Darmstädter Tagblatt 1912


07. Juni 1912

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175. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 14 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Die Hygiene=Ausſtellung in Dresden hat
einen Ueberſchuß von 1066055 Mark ergeben.
Graf Zeppelin iſt in Berlin eingetroffen und hatte
dort verſchiedene wichtige Konferenzen.
Im Bottniſchen Meerbuſen ſtieß ein Paſſa=
gierdampfer
mit einem Schleppdampfer zuſammen,
welcher ſank. 8 Mann der Beſatzung ertranken.
Die ſpaniſchefranzöſiſchen Verhandlun=
gen
über die Gebietsaufteilung in Marokko können
nach einer Meldung aus Madrid nunmehr als abge=
ſchloſſen
angeſehen werden.
Im engliſchen Unterhauſe machte Lloyd
George längere Mitteilungen über den Streik.
Er erklärte daß eine Verlängerung des Streiks nicht
wahrſcheinlich ſei. Die Bedingung für die Wiederauf=
nahme
der Arbeit. daß nur organiſierte Arbeiter einge=
ſtelt
werden dürfen, werde anſcheinend von den Leuten
ſelbſt nicht aufrecht erhalten.

Die Kölner und der Vatikan.

C Aus Berlin wird uns geſchrieben: Die Erklä=
rung
, die der Geſamtvorſtand des Verbandes chriſtlicher
Gewerkſchaften am 3. Juni gegen die Berliner veröf=
fentlicht
hat, beweiſt ſchlagend, daß die Kölner nicht
daran denken, die Flinte ins Korn zu werfen. Sie ha=
ben
vielmehr den Spieß umgedreht und ſind durch die
vor aller Welt ausgeſprochene Behauptung, die Berli=
ner
hätten den Papſt über das Weſen der chriſtlichen Ar=
beiterbewegung
ſchmählich getäuſcht, einen jahrelangen
Verleumdungsfeldzug mit der Huldigungsadreſſe ge=
krönt
, den Berlinern gegenüber aus den Angegriffenen
zu ſcharfen Angreifern geworden. Aber auch nach der
Seite des Vatikans hin läßt die Erklärung der Köl=
ner
keinen Zweifel darüber, daß man entſchloſſen iſt,
trotz der päpſtlichen Mißbilligung den gewerkſchaft=
lichen
Standpunkt voll aufrecht zu erhalten. Der Hinweis
auf die organiſche und unzerreißbare Verankerung der
chriſtlichen Gewerkſchaften mit dem geſamten volkswirt=
ſchaftlichen
und ſtaatlichen Leben der Nation redet in die=
ſer
Beziehung eine deutliche Sprache. Sie iſt vom Va=
tikan
offenbar raſch und gründlich verſtanden worden.
Schon am 4. Juni machte das Münchener Zentrums=
organ
in auffallendem Druck die ohne Zweifel vom
Münchener Nuntius eingeflüſterte Mitteilung, daß es
ſich’bei der päpſtlichen Antwort auf die Berliner Hul=
digungsadreſſe
um eine freie Wiedergabe der Aeußerung
des Papſtes handele, für die die Kurie keiner=
lei
Verantwortung übernehmen kann.
Und gleichzeitig erhielten die klerikalen Neuen Züricher
Nachrichten in derſelben Angelegenheit von kirchlicher
Stelle die vielſagende Notiz, daß päpſtliche Kund=
gebungen
nur dann beachtet zu werden brauchen, wenn
ihr Wortlaut amtlich feſtgeſtellt und publiziert iſt; Aus=
ſagen
von Privatperſonen über ſolche Kundgebungen
kommen nicht in Betracht.
Der Vatikan iſt hiermit bereits von den Berlinern
abgerückt. Ob er es dabei bewenden läßt oder in irgend
einer amtlichen Form auf den Proteſt der Kölner ein=
geht
, bleibt abzuwarten. Wie dem aber auch ſei: die
Auffaſſung, daß die Aktion der Berliner gegen die
Kölner ein Schlag ins Waſſer geweſen, und daß der
Papſt ſich mit den Kölnern abfinde, kann heute nicht
mehr angefochten werden. In ſachlicher Uebereinſtim=
mung
mit uns ſchreibt die Soziale Praxis: Wenn die
Gegner der chriſtlichen Gewerkſchaften an dieſe Kund=
gebungen
(des Papſtes an die Berliner und an die
Kölner. Red.) raſche Spekulationen auf den Zerfall je=
ner
Organiſationen anknüpfen, ſo dürften ſie die Tat=
ſachen
vermutlich eines anderen belehren.

Im Lager des Zentrums hat die unterſchiedliche Be=
handlung
, die der Berliner Verband der katholiſchen Ar=
beitervereine
und der Kölner Geſamtverband der chriſt=
lichen
Gewerkſchaften durch den Papſt erfahren haben,
große Erbitterung hervorgerufen. In der Köln. Volks=
zeitung
ſchreibt ein Geiſtlicher, Berlin ſei nach Rom ge=
ſchlichen
, um über die Köpfe der meiſten deutſchen
Biſchöfe hinweg ein obſiegendes Urteil zu erlangen, und gibt

ſchließlich folgendes Endurteil ab: Das Vorgehen des
Berliner Verbandes iſt unter Berückſichtigung aller dieſer
Umſtände ein wahrer Skandal, der allen Anforderungen
treuer Kirchlichkeit Hohn ſpricht und wegen ſeiner Takt=
loſigkeit
gegen die Biſchöfe öffentlich gebrandmarkt zu
werden verdient. Wir haben in München einen Nun=
tius
, aber daneben eine Anzahl Winkelnuntiaturen, die
fortgeſetzt in Betrieb ſind. Der Berliner Verband bildet
in Deutſchland faſt eine Kirche für ſich, die autonom
auch über die Biſchöfe ſich ſtellt. Kann das ſo weiter
gehen? Aus demſelben Blatte erfährt man, daß Graf
Oppersdorff, der bekannte Vorkämpfer der Berliner, noch
eine zweite Andienz beim Papſte gehabt habe; beide Un=
terredungen
hätten die ungewöhnliche Dauer von je
¾ Stunde gehabt. Auch bei dem intimen Feinde der
Kölner Richtung, dem Prälaten Benigni, habe
Oppersdorff zwei Abendſitzungen bis 11½ Uhr gehabt.

Der ſtarke Mann in Ungarn.

** Die neulichen Vorgänge im preußiſchen Abge=
ordnetenhauſe
, wo zwei Volksvertreter gewaltſam aus
dem Sitzungsſaale hinauskomplimentiert werden muß=
ten
, waren ein Kinderſpiel gegen die Maſſenhinaus=
beförderung
von Abgeordneten, die ſich am Dienstag
im ungariſchen Parlamente abſpielte. Es galt, die Ob=
ſtruktion
der Linken, die die Durchführung der Wehr=
vorlagen
mit allen Mitteln verhindern wollke und zu die=
ſem
Zwecke einen Höllenlärm inſzenierte, zu brechen. Ein
anderer als Graf Stephan Tisza, der ſeit 14 Tagen
den Präſidentenſeſſel des Abgeordnetenhauſes inne hat,
wäre wohl vor dieſer Aufgabe, die ebenſo viel Kaltblütig=
keit
wie Willenskraft erforderte, zurückgeſchreckt. Aber
Tisza beſitzt dieſe Eigenſchaften in hohem Maße, und er
hat ſie ſchon als Miniſterpräſident welches Amt er vom
Herbſt 1903 bis Frühjahr 1905 in ſturmbewegter Zeit be=
kleidete
, bewieſen. Deshalb ſetzten die um Koſſuth und
Juſth auch der Wahl Tiszas zum Präſidenten des Abge=
ordnetenhauſes
ſo heftigen Widerſtand entgegen, ſie wuß=
ten
, dieſer Mann würde nicht mit ſich ſpaßen laſſen und
ſeiner Autorität Geltung verſchaffen.
Sturmſzenen im ungariſchen Abgeordnetenhauſe ſind
ja nichts Seltenes, ſchon oft hat der Sitzungsſaal wider=
gehallt
von dem Brüllen, Toben und Umſichſchlagen der
Auserwählten des Volkes, welche auch ein Handgemenge
nicht ſcheuten und ihre Fäuſte ab und zu kräftig ge=
brauchten
. Gerade Graf Tisza war es, der als Mini=
ſterpräſident
, dieſen Zuſtänden zu Leibe gehen und die
ſyſtematiſche und frivole Obſtruktion unmöglich machen
wollte durch eine Verſchärfung der Geſchäftsordnung. In
der Tat hat er damals auch die Beſtimmungen durchge=
ſetzt
, welche am Dienstag die gewaltſame Entfernung der
Abgeordneten aus dem Saale ermöglichten. Bei der De=
batte
über die Inkraftſetzung der verſchärften Hausord=
nung
ging es wild her; Seſſel, Bücher und Tintenfäſſer
dienten als Wurfgeſchoſſe gegen den damaligen Prä=
ſidenten
Perczel. Und drei Wochen ſpäter wurde ſogar
der Sitzungsraum von der Oppoſition vollſtändig demo=
liert
. In friſcher Erinnerung iſt noch der tätliche Angriff
auf den Kabinettschef Grafen Khuen=Hedervary während
einer Sitzung im März 1910, wobei der Staatsmann
empfindliche Verletzungen davontrug.
Graf Tisza hat von dem Moment an, wo er vor
einigen Wochen den Vorſitz im Abgeordnetenhauſe ein=
nahm
, ſtrenge Zucht gehalten. Schon am zweiten Tage
ſeiner Geſchäftsführung ſchloß er mehrere renitente Ab=
geordnete
auf kürzere oder längere Zeit von den Ver=
handlungen
aus. Bemerkenswert iſt es, daß unter den
am Dienstag gewaltſam aus dem Saal Entfernten ſich
auch einige frühere Präſidenten des Abgeordnetenhauſes
befanden Julius Juſth und Gaal. Juſth, der vor
einigen Jahren ganz ernſtlich als der kommende Mann
angeſehen wurde, trägt mit ſeinem Anhang die größte
Schuld an der brutalen Obſtruktion und an den Vorgän=
gen
am Dienstag, die dank der Energie Tiszas aber
doch nicht verhindern konnten, daß die Wehrvorlagen ver=
abſchiedet
wurden und jenſeits der Leitha nur noch der
Zuſtimmung des Magnatenhauſes bedürfen. Tiszas Ver=
dienſt
iſt es ſomit, daß dieſe für die Wehrkraft der Dop=
pelmonarchie
ſo wichtige Frage nach den vielen Schwie=
rigkeiten
, die ſich ihr entgegengeſtellt hatten, doch noch
verhältnismäßig leicht gelöſt werden konnte. Freilich
muß man damit rechnen, daß in der transleithaniſchen

Reichshälfte heftige ſinnere Kämpfe folgen, denen die
Regierung vielleicht am eheſten durch Eindringung der
Wahlreform zu begegnen vermag.

Der energiſche Präſident, der endlich einmal mit
eiſerner Fauſt dreingeſahren iſt und die wüſten Radau=
politiker
, die jede geordnete parlamentariſche Verhand=
lung
unmöglich machen und den Parlamentarismus zur
Karrikatur herabwürdigen, vor die Tür geſetzt hat, findet
auch in der demokratiſchen Preſſe ſeine Lobredner. Daß
zu dieſen auch die Frankfurter Zeitung gehört, iſt beſon=
ders
intereſſant. Sie ſchreibt unter der Ueberſchrift
Tisza der Sieger aus Wien, 4. Juni:
Ein großes Aufatmen geht durch die öſter=
reichiſch
=ungariſche Monarchie: das ungariſche Abgeord=
netenhaus
hat die Wehrgeſetzvorlage endlich be=
willigt
; noch mehr: die anarchiſche Obſtruktion iſt zu
Tode getroffen und der Reichstag hat wieder einen Wil=
len
einen Schwerpunkt. Man weiß nicht, welches Er=
gebnis
des Tiszaſchen Huſarenſtreichs man höher an=
ſchlagen
ſoll. Will man den Schwarzſehern Glauben ſchen=
ken
, die es ſo darſtellen, als ob vielleicht in wenig Monaten
ſchon Oeſterreich=Ungarn in einen europäiſchen Krieg ver=
wickelt
ſein werde ſo muß man die Bewilligung der er=
höhten
Rekrutenziffer, die nun wohl auch im ungariſchen
Magnatenhaus und in beiden Häuſern der öſterreichi=
ſchen
Legslative raſch erledigt werden wird, als wichtigſte
politiſche Tatſache anſehen. Hält man die internationalen
Verwicklungen für minder bedrohlich ſo darf man die
endliche Wiederherſtellung der Arbeitsfähigkeit des Reichs=
tags
als nicht minder wichtiges Ereignis bewerten Man
braucht ſa wohl nicht daran zu zweifeln, daß nun Schlag
auf Schlag folgen wird: die Reform der Geſchäftsord=
nung
und dann bis ſpäteſtens zum Frühjahr 1913 die
Wahlreform die nicht minder dringlich iſt, als es das
Wehrgeſetz je geweſen iſt. Der Mann: des Tages iſt
natürlich Graf Stefan Tisza. Was er heute getan hat,
das wollte er ſeit vierzehn Jahren; er hat es nur unge=
ſchickt
angefaßt und noch nicht die öffentliche Meinung
auf ſeiner Seite gehabt. Die iſt jetzt mit ihm, und war
es ſchon von Anbeginn der neuen Obſtruktion an. Das
iſt das Wichtigſte an dieſem hiſtoriſchen Faktum. Ungarn
hat die Anarchie ſatt und hört nicht mehr auf die Män=
ner
der nationalen Phraſe, die in der Geſchäftsordnung
als offener Tür zur anarchiſchen Vereitelung des Majo=
ritätswillens
den Schutz der Nation gegen eine Vergewal=
tigung
von oben erblicken wollen. Tiszas Einfluß war
nur beinträchtigt durch die Meinung, daß er zzwei kink=
Hände habe und vom Pech verfolgt ſei. Jetzt hat er auch
dieſen Bann gebrochen. Er hat der Gewalt die Gewalt
entgegengeſetzt und hat den Erfolg auf ſeiner Seite gehabt.
Nirgends aber imponiert der Erfolg mehr. als gerade in
Ungarn, wo der Sinn für Geſetzlichkeit noch in den klein=
ſten
Kinderſchuhen ſteckt.
.. Ein paar Geſchäftspolitiker des Parlaments und
der Publiziſtik werden ſich entrüſten weil nun die Mög=
lichkeit
verringert iſt, im Trüben zu fiſchen; ein paar Un=
heilspropheten
werden ihre Niederlage durch Anrufung
des Rechts maskieren wollen; das Land aber wird ſich
nicht rühren, wie damals nach dem 18. November, um
die Verbrecher an der geheiligten Geſchäftsordnung vom
Erdboden wegzufegen. Das Wehrgeſetz iſt erledigt und
mit ihm die ganze faule politiſche Situation.
Man braucht große politiſche Neuorientierungen nicht
immer auf klare Einſichten zurückzuführen, deren die
Maſſen ja ſelten fähig ſind. (!) Meiſtens gehen ſie nur
auf dumpfe Empfindungen zurück, die ſich im Bewußt=
ſein
des Leitenden zur Erkenntnis geklärt haben. Die
dumpfe Empfindung, die in Ungarn den Umſchwung der
allgemeinen politiſchen Auffaſſung herbeigeführt hat, war
nicht nur die, daß die Helden der verfloſſenen Koalition
kein Vertrauen verdienten, weil ſie die Nation in einen
ausſichtsloſen Kampf gegen die Krone geführt und im
Beſitze der Macht ſchnöde verraten haben; viel mehr die
Ahnung einer Gefahr die dem ungariſchen Staaate droht,
wenn ſeine ſtärkſte Wafſe, das Parkament, durch innere
Zerſetzung verbogen und zerfreſſen werde.

Wegen der in der Sitzung des Abgeordnetenhauſes
am Mittwoch verübten Lärmſzenen wurde auf Grund
der Beweiſe des Immunitätsausſchuſſes Julius v. Juſth
zur Ausweiſung von weiteren 30 Sitzungen, im gan=
zen
alſo von 45 Sitzungen verurteilt. Polonyi, Lavaſſy
und Eitner wurden von weiteren 15, im ganzen alſo von
25 Sitzungen ausgeſchloſſen. 29 andere Mitglieder der
Juſth=, Koſſuth= und der Volkspartei wurden von 15 Sitzun=
gen
ausgeſchloſſen. Die vier Abgeordneten Szalay, Le=
hel
Hedervary, Horvath und Graf Michael Eſterhazy ſind,
da ſie zum erſten Male wegen Lärm zur Verantwortung
gezogen wurden, verpflichtet worden, dem Haus Ab=
bitte
zu leiſten. Wie die Voſſiſche Zeitung aus Peſt
meldet, erklärte Graf Karolyi, als die Polizei zum dritten
Male im Abgeordnetenhaus erſchien, er werde den Gra=
fen
Tisza niederſchießen, wo er ihm begegnen werde, und

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Seite 2e

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 7. Juni 1912.

Nummer 132.

bekräftigte dieſe Drohung in höchſter Erregung mit ſei=
nem
Ehrenwort. Am Mittwoch abend 9 Uhr war die
ganze Stadt von Militär beſetzt. Der Abgeordnete Juſth
erklärte, daß die Revolution nunmehr jeden Augenblick
losbrechen werde. (?) Miniſterpräſident v. Lukacs hat
angeſichts der ernſten Lage ſeine Wiener Reiſe verſchoben.

Deutſches Reich.

Das bulgariſche Königspaar trifft heute
in Begleitung ſeiner beiden Söhne und des Miniſter=
präſidenten
Geſchow zu einem offiziellen Antrittsbeſuche
am kaiſerlichen Hofe in Potsdam ein. Das Empfangs=
programm
ſieht eine beträchtliche Reihe von Ehrungen
für den Träger der bulgariſchen Königskrone vor. Es
iſt der erſte Beſuch, den der König nach der Erhebung
des Fürſtentums Bulgarien zum ſelbſtändigen König=
reich
im Jahre 1908 in Berlin abſtattet, während er als
Fürſt von Bulgarien ſchon vor mehr als ſieben Jahren
in Berlin weilte. Der König, deſſen erſte Gemahlin im
Jahre 1899 geſtorben iſt, iſt ſeit 1908 in zweiter Ehe mit
Eleonore, Prinzeſſin Reuß j. L. vermählt, die ihren
lutheriſchen Glauben nicht gewechſelt hat. Der Kronprinz
Boris ſteht im 19., der Prinz Kyrill im 17. Lebensjahre.
Die Neuwahlen zum Rudolſtädter
Landtag finden heute Freitag ſtatt. Das Parlament
des Fürſtentums war am 4. März aufgelöſt worden, weil
ein gedeihliches Zuſammenwirken zwiſchen Regierung
und Volksvertretung unmmöglich ſchien. In letzterer
hatten die Sozialdemokraten mit 9 Sitzen die Mehrheit,
während die bürgerlichen Parteien nur 7 Sitze inne
hatten und bei der Bildung des Präſidiums unberück=
ſichtigt
geblieben waren. Den äußeren Anlaß zur Auf=
löſung
gab die Ablehnung der Wahlrechtsvorlage, die
ſchon 1906 und 1910 dem Landtage unterbreitet worden
war, aber die erforderliche Zweidrittelmehrheit nicht ge=
funden
hatte. Nach der Vorlage ſollten nicht mehr alle
die über 120 Mark Staatsſteuern zahlen, zu den Höchſt=
beſteuerten
gehören, ſondern nur die 500 Zenſiten, die die
höchſte Steuerſumme aufbringen. Die Regierung hoffte,
hierdurch die Chancen der bürgerlichen Parteien bei den
Wahlen etwas verbeſſern zu können. Der Landtag be=
ſteht
aus 16 Abgeordneten, von denen 4 durch die Höchſt=
beſteuerten
und 12 durch geheime und direkte Stimmen=
abgabe
auf drei Jahre gewählt werden. Bei der vor=
letzten
Wahl erzielten die bürgerlichen Parteien 10 und
die Sozialdemokraten 6 Mandate, während, wie ſchon
oben geſagt, bei der letzten Wahl Ende 1911 die Genoſſen
die Mehrheit erhielten. Auf den Ausgang des auf bei=
den
Seiten heftig geführten Wahlkampfes darf man ge=
ſpannt
ſein.
Ueber die Entwicklung der Reichs=
einnahmen
an Zöllen, Steuern und Ge=
bühren
teilen Berliner Blätter mit:
Die ſoeben abgeſchloſſenen Iſteinnahmen des Rech=
nungsjahres
1911 ermöglichen nunmehr einen Ueberblick
wie ſich der Geſamtbetrag der Ueberſchüſſe aus Zöllen
und Steuern von 193 Millionen Mark im einzelnen zu=
ſammenſetzt
. Das Ergebnis ſowohl in der Geſamtheit
wie im einzelnen läßt erkennen, daß es ſich im Etatsjahr
1911 um außergewöhnliche Verhältniſſe in der Geſtaltung
der Reichseinnahmen gehandelt hat, auf deren Wiederkehr
ſchwerlich zu rechnen iſt. Wenn man auch annehmen darf.
daß die Einnahmen an Zöllen und Steuern im laufenden
Etatsjahr den Anſätzen entſprechen werden, die in der
Denkſchrift der Reichsregierung angenommen ſind ſo iſt
doch keineswegs zu erwarten, daß in den nächſten Jahren
wieder ſo hohe Mehreinnahmen zu verzeichnen ſein wer=
den
, wie das Jahr 1911 ſie gebracht hat. Die höchſten
Ueberſchüſſe über den Voranſchlag haben naturgemäß
die Zölle mit 95 Millionen Mark gebracht. Daß hiervon
etwa ein Drittel auf eine vermehrte Einfuhr wegen der
ungünſtigen Ernteverhältniſſe zurückzuführen iſt, darf
naturgemäß nicht überſehen werden. Ein Mehr von 30
Millionen über die Schätzung hat auch die Verbrauchs=
abgabe
für Branntwein gebracht. Um 18 Millionen über=
ſchritt
der Ertrag der Zuckerſteuer den Voranſchlag. Die

Stempelabgabe für Kauf= und ſonſtige Anſchaffungsge=
ſchäfte
brachte Mehrbeträge von 8,6 Millionen, die Erb=
ſchaftsſteuer
5,9, Zigarettenſteuer 4,9, Brauſteuer 4,6 und
die Leuchtmittelſteuer 3,3 Millionen. Mit 22,6 Millio=
nen
ſind in der Reihe der Ueberſchüſſe über den Etats=
anſatz
vertreten die Zündwarenſteuer, ſowie der Stem=
pel
von Privatlotterien, Frachturkunden und Perſonen=
fahrkarten
. Bei den übrigen Steuern ſind Mehrerträge
von rund 1 Million zu verzeichnen. Mindererträge gegen=
über
dem Voranſchlag finden ſich bei ſechs Steuerarten
bzw. Stempelabgaben. Die Steuer auf inländiſchen Tabak
hat als Folge ungünſtiger Anbauverhältniſſe einen Min=
derertrag
von 3 Millionen gebracht, ebenſo die Zuwachs=
ſteuer
von 2 Millionen und die Stempelabgaben von
Grundſtücksübertragungen von 2,4 Mill.; beim Scheck= und
Lotterieſtempel und der Leuchtmittelſteuer erreichten die
Mindererträge nur einige Hunderttauſend Mark.
Die deutſch=franzöſiſche Kongo=
Kamerun=Kommiſſion wird am 15. ds. in Bern
zuſammentreten und in einem von der Schweizer Regie=
rung
zur Verfügung geſtellten Saal des Bundespalaſtes
tagen. An der Spitze der Kommiſſion wird auf deutſcher
Seite der Botſchaftsrat an der kaiſerlichen Botſchaft in
Paris Geſandter Frhr. v. der Lancken, und auf franzöſi=
ſcher
Seite der Unterdirektor im Auswärtigen Amt, Ge=
ſandter
Conty, ſtehen. Die Aufgaben der Kommiſſior
werden ſein: Vorbereitung der Grenzfeſtlegung für die
gemäß dem Abkommen über Aequatorialafrika vom
4. November v. J. abgetretenen Gebiete; Feſtlegung von
Normen für die Beſitzübergabe und Ausarbeitung der in
dem Vertrag vorgeſehenen Vereinbarung über die Kon=
zeſſionsgeſellſchaften
. Die Arbeiten der Kommiſſion
tragen einen vorbereitenden Charakter und bedürfen der
Genehmigung der beiden Regierungen.

Ausland.

Spanien.
Die ſpaniſch=franzöſiſchen Verhand=
lungen
über die Gebietsaufteilung in Marokko kön=
nen
nunmehr als abgeſchloſſen angeſehen werden. Die
Teilnahme der Uergaſtämme an den Angriffen auf Fez
hat die ſpaniſche Regierung davon überzeugt, daß ſich
Frankreich bei ſeinen Forderungen betreffend des Uerga=
tales
lediglich von Gründen der Sicherheit leiten ließ.
Den Spaniern aber wurde der Uebergang über die Päſſe
im Norden des Uergagebietes bewilligt und damit ihrer
Forderung nach einer direkten Verbindung zwiſchen Elk=
ſar
und Alhucemas Rechnung getragen. Was die In=
ternationaliſierung
Tangers anlange, ſo ſei beſchloſſen
worden, nach Madrid ein Art internationale Kommiſſion
einzuberufen, vor der die diplomatiſchen Vertreter der
Mächte den Standpunkt ihrer Regierungen in dieſer
Frage darlegen würden.
Portugal.
Die Demſſſion des Kabinetts. Trotz=
dem
die Kammer zweimal der Regierung ihr Vertrauen
ausſprach, überreichte der Miniſterpräſident dem Prä=
ſidenten
der Republik die Demiſſion des Kabinetts end=
gültig
. Der Präſident rief den Präſidenten der Kam=
mer
und die Führer der parlamentariſchen Gruppen zu
einer Beratung zuſammen.
Niederlande.
Die Zweite Kammer lehnte mit 49 gegen 42
Stimmen den Geſetzentwurf ab, der den Bäckern die
Nachtruhe zuſichert. Der Grund für die Ablehnung eines
abſoluten Verbotes, nachts zu arbeiten, iſt die Befürch=
tung
, daß man durch das Verbot den Großbäckereien
ſchaden und die Entwickelung der kleinen Bäckereien mit
ungünſtigen Arbeitsbedingungen begünſtigen würde.
Türkei.
Die Vorgänge in Albanien. In der Kam=
mer
beantwortete der Miniſter des Innern eine An=
frage
betreffend die Vorfälle in Albanien. Er erklärte,
es handele ſich um Vorfälle lokaler Natur. Die Beſtre=
bungen
zur Ausdehnung der Vorfälle ſeien geſcheitert, die

Albaner blieben treu. Selbſt die Urheber der Zwiſchen=
fälle
wußten nicht, gegen wen ſie agitierten. Seitdem
die Bevölkerung begriffen habe, daß die Bewegung ge=
gen
die Regierung gerichtet ſei, bereue ſie die Vorfälle.
Der Miniſter beurteilte die Lage optimiſtiſch. Er
glaube, daß die Aufſtändiſchen ſich von ſelbſt zerſtreuen
werden, es genüge, ſie aufzuklären. Die Regierung müſſe
aber gleichwohl ihre Pflicht erfüllen. Sie habe in Veri=
ſowitz
eine Diviſion konzentriert, um zu zeigen, daß ſie
rotz des Krieges über genügend Mittel verfüge, um
ihren Entſchließungen Geltung zu verſchaffen. Der Mi=
iſter
legte die beſchloſſenen Reformmaßnahmen zur Auf=
rechterhaltung
der Ordnung und die Hebung des Unter=
ichtsweſens
dar. Schließlich konſtatierte der Miniſter,
daß in Nord= und Süd=Albanien und in allen Teilen
der fünf Wilajets die Bevölkerung dem Kalif und der
Regierung in aufrichtiger Treue ergeben ſei. Die Kam=
mer
fand die Erklärungen des Miniſters für befrie=
digend
.
Vereinigte Staaten.
Der Schutz des Lebens auf See. Das
Staatsdepartement für Handel und Arbeit wird bald
umwälzende Aenderungen in den amerikaniſchen Vor=
ſchriften
für den Schutz des Lebens auf See, die auf bei
dem Untergang der Titanic gemachten Erfahrungen
beruhen, erlaſſen. Der endgültige Entwurf, der gegen=
wärtig
dem Kabinettsſekretär für Handel und Arbeit
Nagel vorliegt, zieht in Erwägung, alle Schiffe der Ver=
einigten
Staaten, ſowohl die Ueberſee= wie Binnenſee=
und Küſtenfahrzeuge, zu verpflichten, die genügende An=
zahl
von Rettungsbooten und Flößen für alle Paſſagiere
und die ganze Beſatzung an Bord zu haben.
Zur Lage in Kuba. Von den nach Kuba ent=
ſandten
vier Kriegsſchiffen hatte jedes mehrere hundert
Matroſen an Bord. Das Gebiet ihrer Verwendung wird
nicht auf die Umgebung von Guantanamo wohin die
Schiffe gehen, beſchränkt bleiben. Der Beſchluß, die
Kriegsſchiffe zu entſenden, iſt aus einer Unterredung her=
vorgegangen
, die der Staatsſekretär Knor mit dem Prä=
ſidenten
der Guantanamo=Weſtern=Railroad gehabt hat,
in der dieſer die Zuſtände an der Eiſenbahnlinie als ernſt
bezeichnete.
China.
Fremdenfeindliche Bewegung. Nach in
Peking eingetroffenen Konſularberichten nimmt die Op=
poſition
in den Provinzen gegen die ausländiſche An=
leihe
den Charakter einer fremdenfeindlichen Bewegung
an. Vor allem in Szetſchwan werden myſtiſche Reden
und Tänze aufgeführt, gleich denen, die vor dem Boxer=
aufſtande
im Jahre 1900 beobachtet wurden. Die Re=
gierung
erklärt, von den Vorgängen nichts zu wiſſen.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 7. Juni.

Poſtkartenwoche der Großherzogin und
Flugpoſt am Rhein und Main.
* Soeben erſchien das Programm für Darm=
ſtadt
. Danach findet ſtatt: Sonntag, den 9. Juni:
Eröffnung der Flugpoſt am Rhein und Main
(reichspoſtaliſcher Stempel: Flugpoſt am Rhein und
Main). Das Luftpoſtamt, Rheinſtraße 14, iſt offen von
vormittags 11 bis 1 Uhr. Großes Konzert ſämtlicher
Militärkapellen der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt
bei dem Luftpoſtamt, 1112½ Uhr. (Konzertprogramm
in den Tageszeitungen.) Luftpoſtwertzeichen. (Die wie
üblich frankierte und mit der Luftpoſtmarke
(10 Pfg.) verſehene Poſtkarte kann in jeden Briefkaſten der
Reichspoſt geworfen werden; ſie wird dann mit dem Zep=
pelin
=Poſtſchiff Schaben durch die Luft befördert und
darauf an jede beliebige Adreſſe des Weltpoſtverkehrs ge=
ſandt
.) Ausgabe der nur in kleiner Auflage erſcheinen=
den
Flugzeugkarten, befördert durch Leutnant von
Hiddeſſen nach aufgedrucktem Poſtweg.
Montag, den 10. Juni: Mittags 12 bis 1 Uhr:
Militärkonzert auf dem Luiſenplatz. Nachmittags 4 Uhr:
Monſtrekonzert der vereinigten Militärkapellen Darm=

Sommermoden.
Von Virginie de Bergérac.

E. Ob es wohl ſchon eine Modenära gegeben hat, mit
er das ſogenannte ſtarke Geſchlecht zufrieden geweſen iſt?
Ich glaube kaum, zum mindeſten hat es noch keiner ein=
zigen
nachgerühmt, daß ihre Schöpfungen praktiſche Vor=
züge
beſeſſen hätten oder billig geweſen wären. Doch
halt, ich irre mich, Eben fällt mir ein, daß alle jene Mode=
richtungen
, welche uns die übermäßig weiten Röcke, dar=
unter
den fürchterlichen Bauernrock ſeligen Angedenkens
und damit in Verbindung die bis zu den äußerſten Gren=
zen
des Möglichen verlängerte Taille brachten, den unge=
teilten
Beifall der Herren beſaßen. Warum? Weil dieſe
Tracht den Frauen ſo einen gut bürgerlichen Anſtrich gab,
der Solidität verbürgte. Man erzählte jüngſt, daß ein im
Pariſer High=life wohlbekannter Herr, der trotz ſeiner hohen
Steuerklaſſe über die hohen Schneiderrechnungen ſeiner
Gemahlin zu ſeufzen pflegt, ſeiner Sehnſucht nach der Mode
der Bauernröcke Ausdruck gegeben hätte. Das war ein=
mal
eine vernünftige Mode ſoll er geſagt haben. Ein=
fach
, praktiſch, hygieniſch! Dagegen die heutigen Damen=
kleider
! Mit ihrer Enge und ihren hunderterlei Garnituren
ſind ſie geſchaffen, die Geſundheit unſerer Frauen und
unſere Finanzen zu ruinieren. Die Gattin hörte den
zürnenden Jupiter ſprechen und lächelte. Da ſie als kluge
Frau wußte, daß man Niemanden beſſer ad abſurdum
führen kann, als wenn man ihm den Willen tut, ſo ließ
ſie ſich ein Sommerkoſtüm anfertigen, das den zurzeit gül=
tigen
Launen der Königin Mode einigermaßen Hohn ſprach.
Allerdings war der Grundſtoff Taffet bekanntlich iſt
dieſer gegenwärtig, wenn auch nicht in ſeiner bisherigen
ſtarren und brüchigen Beſchaffenheit, ſo doch in ſchmieg=
ſamerer
Webeart, higheſt faſhion im übrigen aber war
das Kleid old faſhion, der Rock doppelt ſo weit, als man
es ſonſt ſah, und die Taillenlinie bis an die Hüften her=
untergerückt
. Da es einfach erſcheinen ſollte, Ausputz aber
doch nicht ganz fehlen durfte, vervollſtändigte ſeine Be=
ſitzerin
es durch einen Gürtel, der den rot und blauen

Changeanttönen der Seide entſprechend, eine rote Platt
ſtichſtickerei auf blauem Grunde zeigte und drapierte es
auf Schultern und Buſen mit einem viereckigen Latzkragen
aus weißem Säumchentüll mit Valenciennesumrandung.
Der Gatte ſchmunzelte, als er Madame in der neuen Toi=
lette
ſah. Das iſt mal was Vernünftiges! ſagte er bei=
fällig
. Aber weißt Du, gar ſo beſcheiden brauchte es
doch nicht zu ſein. So zum Beiſpiel könnte man dem
Gürtel hinten eine lange, breite Schärpe anfügen natür=
lich
auch blau mit rot geſtickt ferner die Aermel verkürzen
und ihnen in Harmonie mit dem Latz, Unterärmel aus
Säumchentüll einheften. Die Veränderungen wurden aus=
geführt
, aber der Herr Gemahl fand das Kleid immer noch
zu beſcheiden und ordnete eine Umfaſſung von Rock und
Schärpe mit breiter, handgeknüpfter Seidenfranſe an. So,
nun war es recht, auch jetzt noch beſcheiden, aber gediegen
und vernunftgemäß. Und nun kam die Schneiderrechnung
Sie war von einer Höhe, die den ökonomiſchen Herrn er=
ſtarren
machte. Kein Wunder! Die Unmaſſe Seide, die in
Anbetracht der Weite des Rockes ungeheuere Ellenzahl
teuerer Franſen uſw.! Das Schlimmſte aber war, daß
Madame ſich in dem vernunftsgemäßen Kleide ſo wenig
wohl fühlte die Fülle des Stoffes ſchlängelte ſich ihr
beim Gehen um die Füße und die lang heruntergezogene
Taille, die ſtarkes Schnüren bedingte, beengte ſie. Doch
heroiſch trug ſie das Koſtüm und da ſie als tonangebend
auf dem Gebiet der Mode galt, hieß es allenthalben, wo
ſie ſich zeigte, aha, die neue Mode! Die Zeit der engen
Röcke und kurzen Taillen iſt vorüber! Durch die ganze
Kulturwelt hallte der Ruf und alle Damen, die etwas auf
ſich hielten, ließen ſich ein ähnliches Kleid machen. Doch,
es blieb bei dem einen, denn durch die Empiremode mit
ihren kurzen Leibchen, welche das Korſett auf ein Minimum
beſchränkt, des Schnürens entwöhnt, könnten die Damen
in der neuen Toilettenſchöpfung nicht atmen kurz, die=
ſelbe
war ihnen unbequem, auch ſtellte ſie ſich zu teuer. So
iſt es denn nicht zu dem prophezeiten Umſchwung in der
Mode gekommen, ſondern man iſt nach einem mißlungenen
Verſuch in neue Bahnen wieder zu der vorherigen zurück=
gekehrt
. Ein klein wenig weiter und die Röge ig gewer=

den, womit ſo ziemlich der einzige Fehler, welcher der Mode
anhaftete, korrigiert iſt. Denn, geſtehen wir es uns nur
zu eine gleich maleriſche, kleidſame, bequeme und ſogar
billige, wie die jetzige, haben wir ſchon ſeit Dezennien
nicht gehabt. Den Vorzug der Billigkeit beſitzt ſie freilich
nur für die, welche ſich einzurichten verſtehen, denn dier
Andern hm! Gerade die Mannigfaltigkeit und
Kompliziertheit der Garnituren, welche die Herren der
Schöpfung ſo luxuriös däucht, iſt ein ökonomiſcher Vor=
zug
, weil ſie geſtatten, aus lauter winzigen Reſtchen von
Stickereien, Bändchen, Spitzen, Schnüren, Perlen uſw., die
herrlichſten Dekorationen herzuſtellen und aus zwei, ja drei
und vier verſchiedenen Stoffen eine elegante Toilette zu
verfertigen.
Indeſſen, etwas hat man aus dem vorerwähnten
Modeintermezzo doch für die Sommerſaiſon gerettet, näm=
lich
erſtens den Franſenbeſatz, und zweitens die Schärpe.
Sie hat ſich allerdings ſtark verbreitert und iſt zu einer
etwas verkürzten Hinterbahn geworden, die manchmal ge=
rade
, ein andermal abgeſchrägt, loſe über dem Rock hängt.
Zumal an den ſogenannten Wickelröcken bei denen die
lange Kante des Rückenteiles von der darüber liegenden
kürzeren Kante gedeckt wird darf ſie nie fehlen. An Klei=
dern
mit bis zum Knie aufſteigenden Anſatz aus abſtechen=
dem
Gewebe, wird auch die loſe Bahn mit einem ſolchen
ausgeſtattet. So bemerkte man ein ähnliches Arrangement
an einer Poiretſchen Toilette aus ſilbergrauem Taffet und
dunkelgrauem Voile. Aus dem erſteren beſtand der untere,
von einer fleiſchfarbigen Franſe gezierte Anſatz und aus
dem letzteren der obere Rockteil, indes durch die gegenwär=
tig
faſt unvermeidlichen à-jour=Nähtereien, welche die
Vermittelung zwiſchen beidem abgaben, ein feines rot=
ſeidenes
Schnürchen geleitet war. Der gleiche Ausputz
wiederholte ſich auf der aus Voile gefertigten Ueberbluſe
in Kimonoform, unter der eine Hemdbluſe aus Taffet an
den verkürzten Rückenteilen und den über den Ellenbogen
abgeſchnittenen Aermeln hervorquoll. Im allgemeinen
empfehlen ſich die Poiretſchen Schöpfungen nicht durch eine
ſo diskrete Anwendung der Farbe, wie in der beſchriebenen,
und oft wirken ſie tratz des unleugharen in ihrer Kom=

[ ][  ][ ]

Nummer 132.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 7. Juni 1912.

Seite 3.

ſtadts auf dem Darmſtädter Exerzierplatz. Eröffnung
des Flugpoſtamtes auf dem Exerzierplatz
(Südfront); Abholung der auf dem Flugpoſtamt und am
Sonntag und Montag in der Stadt (in jedem Briefkaſten)
aufgegebenen Poſt. Gegen Abend: Ankunft der Poſtflug=
maſchine
Gelber Hund‟ Der Platz iſt abgeſperrt ( Ein=
tritt
20 Pfg.).
Dienstag, den 11. Juni: Verkauf der offiziellen
Poſtkarten und Luftpoſtwertzeichen in den als Verkaufs=
ſtellen
bezeichneten Läden und in dem Luftpoſtamt.
Mittwoch, den 12. Juni: Mittags 12 bis 1 Uhr:
Drei Militärkonzerte: Luiſenplatz, Paradeplatz, Markt=
platz
. 4 Uhr nachmittags: Militärkonzert mehrerer Kapel=
len
auf dem Darmſtädter Exerzierplatz in der Nähe des
Flugpoſtamtes (Südfront). Gegen abend: Ankunft
des Poſtluftſchiffs (Zeppelin=Luftſchiff) Schwa=
ben
Aufnahme der an dieſem Tage und vorher auf=
gegebenen
Luftpoſt durch das Poſtluftſchiff Schwaben
und Abgabe der Poſt Frankfurt-Darmſtadt mittels be=
ſonderer
Vorrichtungen (Poſtflugſeil). Der Platz iſt abge=
ſperrt
. Eintritt 50 Pfg. Verkauf der Flugpoſtmarken
und=karten.
Donnerstagg, den 13. und Freitag, den 14.
Juni: Verkauf der offiziellen Poſtkarten und Luftpoſt=
wertzeichen
in den als Verkaufsſtellen bezeichneten Läden.
Samstag den 15. oder Sonntag, den 16. Juni:
Wie am Mittwoch (nach ſpäterer Mitteilung).
Bei Regen und Sturm werden die Veranſtaltungen
vom 10., 12., 15. (16.) Juni auf einen anderen Tag der
Woche verlegt, was durch Anſchlag bekannt gegeben wird.
Auf wiederholte Anfrage teilen wir mit, daß von der
Reichspoſt und der Flugpoſt nur die offiziellen
Karten der Poſtkartenwoche, die die offizielle
Flugpoſtmarke tragen, befördert werden. Auch machen
wir darauf aufmerkſam, daß das Reichspoſtamt an die
Genehmigung die Bedingung geknüpft hat, daß tatſächlich
alle mit Luftpoſtmarken verſehenen offiziellen Poſtkarten
wenigſtens einen Teil des Poſtwegs durch die Luft
befördert werden.
* Vom Hofe. Ihre Königl. Hoheit die Großher=
zogin
empfingen am Mittwoch mittag 12 Uhr 30 Min.
im Neuen Palais den Oberſt von Wright aus Mainz.
Nachmittags 2 Uhr empfingen Se. Kgl. Hoheit der Groß=
herzog
im Neuen Palais den Direktor des Großh. Hof=
theaters
und der Hofmuſik Dr. Eger. (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen am Mittwoch den Oberſt v. Wright,
Kommandeur des Großh. Mecklenburgiſchen Füſilier=
Regiments Nr. 90 Kaiſer Wilhelm in Roſtock, den Oberſt=
leutnant
Foerſter und den Major v. Ihlenfeld vom
Stabe des Infanterie=Regiments Prinz Carl (4. Großh.
Heſſ.) Nr. 118, den Hauptmann Veith, Kompagniechef
in demſelben Regiment, den Feuerwerkshauptmann a. D.
Kage von Frankfurt a. M., den Pfarrer Wagner von
Stockſtadt a. Rh., eine Deputation des Geſangvereins
Liederkranz in Mainz, beſtehend aus dem Präſidenten
Rechtsanwalt Dr. Reen, dem Ehrenpräſidenten G. J. Huy
und dem zweiten Präſidenten J. Weber; zum Vortrag
den Kabinettsſekretär Dr. Wehner.
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift
Für Verdienſte dem Feldwebel a. D. Wölfel und
dem Vizefeldwebel a. D. Stoffel, beide ſeither im
Infanterie=Regiment Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.)
Nr. 116.
* Zulaſſung zur Ausübung konſulariſcher Ver=
richtungen
. Der zum Kaiſerlich Japaniſchen General=
konſul
für das Deutſche Reich mit dem Amtsſitz in
Hamburg ernannte Herr Takematſu Okuda, dem
das Reichsexequatur erteilt wurde, iſt zur Ausübung
konſulariſcher Dienſtverrichtungen im Großherzogtum
Heſſen zugelaſſen worden.
* Entlaſſen wurde der Lehrer an der Gemeindeſchule
zu Walldorf, Kreis Groß=Gerau, Philipp Becker auf
ſein Nachſuchen aus dem Schuldienſte.
* Zum Treuhänder beſtellt. Durch Entſchließung
Großh. Miniſteriums der Finanzen wurde der Großh.
Staatsanwalt Bernhards in Darmſtadt für die
Dauer des Urlaubs des Großh. Oberſtaatsanwalts
v. Heſſert zum Stellvertreter des Treuhänders bei der
Heſſiſchen Landes=Hypothenbank beſtellt.
* Militärdienſtnachricht. Sinemus, Militär=
Hilfsgeiſtlicher der 3. Diviſion in Stettin, in gleicher
Eigenſchaft zur 21. Diviſion nach Mainz verſetzt.
In der nichtöffentlichen Sitzung der Stadt=
verordneten
=Verſammlung wurde die Ernennung des
Polizeiwachtmeiſters Chriſtian Franz zum Revier=
Polizeikommiſſär, des Schutzmanns Johannes Neff zum
Polizeiwachtmeiſter, ſowie die Anſtellung des Unter=
offiziers
Heinrich Meyer als Schutzmann gutgeheißen.

* Ausſtellung von Photographien im Gewerbemuſeum.
Vom Sonntag, den 9. d. M. an iſt für 14 Tage im Ge=
werbemuſeum
eine Serie von Photographien von Städte=
bildern
uſw., die Frl. Suſanne Homann aus Darm=
ſtadt
aufgenommen hat, ausgeſtellt. Die Aufnahmen bil=
den
eine in ſich geſchloſſene Gruppe; ſie beginnen mit
Anſichten vom Jagdſchloß S. K. H. des Großherzogs,
Wolfsgarten; es folgen Bilder aus Frankfurt, vom
Weſterwald mit Limburg, Fachwerkbauten aus Oberheſ=
ſen
, dann Bilder aus rheiniſchen Städtchen (Bacharach
und Oberweſel), aus Köln, Elberfeld=Barmen, ſchließlich
Trier. Eine beſondere Gruppe bilden Kloſter Maulbronn
und Wimpfen. Weitere Ausſtellungen ſolcher Aufnahmen
ſollen ſpäter folgen. Durch Vermittelung des Gewerbe=
muſeums
werden dieſe Aufnahmen in einer Reihe von
deutſchen Muſeen ausgeſtellt. Das feine Gefühl, mit dem
Fräulein Homann das Charakteriſtiſche eines Straßen=
bildes
, einer Baugruppe oder eines einzelnen Gebäudes
erfaßt, und der Geſchmack, mit dem ſie da und dort ein
beſonders ſchönes Detail, eine Haustür, einen Treppen=
aufgang
, eine Fenſterumrahmung und dergleichen heraus=
greift
, machen ihre Blätter beſonders genußvoll. Architek=
ten
und Studierenden werden ſie mancherlei Anregungen
geben; doch ſollen die Aufnahmen, nach denen Poſtkarten
in Kupferdruck zum Preiſe von 15 Pfg. hergeſtellt ſind,
weiter wirken und im Sinne des Heimatſchutzes überall
den Sinn für die Schönheiten unſerer deutſchen Städte
wecken.
* Meiſterprüfung und Lehrlingsanleitung. Mit Be=
zug
auf unſere früheren Mitteilungen weiſen wir darauf
hin, daß am 15. Juni Meldeſchluß für die demnächſt ſtatt=
findenden
terminlichen Meiſterprüfungen iſt und ſpäter ein=
laufende
Anmeldungen nicht mehr berückſichtigt werden
können. Der Anmeldetermin wurde, vielfach geäußerten
Wünſchen entgegenkommend, diesmal früher gelegt, um die
Prüfungen noch bis zum Herbſt d. J. zum Abſchluß brin=
gen
zu können. Wer neue Lehrlinge in letzter Zeit an=
genommen
hat oder in nächſter Zeit annehmen will, ohne
bereits das geſetzliche Recht zum Anleiten von Lehrlingen
zu haben und zu deſſen Erwerbung daher noch in dieſem
Jahre die Meiſterprüfung ablegen muß, tut gut, ſich ſofort
anzumelden und zwar dies umſomehr, als die nächſten
Prüfungen erſt wieder im Herbſt 1913 ſtattfinden werden.
Strafbar gemäß § 148 der Reichsgewerbeordnung ſind alle
diejenigen, die Lehrlinge anleiten, ohne hierzu das Recht
zu haben. Für die Zulaſſung weiblicher Perſonen zur
Meiſterprüfung ſind die für die männlichen Kandidaten
geltenden Beſtimmungen maßgebend, doch werden wäh=
rend
der bis 1. Oktober 1913 erſtreckten Uebergangszeit
weibliche Handwerker auch dann zur Meiſterprüfung zu=
gelaſſen
, wenn die vorgeſchriebene Lehr= und Geſellenzeit
oder die Ablegung der Geſellenprüfung nicht nachgewieſen
werden kann. Zur Anmeldung für die Prüfung iſt zunächſt
die Prüfungsgebühr mit 35 Mark an die Handwerkskam=
mer
zu Darmſtadt zu zahlen, das alsdann von dieſer ab=
gegebene
Anmeldeformular iſt mit allen darin verzeich=
neten
Anlagen bis 15. Juni an den Vorſitzenden der Mei=
ſterprüfungskommiſſion
für die Provinz Starkenburg,
Herrn Ingenieur Markwort zu Darmſtadt, Kaſinoſtraße 8,
einzuſenden.
* Kriegerverein Darmſtadt. Am Mittwoch abend
fand im Vereinslokal, der Turnhalle am Woogsplatz, die
Juni= Monatsverſammlung des Vereins ſtatt.
Nach Eröffnung derſelben durch den 1. Vorſitzenden er=
ſtattete
derſelbe Bericht über die Tätigkeit des Vor=
ſtandes
im abgelaufenen Monat. Das Andenken der in
dieſem Monat verſtorbenen Kameraden ehrte die Ver=
ſammlung
durch Erheben von ihren Sitzen. Für den
28. Juli iſt ein Familien=Sommerausflug
nach Auerbach, Fürſtenlager, Schönberger Schloß und
Bensheim geplant. Kamerad Kreiter berichtete über die
Vorbereitungen hierzu. Danach wird der Verein einen
Extrazug ſtellen laſſen, zu welchem jedes ſich an dem Aus=
flug
beteiligende Vereinsmitglied eine Fahrkarte frei hak.
Uebertragung dieſer Karte an eine zweite Perſon iſt nicht
geſtattet. Die Abfahrtszeit wird noch rechtzeitig bekannt
gegeben. Hierauf machte der Vorſitzende Mitteilung von
der am 15. und 16. Juni in Nieder=Olm ſtattfindenden
Mitgliederverſammlung der Haſſia und bat
die Kameraden, ſich hieran zu beteiligen. Auch um
weitere Anmeldungen zur Kyffhäuſerfahrt der Haſſia am
6. Juli d. J. erſuchte der Vorſitzende, Herr Kam. Hauptm.
Waldecker. Meldeſchluß hierfür iſt der 10. Juni. Zu
dem 25jährigen Stiftungsfeſt des Kriegervereins Rohr=
bach
, welchem Verein bei dieſer Gelegenheit die Kaiſer=
ſchleife
überreicht wird, meldete ſich eine Anzahl Kamera=
den
. Nach Bücherausgabe aus der Vereinsbücherei er=
folgte
Schluß der Verſammlung.
* Der Verband für Jugendwohlfahrt und
Jugendfürſorge in hieſiger Stadt hält heute, Freitag,

nachmittags um 5 Uhr, im Herrſchaftsſaale des
Städtiſchen Saalbaus eine Mitglieder=Verſammlung ab.
Frl. Marie Müller wird über: Die Aufgabe der
Lehrerin bei der Fürſorge für die weibliche Jugend‟
ſprechen und Herr Amtmann Krapp über Armen=
pflege
und Arbeitszwang. Alle Mitglieder und ſonſtige
Intereſſenten ſind zu der Verſammlung eingeladen.
* Die deutſche Anti=Duell=Liga hält in Ver=
bindung
mit der vereinigten Gruppe Großherzogtum
Heſſen und Provinz Heſſen=Naſſau eine außerordentliche
Tagung ab am Sonntag, den 9. Juni, im Fürſtenſaale,
Grafenſtraße 20, in Darmſtadt. Um 3 Uhr iſt ge=
ſchloſſene
Mitglieder=Verſammlung, um 4 Uhr öffentliche
Verſammlung, in der ein Vortrag gehalten wird über:
Vaterlandsverteidigung und Duell.
*Die Rheiniſche Zeltmiſſion ſchreibt uns: Die
Zeltmiſſion dient nicht ſektiereriſchen Umtrieben. Der Vor=
tragende
, Prediger C. Dölken, iſt ſtaatlich anerkannter
Geiſtlicher und kein Sektenprediger.
* Die Stenographenvereinigung Gabelsberger hält,
wie aus dem Anzeigenteil erſichtlich, morgen Samstag im
Fürſtenſaal ihre Monatsverſammlung ab. Auch
findet an dieſem Abend die Preisverteilung des
kürzlich abgehaltenen Vereinswettſchreibens ſtatt, worauf
ganz beſonders hingewieſen ſei. Den Schluß der Ver=
ſammlung
ſoll eine Feier in Bezug auf die Mitgliederzahl
200 bilden. (S. Anz.)
* Der Bezirksverein Mathildenhöhe ladet ſeine Mit=
glieder
zu dem heute abend im Saalbau ſtattfindenden
Vortrag des Herrn Stadtbaurats Buxbaum über
den demnächſt anzulegenden Waldfriedhof ein.
* Der Heſſiſche Landesverein für Toteneinäſcherung
macht ſeine Mitglieder nochmals auf den Beſuch des heute
abend im Saalbau ſtattfindenden Lichtbildervortrags des
Herrn Stadtbaurats Buxbaum über den neuen Fried=
hof
an der Breiten Allee und die Erbauung eines Kre=
matoriums
dortſelbſt aufmerkſam. Wie man hört, ſoll
ſchon im Juli d. J. mit den Bauarbeiten daſelbſt begon=
nen
werden.
* Tanzſtudiengeſellſchaft. Man ſchreibt uns: Die
Geſellſchaft veranſtaltete am Mittwoch ihren erſten
Tanzübungsabend, der einen ſehr anregenden Verlauf
nahm. Dieſe Einrichtung bildet für die aktiven Mit=
glieder
willkommene Gelegenheit, ſich die ihnen im
Tanzen noch fehlende Geſchicklichkeit anzueignen. Außer
dieſen regelmäßigen Uebungen ſtehen die von der Geſell=
ſchaft
zu veranſtaltenden Feſtlichkeiten im Zeichen des
Tanzes. Neue Mitglieder hatten ſich zu dem erſten
Uebungsabend ebenfalls eingefunden. Sonſtige Be=
kanntmachungen
der Tanzſtudiengeſellſchaft erfolgen im
Anzeigenteil dieſes Blattes.
* Die Vereinigung junger Drogiſten im Rhein=
Main=Gau hält am Sonntag, den 9. Juni, nachmittags,
im Hotel Sitte ihren 34. Gautag ab, zu dem die
jungen Drogiſten Darmſtadts zwecks Gründung
eines Vereins junger Drogiſten Darmſtadts
eingeladen ſind.
* Heſſiſcher Hof. Morgen Samstag abend kon=
zertiert
wiederum die Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=
Regts. Nr. 61 unter Herrn Muſikmeiſter M. Webers
Leitung. Das Konzert iſt als ein Internationaler
Abend gedacht, wobei italieniſche, franzöſiſche und
deutſche Muſik zur Aufführung gelangt. Mehrere
Novitäten werden das Programm noch beſonders ab=
wechslungsreich
geſtalten. (Siehe Anzeige.)
* Geſangverein Liederzweig. Auf den Ausflug
nach dem Niederwald am nächſten Sonntag, den 9. Jun,
ſei nochmals hingewieſen. Abfahrt nach Mainz 6 Uhr
30 Minuten.
§ Tödlicher Unfall. Der Schmied Georg Edel=
mann
bei dem Bahnhauptwerkſtätteamt II im Dorn=
heimer
Weg war Mittwoch nachmittag mit Löten von
Reifen an leeren Petroleumziſternen beſchäftigt und be=
nutzte
hierzu Azetylen. Beim Löten haben ſich nun in
einer Ziſterne Gaſe geſammelt, die Ziſterne ex=
plodierte
und der nach Edelmann zu gelegene Boden
flog ihm gegen die Bruſt, wodurch der Tod des
Edelmann etwa fünf Minuten danach eingetreten iſt.
-gs. Unfall. Geſtern vormittag gegen 8 Uhr machte
in der Pankratiusſtraße ein 9 jähriger Junge mit
Petroleum Feuer an. Die Kanne explodierte
und die Kleider des Jungen fingen ſofort Feuer. Mit
erheblichen Brandwunden wurde der Verletzte mittelſt
Krankenkraftwagens durch die Rettungswache in das
Städtiſche Krankenhaus gebracht.

V Groß=Gerau, 6. Juni. Heute gelang es der Gen=
darmerie
, die beiden Zigeuner zu verhaften.
Sie hatten ſich am Mittwoch in Frankfurt Fahrkarten ge=
löſt
, um anſcheinend nach Köln zu fahren, fuhren aber,
weil ihnen die Polizei auf den Ferſen war, die Strecke

poſition zutage tretenden Raffinements in koloriſtiſcher
Hinſicht grotesk. Was ſoll man z. B. zu einem Prome=
nadenkoſtüm
aus pfauenblauem Satin=Liberty und gras=
grünem
Pliſſeeanſatz ſagen, das über den Hüften beider=
ſeitig
von ſcharlachroter à-jour=Nähterei geziert iſt, über
der goldene Schnürchen über goldene Knöpfe geleitet ſind?
Und nun gar die Anordnung des Leibchens! Ein Fichu=
arrangement
links blau, rechts grün, legt ſich über eine
ſcharlachrote Unterbluſe mit Aermelmanſchetten aus Gold
ſpitzen, mit denen auch ein großer Matroſenkragen har=
moniert
. Nicht genug daran, verbinden die Fichuteile über
dem Buſen noch Goldſchnüre. Ein ſchreienderer Effekt läßt
ſich kaum denken.
Und dennoch hat Poiret Schule gemacht. Man merkt
das ſchon an den Sommerſtoffen, unter denen zwar die
Changeanttöne vorherrſchen, die aber meiſt ſo grell von=
einander
abſtechen, daß der Eindruck doch etwas gar zu
farbenfreudig iſt. Rot und grün, blau und rot, blau und
gelb, lila und gelb und kupferbraun und mattgrün, ſind die
beliebteſten Zuſammenſtellungen. In Surah und Mer=
veilleux
wirken ſie vornehmer, als in Taffet, trotzdem dieſer
als eleganter gilt. Auch unter den ſehr beliebten geſtreiften
Taffets und den neuen faſſonierten Failles bemerkt man
die ſtarken koloriſtiſchen Kontraſte. Marquiſettes, die
natürlich über abſtehende Unterkleider gezogen werden,
empfehlen ſich dagegen durch ihre feinere Tönung. Ent=
zückend
ſind die abgepaßten, in ſchwarz, dunkelgrün und
marineblau mit breiten, wie gemalt erſcheinenden Blumen=
borten
. Ueberhaupt ſtehen abgepaßte Stoffe in der Gunſt
der Damen, ſo zieht man gegenwärtig auch dordiertes
Leinen dem in uni gehaltenen vor. Meiſt ſind ſie weiß,
ganz zartblau, ſilbergrau, fraiſe oder eréme mit ſehr ſchma=
len
, eigentlich nur linienhaft angedeuteten ſchwarzen Strei=
fen
und türkiſchen oder Mille=fleursborten. Die Kleider
aus dieſen Leinenſtoffen werden genau ſo gearbeitet, wie
die ſeidenen, wählt man dagegen einfach weiße Gewebe,
gleichviel, ob es Leinen, Pigué, Batiſt oder ſonſt ein
Phantaſieſtoff, iſt, als Material für ein Koſtüm, ſo gibt
man ihm durch die Machart den ausgeſprochenen Charakter
des Lingeriekleides, das gegenwärtig eine Kategorie für

ſich darſtellt. Seine Eigenart läßt ſich am beſten ſchildern,
wenn man ſagt, es muß ſo beſchaffen ſein, daß es ſich, wie
alle anderen Lingerien, leicht waſchen läßt. Daher iſt der
Rock nicht nach einer ſtrengen Grundform zugeſchnitten,
ſondern oben herum leicht eingereiht und die Bluſe ganz
einfach gemacht; ihr Ausputz beſteht nur in einem ab=
nehmbaren
Fichu oder in einem mäßig großen Kragen,
meiſt in Matroſen= oder Rundform. Der Stehkragen fehlt
dem Lingeriekleide ſtets; garniert wird es mit Loch= und
Durchbruchſtickerei, Spitzen, Volants und Säumchen.
Ueber die Bluſen iſt zu bemerken, daß ſie in dieſer
Saiſon eigentlich nur für einfachere Toilette eine Rolle
ſpielen und daher in eleganter Ausführung wenig im
Toilettenpanorama erſcheinen. Die modernſte Faſſon iſt
die nur aus drei Teilen zuſammenzuſtellende, mit ange=
ſchnittenen
Vorder= und Rückenbahnen und nahtloſem
Rücken, indeſſen werden auch viel Bluſen mit eingeſetzten
Aermeln getragen. Die Garnitur wird in der Regel der=
art
angebracht, daß ſie ein Gilet, ein ſpaniſches Jäckchen
oder ein ſtraff geſpanntes, faltenloſes Fichu animiert. Als
Material wählt man Batiſt, Leinen oder Foulard. Als
Nouveauté gilt ein langer Aermel mit angeſetzten Stul=
penteilen
, der ſich unter einem abſtechenden Oberärmel leicht
verbauſcht.
Unter den Umhüllen dominieren die langen loſen Män=
tel
, die natürlich der Jahreszeit gemäß aus leichten, aber
keineswegs immer hellen Stoffen gefertigt ſind. So ſind
ſolche aus dunkelblauer, lila und brauner Seide, wie aus
dunkler Reverſibleſeide, aus ſchwarzen Spitzen, Iriſch
Guipure uſw. ſehr en vogue. Der Clou der Saiſon iſt je=
doch
unſtreitig der Talarmantel mit ſeitlichem Schluß
ein entſchieden ſehr maleriſches, aber freilich auch auffälliges
Kleidungsſtück. Eines der Art, das für eine ruſſiſche
Fürſtin beſtimmt war, fand bei ſeiner Ausſtellung allge=
meine
Bewunderung. Dieſer wahrhaft königliche Mantel
war aus blau=grün=changierender Köperſeide gefertigt,
unten mit blaugrünen Franſen umgeben und über der
rechten Hüfte von einer Agraffe aus Goldfiligran und bun=
ten
Edelſteinen mit einem langen Gehänge aus echten
Perlen zuſammengehalten: den Ausſchnitt umgab ein gol=

dener Macramékragen mit Perlengrelots. Natürlich ſind
Umhüllen in Geſtalt von Jaquets und Paletots nicht ganz
von der Bildfläche verſchwunden, aber ſie treten doch nur
als Begleitung der einfachen Reiſekoſtüme auf. In den
Bädern hüllt ſich die elegante Frau, ſofern ſie überhaupt
eine Umnahme trägt, lieber in einen der geſchilderten
dekorativen Mäntel, die trotz ihrer Länge und Weite ſo
federleicht ſind und ſelbſt bei ſtärkſter Hitze nicht inkommo=
dieren
. Allerdings trägt man ſie bei Tage wohl ſelten, ſo=
fern
ſie nicht eine Toilette für den Wagenkorſo vervoll=
ſtändigen
ſollen.
Die Hutmode lehnt ſich im großen und ganzen an die
der verfloſſenen Saiſon an. Vielleicht haben ſie noch einen
Stich mehr ins Direktoire erhalten, ſo ähnelt z. B. eine
übermäßige hohe Toque aus meiſt dunkeln Strohborten
mit Federgeſteck täuſchend jenen Kopfbedeckungen, welche
Joſephine Beauharnais trug, bevor ſie Kaiſerin war.
Während die erwähnte Toque ganz ſteil auf dem Kopfe
ſitzt, haben die helmartigen Hüte, die ebenfalls nur von
einem Federgeſteck oder einem Reiherbuſch geziert werden,
eine völlig wagrechte Stellung. Neben den Toqueformen
ſehen wir auch ungeheuerlich große Modelle mit ver=
ſchiedenartig
gebogener Krempe, von der eine ſchöne breite
Straußenfeder wallt. Die Hutgarnituren zeichnen ſich im
Durchſchnitt durch überraſchende Einheitlichkeit aus
noch nie waren ſie ſo wenig kompliziert ſelten verwendet
man mehr als ein Material für ihren Aufputz. Einmal
iſts eine Straußfeder oder ein Flügel, ein andermal ein
Blumenarrangement, bisweilen auch ein Aufbau aus
Chiffon oder Tüllrüſchen, alles zuſammen aber nie.
Wie es den Anſchein hat, wollen heuer die dunklen Grund=
formen
die hellen verdrängen. Außer Stroh und Roßhaar
wird auch viel Tagelgeflecht für die Hüte verwendet.
Unter den Sonnenſchirmen macht ſich eine ſtarke Ten=
denz
für die gerundeten oder richtiger auffällig gewölbten
Formen kenntlich. Das Dach iſt ſo hoch, daß es die Halb=
kugelform
überſchreitet. Es werden für dieſe neuartigen
Schirme mit Vorliebe Bordürenſtoffe verarbeitet, die man
noch mit geſtickten Auflagen ſchmückt.

[ ][  ][ ]

Seite 4

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 7. Jnni 1912.

Nummer 137.

Frankfurt-Mainz, ſprangen bei Raunheim aus dem
Z uge und flüchteten in den Wald. Hier gelang es der
Gendarmerie nach großer Mühe am Donnerstag morgen,
die beiden zwiſchen Guſtavsburg und Koſtheim zu ver=
haften
und dem Amtsgericht Groß=Gerau zuzuführen, wo
ſie in ſicheren Gewahrſam genommen wurden. Die Ver=
hafteten
leugnen, die Gebrüder Ebender zu ſein und
geben an, Winſer zu heißen.
Groß=Umſtadt, 6. Juni. Hier ſtarb der frühere Rech=
ner
der Kredit=Sparkaſſe, Rentner J. Lautz, der in dem
ganzen vorderen Odenwald eine hochangeſehene und ge=
ſchätzte
Perſönlichkeit und Mitglied des Provinzialaus=
ſchuſſes
und des Kreisausſchuſſes für den Kreis Dieburg
war. Er gründete den Odenwälder Boten und war Mit=
begründer
der nationalliberalen Partei in Heſſen.
Offenbach, 6. Juni. Der geſtern zur Beratung zu=
ſammengetretene
Kreistag für den Kreis Offenbach
erklärte ſich im Prinzip mit der Errichtung eines Kreis=
waſſerwerks
einverſtanden, das den Waſſerbedarf der Ge=
meinden
des Kreiſes ebenſo wie den bei der Stadt eintre=
tenden
weiteren Bedarf decken kann, und ſtellte für die
Ausarbeitung des Projektes dem Kreisausſchuß 45000
Mark zur Verfügung, die vorläufig nach Bedarf aus den
Beſtänden der Kreiskaſſe entnommen oder als Anlehen
für den Kreis aufgenommen werden können und bei Aus=
führung
des Projektes auf die Anlagekoſten übernommen
werden.
Offenbach, 6. Juni. Der hier wohnende Zwicker
Jakob Jacob aus Saargemünd, der aus dem ſtädtiſchen
Krankenhaus in Darmſtadt, wo er als Unterſuchungs=
gefangener
untergebracht war, ausgebrochen iſt und das
Weite geſucht hat, durfte ſich ſeiner unter etwas aben=
teuerlichen
Umſtänden errungenen Freiheit nur kurze Zeit
erfreuen. Die Kriminalpolizei bekam Wind, daß der
Flüchtling ſich hierher gewandt und bei einer Fa=
milie
Huck Unterkunft gefunden habe. Als die Beamten
heute früh um 4 Uhr dort erſchienen, um Jacob feſt=
zunehmen
, machte er einen gewagten Fluchtver=
ſuch
, der ihm jedoch dank der Aufmerkſamkeit der Kri=
minalbeamten
mißlang. Der Ausreißer wurde in Haft
gebracht, um wieder nach Darmſtadt befördert zu
werden.
Höchſt i. O., 5. Juni. Geſtern haben geringfügiger
Differenzen wegen ungefähr 100 Arbeiter der Gummi=
warenfabrik
Veithwerke, A.=G., die Arbeit nie=
dergelegt
. Die Direktion ließ hierauf hier und in
den Nachbarorten bekanntgeben, daß alle diejenigen, die
morgen früh die Arbeit nicht wieder aufnehmen würden,
entlaſſen ſeien.
Mainz, 6. Juni. Für den Umbau des Stadt=
theaters
der 1910 bewerkſtelligt wurde, waren 800000
Mark bewilligt worden. Heute trat die Bürgermeiſterei
mit einer Nachforderung von 125000 Mark an
die Stadtverordneten heran. Nach einer längeren Aus=
ſprache
wurde der Betrag bewilligt. Da ſich auch noch
einige kleinere Aenderungen und Verbeſſerungen fühlbar
machen werden, dürften die Koſten des Umbaues mit
einer Million Mark nicht zu hoch beziffert ſein. Für Er=
richtung
eines Lagergebäudes im Zollhafen wurden
147000 Mk., ferner für eine Treppenanlage, Aſphaltierun=
gen
, Herſtellung eines Reitweges u. a. m. im ganzen
weitere 20000 Mark bewilligt.
Mainz, 5. Juni. Heute vor 25 Jahren wurde in
Gegenwart einer illuſtren Verſammlung von Fürſten,
Führern deutſchen Handels und deutſcher Induſtrie der
mit einem Koſtenaufwand von 12 Millionen erbaute
Mainzer Zoll= und Binnenhafen durch den Groß=
herzog
von Heſſen feierlich ſeiner Beſtimmung übergeben.
Bingen, 5. Juni. Der Kreisausſchuß erklärte
heute die Wahl des Lehrers Muntermann zum
Bürgermeiſter von Nieder=Ingelheim, gegen die von zwei
Seiten Einſpruch erhoben worden war, für ungültig.
(*) Gießen, 5. Juni. Die Verſammlung der
Gemeinderechner fand im Café Ebel unter ſtarker
Beteiligung ſtatt; auch vom Kreisamt waren Vertreter
erſchienen. Der Vorſitzende, Arnold=Grüningen, erſtat=
tete
Bericht über das Vereinsjahr 1911 und über die
Hauptverſammlung zu Darmſtadt. Die neue Land=
gemeindeordnung
, die am 1. April in Kraft trat, wurde
eingehend beſprochen. Eine Verfügung der Behörde, be=
reffs
Gehaltsregulierung der Gemeinderechner, wird in
Kürze erfolgen. Die nächſte Hauptverſammlung für das
Heſſenland findet im Auguſt in Friedberg, die Kreisver=
ſammlung
in Grüningen ſtatt.
(*) Romrod, 5. Juni. Lebensgefährlich ver=
letzt
hat ſich ein kleines Mädchen, das mit ſeinem Bru=
der
in der Scheune Verſteck ſpielte. Es ſtürzte durch das
Scheunengerüſt auf die leere Tenne und blieb bewußtlos
mit einem ſchweren Schädelbruch liegen.
E

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 5. Juni. Die Wahl des
Staatsſekretärs a. D. Wermuth zum Oberbürgermeiſter
von Berlin iſt vom Kaiſer bereits beſtätigt worden.
Die Beſtätigungsurkunde iſt geſtern vom Oberpräſidium
in Potsdam ins Berliner Rathaus geſchickt worden. Das
Bankhaus Gebrüder Schickler begeht heute die
Feier des zweihundertjährigen Beſtehens.
Aus dieſem Anlaß haben Herr Arthur Freiherr von
Schickler und die Firma Delbrück Schickler u. Co., einen
Kapitalfonds von 700000 Mark unter dem Namen Del=
brück
Schickler=Penſionsfonds zuſammenge=
legt
, aus dem den Beamten der Firma Gebrüder Schickler
und Delbrück Schickler u. Co., ſowie den Witwen und
Waiſen Zuſatzrenten zu den ihnen auf Grund der geſetz=
lichen
Verſicherung zuſtehenden Ruhegeldern und Hinter=
bliebenen
=Renten und außerordentliche Unterſtützungen in
Fällen eines beſonderen Notſtandes gewährt werden ſollen.
Ferner iſt heute der von dem verſtorbenen Teilhaber der
Firma Gebrüder Schickler, Freiherrn Ferdinand von
Schickler, mit einem Kapital von 500000 Mark errichteten
Gebrüder Schickler=Stiftung die landesherrliche Geneh=
migung
erteilt worden. Die Stiftung bezweckt die Unter=
ſtützung
hilfsbedürftiger Frauen und Töchter Branden=
burgiſcher
oder Berliner Kaufleute, beſonders ſolcher, die
zur Firma oder zur Familie Schickler in Beziehungen
ſtehen oder geſtanden haben. Die Behörden hoffen nicht
mehr die aus dem Spandauer Artilleriedepot
geſtohlenen Zeichnungen wieder zu erhalten. Es ſollen
jetzt von ſämtlichen Perſonen, die in letzter Zeit zum De=
pot
Zutritt hatten, Fingerabdrücke genommen werden, um
den Dieben auf die Spur zu kommen.
Frankfurt, 5. Juni. In Offenbach iſt ein Mann
feſtgenommen worden, der verdächtig iſt, den Mord
an dem Dienſtmädchen Frieda Veſter in der Königs=
warterſtraße
begangen zu haben. Der Verhaftete iſt der
am 8. Oktober 1886 in Cappel, Kreis Marburg, geborene
Wilhelm Born. Er iſt ſchon oft beſtraft, u. a. wegen
Hehlerei mit ſechs Monaten Gefängnis und wegen Ein=
bruchsdiebſtahls
mit 2½ Jahren Zuchthaus. In Frankfurt
wurde er am 11. Mai beim Betteln betroffen und nach
Verbüßung einer Haftſtrafe von einigen Tagen am 17. Mai
wieder entlaſſen. Es iſt feſtgeſtellt, daß Born am Pfingſt=
montag
, an dem Tag, an dem die Veſter ermordet wurde,
in der Mittagſtunde einen Einbruch in ein Haus der
Wittelsbacher Allee verübt hat. Auf dieſen Mann lenkte
ſich der Verdacht der Täterſchaft des Mords. Born, der
in Offenbach beim Verkauf eines geſtohlenen Fahrrads
feſtgenommen und dann nach Frankfurt transportiert
wurde, leugnete im Anfang alles. Erſt als er dem Mäd=
chen
aus der Wittelsbacher Allee gegenübergeſtellt wurde,
gab er zu, daß er in dieſem Haus geweſen ſei, er habe aber
keinen Einbruch verſucht, ſondern gebettelt. Auf Born paßt
übrigens auch die Beſchreibung des Mannes, der von
einem Monteur aus Karlsruhe kurz nach dem Mord an der
Ecke Königswarter Straße=Sandweg beobachtet wurde.
Es fehlt aber noch der ſtrikte Beweis, daß dieſer Einbrecher
und der Mörder eine und dieſelbe Perſon ſind. Es wer=
den
vor allem auch Borns Hand= und Fingerabdrücke mit
den Abdrücken verglichen, die in der Manſarde, wo der
Mord erfolgte, aufgenommen wurden. Allerdings wird
das keine geringen Schwierigkeiten machen, weil etwa
ſechzig verſchiedene derartige Abdrücke vorliegen. In po=
lizeilichen
Kreiſen glaubt man übrigens, daß er der
Täter iſt.
Frankfurt, 6. Juni. Der Redakteur der Frankf.
Zeitung, Paul Liſtowsky, ſiedelte nach vierund=
zwanzigjährigem
Wirken in Frankfurt nach ſeiner Hei=
mat
Königsberg als Leiter der Hartungſchen Zeitung und
des Königsberger Tageblatts über.
Stuttgart, 6. Juni. Ein ſchwerer Automobil=
unfall
ereignete ſich auf der Straße zwiſchen Reutlin=
gen
und Pfullingen. Ein Auto, in dem drei Schüler und
ein Mädchen ſaßen, ſtürzte infolge falſcher Steuerung in
einen Straßengraben. Dabei wurde der Chauffeur ſo
ſchwer verletzt, daß er auf dem Transport ins Kranken=
haus
ſtarb. Das Mädchen erlitt ebenfalls ſchwere Ver=
letzungen
, während die drei Schüler mit leichteren Ver=
letzungen
davonkamen.
Dresden, 6. Juni. Die Schlußabrechnung der Inter=
nationalen
Hygiene=Ausſtellung in Dresden
1911 ergibt einen Ueberſchuß von 1066055 Mk. 91 Pfg.
Kamburg (Saale), 6. Juni. Ein unbekannter Rei=
ſender
erſter Klaſſe ſprang vor einigen Tagen in
der Nacht aus dem Schlafwagen des Berlin-Münchener
Schnellzuges unbekleidet in die Saale. Geſtern fand man

ſeine Leiche und ſein Gepäck. Letzteres lagerte in der
Gepäckaufbewahrungshalle in Halle. Es ſtellte ſich her=
aus
, daß der Selbſtmörder ein Pelzexporteur aus Moskau
namens Ragewitſch iſt.
Sprottau, 6. Juni. In Waltersdorf ſchlug der
Blitz auf freiem Felde in eine Kolonne Arbeiter.
Ein 15jähriges Mädchen war ſofort tot, ihre Schweſter
wurde lebensgefährlich verletzt, die übrigen wurden be=
täubt
, erholten ſich aber wieder.
Prag, 5. Juni. Infolge des Genuſſes verdor=
bener
Fleiſchwaren ſind in den Gemeinden Rei=
chenſtein
und Rehberg an der bayeriſchen Grenze 35 Per=
ſonen
, darunter eine lebensgefährlich, erkrankt.
Paris, 6. Juni. Wie den Blättern aus Lyon ge=
meldet
wird, geſtand der Domherr Piten vor dem Poli=
zeikommiſſar
, daß die Erzählung von ſeiner gewaltſamen
Entführung erdichtet ſei und daß er ſich aus Angers ge=
flüchtet
habe, nachdem er die von ihm verwalteten Gelder
mehrerer Wohltätigkeitsanſtalten, ſowie des Seminars
im Spiele verloren habe. Da gegen Piten bisher keine
Strafanzeige erſtattet wurde, verblieb er vorläufig auf
freiem Fuße, doch wird er von der Polizei überwacht.
Paris, 6. Juni. Im Walde von Compiegne er=
eignete
ſich geſtern abend ein Automobilunglück,
bei dem eine Nichte des Direktors des chileniſchen Zoll=
weſens
Eſcebar getötet, dieſer ſelbſt und drei andere
Damen lebensgefährlich verletzt wurden.
Paris, 6. Juni. Der Erlös des erſten Tages der Ver=
ſteigerung
der berühmten Kunſtausſtellung
Deucet betrug ſamt den 10prozentigen Zuſchlägen
3 643000 Franken. Ein Paſtellporträt des Malers de la
Cour wurde von Baron Henry de Rothſchild für 600000
Franken erſtanden.
Genf, 6. Juni. Der hieſige öſterreichiſch=ungariſche
Konſul Padowitz Klan iſt geſtern abend wegen
Betruges und Vertrauensbruches in mehreren Fällen
verhaftet worden. Er ſoll Unterſchlagungen in Höhe
von 20000 Franken verübt haben. Vor einiger Zeit war
das Konſulat von Einbrechern heimgeſucht worden, die
Wertgegenſtände im Betrage von 10000 Franken raubten.
Ein merkwürdiges Zuſammentreffen will es nun, daß die
Diebe gleichfalls geſtern verhaftet und gemeinſam mit
dem Konſul in das Gefängnis eingeliefert wurden.
Sofia, 6. Juni. In weiten an der Donau liegenden
Landſtrecken Bulgariens herrſcht große Heuſchrecken=
Plage. Drei Regimenter Infanterie ſind zu ihrer
Vernichtung aufgeboten. Die Heuſchrecken haben jetzt die
Richtung nach Rumänien eingeſchlagen. Man befürchtet
für die Ernte der überfallenen Gegenden.

Kongreſſe und Verbandstage.

39. Deutſcher Gaſtwirtetag.
Chemnitz, 5. Juni. Dem heutigen Beginn des
39. Deutſchen Gaſtwirtetages ging die Eröffnung
einer Fachſchulausſtelllung voraus. Unter Be=
teiligung
von über 700 Mitgliedern des Deutſchen Gaſt=
wirteverbandes
wurde dann um 10 Uhr im Kaufmänniſchen
Vereinshaus der 39. Deutſche Gaſtwirtetag eröffnet. Nach
den Begrüßungen wurde an den Kaiſer ein Huldigungs=
telegramm
abgeſandt. Sodann hielt Profeſſor Dr.
Wittelshöfer=Berlin einen Vortrag über: Nah= und Spiritus. Der Gaſt=
wirtetag
beſchäftigte ſich ſodann mit den Anträgen verſchie=
dener
Vereine auf Errichtung von Gaſtwirtekam=
mern
. Dieſe Anträge ſind durch eine Petition des Ver=
bandes
, die dem Reichskanzler als Material überwieſen
worden iſt, als erledigt anzuſehen. Ein Antrag Duis=
burg
, alle der Organiſation angehörigen Vereine in Freie
Wirte=Innungen umzuwandeln, ſoll, da der Gedanke der
Gaſtwirtekammern erſt dann verwirllicht werden kann,
wenn die Gaſtwirte=Organiſation auf gewerbegeſetzlicher
Grundlage beruht, dem geſchäftsführenden Ausſchuß zur
Ausarbeitung überwieſen werden. Ein Antrag Oberſchle=
ſien
und Lüneburg, der Gaſtwirteverband ſoll an zuſtän=
diger
Stelle Schritte tun, damit das beſtehende Verbot,
wonach Zigaretten auf Tellern oder Tabletts den Gäſten
nicht verabreicht werden dürfen, aufgehoben werden ſoll,
wird angenommen. Hierauf folgte ein Vortrag von Fach=
ſchuldirektor
Haumann über das Fachſchulweſen
im Verbande‟. Der Redner fordert die Einführung
des fremdſprachlichen Unterrichts an ſämtlichen Fachſchulen.
Zum Punkt Tonſetzervertrag lagen folgende drei
Anträge vor: 1. Antrag der Zone Schleſien, Berichterſtatter
Hirſemann= und Mende=Breslau: Den Verbandsausſchuß=
zu
erſuchen, mit der Genoſſenſchaft Deutſcher Tonſetzer eine
Herabſetzung der Tarifſätze laut Empfehlungsvertrag zu
vereinbaren. 2. Antrag der Zone Freie und Hanſaſtädte,

Vorträge.

nn. Heſſiſcher Jagdklub. Im Städtiſchen
Saalbau hielt vor einem zahlreichen Zuhörerkreiſe Herr
Ingenieur Neumann, Kuſtos der waffentechniſchen
Sammlung an der hieſigen Techniſchen Hochſchule, einen
Vortrag über Den Schrotſchuß und ſeine balli=
ſtiſchen
Unterſuchungen und Wirkungen. Der Vortrag
wurde durch eine reiche Anzahl von Lichtbilderaufnahmen
unterſtützt. Nach den Ausführungen des Vortragenden
wurde im Jahre 1727 das erſte Patent zum Schießen
mit Schrot genommen. Die Herſtellung der Schrote iſt
für die Schuß=Balliſtik von größter Wichtigkeit. Sie er=
folgt
in ſogen. Schrotöfen, in denen das flüſſige
Metall auf gewiſſe Höhen gepumpt wird, von wo es durch
einen Rohrſchacht in Waſſer oder Eiswaſſer abfällt und
dadurch ſeine runde Form erhält. Damit das Schrot nicht
oxydiert, wird ihm noch ein Ueberzug von Amalgam
zugeſetzt. Redner beſprach ſodann eingehend die Schuß=
wirkungen
eines Flintenlaufgeſchoſſes und die Frage, ob
Hartſchrot oder Weichſchrot beſſer für die Jagd geeignet
iſt. Durch eine Reihe gegenübergeſtellter Scheibenbilder
und Tabellen wurde die größere Treffſicherheit des Hart=
ſchrots
zur Evidenz feſtgeſtellt. Das Stahlſchrotſchießen
iſt wegen ſeiner großen Streuung von der Jagd auszu=
ſchließen
. Eingehend beſprach ſodann der Redner die
wichtigen Teile der Hülſenfabrikation, das Pulver und
die Zündungen. Empfehlenswert ſei es, mit geſchloſſener
Zündung zu ſchießen. Pfeil= und Amboszündung haben
ſich nicht bewährt. Eingehend behandelte der Redner
noch die Anordnung des Gewehrlaufs für den Schrot=
ſchuß
, insbeſondere die Drallſyſteme und die Ueberführ=
ung
der Schrotpatronen in den Lauf. Empfehlenswert
ſei der koniſche Laufübergang, um Rückſchlager zu ver=
meiden
. Hochintereſſant waren die bildlichen Vorführ=
ungen
der Schießverſuche der Verſuchsſtation Neumanns=
walde
, in der über die innere Balliſtik des Schrotſchuſſes,
über die Rückſtoßwirkungen und die Ermittelung der
Gaskurven beim Schrotſchuß wiſſenſchaftlich wertvolle
Verſuche gemacht wurden. Der Vorſitzende des Heſſiſchen
Jagdklubs ſprach Herrn Ingenieur Neumann Dank und
Anerkennung für ſeine lehrreichen Darlegungen aus und
widmete ihm ein dreifaches fröhliches Horridoh.

Feuilleton.

Neue Veröffentlichungen über König Eduard. Der
ſoeben veröffentlichte Ergänzungsband des Dictionary of
National Biography enthält einen Aufſatz von Sir Sid=
ney
Lee über König Eduard der auf unveröffent=
lichtem
Material beruht. Der Verfaſſer teilt mit, daß die
Königin Viktoria ihren Sohn lange Zeit hindurch von
allen Staatsgeſchäften fernhielt. Erſt 1892 geſtattete die
Königin, daß der Prinz von Wales durch die Privat=
Sekretäre des Premierminiſters Kenntnis von vertrau=
lichen
Aktenſtücken erhielt und erſt ſeit 1895 wurden ihm
die Depeſchen des Auswärtigen Amts regelmäßig zugäng=
lich
gemacht. Nach ſeiner Thronbeſteigung beſchränkte ſich
der König in der inneren Politik auf die Rolle des un=
parteiiſchen
Beobachters und er bemühte ſich, den Konflikt
wegen des Budgets, von 1909 und den Verfaſſungsſtreit
beizulegen, akzeptierte aber die Politik des Kabinetts.
Die Reden des Miniſters Lloyd George erſchienen ihm oft=
mals
als unverantwortlich und leichtfertig. Ueber ſeine
Beziehungen zu Kaiſer Wilhelm und Deutſchland ſagt
Lee: König Eduard war trotz einiger vorübergehender
Mißverſtändniſſe von aufrichtiger Zuneigung für Kaiſer
Wilhelm erfüllt, und er war von wirklicher ſyſtematiſcher
Feindſchaft gegen Deutſchland weit entfernt. Sein per=
ſönſiches
Gefühl wurde durch die gegenſeitige Eiferſucht
beider Nationen nur wenig beeinflußt. Wenn er auch eine
perſönliche Vorliebe für Frankreich hatte, ſo war er doch
direkt nicht verantwortlich für die Politik der Entente
cordiale. Seine konſtitutionelle Stellung und ſeine per=
ſönliche
Entwickelung verhinderten ihn, einen maßgebenden
Einfluß auf die auswärtige Politik auszuüben. Lee ſagt
unter anderem: Seine politiſche Einſicht wurde nicht über=
chätzt
, wenn er in formloſer Unterhaltung über ſichere Ge=
meinplätze
hinausging. Eine unverantwortliche Aeußer=
ung
, die er in Paris in einer Privatgeſellſchaft machte, daß
die Entente in ein militäriſches Bündnis verwandelt wer=
den
ſollte, fand keinen Widerhall.
* Der verbotene Trunk im Ratskeller. Aus Rudol=
ſtadt
wird der Köln. Ztg. geſchrieben: Unſere Stadtväter
haben ein ſtattliches Haus für ihren hohen Rat gebaut,
und die Erbauer, die Münchener Architekten Herms und

Veil, hatten auf des Rates Geheiß unter anderem auch
den ſinnigen Einfall, einen ſchönen Ratskeller hier ein=
zubauen
, dieweil zur ſauren Arbeit im Dienſte der Stadt
ein guter Trunk ſich allezeit als angebracht und bekömm=
lich
erwies und immerdar erweiſen wird. Zu ſolchem
Trunk ziemt ſich auch ein behaglicher Raum. In Wür=
digung
all dieſer erweislich wahren Tatſachen ließ man
die Räume im tiefen Keller durch einen Münchener Maler
und einen heimiſchen Künſtler mit Bildern ſchmücken,
ſtellte auch allerlei Wohlgeratenes aus anderen Fakul=
täten
hinein und verpachtete daraufhin alles an einen
betriebſamen Herrn vom Elbeſtrande, der das meiſte Geld
geboten hatte. Am 1. Juli ſollte der neue Ratskeller ſeine
Pforten öffnen, zur ſelben Zeit, wo auch die Dienſträume
des neuen Hauſes in Benutzung genommen werden. Zur
Vorbereitung eines guten Anfangs traf der Wirt hier
vor einigen Wochen ein. Jetzt aber ſtellte es ſich heraus,
daß man an die Hauptſache zuletzt gedacht hatte und daß=
ſie
fehlte nämlich die Konzeſſion zum Schankbetrieb.
Sie wurde vom Landrat verweigert. Glatt und entſchie=
den
! Und zwar mit der Begründung, daß ſowieſo zu
viel Wirtſchaften da ſeien, daß er was richtig iſt
deshalb bereits mehrmals die Bewilligung von Konzeſ=
ſionen
abgeſchlagen hätte und nun unmöglich eine Aus=
nahme
machen könne. Darob iſt nun der Rat der Stadt
in große Beklemmung, die Bürgerſchaft in große Heiter=
keit
verſetzt worden das heißt, ſoweit ſie Verſtändnis
für Humor hat.
Inſekten als Sänger. Daß die Inſekten im großen
Konzert der Natur als eifrige Muſikanten tätig ſind, weiß
jeder, der einmal an einem ſtillen Sommerabend dem
Geigen der Grillen gelauſcht hat. Aber daß in Japan
Inſekten die Stelle der Kanarienvögel vertreten
und durch ihren Geſang wahres Entzücken er=
regen
, dürfte weniger bekannt ſein. Die Inſekten
bringen ihre Muſik im allgemeinen durch das An=
einanderreiben
beſtimmter Teile ihres Körpers oder
durch Schwingungen der Flügel während des Fluges
ervor; jedoch muſizieren auch manche Arten durch das
Erzittern einer beſtimmten Membran, die durch Muskeln
bewegt wird. In Tokio gibt es zwei Firmen, die den
Handel mit ſingenden Inſekten en gros
betreiben. Sie ſchicken fliegende Händler durch die Stra=

[ ][  ][ ]

Nummer 132

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 7. Juni 1912.

Seite 5.

Berichterſtatter Goldſchmitt=Travemünde: Es muß Klar=
heit
in dieſe Sache gebracht werden, auch ſind die Tarifſätze
der deutſchen Tonſetzer, beſonders für kleine und kleinſte
Lokale, zu verbilligen. 3. Antrag Königsberg II, Bericht=
erſtatter
F. Oſterode: Der Deutſche Gaſtwirteverband wolle
dahin wirken, daß die Genoſſenſchaft Deutſcher Tonſetzer
ein Verzeichnis herausgibt, aus welchem die tantiemen=
pflichtigen
Stücke der deutſchen Autoren und derjenigen
öſterreichiſchen Tonſtücke, welche durch den Abſchluß mit der
Genoſſenſchaft DeutſcherTonſetzer bis zum 31. Dezember
1912 aufgeführt werden dürfen, zu erſehen ſind, dergeſtalt,
daß periodiſch die Aenderungen ebenfalls bekannt gegeben
werden. Die Anträge wurden von den genannten Refe=
renten
begründet und dem geſchäftsführenden Ausſchuß zur
Bearbeitung überwieſen. Es folgt dann die Beratung der
Anträge, betreffend die Reichsgewerbeordnung.
Der Verbandstag beſchloß, alle Anträge zur Abänderung
der Gewerbeordnung in einer neuen Petition der Regie=
rung
zu unterbreiten. Es wurde hierauf folgende Reſo=
lution
gefaßt: Der 39. Deutſche Gaſtwirtetag in Chem=
nitz
hat durch die erneut vorgebrachten Klagen die Ueber=
zeugung
gewinnen müſſen, daß die nunmehr ſchon ſeit vie=
len
Jahren in wiederholten Eingaben geſchilderten Miß=
ſtände
auf dem Gebiete des Konzeſſionsweſens für Schank=
wirtſchaften
des zum Winkelſchank benützten Verkaufes von
Kaffee, Tee, Schokolade, ſowie alkoholfreier Getränke in=
zwiſchen
nicht beſſer, ſondern ſchlechter geworden ſind, ge=
nährt
noch von einer Rechtſprechung, die in Ermangelung
geeigneter Geſetze, namentlich dem Penſionsunweſen gro=
ßen
Vorſchub geleiſtet hat. Der =39. Deutſche Gaſtwirtetag
ſpricht die Erwartung aus, daß im Intereſſe einer Ge=
ſundung
des Gaſtwirtsgewerbes die maßgebenden Stellen
den Klagen der Gaſtwirte mehr Rückſicht ſchenken, als bis=
her
, und die langerſehnte Reform des § 33 R.=G.=O. nun
in die Wege geleitet werde.

Hauptverſammlung der Deutſchen
Kolonialgeſellſchaft.
* Hamburg, 5. Juni. In der heutigen Nach=
mittagsſitzung
der Deutſchen Kolonial=
geſellſchaft
wurde der Antrag München faſt einſtim=
mig
angenommen, in dem ſich die Verſammlung im
Gegenſatz zu der am 8. Mai gefaßten Reſolution des
Reichstages dahin ausſpricht, daß die gegen die Ehen
zwiſchen Weißen und Farbigen erlaſſenen Ver=
ordnungen
aufrecht erhalten werden. Die Geſellſchaft
erneuert die Aufforderung an die Deutſchen in den Schutz=
gebieten
, auch ihr Teil beizutragen, daß ein Aufkommen
der Miſchlingsraſſe verhindert wird und die Deutſchen,
ihrer Stammesangehörigkeit bewußt, den Umgang mit
eingeborenen Frauen meiden. Der Beſchluß ſoll dem
Reichskanzler übermittelt werden. In der Diskuſſion
ſprach Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg aus, wo
Miſchraſſen entſtehen, ſehe nicht nur der Weiße mit Ver=
achtung
auf die Miſchlinge herab, ſondern auch der Ein=
geborene
, welcher wiſſe, daß ſich nur minderwertige
ſchwarze Frauen Weißen hingeben. Verbleibe der Miſch=
ling
draußen in der Kolonie ein anerkannter deutſcher
Staatsbürger, ſo ſinke die Achtung vor dem weißen
Stamme, deshalb müſſe der Miſchling ſtaatsrechtlich den
Eingeborenen gleichgeſtellt bleiben. Staatsſekretär Dr.
Solf wurde einſtimmig der Dank für ſein Eintreten für
das Miſchehenverbot ausgeſprochen.

Hauptverſammlung des Verbandes
Deutſcher Kunſtvereine.
Dresden, 5. Juni. Der Verband Deutſcher
Kunſtvereine trat hier im Künſtlerhauſe unter dem Vorſitz
von v. Pixis=München zu ſeiner 3. ordentlichen Haupt=
verſammlung
zuſammen. Die Verſammlung beſchäftigte
ſich zunächſt mit dem Jahresbericht, in dem hervorgeho=
ben
wird, daß das einheitliche Zuſammenarbeiten in
Ausſtellungsangelegenheiten bei allen Vereinen ſtetig zu=
nehme
. Nach einer Aufſtellung haben 73 Vereine mit
85300 Mitgliedern jährlich für die Kunſt beinahe zwei
Millionen aufgewendet. Die Zuſpitzung der wirtſchaft=
lichen
Verhältniſſe der Künſtlerſchaft mache eine Organi=
ſation
des Verkaufes zur unabweisbaren Pflicht. Von
den im letzten Jahre beſchloſſenen Wanderausſtellungen
verſpricht ſich der Verein einen guten Erfolg. Im Kampfe
gegen den Winkelkunſthandel verlangt der Verein die
Konzeſſionspflicht für das Kunſthändlergewerbe, die aber
von der Reichsregierung vorerſt abgelehnt wurde. Die
Verſammlung beſchloß, den deutſchen Künſtlervereinig=
ungen
nahe zu legen, bei dem Verkauf von Kunſtwerken
reelle Preisnotierungen anzugeben. Nach Erledigung
weiterer interner Verbandsangelegenheiten fand die Tag=
ung
ihr Ende.

* Leipzig, 6. Juni. Heute vormittag wurde im
ſtädtiſchen Kaufhauſe die zwanzigſte Jahresver=
ſammlung
des Verbandes Deutſcher
Elektro=Techniker eröffnet. An den früheren

Vorſitzenden des Verbandes, Geheimrat Slaby=Berlin,
wurde ein Begrüßungstelegramm abgeſandt. Profeſſor
Dr.=Ing. Kapp von der Univerſität Birmingham über=
reichte
dem Vorſitzenden ein Geſchenk der engliſchen Kom=
miſſion
und der internationalen elektrotechniſchen Kom=
miſſion
ein Bild des großen Phyſikers Michale Farra=
day
. Nachmittags 1 Uhr wurde in Gegenwart der Teil=
nehmer
der Tagung die elektrotechniſche Ausſtellung Leip=
zig
1912 für Haus, Gewerbe und Landwirtſchaft er=
öffnet
.

* Kiel, 6. Juni. In der Marine=Akademie trat
heute vormittag die ſchiffbautechniſche Geſell=
ſchaft
zu ihrer diesjährigen Sommerverſamm=
lung
zuſammen. Nach den einleitenden Worten von
Prof. Busley ſprach Marinebaurat Berling=Kiel über
die Entwickelung der Unterſeeboote und ihrer Haupt=
maſchinenanlagen
. Danach hielt Regierungs= und Bau=
rat
Schultz=Kiel einen Vortrag über den Kaiſer Wilhelm=
Kanal und ſeine Erweiterung. Prinz Adalbert von
Preußen, der Chef der Marineſtation der Oſtſee Cörper
und viele andere hohe Marineoffiziere wohnten der Ver=
ſammlung
bei.

Luftfahrt.

* Die offiziellen Ergebniſſe der Ber=
liner
Frühjahrs=Flugwoche liegen jetzt vor.
Am beſten ſchnitt der Ruſſe Abramowitſch auf
einem Wright=Doppeldecker ab. Es folgen Rupp auf
Albatros Mohns auf Wright, Roſenſtein auf Rumpler=
Taube, Stoeffler auf L. V.=G.=Zweidecker, Alig auf Dor=
ner
, Krüger auf Harlan, Wexler auf Albatros, Marſhal
und Bouterd auf Rumpler=Taube, Stiploſchek auf L. V.=
G.=Eindecker, Baierlein auf Argo=Zweidecker, Albers auf
Rumpler=Taube, v. Goriſſen auf Argo=Doppeldecker,
Schwandt auf Grade=Eindecker, Fokker auf Fokker= Ein=
decker
und Gaſſer auf Grade=Eindecker.
* Berlin, 6. Juni. Einer Hamburger Meldung
zufolge reiſt Graf Zeppelin heute zu einer Audienz
beim Kaiſer nach Berlin. Er verabſchiedete ſich geſtern
von der Mannſchaft des Z. 3 mit den Worten: Auf
Wiederſehen in Friedrichshafen! Danach würde er das
Luftſchiff auf der Rückreiſe nicht ſelbſt führen.
* Leipzig, 6. Juni. Leutnant Bier fliegt heute
zur Teilnahme am Fernflug Berlin-Wien auf ſei=
nem
Mars=Eindecker von Leipzig nach Johannisthal.
* Hamburg, 6. Juni. Wie nunmehr bekannt, wird
das Zeppelin=Luftſchiff Viktoria Luiſe am 12. Juni
hierher kommen. Welcher Weg gemacht wird, hängt von
der Wetterlage ab; doch beſteht die Abſicht, die Fahrt bis
zur Nordſeeküſte auszudehnen.
* Odeſſa, 6. Juni. Der Flieger Derimew machte
auf dem hieſigen Flugplatz mit einer von ihm erfundenen,
beſonders für Militärflieger wichtigen Vorrichtung, die es
ermöglicht, ohne fremde Hilfe den Motor in Bewegung zu
ſetzen und aufzuſteigen, einige Verſuche, die beſtens ge=
langen
.

Sport.

G.A. Turnwarteübung und Wettkämpfe im Ringen.
Am Sonntag, den 9. Juni d. J., findet in der Turnhalle
der Turngemeinde Darmſtadt (Woogsplatz) eine Uebung
für ſämtliche dem Main=Rheingau der Deutſchen Turner=
ſchaft
angehörigen Vereinsturnwarte ſtatt. Die für das
auf den 7. Juli 1912 feſtgelegte, in Eberſtadt bei Darm=
ſtadt
ſtattfindende 50. Gauturnfeſt beſtimmten allgemei=
nen
Freiübungen, die Uebungen für die älteren Turner
und Kampfrichter, ſowie die für das Vereins= und Muſter=
riegenturnen
vorgeſchriebenen Ordnungsübungen wer=
den
nochmals eingehend durchgenommen. Außerdem
werden die Pflichtübungen für das Einzelwetturnen be=
kannt
gegeben und gezeigt. Nachmittags um 3 Uhr kom=
men
die Wettkämpfe im Ringen, die am Sonntag, den
2. d. M., bei dem volkstümlichen Wetturnen in Pfung=
ſtadt
des ſchlechten Wetters wegen ausfallen mußten, zum
Austrage.
* Radrennen in Darmſtadt. Die am Sonntag, den
9. Ini, auf der Radrennbahn ſtattfindenden großen
Radrennen haben eine vortreffliche Beſetzung infolge
mehrerer Nachmeldungen erfahren. Neben den in erſter
Linie intereſſierenden Dauerrennen mit Motorſchritt=
machern
, über deren Beſetzung wir geſtern berichteten, ver=
dienen
die Flieger=Rennen für Berufsfahrer Beachtung,
da ſich hier ein Feld auserleſener Fahrer zuſammen=
findet
, deren Namen ohne weiteres ſcharfe, ſpannende
Kämpfe gewährleiſten. In erſter Linie iſt der bekannte
Weltmeiſter Otto Meyer Ludwigshafen zu nennen,
der nach längerer Zeit wieder einmal hier am Start er=
ſcheint
. Die Sechstagefahrer Gebr. Eſſer=Köln, deren
großartiges Fahren in den diesjährigen Sechstagerennen
Senſation erregte ſowie Jul. Bettinger, einer der
ſchnellſten Fahrer der Jetztzeit, dürften ernſthafte Gegner
des Weltmeiſters ſein, ganz zu ſchweigen von den an=

deren klangvollen Namen, wie Schmitter=Köln, Bünten=
broich
, Müller, Meyer=Köln, Frings=Aachen, Rädlein
und Heinemann=Hamburg, Brehmer=Hannover. Die Liſte
vervollſtändigen ferner eine Reihe guter Berufsfahrer
aus Frankfurt a. M., Mainz, Nürnberg und Darmſtadt.
Ohne Zweifel wird um die ausgeſetzten Barpreiſe heiß
gekämpft, ſodaß die Rennbahnbeſucher ihre Befriedigung
finden werden.

Der deutſche Flottenbeſuch in Amerika.

* Waſhington, 5. Juni. Der deutſche Botſchaf=
ter
Graf Bernſtorff gab den deutſchen Marine=
offizieren
ein Frühſtück. Die Offiziere ſprachen
ſpäter bei dem Präſidenten Taft, dem Staatsſekretär
des Auswärtigen Knox und dem Marineſtaatsſekretär
Meyer vor. Sie wurden überall herzlich empfangen.
Zu Ehren der in Fort Monroe zurückgebliebenen Offi=
ziere
und Mannſchaften fanden dort zahlreiche Veran=
ſtaltungen
ſtatt. Geſtern gab Vizekonſul Schmelz in
Newport News zu Ehren der deutſchen und amerikani=
ſchen
Offiziere ein Gartenfeſt.

Die Wahlkrawalle in Belgien.

* Brüſſel, 5. Juni. Im ganzen Lande nahm die
Ausſtandsbewegung an Ausdehnung zu. Be=
ſonders
in den Gegenden von Lüttich und Charleroi iſt
eine ſtarke Zunahme der Streikenden zu verzeichnen. Der
Generalrat der ſozialiſtiſchen Partei, der heute vormittag
tagte, beſchloß, einen Appell an die Bevölkerung zu
richten und ſie zur Ruhe zu ermahnen. Der Bürgermeiſter
von Brüſſel unterſagte Zuſammenrottungen und Kund=
gebungen
.
* Brüſſel 5. Juni. Eine Rotte junger Bur=
ſchen
drang geſtern abend gegen 9 Uhr nach dem Bör=
ſenplatz
, wo ſie bald durch Geſinnungsgenoſſen verſtärkt,
bis zu ungefähr 1000 Mann angeſchwollen war. Darauf
zogen ſie mit roten Taſchentüchern an den Stöcken ſingend
und johlend durch die Straßen der Stadt, alle Fenſter=
ſcheiben
der Magazine und die Laternen zertrümmernd.
Die Tür der Kirche zu St. Nicola wurde durch einen
Holzblock eingerannt, worauf man das Innere der Kirche
in Brand ſteckte. In gleicher Weiſe wurde eine in
nächſter Nähe liegende Kapelle ausgebrannt und außer=
dem
die Altargeräte geſtohlen. Die Brandſtiftung einer
dritten Kirche mißlang, da inzwiſchen Gendarmerie zu
Pferde auf dem Plan erſchienen war, die mit blanker
Waffe einſchlug. Mehrere Exzedenten wurden verletzt,
ein großer Teil verhaftet.
* Brüſſel, 6. Juni. Im ganzen iſt der geſtrige
Abend in Belgien ruhig verlaufen, wenn man
von den Ausſchreitungn in Brüſſel, über die bereits be=
richtet
wurde, abſieht. Nur in Lüttich ſollen einige Kund=
geber
die Fenſter einer Kirche eingeworfen haben. In
Brüſſel hat die Polizei etwa 15 Verhaftungen vorge=
nommen
und es ſollen bei den Zuſammenſtößen mit der
Gendarmerie und der Polizei vier Perſonen verwundet
worden ſein. In Louviere und Jolimont verſuchten die
Vertreter des ſozialiſtiſchen Parteivorſtandes die Arbei=
ter
zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen. Sie
hatten keinen Erfolg und wurden von einigen Teilneh=
mern
der Verſammlung ausgepfiffen. Es wird ſich nun
im Laufe des heutigen Tages zeigen müſſen, inwieweit
der Parole des Parteivorſtandes, die Arbeit wieder auf=
zunehmen
, Folge geleiſtet wird. Hiervon wird es abhän=
gen
, ob ſchon heute oder morgen in Belgien wieder voll=
kommene
Ruhe herrſcht.

Der engliſche Transportarbeiterſtreik.

* London, 5. Juni. Kurz vor Schluß der heu=
tigen
Sitzung des Unterhauſes wurde die Frage
des Hafknarbeiterſtreiks noch einmal aufgeworfen.
Lloyd George erweiterte ſeine früheren Erklärungen,
indem er die Bedeutung der Bildung eines Arbeitneh=
merverbandes
hervorhob der ſtark genug ſein müſſe, um
die Arbeitgeber zu zwingen, ſich an die Abmachungen zu
halten. Auch von Seiten der organiſierten Arbeiter müſſe
jedoch eine Gaxantie für die Beobachtung der Abkom=
men
gegeben werden. Der nationale Transportarbeiter=
verband
habe deshalb eine Reſolution angenommen, in
der er dem Regierungsvorſchlag auf Bildung eines ge=
meinſamen
Schiedsgerichts zugeſtimmt und der Grund=
ſatz
der Stellung von Bürgſchaften in Geld angenommen
wird, welche eine Sicherheit dafür bieten ſollen, daß die
Abmachungen von Arbeitgebern wie von den Arbeitern
eingehalten werden. Lloyd George bezeichnete dies als
ein bedeutendes Entgegenkommen auf Seiten der Leute
und forderte die Arbeitgeber auf, unverzüglich einen
Verband zu bilden, der die Aufgabe hätte, darüber zu
wachen, daß die Abmachungen der Arbeitgeber befolgt
würden. Er ermahnte die Leute dringend, inzwiſchen die
Arbeit wieder aufzunehmen, da der Verband der Arbeit=
geber
nicht in wenigen Tagen gebildet werden könne.
R. Macdonald ſagte darauf, er ſei zu der Erklärung er=
mächtigt
, daß, wenn die Regierung durch Verhandlungen
mit den Arbeitgebern oder durch eine andere Maßnahme
den Transportarbeitern eine beſtimmte Bürgſchaft dafür
geben könne, daß dieſe Angelegenheit keinen ungerechtfer=
tigten
Verzug erleidet und ein Schiedsgerichtshof zur
Beilegung der ſtrittigen Punkte eingeſetzt würde, die Ar=
beiter
aufgefordert werden würden, ſofort wieder an ihre
Arbeit zu gehen.

Vermiſchtes.

Akademiſche Würzburger Siegelmarken
in Silhouette=Manier ſind die neueſten Spezialitäten im
Markenſammelweſen. Der Fremdenverkehrsverein Würz=
burg
hat außer der bekannten Würzburger Stadtmarke (mit
der Feſtung Marienberg und dem Bocksbeutel) neuerdings
zwei Marken mit ſtudentiſchen Silhouetten herausgegeben,
die eine mit dem Gaudeamus=Zitat Vivat Academia!
die andere mit dem Liedſpruch Stoßt an, Würzburg ſoll
leben!. Die Marken, die zunächſt der Propaganda für die
ſchöne Mainſtadt und ihre Univerſität dienen, die in ihrer
hübſchen und originellen Ausführung aber auch der neu=
erwachten
Liebhaberei für die Silhouetten=Kleinkunſt ent=
gegenkommen
, ſind vom Verkehrsbureau Würzburg (6 Stück
zu 10 Pfg., 100 Stück zu 1 Mark und 1000 Stück zu 4 Mark)
portofrei und nach Wahl zu beziehen.
Stuttgarter Lebensverſicherungs=
bank
a. G. (Alte Stuttgarter). Nach dem Rechen=
ſchaftsbericht
, der dem Aufſichtsrate der Bank in ſeiner
Sitzung vom 15. Mai d. J. vorlag, wurden im abgelau=
fenen
Jahre 1911, dem 57. Geſchäftsjahre, 16058 neue An=
träge
eingereicht über 108 457950 Mark Kapital gegen
12393 Anträge über 93 478 475 Mark im Vorjahr. Zur
Annahme gelangten in der Todesfallverſicherung 13 368
(i. Vorj. 10 453) Verſicherungen mit 87831 265 Mark (im
Vorjahre 77901 405 Mk.) Kapital. Nach Abzug der fällig
gewordenen und vorzeitig aufgegebenen Verſicherungen

für Jagdpacht 3 Pfennige, verbleiben 2 Pfennige, die
an die Steuerkaſſe Neuß zu zahlen ſind. Bisher hat der
Steuerpflichtige dieſe Schuld prompt in Jahresraten aus
der Welt geſchafft. Nunmehr beabſichtigt er jedoch, die
Steuer mit 1 Mark für 50 Jahre im voraus zu zahlen.
Von dem Entgegenkommen der Steuerkaſſe Neuß er=
wartet
er dagegen, daß dieſe ihm das für den gleichen
Zeitraum erſparte Porto mit 5 Mark ver=
gütet
!
* Darf in den geheimen Sitzungen des Magiſtrats
geraucht werden? Dieſe Frage beſchäftigt gegenwärtig
die Bürgerſchaft und die ſtädtiſchen Behörden von Bam=
berg
aufs lebhafteſte. Die Sozialdemokraten ſind gegen,
die bürgerlichen Parteien wie der Magiſtrat für das Rau=
chen
. Jetzt gibts nun eine Flucht in die Oeffentlichkeit
indem der Magiſtrats=Rat Karl Zimmer folgende öffent=
liche
Erklärung erläßt: Um irrigen Kombinationen im
pt. Publikum bezüglich meines Fernbleibens von den
Magiſtratsſitzungen vorzubeugen, erkläre ich hiermit, daß
ich den Sitzungen erſt dann wieder beiwohnen werde,
ſobald das klubmäßige Rauchen während der ge=
heimen
Sitzungen, wogegen ein meinerſeits aus Ge=
ſundheitsrückſichten
bereits geſtellter Antrag leider er=
folglos
blieb, durch die Herren Vorſitzenden unterſagt
wird. Wer wird ſiegen, die Raucher oder die Nicht=
raucher
?
* Steinflieſen aus dem Goethe=Haus zu verkaufen!
Aus Weimar erzählt man der B. Z.: Vor Jahren hatte
ein Maurermeiſter im Goethe=Haus Reparaturen ausge=
führt
und dabei auch den Fußbodenbelag, der aus Stein=
flieſen
beſtand, erneuert. In einer ungewiſſen Ahnung
daß auch alte Steine einmal Wert bekommen können, ver=
erbte
er die Platten ſeinem Sohne, und dieſer ſucht jetzt
einen Käufer für die Steinflieſen, auf denen einſt Goethes
Fuß wandelte‟ Der Kaufpreis ſoll nur zehntauſend
Mark ſein.

ßen, die die winzigen Sänger in kleinen Bambuskäfigen
mit ſich führen und zum Kaufe anbieten. Jeder dieſer
Händler verdient durchſchnittlich etwa 34 Mk. pro Tag
Die ſingenden Inſekten koſten zwar pro Stück nicht mehr
als 10 bis 30 Pfg., aber da die Sterblichkeit ſehr groß iſt,
ſo muß der Japaner, der auf eine ſolche Zimmermuſik
nicht verzichten will, ſehr häufig dieſe kleine Summe an=
legen
. Der große Inſektenforſcher J. Henri Fabre,
der auch dieſen muſiziekenden Inſekten eingehende
Studien gewidmet hat, bezeichnet als die geſuch=
teſten
Inſektenarten, die in Japan hauptſächlich
als Sänger dienen, die gemeine Heuſchrecke, die
Wanderheuſchrecke, den Calytotryphus marmora=
tus
, den Homoegrythes japanicus und als den am
teuerſten bezahlten Star dieſer kleinen Gruppe den
Baſa hibari. Die Inſekten werden wie Seidenwürmer
ſaufgezogen und mit der größten Sorgfalt behandelt. Man
ſammelt ſie gewöhnlich im September auf den Feldern
vor der Legezeit und ſchließt ſie in gläſerne Gefäße ein.
Das Weibchen ſtirbt faſt ſofort nach der Gefangennahme.
Die Eier werden unter einer Temperatur von 80 Grad
Celſius gehalten und dann ſchlüpfen im März die Jun=
gen
aus. Auf 100 Eier kommt ein Verluſt von 10 Prozent;
die Hälfte ſind Weibchen, die aber nicht weiter gezüchtet
werden, denn nur die Männchen ſingen. Ein ſolcher In=
ſekten
=Sänger lebt nur vier bis fünf Wochen. Auf die
Grillen erſtrecken die Japaner ihre Muſikliebhaberei nicht;
ſie werden höchſtens von den Kindern gefangen, die ſie
mit kindlicher Grauſamkeit martern und töten.
* Ein luſtiges Steuerkurioſum. Das Kapitel Der
Steuerzettel über Pfennigbeträge erfährt eine wertvolle
Bereicherung durch nachfolgenden Beſteuerungsmodus
Schon ſeit Jahren wird einem Einwohner der Stadt
Düſſeldorf von der Steuerkaſſe der Nachbargemeinde
Neuß regelmäßig in einem mit einer Zehnpfennig=
marke
beklebten Umſchlag folgende Rechnung zugeſtellt
Für Grundſteuer 5 Pfennige, davon ab als Gutſchrift

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 7. Inni 1912.

Nummer 132.

verbleibt in der Todesfallverſicherung ein Reinzuwachs
von 9735 (i. V. 6923) Verſicherungsſcheinen mit 62 859 707
Mark (i. V. 54 724756 Mark). Der Reinzuwachs des
Jahres 1911 iſt der höchſte, den die Bank bisher erzielte.
In den Penſionsfonds der Beamten floſſen 60000 Mk.,
in die Kursausgleichungsreſerve 10702 Mark. Das Bank=
vermögen
ſtieg von 358 423 714 Mark Ende 1910 auf
380 818 902 Mark.

Literariſches.

Die Verfaſſung des Großherzog=
tums
Heſſen. Das 8. Bändchen der Folge Deutſche
Staatsgrundſätze herausgegeben von Karl Binding
(Verlag Wilhelm Engelmann, Leipzig, geb. 3 Mark)
bringt die Verfaſſung des Großherzogtums Heſſen vom
17./12. 1820 mit allen Abänderungen bis zu den Geſetzen
vom 3. Juni 1911, ſowie die Geſetze jeder Regelung der
ſtandesherrlichen Verhältniſſe (1820, 1848, 1858) und in
den Anlagen das Regentſchaftsgeſetz, der Großherzog und
ſein Haus, die Verantwortlichkeit der Miniſter und der
oberſten Staatsbeamten, die Landſtände, der Etat und
ſeine Durchführung uſw Das handliche Bändchen bildet
mit ſeinem reichen Inhalt ein wertvolles Nachſchlagewerk.
Das 17. Heft des 25. Jahrganges der Wiener
Mode enthält einen ungemein intereſſanten Beitrag, der
bei der geſamten Frauenwelt Aufſehen erregen wird. Es
iſt dies ein Schlafrock nach altgriechiſcher Art, der aus
einem geraden Stück Stoff bloß durch Umwickeln um den
Körper hergeſtellt wird. Man kann ſich nichts Einfacheres
und zugleich Anmutigeres denken, als dieſe Wiederbeleb=
ung
einer mehr als zweitauſendjährigen Mode. Das bei=
gegebene
Bild zeigt, daß die moderne Frau in dieſem alt=
griechiſchen
Schlafrock nicht weniger graziös ausſieht als
das reizende Tanagrafigürchen, das offenbar als Modell
gedient hat. Man wird dieſer Wiederbelebung heuer oft
und immer mit Vergnügen begegnen, wozu auch der Vor=
zug
großer Billigkeit nicht wenig beitragen wird.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Leipzig, 6. Juni. Im Hofe des neuen Land=
gerichtsgebäudes
wurde der vom hieſigen Schwurgericht
wegen Raubmordes an dem Zigarrenhändler Beug zum
Tode verurteilte Geſchirrführer Kliemann mittels
Guillotine hingerichtet.
* Wilhelmshaven, 6. Juni. Prinz Heinrich
von Preußen und Staatsſekretär v. Tirpitz beſich=
tigten
heute die Befeſtigungen von Helgoland.
* Konſtantinopel, 6. Juni. Geſtern abend reiſten 700
Italiener mit dem Dampfer Thaſos ab. Morgen
seht ein weiterer Dampfer ab. Bis geſtern abend wur=
zen
2000 Päſſe für 5000 Perſonen verabfolgt.
* Montreal, 6. Juni. Im lyriſchen Theater
in Cobalt iſt ein Brand ausgebrochen, der die
Stadt faſt gänzlich zerſtörte.

H. B. Berlin, 6. Juni. Graf Zeppelin iſt geſtern
hier eingetroffen und im Palaſt=Hotel abgeſtiegen. Im
Laufe des Vormittags hatte der Graf verſchiedene wichtige
onferenzen, die ſich bis mittags ausdehnten, u. a. eine
längere Unterredung mit dem Direktor der Friedrichs=
hafener
Zeppelin=Werke, Colsmann, der ſich auf Wunſch
Zeppelins vom Bodenſee nach Berlin begeben hatte.
Charlottenburg, 6. Juni. In der Trocknungs=
apparate
=Fabrik von Türk u. Ko. explodierte heute
nachmittag ein Keſſel und legte den Verſuchsraum in
Trümmer. Ein Arbeiter wurde ſchwer verletzt.
Spandau, 6. Juni. An der Havelchauſſee wurde
die Leiche eines etwa 25 bis 30 Jahre alten, elegant ge=
kleideten
Mannes aufgefunden. Er hatte ſich durch einen
Schuß in die Schläfe getötet, und hatte zwei Briefe bei
ſich von denen der eine an ſeine Braut, der andere an ſeinen
Vater gerichtet war. Die Adreſſen fehlen jedoch auf beiden
riefen.
H. B. Pößneck, 6. Juni. Der Präſident des
preußiſchen Abgeordnetenhauſes, Frhr.
v Erffa, erlitt auf ſeinem Schloß Wernburg einen
ſchweren Schlaganfall und liegt ſeit Samstag be=
wußtlos
danieder. Schon zu Pfingſten fühlte ſich Frhr.
Erffa nicht ganz wohl. Am vergangenen Samstag
erlitt er einen derart ſchweren Schlaganfall, daß er bis
heute das Bewußtſein nicht zurück erlangte. Wie aus
Schloß Wernburg berichtet wird iſt zwar eine leichte
eſſerung eingetreten, jedoch beſteht wenig Hoffnung auf
Wiedergeneſung des Patienten.
Putlitz, 6. Juni. Das Rittergut Wilmersdorf wurde
heute nacht von einem Schadenfeuer heimgeſucht, wo=
durch
die großen maſſiven Viehſtälle und zwei Scheunen
eingeäſchert wurden. Ueber 100 Rinder und 550 Schafe,
die ſich in den Ställen befanden, ſind in den Flammen um=
gekommen
.
II. B. Peſt, 6. Juni. Die Ruhe iſt in der Stadt nir=
gends
geſtört worden. Die Vorgänge im Parla=
ment
haben keinen Eindruck auf die Bevölkerung aus=
geübt
.
H. B. Stockholm, 6. Juni. Heute früh 6 Uhr ſtieß
außerhalb des Hafens von Sundsvall am Bottniſchen
Meerbuſen der Paſſagierdampfer Inger=
mannland
mit dem Schleppdampfer Styr=
björn
zuſammen. Der Schleppdampfer wurde
ſchwer am Heck getroffen. Nach dem erſten Zuſammen=
ſtoß
erfolgte bald darauf ein zweiter, wodurch der Styr=
björn
noch ein Leck mittſchiffs erhielt und ſofort zum
Sinken gebracht wurde. Von einem in der Nähe be=
findlichen
Schiff wurde raſch ein Boot ausgeſetzt, dem
es auch gelang, den Kapitän, den Heizer und einen
Matroſen des Schleppdampfers aus dem Waſſer zu
retten. Die übrigen 8 Mann der Beſatzung ertran=
ken
. Der Paſſagierdampfer hatte nur geringe Beſchä=
digungen
am Vorderſchiff erlitten und ſetzte ſeine
Reiſe fort.
H.B. Madrid, 6. Juni. Der Ausſtand im ganzen
aſturiſchen Becken hat begonnen. 20000 Mann
treiken. Geſtern kam es zu Unruhen zwiſchen Arbeitswil=
ligen
und Ausſtändigen, wobei ein Mann getötet und meh=
rere
verletzt wurden. Mehrere Regimenter ſind im Aus=
ſtandsgebiete
eingetroffen, um die Ordnung aufrecht zu
erhalten.
H. B. Athen, 6. Juni. Die kretiſchen Delegier=
ten
ſind, von der Erfolgloſigkeit ihrer Miſſion überzeugt,
nach Kreta zurückgekehrt.

Auf kaum über 1 Pfennig ſtellt ſich eine Taſſe

33.1890
(9617
Dieſe vorzügliche und durch ihre Ausgiebigkeit im Ge
brauch ſo billige Teemiſchung vorzugsweiſe britiſch=
indiſcher
Teeſorten iſt zum täglichen Genuß ganz
beſonders geeignet. Das 125 Gr.=Paket 90 Pfg.
½ Ko.=Paket Mk. 3.50). Moriz Landau, Fernſpr. 110.

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auch Sonntags von 912 Uhr. (6584a
as Flugweſen hat ſich in Deutſchland weniger raſch
entwickelt als in anderen Ländern, weil man, es
zuerſt als eine rein ſportliche Erſcheinung anſah. Nachdem
aber der Wert der neuen Erfindung mehr und mehr er=
kannt
wurde, und die Preſſe für eine Flugſpende auf=
forderte
, war jeder Deutſche bereit, ſich an dieſer
Nationalen Tat zu beteiligen, um dem deutſchen
Flugweſen im Wettſtreite der Nationen einen würdigen
Platz zu ſichern. Auch die Staatsbehörde hat Lotterien
genehmigt, deren Reinerträgnis für das Flugweſen be=
ſtimmt
iſt. Auf dieſe Weiſe kann jedermann das Gute
mit dem Nützlichen verbinden. Am 26. und 27. Juni
findet in Frankfurt am Main die Ziehung der großen
Lotterie zu Gunſten des Frankfurter Vereins für Luft=
ſchiffahrt
ſtatt. Es gelangen hierbei 4492 Gewinne im
Geſamtwerte von 100000 Mark mit Hauptgewinnen von
50000, 10000, 5000 uſw. zur Verloſung. Loſe hierzu
à 3 Mark ſind überall zu beziehen, wo nicht, ver=
ſenden
dieſelben die General=Debits: Ferdinand Schäfer,
Bankgeſchäft in Düſſeldorf, und Louis Hederich, Frank=
furt
am Main.

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G. m. b. H.

(12044a

Familiennachrichten.

Todes-Anzeige.
(Statt jeder besonderen Anzeige.)
Gestern verschied sanft nach
langem Leiden mein teurer Gatte.
(12557
unser geliebter Vater

Herr

Ernst Berger
Kaiserlicher Postdirektor a. D., Ritter
des roten Adlerordens IV. Cl. und des
Kronenordens III. CI.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Emma Berger.
Darmstadt, 6. Juni 1912.
Beerdigung findet vom städtischen Friedhof
aus statt, Samstag nachmittag ½4 Uhr.
Trauerbesuche dankend verbeten.

Todes=Anzeige.
Geſtern abend 6 Uhr entſchlief nach kurzem
aber ſchwerem Leiden infolge eines Schlagan=
falles
im Alter von 70 Jahren mein geliebter,
treubeſorgter Gatte
(12534
Herr
Richard Bierbaum
Bankbeamter i. P.
Darmſtadt, 6. Juni 1912.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Frau Luise Bierbaum,
geb. Schmitz.
Die Beerdigung findet ſtatt: Samstag, den
8. Juni, nachmittags 3 Uhr, vom Friedhof
aus.

ſagen wir herzlichen Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.

Gettesdienſt bei der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 7. Juni:
Jugendgottesdienſt und Predigt 6 Uhr 30 Min=
Vorabendgottesdienſt 7 Uhr 30 Min.
Samstag, den 8. Juni:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Sabatt=
ausgang
9 Uhr 30 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religions=
geſellſchaft
.
Samstag, den 8. Juni:
Vorabend 7 Uhr 40 Min. Morgens 7 Uhr 30 Min.
Nachmittags 5 Uhr. Sabattausgang 9 Uhr 35 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 9. Juni an:
Morgens 6 Uhr. Nachmittags 7 Uhr 15 Min.
NB. Samstag, den 15., und Sonntag, den 16. Juni:
Rausch Chaudesch Tammus.

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Von Nordoſten her dringt ein ſtarkes Hochdruckgebiet
vor, unter deſſen Einfluß in Oſt= und Mitteleuropa die
Bewölkung abgenommen hat. Ueber England liegt eine
ſtarke Zyklone. Bei mäßigen ſüdweſtlichen Winden lie=
gen
die Morgentemperaturen in Deutſchland bei 16 Gr. C.
Niederſchläge ſind nur noch vereinzelt gefallen. Auch mor=
gen
haben wir im Bereich des hohen Drucks ziemlich hei=
teres
trockenes Wetter zu erwarten.
Vorausſichtliche Witterung in Heſſen am Frei=
tag
, 7. Juni: Meiſt heiter, trocken warm.

Tageskalender.

Lichtbilder=Vortrag von Stadtbaurat Buxbaum
um 8½ Uhr im Saalbau.
Volkstümliche chriſtl. Vorträge um 8½ Uhr im
Rhein. Miſſionszelt an der Lindenhofſtraße. Bibel=
ſtunde
um 4 Uhr daſelbſt.
Konzerte: Vereinigte Geſellſchaft um 7½ Uhr. Hotel
Heß um 8 Uhr. Bürgerkeller um 8 Uhr. Perkeo
um 8 Uhr. Hugenſchütz’ Felſenkeller um 8 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23): Ver=
treter
der europäiſchen Mächte bei der Beiſetzung =
nig
Friedrichs VIII. von Dänemark; Porträts vom
Tage; der Dampfer Imperator nach dem Stapellauf;
Barrikadenbau bei den Straßenkämpfen in Budapeſt.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriyte werden nicht
zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

Nummer 132.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 7. Juni 1912.

Seite 7

i

12411mfs)

ie am 2. Juni
finden
verregneten Großer Rau- und Moler=Kennen nunmehr
am Sonntag, den 9. Juni cr., 3½ Uhr nachmittags,
bei gleicher Besetzung auf der Radrennbahn ſtatt.
1
Bereits gelöſte Eintrittskarten haben Giltigkeit.
Velociped-Club Darmstadt.

sind unübertreffen.
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Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 7. Juni 1912.

Nummer 132.

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Nummer 132.

Darmſtädter Tagolatt, Freitag, den 7. Juni 1912.

Seite 9.

Bekanntmachung.

Die nachſtehende Polizeiverordnung bringen wir erneut zur
allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 4. Juni 1912.
(12524fs
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
Polizeiverordnung,
betreffend die Regelung des Fuhrwerksverkehrs in der Schwanen=
ſtraße
, zwiſchen der Schloßgarten= und der Gardiſtenſtraße.
Auf Grund des Artikel 56 der Städteordnung wird nach An=
hören
der Stadtverordnetenverſammlung mit Genehmigung des Großh.
Miniſteriums des Innern vom 28. Mai 1910 zu Nr. M. d. J. 8525
verordnet, was folgt:
§ 1. Die Schwanenſtraße zwiſchen der Schloßgarten= und der
Gardiſtenſtraße wird für den durchgehenden Verkehr von Fuhrwerken,
Automobilen und Motorfahrrädern in der Richtung von der Gar=
diſten
= nach der Schloßgartenſtraße geſperrt.
Die genannte Straßenſtrecke darf nur von der Schloßgarten=
ſtraße
aus befahren werden. Fuhrwerke haben im Schritt zu fahren.
§ 2. Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Beſtimmung wer=
den
auf Grund des §. 366 Ziffer 10 des R.=St.=G.=B. mit Geldſtrafe
bis zu 60 Mk. oder mit Haft bis zu 14 Tagen beſtraft.
§ 3. Dieſe Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Ver=
kündigung
im Darmſtädter Tagblatt in Kraft.
Darmſtadt, den 6. Juni 1910.
Großherzogliches Polizeiamt.

Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß die Ein=
teilung
der Kehrbezirke der Kaminfeger vom 1. Juli 1912 bis 1. Juli
1913, wie folgt, feſtgeſetzt worden iſt:
I. Bezirk Hofkaminfegermeiſter Schieferdecker,
II.
Kaminfeger Wolter,
III.
Hofkaminfegermeiſter Endner,
IV.
Kaminfegermeiſter Ranft,
V. Kaminfegermeiſter Wolf.
Darmſtadt, den 4. Juni 1912.
(12525
Großherzogliches Polizeiamr.
Gennes.

Autzungen der Ortsbürger der früheren Gemeinde
Beſſungen.

Der Erlös für Streulaub wird an die empfangsberechtigten
Ortsbürger der früheren Gemeinde Beſſungen
Freitag, den 7. Juni, nachmittags von 35½ Uhr,
in dem Schulhauſe an der Ludwigshöhſtraße ausgezahlt.
Die Auszahlung findet nur an die Bezugsberechtigten ſelbſt ſtatt.
Die in dieſem Termin nicht erhobenen Beträge werden gegen
Abzug von 10 Pfg. Bringerlohn den Empfangsberechtigten demnächſt
zugeſtellt.
Darmſtadt, den 4. Juni 1912.
(12474df
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Jaeger.

Johann Heinrich Fuhr=Stiſtung.

Am 24. Oktober d. Js. wird die Verteilung der diesjährigen
Unterſtützungen an Handwerksmeiſter ſtattfinden, die unverſchuldet
in ihren Verhältniſſen zurückgekommen ſind. Bezugsberechtigt ſind
ſowohl hieſige Ortsbürger, wie auch ſolche Perſonen, die hier den
Unterſtützungswohnſitz erworben haben.
Es ſind vier Unterſtützungen mit je 400 Mark zu vergeben.
Formulare für die Bewerbungen werden im Stadthaus, Rhein=
ſtraße
18, Zimmer 21, an Wochentagen vormittags von 1012 Uhr,
an Intereſſenten ausgegeben. Die Formulare ſind auszufüllen und
bis längſtens Mittwoch, den 10. Juli d. Js., vormittags 12 Uhr,
einzureichen. Genaueſte und wahrheitsgetreue Beantwortung der
geſtellten Fragen liegt im Intereſſe des Bewerbers. Eingaben, die
nicht auf das bezeichnete Formular geſchrieben ſind oder nach dem
genannten Zeitpunkt einlaufen, können nicht berückſichtigt werden.
Eine perſönliche Vorſtellung der Bewerber findet nur auf vor=
gängige
Aufforderung ſtatt.
* Darmſtadt, den 1. Juni 1912.
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Mueller.
(12535a

Fürſorgeſtelle für
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Darmſtadt, den 5. Juni 1912.
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mannſtraße
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ſteigert
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Darmſtadt, 21. Mai 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
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Freitag, den 14. Juni I. Js.,
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Flur Nr. qm
IV 305¾/10 702 Hofreite Lich=
tenbergſtraße

Nr. 73,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K15/12
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, kann Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er=
reicht
.
Darmſtadt, 21. Mai 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V11772.

Bekanntmachung.
(Stadtwald.)

Zur alsbaldigen Abfuhr des
ſämtlichen noch im Stadtwald
ſitzenden Verſteigerungsholzes for=
dert
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Darmſtadt.
Darmſtadt, den 6. Juni 1912.

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Kunſt und Well.
Roman von O. Elſter.
(Nachdruck verbo.en.)
12)

Als Wendeborn geendet hatte, ſaß Elfriede ſtumm da,
den ſinnenden Blick auf das leuchtende, funkelnde Meer ge=
richtet
, das im hellen Sonnenglanz, leicht bewegt von einer
friſchen Briſe dalag. Ueber ihr rauſchte der Wald, zu
ihren Füßen grollte die Brandung des Meeres an den
weitſchimmernden Kreidefelſen und draußen leuchtete das
Meer, erſt hell erſchimmernd im goldigen Glanz, dann von
einem zarten Lichtgrün in ein ſatteres Blaugrün über=
gehend
, bis es am Horizont tiefblau funkelte. Noch nie
war ihr die eigenartige Schönheit des Meeres ſo in das
Auge gefallen, wie heute unter dem Eindruck der Worte
des Dichters, mit denen Klytia von der Sonne und dem
Leben Abſchied nahm:
Dir, meine Sonne, gehörte mein Leben!
Dir, meine Sonne, gehörte mein Sein!
Dir meine Gedanken, dir mein Streben!
Dir meine Wonne, dir meine Pein!
Biſt nun verſunken, haſt mich verlaſſen,
Stiegeſt hinab in die leuchtende Flut .
Ihr auch vertrau ich mein Lieben, mein Haſſen,
In ihr vergehe mein Leben, mein Blut.
Nimm du mich auf, du Mutter des Schönen,
Schön doch nur durch den ſonnigen Strahl.
Kann an die Schatten mich nimmer gewöhnen,
Die jetzt erfüllen Ebne und Tal saze

Eie Senten rete ter r Zetr,
dann ſagte er lächelnd: Willſt Du mir nicht einige Kom=
plimente
ſagen, Elfriede?
Die bringe ich nicht über die Lippen, nachdem ich Dein
Werk kennen gelernt habe. Es hat mich tief bewegt, ja
erſchüttert, und ich glaube auch den eigentlichen Sinn
Deiner Dichtung gefunden zu haben.
Da bin ich begierig, zu hören, was Du herausgefunden
haſt!
Die Sonne iſt das Sinnbild des ewigen Schönen, des
Edlen und Guten in der Welt, Apollo, der Sonnengott,
der Vertreter des idealen Gedankens, des Idealen an ſich
und Klytia iſt die Seele des Menſchen, die ſich ſehnt
und dürſtet nach dem Ideal des Schönen, des Edlen und
Guten, das doch unerreichbar über ihr ſchwebt, wie die
Sonne am Firmament. Die Sonne verſinkt immer
tiefer werden die Schatten der rauhen Wirklichkeit, welche
ſich um die derſtende, ſehnende Seele des Menſchen legen,
bis der tiefſte Schatten, der Tod, ſie befreit und ſie in das
Reich des ewig Schönen und Guten hier das ſonnen=
durchglühte
Meer zurückgekehrt. Habe ich den Sinn
Deiner Dichtung richtig ergriffen?
Er erhob ſich und küßte ſie auf die Stirn.
Nimm das Buch, mein liebes Kind, ſagte er mit be=
wegter
Stimme. Niemanden gebe ich es lieber als Dir.
Sie dankte ihm tiefgerührt.
Du biſt ſelbſt eine Braut des Sonnengottes, fuhr er
fort. Eine Klytig, deren Pſyche ſich in ewiger Sehnſucht

nach der Sonne der Schönheit verzehrt. Möge ſich Apollo
Dir gnädig erweiſen und Deine Seele nicht mit ſeinen
Strahlen verbrennen und vernichten.
An dieſem Tage ſprachen ſie nicht mehr viel. Still
gingen ſie nebeneinander am Strande entlang und beob=
achteten
den Untergang der Sonne, der Himmel und Meer
in rote, feuerige Glut tauchte. Als dann die Schatten der
Nacht ſich allmählich auf das Meer niederſenkten, kehrten
ſie in ihre einfache Wohnung in dem Fiſcherhauſe zurück
und ſaßen noch lange auf der kleinen, weinumrankten Ve=
randa
, ſchweigend dem fernen Brauſen des Meeres
lauſchend.
Am nächſten Tage wanderte Elfriede allein mit
ihrem Skizzenbuche an der Küſte entlang. Doktor
Wendeborn hatte für ſeine Zeitſchrift einige Korrekturen
zu leſen und war aus dieſem Grunde zu Hauſe geblieben.
Elfriede ſtand noch immer unter dem Bann der Dich=
tung
ihres Stiefvaters. Im Traume der Nacht hatten
ſie ſogar die Geſtalten der Dichtung umſchwebt; ſie ſelbſt
ſah ſich als Klytia ſehnſüchtig die Arme nach dem ſtrah=
lenden
Sonnengott ausſtrecken; ſie ſah das Meer dumpf=
brauſend
, in dunklen Wellen gleich der ewigen Finſter=
nis
ſich heranwälzen und fühlte ſich verſinken in die
dunkle ſchwarze Tiefe, während ein letzter Strahl der
ſinkenden Sonne gleich einem goldigen Pfeil durch die
ſchwarze Nacht der Wogen ſchoß. Dann umfing ſie ein
tiefer, traumloſer Schlaf, ein Vergeſſen ihrer ſelbſt.
Sollte dieſe Finſternis, dieſes Vergeſſen ihrer ſelbſt

[ ][  ][ ]

Nummer 132.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 7. Inni 1912.

Seite 11.

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das Ende auch des Traumes, der Sehnſucht ihres Le=
bens
ſein?
Sie erſchauerte in der Tiefe ihres Herzens. Dann
richtete ſie ſich ſtolz empor. Nein, die Nacht ſollte ſie
nicht mit ihrem ſchwarzen Mantel des Vergeſſens be=
decken
. Jenſeits der Nacht leuchtete ein neues Morgen=
rot
, und ihr ſtarker Geiſt, ihr mutiger Wille ſollten ſie
durch die Schatten der Nacht, durch die ſchwarzen Wogen
des Meeres dieſem neuen Morgenrot entgegentragen.
An einer beſonders ſchönen Stelle des Strandes ließ
ſie ſich nieder, holte ihr Skizzenbuch hervor und entwarf
mit ſicherer Hand die Szenerie ein waldiges, felſiges
Vorgebirge, auf deſſen äußerſter Spitze ein Forſthaus
oder ein ländliches Gehöft emporragte, und an deſſen
Fuße die Brandung des Meeres wild emporziſchte.
Sie hörte nicht die Schritte eines Herrn, der jetzt in
geringer Entfernung ſtehen blieb und ſie beobachtete.
Plötzlich ſchreckte ein Ausruf ſie empor.
Elfriede, biſt Du es wirklich? klang es von den Lip=
pen
des Fremden, der raſch auf ſie zutrat.
Eine dunkle Glut ergoß ſich in ihr Antlitz. Sie ſah
in das erregte blaſſe Geſicht Ernſt Norbert, der in einem
eleganten weißen Sommeranzug vor ihr ſtand, einen
weißen weichen Filzhut auf den dunklen Locken.
Er hatte ihr die Hände entgegengeſtreckt; als ſie ſich
jedoch langſam erhob, ohne ihm die Hand zu reichen, trat
er etwas zurück, während ſſein Geſicht ſich verfinſterte.
Verzeihung, wenn ich Sie erſchreckte, Elfriede.
Sie haben mich in der Tat überraſcht, Herr Norbert
auch wohl erſchreckt, entgegnete ſie mit leicht bebender
Stimme.
Ein bitteres Lächeln kräuſelte ſeine Lippen.
Ich bitte nochmals um Verzeihung, mein Fräulein,
ſagte er höflich. Ich werde Sie nicht weiter ſtören

Er lüftete den Hut und wollte ſich entfernen.
Sie ſtören mich nicht. Weshalb wollen Sie gehen?
Elfriede wußte ſelbſt nicht recht, was ſie ſprach. Ihr
Herz krampfte ſich ſchmerzlich zuſammen. War es die
Freude des Wiederſehens? In ihrem Herzen ſchien eine
Stimme zu flüſtern: Ach, wenn ich ihn doch niemals
wiedergeſehen hätte! Kaum daß ihr Herz ſich beruhigt,
kaum daß ihre Seele die innere Harmonie wiedergefun=
den
, kaum daß ſie anfing, über ihr Streben das Perſön=
liche
zu vergeſſen, trat ihr Norbert entgegen, um durch
ſeine Leidenſchaft die Kämpfe ihrer Seele von Neuem
zu entfachen. Das Wort, das ſie ihrem Stiefvater in
ernſter Stunde gegeben, brannte in ihrer Seele, ſie durfte
dieſem Worte nicht untreu werden.
Norbert beobachtete ſie mit finſterem Lächeln. Dann
ſagte er mit leichtem Spott:
In der erſten Freude, Sie wiedergefunden zu haben,
Fräulein Elfriede, ſah ich nicht die Veränderung, die
mit Ihnen vorgegangen iſt. Ich bitte um Verzeihung,
daß, ich mich einer kurzen Täuſchung hingegeben habe.
Warum ſo bitter, Herr Norbert? Was habe ich ge=
tan
, daß Sie mich ſo falſch beurteilen?
Ich beurteile Sie nicht falſch. Sie ſind eine Andere
geworden. Sie Sie haben mich vergeſſen.
Sie ſenkte die Augen.
Er lachte kurz auf und fuhr fort:
Sehen Sie, daß ich Recht habe? Sie können mir
nicht mehr frei ins Auge ſehen.
Da blickte ſie ihn groß und offen an,
Ich kann aller Welt frei ins Auge ſehen, entgegnete
ſie ſtolz.
So ſagen Sie mir das Eine, Elfriede, fuhr er lei=
denſchaftlich
fort, indem er näber trat und ihre Hand er=

griff, ob Sie noch jener Stunde gedenken, in der Sie
ſich der Kunſt und mir verlobten.
Ja, ich gedenke ihrer noch.
Elfriede!
Wie jauchzende Freude klang es von ſeinen Lippen
und er wollte ſie in die Arme ziehen. Aber ſie wehrte
ihn ſanft ab, ſodaß er abermals verletzt zurücktrat.
Ich begreife Sie nicht, Elfriede.
Ich ſagte Ihnen, daß ich jene Stunde nicht vergeſſen
habe und ich ſprach die Wahrheit. Mein Streben iſt
noch immer das gleiche, aber es iſt edler geworden, es
wurde in klare Bahnen gelenkt, und deshalb, Norbert,
um dieſes edlen, klaren, reinen Strebens willen, müſſen
wir ſcheiden.
Ich verſtehe Sie nicht.
Vielleicht verſtehen Sie mich ſpäter, wenn wir uns
auf den freien Höhen der Kunſt wiederfinden.
Sie beabſichtigen noch immer, Bühnenkünſtlerin zu
werden.
Mehr denn je, entgegnete ſie mit ſtolzem Lächeln.
Und deshalb wollen wir ſcheiden?
Ja bis wir uns einſt wiederſehen, wenn wir beide
unſer Ziel erreicht haben.
Ein trüber Zug legte ſich um ſeine Lippen.
Und wenn wir das Ziel, wie Sie es nennen, niemals
erreichen?
Sind Sie mutlos geworden?
Faſt könnte ich es. Mir will nichts gelingen.
Was iſt Ihnen begegnet? Erzählen Sie doch.
Mitleidsvoll blickte ſie ihn an; die finſtere Falte
zwiſchen ſeinen Brauen, der düſtere Blick ſeiner Augen
fielen ihr auf.

(Fortſetzung folgt.)

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Hrisgemerbverein Darmsladfe

Alm Freitag, 7. Juni, abends pünktlich 8½ Uhr,
hält
Herr Stadtbaurat Buxbaum
auf Veranlaſſung des Herrn Oberbürgermeiſters im großen Saal
des Städtiſchen Saalbaues einen
(12512
Lichtbilder=Vortrag
über den
Projektierten neuen Friedhof an der breiten Allee.
Unſere Mitglieder ſind hierzu freundlich eingeladen. Wir
bitten um zahlreichen Beſuch.
Der Vorstand.

Vereinigte Bezirksvereine.
Die Mitglieder der Bezirksvereine werden
hierdurch im Auftrage des Herrn Ober= Bürger=
meiſters
zu dem Beſuch des Vortrags des Herrn
Stadtbaurat Buxbaum
Ueber den neuen Friedhof‟
eingeladen. Der Vortrag findet Freitag, den
7. Juni, abends 8½ Uhr im grossen Saale des
städtischen Saalbaus ſtatt.
(K12533
Der Vorsitzende des Ausschusses
Dr. Kolb.

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altrenommierte Kegelbahn
(neu hergerichtet) (*14116
Grosser schattiger Garten
Schönes Gesellschaftszimmer
neu eröffnet u. empfohlen durch

Aut Mueltlien

(Vereinigte Ortsgruppen Gross-
herzogtum
Hessen und Provinz
:: :: Hessen-Nassau.) :: ::

Sonntag, den 9. Juni 1912, nachmittags 4 Uhr pünktlich
findet im Fürſtenſaal zu Darmſtadt, Grafenſtraße 20, im An=
ſchluß
an die Hauptverſammlung unſerer Ortsgruppen eine öffent=
liche
Verſammlung ſtatt, in der ein Vortrag: Vaterlandsvertei=
digung
und Duell (Ref.: Prof. Kiſſinger) mit anſchließender
freier Ausſprache gehalten werden ſoll.
(12513
Hierzu werden Freunde und Gegner des Duells ergebenſt ein:
geladen. Auch die Anweſenheit von Damen iſt ſehr erwünſcht.
Der Vorstand.

Kirchengeſangverein der Johannesgemeinde.
Sonntag, den 9. Inni
Ausflug nach Lichtenberg.
Abfahrt nach Ober=Ramſtadt 128 Hauptbahnhof oder 1 Oſt=
bahnhof
. Hierzu ſind unſere aktiven und inaktiven Mitglieder nebſt
Familien freundlichſt eingeladen.
(12520
Der Vorstand.

Gahelsherger

Stellereipiten Vereinlaut.
Samstag, den 8. ds., abends 9 Uhr,
im Fürſtenſaal:
Monatsversammiung
mit Preisverteilung u. gemütl. Beiſammenſein,
wozu wir unſere Mitglieder nebſt werten
Angehörigen freundlichſt einladen.
Der Vorstand.
Gäſte haben Zutritt, ſind jedoch dem
1. Vorſitzenden vorzuſtellen.
(*14126

Saanttt

e Hugenschütz Felsenkeller, e
Tel. 1445.
Inhaber Hans Tod.
Tel. 1445.

verband Junger Brogisten Deutschlands F. v.
(Sitz Berlin).
An die Jungdrogisten Darmstadts.
Alle Kollegen, die es mit ihrem Stande und
ſeinen Beſtrebungen ernſt meinen, werden hiermit
eingeladen, dem
34. Gautage
del Vereigung jung. Brogisten

im Rhein=Main=Gau

am Sonntag, den 9. Inni, nachm. 3½ Uhr,
im Hotel Sitte, Karlſtraße
zwecks Neugründung eines Verein junger
Drogiſten Darmſtadt

Paul Buss.

Eute Speiſekartoffeln ſo lange
Vorr. reicht, dicke Schälkartoff.
10 Pfd. 60 Pf., Salatkartoff. 10 Pfd.
52 Pf. u. 10 Pfd. 48 Pf. b. M. Stilling
Witwe, Hochſtr.
(*14117fs

Guterhaltener Sportwagen
billig zu verkaufen (*13883ms
Neue Ireneſtraße 63, 1. Stock r.

Haby=Hut
auf Hauptbahnhof vertauſcht,
bez. F. A., reſeda Futter. Bitte
Nachricht an Felix Ahlers,
Bocholt i. W. Koſt. werden
(11853
vergitet.

Verloren
auf dem Weg nach Griesheim bis
Baſſin od. in Griesheim am Sonn=
tag
1 kl. ſchwarz. Emaille=Herz
mit Goldrand. Bitte abzugeben
*14073) Kaſinoſtr. 18, 1. St.
ein filbernes
Verloren Kettenarmb.
mit Anhänger zwiſchen Anfang
Neckarſtr. u. Mauerſtr. Abzugeben
*14111) Mauerſtr. 13, 1. St.

Freitag, den 7. Juni, abends 8 Uhr:
Grosses Mltar Ronzerr
vollzählige Kapelle des Grossh. Hess. Art.-Regt. Nr. 61
Leitung: Herr Musikmeister M. WEBER.
Aus dem Programm:
Triumphmarſch a. d. Op. Arda (Original Alda=Trompeten).
Hurrahl Der Kaiſer kommt Marſch (Original=Kaiſerhupe). Ouvertüren
. Leichte Cavallerie und Dichter und Bauer. Ferner: Drei
Stimmungsbilder zur Seg, Näher zu dir Herr Choral ( Unter=
gang
der Titanic). Zwei Flottenlieder, geſpielt bei der Denkmals=
enthüllung
für den verunglückten Kapitänleutnant Fiſcher, u. a. m.
Eintritt mit Programm 10 Pfg. (*14122
Ba9zABgf
4.
Schur- Spezlaibier
dunkel, Ersatz für Münchener
hell, Ersatz für Pilsener. (*14131

beizuwohnen.
(12530fs
Vereinigung Junger Drogisten im Rhein-Hain-Gau
Frankfurt a. M., Mainz. Offenbach a. M., Wiesbaden.
Hessischer Hof.
Morgen Samstag, den 8. Juni, abends 8 Uhr:
Internationaler Konzert-Abend.
I. Teil: Italienisch. II. Teil: Französisch.
III. Teil: Deutsche Meister.
Kapelle des Großh. Hess. Art.-Regts. Nr. 61
(Leitung: Herr Musikmeister M. Weber). (12532
Eintritt einschliesslich Programm 20 Pfg.
Ludwigshöhe.
Jeden Mittwoch u. Samstag
Kur-Konzer t.
Eintritt 25 Pfg. 10 Abonnementskarten zu
Mk. 1.50 ſind zu haben im Verkehrsbureau und an der Kaſſe. (B7897

Schiffsbericht.
Hamburg=Amerika=Linie.
Mitgeteilt von dem Vertreter Hrn.
Adolf Rady. Darmſtadt,
Zimmerſtraße 1.
Dampfer Cincinnati von New=
York kommend, 4. Juni 2 Uhr
30 Minuten nachmittags Dover
paſſiert.
Dampfer Hamburg 4. Juni
11 Uhr morgens von Genugüber
Neapel nach New=York.
Dampfer Pennſylvania von
New=York kommend, 5. Juni
4 Uhr 45 Minuten morgens auf
der Elbe.
Dampfer Prinz Adalbert‟, 4. Juni
5 Uhr nachmittags in Phila=
delphia
.
Dampfer Willehad, nach Kanada,
4. Junt 1 Uhr 15 Minuten mor=
gens
von Rotterdam.
Woog, am 6. Juni 1912.
Waſſerhöhe am= Pegel 3,75 m.
Luſtwärme 192 C.
Waſſerwärme vorm. 7 Uhr 18%C.
Woog=Polizei=Wache.

Flaschenbier (Brauereifüllung).

Restaurant Rummelbräu

61 Allee 61 nächst dem Hauptbahnhof.
Täglich frische Kuchen u. Torten
aus eigener Konditorei.
Kaffee Tee: Kakao: Chocolade.
Angenehm gemütlicher Aufenthalt in dem schattigen Wirt-
schaftsgarten
, sowie in der gedeckten Gartenterrasse.
Um geneigten Zuspruch bittet
Emil Ekeu

neuer Pächter :: Telephon 2519.
12542)

[ ][  ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 7. Juni 1912.

Nummer 132.

Sport.

* Pferderennen. Rennen zu Karlshorſt.
Dahlia=Hürden=Rennen; 2800 Mark, Diſtanz 3000 Meter:
1. Herrn G. Nettes Südpol (E. Weber), 2. Lord Mayor
(Seliſch), 3. Rangsdorf (Streit). Tot. 96410. Pots=
damer
Jagd=Rennen: Ehrenpreis und 3000 Mark, Diſtanz
5200 Meter: 1. Lt. Prinz Wredes Emſig I (Lt. F. von
Zobeltitz), 2. Procles (Beſ.). Tot. 13:10. Germania:
18 000 Mark, Diſtanz 5500 Meter: 1. Herrn W. Dodels
Erberich (H. Brown), 2. Werra (Weishaupt), 3. Turan=
dot
(V. Roſak). Tot. 20110. Charlottenburger Er=
innerungs
=Rennen; Ehrenpreis und 5000 Mark, Diſtanz
4000 Meter: 1. Herrn W. S. Moenchs Procles (Herr
Jahrmarkt), 2. Saint Mihiel (Herr v. Weſternhagen),
8. Edda (Lt. Frhr. v. Dörnberg). Tot. 16:10. Gold=
lack
=Jagd=Rennen; 3000 Mark, Diſtanz 3200 Meter:
1. Hrn. E. v. Buddenbrocks Aſſalaide (Schiemann), 2. Her=
mes
I (Naſh) 3. Avanti (V. Roſak). Tot. 77110. Bras
de fer=Jagd=Rennen; 3000 Mark, Diſtanz 3200 Meter:
1. Lt. v. Pagenhardts Polyerates (Beſ=, 2. Landesvater
(Lt. v. Lütcken), 3. Strentenſe (Lt. Graf Strachwitz).
Tot. 166110. Zufluchts=Rennen; 3300 Mark, Diſtanz
1400 Meter: 1. Herrn O. F. Grobiens Teſta (Torke),
2. Priotina (Gagelmann), 2. Bode (H. Teichmann).
Tot. 64:10.
Das Engliſche Derby gelangte am Mittwoch
in Epſom im Beiſein des engliſchen Königspaares zur
Entſcheidung. 20 Pferde bewarben ſich um das blaue
Band Englands. Die Favoritenſtellung nahm Swee=
per
II ein, der jedoch im Rennen nie eine Rolle ſpielte.
Das Rennen nahm einen überaus einfachen Verlauf.
Tagalie, eine von Cyllene ſtammende Schimmelſtute, lag
durchweg in Front, ließ ſich nichts nahe kommen und ge=
wann
überlegen mit 4 Längen gegen Mr. L. Neumanns
Fäger (W. Griggs), dem zwei Längen zurück Mr. A.
Belmonts Tracery (Bellhouſe) als Dritter folgte. Als
Vierter endete Pintadeau (H. Jones) des Königs Georg
von England. Wetten: 10018, 8:1, 66:1. Tagalie iſt erſt
die fünfte Stute, die das ſeit dem Jahre 1780 zur Ent=
ſcheidung
gelangende engliſche Derby zu gewinnen ver=
mochte
. Vor ihr triumphierten 1801 Eleanor, 1857 Blink
Bonny, 1882 Shotover und endlich 1908 die kraſſe Außen=
ſeiterin
Signorinetta.
* Radrennen. Bei der Radfernfahrt durch
Italien ſiegte in der letzten Etappe, die in Mailand
ihr Ende erreichte, Borgarello, der die 240 Kilometer be=

tragende Strecke in 8 Stunden 3 Mimten zurücklegte.
Nur eine halbe Länge zurück endete Micheletto als Zwei=
ter
vor Galetti und Agoſtini. Da für die Konkurrenz die
von jeder Fahrradfabrik gemeldete Mannſchaft gemein=
ſam
gewertet wurde ſiegte im Geſamtklaſſement Atala=
Italien mit 31 Punkten vor Peugeot=Frankreich mit 25,
Gerbi=Italien und dem deutſchen Hauſe Bielefelder Ma=
ſchinen
= und Fahrrad=Werke, vorm. Aug. Göricke.
* Die Norddeutſche Automobil=Tourenfahrt fand mit
der letzten Etappe. Schwerin=Hamburg, ihren Abſchluß.
Von 33 bis zum Schluſſe in Konkurrenz geweſenen Wagen
erreichten ohne jeden Strafpunkt ſieben das Ziel. Erſte
Preiſe erhielten: Präſident=Hamburg auf Opel, Direk=
tor
Siercke=Hannoper auf Opel, Kommerzienrat Weſten=
darp
=Hamburg auf Opel, Holtz=Roſtock auf Opel,
Heine=Hannover auf Adler, Roſe=Magdeburg auf Benz
und Konſul Podeus=Wismar auf Podeus.

Vermiſchtes.

Bolognas gelehrte Frauen. Die alte italieniſche
Univerſitätsſtadt Bologna, die die älteſte Univerſität Eu=
ropas
beſitzt, darf auch den Ruhm für ſich in Anſpruch
nehmen, eine Frau zum erſten Male mit dem Doktortitel
beehrt zu haben. Dieſer erſte weibliche Doktor hieß Be=
tiſia
Gözzadini und war 1209 geboren. Betiſia war
Rechtsgelehrte die Rechtsgelehrtheit ſtand in Bologna
in ſo hohem Anſehen, daß z. B. Kaiſer Barbaroſſa ſeine
Anſprüche auf Italien vom Rechtsſpruch der berühmteſten
vier Rechtsgelehrten von Bologna abhängig machte
und hinterließ bei ihrem Tode einige Schriften über ihre
Wiſſenſchaft. Auch ſonſt gab es bis in die neue Zeit
hinein in Bologna gelehrte Frauen. Da lebten, wie
Dr. Frida Ichak in einer Abhandlung Gelehrte Frauen
in Nr. 32 der illuſtrierten Familienzeitſchrift Ueber Land
und Meer (Stuttgart, Deutſche Verlags=Anſtalt) be=
richtet
, im vierzehnten Jahrhundert die Schweſtern No=
vella
und Bettina d’Andrea Calderini, die ſo gelehrt
waren, daß die eine von ihnen anſtelle ihres Vaters Vor=
leſungen
hielt. Von ihr wird erzählt, ſie ſei ſo ſchön ge=
weſen
, daß ſie ihre Vorleſungen hinter einem dichten
Schleier hielt, damit die Studenten nicht durch den An=
blick
ihrer Schönheit von der Wiſſenſchaft abgelenkt wür=
den
. Eine andere berühmte Pandekten=Exegetin war
Aceurſia, die Tochter des Profeſſors Accurſius, die eben=
falls
als Stellvertreter ihres Vaters öffentliche Vorleſ=
ungen
gehalten hat. Beſonders reich an gelehrten Frauen
war Bologna im achtzehnten Jahrhundert. Die Reihe
beginnt mit Laura Baſſi Veratti, die ſo gründliche Kennt=
niſſe
der Jurisprudenz und Philoſophie erlangte, daß
die philoſophiſche Fakultät der Bologneſer Univerſität
ſie zum Doktor promovierte. Ihre öffentliche Promo=
tion
im Mai 1735, die mit viel Pomp ſtattfand, wurde
zum wahren Feſte für Bolognas Frauen. Laura Baſſi
genoß außerdem auch den Ruhm ſeltener weiblicher An=
mut
und Herzensgüte; ſie war zudem verheiratet und
hatte 12 Kinder, die ſie beſtens erzog. Als ſie ſtarb,
wurde ſie von allen Frauen Italiens betrauert und in
der Kirche Del Corpus Domini beigeſetzt, ihr daſelbſt
auch ein Denkmal errichtet. Laura Baſin ſand in ihrer
Heimat mehrere Nachfolgerinnen. Faſt um dieſelbe Zeit
bekleidete in Bologna eine Frau (Anna Moranda Man=
zolini
) eine Profeſſur für Anatomie; eine andere (Maria

ehetete ir meiſt
inne. Uebrigens begegneten in der Gelehrtenwelt Euro=
pas
die gelehrten Frauen Bolognas ſehr geteilten Sym=
pathien
und beſonders in Deutſchland bezeichnete man
z. B. die Promotion Laura Baſſis als zu weitgehend.

Gewinnanszug
der
226. Königlich Preußiſchen Flaſſenlotterie.
5. Klaſſe. 21. Ziehungstag. 5. Juni 1912.

(achdrut verdoten)
(öhme Gewſhr. 6l. St.el. f. 30)

In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 10 000 Mk. 61336
82 Gewinne zu 3000 Mk. 3719 19132 27129 32598
40839 47450 50860 56898 59340 61699 62370 77310
77672 81040 89473 95652 98589 105077 109088
123219 126940 134104 142050 144362 145828 149878
156708 162661 164411 165362 170401.
102 Gewinne zu 1000 Mk. 761 2949 3949 4775
9779 11948 27714 34192 43180 44704 47472 54885
65b36 55678 61170 75305 60330 65651 66014 6bags
88453 89320 90335 94498 96536 106699 107679 117267
126110 128428 138630 139561 141394 1144852 148115
148852 151043 151056 151610 159761 159978 160545
171733 173304 178895 181066 181678 182126 162261
186774 187446
188 Gewinne zu 600 Mk. 1963 3075 4686 5073
6413 5447 5793 7174 9704 11989 13158 14661. 16428
25296 30387 33460 33570 33743 35225 36360 37417
39382 40061 40306 41905 43235 45979 60410 50721.
51590 56527 58035 58689 59643 60900 62948 63445 68183
69367 71529 71680 7a956 77023 79322 50497 60649
84895 85193 85892 94366 94425 95767 98792 102912
103467 110278 113561. 116919 120761 124332 12625a
127019 130322 132149 1133256 133895 134475 137136
139674 141898 142576 147343 148319 148949 149285
154099 155493 166002 161188 161354 161390 165192
165464 168691 170425 172226 173611 176278 1703as
177049 180757 185094 188892 169467
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
2 Prämien zu 300 000 Mk. 100378 und 3000 Mk.
4 Gewinne zu 5000 Mk. 83051 105dga
40 Gewinne zu 3000 Mk. 23242 23629 32463 36836
37104 39572 42832 46293 53302 79806 83124 110351.
125713 149588 158033 174992 175215 180339 189105
70 Gewinne zu 1000 Mk. 10865 11777 17534 28974
33181 52610 55413 58133 66239 66354 80498 87197
98912 103782 117580 119800 121257 122023 125154
127326 131431. 131500 132575 z 133447 141465 1597ea
155990 158371 161210 177897§ 177985 178613 180837
191698 183292
122 Gewinne zu 500 Mk.§ 9692 11782 § 18897 K.21199
23106 29027 30016 33299 35061 39061§ 41274842220
46767 48572 49767 49882 50310 66558 71093 854as
87314 92269 92744 93084 94559 96098 108622 109768
119351 124339 134467 135797 136623 138019 138366
140149 140269 143039 144466 145617 147625 16262n
155637 156892 158120 158628 162027 16433d 164601
170161 170494 173442 174248 175415 177834 177868
178618 181672 182243 188075 189427

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