Inſerafe
Abonnementspreis
175. Jahrgang
werden angenommen in Darmſtadl.
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
wärts nehmen die Poſtämter u. die
Agen=
türen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 14 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Die Hygiene=Ausſtellung in Dresden hat
einen Ueberſchuß von 1066055 Mark ergeben.
Graf Zeppelin iſt in Berlin eingetroffen und hatte
dort verſchiedene wichtige Konferenzen.
Im Bottniſchen Meerbuſen ſtieß ein
Paſſa=
gierdampfer mit einem Schleppdampfer zuſammen,
welcher ſank. 8 Mann der Beſatzung ertranken.
Die ſpaniſchefranzöſiſchen
Verhandlun=
gen über die Gebietsaufteilung in Marokko können
nach einer Meldung aus Madrid nunmehr als
abge=
ſchloſſen angeſehen werden.
Im engliſchen Unterhauſe machte Lloyd
George längere Mitteilungen über den Streik.
Er erklärte daß eine Verlängerung des Streiks nicht
wahrſcheinlich ſei. Die Bedingung für die
Wiederauf=
nahme der Arbeit. daß nur organiſierte Arbeiter
einge=
ſtelt werden dürfen, werde anſcheinend von den Leuten
ſelbſt nicht aufrecht erhalten.
Die „Kölner” und der Vatikan.
C Aus Berlin wird uns geſchrieben: Die
Erklä=
rung, die der Geſamtvorſtand des Verbandes chriſtlicher
Gewerkſchaften am 3. Juni gegen die „Berliner”
veröf=
fentlicht hat, beweiſt ſchlagend, daß die „Kölner” nicht
daran denken, die Flinte ins Korn zu werfen. Sie
ha=
ben vielmehr den Spieß umgedreht und ſind durch die
vor aller Welt ausgeſprochene Behauptung, die „
Berli=
ner” hätten den Papſt über das Weſen der chriſtlichen
Ar=
beiterbewegung ſchmählich getäuſcht, einen jahrelangen
Verleumdungsfeldzug mit der Huldigungsadreſſe
ge=
krönt, den „Berlinern” gegenüber aus den Angegriffenen
zu ſcharfen Angreifern geworden. Aber auch nach der
Seite des Vatikans hin läßt die Erklärung der „
Köl=
ner” keinen Zweifel darüber, daß man entſchloſſen iſt,
trotz der päpſtlichen „Mißbilligung” den
gewerkſchaft=
lichen Standpunkt voll aufrecht zu erhalten. Der Hinweis
auf die „organiſche und unzerreißbare” Verankerung der
chriſtlichen Gewerkſchaften mit dem geſamten
volkswirt=
ſchaftlichen und ſtaatlichen Leben der Nation redet in
die=
ſer Beziehung eine deutliche Sprache. Sie iſt vom
Va=
tikan offenbar raſch und gründlich verſtanden worden.
Schon am 4. Juni machte das Münchener
Zentrums=
organ in auffallendem Druck die ohne Zweifel vom
Münchener Nuntius eingeflüſterte Mitteilung, daß es
ſich’bei der päpſtlichen Antwort auf die Berliner
Hul=
digungsadreſſe um eine freie Wiedergabe der Aeußerung
des Papſtes handele, „für die die Kurie
keiner=
lei Verantwortung übernehmen kann”.
Und gleichzeitig erhielten die klerikalen Neuen Züricher
Nachrichten in derſelben Angelegenheit „von kirchlicher
Stelle” die vielſagende Notiz, „daß päpſtliche
Kund=
gebungen nur dann beachtet zu werden brauchen, wenn
ihr Wortlaut amtlich feſtgeſtellt und publiziert iſt;
Aus=
ſagen von Privatperſonen über ſolche Kundgebungen
kommen nicht in Betracht”.
Der Vatikan iſt hiermit bereits von den „Berlinern”
abgerückt. Ob er es dabei bewenden läßt oder in irgend
einer amtlichen Form auf den Proteſt der „Kölner”
ein=
geht, bleibt abzuwarten. Wie dem aber auch ſei: die
Auffaſſung, daß die Aktion der „Berliner” gegen die
„Kölner” ein Schlag ins Waſſer geweſen, und daß der
Papſt ſich mit den „Kölnern” abfinde, kann heute nicht
mehr angefochten werden. In ſachlicher
Uebereinſtim=
mung mit uns ſchreibt die Soziale Praxis: „Wenn die
Gegner der chriſtlichen Gewerkſchaften an dieſe
Kund=
gebungen (des Papſtes an die „Berliner” und an die
„Kölner”. Red.) raſche Spekulationen auf den Zerfall
je=
ner Organiſationen anknüpfen, ſo dürften ſie die
Tat=
ſachen vermutlich eines anderen belehren.”
Im Lager des Zentrums hat die unterſchiedliche
Be=
handlung, die der Berliner Verband der katholiſchen
Ar=
beitervereine und der Kölner Geſamtverband der
chriſt=
lichen Gewerkſchaften durch den Papſt erfahren haben,
große Erbitterung hervorgerufen. In der Köln.
Volks=
zeitung ſchreibt ein Geiſtlicher, Berlin ſei nach Rom „
ge=
ſchlichen”, um über die Köpfe der meiſten deutſchen
Biſchöfe hinweg ein obſiegendes Urteil zu erlangen, und gibt
ſchließlich folgendes Endurteil ab: Das Vorgehen des
Berliner Verbandes iſt unter Berückſichtigung aller dieſer
Umſtände ein wahrer Skandal, der allen Anforderungen
treuer Kirchlichkeit Hohn ſpricht und wegen ſeiner
Takt=
loſigkeit gegen die Biſchöfe öffentlich gebrandmarkt zu
werden verdient. Wir haben in München einen
Nun=
tius, aber daneben eine Anzahl Winkelnuntiaturen, die
fortgeſetzt in Betrieb ſind. Der Berliner Verband bildet
in Deutſchland faſt eine „Kirche” für ſich, die autonom
auch über die Biſchöfe ſich ſtellt. Kann das ſo weiter
gehen? — Aus demſelben Blatte erfährt man, daß Graf
Oppersdorff, der bekannte Vorkämpfer der Berliner, noch
eine zweite Andienz beim Papſte gehabt habe; beide
Un=
terredungen hätten die ungewöhnliche Dauer von je
¾ Stunde gehabt. Auch bei dem intimen Feinde der
„Kölner Richtung”, dem Prälaten Benigni, habe
Oppersdorff zwei Abendſitzungen bis 11½ Uhr gehabt.
Der ſtarke Mann in Ungarn.
*⁎* Die neulichen Vorgänge im preußiſchen
Abge=
ordnetenhauſe, wo zwei Volksvertreter gewaltſam aus
dem Sitzungsſaale hinauskomplimentiert werden
muß=
ten, waren ein Kinderſpiel gegen die
Maſſenhinaus=
beförderung von Abgeordneten, die ſich am Dienstag
im ungariſchen Parlamente abſpielte. Es galt, die
Ob=
ſtruktion der Linken, die die Durchführung der
Wehr=
vorlagen mit allen Mitteln verhindern wollke und zu
die=
ſem Zwecke einen Höllenlärm inſzenierte, zu brechen. Ein
anderer als Graf Stephan Tisza, der ſeit 14 Tagen
den Präſidentenſeſſel des Abgeordnetenhauſes inne hat,
wäre wohl vor dieſer Aufgabe, die ebenſo viel
Kaltblütig=
keit wie Willenskraft erforderte, zurückgeſchreckt. Aber
Tisza beſitzt dieſe Eigenſchaften in hohem Maße, und er
hat ſie ſchon als Miniſterpräſident welches Amt er vom
Herbſt 1903 bis Frühjahr 1905 in ſturmbewegter Zeit
be=
kleidete, bewieſen. Deshalb ſetzten die um Koſſuth und
Juſth auch der Wahl Tiszas zum Präſidenten des
Abge=
ordnetenhauſes ſo heftigen Widerſtand entgegen, ſie
wuß=
ten, dieſer Mann würde nicht mit ſich ſpaßen laſſen und
ſeiner Autorität Geltung verſchaffen.
Sturmſzenen im ungariſchen Abgeordnetenhauſe ſind
ja nichts Seltenes, ſchon oft hat der Sitzungsſaal
wider=
gehallt von dem Brüllen, Toben und Umſichſchlagen der
Auserwählten des Volkes, welche auch ein Handgemenge
nicht ſcheuten und ihre Fäuſte ab und zu kräftig
ge=
brauchten. Gerade Graf Tisza war es, der als
Mini=
ſterpräſident, dieſen Zuſtänden zu Leibe gehen und die
ſyſtematiſche und frivole Obſtruktion unmöglich machen
wollte durch eine Verſchärfung der Geſchäftsordnung. In
der Tat hat er damals auch die Beſtimmungen
durchge=
ſetzt, welche am Dienstag die gewaltſame Entfernung der
Abgeordneten aus dem Saale ermöglichten. Bei der
De=
batte über die Inkraftſetzung der verſchärften
Hausord=
nung ging es wild her; Seſſel, Bücher und Tintenfäſſer
dienten als Wurfgeſchoſſe gegen den damaligen
Prä=
ſidenten Perczel. Und drei Wochen ſpäter wurde ſogar
der Sitzungsraum von der Oppoſition vollſtändig
demo=
liert. In friſcher Erinnerung iſt noch der tätliche Angriff
auf den Kabinettschef Grafen Khuen=Hedervary während
einer Sitzung im März 1910, wobei der Staatsmann
empfindliche Verletzungen davontrug.
Graf Tisza hat von dem Moment an, wo er vor
einigen Wochen den Vorſitz im Abgeordnetenhauſe
ein=
nahm, ſtrenge Zucht gehalten. Schon am zweiten Tage
ſeiner Geſchäftsführung ſchloß er mehrere renitente
Ab=
geordnete auf kürzere oder längere Zeit von den
Ver=
handlungen aus. Bemerkenswert iſt es, daß unter den
am Dienstag gewaltſam aus dem Saal Entfernten ſich
auch einige frühere Präſidenten des Abgeordnetenhauſes
befanden Julius Juſth und Gaal. Juſth, der vor
einigen Jahren ganz ernſtlich als der „kommende Mann”
angeſehen wurde, trägt mit ſeinem Anhang die größte
Schuld an der brutalen Obſtruktion und an den
Vorgän=
gen am Dienstag, die dank der Energie Tiszas aber
doch nicht verhindern konnten, daß die Wehrvorlagen
ver=
abſchiedet wurden und jenſeits der Leitha nur noch der
Zuſtimmung des Magnatenhauſes bedürfen. Tiszas
Ver=
dienſt iſt es ſomit, daß dieſe für die Wehrkraft der
Dop=
pelmonarchie ſo wichtige Frage nach den vielen
Schwie=
rigkeiten, die ſich ihr entgegengeſtellt hatten, doch noch
verhältnismäßig leicht gelöſt werden konnte. Freilich
muß man damit rechnen, daß in der transleithaniſchen
Reichshälfte heftige ſinnere Kämpfe folgen, denen die
Regierung vielleicht am eheſten durch Eindringung der
Wahlreform zu begegnen vermag.
Der energiſche Präſident, der endlich einmal mit
eiſerner Fauſt dreingeſahren iſt und die wüſten
Radau=
politiker, die jede geordnete parlamentariſche
Verhand=
lung unmöglich machen und den Parlamentarismus zur
Karrikatur herabwürdigen, vor die Tür geſetzt hat, findet
auch in der demokratiſchen Preſſe ſeine Lobredner. Daß
zu dieſen auch die Frankfurter Zeitung gehört, iſt
beſon=
ders intereſſant. Sie ſchreibt unter der Ueberſchrift
„Tisza der Sieger” aus Wien, 4. Juni:
Ein großes Aufatmen geht durch die
öſter=
reichiſch=ungariſche Monarchie: das ungariſche
Abgeord=
netenhaus hat die Wehrgeſetzvorlage endlich
be=
willigt; noch mehr: die anarchiſche Obſtruktion iſt zu
Tode getroffen und der Reichstag hat wieder einen
Wil=
len einen Schwerpunkt. Man weiß nicht, welches
Er=
gebnis des Tiszaſchen Huſarenſtreichs man höher
an=
ſchlagen ſoll. Will man den Schwarzſehern Glauben
ſchen=
ken, die es ſo darſtellen, als ob vielleicht in wenig Monaten
ſchon Oeſterreich=Ungarn in einen europäiſchen Krieg
ver=
wickelt ſein werde ſo muß man die Bewilligung der
er=
höhten Rekrutenziffer, die nun wohl auch im ungariſchen
Magnatenhaus und in beiden Häuſern der
öſterreichi=
ſchen Legslative raſch erledigt werden wird, als wichtigſte
politiſche Tatſache anſehen. Hält man die internationalen
Verwicklungen für minder bedrohlich ſo darf man die
endliche Wiederherſtellung der Arbeitsfähigkeit des
Reichs=
tags als nicht minder wichtiges Ereignis bewerten Man
braucht ſa wohl nicht daran zu zweifeln, daß nun Schlag
auf Schlag folgen wird: die Reform der
Geſchäftsord=
nung und dann bis ſpäteſtens zum Frühjahr 1913 die
Wahlreform die nicht minder dringlich iſt, als es das
Wehrgeſetz je geweſen iſt. Der Mann: des Tages iſt
natürlich Graf Stefan Tisza. Was er heute getan hat,
das wollte er ſeit vierzehn Jahren; er hat es nur
unge=
ſchickt angefaßt und noch nicht die öffentliche Meinung
auf ſeiner Seite gehabt. Die iſt jetzt mit ihm, und war
es ſchon von Anbeginn der neuen Obſtruktion an. Das
iſt das Wichtigſte an dieſem hiſtoriſchen Faktum. Ungarn
hat die Anarchie ſatt und hört nicht mehr auf die
Män=
ner der nationalen Phraſe, die in der Geſchäftsordnung
als offener Tür zur anarchiſchen Vereitelung des
Majo=
ritätswillens den Schutz der Nation gegen eine
Vergewal=
tigung von oben erblicken wollen. Tiszas Einfluß war
nur beinträchtigt durch die Meinung, daß er zzwei kink=
Hände” habe und vom Pech verfolgt ſei. Jetzt hat er auch
dieſen Bann gebrochen. Er hat der Gewalt die Gewalt
entgegengeſetzt und hat den Erfolg auf ſeiner Seite gehabt.
Nirgends aber imponiert der Erfolg mehr. als gerade in
Ungarn, wo der Sinn für Geſetzlichkeit noch in den
klein=
ſten Kinderſchuhen ſteckt.
.. Ein paar Geſchäftspolitiker des Parlaments und
der Publiziſtik werden ſich entrüſten weil nun die
Mög=
lichkeit verringert iſt, im Trüben zu fiſchen; ein paar
Un=
heilspropheten werden ihre Niederlage durch Anrufung
des Rechts maskieren wollen; das Land aber wird ſich
nicht rühren, wie damals nach dem 18. November, um
die Verbrecher an der geheiligten Geſchäftsordnung vom
Erdboden wegzufegen. Das Wehrgeſetz iſt erledigt und
mit ihm die ganze faule politiſche Situation.
Man braucht große politiſche Neuorientierungen nicht
immer auf klare Einſichten zurückzuführen, deren die
Maſſen ja ſelten fähig ſind. (!) Meiſtens gehen ſie nur
auf dumpfe Empfindungen zurück, die ſich im
Bewußt=
ſein des Leitenden zur Erkenntnis geklärt haben. Die
dumpfe Empfindung, die in Ungarn den Umſchwung der
allgemeinen politiſchen Auffaſſung herbeigeführt hat, war
nicht nur die, daß die Helden der verfloſſenen Koalition
kein Vertrauen verdienten, weil ſie die Nation in einen
ausſichtsloſen Kampf gegen die Krone geführt und im
Beſitze der Macht ſchnöde verraten haben; viel mehr die
Ahnung einer Gefahr die dem ungariſchen Staaate droht,
wenn ſeine ſtärkſte Wafſe, das Parkament, durch innere
Zerſetzung verbogen und zerfreſſen werde.
Wegen der in der Sitzung des Abgeordnetenhauſes
am Mittwoch verübten Lärmſzenen wurde auf Grund
der Beweiſe des Immunitätsausſchuſſes Julius v. Juſth
zur Ausweiſung von weiteren 30 Sitzungen, im
gan=
zen alſo von 45 Sitzungen verurteilt. Polonyi, Lavaſſy
und Eitner wurden von weiteren 15, im ganzen alſo von
25 Sitzungen ausgeſchloſſen. 29 andere Mitglieder der
Juſth=, Koſſuth= und der Volkspartei wurden von 15
Sitzun=
gen ausgeſchloſſen. Die vier Abgeordneten Szalay,
Le=
hel Hedervary, Horvath und Graf Michael Eſterhazy ſind,
da ſie zum erſten Male wegen Lärm zur Verantwortung
gezogen wurden, verpflichtet worden, dem Haus
Ab=
bitte zu leiſten. Wie die Voſſiſche Zeitung aus Peſt
meldet, erklärte Graf Karolyi, als die Polizei zum dritten
Male im Abgeordnetenhaus erſchien, er werde den
Gra=
fen Tisza niederſchießen, wo er ihm begegnen werde, und
Seite 2e
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 7. Juni 1912.
Nummer 132.
bekräftigte dieſe Drohung in höchſter Erregung mit
ſei=
nem Ehrenwort. Am Mittwoch abend 9 Uhr war die
ganze Stadt von Militär beſetzt. Der Abgeordnete Juſth
erklärte, daß die Revolution nunmehr jeden Augenblick
losbrechen werde. (?) Miniſterpräſident v. Lukacs hat
angeſichts der ernſten Lage ſeine Wiener Reiſe verſchoben.
Deutſches Reich.
— Das bulgariſche Königspaar trifft heute
in Begleitung ſeiner beiden Söhne und des
Miniſter=
präſidenten Geſchow zu einem offiziellen Antrittsbeſuche
am kaiſerlichen Hofe in Potsdam ein. Das
Empfangs=
programm ſieht eine beträchtliche Reihe von Ehrungen
für den Träger der bulgariſchen Königskrone vor. Es
iſt der erſte Beſuch, den der König nach der Erhebung
des Fürſtentums Bulgarien zum ſelbſtändigen
König=
reich im Jahre 1908 in Berlin abſtattet, während er als
Fürſt von Bulgarien ſchon vor mehr als ſieben Jahren
in Berlin weilte. Der König, deſſen erſte Gemahlin im
Jahre 1899 geſtorben iſt, iſt ſeit 1908 in zweiter Ehe mit
Eleonore, Prinzeſſin Reuß j. L. vermählt, die ihren
lutheriſchen Glauben nicht gewechſelt hat. Der Kronprinz
Boris ſteht im 19., der Prinz Kyrill im 17. Lebensjahre.
— Die Neuwahlen zum Rudolſtädter
Landtag finden heute Freitag ſtatt. Das Parlament
des Fürſtentums war am 4. März aufgelöſt worden, weil
ein gedeihliches Zuſammenwirken zwiſchen Regierung
und Volksvertretung unmmöglich ſchien. In letzterer
hatten die Sozialdemokraten mit 9 Sitzen die Mehrheit,
während die bürgerlichen Parteien nur 7 Sitze inne
hatten und bei der Bildung des Präſidiums
unberück=
ſichtigt geblieben waren. Den äußeren Anlaß zur
Auf=
löſung gab die Ablehnung der Wahlrechtsvorlage, die
ſchon 1906 und 1910 dem Landtage unterbreitet worden
war, aber die erforderliche Zweidrittelmehrheit nicht
ge=
funden hatte. Nach der Vorlage ſollten nicht mehr alle
die über 120 Mark Staatsſteuern zahlen, zu den
Höchſt=
beſteuerten gehören, ſondern nur die 500 Zenſiten, die die
höchſte Steuerſumme aufbringen. Die Regierung hoffte,
hierdurch die Chancen der bürgerlichen Parteien bei den
Wahlen etwas verbeſſern zu können. Der Landtag
be=
ſteht aus 16 Abgeordneten, von denen 4 durch die
Höchſt=
beſteuerten und 12 durch geheime und direkte
Stimmen=
abgabe auf drei Jahre gewählt werden. Bei der
vor=
letzten Wahl erzielten die bürgerlichen Parteien 10 und
die Sozialdemokraten 6 Mandate, während, wie ſchon
oben geſagt, bei der letzten Wahl Ende 1911 die Genoſſen
die Mehrheit erhielten. Auf den Ausgang des auf
bei=
den Seiten heftig geführten Wahlkampfes darf man
ge=
ſpannt ſein.
— Ueber die Entwicklung der
Reichs=
einnahmen an Zöllen, Steuern und
Ge=
bühren teilen Berliner Blätter mit:
Die ſoeben abgeſchloſſenen Iſteinnahmen des
Rech=
nungsjahres 1911 ermöglichen nunmehr einen Ueberblick
wie ſich der Geſamtbetrag der Ueberſchüſſe aus Zöllen
und Steuern von 193 Millionen Mark im einzelnen
zu=
ſammenſetzt. Das Ergebnis ſowohl in der Geſamtheit
wie im einzelnen läßt erkennen, daß es ſich im Etatsjahr
1911 um außergewöhnliche Verhältniſſe in der Geſtaltung
der Reichseinnahmen gehandelt hat, auf deren Wiederkehr
ſchwerlich zu rechnen iſt. Wenn man auch annehmen darf.
daß die Einnahmen an Zöllen und Steuern im laufenden
Etatsjahr den Anſätzen entſprechen werden, die in der
Denkſchrift der Reichsregierung angenommen ſind ſo iſt
doch keineswegs zu erwarten, daß in den nächſten Jahren
wieder ſo hohe Mehreinnahmen zu verzeichnen ſein
wer=
den, wie das Jahr 1911 ſie gebracht hat. Die höchſten
Ueberſchüſſe über den Voranſchlag haben naturgemäß
die Zölle mit 95 Millionen Mark gebracht. Daß hiervon
etwa ein Drittel auf eine vermehrte Einfuhr wegen der
ungünſtigen Ernteverhältniſſe zurückzuführen iſt, darf
naturgemäß nicht überſehen werden. Ein Mehr von 30
Millionen über die Schätzung hat auch die
Verbrauchs=
abgabe für Branntwein gebracht. Um 18 Millionen
über=
ſchritt der Ertrag der Zuckerſteuer den Voranſchlag. Die
Stempelabgabe für Kauf= und ſonſtige
Anſchaffungsge=
ſchäfte brachte Mehrbeträge von 8,6 Millionen, die
Erb=
ſchaftsſteuer 5,9, Zigarettenſteuer 4,9, Brauſteuer 4,6 und
die Leuchtmittelſteuer 3,3 Millionen. Mit 2—2,6
Millio=
nen ſind in der Reihe der Ueberſchüſſe über den
Etats=
anſatz vertreten die Zündwarenſteuer, ſowie der
Stem=
pel von Privatlotterien, Frachturkunden und
Perſonen=
fahrkarten. Bei den übrigen Steuern ſind Mehrerträge
von rund 1 Million zu verzeichnen. Mindererträge
gegen=
über dem Voranſchlag finden ſich bei ſechs Steuerarten
bzw. Stempelabgaben. Die Steuer auf inländiſchen Tabak
hat als Folge ungünſtiger Anbauverhältniſſe einen
Min=
derertrag von 3 Millionen gebracht, ebenſo die
Zuwachs=
ſteuer von 2 Millionen und die Stempelabgaben von
Grundſtücksübertragungen von 2,4 Mill.; beim Scheck= und
Lotterieſtempel und der Leuchtmittelſteuer erreichten die
Mindererträge nur einige Hunderttauſend Mark.
Die deutſch=franzöſiſche Kongo=
Kamerun=Kommiſſion wird am 15. ds. in Bern
zuſammentreten und in einem von der Schweizer
Regie=
rung zur Verfügung geſtellten Saal des Bundespalaſtes
tagen. An der Spitze der Kommiſſion wird auf deutſcher
Seite der Botſchaftsrat an der kaiſerlichen Botſchaft in
Paris Geſandter Frhr. v. der Lancken, und auf
franzöſi=
ſcher Seite der Unterdirektor im Auswärtigen Amt,
Ge=
ſandter Conty, ſtehen. Die Aufgaben der Kommiſſior
werden ſein: Vorbereitung der Grenzfeſtlegung für die
gemäß dem Abkommen über Aequatorialafrika vom
4. November v. J. abgetretenen Gebiete; Feſtlegung von
Normen für die Beſitzübergabe und Ausarbeitung der in
dem Vertrag vorgeſehenen Vereinbarung über die
Kon=
zeſſionsgeſellſchaften. Die Arbeiten der Kommiſſion
tragen einen vorbereitenden Charakter und bedürfen der
Genehmigung der beiden Regierungen.
Ausland.
Spanien.
Die ſpaniſch=franzöſiſchen
Verhand=
lungen über die Gebietsaufteilung in Marokko
kön=
nen nunmehr als abgeſchloſſen angeſehen werden. Die
Teilnahme der Uergaſtämme an den Angriffen auf Fez
hat die ſpaniſche Regierung davon überzeugt, daß ſich
Frankreich bei ſeinen Forderungen betreffend des
Uerga=
tales lediglich von Gründen der Sicherheit leiten ließ.
Den Spaniern aber wurde der Uebergang über die Päſſe
im Norden des Uergagebietes bewilligt und damit ihrer
Forderung nach einer direkten Verbindung zwiſchen
Elk=
ſar und Alhucemas Rechnung getragen. Was die
In=
ternationaliſierung Tangers anlange, ſo ſei beſchloſſen
worden, nach Madrid ein Art internationale Kommiſſion
einzuberufen, vor der die diplomatiſchen Vertreter der
Mächte den Standpunkt ihrer Regierungen in dieſer
Frage darlegen würden.
Portugal.
Die Demſſſion des Kabinetts.
Trotz=
dem die Kammer zweimal der Regierung ihr Vertrauen
ausſprach, überreichte der Miniſterpräſident dem
Prä=
ſidenten der Republik die Demiſſion des Kabinetts
end=
gültig. Der Präſident rief den Präſidenten der
Kam=
mer und die Führer der parlamentariſchen Gruppen zu
einer Beratung zuſammen.
Niederlande.
Die Zweite Kammer lehnte mit 49 gegen 42
Stimmen den Geſetzentwurf ab, der den Bäckern die
Nachtruhe zuſichert. Der Grund für die Ablehnung eines
abſoluten Verbotes, nachts zu arbeiten, iſt die
Befürch=
tung, daß man durch das Verbot den Großbäckereien
ſchaden und die Entwickelung der kleinen Bäckereien mit
ungünſtigen Arbeitsbedingungen begünſtigen würde.
Türkei.
Die Vorgänge in Albanien. In der
Kam=
mer beantwortete der Miniſter des Innern eine
An=
frage betreffend die Vorfälle in Albanien. Er erklärte,
es handele ſich um Vorfälle lokaler Natur. Die
Beſtre=
bungen zur Ausdehnung der Vorfälle ſeien geſcheitert, die
Albaner blieben treu. Selbſt die Urheber der
Zwiſchen=
fälle wußten nicht, gegen wen ſie agitierten. Seitdem
die Bevölkerung begriffen habe, daß die Bewegung
ge=
gen die Regierung gerichtet ſei, bereue ſie die Vorfälle.
Der Miniſter beurteilte die Lage optimiſtiſch. Er
glaube, daß die Aufſtändiſchen ſich von ſelbſt zerſtreuen
werden, es genüge, ſie aufzuklären. Die Regierung müſſe
aber gleichwohl ihre Pflicht erfüllen. Sie habe in
Veri=
ſowitz eine Diviſion konzentriert, um zu zeigen, daß ſie
rotz des Krieges über genügend Mittel verfüge, um
ihren Entſchließungen Geltung zu verſchaffen. Der
Mi=
iſter legte die beſchloſſenen Reformmaßnahmen zur
Auf=
rechterhaltung der Ordnung und die Hebung des
Unter=
ichtsweſens dar. Schließlich konſtatierte der Miniſter,
daß in Nord= und Süd=Albanien und in allen Teilen
der fünf Wilajets die Bevölkerung dem Kalif und der
Regierung in aufrichtiger Treue ergeben ſei. Die
Kam=
mer fand die Erklärungen des Miniſters für
befrie=
digend.
Vereinigte Staaten.
Der Schutz des Lebens auf See. Das
Staatsdepartement für Handel und Arbeit wird bald
umwälzende Aenderungen in den amerikaniſchen
Vor=
ſchriften für den Schutz des Lebens auf See, die auf bei
dem Untergang der „Titanic” gemachten Erfahrungen
beruhen, erlaſſen. Der endgültige Entwurf, der
gegen=
wärtig dem Kabinettsſekretär für Handel und Arbeit
Nagel vorliegt, zieht in Erwägung, alle Schiffe der
Ver=
einigten Staaten, ſowohl die Ueberſee= wie Binnenſee=
und Küſtenfahrzeuge, zu verpflichten, die genügende
An=
zahl von Rettungsbooten und Flößen für alle Paſſagiere
und die ganze Beſatzung an Bord zu haben.
Zur Lage in Kuba. Von den nach Kuba
ent=
ſandten vier Kriegsſchiffen hatte jedes mehrere hundert
Matroſen an Bord. Das Gebiet ihrer Verwendung wird
nicht auf die Umgebung von Guantanamo wohin die
Schiffe gehen, beſchränkt bleiben. Der Beſchluß, die
Kriegsſchiffe zu entſenden, iſt aus einer Unterredung
her=
vorgegangen, die der Staatsſekretär Knor mit dem
Prä=
ſidenten der Guantanamo=Weſtern=Railroad gehabt hat,
in der dieſer die Zuſtände an der Eiſenbahnlinie als ernſt
bezeichnete.
China.
Fremdenfeindliche Bewegung. Nach in
Peking eingetroffenen Konſularberichten nimmt die
Op=
poſition in den Provinzen gegen die ausländiſche
An=
leihe den Charakter einer fremdenfeindlichen Bewegung
an. Vor allem in Szetſchwan werden myſtiſche Reden
und Tänze aufgeführt, gleich denen, die vor dem
Boxer=
aufſtande im Jahre 1900 beobachtet wurden. Die
Re=
gierung erklärt, von den Vorgängen nichts zu wiſſen.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 7. Juni.
Poſtkartenwoche der Großherzogin und
Flugpoſt am Rhein und Main.
* Soeben erſchien das Programm für
Darm=
ſtadt. Danach findet ſtatt: Sonntag, den 9. Juni:
Eröffnung der „Flugpoſt am Rhein und Main”
(reichspoſtaliſcher Stempel: „Flugpoſt am Rhein und
Main”). Das Luftpoſtamt, Rheinſtraße 14, iſt offen von
vormittags 11 bis 1 Uhr. — Großes Konzert ſämtlicher
Militärkapellen der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt
bei dem Luftpoſtamt, 11—12½ Uhr. (Konzertprogramm
in den Tageszeitungen.) Luftpoſtwertzeichen. (Die wie
üblich frankierte und mit der Luftpoſtmarke
(10 Pfg.) verſehene Poſtkarte kann in jeden Briefkaſten der
Reichspoſt geworfen werden; ſie wird dann mit dem
Zep=
pelin=Poſtſchiff Schaben” durch die Luft befördert und
darauf an jede beliebige Adreſſe des Weltpoſtverkehrs
ge=
ſandt.) — Ausgabe der nur in kleiner Auflage
erſcheinen=
den Flugzeugkarten, befördert durch Leutnant von
Hiddeſſen nach aufgedrucktem Poſtweg.
Montag, den 10. Juni: Mittags 12 bis 1 Uhr:
Militärkonzert auf dem Luiſenplatz. Nachmittags 4 Uhr:
Monſtrekonzert der vereinigten Militärkapellen Darm=
Sommermoden.
Von Virginie de Bergérac.
E. Ob es wohl ſchon eine Modenära gegeben hat, mit
er das ſogenannte ſtarke Geſchlecht zufrieden geweſen iſt?
Ich glaube kaum, zum mindeſten hat es noch keiner
ein=
zigen nachgerühmt, daß ihre Schöpfungen praktiſche
Vor=
züge beſeſſen hätten oder billig geweſen wären. Doch
halt, ich irre mich, Eben fällt mir ein, daß alle jene
Mode=
richtungen, welche uns die übermäßig weiten Röcke,
dar=
unter den fürchterlichen Bauernrock ſeligen Angedenkens
und damit in Verbindung die bis zu den äußerſten
Gren=
zen des Möglichen verlängerte Taille brachten, den
unge=
teilten Beifall der Herren beſaßen. Warum? Weil dieſe
Tracht den Frauen ſo einen gut bürgerlichen Anſtrich gab,
der Solidität verbürgte. Man erzählte jüngſt, daß ein im
Pariſer High=life wohlbekannter Herr, der trotz ſeiner hohen
Steuerklaſſe über die hohen Schneiderrechnungen ſeiner
Gemahlin zu ſeufzen pflegt, ſeiner Sehnſucht nach der Mode
der Bauernröcke Ausdruck gegeben hätte. „Das war
ein=
mal eine vernünftige Mode” ſoll er geſagt haben. „
Ein=
fach, praktiſch, hygieniſch! Dagegen die heutigen
Damen=
kleider! Mit ihrer Enge und ihren hunderterlei Garnituren
ſind ſie geſchaffen, die Geſundheit unſerer Frauen und
unſere Finanzen zu ruinieren.‟ Die Gattin hörte den
zürnenden Jupiter ſprechen und lächelte. Da ſie als kluge
Frau wußte, daß man Niemanden beſſer ad abſurdum
führen kann, als wenn man ihm den Willen tut, ſo ließ
ſie ſich ein Sommerkoſtüm anfertigen, das den zurzeit
gül=
tigen Launen der Königin Mode einigermaßen Hohn ſprach.
Allerdings war der Grundſtoff Taffet — bekanntlich iſt
dieſer gegenwärtig, wenn auch nicht in ſeiner bisherigen
ſtarren und brüchigen Beſchaffenheit, ſo doch in
ſchmieg=
ſamerer Webeart, higheſt faſhion — im übrigen aber war
das Kleid old faſhion, der Rock doppelt ſo weit, als man
es ſonſt ſah, und die Taillenlinie bis an die Hüften
her=
untergerückt. Da es einfach erſcheinen ſollte, Ausputz aber
doch nicht ganz fehlen durfte, vervollſtändigte ſeine
Be=
ſitzerin es durch einen Gürtel, der den rot und blauen
Changeanttönen der Seide entſprechend, eine rote Platt
ſtichſtickerei auf blauem Grunde zeigte und drapierte es
auf Schultern und Buſen mit einem viereckigen Latzkragen
aus weißem Säumchentüll mit Valenciennesumrandung.
Der Gatte ſchmunzelte, als er Madame in der neuen
Toi=
lette ſah. Das iſt mal was Vernünftiges!” ſagte er
bei=
fällig. „Aber weißt Du, gar ſo beſcheiden brauchte es
doch nicht zu ſein. So zum Beiſpiel könnte man dem
Gürtel hinten eine lange, breite Schärpe anfügen —
natür=
lich auch blau mit rot geſtickt — ferner die Aermel verkürzen
und ihnen in Harmonie mit dem Latz, Unterärmel aus
Säumchentüll einheften.‟ Die Veränderungen wurden
aus=
geführt, aber der Herr Gemahl fand das Kleid immer noch
zu beſcheiden und ordnete eine Umfaſſung von Rock und
Schärpe mit breiter, handgeknüpfter Seidenfranſe an. So,
nun war es recht, auch jetzt noch beſcheiden, aber gediegen
und vernunftgemäß. Und nun kam die Schneiderrechnung
Sie war von einer Höhe, die den ökonomiſchen Herrn
er=
ſtarren machte. Kein Wunder! Die Unmaſſe Seide, die in
Anbetracht der Weite des Rockes ungeheuere Ellenzahl
teuerer Franſen uſw.! Das Schlimmſte aber war, daß
Madame ſich in dem vernunftsgemäßen Kleide ſo wenig
wohl fühlte — die Fülle des Stoffes ſchlängelte ſich ihr
beim Gehen um die Füße und die lang heruntergezogene
Taille, die ſtarkes Schnüren bedingte, beengte ſie. Doch
heroiſch trug ſie das Koſtüm und da ſie als tonangebend
auf dem Gebiet der Mode galt, hieß es allenthalben, wo
ſie ſich zeigte, „aha, die neue Mode! Die Zeit der engen
Röcke und kurzen Taillen iſt vorüber!‟ Durch die ganze
Kulturwelt hallte der Ruf und alle Damen, die etwas auf
ſich hielten, ließen ſich ein ähnliches Kleid machen. Doch,
es blieb bei dem einen, denn durch die Empiremode mit
ihren kurzen Leibchen, welche das Korſett auf ein Minimum
beſchränkt, des Schnürens entwöhnt, könnten die Damen
in der neuen Toilettenſchöpfung nicht atmen — kurz,
die=
ſelbe war ihnen unbequem, auch ſtellte ſie ſich zu teuer. So
iſt es denn nicht zu dem prophezeiten Umſchwung in der
Mode gekommen, ſondern man iſt nach einem mißlungenen
Verſuch in neue Bahnen wieder zu der vorherigen
zurück=
gekehrt. Ein klein wenig weiter und die Röge ig gewer=
den, womit ſo ziemlich der einzige Fehler, welcher der Mode
anhaftete, korrigiert iſt. Denn, geſtehen wir es uns nur
zu — eine gleich maleriſche, kleidſame, bequeme und ſogar
billige, wie die jetzige, haben wir ſchon ſeit Dezennien
nicht gehabt. Den Vorzug der Billigkeit beſitzt ſie freilich
nur für die, welche ſich einzurichten verſtehen, denn dier
Andern — — hm! Gerade die Mannigfaltigkeit und
Kompliziertheit der Garnituren, welche die Herren der
Schöpfung ſo luxuriös däucht, iſt ein ökonomiſcher
Vor=
zug, weil ſie geſtatten, aus lauter winzigen Reſtchen von
Stickereien, Bändchen, Spitzen, Schnüren, Perlen uſw., die
herrlichſten Dekorationen herzuſtellen und aus zwei, ja drei
und vier verſchiedenen Stoffen eine elegante Toilette zu
verfertigen.
Indeſſen, etwas hat man aus dem vorerwähnten
Modeintermezzo doch für die Sommerſaiſon gerettet,
näm=
lich erſtens den Franſenbeſatz, und zweitens die Schärpe.
Sie hat ſich allerdings ſtark verbreitert und iſt zu einer
etwas verkürzten Hinterbahn geworden, die manchmal
ge=
rade, ein andermal abgeſchrägt, loſe über dem Rock hängt.
Zumal an den ſogenannten „Wickelröcken” — bei denen die
lange Kante des Rückenteiles von der darüber liegenden
kürzeren Kante gedeckt wird — darf ſie nie fehlen. An
Klei=
dern mit bis zum Knie aufſteigenden Anſatz aus
abſtechen=
dem Gewebe, wird auch die loſe Bahn mit einem ſolchen
ausgeſtattet. So bemerkte man ein ähnliches Arrangement
an einer Poiretſchen Toilette aus ſilbergrauem Taffet und
dunkelgrauem Voile. Aus dem erſteren beſtand der untere,
von einer fleiſchfarbigen Franſe gezierte Anſatz und aus
dem letzteren der obere Rockteil, indes durch die
gegenwär=
tig faſt unvermeidlichen à-jour=Nähtereien, welche die
Vermittelung zwiſchen beidem abgaben, ein feines
rot=
ſeidenes Schnürchen geleitet war. Der gleiche Ausputz
wiederholte ſich auf der aus Voile gefertigten Ueberbluſe
in Kimonoform, unter der eine Hemdbluſe aus Taffet an
den verkürzten Rückenteilen und den über den Ellenbogen
abgeſchnittenen Aermeln hervorquoll. Im allgemeinen
empfehlen ſich die Poiretſchen Schöpfungen nicht durch eine
ſo diskrete Anwendung der Farbe, wie in der beſchriebenen,
und oft wirken ſie tratz des unleugharen in ihrer Kom=
Nummer 132.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 7. Juni 1912.
Seite 3.
ſtadts auf dem Darmſtädter Exerzierplatz. Eröffnung
des Flugpoſtamtes auf dem Exerzierplatz
(Südfront); Abholung der auf dem Flugpoſtamt und am
Sonntag und Montag in der Stadt (in jedem Briefkaſten)
aufgegebenen Poſt. Gegen Abend: Ankunft der
Poſtflug=
maſchine Gelber Hund‟ Der Platz iſt abgeſperrt (
Ein=
tritt 20 Pfg.).
Dienstag, den 11. Juni: Verkauf der offiziellen
Poſtkarten und Luftpoſtwertzeichen in den als
Verkaufs=
ſtellen bezeichneten Läden und in dem Luftpoſtamt.
Mittwoch, den 12. Juni: Mittags 12 bis 1 Uhr:
Drei Militärkonzerte: Luiſenplatz, Paradeplatz,
Markt=
platz. 4 Uhr nachmittags: Militärkonzert mehrerer
Kapel=
len auf dem Darmſtädter Exerzierplatz in der Nähe des
Flugpoſtamtes (Südfront). Gegen abend: Ankunft
des Poſtluftſchiffs (Zeppelin=Luftſchiff) „
Schwa=
ben” Aufnahme der an dieſem Tage und vorher
auf=
gegebenen Luftpoſt durch das Poſtluftſchiff „Schwaben”
und Abgabe der Poſt Frankfurt-Darmſtadt mittels
be=
ſonderer Vorrichtungen (Poſtflugſeil). Der Platz iſt
abge=
ſperrt. Eintritt 50 Pfg. Verkauf der Flugpoſtmarken
und=karten.
Donnerstagg, den 13. und Freitag, den 14.
Juni: Verkauf der offiziellen Poſtkarten und
Luftpoſt=
wertzeichen in den als Verkaufsſtellen bezeichneten Läden.
Samstag den 15. oder Sonntag, den 16. Juni:
Wie am Mittwoch (nach ſpäterer Mitteilung).
Bei Regen und Sturm werden die Veranſtaltungen
vom 10., 12., 15. (16.) Juni auf einen anderen Tag der
Woche verlegt, was durch Anſchlag bekannt gegeben wird.
Auf wiederholte Anfrage teilen wir mit, daß von der
Reichspoſt und der Flugpoſt nur die offiziellen
Karten der Poſtkartenwoche, die die offizielle
Flugpoſtmarke tragen, befördert werden. Auch machen
wir darauf aufmerkſam, daß das Reichspoſtamt an die
Genehmigung die Bedingung geknüpft hat, daß tatſächlich
alle mit Luftpoſtmarken verſehenen offiziellen Poſtkarten
wenigſtens einen Teil des Poſtwegs durch die Luft
befördert werden.
* Vom Hofe. Ihre Königl. Hoheit die
Großher=
zogin empfingen am Mittwoch mittag 12 Uhr 30 Min.
im Neuen Palais den Oberſt von Wright aus Mainz.
Nachmittags 2 Uhr empfingen Se. Kgl. Hoheit der
Groß=
herzog im Neuen Palais den Direktor des Großh.
Hof=
theaters und der Hofmuſik Dr. Eger. (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Mittwoch den Oberſt v. Wright,
Kommandeur des Großh. Mecklenburgiſchen Füſilier=
Regiments Nr. 90 Kaiſer Wilhelm in Roſtock, den
Oberſt=
leutnant Foerſter und den Major v. Ihlenfeld vom
Stabe des Infanterie=Regiments Prinz Carl (4. Großh.
Heſſ.) Nr. 118, den Hauptmann Veith, Kompagniechef
in demſelben Regiment, den Feuerwerkshauptmann a. D.
Kage von Frankfurt a. M., den Pfarrer Wagner von
Stockſtadt a. Rh., eine Deputation des Geſangvereins
Liederkranz in Mainz, beſtehend aus dem Präſidenten
Rechtsanwalt Dr. Reen, dem Ehrenpräſidenten G. J. Huy
und dem zweiten Präſidenten J. Weber; zum Vortrag
den Kabinettsſekretär Dr. Wehner.
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift
„Für Verdienſte” dem Feldwebel a. D. Wölfel und
dem Vizefeldwebel a. D. Stoffel, beide ſeither im
Infanterie=Regiment Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.)
Nr. 116.
* Zulaſſung zur Ausübung konſulariſcher
Ver=
richtungen. Der zum Kaiſerlich Japaniſchen
General=
konſul für das Deutſche Reich mit dem Amtsſitz in
Hamburg ernannte Herr Takematſu Okuda, dem
das Reichsexequatur erteilt wurde, iſt zur Ausübung
konſulariſcher Dienſtverrichtungen im Großherzogtum
Heſſen zugelaſſen worden.
* Entlaſſen wurde der Lehrer an der Gemeindeſchule
zu Walldorf, Kreis Groß=Gerau, Philipp Becker auf
ſein Nachſuchen aus dem Schuldienſte.
* Zum Treuhänder beſtellt. Durch Entſchließung
Großh. Miniſteriums der Finanzen wurde der Großh.
Staatsanwalt Bernhards in Darmſtadt für die
Dauer des Urlaubs des Großh. Oberſtaatsanwalts
v. Heſſert zum „Stellvertreter des Treuhänders” bei der
Heſſiſchen Landes=Hypothenbank beſtellt.
* Militärdienſtnachricht. Sinemus, Militär=
Hilfsgeiſtlicher der 3. Diviſion in Stettin, in gleicher
Eigenſchaft zur 21. Diviſion nach Mainz verſetzt.
— In der nichtöffentlichen Sitzung der
Stadt=
verordneten=Verſammlung wurde die Ernennung des
Polizeiwachtmeiſters Chriſtian Franz zum Revier=
Polizeikommiſſär, des Schutzmanns Johannes Neff zum
Polizeiwachtmeiſter, ſowie die Anſtellung des
Unter=
offiziers Heinrich Meyer als Schutzmann gutgeheißen.
* Ausſtellung von Photographien im Gewerbemuſeum.
Vom Sonntag, den 9. d. M. an iſt für 14 Tage im
Ge=
werbemuſeum eine Serie von Photographien von
Städte=
bildern uſw., die Frl. Suſanne Homann aus
Darm=
ſtadt aufgenommen hat, ausgeſtellt. Die Aufnahmen
bil=
den eine in ſich geſchloſſene Gruppe; ſie beginnen mit
Anſichten vom Jagdſchloß S. K. H. des Großherzogs,
Wolfsgarten; es folgen Bilder aus Frankfurt, vom
Weſterwald mit Limburg, Fachwerkbauten aus
Oberheſ=
ſen, dann Bilder aus rheiniſchen Städtchen (Bacharach
und Oberweſel), aus Köln, Elberfeld=Barmen, ſchließlich
Trier. Eine beſondere Gruppe bilden Kloſter Maulbronn
und Wimpfen. Weitere Ausſtellungen ſolcher Aufnahmen
ſollen ſpäter folgen. Durch Vermittelung des
Gewerbe=
muſeums werden dieſe Aufnahmen in einer Reihe von
deutſchen Muſeen ausgeſtellt. Das feine Gefühl, mit dem
Fräulein Homann das Charakteriſtiſche eines
Straßen=
bildes, einer Baugruppe oder eines einzelnen Gebäudes
erfaßt, und der Geſchmack, mit dem ſie da und dort ein
beſonders ſchönes Detail, eine Haustür, einen
Treppen=
aufgang, eine Fenſterumrahmung und dergleichen
heraus=
greift, machen ihre Blätter beſonders genußvoll.
Architek=
ten und Studierenden werden ſie mancherlei Anregungen
geben; doch ſollen die Aufnahmen, nach denen Poſtkarten
in Kupferdruck zum Preiſe von 15 Pfg. hergeſtellt ſind,
weiter wirken und im Sinne des Heimatſchutzes überall
den Sinn für die Schönheiten unſerer deutſchen Städte
wecken.
* Meiſterprüfung und Lehrlingsanleitung. Mit
Be=
zug auf unſere früheren Mitteilungen weiſen wir darauf
hin, daß am 15. Juni Meldeſchluß für die demnächſt
ſtatt=
findenden terminlichen Meiſterprüfungen iſt und ſpäter
ein=
laufende Anmeldungen nicht mehr berückſichtigt werden
können. Der Anmeldetermin wurde, vielfach geäußerten
Wünſchen entgegenkommend, diesmal früher gelegt, um die
Prüfungen noch bis zum Herbſt d. J. zum Abſchluß
brin=
gen zu können. Wer neue Lehrlinge in letzter Zeit
an=
genommen hat oder in nächſter Zeit annehmen will, ohne
bereits das geſetzliche Recht zum Anleiten von Lehrlingen
zu haben und zu deſſen Erwerbung daher noch in dieſem
Jahre die Meiſterprüfung ablegen muß, tut gut, ſich ſofort
anzumelden und zwar dies umſomehr, als die nächſten
Prüfungen erſt wieder im Herbſt 1913 ſtattfinden werden.
Strafbar gemäß § 148 der Reichsgewerbeordnung ſind alle
diejenigen, die Lehrlinge anleiten, ohne hierzu das Recht
zu haben. Für die Zulaſſung weiblicher Perſonen zur
Meiſterprüfung ſind die für die männlichen Kandidaten
geltenden Beſtimmungen maßgebend, doch werden
wäh=
rend der bis 1. Oktober 1913 erſtreckten Uebergangszeit
weibliche Handwerker auch dann zur Meiſterprüfung
zu=
gelaſſen, wenn die vorgeſchriebene Lehr= und Geſellenzeit
oder die Ablegung der Geſellenprüfung nicht nachgewieſen
werden kann. Zur Anmeldung für die Prüfung iſt zunächſt
die Prüfungsgebühr mit 35 Mark an die
Handwerkskam=
mer zu Darmſtadt zu zahlen, das alsdann von dieſer
ab=
gegebene Anmeldeformular iſt mit allen darin
verzeich=
neten Anlagen bis 15. Juni an den Vorſitzenden der
Mei=
ſterprüfungskommiſſion für die Provinz Starkenburg,
Herrn Ingenieur Markwort zu Darmſtadt, Kaſinoſtraße 8,
einzuſenden.
* Kriegerverein Darmſtadt. Am Mittwoch abend
fand im Vereinslokal, der Turnhalle am Woogsplatz, die
Juni= Monatsverſammlung des Vereins ſtatt.
Nach Eröffnung derſelben durch den 1. Vorſitzenden
er=
ſtattete derſelbe Bericht über die Tätigkeit des
Vor=
ſtandes im abgelaufenen Monat. Das Andenken der in
dieſem Monat verſtorbenen Kameraden ehrte die
Ver=
ſammlung durch Erheben von ihren Sitzen. Für den
28. Juli iſt ein Familien=Sommerausflug
nach Auerbach, Fürſtenlager, Schönberger Schloß und
Bensheim geplant. Kamerad Kreiter berichtete über die
Vorbereitungen hierzu. Danach wird der Verein einen
Extrazug ſtellen laſſen, zu welchem jedes ſich an dem
Aus=
flug beteiligende Vereinsmitglied eine Fahrkarte frei hak.
Uebertragung dieſer Karte an eine zweite Perſon iſt nicht
geſtattet. Die Abfahrtszeit wird noch rechtzeitig bekannt
gegeben. Hierauf machte der Vorſitzende Mitteilung von
der am 15. und 16. Juni in Nieder=Olm ſtattfindenden
Mitgliederverſammlung der Haſſia und bat
die Kameraden, ſich hieran zu beteiligen. Auch um
weitere Anmeldungen zur Kyffhäuſerfahrt der Haſſia am
6. Juli d. J. erſuchte der Vorſitzende, Herr Kam. Hauptm.
Waldecker. Meldeſchluß hierfür iſt der 10. Juni. Zu
dem 25jährigen Stiftungsfeſt des Kriegervereins
Rohr=
bach, welchem Verein bei dieſer Gelegenheit die
Kaiſer=
ſchleife überreicht wird, meldete ſich eine Anzahl
Kamera=
den. Nach Bücherausgabe aus der Vereinsbücherei
er=
folgte Schluß der Verſammlung.
* Der Verband für Jugendwohlfahrt und
Jugendfürſorge in hieſiger Stadt hält heute, Freitag,
nachmittags um 5 Uhr, im Herrſchaftsſaale des
Städtiſchen Saalbaus eine Mitglieder=Verſammlung ab.
Frl. Marie Müller wird über: „Die Aufgabe der
Lehrerin bei der Fürſorge für die weibliche Jugend‟
ſprechen und Herr Amtmann Krapp über „
Armen=
pflege und Arbeitszwang”. Alle Mitglieder und ſonſtige
Intereſſenten ſind zu der Verſammlung eingeladen.
* Die deutſche Anti=Duell=Liga hält in
Ver=
bindung mit der vereinigten Gruppe Großherzogtum
Heſſen und Provinz Heſſen=Naſſau eine außerordentliche
Tagung ab am Sonntag, den 9. Juni, im Fürſtenſaale,
Grafenſtraße 20, in Darmſtadt. Um 3 Uhr iſt
ge=
ſchloſſene Mitglieder=Verſammlung, um 4 Uhr öffentliche
Verſammlung, in der ein Vortrag gehalten wird über:
„Vaterlandsverteidigung und Duell”.
*Die Rheiniſche Zeltmiſſion ſchreibt uns: Die
Zeltmiſſion dient nicht ſektiereriſchen Umtrieben. Der
Vor=
tragende, Prediger C. Dölken, iſt ſtaatlich anerkannter
Geiſtlicher und kein Sektenprediger.
* Die Stenographenvereinigung „Gabelsberger” hält,
wie aus dem Anzeigenteil erſichtlich, morgen Samstag im
„Fürſtenſaal” ihre Monatsverſammlung ab. Auch
findet an dieſem Abend die Preisverteilung des
kürzlich abgehaltenen Vereinswettſchreibens ſtatt, worauf
ganz beſonders hingewieſen ſei. Den Schluß der
Ver=
ſammlung ſoll eine Feier in Bezug auf die Mitgliederzahl
200 bilden. (S. Anz.)
* Der Bezirksverein Mathildenhöhe ladet ſeine
Mit=
glieder zu dem heute abend im Saalbau ſtattfindenden
Vortrag des Herrn Stadtbaurats Buxbaum über
den demnächſt anzulegenden Waldfriedhof ein.
* Der Heſſiſche Landesverein für Toteneinäſcherung
macht ſeine Mitglieder nochmals auf den Beſuch des heute
abend im Saalbau ſtattfindenden Lichtbildervortrags des
Herrn Stadtbaurats Buxbaum über den neuen
Fried=
hof an der Breiten Allee und die Erbauung eines
Kre=
matoriums dortſelbſt aufmerkſam. Wie man hört, ſoll
ſchon im Juli d. J. mit den Bauarbeiten daſelbſt
begon=
nen werden.
* Tanzſtudiengeſellſchaft. Man ſchreibt uns: Die
Geſellſchaft veranſtaltete am Mittwoch ihren erſten
Tanzübungsabend, der einen ſehr anregenden Verlauf
nahm. Dieſe Einrichtung bildet für die aktiven
Mit=
glieder willkommene Gelegenheit, ſich die ihnen im
Tanzen noch fehlende Geſchicklichkeit anzueignen. Außer
dieſen regelmäßigen Uebungen ſtehen die von der
Geſell=
ſchaft zu veranſtaltenden Feſtlichkeiten im Zeichen des
Tanzes. Neue Mitglieder hatten ſich zu dem erſten
Uebungsabend ebenfalls eingefunden. Sonſtige
Be=
kanntmachungen der Tanzſtudiengeſellſchaft erfolgen im
Anzeigenteil dieſes Blattes.
* Die Vereinigung junger Drogiſten im Rhein=
Main=Gau hält am Sonntag, den 9. Juni, nachmittags,
im Hotel Sitte ihren 34. Gautag ab, zu dem die
jungen Drogiſten Darmſtadts zwecks Gründung
eines Vereins junger Drogiſten Darmſtadts
eingeladen ſind.
* Heſſiſcher Hof. Morgen Samstag abend
kon=
zertiert wiederum die Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=
Regts. Nr. 61 unter Herrn Muſikmeiſter M. Webers
Leitung. Das Konzert iſt als ein „Internationaler
Abend” gedacht, wobei italieniſche, franzöſiſche und
deutſche Muſik zur Aufführung gelangt. Mehrere
Novitäten werden das Programm noch beſonders
ab=
wechslungsreich geſtalten. (Siehe Anzeige.)
* Geſangverein „Liederzweig”. Auf den Ausflug
nach dem Niederwald am nächſten Sonntag, den 9. Jun,
ſei nochmals hingewieſen. Abfahrt nach Mainz 6 Uhr
30 Minuten.
§ Tödlicher Unfall. Der Schmied Georg
Edel=
mann bei dem Bahnhauptwerkſtätteamt II im
Dorn=
heimer Weg war Mittwoch nachmittag mit Löten von
Reifen an leeren Petroleumziſternen beſchäftigt und
be=
nutzte hierzu Azetylen. Beim Löten haben ſich nun in
einer Ziſterne Gaſe geſammelt, die Ziſterne
ex=
plodierte und der nach Edelmann zu gelegene Boden
flog ihm gegen die Bruſt, wodurch der Tod des
Edelmann etwa fünf Minuten danach eingetreten iſt.
-gs. Unfall. Geſtern vormittag gegen 8 Uhr machte
in der Pankratiusſtraße ein 9 jähriger Junge mit
Petroleum Feuer an. Die Kanne explodierte
und die Kleider des Jungen fingen ſofort Feuer. Mit
erheblichen Brandwunden wurde der Verletzte mittelſt
Krankenkraftwagens durch die Rettungswache in das
Städtiſche Krankenhaus gebracht.
V Groß=Gerau, 6. Juni. Heute gelang es der
Gen=
darmerie, die beiden Zigeuner zu verhaften.
Sie hatten ſich am Mittwoch in Frankfurt Fahrkarten
ge=
löſt, um anſcheinend nach Köln zu fahren, fuhren aber,
weil ihnen die Polizei auf den Ferſen war, die Strecke
poſition zutage tretenden Raffinements in koloriſtiſcher
Hinſicht grotesk. Was ſoll man z. B. zu einem
Prome=
nadenkoſtüm aus pfauenblauem Satin=Liberty und
gras=
grünem Pliſſeeanſatz ſagen, das über den Hüften
beider=
ſeitig von ſcharlachroter à-jour=Nähterei geziert iſt, über
der goldene Schnürchen über goldene Knöpfe geleitet ſind?
Und nun gar die Anordnung des Leibchens! Ein
Fichu=
arrangement links blau, rechts grün, legt ſich über eine
ſcharlachrote Unterbluſe mit Aermelmanſchetten aus Gold
ſpitzen, mit denen auch ein großer Matroſenkragen
har=
moniert. Nicht genug daran, verbinden die Fichuteile über
dem Buſen noch Goldſchnüre. Ein ſchreienderer Effekt läßt
ſich kaum denken.
Und dennoch hat Poiret Schule gemacht. Man merkt
das ſchon an den Sommerſtoffen, unter denen zwar die
Changeanttöne vorherrſchen, die aber meiſt ſo grell
von=
einander abſtechen, daß der Eindruck doch etwas gar zu
farbenfreudig iſt. Rot und grün, blau und rot, blau und
gelb, lila und gelb und kupferbraun und mattgrün, ſind die
beliebteſten Zuſammenſtellungen. In Surah und
Mer=
veilleux wirken ſie vornehmer, als in Taffet, trotzdem dieſer
als eleganter gilt. Auch unter den ſehr beliebten geſtreiften
Taffets und den neuen faſſonierten Failles bemerkt man
die ſtarken koloriſtiſchen Kontraſte. Marquiſettes, die
natürlich über abſtehende Unterkleider gezogen werden,
empfehlen ſich dagegen durch ihre feinere Tönung.
Ent=
zückend ſind die abgepaßten, in ſchwarz, dunkelgrün und
marineblau mit breiten, wie gemalt erſcheinenden
Blumen=
borten. Ueberhaupt ſtehen abgepaßte Stoffe in der Gunſt
der Damen, ſo zieht man gegenwärtig auch dordiertes
Leinen dem in uni gehaltenen vor. Meiſt ſind ſie weiß,
ganz zartblau, ſilbergrau, fraiſe oder eréme mit ſehr
ſchma=
len, eigentlich nur linienhaft angedeuteten ſchwarzen
Strei=
fen und türkiſchen oder Mille=fleursborten. Die Kleider
aus dieſen Leinenſtoffen werden genau ſo gearbeitet, wie
die ſeidenen, wählt man dagegen einfach weiße Gewebe,
gleichviel, ob es Leinen, Pigué, Batiſt oder ſonſt ein
Phantaſieſtoff, iſt, als Material für ein Koſtüm, ſo gibt
man ihm durch die Machart den ausgeſprochenen Charakter
des Lingeriekleides, das gegenwärtig eine Kategorie für
ſich darſtellt. Seine Eigenart läßt ſich am beſten ſchildern,
wenn man ſagt, es muß ſo beſchaffen ſein, daß es ſich, wie
alle anderen Lingerien, leicht waſchen läßt. Daher iſt der
Rock nicht nach einer ſtrengen Grundform zugeſchnitten,
ſondern oben herum leicht eingereiht und die Bluſe ganz
einfach gemacht; ihr Ausputz beſteht nur in einem
ab=
nehmbaren Fichu oder in einem mäßig großen Kragen,
meiſt in Matroſen= oder Rundform. Der Stehkragen fehlt
dem Lingeriekleide ſtets; garniert wird es mit Loch= und
Durchbruchſtickerei, Spitzen, Volants und Säumchen.
Ueber die Bluſen iſt zu bemerken, daß ſie in dieſer
Saiſon eigentlich nur für einfachere Toilette eine Rolle
ſpielen und daher in eleganter Ausführung wenig im
Toilettenpanorama erſcheinen. Die modernſte Faſſon iſt
die nur aus drei Teilen zuſammenzuſtellende, mit
ange=
ſchnittenen Vorder= und Rückenbahnen und nahtloſem
Rücken, indeſſen werden auch viel Bluſen mit eingeſetzten
Aermeln getragen. Die Garnitur wird in der Regel
der=
art angebracht, daß ſie ein Gilet, ein ſpaniſches Jäckchen
oder ein ſtraff geſpanntes, faltenloſes Fichu animiert. Als
Material wählt man Batiſt, Leinen oder Foulard. Als
Nouveauté gilt ein langer Aermel mit angeſetzten
Stul=
penteilen, der ſich unter einem abſtechenden Oberärmel leicht
verbauſcht.
Unter den Umhüllen dominieren die langen loſen
Män=
tel, die natürlich der Jahreszeit gemäß aus leichten, aber
keineswegs immer hellen Stoffen gefertigt ſind. So ſind
ſolche aus dunkelblauer, lila und brauner Seide, wie aus
dunkler Reverſibleſeide, aus ſchwarzen Spitzen, Iriſch
Guipure uſw. ſehr en vogue. Der Clou der Saiſon iſt
je=
doch unſtreitig der Talarmantel mit ſeitlichem Schluß
ein entſchieden ſehr maleriſches, aber freilich auch auffälliges
Kleidungsſtück. Eines der Art, das für eine ruſſiſche
Fürſtin beſtimmt war, fand bei ſeiner Ausſtellung
allge=
meine Bewunderung. Dieſer wahrhaft königliche Mantel
war aus blau=grün=changierender Köperſeide gefertigt,
unten mit blaugrünen Franſen umgeben und über der
rechten Hüfte von einer Agraffe aus Goldfiligran und
bun=
ten Edelſteinen mit einem langen Gehänge aus echten
Perlen zuſammengehalten: den Ausſchnitt umgab ein gol=
dener Macramékragen mit Perlengrelots. Natürlich ſind
Umhüllen in Geſtalt von Jaquets und Paletots nicht ganz
von der Bildfläche verſchwunden, aber ſie treten doch nur
als Begleitung der einfachen Reiſekoſtüme auf. In den
Bädern hüllt ſich die elegante Frau, ſofern ſie überhaupt
eine Umnahme trägt, lieber in einen der geſchilderten
dekorativen Mäntel, die trotz ihrer Länge und Weite ſo
federleicht ſind und ſelbſt bei ſtärkſter Hitze nicht
inkommo=
dieren. Allerdings trägt man ſie bei Tage wohl ſelten,
ſo=
fern ſie nicht eine Toilette für den Wagenkorſo
vervoll=
ſtändigen ſollen.
Die Hutmode lehnt ſich im großen und ganzen an die
der verfloſſenen Saiſon an. Vielleicht haben ſie noch einen
Stich mehr ins Direktoire erhalten, ſo ähnelt z. B. eine
übermäßige hohe Toque aus meiſt dunkeln Strohborten
mit Federgeſteck täuſchend jenen Kopfbedeckungen, welche
Joſephine Beauharnais trug, bevor ſie Kaiſerin war.
Während die erwähnte Toque ganz ſteil auf dem Kopfe
ſitzt, haben die helmartigen Hüte, die ebenfalls nur von
einem Federgeſteck oder einem Reiherbuſch geziert werden,
eine völlig wagrechte Stellung. Neben den Toqueformen
ſehen wir auch ungeheuerlich große Modelle mit
ver=
ſchiedenartig gebogener Krempe, von der eine ſchöne breite
Straußenfeder wallt. Die Hutgarnituren zeichnen ſich im
Durchſchnitt durch überraſchende Einheitlichkeit aus
noch nie waren ſie ſo wenig kompliziert — ſelten verwendet
man mehr als ein Material für ihren Aufputz. Einmal
iſts eine Straußfeder oder ein Flügel, ein andermal ein
Blumenarrangement, bisweilen auch ein Aufbau aus
Chiffon — oder Tüllrüſchen, alles zuſammen aber nie.
Wie es den Anſchein hat, wollen heuer die dunklen
Grund=
formen die hellen verdrängen. Außer Stroh und Roßhaar
wird auch viel Tagelgeflecht für die Hüte verwendet.
Unter den Sonnenſchirmen macht ſich eine ſtarke
Ten=
denz für die gerundeten oder richtiger auffällig gewölbten
Formen kenntlich. Das Dach iſt ſo hoch, daß es die
Halb=
kugelform überſchreitet. Es werden für dieſe neuartigen
Schirme mit Vorliebe Bordürenſtoffe verarbeitet, die man
noch mit geſtickten Auflagen ſchmückt.
Seite 4
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 7. Jnni 1912.
Nummer 137.
Frankfurt-Mainz, ſprangen bei Raunheim aus dem
Z uge und flüchteten in den Wald. Hier gelang es der
Gendarmerie nach großer Mühe am Donnerstag morgen,
die beiden zwiſchen Guſtavsburg und Koſtheim zu
ver=
haften und dem Amtsgericht Groß=Gerau zuzuführen, wo
ſie in ſicheren Gewahrſam genommen wurden. Die
Ver=
hafteten leugnen, die Gebrüder Ebender zu ſein und
geben an, Winſer zu heißen.
Groß=Umſtadt, 6. Juni. Hier ſtarb der frühere
Rech=
ner der Kredit=Sparkaſſe, Rentner J. Lautz, der in dem
ganzen vorderen Odenwald eine hochangeſehene und
ge=
ſchätzte Perſönlichkeit und Mitglied des
Provinzialaus=
ſchuſſes und des Kreisausſchuſſes für den Kreis Dieburg
war. Er gründete den Odenwälder Boten und war
Mit=
begründer der nationalliberalen Partei in Heſſen.
Offenbach, 6. Juni. Der geſtern zur Beratung
zu=
ſammengetretene Kreistag für den Kreis Offenbach
erklärte ſich im Prinzip mit der Errichtung eines
Kreis=
waſſerwerks einverſtanden, das den Waſſerbedarf der
Ge=
meinden des Kreiſes ebenſo wie den bei der Stadt
eintre=
tenden weiteren Bedarf decken kann, und ſtellte für die
Ausarbeitung des Projektes dem Kreisausſchuß 45000
Mark zur Verfügung, die vorläufig nach Bedarf aus den
Beſtänden der Kreiskaſſe entnommen oder als Anlehen
für den Kreis aufgenommen werden können und bei
Aus=
führung des Projektes auf die Anlagekoſten übernommen
werden.
Offenbach, 6. Juni. Der hier wohnende Zwicker
Jakob Jacob aus Saargemünd, der aus dem ſtädtiſchen
Krankenhaus in Darmſtadt, wo er als
Unterſuchungs=
gefangener untergebracht war, ausgebrochen iſt und das
Weite geſucht hat, durfte ſich ſeiner unter etwas
aben=
teuerlichen Umſtänden errungenen Freiheit nur kurze Zeit
erfreuen. Die Kriminalpolizei bekam Wind, daß der
Flüchtling ſich hierher gewandt und bei einer
Fa=
milie Huck Unterkunft gefunden habe. Als die Beamten
heute früh um 4 Uhr dort erſchienen, um Jacob
feſt=
zunehmen, machte er einen gewagten
Fluchtver=
ſuch, der ihm jedoch dank der Aufmerkſamkeit der
Kri=
minalbeamten mißlang. Der Ausreißer wurde in Haft
gebracht, um wieder nach Darmſtadt befördert zu
werden.
Höchſt i. O., 5. Juni. Geſtern haben geringfügiger
Differenzen wegen ungefähr 100 Arbeiter der
Gummi=
warenfabrik Veithwerke, A.=G., die Arbeit
nie=
dergelegt. Die Direktion ließ hierauf hier und in
den Nachbarorten bekanntgeben, daß alle diejenigen, die
morgen früh die Arbeit nicht wieder aufnehmen würden,
entlaſſen ſeien.
Mainz, 6. Juni. Für den Umbau des
Stadt=
theaters der 1910 bewerkſtelligt wurde, waren 800000
Mark bewilligt worden. Heute trat die Bürgermeiſterei
mit einer Nachforderung von 125000 Mark an
die Stadtverordneten heran. Nach einer längeren
Aus=
ſprache wurde der Betrag bewilligt. Da ſich auch noch
einige kleinere Aenderungen und Verbeſſerungen fühlbar
machen werden, dürften die Koſten des Umbaues mit
einer Million Mark nicht zu hoch beziffert ſein. Für
Er=
richtung eines Lagergebäudes im Zollhafen wurden
147000 Mk., ferner für eine Treppenanlage,
Aſphaltierun=
gen, Herſtellung eines Reitweges u. a. m. im ganzen
weitere 20000 Mark bewilligt.
Mainz, 5. Juni. Heute vor 25 Jahren wurde in
Gegenwart einer illuſtren Verſammlung von Fürſten,
Führern deutſchen Handels und deutſcher Induſtrie der
mit einem Koſtenaufwand von 12 Millionen erbaute
Mainzer Zoll= und Binnenhafen durch den
Groß=
herzog von Heſſen feierlich ſeiner Beſtimmung übergeben.
Bingen, 5. Juni. Der Kreisausſchuß erklärte
heute die Wahl des Lehrers Muntermann zum
Bürgermeiſter von Nieder=Ingelheim, gegen die von zwei
Seiten Einſpruch erhoben worden war, für ungültig.
(*) Gießen, 5. Juni. Die Verſammlung der
Gemeinderechner fand im Café Ebel unter ſtarker
Beteiligung ſtatt; auch vom Kreisamt waren Vertreter
erſchienen. Der Vorſitzende, Arnold=Grüningen,
erſtat=
tete Bericht über das Vereinsjahr 1911 und über die
Hauptverſammlung zu Darmſtadt. Die neue
Land=
gemeindeordnung, die am 1. April in Kraft trat, wurde
eingehend beſprochen. Eine Verfügung der Behörde,
be=
reffs Gehaltsregulierung der Gemeinderechner, wird in
Kürze erfolgen. Die nächſte Hauptverſammlung für das
Heſſenland findet im Auguſt in Friedberg, die
Kreisver=
ſammlung in Grüningen ſtatt.
(*) Romrod, 5. Juni. Lebensgefährlich
ver=
letzt hat ſich ein kleines Mädchen, das mit ſeinem
Bru=
der in der Scheune Verſteck ſpielte. Es ſtürzte durch das
Scheunengerüſt auf die leere Tenne und blieb bewußtlos
mit einem ſchweren Schädelbruch liegen.
E
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 5. Juni. Die Wahl des
Staatsſekretärs a. D. Wermuth zum Oberbürgermeiſter
von Berlin iſt vom Kaiſer bereits beſtätigt worden.
Die Beſtätigungsurkunde iſt geſtern vom Oberpräſidium
in Potsdam ins Berliner Rathaus geſchickt worden. — Das
Bankhaus Gebrüder Schickler begeht heute die
Feier des zweihundertjährigen Beſtehens.
Aus dieſem Anlaß haben Herr Arthur Freiherr von
Schickler und die Firma Delbrück Schickler u. Co., einen
Kapitalfonds von 700000 Mark unter dem Namen „
Del=
brück Schickler=Penſionsfonds”
zuſammenge=
legt, aus dem den Beamten der Firma Gebrüder Schickler
und Delbrück Schickler u. Co., ſowie den Witwen und
Waiſen Zuſatzrenten zu den ihnen auf Grund der
geſetz=
lichen Verſicherung zuſtehenden Ruhegeldern und
Hinter=
bliebenen=Renten und außerordentliche Unterſtützungen in
Fällen eines beſonderen Notſtandes gewährt werden ſollen.
Ferner iſt heute der von dem verſtorbenen Teilhaber der
Firma Gebrüder Schickler, Freiherrn Ferdinand von
Schickler, mit einem Kapital von 500000 Mark errichteten
„Gebrüder Schickler=Stiftung” die landesherrliche
Geneh=
migung erteilt worden. Die Stiftung bezweckt die
Unter=
ſtützung hilfsbedürftiger Frauen und Töchter
Branden=
burgiſcher oder Berliner Kaufleute, beſonders ſolcher, die
zur Firma oder zur Familie Schickler in Beziehungen
ſtehen oder geſtanden haben. — Die Behörden hoffen nicht
mehr die aus dem Spandauer Artilleriedepot
geſtohlenen Zeichnungen wieder zu erhalten. Es ſollen
jetzt von ſämtlichen Perſonen, die in letzter Zeit zum
De=
pot Zutritt hatten, Fingerabdrücke genommen werden, um
den Dieben auf die Spur zu kommen.
Frankfurt, 5. Juni. In Offenbach iſt ein Mann
feſtgenommen worden, der verdächtig iſt, den Mord
an dem Dienſtmädchen Frieda Veſter in der
Königs=
warterſtraße begangen zu haben. Der Verhaftete iſt der
am 8. Oktober 1886 in Cappel, Kreis Marburg, geborene
Wilhelm Born. Er iſt ſchon oft beſtraft, u. a. wegen
Hehlerei mit ſechs Monaten Gefängnis und wegen
Ein=
bruchsdiebſtahls mit 2½ Jahren Zuchthaus. In Frankfurt
wurde er am 11. Mai beim Betteln betroffen und nach
Verbüßung einer Haftſtrafe von einigen Tagen am 17. Mai
wieder entlaſſen. Es iſt feſtgeſtellt, daß Born am
Pfingſt=
montag, an dem Tag, an dem die Veſter ermordet wurde,
in der Mittagſtunde einen Einbruch in ein Haus der
Wittelsbacher Allee verübt hat. Auf dieſen Mann lenkte
ſich der Verdacht der Täterſchaft des Mords. Born, der
in Offenbach beim Verkauf eines geſtohlenen Fahrrads
feſtgenommen und dann nach Frankfurt transportiert
wurde, leugnete im Anfang alles. Erſt als er dem
Mäd=
chen aus der Wittelsbacher Allee gegenübergeſtellt wurde,
gab er zu, daß er in dieſem Haus geweſen ſei, er habe aber
keinen Einbruch verſucht, ſondern gebettelt. Auf Born paßt
übrigens auch die Beſchreibung des Mannes, der von
einem Monteur aus Karlsruhe kurz nach dem Mord an der
Ecke Königswarter Straße=Sandweg beobachtet wurde.
Es fehlt aber noch der ſtrikte Beweis, daß dieſer Einbrecher
und der Mörder eine und dieſelbe Perſon ſind. Es
wer=
den vor allem auch Borns Hand= und Fingerabdrücke mit
den Abdrücken verglichen, die in der Manſarde, wo der
Mord erfolgte, aufgenommen wurden. Allerdings wird
das keine geringen Schwierigkeiten machen, weil etwa
ſechzig verſchiedene derartige Abdrücke vorliegen. In
po=
lizeilichen Kreiſen glaubt man übrigens, daß er der
Täter iſt.
Frankfurt, 6. Juni. Der Redakteur der Frankf.
Zeitung, Paul Liſtowsky, ſiedelte nach
vierund=
zwanzigjährigem Wirken in Frankfurt nach ſeiner
Hei=
mat Königsberg als Leiter der Hartungſchen Zeitung und
des Königsberger Tageblatts über.
Stuttgart, 6. Juni. Ein ſchwerer
Automobil=
unfall ereignete ſich auf der Straße zwiſchen
Reutlin=
gen und Pfullingen. Ein Auto, in dem drei Schüler und
ein Mädchen ſaßen, ſtürzte infolge falſcher Steuerung in
einen Straßengraben. Dabei wurde der Chauffeur ſo
ſchwer verletzt, daß er auf dem Transport ins
Kranken=
haus ſtarb. Das Mädchen erlitt ebenfalls ſchwere
Ver=
letzungen, während die drei Schüler mit leichteren
Ver=
letzungen davonkamen.
Dresden, 6. Juni. Die Schlußabrechnung der
Inter=
nationalen Hygiene=Ausſtellung in Dresden
1911 ergibt einen Ueberſchuß von 1066055 Mk. 91 Pfg.
Kamburg (Saale), 6. Juni. Ein unbekannter
Rei=
ſender erſter Klaſſe ſprang vor einigen Tagen in
der Nacht aus dem Schlafwagen des Berlin-Münchener
Schnellzuges unbekleidet in die Saale. Geſtern fand man
ſeine Leiche und ſein Gepäck. Letzteres lagerte in der
Gepäckaufbewahrungshalle in Halle. Es ſtellte ſich
her=
aus, daß der Selbſtmörder ein Pelzexporteur aus Moskau
namens Ragewitſch iſt.
Sprottau, 6. Juni. In Waltersdorf ſchlug der
Blitz auf freiem Felde in eine Kolonne Arbeiter.
Ein 15jähriges Mädchen war ſofort tot, ihre Schweſter
wurde lebensgefährlich verletzt, die übrigen wurden
be=
täubt, erholten ſich aber wieder.
Prag, 5. Juni. Infolge des Genuſſes
verdor=
bener Fleiſchwaren ſind in den Gemeinden
Rei=
chenſtein und Rehberg an der bayeriſchen Grenze 35
Per=
ſonen, darunter eine lebensgefährlich, erkrankt.
Paris, 6. Juni. Wie den Blättern aus Lyon
ge=
meldet wird, geſtand der Domherr Piten vor dem
Poli=
zeikommiſſar, daß die Erzählung von ſeiner gewaltſamen
Entführung erdichtet ſei und daß er ſich aus Angers
ge=
flüchtet habe, nachdem er die von ihm verwalteten Gelder
mehrerer Wohltätigkeitsanſtalten, ſowie des Seminars
im Spiele verloren habe. Da gegen Piten bisher keine
Strafanzeige erſtattet wurde, verblieb er vorläufig auf
freiem Fuße, doch wird er von der Polizei überwacht.
Paris, 6. Juni. Im Walde von Compiegne
er=
eignete ſich geſtern abend ein Automobilunglück,
bei dem eine Nichte des Direktors des chileniſchen
Zoll=
weſens Eſcebar getötet, dieſer ſelbſt und drei andere
Damen lebensgefährlich verletzt wurden.
Paris, 6. Juni. Der Erlös des erſten Tages der
Ver=
ſteigerung der berühmten Kunſtausſtellung
Deucet betrug ſamt den 10prozentigen Zuſchlägen
3 643000 Franken. Ein Paſtellporträt des Malers de la
Cour wurde von Baron Henry de Rothſchild für 600000
Franken erſtanden.
Genf, 6. Juni. Der hieſige öſterreichiſch=ungariſche
Konſul Padowitz Klan iſt geſtern abend wegen
Betruges und Vertrauensbruches in mehreren Fällen
verhaftet worden. Er ſoll Unterſchlagungen in Höhe
von 20000 Franken verübt haben. Vor einiger Zeit war
das Konſulat von Einbrechern heimgeſucht worden, die
Wertgegenſtände im Betrage von 10000 Franken raubten.
Ein merkwürdiges Zuſammentreffen will es nun, daß die
Diebe gleichfalls geſtern verhaftet und gemeinſam mit
dem Konſul in das Gefängnis eingeliefert wurden.
Sofia, 6. Juni. In weiten an der Donau liegenden
Landſtrecken Bulgariens herrſcht große Heuſchrecken=
Plage. Drei Regimenter Infanterie ſind zu ihrer
Vernichtung aufgeboten. Die Heuſchrecken haben jetzt die
Richtung nach Rumänien eingeſchlagen. Man befürchtet
für die Ernte der überfallenen Gegenden.
Kongreſſe und Verbandstage.
39. Deutſcher Gaſtwirtetag.
Chemnitz, 5. Juni. Dem heutigen Beginn des
39. Deutſchen Gaſtwirtetages ging die Eröffnung
einer Fachſchulausſtelllung voraus. Unter
Be=
teiligung von über 700 Mitgliedern des Deutſchen
Gaſt=
wirteverbandes wurde dann um 10 Uhr im Kaufmänniſchen
Vereinshaus der 39. Deutſche Gaſtwirtetag eröffnet. Nach
den Begrüßungen wurde an den Kaiſer ein
Huldigungs=
telegramm abgeſandt. — Sodann hielt Profeſſor Dr.
Wittelshöfer=Berlin einen Vortrag über: Nah= und Spiritus. Der
Gaſt=
wirtetag beſchäftigte ſich ſodann mit den Anträgen
verſchie=
dener Vereine auf Errichtung von
Gaſtwirtekam=
mern. Dieſe Anträge ſind durch eine Petition des
Ver=
bandes, die dem Reichskanzler als Material überwieſen
worden iſt, als erledigt anzuſehen. Ein Antrag
Duis=
burg, alle der Organiſation angehörigen Vereine in „Freie
Wirte=Innungen” umzuwandeln, ſoll, da der Gedanke der
Gaſtwirtekammern erſt dann verwirllicht werden kann,
wenn die Gaſtwirte=Organiſation auf gewerbegeſetzlicher
Grundlage beruht, dem geſchäftsführenden Ausſchuß zur
Ausarbeitung überwieſen werden. Ein Antrag
Oberſchle=
ſien und Lüneburg, der Gaſtwirteverband ſoll an
zuſtän=
diger Stelle Schritte tun, damit das beſtehende Verbot,
wonach Zigaretten auf Tellern oder Tabletts den Gäſten
nicht verabreicht werden dürfen, aufgehoben werden ſoll,
wird angenommen. Hierauf folgte ein Vortrag von
Fach=
ſchuldirektor Haumann über das „Fachſchulweſen
im Verbande‟. Der Redner fordert die Einführung
des fremdſprachlichen Unterrichts an ſämtlichen Fachſchulen.
Zum Punkt Tonſetzervertrag lagen folgende drei
Anträge vor: 1. Antrag der Zone Schleſien, Berichterſtatter
Hirſemann= und Mende=Breslau: Den
Verbandsausſchuß=
zu erſuchen, mit der Genoſſenſchaft Deutſcher Tonſetzer eine
Herabſetzung der Tarifſätze laut Empfehlungsvertrag zu
vereinbaren. 2. Antrag der Zone Freie und Hanſaſtädte,
Vorträge.
nn. Heſſiſcher Jagdklub. Im Städtiſchen
Saalbau hielt vor einem zahlreichen Zuhörerkreiſe Herr
Ingenieur Neumann, Kuſtos der waffentechniſchen
Sammlung an der hieſigen Techniſchen Hochſchule, einen
Vortrag über „Den Schrotſchuß” und ſeine
balli=
ſtiſchen Unterſuchungen und Wirkungen. Der Vortrag
wurde durch eine reiche Anzahl von Lichtbilderaufnahmen
unterſtützt. Nach den Ausführungen des Vortragenden
wurde im Jahre 1727 das erſte Patent zum Schießen
mit Schrot genommen. Die Herſtellung der Schrote iſt
für die Schuß=Balliſtik von größter Wichtigkeit. Sie
er=
folgt in ſogen. Schrotöfen, in denen das flüſſige
Metall auf gewiſſe Höhen gepumpt wird, von wo es durch
einen Rohrſchacht in Waſſer oder Eiswaſſer abfällt und
dadurch ſeine runde Form erhält. Damit das Schrot nicht
oxydiert, wird ihm noch ein Ueberzug von Amalgam
zugeſetzt. Redner beſprach ſodann eingehend die
Schuß=
wirkungen eines Flintenlaufgeſchoſſes und die Frage, ob
Hartſchrot oder Weichſchrot beſſer für die Jagd geeignet
iſt. Durch eine Reihe gegenübergeſtellter Scheibenbilder
und Tabellen wurde die größere Treffſicherheit des
Hart=
ſchrots zur Evidenz feſtgeſtellt. Das Stahlſchrotſchießen
iſt wegen ſeiner großen Streuung von der Jagd
auszu=
ſchließen. Eingehend beſprach ſodann der Redner die
wichtigen Teile der Hülſenfabrikation, das Pulver und
die Zündungen. Empfehlenswert ſei es, mit geſchloſſener
Zündung zu ſchießen. Pfeil= und Amboszündung haben
ſich nicht bewährt. Eingehend behandelte der Redner
noch die Anordnung des Gewehrlaufs für den
Schrot=
ſchuß, insbeſondere die Drallſyſteme und die
Ueberführ=
ung der Schrotpatronen in den Lauf. Empfehlenswert
ſei der koniſche Laufübergang, um Rückſchlager zu
ver=
meiden. Hochintereſſant waren die bildlichen
Vorführ=
ungen der Schießverſuche der Verſuchsſtation
Neumanns=
walde, in der über die innere Balliſtik des Schrotſchuſſes,
über die Rückſtoßwirkungen und die Ermittelung der
Gaskurven beim Schrotſchuß wiſſenſchaftlich wertvolle
Verſuche gemacht wurden. Der Vorſitzende des Heſſiſchen
Jagdklubs ſprach Herrn Ingenieur Neumann Dank und
Anerkennung für ſeine lehrreichen Darlegungen aus und
widmete ihm ein „dreifaches fröhliches Horridoh”.
Feuilleton.
— Neue Veröffentlichungen über König Eduard. Der
ſoeben veröffentlichte Ergänzungsband des Dictionary of
National Biography enthält einen Aufſatz von Sir
Sid=
ney Lee über König Eduard der auf
unveröffent=
lichtem Material beruht. Der Verfaſſer teilt mit, daß die
Königin Viktoria ihren Sohn lange Zeit hindurch von
allen Staatsgeſchäften fernhielt. Erſt 1892 geſtattete die
Königin, daß der Prinz von Wales durch die Privat=
Sekretäre des Premierminiſters Kenntnis von
vertrau=
lichen Aktenſtücken erhielt und erſt ſeit 1895 wurden ihm
die Depeſchen des Auswärtigen Amts regelmäßig
zugäng=
lich gemacht. Nach ſeiner Thronbeſteigung beſchränkte ſich
der König in der inneren Politik auf die Rolle des
un=
parteiiſchen Beobachters und er bemühte ſich, den Konflikt
wegen des Budgets, von 1909 und den Verfaſſungsſtreit
beizulegen, akzeptierte aber die Politik des Kabinetts.
Die Reden des Miniſters Lloyd George erſchienen ihm
oft=
mals als unverantwortlich und leichtfertig. Ueber ſeine
Beziehungen zu Kaiſer Wilhelm und Deutſchland ſagt
Lee: König Eduard war trotz einiger vorübergehender
Mißverſtändniſſe von aufrichtiger Zuneigung für Kaiſer
Wilhelm erfüllt, und er war von wirklicher ſyſtematiſcher
Feindſchaft gegen Deutſchland weit entfernt. Sein
per=
ſönſiches Gefühl wurde durch die gegenſeitige Eiferſucht
beider Nationen nur wenig beeinflußt. Wenn er auch eine
perſönliche Vorliebe für Frankreich hatte, ſo war er doch
direkt nicht verantwortlich für die Politik der Entente
cordiale. Seine konſtitutionelle Stellung und ſeine
per=
ſönliche Entwickelung verhinderten ihn, einen maßgebenden
Einfluß auf die auswärtige Politik auszuüben. Lee ſagt
unter anderem: Seine politiſche Einſicht wurde nicht
über=
chätzt, wenn er in formloſer Unterhaltung über ſichere
Ge=
meinplätze hinausging. Eine unverantwortliche
Aeußer=
ung, die er in Paris in einer Privatgeſellſchaft machte, daß
die Entente in ein militäriſches Bündnis verwandelt
wer=
den ſollte, fand keinen Widerhall.
* Der verbotene Trunk im Ratskeller. Aus
Rudol=
ſtadt wird der Köln. Ztg. geſchrieben: Unſere Stadtväter
haben ein ſtattliches Haus für ihren hohen Rat gebaut,
und die Erbauer, die Münchener Architekten Herms und
Veil, hatten auf des Rates Geheiß unter anderem auch
den ſinnigen Einfall, einen ſchönen Ratskeller hier
ein=
zubauen, dieweil zur ſauren Arbeit im Dienſte der Stadt
ein guter Trunk ſich allezeit als angebracht und
bekömm=
lich erwies und immerdar erweiſen wird. Zu ſolchem
Trunk ziemt ſich auch ein behaglicher Raum. In
Wür=
digung all dieſer erweislich wahren Tatſachen ließ man
die Räume im tiefen Keller durch einen Münchener Maler
und einen heimiſchen Künſtler mit Bildern ſchmücken,
ſtellte auch allerlei Wohlgeratenes aus anderen
Fakul=
täten hinein und verpachtete daraufhin alles an einen
betriebſamen Herrn vom Elbeſtrande, der das meiſte Geld
geboten hatte. Am 1. Juli ſollte der neue Ratskeller ſeine
Pforten öffnen, zur ſelben Zeit, wo auch die Dienſträume
des neuen Hauſes in Benutzung genommen werden. Zur
Vorbereitung eines guten Anfangs traf der Wirt hier
vor einigen Wochen ein. Jetzt aber ſtellte es ſich heraus,
daß man an die Hauptſache zuletzt gedacht hatte und
daß=
ſie fehlte — nämlich die Konzeſſion zum Schankbetrieb.
Sie wurde vom Landrat verweigert. Glatt und
entſchie=
den! Und zwar mit der Begründung, daß ſowieſo zu
viel Wirtſchaften da ſeien, daß er — was richtig iſt
deshalb bereits mehrmals die Bewilligung von
Konzeſ=
ſionen abgeſchlagen hätte und nun unmöglich eine
Aus=
nahme machen könne. Darob iſt nun der Rat der Stadt
in große Beklemmung, die Bürgerſchaft in große
Heiter=
keit verſetzt worden — das heißt, ſoweit ſie Verſtändnis
für Humor hat.
— Inſekten als Sänger. Daß die Inſekten im großen
Konzert der Natur als eifrige Muſikanten tätig ſind, weiß
jeder, der einmal an einem ſtillen Sommerabend dem
Geigen der Grillen gelauſcht hat. Aber daß in Japan
Inſekten die Stelle der Kanarienvögel vertreten
und durch ihren Geſang wahres Entzücken
er=
regen, dürfte weniger bekannt ſein. Die Inſekten
bringen ihre Muſik im allgemeinen durch das
An=
einanderreiben beſtimmter Teile ihres Körpers oder
durch Schwingungen der Flügel während des Fluges
ervor; jedoch muſizieren auch manche Arten durch das
Erzittern einer beſtimmten Membran, die durch Muskeln
bewegt wird. In Tokio gibt es zwei Firmen, die den
Handel mit ſingenden Inſekten en gros
betreiben. Sie ſchicken fliegende Händler durch die Stra=
Nummer 132₰
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 7. Juni 1912.
Seite 5.
Berichterſtatter Goldſchmitt=Travemünde: Es muß
Klar=
heit in dieſe Sache gebracht werden, auch ſind die Tarifſätze
der deutſchen Tonſetzer, beſonders für kleine und kleinſte
Lokale, zu verbilligen. 3. Antrag Königsberg II,
Bericht=
erſtatter F. Oſterode: Der Deutſche Gaſtwirteverband wolle
dahin wirken, daß die Genoſſenſchaft Deutſcher Tonſetzer
ein Verzeichnis herausgibt, aus welchem die
tantiemen=
pflichtigen Stücke der deutſchen Autoren und derjenigen
öſterreichiſchen Tonſtücke, welche durch den Abſchluß mit der
Genoſſenſchaft DeutſcherTonſetzer bis zum 31. Dezember
1912 aufgeführt werden dürfen, zu erſehen ſind, dergeſtalt,
daß periodiſch die Aenderungen ebenfalls bekannt gegeben
werden. Die Anträge wurden von den genannten
Refe=
renten begründet und dem geſchäftsführenden Ausſchuß zur
Bearbeitung überwieſen. Es folgt dann die Beratung der
Anträge, betreffend die Reichsgewerbeordnung.
Der Verbandstag beſchloß, alle Anträge zur Abänderung
der Gewerbeordnung in einer neuen Petition der
Regie=
rung zu unterbreiten. Es wurde hierauf folgende
Reſo=
lution gefaßt: „Der 39. Deutſche Gaſtwirtetag in
Chem=
nitz hat durch die erneut vorgebrachten Klagen die
Ueber=
zeugung gewinnen müſſen, daß die nunmehr ſchon ſeit
vie=
len Jahren in wiederholten Eingaben geſchilderten
Miß=
ſtände auf dem Gebiete des Konzeſſionsweſens für
Schank=
wirtſchaften des zum Winkelſchank benützten Verkaufes von
Kaffee, Tee, Schokolade, ſowie alkoholfreier Getränke
in=
zwiſchen nicht beſſer, ſondern ſchlechter geworden ſind,
ge=
nährt noch von einer Rechtſprechung, die in Ermangelung
geeigneter Geſetze, namentlich dem Penſionsunweſen
gro=
ßen Vorſchub geleiſtet hat. Der =39. Deutſche Gaſtwirtetag
ſpricht die Erwartung aus, daß im Intereſſe einer
Ge=
ſundung des Gaſtwirtsgewerbes die maßgebenden Stellen
den Klagen der Gaſtwirte mehr Rückſicht ſchenken, als
bis=
her, und die langerſehnte Reform des § 33 R.=G.=O. nun
in die Wege geleitet werde.”
Hauptverſammlung der Deutſchen
Kolonialgeſellſchaft.
* Hamburg, 5. Juni. In der heutigen
Nach=
mittagsſitzung der Deutſchen
Kolonial=
geſellſchaft wurde der Antrag München faſt
einſtim=
mig angenommen, in dem ſich die Verſammlung im
Gegenſatz zu der am 8. Mai gefaßten Reſolution des
Reichstages dahin ausſpricht, daß die gegen die Ehen
zwiſchen Weißen und Farbigen erlaſſenen
Ver=
ordnungen aufrecht erhalten werden. Die Geſellſchaft
erneuert die Aufforderung an die Deutſchen in den
Schutz=
gebieten, auch ihr Teil beizutragen, daß ein Aufkommen
der Miſchlingsraſſe verhindert wird und die Deutſchen,
ihrer Stammesangehörigkeit bewußt, den Umgang mit
eingeborenen Frauen meiden. Der Beſchluß ſoll dem
Reichskanzler übermittelt werden. In der Diskuſſion
ſprach Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg aus, wo
Miſchraſſen entſtehen, ſehe nicht nur der Weiße mit
Ver=
achtung auf die Miſchlinge herab, ſondern auch der
Ein=
geborene, welcher wiſſe, daß ſich nur minderwertige
ſchwarze Frauen Weißen hingeben. Verbleibe der
Miſch=
ling draußen in der Kolonie ein anerkannter deutſcher
Staatsbürger, ſo ſinke die Achtung vor dem weißen
Stamme, deshalb müſſe der Miſchling ſtaatsrechtlich den
Eingeborenen gleichgeſtellt bleiben. Staatsſekretär Dr.
Solf wurde einſtimmig der Dank für ſein Eintreten für
das Miſchehenverbot ausgeſprochen.
Hauptverſammlung des Verbandes
Deutſcher Kunſtvereine.
— Dresden, 5. Juni. Der Verband Deutſcher
Kunſtvereine trat hier im Künſtlerhauſe unter dem Vorſitz
von v. Pixis=München zu ſeiner 3. ordentlichen
Haupt=
verſammlung zuſammen. Die Verſammlung beſchäftigte
ſich zunächſt mit dem Jahresbericht, in dem
hervorgeho=
ben wird, daß das einheitliche Zuſammenarbeiten in
Ausſtellungsangelegenheiten bei allen Vereinen ſtetig
zu=
nehme. Nach einer Aufſtellung haben 73 Vereine mit
85300 Mitgliedern jährlich für die Kunſt beinahe zwei
Millionen aufgewendet. Die Zuſpitzung der
wirtſchaft=
lichen Verhältniſſe der Künſtlerſchaft mache eine
Organi=
ſation des Verkaufes zur unabweisbaren Pflicht. Von
den im letzten Jahre beſchloſſenen Wanderausſtellungen
verſpricht ſich der Verein einen guten Erfolg. Im Kampfe
gegen den Winkelkunſthandel verlangt der Verein die
Konzeſſionspflicht für das Kunſthändlergewerbe, die aber
von der Reichsregierung vorerſt abgelehnt wurde. Die
Verſammlung beſchloß, den deutſchen
Künſtlervereinig=
ungen nahe zu legen, bei dem Verkauf von Kunſtwerken
reelle Preisnotierungen anzugeben. Nach Erledigung
weiterer interner Verbandsangelegenheiten fand die
Tag=
ung ihr Ende.
* Leipzig, 6. Juni. Heute vormittag wurde im
ſtädtiſchen Kaufhauſe die zwanzigſte
Jahresver=
ſammlung des Verbandes Deutſcher
Elektro=Techniker eröffnet. An den früheren
Vorſitzenden des Verbandes, Geheimrat Slaby=Berlin,
wurde ein Begrüßungstelegramm abgeſandt. Profeſſor
Dr.=Ing. Kapp von der Univerſität Birmingham
über=
reichte dem Vorſitzenden ein Geſchenk der engliſchen
Kom=
miſſion und der internationalen elektrotechniſchen
Kom=
miſſion ein Bild des großen Phyſikers Michale
Farra=
day. Nachmittags 1 Uhr wurde in Gegenwart der
Teil=
nehmer der Tagung die elektrotechniſche Ausſtellung
Leip=
zig 1912 für Haus, Gewerbe und Landwirtſchaft
er=
öffnet.
* Kiel, 6. Juni. In der Marine=Akademie trat
heute vormittag die ſchiffbautechniſche
Geſell=
ſchaft zu ihrer diesjährigen
Sommerverſamm=
lung zuſammen. Nach den einleitenden Worten von
Prof. Busley ſprach Marinebaurat Berling=Kiel über
die Entwickelung der Unterſeeboote und ihrer
Haupt=
maſchinenanlagen. Danach hielt Regierungs= und
Bau=
rat Schultz=Kiel einen Vortrag über den Kaiſer Wilhelm=
Kanal und ſeine Erweiterung. Prinz Adalbert von
Preußen, der Chef der Marineſtation der Oſtſee Cörper
und viele andere hohe Marineoffiziere wohnten der
Ver=
ſammlung bei.
Luftfahrt.
* Die offiziellen Ergebniſſe der
Ber=
liner Frühjahrs=Flugwoche liegen jetzt vor.
Am beſten ſchnitt der Ruſſe Abramowitſch auf
einem Wright=Doppeldecker ab. Es folgen Rupp auf
Albatros Mohns auf Wright, Roſenſtein auf Rumpler=
Taube, Stoeffler auf L. V.=G.=Zweidecker, Alig auf
Dor=
ner, Krüger auf Harlan, Wexler auf Albatros, Marſhal
und Bouterd auf Rumpler=Taube, Stiploſchek auf L. V.=
G.=Eindecker, Baierlein auf Argo=Zweidecker, Albers auf
Rumpler=Taube, v. Goriſſen auf Argo=Doppeldecker,
Schwandt auf Grade=Eindecker, Fokker auf Fokker=
Ein=
decker und Gaſſer auf Grade=Eindecker.
* Berlin, 6. Juni. Einer Hamburger Meldung
zufolge reiſt Graf Zeppelin heute zu einer Audienz
beim Kaiſer nach Berlin. Er verabſchiedete ſich geſtern
von der Mannſchaft des „Z. 3‟ mit den Worten: „Auf
Wiederſehen in Friedrichshafen!‟ Danach würde er das
Luftſchiff auf der Rückreiſe nicht ſelbſt führen.
* Leipzig, 6. Juni. Leutnant Bier fliegt heute
zur Teilnahme am Fernflug Berlin-Wien auf
ſei=
nem Mars=Eindecker von Leipzig nach Johannisthal.
* Hamburg, 6. Juni. Wie nunmehr bekannt, wird
das Zeppelin=Luftſchiff Viktoria Luiſe” am 12. Juni
hierher kommen. Welcher Weg gemacht wird, hängt von
der Wetterlage ab; doch beſteht die Abſicht, die Fahrt bis
zur Nordſeeküſte auszudehnen.
* Odeſſa, 6. Juni. Der Flieger Derimew machte
auf dem hieſigen Flugplatz mit einer von ihm erfundenen,
beſonders für Militärflieger wichtigen Vorrichtung, die es
ermöglicht, ohne fremde Hilfe den Motor in Bewegung zu
ſetzen und aufzuſteigen, einige Verſuche, die beſtens
ge=
langen.
Sport.
G.A. Turnwarteübung und Wettkämpfe im Ringen.
Am Sonntag, den 9. Juni d. J., findet in der Turnhalle
der Turngemeinde Darmſtadt (Woogsplatz) eine Uebung
für ſämtliche dem Main=Rheingau der Deutſchen
Turner=
ſchaft angehörigen Vereinsturnwarte ſtatt. Die für das
auf den 7. Juli 1912 feſtgelegte, in Eberſtadt bei
Darm=
ſtadt ſtattfindende 50. Gauturnfeſt beſtimmten
allgemei=
nen Freiübungen, die Uebungen für die älteren Turner
und Kampfrichter, ſowie die für das Vereins= und
Muſter=
riegenturnen vorgeſchriebenen Ordnungsübungen
wer=
den nochmals eingehend durchgenommen. Außerdem
werden die Pflichtübungen für das Einzelwetturnen
be=
kannt gegeben und gezeigt. Nachmittags um 3 Uhr
kom=
men die Wettkämpfe im Ringen, die am Sonntag, den
2. d. M., bei dem volkstümlichen Wetturnen in
Pfung=
ſtadt des ſchlechten Wetters wegen ausfallen mußten, zum
Austrage.
* Radrennen in Darmſtadt. Die am Sonntag, den
9. Ini, auf der Radrennbahn ſtattfindenden großen
Radrennen haben eine vortreffliche Beſetzung infolge
mehrerer Nachmeldungen erfahren. Neben den in erſter
Linie intereſſierenden Dauerrennen mit
Motorſchritt=
machern, über deren Beſetzung wir geſtern berichteten,
ver=
dienen die Flieger=Rennen für Berufsfahrer Beachtung,
da ſich hier ein Feld auserleſener Fahrer
zuſammen=
findet, deren Namen ohne weiteres ſcharfe, ſpannende
Kämpfe gewährleiſten. In erſter Linie iſt der bekannte
Weltmeiſter Otto Meyer Ludwigshafen zu nennen,
der nach längerer Zeit wieder einmal hier am Start
er=
ſcheint. Die Sechstagefahrer Gebr. Eſſer=Köln, deren
großartiges Fahren in den diesjährigen Sechstagerennen
Senſation erregte ſowie Jul. Bettinger, einer der
ſchnellſten Fahrer der Jetztzeit, dürften ernſthafte Gegner
des Weltmeiſters ſein, ganz zu ſchweigen von den an=
deren klangvollen Namen, wie Schmitter=Köln,
Bünten=
broich, Müller, Meyer=Köln, Frings=Aachen, Rädlein
und Heinemann=Hamburg, Brehmer=Hannover. Die Liſte
vervollſtändigen ferner eine Reihe guter Berufsfahrer
aus Frankfurt a. M., Mainz, Nürnberg und Darmſtadt.
Ohne Zweifel wird um die ausgeſetzten Barpreiſe heiß
gekämpft, ſodaß die Rennbahnbeſucher ihre Befriedigung
finden werden.
Der deutſche Flottenbeſuch in Amerika.
* Waſhington, 5. Juni. Der deutſche
Botſchaf=
ter Graf Bernſtorff gab den deutſchen
Marine=
offizieren ein Frühſtück. Die Offiziere ſprachen
ſpäter bei dem Präſidenten Taft, dem Staatsſekretär
des Auswärtigen Knox und dem Marineſtaatsſekretär
Meyer vor. Sie wurden überall herzlich empfangen.
Zu Ehren der in Fort Monroe zurückgebliebenen
Offi=
ziere und Mannſchaften fanden dort zahlreiche
Veran=
ſtaltungen ſtatt. Geſtern gab Vizekonſul Schmelz in
Newport News zu Ehren der deutſchen und
amerikani=
ſchen Offiziere ein Gartenfeſt.
Die Wahlkrawalle in Belgien.
* Brüſſel, 5. Juni. Im ganzen Lande nahm die
Ausſtandsbewegung an Ausdehnung zu.
Be=
ſonders in den Gegenden von Lüttich und Charleroi iſt
eine ſtarke Zunahme der Streikenden zu verzeichnen. Der
Generalrat der ſozialiſtiſchen Partei, der heute vormittag
tagte, beſchloß, einen Appell an die Bevölkerung zu
richten und ſie zur Ruhe zu ermahnen. Der Bürgermeiſter
von Brüſſel unterſagte Zuſammenrottungen und
Kund=
gebungen.
* Brüſſel 5. Juni. Eine Rotte junger
Bur=
ſchen drang geſtern abend gegen 9 Uhr nach dem
Bör=
ſenplatz, wo ſie bald durch Geſinnungsgenoſſen verſtärkt,
bis zu ungefähr 1000 Mann angeſchwollen war. Darauf
zogen ſie mit roten Taſchentüchern an den Stöcken ſingend
und johlend durch die Straßen der Stadt, alle
Fenſter=
ſcheiben der Magazine und die Laternen zertrümmernd.
Die Tür der Kirche zu St. Nicola wurde durch einen
Holzblock eingerannt, worauf man das Innere der Kirche
in Brand ſteckte. In gleicher Weiſe wurde eine in
nächſter Nähe liegende Kapelle ausgebrannt und
außer=
dem die Altargeräte geſtohlen. Die Brandſtiftung einer
dritten Kirche mißlang, da inzwiſchen Gendarmerie zu
Pferde auf dem Plan erſchienen war, die mit blanker
Waffe einſchlug. Mehrere Exzedenten wurden verletzt,
ein großer Teil verhaftet.
* Brüſſel, 6. Juni. Im ganzen iſt der geſtrige
Abend in Belgien ruhig verlaufen, wenn man
von den Ausſchreitungn in Brüſſel, über die bereits
be=
richtet wurde, abſieht. Nur in Lüttich ſollen einige
Kund=
geber die Fenſter einer Kirche eingeworfen haben. In
Brüſſel hat die Polizei etwa 15 Verhaftungen
vorge=
nommen und es ſollen bei den Zuſammenſtößen mit der
Gendarmerie und der Polizei vier Perſonen verwundet
worden ſein. In Louviere und Jolimont verſuchten die
Vertreter des ſozialiſtiſchen Parteivorſtandes die
Arbei=
ter zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen. Sie
hatten keinen Erfolg und wurden von einigen
Teilneh=
mern der Verſammlung ausgepfiffen. Es wird ſich nun
im Laufe des heutigen Tages zeigen müſſen, inwieweit
der Parole des Parteivorſtandes, die Arbeit wieder
auf=
zunehmen, Folge geleiſtet wird. Hiervon wird es
abhän=
gen, ob ſchon heute oder morgen in Belgien wieder
voll=
kommene Ruhe herrſcht.
Der engliſche Transportarbeiterſtreik.
* London, 5. Juni. Kurz vor Schluß der
heu=
tigen Sitzung des Unterhauſes wurde die Frage
des Hafknarbeiterſtreiks noch einmal aufgeworfen.
Lloyd George erweiterte ſeine früheren Erklärungen,
indem er die Bedeutung der Bildung eines
Arbeitneh=
merverbandes hervorhob der ſtark genug ſein müſſe, um
die Arbeitgeber zu zwingen, ſich an die Abmachungen zu
halten. Auch von Seiten der organiſierten Arbeiter müſſe
jedoch eine Gaxantie für die Beobachtung der
Abkom=
men gegeben werden. Der nationale
Transportarbeiter=
verband habe deshalb eine Reſolution angenommen, in
der er dem Regierungsvorſchlag auf Bildung eines
ge=
meinſamen Schiedsgerichts zugeſtimmt und der
Grund=
ſatz der Stellung von Bürgſchaften in Geld angenommen
wird, welche eine Sicherheit dafür bieten ſollen, daß die
Abmachungen von Arbeitgebern wie von den Arbeitern
eingehalten werden. Lloyd George bezeichnete dies als
ein bedeutendes Entgegenkommen auf Seiten der Leute
und forderte die Arbeitgeber auf, unverzüglich einen
Verband zu bilden, der die Aufgabe hätte, darüber zu
wachen, daß die Abmachungen der Arbeitgeber befolgt
würden. Er ermahnte die Leute dringend, inzwiſchen die
Arbeit wieder aufzunehmen, da der Verband der
Arbeit=
geber nicht in wenigen Tagen gebildet werden könne.
R. Macdonald ſagte darauf, er ſei zu der Erklärung
er=
mächtigt, daß, wenn die Regierung durch Verhandlungen
mit den Arbeitgebern oder durch eine andere Maßnahme
den Transportarbeitern eine beſtimmte Bürgſchaft dafür
geben könne, daß dieſe Angelegenheit keinen
ungerechtfer=
tigten Verzug erleidet und ein Schiedsgerichtshof zur
Beilegung der ſtrittigen Punkte eingeſetzt würde, die
Ar=
beiter aufgefordert werden würden, ſofort wieder an ihre
Arbeit zu gehen.
Vermiſchtes.
— Akademiſche Würzburger Siegelmarken
in Silhouette=Manier ſind die neueſten Spezialitäten im
Markenſammelweſen. Der Fremdenverkehrsverein
Würz=
burg hat außer der bekannten Würzburger Stadtmarke (mit
der Feſtung Marienberg und dem Bocksbeutel) neuerdings
zwei Marken mit ſtudentiſchen Silhouetten herausgegeben,
die eine mit dem Gaudeamus=Zitat „Vivat Academia!”
die andere mit dem Liedſpruch Stoßt an, Würzburg ſoll
leben!‟. Die Marken, die zunächſt der Propaganda für die
ſchöne Mainſtadt und ihre Univerſität dienen, die in ihrer
hübſchen und originellen Ausführung aber auch der
neu=
erwachten Liebhaberei für die Silhouetten=Kleinkunſt
ent=
gegenkommen, ſind vom Verkehrsbureau Würzburg (6 Stück
zu 10 Pfg., 100 Stück zu 1 Mark und 1000 Stück zu 4 Mark)
portofrei und nach Wahl zu beziehen.
— Stuttgarter
Lebensverſicherungs=
bank a. G. (Alte Stuttgarter). Nach dem
Rechen=
ſchaftsbericht, der dem Aufſichtsrate der Bank in ſeiner
Sitzung vom 15. Mai d. J. vorlag, wurden im
abgelau=
fenen Jahre 1911, dem 57. Geſchäftsjahre, 16058 neue
An=
träge eingereicht über 108 457950 Mark Kapital gegen
12393 Anträge über 93 478 475 Mark im Vorjahr. Zur
Annahme gelangten in der Todesfallverſicherung 13 368
(i. Vorj. 10 453) Verſicherungen mit 87831 265 Mark (im
Vorjahre 77901 405 Mk.) Kapital. Nach Abzug der fällig
gewordenen und vorzeitig aufgegebenen Verſicherungen
für Jagdpacht 3 Pfennige, verbleiben 2 Pfennige, die
an die Steuerkaſſe Neuß zu zahlen ſind.” Bisher hat der
Steuerpflichtige dieſe Schuld prompt in Jahresraten aus
der Welt geſchafft. Nunmehr beabſichtigt er jedoch, die
Steuer mit 1 Mark für 50 Jahre im voraus zu zahlen.
Von dem Entgegenkommen der Steuerkaſſe Neuß
er=
wartet er dagegen, daß dieſe ihm das für den gleichen
Zeitraum erſparte Porto mit 5 Mark
ver=
gütet!
* Darf in den geheimen Sitzungen des Magiſtrats
geraucht werden? Dieſe Frage beſchäftigt gegenwärtig
die Bürgerſchaft und die ſtädtiſchen Behörden von
Bam=
berg aufs lebhafteſte. Die Sozialdemokraten ſind gegen,
die bürgerlichen Parteien wie der Magiſtrat für das
Rau=
chen. Jetzt gibts nun „eine Flucht in die Oeffentlichkeit”
indem der Magiſtrats=Rat Karl Zimmer folgende
öffent=
liche Erklärung erläßt: „Um irrigen Kombinationen im
pt. Publikum bezüglich meines Fernbleibens von den
Magiſtratsſitzungen vorzubeugen, erkläre ich hiermit, daß
ich den Sitzungen erſt dann wieder beiwohnen werde,
ſobald das klubmäßige Rauchen während der
ge=
heimen Sitzungen, wogegen ein meinerſeits aus
Ge=
ſundheitsrückſichten bereits geſtellter Antrag leider
er=
folglos blieb, durch die Herren Vorſitzenden unterſagt
wird.” Wer wird ſiegen, die Raucher oder die
Nicht=
raucher?
* Steinflieſen aus dem Goethe=Haus zu verkaufen!
Aus Weimar erzählt man der B. Z.: Vor Jahren hatte
ein Maurermeiſter im Goethe=Haus Reparaturen
ausge=
führt und dabei auch den Fußbodenbelag, der aus
Stein=
flieſen beſtand, erneuert. In einer ungewiſſen Ahnung
daß auch alte Steine einmal Wert bekommen können,
ver=
erbte er die Platten ſeinem Sohne, und dieſer ſucht jetzt
einen Käufer für die Steinflieſen, auf denen einſt „Goethes
Fuß wandelte‟ Der Kaufpreis ſoll „nur” zehntauſend
Mark ſein.
ßen, die die winzigen Sänger in kleinen Bambuskäfigen
mit ſich führen und zum Kaufe anbieten. Jeder dieſer
Händler verdient durchſchnittlich etwa 3—4 Mk. pro Tag
Die ſingenden Inſekten koſten zwar pro Stück nicht mehr
als 10 bis 30 Pfg., aber da die Sterblichkeit ſehr groß iſt,
ſo muß der Japaner, der auf eine ſolche Zimmermuſik
nicht verzichten will, ſehr häufig dieſe kleine Summe
an=
legen. Der große Inſektenforſcher J. Henri Fabre,
der auch dieſen muſiziekenden Inſekten eingehende
Studien gewidmet hat, bezeichnet als die
geſuch=
teſten Inſektenarten, die in Japan hauptſächlich
als Sänger dienen, die gemeine Heuſchrecke, die
Wanderheuſchrecke, den Calytotryphus
marmora=
tus, den Homoegrythes japanicus und als den am
teuerſten bezahlten Star dieſer kleinen Gruppe den
Baſa hibari. Die Inſekten werden wie Seidenwürmer
ſaufgezogen und mit der größten Sorgfalt behandelt. Man
ſammelt ſie gewöhnlich im September auf den Feldern
vor der Legezeit und ſchließt ſie in gläſerne Gefäße ein.
Das Weibchen ſtirbt faſt ſofort nach der Gefangennahme.
Die Eier werden unter einer Temperatur von 80 Grad
Celſius gehalten und dann ſchlüpfen im März die
Jun=
gen aus. Auf 100 Eier kommt ein Verluſt von 10 Prozent;
die Hälfte ſind Weibchen, die aber nicht weiter gezüchtet
werden, denn nur die Männchen ſingen. Ein ſolcher
In=
ſekten=Sänger lebt nur vier bis fünf Wochen. Auf die
Grillen erſtrecken die Japaner ihre Muſikliebhaberei nicht;
ſie werden höchſtens von den Kindern gefangen, die ſie
mit kindlicher Grauſamkeit martern und töten.
* Ein luſtiges Steuerkurioſum. Das Kapitel „Der
Steuerzettel über Pfennigbeträge” erfährt eine wertvolle
Bereicherung durch nachfolgenden Beſteuerungsmodus
Schon ſeit Jahren wird einem Einwohner der Stadt
Düſſeldorf von der Steuerkaſſe der Nachbargemeinde
Neuß regelmäßig in einem mit einer
Zehnpfennig=
marke beklebten Umſchlag folgende Rechnung zugeſtellt
Für Grundſteuer 5 Pfennige, davon ab als Gutſchrift
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 7. Inni 1912.
Nummer 132.
verbleibt in der Todesfallverſicherung ein Reinzuwachs
von 9735 (i. V. 6923) Verſicherungsſcheinen mit 62 859 707
Mark (i. V. 54 724756 Mark). Der Reinzuwachs des
Jahres 1911 iſt der höchſte, den die Bank bisher erzielte.
In den Penſionsfonds der Beamten floſſen 60000 Mk.,
in die Kursausgleichungsreſerve 10702 Mark. Das
Bank=
vermögen ſtieg von 358 423 714 Mark Ende 1910 auf
380 818 902 Mark.
Literariſches.
Die Verfaſſung des
Großherzog=
tums Heſſen. Das 8. Bändchen der Folge „Deutſche
Staatsgrundſätze” herausgegeben von Karl Binding
(Verlag Wilhelm Engelmann, Leipzig, geb. 3 Mark)
bringt die Verfaſſung des Großherzogtums Heſſen vom
17./12. 1820 mit allen Abänderungen bis zu den Geſetzen
vom 3. Juni 1911, ſowie die Geſetze jeder Regelung der
ſtandesherrlichen Verhältniſſe (1820, 1848, 1858) und in
den Anlagen das Regentſchaftsgeſetz, der Großherzog und
ſein Haus, die Verantwortlichkeit der Miniſter und der
oberſten Staatsbeamten, die Landſtände, der Etat und
ſeine Durchführung uſw Das handliche Bändchen bildet
mit ſeinem reichen Inhalt ein wertvolles Nachſchlagewerk.
Das 17. Heft des 25. Jahrganges der Wiener
Mode enthält einen ungemein intereſſanten Beitrag, der
bei der geſamten Frauenwelt Aufſehen erregen wird. Es
iſt dies ein Schlafrock nach altgriechiſcher Art, der aus
einem geraden Stück Stoff bloß durch Umwickeln um den
Körper hergeſtellt wird. Man kann ſich nichts Einfacheres
und zugleich Anmutigeres denken, als dieſe
Wiederbeleb=
ung einer mehr als zweitauſendjährigen Mode. Das
bei=
gegebene Bild zeigt, daß die moderne Frau in dieſem
alt=
griechiſchen Schlafrock nicht weniger graziös ausſieht als
das reizende Tanagrafigürchen, das offenbar als Modell
gedient hat. Man wird dieſer Wiederbelebung heuer oft
und immer mit Vergnügen begegnen, wozu auch der
Vor=
zug großer Billigkeit nicht wenig beitragen wird.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Leipzig, 6. Juni. Im Hofe des neuen
Land=
gerichtsgebäudes wurde der vom hieſigen Schwurgericht
wegen Raubmordes an dem Zigarrenhändler Beug zum
Tode verurteilte Geſchirrführer Kliemann mittels
Guillotine hingerichtet.
* Wilhelmshaven, 6. Juni. Prinz Heinrich
von Preußen und Staatsſekretär v. Tirpitz
beſich=
tigten heute die Befeſtigungen von Helgoland.
* Konſtantinopel, 6. Juni. Geſtern abend reiſten 700
Italiener mit dem Dampfer „Thaſos” ab. Morgen
seht ein weiterer Dampfer ab. Bis geſtern abend
wur=
zen 2000 Päſſe für 5000 Perſonen verabfolgt.
* Montreal, 6. Juni. Im lyriſchen Theater
in Cobalt iſt ein Brand ausgebrochen, der die
Stadt faſt gänzlich zerſtörte.
H. B. Berlin, 6. Juni. Graf Zeppelin iſt geſtern
hier eingetroffen und im Palaſt=Hotel abgeſtiegen. Im
Laufe des Vormittags hatte der Graf verſchiedene wichtige
onferenzen, die ſich bis mittags ausdehnten, u. a. eine
längere Unterredung mit dem Direktor der
Friedrichs=
hafener Zeppelin=Werke, Colsmann, der ſich auf Wunſch
Zeppelins vom Bodenſee nach Berlin begeben hatte.
Charlottenburg, 6. Juni. In der
Trocknungs=
apparate=Fabrik von Türk u. Ko. explodierte heute
nachmittag ein Keſſel und legte den Verſuchsraum in
Trümmer. Ein Arbeiter wurde ſchwer verletzt.
— Spandau, 6. Juni. An der Havelchauſſee wurde
die Leiche eines etwa 25 bis 30 Jahre alten, elegant
ge=
kleideten Mannes aufgefunden. Er hatte ſich durch einen
Schuß in die Schläfe getötet, und hatte zwei Briefe bei
ſich von denen der eine an ſeine Braut, der andere an ſeinen
Vater gerichtet war. Die Adreſſen fehlen jedoch auf beiden
riefen.
H. B. Pößneck, 6. Juni. Der Präſident des
preußiſchen Abgeordnetenhauſes, Frhr.
v Erffa, erlitt auf ſeinem Schloß Wernburg einen
ſchweren Schlaganfall und liegt ſeit Samstag
be=
wußtlos danieder. Schon zu Pfingſten fühlte ſich Frhr.
Erffa nicht ganz wohl. Am vergangenen Samstag
erlitt er einen derart ſchweren Schlaganfall, daß er bis
heute das Bewußtſein nicht zurück erlangte. Wie aus
Schloß Wernburg berichtet wird iſt zwar eine leichte
eſſerung eingetreten, jedoch beſteht wenig Hoffnung auf
Wiedergeneſung des Patienten.
— Putlitz, 6. Juni. Das Rittergut Wilmersdorf wurde
heute nacht von einem Schadenfeuer heimgeſucht,
wo=
durch die großen maſſiven Viehſtälle und zwei Scheunen
eingeäſchert wurden. Ueber 100 Rinder und 550 Schafe,
die ſich in den Ställen befanden, ſind in den Flammen
um=
gekommen.
II. B. Peſt, 6. Juni. Die Ruhe iſt in der Stadt
nir=
gends geſtört worden. Die Vorgänge im
Parla=
ment haben keinen Eindruck auf die Bevölkerung
aus=
geübt.
H. B. Stockholm, 6. Juni. Heute früh 6 Uhr ſtieß
außerhalb des Hafens von Sundsvall am Bottniſchen
Meerbuſen der Paſſagierdampfer „
Inger=
mannland” mit dem Schleppdampfer „
Styr=
björn” zuſammen. Der Schleppdampfer wurde
ſchwer am Heck getroffen. Nach dem erſten
Zuſammen=
ſtoß erfolgte bald darauf ein zweiter, wodurch der „
Styr=
björn” noch ein Leck mittſchiffs erhielt und ſofort zum
Sinken gebracht wurde. Von einem in der Nähe
be=
findlichen Schiff wurde raſch ein Boot ausgeſetzt, dem
es auch gelang, den Kapitän, den Heizer und einen
Matroſen des Schleppdampfers aus dem Waſſer zu
retten. Die übrigen 8 Mann der Beſatzung
ertran=
ken. Der Paſſagierdampfer hatte nur geringe
Beſchä=
digungen am Vorderſchiff erlitten und ſetzte ſeine
Reiſe fort.
H.B. Madrid, 6. Juni. Der Ausſtand im ganzen
aſturiſchen Becken hat begonnen. 20000 Mann
treiken. Geſtern kam es zu Unruhen zwiſchen
Arbeitswil=
ligen und Ausſtändigen, wobei ein Mann getötet und
meh=
rere verletzt wurden. Mehrere Regimenter ſind im
Aus=
ſtandsgebiete eingetroffen, um die Ordnung aufrecht zu
erhalten.
H. B. Athen, 6. Juni. Die kretiſchen
Delegier=
ten ſind, von der Erfolgloſigkeit ihrer Miſſion überzeugt,
nach Kreta zurückgekehrt.
Auf kaum über 1 Pfennig ſtellt ſich eine Taſſe
33.1890
(9617
Dieſe vorzügliche und durch ihre Ausgiebigkeit im Ge
brauch ſo billige Teemiſchung vorzugsweiſe
britiſch=
indiſcher Teeſorten iſt zum täglichen Genuß ganz
beſonders geeignet. Das 125 Gr.=Paket 90 Pfg.
½ Ko.=Paket Mk. 3.50). Moriz Landau, Fernſpr. 110.
Verlangen Sie ausdrücklich in Ihrer Apoth.,
Drog. v. Friſ. Dr. Kuhn’s Nürnberger
Brennessel-Haarwasser. Hilft ſofort gegen
Haarausfall, Schuppen, Haarſpalte. Keine
Glatze mehr! Depot: Seifenfabrik Grodhaus. (V8288
aarfärben mit Henné. Spezialität.
Friseur Müller
Wilhelminenpl. 2, a. d. kath. Kirche. Tel. 1466.
Kopfwaschen 1.— — mit Ondulieren 1.50,
auch Sonntags von 9—12 Uhr. (6584a
as Flugweſen hat ſich in Deutſchland weniger raſch
entwickelt als in anderen Ländern, weil man, es
zuerſt als eine rein ſportliche Erſcheinung anſah. Nachdem
aber der Wert der neuen Erfindung mehr und mehr
er=
kannt wurde, und die Preſſe für eine Flugſpende
auf=
forderte, war jeder Deutſche bereit, ſich an dieſer
Nationalen Tat zu beteiligen, um dem deutſchen
Flugweſen im Wettſtreite der Nationen einen würdigen
Platz zu ſichern. Auch die Staatsbehörde hat Lotterien
genehmigt, deren Reinerträgnis für das Flugweſen
be=
ſtimmt iſt. Auf dieſe Weiſe kann jedermann das Gute
mit dem Nützlichen verbinden. Am 26. und 27. Juni
findet in Frankfurt am Main die Ziehung der großen
Lotterie zu Gunſten des Frankfurter Vereins für
Luft=
ſchiffahrt ſtatt. Es gelangen hierbei 4492 Gewinne im
Geſamtwerte von 100000 Mark mit Hauptgewinnen von
50000, 10000, 5000 uſw. zur Verloſung. Loſe hierzu
à 3 Mark ſind überall zu beziehen, wo nicht,
ver=
ſenden dieſelben die General=Debits: Ferdinand Schäfer,
Bankgeſchäft in Düſſeldorf, und Louis Hederich,
Frank=
furt am Main.
Fäder Kreider
— für Damen und Mädchen —
in grösster Auswahl.
Aenderungen sofort.
Schwarze Blusen und Röcke
sehr preiswert.
Telephon 2539.
D. Renteld & 60.
Ludwigstrasse 5.
G. m. b. H.
(12044a
Familiennachrichten.
Todes-Anzeige.
(Statt jeder besonderen Anzeige.)
Gestern verschied sanft nach
langem Leiden mein teurer Gatte.
(12557
unser geliebter Vater
Herr
Ernst Berger
Kaiserlicher Postdirektor a. D., Ritter
des roten Adlerordens IV. Cl. und des
Kronenordens III. CI.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Emma Berger.
Darmstadt, 6. Juni 1912.
Beerdigung findet vom städtischen Friedhof
aus statt, Samstag nachmittag ½4 Uhr.
Trauerbesuche dankend verbeten.
Todes=Anzeige.
Geſtern abend 6 Uhr entſchlief nach kurzem
aber ſchwerem Leiden infolge eines
Schlagan=
falles im Alter von 70 Jahren mein geliebter,
treubeſorgter Gatte
(12534
Herr
Richard Bierbaum
Bankbeamter i. P.
Darmſtadt, 6. Juni 1912.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Frau Luise Bierbaum,
geb. Schmitz.
Die Beerdigung findet ſtatt: Samstag, den
8. Juni, nachmittags 3 Uhr, vom Friedhof
aus.
ſagen wir herzlichen Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Gettesdienſt bei der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 7. Juni:
Jugendgottesdienſt und Predigt 6 Uhr 30 Min=
Vorabendgottesdienſt 7 Uhr 30 Min.
Samstag, den 8. Juni:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min.
Sabatt=
ausgang 9 Uhr 30 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen
Religions=
geſellſchaft.
Samstag, den 8. Juni:
Vorabend 7 Uhr 40 Min. Morgens 7 Uhr 30 Min.
Nachmittags 5 Uhr. Sabattausgang 9 Uhr 35 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 9. Juni an:
Morgens 6 Uhr. Nachmittags 7 Uhr 15 Min.
NB. Samstag, den 15., und Sonntag, den 16. Juni:
Rausch Chaudesch Tammus.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Von Nordoſten her dringt ein ſtarkes Hochdruckgebiet
vor, unter deſſen Einfluß in Oſt= und Mitteleuropa die
Bewölkung abgenommen hat. Ueber England liegt eine
ſtarke Zyklone. Bei mäßigen ſüdweſtlichen Winden
lie=
gen die Morgentemperaturen in Deutſchland bei 16 Gr. C.
Niederſchläge ſind nur noch vereinzelt gefallen. Auch
mor=
gen haben wir im Bereich des hohen Drucks ziemlich
hei=
teres trockenes Wetter zu erwarten.
Vorausſichtliche Witterung in Heſſen am
Frei=
tag, 7. Juni: Meiſt heiter, trocken warm.
Tageskalender.
Lichtbilder=Vortrag von Stadtbaurat Buxbaum
um 8½ Uhr im Saalbau.
Volkstümliche chriſtl. Vorträge um 8½ Uhr im
Rhein. Miſſionszelt an der Lindenhofſtraße. —
Bibel=
ſtunde um 4 Uhr daſelbſt.
Konzerte: Vereinigte Geſellſchaft um 7½ Uhr. — Hotel
Heß um 8 Uhr. — Bürgerkeller um 8 Uhr. — „Perkeo”
um 8 Uhr. — Hugenſchütz’ Felſenkeller um 8 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23):
Ver=
treter der europäiſchen Mächte bei der Beiſetzung
Kö=
nig Friedrichs VIII. von Dänemark; Porträts vom
Tage; der Dampfer „Imperator” nach dem Stapellauf;
Barrikadenbau bei den Straßenkämpfen in Budapeſt.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriyte werden nicht
zurückgeſandt.
Nummer 132.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 7. Juni 1912.
Seite 7
i
12411mfs)
ie am 2. Juni
finden
verregneten Großer Rau- und Moler=Kennen nunmehr
am Sonntag, den 9. Juni cr., 3½ Uhr nachmittags,
bei gleicher Besetzung auf der Radrennbahn ſtatt.
1
Bereits gelöſte Eintrittskarten haben Giltigkeit.
Velociped-Club Darmstadt.
sind unübertreffen.
Einheits-
für Damen
preis: Mk. 12.50 u. Herren
Extra-Qualität Mk. 16.50.
Ueber 500 Filialen und Allein-
Verkaufsstellen.
Tausende tragen diese bewährte Marke
Täglich wächst die Zahl der Kunden.
Kinderstietel Marke „Wildfang‟
J. Sauerwein, Markt 1.
Verlangen Sie Musterbuch.
En
(12554
II!
Ge e
GToreinf., 4 Stockwerke, 2 Läd.,
2 Dreiz.=W. u. 6 Z.=W., 2ſtöck. Seitb.,
Hinterbau mit verſch. Werkſtätten
mit Oberlicht, für kl. Fabrik ſehr
geeignet, billig zu verk. od. geg. kl.
Landhaus zu vertauſchen. Off. unt.
L 77 an die Exp. d. Pl (*14109fi
gegen eine Villa oder
Land=
haus zu vertauſchen.
Offert. unter H. Ww. 12
poſtlagernd.
(13221if
Gartenetnat
Nieder-Ramstadt.
Moderne Villa, in ſehr ſchöner,
geſchützter Lage a. Walde, iſt
preis=
wert bei ſehr günſtigen Beding.
zu verk. Das Haus hat 8 Zim.,
Fremdenzim., Bad, Elektr. Licht
u. Waſſerl. Schöner Garten mit
ſtarken, reichtr. Bäumen. Reflkt.
wollen gefl. Adr. unt. P 42 im
Tagblatt abgeben.
(*14103
Meähien 1 rſalchnt
Wegzugshalber verkaufe mein an
der Hauptverkehrsſtraße gelegenes
Wohnhaus mit ſehr groß. Garten
aus freier Hand preisw. (12527sms
Frau Elias Joſeph Wwe.,
Neue Darmſtädterſtr. 8.
Landhaus
ſofort zu verkaufen.
Offerten unter L 11 an
Exped. ds. Bl.
(11261a
event.
Wer verk. sein Haus mit
Geſchäft od. ſonſt. günſt. Anweſen?
Angeb. unt. K. 4676 an
Haaſen=
ſtein & Vogler, Darmſtadt. (125191
Verkauf von
Bauplätzen.
Von dem Gelände der ehemals
E. Merck’ſchen Fabrik zwiſchen
Soderſtr. u. Landgraf=Georgs=
Straße ſind Bauplätze in
ver=
ſchiedener Größe ſofort ſehr
preiswert und unter günſtigen
Bedingungen zu verkaufen.
Nähere Auskunft bei Harres &
Barth, Saalbauſtr. 79 und bei
Seb. Eckler, Rheinſtr. 9. (10580a
Grundſtück (Gärtnerei)
Nähe Nordbahnhof, 3243 am.
um=
ſtändehalber billig zu vk. Off. unt.
P 20 an die Exn (*14007dfs
Wer dort ? (12470 V. Schatz, Alexanderſtr. 15
Ich komme ſof. u. zahle Ihnen für
getrag. Kleid., Schuhe, Wäſche,
Zahn=
gebiſſe,alte Federbett. ſtets die höchſt.
Preiſe. Tel. Nr. 1924. Poſtk. genügt.
nußbaum pol.,
Offerten mit Preis unter P 22 müſen, k. v. Gelée ꝛc. (12382a
an die Exp. ds. Bl. (*14025dfs Frl. J. Friedrich, Frankfurterſtr. 74.
äade Wüchte Preise
für getr. Kleider, Schuhe, Wäſche,
Möbel u. dergl.
Poſtkarte genügt.
(*14048df
A. Hochmann
Kleine Ochſengaſſe 16, Laden.
und junge leute.
Kaufe getr. Kleider, Schuhe, alte
Zahngebiſſe, Waff., ſow. Gold= u.
Silbergegenſtände. Poſtk. gen. od.
Tel. 2085. Komme ſof. M.
Obſt=
feld, Kl. Bachgaſſe 7. (12243a
Haare
ausgekämmte und abgeſchnittene,
kauft fortwährend zu den höchſten
Preiſen
(10303a
G. Kanzler, Friſeur, Marktſtr.3
Goffer zu kaufen geſucht. Off. unt.
Il. P 40 an die Exp. (*14082
w. Ankauf
S
von nur beſſ. getr. Herren= und
Damenkleid. u. dgl. bei reeller
Bezahlung. Jetzt Donnerstag
hier. Schriftliche Off. u. HI 100
an die Exped. ds. Bl. (12531fsi
Die Obsternte
größerer Gärten kauft gegen
ſo=
ſofortige Zahlung
(14110fo
Rhönring 35, 3. Stock rechts.
M
Einfamilienhaus
womöglich mit Garten, von ſolid.
Handwerker per ſofort od. 1. Juli
zu mieten geſucht. Späterer Kauf
nicht ausgeſchloſſen. Offert. unter
O. 77 an die Exp. erb. (*13864mdf
Für bald
zu mieten geſucht Etage oder kl.
Haus, 7—8 Zimmer mit Zubeh.,
eingericht. Badez., elektr. Licht,
wo=
möglich Zentralheizung. (12493df
Offert. mit Preisangabe
Wies=
baden, Goetheſtr. 11,
4 Zimmer,
Wohnung, mit Bad, elektr.
Licht, womögl. mit Gartenausſicht,
ab 1. September geſucht. Off. unt.
P 15 an die Exp. (*13987dfs
Reſerve=Offizier ſucht vom
N 25. Juni ab für 4 Wochen
2 möblierte Zimmer in der
Nähe der Train=Kaſerne. Offert.
unter P 41 a. d. Exped. (12526
Seree e
G unterrieht in u. außer dem
Hauſe. Wöchentlich 1—2 Stunden,
nach Belit
t. Klaviere zum
Ueben frei. Georg Göbel, Musiklehrer,
Neckarſtr. 3, Mittelb., p. l. (12061a
ſucht Stunden zu
Obervrimaner geben. Of. unt.
O. 69 an die Exp.
(*13833mf
ucht Stunden zu
Primanel geben. Offert. unt.
O 56 Exped. ds. Bl. (*13775mfs
Kochstunde.
Einige j. Damen können wieder
bei mir eintreten. G. bürg. Küche,
backen v. Kuchen, Torten ꝛc., Ein=
Sekretäk, zu kauf. geſucht. machen aller Art v. Früchten, Ge=
Der Militär-
Wohnungsanzeiger
Frühjahr 1912
iſt erſchienen und für
30 Pfg. in der
Expe=
dition des Tagblatt
zu haben.
(10510t
Agerſtraſte 12 . . Alcker.
N pflng, 1. Sänſelpflng, ſowie
einige Fäſſer zu verkaufen. (12336is
an Herr- Aaff ur
2 Schaften
1 Zimmer
große 5 Zimmer=Wohnung m.
Gas, Bad u. allem Zubehör
als=
bald billig zu vermieten. Näh.
Griesheimerweg 19, Kontor. (11974t
Moosbergstrasse 90,
nahe der Heidelbergerſtraße, ſchöne
2X4 Zimmer=Wohn. mit Veranda
im Garten zu Mk. 400.— und
Mk. 420.— per alsbald oder 1. Juli
zu verm. Näheres im 1. Stock da=
1 Zimmer
vohnung per 1. Juli zu verm.
Näh. daſelbſt 1
(12380t
freundl. 3 Zim=
Stiftstr. 52, II. merwohnung
mit Gas per 1. Juli.
12031t
Zimmer
ſchöne 2 Zim=Wohnung, abgeichl.
Vorpl., bis 1. Juli z. verm. (*13998dfs
Fuhrmannſtraße 8, 2=
Zimmer=
wohnung im Vorderh. zu verm.
Näh. Hinterhaus part. (*14118is
Die Wohnung. u. Geſchäftslokale
in der 3 Häuſergruppe an der
Landgraf Georgſtraße
Ecke Sackgaſſe u. gr.
Kaplanei=
gaſſe, ſind zu vermieten und im
Juli oder Auguſt er. zu beziehen.
Nähere Auskunft bei Harres &
Barth, Saalbauſtr. 79. (10838a
m. Ladenzimmer, für jedes Geſchäft
geeignet, ſofort zu vermieten. Zu
erfragen daſelbſt oder
Kranich=
ſteinerſtraße 41.
(3404t
Offerte Zimmer
Saalbauſtr. 38 ſch. möbl. Zim.
Zu erfr. im Schuhladen. (12550t
Mauerstrasse 15
möbl. Zimmer, auf Wunſch mit
Penſion, zu verm.
(*14075
Mauerſtr. 15 einſ. möbl. Zim.
für 12 Mark zu vermieten. (*14074
Viktoriapl. 6, I., gut möbl. Z. an
anſt.Arb. od. Mädch. W.3.50. M. 1fgo
Wenckſtr. 9, part., ſchön möbl.
Zim. ſof. zu verm.
(*14138fs
Karlſtr. 23, Vdh. 1. St., b. Ploch.,
ſch. möbl. Zim. zu verm. (12553a
Landwehrſtr. 13, 2. St., ein
ſchön möbl. Zimmer m. od. o. Penſ.
per ſof. zu verm.
(12552t
Lindenhofſtr. 9, I., (
Schwimm=
bad), groß. ſauber möbl. Zimmer
ſofort oder ſpäter.
*13886mdf
Klappacherſtr. 66 gut möbl. Z.
in ſchöner Lage zu verm. (12000a
Waldſtr. 32 möbliert. Zimmer
zu vermieten.
(11437t
Eliſabethenſtr. 49, part., gut
möbl. Zimmer zu verm. (12026t
Eliſabethen=
Pension ſtraße 4, II.,
Wohn= und Schlafzimmer zu
vermieten.
(12450a
Hochſtr. 15, I., ſch. möbl. Zim.
mit od. ohne Penſion. (11777if
Taunusſtraße 25, 1. St., ſchön
möbl. Zimmer, event. Wohn= und
Schlafzimmer, an gebildeten Herrn
in ruh. Hauſe zu verm. (2335if
Schöne Schlafſtellen zu verm.,
pro Woche 2 Mark. Näheres
Mathildenpl. 10 (Wirtſch.) (*14107fs
Nur ein Preis:
Mk. 622 jedes Paar
Darmstadt: 5 Schulstrasse 5
Mainz: 19 Schusterstr. 19
(12516a
Roserisches Tanz-mstktut.
Hiermit zur gefälligen Nachricht, daß auch dieſen Sommer,
wie ſchon ſeit mehreren Jahren, ein
(*14079
Damen=Lanzkursus
bei mir ſtattfindet. Anmeldungen werden jetzt dafür entgegengenommen.
Margitta Roseri,
Sprechzeit 11—1 und 3—5 Uhr. Liebigstr. 18, II.
hee
Wer beteiligt ſich noch mit Kapital an einer in Bildung
begriffenen
(12551
Terrain=Geſellſchaft?
(Bahnhofsgelände.)
Gute Verzinſung und hoher Gewinn. Offerten nur
von Selbſt=Reflektanten bittet man unter P 47 bei der
Expedition dieſes Blattes einzureichen. Strengſte
Dis=
kretion.
Johannes Schäfer
Schreinermeister Tel. 1694 Gardistenstr. 6.
empfiehlt sein
Beerdigungs-Geschäft
bei vorkommenden Sterbefällen von der einfachsten bis zur
vor-
nehmsten Ausführung.
(930a
(Drogen u. Kolonialwaren)
fast neu, billig zu verkaufen. Näh.
Bismarkstr. 26.
(13489sms
Wiefſchwarz. Schnürenpudel, r.
Raſſe, zu vk. Dittmar,
Frank=
furt a. M., Moltke=Allee 65. (12393a
Für großart., wertvolle (*13900mdf
Erfindung
(in Deutſchland ſoweit patentiert),
Kapitaliſt für Auslandpatente zu
nehm. geſucht. 50½, Anteil zugeſich.
Offert. unt. O 91 a. d. Exp. d. Bl.
ere ete e
A e. G. m. b. H. Nürnberg gibt an
ſolv. Leute jed. Standes (125220f
Kredit bis Mk. 1000.
20 000 Mk. Kapital
als 1. Hypothek zum 1. Oktober
von pünktlichem Zinszahler geſucht.
Agenten verbeten. Offerten unter
P 45 an die Exped. (*14114fs
erh. man auf Wechſel,
Geld Schuldſchein,
Mobi=
liar ꝛc. in jeder Höhe, ſowie
Hypo=
theken=Vermittelung ꝛc. durch E.
Mauthe, Vertreter: R. Foege,
Riedeſelſtraße 48, I. Sprechſtund.
von 9—12 und 2—6, Sonntags von
9—1 Uhr.
(*14112
Mee te ehn ehe e
er Künſtlerin durch
Gewährunge Darlehens
die Vollendung ihrer
Geſangs=
ſtudien ? Sicherheit, evtl. Eintrag
auf 2. Hypothek auf ein Haus,
Offerten nur von Selbſtgebern
er=
beten sub F. N. z. 5367 an Rudolf
Mosse, Frankfurt a. M. (12520M
Mlecharsaimer
Moldrrader
Modelle 1912
Unübertroffen an
Leiſtungs=
fähigkeit und einfachſter
:: :: Handhabung ::::
Gebrauchte Motorräder
ſchon von 150 Mark an
mit Garantie. (11731a
L. Beudt Nachf.
Inh. L. Waldschmitt
Hölgesſtraße 1.
Pflege die Zähne!
Ein angenehmer Mund erhält
erſt durch weiße reinl. Zähne volle
Schönheit, Friſche u.
Anziehungs=
kraft und hat ſich die
Zahnpaſta (Odontine)
von C. D. Wunderlich, Nürnberg
prä=
miiert, am meiſten Eing. verſchafft,
da ſie die Zähne glänz. weiß macht
und üblen Geruch entfernt, à 50 Pf.
und 60 Pf.
(V2275
A. Walchner Nachf.
vorm. E. Scharmann, Hoflieferant.
Ecke Eliſabethen= u. Luiſenſtraße,
Garten=Kies
liefert H. Kaus, Grüner Weg 93,
(B8587
Telephon 1591.
100 Stühle,
Gartenmöbel, 10 Tiſche,
auch einzeln zu verkaufen (12417a
Eliſabetbenſtraße 44, Laden.
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 7. Juni 1912.
Nummer 132.
Weiblich
Jüngeres Fräulein, das ſchon
praktiſch tätig war, ſucht Stellung
auf Bureau. Offerten unt. P 37
an die Expedition. (*14071
Jg. Frau empf. ſich ſ. Weißzeugn.,
Anfert. v. Bluſen, Röcken u.
Kinder=
garderoben. Näh. i. d. Exp. (*14139
Eine Frau, pf. . Flick. u. Weißnäh.
hat noch einig. Tage frei. Näh.
Gr. Ochſengaſſe 32, II. Bdh. (*14132
Näherin, tücht. für all im
Haus=
halt vorkom. Arbeiten (*14100
Heinheimerſtraße 69, III., rechts.
Schneiderin empfiehlt ſich
*13897mdf) Wienersſtr. 46, pt. I.
Suche, reiſenhalber, zum 1. Juli
Stelle für Mädchen
tüchtig in Küche und Hausarbeit
tagsüber für längere Zeit. Näheres
in der Expedition ds. Bl. (*14072
Saubere Frau ſucht Beſchäftig.
für mittags Pankratiusſtr. 26½,
Seitenbau.
(*14087
Junge, unabhängige Frau ſucht
Laufdienſt Ecke Guten= u.
Lichten=
bergſtraße 21, Manſarde. (*14084
Tücht. 1. Fraugeht waſch. u. putz.,
nimmt auch Aushilfe an (*14081
Pankratiusſtraße 50.
Suche für meine
14jährige Tochter
(Meckbg. hier fremd) Stellung in
einem nur erſten Haus, wo
gründliche Ausbildung erfolgt,
oder zu Kindern. Offerten unter
P 46 an die Exped. (*14124fs
Mädchen ſucht Lauft. morgens
1 Std., mittags 2 Std., od. abends
3 mal Lad. oder Bureau zu reinig.
Schützenſtr. 20, 1. St. rechts. (*14113
Habe noch Tage z. Waſch. frei
14105) Klappacherſtr. 64, I.
Frau ſucht nachm. Laufd. Nieder=
Ramstädterstr. 31, III., Htb. (*14101fs
Mädchen, das koch, kann, ſucht
1 Stelle für ſofort. Näheres
Alexanderſtr. 15, 2. St. (*14129
Ein Hausmädch., ſ. kinderl., ſ.
ſof., ſow. 2 Mädch., w. koch. könn.,
ſuch. 1. Juli Stelle Katharina Jäger,
ge=
werbsmäßige Stellenvermittlerin,
Donnersbergring 30, part. (*14140
Männlien
Jüngerer Kaufmann (Einjähr.
Berechtigung), mit allen
Bureau=
arbeiten beſtens vertraut, ſucht
Stellung. Offerten unt. P 38 an
die Expedition ds. Bl. (*14094fs
mit flotter
Junger Kaufmann Handſchr.
ſucht Beſchäftig. irg. welch. Art.
Off. u. P 12 an die Exp. (*13991dfs
Zuverläſſ. Mann, 45 J., ſuch
für nachmittags Beſchäftig., gleich
welcher Art. Offerten unt. O 11
an die Expedition. (*13603sm
Ofene Stelle
Weiblich
Tücht. Arbeiterin. geſucht Konf.
Sturm, Luisenstrasse 30. (*14085fs
Ich ſuche zum 1. Juli
gut=
empfohlene, branchekund. (11775a
Verkauverin.
Hermann Berger
Ernſt=Ludwigſtraße 10.
ſchäft der Nahrungsmittelbranche
geſucht nur ſolche mit guten
Zeugniſſen wollen ſich melden
Saalbauſtr. 63½, Laden. (*1413e
Eine Putzmacherin
welche Kaution ſtellen kann,
zur Führung einer Filiale
geſucht. Off. unt. H. W. 12
poſtlagernd.
(12309if Tücht. Arbeiter. u. Lehrmädch.
geſucht. B. Vorſtellen Arbeitsbuch
mitbring. Grafenſtr. 4, I. (*14089fs Junge Mädchen
geſucht
Frommann & Bünte
Roßdörferſtraße 60. (12515 aus guter Familie
Lehrmädchen ſofort geſucht
*14092) Gartenſtraße 15, Konf. Aelteres, geſ. 2. Mädch., das
kinderlieb iſt, per 1. Juli n. Pforz=
heim geſucht. Vierteljährl. 75 M.
Freie Reiſe. Frau Heß, Hohen=
zollernſtraße 97, II. (12465dfs für 15. Junt tüchtig.
Suche zweites Hausmäd-
chen, das alle Hausarbeit ver=
ſteht und gute Zeugniſſe hat.
Baronin Leonhardi
Wilhelmſtraße 15. (B12464 Reinliches Mädchen
tagsüb. geſ. Karlſtr. 12, pt. (*14046d für einige Stunden
Mädchen vormittags ſofort ge=
ſucht Hochſtraße 26, part. (*14088 Suche für ſofort jüng. Lauf=
mädchen für Beſorgungen von
5—7 Uhr täglich
(*14095
Anna Schuchmann, Konfektion
Bismarckſtraße 44, I. Tücht. fleiß. Mädchen, das koch.
kann, per ſofort geſucht. Näheres
Eichbergſtraße 11, part. (*14076 Einfache Jungfer (Schneidern,
Weißnähen, Plätten) ſof. od. ſpäter
geſucht, da Stelleninh. z. erkr. Mutt.
zurückk. Nikolaiweg. 12. (*
fom Flotte Kellnerin geſucht
*14108fso) Heidelbergerſtr. 42 Männlich
Gesdch.
2—3 nicht zu junge Leute finden
ſofort dauernde Stellung zum
Ein=
kaſſieren von Geldern. Nur
kau=
tionsfähige Leute wollen ſich
mel=
den. Offerten mit Angabe von
Alter und bisheriger Tätigkeit ſind
unter P 21 an die Expedition zu
ſenden.
(12477dfs
Ein junger Schneider
geſucht Horn, Eberſtadt, Neuc
Schwanenſtraße.
(*13955mfo
Mehrere Mädchen
für leichte Haararbeiten geſucht
*14096) Frank, Elisabethenstr. 9.
zuverläſig, nücht.,
Fahrburſche zu einem Pferd
ge=
ſucht
Alfred Hammer,
Weinhandlung,
*13993df) Bismarckſtraße 76.
Infolge des Todes unseres langjährigen Ver-
I treters, Herrn Ph. Schneider, ist die von
demselben innegehabte
Haupt- und Inkasso-Agentur
neu zu besetzen. Kautionsfähige, rührige und
an-
gesehene Bewerber, die über gute Beziehungen
ver-
fügen und persönlich akquirieren wollen, werden
gebeten, sich an uns zu wenden.
(12472M
Stuttgarter Lebensversicherungsbank a. G.
(Alte Stuttgarter).
Versicherungsstand 1 Milliarde 19 Millionen Mark
Seither für die
Ver-
sicherten erzielte
Ueberschüsse
204
lte deutsche Lebensversicherungs-Gesellschaft
mit bewährten Nebenbranchen hat ihre
Generalagentur
für Nordbaden und angrenzende Gebietsteile zu vergeben.
Gut eingerichtetes Bureau ist vorhanden. Reflektiert wird
auf einen akquisitorisch und organisatorisch besonders
be-
fähigten Fachmann mit nachweisbar guten Resultaten, dem ein
hohes Einkommen
sowie reichlich bemessene Nebenbezüge gewährleistet werden.
Beste Gelegenheit für Fachleute, die wechseln wollen
und auf eine Lebensstellung reflektieren.
Gefl. Offerten, die auf Wunsch streng vertraulich
be-
handelt werden, unter H. N. 4844 an Rudolf Mosse.
Darmstadt, erbeten.
(12521Mf
aller Berufe
Offene Stellen enthält ſtets die
Zeitung: Deutſche Vakanzen=Poſt
ßlingen 143. (2533M
geſucht für
Schloſſer Reparaturarbeiten
Landwehrſt. 79. (*14009dfs
Suche per ſofort einen jungen
(*14130
Mann,
als Reſtaurations=Hausburſchen.
Reſtaur. Rummelbräu, Allee 61.
Für mein Drogen=, Ehemikalien=,
Farben= u. Kolonialwaren=Geſchäft
verbunden mit Handlung photogr.
Artikel, ſuche ich zum ſofortigen
Eintritt
Lehrling
mit guter Schulbildung.
Gründ=
liche Ausbildung zugeſichert.
Germania- Drogerie
Carl Steinhäuser, Ecke Mühl= und
Nieder=Ramſtädterſtr. (*13644omf
Für Automobilbesitzer!
Erfahrener Monteur empfiehlt
ſich zur Inſtandhaltung u. Repar.
von Kraftfahrzeugen jeder Art bei
ſorgfältiger u. gewiſſenhafter
Aus=
führung. Uebernehme eventuell
Fahrten zur Aushilfe. Off. erb.
unt. P 44 an die Exp. (*14115
Dr. Hoenner
von der Reise zurück.
2397mfs
la. Bayr. Zimmerſtutzen
(hochfeine Waffe), 4 mm, u. ca.
1200 Scheiben für 50 Mk. zu
verkaufen. Näh. Exp. (12545fso
Starkes Rad für 18 Mk. zu vk.
*14135) Rundeturmſtraße 2.
I. Hess. Versich. geg. Ungezieter
Ibel & Lotz, G. m. b. H.
Schuchardſtr. 14, p. Telephon 461.
Vertilgung von Ungeziefer jeder
Art, wie Wanzen, Käfer, Ratten,
Mäuſe uſw. billigſt unt. Garantie
und ſtrengſter Diskretion.
Für Hausbeſ., Hotels, Bäckereien,
Reſtaur. uſw. Verſicherung geg.
Ungeziefer beſond. zu empfehlen.
Aeußerſt geringe Jahresprämie.
Koſtenloſe Ausſprache an Ort und
Stelle. Poſtkarte genügt. (10759a
Günstige
Kauf-
relegenheit!
Damen-Stiefel
4.75, 5.50, 6.50,
7.90, 8.50, 9.75
und höher.
Herren-Stiefel
4.25, 5.50, 6.50,
7.90, 8.75, 9.75
und höher.
Halbschuhe
die Mode 1912
i. braun u. schwarz
reizend. Neuheiten
4.90, 5.50, 6.75,
7.25, 9.50, 10.-
Mainzer
Schamlager
Schillerplatz 4 u.
Ludwigsplatz 3
M. Matheis
Schwarz-weiße
Rabattmarken!
Für heute Freitag
u
Andoseis
Ein Posten
Ein Posten
Kussenkitfel
Ein Posten
aus gutem uni Köper
gute Qual., ganz mod.
. Meter
Hemden-zephll besins
Ein Posten
Gr. 1—6 f.
d. Alter v.
Duckin Kllabennosen 3—12Jahr. 1.25
Ein Posten
Bett-Vorlagen mit Fransen
Ein Posten
m. Tasch.
Tarbige Blusenschurzen Stück
Ein Posten.
Zier-Schürzen (ürkr. genust. Stück 75
Ein Posten
Damfel Sumr laschen. . Stück 38
Gebr.
(12548
Rornschnen
2 Markt 2.
RKET
Niederlagen
denmeisten
Veckehrsplätzen.
hat sich durch
gute Qualität und vorzügliche
Passform überaus gut eingeführt
und wird in 140 Städten zu
folgenden Einheitspreisen verkauft:
50
50
0
52
Iin. 10—
Alleinverkauf in Darmstadt
L. Spier
1 Louisenplatz 1
Telephon 2545.
ks
(12549)
genügt der
erste Versuch.
impfehle mich im Lieſern von
G
Grabdenkmälern
aller Arten. Billige Preiſe, reelle
Bedienung
(883a
Peter Karn,
Friedhof=Allee. Telephon 1395
Wohnung: Friedrichſtraße 11.
Buchenſcheitholz!
kurz geſchnitten und geſpalten
(7001a
la trocken
per Ztr. Mk. 1.30, frei Keller
Karl Schimmer
Heinheimerſtr. 76. Telephon 212
Nummer 132.
Darmſtädter Tagolatt, Freitag, den 7. Juni 1912.
Seite 9.
Bekanntmachung.
Die nachſtehende Polizeiverordnung bringen wir erneut zur
allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 4. Juni 1912.
(12524fs
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
Polizeiverordnung,
betreffend die Regelung des Fuhrwerksverkehrs in der
Schwanen=
ſtraße, zwiſchen der Schloßgarten= und der Gardiſtenſtraße.
Auf Grund des Artikel 56 der Städteordnung wird nach
An=
hören der Stadtverordnetenverſammlung mit Genehmigung des Großh.
Miniſteriums des Innern vom 28. Mai 1910 zu Nr. M. d. J. 8525
verordnet, was folgt:
§ 1. Die Schwanenſtraße zwiſchen der Schloßgarten= und der
Gardiſtenſtraße wird für den durchgehenden Verkehr von Fuhrwerken,
Automobilen und Motorfahrrädern in der Richtung von der
Gar=
diſten= nach der Schloßgartenſtraße geſperrt.
Die genannte Straßenſtrecke darf nur von der
Schloßgarten=
ſtraße aus befahren werden. Fuhrwerke haben im Schritt zu fahren.
§ 2. Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Beſtimmung
wer=
den auf Grund des §. 366 Ziffer 10 des R.=St.=G.=B. mit Geldſtrafe
bis zu 60 Mk. oder mit Haft bis zu 14 Tagen beſtraft.
§ 3. Dieſe Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer
Ver=
kündigung im Darmſtädter Tagblatt in Kraft.
Darmſtadt, den 6. Juni 1910.
Großherzogliches Polizeiamt.
Bekanntmachung.
Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß die
Ein=
teilung der Kehrbezirke der Kaminfeger vom 1. Juli 1912 bis 1. Juli
1913, wie folgt, feſtgeſetzt worden iſt:
I. Bezirk Hofkaminfegermeiſter Schieferdecker,
II.
Kaminfeger Wolter,
III.
Hofkaminfegermeiſter Endner,
IV.
Kaminfegermeiſter Ranft,
V. „ Kaminfegermeiſter Wolf.
Darmſtadt, den 4. Juni 1912.
(12525
Großherzogliches Polizeiamr.
Gennes.
Autzungen der Ortsbürger der früheren Gemeinde
Beſſungen.
Der Erlös für Streulaub wird an die empfangsberechtigten
Ortsbürger der früheren Gemeinde Beſſungen
Freitag, den 7. Juni, nachmittags von 3—5½ Uhr,
in dem Schulhauſe an der Ludwigshöhſtraße ausgezahlt.
Die Auszahlung findet nur an die Bezugsberechtigten ſelbſt ſtatt.
Die in dieſem Termin nicht erhobenen Beträge werden gegen
Abzug von 10 Pfg. Bringerlohn den Empfangsberechtigten demnächſt
zugeſtellt.
Darmſtadt, den 4. Juni 1912.
(12474df
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Jaeger.
Johann Heinrich Fuhr=Stiſtung.
Am 24. Oktober d. Js. wird die Verteilung der diesjährigen
Unterſtützungen an Handwerksmeiſter ſtattfinden, die unverſchuldet
in ihren Verhältniſſen zurückgekommen ſind. Bezugsberechtigt ſind
ſowohl hieſige Ortsbürger, wie auch ſolche Perſonen, die hier den
Unterſtützungswohnſitz erworben haben.
Es ſind vier Unterſtützungen mit je 400 Mark zu vergeben.
Formulare für die Bewerbungen werden im Stadthaus,
Rhein=
ſtraße 18, Zimmer 21, an Wochentagen vormittags von 10—12 Uhr,
an Intereſſenten ausgegeben. Die Formulare ſind auszufüllen und
bis längſtens Mittwoch, den 10. Juli d. Js., vormittags 12 Uhr,
einzureichen. Genaueſte und wahrheitsgetreue Beantwortung der
geſtellten Fragen liegt im Intereſſe des Bewerbers. Eingaben, die
nicht auf das bezeichnete Formular geſchrieben ſind oder nach dem
genannten Zeitpunkt einlaufen, können nicht berückſichtigt werden.
Eine perſönliche Vorſtellung der Bewerber findet nur auf
vor=
gängige Aufforderung ſtatt.
* Darmſtadt, den 1. Juni 1912.
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Mueller.
(12535a
Fürſorgeſtelle für
Lungenkranke.
Die Sprechſtunden in der
Für=
ſorgeſtelle für Lungenkranke (
Wil=
helminenſtraße 34) werden vom
6. Juni bis einſchließlich 4. Juli
ds. Js. nicht Mittwochs, ſondern
Donnerstags von 3 bis 5 Uhr
nachmittags abgehalten. (12458df
Darmſtadt, den 3. Juni 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
Dr. Gläſſing.
Die Maurer= und
Schloſſer=Arbeiten
bei Errichtung von Gewächshäuſern
in der Knaben=Arbeitsanſtalt ſollen
vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und
Be=
dingungen liegen bei dem
unterzeich=
neten Amte, Grafenſtraße Nr. 30,
Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis
Freitag, den 14. Juni 1912,
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
(12514fs
Darmſtadt, den 5. Juni 1912.
Stadtbauamt.
Burbaum.
HASSIA
Vervielfältigungs-
Büro
Inh. S. Guttmann
Vendelstadtstr. 26
Telefon 1679.
— (11128a
Schrei bmaschinen-
Arbeiten
Diktate
in separätem Raum
Vervielfältigungen
ohne Fettrand.
Zeugnis-Abschriften
schneII-sauber
diskret-biIlig.
Bekanntmachung.
Freitag, den 5. Juli 1912,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die den Georg Hof
Ehe=
leuten dahier gehörigen
Liegen=
ſchaften:
Flur Nr. qm
I 405¼/10 444 Hofreite
Moos=
bergſtraße 52,
I 405¾/10 58 Grasgarten
da=
ſelbſt,
in unſerem Geſchäftszimmer,
Witt=
mannſtraße 1, zwangsweiſe
ver=
ſteigert werden.
Darmſtadt, 21. Mai 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen.)
Frantz. (V11773
Bekanntmachung.
Freitag, den 14. Juni I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Weißbindermeiſter
Karl Hermann Eheleuten dahier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
IV 305¾/10 702 Hofreite
Lich=
tenbergſtraße
Nr. 73,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K15/12
Falls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen, kann
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
er=
reicht.
Darmſtadt, 21. Mai 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V11772.
Bekanntmachung.
(Stadtwald.)
Zur alsbaldigen Abfuhr des
ſämtlichen noch im Stadtwald
ſitzenden Verſteigerungsholzes
for=
dert auf
(12538.
Großherzogliche Oberförſterei
Darmſtadt.
Darmſtadt, den 6. Juni 1912.
munannaannsananunnnannaanananunaannnnnaanngannsungnganannnsanauausr
Sie kaufen
vorteilhaft,
wenn Sie Ihren Bedarf an
Knaben- und Mädchen-
Waschanzügen u.-Kleidern
bei mir decken. — Waschblusen schon von
75 Pfg. an. Ganz besonders beliebt sind die
berühmten Witt’s écht Kieler Matrosen-
Bekleidung für Knaben und Mädchen. Bitte
machen Sieeinen Versuch. Preisliste umsonst.
Th. Kalbfuss
Markt 10.
Am Rathaus.
Schwarz-weisse Rabattmarken.
(12500dos
1
He
für Herren und Damen
in eleganter, solider Ausführung
zum Einheitspreise
von Mk.
in neuesten englischen, amerikanischen und deutschen Fassons,
schwarz und farbig, in Schnür-, Schnallen-, Zug-, Knopf-, auch
in Derby-Schnitt mit und ohne Lackkappe, auch in ganz Lack.
Trotz des billigen Preises nur gute
dauerhafte und zuverlässige Ware.
Ein Blick in unsere Schaufenster sagt Ihnen alles.
Für gute Haltbarkeit unserer Schuhwaren
über-
nehmen wir volle Garantie.
33
32
Jedes Paar
ohne Ausnahme!
Ein einziger Versuch macht
Sie zu dauerndem Kunden.
Schun-Aaus
Mioß
I
im Hause
Valentin Schropp
Marktplatz. (9515a
Fialen an aln gröberen Plätzen.
Maschinenscheintl. Arbeiten
(12277a
fertigt
Rechtskonsulent Kling,
Pankratiusstr. 8, II.
Brieftauben
0 Stück, verſchiedene Farben,
billig zu verkaufen. Näh. Neue
Ireneſtraße 66, 1. St. l., vormit=
(*14134
tags bis 1 Uhr.
Für Hundeliebhaber
Hübſcher, roter Dackel, 1½ J.
alt, ſehr wachſam, ſteuerfrei, in
gute Hände billig abzugeben
Heinzrichſtra, 97, p.
(*14123fso)
Brennholz-Abschlag
Tannenſchwartenholz oder Klötzchen, 15 cm I
geſchnitten, la trocken, per Ztr. M. 1.40 inkl. Oktr
(125
frei Keller.
Telephon
Heinheime
212 karl Schimmer strasse 76.
Kleiderſchr., 1 Kommode Mk. 5,
1 Stühle Mk. 1, Läuferſt. Mt.
20 Pf., 1 Amerikaner Ofen billig.
Lauteſchlägerſtr. 4, I. r. (*14128
billig zu
2 Kastenwagen verkauf.
Tapetengeſchäft, Ernſt=
Ludwig=
platz 4 (am weiß. Turm).
(*1413)
Gut erhaltene 2
Speisezimmer
kompl. oder auch einzeln, preiswert
zu verkaufen. Anzuſehen
Heinrich=
ſtraße 72. Näh. parterre. (*14125
ine hölz. Kinderbettſt. bill. z. vf.
Stiftſtr. 97, Stb. patr. (*14127fs
Ein
Ein
Ein
Ein
Posten
Posten
Posten
Posten
gestreifte Stoffe,
vorzüg-
liche Qualität, in vielen Farben,
90 cm breit . .
. . . Meter
Stoffe kleinkariert od.
weißlschwarz, marine
gestreift weiß, 90 cm br. Mtr.
Stoffe mit Seidenstreif.
nur in hellen Farben, 90 cm
breit
.. . Meter
Cheviot mit Bordüre
für Kinderkleider geeignet, 90 cm
breit
. Meter
1.10
1.20
Alpacca, eleg. Qualität
in feinen Farben
110 cm breit . . .
. . Meter
Wollbatist mit farbigen
feines Sommerkleid,
Crépon, Halbseide
für Sommer und Gesellschaft,
. Meter
110 cm breit . . .
Popeline m. breit. Borde
sehr aparter Geschmack, 110 cm
.Meter
breit . .
Streifen 110 cm breit . Meter
1.90
V
.
2.20
Viele Blusenstoffe in Wolle und Halbseide.
Sämtliche Stoffe sind der herrschenden Mode entsprechend,
guter gediegener Qualität und haben einen weit höheren Wert.
Cen
I10
Ernst-Ludwigsplatz
(12457df)
Markt-Ecke.
Beseitigen Sie das
Zeichen des Alters
diskrei, ohne dass es Ihre
Um-
gebung merkt. mit Fr. Tillmann’s
3 Harlarbe-Wiederhersteller :
„GLORlA‟
Preis per Flacon 2.50 Mk.,
für mehrere Monate reichend.
Fr. Tillmann,
Elisabethenstrasse 21.
(10839a
50
Einheitspreis 12
50
aus-Ausführung
1650
9Sciamander
Europas grösste Rahmenschuhfabrik
Herren-Halbschuhe
dieses Jahr viel begehrt.
Modern:
Knopfschuhe, Schnürschuhe
mit Lederriemen
braun Kalbleder mit gelben
Messingösen
SALAMANDER
JLAATHAS 8 C2
Ludwigsstrasseih.
Kunſt und Well.
Roman von O. Elſter.
(Nachdruck verbo.en.)
12)
Als Wendeborn geendet hatte, ſaß Elfriede ſtumm da,
den ſinnenden Blick auf das leuchtende, funkelnde Meer
ge=
richtet, das im hellen Sonnenglanz, leicht bewegt von einer
friſchen Briſe dalag. Ueber ihr rauſchte der Wald, zu
ihren Füßen grollte die Brandung des Meeres an den
weitſchimmernden Kreidefelſen und draußen leuchtete das
Meer, erſt hell erſchimmernd im goldigen Glanz, dann von
einem zarten Lichtgrün in ein ſatteres Blaugrün
über=
gehend, bis es am Horizont tiefblau funkelte. Noch nie
war ihr die eigenartige Schönheit des Meeres ſo in das
Auge gefallen, wie heute unter dem Eindruck der Worte
des Dichters, mit denen Klytia von der Sonne und dem
Leben Abſchied nahm:
Dir, meine Sonne, gehörte mein Leben!
Dir, meine Sonne, gehörte mein Sein!
Dir meine Gedanken, dir mein Streben!
Dir meine Wonne, dir meine Pein!
Biſt nun verſunken, haſt mich verlaſſen,
Stiegeſt hinab in die leuchtende Flut .
Ihr auch vertrau ich mein Lieben, mein Haſſen,
In ihr vergehe mein Leben, mein Blut.
Nimm du mich auf, du Mutter des Schönen,
Schön doch nur durch den ſonnigen Strahl.
Kann an die Schatten mich nimmer gewöhnen,
Die jetzt erfüllen Ebne und Tal saze
Eie Senten rete ter r Zetr,
dann ſagte er lächelnd: Willſt Du mir nicht einige
Kom=
plimente ſagen, Elfriede?
Die bringe ich nicht über die Lippen, nachdem ich Dein
Werk kennen gelernt habe. Es hat mich tief bewegt, ja
erſchüttert, und ich glaube auch den eigentlichen Sinn
Deiner Dichtung gefunden zu haben.
Da bin ich begierig, zu hören, was Du herausgefunden
haſt!
Die Sonne iſt das Sinnbild des ewigen Schönen, des
Edlen und Guten in der Welt, Apollo, der Sonnengott,
der Vertreter des idealen Gedankens, des Idealen an ſich
— und Klytia iſt die Seele des Menſchen, die ſich ſehnt
und dürſtet nach dem Ideal des Schönen, des Edlen und
Guten, das doch unerreichbar über ihr ſchwebt, wie die
Sonne am Firmament. Die Sonne verſinkt — immer
tiefer werden die Schatten der rauhen Wirklichkeit, welche
ſich um die derſtende, ſehnende Seele des Menſchen legen,
bis der tiefſte Schatten, der Tod, ſie befreit und ſie in das
Reich des ewig Schönen und Guten — hier das
ſonnen=
durchglühte Meer — zurückgekehrt. — Habe ich den Sinn
Deiner Dichtung richtig ergriffen?
Er erhob ſich und küßte ſie auf die Stirn.
Nimm das Buch, mein liebes Kind, ſagte er mit
be=
wegter Stimme. Niemanden gebe ich es lieber als Dir.
Sie dankte ihm tiefgerührt.
Du biſt ſelbſt eine Braut des Sonnengottes, fuhr er
fort. Eine Klytig, deren Pſyche ſich in ewiger Sehnſucht
nach der Sonne der Schönheit verzehrt. Möge ſich Apollo
Dir gnädig erweiſen und Deine Seele nicht mit ſeinen
Strahlen verbrennen und vernichten.
An dieſem Tage ſprachen ſie nicht mehr viel. Still
gingen ſie nebeneinander am Strande entlang und
beob=
achteten den Untergang der Sonne, der Himmel und Meer
in rote, feuerige Glut tauchte. Als dann die Schatten der
Nacht ſich allmählich auf das Meer niederſenkten, kehrten
ſie in ihre einfache Wohnung in dem Fiſcherhauſe zurück
und ſaßen noch lange auf der kleinen, weinumrankten
Ve=
randa, ſchweigend dem fernen Brauſen des Meeres
lauſchend.
Am nächſten Tage wanderte Elfriede allein mit
ihrem Skizzenbuche an der Küſte entlang. Doktor
Wendeborn hatte für ſeine Zeitſchrift einige Korrekturen
zu leſen und war aus dieſem Grunde zu Hauſe geblieben.
Elfriede ſtand noch immer unter dem Bann der
Dich=
tung ihres Stiefvaters. Im Traume der Nacht hatten
ſie ſogar die Geſtalten der Dichtung umſchwebt; ſie ſelbſt
ſah ſich als Klytia ſehnſüchtig die Arme nach dem
ſtrah=
lenden Sonnengott ausſtrecken; ſie ſah das Meer
dumpf=
brauſend, in dunklen Wellen gleich der ewigen
Finſter=
nis ſich heranwälzen und fühlte ſich verſinken in die
dunkle ſchwarze Tiefe, während ein letzter Strahl der
ſinkenden Sonne gleich einem goldigen Pfeil durch die
ſchwarze Nacht der Wogen ſchoß. Dann umfing ſie ein
tiefer, traumloſer Schlaf, ein Vergeſſen ihrer ſelbſt.
Sollte dieſe Finſternis, dieſes Vergeſſen ihrer ſelbſt
Nummer 132.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 7. Inni 1912.
Seite 11.
MHandarbeiten
Nachlaß.
Amit 10-30 00 nststfür
Frauen hochwichtig
Anur künstl. Handarbeiten zu
kaufen und anzufertigen, da
Anur solche dauernd von Wert.
Auch erweisen sich solche als
äußerst dankbare Geschenke.
Hess. Gardinen- u. Stick.-Manuf.
G. m.
H. Portune b. u.
Darmstadt, Bleichstr. 1c, Tei. 1615.
(757a
Frlano
gebr., unt. Garantie M. 350.−
Pianoforte-
Groshandlg. Karl Arhoil
Ecke Erbacherstrasse.
Cofa, 4 Sossel, roter Plüschbezug,
9 gut erhalten, ſehr billig, ſowie
gebrauchte Möbel aller Art fortwähr.
zu hab. Wendelſtadtſtr. 2. (*14058df
wissen muß, enthält die
kosten-
frei zu beziehende Broschüre
„Patentwissenschaft‟.
Sachliche, gediegene Aufklärung.
Patent- und Techn. Büro
Conrad Köchling, Mitglied des
Verbandes deutscher
Gutachter-
kammern (Sitz Berlin), Mitglied
des deutschen Schutzverbandes
für geistiges Eigentum, Mainz,
Bahnhofstr. 3, Telefon 2754. (9781a)
„Warm zu empfehlen iſt Zucker’s
Patent-Medizinal-Seife gegen unreine
Haut, Miteſſer,
Pickel
Knötchen, Puſteln uſw. Spezial=Arzt
Dr. W.” à St. 50 Pf. (15 %ig) u.
1.50 M. (35 %ig, ſtärkſte Form).
Daz. Zuckooh-Creme (75 Pf. u. 2 M.).
BeiFr. Schaefer, A. Logel, Ch. Schwinn,
Drog., u. Gg. Frz. Frank, Parfümerie.
Mann, bittesofort
bei Auton Fischer
Frankfurterstr. 12/14
1 Dose Email-Lack
zu 30, 50, 70 und
100 Pf. (7520a
prachtvolle Farben
leicht zu streichen.
ElL2 Uam Cchuss
der Annahme von Sparbüchern des Rabatt-Spar-
Vereins (schwarz-weisse Marken), die an der
Prämien-Verlosunc
(400 Prämien zu Mk. 5.—)
teilnehmen. Nur vollständig gefüllte Sparbücher
werden zugelässen! Verlangen Sie bei Ihren
Einkäufen stets schwarz-weisse Rabattmarken.
11
Mik 2300r Franden!
(12502a
HERRENSTEEI EE
können Sie nirgends ſchöner und preiswerter kaufen als
bei uns. Wir bieten Ihnen tatſächlich größte Auswahl ſowie
allerbilligſte Preiſe.
Preislagen:
(12410mf
in Wichsleder .
.. Mk. 4.50, 5.50 u. 6.50
in Chevreaux und Boxkalf, mit und ohne Lackkappen
Mk. 5.90, 6.75, 8.50, 10.50, 12.— und höher.
Schwarz=weiße
Rabattmarken.
Gebr. Blum
5 Markt 5.
Schwarz=weiße
Rabattmarken.
Adler=Automobil
7/17 Ps Sportvierſitzer, neu, ſofort lieferbar.
Vierzylinder, vorzüglich erha
Laudaulet, ſehr billig abzugeben.
(11
Müller & Ober, Karlstr. 30.
tehrock=, Frack=, Smoking=
An=
züge, Zylinder, zu verleihen
Rheinſtraße 5, 2. Stock. (12036a
werd. ſchön u. billig
Hüte garn., Altes verw.
10816a) Eliſabethenſtr. 49, Vdh., II.
Für Sonriſten u. Ausſtügler
empfehle feinſte Landwurſt und
Fleiſchwaren in nur beſt. Qualit.
Schuster-
A. Jacobi gasse 10.
Oberheſſiſche Wurſthalle. (9949a
roßfr.Johannisbeeren am Stoc
zu vk. Artillerieſtr. 4, I. (*14020dfs
werden gut
Knaben-Kleider und billioſt
angefert., ältere Sachen verarbeitet
Liebfrauenſtr. 79, part. (12096a
Spezial=Geſchaft.
Eier — Butter
Käſe und Gemüſe
ſtets friſch u. zu billigſten Preiſen
Frankfurterſtraße 36. (11304a
la. Speiſe=u. Saatkartoffeln
ſowie Futterkartoffeln empfiehlt
billigſt
(11026a
Gg. Crössmann Nachfolger,
Grafenſtraße 16.
Fur die Braneeren-Saison
Offeriere fortwährend friſche
Erdbeeren (Kronberger)
zum billigſten Tagespreis. (11805a
Ed. Türtmann
Telephon 1425. Grafenstr. 19.
Lieferungen nach allen Stadtteilen.
Joghurt=
Kase
nährt und kräftigt, fördert
die Verdauung u. verlängert
ſo das Leben.
(10840a
Reformgeschäft
„„Arista‟
Ernst-Ludwigstrase 3.
Gelegenheitskauf-
Neuer Diwan 65 Mk., gebr. Sofa.
wie neu, 25 Mk., feine
Hänge=
lampe 8 Mk., gebr.
Grammo=
phon mit 12 Platten 20 Mk.
*14026dfs) Riedeſelſtr. 48, Htb.
das Ende auch des Traumes, der Sehnſucht ihres
Le=
bens ſein?
Sie erſchauerte in der Tiefe ihres Herzens. Dann
richtete ſie ſich ſtolz empor. Nein, die Nacht ſollte ſie
nicht mit ihrem ſchwarzen Mantel des Vergeſſens
be=
decken. Jenſeits der Nacht leuchtete ein neues
Morgen=
rot, und ihr ſtarker Geiſt, ihr mutiger Wille ſollten ſie
durch die Schatten der Nacht, durch die ſchwarzen Wogen
des Meeres dieſem neuen Morgenrot entgegentragen.
An einer beſonders ſchönen Stelle des Strandes ließ
ſie ſich nieder, holte ihr Skizzenbuch hervor und entwarf
mit ſicherer Hand die Szenerie — ein waldiges, felſiges
Vorgebirge, auf deſſen äußerſter Spitze ein Forſthaus
oder ein ländliches Gehöft emporragte, und an deſſen
Fuße die Brandung des Meeres wild emporziſchte.
Sie hörte nicht die Schritte eines Herrn, der jetzt in
geringer Entfernung ſtehen blieb und ſie beobachtete.
Plötzlich ſchreckte ein Ausruf ſie empor.
Elfriede, biſt Du es wirklich? klang es von den
Lip=
pen des Fremden, der raſch auf ſie zutrat.
Eine dunkle Glut ergoß ſich in ihr Antlitz. Sie ſah
in das erregte blaſſe Geſicht Ernſt Norbert, der in einem
eleganten weißen Sommeranzug vor ihr ſtand, einen
weißen weichen Filzhut auf den dunklen Locken.
Er hatte ihr die Hände entgegengeſtreckt; als ſie ſich
jedoch langſam erhob, ohne ihm die Hand zu reichen, trat
er etwas zurück, während ſſein Geſicht ſich verfinſterte.
Verzeihung, wenn ich Sie erſchreckte, Elfriede.
Sie haben mich in der Tat überraſcht, Herr Norbert
— auch wohl erſchreckt, entgegnete ſie mit leicht bebender
Stimme.
Ein bitteres Lächeln kräuſelte ſeine Lippen.
Ich bitte nochmals um Verzeihung, mein Fräulein,
ſagte er höflich. Ich werde Sie nicht weiter ſtören
Er lüftete den Hut und wollte ſich entfernen.
Sie ſtören mich nicht. Weshalb wollen Sie gehen?
Elfriede wußte ſelbſt nicht recht, was ſie ſprach. Ihr
Herz krampfte ſich ſchmerzlich zuſammen. War es die
Freude des Wiederſehens? In ihrem Herzen ſchien eine
Stimme zu flüſtern: Ach, wenn ich ihn doch niemals
wiedergeſehen hätte! Kaum daß ihr Herz ſich beruhigt,
kaum daß ihre Seele die innere Harmonie
wiedergefun=
den, kaum daß ſie anfing, über ihr Streben das
Perſön=
liche zu vergeſſen, trat ihr Norbert entgegen, um durch
ſeine Leidenſchaft die Kämpfe ihrer Seele von Neuem
zu entfachen. Das Wort, das ſie ihrem Stiefvater in
ernſter Stunde gegeben, brannte in ihrer Seele, ſie durfte
dieſem Worte nicht untreu werden.
Norbert beobachtete ſie mit finſterem Lächeln. Dann
ſagte er mit leichtem Spott:
In der erſten Freude, Sie wiedergefunden zu haben,
Fräulein Elfriede, ſah ich nicht die Veränderung, die
mit Ihnen vorgegangen iſt. Ich bitte um Verzeihung,
daß, ich mich einer kurzen Täuſchung hingegeben habe.
Warum ſo bitter, Herr Norbert? Was habe ich
ge=
tan, daß Sie mich ſo falſch beurteilen?
Ich beurteile Sie nicht falſch. Sie ſind eine Andere
geworden. Sie — Sie haben mich vergeſſen.
Sie ſenkte die Augen.
Er lachte kurz auf und fuhr fort:
Sehen Sie, daß ich Recht habe? Sie können mir
nicht mehr frei ins Auge ſehen.
Da blickte ſie ihn groß und offen an,
Ich kann aller Welt frei ins Auge ſehen, entgegnete
ſie ſtolz.
So ſagen Sie mir das Eine, Elfriede, fuhr er
lei=
denſchaftlich fort, indem er näber trat und ihre Hand er=
griff, ob Sie noch jener Stunde gedenken, in der Sie
ſich der Kunſt und mir verlobten.
Ja, ich gedenke ihrer noch.
Elfriede!
Wie jauchzende Freude klang es von ſeinen Lippen
und er wollte ſie in die Arme ziehen. Aber ſie wehrte
ihn ſanft ab, ſodaß er abermals verletzt zurücktrat.
Ich begreife Sie nicht, Elfriede.
Ich ſagte Ihnen, daß ich jene Stunde nicht vergeſſen
habe — und ich ſprach die Wahrheit. Mein Streben iſt
noch immer das gleiche, aber es iſt edler geworden, es
wurde in klare Bahnen gelenkt, und deshalb, Norbert,
um dieſes edlen, klaren, reinen Strebens willen, müſſen
wir ſcheiden.
Ich verſtehe Sie nicht.
Vielleicht verſtehen Sie mich ſpäter, wenn wir uns
auf den freien Höhen der Kunſt wiederfinden.
Sie beabſichtigen noch immer, Bühnenkünſtlerin zu
werden.
Mehr denn je, entgegnete ſie mit ſtolzem Lächeln.
Und deshalb wollen wir ſcheiden?
Ja — bis wir uns einſt wiederſehen, wenn wir beide
unſer Ziel erreicht haben.
Ein trüber Zug legte ſich um ſeine Lippen.
Und wenn wir das Ziel, wie Sie es nennen, niemals
erreichen?
Sind Sie mutlos geworden?
Faſt könnte ich es. Mir will nichts gelingen.
Was iſt Ihnen begegnet? Erzählen Sie doch.
Mitleidsvoll blickte ſie ihn an; die finſtere Falte
zwiſchen ſeinen Brauen, der düſtere Blick ſeiner Augen
fielen ihr auf.
(Fortſetzung folgt.)
[ ← ][ ][ → ]Fur käufuner!
Am 1. Juli ds. Js. verlegen wir unſere
Ge=
ſchäftsräume nach
2
Grafenstrasse 20 u. 2e.
Wir verkaufen deshalb von heute ab einen größeren
Poſten Pantherräder (Modell 1911) mit 20 Prozent
Extrarabatt und einjähriger Garantie.
(12418a
Leiſtungsfähige
Repa=
ratnrwerkſtätte für alle
Syſteme.
Benz & Comp.,
Telephon 1239. Grafenstrasse 35.
Cervelat
Gothaer und Braunschweiger
Leber- und Mettwürste
Frankfurter Würstehen in Dos.
Pains
Anchovy- und Sardellenbutter
Oelsardinen
Fleischpasten in Tuben
Capern
Mlixed Piekles
Gewürz-Gürkchen.
Karbader und -Massugen
erhält man am gewissenhaftesten im
Aarlenbach
Landgraf Philipp-Anlage 62. — Telefon 835.
Spez. Kohlensäurebäder nach Patent Keller.
Unübertroffen an Kohlensäuregehalt, 10 K M. 13.—
Um recht rege Benutzung bittet
A. Anger.
11949a).
Stets erhalten Sie die
schwarz-weissen
Rabattmarken.
(12286if
Großer Geieschhelskauf
in
Gardinen . Gardinenstoffen
Möbelstoffen . Brises Bises
33 und Congresstoffen 33
da solche wegen Aufgabe des Artikels
; tofal ausverkaufen:
Hur so lange vorrat reicht.
(9873a
Ludwigs=
Gebr. Hosleln,: platz
Repardturen
an allen, wenn auch
nicht von mir ge=
lieferten
Grammo=
phonen.
Ersatz-
teile. Apparate mit
L.
u. ohne Tricht. v. 28 ℳ an. Größtes
Plattenlager. — Spezial=Geſchäft
V. Bund, Schuchardſtr. 11. (12332a
Schuhmacher=Maſchine für 15
Mark abzugeben
(*14090
Landwehrſtr. 45, Manſarde.
Ein wenig
gefahrenes Motorrad,
Neckarsulmer, 2=cyl., wegen
Weg=
zug von hier zu verkaufen. Sand=
(*14099fs
ſtraße 30.
Wachholderbeerſaft
Empfehle la echten reinen
Wach=
holderbeer=Saft, das beſte Mittel
gegen Huſten, Katarrh,
Ver=
ſchleimung, Gicht,
Rheumatis=
mus, Magen=, Nieren=,
Lungen=
leiden, hauptſächlich zur
Reini=
nung des Blutes. Zu haben am
Samstag, den 8. Juni,
(*14083
am
Marktbrunnen.
Wandernde Herren
bevorzugen
Parkett-, Pitch-pine-, Linoleum-Böden etc.
werden gereinigt. Teppich=Reinigung. Wohnungs= u. Neubauten= Oiwatt
Reinigung.
Institut „Noris‟, Kiesſtraße 27. Große Hausuhr
V8292)
-
Nühlſtr. 62, part.
roßer zweitür, poliert.
Kleider=
ſchrank zu verkaufen (*14097fs
Kiesſtraße 22, part.
in Sportwagen u. 1 Spiritus
Bügeleiſen billig zu verk.
*14070fs) Kahlertſtr. 17, 3. St.
dunkel Eiche (Pferdemarkt=Gewinn),
billig abzugeben, anzuſehen Karl
ſtraße 29, im Uhrengeſch. (11969a
prachtv.
Junge
geſtromte Boxer, Exempl.,
4 W. alt, billig zu verkaufen
Gr. Kaplaneigaſſe 20. (*14036df
diesjahr., billig
Zuchthühnen
bzug. (*14080
Darmſtr. 33a
2. St., Glöckner.
Herren=Schokolade
— extra bitter
Preis pro ½ I=Tafel 50 Pfg.
Ernſt=Ludwigſtraße 19.
Sportplatz an der Windmühle, Pallaswiesenstrasse 127
Sonntag, den 9. Juni 1912, nachmittags 2 Uhr
(12544
II. Nationale olvmp. Spiele
Karten-Vorverkauf: Verkehrsbüro und Löhr’s Havannahaus, Wilhelminenstrasse 8.
Hrisgemerbverein Darmsladfe
Alm Freitag, 7. Juni, abends pünktlich 8½ Uhr,
hält
Herr Stadtbaurat Buxbaum
auf Veranlaſſung des Herrn Oberbürgermeiſters im großen Saal
des Städtiſchen Saalbaues einen
(12512
Lichtbilder=Vortrag
über den
„Projektierten neuen Friedhof an der breiten Allee.”
Unſere Mitglieder ſind hierzu freundlich eingeladen. Wir
bitten um zahlreichen Beſuch.
Der Vorstand.
Vereinigte Bezirksvereine.
Die Mitglieder der Bezirksvereine werden
hierdurch im Auftrage des Herrn Ober=
Bürger=
meiſters zu dem Beſuch des Vortrags des Herrn
Stadtbaurat Buxbaum
„Ueber den neuen Friedhof‟
eingeladen. Der Vortrag findet Freitag, den
7. Juni, abends 8½ Uhr im grossen Saale des
städtischen Saalbaus ſtatt.
(K12533
Der Vorsitzende des Ausschusses
Dr. Kolb.
kestadranen
zu den
Drei Hasen
Heinheimerstr. 42.
altrenommierte Kegelbahn
(neu hergerichtet) (*14116
Grosser schattiger Garten
Schönes Gesellschaftszimmer
neu eröffnet u. empfohlen durch
Aut Mueltlien
(Vereinigte Ortsgruppen
Gross-
herzogtum Hessen und Provinz
:: :: Hessen-Nassau.) :: ::
Sonntag, den 9. Juni 1912, nachmittags 4 Uhr pünktlich
findet im „Fürſtenſaal” zu Darmſtadt, Grafenſtraße 20, im
An=
ſchluß an die Hauptverſammlung unſerer Ortsgruppen eine
öffent=
liche Verſammlung ſtatt, in der ein Vortrag: „
Vaterlandsvertei=
digung und Duell” (Ref.: Prof. Kiſſinger) mit anſchließender
freier Ausſprache gehalten werden ſoll.
(12513
Hierzu werden Freunde und Gegner des Duells ergebenſt ein:
geladen. Auch die Anweſenheit von Damen iſt ſehr erwünſcht.
Der Vorstand.
Kirchengeſangverein der Johannesgemeinde.
Sonntag, den 9. Inni
Ausflug nach Lichtenberg.
Abfahrt nach Ober=Ramſtadt 128 Hauptbahnhof oder 1‟
Oſt=
bahnhof. Hierzu ſind unſere aktiven und inaktiven Mitglieder nebſt
Familien freundlichſt eingeladen.
(12520
Der Vorstand.
Gahelsherger
Stellereipiten Vereinlaut.
Samstag, den 8. ds., abends 9 Uhr,
im Fürſtenſaal:
Monatsversammiung
mit Preisverteilung u. gemütl. Beiſammenſein,
wozu wir unſere Mitglieder nebſt werten
Angehörigen freundlichſt einladen.
Der Vorstand.
Gäſte haben Zutritt, ſind jedoch dem
1. Vorſitzenden vorzuſtellen.
(*14126
Saanttt
e Hugenschütz Felsenkeller, e
Tel. 1445.
Inhaber Hans Tod.
Tel. 1445.
verband Junger Brogisten Deutschlands F. v.
(Sitz Berlin).
An die Jungdrogisten Darmstadts.
Alle Kollegen, die es mit ihrem Stande und
ſeinen Beſtrebungen ernſt meinen, werden hiermit
eingeladen, dem
34. Gautage
del Vereigung jung. Brogisten
im Rhein=Main=Gau
am Sonntag, den 9. Inni, nachm. 3½ Uhr,
im Hotel Sitte, Karlſtraße
zwecks Neugründung eines Verein junger
Drogiſten Darmſtadt
Paul Buss.
Eute Speiſekartoffeln ſo lange
Vorr. reicht, dicke Schälkartoff.
10 Pfd. 60 Pf., Salatkartoff. 10 Pfd.
52 Pf. u. 10 Pfd. 48 Pf. b. M. Stilling
Witwe, Hochſtr.
(*14117fs
Guterhaltener Sportwagen
billig zu verkaufen (*13883ms
Neue Ireneſtraße 63, 1. Stock r.
Haby=Hut
auf Hauptbahnhof vertauſcht,
bez. F. A., reſeda Futter. Bitte
Nachricht an Felix Ahlers,
Bocholt i. W. Koſt. werden
(11853
vergitet.
Verloren
auf dem Weg nach Griesheim bis
Baſſin od. in Griesheim am
Sonn=
tag 1 kl. ſchwarz. Emaille=Herz
mit Goldrand. Bitte abzugeben
*14073) Kaſinoſtr. 18, 1. St.
ein filbernes
Verloren Kettenarmb.
mit Anhänger zwiſchen Anfang
Neckarſtr. u. Mauerſtr. Abzugeben
*14111) Mauerſtr. 13, 1. St.
Freitag, den 7. Juni, abends 8 Uhr:
Grosses Mltar Ronzerr
vollzählige Kapelle des Grossh. Hess. Art.-Regt. Nr. 61
Leitung: Herr Musikmeister M. WEBER.
Aus dem Programm:
Triumphmarſch a. d. Op. Arda” (Original Alda=Trompeten).
„Hurrahl Der Kaiſer kommt” Marſch (Original=Kaiſerhupe). Ouvertüren
. „Leichte Cavallerie” und „Dichter und Bauer”. Ferner: Drei
Stimmungsbilder zur Seg, „Näher zu dir Herr” Choral (
Unter=
gang der Titanic). Zwei Flottenlieder, geſpielt bei der
Denkmals=
enthüllung für den verunglückten Kapitänleutnant Fiſcher, u. a. m.
Eintritt mit Programm 10 Pfg. (*14122
Ba9zABgf
4.
Schur- Spezlaibier
dunkel, Ersatz für Münchener
hell, Ersatz für Pilsener. (*14131
beizuwohnen.
(12530fs
Vereinigung Junger Drogisten im Rhein-Hain-Gau
Frankfurt a. M., Mainz. Offenbach a. M., Wiesbaden.
Hessischer Hof.
Morgen Samstag, den 8. Juni, abends 8 Uhr:
Internationaler Konzert-Abend.
I. Teil: Italienisch. II. Teil: Französisch.
III. Teil: Deutsche Meister.
Kapelle des Großh. Hess. Art.-Regts. Nr. 61
(Leitung: Herr Musikmeister M. Weber). (12532
Eintritt einschliesslich Programm 20 Pfg.
Ludwigshöhe.
Jeden Mittwoch u. Samstag
Kur-Konzer t.
Eintritt 25 Pfg. 10 Abonnementskarten zu
Mk. 1.50 ſind zu haben im Verkehrsbureau und an der Kaſſe. (B7897
Schiffsbericht.
Hamburg=Amerika=Linie.
Mitgeteilt von dem Vertreter Hrn.
Adolf Rady. Darmſtadt,
Zimmerſtraße 1.
Dampfer „Cincinnati” von New=
York kommend, 4. Juni 2 Uhr
30 Minuten nachmittags Dover
paſſiert.
Dampfer „Hamburg” 4. Juni
11 Uhr morgens von Genugüber
Neapel nach New=York.
Dampfer „Pennſylvania” von
New=York kommend, 5. Juni
4 Uhr 45 Minuten morgens auf
der Elbe.
Dampfer „Prinz Adalbert‟, 4. Juni
5 Uhr nachmittags in
Phila=
delphia.
Dampfer „Willehad”, nach Kanada,
4. Junt 1 Uhr 15 Minuten
mor=
gens von Rotterdam.
Woog, am 6. Juni 1912.
Waſſerhöhe am= Pegel 3,75 m.
Luſtwärme 192 C.
Waſſerwärme vorm. 7 Uhr 18%C.
Woog=Polizei=Wache.
Flaschenbier (Brauereifüllung).
Restaurant Rummelbräu
61 Allee 61 — nächst dem Hauptbahnhof.
Täglich frische Kuchen u. Torten
aus eigener Konditorei.
Kaffee Tee: Kakao: Chocolade.
Angenehm gemütlicher Aufenthalt in dem schattigen
Wirt-
schaftsgarten, sowie in der gedeckten Gartenterrasse.
Um geneigten Zuspruch bittet
Emil Ekeu
neuer Pächter :: Telephon 2519.
12542)
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 7. Juni 1912.
Nummer 132.
Sport.
* Pferderennen. Rennen zu Karlshorſt.
Dahlia=Hürden=Rennen; 2800 Mark, Diſtanz 3000 Meter:
1. Herrn G. Nettes Südpol (E. Weber), 2. Lord Mayor
(Seliſch), 3. Rangsdorf (Streit). Tot. 96410. —
Pots=
damer Jagd=Rennen: Ehrenpreis und 3000 Mark, Diſtanz
5200 Meter: 1. Lt. Prinz Wredes Emſig I (Lt. F. von
Zobeltitz), 2. Procles (Beſ.). Tot. 13:10. — Germania:
18 000 Mark, Diſtanz 5500 Meter: 1. Herrn W. Dodels
Erberich (H. Brown), 2. Werra (Weishaupt), 3.
Turan=
dot (V. Roſak). Tot. 20110. — Charlottenburger
Er=
innerungs=Rennen; Ehrenpreis und 5000 Mark, Diſtanz
4000 Meter: 1. Herrn W. S. Moenchs Procles (Herr
Jahrmarkt), 2. Saint Mihiel (Herr v. Weſternhagen),
8. Edda (Lt. Frhr. v. Dörnberg). Tot. 16:10. —
Gold=
lack=Jagd=Rennen; 3000 Mark, Diſtanz 3200 Meter:
1. Hrn. E. v. Buddenbrocks Aſſalaide (Schiemann), 2.
Her=
mes I (Naſh) 3. Avanti (V. Roſak). Tot. 77110. — Bras
de fer=Jagd=Rennen; 3000 Mark, Diſtanz 3200 Meter:
1. Lt. v. Pagenhardts Polyerates (Beſ=, 2. Landesvater
(Lt. v. Lütcken), 3. Strentenſe (Lt. Graf Strachwitz).
Tot. 166110. — Zufluchts=Rennen; 3300 Mark, Diſtanz
1400 Meter: 1. Herrn O. F. Grobiens Teſta (Torke),
2. Priotina (Gagelmann), 2. Bode (H. Teichmann).
Tot. 64:10.
Das Engliſche Derby gelangte am Mittwoch
in Epſom im Beiſein des engliſchen Königspaares zur
Entſcheidung. 20 Pferde bewarben ſich um das blaue
Band Englands. Die Favoritenſtellung nahm
Swee=
per II ein, der jedoch im Rennen nie eine Rolle ſpielte.
Das Rennen nahm einen überaus einfachen Verlauf.
Tagalie, eine von Cyllene ſtammende Schimmelſtute, lag
durchweg in Front, ließ ſich nichts nahe kommen und
ge=
wann überlegen mit 4 Längen gegen Mr. L. Neumanns
Fäger (W. Griggs), dem zwei Längen zurück Mr. A.
Belmonts Tracery (Bellhouſe) als Dritter folgte. Als
Vierter endete Pintadeau (H. Jones) des Königs Georg
von England. Wetten: 10018, 8:1, 66:1. Tagalie iſt erſt
die fünfte Stute, die das ſeit dem Jahre 1780 zur
Ent=
ſcheidung gelangende engliſche Derby zu gewinnen
ver=
mochte. Vor ihr triumphierten 1801 Eleanor, 1857 Blink
Bonny, 1882 Shotover und endlich 1908 die kraſſe
Außen=
ſeiterin Signorinetta.
* Radrennen. Bei der Radfernfahrt durch
Italien ſiegte in der letzten Etappe, die in Mailand
ihr Ende erreichte, Borgarello, der die 240 Kilometer be=
tragende Strecke in 8 Stunden 3 Mimten zurücklegte.
Nur eine halbe Länge zurück endete Micheletto als
Zwei=
ter vor Galetti und Agoſtini. Da für die Konkurrenz die
von jeder Fahrradfabrik gemeldete Mannſchaft
gemein=
ſam gewertet wurde ſiegte im Geſamtklaſſement Atala=
Italien mit 31 Punkten vor Peugeot=Frankreich mit 25,
Gerbi=Italien und dem deutſchen Hauſe Bielefelder
Ma=
ſchinen= und Fahrrad=Werke, vorm. Aug. Göricke.
* Die Norddeutſche Automobil=Tourenfahrt fand mit
der letzten Etappe. Schwerin=Hamburg, ihren Abſchluß.
Von 33 bis zum Schluſſe in Konkurrenz geweſenen Wagen
erreichten ohne jeden Strafpunkt ſieben das Ziel. Erſte
Preiſe erhielten: Präſident=Hamburg auf Opel,
Direk=
tor Siercke=Hannoper auf Opel, Kommerzienrat
Weſten=
darp=Hamburg auf Opel, Holtz=Roſtock auf Opel,
Heine=Hannover auf Adler, Roſe=Magdeburg auf Benz
und Konſul Podeus=Wismar auf Podeus.
Vermiſchtes.
— Bolognas gelehrte Frauen. Die alte italieniſche
Univerſitätsſtadt Bologna, die die älteſte Univerſität
Eu=
ropas beſitzt, darf auch den Ruhm für ſich in Anſpruch
nehmen, eine Frau zum erſten Male mit dem Doktortitel
beehrt zu haben. Dieſer erſte weibliche Doktor hieß
Be=
tiſia Gözzadini und war 1209 geboren. Betiſia war
Rechtsgelehrte — die Rechtsgelehrtheit ſtand in Bologna
in ſo hohem Anſehen, daß z. B. Kaiſer Barbaroſſa ſeine
Anſprüche auf Italien vom Rechtsſpruch der berühmteſten
vier Rechtsgelehrten von Bologna abhängig machte
und hinterließ bei ihrem Tode einige Schriften über ihre
Wiſſenſchaft. Auch ſonſt gab es bis in die neue Zeit
hinein in Bologna gelehrte Frauen. Da lebten, wie
Dr. Frida Ichak in einer Abhandlung „Gelehrte Frauen”
in Nr. 32 der illuſtrierten Familienzeitſchrift „Ueber Land
und Meer” (Stuttgart, Deutſche Verlags=Anſtalt)
be=
richtet, im vierzehnten Jahrhundert die Schweſtern
No=
vella und Bettina d’Andrea Calderini, die ſo gelehrt
waren, daß die eine von ihnen anſtelle ihres Vaters
Vor=
leſungen hielt. Von ihr wird erzählt, ſie ſei ſo ſchön
ge=
weſen, daß ſie ihre Vorleſungen hinter einem dichten
Schleier hielt, damit die Studenten nicht durch den
An=
blick ihrer Schönheit von der Wiſſenſchaft abgelenkt
wür=
den. Eine andere berühmte Pandekten=Exegetin war
Aceurſia, die Tochter des Profeſſors Accurſius, die
eben=
falls als Stellvertreter ihres Vaters öffentliche
Vorleſ=
ungen gehalten hat. Beſonders reich an gelehrten Frauen
war Bologna im achtzehnten Jahrhundert. Die Reihe
beginnt mit Laura Baſſi Veratti, die ſo gründliche
Kennt=
niſſe der Jurisprudenz und Philoſophie erlangte, daß
die philoſophiſche Fakultät der Bologneſer Univerſität
ſie zum Doktor promovierte. Ihre öffentliche
Promo=
tion im Mai 1735, die mit viel Pomp ſtattfand, wurde
zum wahren Feſte für Bolognas Frauen. Laura Baſſi
genoß außerdem auch den Ruhm ſeltener weiblicher
An=
mut und Herzensgüte; ſie war zudem verheiratet und
hatte 12 Kinder, die ſie beſtens erzog. Als ſie ſtarb,
wurde ſie von allen Frauen Italiens betrauert und in
der Kirche Del Corpus Domini beigeſetzt, ihr daſelbſt
auch ein Denkmal errichtet. Laura Baſin ſand in ihrer
Heimat mehrere Nachfolgerinnen. Faſt um dieſelbe Zeit
bekleidete in Bologna eine Frau (Anna Moranda
Man=
zolini) eine Profeſſur für Anatomie; eine andere (Maria
ehetete ir meiſt
inne. Uebrigens begegneten in der Gelehrtenwelt
Euro=
pas die gelehrten Frauen Bolognas ſehr geteilten
Sym=
pathien und beſonders in Deutſchland bezeichnete man
z. B. die Promotion Laura Baſſis als zu weitgehend.
Gewinnanszug
der
226. Königlich Preußiſchen Flaſſenlotterie.
5. Klaſſe. 21. Ziehungstag. 5. Juni 1912.
(achdrut verdoten)
(öhme Gewſhr. 6l. St.el. f. 30)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 10 000 Mk. 61336
82 Gewinne zu 3000 Mk. 3719 19132 27129 32598
40839 47450 50860 56898 59340 61699 62370 77310
77672 81040 89473 95652 98589 105077 109088
123219 126940 134104 142050 144362 145828 149878
156708 162661 164411 165362 170401.
102 Gewinne zu 1000 Mk. 761 2949 3949 4775
9779 11948 27714 34192 43180 44704 47472 54885
65b36 55678 61170 75305 60330 65651 66014 6bags
88453 89320 90335 94498 96536 106699 107679 117267
126110 128428 138630 139561 141394 1144852 148115
148852 151043 151056 151610 159761 159978 160545
171733 173304 178895 181066 181678 182126 162261
186774 187446
188 Gewinne zu 600 Mk. 1963 3075 4686 5073
6413 5447 5793 7174 9704 11989 13158 14661. 16428
25296 30387 33460 33570 33743 35225 36360 37417
39382 40061 40306 41905 43235 45979 60410 50721.
51590 56527 58035 58689 59643 60900 62948 63445 68183
69367 71529 71680 7a956 77023 79322 50497 60649
84895 85193 85892 94366 94425 95767 98792 102912
103467 110278 113561. 116919 120761 124332 12625a
127019 130322 132149 1133256 133895 134475 137136
139674 141898 142576 147343 148319 148949 149285
154099 155493 166002 161188 161354 161390 165192
165464 168691 170425 172226 173611 176278 1703as
177049 180757 185094 188892 169467
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
2 Prämien zu 300 000 Mk. 100378 und 3000 Mk.
4 Gewinne zu 5000 Mk. 83051 105dga
40 Gewinne zu 3000 Mk. 23242 23629 32463 36836
37104 39572 42832 46293 53302 79806 83124 110351.
125713 149588 158033 174992 175215 180339 189105
70 Gewinne zu 1000 Mk. 10865 11777 17534 28974
33181 52610 55413 58133 66239 66354 80498 87197
98912 103782 117580 119800 121257 122023 125154
127326 131431. 131500 132575 z 133447 141465 1597ea
155990 158371 161210 177897§ 177985 178613 180837
191698 183292
122 Gewinne zu 500 Mk.§ 9692 11782 § 18897 K.21199
23106 29027 30016 33299 35061 39061§ 41274842220
46767 48572 49767 49882 50310 66558 71093 854as
87314 92269 92744 93084 94559 96098 108622 109768
119351 124339 134467 135797 136623 138019 138366
140149 140269 143039 144466 145617 147625 16262n
155637 156892 158120 158628 162027 16433d 164601
170161 170494 173442 174248 175415 177834 177868
178618 181672 182243 188075 189427
Auf der Reise ist ein
Rasier-ADDarat
unentbehrlich, tadelloses Rasieren garantiert. Nur beste Ausführung per Stück Mk. 1.—, 1.50, 2.50, 5.— bis 28.− Mk.
(12517a
Gg. Frz. Frank, Elisabethenstrasse 9, Telephon 886.
12537a)
KarlZeßler
Markfſtraße 5
uaunngannnunnnnnnssnanannnunnnannn
IE
unnannnanannnnnnnnnan
aperch, Eilloleum Reste
kauft man zu denkbar billigen Preisen bei
Heinrich Luckhardt
Tapeten-Linoleum-Haus
(12235a
DARMSTADT
Schulstr. 7.
Telephon 221
EnIRRRRIIIII!
1!
IIIERE
Schöner antiker,
Tisch
runder
(Nußbaum=Maſer) preiswert zu
verkaufen. Näh. Exp. (12546
zandnähmaſchine und
Zuſt=
nähmaſchine billig zu verk
Mühlſtraße 37.
*14120fs)
Eiſetner BerandetScſel
3 Mk., verſchiedene gute Bilder
billig zu verk. Näh. Exp. (12547fso
Ein gut erhaltenes Fahrad
Ebillig abzugeben Große
Ochſen=
gaſſe 12.
(*14104
platzmangelhalber
Tafelklavier zu verkaufen
*14093)
Gartenſtr. 15, part.
Eut erinaſt. Gintis-hal
billig zu verkaufen
(*14119fso
Arheilgerſtr. 10, 2. St. rechts.
Rehbraten in allen Grössen
Rehragout per Pfd. 40 Pfg.
Lapins
Feinstgemästetes Geflügel etc.
Heinrich Grimm
Hoflieferant.
2.
Kaa de
Ke häf
Chem Jobr. Düſeldorf, Akt. Geſ.
Institut zur Vernichtung jegl. Ungeziefers
Darmstadt, Dieburgerstrasse 10
Inh.: Ch. Schenk
25
Wanzen, Käfer, Mäuſe, Ratten, Motten nſw.
vertilgt unter Garantie bei billigſter Berechnung.
Beſtellung. erb. ſchriftl. od. Tel. 2067.
Koſtenloſer Beſuch nach hier u. auswärts. (10533a
2
Schuheréme, billigſte Bezugs=4 neuer Brotwagen, auch als
auelle f. Händler u. Hauſierer 4. Geſchäftswagen geeignet, z. ver=
*14077) Fuhrmannſtr. 8., i. Laden. kauf. Gg. Fleck, Bleichſtr. 5. (*14098