aber die Ausſichten zur Verwirklichung dieſes
Planes ſind vorläufig nicht ſonderlich günſtig, denn be=
kanntlich
ſind die zum Ausbau eines Kriegshafens in
Baltiſchport und Reval erforderlichen Millionen von

der Duma geſtrichen worden. Reval war als Haupt=
kriegshafen
gedacht, Baltiſchport hingegen als Vorhafen,
wozu es ſich ſeiner ganzen Lage nach vorzüglich eignet.
Möglich, daß die ruſſiſche Regierung ihre Abſicht doch
noch durchſetzt. In dieſem Falle würde das kleine
Städtchen einer großen Zukunft entgegengehen.
Auch die Kaiſerzuſammenkunft rückt es
mit einem Male in den Mittelpunkt des allgemeinen
Intereſſes, obwohl ſeine Reize und ſein ganzer Habitus
ſehr mäßiger Natur ſind. Nur der Blick auf die Bucht
und die Inſeln vermag zu erheben, wie denn das Meer,
dort, am Finniſchen Meerbuſen, ſeine eigenen Schön=
heiten
hat. Uebrigens muß hervorgehoben werden, daß
die Finniſchen Schären noch ziemlich weit von Baltiſch=
port
entfernt ſind. Zu ihnen werden nur jene nördlich
an der Küſte von Finnland gelegenen Inſeln und In=
ſelchen
, viele Hundert an der Zahl, und die faſt ebenſo
zahlreichen Alands=Inſeln gerechnet, die den Eingang
zum Bottniſchen Meerbuſen markieren. Manche dieſer
Inſeln bilden im Sommer die Zuflucht zahlreicher er=
holungsbedürftiger
Petersburger, zumal ein erträg=
licher
Badeſtrand, Kurhäuſer und Datſchen nicht fehlen.
Natürlich vermögen dieſe Badeneſter gegen das an der
ſüdlichen Landzunge des finniſchen Feſtlandes liegende
Hangö nicht aufzukommen, denn hier ſind dem Luxus
und den verwöhnteſten Anſprüchen ſſchon recht weit=
gehende
Zugeſtändniſſe gemacht.
Zur Kaiſerzuſammenkunft in Baltiſchport
ſelbſt ſchreibt die ruſſiſche offiziöſe Roſſija: Der Monar=
chenentrevue
ging eine lebhafte Polemik der fremden
Preſſe darüber voraus, ob die Entrevue ein politi=
ſches
Ereignis oder eine internationale
Höflichkeitsakte ſei. Uns erſcheint dieſe Polemik
überflüſſig, da bei den traditionellen und freundſchaft=
lichen
Beziehungen, welche ſeit langem zwiſchen beiden
Kaiſerhäuſern und beiden Nachbarreichen beſtehen, die
Begegnung des ruſſiſchen und des deutſchen Monarchen
immer die Bedeutung eines großen Ereigniſſes für das
internationale politiſche Leben haben muß. Von eini=
gen
deutſchen Zeitungen iſt mit Recht darauf hingewieſen
worden, daß in beiden Nachbarreichen keine unverein=
baren
Intereſſenwiderſprüche auf politiſchem und wirt=
ſchaftlichem
Gebiet vorhanden ſind. Es iſt auch geſagt
worden, daß Rußland und Deutſchland vom Schickſal
dazu beſtimmt ſind, einander zu helfen zum friedlichen
Fortſchritt und Gedeihen. Roſſija ſtimmt dieſer Meinung
vollkommen zu, da ein Zuſammenwirken mit dem kul=
turellen
und wirtſchaftlichen Wettbewerb, der den gegen=
wärtigen
Weltverkehr charakteriſiert, leicht vereinbar ſei.
Das Blatt weiſt ferner darauf hin, daß die traditionelle
ruſſiſch=deutſche Freundſchaft während
ihrer mehr als ein Jahrhundert währenden Dauer nie
den übrigen Staaten Europas als Drohung galt, da die
Nachbarſtaaten dem feſten Willen ihrer Monarchen fol=
gen
, von gleicher Friedensliebe durchdrungen, die Erhal=
tung
des politiſchen Gleichgewichts in Europa anſtreben.
Roſſija drückt die Hoffnung aus, daß dieſe Wahrheit,
auf welcher die äußere Politik Rußlands und Deutſch=
lands
baſiert, endgültig auch von den ſkeptiſchen Ver=
tretern
der öffentlichen Meinung Europas begriffen
werden wird, die leider geneigt ſeien, Gerüchten, welche
die wirklichen Abſichten beider Kabinette entſtellten, eine
unangemeſſene Bedeutung beizulegen. Die Nachbarreiche
können nach ihren politiſchen und wirtſchaftlichen In=
tereſſen
verſchiedene Ziele erſtreben, in einem Ziele wer=
den
ſie immer übereinkommen, nämlich in den Richtlinien
für Frieden und Ruhe in Europa. Bei der jetzigen Um=
wertung
vieler Werte erhalten die traditionellen freund=
ſchaftlichen
Beziehungen, welche ſo viele Jahre zwiſchen
Rußland und Deutſchland beſtehen, eine große Bedeu=
tung
in den Augen aller wahren Friedensfreunde. Noch=
mals
die Entrevue des deutſchen Kaiſers in den ruſſi=
ſchen
Gewäſſern begrüßend, ſpricht Roſſija den Wunſch
aus, die traditionelle Freundſchaft, die ſchon ſeit einem
Jahrhundert die Kaiſerhäuſer und Nachbarreiche ver=
bindet
, möge auch in Zukunft den neuen Generationen
als oberſtes Unterpfand der Erhaltung von Frieden und
Ruhe in Europa erſcheinen, welche nicht nur für Ruß=
land
und ſeinen deutſchen Nachbar, ſondern auch für alle
anderen europäiſchen Staaten zu ihrem kulturellen und
wirtſchaftlichen Gedeihen notwendig ſind.

Früherlegung der Stunden im Sommer.

** Der von England zu uns herübergekommene Ge=
danke
der Früherlegung der Stunden im
Sommer wird eifrig erörtert. Die großen Vorteile
ſeiner Umſetzung in die Praxis, namentlich für den Ge=
ſundheitszuſtand
der Nation und für ihre Börſe, ſind ſo
evident, daß man in England auf geſetzgeberiſchem
Wege eine Früherlegung der Stunden im Sommer
herbeiführen wird. In Deutſchland iſt man heute noch
nicht ſo weit. Aber die Verhandlungen des Ausſchuſſes
des Deutſchen Handelstages in Köln über
dieſen Gegenſtand zeigten deutlich, ein wie großes In=
tereſſe
namentlich auch Handel und Induſtr ie
dem Gedanken entgegenbringen. Sind ſie es doch gerade,
die, wenn ſie den Plan fördern, unendlich ſegensreich
für ihre Arbeiter und Angeſtellten wirken können. Der
Berichterſtatter trat warm für die Früherlegung der
Stunden im Sommer ein. An der Hand der von dem
Londoner William Willet für England gemachten Be=
rechnungen
wies er nach, daß bei der Annahme, daß das
künſtliche Licht etwa 1 Pfg. für die Stunde und den Kopf
der Bevölkerung koſte, Deutſchland bei der Durchführung
des Projekts eine jährliche Erſparnis von
84 Millionen Mark machen werde. Die praktiſche
Durchführbarkeit ſei nicht zu bezweifeln. Schon heute
aſſimiliere man ſich beim Ueberſchreiten der Grenze
ohne Schwierigkeit einer neuen Zeit. Der Berichterſtatter
gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Behandlung der
Frage im Ausſchuß die Erkenntnis von ihrer Bedeutung
und der Möglichkeit ihrer Durchführung in weite Kreiſe
tragen möge. Zwar wurden hier und da Stimmen laut,
die Bedenken dieſer oder jener Art äußerten. In ſeiner
großen Mehrheit ſprach ſich jedoch der Ausſchuß dafür
aus, daß entſprechend dem Antrag der Handelskammer
zu Sorau ein Geſetz, betr. die Früherlegung der Stun=
den
im Sommer, erlaſſen werde.

Deutſches Reich.

Staatsſekretär Dr. Solf gegen die
Miſchehen. Aus Swakopmund wird gemeldet:
Staatsſekretär Dr. Solf erwiderte auf die An=
ſprache
des Landesratsmitgliedes Sievers, der Reho=
bother
Bezirksrat und die Reichsbehörden ſeien gegen
die Miſchehen. Die Regierung hoffe, den Reichstag um=
zuſtimmen
. Der Bundesrat werde der Reichstagsreſo=
lution
keine Folge geben. Es ſei ausgeſchloſſen, daß die
Anerkennung der Miſchehen jemals Geſetz werde. Der
Baſtardrat erklärte bei dem Empfang, auch die Baſtards
ſeien alle gegen die Miſchehe.
Gegen eine offiziöſe Verdäch=
tigung
der nationalliberalen Partei
durch die Norddeutſche Allgemeine Zeitung hat ſich die
parteiamtliche Nationalliberale Korreſpondenz in einer
äußerſt ſcharfen Form gewendet. Das Regierungsblatt
hatte die Behauptung aufgeſtellt, es handle ſich bei dem
Kampf zwiſchen den beiden nationalliberalen Gruppen
in erſter Linie um programmatiſche Fragen der Stellung
zur Monarchie‟. Die Nationalliberale Korreſpondenz
wies dieſe ſeltſame Darſtellung des Zwiſtes im national=
liberalen
Lager nicht eben ſanft ab. Maßvoller in Form,
aber ſachlich nicht minder ſcharf als die parteiamtliche
Korreſpondenz äußert ſich jetzt auch die Königsb. Allg.
Ztg. gegen die Ausführungen der Norddeutſchen Allge=
meinen
Zeitung, indem ſie ſchreibt:
Hart an Verleumdung grenzt die Behauptung (der
Nordd. Allg. Ztg.), es handle, ſich in dem Streit um
programmatiſche Fragen der Stellung zur Monarchie,
zum Verfaſſungsſtaat uſw.. Dieſe Stellung iſt für die
nationalliberale Partei niemals eine Frage geweſen.
Denn die nationalliberale Partei iſt monarchiſch, wie
nur eine Partei es ſein kann, und ihre monarchiſche Ge=
ſinnung
in Zweifel ziehen, heißt dasſelbe, wie der Sonne
Was bedeutet es
die Leuchtkraft abſtreiten
eigentlich, daß im anerkannten halbamtlichen Blatt des
Reichskanzlers fortgeſetzt ſolche ſchmähenden Verdäch=
tigungen
gegen die nationalliberale Partei ausgeſpritzt
werden? Iſt der Reichskanzler und ſeine Regierung ſo
reich an Freunden, daß ſie glauben, die in vierzig Jah=
ren
ſtets national und monarchiſch zuverläſſig erprobte
nationalliberale Partei andauernd von nachgeordneten
Organen herausfordern und beleidigen laſſen zu dürfen?
Gewiß, die nationalliberale. Partei iſt monarchiſch und
national, nicht irgend jemandem zuliebe, ſondern aus
unverrückbarer Ueberzeugung. Aber an ihrer Ueber=
zeugungstreue
mit leichtfertigen Behauptungen zu krit=
teln
, kann niemandem erlaubt ſein, am wenigſten den

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Organen der Regierung. Es wäre Zeit, daß einmal
hier ein wenig nach dem Rechten geſehen würde; denn
auch die Regierung muß für die Fenſterſcheiben haften,
die ihre Preſſe einwirft.
Die Schwaben nehmen ab. Wie in
anderen Bundesſtaaten, ſo iſt auch in Württemberg eine
ſtarke Abnahme der Geburten zu verzeichnen. Obwohl
die Eheſchließungen ſtändig zunehmen im Jahre 1911
17952 gegen 17449 im Vorjahr , hat doch die Gebore=
nenziffer
einen Tiefſtand erreicht, der ſeit den Jahren
1827/30 nicht mehr erlebt worden iſt. Im Jahre 1911
ſind einſchließlich der Totgeborenen 71677 Geburten zu
verzeichnen gegen 74016 im Jahre 1910 und 77012 im
Jahre 1909. Auf 1000 der mittlern Bevölkerung in den
Jahren 1908/11 entfallen nur noch 29,26 Geborene (1910:
30,50; 1909: 32,02; 1908: 33,07). Der Geburtenüberſchuß
mußte, da ſich einerſeits die Geborenenzahl erniedrigte
und anderſeits die Geſtorbenenzahl erhöhte von
43611 im Jahre 1910 auf 45501 im Jahre 1911, zum
Teil eine Einwirkung des heißen Sommers auf die
Kinderſterblichkeit naturgemäß im Jahre 1911 ſtark
ſinken. Er fiel von 29391 auf 25 256, alſo um 4135. Da
der Geburtenüberſchuß ſeit 1906 durchſchnittlich über
30000 betragen hatte, ſo wird das jetzige Sinken recht
ſpürbar werden. Man kann jetzt ſchon mit Sicherheit
ſagen, daß die ſchulpflichtige Kinderzahl Württembergs
im Jahre 1917 mit etwas über 400 000 ihren Höhepunkt
erreichen, von da ab jedoch ſehr raſch abnehmen wird.
Zur Thronfolgiefrage in den Für=
ſtentümern
Schwarzburg veröffentlicht die
Köln. Ztg. eine lange Erklärung des Oberhofmarſchalls
des regierenden Fürſten von Schwarzburg=Rudolſtadt
und Sondershauſen, in der ausgeführt wird:
Die Behauptung der Kölniſchen Zeitung, daß der
Vater des Prinzen Fürſt Friedrich Günther im Jahre
1860 den Prinzen Sizzo und ſeine Schweſter ebenbürtig
erklärte, der Prinz daher mit erlangter Volljährigkeit
zur Thronfolge berechtigt geweſen ſei, und daß dieſes
Recht die Regierung von Schwarzburg=Rudolſtadt be=
ſtritten
habe, iſt unrichtig, und ſo fällt auch die Folge=
rung
, daß ſich hieraus die bis heute vorhandenen Gegen=
ſätze
entwickelt haben, von ſelbſt fort. Die Erbanſprüche
von Nachkommen ſind durch Vertrag mit den Rudol=
ſtädter
Agnaten bereits gleich nach der Verheiratung
des Fürſten im Jahre 1855 geregelt worden, und zwar
ſo, daß ein Sohn aus dieſer Ehe erſt nach Ausſterben
der alten Rudolſtädter Linie erbberechtigt ſein ſollte.
Dieſe Abmachungen wurden aber von den Sondershäu=
ſer
Agnaten zurückgewieſen und jede Anerkennung einer
Erbberechtigung von Kindern aus dieſer Ehe abgelehnt.
Als der Prinz ſich im Jahre 1896 zu vermählen wünſchte,
ſtimmten die Sondershäuſer Agnaten bei, und Prinz
Sizzo wurde jetzt von beiden regierenden Fürſten aus
freiem Willen nach Ausſterben der alten Linie als erb=
berechtigt
in beiden Fürſtentümern anerkannt. Dieſe
Anerkennung wurde dann durch beide Landtage beſtätigt.
Die Nachricht von einer Verbannung iſt ebenfalls un=
richtig
.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Das paſſive Frauenwahlrecht in Böh=
men
. Der Landesausſchuß im böhmiſchen Landtag be=
ſchloß
die Wahl der in den Landtag gewählten Frau
Vikkunetichy einer beſonderen Landtagskommiſſion zu=
zuweiſen
, um die Frage des paſſiven Frauenwahlrechts
prinzipiell zu löſen.
Frankreich.
Die Wahlreform. Die dem Verhältniswahl=
ſyſtem
günſtigen Blätter ſprachen ihre lebhafte Befrie=
digung
über den Beſchluß der Kammer aus, durch das
der als Grundlage der Wahlreform geltende Wahl=
quotient
angenommen wurde. Die Aurore ſchreibt: Das
Problem der Wahlreform, das vor einem Jahre noch
unlösbar ſchien, wird von der Kammer noch vor den
Ferien gelöſt werden und zwar mit Hilfe der republi=
kaniſchen
Partei, die nun noch zwei Jahre Zeit hat, um
ihren Wahlſieg auf Grund des neuen Wahlgeſetzes vor=
zubereiten
.

Niederlande.
Die Erweiterung des Betriebsfeldes
der Staatsgruben. In der Kammer wurde die
Vorlage, die zur Erweiterung des Betriebsfeldes der
Staatsgruben einen Kredit von 1900000 Gulden fordert,
angenommen. Acherbauminiſter Talma hatte bei der
Erörterung ausgeführt, das Land brauche die nationale
Grubeninduſtrie; das ſei der Hauptgrund, weshalb es
keine privaten Konzeſſionen für dieſes Gebiet vergeben
wolle. So vorteilhaft das deutſche Kohlenſyndikat für
Deutſchland ſei, ſo gefährlich ſei es für die Niederlande.
Schließlich erklärte der Miniſter, er verhandle mit Pri=
vatleuten
über die Ausbeutung des Baſſins Peel mit
Unterſtützung des Staates.
England.
Die Homerulebill. Nach ſechstägiger Bera=
tung
wurde im Unterhauſe der erſte Artikel der Home=
rulebill
mit 316 gegen 224 Stimmen angenommen und
die Diskuſſion geſchloſſen. Dies rief Widerſpruch bei
der Oppoſition hervor, aber der Zwiſchenfall ging ſchließ=
lich
vorüber, Das Haus ſchritt zur Beratung des zweiten
Artikels.
*
Die erſte preußiſch=ſüddeutſche Lot=
terie
. Ueber die nach Anſchluß von Baden und Würt=
temberg
an die preußiſche Klaſſenlotterie erfolgten Aen=
derungen
und Verbeſſerungen wird uns mitgeteilt: Nach
dem Plan der erſten gemeinſchaftlichen Lotterie iſt eine
Vermehrung der Loſe um 32000 Stammloſe und dem=
gemäß
auch eine Vermehrung der Gewinne erfolgt. Als
eine bedeutſame Neuerung iſt der Wegfall des bisherigen
Mitſpiels der Freiloſe für die Staatskaſſe anzuſehen,
der als eine Morgengabe der preußiſchen Finanzver=
waltung
an die neu ins Leben tretende preußiſch= ſüd=
deutſche
Klaſſenlotterie bezeichnet worden iſt. Preußen
verzichtet hierdurch auf eine halbe Million bisheriger
jährlicher Einnahmen aus der Lotterieverwaltung, um
welche Summe die Gewinnausſichten der Spieler ſich
verbeſſern. Der Spielplan zur erſten preußiſch= ſüddeut=
ſchen
Klaſſenlotterie iſt im übrigen den alten Grund=
lagen
treu geblieben, wonach unter anderem auf jedes
zweite Los ein Treffer entfällt. Die beiden Hauptge=
winne
betragen je eine halbe Million und die beiden
Prämien je 300000 Mark. Iſt in einem Ausnahmefall
das große Los der erſte größere Gewinn, der am letzten
Ziehungstage gezogen wird, ſo erhöht ſich der Gewinn
des Spielers auf 800000 Mark. Im übrigen ſind je
2 Gewinne von 200000 Mark, 150000, 100 000, 75000
und 60000, je 4 Gewinne von 50000 und 40000 Mark
vorgeſehen. Das Hauptgewicht wurde aber auf die
Ausſtattung des Planes mit mittleren Gewinnen gelegt.
Demgemäß ſieht der neue Plan 22 Gewinne zu 30000
Mark, 32 Gewinne zu 15000 Mark, 96 Gewinne zu 10000
Mark, 200 Gewinne zu 15000 Mark, 2000 Gewinne zu 3000
Mark und 5000 Gewinne zu 1000 Mark vor. Loſe in den
verſchiedenen Abſchnitten ſind bei den hieſigen Königl.
Lotterie=Einnehmern noch erhältlich.
* Stockholm, 3. Juli. Der König und die
Königin ſtatteten heute den hier liegenden beiden
Kriegsſchiffen Vineta und Viktoria Luiſe‟
einen Beſuch ab. An Bord der Vineta überreichte der
Kommandant der Königin einen Roſenſtrauß. Es fan=
den
mehrere Vorführungen an Bord ſtatt. Nach Aſtün=
digem
Aufenthalt verließ das Königspaar unter Salut
die Schiffe. Der König lud die Kommandanten der
beiden Schiffe ein, am 6. Juli in der Hofloge der feier=
lichen
Eröffnung der Olympiſchen Spiele beizuwohnen.
Ferner wurden je zehn Offiziere von beiden Schiffen
und die Kadetten eingeladen, die olympiſchen Spiele
im Stadion zu beſuchen.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 5. Juli.
* Vom Hofe. Oberſt von der Schulenburg
nebſt Gemahlin nahmen am Mittwoch an der Frühſtücks=
tafel
in Jagdſchloß Wolfsgarten teil. (Darmſt. Ztg.)
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
dem praktiſchen Arzt Sanitätsrat Dr. Wilhelm
Orth zu Darmſtadt das Ritterkreuz 1. Klaſſe des
Verdienſtordens Philipps des Großmütigen.
* Ernannt wurde der Kanzleidiener bei dem Mi=
niſterium
der Juſtiz Georg Luley in Darmſtadt zum
Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Groß=Gerau.

In den Ruheſtand verſetzt haben Se. Königl.
Hoheit der Großherzog den Bahnhofsvorſteher in
der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft Karl
Haferland zu Niederwalluf wegen geſchwächter Ge=
ſundheit
vom 1. Oktober d. Js. an und ihm aus dieſem
Anlaß das Silberne Kreuz des Verdienſtordens Philipps
des Großmütigen verliehen.
* Militärdienſtnachrichten. Zum Informationskurſus
für Stabsoffiziere der Kavallerte zur Militär=Reitſchule
kommandiert: Major Ritter u. Edler v. Loeſſl im
Dragoner=Regiment Nr. 23. Twele, Hilfsprediger in
Darmſtadt, als Militär=Hilfsgeiſtlicher unter Zuteilung zur
Großh. Heſſiſchen (25.) Diviſion angeſtellt. Angeſtellt
als Prviantamtsinſpektor Proviantamtsunterinſpektor
Nebgen in Darmſtadt.
Eugen Bracht=Ausſtellung. Von Profeſſor Eugen
Bracht, der die Ausſtellungsleitung bei den umfangrei=
chen
Vorarbeiten in dankenswerter Weiſe unterſtützt, iſt
nunmehr auch ein Plakat für die Ausſtellung entworfen
worden. Es zeigt in Schwarz=Weiß=Technik das Haupt=
motiv
von Hannibals Grab eines der hervorragend=
ſten
Werke des Meiſters und erzielt bei vornehm künſt=
leriſcher
Durchbildung eine kräftige und doch unauf=
dringliche
Plakatwirkung.
* Elizabeth Duncan=Schule. Die Teilnehmer am
Jugendſpielkongreß, der vom 28. Juni bis 2. Juli in
Heidelberg tagte, ſtatteten der Elizabeth Duncan=Schule
unter Führung Seiner Exzellenz General Neubert
einen Beſuch ab. Den Anlaß dazu gab, abgeſehen
von dem Intereſſe, das die Teilnehmer des Kongreſſes
der Elizabeth Duncan=Schule entgegen bringen, die
bereits im Vorjahre gelegentlich der Verfammlung in
der Dresdener Hygiene=Ausſtellung Angeregte Beſtre=
bung
zur Ertüchtigung des weiblichen Geſchlechts die
in das Programm des Verhandes aufgenommen und zur
beſonderen Pflege einem eigens dazu gewählten Aus=
ſchuß
überwieſen wurde. Die Kongreßteilnehmer wur=
den
vom Vorſitzenden des Komitees Herrn Hermann
von Paſſavant, begrüßt und durch einen von Direktor
Merz gehaltenen kurzen theoretiſchen Vortrag in den
Lehrgang und die Beſtrebungen der Elizabeth Duncan=
Schule eingeführt. Die Methode wurde dann an Hand
der praktiſchen Uebungen, welche die jüngeren und älte=
ren
Kinder ausführten, des Näheren erläutert. Herr
Kreisſchulkommiſſär Geheimrat Künkel brachte im
Namen der aus allen Gauen Deutſchlands erſchienenen,
durchweg dem pädagogiſchen Beruf angehörenden Teil=
nehmer
für die Darbietungen den Dank zum Ausdruck
und gab der Direktion die Verſicherung des größten
Intereſſes für die Beſtrebungen der Elizabeth Duncan=
Schule. Ein Rundgang durch das Haus und die Ueber=
reichung
der Denkſchrift der Schule beſchloß die kurze
Feier, nachdem noch General Neubert Seiner König=
lichen
Hoheit des Großherzogs, dem Förderer der Schule,
gedacht hatte.
Die Gewährung der Wohnungseinſicht durch die
Mieter. Nach erfolgter Kündigung des Mietverhältniſſes
hat der Mieter die gemieteten Räume zur Einſicht offen
zu halten. Dieſe Verpflichtung iſt im Geſetz ſelbſt nicht
feſtgelegt; ſie iſt aber auf Grund des Berichts der Reichs=
tagskommiſſion
(vergl. S. 50) in ſtändiger Rechtſprechung
als klagbarer Anſpruch des Vermieters anerkannt. Iſt
zwiſchen Vermieter und Mieter darüber nichts vereinbart,
an wieviel Stunden und zu welchen Tageszeiten die Ein=
ſicht
zu gewähren iſt, ſo entſcheidet die örtliche Verkehrs=
anſchauung
. Für eine Reihe von Städten liegen ein=
ſchlägige
gerichtliche Entſcheidungen vor. An einer ſpeziell
die Darmſtädter Verhältniſſe berührenden Entſcheidung
fehlt es bis jetzt; eine derartige Entſcheidung iſt wenig=
ſtens
bis jetzt nicht bekannt geworden. Die Städtiſche
Rechtsauskunftsſtelle hat es ſich zur Aufgabe gemacht, in
allen Fällen, in denen Rechtsverhältniſſe geſetzlich nach
Ortsgebrauch zu beurteilen ſind, den Ortsgebrauch zu er=
mitteln
und feſtzulegen. Sie hat daher, um Klärung in
der hier vorliegenden Frage zu erzielen, im abgelaufenen
Jahre mit den hieſigen Vermieter= und Mietervereinen,
die als Vertreter der in Betracht kommenden Intereſſen=
gruppen
zu gelten haben, Verhandlungen geführt, um
feſtzuſtellen, an wieviel Stunden und zu welchen Tages=
zeiten
nach herrſchender Anſicht dieſer Vertreter der Mieter
verpflichtet ſein ſoll, die Wohnungseinſicht zu gewähren.
Nach dem Ergebnis dieſer Verhandlungen wurde als
für Darmſtadt ortsüblich anerkannt: In allen
Fällen, in denen eine Vereinbarung nicht getroffen iſt, iſt
die Wohnungseinſicht von dem Mieter wochentäglich an
mindeſtens zwei Stunden zu geſtatten. Dieſe zwei Stun=
den
ſind getrennt oder ungetrennt in die Zeit von 10 Uhr
vormittags bis 5 Uhr nachmittags zu legen; ausgenom=
men
iſt die Zeit von 12 bis 1 Uhr mittags. Eine genauere
Feſtlegung war nicht möglich, da wiederum in jedem Falle
den beſonderen Intereſſen des einen oder anderen Ver=
tragsteiles
Rechnung getragen werden muß. Wer Strei=

Olympiſche Spiele von Einſt und Heut.

** Mit den impoſanten olympiſchen Spie=
len
, die gegenwärtig in Stockholm ſtattfinden, ſind
wir in die fünfte moderne Olympiade eingetreten, denn
ſeitdem 1896 in Athen zuerſt eine internationale Erneuer=
ung
dieſes griechiſchen Nationalfeſtes für
Sportund Spiel durchgeführt wurde, ſind die Olym=
piaden
ſtändig gefeiert worden, gleichſam ein Symbol
dafür, daß die alte Liebe der Hellenen für Körperübungen
wieder erwacht iſt und neue, herrliche Früchte trägt. Mehr
als 1500 Jahre trennen die letzten olympiſchen Spiele von
den heutigen.
Es war im Jahre 394 n. Chr., in der 293. Olympiade
unter der Regierung des Kaiſers Theodoſius, als das Feſt
das noch während der Herrſchaft des römiſchen Welt=
reiches
mit höchſtem Prunk begangen worden war, zum
letzten Male gefeiert wurde. Länger als 1000 Jahre hatte
die uralte Kulturſtätte die Griechenſtämme zum fried=
lichen
Wettkampfe froh vereint und eine einzigartige Be=
deutung
in der griechiſchen Geſchichte erlangt. Aus dem
Agon, dem ſportlichen Wettkampf, hat Jakob Burckhardt
in ſeiner griechiſchen Kulturgeſchichte die beiſpielloſe Ent=
faltung
der helleniſchen Kultur erklärt; aus der Pflege
der Gymnaſtik entſtand die Schönheit der Raſſe; der
Wettkampf ward zu einer gewaltigen Triebkraft, die die
Leidenſchaften aufs höchſte anſpannte, aber die Leiſtun=
gen
ebenſo ſteigerte; aus religiöſen Zeremonien, aus
Feſtſpielen bei Totenopfern entwickelte ſich der Agon; er
verlieh dem Sieger, ja dem Athleten überhaupt, eine
Verklärung, die ihn unter die Halbgötter verſetzte. Und
Olympia war das wichtigſte dieſer Feſte, war gleichſam
das Herz des ganzen Hellas, in dem in einem großen
Augenblick die Pulſe eines ganzen Volkes tief erregt
vibrierten. Man koſtete hier eine Spannung durch, die
über alles geht, was z. B. bei modernen Wettrennen
empfunden wird, und das inmitten einer Zuſchauer=
menge
, die von gleich heftigen Gefühlen bewegt war und
für die einzelnen Vorgänge eine große Kennerſchaft an

den Tag legte‟ In Pindars Liedern lebt dieſe unge=
heure
Gemütsſtimmung, der Stolz auf den Stadtgenoſſen,
der mitkämpfen darf, das Durchleben jeder Einzelheit des
Kampfes, die hingebende Verehrung des ſiegenden
Jünglings, und friedlich klingt dann das Feſt aus, wenn
das liebliche Licht des freundlichen Mondes abendlich
erglänzt und der ganze Bezirk von Liedern zum Ruhme
der Sieger widerhallt.
Aus den mythiſchen Anfängen eines uralten Feſtes
wuchſen die Spiele allmählich zur größten Veranſtalt=
ung
des griechiſchen Sports an. Zuerſt wurde nur der
einfache Lauf geübt; in der 18. Olympiade kam dann die
große Neuerung des Pentathlon, des Fünfkampfs der
den Sprung, den Fußlauf, den Diskuswurf, den Wurf
mit dem Speer und den Ringkampf umſchließt. Die
Springer, die keinen Anlauf nehmen durften, mußten 50
Fuß weit ſpringen, wobei ſie ſich aber wahrſcheinlich
großer Stangen bedienten. Beim Diskuswurf handelte
es ſich nur darum, die Metallſcheibe möglichſt weit zu
werfen; mit dem Speer aber mußte man natürlich das
Ziel treffen. Beim Ringkampf war zum Sieg nötig, daß
der Gegner dreimal mit den Schultern die Erde berührte.
In der 23. Olympiade wurde der Boxkampf mit Leder=
handſchuhen
, die mit Metallſtücken beſetzt waren, einge=
führt
; in der 25. Olympiade kamen die Wagenrennen
hinzu, die dann noch mancherlei Komplikationen erfuh=
ren
; in der 65. Olympiade erſchwerte man den einfachen
Lauf, indem die Läufer die ſchwere Hoplitenrüſtung tra=
gen
mußten, mit Helm, Schild und Beinſchienen. Neben
den körperlichen Uebungen kamen, gleichſam außer Pro=
gramm
, auch künſtleriſche Leiſtungen zur Geltung; ſo
ſtellten Maler und Bildhauer ihre neueſten Werke in
Olympia aus, Dichter zitierten ihre Werke, Philoſophen
ſuchten für Syſteme Anhänger zu gewinnen. Zugelaſſen
zu den Kämpfen war jeder Hellene ohne Unterſchied, ſo=
weit
er nicht mit Blutſchuld behaftet war oder ſich gegen
die Götter verſündigt hatte. Während der Kämpfe er=
tönte
Flötenmuſik. Die Sieger wurden feierlich aus=
gerufen
, bei der Preisverteilung mit einem Feſtmahl

geehrt und mit höchſten Ehren geſchmückt. Der Heim=
kehrende
ward im Triumphzuge in die Stadt eingeholt,
um ſeinen Kranz als Weihgeſchenk im Tempel nieder=
zulegen
, und faſt wie ein Gott gefeiert.
Die Preiſe, die zu Anfang Wertgegenſtände geweſen
waren, waren ſpäter einfache Olivenkränze, mit Bändern
verziert. Jeder Kämpfer mußte vorher in den Gymnaſien
von Elis ein zehnmonatiges Training durchgemacht
haben; doch übte man ſchon vorher lange zu Hauſe. Auch
eine ſtrenge Diät wurde durchgeführt, bei der manchem
Kämpfer nur friſcher Käſe erlaubt war. Die Leiſtungen
waren dafür aber auch großartig. So trug Milo von
Croton, der ſechsmal mit dem Olivenkranz geſchmückt
wurde, eine vierjährige Kuh auf ſeinen Schultern um
den ganzen olympiſchen Bezirk. Er war ſo ſtark in den
Beinen, daß er auf einer geölten Scheibe ſo feſt ſtand, wie
auf der Erde, und keiner ihn herunterziehen konnte; er
war ſo ſtark in den Händen, daß, wenn er einen Granat=
apfel
umſchloß, keiner ihm die Hand öffnen konnte und
die Frucht nicht beſchädigt wurde. Seine Adern ſollen
ſo ſtark geweſen ſein, daß er einen um ſeine Stirn gebun=
denen
Strick nur durch das Schwellen der Adern entzwei=
riß
. Beim Boren kamen die ſchlimmſten Verwundungen
vor, Naſen und Ohren blieben in der Arena liegen und
nur ein Beiſpiel für viele iſt jener Eurydamas von
Cyrene, der ſeine herausgeſchlagenen Zähne herunter=
ſchluckte
, um den Gegner nicht durch ſeine Leiden zu er=
mutigen
. Die Wut der Ringkämpfer beleuchtet eine
Szene, in der ein gewiſſer Arrachion, von ſeinem Geg=
ner
faſt erwürgt, dieſem eine Zehe abbrach, worauf der
andere vor Schmerz ſeine Hand hob und ſich für beſiegt
erklärte. Aber in dieſem Augenblick ſtarb Arrachion und
der Kranz konnte nur auf ſeinen entſeelten Körper gelegt
werden. Die Frage, ob die antiken Athleten unſere
modernen Sportsleute übertroffen haben, iſt viel er=
örtert
worden, läßt ſich aber kaum entſcheiden, da be=
ſtimmte
Angaben über die antiken Leiſtungen ſo gut wie
völlig fehlen.

[ ][  ][ ]

tigkeiten ausſchalten will, treffe alſo bei Abſchluß des
Mietvertrages auch über die Frage der Wohnungsbeſich=
tigung
eine unzweideutige Vereinbarung. Es ſei noch
angefügt, daß die beſprochene Verpflichtung des Mieters
mit dem Tage, an dem die Kündigung erklärt wird, be=
ginnt
.
* Dienſtjubiläen. Am 2. Juli waren es 40 Jahre,
daß Herr Werkmeiſtrr Fr. Freihaut auf eine un=
unterbrochene
Tätigkeit bei der Firma Joſ. Deutſch
G. m. b. H. Kaſſenſchrankfabrik, hier, zurückblicken konnte.
Aus dieſem Anlaß hielt der Inhaber der Firma, Herr
Gottfried Deutſch, vor verſammeltem Perſonal eine
paſſende Anſprache, worin er dem Jubilar für ſeine
langjährige treue und erſprießliche Mitarbeit, die zum
Emporblühen der Firma weſentlich beigetragen hat, in
herzlicher Weiſe dankte und ſeine beſten Glückwünſche
ausſprach bei gleichzeitiger Ueberreichung eines von der
Handwerkskammer verliehenen Ehrendiploms. Unter
den vielen ſonſtigen Ehrungen, die Herrn Freihaut an
dieſem Tage zuteil wurden, befand ſich auch eine ſolche
der Großh. Landesverſicherungsanſtalt, deren Vorſtand
derſelbe ſeit vielen Jahren angehört.
Vergangenen Montag waren es 25 Jahre, daß Frl.
Eliſe Pöhmann bei Frau Vogel, hier, Schloßgartenſtr. 63,
in Dienſten ſteht. Zu ihrem Jubeltage wurde die
Jubilarin von vielen Seiten mit Glückwünſchen und
ſchönen Geſchenken bedacht.
Verbotene Lotterien. Man ſchreibt uns: Zur=
zeit
wird die hieſige Stadt mit Einladungen zur Be=
teiligung
an der Hamburger Stadtlotterie und der
Däniſchen Koloniallotterie geradezu überſchwemmt. Faſt
in jedes Haus wird ein derartiger Proſpekt geſandt.
Es darf darauf hingewieſen werden, daß das Spielen
in den genannten Lotterien geſetzlich verboten und unter
Strafe geſtellt iſt. Die Däniſche Koloniallotterie iſt
ſelbſt in Dänemark nicht geſtattet. Die in den Offerten
angegebenen Adreſſen, an die das deutſche Publikum
ſein Geld ſenden ſoll, ſind in den meiſten Fällen Deck=
adreſſen
, nicht etwa ſtaatlich angeſtellte Perſonen, und
hat der Spieler daher keinerlei Garantie. Im Groß=
herzogtum
Heſſen iſt es nur geſtattet, in der Preußiſch=
Süddeutſchen Klaſſenlotterie zu ſpielen.
* Städtiſche Leſe= und Bücherhalle. Im Monat
Juni wurde die Leſehalle im ganzen von 3193 Per=
ſonen
beſucht (im Juni 1911 von 3240), durchſchnittlich
an jedem Tage von 106 Beſuchern. Aus der Bücherhalle
nach Hauſe entliehen wurden im ganzen 9249 Bände
(1911: 8556), darunter 3515 wiſſenſchaftliche und be=
lehrende
Werke. Die Zahl der ſeit dem 1. April d. J.
neu eingeſchriebenen Leſer ſtieg auf 2434. An Bücher=
geſchenken
gingen in dieſem Monat weiter ein: Von
Frau Dr. Bender 4 Bde., von Frau Baurat Dittmar
8 Bde. und 2 Jahrg. Zeitſchr., von Frau Palaisinſpektor
Dochnahl 3 Jahrg. Zeitſchr., von Herrn Privatier Frank
3 Bde., von Frl. M. Kleinſchmidt 3 Bde., von Herrn
Ingenieur Klopfer 10 Bde., von Frau Miniſter Küchler
34 Jahrgänge Zeitſchr., vom Geſangverein Liederzweig=
Arheilgen 2 Schriften, von Herrn Oberlehrer Dr. Lotz
7 Bde. Allen Gebern herzlichen Dank! Weitere
Sc enkungen von Büchern, ſoweit ſolche nicht veraltet,
ſind jederzeit willkommen.
Einziehung von Fernſprechgebühren. Am
5. Juli wird mit der Einziehung der Fernſprech=
gebühren
begonnen werden. Es empfiehlt ſich, die
fälligen Beträge bereitzuhalten.
* Grundſtücksverkehr. (Mitgeteilt von dem Darm=
ſtädter
Hausbeſitzerverein.) Es wurden im Monat Juni
folgende Verkäufe bei dem Ortsgericht Darmſtadt I
abgeſchloſſen: 4 Verkäufe über bebaute Grundſtücke mit
115500 Mark, 3 Verkäufe über unbebaute Grundſtücke
mit 23 635 Mark, zuſammen 139 135 Mark.
Burgerverein und Darmſtädter Fechtklub.
Wir verweiſen hiermit auf die im Anzeigenteil bekannt=
gegebene
Mitteilung des Bürgervereins und
Darmſtädter Fechtklubs; das für nächſten Sonn=
tag
, den 7. Juli, geplante geſellige Zuſammenſein im
Vereinsgarten wird auf ſpäter verſchoben, es findet
an dieſem Tag ein Familien=Ausflug in den Oden=
wald
ſtatt. Das Gartenfeſt im Vereinsgarten mußte
auf den 13. Juli verlegt werden.
Schützenhofkonzert. Heute Freitag findet im
Schützenhof auch bei ungünſtiger Witterung ein Konzert
der Kapelle des Leibg.=Inf.=Regt. Nr. 115 ſtatt. (Siehe
Anzeige.)
* Hugenſchütz’ Felſenkeller. Heute Freitag kon=
zertiert
wieder die Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=Regts.
Nr. 61 unter Herrn Obermuſikmeiſter M. Webers
Leitung. Im Anzeigenteil iſt das Programm erſichtlich
und ſei an dieſer Stelle noch erwähnt, daß der II. Teil
nur Solovorträge und der III. Teil nur Wiener Volks=
muſik
enthält, was vielfachen Wünſchen entſpricht.
*Brauerei Fay, Alexanderſtraße 23, veranſtaltet
heute abend 8 Uhr wieder ein Militär= Streich=
konzert
bei freiem Eintritt. (Siehe Anz.)

Nieder=Modau, 3. Juli. Als eine Folge des Zuſam=
menbruchs
der hieſigen Spar= und Darlehns=
kaſſe
, der bekanntlich dem ganzen Modautale den
wirtſchaftlichen Ruin brachte, iſt jetzt auch die Konkurs=
eröffnung
über den Landwirtſchaftlichen Kon=
ſumverein
zu betrachten.
Rüſſelsheim, 3. Juli. Durch ein großes Scha=
denfeuer
wurde geſtern nachmittag das geſamte An=
weſen
des Landwirts L. Rudolf bis auf die Grund=
mauern
eingeäſchert. Auch das Wohnhaus wurde ein
Raub der Flammen. Wie der Brand entſtand, korn,
bisher nicht feſtgeſtellt werden, da alle Hausbewohner
auf dem Felde weilten.
Guntersblum, 3. Juli. Viel belacht wurde eine
Szene, die ſich in den letzten Tagen am Billettſchalter
des Bahnhofes eines benachbarten Ortes abſpielte.
Kommt da eine Frau aus dem Arbeiterſtande und ver=
langt
eine Fahrkarte. Als ſie eine Fahrkarte zweiter
Klaſſe erhält, weiß ſie ſich vor Staunen kaum zu faſſen
und meinte: Daß ich vierter unn nit zwater
Klaſſfahre du, muß doch en Blinder ſehe.
Der Beamte machte ſeinen Irrtum mit Verabfolgung
einer Karte vierter Klaſſe wieder gut, und die Frau
konnte ſich hocherfreut wieder in ihre gewohnte Klaſſe
begeben.
Alzey, 3. Juli. Plötzlich irrſinnig gewor=
den
iſt ein hieſiger Händler. Nachdem er im Schützen=
haus
verſchiedene Gegenſtände demoliert hatte, lief er
in die Totenhalle des Friedhofes, woſelbſt er alles zer=
ſtörte
. Auf dem Friedhof ſelbſt zerſtörte er ein Grab=
denkmal
. Nur mit größter Anſtrengung konnte er über=
wältigt
werden. Der bedauernswerte Mann kam in
die hieſige Heilanſtalt
Ober=Mörlen, 3. Juli. Heute Nacht wurde in der
hieſigen Kirche eingebrochen. Der Dieb ſtieg
durch das Fenſter in die Sakriſtei, gelangte von hier in
die Kirche und erbrach den Opferſtock. Wie hoch der
Betrag war, der dem Spitzbuben in die Hände gefallen
iſt, kann nicht mit Beſtimmtheit angegeben werden. Bis
jetzt hat man von dem Täter noch keine Spur. Auch
ein zugezogener Polizeihund vermochte keine Spur auf=
zunehmen
.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 3. Juli. Am 14. Juli
treffen die auf einer von dem engliſchen Studentenkomitee
in London veranſtalteten Studienreiſe begriffenen eng=
liſchen
Studenten in Berlin ein. Am 15. Juli
findet Empfang in der Aula ſtatt. Am 20. Juli wird die
Fahrt nach Jena fortgeſetzt. Zu dem Unwetter
in Großberlin wird noch gemeldet, daß zahlreiche
Kolonnen von Straßenreinigern, ſowie mehrere Feuer=
wehrzüge
die ganze Nacht hindurch unausgeſetzt beſchäf=
tigt
waren, die überſchwemmten Straßen wieder für den
Verkehr herzurichten. Am Alexanderplatz und in der
Schönhauſer Allee waren beſondere Schwierigkeiten zu
überwinden, ehe es gelang, einen Abfluß für die ange=
ſtauten
Waſſermaſſen zu finden. Die erſten Frühzüge
der Straßenbahn mußten noch umgeleitet werden.
Das Kammergericht hat in einer wichtigen Entſcheidung
zu der Frage des Beſuches von Kindern in
Kinematographentheatern Stellung genom=
men
. Das Kammergericht hat die Verordnung des Ber=
liner
Polizeipräſidenten, die den Beſuch von Kindern in
Kinotheatern nach 9 Uhr abends unter allen Umſtänden
verbietet, für rechtsgültig erklärt. Es beſtehe kein Be=
denken
gegen die Verordnung, da gerade in den ſpäten
Abendſtunden tatſächlich Vorführungen veranſtaltet zu
werden pflegen, die zwar gegen die Filmzenſur nicht ver=
ſtoßen
, aber für Kinder doch gänzlich ungeeignet ſind. Die
Erfahrung in Berlin lehre, daß eine Vorſchrift, die den
Kindern den Beſuch in Begleitung Erwachſener geſtattet,
den Zweck einer Verordnung zum Schutze der Kinder
nicht erfüllen würde.
Frankfurt, 4. Juli. Geſtern abend ging über Frank=
furt
und Umgebung ein ſchweres Gewitter nieder,
wobei der Blitz in die elektriſche Leitung der Straßenbahn
ſchlug und eine Verkehrsſtörung veraulaßte, die jedoch
nach wenigen Minuten wieder behoben war.
Straßburg i. Elſ., 3. Juli. Vor dem Direktions=
gebäude
der Straßburger Straßenbahn ſtand
ein Mädchen, einen Korb am Arm und weinte. Es
hatte auch Grund dazu; denn es war ſeine Hoffnung,
als Prämie für ihren Fleiß auf Koſten der Straßen=
bahndirektion
irgendwo in den Vogeſen einen vier=
wöchigen
Ferienaufenthalt verbringen zu
dürfen, getäuſcht worden. Und das tut bitter weh;
darum ſchluchzte das kleine Mädchen auch derart, daß
es zum Erbarmen war. Denn wenn man wochenlang
eifrigſt abgelegte Straßenbahnbilletts ſammelt, und
dann 50000 ſolcher koſtbaren Dinge beiſammen hat und
ſie voll Freude ſauber abgezählt in Paketchen verſchnürt
in den Handkorb legt, und wenn man dann pochenden

Herzens vor dem geſtrengen Herrn Straßenbahndirek=
tor
ſteht und dann von dem hohen Herrn die Auskunft
bekommt, daß kein wahres Wort daran ſei, daß die
Straßenbahndirektion gegen Rückgabe von 50000 ent=
werteter
Straßenbahnſcheine verſprochen habe, ein ſchul=
pflichtiges
Kind 4 Wochen lang auf ihre Koſten in einen
Ferienaufenthalt zu ſchicken wenn man derart aus
allen Himmeln geriſſen wird, ſo iſt das wohl zum Wei=
nen
. Aber es war nichts zu machen, und doch war in
den Kreiſen der Straßburger Volksſchuljugend in den
letzten Wochen vor den Ferien das Gerücht verbreitet,
daß die Straßenbahn ein derartiges Angebot gemacht
habe. Eine wilde Jagd ſetzte ein auf alle Straßenbahn=
billetts
, die Verkehrsgäſte der Straßenbahn waren ihres
Lebens kaum ſicher; denn kaum hatte einer den Fuß zum
Ausſteigen auf das Trittbrett geſetzt, ſo ſtürmten Kna=
ben
und Mädchen auf ihn zu und ſchrien: Bitte,
geben Sie mir das Billekt. Um allen Gerüchten die
Spitze abzubrechen, ſah ſich daher die Straßen=
bahndirektion
veranlaßt, öffentlich bekannt zu
geben, daß von einem ſolchen Verſprechen ſeitens der
Straßembahn nie die Rede war.
Düſſeldorf, 3. Juli. Die Torpedoboote S. 177,
178 und 179 ſind heute abend 7 Uhr hier eingetroffen und
von dem auf der Rheinbrücke und an den Ufern des Rheins
verſammelten, nach tauſenden zählenden Publikum mit
großem Jubel begrüßt worden.
Elberfeld, 3. Juli. Das Schwurgericht ver=
urteilte
den Werkmeiſter Schoppenhaus aus Kro=
nenberg
, der am 26. März 1912 den 68jährigen Kohlen=
agenten
Hengſtenberg aus Remſcheid ermordet hat, we=
gen
Mordes und ſchweren Raubes zum Tode, wegen
verſuchten Raubes und Meineids zu 1 Jahr 6 Monaten
Zuchthaus und die mitangeklagte Frau Kerſten wegen
Begünſtigung zu 6 Monaten Gefängnis.
Duisburg=Ruhrort, 4. Juli. Auf der Hütte Phönix
ſtürzte heute vormittag bei der Mauerung eines Ge=
wölbes
ein Gerüſt ein. Ein Arbeiter wurde unter
den Trümmern begraben und war ſofort tot, einer wurde
ſchwer verletzt. Drei Leichtverletzte konnten ſich ohne Hilfe
nach Hauſe begeben.
Hamburg, 3. Juli. Der Tapezierergehilfe Joſeph
Kniep und der angebliche Maler Kaſchenbach,
deren Verhaftung bereits gemeldet wurde, kommen
zweifellos als die Diebe der Kakſerkette in
Köln in Betracht. Die Kölner Behörde hat telegra=
phiert
, daß auf beide das Signalement der Diebe genau
paßt. Inzwiſchen hat im Laufe des Vormittags die
hieſige Behörde feſtgeſtellt, daß Kaſchenbach ſich eines
falſchen Namens bedient. Er heißt eigentlich Hoch=
geſchurz
, iſt Kölner und wird wegen ſchweren Dieb=
ſtahls
von dort aus ſteckbrieflich verfolgt. Das hat auch
der Verhaftete ſelbſt zugeben müſſen. Die Schweſter
Knieps iſt die Geliebte von Hochgeſchurtz. Die beiden
Männer behaupten, in Hamburg keine Wohnung zu be=
ſitzen
. Sie wollen ſie aller Wahrſcheinlichkeit nach nicht
angeben, weil dort noch Diebesgut aufbewahrt wird,
vor allem auch die wertvollen flachen Diamanten, die die
beiden Verhafteten in Gemeinſchaft mit dem Artiſten
Rolla hieſigen Geſchäften zum Kauf angeboten haben.
Itzehoe, 3. Juli. Auf dem Lockſtedter Lager
wurden, den Itzehoer Nachrichten zufolge, durch einen
fehlgegangenen Schuß, der in den Beobachtungsturm
eindrang, Oberleutnant König vom Lauenburgiſchen
Feldartillerie=Regiment Nr 45, Sergeant Wulf, Unter=
offizier
Schnabel, Unteroffizier der Reſerve Freuden=
reich
(Verletzung unbekannt) vom Feldartillerie= Regi=
ment
(Schleswigſches) Nr. 9 ſchwer, Leutnant Böhm
von demſelben Regiment leicht verwundet. Die
Kanoniere Schilling und Henſel von demſelben Regiment
wurden getötet.
Luxemburg, 3. Juli. Ende des Monats erfolgt die
Ueberführung der ſterblichen Ueberreſte des
Großherzogs Wilhelm aus der hieſigen prote=
ſtantiſchen
Kirche nach Schloß Weilburg in Naſſau und
ihre Beiſetzung in der dortigen Familiengruft.
Paris, 4. Juli. Wie aus Luneville gemeldet
wird, hat der Ordonnanzburſche Charbonnier geſtanden,
daß er der Urheber des in der Wohnung des Generals
Varin verübten Diebſtahls iſt. Gleichzeitig er=
klärte
er, daß er es lediglich auf das im Schreibtiſch
aufbewahrte Geld abgeſehen hatte.
Marſeille, 4. Juli. In einem Steinbruch wurden
geſtern abend durch vorzeitige Exploſion einer
Sprengmine 6 Arbeiter getötet.
Toulon 4. Juli. Die zur Unterſuchung der Kata=
ſtrophe
des Panzerkreuzers Jules Miche=
let
eingeſetzte Kommiſſion hat die Vermutung ausge=
ſprochen
, daß an dem Unglück außer dem Pulver B viel=
leicht
auch ein mangelhaftes Reinigen der Geſchütze ſchuld
geweſen ſei.

Vorträge.

g. Die Jugendpflege und die Gebilde=
ten
. Ein zahlreiches Publikum von jungen Akademikern
und älteren in der Jugendpflege tätigen Herren hatte ſich
am Mittwoch abend zu dem vom Verein deutſcher
Studenten im Kaiſerſaal veranſtalteten Vortrags=
abend
eingefunden. Stud. Reineke begrüßte die Erſchie=
nenen
und erteilte zunächſt Herrn Generalmajor von
Jung das Wort, der über das Werden und das Wirken
des Jungdeutſchlandbundes ſprach. Er ſchilderte wie in
Frankreich nach dem Kriege 1870/71 das Beſtreben, die
Wehrkraft des Volkes zu heben, dazu führte, eine um=
faſſende
Jugendpflege einzurichten und damit eine körper=
liche
Geſundung der Jugend und ſomit des ganzen Volkes
herbeizuführen. Er zeigte mit beredten Worten, wie in
England nach dem Burenkriege aus demſelben Beſtreben
die mächtige Pfadfinderbewegung ſich entwickelte, wie Ja=
pan
durch körperliche Ausbildung der Jugend ſo hervor=
ragende
kriegeriſche Erfolge ermöglichte. Er ſchilderte wie
vor 100 Jahren die Körperpflege bei uns in hoher Blüte
ſtand und im Laufe der Zeit leider immer mehr vernach=
läſſigt
wurde. Es ſei die Schulbildung allein nicht aus=
reichend
, um ein vorwärtsſtrebendes mächtiges Volk zu
bleiben, ſondern die körperliche Ausbildung müſſe viel
mehr in den Vordergrund geſtellt werden als bisher.
Deshalb ſei es ein großes Verdienſt des Generalfeldmar=
ſchall
Frhrn. v. d. Goltz, daß er den Jungdeutſchlandbund
gegründet habe, der keinerlei militäriſchen Drill bezwecke,
ſondern lediglich eine körperliche Erſtarkung der deutſchen
Jugend und damit auch die Wehrfähigkeit des ganzen
Volkes. Aber nicht nur auf die männliche, ſondern auch
auf die weibliche Jugend, und zwar ohne Anſehen der Re=
ligion
und politiſchen Anſchauung der Eltern erſtrecke ſich
die Tätigkeit des Jungdeutſchlandbundes. Doch benötige
der Bund dazu vor allem der Mithilfe der akademiſchen

Jugend, das Intereſſe dieſer Kreiſe zu erwecken ſei der
Zweck dieſes Abends. Lebhafter Beifall folgte dieſen
Ausführungen. Stud. Reineke teilte ſodann mit, daß ſich
an der hieſigen Hochſchule in Würdigung des Wertes
einer guten körperlichen Ausbildung ein Ausſchuß für
Jugendpflege gebildet habe.
Sodann ergriff Herr Dr. Reimers=Berlin das
Wort. In begeiſterten Worten führte Redner der akade=
miſchen
Jugend die Notwendigkeit vor Augen, ſich in den
Dienſt der Jugendpflege in Turn=, Wander= und Volks=
bildungsvereinen
zu ſtellen. Es ſei ſchon leider ſo weit
gekommen, daß man ſich gegenſeitig nicht verſtehen könne.
Der Akademiker werde heute in den breiten Schichten des
Volkes mit Mißtrauen empfangen, man mißtraue ihren
ſittlichen und ſozialen Anſchauungen. Dieſes Mißverſtehen
liege nicht nur in wirtſchaftlichen und techniſchen Anſchau=
ungen
, ſondern in der ganzen Denkweiſe, in ſozialen und
religiöſen Fragen. Dieſes Nichtverſtehen ſei das aller=
traurigſte
Zeichen unſerer Zeit, es ſei aber nicht zum
mindeſten von den akademiſchen Kreiſen ſelbſt verſchuldet
worden, beſonders durch ihr früheres ſittliches Beiſpiel
hätten ſie verheerend gewirkt. Deshalb ſei es eine ſittliche
Pflicht, ſoziale Betätigung zu pflegen und dadurch ein
gegenſeitiges Verſtehen zu ermöglichen. Nur durch per=
ſönlichen
Verkehr ſei es möglich, Vertrauen und Freunde
zu gewinnen, nicht durch Schriften und Reden. Es
ſprachen ſodann noch im Namen des Heſſiſchen Landesver=
bands
Jungdeutſchland Generalmajor Frhr. v. Heyl,
Herr Dr. med. Vidal als Vertreter der Abſtinenzbeweg=
ung
, Profeſſor Kiſſinger und Herr Profeſſor Dr.
Finger, der im Namen des Lehrkörpers der hieſigen
Techniſchen Hochſchule ausſprach, daß auch dieſer den Be=
ſtrebungen
durchaus fördernd gegenüberſtehe. Mit einem
Dank an die Redner des Abends ſchloß der Vorſitzende die
gut verlaufene Verſammlung.

Feuilleton.

C) Was eine Menukartenſammlung verrät. In Lon=
don
, in der Shaftesbury Avenue, hütet man einen koſt=
baren
Schatz. Die Genfer internationale Vereinigung der
Hotelangeſtellten beſitzt eine eigenartige Sammlung, die
in ihrer Art die größte der Welt iſt: die Sammlung hiſto=
riſcher
Menukarten, die, in 60 große Lederbände geordnet,
nicht weniger als 50000 Speiſekarten berühmter Banketts
und großer Hoftafeln enthält. Ein engliſcher Schriftſteller
hat in dieſen Tagen Gelegenheit gehabt, dieſe der Allge=
meinheit
nicht zugängliche Kollektion zu durchblättern und
er gibt in einer Wochenſchrift eine intereſſante Schilderung
von manchen Einzelheiten, die dieſe Sammlung dem auf=
merkſamen
Beobachter verrät. Denn die Menus geben
einen Einblick in den Wandel der Mode und verraten uns
zugleich die Vorlieben berühmter Herrſcher für gewiſſe Ge=
richte
und Speiſen. In England wurden die Speiſe=
karten
am Hofe bei dem Regierungsantritte der Königin
Viktoria zum erſtenmal gedruckt; der feine, elfenbeinfarbene
Karton trägt als einzigen Schmuck eine goldgepreßte Krone
und darunter die Buchſtaben V R and I‟ Den Menus
kann man entnehmen, daß die Herrſcherin zwei Lieblings=
gerichte
hatte, poſchierte Eier auf Toaſt und Hammelhachée,
denn immer wieder tauchen auf den königlichen Speiſe=
karten
dieſe beiden Gerichte auf. Mit König Eduards
Thronbeſteigung vermehren ſich dann die Gerichte und
Gänge, der Geſchmack eines Gourmets und eines Lebens=
künſtlers
zwingt den Hofkoch, für eine reiche Folge von
Leckerbiſſen zu ſorgen, und von dieſem Tage an erſcheknt
regelmäßig ruſſiſcher Kaviar auf der königlichen Tafel.
König Eduard läßt ihn ſich mit Schwarzbrot und Zitronen
ſervieren, bisweilen auch mit Toaſt; die Schatullenverwal=
tung
muß für das Pfund des erleſenſten Kaviars nicht
weniger als 60 Mark bezahlen. Die britiſche Hofküche feiert
ihren größten Triumpb bei dem großen Bankett, das regel=

[ ][  ][ ]

Tours, 4. Juli. In dem Juſtizpalaſt wurde in der
vergangenen Nacht ein Einbruchsdiebſtahl verübt
und insbeſondere mehrere koſtbare Schmuckſachen, Revol=
ver
und Meſſer entwendet, die im Prozeß des wegen
Mordes zu 20 Jahren Kerker verurteilten Gutsbeſitzers
Ghuſſard als Corpus dilicti gedient hatten.
London, 3. Juli. Die Unterſuchung über das Un=
glück
der Titanic wurde heute abgeſchloſſen. Der
Vorſitzende des Gerichtshofes teilte mit, daß das Urteil
ſo bald wie möglich verkündet würde.
Bukareſt, 4. Juli. In der vergangenen Nacht iſt ein
Automobil mitz einem Eiſenbahnzug zuſam=
mengeſtoßen
. Drei Perſonen wurden ſchwer ver=
letzt
, drei getötet, darunter der franzöſiſche Publiziſt
Pierre Chilot.

VIII. ordentliche evangeliſche Landesſynode.

Die elfte Sitzung wurde geſtern vormittag 9¼ Uhr mit
einem von Syn.=Abg. Hartmann geſprochenen Gebet er=
öffnet
.
Zur Beratung ſteht die Vorlage Großh. Ober=
konſiſtoriums
, die Verbeſſerung der Ein=
künfte
der Pfarrſtellen und des Zentral=
kirchenfonds
betreffend. Das Geſetz hat folgen=
den
Wortlaut: § 1. Bei Gründung einer neuen Pfarrſtelle
iſt nach Maßgabe der §§ 2, 3 und 4 der Nachweis eines
angemeſſenen Einkommens zu erbringen. § 2. Als Min=
deſteinkommen
einer Pfarrſtelle ſoll außer einer Amts=
wohnung
oder der an ihre Stelle tretenden Wohnungsver=
gütung
jährlich der Betrag von 3500 Mark ſichergeſtellt
werden. Dieſer kann beſtehen in a) den Erträgniſſen
liegender Güter, b) den Zinſen vorhandener Kapitalien
oder dinglich ſichergeſtellter Forderungen, e) dem Geldwert
von Naturalien, d) Barzuſchüſſen aus öffentlichen Fonds,
vorbehältlich deren Umwandlung in Kapitalrenten im
Sinne von pos. b. § 3. Das in § 2 feſtgeſetzte Mindeſt=
einkommen
der Pfarrſtellen haben aufzubringen: a) die=
jenigen
Kirchengeminden, für welche die Pfarrſtelle ge=
gründet
wird, und, inſoweit dies nach ihrer finanziellen
Leiſtungsfähigkeit nicht möglich iſt, b) der gemäß § 13 im
Zentralkirchenfonds zu bildende Pfründenverbeſſerungs=
fonds
. Die von den Kirchengemeinden zum Mindeſtein=
kommen
aufzubringenden Beträge ſind unter eingehender
Würdigung ihrer finanziellen Leiſtungsfähigkeit feſtzu=
ſetzen
. Eine der zu erwartenden wachſenden Leiſtungs=
fähigkeit
der Kirchengemeinden ſich anpaſſende allmäh=
liche
Steigerung der Leiſtungen iſt zuläſſig, ſei es, daß
dies bereits bei Gründung der Pfarrſtelle in Ausſicht ge=
nommen
oder ſpäter in ſinngemäßer Anwendung der §§ 5
und 6 durch Großh. Oberkonſiſtorium angeordnet wird.
Bezüglich der Beſchaffung der Wohnung für den In=
haber
der Pfarrſtelle bleibt es bei den Beſtimmungen in
§ 2 des Kirchengeſetzes vom 10. April 1901, betreffend die
Gehalte der Geiſtlichen. § 4. Die Beſtimmungen der §8
13 finden ſinngemäße Anwendung auf diejenigen Fälle,
in denen Standesherren gemäß Art. 30 des Geſetzes vom
18. Auguſt 1858, betreffend die Rechtsverhältniſſe der
Standesherren des Großherzogtums, das Patronat bezw.
Präſentationsrecht für eine neu errichtete Pfarrſtelle er=
werben
wollen. § 5. Für die bei Erlaß dieſes Geſetzes
bereits gegründeten und ſtändig zu beſetzenden Pfarr=
ſtellen
iſt inſoweit ſie ein Jahreseinkommen von 3500
Mark nicht haben ein Mindeſteinkommen von 3500 Mark
gemäß § 6 in derſelben Weiſe ſicher zu ſtellen, wie dies in
§ 2 für die neu zu gründenden Pfarrſtellen vorgeſehen iſt.
Bei Berechnung des für die Pfarreien bereits vorhande=
nen
Einkommens werden die Einkünfte mehrerer für eine
Kirchengemeinde oder ein Kirchſpiel oder für Kirchenge=
meinden
mit Finanzgemeinſchaft gegründeten Pfarrſtellen
zuſammengerechnet. Dasſelbe gilt für die dauernd gleich=
berechtigt
vereinigten Gemeinden. § 6. Die Fehlbeträge
an dem in § 5 feſtgeſetzten Mindeſteinkommen der Pfarr=
ſtellen
haben aufzubringen: a) die zur Pfarrei gehörigen
Kirchengemeinden und, inſoweit dies nach ihrer finan=
ziellen
Leiſtungsfähigkeit nicht möglich iſt, b) der gemäß
§ 13 im Zentralkirchenfonds zu bildende Pfründenver=
beſſerungsfonds
. Die Höhe der Leiſtungen der einzelnen
Kirchengemeinden, welche mindeſtens 20 Mark pro Jahr
betragen ſoll, hat ſich nach der finanziellen Leiſtungsfähig=
keit
der Kirchengemeinde zu richten und wird innerhalb
des Voranſchlags feſtgeſetzt. § 7. Vom 1. April 1913 ab
ſind die auf die Pfarrbeſoldungsgrundſtücke entfallenden
Gemeindeſteuern oder ſonſtige öffentliche Abgaben, inſo=

weit dieſe durch Vertrag nicht von Dritten übernommen
ſind, von der die Pfarrei bildenden Kirchengemeinde ode
der Geſamtheit der dazu gehörigen Kirchengemeinden und
Filialorte zu tragen. Gehören zur Pfarrei mehrere Ge
meinden, ſo haben ſie die genannten Abgaben nach dem
Verhältnis zu übernehmen, in welchem ſie herkömmlich
zu den gemeinſchaftlichen Kirchſpielkoſten beitragen. Be
ſteht ein Herkommen nicht, ſo ſind die fraglichen Abgaben
auf die Parochianen nach den für die Erhebung der Ge=
meindeumlagen
maßgebenden Grundſätzen auszuſchlagen
Bei gleichberechtigt vereinigten Gemeinden mit getrennter
Pfarrbeſoldungen trägt jede Kirchengemeinde die auf ihre
Pfarrbeſoldungsgüter entfallenden Abgaben. § 8. Hat
eine Pfarrſtelle einen höheren Jahresertrag als 3500
Mark, ſo kann die nach § 7 zur Zahlung der Gemeinde=
ſteuern
oder ſonſtigen öffentlichen Abgaben verpflichtete
Kirchengemeinde oder das Kirchſpiel auf Antrag von dem
die Summe von 200 Mark überſteigenden Betrag der Ab=
gaben
durch Beſchluß des erweiterten Oberkonſiſtoriums
befreit werden. § 9. In allen Fällen der §§ 7 und 8 iſt es
den Kirchengemeinden geſtattet, ſich durch Ablöſung von der
weiteren Verpflichtung zur Zahlung der öffentlichen Ab=
gaben
zu befreien. Der Berechnung des Ablöſungs=
kapitals
iſt der 20fache Betrag der im Durchſchnitt der letz=
ten
5 Jahre auf die fraglichen Beſoldungsgüter entfallen=
den
öffentlichen Abgaben zugrunde zu legen. § 10. Die
nach §§ 79 von den Kirchengemeinden zu leiſtenden Ab=
gaben
werden Beſtandteile des Einkommens der Pfarr=
ſtellen
und ſind in die von den Kirchengemeinden nach §§ 2,
3, 5 und 6 zu leiſtenden Zuſchüſſe einzurechnen. § 11. Hat
die Ablöſung von Berechtigungen einer Pfarrei nach Maß=
gabe
des Staatsgeſetzes vom 24. Juli 1899, betreffend die
Umwandlung und Ablöſung von Reallaſten und Dienſt=
barkeiten
, ſtattgefunden und überſteigt der Zinsertrag des
Ablöſungskapitals den Ertrag der Berechtigung nach dem
Durchſchnitt der letzten 12 Jahre, ſo iſt der jährliche Mehr=
ertrag
an Zinſen dem Ablöſungskapital inſolange zuzu=
ſchlagen
, bis dasſelbe auch bei einer 3prozentigen Ver=
zinſung
den früheren Ertrag der Berechtigung erbringt.
§ 12. Werden Grundſtücke der Pfarrbeſoldungsfonds ver=
kauft
und überſteigen die Zinſen des Erlöſes die im Durch=
ſchnitt
der letzten 5 Jahre mit den Grundſtücken erzielten
Renten, ſo iſt für die Dauer von 30 Jahren vom 1. April
des Verkaufsjahres an gerechnet in jedem Rechnungsjahr
1 Prozent des Erlöſes im Pfarrbeſoldungsfonds zu ka=
pitaliſieren
. Die hier vorgeſehene Vermehrung des Ka=
pitals
kann in kürzerer Zeit erfolgen, wenn der durch den
Grundſtücksverkauf erzielte Mehrertrag der Pfarrſtelle dies
geſtattet. § 13. Für die Fälle der §§ 3 Ziffer b und 6
Ziffer b iſt im Zentralkirchenfonds ein beſonderer Fonds
zu bilden, durch deſſen Erträgniſſe die von den Kirchen=
gemeinden
nicht aufzubringenden Teile des nach §§ 2 und
5 feſtgeſetzten Mindeſteinkommens der Pfarrſtellen ſicher=
geſtellt
werden. Dieſes unter der Bezeichnung Pfründen=
verbeſſerungsfonds
anzuſammelnde Vermögen iſt den
Pfründen gleich zu achten und kann nur auf Grund
Kirchengeſetzes veräußert werden. § 14. Dem Pfründen=
verbeſſerungsfonds
ſind zu überweiſen: 1. Die im Zentral=
kirchenfonds
bereits vorhandenen, durch ältere Erſparniſſe
angeſammelten Kapitalien. 2. Die von einzelnen Kirchen=
gemeinden
oder Stiftungen dem Zentralkirchenfonds zur
Ablöſung der ihnen auferlegten Umlagen ſeit dem Rech=
nungsjahr
1910 bereits überwieſenen oder noch zu über=
weiſenden
Kapitalien. 3. Die dem Zentralkirchenfonds
durch den Verlag und Vertrieb des Geſangbuchs, der Bib=
liſchen
Geſchichte und anderer innerhalb der evangeliſchen
Landeskirche für das Großherzogtum Heſſen eingeführten
oder noch einzuführenden Bücher zufließenden Ein=
nahmen
. 4. Der aus den unter pos. 3 erwähnten Ein=
nahmen
unter der Bezeichnung Geſangbuchsfonds bereits
angeſammelte Fonds vom 2. Januar 1913 ab. 5. Die von
dem Zentralkirchenfonds a) durch die Vermittelung ge=
meinſchaftlicher
Verſicherungen der Kirchengemeinden oder
Geiſtlichen der evangeliſchen Landeskirche, b) durch die
Verwaltung fremder Kapitalien erzielten beſonderen Ein=
nahmen
und Gewinne. 6. Andere Fonds oder Teile ſol=
cher
, welche ſchon gegenwärtig für die Beſoldung der Geiſt=
lichen
Verwendung finden, nach Abſöſung der ſonſtigen
dieſen Fonds obliegenden Laſten. 7. Die verfügbaren
Zinſen aus dem Ausgleichsfonds (§ 18). 8. Außerordent=
liche
Einnahmen des Zentralkirchenfonds nach Anordnung
des Oberkonſiſtorium. § 15. Die Einnahmen und Zinſen des
Pfründenverbeſſerungsfonds ſind dem Kapital inſolange
zuzuſchlagen, bis die Erträgniſſe aller neu zu gründenden

oder im Sinne von § 5 bereits gegründeten Pfarrſtellen
zuzüglich der Einnahmen und Erträgniſſe des Pfründen=
verbeſſerungsfonds
einen Mindeſtertrag von jährlich 3500
Mark für jede Pfarrſtelle erbringen. § 16. Neben dem
Pfründenverbeſſerungsfonds iſt im Zentralkirchenfonds ein
Ausgleichsfonds mit dem Zweck zu bilden, den Voranſchlag
des Zentralkirchenfonds von den Schwankungen unab=
hängig
zu machen, die durch namhafte Ausfälle in einzel=
nen
Einnahmen bedingt ſind. § 17. Der Ausgleichsfonds
iſt durch verzinsliche Anlage etwaiger Ueberſchüſſe einer
Finanzperiode des Zentralkirchenfonds zu bilden. Die
Jahreszinſen dieſes Fonds werden dem Kapital zuge=
ſchlagen
. Andere Einnahmen können dem Ausgleichsfonds
im Rahmen des Voranſchlags des Zentralkirchenfonds
überwieſen werden. § 18. Der Ausgleichsfonds ſoll den
Betrag von 500000 Mark nicht überſteigen. Iſt dieſer Be=
trag
erreicht, ſo fließen ſeine Zinſen in den Pfründenver=
beſſerungsfonds
. § 19. Bleiben die Einnahmen des Zen=
tralkirchenfonds
innerhalb einer Finanzperiode hinter dem
Voranſchlag zurück und iſt für die Ausgaben Deckung nicht
vorhanden, ſo kann der Ausgleichsfonds zur Deckung
herangezogen werden. § 20. Ueber den Pfründenverbeſſe=
rungs
= und den Ausgleichfonds ſind beſondere Rechnungen
zu ſtellen. Bei Vorlage des Verwaltungsberichts des Zen=
tralkirchenfonds
iſt über den Stand der beiden Fonds
Nachweis zu erbringen. § 21. Die Vorſchriften dieſes
Geſetzes treten am 1. April 1912 in Kraft, ausgenommen:
a) die Beſtimmungen des § 11, welche rückwirkend vom
1. April 1910 ab, und b) die Beſtimmungen in §§ 5, 6, 79,
welche am 1. April 1913 in Kraft treten.
Hierzu liegt ein Antrag der Syn.=Abgg. Rhein=
furth
und 22 Genoſſen vor: Die Unterzeichneten bean=
tragen
: 1. § 7 folgende Faſſung zu geben: § 7. Vom 1.
April 1913 ab ſind die auf die Pfarrbeſoldungsgrundſtücke
entfallenden Gemeindeſteuern oder ſonſtige öffentliche Ab=
gaben
, inſoweit dieſe durch Vertrag auf einen Dritten
übernommen ſind, von dem Pfarrbeſoldungsfonds (Teil II
der Kirchenrechnung) zu tragen; 2. die §§ 8, 9 und 10 zu
ſtreichen. Der Finanzausſchuß und der Geſetzgebungs=
ausſchuß
beantragen Zuſtimmung zu dem Geſetz. Der
Erſte Ausſchuß weiſt darauf hin, daß es ſich hier im
Grunde um die Rückkehr zu einem Prinzip handle, das mit
Einführung der Verfaſſung vom Jahre 1874 und der mit
ihr im engen Zuſammenhang ſtehenden kirchlichen Geſetz=
gebung
eigentlich verlaſſen worden ſei, zu dem Prinzip,
daß jede Geme inde für den Gehalt ihres
Geiſtlichen ſelbſt aufzukommen habe; das ſei
bis 1874 grundſätzlich überall der Fall geweſen. Die neueKix=
chenfaſſung
habe ſich aber von dem Gedanken leiten laſſen,
daß die Landeskirche im ganzen, alſo alle in ihr vereinig=
ten
Gemeinden zuſammen, für die Bedürfniſſe der Ein=
zelgemeinden
zu ſorgen hätte, daß der Ueberfluß der rei=
chen
der Bedürftigkeit ärmerer Gemeinden zu Hilfe zu
kommen habe, ein Gedanke, der zur Bildung des Zentral=
kirchenfonds
geführt habe. Der vorliegende Geſetzentwurf
aber werde in erſter Linie wieder von dem Geſichtspunkt
getragen, daß jede Gemeinde mindeſtens den durchſchnitt=
lichen
Geldbedarf für Verſehung des Pfarrdienſtes aus
geſichertem Vermögen aufzubringen habe. Im übrigen
wird im Ausſchuß der Zweck, die der Landeskirche ange=
hörigen
Gemeinden möglichſt unabhängig zu machen
von Schwankungen, insbeſondere auf kirchenpolitiſchem
Gebiete, wie ſie nach der gegenwärtigen Entwickelung der
Dinge unausbleiblich erſcheinen und die auf das Ergebnis
der allgemeinen Landeskirchenſteuer ſicher nicht ohne Ein=
fluß
bleiben würden, als wohltätig und erſtrebenswert
bezeichnet; jedenfalls verlangten zahlreiche Zeichen der=
Zeit, daß in Zukunft eine ſtärkere Anſpannung
der allgemeinen Kirchenſteuern nach Möglich=
keit
vermieden würde. Und die im Geſetzentwurf
vorgeſchlagenen Mittel und Wege ſchienen dem Ausſchuſſe
wohl geeignet zu ſein zur Erreichung dieſes Zwecks.
Zwar wurde die Meinung ausgeſprochen, daß es ſich viel=
leicht
doch allzuſehr um Zukunftsmuſik handle, daß der er=
ſtrebte
Zweck mit den vorgeſchlagenen Mitteln vielleicht
erſt in Jahrhunderten erreicht werden könnte; allein es
wurde dagegen von anderer Seite dargetan, daß bei nor=
maler
Entwickelung der Verhältniſſe ſchon in fünfzig
Jahren ein Pfründenverbeſſerungsfonds von rund 10 Mil=
lionen
Mark angeſammelt ſein könnte, ungerechnet die in=
zwiſchen
erzielten Erhöhungen der örtlichen Fonds; und
die Erträgniſſe eines Kapitals von etwa 13 Millionen
Mark reichten ſchon aus, um die gegenwärtig ſich auf etwa
540000 Mark berechnende Differenz zwiſchen den Erträg=

mäßig am Derbytage im Buckingham=Schloß ſtattfindet.
Alte Tradition hat hier die Speiſefolge feſtgelegt: Klare
Schildkrötenſuppe, Whitebait (eine Art Weißfiſch), Forelle,
Wachtel, Wildpret, entweder Hirſch oder Reh, dann Lamm,
Weißkehlchen und Gartenammern, Huhn, Braten, Spargel
Pfirſiche und Gefrorenes. Dabei werden die koſtbarſten
Weine aus den königlichen Kellern kredenzt, in den letzten
Jahren ein 1875er Rheinwein, 1865er Sillery, 1875er Cha=
teau
Lafitte, ein 1812er Portwein und dann ein beſonders
ſeltener 1834er. Im Windſor Schloſſe iſt das Menu ein=
facher
und erhebt ſich erſt zu raffinierter Reichhaltigkeit,
wenn Gäſte im Schloß empfangen werden. Dann ziert
das Menu ſtets Cygnet à la Windfor, gebratener Schwan,
der auch ein Lieblingsgericht des deutſchen Kaiſers ſein
ſoll und ihm ſtets in Windſor ſerviert wird. Die Speiſe=
karten
des deutſchen Kaiſerhofes fallen zunächſt
dadurch auf, daß ſie faſt dreimal ſo groß ſind wie die eng=
liſchen
Karten; ſie zeigen am Kopfe eine Wiedergabe des
Berliner Königsſchloſſes. Auch hier fällt die Häufigkeit
zweier Gerichte auf, die immer wiederkehren und anſchei=
nend
in der kaiſerlichen Familie gern geſehen ſind: Lachs=
kotelettes
und Haſenbraten. Sie tauchen jedenfalls öfters
in der Speiſenfolge auf als andere Gerichte. In der ruſſi=
ſchen
Hofküche ſpielt anſcheinend das Beefſteak eine
Hauptrolle, denn faſt auf jeder Speiſekarte des Zarenhofes
iſt es zu finden.
Aber die Menukartenſammlung des Genfer Vereins
beſchränkt ſich keineswegs auf die kultinariſche Kunſt an den
Herrſcherhöfen. Wohlgeordnet findet man hier eine ſtatt=
liche
Reihe von Speiſekarten, die für jeden Gourmet Ku=
rioſitätswert
haben, wie etwa das Menu eines großen
Bankettes, das am 24. Juni 1895 auf den Fidſchi=Inſeln
abgehalten wurde; dieſe Speiſekarte iſt auf Leinen gedruckt,
bringt als erſtes Gericht Haifiſchfloſſen, dann Vogel=
neſter
, Schnecken, Schildkröten und manche andere exotiſche
Leckerbiſſen, die viele europäiſche Feinſchmecker auf den
erſten Blick gewiß abſchrecken könnten. Intereſſant iſt auch
die Tatſache, daß ſich in Amerika nach den meiſten Exem=
plaren
der Sammlung die Mode durchgeſetzt hat, in der
Mitte des Mahles zwiſchen zwei Fleiſchſpeiſen Gefrore=
nes
zu ſervieren. Das Gefrorene ſpielt überhaupt in den
Menus der Neuen Welt eine auffällig bevorzugte Rolle,
denn bei vielen Banketten findet man, daß zwiſchen Braten
und Geflügel als beſonderer Gang römiſcher Punſch ſer=
viert
wird,

Vom ewigen Prozeß. Sechs Jahre ſind nun glück=
lich
verfloſſen, ſo ſchreibt das Journal des Débats, daß
die Camorriſten von Neapel den Verräter Cuccolo
und ſeine Frau ermordet haben. Die Behörden verhaf=
teten
die Mörder, Vorunterſuchung folgte auf Vorunter=
ſuchung
und dann begann in Viterbo der berühmte Pro=
zeß
. Er währt noch immer. Und dabei mahlt die Juſtiz=
mühle
nicht etwa gemächlich, im Gegenteil, man arbeitet
mit einem geradezu wütenden Eifer. Man tagt, man tagt,
man tagt. Seit Jahren haben die unglückſeligen Geſchwo=
renen
Sitzung Von Zeit zu Zeit zeigt einer von ihnen
Symptome krankhafter Ungeduld. Einer wird wahnſinnig,
ein anderer ſtirbt. Er wird erſetzt und wieder beginnt
alles von neuem. Die Gemeinſamkeit der Marter hat mit
der Zeit enge Bande der Freundſchaft um alle Geſchwo=
renen
geſchlungen. Sie können einander nicht mehr ent=
behren
. Die Gewohnheit hat Herz und Seele verſchmolzen.
Wenn der Prozeß je endet werden ſie nicht auseinander=
gehen
wollen. Und die Angeklagten ſitzen in Unterſuch=
ungshaft
. Von Zeit zu Zeit ſtellt ſich heraus, daß einer
von ihnen ſchon länger ſitzt, als die Maximalſtrafe für
das Verbrechen, deſſen er angeklagt iſt, dauern könnte. Er
hat ſeine Schuld an die Geſellſchaft nicht nur bezahlt, ſon=
dern
die Geſellſchaft iſt ſein Schuldner geworden. Dann
ſtellt ein ſinnreiches Verfahren eine Art Gleichgewicht wie=
der
her. Der Camorriſt erhält eine Art Gutſchein, ein
Bon auf dem ihm beſcheinigt wird, daß er bereits im
Voraus ſechs Monate oder ein Jahr abgeſeſſen hat. Bei
künftigen Verurteilungen wird alſo die im voraus ver=
büßte
Strafe in Abrechnung zu bringen ſein. Vielleicht
empfiehlt ſich die allgemeine Einführung dieſes Syſtems.
Man würde mit 20 Jahren, wenn der Magen noch geſund
und der Körper widerſtandsfähig iſt, auf eine Zeitlang
einſperren und dieſe Haft dann ſpäter von vielleicht not=
wendig
werdenden Strafen abziehen. Das wäre menſch=
lich
; denn einen Sechzigjährigen trifft die Zuchthausſtrafe
viel härter als einen Zwanzigjährigen. Aber der Prozeß
geht inzwiſchen weiter. Einer nach dem anderen werden
die Geſchworenen ins Jenſeits abgerufen, Angeklagte
müſſen vor der Verurteilung freigelaſſen werden, andere
trägt man auf den Kirchhof. Gegenwärtig hält der Ad=
vokat
Lioy ſein Plädoyer. Er verdient einen Ehrenplatz
in der Geſchichte der Dauerredner. Seit 20 Tagen plä=
diert
er für Carmine de Vivo. Und der Gerichtshof lauſcht.
Nur der Angeklagte lauſcht nicht mehr. Er hat es ſatt,

ſein Lob zu hören. Es iſt ganz ſchön, einen anderen gut
von einem ſprechen zu hören, aber nach drei Wochen wird
man blaſiert. Am 25. Juni fuhr der Advokat fort, die Un=
ſchuld
ſeines Klienten dazutun. Da ſprang Carmine de
Vivo verzweifelt auf, und wandte ſich an den Vorſitzenden:
Laßt ihn aufhören. Er macht mich wahnſinnig. Wir
ſterben vor Langweile. Drei von uns ruhen ſich ſchon im
Jenſeits aus. Der Advokat war empört, beleidigt, =
tend
, erklärte, ſeinen Talar abzulegen, wollte ſeine Ver=
teidigung
einſtellen. Aber der entſetzliche Gedanke, daß
dann am Ende ein anderer Advokat wieder von vorne an=
fangen
könne, verbündete Gerichtshof und Angeklagte zu
ſtürmiſchen Bitten. Es gelang, man verſöhnte den Ad=
vokaten
und endlich nahm er wieder das Wort. Er hat
es wahrſcheinlich noch heute.
* Mark Aurels Roß. Achtzehnhundert Jahre hat Kaiſer
Mark Aurel auf ſeinem Bronzeroß geſeſſen, wie er ſeinen
Legionen als Imperator voranzieht. Und nun muß er
herunterſteigen, aber nicht für immer. Hoch oben auf dem
Kapitolsplatz zwiſchen den drei Paläſten) ſo ſchreibt die=
Köln. Ztg., mit denen Michelangelos Geiſt den höchſten
Hügel der Tiberſtadt geſchmückt hat, reitet Mark Aurel auf=
niedrigem
Poſtament in das moderne Rom hinein. Zwar=
iſt
der Goldglanz, der in dünnem Ueberzug das matte
Metall von Reiter und Pferd veredelte, bis auf geringe
Spuren verſchwunden; aber die Bronze ſelbſt hat noch
heute die kraftvollen Formen bewahrt, die ein griechiſcher
Künſtler vor faſt zweitauſend Jahren gegoſſen hat. Doch
Wetter und Regen ſetzen, zumal wenn ſie ſich mit der un=
widerſtehlichen
Zeit verbündet haben, auch dem beſten
Stoff arg zu. Eine Unterſuchung ergab, daß einige Teile,
die in ihren Stützpunkten das Reiterſtandbild im Gleich=
gewicht
halten, durch die Witterungseinflüſſe beſchädigt
ſind und bei einigem Nachgeben das Werk zu Fall bringen
könnten. Daher wird nächſtens der unermüdliche Reiter
liebevoll und ſorgfältig herabgehoben und auf einige Zeit
der vornehmen Geſellſchaft der kaiſerlichen Ahnenreihe im
Konſervatorenpalaſt zugeſellt werden, ſolange bis das al=
tersſchwache
und etwas fußlahme Imperatorenroß wieder
feſt auf die Beine gebracht und dem alten Kaiſer wieder
ein ſicherer Sitz bereitet iſt.

[ ][  ][ ]

niſſen der Pfründen und der Durchſchnittsgehalte der
Geiſtlichen zu decken.
Die Generaldebatte wird mit Darlegungen des
Kirchenregiments durch Oberkonſiſtorialpräſident D. Ne=
bel
und Oberkonſiſtorialrat Dr. Bernbeck eingeleitet.
Es ſprechen ſodann die Syn.=Abgeordneten Dr. Lu=
cius
(als Berichterſtatter des erſten Ausſchuſſes),
Wahl (als Berichterſtatter des zweiten Ausſchuſſes),
D. Dr. Diehl, Walter, Jaudt, der den Antrag
Rheinfurth begründet, D. Schloſſer, Oberkonſiſtorial=
präſident
D. Nebel und Syn.=Abg. Hainer. Die
Debatte ergibt durchweg freudige Zuſtimmung der
Synodalen zu der Tendenz des vorliegenden Geſetzent=
wurfs
.
In der Spezialdiskuſſion wurden die Paragr. 1 und
2 angenommen, letzterer mit dem Antrag des Ausſchuſ=
ſes
auf Streichung des Nachſatzes zu Poſ. d: vor=
behältlich
der Umwandlung in Kapitalrenten im Sinne
der Poſ. b. Zu § 3 beantragt der Ausſchuß unter Zu=
ſtimmung
des Oberkonſiſtoriums 1. Annahme des er=
ſten
Abſatzes des § 3, 2. im Satz 1 des zweiten Ab=
ſatzes
des § 3 hinter Leiſtungsfähigkeit die Worte ein=
zuſchieben
: bei Gründung der Pfarrſtelle durch die
für dieſe zuſtändigen Organe und in Satz 2 desſelben
Abſatzes die Worte: Durch Großherzogliches Oberkon=
ſiſtorium
zu ſtreichen, 3. Annahme des dritten Ab=
ſatzes
des § 3. Er wird in dieſem Wortlaut angenom=
men
, ebenſo mit folgendem Zuſatzantrag Schmecken=
becher
: Jedoch findet bei derartigen Stellen eine In=
anſpruchnahme
des Pfründenverbeſſerungsfonds im
Sinne des § 3 Abſatz 1 unter E nicht ſtatt.
§ 5 wird angenommen. Zu § 6 beantragt der Aus=
ſchuß
: 1. Annahme des erſten Abſatzes von § 6, 2.
Streichung des zweiten Abſatzes, 3. Einfügung des nach=
ſtehenden
§ 6a: Zur Erreichung des in § 6 Poſ. a
angegebenen Zwecks wird in jeder Kirchengemeinde,
bezw. für jede Pfarrſtelle, ein Fonds (örtlicher Ergän=
zungsfonds
) angeſammelt, in den folgende Einnahmen
fließen: a) ein jährlicher Zuſchuß der Kirchengemeinde,
der nach Ermittelung ihrer Vermögens= und Steuer=
verhältniſſe
durch Großherzogliches Oberkonſiſtorikm
und nach gutächtlicher Aeußerung des Dekanatsaus=
ſchuſſes
von dem erweiterten Oberkonſiſtorium feſtgeſetzt
wird; der Zuſchuß ſoll mindeſtens 20 Mark im Jahre
betragen; b) von dem erweiterten Oberkonſiſtorium im
gegebenen Falle zu bewilligende Zuſchüſſe aus Vakanz=
überſchüſſen
bei nicht definitiver Beſetzung der Pfarr=
ſtelle
; e) die bei Veräußerung von Wertpapieren etwa
erzielten Kursgewinne; d) der Mehrerlös bei Neuver=
pachtung
von Pfarrgrundſtücken, ſofern ſolche während
einer Finanzperiode des Zentralkirchenfonds erfolgt,
für die noch laufende Reſtdauer dieſer Periode; e) das
Ablöſungskapital im Falle der nach § 9 erfolgenden Ab=
löſung
der Verpflichtung zur Zahlung der öffentlichen
Abgaben; k) die nach Vorſchrift des § 12 bei Verkauf
von Grundſtücken des Pfarrbeſoldungsfonds zu kapi=
taliſierenden
Beträge; g) etwaige Einnahmen aus Ka=
ſualien
; h) bis auf weiteres die Zinſen des örtlichen
Ergänzungsfonds ſelbſt. Der Ausſchußantrag wird an=
genommen
.
Um 1 Uhr wird die weitere Beratung auf Freitag
vormittag 9 Uhr vertagt.
E.

Kongreſſe und Verbandstage.

Generalverſammlung der nationalen
Arbeiter.
Eſſen, 3. Juli. Im weiteren Verlaufe der Ver=
handlungen
der Generalverſammlung der wirtſchafts=
friedlichen
nationalen Arbeiterverbände trat der Geſamt=
ausſchuß
der nationalen Arbeiterverbände im Saalbau
zu einer Feſtſitzung zuſammen unter dem Vörſitze von
Schönknecht=Charlottenburg vom Bund Deutſcher Werk=
vereine
. Nach Begrüßungsanſprachen des Oberbürger=
meiſters
Holle=Eſſen, des Geheimen Regierungsrats Hart=
wig
=Münſter hielt der Schriftführer des Bundes Deut=
ſcher
Werkvereine, Rupp=Völklingen, einen Vortrag
über Das Programm der wirtſchafts=
friedlichen
nationalen Arbeiterbeweg=
ung‟
Die wirtſchaftsfriedliche nationale Arbeiter=
bewegung
habe den Zweck, das Vertrauen zwiſchen Ar=
beitgeber
und Arbeitnehmer wieder herzuſtellen, das
durch das Vorgehen der Gewerkſchaften, die ein großes
Mißtrauen gegen alle Faktoren des öffentlichen Lebens
in die Arbeiterſchaft hineingetragen haben, geſtört wor=
den
ſei. Der Arbeitgeber iſt nicht der geborene Feind
des Arbeitnehmers. Daß wir Vertrauen haben dürfen
zu unſeren Arbeitgebern beweiſen die hervorragenden
Leiſtungen der deutſchen Induſtrie auf ſozialem Gebiete.
Ein Zuſammengehen mit der Sozialdemokratie lehnt die
wirtſchaftsfriedliche nationale Arbeiterbewegung, deren
Fundament die nationale Geſinnung iſt, jetzt und für
alle Zeiten ab. Eine Organiſation, die mit der Sozial=
demokratie
gemeinſame Sache macht, hat nicht das Recht,
ſich als national und chriſtlich zu bezeichnen. Der Redner
verbreitete ſich ſodann über die Ziele der einzelnen wirt=
ſchaftsfriedlichen
nationalen Arbeiterorganiſationen. Der
deutſche Arbeiter iſt heute Manns genug, um ſeine Inter=
eſſen
ſelbſt vertreten zu können. Die Intereſſen der Ar=
beitnehmer
und der Arbeitgeber ſind ja in ihrem über=
wiegenden
Teile gleichlautend. Und wenn man zu=
ſſammenrechnet
, was die Kampfgewerkſchaften für ihre
Lohnkämpfe ſchon ausgegeben haben, ſo wird man fin=
den
, daß dieſe Summen durchaus nicht den Erfolgen ent=
ſprechen
. Viel beſſer wäre es, die ungeheuren Summen,
die alljährlich von den Kampfgewerkſchaften für Streiks
ausgegeben werden, zur Verbeſſerung der wirtſchaftlichen
Lage der Arbeiter zu verwenden. Auf der anderen Seite
iſt. es aber notwendig, daß auch bei den Arbeitgebern die
Einſicht Platz greift, daß Kapital und Arbeit durch ge=
meinſame
Intereſſen verbunden ſind und daß der Arbei=
ter
nicht ein Gegner des Arbeitgebers iſt. Alles in allem
lehnt daher die wirtſchaftsfriedliche nationale Arbeiter=
bewegung
ein Zuſammengehen mit der Sozialdemokratie
rundweg ab, ſchon aus dankbarer Anerkennung der gro=
ßen
Leiſtungen dek Induſtrie auf dem Gebiete der ſo=
zialen
Einrichtungen.
Sodann erſtattete Hoyer=Berlin einen Bericht über
die bisherige Entwickelung der wirtſchafts=
friedlichen
nationalen Arbeiterbewegung. Die nationale
Arbeiterbewegung, die 1907 etwa 50000 Mitglieder um=
faßte
, zählt heute ſchon über 150000 Anhänger und be=
ſitzt
ein Vermögen von über 1 Million Mark. Die Aus=
gaben
beſtehen hauptſächlich in ſolchen für Wohlfahrts=
einrichtungen
, für Vortrags= und Bildungsweſen. Für
Verwaltung und Agitation wird nur ein ganz geringer
Bruchteil der Einnahmen ausgegeben. Der größte Teil
der Ausgaben wird verwendet für Krankengelder, Sterbe=
gelder
, Wöchnerinnenunterſtützungen, Beihilfen bei außer=
gewöhnlichen
Vorfällen, bei militäriſchen Dienſtleiſtun=
igen
, bei Erholungsurlauben uſw. Es wurden für dieſe

Zwecke 1907 210000 Mark, 1911 beinahe 1 Million aus=
gegeben
. Dagegen richteten die gut ſituierten Vereine
ihr Augenmerk auch auf die Wohnungsfürſorge für ihre
Mitglieder. Sodann erſtatteten die Vertreter der ver=
ſchiedenen
Verbände Berichte über die vorausſichtlich wei=
tere
Entwickelung der Bewegung in der nächſten Zukunft.
Hoyer=Berlin ſprach ſein Bedauern darüber aus, daß in
der letzten Zeit verſchiedentlich auch Mitglieder von Werk=
vereinen
und vaterländiſchen Arbeitervereinen ausge=
ſperrt
worden ſeien. Würde das mehr um ſich greifen,
ſo ſei man gezwungen, Kaſſen ins Leben zu rufen, um
die ausgeſperrten Mitglieder unterſtützen zu können. Es
ſei aber zu hoffen, daß die Arbeitgeber das ihnen von
den wirtſchaftsfriedlichen Arbeitern entgegengebrachte
Vertrauen erwidern. Der Vorſitzende, Schönknecht= Ber=
lin
, ſchloß ſodann mit Dankesworten die Feſtſitzung.
Hauptverſammlung des Bundes vater=
ländiſcher
Arbeitervereine.
Eſſen, 3. Juli. Im Rahmen der großen Tag=
ung
der wirtſchaftsfriedlichen nationalen Arbeiterver=
eine
trat auch der Bund.vaterländiſcher Ar=
beitervereine
zu ſeiner diesjährigen Hauptver=
ſammlung
zuſammen. Die vaterländiſchen Arbeiter=
vereine
ſuchen hauptſächlich die Arbeiter kleinerer Be=
triebe
, in denen ſich die Gründung eines Werkvereins
nicht lohnt, in lokalen Verbänden zuſammenzu=
ſchließen
. Der Bund, der bei ſeiner Gründung
im Jahre 1907 37 Vereine mit etwa 7000 Mit=
gliedern
zählte, hat heute einen Beſtand von
160 Vereinen mit etwa 32000 Mitgliedern, die über ganz
Deutſchland verbreitet ſind. Beſonders in Mitteldeutſch=
land
hat der Bund eine zahlreiche Gefolgſchaft. In der
Diskuſſion über den Jahresbericht wurde bedauert, daß
eine große Zahl konfeſſioneller Vereine, auch evangeliſche
Arbeitervereine, nicht bloß ſich ablehnend gegen die natio=
nale
Arbeiterbewegung verhielten, ſondern ſogar vor dem
Eintritt in vaterländiſche Arbeitervereine warnten. Soll=
ten
dieſe konfeſſionellen Vereine ihre Haltung nicht
ändern, ſo müſſe der Bund vaterländiſcher Arbeiterver=
eine
Gegenmaßregeln ergreifen. Lebhafte Klage wurde
geführt über den unzureichenden Schutz der Arbeits=
willigen
. Es ſei Aufgabe der Unternehmer, dafür zu
ſorgen, daß die national geſinnten Arbeiter in den Be=
trieben
nicht von den ſozialdemokratiſchen Arbeitern
terroriſiert werden, die das Koalitionsrecht in einen
Koalitionszwang verwandeln wollen. Sehr ſegensreich
habe der Arbeitsnachweis des Bundes gewirkt.

Der Berndt=Schapiro=Prozeß.

Die Plädoyers.
-g. Am geſtrigen 13. Verhandlungstage fuhr zu=
nächſt
Rechtsanwalt Löwensberg in ſeinem unter=
brochenen
Plädoyer fort, und bemerkt als Schluß=
betrachtung
ſeiner Ausführungen, daß man nach objek=
tiver
Würdigung aller Umſtände zu demſelben Stand=
punkte
kommen müſſe, wie der Beig. Berndt nach der
Unterſuchung, daß wohl alles in nichts zerronnen ſei
mit Ausnahme der Fälle Kimbel und Wangner. Doch
ſeien durch das Vorgehen der Frau Schapiro in dieſen
beiden Fällen lediglich die beiden Betroffenen beun=
ruhigt
worden und niemand anders. Insbeſondere
habe die Verhandlung wohl ergeben, daß niemals Un=
terſuchungen
angedroht wurden, um einen Verkehr feſt=
zuſtellen
, ſondern daß ſie vorgenommen wurden in den
Fällen, wo begründeter Verdacht der Gewerbsunzucht
oder der Krankheit vorlag, alſo aus geſetzlichen Gründen.
Er bitte, der Frau Schapiro durch ein gerechtes Urteil
die Gewißheit zu geben, daß ſie in Zukunft in ihrer
Tätigkeit vor ähnlichen unbegründeten Angriffen be=
wahrt
bleibe
Es ergriff nunmehr der Vertreter des Herrn Beig.
Berndt, Rechtsanwalt Pagenſtecher, das Wort. Er
unterſuchte zunächſt die Stellung des Herrn Berndt zu
den der Polizeiaſſiſtentin obliegenden Pflichten. Es ſei
feſtzuſtellen, daß Herr Berndt niemals für ein forſches
Vorgehen eingetreten iſt, auch ſei er nicht für die einzel=
nen
Fälle verantwortlich. Denn die Handhabung der
Polizei liege dem Kreisamt ob, das ſie der Aufſicht der
Bürgermeiſterei unterſtellt habe. Dem Herrn Berndt
lag lediglich die allgemeine Aufſicht ob, in die einzelnen
Technika einzugreifen, war er gar nicht befugt. Selbſt
wenn er dazu willens geweſen wäre, ſei ihm dies nicht
möglich geweſen, denn Herrn Berndt unterſtehen außer
dem Polizeiamt noch drei bis vier andere Reſſorts. Es
könne ihm deshalb auch kein Vorwurf gemacht werden,
wenn er nicht alles ins einzelne nachgeprüft hätte. Aber
auch davon abgeſehen, ſei dem Beig. Berndt von meh=
reren
Zeugen das Zeugnis ausgeſtellt worden, daß er
noch viel mehr als ſeine Pflicht getan habe. Für eine
Maßregel allerdings ſei er verantwortlich, nämlich daß
er angeordnet hatte, daß in Fällen, aus denen eine
Strafverfolgung nicht erwächſt, Akten nicht angelegt wer=
den
ſollen, ſondern daß ſich Frau Sch, damit begnügen
ſollte, Notizen zu machen. Dieſe Maßregel wurde aus
der Erwägung angeordnet, daß es für ein Mädchen
etwas Mißliches ſei, wenn über ſie Akten angelegt wer=
den
, ohne daß es ſich etwas hatte zuſchulden kommen
laſſen. Es ſei aber durchaus zu bcſtreiten, daß den
Mädchen aus dieſer Handhabung irgend ein Nachteil je=
mals
erwachſen ſei. Wenn ein Nachteil für jemand ent=
ſtanden
ſei, ſo lediglich für Frau Schapiro, die jetzt
lediglich auf ihr Gedächtnis angewieſen und den Aus=
ſagen
der Mädchen ſchutzlos preisgegeben ſei. Wenn
Akten in allen dieſen Fällen vorhanden geweſen wären,
könnte ſich Frau Schapiro einfach darauf berufen. Es
ſei nun charakteriſtiſch, daß der Angeklagte in ſeinen
ſämtlichen Artikeln auch nicht ein Wort hierüber verloren
habe. Herr Berndt war ſeiner Zeit, als die erſten Ar=
tikel
erſchienen, auf das höchſte erſtaunt, denn er konnte
für dieſe Angriffe keinerlei Erklärung finden, zumal
er wußte, daß die Frau Polizeiaſſiſtentin in durchaus
zuverläſſiger und pflichttreuer Weiſe vorging. Charak=
teriſtiſch
für dieſe Angriffe, in denen betont war, daß
ganz Mainz in Aufregung und Empörung über das
Wirken der Frau Schapiro geraten ſſei, war, daß vorher
auch nicht eine einzige Klage auf der Bürgermeiſterei
vorgebracht worden ſei, während die Mainzer doch im
allgemeinen mit Beſchwerden durchaus nicht zurück=
hilelten
.
Da ſei nun auch bezeichnend, wie in der jetzigen
Verhandlung feſtgeſtellt wurde, daß die Leute mit jenen
angeblichen Uebergriffen der Aſſiſtentin auch zu dem
ſozialdemokratiſchen Organ gekommen ſeien. Hier wurde
ihneh jedoch kein Gehör geſchenkt, da ſich nach einge=
zogenen
Erkundigungen die ganzen Beſchwerden als
grundlos erwieſen, ebenſo leicht hätte es Herr Hirſch
gehabt, die Beſchwerden auf ihre Richtigkeit hin zu prü=

fen. Der Angeklagte hatte dann in ſeinen Artikeln der
Polizeiaſſiſtentin vorgeworfen, ſie habe Mädchen un=
ſchuldig
unter Kontrolle geſtellt und zu Unrecht Vorfüh=
rungsbefehle
erlaſſen. Das mußte aber der Angeklagte
auch wiſſen oder er konnte es ohne Mühe erfahren, daß
die Polizeiaſſiſtentin das gar nicht tun konnte, daß ſie
dazu gar nicht befugt war. Herr Hirſch hätte wie
jeder andere, dem Beſchwerden zugetragen werden, die
Pflicht gehabt, den Weg nach dem Kreisamt oder auf
die Bürgermeiſterei machen müſſen und ſich dort nach
der Richtigkeit der ihm gemachten Angaben erkundigen
und es um Abſtellung dieſer Mißſtände erſuchen müſſen.
Auch der Beſitzer einer Zeitung hat noch lange nicht
das Recht, mit derartigen ungeprüften ſchweren Ae=
ſchuldigungen
an die Oeffentlichkeit zu gehen. Das
Reichsgericht hat auch ausdrücklich anerkannt, daß er
nur dann dazu befugt iſt, wenn ihn die Sache näher an=
geht
und die Oeffentlichkeit ein größeres Intereſſe an der
Sache hat. Der gute Glaube könne wohl dem Angeklag=
ten
zugeſprochen werden, denn er mußte wohl glauben,
wenn ihm das Herr Juſtizrat Horch mitteilte, dann
könne es wahr ſein. Aber guter Glaube und berechtigte
Intereſſen ſind zwei ganz verſchiedene Sachen und haben
nichts miteinander zu tun.
Herr Berndt war keinen Augenblick im Zweifel,
wer der Urheber jener Artikel ſei. Als ſie erſchienen,
prüfte man, was zu tun ſei. Herr Berndt war nicht
willens, ſich auf eine Preßpolemik einzulaſſen, doch auf
Anraten des Herrn Oberbürgermeiſters habe er dann
den Brief an Herrn Hirſch geſchrieben, den dieſer dann
in ſeiner Zeitung veröffentlichte. Dieſer Brief war
ohne Zweifel energiſch gehalten, was aber natürlich
war, denn jeder Beamte habe das Recht, ja ſogar die
Pflicht, ſeine Untergebenen gegen unberechtigte Angriffe
in Schutz zu nehmen. Aber es dürfe nicht vergeſſen
werden, daß ſowohl der erſte als auch der zweite Brief
gar nicht an die Perſon des Herrn Hirſch gerichtet war,
ſondern an den vermeintlichen Verfaſſer, an Herrn Juſtiz=
rat
Horch. Dann kamen jene Artikel, die die perſönkiche
Ehre des Herrn Berndt und der Frau Schapiro auf das
ſchwerſte angriffen. Es ſei bezeichnend, wie der Ange=
klagte
in den inkriminierten Artikeln mit Gänſefüßchen.
Fettdruck uſw. Ausdrücke zu Beleidgungen machte, die an
und für ſich nicht beleidigend ſind, ſodaß eigentlich die
Artikel auch als Augenſcheinsobjekte benannt werden
müßten.
Wenn der Angeklagte in ſeinen Artikeln behauptete,
durch die Tätigkeit der Frau Schapiro würden ganze
Familien ins Unglück gebracht, ſo ſei dies nur der Fall
durch die Prozeſſe, durch die viele Zeugen um ihre
Stellung gebracht worden ſeien. Dies hat aber nichts
mit der Tätigkeit der Frau Sch. zu tun. Durch die
Stelle in einem Artikel, wenn die Frau Sch. in manche
Geſchichten hineinleuchten wollte würden ſich manche
Catos nicht mehr in die Toga der Tugend hüllen wird
nicht nur der Frau Sch, der ſchwere Vorwurf der par=
teiiſchen
Amtsführung gemacht, ſondern er machte auch
dem Beig. Berndt gegenüber den Vorwurf des Sitten=
richters
. Es ſei hierbei beſonders bezeichnend, daß da=
mals
von Herrn Berndt noch gar nicht der Ausdruck mit
den Jagdgründen gebraucht worden war, er hätte alſo
auch nach ſeiner Entſchuldigung noch gar nicht Veran=
laſſung
gehabt, ihn perſönlich anzugreifen. Es komme
aber noch hinzu, daß Herr Bernſdt noch niemals verſucht
habe, den Cato zu ſpielen, im Gegenteil, er ſei ſtets für
liberale Grundſätze eingetreten. In dem Augenblick, als
der Angeklagte erſucht worden war, ſein Material ein=
zureichen
und ihm unparteiiſche Prüfung zugeſichert war,
wäre ihm jede rechtliche Grundlage für eine weitere
Preßpolemik entzogen. Statt deſſen ſetzte er ſeine An=
griffe
fort durch die ſchwere Beleidigung, Herr Berndt
ſſei nicht in der Lage, die Unterſuchung unparteiiſch zu
führen. Bei dem Vorwurf, die Zeugen ſeien beeinflußt
worden nud die Ausſagen nach Wunſch gemacht, könne
dem Angeklagten der gute Glauben unter keinen Um=
ſtänden
zugebilligt werden, denn er konnte auch nicht
einen einzigen Zeugen nennen, der dieſe Vorwürfe er=
härten
konnte.
Der Herr Vertreter geht ſſodann auf die der Nach=
tragsklage
zu Grunde liegenden Artikel ein. In der
Strafkammerverhandlung habe der Angeklagte alle
Vorwürfe zurückgenommen und erklärt, daß, wie auch
die Verhandlung ausgehen würde, er die Sache nicht
mehr in der Oeffentlichkeit erörtern werde. Und trotzdem
wiederholt er alle dieſe Vorwürfe in verſchärfter Form
gleich am Tage nach der Urteilsverkündigung. Er
ſtellte die widerſinnigſten und unzutreffendſten Zei=
tungsartikel
in einer Extranummer zuſammen und
machte ſie ſich dadurch zu eigen. Auch in dieſem Falle
könne dem Angeklagten unter keinen Umſtänden der
gute Glauben zugebilligt werden. In unverantwort=
licher
Weiſe habe ſich der Angeklagte einen Artikel der
Wiener Montagszeitung zu eigen gemacht, in dem den
beiden Beamten die ſchwerſten Vorwürfe gemacht wur=
den
. Noch charakteriſierender für den Angeklagten ſei,
daß er dem Beig. Berndt Dritten gegenüber den Vor=
wurf
des Meineids gemacht habe, er leugne es zwar
ab, doch ſei dies durch die Zeugenausſagen einwand=
frei
nachgewieſen. Auch durch die Verbreitung des
photographierten Brieſes der früheren Braut des Herrn
Berndt habe er ſich einer ſchweren Beleidigung ſchuldlg
gemacht. Was die Qualifizierung der Beleidigungen an=
gehe
, ſo ſeien eine ganze Reihe von formalen Belei=
digungen
in den Artikeln vorhanden. Materiell ſei der
ſchwerſte Vorwurf, der Beig. Berndt ſei ungeeignet zur
unparteiiſchen Führung der Unterſuchung, er habe das
Ergebnis dieſer Unterſuchung abſichtlich gefälſcht und die
Frau Schapiro unbedingt in Schutz genommen. Das
ſei der ſchwerſte Vorwurf, der gegen einen Beamten
erhoben werden könne. Dieſer Vorwurf ſei nicht nur
einmal und verſteckt, ſſondern wiederholt und offen er=
hoben
worden. Weitere Beleidigungen ſeien in den Be=
hauptungen
zu finden, der Herr Beig. Berndt habe ſich
in der Stadtverordneten=Verſammlung eineKomödie
beſtellt, er habe ſich öffentlich als Sittenmoraliſt hinge=
ſtellt
uns insgeheim den Don Juan geſpielt, alles ſchwere
Beleidigungen, ohne auch nur die geringſte Berech=
tigung
. Für dieſe ſchweren Beleidigungen ſei nur eine
hohe Freiheitsſtrafe am Platze, ſtraferſchwerend ſei, daß
er einen großen Teil der Mainzer Bevölkerung in Be=
unruhigung
verſetzt habe, die ſchwere Schädigung der
Autorität der Beamten durch die Angriffe des Ange=
klagten
, die Lockerung der Diſziplin unter den Polizei=
beamten
, ſowie die Zwangslage, durch die Herr Berndt
hineingedrängt wurde, wie er ihn gezwungen hat, vor
der breiten Oeffentlichkeit ſein ganzes Privatleben auf=
zurollen
. Nicht außer Acht müſſen die ſchweren geſund=
heitlichen
, geſellſchaftlichen und ſonſtigen Schädigungen
der beiden Nebenkläger bleiben, die ſie durch das Vor=
geben
des Angerlagten erlitten haben. Angeſichts der

[ ][  ][ ]

Tatſache, daß die Mainzer Verhandlung in den Ber=
liner
Blättern eine wenig liebevolle Behandlung erfah=
ren
habe, beantrage er die Veröffentlichung des Ur=
teils
in mehreren Berliner Blättern.
Der Schwurgerichtsſaal hatte ſich inzwiſchen in Er=
wartung
des Plädoyers des bekannten Münchener Ver=
teidigers
ſo gefüllt, wie es wohl bisher ſelten der Fall
war. Der Verteidiger des Angeklagten, Juſtizrat Bern=
ſtein
, ergriff das Wort zu ſeinem Plädoyer und führte
aus: Bevor ich zu meinen eigentlichen Ausführungen
übergehe, geſtatten Sie mir einige Worte darüber, von
welchem Standpunkt ich die ganze Verhandlung be=
trachte
und wie ich meine Stellung als Verteidiger auf=
faſſe
. Da der Verteidiger in die allgemeine Strafrechts=
pflege
aufgenommen iſt, hat er auch die Pflicht, die Ver=
teidigung
mit lauteren Mitteln und reinen Waffen zu
führen. Ich war immer der Meinung, daß der Vertei=
digung
alle Mittel und die ſchärfſten Waffen zur Ver=
fügung
ſtehen müſſen bei der Erfüllung ihrer Pflicht,
dem Recht zum Siege zu verhelfen. Die Verteidigung
iſt jedoch nicht berechtigt, zur Erreichung dieſes Zieles
andere Wege zu gehen als die des Rechts. Wäre dem
nicht ſo, hätte der Verteidiger das Recht und ſogar die
Pflicht, ſich unlauterer Mittel zu bedienen und die
Ehre der Gegner zu verletzen, dann wäre die Vertei=
digung
nicht ein Teil der Rechtspflege geworden, ſon=
dern
ein unwürdiges Handwerk, dam lein anſtändiger
Menſch obliegen könnte. Von dieſem meinem Stand=
punkt
aus will ich auch ausdrücklich betonen, daß näch
meiner Meinung die Ehre des Herrn Beig. Berndt und
die der Frau Schapiro aus dieſen Verhandlungen völlig
unverletzl hervorgegangen iſt und daß weder Herrn
Berndt noch Frau Schapiro nachgewieſen wurde, daß ſie
irgend etwas Ehrenrühriges oder in ſchlechter Abſicht
getan hätten.
Mit dieſer Erklärung, die ich im Gedächtnis zu hal=
ten
bitte, glaube ich den Worten, die ich gegen die beiden
Nebenkläger zu ſprechen gezwungen bin, alle Bitterkeit,
alles Giſt genommen zu haben. Ich habe Tadel aus=
zuſprechen
, ſcharfe Tadel und ſchwere Vorwürfe zu er=
heben
, aber ich möchte vor allem den Verdacht abweiſen,
daß ich gegen die perſönliche Ehre des einen oder des
anderen Nebenklägers Angriffe erhebe. Ich anerkenne
durchaus den guten Glauben des Herrn Hirſch, er iſt
bisher ein anſtändiger Menſch geweſen und ſoll nun
plötzlich durch dieſen Prozeß zu einem ſchlechten Men=
ſchen
gemacht worden ſein? Nein, der Angeklagte, der
bisher ganz und gar nichts böſes in dieſem Sinne ge=
tan
hat, der ſoll nun plötzlich zu einem Verbrecher, zu
einem Mörder fremder Ehre geworden ſein? Nein und
abermals nein! Es iſt ja nur ein Zufall, auf welcher
Seite wir Vertreter hier ſitzen. Wäre der Herr Berndt
oder Frau Schapiro früher an mich herangetreten, ſo
wäre ich jedenfalls auch zu deren Vertretung geneigt
geweſen. Damit ſoll nicht ausgedrückt werden, daß die
ertreter nur eine Komödie ſpielen, ſondern hier han=
delt
es ſich nur um die Hauptfrage, daß jeder von ſeinem
Standpunkt in dieſer Sache ſagt, was vernünftiger
Weiſe zu ſagen iſt und tut und läßt, was im Intereſſe
ſeines Klienten liegt. Der Herr Staatsanwalt hat mir
ein freundliches Wort gewidmet, was mich ſehr gefreut
hat, nicht weil ich eitel bin, ſſondern weil es Beweis von
der ritterlichen Gegnerſchaft iſt, die noch immer im
deutſchen Gerichtsſaal zu finden iſt. Aber er tut mir
doch zu viel Ehre an, wenn er irgend ein Intereſſe mit
meiner Perſon verbindet. Das Intereſſe an dieſem
Prozeß iſt überhaupt nicht mit einer Perſon verbunden,
weder Herr Berndt noch Frau Schapiro oder Herr Hirſch
ſind für die Oeffentlichkeit ſo intereſſante Perſonen, daß
dieſer Prozeß zu ſolcher Senſation wurde. Auch der
Neueſte Anzeiger iſt keine Rieſentanne im deutſchen
Blätterwald und daß ein Redakteur wegen Beleidigung
angeklagt iſt, iſt hier und da auch ſchon vorgekommen,
das kann alſo nicht die Urſache ſein, daß dieſer Prozeß
das Intereſſe der Allgemeinheit ſo erregte. Auch Frau
Schapiro befindet ſich in einem großen Irrtum, wenn
ſie die Senſation auf die Berichterſtattung zurückführt.
Es iſt auch nicht die Spur irgend eines Beweiſes dafür,
daß ein Berichterſtatter abſichtlich falſch berichtet hätte
und ſelbſt wenn einer es unternommen hätte, ſo dürfte
dies noch lange nicht die Allgemeinheit in dem Maße
aufgeregt haben, wie es tatſächlich der Fall war. Auch
die Berichterſtatter können nur das wiedergeben, was
ſie gehört haben und wie es in den Wald hineinſchallt,
ſo ſchallt es wieder heraus.
Aber woher kam denn eigentlich das große In=
tereſſe
? Wenn dieſe kleine Frage richtig beantwortet
wird, haben wir auch die Berechkigung für den Ange=
lagten
. Warum hat der Nerv des Volksempfindens
ſo ſchmerzhaft gezuckt, als er mit dieſen Dingen in Be=
rührung
kam? Weil das geſunde Empfinden des deut=
ſſchen
Volkes von dieſen Dingen, die in dem Prozeß be=
kannt
wurden, ſchmerzlich berührt wurde, weil man ſich
ſagte, dieſe Dinge ſollten nicht ſein. Täuſchen Sie ſich
und uns doch darüber nicht, wenn Sie hier hundert
Zeugen aufbringen, niemals werden Sie die Billigung
für dieſe Dinge, für dieſes Syſtem finden. Dieſes
Syſtem verleugnet das Volk, es bekundet, daß es dieſe
Brutalität, dieſe Außerachtlaſſung von Recht und Geſetz
und dieſes Polizeiregiment nicht haben will. Doch vor
allem, alle Beteiligten haben es gut gemeint, und Irr=
tümer
ſind menſchlich und wo kommen die nicht vor.
Dagegen iſt nichts zu machen, aber die Brutalétät, das
iſt es, was ſo gewirkt hat. Wir wollen, daß auch das
Recht des Staatsbürgers unangetaſtet beibt und kein
Polizeireglement kann das beſeitigen. Wir wollen nicht,
daß eine fremde Hand in das verſchloſſene Kinderzimmer
hineingreifen darf, daß jemand in die Schlafſtube der
Mädchen eindringt und kontrolliert, ob ſie allein ſchla=
fen
. Nein, die perſönliche Freiheit iſt uns viel wichtiger
als die Frage, ob es in Mainz eine Dirne mehr oder
weniger gibt.
Das iſt es, was der Angeklagte angegriffen hat und
das iſt ſein Verdienſt. Aus dieſem Empfinden heraus,
wir wollen kein Polizeiregiment, wir wollten keine
Eingriffe in die perſönliche Freiheit, waren die Artikel
durchaus berechtigt. Dafür hat uns die Verhandlung
genug und übergenug Beweiſe gezeigt und die Herren
Vertreter nehmen einen ganz falſchen Standpunkt ein,
wenn ſie in jedem einzelnen Fall beweiſen wollen, daß
nichts Geſetzwidriges vorgefallen iſt. Darum handelt
es ſich ja gar nicht. Es kommt auf die Einzelheiten gar
nicht an, ſondern auf die Richtlinien, auf die ganze
Form. Schon die Form, dieſes immer wiederkehrende:
Und wenn ich Sie unterſuchen laſſe zeigt die=
ſes
Machtſtreben, dieſes ganze falſche Syſtem, das iſt
es, was bekämpfenswert ſiſt; das zu bekämpfen iſt be=
rechtigtes
Intereſſe, das Kritiſieren des Wollens, des
Werdens und der Richtlinien.

Ich habe nunmehr zu erörtern, wie es zu dem Pro=
zeß
gekommen iſt. Da iſt nun alles Mögliche angeführt
worden. Worum handelt es ſich eigentlich? Was hat
z. B. die Behauptung der Nebenkläger, Herr Hirſch habe
nicht genügendes Material gehabt, mit dem Prozeß zu
tun? Auf alle dieſe Dinge gehe ich nicht ein, ich halte
mich an die einfache Tatſache, ſind die unter Anklage
ſtehenden Artikel ſtrafbar oder nicht? Davon war bis=
her
aber am allerwenigſten die Rede. Um das zu be=
weiſen
, muß man aber nicht nur einzelne aus dem Zu=
ſammenhang
herausgeriſſene Sätze, ſondern die ganzen
Artikel verleſen. Wenn ich zu der Urteilsfällung bei=
tragen
will, ſo kann ich das nur auf die Art, wie Sie
an die Beurteilung herantreten. Vorher ſei mir jedoch
noch eine kurze Rekapitulierung geſtattet. Die Sozial=
demokraten
im Mainzer Stadtparlament haben ſich das
große Verdienſt errungen, anzuregen, daß eine Polizei=
aſſiſtentin
angeſtellt werde. Wenn es jemals einen An=
trag
gegeben hat, der die Zuſtimmung aller Parteien
verdiente, ſo war es dieſer. Ich kann mir keinen Or=
ganismus
einer Gemeinde denken, der mehr Segen
bringen kann, als wie der, der hier geſchaffen werden
ſollte. Der Gedanke, daß eine Hand die Hilfe ſucht, daß
ein mit Sorgen und Kummer beladenes Herz eine
Stelle findet, wo es Troſt und Unterſtützung findet, die=
ſer
Gedanke iſt ſo ſchön, daß niemand ſeiner Erfüllung
die Zuſtimmung verſagen kann. Aber dieſer große Ge=
danke
hat eine ſeiner Größe entſprechende Verwirk=
lichung
nicht gefunden. Man wollte das Beſte und
Höchſte mit Nebenzwecken verbinden, die nimmer da=
mit
vereinbar ſind. Die Perſon, die gefürchtet iſt, die
Strafantrag ſtellt und unterſucht, mußte eine ganz an=
dere
ſein, als diejenige, zu der bedrängte Mädchen kom=
men
und Troſt und Hilfe ſuchen. Daß dem nicht ſo war,
iſt der Fehler der ganzen Einrichtung. Den gewollten
Segen kann die Einrichtung ſo lange nicht bringen, als
dieſer Fehler nicht beſeitigt iſt. Es geht wider die
menſchliche Natur, Verfolger und Helfer in einer Per=
ſon
vereinigen zu wollen. Viel zu viel hat die Poli=
zeiaſſſſtentin
leiſten ſollen, was ſie leiſten ſollte, hat ſie
nicht geleiſtet. Man ſollte doch ehrlich ſein und ſagen,
es ſind Fehler gemacht worden, es ſind Dinge geſchehen,
die nicht geſchehen ſollten. Doch es iſt kein Kinderſpiel,
eine Behörde dazu zu bringen, daß ſie anerkennt, ſie
habe Fehler begangen. Warum ſollte denn eine Be=
hörde
nicht Fechler machen können? Es ſind doch auch
nur Menſchen, die dieſe Behörde bilden. Warum ſträubt
man ſich denn ſo dagegen, dies anzuerkennen. Gerade
durch dieſes Sträuben bekommen die Vorwürfe eine
Schwere, die ihnen gar nicht innewohnt. Man ſollte nicht
ſagen, es iſt nichts bewieſen worden, es ſind keine Feh=
ler
vorgekommen, im Gegenteil, viel iſt bewieſen
worden, allerdings muß ſich zugeben, daß noch viel mehr
behauptet worden iſt.
Die Fehler, die Frau Schapiro unzweifelhaft gemacht
hat, ſind aus der menſchlichen Natur zu erklären, ſie iſt
durch das Amt und die Unzahl Aemter, die man ihr mit
übertragen hat, in eine Stimmung und eine Art Betätig=
ung
gekommen, die nicht wohltätig iſt, die zunächſt be=
dauerliche
ſchlimme Folgen gehabt hat. Sie hat ungefähr
einen Standpunkt eingenommen, daß es mich wundert,
daß ihr vor ihrer Gottähnlichkeit nicht bange geworden
iſt. Sie hat ungefähr das Gefühl eines Generalſchulmeiſters
von Mainz, eines Aufſehers über Groß und Klein, über
Mann und Frau gehabt. Die Folgen dieſes Uebereifers
ſind eingetreten, lange bevor, ehe ſich Herr Hirſch damit
befaßt hat, zum Teil ohne Verſchulden der Frau Schapiro,
denn man hatte ſie ja mit unbegrenzten Befugniſſen aus=
geſtattet
, von denen ſie nur Gebrauch gemacht hat. Sie
ſollte ſich der ſittlich gefährdeten Mädchen, mit denen ſie
in Berührung kam, annehmen. Und dies ohne die ge=
ringſte
geſetzliche Berechtigung. Dieſen Auftrag einem
Polizeibeamten zu übertragen, geht wider das Reichs=
recht
. Wo iſt denn da die Grenze? Wer gibt denn über=
haupt
das Recht, einzugreifen, Mädchen zu warnen, holen
zu laſſen und unterſuchen zu laſſen? Man ſollte in unſerer
ſozial empfindenden Zeit alles vermeiden, was auch nur
den Anſchein erweckt, als ob es nur eine Grenze nach oben
gibt. Da hätte man am beſten gleich beſtimmen können,
bis zu welcher Steuerſtufe eingeſchritten werden könne.
Gibt es denn nur ſittlich gefährdete Mädchen auf den
Straßen und in den Arbeitervierteln?
Um halb 7 Uhr bricht Herr Juſtizrat Bernſtein in
ſeinem Plädoyer ab, das heute früh 9 Uhr fortgeſetzt
werden ſoll.

Literariſches.

Guſtav Hildebrand, Siebeneichen. Ro=
man
aus dem Alt=Meißner Land. Mit Federzeichnungen
von Joſef Windiſch. Elegant gebunden 4. M. Das
Meißner Land hat ſeinen Dichter gefunden! Guſtav Hil=
debrand’s
Roman Siebeneichen (verlegt bei Schulze &
Co., Leipzig, Preis elegant gebunden 4. M.), verſetzt uns
an die rauſchende Elbe, nach der alten Markgrafenſtadt,
und zaubert ein Bild längſt vergangener Zeiten hervor,
Zeiten geiſtiger Not, wo alles in heller Begeiſterung ein=
trat
für die geläuterte Lehre des Wittenbergers, und Rin=
gen
nach Erkenntnis die Herzen erfüllte. Die Glaubens=
kämpfe
, welche die wackeren Bürger mit ihrem ſtolzen
Burgemeiſter Waltklinger an der Spitze zu beſtehen hat=
ten
, geben dem Buche ſeinen Grundton, und herrliches
Lokalkolorit durchzieht das ganze Werk, in dem ein echter
Dichter das Hohe Lied der Heimatliebe erſchallen läßt.
Moderne Strick= und Häkelarbeiten für
Kleidung, Wäſche und Haus, ein Lehrwerkchen in
3 Teilen, iſt im Verlag der Internationalen Schnitt=
manufaktur
in Dresden=N. 8, Nordſtr. 29/31, Preis 75 Pfg.,
herausgegeben worden und von da direkt oder den überall
befindlichen Verkaufsſtellen, ſowie durch die Buchhand=
lungen
zu beziehen. Die Strick= und Häkelarbeit iſt jetzt
wieder ſo außerordentlich modern und die Zahl der in
dieſen Techniken ausführbaren Arbeiten ſehr groß. Des=
halb
iſt eine erſchöpfende Anleitung, wie ſolche Arbeiten
in moderner Weiſe auszuführen ſind, nebſt ſchönen Vor=
lagen
zweifellos ein Bedürfnis unſerer Frauenkreiſe.
Hans Hart: Kupidos Bote. Eine frohe Ro=
kokogeſchichte
vom Rhein. Mit vier Vollbildern und
Buchſchmuck von Franz de Bayros. Broſchiert M. 2,50, in
Originalband M. 3,50. Verlag von L. Staackmann, Leip=
zig
. Der durch ſeine beiden früheren Romane Das hei=
lige
Feuer und Liebesmuſik wohlbekannte Wiener
Dichter führt hier in das 18. Jahrhundert. Aufs anſchau=
lichſte
erſteht die Rokokozeit deutſcher Klein= und Groß=
ſtaaten
und kein geringerer als Friedrich der Große ſpielt
darin eine Rolle als Heiratsvermittler. Da ſich die von
Bayros entworfenen Bilder dem Texte entzückend an=
ſchmiegen
, bildet das Ganze ein erſtklaſſiges graziöſes
Buch, das ſich vor allem zu Geſchenkzwecken eignet und
begründete Ausſicht hat, populär zu werden.
Wenn reife Frauen lieben, ſo benennt die
Verfaſſerin, bekannt und beliebt durch den unter dem
Pſeudonym Franz Roſen, geſchriebenen Roman, in

dem ſie hauptſächlich ſeeliche Konflikte meiſterhaft ſchil=
dert
, ihre Erwiderung auf das vielgeleſene Buch Das
gefährliche Alter‟. Das geſunde Empfinden einer deutſchen
Frau antwortet hier in einem ſpannend geſchriebenen, zum
Nachdenken zwingenden Roman voll Empörung auf das
ſchwüle Sinnlichkeit atmende Buch der Frau Karin
Michaelis. Ein erlöſendes Wort, eine befreiende Tat
aber wird das prächtige Buch den vielen ſein, die das
der Frau Karin Michaelis unbefriedigt aus der Hang
gelegt haben.
Das 5. Bändchen der unter dem Titel Heim und
Herd im Verlage von Moritz Schauenburg in Lahr
(Baden) erſcheinende Jugend= und Hausbücherei wurde
verſandt. Es bringt Erlebniſſe und Schilderungen aus
unſern afrikaniſchen Kolonien mit dazu paſſendem Bilder=
ſchmuck
. Heim und Herd macht erfreuliche Fortſchritte,
dafür zeugen nicht nur die ſchon nötig gewordenen 2. Auf=
lagen
der beiden erſten Bändchen, ſondern man gelangt
auch bei einem Vergleich der einzelnen bis jetzt erſchienene
Bändchen zu dieſer Erkenntnis. Probebändchen ſind in
den meiſten Buchhandlungen auf Lager, wie auch aus=
führliche
Proſpekte ſeitens der Verlagsbuchhandlung von
Moritz Schauenburg in Lahr zur Verfügung geſtellt
werden.
Leitfaden der Schwimmkunſt von
Martin Schwägerl. Dritte, verbeſſerte Auflage von
Walter Krohn. Mit 105 Abbildungen. In Original=
leinenband
2 Mark. Verlag von J. J. Weber in Leipzig.
Der deutſche Schwimmſport ſteht heute auf dem europä=
iſchen
Kontinent an erſter Stelle. Alljährlich genießen
Tauſende von Schülern und Soldaten unentgeltlichen
Schwimmunterricht. Das praktiſche Büchlein wird ſich
unter den Anfängern und Anhängern des Schwimmſpor=
tes
zahlreiche Freunde erwerben.

Die Kaiſer=Zuſammenkunft in Baltiſchport.

* Baltiſchport, 3. Juli. Die Vorbereitungen zu
dem Empfang des deutſchen Kaiſers in Baltiſch=
port
ſind beendet. Der kleine Hafen und das dorfähn=
liche
Städtchen prangen in buntem Flaggenſchmuck der
deutſchen und ruſſiſchen Farben. Ebenſo iſt die Feſtſtraße,
die von hier nach dem Paradeplatz des Wiborg=Regiments
führt, das in Eiſenbahnwaggons in der Nähe des Hafens
untergebracht iſt, geſchmückt. In der waldumgrenzten
Bucht liegen etwa zwei Kilometer vom Ufer entfernt die
kaiſerlichen Jachten Standart mit dem Kaiſer von
Rußland an Bord und Poljanaja Swjesda.
Davor liegen die zwei Linienſchiffe Andrei Perwoſwanny
und Imperator Pawel Perwi ferner drei Torpedo=
boote
und dahinter drei weitere Torpedoboote. Die Bür=
gerquartiere
ſind von Offizieren und Beamten belegt. Nur
ein Gaſthaus und ein Eiſenbahnwaggons ſind für die
übrigen Beamten und Korreſpondenten eingerichtet. Der
Himmel iſt bewölkt.
* Petersburg, 3. Juli. Der Miniſterpräs
ſident, der Kriegsminiſter, der Miniſter des
Aeußern, der deutſche Militärbevollmächtigte v. Dohna=
Schlobitten, der ruſſiſche Militäragent und Militärattaché
von Berlin reiſten heute mit Sonderzug nach Baltiſch=
port
. Dem deutſchen Kaiſar wurden Generaladjutant
v. Meyendorff, Konteradmiral v. Heyden, dem Prinzen
Adalbert Flügeladjutant v. Wolkow zugeteilt.
* Baltiſchport, 4. Juli. Bei ſonnigem Wetter
iſt um 9 Uhr 55 Min. vormittags die Hohenzollern
nit den Begleitſchiffen auf der Reede eingetroffen.
* Baltiſchport, 4. Juli. Seit dem frühen Mor=
en
zeigten die ruſſiſchen Schiffe am Großmaſt die
deutſche Flagge. Die Jachten Standart und
Poljarnaja Swjesda liegen nebeneinander, zwiſchen
ihnen iſt der Platz für die Hohenzollern. Etwa um
½10 Uhr zeigten bei ſonnigem Wetter und ſtiller See
Rauchwolken das Herannahen der deutſchen Schiffe an,
ie von einer ruſſiſchen Torpedobootdiviſion geleitet wur=
den
. Der deutſche Botſchafter Graf Pourtales fuhr mit
den Militär= und Marineattachés auf der Jacht des Ma=
rineminiſters
, der Newa dem Kaiſer entgegen. Als
ich die deutſchen Schiffe näherten, gab die Standart das
Signal zu dem Salut von 33 Schüſſen und alsbald don=
terten
die Geſchütze von Poljarnaja Swjesda Andrei
Perwoswanny und Imperator Pawel Perwi über die
Bucht. Moltke antwortete. Bei der Vorbeifahrt der
Hohenzollern ertönte ein weitſchallendes Hurra der
eutſchen und der ruſſiſchen Matroſen. Nachdem die
Hohenzollern verankert war, fuhr der Zar auf einer
dampfpinaſſe zur Begrüßung des Kaiſers. In ſeinem
Gefolge befanden ſich der Hofminiſter, der Flaggenkapi=
än
und die zum Ehrendienſt des deutſchen Kaiſers Kom=
mandierten
: Generaladjutant Baron v. Mayendorff, Kon=
eradmiral
à la suite Graf v. Heyden, Flügeladjutant
vom Dienſt, Aſſenjow, ſowie der dem Prinzen Adalbert
tgeteilte Flügeladjutant v. Wolkow. Die Hohenzollern
hißte die ruſſiſche Kaiſerſtandarte, die deutſchen Schiffe
alutierten, die ruſſiſchen antworteten. Um 9 Uhr begaben
ch der Miniſterpräſident, der Miniſter des Aeußern, der
kriegsminiſter und der Gouverneur von Eſthland an
Bord des Poljanaja Swjesda
* Petersburg, 4. Juli. Schon geſtern abend
brachten die Abendblätter die Bildniſſe des deutſchen
kaiſers und des Reichskanzlers. Heute widmen alle
zeitungen der Kaiſerentrevue ſympathiſche Leit=
rtikel
.

Grubenkataſtrophen.

* Oberhauſen, 3. Juli. Bis 6 Uhr abends
waren auf der Zeche Oſterfeld der Gute Hoffnungs=
hütte
16 Tote und 6 Verwundete geborgen. Von den
Verwundeten ſind zwei ſchwerer verletzt, die übrigen Berg=
leute
der Belegſchaft ſind in Sicherheit.
* Oberhauſen, 3. Juli. Die Zechenverwaltung
teilt über das Unglück auf der Zeche Oſterfeld mit, daß
es ſich um eine reine Schlagwetterexploſion han=
dele
. Eine Kohlenſtaubexploſion liege nicht vor. Die berg=
behördliche
Unterſuchung ſei eingeleitet. Vertreter der
Zechenbehörde und der Bergverwaltung trafen unmittel=
bar
nach dem Unglück auf der Zeche ein.
* Oberhauſen, 3. Juli. Eine eingehende Unter=
ſuchung
über das Unglück auf Zeche Oſterfeld iſt
bereits eingeleitet. Die Rettungsarbeiten ſind ſofort in
Angriff genommen worden und iſt es auch bereits ge=
lungen
, ſämtliche Tote und Verwundete zu bergen. Die
Toten wurden im Zechenhauſe aufgebahrt.
* Eſſen, 3. Juli. Auf der Grube Guſtav der
Stinnes gehörenden Zeche Viktor Mathias ereignete ſich
eine ſchwere Exploſion, die in dem Hauptgebäude
des Benzol= und Ammoniakwerkes erfolgte. Das Dach
des Gebäudes ſtürzte vollkommen ein. Der Betrieb der
Kokerei iſt auf einige Tage geſtört. Die Kataſtrophe iſt auf
ausſtrömende Gaſe zurückzuführen, die ſich auf unaufge=
klärte
Weiſe entzündeten. Von den in der Ammoniak=
fabrik
beſchäftigten 12 Arbeitern wurde einer durch die

[ ][  ][ ]

Exploſion ſofort getötet während drei andere teils
mehr, teils weniger ſchwere Verletzungen erlitten. Einer
der Verletzten wurde durch die Gewalt der Exploſion aus
dem Gebäude herausgeſchleudert und geriet unter einen
zuſammenfallenden Steinblock. Er erlitt einen ſchweren
Unter= und Oberſchenkelbruch. Die Kondenſationsanlage
bildete nach der Exploſion nur noch einen wüſten Trümmer=
haufen
, ebenſo iſt die Ammoniakfabrik vollſtändig zerſtört.
Der durch die Exploſion angerichtete Sachſchaden iſt
ſehr bedeutend. Die Kokereianlage ſelbſt, ſowie auch die
übrigen Anlagen zur Gewinnung von Teer und Benzol
ſind durch die Exploſion nicht in Mitleidenſchaft gezogen
worden. Die Verwaltung der Zeche glaubt, daß auch die
Herſtellung von Ammoniak ſchon anfangs nächſter Woche
wieder aufgenommen werden kann.

Verhaftung von Spionen.

* Brieg, 3. Juli. In Strehlen (Schleſien) wurde,
wie ſchon kurz gemeldet, am Dienstag ein Ruſſe unter
dem Verdachte der Spionage verhaftet. Es
ſoll ſich um einen Agenten namens Alytzin der Spionage=
abteilung
des ruſſiſchen Generalſtabes handeln. Der Ver=
haftete
iſt ſchon ſeit längerer Zeit in der Gegend von
Strehlen. Zuerſt wohnte er in Brieg und zog dann nach
Strehlen, wahrſcheinlich um in Brieg keinen Verdacht zu
erwecken. Es wird behauptet, daß bei dem Verhafteten
wichtige Aufzeichnungen über die Mobilmachungen
und den deutſchen Aufmarſch an der ruſſi=
ſchen
Grenze gefunden wurden. Wenn das zutreffen
ſollte, ſo würde die Affäre noch weitere Kreiſe ziehen, da
der Spion in den Beſitz der Mobilmachungspläne nur durch
groben Vertrauensbruch von deutſchen Militärperſonen ge=
langen
konnte. In Brieg ſtehen die Infanterie= Regi=
menter
156 und 157, außerdem liegt hier der Stab der 78.
Infanterie=Brigade und ein Bezirkskommando. Der 78.
Infanterie=Brigade liegen die wichtigen Vorarbeiten für
die Mobilmachung in dieſem Grenzbezirk vor, deren Kenni=
nis
für den ruſſiſchen Generalſtab immerhin von Wichtig=
keit
wäre. Der Verhaftete ſollte noch geſtern abend in das
Unterſuchungsgefängnis des Amtsgerichts Strehlen ge=
bracht
werden, er wurde jedoch ſchließlich auf höhere An=
ordnung
in das Gefängnis des hieſigen Amtsgerichts ein=
geliefert
. Es verlautete zuerſt, daß dieſe neue Spionage=
affäre
im Zuſammenhang mit dem Fall Koſtewitſch
ſtehe, dieſe Annahme ſcheint jedoch jeder Begründung zu
entbehren, da Hauptmann Koſtewitſch ſich mit artilleriſtiſch=
techniſchen
Fragen beſchäftigte, während der jetzt Verhaf=
tete
ſich nur für Mobilmachungs= und Aufmarſchpläne in=
tereſſiert
zu haben ſcheint. Die Militär= und Zivilbehör=
den
bewahren über dieſe Angelegenheit Stillſchweigen.
* Kiel, 3. Juli. Der hier wegen Spionagever=
dachtes
verhaftete Techniker Ewald ſtammt, Zeitungs=
nachrichten
zufolge, aus dem Rheinland hielt ſich bereits
ſeit Monaten in Kiel auf und war der Polizei ſchon län=
gere
Zeit aufgefallen. Sein in der Nacht zum Montag
unternommener Verſuch, das Signalbuch der Ma=
rine
zu erlangen, machte ein ſchleuniges Zugreifen er=
forderlich
, andernfalls man ihn noch hätte allerdings
nur unter Beobachtung eine Zeitlang gewähren laſſen.
Bei der Verhaftung verſuchte er zu entfliehen, womit er
indeſſen kein Glück hatte. Es wurde bei Ewald unge=
wöhnlich
viel Belaſtungsmaterial vorgefunden, aus dem
ſein Vergehen klar erkennbar iſt. Ewald war ſowohl für
England wie auch für Frankreich tätig und hatte
überall die vorzüglichſten Verbindungen, die anſcheinend
bis in ſehr hohe Stellen jener Staaten reichen, beſonders
bei ſeinen franzöſiſchen Beziehungen. Leider ſcheint er
ſchon ſehr viel erreicht zu haben. Ob es ſich aber bei dem
bei ihm vorgefundenen Belaſtungsmaterial um wirkliche
Geheimniſſe handelt, darf noch bezweifelt werden. Es
dürfte vielmehr vieles darunter ſein, was im militäriſchen
Sinne nicht als geheim zu betrachten iſt. Angeſichts des
umfangreichen Belaſtungsmaterials tat der Verhaftete auch
das Klügſte, was er tun konnte, und legte ein umfang=
reiches
Geſtändnis ab. Das Vorverjahren wird
infolgedeſſen in ſehr kurzer Zeit beendet ſein. Zurzeit
ſind alle Hebel in Bewegung geſetzt, um die Helfershelfer
Ewalds zu ermitteln ſowohl in Kiel wie auch in Wil=
helmshaven
, wo er ſich ebenfalls einige Zeit aufgehalten
hat. Denn ohne Helfershelfer hat er nicht gut arbeiten
können, und man vermutet dieſe in der Kaiſerlichen Werft.

Militäriſches.

* Die Muſikdirigenten und die Inte=
rimsröcke
. Vor einigen Jahren wurde bekanntlich
den Muſikmeiſtern und Obermuſikmeiſtern
der Armee durch kaiſerlichen Erlaß der Offiziers=
überrock
mit ſilbernen, den Offiziersachſelſtücken ähn=
lichen
Schulterſtücken verliehen. Sie durften den Ueber=
rock
zum kleinen Dienſt in demſelben Umfang tragen, wie
die Offiziere. Eine Rangerhöhung war damit nicht ver=
bunden
. Die Militärkapellmeiſter behielten den Rang
eines Feldwebels. Sie durften den Offiziersüber=
rock
auch tragen, wenn ſie in öffentlichen Konzerten diri=
gierten
, bei denen ihre Kapelle in Uniform ſpielte. Wie
jetzt mitgeteilt wird, hat der Kaiſer durch eine vom 18.
Juni datierte Kabinettsorder angeordnet, daß die
Militärkapellmeiſter wieder im Waffenrock mit den
Schwalbenneſtern auf den Schultern dirigieren. So
konnte man es bereits bei den öffentlichen Konzerten im
Zoologiſchen Garten in Berlin und anderswo beobachten.
Die ſilbernen Achſelſtücke auf dem Offiziersüberrock dür=
fen
von den Militärkapellmeiſtern noch bis zum 1. Okto=
ber
dieſes Jahres weitergetragen werden. Dann wer=
den
ſie durch rotwollene, mit Goldfäden durchwirkte Che=
nillen
erſetzt, deren Form und Farbe für alle Regimenter
der Armee gleichmäßig angeordnet iſt. In den beteilig=
ten
Kreiſen ſoll eine tiefgehende Mißſtimmung über dieſe
meuerliche Wandlung herrſchen.

Luftfahrt.

* Berlin, 4. Juli. Der Kaiſer nahm den von der
Ruberoidgeſellſchaft in Hamburg zur Beſchaffung
eines Armeeflugzeuges beſtimmten Betrag von
23000 Mark an. Das Flugzeug erhält den Namen
Ruberoid‟
* Mannheim, 4. Juli. Das Luftſchiff
Schütte=Lanz ſtieg heute nachmittag um 2 Uhr zu
einer größeren Fernfahrt auf. Nach den vorliegenden
Depeſchen hat das Luftſchiff Alzey mit einer Geſchwin=
digkeit
von 60 Kilometern überflogen. Um 4,15 Uhr iſt
die telegraphiſche Meldung eingetroffen, daß das Luft=
ſchiff
bereits Bingen überflogen habe.
Stuttgart, 4. Juli. Zwei Offiziere ſind
heute früh ½5 Uhr in Straßburg auf einer Rumpler=
Taube zu einem Flug nach Stuttgart aufgeſtiegen.
Sie nahmen ihren Weg über Karlsruhe, Pforzheim und
Leonberg und landeten kurz nach 6 Uhr auf dem vor
den Toren der Daimlerſchen Werke gelegenen Exerzierplatz

der Garniſonen Stuttgart und Cannſtadt. Im Laufe
des Vormittags beſichtigten die Herren die Daimler=
werke
. Der Zeitpunkt ihrer Rückkehr iſt noch nicht
beſtimmt.
sr Internationale Wiener Flugwoche. Die
Preisverteilung bei der Internationalen Wiener
Flugwoche ergab folgende Aufteilung der Geſamt=
preisſumme
von 180000 Kronen: Garros 32000 Kr.,
Oberleutnant v. Blaſchke 18500, Andre Frey 18000,
Molla 13000, Neuport 12000, Sablatnih 11300, Bedel
11 100, Moineau 6600, Vlaicu 6400, Slaworoſſow 6200.
Bathiat 5100, Audemars 5000, Barrier 4500, Baron
de Franck 1000, Ehrmann 2000, Miller 1200, Vollmöller
1000, Caproni 800 Kronen.

Sport.

Darmſtädter Fecht=Klub. Man ſchreibt uns: Zur
Teilnahme an den Olympiſchen Spielen haben
ſich zwei Mitglieder dieſes Klubs, die Herren M. Steffan
und W. Löffler, nach Stockholm begeben, um in den
Kämpfen in Florett und leichtem Säbel zu konkurrieren.
Aus Deutſchland werden 16 Fechter zur Olympiade ent=
ſendet
, die vom Reichs=Ausſchuß für die Olympiſchen
Spiele gemeinſam mit dem Vorſtande des Deutſchen
Fechter=Bundes ausgewählt worden ſind. Es iſt ſelbſt=
verſtändlich
, daß nur die Beſten der Beſten beſtimmt wur=
den
, die deutſchen Farben in Stockholm zu vertreten, wo
faſt 200 Fechter aus allen Ländern anweſend ſein wer=
den
; die Auswahl zweier Mitglieder des Darmſtädter
Fecht=Klubs iſt eine beſondere Anerkennung der fechteri=
ſchen
Tüchtigkeit und des ſportlichen Geiſtes dieſes Klubs.
Die beſten Wünſche der bei der Abreiſe anweſenden
Klubfreunde begleiteten die Darmſtädter Vertreter des
Fechtſportes zu dem großen Turnier.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Klorreſp.=Bureau.)
* Berlin, 4. Juli. Heute vormittag ertränkte in
Steglitz die Portiersfrau Friedrich ihre fünf Kinder im
Alter von fünf Monaten bis zu ſieben Jahren in einer
Badewanne und verſuchte ſich ſelbſt in der Badewanne
zu ertränken. Sie wurde bewußtlos aufgefunden und
ins Krankenhaus geſchafft. Der Grund der Tat iſt
Furcht vor ihrem dem Trunke ergebenen Manne.
* Heidelberg, 4. Juli. Heute vormittag vor ½11 Uhr
überfuhr, dem Heidelberger Tageblatt zufolge, beim Ran=
gieren
eine Zugabteilung das Gleis des Bahn=
ſteiges
IV Schwetzingen, wobei der letzte Wagen, ein
Gepäckwagen, die Umrahmungen des Bahnſteigdaches
teilweiſe herunterriß, teilweiſe verbog und das eiſerne
Geländer der Perronſperre ebenfalls umbog. Ein ſchwe=
rer
Eiſenträger wurde abgebrochen, der Gepäckwagen am
Dach beträchtlich beſchädigt und eine Achſe daran gebro=
chen
. Die Zugabteilung ſteht unmittelbar vor dem
Bahnhofsgebände, das die Telephonabteilung und die
Bahnhofsküche enthält. Perſonen ſind glücklicherweiſe
nicht zu Schaden gekommen.
* Altona, 4. Juli. Zu dem Unglück auf dem
Truppenübungsplatz Lockſtedt gibt das Gene=
ralkommando
des 9. Armeekorps bekannt: Beim gefechts=
mäßigen
Schießen traf ein Feldhaubitzengeſchoß durch ſeit=
liche
Abweichung beim Zielen den ſteinernen Beobacht=
ungsturm
V in welchem außer einer Anzahl Mannſchaf=
ten
Oberleutnant König (Feldart.=Regt. Nr. 45), Leutnant
v. Böhm (Feldart.=Regt. Nr. 5), Sergeant Wulf, Unter=
offizier
Schnabel, die Kanoniere Henſel und Schilling des
Feldart.=Regts. Nr. 9 und der Unteroffizier der Reſerve,
Freudenreich, vom Feldart.=Regt. Nr. 15 ſich zur Beob=
achtung
der Ziele befanden. Das Geſchoß ſchlug ein Loch
in den Turm. Durch die in den Turm hineingeworfenen
Steinmaſſen wurden Henſel und Schilling getötet,
König erlitt mehrere Quetſchwunden am Kopf und linken
Oberarm, Böhm wurde an der Naſe leicht verletzt, Wulf
erlitt neben mehreren Quetſchungen eine ſchwere Verletz=
ung
in der linken Unterrippengegend, direkt über der
Lende, Unteroffizier Schnabel erlitt eine leichte Quetſch=
wunde
an der Unterlippe, Unteroffizier Freudenreich neben
mehreren Quetſchwunden eine Gehirnerſchütterung und
einen Bruch des rechten Oberarms. Sämtliche Verletzten,
außer dem leichtverletzten Leutnant Böhm, befinden ſich
in dem Lazarett des Truppenübungsplatzes. Die drei
Schwerverletzten ſind noch nicht außer Lebensgefahr. Die
eingeleitete Unterſuchung wird das Nähere ergeben.
Nach einer ſpäteren Meldung iſt der verwundete Un=
teroffizier
Freudenreich heute morgen geſtorben.
* Marſeille, 4. Juli. Der größte Teil der Dock=
arbeiter
arbeitet, nur wenige ſind der Arbeit fern=
geblieben
. Zwiſchenfälle haben ſich nicht ereignet.
* Corning (New=York), 4. Juli. Heute fuhr ein
Schnellzug auf einen in der Station ſtehenden Perſonen=
zug
der Lacavalla=Eiſenbahn, der von New=York nach
Buffalo beſtimmt war. Die beiden letzten Wagen des
Perſonenzuges wurden umgeworfen. Die meiſten Paſſa=
giere
wurden tot aus den Trümmern hervorgezogen. Es
ſollen etwa 30 Perſonen getötet und 50
ſchwer verletzt ſein.
* Rio de Janeiro, 3. Juli. General Roca, der
neue argentiniſche Geſandte iſt hier eingetroffen. Die
Preſſe begrüßt ſeine Ankunft und gibt der Erwartung
Ausdruck, daß ſeine Amtstätigkeit dazu beitragen werde,
den Frieden und die Freundſchaft zwiſchen den beiden
Ländern zu wahren.
* Peking, 4. Juli. Blättermeldungen zufolge bot
eine Finanzgruppe in Peking Juanſchikai eine Anleihe
von 10 Millionen Pfund Sterling an. In weiten Kreiſen
wird das Angebot heftig getadelt und verlangt, daß un=
verzüglich
Schritte getan werden, um die Anleihe, für die
keine Garantie vorhanden iſt, zu verhindern.
* Hongkong, 4. Juli. Als der Gouverneur nach
einer Beſichtigung der Truppen mit ſeiner Familie hier
ankam, ſtürzte ein Chineſe aus der Menge und feuerte
einen Revolverſchuß auf ihn ab. Der Gouverneur
blieb unverletzt; die Kugel drang in den Wagen. Der
Chineſe wurde verhaftet und erklärte, er habe den Gou=
verneur
ermorden wollen, um ſeinen Abſcheu gegen die
Engländer zu beweiſen.

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Aus dem Geſchäftsleben.

Im Darmkanale des Säuglings entſtehen im Som=
mer
durch unzweckmäßige Ernährung ſehr leicht Krank=
heiten
, welche man durch die Ernährung mit Kufeke‟
und Milch verhüten kann. Kufeke macht die Milch
leichter verdaulich und ſchützt vor Darmgärungen.

Familiennachrichten.
Die glückliche Ankunft eines ge-
sunden

(14618
Töchterchens
zeigen hocherfreut an
Dr. med. Adolf Hüffell
Maria Hüffell
geb. Hoffmann.
Darmstadt, den 4. Juli 1912.

Die Beerdigung unſeres lieben Sohnes,
Bruders und Schwagers
(14621
Georg Hahn
findet heute Freitag nachmittag 5 Uhr, von
der Leichenhalle des Friedhofes aus, ſtatt.
Familie J. Hahn
Franz Abel.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem ſchweren Verluſte meines lieben Gatten
und meines Vaters
(*428
Wilhelm Heldmann
ſagen wir allen Verwandten und Bekannten, ins=
beſondere
Herrn Pfarrer Vogel für die troſtreiche
Grabrede, unſeren innigſten Dank.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen
i. d. N.: Maria Heldmann und Kind.
Darmſtadt, 4. Juli 1912.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Anteilnahme
beim Verluſte meines lieben Mannes, unſeres
guten Vaters, Schwiegervaters und Großvaters
des Herrn Hofbuchhändler
August Klingelhoeffer
ſagen wir auf dieſem Wege unſeren herzlichſten
Dank.
(*389
Die trauernden Hinterbliebenen.
Eſſen=Rüttenſcheid, Dortmund, 4. Juli 1912.

Gotiesdienſt der ioraelitiſchen Religionsgemeinde.

Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 5. Juli:
Vorabendgottesdienſt 7 Uhr 30 Min.
Samstag, den 6. Juli:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Sabatt=
ausgang
9 Uhr 35 Min.

Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religions=
geſellſchaft
.

Samstag, den 6. Juli:
Vorabend 7 Uhr 35 Min. Morgens 7 Uhr 30 Min.
Nachmittags 5 Uhr. Sabattausgang 9 Uhr 35 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 7. Juli, an:
Morgens 6 Uhr. Nachmittags 7 Uhr 15 Min.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Unter dem Einfluß einer flachen Depreſſion fielen
im Laufe des Tages vielerorts zum Teil erhebliche Regen.
Heute morgen iſt es vielfach wolkig bei mäßigen Tempe=
raturen
. In Süddeutſchland regnet es noch. Jetzt be=
ginnt
der Luftdruck allenthalben zu ſteigen, weswegen
mit Aufheiterung zu rechnen iſt.
Ausſichten in Heſſen für Freitag, 5. Juli: Auf=
heiternd
, trocken, warm.

Tageskalender.

Konzerte: Schützenhof um 8 Uhr. Hugenſchütz’
Felſenkeller um 8 Uhr. Brauerei Fay um 8 Uhr.
Bilder vom Tage, Auslage Rheinſtraße 23: Die
Viktoria Luiſe bei der Kieler Woche; zum Kampf
um die Präſidentſchaft der Vereinigten Staaten von
Nordamerika; von der öſterreichiſchen Alpenfahrt; ein
deutſcher Sieg in England.

Gewerbe=Muſeum, Neckarſtraße 3. Täglich geöffnet
v. 1112½ Uhr, Sonntags v. 111 Uhr. Eintritt frei.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Mar Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
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Kurſe vom 4. Juli 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Zf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,00
3½ Deutſche Reichsanl. . 90,00
80,30
do.
3
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,00
90,10
3½ do. Conſols .
80,30
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,60
bo.
93,70
3½
85,25
3
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,00
88,20
do.
3½
78,50
3
do.
4 Hamburger Staatsanl. 100,60
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99,60
4 do. do. (unk. 1918) 100,10
88,50
do.
3½
do.
78,00
3
3 Sächfiſche Rente . . . . 80,10
4 Württemberger v. 1907 100,00
do. v. 1875 95,20
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 101,60
1½ Griechen v. 1887 . . 54,70
z Italiener Rente . . 97,80
4½ Oeſterr. Silberrente 90,50
4 do. Goldrente . . . 96,40
4 do. einheitl. Rente . 87,70
3 Portug. unif. Serie I 63,70
3 do. unif. Ser. III 66,50
3 do. Spezial . . . . 9.70
5 Rumänier v. 1903 . . 101,50
4 do. v. 1890 . . 96,00
4 do. v. 1905 . . 91,30
14 Ruſſen v. 1880 .
. 90,40
. 90,90
4 do. v. 1902 .
.100,50
4½ do. v. 1905 .
.88,75
3½ Schweden .
4 Serbier amort. v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903 82,00
4 Türk. unifiz. v. 1903 89,30
. 90,80
4 Ungar. Goldrente.
4 de. Staatsrente. . . 88,25

In Proz.
Zf.
..101,60
5 Argentinier
4
do.
87,90
4½ Chile Gold=Anleihe .
5 Chineſ. Staatsanleihe . 100,00
do.
4½
94,10
4½ Japaner . . . . . . . 95,00
5 Innere Mexikaner . . . 95,00
3
do.
60,50
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,20
5 Gold=Mexikaner . . . . 100,00
3 Buenos Aires Provinz 71,50
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerila= Palet=
ſahrt
.
. .142,50
5 Nordb. Lloyd . . . . . 119,50
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 124,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 112,50
8 Baltimore und Ohio . 107,00
6½ Schantungbahn . . . 132,50
6 Luxemb. Prince Henri
O Oeſt. Südbahn (Lomb.) 18,45
6 Pennſylvania R. N. .121,40
Letzte Induſtrie=
Dioid. Aktien.
4 Brauerei Werger . .
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 509,80
14 Chem. Fabrik Gries=
heim
. . . . . . . 246,00
30 Farbwerke Höchſt . . 629,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 349,00
10 Cement Heidelberg . . 149,80
30 Chem. Werke Albert 456,50
12½ Holzverkohlung Kon=
ſtanz

.. . . . 307,00
4 Lahmever . . . . . . . 124,20

betzte
InPra.
Divid.
7½ Schuchert, Nürnberg 160,20
12 Siemens & Halske . 241,75
5 Bergmann Electr. . . 142,25
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 169,30
0 Gummi Peter . . . . 123,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 140,00
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 525,00
10 Maſchinenf Badenia
6 Wittener Stahlröhren 294,00
8 Steana Romana Petr. 135,80
15 Zelſtoff Waldhof . .231,50
12½ Bad. Zucker= Wag=
häuſel
. . . . . . . 215,20
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 119,00
3 Südd. Immobilien . 69,00
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 187,90
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 230,25
11 Deutſch=Luxemburg.=
. 173,60
Vergb. ...
10 Gelſenkirchener .
.188,00
. 187,20
8. Harpener . . .
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 259,50
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Garo.
. 82,00
4 Laurahütte . . . . . . 173,50
10 Kaliwerke Aſchersleben
11
Weſteregeln 192,75
7½ South Weſt Afriea 145,00
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 88,00
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 99,80
4 Eliſabethbahn, freie . . 94,75
4 Franz=Jofefs=Bahn.
3 Prag=Duxer . . . .
75,50
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn . 94,50
do.
3
78,60
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,75



4 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 77,00
do.
53,20
. 77,00
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn
4 Ruſſ. Südweſt.
. 88,90
4½ Moskau=Kaſan
. 96,30
do.
4 Wladichawchas
.88,70
4 Rjäſan Koslow.
88,50
3 Portugieſ. Eiſenb.
73,50
do.
2½ Livorneſer .
. 67,80
3 Salonique=Monaſtir . 63,50
4 Bagdadbahn . .
83,80
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 97,20
4 Miſſouri=Paciſic.
71,90
4 Northern=Pariſie
99,40
4 Southern=Pacifie
95,30
5 St. Louis und San
Francisco. .
87,20
5 Tehuantepec . .
98,60
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 195,50
7 Bergiſch=Märkiſche
Dahn ..
. 150,20
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 166,00
6½ Darmſtädter Bank . 121,70
12½ Deutſche Bank . . . 255,40
6 Deutſche Vereinsbank . 123,75
6 Deutſche Eſekt.= und
W.=Bank . . . . . 117,20
10 Diskonto=Kommandit 186,00
8½ Dresdener Bank . . 154,00
9½, Frankf. Hypoth.=B. 216,50
6½ Mitteld. Kreditbank 118,60
7 Nationalb. fürDeutſchl. 122,75
7 Pfälziſche Bank. . . . 129,50
5.86 Reichsbank . . . . . 135,00
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,00
7½ A. Schaffhauſen.
Bankverein . . . . 124,40
½ Wiener Bankverein . 133,70
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 98,50

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8½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 90,70
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 15 19, 2126 97,50
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,00
88,00
do.
8½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 100,20
do.
89,50
8½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
99,80
S. 12, 13, 16
S. 14, 15, 17, 24/26
1823 . . . . . .
99,90
9½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6
89,50
S. 35
89,30
S. 311
89,40
4 Meininger Hyp.=Bank 99,20
do.
88,30
8½
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 97,80
8½ do. (unk. 1914) . . 88,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,80
do.
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Obligationen.
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3½ do.
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99,90
8½ do.
95,30
4 Gießen .
98,90
8½ do.
91,00
4 Heidelberg
99,30
8½ do.
88,50
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8½ do.
89,00
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99,10
3½ do.
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98,50
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4 Nürnberg . . . . . . . 100,00
3½ do.
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(
8.
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3½ Cöln=Mindner 100 134,60
3 Holl. Komm. . fl. 100
3 Madrider . . Fs. 100 75,50
4 Meininger Pr.= Pfand=
brieſe
. . . . . . . 136,00
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3 Oldenburger . . . .
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Unverzinsliche
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Augsburger.
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Braunſchweiger Tlr. 20 197,00
Freiburger .
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Fs. 10
do.
Meininger .
.. fl. 7 34,00
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100
do. v. 1858fl.100 453,00
Ungar. Staats . . fl. 100 365,00
Benediger . . . . Fs. 30 47,50
Türkiſche . . . . Fs. 400 170,00
Gold, Silber und
Banknoten.
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Amerikaniſche Noten.
4,18
Engliſche Roten
20,46
Franzöſiſche Noten.
. 81,15
Hokländiſche Noten. .
169,60
Italieniſche Noten .
80,25
Oeſterr.=Ungariſche Roten 84,90
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,90
Reichsbank=Diskonto . . .
Reichsbank=Lombard 83f. 5½

[ ][  ][ ]

Amtliche Nachrichten des Großh. Pollzeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 2 Pinſcher. 1 Boxer (zugelaufen). Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden.
Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(14582

Bekanntmachung.

Betreffend: den Verkehr mit Kraftfahrzeugen.
Nach bei uns eingelaufenen Beſchwerden wird häufig in den
Straßen der Stadt mit Kraftfahrzeugen (Kraftwagen und Kraft=
rädern
) zu ſchnell gefahren. Wir ſehen uns daher veranlaßt, auf die
nachſtehenden Vorſchriften über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen
erneut hinzuweiſen:
Die Fahrgeſchwindigkeit iſt jederzeit ſo einzurichten, daß Un=
fälle
und Verkehrsſtörungen vermieden werden und daß der Führer
in der Lage bleibt, unter allen Umſtänden ſeinen Verpflichtungen
Genüge zu leiſten.
Innerhalb geſchloſſener Ortsteile darf die Fahrgeſchwin=
digkeit
von 15 Kilometer in der Stunde nicht überſchritten
werden.
Auf unüberſichtlichen Wegen, insbeſondere nach Eintritt der
Dunkelheit oder bei ſtarkem Nebel, beim Einbiegen aus einer Straße
in die andere, bei Straßenkreuzungen, bei Straßeneinmündungen, bei
ſcharfen Straßenkrümmungen, bei der Ausfahrt aus Grundſtücken, die
an öffentlichen Wegen liegen, und bei der Einfahrt in ſolche Grund=
ſtücke
, bei der Annäherung an Eiſenbahnübergänge in Schienenhöhe,
ferner beim Paſſieren enger Brücken und Tore ſowie ſchmaler oder
abſchüſſiger Wege, ſowie da, wo die Wirkſamkeit der Bremſen durch
die Schlüpfrigkeit des Weges in Frage geſtellt iſt, endlich überall da,
wo ein lebhafter Verkehr herrſcht, muß langſam und ſo vorſichtig
gefahren werden, daß das Fahrzeug ſofort zum Halteu gebracht
werden kann. (§ 18 der Verordnung über den Verkehr mit Kraft=
fahrzeugen
vom 3. Februar 1910.)
Wer den zur Erhaltung der Ordnung und Sicherheit auf den
öffentlichen Wegen oder Plätzen erlaſſenen polizeilichen Anordnungen
über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen zuwiderhandelt, wird mit
Geldſtrafe bis zu 150 Mark oder mit Haft beſtraft. (§ 21 des
Geſetzes über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 3. Mai 1909.)
Die Schutzmannſchaft iſt angewieſen, den Automobilverkehr
ſcharf zu überwachen und bei Zuwiderhandlungen einzuſchreiten.
Darmſtadt, den 3. Juli 1912.
(14585fs
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Bekanntmachung.

Im Intereſſe des ungehinderten Fußgängerverkehrs auf den
Fußſteigen iſt das Befahren der Fußſteige mit Fuhrwerken jeder
Art (auch Handwagen) bei Strafe verboten. Ausgenommen von
dieſem Verbote iſt, ſoweit hierdurch der Fußgängerverkehr nicht ge=
hindert
wird, die Beförderung von Kindern in Kinderwagen und
von Kranken in Krankenwagen (Fahrſtühlen); es dürfen jedoch
niemals 2 Kinder= oder Krankenwagen gleichzeitig nebeneinander
auf dem Fußſteig aufgeſtellt oder fortbewegt werden.
Die Schutzmannſchaft iſt zur Ueberwachung angewieſen und
wird namentlich gegen das die Fußgänger in hohem Grade gefähr=
dende
Abwärtsfahren der Kinder mit Sportwagen u. dergl. auf
den Fußſteigen ſteiler Straßen einſchreiten.
Darmſtadt, den 2. Juli 1912.
(14559do
Großherzögliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Bekanntmachung.

Störungen der Ruhe und Ordnung durch Muſizieren betreffend.
Anhaltendes Muſizieren, insbeſondere Klavierſpielen, Singen,
Spielenlaſſen von mechaniſchen Muſikautomaten (Grammophonen
und dergleichen) im Freien oder bei offenen Fenſtern bildet meiſt
eine erhebliche Beläſtigung der Nachbarſchaft und erfüllt häufig den
Tatbeſtand des § 360 Ziffer 11 des Reichsſtrafgeſetzbuchs ( ungebühr=
liche
Erregung ruheſtörenden Lärms oder Verübung groben
Unfugs).
Die Schutzmannſchaft iſt angewieſen, gegebenen Falls einzu=
ſchreiten
.
(14558do
Darmſtadt, den 2. Juli 1912.
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Bekanntmachung,
Betreffend: Die Vermeidung von Staubentwicklung bei Bauten.

Unter Bezugnahme auf unſere früheren Bekanntmachungen weiſen
wir wiederholt darauf hin, daß nach Maßgabe der beſtehenden ge=
ſetzlichen
Beſtimmungen (§ 366,8 Reichsſtrafgeſetzbuches, Artikel 112
und 292 Polizeiſtrafgeſetzes) diejenigen Beſtrafung zu gewärtigen
haben, welche es unterlaſſen, bei Bauten, namentlich beim Abbruch
von Gebänden und bei der Erneuerung des Verputzes, alle Vor=
kehrungen
zu treffen, welche geeignet ſind, Gefahren für Vorüber=
gehende
und eine beläſtigende Staubentwicklung zu verhindern.
Insbeſondere iſt dafür Sorge zu tragen, daß
1. der Verputz und das Mauerwerk vor dem Abſchlagen und
während dieſer Arbeiten ausreichend benäßt wird, daß
2. Bauſchutt nicht auf die Erde abgeworfen, ſondern abgetragen
oder in Gefäßen abgelaſſen und hierbei ebenſo wie beim Auf=
laden
auf Wagen und Abfahren ausreichend benäßt wird, daß
3. derartige Bauarbeiten, bei welchen eine Staubentwicklung nicht
ganz zu vermeiden iſt, nur in den frühen Morgenſtunden
(vor 8 Uhr vormittags) vorgenommen werden dürfen.
Die Schutzmannſchaft iſt mit Ueberwachung beauftragt.
Darmſtadt, den 3. Juli 1912.
(14586fs
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Verpachtung des ſtädtiſchen Oberwaldhauſes.
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legen können.
Mit den erforderlichen Unterlagen verſehene Bewerbungen
ſind bis zum 1. September ds, Js. an die unterzeichnete Stelle
zu richten.
Darmſtadt, den 3. Juli 1912.
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Falls andere rechtliche Hinder=
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daſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K22/12
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, kann Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er=
reicht
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Darmſtadt, den 17. Juni 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
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Roman von Julia Jobſt.

(Nachdruck verboten.)
Ohne mir ſchmeicheln zu wollen, der alte Herr hat
nun mal eine beſondere Vorliebe für mich. Er mag
meine Art, die der frühere Geheimrat tadelnd: zu wenig
reſerviert und unbekümmert nannte. Ein Regierungs=
aſſeſſor
, der alles friſch weg ſagt, was er denkt! So was
gibt es ſo leicht nicht wieder. Das kommt, weil ich tue,
als ob ich unabhängig bin. Die glauben, alle Bagewitz
müßten das goldene Hemd tragen.
Unabhängig? Du? Bagewitz lachte.
Von wem bin ich denn abhängig? fragte Friedrich
Wihelm, und in ſeine Augen trat ein helles, ſcharfes
Licht. Mutter gibt mir genug zum Leben, und ich brauche
niemand.
Der alte Herr ſah den Neffen verwundert an. Hatte
die Ausſicht, hier in Altenwerder der Erbe zu werden, ſo
wenig Bedeutung für ihn? Es bemächtigte ſich ſeiner
plötzlich eine große Unſicherheit. Das Auftreten Fried=
rich
Wilhelms imponierte auch ihm. Bisher hatte er
nur mit Menſchen zu tun gehabt, die er ſeine Kreaturen
benannte.
Suſanne folgte dieſem Geſpräch mit großer Er=
egung
. Sie kannte den Großvater zu genau und be=

Gee eene
hatte. Warum nur hatte ſie nie den perſönlichen Mut
gehabt, warum hatte ſie ſich bis auf den heutigen Tag
ſo behandeln laſſen. Ja warum?
Sie beugte plötzlich den Kopf und verbarg die heißen
Tränen, die ihr ihre Ohnmacht erpreßte. Sie hatte
keinen ſicheren Boden unter den Füßen wie Friedrich
Wilhelm. Wer war ſie denn? Eine Geduldete!
Der Eintritt des Dieners unterbrach das Schweigen.
Was gibt’s, fragte Bagewitz, verwundert über dieſe
Störung.
Inſpektor Voß iſt ſoeben mit dem Pferde geſtürzt
und tot.
Voß? Der alte Herr ſchrie es heraus und richtete
ſich, ſo raſch er konnte, aus dem Seſſel empor.
Nimm dir Zeit, Onkel. Ich eile ſchon voraus. Wo
liegt er, Johann?
Man hat den Toten in ſeine Wohnung getragen.
Seine Frau iſt vor Schrecken ganz von Sinnen.
Ich komme mit, Friedrich Wilhelm, rief Suſanne.
Das iſt nichts für dich, Suſanne.
Ich muß zu der armen, kranken Frau. Die überlebt
den Jammer nicht.
So nehmt mich doch mit, rief der Kammerherr
herriſch fordernd, aber es hörte keiner auf ihn. Leiſe vor
ſich hinmurmelnd, verließ auch der alte Herr die Veranda

und begab ſich, ſo raſch er konnte, an die Stätte des Un=
glücks
.
Zweeites Kapitel.
Im Inſpektorhaus lagen zwei Tote. Die kränkliche
Witwe hatte die Schreckensbotſchaft nur wenige Stunden
überlebt. Der Kammerherr ordnete zur Verwunderung
Friedrich Wilhelms und Suſannes alles perſönlich an,
ſie glaubten, hieraus entnehmen zu müſſen, daß der
wortkarge alte Mann dem Schloßherrn doch näher ge=
ſtanden
haben mußte, als dieſer zu zeigen für gut be=
funden
hatte. Nur der alte Diener Johann und Dörthe
durften das Totenhaus betreten, auch alle Schlüſſel nahm
Bagewitz ſofort an ſich.
Wer iſt denn der Erbe des Nachlaſſes? fragte Fried=
richrich
Wilhelm Suſanne, als ſie miteinander zum Schloß
zurückkehrten
Ich weiß es nicht. Ich glaube, es lebt noch ein Bru=
der
des Verſtorbenen.
Hatte Voß denn keine Kinder?
Ja, einen Sohn, der in jüngeren Jahren geſtorben iſt.
Der alte Voß ſprach niemals von ihm.
Vielleicht ein Tunichtgut?
Die Dörthe wollte nie recht mit der Sprache heraus.
So ſo. Wunderlich wortkarges Volk iſt hier, Su=
ſanne
.
Ich bin es nicht anders gewöhnt.
Findeſt du es nicht merkwürdig, daß der Onkel die gan=

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zen Sorgen für die Toten und das Haus auf ſich nimmt,
anſtatt es dem Amtmann zu überlaſſen? Auch wir ſind
gleichermaßen an die Luft geſetzt worden.
Mich überraſcht ſo etwas nicht, Friedrich Wilhelm.
Mich deſto mehr. Es widerſpricht auch meinem
Empfinden, daß der Onkel nicht ſofort das Gericht benach=
richtigt
hat.
Johann und die Dörthe ſind zuverläſſig.
Das glaube ich ſchon. Aber fremde Hände dürfen doch
nicht den Schreibtiſch öffnen und die Papiere durchſuchen.
Wer tat das?
Der Onkel, ich trat noch einmal ins Zimmer, um ihn
zu fragen, ob das Gericht telegraphiſch benachrichtigt wer=
den
ſoll.
Er wird nach dem Teſtament geſucht haben.
Kann ſchon ſein, aber er hat kein Recht dazu. Es ſchien
ihm ſichtlich unangenehm, daß ich ihn ſtörte.
Der Großvater weiß, was er tut.
Entſchuldige, er weiß, was er will. Das war wohl
in ſeiner Selbſtherrlichkeit ſtets ſein Leitmotiv.
Der alte Herr war bei der Mittagsmahlzeit ſehr auf=
geräumt
und ordnete an, daß ſein Neffe mit Suſanne nach
dem Nebengut Friedrichshof fahren ſolle, um den dortigen
Inſpektor zu holen.
Barthels iſt ſchon telephoniſch benachrichtigt, ſich be=
reit
zu halten.
Wird er Voß’ Nachfolger? fragte Friedrich Wilhelm.
Wahrſcheinlich. Voß hat ihn ſelber in den langen
Jahren für den Poſten herangezogen.
Suſanne machte ſich Vorwürfe, daß ſie ſo leichten
Herzens die Fahrt begann, trotzdem am Morgen der Tod
jählings zweier Menſchen Leben vernichtet hatte. War es
das herrliche Frühlingswetter? War es die Ausſicht,
ſtundenlang mit Friedrich Wilhelm allein zu ſein?

e en
Seite ſorderie ſein echt, die keinen alen deute haiten
ihr nie beſonders nahe geſtanden, ja, wenn ſie ehrlich ſein
wollte, ſo mußte ſie ſich ſogar eingeſtehen, daß ſie in dem
Inſpektorhauſe nie recht heimiſch geweſen war. Jede In=
timität
mit den Beamten und Leuten war ihr wiederholt
unterſagt worden, und ihre Lehrerin hatte ſtets nach dieſer
ihr gewordenen Inſtrukion gehandelt. Sie hatte ſogar
jeder Vertraulichkeit zwiſchen ihr und Suſanne gewehrt.
So waren ihr nur zwei Getreue geworden, denen ſie
ihr Kinderherz hatte äusſchütten können, zwei Getreue,
denen ſie Freud und Leid hatte klagen dürfen: Johann
und Dörthe, und als ſie dieſen entwuchs, hatte ſie nie=
manden
mehr.
Niemanden? Doch ſie hatte neue Freunde und Ver=
traute
gefunden, als die Lehrerin entlaſſen war die
Bücher. Noch zu Großmutters Lebzeiten hatte ſie Einblick
in die Schätze der Schloßbibliothek gewonnen und nach
deren Tode, als ſie die halben Tage ohne Aufſicht war, da
las ſie wahllos alles, was ihn in die Hände kam. Ihr
Unterricht war ein ſehr guter geweſen, und ſie hatte große
Freude am Lernen gehabt, doch ſie verſtand nur zur Hälfte
das, was ſie las. Das Moderne hatte keinen Eingang in
Altenwerder gefunden, aber die Zeit der Blüte unſerer
Literatur war vollſtändig vertreten, auch der Philoſophie.
Den franzöſiſchen Dichtern vermochte ſie keinen Geſchmack
abzugewinnen, und das war gut, denn außer den Werken
der Klaſſiker war auch die geſamte ſchlüpfrige Roman=
literatur
vorhanden. Es war nur ein Zufall, daß Suſanne
zuerſt über Racine geriet und ſich an ihm den Geſchmack
verdarb. Am liebſten blätterte ſie in den Seiten der Welt=
geſchichte
und in den Werken einiger moderner Natur=
forſcher
und Weltreiſenden, die als Erbteil eines Onkels
erſt vor einigen Jahren nach Altenwerder verſchlagen wur=

den, und die der Grehdalter der Müblaihel eindeltäht
hatte, ohne ſie jemals aufzuſchlagen.
Friedrich Wilhelm ſtörte das Mädchen nur zu bald
aus ihren Gedanken auf, als er der unruhigen Pferde Herr
geworden war. Er fuhr ſelber und hatte zu ihrer Freude
die Begleitung des Reitknechts zurückgewieſen. Der Weg
führt durch den Hochwald, der nur von Zeit zu Zeit den
Blick auf das blitzende Waſſer frei gab.
Friedrichshof iſt wohl hauptſächlich Wieſengut?
Ja, Großvater ſagte einmal, es ſei von großem Wert.
Natürlich.
Ein großer Teil davon iſt an Berliner Viehhändler
verpachtet.
Wie proſaiſch.
Findeſt du das auch? Barthels behauptet, es brächte
ein Heidengeld.
Und das iſt hier ausſchlagebend.
Großvater iſt ein ſcharfer Rechner.
In der Jugend ſoll er es doch raſch getrieben haben,
wie mir erzählt worden iſt.
Ach!
Friedrich Wilhelm lachte hell auf. Ja, jetzt ſieht er
nicht mehr danach aus, aber in der Hauptſtadt lebt noch
mancher, der ihn gekannt hat, von denen laß ich mir aller=
hand
erzählen. Als der ſchöne leichtſinnige Kammerherr
von Bagewitz noch zu Hofe ging, ſoll er ein arger Don Juan
geweſen ſein. Darum hat er wohl auch erſt ſo ſpät ge=
heiratet
. Nun machſt du wieder deine erſtaunten Augen,
Suſanne. Biſt du denn mit Scheuklappen geboren, daß
du wie ein Dummerchen herumläufſt? Weil der alte Herr
die Verſuchungen der böſen Welt ſo gut gekannt hat, ſperrt
er dich ſo grauſam ein.
(Fortſetzung folgt.)

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leichter fallen, ſtarken Genußgiften zu=
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1912.

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Abfahrt Hbhf. 802, Ostbhf. 812 nach ( ber-Ramstadt,
Rückfahrt ab Eberstadt 92.
bas Gartengest im Vereinegarten iet au den 16. Iu veriert.

Schützenhof.
Freitag, den 5. Juli:
EMilitär=Konzert
ausgeführt von einer grösseren Abteilung der
Kapelle des Leibg.-Inf.-Regts. Nr. 115.
(*376
Anfang 8 Uhr.
Eintritt 20 Pfg.
Eintritt 20 Pfg.
Lei ungünstiger Witterung findet das Konzert im Saale statt.
ſe-Hugenschütz Felsenkeller-u

Dadlonker!
: ein neuer
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soeben Neuaufnahmen in
Grammophonplatten
eingetroffen.

Kommen Sie, Hören
Sio den neuen Tenor und
Sie werden überrascht
sein von der vorzüglichen
Aufnahme.
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(Telefon 1445)

(*405

Freitag den 5. Juli, abends 8 Uhr

Ach, Ihres Auges Zauberblick‟
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La Boheme, Wie eiskalt ist
dies Händchen:
Arie aus aus Romeo und Julia
ndehl geil auf mach
die Sterne erbleichen‟.
Blumen-Arie aus Carmen.
Du it, ue vams Guroset
Die neugierigen Frauen‟
(Woll-Ferrarh.
Gesungen von Geraldine Farrar
und Hermann Jadlowker.

s Ludwigshöhe.
Jeden Mittwoch u. Samstag
Kur-Konzer t.

Eintritt 25 Pfg. 10 Abonnementskarten zu
Mk. 1.50 ſind zu haben im Verkehrsbureau und an der Kaſſe. (B14217

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Alexanderstrasse 23.
Freitag, den 5. Juli, abends 8 Uhr,
Miltär-Streich-Konzert.
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ab Samstag, den 6. Juli
Bäckerei- und Konditorei-Filiale mit

Kaffeestube

Großes Militär-Konzert
Iusgeführt von der ganz. Kapelle des Großh. Hess. Art.-Regt. No. 61M.ödger

Leitung: Obermusikmeister M. Weber.
Im Programm:
I. Teil: Opernsätze (Prophet, Martha, Freischütz, Waffenschmied)
II. Teil: Solosätze (Cornet a. Piston, Herr Emil Ehlers,
Trompete, Herr W. Franke, Tenor, Herr W. Müller,
Kylophon, Herr O. Stökner.)
II. Teil: Wiener Volksmusik.
Eintritt mit Programm 10 Pfg.
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Zweite Kammer der Stände.

3 4. Sitzung.
St. Darmſtadt, 4. Juli.
Am Regierungstiſche: Finanzminiſter Braun Exz.,
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach Exz.,
Geheimer Staatsrat Krug von Nid da,
Geheimeräte Dr. Becker, Dr. Beſt, Süffert, Lega=
tionsrat
Dr. Neidhart, Geh. Oberfinanzräte Seip,
Dr. Rohde, Oberfinanzrat Balſer, Finanzrat Ulrich.
Präſident Köhler eröffnet die Sitzung um 9,20
Uhr. Es wird alsbald in die Tagesordnung eingetreten
und die Beratung über
die Dienſtbezüge der Staatsbeamten und
Volksſchullehrer und ihrer Hinterblie=
benen
, ſowie die Deckungsmittel
fortgeſetzt.
Abg. Wolf=Stadecken:
Ich halte es für notwendig, nachdem die ſämtlichen
Vorredner ausſchließlich im Intereſſe und im Sinne der
Beamten und Lehrer geſprochen haben, auch einmal vom
Standpunkte der Steuerzahler die Vorlage zu behan=
deln
. Der Ausſchußbericht von 1908 ſprach am Schluſſe
die Hoffnung aus, daß mit der damaligen Erhöhung
bei den Beamten wohl für längere Zeit Zufriedenheit
herrſchen möge. Das iſt in keiner Weiſe eingetreten, die
Forderungen und Wünſche mehrten ſich. Da muß man
doch mal ſagen, bis hierher und nicht weiter. Der Red=
ner
der Fortſchrittlichen Volkspartei und auch der Abg.
Ulrich haben den Grundſatz aufgeſtellt, daß das, was die
Kompromißanträge wollen, das Minimum darſtellt von
dem, was die Beamten erhalten müſſen. Wenn fort=
während
von zunehmender Teuerung der Lebenshaltung
geſprochen wird, muß doch auch auf die öfters erfolgten
Lohn= und Gehaltserhöhungen hingewieſen werden.
Wenn zur Begründung der vielen Anträge auf ein
Teuerungsjahr Bezug genommen wird, ſo muß dem
widerſprochen werden. Ich gebe zu, daß ſeit 1880 bis
1910 die Lebenshältung um 25 Prozent teurer geworden
iſt. Viele Haushaltungsartikel ſind aber, ſoweit ſie in
Maſſenfabrikation hergeſtellt werden, billiger geworden.
Da muß doch mal daran erinnert werden, was die
Beamten ſeit der Zeit mehr bekommen haben, reſp. be=
kommen
ſollen. Ich will bei den Miniſtern anfangen.
Sie erhielten mehr ſeit 1897 38 Prozent, der Präſident
der Oberrechnungskammer 42 Prozent, die Räte der
Kammer 31 Prozent, die Miniſterialräte 25 Prozent, die
Kreisräte 45 Prozent, die Schuldirektoren 39 Prozent,
die Regierungsräte 30 Prozent, die Kreisamtmänner

69 Prozent, die akademiſchen Lehrer 45 Prozent, die
Schulinſpektoren 40 Prozent, die Volksſchullehrer an den
Seminarien 49 Prozent, die Kreisbauinſpektoren
40 Prozent, die mittleren Beamten 40 Prozent, die Ge=
richtsſchreibergehilfen
70 Prozent, die Bauaufſeher 45
Prozent, die Volksſchullehrer 7075 Prozent, und nach
den Anträgen der Fortſchr. Vpt. 123 Prozent (hört, hört!),
die Gendarmen 74 Prozent uſw. uſw.
Angeſichts dieſer Zahlen ſpricht man von einer Not=
lage
der Beamten. Dem muß doch mal widerſprochen
werden. Ich meine, wenn wir das vorliegende Proviſo=
rium
annehmen, kommen wir lange nicht zu einer orga=
niſchen
Reform. Wenn man alle die Eingaben durchſieht,
ſind es meiſtens nur zwei Punkte, die erſtrebt werden.
Nämlich die Gleichſtellung der akademiſchen Beamten mit
den preußiſchen Beamten und die Aufnahme der Volks=
ſchullehrer
in die Kategorie der mittleren Beamten. Ich
bin der Anſicht, daß das eben nicht geht. Wir haben im
Verhältnis zu Preußen zu viel akademiſche Beamte. Wenn
wir unſer Budget weiter ſo belaſten wie bisher, werden
wir bald überhaupt nicht mehr wirtſchaften können. Der
Fehler der organiſchen Reform von 1898 war, daß die
mittleren Beamten zu viel bekommen haben. Ich halte
es für beſſer, wenn wir bei der organiſchen Regelung vom
Wohnungsgeld abſehen und den Beamten das an Gehalt
geben. Dadurch wird auch die Landflucht der Beamten
beſchränkt. Und es iſt volkswirtſchaftlich unerläßlich, daß
der Beamte mehr bodenſtändig wird. Die Lebensmittel
ſind in der Stadt oft billiger als auf dem Lande. Unhalt=
bar
iſt es auf die Dauer, ſo und ſo viel Beamte nicht an=
geſtellt
zu laſſen. Da muß unbedingt ein richtiges Ver=
hältnis
geſchaffen werden. Wenn der Staat die Beamten
nicht braucht, dann fort mit ihnen; braucht er ſie aber,
dann ſollten ſie auch angeſtellt werden. Die Regierung
vertritt ihre Forderung durchaus richtig. Wenn heute für
die fehlende Deckung gleich die Steuererhöhung beſchloſ=
ſen
werden ſollte, dann wäre das Bild doch wohl ein
anderes. Es muß gefordert werden, daß die Abgeordne=
ten
, die heute ſo bewilligungsfreundlich ſind für die Be=
amten
, auch die Steuererhöhung vertreten. Daß es be=
denklich
iſt, die Steuerſchraube immer mehr anzuziehen,
wird niemand mehr beſtreiten. Wir haben uns der Sym=
pathien
der Beamten nicht zu erfreuen, trotzdem wollen
wir geben, was wir können; darum unſer Antrag. Ein
Schelm gibt mehr, als er hat. Für den Antrag der Aus=
ſchußmehrheit
können wir nicht eintreten. Wir werden
die Forderung auch nur auf ein Jahr bewilligen und ſie
im nächſten Jahre ablehnen, um die Regierung zu zwin=
gen
, eine organiſche Regelung durchzuführen. Wir müſſen
einmal Schluß machen für lange Zeit. Unſer Antrag iſt

ehrlich gemeint er ſollnicht ru= unterſtell wird, die Vor=
lage
zu Fall bringen, ſöndern etwas Poſitives ſchaffen,
(Beifall.)
Abg. Henrich:
(längere Zeit unverſtändlich) polemiſiert gegen den Vor=
redner
. Herr Wolf hätte bei ſeiner Statiſtik der Gehalts=
erhöhungen
auch berückſichtigen müſſen, von welcher Stufe
aus die Erhöhungen erfolgten. Daß nun die mittleren
Beamten das zweite Karnickel ſein ſollen, dem müſſe
widerſprochen werden. Der Abg. Wolf dürfte mit vielen
ſeiner Anſchauungen auch bei ſeinen Kollegen allein
ſtehen. (Lebhafter Widerſpruch beim Bauernbd.) Redner
wendet ſich dann gegen die geſtrigen Ausführungen des
Geheimerats Dr. Becker. Allerdings war manches von
meinen Ausführungen theoretiſch; jedoch war es notwen=
dig
, das Syſtem zu erörtern, zur Begründung unſeres
Standpunktes. Was die Vertrauensfrage betrifft, ſo habe
ich ausdrücklich geſagt, ich habe das Vertrauen zu der
Regierung, daß ſie uns das Definitivum bringt. (Da die
Privatunterhaltung im Hauſe wieder zunimmt, bleibt der
Redner wieder unverſtändlich.) Er ſchließt, ſeine Partei
ſei gern bereit, nachzugeben, wenn ſich ein ehrenvoller
Friede ſchließen läßt.
Finanzminiſter Braun Exz.:
In den hinter uns liegenden Erörterungen iſt oft
darüber geſtritten worden, wen eigentlich die Schuld daran
trifft, daß man in dem gegenſeitigen Verſtehen noch nicht
weiter gekommen iſt. Man hat darüber geſtritten, wer
hier im Hauſe dem anderen Teil weniger traue, und zu
dieſen Erörterungen hat ſogar der Präſident des Hauſes
das Wort genommen. Ueber ſolche Dinge ſollte man doch
in dem jetzigen Stadium der Verhandlungen nicht ſtreiten,
ſondern ſich allerſeits beſtreben, die Steine aus dem Weg
zu räumen. Es kommt vor allem auf das Ergebnis der
bevorſtehenden Abſtimmungen an, und da möchte ich noch
einmal kurz auf die Ausführungen der Vorredner ein=
gehen
, ſo weit das erforderlich iſt. Nicht für notwendig
erachte ich das, ſoweit die Ausführungen des Abg. Henrich=
in
Frage kommen, weil der Standpunkt Alles oder nichts
das Schickſal der Vorlage beſiegelt, wodurch allen an der
Vorlage Beteiligten das Gegenteil eines Dienſtes er=
wieſen
wird: Darum freue ich mich beſonders, daß der
Abg. Henrich noch vor wenigen Augenblicken aus ſeinen
Schlußworten herausklingen ließ, daß er eventuell auch
zu einem ehrenvollen Nachgeben bereit ſei. Jedenfalls
klang heute der Alles= oder Nichts=Standpunkt nicht mehr
ſo klar heraus. In welchem Maße damit die Beamten
geſchädigt und in ihren gerechten Erwartungen getäuſcht
würden bei einem Scheitern der Vorlage, das hat der Ab=

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[ ][  ][ ]

geordnete Münch ja überzeugend dargelegt. Ebenſowenig
kann ich mir denken, daß die Vorſchläge des Abg. Ulrich
eine Mehrheit finden könnten. Zu Gunſten ſeiner Vor=
ſchläge
hat der Abg. Ulrich geltend gemacht, daß man dar=
auf
bedacht ſein müſſe, den kleinen und mittleren Beamten
ausgiebiger zu helfen, als denen, die 712000 Mark Ein=
kommen
haben. Ich möchte den Herrn Abg. Ulrich dabei
doch daran erinnern, daß er ſelbſt noch im vorigen Jahre
geſagt hat, für die lumpigen 12000 Märkelcher möchte er
nicht Miniſter ſein. (Hört, hört! Sehr gut!) Wegen der
Bezüge der akademiſchen Beamten kann ich nur wieder
darauf verweiſen, was der Abg. Münch geſagt hat. Noch
wichtiger aber iſt die Feſtſtellung, daß die Vorſchläge des
Abg. Ulrich eineſtärkere Hilfefür die unteren
Beamten gegenüber der Regierungsvor=
lage
garnicht bedeuten. Das Gegenteil iſt richtig.
Das gilt zum Teil auch für die Vorſchläge des Bauern=
bundes
. Ich werde das an Hand von Zahlen beweiſen.
Ich nenne vorerſt von dieſen Zahlen nur die, die ſich auf
die unteren und mittleren Beamten beziehen. Es iſt aber
nötig, auch einmal auf die höheren Beamtenkategorien
einzugehen, und ich werde das ſpäter tun, um den Abg.
Wolf zu widerlegen. So peinlich es iſt, für uns ſelbſt zu
ſprechen, werden doch die Zahlen auch intereſſant ſein, die
ſich auf die Miniſtergehälter beziehen. Ich greife zuerſt
Beamte heraus mit einem Höchſtgehalt von 1500 Mark
jährlich. Nach der Regierungsvorlage bekommt dieſer
Beamte in der Ortsklaſſe I gegen ſeither mehr 345 Mark,
in der Ortsklaſſe III 255 Mark. Nach dem Vorſchlag der
Sozialdemokraten würde er mehr erhalten 250 Mark
ſ(Hört, hört!), und nach dem Vorſchlag des Bauernbundes
210 Mark. (Hört, hört!) Ein Beamter mit einem Höchſt=
gehalt
von 3000 Mark bekommt nach der Regierungsvor=
lage
mehr in der Ortsklaſſe I 490 Mark, in der Orts=
klaſſe
III 410 Mark; nach dem Antrag Ulrich 350 Mark,
nach dem Antrag Brauer=Weber, der hier etwas mehr
gibt, aber auch noch weit hinter der Regierungsvorlage
zurückbleibt, 370 Mark. Ein Beamter mit 4000 Mark
Höchſtgehalt erhält nach der Regierungsvorlage mehr in
Ortsklaſſe I 580 Mark, in Ortsklaſſe III 480 Mark; nach
dem Antrag Ulrich nur 375 Mark, nach dem Antrag
Brauer 450 Mark. Ich will ſchließlich noch erwähnen
(einen Beamten, der 6000 Mark Höchſtgehalt bezieht. Der
erhält ein Anfangsgehalt von 2800 Mark. Nach der Re=
gierungsvorlage
erhält er mehr in Ortsklaſſe I 504 Mark
in Ortsklaſſe III 300 Mark; nach dem Antrag Ulrich 340,
nach dem Antrag Brauer 350 Mark. Bezieht der gleiche
Beamte 5000 Mark, bekommt er nach der Regierungsvor=
lage
mehr in Ortsklaſſe I 680 Mark, in Ortsklaſſe III
470 Mark; nach dem Antrage Ulrich 385, nach dem des
Bauernbundes 510 Mark. Der Reſt iſt Schweigen. Nach
oben wird das immer ſchlimmer und würde das Verhält=
nis
noch ungünſtiger geſtalten. Wenn man dabei auf den
geſamten Bedarf an Gehältern und Penſionsgeldern Be=
zug
nimmt, ſo ſtellt ſich dieſer nach den Ulrichſchen Vor=
ſchlägen
auf 1164000 Mark, nach denen des Bauernbun=
des
auf 1 284000 Mark, und nach der Regierungsvorlage
auf 1580.000 Mark. Das ſind Zahlen, die meiner Ueber=
zeugung
nach ſchlagend ſind und die wohl volle Klarheit
darüber ſchaffen, wohin Sie, ſoweit Sie für die Beamten
überhaupt etwas Ernſtes tun wollen, zu greifen haben;
ob nach der Regierungsvorlage oder nach den beiden an=
deren
Vorſchlägen. Ich gebe gern zu, daß die neuen An=
träge
den Kernpunkt des Streitobjektes, die Deckungs=
frage
, erheblich erleichtern. Aber im Intereſſe der Be=
amten
= und Lehrerſchaft, um die es ſich doch ſchließlich
handelt, iſt ein ſolches Vorgehen nicht. Es iſt gerade zum
Nachteil für die kleineren und mittleren Beamten. (Hört,
hört!) Man hat uns den Vorwurf gemacht, die letzte Er=
klärung
der Regierung bedeute nichts weiter als ein glat=
tes
Einſchwenken der Regierung in die Reihe des
Bauernbundes. Ich glaube, nach den Zahlen, die ich ge=
geben
habe, glaubt das wohl niemand mehr. Von dem
Bauernbund trennt uns auch die Möglichkeit der Erreich=
ung
der preußiſchen Sätze. Gerade das Wohnungsgeld
ſpielt ein ſehr erhebliche Rolle. Dabei komme ich zu den
Ausführungen des Abg. Wolf. Er hat u. a. geſagt, wir
haben unſere Forderungen höher bemeſſen, wie die preu=
ßiſchen
Sätze, in der Vorausſetzung, daß doch daran ge=
ſtrichen
wird und wir dann doch auf die preußiſchen
Sätze kommen. Das iſt nicht richtig. Der Herr Abg.
Wolf weiß nicht, daß es für die preußiſchen Miniſter gar
keine Klaſſe gibt, dieſe bilden nämlich eine Klaſſe für
ſich. Ich möchte dann einige Vergleiche ziehen zwiſchen
den Miniſtergehältern, damit doch draußen im Lande
keine falſchen Meinungen entſtehen aufgrund der Zahlen
des Abg. Wolf. In Preußen bezieht der Miniſter 50000
Mark und völlig eingerichtete freie Dienſtwohnung; in
Bayern bezieht der Staatsminiſter 40000 Mark und freie
Dienſtwohnung, die übrigen Miniſter 29000 Mark und
freie Dienſtwohnung. In Baden bezieht der Staats=
miniſter
30000 Mark und freie Wohnung; die übrigen
Miniſter 18000 Mark und freie Wohnung. In Meck=
lenburg
=Schwerin, mit dem wir uns doch ſicher
vergleichen können: der Staatsminiſter 30000 Mark und
freie Wohnung, die Staatsräte 24000 Mark und freie
Wohnung. Hätte der Abg. Wolf dieſe Zahlen, die zum

Teil in der Denkſchrift ſtehen, gekannt, dann hätte er wohl
mit ſeinen Aeußerungen etwas zurückgehalten.
Nach all dem Geſagten kann, falls die
Regierungsvorlage fällt, nur der Antrag
der Finanzausſchußmehrheit in Frage kom=
men
. Soweit er den Bedarf betrifft, wird dieſer Vor=
ſchlag
der Mehrheit des Ausſchuſſes ſich genau decken mit
dem, was die Regierung vorgeſchlagen hat. Wegen der
Deckung begnüge ich mich mit dem Hinweis darauf, was
Herr Kollege Dr. Becker geſtern geſagt hat. Ich bin mir
klar darüber, daß vor einer endgültigen Verabſchiedung
der Vorlage noch erhebliche Schwierigkeiten zu über=
winden
bleiben. Aber ich bin der Meinung, daß dieſe
Frage ſich in der Tat nur im Zuſammen=
hang
mit dem Tilgungsgeſetz löſen läßt,
zu dem ich bereits Geſagtes nicht wiederholen möchte
und noch bei Beratung des Tilgungsgeſetzes ſelbſt zu
Sagendes nicht voraus nehmen will. Es iſt in den
Verhandlungen im Finanzausſchuß mit
der Regierung bezüglich des Schulden=
tilgungsgeſetzes
zu einem erfreulichen
Einvernehmen gekommen. Ein Einvernehmen,
das mich als unverbeſſerlichen Optimiſten hoffen läßt,
daß es auf dem uns heute zunächſt beſchäftigenden Ge=
biete
zur Löſung kommen wird. Gerade dieſer
Umſtand verpflichtet Sie, raſtlos und bis zum reſtloſen
Ende an der Arbeit zu bleiben, die in ihren Früchten ja
ſchließlich doch nur dem Staatsganzen dient. Für das
Staatsganze aber bleibt ſtets der Leitſatz: Wo ein Wille
iſt, da iſt auch ein Weg. Darum muß es für uns alle
heißen: Fürſorge für die Menſchen und die Schulden.
(Beifall.)

Präſident Köhler:

Meine Herren! Der Herr Finanzminiſter iſt zum Be=
ginn
ſeiner Ausführungen nochmals auf meine Bemerk=
ungen
von vorgeſtern zu ſprechen gekommen. Das gibt
mir Anlaß, auch meinerſeits einiges zu erklären. Der
Anlaß meines Eingreifens iſt in der Oeffentlichkeit viel=
fach
falſch dargeſtellt worden. Meine Beanſtandungen
bezogen ſich nicht auf die Ausführungen des Geheimerat
Becker dem Abg. Dr. Oſann gegenüber, ſondern lediglich
auf die Bemerkungen Dr. Beckers, die gegen das Haus als
ſolches gerichtet waren. Zweitens hat man, wie mir von
der Regierung und von Herrn Dr. Becker mitgeteilt wird,
meine Bemerkung ſo ausgelegt, als hätte ich Herrn Dr.
Becker den Vorwurf machen wollen, daß ihm das Gefühl
für die Würde des Hauſes abgehe; das hat mirvöl=
ligfern
gelegen, und das habe ich auch nicht geſagt.
Ich habe lediglich feſtgeſtellt, daß ein Teil der Aeußerun=
gen
des Herrn Geheimerat Dr. Becker von Mitgliedern
des Hauſes verletzend empfunden würden.
Damit iſt die Generaldebatte geſchloſſen; es beginnt
die

Speziallberatung.

Abg. Dr. Weber begründet nochmals kurz die
Momente, die ſeine Partei zur Einbringung der Anträge
veranlaßten. Wir ſind mit dem Grundſatz an die Berat=
ung
der Vorlage herangetreten, erſtens, daß wir für jetzt
und für die Folge nicht in der Lage ſind, das Wohnungs=
geld
weiter auszubauen; zweitens ſind wir nicht in der
Lage, das Wohnungsgeld penſionsfähig zu machen, ſo
lange die Gehaltsbezüge nicht endgültig geregelt ſind.
Endlich ſind wir der Anſicht, daß wir, wenn wir die Pen=
ſionsfähigmachung
des Wohnungsgeldes ablehnen, zur
richtigen Regelung der Penſionsbezüge überhaupt kom=
men
. Wir müſſen unbedingt gleichzeitig unſer Penſions=
geſetz
revidieren. Wir lehnen die Vorlage ab, weil ſie auf
falſcher Grundlage aufgebaut iſt. Wir wollen uns mit
dem Proviſorium nicht den Weg verſperren dadurch, daß
wir mehr geben, als ſich aus Gründen der Vorſicht emp=
fiehlt
. Wir können nicht mehr als 7780 Prozent des
Verlangten bewilligen. Die Volksſchullehrer dürfen nicht
vergeſſen, daß ſie im allgemeinen mit 26 Jahren angeſtellt
werden, die mittleren Beamten erſt mit 36 Jahren. Wird
unſere Skala abgelehnt, ſtimmen wir für den Oſannſchen
Vorſchlag.

Abg. Ulrich:

Ich kann nicht auf das Wort verzichten, weil der Herr
Finanzminiſter auf die frühere Aeußerung von mir zurück=
gekommen
iſt bezüglich der 12000 Märkelchen. Ich habe
das damals nur geſagt im Gegenſatz und Verhältnis zu
den Millionen=Einkommen der Großinduſtriellen. Die
damalige Situation kann doch gar nicht in Vergleich ge=
zogen
werden zu der heutigen. Je mehr wir uns heute
von der Regierungsvorlage entfernen, je ſicherer kommen
wir zu der organiſchen Regelung. Den Vergleich des
Finanzminiſters mit den preußiſchen Miniſtern muß ich
als ſehr unglücklich bezeichnen, denn ein preußiſcher Mi=
niſter
hat doch auch eine ganz andere Arbeitslaſt zu tra=
gen
. Auch die übrigen Ziffern des Miniſters ſind nicht
geeignet, unſere Poſition im geringſten zu erſchüttern.
Die weiteren Ausführungen des Redners gehen in der
lauten Privatunterhaltung im Hauſe, die auch trotz mehr=
maligen
Erſuchens des Vizepräſidenten Korell nicht
leiſer wird, verloren.)

Abg. Dr. Oſann

wendet ſich als Berichterſtatter noch kurz gegen die Aus=
führungen
des Abg. Dr. Weber, dann folgt
Abſtimmung.
Es wird zunächſt über den Amendementantrag
des Abg. Ulrich und Gen. zu dem Antrag der Bauern=
bündler
abgeſtimmt. Der Antrag wird abge=
lehnt
.
Ueber den Initiativantrag Brauer, Dr.
Weber und Gen., die Gehalte der Staatsbeamten betr.,
wird namentlich abgeſtimmt. Es ſtimmen zuerſt 26 Abge=
ordnete
für und 25 gegen den Antrag. Darauf ſetzt längere
Zeit dauernde große Unruhe ein. Endlich erhält Abg.
Schönberger das Wort und erklärt, er habe irr=
fümlich
mit Ja geſtimmt, weil er den Präſidenten,
der zu leiſe ſpreche, nicht verſtanden habe. Er habe mit
Nein ſtimmen wollen und korrigiere ſeine Abſtimmung
dementſprechend.
Präſident Köhler verkündet dann als Reſultat der
Abſtimmung die Ablehnung des Initiativantrages
Brauer, Dr. Weber und Gen. mit 26 gegen 25 Stimmen.
Dann wird abgeſtimmt über den Initiativantrag
der Abgg. Brauer, Dr. Weber und Gen., die Gehalte
der Volksſchullehrer betreffend. Der Antrag wird
abgelehnt.
Endlich folgt die Abſtimmung über
den Initiativantrag des Abg. Dr. Oſann,
der ſich mit dem Antrag des Ausſchuſſes deckt. Der An=
zrag
wird mit 38 gegen 11 Stimmeln ange=
nommen
.
Debattelos angenommen wird der Geſetzentwurf, die
Abänderung des Geſetzes vom 21. Juli 1900 30. Oktober
1905 über die Witwen= und Waiſenkaſſe der
Volksſchullehrer betreffend.
Zum Geſetzentwurf, die Abänderung des Ge=
ſetzes
über den Urkundenſtempel vom 12.
Auguſt 1899 in der Faſſung der Bekanntmachung
vom 24. März 1910 betreffend, erklären die Abgeord=
neten
Grünewald Molthan und Dr.
Oſann namens ihrer Parteien, daß ſie mit mehreren
der darin enthaltenen Urkundenſtempelerhöhungen nicht
einverſtanden ſind, daß ſie aber im Intereſſe des Zuſtande=
kommens
der Vorlage ihre Bedenken fallen laſſen und für
das Geſetz ſtimmen werden. Abg. Ulrich verſteht den
Standpunkt nicht. Das habe doch gar keinen Wert; die
Herren ſollten doch das, was ſie nicht verantworten kön=
nen
, einfach ablehnen. Wenn dadurch das Geſetz gefährdet
wird, ſei das eben Schuld der Regierung.
Das Geſetz wird dann im einzelnen nach
den Ausſchußanträgen angenommen meiſt
gegen die Stimmen der Sozialdemokraten; einzelne Ar=
tikel
gegen die des Bauernbundes.
Der Geſetzentwurf zur Aenderung des Ge=, die Erhebung von Zuſchlägen zur
Reichserbſchaftsſteuer vom 30. März 1907 betr.,
wird debattelos angenommen.
Zur Regierungsvorlage, die Erhöhung der
Zivilliſte Seiner Königlichen Hoheit des
Großherzogs betreffend, äußert Abg. Molthan
Bedenken. Man könne aus Gründen der Gerechtigkeit den
Hofbeamten und=Bedienſteten nicht definitiv gewähren,
was für die Staatsbeamten und Volksſchullehrer nur ein
Proviſorium iſt. Es ſei alſo notwendig, dieſem Geſetz=
entwurf
nur für ein Jahr Geltung zu geben.
Legationsrat Dr. Neidhart: Dieſer Auffaſſung
des Herrn Abg. Molthan ſtehen ſtaatsrechtliche Be=
denken
gegenüber. Denn nach Artikel 78 der Verfaſ=
ſung
ſind die Mittel der Zivilliſte dem Großherzog für die
Dauer ſeiner Regierung zu überweiſen. Da es ſich bei
dem Proviſorium der Beſoldungsordnung doch auch nur
um eine Formſache handle und die Erhöhung doch ſicher
auch für die folgenden Jahre bewilligt wird, wäre es
doch unbedenklich, die Vorlage anzunehmen. Redner bittet,
dem Ausſchußantrag zuzuſtimmen.
Abg. Dr. Schmitt hält es auch nicht für angängig,
den Hofbeamten definitiv zu geben, was die Staatsbeam=
ten
nur proviſoriſch erhalten. Um die ſtaatsrechtlichen
Bedenken zu beſeitigen, beantragt Redner, anſtelle
des Abſatzes 1 des Ausſchußantrages zu ſetzen: Dem
Großherzog wird zu Zwecken der Aufbeſſerung der Be=
züge
der Hofbeamten und =Bedienſteten uſw. für das
Jahr 1912 der Betrag von 75000 Mark zur Ver=
fügung
geſtellt.
Dieſen Antrag macht nach kurzer Debatte der Finanz=
ausſchuß
zu dem ſeinen, worauf er angenommen
wird.
Der Initiativantrag der Abgg. Köhler, Korell= Angen=
rod
, Dr. Schmitt und Gen., Entwurf eines Ge=
ſetzes
über die Abänderung eines Ge=
ſetzes
, die Beſoldungen der Staatsbe=
amten
betreffend, vom 8. Juni 1898 (betr. die Beamten
der Stände=Kammern), wird nach kurzer Debatte als
Definitivum angenommen.
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