Darmstädter Tagblatt 1912


22. Juni 1912

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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

die heutige Nummer hat 32 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

iriſterpräſident Frhr. v. Hertling iſt
eſtern mittag vom Großherzog in Wolfsgarten
mpfangen worden.
nigin Wilhelmine iſt nach Holland abgereiſt.
ie Kaiſerkette des Kölner Männer=
eſangvereins
iſt von Einbrechern geſtohlen
vorden.
reine Univerſität in Dresden ſind außer der
emeldeten einen Million Mark weitere fünf Mil=
ionen
Mark in Ausſicht geſtellt worden.
r am Oberrhein eingetretene Wetter=
turz
hat in den Weinbergen große Verheerungen ange=
ichtet
.
uf dem Monte Maggiore iſt ein Wagen der
Auto=Alpenfahrt, in dem ſich das Ehepaar D. A. Fiſcher
aus Berlin und ein Rittmeiſter, der als Kontrolleur
den Wagen begleitete, in eine tiefe Schlucht
geſtürzt. Das Ehepaar Fiſcher iſt tot, der Ritt=
meiſter
wurde ſchwer verletzt.
ooſevelt will aus der republikaniſchen Partei
ausſcheiden, weil er bei der Zuſammen=
ſetzung
des Konvents keine Ausſicht hat, zum repu=
blikaniſchen
offiziellen Präſidentſchaftsbewerber ge=
wählt
zu werden.

Deutſchland und England.

Von Viseount Haldane of Cloan,
* Lordkanzler von England.
Lord Haldane, der vor kurzem aus der
Poſition des engliſchen Kriegsminiſters in die
Stellung des engliſchen Lordkanzlers aufrückte
hat bekanntlich in dieſem Jahre ſchon zweimal
eine Reiſe nach Deutſchland, und dabei in amt=
licher
Miſſion Verſuche zur Verſtändigung
zwiſchen Deutſchland und England gemacht. Er
hatte die Liebenswürdigkeit, unſerem Berliner
Mitarbeiter den nachſtehenden Artikel zur Ver=
fügung
zu ſtellen, der zur Kennzeichnung des
Standpunktes Lord Haldanes weſentlich bei=
tragen
wird. Man wird daraus die Meinung
gewinnen müſſen, daß es Lord Haldane bei
ſeinen Verſöhnungsverſuchen tatſächlich um die
Verwirklichung ehrlichſter Abſichten geht.
Wenn wir uns heute in England ein Bild von
ſeutſchland machen wollen, ſo müſſen wir uns vor allen
ſingen klar machen, daß die Deutſchen jetzt wirklich ein
lodernes Volk ſind. Die Quelle ihres Lebensſtro=
tes
, ſowohl des geiſtigen wie des politiſchen, liegt in
er Reformation. Dieſe aber erfuhr am Ende des 18.
nd zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Fortſetzung,
ie einzigartig in der Weltgeſchichte iſt und bis heute
toch nicht aufgehört hat, ſich weiter zu entwickeln. Seit
den Tagen der alten Griechen haben wir das noch nicht
viedergeſehen, was gerade das moderne Deutſchland
ſeigtn das innige Zuſammenarbeiten von Staatsmann
und Denker, die großzügige Ergänzung von Theorie und
Praxis. Die Hauptneigung des modernen Deutſchen iſt
m höchſten Grade auf Realitäten gerichtet aber dieſe
Neigung hat ihren Untergrund in ſeiner ſtarken Fähig=
eit
zur Abſtraktion. Die Praxis, das Konkrete gründet
ich immer auf Wiſſenſchaft und Philoſophie. Erſt brachte
as Land einen Kant und einen Goethe hervor und dann
erſt folgte ſein Bismarck: aus dem Lernvolk iſt ein
Tatenvolk geworden.
In England ſind die konkreten und abſtrakten Fähig=
eiten
nebeneinander nicht in demſelben Maße ausge=
orägt
wie in Deutſchland. Wir haben vielleicht mehr
praktiſchen Inſtinkt und mehr Initiativkraft wie die
Deutſchen. Das ſind eben Dinge, die einem Volke nur
von harten Lebensnotwendigkeiten gelehrt werden und
dieſe Notwendigkeiten waren für uns Engländer in der
Eigenart unſeres Heimatlandes als eines Inſelſtaates
gegeben, während die Deutſchen infolge ihrer beſonde=
ren
Entwickelung den geiſtigen Dingen eine höhere
Pflege angedeihen laſſen konnten. Auch die ſind ſowohl
im öffentlichen wie im privaten Leben von höchſtem
Wert und wenn Deutſchland von uns in die=
ſen
Tagen manches lernen kann, ſo können
wirnicht weniger von Deutſchland lernen.
Am das zu ermöglichen, haben bekanntlich jetzt mehrere

engliſche Gelehrte ein Buch über die Entwicklung Deutſch=
lands
im 19. Jahrhundert veröffentlicht. Ich glaube,
daß das engliſche Volk von dieſen Studien außerordent=
lich
viel profitieren kann. Die Kräfte, die wir beſitzen,
und die Kräfte, über die Deutſchland verfügt, könnten,
wenn ſie ſich gegenſeitig unterſtützten, Herrliches und
Großes zum Wohle der ganzen Menſchheit ſchaffen. Wie
in der erwähnten Veröffentlichung der engliſchen Ge=
lehrten
über Deutſchland uns Engländern die Annähe=
rung
an Deutſchland erleichtert wird, ſo wäre es jetzt
wünſchenswert, daß vielleicht auch einmal einige deutſche
Gelehrte ihren Landsleuten ein Bild von uns entwürfen,
eine Würdigung z. B. der Weltverdienſte Englands als
Koloniſator, eine Würdigung der Hilfe, die auch unſere
Schulen und Univerſitäten der Welt gegeben haben, die
zwar in mancher Hinſicht nicht vollkommen ſind, aber für
die Erziehung tüchtiger Kaufleute und für die Fähigkeit,
in der Welt eine Rolle zu ſpielen, Hohes geleiſtet haben.
Auf anderem Gebiete liegen z. B. die Verdienſte Frank=
reichs
und ebenſo wieder auf einem anderen Gebiete
Amerikas um die Welt.
Es gilt nun, die Eigenart und die beſonderen Werte
der einzelnen Völker zuſammenfaſſen zum großen Werke
der allgemeinen Menſchheitsentwicklung. Auf dieſem
Felde iſt gerade in unſeren Tagen, wo die Pflicht immer
dringlicher wird, auch den unziviliſierten Ländern die
Segnungen der Kultur zu geben, ſo ungeheuer viel zu
tun. Da vermag die einzelne Nation wenig die For=
derung
des Tages heißt zuſammenarbeiten, und dieſe
erfordert gegenſeitige Verſtändigung und gegenſeitiges
Verſtändnis, das ſeinerſeits wieder gegenſeitiges
Studium vorausſetzt.
Der Argwohn, den die meiſten Völker heute einan=
der
entgegenbringen, rührt in der Hauptſache aus dem
Mangel gegenſeitiger Kenntnis her. Nur
wenn wir uns bemühen, uns gegenſeitig beſſer kennen
zu lernen, können die Minen der gegenſeitigen Verdäch=
tigungen
beſeitigt werden nur das gegenſeitige Stu=
dium
kann uns befreien von den Laſten der Rüſtungen
unter denen wir alle leiden , obwohl keiner von uns
ernſtlich an Kriege und Kämpfe denkt!

Politiſche Wochenſchau.

* In der ihm eigenen Art verſteht es der Kaiſer, ſich
ihm bietende Gelegenheiten zu verſchiedenartigſten
Zwecken zu benutzen. Wenn er alle Jahre Hamburg
einen Beſuch abſtattet und darauf an der Kieler Woche
teilnimmt, ſo geſchieht das nicht bloß vergnügungshal=
ber
, ſondern die bei dieſer Gelegenheit geübte Repräſen=
tation
hat bisher ſtets einen etwas politiſchen Beige=
ſchmack
gehabt, und ſo iſt es auch diesmal. Der Kaiſer
weilt gern in Hamburg, deſſen Bewohner ihm dieſe
Vorliebe dankbar zurückgeben, und nicht ſelten hat man
in Hamburg Kaiſerreden gehört, die von weittragender
Bedeutung waren. Bei dem diesjährigen Beſuch hat der
Kaiſer an Bord des Dampfers Viktoria Luiſe beim
Bankett eine Rede gehalten, die im Auslande noch lange
nachhallen wird Der Kaiſer feierte den Schutz der deut=
ſchen
Flagge, indem er darauf hinwies, wie jetzt nach
Schaffung des Reiches der deutſche Kaufmann unter
deutſcher Flagge ruhig ſeinen Weg ziehen kann, weil
des Reiches Schutz hinter ihm ſteht. Gleichzeitig warnt
der Kaiſer vor einer leichtſinnigen Entfaltung der deut=
ſchen
Flagge, wenn man ſie nicht ſicher verteidigen könne,
denn die Flagge dürfe nur in Ehren wehen‟. Dazu
fügte der Kaiſer einen Paſſus, der lebhafte Kommentare
finden wird. Der Kaiſer ſagte dort: Sie werden es
verſtehen, warum ich Zurückhaltung geübt habe in der
Ausbreitung der deutſchen Flagge, wo ſie vielleicht von
manchem gewünſcht und erſehnt war. Dies war wohl
ein nicht mißzuverſtehender Hinweis auf die Marokko=
verhandlungen
und gleichzeitig eine Betonung, daß der
Kaiſer ſich mit den chauviniſtiſchen Umtrieben nicht
identifiziert. Der Kaiſer hat hierüber noch niemals ein
Hehl walten laſſen, aber es iſt gut, wenn er ſeinen
Standpunkt immer wieder betont, um die Treibereien
zu nichte zu machen. Im Auslande wird man die
Worte des Kaiſers gern hören: ſie ſind ein neuer Beweis
dafür, wie Kaiſer Wilhelm II. beſtrebt iſt, den Welt=
frieden
zu erhalten. Die von ihm vertretene Tendenz
bedeutet keineswegs das Eingeſtändnis eigener Schwäche,
die kaiſerliche Sprache zeigt, die Flagge in Ehren wehen
zu laſſen, mit anderen Worten, daß wir es niemals
dulden würden, ſie von anderer Seite antaſten zu laſſen,
Wir wollen keine Beobachtung des Ueberall treiben
und leichtſinnig den Gegner herausfordern, aber ander=
ſeits
werden wir unſere Intereſſen zu ſchützen wiſſen.
Ein derartig ſelbſtbewußter Standpunkt wird
allenthalben Achtung begegnen. Chauvinismus und
Selbſtbewußtſein ſind keineswegs identiſche Begriffe.
Nach der Kieler Woche, zu der auch Herr von Beth=
mann
Hollweg ein politiſches Nebenzeichen! eine

Einladung erhalten hat, wird ſich der Kaiſer vor Antritt
der Nordlandsreiſe nach den Finniſchen Schären bege=
ben
, wo eine Begegnung mit dem Zaren ſtattfinden
wird Daß es ſich hierbei mehr als um einen bloßen
Höflichkeitsakt handelt, geht daraus hervor, daß der
Kaiſer vom Reichskanzler begleitet wird, während ſich
neben dem Gefolge des Zaren der ruſſiſche Premiermini=
ſter
Kokowzow befindet. Von dieſer Zuſammenkunft
wird ſogar recht viel erhofft, man erwartet auch definitive
Schritte zur Beilegung des Tripoliskrieges. Nach außen
hin wird dieſe kurze Zuſammenkunft als Ausdruck der
guten beiderſeitigen Beziehungen anzuſehen ſein, die ſich
als eine Folge der Potsdamer Abmachungen darſtellen.
Dieſe Kundgebung iſt um ſo bemerkenswerter als An=
fang
Auguſt der Leiter der franzöſiſchen Regierung,
Herr Poincaré ſeine Viſitenkarte an der Newa abgeben
will und mit den dortigen maßgebenden Perſönlichkeiten
Beſprechungen abhalten will. Was bei dieſen Konferen=
zen
herauskommen wird, wird man deutſcherſeits
ruhig entgegenſehen können, denn ruſſiſcherſeits herrſcht
das Beſtreben vor, trotz Feſthaltens am Zwei=
bunde
ſich mit Deutſchland auf guten Fuß zu ſtellen, weil
man ſpeziell auf wirtſchaftlichem Gebiete auf Deutſch=
land
angewieſen iſt, und weil man ſich ſagt, daß es im=
mer
gut iſt, zwei Eiſen im Feuer zu haben.
Anfang Auguſt iſt der Beſuch des franzöſiſchen Pre=
mierminiſters
Poincaré in Petersburg vorgeſehen: Wenn
der Zweck der kommenden Beſprechungen auch ziemlich
klar iſt, ſo darf man bei dem ganzen Arrangement, doch
einen Moment nicht vergeſſen, daß nämlich wohl auch
innerpolitiſche Gründe mitſpielen. Das jetzige Kabinett
ſteht trotz ſeiner Erfolge bei der Militärvorlage keines=
wegs
ſo ganz ſicher da, und wenn es auch bei dem Wahl=
entwurf
mit Erfolg abſchnitt, ſo war dies doch mehr
oder minder ein Pyrrhusſieg, denn ein beträchtlicher Teil
der Republikaner ſtimmte für einen Abänderungsantrag,
den die Regierung abgelehnt hatte. Herr Poincaré hat
es ſehr gut nötig, ſeine Autorität zu ſchützen, und er
glaubt wohl, durch eine Reiſe nach Petersburg ſeinen
Ruf feſtigen zu können.
Um eine Wahlreform ging auch der Kampf in Eng=
land
. Hier ging die Sache glatter von ſtatten, und die
Vorlage iſt ſo gut wie unter Dach und Fach Auch ſie
ſollte am letzten Ende dazu dienen, die Stellung der
Regierung zu feſtigen, ſie gibt ungefähr 2 Millionen, die
bisher von der Stimmabgabe ausgeſchloſſen waren, das
Wahlrecht, und ſie hat daher auch im Volle einen guten
Eindruck gemacht. Ueberhaupt hat Herr Asquith jetzt
gut Wetter. Der neue Arbeiterſtreik, der große Dimen=
ſionen
anzunehmen drohte, hat ein Ende genommen, das
die wenigſten erwarteten. Er iſt ſanft entſchlafen, nach=
dem
die Stimmung während der Bewegung ſo ziemlich
von vornherein recht flau geweſen war. Man iſt der
ewigen Streikerei müde, die geſchlagenen Wunden ſind
zu tief, als daß man den Aufforderungen zur Arbeits=
niederlegung
ſo gern Folge leiſtet.
Eine Wendung ſcheint auch im Tripoliskrieg kom=
men
zu ſollen. Man iſt auf beiden Seiten des Streites
herzlich müde und glaubt der Ehre Genüge geleiſtet zu
haben. Mehr und mehr verdichtet ſich daher die Nach=
richt
, daß eine internationale Konferenz die Regelung
der Difkerenzen übernehmen werde, und Italien für ſei=
nen
Teil ſoll einer derartigen Löſung nicht abgeneigt
ſein. Wie es heißt, bemühe ſich namentlich der neue ruſ=
ſiſche
Botſchafter in Rom, Krupenski, nach dieſer Rich=
tung
hin, und zwar mit Erfolg. Dabei geht es natür=
lich
nicht ohne Hetze gegen Deutſchland ab. Dieſes ſei
gegen eine Konferenz und ſei es auch geweſen, das den
Italienern bei ihren Aktionen im Aegäiſchen Meer ein
energiſches Halt gebieten wollte. Dieſe Treibereien ge=
hören
zu einer Methode, die man neuerdings in Italien
gegenüber Deutſchland liebt, und die in nicht gerade zar=
ter
Weiſe in der offiziöſen Norddeutſchen Allgemeinen Zei=
tung
kürzlich einer ſcharfen Kritik unterzogen wurde.
Nun, das ficht uns nicht weiter an, wir wiſſen zur Ge=
nüge
, was wir von unſeren Bundesgenoſſen zu halten
haben.
Ein Treiben, wie es auf dem alten Kontinent völlig
unbekannt iſt, hat es in dieſer Woche in Chicago gegeben
Dort hat der Nationalkonvent getagt, der die Wahl des
Präſidenten vorbereitet, und es haben ſich dabei Sze=
nen
abgeſpielt, die mit einem Jahrmarktsrummel ver=
zweifelte
Aehnlichkeit hatten. Gab es doch ein direktes
Markten und Feilſchen um die Wahlſtimmen, insbeſon=
dere
hatte man ſich dabei die in dieſer Hinſicht ſehr zu=
gänglichen
Neger aufs Korn genommen. Ländlich=
ſchändlich
heißt ein bekanntes abgeändertes Sprichwort.
Zur Vermehrung der Staatsautorität kann freilich ein
derartiges Verfahren ſchwerlich beitragen. Hie Taft, hie
Rooſevelt! das war die Parole, aber wenn ’zwei ſich
ſtreiten, freut ſich der Dritte, es kann auch ſein, daß ein
Außenſeiter im Februar nächſten Jahres ſeinen Einzug
im Weißen Hauſe zu Waſhington halten wird.

Deutſches Reich.

Reichstagserſatzwahl. Bei der Reichs=
tagserſatzwahl
im erſten mecklenburgiſchen Wahlkreis
Hagenow=Grevesmühlen wurden abgegeben
für Pauli (konſ.) 6130, für Sivkowich (liberal) 6580 und
für Kober (Soz.) 4065 Stimmen. Eine kleine Zahl Ort=

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Seite Be

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Juni 1912.

Nummer 145,

ſchaften ſteht noch aus. Danach iſt Stichwahl zwiſchen
Pauli und Sivkowich erforderlich.
Ueber die Hamburger Rede Kaiſer
Wilhelms ſchreibt das Journal des Débats: Dieſe
Anſprache enthält nichts, was im Auslande Empfind=
lichkeiten
wachrufen oder von ſeiten eines Herrſchers über=
raſchen
könnte, der geſagt hat, daß die Zukunft Deutſch=
lands
auf dem Waſſer liegt.
Zur Gewerkſchaftsfrage. Die
von der Fuldaer Biſchofs=Konferenz eingeſetzte
ſoziale Kommiſſion der preußiſchen Biſchöfe hielt gele=
gentlich
der Bonifaziustagung in Hildesheim eine Be=
ſprechung
über die Gewerkſchaftsfrage ab und präziſierte
in einem Telegramm an einen um die Gewerkſchafts=
bewegung
hochverdienten Führer ihren Standpunkt. Die
in kurzer Zeit zu erwartende Bekanntgabe des Inhalts
des Telegramms dürfte, der Hildesheimer Zeitung
zufolge, geeignet ſein, Beruhigung im katholiſchen Deutſch=
land
zu ſchaffen und das volle Vertrauen auf eine bal=
dige
zufriedenſtellende Entſcheidung zu verſtärken.
Vom Reichsetat 1913. Wie die Neue
Politiſche Korreſpondenz mitteilt, werden in einzelnen
Reichsreſſorts gegenwärtig die Arbeiten für die Anfor=
derungen
zum Reichsetat 1913 zum Abſchluß gebracht.
Auch diesmal iſt Sparſamkeit für alle Anſtellungen zum
maßgebenden Geſichtspunkte gemacht worden.
Kiderlen=Wächter. Der Täglichen Rund=
ſchau
wird aus Petersburg gedrahtet: Die von hier
ſtammende und hierher zurücktelegraphierte Meldung,
daß Herr v. Kiderlen=Wächter gedenke, in der nächſten
Zeit in Petersburg einen Beſuch abzuſtatten, wird von
zuverläſſiger Seite als falſch bezeichnet. Wir
können hinzufügen, daß nach unſeren Erkundigungen
auch an Berliner maßgebender Stelle nichts von einem
Beſuch des Staatsſekretärs in Petersburg bekannt iſt.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Die Wehrvorlagen im Abgeordneten=
hauſe
. In der fortgeſetzten zweiten Leſung erklärte
der tſchechiſche Abgeordnete Kramarſch, es ſei kein Wun=
der
, daß die Deutſchen für die Wehrvorlagen ſtimmen,
denn die Armee ſei ein Bollwerk des Deutſchtums. Das
Bündnis mit dem Deutſchen Reiche ſei auch ein ſehr ſtar=
ker
Antrieb, für die Wehrvorlage zu ſtimmen. Die
Tſchechen könnten mit Recht über eine ſchroffe Zurück=
ſetzung
in der Armee klagen. Auch die auswärtige Po=
litik
ſei für die Tſchechen nicht danach angetan, ihre
Sympathien und ihre Begeiſterung wachzurufen. Wenn
die Tſchechen trotz alledem für die Vorlagen ſtimmten,
ſo ſei das kein Vertrauensvotum für die Regierung, ſon=
dern
die Tſchechen bewilligten die Vorlagen dem Staate
und dem alten Monarchen mit dem Herzenswunſche, daß
es ihm noch lange vergönnt ſein möge, an der Spitze der
erſtarkten Armee als ſicherſter Hort des Friedens zu
ſtehen. Mit ungebrochenem Mute ſtrebten die Tſchechen
nach dem ſchönen Ziel, in der alten Monarchie die Frage
des friedlichen Zuſammenlebens aller Völker zu löſen,
ohne die hiſtoriſchen Grundlagen der Monarchie zu ver=
letzen
. Der Redner trat für die Einheitlichkeit der Kom=
mandoſprache
ein und ſagte, daß die Tſchechen die Zwei=
teilung
der Armee nicht wünſchten; angeſichts der unun=
terbrochenen
Rüſtungen aller Staaten könne Oeſterreich=
Ungarn nicht mit einer Abrüſtung beginnen. Wir wol=
len
, ſo ſchloß Kramarſch, die Erhaltung der Armee nicht
zu Eroberungszwecken und nicht zur Erfüllung phan=
taſtiſcher
Pläne, ſondern zum Schutze des Friedens, der
Freiheit, der nationalen Entwickelung und zum Schutze
der öſterreichiſchen Idee, daß Oeſterreich der mächtige
Beſchützer aller ſeiner Völker werde und bleibe. ( Leb=
hafter
Beifall.) Der Sozialdemokrat Sever erklärte, die

Sozialdemokraten würden Mann für Mann gegen die
ſchlechte Vorlage ſtimmen. Hierauf wurde die General=
debatte
geſchloſſen.
Der Kaiſer empfing den Obmann des Po=
lenklubs
Leo in Privataudienz. Er ſprach ſein Be=
dauern
aus, daß infolge unliebſamer, von keiner Seite
beabſichtigter Zwiſchenfälle die Gefahr einer Trübung
des traditionellen freundlichen Verhältniſſes des Polen
klubs zur Regierung, auf das der Monarch großen Wert
lege, beſtanden habe. Er gab weiter zu erkennen, daß
ſeiner Intention gemäß an dem bisher jederzeit beob=
achteten
Grundſatz, nationalpolitiſche Fragen in Gali=
zien
nur im Einvernehmen zwiſchen Polen und Ruthe=
nen
einer Löſung zuzuführen, auch in Zukunft ſtreng feſt=
gehalten
wird. Der Kaiſer hob in warmer Anerken=
nung
die ſtets bekundete dynaſtiſche Geſinnung, die patri=
otiſche
Haltung des Polenklubs hervor und verabſchiedete
ſich von Leo in huldvollſter Weiſe.
Der Polenklub hielt darnach eine Sitzung ab,
in der folgender Beſchluß gefaßt wurde: Der Polen=
klub
hat den Bericht des Obmanns und des Miniſters
Dlugocz über die Audienz bei Sr. Majeſtät mit tiefge=
fühlter
Dankbarkeit für die von Sr. Majeſtät ſtets bekun=
dete
Huld zur Kenntnis genommen. Angeſichts des von
der allerhöchſten Stelle ausgedrückten Bedauerns, daß
infolge einer Reihe von unliebſamen, von keiner Seite be=
abſichtigten
Zwiſchenfälle die Gefahr einer Trübung des
traditionellen freundlichen Verhältniſſes des Polenklubs
zur Regierung beſtanden habe und daß Se. Majeſtät auf
die Erhaltung dieſes Verhältniſſes großen Wert legt
und angeſichts der mit beſonderem Nachdruck gegebenen
Verſicherung Sr. Majeſtät, daß ſeinen Intentionen ge=
mäß
an dem bisher jederzeit beobachteten Grundſatze,
in nationalpolitiſchen Fragen Galiziens nur im Ein=
verſtändnis
beider das Land bewohnenden Völker eine
Löſung herbeizuführen, auch in Zukunft ſtreng feſtgehal=
ten
wird, deshalb erwartet der Polenklub, daß die Ur=
ſachen
, welche eine Aenderung ſeiner politiſchen Stellung
zur Regierung beeinflußten, entfallen ſind.
Frankreich.
Frankreich und die türkiſchen Spora=
den
. In franzöſiſchen Blättern wird mit auffälliger
Gefliſſentlichkeit für die Abtrennung der türkiſchen Spo=
raden
vom ottomaniſchen Reiche Stimmung gemacht. So
behandelt der Eclair es als ſelbſtverſtändlich, daß die
türkiſchen Sporaden vollſtändige Autonomie mit Rhodos
als Mittelpunkt erhalten, und der Gaulots ſchreibt:
Es erſcheint in jedem Falle unmöglich, daß man die
Inſelgriechen zwingen könnte, unter die türkiſche Herr=
ſchaft
zurückzukehren. Man wird für ſie ein politiſches
Regime feſtſetzen müſſen, das zu beſtimmen ſchwie=
rig
iſt.
Mit einer derartigen Unterſtützung griechiſcher Los=
reißungsgelüſte
erweiſt man dem Beſtreben, den italie=
niſch
=türkiſchen Krieg zu beendigen, den denkbar ſchlech=
teſten
Dienſt. Denn der Pforte wird durch ſolche Trei=
bereien
die Neigung zu Friedensverhandlungen förmlich
ausgetrieben; Italien aber verliert bei der Schaffung
einer Autonomie für die Sporaden das etwaige Kom=
penſationsobjekt
, das es für den Erwerb Tripolitaniens
in der Hand hat. Es leuchtet daher ein, in wie hohem
Grade die Herbeiführung des Friedensſchluſſes durch jede
Begünſtigung einer Agitation erſchwert wird, die den
ſtaatsrechtlichen Zuſtand der türkiſchen Sporaden zu
ändern trachket. Die Verlängerung des Krieges aber
entſpricht ſo wenig den Bedürfniſſen Frankreichs und
ſeiner amtlichen Vertretung, daß man nicht zu viel ſagt,
wenn man franzöſiſche Umtriebe von der Art des Gau=
lois
und des Eclair als Frankreichs Intereſſen direkt
zuwiderlaufend bezeichnet.
Bekämpfung der Bevölkerungsab=
nahme
. Mehrere radikale Deputierte beſchloſſen, zum

Budgetgeſetz einen Zuſatzantrag einzubringen, won
behufs Bekämpfung der Bevölkerungsabnahme je
Familienoberhaupt, das mehr als drei Kinder un
13 Jahren zu verſorgen hat, für jedes weitere Kinde
monatliche Unterſtützung von ſechs Francs erhalten
Frankreich und Spanien. Nach einer A
drider Meldung wird auch in dem neuen franzöſiſc=
Eiſenbahn=Projekt Tanger=El Kſar=Fez, welches Botſch
ter Geoffray dem Miniſter des Aeußern Garcig Pri
überreichte, die Bildung einer einzigen Geſellſchaft 1
eine verhältnismäßige Beteiligung Spaniens vorgeſch
gen. Die ſpaniſche Regierung verlange nach wie
die Bildung zweier Geſellſchaften, einer franzöſiſchen
einer ſpaniſchen.
Miniſterkriſis. Außer der bereits dementi=
ten
Meldung, daß unter den Miniſtern infolge der Wa
reformfrage ernſte Meinungsverſchiedenheiten ausgeb=
chen
ſeien, die die radikalen Miniſter, darunter Bor
geois, zu ihrer Demiſſion veranlaßt hätte, wurde in d
Wandelgängen der Kammer, wie erwähnt, auch noch d=
ſenſationelle
Gerücht verbreitet, daß Senatspräſide
Duboſt eine Unterredung über die Frage der etwaig
Kammerauflöſung gehabt habe. In einer offiziöſen M
teilung wird dieſes Gerücht als vollkommen erfunden
zeichnet und erklärt, daß der Beſuch des Präſident
beim Senatspräſidenten keinerlei politiſchen Charaft
hatte. Ferner wird bemerkt, daß Miniſterpräſident Pol
caré mit allen ſeinen Kollegen über die Haltung ſein
Kabinetts in der Wahlreformfrage vollſtändig einigſt
Das Miniſterium ſei bereit, alle Wege zu einer Verſtä
digung zu betreten, falls ſie die Durchführung der Wah=
reform
zum Ziel hätten und eine Einigung der republ
kaniſchen Parteien begünſtigten. Poincaré ſelbſtſag
ferner mehreren Berichterſtattern, die ihn über die
Umlauf befindlichen Gerüchte befragten, was man imm
tun und ſagen möge, es wird nicht gelingen, das Miniſt
rium zu entzweien.
England.
Zur Frage von Englands Mittelmee
politik bringt die Voſſiſche Zeitung aus Londonfol
gendes: Hier verlautet, daß die Entſcheidung überdi
neue Mittelmeerpolitik Englands hinausgeſchoben wor
den iſt. Man hat ſich an verantwortlicher Stelle in Eng
land überzeugt, daß der öſterreichiſche Flottenausha
nicht, wie bislang angenommen wurde, im Jahre19
ſondern erſt zu Ende 1915 die Fertigſtellung dere
erſten Dreadnoughts vorſieht. Der hier befürchtete
punkt, der die britiſche Flotte im Mittelmeer den Krieg
ſchiffen des Dreibundes gegenüber in einen Nachteil
ſetzen wird, war nach den bisherigen Erwägungen
engliſchen Regierung verfrüht angenommen worden,
Unterhaus. In Erwiderung einer.Anftage
erklärte Sir Edward Grey, von der türkiſchen Regieruig
ſei ein Geſuch um Ueberlaſſung von Offizieren für die
Gendarmerie eingetroffen. Er wünſche aber, vollſtändige
Klarheit darüber zu erhalten, unter welchen Bedingungen=
dieſe
Offiziere verlangt werden und was ihre Aufgab
wäre, bevor er das betreffende Geſuch beantworten
könne.
China.
Juanſchikai hat dem Kabinett mitgeteilt,
wünſche die Aemter des Präſidenten und des Präſidiuns
nicht in ſeiner Perſon zu vereinigen. Er ſchlage vor,ds
Amt des Präſidiums dem bekannten Südchineſen Chan
chien und, wenn dieſer ablehne, es dem ehemaligen
mund des Kaiſers Hſuſchichang anzubieten. Beide ſeien
ernſthafte Männer mit tiefer wiſſenſchaftlicher Bildu
mit lauterem Charakter ohne perſönlichen Ehrgeiz,
Kabinett ſtimmte dem Vorſchlag zu.
General Liyuanhung telegraphierte deſ
Verweſer des Miniſteriums des Auswärtigen, esä

Wie Amerika ſeinen Präſidenten
wählt.

ml. Selbſt für das Land der unbegrenzten Möglich=
keiten
ſind die Vorgänge, die ſich gegenwärtig auf dem
Konvent der republikaniſchen Partei in Chicago abſpie=
len
, unerhört und faſt beiſpiellos. Mit Staunen und Be=
fremden
verfolgt Europa dieſen Kampf zwiſchen den ein=
ſtigen
Freunden Taft und Rooſevelt, ohne doch von den
eigentlichen Zuſammenhängen des Wahlkampfes von
dem inneren Getriebe und dem Funktionieren der Partei=
maſchine
mehr als ein ganz oberflächliches und ver=
ſchwommenes
Bild zu haben. Ja, man darf ganz ruhig
und ernſthaft die Behauptung aufſtellen, daß es überhaupt
keinen Europäer gibt, der den amerikaniſchen Partei=
mechanismus
vollkommen überſieht und die Technik einer
Präſidentenwahl wirklich kennt, denn das Syſtem, nach
dem die Vereinigten Staaten ihren Präſidenten wählen,
iſt komplizierter, verſchrobener und umſtändlicher, es iſt,
kurz geſagt, rückſchrittlicher, als irgend ein Wahlrecht der
Welt. Man darf das getroſt ſagen, ohne der außerordent=
lich
weitgehenden politiſchen Freiheit der Amerikaner zu
nahe zu treten. Das Wahlſyſtem iſt eben ein Produkt
aus mehr als hundertjähriger Tradition und aus der
überaus großen Verſchiedenheit in den Verhältniſſen der
faſt vier Dutzend Einzelſtaaten, die die Union bilden.
Es wäre ein völlig ausſichtlos Beginnen, in einem
Zeitungsaufſatz oder auch in mehreren Artikeln den chro=
nologiſchen
Werdegang einer Präſidentſchaftskandidatur
auch nur einigermaßen genau darzuſtellen. Eine ſolche
Aufgabe würde Bände erfordern; zudem würde der Nicht=
amerikaner
, der Land und Leute nicht kennt, nach dem
Studium eines ſolchen Werkes ſo klug ſein, wie zuvor,
denn die Mittel und Wege, die eingeſchlagen werden, um
letzten Endes den Delegaten für den ausſchlaggebenden
Nationalkonvent jeder Partei zu erwählen, ſind es iſt
das keineswegs zu viel geſagt beinahe von Kreis zu
Kreis, von Ort zu Ort verſchieden! Und dabei umfaſſen
die Vereinigten Staaten ein Gebiet, das ſechzehnmal ſo
groß iſt, wie das Deutſche Reich. Dieſe ungeheure Kom=
pliziertheit
des Wahlſyſtems bringt es mit ſich, daß allein

vom Beginn der Vorwahlen bis zum Zuſammentritt des
Nationalkonvents, auf dem der eigentliche Präſident=
ſchaftskandidat
der Partei nominiert wird (ob er ge=
wählt
wird, das entſcheidet ſich erſt fünf Monate ſpäter),
zwei bis drei Monate vergehen. Dieſe Vorwahlen dienen
lediglich der Ausleſe der zum Nationalkonvent zu entſen=
denden
Delegaten. Sie beginnen mit der Wahl von Kan=
didaten
in den ſogen. Lokalkonventen, die nach Counties
(Kreiſen) und Congreſſional Diſtricts (Kongreß= Wahl=
bezirken
) eingeteilt ſind. Oft genug haben aber inner=
halb
der einzelnen Kreiſe die verſchiedenen Orte noch
ihren beſonderen Lokalkonvent. Die diesbezüglichen Ver=
hältniſſe
ſind von Staat zu Staat verſchieden, und welche
Buntſcheckigkeit der Gebräuche und Gepflogenheiten da=
bei
herauskommt, begreift man bei der großen Zahl der
Bundesſtaaten wohl ohne weiteres. Auf nähere Einzel=
heiten
bei dieſen Vor= oder Primärwahlen einzugehen,
verbietet ſich daher von ſelbſt. Wiſſen muß man nur, daß
die aus den Lokalkonventen hervorgegangenen Delegaten,
die alſo den Urwahlen der ſtimmberechtigten Bürger ihr
Mandat verdanken, ihrerſeits erſt wieder Delegaten zu
den Staatskonventen wählen. Dieſe einigen ſich, zumeiſt
erſt nach erbittertem Ringen, über die Delegaten, die ſie
zum Nationalkonvent, der höchſten Inſtanz, die über die
Kandidatenaufſtellung für die Präſidentenwahl zu ent=
ſcheiden
hat, entſenden.
Wer nun glaubt, daß dieſes Wahlſyſtem, wenn auch
ſehr kompliziert, ſo doch nicht gerade für den Nicht=
amerikaner
völlig unverſtändlich ſei, der irrt ſich. Denn
was bei der Wahl der Delegaten alles an mehr oder
weniger verſteckten Schiebungen hinter den Kuliſſen, was
an unſauberen Manövern im Schoße der Parteiorganiſa=
tionen
vorgeht, das iſt dem Europäer einfach unbegreif=
lich
. Es gibt überhaupt keinen verwickelteren Mechanis=
mus
, als eine amerikaniſche Parteimaſchine wie man
die das ganze rieſige Land bis zu den entlegenſten Far=
men
umſpannende Organiſation der beiden großen Par=
teien
der Republikaner und der Demokraten nennt. Daß
bei ſolchen Wahlen von den Boſſes den Parteiführern,
Stellen= und Aemteſchacher im größten Stile betrieben
wird, iſt ſelbſtverſtändlich; darüber regt ſich in Amerika
kein Menſch weiter auf, und die gegenwärtigen republi=

kaniſchen Beamten wiſſen ganz genau, daß ſie ihr Bünd
ſchnüren müſſen, wenn etwa ein demokratiſcher Präſideu
ins Weiße Haus einzieht. Was ſchlimmer iſt, das
die Beſtechung in den verſchiedenſten Formen, diee
übt, der einen Gegner auf ſeine Seite zu bringen ſüll
Man darf eben nicht vergeſſen: für den Amerikaner
die Politik ein Geſchäft, und wer die Gelegenheit,
zu verdienen, nicht wahrnehmen würde, der würde
ein törichter und idealiſtiſcher Schwärmer angeſehenen
den. Gewiß gibt es von dieſer Regel jenſeits des großen
Teichs Ausnahmen; es ſind aber eben Ausnahmen, un
der Durchſchnittsamerikaner huldigt auf allen Gehjeten
in erſter Linie dem Gotte Dollar.
Nur ſo iſt es zu verſtehen, daß auf dem National=
konvent
der Republikaner zu Chicago gegenwärtigge=
radezu
unglaubliche Manöver mit den Negerdelegaten
aus den Südſtaaten angeſtellt werden. Dieſe Colored=
Gentlemen ſind zum großen Teil ſchon von Geburt und
Erziehung Spitzbuben; ſie ſind denn auch völlig ſkrupel
los in der Wahl ihrer Mittel, um aus ihrer Stimmen
viel Geld wie möglich herauszuſchlagen. In unverſchäm=
ter
Weiſe ſtellen ſie ihre Forderungen an die Vertrauens
leute der beiden Kandidaten, und während die einen die
Nächte hindurch durch alle Vergnügungslokale Chicagos
geſchleift werden, um ſie mürbe zu machen, hält man die
anderen bei wüſten Gelagen, bei denen der Sekt in Strö=
men
fließt, feſt, um die Gegner gar nicht erſt an ſie heran
kommen zu laſſen. Die größte Ungerechtigkeit des Vot
wahlſyſtems liegt nämlich darin, daß die Zahl der vor
den einzelnen Staaten zum Nationalkonvent geſandten
Delegaten unabhängig iſt von der Zahl der Parteianhän
ger im Staate. In den Südſtaaten z. B. iſt die ganz
weiße Bevölkerung demokratiſch; republikaniſch wählen
lediglich die Neger, die ja den Republikanern der Nord
ſtaaten ihre Befreiung aus der Sklaverei zu verdanken
haben. So kommt es, daß tatſächlich auf dem republika
niſchen Konvent die Negerſtaaten vermutlich den Aus=
ſchlag
geben werden.
Ob aber nun Taft oder Rooſevelt, oder ſchließlich ein
dritter Kandidat in Chicago nominiert werden wird alles
das iſt doch erſt ein Vorſpiel des eigentlichen Wahlkamp=
fes
. Zurzeit bereiten, allerdings ganz in der Stille, ja auch

[ ][  ][ ]

ſnmmer 145.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Jum 1912.

Seite 3.

wendig, die in der Mandſchurei und der Mongolei
enden ruſſiſchen Truppen zu zwingen, das chineſiſche
ritorium zu räumen und die territoriale Integrität
nas zu achten.

* Baden=Baden, 20. Juni. Der bayeriſche
niſterpräſident Frhr. v. Hertling wurde heute
ymittag von der Großherzogin Luiſe auf Schloß Ba=
empfangen
und iſt um 4 Uhr wieder nach Karls=
e
zurückgereiſt.
* Schwerin, 21. Juni. Königin Wilhelmine
Prinz Heinrich der Niederlande haben geſtern die
ckreiſe nach Holland angetreten.
* Bern, 20. Juni. Zu Ehren der deutſchen
ſtbeamten fand heute ein zweiter Empfang beim
ltpoſtdenkmal ſtatt, an dem der deutſche Geſandte von
low ein Hoch auf die Schweiz ausbrachte und Ober=
idirektor
Steger namens der ſchweizeriſchen Behörden
deutſchen Gäſte begrüßte.
* Rom, 20. Juni. Der Bericht des Deputierten
regari im Namen der Kammerkommiſſion über
Geſetzentwurf, durch den der Konvention über den
ickkauf der Gotthardbahn die Zuſtimmung
eilt werden ſoll, gibt eine genaue Analyſe der Kon=
ttion
und ihrer Interpretation und faßt in vier Ta=
ordnungen
die Wünſche der Kommiſſion über die Aus=
rung
der Konvention zuſammen. Der Bericht ſchließt
t dem Erſuchen, der Konvention zuzuſtimmen, obgleich
nicht das beſtmögliche darſtellt, was Italien aus ei=
endgültigen
Regelung der Frage der Gotthardbahn
ſich erwarten könne und die Italien die gleichen
immen koſtete wie die der beiden anderen Staaten
ammen. Italien werde die Konvention in der Abſicht
nehmen, Deutſchland und die Schweiz in ihren
elen zu unterſtützen. Italien wünſche bei aller Rück=
ſt
auf ſeine eigenen Intereſſen die Bande der Freund=
aft
mit der Schweiz enger zu knüpfen.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 22. Juni.

* Vom Hofe. Se. Königl. Hoheit der Groß=
rzog
empfingen am Donnerstag vormittag 10 Uhr
Jagdſchloß Wolfsgarten den Kreisrat Lochmann
5 Offenbach und den Forſtmeiſter Bonhard aus
örfelden. (Darmſt. Ztg.)
* Beſtätigt haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
rzog
die durch die Dekanatsſynode des Dekanats
fenbach für den Reſt der laufenden Wahlperiode voll=
genen
Wahlen des evangeliſchen Pfarrers Ludwig
chuſter zu Dudenhofen zum Dekan und des evan=
liſchen
Pfarrers Adolf Lehn zu Offenbach a. M. zum
ellvertreter des Dekans des Dekanats Offenbach.
Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
rzog
den Kreisamtsgehilfen Nikolaus Fabian
Heppenheim zum Bureauvorſteher bei dem Kreis=
it
Schotten und den Bureaugehilfen Adam Getroſt
5 Rimbach i. O. zum Kreisamtsgehilfen, beide mit
tirkung vom 1. Juli d. Js.
Erlaubnis zur Annahme von Orden. Se.
5nigl. Hoheit der Großherzog haben dem Polizei=
mmiſſär
Schildwächter zu Bad Nauheim die Er=
ubnis
zur Annahme und zum Tragen des ihm von
r. Maj. dem Kaiſer und König von Preußen ver=
henen
Kronenordens IV. Klaſſe, dem Schutzmann
üſcher zu Bad Nauheim desgleichen für die ihm
n Sr. Maj. dem Kaiſer und König von Preußen
rliehene goldene Medaille zum Kronenorden erteilt.
* Erteilung des Reichsexequatur. Dem zur Aus=
dung
konſulariſcher Dienſtverrichtungen in der Provinz
berheſſen zugelaſſenen Kaiſerlich Ruſſiſchen General=
nſul
, Wirklichen Staatsrat Damier in Frank=
rt
a. M. iſt das Reichsexequatur erteilt worden.
Perſonalien der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſen=
ahngemeinſchaft
. Se. Königl. Hoheit der Groß=
erzog
haben den Bahnmeiſtern Peter Seibert zu
teudt und Georg Bernius zu Fulda, dem Be=
iebswerkmeiſter
Guſtav Laue zu Bebra, dem Güter=
rſteher
Johann Schreiber zu Frankfurt (Main)
nd dem Eiſenbahnaſſiſtenten Friedrich Paulenz zu
rankfurt (Main), den Eiſenbahnunteraſſiſtenten Konrad
ſchneider zu Beienheim und Friedrich Mäſer zu
üdingen, ſowie dem Weichenſteller I. Klaſſe Heinrich
chäfer zu Hungen, ſämtlich in der Heſſiſch= Preußi=
hen
Eiſenbahngemeinſchaft, die unkündbare Anſtellung

verliehen. In den Ruheſtand verſetzt wurde der
Maſchinenwärter in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahn=
gemeinſchaft
Karl Berg zu Guſtavsburg vom 1. Sep=
tember
1912 an.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Heinrich Hübner
zu Ober=Laudenbach, Kreis Heppenheim, eine Lehrer=
ſtelle
an der evangeliſchen Schule zu Hofheim, Kreis
Bensheim, dem Schulamtsaſpiranten Otto Heß aus
Hiltersklingen, Kreis Erbach, eine Lehrerſtelle an der
Gemeindeſchule zu Reichenbach, Kreis Bensheim.
C Der bayeriſche Miniſterpräſident Frhr. v. Hertling
iſt am Donnerstag ſpät abends in Darmſtadt eingetroffen
und hat bei ſeinen hieſigen Verwandten (Familie Frhrn.
v Biegeleben) Wohnung genommen. Frhr. v. Hert=
ling
wurde geſtern mittag nach 1 Uhr von Sr. Kgl.
Hoheit dem Großherzog in Jagdſchloß Wolfsgarten
in Audienz empfangen. Nach der Audienz nahm
Frhr. von Hertling an der Familientafel teil und fuhr
dann nach Darmſtadt zurück. An der Tafel nahm kein
heſſiſcher Miniſter teil
* Kirchliche Dienſtnachrichten. Ernannt wurden:
Pfarraſſiſtent Gerich zu Lollar zum Pfarraſſiſtenten an
der Johannisgemeinde in Mainz, Dekanat Mainz; Pfarr=
aſſiſtent
Klingel zu Nieder=Ingelheim zum Pfarraſſiſten=
ten
in Kirchberg, Dekanat Gießen (mit dem Wohnſitz in
Lollar); Pfarrverwalter Walldorf zu Udenheim zum
Pfarraſſiſtenten der Landpfarrei Mainz, Dekanat Mainz
(mit dem Wohnſitz in Gonſenheim): Pfarrverwalter
Deggau zu Wackernheim zum Pfarrvikar in Beerfelden,
Dekanat Erbach (erſte Pfarrſtelle); Pfarrverwalter Bön=
ning
zu Wald=Michelbach zum Pfarrverwalter in Eichels=
dorf
, Dekanat Nidda; Pfarramtskandidat Haupt zu
Mainz, zuletzt Pfarraſſiſtent zu Klagenfurt in Steier=
mark
, zum Pfarrverwalter in Grüningen, Dekanat Hun=
gen
. Geſtorben ſind: der evangeliſche Pfarrer i. P.
Theodor Vigelius von Steinfurth zu Wiesbaden am 29.
April; der evangeliſche Pfarrer und Dekan Kirchenrat
Ludwig Fiſcher zu Eichelsdorf, Dekanat Nidda, am
4. Mai; der evangeliſche Pfarrer i. P. Julius Happel von
Heubach zu Darmſtadt am 8. Juni.
* Militärdienſtnachrichten. Lindhorſt, Major z. D.
und Bezirksoffizier beim Landwehrbezirk Gießen, wird zum
Landwehrbezirk Worms, Hauptmeldeamt, verſetzt: Ham=
ſcher
Hauptmann und Kompagniechef im Infanterie=
Regiment Markgraf Ludwig Wilhelm (3. Bad.) Nr. 111,
unter Verſetzung zum Stabe des Infanterie=Leibregiments
Großherzogin (3. Großh. Heſſ.) Nr. 117, zum Major beför=
dert
: Heydemann Hauptmann z. D., zuletzt Kompag=
niechef
im Pommerſchen Jäger=Bataillon Nr. 2, zum Be=
zirksoffizier
beim Landwehrbezirk Gießen ernannt:
Trapp, Hauptmann und Mitglied der Gewehr= Prüfungs=
kommiſſion
, als Kompagniechef in das Infanterie= Regi=
ment
Prinz Karl (4. Großh. Heſſ.) Nr. 118 verſetzt. Zu
Oberleutnants wurden befördert die Leutnants: v. Eiſen=
hart
=Rothe im Inf.=Regt. Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.)
Nr. 116, v. Kleinſchmit, im Großh. Artillerie=Korps,
1. Großh. Heſſ. Feldartillerie=Regiment Nr. 25. Zu Leut=
nants
werden befördert die Fähnriche: Nehry im Infan=
terie
=Regiment Prinz Karl (4. Großh. Heſſ.) Nr. 118, v.
Hahn im Großh. Artillerie=Korps, 1. Großh. Heſſ. Feld=
artillerie
=Regiment Nr. 25, von Heldmann im Großh.
Heſſ. Train=Bataillon Nr. 18, Frhr. v. Brandenſtein
Major im Generalſtabe der General=Inſpektion der Kaval=
lerie
, kommandiert zur Dienſtleiſtung beim Garde= Dra=
goner
=Regiment Nr. 23, zum Kommandeur dieſes Regi=
ments
ernannt, Frhr. v. Dörnberg, Oberleutnant im
Küraſſier=Regiment von Drieſen (Weſtfäl.) Nr. 4 (früher
im Garde=Dragoner=Regiment Nr. 23), wird von dem
Kommando zur Geſandtſchaft in Bern mit dem 16. 9. 12.
enthoben. Stabsoffiziergebührniſſe erhalten vom 1. April
dieſes Jahres ab: Frhr. Truchſeß von und zu Wetz=
hauſen
, beim Stabe des Großh. Heſſ. Train=Bataillons Nc.
18. Der Abſchied wird bewilligt mit der geſetzlichen Pen=
ſion
und der Regimentsuniform: v. Kleinſchmit,
Oberſt und Kommandeur des 5. Bad. Feldartillerie= Regi=
ments
Nr. 76, v. Hahn, Oberſtleutnant und Komman=
deur
des Feldartillerie=Regiments von Peucker (1. Schleſ.)
Nr. 6, dem letzteren unter Verleihung des Charakters als
Oberſt (beide früher im Großh. Artillerie=Korps), v. Ber=
nuth
, Major und Kommandeur des Garde=Dragoner=
Regiments (1. Großh. Heſſ.) Nr. 23, Hedemann, Haupt=
mann
und Kompagniechef im Infanterie=Regiment Prinz
Karl (4. Großh. Heſſ.) Nr. 118, v. Hatten, Major z. D.
und Bezirksoffizier beim Landwehrbezirk Worms, Dr.
Donges, Oberarzt beim 2. Großh. Heſſ. Feldartillerie=
Regiment Nr. 61, unter Beförderung zum Stabsarzt, zum
Bataillonsarzt des 2. Batl. des Infanterie=Regiments

Nr. 91 ernannt, Dr. Wichmann, Aſſiſtenzarzt beim Großh.
Heſſ. Feldartillerie=Regiment Nr. 25, zum 2. Großh. Heſſ.
Feldartillerie=Regiment Nr. 61 verſetzt, v. Hammacher,
Leutnant im Leib=Dragoner=Regiment (2. Großh. Heſſ.)
Nr. 24, vom 1. 7. 12. ab ein einjähriger Urlaub ohne Ge=
halt
bewilligt, v. Grunelius, Leutnant im Leib= Dra=
goner
=Regiment (2. Großh. Heſſ.) Nr. 24, auf ſein Geſuch
zu den Reſerveoffizieren des Regiments übergeführt.
2 Stadtverordneten=Verſammlung. Die Tages=
ordnung
zur 6. Sitzung der Stadtverordneten= Verſamm=
lung
am Donnerstag, den 27. Juni, nachmittags
3½ Uhr, lautet: 1. Mitteilungen. 2. Erbaung eines
Garniſonslazaretts in dem ehemaligen Akaziengarten
an der Eſchollbrücker Straße (Ausnahme von § 5 des
Ortsbauſtatuts). 3. Geſuch um Befreiung von den Be=
ſtimmungen
in § 2 Abſatz 1 des Bauſtatuts für die
Goetheſtraße vom 18. Februar 1907. 4. Einlegung eines
neuen Kanals in die Pankratiusſtraße. 5 Geſuch um
Genehmigung zur Anlage von Abwäſſergruben für Neu=
bauten
in der verlängerten Darmſtraße. 6. Errichtung
einer unterirdiſchen Bedürfnisanſtalt auf dem Markt=
platz
. 7. Errichtung einer Anlage zur Verarbeitung des
Ammoniakwaſſers im Städtiſchen Gaswerk. 8. Die
Krankenpflege im Städtiſchen Krankenhaus; hier: die
Bildung einer Krankenhaus=Schweſternſchaft. 9 Geſuch
des Komitees Darmſtadt im Blumen= und Pflanzen=
ſchmuck
um Ueberlaſſung von Pflanzen. 10. Geſuch
des Hilfsfonds der Großh. Hofmuſik um Bewilligung
eines Beitrags zu den Koſten eines Konzerts. 11. Geſuch
des Fechtvereins Waiſenſchutz um Bewilligung eines
Beitrages zu den Koſten eines Wohltätigkeitsfeſtes. 12.
Bewilligung eines Zuſchuſſes zu den Koſten der Kauf=
männiſchen
Fortbildungsſchule, 13. Geſuch um Erhöhung
des Beitrages zur Großh. Zentrale für Mutter= und
Säuglingsfürſorge. 14. Geſuch des Arbeitsausſchuſſes
der Eugen Bracht=Ausſtellung Darmſtadt 1912 um Be=
willigung
einer Beihilfe. 15. Abänderung des Statuts
über die Zuſammenſetzung und den Geſchäftskreis der
Verwaltungs=Deputationen. 16. Das Armen= und Für=
ſorgeweſen
in Darmſtadt. 17. Abänderung der Polizei=
verordnung
, die Beaufſichtigung der Hunde betr. 18.
Feldpolizeiverordnung, betr. das Pflügen von Grund=
ſtücken
.
A Ausgabe der Gemeindeſteuerzettel. Nunmehr wer=
den
die Gemeindeſteuerzettel für das laufende
Jahr ausgegeben. Die Steuer iſt in 6 Zielen zu ent=
richten
, das erſte Ziel iſt bereits fällig. Der Steuerſatz
iſt der gleiche wie im Vorjahre, 128,4 Prozent Zuſchlag
zu den geſetzlichen Grundlagen (30 Prozent des fixierten
Reinertrags vom Grundbeſitz, vom Gewerbebetrieb
und von der Kapitalrente und ganze Einkommen=
ſteuer
). Mit der Gemeindeſteuer und auf der
Grundlage derſelben werden auch die örtlichen
Kirchenſteuern erhoben. Dieſe haben gegen
das Vorjahr teilweiſe Abänderungen, aber nicht ſehr
weſentlicher Natur, erlitten, welche in den Steuerbeträ=
gen
zum Ausdruck kommen. Aenderungen in den Steuer=
beträgen
treten natürlich auch dann ein, wenn Aender=
ungen
in den Grundlagen der Beſteuerung vorliegen,
z. B. durch Erhöhung oder Verminderung des Einkom=
mens
, der Kapitalrente, ſowie Aenderungen im Grund=
beſitz
oder im Gewerbebetrieb. Die Gemeindeſteuer iſt
übrigens für das laufende Steuerjahr zum letzten Male
auf den ſeitherigen Grundlagen ausgeſchlagen worden,
da vom nächſten Jahre an das neue Gemeindeſteuergeſetz
in Kraft tritt.
* Gewerbemuſeum. Von heute, Samstag, den 22.
Juni, ab ſind neu ausgeſtellt zwei Arbeiten von
Profeſſor Ernſt Riegel, Mitglied der Künſtlerkolonie
Darmſtadt: Fruchtſchale aus vergoldetem Silber, mit
Filigran und Amethyſten, Ehrengabe Seiner Königlichen
Hoheit des Großherzogs Ernſt Ludwig von Heſſen und
bei Rhein für das deutſche Bundesſchießen 1912 in Frank=
furt
a. M. Großer Tafelaufſatz auf Ebenholzſockel, ver=
goldetes
Silber mit Karneolen und Rauchtopaſen, Ehren=
gabe
der Stadt Frankfurt a. M. für das deutſche Bundes=
ſchießen
1912 in Frankfurt a. M. Die Ausſtellung der
Architekturaufnahmen von Fräulein Homann wird am
Montag, den 24. Juni, geſchloſſen. Die Ausſtellung der
Altargeräte für die Friedenskirche in Offenbach a. M.
bleibt bis auf weiteres beſtehen.
Kinematographiſche Schüler= und Volksvorführ=
ungen
. Man ſchreibt uns: Das vom Darmſtädter Aus=
ſchuß
zur Hebung des Kinematographenweſens für Mitt=
woch
, den 26. Juni, gewählte Programm des Reſidenz=
theaters
bringt eine Reihe intereſſanter Bilder aus der

ie Demokraten ihren Nationalkonvent vor, der in Balti=
lore
demnächſt zuſammentreten wird. Erſt wenn auch
ieſer den demokratiſchen Kandidaten nominiert hat, be=
innt
der eigentliche Wahlkampf; während alles, was ſich
itzt ereignet, nur ein Vorſpiel iſt. Haben ſchon während
er vergangenen Monate die beiden republikaniſchen Geg=
er
in Pullman=Cars das ganze Land durchjagt, um
nzählige Agitationsreden zu halten, ſo geht in den letz=
en
Monaten vor der eigentlichen Wahl dieſe Hetzjagd,
ann von dem republikaniſchen und dem demokratiſchen
kandidaten um die Wette vollführt, aufs neue los. In
en großen Städten ſprechen ſie dann in den größten
Sälen, die oft 10000 bis 15000 Zuhörer faſſen; auf den
leineren Stationen in den mittleren und weſtlichen Staa=
en
wird oft nur ein Zug überſchlagen, und die Partei=
inhänger
haben gewöhnlich auf der Station bereits eine
Rednertribüne errichtet, zu der ſie, wenn der Zug mit dem
kandidaten erwartet wird, mit Muſikkapellen und mit
Bannern ziehen.
So kommt ſchließlich der Wahltag heran, der ſtets am
Dienstag nach dem erſten Montag im November iſt. Aber
luch dann wird der Präſident ſelbſt noch nicht gewählt;
die Wahl iſt vielmehr indirekt, und die Bürger der Ver=
einigten
Staaten, die Urwähler, wählen in jedem Staate
eine Anzahl von Wahlmännern, die der Geſamtzahl der
Senatoren und Repräſentanten, zu der der Staat im Kon=
greß
berechtigt iſt, gleichkommt. Die Wahlmänner werden
aber von vornherein auf den Namen eines beſtimmten
Kandidaten gewählt, ſo daß mit der Wahl der Wahlmän=
ner
im November tatſächlich bereits entſchieden iſt, wer in
den nächſten vier Jahren Präſident der Vereinigten Staa=
ten
wird. Deſſen eigentliche Wahl erfolgt erſt im Januar;
ſie wird aber als Formſache kaum mehr beachtet. Der
ganze geradezu gigantiſche Wahltrubel knüpft ſich an den
Tag der Urwahl im November, wenn die Bürger an die
rne treten. Die amerikaniſchen Großſtädte gleichen an
dieſem Tage beinahe einem Tollhaus; auf den Straßen
und in den öffentlichen Lokalen, die mit unzähligen Ban=
nern
, Wahlplakaten, Transparenten und dergleichen aus=
geſtattet
ſind, herrſcht ein unbeſchreiblicher Karnevals=
krubel
. Aber am Tage darauf verſchwindet dieſer ganze
Zauber; man wendet ſich wieder ſeinen Geſchäften zu, und
das Land hat Ruhe bis zur nächſten Wahl.

Feuilleton.

* Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben. Eine nament=
lich
in der deutſchen Frauenwelt verehrte Schriftſtellerin,
die Marlitt deren bürgerlicher Name Eugenie
John war, ſtarb an dieſem Samstag vor 25 Jahren. In
Arnſtadt 1825 geboren, hatte ſie ſich zunächſt zur Bühnen=
ſängerin
herangebildet; aber ein Gehörleiden zwang ſie,
dieſer Laufbahn zu entſagen. 1865 erſchien in der Gar=
tenlaube
ihre erſte Novelle: Die zwölf Apoſtel im
Jahre darauf der Roman Goldelſe durch welchen ſie die
Herzen der Frauen gewann und ihren Ruf als Schrift=
ſtellerin
begründete. Es folgten dann: Das Geheimnis
der alten Mamſell Reichsgräfin Giſela‟, Die zweite
Frau, Das Heideprinzeßchen uſw. uſw. Das Eulen=
haus
war ihr letzter Roman, den ſie nicht ganz vollendet
hatte, der aber nach ihrem Tode vervollſtändigt wurde.
E. Marlitt zeichnete ſich durch eine ſpannende und lebhafte
Darſtellungsweiſe aus; ſie iſt die Schöpferin vieler hold=
ſeliger
Mädchengeſtalten, und in ihren Erzählungen iſt
viel Lichtes und Anmutiges. Sie wußte den volkstüm=
lichen
Ton zu treffen, und dankbar gedenken noch heute
ungezählte Tauſende der Marlitt, die ihnen Stunden edler
Unterhaltung verſchafft hat und noch immer verſchafft.
Die deutſche arktiſche Expedition zur
Erforſchung des nördlichen Eismeers
(Nordoſtpaſſage) iſt nunmehr geſichert. Die Expedition,
deren Dauer auf 3 bis 4 Jahre berechnet iſt, wird unter
Führung von Leutnant Schröder=Stranz im Juni 1913
aufbrechen und durch den Stillen und Atlantiſchen Ozean
zurückkehren. Dem Ehrenpräſidium gehören an: Prin=
zeſſin
Thereſe von Bayern, Herzog von Altenburg, Her=
zog
Adolf Friedrich zu Mecklenburg, Herzog von Urach,
ſowie einflußreiche Perſönlichkeiten des wiſſenſchaftlichen
und politiſchen Lebens. Die Berliner Muſeen liefern
die wiſſenſchaftliche Ausrüſtung. Der Gelehrtenſtab wird
folgende Gebiete bearbeiten: Ozeanographie, Geographie,
Karthographie, Geologie, Zoologie, Botanik. Meteoro=
logie
und Erdmagnetik. Die Urteile fachmänniſcher
Kreiſe über das Programm der Expedition lauten ſehr
günſtig.
** Der Anfang vom Ende Napoleons I. Vom 22
Juni 1812 datiert die Proklamation des Korſen, mit wel=

cher er ſeine Truppen zum Feldzug gegen Rußland be=
geiſterte
, der ein ſo ſchmähliches Ende nahm und zum
Wendepunkt im Leben des Franzoſenkaiſers werden ſollte.
Die Proklamation ließ an Ruhmredigkeit und Verdreh=
ung
der Tatſachen nichts zu wünſchen übrig; ſie lautete:
Soldaten! Der zweite polniſche Krieg hat begonnen.
In Friedland und Tilſit wurde der erſte beendet. In Tilſit
ſchwur Rußland ewiges Bündnis mit Frankreich und
Krieg gegen England. Jetzt bricht es ſeinen Schwur. Es
verweigert jede Erklärung über ſein ſeltſames Betragen,
bis die franzöſiſchen Adler über den Rhein zurückgegan=
gen
und unſere Alliierten ſeiner Willkür preisgegeben
ſind. Rußland wird vom Verhängnis fortgeriſſen. Sein
Schickſal muß in Erfüllung gehen. Glaubt es uns denn
entartet? Wären wir denn nicht mehr die Krieger von
Auſterlitz? Rußland ſtellt uns zwiſchen Entehrung und
Krieg; die Wahl kann nicht zweifelhaft ſein. Alſo vor=
wärts
! über den Niemen! und den Krieg auf ruſſiſchen
Boden gebracht! Der zweite polniſche Krieg wird, wie
der erſte, ruhmvoll für Frankreichs Waffen ſein; aber der
Friede, den wir ſchließen werden, wird ſeine Bürgſchaft
mit ſich führen und dem unſeligen Einfluſſe, welchen
Rußland ſeit 50 Jahren über die Angelegenheiten Euro=
pas
ausgeübt hat, ein Ende machen. Hauptquartier Wil=
kowisky
. Napoleon.
Am 24. Juni überſchritt Napoleon den Niemen. Der
Feldzug verlief bekanntlich unglücklich; des Korſen Heer
wurde aufgerieben, ſein Stern war im Erblaſſen, Leip=
zig
und Waterloo ſetzten alsdann ſeiner Laufbahn
vollends ein Ziel.
* Der Unterſee=Maler. Wer da glaubt, daß die Kunſt
im ewigen Umkreis des Menſchenlebens keine neuen und
unerhörten Stoffe mehr finden könne, der wird von Wal=
ter
Howiſon Pritchard, einem iriſchen Künſtler, widerlegt.
der gegenwärtig zu Paſadena in Kalifornien ſein Atelier
aufgeſchlagen hat. Er malt unter Waſſer und will damit
der Kunſt ein unbekanntes weites Reich des Schönen,
Geheimnisvollen und Wunderſamen aufgeſchloſſen haben.
Wie alle großen Geiſter mit neuen Ideen hat er lange
gegen den Unverſtand der trägen Menge kämpfen müſſen,
die mit den auf der Erde und über Waſſer geſchaffenen
Bildern ſich begnügte. Aber ſein jahrelanges heißes
Streben wird nun belohnt. Helen Gould, die bekannte
Millionärin, bat zwei große Oelgemälde von ihm gekauft,

[ ][  ][ ]

Sckte 4=

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Jnni 1912.

Nummer 145,

Naturwiſſenſchaft, Geographie, Induſtrie und von der
deutſchen Flotte. Den Schluß bilden zwei humoriſtiſche
Stücke: So ein Pferd! und So ein Hahn! Es folgen:
1. Einheimiſche Vögel im Neſte. Wir ſehen u. a., wie die
ſchwierigen Aufnahmen dieſer Bilder durch ein ausge=
ſtopftes
Schaf ermöglicht werden. Eier im Neſt vieler
Vogelarten. Die Brut. Die unbeholfenen, ſperrenden
Jungen. Fütternde Eltern. Es ſind für alt und jung ge=
rade
in der Sommerzeit belehrende Vogelſzenen. 2. Die
Ameiſe. Das Neſt der Waldameiſe. Die Königin. Ge=
flügelte
Männchen. Verteidigung gegen Feinde. Weitere
Bilder über ſtaunenerregende Arbeiten aus dem Leben die=
ſes
Inſektenvolkes mit ſo ausgeprägtem Sinn für ihr Ge=
meinweſen
. 3. Rieſen und Zwerge der Tiefe. Die Auf=
nahmen
ſind das Ergebnis langer und geduldiger Be=
obachtung
der Lebensgewohnheiten der zur Darſtellung ge=
brachten
Tiere. Es ſeien genannt: Spielende Stichlinge,
Steingarneelen, holzfreſſende Kruſtentiere, Kalkmuſcheln,
Auſtern und ihre Feinde, Rieſenhummer, Meeraale, See=
hunde
, Polypen, Rieſen=Rochen. 4. Gladiolen. Farben=
prächtige
Pflanzen und Blüten auf langem, ſchwankendem
Stengel; ihre Heimat iſt im afrikaniſchen Kaffernland.
Gärtner und Blumenfreundinnen wiſſen die durch ihre
Farbenharmonie ſo reizenden Gladiolenblüten zu ſchätzen.
5. Kautſchukbau auf den malaiſchen Inſeln. Die Malaien=
Inſeln. Fremde Arbeiter im Urwald. Roden desſelben.
Legen der Samenkörner und ihr Aufgehen. Pflege der
Pflanzen. Der Baum. Gewinnung des Saftes. Verar=
beitung
. Der Kautſchuk ein wichtiger Handelsartikel.
6. Von Schlierſee zur Hochalm. Eine Gebirgsreiſe in die
bayeriſchen Berge. Der Sommerkurort Schlierſee. Der
See. Hochgebirgsbilder. Viehweiden. Der Spitzingſee.
Die Wurzhütte. 7. Unſere Blauen Jungen‟. Das Leben
und Treiben unſerer Blauen Jungen der deutſchen Ma=
troſen
, ſowie die zu Kriegszwecken dienenden Einrichtungen
an Bord eines deutſchen Kriegsſchiffes.
Akademiſches Sport und Turnfeſt. Sonntag,
den 21. Juli,, findet in Darmſtadt unter dem Protektorat
Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs von Heſſen ein aka=
demiſches
Sport= und Turnfeſt ſtatt. Es iſt
ein Arbeitsausſchuß gebildet worden, dem der Rektor
der Techn. Hochſchule, ſowie Prof. Dr. Finger, der aka=
demiſche
Ausſchuß für Leibesübungen und der Ausſchuß
der Studierenden angehören. Die Vorarbeiten ſind be=
reits
im Gange. Näheres wird noch bekannt gegeben.
* Der Ortsgewerbeverein macht nochmals auf ſeinen
morgen, Sonntag, ſtattfindenden Familienausflug
nach Rüſſelsheim aufmerkſam. Nach dem bereits
veröffentlichten Programm iſt auf eine herrliche Wan=
derung
von Nauheim aus an dem Jagdſchloß Mönch=
bruch
, der Dachenau, Weidmannsruhe uſw. vorbei zu
rechnen. Die in Rüſſelsheim ſtattfindenden Beſichtigun=
gen
werden vieles Intereſſante bieten. Für den gemüt=
lichen
Teil iſt gleichfalls geſorgt. Gäſte ſind willkommen.
Die Abfahrt nach Nauheim erfolgt 6 Uhr 30 Minuten.
(S. auch Anzeigeteil.)
* Heſſiſcher Fechtverein Waiſenſchutz. Am Sonn=
tag
, den 23. Juni, vormittags 10 Uhr, findet im Garten=
ſaal
des Städtiſchen Saalbaus die 20. Landesverſamm=
lung
(Hauptverſammlung) des Heſſiſchen Fechtvereins
Waiſenſchutz ſtatt. Hierzu erſcheinen Delegierte aus dem
ganzen Großherzogtum Heſſen. Am Nachmittag veran=
ſtaltet
der Zweigverein Darmſtadt zu Ehren ſeiner Gäſte
ein großes Sommerfeſt im Garten des Städtiſchen
Saalbaues. Hierzu hat der Männergeſangverein
Konkordia ſeine Mitwirkung bereitwilligſt zugeſagt.
Das Feſtkonzert ſtellt die Kapelle M. Weber. (Näheres
ſiehe Anzeige.)
* Kavallerie=Verein=Darmſtadt. Seinen erſten
Familien=Ausflug mit Tanz unternimmt der neu=
gegründete
Verein nächſten Sonntag, den 23. Juni,
nach Roßdorf (Reſtauration Zum Darmſtädter Hof‟).
Alle ehemaligen Kavalleriſten, ſowie Freunde und
Gönner des Vereins ſind herzlichſt eingeladen. (Näheres
ſiehe Anzeige.)
* Die ſtädtiſche Rechtsauskunftsſtelle Wald=
ſtraße
6 iſt an das Fernſprechamt unter Nr. 2516 an=
geſchloſſen
.
* Heſſiſcher Hof. Heute Samstag, den 22. Juni,
konzertiert die Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=Regts.
Nr. 61 unter Herrn Muſikmeiſters M. Weber Leitung.
Eine angenehme Abwechſelung erhält das Programm
dadurch, daß der 2. Teil nur gern gehörte Ouvertüren
und der 3. Teil Hiſtoriſche Muſik aus den Jahren
16001806 enthält.
* Schützenhof. Morgen, Sonntag, den 23. Juni,
abends 8 Uhr, liegt dem Konzert ein Populärer
Abend zu Grunde. Herr Muſikmeiſter Weber wird im
Programm nur volkstümliche Muſik zur Aufführung
bringen. (Siehe Anzeige.)
* Ludwigshöhe. Morgen Sonntag, den 23. Juni,
konzertiert wieder die Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=

Regts. Nr. 61 unter Herrn Webers Leitung. Das
Programm iſt aus dem Anzeigenteil erſichtlich und ſei
an dieſer Stelle nochmals auf die Piſtonſoli des Herrn
Ehlers hingewieſen.
* Maſſenkonzert zum Beſten des Invalidendank.
Am 25. Juni findet im Städtiſchen Saalbau ein Maſſen=
konzert
ſämtlicher Militärkapellen der Garniſon ſtatt.
Der Ertrag dient zum Beſten des Invalidendank. Das
Programm iſt ſehr reichhaltig und haben die Proben
hierzu bereits begonnen. Im 2. Teil des Programms
werden ca. 180 Muſiker und Spielleute zuſammenwirken.
Dieſe Konzerte haben von jeher einen großen Zuzug
gehabt und dürfte auch dieſesmal ein ausverkauftes
Haus zu erwarten ſein. (Näheres durch Anzeige.)
* Der Mord in Neu=Iſenburg. Die Darmſtädter
Staatsanwaltſchaft hat auf die Aburteilung des Mörders
Koch aus Bergen verzichtet und die Angelegenheit der
Hanauer Staatsanwaltſchaft, die für Bergen zuſtändig
iſt, abgetreten.
Langen, 21. Juni. Unſer Städtchen ſteht im Zei=
chen
der goldenen Jubelfeier des Geſangver=
eins
Frohſinn, die am 22., 23. und 24. Juni in
der Anthesſchen Liegenſchaft ſtattfindet. Zu dem damit
verbundenen Geſangswettſtreit ſind weit über 1200 Sän=
ger
von 30 Geſangvereinen angemeldet. Mit beſonderem
Intereſſe ſieht man hier dem Ausgang des Wettſtreites
um den von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog
geſtifteten goldenen Pokal entgegen. Am Samstag abend
findet eine akademiſche Feier ſtatt, bei der unter Mit=
wirkung
erſter Soliſten das Chorwerk Kolumbus’ letzte
Nacht von Sturm zur Aufführung gelangen wird. Die
Orcheſterbegleitung hierzu wird ausgeführt von der ver=
ſtärkten
Kapelle des Leib=Dragoner=Regiments Nr. 24,
die auch an den übrigen Feſttagen konzertiert. Das
Wettſingen beginnt am Sonntag um 9 Uhr vormittags,
das höchſte Ehrenſingen um 2 Uhr nachmittags.
Worms, 21. Juni. Die Betriebskranken=
kaſſe
der Firma Cornelius Heyl hat der W. Volks=
zeitung
zufolge im letzten Geſchäftsjahr ein Defizit
von 40000 Mark aufzuweiſen. Um dieſen Betrag zu
decken, iſt eine ſchärfere Kontrolle der Kaſſenmitglieder,
ſowie eine Erhöhung der Mitgliederbeiträge um 20 Pro=
zent
beſchloſſen worden.
Worms, 21. Juni. Heute vormittag gegen 5,30 Uhr
hat ſich ein hier in der Bauhofgaſſe wohnhafter verhei=
rateter
Tüncher und Muſiker in ſeiner Wohnung im Bette
erſchoſſen. Als Grund zu dem Selbſtmord wird
langwieriges rheumatiſches Leiden angenommen.
Weinheim bei Alzey, 20. Juni. Ein früher hier be=
dienſtetes
Mädchen, das beſchuldigt wurde, eine goldene
Broſche entwendet zu haben, hat vor Schreck und Aufreg=
ung
die Sprache verloren.
(*) Gießen, 20. Juni. Mit der Jugendpflege
beſchäftigte ſich geſtern eine Konferenz der Geiſtlichen
Oberheſſens unter Leitung des Superintendenten D.
Peterſen=Darmſtadt. Ueber die Jugendfürſorge refe=
rierte
Direktor D. Schöll vom Predigerſeminar Friedberg.
Er forderte Gemeindehäuſer, kirchliche Jugendfeſte,
Jugendvereine, letztere nur an den Orten, wo eine Verſtän=
digung
mit beſtehenden Jugendorganiſationen, Sport= und
Turnvereinen nicht möglich iſt.
* Friedberg, 21. Juni. Auch in dieſem Jahre findet
an der Großh. Obſtbauſchule zu Friedberg ein Kurſus
ſtatt, bei welchem die Verwertung ſämtlicher
Beerenobſtarten nach bewährtem Verfahren vorge=
führt
wird. Der Kurſus, welcher erſt ſeit einigen Jahren
eingeführt iſt, hat ſich bisher ſtets der Gunſt unſerer
Hausfrauen und der jungen Damen erfreut. Der Beſuch
desſelben hat ſich von Jahr zu Jahr erhöht, ſo daß im ver=
gangenen
Jahre verſchiedene Anmeldungen nicht mehr be=
rückſichtigt
werden konnten. Der Kurſus findet am 2., 3. und
4. Juli ſtatt und nicht, wie urſprünglich vorgeſehen, am 9.,
10. und 11. Juli.
Bad Nauheim, 21. Juni. Der Inſtallateur Dit=
trich
, der erſt ſeit einigen Tagen in den Betrieb des
Grandhotels als techniſcher Leiter der Heizungsanlagen
eingetreten iſt, wollte an einem der Dampfkeſſel eine Ar=
beit
vornehmen. Dabei kam der Keſſel zur Explo=
ſion
. Dittrich wurde zu Boden geſchleudert und ein
heißer Dampfſtrom ergoß ſich über ihn. Der Deckel des
Keſſels wurde ihm mit einer derartigen Gewalt an den
Kopf geſchleudert, daß die Hirnſchale geſpalten wurde
und das Gehirn austrat. Der Tod trat kurz darauf ein.
Der Unfall wird auf ein Verſchulden des Verunglückten
zurückgeführt.
Bad Nauheim, 21. Juni. Bis zum 20. Juni ſind
15621 Kurgäſte angekommen, wovon am genannten Tage
noch 7201 anweſend waren. Bäder wurden bis zum 20.
Juni 173 100 abgegeben.

(*) Herbſtein, 20. Juni. Furchtbare Brand
wunden erlitt in Eichelrod das Kind des Bahnarbeite
Kraus. Es hatte mit Feuerzeug geſpielt und
fingen ſeine Kleider Feuer. Das Kind iſt bald darg
geſtorben.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 20. Juni. Geſtern feier=
die
königliche tierärztliche Hochſchule ihr fünf
undzwanzigjähriges Jubiläum. Anläßlich
Feier wurden mehrere um die Hochſchule verdiente Perſö
lichkeiten ehrenhalber zu Doktoren promoviert: der Präſ
dent des kaiſerlichen Geſundheitsamtes Geheimrat
feſſor Dr. Bumm, Geheimrat Dr. Heſſe, Regierungs= un
Veterinärrat Nevermann, beide aus dem Landwirtſchaft
miniſterium, der Direktor der Militär=Veterinärakaden
Generalveterinär Hell, Geheimrat Profeſſor Eſſer=Dresd
Geheimrat Profeſſor Dr. Ellenburger=Dresden, Profeſſ
Dr. Kitt=München, Hofrat Profeſſor Bayer=Wien, Hofft
Profeſſor Butyran=Peſt, Profeſſor Jenſen=Kopenhage
Tierarzt Schmidt in Kolding=Dänemark. In der geſt
gen Sitzung der Kunſtdeputation der Stal
Berlin und der Deputation für die große Berliner Kun
Ausſtellung Berlin 1912, wurde ein Ehrenpreis der Sta
Berlin dem Maler Profeſſor Muhrbutter zug
ſprochen. Ferner wurden für die ſtädtiſche Galerie da
Gemälde Andacht von Franz Eichhorſt=Berlin undd
Plaſtik Ein Kronkranich von Edmond Gomannski
worben. Einen eigenartigen Grundzu
Selbſtmord gibt ein Mann an, der geſtern früh inde
Jungfernheide an einem Baume hängend, als Leichea
gefunden wurde. Er hatte auf einem Zettel geſchriebe
er wolle unbekannt bleiben. Er nehme ſich das Leben,we
er 62 Mark Steuer bezahlen müßte und keineAthe
habe. Die Schöneberger Stadtverordneteſ
Verſammlung hatte vor einiger Zeit den Sozial
demokraten Bernſtein zum Mitgliede der ſtädtiſchen Schull
Deputation gewählt. Wie bisher immer in ſolchen Fällen
hat der Potsdamer Regierungspräſident auch jetzt wiede
ohne Angabe von Gründen dieſer Wahl die Beſtätigun
verſagt.
Nürnberg, 20. Juni. Zwei lange geſuchte Saach
rinſchmuggler namens Scherer und Geiger
Zürich, die im Automobil ungeheuere Mengen Wareas
der Schweiz einführten und durch Bayern nach Böhmen
hinüberſchmuggelten, ſind in der Nachbarſchaft durchdi
Gendarmerie feſtgenommen worden, als ihr Automohll
ſich auf einem Waldwege feſtgefahren hatte undei
Schmuggler zu Fuß in die Stadt geeilt waren, um ei
Lohnautomobil herbeizuholen. Die Verhafteten ſinddie
Schmuggler, die am Montag in Ulm einen auf das Auto=
mobil
ſpringenden Schutzmann heruntergeſtoßen und
ſchwer verletzt auf der Landſtraße hatten liegen laſſenIn
ihrem Automobil wurden 600 Kilogramm Saccharin
funden.
Reichenberg i. B., 20. Juni. Die hieſige Staatsa
waltſchaft verhaftete heute unter Aufbietung eiſel
größeren Gendarmerie=Abteilung den Gutsbeſitzer Barmn
Edmund Klinger in Kunnersdorf, der gegen eing
ſeiner Beſitzung erſchienene Gerichtskommiſſion
ſcharfe Revolverſchüſſe abgegeben hatte. Klinger, der
bekannten nordböhmiſchen Großinduſtriellen=Familie
gehört, ſollte wegen Verſchwendungsſucht unter uf
geſtellt werden.
Köln, 21. Juni. Die in der Eigelſtein=Torburg aufe
bewahrte Kaiſerkette des Kölner Män
geſangvereins iſt mit anderen dort von dem
ein aufbewahrten Wertgegenſtänden heute Nacht bei
einem Einbruch geſtohlen worden.
Leipzig, 20. Juni. In dem Spionageprozeß
gegen den Bildhauer Anton Nicolas=Metzwurde
gegen 5 Uhr nachmittags das Urteil verkündet.
Angeklagte wurde wegen verſuchten Verbrechens nach
des Spionagegeſetzes zu fünf Jahren Zuchthaus und
zehn Jahren Ehrverluſt verurteilt. Sechs Monated
Unterſuchungshaft wurden ihm angerechnet. Nicola
machte ſich ſeit Jahren an Soldaten in Metz heranzi
für Frankreich militäriſche Geheimniſſe auszukundſchaften
Ein Soldat ging ſcheinbar auf das Anſinnen ein undven
ſchaffte ihm einen Plan, der keinerlei Geheimniſſe enthiell
Leipzig, 20. Juni. Der Poſtaſſiſtent Alfred Me
vom hieſigen Poſtſcheckamt, iſt nach Unterſchlagung Vol
rund 3100 Mark ſeit dem 18. Juni flüchtig geworden
Auf die Ergreifung des Flüchtigen und die Wiedererlanſ
ung des Geldes ſind 300 Mark Belohnung ausgeſetzt.
Reichenbach (Vogtl.), 21. Juni. Der Lokomotil
führer Mergner aus Reichenbach, der Führer
Zuges Nr. 214, der das Halteſignal überfuhr undd
Unglück in Gaſchwitz herbeiführte, iſt geſtern ſcch
mittag auf Veranlaſſung der Staatsanwaltſchaft

Sarah Bernhardt beſitzt einige ſeiner Unterſee=Bilder;
Präſidenten, Miniſter und Fürſtlichkeiten, die angeſehen=
ſten
und reichſten Leute beſuchen ihn und bewundern ihn;
er fühlt ſich auf dem Gipfel des Ruhms und erhält für
ſeine Bilder höchſte Preiſe. Eigenartig iſt die Form ſei=
nes
Schaffens. In einem vollſtändigen Taucherkoſtüm,
mit dem Helm auf dem Kopf, läßt er ſich auf den Meeres=
grund
hernieder und ſucht hier nach einem Motiv. Hat er
das gefunden, dann wird ihm ſein Handwerkszeug eben=
falls
herniedergelaſſen. Das beſteht aus einer hohen
eiſernen Staffelei, einer großen ſchweren Glasplatte, auf
der doppeltes Elefantenzeichenpapier mit mediziniſchem
Zwirn befeſtigt iſt. Die Farben, die er in einem Glas=
kaſten
mitführt, miſcht er auf einer eiſernen Palette. Pin=
ſel
kann er nicht gebrauchen; mit den Fingernägeln ent=
wirft
er ſeine Skizze nach der Natur auf dem mit Kokosöl
getränktem Papier, das vom Waſſer nicht angegriffen wird.
Mit dieſer Skizze ſteigt er ſtolz wieder an die Oberfläche
und ſchafft das eigentliche Gemälde in ſeinem Atelier.
Bisher hat er nie länger als 45 Minuten auf dem Meeres=
boden
ausgehalten; aber er will jetzt einen großen Tauch=
käfig
aus Glas und Stahl konſtruieren laſſen, in dem er
und ſeine Schüler mit Muße nach Herzensluſt die Wunder
des Meeres ſkizzieren können. Seine beſten Werke, Poly=
pen
, Haie, in purpurnem Licht, von ſeltſamen Fiſchen und
großen Schmetterlingen belebt, hat er unter den Waſſern
Tahitis gemacht; nun will er ſich den Herrlichkeiten des
Atlantiſchen Ozeans zuwenden.
OK. Ein Freilicht=Theater in Paris. Der Zug der
Zeit zur Freilichtbühne hat nun auch Paris erreicht: in
dieſen Tagen erlebt die Seineſtadt ihre erſte großeFreilicht=
Aufführung. Man führt ein von Paul Souchon verfaßtes
Schauſpiel Cäſar und Cleopatra auf, und zwar in den
Ruinen der alten römiſchen Arena, die einſt am linken
Seineufer gebaut wurde, als Paris noch ein römiſches
Dorf war und Lutetia hieß. Veranſtalterin des Unter=
nehmens
iſt Mme, Cariſtie Martel, die durch Thenterauf=
führungen
in den altrömiſchen Ruinen von Arles und
Oranges bereits bekannt geworden iſt. Man ſparte in der

Pariſer Arena nicht mit prächtigen Aufzügen, Pferden
und Wagen, und während der Handlung wurde auch ein
großer Boxkampf veranſtaltet, an dem der berühmte junge
Boxer Carpentier teilnahm und die Ehre genoß, vor den
Augen Cäſars und Cleopatras ſeine Kunſt zu zeigen.
150 Millionen Francs für die Göttin Mode. Die
Franzoſen ſind auf dem Weltmarkt in faſt allen Zweigen
der Induſtrie durch Deutſche und Engländer in den Hin=
tergrund
gedrängt worden; nur auf einem einzigen Ge=
biet
iſt ihr Ruf der feinſten Kultur und des erleſenſten
Geſchmacks bisher unberührt geblieben: es iſt das Reich
der Göttin Mode. So oft ſchon von England, Amerika,
von Wien ein Vorſtoß gegen dieſe Toilettenweltherrſchaft
Frankreichs unternommen worden iſt, ſo bleibt Paris,
bleibt Frankreich doch das unerſtürmte Bollwerk der hohen
Eleganz. Und dieſe Herrſchaft bringt nicht nur Ehre, ſie
bringt auch reichen Gewinn. 150 Millionen Frs. werden
alljährlich im Durchſchnitt der Göttin Mode geopfert, die
an den Ufern der Seine thront, und dieſer Goldregen, der
zu ihren Füßen niederfällt, iſt ein wichtiger Faktor im
ganzen franzöſiſchen Handel. Dieſe ernſte finanzielle Seite
des großen Jahrmarktes der Frivolitäten die über dem
mondänen und graziöſen Schimmer der Toiletteninduſtrie
häufig vergeſſen wird, hebt Jules Huret in einem Aufſatz
der Vie Heureuſe hervor. Neun Welthäuſer, Callot, Ché=
ruit
, Doeuillet, Boucet, Drécoll, Paquin, Poiret, Redfern,
Worth ſind die leuchtenden, über die ganze Welt hin
ſchimmernden Sterne am Himmel der Pariſer Mode, zu
denen unzählige Frauenaugen mit ſehnſüchtigem Begehren
aufſchauen. Sie allein ſtellen ein Kapital von wenigſtens
50 bis 60 Millionen Frs, dar, und haben einen jährlichen
Umſatz von faſt 70 Millionen Frs. Imponierend wirken
die Zahlen, die das Material veranſchaulichen, das ein
ſolches Welthaus jährlich verarbeitet. In ſeinen Toilet=
ten
ſtecken: 12 Kilometer Tuch, 59 Kilometer Seide, Halb=
ſeide
und Samt, 27 Kilometer Futter, 43 Kilometer Sei=
denmouſſeline
, 6 Kilometer Cretonne, 20 Kilometer Band,
22000 Kilometer Zwirn, eine Tonne Tadeln, drei Zentner
Haken und Oeſen. Das Perſonal einer dieſer Weltfirmen

zählt zwiſchen 1000 und 1500 Angeſtellte, die eine jährlict
Löhnung von 45 Millionen Frs. erhalten. Unterdi
Angeſtellten gibt es Damen, die geradezu fürſtliche Ghil
ter, bis zu 60000 Frs., beziehen, und das ſind nichtela
nur Frauen in leitender Stellung, ſondern auch nun
käuferinnen, die den Ton der großen Welt und die größ
Vornehmheit des Auftretens beherrſchen müſſen, um ihreſ
Kundinnen mit Rat und Tat zur Seite zu ſtehen
heißt es nicht nur, eine Robe zu verkaufen, ſonderdie
Verkäuferin muß der Kundin das gerade für ihn
ſcheinung und ihr Ausſehen Paſſende empfehlen. Ueber
dieſem ganzen Reiche aber herrſcht als ſouveräne Gebie=
terin
, die grande patronne die zu ihren Arbeiterinnen
in einem Verhältnis ſteht, wie etwa ein großer Maler
ſeinen Schülern. Manche von ihnen, wie z. B. Madame
Paquin, ſind wirklich geniale Schöpferinnen, die nicht fll
für den Weltruf der franzöſiſchen Eleganz, ſondern auch
für das materielle Wohl des Landes Bedeutendes leiſten=
Steigt man von Höhen der Rue de la Paix, wo die füh=
renden
Weltfirmen ihr Heim aufgeſchlagen haben, her=
nieder
zu den anderen Modehäuſern in Paris=und
Frankreich, ſo gewinnt das Bild von der Bedeutungder
Modeinduſtrie noch an imponierender Größe. Alleiniſ
Paris gibt es mehr als 12000 Modehäuſer, die biszu
100 Arbeiterinnen beſchäftigen; in ganz Frankreich 9600
wozu noch die 15000 Wäſchehäuſer und 4000 Geſchäft
kommen, die ſich mit Ausbeſſerungen und Aenderunge
beſchäftigen. Im ganzen ſind das 115000 Firmen,
denen geſchneidert wird mit einem Perſonal von mehr als
einer Million Menſchen, von denen 940000 Frauen und
75000 Männer ſind. Dieſes Perſonal ſteht unter der Auf=
ſicht
von 140000 großen und kleinen Geſchäftsinhaber
und zwar 114000 Frauen und 26000 Männern. So gib
alſo die Göttin Mode, die ſo große Opfer fordert, als ein
gütige und gerechte Göttin einer großen Anzahl von Men=
ſchen
Brot und Unterhalt und trägt bei zu dem allgemei=
nen
Wohlſtand des Landes, da ihre Schöpfungen in dem
Ausfuhrhandel Frankreichs mit mehr als 114 Millionen
Francs vertreten ſind.

[ ][  ][ ]

Nummer 145

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Inni 1912.

Seite 5.

nterſuchungshaft genommen und in das Amts=
richt
Reichenbach eingeliefert worden. Mergner iſt
rheiratet und Vater von 11 Kindern.
Hamburg, 20. Juni. Vor der hieſigen Straf=
mmer
gelangte heute eine Angelegenheit zur Verhand=
ig
, die ſeinerzeit weit über Hamburgs Grenzen hinaus
ſißes Aufſehen erregte. Unter Anklage ſteht der
inkier Louis Müller von hier, dem die Anklage
wirft, ſeinen Chauffeur Karl Birk gedungen zu haben,
te ihm kürzlich angetraute Ehefrau Frieda Müller zu
en. Zu der Verhandlung ſind 24 Zeugen und 3 Sach=
ſtändige
geladen. Bei ſeiner Vernehmung gibt der An=
lagte
an, daß er unſchuldig ſei, und daß es ſich lediglich
ein Lügengewebe des Chauffeurs Birk handele. Wie
rch die Unterſuchung feſtgeſtellt worden iſt, hat Müller
z nach ſeiner Verheiratung das Leben ſeiner Frau bei
i Verſicherungsgeſellſchaften für 300000 Mark verſichern
ſen, während er ſelbſt ſich mit 260000 Mark verſichert
tte. Wie der Chauffeur Birk nun bei Erſtattung ſeiner
zeige auf der Polizei angegeben hatte, ſoll Müller ihn
ter Verſprechung einer Belohnung von 10000 Mark auf=
ordert
haben, ihm dabei zu helfen, ſeine Frau in der
be zu ertränken. Bei ſeiner heutigen Vernehmung bleibt
rk bei ſeiner damaligen Ausſage und gibt dabei noch fol=
ndes
an: Er ſei ſchon vor der Verheiratung des Ange=
gten
bei dieſem Chauffeur geweſen. Kurz nach der Ver=
ratung
ſei Herr Müller an ihn herangetreten und habe
n von großen Plänen erzählt. Er, Zeuge, könne ſich
bei leicht 10000 Mark verdienen, es handle ſich nur um
ie Arbeit von einigen Minuten, allerdings könne dabei
1 Menſchenleben in Gefahr geraten. Im weiteren Ver=
if
des Geſpräches ſagte Herr Müller dann, er wolle ſeine
gene Frau aus der Welt ſchaffen, und wenn er ihm da=
i
helfe, dann wolle er ihm 40000 Mark geben. Ueber den
an ſelbſt habe ihm Müller geſagt, daß er eine Barkaſſe
kauft habe. Auf dieſer wollten ſie mit Frau Müller eine
ihrt auf der Elbe unternehmen. Er, Müller, ſolle dabei
ten Benzinbehälter zur Exploſion bringen, die Frau
erde aus Angſt über Bord ſpringen und dann wollten ſie
ide ſie ſolange unter Waſſer drücken, bis ſie ertrunken
. Er, Zeuge, ſei ſcheinbar auf den Plan eingegangen,
n ſeinen Auftraggeber ſicher zu machen, doch ſei es von
ifang an nicht ſeine Abſicht geweſen, ſich zu einem ſo ver=
chten
Plan hinzugeben. Darum habe er die Sache auch
gezeigt.
Tilſit, 21. Juni. Zu Beginn eines Dampferaus=
luges
, den die hieſige Seminar=Uebungsſchule heute
nternehmen wollte, ereignete ſich ein ſchweres Unglück.
eim Beſteigen des Dampfers Byruta, der die Mäd=
en
nach Ober=Eiſſeln bringen ſollte, brach der Lan=
ungsſteg
und 10 Mädchen ſtürzten ins Waſſer Sie
rurden zwar gerettet, doch erlitten 3 von ihnen ſo ſchwere
jerletzungen, daß ſie in ein Krankenhaus gebracht wer=
en
mußten. Die übrigen wurden leichter verletzt.
Peſt, 21. Juni. Der Direktor der landwirtſchaftlichen
nduſtriebank in Szegedin, Fenyes, iſt nach großen
urchſtechereien und Betrügereien flüchtig gewor=
en
. Die veruntreute Summe beläuft ſich auf andert=
alb
Millionen.
Peſt, 21. Juni. Ein Einbrecher, der in der Nacht
on Poliziſten und einem Hausmeiſter verfolgt wurde,
lüchtete in eine Küche des 4; Stockwerks, wo er ein
dienſtmädchen vorfand. Um zu verhindern, daß es ihn
errate, zertrümmerte er dem Mädchen die Schädeldecke
git einer Axt. Es gelang, den Verbrecher zu verhaften.
Prag, 20. Juni. Die Leinenſpinnerei Gebr. Wal=
el
in Parſchnitz bei Trautenau, die über 1000 Arbeiter
eſchäftigt, iſt abgebrannt.
Zürich, 21. Juni. Geſtern abend fuhren ein Herr und
Damen in einem Ruderboot nach dem beliebten Aus=
lugsort
Zürichhorn. Als ſie nach der Stadt zurück=
uderten
, kippte das Boot infolge Platzwechſels der
Inſaſſen um. Alle 3 Perſonen ſind ertrunken.
Paris, 21. Juni. Nach einer Meldung der Agence
davas aus Belfort iſt die dortige Gemeindevertretung
avon verſtändigt worden, daß Präſident Falliéres
u ſeinem Bedauern der am 15. Auguſt ſtattfindenden
Enthüllung des zur Erinnerung an die 3 Belagerungen
Belforts errichteten Denkmals nicht beiwohnen
önne.
Paris, 21. Juni. Einer Blättermeldung zufolge ging
m Arſenal von Cherbourg ein Schwimmdock unter.
da es nicht gehoben werden kann, wird es geſprengt wer=
en
müſſen. Der dadurch verurſachte Schaden beträgt
m 300000 Francs.
Toulouſe, 21. Juni. Ein Schwindler in der
Iniform eines Landbriefträgers plünderte während der
ranzen Woche die Briefkäſten eines Stadtviertels, wobei
hm viele Briefe mit Schecks und Bargeld in die Hände
ielen, Als er geſtern einen Scheck, auf dem die Unter=
chrift
gefälſcht war, einlöſen wollte, wurde er verhaftet.
Grenoble, 20. Juni. Die deutſchen Studenten
Scholl und Kern ſind von ihrem Aufſtieg auf den
Lasque de Neron nicht zurückgekehrt. Eine Rettungs=
nannſchaft
iſt aufgebrochen, die Vermißten zu ſuchen.
London, 20. Juni. Großmeiſter und andere Groß=
vürdenträger
der drei Berliner Freimaurer=
Broßlogen, unter denen ſich Generalleutnant Wege=
ter
, Graf Stanislaus zu Dohna, Privatarchivar Keller,
Zeneralarzt der Marine Dr. Keſſel und Generalleutnant
Hugo befanden, ſind am Dienstag hier eingetroffen, um
der Jubily Maſters Loge einen Beſuch abzuſtatten.
Heute abend findet zu Ehren der Gäſte eine Verſammlung
der Jubily Maſters Loge ſtatt, an der die hieſigen
Vertreter der Berliner Großlogen, Ampthill, Graf War=
wich
, und etwa 400 engliſche Freimaurer teilnehmen
werden.
Bukareſt, 21. Juni. Auf der Landſtraße zwiſchen
Bukareſt und Rimuiſus ſtieß ein Automobil mit einem
entgegenkommenden ſchwer beladenen Ochſenwagen zu=
ſammen
. Das Automobil wurde in den Straßen=
graben
geſchleudert. Der Chauffeur wurde auf der Stelle
getötet, ein 15jähriger Gymnaſiaſt ſo ſchwer verletzt,
daß er auf dem Transport nach dem Krankenhauſe ſtarb.
Die übrigen Inſaſſen des Autos wurden leichter verletzt
New=York, 20. Juni. In dem Prozeß der Re=
gierung
gegen den atlantiſchen Dampfer=
kruſt
ſagte der frühere Sekretär der Atlantic=Konferenzen,
Sanford, aus, daß die Zwiſchendeckspaſſagiere, die mit zum
Dampferpool gehörenden Dampfern reiſten, gleichzeitig
ein amerikaniſches Bahnbillet nach ihrem Beſtimmungsort
erhielten, daß Vertreter der Eiſenbahnen den Konferenzen
beiwohnten und daß ferner Bahnagenten in vielen Häfen,
gleichzeitig Agenten der Dampferlinie waren. Hilfsbundes=
anwalt
Dorf erklärte, er wolle beweiſen, daß die unabhäng=
igen
Dampferlinien und Eiſenbahnen durch ein Abkommen
der Bahnen mit dem Dampferpool verhindert würden, im
Zwiſchendeckgeſchäft zu konkurrieren.
Waſhington, 20. Juni. In Puerta de Tierra
auf Puerta Rice ſind 12 Neger an Beulenpeſt ge=
ſtorben
. Ein amerikaniſcher Arzt hat den Auftrag erhalten,
ſich nach Puerta Rice zu begeben.

Parlamentariſches.

*X* Darmſtadt, 21. Juni. Der Finanzaus=
ſchuß
der Zweiten Kammer hielt heute nachmittag ſeine
Schlußſitzung über die Beratung der Beſoldungsvorlage
und des Schuldentilgungsgeſetzes ab. Die Sitzung
dehnte ſich bis halb 8 Uhr aus. Es folgte die Verleſung
und Feſtſtellung der Ausſchußreferate über die verſchie=
denen
Vorlagen zur Beſoldungsreform und über das
Schuldentilgungsgeſetz. Den Bericht über den Beamten=
beſoldungs
=Geſetzentwurf verlas Abg. Dr. Oſann,
ebenſo den Bericht über die Schuldentilgung und die Zi=
villiſte
. Den Bericht über die Erbſchaftsſteuer verlas
Abg. Heidenreich, über die Abänderung der Witwen=
und Waiſenbezüge der Volksſchullehrer referierte Abg.
Dr. Weber.
*X* Darmſtadt, 21. Juni. Der Geſetz=
gebungs
=Ausſchuß der Zweiten Kammer hielt
heute nachmittag unter Vorſitz des Abg. v. Brentano
eine Sitzung ab. Der Antrag der Abgeordneten von
Brentano und Genoſſen betr. die Bekämpfung der Vieh=
ſeuchen
und Rebſchädlinge wurde vorläufig von der Be=
ratung
zurückgeſtellt. Der Antrag der Abgeordneten
Ulrich und Genoſſen betr. Staatliche Vieh= und Schlacht=
viehverſicherung
und der Antrag der Abgeordneten Hen=
rich
und Genoſſen betr. das Wahlgeſetz, mit dem die
bekannten oft wiederkehrenden Anträge der Sozialdemo=
kraten
hinſichtlich einer Abänderung des Wahlgeſetzes
zuſammen beraten wurden, wurden für erledigt erklärt.
*X* Darmſtadt, 21. Juni. Die Zweite Kammer
der Stände tritt ſicherem Vernehmen nach bereits am
Dienstag, den 2. Juli, zur Plenarberatung über
die Beamtenbeſoldungsvorlage und die Schuldentilgung
zuſammen.

Gründung einer Ortsgruppe Darmſtadt des
Verbandes mitteldeutſcher Induſtrieller.

St. Darmſtadt, 21. Juni.
Im Hotel Heß fand geſtern abend auf Einladung des
dem Bund Deutſcher Induſtrieller zugehörigen Ver=
bandes
Mitteldeutſcher Induſtrieller und
mehrerer hieſiger Induſtrieller eine Verſammlung ſtatt, die
die Gründung einer Ortsgruppe Darmſtadt dieſes
Verbandes zum Zwecke hatte. Den Vorſitz führte Herr
Handelskammerſyndikus Dr. Human, der die zahlreich
Erſchienenen herzlichſt begrüßte und einige Entſchuldigun=
gen
bekannt gab. Er erörterte dann kurz Zweck und Ziel
der Verſammlung und wies darauf hin, daß der Bund,
ſowie auch der unter Schwierigkeiten gegründete Mittel=
deutſche
Verband ſchon ſehr ſegensreich gewirkt haben.
Er erteilte ſodann dem Syndikus des Bundes, Herrn
Dr. Schneider, das Wort zu ſeinem einführenden Re=
ferat
über.
Induſtrie und Geſetzgebung.
Der Redner ſchilderte zunächſt die gegenwärtige Lage
der deutſchen Handelspolitik, ausgehend von den
ungünſtigen Wirkungen der letzten Handelsverträge auf
die Ausfuhr der deutſchen Induſtrie. Auch die kleineren
Verträge, welche nach 1906 zuſtande gekommen ſind, könnten
von den beteiligten Induſtriekreiſen nicht mit Freude be=
grüßt
werden. Beſonders bei dem Vertrag mit Portugal
zeigt ſich, daß unſere Unterhändler dem Ausland gegen=
über
allzuſehr nachgaben und dem großen Intereſſe der
deutſchen Ausfuhrinduſtrie wohl zu wenig Bedeutung bei=
maßen
. Auch die Vorbereitung derartiger Verträge, ins=
beſondere
die Heranziehung des wirtſchaftlichen Aus=
ſchuſſes
, iſt oft ungenügend erfolgt. Zu den ausländiſchen
Zollerhöhungen kommen die Schwierigkeiten, welche dem
deutſchen Ausfuhrinduſtriellen durch ausländiſche Tara=
beſtimmungen
, Zollſchikanen, Beſtimmungen über Wertfeſt=
ſetzung
uſw. begegnen. Bei den Handelsabkommen mit den
vereinigten Staaten von Kanada war die Lage und der
Erfolg Deutſchlands ebenfalls ſehr ungünſtig.
Herr Dr. Schneider behandelte dann eingehend die
Frage der Meiſtbegünſtigung. Bei dem jetzigen
Syſtem der Meiſtbegünſtigung ſteht Deutſchland mit ge=
bundenen
Händen den Zollerhöhungen des Auslands
gegenüber und muß ſich obendrein noch gefallen laſſen, daß
es in ſo und ſo vielen Ländern mit Zuſchlagszöllen belegt
wird. Unſere wertvollſten Zugeſtändniſſe haben wir an
Länder gegeben, welche davon wenig Nutzen haben. Andere,
wie Argentinien, die vereinigten Staaten von Kanada,
haben gar kein Intereſſe an Tarifverträgen mit Deutſch=
land
, weil ſie durch die Meiſtbegünſtigung alle Zollermäßig=
ungen
ohnedies genießen. Erſt im Jahre 1918 wird eine
Neuregelung der Handelspolitik erfolgen; bis dahin müſſen
die induſtriellen Organiſationen eifrig arbeiten, um den
Einfluß der verarbeitenden Induſtrie auf die Regierung
zu ſtärken und eine größere Vertretung der Fertiginduſtrie
im wirtſchaftlichen Ausſchuß herbeizuführen. Wenn bis=
her
die Reichsregierung handelspolitiſch in erſter Reihe
den Schutz des inneren Marktes gepflegt hat,
ſo muß von jetzt ab der Schutz der deutſchen Aus=
fuhr
im Vordergrunde ſtehen; die Neuregelung deutſcher
Handelspolitik im Jahre 1918 muß erfolgen unter der
Deviſe: Mehr Ausfuhrpolitik‟ Der Bund der
Induſtriellen läßt es ſich angelegen ſein, in dieſer Richtung
zu wirken, und tritt durch ſeine große Zollauskunfts=
ſtelle
, ſowie durch die Vermittelung bei Zollbeſchwerden
bei den Behörden in immer engere Fühlung mit den an
den Handelsverträgen intereſſierten Induſtriekreiſen.
Der Redner wandte ſich dann den Gegenſätzen
zwiſchen der ſchweren Induſtrie und der an
der Ausfuhr beſonders beteiligten verarbeitenden
Induſtrie zu. Die verarbeitende Induſtrie wird ſehr
geſchädigt durch die Preispolitik der großen Rohſtoffſyn=
dikate
; namentlich das Kohlenſyndikat gibt immer größere
Mengen deutſcher Steinkohlen zu billigeren Ausfuhrprei=
ſen
an das Ausland ab. Die Regierung unterſtützt leider
dieſe Preispolitik des Syndikats, da der Fiskus vertrags=
mäßig
den Kohlenabſatz der ſtaatlichen Zechen an das
Kohlenſyndikat abgetreten hat. Die rieſige Ausfuhr
deutſcher Kohlen, welche jetzt ſchon einen Jahreswert
von 500 Millionen erreicht hat, wird noch dadurch geför=
dert
, daß der Staat die Kohlen zur Ausfuhr weit billiger
als für den inländiſchen Verbrauch auf den Eiſenbahnen
befördert, vielfach ſogar zu den Selbſtkoſten der Eiſenbahn.
Im Folgenden beſprach Redner eingehend die verſchie=
denen
ſozialpolitiſchen Geſetze der letzten Zeit.
Er betonte dabei, daß die Induſtrie bereitwilligſt große
Laſten auf ſich genommen hat, daß ſie aber mit aller Ent=
ſchiedenheit
fordern muß, daß auf ihre weitere Wettbe=
werbsfähigkeit
gegenüber dem Auslande Rückſicht genom=
men
wird. Viele Staaten des Auslandes, mit denen wir
konkurrieren müſſen, kennen unſere weitgehenden Verſiche=
rungsgeſetze
und die mannigfachen Einſchränkungen des
Arbeitgebers, welche die deutſche Geſetzgebung geſchaffen
hat, nicht. In allen ſozialpolitiſchen Fragen ſieht leider
die Induſtrie meiſtens bei vielen Stellen innerhalb der
Regierung, bei großen Parteien in den Parlamenten und

bei einem ſehr großen Teil der öffentlichen Meinung eine
bedauernswerte Verſtändnisloſigkeit gegenüber den Lebens=
bedürfniſſen
der Induſtrie. Um hier die notwendige Be=
rückſichtigung
zu erzielen, iſt gleichfalls eine feſtere Or=
ganiſation
der deutſchen Induſtrie unbedingt
erforderlich.
Zum Schluß ſeiner Ausführungen gab der Redner
darüber Auskunft, in welcher Weiſe der Bund der In=
duſtriellen
ſich die Löſung ſeiner Aufgaben denkt. Er
hält es für unbedingt erforderlich, daß er in enger Fühlung
mit ſeinen Mitgliedern arbeitet, und aus dieſem Grunde
befolgt er in ſeiner Organiſation das Syſtem der
Dezentraliſation. Er läßt es ſich angelegen ſein,
allenthalben im Deutſchen Reich große Landesver=
bände
zu ſchaffen, die ihre Zentrale im Bund der In=
duſtriellen
in Berlin ſehen, und die ſich ihrerſeits wieder
in Ortsgruppen zerlegen. Durch Verſammlungen in
den Ortsgruppen und durch perſönliche Fühlungnahme
will er die Anregungen entgegennehmen, die eine in=
duſtrielle
Organiſation braucht, um Erſprießliches arbeiten
zu können. Von dieſen Gedanken ausgehend, wurden
große Landesverbände geſchaffen, in Sachſen, Thüringen,
Württemberg, Südweſtdeutſchland, Baden und Elſaß= Loth=
ringen
, in einer Reihe von preußiſchen Provinzen und am
29. Oktober 1911 auch der Verband Mitteldeut=
ſcher
Induſtrieller mit dem Sitz in Frankfurt am
Main, der als Tätigkeitsgebiet das Großherzogtum Heſſen,
die Provinz Heſſen=Naſſau und den Regierungsbezirt
Koblenz ſich ausgewählt hat. Die günſtige Entwickelung,
die der Verband Mitteldeutſcher Induſtrieller in der kurzen
Zeit ſeines Beſtehens genommen hat, begründet die Er=
wartung
, daß er bald für Mitteldeutſchland dasjenige ſein
wird, was die anderen Landesverbände des Bundes der
Induſtriellen für ihre Gebiete ſind, eine leiſtungsfähige
und kraftvolle Organiſation der geſamten Induſtrie.
Die Ausführungen des Referenten wurden mit lebhaf=
teſtem
Beifall aufgenommen. Der Vorſitzende ſprach
dem Redner herzlichen Dank aus und legte kurz den
Standpunkt der Handelskammer zu den Beſtrebungen des
Bundes dar, dem ſie bereits als Mitglied beigetreten iſt.
Er eröffnete dann eine Diskuſſion, in der beſonders
Fragen der Organiſation beſprochen wurden.
Darauf wurde einſtimmig beſchloſſen,
eine Ortsgruppe Darmſtadt zu gründen.
Man ſchritt dann alsbald zur Wahl des Vor=
ſtandes
. Eine vorgeſchlagene Liſte fand einſtimmig
Annahme mit der Maßgabe, daß dem Vorſtand das Recht
der Zuwahl zugeſtanden wird.
Eine weitere Verſammlung ſoll im September ſtatt=
finden
. Mit Dankesworten an die Teilnehmer wurde die
Sitzung dann geſchloſſen. Faſt ſämtliche Anweſende traten
der Ortsgruppe bei.

Der Berndt=Schapiro=Prozeß.
Vierter Verhandlungstag.

g. In der geſtrigen Verhandlung nahm zunächſt
Beig. Berndt Stellung zu dem nach der Strafkammerver=
handlung
zu Mainz geſtellten Strafantrag gegen den An=
geklagten
Hirſch. Der Angeklagte habe am erſten und
zweiten Tag der Mainzer Verhandlung geäußert, daß
der Kern ſeiner Behauptungen in ſich zuſammengefallen
ſei, und er den Antrag eines Vergleichs gemacht habe. Am
dritten Tage ſeien dann ausführliche Vergleichsvorſchläge
vom Angeklagten unterbreitet worden, in denen zugege=
ben
wurde, daß alle Vorwürfe, die er gemacht habe, un=
haltbar
ſeien. Als nun ſein Rechtsbeiſtand jeden Ver=
gleich
für unmöglich erklärte, hätte ihn der Angeklagte
flehentlich gebeten, ſich ſelbſt zu einem Vergleich zu
äußern. Er habe darauf erklärt, daß es ihm ſeine Ehre
unmöglich mache, jetzt, nachdem er durch den Angeklagten
dazu gezwungen worden ſei, ſeine intimſten Privatver=
hältniſſe
in der Oeffentlichkeit auszubreiten und er auf
die gemeinſte Weiſe beleidigt worden ſei, auf einen Ver=
gleich
eingehen zu können. An dem Tage der Urteilsver=
kündigung
nun habe der Angeklagte einen Artikel ver=
öffentlicht
, in dem ſämtliche Vorwürfe, die er vorher in
der Verhandlung ſelbſt als unhaltbar bezeichnet hatte,
wiederholt wurden. Weiter hieß es in dem Artikel, es
ſei der Wahrheitsbeweis bezüglich des Vorlebens des
Beig. Berndt nur deshalb nicht gelungen, weil er durch
ſein Zartgefühl und ſein Entgegenkommen verſchiedene
Intimitäten nicht zur Erörterung gebracht habe. Durch
dieſen Artikel habe ſich der Beig. Berndt beleidigt
fühlt, ebenſo durch den Abdruck zweier Artikel aus frem=
den
Blättern in dem Neueſten Anzeiger, in denen ihm
wiederum der Vorwurf der ehrenrührigen Handlung und
der Frau Schapiro verbrecheriſches Amtieren unter be=
hördlicher
Aufſicht gemacht wurde. Die Aeußerungen an=
derer
Blätter, die ſich ſehr ungünſtig für den Angeklaaten
äußerten, habe er nicht gebracht. Schließlich wurde ihm.
dem Beig. Berndt, überall der Vorwurf gemacht, er hätte
in der Verhandlung gegen Hirſch einen Meineid geſchwo=
ren
. Ein Beamter hätte ihm ſogar erzählt, Hirſch babe
ihm einen Brief vorgehalten und geſagt: Hier ſehen
Sie, ſo ſagte er in der Verhandlung aus und hier habe
ich einen Brief von ihm‟ Es handelte ſich hier um einen
Brief, den er vor 13 Jahren ſeiner damaligen Braut ge=
ſchrieben
habe und in dem er ihr das Eheverſprechen ge=
geben
habe. In der Verhandlung vor der Strafkammer
habe er ſich des Briefes nicht mehr erinnert und geſagt,
daß er nie ein Eheverſprechen gegeben habe. Nach der
Kenntnisgabe jenes Briefes habe er dann erklärt, wie
auch von dem Fräulein beſtätigt wurde, daß jenes Ver=
hältnis
auf ganz normale Weiſe nach einem Zwiſt gelöſt
worden iſt und zwar auf beiderſeitigem Einverſtändnis.
Hirſch ſei in den Beſitz jenes Briefes gekommen, indem
er erklärte, er könne ihn zu ſeiner Reviſion brauchen. Er
habe nachher wegen jenes Artikels und den ausgeſtreuten
Verleumdungen Strafantrag geſtellt und dann ſei es
ruhig geworden, bis die Verkündigung der Aufhebung
des Strafkammerurteils durch das Reichsgericht erfolgte,
dann fing der Krieg ſeitens des Angeklagten von neuem
an. Er ſei nun wiederum auf ganz ungehörige Weiſe
perſönlich angegriffen worden. Er ſei einmal auf einem
Maskenball mit einer anſtändigen Dame geweſen, dies
habe der Angeklagte am nächſten Tage gloſſiert und den
Artikel mit einem anzüglichen Vers ausgeſchmückt. Auf
dieſe unqualifizierbare Art ſei er dann noch fortgeſetzt an=
gegriffen
worden. Es wurde ſodann jener Brief ver=
leſen
, der lediglich eine Antwort des Beig. Berndt auf
eine Frage des Fräuleins iſt und in dem er ſich über ſeine
Zukunft und ihre eventuelle Heirat ausſpricht.
Fräulein G., die damalige Braut des Beig. Berndt.
beſtätigt, daß die Löſung des Verhältniſſes durch einen
Streit erfolgt ſei; ſie ſei damals allein auf den Maske
ball gegangen, ohne Herrn Berndt etwas davon mitzu
teilen. Darüber ſei er dann ſo erregt ceweſen, daß er ihr
den Abſagebrief ſchrieb. Sie trage ihm nichts nach und
wünſche ihm alles Gute, wenn es auch nicht fein von ihm
geweſen ſei, daß er das Verhältnis löſte. Den Brief habe
ſie dem Angeklagten Hirſch nur gegeben, weil er ſaate,
er brauche ihn ſehr nötig zur Reviſionsbegründung. Hätte

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Juni 1912.

Nummer 145.

ſie gewußt, daß er ihn photographieren und verbreiten
würde, hätte ſie ihm den Brief nicht übergeben. Bei wei=
teren
intimen Fragen über ihr Verhältnis mit Herrn
Berndt wird ſodann die Oeffentlichkeit ausgeſchloſſen.
Dem Zeugen Sittenpolizeikommiſſar Steigerwald
ſoll Hirſch den Brief des Herrn Berndt an Fräulein G.
gezeigt haben, und zwar nach der Anſicht des Herrn
Berndt zu dem Zwecke, den Herrn Berndt des Meineids
zu beſchuldigen. Zeuge bekundet, daß ihm Hirſch den
Brief unaufgefordert zum Leſen gezeigt hat. Juſtiz=
rat
Bernſtein fragt den Zeugen, ob nicht einmal nach
der Strafkammerverhandlung die Schutzleute zuſammen=
gerufen
wurden und ob ihnen dabei ein vorſichtiges Vor=
gehen
bei Feſtnahmen empfohlen wurde. Zeuge be=
ſtätigt
die Zuſammenberufung, doch ſei dort mitgeteilt
worden, daß eine Aenderung nicht eintreten ſolle.
Frau Schultheiß iſt ſeit fünf Jahren Haushälterin
bei Herrn Berndt und hat niemals bemerkt, daß eine
weibliche Perſon bei ihm geweſen iſt, höchſtens einige
Male am Tage ein Fräulein K., aber immer nur kurze
Zeit. Abends ſei Herr Berndt beſonders in letzter Zeit
ſehr ſelten ausgegangen.
In der Nachmittagsverhandlung wurde zunächſt
gegen eine Zeugin, die trotz ordnungsmäßiger Ladung
nicht erſchienen iſt, Vorführungsbefehl erlaſſen. Zeuge
Muſikdirektor Hackbeil hat verſucht, den Brief des
Fräulein G., den Hirſch in ſeinem Beſitz hatte, zu er=
langen
. Er will dies aber nicht deshalb getan haben, weil
ihn etwa Herr Berndt darum gebeten habe, ſondern ledig=
lich
, um Herrn Berndt, mit dem er freundſchaftlich ver=
kehrte
, zu überraſchen. Zeuge Polizeikommiſſar Stöh=
ring
hat an einer nächtlichen Razzia teilgenommen, bei
der auch Frau Schapiro anweſend war. Hierbei habe
Frau Schapiro zu ihm geſagt, er ſei nicht zu ſolchen
Razzien geeignet, er ſei zu ernſt. Er müſſe die Mädchen
anlächeln und anſprechen, er ſolle ſich ein Beiſpiel an
Herrn Bruder nehmen, der verſtände es beſſer. Zunächſt
habe er ſich ſehr darüber geärgert, aber jetzt lache er, denn
er halte die Frau Schapiro nicht für geeignet, an ſeiner
Fähigkeit Kritik zu üben. Er hätte ſchließlich von Frau
Schapiro den Auftrag erhalten, ein Mädchen zu ver=
folgen
und es anzuſprechen. Es war gegen 11 Uhr. Da
das Mädchen jedoch ihre Angaben ſehr ſicher machte, habe
er ſie gehen laſſen. Da der zweite Schutzmann unter dem
angegebenen Namen Mignon Lugnet einen Phantaſie=
namen
vermutete und ſie mit einer gewiſſen Jung iden=
tiſch
glaubte, habe er nachher zu ihm geſagt, es wäre wohl
beſſer geweſen, ſie hätten das Mädchen mit zur Wache
genommen. Frau Schapiro gibt an, ſie ſagte da=
mals
zum Zeugen. ihr Mann, der ſich unterdes hinzu=
geſellt
habe, hätte ſich dabei beſſer benommen. Von die=
ſem
Falle hätte dann der Angeklagte in ſeinem Blatte
geſchrieben, ihr Mann beteilige ſich an nächtlichen
Razzien. Zeuge Kriminalſchutzmann Belzer, der
dritte Teilnehmer an jener Razzia, kann ſich nicht ent=
ſinnen
, auf weſſen Veranlaſſung Herr Stöhring das Mäd=
chen
verfolgt hat.
Um halb 6 Uhr wird die Weiterverhandlung auf heute
früh vertagt.

Flugpoſt am Rhein und Main.

* Am Samstag, den 22. Juni, werden zum Schluß
der Flugpoſt (Sonntag, 12 Uhr nachts), Marken zum
alten Preiſe ausgegeben, die den Aufdruck tragen:
EL. P‟ Für die auf dem Luftwege (Adreſſe:
Flugpoſt Darmſtadt) übermittelte richtige Löſung die=
ſer
Initialen iſt eine Zeppelin=Freifahrt
ausgeſetzt. Es darf nur eine Löſung eingeſandt
werden. Bei richtiger Löſung durch mehrere Perſonen
wird der Betrag (250 Mark) geteilt. Wird die Löſung
nicht gefunden, dann fällt der Betrag an die Armenkaſſe.
Flugpoſtkarten mit dieſer Marke und dem amtlichen Flug=
ſtempel
werden 50 Stückweiſe bis zum 15. Juli zum
bezahlten Preiſe zurückgenommen und zur Erinnerung
an die 1. D. L. P. aufbewahrt.

Kongreſſe und Verbandstage.

Nationalkonferenz des Internationalen
Vereins der Freundinnen junger Mädchen.
In Hamburg tagte die Nationalkonferenz des
Internationalen Vereins der Freundinnen junger Mäd=
chen
unter Leitung ihrer Vorſitzenden, der Fürſtin
Marie zu Erbach=Schönberg, geb. Prinzeſſin
von Battenberg. Nach einem zwangloſen Begrüßungs=
abend
am Tage vorher wurde die Konferenz Mittwoch,
den 12. Juni, früh 9½ Uhr, eröffnet. Der Verein, deſſen
eifrige Tätigkeit im Dienſte des Mädchenſchutzes ſeitens
der Behörden immer mehr anerkannt wird, in weiteren
Volkskreiſen aber noch viel zu wenig bekannt iſt, zählt nach
dem intereſſanten Bericht, den die Schriftführerin, Frl.
Semm, gab, zurzeit in Deutſchland 9000 Mitglieder. Die
deutſche Nationalgruppe iſt damit in dem internationalen
Verein, der in 53 Ländern arbeitet, die ſtärkſte Gruppe.
Am meiſten in die Oeffentlichkeit tritt der Dienſt des Ver=
eins
in der Bahnhofsmiſſion, auf die die bekannten
Plakate in den Zügen ja immer wieder hinweiſen. Doch
nimmt er ſich auch ſonſt mit Rat und Tat durch Stellen=
vermittelung
, Gründung von Heimen, Aufſuchen in der
Fremde u. a. der jungen Mädchen vielſeitig an. Wie
dringend nötig ſolche Arbeit iſt, ergibt ſich aus der in der
Verſammlung erwähnten Tatſache, daß allein in Ham=
burg
zirka 45000, in Frankfurt a. M. 20 000 junge Mäd=
chen
jährlich von auswärts zuziehen, die zum großen
Teil den Gefahren der Großſtadt nicht gewachſen ſind
und dort zugrunde gehen. Ziel des Vereins iſt, kein
junges Mädchen, das in die Fremde geht, im Inland
oder Ausland, unberaten und ohne Schutz zu laſſen. Die
Adreſſen von Schutzdamen ſind von Behörden, Pfarrern
und aus dem Ratgeber des Vereins zu erfahren. Aus
den Verhandlungen heben wir einen Antrag hervor, wo=
nach
jedes junge Mädchen, bevor es die Volksſchule ver=
läßt
, in einer beſonderen Unterrichtsſtunde von einer
Lehrerin vor dem Ziehen in die Großſtadt, beſonders
ohne die Gewißheit einer einwandfreien Stellung, vor
unſicheren Stellenbüros und den Gefahren der Reife, be=
ſonders
dem Mädchenhandel gewarnt und auf die un=
entgeltliche
Stellenvermittelung gemeinnütziger Vereine,
evangeliſche und katholiſche Bahnhofsmiſſion, evangeliſche
und katholiſche Heime und Mädchenvereine aufmerkſam
gemacht werden ſoll. Beachtenswert iſt ferner ein Antrag
der Fürſtin Marie zu Erbach=Schönberg, betreffend die
Auswüchſe des Kinematographenweſens. Im Anſchluß
an ein Referat, das auch dem Bildungszweck der Kinos
gerecht zu werden ſuchte und z. B. die Bemühungen des
Dürerbundes, der Vereine für Volksbildung, der deutſchen
Lehrerſchaft um eine Veredelung des Kinoweſens dank=
bar
begrüßte, ſtellte die Vorſitzende zur Bekämpfung des
Schmutzes und Schundes, den die Kinos vielfach ver=
breiten
, folgende Anträge, die einſtimmige Annahme
fandenz

Der Nationalvorſtand des Vereins der Freundinnen
junger Mädchen richtet an den Herrn Reichskanzler die
Bitte:
1. möglichſt bald einen Geſetzentwurf vorzulegen,
durch welchen zum Schutze der Jugend gegen die Aus=
wüchſe
der Kinematographen und Mutoſkope die Beſtim=
mungen
des § 56 Abſ. 2 und des § 42a der Reichs=
gewerbeordnung
und der §§ 184, 184a und 184b des
Strafgeſetzbuches entſprechend ergänzt und verſchärft
werden;
2. einen Geſetzentwurf vorzulegen, der die Kinemato=
graphen
dem § 33a der Gewerbeordnung unterſtellt und
bei den verbündeten Regierungen auf ſchärfere Aufſicht
über Kinematographentheater hinzuwirken;
3. zu veranlaſſen, daß Kindern und jugendlichen Per=
ſonen
unter 16 Jahren der Beſuch der Kinematographen=
theater
im allgemeinen unterſagt wird, dafür aber be=
ſondere
Kinder= und Jugendvorſtellungen eingerichtet
werden.
Antrag 1 und 2 nehmen Reſolutionen des Reichstags
auf, Antrag 3 deckt ſich in bemerkenswerter Weiſe unge=
fähr
mit Wünſchen, die ganz unabhängig hiervon auch
auf der diesjährigen Verſammlung des Deutſchen Lehrer=
vereins
zum Ausdruck kamen. Die Abendverſammlung
am Mittwoch brachte einen Vortrag von Paſtor Frick=
Bremen über die Freundinnenarbeit unter beſonderer
Berückſichtigung des Themas: Das junge Mädchen im
Ausland‟. Er hob unter anderem hervor, wie wichtig
es wäre, neben Pfarrern und Lehrern auch die Eiſen=
bahnbeamten
, Schiffsbeamten und Schiffsagenten mit der
Arbeit vertraut zu machen, und wie es gelte, für den
Verein noch mehr die Kenntniſſe im Ausland eingeſeſſe=
ner
Familien nutzbar zu machen. Auf dasſelbe Gebiet
führte am Donnerstag ein Vortrag von Frl. Lydia Wink=
ler
in New=York über den deutſch=amerikaniſchen Freund=
ſchaftsklub
. Sie ſchilderte u. a. die Gefahren, die den
jungen Mädchen aus ihrer Unerfahrenheit und der Un=
kenntnis
der Arbeitsbedingungen in Amerika erwachſen,
denen die weltfremden, ſprachunkundigen jungen deutſchen
Mädchen meiſt gar nicht gewachſen ſind. Eine andere
Rednerin warnte vor Stellen in Frankreich. Die Mit=
teilung
, daß auch in unſeren Kolonien 53 Freundinnen
im Intereſſe der Raſſereinheit wie des Schutzes der zu=
wandernden
Mädchen tätig ſind, zeigt, wie weit der Ver=
ein
ſeine Tätigkeit ausbreitet.
An die Konferenz ſchloß ſich eine Beſichtigung der
Auswandererhallen, ſowie eines Wörmann=Dampfers an,
ferner ein Ausflug nach Bremen, bei dem die der Aus=
wanderermiſſion
dienenden Anſtalten und Vereine beſich=
tigt
wurden. Auf das Huldigungstelegramm ar die Kai=
ſerin
, die Protektorin des Vereins, lief noch im Laufe
der Tagung ein in herzlichen Ausdrücken gehaltenes
Dankestelegramm ein. Für die nächſte Tagung im Jahre
1914 wurde Kaſſel in Ausſicht genommen.

2. Deutſcher Kolonialmiſſionstag.
S. u. H. Kaſſel, 20. Juni. Der Deutſche Kolonial=
miſſionstag
hielt hier in dieſen Tagen ſeine zweite Ta=
gung
ab, die ſich einer überaus großen Beteiligung von
Miſſionaren, Miſſionsdirektoren, Miſſionsinſpektoren und
Kolonialfreunden zu erfreuen hatte. Eingeleitet wurde
die Tagung mit einer im Evangeliſchen Vereinshaus
abgehaltenen Frauenverſammlung, zu der der Andrang
ſo ſtark war, daß eine gleichlaufende Verſammlung im
Feſtſaal der höheren Mädchenſchule abgehalten werden
mußte. Nach der Begrüßungsanſprache durch die Lei=
terin
Frl. Consbruch hielt die Miſſionarin Frau
Irhe Witten (Ruhr) einen intereſſaltten Vortrag
über Die deutſche Frau in Südweſtafrika Weiter ſpra=
chen
Frau Miſſionar Schultze=Reinhardt=Baſel
über Heidniſches Frauenleben in Kamerun und die
Diakoniſſin Hedwig Rohns=Hamburg über das
Thema Wie das Evangelium zu den Ehefrauen kommt
Im Anſchluß an dieſe Verſammlung fand eine große
volkstümliche Verſammlung ſtatt, die vom Superinten=
denten
D. Klingenberg geleitet wurde. In dieſer
ſprach Miſſionsdirektor Spicker darüber, Was der
ſüdweſtafrikaniſche Aufſtand der Rheiniſchen Miſſion
nahm und gab und führte dabei aus, daß während des
Aufſtandes die Spannung mit vielen Anſiedlern zu direk=
ter
Feindſchaft wurde, da ſich die Miſſionare vor dem
Aufſtand für verpflichtet hielten, als Anwälte der
Eingeborenen aufzutreten und ſie gegen Ausbeutungen
durch Händler und Anſiedler in Schutz zu nehmen. Nach
dem Aufſtande ſammelten die Miſſionare etwa 1400
Herero, deren Vertrauen zu den Miſſionaren wieder zu=
rückkehrte
, und die Reſte der beiden aufſtändiſchen
Stämme zeigen ſich jetzt dem Chriſtentum zugänglicher
als vorher. Auch das Verhältnis zwiſchen Anſiedler
und Miſſionaren hat ſich wieder freundlich geſtaltet.
Nach einem Vortrag des Miſſionars Göhring=
Baſel über Die Baſeler Miſſion an einem Kameruner
Königshofe ſprach Miſſionsinſpektor Schlunk über
das Thema Wie unſere Togo=Jugend lernt‟ Die erſte
öffentliche Verſammlung, die vom Generalſuperinten=
denten
L. Möller geleitet wurde, war u. a. auch vom
Landgraſen Chlodwig von Heſſen nebſt Gemah=
lin
und zahlreichen Vertretern der Univerſitäten Göttin=
gen
und Marburg beſucht. Es wurden eine Reihe von
Begrüßungsanſprachen gehalten, ſo u. a. von Geheimrat
Mühlmann namens der königlichen Staatsregierung, von
Konſiſtorialpräſident Frhr. v. Schenck zu Schweinsberg
im Auftrage des Konſiſtoriums und der heſſiſchen Lan=
deskirche
uſw., während an den Kaiſer, den Herzog Jo=
hann
Albrecht zu Mecklenburg, Regenten von Braun=
ſchweig
und den Generalleutnant Leo Begrüßungstele=
gramme
geſandt wurden.
Den erſten Vortrag hielt Großkaufmann Vietor
aus Bremen über Die wirtſchaftliche Leiſtungsfähig=
keit
des Afrikaners Im Anſchluß an dieſes Thema
ſprach Profeſſor Dr Meinhof=Hamburg über Die
geiſtige Befähigung des Afrikaners wobei er hervorhob,
daß der Afrikaner eine gewiſſe nüchterne Verſtändigkeit
hat und hervorragende Gaben für Muſik und Sprachen
beſitzt, während auf dem Gebiete des Willens bei ihm
geiſtige Mängel beſtehen. Er verſtehe nicht zu regieren,
könne aber ein ſehr brauchbarer Unterkan ſein. Weiter
hielt Miſſionar Dr Spieth=Hambura einen Vortrag
über Die religiöſe Veranlagung des Afrikaners‟ Die
zweite öffentliche Verſammlung wurde vom Geh. Kon=
ſiſtorialrat
Profeſſor Dr. Mirbt=Göttingen geleitet.
Hier ſprach Miſſionsdirektor Spiecker über die Be=
deutung
der Rheiniſchen Miſſion für die Koloniſation
von Deutſch=Südweſtafrika Während Miſſionsinſpektor
Oettli=Baſel über 25 Jahre Baſeler Miſſions=
arbeit
in Kamerun berichtete, und Miſſionsdirektor
Schreiber=Bremen einige bemerkenswerte Mittei=
lungen
aus der Muſterkolonie Togo machte, ſprach auf
dem Theeabend, der ſich an die Verſammlung anſchloß,
Geh. Konſiſtorialrat Profeſſor Dr Mirbt über Die
Bedeutung der Schulen für unſere weſtekrikaniſchen

Kolonien. Nachdem Frau Miſſionar Schultzee
Reinhardt einen intereſſanten Vortrag über Heid=
niſche
und chriſtliche Hererofrauen gehalten hatte, wies
Profeſſor Dr. Meinhof Neue Wege zum alten Zield
nach, wie die Beſitzenden in unſerem Volke, die einzelnen
Klaſſen und Stände noch viel mehr tun könnten und
müßten zur Beſeitigung der Fehlbeträge der Miſſionen,
zur Hebung der Unwiſſenheit über die Miſſionen und
zur Gewinnung der Kolonialregierung für angemeſſene
Unterſtützung der Miſſionsſchulen.
Der dritten öffentlichen Verſammlung präſidierte
an Stelle des verhinderten Vorſitzenden der Abteilung
Maſſel der Deutſchen Kolonialgeſellſchaft Exz. Leo,
deren zweiter Vorſitzender Bankdirektor Koch. Den ein=
leitenden
Vortrag hielt Miſſionsarzt Dr. Fiſch=Baſel
über Miſſionsangelegenheiten in den vom Mohamme
danismus bedrohten Nord=Togo Weiter ſprach Be=
zirksamtmann
Dr. Böhmer=Berlin über Deutſch=
evangeliſches
Leben in Südweſtafrika Zum Schluß=
ſprach
dann noch Miſſionsdirektor Hennig von der
Herrnhuter Brüdergemeinde über Die Verpflichtungen
des evangeliſchen Deutſchlands ſeinen Kolonien gegen=
über
, wobei der Redner es als eine Pflicht des deutſchen
Proteſtantismus bezeichnete, die Sache der Miſſion in
unſeren Kolonien noch in ganz weit freudigerem und
freigebigerem Maße als bisher zu unterſtützen und du=
durch
den verſchiedenen Miſſionsorganiſationen die Er=
füllung
ihrer großen Aufgabe zu ermöglichen. Ueber
die in den einzelnen Sitzungen gehaltenen Vorträge fand
ein Diskuſſionsabend ſtatt, der von Miſſions=
direktor
Hennig geleitet wurde. Beſonderes Intereſſe
verdienen hier die Erörterungen über die Miſchehen
in den Kolonien eine Frage, die ja durchdie
Verhandlungen und Beſchlüſſe des Reichstags beſonders
brennend geworden iſt. Eine Einigung über die Frage=
war
allerdings nicht zu erzielen. Ein Teil der Redner
vertrat den Standpunkt, daß durch Geſetze, wie ſie vom
Reichstag kürzlich verabſchiedet worden ſeien, ſehr wohl
das richtige getroffen werde, indem die ſchwarze Frat=
als
gleichberechtigte Gefährtin des Mannes angeſehen
werde und die der Ehe entſproſſenen Kinder in die vollen
ſtaatsbürgerlichen und erbgeſetzlichen Rechte des Vaters
eintreten. Wenigſtens würden auf dieſe Weiſe die un
heilvollen Zuſtände beſeitigt, wo die Weißen ohne Rechtsg
verbindlichkeit ihren Herrenſtandpunkt geltend machen
konnten, während auf der anderen Seite die Verpflich
tungen allein lagen. Andere Redner wieder machten gel
tend, daß man den Weißen nicht zumuten könne, ein
Schwarze ſo anzuerkennen, daß er ſie zu ſeinem rechtmäßt
gen Weibe machen müſſe. Gewiß gebe es viele, die den
Schwarzen als Bruder im Religionsſinne anerkennen, ihn
als Schwager aber entſchieden ablehnen. In kein
Weiſe ſei dieſe wichtige Frage der Miſchehen in den Ko=
lonien
als geklärt anzuſehen und es wäre daher dii=
gend
zu wünſchen, wenn man die Beſtrebungen den
Frauenabteilung der Deutſchen Kolonialgeſellſchaft nach
Kräften unterſtütze, damit recht viele deutſche Fräuen
nach den deutſchen Kolonien gehen. Mit einem Schluß=
wort
des Generalſuperintendenten Dr. Möller, derde
Hoffnung Ausdruck gab, daß reicher Segen von dieſe
zweiten Taguna auf die deutſchen Kolonien undd
Vaterland herabſtrömen möge, erreichte der diesjähr
Kolonial=Miſſionstag ſein Ende.

Von der Kieler Woche.

* Kiel, 20. Juni. Auf dem Dampfer Bremen
des Norddeutſchen Lloyd fand heute abend ein Bord
feſt ſtatt, an dem etwa 800 Perſonen, darunter Stagts
ſekretär von Tirpitz, die Admirale Baudiſſen und
Coeper, Schloßhauptmann Graf Hahn, viele Offiziere
der Armee und Marine und Angehörige der erſten Kie=
ler
Geſellſchaftskreiſe teilnahmen. Das Feſt iſt glänzend
verlaufen. Allgemein bewundert wurde die prächtige
Außſchmückung des Dampfers Bremen, deſſen durch
kauſende von elektriſchen Glühkörpern gekennzeichneie
Formen mit dem Schmuck des aus elektriſchen Birnen=
gebildeten
Lloydwappens äußerſt wirkſam hervortraten
und das nächtliche Hafenbild beherrſchten. Bei Tanz und
Unterhaltung endete das Feſt nach Mitternacht.
* Labö, 21. Juni. Heute vormittag begann die
Jubiläumsfeſtfeier des kaiſerl. Jacht
klubs auf der Kieler Föhrde Von 10,20 Uhr ab’ſtals
teten die großen Jachten zur Seewettfahrt in der Stran=
der
Bucht außerhalb Labös. Mit den 5 Jachten der
Klaſſe A. 1 ging der Meteor durch den Start. Der=
Kaiſer hatte ſich um 8,45 Uhr an Bord begeben, mit
ihm außer den Herren des Gefolges Reichskanzler von=
Bethmann Hollweg, Admiral von Tirpitz und andere Ad=
mirale
. Sleipner folgte dem Meteor Von 11,0
Uhr an begann die Wettfahrt der mittleren Klaſſenba
Heikendorf, denen auch die Boote der Sonderklaſſe folg=
ten
. Noch ſpäter ſtarteten die kleinen Segler beiitze
berg zur Binnenwettfahrt. Es waren alſo alle hierve
ſammelten Klaſſen auf dem Plan. Von weit über
überhaupt gemeldeten Rennbooten fehlten nur wenige
Start. Eine gewaltige Anzahl von Begleitfahrzeugeſ
aller Art, Dampfer aller Größen, Dampfjachten, beſonders
engliſche und Kriegsſchiffbarkaſſen, ſowie Motor= und Ge=
gelboote
hatten ſich hinaus begeben, darunter die Sta=
tionsjacht
Carmen des Prinzen Heinrich von Preußen,
Iduna der Regierungsdampfer Sperber und andere.
Der Dampfer der Hamburg-Amerika=Linie Viktorik=
Luiſe mit den Feſtgäſten für die Kieler Woche war
morgens angekommen und bei Labö liegen geblieben,
um der Regatta beizuwohnen. So bot ſich bei Sonnen=
ſchein
und kräftigem Weſtwind am heutigen vormittäg
ein prachtvolles Regattabild im großen Stil.
* Labö, 21. Juni. Bereits kurz nach 1,30 Uhr paſ=
ſierte
als erſte der großen Jachten Germania das
Ziel bei Labö. Wenige Minuten ſpäter folgte Me=
teor
.

Luftfahrt.

* Frankfurt a. M., 20. Juni. Das Königlich
Preußiſche Kriegsminiſterium hat dem Deutſchen
Fliegerbund für das am 17., 18. und 19. Auguſt d. J. in
Gotha ſtattfindende Aeroplan=Turnier eine Unter=
ſtützung
von 4000 Mark zugeſagt. Desgleichen hat die
Stadt Gotha einen Zuſchuß bewilligt. Das Protektorat
über die Veranſtaltung hat Se. Königl. Hoheit der Herzog
von Sachſen=Koburg und Gotha übernommen.
* Frankfurt a. M., 21. Juni. Das Luftſchiff
Schwaben iſt heute vormittag gegen ½8 Uhr zu
einer Höhenfahrt aufgeſtiegen. Es nahm die Richtung
über Wiesbaden und von dort über den Feldberg. Das
Luftſchiff bewegte ſich in Höhen von tauſend Metern. Die
Rückfahrt nach Frankfurt erfolgte über Cronberg. Gegen
½10 Uhr fand die glatte Landung ſtatt.
H. B. Innsbruck, 21. Juni. Die vier in Porde=
nane
von den italieniſchen Behärden wanen des Perdachts

[ ][  ][ ]

Nummer 145.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Juni 1912.

Seite 7.

Spionage verhafteten Luftſchiffer, Ballon=
frer
Fritz Miller, Dr. Janowski und Dr. Pollatſchek,
vie der Direktor der Anglo=Bank, Mühleiſen, die mit
n Luftballon Zeppelin in Italien gelandet waren
d infolge telegraphiſcher Intervention der Wiener
lieniſchen Botſchaft nach 24ſtündiger Haft in Freiheit
ſetzt worden und bereits in Innsbruck eingetroffen.

Sport.

* Fußball. Am Sonntag, den 23. Juni, ſpielt die
Mannſchaft des Turnvereins Eberſtadt gegen die
eiche der Turngemeinde Beſſungen auf dem Exerzier=
rtz
. Dieſes Spiel geht um die Meiſterſchaft des Main=
heingaues
. Der Sieger dieſes Spieles muß um 4 Uhr
gen den Gaumeiſter des Speſſartgaues, Turnverein
amm bei Aſchaffenburg, ſpielen und wird mit dieſem
viel die Bezirksmeiſterſchaft austragen.

Streiks.

* Paris, 20. Juni. Im heutigen Miniſterrat
urde beſchloſſen, die eingeſchriebenen Seeleute und die
ampfergeſellſchaften aufzufordern, den Streit einem
chiedsgericht zu unterbreiten, das aus je
em Vertreter beider Parteien und einem dritten Schieds=
hter
beſtehen ſoll, der von beiden gemeinſam gewählt
ſer im Falle der Nichteinigung von der Regierung er=
innt
wird. Die Regierung ſtellt beiden Parteien eine
ſtündige Friſt zur Beantwortung des Vorſchlages.
Paris, 20. Juni. Der Miniſterrat beſchloß,
r Marineminiſter ſolle ſogleich Maßregeln zur Siche=
jing
des Dienſtes der Poſtdampfer ergreifen
jenn der Ausſtand der eingeſchriebenen Seeleute nicht am
amstag beendet iſt, werden weitere Maßnahmen getroffen
erden. Eine aus Vertretern der einzelnen Miniſterien
bildete Kommiſſion unter dem Juſtizminiſter ſoll die
rage der Verſorgung Frankreichs mit Getreide und Mehl
idieren.
* Paris 21. Juni. Aus Havre wird gemeldet:
ie von dem Präſidenten der Compagnie Transatlantique,
harles Roux, gemachten Andeutungen, daß das Geld
ur Unterſtützung des revolutionären und
ntifranzöſiſchen Seemannsſtreiks aus un=
ekannter
Quelle ſtamme, hat bei den eingeſchriebenen See=
uten
große Erregung hervorgerufen. In einer von ihnen
nberufenen Verſammlung wurde mit aller Entſchieden=
eit
betont, daß ſie nicht die kleinſte Geldſumme aus dem
uslande erhalten hätten, und daß die den Streikenden
igewendete Unterſtützung ausſchließlich aus den Mitteln
er Vereinigung der Seeleute und Hafenarbeiter ſtammt.
n einer vom Streikausſchuß veröffentlichten Erklärung
ird die verleumderiſche Frage des Herrn Charles Roux:
Woher das Geld? mit Entrüſtung zurückgewieſen. Der
jevölkerung von Havre wird für ihre werktätige Sym=
athie
Dank ausgeſprochen, insbeſondere den Gaſtwirten,
ie beſchloſſen haben, den bedürftigen Seeleuten bis zur
jeendigung des Ausſtandes Beköſtigung und Unterhalt
u gewähren. Mehrere Senatoren und Deputierte er=
ichten
den Marineminiſter, den Schiffahrtsdienſt zwiſchen
frankreich und Algerien insbeſondere behufs Beförderung
er infolge des Streiks in den Häfen lagernden Waren zu
chern. Marineminiſter Delcaſſé verſprach, die erforder=
chen
Maßnahmen zu treffen. Der Deputierte Roy kün
igte unter Hinweis auf den Seemannsſtreik eine Inter=
ellation
über die Maßnahmen an, die die Regierung zur
Zeförderung der in den algeriſchen Häfen lagernden Ge=
reidevorräte
zu ergreifen gedenke.
* Havre, 21. Juni. Zweihundert Ausſtän=
ige
verhinderten geſtern die Abreiſe des Dampfers
Dſchibudi der mit der Beſatzung eines am Vormit=
ag
angekommenen Dampfers abgehen ſollte. Es kam zu
Streitigkeiten. Truppen ſtellten die Ordnung wieder her.
* Bodaibo, 21. Juni. In Gegenwart von über
000 Arbeitern der Lenagruben, der Verwaltung der Werke
ind des Senators Mauchin fand heute aus Anlaß der
Viederaufnahme der Arbeit ein feierlicher Got=
esdienſt
ſtatt. Darauf hielt Mauchin eine Anſprache, in
er er den Arbeitern für ihre Bereitwilligkeit, zur Arbeit
urückzukehren, dankte und ihnen die Erfüllung ihrer Bitte
derſprach, dem Kaiſer die Verſicherung ihrer Treue zu
iberbringen.
* London, 20. Juni. Dem Standard wird aus Ar=
teiterkreiſen
geſchrieben: Die Entſcheidung der Vereinigung
der Werftbeſitzer, die am Montag in Edinburgh beſchloſſen
aben, die Forderungen der Arbeiter auf einen Achtſtunden=
ag
und auf Erhöhung der Akkordlöhne abzulehnen, droht
zu einer Kriſe in der Schiffsbauinduſtrie zu führen, die
ich in der nächſten Zeit zu einem nationalen Streik ent=
vickeln
kann. Die Gewerkſchaften haben ſich ſeit einem
Monat auf einen Lohnkampf vorbereitet. Es ſoll alsbald
eine Umfrage bei den Gewerkſchaften vorgenommen wer=
den
. Ueber deren Ergebnis beſteht jedoch kein Zweifel.
Es handelt ſich nur darum, wann der Streik beginnen ſoll,
aber man glaubt allgemein, daß er nicht hinausgeſchoben
werden kann. Beide Parteien haben ſich anſcheinend auf
einen langen und erbitterten Kampf gefaßt gemacht. Der
Streik würde ſofort 500006 und ſpäter eine weitere halbe
Million Arbeiter betreffen.

Marokko.

* Paris, 21. Juni. Ein Funkenſpruch aus Fez
vom 19. ds. beſtätigt, daß die Kolonne Gourand am
Inauen=Fluß mehrere heftige Scharmützel zu beſtehen
hatte. Die Franzoſen hatten im ganzen 12 Tote, dar=
unter
einen Leutnant und etwa 10 Verwundete. Den
Marokkanern wurden durch die franzöſiſche Artillerie
große Verluſte zugefügt. General Gourand beauftragte
ſeine Truppen, die Dörfer und Getreidefelder der auf=
rühreriſchen
Stämme zu verbrennen, da dies das ein=
zige
Mittel ſei, deren Unterwerfung zu erzwingen.
* Paris, 21. Juni. Die Humanité veröffentlicht
einen Artikel über das Marokko=Unternehmen
und bezeichnet dasſelbe als das Lexikon der Radikalen
Man würde 100000 Mann nach Marokko ſenden müſſen
und die dadurch verurſachten Koſten würden jährlich 360
Millionen Francs betragen.

Zum Krieg um Tripolis.

* Rom, 20. Juni. In der Kammer fragte heute
Cavagnari bei der Regierung über die ſchlechte
Behandlung der aus der Türkei ausge=
wieſenen
Italiener auf den franzöſiſchen Damp=
fer
Iſpahan an, auf dem die Italiener von Konſtan=
tinopel
nach Genua reiſten. Staatsſekretär Fürſt Sca=
lea
entgegnete, es wäre eine Unterſuchung eingeleitet.
Wenn die Klagen berechtigt ſeien, werde die Regierung
Maßregeln ergreifen. Cavagnari erklärte, eine Unter=
ſuchung
ſei unnötig, denn es ſei Tatſache, daß die Ita=
liener
hungerten und die Behörden ſofort bei der An=
inft
Nahrung beſorgen mußten. Er proteſtiere gegen
Iie unmenſchliche Behandlung ſeiner Landsleute ſeitens
Serer, die ſich gern Brüder der Italiener nennen.

* Paris, 21. Juni. Zur Zweikaiſerbegeg=
nung
in den Finniſchen Schären ſchreibt der
Pariſer Temps: Die nächſte Zuſammenkunft Kaiſer
Wilhelms mit dem Zaren läßt die Hoffnung erwecken, daß
die beiden Monarchen ihr mögichſtes tun werden, dem
türkiſch=italieniſchen Krieg ein Ende zu machen. Seit dem
2. September, dem Tage der Kriegserklärung, iſt aller=
dings
in jedem Monat, faſt in jeder Woche der Plan
von Friedensvermittelungen von neuem aufgetaucht.
doch ſtets mit negativem Erfolg. Es wäre zu wünſchen,
daß es endlich den beiden Monarchen gelingt, eine Kon=
ferenz
zu Stande zu bringen und den Frieden gewaltſam
herbeizuführen. Die Fortſetzung des Krieges könnte
ernſte Folgen für ganz Europa haben Nicht nur würde
eine weitere Beſetzung von türkiſchen Inſeln das türkiſche
Volk in die Revolution treiben, ſondern durch die
Drohung der Türken, die Dardanellen von neuem zu
ſchließen, würden auch alle Staaten großen Schaden
haben.

Taft und Rooſevelt.

* Chicago, 20. Juni. Senator Dixon, welcher
für Rooſevelt den Wahlfeldzug leitet, hat nach Rückſprache
mit Rooſevelt bekannt gegeben, daß die Anhänger Rooſe=
velts
den Nationalkonvent nicht als geſetzlich anerkennen
würden, wenn nicht die angefochtenen 78 Mandate durch
Anhänger Rooſevelts erſetzt würden. Die falſche Nachricht,
daß Rooſevelt ſeine Delegierten freigegeben habe, iſt durch
die mißverſtändliche Auffaſſung einer Erklärung Rooſevelts
durch einen ſeiner perſönlichen Freunde hervorgerufen
worden.
* Chicago, 20. Juni. Die Wahlprüfungs=
kommiſſion
des republikaniſchen Nationalkonvents er=
wählte
geſtern ſpät den Taft=Anhänger gegen den Rooſe=
velt
=Anhänger mit 30 gegen 18 Stimmen zum Präſidenten.
Im Laufe des Abends verließen die Anhänger Rooſe=
velts
proteſtierend die Kommiſſion, da die Wortfreiheit
unterdrückt wurde. Sie kehrten ſpäter zurück, um jedoch in
Kürze endgültig die Beratungen zu verlaſſen, da ſie auf ihr
Erſuchen, die Wahl aller angefochtenen Delegaten nachzu=
prüfen
, keine befriedigende Zuſicherung erhielten.
Rooſevelt ſcheidet, nach einem Londoner Draht=
bericht
der Voſſiſchen Zeitung, angeblich aus der repu=
blikaniſchen
Partei aus. Der Vorſitzende des
republikaniſchen Nationalkonvents, Root, gibt bekannt,
daß er eine Wiederholung der wüſten Szenen während
der Sitzung nicht dulden werde. Es herrſcht die größte
Verwirrung wegen Rooſevelts Stellung. Die letzten Ka=
beltelegramme
beſtätigen das Gerücht, daß Rooſevelt aus
der republikaniſchen Partei ausſcheidet, wenn er bei der
Zuſammenſetzung des Konvents keine Ausſicht hätte, zum
republikaniſchen offiziellen Präſidentſchaftsbewerber ge=
wählt
zu werden. Rooſevelt wird ausbrechen und eine
eigene Partei gründen, als deren Kandidat er
den Kampf um die Präſidentſchaft fortſetzen wird.
* Chicago, 21. Juni. Der Nationalkonvent
vertagte ſich auf heute, da die angefochtenen Delegier=
tenwahlen
unerledigt ſind. Es geht das Gerücht, Rooſevelt
werde auf dem Konvent erſcheinen. Rooſevelt ſagte in
einer längeren Erklärung, er hoffe, die ehrlich gewählte
Mehrheit des Konvents werde ſofort die Reinigung der
Delegiertenliſte von den unebrlich gewählten fördern.
Andernfalls hoffe er, die ehrlich Gewählten würden die
weiteren Beziehungen zum Konvent abbrechen. Falls die
ehrlich Gewählten die Leitung ſelbſt übernähmen und ihn
nominierten, ſo nähme er an. Falls einige Delegierte ſich
ſcheuten, ſolchen Standpunkt einzunehmen, ihn aber im
übrigen nominierten, nehme er gleichfalls an. Er habe
dem Volke keinen Lohn für die ihm im Wahlkampfe ge=
leiſteten
Dienſte zu verſprechen.
* Chicago, 21. Juni. Rooſevelt erklärte
geſtern, daß er unter Umſtänden aus der republikaniſchen
Partei austreten und die Führerſchaft der neuen
Fortſchrittlichen Parteiübernehmen würde.
Das Wahlprüfungskomitee erklärte während der Nacht
über 30 von Rooſevelt angefochtene Mandate für gültig.

Darmſtadt, 22. Juni.
* Erkrankung des ruſſiſchen Thronfolgers? Nach
einer in London eingegangenen Privatnachricht aus
Petersburger Hofkreiſen haben die Aerzte bei dem acht=
jährigen
ruſſiſchen Thronfolger Alexis Knochen= Tuber=
kuloſe
am rechten Knie feſtgeſtellt. Er kann ſchon nicht
mehr gehen. Auch beſteht begründete Befürchtung, daß
das Uebel nie ganz beſeitigt werden kann. Am Peters=
burger
Hofe herrſcht die größte Beſtürzung.
(Irgend eine Beſtätigung dieſer Meldung liegt nicht
vor, ſodaß zu hoffen iſt, daß die betrübende Nachricht ſich
nicht beſtätigt. Die Red.)
C Tolſtoi=Gaſtſpiel. Im Saalbau=Theater hat geſtern
abend das erſte Tolſtoi=Gaſtſpiel von Friedrich Kayß=
ler
und Helene Fehdmer mit Tolſtois nachgelaſſenem
Drama Und das Lichtſcheinet in der Finſter=
nis
ſtattgefunden. Der Saalbau war faſt ausverkauft.
Das gewaltige Werk, eine Art Bekenntnis des großen
ruſſiſchen Idealiſten, war von tiefgehendem Eindruck.
Die Aufführung mit den beiden hervorragenden Künſt=
lern
in den führenden Rollen war lobenswert und traf
in vollendeter Weiſe in Spiel, Maske und Sprache die
Eigenart des ruſſiſchen Charakteriſtikums. Das Publikum
ſpendete lebhaften Beifall. Heute abend findet eine
zweite Aufführung ſtatt.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 21. Juni. Die Leitung der Nachrich=
tenabteilung
des Reichsmarineamtes über=
nimmt
im Herbſt 1912 anſtelle des zum Kommandanten
des Schiffes Schleſien ernannten Kapitäns z. S. Holl=
weg
Korvettenkapitän Max Reymann.
* Stuttgart, 21. Juni. Der König hat lt. Staats=
anzeiger
dem Profeſſor Dr. Guſtav Schönleber an
der Akademie der bildenden Künſte in Karlsruhe die
große goldene Medaille für Kunſt und Wiſſenſchaft am
Bande des Kronenordens verliehen.
* Leipzig, 21. Juni. Auf einem Grundſtück der Mar=
tinſtraße
in Leipzig=Anger=Crottendorf iſt heute vormittag
ein Gerüſt eingeſtürzt, das fünf Arbeiter begrub.
Drei wurden ſchwer, zwei leichter verletzt. Die Verletzten
wurden ins Krankenhaus gebracht.
* Preußiſch=Stargard, 21. Juni. Amtliche Mel=
dung
. Bei der heutigen Landtagserſatzwahl
im Wahlkreiſe Danzig 4, Berent=Dirſchau=Preuß.= Star=
gard
wurde an Stelle des verſtorbenen Abgeordneten
Arndt=Gartſchin (frk.) Kandidat der vereinten deutſchen
Parteien der Gutsbeſitzer Modrow=Modrowshorſt (frk.)
mit 338 gegen 216 Stimmen, die auf Gutsbeſitzer Gorski=
Miretken (Pole) fielen, gewählt.
* Gottesberg, 21. Juni. In dem fürſtlichen Tiefbau=
ſchacht
ſtürzte der Bergmann Langer aus eigener Un=

vorſichtigkeit 250 Meter tief in den Waſſerhaltungsſchacht.
Er war ſofort tot.
* Wien, 21. Juni. Auf der deutſchen Bot=
ſchaft
fand ein Frühſtück ſtatt, zu dem u. a. geladen
waren: Prinz Roland Bonaparte, Graf Berchtold, der
franzöſiſche Botſchafter, der griechiſche Geſandte und der
Präſident des oberſten Rechnungshofes, Plener.
* Wien, 21. Juni. Die Neue Freie Preſſe meldet aus
Trieſt: Auf dem Monte Maggiore, 500 Meter vom
Schutzhaus entfernt, iſt der Wagen Nr. 5 der Auto=
mobil
=Alpenfahrt, in dem das Ehepaar Fiſcher=
Berlin und ein Rittmeiſter ſaßen, in den Abgrund
geſtürzt. Das Ehepaar Fiſcher iſt tot, der Rittmeiſter
ſchwer verletzt. Er wurde durch die Rettungsgeſellſchaft
in das Schutzhaus gebracht. Die Leichen der Eheleute
Fiſcher werden nach Veprina gebracht. Der Chauffeur
blieb unverletzt.
* Wien, 21. Juni. Eine Lokalkorreſpondenz meldet
aus Wiener=Neuſtadt: Der Oberoffizial Menſchick, Kom=
mandant
des Pulverdepots Am Mittel woſelbſt jüngſt
das Handmagazin des Objektes 4 in die Luft flog,
hat ſich in der Nacht erſchoſſen. Die Tat wird mit der
Exploſion in Zuſammenhang gebracht.
* Paris, 21. Juni. Der Prinz von Wales iſt
nach London abgereiſt.
* Marſeille, 21. Juni. Vier Torpedoboots=
zerſtörer
ſind hier eingetroffen. Sie werden Depeſchen
nach Algier und Tunis befördern. Die Vereinigung
der eingeſchriebenen Seeleute nahm heute mittag Kenntnis
von dem Vorſchlag der Regierung, ein Schiedsgericht
einzuſetzen. Der Präfekt wurde um die Angabe der nähe=
ren
Einzelheiten gebeten. Augenblicklich liegen mehrere
Schiffe im Hafen und können nicht ausfahren.

H. B. Köln, 21. Juni. Zur Ermittelung der
Täter und Wiedererlangung der in der Eigelſtein= Tor=
burg
geſtohlenen Gegenſtände, beſonders aber der Kai=
ſerkette
, haben der Oberbürgermeiſter von Köln, ebenſo
die Verſicherungsgeſellſchaft Thuringia in Erfurt, bei der
die Kette verſichert iſt, je eine Belohnung von
1000 Mark ausgeſetzt. Die Kette iſt mit 18000 Mark
bei der genannten Geſellſchaft verſichert, die den vollen
materiellen Erſatz der Kette zu leiſten hat. Der Ober=
bürgermeiſter
hat über den Diebſtahl der Kaiſerkette dem
Kaiſer telegraphiſch Bericht erſtattet.
Kiel, 21. Juni. Als Prinz Joachim geſtern
auf der Iduna eine Kreuzfahrt unternahm, bemerkte er
ein gekentertes Boot. Er beſtieg ſofort mit Leuten
der Beſatzung das Beiboot und rettete die Schiff=
brüchigen
.
Ahrensfelde, 21. Juni. Die Kapelle der Zwingli=
gemeinde
iſt heute niedergebrannt. Sie war ganz
aus Holz erbaut. Die Leichen, die in ihr aufgebahrt
waren, konnten noch rechtzeitig gerettet werden.

Scotts Emulſion, denn mit dieſer habe ich erreicht,
was ich wollte, nämlich eine ſchnelle Kräftigung und
Stärkung meines 64jährigen Sohnes Friedrich nach
vorausgegangener Krankheit, während eine zuerſt an=
gewendete
, allerdings billigere Nachahmung Ihres Prä=
parates
keinen Erfolg herbeiführte. Mein Söhnchen hat

ſofort ſehr gern genommen; den Einfluß des Präparates
auf den Appetit konnte man alsbald bemerken, denn
Friedrich zeigte viel mehr Luſt zum Eſſen, ſein Körper=
gewicht
hat ſich infolgedeſſen entſprechend vermehrt, auf
ſeine Wangen iſt die friſche roſige Farbe zurückgekehrt,
und er iſt auf dem beſten Wege, ein kräftiger Junge zu
werden. Auch ſchläft er nachts viel ruhiger.
(Gez.) Friedrich Schmidt, Weißenburg, Bayern, Schrecken 133,
14. September 1910.
In der Wiedergeneſungszeit iſt es immer von Wichtigkeit,
die Kraft des Körpers und deſſen Ernährung durch ſtärkende
Mittel zu fördern. Zahlloſe Beiſpiele, ähnlich dem obigen,
haben bewieſen, daß Scotts Emulſion hierzu eines der
allergeeignetſten Mittel iſt, die wir beſitzen.
Scotts Emulſion wird von uns ausſchließlich im großen verkauft,
und zwar nie loſe nach Gewicht oder Maß, ſondern nur in verſiegelten
Oriainalſtaſchen in Karton mit unſerer Schutzmarke (Fiſcher mit dem
Dorſch). Stot e= Bowne, 6. m. b. 9., Frankfürt a. M.
Beſtandteile: Feinſter Medizinal=Lebertran 150,0, prima Glyzerin
50,0, unterphosphoriaſaurer Kalk 4,3, unterphosphorigſaures Natron 2.,0.
bulb. Tragant 3,0, feinſter arab. Gummt pulv. 2,0, Waſſer 129,0, Alkohol
11,0. Hierzu aromatiſche Emulſton mit Zimt=, Mandel= und Gaultheriabl
je 2 Tkonſen.

Manverlange Preisliste u. Abbildungen

Photographische Aufnahmen
der einzelnen Zimmer. (10529a

Man verlange
Wll esielete.
e
Vertreter: Haas & Bernhard, Darmstadt, Rheinstr. 19.

[ ][  ][ ]

Gestern Abend wurde unsere liebe Mutter und Grossmutter

rau Olga Schenck
geb. Alewyn

Lindenfels i. O., den 21. Juni 1912.

Die Beerdigung findet Samstag Nachmittag um 3½ Uhr statt.

Mes den Geſchuſtsleden.=

Ein Tafelgetränk, das frei von jeglicher Unbequem=
lichkeit
für Magen und Darm, ſowie äußerſt angenehm
und leicht verdaulich iſt, dabei die Nierentätigkeit leicht
anregt und fördert, ſowie recht wohlſchmeckt, haben wir
in dem natürlichen Mineralbrunnen Königl.
Fachingen

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
beim Hinſcheiden meines lieben Gatten, unſeres
guten Vaters, Bruders, Onkels und Schwagers
Philipp Heist
Metzgermeister
ſagen wir Allen, insbeſondere dem Herrn Pfarrer
Widmann für ſeine troſtreichen Worte am Grabe,
unſeren herzlichſten Dank.
(13548
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Marie Heiſt und Kinder.

ee e

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Ueber Deutſchland liegt hoher Druck. Trotde
gingen geſtern verſchiedentlich Gewitterregen nieder.
Heute morgen haben wir bei weſtlichen Winden vielfach
bedeckten Himmel. Die Morgentemperaturen liegen im=
Reiche in der Nähe von 15%. Wir werden morgen im
Hochdruckeinfluß bleiben, Weſtwinde werden uns jedoch
Bewölkung bringen.
Ausſichten für Samstag, den 22. Juni 1912;
Wolkig, doch trocken, warm.

Tagestalender.
Samstag, 22. Juni.

Saalbautheater, Anfang 8 Uhr: Und das Licht=
ſcheinet
in der Finſternis.
Volkstümliche chriſtl. Vorträge um 8½ Uhr im.
Rhein. Miſſionszelt an der Lindenhofſtraße.
Konzert: Ludwigshöhe um 4 Uhr. Heſſiſcher Hof um=
8 Uhr. Perkeo um 8 Uhr. Reſt. Metropol um
½8 Uhr. Schuls Felſenkeller um 8 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23): Start=
des
Fliegers Hirth in Johannisthal zum Fernflug
Berlin-Wien; das Großfeuer in Stambul; Schutze
leute vor dem Parlamentsgebäude in Budapeſt; die=
Merriſonſtraße in Peking nach der Plünderung,
Sonntag, 23. Juni.
Rhein. Zeltmiſſion (an der Lindenhofſtraße) Ge=
betsverſammlung
um ½10 Uhr, Kindergottesdienſt um
11 Uhr, Vorträge um 4 und 8½ Uhr.
Sommerfeſt des Heſſ. Fechtvereins Waiſenſchutz un
4 Uhr im Saalbau.
Sommerfeſt des Sportklub Haſſia 1908" in
Brauerei Erker.
Freiw. Feuerwehr: Abfahrt nach Friedberg 6.3000
Ausflug des Ortsgewerbevereins nach Rüſſelsheiſ
(Abfahrt 6.30 Uhr).
Ausflug des Bürgervereins und Darmſtädter Fechte
klubs nach Jugenheim (Abfahrt 7.34 Uhr am Luiſenplatzſe
Ausflug des Kavallerievereins nach Roßdorf (Abmarſch
um 2 Uhr Ecke Darm= und Beckſtraße).
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. Schützenhof um
8 Uhr. Perkeo um 4 und 8 Uhr. Reſt. Metropol
um 4 und 8 Uhr.

Verſteigerungskalender.
Montag, 24. Juni.

Heugras=Verſteigerung um 3 Uhr in der Braun=
wartſchen
Wirtſchaft zu Eppertshauſen.

Großh. Landesmuſenm. Geöffnet: Sonn= und
Freitags von 101 Uhr, Mittwochs und Sonntags
von 35 Uhr, Eintritt frei; Dienstags, Donnerstags
und Samstags von 111 Uhr gegen Eintrittsgeld.
Beſichtigung des Großh. Reſidenzſchloſ=
ſes
: An jedem Wochentage von 34 Uhr; Sonntags
von 111 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 411 Uhr.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein=
u
. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 411 Uhr.

Duit und Verlagr z. e. Wilichſche Setbnchtncte,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: i. V.: Max Streeſe; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus der Geſchäftswelt: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

Nummer 145.

Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſere innigſt geliebte Mutter, Tante, Schwägerin,
Couſine, Schwiegermutter und Großmutter

Frau Emma Renn

geb. Jochheim
im 54. Lebensjahr zu ſich zu rufen. (13551
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:

Max Renn
rma Renn.

Hamburg, Darmſtadt, München,
Kempten, 21. Juni 1912.

Die Beerdigung findet Sonntag nachmittag
4 Uhr, vom ſtädtiſchen Krankenhaus aus, ſtatt.

Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Heute nachmittag entſchlief ſanft nach
kurzem Leiden unſere liebe, gute Schweſter,
Schwägerin und Tante
(13553
Fräulein
Magdalene Walter.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Färber Witwe.
Darmſtadt, den 21. Juni 1912.
Die Beerdigung findet Sonntag nachmittag
½ 5 Uhr, vom Portale des Friedhofs aus, ſtatt.

eite 8,

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Juni 1912

durch einen sanften Tod von uns genommen.

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Statt jeder besonderen Anzeige.
Schmerzerfüllt teilen wir mit, dass unsere geliebte Mutter, Gross-
mutter
und Schwiegermutter
(13552
Frau
ChlarioleFaldu
geb. Stern
am 20. 1. Mts. im 76. Lebensjahre sanft verschieden ist.
Darmstadt, den 21. Juni 1912.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet am 24. 1. Mts., vormittags 10½ Uhr, vom Sterbehause, Alice-
strasse
12 aus, statt.

Dankſagung.

Für die vielen Beweiſe aufrichtiger Teilnahme
an dem uns ſo ſchwer betroffenen herben Verluſte
ſprechen wir unſeren herzlichſten Dank aus.

Darmſtadt, den 21. Juni 1912. (13550
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
G. Eckhardt, Schneidermeister.

[ ][  ][ ]

128g

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Juni 1912.

Seite 9.

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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Juni 1912.

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ſtunden
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vormittags 10 Uhr,
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einzureichen.
Darmſtadt, am 19. Juni 1912.
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[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

N0 78.

Bekanntmachung.

Nachſtehend bringen wir eine Bekanntmachung Großh. Miniſteriums des Innern,
tr. den gewerbsmäßigen Handel mit ländlichen Grundſtücken, (veröffentlicht im
g.=Bl. Nr. 22 vom 10. Juni 1912) zur öffentlichen Kenntnis.
Darmſtadt, den 18. Juni 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
In Vertr.: v. Werner.

Bekanntmachung,

den gewerbsmäßigen Handel mit ländlichen Grundſtücken betr.
Vom 23. Mai 1912.
Im Einverſtändnis mit Großh. Miniſterium der Juſtiz haben wir, um einer
mgehung der erlaſſenen Vorſchriften tunlichſt vorzubeugen und um zugleich zum
usdruck zu bringen, daß ohne deren Befolgung den Güterhändlern der Abſchluß der
Betracht kommenden Rechtsgeſchäfte aus Grinden des öffentlichen Wohls verboten
, folgendes beſtimmt:
Der § 6 unſerer Bekanntmachung, den gewerbsmäßigen Handel mit länd=
den
Grundſtücken betreffend, vom 27. Juni 1908, in der Faſſung der Bekanntmach=
ig
gleichen Betreffs vom 2. Januar 1909 erhält folgende Faſſung:
§ 6. Der Güterhändler darf ein ländliches Grundſtück erſt erwerben, veräußern,
h die Verfügungsmacht darüber verſchaffen oder durch Annahme eines Vertrags=
ttrags
oder in ſonſtiger Weiſe die Bindung eines Dritten bezüglich eines ſolchen
rundſtücks herbeiführen, nachdem er zuvor in jedem Einzelfall von ſeiner Abſicht dem
reisamt, in deſſen Bezirk das Grundſtück liegt, Anzeige erſtattet hat. Die Anzeige
ſchriftlich, über jedes Grundſtück beſonders und ſpäteſtens zwei Wochen vor dem
eitpunkt zu erſtatten, in welchem der Eigentümer des Grundſtücks eine Eigentums=
niderung
wirkſam bewilligt oder ſich zur Bewilligung einer ſolchen oder zur Erteilung
ner Verfügungsmacht über das Grundſtück durch Vertrag, Stellung eines Vertrags=
ntrags
, Erteilung einer Vollmacht oder ein ähnliches Rechtsgeſchäft wirkſam ver=
lichtet
. Die Anzeige muß das Grundſtück nach Gemarkung, Flur= und Parzellen=
ummer
bezeichnen ſowie deſſen Flächenmaß und den derzeitigen Eigentümer angeben.
ei einer beabſichtigten Veräußerung muß auch der Name des Erwerbers oder die
ehörde oder der Beamte angegeben werden, bei welchem die Verſteigerung beantragt
erden ſoll. Sollen bisher gemeinſam bewirtſchaftete Grundſtücke getrennt veräußert
erden, ſo iſt dies beſonders anzugeben.
Die Anzeige und die darüber ausgeſtellte Beſcheinigung wird unwirkſam, wenn
as beabſichtigte Rechtsgeſchäft nicht binnen zwei Monaten von der Ausſtellung der
eſcheinigung an rechtsgültig beurkundet und die Eintragung der Rechtsänderung
ei dem zuſtändigen Amtsgericht beantragt worden iſt.
Der Händler hat der den Erwerb, die Erteilung der Verfügungsmacht, die Ver=
ußerung
oder die Bindung beurkundenden Behörde (Amtsgericht, Notar oder Orts=
ericht
) vor der Beurkundung des Vertrags, der Auflaſſung, des Vertragsantrags
der des ſonſtigen Rechtsgeſchäfts eine wirkſame Beſcheinigung des Kreisamts über
ie erfolgte Anzeige vorzulegen. Hat die Beurkundung nicht vor dem Amtsgericht
er belegenen Sache ſtattgefunden, ſo ſind dieſem Gericht vor der Eintragung der
iechtsänderung die bezeichnete Beſcheinigung des Kreisamts, Ausfertigung aller in
er Sache aufgenommenen Urkunden, ſowie ein Zeugnis des Urkundbeamten darüber
orzulegen, daß ihm die wirkſame Beſcheinigung ſchon vor der erſten in der Ange=
genheit
erfolgten Beurkundung vorgelegen habe.
2. Dieſe Bekanntmachung tritt am Tage ihrer Verkündigung im Regierungs=
latt
in Kraft.
Darmſtadt, den 23. Mai 1912.
Großherzogliches Miniſterium des Innern.
(13508
v. Hombergk.

Bekanntmachung.

Im Anſchluß an unſere Bekanntmachung vom 2. Oktober 1908 ( Amtsverkün=
igungsblatt
Nr. 239 vom 10. Oktober 1908) bringen wir die nachſtehenden, für weib=
iche
Handwerker genehmigten Ausnahmebeſtimmungen wiederholt zur öffentlichen
kenntnts:
1. Während einer bis 1. Oktober 1913 erſtreckten Uebergangszeit werden weib=
che
Handwerker zur Geſellen= und Meiſterprüfung auch dann zugelaſſen, wenn ſie
ie vorgeſchriebene Lehr= und Geſellenzeit oder die Ablegung der Geſellenpriſung
icht nachzuweiſen vermögen.
2. Weiblichen Handwerkern, welche beim Inkrafttreten des Geſetzes am 1. Oktober
908 ihr Gewerbe bereits 5 Jahre ſelbſtändig ausgeübt haben oder während
iner gleich langen Zeit als Direktrice oder in ähnlicher Stellung tätig geweſen
ind und am vorgenannten Termin das nach den früheren Beſtimmungen für die
lnleitungsbefugnis erforderliche Alter 24 Jahre bereits hatten, iſt auf ihren
lntrag die weitere Befugnis zum Anleiten von Lehrlingen zu verleihen, auch wenn
ie eine Lehrzeit nicht nachzuweiſen vermögen. Die weiblichen Handwerker, welche
iernach um die weitere Befugnis zum Anleiten von Lehrlingen einkommen müſſen,
vollen ihre Geſuche bei der unterzeichneten Stelle einreichen.
Die dazu erforderlichen Antragsformulare ſind bei den Großh. Bürgermeiſtereien
rhältlich.
3. In allen anderen Fällen wollen ſich die weiblichen Handwerker wegen wei=
erer
Auskunft an die Handwerkskammer zu Darmſtadt wenden.
4. Wir machen ferner dgrauf aufmerkſam, daß der Begriff ſelbſtändig bei
den weiblichen Handwerkern ſehr häufig irrtümlich aufgefaßt wird. Insbeſondere
vird von Damenſchneiderinnen vielfach angenommen, daß die Selbſtändigkeit einen
n der eigenen Wohnung ſtatfindenden Geſchäftsbetrieb vorausſetze. Die ſelbſtändige
Ausübung eines Gewerbes (unter eigenem Namen, auf eigene Rechnung und unter
rigener Verantwortlichkeit) iſt jedoch auch bei ſolchen weiblichen Handwerkern gegeben,
die ein der Behauſung der Kundſchaft ſchneidern.
Darmſtadt, den 18. Juni 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
An die Großh. Bürgermeiſtereien der Laudgemeinden des Kreiſes.
Wir weiſen Sie auf vorſtehende Bekanntmachung mit dem Auftrag hin, ſie
wiederholt ortsüblich bekannt zu machen.
(13459
Darmſtadt, den 18. Juni 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

Nach § 10 der Verordnung vom 15. Februar d. Js. über den Arbeiterſchutz
und die Unfallverhütung bei Hoch= und Tiefbauten hat jeder Unternehmer da=
für
zu ſorgen, daß mindeſtens ein Abdruck dieſer Verordnung auf jeder Bau=
ſtelle
ausgehängt iſt.
Wir weiſen die Bauunternehmer auf dieſe Vorſchrift mit dem Anfügen hin,
daß in Plakatform hergeſtellte Abdrücke von dem Arbeitgeberverband für das Bau=
gewerbe
zu Darmſtadt (Fernſprech=Nummer 1343) bezogen werden können.

Die Abbrücke koſten bei Abnahme von 1030 Stück 5 Pfg. per Stück.
,, ,
50100
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über 100
Der Preis für den einzelnen Abdruck beträgt 10 Pfg.
Die Preiſe verſtehen ſich ab Geſchäftsſtelle in Darmſtadt, Rheinſtraße 17.
(13449
Darmſtadt, den 17. Juni 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
An die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.
Wir empfehlen Ihnen, die vorſtehende Bekanntmachung wiederholt auf orts=
übliche
Weiſe zu veröffentlichen und die in Ihren Gemeinden wohnenden Bau=
unternehmer
noch beſonders darauf aufmerkſam zu machen.
Darmſtadt, den 17. Juni 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur Kenntnis der Landwirte unſeres Kreiſes, daß bei
dem Großh. Proviantamt Darmſtadt Heu neuer Ernte unmittelbar von der
Wieſe angefahren werden kann. Es muß jedoch vollkommen trocken und noch nicht
in Schweiß geraten beim Amt ankommen, was erfahrungsmäßig nicht mehr der
Fall iſt, wenn es länger als 1 Tag vor der Ablieferung auf den Wagen oder die
Bahn verladen worden iſt.
Anfuhr täglich von 6 Uhr früh an.
Jede weitere Auskunft erteilt mündlich, telefoniſch oder ſchriftlich das Pro=
viantamt
Darmſtadt.
Darmſtadt, den 13. Juni 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
In Vertr.: v. Werner.
An die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.
Wir empfehlen Ihnen, die vorſtehende Bekanntmachung noch beſonders in Ihren
Gemeinden zur allgemeinen Kenntnis zu bringen.
(13173is
Darmſtadt, den 13. Juni 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt,
In. Vertr.: v. Werner.

An die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.

In der Zeit vom 24. bis 29. Juni d. Js. findet unter Leitung der 2. Inſpektion
der Telegraphentruppen eine Funkerübung der Telegraphen=Bataillone Nr. 3 und 4
und des Bayeriſchen Telegraphen=Bataillons in hieſiger Gegend ſtatt. Aus dieſem
Anlaß wird die Belegung einzeiner Gemeinden des Kreiſes Darmſtadt mit Einquar=
tierung
erforderlich werden.
Da die Unterkunftsorte und Truppenſtärken von dem Verlaufe der Uebung ab=
hängen
, können ſie den Ortsbehörden erſt einen Tag vor der Belegung mitgeteilt
werden. Es iſt jedoch nur mit einer geringen Belegung der Ortſchaften zu rechnen.
(13012ss
Darmſtadt, den11. Juni 1912.
Großherzogliches Kreisamt Damrſtadt.
Fey.

Darmſtadt, den 37 Mat 1912.
Betreffend: Das Aushebungsgeſchäft für 1912, hier Zugänge Militärpflichtiger.

Der Zivilvorſitzende der Erſatzkommiſſion Darmſtadt
an die Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Sofern ſeit der Muſterung des laufenden Jahres ſich Militärpflichtige bei Ihnen
angemeldet haben ſollten, welche ſich in einem anderen Aushebungsbezirk zur
diesjährigen Muſterung geſtellt haben und Anzeige hierüber von Ihnen noch nicht
erſtattet worden iſt, ſehe ich Ihrem ſofortigem Bericht hierüber, für jeden Mann
(12287a
getrennt und unter Vorlage des Loſungsſcheins desſelben, entgegen.
Dr. Reinhart.

Bekanntmachung.

Betreffend: Das Aushebungsgeſchäft im Kreiſe Darmſtadt für 1912.
Es wird hierdurch zur Kenntnis der Beteiligten gebracht, daß nach Anordnung
der Großherzoglichen Ober=Erſatz=Kommiſſion im II. Bezirk der 49. Infanterie=Brigade
das Aushebungsgeſchäft (Generalmuſterung) im Kreiſe Darmſtadt vom 27. Juni
bis 3. Juli l. Js. im Hauſe der Turngemeinde, Woogsplatz 5 hier, ſtattfinden wird.
Es haben zu erſcheinen:
I. Donnerstag, den 27. Juni 1912, vormittags 7½ Uhr:
1. Die als dauernd untauglich bezeichneten Militärpflichtigen, ſoweit denſelben
Ladung zugegangen iſt;
2. Die zum Landſturm 1. Aufgebots vorgeſchlagenen Militärpflichtigen.
II. Freitag, den 28. Juni 1912, vormittags 7½ Uhr?
Die zur Erſatz=Reſerde in Vorſchlag gebrachten Militärpflichtigen.
III. Samstag, den 29. Juni 1912, vormittags 7½ Uhr:
Ferner die zur Erſatz=Reſerve in Vorſchlag gebrachten Militärpflichtigen.
IV. Montag, den 1. Juli 1912, vormittags 7½ Uhr:
Die von den Truppenteilen als untauglich abgewieſenen Militärpflichtigen, welche
Berechtigung zum einjährig=freiwilligen Militärdienſt beſitzen.
V. Dienstag, den 2. Juli 1912, vormittags 7½ Uhr:
Die für brauchbar erklärten Leute a) des Jahrgangs 1910 (1890); b) des Jahr=
gangs
1911 (1891).
VI. Mittwoch, den 3. Juli 1912, vormittags 7½ Uhr:
Ferner die für brauchbar erklärten Leute des Jahrgangs 1912 (1892).
Im übrigen wird auf die jedem Militärpflichtigen beſonders zugegangene
Ladung verwieſen.
Alle Militärpflichtigen ꝛc. haben pünktlich zu den angegebenen Zeiten zu erſcheinen
und ihre Loſungsſcheine, bezw. ſonſtige Miltärpapiere vorzulegen.
Diejenigen, welche ohne genügenden Entſchuldigungsgrund ſich vor der Ober=
Erſatz=Kommiſſion nicht ſtellen oder zu ſpät kommen, werden mit Geldſtrafe bis zu
30 Mark oder Haft bis zu 3 Tagen beſtraft. Auch können dieſelben unter Umſtänden
vorweg oder als unſichere Dienſtpflichtige ſofort eingeſtellt werden.
Die von der Erſatz=Kommiſſion wegen zeitiger Untauglichkeit Zurückgeſtellten
haben vor der Ober=Erſatz=Kommiſſion nicht zu erſcheinen.
Schließlich wird noch darauf hingewieſen, daß alle diejenigen Angehörigen von
Militärpflichtigen, welche auf Grund ihrer häuslichen und gewerblichen Verhältniſſe
die Befreiung ihrer Söhne vom Militärdienſt in Antrag gebracht haben, ſich der
Ober=Erſatz=Kommiſſion an den Tagen vorzuſtellen haben, an welchen ihre Söhne bei
der Aushebung erſcheinen.
Darmſtadt, den 18. Juni 1912.
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt.
Dr. Reinhart, Reg.=Rat.
(13320dsi

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Gefunden: 1 Doppelſpänner eiſerne Ziehwage. 1 Totenkopf
aus Gyps. 1 ſilberne Herrenuhr. 1 ſchwarzes Damenportemonnaies
mit Inhalt 2 1l. Schlüſel an einem Ring. 1 neuer Plüſchpantoffel.
1 braune Perlenhalskette. 2 Schlüſſel. 1 ſchwarzes Portemonnaie
mit einigen Pfennigen. 1 brauner Spazierſtock mit Verzierung. (13512
Sonntagsruhe in den Apotheken. Am Sonntag, den 23. Juni,
ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr abends folgende
Apotheken geöffnet: Einhorn=Apotheke, Kirchſtraße und Beſſunger
Apotheke, Karlſtraße. Alle übrigen Apotheken ſind von 1 Uhr
ab geſchloſſen.

Hen neuer Ernte kann unmittelbar von der Wieſe angeſahren
werden. Es muß jedoch vollkommen trocken und noch nicht

in Schweißt geraten beim Amt ankommen, was erfahrungsmäßtg
nicht mehr der Fall iſt, wenn es länger als 1 Tag vor der Abliefe=
rung
auf den Wagen oder die Bahn verladen worden iſt.
Anfuhr täglich von 6 Uhr früh an.
(313046
Jede weitere Auskunft erteilt ſchriftlich, mündlich oder tele=
phoniſch
das
Proviant-Amt Darmstadte

Bekanntmachung.

Montag, 22. Juli I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die dem Bauunternehmer
Chriſtoph Simon dahier zuge=
ſchriebenen
Grundſtücke:
Flur Nr.
qm
Sosros:
28 329705/00000 302 Bauplatz
Innere
Ringſtraße,
28 88//10
85 Bauplatz
am Lieb=
frauenpfad
,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(B55/12
Darmſtadt, 20. Juni 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
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Kalbfleiſch
. 100
Hammelfleiſch
. 100
Fruſt
. 60
Schweinefleiſch
. 86
Kottelettſt. u. geſalz. Fleiſch 96
Speck, geräuchert
. 110

per ½ kg
Dörrfleiſch
. 100 Pfg.
Schinken m. Bein . . . 110
Rollſchinken .
. 130
Schweineſchmalz, roh
u. ausgelaſſen . . . 86
Schwartenmagen,
Fleiſch= u Bratwurſt . 86
Leber= u. Blutwurſt . . 70

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[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Jnni 1912.

Nummer 145.

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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Inni 1912

Nummer 145

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Kurſe vom 21. Juni 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Bf.

Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 99,90
3½ Deutſche Reichsanl. . 90,00
80,10
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99,80
. 89,90
3½ do. Eonſols
80,00
3 do. do.
* Bad. Staatsanleihe . . 99,70
92,80
do.
3
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,00
do.
28,20
do.
79,00
4 Hamburger Staatsanl. 100,40
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99,40
4 do. do. (unk. 1918) 99,50
do.
8,00
do.
77,90
80,00
3 Sächſiſche Rente.
4 Württemberger v. 1907 100,40
do. v. 1875 95,00
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887 . . 55,60
3¾ Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 91,25
4 do. Goldrente . . . 96,00
4 do. einheitl. Rente 88,10
3 Portug. unif. Serie I 63,80
3 do. unſt. Str. III. 6600
3 do. Spezial . . . . 9,80
5 Rumänier v. 1903 . . 101,30
4 do. v. 1890 . . 96,00
4 do. v. 1905 .
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 90,50
4 do. v. 1902 . . . . 90,60
4½ do. v. 1905 . . . . 100,40
3½ Schweden . . .
4 Serbier amort. v. 1895 85,80
4 Türk. Admin. v. 1903 82,20
4 Türk. unifiz. v. 1903 90,50
4 Ungar. Goldrente . . . 90,50
4 do. Staatsrente . . . 89,10

Zf.
InProz.
5 Argentinier .
.101,20
4
do.
85,25
4½ Chile Gold=Anleihe . 91,30
5 Chineſ. Staatsanleihe . 99,00
4½
93,30
do.
4½ Japaner . .
94,70
5 Innere Mexikaner . . . 95,00
3
do.
60,50
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,00
5 Gold=Mexikaner . . . . 99,80
3 Buenos Aires Provinz 70,70
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Anerila= Palei=
fahrt
. . . . . . . 140,60
5 Nordd. Lloyd . . . . . 116,70
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 124,50
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 110,80
8 Baltimore und Ohio . 10771
Schantungbahn . . . 131,90
6½ Luxemb. Prince Henri
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 19,20
6 Pennſylvania R. R. . 120,00
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger . . 75,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik
. . 502,50
14 Chem. Fabrik Gries=
hein

. .244,75
30 Farbwerke Höchſt . . 604,75
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 350,00
10 Cement Heidelberg . . 148,00
30 Chem. Werke Albert 454,50
12½ Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. .
..305,25
4 Lahmeyer . . . . . . . 125,50

Letzte
Inſtroz. 1
Divid.
7½ Schuchert, Nürnberg 156,60
12 Siemens & Halske . 236,50
5 Bergmann Electr. . . 144,
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 170,00
0 Gummi Peter . . . . 128,75
0 Kunſtſeide Frankfurt 165,80
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . 499,50
10 Maſchinenf. Badenig 187,00
6 Wittener Stahlröhren 194,50
8 Steana Romana Petr. 136,50
15 Zellſtoff Waldhof . . 231,00
12½ Bad. Zucker=Wag=
.. . 216,25
häuſel..
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 120,00
3 Südd. Immobilien . 69,00
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 188,50
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . 228,00
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 175,70
10 Gelſenkirchener . . . . 188,50
8 Harpener . . . . . . . 185,00
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . 259,50
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 81,70
4 Laurahütte . . . . . . 174,00
10 Kaliwerke Aſchersleben
11
Weſteregeln 194,25
7½ South Weſt Africa
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 88,00
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 99,80
4 Eliſabethbahn, freie . . 95,25
4 Franz=Jofefs=Bahn .
3 Prag=Duxer.
. . . . 75,80
5 Oeſterr. Staatsbahn . 104, 10
4 Oeſterr. Staatsbahn . 94,50
3
do.
77,60
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,75

Inſroz.
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 78,00
do.
53,60
3 Raab=Oedenburg
76,90
4 Kronprinz Rudolfbahn
4 Ruſſ. Südweſt . . . . . 88,40
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,30
do.
88,20
4 Wladichawchas . . . . 88,30
4 Rjäſan Koslow .
3 Portugieſ. Eiſenb.
. 75,50
do.
2¾/10 Livorneſer . . . . . 67,50
3 Salonique=Monaſtir . 63,50
. 84,00
4 Bagdadbahn . .
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 97,00
4 Miſſouri=Paeifie.
71,80
4 Northern=Paciſic . . . 100,10
4 Southern=Paciſic . . . 95,30
5 St. Louis und San
Francisco: .
.. 87,20
5 Tehuantepec .
98,70
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 195,00
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn . .
. . 150,40
½ Berlin. Handelsgeſ. . 165,00
6½ Darmſtädter Bank . 121½
12½ Deutſche Bank . . . 253,80
6 Deutſche Vereinsbank . 123,75
6 Deutſche Eſekt.= und
W.=Bank . . . . . 117,50
10 Diskonto=Kommandit 184,00
8½ Dresdener Bank . . 153½
9½ Frankf. Hypoth.=B. 217,00
6½ Mitteld. Kreditbank 118,50
7 Nationalb. für Deutſchl. 122,90
7 Pfälziſche Bank . . . . 130,00
5.86 Reichsbank . . . . . 136,25
7 Rhein. Kreditbank . . . 134,75
A. Schaaffhauſen.
Bankverein .. . . 123,00
Wiener Bankverein . 133,10
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 98,50

InProz.
Bſ. Pfandbriefe.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
89,30
S. 19.

4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 1519, 2126 97,50
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,25
88,25
do.
8½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 100,20
8½
do.
89,50
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
99,90
S. 14, 15, 17, 24/26
1823. .
99,95
8½Heff. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68 .
89,50
S. 35
89,30
S. 911
89,40
4 Meininger Hyp.=Bank 99,50
do.
8½
88,80
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917)
97,90
8½ do. (unk. 1914) . . 88,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,90
do.
9½
89,40
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt .
2
8½ do.
89,20
4 Frankfurt.
99,50
8½ do.
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Italieniſche Noten . .
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[ ][  ][ ]

Seite 14a

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Jurs 1912.

Nummer 145.

Söiſone Laß der deutſchen Technt.

** Ediſon hat bei ſeinem letzten Beſuch in Deutſch=
land
die Fabriken, die er beſuche, mit ſcharfen Augen
angeſehen und teilt ſeine Beobachtungen und Erfahrun=
gen
in einem bedeutſamen Interview mit, das die New=
Yorker techniſche Zeitſchrift Factory veröffentlicht. Der
berühmte Erfinder iſt der Anſicht, daß man in Amerika
die Deutſchen als Erfinder und Fabrikanten unterſchätze.
Wie überall, ſo gingen ſie auch in der Technik mit Be=
dacht
und Gelehrſamkeit zu Werke. Wir ſchreien:
Hurra Foys! und gehen mit einem Schwung drauf
los, während der bedächtigere Deutſche alles erſt genau
ausdenkt. Wir ſchöpfen die Sahne ab. Das tut auch
der Deutſche und dann zieht er noch einen guten Ge=
winn
aus der Milch, die übrig bleibt. In deutſchen
Fabriken finde man ein Feuer ſchöpferiſcher Arbeit
das der amerikaniſchen Technik meiſt fremd ſei. Die
Wiſſenſchaft geht hier mit dem Geſchäft einträchtiglich
Hand in Hand. In unſerem Lande beſchäftigen wir
uns nur mit den in die Augen ſpringenden Produkten,
denen, die wir raſch und leicht gewinnen können Wie
wir wertvolle Sachen in den Kehricht werfen, ſo ver=
lieren
wir auch bei der Fabrikation Nebenprodukte, ein=
fach
, weil wir ihren Wert nicht kennen, der nur durch
langwierige Prozeſſe zu gewinnen iſt. Die Deutſchen
aber haben den Nutzen dieſer Dinge erkannt und wiſſen,
daß es ſich bezahlt macht, wenn man alle Einzelheiten
ſtudiert und beachtet. Bedeutende Induſtrien ſind ſo auf
der Baſis der gelehrten Forſchungsarbeit entſtanden;
was heute als Kohlenteer=Produkte bekannt iſt und eine
Reihe anderer Chemikalien, wie Anilinfarben, Benzol,
Creoſot, all das iſt zu einer reichen Induſtrie durch
deutſche Fabrikanten entfaltet worden, nachdem ſie Jahre
mit Experimenten und wiſſenſchaftlichen Arbeiten ver=
bracht
hatten. Dieſelbe Methode, die ſich im Studium
neuer Produktionsmöglichkeiten und wichtiger Nebenpro=
dukte
offenbart, wird in allen Arten deutſcher Indu=
ſtrien
angewendet. Große Mengen von Chenikalien wer=
den
in Deutſchland aus Stoffen bereitet, die wir bei
uns als wertlos fortwerfen Geht in unſere Kohlen=
diſtrikte
und Gasfabriken: Material liegt da umbenutzt,
das die Deutſchen zu gewinnbringenden Produkten er=
hoben
haben.
Die Deutſchen erheben auch nicht wie die Amerika=
ner
den Anſpruch, immer gleich das Beſte und das

e e ier eter tel ite nt neg en
Superlativ, die die Amerikaner den Werr der guten
Durchſchnittsware vernachläſſigen läßt. Sie wollen nicht
gleich immer die beſte, aber ſolide Ware liefern; ſie ſtre=
ben
nicht gleich nach dem größten Umſatz, der das Ver=
treiben
von ſchlechten Produkten begünſtigt, ſondern hal=
ten
ſich auf dem goldenen Mittelweg. Während bei ſei=
nen
Landsleuten alles im Nu und darum oft auch un=
überlegt
geſchähe, iſt in Deutſchland Arbeit mit Ver=
ſtand
verbunden. Mangel an Gründlichkeit verurſacht
bei uns offenbare Vergeudung. Analytiſche Studien
werden nicht gemacht. Raſche, ſummariſche Reſultate
beſtimmen die Haupterwägungen in der amerikaniſchen
Technik. Wiſſenſchaft, Experiment und techniſche Schu=
lung
werden als etwas angeſehen, was bei uns von der
Fabrikation getrennt iſt, während in Deutſchland all
dieſe Elemente eng hineingezogen ſind in die Organi=
ſation
der Fabriken. Manche Induſtriezweige, die
ganz von Deutſchland beherrſcht werden, könnten von den
Amerikanern ebenfalls und mit günſtigſtem Reſultat ge=
pflegt
werden. Ediſon exemplifiziert dabei auf die
Spielwareninduſtrie, von der die Amerikaner ſagen, ſie
gedeihe in Deutſchland wegen der billigeren Arbeitskräfte.
Das ſei durchaus nicht der Fall, ſondern das völlige Zu=
rückbleiben
der Amerikaner liege in der Vernachläſſigung
des ungeheueren Rohmaterials, das man zur Spiel=
zeugfabrikation
verwenden könne. Amerikaniſche Fabri=
kanten
ſind mit ihren großen Ideen, die ſie möglichſt
raſch in Wirkichkeit umſetzen wollen, ſo beſchäftigt, daß
ſie kleinere, aber darum nicht unwichtigere Ideen ganz
hintan ſetzen. In der Nutzbarmachung des Abfalls
allein iſt Deutſchland Amerika weit voraus. Wir ſind
heute erſt dabei, uns mit dieſem Gegenſtand theoretiſch
zu beſchäftigen. In Deutſchland ſind dieſe Probleme be=
reits
ſeit ſo langem ſtudiert worden, daß ſogar eine Or=
ganiſation
entwickelt worden iſt, durch die der Abfall
von Fabrik zu Fabrik weitergegeben wird.

Vermiſchtes.

C.K. Wie Tiere einander das Leben retten. Von den
ſozialen Inſtinkten der Tiere und ihrem Trieb, einander in
Augenblicken der Not zu helfen und beizuſtehen, berichtet
die Minerva einige intereſſante Beiſpiele. Eine Katze
hatte vier Junge zur Welt gebracht und der Herr ließ drei
von den kleinen neugeborenen Tierchen in den Fluß wer=

ſen. Zwe von den Kähchen glingen ſofort unter, das bri
aber war kräftiger und vermochte ſich kurze Zeit üb
Waſſer zu halten. Durch das klägliche Miauen angeloe
eilte eine Hündin herbei, ſprang ins Waſſer, packte de
Kätzchen, ſchleppte es ans Ufer und trug es zu ihren eigen
Jungen. Sie übernahm die Pflege und Ernährung d
hilfloſen kleinen Tieres. Intereſſant iſt ein anderer Fa
der ſich in Paris und zwar an der Seine ereignete. E
paar Gaſſenjungen fanden nahe am Ufer einen arme=
kranken
Hund: ſie fingen das Tier ein und ſchleuderten
ins Waſſer. Der Hund war ſo ſchwach, daß er nicht me=
ſchwimmen
konnte und ſicherlich ertrunken wäre, aber
dieſem Augenblick ſtürzte ſich ein prächtiger Neufundlände
der einem Schiffer gehörte, in die Fluten, packte den hil=
loſen
Genoſſen am Halſe und trug ihn ans Ufer. Kau=
hatte
ſich der Neufundländer wieder entfernt, als d
Jungen den kranken Hund wieder von neuem packten un
zum zweiten Male in die Seine warfen. Der Neufun=
länder
ſprang abermals ins Waſſer und ſchleppte de
kranke Tier wieder an Land: dann aber wandte er
knurrend und zähnefletſchend gegen die Straßenjungen=
die
nun ſchleunigſt die Flucht ergriffen. Auch in di
Vogelwelt kann man bisweilen zwiſchen Tieren verſchie
dener Art rührende Fälle von Nächſtenliebe beobachten
Ein reicher Bauer fand eines Tages unter einem Apfe=
baum
einen jungen eben ausgekrochenen Stieglitz; er nahr=
das
Vögelchen mit nach Hauſe und legte es in einem Neſt
in ein Vogelbauer, in dem ſich ein Kanaxienvogel und ei
Stieglitz befanden. Der kleine Stieglitz begann jämmerlie
zu piepſen, aber der große Stieglitz ſchien ſich nicht darm
zu kümmern, während der Kanarienvogel zum Futternaf=
eilte
und dem jungen Vögelchen einen Schnabel voll Nahr
ung zutrug. Die Anweſenheit eines Vogels anderer An
erſchreckte jedoch den kleinen Stieglitz, der bei der Annäher
ung des Kanarienvogels ſtets den Schnabel ſchloß und ſiel
ängſtlich verkroch. Wenn er dann aber wieder den großen
Stieglitz ſah, begann er von neuem kläglich zu piepſen, un
die Aufmerkſamkeit auf ſich zu lenken. Der große Stieglit
aber blieb ungerührt. Da kam es zu einer wunderlichen
Szene; es war, als ob der Kanarienvogel verſtanden hätte
daß das kleine Vögelchen nur von einem Tiere ſeinen
eigenen Art gefüttert werden wollte. Der Kanarienvoge
ſprang auf den großen Stieglitz zu und verſetzte ihm 7,
lange Hiebe mit dem Schnabel, bis der Stieglitz ſein
Pflicht tat und das kleine Vögelchen fütterte.

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Nummer 145.

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XIV.
Graf Ellerburg ging in nachdenklich trüber Stimmung
in ſeinem Arbeitszimmer auf und ab. Er war mit ſich im
Zwieſpalt, was er beginnen ſollte. Wenn er ſeinem kühlen
Verſtande, ſeiner Pflicht als Theater=Intendant allein hätte
folgen wollen, dann wußte er ſchon, was er zu tun hatte
dann mußte er ſofort den Engagements=Vertrag mit
Elfriede ausfertigen laſſen und ihr denſelben zur Unter=
ſchrift
zuſtellen. Aber ſein Herz wollte ſich dem kühlen Ver=
ſtande
nicht beugen, es warnte ihn vor dieſem Schritt, der
eine immer höhere Scheidewand zwiſchen ihm und dem
geliebten Mädchen aufrichten mußte.
Der Erfolg Elfriedens war ja über alles Erwarten
groß. Der Herzog ſelbſt war voller Anerkennung, er hatte
dem Grafen den Titel Exzellenz und Doktor Wendeborn
das Ritterkreuz ſeines Hausordens verliehen. Elfriede
erhielt eine prachtvolle Brillantbroche mit dem Namens=
zuge
des Fürſten und von der Herzogin deren Bild in koſt=
barem
Rahmen mit eigenhändiger Unterſchrift.

De hehen dernſhaſte daiſen den Buſc andeſpre=
chen
, daß Elfriede dem Herzoglichen Theater erhalten bleibe,
und der Herzog war ſogar bereit geweſen, aus ſeiner Pri=
vatſchatulle
einen Gagenzuſchuß zu leiſten.
Dennoch zweifelte und ſchwankte der Graf noch immer.
Eine innere Stimme riet ihm ab, Elfriede in Verhältniſſe
zu bringen, die vielleicht ſpäter ihrem Feingefühl nicht zu=
ſagten
und ſie unglücklich machen mußten. Jetzt, nachdem
die anfängliche Begeiſterung verflogen, ſah er die Sachlage
mit dem nüchternen Auge des Theaterdirektors an; und
als ſolcher war er viel zu ſehr eingeweiht in die häßlichen
Seiten des Bühnenlebens, als daß er ihnen Elfriede ohne
Bedenken ausſetzen konnte, zumal ſein Herz einen ganz an=
deren
Wunſch hegte, als den, ſie als große Bühnenkünſt=
lerin
zu ſehen.
Er las den Entwurf des Engagements=Vertrages, den
der Sekretär ihm vorgelegt, nochmals durch und warf ihn
dann ärgerlich zur Seite. Wie lächerlich, wie beleidigend
kamen ihm jetzt alle dieſe Paragraphen vor, die drakoniſche
Strafen für kleine Verſäumniſſe feſtſetzten, die mit Ent=
laſſung
aus der Stellung drohten, falls die betreffende
Künſtlerin nicht ein ihrer Stellung als Mitglied des Her=
zoglichen
Hoftheaters würdiges Leben führte, die den Rol=
lenkreis
der Schauſpielerin eng umgrenzten und ſie zu

ficten Scherſan den Stſchen des guenwdanen unh it
Anordnungen des Regiſſeurs gegenüber verpflichteten.
Nein, einen ſolchen Vertrag konnte er Elfriede nicht
vorlegen!
Er ſchob das Papier in ein Fach ſeines Schreibtiſches
und begab ſich in das Frühſtückszimmer, wo ſeine Mutter
ihn erwartete. Er küßte ihr die Hand, dann nahm er ihr
gegenüber Platz, während die Geſellſchaftsdame der Gräfin
den Tee beſorgte.
Eine Weile herrſchte Schweigen. Die Gräfin beoh=
achtete
ihren Sohn mit forſchendem Blick. Sie erkannte
wohl den Grund dieſes finſter grübelnden Ausdrucks auf
ſeinem Antlitz.
Haſt Du ſchon den Artikel über Fräulein Born in=
Tageblatt geleſen? fragte ſie nach einer Weile.
Er fuhr auf.
Nein, entgegnete er kurz. Will das Geſchwätz über
Fräulein Born noch kein Ende nehmen?
Das iſt nun einmal nichts anders, ſagte die Gräfin
lächelnd. Wer in der Oeffentlichkeit ſteht, muß es ſich ge=
fallen
laſſen, ſein Leben öffentlich beſprochen zu ſehen.
Der Schleier des Geheimniſſes iſt ja jetzt gelüftet; da=
Tageblatt erzählt die ganze Lebensgeſchichte der Dame.
Auch von Dir iſt die Rede wie Du Fräulein Borns dra=

[ ][  ][ ]

Nummer 145.

aiſches Salen eidet daſt. Ic fide es anch niht ge=
de
delikat, alle dieſe Verhältniſſe öffentlich zu beſprechen.
ber das Publikum liebt die Senſation und die Zeitungen
chten ſich danach.
Ich werde die Redaktion ernſtlich erſuchen, die perſön=
hen
Beziehungen aus dem Spiel zu laſſen und ſich ledig=
h
auf die Kritik des künſtleriſchen Talents der Dame zu
ſchränken.
Es iſt ſchwer, die Perſon von dem künſtleriſchen Talent
t trennen, erwiderte die Gräfin nicht ohne tiefere Bedeu=
ng
, wie es den Grafen dünkte.
Was willſt Du damit ſagen? fragte er.
Daß die Individualität der Perſon und die Entwicke=
ng
ihres Lebensganges ihr künſtleriſches Können bedingt.
ber auch, daß die Neugier der Menſchen nicht eher ruht,
s die geheimſten Falten des Lebens eines Künſtlers auf=
edeckt
haben.
Dem Grafen ſtieg das Blut in die Wangen.
Ich bitte Dich, Mama hier gibt es nichts zu ver=
ergen
.
Ich hoffe es, entgegnete ſie kühl.
Die Geſellſchaftsdame entfernte ſich. Schweigend be=
ideten
Mutter und Sohn ihr Frühſtück, dann wollte ſich
er Graf erheben.
Darf ich Dich bitten, Georg, mir noch einige Augen=
licke
Gehör zu ſchenken, ſagte die Gräfin.
Gewiß, Mama!
Ich geſtatte Dir auch, Dir eine Zigarre anzuzünden,
ihr ſie lächelnd fort. Vielleicht bleibſt Du dann ruhiger.
Ich bin vollkommen ruhig, Mama.
Doch wohl nicht ſo ganz, ich ſehe es Dir an. Dich

ait in Zwrieſ, und Piſer homnt mi Seinlein vomn
zuſammen.
Ja, Mama, Du haſt recht! Ich weiß nicht, ob ich Fräu=
lein
Elfriede engagieren ſoll oder nicht!
Darf ich Dir einen Rat geben?
Bitte.
Engagiere Fräulein Born nicht.
Mama Du weißt, die höchſten Herrſchaften inter=
eſſieren
ſich für ſie.
Hier handelt es ſich nicht um die höchſten Herrſchaften,
ſondern um die Ehre der jungen Dame und um Deine
eigene Ruhe.
Wiederum fühlte der, Graf eine heiße, verräteriſche
Blutwelle ſeine Wangen und Stirn überfluten.
Ich begreife den Zuſammenhang nicht entgegnete
er verwirrt.
Die Gräfin lächelte; dann legte ſie die feine, welke
Hand auf ſeinen Arm und ſah ihm freundlich und doch
ernſt in die Augen.
Georg, Du kannſt Deine alte Mutter nicht täuſchen!
Du hegſt ein leidenſchaftliches Intereſſe für Fräulein Born.
Da ſprang er empor und wollte heftig etwas erwidern.
Aber er unterdrückte die Bemerkung, ging zum Fenſter,
lehnte die Stirn an die Scheibe und blickte ſchweigend auf
die Straße hinaus, auf die der Regen niederklatſchte und
wo der Herbſtwind mit den welken Blättern der Bäume
und Büſche der Vorgärten ſein Spiel trieb.
Ich habe es erraten, Georg, fuhr die alte Dame ſanft
und gütig fort, gleich am Abend ihres erſten Auftreiens.
Das war nicht das Intereſſe des Intendanten an der Lei=
ſtung
einer begabten Künſtlerin aus Deinen Augen

ſprach die Liebe, Georg die Liebe zu dem ſchönen
Mädchen.
Und wenn es ſo wäre, Mutter, entgegnete er, ſich
raſch umwendend. Wenn ich Elfriede mit der ganzen
Kraft meiner Seele liebte, wenn ich ſie mit der ganzen
Sehnſucht meines Herzens, mit allen Fibern meines
Körpers zum Weibe begehrte würdeſt du uns deinen
Segen vorenthalten?
Ja antwortete die Gräfin mit feſter Stimme,
während der Ausdruck des Stolzes ſich auf ihren Zügen
verſchärfte.
Mutter! ſchrie er auf. Es gilt das Glück deines
Sohnes deines einzigen dir gebliebenen Sohnes!
Du biſt alt genug, dir auch ohne meine Genehmigung
eine Gattin wählen zu dürfen, fuhr ſie ſtreng fort. Aber
bedenke, was du tuſt. Du brichſt mit allen Traditionen
unſerer Familie du trägſt den Unfrieden in dieſelbe
du ſchädigſt dich ſelbſt mit deinen Nachkommen, denn
du weißt, daß unſer Hauptgut Steterburg Familien=
Fideikommiß iſt, welches nur auf ſolche Erben übergeht,
die einer ſtandesgemäßen Ehe entſproſſen ſind und
die entzweit dich mit deiner Mutter.
Der Graf ſtöhnte leiſe auf und bedeckte die Angen
mit der Hand. Alle die Gründe der Mutter überzeugten
ihn nicht mit Ausnahme des letzten. Was lag ihm
an der ihm ferner ſtehenden Familie? Was an dem Be=
ſitz
von Steterburg? Ihm blieb ja das alte Stammſchloß,
die Ellerburg, und wenn dieſes mit ſeinen Ländereien
auch nur halb ſo groß war, wie die Steterburg, ſeinen
Bedürfniſſen genügte es. Aber den Zwiſt mit ſeiner
Mutter den vermochte er nicht zu ertragen.
(Fortſetzung folgt.)

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[ ][  ][ ]

Seite 34.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Juni 1912.

Nummer 145.

Für Erholungsbedürftige und leichtere
Sommer, und
Kranke. Winter besucht.
Kuranstalt Hofheim i. T.
Mert
1 Stunde von Frankfurt a. M. S
Prospekte durch Dr. Schulze-Kahleyss, Nervenarzt.

Briehinkels Sunndags=Noochmitdags=
Bedrachtunge.

Ich kann nu aamol die Menſche net verknuſe, die wo
iwwer alles ihr Geſchnuddel hawwe miſſe, un die wo an
allem erumnergele miſſe, un die wo maane, es gingt net,
wann ſe net zu allem ihrn Semft dezu gewe hette,
iwwerhaubt un ſo.
Sehe Se mol zum Beiſchbiel mich. Iwwer was
kennt ich alles mei Geſchnuddel henke, indem daß ich doch
als Rentner, odder als Brifadihr, odder als Baddickeljeh
grad ſo die richtig Zeit dazu hett, dann wann ich mor=
jens
mei Nachthemd ausziehe dhu, hab ich mei härtſt
Arweit hinner mer un kann ſage Je inawend Herr
Feierawend Awwer hawwe Se mich ſchun emol iwwer
ebbes ſchnuddele heern odder ſo? Nag, deß is net mei
Art, un wann Se deſſentwege valleicht glawe, Sie kreegte
heit wos vun unſere Saiglings= un Mudderſchutz= Wohl=
tätigkeitsflugpoſtkadde
=Luftpoſtdoppelwoch zu heern, do
werd’s gach ſpeed.
Ja, do hawwe Se ſchun druff geſchbitzt, un hawwe
gedenkt, de Briehinkel dhet ſich de Schnawwel verbrenne,
ſo odder ſo. Awwer do ſin Se emol ſchiefgewickelt! Ich
hab Gottſeidank, Wichtigeriges zu dhu, als wie daß ich
mich zu Beiſchbiel driwwer uffhalte dhu, daß deerſt for die
Poſtkaddewoch im Intereſſe vun wege unſere Saigling
un wege em Muſterſchutz naa, Mudderſchutz hab ich
ſage wolle, daß da deerſt garkaa Stimmung defor da=
geweſe
is. Un daß mer naachher hinnenooch twwer=
haubt
garnet genug hott uffdreiwe kenna, un daß die
reinſte Börſegeſchäfte mit gemacht ſin worn, un die Leit
hawwe ſich drum geriſſe un ganz Heſſe, naa ganz Deitſch=
land
, naa die ganz Welt mitſamſt de drumerumliegende
Ortſchafte hott ſiche Baa ausgeleiert, um de heſſiſche
Neſtquatſchjer uff die Baa zu helfe un de Midder unner
die Aerm zu greife.
Ich kennt mich jo ſchließlich aach driwwer uffhalte,
daß eigentlich die meiſte Leit, die wo die Kadde ver=
ſchriwwe
hawwe, gornix, ja noch kaan rode Dobſch
iwwrig hawwe for die unmindige Wermercher un daß
ſe mit ſcheele Aage uff dene ihr Midder gucke. Awwer
des geht doch mich nix a‟ Die Hauptſach is, daß ewe
die Kadde verkaaft ſin worrn.
Aach is es mir ganz aanerlaa, ob mer deß Geld for
die Saigling verwende dhut, odder for e Luftſchifflott,
dann geſammelt werd in unſerm liewe Vadderland
ſchun ſeit jeher for irgend ebbes, un ſolang mer net
gach emol die Wohltätigkeit for uns arme notleidende
Rentner mobiel mache dhut, ſolang kann mir’s gach ganz
Worſcht ſei, in welch Kaſſ des Geld ſließe dhut, un zu
welchem Zweck es widder druffgeh dhut.
Wie geſagt, ich hab garkaa Veraklaſſung, mich do=
driwwer
uffzuhalte, dann ſchließlich kann mer’s jo
heitigen Dags iwwerhaubt niemand mehr recht mache.
Sage Se emol ſelbſt, hott mer net all die Johrn doher
ſolbſt vun de nowelſte Dame net immer de Schrei nach
dem Kinde geheert? Deß war uff aamol e Programm!
Un jetzt ? Jetzt hott mer middeler Weil dem Wunſch
ſoweit wie’s meglich war, Rechnung getrage, un jetzt
waaß mer uff aamol net mehr, wo aam de Kobb ſteht
vor lauter Kinnergeſchrei un der Schrei nach dem
Kinde fengt a', ſei Geltung zu verliern.
Nja, des is alles ganz ſchee un is aach ganz gut,
gwwer ſie ſin doch nu emol do, die herzgebobbelte Woll=
bindelcher
un es is doch heitzedag kaa Mode mehr, daß
mer dene klaane Kröbſch eifach en eitgewaaſchte Wickel=
weck
mit Kannelszucker in e Sackduch binne dhut un
ſtobbt’s en in ihr Saawermailcher, wie deß zu unſere
Zeit ieblich war Heit heert deß uff, die ſchebbe Krotze
beſtehn uff ihr Recht un wolle higgejeniſch uffgebäbbelt
werrn. No un dodezu geheert ewe, wie zum Kriegfiehrn,
Geld, Geld un nochemal Geld.
Ewe deßwege dhu ich gach gorkaa Wort verliern
un ſag blos: Guckt nooch Frankreich! Do habt derr
des Eckſembel vun eme Beiſchbiel, wohin e Staat mit
enie unverniftige Sparſiſtem hiekumme kann. Wann’s
ſo weiter geht, dann werrn in e paar Johr die Frank=
reicher
gornet mehr aus werkliche Franzoſe beſteh, un
ſie kenne froh ſei, wann die paar Abache noch e klaa
bische des Rennomeh hochhalte dhun. Eh’s awwer ſo=
weit
kimmt, hott ſchnell noch die Marianne, des is
Ihne nemlich die Mutter vun de Frankreicher, die hott
alſo jetzt ertra e Stimbendium, odder e Brehmje odder ſo
en ehnliche Ermunterungspreis ausgeſetzt. Wolle mer
emol ſehe, ob’s hilft. Jedenfalls ſieht mer awwer dadro,
daß es ſchließlich ganz egal is, ob mer Geld ausgibt for
die Saigling, die wo do ſin odder ob mer’s ausgibt, um
damit daß welche kumme ſolle, Alſo hob ich aach ewe deſſent=
wege
kaa Vergklaſſung, nor en Biebſer dazu zu ſage, un
dhus aach net, wie Se ſehe, denn es is net mei Art,
iwwer derartig wichtige ſtaatserhaltende Auktzione mei
Geſchnuddel zu halte.
Un daß Se heit noch uff ihr Poſtkadd warte, die Se
die vorig Woch an Ihne ſelbſt geſchickt hawwe, des geht

doch ſchließtlich kaa Menſch ebes a. Des ſin, wie bei
de Milledehrſaldadebrief eigene A’gelegenheite des
Empfängers. Ich for mei Daal werd mich jedenfalls
hiete, e Sterwenswörtche iwwer die Luftpoſt zu ſage un
valleicht gar iwwer die neimodig Beförderung zu reſſo=
niern
. Im Gegedaal, ſo langſam hab ich mer’s noch
net emol vorgeſtellt. Un ſchließlich war’s doch e ſchennial
Idee, mit em neiſte Beförderungsmittel, zu zeige, wie
lang’s vor zwaahunnerd Jahr gedauert hott, bis mer e
Eiladung krickt hott fore Vorſtandsſitzung odder for
Lieferanteeſſe un ſo. Un wann’s Mode werd, daß mer
Verlowungsa’zeige per Luftpoſt verſchicke dhut, dann
kann’s meglich ſei, daß bereits ſchun bei dem Verlowungs=
paar
Kinndaaf gehalte is, worrn, eh’ nor
die Leit all im Beſitz vun de Verlobungs=
kadd
ſin. Awwer deß is noch net emol
wos neies, deß kimmt ſogar öfters vor, daß ſchun Kinn=
daaf
gehalte is worn, eh’ die Leit was vun de Verlowung
gewißt hawwe, un wann ſich die Reichspoſt noch ſo ſehr ge=
eilt
hott mit de Zuſtellung. Deß kann aach die Luftpoſt net
verhinnern, un wann ſe noch ſo langſam fehrt, folglich
hawwe mer uns aach net uffzurege iwwer die ſchnelle Be=
förderung
, un daß es ſo langſam geht.
Jedenfalls hawwe mir’s in Heſſe widder mol gezeigt,
wie mer die Leit for Wohltätigkeit intereſſiert. Un deß is
jo grad de Hauptſpaß, un deshalb ſag ich gach nir driwwer,
indem daß mer frieher um erjende Wohltätigkeitsfeſt zu
arrangſchiern, ein mordsmeßige Abberad in Bewegung ſetze
mußt: Bazahr, Kabbarädd, Ball, Theater, wochelange
Kumiddeeſitzunge und Prowe; un bei dem ſogenannte
Wohltätigeitsfeſt ſin die Herrn im Intereſſe vun de Kaſſo
ſozuſage dodal ausgezoge wornn, un die Dame hawwe
ſich, ewenfalls im Intereſſe vun de Kaſſ, iwwerhaubt blos
halb a’ gezoge. Un wann mer noochher die Wohltätig=
keitsſcherflein
vun de Unkoſte abgezoge hott hott mer
hinnendoch noch drufflege miſſe un ſo.
Heit leßt mer eifach e Poſtkadd e vertel Stund dorch die
Luft fliege, ſperrt e paar Hauptverkehrsſtraße ab un erhebt
fuffzig Knibbel Eidritt, um damit daß mer en Luftpoſt=
beidel
in de Luft erum bambele ſieht, un die Leit ſin ganz
enduſiasmiert un drete ſich gegeſeidig die Hichnergage ab,
die Gelder gehn lumbweis ei’ un zum Schluß kann mer die
Saigling garnett all uffdreiwe, die for den Iwwerſchuß
needig ſin. . .
Korz un gut, mit dere Flugpoſt=Poſtkadde=Doppelwoch
hawwe mer widder mol de Vogel abgeſchoſſe un deßhalb
ſin Se aach gewaltig uff em Holzwähk, wann Se glawwe, ich
dhet aach nor im geringſte mich mit Ihne driwwer unner=
halte
. Naa, deß is net mei Art, un ich kann nu aamol die
Menſche aach net verknuſe, die wo iwwer alles ihr Ge=
ſchnuddel
halte miſſe.
R. Sch.

Bericht über die Lage des Arbeitsmarktes
in Heſſen, Heſſen=Naſſan und Waldeck im
Mai 1912.

Der Streik und die Ausſperrung der Metallarbeiter
in Frankfurt a. M. und Umgegend, über die wir in den
letzten 2 Monaten berichteten, ſind im Berichtsmonat bei=
gelegt
worden. Die Arbeitszeit wurde auf wöchentlich 56
gegen 57 Stunden und mehr heruntergeſetzt, außerdem
wurde ſämtlichen Arbeitern, die bis zu 45 Pfg. Stunden=
lohn
hatten, eine Zulage von 2 Pfg. pro Stunde gewährt,
für die handwerksmäßig ausgebildeten Lohnarbeiter wird
dieſe Zulage von Pfg. pro Stunde bis zu einem Lohnſatze
von 50 Pfg. pro Stunde gewährt; auch über Ueberſtunden,
Nachtarbeit, Garantie des Stundenlohnes, Nach= und Re=
paralurarbeiten
, Alkordarbeiten, Wastezeiten, Kolonnen=
arbeit
ꝛc. wurden Vereinbarungen getroffen. Die Regel=
ung
trat am 1. Juni in Kraft. Die Frankfurter Arbeits=
vermittlungsſtelle
teilt mit, daß zum erſten Male ein Rück=
gang
der offenen und beſetzten Stellen gegenüber dem Vor=
jahre
zu beobachten war. In gleicher Weiſe berichtet auch
das Arbeitsamt Mainz über ein, wenn auch nur geringes
Nachlaſſen von Angebot und Nachfrage in der Metallbear=
beitung
und Maſchineninduſtrie. Es iſt noch zu bemerken,
daß die Arbeitsvermittlungsſtelle Frankfurt a. M. den
Rückgang der Zahlen keinesfalls auf einen Rückgang der
Konjunktur zurückführt, da die Zahl der Arbeitſuchenden
gegenüber dem Vorjahr ganz außerordentlich ſtark zurück=
gegangen
ſei und die Zahl der offenen und beſetzten Stellen
ſich nahezu ausgleiche. 95 Prozent der offenen Stellen ſeien
beſetzt worden. Der Arbeitsnachweis in Offenbach
a. M. teilt mit, daß die Kämpfe in der Metallinduſtrie auf
die Vermittlungstätigkeit ungünſtig eingewirkt haben, da
die meiſten Firmen den ſtädtiſchen Arbeitsnachweis benutz=
ten
. Nach dem Bericht der Arbeitsvermittlungsſtelle
Worms iſt die Geſchäftslage ſeit etwa 3 Monaten unver=
ändert
geblieben. Die Lage in der Portefeuilleinduſtrie
hat ſich nach dem Bericht des Arbeitsnachweiſes Offenbach
a. M. gegenüber den früheren Monaten weſentlich gebeſſert.
In der Induſtrie der Holz= und Schnitze
ſtoffe war ebenfalls der Beſchäftigungsgrad nach den
vorliegenden Berichten überall gut. Aus Frankfurt a. M.
wird gemeldet, daß Möbelſchreiner viel verlangt wurden.
Der Holzarbeiterverband Darmſtadt teilt mit, daß der Be=
ſchäftigungsgrad
auf Möbel noch andauernd gut ſei, daß
für Bauſchreiner jedoch durch die Fertigſtellung des Bahn=
hofes
wieder ein kleiner Rückgang eingetreten ſei. Der
Bildhauerverein Mainz berichtet von einem beſſeren Ge=
ſchäftsgang
.

Aus der Induſtrie der Nahrungs= und de
nußmittel wird von Kaſſel mitgeteilt, daß im Fleiſcher
gewerbe ein großer Ueberfluß an Arbeitskräften vorhanden
geweſen ſei, ſo daß viele von auswärts zugereiſte Geſellei=
vergeblich
um Arbeit zuſprachen. Der Tabakarbeiterper
band in Gießen berichtet, daß die Konjunktur ſich etwask (
hoben habe, aber den normalen Stand noch nicht erreich
habe, es ſei aber eine weitere Beſſerung der Konjunktur
erwarten.
Im Bekleidungs= und Reinigungsge
werbe war der Beſchäftigungsgrad für Schuhmacher un
Schneider nach den vorliegenden Berichten gut,
herrſchte Mangel an Schuhmachern. Im Schneider
gewerbe war der Geſchäftsgang der gleiche ii
im vorigen Monat; es fehlte wieder an jungen zugereiſten
Gehilfen. Die Nachrichten über das Baugewerbe lauter
wieder wie im Vormonat verſchieden. Kaſſel berichtet, de
die Bautätigkeit immer noch ſehr mäßig ſei. Einen großer
Teil der arbeitſuchenden Bauhandwerker konnten kein
Stellen vermittelt werden. Die Baupolizei=Abteilung
Darmſtadt teilt mit, daß die Bautätigkeit eine ſeh=
rege
ſei, zumal ſämtliche Projekte in der nächſten Zeit zu
Ausführung gelangten. Die Bauſumme aller im Ma=
genehmigten
Bauten betrug rund 360 000 Mark. Vom=
Baupolizeiamt Mainz wird mitgeteilt, daß die privat=
Bautätigkeit zur Zeit noch ſehr gering ſei. Dagegen ſteh=
die
Ausführung umfangreicher Militärbauten (Kaſernen=
Ställe, das große Korpsbekleidungsamt in Mainz=Kaſtel
und noch eine Anzahl Bauten des neuen ſtädtiſchen Kran
lenhauſes, ſowie der Neubau des Realgymnaſiums
Mainz bevor. Frankfurt a. M. teilt mit, daß für Bau=
ſchreiner
und Zimmerer weniger Arbeitsgelegenheit vor
handen geweſen ſei, da die Bauten noch nicht ſoweit gediehen
ſeien, daß Zimmerer ꝛc. Arbeit finden konnten.
Im graphiſchen Gewerbe hat ſich nach dem Be
richt der Tarifgemeinſchaft der Buchdrucker in Frankſur
a. M. die Arbeitsgelegenheit für Buchdrucker verſchlechtert
während der gute Geſchäftsgang in den Schriftgießereien
anhielt.
Im Gaſt= und Schankwirtſchaftsgewerbi
war der Geſchäftsgang nach dem Bericht der Arbeitsver=
mittlungsſtelle
zu Frankfurt a. M. im Berichtsmonat gun
ſtig. Beſonders ſtark war die Nachfrage nach Saalkellnern
jungen Hausdienern und Köchen, ſodaß nicht alle Aufträg
erledigt werden konnten. Für ungelernte Arbeiter hat ſich
der Geſchäftsgang nach dem Bericht der Arbeitsvermitt=
lungsſtelle
Frankfurt a. M. im abgelaufenen Monat ge=
hoben
. Aushilfsarbeiten von geringer Dauer werden faf=
gar
nicht mehr angeboten, da die Radlerinſtitute dieſe faf=
ganz
an ſich gezogen haben. Das Arbeitsamt Mainzteil=
mit
, daß der Beſchäftigungsgrad für ungelernte Leute ver=
hältnismäßig
günſtig geweſen ſei. Von Worms wird je
doch das Gegenteil berichtet; ebenſo war dort für Fabrik
arbeiter wenig Beſchäftigung vorhanden. Eine intereſ
ſante Mitteilung macht der Kreisarbeitsnachweis Wetzlan
derzufolge der Berufswechſel außerordentlich ſtark iſt.Den
Uebergang von gelernten zu ungelernten Berufen ſei ſehl
häufig, beſonders da zuweilen der ungelernte Arbeiter mehr
Lohn erhalte als der gelernte Arbeiter.
In der Landwirtſch aft war nach dem Berichtde
Arbeitsvermittlungsſtelle Frankfurt a. M. der Beſchäflen
ungsgrad nicht ſo günſtig, wie im gleichen Monat des Boll
jahres. Es wird das zurückgeführt auf die Trockenal
des Frühjahres durch die die Feldfrüchte in ihrer Gil
wicklung zum Teil zurückgeblieben ſeien. Bei der we
lichen Vermittlung wird wie immer= über Dienſtbotele
mangel geklagt. In der Abteilung für Lehrſtellenpermit=
lung
hat die Nachfrage nach Lehrſtellen nach dem Berichſ=
des
Arbeitsamtes Mainz faſt ganz nachgelaſſen.

Literariſches.

Südafrikaniſche Minenwerte. Die=
ſoeben
erſchienene neue Auflage des deutſchen Handbuchs=
der
ſüdafrikaniſchen Bergbauinduſtrie von Hugo Luſtig
(Minenverlag, G. m. b. H., Berlin W., Kurfürſtenſtr. 123)
dürfte vielen Intereſſenten in Bank= und Kapitäliſten=
kreiſen
gelegen kommen, da ſich bei den ſüdafrikaniſchen
Minengeſellſchaften gerade in letzter Zeit viele Veränder=
ungen
ſowohl in den Beſitzverhältniſſen, wie auch in
betriebstechniſcher Hinſicht vollzogen haben, welche eine
neue Beurteilung der Chancen der einzelnen Unter=
nehmungen
involvieren. Selbſt für diejenigen, welche
in der Lage wären, ſich in engliſchen Minenhandbüchem
zu informieren, iſt dies deutſche Nachſchlagewerk von gro=
ßem
Werte. Das Luſtigſche Werk übertrifft auch die ein=
ſchlägigen
engliſchen Bücher an Reichhaltigkeit des ge= Materials.
Export=Praxis. Winke und Ratſchläge
Mit einem Verzeichnis der deutſchen Konſulate im Auss
lande und der bedeutendſten Ueberſee=Banken. Von F.
Witthöft=Antwerpen. 2,40 Mark. Verlageder
modernen kaufmänniſchen Bibliothek, G. m. b. H., Leiſe
zig=R. Der Kampf auf dem Weltmarkte tobt untereden
großen handeltreibenden Nationen heuta ſchärfer den
je und wird mit allen zu Gebote ſtehenden Waffenaus
getragen. Ein alter Ueberſeer gibt hier aus dem reichen
Schatze ſeiner Erfahrungen den am Exportgeſchäft Ie
tereſſierten wertvolle Ratſchläge zur Förderung und
Sicherung der Handelsbeziehungen nach dem Auslande,
Seine Ausführungen erſtrecken ſich auf alle Einrichtute
gen, die beim Exportgeſchäft überhaupt eine Rolle ſpielen.

eine neuartige Haushalkleife

von

fabelhafter Waſchkraft=

Janz ohne Sodall

Stück 20 Pf.

Die Reinigungswirkung iſt einfach fabelhaft. Selbſt durch und durch verſchmutzte Wäſche wird mit
Kavon=Seife bei ſpielend leichter Arbeit wie neu. Empfindliche Stoffe wie Seide, Wolle, Spitzen, Gardinen uſw. bleiben
vollſtändig unverändert. Kein Einlaufen! Kein Farbenverblaſſen! Dabei billig: Bei richtiger Anwendung braucht
man von Kavon=Seife halb ſo viel Seife wie ſonſt.
Die Kavon=Seife iſt nach Zuſammenſetzung und Waſchkraft die reinſte und vollkommenſte Haus=
ſeife
, die die Seifen=Induſtrie je hervorgebracht hat.
(12019M

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Samstaa, den 22. Juni 1912.

Seite 25.

nunanaaongunnansranrnanasanananannssangsasnanausnennansangananganegannnonarassanaaraussananannauanssananusanses

Sommertrischen, Austlugserte, Hotels, Restadrants

Ennkain
Wildbad (württemb. Schwarzwald). Das vom Kgl.
ladlommiſaeriat für die heurige Saiſon aufgeſtelle Ver=tige mit ſeiner reinen, kräftigen Seluſt und ſeinem Wel=
nſtaltungen
aller Art. Neben den täglichen Produktionen
es Kurorcheſters und den Vorſtellungen des unter der
ung verzeichnet: Kammermuſikabenkt: und Sinſonie=Kon=1
ünſtlerabende, Operettenmuſikabende, Militärkonzerte,
anzreunions, Illuminationen des Kurplatzes, der Trink=
alle
, und der ſchönſten Partien der Kuranlagen, verbun=
chönſten
Punkten des württembergiſchen und badiſchen
schwarzwaldes. Spielplätze für Lawn=Tennis und für (
enſee. Weiterhin iſt Gelegenheit geboten zum Muſizieren,
für Lektüre iſt in den Leſeſälen des König Karl=Bades
zeitſchriften des In= und Auslandes auf.
Das zwei Stunden von Stettin entfernt gelegene
Sol=, Moor= und Oſtſeebad Oſt=Dievenow hat ſeiner

See enne n gannnnennen negenernnesnene
Lage entſprechend Inſelklima; es iſt für Erholungsbedürf=
nügungsprogramm
bietet wiederum eine Fülle von Ver= lenſchlag ſehr zu empfehlen. In Griebens Reiſebuch wird
es das baltiſche Sylt genannt, weil der Charakter dem
eines Nordſeebades gleichkommt. Weſſen Nerven das
eitung der Herzogl. Sachſen=Altenburgiſchen Hoftheater=Rauſchen der Wellen nicht zuſagt der findet am Südrand
ntendanz ſtehenden Kurtheaters ſind in reicher Abwechs= der Landzunge, an der ſchönen Dievenow.=Promenade,
mit ſeinen bequemen Sitzplätzen, gänzliche Ruhe und bei
erte vielfach unter Mitwirkung bedeutender Soliſten, reiner Seeluft den Genuß faſt ſüdlichen Klimas. Der
Strand der Oſtſee iſt feinſandig und ſo geräumig, daß
kein Strandkorb den anderen verdeckt, ſondern überall
freie Ausſicht auf das gewaltige Meer geſtattet. Für Un=
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mit Kunſtfeuerwerken, Automobilausflüge nach den terkunft bei ſoliden Preiſen iſt beſtens geſorgt. Sehr ge=
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Sonntag,
Wanderung
den 23. Inm: Familien=Ausflug, von Nauheim über
Mönchbruch nach Rüſſelsheim; daſelbſt Beſichtigung der alten
Feſtung u. Sehenswürdig keiten, ſowie der nach dem Brande erſtandenen
Neu= und Rohbauten der Opelwerke. Im Anſchluß hieran gemüt=
liches
Zuſammenſein und Abendeſſen im Rüſſelsheimer Hof
am Bahnhof. Abfahrt 6.30 ab Hauptbahnhof (4. Kl. 40 Pfg.);
Rückfahrt 7.59 von Rüſſelsheim (4. Kl. 65 Pfg). Ankunft in Darm=
ſtadt
9.02. Für diejenigen, die nachkommen wollen nach Rüſſelsheim,
ab Hauptbahnhof 12.55 Uhr. Gäſte willkommen. (13344ds

Kavallerie-Verein Darmstadt.

Sonntag, den 23. Inni I. Js., findet der
Erſte Familien=Ausflug mit Muſtik nach Roßdorf
(Reſt. zum Darmſtädter Hof) ſtatt.
Sammelplatz um 2 Uhr
Ecke Darm= und Beckſtraße (am Woog). Abmarſch präzis 2¼ Uhr.
Bei ungünſtiger Witterung per Bahn 3 ab Roſenhöhe.
Um zahlreiches Erſcheinen bittet Der Vorstand.
NB. Freunde und Gönner herzl. willkommen. (13476

Sportklub Haſia 1908 Darmſtadt.
Sonntag, den 23. Juni 1912
Großes Sommerfeſt

im Garten der Brauerei Erker (B. Bux), Bleichſtr. 47.
Es ladet höflichſt ein
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Der Vorstand.
Eintritt frei.
5 Uhr.

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am 29., 30. Jani und 2. Juli 1912

Täglich 7 Rennen
Anfang 3 Uhr
Geldpreise Mark 100, 200. 9 Ehrenpi
Totalisator auf allen Plätzen.

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Ludwigshöhe
Sonntag, den 23. Juni, nachmittags 4 Uhr:
Großses Hitar Renzert

Kapelle des Grossh. Hess. Art.-Regts. Nr. 61
Leitung: Musikmeister M. Weber.

Im Programm: Piſton=Solo Herr Ehlers. Glöckchen des
Eremiten. Carmen. Liebestanz (Madame Cherry). Gri=Gri. (B13493

Eintritt 25 Pfg. 10 Karten Mk. 1.50.
Hinterer Garten für Nichtkonzertbesucher.

Hessischer Hof

Heute Samstag, den 22. Juni, abends 8 Uhr:
Grosses Milliar-Kohzert

Kapelle des Grossh. Hess. Art.-Regts. Nr. 61.
Leitung: Herr Musikmeister M. Weber.
II. Teil: Des deutſchen Volkes Lieblings=Ouvertüren.
III. Teil: Hiſtoriſche Muſik aus den Jahren 1600 bis 1806.
Eintritt mit Programm 20 Pfg.
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Nummer 145

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Jnni 1912.

Seite 27.

Berliner Stimmungsbilder.
Von Paul Lindenberg.
achoruck verboten.

nerika und Berlin. Der Kampf um die Präſidentſchaft.
Die Frauenfrage. Neue Stürme! Auswüchſe und
rrbilder. Was der Alte Fritz von ſeinen lieben Ber=
ern
ſagt. Unſer Opernhaus. Schinkel. Das
te Muſeum und deſſen Koſten. Eine Million Mark für
1 Bild. Bedenken. Unſere Künſtler. Die hart=
näckige
Sezeſſion. Vom Wedelind=Zyklus.
Das Wort des Weimarer Großen: Amerika, du haſt
beſſer, als unſer Kontinent, der alte, paßt doch nicht
imer, wie es die gegenwärtigen Kämpfe um die
räſidentſchaft zeigen. Bei uns gehts ja während
s Wahlfeldzuges auch nicht immer gar zu gemütlich und
edlich zu, aber derartige leidenſchaftliche Erregungen mit
rnichtungswütigen Tobſuchtsanfällen, wie man ſie jetzt
iſeits des Atlantik verfolgen kann, ſind uns glücklicher=
eiſe
bisher erſpart geblieben. Dem endgültigen Ergeb=
s
des gewaltigen Ringens um den Beſitz des Weißen
zuſes in Waſhington, in welchem bekanntlich der Präſident
r mächtigen Republik wohnt, ſieht man in unſeren hie=
en
politiſchen, finanziellen und wirtſchaftlichen Kreiſen
it lebhafteſter Spannung entgegen, da ja unſere Intereſſen
den Vereinigten Staaten außerordentlich vielſeitige und
ts wachſende ſind.
Uebrigens fehlts auch bei uns nicht an Hader und
treit, wenngleich er ſich in engeren Grenzen hält und nur
ſtimmte Schichten berührt. Wieder einmal ſteht die
Frauenfrage im Mittelpunkt mancher Erörterungen,
e ſich aus Vereinen und Verſammlungen auch in die
effentlichkeit gedrängt haben und von dem Wogenſchlag
fftiger Meinungsäußerungen begleitet ſind. Das be=
ihmte
Karnickel, das angefangen hat beſteht in einem
ufruf, der zum Beitritt eines in Weimar begründeten
Deutſchen Bundes zur Bekämpfung der Frauenemanzipa=
on
auffordert und der nicht nur bei vielen tüchtigen und
cebſamen Frauen, ſondern auch ſeitens einer beträchtlichen
ahl hervorragender Männer warme Zuſtimmung fand.
ies brachte natürlich die Galle der leidenſchaftlichen
rauenrechtlerinnen in heftige Bewegung, und es hagelt
ur ſo von Angriffen und Erwiderungen, die ſich nicht ge=
ide
durch einen allzu höflichen Ton und durch ſachliche
ritik auszeichnen. Hier iſt nicht der Platz, ſich in dieſe
ſtreitigkeiten einzumiſchen; es ſei nur bemerkt, daß jener
bige Bund ſich bloß gegen die Auswüchſe der mo=
ernen
Frauenbewegung richtet und die altüber=
eferte
, würdige Stellung von Haus und Familie gewahrt
iſſen will, ſoweit dies die allgemeinen Lebensbedingungen
er verſchiedenen Berufsklaſſen geſtatten. Wo könnte man
ſſer jene Auswüchſe beobachten, als in dem Berlin un
rer Tage, beſonders in den neuen weſtlichen Stadtteilen,
eren Hauptſtraßen zu verſchiedenen Tagesſtunden den
chauplatz eines merkwürdigen Karnevalsgetriebes ab=
eben
, das für den unbeteiligten Zuſchauer auf der einen
beite ja recht ergötzlich iſt auf der anderen aber Allen, die
ch mit der Zukunſt der ſogenannten gebildeteren Stände
nſerer Bevölkerung beſchäftigen, doch ſehr ernſte Beſorg=
iſſe
einflößt. Wie muß es um die Erziehung und Aufſicht
er heranwachſenden Jugend in jenen Geſellſchaftskreiſen
eſtellt ſein und welche Schlüſſe laſſen ſich auf die morali=
chen
Eigenſchaften der Eltern ziehen, wenn man ſieht, wie
ieſe zwölf= bis ſechzehnjährigen, affenartig aufgeputzten
Fräulein und Herrlein umherflanieren und in aller Oeffent=
ichkeit
ihrer Abenteuerluſt nachgehen. Und das iſt nur die
ine Seite der Medaille, auf die andere einzugehen, muß
nan ſich aus verſchiedenen Gründen verſagen.
Bei der Beobachtung dieſes Zerrbildes aus un=
erer
ſonſt ſo ernſt ſtrebenden und mit unermüdlichem
leiße vorwärtsdrängenden Gegenwart hat man wenig=
iens
den Troſt, daß ähnliche Klagen ſchon früher vernon=
nen
wurden, und daß trotzdem keine Hemmniſſe des all=
zemeinen
Fortſchrittes eintraten, was natürlich den Chro=
tiſten
nicht veranlaſſen darf, achtlos daran vorüberzugehen.
Ein hartes, gewiß aber gerechtfertigtes Urteil des betagten
Friedrich des Großen über ſeine lieben Ber
iner finden wir in dem ſoeben erſchienenen neueſten

Dande ſeiner Poliſchen Koreſpondenz., in der es in
einem Briefe von den Bewohnern ſeiner Haupt= und Re=
ſidenzſtadt
an der Spree wörtlich heißt: Sie ſind Tröpfe
ohne Geſchmack und ohne Herz. Wollen ſie ſich unterhal=
ten
, ſo bedarf es einer Laterna Magica, oder es müſſen
Platiduden ſein. Sie wiſſen nicht, was ſchön iſt, haben
kein Gefühl für die Verſe Racines, und ein Hanswurſt, der
ihnen ſeine Rückſeite zeigt, iſt nach ihrem Urteil herrlicher
als die Aeneis und die Henriade‟ Der König ſah als den
Grund dieſer allgemeinen Verwilderung die bisherige
ſchlechte Erziehung der Jugend an, blickte aber doch be=
ruhigt
in die Zukunft ſeines Volkes, indem er ſeinen Brief
ſchloß: Mein Alter wird mich daran verhindern, Zeuge
des glücklichen Wandels zu ſein; denn nicht das Werk eines
Tages iſt es, eine Nation geſittet zu machen
Die Geſittung einer Nation ſoll ſich ja auch, wie es ſo
manche Kunſtgelehrte in gründlichſter Weiſe dargelegt, in
ihren Bauwerken zeigen. Daraus mag ſich der heftige,
immer wieder entflammte Streit um den Neubau un=
ſeres
Opernhauſes erklären, der bald ſeinen Ab=
ſchluß
finden dürfte durch das ſoeben veröffentlichte neue
engere Preisausſchreiben. Man darf wohl heute ſchon an=
nehmen
, daß der zur Ausführung gelangende Entwurf im
großen und ganzen im Schinkelſchen Geiſte gehalten ſein
wird, wie man überhaupt jetzt wieder mehr und mehr, auch
bei vornehmeren privaten Bauten, auf das Vorbild des
großen Meiſters der Architektur zurückgreift, der mit dem
von ihm begeiſtert vertretenen klaſſiſchen Stil unſerer Stadt
ſeinen unvergänglichen Stempel aufgeprägt hat und ihr
dadurch vor anderen Weltſtädten eine beſondere Charak=
teriſtik
gab. Auch Schinkel war es nicht leicht gemacht
worden, ſeinen Ideen die eindrucksvolle Geſtaltung durch
die Tat zu verſchaffen, und es ſind grad’ hundert Jahre
har, daß er nach recht vielen Enttäuſchungen, die ihn oft
gezwungen, ſich dekorativen Arbeiten zu widmen, die erſten
erfolgverheißenden und lohnenden Aufträge erhielt. Un=
ermüdlich
tätig, nicht nur in ſeinem eigentlichen Fache,
ſondern auch als Maler, von höchſter geiſtiger Regſamkeit
und Friſche, übte er auch als Menſch einen beſonderen
Zauber aus. Als Schinkel mit Rauch und Friedrich Tieck
in Weimar bei Goethe weilte, ſchrieb letzterer: Eine leb=
hafte
, ja leidenſchaftliche Kunſtunterhaltung ergab ſich, und
ich durfte dieſe Tage unter die ſchönſten des Jahres rech=
nen
und ſehr treffend ſchilderte ihn Franz Kugler: Weni=
gen
Menſchen war ſo, wie ihm, das Gepräge des Geiſtes
aufgedrückt. Was in ſeiner Erſcheinung anzog und auf
wunderbare Weiſe feſſelte, darf man nicht eben als eine
Mitgift der Natur bezeichnen. Schinkel war kein ſchöner
Mann, aber der Geiſt der Schönheit, der in ihm lebte, war
ſo mächtig und trat ſo lebendig nach außen, daß man die=
ſen
Widerſpruch erſt bemerkte, wenn man ſeine Erſcheinung
mit kalter Beſonnenheit zergliederte. In ſeinen Beweg=
ungen
war ein Adel und ein Gleichmaß, um ſeinen Mund
ein Lächeln, auf ſeiner Stirn eine Klarheit, in ſeinem Auge
eine Tiefe und ein Feuer, daß man ſich ſchon durch ſeine
bloße Erſcheinung zu ihm hingezogen fühlte. Noch größer
aber war die Gewalt ſeines Wortes, wenn das, was ihn
innerlich beſchäftigte, unwillkürlich und unvorbereitet auf
ſeine Lippen trat
Schinkels eindrucksvollſtes Werk in Berlin iſt das
Alte Muſeum deſſen Bau vier Jahre währte und etwa
zwei Millionen Mark koſtete. Dieſe Summe erſchien den
damaligen Berlinern als heidenmäßig viel Geld und es
ſehlte nicht an Erkundigungen an den entſprechenden Stel=
len
, ob man denn auch wirklich ſparſam gewirtſchaftet und
nicht planlos zu viel verausgabt hätte! Oh, über dieſe be=
ſcheidenen
und hausväterlichen Leutchen, denen die altpreu=
ßiſche
Sparſamkeit ſo recht in den Knochen ſaß und die
jeden Taler dreimal umdrehten, ehe ſie ihn ausgaben. Was
würden ſie ſagen zu der netten, runden Million
Mark, die unſere Muſeumsverwaltung für ein einziges
Bild des Hugovan der Goes, die Anbetung der hei=
ligen
drei Könige ſchildernd, ausgegeben. Bloß, daß man
dies koſtbare‟ Gemälde, das man bereits vor zwei Jahren
erſtanden und für welches der Betrag ſogleich in einer
Bank hinterlegt werden mußte, noch immer nicht nach
Berlin bekommen konnte. Wie man weiß, widerſetzt ſich die
ſpaniſche Regierung der Auslieferung des Werkes, und das
die Oeffentlichkeit jetzt wieder beſchäftigende Hin= und Her=
gezerre
iſt nicht allzu erfreulicher Natur. Gewiß iſt der
Kauf jener ſo viel umſtrittenen Altartafel des niederlän=
diſchen
Malers ſeitens unſerer Muſeumsleitung durchaus
rechtsgültig abgeſchloſſen worden, aber es erheben ſich auch
jetzt wieder Stimmen, die nicht mit ihrer Verwunderung
über den gar zu hohen Kaufpreis zurückhalten und betonen,
daß, da ja der genannte Künſtler ſchon mit einem vorzüg=
lichen
Werk in unſerem Kaiſer Friedrich=Muſeum vertreten
iſt, jene Million vielleicht doch noch eine zweckentſprechen=
dere
Verwendung hätte finden können.

Natütrlich fſimmen dieſer Anſicht in erſer Zinie un=
ſere
Künſtler zu, denen ſchon beim bloßen Nennen
jenes hohen Betrages das Waſſer im Mund zuſammen=
läuft
und die flugs berechnen, wieviele neue Gemälde und
Bildwerke dafür vom Staat hätten angekauft werden kön=
nen
. Und man kann ihnen gar nicht ſo unrecht geben und
verſteht durchaus ihren Verdruß, der ſich ſelbſtverſtändlich
nicht gegen ihre berühmten Kollegen von Anno Toback
richtet, denen es damals wahrſcheinlich ebenſo ſchlecht er=
gangen
, wie ſo vielen von ihnen heute, ſondern gegen jene,
welche auf das bereitwilligſte manch aus vergangener Zeit
ſtammendes Bild weit über ſeinen Wert bezahlen. Auch
mit anderen Angelegenheiten haben ſich unſere hieſigen
Künſtler noch zu beſchäftigen und zwar mit der Ausgeſtal=
tung
der nächſtjährigen Großen Kunſtausſtellung,
der man aus Anlaß des Regierungsjubiläums des Kaiſ=
einen
beſonderen Inhalt und dadurch eine beſondere
deutung geben möchte. Leider ſchallt in die bereits emſig
betriebenen Vorbereitungen ein häßlicher Streit hinein, da
die Einladung der Ausſtellungsleitung, ſich korporativ an
der Ausſtellung zu beteiligen, von der Berliner Se=
zeſſion
und deren auswärtigen Anhang abgelehnt
wurde. Denn die Sezeſſion mußte von vornherein wiſſen,
daß ihre Bedingung einer Abänderung der Ausſtellungs=
ſtatuten
, durch welche ihr eine Teilnahme an der Leitung
der Ausſtellung ſelbſt zugeſtanden werden ſollte, nicht durch=
führbar
war. Der Zwiſt iſt ſehr zu bedauern, da es end=
lich
möglich geweſen wäre, eine umfaſſende Ueberſicht der
neueren Kunſtſtrömungen in einer Auswahl ihrer beſten
Erſcheinungen zu geben. Den Hauptſchaden wird ja wie=
der
die Sezeſſion tragen, deren Führer durch ein engher
ziges Feſthalten am Parteiſtandpunkt den zu ihrer Fahne
ſchwörenden Künſtlern ſchon mehrfach recht erheblichen
materiellen Schaden zugefügt. Auch wieder durch das von
uns kürzlich erwähnte Zerwürfnis mit der Städtiſchen
Kunſtdeputation, dies glatt abgelehnt hat, die Forderung
der Sezeſſion zu erfüllen, ohne ihren Vorſitzenden, Bürger
meiſter Dr. Reicke, die Auswahl der anzukaufenden Bilder
zu treffen. So werden wohl nun die dafür ausgeſetzten
ſechstauſend Mark anderen Kunſtzwecken zugute kommen.
Ruhiger und verſöhnlicher, als man’s zuerſt gedacht,
klang der Wedekind=Zyklus aus, deſſen Veranſtalt=
ung
im Deutſchen Theater der Dichter mit Hilfe
ſeiner opferwilligen Freunde unternommen hatte. Mit
ſeinem ganzen Verlauf kann Wedekind ſehr zufrieden ſein,
dank der Begeiſterung ſeiner anhänglichen und ausdauern=
den
Gemeinde, die innerhalb des Theaterſaales kein geger
teiliges Urteil aufkommen ließ. Irgendwelche Ueberraſch=
ungen
brachten uns die Spiele nicht, vermochten auch nicht
den vom Dichter beabſichtigten Eindruck, daß ſeine Dramen
nur in ihrer Zuſammengehörigkeit das rechte Verſtändnis
finden können, bei den objektiven Zuſchauern hervorzurufen.
Aber ſie zeigten uns doch in ihrer wenn auch loſen Einheit=
lichkeit
den ſcharfen Beobachter unſerer Zeit, der umter
ſeinen Brennſpiegel leider nur die Auswüchſe derſelden
nimmt und daraus allgemeine Schlüſſe zieht, die wohl ob
aller Geiſtreicheleien und Witzeleien verblüffen, aber doch
nun und nimmer richtig ſind. Viel Feſſelndes boten uns
dieſe Abende dar, daneben auch viel Abſtoßendes, und bei
ruhiger Wägung behält letzteres die Oberhand. Was aber
nicht verhindert, dem ſcharfen Satiriker ehrliche Achtung zu
zollen, verknüpft mit der Hoffnung, ihn bald auf einem
Wege zu ſehen, der uns eine willige Gefolgſchaft ermöglicht.

Sport.

* Radrennen. Der Große Deutſche Steher=
Preis wurde nach zweimaliger Verlegung auf der Kr
ner Radrennbahn vor zirka 9000 Zuſchauern bei gutem
Wetter entſchieden. Von den vier Startern um das Stun=
denrennen
, Günther, Guignard, Linart und Stellbrink,
nahm der Franzoſe ſofort die Spitze vor Günther, Linart
und Stellbrink. Während Linart und Stellbrink bereits beim
4. reſp. 25. Kilometer infolge von Raddefekten und Motog=
ſchäden
zurückfielen, erlit tder ausgezeichnete die Spitze l
hauptende Guignard beim 56. Klm. Motorſchaden, ſodaß der
dicht auf folgende Günther die Spitze und damit das Nen=
nen
gewinnt. Günther legte 79,960 Kilometer zurück.
Zweiter wurde Guignard mit 77,460 Kilometer, Dritter
Linart mit 76,770 Kilometer und Vierter Stellbrink mit
67,565 Kilometer.
* Lawn=Tennis. Bei dem Internationalen
Tennis=Turnier in Stuttgart gewann Mül=
ler
die Meiſterſchaften von Stuttgart und Württemberg
im Herren=Einzelſpiel, während die Meiſterſchaft von
Stuttgart im Damen=Einzelſpiel an Frl. Marum= Mann=
heim
fiel.

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Nummer 145

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Juni 1912.

Seite 29.

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vor dem Neuen Palais ſtatt=
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1. Oberſt Beckmann. Marſch
von P. Georgy. 2. Ouverture zur
Oper Pique Dame von F. von
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berger
Walzer aus der gleich=
namigen
Poſſe von A. Siems.
4. Goldähren. Intermezzo von
V. Grey. 5. Angereihte Stücke aus
der Oper Der Freiſchütz von C.
M. v. Weber. 6. Mit Sieges=
palmen
Marſch von L. Blancken=
burg
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Sonntag, den 23. Inni
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Unterwelt von Jac. Offenbach.
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4. Wir präſentieren Erſter Preis=
marſch
der Zeitſchrift Woche von
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Linke. Die kleine Barmaid.
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[ ][  ][ ]

Soite 30.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Juni 1912.

Nummer 145.

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[ ][  ][ ]

Seite 31.

Nachrichten des;Standesamts Darmſtadt I.

öffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
5"Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 18. Inni: Dem Hilfsarbeiter Valen=
Metz, Soderſtraße 62, eine T. Käthchen. Am 17.:
n Schmed Heinrich Albin Geyer, Kirſchenallee 7,
e T. Eliſabeth. Dem Lackierer Konrad Weygandt,
inrichſtraße 101, ein S. Friedrich Johann Philipp. Am
: dem Bäckermeiſter Peter Vogel, Liebfrauen=
rße
60, ein S. Jakob. Dem Bierbrauer Johann Wil=
m
Lang, Neue Ireneſtraße 6, ein S. Adam. Am 19.:
n Metalldreher Jakob Karl Lenges, Pankratius=
rße
44, eine T. Anna Maria. Dem Fuhrmann Philipp
Eiſenhauer, Lichtenbergſtraße 78, eine T. Maria Mar=
ceta
. Am 15.: dem Heizer Jakob Geßwein, Magda=
renſtraße
9, ein S. Ernſt Ludwig. Am 16.: Ein unehe=
zer
Sohn Willi. Am 18.: dem Möbeltrausporteur
ter Winkel, Obergaſſe 44, eine T. Luiſe Margarete.
m Kaufmann Heinrich Stähle, Neue Ireneſtraße 71,
e T. Ilſe Klara. Dem Poſtboten Ludwig Philipp
Dietz, Heinheimerſtraße 23, eine T. Maria Eliſe. Am
dem Gärtner Heinrich Trayſer, Fuhrmannſtraße 8,
S. Gottlob. Am 14.: dem Wachtmeiſter im Leib=
agoner
=Regiment Nr. 24 Hermann Ludwig Schmidt,
lzhofallee 25, eine T. Erna Katharina Lina.
Aufgebotene. Am 18. Juni: Buchdrucker Johann
rl Rudolph, Waldſtraße 23, mit Bertha Baßler,
esbergſtraße 62. Am 19.: Schloſſer Otto Paul Kindler,
iesheimer Weg 11, mit Maria Helena Haag, Frank=
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a. M. Eiſenbahngehilfe Wilhelm Heinrich Eduard
Kowatz, Hagen, mit Büfettfräulein Anna Margarete
Dick, Hagen. Kaufmann Karl Gottfried Letzerich,
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Geſtorbene. Am 17. Juni: Metzger Johann Philipp
Heiſt, 44 J., ev., Lauteſchlägerſtraße 8. Näherin Laura
Harmuth, 51 J., ev., Sandbach. Am 18.: Marie Röder,
b. Eckert, Ehefrau des Gaſtwirts, 33 J., ev., Schwan=
im
. Barbara Eckhardt, geb. Kühn, Ehefrau des
hneidermeiſters, 70 J., kath., Rheinſtraße 41. Tiefhau=
itsarbeiter
Johann Heinrich Schuchmann, 74 J., ev.,
dolf=Spieß=Straße 23. Obſthändler Johannes Lang,
J., ev., Große Bachgaſſe 10. Am 19.: Agent Emil
tdwig Walter, 67 J., ev., Pallaswieſenſtraße 41. Chri=
na
Repp, geb. Pritſch, Witwe des Taglöhners, 69 J.,
Beckſtraße 83. Am 20.: Karoline Karn, geb. Rechel,
itwe des Mühlenbeſitzers, 83 J., ev., Bismarckſtraße 66.
m 19.: Margarethe Kratſch, geb. Bohlen, Ehefrau
s Reſtaurateurs, 51 J., kath., Lauteſchlägerſtraße
n 11.: Schreinermeiſter Konrad Menz, 79 J., ev.,
roße Kaplaneigaſſe 60. Am 19.: Johanna Magdalene
Euler, geb. Fritz, Witwe des Maſchinenbauers, 66 J.,
Liebfrauenſtraße 56. Am 20.: Gartenarbeiter Fried=
h
Becker, 71 J., ev., Wingertsgäßchen 1.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt II.

eöffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 6. Juni: Dem Buchdruckermeiſter
eorg Bender, Beſſunger Straße 49, ein S. Georg Her=
ann
Guſtav. Am 5.: dem Buchdrucker Adam Leißler,
eſſunger Straße 74, ein S. Hans Adam. Am 14.: dem
uhrmann Friedrich Ludwig, Niederſtraße 15, eine T.
karia Johanna. Am 7.: dem Bureauvorſteher Joſeph
Kobiella, Karlſtraße 58, ein S. Wolfgang. Am 13.: dem
kaurer Joh. Chriſt, Weinbergſtraße 6b, ein S. Karl.
m 19.: dem Weißbinder Johann Adam Geyer, Nieder=
raße
7, ein S. Jakob.
Aufgebotene. Am 8. Juni: Betriebsingenieur Heinr.
ermann Schminke zu Biskupitz (Oberſchleſien) und
rieda Johanna Duesberg, Heerdweg 41a. Am 11.:
aufmann Auguſt Steiger, Weinbergſtr. 12, und Eliſ.
ouiſe Seelbach, Kiesbergſtraße 7. Am 12.: Kutſcher
tto Creter, Seeſtraße 3, und Philomena Wenniſch,
eeſtraße 2. Telegraphenaſſiſtent Otto Friedrich Andreas
Kleſpe zu Düſſeldorf und Karoline Louiſe Marie
mma Dingeldei, Schießhausſtraße 22. Am 18.: Schloſ=
r
Heinrich Kiefer, Niederſtraße 21, und Eliſab. Hel=
rt
, Forſtmeiſterſtraße 4.
Eheſchließungen. Am 8. Juni: Schloſſer Jak. San=
erbeck
, Ludwigshöhſtraße 10, und Louiſe Kath. Wider=
hein
, Weinbergſtr. 16. Am 15.: Glaſer Heinr. Schom=
urg
, Ludwigshöhſtraße 60, und Anna Karoline Geule,
iesbergſtraße 6. Hilfsarbeiter Wilhelm Philipp Kniß,
eerdweg 39, und Luiſe Marie Geyer, daſelbſt.
Geſtorbene. Am 8. Juni: Pfarrer i. P. Julius
Happel, 68 Jahre, ev., Grünerweg 34. Am 13.: Heizer
ranz Faver Winterhalter, 35 Jahre, kath., Paulus=
latz
1. Am 14.: Schreinermeiſter Hugo Oswald Herr=
lann
, 59 Jahre, ev., Frankenſteinſtr. 49. Anna Hilde=
rand
geb. Habich, Ehefrau des Eiſenbahndirektors a. D.,
4 Jahre, ev., Grünerweg 33.

Kirchliche Anzeigen.

Evangeliſche Gemeinden.
3. Sonntag nach Trinitatis, den 23. Juni 1912
Hofkirche: Sonntag, den 23. Juni. Vormittags

10 Uhr: Haupt=Gottesdienſt. Mittwoch, den 26. Juni,
abends um 6 Uhr: Andacht.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Velte.
Vormittags um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer
Velte.
Stadtkapelle: Vorm. um 9½ Uhr: Pfarrer Beringer.
Vormittags um 11 Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer
Kleberger. Nachmittags 6 Uhr: Pfarrer Kleberger.
Im Feierabend (Stiftſtr. 51): Sonntag, den
23. Juni, vormittags um 11 Uhr: Chriſtenlehre für den
Oſt bezirk (Knaben und Mädchen). Pfarrer Vogel.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Vormittags 8 Uhr
Mil.=Hilfsgeiſtl. Twele. Vormittags 10½ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
, Steinſtr. 24 (Muſikſaal).
Johanneskirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarraſſiſtent
Lautenſchläger. Vorm.um 11¼ Uhr: Kindergottes=
dienſt
.
Martinskirche: Vormittags um 10 Uhr: Pfarraſſiſtent
Müller. Kollekte für den Umbau der evangeliſchen
Kirche in Framersheim. Vorm. 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
für den Weſt bezirk. Pfarrer D. Waitz.
Nachm. um 4 Uhr: Bibelſtunde im Martinsſtift. Pfarrer
Veller.
Eliſabethenſtiſt: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarrer Hickel. Vorm. um 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde): Vorm. um 10 Uhr:
Pfarraſſiſtent Flöel. Um 11¼ Uhr: Kinder= Gottes=
dienſt
. Pfarraſſiſtent Flöel.
Pauluskirche: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt.
Pfarrer Rückert. Vormittags um 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Pfarrer Rückert.
Lutheriſcher Gottesdienſt. (Selbſtändige evang.=lutheriſche
Kirche.) Am 3. Trinitatis=Sonntag, den 23. Juni, nach=
mittags
um 5 Uhr, im Feierabend, Stiftſtraße 51:
Pfarrer Müller.
Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 23. Juni,
vormittags um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Nach=
mittags
um 4 Uhr: Bibelſtunde. Abends um 8½ Uhr:
Evangeliſation. Montag, den 24. Juni, abends um
8½ Uhr: Frauen=Bibelſtunde. Dienstag, den 25. Juni,
abends um 8½ Uhr: Jungfrauen=Bibelſtunde und Blau=
kreuzſtunde
. Mittwoch, den 26. Juni, nachmittags von
2 bis 3 Uhr: Hoffnungsbund für Knaben. Von 3 bis
4 Uhr: Hoffnungsbund für Mädchen. Abends um 8½
Uhr: Uebung des gemiſchten Chors. Donnerstag, den
27. Inni, abends um 8½ Uhr: Bibelſtunde. Freitag,
den 28. Juni, abends um 8 Uhr: Sonntagsſchulvorbereit=
ung
. Abends um 8½ Uhr: Bibelbeſprechſtunde für
Männer und Jünglinge. Samstag, den 29. Juni,
abends um 9 Uhr: Verſammlung für Beamte der Poſt,
Eiſenbahn, Polizei, Gendarmerie u. dgl. Filiale der
Stadtmiſſion (Beſſungerſtraße 88, Hinterbau): Sonn=
tag
, den 23. Juni, vormittags um 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Nachm. 3 Uhr: Jugendbund für Jüng=
linge
, nachm. 4½ Uhr: Jugendbund für Jungfrauen.
Freitag, den 28. Juni, abends um 8½ Uhr: Bibelſtunde
Gottesdienſt der Renapoſtoliſchen Gemeinde (Neue Nieder=
ſtraße
13): Sonntag, nachmittags um 4 Uhr. Mitt=
woch
, abends um 5½ Uhr.
Methodiſtengemeinde (Taunusſtraße 53): Sonntag
den 23. Juni, nachmittags um ¾3 Uhr: Sonntagsſchule
(Kindergottesdienſt). Um 4 Uhr: Predigt. Prediger
Eckert aus Offenbach. Freitag, den 28. Juni, abends
um ½9 Uhr: Bibel= und Gebetſtunde. Jedermann herz=
lich
willkommen.

Katholiſche Gemeinden
St. Ludwigskirche: Samstag, den 22. Juni, nach=
mittags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur heil. Beichte.
4. Sonntag nach Pfingſten, den 23. Juni 1912
Kollekte für den St. Martinusverein.
Vorm. von ½6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um 6 Uhr: erſte hl. Meſſe. Um 7 Uhr: Austeilung
der hl. Kommunion. Um 8 Uhr: Militärgottesdienſt
mit Predigt. Um ½10 Uhr: Hochamt mit Predigt.
Um 11 Uhr: Akademiſcher Gottesdienſt. Nachm. um
3 Uhr: Katechetiſche Predigt und Herz=Jeſu=Andacht.
Kapelle der Warmherzigen Schweſtern: Sonntag, vormit=
tags
um ½7 Uhr: hl. Meſſe. Nachmittags um 4 Uhr:
Verſammlung im Mädchenheim. Um 4 Uhr: Vortrag
für die Jugendabteilung der Jungfrauen=Kongregation.
Um ½5 Uhr: Verſammlung dieſer Kongregation.
Um 6 Uhr: Aloyſianiſche Andacht.
Kapelle der Engliſchen Fräuſein: Sonntag, vormittags
um 7 Uhr: heil. Meſſe.
Kapelle in Griesheim: Sonntag, vorm. um 9 Uhr:
hl. Meſſe mit Predigt.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 22. Juni, nachmit=
tags
um ½5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit
zur heil. Beichte.
Sonntag, den 23. Juni 1912
Vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um ½7 Uhr: Frühmeſſe. Um 8 Uhr: hl. Meſſe mit
Predigt und Generalkommunion der Erſtkommunikanten.
Um ½10 Uhr: Hochamt und Predigt. Nachmittags
um 2 Uhr: Andacht.
St. Martiuskapelle zu Beſſungen: Samstag, den
22. Juni, nachmittags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr:
Gelegenheit zur heil. Beichte.

4. Sonntag nach Pfingſten, den 23. Juni 1912
Feſt des hl. Johannes des Täufers.
Vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um ½7 Uhr: heil. Meſſe. Um ½9 Uhr: Hochamt
mit Predigt. Nachm. um ½3 Uhr: Andacht zu Ehren
des hl. Aloyſius. Bibliothek (Herdweg 28): Dienstag,
nachmittags von 6 bis 7 Uhr.
Kirche zu Eberſtadt: Samstag, den 22. Juni, nachm.
um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Beichtgelegenheit.
4. Sonntag nach Pfingſten, den 23. Juni 1912
Vorm. um ½ 6 Uhr: Beichtgelegenheit. Um
Uhr: Austeilung der hl. Kommumion. Um ¼10 Uhr:
Hochamt und Predigt. Nachmittags um ½2 Uhr:
Chriſtenlehre. Um 2 Uhr: Andacht. Um 5 Uhr:
Andacht. Werktags, vormittags um ¾7 Uhr: Singmeſſe.
In der Provinzial=Pflegeanſtalt bei
Eberſtadt: Sonntag, den 23. Juni, vormittags um
8 Uhr: hl. Meſſe und Predigt.
Kapelle zu Pſungſtadt: 4. Sonntag nach Pfingſten,
den 23. Juni, vorm. um 7 Uhr: Beichte und um ½ 8 Uhr.
Amt und Predigt. Nachmittags um 4 Uhr: Andacht.
Montag, nachm. um ½5 Uhr: Andacht.

Getaufte, Getraute und Beerdigte.

Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 16. Juni: Dem Laternenwärter
Adam Brunner S. Adam, geb. 28. Mai. Dem Tag=
löhner
Martin Keil S. Ernſt Ludwig, geb. 30. Mai.
Dem Hausburſchen Hermann Merz T. Maria Franziska,
geb. 23. April. Dem Schneidermeiſter Ludwig Oehlen=
ſchläger
T. Wilhelmine Luiſe, geb. 17. Mai. Dem Aſſiſtent
an der Techn. Hochſchule Dr. Walter Schaeffer S. Rolf
Friedrich Walter, geb. 13. Mai.
Johannesgemeinde: 16. Juni: Dem Fabrik=
arbeiter
Adam Merz T. Minna Marie, geb. 14. Mai.
Dem Heizer Philipp Opper T. Anna Marie, geb. 31. Mai.
Dem Kaufmann Philipp Steinmetz T. Luiſe Margarete,
geb. 1. Juni. Ein unehel. S. Fritz Rudolf, geb. 9. April.
Martinsgemeinde: 16. Juni: Dem Inſtallateur
Valentin Knapp T. Emilie, geb. 17. April. Dem Schrift=
ſetzer
Johann Georg Weimer S. Karl Ernſt, geb. 26. Mai.
Dem Schloſſer Emil Storck T. Albertine Ottilie, geb.
11. Juni. 12. Juni: Dem Schreiner Johannes Fauſt
T. Hedwig, geb. 17. Januar.
Petrusgemeinde: 16. Juni: Dem Schloſſer Georg
Späth S. Georg, geb. 9. April. Dem Kaufmann Hermann
Meinert T. Johanna Maria, geb. 2. Juni. Dem Kutſcher
Karl Weimer T. Martha, geb. 25. Mai. Dem Schreiner
Heinrich Geriſch T. Anna Margaretha, geb. 18. Mai.
Dem Schneider Nikolaus Muhn S. Georg Bernhard,
geb. 27. März. Dem Taglöhner Johannes Reuter T.
Maria, geb. 17. Mai. 17. Juni: Dem Lokomotivheizer
Johannes Lotter T. Erna Lina, geb. 1. Juni.
Paulusgemeinde: 6. Juni: Dem Hausburſchen
Franz Keil S. Hans, geb. 7. März. 16. Juni: Dem
Bankvorſteher Ferdinand v. Olberg T. Dagmar Agnes
Emilie Margot, geb. 15. Nov.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 18. Juni: Finanzaſpirant Wilh,
Eduard Beyſel und Charlotte Sidonie Fritzſching.
Johannesgemeinde: 15. Juni: Schmiedgeſelle
Johannes Ramge von hier und Margarete Bingel von
Höchſt i. O. 20. Juni: Magiſtrats=Oberaſſiſtent Ferd.
Rödiger in Hanau und Magdalene Brenner von hier.
Martinsgemeinde: 15. Juni: Brauer Joſef
Decker und Anna Schäfer, beide hier. 16. Juni: Kaufmann
Heinrich Louis Carl und Luiſe Auguſte Emilie Franziska
Kreis.
Paulusgemeinde: 16. Juni: Glaſer Heinrich
Schomburg und Anna Caroline Geule. Hilfsarbeiter
Wilhelm Philipp Kniß und Luiſe Marie Geyer.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 13. Juni: Katharine Siefert,
geb. Präger, Witwe des Bergmanns, 62 J., ſtarb 11. Juni.
15. Juni: Anna Heim, 76 J., ſtarb 12. Juni zu Eberſtadt.
17. Juni: Paula Trietſch, geb. Jung, Ehefrau des Metzger=
meiſters
, 41 J., ſtarb 15. Juni. 19. Juni: Anna Marg.
Wenz, geb. Steinius, Witwe des Hauptſteueramtsdieners,
83 J., ſtarb 16. Juni zu Frankfurt a. M. 16. Juni:
Privatin Natalie Eberhardt, 75 J., ſtarb 13. Juni. 17. Juni:
Privatier Jakob Schwarz, 70 J., ſtarb 14. Juni.
Johannesgemeinde: 8. Juni: Schmied Georg
Edelmann, 24 J., ſtarb 5. Juni. 19. Juni: Lina Seim,
geb. Fritz, Witwe des Privatiers, 65 J., ſtarb 16. Juni.
21. Juni: Poſtbote Andreas Schmidt, 32 J., ſtarb 19. Juni.
Martinsgemeinde: 19. Juni: Eliſabeth Köth,
Ehefrau des Bankkaſſierers, 27 J., ſtarb 16. Juni. 20. Juni:
Metzger Philipp Heiſt, 44 J., ſtarb 18. Juni.
Petrusgemeinde: 16. Juni: Schreiner Hugo
Oswald Herrmann, 60 J., ſtarb 14. Juni.
Paulusgemeinde: 5. Juni: Kaufmann Wilhelm
Chriſtian Wagner, 66 J., ſtarb 3. Juni. (Einſegnung.)
8. Juni: Der Bankbeamte i. P. Richard Bierbaum, 71 J.,
ſtarb 5. Juni. Der Kaiſerl. Poſtdirektor i. P. Ernſt
Berger, 82 J., ſtarb 6. Juni. 11. Juni: Der Pfarrer i. P.
Julius Happel, 69 J., ſtarb 8. Juni. 16. Juni: Anna
Hildebrand, geb. Habich, Ehefrau des Eiſenbahndirek=
tors
i. P., 74 J., ſtarb 14. Juni. (Einſegnung.)

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2a

Seite 32.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 22. Juni 1912.

Nummer 145,

mnannunnnnunnnan

Ger Fosmurtenwoche

Ihrer Königlichen Hoheit der Grossherzogin von Hessen und bei Rhein
hatten viele Tausende von Menschen, worunter sich sicher Hunderte von Brautpaaren befanden, auf dem Wege nach dem Festplatz Gelegen-
heit
, unsere 6 Schaufenster zu bewundern.
Das Gebotene erregte allgemeines Aufsehen. Mit Recht ist man erstaunt, was heute durch vorteilhafte Ausnutzung der Spezial-
fabriken
in der Einrichtungsbranche geliefert werden kann, Man sah, mit welchem grossen Interesse die vorzügliche Qualität, die vollendete
Formenschönheit und trotzdem die verblüffende Preiswürdigkeit unserer Möbel allgemein besprochen und bewundert wurde. Dieses Interesse
ist begreiflich, wenn man bedenkt, dass es sich bei Anschaffung einer Wohnungseinrichtung immerhin um eine grössere Ausgabe handelt. Auch
vermögende Leute nützen bei den jetzigen Zeitverhältnissen gerne einen gebotenen Vorteil aus.
Unser reelles Prinzip, Qualität, Formenschönheit und rascher Umsatz, ermöglichte billige Preise, finden immer mehr Beachtung und
ist die Ursache unseres stets steigenden Umsatzes. Ausser unseren grossen Ausstellungen kompletter Einrichtungen in den Preislagen von
Mk. 1200., 1700., 2350., 3000. u. s. w. wird unsere Sonderausstellung für elegante Wohnungs-Einrichtungen im Hause Reuling
(Rheinstrasse 41) sehr stark besucht. Niemand kauft heute eine Einrichtung, ohne unsere Sonderausstellung besichtigt zu haben. Allgemeinen
Beifall finden die hübschen Arrangements, die vorteilhafte und harmonische Zusammenstellung von Teppichen und Dekorationen. Insbesondere
aber erregt die auffallende Preiswürdigkeit trotz der vorzüglichen Qualität allgemeines Aufsehen.

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unverbindliche Besichtigung höflichst gebeten wird.
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