Darmstädter Tagblatt 1912


02. Mai 1912

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175. Jahrgang
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kommt jeder Annonenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 20 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.
Dem Reichstage iſt jetzt der Geſetzentwurf
über den Zuſammenſtoß von Schiffen, ſo=
wie
über die Bergung und Hilfeleiſtung in Seenot zu=
gegangen
.
Die Wahlprüfungskommiſſion des Reichs=
tags
beanſtandete die Wahl des Abg. Dr. Kaempf.
Geſtern wurde die große Kunſtausſtellung
Dresden 1912 eröffnet.
Frankreich beſchloß, die Flottendiviſion in
Marokko durch Entſendung zweier Panzerkreuzer
zu verſtärken.

Iſt die deutſche Flotte ein Luxus?

sh. In den Debatten des engliſchen Unterhauſes, die
ſich mit der Spannung zwiſchen Deutſchland und England
im letzten Sommer beſchäftigten, fiel bekanntlich das Wort,
daß eine ſtarke Flotte für Deutſchland mehr ein Luxus, für
England dagegen eine Notwendigkeit darſtelle. Rittmeiſter
a. D. Alexander Graf v. Gersdorff (Wiesbaden), der
bereits in einer Broſchüre Die Kriegsbereitſchaft der eng=
liſchen
Flotte im Jahre 1911 eingehend ſchilderte, hat nun
dieſe engliſche Behauptung zum Gegenſtand einer weiteren
Abhandlung gemacht, die dieſer Tage im Verlage von
Eckſtein u. Engel (Berlin) erſcheint und den Titel führt:
Iſt die deutſche Flotte ein Lurus oder eine Notwendig=
keit
?
Der Verfaſſer meint einleitend, daß trotz des Ab=
ſchluſſes
der Marokkoverhandlungen mehr denn je in
Frankreich und auch in England von dem ſogenannten
Revanchekrieg geſprochen und geſchrieben wird, in
dem Deutſchland zu Lande und zu Waſſer vernichtet wer=
den
ſoll. Eine Sprache hallt zu uns über Vogeſen und
Kanal herüber, und eine Kriegshetze wird dort drüben
getrieben, die ſelbſt die Ereigniſſe vor dem Ausbruch des
Krieges 1870/71 weit in den Schatten ſtellen. Frankreich
hat inzwiſchen eine Marinevorlage, eine Milliardenvorlage,
angenommen, die, wie offen ausgeſprochen wurde, dazu
dienen ſoll, Deutſchland in Zukunft auch zur See gewach=
ſen
zu ſein, um die Vernichtung zu einer vollſtändigen
zu geſtalten. Die Rede Churchills zeigt, daß ſich in unſe=
rem
Verhältnis zu England nichts geändert hat, und daß
die Spannung, die zwiſchen England und Deutſchland ſeit
dem Erſtarken unſeres Reiches beſteht. und die 1911 ihren
Höhepunkt erreichte, durchaus nicht durch den Beſuch des
engliſchen Kriegsminiſters in Berlin gemildert worden iſt.
Der Verſuch Englands, alle feindſeligen Maßnahmen und
Drohungen des Jahres 1911 als Mißverſtändniſſe hinzu=
ſtellen
, muß bei allen Einſichtigen ſcheitern. In weiten
Kreiſen Deutſchlands wurde das Gefühl der ſchweren
Sorge und Beunruhigung erweckt, daß durch den geheim=
nisvollen
Beſuch des engliſchen Kriegsminiſters in Berlin
ein Verſuch, wenn nicht gar ein Druck unternommen wer=
den
ſollte, die deutſche Regierung von der ſofortigen Ein=
bringung
der Wehrvorlagen abzuhalten. Dieſe ſchwere
Sorge und Beunruhigungſcheint nun glücklich von uns
genommen durch die an einem National=Feſttage, am Ge=
burtstage
des alten Kaiſers, am 22. März, bekannt gewor=
denen
Entwürfe der neuen Wehrvorlagen. Neuer kriege=
riſcher
Geiſt durchweht die deutſchen Gaue nach den trüben
Erfahrungen des Jahres 1911, und zu unſerer großen
Freude finden wir das Wort Kriegsbereitſchaft mehr=
fach
in dem Entwurf der Wehrvorlagen.
Der Verfaſſer wendet ſich dann gegen die auf eng=
liſcher
Seite verbreitete Meinung, daß die Deutſchen Par=
penus
in der Weltgeſchichte ſeien und weiſt darauf hin,
daß die deutſche Hanſa noch im 15. Jahrhundert in faſt
allen Kämpfen Sieger über die Engländer war. Nach
einem hiſtoriſchen Rückblick über die Entwickelung der po=
litiſchen
Machtſtellung des Inſelreiches im Kampfe gegen
die Feſtlandmächte reſümiert Graf Gersdorff: Deutſch=
land
ſteht heute an einem neuen großen Wen=
depunkt
ſeiner Geſchichte und Weiterent=
wickelung
. Es wird und muß ſich in kurzer Zeit ent=
ſcheiden
. ob wir gewillt ſind, in Zukunft die Stellung bei=
zubehalten
, die England uns anweiſt d. h. daß wir
uns auf unſere Feſtlandsmacht zu beſchränken haben
oder ob wir gewillt ſind, die Stellung einzunehmen, die
uns nach dem Stand unſerer Bevölkerung, Induſtrie, Han=
del
. Gewerbe und Landwirtſchaft, ſowie nach der Höhe
unſeres Nationaleinkommens und Nationalvermögens
fraglos zukommt. Wenn wir uns mit der erſten Land=
macht
begnügen, ſo werden wir in kurzer Zeit aus dar
Liſte der Weltmächte geſtrichen ſein. Unſere Flote ſoll
nicht nur einſeitig zum Schutze unſerer ſo eingeſchränkten
deutſchen Küſte dienen, ſondern ſie ſoll und muß ein Macht=
mittel
ſein, durch welches Deutſchland in die Lage verſetzt

wird, berechtigte Anſprüche und Forderungen auch durch=
zuſetzen
; damit wir nicht wieder vor fremden Machtſpri=
chen
uns beugen und demütigen und vor feindlichen
Drohungen zurückweichen müſſen.

Der preußiſche Kriegsminiſter über
das Duell.

* Wie ſchon kurz mitgeteilt wurde, nahm in der Bud=
getkommiſſion
des Reichstags vor Eintritt
in die Tagesordnung der Kriegsminiſter v. Hee=
ringen
das Wort, um, wie im Plenum angekündigt,
zur Duellfrage Stellung zu nehmen. Er führte aus:
Der Abg. Erzberger bezeichnete am 24. April die zur
Verabſchiedung des Oberarztes Dr. Sambeth ergangene
Allerhöchſte Kabinettsorder als einen Schlag gegen das
chriſtliche Volk. In der Erregung gab ich meiner Erwi=
derung
eine ungewollt ſcharf klingende Faſſung, die zu
meinem Bedauern zu vielen Mißverſtändniſſen Veranlaſ=
ſung
gegeben hat. Ich habe niemals im Sinne gehabt,
einen Herrn, der aus reinen, edlen Motiven ein Gegner
des Duells iſt, als weniger würdig anzuſehen. Ich habe
den mir von der Preſſe in den Mund gelegten Ausdruck,
er paſſe nicht in die geſellſchaftlichen Kreiſe, wie ein Ein=
blick
in das unkorrigierte Stenogramm zeigt, überhaupt
nicht gebraucht. Ich würde mich durch die Herabſetzung
dieſer Gegner des Zweikampfes auch zu der an=
gegriffenen
Kabinettsorder in ſchroffen Gegenſatz gebracht
haben, denn dieſe vertritt ja gerade den umgekehrten
Standpunkt. Das Ehrengericht der Sanitätsoffiziere der
15. Diviſion hatte Sambeth wegen Verletzung der Stan=
desehre
verurteilt und den ſchlichten Abſchied vorgeſchlagen.
Die Allerhöchſte Order lehnt dem entgegen die Beſtätigung
des Spruches ab und betont in beſtimmter Form, daß
eine Duellverweigerung aus religiöſen Gründen
nicht Gegenſtand einer ehrengerichtlichen Unterſuchung ſein
könne. Das heißt mit anderen Worten, daß hier über=
haupt
keine unehrenhafte Handlung vorliege. Dr. Sam=
beth
brachte ſich jedoch mit der Begründung ſeiner Duell=
verweigerung
in einen Gegenſatz zu ſeinen
Standesgenoſſen. Seine Auffaſſung und die
meinte ich bei meiner Erwiderung gipfelte darin, daß
er einen Zweikampf mit ſeinem Beleidiger ablehne in
Rückſicht auf die göttlichen Gebote, die menſchlichen Geſetze,
die logiſche Vernunftslehre, ſeine Stellung als Familien=
vater
und die Satisfaktionsunfähigkeit ſeines Gegners.
Für letztere Behauptung konnte er nichts als deſſen an=
gebliche
ſchlechte finanzielle Verhältniſſe anführen. Wenn
die allerhöchſte Order Sambeth zur Einreichung ſeines
Abſchiedsgeſuches veranlaßte, ſo ſtellte ſie damit keinen
neuen Grundſatz auf, ſondern vertrat das, was in der
deutſchen Armee von jeher geherrſcht hat und noch
herrſcht und bei den zahlreichen Duelldebatten im Reichs=
tage
in den Erklärungen meiner Amtsvorgänger ſtets
Ausdruck gefunden hat. Danach ſteht die Duellver=
weigerung
in einem ſo ſcharfen Wider=
ſpruch
zu den in der Armee und in weiten
Kreiſen darüber hinaus tatſächlich herr=
ſchenden
Anſchauungen über die Wiederherſtel=
lung
der verletzten Ehre, daß die Offiziere, die in einem
gegebenen Falle den Zweikampf verweigern, in einen
Gegenſatz zu den Grundüberzeugungen ihrer Kameraden
geraten, der nicht ertragen werden kann. Trotz=
dem
ſehe auch ich den Zweikampf als ein Uebel an und
werde wie bisher mit allen Mitteln zu ſeiner Einſchrän=
kung
beitragen, wie dies meine Pflicht als Kriegsminiſter
iſt. Die gewaltſame Beſeitigung iſt aber nicht möglich.
Die allerhöchſte Order vom 1. Januar 1897 weiſt den
praktiſchen Weg. das Duell nach Möglichkeit einzu=
ſchränken
. Infolgedeſſen ſind Duelle wegen nichtiger Ur=
ſachen
aus der Armee überhaupt verſchwunden. Ein vol=
ler
Erfolg wird aber erſt möglich ſein, namentlich bei Zu=
ſammenſtößen
zwiſchen Mitgliedern der Armee und au=
ßerhalb
derſelben ſtehenden Perſonen, wenn durch die
Aenderung der Geſetzgebung der Schutz der perſön=
lichen
Ehre weſentlich verſtärkt werden wird Die Duellfrage
ſchließt die ſchwerſten ethiſchen Konflikte in ſich und kann
nicht kurzer Hand durch den Geſetzgeber gelöſt werden.
Dies iſt auch von grundſätzlichen Duellgegnern wiederholt
wenn auch beklagt. ſo doch zugegeben worden. Ihrer =
ſung
näher kann ſie nur auf dem praktiſchen Wege geführt
werden, den die Armee ſeit 1897 eingeſchlagen hat.
Kriegsminiſter von Heeringen hat durch dieſe abge
gebene Erklärung jeden Zweifel daran beſeitigt, daß es
ihm fern liegt, jemand als weniger würdig deshalb an=
zuſehen
, weil er aus edlen Motiven Duellgegner iſt. Da=
mit
iſt das Mißverſtändnis beſeitigt, das die bekannte
Aeußerung des Kriegsminiſters hervorrufen konnte. Der
Kriegsminiſter hat ferner die Uebereinſtimmung nachge=
wieſen
, die ſachlich zwiſchen der Kabinettsorder zum Fall
Sambeth und ſeiner oben umſchriebenen Auffaſſung be=
ſteht
. Wer die Bedeutung des einheitlichen Charäkters
unſerer Offizierkorps ſo würdigt, wie ſie gewürdigt wer=
den
muß, wird bei vollem Verſtändnis für die grundſätz=
liche
Duellgegnerſchaft nicht heſtreiten dürfen, daß der
Kriegsverwaltung in erſter Linie die Intereſſen des Offi
zierkorps näher ſtehen müſſen. Mit vollem Rechte hat der

Kriegsminiſter des weiteren den Enfluß betont, den der
mangelhafte geſetzliche Schutz der perſön=
lichen
Ehre auf das Vorkommen von Duellen ausübt.
So lange die perſönliche Ehre nicht wirkſamer durch das
Geſetz geſchützt wird, fehlt die Vorbedingung für eine
Aenderung der im Offizierkorps über die Duellgegner
herrſchenden Anſchauung. Letztere aber mit Hilfe einer ge=
ſetzlichen
Vorſchrift zwangsweiſe ändern zu wollen, wäre
bei der Natur der vorliegenden ſittlichen Konflikte ein
erfolgloſes Beginnen. Indem der Kriegsminiſter darauf
hindeutete, hat er nur etwas Tatſächliches feſtgeſtellt.

Deutſches Reich.

Die Brannt weinſteuervorlage in der
Kommiſſion. Zugleich mit der Beratung der Wehr=
vorlagen
in der Budgetkommiſſion des Reichstags begann
die beſondere Kommiſſion die Beratung über die Brannt=
weinſteuervorlage
. Das Ergebnis der Ausſprache iſt
folgendes: Die rechtsſtehenden Parteien zeigen ſich ge=
neigt
, der Aufhebung der Liebesgabe zuzuſtimmen, aller=
dings
unter gewiſſen Kautelen zum Schutze des landwirt=
ſchaftlichen
Gewerbes und unter Widerſpruch gegen wei=
tergehende
ſüddeutſche Vergünſtigungen. Von anderer
Seite wurde dagegen mit beſonderem Nachdruck hervor=
gehoben
, daß, ſolange die Beſtimmung über den Durch=
ſchnittsbrand
und den Vergällungszwang weiteren Be=
ſtand
habe, die Aufhebung der Kontingentsſpannung tat=
ſächlich
nur eine verhüllte indirekte Steuer in ſich ſchließe.
Einheitlich ſcheint man der Auffaſſung zu ſein daß man
bemüht ſein müſſe, durch beſondere Beſtimmungen die Ver=
teuerung
des zu gewerblichen Zwecken dienenden Spiri=
tus
zu verhindern, da er ſonſt die Konkurrenz des Petro=
leums
nicht aushalten könne. Es wurden Anträge ange=
kündigt
, dahingehend, daß ein Teil des Ertrages der Auf=
hebung
der Liebesgabe verwandt werden ſoll, zur Auf=
rechterhaltung
des jetzigen Preiſes für gewerblichen Spiri=
tus
, ſowie von anderer Seite, daß die Betriebsauflage
nach oben ausgebaut und die Erträgniſſe dieſer Maß=
nahme
auch verwandt werden ſollen zur Feſthaltung des
augenblicklichen Preiſes für gewerblichen Spiritus.
Im einzelnen iſt aus den Beſprechungen zu erwähnen:
Schatzſekretär Kühn wandte ſich mit kurzen Worten gegen
die bisher gegen die Vorlage erhobenen Bedenken. Ein
württembergiſches Mitglied der Volkspartei ſchlug eine
Erhöhung der für die kleineren und mittleren landwirt=
ſchaftlichen
und Obſtbrennereien in der Vorlage vorge=
ſehenen
Spannung von 7½ auf 10 Mark vor, während
der Wortführer der Konſervativen ſich gegen den Anſpruch
der Süddeutſchen wandte, und die Herabſetzung der Span=
nung
bis auf 1 Mark in Vorſchlag brachte. Ein natio=
nalliberaler
Redner aus dem Oſten verwies auf die au=
ßerordentliche
Beunruhigung in dem landwirtſchaftlichen
Brennereigewerbe und ſprach ſich wie der Konſerpative
gegen die ſüddentſche Vergünſtigung aus, deren Rechts=
anſpruch
er beſtritt. Vom Zentrum wurde zum Ausdruck
gebracht, daß ein Kompromiß der verſchiedenen Intereſſen
gefunden werden müſſe und gefunden werden könne. Ein
weiterer nationalliberaler Redner legte eingehend die
Notwendigkeit des Schutzes des gewerblichen Spiritus
gegen eine Preiserhöhung dar. Der polniſche Vertreter
erklärte die Bereitſchaft, an der Schaffung eines Kompro=
miſſes
mitzuarbeiten, obwohl er an ſich auf dem Boden
der Aufrechterhaltung der Liebesgabe ſtehe, gibt aber zu,
daß ſie nicht mehr zu halten iſt.
Der Geſetzentwurf über den Zuſam=
menſtoß
von Schiffen ſowie über Bergung und
Hilfeleiſtung in Seenot iſt dem Reichstag zugegangen.
Durch den Entwurf werden die Beſtimmungen des deut=
ſchen
Rechts mit den beiden internationalen Uebereinkom=
men
über den Zuſammenſtoß von Schiffen, denen der
Reichstag zuſtimmte in Einklang gebracht. Zu
dieſem Zweck iſt eine Abänderung der Paragraphen
734 bis 750 des vierten Buches des Handelsgeſetzbuches
notwendig. Danach wird künftighin, wenn ein Schiffszu=
ſammenſtoß
durch Zufall oder höhere Gewalt verurſacht
wird, oder Ungewißheit über die Urſache herrſcht, kein
Schadenerſatz erſtattet. Ein Verſchulden des Schiffes da=
gegen
verpflichtet den Reeder zum Schadenerſatz. Bei ge=
meinſamem
Verſchulden bedingt die Schwere des V
ſchuldens den Grad der Verpflichtung zum Erſatz.
Die zweite Leſung der Wehr= und
Deckungsvorlagen ſoll, wie im Reichstage ver=
ſichert
wurde, am Tage nach Himmelfahrt, am 17. Mai.
ihren Anfang nehmen. Die Hoffnung, daß bis dahin auch
die Branntweinſteuerkommiſſion ihre Arlteiten beendet
hat und eine Löſung der Steuerfrage gefunden ſein könnte,
hat man bereits ſo gut wie aufgegeben. Man hofft, daß

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 2. Mai 1912.

Nummer 103.

ſchließlich auch das Zentrum ſich mit einer Vertagung der
Steuerfrage bis zum Herbſt unter gewiſſen Kautelen ein=
verſtanden
erklären wird.
Der Jeſuitenorden hat den Bayeriſchen
Kurier zu der Erklärung ermächtigt, der Orden werde die
Rechtslage, wie ſie ſich aus dem Appell Bayerns an den
Bundesrat ergibt, in loyalſter Weiſe reſpektieren und alles
unterlaſſen, was geeignet ſein könnte, einen Anlaß zu
Konflikten zu geben. Es gelte jetzt, den Bundesratsbe=
ſchluß
abzuwarten.
Die Stellung der übrigen Staaten
zu dem deutſchen Schiffahrtskonferenzvor=
ſchlag
. Wie verlautet, hat die deutſche Regierung nicht
nur in London und Waſhington die Frage einer inter=
nationalen
Schiffahrtskonkurrenz aus Anlaß des Unglücks
der Titanic kurz nach der Kataſtrophe angeregt, ſon=
dern
ihre Vertreter wurden auch beauftragt, an alle übri=
gen
Staaten, die Seefahrtsintereſſen haben, in dieſem
Sinne heranzutreten. Die fremden Regierungen haben
nunmehr zu dem deutſchen Vorſchlage ſämtlich Erklärun=
gen
im zuſtimmenden Sinne abgegeben, ſodaß man an=
nehmen
darf, daß die Anregung Deutſchlands der Ver=
wirklichung
entgegengeht, Zur Zeit hat die Angelegen=
heit
noch keine greifbare Geſtalt angenommen, da es in
der Natur der Sache liegt, daß weitere Verhandlungen
wegen Aufſtellung eines eventuellen Programms uſw.
gepflogen werden müſſen.
Der Vorſtand des Vereins Deutſcher
Arbeitgeberverbände hat an ſeine Mitglieder=
verbände
in Sachen der ſozialdemokratiſchen Maifeier ein
Rundſchreiben gerichtet, in dem er das unentſchuldigte
Fernbleiben der Arbeiter aus den Betriebsſtätten am 1.
Mai als Bruch des Arbeitsverhältniſſes aufzufaſſen und
dieſe Arbeiter als Streikende zu betrachten erſucht. Die
meiſten Unternehmer werden ihre Arbeiter ſofort entlaſſen,
und zwar wird die Mehrzahl die Friſt bis zur Wieder=
einſtellung
der Entlaſſenen auf 10 Tage ausdehnen, wäh=
rend
andere ſich mit einer fünftägigen Ausſperrung be=
gnügen
wollen.

Ansland.

Oeſterreich=Ungarn.
Die Wiener Gemeinderatswahlen. Bei
den Stichwahlen des zweiten Wahlkörpers zum Wiener
Gemeinderat wurden gewählt: Im zweiten Bezirk zwei
Deutſch=Freiheitliche, im dritten Bezirk vier Chriſtlich=
Soziale, im neunten Bezirk vier Chriſtlich=Soziale, im 16.
Bezirk zwei Chriſtlich=Soziale, im 18. und 19. Bezirke je
ein Chriſtlich=Sozialer. Insgeſamt wurden 12 Chriſtlich=
Soziale und zwei Deutſch=Freiheitliche gewählt. Die
Chriſtlich=Sozialen verlieren im zweiten Wahlkörper vier,
die Deutſch=Freiheitlichen gewinnen vier Mandate. Bei
den bisherigen Wahlen verlieren die Chriſtlich=Sozialen
insgeſamt acht Mandate, von denen die Sozialiſten drei
die Deutſch=Freiheitlichen fünf gewinnen. Die Gemeinde=
ratswahlen
im zweiten Wiener Wahlkörper haben den E
wartungen der Freiheitlichen nicht entſprochen. Das Ge=
ſamtergebnis
im zweiten Wahlkörper iſt 44 Chriſtlich=
Soziale und vier Liberale. Es wird jetzt
nicht mehr gelingen, die Zweidrittel=Majorität der
Chriſtlich=Sozialen aus dem Gemeinderat herauszube=
kommen
.
Frankreich.
Die Wahlreformfrage. Das Miniſterium des
Innern veröffentlicht eine Zuſammenſtellung über die von

den Departements=Generalräten in ihrer letzten Tagung
in der Frage der Wahlreform gefaßten Beſchlußanträge.
Danach ſprachen ſich 30 Generalräte mehr oder weniger
gegen das Verhältniswahlſyſtem und nur 10 für die Wahl=
reform
im Sinne des Verhältniswahlſyſtems oder der
Vertreter der Minderheiten aus. Die übrigen Generalräte
enthielten ſich einer Meinungsäußerung.
England.
Die Verhandlungen mit Deutſchland.
Im Unterhauſe fragte David Maſon (liberal) den Pre=
mierminiſter
, welches der gegenwärtige Stand der Ver=
handlungen
zur Herſtellung eines freundſchaftlichen Ein=
vernehmens
mit Deutſchland ſei und welche Ausſichten be=
ſtänden
, daß die Verhandlungen zu einem befriedigenden
Abſchluß gelangten. Der Premierminiſter erwiderte, die
Beziehungen zwiſchen den beiden Regierungen ſeien der=
artig
, daß ſie es ermöglichten, in freier freundlicher Weiſe
Fragen von beiderſeitigem Intereſſe zu erörtern. Wenn es
das iſt, ſchloß Asquith, was mit dem freundſchaftlichen
Einvernehmen gemeint iſt, ſo iſt ein ſolches Einverneh=
men
bereits erreicht und wird, wie ich zuverſichtlich hoffe,
beſtehen bleiben.
Amerika.
Vereinigte Staaten. Das Verkehrskomitee des
Repräſentantenhauſes hat die Geſetzesvorlage betreffend
die Ausſchließung der den Eiſenbahngeſellſchaften gehörigen
Schiffe vom Panamakanal zurückgezogen. Das Komitee
empfiehlt jetzt, der Ausſchuß für den zwiſchenſtaatlichen
Handel möge unterſuchen, ob ſolche Schiffe für die Eiſen=
bahnen
eine Konkurrenz bedeuteten.
Venezuela. Das venezolaniſche Kabinett iſt zu=
rückgetreten
.
* Liverpool 30. April. Die ſtreikenden
Seeleute erklärten ſich bereit, unter den jetzigen Be=
dingungen
zur Arbeit zurückzukehren. Die Entſcheidung
wurde der Konferenz von Vertretern der Seeleute und der
Schiffseigentümer überlaſſen. Dieſe ſoll anfangs Mai zu=
ſammentreten
und die ſtrittigen Punkte erörtern.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 2. Mai.

* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
dem Schloßinſpektor Georg Schön aus
Anlaß ſeiner 40jährigen Hofdienſtzeit, die Krone zum
Ritterkreuz 2. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des
Großmütigen; ferner dem Oberlehrer an der evangeliſchen
Schule zu Erbach i. O. Ludwig Will aus Anlaß ſeines
50jährigen Dienſtjubiläums den Titel Rektor
* Pfarrperſonalien. Diviſionspfarrer der 4. Diviſion
Liedtcke in Gneſen wurde zur Großh. Heſſ. (25.) Divi=
ſion
nach Darmſtadt verſetzt für den penſionierten
Diviſionspfarrer Lizentiat Schettler. Militärhilfs=
geiſtlicher
Salzſieder=Darmſtadt von der 25. Diviſion
wurde mit der Wahrnehmung der Geſchäfte des Diviſions=
Pfarramtes nach Gneſen verſetzt.
s. Schwurgcricht. Die zweite diesjährige
Tagung des Schwurgerichts der Provinz Star=
kenburg
, für deren Beginn bis jetzt Montag, der 10. Juni,
vormittags 9½ Uhr, beſtimmt iſt, und deren Vorſitz Großh.
Landgerichtsrat Weiffenbach (Stellvertreter Landgerichts=
rat
Lebrecht) führt, wird vielleicht bereits am Montag, den
3. Juni, eröffnet werden. Es ſtehen nämlich ſchon jetzt
ſoviel Fälle in Ausſicht und können bei der Länge der
Zwiſchenzeit noch neue Sachen erwachſen, daß die Tagung
wohl mindeſtens anderthalb Wochen dauern dürfte. Sie
würde aber alsdann mit der auf den 18. Juni anberaum=
ten
Strafkammerverhandlung des bekannten Beleidig=
ungsfalles
Berndt=Schapiro=Hirſch, für welche
gleichfalls der Schwurgerichtsſaal benutzt werden ſoll, zu=
ſammentreffen
. Die in Ausſicht ſtehenden Schwurgerichts=
anklagen
ſind die (ſeinerzeit zwecks Beobachtung des Gei=
ſteszuſtandes
des Angeklagten aufgeſchoben) gegen Vieh=

ſchweizer Chriſtian wegen eines in Lengfeld i. O. verübten
Totſchlagsverſuchs, eine weitere wegen Totſchlagsverſuchs
gegen Kölb, der im hieſigen Gewerkſchaftshaus auf andere=
ſchoß
, die Anklage gegen Gölz wegen des Raubmordver=
ſuchs
in der Altſtadt, zwei Anklagen wegen Sittlichkeits=
verbrechen
, zwei wegen Verbrechens im Amt aus Biblis=
und Bauſchheim und eine wegen Straßenraubs.
* In der Poſtkartenwoche, die J. K. H. die Frau
Großherzogin im Juni zum Beſten der Mutter=
und Säuglingsfürſorge veranſtaltet, werden Anſichts=
poſtkarten
und Wohlfahrtsbilder zum Verkauf gelangen.
Die Wohlfahrtsbilder biingen neue Aufnahmen des
Großherzogs, der Großherzogin, der Großi erzoglichen
Prinzen und eine Gruppenaufnahme der Großherzog=
lichen
Familie. Sie haben die Größe 19: 26, ſind mit
einem geſchmackvollen Paſſepartout verſehen und eignen
ſich beſonders zu Geſchenken, zum Zimmerſchmuck, Laden=
dekoration
und dergleichen. Dieſelben Aufnahmen der
Großherzoglichen Herrſchaften werden als Anſichts=
poſtfarten
in Bromſilberdruck hergeſtellt und
vertrieben. Außerdem werden Anſichtsroſtkarten heſ=
ſiſcher
Landſchaften nach egens für dieſen Zweck zur
Verfügung ſtehenden Bildern unſeres berühmten Lands=
mannes
Eugen Bracht verkauft werden. Die künſt=
leriſche
Ausführung dieſer im Vierfarbendruck er=
ſcheinenden
Karten liegt in den Händen der Firma
L. C. Wittich in Darmſtadt.
* Nationalflugſpende. Ein Komitee für die
Nationalflugſpende iſt im Kreiſe Darmſtadt in der
Bildung begriffen. Zahlreiche Herren haben bereits
ihren Beitritt erklärt. Ein Aufruf wird noch in
dieſer Woche erſcheinen. Herr Kommerzienrat Göbel=
Darmſtadt ſtiftete bereits in dankenswerter Weiſe
1000 Mark.
s. Hauptbahnhof und Exerzierplatz. Mit der nun=
mehrigen
Betriebseröffnung des neuen Hauptbahnhofes
wird die Frage, wie ſeine Umgebung, insbeſondere der
Zugang zur Stadt, vorteilhaft zu geſtalten iſt, eine bren=
nende
. Die Breite Allee bietet vorläufig nicht allzu viel
Reize, denn ſie weiſt lediglich auf der Nordſeite bebaute
Grundſtücke mit Gartenanlagen auf, während die Süd=
ſeite
durch die weite Sohle, im Sommer oft ſonnenver=
brannte
Fläche des Exerzierplatzes gebildet wird. An
dieſer großen und dadurch an ſich günſtigen Zufahrt,
welche den ankommenden Fremden zuerſt ins Auge fällt,
muß die Verſchönerung einſetzen, und es liegt deshalb
der teilweiſe Beſitz des Exerzierplatzes im dringendſten
Intereſſe der Stadt. Schon lange hat man das auch
richtig erkannt und ſeit Jahren ſind ſeitens der Stadt=
verwaltung
Verhandlungen mit der Militärbehörde ge=
pflogen
worden. Vorher ſtellten ſich Meinungsver=
ſchiedenheiten
uſw. hindernd in den Weg, doch haben
ſich neuerdings die Ausſichten beſſer entwickelt und man
darf mit einem baldigen Abſchluß eines Abkommens rech=
nen
. Die Militärbehörde zeigte ſich zur Abtretung eines
Längsſtreifens des Ererzierplatzes geneigt, wenn ihr ein
entſprechender Erſatz in anderer Richtung geleiſtet werde.
Dieſer iſt in dem früheren von Weſterwellerſchen Guts=
grundſtück
zwiſchen der Scheppen Allee und der nörd=
lichen
Parallelſtraße gefunden, das der Stadt gehört.
In deſſen Mitte iſt eine Kaſerne für ein Bataillon ge=
plant
, während auf dem weſtlichen Teil Gebäude für die
jetzt auf dem Griesheimer Truppenübungsplatz unter=
gebrachte
Maſchinengewehrabteilung entſtehen ſollen.
Nach dem Vorſchlag der Militärbehörde hätte die Stadt
jene erſtere Kaſerne ſelbſt vorlagsweiſe zu bauen und
würde eine angemeſſene Jahresmiete (eine gute Ver=
zinſung
des Baukapitals) erhalten, bis dann in ſpäterer=
Zeit die Kaſerne in das Eigentum der Militärbehörke
überginge. Dieſe Bauten würden ſich dem dortigen b.
reits ſo umfangreichen Militärſtadtteil einreihen und
eing jetzt ſandige, kahle Fläche würde bebaut. Die Stadt
aber erhält die Möglichkeit, jenen Streifen des Exerzier=
platzes
und damit die Eingangspforte am Bahnhof in
die Stadt zweckgemäß und künſtleriſch wirkungsvoll um=
zuwandeln
, was entweder durch harmoniſche Bebauung
oder Schaffung von Anlagen geſchehen könnte. Hpffent=
lich
wird dieſe Löſung der Frage bald erreicht.
* Ein Erinnerungstag. Am 1. April d. J. waren
es 25 Jahre, daß die damalige 8. Kompagnie des Leib=
garde
=Infanterie=Regiments Nr. 115 nach Straßburg i. E.
zur Gründung des Infanterie=Rgiments Nr. 138 verſetzt
wurde. Aus dieſem Grunde verſammeln ſich am

Himmelserſcheinungen im Mai.

A. K. Im Mai erreicht die Sonne bereits eine ſehr
Hohe nördliche Deklination; dieſe wächſt nämlich
von 15% 2 26.3 am Mittag des 1. bis auf 21% 54' 10.7 am
Mittage des 31., die Sonne hat alſo dann bis zu ihrer
größten nördlichen Abweichung am 21. Juni nur noch
1 33' höher zu ſteigen. Die Tageslänge wächſt im
nördlichen Gebiet von 15 auf 16½ Stunden, im mittleren
Gebiete von 14¾ auf 16½ und im ſüdlichen Gebiete von
14½ auf 15¾ Stunden. Die Dauer der Tageshellig=
keit
wird im Mai ſehr bedeutend durch die ſich ſtetig
noch verlängernde Morgen= und Abenddämmerung ver=
größert
, ja in den nördlicher gelegenen Gebieten tritt
während des Mai ſchon die mitternächtige Dämmerung
ein, die die Nächte überhaupt nicht mehr völlig dunkel
werden läßt.
Der Mond verändert während des Mai ſeine Geſtalt
fünfmal, und zwar in folgender Weiſe: Vollmond war
am 1., um 11 Uhr 19 Min. vorm., Letztes Viertel iſt am
9., um 10 Uhr 56 Min. vormittags, Neumond am 16., um
11 Uhr 14 Min. nachmittags, Erſtes Viertel am 23., um
3 Uhr 11 Min. nachmittags, und Vollmond wieder am
31., um 12 Uhr 30 Min. vormittags. Der Mond befindet
ſich in Erdferne am 7. Mai, um 9.0 Uhr nachmittags, bei
einem Abſtande von 63.4 Erdhalbmeſſern à 6378 Kilo=
meter
und in Erdnähe am 19. Mai, um 5.6 Uhr nachmit=
kags
, bei einem Abſtande von 57.2 Erdradien. Am 30.
Mai bedeckt der Mond den Fixſtern 1. Größe An=
tares
Alpha des Skorpions, und zwar erfolgt für
Berlin der Eintritt des Sternes um 10 Uhr 4.6 Min. bei
95.1 und der Austritt um 11 Uhr 18.2 Min. bei 305."6,
wenn man die Grade vom Nordpunkte des Mondes nach
Oſten (links) herum zählt. Der faſt volle Mond geht
gegen halb 9 Uhr auf.
Für die Beobachtung der großen Planeten
bietet der Mai, abgeſehen von der Kürze und Helligkeit
ſſeiner Nächte, weniger Gelegenheit; Jupiter allein be=
herrſcht
den ſüdlichen Himmel. Merkur bleibt unſicht=
bar
, obwohl er am 13. Mai, um 10 Uhr vormittags, ſeine
größte weſtliche Ausweichung von 26 3 erreicht. Er
entfernt ſich von der Erde von 0.66 auf 1.14 Erdbahnhalb=
meſſer
à 149.48 Millionen Kilometer, ſodaß ſein ſchein=
barer
Durchmeſſer ſich von 10."2 auf 5.9 verkleinert
ſein wahrer Aequator=Durchmeſſer beträgt 4843 Kilo=
meter
, iſt alſo nur 1.39 mal größer als der Durchmeſſer
unſeres Mondes, der 3482 Kilometer beträgt. Venus
bleibt ebenfalls unſichtbar, da ſie ihrer oberen Sonnen=

konjunktion (Anfang Juli) zueilt. Ihr Erdabſtand ver=
größert
ſich von 1.62 auf 1.70 Erdbahnhalbmeſſer, wo=
bei
ihr ſcheinbarer Durchmeſſer ſich von 10."4 auf 9."9
verkleinert ihr wahrer Durchmeſſer beläuft ſich auf
12037 Kilometer, ſteht daher dem Erdäquator= Durch=
meſſer
, 12756 Kilometer, nur wenig nach. Wegen der
Sonnennähe kann natürlich weder die Konjunktion der
Venus mit dem Monde am 15. Mai (11 Uhr abends),
noch ihre Konjunktion mit Saturn am 27. Mai (9 Uhr
abends) beobachtet werden. Mars iſt im Sternbilde
der Zwillinge am weſtlichen Abendhimmel zuerſt noch
bis gegen 1 Uhr zu ſehen, wandert dann in das Bild
des Krebſes und geht in dieſem zuletzt ſchon gegen
Mitternacht unter. Sein Erdabſtand wächſt weiter von
1.84 auf 2.08 Erdbahnradien, woraus eine Verringer=
ung
ſeines Scheibendurchmeſſers von 5."1 auf 4.5 folgt
(während ſeiner Erdnähe im November 1911 war er bis
auf 18.3 gewachſen, und im günſtigſten Falle, beiſpiels=
weiſe
im Auguſt 1924, kann er den Wert von 25."1 er=
reichen
). Der wirkliche Durchmeſſer des Mars beträgt
6781 Kilometer. Am 13. Mai, vormittags 4 Uhr, hat
Mars eine Konjunktion mit Neptun, dem er bis auf 29 91
nördlich nahe kommt, und am 21. Mai, vormittags 1 Uhr,
mit dem Monde, deſſen abnehmendes Viertel ihm ſchon
vor Untergang von Weſten her ſehr nahe rückt. Ju=
piter
, der ſich rückläufig im Bilde des Skorpions
bewegt, bleibt bald während der ganzen Nacht als präch=
tig
goldglänzendes Geſtirn ſichtbar; er kulminiert an=
fänglich
um 2¼ Uhr früh, zuletzt um Mitternacht, denn
am 1. Juni ſteht er in Oppoſition zur Sonne. Die Erde
nähert ſich ihm bis dahin noch von 4.47 auf 4.31 Erd=
bahnradien
, und der ſcheinbare Durchmeſſer des Plane=
ten
vergrößert ſich noch von 44.7 bis auf 46.3 ſein
wahrer Aequator=Durchmeſſer beträgt 144580 Kilometer.
Am 4. Mai, um 3 Uhr vormittags, und am 31. Mai, um
5 Uhr vormittags, kommt der Mond mit Jupiter in Kon=
junktion
, und zwar bleibt er das erſte Mal 5 das letzte
Mal 4¾4 ſüdlich von dem Planeten entfernt. Fernrohr=
beobachtungen
ſind jetzt ſehr zu empfehlen. Saturn
gelangt am 14. Mai, um 7 Uhr abends, in Sonnenkon=
junktion
, bleibt deshalb unſichtbar. Sein Erdabſtand
nimmt bis Mitte Mai von 10.10 auf 10.12 Erdbahnhalb=
meſſer
zu und dann wieder bis auf 10.09 Einheiten ab,
während ſein Scheibendurchmeſſer um 16."1 nur wenig
ſchwankt ſein wahrer Aequator=Durchmeſſer beträgt
119 746 Kilometer. Uranus, immer noch im Bilde
des Schützen ſteht am ſüdöſtlichen Morgenhimmel; er
kulminiert zuerſt gegen 55, zuletzt gegen 4 Uhr früh. Sein
Abſtand von der Erde vermindert ſich von 19.61 auf 19.15

Einheiten, doch ſein Scheibendurchmeſſer vergrößert ſich
bei der ungeheuren Entfernung nur von 4."2 auf 4.3
der wahre Durchmeſſer des Uranus beträgt 59510 Kilo=
meter
. Genaue Orte des Planeten, der nur als Stern
der 5. Größe ſchimmert, ſind am 1. Mai AR ( Rektaſzen=
ſion
) 20h 23m 34s und D Deklination 19% 57 am
31. Mai AR 20h 22m 45s und D 20% 17. Ney
tun, in den Zwillingen geht, wie Mars, ſtetig früher
unter; er kulminiert anfänglich gegen 5 Uhr, am Monats=
ſchluſſe
ſchon um 3 Uhr nachmittags. Sein Erdabſtand
vergrößert ſich von 30.30 auf 30.72 Erdbahnradien, ſein
Scheibendurchmeſſer beträgt nur 2.5, unter dieſem klei=
nen
Winkel erſcheint uns Erdbewohnern alſo in gro=
ßen
Fernrohren der gewaltige Durchmeſſer von 55334
Kilometern dieſes letzten bekannten Planeten unſeres
Sonnenſyſtems. Der Konjunktion des Neptun mit Mars
am 13. Mai haben wir oben ſchon gedacht. Genaue Po=
ſitionen
des Neptun ſind am 1. Mai AR 7h 31m 29s
und D 21% 15' am 31. Mai AR 7h 34m 25s und
D 21 9
Die Beobachtungen am Fixſternhimmel wer=
den
im Mai teils durch die ſchon ſehr kurzen und hellen
Nächte, teils durch das Mondlicht an den erſten Abenden,
ſowie an den Abenden nach dem 18. etwas beeinträch=
tigt
. Die ſchönen Winterſternbilder Orion Großer
Hund uſw. ſind nun verſchwunden und der helle Pro=
kyon
im Kleinen Hunde funkelt noch eine Weile abends
im Weſten. Gegen 10 Uhr ſieht man über ihm die
Hauptſterne der Zwillinge Caſtor und Pollux im
Tierkreiſe, während der Stier gerade untergeht. Nach
Süden zu ſetzt ſich dann der Tierkreis im Löwen mit
Regulus, in der Jungfrau mit Spica (im Süden), in
der Wage und im Skorpion fort, der um dieſe Zeit
gerade im Südoſten aufgeht. Etwa den Südmeridian
bedeckt tief unten der Rabe, und am Horizont tauchen
ſchon einige Sterne des Centaur auf. Den Zenit
nimmt der Große Bär ein, zwiſchen deſſen Schweif=
ſternen
und der Jungfrau man im Meridian das feine
Haar der Berenike gewahrt. Oſtwärts von dieſem
ſtrahlt Arctur im Bootes unter dem die diadem=
geſchmückte
Krone ihren Sternenkranz im Firmament
leuchten läßt. Im Nordoſten erblickt man in der Milch=
ſtraße
den Schwan mit Deneb und darüber die Leier
mit der hellen Wega. Im Norden, ebenfalls in der
Milchſtraße, treten die zu einem W gruppierten Haupt=
ſterne
der Caſſioveja hervor, an die ſich in dem Sternen
ſtrome nach Nordweſten der Perſeus und der Fuhr=
mann
mit Capella anſchließen.

[ ][  ][ ]

Nummer 103.

Seite 3.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 2. Mai 1912.

Sonntag, den 5. Mai, die ehemaligen Kameraden der
8. Kompagnie bei ihrem Kompagniekameraden Herrn
Reſtaurateur Karl Hubert Zum Friedrichshof‟ Ecke
Roßdörfer= und Stiftſtraße, um dieſen Tag feſtlich zu
begehen.
* Von der Straßenbahn. Zu der bereits ver=
öffentlichten
Fahrplanänderung der Linie III
Schloßgartenplatz- Rheinthor (rote Linie) wird ergänzend
bemerkt, daß die Wagen der genannten Linie nach dem,
bezw. ab Ernſt=Ludwigs=Platz durchgeführt werden, bis
dieſe Linie durch die Neckarſtraße und Eliſabethenſtraße
ausgebaut iſt. Dieſe Aenderung hat den Vorteil, daß
die Fahrgäſte der grünen Linie auf die rote Linie und
umgekehrt übergehen können, ohne zweimal umzuſteigen
und zwei Fahrſcheine löſen zu müſſen.
* Die feierliche Ueberreichung der Geſellenbriefe
an die in dieſem Jahre vor dem Geſellenprüfungs=
ausſchuß
des Ortsgewerbevereins beſtandenen Lehrlinge
findet am Sonntag, den 5. Mai, in der Turnhalle
am Woogsplatz ſtatt.
* Jubiläum. Herr Hochbauaufſeher Karl Creter
begeht heute am 2. Mai ſein 25 jähriges Dienſtjubiläum.
* Vereinsveranſtaltungen. Wir ſehen uns wieder=
holt
veranlaßt, die Herren Schriftführer und Vereins=
vorſtände
zu erſuchen, dafür Sorge zu tragen, daß die
die Veranſtaltungen ihrer Vereine betreffende Bericht=
erſtattung
mit möglichſter Beſchleunig ung er=
folgt
. Wir mußten in letzter Zeit wiederholt feſtſtellen,
daß Berichte über Vereinsverſammlungen und dergleichen
erſt nach Tagen, ja ſogar erſt nach Wochen, eingeſandt
wurden. Selbſtredend iſt es vollſtändig ausge=
ſchloſſen
, daß eine Tageszeitung über derartig weit
zurückliegende Ereigniſſe noch berichtet. Wir bitten
daher um ſchleunige Berichterſtattung und bemerken,
daß wir Einſendungen, die nicht ſpäteſtens am
Tage nach der betreffenden Veranſtaltung
in unſerem Beſitze ſind, ausnahmslos unberück=
tigt
laſſen müſſen.
Verſammlung heſſiſcher Brennereibeſitzer. Am
30. April tagte in der Alemannia in Frankfurt eine
Verſammlung der heſſiſchen Brennerei=
beſitzer
. Die Verſammlung war von der heſſiſchen
Landwirtſchaftskammer einberufen und von gegen 100
Berufsgenoſſen beſucht. Den einleitenden Vortrag hielt
Herr Direktor Frohmader=Berlin. Es wurden ſodann
nach einer eingehenden Beſprechung folgende Be=
ſchlüſſe
gefaßt: Die heutige Verſammlung der Brenne=
reibeſitzer
des Großherzogtums Heſſen erklärt: Der vor=
liegende
Geſetzentwurf, betr. Beſeitigung des Brannt=
weinkontingents
, wird wenn er in ſeiner jetzigen Faſſung
Geſetz wird, die heſſiſchen Brennereien zugrunde rich=
ten
. Die Verſammlung ſtellt daher das Verlangen, der
Reichstag möge das Geſetz ablehnen. Iſt jedoch die Be=
ſeitigung
des Kontingents unabwendbar, dann wird be=
antragt
, den § 5 des Geſetzes wie folgt zu faſſen: Vor
dem 1. April 1912 betriebsfähig hergerichtete landwirt=
ſchaftliche
Brennereien mit einer Jahreserzeugung von
wehr als 10, aber nicht mehr als 300 Hektoliter Alkohol
dürfen in einem Betriebsjahre die Menge Alkohol, die
ihnen in 1908 als Kontingent zugewieſen war, zu dem
den Brennereien in Bayern, Württemberg und Baden
für deren Erzeugung innerhalb des Kontingents ge=
währten
ermäßigten Verbrauchsabgabeſatz herſtellen. Die
über dieſe Menge bis zu dem feſtgeſetzten Durchſchnitts=
brande
hergeſtellten Alkoholmengen unterliegen dem Ab=
gabeſatze
von 125 Mark. In § 13 ſind die Worte: die
den für das Betriebsjahr 1911/12 zu ſtreichen und da=
für
zu ſetzen: die den in 1908,
* Eine Verſammlung der Anwohner der Bleithſtraße
und Kaſinoſtraße fand am Dienstag abend im Eiſen=
bahnhotel
Gottwald ſtatt. Herr Kaufmann Groß er=
öffnete
die Sitzung mit einer Begrüßung der ſehr zahl=
reich
erſchienenen Anwohner. Er betonte, daß die er=
nannte
Kommiſſion es für ihre Pflicht gehalten habe, an
dem Tage vor der Eröffnung des neuen Hauptbahnhofes
den Bleich= und Kaſinoſtraßebewohnern Kenntnis von
der Tätigkeit zu geben, die die Kommiſſion in der An=
gelegenheit
der Durchführung der Bleichſtraße und der
beſſeren Beleuchtung des Griesheimer Weges entfaltet
hat. Herr Groß warf noch einmal einen Rückblick auf
die mit den zuſtändigen Stellen geführten Verhandlun=
gen
und verlas die in den verſchiedenen Angelegenheiten
gemachten Eingaben an die Bürgermeiſterei und verſchie=
dene
Stadtverordnete, das Eiſenbahnbetriebsamt I uſw.
und die darauf erfolgten Antwortſchreiben. Der Bürger=
meiſterei
, den Stadtverordneten, vor allem der Eiſen=
bahnverwaltung
und insbeſondere Herrn Eiſenbahndiref=
tor
Schilling, könne man dankbar für das bewieſene Ent=
gegenkommen
ſein. Weiter gab Herr Groß Kenntnis

von den ſonſtigen Bemühungen der Kommiſſion. Er
verwies auf die Veröffentlichungen in den hieſigen Zei=
tungen
, namentlich in der Beleuchtungsfrage des Gries=
heimer
Weges. Ferner ſei erſt in den letzten Tagen eine
Anzeige erſchienen, die Einheimiſche wie Fremde darauf
aufmerkſam mache, daß der geradeſte und kürzeſte Weg
von und zum neuen Bahnhof durch die Bleichſtraße führe.
Dieſe Anzeige würde in nächſter Zeit in den Tageszei=
tungen
wiederholt werden. Auch ſeien an den geeigneten
Stellen Plakate und Schilder angebracht, die auf den
kürzeſten Weg durch die Bleichſtraße aufmerkſam machten
und endlich ſei noch eine denſelben Zweck verfolgende Zu=
ſchrift
einer Reihe von Provinzblättern zugegangen. Zum
Schluß betonte der Referent, daß am 1. Mai bis mor=
gens
5 Uhr der Fußſteig über den alten Bahnhof und zu
dem Griesheimer Weg fertiggeſtellt und dem Verkehre
übergeben werden würde. Als noch zu erſtrebende Haupt=
aufgabe
, nachdem eine beſſere Beleuchtung des Gries=
heimer
Wegs erreicht worden ſei, ſei noch eine beſchleu=
nigte
Fertigſtellung des Fahrweges durchzuſetzen, und
zwar in der ſchon von der Kommiſſion in der Eingabe
bei der Bürgermeiſterei beantragten Art und Weiſe. Es
heißt in dieſer Eingabe: Wie wir aus den Bebauungs=
plänen
erſehen haben, iſt beabſichtigt, die Gartenanlage,
auf welcher zur Zeit das Liebig=Denkmal ſteht, unver=
ändert
zu laſſen und die Zufuhrſtraße zu den Bahnhöfen
um dieſe Gartenanlage herum zu führen. Wir erſuchen,
zu erwägen, ob es nicht angängig iſt, die Zufuhrſtraße
derart zu führen, daß ſie in zwei ungebrochenen Ver=
bindungslinien
nach der Bleichſtraße und der Friedrich=
ſtraße
zu führt, während das Gartengelände, auf welchem
das Liebig=Denkmal ſich befindet, und dieſes ſelbſt ent=
fernt
wird. Ferner, daß der Griesheimer Weg, welcher
in der Oeffentlichkeit ja doch kaum bekannt iſt, von dem
Tag der Eröffnung des neuen Bahnhofes an Bleich=
ſtraße
genannt wird, wie ſolches auch ſchon bei der
Stadtverordnetenverſammlung durch eine Eingabe bean=
tragt
wurde. In der daran ſich anſchließenden regen
Diskuſſion, an der ſich u. a. die Herren Schmitt, Rei=
chard
, Mainzer, Krickſer, Sobernheim uſw. beteiligten,
wurde noch eine Reihe von Wünſchen geäußert. Man
wünſchte vor allem auch eine beſſere Beleuchtung des
Bahnüberganges und der oberen Bleichſtraße. Unter
anderem wurde auch der Vorſchlag gemacht, daß man
eine Verwendung des alten Bahnhofes als Markthalle
erſtreben ſolle. Sehr wurde weiter die Entfernung der
Uhren aus dem alten Empfangsgebäude und die Verleg=
ung
des Poſtamtes II bedauert, zumal die Kommiſſion
nicht in der Lage ſein würde, eine Aenderung der getrof=
fenen
Maßnahmen zu erreichen. Lebhafte Klage wurde
auch darüber geführt, daß auf dem zur Einweihung des
Bahnhofes in verſchiedenen Zeitungen veröffentlichten
Ueberſichtsplan der Anlagen die Bleichſtraße als Zu=
gangsſtraße
zum neuen Bahnhofsgebäude gänzlich weg=
gelaſſen
ſei. Erſt gegen halb 11 Uhr wurde die Verſamm=
lung
von Herrn Groß mit Dankesworten und dem Hin=
weis
, daß der Kommiſſion auch noch in Zukunft Arbeit
zur Wahrung der Bleichſtraßeintereſſen erwachſen würde
geſchloſſen.
* Der Darmſtädter Zweigverein des Evangeliſchen
Bundes hielt am Dienstag im Grünen Zimmer des Kai=
ſerſaals
ſeine gut beſuchte ordentliche Hauptver=
ſammlung
ab. Der Vorſitzende, Herr Profeſſor
Knoll, gedachte in ſeinem Jahresbericht einlei=
tend
der Toten des letzten Jahres, des Geheimen Kirchen=
rats
D. Meyer=Zwickau, des Stadtpfarrers Dr.
Weitbrecht=Wimpfen und des Vorſtandsmitgliedes Pfar=
rer
Walz=Beſſungen, zu deren ehrendem Andenken ſich
die Verſammlung von ihren Sitzen erhob. Er gab einen
Rückblick auf die vielen unerfreulichen Ereigniſſe der letz=
ten
Zeit, das Ergebnis der Reichstagswahlen, Den im
Reichstag wieder eingebrachten Toleranz= und Jeſuiten
Antrag und den Jeſuitenerlaß in Bayern, lauter Ereig=
niſſe
, die den Evangeliſchen Bund mehr als je veran=
laſſen
müſſen, auf der Wacht zu ſtehen. Die Verſamm=
lungen
des Zweigvereins, in denen Pater Konſtantin
Wieland, Diviſionspfarrer a. D. Dr. Greeven, Pfarrer
Eckel und Pfarrer Dr. Buſch Vorträge hielten, hatten
ſämtlich guten Erfolg. Die Mitgliederzahl iſt von 2048
auf 2071 Perſonen geſtiegen. Nach der von Herrn Ober=
konſiſtorialregiſtrator
Wahl erſtatteten Rechnungs=
ablage
betrugen die Einnahmen 5279,09 Mark ( dar=
unter
4285,71 Mark Mitgliederbeiträge), die Ausgaben
4915,80 Mark (darunter 1449,50 Mark Ablieferung an
die Zentrale in Halle, 1705,58 Mark für Zeitſchriften)
ſodaß ein Kaſſevorrat von 363,29 Mark und ein Mehr
gegen das Vorjahr von 57,02 Mark verbleibt. Der Ver=
mögensſtand
beläuft ſich auf 4500 Mk. Da die Rechnung

von Oberrechnungsreviſor Daubert geprüft und richtig
befunden war, wurde dem Schatzmeiſter unter warmem
Dank für ſeine Tätigkeit Entlaſtung erteilt. Der Vor=
anſchlag
für das neue Vereinsjahr ſieht in Ausgabe und
Einnahme mit 4968,79 Mark vor und wurde genehmigt.
Die ſich anſchließende lebhafte Diskuſſion drehte ſich in
der Hauptſache um die weitere Ausgeſtaltung der Fa=
milienabende
. Bei der Vorſtandswahl wurden faſt
ſämtliche ſeitherigen Mitglieder wiedergewählt; es ſollen
jetzt auch einige Damen in den Vorſtand zugewählt wer=
den
. Weiter wurde bekannt gegeben, daß der Heſſiſche
Hauptverein des Evangeliſchen Bundes aus Anlaß der
Jubelfeier ſeines 25jährigen Beſtehens ſeine diesjährige
Landesverſammlung am 27. und 28. Oktober in Darm=
ſtadt
abhalten wird. Aus dieſem Anlaſſe ſoll vom 26.
Oktober bis 10. November täglich das Devrientſche
Lutherfeſtſpiel zur Aufführung kommen./Ein meh=
rere
hundert Perſonen zählender Feſtausſchuß iſt in der
Bildung begriffen und wird am 9. Mai zum erſten Male
zu einer Sitzung zuſammentreten.
* Zur Eröffnung des neuen Bahnhofs iſt ſoeben eine
hübſch ausgeſtattete illuſtrierte Denkſchrift erſchie=
nen
, die aus der fachmänniſchen Feder des Herrn Beige=
ordneten
Ekert eine ausführliche Geſchichte des Baues
und aller Vorverhandlungen uſw. enthält. Zur Erin=
nerung
an den bedeutungsvollen Tag wird das Werkchen
gewiß allgemein willkommen ſein.
* Radrennen. Die am Sonntag, den 5. Mai d. Js.,
nachmittags 3 Uhr, vom Veloziped=Klub Darmſtadt auf
der Rennbahn (Heidelbergerſtraße) veranſtalteten Rad=
und Motor=Rennen verſprechen, dank der eingegangenen
zahlreichen Meldungen erſtklaſſiger Fahrer, vorzüglichen
Sport. Im Vordergrund des Intereſſes ſteht der
Preis von Starkenburg, ein Dauerrennen in 3 Läufen
für Berufsfahrer mit Motorſchrittmachern, zu dem drei
Meiſterfahrer am Start erſcheinen, nämlich der vom
Vorjahre noch beſtens bekannte Meiſterfahrer vom Elſaß,
Aug. Kraft, Straßburg, der Meiſterfahrer von Bayern,
A. Bäumler, München, und derjenige von Nürnberg,
Aug. Braun. In den Fliegerrennen, zu denen nicht
weniger als 45 Fahrer gemeldet haben, ſind ebenfalls
eine Reihe Meiſterfahrer vertreten, an ihrer Spitze der
Weltmeiſter Rode, der in dem Europameiſter Dreſcher,
dem 2. Weltmeiſterſchaftsſieger Weiß u. a. ſchwere Kon=
kurrenz
vorfindet. Es vereinigt ſich alſo am Sonntag
die Elite der deutſchen Fahrer in Darmſtadt zum Wett=
bewerb
, der die Anhänger des Radſportes ſicher voll
befriedigen wird.
§ Zwangszögling. Ein Zwangszögling, welcher
aus der Erziehungsanſtalt Aumühle entwichen iſt, wurde
ier aufgegriffen und nach der Anſtalt zurückgebracht.

* Ober=Ramſtadt, 1. Mai. Am Samstag, den 4. Mai
I. J., wird die hieſige Schildpattwaren=Fabrik
der Firma G. F. Heim Söhne das Jubiläum ihres
50jährigen Beſtehens begehen. Der Vater des
etzigen Leiters der Weltfirma begann im Jahre 1862 ſein
Geſchäft in einer Mietwohnung mit nur 2 Arbeitern und
ohne jedes Betriebskapital. Doch ſeine tüchtige Fachkennt=
nis
, ſein Fleiß und ſeine Redlichkeit im Geſchäftsverkehr
halfen ihm voran, ſodaß er bereits 1873 ſein an der Haupt=
ſtraße
erbautes Wohnhaus mit 20 Arbeitern beziehen
konnte. In der 1898 errichteten Fabrik fanden ſchon 60 Ar=
beiter
Beſchäftigung, und ſeit 1890 war Dampfbetrieb ein=
gerichtet
. Das Geſchäft des Vaters ging nach deſſen Tode
im Jahre 1900 unter der Firma G. F. Heim Söhne an die
Brüder Karl und Georg über, die bereits ſeit Jahren Pro=
kura
hatten. Georg Heim erlag ſchon 1903 einem Nieren=
leiden
und Herr Karl Heim II. iſt ſeitdem Chef der
Firma, während die Witwe ſeines Bruders gleichberech=
tigte
Teilhaberin blieb. Als im Jahre 1898 ein bedeutend
erweiterter Fabrikbau vollendet war, wurden 120 Arbeiter
beſchäftigt, eine Zahl, die heute auf 185 geſtiegen iſt. Die
alte Fabrik fiel im September v. J. einer Feuersbrunſt
zum Opfer. Da aber inzwiſchen ein mit Dampfbetrieb
verſehenes Fabrikanweſen in der Bahnhofſtriße erworben
worden war, konnten die Arbeiter hier teilweiſe unter=
gebracht
und nach einem nur zweitägigen Still=
ſtand
konnte der volle Betrieb wieder aufgenommen wer=
den
. Weil der größte Teil der Arbeiter ſchon ſeit den
Lehrlingsjahren in der Fabrik tätig iſt, wurden bereits
mehrere Arbeiterjubiläen begangen und weitere ſtehen be=
vor
. Es iſt leicht erklärlich, daß dieſer Stamm wohlgeſchul=
ter
und fachtüchtiger Arbeiter Waren liefern kann, die in
Ehren auf dem Weltmarkt zu beſtehen vermögen und einen
über die ganze Erde ausgebreiteten Kundenkreis ohne wei=
tere
Reklame erwerben konnte. Seit Jahrzehnten werden
neben allerlei Kopfſchmuck auch alle vorkommenden Schild=

Fenilleton.

* Aus Kunſt und Wiſſenſchaft. Das Kaiſerpreis=
Wettſingen. Von der Kommiſſion für den Wett=
bewerb
um den von dem Kaiſer und Könige geſtifteten
Wanderpreis iſt jetzt das Rundſchreiben an die deutſchen
Männergeſangvereine betreffs des nächſtjährigen Wett=
ſingens
verſandt worden. Das Wettſingen findet im
Sommer 1913 in Frankfurt a. M. ſtatt. Alle deutſchen
Männergeſangvereine, die ſich mit einer Mitgliederzahl
von mindeſtens 100 Sängern beteiligen können und wol=
len
, werden zur Teilnahme an dem Wettſtreit eingeladen
und aufgefordert, ſich bis ſpäteſtens zum 1. Oktober 1912
bei dem Vorſitzenden der Kommiſſion, Generalintendan=
ten
Grafen von Hülſen=Haeſeler, Berlin, anzumelden.
Die deutſche Einheitsſtenographie. Am
29. und 30. April trat im Kultusminiſterium zu Berlin
unter dem vom Reichskanzler ernannten Vorſitzenden Geh.
Regierungsrat Klatt der 23er Ausſchuß zuſammen, der zur
Schaffung einer deutſchen Einheitsſtenographie eingeſetzt iſt.
Die Verhandlungen führten zu dem Ergebnis, daß zunächſt
ein Unterausſchuß ernannt wurde, welcher die Aufgabe
hat, das eingelaufene Material zu prüfen und dem Haupt=
ausſchuß
darüber zu berichten und die Fragen zu formu=
lieren
, welche den Ausgangspunkt der zweiten Beratung
des Hauptausſchuſſes bilden und zur Gewinnung der Richt=
linien
für die Aufſtellung von Einheitsſyſtementwürfen die=
nen
ſoll. Das künftige Einheitsſyſtem ſoll eine feſt geregelte
Verkehrsſchrift beſitzen und durch ſeine Kürzungsfähigkeit
als Redeſchrift die Erreichung aller ſchnellſchriftlichen Zwecke
ermöglichen.
Wolf=Ferraris Oper Der Schmuck der
Madonna iſt von den Direktoren der Großen Oper in
Paris, Meſſager und Brouſſan, für die Saiſon 1912/13 zur
Aufführung erworben worden. Es iſt dies der erſte Fall,
daß dieſe exkluſive franzöſiſche Bühne ein ausländiſches
Werk einige Monate nach der Uraufführung in ihr Reper=
toire
aufnimmt. Die Londoner Premiere dieſer Novität
findet am 15. Mai I. J. an der Royal Opera Covent Gar=
den
ſtatt. Die erſte Aufführung in Wien hat Direktor Rai=
ner
Simons für den 5. Oktober I. J. feſtaeſetzt.

* Zweifarbige Handſchuhe. Aus Paris wird der Köln.
Ztg. geſchrieben: Vermutlich, um den nachläſſig gewordenen
Pariſerinnen das Handſchuhtragen wieder angenehm zu
machen, ſtrengen ſich die hieſigen Handſchuhkünſtler mit
immer neuen Erfindungen an. Das neueſte ſind zweifar=
bige
Lederhandſchuhe. Die Farben ſind meiſt ſo verteilt,
daß die eine außen, die andere innen ſichtbar iſt. Das
Leder iſt zudem derart gegerbt, daß es innen und außen
dieſelbe Glätte zeigt. So gibt es weiße Handſchuhe mit
roſa, himmelblauem, lichtgrünem, mattlila Futter. Die
Farbe des Futters bleibt aber nicht verborgen, ſondern
wird am oberen Rande des Handſchuhs durch Umkippen
ſichtbar. Denn die neuen zweifarbigen Handſchuhe haben
die alte Mousquetaireform. Sie werden, die Hand glatt
umſpannend, am Handgelenk ſehr eng, entweder geknöpft
oder mit einem Gummizug zuſammengeſchnürt und zeigen
dann eine etwa 10 Zentimeter lange, ſich erweiternde
Stulpe, die zurückgeſchlagen wird. So fällt alſo wie eine
umgeſchlagene Manſchette das abſtechend gefärbte Leder=
futter
auf den Lederhandſchuh herab und belebt durch den
grellen Kontraſt ſehr hübſch den Handſchuh, macht ihn wie=
der
zu einem die Aufmerkſamkeit auf ſich lenkenden und
darum jedem Frauenherzen teuern Stück des Anzuges.
Man ſieht augenblicklich auf den hieſigen Rennen ſehr viel
ſolcher Handſchuhe zu den langärmeligen Gewändern, den
Schneiderkleidern aus Taffet, Wolle uſw. Immer iſt eine
Farbenwirkung mit ihnen geſucht und meiſt ſehr hübſch
getroffen. Bei weißen Kleidern bildet ihre Weiße mit der
umgeſchlagenen bunten Stulpe die liebenswürdige Ergänz=
ung
des Ganzen und ſucht Uebereinſtimmung in der Farbe
des Handſchuhfutters mit der Hutgarnierung, dem Beſatz
des Kleides, den Blumen, die vorn im Gürtel ſtecken. Die
zweite Art der zweifarbigen Handbekleidungen iſt ſo, daß
entweder die Handfläche und das Oberteil des Handſchuhs
verſchieden gefärbt ſind, oder daß (vorzugsweiſe bei langen
Handſchuhen) der untere Handſchuhteil mit den Fingern
eine andere Farbe aufweiſt als der lang emporgeleitete
Schaft, in den der untere Teil mit einer ſpitzen Naht ein=
gefügt
iſt. Doch werden dieſe in den Farbenwirkungen
ebenfalls wunderhübſchen Handſchuhe ſeltener getragen als
die buntgefütterten Mousquetaires.
* Die neuen Briefmarken, die für den auſtraliſchen
Bund ausgegeben werden ſollen, während bisher be=

kanntlich nur die einzelnen Staaten Marken beſaßen, ſind
im Entwurf fertiggeſtellt; ſie ſtammen von dem auſtraliſchen
Künſtler B. Young. Die Markenbilder ſtellen typiſche
Szenen aus dem auſtraliſchen Leben dar, insbeſondere aus
dem auſtraliſchen Buſch; auch die typiſchen auſtraliſchen
Tiere, namentlich das Känguruh, die ſchwarzen Schwäne
uſw. finden ſich wiedergegeben.
S. Näher, mein Gott, zu Dir! Bekanntlich hat beim
Untergange der Titanic die Schiffsmuſik dieſes Lied
geſpielt. Es wurde dadurch die Aufmerkſamkeit weiterer
Kreiſe auch bei uns auf dieſes Lied gelenkt, das übrigens
bei uns beſonders in Gemeinſchaftskreiſen, aber auch
darüber hinaus bekannt iſt und vielfach geſungen wird,
nach verſchiedenen Verſionen und in verſchiedenen Me=
lodien
. Die bekannteſte und verbreitetſte dieſer Verſionen
dürfte wohl diejenige ſein, die wir nachſtehend mitteilen:
Näher, mein Gott, zu Dir, näher zu Dir!
Drückt mich auch Kummer hier,
Drohet man mir,
Soll doch trotz Kreuz und Pein
Dies meine Loſung ſein:
Näher, mein Gott, zu Dir, näher zu Dir!
Bricht mir, wie Jakob dort, Nacht auch herein,
Find’ ich zum Ruheort nur einen Stein,
Iſt auch im Traume hier
Mein Sehnen für und für: Näher uſw.
Geht auch die ſchmale Bahn aufwärts gar ſteil,
Führt ſie doch himmelan, zu unſerm Heil.
Engel, ſo licht und ſchön,
Winken aus ſel’gen Höh’n: Näher uſw.
Iſt dann die Nacht vorbei, leuchtet die Sonn',
Weih’ ich mir Dir aufs neu’ vor Deinem Thron,
Baue mein Bethel Dir
Und jauchze mit Freuden hier: Näher uſw.
Iſt mir auch ganz verhüllt Dein Weg allhier,
Wird mir mein Wunſch erfüllt: Näher, zu Dir!
Schließt dann mein Pilgerlauf,
Schwing ich mich freudig auf:
Näher, mein Gott, zu Dir, näher zu Dir!

[ ][  ][ ]

Seite 4

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 2. Mai 1912.

Nummer 1os.

pattwaren gefertigt und namentlich von Paris und Lon=
don
aus exportiert. Dort unterhält die Firma größere
Lager, dorther bezieht ſie auch mit einem jährlichen Auf=
wand
von mehreren 100000 Mk. das wertvolle Rohmaterial
Es iſt unbeſtritten, daß die Heimſche Fabrik die größte
dieſer Art in Europa iſt und ſie wird wohl auch in der
ganzen Welt an erſter Stelle ſtehen. Als lohnende Erwerbs=
quelle
für viele Bewohner Ober=Ramſtadts weiß man die
Fabrik hier wohl zu ſchätzen und rüſtet ſich in weiten Krei=
ſen
, das Jubelfeſt würdig zu geſtalten, umſomehr, als der
jetzige Chef der Firma, unſer langjähriger, verdienter Bei=
geordneter
, am 4. Mai ſeine Silberhochzeit, und ſeine
72jährige Mutter, die früher mit großem Erfolg im Ge=
ſchäft
mithalf, ihren Geburtstag feiert. Am Vorabend ver=
anſtaltet
das Perſonal mit 15 hieſigen Vereinen einen
Fackelzug mit Muſik und Geſangsvorträgen, dem dann am
Samstag die offizielle Feier in der Fabrik und andere Feſt=
lichkeiten
folgen. Am Schluß der reichhaltigen und ſchön
ausgeſtatteten Feſtſchrift ſpricht der Verfaſſer den Wunſch
aus, daß die Firma G. F. Heim Söhne wachſen, blühen und
gedeihen möge bis in die fernſten Zeiten, ein Wunſch, dem
man hier wohl allerſeits völlige Erfüllung von Herzen
gönnt.
Neu=Iſenburg, 30. April. Im Fabrikbetriebe der
Firma Emil Breſius, G. m. b. H., waren Maurer damit
beſchäftigt, eine Waſſergrube auszumauern, als plötzlich
ein Teil der Mauer einſtürzte und den Maurer
Richard Felger von hier unter ſich begrub. Felger
erlitt einen Oberſchenkelbruch und mußte alsbald ins
Krankenhaus nach Frankfurt gebracht werden, wo er noch
ſchwer daniederliegt.
Klein=Auheim, 1. Mai. Zu dem geſtrigen Brande in
der heſſiſchen Gummiwarenfabrik Heinrich Peter,
Klein=Auheim, erfährt die Offenb. Ztg. noch, daß ein Drittel
der Fabrikanlagen vollſtändig ausgebrannt iſt. Die haupt=
ſächlichſten
Maſchinen und Geräte, ſowie das geſamte For=
menmaterial
konnten gerettet werden, ſodaß der Betrieb
in etwa 2 bis 3 Wochen wieder aufgenommen
werden kann. Der Geſamtſchaden wird auf 200000
bis 250000 Mark angegeben, iſt aber, wie wir bereits
geſtern mitteilten, durch Verſicherung hinreichend gedeckt.
Biblis, 30. April. Der in Mannheim=Waldhof ſtatio=
nierte
39jährige Hilfsweichenſteller Adam Kiſſel von
hier wurde von einem Schnellzug zermalmt. Der
Tote hinterläßt eine Frau und vier unmündige Kin=
der
, denen ſich allgemeine Teilnahme zuwendet.
Mainz, 1. Mai. Der Verbandsreviſor der Landwirt=
ſchafssgenoſſenſchaft
Auguſt Braneir von Darmſtadt,
der ſeit einiger Zeit verſchwunden war, wurde geſtern
nachmittag hier von der Polizei aufgegriffen und
in Obhut genommen. Braner, der geiſtig geſtört iſt,
wurde ſpäter von einem hier wohnenden Schwager von
der Polzei abgeholt und nach Darmſtadt zu ſeiner Fa=
milie
gebracht.
Worms, 30. April. Die heute nachmittag erfolgte Vor=
unterſuchung
in der Spionageaffäre hat ergeben,
daß es ſich tatſächlich um Verrat militäriſcher Ge=
heimniſſe
handelte. Der verhaftete Soldat heißt Wil=
helm
Schindler und iſt von Beruf Techniker. Im Ofen
des Hotelzimmers wurden angebrannte Papierſchnitzel ge=
funden
, die beweiſen, daß der Fremde aus Neapel kam.
Worms=Pfiffligheim, 30. April. Ein roher Stra=
ßenüberfall
wurde Montag nacht auf den in den
50er Jahren ſtehenden Landwirt und Wirt Ph. Weiß
verübt. Auf dem Nachhauſewege begriffen, wurde er
von zwei hieſigen Einwohnern hinterrücks zu Boden
geſchlagen und derart übel zugerichtet, daß er einige
Zeit bewußtlos liegen blieb. Später konnte ſich Weiß
mit großer Anſtrengung nach Hauſe ſchleppen, wo
er jedoch wieder bewußtlos zuſammenbrach und ärzt=
liche
Hilfe in Anſpruch genommen werden mußte.
Heidesheim, 1. Mai. Beim Abbruch eines alten
Wohnhauſes in der Honigſtraße wurden unter dem
Fundamente desſelben geſtern mehrere menſchliche
Skelette ausgegraben. Auch wurden einige bron=
zene
Ringe und Armbänder dabei aufgefunden. Da das
wegen Baufälligkeit niedergelegte Wohnhaus mehrere
hundert Jahre alt war, ſo bekunden die aufgefundenen
Skelette und Gegenſtände ein hohes Alter.
Gießen, 1. Mai. In Schlitz, wo er auf einer Reiſe
weilte, iſt am Sonntag nachmittag Oekonomierat
Schlenke unerwartet, infolge eines Herzſchlages, 65
Jahre alt, geſtorben. Herr Schlenke war in Hofgeismar
geboren; er machte 187071 als Reſerveoffizier im Infan=
terie
=Regiment Nr. 87 den Feldzug gegen Frankreich mit
und wurde bei Wörth ſchwer verwundet. Er erhielt für
ſeine damals bewieſene Tapferkeit das Eiſerne Kreuz und
gehörte dem Heere noch lange Jahre an, zuletzt als Haupt=
mann
der Landwehr. Bald nach dem Feldzug ſiedelte ſich
Herr Schlenke hier an. Er bewirtſchaftete den Hardthof
und beſchäftigte ſich viel mit landwirtſchaftlichen Berufs=

und Organiſationsfragen. Das Vertrauen der oberheſſi=
ſchen
Landwirte führte ihn bald an die Spitze des landw.
Provinzialvereins und auch nach Aufgabe ſeiner landwirt=
ſchaftlichen
Tätigkeit blieb er Präſident des Vereins, der
noch jetzt neben der Landwirtſchaftskammer ſeine ſegens=
reiche
Tätigkeit entfaltet. Als wirkungsvoller Vertreter der
landwirtſchaftlichen Intereſſen ſpielte er auch politiſch eine
Rolle. Er gehörte der Nationalliberalen Partei an und
kandidierte für ſie 1890 in unſerem Wahlkreis zum Reichs=
tag
, blieb aber um rund 200 Stimmen hinter Otto Böckel
zurück, der damals mit Dr. Gutfleiſch in die Stichwahl kam.
Eine längere Reihe von Jahren war Herr Schlenke auch
ſtellvertretendes Provinzialausſchußmitglied, bis er 1903
nach Friedberg verzog. Dort war er Direktor der landw.
Hauptgenoſſenſchaft für Oberheſſen, ſchied aber freiwillig
aus dieſer Stellung. In den letzten Jahren war Herr
Schlenke Inſpektor der Norddeutſchen Allg. Hagelverſicher=
ung
. Der Verſtorbene war vielfach auch journaliſtiſch und
ſchriftſtelleriſch tätig. (G. Anz.)

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 30. April. Eine Kom=
miſſion
der amerikaniſchen Regierung wird
auf einer Rundreiſe nach den europäiſchen Hauptſtädten
Anfang nächſter Woche in Berlin eine= Einladung des
Präſidenten der Vereinigten Staaten an Deutſchland zur
Beteiligung an der Weltausſtellung in San Francisco
anläßlich der Eröffnung des Panamakanals im nächſten
Jahre überbringen. Heute abend verbreitete ſich in
Charlottenburg das Gerücht, der berüchtigte Falſchſpieler
Stallmann alias Baron Korff=König ſei von
einem Zigarrenhändler erkannt worden. Der Verhaftete
wurde aber wieder aus der Haft entlaſſen. Es lag ein
Irrtum der Polizei vor, der dadurch hervorgerufen wurde,
daß der Verhaftete ebenfalls den Namen König trägt.
Aus den verſchiedenſten Teilen des Reiches liegen Nach=
richten
vor, daß die Temperatur in den letzten Tagen
mehrere Grad unter Null zurückgegangen iſt. Im
Rhöngebirge iſt bei 1 Grad Kälte Schneegeſtöber eingetre=
ten
. Auch in Weſtpreußen ſchädigten Nachtfröſte die Vege=
tation
. In der Danziger Gegend ſind ebenfalls Schnee=
fälle
niedergegangen.
Frankfurt a. M., 1. Mai. Zu der Enthüllungs=
feler
der Lilli Schönemann=Gedenkſtafel
an deren Stammhaus, Großer Kornmarkt 15, Sonntag,
den 5. Mai, haben die drei Urenkel Lillis, Baron Wilh.
v. Türckheim in Baden=Baden, Hauptmann a. D. Frei=
herr
R. v. Türckheim in Karlsruhe und Freiherr Hugo
v. Türckheim auf Truttenhauſen bei Barr im Elſaß ihr
Erſcheinen zugeſagt. Außerdem lebt noch in Montreux
ein 102 Jahre alter Enkel Lilli Schönemanns, Baron
Ferdinand v. Türckheim.
München, 30. April, Der Schriftſteller A. J. Mordt=
mann
, langjähriger Chefredakteur der Münchener
Neueſten Nachrichten, der dem Redaktionsverbande bis
vor kurzem angehörte, iſt in Darmſtadt, wo er Er=
holung
ſuchte, an den Folgen einer Blinddarmentzünd=
ung
im Alter von 73 Jahren plötzlich geſtorben. Die
Gattin des Vorſtorbenen, geb. Gaulé, iſt aus Darmſtadt
gebürtig.
Leonberg, 1. Mai. In vergangener Nacht brach in
der Wirtſchaft Zur Traube in Eltingen Feuer aus,
dem in kurzer Zeit das Wirtſchaftsanweſen, ſowie ein
weiteres Wohnhaus und drei Scheunen zum Opfer fielen.
Da das Feuer zu gleicher Zeit in der Wirtſchaft und in
einer Scheune ausbrach, iſt Brandſtiftung als ſicher anzu=
nehmen
.
Gelſenkirchen, 1. Mai. Am Bahndamm in Huellen
wurde ein Handwerksburſche, der ſich zum Schlafen
hingelegt hatte, von heißer Aſche verſchüttet, die
aus einem Wagen herausfiel. Der Handwerksburſche
wurde als völlig verkohlte Leiche aufgefunden.
Leipzig, 30. April. Heute nacht erfolgte zunächſt für
den Thüringer Verkehr die Inbetriebnahme der fertigge=
ſtellten
weſtlichen preußiſchen Hälfte des Leipziger
Hauptbahnhofes der nach der Fertigſtellung der
größte Bahnhof der Welt ſein wird. Eine beſondere Feier
fand nicht ſtatt.
Stettin, 1. Mai. Im Dachgeſchoß des Stadt thea=
ters
brach geſtern nachmittag ein Brand aus, durch
den zahlreiche Garderobe im Werte von mehreren tauſend
Mark vernichtet wurde.
Danzig, 30. April. Eigenartige Zuſtände aus
einer kleinen Gemeinde beleuchtete eine Verhand=
lung
vor der hieſigen Strafkammer, vor der ſich ein Ge=
meindevorſteher
Betlack aus Abbau Buſchkau wegen Ur=
kundenfälſchung
zu verantworten hatte. Wie die Verhand=
lung
ergab, hatte Betlack Anfang April das Gemeindekol=
legium
zuſammenberufen, um über eine Steuererhöhung zu

beraten. Da er wußte, daß ein Teil der Gemeindevertreter
ſich der Steuererhöhung gegenüber doch negativ verhalten
würde, ließ er gar nicht erſt alle einladen, ſie aber trotzdem
in dem Protokoll als anweſend anführen. Es waren nur
5 Mitglieder anweſend, wogegen aber zur Beſchlußfähigkeit
7 gehörten. Betlack ſchlug eine Erhöhung des Zuſchlages
von 275 auf 300 Prozent vor. Er ließ aber nicht abſtimmen,
ſondern beauftragte den Protokollführer, die Steuererhöh=
ung
als angenommen in dem Protokoll zu vermerken, was
dieſer auch tat. Von den anweſenden Gemeindevertretern
konnten zwei überhaupt nicht leſen und unterſchrieben das
Protokoll trotzdem, und den Namen eines dritten, der vor
Schluß der Sitzung die Amtsſtube verlaſſen hatte, fügte
Betlack ſelbſt hinzu. Der Gemeindevorſteher ging in ſeiner
vermeintlichen Machtvollkommenheit aber noch weiter.
Als ihm nämlich eine Zeit darauf der Amtsvorſteher vor=
ſtellte
, daß 25 Prozent Erhöhung wohl kaum ausreichend
ſeien und daß man eine Erbshung um 125 Prozent hätte
vornehmen ſollen, änderte Betlack das Protokoll in der
Weiſe um, daß er vor die 25 eine 1 ſetzte. Die Straf=
kammer
verurteilte ihn wegen Fälſchung einer Urkunde zu
der Mindeſtſtrafe von einem Monat Gefängnis, indem ſie
die Sache ſehr milde auffaßte und dem Angeklagten zuge=
ſtand
, daß er ſich der ganzen Schwere ſeiner Tat bei Be=
gehung
der Fälſchungen nicht bewußt (!) geweſen ſei.
Paris, 1. Mai. Die Nachforſchungen der Polizei nach
den Automobilbanditen Garnier und Valets
erwieſen ſich bisher als vergeblich. Geſtern abend erhielt
die Sicherheitsbehörde von einem Anſtreichergehilfen die
Anzeige, daß er Garnier, mit dem er ein Jahr lang zu=
ſammen
gearbeitet habe, auf dem Wege nach dem Vorort
Montreul in der Nähe der Befeſtigungen geſehen habe und
daß ſich der Bandit in eine der dort befindlichen zahlreichen
Baracken geflüchtet haben dürfte. Die ganze Gegend ſoll
heute früh ſorgfältig abgeſucht werden. Geſtern abend ver=
breitete
ſich das Gerücht, daß die Polizei in dem Vorort=
Papillons ſous Bois ein Haus umzingelt habe, in dem
Garnier vermutet werde. Das Gerücht war dadurch ent=
ſtanden
, daß eine Schauſpielertruppe eine Pantomime für
ein Kinematographentheater dort aufführte.
London, 1. Mai. Einem Londoner Diamantenhändler
namens Mar Roſenthal ſind bei der Ueberfahrt von Bou=
logne
nach Folkeſtone Diamanten, Perlenkolliers und
Banknoten im Geſamtwerte von etwa 200000 Mark ge=
ſtohlen
worden. Die Diebe ſind Roſenthal augenſchein=
lich
von Paris aus gefolgt.
Achilleion, 30. April. Der Kronprinz von Sach=
ſen
iſt in Begleitung des Generalmajors Carlewitz in
Korfu eingetroffen. Er war zur heutigen Frühſtückstafel
nach Achilleion geladen.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 1. Mai. Der Präſident Dr. Kaempf=
eröffnet
die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten und teilt mit,
daß heute eine Abendſitzung ſtattfinden wird.
Auf der Tagesordnung ſtehen zunächſt Wahlprüfun=
gen
. Die Wahl des Abg. Kreth (konſ.) wird, entſpre=
chend
dem Kommiſſionsantrage ohne Debatte für gültig
erklärt. Ueber die Wahl des Abg. Haupt (Soz.) ſollen
Beweiserhebungen ſtattfinden. Es folgt die Fortſetzung
der
zweiten Beratung des Kolonialetats.
Abg. Dr. Paaſche (natl.): Der bisherige Verlauf
dieſer Debatte iſt durchaus erfreulich geweſen, mit einer
Ausnahme. Außer den Sozialdemokraten haben ſich=
ſämtliche
bürgerlichen Parteien rückhaltlos auf den Boden
der Kolonialpolitik geſtellt und die Weiterführung in=
Ausſicht geſtellt. Die Statiſtik über die Beamtenzahlen
in den Kolonien iſt nicht ſtichhaltig. Naturgemäß neh=
men
die Lehrer, Tierärzte, Vermeſſungsbeamte uſw.
einen großen Prozentſatz unter den Beamten ein. Wenn
aus meinen Ausführungen in der Kommiſſion hier her=
vorgehoben
wurde, ich hätte von den Negern als von
Arbeitstieren geſprochen, ſo iſt es illoyal, dies hier gegen
mich auszumünzen. (Präſident Dr. Kaempf rügt diefen
Ausdruck als unzuläſſig.) Redner: Dann nehme ich den
Ausdruck zurück. Die Alkoholeinfuhr in die Kolonien
muß nach Möglichkeit eingeſchränkt werden, denn nir=
gends
wirkt der Alkoholismus verderblicher, als in den
Tropen. Bedauerlich iſt, daß amtlich beſtätigt werden
mußte, daß unſere Beamten bei aller Beſchränkung doch=
die
Hälfte ihres Einkommens in Alkohol anlegen zu müſ=
ſen
glauben. Da ſollte man ſich doch überlegen, ob es
nicht beſſer ſei, Beamte in die Kolonien zu ſchicken, die
dem Alkohol völlig entſagt haben. Dadurch würde viel
Geld und mancher Kolonialſkandal erſpart bleiben. ( Bei=
fall
.) Abg. Dr. Müller=Meiningen (Fortſchr.
Vpt.): Ich möchte das Augenmerk darauf richten, daß in
letzter Zeit im Kongo ſeitens der belgiſchen Regierung
ſtarke Verletzungen der Kongoakte vorgekommen ſind=

Von der Künſtlerkolonie.
Neue Gemälde von Hanns Pelar.

In ſeinem entzückenden ſtimmungsvollen Atelier auf
der Künſtlerkolonie hat der Maler Hanns Pelar für kurze
Zeit eine Anzahl ſeiner neueſten Werke ausgeſtellt die
als Geſamtheit betrachtet, dem Beſchauer immer mehr die
Ueberzeugung feſtigen, daß die Künſtlerkolonie in dem
jungen Künſtler eine Kraft beſitzt, ein Talent, das los=
gelöſt
, oder doch mit Erfolg immer mehr ſich loslöſend
von allem Schulmäßigem, Vorbildmäßigem, eigene Wege
geht, aufrecht und zielbewußt; mit keckem Mut hinein=
greift
in das blühendreiche Leben ſeiner künſtleriſchen
Phantaſie und aus Altem und Neuem, aus Urväters Zeit
mit Gegenwärtigem, ja erſt Kommendem, mit Gebilden
ſeiner, der Zeit vorauseilenden Phantaſie, ein Neues
ſchafft, ein Eigenes, das die Beſchauer feſſelt und in Bann
ſchlägt, das im Moment wie künſtleriſche Revolution
wirkt, das letzten Grades aber nichts iſt, als eine Offen=
barung
der Schönheit. Einer Schönheit allerdings, wie
ſie nicht immer der Durchſchnittsmenſch empfindet, nicht
empfinden kann, weil ſie ſo nur aus ſtarker Leidenſchaft
heraus geboren wird, umhüllt und vertieft durch einen
heißen Hauch ſtarker Sinnlichkeit. Einer geſund empfun=
denen
Sinnlichkeit, wie die Natur ſelbſt ſie ſchafft. Wenn
etwa in ſchwüler Juninacht ein tiefblauer Himmel über
die Natur ſich ſenkt und Blütenduft ſtark und berauſchend
ſchwer die Atmoſphäre füllt, und wenn dann nackte Schö=
nen
ſüdlicher heißblütiger Raſſe den gleißenden Körper
baden in der blütenduftſchwangeren Luft, umhüllt nur
von den ſchmeichelnden weichen Schatten hoher ſaftiggrü=
ner
Zypreſſen und ſchimmernd im goldigen zitternden
Licht des Sternenalls. Einer Schönheit, die, geboren aus
ſinnlich warmem, wallendem Blut, wieder heißes, ſinn=
lliches
Empfinden gebiert.
So ward Pelars Sinnliche Nacht eine Verkör=
verung
all des Geſagten. Und ward noch viel mehr. Ein
Farbenrauſch, der auf den Beſchauer wirkt wie volle
brauſende Akkorde und doch wieder nicht ſo, nein, wie
leiſe volle ſchmeichelnde Muſik, von weitherklingend her=
Gorgeweht durch die warmen blütenduftſchweren Wind=

wellen und den Hörer, den Beſchauer umſchwebend wie
ſüße Sinfonien. Farbenpoeſie! Von reicher Phantaſie
erzählte Märchen, gebannt durch feinſt empfundene Far=
benkunſt
und durchwoben und belebt von friſch pulſieren=
dem
Leben der Gegenwart. Wie der tiefblaue, ſternen=
beſäete
. Himmel der Sommernacht ſein magiſches Licht
breitet auf die grünende, blühende Parklandſchaft, wie
von irgend woher künſtliches Licht auf die breite Frei=
treppe
einen hellen Schein wirft, in dem das Leben ſich
konzentriert; wie die Geſtalten, halbnackt und bekleidet
mit phantaſtiſchen orientaliſch anklingenden Koſtümen
voller ſatter Farbenfülle, eine die andere ſchneidend über
die Stufen ſchreiten, aus dem Dämmerdunkel kommend
und durch den Lichtſchein in reicher Bewegung der Kör=
per
hinüber eilen, drängen, in die ſinnliche Nacht hin=
ein
, in Luſt und Leben umſchlungen; wie ſeitlich die dunk=
len
grünen Flächen der mächtigen Baumkronen das
Gegengewicht geben zu der ſchillernden Buntheit und zu
dem Blau des Himmels, das iſt brillant gegeben, mit bei=
ſpielloſer
Sicherheit komponiert. Und wie über den gan=
zen
Farbenrauſch ein dämmernder Schleier gewoben, der
alles in warmer Weichheit hüllt, das iſt meiſterhaft.
Und neben dem ſinnvollen Farbenpoeten, dem Sin=
foniker
, ſpricht aus einem zweiten Bilde Mardſcha=
nah
der die Linie beherrſchende Stiliſt. Eine phan=
taſtiſche
, frei erfundene orientaliſche Tänzerin ſtellt es
dar. Der in der Blüte begriffene Oberkörper entblößt,
der Unterkörper mit fächerartig geſpreiztem Phantaſie=
gewand
bekleidet. Auch hier die ſcharf ausgeprägte
orientaliſche Sinnlichkeit. Herrſchend aber der Stil, die
Linie und das ganz wunderbar abgeſtimmte Kolorit. Wie
ſelbſtverſtändlich wirkt das Bild trotz der Stiliſierung
des Körpers, trotz der der Linie untergeordneten Haltung
des Körpers, der Arme, der überſchlanken Hände und
Finger. Und wie der nackte Körper gemalt iſt, gleißend.
ſchlangengleich, als fühle man die Oele und Salben aus
den Toilettegeheimniſſen der Schönen. Man beachte wei=
ter
die Zeichnung des Geſichts, wie es, obwohl nur halb
ſichtbar, die ganze ſinnliche Glut des Tanzes wiederſpie=
gelt
. Und wie die ſchillernde Schlange um den Hals ſich
windet, ihren kalten Leib an den lebenswarmen Körper

ſchmiegt. Und dann endlich, wie auch hier dieſe Farben=
fülle
mit dem lichtgrauen flimmernden Hintergrund und
mit dem ſchillernden Gewande ſich eint zu wunderſamer
Harmonie, die durch nichts geſtört wird. Weder durch
die Herrſchaft der Linien, noch durch die ſcharf pointie=
rende
Zeichnung. Einige kleinere ähnliche Probleme aus
dem gleichenVorwurf erwachſen, aber zu eigenenEinheiten
ausgearbeitet, zeigen, daß erſt viele Verſuche den Künſt=
ler
zur Vollendung führten. Aber dem letzten Werke
haftet nichts davon an. Wie ſelbſtverſtändlich es an=
mutet
, darin liegt vielleicht der erheblich größere Teil der
Kunſt.
Es iſt nicht möglich, auf alle Einzelwerke der Kollek=
tion
hier näher einzugehen. Das dritte, größte, mag
noch beſonders erwähnt ſein: Yvette hat der Künſt=
ler
es bezeichnet. Und vielleicht liegt in dem Ganzen
etwas von der großen Yvette, von dem, was ihre Kunſt
ausprägte, da ſie auf der Höhe noch wandelte. Es iſt nur
ein Frauenbildnis, aber voller Phantaſie und voller
zeichneriſcher und Farbenſchönheiten iſt es. Der weit=
gebauſchte
Reifrock mit den gefällig fallenden Volants,
das ſchwere, brokatene, in lichtem Grün und Gold gehal=
tene
, reich gemuſterte, mantelgleiche Uebergewand, das
ſcharf charakteriſierende, ſeſſelnde, ausdrucksvolle Geſicht
mit den gewiſſermaßen ſtiliſierenden dunklen Brauen
über den großen, klug und lebendig blickenden Augen.
die gepuderte Hochfriſur und dazu der rieſige Iltismuff,
faſt bis zu dem entzückend geformten freien Hals erhoben.
Bildmäßiges Schauen feiert hier Triumphe. Koloriſtiſch
meiſterhaft ſind wieder die Farben geſtimmt zu dem hin=
ter
der Figur flimmernd lichtgrauen, ſeitlich dunkleren
Hintergrund.
Von Hanns Pelar hat die Kunſt noch viel zu erhof=
fen
. Technik er malt noch immer Tempera mit dün=
ner
, die Leuchtkraft der Farben erhöhender Oelnachhilfe
und Auffaſſung zeigen ſeit dem letzten, das wir ſahen,
offenbare Fortſchritte. In beiden geht er eigene Wege,
die ihn vielleicht entfernen von der medernen deutſchen
Malerei, die aber der Kunſt ſelbſt, der Schönheit, die ihr
oberſtes Geſetz ſein ſoll, Werke von unvergänglichem
M. St.
Wert ſchaffen.

[ ][  ][ ]

Nummer 103,

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 2. Mai 1912.

Seite 5.

Durch das Konzeſſionsweſen wird der freie Handel illu=
ſoriſch
gemacht. Soll unſer erworbenes Gebiet Neu=
Kamerun möglichſt zur Blüte gelangen, ſo iſt es im In=
tereſſe
der Käufleute dringend notwendig, darauf zu
achten, daß Frankreich und Belgien die Beſtimmungen
der Kongoakte ſtrikte innehalten. Das Zivilrecht für die
Kolonien muß grundſätzlich geregelt werden. Dem Schul=
weſen
in den Kolonien muß der Staat beſonderes In=
tereſſe
zuwenden, damit nicht die Miſſionsſchulen vor
den Regierungsſchulen bevorzugt werden. Abg. Liz.
Mumm=(Wirtſch. Vgg.): Die Ausführungen des ſozial=
demokratiſchen
Redners zu den kolonialen Fragen ſtehen
in Widerſpruch mit verſchiedenen Autoritäten ihrer Par=
teien
. In Südweſtafrika muß übermäßige Strenge den
Eingeborenen gegenüber vermieden werden. Loyalen
Eingeborenen ſollte die Großviehzucht wieder erlaubt
werden. Augenmerk ſollte die Regierung auch auf die
Erhaltung der Buſchmänner, der Ureinwohner Südweſt=
afrikas
richten. Allgemein anzuerkennen iſt die auf=
opfernde
Tätigkeit der Miſſionare. Wir fordern in einer
Reſolution, die internationale Konferenz betreffend Be=
ſchränkung
des Spirituoſenhandels in Afrika wieder aufzu=
nehmen
. Hier handelt es ſich um ein Werk der Humani=
tät
erſten Ranges. Präſident Dr. Kaempf: Gegen
meinen Vorſchlag, heute eine Abendſitzung abzuhalten, iſt
eine Einwendung erhoben worden. Ich würde mich be=
reit
erklären dazu, wenn Sie bereit wären, die Sitzung
bis gegen halb 8 Uhr auszudehnen. Ich nehme an, daß
das Haus damit einverſtanden iſt. (Zuſtimmung.)
Abg. Ledebour (Soz.): Der Staatsſekretär Dr.
Solf meinte, wir würden in fünf Jahren Kolonialfreunde
werden. Zu dieſer Anſicht konnte der Staatsſekretär nur
kommen, weil er in Samoa mit Blumen im Haar ge=
wandelt
iſt und nur die Norddeutſche Allgemeine Zei=
tung
geleſen hat. (Große Heiterkeit.) Wir werden inſo=
fern
poſitiv mitarbeiten, als wir uns beſtreben werden,
das Los dieſer unterjochten Völker zu erleichtern.
Abg. Colshorn (Welfe): Unſere Baumwollkultur muß
energiſch gefördert werden, und zwar am beſten durch
einen entſprechenden Schutzzoll. Abg. Davidſohn
(Soz.): Unſere Offiziere und Beamten ſollten insbeſon=
dere
in der Entſagung des Alkoholgenuſſes in den Ko=
lonien
ein vorbildliches Leben führen. Dadurch würde
auch die Achtung der Eingeborenen vor den Europäern
weſentlich gehoben. Bezeichnend iſt, daß ein Eingebore=
ner
, wenn er einen anderen Eingeborenen betrunken
ſieht, er dieſen Zuſtand bezeichnet mit: Der iſt betrunken
wie ein Weißer! Das ſtellt den höchſten Grad des Alko=
holiſierens
dar. (Heiterkeit.) Der Antrag Mumm, der
den Alkoholmißbrauch der einheimiſchen Bevölkerung in
den Kolonien einſchränken will, predigt doppelte Moral.
Sie ſollten das Wort einheimiſchen darin ſtreichen.
Damit ſchließt die Debatte. Das Gehalt des Staats=
ſekretärs
wird bewilligt und die Reſolution Mumm mit
einigen Aenderungen angenommen. Eine Reihe weiterer
Titel wird ohne Debatte bewilligt. Damit iſt der Etat
für das Reichskolonialamt erledigt. Es folgt der
tat für Oſtafrika.
Die Budgetkommiſſion beantragt eine Reſolution auf
Aufhebung der Hausſklaverei in Oſtafrika. Abg. Dr.
Arendt (Reichspt.): Ich wünſche, daß unter dem neuen
Gouverneur von Oſtafrika wieder der Frieden in die Ko=
kolonie
einziehen möge. Die Einnahmen der Kolonien
ſind ſehr ſorgfältig aufgeſtellt. Die Hüttenſteuer dürfte
einen erheblich höheren Betrag abwerfen, dagegen halten
wir die Salzverbrauchsabgabe für verfehlt. Die Rupien=
währung
halten wir ebenfalls für ein verfehltes Experi=
ment
. Es ſollte dort die deutſche Währung eingeführt
werden. Man ſollte in dieſer Kolonie mehr die Reiskul=
tur
fördern, um ſie unabhängig von Indien zu machen.
Abg. Henke (Soz.): Gegen die Miſſionare nerſön=
lich
wollte ich nicht vorgehen, ich wollte nur das Verhält=
nis
konſtatieren, das zwiſchen Chriſtentum und Kapita=
lismus
beſteht. Abg. Erzberger (Zentr.): Daß die
Miſſionare Bahnbrecher des Kapitalismus ſeien, trifft
nicht zu. Aus der jetzigen Rede des Abg. Henke ging her=
vor
, daß er künftig nicht wieder ſolche Vorwürfe machen
wird. Abg. Noske (Soz.): Gegen die kulturelle Aus=
beutung
der Kolonien haben wir uns immer und werden
wir uns auch in Zukunft wenden; dagegen werden wir
für die kulturelle Hebung ſtets eintreten. Abg. Dr.
Arendt (Reichspt.): Baumwollkulturen ohne Kapital
ſind nicht denkbar. Abg. v. Böhlendorf (konſ.):
Wir können uns ſchätzen, einen Herrn wie Rechenberg zu
beſitzen. Einen Mann wie ihn werden wir ſo bald nicht
wieder finden. Hierauf ſchließt die Debatte und die
Reſolution, betr. die Aufhebung der Sklaverei bis zum
1. April 1920, angenommen. Der Etat für Oſtafrika wird
bewilligt. Es folgt der
Etat für Kamerun.
Abg. Noske (Soz.): Die Einführung der Selbſtver=
waltung
in Kamerun muß ſchleunigſt in Angriff genom=
men
werden. Eine Humaniſierung der Strafrechtspflege
in dieſer Kolonie wäre durchaus notwendig. Mit einer
Rentabilität der Bahnen iſt nicht zu rechnen. Die geſund=
heitlichen
Zuſtände laſſen in dieſer Kolonie viel zu wün=
ſchen
übrig. Gegen Barbareien müſſen wir energiſch
Proteſt einlegen. Abg. v. Liebert (Reichspt.): Ich
bedauere, daß ſich der Staatsſekretär gegen das Projekt
der Südbahn ausgeſprochen hat. Staatsſekretär Dr.
Solf: Ich muß betonen, um keine falſchen Anſchau=
ungen
entſtehen zu laſſen, daß ich mich nicht gegen das
Projekt ausgeſprochen habe, ich habe nur geſagt, wenn
ich die Südbahn zu vertreten hätte, würde ich nicht in der
Lage ſein, ihre mögliche Rentabilität darzulegen. Abg.
Dr. Arendt (Reichspt.): Duala iſt der natürliche Mit=
telpunkt
des Landes und ſollte auch zur Reſidenz erhoben
werden. Buea liegt weit abſeits. Staatsſekretär Dr.
Solf: Allerdings liegt Buea etwas abſeits, aber eine
Verlegung nach Duala würde ſehr große Koſten verur=
ſachen
. Abg. Waldſtein (Fortſchr. Vpt.): Die Ver=
legung
könnte man unterlaſſen, aber eine beſſere Verbind=
ung
durch eine Kleinbahn müßte hergeſtellt werden.
Der Etat wird dann ohne weitere Debatte bewilligt
und eine Reſolution auf Erhöhung des Zolles auf
Branntwein angenommen. Ebenfalls ohne Debatte wird
der Etat für Togo und Neu=Guinea erledigt.
Bei letzterem wurde eine Reſolution angenommen betr.
Erhöhung des Ausfuhrzolles auf Paradiesvögel.
Hierauf wird die Weiterberatung auf Don=
nerstag
1 Uhr vertagt. Außerdem Anträge auf Aen=
derung
der Geſchäftsordnung. Schluß 7 Uhr.

* Berlin, 1. Mai. Die Wahlprüfungskom=
miſſion
des Reichstags beendete die Prüfung
der Wahl des Abg. Dr. Kaempf. Sie kam zu dem Er=
gebnis
, die Wahl zu beanſtanden und beſchloß die Be=
weiserhebung
.
* Berlin 1. Mai. Die Branntwein=
ſteuerkommiſſion
des Reichstages begann heute
ihre Beratungen. Von konſervativer Seite lag ein
von den Polen, den Kationalliberalen und

dem Zentrum unterſtützter Antrag vor, wonach der
aus der Betriebsauflage angeſammelte Fonds, der zur
Förderung der Verwendung von techniſchem Spiritus
beſtimmt iſt, verſtärkt werden ſoll durch einen jährlichen
Betrag von 16 Millionen, der aus dem Ertrage der
Verbrauchsabgabe zu entnehmen wäre. Konſervative
und Polen erklärten, daß ſie für das Geſetz überhaupt
nur dann ſtimmen würden, wenn dieſer Antrag dem
Prinzip nach angenommen würde. Dieſer Antrag wurde
auch mit 15 gegen 13 Stimmen angenommen und
mit gleicher Mehrheit der ſozialdemokratiſche Antrag ab=
gelehnt
. Vorher hatten die Sozialdemokraten
im Namen ihrer Fraktion folgende Erklärung abgegeben:
Wir bewilligen für den Militarismus, ſo auch für die
jetzige Heeres= und Flottenvorlage, deren Annahme wir
leider nicht verhindern können, keinen Mann und keinen
Groſchen. Wenn wir aber, wie in der gegenwärtigen
Situation, erreichen können, daß eine indirekte
Steuer durch eine direkte erſetzt werden kann, ſo ſind
wir bereit, für eine ſolche direkte Steuer, z. B. die Erb=
ſchaftsſteuer
, zu ſtimmen.
H. B. Berlin 1. Mai. Die erſte Abſtimmung in der
mit den Deckungs= und Wehrvorlagen befaßten
Reichstags=Kommiſſion fiel heute im Sinne der
Regierungs=Vorlage aus.

Zum Fall Sorhlet=Waquer.

Wie ſich Ihre Leſer wohl noch erinnern werden, hatte
Herr Geh. Hofrat Profeſſor Dr. Paul Wagner dahier im
Januar v. J. unter obiger Spitzmarke zu ſeiner Rechtfer=
tigung
eine längere Erklärung gebracht, die am Schluſſe
die Bemerkung enthielt, daß die Witwe eines früheren
langjährigen erſten Aſſiſtenten der Verſuchsſtation ihm
eine Urkunde für Mk. 20 000. zum Kauf angeboten habe,
aus der ſich ergeben ſolle, daß er vor 22 Jahren eine Ta=
belle
gefälſcht habe; er habe dieſe Angelegenheit der
Staatsanwaltſchaft übergeben.
Da jene Bemerkung auf mich zielte, ſo habe ich da=
mals
ſofort in der Oeffentlichkeit energiſch Verwahrung
gegen dieſe unwahre Behauptung eingelegt und meine
damaligen Bemerkungen mit folgendem Satze geſchloſſen:
Hat Herr Profeſſor Wagner, wie er ſchreibt und
wovon ich bis zur Stunde noch nichts gehört habe, die
Sache der Staatsanwaltſchaft übergeben, ſo wird ja
vorausſichtlich eine gründliche gerichtliche Klarſtellung‟
erfolgen. Ob dies allerdings mit dem von Herrn Pro=
feſſor
Wagner gewünſchten Erfolg geſchehen wird, wird
die Zukunft lehren.
Dieſe gerichtliche Erklärung iſt inzwiſchen erfolgt
und zwar mit dem Schluſſe, daß ich durch Entſcheidung
der hieſigen Strafkammer vom 29. März 1912 außer Ver=
folgung
geſetzt worden bin.
Da indeſſen mit dieſer Feſtſtellung allein weder
mir noch der Oeffentlichkeit gedient iſt und die Oeffent=
lichkeit
und ich das lebhafteſte Intereſſe daran haben, daß
auch die Gründe des Beſchluſſes bekannt werden, ſo er=
ſuche
ich ergebenſt, dem nachfolgenden Wortlaut jenes
Beſchluſſes ſeiner ganzen Ausdehnung nach gefl. in
Ihrem geſchätzten Blatte Aufnahme zu gewähren.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Darmſtadt, den 1. Mai 1912.
Frau Prof. Dr. Dorſch Ww.
J. 257/11.
In der Strafſache gegen die Witwe des Profeſſors
Dr. Robert Dorſch in Darmſtadt wegen verſuchter Er=
preſſung
beſchließt die Strafkammer II Großh. Land=
gerichts
der Provinz Starkenburg in Erwägung, daß
1. die Großh. Staatsanwaltſchaft beantragt hat, die
Angeſchuldigte aus folgenden Gründen:
Als Juſtizrat Dr. Schmitt am 13. Dezember 1910
die ihm von Frau Dorſch übergebenen Tabellen Wag=
ner
zeigte, hat dieſer ſofort erkannt, daß ſie eine ge=
fährliche
Waffe in den Händen ſeiner Gegner ſeien.
Darüber läßt ſowohl die dem Ausruf: Ja, wie
komme ich denn nur zu ſo etwas, das iſt ja fürchter=
lich
, da geht ja mein ganzes Leben und Anſehen zu=
grunde
ſich verratende Beſtürzung, als insbeſondere
der lebhaft ausgeſprochene Wunſch unter allen Um=
ſtänden
auf irgend eine Weiſe, vielleicht durch Ankauf
des Materials, eine gütliche Erledigung herbeizufüh=
ren
, keinen Zweifel (vgl. Ausſage Schmitt, Diſziplinar
akten S. 63 ff., J. 257/11 Spez.=Prot. III, S. 36 ff.)
Das zeigen ebenſo die in Unterredungen mit Faber
und Simmermacher erfolgten Bemühungen Wagners
um einen friedlichen Ausgleich, ſowie die ganz in der
Richtung des in der Unterredung mit Schmitt geäußer=
ten
Gedankenganges liegende dringende Vitte an Frau
Dorſch, eine Summe zu nennen, durch die er das ihrem
Manne zugefügte Unrecht wieder gut machen könne,
worauf dieſe, ohne aber eine etwaige Herausgabe der
Tabellen damit in Verbindung zu bringen, eine Abfin=
dung
von Mk. 20 000. vorſchlug (vgl. Ausſagen Faber,
Simmermacher und Dorſch. Diſziplinarakten S. 5 ff.
J. 257/11 Spez.=Prot. II, S. 3 ff., Nr. 17 und Spez.=
Prot. I). Darauf weiſt endlich der durch den Brief an
Faber vom 20. Dezember 1910 (Anl. 10 der Diſziplinar=
akten
) gemachte Verſuch, noch in letzter Stunde ein
Aufrollen der Angelegenheit zu verhüten. Wagner frei=
lich
gibt eine weſentliche andere Darſtellung der Dinge
(val. Diſziplinarakten S. 47 ff. Bericht IX und
Bericht X‟). Allein ſeine Angaben ſind offenſichtlich
unglaubwürdig und vermögen ebenſowenig wie die
Aufzeichnungen von Dr. Klaus Wagner über eine am
27. Dezember 1910 mit Frau Dorſch ſtattgehabte Be=
ſprechung
(J. 257/11 Anl. zu Nr. 1 act.), die ſich lücken=
los
ergänzenden Bekundungen von Schmitt, Faber,
Simmermacher und Frau Dorſch zu erſchüttern. Auch
kann dem Briefe Waaners an Frau Dorſch vom 19.
Dezember 1910 (J. 257/11 Anl. zu Nr. 5 act.) keiner=
lei
Beweiskraft für den Verlauf ſeiner mit ihr gepflo=
genen
Unterredung beigelegt werden, da die in dem
Schreiben getroffenen Feſtſtellungen dem tatſächlichen
Hergang widerſprechen, ſei es nun, daß Wagner in
ſeiner damaligen gemütlichen Erregung die Vorgänge
nachträglich in falſchem Lichte ſah, ſei es, daß er beab=
ſichtigte
, Frau Dorſch einzuſchüchtern und von vorn=
herein
ein Gegengewicht gegen ihn bloßſtellende Aus=
ſagen
zu ſchaffen
außer Verfolgung zu ſetzen,
2. die Kammer auf Grund Prüfung der Akten zu
der Ueberzeugung gekommen iſt, daß dieſe Ausführungen
durchaus richtig ſind, weil ſie genau dem Beweis=
material
entſprechen und ſich demſelben daher lediglich
anzuſchließen vermag,
3. daß hiernach die erhobenen Beweiſe die Unſchuld
der Angeſchuldigten ergeben,
auf Grund der §§ 202, 496, 497, 499 St.=Pr.=O., daß die
Angeſchuldigte außer Verfolgung zu ſetzen ſei und die
Staatskaſſe die Koſten des Verfahrens zu tragen habe.
Darmſtadt, den 29. März 1912.
Großh. Landgericht, Strakkammer

Luftfahrt.

Die Schwaben auf der Fahrt nach
Düſſeldorf.
* Baden=Oos, 1. Mai. Das Luftſchiff Schwaben
iſt heute morgen um 8 Uhr 20 Min. mit ſechs Paſſa=
gieren
unter Führung von Diplom=Ingenieur Dürr
aufgeſtiegen.
* Karlsruhe, 1. Mai. Die Schwaben paſſierte
kurz nach 9 Uhr die Reſidenzſtadt.
* Darmſtadt, 1. Mai. Die Schwaben kam heute
vormittag 10 Uhr 50 Min. in Sicht und flog im glatten
Fluge in der Richtung nach Frankfurt weiter.
* Frankfurt, 1. Mai. Das Luftſchiff Schwaben
traf heute mittag gegen ½12 Uhr, gefolgt von der kurz vor=
her
aufgeſtiegenen Viktoria Luiſe, über dem ſüdweſtlichen
Stadtteile ein. Beide Schiffe fuhren in beträchtlichen Ab
ſtänden und verſchiedenen Höhenlagen und kreuzten längere
Zeit in ſchöner Fahrt über der Stadt. Um 12¾ Uhr er=
folgte
die Landung der Schwaben Nachdem ſie
in der Halle untergebracht war wurde mit der Nachfüllung
des Gaſes begonnen. Die Weiterfahrt nach Düſſeldorf
wird vorausſichtlich nicht vor zwei Uhr nachmittags an=
getreten
werden. Bis zu dieſer Zeit unternimmt die
Viktoria Luiſe Rundfahrten um die Stadt und kehrt als=
dann
in den Luftſchiffhafen zurück. Eine Fahrt nach Baden=
Baden mit dieſem Luftſchiff war nicht in Ausſicht ge=
nommen
.
* Frankfurt a. M., 1. Mai. Das Luftſchiff
Schwaben hat um 3 Uhr die Fahrt nach Düſſeldorf
fortgeſetzt.
* Düſſeldorf, 1. Mai. Die Schwaben iſt um
7 Uhr 10 Min. glatt vor der Halle gelandet und
wurde ſofort in die Halle gebracht.

* Leipzig, 30. April. Nunmehr liegen die Land=
ungsmeldungen
ſämtlicher am Sonntag zum Aus=
ſcheidungsfliegen
für das Bennett=Rennen aufge=
ſtiegenen
ſechs Ballons vor. Der Ballon Stuttgart II‟,
Führer Dietlamm, bei Meersburg am Bodenſee nieder=
gehend
, dürfte vorausſichtlich Sieger ſein. Osnabrück
Führer Oberleutnant Hopfe, iſt bei Zell bei Wangen, nörd=
ich
von Lindau gelandet, Münſter Führer Eimernacher,
landete bei Bavendorf in der Nähe von Ravensburg, Otto
Lilienthal Führer Dr. Bröckelmann, in der Nähe von
Waldſee in Württemberg.
* Leipzig, 1. Mai. Nach dem nunmehrigen
Klaſſement der am Sonntag aufgeſtiegenen Gordon=
Bennett=Ballons iſt der erſte Ballon Stutt=
gart
2 zweiter der Ballon Münſter, dritter der Bal=
lon
Osnabrück

sr. Zum Unfall Vedrines. Der am Montag
abgeſtürzte franzöſiſche Aviatiker Vedrines, der bereits in
Paris fälſchlich tot geſagt worden war, hat auch
dieſen ſchweren Unfall bisher noch überſtanden und die
Aerzte hoffen, ihn am Leben erhalten zu können.
Während man zunächſt annahm, daß ein ſchwerer Schädel=
bruch
vorliege, konnten die Aerzte feſtſtellen, nachdem ſich
Vedrines aus ſeiner tiefen Ohnmacht erholt hatte, daß er
nur eine ſchwere Gehirnerſchütterung erlitten habe. Man
iſt der Anſicht, daß an eine Heilung in abſehbarer Zeit wohl
u denken iſt. Vedrines liegt zur Zeit im Hoſpital von
Lariboiſiere.

Sport.

* Fußballſport. Am Sonntag ſpielte die erſte Mann=
ſchaft
der Schülervereinigung Wacker gegen die gleiche des
Darmſtädter Sportklubs. Das Spiel endete 3:2 für Darm=
ſtädter
Sportklub.
Im Weſtkreis des Verbandes Süddeutſcher Fußball=
Vereine kommen demnächſt Repräſentative Spiele der
Klaſſe B und C zum Austrag. Es beteiligen ſich die zu
dieſem Kreis vereinigten Gaue: Mittelrheingau, Neckar=
gau
, Pfalzgau und Saargau. Die erſten Termine ſind
wie folgt feſtgeſetzt: 12. Mai (B=Klaſſe) Saargau- Pfalz=
gau
in Saarbrücken; Mittelrheingau-Neckargau in Worms
a. Rh.; 19. Mai (C=Klaſſe) Pfalzgau-Saargau in Pir=
maſens
; Neckargau-Mittelrheingau in Heidelberg. Um
nun die repräſentativen Mannſchaften der einzelnen Gaue
aufſtellen zu können, iſt es erforderlich, daß Ausſcheid=
ungs
=Spiele unter den beſten Spielern der Weſtkreis=
Vereine ſtattfinden. Dieſelben ſind für den heſſiſchen Gau,
den Mittelrheingau, auf den 5. Mai für Klaſſe B, und auf
den 12. Mai für Klaſſe C anberaumt. Das Ausſcheid=
ungs
=Spiel der B=Klaſſe iſt hier dem Darmſtädter
Sportklub 1905 zur Organiſation übertragen. Es findet
m Sonntag, den 5. Mai, auf dem Sportplatz an der
Windmühle ſtatt und beginnt nachmittags 3 Uhr. Die
B=Vereine der Städte Worms, Mainz, Darmſtadt nebſt
Umgegend ſind hieran mit ihren beſten Spielern beteiligt.

Stimmen aus dem Publikum.

Für die Beröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Rebaktiss
kinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwartlich.)
Vom Landes=Muſeum.
Durch Beſchluß der Großh. Landſtände wurde ſeiner=
zeit
der Sonntagnachmittag zur Beſichtigung unſeres
herrlichen Muſeums freigegeben. Als eifriger Beſucher
an genannten Nachmittagen habe ich leider die traurige
Erfahrung gemacht, daß der äußerſt ſchwache Beſuch wohl
kaum im Verhältnis zu den Koſten der Bewachung ſtehen
kann. Durch den obligatoriſchen Ladenſchluß an Sonn=
tagen
, wodurch der Verkehr von auswärts faſt gänzlich
unterbleibt, ſind es am wenigſten Fremde, die hierfür
den Nachmittag auswählen. Es wäre vielleicht zu em=
pfehlen
, den Sonntag=Vormittagsdienſt bis 2 Uhr nach=
mittags
auszudehnen, unter vollſtändigem Schluß des
Nachmittags und eventuell vielleicht einen Mittwochnach=
mittag
um eine Stunde (14 Uhr) zu verlängern. Hier=
durch
wäre ſicher der auswärtigen und hieſigen Bevöl=
kerung
Rechnung getragen und Gelegenheit vorhanden;
vor oder nach Tiſch eine Beſichtigung vorzunehmen. Ge=
rade
unter Mittagszeit iſt anſcheinend der Beſuch ein
ſehr guter.
Ein Beobachter.

Anfrage!
Warum fährt der letzte Wagen Hauptbahnhof=
Landskronſtraße nachts 11.25 Uhr ab, während zum Herd=
weg
Fahrgelegenheit bis nachts 12.35 Uhr iſt? Zahlen wir
Beſſunger dafür 15 Pfg.? Oder ſind wir den Bewohnern
des Herdwegs nicht ebenbürtig? Um Antwort wird ge=
beten
.
W. L.

Zum Untergang der Titanie.

* New=York, 30. April. Das Kabelſchiff Mi
meldet, der Sturm habe die meiſten Leichen von
Titanic in den Golfſtrom getrieben. Es ſei
unwahrſcheinlich, daß man noch Leichen in der )
Unglügsſtelle finden werde.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 2. Mai 1912.

Nummer 103.

* Halifax, 30. April. Der Kabeldampfer
Mackay Bennet iſt mit 190 Leichen der Titanic‟
angekommen. 116 wurden in das Meer verſenkt. Bei
der Ankunft des Dampfers Mackay Bennet läu
teten die Kirchenglocken. Die Flaggen waren auf Halb=
maſt
gehißt. Es waren nicht genügend Särge vorhanden
und ſo mußten über 70 Tote darunter Aſtor, in ſchlichten
Kiſten auf dem Achterdeck untergebracht, 116 andere in=
folge
vorgeſchrittener Verweſung und Raummangels in
die See verſenkt werden. Die Ueberführung der Toten
in das Schauhaus nahm vier Stunden in Anſpruch.
* Waſhington, 30. April. Die Titanic=
Mannſchaft wurde geſtern abend von dem Senats=
komitee
entlaſſen.
Der Untergang des Dampfers Texas
* Smyrna, 30. April. Hier verlautet, daß bei
dem Zuſammenſtoß der Texas mit der See=
mine
140 Perſonen ertrunken ſind. Es iſt ſehr wahr=
ſcheinlich
, daß die Paſſagiere nur aus Türken und Ein=
geborenen
der Kleinaſiatiſchen Küſtenſtädte beſtanden ha=
ben
. Ueber die Urſache der Kataſtrophe verlautet, daß
das Schiff dem ihm geſetzlich zur Durchfahrt durch den
Hafen von Smyrna beigegebenen Schlepper nicht folgen
wollte und verſuchte, trotzdem es durch Kanonenſchüſſe
gewarnt wurde, durch den mit Minen abgeſperrten Weg
zu fahren, ſtieß aber beim Fort Venikale mit einer See=
mine
zuſammen und ſank.
* Konſtantinopel, 30. April. Amtliche Depe=
ſchen
aus Smyrna erklären, daß der Untergang des
Dampfers Texas durch den Kapitän verſchuldet
wurde, der dem Lotſenſchiff nicht folgte und trotz der
Schüſſe der Küſtenbatterien über die Linie der Minen hin=
ausfuhr
. Die Texas hatte hundert Paſſagiere
und 39 Mann Beſatzung an Bord. Im erſten Augenblick
wurden 68 Perſonen gerettet, einige andere etwas ſpä=
ter
. Die Texas hatte auch Poſt für Europa an Bord.
* Paris, 30. April. Ueber den verunglückten
Dampfer Texas wird gemeldet, daß das Schiff, das
1888 in Newcaſtle gebaut wurde, ein Stahlſchrauben=
dampfer
von 480 Tonnen war. Die Texas fuhr unter
der Flagge der Archipelago American Steamſhip Com=
pany
, die in Smyrna ihren Sitz hat und zumeiſt die
Küſtenſchiffahrt im Archipel beſorgt.

Der italieniſch=türkiſche Krieg.
Die Schließung der Dardanellen.

* Odeſſa, 1. Mai. Eine Verſammlung von Ver=
tretern
des Börſenkomitees und der Getreideexporteure
und=Importeure beſchloß, im Hinblick auf die durch die
Schließung der Dardanellen geſchaffene Lage
unverzüglich den Miniſterpräſidenten, den Miniſter des
Aeußern, den Miniſter des Innern und den Handels=
miniſter
zu benachrichtigen, daß die andauernde Schließ=
ung
der Dardanellen Handel und Induſtrie in eine
ſchwierige Lage verſetzte. Es drohten die ſchlimmſten
Folgen. In einem großen Gebiet herrſche unter den
Hafen= und anderen Arbeitern und bei den Schiffskom=
mandos
Arbeitsloſigkeit. Viele Fabriken und Dampfer=
geſellſchaften
ſtänden vor der Gefahr, ihre Tätigkeit ein=
zuſtellen
. Die Getreideexporteure beſchloſſen, wegen
Frachtmangels die auf April abgeſchloſſenen Kontrakte
für ungültig zu erklären.
* London, 30. April. Eine Deputation der
Schiffahrtskammer proteſtierte heute bei dem
Staatsſekretär des Aeußern Sir Edward Grey gegen die
Schließung der Dardanellen. Der Miniſter
wies darauf hin, wie ſchwierig es für die Regierung ſei,
auf andere Mächte bezüglich der militäriſchen Operatio=
nen
einen Druck auszuüben. Grey erklärte, er habe vor,
nachdem er die Anſichten der Getreidehändler gehört habe,
ſofort nach Rom und Konſtantinopel zu telegraphieren,
um die Zuſage zu erlangen, daß die Durchfahrt durch die
Dardanellen geöffnet werde, damit die Schiffe, wenn
nicht ſtändig, ſo doch zeitweilig vom Aegäiſchen Meere
nach dem Schwarzen Meer frei paſſieren könnten.
* Konſtantinopel, 1. Mai. Die Pforte ſagt
in ihrer Antwortnote, die geſtern der ruſſiſchen
Botſchaft abgegeben worden iſt, die Beſtimmung
keines Vertrages hindere die Türkei, in Kriegszeiten die
Dardanellen zu ſchließen. Trotzdem wolle die Pforte die
Dardanellen öffnen, ſobald es die Umſtände geſtatteten.
Man verſichert, daß der ruſſiſche Botſchafter Giers geſtern
in einer Unterredung mit dem türkiſchen Miniſter des
Aeußern Aſſin Bay wiederum die Notwendigkeit der
Oeffnung betonte; durch Verlängerung der Schließung
verſcherze ſich die Türkei die Sympathien der öffentlichen
Meinung Europas.

Marokko.

* Paris, 30. April. Ueber die geplante Organi=
ſierung
Marokkos wird offiziös noch gemeldet, dem
Generalreſidenten werde außer dem mit Verwaltungsan=
gelegenheiten
betrauten Geſandtſchaftsſekretär noch ein
Stellvertreter beigegeben werden, der während der Ab=
weſenheit
Lyauteys die Generalreſidentſchaft ausüben
ſolle. Dieſe Stellung werde einem Diplomaten übertragen
werden. Wie in Tunis wird der Generalreſident auch in
Marokko das Amt des Miniſters des Aeußern des Sul=
tans
ausüben.
* Paris, 30. April. Die jüngſten Ereigniſſe haben
es angebracht erſcheinen laſſen, die Flottendiviſion
in Marokko für den Augenblick zu verſtärken und die
beiden Kreuzer Gloire und Condé dorthin zu entſenden.
Offiziös wird als Grund für die Entſendung der Panzer=
kreuzer
Gloire und Condé angegeben: Der franzöſiſche
Geſchäftsträger in Tanger habe dem Miniſterium des
Aeußern beſtätigt, daß der Aufruhr in Fez auch auf Tanger
eine gewiſſe Rückwirkung ausgeübt habe und daß nament=
lich
die jüdiſche Bevölkerung ſich ſehr beunruhigt zeige.
Um die Befürchtungen der fremden Anſiedler und der jüdi=
ſchen
Bewohner zu zerſtreuen, habe die Regierung die Ent=
ſendung
der beiden Kriegsſchiffe beſchloſſen.
* Par is, 1. Mai. In einer anſcheinend offiziöſen
Mitteilung wird bemerkt, daß der franzöſiſche Vertreter in
Tanger, de Billy, nicht beauftragt geweſen ſei, das dortige
diplomatiſche Korps amtlich von der Uebertragung

der geſamten Befugniſſe an den General=
reſidenten
zu verſtändigen. Billy dürfte ſeinen Kol=
legen
lediglich im Privatgeſpräch mitgeteilt haben, daß die
franzöſiſche Geſandtſchaft, in eine einfache Agentur umge=
wandelt
werden ſoll, da Tanger als internationale Stadt
in dem Bereich der Amtsgewalt des neuernannten General=
reſidenten
, ſtehe.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Dresden, 1. Mai. In Gegenwart des Königs, dem
Prinzen Johann Georg, der Prinzeſſin Mathilde und der
Spitzen der ſtädtiſchen Behörden wurde die große
Kunſtausſtellung 1912 auf dem ſtändigen Aus=
ſtellungsplatz
feierlich eröffnet.
* Petersburg, 1. Mai. In den Putilow=Werken ſtrei=
ken
gegen zehntauſend Arbeiter, in den Obuchowerken ſo=
wie
in den Fabriken hinter dem Newski=Schlagbaum ſind
die Arbeiter nur teilweiſe ausſtändig, dagegen ſtreiken im
Waſſili= und Oſtrowſtadtteil alle, die geſtern noch arbeiteten.
In allen Pulverfabriken hinter dem Moskauer Schlag=
baum
, ſowie in vielen Druckereien der Innenſtadt ruht die
Arbeit vollſtändig.

Berlin, 1. Mai. Anläßlich der Maifeier fanden
in Groß=Berlin gegen 80 gewerkſchaftliche Verſammlungen
ſtatt, davon in Berlin ſelbſt 40. Von den auf den Bauten
beſchäftigten Maurern iſt die Mehrzahl auf den Arbeits=
ſtätten
erſchienen; dagegen arbeitet in den großen Metall=
fabriken
faſt die geſamte Arbeiterſchaft.
H.B. München, 1. Mai. Miniſterpräſident
von Hertling verlas eine Erklärung, in der es heißt,
der bayeriſche Erlaß ſei das Endglied bereits von
früheren Miniſterien eingeleiteter Verhandlungen. Der
Zweck der Entſchließung der bayeriſchen Regierung war,
die Kreis=Regierungen aufzuklären, wie ſie künftighin das
Jeſuitengeſetz handhaben ſollen. Auf Grund von
Erwägungen glaubte der frühere Miniſter, die Ordens=
tätigkeit
der Jeſuiten, die ſogenannten Konferenzen, nicht
einſchränken zu ſollen. Freiherr von Hertling und die
neuen Miniſter trügen die volle Verantwortung für den
Erlaß. Die Auslegung, die die bayeriſche Regierung dem
Jeſuitengeſetz gebe, ſei vereinbar mit dem Wortlaut der
reichsrechtlichen Vorſchriften.
Gent, 1. Mai. Der Wert, der in der hieſigen Dia=
mantſchleiferei
von Dreyfuß geſtohlenen Diaman=
ten
beläuft ſich nach den neueſten Feſtſtellungen auf über
300000 Francs. Die beteiligten Verſicherungsgeſellſchaften
haben auf die Ergreifung der Täter eine Belohnung von
100000 Francs ausgeſetzt.

Wetter.

Ausſichten für Donnerstag, 9. Mai 1912, Zu=
nehmende
Bewölkung, noch meiſt trocken, wärmer.

Ooegeaie
zn Gaut
ege
Nives-Seife: 50 Pf. Nivea-Creme in Do
zu 10, 20 Pf. u. 1,00 M., in Tuben zu 40 u. 75 Pf.
O. Gelenddorf &C. Kamug
Hersteller der Zahnpasta PEBECO

Hin gutes Hausmittel bei Hautausſchlägen, Flechten,
Hautjucken, äußerlichen Entzündungen, Pickeln, Mit=
eſſern
u. dergl. iſt Zuckers=Patent=Medizinal=Seife,
die für wenige Groſchen in jeder Apotheke, Drogerie
und Parfümerie zu haben iſt und deren Eigenſchaften
in dem unſerer heutigen Stadt=Auflage beiliegenden
Proſpekt von ſachkundiger Feder gewürdigt werden.
Man trägt den weichen Schaum genau nach Vorſchrift
mehrere Tage hintereinander auf die betreffenden Haut=
partien
auf und läßt ihn über Nacht eintrocknen.
Morgens wäſcht man den Schaum leicht ab und nimmt
etwas Zuckooh=C eme, die durch ihre Milde nnd Rein=
heit
für die menſchliche Haut ganz beſonders zuträglich
iſt. In den meiſten Fällen wird man in kurzer Zeit
die Freude erleben, daß ſich das Uebel bald beſſert und
die Haut zur Geſundung ſchreitet. Dieſes Rezept wird
von jedem weiter empfohlen, der es ſelbſt einmal
probiert hat. Unſere Leſer ſeien auf den ebenſo lehr=
reichen
, wie intereſſanten Inhalt dieſes Proſpektes noch
(10245
beſonders hingewieſen.

Unsere Trauung

findet am Sonntag, den 5. Mal,
mittags 1 Uhr, im
Britannia-Hotel
statt.
Emil Löb.
Bella Levy

Todes-Anzeige.

Heute vormittag verſchied in Auer=
bach
a. B. nach ſchwerem Leiden unſer
lieber Bruder, Schwager und Onkel (10238
Herr
Ludwia Küchler
Kaiserl, Deutscher Konsul a. D.
im 66. Lebensjahre.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Dodo Küchler,
August Küchler.
Auerbach i. Heſſen, Bremen, Darmſtadt
und Mannheim, den 1. Mai 1912.
Die Beiſetzung findet Freitag, den 3. Mai,
nachmittags 4½ Uhr, in Darmſtadt von der
Leichenhalle des Friedhofs aus, ſtatt.

(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Todes-Anzeige.
Nach langem, ſchwerem, mit größter Ge=
duld
ertragenem Leiden iſt heute nacht unſere
liebe Schweſter und Tante
(B10293
Fräulein
Amalie Curschmann
ſanft entſchlafen.
Darmſtadt, den 1. Mai 1912.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet in aller Stille ſtatt.

Statt jeder beſonderen Anzeige.
Geſtern mittag 1 Uhr entſchlief ſanft nach
kurzem, ſchwerem Leiden mein lieber Mann,
unſer guter=Vater, Schwiegervater u. Großvater
August oustus Meratmann
Chefredakteur der Münchner Neueſten
Nachrichten i. P.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Charlotte Mordtmann,
geb. Gaulé.
Darmſtadt, den 1. Mai 1912.
Die Beerdigung findet Freitag vormittag um
11 Uhr, von der Kapelle des Friedhofs aus,
(10277
ſtatt.

Tageskalender.

Hoftheater, Anf. 7½ Uhr (Ab. C): Torquato Taſſo.
Monatsverſammlung des Gartenbau=Vereins um
8 Uhr im Fürſtenſaal
Konzerte: Hotel Heß, Bürgerkeller, Reſt. Metropol
und Perkeo um 8 Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.


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Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 2. Mat 1912.

fahrplan der elektriſchen Straßenbahn Darmſtadt.

Dieſlachtzeitnv. Jabende bis heu frühſinwd.
Unterſtreichung derMinutenziffer gekennzeichnet.

Gültig vom 1. Mai 1912.
I. Böllenfalltor-Ernſt=Ludwigsplatz-Hauptbahnhof (Signalfarbe weiß).

Ausfahrende Wagen alle Zinien
700 alle 1000 1012
ab
is bit glö gu geb ges 620 gis Gaut gs 6it 615
1277 ab
Min.
554 620 625 627 632 634 636 688 640 644 647 651 706 bis 1006 1015
1222 an

Böllenfalltor
Wagenhalle
Herdweg

Einſahrende Magen aller Uinien
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an
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bis 1005
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5at n Ges ert Gi geu giu 6s go dit htr gu 60 7eh au
Tab
alle
600 616 631 633 638 640 642 644 646 650 653 657 705 712
Miſt. 1015 10 Mein.
Läie
607 623 638 645 649 653 657 700 704 712719 bis 1019 bis
1225 an

Herdweg
Ernſt=Ludwigsplatz
Hauptbahnhof

(0
an 6n
aie 100 gne
1150 11s 11 112 11 12g 12m
601 615 630 645 653 700 Min. 1000 12 Min. 112 11ms 1128 11gs 1125 122à 12gs
bis
ab 608 623
1117 1125.
1214 1235
653 bis 955

II. Landskronſtraße-Ernſt=Ludwigsplatz-Hauptbahnhof (Signalfarbe blau).

zu
u ate 15 11k 112 15 ab
9
2u
ane
701 7½ Min. 95: 1000 1006 12 Min. 1118 1130 Ps 1156
708 bis 1020 1027 1018 bis 1125
§ 1225 an

Landskronſtraße
Ernſt=Ludwigsplatz
Hauptbahnhof

65 6s 70 ate
an
eie 12 14
18
684 641 649 7½ Min. 956 1006 12 Min. 1118 1122
bis
642 bis
1111 1125.
ab
942 959

III. Ernſt=Ludwigsplatz-Rheintor-Schloßgartenplatz (Signalfarbe rot).

6e0 grsgt it gs 7o0 71t rat 720
(2 10m 10s teg 1oi 1. sS 1m 12s ab
int
633 640 648 655 703 710 718 725 783 7½ Min. 1003 1014 1026 1038 1050 1102 1114 112g=
641 648 656 705 711 718 726 733 741 bis 1011 1022 1034 1045 1088 1110 11221122 an

Ernſt=Lndwig=Plah
Rheintor
Schloßgartenplatz

an 6u 70 70s 15 15 70 3s 740 195 6.0
660 650 pot zu 2u0 7esrarilztbren al. 10 tcta llat 2
Min. 1011 10231022102210591111112311351145
bis
ab 641 648 656 703 711 71872673374174s
1093 10151022102910511193111211221137

IV. Heidelbergerſtraße-Taunusſtraße-Faſanerie (Signalfarbe grün).

in ies ſehteneneelen
alle
644 651659
1a5 10s M5 gs u min. ua 1 515
7½ Min. bis
651 659706
112s112s
1024
1014
an

Heidelbergerſtraße
Ernſt=Ludwigsplatz
Taunusſtraße

a5
51 viertelſtündlich 951
bis
an
658 5S 1

an 651 658 706 713 721 S 1006 An Sonn= und Feiertagen bis 1128
614 65l 650 700 714 Sg 980 10 1015 105 ale III I1
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Taunusſtraße
Faſanerie

e e 2e
an
06 viertel= 921 1006
ſtündlich bis
ab 701 200
945 1000

Deſe Wazen warten, neun derSchnlzug aus ftranfur Verwpälung hat erforderichenfals bis 114.
*§ Dieſe Wagen warten die Wagen 1125, (ab Bahnhof) ab.
An Sonn= und Feiertagen wird abends auf allen Linien mit Ausnahme der beiden Außenſtrecken (Herdweg=Böllenfalltor und Taunusſtraße=Faſanerie), der 7½ Minutenbetrieb bis abends
½12 Uhr (Ernſt=Ludwigsplatz) durchgeführt.
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Rheinhechte Schleien
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Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 2. Mai 1912.

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deten
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möchte Einſenderin dieſes den Ge=
dank
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Beſſerer Herr
Mitte der zwanziger ſucht Bekannt=
ſchaft
mit chiker junger Dame, auch
ohne Vermögen, zwecks Heirat.
Photographie, welche zurückge=
ſandt
wird, erwünſcht. Briefe be=
liebe
man u. G 97 a. d. Exp
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d. Bl. zu richten.

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Kurſe vom 1. Mai 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz,
Af.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,00
3½ Deutſche Reichsanl. . 90,49
81,50
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,00
90,40
3½ do. Conſols .
81,40
3. do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,00
93,00
do.
3½
84,10
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100, 70
3
do.
89,10
do.
3
4 Hamburger Staatsanl. 100,30
4 Heſſ. Staatsanleihe 99,75
4 do. do. (unk. 1918) 99,80
89,10
do.
3½
3
78,30
do.
80,80
3 Sächſiſche Rente.
4 Württemberger v. 1907 100,40
95,00
do.
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 101,20
1¾ Griechen v. 1887 . . 54,00
3¾ Italiener Rente . .
4½ Oeſterr. Silberrente 92,50
4 do. Goldrente . . . 96,25
4 do. einheitl. Rente 89,40
3 Portug. unif. Serie I 64,75
3 do. unif. Ser. III
3 do. Spezial . . . . 10,30
5 Rumänier v. 1903 . . 101,30
4 do. v. 1890 .
14 do. v. 1905 . . 91,50
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 90,50
4 do. v. 1902 . . . . 90,20
4½ do. v. 1905-. . . . 100,50
3½ Schweden . . . J. . 89,90
4 Serbier amort. v. 1895 85,00
4 Türk. Admin. v. 1903 84,50
4 Türk. unifiz. v. 1903 90,80
4 Ungar. Goldrente . . . 91,30
4 do. Staatsrente. . . 89.70

In Proz.
. . 101,25
5 Argentinier
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 92,30
5 Chineſ. Staatsanleihe . 100,30
94,70
do.
4½ Japaner . . . . . . . 94,70
5 Innere Mexikaner . . . 94,90
60,00
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,30
5 Gold=Mexikaner . . . . 100,20
3 Buenos Aires Provinz 72,00
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika=Paket=
.145,25
fahrt
5 Nordd. Lloyd . . . . . 116.50
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 124,50
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 113,00
8 Baltimore und Ohio . 110,90
Schantungbahn 138,90
6½ Luxemb. Prince Henri 1615
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 17,10
6 Pennſylvania R. R. . 119,80
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger . . 73,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik
. . . 495,50
14 Chem. Fabrik Gries=
heim

.265,00
30 Farbwerke Höchſt . . 581,25
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . 343,00
10 Cement Heidelberg . 156,05
30 Chem. Werke Albert 453,00
12½ Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 315,30
4 Lahmeyer . . . . . . . 130,00

In Proz.
Brbid.
7½ Schuchert, Nürnberg 163,25
12 Siemens & Halske . 244,80
5 Bergmann Electr. . . 155,00
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 178,20
0 Gummi Peter . . . . 140,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 183,50
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 478,50
10 Maſchinenf. Badenia 185,00
6 Wittener Stahlröhren 192,00
8 Steana Romana Petr. 142,00
15 Zellſtoff Waldhof . 239,50
12½ Bad. Zucker= Wag=
häuſel
. . . . . . . 216,00
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 122,50
3 Südd. Immobilien 69,00
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 197,75
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 234,60
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb.
. 186,50
10 Gelſenkirchener . . . . 199,00
8 Harpener
. . . 196,75
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 267,50
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 90,00
4 Laurahütte . . . . . . 182,00
10 Kaliwerke Aſchersleben.
Weſteregeln 193,00
7½ South Weſt Africa
Prioritäts=
Obligationen.
Südd. Eiſenb.=Geſ. 90,00
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 100,20
4 Eliſabethbahn, freie . . 96,50
4 Franz=Jofefs=Bahn . . 92,50
3 Prag=Duxer .
.77,50
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn . 94,75
do.
78,80
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,80

In Proz.
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 79,80
53,70
do.
3 Raab=Oedenburg
77,00
4 Kronprinz Rudolfbahn 96,20
4 Ruſſ. Südweſt . . . . . 88,90
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,70
do.
4 Wladichawchas . . . . 89,40
4 Rjäſan Koslow . . . . 89,00
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 77,00
do.
91,00
Livorneſer . . . . . 69,00
3 Salonique=Monaſtir . 65,30
4 Bagdadbahn . . . . . . 84,00
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 97,30
4 Miſſouri=Paciſic . . . . 74,40
4 Northern=Pacific . . . 100,40
4 Southern=Pacific . . . 95,30
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 88,20
5 Tehuantepec . . . . . . 99,80
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . 198,25
Bergiſch=Märkiſche
Bahn . . . . . . . 150,40
Berlin. Handelsgeſ. . 167,70
6½ Darmſtädter Bank . 122,00
12½ Deutſche Bank . . . 256,50
6 Deutſche Vereinsbank . 124,00
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 118,50
10 Diskonto=Kommandit 184,80
8½ Dresdener Bank . 153,5
9½ Frankf. Hypoth.=B. 215,00
6½ Mitteld. Kreditbank 118,30
7 Nationalb. für Deutſchl. 122,60
7 Pfälziſche Bank . . . . 130,00
137,50
5.86 Reichsbank
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,40
½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . 128,50
Wiener Bankverein . 134,10
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 48,80

Bf. Pfandbriefe. InProz.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 .
.. 90,00
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 1519, 2126 98,80
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,50
do.
3½
89,00
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
3½
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
S. 14, 15, 17, 24/26
1823.
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68 .
S. 35 . . .
. ,
S. 911
,
4 Meininger Hyp.=Bank 99,50
3½
do.
89,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 98,30
3½ do. (unk. 1914) . . 88,50
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,20
do.
8½
89,60
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . .
.
8½
89,55
4 Frankfurt.
100,50
8½ do.
93,00
4 Gießen .
3½ do.
4 Heibelberg
99,30
3½ do.
4 Karlsruhe
99,30
8½ do.
90,50
4 Magdeburg.
3½ do.
4 Mainz . .
99,00
3½ do.
4 Mannheim
3½ do.
89,30
4 München
100,40
3½ Nauheim
4 Nürnberg.
99,60
3½ do.
90,40
4 Offenbach .
98,50

Sf.
In Proz
3½ Offenbach . . .
4 Wiesbaden . . . . . . 100,20
3½ do.
90,00
4 Worms . . . . .
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888 .
Verzinsliche
Anlehensloſe,
4 Badiſche . . . Tlr. 100
½ Cöln=Mindner 100 136,50
3 Holl. Komm. . fl. 100 107,00
3 Madrider . . Fs. 100 75,50
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
.
. 137,00
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 179,00
3 Oldenburger .
2½ Raab=Grazer fl. 150 115,50
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20
Freiburger . . . . Fs.15
Fs. 45
Mailänder .
Fs. 10
do.
Meininger . . . . . fl. 7
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 522,00
do. v. 1858ff.100
Ungar. Staats . . fl. 100
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 170,00
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,45
20 Franks=Stücke . . . . 16,22
Amerikaniſche Noten . . . 4, 19½
Engliſche Noten . . . . . 20,48
Franzöſiſche Noten. . . . 81,10
Holländiſche Noten. . . . 169,45
Italieniſche Noten . . . 80,20
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,85
Ruſſiſche Noten . . . . 215,50
Schweizer Noten . . . . . 81,00

Reichsbank=Diskonto. .
Reichsbank=Lombard Zsf. 6

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 2. Moi 1912.

Nummer 103:

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[ ][  ][ ]

Landwirtſchaftskammerwahl.

Bei der heutigen Wahl durch die Vertrauensmänner im IV. Wahlbezirk der
Provinz Starkenburg iſt
Herr Karl Fritſch II. zu Dilshofen
zum Mitglied der Landwirtſchaftskammer und die Herren
1. Georg Benz XlV. zu Arheilgen,
2. Konrad Gunkel II. zu Roßdorf
zu Mitgliedern des Ausſchuſſes der Landwirtſchaftskammer für die Provinz Starken=
hurg
gewählt worden.
Einwendungen gegen die Wahl können binnen einer Woche nach Ablauf des
heutigen Wahltags (bis einſchließlich 4. Mai 1912) erhoben werden. Sie ſind bei der
Bürgermeiſterei des Wohnorts oder bei dem Unterzeichneten vorzubringen.
Darmſtadt, am 27. April 1912.
Der Wahlkommiſſär:
Reinhart, Großh. Regierungsrat.
(10248

Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß am 3., 6., 7., 9., 10., 13.,
14. nud 17. Mal 1912, von vormittags 7 Uhr bis zum Dunkelwerden, Schießen mit

ſcharfer Munitlon von Trupenteiln des 13 Armekorps auf dem Schiewpaß bei
Meſſel abgehalten werden.
Schußrichtung vom Steinhügel, 1 km nördlich Meſſel, in nordnordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rukſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich,
Weſten: Dammweg-Brunnersweg ausſchließlich,
Süden: Forſthaus Steinacker-Steinhügel ausſchließlich,
Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milches
wieſe-Sauwieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegeſchranken und Warnungstafeln ab=
geſperrt

Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten. ( Polizeiver=
ordnung
Kreisamt Darmſtadt 25. September 1909, Kreisamt Offenbach a. M. 20. Sep=
tember
1900)
Wenn das Schießen früher beendet iſt, werden die Gemeinden Meſſel und
Offenthal von Aufhebung der Abſperrung ſofort benachrichtigt.
(10253a
Darmſtadt, den 19. März 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

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Donnerstag, den 2. Mai 1912, vorm. 11 Uhr,
verſteigere ich an Ort und Stelle öffentlich zwangs=
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Darmſtadt, 26. April 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
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Copyright 1910 by Anny Wothe, Leipzig.
Die Freude, ach, die Freude, lachte er gerührt. Was
wird bloß der Kapitän ſagen, wenn er an Bord kommt.
Ganz närriſch wird er ſein vor Freude.
So? Meint ihr das wirklich, Stevens? Na, ihr müßt
ja euren Herrn kennen. Wann kehrt der Kapitän heim?
Das kann ich wirklich nicht ſagen, Frau Helga. Schon
vor mehr als drei Wochen wollte er von einem Ausflug
nach dem Geyſir und der Hekla zurück ſein, aber er iſt noch
nicht eingetroffen.
Ausflug? Allein? fragte Helga kurz.
Nein, bewahre, ne ganze Menge, ſogar Frauensleute
ſollen dabei ſein. Ach ſo, ſchloß er verlegen, na, ich meine
man ſo.
Helga nickte.
Ich werde in der Kapitänskajüte auf Ingwald Ander=
ſen
warten.
Natürlich, natürlich, beeilte ſich der Steuermann zu=
zuſtimmen
, eiligſt Helga folgend, die mit ſicherer Haltung
der Kajüte ihres Mannes zuſchritt. Mit einem tiefen Auf=
atmen
trat ſie über die Schwelle.
Der Steuermann drehte mit zitternder Hand das elek=
kriſche
Licht auf, und erſchrack nicht wenig vor dem geiſter=

beichm Eeſcht der Fran die erſo frſch und biſtend ver=
laſſen
hatte.
Iſt euch nicht wohl, Frau Helga?
Ganz wohl, guter Freund, ſorgt euch nicht.
Soll ich euch nicht einen Punſch brauen? Oder wünſcht
ihr etwas zu eſſen?
Nein, Stevens, danke, das Einzige, was ich wünſche,
iſt, daß ihr mich jetzt allein laßt. Ich werde hier der Rück=
kehr
des Kapitäns harren
Sie neigte ein klein wenig den Kopf, und Stevens
ging zögernd hinaus.
Wie merkwürdig die Kapitänsfrau ihm vorkam. So
hatte er ſie garnicht in der Erinnerung. Wie ſie wohl bloß
hierher gelangt war? Die weite Reiſe, und jetzt, wo der
Winter kam und der Kapitän doch an die Heimreiſe denken
mußte.
Na, der Kapitän würde Augen machen. Ob er ihn
vorbereitete, wenn er an Bord kam?
Nein, kein Gedanke, das ſollte eine Ueberraſchung wer=
den
, wenn Ingwald Anderſen in die Kajüte trat und ihm
dort ſeine ſchöne Frau um den Hals fiel.
Ja, wer es ſo gut hatte.
Seufzend ſtieg der Alte wieder zu der Kommando=
brücke
empor, um Ausſchau in den dunklen Tag zu halten.
Im Hafen von Reykjavik flimmerten die Lichter, der
Schnee lag auf den Dächern wie weißer Sammet, und wie
große, weiße Rieſen drohten die mächtigen Gletſcher über
dem Faxabuſen.

Helga muſterte, als ſie allein war, die Kajüte, wie
eine ganz fremden Raum. Wie ſonderbar das doch war.
Dort über dem Schreibtiſch des Kapitäns hatte ſonſt
ihr Bild gehangen,, mit lächelnden Augen, in großer Ge=
ſellſchaftstoilette
, ein Bild, das Ingwald immer beſonders
geliebt, weil ſie ſchön darauf war, ſchön und ſtolz, wie er
es gern hatte.
Und nun war der Platz hier leer, ganz leer.
Ein tiefes Weh, ein heißer, krampfartiger Schmerz
preßte Helga die Bruſt zuſammen.
Alſo nicht mal ihr Bild duldete er in ſeiner Nähe.
Es lag vielleicht tief verſenkt im Meeresgrunde.
Könnte ſie doch auch unter den ſchwarzen Wellen
ruhen.
Und weiter irrten ihre Augen durch den ihr ſo wohl
bekannten Raum, den ihre Liebe einſt für ihn geſchmückt.
Dort dieſe weichen Kiſſen und Decken auf dem Divan
waren von ihrer Hand, und dort die hübſchen Taſſen und
Gläſer in den blanken Geſtellen hatten ihre Hand ihm
mit den kleinen Malereien geziert, damit ſie ihm in der
Ferne ſagen ſollten, daß ſein Weib bei ihm war alle
Tage, wenn er auch weltenfern.
Helga fröſtelſe. Ihxe Augen wurden groß und
weit.
Dort auf dem Schreibtiſch aber ſtand ein kleines
Bild, das lachte ihr ſo froh, ſo ſorglos entgegen.
Ihr und ſein Kind.

[ ][  ][ ]

Nummer 103.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 2. Mai 1912.

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Und Helga ſtürzte auf das Bild zu, das Einar =
muſſen
an Ingwald jüngſt geſandt und preßte es heiß
an ihre Lippen.
Du, Du, ſollſt mir helfen, mein kleiner Orm, flüſterte
ſie, Deinetwegen bin ich dieſen ſchrecklichen Weg, den
ſchwerſten meines Lebens, gegangen, Deinetwegen will
ich verſuchen, den Mann zurückzugewinnen, der Deine
Mutier um einer anderen willen verſchmäht. Vor mir
ſelber ſchäme ich mich, daß ich den Verſuch wage. Ich
bin nicht ich, wenn ich es tue, aber Deinetwegen, mein
Herzblatt, mein ſüßer Junge, will ich den Kampf auf=
nehmen
, vor dem mir graut, und der meiner nicht wür=
dig
iſt.
Dumpf ſchlugen die Wellen gegen den Bug der Katla.
Helga iſt auf dem ſchmalen Divan zuſammen geſun=
ken
und ſtarrt ins Licht. Wie iſt da Warten doch ſo
martervoll, und wie endlos der Tag, der beinahe Nacht
iſt, ein graues Dämmern, vor dem ſie ſich fürchtet.
Ohne Herbſt geht es in dieſem merkwürdigen Lande
von heißen Sommertagen meiſt ſofort in den Winter
mit, ſeinen ewigen Nächten. Oft aber auch bleibt der
Sommer ganz aus, und ein Winter reiht ſich mit ſeiner
glitzernden, ſchneeweißen Pracht an den anderen.
Frau Helga ſinnt darüber nach. Sie weiß, wie ge=
fährlich
es iſt, hier in Island einzufrieren, und ſie denkt
daran, wie es vielleicht für ſie unmöglich ſein könnte
über das weite Polarmeer nach Hauſe zu kommen.

ee e e ceene en r gete
nicht ihren Kurs heimwärts nahm und zwiſchen Eis
und Schnee verſuchte, das freie Meer zu gewinnen?
Die Herfahrt hierher war ſchon ſo ermüdend und
beſchwerlich geweſen. In Tromſö hatte ſie länger als
14 Tage raſten müſſen, weil plötzlich ihre Kräfte verſagt
hatten, und ſie nicht weiter konnte. Sie, die nie krank
geweſen, die mit Ingwald und Einar auf Schneeſchuhen
halb Norwegen durchſauſte, die keine Ermüdung kannte,
die bis zu den höchſten Gletſchern mühelos hinangeſtie=
gen
, die ſich im Kampf mit Wind und Wetter ſo wohl
gefühlt, die brach zuſammen, wenn der erſte Schneeſturm
über die Fjelde raſte? Nein, ſondern darum, weil eine
Schneelawine über ihr Herz rollt und es verſchüttet.
In Tromſö und auch in Reykjavik hatte ſie Depeſchen
von Einar vorgefunden. Gute, liebe Worte und doch
ſo fremd, als hätten ſie nie des Lebens Leid und Freud
geteilt. Wie ſeltſam ſie das berührte, und wie weh
das tat.
Die Mutter und Orm ſeien wohl, und er ginge alle
Tage zu ihnen, um Orm Märchen zu erzählen, telegra=
phierte
Einar unter anderem.
Und ein heißes Heimweh quoll in Helga auf, eine
brennende Sehnſucht nach dem ſtillen Feuer im Kamin
in der Halle von Helgenaes, wo es ſo ſtill war, und wo
Einars weiche Stimme ſo beſchwichtigend krang, wenn
ſeine Worte in der Dämmerung die alten Sagen leben=

big undm ſichen, Snen, di ſichie eine weche dan
auf ſchmerzende Wunden legten, wenn ſie ſein Mund in
leiſen, verhaltenen Tönen wiedergab und im Kamin die
roten Flammen kniſterten.
Mußte ſie auch den Freund verlieren? War es nicht
ſchon genug des Elends, der Schmach, daß ihr Gatte ſie
von ſich ſtieß? Hatte ſie es verdient, daß ſich alle von
ihr wandten? Sollte ſie, die bisher immer nur begehrt
geweſen, um Liebe betteln?
Nein, nein! ſchrie ſie verzweifelt auf. Nein, ich will
nicht!
Das Licht tat ihr weh. Sie konnte den leeren Fleak
an der Wand, wo ihr Bild gehangen, nicht ſehen. Dort
das Bett Ingwalds mit den vielen Schiebekäſten darun=
ter
, in denen vielleicht ihre Briefe lagen, Liebesworte,
die ſie ihm nachgeſandt, während er in der Ferne ihrer
kaum gedachte.
Ich könnte ihn töten, zuckte es in ihrer Seele auf,
während ſie das Licht ausknipſte, ich glaube, ich haſſe ihn,
daß er es vermochte, mich ſo leichten Kaufes aufzugeben,
weil irgend ein anderes Frauenbild plötzlich vor ſein
Auge trat.
Helga kauerte ſich in der jetzt ganz dunklen Kabine
fröſtelnd zuſammen. Hier im Finſtern wollte ſie Ingwald
Anderſen erwarten.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

4.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 2. Mai 1912.

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beizufügen iſt, ſind die Zeug=
niſſe
beizuſchließen.
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Darmſtadt, 30. April 1912.
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Nummer 103.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 2. Mai 1912.

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0,4 Liter, rauh . . Stück
Stangengläser
0,4 Liter, poliert . Stück 12
Stangengläser
12,
0,5 Liter, rauh u. pol., 15 u.
Apfelweingläser
. Stück 42
0,3 Liter
Henkelgläser
0,4 Liter, geaugt . Stück Gag
Henkelgläser
Stzt 20
0,5 Liter, amerik.
Kaiserbecher
Sück 14,
0,3 Liter
Kaiserbecher
16.
glatt, 0,2 u.-½ Liter, Stück
Kaiserbecher
geschliffen, 0,2 u. ½ Liter 28

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3 Kaffeelöffel.
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( Alumini-
löffel
, 1 Milchlöffel und
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1. 10
3 Milchtöpfe,
cm
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Bügelbretter
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55, 40 und
Wichskasten
35, 30 und 26
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4 Pfg.
Kleiderbügel
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mit Steg 8 Pfg. Dutzend
Handtuchhalter
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85, 45 und
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1. Entgegennahme des Geſchäftsberichts.
2. Abhör der Jahresrechnung und Entlaſtung des Rechners.
3. Feſtſtellung der neu aufgeſtellten Satzung.
4. Wahl der Vorſtandsmitglieder.
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Torquato Taſſo.
Schauſpiel in 5 Akten von Goethe.
Spielleitung: Oberregiſſ. Valdek.
Perſonen:
Alphons d. Zweite,
Herzög v. Ferrara Hr. Heinz.
Leonore v. Eſte, d.
Herzogs Schweſt. Frl. Meißner
LeonoreSanvitale
Gräfin v. Scan=
.Frl. Alſen
diano.
Torquato Taſſo . Hr. Baumeiſter
Antonio Monte=
catino
, Staatsſekr. Hr. Lehrmann
Nach dem 3. Akte längere Pauſe.
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Proſzeniumsloge 5 Mk., Fremden=
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5 Mk., Balkonloge 4.50 Mk.,
1. Rang 4 Mk., 2. Rang: 16.
Reihe 2 Mk., 7. u. 8. Reihe 1.60 Mk.,
Sperrſitz: 1.13. Reihe 3.50 Mk.,
14.20. Reihe 3 Mk., Parterre:
1.5. Reihe 2.20 Mk., 6.8. Reihe
1.80 Mk., 4. Galerie 1 Mk., 2. Ga=
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Anf. 7½ Uhr. Ende nach 10 Uhr.
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Nummer 103.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 2. Mai 1912.

Seite 19.

ist man empffndlich. Rasch ist
eine Erkältung da u. die Stimme
ist öfter belegt u. heiser als frei.
Das lästige Gefühl de belegten
Stimme vergeht, sobasi man ein
paar Wybert-Tabletten zu
sich nimmt, die immer zur Hand sein müssen u. in
allen Apotheken u. Drogerien 1 Mark pro Schachtel
kosten. Bei Erkältung lindern sie den Hustenreiz u.
bringen den Katarrh schnell zum Schwinden. (14560

Zur Beſoldungsvorlage der Lehrer.

* Man ſchreibt uns: Bei einer Gehaltsaufbeſſerung
kann verlangt werden, daß die Summen, welche die Ge=
halte
wieder in Einklang mit der verteuerten Lebenshalt=
ung
bringen ſollen, ſo verteilt werden, daß jeder Betei=
ligte
dabei zu ſeinem Rechte kommt. Wie ſoll es aber
nach der Regierungsvorlage den Volksſchullehrern gehen?
Sie ſind falſch eingereiht. Mit 3400 Mark penſionsfähi=
gem
Gehalt gehören ſie heute ſchon zu den mittleren
Beamten mit 30004600 Mark höchſterreichbarem Gehalt.
Damit ſind ihnen 10 Prozent Aufbeſſerung zuzubilligen,
wie dieſer Beamtenabteilung. Nun aber reiht die Re=
gierung
die Lehrer unter die Beamten mit 20003000
Mark ein und will 11 Prozent Aufbeſſerung geben. Der
Unterſchied in den Bezügen wird nicht groß ſein. Rechnet
man beiſpielsweiſe 11 Prozent von 1600 Mark Gehalt
(ohne Wohnung) 176 Mark. Dagegen 10 Prozent von
1600 400 2000 Mark penſionsfähigem Gehalt 200
Mark Aufbeſſerung.
Nun kommt für die Beamten weiter hinzu, daß das
Wohnungsgeld erhöht und mit dem bisherigen Wohn=
ungsgeldſatz
zuſammen penſionsfähig gemacht werden
ſoll. Dieſe Aufbeſſerung iſt von großer Bedeutung für
die Beamten, und davon ſollen die Lehrer ausgeſchloſſen
werden. Die Regierungsvorlage begründet dies Vor=
gehen
damit, daß die Lehrer ja ſchon volle Wohnungs=
vergütung
oder Dienſtwohnung hätten. Das iſt wohl
richtig. Aber wahr iſt auch das, daß dafür die Beamten
im Jahre 1898 einen einheitlichen penſionsfähigen Ge=
haltsſatz
erhielten, um ihre Wohnung beſtreiten zu kön=
nen
. An 1907 wurde erneut ein Wohnungsgeld einge=
führt
. Dieſes erhöht man neben der prozentualen
Gehaltsaufbeſſerung und macht es penſionsfähig. So=
mit
iſt Wohnungsgeld nichts anderes als
Gehalt.
Durch dieſe letztere Form der Beamtenaufbeſſerung
unter Zurückſetzung der Lehrer entſtehen Differenzen zwi=
ſchen
den Beamten= und Lehrergehalten, die die Lehrer
tief verletzen. Der ſtechende Dorn beſteht in der Darſtel=
lung
: die Lehrer erhalten 11 Prozent Zulage wie die
Beamten. Dienſtwohnung haben die Lehrer. Mithin
waren die Beamten bisher im Nachteil. Dieſer Nachteil
wird durch das Wohnungsgeld der Beamten ausgegli=
chen
. Verſchwiegen wird aber, daß der Aufwand für
Wohnung bisher im Gehalt ſteckte.
Immerfort heißt es, die Vorlage ſei ſozial wirkend;
der Diener erhält 13 Proz. Gehaltszulage, der
Miniſter 4 Prozent. Einſchließlich des Wohnungs=
geldes
entſteht aber für die Beamten eine Geſamtaufbeſ=
ſerung
des penſionsfähigen Gehaltes in dem

hübſchen Umfang, daß ſie bei dem Diener 35 Prozent,
bei dem mittleren Beamten 22,5 Prozent, beim Kreisrat
20,2 Prozent und bei dem Miniſter 19 Prozent beträgt.
Aus 4 Prozent werden ſomit 19 Prozent. Der Volks=
ſchullehrer
erhält eine Steigerung ſeines penſionsfähigen
Einkommens von 9,7 Prozent, oder in Mark ausgedrückt,
der mittlere Beamte 900 Mark, der Kreisrat 1420 Mark,
der Miniſter 2280 Mark, der Lehrer 330 Mark. So nimmt
ſich das unverſchleierte Bild für die Lehrer aus. Die Her=
ren
Landtagsabgeordneten werden einer ſolchen Behand=
lung
der Lehrer nicht zuſtimmen wollen. Was die Volks=
ſchullehrer
jetzt verlangen, das iſt wenigſtens gleiche
Behandlung innerhalb der von der Regie=
rung
vorgeſchlagenen Art der Aufbeſſe=
rung
.

Sport.

* Radrennen. Die Radfernfahrt Rund um
Aachen wurde zum dritten Male entſchieden und ſah
40 Fahrer am Start. Das 240 Kilometer lange Rennen
war vom Wetter außerordentlich begünſtigt, ſo daß die
erzielte Stundendurchſchnittsgeſchwindigkeit faſt 34 Kilo=
meter
beträgt. Als Sieger ging der bekannte Züricher
Paul Suter nach 7 Stunden hervor, der ſeinen Lands=
mann
Choppard im Spurt um eine Länge ſchlug. Drit=
ter
Franz Suter, 7.05:00; Vierter Ernſt Franz, 1 Länge
zurück; Fünfter E. Aberger, 5 Längen zurück; Sechſter
Jean Eſſer, dichtauf.
* Fußball. Die Fußballmeiſterſchaft von
Frankreich wurde in Paris vom Fußballklub von
Saint=Raphael gegen die Aſſociation Sportive Frangaiſe
mit 221 gewonnen. Damit iſt die Meiſterſchaft wieder=
um
nicht an die franzöſiſche Hauptſtadt gefallen, die nun
ſowohl im Rugby= wie im Aſſociation=Fußballſport ſeit
mehreren Jahren leer ausgegangen iſt.
* Lawn=Tennis. Die engliſche Lawn= Ten=
nis
=Meiſterſchaft auf gedeckten Spielplätzen iſt
jetzt in allen Spielen entſchieden. Die noch ausſtehende
Meiſterſchaft im Herren=Einzelſpiel gewann der Vertei=
diger
des Titels, der Franzoſe Gobert, der den Auſtralier
Wilding nach ſpannendem Kampfe 36 57 64 64
64 ſchlug. Das Herren=Doppelſpiel fiel an Hardy=
Douſt. Ein Weltmeiſterſchatsmatch zwiſchen den bei=
den
Profeſſionals Fairs und Covey nahm bei einem Ein=
ſatz
von 500 Pfund Sterling ſeinen Anfang im Prinzeß=
klub
in London. Das Match geht über 30 Sets. In den
erſten vier Sets konnten die beiden Gegner gleiche Er=
folge
erringen. Fairs gewann zwei mit 65 63 und
Covey die beiden anderen 64 65.
* Sportverluſte durch die Titanic‟. Die Titanic=
Kataſtrophe hat auch unter den Sportleuten verſchiedene
Opfer gefordert. Zu dieſen gehört auch der in Deutſch=
land
bekannte kanadiſche Eishockey=Spieler Quigg=
Baxter, der ſeit zwei Jahren für die Pariſer Meiſter=
ſchafts
=Mannſchaft, den Club des Patineurs, ſpielte. Für
die blau=weiß=roten Farben kämpfte er auch im vergan=
genen
Winter in Chamanix bei den dortigen Pokalſpielen
gegen den Berliner Schlittſchuhklub. Später war er in
der deutſchen Reichshauptſtadt beim Berliner Schlitt=
ſchuhklub
zu Gaſte, da er ſich vom nächſten Jahre ab
dauernd in Berlin niederzulaſſen beabſichtigte. Baxter
war der beſte kanadiſche Eishockeyſpieler, der jemals nach
Europa gekommen iſt, und ſeine Spielweiſe war für alle
vorbildlich, trotzdem er durch den Verluſt eines Auges,
das er bei einem Spiel in ſeiner Heimat eingebüßt hatte,
ſtark beeinträchtigt war. Baxters Mutter wurde gerettet,

während er ſelbſt dem Eiſe, das er ſo ſehr liebte, zum
Opfer fiel. Der engliſche Boxſport hat nicht weniger
als vier ſeiner Kämpen verloren, und zwar die profeſ=
ſionellen
Leichtgewichts=Boxer Eddie Morgan, David
Bowen, Leslie Williams und Fred Dyer, die eine ameri=
kaniſche
Tournee unternehmen wollten. Von allen die=
ſen
ſo tragiſch ums Leben gekommenen Sportleuten iſt
nur die Leiche Leslie Williams von dem ausgeſandten
Bergungsdampfer geſichtet und nach New=York über=
geführt
worden.

Handel und Verkehr.

H. Frankfurt a. M., 30. April. ( Fruchtmarkt=
bericht
.) Am Wochenmarkt war die Tendenz eine feſte,
jedoch die Umſätze ſehr beſchränkt; da die Mühlen und der
Konſum nur das notwendigſte kauften. Landroggen
war eher etwas williger, dagegen Futtergerſte,
Hafer und Mais recht feſt. Das Geſchäft in Weizen=
und Roggenmehl blieb ebenfalls infolge der heraufgeſetzten
Preiſe ganz geringfügig.
Der Mannheimer Getreide markt iſt wieder
feſt. An der Berliner Produktenbörſe war
Getreide anfangs feſt, beſonders Herbſtſichten auf das
kühle, trockene Wetter, dann aber abgeſchwächt auf Reali=
ſationen
und Verkäufe einiger Kommiſſionäre. Ameri=
kaniſche
Offerten waren für JuniLieferungen eher etwas
ermäßigt. Hafer, Lokoware, gefragt und feſt, für Liefer=
ungen
billiger. Nach den letzten Kabelnachrichten von
den amerikaniſchen Getreidemärkten (New=
York und Chicago), erfolgte für Weizen ein vollſtändiger
Tendenzumſchwung zur intenſiveren Mattigkeit, verurſacht
durch das regneriſche Wetter in Kanſas, ſtarke Manipulatio=
nen
und baiſſelautende Meldungen über die Ankünfte im
Nordweſten der Vereinigten Staaten. Auch wurden gün=
ſtige
Berichte aus dem Südweſten bekannt. Man glaubt,
daß die Regenfälle in Kanſas eine Ernte von 90 Millionen
Buſh. ſichern. Mais im Einklang mit Weizen gleichfalls
nachgebend. Die Witterungsprognoſen berichteten über
ſtarken Regen.
Die Ankündigung guten Wetters und die Schätz=
ungen
größerer Eiſenbahnzufuhren, beſonders aus dem
Innern, drückten den Preis. Die ſichtbaren Weizenvorräte
ſind dort in dieſer Woche von 54,45 Mill. Buſh. und die
Weizenvorräte von 10,59 Mill. Buſh. auf 8,01 Mill. Buſh.
zurückgegangen; während die Weizenvorräte in Kanada
in dieſer Woche von 31,09 Mill. Buſh. auf 31,41 Mill. Buſh.
geſtiegen ſind.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilo wie folgt:
Weizen hieſ. und Wetterauer 24,6024,75, Kurheſſiſcher
24,6026,25, Laplata 2526,25, Redwinter 2526,25, Kan=
ſas
2526,25, Nordd. 24,6024,75, Ruſſiſcher 2526,25,
Rumäniſcher 2526,25, Manitoba 2526,25, Walla Walla
25,2526,25; Roggen hieſ. 2121,75, Ruſſiſcher 21,25
bis 21,75, Rumäniſcher 21,2521,75, Bayeriſcher (Pfälzer)
2121,75, Amerikaniſcher .; Gerſte (Pfälzer)
Fränkiſche hieſige und Wetterauer
Riedgerſte
Ungariſche
, Ruſſiſche Futtergerſte
Hafer hieſ. 21,7522,25, Ruſſiſcher 2222,75, Rumäni=
ſcher
2222,75, Bayeriſcher 21,7522,25, Amerikaniſcher
2020,75; Mais mired 1818,50, Donaumais 1818,50,
Laplata 1818,25, Ruſſiſcher 1818,50, Rumäniſcher 18 bis
18,50, Weißer Mais 1818,25; Weizenſchalen 14,40 bis
14,50, Weizenkleie 14,2514,50, Roggenkleie 14,7515,
Futtermehl 1616,50, Biertreber getrocknet 15,2515,50,
Weizenmehl hieſ. (Baſis ab Mannheim) Nr 0 33,50 bis
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