Darmstädter Tagblatt 1912


01. Mai 1912

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Inſerate
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175. Jahrgang
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monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
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verbunden
mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
den Annoncen=Expeditionen. Bei
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 26 Seiten.

Der 1. Mai.

** Nach dem Willen der roten Internationale ſollte
der erſte Tag i Wonnemonat jedes Jahr ein Weltfeier=
tag
werden, allé Räder ſollten ſtillſtehen, die geſamte Ar=
beiterſchaft
ſollte am Vormittage ihr politiſches Glaubens=
bekenntnis
bekräftigen, und der übrige Teil des Tages
war dem Vergnügen, der Erholung gewidmet. Waren
die Arbeitgeber damit einverſtanden, daß das Perſonal
an dieſem Weltfeiertage blau machte, ſo war es gut,
taten ſie es nicht, nun, darum brauchte ſich der unentwegte,
zur internationalen Sozialdemokratie ſchwörende Arbei=
ter
nicht zu kümmern, er feierte eben, und das genügte.
In den erſten Jahren herrſchte für dieſen der Bour=
geoiſie
aufgedrungenen Feiertag allgemeine Begeiſte=
rung
, und an ihm der Arbeit fernzubleiben, war dem
überzeugten Genoſſen heilige Pflicht. Freilich folgte der
Begeiſterung regelmäßig gründliche Ernüchterung in Ge=
ſtalt
der Lohnabzüge, der den Arbeitern zur Strafe aufer=
legten
Zwangsfeiertage oder gar der Entlaſſung. Denn es
iſt ſelbſtverſtändlich, daß die Arbeitgeber ſich den Terro=
rismus
, der von der internationalen Sozialdemokratie
diktiert worden war, nicht gefallen ließen. Zwar gab es
und gibt es auch heute noch Unternehmer, welche ihren
Leuten um des lieben Friedens willen den freien erſten
Mai zugeſtehen, aber es ſind eigentlich nur die Arbeiter
einer kleinen Zahl von Gewerben, die es ſich aus dieſem
oder jenem Grunde leiſten können, am 1. Mai blau zu
machen.
Unbeſtreitbar iſt die Zahl der Feiernden von Jahr zu
Jahr zurückgegangen, was nicht allein für Deutſchland zu=
trifft
. Selbſt von den organiſierten Arbeitern feiert nur
ein kleiner Teil durch Arbeitsruhe, und der größere Teil,
ſoweit er überhaupt ein Demonſtrationsbedürfnis hat, be=
begnügt
ſich mit der Abendfeier. Wie der feſtere Zuſam=
menſchluß
der Unternehmer den Arbeitern ſchon geraume
Zeit die Luſt zu leichtfertigen Streiks genommen hat, ſo
zeigte er ſeine Wirkung auch auf die Beteiligung der Ar=
beiter
an der Arbeitsruhe des 1. Mai. Zudem iſt die Er=
kenntnis
in immer weitere Kreiſe gedrungen, daß die
Idee des Weltfziertages verfehlt war und Schiffbruch ge=
litten
hat. Der bernünftige Familienvater ſetzt nicht ſeine
Exiſtenz aufs Spiel, er leiſtet noch nicht einmal Verzicht
auf den Verdienſt für einen oder mehrere Tage, denn dazu
ſind die Zeiten zu ſchlecht, und jeder kann froh ſein, wenn
er Arbeit hat. Die Ungunſt der Konjunktur oder beſon=
dere
Verhältniſſe bei einzelnen Gewerben zwingen ja
ohnehin viele Arbeiter für einen Teil des Jahres zu un=
freiwilliger
Muße.
Hoffentlich werden die Fälle, daß die Arbeiter aus
Anlaß des Weltfeiertages ſich gegen ihre Pflichten auf=
lehnen
, immer ſeltener. Die Erfahrung hat ja gelehrt,
daß von der Demonſtration dieſes Tages die Arbeiter
keine Verbeſſerung ihrer Lage erwarten können.

Die italieniſche Flottenaktion.

* Die Tribuna ſchreibt: Nachdem wir bereits hervor=
gehoben
haben, daß man den Verdacht har, die Türkei
würde verſuchen, die Schließung der Dardanel=
len
bei den neutralen Mächten auszunutzen, ſei jetzt noch=

Das Neueſte vom Tage.

Der neue Bahnhof iſt heute früh eröffnet wor=
den
. Derterſte Zug lief von Mamnz um 12 Uhr
55 Min. früh ein.
In der Budgetkommiſſion des Reichstags
gab der preußiſche Kriegsminiſter eine Er=
klärung
bezüglich der Duellfrage ab.
Der Ausſtand der Rheinſchiffer hat zuge=
nommen
.
Bei dem Brande eines Warenhauſes in Altenwed=
dingen
(Prov. Sachſen) kamen drei Feuerwehr=
leute
ums Leben.
Der öſterreichiſche Miniſter des Aeußern
Graf Berchtold gab im Viererausſchuß der unga=
riſchen
Delegatibn ein Expoſs über die Politik Oeſter=
reich
=Ungarns.
Miniſterpräſident Lukacs hielt im ungariſchen
Abgeordnetenhauſe ſeine Programmrede.
Der Dampfer Teras iſt im Hafen von Smyrna
geſunken. 60 Perſonen ſind ums Leben ge=
kommen
.
Am Montag wurde die Nationalverſammlung
in Pekinß eröffnet. Juanſchikat entwickelte
ſein Programm.

mals erklärt, daß, wenn Italien jetzt freiwillig ſein
Kriegsfeld auf beſtimmte Meere und beſtimmte Küſten
beſchränken will, dies nicht bedeuten kann, Italien ſei
in der Lage, ſich weitere Einſchränkungen auf dem
Lande und Meer auferlegen zu laſſen. Ganz abgeſehen
davon, daß wir den Intereſſen der neutralen Mächte nur
den Schaden zufügen, der unvermeidlich iſt, können wir
nicht davon Abſtand nehmen, die Türkei an der Stelle zu
treffen, wo ſie am verwundbarſten iſt, um ſie zum unver=
meidlichen
Schluß des Krieges zu zwingen. Die Mächte
müſſen dies Unantaſtbar nicht anerkennen, obgleich eine
gewiſſe Preſſe ſie zu dieſem Schritt nötigen will, der viel=
leicht
freundſchaftlich gemeint iſt, jedoch nur einen ſehr
ſchlechten Eindruck auf Italien, das niemals feine inter=
nationalen
Verpflichtungen vernachläſſigt har, macht und
für lange Zeit die Herzlichkeit unſerer Beziehungen zu
den Mächten, die ſich dazu hergeben, gefährden könnte.
Italien könnte dieſes Vorgehen faſt als eine Handlung
der Neutralitätsverletzung anſehen müſſen, die die Tür=
kei
zum Widerſtande ermutigen würde,
Das Recht, die Meerengen zu forcieren, und die Mög=
lichkeit
, es zu tun, iſt eines unſere beſten Angriffsmittel.
Mit welchem Recht würde man uns deſſen berauben kön=
nen
? Die Dardanellen zu forcieren iſt ein langwie=
riges
und ſyſtematiſches Werk. Bevor man nur in den
Eingang eindringen könnte, würde die Türkei alle Zeit
haben, dort Minen zu legen. Die Anweſenheit unſerer
Flotte im Aegäiſchen Meer iſt keine Drohung, die die Tür=
kei
zur Schließung zwang. Es handelt ſich um ein poli=
tiſches
und diplomatiſches Manöver, das
bezweckt, Europa gegen Italien auszuſpielen. Das geht
aus der Tatſache hervor, daß die Türkei zuerſt auf die
italieniſchen Kriegsſchiffe geſchoſſen hat, die gemäß ihrer
Order vorüberfuhren, ohne zu feuern, aber durch den An=
griff
der Türken natürlich gezwungen waren, das Feuer
zu erwidern. Mit dieſer Provokation ſcheint die Türkei
verſucht zu haben, den Vorwand für einen internationa=
len
Druck zu ſchaffen. Es iſt dies nicht das erſte Mal der
Fall in der Geſchichte der Türkei.
Auch wir glauben, daß die Meerenge wieder geöffnet
werden muß. Aber die Mächte müſſen zu dieſem Zwecke
die Türkei zwingen, die neutralen Rechte zu achten, und
ihr die Illuſion nehmen, daß ſie ſich hinter den neutralen
Mächten und ihren Intereſſen verſtecken könne. Die ande=
ren
Mittel, die die Turkophilen angeregt haben, würden
zu keinem Erfolg führen können, weil ſie unlogiſch und
ungerecht ſind und das nationale Bewußtſein des italie=
niſchen
Volkes empfindlich verletzen würden.

Deutſches Reich.

Für die Rückreiſe des Kaiſers iſt fol=
gendes
Programm feſtgeſetzt: 8. Mai mittags Abreiſe
von Korfu. Am 10. nachmittags wird Genua erreicht.
Die Abreiſe findet zwei bis drei Stunden ſpäter ſtatt.
Am 11. vormittags findet die Ankunft in Karlsruhe ſtatt.
Am 13. vormittags Abfahrt von Karlsruhe. Mittags
Ankunft in Straßburg. Frühſtück bei dem Unterſtaats=
ſekretär
Frhrn. Zorn von Bulach. Fahrt nach der Hoh=
königsburg
und Diner bei dem Statthalter. Am 14. fin=
det
eine Parade der Garniſon ſtatt und darauf ein Früh=
ſtück
bei dem kommandierenden General von Fabeck. Am
Nachmittag fährt der Kaiſer im Automobil nach Metz.
Am Abend Diner bei dem dortigen kommandierenden
General von Prittwitz und Gaffron. Am 15. findet eine
große Truppenübung ſtatt. Am 16. morgens Ankunft
in Wiesbaden (Feſtſpiele). Am 23. abends Abreiſe von
Wiesbaden. Am 24. vormittags Ankunft in Hamburg.
Stapellauf des Imperator. Am Nachmittag Abreiſe.
Am Abend Ankunft in Wildpark.
Präſidenten=Neuwahl im Reichs=
tag
? Der Reichstag kann ſich in asſehbarer Zeit der
Notwendigkeit gegenüberſehen, eine Neuwahl des Präſi=
denten
vorzunehmen. Ueber die Wahl des Abgeordneten
Dr. Kaempf, gegen die die Sozialdemokraten Proteſt ein=
gelegt
haben, wird wahrſcheinlich Beweiserhebung be=
ſchloſſen
. Kaempf iſt in der Stichwahl mit 5588 freiſinni=
gen
gegen 5579 ſozialdemokratiſche Stimmen gewählt
worden, alſo mit einer Mehrheit von 9 Stimmen. Man
rechnet mit der Möglichkeit, daß Kaempf das Ergebnis
der Prüfung gar nicht abwarten, ſondern ſein Mandat
niederlegen werde, doch iſt man, wie verlautet, beſtrebt,
die Präſidentenkriſe bis nach der Vertagung des Reichs=
tags
hinauszuſchieben. Die Wahlprüfungskommiſſion

des Reichstags ſollte am Dienstag die Prüfung der Wahl
vornehmen. Man will aus Taktrückſichten gegenüber dem
Präſidenten die Sache ſo arrangieren, daß das Reſultat
der Beweiserhebung erſt nach der Vertagung des Reichs=
tages
bekanntgegeben wird.
Bundesrat und Jeſuitengeſetz. Die
Vollmacht des Bundesrats, dem Antrage Bayerns auf
Auslegung der zum Jeſuitengeſetz erlaſſenen Ausfüh=
rungs
=Beſtimmungen ſtattzugeben, beruht auf
Artikel 17 der Verfaſſung, der beſtimmt, daß
der Bundesrat über Mängel, welche bei der
Ausführung der Reichseſetze oder der dazu erlaſſe=
nen
Vorſchriften ſich ergeben, zu beſchließen hat. Dieſe
Vollmacht kann in doppelter Weiſe zur Anwendung kom=
men
. Wenn der Bundesrat zu der Anſicht gelangt, daß
der Mangel in ſeinen Ausführungsbeſtimmungen ſelbſt
liegt, ſo kann er neue Ausführungsbeſtimmungen unter
Aufhebung der früheren erlaſſen, oder er kann die erlaſſe=
nen
ergänzen. Beruht aber nach ſeiner Anſicht der Feh=
ler
in der Anwendung der Ausführungspeſtimmungen,
nicht in deren Faſſung, ſondern lediglich in einer unzu=
treffenden
Deutung, ſo kann er ſich darauf beſchränken,
die betreffende Landesregierung auf die unrichtige An=
wendung
durch den Reichskanzler hinweiſen zu laſſen.
Von der Auffaſſung, die der Bundesrat über den vorlie=
genden
Fall der Auslegung ſeiner Beſtimmungen dürch
die bayeriſche Regierung gewinnt, wird es alſo abhängen,
ob die Ausführungsbeſtimmungen abgeändert werden
oder nicht.
Die Wahl in Varel=Jever. Als eine
ſelbſtverſtändliche nationale Pflicht bezeichnet, es die
Nationalliberale Korr., daß die für die Stichwahl ausge=
fallenen
Parteien für Wiemer eintreten. Wird dieſe An=
weiſung
von den etwa 1900 Nationalliberalen befolgt, ſo
wäre damit allerdings deſſen Wahl geſichert, falls die So=
zialdemokratie
nicht noch Reſerven aufzubringen vermag.
Die Stichwahl iſt auf den 8. Mai angeſetzt.
Zentrum und Duell. Die Schleſiſche Volks=
zeitung
erklärt, daß ihr nichts bekannt ſei von der Ab=
ſicht
des Zentrums, in der Budgetkommiſſion des Reichs=
tages
einen Antrag, daß jedes Duellvergehen mit ſchlich=
tem
Abſchied zu beſtrafen ſei, einzubringen.
Der Geſamtlorſtand des Flotten=
vereins
hat eine Kundgebung beſchloſſen, in ders er
die Flottenvorlage der Regierung als unzureichend ver=
klärt
aus Gründen, wie ſie ſchon in ſeinen früheren
Kundgebungen aufgeführt waren.
Die Geſchäftsordnung des preußi=
ſchen
Abgeondnetenhauſes. Im Abgeordne=
tenhauſe
iſt die Rechte und das Zentrum entſchloſſen, Ddie
Aenderung der Geſchäftsordnung noch vor Pfingſten, aher
jedenfalls vor der Vertagung der Seſſion durchzuſetzen.
Die mit der Vorbereitung betraute Kommiſſion wird ihre
Arbeiten im Laufe dieſer Woche abſchließen.
Die Erſte Kammer des elſaß= lothrin=
giſchen
Landtags nahm gegen die eine Stimme des
Abg. Blumenthal und bei einer Stimmenthaltung die
von der Kommiſſion vorgeſchlagene Reſolution an, wo=
nach
kein Anlaß beſtehe, eine Kürzung der Repräſenta=
tionskoſten
des Statthalters, wie ſie die Zweite Kam=
mer
vorgeſchlagen habe, für künftig ins Auge zu faſſen.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Das Programm des Miniſters Lukacs.
Im ungariſchen Abgeordnetenhauſe hielt Miniſterpräſi=
dent
Lukacs ſeine Programmrede.
Er behandelte zuerſt die Angelegenheiten Kroatiens
und drückte ſein Bedauern aus, daß die öſterreichiſche
Regierung in unberechtigter Weiſe ſich in die
Angelegenheit gemiſcht habe. Die Agitation ge=
gen
die Staatseinheit erreichte in Kroatien
einen ſo bedenklichen Grad, daß Ausnahmemaßregeln er=
griffen
werden mußten, doch ſei die ungariſche Regierung
bereit, alle Beſchwerden über Kroatien anzuhören, werde
dieſe abſtellen und hierbei das größte Entgegenkommen
beweiſen, es könnten aber die kroatiſchen Angelegenheiten
nicht infolge der Einmiſchung einer fremden Regierung
oder eines fremden Vertretungskörpers erledigt werden.
Was die Wahlreform anbetreffe, wünſche die Regierung
das Mißtrauen der Oppoſition zu zerſtreuen, als ob die
Regierung die Wahlreform nicht ernſtlich wolle. Er werde
einen diesbezüglichen Geſetzentwurf innerhalb einer
Friſt vorlegen, daß die nächſten Wahlen ſchon auf der
Grundlage des neuen Wahlgeſetzes ſtattfinden könnten.
Nachdem ſeit 64 Jahren das Wahlgeſetz nicht geändert
worden ſei, müſſe diesmal ein großer Schritt bezüglich der
Wahlreform getan werden, doch werde die Regierung ver=

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Mat 1912.

Nummer 102.

meiden, einen derartigen Entwurf zu unterbreiten, der
einen Sprung ins Dunkele bedeute. Die Regierung
wünſche alle berechtigten Aſpirationen zu erfüllen, an=
andererſeits
auch die gerechtfertigten Bedenken des konſer=
vativen
Elements zu berückſichtigen. Der leitende Ge=
danke
der Reformvorlage werde die Anerkennung des
Prinzips des allgemeinen Stimmrechts ſein, das ſtufen=
weiſe
verwirklicht würde. Es werde daher nur ein ge=
wiſſer
Teil der Abgeordneten auf der Grundlage des all=
gemeinen
Stimmrechts gewählt werden. Gleichzeitig
mit der Ausdehnung des Wahlrechts werde eine Reform
der Hausordnung durchgeführt werden. Lukacs appel=
lierte
ſchließlich an alle Parteien, daß ſie bei der Her=
ſtellung
der durch die Obſtruktion gelähmken Arbeits=
fähigkeit
des Abgeordnetenhauſes mitwirken ſollten.
Die Wiener Gemeinderatswahlen. Bei
den Gemeinderatswahlen des zweiten Wahlkörpers wo=
bei
48 Mandate zu vergeben waren, wurden 32 Chriſtlich=
Soziale und zwei Deutſchfreiheitliche gewählt. 16 Stich=
wahlen
ſind erforderlich, woran 9 Chriſtlich=Soziale ge=
gen
9 Deutſchfreiheitliche, 2 Chriſtlich=Soziale gegen 3
Deutſchnationale, 2 Chriſtlich=Soziale gegen 2 ſelbſtändig
Chriſtlich=Soziale beteiligt ſind. Bisher waren ſämtliche
48 Mandate im Beſitze der Chriſtlich=Sozialen.
England.
Im Unterhauſe kritiſierten bei der Fortſetzung
der Budgetberatung verſchiedene Mitglieder von beiden
Seiten die Abſicht der Regierung, den Ueberſchuß von
6,5 Millionen Pfund Sterling für möglicherweiſe eintre=
tende
Erforderniſſe zu reſervieren, ſtatt ſie zur Schulden
tilgung zu verwenden. Auſten Chamberlain richtete an
den Schatzkanzler Lloyd George die Frage, ob irgend
ein Teil des Ueberſchuſſes, der nicht zur Deckung der
außerordentlichen Forderungen für die Marine in dieſem
Jahre oder zur Deckung des außergewöhnlichen Ein=
nahmeausfalles
gebraucht würde, zur Schuldentilgung
verwendet werden ſolle. Lloyd George erwiderte hier=
auf
, daß die Regierung über den Ueberſchuß nicht ver=
fügen
wolle, erſtens wegen der Unſicherheit der Wirkung
der Arbeiterunruhen auf die Staatseinnahmen, zweitens
wegen der im vorigen Jahre entſtandenen Koſten für die
Admiralität, die ſich auf 600000 Pfund dellefen, und
hauptſächlich wegen der Unſicherheit der etwa noch erfor=
derlichen
Geldmittel für die Flotte. Es ſei ſehr ſchwierig,
ſich über dieſe Angelegenheit noch weiter auszulaſſen,
ohne vielleicht Unheil anzurichten. Deswegen möge es
das Haus entſchuldigen, wenn er das nicht tue. Die be=
ſtimmte
Zuſage, die Chamberlain zu erlangen verſuchte,
daß das Geld, wenn es nicht für die Flotte oder zur
Deckung des Einnahmeausfalles aus Anlaß des Kohlen=
arbeiterſtreiks
gebraucht würde, zur Schuldentilgung ver=
wandt
werden ſolle, lehnte der Schatzkanzler ab, zu
geben.
Griechenland.
Die Feſtnahme der kretiſchen Abgeord=
neten
. Ueber die Feſtnahme der kretiſchen Abgeordne=
ten
werden aus Athen folgende Einzelheiten gemeldet:
Der Dampfer Peloponneſos, Eigentum der Geſellſchaft
Gudy, der die griechiſche Flagge gehißt hatte, war eben
aus dem Hafen von Kanea ausgefahren, als er auf offe=
nem
Meere von dem engliſchen Panzer Minerva der
ihm gefolgt war, zum Halten aufgefordert wurde. Die
Abgordneten, die ſich auf der Peloponneſos befanden, er=
munterten
den Kapitän, dem Befehl nicht Folge zu lei=
ſten
. Darauf wurden von dem engliſchen Panzer drei
Schüſſe abgegeben und der griechiſche Dampfer in den
Hafen zurückgeleitet. 18 Abgeordnete wurden verhaftet
und an Bord dreier engliſcher Kriegsſchiffe gebracht. In
Kreta herrſcht ungeheure Aufregung.
China.
Eröffnung der chineſiſchen National=
verſammlung
. Die Natzionalverſammlung iſt am
Montag in Gegenwart der Kabinettsmitglieder und 74

Abgeordneter in Peking eröffnet worden. Juanſchikais
Programmrede hob die Deckung des Budgets durch die
Entwickelung der Finanzquellen hervor und empfahl eine
Erhöhung der Zölle und der Salzſteuer ſowie die Ab=
ſchaffung
des Likins und eine Verbeſſerung der Währung.
Die Eröffnungsfeier für die beratende Verſammlung ver=
lief
in würdiger Weiſe. Große Truppenmengen waren
aufgeboten. Von 126 Deputierten erſchienen 72, faſt alle
zopflos. Juanſchikai trug Generalsuniform, Tangſcheyi
und die Miniſter meiſt europäiſche Zivilkleider, die an=
deren
Uniformen. Der Beirat, der den proviſoriſchen
Senat vorſtellt, wurde von Juanſchikai mit einer Rede
eröffnet, worin er betonte, daß die wichtigſte Angelegen=
heit
die Regelung des Finanzweſens ſei. China ſei zur
Zeit nicht imſtande, die fremden Anleihen zu bezahlen,
während neue Ausgaben die Hilfe weiteren ausländiſchen
Kapitals erforderlich machten. Die Regierung ſei jetzt
mit der Ausarbeitung des Planes von Steuerreformen
beſchäftigt. Die Regierung verhandele mit den Mächten
in der Abſicht, die Steuereinkünfte zu erhöhen, die Likin=
zölle
abzuſchaffen und die Ausfuhrzölle zu ermäßigen.
Er hoffe, daß die Eiſenbahn= und andere werbende An=
leihen
ſich ſelbſt verzinſen würden andernfalls würden
die Salzabgaben dafür in Anſpruch genommen werden
müſſen. Es werde nötig ſein, ausländiſche Finanzſach=
verſtändige
anzuſtellen, um eine richtige Aufſtellung des
Budgets und eine klare Rechnungslegung zu erzielen.
Er hoffe, daß das Volk den Widerſtand gegen die wei=
tere
Entwickelung des Landes mit Hilfe ausländiſchen
Kapitals aufgeben und zu der Anſicht kommen werde
daß die Anleihe das geeignetſte Mittel dazu ſein werde.
Die Bergwerksgeſetzgebung ſolle reformiert und die
überflüſſigen Truppen entlaſſen werden. Er ſchloß mit
dem Hinweis, daß die Mächte in den letzten Jahren eine
wohlwollende Haltung eingenommen hätten, China zu
helfen, wofür ſich die Chineſen dankbar zeigen ſollten.

* Heidelberg, 30. April. In der geſtrigen Ge=
neralverſammlung
des Heidelberger Grundbeſitzervereins
gelangte der von einer aus Mietern und Hausbeſitzern zu=
ſammengeſetzten
Kommiſſion nach langwierigen Verhand=
lungen
aufgeſtellte und vom Mieterverein bereits geneh=
migte
Entwurf eines Mſetvertrages zur
endgültigen Annahme. Damit iſt Heidelberg die erſte
Stadt Deutſchland, die einen von beiden Parteien ver=
einbarten
einheitlichen Mietvertrag beſitzt.
* Liverpool, 29. April. Die Seeleute und
Heizer beſchloſſen heute morgen in einer Maſſenver=
ſammlung
, nicht auf Schiffen zu arbeiten, auf denen ſich
chineſiſche oder nicht gewerkſchaftlich organtſierte Arbeiter
befinden. Sie weigerten ſich ferner, ſich auf einem Schiff
anheuern zu laſſen, auf dem kein Beamter der Gewerk=
ſchaft
beim Anheuern zugegen iſt. Der Beſchluß fordert
ſchließlich, daß ein Gewerkſchaftsbeamter anweſend ſei,
um die Rettungsboote und die Arbeitsordnung vor Ab=
fahrt
der Schiffe zu beſichtigen. Die Abteilung Merſey
der Seemannsgewerkſchaft verbot heute den Leuten, ſich
auf dem Pacifiedampfer Orfſſa anheuern zu laſſen we=
gen
Nichterfüllung der Lohnerhöhungsforderung der
Arbeiter. Anſcheinend weigerten ſich 14 Liverpooler Fir=
men
, die Forderungen der Abteilung Merſey auf Lohn=
erhöhung
zu erfüllen.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 1. Mai.

* Das Danktelegramm des Großherzogs, das als Ant=
wort
auf die telegraphiſche Begrüßung des Landesherrn
bei der Eröffnungsfeier des neuen Darmſtädter Haupt=
bahnhofs
aus Livadia an die Eiſenbahndirektion Mainz
gelangte, hatte folgenden Wortlaut: Präſident Michaelis,
Mainz. Mit herzlichſten Wünſchen zur Vollendung des
großen Werkes danke aufrichtigſt, daß Sie alle meiner ge=
dacht
. Ernſt Ludwig.
* Militärdienſtnachrichten. Delv Militär= Bau=
ſekretär
in Darmſtadt, nach Bonn verſetzt. Becker,
Proviantmeiſter in Mannheim, als Amtsvorſtand nach
Darmſtadt verſetzt.

g. Strafkammer. Der 57jährige Privatier Jakob M.
aus Darmſtadt ſtand geſtern vor der hieſigen Strafkam=
mer
unter der Anklage der wiſſentlich falſchen Anſchuldi=
gung
und der Urkundenfälſchung. Der Beihilfe iſt der
38jährige Kaufmann Friedrich Göriſch aus Frankfurt
angeklagt. Beide Angeklagte waren in einer Frankfurter
Lorntederlage des Kommerzienrats Peler in Erbach
tätig und ſollen von hier, als die Filiale aufgelöſt wurde,
eine Anzayl noch unbenutzter Bücher und Formulare mit=
genommen
haben. Sie betrieben hiernach gemeinſchaftlich
bis zum 13. April hier eine Brauerei, in die am 14.
Januar 1911 der Braumeiſter Hartenſteiner eintrat.
machte dem Vertreter des Kommerzienrats Peter gele=
gentlich
Mitteilung von der Vermutung, daß die beiden
Angeklagten Bücher von Frankfurt mitgenommen hätten
und in ihrem Betriebe verwenden. Ein darauf eingelei=
tetes
Verfahren wurde wegen Mangels an Beweiſen ein=
geſtellt
. Hartenſteiner wurde am 14. Februar 1911 ent=
laſſen
und am 21. April, alſo zwei Monate nach ſeiner
Entlaſſung, erſtattete M., der vermutete, Hartenſteiner
ſei der Urheber jener Unterſuchung, Anzeige gegen H.
wegen Diebſtahls und Unterſchlagung. Er hätte ſich
von den Fahrburſchen jede Woche Bier nach Hauſe brin=
gen
laſſen, ohne daß er hierzu die Erlaubnis hatte.
gibt nämlich auch zu, daß er an jedem Montag 20 große
Flaſchen Bier nach Hauſe habe bringen laſſen. Die An=
zeige
ſei einfach lachhaft, da es ganz ſelbſtverſtändlich ſei,
daß ein Braumeiſter ſo viel Bier trinken könne, wie er
will, oder doch mindeſtens ſo viel wie den Brauburſchen
zuſtehe, alſo 6 Liter für den Tag. M. wußte das auch=
ganz
genau. Göriſch ſoll ſich dadurch der Mithilfe ſchul=
dig
gemacht haben, daß er die Anzeige mit der Schreib=
maſchine
anfertigte. Die Anklage erblickte deshalb in der
Anzeige eine wiſſentlich falſche Anſchuldigung, weil beide
Angeklaate wußten, daß der Braumeiſter zum unentgelt=
lichen
Bierbezug berechtigt ſei, ſie ſind außerdem von
dem Zeugen Balle darauf aufmerkſam gemacht worden.
Die Anſchuldigung ſei ledialich aus dem Motiv der Rach=
ſucht
entſtanden. Die Urkundenfälſchung ſieht die Anklage=
behörde
in dem Umſtand, daß M. am 21. April noch mit
dem Namen der Firma zeichnete, obaleich er am 13. April
ſchon aus der Firma ausgeſchieden ſei. Das Gericht ver=
urteilte
M. nach dem Antrage des Staatsanwalts zu
2 Monaten Gefänanis Göriſch wurde frei=
geſprochen
. Dem Beſchuldigten Hartenſteiner wurde
die einmaltge Publikationsbefuanis zugeſprochen, ſo=
bald
das Urteil rechtskräftig geworden iſt.
Zur Sitzung des Provinzialausſchuſſes der
Provinz Starkenburg am Samstag, den 4. Mai, vor= 9½ Uhr, iſt folgende Togesordnung zu er=
ledigen
: 1. Geſuch der Erneſtine Schmidt in Darmſtadt
um Erteilung eines Wandergewerbeſcheins. 2. Wirt=
ſchaftskonzeſſionsgeſuch
des Wilhelm Rückert zu Offen=
bach
. 3. Desal. des Johann Komo in Obertshauſen.
4. Desgl. des Hrch. Rodenhäuſer in Darmſtadt. 5. Ge=
ſuch
des Anton Mettbach in Offenbach um Erteilung
eines Wandergewerbeſcheins.
Von der Techniſchen Hochſchule. Für den aus
dem Lehrkörper der rieſigen Techniſchen Hochſchule aus=
geſchiedenen
Herrn Profeſſor Dr. Schwalbe iſt Heir
Dr.=Ing. Emil Heuſer, zur Zeit Chemiker in der
Papierfabrik Steyrermühl bei Gmunden in Oeſterreich,
als etatsmäßiger außerordentlicher Profeſſor der Zell=
ſtoffchemie
(Papierfabrikation) berufen worden. Herr
Dr.=Ing. Heuſer hat den Ruf angenommen und wird
vorausſichtlich ſeine Tätigkeit Anfang Juni d. Js.
beginnen.
A Stadtverordnetenwahlen. Im Regierungsblatt
Nr. 18 vom 15. April d. J. iſt, wie ſchon mitgeteilt, die An=
leitung
zu den auf Grund der neuen Städteordnung vor=
zunehmenden
Stadtverordnetenwahlen enthalten. Dieſe
Anleitung ſchließt ſich im weſentlichen an die ſeither ſchon
m Gebrauch geweſenen Vorſchriften an, aber ſie hat ſolche
auf Grund einer beinahe 40jährigen Erfahrung beſſer aus=
geführt
und erläutert. Die weſentlichſte Aenderung inbezug
auf das Wahlrecht beſteht darin, daß die Beſtimmung, daß
jemand, um wahlberechtigt zu werden, ſeit zwei Jahren
den Unterſtützungswohnſitz in der Stadt erworben haben
müſſe, weggefallen iſt. An Stelle dieſer Beſtimmung iſt
diejenige eines dreijährigen Aufenthaltes in der Stadt ge=
treten
. Für neu Zuziehende iſt hiernach der Aufenthalt=
zum
Erwerb des Wahlrechts von 4 auf 3 Jahre herab=
geſetzt
. Weiter iſt die Wahlberechtigung daran geknüpft
daß man vom 1. April des der Wahl vorhergehenden
Steuerjahres an gemeindeſteuerpflichtig ſein muß. Daraus
folgt, daß bei der im nächſten Jahre ſtattfindenden Erſatz=
wahl
diejenigen wahlberechtigt ſind, die vom 1. April 1912.
ab Gemeindeſteuer bezahlen. Als Wahlalter iſt das zu=
rückgelegte
25. Lebensjahr beibehalten.

Das Wäſſern der Spargel.
Von Eduard Oppel.

Es iſt eine bekannte Tatſache, daß viele Spargel=
züchter
in der Hauptſaiſon genötigt ſind, einen Teil ihrer
Ernte zum Zwecke der Friſchhaltung zu wäſſern d. h.
unter Waſſer aufzubewahren, bis er an den Mann ge=
bracht
werden kann. Auf dieſe Weiſe wird der Spargel
(im Gegenſatz zum Aufbewahren in friſcher Luft) einige
Tage alt, ohne ſein gutes Ausſehen oder Gehalt und
Geſchmack einzubüßen. Die von Jahr zu Jahr zur War=
nung
der Konſumenten wiederholte Behauptung, ge=
wäſſerter
Spargel werde ausgelaugt, d. h. er verliere
wertvolle Nährſalze und Geſchmackſtoffe, hat ſich auf
Grund der praktiſchen Verſuche, die die Pflanzenphyſio=
logiſche
Verſuchsſtation der Kgl. Lehranſtalt für Wein=,
Obſt= und Gartenbau zu Geiſenheim a. Rh. angeſtellt hat,
als ebenſo irrig erwieſen wie die Meinung, der Spargel
erſetze die ausgelaugten Stoffe durch entſprechende Men=
gen
aufgeſaugten Waſſers, das dem Händler ja dann
teuer bezahlt werde. Die ſeinerzeit vom Verfaſſer ange=
regten
, von Profeſſor Dr. Kroemer und ſeinem Aſſiſtenten
Dr. Schulz, ſowie für die Oenochemiſche Verſuchsſtation
von Dr. Windiſch und Dr. Schmidt ausgeführten Ver=
ſuche
ergaben:

Aus 100 g Spargel wurden ausgelaugt in
Beſtandteile
1 Tag 2 Tagen 3 Tagen
0,080 g
0,889
0.061 g
Extrakt.
0,0235 g
0,021 g
0,017
Mineralſtoffe

Wenn man bedenkt, daß im mittel überhaupt löslich
ſind 4,42 Gramm Extrakt und 0.505 Gramm Mineral=
ſtoffe
, ſo ergibt ſich, daß beim Wäſſern zum Zwecke der
Friſchhaltung an Extrakt am 1. Tage nur 1,38, nach
2 Tagen nur 1,81 und nach 3 Tagen nur 2,0 Prozent
von der Geſamtmenge der waſſerlöslichen Extraktſtoffe
ausgelaugt werden. Für die Mineralſtoffe ergeben ſich
entſprechend 336, 4,15 und 4,65 Prozent. Das iſt ein
derart geringer Verluſt, daß er in keiner Weiſe gegen
das Friſchhalten durch Waſſer angeführt werden kann.

Anders iſt es ſchon bei der Frage der Waſſerauf
nahme. Die entſprechenden Verſuchsergebniſſe erhellen
aus folgender Tabelle: Beſchaffenheit der
Spargelſtangen 100 g Spargel nahmen Waſſer auf in 1 Tag 2 Tagen 3 Tagen ungeſchuppt
geſchuppt 9,075 g
10,4 g 11,685 g
15,1 g 13,565 g
17,9 g

Die waſſeraufſaugende Kraft der Nährſalze macht
ſich hier alſo recht bedenklich bemerkbar. Zehn bis acht=
zehn
Prozent Waſſer vom Gewicht als Spargelwert mit=
bezahlen
müſſen, das iſt nicht jedermanns Sache. Des=
halb
müßte gewäſſerter Spargel als ſolcher deklariert
ſein und einen entſprechenden Preis haben. Denn auch
die Waſſeraufnahme beweiſt noch nichts gegen die Friſch=
haltung
nicht ſofort abſetzbaren Spargels, da ja die
Nährſalz= und Geſchmackſtoffe, dank ihrem beſonderen
Charakter, gegen das Wäſſern ſozuſagen immun ſind.
Zu beachten aber iſt, daß ein Friſchhalten des Spar=
gels
durch Waſſer nur etwa 3 Tage lang angängig iſt,
vorausgeſetzt, daß man das friſche Waſſer täglich minde=
ſtens
einmal erneuert. Länger als vier Tage läßt ſich
wie Dr. Schulz auf Grund der experimentellen Erfahr=
ungen
ſchließt, der Spargel auf dieſe Weiſe nicht genuß=
fähig
erhalten. Er wird allmählich, namentlich an den
Köpfen und den Schnittflächen, weich, nimmt einen ſtär=
keren
, ſtrengen Geruch an und iſt jetzt zu verwerfen, weil
eine Entwickelung von Bakterien eingetreten iſt, die trotz
ſorgfältiger Reinigung vom Boden her immer am Spar=
gel
haften bleiben. auch aus der Luft in das Waſſer
fallen oder in dieſem ſelbſt vorhanden ſind und das
Weichwerden des Spargels und den ſchließlichen brei=
igen
Zerfall der Köpfe verurſachen. Daß ſo lange ge=
wäſſerter
Spargel ſchon durch üblen Geſchmack ſeine
Minderwertigkeit verrät, braucht nicht wunder zu neh=
men
. Während ſich alſo gegen ein= bis dreitägiges ſach=
gemäßes
Wäſſern zum Zwecke der Friſchhaltung kaum
etwas einwenden läßt (in der Praxis läßt ſich das Ver=
fahren
auch kaum ausſchalten), iſt es verwerflich, vier
oder gar noch mehr Tage zu wäſſern, weil dadurch
infolge von Bakterienentwickelung Vergiftungs=

erſcheinungen auftreten können, die nicht gerade geeignet
ſind, den Abſatz für die Produkte unſerer ſo herrlich im
Aufblühen begriffenen Spargelzucht zu fördern. Hier=
nach
mag ſich der Konſument ebenſo richten wie der
Produzent.

Großherzogliches Hoftheater.

Montag, 29. April.
Der Herr Senator
W-l. Es iſt merkwürdig, welch durchſchlagenden Er=
folges
ſich das alte Luſtſpiel, zu dem die Hamburger
Senatorsfamilie Anderſen den Stoff liefert, heute hei=
ſeiner
Wiederaufführung zu erfreuen hatte. Da kann
es nicht befremden, daß die Theaterleitung wieder auf
die alten Stücke zurückgreift, die die Probe auf ihre
Zugkraft beſtanden haben. Darſtelleriſch läßt ſich aus den
Rollen ja vieles machen, und wenn man für manche auch
eine andere Beſetzung gewünſcht hätte, ſo war die Auf=
führung
im ganzen doch recht flott. Ob die Rolle des
Senators beſſer durch den Komiker oder den Charakter=
darſteller
zu ſpielen iſt, kann zweifelhaft ſein, jedenfalls
muß er ſich ſelbſt ernſt nehmen, da ja hierin zum größten
Teil die Komik der Rolle beruht; dasſelbe gilt auch von
der ſteifledernen Gattin des Senators. Herr Jordan
traf im Maßhalten wohl das Richtige, ohne doch den
Komiker zu verleugnen, der durch den Kontraſt wirken
muß. Frl. Uttmann war in anerkennenswerter Weiſe
beſtrebt, die eigentlich unmögliche Rolle der Agathe, der
zum Leben erweckten Marmorſtatue ſympathiſch zu ver=
körpern
und glaubwürdig darzuſtellen und unterzog ſich
dieſer ihrer Aufgabe mit viel Talent und Geſchick. Leben=
dig
und mit Humor ſpielte Herr Schneider den
Pantoffelmann, dem das etwas höhere Semeſter, der Dr.
Gehring des Herrn Jürgas, mit dem der Dr. Siedler
aus dem Weißen Rößl eine verdächtige Aehnlichkeit
hat, hinſichtlich der Friſche und Darſtelluna nichts nach=
gab
. Frl. Gothe traf den Ton des munteren und
naiven Backfiſches, wie immer, ſehr gut. In kleineren
Rollen bewährten ſich Frau Rudolph als Frau Sena=
or
, Herr Peterſen als Dr. Steiner, Frl. Meiß=
ner
als Frl. Petzoldt und Herr Kroczak als Oskar,

[ ][  ][ ]

Nummer 102.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Mai 1912.

Seite 3.

tz. Darmſtädter Hausbeſitzerverein e. V. Im
Reſtaurant Sitte fand die Hauptverſammlung des Ver=
eins
ſtatt. Der erſte Vorſitzende Herr Eiſenbahninſpektor
Scheyrer begrüßte die Erſchienenen und äußerte ſich
über folgende Punkte: Anderweitige Regelung des
Waſſergeldes: Austritt aus dem Berliner Hausbeſitzer=
Verband: Eintritt in den Heſſiſchen Hausbeſitzer= Landes=
verband
; Eingabe an die Stadt, betr. Stellungnahme ge=
gen
die hieſigen Gartenſtadtbewegungen. Der zweite
Vorſitzende Herr Mahr erſtattete den Bericht über das
verfloſſene Vereinsjahr, aus dem zu entnehmen iſt, daß
die Lage der Hausbeſitzer zwar nicht ſehr roſig, aber doch
hinſichtlich der Zwangsverſteigerungen und des Häuſer=
verkaufs
ſich merklich gebeſſert habe. Redner trat für die
Gründung einer Städtiſchen Hypothekenbank ein, die fi=
nanzielle
Opfer von 6½ Prozent Zinſen für zweite Hy=
potheken
unmöglich mache. Ferner für Einführung der
Reſidenzpflicht. d. h. alle ſtädtiſchen und ſtaatlichen Beam=
ten
zu verpflichten, in Darmſtadt zu wohnen. Augenblick=
lich
ſtehe der Wohnungsmarkt mit 0,77 Prozent leerſtehen=
der
Wohnungen ziemlich günſtig für die hieſigen Haus=
beſitzer
. Darmſtadt müſſe aus der Wohnungsklaſſe O
heraus, viele Vorteile ſeien für Offiziere, Beamte, die
Wohnungsſervis beziehen und relativ für Hausbeſitzer,
deren große Wohnungen leerſtehen, damit verbunden.
Die ſtattgehabte Wohnungszunahme ohne Bautätigkeit
reſultiere aus dem Eingehen von über 100 Wirtſchaften
und kleinen Läden, deren Lokalitäten zu Wohnungen um=
gewandelt
worden ſeien. In der dem Bericht folgenden
Diskuſſion äußerte Rechnungsrat Keim ſich dahin, daß
Beamte hier wohnen müſſen und nur bei Erholungs=
bedürftigkeit
den Landaufenthalt geſtattet erhalten. Herr
Lehrer Speckhardt bemängelte den hieſigen Waſſer=
geldmodus
. Herr Architekt Schembs bemerkte, daß in
dieſer Angelegenheit demnächſt eine Konferenz der Ober=
bürgermeiſter
von Darmſtadt. Mainz, Worms. Offenbach
und Gießen ſtattfindet. Es folgte hierauf die Rechnungs=
prüfung
, welche an Einnahme 3935 Mark. an Ausgabe
2223 Mark und einen Kaſſenbeſtand von 1712 Mark er=
gibt
. Seitens des Vorſtandes wird dem Rechner mit
Dank Entlaſtung erteilt. Die Ergänzungswahl des Vor=
ſtandes
ergibt die Wahl der Herren Lehrer Speckhardt und
Maurermeiſter Wolf. Hieran ſchließt ſich ein lehrreicher
Vortrag des Herrn Stadtverordneten Sames über
Steuerfragen. Einiges hiervon ſei kurz herausgegriffen:
Vermöcknsſteuerpflichſtig ſind Angehörigd Heſſens nur
mit dem im Großherzogtum Heſſen angelegten Grund=
beſitz
: Zur Steuerveranlagung des Grundbeſitzes wird
als Maßſtab der Verkaufswert herangezogen. Wer im
Laufe eines Jahres einen Betrieb eröffnet, iſt im erſten
Jahre ſteuerfrei. Bei Betrieben dient nicht mehr als Norm
der Steuerveranlagung die Größe der Räumlichkeiten,
ſondern das inveſtierte Betriebskapital. Kranken= und
Invalfditätsbeiträge bis zu 400 Mark ſind abzugsfähig.
Als Einkommen gelten auch Nebeneinkommen. Tantiémen
uſw. Die Mitglieder des Großherzoglichen Hauſes wer=
den
mit ihrem Privatbeſitz zur Steuer herangezogen. Re=
gelmäßig
wiederkehrende Reparaturen eines Hauſes ſind
abzugsfähig. Binnen 14 Tagen iſt der Aufforderung zur
Deklaration Folge zu leiſten, andernfalls Einſchätzung.
Die im Jahre 1908 geſchaffene Wertzuwachsſteuer dient
als Grundlage für das im Jahre 1913 in Kraft tretende
neue Kommunalſteuergeſetz. Zum Schluß präziſierte
Redner ſeinen Standpunkt zur hieſigen Gartenſtadtbewe=
gung
dahin, daß er gegen die am Hohlen Weg projektierte
Gartenſtadt nichts einzuwenden habe und Darmſtadt mit
einer Gartenſtadt vollkommen ausreichend verſorgt ſei.
Liegt unſere Stadt denn nicht mitten in einem Garten?
Erſter Vorſitzender Herr Eiſenbahninſpektor Scheyrer
dankte für den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen
Vortrag und ſchloß die Verſammlung ¼1 Uhr.
Der deutſchvölkiſche Turnverein Jahn hielt ſeine
Jahres=Hauptverſammlung ab. Der erſte Vorſitzende,
Dr. W. Mahr, eröffnete dieſe und forderte die einzel=
nen
Amtswalter auf, ihre Berichte über das verfloſſene
Vereinsjahr zu erſtatten. Dieſe lauteten im allgemeinen
günſtig für den Beſtand des Vereins. Beſonders die
Säckelverhältniſſe ſind als ſehr gute zu bezeichnen. Nach=
dem
den Amtswaltern Entlaſtung erteilt, wurde zur
Neuwahl dieſer geſchritten. Es wurden folgende Turn=
brüder
in den Vorſtand berufen: Dr. Willi Wahr,
1. Vorſitzender; Fr. Kerz, 2. Vorſitzender: Karl Mahr,
1. Säckelwart; G. Abels, 2. Säckelwart; L. Stein, 1. Turn=
wart
; P. Kremer, 2. Turnwart; P. Kremer, 1. Schrift=
wart
; H. Düringer, 2. Schriftwart; G. Babbel, 1. Zeug=
wart
; H. Düringer, 2. Zeuawart, E. Gorr, Dietwart und
Fr. Kerz, Bücherwart. Als Beiſitzer wurden die Turn=

brüder Samper und Moch beſtellt. Vereinsveranſtaltun=
gen
wurden vorgeſehen: Samstag, den 4. Mai, Maifeier
auf der Neunkircher Höhe, den 12. Mai Frühlingsfeier
am Glasberg, verbunden mit Aufführung eines altger=
maniſchen
Feſtſpiels, weiter eine Sonnenwendfeier, das
Gründungsfeſt mit Wetturnen und Julfeier. Ferner von
der Wanderriege Frieſen jeden Monat mindeſtens eine
Wanderung und alle drei Monate eine Sippenwander=
ung
. Bei Punkt Verſchiedenes wurde noch der Bundes=
turntag
und Vorturnerwetturnen in Plauen Pfingſten die=
ſes
Jahres beſprochen. Mit einem Hinweis auf die ernſte
Arbeit und einmütiges Zuſammenſtehen ſchloß der erſte
Vorſitzende die Verſammlung.
* Sein 25 jähriges Jubiläum im Dienſte der
Firma L. Alter, Hofmöbelfabrik, feiert heute der Kauf=
mann
Adolf Spamer, einer der älteſten Beamten
der Firma.
* Darmſtädter Journaliſten= und Schriftſteller=
Verein. Zu unſerem geſtrigen Berichte über die Haupt=
verſammlung
des Vereins iſt nachzutragen, daß darin
aus Verſehen der Name des Herrn Pfarrer D. Dr. Diehl
ausgelaſſen war, der ebenfalls zum Vorſtandsmitglied
wiedergewählt wurde.
* Fahrplanänderung der Elektriſchen. Infolge
Durchführung der Linie Rheinthor=Schloßgartenplatz
(rote Linie) nach dem Ernſt=Ludwigsplatz tritt eine
Aenderung des Fahrplans ein, die aus der Bekannt=
machung
in heutiger Nummer zu erſehen iſt.
* Radrennen. Der Veloziped=Klub Darm=
ſtadt
, eröffnet die diesjährige Rennſaiſon nächſten
Sonntag, den 5. Mai d. Js., nachmittaas 3 Uhr, mit
der Abhaltung großer Rad= und Motor=Rennen auf der
Rennbahn (Heidelbergerſtraße). In den letzten Wochen
waren dort zahlreiche Hände tätig, um die kürzlich von
der Stadtverordneten=Sitzung beſchloſſene Renovierung
durchzuführen, und da auch der Veloziped=Klub durch
Verbeſſerung der Bahnfläche ein übriges getan hat, ſo
wird ſich die ſchön gelegene Rennbahn an der Heidel=
bergerſtraße
nächſten Sonntag in weſentlich vorteil=
hafterem
Kleide gegen früher präſentieren. Das Pro=
gramm
des Tages iſt in geſchickter Weiſe zuſammen=
geſtellt
und weiſt neben je einem Vorgabe=, Mannſchafts=,
Mehrſitzer=, Motor= und Klubfahren als Hauptrennen
den Preis von Starkenburg, ein in 3 Läufen zu 10,
15, 20 km zu fahrendes Dauerrennen mit Motorſchritt=
machern
für Berufsfahrer, auf. Die eingegangenen
Meldungen übertreffen hinſichtlich Qualität und Quan=
tität
alle Erwartungen, ſodat intereſſante Kämpfe und
ſtarke Felder gewährleiſtet ſind.
* Der Ortsgewerbeverein hat die Genehmigung er=
halten
zur Beſichtigung des neuen Haupt=
bahnhofs
. Die Beſichtigung findet Freitag, nach=
mittags
3 Uhr, ſtatt.
* Vogelſchutz. Die Brutzeit der lieblichſten und nütz=
lichſten
Singvögel hat bereits begonnen. Immer mehr
bricht ſich in den Kreiſen unſerer Landwirte die Ueber=
zeugung
Bahn, daß nur mit Hilfe der Vogelwelt
dem Schaden geſteuert werden kann, den die Inſekten=
Schädlinge Jahr aus Jahr ein an den Obſtbaum=
blüten
verurſachen. So iſt es ein einfaches Gebot der Obſt=
baumpflege
und des wirtſchaftlichen Nutzens, die brütenden
Vögel gegen ihre Feinde zu ſchützen. Ihr furchtbarſter
Feind iſt aber die umherſtreichende Hauskatze. Mag
ſie in Haus und Scheuer vielleicht als Mäuſevertilgerin
manchen Nutzen ſtiften. Sobald ſie hinausgeht in die
Gärten und Felder, hat ſie ihren Beruf verfehlt, und der
handelt gegen ſein eigenes Intereſſe, der ſeine Katze un=
gehindert
den Vögeln nachſtellen läßt. Es ergeht daher
an alle Katzenhalter die eindringliche Mahnung zum Schutz
der lieblichſten und nützlichſten Singvögel, wenigſtens bis
Ende Auguſt die Katzen zu beaufſichtigen und
nicht außerhalb der Gehöfte umherſtreifen zu laſſen.
A Darmſtädter Induſtriegleis. In Nr. 16 des Regie=
rungsblattes
vom 20. April iſt die der Stadt Darmſtadt
erteilte Erlaubnis veröffentlicht, auf der Südſeite der Wei=
terſtädter
Straße ein Induſtriegleis mit Anſchluß an den
neuen Hauptbahnhof anzulegen und durch die Staatsbahn=
verwaltung
mit Lokomotiven betreiben zu laſſen.
* Sommerfahrplan 1912. Der bekannte pelöe
Wandfahrplan, für die Zeit vom 1. Mai bis 30. Sep=
tember
gültig, in gewohnter Ausſtattung und Ueber=
ſichtlichkeit
, liegt der heutigen Nummer des Tag=
blattes
bei.
* Lionel, der Löwenmenſch, der zurzeit auf der
Meſſe zu ſehen iſt, erfreut ſich eines ſehr ſtarken Zu=
ſpruches
. Alle verlaſſen den Indiſchen Tempel mit der
Ueberzeugung, daß Lionel das ſeltenſte Naturwunder
iſt, welches je hier zu ſehen war. Lionel wird nicht nur
auf der Bühne gezeigt, ſondern (eht zur näheren Be=

ſichtigung in den Zuſchauerraum, wo er ſich mit den
Beſuchern unterhält. Lionel verſteht es, ſich ſchnell die
Gunſt des Publikums zu erwerben. Die Beſucher er=
ſparen
ſich das Warten auf den Anfang der Vorſtellung,
da ſolche ununterbrochen abwechſelnd auf der einen oder
anderen Seite des Doppelbaues ſtattfinden.
* Hohmanns Taſchenfahrplänchen iſt ſoeben in
einem Umfang von 68 Seiten mit Umſchlag erſchienen
und in den bekannten Verkaufsſtellen à 15 Pfg. erhältlich.
Es berückſichtigt nicht nur die letzten Fahrplanänderungen,
ſondern enthält auch alle infolge der Eröffnung des neuen
Bahnhofes gemeldeten Fahrpreisverſchiebungen uſw.

§ Pfungſtadt, 30. April. Geſtern hielt die hieſige
Handwerkerſchule ihre Abſchlußprüfung, an die
ſich die feierliche Ueberreichung der Geſellen=
briefe
reihte. 24 jungen Handwerkern konnte der Vor=
ſitzende
des Prüfungsausſchuſſes Herr Weißbindermeiſter
J. Grund, die Urkunde einhändigen, welche die Vor=
bedingung
iſt für den ſpäteren Erwerb des Meiſtertitels.
Als Vertreter der Großh. Zentralſtelle wohnte Herr
Hauptlehrer Ackermann aus Darmſtadt der Prüfung
bei. Mit derſelben war eine Ausſtellung der Zeichnun=
gen
und der von den Prüflingen gefertigten Geſellen=
ſtücke
verbunden. Seine Jahresverſammlung hält
der Verband der Starkenburger und Oberheſ=
ſiſchen
Erwerbs= und Wirtſchaftsgenoſ=
ſenſchaften
am 4. und 5. Mai hier ab. Verſchiedene
Bankdirektoren, Rechtsgelehrte und andere Fachleute aus
Darmſtadt, ſowie aus anderen Städten werden an die=
ſer
Tagung teilnehmen. Herr Landtagsabgeordneter und
Juſtizrat Dr. Oſann=Darmſtadt wird ein Referat über
Mittelſtandsintereſſen erſtatten. Der Fußballklub
Germania hat einen großen Sportplatz an der Eber=
ſtädter
Straße um 4500 Mark käuflich erworben.
Offunbach, 30. April. Heute früh gegen halb 4 Uhr
brach in der Heſſiſchen Gummiwarenfabrik von
Fiſcher Großfeuer aus, das im Walzraum ausge=
kommen
war. Das Feuer fand an den leicht brennbaren
Zummiſtoffen reiche Nahrung und ergriff in kurzer Zeit
die ganze Fabrik, die bis auf die Grundmauern
niederbrannte. Die Feuerwehren der ganzen Um=
gegend
hatten bis halb 8 Uhr mit der Bekämpfung des
Feuers zu tun. Der Schaden iſt ſehr groß, jedoch durch
Verſicherung gedeckt. 300 Arbeiter ſind ohne Beſchäf=
tigung
.
Offenbach, 30. April. Der ſieben Jahre alte Sohn
des Spenglers G. in der Herrnſtraße fiel in den Main
und verſchwand ſofort in den Wellen. Glücklicherweiſe
kam in dem gleichen Augenblick ein mit zwei Franzoſen
beſetztes Ruderboot an der Unfallſtelle vorbeigefahren.
Den Bootsinſaſſen gelang es, den bereits bewußtloſen
Knaben beim erſten Auftauchen zu faſſen, in den Kahn zu
heben und an das Ufer zu bringen. Dort nahm die Sa=
nitätswache
durch künſtliche Atmung Wiederbelebungs=
verſuche
mit dem Geretteten vor, die erfreulicherweiſe
von Erfolg waren.
Offenbach, 30. Mai. Einem in einem Düſſeldorfer
Vorort wohnenden Landwirt wurden vor einigen
Tagen zwei ſchöne Pferde aus dem Stalle geſtoh=
len
, die einen Wert von zuſammen 2000 Mark hatten.
Gleichzeitig wurde einem Bäckermeiſter ein geſchloſſener
Brotwagen und einem dritten Geſchäftsmanne ſilberplat=
tiertes
Pferdezeug entwendet. Kurz darauf konnten die
Diebe, zwei alte Zuchthäusler, von der Düſſeldorfer Poli=
zei
ermittelt und dingfeſt gemacht werden. Die Pferde
nebſt Wagen und Geſchirr aber blieben verſchwunden.
Die Nachforſchungen nach deren Verbleib führten einen
Düſſeldorfer Kriminaliſten nach Offenbach. Es ergab
ſich denn auch, daß die hieſige Pferdehändler=Firma Gebr.
Strauß, Waldſtraße, die Pferde erſtanden hatte. Eines
der Tiere hatte die Firma jedoch wieder an einen hieſi=
gen
Geſchäftsmann, das andere nach Frankfurt weiter
verkauft. Wagen und Geſchirr wurden noch im Hofe der
Firma vorgefunden und mit Beſchlag belegt. Auch das
eine Pferd wurde bereits bei dem betreffenden Geſchäfts=
manne
aufgefunden und beſchlagnahmt. Da es noch nicht
bezahlt iſt, ſo erwächſt der Firma Gebr. Strauß durch
dieſes Geſchäft ein erheblicher Verluſt. Das nach Frank=
furt
verkaufte Pferd wird ebenfalls heute nach abgeholt
und dann die Tiere, ſowie Wagen und Geſchirr den recht=
mäßigen
Eigentümern wieder zurückerſtattet. (Off. Ztg.)
Birkehau, 30. April. Ein Einbruch wurde in ver=
gangener
Nacht in das Haus des Buchhalters Beche
verübt, wobei dem bis jetzt nicht ermittelten Diebe außer
Eßwaren und Getränken noch einige andere Gegenſtände
im Geſamtwert von 15 Mark in die Hände fielen. Der

Vorträge.

In dankenswerter Weiſe kam Herr Redakteur
Theuerkauf am Samstag dem Wunſche der Turn=
gemeinde
Darmſtadt nach, um auf der Wochen=
verſammlung
einen Vortrag über das jetzt aktuelle
Thema: Jung=Deutſchland und die Deutſche
Turnerſchaft zu halten. In vollendeter Form und
packender Vortragsweiſe ſchilderte der Redner die Be=
wegungen
des Jung=Deutſchland=Bundes und das Ver=
hältnis
der Deutſchen Turnerſchaft zu dieſer neuen Orga=
niſation
. Er wies zunächſt auf die Beſtrebungen hin, die
ſeit Jahrzehnten der Jugendpflege, der Jugenderziehung
und Jugendfürſorge galten und an denen die Deutſche
Turnerſchaft lebhaften Anteil genommen hat. Weiter
ſchilderte er die Bewegung, die, hervorgerufen durch den
vorjährigen Erlaß des preußiſchen Kultusminiſters gerade
im letzten Jahre alle vaterländiſch geſinnten Männer und
Vereine wachgerufen hat, wie ſelten in einer Zeit zuvor.
Die Entſtehung des Jungdeutſchlandbundes, der übri=
gens
keineswegs das ganze Gebiet der Jugendpflege um=
faßt
und ſchon einen Vorläufer in den Beſtrebungen des
Generals Keim gehabt habe, ſei dieſer Bewegung zu
danken. Der Redner erläuterte kurz die Ziele des Jung=
deutſchlandbundes
und zeigte, daß die Deutſche Turner=
ſchaft
das gleiche Ziel der körperlichen Ertüchtigung
unſerer Jugend mit ihm verfolgt. Von dem Bunde müſſe
die Turnerſchaft eine Förderung ihrer Beſtrebungen er=
warten
; ſie könne namentlich hoffen, daß die Kreiſe, vor
allem die oberen, die infolge der ſozialen und wirtſchaft=
lichen
Entwickelung Deutſchlands in den letzten Jahrzehn=
ten
der Turnerſchaft mehr und mehr entfremdet wurden,
durch den Bund der Turnſache, die in der körperlichen
Erziehung auch den Charakter und den Geiſt ſtärke, wie=
der
zugeführt werden würden. Sicherlich würde die
Turnerſchaft aus der eingeſetzten lebhaften Jugendbe=
wegung
Vorteile ziehen, wenn vielleicht auch die neu auf=
tauchenden
Vereine zunächſt größere Förderung erführen.
Die Turnerſchaft ſolle nicht ſcheel blicken auf die Konkur=
renz
dieſer Vereine und nicht abſeits ſtehen; vor allem
ſolle ſie ſelbſt rege im Sinne Jahns tätig ſein, um die
Jugend für ſich zu gewinnen. Gerade ihre großartige
Organiſation und ihre Geſchichte und die ihr zur Verfüg

ung ſtehenden Kräfte ſeien dazu angetan, der Turner=
ſchaft
noch weiter die Anziehungskraft für die Jugend zu
ſichern. Die anweſenden Mitglieder folgten den Aus=
führungen
mit regem Intereſſe und der große Beifall
zeigte, daß Herr Theuerkauf das richtige Thema gewählt
hatte. Redewart Graf, dem die Leitung der Wochen=
verſammlung
oblag, dankte dem Redner für ſeine der
Turnſache ſowie der Turngemeinde gewidmete Unterſtütz=
ung
. Ein begeiſtert aufgenommenes Gut Heil für den
Redner war der Dank der zahlreich anweſenden Mit=
glieder
.
Feuilleton.
* Gerhart Hauptmann=Spiel in Bad Lauchſtädt. Ger=
hart
Hauptmanns noch unaufgeführtes Drama Gabriel
Schillings Flucht wird in Goethes altberühmtem klei=
nen
Sommertheater zu Bad Lauchſtädt bei Halle a. S.
am 14., 15. und 16. Juni aufgeführt werden. Freunde
der Kunſt veranſtalten dieſes Spiel. Der Dichter wird
perſönlich an den Proben teilnehmen. Die Dekorationen
werden nach Skizzen Mar Liebermanns von den Hof=
malern
Georg Hartwig u. Co. angefertigt. Leiter dieſer
Vorſtellungen iſt der frühere Direktor des Wiener Hof=
burgtheaters
, Hofrat Dr. Paul Schlenther.
Ein Millionär, der orm geſtorben iſt. In Chicago
iſt am Freitag als Zweiundneunzigjähriger Dr. Daniel K.
Pearſons geſtorben, der in der Welt der reichen Philan=
thropen
einen beſonderen Ehrenplatz beanſpruchen darf,
denn er hat buchſtäblich ſein ganzes Vermögen ſchon vor
ſeinem Tode gemeinnützigen Inſtituten zugewandt und
ſtarb, ohne eigenes Vermögen zu hinterlaſſen. In ſeinen
jungen Jahren hat er ſich in raſtloſer Arbeit als Ge=
ſchäftsmann
ein Vermögen von rund 30 Millionen Mark
geſchafft. Als er ſich vor etwa zehn Jahren zurückzog.
äußerte er die Abſicht, die Früchte ſeiner Arbeit reſtlos
der Allgemeinheit zugänglich zu machen, und er gab in
der Tat ſein ganzes Vermögen fort, hauptſächlich an Er=
ziehungs
= und Bildungsanſtalten, die ſchwer um ihre
Exiſtenz zu kämpfen hatten. Als letzte Stiftung vermachte
er einem College den Reſt ſeines Vermögens, eine Mil=
lion
Mark, woran er nur die Bedingung knüpfte, daß
ihm bis an ſein Lebensende 2 Prozent von den Erträa=

niſſen dieſes Kapitals zufließen ſollten, damit er ſich er=
nähren
könne. Er erklärte, daß das Verſchenken von Geld
ein ſchönerer und beſſerer Sport ſei als Golf oder Cricket.
Im Gegenſatz zu Carnegie, der reiche Inſtitute durch
neue Stiftungen vervollkommnet, ſah Pearſons ſeine
Aufgabe darin, ärmeren, notleidenden Bildungsinſtituten
eine Hilfe zukommen zu laſſen, und er tat das ſo gründ=
lich
, daß er in ſeinen letzten Lebensjahren in der Tat nur
über die für ſeine Verhältniſſe beſcheidene Rente verfügte,
die er ſich bei ſeiner letzten Stiftung ausbedungen hatte.
C.K. Der Kino=Zenfor. In England iſt nunmehr
endgültig der Beſchluß gefaßt worden, alle zur öffent=
lichen
Vorführung beſtimmten kinematographiſchen Auf=
nahmen
einer Zenſur zu unterwerfen. Bereits in weni=
gen
Wochen wird dieſe neugeſchaffene Zenſurbehörde ihre
Tätigkeit beginnen. Die Beſtimmungen, unter denen
dieſe Zenſur gehandhabt wird, gehen ſo weit, daß jedes
Kinematographentheater, das anfechtbare Darſtellungen
vorführt, ſofort automatiſch von allen Filmfabriken
boykottiert wird, ſo daß dem Direktor die Fortführung
ſeines Etabliſſements unmöglich wird. Es wird ein
Komitee gebildet, deſſen Mitglieder von der Genoſſen=
ſchaft
der Filmfabrikanten, von dem Verband der Film=
mieter
und von dem Bunde der Kinematographentheater
geſtellt werden. Dieſes Komitee ernennt ſechs Prüfer,
darunter auch Geſchäftsleute, die mit der Kinematogra=
pheninduſtrie
nicht in Verbindung ſtehen. Dieſe Kom=
miſſion
der Sechs wird ausnahmslos jeden Film prüfen.
der zum Verkauf kommen ſoll. Man rechnet damit, daß
die Kommiſſion ein Arbeitspenſum von wöchentlich rund
120 Films zu bewältigen hat. Sie ſoll infolgedeſſen auch
von Montag bis Freitag täglich tagen. Wenn irgend eine
der hierbei vorgeführten Aufnahmen auch nur bei einem
Mitglied der Kommiſſion Bedenken erregt, darf der Film
einſtweilen nicht verkauft oder verliehen werden. Die
Films, auf denen auf dieſe Art etwas auszuſetzen iſt,
müſſen dann dem oberſten Zenſor vorgeführt werden;
dieſem oberſten Zenſor ſteht wiederum eine Kommiſſion
von Fachleuten beratend zur Seite, doch werden dieſer
zweiten Kommiſſion Filmfabrikanten nicht angehören.
Die Entſcheidung des oberſten Zenſors iſt unwiderruflich
und kann nicht angefochten werden.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Mai 1912.

Nummer 102.

zur Verübung der Tat Eingeſtiegene verlor dabei einen
Hut, ſo daß man wenigſtens dieſen Anhaltspunkt hat.
Mainz, 30. April. Am 1. Mai kommt, wie alljährlich
das Vermächtnis der Freifrau von Eberſtein, die ſoge=
nannte
Roſenbrautſtiftung, abermals zur Verteilung. Die
Stiftungskommiſſion hat für dieſes Jahr Frl. Barb. Dürr=
wächter
als Roſenbraut ausgewählt.
Mainz, 30. April. Bei dem geſtern mittag 11. Uhr von
Frankfurt gekommenen Perſonenzug wurde im hieſigen
Tunnel ein Pferdebegleiter von einem unruhigen Pferd
durch die offene Tür aus dem Wagen geſtoßen,
ſo daß er in das zweite Gleis zu liegen kam. Glück=
licherweiſe
hatte er bei dem Sturz nur Hautabſchürfungen
und Quetſchungen erlitten, ſo daß er ſich zur Seite ſchaf=
fen
konnte. Ein zweiter Begleiter machte im Hauptbahn=
hof
Meldung, worauf der Verletzte von wei Bahnarbei=
tern
aus dem Tunnel geholt wurde. Nachdem im ver=
gangenen
Jahre zum erſten Male für allen aus dem
Rhein entnommenen Sand eine ſtaatliche Ab=
gabe
von 30 Pfg. für den Kubikmeter erhoben wurde
iſt dieſe Abgabe vom 1. April ab auf 50 Pfg. für den
Kubikmeter erhöht worden.
Worms, 30. April. Ein Spionagefall, in wel=
chen
ein Reiſender, der längere Zeit in einem hieſigen
Hotel wohnte und ſeit geſtern vormittag verſchwunden
iſt, und ein Soldat der 5. Kompagnie des hieſigen In=
fanterie
=Regiments Nr. 118 verwickelt ſind, kam geſtern
zur Kenntnis der Behörde. Es haben in dieſer Sache
bereits zahlreiche Vernehmungen ſtattgefunden. Wie ver=
lautet
, wurde in einem dem Reiſenden gehörenden Paket
ein Gewehrſchloß gefunden. Als dem Reiſenden der
Boden hier zu heiß wurde, ging er flüchtig.
Gießen, 29. April. Ein geſtern aufgeſtiegener Bal=
lon
landete nach abwechſelungsreicher Fahrt bei ſtarkem
Bodenwind in der Nähe von Walldorf, wo die hilfs=
bereiten
Bewohner eine Beerdigung im Stiche ließen und
im Gehrock und Zylinder den Ballon am Schlepptau feſt=
hielten
, um ihn noch vor den Häuſern zur Erde zu bringen.
Friedberg, 30. April. Der Landesverband der
Großh. Heſſiſchen Bürgermeiſter hielt geſtern
unter dem Vorſitze des Bürgermeiſters Metzger=Langen
ſeine Jahreshauptverſammlung im hieſigen Hotel Trapp
ab. Der Jahresbericht ließ erkennen, daß der Verband be=
ſtrebt
war, eine große Anzahl wichtiger Fragen kommunal=
politiſcher
Art und verwaltungsrechtlicher Natur auf dem
Wege des Inſtanzenzuges und durch Eingaben zu löſen.
Bürgermeiſter Schäfer=Dortelweil berichtete über die
Kaſſenverhältniſſe. Einer Einnahme von 429,28 Mark
ſtehen 277,30 Mark Ausgaben gegenüber. Das Vereins=
vermögen
beträgt zurzeit 751,98 Mark. Die Vorſtands=
wahlen
zeitigten folgendes Ergebnis: für Starkenburg:
Kropp=Sickenhofen, Pons=Walldorf, Sänger=Seligenſtadt,
Metzger=Langen; für Rheinheſſen: Bingel=Selzen, Sal=
wächter
=Nieder=Ingelheim; für Oberheſſen: Kromm=
Schotten, Schäfer=Dortelweil. Fendt=Hungen. Zum Ort
der nächſtjährigen Landesverſammlung wurde Mainz ge=
wählt
. Im Mittelpunkte der Verhandlungen ſtand ein
Vortrag vom Landtagsabgeordneten Juſtizrat Dr.
Oſann=Darmſtadt über: Die am 1. April in Kraft ge=
tretene
Landgemeindeordnung An den mit ſtarkem Bei=
fall
aufgenommenen Vortrag ſchloß ſich eine kurze Beſprech=
ung
. Schließlich fand folgende Reſolution einſtimmige
Annahme: Die Hauptverſammlung des Landesverbandes
der Bürgermeiſter des Großherzogtums Heſſen legt gegen
die beabſichtigte Abwälzung eines Teils der Eryöhung der
Gehälter der Volksſchullehrer auf die Gemeinden Ver=
wahrung
ein, da die Gemeinden faſt alle ſchon ſehr ſchwer
belaſtet ſind und die Steuerkraft vieler Gemeinden an der
Grenze der Leiſtungsfähigkeit der Steuerpflichtigen ange=
langt
iſt. Mit herzlichen Worten des Dankes ſchloß hier=
auf
Bürgermeiſter Metzger die Verhandlungen.
Nidda, 30. April. Ein hieſiger Möbelfabrikant hatte
am Freitag nachmittag, wie der G. A. berichtet, einen
Lehrling mit 1300 Mark nach Unter=Schmitten
geſchickt, die in einer dortigen Holzſchneiderei bezahlt wer=
den
ſollten. Der Empfänger merkte ſofort, daß 1000
Mark an dem angegebenen Betrage fehlten und ver=
ſtändigte
telephoniſch den Fabrikanten. Es ergab ſich, daß
der Brief geöffnet worden war; der darin enthaltene
Tauſendmarkſchein fehlte. Daraufhin wurde
geſtern der Schreinerlehrling W. Weber von hier ver=
haftet
und eifrig nach dem Gelde geſucht, da der Junge an=
gab
, er habe unterwegs das Geld einmal zählen wollen
und dabei den Kaſſenſchein verloren. Allein alles Suchen
war vergebens; vielmehr trat der Verdacht auf, daß er den
Schein unterwegs verſteckt habe. Heute morgen wurde da=
her
vom hieſigen Amtsgericht unter Zuhilfenahme des Gen=
darmeriewachtmeiſters
Rees aus Butzbach mit ſeinem
Polizeihund längere Zeit im Beiſein des Lehrlings
zwiſchen Kohden und Unter=Schmitten nach dem Gelderge=
ſucht
; aber alle Angaben des Verdächtigen erwieſen ſich als
unwahr, und die Suche verlief erfolglos. Auch eine Haus=
ſuchung
mit dem Polizeihund in der Wohnung der Eltern
des Jungen blieb ohne Ergebnis. Der Lehrling blieb in
Haft. Da die Nummer des Kaſſenſcheins bekannt war, iſt
er geſperrt.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 29. April. Generalleutnant
von Alten, der bekannte Herausgeber des Handbuches
für Heer und Flotte, iſt heute am Herzſchlage verſtorben.
In einer impoſanten Verſammlung von Männern und
Frauen wurde geſtern abend nach einer Rede des Gene=
ralfeldmarſchalls
Freiherrn v. d. Goltz eine Ortsgruppe
Charlottenburg des Jung=Deutſchland=Bundes
begründet. Ein gefährlicher Brand beſchäftigte
geſtern nachmittag ſechs Züge der Feuerwehr in den Räu=
men
der Aktiengeſellſchaft Mehlich in der Sophienſtraße,
die die Fabrikation von Maſchinen= und Automobilteilen,
ſowie Fahrradzubehör betreibt. Ueber vierhundert Ar=
beiter
und Arbeiterinnen ſind darin beſchäftigt. Die Hitze
war ſo groß, daß die eiſernen Türen des Fahrſtuhlſchachtes
vom vierten Stock bis zum unterſten Stockwerk glühend
wurden. Vergeblich verſuchte die Mannſchaft durch Beil=
hiebe
das ſtarke Wellblech zu durchſchlagen, um dadurch
dem Rauch Abzug zu verſchaffen. Dies gelang erſt, nach=
dem
ein großes Mauerwerk nach innen eingeſchlagen war.
Es dauerte zwei Stunden, ehe die=Gefahr beſeitigt war.
Ein Feuerwehrmann erkrankte auf der Brandſtelle.
München, 30. April. Der geſtern ausgebliebene
Süd-Nord=Expreßzug, der von Cannes nach
Berlin geht und geſtern München hätte paſſieren ſollen
traf erſt heute früh nach 6 Uhr im Münchener Hauptbahn=
hof
ein. Er war in der Riviera in der Gegend von Ven=
timiglia
und San Remo mit Maſchine und den erſten
zwei Wagen entgleiſt, konnte aber nach den Einhe=
bungsarbeiten
ſeine Fahrt wieder fortſetzen. Perſonen
kamen nicht zu Schaden. Die Paſſagiere, die er mitge=
bracht
hatte, ſetzten ihre Reiſe in den anſchließenden
Schnellzügen fort.
Kempten, 29. April. Ein ſchwerer Unglücksfall
hat ſich auf der Straße zwiſchen Baiersried und Ober=

günzburg ereignet. Der Großkaufmann und Gutsbeſitzer
Joſeph Boder war mit ſeiner Frau auf der Heimkehr
von einer Spazierfahrt begriffen, als plötzlich die Pferde
ſcheuten. Frau Boder wollte vom Wagen ſpringen, blieb
aber mit den Kleidern hängen und wurde zu Tode
geſchleift, bevor man ihr zu Hilfe kommen konnte
Frau Boder ſtand erſt im 38. Lebensjahre.
Stuttgart, 30. April. Einer großen Gefahr iſt
geſtern der König glücklich entronnen. Als mittags vier
Uhr der König in geſchloſſenem Kraftwagen die Haupt=
ſtätterſtraße
hinauffuhr, kam ein Laſtauto die Sophien=
ſtraße
herüber, das auf der Kreuzung mit dem königlichen
Wagen hätte zuſammenſtoßen müſſen, wenn nicht beide
Wagenlenker ihre Gegenmaßregeln ergriffen hätten. Der
Chauffeur des Laſtwagens brachte ſein Fuhrwerk zum
Stehen und der Kgl. Chauffeur machte nach links eine
Kurve, um noch rechtzeitig vorbeizukommen. Dabei wurde
die Kurve offenbar etwas zu ſcharf genommen, ſo daß der
Wagen ins Schleifen kam und am Randſtein bei der Metz=
gerei
Schwaderer ſo heftig aufſtieß, daß das Pneumatik
platzte. Der König, der während des aufregenden Vor=
falles
große Ruhe bewahrte, mußte, ohne Schaden genom=
men
zu haben, den Wagen verlaſſen und begab ſich zu
Fuß zum Wilhelmspalaſt zurück.
Köln, 30. April. In dem weſtfäliſchen Orte Laasphe
fand ein ſchwerer Kampf mit Zigeunern ſtatt, die
einen Feldhüter zu erwürgen verſuchten. Die Zigeuner
ſchlugen den letzteren zu Boden und ſtopften ihm Erde
in den Mund. Als Hilfe erſchien, flohen ſie. Einer von
ihnen wurde durch einen Revolverſchuß getötet, die an=
deren
entkamen.
Duisburg, 30. April. Der Ausſtand der Rhein=
ſchiffer
nahm geſtern zu. Der geſamte Schiffsverkehr
ruht, die Frachtſätze ſind erheblich geſtiegen.
Zuffenhauſen, 29. April. Durch das heute nachmittag
kurz nach 1 Uhr in der Kunſtbaumwollfabrik von Horck=
heimer
ausgebrochene Feuer iſt der Neubau der
Fabrik mit der Fertigmacherei völlig zerſtört worden.
Trotz der größten Anſtrengungen der Feuerwehr und
dreier Lokomotiven, die gleichfalls zum Spritzen heran=
gezogen
worden waren, ſprangen die Flammen auch
auf die in der Nähe liegende große Menge von Eiſen=
bahnſchwellen
über: Das Dach des Fabrik= Wohngebäu=
des
geriet gleichfalls in Brand und wurde zerſtört. Die
Drähte der Hochſpannungsleitung ſind in der Hitze ge=
ſchmolzen
, weshalb in einigen Fabriken der Betrieb ein=
geſtellt
werden mußte. Bis um 6 Uhr waren mehrere
1000 Eiſenbahnſchwellen der benachbarten Schwellen=
ſiederei
(Tränkung der Schwellen mit Teer) durch Feuer
vernichtet. Auch das große Lager an Baumwollvorräten
iſt dem Brand zum Opfer gefallen. An der Brandſtelle
iſt auch eine Abteilung der Stuttgarter Berufsfeuerwehr
tätig. Der Schaden iſt ſehr beträchtlich.
Kiel, 29. April. Prinz Heinrich von Preußen
iſt heute mit Gemahlin von Kiel nach Rabenſteinfeld bei
Schwerin abgereiſt, um dem Muſikfeſt beizuwohnen.
Innsbruck, 28. April. In der Arzeler Scharte iſt von
den infolge des Rutſches der Schneewächte verunglück=
ten
ſieben Perſonen der Schloſſer Spazdierer geſtor=
ben
. Einer iſt ſchwer, fünf leicht verletzt.
Paris, 29. April. Die Sektion der Leiche
Bonnots wurde heute nachmittag vorgenommen. Sie
hat ergeben, daß Bonot von ſechs Kugeln getroffen
worden iſt, wovon zwei den Kopf durchbohrt haben. Es
hat ſich außerdem herausgeſtellt, daß Bonnot am Mitt=
woch
bei dem Zuſammentreffen mit dem ermordeten Po=
lizeikommiſſar
Jouin einen Bruch der Speiche des linken
Armes erlitten hat. Der Anarchiſt Dubois, der geſtern
ebenſo wie Bonnot von der Polizei getötet wurde, hatte
zwei Kugeln im Körper, wovon die eine die Aorta zer=
riſſen
hat. Das Gerücht, daß die beiden Banditen ſich
ſelbſt umgebracht hätten, iſt alſo durch die Autopſie wider=
legt
worden.
Paris, 29. April. Vor dem Schwurgericht fand heute
der Prozeß gegen den früheren Kaſſendirektor
im Miniſterium des Aeußern, Hamond, ſtatt, welcher
Veruntreuungen von Staatsgeldern im Betrage von
216000 Francs angeklagt iſt. Auf die Frage des Ge=
richtspräſidenten
bekannte ſich Hamond der Veruntreuun=
gen
ſchuldig. Das Urteil lautete auf fünf Jahre Ge=
fängnis
und 20000 Francs Geldſtrafe.

Parlamentariſches.

*X* Darmſtadt, 30. April. Der Finanzaus=
ſchuß
der Zweiten Kammer trat heute vormittag
inter Vorſitz des Abg. Dr. Oſann zu einer Beratung
zuſammen, deren Hauptgegenſtand die Regierungsvor=
lagen
über die Beamten=Beſol d un gs=
reform
bildete. Der Ausſchuß ging jedoch auf die
materielle Seite der Vorlagen nicht ein, und ſah mit
Rückſicht auf den Umſtand, daß das Kammerplenum be=
ſchloſſen
hat, in einer Vorberatung am 8. Mai die Regier=
ungsvorſchläge
zunächſt im allgemeinen zu diskutieren,
davon ab, auf Einzelheiten näher einzugehen. Nach län=
gerer
Ausſprache wurde über die Verteilung der einzelnen
Vorlagen auf die einzelnen Referenten Beſchluß gefaßt.
Der Ausſchuß erledigte danach noch einige weitere
Beratungsgegenſtände. Den Regierungsvor=
lagen
, betr. die Landeskreditkaſſe für 1906 und 1907,
wurde zugeſtimmt, ebenſo der Regierungsvorlage betr
den Verkauf des Hofgutes Neu=Ulrichſtein. Der von einem
Ausſchußmitglied geſtellte Antrag, für den Fall, daß das
Hofgut ſeinem Zwecke als Stätte für Arbeitsloſe entzogen
werden ſollte, ſich das Verkaufsrecht vorzubehalten, ward
abgelehnt. Bei der Vorſtellung ſelbſtändiger Kaufleute,
betreffend die Wormſer Rheinbrücke, beſchloß der Aus=
ſchuß
, erſt einmal abzuwarten, welche Vorſchläge die
Stadt Worms bezüglich der Ablöſung des Brückengeldes
machen wird; die diesbezügliche Vorſtellung wird zu=
nächſt
für erledigt erklärt. Die Beratung über den Antrag
Diehl und Wolf=Stadecken, betr. die Bahnlinie Unden=
eim
-Darmsheim, wurde ausgeſetzt. bis die Antragſtel=
ler
darüber gehört worden ſind. Der Vorſtellung des
Eiſenbahnaſſiſtenten i. P. Müller um Erhöhung ſeiner
Penſion konnte nicht ſtattgegeben werden, weil der Pen=
ſionsſatz
dafür feſtſteht. Der Apsſchuß beantragt aber,
die Regierung um eine tunlichſte Unterſtützung des Pe=
tenten
zu erſuchen.
Der Wahlprüfungsausſchuß der Zwei=
ten
Kammer beſchäftigte ſich heute noch mit den be=
anſtandeten
Wahlen zum Landtag: bezüglich der Wahl
der Abgg. Auler, Schott und Wolf=Stadecken
wurden die Schlußberichte vorgetragen und beſchloſſen,
die Gültigkeit der Wahlen zu beantragen, desglei=
chen
bezüglich der Wahl des Abg. Korell, nachdem
inzwiſchen die formellen, vom Ausſchuß beanſtandeten
Verfahren betreffs mehrerer Liſten über Steuerrückſtände
aufgeklärt worden ſind. Bezüglich der Wahl des Abg.
Kredel (1. Wahlkreis Starkenburg) wurde beſchloſſen,
eine eidliche Zeugenvernehmung darüber zu veranlaſſen,
ob Stimmzettel für Kredel, wie behauvtet wird, in einem
Wahllokal ausgelegt worden ſind. Auch darüber, ob in
mehreren Wählerverſagmlungen des Kandidaten von

ſeinen Begleitern Freibier verabreicht worden ſei. ſollen
noch nähere Ermittelungen ſtattfinden.

Nachträgliches zum Bahnhofsbau.

* Zu dem Bericht über die Einweihungsfeier=am
Sonntag iſt nachzutragen, daß Herr Großh. Kapellmei=
ſter
Fr. Rehbock der Leiter des muſikaliſchen Teiles
des Feſtaktes war.
Ferner ſchreibt man uns noch von intereſſierter
Seite: An einem der Fahrkartenſchalter wird eine von
der hieſigen Firma Gandenbergerſche Maſchi=
nenfabrik
(Gg. Goebel) gelieferte, nach eigenen Pa=
tenten
ausgeführte) automatiſche Schnelll=
Fahrkarten=Druckmaſchine, genannt Elek=
tro
=Kartograph in Betrieb genommen. Die
mit Elektromotor angetriebene und für 1000 Kartenſorten
eingerichtete Maſchine druckt die jeweils verlangten Fahr=
karten
augenblicklich in Gegenwart des Reiſenden und
regiſtriert die verausgabten Kartenſorten ſamt deren
Preiſen auf zwei Kontrollſtreifen, von denen der eine un=
ter
Verſchluß und nur den Oberbeamten zugänglich iſt.
Zur Bedienung des Apparates, der zwecks langer Le=
bensdauer
ſehr kräftig konſtruiert iſt, ſind nur zwei
Griffe, Auswahl der betreffenden Druckplatte und Ein=
ſchieben
der Blankokarte nötig, weil alles übrige der
Elektromotor ausführt. Der Zweck des Kartographs iſt,
die großen Kartenvorräte zu vermeiden und dennoch die
Reiſenden raſch abzufertigen.
Weiter werden wir erſucht, auf einen intereſſanten
Teil des Baues hinzuweiſen, der von einer heſſiſchen,
auch in Darmſtadt anſäſſigen Firma zur Ausführung ge=
bracht
wurde. Eine große Ueberführung in der Länge=
von
ca. 112 M., deren einer Teil für den Verkehr der an=
und abreiſenden Fürſtlichkeiten, deren anderer Teil als
Gepäckſteg dient, iſt vollſtändig in Eiſenbeton hergeſtellt.
Sie weiſt Oeffnungen mit Spannweiten bis zu 19 Meter
auf und hat eine Breite bis über 9 Meter. Die Wände
dieſer Ueberführung in der Höhe von nahezu 5 Meter
ſind als Tragkonſtruktion ausgebildet. Die beſonders in
Erſcheinung tretenden Sichtflächen nach den Bahnſteig=
überdachungen
ſind in Muſchelkalk=Vorſatzbeton ausge=
führt
. Dieſe Ueberführung, die gewiß alle Beſchäuer
des neuen Bahnhofes intereſſieren dürfte, wurde von der
Rheiniſchen Betonbau=Geſellſchaft m. b. H. in Mainz=
Darmſtadt betätigt, die auch die umfangreichen Eiſen=
betonarbeiten
an der Eleonoren= und Oberrealſchule, an
der Elizabeth Duncan=Schule auf der Marienhöhe u. a.
in letzterer Zeit in Darmſtadt zur Ausführung brachte.
Die Firma Gebrüder Becker Nachfl. teilt uns mit:
Wir führten aus ſämtliche Be= und Entwäſſerungsankagen,
ſowie Gasleitung und Objekte in: Abfertigungsgebäude
am Güterſchuppen, Güter= und Zollſchuppen, Eilgutſchup=
pen
, Abortgebäude am Eilgut= bezw. Güterſchuppen, Dienſt=
gebäude
, großes Nebengebäude, kleines Nebengehäude,
Waſſerturm. Arbeiteraufenthaltsraum, Triebwagen= Lade=
ſtation
, Lokomotivſchuppen, Geräteſammelmagazin, Stell=
werk
1. 2, 3 und 4, außerdem noch Südbahnhof.
Die Dachziegel für alle Stellwerke, alle Neben=
gebäude
für den Nord= und Südbahnhof wurden durch
den Generalvertreter K. Freitag in Erfelden vom Ton=
werk
Heppenheim (Bergſtraße) geliefert.
Die Bahnſteighallen des neuen Emp
fangsgebäudes finden überall beſondere Aner=
kennung
. Wir werden darauf aufmerkſam gemacht, daß
ihre techniſch=konſtruktive Ausarbeitung von Herrn In=
genieur
Auguſt bei der Eiſenbahndirektion Mainz
herrührt.

Luftfahrt.

* Dresden, 30. April. Die am Sonntag nachmit=
tag
zum Ausſcheidungsrennen für die Gordon= Ben=
nettfahrt
aufgeſtiegenen Ballons ſind nunmehr
ſämtlich gelandet. Vorausſichtlicher Sieger iſt der
Ballon Franken II‟, des Königlich Sächſiſchen Vereins für
Luftſchiffahrt, der unter Führung des Fabrikbeſitzers Otto
Kern bei Bürglen im Kanton Thurgau niedergegangen iſt.
An zweiter und dritter Stelle folgen die Ballons Cre=
feld
und Abercroon vom Niederrheiniſchen Verein für
Luftſchiffahrt. Der Ballon Crefeld iſt unter Führung
des Oberleutnants Stach von Goltzheim bei Ravensburg=
am
Bodenſee und der Ballon Abercroon unter Führung
des Mäjors von Abereroon bei Kempten in Bayern
landet.
Sr. Zum Todesſturz des franzöſiſchen
Fliegers Vedrines meldet uns ein Privat=Teles
gramm aus Paris folgendes: Der bekannte Deperduſſin=
Flieger Vedrines, der zu den kühnſten und erfolgreichſten
Fliegern der Welt gehört, iſt am Montag früh vom Schick=
ſal
ereilt worden. Vedrines war gegen 5 Uhr morgens
in Douay aufgeſtiegen mit der Abſicht, ſeinen geplanten
Flug nach Madrid auszuführen. Gegen 7 Uhr morgens
paſſierte er Epinay, wo er infolge Verſagens des Mo=
tors
im Gleitflug niederging. Hierbei geriet Vedrines
mit ſeinem Apparat in die neben dem Eiſenbahnſtrang
laufenden Telegraphendrähte und ſtürzte dann auf
den Bahndamm herab. Glücklicherweiſe war ſchnell
Hilfe zur Stelle, ſodaß Vedrines der Gefahr entging, von
einem bald darauf die Unfallſtelle paſſierenden Schnell=
zug
gerädert zu werden. Die Aerzte in Epinay konnten
nur feſtſtellen, daß Vedrines ſchwere Verletzungen er=
litten
habe. Man entſchloß ſich, den Aviatiker mitz
einem Extrazuge nach Paris ins Hoſpital zu
ſchaffen, wo er auch noch lebend eingeliefert wurde: Dort
konſtatierte man u. a. einen Bruch der Schädelbaſis, der
eine Rettung kaum erhoffen ließ. Man entſchloß ſich
kurz zu einer Schädel=Trepanation, doch gab Vedrines
bald daraufſeinen Geiſt auf. Dieſer neue Todesſturz
trifft die Flugkunſt um ſo ſchwerer, als Vedrines zu
den befähigſten Fliegern gehörte. Er war im Jahre 1910
zum Piloten ausgebildet worden. flög zunächſt Blériot=
Eindecker, wurde dann Chef=Pilot der Morane=Werke
und ging ſpäter zu den Deperduſſin=Werken über. Er
gewann im Vorjahre die bedeutendſten Ueberlandflüge,
zeichnete ſich beſonders bei den Flügen Paris-Madrid,
Paris-Rom und beim Europäiſchen Rundflug aus: Er=
war
Inhaber faſt aller Geſchwindigkeits=Weltrekords.
Bereits im Dezember vorigen Jahres war Vedrines ein
ſchwerer Unfall zugeſtoßen, von dem er ſich jedoch voll=
ſtändig
erholt hatte. In letzter Zeit machte Vedrines
durch ſeine allerdings erfolgloſe Kandidatur für die De=
putiertenkammer
von ſich reden.
* Einen erfolgreichen Flug um den wert=
vollen
Pokal Deutſch de la Meurthe führte der Morane=
Pilot Tabuteau aus. Der Preis Deutſch de la Meurthe
beauftragte Beamte teilte dem Doyen des diploma=
tiſchen
Korps und verſchiedenen Vertretern fremder
Mächte mündlich mit, daß die Vollmachten des Geſandten
der franzöſiſchen Republik auf den Generalreſidenten über=
tragen
werden und die Geſandtſchaft den Charakter einer
Agentur zur Erledigung lokaler Angelegenheiten behalte,

[ ][  ][ ]

Nummer 102.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Mai 1912.

Seite 5.

im Werte von 10000 Francs und dreier Jahresprämien
von 20000 Franes war bereits im Jahre 1906 für einen
Flug rund um Paris im Lenkballon oder Aeroplan aus=
geſetzt
. Tabuteau flog die vorgeſchriebene 200 Kilometer
lange Strecke von St. Germain-Senlis-Meau-Melun
und zurück nach St. Germain trotz ſehr unſichtigen Wet=
ters
unter Benutzung des Kompaſſes in 1 Stunde 47 Mi=
nuten
48 Sekunden. Am ſelben Tage bewarben ſich auch
noch Frey und Helen, von denen letzterer die Strecke
gleichfalls abſolvierte, und ſogar in beſſerer Zeit. Nach
den Beſtimmungen des Pokals Deutſch de la Meurthe
müſſen aber Bewerber, die eine ausgeführte Leiſtung
überbieten wollen, um ſo Anwärter auf den Pokal zu
werden, die Leiſtung ihres Vorgängers um mindeſtens
10 Prozent verbeſſern, was Helen nicht gelang.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 30. April. Präſident Dr. Kaempf er=
öffnet
die Sitzung um 1,16 Uhr. Die
2. Leſung des Etats des Kolonialamts
wird fortgeſetzt. Abg Dr. Waldſtein (Fortſchr.
Vpt.): Ueber die Notwendigkeit, den Alkoholverbrauch
in den Kolonien möglichſt einzuſchränken, dürfte bei uns
Einmütigkeit herrſchen. Dieſes Ziel wird aber nur auf
internationalem Wege zu erreichen ſein. Wir bedauern
deshalb, daß ſeitens Frankreichs Schwierigkeiten gemacht
werden. BeimMarokkoabkommen intereſſiert hauptſächlich
die Frage, wie die Verhältniſſe mit den im Kongogebiet
beſtehendenKonzeſſionsgeſellſchaften geregelt werden. Eine
rigoroſe Auslegung der Abmachungen könnte mancher
Geſellſchaft den Lebensfaden abſchneiden. Wir wünſchen,
daß bei der Behandlung dieſer Frage loyal vorgegangen
wird. Wir erwarten eine ſolche Regelung der Angelegen=
heit
, die das von Frankreich erworbene Gebiet wervoll
für Deutſchland macht. Die Kolonialbahnen ſollten weni=
ger
auf ſchnelle und große Rentabilität zielen, als ihren
Zweck erfüllen, das Land zu erſchließen. Unſere Baum=
wollkultur
iſt durchaus lebens= und entwickelungsfähig.
Schmerzlich empfunden wird in den Kolonien der ſchnelle
Beamtenwechſel ſowohl in der Stelle des Staatsſekretärs
wie in denen der Gouverneure. Größere Stetigkeit iſt
ſehr erwünſcht. Bezüglich des Kolonialgerichtshofes be=
ſteht
Einigkeit darüber, daß er kommen muß. Der Uni=
verſität
Frankfurt ſollte der Kolonialgerichtshof in Ham=
bura
gegenübergeſtellt werden. Außerdem müſſen Kolo=
nial
=Lehrſtühle an den einzelnen Univerſitäten errichtet
werden. Abgl v. Liebert (Rpt.): Ganz anders als
der Abgeordnete Henke urteilen die hervorragenden Ver=
treter
der Sozialdemokratie über die Kolonialpolitik. Die
Baumwollekultur hat, wenn die Bodenverhältniſſe auch
günſtig ſind, doch mit den Regenzeiten und den ſchwieri=
gen
Arbeiterverhältniſſen zu kämpfen. Der Vorſtoß ge=
gen
unſere Miſſionen war völlia ungerechtfertigt. Der
Islam macht naturgemäß ſchnellere Fortſchritte als das
Chriſtentum, da ſich der Islam an die niederen Inſtinkte
des Menſchen wendet, während das Chriſtentum Entſa=
gung
verlangt. (Lebhaftes Sehr richtia!) Unerfreulich iſt
es, daß die Kolonien unter dem Zeichen des Gouver=
neurswechſels
ſteben. Für den Ausbau der Eiſenbahnen
und des Straßennetzes muß energiſch weitergeſorgt wer=
den
. Die Inderfrage verlanat aufmerkſamſte Beobach=
tung
. Die Behandlung der eingeborenen Arbeiter iſt nicht
ſo, wie die Sozialdemokraten dies ſchildern. um das Volk
gegen die Kolonialvolitik zu ſtimmen. Vor allem iſt es
unwahr, daß die Pflanzer noch mit Prügelſtrafen ope=
rieren
. Sie würden ſonſt überhaupt keine Arbeiter be=
kommen
Die Sklaverei muß aufhören, aber langſam und
allmählich, um die Uebergangsſchwierigkeiten zu über=
winden
. Der Straußenzucht muß mehr Intereſſe zuge=
wandt
werden. Südkamerun ſollte durch eine Bahn von
der Küſte bis ins Innere des Landes mehr erſchloſſen
werden. Dem Raubbau beim Kautſchuk muß entſchieden
enſtgegengetrcten werder. Eine arößere Unterſtützung
der Kolonfalſchulen in Witzenhauſen und Weilbach iſt
nötia im eigenſten Intereſſe der Kolonien. (Beifall)
Abg. Noske (Soz.): So human, wie Herr von Lie=
bert
es darſtellt, iſt die Behandlung der Schwarzen auf
den Plantagen nicht. Die Nilpferdpeitſche ſvielt noch im=
mer
eine bedenkliche Rolle. Lüderitz wollte bei ſeinen
Gründungen wie andere Koloniglſchwärmer nichts als
Profit haben. Die Finanzlage des Reiches kann uns nicht
ermutigen, große Aufwendungen für die wirtſchaftliche
Erſchließung weiterer Gebiete das Wort zu reden. Der
Abg. Erzberger äußerte ſich in ſeinen Artikeln anders
als aeſtern hier im Plenum. Von einer Kritik war nichts
zu hören. Gegen eine wirkliche kulturelle Erſchließunc
der Kolonien haben auch wir nichts einzuwenden. Das
Nationalvermögen iſt bis jetzt durch die Kolonien um
keinen Pfennig geſtiegen. Die Entwickelung wird nur
durch die vielen Beamten gehindert. Sehr gering iſt das
Deutſchtum in unſeren Kolonien entwickelt. im Verhält=
nis
zu der geriugen Nahl von Deutſchen iſt der Reichszu=
ſchuß
enorm groß. Die Funkentelegraphie von Togo und
Neuauinea erfordert auch erhebliche Koſten. In Kame=
run
hat der enaliſche Handel ein größeres Fortſchreiten zu
verzeichnen. als der deutſche. Der Alkoholverbrauch in
den Kolonien iſt nicht ſo harmlos, wie ihn der Abgeord=
nate
Eraberger hinſtellt. Die Löhne für farhige Arbeiter
ſind direkt jammervoll und die Behandlung kann in man=
chen
Gegenden als geradezu mörderiſch bezeichnet wer=
den
. Wir wollen, daß in den Kolonien mehr Kultur ge=
pfleat
wird, deshalh darf das Land nicht den Miſſiona=
ren
allein ausgeliefert werden.
Staatsſekretär des Reichskolonialamts Dr. Solf:
Mit dem Wechſel in den leitenden Stellen der Kolonial=
verwaltung
iſt kein Programm= oder Syſtemwechſel ein=
getreten
Das bisberige planmäßige Vorgehen wird auch
weiterhin beibehalten werden Es ſcheint mir nicht rich=
tia
, die Parteinerhältniſſe in Deutſchland auf die Schutz=
gebfete
zu ſhertragen. Wenn wir ſo weit wären, daß wir
in den Kolonien ein Varlament hätten, würde ſich eine
ganz andere Varteigruppierung ergeben. als dies hier
der Fall iſt. Mit dem allaemein ablehnenden Standvunkt
wie ihn der Aba. Henke vertreten hat. können wir im 20.
Jahrbundert nichts mehr anfgngen. Aber ich habe das
Gefühl, daß die Sozialdemokraten jetzt ſchon anfangen,
poſitiv mitzuarbeiten. (Ledebour ruft: Haben wir ſchon.
lange bevor Sie da waren!) Selbſt der Vorwärts iſt jetzt
mit manchem einverſtanden. Auf die Ausführungen der
ſaeialdemokratiſchen Redner kann ich nur auf Rußland
binweiſen, das erſt in den achtziger Jahren mit der
Baumwollekultur eingeſetzt hat und heute ſchon drei Vier=
tel
ſeines Bedarfs aus eigener Produktion decken kann.
In der Budgetkommiſſion habe ich mitgeteilt, daß wir
eine dritte Inſtanz für die Kolonialrechtſprechuna haben
müſſen. Ich kann auch beute noch mittellen, daß der Ent=
wurf
über das Verwaltungsweſen fertia vorliegt, und
dem Bundesrat und dem Hauſe bald zugehen wird. Die
Miſſionare muß ich gegen die von ſozialdemokratiſcher

Seite erfolgten ſcharfen Verurteilungen in Schutz neh=
men
, dort iſt Wahrheit und Gerechtigkeit weiter entwik=
kelt
als bei uns. Da der angeklagte Wächter in letzter
Inſtanz freigeſprochen iſt, werden wir alles tun, um ihn
für die erlittene Unterſuchungshaft zu entſchädigen. Das
Recht der Ausweiſung von Weißen muß auch in Zukunft
den Gouverneuren vorbehalten bleiben. Wenn hier der
Islam dem Chriſtentum gegenüber geſtellt wurde, und
als eine beſſere und erziehlichere Einwirkung geprieſen
wurde, ſo muß ich doch betonen, daß wir als chriſtlicher
Staat die Verpflichtung haben, für das Chriſtentum ein=
zutreten
. Der Islam iſt keine ziviliſatoriſche Macht und
hat kulturell noch nichts geleiſtet. Die Hausſklaverei muß
durchaus ausgerottet werden. Wenn behauptet wird, 75
Prozent aller Streitfälle in den Schutzgebieten beträfen
die Hausſklaverei, ſo ſpricht das doch nur zugunſten des
Beſtrebens der Regierung auf Beſeitigung der Sklaverei
Bezüglich des Alkoholverbrauchs ſtehen wir immer noch
auf dem Standpunkt der Denkſchrift des früheren Staats=
ſekretärs
Dernburg. Der Landſtraßenbau geht rüſtig
vorwärts und die Schutztruppe beteiligt ſich in hohem
Maße an den Meliorationsarbeiten. Die Inderfrage
wird durchaus nicht lar gehandhabt. Die Inder haben
ſich aber ſchon ſeit alter Zeit im Kapland ſeßhaft gemacht
und ſind nicht leicht hinweazubringen. Die Kolonial=
ſchule
in Witzenhauſen ſoll ihre verlangte Unterſtützung
erhalten. Weitere Ausführungen über einzelne Fälle halte
ich mir für die Einzelberatung vor.
Abg. Schwarze=Lippſtadt (Zentr.): Die beiden
nächſten ſozialdemokratiſchen Redner haben den Eindruck
der Rede des Abg. Henke abzuſchwächen geſucht. Tatſäch=
lich
haben ſie aber nur das Gegenteil erreicht. Die Eiſen=
bahnen
zu den großen Seen müſſen ſich bald rentieren.
Unberechtigt waren die ſchweren Angriffe auf die Miſ=
ſionare
. Bedauern muß ich, daß Frankreich den Beitritt
zur Allgemeinen Alkoholkonferenz abgelehnt hat. Wir
wünſchen ein ruhiges, aber ſtetiges Fortſchreiten auf der
bisherigen Bahn.
Hierauf wird die Weiterberatung auf Mittwoch
1 Uhr vertagt. Außerdem Wahlprüfungen. Schluß
nach 6 Uhr.

* Berlin, 30. April. In der Budgetkommiſ=
ſion
des Reichstages nahm vor Eintritt in die
Tagesordnung der Kriegsminiſter von Heerin=
gen
das Wort, um ſeinen Standpunkt in der
Duellfrage zu präziſieren. Er verlas eine Erklär=
ung
folgenden Inhalts: Er ſei durch die ſcharfen An=
griffe
des Abgeordneten Erzberger auch zu einer ſchar=
fen
Antwort veranlaßt worden. Er habe niemals im
Sinne gehabt, einen Herrn als geſellſchaftlich unfähig
hinzuſtellen, der aus religiöſer Ueberzeugung das Duell
verweigert. Er habe auch den Ausdruck, wie er in den
Preſſeberichten über die Sitzung enthalten ſei, daß ein
ſolcher Duellverweigerer für das Offizierkorps geſell=
ſchaftsunfähig
ſei, nicht gebraucht. Das würde auch dem
Inhalt der Kabinetts=Ordre widerſprechen. Der Mini=
ſter
gab ſodann eine Erläuterung jener Kabinettsordre.
Der Miniſter erklärte es für richtig, daß die Verweiger=
ung
eines Duells im ſcharfen Gegenſatz ſtehe zu allen
Traditionen des Offizierkorps, ſodaß ein Offizier im
gegebenen Falle die geſellſchaftlichen Beziehungen zu
einem Duellverweigerer abbrechen müſſe. Auch er, ſagte
der Miniſter, nehme den Zweikampf als ein Uebel auf
und werde alles, was in ſeinen Kräften ſtehe, zu ſeiner
Vermeidung anſtreben, mit Gewalt aber werde dies nicht
zu machen ſein. Wegen nichtiger Urſache fände heute
kein Duell mehr ſtatt. Eine Beſſerung werde aber erſt
eintreten, wenn ſcharfe geſetzliche Beſtimmungen zum
Schutze der Ehre getroffen ſeien. Der Miniſter gab dieſe
Erklärung mit außerordentlicher Schnelligkeit ab, ſodaß
die Kommiſſion davon Abſtand nahm, ſofort zu ihr Stel=
lung
zu nehmen. Zunächſt beſchloß die Kommiſſion, die
Erklärung zu Protokoll zu nehmen und eine Debatte hier=
über
ſo lange zu verſchieben, bis ſie im Wortlaut vor=
liege
. Der Wunſch der Sozialdemokraten um ſofortige
Beſprechung der Ausführungen des Kriegsminiſters
wurde vorläufig abgelehnt. Sodann nahm Kriegsmini=
ſter
von Heeringen abermals das Wort, um ſeine mili=
täriſchen
Geſichtspunkte zur Wehrvorlage zu erläutern,
Seine Ausführungen ſind zum allerarößten Teile vertraus
lich. Staatsſekretär von Kiderlen=Wächter, der ebenfalls
anweſend war, gab ein Expoſé zur Wehrvorlage. Seine
Ausführungen wurden, nachdem er ſie abgegeben hatte
für begründet erklärt.
H.B. Berlin, 30. April. Die Wahlprüfungs=
kommiſſion
des Reichstages ſetzte heute die
Wahl des Abgeordneten Pauli=Hagenow (konſ.) bei der es
noch einige Punkte zu prüfen gibt. von ihrer Tagesordnung
ab und begann die Prüfung der Wahl des Präſidenten Dr.
Kaempf. Dieſer iſt gegen den ſozialdemokratiſchen Mit=
bewerber
mit einer Mehrheit von 9 Stimmen gewählt wor=
dn
. Der Einſpruch bezieht ſich u. a. auf nachträgliche Ein=
tragungen
in die Wahlliſte. Einige Stimmen von den 9
Mehrſtimmen hat die Kommiſſion heute für gültig erklärt
Zu einer Entſcheidung wird die Kommiſſion morgen kom=
men
und vorausſichtlich Beweiserhebung beſchließen. Auch
über die Wahl des Abg. Pauli ſoll morgen Beſchluß ge=
faßt
werden.

Der italieniſch=türkiſche Krieg.

* Konſtantinopel, 30. Apeil. Die Pforte
übermittelte der ruſſiſchen Botſchaft ihre Antwort=
note
, in welcher ſie ihren Standpunkt in der Frage der
Wiedereröffnung der Dardanellen gemäß dem geſtrigen
Beſchluß des Miniſterrats darlegt.
* Konſtantinopel, 30. April. Bei dem geſtrigen
Diplomatenempfange teilte der Miniſter des
Aeußern. Aſſim Bei, den Diplomaten mit. der Miniſterrat
habe bisher keine Entſcheidung über die Wie=
dereröffnung
der Dardanellen treffen können.
Er werde danach trachten, demnächſt eine Entſcheidung zu
fällen.
* Rom, 30. April. Der Agenzia Stefani wird aus
Petersburg gemeldet: Die Agence Havas berichtet
aus Konſtantinopel. in einer an die Pforte gerich=
teten
, die Wie dereröffnung der Dardanellen
betreffenden ruſſiſchen Note werde geſagt, daß Italien
die Abſicht bekundet habe, die Meerenge nicht anzugreifen.
Der italieniſche Geſchäftsträger hat daraufhin den Miniſter
des Aeußern gefragt, ob dieſe Behauptung richtig ſei. Der
Miniſter dementiert kategoriſch die in der Depeſche der
Agence Havas enthaltene Darſtellung.

Zum Untergang der Titanie.

Der Menſchenverluſt.
* Das engliſche Handelsminiſtierium
hat jetzt eine intereſſante offizielle Liſte veröffent=
licht
, die genau die Zahl der Geretteten und Ertrunkenen
bei der Titanic=Kataſtrophe, ſowohl Männer, Frauen
und Kinder wie auch der Mannſchaft, angibt. Die Ta=

belle zeigt, daß der Prozentſatz der geretteten Mannſchaft
im Vergleich zu der Geſamtzahl der geretteten Paſſagiere
am niedrigſten iſt. Von den an Bord befindlichen Frauen
ſind drei Viertel, von den Kindern die Hälfte der Ge
ſamtzahl und von den Männern nur 19 Prozent gerettet
worden. Die Tabelle, die jede einzelne Klaſſe für ſich
behandelt, weiſt folgende Zahlen auf:
Erſte Klaſſe

Männer .
Frauen
Kinder Anzahl
173
144 58
139 Gerettet Ertrunken
115 Prozentſatz
der
Geretteten
34
97.
100 322 202 120 63 Zweite Klaſſe Männer . 160 13 147 Frauen 93 78 15 84 Kinder 24 24. 0 100 277 115 162 42 Dritte Klaſſe Männer . 454 55 399 12 Frauen 179 98 81 55 Kinder 76 23 53 30 700 176 533 25 Geſamtzahl der Paſſagiere Männer . 787 126 661 16 Frauen 416 315 101 76 Kinder 105 52 53 49. 1308 493 815 33 Mannſchaft Männer . 875 189 686 2 Frauen 23 21 91 898 210 688 23 Geſamtzahl der Paſſagiere und Mannſchaft Männer 1662 315 1347 Frauen 439 336 103 77 Kinder 105 52 53 49 2206 703 1503 32

* Waſhington, 30. April. Die Beendigung
der Verhandlungen über den Untergang der
Titanic iſt demnächſt zu erwarten. Die Zeugenver=
nehmung
iſt beinahe beendet. Senator Smith wünſcht
den Bericht für den Kongreß möglichſt bald fertig zu ſtel=
len
, damit noch vor ſeiner Vertagung, die etwa in fünf
Wochen ſtattfindet, eine geſetzgeberiſche Maßnahme zu
Stande kommen kann.
* London, 30. April. Die White Star=Line
erläßt eine Erklärung, wonach ſie Schadenerſatz= An=
ſprüche
aus Anlaß des Unterganges der Titanic aus=
nahmslos
ablehnt, da ſie geſetzliche Haftung hierfür
in keinem Fall anerkenne. Gleichzeitig warnt die Star=
Line vor Fortſetzung der Angriffe auf ihre Geſchäftsführ=
ung
, da ſie Verfolgung wegen Kreditſchädigung androht.

Untergang eines Dampfers.

* Konſtantinopel, 30. April. Der Dampfer
Texas, der ſich nach Saloniki begeben wollte, ſtieß im
Hafen von Smyrna auf eine Mine und ſankſofort.
Von 152 Paſſagieren ſind 92 gerettet, von denen
aber eine Anzahl verwundet ſind.

Marokko.

* Paris, 29. April. Die Unterſuchung der Er=
eigniſſe
in Fez durch den Geſandten Regnault
hat ergeben: 1. Die Meuterei der Truppen hatte ihren
Grund in der Unzufriedenheit, die durch die Entſcheidung,
betreffend den Sold und durch die Befürchtung der Sol=
daten
, daß ſie einen Torniſter tragen müßten, hervorgerufen
worden iſt. 2. Die Unterzeichnung des Protektorats kann
nicht als eine Urſache der Unruhen angeſehen werden
Ohne Zweifel hat dieſes Ereignis in einer fanatiſchen
und unwiſſenden Bevölkerungsſchicht eine gewiſſe Erreg=
ung
und Feindſeligkeit hervorgerufen, aber dieſer Geiſt
hätte keine ernſte Gefahr heraufbeſchworen, ſolange die
Truppen treu geblieben wären. 3. Auch in den Kritiken,
die ſich in dem Rahmen einer Erörterung des Mißbrauches
der Amtsgewalt des Maghzen bewegten, kann kein Grund
oder Vorwand zu einer feindſeligen Bewegung gegen uns
gefunden werden. Dieſe Kritiken hatten ſeit der Ankunft
Regnaults in Fez jede Schärfe verloren. Ebenſowenig iſt
irgend eine Spur, die auf fremde Machenſchaften hindeutete,
zu entdecken. 4. Die Anſicht, daß die Juden die Revolte
angeſtiftet hätten, entbehrt jeder Begründung. Die Er=
eigniſſe
beweiſen dies. Die Haltung des Sultans und
ſeiner Weſire iſt ebenfalls über jeden Verdacht erhaben.
5. Die Erhebung war nicht organiſiert. 6. Die Erregung
unter den Stämmen, die im Falle einer Verſchwörung hätte
zum Ausbruch kommen müſſen, fiel nicht mit der Meuterei
des Militärs zuſammen und zeigte ſich tatſächlich nicht
unter den benachbarten Stämmen. 7. Es beſtanden keine
Anzeichen, aus denen man die Erregung vorher hätte be=
merken
können. Regnault und Moinier hatten keine Nach=
richten
erhalten, die ſie in den Stand ſetzten. die Regierung
über die Möglichkeit einer Meuterei aufzuklären.
* Paris, 29. April. Miniſterpräſident Poin=
caré
teilte dem Geſandten Regnault mit, daß die
Regierung ihm ihre volle Wertſchätzung und ihr Vertrauen
bewahre und daß ſie ſich bei der Ernennung des Generals
Liautey zum Generalreſidenten in Marokto nur von Er=
wägungen
der höheren Politik habe leiten laſſen. Gleich=
zeitig
wurde Regnault beauftragt, die Ankunft des Gene=
rals
Liautey in Fez abzuwarten und ihm bei Antritt ſeines
neuen Amtes mit ſeinem Rat zur Seite zu ſtehen.
* Paris, 30. April. Aus Madrid wird gemeldet:
Der Miniſterrat beſchäftigte ſich mit der von dem
franzöſiſchen Geſchäftsträger in Tanger dem dortigen
diplomatiſchen Korps gemachten Mitteilungen, daß die
franzöſiſche Regierung die geſamten Befugniſſe nunmehr
dem Generalreſidenten übertragen werde und daß die fran=
zöſiſche
Geſandtſchaft in Tanger lediglich ein Amt für
lokale Angelegenheiten bilden ſolle. Die ſpaniſche Re=
gierung
ſei von dieſer Mitteilung ſehr überraſcht geweſen,
da dieſelbe das Protektorat, zu dem Spanien ſeine Zu=
ſtimmung
noch nicht erteilt habe, bereits als vollzogene
Tatſache anſehe.
* Paris, 30. April. Wie offiziös mitgeteilt wird,
bereitet Miniſterpräſident Poincaré einen neuen eingehen=
den
Erlaß über die Errichtung des marokkani=
ſchen
Protektorats vor, der bereits in den nächſten
Tagen erſcheinen ſoll. General Liautey dürfte im Laufe
der nächſten Woche nach Tanger abreiſen. Er wird ſich
von dort, von einer ſtarken militäriſchen Eskorte begleitet,
unmittelbar nach Fez begeben, wo ſeine Ankunft unter
beſonderen Feierlichkeiten ſtattfinden ſoll.
Madrid, 30. April. Diario Univerſal verſichert
nach Telegrammen aus Tanger: Der mit der Führung
der Geſchäfte der franzöſiſchen Geſandtſchaft

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Mat 1912.

Nummer 102

Diario Univerſal bemert dazu, dieſe Mitellung kömne
keine große Bedeutung haben. Um dem Nachfolger Reg=
naults
andere Vollmachten zuzuerkennen, als dieſer ſie ge=
habt
habe, müſſe das Protektorat offiziell anerkanm wer=
den
, was noch nicht geſchehen ſei.

Die chineſiſche Anleihe.

* Jondon, 30. April. Die Times melden aus
Peking vom 29. April: Die Schwierigkeiten zwiſchen
den vier großen Banken und der chineſiſchen Re=
gierung
, die aus den Bedingungen der belgiſchen
Anleihe entſtanden ſind, ſind beſeitigt und die guten
Beziehungen ſind wieder hergeſtellt. Der Premiermini=
ſter
, der Miniſter des Auswärtigen und der Finanzmini=
ſter
haben eine Mitteilung an die vier Genannten ge=
langen
laſſen, die dieſe angenommen haben. Die Mit=
teilung
ſtellt feſt, daß, da der Vertrag über die belgiſche
Anleihe vom 14. März den Noten widerſpricht, die am
9. März zwiſchen dem Präſidenten und den vier Banken
ausgetauſcht wurden, die chineſiſche Regierung die letz=
teren
als zu Recht beſtehend anerkennt. Die chineſiſche
Regierung verpflichtet ſich, den belgiſchen Kontrakt für
eine Anleihe von 10 Millionen Pfund zu annullieren
und den Vorſchuß von 1 250000 Pfund, den ſie auf Grund
der belgiſchen Anleihe erhalten hat, nicht mit aus den
künftigen Anleihen der vier Banken zurückzuzahlen. Die
Regierung erſuchte daher die Geſandten, den Banken die
Wiederaufnahme der Verhandlungen zu empfehlen, und
dieſe haben demgemäß gehandelt. Tangſchaoji hat den
Geſandten mitgeteilt, daß China eines Vorſchuſſes von
35 Millionen Taels bedarf und weiterhin monatlich eines
ſolchen von 6 400000 Taels. Das Geld wird namentlich
zur Auslöhnung der Truppen und zur Einlöſung der
während des Bürgerkrieges ausgegebenen Noten ge=
braucht
, die in Hankau allein in Höhe von 120 Millionen
Dollars ausgegeben worden ſind, während die Summe
der ſonſt ausgegebenen Noten noch nicht bekannt iſt.
* Schanghai, 30. April. Die Anleihe von 5 Mil=
lionen
Taels, die die Firma Diedrichſen u. Ko. in
Schanghai gezeichnet hat und deren Betrag heute zum
großen Teil ausbezahlt wurde, iſt keine Staatsanleihe,
obwohl ſie von Tangſchaoji und der proviſoriſchen Re=
gierung
garantiert wird. Sie iſt vielmehr den 10 Mit=
gliedern
des Ausſchuſſes der chineſiſchen Handelskammer
gewährt worden, um ihnen und den anderen Chineſen
die Summen zurückzuerſtatten, die ſie während der Re=
volution
vorgeſchoſſen haben, und um die Fortführung
des Handels zu ermöglichen. Der Betrag ſoll ſpäter aus
der internationalen Anleihe zurückgezahlt werden.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Berlin, 30. April. Als heute mittag 12 Uhr das 15 Lehrmädchen Frieda Lukas, die in
dem Wollwarengeſchäft von Liebmann beſchäftigt iſt, mit
einer 1900 Mark enthaltenden Geldtaſche zur Deutſchen
Bank geſchickt wurde, überfiel ſie auf dem Treppen=
geländer
ein junger Mann, der ſich dort verſteckt
gehalten hatte, würgte ſie am Halſe, entriß ihr die Geld=
taſche
und flüchtete. Auf die Hilferufe des Mädchens eil=
ten
mehrere Arbeiter dem Räuber nach, ergriffen ihn und
brachten ihn zur Polizeiwache. Dort wurde feſtgeſtellt
daß er das Geld und die Papiere auf der Flucht wegge=
worfen
hatte. Beides wurde gefunden. Aus den Pa=
pieren
wurde ermittelt, daß es ſich um den am 28. April
1884 in Jarotſchewo geborenen Stellmacher Valentin
Ryblewitz handelt, der in Neukölln in einer Schlafſtelle
wohnt. Das Mädchen erlitt einen ſchweren Nervenchok.
Da es nicht vernehmungsfähig war, wurde es der elter=
lichen
Wohnung zugeführt.
* Magdeburg, 30. April. In Altenweddingen
brach in der vergangenen Nacht in einem Warenhaus
Feuer aus, das mit großer Geſchwindigkeit um ſich
griff. Bei den Löſchverſuchen ſtürzten plötzlich das Geſimſe
und der Giebel herunter und begruben acht Feuerwehr=
leute
unter ſich. Zwei waren ſofort tot, einer ſtarb auf
dem Wege zum Krankenhaus; die anderen wurden ſchwer
verletzt.
* Wien, 30. April. Der Miniſter des Aeußern Graf
Berchtold erſtattete heute im Vierer=Ausſchuß der
ungariſchen Delegation ein Expoſé. Er ſagte: Die Bande
welche uns mit unſeren Alliierten verknüpfen, ſollen mög=
lichſt
gefeſtigt und die Beziehungen, die wir zu den be=
freundeten
Staaten unterhalten, ausgeſtaltet und vertieft
werden. Dabei wird unſere Aufgabe ſein, eine legitime
Außenpolitik zu verfolgen, welche im internationalen
Leben die untentwegte Loyalität zu unſeren Ver=
bündeten
und den Frieden zur Vorausſetzung und die
zielbewußte Verfolgung unſerer berechtigten Anſprüche
zur Beſtimmung hat. Als feſtgefügt in der Flucht der
Jahre und in den Ereigniſſen erprobten und bewährten
Grundlagen des europaiſchen Staatenſyſtems haben wir
den Dreibund übernommen und wollen ihm treu bleiben,
treu ſeinem Wortlaut, treu ſeinem Geiſt, treu namentlich
auch der erhabenen Lebensidee, welche den Intenſionen

ſeiner erlauchten Initiatoren zu dienen berufen iſt. In
ſorgfältiger Pflege ſoll unſer Verhältnis zu Rußland tie=
fer
geſtaltet werden. Wir können von den Ausführungen
des ruſſiſchen Miniſters des Aeußern mit Befriedigung
Akt nehmen und den Gedanken vollinhaltlich beipflichten,
daß damit ein wertvolles Unterpfand für die weitere
freundſchaftliche Ausgeſtaltung des wechſelſeitigen Ver=
hältniſſes
gegeben erſcheint. In dem erfreulichen Um=
ſtand
, daß keine irgendwie gearteten Intereſſengegen=
ſätze
zwiſchen uns und Frankreich beſtehen, finden die zu=
nehmenden
guten Beziehungen, welche wir mit Frankreich
unterhalten, ihren Inhalt. Wir wiſſen dieſe Kongruenz
freundſchaftlicher Beſtrebungen zu würdigen und zu
ſchätzen und können dieſelben als Aktivpoſten in unſer
politiſches Kalkül einſetzen. Mit England weiterhin die
traditionell guten Beziehungen zu pflegen, wird unſer
ehrliches Beſtreben ſein. Im Vordergrund des Intereſſes
für die auswärtige Politik Oeſterreich=Ungarns ſteht
ſelbſtverſtändlich unſer Verhältnis zur Türkei. Die Poli=
tik
, deren eminent konſervativer Charakter ſtets die Bil=
ligung
aller an der Erhaltung des Friedens Intereſſier=
ten
gefunden hat, iſt auch heute noch maß= und richtung=
gebend
für unſer Verhältnis zur Hohen Pforte. Welches
Intereſſe wir an guten Beziehungen zu den Balkanſtaa=
ten
haben, bedarf wohl keiner beſonderen Begründung.
Mit lebhafter Sympathie begleiten wir deren innere
Konſolidierung, wie nicht minder das erfolgreiche wirt=
ſchaftliche
Gedeihen. An die Konvention mit Bulgarien
würde ſich als abſchließendes Glied in der Kette der Han=
delstraktate
mit dem Balkan ſtellen der derzeit erſt in
Ausſicht genommene Handelsvertrag mit Griechen=
land
. Wenn ich hinzufügen kann, daß wir mit
allen anderen europäiſchen Staaten freundſchaftliche
Beziehungen pflegen, ſo kommt dieſem Umſtand bei der
hohen Entwickelungsfähigkeit unſeres Außenhandels und
dem weiten Ziel, daß ſich unſer Herrſcher geſteckt hat,
ganz beſondere Bedeutung zu.
Der Miniſtervräſident kam dann noch auf die Be=
endigung
des italieniſch=türkiſchen Konfliktes zu ſprechen
und ſagte: Es läßt ſich doch die Hoffnung nicht abweiſen,
daß es den fortgeſetzten Bemühungen der Mächte gelin=
gen
werde, ſchließlich eine für beide Teile annehmbare
Löſung zu finden. Eine ſolche Löſung ſcheint uns nicht
allein im Intereſſe der kriegführenden Mächte gelegen,
ſondern auch geeignet, die Gefahr einer Störung der
Ruhe auf der Balkanhalbinſel zu bannen. Was aber die
Dardanellenſperre anbelangt, ließen wir es uns ange=
legen
ſein, die Aufmerkſamkeit der Hohen Pforte in
freundſchaftlicher Weiſe auf die nachteilige Rückwirkung
der erwähnten Maßnahme auf unſere Schiffahrt zu len=
ken
und der Hoffnuna Ausdruck zu geben, daß die frag=
liche
Verfügung, ſobald keine immanente Gefahr für die
Dardanellen mehr vorhanden ſein wird, aufgehoben
werde. Durch die am 30. März erfolgte Unterzeichnung
des franzöſiſch=marokkaniſchen Protektoratsvertrages iſt
die Stellung Frankreichs zum ſcherifiſchen Reiche endaül=
tig
fixiert. Wir haben keinen Grund, zu zweifeln, daß
die unſerem Handel und unſeren Unternehmungen ver=
bürgten
Rechte auch unter der Protektoratsregie vollin=
haltlich
zur Anwendung gelangen.
* London, 30. April. Die Times melden aus Liver=
pool
: Die Schwierigkeiten, die durch die Forderun=
gen
der Seeleute entſtanden ſind, ſind durchaus
lokaler Natur. Ein Teil der Liverpooler Reeder hatte
im letzten Sommer ſich nicht zu den Lohnerhöhungen ver=
ſtanden
, die die Seeleute in dem großen Streik verlangt
hatten. Immerhin herrſcht eine gewiſſe Unruhe unter
den Seeleuten und die Reeder halten einen Streik in
zwei Monaten nicht für ausgeſchloſſen.
* Santiago de Chile, 30. April. Das Miniſte=
rium
iſt zurückgetreten.
* Tokio, 30. April. In dem Bergwerk der Kokkaido=
Geſellſchaft auf der Inſel Yeſſo fand eine Exploſion
ſtatt. 283 Bergleute ſind von der Außenwelt abgeſchnit=
ten
ſie ſcheinen unrettbar verloren.

H. B. Hamburg, 30. April. Heute früh 8 Uhr iſt die
Belegſchaft der Vulkan=Werft bis auf einige
hundert Mann in den Ausſtand getreten. Die
Urſache des Streiks iſt die Entlaſſung eines Vertrauens=
mannes
, der geſtern während der Arbeitszeit Verbands=
angelegenheiten
erledigte. Da die Arbeitsordnung dieſe
Tätiakeit verbietet. wurde der Mann von der Direktion
entlaſſen. Die Belegſchaft erklärte ſich mit ihm ſolidariſch
und ſtellte heute früh die Arbeit ein. Das Werk iſt da=
durch
zum Stillſtand genötigt.

verlangen die Lungen, reizloſe
Geſunde Lult milde Toiletteſeife die menſch=
liche
Haut. Darum verwenden Sie am beſten nur
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bach
a. Main, benutzen. Stück 20 Pfg., 5 Stück 95 Pfg. (7819m

Am 26. ds. Mts. verstarb infolge Herzschlag der
Major und Flügeladjutant à I. s. S. K. H. des Grossherzogs von
Hessen und bei Rhein
Vel ven Kracher- Eisterstenn
Der Verstorbene gehörte von 188293 und vom Juli-September 1899
dem Regiment an. Das Offizierkorps betrauert tief den Heimgang dieses vor-
nehmen
und ritterlichen Offiziers und wird ihm ein dauerndes Andenken
bewahren.
(R10235
Im Namen des Offizierkorps des Garde-Dragoner-Regiments
(I. Grossh. Hess.) Nr. 23.
V. Loessl,
Major beim Stabe.

Todes-Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Verwandten, Freunden und Bekannten die
ſchmerzliche Mitteilung, daß es Gott dem All=
mächtigen
gefallen hat, meinen lieben teueren
Gatten, unſeren Vater, Großvater u. Schwieger=
vater
, Herrn
(10176
Georg Heinrich Kehr I., Zi m rmeiſter
nach längerem, ſchwerem Leiden plötzlich und un=
erwartet
im 60. Lebensjahre in die ewige Heimat
abzurufen. Die trauernden Hinterbliebenen.
Ober=Ramſtadt, Darmſtadt, 30. April 1912.
Die Beerdigung findet Donnerstag nachmittag
um 3½ Uhr ſtatt.

Todes-Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Verwandten, Freunden und Bekannten die
traurige Mitteilung, daß unſere liebe Mutter,
Schwiegermutter, Großmutter, Schweſter,
Schwägerin und Tante
(B10217
Frau vorcnlas Lang are.
geb. Becker
nach langem, ſchwerem Leiden im Alter von
79 Jahren ſanft dem Herrn entſchlafen iſt.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen;
Familie Jeremias Lang,
Ph. Wittmann,
Fr. Lang,
H. Zimmermann.
Darmſtadt, den 30. April 1912.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 2. Mai,
nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehauſe Wingerts=
gäßchen
Nr. 3 aus, ſtatt.
Blumenſpenden ſind nicht im Sinne der Ent=
ſchlafenen
.

(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Todes-Anzeige.
Freunden und Bekannten die traurige
Mitteilung, daß heute abend mein geliebter
Gatte, unſer treubeſorgter Vater, guter Sohn,
Bruder, Onkel und Schwager
(10179

nach nur eintägigem, ſchwerem Leiden ſanft
verſchieden iſt.
Darmſtadt, den 29. April 1912.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Jenny Weiner
und Kinder,
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 1. Mai,
nachmittags 3 Uhr, vom Portale des iſrael.
Friedhofes aus, ſtatt.

Tageskalender.

Hoftheater, Anfang 6 Uhr (Außer Abonnement):
Die Walküre‟
Generalverſammlung des Vereins zum Feierabend
um 6 Uhr im Vereinslokal.
Monatsverſammlung des Kriegervereins um 8½ Uhr
in der Turnhalle am Woogsplatz.
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. Hotel Heß,
Bürgerkeller, Reſtaurant Metropol und Perkeo um=
8 Uhr.
Ausſtellung von Marmortransparenten
im Ausſtellungsgebäude auf der Mathildenhöhe ( ge=
öffnet
von 106 Uhr).
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße Nr. 23)
Zur Ankunft der griechiſchen Königsfamilie in Korfu;
Das deutſche Unterſeeboot U 8 auf einer Probefahrt;=
Porträts von Alfred Krupp (zu ſeinem 100. Geburts=
tage
) und dem neuen Miniſterpräſidenten in Ungarn
v. Lukacs; Photographiſche. Aufnahmen der Sonnen=
finſternis
am 17. April.
Verſteigerungskalender.
Donnerstag, 2. Mai.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 2 Uhr Karlſtr. 94,

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſes
für den Inſeratenteil, Inſeratbei agen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

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Regulärer Wert bedeutend höher.
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Regulärer Wert bedeutend höher.
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aus la Stoffen, mit Einsatz und Bogen, beste Verarbeitung
eieatn 1410.
Regulärer Wart bedeutend höher.
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5365 Meter Bett-Damaste,
130 u. 160 cm breit, bis zu den feinsten Brokat-Qualitäten,
Meter 1.90 , 1.48 ,
Requfärer wert bedeutend höher.
2210 Meter Cretonne,
darunter prima Maccotuch, sowie stark- und feinfädige Ware,
2.
Meter 62, 52, 45 bis
Regulärer Wert bedeutend höher.
1520 Meter Handtuchstoff,
in Ganz- und Halbleinen, weiß mit rotem Rand, oder weiß-rot
Meter 60, 52, 48,
Regulärer Wert bedeutend höher.
703 Meter Bettuch-Halbleinen,
prima westfälische Qualitäten, darunter rasengebleichte Ware,
Mete 1310.
Regufärer Wert bedeutend. höher.-
Große Posten
Piaué, Damassee u. gerauhte Croisé,
52
schwere, boſce, i. Galiten
. Meter 62, 58,
Regulärer Wert bedeutend höher.
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Lauteſchlägerſtr. bis Ballonplatz.
Abzug. geg. Belohnung auf dem
II. Polizei=Revier.
(*10940

Gold. Bandarmband
auf der Heidelberger Chauſſee
(Rennbahn-Waldfriede)verloren.
Abzug. geg. g. Belohn. (*10822im
Fund=Bureau Darmſtadt.

am Sams=
Verloren tag Abend
ein goldenes Medaillon mit zwei
Photographien auf d. Wege Rieger=
plat
Heinheimerſtr., Mühlſtr., über
die Inſel, Holzſtr. in die Bockshaut.
Gegen gute Belohnung abzugeben
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S. 39.
Brief leider zu ſpät er=
halten
, komme Mittwoch an
genannte Stelle.
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(9987a

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Mai 1912.

Nummer 102.

ahrplan der elektriſchen Straßenbahn Darmſtadt.
3

Dieſlachtzeiten v. Sgabende bis deafrühſind.
Unterſtreichung derMinutenziffer gekennzeichnet.

Gültig vom 1. Mai 1912.
I. Böllenfalltor-Ernſt=Ludwigsplatz-Hauptbahnhof (Signalfarbe weiß).

Ausfahrende Wagen aller Ainen
alle 1000 1012
Ftshlit gio gel Ges gas han gel gss gil ts=
Min.
554 620 625 627 632 634 636 638 640 644 647 651
100
018
1225 an

M an ds derchen git ge gs zuo ger ge gat gurec ale 10g are 11
122 ab
600 616 631 633 638 640 642 644 646 650 653 657 705 712
607 623 688 645 640 653 657 700 704 712 710 Min. 10g 12 Min. 1112 110
bis
bis 100
1225 an
1119 1225

Böllenfalltor
Wagenhalle
Herdweg

Herdweg
Ernſt=Ludwigsplatz
Hauptbahnhof

Einſahrende Wagen aler Linien
657 712 alle 1012
an
an 613 626
11gs 11ms 11½ 1150 1156 1. Ss 1225 1.
ab 607 620 651 706 bis 100
111s 1150 1123 1144 1150 115e 1220 124

an 6n
61 60 20 all 10
1a 1g 1g
alle
601 615 630 645 65 700
12 Min.
1124 11gs 1128 11½ 1155 122) 12g
Min
bis
608 623
ab
1117 1125.
1214 1

II. Landskronſtraße-Ernſt=Ludwigsplatz-Hauptbahnhof (Signalfarbe blau).

alle
att 113 15 12 114 ab
941
7½ Min. 95: 1000 1006 12 Min. 1118 1130 Hs 1156
708 bis
bis
1000 1027 1018
1125
§ 1285 an

Landsetronſtraße
Ernſt=Ludwigsplatz
Hauptbahnhof

6is 65 7ü ale
im
1ür 105
112 114
634 641 649 7½ Min. 95t
006 12 Min. 1118 1132
bis
642 bis
ab
1111 1125
959

III. Ernſt=Ludwigsplatz-Rheintor-Schloßgartenplatz (Signalfarbe rot).

6s Ges git ger geo ra 7 ut 7at 720 eue 62 100 1og togk 102 1g 11m 1s ab
633 640 648 655 703 710 718 725 733 7½ Min. 1003 1014 1028 1038 1050 1102 1114 1129s
641 648 656 708711718 726 733 741 bis 1011 1022 1034 1046 1058 1110 11221122 an

ererenehte
Rheintor
Schloßgartenplatz

an 6s 720 75 715 725 70 75 79512530
1toieststigtistiat 21
alle
649 656 704 711 719 726734741749756
Min. 1011 1023103510421052111111231135(1.
ab 641 648 656 703 711 718726733741748 bis 10231015102210321051119st1111211g

IV. Heidelbergerſtraße-Taunusſtraße-Faſanerie (Signalfarbe grün).

aeenen gene 1 ut
959 1008
ab
lle
351659
1128
Min. bis 1005 1002 1015
alle 12 Miu. bis
651 659706
102d
1014
* 1124112 an

Heidelbergerſtraße
Ernſt=Ludwigsplatz
Taunusſtraße

An Sonn= und Feiertagen bis 1136
an 651 658 706 713 721 S 1006
6t4 651 660 705 714 K 92 10g 10i5 1015 ane I1m 112
ab 653 700 708 953 1090 1006 1012 12 Min. bis 1124 1138

viertelſtündlich 951
35
bis
95
an

Taunusſtraße
Faſanerie

an
viertel= 951
006
ſtündlich bis
ab
01 20
*945 1000

2 Dieſe Wagen warten, meum der Schnelzug aus Franfur Verwpälung has, eforderlchaſale dis 10.
*8 Dieſe Wagen warten die Wagen 1122, (ab Bahnhof) ab.
An Sonn= und Feiertagen wird abends auf allen Linien mit Ausnahme der beiden Außenſtrecken (Herdweg=Böllenfalltor und Taunusſtraße=Faſanerie), der 7½ Minutenbetrieb bis abends
½ 12 Uhr (Ernſt=Ludwigsplatz) durchgeführt.
Auf den ſtädtiſchen Linien iſt die Expreßgutbeförderung ausgeſchloſſen.
(9764md

[ ][  ][ ]

Nummer 102.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Mai 1912.

Seite 11.

Das neue Lagerhaus am
Tornheimer Weg

wird am 1. Mai ds. Js. in Be=
trieb
genommen. Die Auslage=
rungen
im alten Lagerhaus können
auch nach dieſem Termin noch
(10102im
erfolgen.
Darmſtadt, 27. April 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Schmitt.

Bekanntmachung.
Mittwoch, 15. Mai I. Js.,
vormittags 10 Uhr,

ſoll die dem Bäckermeiſter Hein=
rich
. Dieter dahier zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
I 37 418 Hofreite Mathil=
denplatz
,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K29/12
verſteigert werden.
Darmſtadt, 1. April 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V8164

Ziehung 15. Mai 1912
Darmstädter
Schloßfreiheit-
otterie

3329 Geldgewinne im Betrage v. M.

uptgewinn
1
tgewinn
Lfe
3 à 1000
u. Liste
Lose à 1 Mk., 25 Pfg. extra.
Zu haben bei den Königl. Preussisch.
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Gegründet 1861 Telefon 20).

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Gefunden: 1 goldene Damenuhr. 1 goldene Herrenuhr. 1 gold.
Zwicker. 1 ſilb. Kettenarmbändchen. 1 dunkelblaues Handtäſchchen
mit 1 Paar ſchwarzen Handſchuhen. 1 Brille mit Futteral. 1 ausge=
bogtes
Taſchentuch. 1 mittelgroßer Schlüſſel. 2 Schlüſſel (zuſammen=
(10144
gebunden), 1 ſilb. Kollier mit 3 Anhängern.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Spitzhund. 1 Wolfshund (zugelaufen). Die Hunde
können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dort=
ſelbſt
jeden Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(10180

Bekanntmachung

etreffend die Abänderung des Droſchkentarifs.
Den am 1. Mai d. J. in Kraft tretenden neuen Droſchken=
tarif
bringen wir hiermit zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 22. April 1912.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Tarif
für das Droſchenfuhrwerk in der Haupt= und Reſidenzſtadt
Darmſtadt.

Auf Grund des § 76 der Reichsgewerbeordnung werden in
Uebereinſtimmung mit der Stadtvertretung der Haupt= und Reſidenz=
ſtadt
Darmſtadt für die Benutzung der öffentlich zum Gebrauch auf=
geſtellten
Droſchken die nachſtehenden Taxen feſtgeſetzt:
I. Zeitfahrten.
1. Die Droſchkenfahrten ſind mangels anderweiter Be=
ſtimmung
des Tarifs Zeitfahrten.
2. Die Berechnung der Zeit beginnt mit dem Augenblick, in
welchem die Droſchke von dem Fahrgaſt genommen wird, bei Be=
ſtellung
auf dem Halteplatz mit dem Zeitpunkt, in welchem der Wagen
von dem Halteplatz abgefahren iſt. Sie endigt mit der Aufgabe der
Fahrt innerhalb der Stadt.
3 Der Droſchlenführer hat bei Beginn und Beendigung der
Fahrt dem Fahrgaſt auf ſeiner Uhr unaufgefordert die Zeii nachzu=
weiſen
und darnach die Dauer der Fahrt zu berechnen. Unterläßt er
dies, ſo iſt für die Berechnung der zu zahlenden Vergütung die Zeit=
angabe
des Fahrgaſtes maßgebend.
4. Der Fahrpreis beträgt für 1 oder 2 Perſonen:
bei einer Fahrzeit von 110 Minuten: Einſpänner: 0.70 Mk.
Zweiſpänner: 1.
110
Einſpänner: 1.
1030
Zweiſpänner: 1.50
1030
Einſpänner: 1.50
3045
3045
Zweiſpänner: 2.
Einſpänner: 2.
4560
Zweiſpänner: 2.50
4560
für jede weitere begonnene Viertelſtunde: Einſpänner: 0.50
Zweiſpänner: 0.60
5. Für jede weitere Perſon kommt für jede angefangene Stunde
ein Zuſchlag von 0.20 Mk. in Anſatz.
6. Bei direkten Fahrten nach einem außerhalb des Stadt=
gebietes
gelegenen Punkte, bei welchen der Wagen nicht zur
Rückfahrt benutzt wird, kommen die für Streckenfahrten vorge=
ſehenen
Tarifſätze (ſiehe Ziffer VI) in Anſatz.
7. Für Fahrten, welche zwiſchen 10 Uhr abends und 6 Uhr
morgens ſtattfinden, kommt der doppelte Fahrpreis in Anſatz
(ſiehe VII). Zuſchläge werden nicht doppelt berechnet.
II. Fahrten von und nach dem Hauptbahnhof.
1. Für Droſchkenfahrten von und nach dem Hauptbahnhof ſind
3 Zonen gebildet.
2. Die erſte Zone (ſiehe Plan) wird begrenzt von folgenden
Straßen, Plätzen und Punkten, welche ſelbſt noch in die erſte Zone
fallen: Hauptbahnhof, Stirnweg, Holzhof=Allee, Eſchollbrücker Straße
Heidelberger Sraße, Heinrichsſtraße, Karlsſtraße, Kirchſtraße, Markt=
platz
, Schillerplatz, Schloßgraben, Hoftheaterplatz, Paradeplatz, Zeug=
hausſtraße
, Gartenſtraße, Frankfurter Straße, Pallaswieſenſtraße,
Eiſenbahndamm, Dornheimer Weg (einſchl. Eiſenbahn= Zentralwerk=
ſtätte
), Elektrizitätswerk und Arbeiterkolonie).
3. Die zweite Zone (ſiehe Plan) wird begrenzt von folgenden
Straßen, welche ſelbſt noch in die zweite Zone fallen: Beſſunger Weg,
Beſſunger Straße, Herdweg, Friedhofs=Allee, Nieder=Ramſtädter
Straße, Stiftſtraße, Dieburger Straße, Heinheimerſtraße, Rhönring,
Blumenthalſtraße.
4. Die dritte Zone (ſiehe Plan) wird begrenzt durch eine Linie,
welche die folgenden Straßen und Punkte noch mitumfaßt: Südbahn=
hof
, Landskronſtraße, Goetheſtraße, Klappacherſtraße, Seekatzſtraße,
Clemensſtraße, Schießhansſtraße, Idioten=Anſtalt (Aliceſtift), Nacht=
weide
=Weg, Heidenreichſtraße, Oſtbahnhof, Ringſtraße (äußere),
Orpheum, Karlshof, Nordbahnhof.
5. Der Fahrpreis beträgt für eine einfache Fahrt von und nach
dem Hauptbahnhof für 1 oder 2 Perſonen:
innerhalb der erſten Zone 0,80 Mk.
zweiten
dritten 1.20
Für das Anfahren an die Wohnung des Fahrgaſtes kann keine Ver=
gütung
beanſprucht werden.
6. Für jede weitere Perſon kommt allgemein ein Zuſchlag
von 0,20 Mk. in Anſatz.
7. Bei Fahrten von oder nach dem Hauptbahnhof nach oder
von Punkten, welche außerhalb der dritten Zone, jedoch innerhalb
der Gemarkung Darmſtadt liegen, kommen die Preisſätze für Strecken=
fahrten
(VI) in Anwendung.
8. Wird die Fahrt nach 10 Uhr abends und vor 6 Uhr
morgens begonnen, ſo kommt der doppelte Fahrpreis in Anſatz.
(Siehe VII). Zuſchläge werden nicht doppelt berechnet.
III. Beſichtigungsfahrten.
1. Die Beſichtigungsfahrt iſt als direkte Rundfahrt gedacht.
Eine Unterbrechung iſt nur nach beſonderer Vereinbarung mit dem
Droſchkenführer ſtatthaft.
2. Bei den Beſichtigungsfahrten hat der Droſchkenführer dem
Fahrgaſt auf Wunſch Auskunft über die in Betracht kommenden
Sehenswürdigkeiten zu erteilen, ohne hierfür eine beſondere Ver=
gütung
zu beanſpruchen. Desgleichen iſt er verpflichtet, an den ver=
ſchiedenen
Sehenswürdigkeiten auf Anſuchen des Fahrgaſtes im Schritt
vorbeizufahren.
3. An Stelle der letzten Fahrſtrecke von dem Luiſenplatz nach
dem Hauptbahnhof (durch Rhein= oder Bismarckſtraße und Dorn=
heimer
Weg) iſt der Fahrgaſt berechtigt, die Beförderung nach einem
anderen Punkte der Stadt zu verlangen.
4. Wird der Wagen zu einer Beſichtigungsfahrt an die Woh=
nung
des Fahrgaſtes beſtellt, ſo kann der Droſchkenführer für das
Anfahren keine beſondere Vergütung beanſpruchen.
5. Für etwaiges Warten vor dem Hauſe gelten die unter VI
für die Streckenfahrten getroffenen Beſtimmungen.
6. Rundfahrt A Fahrtdauer 11¼ Stunde: Hauptbahn=
hof
, Rheinſtraße, Luiſenplatz, Ludwigsſäule, Ernſt=Ludwigsplatz,
Landes=Denkmal Großherzogs Ludwigs IV., Großh. Reſidenzſchloß,
Landes=Muſeum, Landeskriegerdenkmal, Großh. Hoftheater, Großh.
Techniſche Hochſchule, Magdalenenſtraße, Ballonplatz, Dieburger
Straße, Alice=Hoſpital, Stiftsſtraße, Nikolaiweg, Ruſſiſche Kapelle,
Alexandraweg, Ernſt=Ludwigs=Haus, Prinz=Chriſtians=Weg, Stifts=
ſtraße
, Landgraf=Georgs=Straße, Hallenſchwimmbad, V ühlſtraße,
Kapellplatz, Kapellſtraße, Ludwigs=Georg=Gymnaſium, Kirchſtraße,
Marktplatz, Ludwigſtraße, Ludwigsplatz mit Bismarckbrunnen,
Schützenſtraße, Hügelſtraße, Wilhelminenplatz, Katholiſche Kirche,
Neues Palais, Wilhelminenſtraße, Altes Palais, Luiſenplatz, Mini=
ſterium
, Luiſenſtraße, Mathildenplatz, Juſtizgebäude, Bismarckſtraße
Dornheimer Weg, Hauptbahnhof.

7. Rundfahrt B Fahrtdauer 1½1¾ Stunde: Hauptbahn=
hof
, Rheinſtraße, Neckarſtraße, Heidelberger Straße, Annaſtraße, Eich=
bergſtraße
, Wilhelmſtraße, Karlsſtraße, Orangerie=Allee, Schießhaus=
ſtraße
, Im Geiſenſee, Am Erlenberg, Niebergallweg, Ohlyſtraße,
Nieder=Ramſtädter Straße, Friedhof, Gervinusſtraße, Kiesſtraße,
Beckſtraße, Woog, Erbacher Straße, Prinz=Chriſtian=Weg, Alexandra=
weg
, Ruſſiſche Kapelle, Nikolaiweg, Stiftsſtraße, Dieburger Straße,
Ballonplatz, Magdalenenſtraße, Hochſchule, Hochſchulſtraße, Hof=
theater
, Landeskriegerdenkmal, Muſeum, Reſidenzſchloß, Denkmal des
Großherzogs Ludwig IV., Ernſt=Ludwigsplatz, Marktplatz, Ludwig=
ſtraße
, Ludwigsplatz, Schützenſtraße, Hügelſtraße, Wilhelminenplatz,
Katholiſche Kirche, Neues Palais, Wilhelminenſtraße, Altes Palais,
Luiſenplatz, Ludwigsſäule, Miniſterium, Luiſenſtraße, Mathildenplatz,
Juſtizgebäude, Wilhelminenſtraße, Großh. Marſtall, Hauptpoſtge=
bäude
, Rheinſtraße, Hauptbahnhof.
8. Der Fahrpreis für die Beſichtigungsfahrten beträgt für
1 oder 2 Perſonen:
a) Rundfahrt A: 2.50 Mk.
b)
B: 4.
9. Für jede weitere Perſon kommt für die angefangene Stunde
ein Zuſchlag von 0.20 Mk. in Anſatz.
IV. Fahrten nach und von dem Großh. Hoftheater.
Voraus beſtellte Fahrten (§ 21 der Droſchkenordnung) nach und
von dem Großh. Hoftheater koſten ohne Rückſicht auf die Zahl der
Fahrgäſte:
a) Hinbringen u. Abholen: Einſpänner 2.50 Mk., Zweiſpänner 3.50 Mk
b) nur Abholen:
Zweiſpänner 3.
V. Geſellſchaftsfahrten zum Beſuche von Abendgeſellſchaften
und ähnlichen Veranſtaltungen und zur Rückfahrt von ſolchen.
1. Vorausbeſtellte Fahrten koſten mit Einſchluß einer Wartezeit
von ½ Stunde ohne Rückſicht auf die Zahl der Fahrgäſte bei Beginn
der Rückfahrt:
1. vor 12 Uhr nachts: a) Einſpänner 3.50 Mk., b) Zweiſpänner 4.50 Mk
: a)
2. nach 12 .
4.50 b) Zweiſpänner 5.
2. Für eine längere Wartezeit als ½ Stunde hat der Droſchken.
führer für jede angefangene ¼ Stunde je 0.50 Mk. zu beanſpruchen
VI. Streckenfahrten.
1. Eine Streckenfahrt iſt eine einfache direkte Fahrt nach
einem außerhalb des Stadtgebiets gelegenen Punkte, bei welcher
der Wagen nicht zur Rückfahrt benutzt wird.
2. Für ſolche Fahrten kommen die nachſtehend verzeichneten
Preiſe in Anſatz.
3. Die Fahrt beginnt mit dem Beſteigen des Wagens ſeitens
des Fahrgaſtes.
4. Für das Anfahren an die Wohnung des Fahrgaſtes kann
keine Vergütung beanſprucht werden.
5. Fünf Minuten lang hat der Droſchkenführer umſonſt zu
warten. Die weitere Wartezeit iſt für je 5 Minuten mit 0,20 Mk. zu
vergüten.
6. Fahrten nach anderen Orten als den in nachſtehendem Tarif
aufgeführten unterliegen beſonderer Vereinbarung.
7. Der Fahrpreis beträgt für 1 oder 2 Perſonen:

Arheilgen
Beſſunger Friedhof u. Iſrae=
litiſcher
Friedhof
Böllenfalltor
Botaniſcher Garten
Burgwald . .
Eberſtadt
Einſiedel
Frankenſtein (bis an Fuß im
Beerbacher Tal).
Gartenvorſtadt (Hohler Weg)
Gräfenhauſen
Griesheim
Henkels Gärtnerei . .
Herrgottsbera
Hirſchköpfe (Heilig. Kreuzberg)
Infanterie=Schießſtände
Kranichſtein
Kreisabdeckerei .
Kühler Grund
Ludwigshöhe (bis an das Ende
der Kaſtanienallee)
Ludwigshöhe (bis auf die Höhe)
Merckſche Fabrik
Meſſel (Fabrik u. Forſthaus)
Nieder=Ramſtadt
Ober=Ramſtadt . .
Oberwaldhaus .
Pfungſtadt
Roſenhöhe (Mauſoleum)
Roßdorf
Schießhaus (neues) . .
Traiſa
Trautheim
Truppenübungsplatz
Waldfriede (Villenkolonie)
Waſſerwerk
Weiterſtadt
Ziegelhütten .

a) vom Stadtinnern
aus:

b.) vom Hauptbahu=
hof
aus:

Ein=
ſpänner

Zwei=
ſpänner

Ein=
ſpänner

Zwei=
ſpänner

2.50 2.50 1.50 2 2.50 1.50 2.- 2.50 1.50 2. 2.50 5.50 6.50. 6. 3. 4. 3.50 4.50 4. 5. 4.50 5.50 6. 5.50 6.50 1.50 2. 2 2.50 5. 4.50 5.50 3.50 3. 3.50 1.80 2.30 2.30 2.80 1.80 2.30 2.30 2.80 1.50 2. 2.50 1.50 1.50 2. 3. 2.50 3.50 2. 2.50 2.50 3. 4.50 5.50 5. 6. 1.50 2.- 250 4. 3.50 4.50 1.50 2. 2. 2.50 5.50 6.50 6. 3.50 4.50 4. 5 5.50 6.50 6. 7.- 2. 2.50 2.50 3. 4.50 5.50 5. 6.- 1.50 2. 2. 2.50 4.50 5.50 5. 6. 2.50 1.50 2. 3.50 4.50 4. 5. 3. 4. 3.50 4.50 3. 3.50 2.50 3. 2.50 3.50 3. 4. 5.00 5.50 5.50 6. 3.50 4.50 4. 1.50 2. 2. 2.50-

8. Für jede weitere Perſon kommt für jede angefangene Stunde
ein Zuſchlag von 0,20 Mk. in Anſatz.
9. Wird die Fahrt nach 10 Uhr abends und vor 6 Uhr
morgens begonnen, ſo kommt der doppelte Fahrpreis in Anſatz
(vergl. VII.) Zuſchläge werden nicht doppelt berechnet.
VII. Nachtfahrten.
Für Fahrten der in I., II, und VI. bezeichneten Art, welche
nach 10 Uhr abends und vor 6 Uhr morgens begonnen werden, iſt
der doppelte Fahrpreis zu bezahlen. Zuſchläge werden nicht doppelt
berechnet.
VIII. Gepäck und Hunde.
1. Handgepäck iſt allgemein ohne Rückſicht auf die Stückzahl
frei. Sonſtiges Gepäck koſtet für jedes Stück 0,20 Mk.
2. Für die Mitführung eines Hundes iſt ein Zuſchlag von
0,20 Mk. zu zahlen.
IX. Kinder.
1. Bei der Berechnung des Fahrgeldes zählen als je eine erwachſene
Perſon:
a) jede Perſon über 10 Jahre;
b) ein allein fahrendes Kind ohne Rückſicht auf ſein Alter;
c) je 2 Kinder unter 10 Jahren, einerlei ob ſie allein oder in
Begleitung von Erwachſenen fahren.
2. Mit Ausnahme des vorſtehend unter b) bezeichneten Falles
hat ein Kind unter 10 Jahren freie Fahrt.
X. Bezahlung des Fahrpreiſes ꝛc.
1. Die Bezahlung des Fahrpreiſes hat in der Regel nach Beendi=
gung
der Fahrt ſtattzufinden.
2. Der Droſchkenführer hat ſtets das zum Herausgeben nötige
Kleingeld mit ſich zu führen.
3. Wird die Beendigung der Fahrt durch die Schuld des
Droſchkenführers oder ohne Verſchulden des Fahrgaſtes durch einen
Unfall verhindert oder erheblich verzögert, ſo iſt der Fahrgaſt zur
Entrichtung des Fahrpreiſes nicht verpflichtet.

[ ][  ][ ]

4. Dem Droſchkenführer iſt es unterſagt, Trinkgelder von den
Fahrgäſten zu verlangen. Die Annahme freiwillig gezahlter Trink=
gelder
ſeitens der Fahrgäſte iſt dem Droſchkenführer geſtattet.
XI. Inkrafttreten des Tarifs.
Der vorſtehende Tarif tritt mit dem 1. Mai ds. J. in Kraft
und an Stelle des Tarifs vom 15. September 1916.
Darmſtadt, am 22. April 1912.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
(9866fm
Gennes.

Bekanntmachung

betr. die Abänderung des Automobil=Droſchken=Tarifs.
Den am 1. Mai ds. Js. in Kraft tretenden neuen Automobil=
Droſchken=Tarif bringen wir hiermit zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 22. April 1912.
Großherzogliches Polizeiamt
Gennes.
Automobil=Droſchken=Tarif
Auf Grund des § 76 der Reichsgewerbeordnung werden in
Uebereinſtimmung mit der Stadtvertretung der Haupt= u. Reſidenz=
ſtadt
Darmſtadt für die Benutzung der öffentlich zum Gebrauch auf=
geſtellten
Automobil=Droſchken die nachſtehenden Taxen feſtgeſetzt:
Tagfahrten
(von morgens 6 bis abends 10 Uhr)

Innerhalb
der
Zonen I u. II 1ft. für 12 erwach=
ſene
Perſonen ehme 70 Mfg. Taxe für jede ange=
fangenen

weiteren 300 m 10 Pfg.
mehr u ir jede weitere er=
achſene
Perſon Innerhalb der
Zone III (auch
wenn Zone Iu.
II berührt oder
in dieſen die
Fahrt beendigt
wird) für 12 erwach=
ſene
Perſonen Dis 3050 m 7u M. Taxe
I für jede ange=
fangenen

weiteren 250 m 10 Pfg.
mehr w r jede weitere er=
achſene
Perſon ſohne Rück=
kehr
nach
Zone I-III für 15 erwach=
ſene
Perſonen bis 30 m Taxe
III für jede ange=
fangenen

weiteren 150 m 10 Pfg.
mehr bei
kehr
Zone tück=
für
15 erwach=
nach

IIII) ſene Perſon ten 2

Nachtfahrten
(von abends 10 bis morgens 6 Uhr)

Zoneneinteilung für 15 erwach= Taxe aufgehoben ſene Perſonen III

Bei Nachtfahrten außerhalb der Gemarkung Darmſtadt ohne
Rückfahrt für je 5 Kilometer 1 Mark Zuſchlag.
Kinder.
Für ein Kind unter 10 Jahren in Begleitung Erwachſener iſt
kein Fahrgeld zu entrichten. Zwei Kinder unter 10 Jahren gelten
einer, drei oder vier Kinder unter 10 Jahren gelten zwei erwachſenen
Perſonen gleich.
Zuſchläge.
a) Wartezeit: Für je angefangene 2 Minuten 10 Pfennig;
für eine Stunde 3 Mark.
b) Gepäck: Für jedes über 10 Kilo ſchwere Gepäckſtück 25 Pfg.
e) Hunde: Für die Mitnahme eines Hundes 25 Pfennig.
Die Bezahlung der Fahrten erfolgt ausſchließlich auf Grund
des vorſtehenden Tarifs nach dem an jeder Automobil=Droſchke be=
findlichen
Fahrpreisanzeiger. Der Droſchkenführer darf abgeſehen
von etwaigen Brücken= oder Fährgeldern, ſowie ähnlichen Gebühren
oder Abgaben von dem Fahrgaſte nur den durch den Fahrpreis=
anzeiger
angegebenen Fahrpreis für geleiſtete Fahrt oder Wartezeit
nebſt den tarifmäßigen Zuſchlägen fordern.
Der vorſtehende Tarif tritt mit dem 1. Mai d. J. in Kraft und
an Stelle des Tarifs vom 29. Mai 1909.
Darmſtadt, am 22. April 1912.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt
Gennes.
((9867fm

Bekanntmachung,

betreffend die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe in der Haupt=
und Reſidenzſtadt Darmſtadt.
Da aus Anlaß der Meſſe am Sonntag, den 5. Mai 1912,
für die Stadt ein geſteigerter örtlicher Geſchäftsverkehr zu erwarten
iſt, wird hiermit auf Grund des § 105b Abſatz 2 der Reichsgewerbe=
ordnung
und der § 143 und 145 der Ausführungsverordnung zur
Gewerbeordnung für dieſen Tag die Offenhaltung ſämtlicher offenen
Verkaufsſtellen einſchließlich der Verkaufsſtände der Meſſe in der Zeit
von 11 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends zugelaſſen.
Während dieſer Stunden iſt die Beſchäftigung von Gehilfen,
Lehrlingen und Arbeitern in allen offenen Verkaufsſtellen geſtattet.
Darmſtadt, den 23. April 1912.
(10017oms
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Oeffentliche Impfung.

Mittwoch, den 1. Mai, und die folgenden Mittwoche, ſolange
Bedürfnis, von 5 Uhr nachmittags ab unentgeltliche Impftermine
im Schulhaus in der Rundeturmſtraße für im Vorjahr geborene,
ſowie für ältere mit der Impfung im Rückſtand verbliebenen Kinder.
Nachſchau jeweils acht Tage ſpäter, bei Meidung der ge=
ſſetzlichen
Strafe. Kinder, die in dieſen Terminen nicht geimpft wer=
iden
, ſind bis zum Jahresſchluß auf Koſten der Eltern impfen zu
laſſen, andernfalls im Januar k. Js. die Nachholung der Impfung
binnen kürzeſter Friſt unter Strafandrohung angeordnet wird.
Außer den Pflichtigen werden in den Terminen auch Erwach=
ſſene
auf ihren Wunſch und Kinder, die erſt im laufenden Jahre ge=
boren
ſind, auf Wunſch ihrer Vertreter geimpft.
In der Regel werden in jedem Termin nicht mehr als
150 Impfungen vorgenommen.
Kinder, deren Zurückſtellung von der Impfung wegen Kränk=
lichkeit
beanſprucht wird, können gleichfalls in den Terminen dem
Impfarzt vorgeſtellt werden.
Wegen der Wiederimpfung der Schulkinder wird beſondere
Benachrichtigung an die Schulvorſteher erfolgen.
Aus einem Hauſe, in dem anſteckende Krankheiten, wie Schar=
lach
, Maſern, Diphtherie, Croup, Keuchhuſten, Flecktyohus, roſen=
artige
Entzündungen oder die natürlichen Pocken herrſchen, dürfen
Impfliuge zum allgemeinen Termin nicht gebracht werden.
Die Kinder müſſen zum Impftermin mit rein gewaſchenem
Körper und mit reinen Kleidern gebracht werden.
Darmſtadt, den 29. April 1912.
(10185a
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Schmitt.

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Eisenach
In Darmstadt: Schmidt, 2
Kullmann, Ohnacker,
Petrenz, Kgl. Pr. Lott.-Ein.; 805
ferner:W. DemberNachf.,
Inh. Gg. Seibel, Kaminsky,
Rheinstr., Kiefer, Mathil-
denpi
., Gg. Lud. Kriegk,
Fr. Marguth, Marchandt,

Aus der Landrichter Dr. Müller’schen Stiftung
zu Darmstadt

ſind durch die unterzeichnete Behörde
1. vier Unterſtützungslegate von je 500 Mk. jährlich an bedürf=
tige
elternloſe Studierende der Rechtswiſſenſchaft aus den
Provinzen Starkenburg und Oberheſſen,
2. ein Unterſtützungslegat von jährlich 500 Mk. an eine bedürf=
tige
, nicht kinderloſe Witwe eines richterlichen Mitgliedes
bei einem der Amtsgerichte oder Landgerichte der Provinzen
Starkenburg oder Oberheſſen, vorzugsweiſe als Beihilfe zur
Erziehung minderjähriger Kinder
zu vergeben. Bewerbungen um dieſe Legate ſind binnen vier Wochen
bei der unterzeichneten Behörde einzureichen.
Darmſtadt, den 2. April 1912.
(8601a
Großherzogliches Miniſterium der Finanzen,
Abteilung für Finanzwirtſchaft und Eiſenbahnweſen.
In Erledigund: Seip.
Erb.

Verſteigerungs-Anzeige.
Donnerstag, 9. Mai, von vormittags 10 Uhr ab.

verſteigere ich im Saale Zur Ludwigshalle‟, Obergaſſe dahier,
öffentlich meiſtbietend gegen Barzahlung folgende Pfänder:
a) zirfa 767 800 Zigaretten und 69 Päckchen Tabak (ohne
Steuerbanderollen).
(10230
b) 93 400 Zigaretten (mit Steuerbanderollen), 28200 Zi=
garren
(beſſere Marken), ſowie 126 Päckchen Rauchtabak.
c) 125 Paar Schuhe, Stiefel und Pantoffel fur Herren, Damen
und Kinder.
Wedel, Großh. Gerichtsvollzieher,
Darmſtadt, Bleichſtraße 28.

Verſteigerungs-Anzeige.
Donnerstag, den 2. Mai,

verſteigere ich öffentlich meiſtbietend gegen Barzahlung folgende
Pfänder:
1. nachmittags 2 Uhr, Karlſtraße 94: 1 Schrank mit Auf=
ſatz
, 5 Paſtellkaſten, 5 Paletten, 8 Töpfe 19 Kiſtchen Farben=
reſte
und Chemikalien, diverſe Zeitſchriften, 7 Staffeleien,
1 Podium, 1 ſpaniſche Wand, 2 Stühle, 1 Seſſel, 2 Zeichen=
pulte
, 2 Maltiſche, 5 Reißbretter, 2 Böcke, 1 Stelleiter, di=
verſe
Bretter und Latten, 1 Wärmvorrichtung für Gas,
1 Tennisſchläger, 1 Photographenapparat, 1 Entwäſſerungs=
ſchale
, 3 Mappen m. Skizzen, 1 Widdergehörn, 1 Totenkopf,
1 Tonfigur, 6 Uniformröcke, 31 Bilder unter Glas, 2 Blu=
menvaſen
, Vorhänge, Kiſſen u. a. m.
2. Daran anſchließend nachmittags 4 Uhr in der Ludwigs=
halle
, Obergaſſe dahier, verſchiedene Möbel, darunter:
Schreibtiſche, Sofas, Diwans, Kleider=, Spiegel= u. Wäſche=
ſchränke
, Kommoden, Regulators, Büfetts, Vertikos, Waſch=
kommoden
, Bilder, Blumen= und Näht ſche, Spiegel, Nacht=
ſchränkchen
, Tiſche, Vorhänge, Teppiche, Seſſel u. a.
2 Landauer, 6 m Eichenholz, 2 Tonnen Kaltwaſſerfarbe,
11 Blumenkübel, 24 Fäſſer, 1 Harmonium, 134 verſchiedene
Bluſen, 3 Hüte.
Ferner an Ort und Stelle: 1 große Partie Falz= und
Dachziegel, ſowie 40 m Schiefer.
(10229
Wedel, Großh. Gerichtsvollzieher
Bleichſtraße 28.

Holzverſteigerung.
Montag, den 6. und Dienstag, den 7. Mai I. J.,

vormittags 10 Uhr, werden im Zeilharder Gemeindewald verſteigert:
Stamme
1 Lärche 0,75 fm., 304 Fichten 111,02 cm Inhalt.
Brennholz
Scheiter rm: 15 Eichen, 2 Erlen, 9 Kiefern,
Knüppel 10 Eichen, 7 Eſchen, 234 Kiefern und Fichten,
Stöcke . 35 Kiefern und Fichten.
Das Stammholz kommt am erſten Tage zum Ausgebot. Die
Zuſammenkunſt iſt bei Gaſtwirt Schneider bei Station Meſſel.
Zeilhard, den 28. April 1912.
(10190H
Großh. Bürgermeiſterei Zeilhard.
Kühn.

Vereinigie Griskrankenkaße Darmuaot.
Unſeren Mitgliedern diene hiermit zur Kenntnis, daß
Frad Dr. Sohannu Schmar
Saalbauſtraße 60, Telephon 1253
Sprechſtunden: vorm. 9½11 und nachm. ½35 Uhr
als Spezialarztin (§ 21 Abſ. 3 des Statuts) für Frauenleiden zu=
gelaſſen
worden iſt.
Ferner bitten wir Kenntnis davon nehmen zu wollen, daß der
Vertrag mit Herrn Zahnarzt Nieswandt gelöſt wurde und an deſſen
Stelle Herr
Zannarzr Hage Mammer
Schulſtraße 3, Telephon 2061
Sprech iur den: vorm. 812 und nachm. 25 Uhr
zur Behandlung unſerer Mitglieder zugelaſſen worden iſt.
Darmſtadt, den 30. April 1912.
Vereinigte Ortskrankenkaſſe Darmſtadt.
Der Vorſtand.
Knoblauch, Vorſitzender.
*) § 21 Abſ. 3 lautet: Spezialärztliche Behandlung wird nur
nach vorheriger Ueberweiſung durch einen Kaſſenarzt gewährt.
Ausgenommen hiervon ſind Notfälle, ſowie Entfernen von Fremd=
törpern
aus den Augen und Ausziehen von Zähnen.
*10177

Darmstädter
Sprach-u. Handelsschule
10 Luisenstrasse 10
Leiter: Emil Held u. Hieron. Schneider.
Gründl. Unterricht in kaufm. Fächern, fremden Sprachen,
Stenogr. u. Maschinenschreiben.
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Kurse: Anf. jed. Viertelj. Einzelunt.: jederzeit.

zu taufen ge=
Baby Browhlig ſucht. Offert
unt. G 67 an die Exp. (*11009

n gutem Pr.vat=Mittagstiſch
* können einige gebildete Herren
teilnehmen. Näh. Exp. (*10780oim

[ ][  ][ ]

Mummer 102.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Mai 1912

Seite 13.

Prinz=Heinrich=Preis der Lüfte 1912.
II. deutſcher Zuverläſſigkeitsflug am Oberrhein.
Modelliert von Bildhauer Karl Korſchann (Berlin)=

Peinz Heinrich von Preußen

der erſte Flugführer Königlichen
Geblüts, hat für den 2. Deutſchen
Zuverläſſigkeitsflug am Oberrhein
einen wertvollen Ehrenpreis geſtiftet.
Daß der erfahrene fürſtliche Flieger
ſich an die Spitze des Flugaus=
ſchuſſes
geſtellt hat, gibt dieſer
Veranſtaltung ſchon ein beſonderes
Gepräge. Es ſollen ganz beſondere
Leiſtungen gezeigt und Erfahrungen
geſammelt werden, die für unſere
deutſche Flugzeuginduſtrie zweifellos
ſehr nutzbringend ſein werden. Die
Ausſchreibungen haben, wie ſchon
wiederholt betont, etwas ganz Neues
gebracht. Vor allen Dingen iſt hervor=
zuheben
, daß wir diesmal das erſte
wirkliche Herrenfliegen haben, bei dem
nur um Ehrenpreiſe geflogen wird
Die Teilnahme an den Flugwett=
bewerben
iſt außerordentlich teuer,
und ſelten kann ein Privater die hohen
Koſten aus eigenen Mitteln beſtreiten;
aus dieſem Grunde wird das aufge=
brachte
Geld in der Hauptſache dazu
verwandt, die Selbſtkoſten der Teil=
nehmer
zu beſtreiten. Beſondere Be=
deutung
gewinnt der Flug ferner
dadurch, daß in der Hauptſache deutſche
Fliegeroffiziere teilnehmen, ½ der
Konkurrenten ſind Fliegeroffiziere,
nur ½ Zivilflieger. Demnach wird
man zum erſten Male beim 2. Deut=
ſchen
Zuverläſſigkeitsfluge Gelegenheit
haben, die Leiſtungen unſerer Offizier=
flieger
kennen zu lernen. Man kann
ohne Uebertreibung ſagen, daß die
Flüge am Oberrhein, die in der Zeit
vom 12. bis 22. Mai ſtattfinden, die
bedeutendſten des ganzen Jahres ſein
werden. Man kann jetzt ſicher auf
das Zuſammenſtrömen von Tauſenden
von Zuſchauern rechnen. Die Plätze
auf den Zeppelin=Luftſchiffen mit denen
die Delag Paſſagierfahrten ausführen
wird, ſind beiſpielsweiſe faſt voll=
kommen
vergriffen. Darum beeile ſich
ein Jeder, der die intereſſanten Fahrten
im Luftſchiff mitmachen möchte, mit
der Beſtellung eines Platzes.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.
Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
3 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 23. April: Dem Küfer Georg Hein=
rich
Metzger, Heinheimerſtr. 80, ein S. Kurt Heini Karl.
Ein unehel. Sohn Walter. Am 26.: dem Ingenieur Os=
wald
Richard Jacobi, Pallaswieſenſtr. 3, ein S. Otto
Wilhelm Siegfried. Am 25: ein unehel. Sohn Peter.
Am 27.: dem Monteur Johannes Sachs Dornheimer
Weg 19, ein S. Wilhelm. Am 28.: dem Keſſelſchmied An=
ton
Blum, Arheilgerſtr. 92, ein S. Albert. Am 24.: dem
Schloſſer Robert Denrath, Blumenthalſtr. 89, ein S.
Hans Robert. Am 28.: dem Kaufmann Federico Apollo
Italo Scappini, Wienersſtr. 52, ein S. Giovanni Fede=
rico
Alwin. Am 26.: ein unehel. Sohn Karl. Eine unehel.
Tochter Luiſe. Am 27.: ein unehel. Sohn Oskar. Am 28.:
dem Schriftſetzer Louis Wilhelm Hermann Otto Bothe,
Liebfrauenſtr. 33, eine T. Mathilde Adele. Am 24.; ein
unehel. Sohn Otto. Am 23.: dem Poſtboten Friedrich
Müller, Eliſabethenſtr 43, ein S. Wilhelm Jakob.
Aufgebotene. Am 26. April: Bahnarbeiter Joſeph
Zimmer zu Stockſtadt, und Dienſtmagd Chriſtina Fel=
ger
, hier. Fabrikarbeiter Leonhard Stein, und Maria
Eliſabetha Schwebel, beide zu Siedelsbrunn. Profeſſor
am Gymnaſium in La Chaux de Fonds, Charles Samuel
Favez in La Chaux de Fonds, mit Konradine Franziska
Hedwig von Zedlitz und Neukirch, Heinrichſtr. 97. Kauf=
mann
Ludwig Kling, Luiſenſtr. 36, mit Buchhalterin
Emma Bauer, zu Weinheim a. B. Am 27.: Landwirt
Adam Lutz IV. zu Nieder=Klingen, mit Dorotea Sachs
zu Hahn bei Wembach. Am 29.: Landwirt Balthaſar
Gottſchalk zu Burgbracht, mit Köchin Anna Maria
Schwörer zu Groß=Zimmern.
Eheſchließungen. Am 23. April: Sergeant Anton
Lutz, hier, mit Köchin Amande Göſel, in Erfurt. Am
25.: Kirchendiener Eduard Eidenmüller, hier, mit Maria
Stein in Alsfeld. Am 27.: Kaufmann Friedrich Belz,
hier, mit Maria Schneider in Herbſtein. Eiſenbahn=
Oberſekretär Reinhold Kunze, mit Maria Wagner, geb.
Ebrecht, beide hier. Weichenſteller Reinhard Thielmann
in Bad=Nauheim, mit Helene Boller, hier.
Geſtorbene. Am 26. April: Dienſtmagd Eliſabeth
Dreyer, 22 J., kath., Schloßgartenſtr. 21. Karl Gerbig,
S. des Taglöhners, 3 J., ev, Groß=Bieberau. Am 27.:
Poſtſchaffner Auguſt Stein, 34 J., ev., Wendelſtadtſtr.
13. Modiſtin Johanna Dreſch, 19 J., ev., Große Ochſen=
gaſſe
32. Am 26.: Taglöhner Heinrich Winkler, 15 J., ev.,
Nieder=Ramſtadt. Dorothea Philippine Schäfer, geb.
Lücker, Ehefrau des Spenglers, 40 J., ev., Mühlſtr. 5. Am
27.: Eliſe Merlau, geb. Schmitt, Ehefrau des Milchhänd=
lers
, 31 J., ev., Arheilgen. Am 28.: Lackierer Karl Waſ=
ſum
, 28 J., ev., Pankkratiusſtr. 69. Am 27.: Barbara
Roß, geb. Klinger, Ehefrau des Milchhändlers, 36 J.,
ev, Asbach. Buchbinder Adam Weil, 19 J., ev., Kirſchen=
allee
7.

Literariſches.

Im Sanatorium. Roman von Emma Böh=
mer
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in Berlin SW. 68.) Broſchiert 3 Mark, gebunden 4 Mk.
In einem eigenartigen Friedensaſyl der Gegenwart gibt
uns Emma Böhmer Einblick in eine Siechenkultur, die
ein großherziger Arzt für ſeine Kranken erſtrebt. Uner=
müdlich
wandert dieſer Arzt mit den Leidenden, um das
Sehnen nach bewußtem Höherwachſen und Emporſtreben
in dem inneren Menſchen zu wecken. Im Sanatorium
gewinnt man Einblicke in Menſchenſeelen und Schick=
ſale
, die tief ergreifend ſind. Licht= und Schattenbilder
aus dem wirklichen Leben ziehen vorüber. Die Darſtel=
lung
und Löſung der ſeeliſchen Konflikte iſt ſo eigen=
artig
, das jeder Leſer der Verfaſſerin für die tiefe und
reiche Anregung danken muß.

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Lhee
Das selbsttätige
Waschmittel.
Nicht kochen, nur waschen in hand-
warmer
Persillauge von 30 400.
Keine weitern Waschzusätze nehmen-
Die Reinigung ist vollkommen, das
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Nummer 102.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Mai 1912.

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Nummer 102.

Darmſtädter Tagdlatt. Miltwoch, den 1. Mat 1912.

Seite 15.

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Cerat Cetacci 25; OI. Jegor Aselli 15; Mel, 5; Bals, Canad, 2; Seb. cerv, filtr. 4.

Masern. Moin kleiner Hugo erkrankte an Masern so schwer, dass er im
Fieber irr redete und wir das Schlimmste bofürchteten. Er war am ganzen
Körper so rot wie ein Krebs und zeigte eich die Krankheit besonders heftig
an den Augen. Da ich Dunpräparste schon öfter mit bostem Erfolg ange
wandt hätte, rieb ich ihn am ganzen Körper mehrmals mit Dunsalbe ein und
gab ihm Dunpillen. Der Erfolg war der, dass das Fieber rasch abnahm und
Hugo nach etwa drei Tagen wieder gesund war, Frau A. Melschior, Darmstadt,
Drüsengeschwür. Die im April von Ihnen bezogenen Dun-Präparzte waren
von ausserordentlicher Wirkung und habe ich meinem 6 jährigen Jungen
ein Drüsengeschwür (das im Entstehen war) geheilt, so dass die Eiterung
Sicht zum Ausbruch kam. Wegen desselben Leidens musste ich den
Lnaben vor 2 Jahren 18 Tage lang in ein Krankenhaus in Behendlung geben.
Dun ist bei uns zu einem nnentbehrlichen Heilmittel geworden und habe
ich es schon oft empfohlen und auch an Bekannte gelichen und wurden dort
gleichfalls gute Resultste erzielt. Wilh. Henss II, Lengfeld 1. N., 1. 19. 1000.
Herr Guillermo Alter, Naturarzt in Buenos Aires, schrieb am 18. Mai 1909:
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Heilerfolge mit der Salbe bei Knochentuberkulose, Flechten, Geschwülsten
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Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Mai 1912.

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Copyright 1910 by Anny Wothe, Leipzig.

Fühlſt Du Dich beſſer, Jon, forſchte ſie ängſtlich und
liebreich.
Ganz wohl, lächelte er. Ich bin glücklich, daß Du
bei mir biſt.
Sie ſchob ihren Arm unter ſeinen Kopf und bettete
ſein Haupt wieder an ihre Bruſt.
Nun kann ich ſchön ſchlafen, flüſterte der Kranke leiſe,
und dann ängſtlich um ſich blickend, fuhr er geheimnis=
voll
fort:
Ich weiß, daß ich ſterben werde, Hallgerdr, aber ich
ſterbe gern. Ich weiß, all mein Hoffen auf Deine Liebe
war vergebens, da frommt mir der Tod.
Nein, nein, Du wirſt leben, John, Du weißt ja, daß
ich Dich lieb habe.
Ja, wie einen Bruder die Schweſter, aber ich wollte
anders geliebt ſein. So wie Du den fremden Mann liebſt,
der Dich küßte. Hüte Dich, Hallgerdr. Er bringt Dir
Gefahr. Unheil droht dem Widarhofe, wenn er ihm
naht
Du träumſt, John, Du mußt jetzt ſchlafen.
Ja, tief und feſt. Küſſe mich, Hallgerdr, küſſe mich!
Und ſie beugte ſich tief zu ihm herab und küßte ſei=
nen
leiſe zuckenden Mund.

ie ie e en enen un e
fie Geſicht.
Vater, Schweſtern, flüſterte er leiſe, grüßt mir die
Mutter, ſie ſoll nicht weinen, mir iſt ſo wohl, ſo wohl.
Ein Krampf ſchüttelte ſeine Bruſt.
Ole Gudmund und der Vater ſtürzten hinzu, da war
es vorbei.
Mit einem Lächeln auf den Lippen lag er da, ſtill
wie im Traum.
Der Amtmann war ſchluchzend an dem Bett in die
Knie geſunken.
Mein einziger Junge, konnte er nur immer wieder
und wieder ſtammeln, und dann unter herzerſchüttern=
dem
Weinen: Seine arme, arme Mutter! Mein armes
Weib. Wie wird ſie es tragen!
Hallgerdr ſaß tränenlos an Jons letztem Lager.
All der Glanz, der Duft ihrer Jugend und Kind=
heitstage
zog mit dem Jungendfreunde dahin Seine
Liebe hatte ihre Kindheit verklärt, hatte ihr Sonne ge=
bracht
in das dunkele Leben. Jetzt wußte ſie es. Auf
den Flügeln ſeiner Phantaſie hatte er ſie in Märchen=
lande
getragen, die ihr jetzt für immer verſchloſſen wa=
ren
, ſeitdem ſich ſeine hellen Dichteraugen geſchloſſen, die
nur immer die Sonne ſuchten.
Sie beugte ſich hernieder und küßte ſeine bleichen
Hände.
Etwas Großes, Heiliges, das fühlte ſie, war heute aus
ihrem Leben geſchieden.
Dann ging, ſie ſtill hinaus. Sie wollte den Vater

nicht in ſeinem Schmerz ſtören, und den anderen mußte ſie
ſagen, daß Jon heimgegangen.
Die Baersfrau kam und öffnete die Fenſter, wie es
Brauch iſt, wenn eine Seele geſchieden. Sie hing das
weiße Laken davor, als Zeichen, daß ein Geſtorbener da
drinne ausruhe von des Lebens Leid, und ſie ſteckte die
Kerzen an, die über Jons bleiches Antlitz mit hellem Schein
zuckten und auf ſeinen roten Locken flimmerten, als wür=
den
ſie von Goldfunken überſtreut.
Signe raſte im wilden Schmerz um den toten Bruder
und richtete ihren Groll auf den Doktor, dem ſie Vorwürfe
machte, daß er es nicht vermöchte, einen Kranken vom Tode
zu erretten.
Als Jorum die Schweſter ſo aufgelöſt ſah, verbiß ſie
ihren Schmerz. Sie durfte jetzt nicht auch noch weinen.
Zu Haus vielleicht, wo es keiner ſah, ja, da konnte ſie ſich
ihrer Trauer hingeben. Der Vater war ſo verzweifelt,
da durfte ſie ihm nicht auch noch Sorge machen, wie Signe,
die törichte Signe. Und tapfer ſchluckte Jorum die Tränen
hinunter und erſtickte das heiße Schluchzen in ihrer jungen
Bruſt. Sie, die Jüngſte, wollte ſtark ſein.
Wenn ſie aber an daheim, an die Mutter dachte, der
ſie ihren Einzigen nicht wiederbringen konnten, dann war
es ihr aber doch, als müßte auch ſie zuſammenbrechen und
klagen.
An Hallgerdrs Herzen fand ſie dann endlich, als ſie
allein waren, die erſten Tränen.
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kleinen Dorftirche, betteten ſie Jon Thorkjel zur letzten
Ruhe. Die Leiche zu Pferde mit ſich heimzuführen, wie
der Amtmadur erſt wollte, erwies ſich als unausführbar.
Man mußte ihn dort laſſen, den armen Jon, wo es ſo ſtill
war zwiſchen den hohen Felſen, wo keine Blume blühte,
wo es nur eine ſpärliche Kruſtenflechte, einen Schimmer
von Grün gab ſpäter nichts als ſilbergraues Moos über
ſein Grab kroch.
Nur die wilden Schwäne, die ſangen auch hier, und ihr
wehmütiges Klagen zog noch lange der kleinen Reiſe=
geſellſchaft
nach, die in dumpfer Trauer Reykjavik zuritt,
wo eine verzweifelte Mutter vergebens auf ihren einzigen
Sohn wartete, der nie, nie wieder kam.
Ein Sohn, der ein Dichter war, und deſſen Sonnen=
augen
ſchon lange das Land geſchaut, das nun ſeine Hei=
mat
geworden.

Der alte Steuermann Stevens der Katla ſtand auf der
Kommandobrücke und ſchaute über das ſchwarze Waſſer
mit den weißen Schaumkronen hinüber nach dem Hafen
von Reykjavik.
Er war verdrießlich, der alte Stevens. Vor mehr als
drei Wochen hatte er ſchon ſeinen Kapitän von der großen
Landtour zurück erwartet, aber Ingwald Anderſen blieb
aus.
Und nun war, wie im Norden ſo oft, überraſchend
ſchnell der Winter gekommen. Mit Hagel, Eis und Schnee
hatte er eingeſetzt. Stürme waren über das Land geſauſt,

und überal auf den Bergen ſah man das weiße Peſleid
des Winters.
Eisſchollen trieben ſchon vom Meere herüber. Steuer=
mann
Stevens kannte das ſchon. Wenn ſie nicht ſchleunigſt
aufbrachen, ſo ſchloß das Packeis ſie ein, und ſie ſaßen hier
den ganzen Winter feſt.
Wer weiß, ob es nicht ohnedies zu ſpät war. Vor
Wochen ſchon hatte er den Kapitän darauf aufmerkſam ge=
macht
, daß ihre Zeit um ſei, aber Ingwald Anderſen war
ja ſo verbieſtert, daß er auf nichts hörte.
Und nun kam er nicht. Das helle, klare Auge des
Steuermanns verſuchte umſonſt die graue Dämmerung zu
durchdringen.
Aber was war denn das?
Kam da nicht ein Boot gerade auf die Katla zu?
Sollte der Kapitän?
Nein, der Kapitän führte die norwegiſche Flagge, und
das näher kommende Boot zeigte die blaue, isländiſche
Fahne mit dem weißen Falken.
Donnerwetter, es kam alſo Beſuch.
Stevens ſchmunzelte. Das war ihm höchſt willkommen
in dem ewigen Einerlei. Er dachte plötzlich mit Behagen
an Portwein und an andere gute Dinge, dann ſchickte er
ſich an, hinabzuſteigen, um die Inſaſſen des näher kommen=
den
Bootes, das ſich geſchickt durch auftauchende Eisſchollen
wand, zu begrüßen.
Erſtaunt blieb er aber ſtehen.
Himmel und Granaten, das war ja wahrhaftig ein
Frauenzimmer, das da im Boote ſaß.
Na, das hatte auch noch gefehlt.

Siedens übniegie ſchn od rlich einen ſeiner Saue
hinabſchicken ſollte, die Dame abzuſchrecken, da der Kapi=
tän
nicht an Bord ſei, aber ſchließlich ſiegte doch ſeine Neu=
gier
, und er ſtapfte breitbeinig die Schiffstreppe hinab bis
zum Fallrepp, um nach dieſem verflixten Frauenzimmer,
das mit Todesverachtung den Weg zur Katla fand, zu
ſehen.
Er hatte das Salondeck kaum erreicht, da kam auch
ſchon eine hohe, dunkle Geſtalt die Schiffstreppe hinan.
Sie trug einen dunkelgrauen Reiſeanzug und einen
dichten grauen Schleier, der ihr Antlitz verhüllte.
Ich wünſche Kapitän Anderſen zu ſprechen, verlangte
ſie kurz ohne Gruß.
Das werdet ihr euch wohl vergehen laſſen müſſen. Der
Kapitän iſt nicht an Bord.
So werde ich auf ihn warten.
Stevens kratzte ſich verlegen hinter den Ohren.
Das geht nicht, Madame. Wir haben Weiſung, nie=
mand
Fremdes auf der Hexe zu dulden.
Niemand Fremdes, murmelte die Angekommene, dann
aber fügte ſie herriſch hinzu. Macht Platz, guter Freund,
ich bin hier zu Hauſe.
Dabei ſchlug ſie mit einer ſtolzen Bewegung den
Schleier hoch, und Steuermann Stevens prallte mit einem
entſetzten Schrei zurück.
Alle guten Geiſter, rief er aus, Frau Anderſen.
Dann aber ſtürzte er auf die junge Frau zu, drückte
und küßte ihre Hände, während ihm die Tränen in die
Augen traten.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Seite 20.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Mat 1912.

Nummer 102,


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Nummer 102.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Mai 1912.

Seite 21.

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Seite 22.

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Nummer 102.

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[ ][  ][ ]

Nummer 102

Lite 26.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Mat 1912.

u

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aus derFabrik Adulf Hammel süc Hanan.
ZahrzichenHurghelie Urngerien u. Kalanialuarengeschäfte.
Deig Fiäsche (2

Sport.

* Radſport. Der Velozipedklub Darmſtadt
veranſtaltete für ſeine Mitglieder das alljährliche Früh=
jjahrszeitfahren
über 22 Kilometer. Es beteiligten ſich 16
Fahrer, die in zwei Abteilungen, Junioren und Senioren,
ſtarteten. Von den Junioren war Herr E. Damus der
Held des Tages, der die Strecke in der glänzenden Zeit
von 39 Min. 40 Sek. hinter ſich brachte. Die übrigen Plätze
wurden wie folgt belegt: Zweiter: L. Hax in 43½ Min.,
Dritter: W. Zimmermann in 44 Min., Vierter: C.
Göttmann in 44 Min. 45 Sek. Auch die übrigen Fah=
rer
erzielten gute Zeiten. Von den Senioren ſiegte Herr
Supper in 52½ Min. Der Velozipedklub Darmſtadt
(zählt zurzeit 160 Mitglieder und iſt einer der größten
Vereine des Deutſchen Radfahrer=Bundes.
* Pferderennen. Hamburg=Horner Früh=
jjahrs
=Meeting. Herren=Reiten, Ehrenpreis und
4000 Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1. Hrn. W. Lindenſtädts
Zampieri (Hr. J. Schulz), 2. Broadway (Lt. Braune), 3.
Oregon (Lt. Graf Holck). Tot. 26:10. Pl. 15, 22, 22110.
Unpl.: Fife o’elock (4), Kammerherr, Malice, Madame
Foutzi, Samum, Hendred, Osmos. Ueberlegen 2½1 Lg.
Montags=Handicap, 10000 Mark, Diſtanz 1500 Meter:
11. Lt. Richards Werra II (Lane), 2. Melitta (Archibald),
3. Blauer Dunſt (Schläfke). Tot. 37:10. Pl. 17, 87, 18:10.
Unpl.: Monſalvat (4), Major Fife, Gallier, Sati, Blue in
Blue, Norton Con, Ordner Fox, Etty. Gegenw Hals
bis * Lg. Godefroy=Rennen, 13000 Mark, Diſtanz
1800 Meter: 1. Geſt. Graditz’ Loreley (F. Bullock), 2. Bür=
germeiſter
(Wedgewood), 3. Haſard (Lane). Tot. 47110.
Pl. 14, 18, 12.10. Unpl.: Eiſenmenger, Dongola, Rubi, Mc.
Kie, Labrador. Leicht 11 Lg. Volksdorfer Handicap,
5000 Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1. Kgl. Württemb. Priv.=
Geſtüt Weils Frauenlob (Schläfke), 2. King Baſalt (Evans),
3. Bilbao (F. Bullock). Tot. 18:10. Pl. 11, 12110. Unpl.:
Salut (4), King. Ueberlegen 22½ Lg. Peru=Jagd=
Rennen, 3500 Mark, Diſtanz 3500 Meter: 1. Lt. Graf Bau=
diſſins
Princeß of Wales (Beſ.), 2. Veſtalin (Dr. Rieſe),
Z. Meerbraut (Lt. Frhr. v. Dörnberg). Tot. 35:10. Pl.
20, 16:10. Unpl.: Hogyne (4), Pelta, Ruhm. Leicht 22½
Lg. Frühjahrs=Handicap=Jagd=Rennen, Ehrenpreis und
2500 Mark, Diſtanz 4800 Meter: 1. Hrn. E. Zeyns Adriatic
(Lt. v. Tresckow), 2. Taſchenſpieler (Beſ.), 3. Haltefeſt (Lt.

v. Moßner). Tot. 35.10. Pl. 11, 10, 15:10. Unpl.: So=
dar
(4), Raſper, Chalk Mark, Brampton Laß. Sicher
13 Lg.
Die Radfernfahrt Paris-Menin gelangte
zum dritten Male zur Entſcheidung. Für das über 302
Kilometer führende Rennen ſtellten ſich am Start in Paris
früh morgens 5½ Uhr 58 Konkurrenten ein. Bei dem
herrſchenden Winde verkleinerte ſich das Feld ſehr ſchnell.
In Beauvais befanden ſich nur noch 27, in Amiens (142
Kilometer) paſſierten 25 Fahrer, in Arras (210) nur noch
13, unter ihnen Petit Breton, Faber, Egg, Engel und
Leonard, Konkurrenten in der Kopfgruppe. Auf dem
Velodrom in Menin (Belgien), wo ſich der Schluß ab=
ſpielte
, zogen 12 Fahrer zu gleicher Zeit ein. Der Belgier
Maſſelis ſchlug ſeinen Landsmann Vandaele nach 11 Stun=
den
2 Minuten im Endſpurt um eine halbe Länge. Dritter
um doppelte Handbreite Petit Breton vor Niedergang,
Engel, Thys, Spießens, Deruyter, Peliſſier und Fran=
cois
Faber. Im ganzen beendeten 27 Fahrer das Rennen.
* Lawn=Tennis. Die Kämpfe um die eng=
liſchen
Lawn=Tennis=Meiſterſchaften auf
gedeckten Plätzen ſind bis auf wenige Spiele beendet. Die
Damen=Meiſterſchaft gewann Frl. Holman gegen Frai Ec=
cington
622, 6:0. Miß Lambert=Chambers, die Vertei=
digerin
des Titels, war nicht angetreten. Die Meiſterſchaft
im gemiſchten Doppelſpiel wurde von Gobert=Miß Ball
gegen Kidſon=Miß Hare mit 8:6, 622 gewonnen. Auch hier
traten die Verteidiger des Titels, Wilding=Mr. Chambers,
nicht an. Die Schlußrunde um die Herrenmeiſterſchaft wer=
den
Wilding und der Verteidiger des Titels, Gobert, mit
einander zu ſpielen haben, nachdem Wilding in der Vor=
ſchlußrunde
Ritchie mit 6:3, 6:4 und 8:6 ſchlug.
* Fußball. Die Spiele um die engliſche
Liga=Meiſterſchaft die von den Blackburn Rovers
durch einen Sieg über Weſtbromwich=Albion bereits ent=
ſchieden
war, wurden fortgeſetzt. Liverpool ſiegte über
Oldham Athletik 110, Notts County über Woolwich Arſe=
nal
3:0, ebenſo ſchlug Bradford City Tottenham Hotſpur
3:0, Sheffield Wednesday konnte gegen Weſtbromwich= Al=
bion
mit 511 gewinnen, während Bury gegen Everton,
Blackburn gegen Newcaſtle United und Bolton Wanderers
gegen Mancheſter United unentſchieden 111 ſpielten. Chel=
ſea
ſiegte über Bradford 110 und kommt in die erſte Liga=
klaſſe
, ebenſo Derby County. In die zweite Klaſſe wandern
von den bisher erſtklaſſigen neben Bury noch Preſton
North End.

Landwirtſchaftliches.
Kurzer Getreide=Wochenbericht
der Preisberichtſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrats
vom 23. bis 29. April.

Andauernde Trockenheit hemmt die Entwickelung der
Saaten und Futterpflanzen, namentlich über Roggen auf
leichten Böden wird vielfach geklagt, aber auch für die bis=
her
widerſtandsfähigeren Weizenſaaten, ſowie für den
Aufgang der Sommerung iſt Regen dringend erwünſcht.
Sehr ungünſtig werden die Ausſichten der amerikaniſchen
Weizenernte beurteilt; es haben große Umpflügungen
ſtattgefunden und man zweifelt, ob eine gute Frühjahrs=

Weizenernte den vorausſichtlichen Minderertrag an
Winterweizen wird ausgleichen können. Amerikaniſche
Börſen waren infolgedeſſen weiter ſehr feſt geſtimmt. Da=
zu
kommt, daß die Dardanellen immer noch geſperrt ſind,
und die Ungewißheit darüber, wie lange der Zuſtand noch
andauern wird, ſchaltet Rußland und die Donau zunächſt
vollſtändig für die weſteuropäiſche Verſorgung aus. In
Deutſchland iſt das Weizenangebot ſchwach geblieben, aber
der Umſtand, daß der Maipreis ſich allmählich den argen=
tiniſchen
Forderungen genähert hatte und Frankreich mit
Käufen zurückhielt, bewirkte zeitweiſe eine Abſchwächung,
die aber in den letzten Tagen einer neuerlichen Befeſtigung
Platz machte, da die Nachfrage für die guten deutſchen
Qualitäten andauert und im Inlande Weizen der Berliner
Mainotiz entſprechend kaum zu kaufen iſt. Auch Roggen
war zuletzt wieder feſter, da im Inlande für das ſchwache
Angebot gute Kaufluſt beſteht, während für Herbſt Beſorg=
niſſe
wegen der Trockenheit zu Käufen anregten. Hafer be=
hielt
bei hohen Provinzforderungen feſte Haltung, zumal
Rußland und Argentinien verſagen und an der Küſte
Verwendung zur Ausfuhr beſteht. Die Lage des Gerſten=
marktes
hat ſich infolge der Sperrung der Dardanellen
weiter zugeſpitzt, doch herrſcht allgemein Zurückhaltung;
man ſieht ſich nach andern Bezugsquellen um, die aber für
den ruſſiſchen Ausfall keinen Erſatz bieten. Auch für Mais
wirkt die Behinderung des Bezuges von Oſteuropa be=
feſtigend
, zumal greifbare Ware knapp iſt. Die argen=
tiniſchen
Forderungen waren nur leicht erhöht, doch ver=
langt
man für prompte Abladung hohes Aufgeld. Es
ſtellten ſich die Preiſe für inländiſches Getreide am letzten
Marktage wie folgt:

Königsberg
Danzig
Stettin
Poſen
Breslau
Berlin
Magdeburg
Halle
Leipzig
Dresden .
Roſtock
Hamburg
Hannover
Düſſeldorf
Köln
Frankfurt a.
Mannheim
Straßburg .
München

Weizen Roggen Hafer .232 4½ 192 (F1½ 205 (* . 237 (* 5 1941 206 (* .234 (* 2 194 202 1 .230 (T 2 189 ) 198 227 (* 5 190 (*3 198 . 234½ (* 2½) 198 *1 214 .234 ( 4 200 (*3 212 .236 (* 3 200 217 234 4 200 222 (*2 .234 (*e 200 (*1 218 225 e 197 203 4 .240 202 218 .236 (T 6 208 222 246 (6 216 (*8 220 (**10) .240 215 220 t. 247½ 212½ (*2½, 225 (*5 ) .250 - 2½) 215 (*21 225 (*2½) .245 (*5 215 (5 235 (*10) .253 4 223 13 ) 224. (4 tpreiſe Weizen: Berlin Mai 236,25

1,25), Sept. 211,75 (P 1,25), Peſt Mai 200,05 ( 2,55),
Liverpool Mai 181,20 (0,95), Paris April 259,20
(*.11,35), Chicago Mai 179,20 (* 1,70), Roggen: Berlin
Mai 198,50 (*0,75), Sept. 180,75 (- 2,25), Hafer:
Berlin Mai 201 (* 0,25), Futtergerſte frei Hamburg un=
verzollt
ſchwim. 176,50 ( 2), April 169 (6), Mais:
Donau fällig 150 (P 2), Odeſſa ſchwim. 138 (4 4), La
Plata April=Mai 129 (), Mai=Juni 124 () Mark.

wird seit Jahrzehnten mit glänzendem Erfolge zur
Haustrinkkur bei Nierengriess, Gicht, Stein,
Eiweiss und anderen Hieren- und Blasenleiden verwandt.
ISie ist nach den neuesten Forschungen auch dem
Zuckerkranken vor allen anderen Mineralwässern zu
empfehlen, um den täglichen Kalkverlust, der ein sehr

vesentliches Moment seines Leidens bildet, zu ersetzen.
Für werdende Mütter und Kinder in der Entwicklung ist sie
für den Knochenaufbau von höchster Bedeutung. Die He-
lenenquelle
ist die Hauptquelle Wildungens und steht
in ihrer überaus glücklichen Zusammensetzung einzig in
der Welt da. Man überzeuge sich hiervon selbst durch

Vergleich der Analysen, wenn Ersatzquellen empfohlen
werden, und achte im eigenen Interesse genau auf den Namen
Helenenquelle. Zu haben in allen Apotheken und Drogerien.
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