Darmstädter Tagblatt 1912


14. Mai 1912

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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 20 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

der Kaiſer iſt geſtern vormiltag in Straßburg
eingetroffen.
Vie aus Karlsruhe gemeldet wird, hat der Kaiſer auf
Vortrag des Reichskanzlers den Frhrn. v. Marſchall
zum deutſchen Botſchafter in London er=
nannt
. Die Ueberſiedelung des Frhr. v. Marſchall
nach London erfolgt Mitte Juni.
die Budgetkommiſſion des Reichstags
nahm die Novelle zum Flottengeſetz an.
der Reichs anzler iſt in Berlin wieder einge=
troffen
.
as preußiſche Abgeordnetenhaus erklärte
geſtern die Ausſchließung des ſoz. Abg.
Borchardt mit 319 gegen 8 Stimmen für be=
rechtigt
.
lm Sonntag wurde in Straßburg die elſaß=
ſothringiſche
Fortſkrittsparteß ge=
gründet
.
der portugieſiſche Geſandte in Paris erklärte die Ge=
rüchte
über die angeblichen deutſchen Pläne be=
züglich
der portugieſiſchen Kolonien für
durchaus unbegründet.

Die deutſche Rüſtung.

Ungeahnt ſchnell hat die Vertretung des deutſchen
ſolkes die Wehrvorlagen angenommen, ſoweit ſie
as Landheer betrifft, und dieſe raſche Arbeit iſt
ſohl nicht ohne Abſicht geſchehen, ſie ſollte dokumentie=
in
, daß die Nation noch immer hinter der Regierung
eht, wenn es gilt, unſere Wehrkraft zu ſtärken. Nur
denige Redner ſprachen am Freitag, dann wurden die
zorlagen glatt en bloc angenommen unter Zuſtimmung
imtlicher bürgerlicher Parteien mit Ausnahme der Po=
en
. So hat ſich dieſer Reichstag mit oder trotz ſeinen
10 Sozialdemokraten in nationalen Fragen zuverläſſi=
er
erwieſen, als alle ſeine Vorgänger und zugleich den
zeweis für die völlige Bedeutungsloſigkeit und Einfluß=
oſigkeit
der ſozialdemokratiſchen Partei in ſolchen Fra=
en
erbracht.
Daß die beabſichtigte Wirkung erreicht worden iſt,
eigt eine Preßſtimme, die von jenſits der Vogeſen
u uns herüberſchallt. Der wenig deutſchfreundliche
Natin widmet der Abſtimmung eine längere Beſpre=
jung
und gibt der Anſicht Ausdruck, daß das Ergebnis
em Einfluſſe der deutſchen Preſſe zuzuſchreiben ſei. Das
zlatt fragt ſich, welchen Zweck die deutſchen Zeitungen
iit ihrer jetzigen Haltung verfolgten, nachdem doch der
leichskanzler dieſes Vorgehen öffentlich getadelt habe.
Jährend der letzten ſechs Monate habe man es nicht un=
erlaſſen
, Frankreich ſo hinzuſtellen, als ob es jeden Au=
enblick
bereit wäre, ſich auf Deutſchland zu ſtürzen, und
em Volke klar zu machen verſucht, daß Frankreich, Eng=
and
und Rußland dekadente Völker ſeien. Des wei=
eren
wird ausgeführt, daß allerdings einige unbedeu=
nde
Blätter chauviniſtiſche Artikel gebracht hätten, die
ls die öffentliche Meinung Frankreich von Seiten der
eutſchen Zeitungen hingeſtellt worden ſeien, während
ie Artikel der bedeutenderen Blätter, die ſämtlich auf
inen gemäßigten Ton geſtimmt waren, von der deut=
hen
Preſſe einfach totgeſchwiegen worden ſeien. Aus
em ganzen klingt der Aerger heraus, den man wohl
n der Seine über die Opferwilligkeit des deutſchen Vol=
empfindet
, da man ſich bewußt iſt, daß Frankreich
i der Rüſtung doch nicht mehr gleichen Schritt mit
deutſchland halten kann, ſondern zurückbleiben muß.
Die Lektion, die man damit nach außen hin erteilt
at, iſt demnach eine recht gute, denn eine ſolche Hal=
ung
macht einen Eindruck, dem ſich niemand entziehen
ann. Das ſieht man wieder einmal an England, wo
ie feſte Haltung Deutſchlands als durchaus ſelbſtver=
ändlich
erachtet wird. Wir wiſſen ja zur Genüge, daß
llbion nur den achtet, der mit Entſchiedenheit aufzu=
reten
verſteht, und den verächtlich über die Achſel ſieht,
er ihm nachläuft und dienert. Es iſt wohl nicht von
ugefähr, daß im jetzigen Moment der Führer der kon=
ervativen
Partei, Law, die ſeit Jahren ſtets Deutſch=
and
wenig freundlich gegenübergeſtanden hat, in einer
lede überaus warme Töne angeſchlagen bat. Der Par=

teiführer erklärte ausdrücklich, es könnte kaum ein grö=
ßres
Unglück geben, als einen Krieg zwiſchen England
und Deutſchland, welchen Ausgang er auch immer haben
ſollte, und am Schluſſe ſeiner Rede trat er direkt für ein
Uebereinkommen mit Deutſchland ein. Derartige Stim=
men
hat man ſchon lange nicht mehr über den Kanal
herüberſchallen gehört, und man geht wohl ſchwerlich in
der Annahme fehl, daß eben unſere zielbewußte Hal=
tung
und die Konſequenz, die wir für unſere Wehrkraft
aus den Differenzen mit England und Frankreich gezo=
gen
haben, nicht ohne tiefen Eindruck geblieben ſind. Für
die Erhaltung des Weltfriédens ſiſt das von größter
Bedeutung.

* Wien, 11. Mai. Das Fremdenblatt ſchreibt an=
läßlich
der Annahme der Wehrvorlage im
deeutſchen Reichstagſe, die geſtrige Abſtimmung
in Berlin werde nicht bloß im Reich, ſondern auch im
Ausland großen Eindruck machen, weil ſie zeige, daß
die Volksvertretung einig und feſt ſei in dem Willen,
die Wehrmacht des Reiches zu ſtärken. Auch für Oeſter=
reich
möge das Beiſpiel, das der deutſche Reichstag der
Welt geboten habe, nicht ohne Bedeutung ſein. Es werde
in Oeſterreich viele geben, die ein Neidgefühl nicht wer=
den
unterdrücken können bei dem Gedanken, daß der
deutſchen Wehrmacht bei ihren Forderungen eine ſo
raſche werktätige Unterſtützung der Volksvertretung zu
teil geworden ſei.
* Paris 12. Mai. Nach einer Blättermel=
dung
dürfte ſich der nächſte Miniſterrat eingehend
mit den Folgen des deutſchen Wehrgeſetzes
beſchäftigen und die etwa zur Verſtärkung der nationa=
len
Verteidigung Frankreichs erforderlichen Maßnahmen
ins Auge faſſen. Die deutſche Heeresvor=
lage
wird anläßlich ihrer=Annahme durch den Reichs=
tag
von der hieſigen Preſſe eifrig erörtert. Der ehe=
malige
Generaliſſimus de Lacroix führt im Temps
aus, die militäriſchen Anſtrengungen Deutſchlands ſeien
ſehr beträchtlich. Durch das Wehrgeſetz werde die
deutſche Armee der Zahl, aber ganz beſonders ihrer Qua=
lität
nach verſtärkt. Deutſchland habe ſichtlich vor allem
den Zweck verfolgt, den Offenſivwert ſeiner Armee zu er=
höhen
). Die Lüberté ſchreict: Die Heeresvorlage
bildet eine Drohung für uns. Sie darf uns aber keine
Furcht einflößen. Die Zahl iſt in der Schlacht nicht im=
mer
das Entſcheidende. Was uns mehr beunruhigt, iſt
unſere innere Zerriſſenheit. Der Figaro ſchreibt: Un=
ſere
öffentliche Meinung muß die Regierung zwingen,
Mittel zu finden, um wider die bedrohlichen Rüſtungen,
die nur gegen uns gerichtet ſind, ein Gegengewicht zu
finden. Man muß allen begreiflich machen daß es jetzt
dringendere Fragen gibt als die Einkommenſteuer und daß
die nationale Verteidigung doch wichtißer iſt, als die
Verteidigung der Verweltlichungspolitik. In der Au=
torite
ſchreibt ein Ofizier: Das einzige Mittel zur
Verſtärkung der franzöſiſchen Militärmacht wäre die Wie=
dereinführung
der dreijährigen Dienſtzeit

Deutſches Reich.

Ueber die Stellung der öſterreichi=
ſchlen
und niederländiſchen Regierung
zu dem Schiffahrtsabgabengeſetz wird von
unterrichteter Seite geſchrieben: Die Stellung der öſter=
reichiſchen
Regierung zur Einführung von Schiffahrts=
abgaben
auf der Elbe iſt unverändert ablehnend. Um
ſich in dieſer Beziehung den Rücken zu ſtärken, hat der
frühere öſterreichiſche Handelsminiſter Dr. Weiskirchner
durch ſeine Hintermänner einen Beſchluß des öſterreichi=
ſchen
Reichsrats herbeigeführt, der es der öſterreichiſchen
Regierung einfach verbietet, über die Einführung von
Schiffahrtsabgaben mit Deutſchland zu verhandeln. Als
vor einiger Zeit in Wien angefragt wurde, wie man ſich
jetzt zur Sache ſtellt, berief ſich der jetzige Handelsmini=
ſter
v. Roepler auf dieſen Beſchluß des Reichsrats,
ſtellte aber in Ausſicht, daß man über die Frage gele=
gentlich
der Ernezerung der Handelsvertriige ſprechen
werde. Dißſe wenig tröſtliche Antwort bedeutet im
Grunde nichts weiteres, als daß Oeſterreich bei der Er=
neuerung
der Handelsverträge das Maß der Konzeſſionen
abwägen will, das ihm für ſeine Zuſtimmung zu den
Schiffahrtsabgaben geboten wird, ehe es ſeine Entſchei=
dung
trifft. Aehnlich, aber womöglich noch um einiges
ungünſtiger, liegen die Dinge mit den Niederlanden. Die
holländiſche Regierung hat jede Gelegenheid ergriffen,
um in der Oeffentlichkeit zu erklären, daß ſie nicht ge=
neigt
ſei, auf die Abgabenfreiheit des Rheins zu ver=
zichten
. Dieſe Eröffnung hat die niederländiſche Regie=
rung
dem deutſchen Geſandten auf amtlichem Wege zur
Kenntnis gebracht. Um den holländiſchen Widerſtand zu
brechen, ſpielt man, wie ſchon mitgeteilt, ſchon ſeit einiger
Zeit mit dem Plan, einen Kanal vom Rhein nach der

Nordſee zu bauen. Die preußiſche Regierung hält vor=
erſt
mit ihrer Stellungnahme zu dem Plan zurück.
Regelung des Kinematographen!
weſens im Reichstheatergeſetz. Wie ver=
lautet
, finden gegenwärtig Erwägungen zwiſchen den
zuſtändigen Reſſorts ſtatt, ob der § 33a der Reichs=
gewerbeordnung
, der ſich mit der Konzeſſionspflicht thea=
traliſcher
Vorführungen befaßt, eine Erweiterung dahin
erfahren ſoll, daß auch die Kinematographentheater kon=
zeſſionspflichtig
und die Erteilung einer Konzeſſion von
dem Vorliegen eines Bedürfniſſes abhängig gemacht
werden ſoll. Es iſt zu erwarten, daß eine reichsgeſetzliche
Regelung der Angelegenheit im Rahmen des in Vor=
bereittung
befindlichen Reichstheatergeſetzgs eerfolgen
wird. Für die reichsgeſetzliche Regelung kommt dage=
gen
die Beaufſichtigung durch die Polizeibehörde und
deren etwaige Verſchärfung nicht in Betracht, da dieſe
zu den Befugniſſen der Landesregierungen gehört. Das
gleiche gilt von der Ausübung der Zenſur.
Der Reichsverband und die letzten
Reichstagswahlen. Die Ausſchußſitzung des
Reichsverbandes gegen die Sozialdemorkatie wurde
am 9. Mai, dem Gründungstage, unter zahlreicher Be=
teiligung
der Ortsgruppenvertreter aus allen Teilen des
Deutſchen Reiches unter dem Vorſitz des Reichstagsab=
geordneten
Generalleutnant z. D. v. Liebert, eröffnet.
Der wichtigſte Punkt der Verhandlungen betraf Die
Reichstagswahlen 1912. Das Refereat hatte Wirkl.
Geh. Rat v. Dirkſen, Mitglied des Abgeordnetenhauſes,
übernommen. Im Anſchluß daran wurde nach eingehen=
der
Ausſprache einſtimmig folgende Entſchließung gefaßt:
Nach § 1 ſeiner Satzungen hat der Reichsverband
gegen die Sozialdemokratie die Beſtimmung, der So=
zialdemokratie
durch Wort und Schrift entgegenzutreten
und bei Wahlen auf ein gemeinſames Vorgehen aller
bürgerlichen Parteien hinzuwirken. In aufopfch ungs=
voller
Arbeit iſt der Reichsverband bisher mit Erfolg
bemüht geweſen, ſeinen Zweck zu erfüllen, er hat in faſt
allen Bundesſtaaten den monarchiſch geſinnten Teil der
Bevölkerung zum Kampf gegen die Sozialdemokratie
aufgerufen und bei allen Wahlen ſeine Mittel und ſeine
Organiſation in den Dienſt aller bürgerlichen Parteien
ohne Ausnahme geſtellt, die ſeine Hilfe in Anſpruch nah=
men
. Dank und Anerkennung aus den verſchiedenen bürger=
lichen
Lagern, erbitterte Feindſchaft der Sozialdemokratie
beweiſen, daß der Reichsverband ſich auf dem richtigen
Wege befand. Bei den diesjährigen Reichstagswahlen
war die angewandte Arbeit nicht von vollem Erfolge
gekrönt. Manche glaubten, daß ein Teil der Schuld hier=
für
der vom Reichsverband befolgten Haltung beizu=
meſſen
ſei Dieſe Annahme iſt inſofern irrig, als nicht
der Reichsverband ſich geändert. ſondern ein Teil des
Bürgertums es nicht verſchmäht hat, der Sozialdemo=
kratie
durch Stichwahlabkommen eine Reihe von Man=
daten
auszuliefern, um ſich ihre Wahlhilfe in anderen
Kreiſen damit zu erkaufen. Unter dieſen Umſtänden ver=
mag
der Reichsverband nicht länger die bürgerlichen
Parteien im Wahlkampf gleich zu bewerten. Nachdem
ſich die Vorausſetzung geändert hat, von der bei Be=
gründung
des Reichsverbandes ausgegangen wurde, daß
alle bürgerlichen Parteien einmütig gegen die Sozial=
demokratie
Front machen würden, wird der Verband
genötigt ſein, die Folgerung daraus zu ziehen und gegen
Verbündete der Sozialdemokratie ebenſo vorzugehen, wie
gegen dieſe ſelbſt.
Eſin ſpätes Dementi. Die offiziöſe
Münchener Korreſpondenz Hoffmann meldet:
Die am 5. Mai in Neuſtadt a. H. gelegentlich der
Tagung des bayeriſchen Landesverbandes des Deutſchen
Flottenvereins von Sr. kgl. Hoheit dem Prinzen Georg
gehaltene Rede hat vielfach eine durch mangelhafte Be=
richterſtattung
veranlaßte irrige und tendenziöſe Deu=
tung
erfahren. Sr. kgl. Hoheit hat, wie der genaue Tert
der Rede ergibt, die Abſicht einer Stellungnahme gegen
die Reichsleitung bezüglich der Flottenpolitik völlig fern=
gelegen
. Soweit die Stellungnahme der bayeriſchen
Staatsregierung zur Flottenfrage in den Kreis der
Preſſe=Erörterungen gezogen worden iſt, ſind wir er=
mächtigt
, feſtzuſtellen, daß die Staatsregierung hinſicht=
lich
des Ausbaues der deutſchen Flotte ganz und unein=
geſchränkt
auf dem Boden der von der Reichsleitung auf=
geſtellten
Forderungen ſteht.
Dieſes Dementi kommt etwas ſpät. Daß Prinz
Georg im Namen der bayeriſchen Scaatsregierung ge=
ſprochen
hat, iſt übrigens nirgends behauptet worden.
Elſaß=lothringiſche Fortſchritts=
partei
. Am Sonntag wurde in Straßburg die elſaß=
lothringiſche
Fortſchrüttspartei gegründet. Die aus einer
Verſchmelzung des liberalen, demokratiſchen und unab=
hängtigen
Elements hervorgegangene Parteil ſteht auf
dem Boden des Anſchluſſes an das Deutſche Reich und
erſtrebt die völlige Gleichſtellung Elſaß=Lothringens mit
den Bundesſtaaten des Reiches.

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Mai 1912.

Nummer 113.

Zum Fall Borchardt. Am Montag ſollte
bei Beginn der Sitzung des preußiſchen Abgeordneten=
hauſes
die Entſcheidung getroffen werden über den Pro=
teſt
des gemaßregelten Sozialdemorkaten Borchardt. Die
bürgerlichen Parteien hatten ſämtlich beſchloſſen, den
Proteſt Borchardts zu verwerfen. Auch die Fortſchritt=
liche
Volkspartei beſchloß, für die Berechtigung des Prä=
ſidenten
zu ſeinem Verfahren zu ſtimmen. Sie bringt
dies in folgender Mitteilung zum Ausdruck:
Die Landtagsfraktion der Fortſchrittlichen Volks=
partei
verhändelte über den Einſpruch des Abg. Bor=
chardt
. Es beſtand Einmütigkeit darüber, daß die Vor=
gänge
das Anſehen der Volksvertretung herabſetzten. Es
wurden lebhafte Bedenken gegen die Zweckmäßigkeit des
Vorgehens des Präſidenten geltend gemacht. Der Prä=
ſident
hätte ſämtliche Abgeordneten ohne Unterſchied der
Partei erſuchen ſollen, den Raum vor der Rednertribüne
freizuhalten. Die Durchführung der Ausſchließung hätte
erſt nach Räumung des Saales und der Tribünen er=
folgen
ſollen. Anderſeits erachtet die Fraktion als feſt=
geſtellt
, daß der Abgeordnete Borchardt in gröblicher
Weiſe gegen die Ordnung des Hauſes verſtieß. Er hat
die mehrfach wiederholten Anordnungen des Präſidenten
nicht befolgt, auch dann nicht, als dieſe Anordnungen
zum letzten und zum allerletzten Male ergingen, mit
dem Hinweis auf die Folgen. In der Ueberzeugung, daß
die Ordnung des Hauſes gewahrt werden muß, wenn
nicht das parlamentariſche Weſen ſelbſt ſchweren Schaden
leiden ſoll, beſchloß die Fraktion, durch die Abſtimmung
zum Ausdruck zu bringen, daß der Präſident nach den
jetzigen Beſtimmungen der Geſchäftsordnung berechtigt
war, von den diſziplinariſchen Mitteln Gebrauch zu
machen. Um aber der Wiederkehr derart widerwärtiger,
das Parlament entwürdigender Auftritte vorzubeugen,
beantragt die Fraktion die Wiederherſtellung des § 64
der Geſchäftsordnung in der früheren Faſſung und da=
mit
die Streichung der Beſtimmungen über die Aus=
ſchließung
und Entfernung von Abgeordneten.
Der Schwäb. Merkur erinnert daran, daß die Ge=
ſchäftsordnung
der württembergiſchen Zweiten Kammer
ebenfalls die Beſtimung enthält: Daß Mitglieder des
Hauſes vom Präſidenten von der Sitzung ausgeſchloſſen
und nötigenfalls auf ſeine Anordnung hin entfernt wer=
den
können. In Württemberg iſt dieſe Beſtimmung
einſtimmig, auch von den ſozialdemokratiſchen Abgeord=
neten
, angenommen worden. Man ſiebt auch hieran
wieder, wie wenig es den Herren vom Vorwärts auf die
Wahrheit ankommt, wenn ſie auf das rückſtändige Preu=
ßen
mit ihren Schimpfereien losgehen; behaupſtete der
Vorwärts doch, daß ein Vorfall, wie der im preußiſchen
Abgeordnetenhauſe nur im Junker=Preußen möglich ge=
wefen
ſei.
Die Frage der Aufhebung der katho=
liſchen
Feiertage für ganz Süddeutſch=
land
iſt nunmehr einheitlich geregelt. Wie man hört,
haben ſich die ſüddeutſchen Biſchöfe dahin geeinigt, die
drei Marientage (Lichtmeß 2. Februar, VVerkündigung
25. März und Empfängnis 8. Dezember) und den Jo=
ſephstag
(19. März) von Anfang nächſten Jahres ab
aufzuheben.

Ausland.

Spanien.
Vertrauensvotum für Canalej as. Nach=
dem
die Kammer verſchiedene Tage hindurch die vom
Miniſterpräſidenten befolgte Politik beſprochen hat, wo=
bei
die Republikaner dem Minſterpräſidenten vorwar=
fen
, ſo gut wie nichts von dem demokratiſchen Programm
der Thronrede erfüllt zu haben, wurde in der letzten

Sitzung ein Vertrauensvotum für Canalejas mit 180 ge=
gen
73 Stimmen angenommen. Die Minorität beſtand
aus Konſervativen, Carliſten und Republikanern.
Portugal.
Die portugieſiſchen Kolonien. Der por=
tugieſiſche
Geſandte in Paris Joao Chagas erklärte ei=
nem
Redakteur des Temps, die Gerüchte über die angeb=
lichen
deutſchen Pläne betreffend die portugieſiſchen Ko=
lonien
ſeien durchaus unbegründete Hypotheſen. Selbſt
wenn die portugieſiſche Regierung die Kolonien abtreten
wollte, könnte ſie dies nicht tun, da ſich das nationale
Gefühl Portugals dagegen aufbäumen würde. Gewiß,
das Kolonialreich Portugals ſei neben dem Mutter=
lande
ſehr groß, und die portugieſiſche Regierung ſei auch
entſchloſſen, in bedeutendem Maße bei Wahrung der
nationalen Intereſſen die wirtſchaftliche Mitarbeit der
Mächte anzunehmen, und zwar nicht nur Englands und
Deutſchlands, ſondern auch Frankreichs und alle jener
Staaten, die der Entwirkelung der portugieſiſchen Kolo=
nien
ihren wirtſchaftlichen Beiſtand gewähren wollen.
Portugal ſei bereit, dieſer Mitarbeiterſchaft alle mög=
lichen
Zugeſtändniſſe zu machen und in erſter Linie eine
Verringerung des Einfuhrzolles in den Kolonien auf 15
Prozent ad valorem zu bewilligen.
Griechenland.
Die kretiſchen Deputierten. Die Blät=
ter
veröffentlichen einen Befehl der kretiſchen Regierung
an den kretiſchen Vertreter Lyonakis, durch den angeord=
net
wird, daß die 20 Deputierten, die nach Athen gekom=
men
ſind, dort ſo lange bleiben, wie es nötig iſt, um
auch die von den Mächten Verhafteten zu vertreten.
China.
Die Anleihe. Die Vertreter der Banken und
der Finanzminiſter vereinbarten am Sonntag in Peking
ein Vorſchußgeſchäft gegen Ausgabe von Schatzſcheinen
im Betrage von 10 Millionen Pfund. Die Schatzſcheine
ſind binnen Jahresfriſt aus den Erträgen einer um=
faſſenden
Anleihe einzulöſen. Der Plan ſieht eine wirk=
lich
tatkräftige Oberaufſicht durch ausländiſche und
chineſiſche Reviſoren vor. Wenn Juanſchikai den Plan
killigt, ſoll die Nationalverſammlung erſucht weſden,
ihn zu genehmigen. Das Projekt bedeutet eine Nieder=
lage
Tanſchaoyis, der noch immer dagegen iſt, obwohl
das Land jetzt geradezu einem Pulverfaß gleicht, denn
die unbezahlten Soldaten neigen zu neuen Ausſchrei=
tungen
.
* Hann olver, 12. Mai. Die hieſigen Metall=
induſtriellen
beſchloſſen, am 27. Mai 60 Prozent
der in ihren Betrieben beſchäftigten Metallarbeiter aus=
zuſperren
, wenn, bis dahin die zurzeit noch ſtrei=
kenden
Arbeiter der hannoverſchen Firmen die Arbeit
nicht wieder aufgenommen haben. Den von der even=
tuellen
Ausſperrung betroffenen Arbeitern wird die Kün=
digung
rechtzeitig zugeſtellt.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 14. Mai.

* Verſetzung in den Ruheſtand. Wie amtlich
bekannt gegeben wird, haben Se. Königl. Hoheit der
Großherzog den Generaldirektor des Großh. Hof=
theaters
und der Hofmuſik Geheime Hofrat Emil Wern er
auf ſein Nachſuchen unter Anerkennung ſeiner treuen und
ausgezeichneten Dienſte mit Wirkung vom 1. Juli 1912 ab
in den Ruheſtand verſetzt und ihm aus dieſem Anlaß

das Kommandeurkeuz 2. Klaſſe des Ludewigs=Orden
verliehen.
* Kirchliche Dienſtnachrichten. Ernannt wurden
Pfarraſſiſtent Bürſtlein zu Pfungſtadt, Dekanat Eberſtad=
zum
Pfarrvikar daſelbſt; Pfarraſſiſtent Mangold zu Gries
heim zum Pfarraſſiſtenten der Landpfarrei Mainz, De
kanat Mainz (mit dem Wohnſitz in Bretzenheim); Pfarr
amtskandidat Adolph, ſeither Repetent an der Theologi
ſchen Fakultät der Landesuniverſität Gießen, zum Pfarr
aſſiſtenten von Griesheim und Arheilgen, Dekanat Darm
ſtadt (mit dem Wohnſitz in Griesheim); Pfarrverwalte
Bönning zu Brauerſchwend zum Pfarrvikar in Wald
Michelbach, Dekanat Erbach; Pfarrverwalter Eichenaue
zu Nieder=Flörsheim zum Pfarrverwalter in Brauer
ſchwend, Dekanat Alsfeld: Pfarraſſiſtent Rieder zu Klein
Linden zum Pfarrverwalter in Mittel=Seemen, Dekana
Schotten; Pfarrvikar Clotz zu Beerfelden zum Pfarr
aſſiſtenten in Bad=Nauheim, Dekanat Friedberg; Pfarr
aſſiſtent Flöel zu Darmſtadt zum Pfarrverwalter de
Petrusgemeinde zu Darmſtadt, Dekanat Darmſtadt; Pfarr
verwalter Stumpf zu Heubach zum Pfarraſſiſtenten in
Beerfelden, Dekanat Erbach (erſte Pfarrſtelle).
g. Strafkammer. Der bereits vorbeſtrafte 25jährig
Eiſenhobler Georg Jak. Luft aus Offenbach hatte ſic
geſtern vor der Strafkammer wegen Diebſtahls zu verant=
worten
. Er hatte im Dezember 1911 und Januar 191½
ſeinem Schlafkollegen Walter Bobitzſch einen Geldbetrag
von 11,80 Mark geſtohlen, indem er deſſen Koffer mit einen
falſchen Schlüſſel öffnete. Der Angeklagte gibt an, da
mals in großer Geldverlegenheit geweſen zu ſein, da e
einen größeren Betrag zu zahlen hatte. Das Gericht ver
urteilte ihn zu 6 Monaten Gefängnis von der
Unterſuchungshaft werden ihm 6 Wochen angerechnet.
Der noch minderjährige Schneider Auguſt Neumann
aus Huckelsheim war am 24. März zu Offenbach zunächſ=
allein
, ſpäter mit einem Komplizen namens Steigerwal
in das Anweſen des Althändlers Georg Strephan einge
ſtiegen und hatte von dort zwei Säcke voll Röhrenknocher
und altes Eiſen geſtohlen, die ſie für 2,08 Mark verkauften
Steigerwald war nach der ärztlichen Unterſuchung für un,
zurechnungsfähig erklärt worden und mußte deshalb geger
ihn auf Einſtellung des Verfahrens erkannt werden. Nen
mann wurde wegen ſchweren Diebſtahls in zwei Fäller
zu 3 Monaten Gefängnisverurteilt. Von der
Unterſuchungshaft wird ihm 1 Monat angerechnet.
O 4 rovinziglausſchuß. Die Tagesordnun
zur Sitzung des Provinzialausſchuſſes der Provin
Starkenburg am Samstag, den 18. Mai, vormittag
9½ Uhr, lautet: 1. Wirtſchaftskonzeſſionsgeſuch des
Heinrich Glück in Bürſtadt. 2. Wirtſchaftskonzeſſions
geſuch des Jakob Landgraf VIII. in Bürſtadt. 3. Wirk
ſchaftskonzeſſionsgeſuch des Fridolin Kienzle in Bür
ſtadt. 4. Wirtſchaftskonzeſſionsgeſuch des Johs. Schauerl.
in Bürſtadt. 5. Klage des Ortsarmenverbandes Offen=
bach
gegen den Landarmenverband Offenbach. 6. Ent=
eignung
von Gelände zur Eröffnung der Friedrich=
ſtraße
in Neu=Iſenburg. Die Tagesordnung
für die Sitzung am Dienstag, den 21. Mai, nachmittags
3 Uhr, lautet: 1. Einwendungen des Peter Schmidt und
Heinrich Frieß in Sickenhofen gegen den Voranſchla
der Gemeinde Sickenhofen. 2. Rückerſatz von Koſten für
Anſchlüſſe an die Waſſerleitung zu Birkenau; hier= Be
anſtandung eines Gemeinderatsbeſchluſſes. 3. Baugeſuch
des Franz Joſeph Fiſch in Jügesheim. 4. Beſchwerde
des Schutzmanns Tieß in Offenbach gegen ſeine Ent=
laſſung
uhnen
m. Vom neuen Bahnhof. Nur noch ein Tageſtkennt
uns von der Eröffnung der neuen Odenwaldbahn=
ſtrecke
. Seit Eröffnung des Hauptbahnhofs warman
eifrig bemüht, am Sensfelderweg den Bahnkörperer
alten Wormſer und Mainzer Strecke abzutragen, umsden
Anſchluß des neuen Odenwaldgleiſes nach dem Haupt
bahnhof herzuſtellen. Es war eine ſchwierige Arbeit,d
eine Notbrücke, die über die alten Gleiſe geführt worden
war, für den neuen Verkehr auf der Verbindungsbah
zugeſchüttet werden mußte. Dies iſt nun geſchehen bis
auf Bettung der zwei Gleiſe auf Steinſchotter. An der
ſelben Stelle ſind die beiden Odenwaldgleiſe geſtern fer
tiggeſtellt worden. Das Stationsgebäude am Nord

Aus neuen Briefen von Hector Berlioz.

C Eine Reihe intereſſanter, bisher unveröffentlichter
Briefe von Hector Berlioz werden in der Revue
Bleue mitgeteilt; ſie ſtammen zum Teil aus dem Jahre
1830, in dem der Komponiſt als Inhaber des Prix de
Rome in der italieniſchen Hauptſtadt weilte, zum Teil
aus dem Jahre 1843, in dem er zum erſten Male in
Deutſchland war, zum Teil aus den Jahren 1847 bis
1855 von ſeinen Reiſen nach Rußland und England. Aus
Rom ſchreibt Berlioz nach der Lektüre von Viktor Hugos
Notre=Dame de Paris einen begeiſterten Brief an den
Dichter, den er mit Beethoven vergleicht. Das Dämoniſche
und Mächtige dieſer gotiſchen Phantaſien, das in ſeinen
Werken einen Nachhall erweckte, hat ihn tief ergriffen.
Man ſagt mir, ſo ſchließt er, daß Sie Notre=Dame zu
einer Oper umgeformt haben und daß der dicke luſtige
Mann (Roſſini) die Muſik dazu macht. . . . Er iſt ſehr
luſtig, der dicke Mann. Es iſt wahr, daß Weber tot
iſt. Charakteriſtiſch für Berlioz’ Art der Begabung und
Schaffensweiſe iſt ein Schreiben an Scribe, das Vorſchläge
für den teuren Mitarbeiter zu dem Textbuch einer Oper
enthält: Wenn wir nach einem Thema ſuchen, das ſich zu
breiten, leidenſchaftlichen Tonentfaltungen und über=
raſchenden
Wirkungen eignet, ſo iſt es ohne Zweifel gut,
wenn ich Ihnen mitteile, daß gewiſſe Völker wie gewiſſe
Perſönlichkeiten mir im tiefſten antipathiſch ſind Luther
z. B., die Chriſten aus der Zeit des römiſchen Kaiſerrei=
ches
und dieſe Tölpel von Druiden. Sehr liegen würde
mir ein antikes Thema, aber ich habe Furcht vor den Ko=
ſtümen
für unſere Schauſpieler und ebenſo vor dem pro=
ſaiſchen
und nüchternen Sinn unſeres Publikums. Viel=
leicht
wäre eine einfache Liebesgeſchichte das Beſte, aber
es müßte eine Geſchichte voll leidenſchaftlicher Liebe ſein,
die erfüllt iſt mit Schreckensſzenen, bei denen große Maſſen
in Bewegung geſetzt werden und die im Mittelalter oder
im vergangenen Jahrhundert ſpielen; das wäre für mich
das Günſtigſte. Es handelt ſich dabei, wohl verſtanden,
nicht darum, daß der heroiſche oder dithyrambiſche Stil
dauernd bewahrt wird; ich liebe im Gegenteil die Kon=
traſte
außerordentlich. Da haben Sie mein ganzes Be=
ſkenntnis
.
Am intereſſanteſten ſind für uns die Briefe aus Dreis=
den
und Leipzig, in denen der Komponiſt von ſeinen
Konzerten und ſeinen Beziehungen zu deutſchen Muſikern
erzählt. In Dresden, wo ihn bei dem Intendanten von
Lüttichau ein Brief Meyerbeers einführte, wollte er ſeine
große Trauer= und Triumphſymphonie für zwei Orcheſter
und Chöre aufführen, aber die gewaltigen Anforderungen,
de er an die zwei ſtark beſetzten Orcheſter ſtellte, konnten

nur mit großen Schwierigkeiten überwunden werden. Be=
ſonders
waren zu wenig Blasinſtrumente da. Aus Leip=
zig
, wo er begeiſtert aufgenommene Konzerte gab, ſchreibt
er 1843: Ich bin krank geweſen und bin es noch, infolge
der unglaublichen Mühen, die mir die Proben in Dresden
und Leipzig gemacht haben; ſtell‟ Dir vor, daß ich in
Dresden in zwölf Tagen acht Prohen von dreieinhalb
Stunden Länge und zwei Konzerte abgehalten habe und
daß ich einmal von Leipzig nach Dresden und zurück in
einem Tag fahren, die beiden Konzerte vorbereiten und
zurückkehren mußte, um dem Konzert beizuwohnen, das
Mendelsſohn hier dirigierte. Mendelsſohn iſt lie=
benswürdig
geweſen, reizend, aufmerkſam, mit einem Wort
ein vollkommener guter Kamerad: Wir haben unſere Takt=
ſtöcke
als Zeichen unſerer Freundſchaft ausgetauſcht. Das
iſt ein ſehr großer Meiſter und ich ſage dies trotz ſeiner
begeiſterten Komplimente für meine Romanzen, denn von
meinen Symphonien, Ouvertüren und dem Requiem hat
er mir kein Wort geſagt. Er hat hier zum erſten Male
ſeine Walpurgisnacht nach einem Gedicht Goethes auf=
geführt
und ich verſichere Dich, daß das eine der wunder=
barſten
Orcheſter= und Chorkompoſitionen iſt, die man
hören kann. Schumann, der ſchweigſame Schumann,
iſt von dem Offertorium in meinem Requiem ganz elektri=
ſiert
; er tat neulich zum größten Erſtaunen derer, die ihn
kennen, ſeinen Mund auf, ergriff meine Hand und ſagte:
Dieſes Offertorium geht über alles Man hat von mir
einige Stücke für ein Wohltätigkeitskonzert verlangt und
ich habe ihnen den König Lear, einen Chor mit Orcheſter
und das ewige Offertorium gegeben. Dieſe drei Stücke
haben die Leipziger entſchieden hingeriſſen. O! wenn ich
doch in Paris einen Saal und einen Chor hätte, über die
ich ohne lächerliche Koſten verfügen könnte! Wieviel Dinge
würde ich Euch hören laſſen, die Euch noch ſo gut wie
unbekannt ſind.

Gott und das Unglück.

* Ueber die ſicher von Tauſenden religiös geſinnter
Menſchen und von noch mehr Skeptikern in den letzten
Wochen aufgeworfene Frage Wo war beim Unter=
gang
der Titanie der liebe Gott? hat Pfarrer
Willy Veit am 28. April in der Katharinenkirche zu
Frankfurt eine Predigt gehalten, die jetzt bei Moritz Dieſter=
weg
(Preis 20 Pfg.) im Drucke erſchienen iſt. Der Ge=
dankengang
der intereſſanten Ausführungen iſt folgender:
Wir Menſchen machen uns das Bild eines Gottes
zurecht, der bereit iſt, in jedem Augenblick in das äußere,
geſetzmäßige Geſchehen einzugreifen, der keinen Menſchen,
beſonders wenn er zu ihm betet, in der äußeren Not läßt,
ſondern ihn durch ein äußeres Wunder errettet und der

deshalb in jener Nacht auch den 1600 Ertrinkenden hätte
beiſtehen müſſen. Solch einen zurechtgedachten Gott gibt=
es
nicht. Suchen wir aber nach dem wirklichen Gott, ſo
ſtoßen wir zunächſt auf eine harte, naturgeſetzliche Ord=
nung
der Welt. Der Kampf mit Naturgewalten gehört zu
dieſer Ordnung. Aber dem Menſchen iſt geſagt: wenn=
du
willſt, brauchſt du dieſen Gewalten nicht ſchutzlos preis=
gegeben
zu ſein, du kannſt Herr über ſie werden. Und in
Jahrtauſender langer Arbeit hat der Menſch von den ihm
gegebenen Möglichkeiten Gebrauch gemacht. Technik und
Kultur ſind die Früchte dieſer Arbeit. Gott wäre ein
ſchlechter Pädagog, wollte er ſeinen Kindern dieſe Arbeit
abnehmen und für ſie machen. Die Beherrſchung der Welt
muß durch den Schweiß und die Mühe der Menſchen er=
obert
werden. Jenem Eisberge ſtand nicht der hilfloſe
Menſch der Urzeit gegenüber, man kannte die Gefahr und
hätte Sieger bleiben können. Der Untergang der Titanic
gehört aufs Schuldenkonto der Menſchheit. Da ſind
erſtens der Mangel an Ehrfurcht vor den Naturgewalten.
Auch der unterworfene Rieſe bleibt ein Rieſe. Wären
die Menſchen nicht ſo ſicher geweſen auf dem Gebilde ihrer
Hände, ſo wären ſie der Gefahr ausgewichen. Sorgloſig=
keit
und der übertriebene Stolz auf das Menſchenwerk in
Verbindung mit den Luxusanſprüchen der modernen
Menſchheit verſchuldeten die ungenügenden Rettungsmaß=
regeln
.
Das zweite Stück der Allgemeinſchuld liegt in einem
Auswuchs der kapitaliſtiſchen Wirtſchaftsordnung. Es=
ſollte
eine Rekordfahrt werden; um ſechs Stunden zu ge=
winnen
, wählte man den gefährlicheren Weg, und hinter
der Rekordſucht ſtand der Gedanke der Konkurrenz, der
Mammonsgeiſt. Dieſer Geiſt ſchätzt Kapitalwerte höher,
als Menſchenleben. Was der Menſch ſäet, das mußyer
ernten. Bei ſolchen Erwägungen erſtirbt uns die Anklage
gegen Gott auf den Lippen, und der Menſch ſinkt vom
Richterſtuhl herunter auf die Anklagebank.
Es iſt nicht eine Frage nach der Pflichtverſäumnis
Gottes ſondern nach der Schuld der Menſchheit. Und
Gott iſt nicht lieb ſondern zunächſt einmal groß und
ernſt und heilig. Nicht dem Zuckerwerk des äußeren Wun=
ders
, ſondern mit dem Alltagsbrot der eigenen Arbeit, der
Pflichterfüllung und des Tragens der Folgen unſerer
Handlungen erzieht uns Gott. Und Pflichterfüllung for=
dert
auch Opfer. Den Leib und das Leben kann und wird
Gott nicht retten, wenn ſein Naturgeſetz und ſein ſittliches
Geſetz den äußeren Untergang fordern. Aber Seelen ſind
in der Schreckensnacht nicht untergegangen, ſie ſind unab=
hängig
vom Beſtande des irdiſchen Lebens. Und der
liebe Gott iſt es endlich, der die Seelen errettet, wenn
die Leiber untergehen müſſen.

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Dietstag, den 14. Mai 1912.

Seite 3.

ahnhof erhält eben ſeine letzten Verputz. Der unterſte
Stock des Bahnhofs iſt ſchon bezogen. Das Gebäude macht
m Alten Arheilger Weg einen guten Eindruck. An die
em Wege iſt der ſeitherige Bahnkörper der Aſchaffenburger
Strecke in einer Länge von 60 Metern abgetragen worden,
im die Verbindung der bis dahinreichenden neuen Oden=
valdſtrecke
herſtellen zu können. Ein Geleiſe iſt bereits
ngeſchloſſen und das zweite wird heute vollendet werden.
die Erdbewegungsarbeiten boten inſofern keine Schwie=
igkeiten
und konnten raſch beſeitigt werden, weil das
Erdmaterial zur Planierung der in unmittelbarer Nähe
iegenden Bahnſtrecke benutzt werden konnte. An der
odenwaldbrücke findet der Anſchluß des alten Geleiſes an
ie neue Strecke ſtatt, wenn der letzte fahrplanmäßige
zug am 15. Mai die Stelle paſſiert hat. Die Arbeiten
nd ſoweit gefördert, daß der= Anſchluß das Werk weni=
er
Stunden ſein wird.
** Doppeliubiläum. Am 15. Mai feiern Herr Hch.
told und Ehefrau Margarethe geb. Vollhardt das
eſt der Silbernen Hochzeit, gleichzeitig bewohnt das
hepaar Nold auch 25 Jahre im Hauſe Beſſunger=
raße
85 in ſeiner erſten Wohnung.
* Jubiläum. Herr Karl Bell im Hauſe der Firma
h. Jungmann, Tapeten= und Linoleum=Handlung,
iert morgen, den 15. Mai, ſein 25 jähriges Dienſt=
biläum
. Herrn Bell, der ſich großer Beliebtheit er=
eut
, wird es an dieſem Tage an Glückwünſchen und
hrungen gewiß nicht fehlen.
* Ortsgewerbeverein. Anläßlich der nunmehr
attfindenden Meiſterprüfung im Handwerk
ird der Ortsgewerbeverein zu Darmſtadt in der Zeit
m 1. Juni bis 10. Juli d. J. einen 10. Vorbe=
itungskurſus
für dieſelbe abhalten. Derſelbe ſoll
Wochen hindurch Mittwoch= und Samstagsnachmittags
2 bis 5 Uhr ſtattfinden, um auch den auswärtigen
eilnehmern den Beſuch zu ermöglichen. Gegenſtände
8 Unterrichts ſind aus der Geſetzeskunde die Haupt=
ſtimmungen
der Gewerbeordnung über den Gewerbe=
trieb
, die Beſchäftigung von Arbeitern und Lehrlingen,
eſellen= und Meiſterprüfungen, ſowie die damit ver=
undenen
Vorrechte die Organiſation des Hand=
erks
uſw.; ferner die Beſtimmungen über Gewerbe=
richte
und die Grundzüge der Arbeiterverſicherungs=
eſetzgebung
. Die Prüflinge werden weiter eingeführt
Buch= und Rechnungsführung, Zweck und Weſen der=
ben
, ſowie die Art und Weiſe der Verbuchungen, ſie
alten praktiſche Uebungen in der gewerblichen Vuch=
hrung
und in der Kalkulation; weiter werden die all=
meinen
Grundzüge der Wechſellehre, ſowie des Scheck=
rkehrs
ꝛc. gelehrt. Die bisherigen Vorbereitungskurſe
ben ſich ſehr bewährt, da die vorgenannten Lehr=
genſtände
für die theoretiſche Meiſterprüfung vorge:
rieben ſind und ohne ausreichende Kenntniſſe das Be=
hen
der Meiſterprüfung ausgeſchloſſen iſt. Es iſt auch
cht jedem Prüfling möglich, ſich ohne jede Hilfe in den
nfangreichen Stoff einzuarbeiten. Zur Teilnahme
erden ſowohl männliche wie weibliche Gewerbe=
eibende
(ſelbſtändig oder unſelbſtändig) zugelaſſen. Als
hrmittel wird der von der Handwertskammer heraus=
gebene
und zu beziehende Leitfaden zur Vorbereitung
f die Meiſterprüfung im Handwerk benutzt.
* Luther=Feſtſpiel. Man ſchreibt uns: Im Gemeinde=
aus
der Stadtgemeinde fand die konſtituierende
itzung des Feſtausſchuſſes für das im Herbſt
J. aus Anlaß der 25jährigen Jubelfeier des Heſſ.
ſauptvereins des Evang. Bundes hier zur Aufführung
langende Devrientſche Luther=Feſtſpier
itt. In ſeiner Begrüßungsanſprache gab der Vor=
ende
des vorbereitenden Ausſchuſſes, Prof. Pfann=
iller
, dem Wunſche und der Hoffnung Ausdruck, daß
is Vorhaben von der Teilnahme aller Evangeliſchen
iſeres Landes getragen und ihm nicht bloß ein mate=
eller
, ſondern auch ein idealer Erfolg beſchieden ſein
öge. Hierauf wurde zur Konſtituierung des Feſtaus=
zuſſes
geſchritten, der zugleich als Feſtausſchuß für die
jährige Jubelfeier gedacht iſt. Die ſeither proviſori=
en
Aemter des Vorſitzenden, Prof. Pfannmüller, der
iden Schriftführer, Rechnungsrat Keutzer und Ober=
ſtaſſiſtent
Jäger, ſowie des Rechners, Oberkonſiſtorial=
giſtrator
Wahl, wurden den Betreffenden definitiv
vertragen. Aus dieſem größeren Feſtausſchuß, zu deſſen
eitritt Einladungen an die Geiſtlichen, Hauptlehrer und
ärgermeiſter der benachbarten Orte ergangen ſind, um
if dieſe Weiſe auch die Landbevölkerung für das Feſt=
iel
zu intereſſieren, wurden dann die Einzelausſchüſſe
wählt: der geſchäftsführende, Rechnungs= und Bühnen=
tsſchuß
. Die Bildung weiterer Ausſchüſſe ſoll
ner ſpäteren Verſammlung vorbehalten bleiben. Um
r Veranſtaltung von vornherein eine ſolide

Grundlage zu geben und um auf dieſe
Weiſe mit größerer Freudigkeit und Tatkraft ans Werk
gehen zu können, wurde beſchloſſen, einen Garantiefonds
zu gründen, Garantieſcheine auszugeben mit Zeichnun=
gen
in der Mindeſthöhe von 25 Mark. Ferner wurde der
Wunſch ausgeſprochen, daß recht viele Gaben in belie=
biger
Höhe ohne Anſpruch auf Rückzahlung gezeichnet
würden. Pfarrer D. Waitz regte an, daß die für den
Garantiefonds gezeichneten Gaben, wenn kein Fehl=
betrag
ſich ergibt, für eine Jubiläumsſtiftung verwendet
werden möchten und dazu die Einwilligungen
der Geber zu erbitten. Ein etwaiger Ueberſchuß ſoll
den feſtgebenden Vereinen, den Zweigvereinen, der
evangeliſchen Bewegung in Oeſterreich und der zu erbau=
enden
Reformationskirche zugute kommen. Oberkonſi=
ſtorialpräſident
D. Nebel glaubt, daß man mit der beab=
ſichtigten
Aufführung des Devrientſchen Luther dem
Wunſche und Verlangen weiter Kreiſe unſerer Stadt
Rechnung tragen wird und betont ausdrücklich, daß man
dadurch in keiner Weiſe die Gefühle der katholiſchen Be=
völkerung
unſerer Stadt verletzen wolle, da das Feſt=
ſpiel
, großzügig aufgebaut, ohne irgend welche feindliche
Tendenz, in keiner Weiſe Anlaß biete, den konfeſſionellen
Frieden zu ſtören. Zum Schluſſe legte der Vor=
ſitzende
den Anweſenden und allen Mitgliedern
des Feſtausſchuſſes ihre Werbepflicht recht warm
ans Herz und gab nach herzlichen Dankesworten
an die Verſammlung dem Wunſche Ausdruck, daß bei
einmütigem Zuſammenarbeiten das Werk, das man ſich
vorgenommen, gelingen möge. Am Montag, den
20. Mai, nachmittags 5 Uhr, ſoll im Gemeindehaus der
Stadtgemeinde, Kiesſtraße Nr. 17, eine größere Damen=
Sitzung abgehalten werden, zu der beſondere Einladun=
gen
ergehen werden und auf welche heute ſchon empfeh=
lend
hingewieſen ſei.
K.V. Kriegerkameradſchaft Haſſia. Der Bezirk Darm=
ſtadt
der Kriegerkameradſchaft Haſſia hielt in Brauns=
hardt
bei Kam. Schuchmann, Reſtauration Zur Krone‟
ſeinen diesjährigen 1. Bezirkstag. Vertreten waren
46 Vereine. Der Bezirksvorſteher Kamerad Johannes
Büttner=Darmſtadt leitete die Verſammlung und er=
öffnete
ſie mit einem dreifachen Hurra auf Seine Maj.
den Kaiſer und Se. Kgl. Hoheit den Großherzog. So=
dann
widmete er Worte der Anerkennung dem im März
dieſes Jahres verſtorbenen Vorſitzenden des Veteranen=
vereins
Eſchollbrücken, Kam. Hauf I, und die Verſamm=
lung
ehrte deſſen Andenken durch Erheben von den
Plätzen. Für 25jährige treue Mitarbeit im Krieger=
vereinsweſen
wurden die vom Verband verliehenen
Ehrentafeln feierlich überreicht an die Kameraden: K.
Wenzlau, L. Zöller, K. Feldpuſch und A. Hellermann in
Darmſtadt, J. Mai in Crumſtadt, H. Leichtweiß III, J.
Numrich II und G. Freitag III in Eſchollbrücken, L. Pons
und J. H. Sallwey in Langen, ſo wie G. Berthaloth I
und G. Gaydoul II in Rohrbach. Zum Jahresbericht
der Haſſia über das 37. Verbandsjahr 1911 gibt der Vor=
ſitzende
Erläuterungen. Der Jahresbericht zeigt erfreu=
licherweiſe
ein ſtetes Wachſen der Mitgliederzahl, der
Finanzen und der geſchaffenen Wohlfahrtseinrichtungen
des Verbandes. Die Haſſia zählt zur Zeit 970 Vereine
mit einem Mitgliederbeſtand von rund 70000. Der Ver=
mögensbeſtand
beläuft ſich auf rund 648000 Mark in bar.
Das Verbandsorgan erſcheint zur Zeit in einer Auflage
von 12 400 Exemplaren. Die Sterbekaſſe ſchließt mit einem
Stand von 19523 verſicherten Perſonen oder 4974312
Mark Verſicherungskapital ab. An Unterſtützungen wur=
den
rund 17000 Mark ausgegeben. Die Summe der
Unterſtützungen bei den Vereinen beläuft ſich ſeit ihrem
Beſtehen auf 1050 750 Mark. Sodann wurden die weiter
beſtehenden Stiftungen den Kameraden weitgehends zu=
gute
gebracht. Zu den Anträgen des Delegiertentages
in Nieder=Olm am 16. Juni d. J. erklärten ſich die Ver=
treter
mit den Vorſchlägen des Bezirksvorſtandes einig.
Als Vertreter für den Delegiertentag wurde der Bezirks=
vorſteher
Kam. Büttner=Darmſtadt und zu deſſen Stell=
vertreter
Kam. G. Benz=Arheilgen durch Zuruf gewählt.
Sodann wurde der Antrag der vereinigten Kriegerver=
eine
Darmſtadts, mit alljährlichem Wechſel der Vereine
noch einen weiteren Vertreter zum Delegiertentag zu ent=
ſenden
, angenommen und der Kriegerverein Pfungſtadt
durch das Los beſtimmt, denſelben zu ſtellen. Des wei=
teren
wurde die Erhebung eines Beitrags zur Bezirks=
kaſſe
beſchloſſen. Hinſichtlich der Jugendfürſorge gab
Kam. Hauptmann Waldecker in einem vorzüglichen
Referat kund, wie notwendig die gedachte Einrichtung ſei
und die Hilfe der Vereine erforderlich mache. Er gibt
Wegweiſer für die Vereine zur Erlangung des Zieles.
Betreffs der Kriegs=Erinnerungsmünzen 1866, 1870/71
rläutert Kam. Büttner den Zweck und verweiſt auf den

vorliegenden diesbezüglichen Aufruf. Der Bezirkstag
fand gegen 6 Uhr abends ſein Ende mit einem dreifachen
Hoch auf die Haſſia für deren ferneres Blühen und Ge=
deihen
. Der nächſte Bezirkstag findet in Crumſtadt bei
Kam. Volk ſtatt.
* Ein Maiengang in unſerem Wald. Nicht wie ſonſt
in den Vortragsſaal hat am Sonntag der Verein
für Verbreitung von Bolksbildung ge=
laden
, ſondern er wollte ſeine Mitglieder und jeden Na=
turfreund
unter ſachkundiger Führung mit der Bedeu=
tung
und manchen, vom Laien weniger leicht wahrzuneh=
menden
Reizen unſerer prachtvollen Waldumgebung be=
kannt
machen. Gerade jetzt im Frühlingsſchmuck der
Natur war dieſer Gedanke ein beſonders glücklicher und
ſeine Verwirklichung konnte alle Erwartungen der Teil=
nehmer
in reichſtem Maße erfüllen, bot doch ſchon die
Perſönkichkeit des Leiters, Geh. Oberforſtrats Walther
jede Gewähr für den Erfolg. Eine zahlreiche Schar von
Damen und Herren hatte ſich denn auch um 9 Uhr vor=
mittags
am Böllenfalltor eingefunden, wurde dort durch
den Vorſitzenden des Vereins, Reallehrer Lerch, begrüßt
und durch einen ſich an deſſen Anſprache anſchließenden
friſchen Vortrag des Herrn Walther ebenſo anre=
gend
, wie gemeinverſtändlich auf die Hauptgeſichtsupnkte
hingewieſen. Nicht nur die rein ideale Freude an der
Waldnatur als ſolcher ſollte Befriedigung erhalten, ſon=
dern
auch der Wald in ſeinem geſundheitlichen und volks=
wirtſchaftlichen
Werte dem Hörer nahe gebracht und er=
ſchloſſen
werden. Von Zeit zu Zeit erklangen wirkungsvoll
bekannte, traute Weiſen eines von der Kavelle des Leib=
garde
=Regiments Nr. 115 geſtellten Waldhornquartetts,
kurz, es fehlte nichts, und die drei Stunden der Wan=
derung
, die am alten Schießhaus endigte, verſtrichen im
Fluge. Die einleitenden Bemerkungen des Führers gal=
ten
dem Vorzug, den gerade Darmſtadt durch den Kranz
der Wälder genießt und den viele andere, weniger be=
günſtigte
Städte ſelbſt durch Aufwendungen von Millio=
nen
nicht annähernd zu ſchaffen vermögen. Zeichnet ſich
doch gerade die Provinz Starkenburg mit 42 Prozent
Waldbeſtand beſonders aus, während Oberheſſen weniger
aufweiſt und derjenige Rheinheſſens etwa 5 Prozent be=
trägt
. Deutſchland überhaupt iſt dank vorſehender
Waldpflege in glücklicher Lage gegenüber anderen Län=
dern
, beſonders den durch früheren Raubbau entwaldeten
romaniſchen. Auch in Nordamerika hat man in kurzſich=
tiger
Weiſe den Waldbeſtand geſchmälert und bereits etwa
15 Millionen Hektar entwaldet, ſodaß man Holz in gro=
ßem
Umfang einführen muß, während Kanadas Wald=
beſtand
noch auf 250 Millionen Hektar geſchätzt wird.
Heſſens Waldungen beſtehen * 60 Prozent aus Buchen
(nebſt Eichen) und zu 40 Prozent aus den weit höheren
Nutzwert beſitzenden Nadelhölzern, denen man als be=
ſonders
wertvollen neuen Vertreter die Douglasfichte zu=
geſellt
. Der geſunkene Nutzwert des Buchenholzes hätte
beinahe deren Beſtand gefährdet, doch hat ſich neuerdings
die Verwendung wieder geſteigert und gerade der Bu=
chenwald
iſt in meteorologiſcheer Beziehung durch die
weit größere Aufnahme= und Abgabefähigkeit der Nie=
derſchläge
(Regen und beſonders Schnee) von hoher Be=
deutung
, fand ſich doch beiſpielsweiſe bei Schneefall un=
ter
Buchen etwa 70 Zentimeter Schnee gegen 15 unter
Fichten. Auch die geologiſche Beſchaffenheit des hieſigen
Walduntergrundes (Granit mit aufgewehtem Sand. Rot=
liegendes
, Löß uſw.), die Bedingungen und Vorgänge
der Humusbildung (Luft. Sonne. Bakterien uſw.) wur=
den
klargelegt und im Verlaufe der Wanderung überall
ſehr anſchaulich die einzelnen Baumarten, ihre Lebens=
bedingungen
, Eigenſchaften und Eigentümlichkeiten er=
wähnt
. Im heſſiſchen Staatshaushalt beträgt die jähr=
liche
Holzfällung 400000 Feſtmeter im Werte von 4 Mil=
lionen
Mark. Der vom Forſtmann einſichtig gepflegte
Wirtſchaftswald (nicht der Näturſchutzpark) Aent der
Allgemeinheit am beſten. Wem dieſer genußreiche Wald=
gang
vergönnt war, der wird gewiß künftig um ſo lieber
jene lauſchigen Stätten wieder aufſuchen und ihren Wert
doppelt zu ſchätzen wiſſen. Wärmſter, am Schluß der
Manderung durch Herrn Lerch ausgeſprochener Dank ge=
bührt
Herrn Geh. Oberforſtrat Walther; in gleicher Weiſe
zollen die Teilnehmer ihn dem Verein für Verbreitung
von Volksbildung, und es möge dieſe Veranſtaltung ihm
recht viele neue Mitglieder gewinnen, damit er umſo
beſſer ſeine ſegensreichen Ziele erreichen kann.
* Der deutſch=nationale Handlungsgehilfen=Verband
ſchreibt uns: Der deutſche Reichstag hat am 5. Dezember
1911 eine einſchneidende Aenderung der Reichsgewerbe=
ordnung
beſchloſſen. Dieſe Aenderung iſt bereits am 1.
April 1912 in Kraft getreten. Darnach erhalten die Ge=
meinden
das Recht, für alle erwerbstätigen weiblichen

Von der Elizabeth Duncan=Schnle.

St. In dem Tanzſaale der Elizabeth Duncan=Schule
f der Marienhöhe begann geſtern vor einem kleinen,
er erleſenen Kreis von Förderern der Schule und
eunden ihrer Beſtrebungen ein Zyklus von Vorträgen,
die idealen und kulturellen Beſtrebungen der Schule
rtun und verbreiten helfen ſollen. Herr Direktor Max
erz nahm zu Beginn des Zyklus Gelegenheit, nach
rzlichem Dank an die Erſchienenen, die Zwecke und Ziele
iſer Vortragsveranſtaltungen kurz zu erläutern, vor allem
n ſcheinbar unwahrſcheinlichen, in Wirklichkeit engen
neren Zuſammenhang zwiſchen Raſſebeſtrebungen und
n Zielen einer Tanzſchule zu erweiſen und die daraus
eigentlich als Notwendigkeit erweiſende Grundierung
iſer Ziele auf die Forſchungen der Naturwiſſenſchaft.
e kurzen programmatiſchen Ausführungen legten von
uem die ungemein hoch geſteckten, aber keineswegs un=
eichbaren
Ziele der Schule dar, die nichts weniger will,
5 durch Pflege und Verbreitung ihrer herrlichen neuen
mſt eine neue Körperkultur zu ſchaffen, deren Endzweck
cht den einzelnen Individuen, ſondern der ganzen Raſſe
men und fördern ſoll. Redner gab zum Schluß der
fffnung Ausdruck, daß die Erſchienenen aus dem heu=
en
erſten Vortrag Gefühlswerte mit nach Haul nehmen
igen, die ſie veranlaſſen, auch zu ihrem Teil die Be=
ebungen
verwirklichen zu helfen, vor allem wiederzu=
nmen
, zu ſehen, wie die Schule ſelbſt ihren Aufgaben
recht wird.
Der Redner des erſten Vortrages war Herr Dr. Paul
ammerer, Dozent der k. k. Wiener Univerſität. Er
rach über Körperkultur und Raſſe‟ Dem
n der Duncan=Schule praktiſch erprobten Gedanken, daß
in Körper und Geiſt gleichmäßig bilden müſſe, um einen
ihrhaft vollkultivierten Menſchen zu bekommen, ſucht der
dner die biologiſche Grundlage zu geben. An Lichtbil=
rn
führt er zunächſt Beiſpiele vor, wo Tiere ſich unter
m Einfluß willkürlich abgeänderter Lebensbedingungen
ehr oder weniger ſtark umgeſtaltet hatten. Das jüngſte
gebnis eigener Experimente des Vortragenden beſtand
rin, dem Grottenmolch, einem blinden Amphibium der
iſteren Karſtgewäſſer, durch Lichtwirkungen die Eztwick=

lung ſeiner normalerweiſe verkümmernden Augen und
deren Sehkraft wiederzugeben. Die Bedeutung derartiger
Geſtalts= oder Inſtinktveränderungen übertrifft inſofern
die landläufigen Vorſtellungen, als die vom Lebensmedium
hervorgerufenen Eigenſchaften in der Regel erblich auf
die folgenden Generationen übertragen werden. Dieſe
Vererbung erworbener Eigenſchaften liefert ſomit dem
Züchter und Erzieher die ungeahnteſten Möglichkeiten,
durch Verbeſſerung jedes Einzelindividuums die geſamte
Raſſe zu veredeln, die Vererbung ergibt einen tiefen
urſächlichen Zuſammenhang zwiſchen Kultur und Raſſe.
Erlebniſſe, Umgebungseinflüſſe von ſolcher Tragweite, die
den Menſchen beeinfluſſen, kommen vor allen Dingen aus
ſeiner Erziehung. Nach Anſicht derjenigen Naturforſcher,
welche die Vererbung der individuell angenommenen
Eigenſchaften noch immer zu leugnen verſuchen, wäre alſo
die Erziehung eine ziemlich ausſichtsloſe Anſtrengung, die
bei jedem Schüler immer wieder ganz von vorne ange=
fangen
werden muß, ohne je imſtande zu ſein, auf die Kon=
ſtitution
der Raſſe Einfluß zu nehmen. Auch Schädigun=
gen
aller Art könnten dann niemals die Nachkommenſchaft
treffen. Aber es läßt ſich nachweiſen, daß wir mindeſtens
imſtande ſind, die Anlagen, Begabungen zu beſtimmten
Tätigkeiten erblich zu ſteigern oder abzuſchwächen. Be=
ſtimmt
iſt es daher für die Zukunft der Menſchheit nicht
gleichbedeutend, ob ſich die Erziehung vorwiegend nur auf
geiſtigen oder ebenſo einſeitig nur auf körperlichen Bahnen
bewegt. Beides bedingt eine zuweit getriebene Spezialie=
rung
und daher in weiterer Folge Zerſetzung, Zerfall.
Hier ſoll der gleichmäßig ausgebildete und ausdrucksfähige
Körper zum Vermittler werden: ſoll unbeſchadet der diver=
gierenden
geiſtigen Entwickelung, der Sprachenverwirrung
im Reiche des Geiſtes gewiſſermaßen eine Weltſprache
werden, die ſtets eine geeinte, verſtehende, zukunftsbeherr=
ſchende
Menſchheit wiederherſtellt.
Reicher Beifall dankte dem Reduer für ſeine lichtvollen
und inſtruktiven, überzeugenden Ausführungen. Herr
Direktor Merz verlieh dem Beifall Worte, und unter
ſeiner Führung durften die Erſchienenen das ganze herr=
liche
Heim der Schule, die in der gegenwärtigen Früh=
lingspracht
der Marienhöhe wahrhaft paradieſiſch ſchön
Gegt., nachmals beſichtigen.

Feuilleton.

* Aus Kunſt und Wiſſenſchaft. Spielplan der
Frankfurter Theater. 1. Opernhaus. Diens=
tag
, 14. Mai: La Boheme‟ Mittwoch, 15.: Fräulein
Teufel‟ Donnerstag, 16., Freitag, 17., Samstag, 18. und
Sonntag, 19.: Enſemble=Gaſtſpiel des Deutſchen Theaters=
Berlin, unter Leitung des Direktors Prof. Max Reinhardt:
Das alte Spiel von Jedermann erneuert von Hugo von
Hofmannsthal. 2. Schauſpielhaus. Dienstag, 14.
Mai: Der Herr Hofrat (Der Krampus). Mittwoch,
15.: Anatol=Zyklus. Donnerstag, 16.: Schöne Frauen.
Freitag, 17.: Elektra Vorher: Der Tartüff Sams=
tag
, 18.: Doktor Klaus Sonntag, 19.: Alt=Heidelberg
Montag, 20.: Der Herr Hofrat (Der Krampus). Diens=
tag
, 21., zum erſten Male (Uraufführung): Prophet Per=
cival‟
Drama in 3 Akten von Melchior Lengyel. 3. Neues
Theater. Dienstag, 14. Mai: Mamzelle Nitouche.
Mittwoch, 15.: Der grüne Kakadu Groteske in einem
Akt; Die letzten Masken Schauſpiel in einem Akt, und
Literatur Luſtſpiel in einem Akt, von Artur Schnitzler.
Donnerstag, 16.: Mamzelle Nitouche Freitag, 17.: Die
ünf Frankfurter Samstag, 18., zum erſten Male: Das
Leutnantsmündel Schwank in drei Akten von Leo Wal=
ter
Stein. Sonntag, 19., 3½ Uhr: Arbeiter= Bildungsaus=
ſchuß
; 8 Uhr: Das Leutnantsmündel‟.
Spielplan des Großh. Hof= und Natio=
nal
=Theaters Mannheim. Dienstag, 14. Mai:
Der Evangelimann Mittwoch, 15., zum erſten Male:
Das weite Land. (Artur Schnitzlers 50. Geburtstag.)
Donnerstag, 16.: Hoffmanns Erzählungen Freitag, 17.:
Lumpaci Vagabundus Samstag, 18.: Wilhelm Tell.
Sonntag, 19.: 10. Matinee: Beethoven. Zum erſten Male:
Es war einmal. Montag, 20.: Alles um Geld.
C K. König Georg im Unterſeeboot. Einen beachtens=
werten
Beweis für die Höhe der techniſchen Entwicklung,
die die britiſche Admiralität mit ihrem neueſten Unterſee=
boot
=Typus erreicht hat, liegt in der Tatſache, daß der
König mit ſeinem Sohne in Weymouth eine längere
Probefahrt in einem dieſer Boote unternommen hat. Es
iſt in der Geſchichte des Unterſeeboot=Baues das erſte Mal,

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Mai 1912.

Nummer 113.

daß ein regierender Fürſt ſich einem dieſer jüngſten
Kriegsfahrzeuge des modernen Flottenweſens anvertraut
hat, und man darf auch ohne weiteres annehmen, daß die
Marinebehörden dieſe ſchwere Verantwortung nur auf ſich
nahmen, weil ſie ſich ihrer Sache vollkommen ſicher fühlen.
Das neue Unterſeeboot D. 4 legte neben der Königs=
jacht
Viktoria and Albert an und in Begleitung ſeines
Sohnes des Prinzen Albert und des Marineminiſters
Churchill ging der König ſofort auf das Fahrzeug über.
Als dann das Boot, von dem Unterſeeboot=Fahrzeug C 3.
eskortiert, ſchnell aus dem Hafen glitt und ins Meer hin=
ausſteuerte
, ſah man den König auf dem Oberbau deutlich
ſtehen. Als tiefes Waſſer erreicht war, begab ſich König
Georg mit ſeinem Sohne und den Offizieren in das
Innere des Schiffes, der Turmſchacht wurde geſchloſſen
und der Unterſeekreuzer verſchwand unter der Waſſerober=
fläche
. Mit einem ſcharfen Glaſe konnte man den Kurs
des untergetauchten Schiffes ziemlich genau beobachten, es
fuhr feewärts und nur die kleine, kahle Kuppel des Ste=
reoskops
blieb undeutlich über dem Waſſer ſichtbar. Dann
beſchrieb D. 4. unter dem Waſſer eine Wendung, nahm
wieder Kurs auf das Land, tauchte auf und bald lag das
unheimlich ausſehende Ding wieder an der Seite der
königlichen Yacht. Mit Stolz ſehen die Engländer in die=
ſſem
Vorgang ein Zeichen für die ſchönen und überraſchend
günſtigen Erfölge, die die britiſche Admiralität durch ihre
zähe und beharrliche Entwicklung eines engliſchen Unter=
ſeeboot
=Typs erreicht habe.
Ein Rekord der Kabel=Berichterſtattung. Die New=
Yorker Wochenberichte der großen Kabelgeſellſchaften zei=
igen
, daß die Titanie=Kataſtrophe einen bisher unerreichten
ſRekord der Kabel=Berichterſtattung gezeitigt hat. Selbſt
in den Tagen des Erdbebens von San Francisco und auch
bei den gewaltigen Ueberſchwemmungen von Galveſtone
iſt nicht ſoviel von Amerika nach England gekabelt worden,
wie im Zuſammenhang mit der jüngſten Schiffskata=

ſtrophe; Tag und Nacht wurde mit fieberhafter Haſt gear=
beitet
, um die unüberſehbare Menge der Zeitungsberichte
von New=York nach Canſo an der Neufundländiſchen Küſte
zu übermitteln und von hier nach Waterville in Irland.
Allein der Daily=Telegraph hat für die Berichterſtattung
über die Titanic=Kataſtrophe ein ganzes Vermögen auf=
gewandt
. Im Zuſammenhang mit dem Unglück wurden
dieſer Zeitung durch die Commercial Cable Company
übermittelt: aus New=York 42651 Worte, aus Waſhington
23815, aus Montreal 2846, aus Halifax 2022, aus Phila=
delphia
2036 und aus Baltimore 833 Worte. Außerdem
wurden einige Berichte durch die anglo=amerikaniſche Ge=
ſellſchaft
gekabelt, nämlich 2891 Woxte, ſodaß allein die=
ſem
einen Londoner Blatte nicht weniger als 77094
Worte durch den Kabel übermittelt wurden. Um ſich
eine Vorſtellung von dieſer Menge von Worten zu machen,
mag man ſich veranſchaulichen, welchen Umfang dieſe Be=
richterſtattung
in Buchform annehmen würde. Wenn man
einen normalen deutſchen Roman zum Vergleich heran=
zieht
, ergibt ſich etwa folgendes Bild: die normale Roman=
ſeite
hat durchſchnittlich 27 Zeilen zu ungefähr acht Wor=
ten
. Das würde alſo heißen, daß allein die Berichterſtat=
tung
dieſes einen Blattes einen ſtattlichen Romanband
von 350 Seiten bilden würde, die Wort für Wort gekabelt
wurden und alſo auch Wort für Wort bezahlt werden
mußten. Und das iſt nur eins von den Dutzenden von
Blättern, die nach der Kataſtrophe tagelang ihre Spalten
mit Kabeltelegrammen aus Amerika füllten.
* Der Aeroplan und die Kühe. Ein heiterer Urteils=
ſpruch
iſt in Sydney gefällt worden. Kläger war ein
Schiedsrichter, der einen Flugſchüler auf Schadenerſatz ver=
klagte
, weil durch das Geräuſch des Aeroplanmotors die
Kühe des Schiedsrichters auf dem Felde ſo erſchreckt wor=
den
wären, daß ſie keine Milch mehr gäben. Der Aviatiker
wurde tatſächlich zur Zablung einer Schadenerſatzſumme
verurteilt,

Perſonen unter 18 Jahren hauswirtſchaftliche Pflichtfort=
bildungsſchulen
zu errichten. Die hieſige Ortsgruppe des
Deutſchnationalen Handlungsgehilfen=Verbandes hat da=
her
eine Eingabe an die Großh. Bürgermeiſterei gerich=
tet
und gebeten, auf Grund der neuen Faſſung des § 120,
Abſ. 3, der R.=G.=O. verbindlichen Haushaltungsunter=
richt
für alle erwerbstätigen Mädchen unter 18 Jahren
einzurichten. In der Eingabe iſt darauf hingewieſen wor=
den
, daß die ſteigende Anteilnahme der Mädchen an faſt
allen Erwerbsgebieten eine gründliche hauswirtſchaftliche
Unterweiſung aus Gründen der Volkswohlfahrt dringend
erforderlich mache. Gerade dieſer Mangel an häuslichen
Kenntniſſen ſei es geweſen, der die verbündeten Regie=
rungen
und den Reichstag zur Erweiterung der gemeind=
lichen
Befugniſſe veranlaßt hätte. Bekanntlich beſteht in
Darmſtadt bereits einesſehr gut beſuchte, nicht obligato=
riſche
Haushaltſchule; es iſt deshalb zu hoffen, daß durch
entſprechenden Ausbau dieſer Schule im Sinne der
Eingabe eine für alle beteiligten Kreiſe außerordent=
lich
nützliche und bedeutſame Einrichtung geſchaffen
wird.
Schlittſchuhklub=Sportverein. Das neunte
internationale Lawn=Tennis=Turnier
beginnt am Donnerstag, den 16. Mai. Schon am Mitt=
woch
nachmittag werden nach Möglichkeit die Vorrunden,
beſonders im Juniorenſpiel und den Einzelſpielen, ge=
ſpielt
. Das Turnier erfreut ſich wieder des lebhaften
Intereſſes und der beſten Förderung von Seiten der
Freunde des ſchönen und geſunden Sportes, und von
auswärtigen Spielerinnen und Spielern liegen ſchon
zahlreiche Meldungen vor, ſodaß wieder eine ſtattliche
Reihe intereſſanter Wettkämpfe zu erwarten iſt. Oskar
Kreuzer=wird den Pokal von Heſſen, den von Sr
Kgl. Hoheit dem Großherzog geſtifteten Wanderpreis,
den er im vergangenen Jahre durch ſeinen Sieg über
von Biſſing gewonnen hatte, verteidigen. Bleibt O
Kreuzer auchein dieſem Jahre Sieger, ſo geht der ſchöne,
aus der Werkſtatt Prof. Riegels ſtammende Pokal in
ſeinen Beſitz über. Unſere hieſigen Spielerinnen und
Spieler ſind durchweg in guter Form und werden ſicher
in dem großen Wettkampfe, in dem zehn Konkurrenzen
zum Austrag kommen, manchen Erfolg erringen. Wenn
nun der Himmel zu der Veranſtaltung noch ein freund=
liches
Geſicht macht, ſo dürfte ſich auf dem ſchönen Sport=
platze
am Böllenfalltor wieder ein prächtiges ſportliches
Bild entwickeln und Spieler und Zuſchauer ſollen aufs
Beſte befriedigt werden.
* Hans A. Hahnſcher Frauenchor. Das Konzert
des Haynſchen Frauenchors, das am Samstag, den
18. Mai, im Kaiſerſaalckſtattfinden ſollte, mußte auf
Montag, den 20. Mckk, verlegt werden.
* Die Stenographen=Vereinigung Gabelsberger
hielt Sonntag abend im Kaiſerſaal unter ſehr ſtarker Be=
teiligung
der Freunde und Mitglieder ihr jährliches
Frühlingsfeſt ab. Die Feier wurde verſchönert durch
Vorträge einiger Herren des Mandolinen=Kranzes, Ge=
ſangsvorträge
der Herren Burg (Lieder) und Sautier
(Arie Ach ſo fromm aus Martha), ein Theaterſtück
(Frl. Stern und Frl. Wentzel). Der Vorſitzende konnte
in ſeiner Begrüßungsanſprache darauf hinweiſen, daß
das Vereinsleben einen großen Aufſchwung genommen
und daß die Mitgliederzahl die 200 überſchritten habe.
C. Die hieſige Ortsgruppe des Katholiſchen Fürſorge=
vereins
für Mädchen, Frauen und Kinder, die der groß=
artigen
Organiſation der Frau Amtsgerichtsrat Neuhaus=
Dortmund angeſchloſſen iſt, verſendet zurzeit ihren Jah=
resbericht
für 1911. Die Arbeit hat auch im Berichts=
jahre
wieder zugenommen. In einer Anzahl Fälle fand
ein Zuſammenwirken mit Behörden und anderen Ver=
einen
ſtatt. 25 Schützlinge wurden in Dienſtſtellen, Fami=
lienpflege
, Zufluchtshäuſern und Erziehungsanſtalten
untergebracht. In der Berufsvormundſchaft ſind 12 Da=
men
tätig, wozu 22 Beiſtandſchaften und Schutzaufſichten
kommen. Unter den Einnahmen ſei das Legat der ver=
ſtorbenen
Freifrau v. Biegeleben im Betrage von 300 Mk.
und ein Beitrag des Heſſiſchen Schutzvereins für entlaſ=
ſene
Gefangene erwähnt, während die Hälfte der Aus=
gaben
auf Pflegegelder für Schützlinge in Anſtalten ent=
fallen
. Als dringend erwünſcht wird das Aufkommen der
Braunshardter Anſtalt wenigſtens für die Eiſenbahnfahrt
der katholiſchen Inſaſſen zum ſonntäglichen Gottesdienſt
nach Darmſtadt bezeichnet.
* Die Frühlingsfeier des deutſchvölkiſchen Turnver=
eins
Jahn am Glasberg nahm einen recht ſchönen Ver=
lauf
. Die günſtige Witterung hatte zahlreiche Sippen
zum Feſtplatz gelockt. Um 4 Uhr eröffnete der erſte Vor=
ſitzende
, Turnbruder Dr. W. Mahr, die Feier mit einer
Willkommenanſprache. Nach Abſingen des Liedes
Stimmt an mit hellem hohem Klang hielt der Dietwart
des Vereins, Turnbruder E. Gorr die Feſtrede. In
wohldurchdachten Ausführungen brachte er die Bedeut=
ung
der germaniſchen Götter= und Heldenſagen, insbeſon=
dere
der aus der Edda entnommenen Frühlingsfahrt.
vor Augen. Als Einleitung zum Feſtſpiel wurde von
einem Turnbruder das Gedicht Deutſches Erwachen

vorgetragen. Gleich darauf gelangte die Frühlings=
fahrt
zur Aufführung. Die Darſteller entledigten ſich
ihrer ſchwierigen Aufgabe in anerkennenswerter Weiſe
mit beſtem Erfolge. Eine freie Naturbühne hat doch
etwas einzigartig Erhebendes für ſich. Einen recht ſtim=
mungsvollen
Eindruck machte es auch, als ein Turnbru=
der
als Wodan vom Bergabhange herab ſeine tiefgrün=
digen
Lebensweisheiten zum beſten gab. Im weiteren
Verlauf zeigte eine Turnriege des Vereins durch Frei=
übungen
und Gruppenſtellung ihre turneriſche Ausbild=
ung
. Beim gemütlichen Teil des Feſtes wechſelten Spiel
und Tanz auf dem Raſen und munterer Geſang, unter=
ſtützt
von einer urwüchſigen Muſik, einander ab. Als die
Dunkelheit ſchon längſt eingebrochen, zogen die Teilneh=
mer
in fröhlichſter Stimmung unter dem Scheine der
Papierlaternen heimwärts.
* Preisgekrönte Schützen. Wie bereits bekannt ge=
geben
, findet) gegenwärtig in der Reſtauration Zum
Martinsglöckchen ein größeres von der Schützengeſell=
ſchaft
Weidmannsheil veranſtaltetes Preisſ
ſchießen ſtatt. Da der feſtgehende Verein abſolut
keine Mühe und Koſten geſcheut, um dieſen friedlichen
Schützenwettſtreit ſo glanzvoll wie nur möglich zu ge=
ſtalten
, außerdem durch Beſchaffung von nur beſſeren
Preiſen die Anerkennung aller Schützen gewonnen hat,
erfreut ſich dasſelbe einer ſehr regen Beteiligung. Auch
das am Sonntag, den 12. Mai, ſtattgefundene Ver=
einsgruppenſchießen
, an dem viele hieſige, ſo=
wie
auswärtige Schützenvereine teilnahmen, geſtaltete ſich
ſehr intereſſant. Die ſehr ſchönen Gruppenpreiſe, die
ab 15. Mai bei der Firma Sieberling, Marktplatz,
ausgeſtellt ſind, wurden unter ſehr ſtarker Konkurrenz
von folgenden Vereinen errungen: 1. Gruppenrpeis mit
100 R. Schützengeſellſchaft Fortuna=
Darmſtadt, 2. Gruppenpreis mit 97 R. Flobert=
Schützenverein=Offenbach, 3. Gruppenpreis mit
89 R. Schützengeſellſchaft Tell=Ober=
Ramſtadt. Die Preisverteilung findet am zweiten
Pffingſtfezertag im Mathildenhöhſaale ſtatt und wird
Näheres hierüber noch bekannt gegeben.
Heſſiſcher Polizei= und Schutzhundverein. Die
von dem Heſſiſchen Polizei= und Schutzhundverein am
Sonntag nachmittag im Akaziengarten abgehaltene
interne Polizei= und Schutzhund=Vorführung
erregte lebhaftes Intereſſe der zahkreichen Beſucher
beſonders durch die Leiſtungen der vorgeführten
Hunde. Die zum Teil äußerſt ſchwierigen Leiſtungen
waren trotz der ungünſtigen Witterung, große Hitze und
Trockenheit, ganz hervorragend und fanden allge=
meine
Anerkennung. Es wurden vorgeführt: Der
Polizeihund Rex (Airedale=Terrier), Eigentümer und
Führer Schutzmann Seng; der Polizeihund Tyro
(Dobermann), Eigentum des Polizeiamts, Führer
Schutzmann Roth; der deutſche Schäferhund Senta,
Beſitzer und Führer Polizeidiener Kiſſinger= Gries=
heim
; der Schutzhund Alma, deutſcher Schäferhund,
Beſitzer und Führer Bahnwärter Gruber=Babenhauſen;
der Schutzhund Cäſar, deutſcher Schäferhund, Beſitzer
Bankdiener Höhner=Darmſtadt, und der Polizeihund
Rolf (Airedale=Terrier), Beſitzer und Führer Kriminal=
ſchutzmann
Weber, zweiter Vorſitzender des Vereins.
(Außer Wettbewerb.) Preiſe erhielten in der Polizei=
hundklaſſe
: 1. der Hund Rex des Schutzmanns
Seng, 2. der Hund Tyro des Schutzmanns Roth, 3. der
Hund Senta des Polizeidieners Kiſſinger; in der
Schutzhundklaſſe: 1. der Hund Alma des Bahn=
wärters
Gruber, 2. der Hund Cäſar des Bankdieners
Höhner. Die Hundeführer erhielten außerdem Ehren=
preiſe
, ferner der zweite Vorſitzende für die Vorführung
ſeines Hundes Rolf ehrende Anerkennung. Abends
8 Uhr erfolgte die Preisverteilung im Reſtaurant Zur
Stadt Pfungſtadt anſchließend fand geſellige Unter=
haltung
ſtatt, welche die Erſchienenen noch einige
Stunden gemütlich beiſammen hielt.
* Vogelsberger Höhenklub, Zweigverein Darmſtadt.
Die Wanderung am Sonntag hatte eine über alles Er=
warten
zahlreiche Beteiligung gefunden. Die Teilneh=
merliſte
wies 84 Namen auf, eine Zahl, die noch bei kei=
ner
der vorhergehenden Wanderungen erreicht worden
war. Der Marſch ging über den Bordenberg und in
halber Höhe am Frankenſtein her nach Malchen, weiter
Seeheim rechts liegen laſſend nach Jugenheim und
ſchließlich nach Alsbach. Die mit viel Sorgfalt ausge=
ſuchten
, den meiſten Teilnehmern unbekannten Wege
führten faſt ſtändig durch herrlichen Wald, deſſen grünes
Blätterdach willkommenen Schutz vor den faſt zu heißen
Strahlen der Maienſonne gewährte.
* Darmſtädter Pferdemarkt. Nachdem im vorigen
Jahr die beiden Darmſtädter Pferdemärkte infolge der
herrſchenden Maul= und Klauenſeuche ausfallen mußten,
fand geſtern der diesjährige Frühjahrspferde=
markt
ſtatt. In den Vereinsſtallungen ſind 172
Pferde eingeſtellt, auf dem Marktplatz ſind 93 Pferde zum
Verkauf und zur Prämiierung ſind 152 Pferde und Fohlen
vorgeführt. Der Markt iſt im ganzen von 417 Pferden und

Fohlen beſchickt. Bei der um 9 Uhr vormittags begont
nen Prämiierung wurden folgende Preiſe zuerkan
1. Für ſchwere Reitpferde: Wilh. Eſſelborn=Mainz eir
2. Preis mit 30 Mk.; 2. Leichte Reitpferde: Wilh. Eſſelbo=
Mainz einen 1. Preis mit 40 Mk.; 3. Schwere Arbei
pferde: Gebr. Sommerfeld=Darmſtadt einen 1. Preis 1
50 Mk., Bernh. Pullmann=Groß=Zimmern einen 3. Pr.
mit 20 Mk.; 4. Leichte Arbeitspferde: Gebr. Sommerfe
Darmſtadt einen 1. Preis mit 30 Mk., Gebr. Wartensleb
Darmſtadt einen 3. Preis von 20 Mk., Nathan Neu=Fr
kiſch=Crumbach einen 3. Preis mit 20 Mk.; 5. Schw
Wagenpferde: Gebr. Wartensleben=Darmſtadt einen
Preis mit 50 Mk., Gebr. Sommerſeld=Darmſtadt ein
2. Preis mit 30 Mk., Wilh. Eſſelborn=Mainz einen 3. Pr
mit 20 Mk.; 6. Leichte Wagenpferde: Gebr. Sommerfe
Darmſtadt einen 2. Preis mit 30 Mk., Siegmund Natk=
und Söhne=Ober=Ingelheim einen 3. Preis mit 20.?
Hrch. Adam Obenauer=Nieder=Flörsheim einen. 3. Pr
mit 20 Mk.; 7. Mutterſtuten mit Fohlen (Arbeitsſchla
Richard Burger=Reinheim und Wilhelm Cullmann=Gr=
Zimmern je einen 1. Preis mit 50 Mk., Peter Luley IV.=T
bur und Bernh. Appel=Schleifmühle je einen 2. Preis 1
40 Mk., Jak. Dreieicher IV.=Gundernhauſen und Pe=
Rau III.=Bickenbach je einen 3. Preis mit 30 Mk., Frie
Koppert I.=Hof=Hartenau, Albert Arzt=Groß=Umſta
Karl Diehl=Berkach, Gg. Dörr=Rohrbach und Ger=
Weber II.=Brandau je einen 4. Preis mit 20 Mk., Pl=
Schuſter=Häuſerhof, Ludw. Nungeſſer VI.=Pfungſta
Peter Lantelme IV.=Rohrbach und Jakob Schneider
Hähnlein je einen 5. Preis mit 10 Mk.; 8. Mutterſtuten 1
Fohlen (Wagenſchlag): Peter Ruckelshauſen II.= Wall=
ſtädten
einen 1. Preis mit 50 Mk., Joh. Höhl Xl.=Grie
heim, Martin Seipel=Leeheim und Peter Müller II.=Bicke
bach je einen 2. Preis mit 40 Mk., Peter Wilhelm=Don
heim und Ph. Gütlich=Berkach je einen 3. Preis mit 30 M
Ph. Hennemann VIII.=Bickenbach, Phil. Gerhardt=Re
heim, Peter Nothnagel I.=Griesheim, Gg. Phil. B
mann II.=Reinheim, Gg. Stühlinger IV.=Reinheim u
Chriſtoph Hennemann IX.=Bickenbaach je einen 4. Pre
mit 20 Mk.; 9. Dreijährige Fohlen (Arbeitsſchlag): Hu
Breidenbach=Gundernhauſen einen 1. Preis mit 80 M
Rich. Burger=Reinheim, Gg. Lochmann II.=Berkach u
Gg. Schuchmann=Ueberau je einen 2. Preis mit 40 M
Gg. Karl Gaydoul=Hahn, Gg. Bernh. Lautz II.=Grr
Umſtadt und Joh. Guſtav Hammann=Wolfskehlen je ein
3. Preis mit 30 Mk., Wilh. Erzgräber=Arheilgen, Hr
Aug. Heberer III.=Richen, Gg. Hirſch I.=Wallerſtädten u
Bernh. Völger=Arheilgen je einen 4. Preis mit 20 M
10. Dreijährige Fohlen (Wagenſchlag): Wilh. Cullman=
Groß=Zimmern, Gebr. Kraft=Hof=Grävenbruch und Friek
Koppert I.=Hof=Hartenau je einen 1. Preis mit 50M
Phil. Dörr=Berkach und Hrch. Winter=Leeheim je einen
Preis mit 40 Mk., Pet. Ritzert III.=Hähnlein und Ada
Ewald=Leeheim je einen 3. Preis mit 30 Mk., Pel
Funk II.=Wallerſtädten, Hrch. Dörr=Groß=Umſtadt,
Adam Metzger=Dornheim, Ph. Ludw. Gerhardt I.=Walle
ſtädten, Jak. Trinkaus=Dornheim, Hrch. Feldmann
Griesheim je einen 4. Preis mit 20 Mk., Jak. Wilh. Nol
Wallerſtädten, Karl Sprengler=Geinsheim, Ludw.Kr
mer X.=Pfungſtadt und Phil. Buxmann II.=Reinheim
einen 5. Preis mit 15 Mk.
Die mit dem Markt verbundene Verloſung=find
am 15. Mai, nachmittags 2 Uhr, ſtatt. Die Abgabed
nicht lebenden Gewinne erfolgt vom 17. Mai bis 13.m
ds. Js., mittags 12 Uhr täglich mit Ausnahmed
Sonn= und Feiertage durch Vermittelung des Loſeben
triebsunternehmers Herrn L. F. Ohnacker, Ludwigſtrl
Darmſtadt.
Poſtbriefbeſtellung. Bei dem hieſigen Poſlamk
werden die eingehenden Briefſendungen werktäglt
in folgender Weiſe beſtellt: bei der I. Beſtellung=u=
640 V.: die mit den Poſten von 745 N. bis 540 V.ei
gegangenen Briefſendungen, bei der II. Beſtellung u.
910 V.: die mit den Poſten von 635 P. bis 850 V.ei
gegangenen Briefſendungen, bei der III. Beſtellung u
100 N.: die mit den Poſten von 950 V. bis 1220 N.e
gegangenen Briefſendungen, bei der IV. Beſtellung 1
415 N.: die mit den Poſten von 125 N. bis 350 N. ei
gegangenen Briefſendungen, bei der V. Beſtellung
640 N.: die mit den Poſten von 550 N. bis 615 N. ei
gegangenen Briefſendungen. Bei der V. Beſtellung 1
640 N. werden Einſchreibbriefe nicht abgetrage,
An Sonn= und Feiertagen findet nur eit
Beſtellung um 800 V. ſtatt, die alle bis 720 V. ei
gegangenen Briefſendungen mit Ausnahme der nie
eiligen Druckſachen umfaßt. Die ſpäter eingehenden Bri=
ſendungen
und die nicht eiligen Druckſachen werd
Montags bei der I. Beſtellung abgetragen. T
näheren Angaben ſind aus dem im Schalterrau=
aushängenden
Poſtberichte erſichtlich, der auch für 25 Pf
an den Poſtſchaltern und durch die Briefträger zu k
ziehen iſt.
Unbeſtellbare Poſtſendungen. Wie wir erfahre
lagern bei der Oberpoſtdirektion in Darmſtadt folgen
Sendungen, deren Abſender vielleicht zu unſeren Leſer
zählen, als unbeſtellbar: Poſtanweiſung über 4,26 Ma=
vom
4. 12. 10., Aufgabeort Darmſtadt I. Empfänger
Müller und Co. in Budapeſt, Poſtanweiſung über 4,
Mark vom 28. 12. 10., Aufgabeort Darmſtadt I, Empfä
ger J. Müller und Co. in Budapeſt, Poſtanweiſung üb
7,80 Mark vom 12. 4. 11., Aufgabeort Darmſtadt. Empfä
ger und Beſtimmungsort unbekannt. Poſtanweiſut
über 8,15 Mark vom 15. 4. 11., Aufgabeort Wolfskehle
Empfänger und Beſtimmungsort unbekannt. Poſtanwe
ſung über 5 Mark vom 15. 4. 11., Aufgabeort Juge=
heim
, Bergſtr., Empfänger und Beſtimmungsort unb=
kannt
, Poſtanweiſung über 5 Mark vom 22. 9. 11., Au
gabeort Griesheim, Kreis Darmſtadt, Empfänger G
richtsſchreiberei in Darmſtadt, Poſtanweiſung über 5,
Mark vom 15. 4. 11., Aufgabeort Bensheim, Empfäng
und Beſtimmungsort unbekannt. Poſtanweiſung übe=
4,40 Mark vom 3. 6. 11., Aufgabeort Beerfelden, En
pfänger und Beſtimmungsort unbekannt, Poſtanweiſun
über 1,40 Mark vom 27. 6. 11., Aufgabeort Offenbag
(Main), Empfänger und Beſtimmungsort unbekann
Poſtanweiſung über 3 Mark vom 20. 6. 11., Aufgabeot=
Darmſtadt I, Empfänger und Beſtimmungsort unbekann
Poſtanweiſung über 14,16 M. vom 28. 4. 11., Aufgabeo)
Sprendlingen, Kreis Offenbach. Empfänger und Be
ſtimmungsort unbekannt. Einſchreibbrief vom 20. 8. 11
Aufgabeort Offenbach (Main), Empfänger H. Jonas
Berlin, 1 gewöhnlicher Brief, Inhalt 3 Mark vom 28
8. 11., Aufgabeort Darmſtadt II. Empfänger Borkume
Kurzeitung in Borkum, 1 gewöhnliches Paket vom 30.9
11., Aufgabeort Offenbach (Main), Empfänger Friedrid
Mewes in Gießen, 1 gewöhnliches Paket vom 25. 10. 11
Aufgabeort Bickenbach (Heſſen). Empfänger Franz Re
dinger in Sondernheim (Pfalz). Die zur Empfang
nahme der Gegenſtände Berechtigten müſſen ſich binnen
vier Wochen bei der Oberpoſtdirektion melden, widrigen
falls die Poſtanweiſungsbeträge und die in den Sen
dungen enthaltenen oder durch Verſteigerung des In=

[ ][  ][ ]

Nummer 113.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Mai 1912.

Seite 5.

haltes erlöſten Gebühren der Poſtunterſtützungskaſſe
überwieſen, die Briefe aber vernichtet werden.
* Ein Temperazurſturz von 16 Grad Celſius (von
30 Grad auf 14 Grad) iſt in der Nacht vom Sonntag auf
Montag eingetreten. Dieſe rapide Abkühlung, die ebenſo
ungewöhnlich wie die hohe Temperatur am Sonntag
Pancratius war, kann nur auf eine Wetter=Kataſtrophe
jurückgeführt werden, die ſich hier aber nur durch einen
tarken Sturm am Sonntag abend ankündigte.
* Schützenhof. Heute Dienstag abend wird die Ka=
zelle
des Leibg.=Reg. im Schützenhof konzertieren. Herr
Hauske hat hierzu ein ſehr ſchönes Programm zuſam=
nengeſtellt
, ſodaß ein genußreicher Abend in Ausſicht
teht. (Siehe Anzeige.)
* Ludwigshöhe. Es ſei ſchon jetzt auf die Veran=
taltungen
am Himmelfahrtstage aufmerkſam gemacht.
Zekanntlich ſind das Frühkonzert um 5 Uhr morgens.
wie das Nachmittagsfeſtkonzert ſtets von einem nach
Tauſenden zählenden Publikum beſucht. Die Konzerte
verden vom Muſikkorps des Leibgarde=Regiments
nter Obermuſikmeiſter Hauske ausgeführt. (Vergleiche
Inzeige.)
* Die brave Feuerwehr. Am Sonntag vormittag
war eine Schwalbe vor dem Hauſe Landwehrſtraße
tr. 12 an einem zum Neſtbau dienenden Faden in den
Lelegraphendrähten hängen geblieben. Ein Bewohner
es Hauſes, der die Qualen des Tierchens, das ſich nicht
efreien konnte, wahrnahm, rief die Feuerwehr her=
ei
, die alsbald erſchien und unter dem Beifall der zahl=
eichen
Zuſchauer die Schwalbe befreite.
* Ueberfall? Ein Ueberfall ſoll geſtern im
Lalde zwiſchen Mörfelden und Groß=Gerau verübt
ſorden ſein. Der 19 jährige Korbmacher Georg
rutſcher II. von Hamm bei Worms, der den
ortigen Wald mit einem Fuhrwerk paſſierte, gibt an,
er plötzlich von zwei Strolchen angefallen worden
i. Als er denjenigen der ihn perſönlich angriff,
it einem ſchnell hervorgeholten Prügel bearbeitet habe,
ien die beiden Angreifer davongelaufen. Alsbald ſei
ann aber ein dritter Strolch auf ihn eingedrungen und
1 habe er in ſeiner Bedrängnis ſeinen Revolver ge=
ogen
und zweimal auf ſeinen Angreifer geſchoſſen. Er
abe geſehen, wie nach dem zweiten Schuß der Mann
1 Boden fiel und er ſei dann mit ſeinem Fuhrwerk
nell davongefahren. Da der ſo zu Boden geſtreckte
ngreifer bisher nicht ermittelt werden konnte, wird jeder,
er zu der Angelegenheit etwas Näheres mitzuteilen in
er Lage iſt, erſucht, dies ſofort bei der Großh. Staats=
nwaltſchaft
in Darmſtadt zu tun.

J. Griesheim, 13. Mai. Ein vor wenigen Wochen
ter in Dienſt getretenes Dienſtmädchen trank in
lbſtmörderiſcher Abſicht Lyſol. Es wurde in bedenk=
chem
Zuſtande mittels Krankenautomobils nach Darm=
adt
ins Krankenhaus gebracht.
-h- Jugenheim, 12. Mai. Mit dem Bau der Ka=
holiſchen
Kirche wird in aller Kürze begonnen
erden. Die Pläne hierzu ſind auf der Bürgermeiſterei
ffengelegt. Architekt Rummel= Frankfurt, der die
irche in Zwingenberg erbaut hat, errichtet auch dieſe
irche.
-h- Zwingenberg, 12. Mai. Die Studentiſche Ver=
nigung
Deutſche Landsmannſchaften ( Ko=
urger
S.C.), die ſeiner Zeit in dem hieſigen Gaſthofe
Zum Löwen gegründet wurde, hat in dem neuerbauten
ſoßen Saale des genannten Hotels ein großes Wand=
emälde
herſtellen laſſen, das die Feſte Koburg dar=
ellt
. Das Bild, eine Zierde des Löwenſaales, wird in
iner Ausführung viel bewundert. Wie alljährlich, ſo
ird ſich auch dieſes Jahr die Vereinigung wieder am
onntag nach dem Pfingſtfeſte im Löwen vereinigen,
m ihr Jahresfeſt feſtlich zu begehen.
-h- Von der Bergſtraße, 12. Mai. Während die Kir=
zen
Anfangs Mai in den tieferen Lagen vollſtändig er=
oren
ſind, tragen die Bäume auf den Höhen anſcheinend
cht gut. Aepfel und Birnen ſtehen befriedigend, auch
e Zwetſchenbäume ſind gut behangen. Aprikoſen, Pfir=
he
und Pflaumen fallen in dieſem Jahre faſt vollſtändig
ts. Auch die Weinberge haben bei dem letzten Froſt in
anchen Lagen gelitten, doch ſind im allgemeinen die
usſichten nicht ſchlecht, ja an manchen Plätzen recht gut.
Lindenſels, 12. Mai. Heute nachmittag ſtießen
i einer ſtarken Straßenkurve vor unſerem Städtchen
wei Autos aus München und Frankfurt zuſam=
en
. Zum Glück wurden die Wagen durch einen Baum
tfgehalten, andernfalls ſie die mehrere Meter hohe =
zung
hinabgeſtürzt wären. Die Wagen wurden ſtark
ſchädigt; einer der Inſaſſen erlitt einen Knöchelbruch,
ährend die übrigen mit leichten Hautabſchürfungen da=
onkamen
.
* Mainz, 13. Mai. Als heute früh gegen 3 Uhr der
rbeiter Ferkaluk nach Hauſe kam und ihm von ſei=
n
Angehörigen wegen ſeines ſpäten Nachhauſekommens
orwürfe gemacht wurden, brachte er ſeinem Bruder mit
nem Dolchmeſſer fünf Stiche in die Bruſt und
den Oberarm bei. Der Vater gab auf den ihn bedro=
nden
Sohn mehrere ſcharfe Revolverſchüſſe ab, die je=
ich
ihr Ziel verfehlten. Der wütende Burſche brachte
in noch ſeiner Mutter einen Stich in den Hals bei und
ung flüchtig, wurde aber ſpäter von der Polizei feſtge=
ommen
.
Mainz, 13. Mai. Der Fuhrunternehmer Funck, der
i dem Brande in der Weintorſtraße noch ſeine beiden
ferde retten wollte und ſich dabei ſchwere Brandwunden
tzog, iſt geſtern nachmittag um 3 Uhr im Rochushoſpital
ſtorben.
Worms, 13. Mai. Der Wormſer Hafen iſt im
ahre 1911 mit einem Geſamtgüterverkehr von 464 347
onnen an die dritte Stelle gerückt. An erſter Stelle ſteht
kainz, dann kommt Guſtavsburg; nach Worms folgt in
heblichem Abſtande Offenbach. Der geiſteskranke le=
ge
Küfer Jakob Haubeil hat ſich am 3. ds. Mts. aus
r alterlichen Wohnung entfernt, und iſt bis jetzt nicht
trückgekehrt. Es wird vermutet, daß er den Tod im
hein geſucht und gefunden hat.
Ingelheim, 12. Mai. Die feierliche Einweihung
r hochragenden, auf der Waldeck zu Ehren des erſten
anzlers errichtete Bismarck=Säule erfolgte heute
i Beiſein der Spitzen der Zivil= und Militärbehörden
id in Gegenwart des geſamten Vorſtandes des Rhein=
ſſiſchen
Bismarckvereins. Zehn lange Jahre voll Arbeit
und Mühe hat es bedurft, um dieſes Bauwerk entſtehen
laſſen. 1902 begannen die Sammlungen für den Bau
s Turmes von ſeiten des rheiniſch=heſſiſchen Bismarck=
rreins
, 1907 bereits war die Summe, um die Unkoſten
's Baues die ſich auf 70000 Mk. belaufen zu dek=
n
, geſammelt und in dieſem Jahre konnte mit dem Bau
gonnen werden. Hunderte von Verehrern des Anden=
ns
an den großen Mann Deutſchlands hatten ſich zur
utigen Feier eingefunden. Unter den erſchienenen
hrengäſten bemerkte man den Gouverneur von Mainz,
eneral v. Schlieffen, den Stadtkommandanten General=

major v. Ruville nebſt anderen höheren Offizieren; fer=
ner
den Provinzialdirektor Dr. Breidert=Mainz, Kreis=
rat
Dr. Steeg=Bingen, Landgerichtspräſident Hangen,
Landgerichtsrat Hartner, Oberbürgermeiſter Dr. Göttel=
mann
und Juſtizrat Claß, den Vorſitzenden des All=
deutſchen
Verbandes, ſämtlich aus Mainz, ſowie Herrn
Regierungsrat Bohn und Bürgermeiſter Neff aus Bin=
gen
. Die der Waldeck zunächſt gelegenen Orte Ober=
Ingelheim und Gau=Algesheim hatten aus Anlaß des
Feſtes reichen Flaggenſchmuck angelegt. Eingeleiten
wurde die Feier durch Böllerſchüſſe, den Fanfarenmarſch
Hoch Deutſchland und einen von den Geſangvereinen
Ober=Ingelheim und Gau=Algesheim vorgetragenen Cho=
ral
. In ſeiner Anſprache drückte Herr Hauswald ſeinen
Dank für das in ihn geſetzte Vertrauen aus. Darauf
übergab er als Symbol der Uebergabe des Bauwerks die
Schlüſſel an ſeine Bauherren, die durch den Vorſitzenden
des Rheinheſſiſchen Bismarckvereins verkörpert waren
Nach der Feſtouvertüre erfolgte die Begrüßung der Feſt=
teilnehmer
durch den Vorſitzenden Kommerzienrat Rich.
Avenarius=Gau=Algesheim. Im Anſchluſſe hieran fand
die Beſichtigung des Turmes durch die Ehrengäſte ſtatt.
Von einem Erker des Turmes herab hielt darauf Ober=
lehrer
Profeſſor Gebhard=Friedberg die Feſtrede. Er
führte aus, daß es ihm eine ganz beſondere Freude ſei,
als geborener Ingelheimer die Weiherede bei der Ein=
weihung
des Turmes halten zu dürfen. In lernigen
Worten ſchilderte er, daß der Platz bereits durch eine
alte Tradition dem Andenken großer Taten des deutſchen
Volkes und großer Männer desſelben geweiht ſei, und
daß, als der Plan zur Erbauung des Turmes. aufge=
taucht
wäre, von vorneherein der Platz als der einzig ge=
gebene
auserleſen worden wäre. Der Turm ſei zum
lebendigen Gedächtnis an unſeren Bismarck aufge=
führt
worden. Im Namen der Regierung dankte Herr
Regierungsrat Kreisrat Dr. Steeg=Bingen allen denen,
die am Bau in einem oder anderen Sinne beſchäftigt
geweſen waren. Mit Böllerſchüſſen wurde der offizielle
Teil der Feier beendet. Bei Einbruch der Dunkelheit fand
eine ſehr gut gelungene Beleuchtung der Säule ſtatt.
(*) Gießen, 12. Mai. Die Verbandsverſammlung
des Mitteldeutſchen Sängerverbandes tagte
heute hier unter dem Vorſitze des Geheimerats Dr.
Uſinger im Café Metropol. Unter den Anweſenden
befanden ſich auch die Vertreter des Sängerbundes Chat=
tia
, des Wetterau= Lahngau= und Lumdatal= Sänger=
bundes
. Der Schriftführer Lehrer W. Müller=Gießen
erſtattete den Jahresbericht für das Vereinsjahr
1911/12. Durch Dirigententage, einen Volksliedertag zu
Gießen, durch die Sammlung und Herausgabe von
Volksliedern wurde im Sinne des Verbandes weiter=
gearbeitet
. Die Jahresrechnung zeigt eine Einnahme von
530 Mark, eine Ausgabe von 480 Mark. Der Dirigenten=
tag
für 1912 ſoll am 20. Oktober in Gießen abgehalten
werden. Das Verbandsfeſt für 1912 ſoll am 4. Aug.
in Lich gefeiert werden. Das Verbandsfeſt 1913 ſoll in
anbetracht der Hundertjahrfeier der Befrei=
ungskriege
ein patriotiſcher Liedertag werden. Die
Feier findet in Butzbach oder Großen=Linden ſtatt.
Gießen, 13. Mai. Das hieſige Schöffengericht ver=
urteilte
einen Fuhrknecht wegen vorſätzlicher Stö=
rung
und Gefährdung eines elektriſchen Stra=
ßenbahnwagens
zu 8 Tagen Gefängnis.
(*) Friedberg, 12. Mai. Wie aus der Jahres
rechnung der Stadt zu erſehen, iſt die Finanz=
lage
eine günſtige, ſodaß der Voranſchlag für 1912
ohne jede Erhöhung der Gemeindeſteuer balanziert. Der
Steuerſatz bleibt wie bisher auf 102 Prozent ſtehen. Der
Voranſchlag zeigt eine Einnahme und Ausgabe von
925 780 Mk. Die Rechnung für 1910 ſchließt mit einer
Einnahme von 755376 Mk. und einer Ausgabe von
644 433 Mk., ſodaß ſich ein Ueberſchuß von rund
111000 Mk. ergibt. Das Kapitalvermögen der Stadt
beläuft ſich auf 700000 Mk.
* Bad Nauheim, 12. Mai. Bis zum 9. dieſes Monats
ſind 5244 Kurgäſte angekommen, wovon an genanntem
Tage noch 3620 anweſend waren. Bäder wurden bis zu
dem genannten Tage 41 444 abgegeben.
Obbornhofen, 11. Mai. Geſtern kurz vor 12 Uhr,
wurde der Gaſtwirt Ruppel aus Obbornhofen auf der
Strecke Friedberg-Hungen bei Obbornhofen=Bellersheim
auf dem Bahndamm tot aufgefunden. Das
Zugperſonal des Zuges 4256, der 11,40 Uhr im
Obbornhofen=Bellersheim ankommt, hat denſelben aufge=
funden
. Laut Mitteilung des Zugperſonals wird ange=
nommen
, daß der Aufgefundene ſchon von einem früher
gehenden Zuge überfahren und an den Bahndamm ge=
ſchleudert
worden ſein muß.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 12. Mai. Der 27 Jahre alte
Ingenieur Karl Pönsgen, der in der Joachimsthalerſtraße
in Charlottenburg wohnt, unternahm heute in Begleitung
ſeines 32jährigen Bruders, des Aſſeſſors Adalbert Pöns=
gen
, und einer Dame eine Automobilfahrt. Das
Steuer führte der Chauffeur Steiner. Als man ſich in
der Nähe von Reinsberg befand, ſauſte der Kraftwagen
gegen einen Prellſtein und die vier Inſaſſen wurden auf
die Chauſſee geſchleudert. Karl Pönsgen und der Chauf=
feur
Steiner waren auf der Stelle tot. Die Dame und
Adalbert Pönsgen ſind mit leichten Verletzungen davonge=
kommen
. Heute mittag wurden aus dem Teltow=Kanal
die zuſammengebundenen Leichen der 30 Jahre alten
Frau Marie Krüger und ihrer beiden Kinder im Alter
von 3 und 1½ Jahren gezogen und nach der Leichenhalle
gebracht. Eheliche Zwiſtigkeiten haben die Frau, die
ſehr hyſteriſch war, zu der Tat veranlaßt. Die 13jährige
Tochter eines Kaufmanns in der Warſchauerſtraße wurde
von ihrem älteren Bruder in der Küche tot aufgefun=
den
Sie hatte ſich durch Gas abſichtlich vergiftet, weil
ſie von ihrer Stiefmutter beſtraft worden war.
Frankfurt, 12. Mai. Die fünfte Zivilkammer des
Landgerichts verurteilte den Kammerſänger
Heinrich Henſel in dem von ſeiner Gattin angeſtreng=
ten
Alimentationsprozeß zur Zahlung von monatlich 1000
Mark an die Klägerin Frau Henſel=Schweitzer. Das
Gericht hatte als Zeugen den Rechtsanwalt Dr. Neumond
vernommen, der bekundet hatte, daß Henſel, als er mit ihm
in Bayreuth einmal zuſammentraf, ihm gegenüber äußerte,
er wolle ſeiner Frau einen angemeſſenen Betrag ſeiner Ein=
künfte
geben. Der Vertreter der Klägerin führte in dem
Verhandlungstermin u. a. an, Henſel verdiene jetzt jährlich
twa 80000 bis 100000 Mark. Das Gericht nahm an, daß
ſich die Aeußerung Henſels nur auf einen Zeitraum von
kurzer Dauer bezogen habe, da Frau Henſel=Schweitzer da=
mals
vorhatte, eine neue Ehe einzugehen. Trotzdem hielt
es das Gericht für geboten, daß Henſel ſeiner Frau auch
weiterhin 1000 Mark per Monat zahle.
Frankfurt, 12. Mai. Der 26jährige Arbeiter Wei=
gand
verſuchte heute nachmittag 5 Uhr ſeine etwa gleich=
alterige
Frau zu ermorden. Er brachte ihn in deren

Behauſung in der Frankenſteinerſtraße eine große Anzahl
Meſſerſtiche bei, von denen einige die Halsſchlagader ver=
letzten
. Die Frau wurde ſchwer verletzt ins Kranken=
haus
gebracht. Der Mann wurde verhaftet.
München, 12. Mai. Um ein eigenartiges Dieb=
ſtahlsobjekt
handelte es ſich in einer ſchöffengericht=
lichen
Verhandlung, die ſich gegen den Kaufmann Ferdi=
nand
Hager richtete. Der Angeklagte war täglicher Stamm=
gaſt
im Hofbräuhaus, aber weniger als Liebhaber des
Königlich Bayeriſchen Gebräus, denn als Liebhaber der
Maßkrüge mit den Zinndeckeln. Hager pflegte in einem
unbewachten Augenblicke ſich eines Kruges, der von einem
weggegangenen Gaſte ſtammte, zu bemächtigen, ihn unter
ſeinen Mantel zu verbergen und dann zu verſchwinden.
Nach den Ermittelungen der Hofbräuhausverwaltung
ſollen in verhältnismäßig kurzer Zeit auf dieſe Weiſe
gegen 500 Maßkrüge verſchwunden ſein. Der Ange=
klagte
zertrümmerte nach ſeinen eigenen Angaben die
Krüge und ſchmolz die zinnernen Deckel ein. Das ſo er=
haltene
Metall verkaufte er an Althändler, unter der An=
gabe
, daß es ſich um eingeſchmolzene Metalltuben handle.
Der Angeklagte, der bei ſeiner Vernehmung geſtändig war,
behauptete, aus Not gehandelt zu haben; er habe oft nicht
ſatt zu eſſen gehabt. Der Erlös aus den geſtohlenen
Krigen habe auch nur hingereicht, daß er ſich notdürftig
ernähren konnte. Ein als Zeuge geladener Beamter des
Hofbräuhauſes erklärte, daß während des Treibens des
Angeklagten täglich gegen 15 Krüge verſchwunden ſeien;
Diebſtähle kämen auch jetzt noch vor, doch beliefen ſie ſich
nur noch auf vier bis ſechs Stück pro Tag. Der Gerichts=
hof
erkannte an, daß ſich der Angeklagte in einer Notlage
befunden habe und verurteilte ihn zu einer Gefängnis=
ſtrafe
von einem Monat.
Freiburg, 13. Mai. Geſtern ſtürzte Leutnant
Schaefer vom Ulanen=Regiment Nr. 5 und blieb be=
wußtlos
liegen. Es wurde ein Schädelbruch feſtgeſtellt.
Bochum 12. Mai. Die am Samstag eröffnete Koch=
kunſt
= und Fachgewerbe=Ausſtellung des
Rheiniſch=Weſtfäliſchen Wirteverbandes wurde heute von
einem verheerenden Sturme heimgeſucht. Das Dach
der großen Ausſtellungshalle wurde von dem Sturm weg=
geriſſen
. Das Gebäude ſelbſt iſt teilweiſe eingeſtürzt.
Alfeld an der Leine, 13. Mai. Der hier gaſtierende,
2000 Perſonen faſſende Zeltzirkus Lorraine, wurde
geſtern während einer gut beſuchten Vorſtellung vom
Wirbelſturm erfaßt. Das Zelt wurde aus der
eiſernen Befeſtigung herausgeriſſen, emporgehoben und
zerſchmettert. Mit Mühe konnten ſich die Beſucher retten.
Etwa zwanzig Perſonen wurden durch Glasſplitter ver=
letzt
. Einem Manegenpferd wurde ein Bein abgeriſſen, ein
Zirkusangeſtellter büßte ein Auge ein.
Misdroy, 12. Mai. In dem von herrlichen Wald=
ungen
umrankten Oſtſeebad Misdroy fand heute unter
außerordentlicher Beteiligung die Einweihung des Oſt=
ſee
heimes der Deutſchen Geſellſchaft für
Kaufmanns=Erholungsheime ſtatt. Außer
Kaufmannſchaft und Induſtrie aus ganz Deutſchland
waren zahlreiche Vertreter der Staats= und Kommunal=
behörden
, Kaufmänniſcher Korporationen, von Handels=
kammern
, Parlamentarier und Sozialpolitiker anweſend.
Die Anmeldungen zu dem Misdroyer Heim ſind bereits
ſo zahlreich eingelaufen, daß die verfügbaren Betten für
dieſe Saiſon ſchon zum großen Teil beſetzt ſind. Bei der
Feier wurde bekannt gegeben, daß das Traunſteiner Heim
der Geſellſchaft im bayeriſchen Hochgebirge vorausſichtlich
im Auguſt eröffnet werde, und bei der Feſttafel wurden
wiederum eine Reihe neu eingegangener Stiftungen ver=
kündet
.
Prag, 12. Mai. Geſtern abend 7 Uhr entſtand in der
Prager Landesfindelanſtalt ein großer Dachſtuhl=
brand
. Das Feuer war auf dem Dachboden der tſchechi=
ſchen
Abteilung ausgebrochen, wo ſich zurzeit 125 Kinder
im Alter bis zu einem Jahre mit ihren Ammen befan=
den
. Das Feuer, das an den auf dem Dachboden liegen=
den
Matratzen und Strohſäcken reiche Nahrung fand, griff
raſch auch auf den mittleren Hoftrakt über. Die Mütter
wurden, als der Rauch aus dem Dach hervordrang, alar=
miert
, daß ſie die Abteilung verlaſſen müßten, und wur=
den
ohne jeden Zwiſchenfall auf die deutſche Abteilung
und eine zweite tſchechiſche Abteilung gebracht, allerdings
unter großem Wehklagen der Mütter, die für ihre zurück=
gelaſſinen
Habſeligkeilen fürchteten. Sämtlickſe Feuer=
wehren
von Prag und Umgebung beteiligten ſich an den
Löſcharbeiten. Der Schaden iſt enorm.
Paris, 13. Mai. Der geſtrige Tag zeichnete ſich durch
eine außergewöhnliche Hitze aus. Nachmittags
zeigte das Thermometer 32,6 Grad, womit die Normal=
Temperatur um 14 Grad überſtiegen iſt. Seit 1886 war
eine ſolche Temperatur um dieſe Jahreszeit nicht mehr feſt=
geſtellt
worden
Brüſſel, 13. Mai. Geſtern abend herrſchte hier ein
überaus heftiger Wirbelſturm der ſchweren Scha=
den
anrichtete, ſowohl an Telegraphen= wie an Tele=
phonleitungen
, als auch an Gebäuden. Ein Sturm von
derartiger Heftigkeitt iſt bisher hier noch nicht beob=
achtet
worden.
London, 11. Mai. Rudolf Stallmann erſchien
heute wiederum vor dem Polizeigericht in der Bowſtreet,
wo über ſeine Auslieferung auf Grund der Beſchul=
digung
, daß er ſich durch Vorſpiegelung falſcher Tatſachen
in Deutſchland Geld und vermögensrechtliche Werte ver=
ſchafft
habe, verhandelt wurde. Der Anwalt des Gefange=
nen
führte aus, es liege kein Auslieferungsfall vor. Der
Richter erklärte, er käme nach den vorliegenden Ausſagen
prima facie zu der Entſcheidung, daß ein Auslieferungs=
fall
vorliege. Die Sache ſei jedoch zu vertagen, bis die
Akten aus dem Prozeß eingetroffen ſeien, der in Kalkutta
gegen Stallmann geführt werde.
London, 12. Mai. England leidet ſeit den letzten
Tagen unter einer furchtbaren Hitzwelle. Am Sams=
tag
konnte man im Schatten eine Temperatur von 78=
Grad Fahrenheit beobachten. Die Atmoſphäre in Lons=
don
war derartig drückend, daß am Samstag Tauſende
und Abertauſende die Stadt verlaſſen haben. um den
Sonntag auf dem Lande oder an der Meresküſte zu ver=
leben
. Die Eiſenbahngeſellſchaften mußten in aller Haſt
Extrazüge einſtellen, um den Verkehr, der an Sams=
tagen
ſchon ſehr bedeutend iſt, aber geſtern ins rieſenhafte
ſtieg, bewältigen zu können. Auch in Frankrieich
macht ſich eine außerordentlich große Hitze bemerkbar.
die in Paris und einigen Städten der Provinz bis auf
32 Grad im Schatten ſtieg. Auch in Spanien iſt die
Hitze ſehr groß, beſonders in Madrid, wo man den Aus=
bruch
von Epidemien befürchtet.

Kongreſſe und Verbandstage.

Nationalliberaler Parteitag.
Berlin 12. Mai. Unter überaus zahlreicher
Beteiligung von Delegierten aus dem ganzen Reich fand
heute in den Kammerſälen der 14. Nationallibe=

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Mai 1912,

Nummer 113.

rale Vertretertag ſtatt, der zu den vom Zentral=
vorſtand
vorgeſchlagenen Satzungsänderungen Stellurg!
zu nehmen hatte. Den Vorſitz führte Vizepräſident
(Reichstagsabgeordneter Dr. Paaſche. Die Vorſchläge
des Zentralvorſtandes bezwecken in der Hauptſache, die
Einzelvereine der nationalliberalen Jugend an die land=
ſſchaftlichen
Organiſationen anzuſchließen. Der Reichsver=
band
der nationalliberalen Jugend als ſolcher ſoll keine
leigene Vertretung im Zentralvorſtande haben, vielmehr
werden die einzelnen landſchaftlichen Organiſationen De=
legierte
je nach der Zahl ihrer Mitglieder entſenden, wo=
bei
natürlich auch die Zahl der Jungliberalen zu berück=
ſichtigen
iſt. Als Zeitpunkt der Neuordnung wird der
4. Oktober dieſes Jahres beſtimmt. Der Vizepräſident
des Preußiſchen Abgeordnetenhauſes, Geheimerat Dr.
Krauſe (Berlin), begründete den vom Zentralvorſtand
vorgelegten Organiſationsentwurf, der einſtimmig ſo=
wohl
vom Zentralvorſtand der Partei, als von dem Vor=
ſtand
des Reichsverbandes der vereinigten nationallibe=
ralen
Jugend in den geſtrigen geſchloſſenen Sitzungen
ohne jede Aenderung angenommen worden war. Die
Satzungsänderungen werden ſodann unter ſtürmiſchem
Beifall ohne Widerſpruch en bloc angenommen.
Hierauf hielt Reichstagsabgeordneter Baſſer=
mann
eine programmätiſche Rede über die poli=
itiſche
Lage. Man befinde ſich in einer unbehaglichen
Periode der Völkergegenſätze und der inneren Gärungs=
prozeſſe
. Die Regierungspolitik ſei nicht befriedigend.
Man ſchiebt die Löſung der Probleme beiſeite, wie die
Wahlrechtsreform, die Frage der allgemeinen Beſitzſteuer.
Dieſe Frage muß geöſt werden, weil einmal der Tag
kommen wird, an dem die Reichsfinanzreform ausgegli=
chen
wird. Unfroh, müde und glücklos zieht dieſe Re=
gierungspolitik
dahin. Sodann ſchilderte der Redner das
Verhältnis der Nationalliberalen Partei zu den ande=
ren
Parteien. Er kommt dabei zu dem Schluß, daß So=
zialdemokratie
und Zentrum die grimmigſten Gegner der
Nationakliberalen Partei bleiben müſſen, daß die Natio=
nalliberalen
an der Verſchlechterung der Verhältniſſe mit
den Konſervativen nicht ſchuld ſeien und daß die Natio=
nalliberalen
jederzeit taktiſch mit der Volkspartei zuſam=
mengehen
. Ein Block von Bebel bis Baſſermann ſei aber
eine Utopie. Der Redner erörtert dann eingehend die
Aufgaben der Nationalliberalen Partei, die eine Plis=
tümliche
nationale Politik treiben müſſe. Wenn er in
Sſchweren Stunden feſt und treu zur Fahne geſtanden habe,
ſo habe er das nur aus dem Gefühl heraus gekonnt, daß
die Nationalliberale Partei nicht untergehen werde.
Fortſchritt mit den Bedürfniſſen des Volkes, Pflege des
vaterländiſchen Geiſtes, Pflege der freiheitlichen Entwick=
llung
, das ſei die Tradition der Nationalliberalen Partei.
Nach einer Pauſe nahm als erſter Diskuſſionsredner
Abgeordneter Dr. Lohmann das Wort, der aus=
führte
: Wenn bei uns von einem rechten und von einem
linken Flügel die Rede iſt, ſo unterdrückt man, daß wir
doch auch ein Mittelſtück haben, das viel ſtärker iſt, als
der rechte und der linke Flügel zuſammen. Was uns zu=
ſſammenhält
, iſt unendlich viel ſchwerer und größer als
das, was uns trennt. Was das Verhältnis zur koreer=
vativen
Partei anlangt, ſo liegt das Verſchulden an dem
jetzigen Zuſtand an dieſer ſelbſt, da ihre Führung immer
mehr auf den Bund der Landwirte übergegangen iſt.
Von den Freikonſervativen gilt das gleiche. In ſozial=
politiſcher
Beziehung wird die Partei jede Initiative der
Regierung mit aller Sorgfalt prüfen, ob ſie unſere In=
duſtrie
noch gegenüber dem Wettbewerbe des Auslandes
tragen kann. Die Nationalliberale Partei iſt eine Not=
wendigkeit
, da ſie die einzige Partei iſt, die ſich bemüht,
die wirtſchaftlichen Gegenſätze nicht zur Hauptfrage wer=
den
zu laſſen. Rechtsanwalt Kauffmann= Stutt=
gart
, der Führer der Jungliberalen, betont, daß auch die
Liberalen nur eins im Auge hätten: das Wohl der Natio=
nalliberalen
Pärtei. Eine loyale und wachſame Oppo=
ſition
gegen die Regierung ſtehe ſchon in dem Gründ=
ungsprogramm
der Partei. In der ſozialpolitiſchen Ge=
ſetzgebung
dürfe man nicht Halt machen. Vorausſetzung
für die Erreichung der nationalen Ziele ſei, daß ſich das
deutſche Volk zu Hauſe wohl fühle und nicht das Gefühl
häbe, wie ein Kind behandelt und bevormundet zu wer=
den
. Landtagsabgeordneter Geh. Rat Dr. Fried=
berg
gibt zu, daß Gegenſätze vorhanden ſeien. Es
trennt den Norden vom Süden die Stellung zur Sozial=
demokratie
. Man muß ſich aber auch gegenſeitig vertra=
gen
.: Von vielen Parteifreunden iſt es nicht verſtanden
worden, daß man die Anweſenheit von 110 Sozial=
demokraten
im Reichstag als quantité negligeable be=
trachtet
. Deshalb hat man gewünſcht, daß man die
Scheidelinie nach links mit aller Schärfe ziehe. Die So=
zialdemokratie
iſt gefährlich, nicht wegen ihrer utopiſti=
iſchen
Ziele, ſondern wegen ihrer Kampfesmethode, die
ſchließlich eine revolutionäre Strömung in unſerem=
Volke erzeugt: Und dieſe wieder führt zu nichts, als daß
der Reaktion die Wege geebnet werden. Wenn 6 Leute
ſich dazu hergebeng ein ganzes Parlament zu terroriſie=
ren
, wenn man ſich als anſtändiger Menſch von dieſen
Leuten ins Geſicht ſagen laſſen muß: Sie ſind die Schmach
und Schande von ganz. Europa, Sie ſtellen einen mora=
liſchen
Sumpf dar, ſo weiß man doch wirklich nicht, was
man mit einer ſolchen Partei anfangen ſoll. Ein Stich=
wahlahkommen
, wie es die Freiſinnige Volkspartei mit
der Sozialdemokratie abgeſchloſſen hat, iſt für uns un=
annehmbar
. Wenn wir als Partei etwas bedeuten wol=
len
, dürfen wir nicht in der Disziplinloſigkeit verharren.
Nach Ablehnung eines Schlußantrages ſprach Land=
tagsabgeordneter
Rebmann (Baden). Er betonte die
1 Möglichkeit, daß die Sozialdemokratie ſich einmal ent=
wickeln
könne. Ihn ſcheide eine tiefe Kluft von dieſer
Partei, doch ſchmiede ihn das Schickſal zu täglicher Arbeit
mit ihr zuſammen. Die Unterſchiede in der Partei ſeien
nur gering und lägen an der Perivherie der Partei=
arbeit
. Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Leidig
(Charlottenburg) befürchtet von einer Zuſammenarbeit
mit der Sozialdemokratie eine zu große Intimität mit
dieſer Partei. Nachdem noch Redakteur Jung (Köln)
und der frühere Reichstagsabgeordnete Streſemann
(Sachſen) geſprochen hatten, wurde der Parteitag mit
den üblichen Dankesreden geſchloſſen.

Berlin 12. Mai. Der Deutſche Wehr=
vere
in hielt heute im Lehrervereinshaus in Berlin
ſeine 1. Hauptverſammlung ab, in der General
Keim über Die Entwickelung und Ziele des Deut=
ſchen
Wehrvereins Geh. Rat Profeſſor Dr. Wagner
Deutſchlands Wehrmacht, ihre Notwendigkeit und Be=
deutung
für unſere Weltpolitik und Volkswirtſchaft und
Generalleutnant Litzmann über Stellung des Deut=
ſchen
Wehrvereins zur Heeresvorlage ſprachen. Letzterer
begründete eine Entſchließung, in welcher die tat=
ſächlich
Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht gefor=
dert
wird: Der Reichtum Deutſchlands an waffenfähiger
Mannſchaft müſſe ausgenützt und erreicht werden, daß
wir auf der Hauptfront mit entſchiedener Uebermacht

zur Offenſive ſchreiten können. Die ſich ergebende Stei=
gerung
der Mannſchaftszahl im ſtehenden Heere ſei für
den inneren Ausbau unſerer Landmacht von dem Ge=
ſichtspunkte
der Erhöhung des Friedensſtandes der tak=
tiſchen
Einheiten aller Waffen zu bewerten. Der Ueber=
ſchuß
an tauglichen Mannſchaften müſſe eine abgekürzte
militäriſche Ausbildung in der Erſatzreſerve erhalten
Die für den Mobilmachungsfall geplanten Kavallerie=
diviſionen
ſeien in möglichſt kriegsmäßiger Zuſammen=
ſetzung
ſchon im Frieden zu bilden. Die Kriegsbrauch=
barkeit
der geplanten Reſerveformationen ſei durch ver=
ſtärkte
Heranziehung der in Betracht kommenden Jahr=
gänge
des Beurlaubtenſtandes zu den Uebungen und
durch Aufſtellung ſtarker Reſervekadres an Offizieren und
älteren Unteroffizieren zu ſteigern. Die Entſchließung
wurde einſtimmig angenommen.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 13. Mai. Präſident Dr. Kaem pf er=
öffnet
die Sitzung um 1,30 Uhr. Auf der Tagesordnung
ſteht die
Fortſetzung des Militäretats
und zwar bei der Duellfrage. Die Budgetkommiſ
ſion beantragt hierzu Reſolutionen, in denen Maßnah=
men
verlangt werden, um Zweikämpfe zu beſeitigen, ins=
beſondere
dem Zwange zur Herausforderung zum Zwei=
kampfe
und zur Annahme eines ſolchen entgegenzutreten.
Es wird ſpeziell verlangt, daß Perſonen von ehrloſer
Geſinnung für einen Ehrenhandel unter allen Umſtän=
den
ausſcheiden, daß gegen Beleidiger ſchleunigſt und
ſcharf vorgegangen werde, Ehrenhändel erſt nach erfolg=
tem
ehrengerichtlichen Verfahren zum Austrag gebracht
werden und die Ablehnung eines Zweikampfes aus reli=
giös
und ſittlich gerechtfertigten Bedenken ebenſo wenig
wie Streitigkeiten dienſtlicher oder privatgeſchäftlicher
Natur zum Gegenſtand eines ehrengerichtlicher Verfah=
rens
gemacht werden. Weiter wird gefordert, dem geſetz=
widrigen
Duellweſen dadurch ein Ende zu machen, daß
eine Aenderung des Strafgeſetzbuches dahin herbeigeführt
werde, daß bei der Beſtrafung des Zweikampfes und der
Hercusforderung zum Zweikamof auf die Nebenſtrale
der Entlaſſung aus dem Heere zu erkennen iſt
Abg Ledebour (Soz.): Wir ſtehen auf dem
Standpunkt, daß die Geſetzlichkeit unter allen Umſtänden
im Heere zu wahren iſt; insbeſondete dürfte kein Oiſi-
zier
desſegen ous dem Heere en fernt werden können,
weil er ſicb auf den Boden des Geſezes ſtellt und einen
Zweikamof elkehnt. Nach dem bisherigen Verfahren ſtel=
len
ſich ſämtliche Behörden einſchließlich des Inhabers
der Kommandogewalt außerhalb des Geſetzes. Durch
unſer Strafgeſetzbuch iſt ſchon genügend Gelegenheit ge=
boten
dem Duell entgegenzutreten. Die Kommiſſions=
reſolution
beſeitigt nicht das Duell, ſonder ſchafft ein
Privileg für beſonders bevorzugte Perſonen. Abg.
Gröber (Zenſtr.): Unſere Stellungnahme zur Duell=
frage
iſt unverändert. Klaffend iſt der Gegenſatz der Auf=
faſſung
der Religion, des Rechts und der Vernunft, die
ſich gegen das Duell wenden. und dem falſchen Ehrbe=
griff
der Offiziere und eines kleinen Teiles unſeres Vol=
kes
. Auch ſollte man Rückſicht nehmen auf die verheira=
teten
Offiziere. Die Offiziere ſind dazu da, ihr Leben
einzuſetzen für das Vaterland, nicht ihr Leben aufzu=
opfern
für perſönliche Streithändel. In der Kommiſſion
erklärte der Kriegsminiſter, das Duell ſei ein Uebel, das
zu beſeitigen er beſtrebt ſei, eine gewaltſame Beſeitigung
ſei aber nicht möglich. In England iſt es auch ſehr gut
gelungen. Duelle völlig zu beſeitigen, Suchen wir zu er
reichen, daß an den Gerichten die perſönliche Ehre höher
taxiert wird, dann brauchen wir nicht auf eine Reviſion der
Strafgeſetzbuches zu warten. Nichts liegt uns ferner, als
durch einen Kommiſſionsbeſchluß eine Anerkennung des
Duells herbeizuführen. Der Kaiſer iſt der Schützer des
Rechts und er ſoll durch einen Machtſpruch dafür eintre=
ten
, daß dem Duellweſen in den Offllzierskreiſen ein
raſches Ende bereitet wird. Abg. Graf. v. Weſtarp
(konſ.): Auch nach unſerer Auffaſſung verſtößt das Duell
gegen göttliches und menſchliches Gebot und iſt deshalb
ſeine Beſeitigung zu erſtreben. Doch gehen uns die Re=
ſolutionen
zu weit, deshalb lehnen wir ſie ab.
Kriegsminiſter v. Heeringen: Der Abg. Ledebour
hat es für richtig befunden, den Träger der oberſten Kom=
mandogewalt
und die königlichen Prinzen mit der Duell=
frage
in Verbindung zu bringen. Der Herr Präſident
hat das ſchon gerügt und auch meinerſeits muß ich das
ganz entſchieden zurückweiſen. Die Kabinettsorder von
1874 ſtützt ſich auf die unumſtößliche Bedingung für die
Zugehörigkeit zum Offizierkorps, daß die Ehre fleckenlos
erhalten bleiben muß und daraus folgt, daß der Offizier,
der dieſe Ehre auf fühlbare Weiſe verletzt, ebenſo wenig
geduldet werden kann, wie derjenige, der ſie nicht genü=
gend
zu wahren weiß. Auf dieſer Auffaſſung ſteht das
Offizierkorps noch heute. Die Frage der Stellung zum
Duell iſt eine Gefühlsſache der allerperſönlichſten Art.
Deshalb nehmen die Offiziere keine beſondere Ehre für ſich
in Anſpruch. Falſch iſt auch, wenn man dem Offiziers=
ſtand
vorwirft, daß er an Ueberhebung leide, wenn er
ebenſo wie die Aerzte und Richter eine beſondere Standes=
ehre
für ſich in Anſpruch nimmt. Standesehre iſt hier
gleichbedeutend mit Berufspflichten, zu deren Erfüllung
ein Offizier jederzeit bereit ſein muß, ſein Leben einzu=
ſetzen
. Wer ſich dieſem entzieht, iſt vollſtändig moraliſch
tot nicht nur bei ſeinen Kameraden, ſondern auch bei
ſeinen Untergebenen. Eine Einigkeit im Offizierkorps
iſt nicht denkbar, wenn es durch ſo verſchiedene Anſichten
in zwei Lager geteilt iſt. Das Offizierkorps würde durch
eine gewaltſame Entſcheidung den ſtärkſten Erſchütterun=
gen
ausgeſetzt ſein. (Lachen links.) Auch die Armee er=
kennt
das Duell als ein Uebel an und auch ich bekämpfe
dasſelbe. (Großes Gelächter bei den Soz.) Ichhabe in
der Kommiſſion nachgewieſen, daß wir bereits praktiſche
Erfolge mit der Bekämpfung erzielt haben und auch noch
weiter haben werden. Ich bin bereit, dafür einzutreten,
daß die Anregungen der Kommiſſion geprüft werden
Das hochgeſpannte Ehrgefühl unſeres Offizierkorps hat
es befähigt. unſer Volk durch die großen Kriege hindurch=
zuführen
. (Zuruf: Jena!) Wir werden weiter ſo handeln,
wie es für das Vaterland dienlich iſt. Abg. Schiffer
(natl.) Wir ſind uns grundſätzlich darüber einig, daß das
Duell ein Uebel iſt, deshalb bedauern wir die gewiſſe Re=
ſignation
, die aus den Reden der Zentrumsvertreter und
des Kriegsminiſters ſpricht, der dadurch hervorgerufene
Eindruck muß beſeitigt werden und deshalb verlangen
wir, daß die Behörden dem Willen Ausdruck geben, daß
ſie das Duell bekämpfen wollen. Abg. Heyn (Fortſchr.
Vpt.): Wir ſind grundſätzliche Gegner des Duells, und
wir beſtreiten, daß der Offizier ein ſo weit und hoch ge=
ſpanntes
Ehrgefühl hat und haben muß wie kein anderer.
ebenſo wenig können wir anerkennen, daß nur das Duell
die Möglichkeit bietet, dieſes Ehrgefühl zu verteidigen.

Auch für uns gibt es nichts höheres, als Ehrenmänn,
zu ſein und zu bleiben. Von Begnadigungsrecht ſollte d
Kaiſer nur Gebrauch machen, um das Geſetz zu ergänze
Abg. Mertin (Reichsp.): Wir ſind gegen die Reſol=
tion
, weil man eine jahrhunderte und jahrtauſende al
Tradition nicht durch Reſolutionen beſeitigen kann.
Abg. Brandys (Pole): Wir ſind Gegner des Duel
aus ſittlichen und religiöſen Motiven. Abg. Herzo
(wirtſch. Vgg.): Auch wir ſind gegen das Duell, d
Beſtimmungen im Strafgeſetzbuch ſind zu ſcharf. Ab
Ledebour (Soz.): Es iſt mir nicht eingefallen, de
Kaiſer und den königlichen Prinzen unedle Motive unte
zuſchieben. Wir beantragen, der Reſolution hinzuzuſetze
daß kein Offizier durch eine Weigerung, eine Duellford
rung anzunehmen, gezwungen werden kann, aus dem Hec
auszuſcheiden. Nach einigen Bemerkungen zwiſchen de
Abg. Schiffer (natl.) und Ledebour (Soz.) wir
die Reſolution der Kommiſſion angenommen gegen eine
Teil der Konſervativen, und der Sozialdemokraten, w. im Hauſe große Heiterkeit entſteht. Abg. Liebkne=
winkt
den Konſervativen mit dem Taſchentuch zu. Ueb=
den
Zuſatzantrag der Sozialdemorkaten beſteht Zweife
ſodaß Hammelſprung nötig iſt. Es ſtimmen
den Zuſatz 144., gegen 122, ſodaß auch dieſer angenon
men iſt. Es wird ſodann die Genehmigung zwei
Privatklageverfahren gegen die Abg. Baron Knig
(konſ.) und Bechmeier (Bbd.) verſagt und die
zweite Leſung des Heeresetats
fortgeſetzt. Es wird zunächſt die beim Titel Bekleidunge
ämter eingebrachte Reſolution auf Berückſichtigung de
Genoſſenſchaften und Innungen bei Vergebung der Lieſ
rungen angenommen. Die Abſtimmung über die übrige
Reſolutionen wird ausgeſetzt. Es folgt die Fortſetzur
der Spezialdebatte. Abg. Zubeil (Soz.): Eine Be
ſerſtellung der Bautechniker iſt erforderlich, wie es
Bayern z. B. geſchieht, dieſem Verfahren ſollten die ühr
gen Staaten beitreten. Die ſchwarzen Liſten müſſen beſe
tigt werden. Generalmajor Staabs: Die Bauteck
niker ſind auf Privatdienſtvertrag angeſtellt und werde
nach Art ihrer Arbeit und Leiſtung bezahlt. Im übrige
kann den Technikern nur empfohlen werden ſich mit ihre
Wünſchen an die Bauämter zu wenden. Abg. Fiſche:
Sachſen (Soz.) reat eine Unterſuchung der auszuhebende
Mannſchaften nicht nur hinſichtlich der körperlichen, ſon
dern auch der geiſtigen Beſchaffenheit an, damit geiſti
Minderwertige nicht in das Heer aufgenommen werde
können. Oberſtabsarzt Schulz: Geiſtig Minderwer
tige werden in der Armee äußerſt ſelten ſeſtgeſtellt=
Generalmajor Weisdorf: Die Lazareltlinrichtunger
für Geiſteskranke ſind in Sachſen allen Anforderunget
entſprechend.
Hierauf erfolgt die Vertagung der Weiterberatun
auf Dienstag 1 Uhr. Außerdem kurze Anfrag
Marine=Vorlage und Marine=Etat. Schluß 7 Uhr

* Berlin, 11. Mai. In der Budgetkommiſt
ſion des Reichstages erklärte Staatsſekretär des
Reichsmarineamtes, v. Tirpitz, bei der Beratung der No=
velle
zum Flottengeſetz, was die Kriegs=
gefahr
im Sommer 1911 anbetreffe, ſo habe Prei
mierminiſter Asquith erklärt, daß eine Abſicht des Ueber=
falles
nicht beſtanden habe. Von einer ſolchen Erklärung=
müſſe
Akt genommen werden, das ſei auch durch ihnemit=
beſonderer
Genugtuung geſchehen. Die Tatſache, daß durch
die militäriſchen Befehlshaber vielleicht auf beiden Seiten
gewiſſe Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden ſeien,ſei
wohl unbeſtreitbar, beweiſe aber keine beſtimmten Abſichten
der politiſchen Leitung. Der defenſive Charakter der deut=
ſchen
Flottenrüſtungen trete in der ganzen Flottengeſetz
gebung ſo deutlich hervor, daß es überflüſſig ſei, ihn weiter
zu betonen. Nur eine ſtarke überlegene Flotte komme für
die Aggreſſive in Betracht. Er denke zu hoch von der eng=
liſchen
Admiralität, als daß er ihr zutraue, daß ſie einen
deutſchen Angriff auf die engliſche Flotte oder Küſte über=
haupt
in den Kreis ihrer Betrachtungen hineinbeziehe.
* Berlin 13. Mai. Die Budgetkommiſſion
des Reichstages erledigte im weiteren Verlaufe
ihrer Sitzung den Ergänzungsetat für die Flotte eben=
falls
ohne Abſtriche und begann die Beratung des Haupt
etats für die Marine.
* Berlin. 12. Mai. In der achten Reichs=
tagskommiſſion
wurde folgender Kompro=
mißantrag
zu § 2 des Geſetzes zur Beſeitigung des
Branntwie inkontingents angenommen: Die
Verbrauchsabgabe ermäßigt ſich für die in Bayern, Würt=
temberg
und Baden innerhalb des Kontingents herge=
ſtellten
Alkoholmengen für die gewerblichen Brennereien
um 0,05 Mark, die anderen Brennereien um 0,075 für den
Liter. Die Vorſchrift, daß in den genannten Staaten die
Verbrauchsabgabe für gewerbliche Brennereien um 0,05
für andere um 0,75 unter der allgemeinen Verbrauchs=
abgabe
bleibt, kann ohne Zuſtimmung dieſes Staatés
nicht geändert werden. § 3 wird nach den Beſchlüſſen
der 1. Leſung angenommen, § 4 wird in der Faſſung des
Kompromißantrages: Vor dem 1. April 1912 betriebs=
fähja
hergerichtete landwirtſchaftliche Brennereien und
Obſtbrennereien, die in dem Betriebsjahre nicht mehr
als zehn Hektoliter Alkohol erzeugen, dürfen ihr ganzes=
Erzeugnis zu dem Abgabenſatze von 1,14 Mark für den
Liter herſtellen. angenommen.
Schatzſekretär Kühn erklärte, ſoweit angeregt ſei, die
Wehrvorlage durch eine Erbſchaftsſteuer zu decken,
habe er zu erwidern, daß dieſe Frage in dieſer Kom=
miſſion
nicht gelöſt werden könne. Die Erbſchafts=
ſteuer
würde natürlich für die Regierung weſentlich an
Wert verlieren, wenn von den 50 bis 60 Millionen, die
ſie an Erträgen bringen würde, von vornherein 40 Mil=
lionen
als Erſatz für die Branntweinſteuererträge weg=
fielen
. Der Schatzſekretär bemerkte im übrigen, daß er an
ſeiner früheren Erklärung, daß für abſehbare Zeit keine
neue Steuer auf Gegenſtände des Maſſenkonſums=
eingeführt
werden ſolle, durchaus feſthalte. Er müſſe
aber beſtreiten, daß man in dieſer Branntweinſteuer=
reform
eine neue Konſumſteuer erblicke, ſondern es handle
ſich eben um die Beſeitigung einer Liebesgabe. Wenn das
Brennereigewerbe infolge der Entziehung dieſer bisheri=
gen
Bevorzugung den bisherigen Preis des Trinkbrannt=
weins
nicht aufrechterhalten könne, ſo gebe das doch nicht
das Recht, von einer neuen Konſumſteuer zu ſprechen. Die
Beratung wird am Dienstag fortgeſetzt.
* Berlin 13. Mai. Nach kurzer weiterer Berg=
tung
nahm die Budgetkommiſſion des Reichs
ſtags die Novelle zum Floittengeſſietz ohne
jegliche Abſtriche gegen die Stimmen der Sozialdemokra=
ten
an und begann ſodann die Verhandlung des Ergän=
zungsetats
für die Flotte.

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Mai 1912.

Seite 7.

Zweiter deutſcher Zuverläſſigkeitsflug
am Oberrhein.

1. Tag Zuverläſſigkeitsflug Straßburg-Metz, 130 Klm.
* Straßburg, 13. Mai. Oberleutnant Vogel
v. Falkenſtein, der bei Peltre gelandet iſt, hatte mit
ſtarken böigen Gegenwinden zu lämpfen. Er beabſichtigt,
heute abend weiter zu fahren.
* Metz 13. Mai. Von den Teilnehmern am Zu=
verläſſigkeitflug
ſind heute früh hier eingetroffen: Leut=
nant
Mahnke um 6 Uhr 21 Min. 23. Sek., Oberleut=
nant
Barends 6 Uhr 46 Min. 2 Sek. Bei Peltre iſt
Oberleutnant Vogel v. Falkenſtein gelandet.
Die für morgen angeſetzte Aufklärungsübung Metz-
Saarbrücken wurde wegen des ſtarken Windes verſcho=
hen
. Als zweiter landete hier abends 8 Uhr 5 Minuten
glatt Graf Wolffskeel.
* Metz 13. Mai. Oberleutnant z. S. Hartmann.
der heute früh auf ſeiner Landungsſtelle bei Neudorf
wieder aufgeſtiegen war, iſt bei Baronweiler in der Nähe
von Mörchingen gelandet, wobei das Höhenſteuer und
das Fahrgeſtell beſchädigt wurden Leutnant Enige=
ler
der von Mülhauſen aus aufſteigen wollte, hat ſich
infolge des ungünſtigen Wetters entſchloſſen, ſeinen Appa=
rat
per Bahn nach Metz zu ſchicken, um ſich hier an den
Flügen zu beteiligen. Die Windſtärke betrua heute mor=
gen
16 Sekundenmeter am Erdboden, die Stärke der Böen
bis zu 25 Sekundenmetern. Die Fahrt und namentlich
ie Landung bei dieſem Wetter ſtellen ſich als eine ganz
hervorragende Leiſtung dar.

* Beim zweiten deutſchen Zuverläſſig=
eitsflug
, der am Sonntag in Straßburg be=
ann
, werden bekanntlich die Luſtſchiffe Viktoria
Zuiſe und Schwaben eine große Anzahl Fahrten
ſon Baden=Baden und Frankfurt aus unternehmen. Die
Viktoria Luiſe wird auch an der Aufklärungs=
ſibung
, die zwiſchen Metz und Saarbrücken ſtattfindet,
eilnehmen. Zu dieſem Zwecke wird das Luftſchiff am
dienstag, 14. Mai, in Metz auf dem Exerzierplatz Fres=
ati
landen und die Kriegslage, ſowie den Auftrag ent=
egenehmen
. Nach erfolgter militäriſcher Erkundung wird
as Reſultat in einer Taſche über Saarbrücken heraus=
eworfen
, wo ſich eine Meldeſammelſtelle des Deutſchen
Freiwilligen Automobilkorps befindet. Alsdann wird die
Viktoria Luiſe den Rückflug nach Baden=Baden antreten,
a das Schiff in der Metzer Ballonhalle keine Unterkunft
inden kann. Im ganzen werden 30 Automobile des Deut=
chen
Freiwilligen Automobilkorps an den Aufklärungs=
bungen
teilnehmen. Die Wagen ſind am Samstag in
Straßburg unter Führung des Herzogs Adolf Fried=
ich
von Mecklenburg eingetroffen und vom Prin=
en
Heinrich auf dem Kaiſerplatz beſichtigt worden.
hie Fluggäſte aller an dem Wettbewerbe teilnehmenden
lieger werden aktive Offiziere ſein. Für die Kriegsdrachen
er beiden bayeriſchen Offiziere, Rittmeiſter Graf Wolfs=
hl
von Reichenberg vom 1. ſchweren Reiter=Regt. und
bberleutnant Wirth von der bayeriſchen Infanterie, ſind
wei zur Luftſchiffer= und Kraftfahrerabteilung komman=
ierte
Leutnants beſtimmt.

Der Flugtag in Darmſtadt am 17. Mat

bird trotz der Verſchiebung der zweiten Tagesſtrecke
ſicht verlegt werden, da ein Ruhetag dafür aus=
ällt
. An den Vorbereitungen für die Darmſtädter Flug
age wird noch emſig gearbeitet. Dabei muß wiederholt
arauf hingewieſen werden, daß der Flugplatz voll=
ändig
nach allen Seiten abgeſperrt iſt. Dieſe lücken=
oſe
Abſperrung mußte ſchon allein aus Gründen der
sicherheit für die Zuſchauer ſelbſt durchgeführt werden.
der Zutritt zu den einzelnen Plätzen iſt nur durch die
ffiziellen Kaſſen möglich. Zwiſchen den Kaſſen wird die
lbſperrung des Platzes durch Militär ſtrengſtens
urchgeführt. Das Vublikum wird dringend gebeten
ie vorgeſchriebenen Grenzen der Abſperrung unbedingt
inzuhalten und den Anordnungen der Bewachungs=
rgane
Folge zu leiſten. Nur unter dieſer Vorausſetzung
ann eine ſichere Abwickelung der Flüge gewährleiſtet
verden. Dann aber wird auch Viel und Intereſſantes
eboten. Allerdings heißt es, wenn man das Schauſpiel
es Landens genießen will, früh aus den Federn,
enn wenn die Flieger, was nicht ausgeſchloſſen iſt, früh
m 5 Uhr in Mainz wegfliegen. ſind ſie vor 6 Uhr in
Jarmſtadt zu erwarten. Man wird alſo gut tun,
ch frühzeitig bereit zu halten.
Die Benachrichtigung des Publikums.
ſt wie folgt organiſiert worden. Auf telephoniſche Mel=
ung
, daß die Flieger geſtartet ſind, wird ſofort an dem
dauſe des Tagblatts, Rheinſtraße 23, eine Flagge
usgehängt. Dieſes Flaggenſignal wird ſofort von
em Monument und vom Turm der Stadt=
irche
, ſowie vom Turm der Ludwigshöhe aus
ufgenommen. Alſo aus den am Tagblatthauſe, am
Ronument, wie von der Ludwigshöhe, dem Ludwigs=
urm
und am Stadtkirchturm gehißten Fahnen kann jeder=
nann
erſehen, ob geflogen wird oder nicht. Und zwar
edeuten:
Schwarze Fahne: Es wird nicht geflogen!
Weiße Fahne: Es wird wahrſcheinlich
geflagen!
Rote Fahne: Der Abflug der Flieger iſt gemeldet.
Es wird beſtimmt geflogen!
Alſo: Wenn die rote Flagge an den drei genannten
Stellen aufgezogen iſt, heißt’s, auf dem ſchnellſten Wege
en Griesheimer, den Flugplatz, zu erreichen,
venn man die Landung der Flieger ſehen will. Die
lleichen Flaggenſignale zeigen auf dem Flugplatze die
Schauflüge an.
Für das Publikum
ind laut amtlicher Bekanntmachung beſondere Ver
faltungsmaßregeln für den Beſuch des Flug=
latzes
erlaſſen worden, deren ſtrikteſte Befolg=
ing
im eigenſten Intereſſe aller nicht dringend genug
mpfohlen werden kann. Die wichtigſten Beſttmmungen
ind folgende:
Bei den nachmittags zu erwartenden Landungen
des Zeppelinluftſchiffes Viktoria Luiſe dür=
en
nur die mit Karten für Tribünen= und erſten Platz
ſerſehenen Zuſchauer nach den Landungen an die Lan=
ungsſtelle
herantreten, und zwar nur bis zu der vom
Militär gebildeten Abſperrung. Bei den Landungen des
zuftſchiffes iſt das Rauchen außerhalb der abgeſperr=
en
Zuſchauerplätze ſtreng unterſagt. Die Zuſchauer
ürfen ſich, abgeſehen von dem erwähnten Fall, unter
einen Umſtänden auf dem Flugplatz außerhalb der ab=
geſperrten
Zuſchauerplätze aufhalten. Das Publikum

wird dringend aufgefordert, die vorſtehenden Anordnun=
gen
zur Verhütung von Unglücksfällen genau zu be=
folgen
.
Wagen= und Auto= uſw. Verkehr.
Alle auf den Truppenübungsplatz fahrenden Wa=
gen
, Automobile und Motorräder haben von
der Straße Darmſtadt-Griesheim aus die, an der Halte=
ſtelle
der Dampfſtraßenbahn abzweigende Querſtraße
einzuſchlagen und von dieſer nach Weſten in die Haupt=
lagerſtraße
einzubiegen. An der hier durch Tafeln kennt=
lich
gemachten Stelle hat das Publikum die Fahrzeuge
zu verlaſſen und ſich auf den durch Tafeln kenntlich ge=
machten
Wegen auf die Zuſchauerplätze zu begeben.
Für Fahrräder iſt ein durch Militär bewachter
Platz vorgeſehen; Gebühr 10 Pfg.
Die leeren Automobile haben durch die Waldſtraße
nach der nördlichen Lagerſtraße abzufahren und an dem
für ſie vorgeſehenen Platz Aufſtellung zu nehmen. Die
leeren Wagen haben die Hauptlagerſtraße weiter zu fah=
ren
und ſich an dem für ſie beſtimmten Platz aufzuſtellen.
Die Automobile ſind zur Rückfahrt an ihrem
Aufſtellungsplatz (nördliche Lagerſtraße) zu beſteigen.
Die Abfahrt hat von hier aus zu erfolgen, und zwar nur
über die weſtliche Lagerſtraße nach der Straße Griesheim=
Darmſtadt. Die Wagen ſind zur Rückfahrt an ihrem Auf=
ſtellungsplätz
(an der Hauptlagerſtraße) zu beſteigen.
Automobile und Motorräder dürfen auf der Querſtraße,
den Straßen innerhalb des Lagers und der weſtlichen
Lagerſtraße nur mit einer Stundengeſchwindigkeit von
15 Kilometern fahren. Die durch gelbe Flaggen mit der
Aufſchrift: Deutſcher Zuverläſſigkeitsflug am Oberrhein
1912 bezeichneten Automobile der Flugoberleit=
ung
, ſowie die mit blauen Flaggen bezeichneten Auto=
mobile
der hieſigen Sportleitung ſind überall
durchzulaſſen. Das gleiche gilt für Kragkenautomobile
und Krankenwagen.

Luftfahrt.

* Berlin 13. Mai. Von den am Samstag nach=
mittag
aufgeſtiegenen 13 Freiballons näherte ſich
einer, Harburg II. gegen 11 Uhr abends dem Haff. Da
ſich von drei Seiten Gewitter bildeten und ſchwerer Regen
drohte, entſchloſſen ſich Dr. Elias und Schubert zur Land=
ung
. Der Ballon Bielefeld kam auch in die Nähe des
Haff und überflog es und mußte dann in ſtrömendem
Regen in unwirtlicher Gegend bei Uſedom landen.
Als die erſten Preisträger gelten Dr. Henoch mit Ballon
Delitzſch und v. Allvörden mit Piedler.
* Mannheim, 13. Mai. Anläßlich des am 19.
Mai von der hieſigen Rennbahn aus ſtattfindenden
Schau= und Ueberlandfluges wird von den Verkehrsver=
einen
Mannheim und Heidelberg mit Genehmigung der
Reichspoſtbehörde eine Erſte Deutſche Luftpoſt
eingerichtet werden. Einer der Flieger wird von Mann=
heim
nach Heidelberg reſpektive umgekehrt eine offizielle
Luftpoſtkarte mitnehmen, welche am Abfahrtsplatze mit
dem amtlichen Reichspoſtſtempel mit ſpezieller Inſchrift
verſehen wird.
* Danzig, 11. Mai. Für das Flugzeug Weſt=
preußen
wurden bisher über 15000 Mark in der Pro=
vinz
geſammelt. Um die erſten 10000 Mark zuſammen=
zubringen
, bedurfte es vier Wochen, über 5000 Mark da=
gegen
wurden in der letzten Woche geſammelt.
* Ein Fliegerſtreik. Die Johannisthaler
Flieger waren bereits vor einiger Zeit mit der Bitte her=
vorgetreten
, die Einrichtungen für ärztliche Hilfe auf dem
Fluofelde einer Reviſion zu unterziehen. und dafür Sorge
zu tragen, daß verunglückten Piloten ſofortige Hilfe zuteil
wird. Da die bis jetzt getroffenen Maßnahmen den Pe=
tenten
nicht genügen, kam es geſtern zu einem regel=
rechten
Flie gerſtreik auf dem Flugplatze.

Sport.

* Pferdeſport. Rennen zu Mannheim.
Schloßgarten=Jagd=Rennen; 5000 Mark, Diſtanz 3500
Meter: 1. Hrn. W. Dodels Avignon (Beſ.), 2. Placide
(Beſ.), 3. Counterfeit (Lt. Knel). Tot. 13:10. Weimar=
Jagd=Rennen; Ehrenpreis und 18000 Mark, Diſtanz 4000
Meter: 1. Hrn. Dr. G. Pachalys Oberbayer (Hr. v.
Weſternhagen), 2. Diana (Hr. Purgold), 3. Niman (Lt.
v. Lotzbeck). Tot. 210:10. Werder=Jagd=Rennen; Ehren=
preis
und 3000 Mark, Diſtanz 3000 Meter: 1. Rittm.
Hopfens Mir (Lt. Frhr. v. Berchem), 2. Aqua (Lt. Knel),
3. Leſter Aſh (Lt. v. Egan=Krieger). Tot. 136:10.
Lindenhof=Flach=Rennen; 3000 Mk., Diſtanz 1800 Meter:
1. Hrn. J. u. G. Reimanns Lichtenſtein (Lt. Frhr. von
Berchem), 2. Poucette (Beſ.), 3. Lady Jim (Hr. Purgold).
Tot. 35:10. Badenia=Jagd=Rennen; Ehrenpreis und
60000 Mark, Diſtanz 4800 Meter: 1. Hrn. W. Thiedes
Coquet II. (Monſ. A. de Fournas), 2. Doppelgänger
(Lt. Braune), 3. Adriatic (Lt. v. Egan=Krieger). Tot.
156110. Preis von der Pfalz; Ehrenpreis und 5000
Mark, Diſtanz 3200 Meter: 1. Hrn. Weves Etber (Lt.
Braune), 2. Guatemala (Leutn. v. Moſch), 3. Aman (Lt.
Graeff). Tot 35:10.

Der Kaiſer in Straßburg.

* Karlsruhe, 13. Mai. Heute vormittag 10 Uhr
5 Minuten fuhr der Kaiſer in Begleitung der Prin=
zeſſin
Viktoria Luiſe im Sonderzuge nach Straß=
burg
. Zur Verabſchiedung am Bahnhof hatten ſich ein=
gefunden
: das Großherzogspaar, die Großherzogin Luiſe
von Baden. Prinz Mar von Baden, der preußiſche Ge=
ſandte
v. Eiſendecher und der kommandierende General
v. Moiningen und andere. Nach herzlicher Verabſchied=
ung
ſetzie ſich der Sonderzug in Bewegung.
* Straßburg, 13. Mai. Pünktlich 11 Uhr 45
Minuten traf der kaiſerliche Hofzug hier ein.
Zum Empfang hatten ſich eingefunden: Prinz Joachim,
Prinz Auguſt Wilhelm, Graf von Wedel, Freiherr Zorn
von Bulach, General von Fabeck, Freiherr von Egloff=
ſtein
, Polizeipräſident Lentz u. a. Der Kaiſer, der mit
der Prinzeſſin Viktoria Luiſe alsbald den Salonwagen
verließ, begrüßte die anweſenden Herrſchaften und den
ebenfalls erſchienenen Fürſten zu Fürſtenberg in beſon=
ders
liebenswürdiger Weiſe. Dann begaben ſich der Kai=
ſer
, die Prinzen und die Prinzeſſin nebſt Gefolge durch
den Fürſtenſalon zum Bahnhofsplatz, um die Auto=
mobile
zu beſteigen. Die Einfahrt des Kaiſers vollzog
ſich unter lebhaften Kundgebungen des Publikums. Die
Straßen und Häuſer ſind feſtlich geſchmückt. Sämtliche
Glocken der Kirchen läuteten beim Einzuge des Kaiſers
der im Kaiſerpalaſt Wohnung genommen hat.
*. Straßburg, 13. Mai. Der Kaiſer, die
Prinzen, die Prinzeſſin, ſowie die Umgebung nahmen
das Frühſtück beim Staatsſekretär Zorn v. Bulach
eiv

Stimmen aus dem Publikum.

(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Rebaktus
ſeiserlei Berantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Breßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Es hat doch allgemeinen Unwillen erregt, daß
man die Vorſtellung zum Beſten des Hof=
theater
= und Hofmuſik=Penſionsfonds
auf Freit ag, den 17. Mai, den großen Flugtag,
gelegt hat. Damit iſt doch vollſtändig ausgeſchloſſen, daß
am fraglichen Theaterabend, der ſchon um 7 Uhr be=
ginnt
, eine Einnahme erzielt wird, was doch der Zweck
desſelben ſein müßte. Der frühe Anfang macht es etwai=
gen
Beſuchern ſehr ſchwer, und dem mitwirkenden
Theaterperſonal einfach unmöglich, dem intereſſanten
Flug=Nachmittag irgendwie beizuwohnen. Vielleicht ließe
ſich durch eine diesbezügliche Notiz oder Eingeſandt in
Ihrem Blatte die Vorſtellung noch verlegen, zum minde=
ſten
würde es dem Theaterperſonal zeigen, daß man im
Publikum, wenn auch diesmal keine Einnahme, ſo doch
wenigſtens Sympathie entgegenbringt.
Einer für viele.

Marokko.

* Paris 11. Mai. Wie offiziös berichtet wird, hat
die franzöſiſche Regierung die Ernennung des Ge=
nerals
Liautey zum Generalkommiſſar=Reſidenten
in Marokko den Mächten mitgeteilt. Der Temps mel=
det
hierzu, die deutſche Regierung habe die Mitteilung
zur Kenntnis genommen und ihre Befriedigung über die
Nachricht ausgedrückt, daß der neue Generalreſident be=
auftragt
ſei, die Beſtimmungen des Vertrags vom 4. No=
vember
1911 zur Durchführung zu bringen.
* Paris, 11. Mai. Aus M a drid wird dem
Journal des Débats gemeldet, England habe den
ſpaniſchen Vorſchlag, betreffend die Internationa=
liſierung
Tangers abgelehnt, da Spanien
durch denſelben das Uebergewicht in Tanger erhalten
würde.

Literariſches.

* Das Mai=Heft der Innendekoration
bringt einen hochintereſſanten Artikel aus der Feder un=
ſeres
Mitarbeiters Dr. Walter Georgi=München,
betitelt Kunſtwerk und Perſönlichkeit‟ In
feſſelndem Stil, voll poetiſcher Schönheiten, verbreitet ſich
Dr. Georgi über die in der Wahrheit allein gipfelnde Kunſt
und Schönheit im perſönlichen Verhältnis zu ihren
Schöpfern und Prieſtern. Es ſind gewiſſermaßen eigen
empfundene Grenzen und Richtlinien des Kunſtſchaffens,
die er offenbart und die gipfeln in dem Satz: So ſieht ſich
die künſtleriſche Perſönlichkeit als Summe aus dem Plus
und Minus aller ſeeliſchen Erlebniſſe und der angeborenen
und vertieften Fähigkeiten, die inneren Zuſammenhänge
auf den eigentlichen Sinn des Lebens zurückführen und
die den Autor zu dem Schluß kommen laſſen: Stets wird
ſich das von der wertvollen Perſönlichkeit getragene Kunſt=
werk
der Geſchmacksrichtung aller Zeiten zum Trotz zu
behaupten wiſſen. Wie weit Alexander Kochs Innen=
Dekoration ſich ihr Programm geſteckt hat und wie dieſer
führenden Darmſtädter Kunſtzeitſchrift für neuzeitliche
Raumkunſt es gelingt, das Gebiet innerhalb dieſes groß=
zügigen
Programms zu erſchöpfen, dafür iſt das Maiheft
wieder ein beredtes Zeugnis. Vor allem iſt auch hier
wieder der edlen künſtleriſchen Darbietung des Anſchau=
ungsmaterials
uneingeſchränkte Bewunderung zu zollen,
anzuerkennen die feinfühlige Sicherheit im Auswählen
reifſter, dauernd wertvoller und vorbildlicher Raum=
ſchöpfungen
.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin. 13. Mai. Der Reichskanzler iſt wieder
hier eingetroffen.
* Eſſen, 13. Mai. Ein Gewitterſturm der
geſtern im ganzen Induſtrierevier wütete, richtete an
Häuſern und Bäumen und Gärten großen Schaden an.
In Bochum zerſtörte Hagelſchlag viele Fenſterſcheiben.
Der in der Kochkunſtausſtellung in Bochum angerichtete
Schaden iſt ſo bedeutend, daß teilweiſe Schließungen er=
folgen
mußten. Die Leitung der Ausſtellung hofft jedoch,
die Ausſtellung Dienstag abend wieder vollſtändig er=
öffnen
zu können. In Witten enſtand eine Panik, als ein
von 2000 Perſonen beſuchter Zeltzirkus vom Sturme zer=
riſſen
wurde. Feuerwehr und Sanitätskolonnen wurden
alarmiert. Ein größeres Unglück wurde jedoch verhütet.
Die Beſucher des Zirkus konnten ſich zum größten Teil
noch rechtzeitig in Sicherheit bringen, einige jedoch erlitten
Arm= und Beinbrüche, andere leichtere Verletzungen.: In
Duisburg wurde das Dach der Bahnhofshalle abgeriſſen
und auf die Gleiſe geworfen, wodurch Verkehrsſtörungen
bis zu vier Stunden eintraten. Bei mehren Straßenbahn=
oberleitungen
traten für kürzere Zeit Störungen ein.
* Paris, 12. Mai. Die Blätter beſchäftigen ſich fort=
geſetzt
eifrig mit den Karlsruher Unterred=
ungen
, und den deutſch=engliſchen Bezieh=
ungen
. Der Temps bemerkt: Die deutſche Regierung tut
alles, um die gegenwärtigen diplomatiſchen Beſorgniſſe
und die Bedeutung der deutſch=engliſchen Verhandlungen
mit beſonderem Nachdruck hervorzuheben. Die Friedens=
abſichten
des Kaiſers ſind für uns unzweifelhaft. Nicht er
iſt es, der die ganze Aufmachung vorſchreibt, die man mit
den Worten Entgegenkommen und Drohungen kenn=
zeichnen
könnte. Die deutſche Preſſe ſagt zu England, wie
ſ. Zt. zu Frankreich: Deine Hand oder Krieg‟. Es wirkt
beruhigend, wenn man ſich erinnert, daß dieſe herzlichen
Drohungen keine Wirkung auf Frankreich gehabt haben.
Zu der Aufmachung gehört auch die Annahme der
Wehrvorlagen, die einen Erfolg für den Reichs=
kanzler
darſtellt. Deutſchland ſteht, wenn es ſich mit Eng=
land
nicht verſtändigt, am Schluſſe der Verhandlungen
ſtärker da, als zu Beginn. Sein Vorgehen iſt berechtigt.
Wir wären froh, wenn Frankreich in einem ähnlichen Falle
ebenſo vorgehen könnte. Das alles iſt jedoch nicht beun=
ruhigend
, wenn die engliſch=deutſche Annäherung keinen
tendenziöſen Charakter zur Schau trägt. Aber ſelbſt dann
würde ſie ſich zum Vorteil der allgemeinen Ruhe vollziehen.
Das Journal des Debats ſchreibt: Man muß zu dem
außergewöhnlichen Talent Marſchalls ein ſehr ſtarkes Ver=
trauen
haben, um zu glauben, daß ſeine Ankunft in London
die deutſch=engliſchen Beziehungen beſſern werde. Die
Deutſchen geben ſich da wohl Illuſionen hin.
* Stockholm, 13. Mai. Heute morgen 5 Uhr wurde
die Familie Strindbergs an das Krankenlager des
Dichters gerufen, der eine unruhige Nacht verbracht hatte.
Der Kräfteverfall dauert an.
* London, 13. Mai. Die Times meldet aus New=
York vom 12. Mai: In der New=Yorker Gewerk=
ſchaft
der Zeitungsdrucker wird morgen über die
Ausdehnung des Streikes auf die hieſigen
Hearſtſchen Zeitungen beraten. Der Streik hat ſich bereits

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Mai 1912.

Nummer 113.

auf Chicago, wo die Drucker der Abendblätter aus Sym=
pathie
ſtreiken, ausgedehnt, und ſoll ſich auch auf die
Hearſtſchen Zeitungen in San Fraancisco und Atlanta im
Staate Georgia ausdehnen. Der Vorſitzende des Inter=
nationalen
Verbandes der Zeitungsdrucker hat erklärt, er
wolle den Streik gegen ſämtliche Hearſtſchen Zeitungen
und Zeitſchriften in Amerika erklären.
* Buenos Aires, 13. Mai. Ein amtliches Telegramm
aus Aſuncion beſtätigt den Sieg der Regierungs=
truppen
. Hondenberg und andere Führer der Revo=
lutionäre
wurden getötet. Der ehemalige Präſident Jaro
wurde verwundet und entfloh. Die Revolution iſt als be=
endigt
anzuſehen.

Berlin, 13. Mai. Im Abgeordnerenhauſe
waren heute alle Tribünen überfüllt, das Haus gut beſetzt.
Vizepräſident Porſch eröffnete die Sitzung und leitete die
namentliche Abſtimmung über den vom Abg.
Borchardt eingereichten Proteſt gegen ſeine Aus=
ſchließung
von der Sitzung. Die Frageſtellung lautete,
ob die Ausſchließung des Abg. Borchardt berechtigt ge=
weſen
ſei oder nicht. Es ſtimmten mit Ja 319 mit
Nein 8, nämlich die 6 Sozialdemokraten und 2 Polen.
Es enthielten ſich der Stimme 8, 6 Polen und von der
Fortſchrittlichen Volkspartei die Abgeordneten Wenke und
Runze. Präſident Frhr. v. Erffa ſtimmte als Abgeord=
neter
mit.
Berlin, 13. Mai. Profeſſor Ludwig Hanzel, iſt
zum Präſidenten der Königlichen Akademie der Künſte er=
nannt
worden.
München, 13. Mai. In der Nähe von Cochel wurde
geſtern die Leiche des Malers Gloenkel von drei
Kugeln durchbohrt aufgefunden. Von dem Mörder fehlt
jede Spur.
Hamm, 13. Mai. Bei den Abteufungsarbeiten für
den neuen Schacht 7 auf der Zeche Radbod explo=
dierte
vorzeitig ein Sprengſchuß. Vier Arbeiter wurden
durch umherfliegende Geſteinmaſſen lebensgefährlich ver=
letzt
.

glänzi die Welt in Duft und Sonne,
wie herrlich und wonnig iſt der Mai! Aber
haben Sie nicht einen Bekannten, der auch jetzt
erkältet iſt und gar nicht weiß, woher er’s hat?
Erkältungen gibt’s eben in jeder Jahreszeit und
immer muß der Menſch auf der Hut und zur
Abwehr bereit ſeln. Die Abwehr, die ſeit 25
Jahren mit Vorliebe benützt wird, ſind Fays
ächte Sodener Mineral=Paſtillen, die man in
jeder Apotheke, Drogerie oder Mineralwaſſerhand=
lung
für 85 Pfg. per Schachtel erhält. (11103M

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auch Sonntags von 912 Uhr.

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Der Geſamtauflage heutiger Ausgabe liegt
ein Proſpekt von der Niederländiſchen
Dampfſchiff=Rhederei Rotterdam=Mannheim bei,
worauf mit dem Bemerken hingewieſen wird, daß die
Schnelldampfer der Niederländiſchen Dampfſchiff=Rhederei
ihre Fahrten am 15. Mai aufnehmen.
(11162

erſcheint das Darmſtädter Tagblatt nicht;
die an dieſem Tage aufliegende Nummer gelangt
bereits Mittwoch früh zur Ausgabe. Inſerate
hierfür, ſpeziell

Vergnügungs=Anzeigen,
Empfehlungen
von Ausflugsorten usw.
erbitten wir uns bis
ſpäteſtens Dienstag, den 14. cr.

nachmittags 5 Uhr.

Darmſtädter Tagblatt.

Todes=Anzeige

Verwandten und Bekannten die traurige
Mitteilung, daß geſtern abend 9 Uhr nach
kurzem Leiden mein lieber Gatte, unſer lieber
Vater, Schwiegervater und Großvater (11165

Michael Roth

Gastwirt
im 63. Lebensjahre ſanft entſchlafen iſt.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Kätchen Roth, geb. Jacoby.
Darmſtadt, den 13. Mai 1912.

Die Beerdigung findet Dienstag nachmittag
3 Uhr, von der Kapelledesſtädt. Friedhofs aus, ſtatt.

Statt jeder beſonderen Anzeige.

Heute vormittag entſchlief ſanft nach langem,
mit Geduld ertragenem, ſchwerem Leiden unſere
liebe, gute Schweſter, Schwägerin und Tante

Fräulein Elise Geilfus.

Darmſtadt, 13. Mai 1912.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Georg Geilfus.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 15. Mai,
nachmittags 2 Uhr, vom Sterbehauſe Laute=
ſchlägerſtraße
24 aus, ſtatt. (*12246

Danksagung.

Für die überaus vielen Beweise
herzlicher Teilnahme an dem
schweren Verluste, der uns be-
troffen
, sagen innigen Dank

Familie Egenolf-Manck.

Darmstadt. den 14. Mai 1912.

(11167

Dankſagunge

Für die Beweiſe herzlicher Teilnahme bei dem
Hinſcheiden unſerer lieben Mutter, Schwieger=
mutter
und Großmutter
(11140

Frau Margarete Gesemann

geb. Schorlemmer

ſowie für die Kranzſpenden, insbeſondere Herrn
Pfarrer Waitz für die troſtreiche Grabrede, ſagen
hiermit herzlichen Dank

die trauernden Hinterbliebenen.

Darmſtadt, den 13. Mai 1912.

Dankſagung

Für die herzliche Teilnahme, ſowie die reichen
Blumenſpenden bei dem Heimgang unſeres lieben
Entſchlafenen ſprechen wir Allen unſeren tiefge=
fühlteſten
Dank aus.
(B11099

Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Gg. Blümlein,
Kiesbergſtraße 53.

Todes=Anzeige.

Verwandten, Freunden und Bekannten die
ſchmerzliche Mitteilung, daß es Gott dem All=
mächtigen
gefallen hat, meinen lieben Bruder,
unſeren teuren Neffen und Couſin (11143

Philipp Mensch

nach ſchwerem, mit Geduld ertragenem Leiden,
kaum 19 Jahre alt, in die Ewigkeit abzurufen.

Die trauernden Hinterbliebenen:
Ottilie Menſch,
Familie D. Schachner.
Darmſtadt, den 12. Mai 1912.

Die Beerdigung findet Dienstag, den 14. Mai,
nachmittags ½6 Uhr, in Laubenheim ſtatt.

Es hat dem Herrn über Leben
und Tod gefallen, unser so liebes
Kind
(11166
Elisabeth

im Alter von 10 Monaten plötzlich
zu sich zu nehmen.

Die trauernden Eltern:
Wilh. Falter u. Fraus

Die Beerdigung findet Mittwoch, den
15. Mai, nachmittags ½3 Uhr, vom Portale
des Friedhofs aus, statt.

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Die nördliche Depreſſion iſt unter Verſtärkun
oſtwärts gezogen. Ihre Randwirbel brachten im Norde
Deutſchlands vielerorts Gewitter und Regen. Der Süder
blieb trocken. Die Morgentemperaturen ſind gegengeſtern
gefallen; auch haben mäßige nordweſtliche bis weſtlich
Winde eingeſetzt. Die Depreſſion dürfte ſüdöſtlich ale
ziehen. Von Weſten her dringt wieder ein Hoch vor
unter deſſen Einfluß wir morgen vorübergehend heitere=
Wetter haben. Das ihm folgende Tief bringt ſpäte
wieder Trübung.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, den 14. Ma==
Wechſelnd bewölkt, meiſt trocken, kühl, ſpäter wiede
wärmer.

Tageskalender.

Großh. Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Ab. C). Die
Zauberflöte‟
Vortrag von Rechtsanwalt Bendheim um 9 Uhr in
Prinz Karl (Fortſchrittliche Volkspartei).
Konzerte: Hotel Heß, Bürgerkeller, Reſt. Metropol
Schützenhof und Perkeo um 8 Uhr.
Ausſtellung von Marmortransparenten
im Ausſtellungsgebäude auf der Mathildenhöhe (ge
öffnet von 106 Uhr).

Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 15. Mai.

Hofreite=Verſteigerung des Hch. Dieter (Mathil
denplatz) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Hofreite=Verſteigerung des Jakob Mohr ( Neckar=
ſtraße
) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 11 Uhr Runde=
turmſtraße
16.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 3 Uhr in der
Ludwigshalle‟.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſez
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Haus Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

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Nummer 113.

Darmſtädter Tagblatt., Dienstag, den 14.

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Leitung: Herr Obermusikmeister Hauske.
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Unsere Mitglieder, sowie Freunde u. Gönner des Vereins werden
hiermit freundlichst eingeladen.
DER VORSTAND.

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für den Mittagstisch wird bei unseren verehrl. Mitgliedern demnächst
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Mai 1912.

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Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Mai 1912.

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Bruno Stümke 3 M., Fritz Haus=
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2 M., J. Trautmann 1 M.,
A. Langenbach 1 M. Conrad
Appel 20 M., G. P. Poth 2 M.,
Becker 1 M., Reichenbach 1 M.,
Kullmann 3 M., Kommerzienrat
Jacobi 5 M., Frau J. Obenauer
1 M., Frau v. Wedekind 2 M.,
Grodhaus 3 M., O. Stammler 1M.,
C. W. Leske 2 M., Frau Gehron
1 M., Röpke 1 M., Schulz 3 M.=
Winter 5 M., v. Rabenau 2 M.,
Geißner 2 M., Dinand 1 M.,
Stieler 1 M., Fritz Maurer 2 M.,
Hermann Harniſch 1 M., Jungk
1 M., L. Vogelsberger 2 M., M.
Mitze 2 M., Ph. Stein 2 M., Ha=
bicht
2 M., A. Thomas 2 M.,
Feidel, Möbel=Induſtrie 2 Mark,
C. Paulzen 1 M., B. J. Hermes
3 M., A. Friedmann 1 M., Georg
3 M., H. Menzlaw 2 M., P.
Vogel 1 M., Franz Sitte 2 M.,
A. Goebel 1 M., Jacob Scheid
2 M., J. Carl Schmidt 2 M.,
Guggenheim & Marx 3 M., Lina
Hardt 2 M. H. Arnold 1. M.,
Frau Dr. Sehrt 4 M., Philipp
Weſt Witwe 10 M., v. Bellers=
heim
2 M., v. Riedeſel 5 M., Paul
Ramdohr 5 M., Fr. Schmitt,
Seifenfabrik 3 M., Gebr. Roth=
ſchild
3 M., Frau Regierungsrat
Frölich 4 M., Kurt Schwab 10 M.,
Schembs 3 M., Geh.=Rat Fay
20 M., Reg.=Rat Müller 20 M.,
Wilh. Laufer 2 M., Chriſtian
Schwind 3 M., Freiherr Ungern=
Sternberg 5 M., Hermann Schüler
1 M., Dr. Kennel 3 M., Dr. Lehr
2 M., Fr. Klingelhöfer 5 M., Gg.
Knöß 1 M., Dr. Rotde 3 M.,
K. We. 0.50 M., Hch. Scheidt 2 M.,
Hufnagel 2 M., Dampfmolkerei
Wolf 10 M. Geheimerat Berndt
3 M., Karl. Schembs 3 M., San.=
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[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

56.

Dienstag, 14. Mai.

1912.

Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß am 14. und 17. Mai 1912,
von vormittags 7 Uhr bis zum Dunkelwerden, Schießen mit ſcharfer Munition von
Truppenteilen des 18. Armekorps auf dem Schießplatz bei Meſſel abgehalten werden.
Schußrichtung vom Steinhügel, 1 km nördlich Meſſel, in nordnordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich,
im Weſten: Dammweg-=Brunnersweg ausſchließlich,
Süden: Forſthaus Steinacker-Steinhügel ausſchließlich,
. Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milches=
wieſe
-Sauwieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich

eeenen ene eee
geſperrt.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten. ( Polizeiver=
ordnung
Kreisamt Darmſtadt 25. September 1909, Kreisamt Offenbach a. M. 20. Sep=
tember
1909.)
Wenn das Schießen früher beendet iſt, werden die Gemeinden Meſſel und
(10253a
Offenthal von Aufhebung der Abſperrung ſofort benachrichtigt.
Darmſtadt, den 19. März 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Adam Ackermann V. von Nieder=Modau wurde für den Jagdbezirk 1 Ober=
Ramſtadt auf den Jagdſchutz verpflichtet.
(11098

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher (zugelaufen). Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Ver=
ſteigerung
der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
(11108
tag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

Bekanntmachung,

das Spielen in außerheſſiſchen Lotterien betreffend.
Die Beſtimmungen des nachſtehenden Geſetzes vom 14. Februar
1906 bringen wir mit dem Anfügen erneut zur Kenntnis, daß von großen
Klaſſenlotterien nur die Königlich Preußiſche Klaſſenlotterie im
Großherzogtum Heſſen zugelaſſen iſt.
Im übrigen iſt, abgeſehen von unbedeutenderen Ausſpielungen,
z. Zt. nur der Loſevertrieb von folgenden außerheſſiſchen Lotterien
im Großherzogtum erlaubt:
1. Lotterie des Vereins für die Wiederherſtellung der St. Lorenz=
kirche
in Nürnberg (E. V.)
2. Lotterie des Komitees zum Ausbau der Feſte Koburg.)
3. Lotterie des Württembergiſchen Landesvereins vom Roten Kreuz
in Stuttgart.).
4. Lotterie des Rennvereins für Mitteldeutſchland in Gotha.)
5. Lotterie des Arbeitsausſchuſſes der Deutſchen Antarktiſchen
Expedition in Berlin.)
6. Lotterie des Straßburger Münſtervereins.)
7. Lotterie des Vorſtandes des Thüringer Muſeums zu Eiſenach.)
Alle übrigen Lotterien, insbeſondere die Hamburger Stadt=
lotterie
, die Königl. Sächſiſche Landeslotterie die Ungariſche
Klaſſenlotterie und die Däniſche Koloniallotterie ſind im Groß=
herzogtum
Heſſen nicht zugelaſſen, ſodaß ſowohl der Vertrieb
der betreffenden Loſe, als auch das Spielen in den letztgenannten
Lotterien verboten und ſtrafbar iſt.
*) Anm. Zum Vertrieb in Heſſen dürfen nur mit dem heſſi=
ſchen
Zulaſſungsſtempel verſehene Loſe gelangen. Während der Zeit
des Vertriebes der Loſe zur erſten Klaſſe einer Königl. Preuß.
Klaſſenlotterie iſt Ankündigung, Ausgabe und Vertrieb der Loſe in
(10947si
beſſen nicht geſtattet.
Darmſtadt, den 8. Mai 1912.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Geſetz,

das Spiel in außerheſſiſchen Lotterien betreffend.
Vom 14. Februar 1906.
NeT LuDWIG von Gottes Gnaden Großherzog
von Heſſen und bei Rhein ꝛc. ꝛc.
Wir haben mit Zuſtimmung Unſerer getreuen Stände verordnet
und verordnen hierdurch, wie folgt:
Artikel Wer in außerheſſiſchen Lotterien, die nicht
mit ſtaatlicher Genehmigung im Großherzogtum zugelaſſen ſind,
ſpielt, wird mit Geldſtrafe bis zu 600 Mark beſtraft; eine nicht
beizutreihende Geldſtrafe iſt in Haft umzuwandein.
Artikel 2. Wer ſich dem Verkauf oder der ſonſtigen Ver=
äußerung
eines Loſes, eines Losabſchnittes oder eines Anteils an
einem Loſe oder Losabſchnitte der im Artikel 1 bezeichneten Lotte=
rien
unterzieht, insbeſondere auch, wer ein Los, einen Losabſchnitt
oder einen Losanteil dieſer Art zum Erwerb anbietet oder zur
Veräußerung bereit hält, wird mit Geldſtrafe bis zu 1000 Mk.
beſtraft. Die gleiche Strafe trifft denjenigen, welcher bei einem ſolchen
Geſchäft oder einer ſolchen Handlung als Mittelsperſon mitwirkt.
Iſt die Zuwiderhandlung durch eine Perſon begangen, die Loſe=
handel
gewerbsmäßig betreibt, oder bei ihm gewerbsmäßige
Hilfe leiſtet, oder iſt ſie durch öffentliches Auslegen, Ausſteilen
oder Aushängen oder durch Verſenden eines Loſes, eines Los=
abſchnitts
, eines Bezugsſcheins, eines Anteilſcheins, eines An=
gebots
, einer Anzeige oder eines Lotterieplans oder durch Einrücken
eines Angebots, einer Anzeige oder eines Lotterieplans in eine in
Heſſen erſcheinende Zeitung erfolgt, ſo trit Geldſtrafe von 100
bis zu 1500 Mark ein.
Jede einzelne Verkaufs= oder Vertriebshandlung, namentlich
jedes einzelne Anbieten, Bereithalten, Auslegen, Ausſtellen Aus=
hängen
, Verſenden eines Loſes, eines Losabſchnitts, eines Bezugs=
ſcheins
, eines Anteilſcheins, eines Angebots, einer Anzeige oder eines
Lotterieplans wird als beſonderes ſelbſtändiges Vergehen beſtraft, auch
wenn die einzelnen Handlungen zuſammenhängen und auf einen
einheitlichen Vorſatz des Täters oder Teilnehmers zurückzuführen ſind.
Artikel 3. Wer, nachdem er wegen eines der im Artiel 2
bezeichneten Vergehen rechtskräftig verurteilt worden iſt, abermals
eine dieſer Handlungen begeht, wird in den Fällen des Artikels 2
Abſ. 1 mit Geldſtrafe von 100 bis zu 1500 Mark, in den Fällen des
Artikels 2. Abſ. 2 mit Geldſtrafe von 200 bis zu 2000 Mark beſtraft.
Artikel 4. Jeder fernere Rückfall nach vorausgegangener
rechtskräftiger Verurteilung im erſten Rückfalle zieht Geldſtrafe von
300 bis zu 3000 Mark nach ſich.
Artikel 5. Die Beſtimmungen der Artikel 3, 4 finden Anwen=
dung
, auch wenn die früheren Geldſtrafen noch nicht oder nur teilweiſe
gezahlt oder ganz oder teilweiſe erlaſſen ſind; ſie bleiben jedoch aus=
geſchloſſen
, wenn ſeit der Zahlung oder dem Erlaſſe der letzten Geld=
ſtrafe
oder der Verbüßung der an ihre Stelle getretenen Freiheitsſtrafe
bis zur Begehung der neuen Zuwiderhandlung drei Jahre verfloſſen ſind.
Artikel 6. Wer Gewinnergebniſſe der im Artikel 1 bezeich=
neten
Lotterien in einer in Heſſen erſcheinenden Zeitung veröffent=
licht
, oder durch öffentliches Auslegen, Ausſtellen oder Aus=
hängen
bekannt gibt, wird mit Geldſtrafe bis zu 50 Mark beſtraft,
Gehört der Täter oder Teilnehmer zu den im Artikel 2 Abſ. 2 hezeich=
leſen
Perſonen, ſo tritt Geldſtrafe von 100 bis zu 600 Mark ein.
Artikel 7. Den außerheſſiſchen Lotterien ſind alle außerhalb
Heſſens öffentlich veranſtalteten Ausſpielungen beweglicher oder
unbeweglicher Gegenſtände gleich zu achten. Der Artikel 1 findet
jedoch keine Anwendung, wenn der Preis des einzelnen Loſes drei
Mark, einſchließlich des Reichsſtempels, nicht überſteigt.
Artikel 8. Die in den einleitenden Beſtimmungen und im
erſten Teile des Strafgeſetzbuchs für das Deutſche Reich enthaltenen
Vorſchriſten finden auf die in dem gegenwärtigen Geſetze mit Strafe
bedrohten Handlungen Anwendung, ſoweit nicht durch dieſes Geſetz
abweichende Beſtimmungen getroffen ſind.
Artikel 9. Auf Anteilſcheine von Anleihen, deren Verzinſung
und Tilgung mit einer Verloſung und mit Prämien verbunden iſt,
finden die Beſtimmungen dieſes Geſetzes keine Anwendung.
Artikel 10. Das vorſtehende Geſetz tritt gleichzeitig mit dem
Staatsvertrage zwiſchen den Heſſiſch=Thüringiſchen Staaten und
Preußen vom 17. Junt 1905 in Kraft.

Gchlich gantaht aut den
1. Die Artikel 234, 235 des Polizeiſtrafgeſetzes vom 30. Oktober
1855, ſoweit ſie den Vertrieb von Loſen ꝛc. außerheſſiſcher
Lotterien und Ausſpielungen betreffen;
2. das Geſetz, die Einführung einer ſtaatlichen Klaſſenlotterie
betreffend, vom 12. Auguſt 1899.
Arkundlich Unſerer eigenhändigen Unterſchrift und beigedrückten
Großherzoglichen Siegels.
Darmſtadt, den 14. Februar 1906.
(L. 8.)
ERNST LuDWJG.
Ewald. Gnauth.

Oeffentliche Impfung.

Mittwoch, den 1. Mai, und die folgenden Mittwoche, ſolange
Bedürfnis, von 5 Uhr nachmittags ab unentgeltliche Impftermine
im Schulhaus in der Rundeturmſtraße für im Vorjahr geborene,
ſowie für ältere mit der Impfung im Rückſtand verbliebenen Kinder.
Nachſchau jeweils acht Tage ſpäter, bei Meidung der ge=
ſetzlichen
Strafe. Kinder, die in dieſen Terminen nicht geimpft wer=
den
, ſind bis zum Jahresſchluß auf Koſten der Eltern impfen zu
laſſen, andernfalls im Januar k. Js. die Nachholung der Impfung
binnen kürzeſter Friſt unter Strafandrohung angeordnet wird.
= Außer den Pflichtigen werden in den Terminen auch Erwach=
ſene
auf ihren Wunſch und Kinder, die erſt im laufenden Jahre ge=
boren
ſind, auf Wunſch ihrer Vertreter geimpft.
In der Regel werden in jedem Termin nicht mehr als
50 Impfungen vorgenommen.
Kinder, deren Zurückſtellung von der Impfung, wegen Kränk=
lichkeit
beanſprucht wird, können gleichfalls in den Terminen dem
Impfarzt vorgeſtellt werden.
Wegen der Wiederimpfung der Schulkinder wird beſondere
Benachrichtigung an die Schulvorſteher erfolgen.
Aus einem Hauſe, in dem anſteckende Krankheiten, wie Schar=
lach
, Maſern, Diphtherie, Croup, Keuchhuſten, Flecktyphus, roſen=
artige
Entzündungen oder die natürlichen Vocken herrſchen, dürfen
Impfliuge zum allgemeinen Termin nicht gebracht werden.
Die Kinder müſſen zum Impftermin mit rein gewaſchenem
Körper und mit reinen Kleidern gebracht werden.
Darmſtadt, den 29. April 1912.
(10185a
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Schmitt.

Aeftrungs=Bergebung.

Die in der Zeit vom 1. Juni bis 31. Oktober 1912 in den
Küchen des Bataillons erforderlichen friſchen Gemüſe ſollen ver=
geben
werden.
Die Lieferungsbedingungen können in der Küche des Bataillons
(Alexanderſtraße) eingeſehen werden.
Schriftliche Angebote mit der Aufſchrift: Angebot auf Liefe=
rung
von Küchenbedürfniſſen ſind bis zum 19. ds. Mts., mit=
tags
12 Uhr, an die unterzeichnete Küchenverwaltung einzureichen.
Der Vergebungstermin findet am 20. ds. Mts., 1 Uhr
nachmittags, im Unteroffizier=Speiſeſaal des Bataillons ſtatt.
Darmſtadt, den 13. Mai 1912.
Die Küchenverwaltung
des 1. Bataillons Leibgarde=Inf.=Regts. Nr. 115.
von Eickſtedt,
Hauptmann und Vorſtand.
(11156im

Verſteigerungs-Anzeige.

Mittwoch, den 15. Mai I. Js., nachm. 3 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungslokale Zur Ludwigshalle dahier
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1 Pianino, 1 photogr. Appargt, 1 Ladenkaſſe, verſchiedene
Oefen, 300 Bogen Zeichenpapier u. a. m.
Darmſtadt, den 13. Mai 1912.
(11153
Kapp, Großh. Gerichtsvollzieher,
Friedrichſtraße 24, I.

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beſtimmt ſtatt.
(11138
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher
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186820
Schimpf, Katharine
der ſtädtiſchen Sparkaſſe Darmſtadt
werden nach deren Satzung § 20
für kraftlos erklärt, wenn ſie nicht
innerhalb drei Monaten
bei dieſer Kaſſe vorgezeigt werden.
Darmſtadt, den 10. Mai 1912.
Der Verwaltungsrat der ſtädtiſchen
Sparkaſſe.
Der ſtellvertretende Vorſitzende.
Wagner. (11060io

Kanalbauarbeiten.

Die Erd= und Maurerarbeiten
bei Herſtellung eines gemauerten
Kanales in der Landgraf Georg=
Straße, zwiſchen Stift= und Beck=
ſtraße
, ſollen verdungen werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Be=
dingungen
liegen bei dem Tiefbau=
amt
, Zimmer Nr. 7, zur Einſicht
offen. Auch werden dort die Ange=
botſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis
Donnerstag, 30. Mai I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu=
*(11061oi
reichen.
Darmſtadt, den 10. Mai 1912.
Tiefbauamt.
Keller.

Aufforderung.

Forderungen an den Nachlaß
des Glaſermeiſters Peter Günther
von Darmſtadt ſind innerhalb
acht Tagen an den unterzeich=
neten
Nachlaßpfleger ſchriftlich an=
zumelden
.
(11151.
Darmſtadt, 13. Mai 1912.
Phil. Reibſtein,
Bleichſtraße 45.

Auforderung.

Forderungen an den Nachlaß
des Stabsveterinärs Dr. Wilh.
Bieſer von Darmſtadt ſind inner=
halb
acht Tagen an den unter=
zeichneten
Nachlaßverwalter anzu=
melden
.
(1150
Darmſtadt, 13. Mai 1912.
Phil. Reibſtein,
Bleichſtraße 45.

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Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Mai 1912.

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Der Hof des Hchweigens.
Ein Roman aus Island von Anny Wothe.
(Nachdruck verboten.)
44)

Copyright 1910 by Anny Wothe, Leipzig.
Ich ſehe ihn. Er iſt ein ſchöner Mann, aber ſeine
Seele hat dunkle Flecken. Hüte Dich, Baerstochter. Er
lächelt Dir zu. Er hat Dich lieb, aber zu ſeinen Füßen
hockt ein weinendes Weib, ihre dunklen Haare kriechen
wie Schlangen auf dem Boden und Leid ſteht auf ihrer
Stirn. Sie lächelt einem Kinde zu, aber ihr Lächeln hat
blutige Tränen.
Komm zu Dir, Gynna, gebietet das Mädchen rauh,
und ihre Hand faßt hart den dürren Arm der Alten. Du
träumſt närriſches Zeug. Geh ins Haus, rüſte die Kam=
mer
und bereite das Mahl, der Widarhof hat einen Gaſt
welcher der höchſten Ehren wert.
Und ſie ſtürzte an der Magd vorbei, dem Ufer zu, wo
mit einem kräftigen Satz Ingwald Anderſen auf den=
ſteinigen
Kies ſprang und ihr aufjauchzend beide Hände
entgegenſtreckte.
Mit einem Jubellaut warf ſie ſich an ſeine Bruſt,
und unter ſeinen heißen Küſſen kamen ihr die erſten er=
köſenden
Tränen.
Finſter grollend mit ſchweren Schritten kam der Bauer
daher.
Wie ſoll ich Euch danken, Ravna Jonſon, rief der
Kapitän, mit einem Arm Hallgerdr umſchlingend und die
freie Hand dem alten Mann entgegen ſtreckend. Ihr habt
mir das Leben gerettet. Schon fürchtete ich, es könnte mir
ſe ergehen, wie meinem Großvater, der, wie ich Euch er=

zählte, angeſichts eines Hauſes Tag und Nacht vergebens
um Hilfe ſchrie.
Hallgerdr erbebte in Ingwalds Armen.
Um Gottes Willen, ſei ſtill, flüſterte ſie ihm zu, Du
weißt nicht, was ſich inzwiſchen alles ereignete.
Hier iſt nicht der Ort, um über wichtige Dinge zu
reden, unterbrach ſie Ravna Jonſon. Kommt in den Hof,
Herr, da werdet Ihr hören, was ich zu ſagen habe.
Hoch aufgerichtet wie ein König, ſchritt der Alte vor=
aus
, ohne ſich ein einziges Mal nach den Beiden umzu=
ſehen
.
Wollte er Ihnen eine Gnadenfriſt gönnen?
Zögernd folgte das Paar, nicht darauf achtend, daß
die hinter ihnen gehenden Knechte ſich heimlich Zeichen
machten und lachten.
Nun habe ich Dich endlich wieder, flüſterte der Kapi=
tän
Hallgerdr zu, nun biſt Du mein! Du ahnſt nicht, wie
ich gelitten habe in der furchtbaren Einſamkeit des Eis=
meeres
. Mehr als hundertmal machte ich den Verſuch,
über das Eis zu kommen, aber überall gähnten furchtbare
Riſſe und Tiefen. Endlich verſuchte ich es auf Schnee=
ſchuhen
, und es gelang, trotz der Todesgefahr bei jedem
Schritt.
Und die Katla? forſchte Hallgerdr, ſich innig an Ing=
wald
ſchmiegend.
Noch ſitzt ſie feſt. Ich muß verſuchen, ſie wieder zu
gewinnen, denn wer weiß, vielleicht treibt ſie morgen
ſchon zwiſchen Eis und Schnee auf das Meer hinaus.
Ich habe dem Vater verſprochen, ſprach Hallgerdr
tonlos, Bjarnis Weib zu werden, wenn er Dich rettet.
Abſchied heißt es jetzt nehmen, Ingwald Anderſen, Ab=
ſchied
fürs Leben.

Er ſah ihr ſtarr ins Geſicht, dann aber riß er ſie wild
an ſich und bedeckte ihren Mund mit Küſſen.
Das heißt Abſchied vom Leben, keuſchte er. Nein,
nein! Laß mich mit Ravna Jonſon reden!
Er iſt Dein Feind, nimm Dich in Acht, konnte ſie dem
Geliebten noch zuflüſtern, dann ſtanden ſie vor dem Tor
des Widarhofes, an deſſen Schwelle Ravna Jonſon ſie
erwartete.
Am Himmel hing es wie ein aſchengelber Schleier,
und ganze Schwärme ſchwarzer Raben zogen mit heiſerem
Geſchrei durch die Luft.
Geſegnet ſei
Nein, den üblichen, isländiſchen Gruß konnte Ravna
Jonſon nicht vollenden. Er wandte ſich und ſchritt dem
Gaſte ſtumm voran ins Haus.
Geſegnet ſei Dein Kommen, vollendete Hallgerdr des
Vaters Worte feierlich, dann trat ſie hinter dem Gaſt in
die niedere Stube.
Ravna Jonſon ſtand hoch aufgerichtet mitten im Ge=
mach
, und blickte faſt drohend dem Gaſte entgegen, der
jetzt auf ihn zutrat und ſtürmiſch ſeine beiden Hände zu
erfaſſen ſtrebte.
Ihr müßt den Dank nicht wehren, Ravna Jonſon,
ſagte der Kapitän warm. Ihr wißt ja nicht, was es heißt,
monatelang eingekeilt zu ſitzen und nichts zu ſehen als
Schnee und Eis und ganz in der Ferne das Land, das
man nicht erreichen kann. Und dabei die Sehnſucht, die
brennende Sehnſucht im Herzen nach der einen, ohne die
man nicht leben kann. Wißt es denn, Ravna Jonſon, ich
bin gekommen, über das Eis gekommen, um Euch zu
ſagen, daß ich Euer Kind liebe von ganzem Herzen und von
ganzer Seele, und daß ich nichts ſehnlicher wünſche. als

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Mai 1912.

Seite 15.

ete e er r e e enehte nen
fernes Vaterland. Zuvor jedoch ſind noch einige Hinder=
niſſe
zu überwinden, und ich hoffe, Ihr, Ravna Jonſon,
werdet mir dabei helfen, denn es gilt ja das Glück Eures
einzigen Kindes. Ich habe Hallgerdr lieb gehabt, fuhr
er tief aufatmend fort, ihren blonden Kopf zärtlich gegen
ſeine breite Bruſt drückend, als ich ſie zum erſten Male
ſah. Wie ein Blitzſtrahl iſt dieſe Liebe in meine Seele
gefallen, und ich bitte Euch innigſt, ſeid Ihr freundlichſt ge=
ſinnt
, dieſer Liebe, denn ſie iſt von Gott geſandt.
Nein, vom Teufel! ſchrie Ravna Jonſon wild auf.
Zurück, Herr! Rührt mir das Mädchen nicht an. Ihr habt
keinen Teil an meinem Kinde. Meint Ihr, ich hätte darum
ein ganzes Leben lang ſo ſchwere Bürde getragen, ohne
Lachen, ohne Glück, um meinem Todfeinde mein einziges
Kind zu überantworten? Habt Ihr mir nicht ſelbſt er=
klät
, daß der Hof verflucht iſt, verflucht durch Euch und
Euere Vorfahren bis ins fernſte Geſchlecht? Hat ſich nicht
dieſer Fluch an uns bewahrheitet ſeit Jahr und Tag? Hat
er uns nicht alles Leben genommen, und hat unſer einſt
ſo lachendes Haus in einen Hof des Schweigens gewan=
delt
, wo es wie Todesgrauen durch die Räume zieht?
Was ſtarrt Ihr mich denn ſo wahnſinnig an? Glaubt
Ihr mir nicht? Faßt Ihr noch nicht, daß der Hof, von
dem einſt Euer Großvater in ſeiner Todesnot Hilfe er=
flehte
, der Widarhof war, wo man ruhig weiter duſelte
und nicht daran dachte, den Schiffbrüchigen zu helfen?
Ingwald Anderſen ſtrich wie verzweifelt über ſeine
Bohe Stirm.

dete derilteden den derſind derſernt igs re
er eigentlich für närriſches Zeug? =Wollte er ihn nur
ſchrecken? Der Widarhof ſollte die Stätte ſein, die er und
ſein Vater ſo lange vergeblich ſuchten?
Ihr träumt, alter Freund, lächelte er gezwungen,
Ravna die Hand auf die Schulter legend, kommt nur erſt
wieder zu Euch.
Der Bauer ſchüttelte die Hand des Kapitäns un=
wirſch
ab.
Ich wollte, es wäre ein Traum, knirſchte er zwiſchen
den Zähnen, ich wollte, ich könnte all das Schreckliche un=
geſchehen
machen, aber wie hölliſches Feuer brennt es alle
Tage in meiner Bruſt, daß ich meinen Todfeind, Ingwald
Anderſen, beherbergte und ihn doch nicht niedergeſchlagen
habe. Und Ihr kommt wieder in mein Haus, ahnungslos,
und ich könnte wieder wie damals in der Nacht, als Ihr
das erſte Mal hier zu Gaſt waret, heimlich zu Euch ſchlei=
chen
und die Axt über Euerem Haupte ſchwingen und Euch
erſchlagen, wie ich damals wollte, aber ich will nicht. Ich
hätte Euch da drüben auf dem Eiſe umkommen laſſen
können, wie es meine Ahnen mit den Eueren getan. Aber
auch das wollte ich nicht. Auge in Auge wollte ich Euch
gegenüber ſtehen. Rechenſchaft wollte ich von Euch for=
dern
, daß Ihr mein und der Meinen Leben vernichtet habt
durch Eueren Haß, der Schuldige und Unſchuldige traf.
Durch ein ganzes Leben haben wir ihn geſchleppt, und
wenn es auch tauſende gibt, die an eine ſolche Vergeltung
nicht glauben, wir, mein armes Weib und ich haben es
erfahren, daß Euer Fluch unſer Glck in Stücke brach.

Iir ant in dicht zu hober zu Gueten def und
zu Euerer Rache, Ihr meint, daß die Sünden der Väter
heimgeſucht werden müſſen an den Kindern. Wohlan denn,
treibt Euer Rachewerk zu Ende. Hier ſtehe ich, Ravna
Jonſon, bereit zu ſühnen, was die Meinen verbrochen,
aber auch Ihr, Kapitän, ſollt fühnen, was Euer Fluch uns,
den Unſchuldigen, getan. Rührt Euch, Kapitän. Einer
von uns iſt zu viel auf der Welt, das werdet Ihr wiſſen.
Rührt Euch denn zum Kampf. Da draußen vor dem Hauſe
iſt Platz. Ein Ringkampf, wie es Sitte iſt in unſerem
Lande, aber ein Ringkampf auf Leben und Tod, das ſoll
die Loſung ſein.
Vater! ſchrie Hallgerdr entſetzt auf, Vater, beſinne Dich.
Nicht als Feind kam Ingwald zu Dir. Deine heutige Tat
hat die Schuld ausgelöſcht. Fühlſt Du denn nicht den
alten, böſen Zauber weichen? Sieh, auf meinen Knien
flehe ich Dich an, mach Frieden mit Ingwald Anderſen,
und Du, Ingwald, mit dem Vater. Welch ein ſeltſames
Geſchick hier auch walten mag, das mich den Feind unſeres
Hauſes lieben ließ, ich weiß, daß er groß genug denkt, um
in ſeinem Herzen eine Schuld auszulöſchen, die ein Schuld=
loſer
trug. Sprich, Ingwald Anderſen, willſt Du den
Fluch von dem Widarhofe nehmen, um unſerer Liebe wil=
len
, die Liebe, die alles verzeiht, die glaubet, die trägt,
die Berge verſetzt? Willſt Du das? Kannſt Du das, Ing=
wald
Anderſen?
Totenſtill war es eine Weile in der Stube.
(Fortſetzung folgt.)

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Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Mai 1912.

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Seite 18,

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Mai 1912.

Nummer 113.

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[ ][  ][ ]

ner 113

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Mai 1912.

Seite 19.

Pomaden und Dele
)bringt niemand in ſein Haar, der es
ſich dauernd erhalten will. Sie ſind
Haartöter, weil ſie das Haar ver=
ſchmieren
, die Poren verſtopfen und
die zur Erhaltung des Haares not=
wendige
Hautatmung unmöglich
machen. Bei ſtändigem Javol=
gebrauch
wird das Haar leicht jede
gewünſchte Form der Friſur an= 3
nehmen, und trotzdem werden die
Nachteile, die die Anwendung von
Pomaden und Oelenhat, vermieden. Javol kräftigt ferner
das Haar und beugt dem Haarausfall vor. Javol wird
nur in Originalflaſchen zu 2 M. und in Doppelflaſchen zu
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Hauptgeſtüt Graditz’ Grita (F. Bullock), 2. Orkade (Fox)
3. Sekret (W. Bullock). Tot. 23:10. Schwarzkünſtler=
Handikap; 5000 Mark, Diſtanz 1800 Meter: 1. Frhrn. S.
Alvon Oppenheims Royal Blus (Archibald), 2. Schön=
brunn
(M. Aylin), 3. Illuſion (Jentzſch). Tot. 34:10.
Henckel=Rennen; Ehrenpreis und 25000 Mark, Diſtanz
1600 Meter: 1. Kgl. Hauptgeſtüt Graditz’ Flagge (F. Bul=
lock
), 2. Carino (Fox), 3. Alvarez (Rice). Tot. 16:10.
Preis vom Fließ; 5000 Mk., Diſtanz 1400 Meter: 1. Kgl
Hauptgeſt. Graditz’ Gulliver II. (F. Bullock), 2. Rax II
(Raſtenberger), 3. Einſicht (Rice). Tot. 14:10. Burg
wart=Rennen; 3800 Mk., Diſtanz 1200 Meter: 1. Hrn. O
Kampfhenkels Reichspoſt (Gagelmann), 2. Preisfrage
Caſper), 3. Bode (Scheffer). Tot. 31110. Gaſtgeber=
Rennen; 5000 Mark, Diſtanz 1800 Meter: 1. Frhrn. H.
v Reiſchachs Octopus (Shurgold), 2. Waterman ( Ra=
ſſtenberger
), 3. Hades (Lane). Tot. 14:10. Pulche=
rina
=Rennen; 7300 Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. Kgl.
Hauptgeſtüt Graditz’ Waſſerlilie (F. Bullock), 2. Huſaren=
liebe
(W. Bullock), 3. Siena (Lane). Tot 16:10.
Rennen zu Breslau. Die Rennen zu Breslau
fänden am Sonntag bei prachtvollem Wetter ſtatt. Lei=
der
ereignete ſich im Romolkwitzer Jagd=Rennen ein
ſchwerer Sturz, da Leutnant Graf Bredow mit
Frhrn. von Buddenbrocks Mir auch mal am Waſſer=
graben
ſo unglücklich zu Fall kam, daß er einen Schä=
delbruch
erlitt. Im Tribünen=Jagd=Rennen, der
Hauptnummer des Programms, führte Florian den
ganzen Weg über vor Sturmwind, Regina und Peene.
Nach der letzten Hürde rückte Sturmwind auf und ſchlug
Flortan nach Kampf.
Rennen zu Düſſeldorf. Eröffnungs=Flach=
MRennen: 2000 Mark, Diſtanz 1200 Meter: 1. Lt. Röncken=
Adorffs Self Controll (Mae Farlane), 2. Cryſtal Star (R.
Francke), 3. Prolixe (Baſtian). Tot. 46:10. Neander=
ſhal
=Jagd=Rennen; 2000 Mark. Diſtanz 3200 Meter:
Hrn. Mecklenburgs Ruhm (Miſchon) ging allein über
die Bahn. Grafenberger Hürden=Rennen; 2000 Mk.,
DDiſtanz 2800 Meter: 1. Hrn. E. v. Benningſens Waſſer=
Unaus (Holoubeck) 2. Niſſa (Miſchon). Tot. 25110.
Frühjahrs=Jaad=Rennen; 7000 Mk., Diſtanz 1400 Meter:
I. Hrn. E. Brummes Alvo (Miſchon), 2. Fliege (Bauer),
3. Schuhplattler (H. Brown). Tot. 20110. Schloß
Benrath=Jagd=Rennen; 3000 Mark, Diſtanz 3600 Meter:
1. Hrn. A. Alfdags Little Ben (Printen), 2. Faultleß
(Buſch), 3. Gueſſurtia (E. Franke). Tot. 14:10. Jodes=
buſch
=Jagd=Rennen; 2000 Mark. Diſtanz 3000 Meter: 1.
Hrn. Wepes Pelta (Gehrke), 2. Chryſantheme (Barleben),
3. Blumenhanne (Leiß). Tot. 18:10.
Rennen zu München -Riem. Tribünen=
Rennen; 5000 Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. Hrn. W. Lin=
denſtädts
Zampieri (Weatherdon), 2. Saint Rules
(O'Connor), 3. Labrador (Schläfke). Tot. 15:10.
Bavaria=Jagd=Rennen; Ehrenpreis und 2000 Mark,
Diſtanz 3600 Meter: 1. Lt. Hutſchenreuthers Mon Cheri
(Beſ.), 2. On Guard (Lt. v. Bonnet), 3. Tutbury (Lt.
v. Crailsheim). Tot. 21:10. Preis von Regensbura;
2000 Mark. Diſtanz 3600 Meter: 1. Hrn. V. M. G. Fels
Kneißel (Böhme), 2. Veit (Schuller), 3. Raiſuli ( Unter=
holzner
). Tot. 84:10. Preis von Straubing; Ehren=
preis
und 1500 Mark, Diſtanz 2400 Meter: 1. Lt. Giu=
linis
Beliſar (Lt. Zeltmann), 2. Wetterfeſt (Bef.), 3.
Sankt Hugo (Lt. Hornig). Tot. 23110. Dornach=
Handicap: 6000 Mark. Diſtanz 1400 Meter: 1. Kgl.
Württemberg. Priv.=Geſt. Weils Blauer Dunſt (Schläfke)
2. Nikolaus F. (Hughes), 3. Kronſtadt (Dye). Tot. 14:10
Preis von Aſchheim; 1500 Mark, Diſtanz 3000 Meter:
1. Hrn. A. v. Schilgens Protegee (Raflinſon), 2. Gros=
venor
(Gardens Seeliſch), 3. Iſabeau (Günther). Tot.
21110.
Preisreiten beim Militär= Reitinſti=
tut
in Hannover. Der vierte und letzte Tag nahm
einen glänzenden Verlauf. Die Große Leiſtungsprüfung
wurde von Lt. v. Entreß=Fürſteneck, dem bekannten
Rennreiter, auf Lt. v. Rochows Agra gegen Rittm. von
Oeſterley, Graf Schaesberg, Lt. v. Lütken und Lt. Loog
gewonnen. Die leichte Jagdſprina=Konkurrenz ſah die
oſtpreußiſche Stute Fantippe unter dem in London erfolg=
reich
geweſenen Lt. Freyer ſiegreich. In der Damen=
Konkurrenz ſiegte Frau Mauritz auf ihrer ungariſchen
Stute Ilona gegen Frau Hauvtmann Müller=Nürnberc
nud Frau von Vopelius, während die ſchwere Stock=
holmer
Spring=Konkurrenz, welche einen äußerſt befrie=
digenden
Verlauf nahm, von Lt. Graf Hohenau auf dem
hannoverſchen Wallach Dohna des Oberlt. v. Kröcher
gegen faſt nur engliſche Pferde gewonnen wurde. Die
Chargenpferde=Reit=Konkurrenz ſah Oberlt. von Loewe=
nich
(14. Feld=Art.=Rgt.) und Oberlt. von Braunſchweig
(16. Huſ.=Rgt.) in Front.

Den Rennen zu Ludwigskuſt wohnten vom
Hofe der Großherzog von Mecklenvurg=Schwerin, Herzog
Paul, Prinzeſſin Antoinette, die Prinzen Reuß und
Prinz Stolberg bei. Die Reſultate waren: I. Rennen:
1. Charbin (Beſ.), 2. Corall (Beſ.), 3. Prince of Wales
(Beſ.). Tot. 88:10. II. Rennen: 1. Gründer (Lt. Graf
Bethuſy=Huc), 2. Maaslieb (Beſ.), 3. Liebesgruß (Beſ.)
Tot. 4:10. III. Rennen: 1. Pompero (Beſ.), 2. Poſſible
(Lt. v. Keller, 3. Theodore (Beſ.). Tot. 78110
IV. Rennen: 1. Snowdens Knight (Lt. v. Keller), 2. In=
eitatus
(Lt. v. Oertzen), 3. Little Mythe (Beſ.). Tot.
21:10. V Rennen: 1. Lutz (Weißhaupt), 2. Hunding
(Adolph), 3. Vel=Vel (Wiſcheck). Tot. 31:10. VI. Ren=
nen
: 1. Szeßely (Lt. Graf Baudiſſin), 2. Idiot (Lt. Graf
Bethuſy=Huc), 3. Donau (Lt. v. Lyncker). Tot. 40110.
Der Peſter Königs=Preis, die mit 125000
Kronen ausgeſtattete Hauptkonkurrenz der Rennen in der
ungariſchen Hauptſtadt, wurde am Sonntag von 11 Pfer=
den
beſtritten und nahm einen überraſchenden Ausgang.
Der Favorit Bony vermochte keine Rolle zu ſpielen und
endete im geſchlagenen Felde. Graf J. Telekis Rascal
(Janek), der öſterreichiſche Derby=Sieger von 1910, ge
wann ſicher mit einer halben Länge gegen Baron Sprin=
gers
Oiſeau (Korb); eine halbe Länge zurück endete Graf
Arco=Zinnebergs Mirage (Pretzner) vor dem vorjähri=
gen
deutſchen Derbyſieger Chilperic. Tot. 79110.
* Radſport. Radrennen in Leipzig. Gro=
ßer
Maien=Preis. 1. Lauf, 25 Kilometer: 1. Guignard
19148,8.Sek., 2. Günther 300 Meter, 3. Huybrechts 2000
Meter zurück, 4. Dickentmann, 5. Contenet. Zweiter
Lauf über eine Stunde: 1. Guignard 81,060 Kilometer
2. Günther 78,650 Kilometer, 3. Huybrechts 65,950 Kilo=
meter
, 4. Contenet 57,900 Kilometer, 5. Dickentmann
55,970 Kilometer. Der Sieger benutzte Continental=
Pneumatik. Geſamtklaſſement: 1. Guignard, 2. Günther,
3. Huybrechts, 4. Contenet, 5. Dickentmann. Hauptfahren:
1. Schürmann, 2. Hofmann 1 Lg. zurück, 3. Wegener,
4. Stellbrink.
Die Radrennen in Dresden ergaben den Sieg
des Amerikaners Walthour, der in der Stunde 77,660
Kilometer zurücklegte. Zweiter wurde der Breslauer
Thomas vor dem Amerikaner Collins und Demke. Der
fünfte Teilnehmer, der bkannte Berliner Sechstagefahrer
Saldow, mußte wegen Magenkränpfen aufgeben. Auch
das Theile=Erinnerungsfahren über 15 Kilometer lan=
dete
Walthour in 11 Min. 3 Sek. vor Demke, Thomas
und Collins. Saldow gab auf. Im Hauptfahren ſiegte
der Berliner Peter vor Schilling und Henry Mayer.
Der Große Preis von Europa über 100
Kilometer gelangte am Sonntag auf dem Karreveld=
Velodrom in Antwerpen zum Austrag und endete
mit dem Siege des Franzoſen Lavallade in 1 Stunde 18
Min. 55,6 Sek. Zweiter wurde der Berliner Hermann
Przyrembel mit 93,200 Kilometer vor van Neck mit 91,500
Kilometer, Luycken mit 89,100 Kilometer, Goor mit 88,
Hall mit 86 und und Salzmann mit 76 Kilometer. Goor,
Luycken, Tommy Hall und Salzmann hatten verſchiedent=
lich
unter Raddefekten zu leiden. Lavallade übernahm
vom Start ab die Führung. Bei 90 Kilometer ereignete
ſich ein Maſſenſturz, in den ſämtliche Fahrer mit Aus=
nahme
von van Neck und Lavallade verwickelt wurden.
Wanderfahrt des Gau 9 D. R.=B. Sonntag,
den 19. Mai, findet die zweite Wanderfahrt des Gau 9
des Deutſchen Radfahrer=Bundes nach Gernsheim
am Rhein ſtatt. Treffpunkt für alle Teilnehmer 9 Uhr
im Adler zu Groß=Gerau; um 10 Uhr Weiterfahrt nach
Gernsheim. Um ½3 Uhr Rückfahrt über Eſchollbrücken
nach Darmſtadt; daſelbſt im Kaiſerſaal Schluß=
wertung
. Anmeldungen ſind an den Gaufahrwart M.
Bogdann, Frankfurt a. M.=Eckenheim, erbeten.
* Fußballſport. Bei den Berliner Militär=
Fußballſpielen ſiegten am Samstag Kaiſerin
Auguſta=Garde=Grenadierregiment gegen drittes Garde=
Regiment zu Fuß 211 (Pauſe (1:0), erſtes Garde= Regi=
ment
gegen erſtes Garde=Feldartillerie=Regiment 8:2
(6:0), Garde=Füſilier=Regiment gegen zweites Garde=
Feldartillerie=Regiment 3:0 (0:0) und Garde=Schützen=
Bataillon gegen zweites Garde=Regiment 6:0 (3:0).
Meiſterſchaft von Süddeutſchland,
Klaſſe B. In Würzburg ſchlug der Oſtkreismeiſter,
F.=C. Würzburger Kickers, den Weſtkreismeiſter, Boruſſia
Neunkirchen (Saar) mit 110 Toren nach überlegenem
Spiel. Beide Vereine haben ihre Kreismeiſterſchaft
ohne Punktverluſt errungen.
Bei den Spielen zwiſchen der engliſchen Liga=
Mannſchaft Woolwich=Arſenal und dem
deutſchen Meiſter Viktoria=Berlin am Sonntag
in Mariendorf bei Berlin konnte nur ein unentſchiedenes
Reſultat erzielt werden. In der 15. Min. führte eine gute
Flanke des Linksaußenſtürmers von Viktoria durch ein
Mißverſtändnis der gegneriſchen Verteidigung zu dem
erſten Tore. Nach wechſelnden Angriffen fiel durch den
Linksaußenſtürmer von Woolwich=Arſenal in der 20. Mi=
nute
das ausgleichende Tor und durch einen guten Schuß
des halblinken Stürmers in der 29. Minute das zweite.
Nach Wiederbeginn war die engliſche Mannſchaft ſtark
im Vorteil, ohne indes die hervorragende Verteidigung
von Viktoria mit Erfolg durchbrechen zu können. Durch
einen wegen Hand verwirkten und verwandelten Elf=
meterball
erzielte Viktoria in der 58. Minute das aus=
gleichende
Tor. Tags zuvor hatte Woolwich=Arſenal mit
540 leicht gegen Hertha=Berlin geſiegt.
Das letzte der vier Vorrundenſpiele um die Deut=
ſche
Fußballmeiſterſchaft gelangte am Sonn=
tag
in München=Gladbach zum Austrag und
endete mit dem überlegenen Sieg von 810 von Karlsruhe.
Nur dem tüchtigen Torwächter hatten die Kölner zu ver=
danken
, daß die Niederlage nicht noch größer ausfiel. In
der 33. Minute fiel das erſte Tor durch Tſcherter, dem
Förderer kurz hintereinander zwei weitere Tore folgen
ließ., Mit 3:0 wurden die Seiten gewechſelt. In der
15. Minute fiel das vierte Tor durch Fuchs und eine Mi=
nute
ſpäter durch ein Selbſttor der fünfte Zähler für
Karlsruhe. Ein wegen Hand im Strafraum verſchul=

deter Elfmeterball wurde von Breunig gegen den Tor=
pfoſten
getreten. Drei weitere Tore erhöhten den Sieg
auf 8:0.
Am Himmelfahrtstag ſpielt die erſte Mannſchaft des
Fußballklubs Olympia‟=Darmſtadt 1898 auf dem
neu hergerichteten Sportplatz an der Heidelberger Straße
gegen den Ligameiſter des Nordkreiſes in Klaſſe A, Fuß=
ballverein
Frankfurt. Der Nordkreismeiſter iſt an den
Schlußſpielen um die Meiſterſchaft von Süddeutſchland
beteiligt und hat gegen die Meiſter des Weſt= und Oſt=
kreiſes
gute Reſultate erzielt.
* Laufſport. Der Dresdener Armee= Ge=
päckmarſch
ging am Sonntag unter Beteiligung von
53 Gehern vor ſich, die die 30 Kilometer lange Strecke in
feldmarſchmäßiger Ausrüſtung zurückzulegen hatten.
Sieger blieb der Düſſeldorfer Wilsmeyer, der Sieger des
Prinz Eitel=Friedrich=Gepäckmarſches in Magdeburg, in
3 Stunden 50 Minuten 5 Sekunden vor Männel=Deuben
in 3 Stunden 58 Min., Tromm=Dresden in 4.07 und
Worthy=Berliner Komet, der Sieger des letzten Berliner
Gepäckmarſches, in 4 Stunden 4 Min. 8 Sek. Der be=
kannte
frühere Prager Emmerich Rath ging barfuß und
traf als 18. in ſehr ſchlechter Verfaſſung ein. Innerhalb
einer Stunde paſſierten 21 Teilnehmer das Ziel.
* Olympiſche Spiele in Stockholm. Die Tennis=
Konkurrenzen zeitigten am ſechſten Tage einige
überraſchende Reſultate. Der Weltmeiſter Wilding
wurde unerwartet von dem Engländer C. P. Dixon 60
46 64 64 beſiegt. Dixon trifft jetzt in der Schluß=
runde
mit dem Franzoſen Gobert zuſammen, der in der
Vorſchlußrunde den Engländer Gordon Lowe mit 64
97 62 26 62 ſchlug.
Ausſcheidungsrennen für die Olympi=
ſchen
Spiele in Stockholm. Am 19. Mai, vor=
mittags
6 Uhr, veranſtaltet der Gau 9 des Deutſchen Rad=
fahrerbundes
ein Ausſcheidungsrennen für die Teilneh=
mer
an der Olympiafahrt in Stockholm Rund um den
Mälarſee, 316 Kilometer, am 8. Juli. Als Strecke iſt
die von Hattersheim, Erbenheim, Nordenſtadt, Naurod,
Eppſtein, Hofheim, Hattersheim, etwa 40 Kilometer, mit
achtmaliger Durchfahrt beſtimmt worden. Die Teilneh=
mer
verpflichten ſich, falls ſie auf Grund ihrer Leiſtung
in dieſem Rennen für die Vertretung in Stockholm aus=
erſehen
werden ſollten, die dortige Rennſtrecke zwiſchen
. bis 5. Juli mindeſtens einmal abzufahren. Bei dem
Ausſcheidungsrennen wird bei 290 Kilometer die Zeit
für die Bundesauszeichnung feſtgeſtellt. Meldungen ſind
an den erſten Gaufahrwart Karl Schmitt in Darm=
ſtadt
, Schuchardſtraße 6, einzureichen.

Gewinnanszug

der
226. Königlich Preußiſchen Klaſſemonterie.
5. Klaſſe. 2. Ziehungstag. 11. Mai 1912.
aluf jede gezogene dumner ſud zwue gleich hohe Gewimne
gefallen, und zwar je einer anf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und I.
(Nachdruck verboten.)
(Ohne Gewähr. A. St.=A. f. Z.)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
6 Gewinne zu 10000 Mk. 59155 102266 150563
2 Gewinne zu 5000 Mk. 29470
58 Gewinne zu 3000 Mk. 7344 9952 23322 24637
28315 42519 46200 57072 59939 61640 66169 66822
77870 92519 93575 94532 97733 105627 122341.
124090 130646 140986 142705 143423 145156 161541
173719 187002 188704
94 Gewinne zu 1000 Mk. 2104 3985 7083 10784
24632 24887 41756 46561 47562 51294 54463 59821
67009 71457 71778 75476 83669 84725 88097 88398
92302 99366 100035 100986 106253 109333 115107
128343 131223 131644 132735 134551 134740 146169
153567 157323 157899 159643 162807 165769 166758
170282 171785 174604 179865 181462 184713
204 Gewinne zu 500 Mk. 144 262 4290 6852
12271 15373 17376 18113 19783 19941 22057 25747
30911 32131 34166 34720 35175 39501 39732 40916
43350 43621. 49225 49974 50504 52644 53127 58485
61145 63942 64734 66015 66593 68204 68497 69875
72148 72468 72472 73168 73359 73392 75909 76055
76632 76884 78411 79383 81482 81781 82299 82471
82674 83884 84847 88995 92742 93297793386 95493
95963 97885 103528 104753 105240 117943 119120
119462 120338 123386 127860 128745 129925 131156
131295 133024 136918 141626 142761 144416 145430
146123 146947 150459 155642 157516 158890 159109
162111 170171 170764 171302 176314 177904 178056
178346 179587 181824 182286 182988 185009 189415
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 15000 Mk. 40641
2 Gewinne zu 10000 Mk. 148446
4 Gewinne zu 5000 Mk. 113536 176424
52 Gewinne zu 3000 Mk. 8152 15997 31319 32887
39546 40715 47347 53500 55092 63115 71852 72662
73993 78954 83214 95428 97838 103186 108166 109627
114796 137244 141723 144917 157513 181047
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