Inſerate
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175. Jahrgang
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verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.
Haldanes Rücktritt.
— Für die deutſch=engliſchen Beziehungen iſt die
Nachricht von dem Rücktritt des engliſchen
Kriegsmini=
ſters, die ſoeben bekannt wird, von großer Bedeutung
gerade in dem Augenblick, wo ſich der Wechſel auf dem
deutſchen Botſchafterpoſten in London vollzogen hat.
Lord Haldane, deſſen inoffizielle politiſche Tätigkeit
in den letzten Monaten die öffentliche Meinung diesſeits
und jenſeits des Kanals ſo hervorragend beſchäftigt hat,
wird, wie gemeldet, an Stelle des aus
Geſundheitsrück=
ſichten zurücktretenden Lord Loreburn
Großſiegel=
bewahrer der Krone und Lordgroßkanzler.
Dieſe beiden Aemter, die in der Hand eines Mannes
lliegen, gehören zu den höchſten, die die engliſche
Regie=
rung zu vergeben hat, ſie ſind aber faſt ausſchließlich
repräſentativen Charakters und bieten weder einen
direk=
ten Einfluß, noch eine direkte Beteiligung an den
Ge=
ſchäften des Kabinetts. Der Lordgroßkanzler hat kein
Reſſort, ſteht auch nicht in Reih und Glied mit den
Mi=
niſtern des Kabinetts, obwohl er zur Regierung gehört,
er nimmt eine Art Reſpektsſtellung ein, die indeſſen unter
Umſtänden einer Kaltſtellung ſehr ähnlich ſieht. Das
Amt wird meiſtens an alte und verdiente Politiker
ver=
geben, kommt alſo einem ruhmvollen Ruhepoſten gleich.
Unter dieſen Umſtänden muß es fraglich erſcheinen,
vb Haldanes Stimme künftig denſelben Wert haben
wird wie zuvor. Es muß abgewartet werden, ob ſein
Rücktritt vom Kriegsminiſterium ein Aufgeben des durch
ſeine Berliner Miſſion angebahnten Weges bedeutet,
oder ob er in Zuſammenhang zu bringen iſt mit der
Mkttelmeerkonferenz der engliſchen Staatsmänner.
Aller=
dings erklärt ſich die geringere Beteiligung der
bisheri=
gen Inhaber des Großkanzleramtes an der aktiven
Ka=
binettspolitik leicht durch ihr zumeiſt hohes Lebensalter.
Der neue Kriegsminiſter Oberſt Seely
ſteht im 46. Lebensjahre, hat aber ſchon wiederholt durch
ſein energiſches Auftreten im Parlament
Aufmerkſam=
keit hervorgerufen. Er iſt einer der fähigſten Köpfe der
Liberalen und war zuletzt Unterſtaatsſekretär in
dem=
ſelben Miniſterium, deſſen Leitung er ſoeben
übernom=
men hat. Die Verwaltung des Kriegsamtes, die
Hal=
dane mit gutem Erfolge führte, wird auch von ſeinem
Nachfolger kaum nach anderen Prinzipien geführt
wer=
den. In ſeinem neuen Amte kann der bisherige
Kriegs=
miniſter ſich in der Frage der deutſch=engliſchen
Verſtän=
digung ohne Zweifel intenſiver betätigen als an der
Spitze eines Reſſorts, das die ganze Kraft ſeines
In=
habers außerordentlich in Anſpruch nimmt. Aus
die=
ſem Grunde liegt auch einſtweilen kein triftiger Grund
vor, die Entfernung Haldanes aus ſeinem bisherigen
Amt peſſimiſtiſch aufzufaſſen und anzunehmen, daß er
in dem Augenblick, in dem Frhr. v. Marſchall ſich
an=
ſchickt, ſeinen Londoner Poſten anzutreten, ausgeſchaltet
wird zum Schaden der Miſſion, deren Träger er
war, und in deren Dienſt, wie man allgemein glaubt,
auch Herr von Marſchall ſich ſtellen ſoll. Es iſt vielmehr
zu hoffen, daß die engliſche Regierung den neuen
Lord=
großkanzler, der einer der erſten Ratgeber der Krone iſt,
mit der Aufgabe betrauen wird, die Krone im Sinne
des Einvernehmens und der Verſtändigung mit
Deutſch=
land zu beraten.
Das Neueſte vom Tage.
Einer Meldung aus Mainz zufolge wurde die
Bil=
dung einer freien Vereinigung
heſſi=
ſcher Nationalliberaler beſchloſſen.
Der Finanzausſchuß des bayeriſchen
Abgeord=
netenhauſes hat geſtern den preußiſch=
ſüd=
deutſchen Lotterievertrag abgelehnt.
Der „Hauptmann von Köpenick”, Wilhelm
Voigt, iſt im Hoſpital zu London geſtorben.
*
Das ungariſche Abgeordnetenhaus nahm
die Reviſion der Hausordnung an und vertagte ſich auf
eine Woche.
Die preußiſch=ſüddeutſche
Lotterie=
gemeinſchaft.
* Der Finanzausſchuß der bayeriſchen
Abgeordnetenkammer hat die
Regierungsvor=
lage des Lotterievertrages mit Preußen mit allen gegen
drei Stimmen endgültig abgelehnt, dagegen den
Zentrumsantrag auf Schaffung einer eigenen bayeriſchen
Staatslotterie bei Verpachtung des Unternehmens an
ein Konſortium mit 9 Stimmen gegen die 6 Stimmen
der Liberalen und Sozialdemokraten angenommen.
Die Norddeutſche Allgkmeine ZZeitung ſchreibt hierzu:
In dem zwiſchen Preußen einerſeits und Bayern,
Württemberg und Baden anderſeits im Juli 1911
abge=
ſchloſſenen Staatsvertrage wegen Begründung der
preu=
ßiſch=ſüddeutſchen Klaſſenlotterie war von vornherein
vorgeſehen, daß der Vertrag auch dann gelten ſolle,
wemn der Landtag eines der beteiligten Staten die
Genehmigung des Vertrages nicht erteilen ſollte.
Dieſe Beſtimmung wird jetzt von Bedeutung. Es iſt
zwar noch keineswegs ausgeſchloſſen, daß der bayeriſche
Landtag dem Vertrage ſchließlich doch noch ſeine
Ge=
nehmigung erteilt; nicht mehr möglich iſt es aber nach
Lage der Verhandlungen im bayeriſchen Landtag, daß
der Beitritt Bayerns noch zu dem im Vertrage
vorge=
ſehenen Termine dem 1. Juli d. Js., erfolgen könne.
Die preußiſch=ſüddeutſche Klaſſenlotterie wird daher am
1. Julit 1912 einſtweilen in der Form des Beitritts
von Württemberg und Baden in die
Erſchei=
nung treten. In beiden ſüddeutſchen Staaten iſt die
Organiſation der Lotterieverwaltung abgeſchloſſen, ſodaß
dort Anfang Juli mit dem Verkauf der Loſe zur erſten
Klaſſe der erſten preußiſch=ſüddeutſchen Klaſſenlotterie
be=
gonnen werden konnte.
Nach dem Plan dieſer erſten gemeinſchaftlichen
Lot=
terie hat eine Verſtärkung der Loſe um 39 000
Stamm=
loſe und demgemäß auch eine Vermehrung der Gewinne
ſtattgefunden. Als eine bedeutende Neuerung, welche
zu=
gleich mit der erſten preußiſch=ſüddeutſchen
Klaſſenlotte=
rie ins Leſben tritt, iſt der Wegfall des
bisherigen Mitſpiels der Freiloſe, für die
Staatskaſſe anzuſehen, welcher von berufener Seite als
eine Morgengabe der preußiſchen Finanzverwaltung an
die als ſolche neu ins Leben tretende preußiſch=ſüddeutſche
Klaſſenlotterie bezeichnet worden iſt. Preußen
verzich=
tet hierdurch auf eine halbe Million bisheriger jährlicher
Einnahmen aus der Lotterieverwaltung, um welche runde
Summe die Gewinnausſichten der Spieler ſich verbeſſern.
Mit einer ſolchen Ausſtattung kann ſich keine andere
Lot=
terie auch nur annähernd vergleichen
Deutſches Reich.
Freie Vereinigung heſſiſcher
Na=
tionalliberaler. Das Mainzer Tagblatt ſchreibt:
Im Anſchluß an die letzte Sitzung des Landesausſchuſſes
der heſſiſchen nationalliberalen Landespartei, die
be=
kanntlich damit endete, daß die Delegierten von Alsfeld=
Lauterbach, Mainz, Offenbach und vom Odenwald unter
Proteſt den Saal verließen, fanden zwiſchen Vertretern
verſchiedener heſſiſcher Wahlkreiſe und heſſiſcher
national=
liberaler Vereine eine Reihe von Beſprechungen ſtatt.
Man kam zu dem Entſchluß, eine freie Vereinigung
heſſi=
ſcher Nationalliberaler zu bilden, die durch Anſtellung
eines Geſchäftsführers und Herausgabe einer
Korre=
ſpondenz als Finanz= und Arbeitsgemeinſchaft
organi=
ſatoriſch wirken ſoll. Man will die Mitglieder dieſer
freien Vereinigung, die nach den Beſchlüſſen des
Dele=
giertentages in Berlin durchaus zuläſſig iſt, in keiner
Weiſe politiſch binden. Die Gründer wollen aber den
Kampf gegen die politiſche Unterjochung der Partei durch
wirtſchaftliche Verbände, insbeſondere durch den Bund
der Landwirte, mit Nachdruck führen und rein
national=
liberale Organiſationen zu ſchaffen ſuchen.
Zuſammen=
geführt hat die Gründer auch das Bewußtſein der
Not=
wendigkeit, der Politik der Reichstagsfraktion und ihres
Führers Baſſermann in Heſſen einé feſtere Grundlage
zu ſchaffen. Ausgeſchloſſen iſt, daß man etwa die
Mit=
glieder auf eine linksgerichtete Politik verpflichtet. Man
hat ja ſchon verſucht, Stimmung in dieſer Richtung
ge=
gen die Gründung zu machen. Es hat noch keine
Ver=
handlung wegen der Perſon des Geſchäftsführers
ſtattge=
funden. Die Vertrauensmänner=Verſammlung der
Nationalliberalen Partei des Reichstagswahlkreiſes
Mainz=Oppenheim hat in einer aus Stadt und Land
zahlreich beſuchten Verſammlung am 9. Juni 1912
ein=
ſtimmig beſchloſſen, ſich an der geplanten Vereinigung
zu beteiligen.
— Bundesrat und Jeſuitengeſetz. Die
Nachricht, daß der Bundesrat die von Bayern beantragte
authentiſche Interpretation des Jeſuitengeſetzes
voraus=
ſichtlich erſt im Herbſt geben werde, wird in der Zen=
trumspreſſe beſtätigt. Danach ſind zunächſt mehrere
Gutachten von katholiſchen Theologen eingeholt worden;
dann nimmt das Reichsjuſtizamt Stellung, hierauf erſt
der Reichskanzler. Nach dieſen Vorarbeiten kommt die
Sache im preußiſchen Staatsminiſterium vor, wor
erſt der Bundesrat an die Reihe kommt. In
Zentrums=
kreiſen rechnet man damit, daß der Reichstag noch
vor=
her Gelegenheit haben wird, ſich mit dem Antrag des
Zentrums auf Aufhebung des Geſetzes zu befaſſen, ehe
der Bundesrat abſtimmt.
— Die einzelſtaatlichen
Geſandtſchaf=
ten. Die Frage der Aufhebung der württembergiſchen
Geſandtſchaft in Berlin wurde im Finanzausſchuß der
Zweiten Kammer behandelt und dabei zu einem
ſozial=
demokratiſchen Antrag Stellung genommen, der die
Re=
gierung erſuchte, mit den in Betracht kommenden
Bun=
desſtaaten, alſo mit Preußen und Bayern,
Verhandlun=
gen anzubahnen in der Frage einer gemeinſamen und
gleichzeitigen Aufhebung der Geſandtſchaften. Nach
längerer Erörterung wurde der ſozialdemokratiſche
An=
trag abgelehnt, nachdem Miniſterpräſident Dr. v.
Weiz=
ſäcker erklärt hatte, daß die einzelſtaatlichen
Geſandtſchaf=
ten ſeit der Gründung des Reiches infolge der dadurch
vielgeſtaltiger und lebhafter gewordenen Beziehungen
zwiſchen den Einzelſtaaten gegenüber der Zeit vor dem
Jahre 1870 erheblich gewonnen hätten. Durch die
Ab=
ſchneidung des diplomatiſchen Verkehrs zwiſchen den
Einzelſtaaten würde man die Intereſſen Württemberas
und ſeine Beteiligung an der Geſtaltung der Verhältniſſe
im Reich ſchädigen. Man könne ihm als
Miniſterprä=
ſidenten auch nicht zumuten, daß er mit einem
derar=
tigen Anſinnen an die anderen deutſchen
Bundesregie=
rungen herantrete. Im weiteren Verlaufe ſeiner Aus
führungen machte der Miniſterpräſident eine Reihe
ver=
traulicher Mitteilungen über die Tätigkeit der
Geſandt=
ſchaften. Nach dieſer Stellungnahme des
Finanzaus=
ſchuſſes iſt anzunehmen, daß das Plenum des
Land=
tages ſich nicht für eine Aufhebung der
württembergi=
ſchen Geſandtſchaft in Berlin entſchließen wird.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Die Beratung der Wehrreform. Der
Wehrausſchuß des öſterreichiſchen Abgeordnetenhauſes
nahm die Paragraphen 1 bis 7 der Wehrvorlage in der
Faſſung an, in der ſie von dem ungariſchen
Abgeord=
netenhaus beſchloſſen worden ſind. — Der zur Beratung
der Wehrkreformvorlage im ungariſchen
Abgeprdneten=
hauſe angenommenen Geſetzesvorlagen einberufene
ſtaatsrechtliche und Finanzausſchuß des ungariſchen
Magnatenhauſes nahm in gemeinſamer Sitzung die
Ge=
ſetzesvorlagen im allgemeinen, ſowie in den Details an.
Ein von dem Grafen Aurel Deſeffy eingebrachter
Be=
ſchlußantrag, nach welchem die Wehrreformvorlage vom
Abgeordnetenhauſe im Wege von Geſetzesverletzungen
angenommen worden ſein ſolle, ſomit der
verfaſſungs=
mäßigen Erforderniſſe entbehre und deshalb dem
Abge=
ordnetenhauſe zur verfaſſungsmäßigen Behandlung
zu=
rückgeſendet werden ſollte, wurde mit 29 gegen 12
Stim=
men verworfen.
Die Bekämpfung der ungariſchen
Ob=
ſtruktion durch den Grafen Tisza. Bei der
Verhandlung über die Reviſion der Hausordnung
er=
griff der Präſident Tisza im ungariſchen
Abgeordneten=
hauſe von ſeinem Abgeordnetenſitz aus das Wort und
führte aus:
Die Obſtruktion iſt ein chroniſches Uebel geworden,
das nur durch eine gründliche, wehin auch ſchmerzliche
Operation zu heilen iſt. Der Organismus der Nation
muß einen Reinigungsprozeß durchmachen, um wieder
die Vorausſetzungen zu einer geſunden und friedlichen
Wirkſamkeit des Parlaments zu erlangen. In dieſem
feierlichen Augenblick meiner öffentlichen Tätigkeit, ſei
mir geſtattet, darauf hinzuweiſen, daß ſeit meinem
Ein=
tritt in das parlamentariſche Leben ich mich mit der
Be=
kämpfung der parlamentariſchen Anarchie befaßte. Für
die Löſung dieſes großen Problems ſetzte ich im
gegen=
wärtigen Kampfe gegen die Obſtruktion meine Perſon
ein. Gegen das Urteil der Oppoſition werfe ich mein
ganzes in dreißigjähriger ehrlicher Arbeit erworbenes
moraliſches Kapital in die Wagſchale! (Unter
begeiſter=
tem Beifall erhoben ſich die Abgeordneten von ihren
Sitzen.) Dieſer Umſtand enthebt mich der
Notwendig=
keit, mich gegen den Vorwurf des perſönlichen Ehrgeizes
und der Herrſchſucht zu verteidigen. (Zwiſchenrufe: Ein
Schurke der dies behauptet! Graf Tisza abwehrend:
Nicht Schurke, ſondern nur Irrender!) Auch Haß führt
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 13. Juni 1912.
Nummer 137.
mich nicht. Durch die Gnade Gottes hat ſehr viel Liebe
und ſehr wenig Haß in meinem Herzen Raum. Als ich
bei dem vor Jahren unternommenen Verſuch der
Nieder=
ringung der Obſtruktion meine warnende Stimme erhob,
verhallte mein Wort erfolglos. In dieſem großen
Augen=
blick erhebe ich von neuem meine Stimme. Möge die
Nation mich hören, ehe es zu ſpät iſt. (Begeiſterter
Bei=
fall.) Die mit großer Wärme vorgetragene Rede machte
tiefen Eindruck auf die Abgeordneten.
Die Reviſion der Hausordnung wurde in
nament=
licher Abſtimmung angenommen. Das
Abgeordneten=
haus vertagte ſich auf eine Woche. Ueber die
Wehrvor=
lage wird am Samstag im Magnatenhaus verhandelt.
Frankreich.
Der marokkaniſche
Protektoratsver=
trag. Aus dem dem Kammerausſchuß für auswärtige
Angelegenheiten vorgelegten Bericht Longs über den
marokkaniſchen Protektoratsvertrag iſt folgendes zu
ent=
nehmen:
Dem Sultan wurde eine Zivilliſte von 2800000
Haſſan=Peſeten gewährt, deren Verwendung keinerlei
Kontrolle durch die franzöſiſche Regierung unterliegt;
eine Million Franken wurde für den Sultan in der
Marokkaniſchen Staatsbank deponiert, teils ihm direkt
ausbezahlt. Außerdem wurde ein Kredit im
Geſamt=
betrage von 1 Million Haſſan=Peſeten für die Schorfats
der ſcherifiſchen Familie, für die Inſtandhaltung der
Pa=
läſte des Sultans und der Amtsgebäude des Maghzen,
ſowie für unvorhergeſehene Ausgaben bewilligt und
mehrere Beſitzungen bei Fez und Marakeſch als
Privat=
eigentum des Sultans anerkannt. Schlicßlich wurde
dem Sultan für den Fall einer Abdankung eine
ent=
ſprechende Penſion zugeſichert und vereinbart, daß er
im Einvernehmen mit der franzöſiſchen Regierung einen
ſeiner Söhne zum Thronfolger ernennen kann.
Verſchie=
dene andere Forderungen des Sultans, z. B.
zweipro=
zentigen Anteil an den für öffentliche Arbeiten in
Ma=
rokko verausgabten Summen, ein Elektrizitätsmonopol
in Fez, das Recht der Ernennung aller Beamten in den
Städten und der Kaids aller Stämme wurden
abge=
lehnt.
Es iſt ferner ein Dekret erlaſſen worden, in dem die
Amtsbefugniſſe Liauteys als Kommiſſar und
General=
reſident Frankreichs in Marokko feſtgeſtellt werden.
Darin wird beſtimmt, daß Liautey der Träger aller
Be=
fugniſſe der Republik im ſcherifiſchen Reiche und der
einzige Vermittler des Sultans bei den Vertretern der
fremden Mächte ſein ſoll, daß er die Dekrete des
Sul=
tans billigen und im Namen der Regierung der
Repu=
blik verkünden, den geſamten Verwaltungsdienſt leiten,
die Landtruppen befehligen und über die Seeſtreitkräfte
verfügen ſoll.
Poincarés Reiſe nach Rußland. Dem
Echo de Paris zufolge dürfte Miniſterpräſident
Poin=
caré alsbald nach Parlamentsſchluß wahrſcheinlich an
Bord eines Kriegsſchiffes eine Kreuzfahrt in die Nord=
und Oſtſee unternehmen und gegen den 20. oder 21. Juni
in Kronſtadt eintreffen. Er werde dann vom Zaren in
Zarskoje Sſelo empfangen werden und Beſprechungen
mit Kokowzew, Saſanow und anderen hervorragenden
ruſſiſchen Perſönlichkeiten haben.
Steuer auf Reklametafeln.
Finanzmini=
ſter Klotz unterbreitete dem Miniſterrat einen
Geſetzent=
wurf, welcher den Zweck hat, die landſchaftlichen
Schön=
heiten gegen die Entſtellung durch Reklametafeln zu
ſchützen, indem auf die letzteren eine überaus hohe
Stem=
pelſteuer gelegt werden ſoll, für die die Beſitzer der
be=
treffenden Grundſtücke mit haftbar ſein ſollen.
Serbien.
Die Bewilligung des Kredits.
Nach=
dem Miniſterpräſident Milowanowitſch in der
Verſamm=
lung der Regierungspartei die Notwendigkeit eines Kre=
Ela, die Stadt des Lichts.
Von Paul Kahn=Leipzig.
Schnell rufe ich noch meine Freundin zum Stelldichein.
Nicht durch das geduldig=artige Billet=doux, das mein
Großvater noch in Eile aufzugeben pflegte, wenn er in
gleich kritiſcher Lage war, nein, als moderner Menſch,
natürlich mit Elektrizität auf telephoniſchem Weg.
Dann ſtürze ich mich in die „Elektriſche”, von deren
Fen=
ſter aus mich ſchon ſeit Monaten „der ſtarke Mann mit der
Elektrizität” mit der leuchtenden Energie in der Hand,
anſtarrt, der Reklame=Herold der „elektrotechniſchen
Aus=
ſtellung Leipzig” der nun ſein Jahrhundert in die
Schran=
ken fordert. Endlich hat mir das „Fräulein am Telephon”
mal den „richtigen Anſchluß” gegeben: Elvira iſt da . ..
in glühender Neugier der elektriſchen Wunder, die da
kommen ſollen und wir gehen ſelbander durch das
modern architektoniſche Triumphtor am Eingange der
Ausſtellung, das ſich noch nicht für Heinz und Kunz öffnen
durfte, ſondern nur für die „Spitzen der Behörden”, für
die veranſtaltende” Vereinigung der Elektrotechniker und
für die „Herren der Preſſe‟ Denn die
Einweihungs=
feierlichkeiten ſind „unter Ausſchluß der Oeffentlichkeit”.
Dieſe Operation der Eröffnung blieb kurz und ſchmerzlos.
Herr Direktor Germershauſen wünſcht, daß „dem Fleiß
nun auch der Preis werden möchte!” Herr Geheimer
Re=
gierungsrat Dr. Ayrer erklärt mit einem laut ſchallenden
Königshoch im Namen der Königlichen
Kreishauptmann=
ſchaft die Ausſtellung für eröffnet, und unter der
fachmän=
niſchen Führung der Herren Dipl.=Ing. K. Volhard und
Ing. Philipp Schuchmann begeben ſich die Gäſte in die
Tempel der Kraft, in denen Elektrizität ſauſt und ſchnurrt,
arbeitet, lebt. alles in Arbeit; von dem einfachen
gal=
vaniſchen Element, das vielleicht nur einem Läutewerk
Lebenswärme gibt, bis zur gewaltigen Dynamomaſchine,
die ganze Städte und Landgebiete mit elektriſcher Energie
verſorgen kann . . . und die Welt treibt. Es gab eine Zeit,
wo der Dampf mächtig war über alles. Uns wurde er
zu rußig, zu langſam, zu unhygieniſch. Die Elektrizität,
die ſich in reinlichem, hygieniſchem Kampfe von Menſchen
bändigen ließ, ſiegte. Sie erobert uns und die Zukunft.
Wir ſtehen im Zeichen der Elektrizität; unſere geſamte
Kultur wird von der elektriſchen Energie geſpeiſt,
vor=
wärts getrieben. Ohne Elektrizität keine
Kuctsgt
dits von 2500000 Dinars begründet hatte, wurde
be=
ſchloſſen, den Kredit trotz der ablehnenden Haltung des
Finanzausſchuſſes zu bewilligen. Hierdurch iſt die
Ge=
fahr einer Kabinettskriſis beſeitigt.
Perſien.
Der Regent hat in Begleitung ſeiner
Gemah=
lin und ſeiner Tochter die Reiſe nach Europa
angetre=
ten. Die Kabinettskeiſe iſt noch nicht beigelegt. Herr
Mernard wurde endgültig zum Generalſchatzmeiſter
er=
nannt. Er bleibt außerdem Generaldirektor des
Zoll=
weſens. Seine Machtbefugniſſe werden weſentlich
die=
ſelben ſein, wie die, die das Medſchlis Herrn Shuſter
übertragen hatte.
* Dar jüngſte Sohn des
Cumberlän=
ders, Prinz Ernſt Auguſt, iſt nunmehr nach den
Be=
ſuchen, die er den Höfen in Berlin und Schwerin
abge=
ſtattet hat, über Gmunden wieder in ſeinen
Garniſons=
ort München zurückgekehrt. Aus den Berichten, die der
Prinz ſeiner Familie in Gmunden erſtattet hat, ſoll
her=
vorgehen, daß bei ſeiner Anweſenheit in Berlin die
po=
litiſche Frage vollſtändig außer acht gelaſſen wurde.
Da=
gegen hat, ſo wird den L N. N. aus Gmunden berichtet,
des Prinzen Beſuch am Berliner Hof zur Folge gehabt,
daß ſich die perſönlichen Beziehungen der Kinder des
Herzogs von Cumberland zu den Söhnen des deutſchen
Kaiſers enger geſtaltet haben, was u. a. dadurch zum
Ausdruck kommt, daß Prinz Ernſt Auguſt die Söhne des
Kaiſers für den Herbſt dieſes Jahres zur Ausübung der
Gemſenjagd in die weitausgedehnten Jagdgründe des
Herzogs von Cumberland im oberöſterreichiſchen Almtale
eingeladen hat. Prinz Eitel Friedrich ſoll bereits
zuge=
ſagt haben, dieſer Jagdeinladung im kommenden Herbſt
zu folgen.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 13. Juni.
Die ſtädtiſche Schulzahnklinik.
— Die im Jahre 1902 für die Städtiſche
Schul=
zahnklinik eingerichteten Räume im zweiten
Ober=
geſchoß des ſtädtiſchen Gebäudes Luiſenſtraße Nr. 20
erwieſen ſich ſchon nach Ablauf der erſten Jahre als
un=
zureichend. Die Zugänglichkeit der Räume war
mangel=
haft und in den Operationsräumen fehlte es an
genü=
gendem Tageslicht. Auch erwies ſich der Warteraum
für die ſtets wachſende Beſucherzahl als zu klein. Die
ſtädtiſche Verwaltung nahm deshalb Anlaß, hier Abhilfe
zu ſchaffen, als durch Verlegung der Hilfsſchule von
dem Hauſe Waldſtraße Nr. 21 in das neu errichtete
Ge=
bäude in der Stiftſtraße die Räume im alten
Schul=
gebäude frei geworden waren. Die Prüfung dieſer
Räume im Hauſe Waldſtraße Nr. 21 ergab, daß ſich das
ganze Gebäude für die Zwecke der Schulzahnklinik ſehr
gut eignet. Die erforderlichen Mittel wurden durch
Be=
ſchluß der Stadtverordneten=Verſammlung vom 16.
No=
vember 1911 genehmigt. Die Herſtellung konnte aber
erſt im Frühjahr 1912 begonnen werden und wurde ſo
betrieben, daß die neuen Räume am 17. Mai bezogen
und die neue Klinik am 20. Mai eröffnet werden konnte.
Schon am erſten Tage wurden nicht weniger als 70
Schulkinder behandelt. Durchſchnittlich wird die Anſtalt
zur Zeit täglich von etwa 30—50 Kindern beſucht. Das=
Gebäude beſteht aus Erd= Ober= und Dachgeſchoß. Im
Erdgeſchoß iſt untergebracht: 1 Röntgenzimmer, 1
Dun=
kelzimmer, 1 großes Laboratorium mit einem kleinen
Ge=
räte= und Schrankzimmer. Im Obergeſchoß: befindet ſich
das geräumige Wartezimmer, das Beratungszimmer,
1 großes und 1 kleines Operationszimmer mit
anſchlie=
ßendem Desinfektionsraum und eine Kleiderablage. Im
Dachgeſchoß konnte durch verſchiedene bauliche
Verände=
rungen und durch den Aufbau von Dachgauben eine
ge=
räumige Wohnung für einen ſtädtiſchen Bedienſteten
geſchaffen werden, deſſen Frau zugleich die Heizung und
Reinigung des Gebäudes beſorgt. Die neuen
Opera=
tionsräume ließen ſich infolge ihrer Größe und Lage ſehr
zweckmäßig einrichten und ſind durch einen Vorraum
von dem Wartezimmer vollkommen getrennt. Die Her=
richtung des ganzen Gebäudes erforderte den Betrag
von 4397,77 Mark.
* Erlaubnis zur Annahme von Orden. Se. Königl.
Hoheit der Großherzog haben die Erlaubnis zur
Annahme und zum Tragen der von Sr. Maj. dem
Kaiſer und König von Preußen verliehenen Orden
erteilt: dem Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing zu
Darmſtadt für den Kronen=Orden 3. Klaſſe, dem
Bei=
geordneten Ekert zu Darmſtadt für die Königliche
Krone zum Roten Adler=Orden 4. Klaſſe, dem
Bei=
geordneten Baurat Jäger zu Darmſtadt für den Roten
Adler=Orden 4. Klaſſe.
* Ordensverleihung. Se. Maj. der König von
Preußen hat dem Proviantamtsdirektor a. D.
Rech=
nungsrat Friedrich Dahms in Seeheim a. d. B.
(bis 1. Mai 1912 Vorſtand des hieſigen Proviantamts)
den Roten Adlerorden 4. Klaſſe verliehen.
* Perſonalnachrichten der Eiſenbahndirektion
Mainz. Ernannt: die Schaffner i. Pr. Brake,
Seufert in Mainz, Günther, Kuhn, Huchſtedt in
Darm=
ſtadt zu Schaffnern; Hilfsheizer Habermann in Hanau
zum Lokomotivheizer. Verſetzt: die
Oberbahn=
aſſiſtenten Höß von Oberlahnſtein nach Mainz, Wirz
von Pfeddersheim nach Oberlahnſtein, Schlegelmilch
von Eltville nach Mainz, Friede von Bingen nach
Wiesbaden; die Eiſenbahnaſſiſtenten Dietrich von
Seligenſtadt nach Eltville, Bender II. von Wiesbaden
nach Rüdesheim, Huth von Stockſtadt M. nach Worms,
Schmidt von Guntersblum als Bahnhofsverwalter nach
Alsheim. Geſtorben: Eiſenbahngehilfe Schmidt II.
in Mainz.
g. Schwurgericht. Das Schwurgericht verhandelte
geſtern in der Anklage wegen eines in der Nacht zum 22.
April bei Koſtheim begangenen Sittlichkeitsverbrechens nach
§ 176,1 gegen den 19jährigen vorbeſtraften Joſef Schecker
aus Mainz. Die Geſchworenen bejahten die Frage nach
verſuchtem Verbrechen nach § 176,1 und ebenfalls die Frage
nach mildernden Umſtanden. Das Gericht verurteilte den
Angeklagten zu 3 Monaten Gefängnis. Von der
Unterſuchungshaft werden ihm 6 Wochen angerechnet, der
Haftbefehl aufgehoben.
g. Strafkammer. Der 44jährige Knecht Ernſt
Her=
mann Reiſing aus Schwabhauſen hat im März einem
Schmiedemeiſter in Neu=Iſenburg ein Schnitzmeſſer, eine
Bohrwinde und einen Schraubenſchlüſſel im Geſämtwerte
von 16,50 Mark entwendet. Es gelang ihm aber nicht, die
Werkzeuge, wie er beabſichtigte, zu verkaufen. Da er
be=
reits wegen Diebſtahls vorbeſtraft iſt, verurteilte ihn die
hieſige Strafkammer, vor der er ſich geſtern wegen dieſes
Diebſtahls zu verantworten hatte, zu 10 Monaten
Ge=
fängnis. Von der Unterſuchungshaft wird ihm ein
Monat auf die Strafe angerechnet. — Wegen Fälſchung
ſeines Militärpaſſes, die er zur Verſchleierung ſeiner
Nichtanmeldung vornahm, wurde der 31jähr. Keſſelſchmied
Johann Huber aus Offenbach zu fünf Tagen
Gefäng=
nis verurteilt. — Wegen eines Verbkechens nach § 176, 3
des Strafgeſetzbuchs wurde der 19 Jahre alte Portefeuiller
Paul Eberhardt aus Offenbach zu 8
MonatenGe=
fängnis abzüglich 1 Monat der Unterſuchungshaft
verurteilt. — Wegen Verbrechens nach § 180, 181,2 des
Strafgeſetzbuches wurde der 29jährige
Gelegenheits=
arbeiter Philipp Kleinſtäuber aus Offenbach zu 1
Jahr 6 Monaten Gefängnis und 5 Jahren
Ehr=
verluſt verurteilt, 1 Monat der Unterſuchungshaft ſild
ihm angerechnet. Die Ehefrau Katharina, die der
Kötper=
verletzung durch Infizierung angeklagt war, wurde
freige=
ſprochen, da nicht anzunehmen ſei, daß ſie
bewußtge=
handelt habe.
*X* Frhr. Weſterweller v. Anthoni *. Zur
Bei=
ſetzung der Leiche des verſtorbenen
Oberſthofmar=
ſchall a. D. Paul Frhrn. Weſter weller von
Anthoni Exz. hatte ſich geſtern vormittag 11 Uhr auf
dem Friedhof zu Darmſtadt eine große
Trauerverſamm=
lung eingefunden. In der Kapelle fand nur ein kleiner
Teil der Leidtragenden, an ihrer Spitze der
Groß-
herzog und die Großherzogin, Platz. Nach dem
Gebet des Geiſtlichen Kaplan Moſer bewegte ſich der
Trauerzug nach der Familiengruft. Dem mit Kränzen
geſchmückten Sarg folgten der Großherzog, Admikal
von Seckendorff als Vertreter des Prinzen Heinrich von
Preußen, die Hofchargen, der preußiſche Geſandte
Freiherr von Jeniſch, der ruſſiſche und der
engliſche Geſandte mit ihren Attachées, die Spitzen
Die Ausſtellung iſt zweitens zur populären Belehrung
da; erſtens zu fachmänniſcher Reklame. Aus dem zweiten
Grunde hat die Ausſtellungsleitung Gegenſtände nicht in
bisher üblicher Form firmenweiſe in Ständen vereinigt,
ſondern jedes Stück in ſeine Arbeitswelt geſetzt und unter
Zuhilfenahme aller entſprechenden Arbeitsmaſchinen auf
allen Anwendungsgebieten in Praxi vorgeführt. So wird
die Technik uns Laien ſchmackhaft. Dieſe Würze der
Schmackhaftigkeit noch zu erhöhen, beginnen wir unſere
Wanderung in der „elektriſchen Küche‟
Elvira nennt dieſe Küche „Mein Ideal” Meine
Freundin hat, wie immer, aus zwei Gründen recht.
Erſtens ſcheint es wirklich eine ideale „Zukunftsküche” zu
werden, wenn die „Donna” in adrettem Kleide nur „
knip=
ſen” braucht, um den Braten zu ſchmoren. Zweitens
lie=
gen uns gewöhnlichen Sterblichen die Ideale zumeiſt in
blauen Fernen. Punkt zwei beſtätigen hier einmal die
teure Anlage einer ſolchen Küchenmaſchine und dann ihre
teure „Fütterung” denn noch ſtehen hier einem
Kohlen=
verbrauch von 70 Mark 103 Mark Unkoſten für die „
Pferde=
kräfte” der Küche gegenüber. Aber bei unſerer
ideal=
loſen” Zeit iſt es auch für eine Frau ſchön, „Ihr Ideal”
endlich gefunden zu haben. Wir folgen unſerem Magen
weiter zu Nietzſchmann, der uns vertrauensſelig ſeine
„elektriſche Fleiſcherei” öffnet. „Aber Vertrauensſache
bleibt es immer noch” flüſtert ein Herr Stadtrat, wie er
die „Wurſtmaſſe” die ein ungeheuerer elektriſch betriebener
Apparat, der mit ſeinen ſtarken Hebeln, wie zehn Männer,
arbeitet, „zu Brei ſchlug” in den weit geöffneten Mund
der Füllmaſchine verſchwinden ſieht.
Auch die „elektriſche” Bäckerei, die wohl reinlicher iſt,
— und vor allem hygieniſcher — als unſer Bäcker Schulze,
der in alter, guter Sitte nach mitternächtlicher Stunde mit
„Arbeitshänden” unſer täglich Brot zum rußigen Herd
bringt, und die elektriſche Molkerei, in der zu beſtimmten
Stunden an Tieren die elektriſche Prozedur vorgenommen
wird, ſind intereſſante „Nouveautés” für Laien, die
„derniers eris” unſerer „elektriſierten Zeit‟ Dann
kom=
men wir zu den wahren Wundern des
Elektromotors=
dem Ringen der Technik, das wir ſchon von der
Schul=
bank aus bewunderten. Zuerſt die elektriſchen
Licht=
quellen. Der Werdegang der Elektrizität, die ſich in Licht
umwandelt, wird anſchaulichſt gezeigt. Oben am
Stamm=
baum die alte, in univerſeller Hinſicht ſo brauchbare
Metallfadenlampe mit ihren verſchiedenen
Helligkeits=
graden, dann die vielen Arten von Bogenlampen mits
ihrem intenſiv weißen oder gefärbtem Lichte bis zu den
modernſten Gliedern dieſer großen Familie: den
Queck=
ſilber=Dampflampen und den Mooreſchen
Beleuchtungs=
körpern. Auch die Stadien der „elektriſchen”
Wärm=
erzeugung werden fürs Laienauge durch Kurven,
Ta=
bellen und Apparate erklärt bis zum Betrieb elektriſcht
Kochapparate und glühender Oefen. Auch techniſche
Spielereien, wie Zigarrenanzünder, Scherzartikel mit
ge=
heimer elektriſcher Kraft uſw. Da gibt es Brennſcheren,
Heißluftduſchen, Heizteppiche, Wärmekompreſſen,
Bügel=
eiſen, Lötkolben. Auch das Wunder des Telephons und
des telegraphiſchen Nachrichtendienſtes, vom einfachen
Morſeſchreiber an bis herauf zum komplizierten
Typen=
drucker, wird uns in ſeiner Technik entſchleiert. Selbſt
die Funkentelegraphie, die erſt jetzt, beim ſchrecklichen
Untergang der „Titanic” als Retter in der Not
erfolg=
reiche Dienſte leiſten konnte, hat in der Ausſtellung ihr
erklärendes Denkmal gefunden. Hier tritt uns die Kraft
der Elektrizität entgegen, wie ſſie durch die in beliebige
Grenzen regulierbare Wärmewirkung chemiſche
Verbind=
ungen zerſetzt, dort, wo ſie den Arzt als Erkennungs= und
direktes Heilmittel hilfreich unterſtützt. Eine ſehr
um=
fangreiche mediziniſche Elektrotechnik hat ſich um das
„Röntgen=Inſtrumentarium” gelagert. Dort
charakteriſie=
ren einige Apparate das weite Land der Galvanoplaſtik,
hier gewinnen elektriſche Energiemengen Aluminium,
Reinkupfer, Gold, Silber.
Man müßte ſtundenlang reden, um alle die
Heinzel=
männchen der Kraft „vorzuſtellen” die hier an ſauſender,
ſchnarrender Arbeit ſind. Drum flüchten wir lieber ins
Vergnügungseck” das Sündenbabel, in das Lehariſche
Walzerträume uns verführeriſch hinüberlocken. Dem
böſen Buben ſoll man folgen hin zu den
Marketen=
dern des Vergnügens, die auf keinem Ausſtellungsplatz
fehlen, weil nun einmal der „Arbeit! — Gudrun folgt”
Aber hier nimmt Gudrun mit ihren tauſend Krügen „Echt
Münchner” wohl zu viel Platz, denn alles „dreht ſich um
ſie‟ Sie ſtellen das Krügel bei Seit’ und tanzen in
flot=
tem Schritt — — und es gibt viele Beſucher, die nicht
viel mehr von der „Elektrizität” der Ausſtellung mit
heimbringen als „dieſe Lehre der Anziehungskraft” . . .
Nummer 187.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 13. Juni 1912.
Seite 3.
der Behörden, Brigadekommandeur Breugel, General
Max von Heyl und Stadtkommandant von Randow.
Als Vertreter der dienſtlich verhinderten Miniſter nahm
Geh. Staatsrat Krug von Nidda an der Feierlichkeit
teil; auch viele andere hohe Beamte waren zugegen. Nach
dem Gebet des Geiſtlichen an der Gruft warf der Sohn des
Verſtorbenen und ſodann der Großherzog drei Schaufeln
voll Erde ins Grab. Während der Feier hatte das
Groß=
herzogspaar prachtvolle Kränze niederlegen laſſen. Mit
der Vertretung des Kaiſers war der preußiſche Geſandte
Frhr. v. Jeniſch beauftragt, der auf Befehl S. M. einen
Kranz niederlegte. Auch Prinz und Prinzeſſin Ludwig
von Battenberg und viele andere Fürſtlichkeiten hatten
Kränze geſandt.
* Geburtenrückgang in Heſſen. Wie die übrigen
Bundesſtaaten hat auch das Großherzogtum Heſſen in
den letzten Jahren einen bedenklichen
Geburtenrück=
gang zu verzeichnen. Es wurden nämlich nach der
Darmſt. Ztg. in Heſſen in den einzelnen Jahren 1908
bis 1911 Kinder lebend geboren: 37359 — 36 299 —
34670 — 33 209, alſo im Jahre 1911 4150 Kinder
weniger als vor 4 Jahren. Die Geburtenzahl des
Jahres 1911 iſt ſo gering, daß man bis zum Jahr
1895, alſo 16 Jahre, zurückgehen muß, um niedrigeren
Zahlen zu begegnen. Es iſt anzunehmen, daß ſich
die rückläufige Bewegung, die die Geburtenzahl in
Deutſchland genommen hat, noch weiter verſchärfen
wird. — In den kürzlich erſchienenen Medizinal=
ſtatiſti=
ſchen Mitteilungen aus dem Kaiſerlichen Geſundheitsamt
ſind Diagramme über die Geburtenhäufigkeit in
ein=
zelnen Bundesſtaaten veröffentlicht, die infolge falſcher
Berechnung irreführend ſind.
Die XVII. Sitzung der Handwerkskammer iſt
auf Dienstag, den 25. Juni 1912, vormittags 11 Uhr,
zu Darmſtadt in den Sitzungsſaal der
Stadtverord=
neten=Verſammlung im Rathaus, Marktplatz 8,
ein=
berufen mit folgender Tagesordnung: 1. Mitteilungen.
2. Einführung der neugewählten Kammermitglieder.
3. Bericht über die Tätigkeit des Vorſtandes. 4.
Be=
richt über die Tätigkeit im Ausſchuß des deutſchen
Handwerks= und Gewerbekammertags. 5.
Ergänzungs=
wahl der Kammer nach § 5 des Statuts. 6. Neuwahl
des Vorſitzenden der Kammer. 7. Neuwahl für
ausge=
ſchiedene Vorſtandsmitglieder. 8. Neuwahl für
ausge=
ſchiedene Ausſchußmitglieder. 9. Prüfung und Abnahme
der Rechnung des Etatsjahres 1911. 10. Feſtſtellung
des Haushaltsplans für das Etatsjahr 1913 (ſ. Gew.=Bl.
Nr. 11 u. 24 von 1912). 11. Errichtung neuer
Geſellen=
prüfungsausſchüſſe (ſ. Gew.=Bl. Nr. 11 u. 24 von
1912). 12. Die Geſellenprüfungen im Kammerbezirk.
13. Errichtung einer: Einziehungsgenoſſenſchaft für das
Großherzogtum Heſſen. 14. Die Lehrſtellenvermittlung
im Kammerbezirk. 15. Sicherung der Bauforderungen.
16. Handwerker=Zentral=Genoſſenſchaft. 17. Das
Sub=
miſſionsweſen. 18. Verſchiedenes.
D Invalidenprüfungsgeſchäft. Die
Nachunter=
ſuchung der bis Ende September 1912 anerkannten
Militärinvaliden und Rentenempfänger des Kreiſes
Darmſtadt findet vom 17. bis 21. Juni 1912 im
Ge=
ſchäftszimmer des Bezirkskommandos I Darmſtadt,
Neue Niederſtraße 18 I, ſtatt.
* Von der Techniſchen Hochſchule. Der Diplom=
Ingenieur Leo Pungs aus Moskau hat ſich am 12.ds.
Mts. an der hieſigen Techniſchen Hochſchule der
münd=
lichen Doktor=Ingenieur=Prüfung im Elektrotechniſchen
Fache unterzogen und „mit Auszeichnung” beſtanden.
* Das Perſonalverzeichnis der Großh. Techniſchen
Hochſchule für das Sommerſemeſter 1912 iſt ſoeben
erſchie=
nen. In bekannter Anordnung gibt es Aufſchluß über den
Perſonalbeſtand der Hochſchule, über die Verwaltung uſw.
Weiter enthält es die Wohnungen des Aufſichtsperſonals
und der Dienerſchaft, Angaben über die Kommiſſionen für
Prüfungen, Bibliothek uſw., und endlich neben noch
an=
deren Angaben ein Verzeichnis der Studierenden und
Hörer mit Wohnungsangaben. An der Anſtalt wirken
zur Zeit 31 ordentliche Profeſſoren, 2 ordentliche
Honorar=
profeſſoren, 12 außerordentliche Profeſſoren, 38 Lehrer und
Privatdozenten und 52 Aſſiſtenten. Das Verzeichnis der
Studentenvereinigungen enthält 42 Vereinigungen,
worun=
ter 5 Korps, 6 Burſchenſchaften, 2 Landsmannſchaften uſw.
ſind. Das Rektorat wird von Geh. Baurat Prof. Wickop
das Prorektorat von Geh. Hofrat Prof. Dr. Schenck ge=
führt. Vorſitzender der Diplom=Prüfungskommiſſion ſiſt
Geh. Hofrat Prof. Dr. Henneberg. Eingeſchrieben ſind im
Sommerſemeſter 1197 Studierende (801 ordentliche und
396 außerordentliche), 57 Hörer, 130 Gäſte (darunter 54
Damen), zuſammen 1384. Von dieſen ſind 1037 Deutſche
und 347 Ausländer. Von den Deutſchen ſteht an erſter
Stelle Preußen mit 480, es folgen Heſſen mit 347.
Bayern mit 60, Sachſen mit 23, Hamburg mit 22, Baden
mit 20, Elſaß=Lothringen mit 19, Württemberg mit 15,
Mecklenburg=Schwerin mit 12, Bremen, Oldenburg,
Sach=
ſen=Koburg=Gotha und Sachſen=Meiningen mit je 5 uſw.
Bei den Ausländern ſteht Rußland mit 247
Stu=
dierenden an erſter Stelle; es folgen Norwegen mit 25,
Oeſterreich=Ungarn mit 20, Bulgarien mit 11, die Schweiz
mit 10, Schweden mit 7, die Niederlande mit 4, England
Luxemburg, Rumänien und die Vereinigten Staaten von
Nordamerika mit je 3, Italien, Spanien und die Türkei
mit je 2 und ſchließlich Serbien, Braſilien, Chile und Siam
mit je 1. Am ſtärkſten beſucht iſt die Abteilung für
Ma=
ſchinenbau mit 345, es folgen Architektur mit 284 (darunter
5 Damen), Ingenieurweſen mit 261, Elektrotechnik mit 160,
Chemie mit 114, Papierfabrikation mit 57 und die
allge=
meine Abteilung mit 33.
— Darmſtädter Hausbeſitzerverein. Man ſchreibt uns:
Der Vorſtand des Darmſtädter
Hausbeſitzer=
vereins war dieſer Tage zu einer Sitzung
zuſammen=
getreten, zum ſich über einige wichtige Gegenſtände, die
die Intereſſen des hieſigen Hausbeſitzerſtandes zum Teil
recht ernſtlich berühren, zu beſprechen und zu beraten. Im
Eingange zu der Beſprechung wurde beſonders
hervorge=
hoben, daß der Verein ſich nachgerade als der berufene
Vertreter des hieſigen Hausbeſitzerſtandes betrachten müſſe
und unentwegt entſchloſſen ſei, mit der ganzen Wucht
eines feſten Willens dahin zu wirken, daß die äußerſt
un=
günſtige Lage der Hausbeſitzer gebeſſert und neues
Un=
heil von ihnen abgewandt werde. Leider ſei aber auch
vielen Hausbeſitzern ſelbſt der Vorwurf nicht zu erſparen,
daß ſie ſich zu paſſiv verhielten und ſich in unverzeihlichem
Stillhalten überrennen ließen. Sollten denn ihre Kräfte
in jahrelangem Ringen ſo ſehr zermürbt worden ſein?
Dann müßten doch die Einzelnen ihre Kräfte wieder
er=
ſtarken laſſen durch den Anſchluß an den Zuſammenſchluß
Aller. So könne ja auch der zwar jetzt ſchon große Verein
nur volle Stoßkraft erzielen, wenn ihm alle Hausbeſitzer
Darmſtadts angehörten. Man müſſe doch die hohen
An=
lagewerte bedenken und daran erinnern, welche enormen
Summen in den letzten Jahren in Verluſt geraten ſeien.
Aus der Sitzung iſt folgendes zu berichten: 1. Es ſoll
an geeigneter Stelle dahin eingewirkt wwerden, daß die
Er=
richtung der Linie der elektriſchen Straßenbahn
Bismarck=
ſtraße-Dornheimer Weg dem Beſchluſſe der
Stadtverord=
neten gemäß aufrecht erhalten und baldigſt
ausge=
führt werde, da ſie ſowohl für das Johannesviertel als
auch in Hinſicht darauf nötig ſei, weil am Dornheimer
Weg die Zollniederlage, die Eilgutbeſtellung und der
Güterbahnhof gelegen ſind. 2. Es wurde der
Bürgermei=
ſterei in einer Eingabe der dringende Wunſch unterbreitet,
dem Drängen nach Eröffnung neuer Bauviertel, den
ſo=
genannten „Gartenvorſtädten”, nicht zu willfährig zu ſein,
beſonders nicht auf Koſten der Alkgemeinheit. In dieſer
Angelegenheit ſei zu bedenken, daß die vielleicht in
ande=
ren Städten beſtehende Notwendigkeit der Erbauung von
Gartenvorſtädten nicht in Darmſtadt vorliege, das ſeinen
Kranz von Wäldern direkt vor den Toren der Stadt habe
und mit ſeinen auf allen Seiten der Stadt gelegenen
aus=
gedehnten Stadtteilen mit Vorgärten, Baublöcken und
herrlichem Baumbeſtand „eine einzige Gartenſtadt” bilde.
Die Stadtverwaltung und die Stadtverordneten ckönnen
den Steuerzahlern gegenüber die Verantwortung nicht
übernehmen, daß gegenüber den vorausſichtlich zu
erwar=
tenden geringen Steuereinnahmen aus den Gartenſtädten
die hohen Aufwendungen, welche doch unbedingt
erforder=
lich ſind, ſeitens der Stadt übernommen werden; es möchte
ja unter Umſtänden kaum die Aufwendung für die
Ver=
mehrung der Schutzleute, Straßenkehrer,
Laternenanzün=
der uſw. uſw. gedeckt werden. Die Beteiligung der Stadt
an dem Projekt der Gartenſtadt „Heinrichwingertsweg”
und dem Rückertſchen Projekt an der „Ziegelhütte” iſt
un=
bedingt abzulehnen. 3. Es wurde Stellung genommen zu
der Zuſchrift des Landeswohnungsinſpektors an die
Zen=
tralſtelle für die Gewerbe, worin die Zentralſtelle aufge=
fordert worden ſei, bei den Ortsgewerbevereinen dahin
zu wirken, daß dieſelben die Beſtrebungen der
Baugenoſ=
ſenſchaften (Gartenvorſtädte) unterſtützen. Mit Recht
wurde darauf hingewieſen, daß die Mitglieder der
Orts=
gewerbevereine doch großenteils Hausbeſitzer, vielfach
mehrfache, ſeien und ſomit von der Zentralſtelle, ſofern
dieſelbe den Anregungen des genannten ſtaatlichen
Beam=
ten ein günſtiges Ohr leihe, veranlaßt würden, ſich ins
eigene Fleiſch zu ſchneiden. Das Vorgehen des ſtaatlichen
Beamten wurde lebhaft mißbilligt. 4. Die Beſchaffung
zweitſtelliger Tilgungshypotheken anſtelle der zur Zeit
beſtehenden zum Teil hochprozentigen Privathypotheken
wird zu einem immer dringenderen Bedürfnis. Man
kann die Erfahrungen der letzten Jahre mit dem
namen=
loſen Unglück, das über viele Hausbeſitzer
hereingebro=
chen iſt, nicht unbeachtet laſſen. Die Städte ſelbſt haben
das größte Intereſſe daran, die im Hausbeſitze
vorhan=
denen wirtſchaftlichen Exiſtenen wie auch den Bodenwerk
zu ſchützen und zu erhalten; denn Vernichtung der Exiſtenz
und Herabminderung des Wertes des Grundbeſitzes in
der Stadt ſchädigt mittelbar die Stadt ſelbſt. Es wurde
innerhalb des Vorſtandes eine Kommiſſion gebildet, die
die Frage der zweiten Hypothek ſpeziell bearbeiten ſoll.
Für die nächſte Zeit iſt eine allgemeine Verſammlung mit
einem Referat über „Die zweite Hypothek” in Ausſicht
ge=
nommen.
* Das Luftſchiff „Schütte=Lanz” ſtattete geſtern
morgen gegen 7 Uhr wieder unſerer Stadt einen
uner=
warteten Beſuch ab. Das hübſche Schiff fuhr in ſchöner
Fahrt vom Rhein her über Darmſtadt hinaus, wendete
in der Nähe der Merckſchen Fabrik und kreuzte dann
auf der Rückfahrt nochmals direkt unſere Stadt.
* Petrusgemeinde Darmſtadt. Am nächſten
Sonntag, den 16. Juni, wird im Hauptgottesdienſt am
Vormittag der neu ernannte Geiſtliche der
Petrus=
gemeinde, Herr Pfarrer Karl Wagner, ſeither Dekan
in Grünberg, in ſein neues Amt eingeführt werden.
* Heſſiſcher Hof. Zu Gunſten der Veranſtaltungen
J. K. H. der Frau Großherzogin (Poſtkartenwoche)
findet heute Donnerstag, den 13. Juni, abends 8 Uhr,
ein großes Extra=Konzert der Kapelle des Großh.
Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61 unter Leitung des
Muſik=
meiſters Herrn Weber ſtatt. Das Programm hat
be=
ſondere Berückſichtigung gefunden und wäre ein reger
Beſuch ſchon mit Rückſicht auf den humanen Zweck der
Veranſtaltung nur zu begrüßen. Der Reingewinn fließt
in den Fonds obenerwähnter Veranſtaltung. Erwähnt ſei
noch, daß Dutzendkarten (1,50 Mk.) Gültigkeit haben. Das
Samstags=Konzert ſoll in dieſer Woche mit Rückſicht
auf anderweitige Veranſtaltungen ausfallen.
Von einer fürchterlichen Mordgeſchichte wiſſen
hie=
ſige Blätter zu berichten: Ein erſt einige Tage in einer
Wirtſchaft in der Dieburgerſtraße bedienſtetes Mädchen
erzählte ihrer Freundin, daß es in der letzten Zeit mit
einem Verehrer, der in Frankfurt wohnt, im Walde bei
Reichelsheim in der Wetterau einen verheirateten
Mann aus Sprendlingen überfallen, getötet und im
dortigen Walde vergraben habe. Außerdem haben ſie in
der gleichen Zeit ein Mädchen beraubt und an einen
Eichbaum im Walde aufgehängt. Dem Mann haben ſie
angeblich 40 Mark und verſchiedene Wertſachen
abgenom=
men. Das Mädchen, Anna Stief, aus Boden bei
Monta=
baur, 23 Jahre alt, wurde feſtgenommen und hat die Taten
zugegeben. Wie wir hierzu an amtlicher Stelle erfahren,
iſt es richtig, daß das Mädchen dieſe Angaben gemacht
hat, und daß es daraufhin verhaftet wurde. Das Mädchen
macht den Eindruck, als ſei es geiſtig nicht normal, ſodaß
die Angaben wenig Anſpruch auf Richtigkeir
erheben können. Die Ermittelungen haben bisher noch
nicht den geringſten Anhaltspunkt für die Wahrheit der
Behauptungen ergeben, doch werden die Ermittelungen
fortgeſetzt. Der „Verehrer” war bis geſtern abend noch
nicht verhaftet.
§ Selbſtmordrerſuch. Ein Taglöhner aus
Weiter=
ſtadt brachte ſich geſtern mittag gegen 12 Uhr am
Exer=
zierplatz einen Revolverſchuß in ſelbſtmörderiſcher
Abſicht in die rechte Seite bei. Der Schwerverletzte
wurde in das Städtiſche Krankenhaus verbracht.
M. Stockſtadt a. Rh., 11. Juni. Ein Opfer ſeines
Berufes wurde der 19 Jahre alte Zimmergeſelle Georg
Feuilleton.
* Nichtſprecherabteile auf den Eiſenbahnen. Ein
köſt=
licher Einfall! Die glänzende Idee iſt dem Gehirne einer
der Herren von der franzöſiſchen Weſtbahn entſprungen
oder auch einem findigen Journaliſtengehirn, das ſich
ſei=
ner Pflicht dem armen, geplagten Publikum gegenüber
bewußt war. Die Nachricht beſagt mit ſchöner
Deutlich=
keit: „Vom 15. Juni verkehren Züge mit einer
genügen=
den Anzahl von Abteilen für Nichtſprecher auf den Linien
von Marly, Verſailles, Saint=Germain, auf den Linien
von Paris nach Nantes über Poiſſy und über
Argen=
teuil.‟ Die franzöſiſchen Namen klingen ſchön, aber
fügt die Wiener Neue Freie Preſſe hinzu — Budapeſt
und etwa Nagymaros wären uns in dieſem
Zuſammen=
hange willkommener geweſen. Das ſoll uns nicht
hin=
dern, den herrlichen und höchſt nachahmenswerten
Ge=
danken zu feiern und ſeinen Urheber als einen Wohltäter
der Menſchheit zu preiſen. Aber dürfen wir auch
glau=
ben? Schöne Hoffnung, daß wir fortan dem dicken
Herrn, unſerem Gegenüber im Nichtſprechercoupé, der,
ſich mit einem Seufzer ſeines Kragens entledigend, uns
die intereſſante Mitteilung macht: „Iſt das eine Hitze
heute!” — mit einer ſtummen, ernſten Geſte auf eine Tafel
werden antworten können, auf der das inhaltsſchwere
Wort zu leſen ſteht: „Nichtſprecher”. Lieblicher Gedanke,
die ältere Dame, die uns Wehrloſen unaufgefordert
be=
reits ſeit einer halben Stunde mit den Schickſalen ihres
Enkels während der jüngſten Keuchhuſtenepidemie
unter=
hält, durch einen energiſchen Griff zur Notleine
unſchäd=
lich machen zu können, der uns das geſamte
Bahnperſo=
nal in unſerem guten Kampfe für unſer nun verbrieftes
Menſchenrecht zum hilfsbereiten Genoſſen macht. Ein
Blick voll ehrlicher Entrüſtung wird vielleicht den
ge=
fürchteten Reiſenden in faulen und faulſten Witzen zur
Beſinnung bringen? Und der geſund ausſehende Herr in
mittleren Jahren und im Jagdanzug, er wird ſich’s
vielleicht doch bedenken, bevor er uns aus dem blauen
Himmel unſerer Ruhe reißt mit der zwar von ſchönem
Feuer getragenen, jedoch durch nichts angezeigten
Be=
hauptung: „Sie können ſagen, was Sie wollen, mein
Herr, alles Uebel kommt nur von Wien.” . . . Spiele
nicht mit uns, trügeriſche Hoffnung! Es wird noch lange
dauern, bis wir ſo weit ſein werden, den Nekrolog dieſer
Landplage ſchreiben zu dürfen. Bis dorthin aber bleibt
uns nichts übrig, als zu dulden und zu leiden und uns
mit der Hoffnung auf eine beſſere, beſonders ſtillere und
wohlerzogenere Zukunft zu vertröſten. Denn den Rat,
den uns unſer Gemüt und Friedrich Theodor Viſcher in
ſeinem Aufſatze „Podoböotie oder Fußflegelei auf den
Eiſenbahnen” gibt, nämlich den grauſamen Feind
unſe=
rer Nerven einfach zu erſchlagen, dieſen vernünftigen Rat
des verſtorbenen Aeſthetikers können wir leider nicht
immer befolgen. Wie wäre es aber in dieſem Zeitalter
des Zuſammenſchluſſes der Intereſſengemeinſchaften mit
ſeiner Weltorganiſation der Nichtſprecher? Gar nichts
wäre es damit! Denn zu Tauſenden würden ſich
Exem=
plare der ſchädlichen Raſſe homo sozialis (überſetze „
ge=
ſelliger Menſch”) zur Aufnahme in die edle Gilde melden
und anſtatt des bisherigen erbitterten Kampfes zwiſchen
den Ruhe= und Mitteilungsbedürftigen, den Ablehnern
und Anknüpfern der Geſpräche würde es dann nur
ſtür=
miſche Vereinsſitzungen der Liga der Non=Konverſanten
geben. Der Menſch iſt auf ſich geſtellt und auch dieſe
brennende Frage des Nichtangeſprochenwerdens erledigt
er am beſten für ſich und allein.
— Einer, der an ſeinem Leichenſchmauſe teilnimmt.
Das friedliche kleine Dörflein Courmont in der Nähe von
Caen hat nun ſeine Senſation, und der gute alte Pierre
Rotin, der arme Lumpenſammler, genießt auf zwei oder
drei Tage das Bewußtſein, ein berühmter Mann zu ſein.
Dieſer gute alte Pierre, der ſtets gern einen Schnaps über
den Durſt trank, war nie ein Geiſtesheld geweſen,
ſon=
dern nur ein armer Teufel, den das ganze Dorf neckte und
aufzog und deſſen Leichtgläubigkeit ein jeder auf ſeine
Weiſe zu nähren ſuchte. Aber faſt wäre in dieſen Tagen
aus dem Satyrſpiel eine Tragödie geworden. Seit
Wochen ſchon herrſcht in dem friedlichen Courmont eine
ungewohnte Aufregung. Dreimal hintereinander flog der
rote Hahn ins Dorf, und jedesmal niſtete er auf dem Hof
des reichen Bauern Robert, den alle haßten und fürchteten,
weil er ſo hartherzig, ſo geizig und doch ſo reich und
mächtig war. Das letztemal aber brannte der ganze Hof
nieder, und ſchauernd flüſterten ſich die alten Weiber
heim=
lich zu, der Gottſeibeiuns ſelber ſei gekommen, um Roberts
Hof durch Feuer zu Aſche werden zu laſſen. Aber das Volk
iſt abergläubiſch, und als die erſte Furcht vorüber war,
gewann die gute Laune wieder die Oberhand und man
ſann auf Kurzweil. Der alte Pierre Rotin war vom
Maitre Robert einſt vom Hofe gewieſen worden, weil er
für altes Eiſen ein zu niedriges Angebot machte. Wir
könnten dem dummen Pierre einen Schrecken einjagen!
Und nun begann man, dem leichtgläubigen armen Kerl
zu erzählen, daß er ſicherlich dem reichen Robert den roten
Hahn aufs Dach geſetzt habe. Ja, man habe ihn oft in
der Nähe des Hofes geſehen. Und der Herr Kommiſſar
in Caen habe auch gleich geſagt: „Das war Pierre Rotin
und kein anderer!” Und nun würden die Gendarmen
kommen und ihn holen, mit großen ſchweren Ketten und
engen kalten Handfeſſeln. Und der alte Pierre begann es
ſchließlich zu glauben, ſchlich nur im Dunkeln an den
Häu=
ſern entlang, und eines ſchönen Tages, es war am 18.
Mai, war Pierre verſchwunden. Am 20. fand man am
Brückengeländer den Hut des Alten und einen Tag ſpäter
in einem Weidengebüſch am Flußufer ſeinen zerlumpten
Rock. In der Taſche aber einen Zettel: „Adieu, ich gehe
dahin, wo keine Gendarmen ſind.” Nach einer Woche
ſchrieb dann einer, der mit der Feder leidlich umzugehen
wußte, an die alte Mutter des Selbſtmörders; wieder eine
Woche ſpäter traf die arme Greiſin ein, und nun, am
Samstag, wurden die letzten Habſeligkeiten Pierres und
ſein Hund verſteigert. Sie hätten die 13 Franken, die
ge=
löſt wurden, nie eingebracht, wenn nicht ein Liebhaber
8 Franken für den Hund geboten hätte. Dann aber, nach
vollbrachter Arbeit, hielt man den Leichenſchmaus, und
die Schnapsbecher machten die Runde, während die alte
Mutter am Kopfende des Tiſches präſidierte. Plötzlich
wurde Pierres Hund unruhig, lief aus dem Zimmer,
bellte und heulte; und drei Minuten ſpäter ſtapfte der alte
Pierre Rotin, deſſen Ableben man würdig feierte, in das
Zimmer. Drei Wochen hindurch hatte er im Walde
ge=
hauſt, ſich von Wurzeln und Früchten ernährt, bis Hunger
und Not ihn ſchließlich auf die Landſtraße trieben. Und
als hier zwei Gendarmen vorübergingen, ohne ihn zu
verhaften, da gab dem alten Pierre das Bewußtſein
ſei=
ner Unſchuld wieder Mut, und er kehrte heim; gerade zur
rechten Zeit, um noch an ſeinem Leichenſchmauſe
teilzu=
nehmen . .
* Krankenbeſuch eines Arztes im Flugzeug. Der Arzt
Dr. Alden von Hammondsport im Staate New=York hat
die Flugmaſchine zum erſten Male in den Dienſt ſeiner
Profeſſion geſtellt. Er war durch den Fernſprecher nach
dem benachbarten Landſitz einer Familie Petrie berufen
worden, deren Söhnlein die Treppe hinabgefallen war
und einen Schädelbruch erlitten hatte. Noch neun Meilen
von dem Hauſe des Patienten entfernt, brach ſein
Auto=
mobil nieder. Auf einem benachbarten Felde war eben
eine Flugmaſchine niedergegangen. Der Arzt erklärte
dem Flieger, daß er das Petrieſche Haus ſchnellſtens
er=
reichen müſſe, um einem verunglückten Kinde das Leben
zu retten, und überredete ihn, ihn als Paſſagier
aufzu=
nehmen. In wenigen Minuten hatte die Flugmaſchine
ihr Ziel erreicht, und der Knabe konnte noch rechtzeitig
operiert werden. Es war Dr. Aldens erſter Flug, aber es
dürfte nicht der letzte geweſen ſein, denn der Arzt denkt
ernſtlich daran, ſein Automobil mit einer Flugmaſchine zu
vertauſchen.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 13. Jnni 1912.
Nummer 137.
die Lage jener Zone rings um Berlin feſtſtellen, die für
die Schaffung des Waldgürtels in Betracht kommt. Auch
die fiskaliſchen Forderungen, die bisher ſo hoch waren,
daß ſie von der Stadt abgelehnt werden mußten, werden
erneut geprüft und vorausſichtlich auch entſprechend dem
Machtwort des Kaiſers zugunſten der Stadt Berlin
ge=
mildert werden. Das Eingreifen des Kaiſers in dieſer
Frage wird von der ganzen Bevölkerung Berlins
ſym=
pathiſch begrüßt, umſomehr, als Berlin in den letzten
Jah=
ren ſehr peinlich unter der Behandlung gelitten hat, die ihm
die Bürokratie angedeihen ließ. — Geſtern vormittag gegen
10 Uhr ſtießen in der Berlinerſtraße in Charlottenburg
ein Privat= und ein Droſchken=Auto zuſammen. Von
den Inſaſſen, eine Dame und drei Herren, wurde ein Herr
ſo ſchwer verletzt, daß er nach dem Krankenhaus Weſtend
gebracht werden mußte. Die übrigen Perſonen konnten,
nachdem ſie in einer nahe gelegenen Apotheke verbunden
worden waren, ihren Weg fortſetzen. — Den Paſſanten
der Schloßbrücke zu Charlottenburg bot ſich geſtern abend
gegen 10½ Uhr ein aufregendes Schauſpiel. Eine
Frau ſprang mit ihren beiden Kindern, einem Knaben im
Alter von ungefähr fünf Jahren und einem Mädchen von
acht Jahren in die Spree. Zwei Herren ſahen, wie
ein Paſſant, der unverzüglich nachgeſprungen war, den
Knaben faſſen konnte, während das Mädchen vom Strome
weiter getrieben wurde. Sie löſten einen Kahn von einer
dort liegenden Zille, fuhren ſtromabwärts und bargen das
Mädchen. Es war bewußtlos. Aerztliche Hilfe vermochte
es nach langen Bemühungen wieder ins Leben
zurückzu=
rufen. Die zuſtändige Polizeimannſchaft machte Verſuche,
auch die Mutter zu retten, es war aber vergebens.
Potsdam, 12. Juni. Auf der Havel, gegenüber dem
Schloß Babelsberg, kenterte geſtern abend ein mit
fünf Perſonen beſetztes Boot. Drei Perſonen, zwei
Füſiliere und eine Fabrikarbeiterin ertranken, die
beiden anderen wurden gerettet.
Frankfurt, 12. Juni. Der 19jährige Weißbindergeſelle
Joſeph Rupp hat geſtern nachmittag ſein früher
abge=
legtes Geſtändnis widerrufen und nunmehr
zu=
gegeben, daß er das Haus Königswarterſtraße 5 aufgeſucht
hat, um dort einzubrechen. Als er dabei von der Frieda
Veſter überraſcht wurde, habe er ſie getötet, um die Zeugin
ſeines Einbruchs aus der Welt zu ſchaffen. Die von Rupp
kurz nach ſeiner Verhaftung am Samstag abend abgegebene
Erklärung, er habe das Mädchen zu einem verabredeten
Ausflug abholen wollen und es getötet, da es ihm nicht zu
Willen geweſen ſei, fand bei der Kriminalpolizei von
vornherein wenig Glauben.
Heidelberg, 11. Juni. Das vom Flottenbund deutſcher
Frauen veranſtaltete Sommernachtfeſt auf dem
Heidelberger Schloß nahm unter Beteiligung eines
viele Tauſende zählenden Publikums einen glänzenden
Verlauf. Rauſchenden Beifall fanden die Aufführungen
der Duncan=Tanzſchule aus Darmſtadt. Abends fand eine
Beleuchtung des Schloſſes ſtatt.
München, 11. Juni. Freiherr v. Cramer=Klett
hat dem Magiſtrat der Stadt München eine Summe von
200000 Mark zu dem Zwecke überwieſen, damit die
Schaff=
ung einer Gartenſtadt zu fördern.
Waldshut, 12. Juni. An der Aare=Brücke bei
Kob=
lenz (Schweiz) waren geſtern nachmittag fünf Anſtreicher
beſchäftigt, als das Gerüſt brach. Die Leute
ſtürz=
ten in die Aare, ein Mann rettete ſich ſelbſt, zwei andere
wurden durch einen ſchweizeriſchen Polizeiſoldaten bei
der hieſigen Rheinfähre gerettet. Zwei Maler ſind
er=
trunken, ihre Leichen wurden bisher noch nicht gefunden.
Marſeille, 11. Juni. Heute vormittag brach in einer
hieſigen Spiritusbrennerei ein verheerender
Brand aus, der bald große Dimenſionen annahm. Die
Bewohner der Nachbarſchaft der Brandſtelle mußten
ſchleu=
nigſt ihre Wohnungen räumen, da fortwährend
Explo=
ſionen von Alkoholbehältern erfolgten und die Hitze bald
unerträglich war. Der angerichtete Schaden wird auf zwei
Millionen Francs geſchätzt.
London, 11. Juni. Der Schuhmacher Wilhelm Voigt,
bekannt als Hauptmann von Köpenick, iſt vor drei
Tagen im Hoſpital geſtorben.
New=York, 11. Juni. Prinz Heinrich XXVII.
von Reuß der an Bord des deutſchen Kriegsſchiffes
„Moltke‟ Offizier iſt, rettete am Montag viele Frauen
und Kinder vor dem Tode des Ertrinken s.
3 mit Schauluſtigen überfüllte Boote verſuchten an der
einen Seite des Kreuzers zu landen. Plötzlich ſchleuderte
eine hohe Welle das eine Boot unter die Plattform der
Laufbrücke und das Boot begann langſam zu ſinken. Der
Prinz lief im Sturmſchritt zu den Seilen, riß ſie
herun=
ter, warf ſie den ſchon halb Verſinkenden zu und rettete
ihnen ſo das Leben.
New=York, 12. Juni. Nach einer Meldung aus
Se=
ward (Alaska) ſind die Dörfer Kodiak und Wood=Island
infolge des Ausbruches des Vulkans Katmei.
der am Sonntag begann und 48 Stunden dauerte, mit
einer Aſchenſchicht von einem Fuß Höhe bedeckt:
Men=
ſchenleben ſind nicht zu beklagen.
Rerz von her. Er war mit noch einem Gefelln mit
dem Aufbauen einer Badeanſtalt beſchäftigt. Dabei wollte
er ein Faß in den Rhein wälzen. Dieſes entglitt ihm in
den Rhein und wollte abtreiben. Da lief er in einen
Nachen, nahm ein Ruder und wollte das Faß feſthalten.
Dieſes aber wurde von der Strömung erfaßt und rollte
unter dem Ruderblatt heraus. Dadurch verlor der junge
Mann den Halt und ſtürzte kopfvor in den Rhein.
Ohne daß der andere Geſelle helfen konnte, war er in den
Fluten verſchwunden. Nur als Leiche konnte er geländet
werden.
Langen, 12. Juni. Der 5 Jahre alte Sohn des hieſigen
Zahntechnikers Stahl machte ſich mit dem
Jagdge=
wehr ſeines Vaters zu ſchaffen; er legte durch
das Fenſter an und traf den 10jährigen Sohn des
Hafen=
arbeiters Greb der auf der Straße ſtand, mitten ins
Herz. Der Knabe war ſofort tot. In der ganzen
Ge=
meinde herrſcht über dieſen tragiſchen Vorfall eine
begreif=
liche Erregung, zumal man annimmt, daß der Vater des
unglücklichen Schützen das Gewehr zu entladen unterlaſſen
hatte.
-h- Von der Bergſtraße, 12. Juni. In unſeren
Luft=
kurorten ſind die Kurfremden bis jetzt noch nicht ſo
zahlreich vorhanden, wie man es in den vergangenen
Jahren um dieſe Zeit gewohnt war. Die geſchäftliche
Depreſſion, und die herrſchende Teuerung mögen wohl die
Gründe dieſer wenigen Beſucher ſein. — Während die
Blüte in den Weinbergen raſch vorwärts ſchreitet
durch die warme Witterung, macht ſich die
Blattfall=
krankheit in ganz bedenklicher Weiſe bemerkbar. Wenn
die Winzer nicht alle Hebel in Bewegung ſetzen, ſo dürften
ſich die gehegten Hoffnungen auf ein gutes Weinjahn ſehr
de=
zimieren. — Die Heuernte hat begonnen und liefert
einen guten Ertrag. — Die Kartoffeln ſtehen im
Allge=
meinen gut, doch ſind auch Felder vorhanden, die ſehr
lückenhaft ſind, und viel zu wünſchen übrig laſſen.
-h- Jugenheim, 11. Juni. In betreff der elektriſchen
Bahn war eine Kommiſſion, worunter Herr Baurat
Rötel=
mann aus Darmſtadt, hier anweſend, um unter Zuziehung
der Bürgermeiſter von Jugenheim und Seeheim die in
Ausſicht genommene Bahnſtrecke zu beſichtigen.
R. Mainz, 11. Juni. Seit längerer Zeit geht die
Stadt Mainz mit dem Gedanken um, die Orte
Guſtavs=
burg und Ginsheim durch die Fortführung der
be=
ſtehenden elektriſchen Vorortbahn an das ſtädtiſche
Straßenbahnnetz und den Mainzer Verkehr
anzu=
ſchließen. Nunmehr hat man ſich auch in der
Ge=
meinde Ginsheim mit der Frage in einer ſtark beſuchten
Verſammlung des Bürgervereins beſchäftigt. Es wurde
betont, daß man das Projekt der Fortführung der Bahn
unbedingt unterſtützen müſſe. Der Vorſtand des
Sürgervereins wurde ermächtigt, ſich mit der
Gemeinde=
verwaltung ins Benehmen zu ſetzen, damit dieſe die
notigen Schritte bei der Stadtverwaltung Mainz tun
möge.
Alzey, 12. Juni. Nachdem mit Rückſicht auf die
ge=
ſteigerten Lebensbedürfniſſe ſämtlichen ſtädtiſchen Beamten
vor einigen Monaten Teuerungszulagen bewilligt
worden waren, ſetzte die Stadtverordneten=Verſammlung
kürzlich die damals in Ausſicht geſtellte neue
Beſoldungs=
ordnung feſt, die vom 1. April d. J. ab Gültigkeit hat.
Herr Bürgermeiſter Dr. Sutor als Chef der ſtädtiſchen
Beamtenſchaft dankte in der letzten Sitzung für die den
Beamten und Angeſtellten gewährten Erhödungen, die auch
eine Anerkennung deren Dienſtführung bewieſen und ſprach
gleichzeitig, wie ſchon gemeldet, ſeinen freiwilligen
Ver=
zicht auf die ihm bewilligte Teuerungszulage zugunſten
der Stadtkaſſe aus.
Bingen, 11. Juni. Hier wurde von der Polizei ein
gewiſſer Zieborlt feſtgenommen, der vom
Unter=
ſuchungsrichter von Breslau ſteckbrieflich verfolgt wird.
In ſeiner Begleitung befand ſich die Verkäuferin Gertrud
Goldmann aus Breslau. Beide hatten ſich hier als
Ehepaar Fuchs aus Berlin niedergelaſſen und waren
der Polizei durch die Art und Weiſe, wie ſie das Geld
in den Wirtſchaften ausgaben, aufgefallen. Eine bei der
Verkäuferin vorgenommenen Körperunterſuchung förderte
4 Sparkaſſenbücher, auf den Namen Paul Zieborlt
lau=
tend, zu Tage. Bei der Hausſuchung fand man eine
rote lederne Brieftaſche mit 38000 Mark Geld. Das
Geld iſt ein Teil des Betrages, den Zieborlt in ſeiner
Stellung als Expediant in Breslau veruntreut
hatte. Zieborlt hatte ſich zuerſt als Fr. Engel aus
Mann=
heim und dann als Poſtſekretär Paul Fuchs aus Berlin
ausgegeben.
Groß=Winternheim, 12. Juni. Die hohe Böſchung
von der Landſtraße durch einen Drahtzaun in den
Gar=
ten des Gaſtwirtes Bieſer hinuntergeſtürzt iſt
ein mit Ausflüglern aus Schwabenheim beſetzter
Wagen. Der Unfall ereignete ſich dadurch, daß das
Pferd ſeitwärts über die Deichſel ſchlug, wodurch der
Wagen auf eine Seite zu ſtehen kam und mit großer
Geſchwindigkeit die Böſchung hinabſtürzte. Abaeſehen
von Hautabſchürfungen, verurſacht durch den
Stachel=
draht des Zaunes, wurde niemand ernſtlich verletzt. Die
Fahrt konnte, nachdem das ebenfalls nur Rißwunden
aufweiſende Pferd nach längerer Arbeit auf die
Land=
ſtraße gezogen war, fortgeſetzt werden.
(*) Lich, 11. Juni. Ein großer Trauerzug bewegte ſich
heute durch unſere Stadt; der bei Eberſtadt erſchoſſene
Ge=
freite Karl Spar, von den 23er Dragonern, wurde
be=
erdigt. Die 1. Schwadron hatte ſich in Stärke von 3
Offizieren und 75 Mann hierher begeben, um dem ſo jäh
geſchiedenen Kameraden die letzte Ehre zu erweiſen. In
dem Trauerzuge befanden ſich auch der Kriegerverein, der
Geſangverein Männerquartett und ein Vertreter des
Fürſten. Stiftsdechant Klingelhöffer hielt die Grabrede
und der Geſangverein ſang einen Trauerchor. Offiziere,
Unteroffiziere und Mannſchaften legten prachtvolle Kränze
nieder. Der Verſtorbene war ein braver Sohn ſeiner
Eltern. Er diente im letzten Jahre und wäre im Herbſt
entlaſſen worden.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 11. Juni. Im
Kaiſer=
lichen Schloß in Berlin hat geſtern unter dem
Vorſitz des Kaiſers und im Beiſein des
Land=
wirtſchaftsminiſters, des Finanzminiſters, des
Ober=
präſidenten der Provinz Brandenburg und mehrerer
Ver=
treter des Zweckverbandes Groß=Berlin eine Konferenz
ſtattgefunden, die ſich mit der für Berlin ſo überaus
wich=
tigen Frage der Erhaltung des Waldbeſtandes
in der Umgegend der Stadt beſchäftigte. Der Kaiſer bringt
dieſer Angelegenheit perſönlich großes Intereſſe entgegen.
Vor allem dringt offenbar der Kaiſer darauf, daß die
Waldfrage, die ja für jede Großſtadt von beſonderer
Be=
deutung iſt, ſchnell gelöſt werde, nachdem ſie jahrelang
förmlich verſumpft ſchien. Eine beſondere Kommiſſion des
Zweckverbandausſchuſſes wird, das iſt wohl die Folge des
perſönlichen Eingreifens des Kaiſers, ſchon in allernächſter
Zeit auf Grund verſönlicher Beſichtigung den Umfang und
Gefährdete Jugend.
Knaben=Arbeitsanſtalt. — Beſſunger
Knabenhort.
Die Stadt Darmſtadt beſitzt in der Darmſtädter
Knaben=Arbeitsanſtalt eine Stätte der Jugendfürſorge,
deren erziehliche Einrichtungen ſchon vor Jahrzehnten über
Heſſens Grenzen hinaus für ſtädtiſche und ſtaatliche
Be=
hörden vorbildlich geworden ſind. „Knaben von
unbemit=
telten Eltern, welche von dieſen oder deren Stellvertretern
in der von dem Schulbeſuch freien Zeit nicht gehörig
über=
wacht werden können, während eines Teiles dieſer Zeit
unter Aufſicht zu beſchäftigen, ſie hierdurch vor den
Ein=
flüſſen nachteiliger Geſellſchaft zu bewahren, an nützliche
Tätigkeit, Ordnung, Reinlichkeit, Gehorſam und gute
Sit=
ten zu gewöhnen, ſowie ihnen Gelegenheit zu einem
Ver=
dienſte nach Verhältnis ihres Fleißes und Betragens, zu
geben”, iſt nach § 1 der vor mehr denn 80 Jahren
entwor=
fenen, heute noch gültigen Statuten der Zweck der
Darmſtädter Knaben=Arbeitsanſtalt.
Ge=
gründet im Jahre 1828 von einer Anzahl wohlgeſinnter,
opferwilliger Männer der erſten Kreiſe hieſiger Stadt,
Jahrzehnte hindurch von dieſen perſönlich geleitet und
be=
raten, erfreute ſich die Darmſtädter Knaben=Arbeitsanſtalt
beſonderer Gunſt des Großh. Hauſes, ſowie namhafter
Unterſtützungen aus allen Bevölkerungsſchichten. Die
Bür=
germeiſter Hoffmann, Buſt, Kahlert, Fuchs und Ohly
haben ihr mit den Gemeindevertretern fortgeſetzt reichlichen
Schutz und Förderung angedeihen laſſen, bis ſie unter
Oberbürgermeiſter Morneweg im Jahre 1897 in die
ſtädtiſche Verwaltung aufgenommen wurde; wie
Ober=
bürgermeiſter Dr. Gläſſing und die gegenwärtigen
Stadt=
verordneten der Anſtalt beſondere Fürſorge widmen,
be=
zeugen die neueren baulichen Erweiterungen wie die
fort=
ſchrittlichen Aenderungen im Arbeitsbetrieb. Mit 6
Kna=
ben wurde die Anſtalt 1828 eröffnet. im Jahre 1830 zäblte
ſie 50, in 1860 144, 1880 368; gegenwärtig iſt die Zahl be
ſchränkt auf ca. 300.
Leider ſind von der ſegensreichen Wirkſamkeit de
Darmſtädter Knaben=Arbeitsanſtalt infolge ihrer örtlicher
Lage die Kinder derjenigen bedürftigen Eltern ausgeſchloſ
ſen, die im ſüdlichen Stadtteil, in Beſſungen
anſäſſig ſind. Und doch, wie gebieteriſch fordern auch hie
obwaltende Verhältniſſe fürſorgende Hilfe! Alltäglich ſeher
wir in ſchulfreien Stunden Knaben in den Straßen, it
Feld= und Waldgelände beſchäftigungs= und
aufſichtslo=
umherlungern, Unfug treibend und den Gefahren alle=
Schlimmen und Böſen überliefert! Müßiggang führt zu
Armut, Krankheit, zur Verwahrloſung und zu Verbrechen
Ein Beſſunger Knabenhort müßte dieſen jugend
lich Bedrohten ein Schutz, manchen armen, nach
Erzieh=
ungsmitteln verlangenden Eltern ein Ort der Hilfe werden
Wer wollte verkennen, daß eine geſchickte Anleitung zu ge
ordneter gärtneriſcher und landwirtſchaftlicher Tätigkei
(bei ſchlechter Witterung in Handfertigkeitsarbeiten) einen
erziehlich wohltätigen Einfluß auf die körperliche und ſitt
liche Kräftigung eines Knaben auszuüben vermögen!
We=
will zweifeln an der ſozial=kulturellen Bedeutung eine=
Aeußerung des Vorſtehers der hieſigen Knaben=
Arbeits=
anſtalt: „Meine Jungen, die mehrere Jahre gärtneriſd
tätig ſind, freveln nicht an fremden Sträuchern, Blüten
und Früchten, freveln auch nicht am ſommerlichen Schmue
in Feld und Wald! Sie kennen die Sorge, die eine
Pflanze benötigt!“
Darum auch den Beſſunger Buben ein
Kna=
benhort!
Die Möglichkeit der Errichtung eines ſolchen iſt
näher=
gerückt, ſeitdem durch perſönliche Verhandlungen
mi=
einigen Körperſchaften die Gewißheit erlangt wurde, daf
dieſe zu größeren jährlichen Beiträgen bereit ſind und die
maßgebende ſtädtiſche Behörde an den vorbereitenden
Be=
mühungen Intereſſe zeigt.
Ein größeres Gelände, zwiſchen der Kaſtanienallee und
der Rennbahn gelegen, eben Oedland und in ſtädtiſchem=
Beſitz, wäre für die Anlage beſonders geeignet. Die neut
Schöpfung iſt gedacht als eine der ſtädtiſchen Schulbehörde
unterſtehende Einrichtung, zumal der Koſtenbedarf in
ſeinem=
größeren Teil der Stadtverwaltung zufallen würde. Um
dieſe jedoch zu gewinnen, bedarf es der Jahresbeiträge=bis
zu einer Geſamtſumme von 800—1000 Mark.
Bekannt iſt, in welch anerkennenswerter Weiſe die
Darmſtädter Stadtverwaltung gerade in letzter Zeit ihren
Sinn für Jugendfürſorge betätigt, und wir dürfen
zuver=
ſichtlich hoffen, daß ſie eine aus Privatkreiſen dargebrachte
jährliche Zubuße von ca. 700 Mark in ihrer Bedeutung
vürdigt und die Beſtrebungen zur Schaffung eines
Beſ=
ſunger Knabenhortes zur Verwirklichung bringt.
Wird der Opferſinn wohlbemittelter Kreiſe dieſe 700 Mark
Jahresbeiträge aufbringen? Mehr als die Hälfte iſt
er=
freulicherweiſe durch Zeichnungen von mindeſtens 10=Mark
und höher bis 200 Mark geſichert; für den Reſt iſt zu
wün=
chen und zu hoffen, es möchten die bereits erfolgten
An=
egungen und die vorſtehenden Zeilen freundlich beachtet
und einem ſo notwendigen Wohlfahrtszweck ein warmes
Herz und eine offene Hand entgegengebracht werden!
Gefährdete Knaben retten und bewahren vor
Arbeitsſcheu, Laſter und Elend, ſie gewinnen für
geordnete Tätigkeit, für Gehorſam und
Pflichtgefühl, iſt eine unſerer vornehmſten ſozialen
Aufgaben! Die ſchrecklichen Verbrechen jüngſter Zeit mm
Neckar und Main predigen Mahnung und Lehre!
Zu=
weiterer Auskunft und Entgegennahme von gef.
Anmel=
dungen für Jahresbeiträge ſind bereit: Reallehrer Lerch=
und Hauptlehrer Pfannmäller.
Kongreſſe und Verbandstage.
Dritter Deutſcher Hanſatag.
— Berlin, 11. Juni. Unter Beteiligung einer
gro=
ßen Zahl namhafter Induſtrieller aus allen Teilen des
Deutſchen Reiches, ſowie zahlreicher Vertreter des
Hand=
werks und des Gewerbes und einer großen Zahl von
An=
geſtellten=Vertretern, tritt hier der Hanſabund für Handel=
und Gewerbe und Induſtrie zu ſeinem dritten Hanſatag
zuſammen. Aus dem Geſchäftsbericht über das
Geſchäftsjahr 1911 iſt Folgendes hervorzuheben:
Einlei=
tend wird bemerkt, daß der Hanſabund eine Politik der
ſachlichen Arbeit unter dem Geſichtspunkte richtiger
Ein=
ſchätzung der praktiſchen Bedürfniſſe des deutſchen
Ge=
werbeſtandes unbeirrt weiter verfolge, den Kampf nicht
ſcheuend, wenn er ſein muß. Sodann kommt der
Bericht=
auf die Reichstagswahlen und die Tätigkeit des
Hanſa=
bundes hierbei zu ſprechen. Im Berichtsjahre wurden
2000 große Verſammlungen abgehalten; der Präſident des=
Hanſabundes, Geheimrat Profeſſor Dr. Rießer, ſprachin
28 großen Verſammlungen in allen Teilen des Reiches=
In 50 Zweigorganiſationen wurden Buchführungskure
für Handwerker eingeführt. Während der Wahlzeit ſind
rund drei Millionen Flugblätter zur Verſendung gelangt.
Für die Intereſſen des Detailhandels und die
Geſamt=
intereſſen des deutſchen Handwerks wurde eine Suhmiſe
ſionszentrale gegründet, und für die Induſtrie ſteht die
Gründung eines beſonderen Induſtrierates in Ausſicht.
Zwiſchen Hanſabund und Deutſchem Handelstag wurde
ein Abkommen über die Abgrenzung der Arbeitsgebiete
getroffen. — Der Hanſabund zählte im März 1911 51
Lan=
des= Provinzial= und Bezirksgruppen, 603 Ortsgruppen,
1432 Vertrauensmänner und 660 angeſchloſſene Verbände
und Vereine. Im Juni 1912 haben ſich dieſe Zahlen
be=
deutend vermehrt. Der Hanſabund zählt nunmehr 87
Landes= uſw. Gruppen, 643 Ortsgruppen, 1600
Ver=
trauensmänner und 823 angeſchloſſene Vereine und
Ver=
bände. Die größten Zweigorganiſationen ſind Groß=
Ber=
lin und Hamburg. Auch die Auslandsabteilung des
Hanſabundes iſt im Wachſen begriffen, beſonders in
Oſt=
aſien. Das Direktorium des Hanſabundes beſteht zur Zeit
aus 64 Mitgliedern, die der Induſtrie, allen Zweigen des
Gewerbes, dem Handwerk und den Angeſtelltenkreiſen
an=
gehören, gegen 41 Mitglieder im Jahre 1911, und der
Geſamtausſchuß beſteht zurzeit aus 420 Mitgliedern gegen
418 im Jahre 1911. — Zum Schluß wird ausgeführt, daß
der Hanſabund optimiſtiſch in die Zukunft ſchauen könne:
er ſei ein Beſtandteil des deutſchen Wirtſchaftslebens
ge=
worden und wie er Handel und Gewerbe ſchütze und
för=
dere, ſo wünſche er auch, daß es der deutſchen
Landwirt=
ſchaft gut gehen möge.
Südweſtdeutſche Konferenz für Inners
Miſſion.
Stuttgart 11. Juni. Die Südweſtdeutſche
Konferenz für Innere Miſſion begann ihre 48. Tagung, zu
der zahlreiche Vertreter von Baden, Heſſen, Elſaß=
Loth=
ringen und der Pfalz eingetroffen waren, am Abend des
9. Juni mit einem Feſtgottesdienſt in der Stiftskirche.
Die eigentliche Tagung am 10. Juni, um 9 Uhr
vormit=
tags, eröffnet von Profeſſor D. v. Wurſter, begann
mit einem Vortrag von Direktor Schwandner=
Ludwigsburg über „Die Stellung der Inneren Miſſior
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 13. Jnni 1912.
Seite 5.
zu den Beſtimmungen des Vorentwurfs zu einem
deut=
ſchen Strafgeſetzbuch über Jugendſtrafrecht, Alkohol= und
Sittlichkeitsdelikte‟. In der zweiten Hauptverſammlung
am Nachmittag, ſprach Profeſſor D. Schoell=Friedberg
über „Volksapologetiſche Aufgaben der Gegenwart”. Dem
Vortrage ſchloß ſich eine lebhafte Erörterung an, an der
ſich Dekan Groß=Leonberg, Pfr. Völter=Baiereck, Dekan
Herzog=Waiblingen, Hofpred. Hoffmann=Stuttgart,
Sekre=
tär Fiſcher=Heilbronn u. a. beteiligten. Einſtimmig wurde
eine Erklärung angenommen, die die Zuſtimmung zu den
im Referat enthaltenen praktiſchen Vorſchlägen ausſpricht
und eine Organiſation der apologetiſchen Arbeit im
ſüd=
weſtdeutſchen Gebiete anregt. Bei der
Abendveranſtalt=
ung im Königsbau, mit der die Konferenz ihren Abſchluß
fand, boten die zuſammengeſchloſſenen evangeliſchen
Ju=
gendvereine den auswärtigen Gäſten vielſeitige und
ge=
diegene Unterhaltung. Die Poſaunenbläſer mit dem
ein=
leitenden „Die Himmel rühmen uſw.” von Beethoven und
Begleitung der Lieder, die vereinigten Orcheſter mit dem
Intermezzo aus der „Cavalleria ruſticana” und dem
Athalja=Marſch, der Singchor mit dem „Siegesgeſang der
Deutſchen nach der Hermannsſchlacht” die lebenden
Bil=
der der Pfadfinder des Paulusvereins — alle ließen den
frohen, geſunden Geiſt erkennen, in dem dieſe
Vereinigun=
gen geleitet ſind.
Der Konferenz wohnte der Vertreter des Heſſiſchen
Oberkonſiſtoriums, Herr Oberkonſiſtorialrat Euler bei.
Deutſcher Ingenieurtag.
— Stuttgart, 11. Juni. Aus der Reihe der
wei=
teren Vorträge, die die hier tagende 53.
Hauptverſamm=
lung des Vereins Deutſcher Ingenieure entgegennahm,
iſt zu erwähnen der Vortrag des Wirklichen Geheimen
Baurats Dr.=Ing. Veith=Berlin über „Neuere
Kriegs=
ſchifftypen”. Zu dieſem Vortrag war der König von
Württemberg mit Gefolge erſchienen. Die Verſammlung
nahm ſodann einen überaus intereſſanten Vortrag des
Baurats Schmick=München über die Aufgaben und die
Tätigkeit des Ingenieurs in den Kolonien entgegen, an
den ſich eine lebhafte Diskuſſion anſchloß. — Aus den
Beſchlüſſen der Vorſtandſchaft iſt zu erwähnen, daß der
Verein Deutſcher Ingenieure die Summe von 6000 Mark
geſtiftet hat, um Schülern den Beſuch des Deutſchen
Mu=
ſeums in München zu ermöglichen. Ferner wurde
be=
ſchloſſen, der Verſuchsanſtalt für Luftſchiffahrt einen
jähr=
lichen Beitrag von 10000 Mark zu leiſten. — Nach
weite=
ren Beratungen über interne Verbandsangelegenheiten
wurde die Tagung geſchloſſen.
Die Poſtkartenwoche der Großherzogin.
Dritter und vierter Tag.
St. Das Wetter iſt der Veranſtaltung der
Poſtkarten=
woche zu edlem wohltätigem Zwecke offenbar beſonders
hold und geſtaltete die Poſtkartenwoche, die eigentlich
Flugpoſtwoche heißen müßte, zur wahren
Feſt=
woche. Der Dienstag war ausſchließlich dem Verkauf der
Karten und Bilder gewidmet, und obwohl fortgeſetzt viele
Tauſend Karten nachbeſtellt wurden und die
Photogra=
phen, Kliſcheefabriken und Druckereien mit Hochdruck
arbeiten, konnte der Nachfrage nicht im entfernteſten
ge=
nügt werden. Jede Neuauflage war im Nu vergriffen,
und die Flugpoſtämter ſind unausgeſetzt von
Kaufluſti=
gen umlagert.
Der geſtrige vierte Tage wurde mittags wieder durch
Militärkonzerte auf dem Marktplatz, Paradeplatz
und Luiſenplatz eingeleitet. Nachmittags ergoß ſich
wie=
der eine Völkerwanderung nach dem Exerzierplatz, wo
man wieder bei Maſſen=Militärkonzerten promenierte,
Poſtkarten kaufte und das Hauptereignis des Tages, das
Erſcheinen des Poſtluftſchiffs „Schwaben”
erwartete.
Um 5 Uhr waren etwa 15000 Menſchen in Erwartung
der „Schwaben” auf dem Platz anweſend. Gegen ½6 Uhr
trafen die beiden Prinzen und kurz darauf das
Groß=
herzogspaar mit Gefolge auf dem Platze ein und
nahmen in dem beſonders aufgeſtellten Pavillon Platz.
Der Großherzog unterſchrieb fortgeſetzt Poſtkarten. 5 Uhr
45 Min. wurde der Abflug der „Schwaben” aus Frankfurt
gemeldet. Im Flugpoſtamt lagen eine Anzahl
Tele=
gramme für Inſaſſen der „Schwaben” bereit, die in einer
verſiegelten Hülle mit dem Flugpoſtkarten=Beutel an dem
Flugpoſtſeil hinaufgezogen wurden, um den Empfängern
ausgeliefert zu werden.
Kurz nach halb 7 Uhr kam das Poſtluftſchiff „
Schwa=
ben” in Sicht. Aeußerlich war die brave „Schwaben”
der man ihre zweieinhalbhundert Fahrten, darunter viele
in Sturm und Regen, übrigens doch ſchon anmerkt — die
Hülle ſieht ziemlich verwettert aus —, als Poſt luftſchiff
kenntlich gemacht durch eine große Reichspoſtflagge,
die unter den Seitenſteuerungen am Heck wehte. In
flot=
ter Fahrt, mit dem Winde, kam ſie aus der Richtung
Frankfurt, flog im Bogen über Darmſtadt, wendete dann
nach rechts, drehte gegen den Wind, der erheblich ſtark
wehte, und kam, ſchwer gegen den Wind ankämpfend, aber
mit immer wieder bewundernswerter Sicherheit, auf den
abgeſperrten Plätz zu, in deſſen Mitte Poſtbeamte mit den
Poſtbeuteln harrten, jubelnd mit Hurra und
Tücher=
ſchwenken begrüßt. Um ¾47 Uhr war die Schwaben”
über dem Platze angelangt und ging auf zirka 50 Meter
herunter. Es fielen zunächſt mehrere Luftpoſten der
In=
ſaſſen herab, dann löſte ſich das „Poſtflugſeil” mit dem
Karabinerhaken und während die Poſtbeamten mit dem
Befeſtigen des Darmſtädter Poſtſackes, der zirka 60
Kilo=
gramm Luftpoſt enthielt, beſchäftigt waren, löſte ſich oben
ein großes Paket der mitgebrachten Poſt. Der
Fall=
ſchirm breitete ſich aus und langſam und ſicher fiel
die erſte Luftpoſt auf Darmſtadts Boden
nieder. Auch dieſer hiſtoriſch bedeutſame Akt wurde von
den Tauſenden, die ihn miterlebten, mit jubelnden
Hoch=
rufen begleitet. Bald danach ſtraffte ſich das Poſtſeil mit
dem Darmſtädter Poſtſack. — Das Poſtſeil läuft mit
Gegengewicht auf einer Rolle, ſo daß es ſofort auf halbe
Höhe hinaufgezogen werden kann — der Gebäude uſw.
wegen —, und wurde dann während der Weiterfahrt in
die Gondel gebracht. Immer noch ſchwer mit dem
Gegen=
wind kämpfend drehte das Poſtluftſchiff dann nach Weſten,
um auch in Worms und in Mainz die Poſten
aufzuneh=
men. In dem Moment wurde die Abſverrung
durch=
brochen und jubelnd und hurrarufend überfluteten die
Tauſende den Platz. Die Großherzogliche
Fa=
milie hatte kurz vorher den Platz verlaſſen.
Von der Luftpoſt.
Jede Luftpoſtkarte wird auf dem Luftwege befördert!
Ein Leſer ſchreibt uns: „Geehrte Redaktion! Sie
ſchreiben im Tagblatt von heute, daß die in Darmſtadt
aufgegebenen Flugpoſtkarten ebenfalls die
Luft=
reiſe mitnrchen könne (noc=Information). Ich muß
Ihnen aber mitteilen, daß es nicht möglich iſt, denn
ich hatte offizielle Karten am Montag morgen um 9 Uhr
Hauptpoſtamt aufgegeben und die Karten heute morgen,
am 12. 6., um 8 Uhr mit dem Stempel „12. 6. 12.
Darm=
ſtadt. Flugpoſt am Rhein und am Main” bekommen. Mit
der „Schwaben” ſind die Karten nicht befördert worden,
denn das Luftſchiff kommt erſt heute abend, und wären
die Karten mit dem Flieger (Gelber Hund) am
Mon=
tag abend befördert worden, dann wären die Karten
doch am Dienstag, mit dem Stempel vom Montag oder
Dienstag verſehen, angekommen. Alſo ſind die Karten
nicht durch die Luft befördert worden und die 25
Pfennig doch in die Luft geworfen worden und die
Kar=
ten haben keinen Sammelwert.”
Der verehrte Einſender hat nicht Recht. Wie wir
amtlich erfahren, haben alle Luftpoſtkarten den
Stempel vom 12. 6. erhalten. Die am Montag hier
auf=
gelieferten Karten wurden nach Frankfurt befördert
und von dort aus mit dem Flugzeug „Gelber Hund‟
nach hier. Der „Gelbe Hund” hat alſo nicht nur Gelbe
Hundkarten, ſondern ſämtliche bis Montag mittag
aufgelieferten Luftpoſtkarten nach hier befördert, und
zwar, wie bekannt, auf dem Luftwege. Es iſt alſo
unbedingt ſicher, daß jede Flugpoſtkarte
auf dem Luftwege befördert wird.
Es wird darauf aufmerkſam gemacht, daß alle
offi=
ziellen Poſtkarten nur zu dem aufgedruckten Preis
ver=
kauft werden dürfen. In dieſem Preis iſt der Rabatt
der Vermittler bereits eingeſchloſſen.
Nach den getroffenen Vereinbarungen können auf den
offiziellen und den bereits mit der Kaiſerlichen
Poſt=
behörde verabredeten inoffiziellen Poſtfahrten insgeſamt
700 Kilogramm Luftpoſt befördert werden. Bei
grö=
ßerem Bedarf wird eine weitere Poſtfahrt eingeſchoben.
Bis jetzt ſind erſt zuſammen 360 Kilogramm Poſtkarten
eingeliefert worden.
Wir werden weiter darauf aufmerkſam
ge=
macht, daß die beſonderen
Flugzeugkar=
ten, die bald eine Seltenheit ſein werden,
nur durch die Poſtflugmaſchine (Gelber Hund)
befördert werden. Sie erhalten dadurch einen
beſonderen Wert. Auf dem Poſtflug am Montag hat die
Maſchine alle bis kurz vorher im Poſtgebiet Frankfurt
und Darmſtadt aufgegebengn und geſſammelten
Flug=
zeugkarten mitgenommen. Die Maſchine iſt jetzt, wie von
vornherein beabſichtigt war, bei Darmſtadt ſtationiert.
um das Zuſammenziehen neuer Flugpoſt zu erwarten.
Der nächſte Poſtflug wird am Donnerstag auf der
Strecke Darmſtadt-Worms und dann ſofort weiter auf
der Strecke Worms-Mainz unternommen. Auf dieſem
Poſtflug werden alle in dem betreffenden Poſtgebiet,
ſo=
wie auch in Frankfurt bis Mittwoch nachmittag
aufgege=
benen Flugzeugkarten befördert. Die Maſchine bleibt
in Mainz bis Sonntag, um alsdann weitere Poſtflüge
zu machen. Mit dem allgemeinen Poſtluftſchiff „
Schwa=
ben” werden die beſonderen Flugzeugkarten nicht
beför=
dert. Die Geſchwindigkeit der Poſtflugmaſchine beträgt
durchſchnittlich 120 Kilometer.
Aus Worms ſchreibt man uns: Die Nachfrage nach
den offiziellen Poſtkarten iſt auch in Worms eine ſehr
rege. Drei Damen aus Buchſchlag, die am Dienstag im
Automobil durch die Straßen der Stadt fuhren,
verkauf=
ten in zwei Stunden über 1300 Karten. In der gleichen
Zeit ſetzte die Wormſer Volksztg. über 400 Karten ab,
ſo=
daß von dieſen beiden Seiten aus in 2 Stunden
an=
nähernd 1800 Karten verkauft wurden, das
Stück zu 40 Pfg.
Die W. Ztg. ſchreibt: Die geſtern vormittag
einge=
troffenen Karten waren im Nu vergriffen. Die
einzel=
nen Ausgabeſtellen konnten nur bis höchſtens 100 Stück
erhalten, während ſie tauſend abſetzen könnten. Es iſt
eine außerordentliche Willigkeit in der Bürgerſchaft
vor=
handen, die Veranſtaltung der Großherzogin nach
Kräf=
ten zu unterſtützen, und es iſt höchſt bedauerlich, daß die
Zentrale ſo unzulängliche Vorkehrungen getroffen hat,
um die überaus ſtarken Anforderungen zu befriedigen.
Parlamentariſches.
*X* Darmſtadt, 12. Juni. Der Finanz=
Aus=
ſchuß der Zweiten Kammer ſetzte heute
gemein=
ſam mit der Regierung die Beratung fort. Zur
Beſprech=
ung kam die Regierungsvorlage, betr. die
Schulden=
tilgung. Der Ausſchußreferent, Abg. Dr. Oſann, gab
zunächſt eine Ueberſicht über die ſeitherigen Pläne der
Re=
gierung und die jetzige Vorlage, nach welcher die
Eiſen=
bahnſchuld mit ¾ Prozent, die übrigen vorhandenen
Schulden mit 1 Prozent getilgt werden ſollen, während
die am 1. April 1912 aufgenommenen Schulden, ſoweit ſie
werbender Natur ſind, mit 1,9 Prozent, und ſoweit ſie nicht
werbend ſind, mit 3 Prozent zu tilgen ſind. Der
Refe=
rent verlangte von der Regierung, daß die ſtaatlichen
Schulden auseinander gelegt werden ſollten, damit man
prüfen könne, wie hoch nach kaufmänniſchen Grundſätzen
die Tilgung für die einzelnen Schuldbeträge ſei. Bei den
Eiſenbahnſchulden, insgeſamt 360 Millionen Mark, komme
noch in Betracht, daß in dieſer Summe auch der
Ankaufs=
preis für die heſſiſche Ludwigsbahn ſtecke, und daß deren
Wert doch immerhin vorhanden ſei, ſomit einer beſonderen
Tilgung jedenfalls nicht bedürfe. Weiter ſteckten in den
Eiſenbahnſchulden der Grund und Boden des
Bahn=
blanums, bei welchem eine Schuldentilgung ebenfalls nicht
erforderlich ſei, während man für die Gebäude von einer
Schuldentilgung und bei dem Fuhrpark wegen ſeiner
Ab=
nutzung von höherer Schuldentilgung ſprechen könne.
In gleicher Weiſe müßten die übrigen beſtehenden
Schul=
den (79 Millionen) auseinandergelegt werden, an den
einzelnen Objekten, für welche die Schulden gemacht
wurden, zu prüfen, wie hoch ſich die Schuldentilgung zu
ſtellen habe. Der Referent bemängele weiter, daß der
Tilgungsſatz für die ſpäteren Schulden von 1,9 und 3
Prozent viel zu hoch ſei. Es ſei nicht erforderlich, daß
dieſe Schuld in 30 oder 22 Jahren abgetragen werde.
Der Regierungsvertreter gab dann ein eingehendes Bild
über die Entſtehungsart der Schulden und wies weiter
darauf hin, daß durch das fortwährende Steigen der
Eiſenbahnſchuld und dadurch, daß die Zinſen einen
immer ſteigenden Teil des Reinertrages wegnehmen, auf
einen Minderertrag der Eiſenbahnüberſchüſſe gerechnet
werden müſſe; die Schuldentilgung ſei darum erſt recht
notwendig. Die Regierung vertrat ferner den
Stand=
punkt, daß bei der vorhandenen Schuld von 79 Millionen
ſich nicht allein Bauſchulden befänden, ſondern auch eine
ganze Reihe von Aufwendungen aus dem
Vermögens=
etat, welche eigentlich aus verfügbaren Mitteln hätten
beſtritten werden müſſen, die aber nicht aus ſolchen
be=
ſtritten werden konnten, weil man eben lauznde-Mittel
nicht zur Verfügung gehabt hätte. Jedenfalls könne
unter den Tilgungsſatz von 1 Prozent bei dieſen alten
Schulden von 79 Millionen nicht herabgegangen werden.
Der Ausſchußreferent Dr. Oſann wies darnach auf die
Schuldentilgung des Ludwigsbahngeſetzes vom Jahre 1893
hin. Damals habe die Eiſenbahnſchuld 180 Millionen
betragen und es ſei auf Anregung der Erſten Kammer
der Betrag von 600000 Mark als Schuldentilgung in das
Geſetz aufgenommen worden, alſo ½ Prozent. Dieſer
Pro=
zentſatz könne auch bei den Eiſenbahnſchulden überhaupt
feſtgehalten werden, weil eine Unterſcheidung, für welche
einzelnen Gegenſtände die Schulden aufgenommen
wur=
den, nicht ſchwierig ſein könne. Man mache ſich damit den
Standpunkt zu eigen, welcher gerade in der Erſten Kammer,
beſonders bezüglich der Schuldentilgung betont worden ſei.
Es ſei auch darauf hinzuweiſen, daß ja die
Schulden=
tilgung inſofern eine bewegliche ſei, als ſie nur dann in
vollem Umfang eintrete, wenn aus den Eiſenbahnen ein
Ueberſchuß von mindeſtens 3 Millionen erzielt ſei. Von
anderer Seite wurde im Ausſchuß darauf hingewieſen, daß
die Abgrenzung des Ausgleichsfonds auf 6 Millionen
Mark nicht gerechtfertigt ſei. Es könnte bei ſchlechten
Zeiten länger eine Entnahme ſtattfinden müſſen, wodurch
der Fonds dann zu ſchnell erſchöpft würde. Es wurde
vor=
geſchlagen, dieſen Fonds auf 12 Millionen zu erhöhen,
oder ihn unbegrenzt nach oben zu machen. Durch die
ver=
minderte Schuldentilgung könnten nach Auskunft der
Re=
gierung etwa 220—230000 Mark erſpart und zu anderen
Zwecken verwendet werden und die Regierung ſtellte, was
in ihrem jüngſt dem Ausſchuß unterbreiteten Expoſee
aus=
einander geſetzt ſei, dieſe Summe zur Verfügung und
über=
ließe der Kammer die Wahl, ob ſie dieſelben zur Erhöhung
der Gehalte der Volksſchullehrer oder zur Entlaſtung der
Gemeinden verwenden wolle.
Aus dem Gang der Verhandlungen kann alſs
entnom=
men werden, daß eine geſetzliche Schuldentilgung allerdings
in erheblich ermäßigtem Umfang im Finanzausſchuß Boden
gefunden hat, und daß die Vorſchläge einer Reduktion auf
Prozent aus der Eiſenbahnſchuld und noch weiter
er=
höhten Sätzen bezüglich der künftigen Schulden Anklang
findet. Die Weiterberatung erfolgt morgen Vormittag.
*X* Darmſtadt, 12. Juni. Der dritte
(Wahlprüfungs=) Ausſchuß der Zweiten
Kam=
mer beſchäftigte ſich heute mit zwei noch nicht erledigten
Wahlprüfungen. Ueber die Wahl des Abg. Kredel=
Airlenbach hatte Abg. Grünewald einen ſchriftlichen
Bericht eingeſandt und gleichzeitig über ſeine
Behand=
lung im Ausſchuß Beſchwerde geführt. In dem Bericht
ſprach ſich der Referent für die Annullierung der Wahl
des Abg. Kredel aus, er unterließ es aber, einen
dahin=
gehenden Antrag zu ſtellen. Da der Bericht nicht der
Anſchauung der Ausſchußmehrheit entſprach, ſo beſchloß
dieſe, den Abg. Dr. Zuckmayer zum Referenten zu
be=
ſtellen. Die Ausſchußmehrheit beſchloß beim
Kammer=
plenum die Gültigkeitserklärung der Wahl zu
beantragen — Bezüglich der nicht beanſtandeten Wahl
des Abg. Korell=Königſtädten hatte der Ausſchuß auf
Antrag des Abg. Bähr verſchiedene Erhebungen über
nicht vorſchriftsmäßig gegebene Unterſchriften uſw.
an=
zuſtellen beſchloſſen, durch die aber das Wahlergebnis
nicht berührt wurde. Der Ausſchuß beſchloß dann auch
heute, beim Kammerplenum auch die
Gültigkeitserklä=
rung der Wahl Pfarrer Korells zu beantragen.
Luftfahrt.
Fernflug Berlin-Wien.
* Flugfeld Aſpern, 10. Juni. Abends um 10
Uhr, nachdem Oberleutnant Miller um ½7 Uhr in
Prera geſichtet worden war, waren weitere Meldungen
nicht eingetroffen. Da er ſich nicht mehr in der Luft
be=
finden kann, wird vermutet, daß er irgendwo eine
Landung vorgenommen hat.
* Breslau, 12. Juni. Infolge ſtrömenden Regens
gab Krieger den Flug nach Wien auf.
* Wien, 12. Juni. Der Aviatiker Bergmann mit
ſeinem Paſſagier Leutnant Schürzel hatte bis
Oder=
berg guten Flug. Hierauf kam er durch Nebel in ein
Gewitter, ſo daß er ſelbſt aus 200 Meter Höhe nichts
ſehen konnte. Infolgedeſſen verloren die beiden Flieger
die Orientierung gänzlich und überflogen, ohne es zu
wiſ=
ſen, Prerau und Kremſier; ſie lenkten dann nach Troppau
zurück. Als ſie ſich etwa 100 Meter über dem Erdboden
befanden, bemerkten ſie, daß ſie über Wäldern ſchwebten.
Sie ſuchten eine kleine Waldwieſe auf, wo ſie glatt
lan=
deten. Der Platz liegt in der Nähe des Dorfes Stettin.
Flieger, Paſſagier und Apparat ſind unverſehrt. Da die
Poſtämter in den nächſten Ortſchaften geſchloſſen waren,
konnte weder telegraphiſch noch telephoniſch irgend eine
Nachricht aufgegeben werden. Bergmann und Schürzel
fuhren mit der Bahn nach Wien, wo ſie heute morgen um
6 Uhr eintrafen.
sr. Der deutſch=öſterreichiſche
Aero=
planfernflug Berlin-Wien iſt zu Ende
ge=
gangen, ohne daß es außer Helmuth Hirth noch
einem anderen Teilnehmer gelungen wäre, das Ziel Wien
zu erreichen. Von den am Montag noch im Wettbewerb
geweſenen drei Fliegern, den beiden Oeſterreichern
Ober=
leutnant Miller und Blaſchke, ſowie dem Deutſchen Karl
Krieger, iſt Blaſchke inzwiſchen kurz vor dem Ziel
gleich=
falls ausgeſchieden. Er war, wie gemeldet, am Montag
nachmittag 5 Uhr 29 Minuten zum zweiten Male in
Breslau geſtartet und erreichte bereits um ½8 Uhr
Olmütz, wurde dann aber von Regen und plötzlich
ein=
tretender Dunkelheit überraſcht. Es gelang ihm nicht
mehr, das nahe Ziel, das Flugfeld Aſpern bei Wien, zu
erreichen. Lundenburg, das nur eine Bahnſtunde von
Wien entfernt liegt, paſſierte Blaſchke um ½9 Uhr, dann
verlor er jedoch jede Orientierungsmöglichkeit. Er ſah
ſich infolgedeſſen zur Landung gezwungen, die zwiſchen
Gänſerndorf und Straßhof erfolgte. In der Dunkelheit
gelang es Oberleutnant Blaſchke nicht, die Landung ſo
glatt auszuführen. Der Apparat ſtieß hart auf den
Boden auf und wurde ſo ſtark beſchädigt, daß an eine
Re=
paratur kaum mehr zu denken war. Oberleutnant Blaſchke
verletzte ſich bei dem Unfall am Kinn und mußte ärztliche
Hilfe in Anſpruch nehmen. Sein Paſſagier, Oberleutnant
Nietner, blieb unverletzt. In Wien erwartete man
in=
zwiſchen vergeblich die bereits ſignaliſierten Flieger. Man
hatte Richtungsfeuer angezündet und alles für eine
Land=
ung in der Dunkelheit vorbereitet, aber Stunde auf
Stunde verging. Endlich traf die Meldung von der
Not=
landung Blaſchkes ein und die offiziellen Vertreter ſetzten
ſich ſofort in Automobilen nach der Landungsſtelle zu in
Bewegung. Man fand den Apparat am Vorderteil ſchwer
beſchädigt. Auch der Motor war aus den Fugen
ge=
gebrochen. Die notwendigen Reparaturen an der
Flug=
maſchine konnten an der Landungsſtelle nicht ſo ſchnell
ausgeführt werden, daß Oberleutnant Blaſchke noch hätte
daran denken können, die letzten wenigen Kilometer bis
zum Ziel noch am ſelben Tage zu fliegen. Dazu kam, daß
die Wetterlage ſich zuſehends verſchlechterte. Am=Diens=
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 13. Juni 1912.
Nummer 137.
tag goß es den ganzen Tag in Strömen. Das Flugfeld
war derartig aufgeweicht, daß dort an ein Landen etwa
eintreffender Flugzeuge nicht zu denken war. Man
ent=
ſchloß ſich deshalb, an die noch unterwegs befindlichen
Flieger, Oberleutnant Miller und Karl Krüger,
Warn=
ungstelegramme zu ſenden. Krieger war um ½5 Uhr
morgens von ſeiner Zwiſchenlandeſtelle Kanig im Kreiſe
Guben zum Weiterflug nach Breslau aufgeſtiegen. Er
erreichte den Flugplatz bei Breslau um 5,37 Uhr nach
1 Stunde 27 Minuten. Krieger wollte nach Ablauf der
einſtündigen Zwangsraſt ſofort nach Wien weiterfliegen,
jedoch die Beſchaffung des nötigen Kartenmaterials nahm
längere Zeit in Anſpruch. Erſt kurz vor 10 Uhr war alles
notwendige beſchafft. Der Start erfolgte glatt, aber
be=
reits in geringer Höhe ſetzte plötzlich der Motor aus. Das
Flugzeug ſenkte ſich nieder und überſchlug ſich vollſtändig.
Glücklicherweiſe blieben Flieger und Paſſagier,
Oberleut=
nant Bertram, unverletzt. Oberleutnant Miller machte
bei Strehlen, 30 Kilometer ſüdlich von Breslau, wo er
am Montag gelandet war, mehrere vergebliche
Startver=
ſuche auf dem ungünſtigen Gelände. Dann ſchaffte er
ſei=
nen Apparat, der ſonſt vollſtändig intakt war, auf
gün=
ſtigeren Boden. Er hoffte beſtimmt, abends noch Wien
erreichen zu können, ſtieg dann um 4,14 Uhr nachmittags
auf, wählte aber nicht den Weg über das Altvatergebirge,
ſondern den Umweg über Oppeln. Oberleutnant Miller
wurde zuletzt um ¾6 Uhr über Ratibor auf dem Wege
nach Oppeln geſichtet.
Helmuth Hirth blieb alſo der einzige
Bezwinger der Rieſendiſtanz. Die
Hoffnun=
gen und Wünſche, die die Veranſtalter des Fluges an den
Flug geknüpft haben, ſind nur in recht geringem Maße in
Erfüllung gegangen. Von 19 gemeldeten Fliegern
ſtar=
teten 10, 4 erreichten die Etappenſtation in Breslau, Hirth
allein konnten die Wiener in Aſpern zujubeln.
Die militäriſche Bedeutung der Fernfahrt des „L. Z. 12".
(Z. 3).
Ein Verkehrstruppenoffizier ſchreibt: Bei der großen
Fernfahrt des „L. Z. 12” der unter der Bezeichnung „Z. 3"
von der deutſchen Heeresverwaltung als Militärluftkreuzer
übernommen werden ſoll, hat das neueſte der Zeppelin=
Luftſchiffe geradezu glänzend ſeine außerordentliche
Leiſtungsfähigkeit an den Tag gelegt. Wenn man bedenkt,
daß der vom „L. Z. 12” von Friedrichshafen nach
Ham=
burg zurückgelegte Weg den Entfernungen Hamburg-
London Metz-Bordeaux, Memel-Petersburg
gleich=
kommt und daß bei der Ankunft in Hamburg der Oel= und
Benzinvorrat noch zu einer weiteren ſechsſtündigen Fahrt
gereicht hätte, dann wird man davon überzeugt ſein, welche
gewaltige Aufklärungsarbeit mit einem Z.=Luftſchiff
ent=
faltet werden kann. Mit Leichtigkeit kann es von
Ham=
burg, Metz, Straßburg, Köln, Königsberg, Thorn aus
ganz Frankreich und den Kanal oder einen erheblichen
Teil Rußlands überfliegen, ſchnell kriegsmäßige Höhen
über 1200 Meter erreichen und ſich in ihnen halten. Auf
dieſe Weiſe kann ſofort nach Ausbruch eines Krieges nicht
nur mit einer weitausgreifenden Aufklärung auf den
Land=
kriegsſchauplätzen eingeſetzt, ſondern dieſe auch in der
Nordſee, im Kanal und bis nach England ausgedehnt
werden. Die Fortſchritte in der Funkentelegraphie
er=
möglichen eine Uebermittelung der Erkundungsergebniſſe
während der Fahrt und geſtatten damit eine
ununter=
brochene Aufklärung. Ein Zeppelin=Luftſchiff kann aber
neben ſeiner Beſatzung, dem für dieſe Dauerfahrten
nötigen Betriebsſtoff, dem Ballaſt und dem
Funkenappa=
rat noch gut 1000 Kilogramm Munition mit ſich führen
und auf ſeinen Aufklärungsfahrten durch Herabwerfen von
Sprengſtoffen als Angriffswaffe wichtige Dienſte leiſten.
Angeſichts der hohen Leiſtungen des „L. Z. 12” kann die
Bedeutung der Z.=Schiffe für Heer und Marine nicht
ge=
nug gewürdigt werden, denn ſie werden im Kriege ſowohl
unſerem Landheer als auch der heimiſchen Flotte noch
nicht überſehbare, ganz ausgezeichnete Dienſte leiſten. Es
wird aber nicht allein ihre Tätigkeit von weittragendem
Erfolg begleitet ſein, ſchon die Erwartung dieſer
Luft=
ſchiffe wird bei unſeren Gegnern Beklemmung und
Auf=
regung hervorrufen. Der Beſitz ſo vorzüglicher
leiſtungs=
fähiger Luftſchiffe bedeutet deshalb für uns einen
ge=
waltigen Vorſprung vor allen übrigen Staaten, auf den
wir dank der unermüdlichen Arbeit des Grafen Zeppelin
ſtolz ſein können, und der auch von unſeren weſtlichen
Nachbarn unumwunden anerkannt wird. Deshalb iſt es
mit Freuden zu begrüßen, daß nunmehr auch die Reichs=
Marineverwaltung daran geht, durch den Erwerb eines
Z.=Luftſchiffes die Ueberlegenheit dieſes Typs für ihre
Zwecke auszunützen.
Graf Poſadowsky über das Flugweſen.
* Magdeburg, 12. Juni. In einer
außerordent=
lich zahlreich beſuchten Verſammlung ſprach Graf v.
Po=
ſadowsky über die Idee der
Nationalflug=
ſpende. Er kam hierbei auch auf das Flugweſen im
allgemeinen zu ſprechen und führte aus, in weiten
Krei=
ſen habe man gegen das Fliegen Bedenken gehabt, da es
zu viel Menſchenleben fordere, aber ſolche Opfer habe
man auch bei der Erforſchung von Krankheiten gebracht,
und jede größere Tat erfordere große Opfer. In der
Flugzeugfabrikation hätten die Franzoſen uns Deutſche
überholt, im franzöſiſchen Etat ſtänden für das
Flug=
zeugweſen in dieſem Jahre 25 Millionen und für das
nächſte Jahr 32 Millionen zur Verfügung. Auch
Eng=
land, Rußland und Italien werden große Opfer für das
Flugweſen bringen. Der Redner kam dann allgemein
zu ſprechen auf die Notwendigkeit der Organiſierung des
Flugweſens und betonte insbeſondere die Wichtigkeit von
Fliegerkarten, ſowie von Wegweiſern für die Flieger in
Geſtalt von Leuchtfeuern oder der Beleuchtung großer
Straßen. IInsbeſondere müſſe auch für die
Hinterbliebe=
nen der verunglückten Flieger geſorgt werden. Die
Flug=
maſchine habe im Kriege außerordentlich wertvolle Dienſte
zu leiſten, denn von einer guten Rekognoſzierung hänge
die Entſcheidung einer Schlacht ab. Das Ausland
ver=
folge mit Intereſſe das Ergebnis der deutſchen
National=
flugſpende, die Deutſchen dürften daher nicht zurückſtehen,
und es ſei zu hoffen und zu wünſchen, daß alle Herzen
ſich für dieſe Nationalflugſpende erwärmen.
Haupt=
mann a. D. Hildebrandt=Berlin ſchloß ſich dieſen
Aus=
führungen an und betonte, daß die Franzoſen ſich damit
brüſten, mit ihren 847 Flugmaſchinen die deutſchen
Luft=
ſchiffhallen, die Bahnhöfe, die Tunnels und Brücken uſw.
zerſtören zu können. Die Ausführungen fanden lebhaften
Beifall.
* Hamburg, 12. Juni. Lindpaintner
Baierle in und Jahniſch ſind heute früh kurz nach
4 Uhr auf dem Flugplatz Fuhlsbüttel zum
Ueberland=
flug nach Kiel geſtartet.
* Kiel, 12. Juni. Lindpaintner, Baierlein und
Jahniſch ſind heute früh hier eingetroffen. Lindpaintner
nach 1 Stunde 20 Minuten, Baierlein 5, Jahniſch 10
Mi=
nuten ſhätes. Lindzintner landete in Kronshagen,
Baierlein auf dem ſtädtiſchen Sport= und Spielplatz,
Jahniſch am Kaiſer Wilhelm=Kanal. Die Fahrt wie die
Landung verliefen glatt.
Sport.
* Segelſport. Zweiter deutſcher Sieg im
Eintonner=Pokal. Die dritte Wettfahrt um den
Eintonner=Pokal hat wiederum mit einem Siege der
deut=
ſchen Jacht Windſpiel XVI geendet. Es ſtarteten alle 9
Boote geſchloſſen bei leichtem Nordoſt=Wind. Bereits nach
dem Merkzeichen Kiel 4 hatte ſich Windſpiel einen
Vor=
ſprung geſichert, der gegen Sansſouci=Frankreich 67
Se=
kunden, Momo=Spanien 2 Min. 56 Sek., Nurdug II=
Däne=
mark 2.57 und Quo vadis=Norwegen 3 Min. 33 Sek.
be=
trägt. Der Reſt lag noch weiter zurück. Im weiteren
Ver=
laufe der Regatta vergrößerte Windſpiel XVI dann ihren
Vorſprung und gewann überlegen gegen Sansſouci. Die
2. Runde brachte noch ſpannende Kämpfe zwiſchen Sansſouci
und Momo ſowie Nurdug II und Quo vadis, die zu einigen
Proteſten Anlaß geben, die jedoch das Endergebnis nicht
beeinfluſſen. Das genaue Reſultat: 1. Windſpiel XVI=
Deutſchland 2 Std. 30 Min. 39 Sek., 2. Sansſouci=
Frank=
reich 2:35:19; 3. Momo=Spanien 2:35:41; 4. Nurdug II=
Dänemark 2:37132; 5. Quo vadis=Norwegen 2:38112; 6.
Bunty=England 2:38:58; 7. Neerlandia=Holland 2:39144;
8. Vinga I=Schweden 2141:30; 9. Finn II=Finnland 2:42:55:
Von den bisherigen Regatten hat Deutſchland bisher zwei
und England eine gewonnen. Zum endgültigen Gewinnen
des Pokals gehören drei Siege.
Handel und Verkehr.
D Schiffsliſte für billige Briefe nach
den Vereinigten Staaten von Amerika
(10 Pfg. für je 20 g) (Die Portoermäßigung erſtreckt
ſich nur auf Briefe, nicht auch auf Poſtkarten,
Druck=
ſachen uſw. und gilt nur für Briefe nach den Vereinigten
Staaten von Amerika, nicht auch nach anderen Gebieten
Amerikas, z. B. Kanada): „Kaiſerin Auguſte Viktoria‟
ab Hamburg 13. Juni, „Cincinnati” ab Hamburg
15. Juni, „Kaiſer Wilhelm der Große” ab Bremen
20. Juni, „Berlin” ab Bremen 22. Juni, „Kronprinzeſſin
Cecilie” ab Bremen 25. Juni, „Amerika” ab Hamburg
27. Juni, „George Waſhington” ab Bremen 29. Jun,
„Kronprinz Wilhelm” ab Bremen 2. Juli, „Kaiſer
Wilhelm II.” ab Bremen 9. Juli, „Kaiſerin Auguſte
Viktoria” ab Hamburg 13. Juli. (Poſtſchluß nach
An=
kunft der Frühzüge.) Alle dieſe Schiffe ſind
Schnell=
dampfer oder ſolche, die für eine beſtimmte Zeit vor
dem Abgange die ſchnellſte Beförderungsgelegenheit
bieten. Es empfiehlt ſich, die Briefe mit einem
Leit=
vermerke wie „direkter Weg” oder „über Bremen oder
Hamburg” zu verſehen.
* Die Heſſiſche Eiſenbahn=
Aktien=
geſellſchaft iſt auf Grund eines Vertrages zwiſchen
der Stadt Darmſtadt und der Süddeutſchen
Eiſenbahn=
geſellſchaft unterm 15. April 1912 zu Darmſtadt errichtet
worden. In die Geſellſchaft haben eingebracht: a) die
Stadt Darmſtadt die in ihrem Eigentum befindlichen
elektriſchen Straßenbahnen mit allen dazu gehörigen
An=
lagen und Betriebsmitteln, Grundſtücken und Gebäuden,
b) die Süddeutſche Eiſenbahngeſellſchaft die in ihrem
Eigentum befindlichen ſchmalſpurigen
Dampfſtraßen=
bahnen von Darmſtadt nach den 3 Orten Griesheim,
Eberſtadt und Arheilgen mit allen dazu gehörigen
An=
lagen, Betriebsmitteln, Grundſtücken und Gebäuden. Die
Stadt Darmſtadt hat weiter ihre beiden
Elektrizitäts=
werke und den Betrieb derſelben an die Aktiengeſellſchaft
übertragen. Das Aktienkapital der Geſellſchaft von
4000000 Mark iſt von der Stadt Darmſtadt mit 50
Pro=
zent, von der Süddeutſchee: Eiſenbahngeſellſchaft mit
49 Prozent und von der Provinz Starkenburg mit
1 Prozent übernommen worden. Der Betrieb der
oben=
genannten Bahnen und Elektrizitätswerke geht vom
1. April 1912 ab für Rechnung der Aktiengeſellſchaft. Es
iſt vorgeſehen, den Dampfbetrieb unverzüglich in
elektri=
ſchen umzuwandeln und unter gewiſſen Vorausſetzungen
die Bahn Darmſtadt-Eberſtadt nach Pfungſtadt bezw.
Jugendheim an der Bergſtraße fortzuſetzen. Die
Geſell=
ſchaft iſt ermächtigt, zunächſt 5000000 Mk. 4 Proz. mit
Prozent zu tilgende Schuldverſchreibungen
auszu=
geben, für die die Stadt Darmſtadt die Garantie für
Zahlung der Zinſen und Tilgungsbeträge übernommen
hat. Dieſe Anleihe wird laut heutiger Anzeige dem
Pu=
blikum zum Kurſe von 99,10 Prozent angeboten.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Sehr geehrte Redaktion!
Fährt man von hier nach Groß=Gerau, ſo koſtet ein
Billet zweiter Klaſſe 75 Pfg., will man von dort wieder
zurück, ſo muß man für das gleiche Billet 80 Pfg. zahlen.
Da die Rückbeförderung auf dem inneren Radius des
Schienenweges ſich vollzieht, alſo genau gerechnet kürzer
iſt als die Hinfahrt, ſo bleibt nur die Vermutung übrig,
daß die Ehre, nach Darmſtadt fahren zu dürfen, von der
Eiſenbahnverwaltung mit 5 Pfg. extra bewertet wird.
Literariſches.
In der von der Verlagsbuchhandlung B. G.
Teubner in Leipzig herausgegebenen Sammlung
wiſſen=
ſchaftlich=gemeinverſtändlicher Darſtellungen aus allen
Gebieten des Wiſſens Aus Natur und
Geiſtes=
welt” (jeder Band 1 Mk. bezw. 1,25 Mk.) ſind weiter
erſchienen Bd. 47: Die Tuberkuloſe, ihr Weſen,
ihre Verbreitung, Urſache, Verhütung und Heilung. Für
die Gebildeten aller Stände gemeinfaßlich dargeſtellt von
Generalarzt Profeſſor Dr. Wilhelm Schumburg in
Han=
nover. Zweite, verbeſſerte und vermehrte Auflage. Mit
einer Tafel und 8 Figuren im Text. — Bd. 98: Die
deutſchen Kolonien, Land und Leute. Von
Dr. Adolf Heilborn in Steglitz bei Berlin. Mit
zahl=
reichen Abbildungen im Text und auf Tafeln. Dritte,
verbeſſerte und vermehrte Auflage. — Bd. 224:
Expe=
rimentelle Pädagogik mit beſonderer Rückſicht
auf die Tat. Mit 6 Textabbildungen. Zweite,
ver=
beſſerte und vermehrte Auflage. — Bd. 251: Die
Ge=
ſchlechtskrankheiten, ihr Weſen, ihre Verbreitung,
Bekämpfung und Verhütung. Zweite Auflage. Für
Ge=
bildete aller Stände bearbeitet von Generalarzt
Pro=
feſſor Dr. Schumburg in Hannover. Mit 4 Figuren im
Text und einer mehrfarbigen Tafel. — Bd. 304: Die
Mechanik der feſten, flüſſigen und
gas=
förmigen Körper. Teil II. Die Mechanik der
flüſſigen Körper. Von Geh. Reg.=Rat Albrecht von
Ihering in Gießen. Mit 34 Textabbildungen. — Bd. 326:
Deutſche Baukunſt ſeit dem Mittelalter
bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts.
Von Dr. Adalbert Matthaei, Geh. Regierungsrat,
etatsmäßiger Profeſſor der Bau= und Kunſtgeſchichte an
der Königl. Techniſchen Hochſchule Danzig. Mit 62
Ab=
bildungen und 3 Tafeln. — Bd. 348: Induſtrielle
Feuerungsanlagen und Dampfkeſſel. Von
Ingenieur Joh. Eug. Mayer in Donaueſchingen. Mit
Abbildungen.
Vom Mädchen zur Frau‟ Ein
zeitge=
mäßes Erziehungs= und Ehebuch. Allen reifenden
Töch=
tern, Gattinnen, Müttern und Volkserziehern gewidmet
Von Frau Dr. Emanuele L. M. Meyer=München
Elegant kartoniert 2 Mark, in feinem Leinenband mit
Futteral 3 Mark. Verlag von Strecker und Schröder in
Stuttgart. Ein Buch, das von den zahlreichen
Anhän=
gerinnen der bekannten Frauenärztin und Volksrednerin
ſeit Jahren erbeten und mit Spannung erwartet wurde,
Die Beweggründe, aus denen heraus das Buch
entſtan=
den iſt, zeigt am beſten ſein Vorwort in den folgenden
Sätzen: „Hier lege ich nieder den Ausdruck einer
ſchmerz=
voll tiefen, unabweisbaren Ueberzeugung, der Gewiſſen
gewordenen Erkennntis des Menſchen, des Weibes — des
Arztes in mir. Dieſe Erkenntnis und Ueberzeugung
habe ich formulieren müſſen zum Kampfruf gegen eine
ſexuell verſeuchende Menſchheit, zum Mahnruf an eine
irregeführte, ſieche, verſagende Frauenſchaft. zum Ruf der
Klärung, der Belehrung, der Bewahrung an unſere
Töch=
ter und Jungfrauen. Es ſind Worte, tiefſtem Herzen
ent=
ſtiegen, in heißem Mitleid gereift und von dem großen
Sehnen getragen, ſie möchten Unwiſſende lehren,
Wollen=
den helfen, dem Edeltum der Frauenſchaft aber Parole
und Wegrichtung werden.”
— Abendrot. Neue Gedichte von Stephan
Milow Mit einem Bilde des Dichters von Thereſe von
Mor. Elegant gebunden 3 Mark. Stuttgart, Verlag
von Adolf Bonz und Co. Es iſt ein echtes Kind
Milow=
ſcher Muſe: inniges Einfühlen in die lebendige Natur
und beſchauliches Betrachten des Weltlaufs, Einleben in
die menſchliche Perſönlichkeit, ihr Streben und Sehnen,
ihr Verzagen im Kampf und mutiges
Wiedervorwärts=
dringen, ihr verhaltenes Leid und ihr jubelndes
Erfül=
lungsglück. So ertönen alle Saiten der lyriſchen Harfe.
Die Form iſt durchaus vollendet, oft geradezu
muſika=
liſch, wie ja viele Lieder Milows mehrfach vertont
wur=
den. Das neue Buch kann die Auffaſſung der modernen
Literaturgeſchichte nur beſtärken, die Milow für den
größ=
ten öſterreichiſchen Lyriker ſeit Lenaus Tod erklärt,
Vermiſchtes.
Kampf gegen die Schundliteratur.
Ueberall iſt man rührig an der Arbeit, der Verbreitng
der Schmutz= und Schundliteratur einen wirkſamen Damm
entgegenzuſetzen. Deshalb ſuchen die Schundverleger
immer neue Wege, um ihre Schandware unter die Leute
zu bringen. Das gelingt ihnen ſehr gut. Das beweiſt die
Tatſache, daß unſer deutſches Volk im letzten Jahre
im=
mer noch mehr wie 50 Millionen für Erzeugniſſe dieſer
Literatur ausgegeben hat. Unſer Volk hat die
Schund=
literatur noch nicht überwunden. Vereine, die ſich nun
zur Aufgabe machen, guten Leſeſtoff um billigen Preis
auch den mingerbemittelten Schichten unſeres Volkes
zu=
zuführen, ſind deshalb ſehr nötig. So beſteht ſeit die
Jahren ein ſolche Ziele verfolgender Verein in Heſſen,
Es iſt dies der „Heſſiſche
Volksſchriftenver=
ein”. Raſtlos war er in dieſer Zeit an der Arbeit. Und
mancher ermutigende Erfolg wurde ſchon erzielt. Die=
Anforderungen werden aber immer größer, die
Einnah=
men aber leider nicht im gleichen Maße. Das iſt aber
unbedingt nötig, wenn der Verein in der ſo erfolgreich
begonnenen Entwickelung nicht ſtilleſtehen ſoll.
Unter=
ſtützung durch die weiteſten Kreiſe iſt deshalb dringen!
erwünſcht. Mit 2 Mark Jahresbeitrag wird man ſchon
Mitglied. Man melde ſich deshalb umgehend bei dem
erſten Schriftführer des Vereins, Herrn Lehrer
Haſſin=
ger=Alzey, an, der jede nähere Auskunft gerne erteilt
und von dem auch Aufruf und Satzungen des Vereins
bezogen werden können.
Das deutſche Geſchwader in New=York.
* New=York 12. Juni. Die Zeitungen
fahren fort, Artikel über den deutſchen Beſuch zu bringen.
World ſagt über die Mannſchaften: In ihrem
körper=
lichen Ausſehen und ihrer Intelligenz, ſowie ihrem
Be=
nehmen ehren ſie ſich ſelbſt, das deutſche Syſtem der
Flottenausbildung und Kaiſer und Vaterland.
* New=York 12. Juni. Der Vorſitzende des=
Deutſchen Vereins erhielt auf das an den Kaiſer
gerichtete Begrüßungstelegramm folgende
Antwort: Dem deutſchen Klub in New=York, der mit
aufrichtigem Gefühl meinen Schiffen einen ſo gaſtlichen
Empfang bereitete, meinen beſten Dank für die
freund=
lichen Grüße. Wilhelm.
* New=York, 12. Juni. Der Bürgermeiſtek
und ein Komitee von Bürgern gaben heute dem
Konter=
admiral von Rebeur=Paſchwitz und den
Matko=
ſen ein Gabelfrühſtück. Am Nachmittag fand
gro=
ßer Empfang auf dem prächtig mit Blumen und
Tannenreis geſchmückten Deck der „Moltke” ſtatt.Am
Abend gab Cornelius Vanderbilt dem Konteradmiral
v. Rebeur=Paſchwitz und den Offizieren ein Diner im
New=Yorker Jachtklub mit nachfolgendem Empfang.
Der Ausſtand der Seeleute in Havre.
* Paris, 11. Juni. Der Ausſtand der Seeleute
in Havre, die am vorigen Samstag 20 Minuten vor der
Abfahrt des Dampfers „La France” ihren Dienſt
nieder=
legten, um eine Lohnerhöhung durchzudrücken, ſcheint
eine kritiſche Wendung nehmen zu wollen. Da
die Compagnie Transatlantique die Lohnerhöhung
ver=
weigert, ſo haben ſich auch noch andere Seeleute in Havre
dem Ausſtand angeſchloſſen. Der
Miniſterpräſi=
dent hatte heute mit den Miniſtern der Marine, des
Innern und der Arbeit und dem Staatsſekretär für Poſt
und Telegraphie eine Zuſammenkunft, um über die Lage
zu beraten. Falls die Regierung dem Verlangen der
Geſellſchaft nachkommt und aus der Kriegsmarine
Mann=
ſchaften zur Verfügung ſtellt, ſo wollen auch die Seeleute
in den anderen Häfen, wie ſie bereits gedroht haben, ſich
dem Ausſtande ihrer Kameraden in Havre anſchließen
* Havre 11. Juni. Der Poſtdampfer
„France” beabſichtigt, nicht in See zu gehen. Die
See=
leute der Normaniſchen Geſellſchaft, welcher der
Küſten=
dienſt obliegt, ſind an Land gegangen. und der Dienſt
iſt eingeſtellt worden. Zahlreiche Mannſchaften von
Privatjachten haben ſich der Bewegung angeſchloſſen.
Die Zahl der Streikenden beträgt gegenwärtig 1150, von
denen 600 der Transatlantiſchen Geſellſchaft angehören.
Auch die Mannſchaften der Boote, die den Hafendienſt
verſehen, ſind an Land gegangen und die Schiffahrt=iſt
ſo gut wie lahm gelelt.
Der engliſche Transportarbeiterſtreik.
* London, 11. Juni. Auf eine Anfrage im
Unter=
hauſe wegen der Streiklage erklärte Premierminiſter
Asquith, die Regierung habe während der letzten
zehn Tage jeden Verſuch gemacht, den unglücklichen
Streik zu einer befriedigenden Löſung zu bringen. Die
Vorſchläge der Regierung ſeien aber von beiden Seiten
als nicht annehmbar befunden worden. Ramſay Mac
Donald fragte, ob die Regierung noch auf dem
Stand=
punkte ſtehe, den beiden Parteien ihre guten Dienſte
an=
zubieten. Asquith bejahte die Anfrage.
* London, 11. Juni. Der Erklärung des
Nationalſtreiks ſcheint nicht in dem Umfang
ent=
ſprochen zu werden, wie die Führer es erwarteten. Die
Haltung der Gewerkſchaft der Matroſen und Heizer iſt
noch ungewiß, da viele durch Abſtimmung unter den
Mitgliedern herbeizuführende Entſcheidungen erſt
Mon=
tag bekannt werden. Während die Streikenden von dem
ſchließlichen Erfolge überzeugt zu ſſein ſcheinen, ſelbſt
wenn der Streik zwei Wochen dauert, iſt es dennoch
mög=
lich, daß er vorher beigelegt wird, beſonders wenn es
der Regierung gelingt, die Arbeitgeber zu
Verhandlun=
gen zu überreden. Die Gewerkſchaft der
Transportarbei=
ter hat heute abend zur Unterſtützung der Mitglieder
der Trade Union einen Aufruf erlaſſen.
* London, 11. Juni. Die Arbeit wird
regel=
mäßig fortgeſetzt in Newcaſtle, Cardiff und
Swanſea. Dagegen iſt die Lage in Hull noch immer
ungewiß. Zweitauſend Arbeiter ſind in Southampton
ausſtändig, faſt ebenſoviel in Plymouth, wo die meiſten
Fuhrleute ſich den Hafenarbeitern anſchloſſen. Dagegen
geht die Arbeit in Liverpool ohne Störung vorwärts;
die Hafenarbeiter arbeiten wie gewöhnlich, diejenigen
von Sunderland weigerten ſich, der Streikaufforderung
zu gehorchen, auch in Blyth wird der Aufforderung nicht
entſprochen. Ausſtändile von Eaſt India Dock griffen
heute früh mehrere Leute beim Betreten der Docks an.
Dabei wurden zwei Verhaftungen vorgenommen. An
ſämtlichen Eingängen zu den Docks ſind
Polizeiverſtär=
kungen aufgeſtellt. Die Dockarbeiter von Briſtol,
Avon=
mouth und Portiſhead ſtreiken aus Sympathie mit den
Ausſtändigen in London. Heute vormittag iſt das
Kabi=
nett zu einer Beratung über die durch den Streik
ge=
ſchaffene Lage zuſammengetreten.
* London, 12. Juni. Nach dem Bericht der
Gewerk=
ſchaft der Dockarbeiter beträgt die Zahl der
Aus=
ſtändigen in Swanſea 3000, in Plymouth 3500, in
Southampton 6000, in Briſtol 7000, in Sharpneß 2000, in
Salford 4500. Die Geſamtzahl beläuft ſich auf 45000.
Der italieniſch=türkiſche Krieg.
* Rom, 11. Juni. Nach Mitteilungen des
Kriegs=
miniſteriums ſind bis jetzt auf den Schlachtfeldern oder
in=
folge von Verwundungen während des italieniſch=
türki=
ſchen Krieges 57 Offiziere und 588 Soldaten
geſtorben. Die vermißten 2 Offiziere und 325 Mann,
die größtenteils dem 11. Berſaglieri=Regiment angehören
und ſeit dem 23. Oktober 1911, dem Tag des Gefechts bei
Schara=Schat, nicht mehr geſehen wurden, ſind hierin nicht
einbegriffen.
* Rom, 12. Juni. Der offiziöſe Popolo Romano
erklärt es für unrichtig, daß die Beſetzung weiterer
Inſeln des Archipels bevorſtehe. Wenn Italien
die Dardanellen forcieren wolle, ſagt das Regierungs=
Organ, ſo könne es dies auch tun, ohne zuvor Chies und
Mytilene zu beſetzen. Uebrigens wäre die letzte Schlacht
bei Zanzur, die den Türken einen ſchweren Schlag
ver=
ſetzte, von größerer Bedeutung als alle anderen Gefechte
in Lybien und wiege wohl die Beſetzung von zwei Chios,
drei Mytilene und vier Lemnos auf.
* Konſtantinopel, 11. Juni. Die Friſt für
die ausgewieſenen Italiener läuft morgen
ab. Bisher verließen mehr als 3000 Italiener
Kon=
ſtantinopel, doch bleiben viele zurück. Die italieniſche
Re=
gierung mietete den Dampfer „Cherſon” der ruſſiſchen
Freiwilligenflotte, der zahlreiche Familien an Bord
neh=
men wird. Die dem deutſchen Konſulat attachierten
italieniſchen Beamten bleiben hier.
* Saloniki, 12. Juni. Die ausgewieſenen
Italiener ſind geſtern früh mit wenigen Ausnahmen
abgereiſt. Alle Bahnzüge und Dampfer waren überfüllt.
In Saloniki verblieben nur Perſonen, die eine beſondere
Erlaubnis dazu hatten, ſowie Kranke und Gebrechliche
und die zu ihrer Pflege durchaus nötigen Verwandten,
Witwen, mit ihren Ernährern, und einige Spezialärzte.
Die Polizei iſt beauftragt, gegen alle anderen, in dieſe
Kategorien nicht einbegriffenen Italiener nunmehr
ge=
waltſam vorzugehen und ihre Entfernung aus der Türkei
zu veranlaſſen.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Bad=Nauheim, 12. Juni. Der Beſitzer der bekannten
alten Apfelweinwirtſchaft „Zum Ritter” Wilhelm
Friedrich, welcher ſich wegen Brandſtiftung in
Unter=
ſuchungshaft befand, wurde nach zweitägiger Verhandlung
vor dem Schwurgericht in Gießen heute nacht zwei Uhr
freigeſprochen.
* Berlin, 12. Juni. Wie die Norddeutſche
Allge=
meine Zeitung hört, iſt für den Geſandtenpoſten in
Liſſa=
bon, der durch das Ausſcheiden des Freiherrn von und
zu Bodman ſeit einiger Zeit unbeſetzt iſt, der
bis=
herige Geſandte in Bukareſt, Dr. Roſen, in Ausſicht
genommen. An deſſen Stelle tritt der Wirkliche
Geheim=
rat Geſandter v. Waldhauſen, der in Kopenhagen durch
den bisherigen Generalkonſul in Budapeſt, Grafen von
Brockdorff=Rantzau, erſetzt werden wird. Als
Nachfol=
ger des Wirklichen Geheimrats Geſandten v. Bülow in
Bern, der bekanntlich nach dem Beſuch des Kaiſers in
der Schweiz den Poſten des preußiſchen Geſandten in
Dresden übernimmt, iſt der derzeitige vortragende Rat
im Auswärtigen Amt Freiherr von Romberg auserſehen.
* Augsburg, 12. Juni. Die Augsburger Poſtzeitung
erhielt von dem apoſtoliſchen Nuntius in München,
Früh=
wirth, folgende Mitteilung: Die Erklärung des
Monſignore Heiner entſpricht den Auffaſſungen
des Heiligen Vaters. Der Heilige Vater iſt immer von
dem Wunſche beſeelt, die unzeitigen
Meinungsverſchie=
denheiten in Deutſchland ein Ende nehmen zu ſehen.
Seine Heiligkeit, die treue Liebe der deutſchen Katholiken
kennend, ſegnen ſie von Herzen und ermuntern alle,
ins=
beſondere die Arbeiter, daß ſie fortfahren wollen, in
Ein=
tracht zu arbeiten für das Wohl der Kirche und des
Vaterlandes, treu ſich haltend an den päpſtlichen
Wei=
ſungen unter Führung und Leitung der zuſtändigen
Biſchöfe.
* Wien, 8. Juni. Die „Neue Freie Preſſe” meldet aus
Semlin: Das Militärpulvermagazin wurde
heute nacht überfallen, der Ueberfall jedoch infolge
der Wachſamkeit des Wachtpoſtens abgeſchlagen. In der
Dunkelheit näherten ſich fünf bis ſechs Leute dem
Maga=
zin und gaben, als der Poſten ſie anrief, mehrere
Re=
volverſchüſſe gegen das Magazin ab. Auf die
Schüſſe trat ſofort die ganze Wache unter Gewehr und
ſuchte das Magazinterrain ab. Die Täter waren jedoch
bereits geflüchtet. Der Poſten blieb unverletzt. Man
glaubt, daß es ſich um einen Verſuch handelte, das
Pul=
vermagazin in die Luft zu ſprengen. Ob der Vorfall mit
den Vorgängen in der Wiener=Neuſtadt zuſammenhängt,
iſt noch unklar.
* Argenteuil, 12. Juni. Als Polizeibeamte
geſtern in einen Streit, der unter Arbeitern ausgebrochen
war, eingriffen, wurde ein Beamter durch Revolverſchüſſe
getötet, ein anderer ſchwer verletzt. Am Orte des
Streites wurde die Leiche eines bereits vor der Ankunft der
Beamten getöteten Arbeiters aufgefunden. Der Urheber
der Mordtaten, der Erdarbeiter Broſſard, iſt heute früh
verhaftet worden.
H. B. Berlin, 12. Juni. Prinzeſſin Auguſt
Wilhelm ſieht, wie aus Potsdam gemeldet wird, einem
freudigen Ereignis entgegen. Die Ehe des Prinzen
Auguſt Wilhelm war bisher kinderlos.
H.B. Bieleſeld, 12. Juni. In der Schulgemeinde
Senne bei Bielefeld ſind in den letzten Tagen etwa
20 Kinder erkrankt, von denen drei unter
eigen=
artigen Erſcheinungen ſtarben. Die Kinder klagten am
Morgen über Kopfſchmerzen und am Abend ſtarben ſie
bereits. Die Todesurſache konnte noch nicht ermittelt
wer=
den. Die Schule wurde auf behördliche Anordnung
ge=
ſchloſſen.
H. B. Danzig, 12. Juni. Auf dem Felde des Majorats
Spengawsken in Weſtpreußen wurden ein Knabe und
zwei Pferde vom Blitz erſchlagen. Zwei andere
Knaben, die dicht hinter dem Pfluge hergingen, blieben
unverletzt. Ebenfalls durch Blitzſchlag getötet wurden in
Trzebow bei Krotoſchin zwei Knaben, die unter einem
Baume vor dem Gewitter Schutz geſucht hatten.
— Poſen, 12. Juni. Auf demHauptbahnhof ſtießen
heute vormittag zwei Lokomotiven zuſammen.
Eine Lokomotive entgleiſte hierbei. Der
Lokomotivfüh=
rer wurde lebensgefährlich, der Heizer leicht verletzt.
H. B. Wien, 12. Juni. Heute vormittag 11 Uhr empfing
der Kaiſer das Präſidium des ungariſchen
Abgeordnetenhauſes. Der Kaiſer antwortete
auf die Ausführungen des Präſidiums, daß er mit
Hoch=
ſchätzung für die Selbſtaufopferung und dem moraliſchen
Mut, den das Präſidium bezeugt habe, erfüllt ſei. Der
Kaiſer ſprach die Hoffnung aus, daß die Haltung des
Präſidiums ihren Lohn in der Arbeitsfähigkeit des
Hau=
ſes und darin finden werde, daß ſich das Anſehen
desſel=
ben vermehre.
H. B. Wien, 12. Juni. Die Urſache der
Explo=
ſion des Objektes 48 der Pulverfabrik Möllersdorf iſt
jetzt aufgeklärt. Es ſteht unzweifelhaft feſt, daß die
Ex=
ploſion durch die Benzindämpfe des Pulver=
Laſt=
autos hervorgerufen wurde.
H.B. Paris, 12. Juni. Der bekannte Friedens=
Apoſtel Friedrich Paſſy iſt heute im 91.
Lebens=
jahre in Paris geſtorben.
— Paris, 12. Juni. Unter der Beſchuldigung, große
Unterſchlagungen begangen zu haben, wurde geſtern
abend der Bankier Bergiéres verhaftet.
Die Paſſiven betragen mehr als eine Million Francs.
Gleichzeitig wird die Flucht des Börſenemiſſärs Marin
bekannt. Dieſer ſoll den Betrag von 800000 Francs
unterſchlagen haben.
Amtlicher Weterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Ueber ganz Mitteleuropa erſtreckt ſich von der Biscaya
her nordoſtwärts eine Furche tiefen Drucks. In ihrem
Bereich herrſcht allenthalben wolkiges Wetter; Nieder=
ſchläge ſind in Deutſchland nur im Nordoſten gefallen.
Die Morgentemperaturen liegen über 15‟. Das Hoch
über Island dehnt ſich langſam ſüdoſtwärts aus, ſo daß
wir morgen bei wechſelnder Bewölkung meiſt trockenes
Wetter erwarten dürfen.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, den
13. Juli: Wechſelnd bewölkt, meiſt trocken, vereinzelt
Gewitter, mäßig warm.
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hiermit die traurige Nachricht, daß heute früh
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Mutter, Schwiegertochter, Schweſter,
Schwäge=
rin und Tante
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Frau Elise Schnell
nach längerem, ſchwerem, mit Geduld
er=
tragenem Leiden ſanft entſchlafen iſt.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Johannes Schnell und Kinder.
Ober=Sorg, den 12. Juni 1912.
(Oberheſſen)
Die Beerdigung findet Freitag nachmittag
um 2 Uhr ſtatt.
Tageskalender.
Volkstümliche chriſtl. Vorträge um 8½ Uhr im
Rhein. Miſſionszelt an der Lindenhofſtraße. —
Bibel=
ſtunde um 4 Uhr daſelbſt.
Konzerte: Saalbau um 8 Uhr. — Heſſiſcher Hof um
8 Uhr. — „Perkeo” um 8 Uhr. — Bürgerkeller um 8 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Freitag, 14. Juni.
Hofreite=Verſteigerung des Karl Hermann
(Lichtenbergſtraße 73) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Manufakturwaren= uſw. Verſteigerung um
9 Uhr Kirchſtraße 4.
Pferde=Verſteigerung um 10 Uhr in der
Train=
kaſerne (Eſchollbrückerſtraße).
Heu=und Grummetgras=Verſteigerung um
2 Uhr im Rathaus zu Pfungſtadt.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
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4 Preuß. Schatzanweiſg. 99,90
3½ do. Conſols . . . 90,00
80,20
3. do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 99,70
do.
93,00
3½
3
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,00
do.
3½
88,40
do.
4 Hamburger Staatsanl. 99,70
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99,40
4 do. do. (unk. 1918) 99,80
do.
3½
88,20
do.
3
78,00
3 Sächſiſche Rente . . . . 80,10
4 Württemberger v. 1907 100,30
3½
do. v. 1875 95,00
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾/ Griechen v. 1887 . . 54,75
3¾ Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 91,20
4 do. Goldrente . . . 96,40
4 do. einheitl. Rente 88,25
3 Portug. unif. Serie I 64,50
3 do. unif. Ser. III 66,20
3 do. Spezial .
10,00
5 Rumänier v. 1903 . . 101,00
4 do. v. 1890 . . 95,20
4 do. v. 1905 . . 91,50
. 90,50
4 Ruſſen v. 1880 .
. 91,00
4 do. v. 1902 .
4½ do. v. 1905 .
3½ Schweden .
4 Serbier amort. v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903 82,60
4 Türk. unifiz. v. 1903 91,20
4 Ungar. Goldrente . . . 91,00
4 do. Staatsrente.
89,30
InProz.
Zf.
5 Argentinier
..100,90
do.
86,00
4½ Chile Gold=Anleihe . 91,40
5 Chineſ. Staatsanleihe .
4½
do.
4½ Japaner . . . . . . . 94,70
5 Innere Mexikaner . . . 95,00
do.
. 60,20
4 Gold=Mexikaner v. 1904 88,10
5 Gold=Mexikaner . . . . 99,80
3 Buenos Aires Provinz 71,00
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt
. . . 141½
5 Nordd. Lloyd . . . . . 117,50
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 123,75
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 112,25
8 Baltimore und Ohio . 106,80
6½ Schantungbahn . . . 134,50
6½ Luxemb. Prince Henri
O Oeſt. Südbahn (Lomb.) 19½
6 Pennſylvania R. R. . 120,00
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger . . 75,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik
. . 503,00
14 Chem. Fabrik Gries=
.. 248,00
heim
30 Farbwerke Höchſt . . 609,50
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim .
10 Cement Heidelberg . . 153,75
30 Chem. Werke Albert 453,00
12½ Holzverkohlung
Kon=
ſtanz . . . . . . . 307,30
4 Lahmeyer . . . . . . . 125,20
Eetzte
Inpro.
Divid.
71 Schuchert, Nürnberg 156,80
12 Siemens & Halske . 237,00
5 Bergmann Electr. . . 136,00
10 Deutſch.Ueberſee Electr. 175,00
0 Gummi Peter . . . . 120,20
0 Kunſtſeide Frankfurt 167,00
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 501,20
10 Maſchinenf. Badenia 187,00
6 Wittener Stahlröhren 194,50
8 Steana Romana Petr. 139,00
15 Zellſtoff Waldhof . . 233,00
12½ Bad. Zucker=Wag=
. . 213,75
häuſel.
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 120,30
3 Südd. Immobilien . 69,00
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 186,60
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 226½
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb.
.175,80
10 Gelſenkirchener . . . . 186,25
8 Harpener . . . .
185½
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb . . . 256,80
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 82,75
4 Laurahütte . . . . . . 175,00
10 Kaliwerke Aſchersleben
11
„ Weſteregeln 194,00
7½ South Weſt Africa
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 88,00
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 100,10
4 Eliſabethbahn, freie . . 95,40
4 Franz=Jofefs=Bahn .
3 Prag=Duxer . . . .
75,50
5 Oeſterr. Staatsbahn .
4 Oeſterr. Staatsbahn . 94,10
do.
77,60
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,70
8t.
Iupro).
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 78,20
do.
53,20
3 Raab=Oedenburg
76,60
4 Kronprinz Rudolfbahn 94,20
4 Ruſſ. Südweſt .
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,40
do.
88,40
4 Wladichawchas .
88,50
4 Rjäſan Koslow
3 Portugieſ. Eiſenb.
. 76,50
do.
92,20
2¼/ Livorneſer . .
67,20
3 Salonique=Monaſtir . 64,10
4 Bagdadbahn .
83,40
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 97,00
4 Miſſouri=Pacific. .
71,80
4 Northern=Paciſic . . . 100,20
4 Southern=Pacific
95,40
5 St. Louis und San
Francisco.
. 87,60
5 Tehuantepec .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 195,00
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn .
.150,10
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 165,90
6½ Darmſtädter Bank . 121,25
12½ Deutſche Bank
6 Deutſche Vereinsbank . 123,60
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 118,00
10 Diskonto=Kommandit 184,50
8½ Dresdener Bank . 152,90
9½ Frankf. Hypoth.=B. 217,75
6½ Mitteld. Kreditbank 119,00
7 Nationalb. für Deutſchl. 122,75
7 Pfälziſche Bank . . . . 130,00
5.86 Reichsbank . . . . . 137,20
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,00
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 123½
7½ Wiener Bankverein . 133,70
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 98,60
3t. Pfandbriefe. Zußon
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
. 89,30
S. 19 .
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 15—19, 21—26 98,00
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,50
88,50
8½
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 100,20
8½
do.
89,50
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
.99,90
S. 14, 15, 17, 24/26
18—23.
100,00
8½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—8
89,50
S. 3—5
89,30
S. 9—11
89,40
4 Meininger Hyp.=Bank 99,50
do.
3½
89,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 98,00
8½ bo. (unk. 1914) . . 88,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,90
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3½
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4 Darmſtadt .
„ 98,60
8½ do.
89,20
4 Frankfurt.
99,50
3½ do.
95,00
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3½ do.
90,50
4 Heidelberg
98,00
3½ do.
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8½ do.
90,00
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98,00
3½ do.
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98,60
3½ do.
90,60
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98,50
3½ do.
88,90
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100,00
3½ Nauheim
4 Nürnberg
100,00
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8t.
3½ Offenbach . . .
4 Wiesbaden . . . . . 99,80
3½ do.
98,50
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3½ do.
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Anlehensloſe.
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3½ Cöln=Mindner , 100 135,10
3 Holl. Komm. . fl. 100
3 Madrider . . Fs. 100 —
4 Meininger Pr.=
Pfand=
briefe . . . . . . . 135,50
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 178,00
3 Oldenburger . . . . . . 125,00
2½ Raab=Grazer fl. 150 115,75
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl.7
Braunſchweiger Tlr. 20 197,00.
Freiburger . . . . Fs. 15
Mailänder . . . . F5.45
do. . . . . F8. 10 30,00
Meininger . . . . . fl. 7 34,60
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100
do. v. 1858 fl.100 451,60
Ungar. Staats . . fl. 100
Venediger . . . . Fs. 30 41,50
Türkiſche . . . . Fs. 400 171,00
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Engl. Sovereigns . . . . 20,42
20 Franks=Stücke . . . . 16,22
Amerikaniſche Noten . . . 4,18½
Engliſche Noten . . . . . 20,44
Franzöſiſche Noten. . . . 81,00
Holländiſche Noten. . . . 169,20
Italieniſche Noten . . . . 80,15
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,75
Ruſſiſche Noten . . .
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3. Donnerstags-Konzert
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unter Leitung des Obermusikmeister H. Hauske.
Aus der Vortragsordnung: Cherubini: Ouverture zu
Anacreone. Mozart: Fragmente aus =Don Juane. Grieg:
Stücke aus =Sigurd Jorsalfars, Haydn: Allegretto und Menuett
aus der MMilitär-Sinfonies. Saint-Saéns: Danse macäbres.
R. Wagner: Tonbilder aus =Götterdämmerunge. J. Strauss:
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[ ← ][ ][ → ]Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.
ℳ8 60.
Donnerstag, 13. Jnni.
1912.
Bekanntmachung.
Das Reichsgeſetz über die Verſicherung der Angeſtellten vom 20. Dezember 1911
Reichsgeſetzblatt von 1911 Nr. 68) wird vorausſichtlich am 1. Januar 1913 in Kraft
treten. Wir bringen deshalb nachfolgend die wichtigſten Beſtimmungen zur
all=
gemeinen Kenntnis:
I.
1. Das Geſetz will
1. Angeſtellten in leitender Stellung, wenn dieſe Beſchäftigung ihren Hauptberuf
bildet,
2. Betriebsbeamten, Werkmeiſtern und anderen Angeſtellten in einer ähnlich
ge=
hobenen oder höheren Stellung, ohne Rückſicht auf ihre Vorbildung,
Bureau=
angeſtellten, ſoweit ſie nicht mit niederen oder lediglich mechaniſchen
Dienſt=
leiſtungen beſchäftigt werden, ſämtlich, wenn dieſe Beſchäftigung ihren
Haupt=
beruf bildet,
3. Handlungsgehilfen und Gehilfen in Apotheken,
4. Bühnen= und Orcheſtermitgliedern, ohne Rückſicht auf den Kunſtwert ihrer
Leiſtungen,
5. Lehrern und Erziehern,
6, aus der Schiffsbeſatzung deutſcher Seefahrzeuge und aus der Beſatzung von
Fahrzeugen der Binnenſchiffahrt Kapitänen, Offizieren des Deck= und
Ma=
ſchinendienſtes uſw., wenn dieſe Beſchäftigung ihren Hauptberuf bildet,
einen Anſpruch auf ein höheres Maß ſtaatlicher Fürſorge ſichern, als ihnen durch die
Arbeiterverſicherung geboten werden kann.
Inſoweit dieſe Perſonen einen Jahresarbeitsverdienſt von mehr als 2000 Mark
haben, beſteht zur Zeit keine geſetzliche Fürſorge. Die Invaliden= und Hinterbliebenen=
Verſicherung umfaßt bekanntlich alle Arbeiter, Gehilfen, Geſellen, Lehrlinge und
Dienſt=
boten, die Schiffsbeſatzung deutſcher Seefahrzeuge ſowie die Beſatzung von
Fahr=
zeugen der Binnenſchifahrt, mit Ausnahme der Schiffer. auch wenn ſie mehr als 2000
Mark Jahresarbeitsverdienſt haben. Betriebsbeamte, Werkmeiſter und andere
Ange=
ſtellte in einer ähnlich gehobenen Stellung ſind dagegen nur verſicherungspflichtig, wenn
die dienſtliche Beſchäftigung ihren Hauptberuf bildet und ihr regelmäßiger
Jahres=
arbeitsverdienſt 2000 Mark an Entgelt nicht überſteigt. Dasſelbe gilt von
Hand=
lungsgehilfen und =Lehrlingen, Gehilfen und Lehrlingen in Apotheken, Bühnen= und
Orcheſtermitgliedern, ohne Rückſicht auf den Kunſtwert ihrer Leiſtungen, ſowie von
Lehrern und Erziehern, endlich von den Schiffern.
Die in § 1 des Geſetzes vom 20. November 1911 genannten Perſonen, die auch
unter § 1226 der Reichsverſicherungsordnung fallen, ſind hiernach nach beiden Geſetzen
verſichert, falls ihr Jahresarbeitsverdienſt 2000 Mark nicht überſteigt.
Die der Verſicherung unterliegenden Perſonenkreiſe ſind in § 1 des Geſetzes
aufgezählt, doch enthält dieſer Paragraph keine abſolut ſcharfe Umgrenzung des Kreiſes
der Verſicherungspflichtigen, da ſich eine ſolche vom Geſetz nicht gut geben läßt. Es
bleibt der Rechtſprechung überlaſſen, hier die Grenze zu finden. Der Begriff der
An=
geſtellten iſt nach der Abſicht des Geſetzes nur inſofern umſchrieben als nach unten
alle der bloß handarbeitenden Bevölkerungsklaſſe angehörigen Perſonen (Arbeiter,
Gehilfen, Geſellen, Lehrlinge, Dienſtboten uſw.), nach oben aber die beruflich
ſelbſt=
ſtändigen Perſonen ausſcheiden.
Inwiewit die Frage der Verſicherungspflicht nach dem
Angeſtelltenverſicherungs=
geſetz auch auf die Reichsverſicherungsordnung und umgekehrt übergreifen kann, geht
aus § 210 Abſ. 3 und 4 hervor.
3. Das Geſetz beruht, ebenſo wie die Reichsverſicherungsordnung, auf dem
Grundſatz des Verſicherungszwanges. Die Verſicherungspflicht unterliegt
jedoch gewiſſen Beſchränkungen (§§ 1—13, 397). Wer aus einer verſicherungspflichtigen
Beſchäftigung ausſcheidet, kann unter beſtimmten Vorausſetzungen die
Verſiche=
rung freiwillig fortſetzen oder ſie in eine beitragsfreie (durch Zahlung
einer Anerkennungsgebühr) umwandeln (§§ 15. 172 Abſ. 2). Das Geſetz kennt lediglich
die ſogenannte Weiterverſicherung (entſprechend § 1244 R.V.O.), dagegen nicht die
ſogenantne Selbſtverſicherung (entſprechend § 1243 R.V.O.). Für die Uebergangszeit
kommt noch § 394 in Betracht.
3. Die Verſicherung erfolgt für den Fall der Berufsunfähigkeit und des
Alters, ſowie zu Gunſten der Hinterbliebenen (§§ 20ff.). Als
berufs=
unfähig iſt anzuſehen, wer durch körperliche Gebrechen oder wegen Schwäche ſeiner
körperlichen und geiſtigen Kräfte zur Ausübung ſeines Berufes dauernd unfähig iſt.
Berufsunfähigkeit iſt dann anzunehmen, wenn ſeine Arbeitsfähigkeit auf weniger
als die Hälfte derjenigen eines körperlich und geiſtig geſunden Verſicherten von
ähnlicher Ausbildung und gleichwertigen Kenntniſſen und Fähigkeiten herabgeſunken
iſt (§ 25) Die Altersrente tritt ein mit Vollendung des 6 5. (nicht wie bei der
Invali=
denverſicherung erſt mit Vollendung des 70.) Lebensjahres. Witwenrente erhält die
Witwe nach dem Tode ihres verſicherten Mannes (§ 28). Die Witwe braucht nicht, wie
bei der Invaliden= und Hinterbliebenenverſicherung, erwerbsunfähig zu ſein.
Ent=
ſprechend der Krankenrente nach § 1255 Abſ. 3 der Reichsverſicherungsordnung wird
auch Krankenruhegeld gewährt (§ 25 Abſ. 2)
Um die infolge einer Erkrankung drohende Berufsunfähigkeit eines Verſicherten
abzuwenden, kann die Reichsverſicherungsanſtalt ein Heilverfahren einleiten,
ſoweit nicht bereits durch einen Träger der reichsgeſetzlichen Arbeiterverſicherung ein
Heilverfahren eingeleitet iſt (§§ 36 ff.).
4. Die Wartezeit dauert bei Ruhegeld für männliche Verſicherte 120, für
weibliche Verſicherte 60 Beitragsmonate, für die Hinterbliebenenrente 120Beitragsmonate,
ohne Unterſchied des Geſchlechts (§ 48). Für die Uebergangszeit kommen die §§ 395,
396 in Betracht. Eine beſondere Wartezeit für die Altersrente, wie bei der
Invaliden=
verſicherung, beſteht nicht.
*. Die Anwartſchaft erliſcht durch gewiſſe längere Unterbrechungen der
Beitragsleiſtung nach näherer Vorſchrift des § 49. Sie kann durch Nachzahlung von
Beiträgen wieder aufleben (§ 50).
6. Ueber anrechnungsfähige Zeiten enthalten die §§ 51—54
Vor=
ſchriften. Sie entſprechen im allgemeinen dem § 1281 der Reichsverſicherungsordnung,
jedoch mit dem weſentlichen Unterſchied, daß die hiernach anrechenbaren Monate nur
bei der freiwilligen Verſicherung und der Erhaltung der
An=
wartſchaft (§§ 15 und 49), dagegen nicht, wie bei der Invalidenverſicherung
(§§ 1393, 1394 R V.O.). allgemein als Beitragszeiten angerechnet werden können.
Nach § 54 Abſ. 2 bezeichnet die oberſte Verwaltungsbehörde die Behörden, welche
die Krankheitsbeſcheinigungen ausſtellen. Eine ähnliche Vorſchrift findet
ſich in § 1438 Abſ. 2, 3 der Reichsverſicherungsordnung. Dort ſind jedoch die Stellen,
welche die Beſcheinigungen ausſtellen, im Geſetze ſelbſt beſtimmt, während für das
Gebiet der Angeſtelltenverſicherung dieſe Stellen von der oberſten Verwaltungsbehörde
beſonders bezeichnet werden müſſen. Dabei iſt zu berückſichtigen, daß nach § 54 Abſ. 2
nur „Behörden” beauftragt werden können. Die Ausſtellung der
Krankheitsbeſchei=
nigungen wird hiernach in Heſſen den Großh. Bürgermeiſtereien (in den Städten den
Bürgermeiſtern bezw. Oberbürgermeiſtern) übertragen werden. Für die in Reichs= und
Staatsbetrieben Beſchäftigten können die Krankheitsbeſcheinigungen von den
vorgeſetz=
ten Dienſtbehörden ausgeſtellt werden.
7. Die Höhe des Ruhegeldes und der Hinterbliebenenrente
richtet ſich nach den für die Verſicherten geleiſteten Beträge nach näherer Vorſchrift in
§§ 55 ff. Das Reich leiſtet hierbei keine Zuſchüſſe. Maßgebend iſt ausſchließlich
die Höhe der geleiſteten Beiträge.
Wie bei der Invaliden= und Hinterbliebenenverſicherung nach der
Reichsverſiche=
rungsordnung ſind die Verſicherten nach der Höhe des Jahresarbeitsverdienſtes in
Gehaltsklaſſen eingeteilt (§§ 16—19). Nach den Gehaltsklaſſen ſind die Monats
bei=
träge berechnet, die, wie bei der Invaliden= und Hinterbliebenenverſicherung, von
Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Hälfte zu entrichten ſind (§§ 170 ff.). Die
Bei=
tragsentrichtung vollzieht ſich in der Art, daß der Arbeitgeber am Schluſſe eines Monats
die fälligen Beiträge der zur Erhebung beſtimmten Stelle portofrei einſendet. Auf
Grund des § 184 und des § 187 Abſ. 3 hat die Reichsverſicherungsanſtalt die im Abdruck
nachſtehende Bekanntmachung vom 24. Ifd. Mts., betreffend die Beitragsentrichtung für
die Angeſtelltenverſicherung, erlaſſen. (Vergl. Deutſcher Reichsanzeiger Nr. 125 vom
25. Ifd. Mts.)
8. Nach § 194 Abſ. 1 beſtimmt die oberſte Verwaltungsbehörde die Stellen,
welche die Verficherungskarten ausſtellen (Ausgabeſtellon).
Die entſprechende Vorſchrift über das Ausgeben von Quittungskarten für die
Inpali=
den= und Hinterbliebenenverſicherung findet ſich in § 1419 Abſ. 1 R. V.O. Hierzu iſt zu
bemerken, daß ein ſehr großer Teil der Verſicherten (diejenigen unter 2000 Mk.
Jahres=
urbeitsverdienſt), ſowohl eine Quittungskarte als auch Aufnahme= und
Verſicherungs=
arten zu beſchaffen haben.
Die Ausſtellung der Verſicherungskarten wird vorausſichtlich für ſolche Angeſtellte,
die nach dem Vierten Buch der Reichsverſicherungsordnung verſichert ſind, den Stellen
übertragen warden, die für die Ausſtellung von Quittungskarten zuſtändig ſind. im
Kbrigen den Großh. Bürgermeſereten (in den Stähdten den Dürgermeſen bezv. Obek.
bürgermeiſtern).
Den Ausgabeſtellen wird für die Ausſtellung der Karten eine Vergütung gewährt,
deren Höhe der Bundesrat nach Anhörung der Reichsverſicherungsanſtalt feſtſetzt (§ 196).
Der Verſicherte hat ſich die Verſicherungskarte ſelbſt ausſtellen zu laſſen. DasVerfahren
iſt vom Geſetz ſo gedacht, daß der verſicherungspflichtige Angeſtellte bei der Ortspolizei
behörde ſeines Wohnortes eine Aufnahmekarte erhebt, die er ſelbſt ausfüllt (§ 188).
Mittels Einreichung der ausgefüllten Aufnahmekarte hat er bei der Ausgabeſtelle
(§ 194) die Ausſtellung der Verſicherungskarte zu beantragen. Die Ortspolizeibehörde
hält ihn hierzu erforderlichenfalls durch Geldſtrafen an (§ 188).
Der Erlaß einer Anweiſung für die Kartenausgabeſtellen iſt in Ausſicht
genom=
men. Die Reichsverſicherungsanſtalt beabſichtigt, eine kurze Belehrung wegen der
Ausfüllung der Aufnahmekarten und eine Bekanntmachung, durch welche die
Angeſtell=
ten zum Abholen der Aufnahmekarten aufgefordert werden, aufzuſtellen, und ebeuſo
wie die Vordrucke der Aufnahmekarten und Verſicherungskarten den Ausgabeſtellen
durch Vermittelung der unteren Verwaltungsbehörden zugehen zu laſſen. Dabei kommt
in Betracht, daß nach dem Plan der Reichsverſicherungsanſtalt für Angeſtellte die
Auf=
nahmelarten (§ 189) bis ſpäteſtens Ende Juki 1912 bon den
Verſicherungs=
pflichtigen ausgefüllt und den Ausgabeſtellen behufs Ausfertigung der
Verſicherungs=
karten eingereicht werden ſollen. Die Verſicherungskarten müſſen alsdann bis Mitte
September 1912 in den Händen der Verſicherten ſein, um von ihnen als Ausweis für
die Beteiligung an der Wahl der Vertrauensmänner (§ 149) benutzt zu werden.
9. Träger der Verſicherung iſt die in Berlin errichtete
Reichsver=
ſicherungsnſtalt für Angeſtellte (§§ 96ff.), doch ſind auch beſondere
Zu=
ſchuß=, ſowie Erſatzkaſſen zugelaſſen (§§ 365ff., 372 ff., 387). Wer vor dem 5. Dezember
1911 (das iſt der Tag der Annahme des Geſetzes im Reichstage) bei einer
Lebensver=
ſicherungsunternehmung verſichert war, kann unter gewiſſen Vorausſetzungen von der
Beitragsleiſtung befreit werden (§§ 390ff.).
Die Organe der Reichsverſicherungsanſtalt ſind:
a) das Direktorium,
b) der Verwaltungsrat,
e) die Rentenausſchüffe,
d) die Vertrauensmänner (§ 98).
Sowohl im Direktorium als auch im Verwaltungsrat und in den Rentenausſchüſſen
ſind die Arbeitgeber und Verſicherten vertreten (§§ 100, 103, 109, 131).
Den Rentenausſchüſſen (§§ 122ff.) obliegt mamentlich die Feſtſtellung der
Ver=
ſicherungsleiſtungen. Sie werden nach Bedarf von der Reichsverſicherungsanſtalt mit
Genehmigung des Bundesrats errichtet. Er beſtimmt deren Sitze und Bezirke und
kann ſie ändern (§ 126).
Die Vertrauensmänner wählen die Beiſitzer für die Rentenausſchüſſe für die
Schiedsgerichte, für das Oberſchiedsgericht und für den Verwaltungsrat. Es können
ihnen vom Rentenausſchuß beſtimmte Obliegenheiten übertragen werden (§§ 143, 144).
Ueber die Anzahl der Vertrauensmänner vergl. § 145.
Die Schiedsgerichte (nicht zu verwechſeln mit den zur Zeit noch vorhandenen
Schiedsgerichten für Arbeiterverſicherung, die mit Errichtung des
Oberverſicherungs=
amts aufgehoben werden) und das Oberſchiedsgericht, letzteres mit dem Sitz in Berlin,
ſind die rechtſprechenden Behörden höherer Inſtanz (§§ 156, 157ff., 162ff.). Die
Ent=
ſcheidungen des Oberſchiedsgerichts ſind endgültig.
10. Weitere Vorſchriften des Geſetzes regeln ſodann das Verfahren vor den
Rentenausſchüſſen (§§ 229ff.), vor den Schiedsgerichten (§§ 270ff.) und vor dem
Ober=
ſchiedsgericht (§§ 281ff.).
Anträge auf Feſtſtellung der Verſicherungsleiſtungen, d. h.
alſo die Anſprüche auf Ruhegeld, Witwenrente uſw. ſind an den örtlich zuſtändigen
Rentenausſchuß zu richten (§§ 229, 230), doch kann der Antrag rechtswirkſam auch bes
einem anderen Organ der Reichsverſicherungsanſtalt oder bei einer anderen
inländi=
ſchen Behörde geſtellt werden. Der Rentenausſchuß erteilt über den Antrag einen
ſchriftlichen Beſcheid (§ 250), welcher ſodann mit Berufung an das Schiedsgericht
an=
gefochten werden kann (§ 270). Gegen deſſen Entſcheidung iſt beim Vorliegen der
geſetzlichen Vorausſetzungen das Rechtsmittel der Reviſion zuläſſig, über welches das
Oberſchiedsgericht entſcheidet (§§ 291, 285).
Ueber Anträge auf Einleitung eines Heilverfahrens entſcheidet
die Reichsverſicherungsanſtalt ſelbſt (§ 238). Ein Rechtsmittel gegen dieſe Entſcheidung
findet nicht ſtatt, da die Einleitung des Heilerfahrens im freien Ermeſſen der
Ver=
ſicherungsanſtalt ſteht.
10. Die öffentlichen Behörden ſind verpflichtet, den im Vollzug dieſes Geſetzes
an ſie ergehenden Erſuchen um Rechtshilfe zu entſprechen (§ 322).
11. Ueber Gebühren= und Stempelfreiheit vergl. § 337.
12. Wichtige Vorſchriften über Verbote und Strafen ſind in den
§§ 330—361 enthalten.
II.
Die Zuſtändigkeit der Behörden in Heſſen iſt in folgender Weiſe geregelt:
Die der oberſten Verwaltungsbehörde und der höheren
Ver=
waltungsbehörde überwieſenen Aufgaben werden von Großh. Miniſterium
des Innern wahrgenommen, während die Aufgaben der unteren
Verwaltungs=
behörde in den Städten Darmſtadt, Mainz, Gießen, Offenbach und Worms von
dem Oberbürgermeiſter, im übrigen von den Großh. Kreisämtern wahrgenommen
werden ſollen.
Ortspolizeibehörden ſind in Landgemeinden die Bürgermeiſtereien
oder die an deren Stelle ſtaatlich beſtellten Polizeibeamten, in den Städten Bensheim.
Friedberg. Alzey und Bingen der Bürgermeiſter, in den Städten Mainz und Worms
der Oberbürgermeiſter, in den Städten Darmſtadt, Offenbach, Gießen und Bad=
Nauheim das Großh. Polizeiamt.
Als Gemeindebehörden ſind in den Landgemeinden die Großh.
Bürger=
meiſtereien, in den Städten der Bürgermeiſter bezw Oberbürgermeiſter anzuſehen.
Als Gemeindeverbände gelten die Kreiſe, Provinzen, die auf Grund
der Artikel 195 ff. der Landgemeindeordnung vom 8. Juli 1911 gebildeten
Zweck=
verbände, ſowie die zur Zeit beſtehenden, von Gemeinden gebildeten
rechts=
fähigen Vereine, die ſich mit der Errichtung und dem Betrieb von Gas=, Elektrizitäts=
und Waſſerwerken befaſſen.
Zuſtändige Behörde im Sinne des § 371 Abſ. 2 ſind die unteren
Ver=
waltungsbehörden in vorſtehendem Sinne.
Das Verſicherungsgeſetz für Angeſtellte erwähnt die höhere
Verwaltungs=
behörde in den §§ 153 Abſ. 4, 154 Abſ. 2; die untere
Verwaltungs=
behörde in den §§ 2 Abſ. 145 Abſ. 2, 147 Abſ. 1. 149 Abſ. 3, 151. 152, 153, 154;
die Ortspolizeibehörde in den §§ 188, 195, 199, 203, 242;
die Gemeindebehörde in den §§ 45, 46, 149;
die Gemeindeverbände in den §§ 9, 10, 11, 224, 389.
Wir empfehlen den Großh. Bürgermeiſtereien, ſich mit den wichtigſten
Beſtim=
mungen des Geſetzes einſtweilen vertraut zu machen.
Darmſtadt, den 5. Juni 1912.
Großh. Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Michel.
Bekanntmachung
betreffend die Beitragsentrichtung für die Angeſtelltenverſicherung.
Auf Grund des § 184, § 187 Abſ. 3 des Verſicherungsgeſetzes für Angeſtellte
be=
ſtimmt die Reichsverſicherungsanſtalt für Angeſtellte mit Genehmigung des
Reichs=
kanzlers folgendes:
A. In den Fällen des § 176 a. a. O. (Beſchäftigung bei einem einzigen
Arbeit=
geber einen vollen Beitragsmonat hindurch) wird folgendes Zahlungsverfahren und
folgende Quittungsleiſtung zugelaſſen:
1. Die Beiträge ſind auf das Konto der Reichsverſicherungsanſtalt bei dem
Poſt=
ſcheckamt in Berlin einzuzahlen.
2. Für die Einzahlung haben ſich die Arbeitgeber der für den Verkehr mit der
Reichsverſicherungsanſtalt beſtimmten Vordrucke zu bedienen, die nach den
Beſtimmungen über den Poſtſcheckverkehr zu beziehen ſind.
3. Die Ueberſichten und Veränderungsanzeigen (§ 181) ſind der
Reichs=
verſicherungsanſtalt unmittelbar einzureichen.
4. Als Quittung über eingezahlte Beiträge dient dem Arbeitgeber an Stelle der
Marken der ihm verbleibende Abſchnit der Zahlarte oder die ihm erteilte
Nachricht über die Belaſtung ſeines Kontos.
5. Dem Angeſtellten dient als Quittung über die Zahlung ſeines Beitragsteiles
an den Arbeitgeber an Stelle der Marken eine in die Verſicherungskarte
ein=
zutzagende Beſcheinigung des Arbeitaebers. Dieſe hat handſchriftlich ader
Nummer 69.
Amtsverkündigungsblatt Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt. Donnerstag, den 13. Juni 1912.
durch Stenpel den jeweiligen Beitragsmonat, den fällgen Beitrag und bei
jedem Beitrag den Namen des Arbeitgebers zu enthalten; ſie iſt vom
Arbeit=
geber ſofort nach der Einzahlung des Beitrags auszuſtellen.
B. In den Fällen des § 177 a. a. O. (Beſchäftigung bei mehreren Arbeitgebern
oder nicht einen vollen Beitragsmonat hindurch) gelten an Stelle der Vorſchriften des
§ 187 Abſ. 1. 2 a. a. O. die Beſtimmungen unter A; die Einzahlung des Beitrags hat
bei der Zahlung des Entgelts, ſpäteſtens am Schluſſe des Beitragsmonats zu erfolgen.
Der Einſendung der Verſicherungskarte (§ 195 Abſ. 2 a. a. O.) bedarf es nicht.
II.
Auf Grund des § 186 des Verſicherungsgeſetzes für Angeſtellte beſtimmt die
Reichsverſicherungsanſtalt folgendes:
1. Beitragsſtelle iſt die Reichsverſicherungsanſtalt.
2. Soweit Arbeitgeber in den Fällen des § 176 a. a. O. zur Quittungsleiſtung
* Marken verwenden wollen, werden ſie ihnen auf Verlangen nach Eingang der
Beiträge von der Reichsverſicherungsanſtalt überſandt.
(12934
Berlin=Wilmersdorf, den 24. Mai 1912.
Direktorium der Reichsverſicherungsanſtalt für Angeſtellte.
gez. Koch, Dr. Beckmann, Dr. Lehmann.
Bekanntmachung.
In Arheilgen iſt in einem Gehöft die Maul= und Klauenſeuche ausgebrochen.
Auf Grund der §§ 19 und 47 des Viehſeuchengeſetzes vom 26. Juni 1909 und
der Ausführungsvorſchriften des Bundesrats wird folgendes angeordnet:
Die Gemeinde Arheilgen bildet einen Sperrbezirk.
Ausgenommen von dem Sperrbezirk ſind die außerhalb des Ortsbereichs
ge=
legenen Gehöfte, d. h. die Schleifmühle, Arheilger Mühlchen, Kranichſtein und die
Aumühle.
Für dieſen Sperrbezirk gelten folgende Beſtimmungen:
a) Sämtliche Hunde ſind feſtzulegen. Der Feſtlegung iſt das Führen an der
Leine und bei Ziehhunden die feſte Anſchirrung gleich zu achten. Die
Ver=
wendung von Hirtenhunden zur Begleitung von Herden und von
Jagd=
hunden bei der Jagd ohne Leine kann geſtattet werden.
b) Schlächtern, Viehkaſtrierern, ſowie Händlern und anderen Perſonen, die
ge=
werbsmäßig in Ställen verkehren, ferner Perſonen, die ein Gewerbe im
Um=
herziehen ausüben, iſt das Betreten aller Ställe und ſonſtiger Standorte
von Klauenvieh im Sperrbezirke, desgleichen der Eintritt in die
Seuchen=
gehöfte verboten.
e) Dünger und Jauche von Klauenvieh, ferner Gerätſchaften und Gegenſtände
aller Art, die mit ſolchem Vieh in Berührung gekommen ſind, dürfen aus
dem Sperrbezirke nur mit polizeilicher Erlaubnis unter den polizeilich
anzu=
ordnenden Vorſichtsmaßregeln ausgeführt werden.
d) Die Einfuhr von Klauenvieh in den Sperrbezirk ſowie das Durchtreiben von
ſolchem Vieh durch den Bezirk iſt verboten. Dem Durchtreiben von
Klauen=
vieh iſt das Durchfahren mit Wiederkäuergeſpannen gleichzuſtellen. Die
Ein=
fuhr von Klauenvieh zur ſofortigen Schlachtung, im Falle eines beſonderen
wirtſchaftlichen Bedürfniſſes auch zu Nutz= und Zuchtzwecken, kann von uns
geſtattet werden.
e) Die Ver= und Entladung von Klauenvieh auf den Eiſenbahnſtationen im
Sperrbezirk iſt verboten. Ausnahmen hiervon können von uns zugelaſſen
werden. Die Vorſtände der betroffenen Stationen ſind zu benachrichtigen.
f) Sämtliches Klauenvieh der nicht verſeuchten Gehöfte des Sperrbezirks
unter=
liegt der Abſonderung im Stalle (§ 19 Abſ. 1, 4 des Geſetzes). Jedoch darf
das abgeſonderte Klauenvieh mit polizeilicher Erlaubnis zur ſofortigen
Schlachtung entfernt werden.
g) Sofern dringende wirtſchaftliche Gründe die Aufſtallung oder die
unein=
geſchränkte Durchführung der Abſonderung des Klauenviehs der nicht
ver=
ſeuchten Gehöfte untunlich erſcheinen laſſen, können Erleichterungen von uns
zugelaſſen werden.
b) In dieſem Falle dürfen, um die Verwendung der Tiere zur Feldarbeit oder
ihren Auftrieb auf die Weide zu ermöglichen oder zu erleichtern, von den
Tieren zu benutzende öffentliche Wege vorübergehend gegen den Verkehr auch
von Perſonen geſperrt werden.
II.
Es wird ein Beobachtungsgebiet gebildet, beſtehend aus den nicht zum
Sperrbezirk gehörenden Teilen der Gemarkung Arheilgen, Wixhauſen und dem
Hof Kranichſtein.
Für dieſes Beobachungsgebiet gellen folgende Beſtimmungen:
1. Aus dem Beobachtungsgebiet darf Klauenvieh ohne polizeiliche Genehmigung
nicht entfernt werden. Auch iſt das Durchtreiben von Klauenvieh und das
Durchfahren mit fremden Wiederkäuergeſpannen durch das Beobachtungs
gebiet verboten.
2. Die Ausfuhr von Klauenvieh zum Zwecke der Schlachtung iſt, wenn die
früheſtens 48 Stunden vor dem Abgang der Tiere vorzunehmende tierärztliche
Unterſuchung ergiebt, daß der geſamte Viehbeſtand des Gehöfts noch
ſeuchen=
frei iſt, geſtattet und zwar:
a) nach Schlachtſtätten in der Nähe liegender Orte;
b) nach in der Nähe liegenden Eiſenbahnſtationen zur Weiterbeförderung
nach Schlachtviehhöfen und öffentlichen Schlachthäuſern, vorausgeſetzt,
daß dieſen die Tiere auf der Eiſenbahn unmittelbar oder von der
Entlade=
ſtation aus zu Wagen zugeführt werden.
Für den Transport nach in der Nähe liegenden Orten und
Eiſenbahn=
ſtationen wird angeordnet, daß er zu Wagen oder auf ſolchen Wegen erfolgt,
die von anderem Klauenvieh nicht betreten werden. Durch Vereinbarung
mit der Eiſenbahnverwaltung und, ſoweit nötig, durch polizeiliche Begleitung
iſt dafür Sorge zu tragen, daß eine Berührung mit anderem Klauenvieh),
ſofern dies nicht gleichfalls aus einem Beobachtungsgebiete ſtammt, auf dem
Transporte nicht ſtattfinden kann. Die Polizeibehörde des Schlachtorts iſt
von dem bevorſtehenden Eintreffen der Tiere rechtzeitig zu benachrichtigen.
3. Die Ausfuhr von Klauenvieh zu Nutz=oder Zuchtzwecken darf nur mit unſerer
Genehmigung erfolgen. Dieſe Genehmigung wird nur unter der Bedingung
erteilt werden, daß eine früheſtens 24 Stunden vor dem Abgang der Tiere
vorzunehmende amtstierärztliche Unterſuchung die Seuchenfreiheit des geſamten
Viehbeſtandes des Gehöfts ergibt, und daß ſich die Polizeibehörde des
Beſtimmungsorts mit der Einfuhr einverſtanden erklärt hat. Am
Beſtimmungs=
orte ſind die Tiere auf die Dauer von mindeſtens einer Woche der
polizei=
lichen Beobachtung (§ 19 Abſ. 1, 4 des Geſetzes) zu unterſtellen. Auf den
Transport und die Anmeldung der Tiere finden die Beſtimmungen des Abſ. 2
ſinngemäße Anwendung.
4. Im ganzen Bereiche des Beobachtungsgebietes iſt der gemeinſchaftliche
Weide=
gang von Klauenvieh aus den Beſtänden verſchiedener Beſitzer und die
gemeinſchaftliche Benutzung von Brunnen, Tränken und Schwemmen für
Klauenvieh verboten.
III.
Zuwiderhandlungen gegen die vorſtehenden Anordnungen werden nach § 74 ff.
des Viehſeuchengeſetzes vom 26. Juni 1909 beſtraft.
IV.
Die Anordnungen unſerer Bekanntmachung vom 6. Mai d. Js. bleiben durch
vorſtehende Vorſchriften unberührt.
Darmſtadt, den 12. Juni 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
An die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.
Wir machen Sie auf vorſtehende Bekanntmachung aufmerkſam. Sie wollen
dieſelbe ortsüblich — auch durch Anſchlag — veröffentlichen laſſen, und außerdem die
in Ihren Gemeinden anſäſſigen Viehhändler noch beſonders darauf hinweiſen.
Darmſtadt, den 12. Juni 1912.
(12933
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.
Darmſtadt, den 31. Mat 1912.
Betreffend: Das Aushebungsgeſchäft für 1912, hier Zugänge Militärpflichtiger.
Der Zivilvorſitzende der Erſatzkommiſſion Darmſtadt
an die Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Sofern ſeit der Muſterung des laufenden Jahres ſich Militärpflichtige bei Ihnen.
angemeldet haben ſollten, welche ſich in einem anderen Aushebungsbezirk zur
diesjährigen Muſterung geſtellt haben und Anzeige hierüber von Ihnen noch nicht
erſtattet worden iſt, ſehe ich Ihrem ſofortigem Bericht hierüber, für jeden Mann
getrennt und unter Vorlage des Loſungsſcheins desſelben, entgegen.
(12287a
Dr. Reinhart.
Bekanntmachung.
Im hieſigen Schlachthof iſt am 10. ds. Mts. bei einem
Trans=
port von Schweinen die Maul= und Klauenſeuche feſtgeſtellt worden.
Sämtliche Schweine wurden alsbald abgeſchlachtet und die
Desinfek=
tion vorgenommen. Die Seuche iſt demnach als erloſchen zu betrachten.
(12929
Darmſtadt, den 11. Juni 1912.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
die Arbeiten bei Ausführung der Verbeſſerungsmaßnahmen
an den Infanterie=Schießſtänden I-III, ſowie an den
Ge=
ſchoßfängen und Anzeigerdeckungen der Standgruppe I—VI
ſollen in einem Los öffentlich vergeben werden.
Die Zeichnungen und Bedingungen liegen im Geſchäftszimmer
des Militär=Bauamts Darmſtadt, Riedeſelſtraße 60, II., während der
Dienſtſtunden, vormittags von 8½—12½ Uhr, offen und können
daſelbſt die Verdingungsunterlagen zum Preiſe von Mk. 1.35 gegen
poſt= und beſtellgeldfreie Einſendung des Betrages bezogen werden.
Die ausgefüllten Angebote nebſt den vorgeſchriebenen Proben
ſind verſiegelt, mit entſprechender Aufſchrift verſehen, bis zum
24. Juni 1912, vormittags 10 Uhr, an das vorgenannte
Geſchäfts=
zimmer poſt= und beſtellgeldfrei einzuſenden, zu welchem Zeitpunkt
die Eröffnung erfolgt.
(312939
Die Zuſchlagsfriſt beträgt 28 Tage.
Militär-Bauamt.
Letzte Moosverſteigerung.
Montag, den 17. Juni 1912, vormittags 10 Uhr
anfangend, werden auf dem Rathauſe zu Pfungſtadt aus Diſtrikt
Malchertanne
123 Haufen Moosſtreu
meiſtbietend verſteigert.
Pfungſtadt, den 11. Juni 1912.
(12895
Großh. Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
Lang.
Heu= u. Grummet=Gras=Verſteigerung.
Freitag, den 14. Jnni l. Js., von nachm. 2 Uhr ab,
wird auf dem Rathauſe zu Pfungſtadt das Gras (gutes Wieſenheu)
von circa 145 Morgen ſtädt. Wieſen öffentlich verſteigert.
Die Feldſchützen Jäger und Rau ſind zur Auskunftserteilung
beauftragt.
(1275oid
Pfungſtadt, den 8. Juni 1912.
Großh. Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
Ling.
Jaſelvieh-Verſteigerung.
Montag, den 17. Juni, vormittags 11 Uhr,
wird ein der Gemeinde Eſchollbrücken gehöriger junger, gutgenährter,
zur ferneren Zucht untauglicher Bulle öffentlich meiſtbietend verſteigert.
Zuſammenkunft am Faſelſtall.
Eſchollbrücken, am 12. Juni 1912.
(12918dfs
Großh. Bürgermeiſterei Eſchollbrücken.
Götz.
Die Lieferung
von 200 Blöcken doppelt
raffi=
niertem Weichblei im
Geſamt=
gewicht von etwa 10000 kg ſoll
vergeben werden.
Angebote ſind, mit
entſprechen=
der Aufſchrift verſehen, bis zum
25. I. M., vormittags 10 Uhr,
bei der unterzeichneten Verwaltung
einzureichen.
Die Lieferungsbedingungen
kön=
nen dortſelbſt eingeſehen werden,
auch ſind dieſelben gegen
Erſtat=
tung des Betrags von 50 Pfg.
erhältlich.
(12898
Darmſtadt, 10. Juni 1912.
Städtiſche Gaswerks=Verwaltung.
Friedrich.
Pferde=Verkauf.
Freitag, den 14. Juni 1912,
vormittags 10 Uhr,
wird auf dem Hofe der Train=
Kaſerne Darmſtadt,
Eſchollbrücker=
ſtraße 24, ein überzähliges
Dienſt=
pferd öffentlich meiſtbietend gegen
Barzahlung verſteigert. (12927
Train=Bataillon Nr. 18.
Bekanntmachung.
Donnerstag, 18. Juli I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die dem Philipp Adam zu
Nieder=Modau und deſſen Sohn
Philipp Wilhelm Adam daſelbſt
im Grundbuch der Gemarkung
Darmſtadt zugeſchriebenen
Grund=
ſtücke:
Flur Nr. qm
unterhalb
20 190 794 Acker
der Schneid=
20 191 787 Acker) mühle,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
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verſteigert werden.
Darmſtadt, den 6. Juni 1912.
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Hessischen Eschbann-Aktiengesehschafe
frühestens kündbar auf 31. März 1922
mit Garantie der Stadt Darmstadt für Verzinsung und Rückzahlung.
Die Hessische Eisenbahn-Aktiengesellschaft zu Darmstadt, welche auf Grund eines
Ver-
trags zwischen der Stadt Darmstadt und der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft am 15. April
1912 behufs Uebernahme der städtischen elektrischen Bahnen und Elektrizitätswerke sowie der 3
in elektrischen Betrieb umzuwandelnden Dampfbahnlinien der Süddeutschen Eisenbahn-
Gesell-
schaft von Darmstadt nach Griesheim, Eberstadt und Arheilgen, mit einem Aktienkapital von
4,000,000.— M. errichtet worden ist, hat eine 4% Anleihe von M. 5,000,000.− aufgenommen, eingeteilt
in Stücke zu 2000, 1000, 500 und 200 Mark, für deren Verzinsung und Rückzahlung die Stadt
Darmstadt vertraglich die Garantie übernommen hat. Verlosung und Kündigung der Anleihe kann
frühestens auf den 31. März 1922 erfolgen- von da ab wird sie mit ½% p. a. zuzüglich der
er-
sparten Zinsen getilgter Obligationen durch Verlosung oder Rückkauf getilgt. Der Gesellschaft
bleibt das Recht vorbehalten, vom 31. März 1922 an, nach Genehmigung durch die Hessische
Re-
gierung, die Anleihe über die jährliche planmässige Tilgung hinaus durch Auslosung oder
Rück-
kauf verstärkt zu tilgen oder sie durch öffentliche Bekanntmachung ganz oder teilweise zur
Rück-
zahlung zu kündigen.
Den Schuldverschreibungen sind halbjährige Zinsscheine per 31. März und 30. September
beigegeben, die gleich wie die rückzahlbaren Stücke bei der Hauptkasse der Gesellschaft, derjenigen
der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft, der Stadtkasse zu Darmstadt, ferner bei der Bank für
Handel und Industrie zu Darmstadt und Berlin, der Direction der Disconto-Gesellschaft zu Berlin
und der Süddeutschen Disconto-Gesellschaft A.-G. zu Mannheim, sowie bei den Niederlassungen
dieser Banken zahlbar sind.
Alle auf die Anleihe bezüglichen Bekanntmachungen, insbesondere betreffend Verlosungen,
Kündigungen und Rückkäufe, die Veröffentlichungen der Nummern nicht vorgezeigter, verloster
Obligationen erfolgen in mindestens einer Darmstädter, Frankfurter, Berliner und Mannheimer
Zeitung.
Die ministerielle Genehmigung zur Ausgabe der Schuldverschreibungen ist demnächst
zu erwarten.
Auf vorstehende Anleihe werden am Montag, den 17. Juni cr., innerhalb der bei jeder
Stelle üblichen Geschäftsstunden Zeichnungen zum Kurse von
99,10%
zuzüglich 4% Stückzinsen vom 31. März er. ab entgegengenommen:
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Direction der Disconto-Gesellschaft,
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Bank für Handel u. Industrie, Niederlassung Giessen,
Bank für Handel und Industrie, Filiale Hamburg,
Offenbach a. M.: „ „ Bank für Handel und Industrie, Niederlassung
Offen-
bach a. M.
„„ Direction der Disconto-Gesellschaft, Zweigstelle
Offenbach a. M.,
Herrn S. Merzbach,
„
„ „ Direction der Disconto-Gesellschaft,
„ den Herren Schmitz, Heidelberger & Co.,
„ der Bank für Handel und Industrie, Filiale Mannheim,
„ Süddeutschen Disconto-Gesellschaft A.-G.
Bank für Handel und Industrie, Niederlassung
Wies-
baden (vorm. Martin Wiener),
„ Direction der Disconto-Gesellschaft, Zweigstelle Wies-
,,
baden,
„„ Süddeutschen Disconto-Gesellschaft A.-G.
„ Worms:
ferner bei den Niederlassungen der Bank für Handel und Industrie in Freiburg 1. B.,
Halle, Hannover, Leipzig, München, Nürnberg, Strassburg i. E. und denjenigen
der Süddeutschen Disconto-Gesellschaft A.-G. in Bruchsal, Freiburg i. B.,
Heidelberg, Karlsruhe, Lahr i. B., Landau (Pfalz) und Pforzheim.
Bei der Zeichnung ist auf Verlangen der Zeichnungsstelle eine Kaution von 5% des
ge-
zeichneten Betrags in bar oder in Wertpapieren zu hinterlegen.
Die Zuteilungen erfolgen nach Ermessen einer jeden Zeichnungsstelle, den
Schlussnoten-
stempel trägt der Zeichner. Früherer Schluss der Zeichnung bleibt vorbehalten.
Die Zahlung des Zeichnungspreises hat in der Zeit bis zum 26. Juni 1912 zu erfolgen.
Bis zur Lieferung der definitiven Stücke (voraussichtlich Mitte Juli) werden Kassaquittungen
aus-
gegeben.
(12913P
Darmstadt, Frankfurt a. M., und Mannheim, im Juni 1912.
Bank für Handel und Industrie.
Direction der Disconto-Gesellschaft.
Süddeutsche Diseonto-Gesellschaft A.-G.
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unsere Mitglieder, uns ihre Anmeldungen auf die zur Auflage gelangenden
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spätestens bis 15. Juni 1912 zukommen zu lassen. Wir nehmen solche spesenfrei
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(Nachdruck verboten.)
17)
X.
Elfriede ſah mit heimlicher Freude dem Abend
ent=
gegen, an dem ſie gemeinſam mit dem Grafen die Klytia
leſen wollten. Ihr „Salon” in dem einfachen Fiſcherhauſe
war freilich nicht für vornehmen Beſuch eingerichtet;
Dol=
tor Wendeborn meinte aber lachend, daß ſich der Graf nicht
um die einfache Einrichtung kümmern werde; er ſei keiner
von Jenen, die ihre lieben Mitmenſchen nach den
Aeußer=
lichkeiten ihres Lebens beurteilten. Einige friſche
Blumen=
ſträuße genügten, um den Salon feſtlich herauszuputzen.
Am nächſten Tage bei der Mittagstafel ſah man ſich
wieder. Elfriede kam dem Grafen mit offener
Liebens=
würdigkeit entgegen; ſie wollte die Verſtimmung vergeſſen
machen, welche am Schluß ihrer geſtrigen Unterhaltung
zwiſchen ſie getreten war. Aber der Graf war ſtill und
gemeſſen, ſein Blick ſchweifte oft wie müde in die Ferne,
dann ruhte er wieder forſchend auf dem Antlitz Elfriedens,
als wolle er ihre geheimſten Gedanken leſen.
Was iſt Ihnen, Herr Graf? fragte Wendeborn
ſchließ=
lich. Sie ſind verſtimmt — haben Sie Aerger gehabt?
Ja — amtlichen Aerger — ich bitte um Verzeitung.
über des deden eines Sheneiters beſcht aus ſatge
ſetztem, ewigen Aerger, aus einer großen Enttäuſchung.
Doktor Wendeborn lachte.
Sie müſſen die Dinge nicht ſo ſchwer nehmen, beſter
Graf. Wer ſich in kurzer Zeit einen ſolchen bedeutenden
Namen in der Welt der Kunſt und des Theaters
erwor=
ben hat, wie Sie, ſollte nicht von Enttäuſchung ſprechen.
Es gibt andere Enttäuſchungen als die, welche mit
dem Theater zuſammenhängen, Doktor.
Ja — da haben Sie recht. Die müſſen wir alle
durch=
machen. Dabei kann Ihnen niemand helfen. Das muß
jeder mit ſich ſelbſt abmachen.
Aber es iſt ſo ſchmerzlich, wenn man ſich in einem
Menſchen getäuſcht ſieht, dem man ſeine warme
Sym=
pathie entgegengebracht hat. Wenn man unter der Maske
der menſchlichen Teilnahme und der Freundſchaft plötzlich
den Egoismus hervorgrinſen ſieht.
Und dieſe Erfahrung hätten Sie gemacht.
Ja — geſtern — entgegnete der Graf rauh und
ſtürzte ein Glas Wein hinunter.
Elfriede atmete haſtig. Mit der feinen, Empfindung
ihres Herzens fühlte ſie heraus, daß dieſe Verſtimmung,
dieſe bitteren Worte des Grafen in irgend einer Weiſe
mit ihr zuſammenhingen. Sie dachte plötzlich an
Nor=
bert. Sollte er bereits bei dem Ggafen gemelen Link
Gente die Unterndnn mi ihm die Berſinnung
ſie=
vorgerufen haben? Aber was des Grafen Unmut erregt
hatte? Wenn er ſich auch wirklich auf ihre Bekanntſchaft
bezogen, ſo war das doch kein Grund, ihr zu zürnen.
Eine Pauſe trat in dem Geſpräch ein.
Plötzlich ſagte der Graf: Sie haben die Abſicht, zur
Bühne zu gehen, mein Fräulein?
Wie ſeltſam ſeine Stimme bei dieſer harmloſen
Frage klang. So gepreßt, ſo rauh.
Elfriede erſchrak, alſo hatte Norbert doch über ſie
geſprochen. Was ſollte ſie erwidern? Eine dunkle
Blut=
welle überflutete ihr Geſicht, hilflos blickte ſie zu ihrem
Vater hinüber.
Meine Tochter beſitzt allerdings ein ausgeſprochenes
dramatiſches Talent, Herr Graf, ſagte Wendeborn ernſt.
Aber der Plan befindet ſich noch ſehr in den
Anfangs=
ſtadien der Entwickelung. Jedenfalls brauchen Sie nicht
zu fürchten, daß wir Ihnen mit einem
Engagements=
geſuch kommen, ſetzte er mit einer gewiſſen Schärfe hinzu,
da er jetzt den Grund des veränderten Weſens des
Gra=
fens zu kennen glaubte. Ich darf mir aber wohl die
Frage erlauben, wer mit Ihnen über die Abſichten meiner
Tochter geſprochen hat?
Ein Schauſpieler Norbert, der mir ſeinen Beſuch
machte.
Nummer 137.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 13. Juni 1912.
Seit
Mrilt er er er e eie en
weſen, über unſere Pläne zu ſprechen.
Elfriede ſtanden die Tränen nahe, ſie erhob ſich raſch
und trat auf die Terraſſe. Ihre glückliche Stimmung
war verflogen; ſie ſah ſich von dem Grafen verkannt; ja,
in ſeinen Worten hatte ſogar eine gewiſſe Mißachtung
gelegen. Sie fühlte ſich in ihrem Stolz tief verletzt und
wollte den Grafen überhaupt nicht wiederſehen.
Als ſie an eine Säule gelehnt daſtand, mit
tränen=
umflortem Blick auf das Meer hinausſehend, trat der
Graf auf ſie zu.
Verzeihen Sie mir, gnädiges Fräulein, ſprach er mit
weicher, trauriger Stimme, wenn meine Worte Sie
ver=
letzt haben.
Sie richtete ſich empor.
Nicht ſo ſehr Ihre Worte, Herr Graf, wie Ihre
Ge=
danken.
Was wiſſen Sie von meinen Gedanken? fragte er
mit trübem Lächeln.
Sie haben niedrig von mir gedacht!
Gnädiges Fräulein!
Wollen Sie es leugnen? entgegnete ſie mit blitzenden
Augen, vor denen er die ſeinen ſenkte.
Mit einer ſtolzen Bewegung wandte ſie ſich ab und
blickte angelegentlich auf die See hinaus.
Eine Weile herrſchte tiefes Schweigen zwiſchen
ihnen. Aber Elfriede fühlte ſeine Augen auf ihrem
Ant=
litz ruhen und langſam errötete ſie unter dieſem innigen,
traurigen Blick.
Wollen Sie mich anhören, gnädiges Fräulein? ſagte
er dann leiſe und weich.
Als ſie nicht antwortete, fuhr er fort:
Ein Mann von meiner Stellung und meinem
Charak=
ter i: leicht zum Mißtrauen geneigt. Man verſucht ſo
oft, ans zu täuſchen — ich habe es ſchon unzählige Male
e r nr e en e eitet
zu grämen. Das liegt nun einmal in der Menſchennatur.
Aber hier — ich meine, wenn ich hier wieder die
Erfah=
rung hätte machen müſſen, würde es mich tief geſchmerzt
haben; denn von Menſchen, die man hochachtet, die man
liebt und verehrt, getäuſcht zu werden, das iſt die bitterſte
Erfahrung. Nein, Fräulein Elfriede — ich weiſe jenen
häßlichen Verdacht weit von mir — ich habe ihn auch nie
im Ernſt gehegt — ich weiß ſelbſt nicht, was in mir
vor=
gegangen iſt, daß ich ſo verſtimmt, ſo ungerecht war.
Verzeihen Sie mir und laſſen Sie uns wieder Freunde
ſein.
Er ſtreckte ihr die weiße, ariſtokratiſche Hand
ent=
gegen und ſah ſie bittend an. Seinem Wort, ſeinem
Blick vermochte ſie nicht zu widerſtehen; wortlos legte ſie
ihre Hand in die ſeinige, die die ihrige ſofort mit
war=
mem Druck umfing.
Ich danke Ihnen, Fräulein Elfriede, ſagte er und
es klang wie ein innerliches Aufjauchzen. In ſeinen
Sugen leuchtete es heiß auf, ſo daß ſie ſich abwandte und
ihm ihre Hand zu entziehen ſuchte. Er aber hielt ſie feſt
und drückte ſie mit innigem Kuß an die Lippen. Dann
ließ er ſie frei und trat aufatmend etwas zurück von ihr.
Wollen wir nicht wieder zu meinem Vater
hinein=
gehen? fragte ſie mit unſicherer Stimme.
Mit Ihrem Herrn Papa habe ich mich ſchon
verſtän=
digt, entgegnete er wieder mit ſeinem früheren ſonnigen
Lächeln. Er nimmt die Sache nicht ſo tragiſch. Laſſen
Sie uns hier Platz nehmen. Ich möchte gern mit Ihnen
über dieſen Herrn Norbert ſprechen.
Er rückte einen Korbſeſſel herbei und ſetzte ſich neben
Elfriede.
Norbert berief ſich auf Sie, gnädiges Fräulein. Er
hat mit Ihnen zuſammen geſpielt — iſt das wahr?
Ja, auf einer Liebhaßewvenrſtellung.
nichtg, Er ſeozte dier Shmnſchelhaſies über Ihr
Talent. Er meinte aber auch, er ſelber habe großen
Bei=
fall errungen. Iſt er wirklich ein tüchtiger Künſtler?
Ich glaube, er beſitzt ein großes Talent, das
aller=
dings noch der Selbſtzucht bedarf.
Hm, alſo doch. Na, da kann man es ja einmal mit
ihm verſuchen. Es ſcheint Ehrgeiz in ihm zu ſtecken.
Sie werden ihm jedenfalls einen großen Dienſt
er=
weiſen. Er bedarf einer feſten Stellung und künſtleriſcher
Leitung.
Die ſoll er haben, da Sie für ihn ſprechen, gnädiges
Fräulein.
Auf mich kommt es wohl doch nicht an, Herr Graf.
Werden Sie nur nicht wieder böſe, gnädiges
Fräu=
lein, lachte er offen und fröhlich auf.
Beſchämt ſenkte ſie den Blick.
Und heute abend bleibt es bei unſerer Verabredung?
Glücklich lächelnd nickte ſie ihm zu. Die Wolken
waren verſchwunden und ſonnig erſtrahlten wieder
Him=
mel und Meer in heiterem Glanze.
Ein prächtiger Sommerabend ſenkte ſich auf die Erde
nieder. Blutrot ſtand die große Sonnenſcheibe tief am
Horizont, inmitten aufglühender Wolken, und große
Flammen glühten über das Meer, das wie flüſſiges Gold
auf= und niederwogte. Dazwiſchen tauchten hier und da
dunkle Streifen auf, die nach kurzer Zeit von den
flam=
menden Wogen verſchlungen wurden, um an einer
ande=
ren Stelle wieder zu erſcheinen. Es war ein
Farben=
ſpiel von unbeſchreiblicher Pracht. In wortloſem Schauen
verſunken ſtanden der Graf und Elfriede auf der kleinen
Veranda des Fiſcherhauſes.
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Seite 18.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 13. Juni 1912.
Nummer 137.
Das Problem der Weltherrſchaft
Roms.‟)
Von Profeſſor Dr. J. Kromayer.
Ein geiſtreicher italieniſcher Schriftſteller, Vanucci,
ſagt in ſeiner römiſchen Geſchichte einmal: „Der
rätſel=
hafte Aufſchwung Roms und ſeine ſchnelle Ausbreitung,
bei der es Italien und die Welt in ſeine Gewalt bringt,
iſt das wunderbarſte Ereignis, das es in der
Ge=
ſchichte der Menſchheit gibt.”
Und in der Tat, wenn wir beſonders die
Entwick=
lung der letzten 2½ Jahrhunderte v. Chr, von
der Einigung Italiens im Jahre 241 bis zur
Vollen=
dung der Weltherrſchaft unter dem Kaiſer Auguſtus
be=
trachten, ſo entrollt ſich vor unſeren erſtaunten Augen
das Bld eines in ſeiner Stetigkeit und Konſequenz, wie
in ſeinen ſchließlichen Reſultaten ganz einzig daſtehenden
Fortſchrittes.
Am Anfange dieſer Periode tritt uns Rom wohl
machtvoll und kräftig entgegen, aber doch beſchränkt auf
Italiens natürliche Grenzen, die Halbinſſel
ſelbſt und die zugehörigen Inſeln. Indeſſen alsbald
er=
folgt Schlag auf Schlag die Erweiterung ſeiner Macht,
und zwar nach allen Seiten hin zu gleicher Zeit. Im
We=
ſten fällt die Mittelmeerküſte Spaniens mit dem
zuge=
hörigen Hinterlande durch den Abſchluß des
Hannibali=
ſchen Krieges den Römern zu (201 v Chr.), und in
un=
endlichen kleinen Kämpfen dringen ſie weiter und weiter
ins Innere ein, bis ſchließlich Auguſtus ganz Spanien
dem Reiche eingliedern kann. Im Norden und
Nord=
weſten wird ganz Norditalien in jahrzehntelangen
Krie=
gen allmählich erobert (ſeit 200 v. Chr.), das ſüdliche
Frankreich hinzugefügt, endlich durch Cäſar ganz Gallien
gewonnen und von Auguſtus die Grenze bis über den
Rhein und die Donau vorgeſchoben. Das ganze
Alpen=
gebiet und ein großer Teil von Nordweſt= und
Süd=
deutſchland, ſowie von Oeſterreich werden ſo dem Beſitze
einverleibt. Nach Süden hin dehnt ſich ſeit 146 v Chr.
allmählich die Römerherrſchaft über weite Strecken von
Afrika aus bis zum Rande der Wüſte und zum Ozean.
Am weiteſten aber greift ſie über Italiens natürliche
Grenzen hinüber im Oſten, wo die älteſten Kulturſtaaten
des Mittelmeergebietes liegen und wo ſeit 197 v. Chr.
Griechenland, dann die ganze Balkanhalbinſel bis an die
Mündungen der Donau, wo Kleinaſien, Syrien und
ſchließlich Aegypten ins Untertanenverhältnis zu Rom
treten müſſen.
*) Wir entnehmen Kromayers Darſtellung ſeinem in
der Sammlung Aus Natur und Geiſteswelt (bei B. G
Teubner=Leipzig, geh. 1 Mark, geb. 1,25 Mark) ſoeben
erſchienenen Buche „Roms Kampf um die Weltherrſchaft”
das den erfolgreichen Verſuch macht, in das Verſtändnis
des behandelten Problems einzuführen, die geſchilderte
Entwickelung aus den ſie bedingenden Kräften
verſchie=
denſter Art begreiflich zu machen.
Schon die rein äußerliche Betrachtung dieſer
Er=
weiterung und die Vergegenwärtigung der Tatſache, daß
Italien ſich in dieſer Periode ein mindeſtens zehnmal
ſo großes Gebiet angeeignet hat, als ſein eigener
Flä=
chenraum betrug, iſt ein nicht ohne weiteres verſtändliches
Ereignis, wenigſtens für denjenigen, welcher ſich von den
Eindrücken der Schule und der Jugend loszumachen
ver=
ſteht und den Dingen ſelbſt etwas tiefer ins Geſicht ſieht.
Denn für die Jugend gibt es ja im Grunde nichts
Wun=
derbares. Sie nimmt, was ihr geboten wird, zunächſt
ohne weitere Kritik hin und freut ſich an dem Großen
und Außerordentlichen. Und ſo ſind wir alle von
Ju=
gend her gewohnt, die Eroberung der Welt durch Rom
als eine längſt bekannte und ganz natürliche Tatſache zu
betrachten. Aber wer mit dem gereiften Verſtande des
erfahreneren Alters an dieſe Erſcheinung herantritt, der
wird in ihr Schwierigkeit über Schwierigkeit finden,
be=
ſonders wenn er ſie mit der ganzen auf das Römerreich
folgenden Entwickelung vergleicht und ſieht,
daß hier trotz der vererbten Idee des Weltreiches
das ganze Mittelalter hindurch ein immer wieder
vergeb=
liches Ringen nach deren Verwirklichung ſtättgefunden
hat, daß es den deutſchen Kaiſern dieſer Zeit nicht
ein=
mal gelungen iſt, ein einziges Land, Italien, in
Abhän=
gigkeit zu bringen und zu halten. und daß auch die
genial=
ſten Feldherren und Herrſcher der Folgezeit bis in
un=
ſere Tage hinein nicht glücklicher geweſen ſind, ja, daß
ſelbſt ein Napoleon von der Verwirklichung ſeiner
Weltreichpläne hat abſtehen müſſen und in der
ganzen europäiſchen Entwickelung der Neuzeit trotz oft
vernichtender Niederlagen des Gegners, abgeſehen von
der Zerſtückelung Polens, doch nie mehr die dauernde
Unterwerfung eines der großen Kulturvölker durch ein
anderes hat aufrecht erhalten werden können.
Aber mit dieſer Erwähnung, von „Kulturvölkern”
komme ich zu einem zweiten, ſchon mehr
inner=
lichen Moment, welches die römiſche Eroberung
noch merkwürdiger erſcheinen läßt. Man könnte es ja
ſchließlich ganz dem Gange der großen Entwickelung
und der neueren Erfahrungen entſprechend finden, daß
die Römer eine Reihe in der Kultur weit unter ihnen
ſtehender Völker, wie die Iberer, Gallier und die
an=
deren nordiſchen Völker unterworfen und zu ihrer
Kul=
tur herangezogen haben. Indeſſen erſchöpft ſich damit
weder die Weltherrſchaft Roms, noch hat ſie darin ihren
eigentlichen Schwerpunkt. Sondern gerade die Rom in
der Kultur weit überlegenen Staaten des öſtlichen
Mit=
telmeerbeckens, die ganze helleniſtiſche Staatenwelt, iſt
es in erſter Linie, die dem römiſchen Schwerte erliegt,
und nicht nur erliegt, ſondern jahrhundertelang dienſtbar
bleibt; eine Staatenwelt voll kriegeriſcher Tüchtigkeit,
deren Träger ſelber nicht viel mehr als 100 Jahre früher
den Oſten ſich angeeignet und das Bedeutendſte an
ſtagt=
licher Organiſation geleiſtet hatten, was vielleicht bisher
überhaupt in der Geſchichte der Menſchheit geleiſtet
wor=
den war. Man ſollte doch glauben, daß eine Welt von
ſolcher Fülle der Intelligenz und geiſtiger
Ueberlegen=
heit, von ſolchem Tätigkeitsdrange und ſo kriegeriſcher
Tüchtigkeit eine Fremdherrſchaft nimmer hätte
aufkom=
men laſſen dürfen oder ſie wenigſtens ebenſo wenig auf
die Dauer hätte ertragen können wie Deutſchland die
napoleoniſche oder Italien die deutſche im Mittelalter.
Endlich kommt ein Drittes hinzu, das dem
Er=
werb der römiſchen Weltherrſchaft noch eine weitere
Be=
ſonderheit verleiht. Bei den anderen großen
Eroberun=
gen, die ſonſt in der Weltgeſchichte ſtattgefunden haben,
von Alexander dem Großen bis auf den großen Napoleon
pflegt es ein überragender Geiſt, ein gewaltiges Genie
zu ſein, das in ſeinem ungeſtümen Tatendrange
über=
menſchliche Aufgaben in Angriff nimmt und löſt, ſoweit
ſie lösbar ſind.
Hier dagegen bei der römiſchen Erwerbung der
Welt=
herrſchaft, die langſam und gemeſſen, mit zäheſter
Konſe=
quenz 2½ Jahrhunderte hindurch ihres Weges geht
man möchte ſagen mit fataliſtiſcher Sicherheit — ohne
Rückſchläge und ohne Ueberſtürzung, hier iſt überhaupt
kein Baumeiſter größten Stiles vorhanden geweſen.
Man könnte vielleicht an Roms genialſten Sohn, an
Julius Cäſar denken und an ihn und ſeinen nicht viel
minder großen Neffen Auguſtus die Schöpfung des
Wun=
derbaues anknüpfen wollen. Denn wenn man auf die
Maſſe des durch dieſe beiden Männer erworbenen Landes
ſein Augenmerk richtet und bedenkt, daß faſt das halbe
Spanien, ganz Gallien, ſowie alles Land in den Alpen
und nördlich davon, die weiten Flächen Weſtungarns und
der nördlichen Balkanhalbinſel, dazu der größte Teil
Kleinaſiens und endlich ganz Aegypten durch ſie zum Reiche
gekommen ſind, ſo ſieht man, daß ſie den Umfang
des=
ſelben faſt auf das Doppelte ſeiner früheren Größe
ge=
bracht haben. Und wenn man dann die innere
Ausgeſtal=
tung dazu ins Auge faßt und ſich klarmacht, daß erſt durch
ſie das Ganze ein lebensfähiger Organismus geworden
iſt, ſo könnte man wohl geneigt ſein, dieſe beiden als die
eigentlichen Schöpfer des römiſchen Weltreiches zu
be=
trachten.
Aber mögen auch Cäſar als Feldherr und Auguſtus
als Organiſator noch ſo Gewaltiges für das Reich getan
haben, man würde weit fehlgehen, wenn man ſie als deſſen
Begründer anſehen wollte. Die Würfel darüber, wer
Herr im Mittelmeer ſein ſollte, waren längſt gefallen, ehe
dieſe beiden Heroen des Römertums das Licht der Welt
erblickt hatten, und es muß dabei bleiben, daß in der Tat
keine Perſönlichkeit vorhanden iſt, die wir in der Zeit,
als die Geſchicke entſchieden wurden, als den Baumeiſter
des großen Werkes bezeichnen könnten.
So ſtehen wir alſo nach drei Seiten hin vor
unerklärlichen Tatſachen. Die große und ſchnelle
Erweiterung an ſich läßt ſich mit den ſonſtigen Erfahrungen
der europäiſchen Geſchichte nicht in Uebereinſtimmung
bringen, die dauernde Unterwerfung kulturell weit höher
ſtehender Staaten und Kulturvölker erhöht die
Schwie=
rigkeit, und die Abweſenheit jedes großen leitenden Geiſtes
und jeder genial wirkenden Schöpferperſönlichkeit ſcheint
dem ganzen Werke erſt recht den Charakter eines
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