Inſerafe
Abonnementspreis
175. Jahrgang
werden angenommen in Darmſtadt.
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
wärts nehmen die Poſtämter u. die
Agen=
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
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Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
ſchriebenen Tagenwirdnichtübernommen.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 22 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Der neue Darmſtädter Bahnhof wurde geſtern
feierlich eingeweiht. Der erſte Güterzug für
öffent=
lichen Verkehr, ab Kranichſtein 4,02 Uhr, an neuen
Bahnhof 4,18 Uhr, fuhr bereits am Morgen
des 28. in den neuen Bahnhof ein.
Der Reichstag vertagte am Samstag wegen
Be=
ſchlußunfähigkeit (81 Anweſende) die
Verhand=
lungen.
Die Reichstagserſatz wahl in Varel=
Je=
per ergab Stichwahl’ zwiſchen Dr. Wiemer (
Fort=
ſchritl. Vollsp) und Hug (Soz.)
Am Samstag fand auf der Schichauwerft in Danzig
die Taufe des Linkenſchiffes „Erſatz
Aegir=
auf den Namen=„König Albert” ſtatt. Die Taufrede
hielt der König von Sachſen.
Der franzöſiſche Miniſterrat beſchloß, den
General Lyautey zum Generalreſidenten
in Marokko zu ernennen. Der Geſandte Regnault
wird abberufen.
In der ruſſiſchen Duma gab der Miniſter des
Aeußern Saſonow eine längere Erklärung über die
auswärtige Politik Rußlands ab.
(Letzte Nachrichten ſiehe Seite 8.)
Die Jeſuiteninterpellation im Reichstage.
*⁎* Die mit großer Spannung erwartete Erklärung
des Reichskanzlers auf die nationalliberale Interpellation
über den bayeriſchen Jeſuitenerlaß beſchränkte ſich
dar=
auf, den Verlauf der Angelegenheit darzuſtellen und im
übrigen auf die Entſchließungen des Bundesrats zu
ver=
tröſten, der von der bayeriſchen Regierung wegen
ge=
nauer Definition des Begriffes der verbotenen
Or=
denstätigkeit angegangen worden iſt. Dieſe
Inanſpruch=
nahme des Bundesrats erfolgte auf Grund des § 3 des
Jeſuitengeſetzes, der beſtimmt, daß die zur Ausführung
des Vollzugs des Geſetzes erforderlichen Verordnungen
vom Bundesrat erlaſſen werden ſollen. Der Reichstag
hat alſo nach Anſicht der Regierung nicht mit
drein=
zureden, indeſſen erſcheint es doch fraglich, ob die
Be=
fugniſſe des Bundesrats ſo weit gehen, daß dem Inhalte
des Geſetzes eventuell eine ſolche Auslegung gegeben
werden kann, wie ſie den Abſichten des Geſetzgebers nicht
entſpricht. Es handelt ſich in dieſem Falle auch nicht um
ergänzende und abändernde Anordnungen, die der
Bun=
desrat treffen kann, wenn im Laufe der Zeit auf Grund
der bei Ausführung des Geſetzes gemachten
Erfahrun=
fgen die Notwendigkeit des Erlaſſes weiterer
Beſtimmun=
gen ſich herausſtellen ſollte. Vielmehr liegt hier der
Verſuch der bayeriſchen Regierung vor, eine Abſchwächung
der grundlegenden Beſtimmungen des Jeſuitengeſetzes
durchzuführen, wozu es eines reichsgeſetzlichen Aktes
be=
dürfen würde, wie es ſeinerzeit bei der Aufhebung des
*§ 2 des genannten Geſetzes geſchah. Wohl iſt der
Bun=
desrat nach der Reichsverfaſſung für die Auslegung der
Geſetze kompetent, aber damit kann unmöglich gemeint
ſein, daß er nach Belieben den Sinn eines Geſetzes
än=
dern kann.
Die Reichsregierung hat ſich hinſichtlich der
Kompe=
tenz des Bundesrats auf den Standpunkt Bayerns
ge=
ſtellt, das inſofern bei ſeiner Anordnung korrekt
vorge=
gangen iſt, als es den übrigen Bundesſtaaten und der
Reichsregierung von ſeiner veränderten Auslegung des
Begriffs Ordenstätigkeit Kenntnis gegeben hat. Auf
die Entſcheidung des Bundesrats hat natürlich Preußen
mit ſeiner Stimmenzahl einen großen, wenn nicht
maß=
gebenden Einfluß, und man darf geſpannt ſein, wie
der Beſchluß ausfällt. Ohne die preußiſchen Stimmen
auf ſeiner Seite zu haben, hat Bayern keine Ausſicht,
mit ſeiner Anſicht durchzudringen, denn für die
Auf=
hebung des § 2 des Jeſuitengeſetzes votierten ſeinerzeit
außer Bayern und Preußen nur noch Baden, Reuß ä. L.
und Hamburg, während ſich Bremen, Lübeck, Anhalt und
Schaumburg=Lippe der Abſtimmung enthielten und die
übrigen Staaten dagegen ſtimmten. Eine ähnliche
Stel=
lungnahme der Mittel= und Kleinſtaaten darf man wohl
auch jetzt erwarten.
Die auswärtige Politik Rußlands.
* Bei der Beratung des Etats des
Miniſte=
niums des Aeußern in der Reichsdumg ergriff
der Miniſter des Aeußern Saſonow zu folgenden
Ausführungen das Wort:
Die Grundlage der ruſſiſchen auswärtigen Politik
bleibe die unerſchütterliche, den Weltfrieden ſichernde
Allianz mit Frankreich. Bei ſeinem Aufenthalte
in Paris überzeugte er ſich daß die leitenden
franzö=
ſiſchen Kreiſe ebenſo wie Rußland feſte Anhänger der
Allianz ſeien und danach ſtrebten, ſie zu beiderſeitigem
Vorteil, zur Sicherung des europäiſchen Friedens
aus=
zunutzen. Das Abkommen mit England von 1907
zeitigte die beſten Früchte. Das gegenſeitige Vertrauen
und die Sympathien beſchränkten ſich nicht auf die
lei=
tenden Kreiſe, ſondern ruhten auf einer breiten
Grund=
lage. Was Deutſchland betreffe, ſo halte Rußland
an ſeiner alten traditionellen Freundſchaft und guter
Nachbarſchaft, die es aufrichtig ſchätze, feſt und ſei
über=
zeugt, daß Deutſchland dasſelbe tne. Dieſen Eindruck
befeſtigte die Potsdamer Entrevue, die das Fehlen von
Gegenſätzen in den beiderſeitigen politiſchen Intereſſen
im nahen wie im fernen Oſten klargeſtellt habe. Bei
dem Charakter der deutſch=ruſſiſchen Beziehungen könne
der Beſuch Haldanes in Berlin, wie überhaupt jeder
Verſuch, die engliſch=deutſchen Beziehungen zu verbeſſern,
nur begrüßt werden. Wenn es gelänge, den Boden einer
Verſtändigung in den für beide Staaten wichtigen
Fra=
gen zu finden, würde dies die ruſſiſchen Beziehungen zu
Deutſchland und England keineswegs beeinträchtigen.
In der Entrevue in Racconigi ſeien die
freund=
ſchaftlichen Beziehungen zu Italten zum Ausdruck
ge=
langt, die ſich weiter entwickelten und kräftigten. Ihre
Feſtigkeit ſei geſichert durch die Uebereinſtimmung in den
Anſchauungen über die Lage auf dem Balkan.
Ungeach=
tet der jüngſt beſtandenen Prüfung der
ruſſiſch=
öſterreichiſchen Beziehungen gelang es doch
beiden Regierungen, den Frieden dadurch zu befeſtigen,
daß man leitende Grundſätze geſchaffen hat, falls die
bei=
derſeitigen Intereſſen ſich berührten. Dieſe Prinzipien
ſeien die Wahrung des Status quo auf dem Balkan
und die Unabhängigkeit, Kräftigung und friedliche
Ent=
wickelung der kleinen Balkanſtaaten, ſowie die
Unter=
ſtützung und Feſtigung der Neuordnung der Türkei. Es
liege Grund zu der Hoffnung vor, daß die Ruhe auf dem
Balkan nicht geſtört werden würde. Der Krieg werde
keinen allgemeinen Konflikt hervorrufen. Bisher habe
die ruſſiſche Regierung die Gefahr eines ſolchen
Kon=
fliktes in der Kriegsweiſe Italiens nicht erblickt. Das
Bombardement in den Dardanellen ſei nicht von
Aktio=
nen begleitet geweſen, die zum Beweis hätten dienen
können, daß Italien von dieſer Erwägung abgewichen
ſei. Die Schließung der Dardanellen durch die Türken
ſchädige die ruſſiſchen Handelsintereſſen weſentlich. Die
ruſſiſche Botſchaft hat in dieſem Sinne Vorſtellungen in
Konſtantinovel erhoben und darauf hingewieſen, daſ
neutralen Schiffen vertragsmäßig die freie Durchfahrt
gewährleiſtet wird. Gegenwärtig ſei man zu der
An=
nahme berechtiat, die freie Schiffahrt in den Dardanellen
werde demnächſt eröffnet. Die jünaſten Ereigniſſe hätten
die Initiative Rußlands gerechtfertigt. mit den
intereſ=
ſierten Größmächten die Grundlagen der den
Kriegfüh=
renden anzubietenden Vermittelung feſtzuſtellen.
Die Verſchiedenheit des Standpunktes Italiens von dem
der Türkei, fuhr der Miniſter fort, iſt ſo groß, daß die
unmittelbare Wirkung des Schrittes der Mächte für die
nächſte Zeit nicht vorauszuſehen iſt. Doch werden die
Mächte die Verſöhnungsverſuche möglichſt bald erneuern.
Saſonow gab ſodann ſeinem Bedauern Ausdruck,
daß die Kreter auf revolutionärem Wege die Einigung
mit Griechenland durchzuſetzen verſuchten und ſich wie
Griechenland außerordentlichen Gefahren ausſetzten.
Wenn es erforderlich ſein ſollte, würden die Mächte noch
entſchiedener vorgehen. Was Bulgarien und
Ser=
bien betreffe, könne die Hoffnung ausgeſprochen
wer=
den, daß die politiſche Weisheit ihrer Herrſcher, die
Be=
ſonnenheit der Regierungen und der Patriotismus der
Bevölkerung dieſer Länder, ſogar im Falle einer Gärung
auf dem Balkan, vor der Gefahr politiſcher Abenteuer
bewahrt. Ihre Beſonnenheit könne die Türkei
überzeu=
gen, daß die Sicherung des inneren Friedens namentlich
in der europäiſchen Türkei notwendig iſt. Die Lage in
Perſien, fuhr der Miniſter fort, droht nicht
außer=
ordentliche Verwickelungen hervorzurufen, dank dem
Ab=
kommen mit England von 1907. Es iſt anzunehmen. daß
dem jetzigen perſiſchen Kabinett mit ruſſiſch=engliſcher
Unterſtützung die Beruhigung des Innern gelingen wird.
Die ruſiſchen Truppen, deren alleinige Aufgabe der
Schutz der ruſſiſchen Untertanen bildet, werden
zurück=
berufen, ſobald die Regierung des Schahs imſtande iſt.
die Ruhe mit eigenen Mitteln aufrechtzuerhalten. Das
in Potsdam vereinbarte Abkommen über die perſönlichen
Angelegenheiten erkennt die, beſonderen
Inter=
eſſen Rußlands in Perſien an und ſtellt feſt, daß
Deutſchland nicht die Abſicht hat. Konzeſſionen
voli=
tiſchen oder ſtrategiſchen Charakters in der ruſſiſchen
Intereſſenſphäre in Perſien nachzuſuchen. Von ſeiten
Rußlands iſt der Grundſatz der „offenen Tür” für den
ausländiſchen Handel anerkannt, und verſprochen worden,
der Bagdadbahn keine Hinderniſſe entgegenzuſetzen,
ſo=
wie deren Verbindung mit den künftigen nordperſiſchen
Bahnen zuzulaſſen. Das Abkommen feſtigt zweifellos
die traditionellen freundſchaftlichen Beziehungen zwiſchen
Rußland und Deutſchland und ſtellt die ruſſiſch=perſiſchen
Beziehungen auf einen feſten Boden, was umſo wertvol=
ler iſt, als das AbkommenRußland keine außerordentlichen
Opfer auferlegt und die ruſſiſchen Intereſſen ſo gut wie
möglich wahrt.
Rußland hat ſeine Bereitwilligkeit erklärt, ſich
nöti=
genfalls den Maßnahmen der übrigen Mächte zum Schutze
der allgemeinen Irtereſſen in China anzuſchließen.
Rußland vertritt die Anſicht, daß der Abſchluß
chineſi=
ſcher Anleihen von der Zuſtimmung der intereſſierten
Mächte abhängen muß. Nach dem Abfall des nördlichen
Teiles der Mongolei von China haben die Mongolen
Rußland um ſeine Unterſtützung gebeten. Das Ziel der
ruſſiſchen Politik kann nicht eine Ausdehnung in Aſien
ſein, da dies ſeine Stellung in Europa, auf der Balkan=
Halbinſel, gefährden würde; territoriale Erwerbungen in
Aſien ſind nur zuläſſig, wenn ſie wertvoll und notwendig
ſind. Die ruſſiſchen Intereſſen verlangen nur, daß in der
ihm benachbarten Mongolei ſich nicht ein militäriſch
ſtar=
ker Staat herausbildet.
Zu der Kündiaung des Handelsvertrages durch die
Vereinigten Staaten übergehend, wies der
Mi=
niſter die Behauptung zurück, daß Rußland den Vertrag
nicht in vollem Umfange beobachtet habe. Sollte die
Frage eines neuen Vertrages angeregt werden, ſo werde
Rußland die Wünſche der intereſſierten ruſſiſchen Kreiſe
eingehend berückſichtigen und keinen Eingriff in die innere
Geſetzgebung geſtatten, die ausſchließlich die Bedingungen
des nationalen Lebens berückſichtigen müſſe.
Deutſches Reich.
Bei der Reichstagserſatzwahl im
oldenburgiſchen Wahlkreiſe Varel=
Je=
ver erhielt Hug (Soz.) 12566, Dr. Wiemer (Fortſchr.
Vpt.) 11 226, Dr. Albrecht (nl.) 1893, Frhr. v. Hammerſtein
(Bund der Landwirte) 1058 Stimmen. Es iſt Stichwahl
zwiſchen Wiemer (Fortſchr. Vp.) und Hug (Soz.)
erfor=
derlich. Bei der Wahl vom 12. Januar ds. Js. erhielt
Träger 12204, der von den Bündlern unterſtützte
Natio=
nalliberale 4335 und der Sozialdemokrat 13014
Stim=
men. In der Stichwahl behauptete Träger das
Man=
dat mit 15 269 Stimmen gegen 13 925 ſozialdemokratiſche.
Bei der Erſatzwahl wurden im ganzen faſt 3000
Stim=
men weniger abgegeben, als bei der erſten Wahl.
Inkraftſetzung des
Schiffahrts=
abgabengeſetzes. Der Bundesrat hat dem
An=
trage zugeſtimmt, das Waſſerſtraßengeſetz oder, wie es
auch genannt wird, das Schiffahrtsabgabengeſetz, zum
Teil in Kraft zu ſetzen. Es ſollen, wie verlautet, alle
Artikel des Geſetzes, mit Ausnahme des Artikels 2, für
alle Stromgebiete in Kraft geſetzt werden und außerdem
Artikel 2, ſoweit er das Stromgebiet der Weſer betrifft.
Hieraus läßt ſich entnehmen, daß zwiſchen den
Ufer=
ſtaaten der Weſer eine Verſtändigung über die
Durchfüh=
rung des Geſetzes und über die Errichtung der
Strom=
beiräte zuſtande gekommen iſt. Ueber den Rhein und
über die Elbe müſſen noch mit Oeſterreich und Holland
Verhandlungen gepflogen werden. Das Inkrafttreten
des Geſetzes ſoll bereits zum 1. Mai erfolgen. Durch
das Geſetz wird, wie bekannt, für den Rhein, die Weſer
und die Elbe je ein Strombauverband der Uferſtaaten
gegründet. Dadurch, daß das Geſetz für die Weſer
voll=
ſtändig in Geltung tritt, wird der Weſerverband gebildet,
der aus den Staaten Preußen, Oldenburg,
Braun=
ſchweig, Lippe und Bremen beſteht, mit der Weſer
ober=
halb der Kaiſerbrücke in Bremen, der Aller von der
Leine=Mündung bis zur Mündung in die Weſer und
der Fulda von Kaſſel bis zur Mündung in die Weſer.
— Das Zentrumund der Kriegsminiſter.
Gegen die in manchen Blättern aufgetauchte und
ſchließ=
lich ja nicht ſo fern liegende Vermutung, daß das
Zen=
trum ſeine Entrüſtung über die Aeußerungen des
Kriegs=
miniſters zum Duellzwang im Heere bei der Beratung=
und Entſcheidung der Wehrvorlagen in Geſtalt einer
do ut des=Politik betätigen und ausnützen werde, ver=,
wahrt ſich heute die Germania. Das Zentrum wolle
ſeine Sache weiter verfolgen, bis das Ziel, die
Abſchaf=
fung des Duellzwanges in der Armee, erreicht ſei. Das
müſſe grundſätzlich verlangt und erreicht werden.
Stürmiſche Szenen im preußiſchen
Abgeordnetenhauſe ereigneten ſich am
Don=
nerstag und Freitag infolge des Auftretens der
Sozial=
demokraten.
Der ſozialdemokratiſche Abgeordnete Liebknecht
be=
zeichnete den Miniſter des Innern als
Sammlungsnacht=
wächter neben dem Reichskanzler. Ferner ſagte er,
Preußens Wahlrecht und das Abgeordnetenhaus ſeien ein
Kindergeſpott für die ganze Welt. Der Präſident erklärte:
Nach dam Stenogramm hat der Abg. Liebtnecht geſagt:=
Warum ſehen wir gar nichts von dieſer
mimoſen=
haften Empfindlichkeit unſeres Nationalgefühls und un=
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. April 1913.
Nummer 100.
ſeres Ehrgefühls, wenn es ſich handelt um das
Verhält=
nis zwiſchen Deutſchland und Rußland, das heißt, um
das Verhältnis zwiſchen Deutſchland und dem
barba=
riſchſten und verächtlichſten aller Staatsweſen, die wir in
Europa haben? Hier hat der Abg. Stroebel den
Zwi=
ſchenruf gemacht: „Außer Preußen!” Herr Abg.
Lieb=
knecht, ich rufe Sie wegen dieſer Beleidigung eines mit
Deutſchland befreundeten Staates zur Ordnung und den
Abg. Stroebel erſt recht, der den traurigen Mut gehabt
hat, die Beleidigung auf Preußen auszudehnen. —
Nach=
dem ſich die Erregung gelegt hatte, ſagte Miniſter v.
Dall=
witz: Wenn der Abgeordnete Liebknecht folgenden Satz
geſprochen hat: Rußland iſt der barbariſchſte und
verächt=
lichſte aller Staaten, die wir in Europa haben, ſo lege
auch ich namens der preußiſchen Staatsregierung
ent=
ſchieden Verwahrung gegen einen derartigen Angriff auf
einen uns befreundeten Staat ein. Ich kann mit dem
Ausdruck des lebhaften Bedauerns darüber nicht
zurückhalten, daß etwas Derartiges in einem deutſchen
Parlamente ſich hat ereignen können. — Die Fortſetzung
der Beratung am Freitag ſtand unter dem Eindruck der
Szenen, die durch den Abgeordneten Liebknecht
hervor=
gerufen worden waren. In ſchärfſter Weiſe wandte ſich
der Abg. v. Zedlitz gegen die Sozialdemokratie und ihre
geſtrigen Redner. Er führte aus: Die Scham müſſe
jedem guten Preußen ins Geſicht ſteigen und ſchämen
müßten ſich alle, die Liebknecht in den Reichstag
verhol=
fen haben. Mit aller Macht müſſe der Sozialdemokratie
entgegengetreten werden, und die Beamten, die die Wahl
eines Sozialdemokraten begünſtigten, ſeien
Geſinnungs=
lumpen. Mit Bezug auf das Wahlabkommen zwiſchen
Freiſinnigen und Sozialdemokraten könne man nur
ſa=
gen, daß der Hehler ſo gut ſei wie der Stehler. Dieſe
provokatoriſche Bemerkung rief auf der Linken die größte
Entrüſtung hervor. Es gab fortgeſetzt Lärm und
Ent=
rüſtungsrufe. Der Präſident erklärte, ſolange er
Prä=
ſident ſei, werde er nicht dulden, daß ſechs
Sozialdemo=
kraten das ganze Haus terroriſierten. Der konſervative
Abgeordnete v. d. Gröben erklärte, das preußiſche
Vater=
land müſſe gegen Beſchimpfungen geſchützt werden und
angeſichts des Vorgehens der Sozialdemokraten müſſe
man erwägen, welche Maßnahmen zum Schutz des
Par=
laments getroffen werden könnten, beziehungsweiſe ob
nicht die Machtmittel des Präſidenten verſtärkt werden
ſollten. Der Abg. Friedberg (natl.) bemerkte, es ſei für
die Mehrheit des Hauſes unerträglich, in dieſer Weiſe von
einer kleinen Minderheit behandelt zu werden. Abg.
Hirſch=Berlin (Soz.) fragte an, ob es in Zukunft geſtattet
ſei, von Aeußerungen anderer Mitalieder zu ſagen, daß
ſie den traurigen Mut haben. Präſident Dr. Freiherr
v. Erffa erwiderte, daß, wenn ſich ein Abgeordneter ſo
weit vergeſſe, ſein eigenes Vaterland ſo zu ſchmähen.
wie es der Abg. Stroebel getan habe, er ſich dann ſtets
das Recht wahren werde, dieſes Verhalten mit dem
rich=
tigen Wort zu kennzeichnen.
Die Germania teilt aus parlamentariſchen Kreiſen
mit, daß angeſichts der Skandale im Abgeordnetenhauſe
die Geſchäftsordnungskommiſſion die Reform der
Ge=
ſchäftsordnung beſchleunigen und das Plenum verſuchen
wird, die Kommiſſionsvorſchläge noch vor Pfingſten zur
Annahme zu bringen. Entſprechende Anträge werden in
nächſter Zeit in der Kommiſſion geſtellt werden.
Sachſen und der bayeriſche
Jeſuiten=
erlaß. Bei der allgemeinen Vorberatung über den
von der Regierung vorgelegten Ergänzungsetat richtete
in der Zweiten ſächſiſchen Kammer der nationalliberale
Abg. Nitzſchke eine Anfrage an die Regierung betr. ihre
Stellung zum bayeriſchen Jeſuitenerlaß. Seine Partei
nahm nur mit Rückſicht auf die Geſchäftslage des Hauſes
von einer Interpellation Abſtand. Staatsminiſter Vitzthum
v. Eckſtädt erwiderte: Tatſache iſt, daß über den Begriff
Ordenstätgkeit Differenzen zwiſchen der preußiſchen und
der bayeriſchen Regiorung beſtehen. Ich enthalte mich
der Aeußerung darüber, in welcher Weiſe die ſächſiſche
Regierung zu dem Begriff Ordenstätigkeit Stellung
nimmt, weil ich das dem zuſtändigen Kultusminiſter
über=
laſſe. Ich möchte nur zur formalen Stellung der
baye=
riſchen Regierung geltend machen, daß ſie in durchaus
loyaler Weiſe die Differenzen in der Auslegung über
den Begriff der Ordenstätigkeit zum Anlaß genommen
hat, beim Bundesrat den Antrag zu ſtellen, daß der
Bundesrat über den Begriff Ordenstätigkeit eine
authen=
tiſche Interpretation erlaſſe. Die bayeriſche Regierung
wird den Jeſuitenerlaß nicht eher in Anwendung
brin=
gen, als bis der Bundesrat ſeine Entſchließung
getrof=
fen hat.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Die ungariſche Kriſis. Miniſterpräſident
Lukacs erklärte, daß er nach den Delegationen alles daran
ſetzen werde, um mit Unterſtützung aller Parteien ein
durchaus liberales und demokratiſches Wahlrecht zu
ſchaf=
fen. Wenn eine entſprechende Vereinbarung nicht
ge=
lingen ſollte, ſo ſtehen ihm alle Vollmachten zur
Verfü=
gung, um die Arbeitsfähigkeit des Parlaments
herzu=
ſtellen.
Belgien.
Die Klöſter in Belgien. Anläßlich der
be=
vorſtehenden Neuwahlen zum belgiſchen Parlament
ver=
öffentlichen die Oppoſitionsparteien eine Tabelle über die
Klöſter. Daraus geht hervor, daß ſich ſeit 1884, dem Jahre,
in dem die klerikale Partei die Regierung übernahm
bis jetzt die Zahl der Klöſter etwa verdoppelt hat. 1884
gab es in Belgien 32461 Nonnen und Brüder, heute
beträgt die Zahl 85744, alſo faſt das Dreifache. Bei der
Wahlagitation wird dieſe Liſte eine ganz beſondere Rolle
ſpielen, weil die Oppoſition beweiſen will, welch
unge=
heurer Schaden durch das tote Kapital, das in den
Klö=
ſtern aufgeſpeichert wird, dem Staate und dem
geſam=
ten Volkswohl zugefügt wird. Außerdem muß man
be=
denken, daß die Klöſter noch den regulären Handel und
der Induſtrie erheblichen Schaden zufügen dadurch, daß
ſie die Hausinduſtrie eingerichtet haben und zu
Spott=
preiſen fabrizieren laſſen.
China.
Die Anleihe. Die chineſiſche Regierung in
Pe=
king hat um ſofortige Aufnahme einer Anleihe von 35
Millionen Dollar erſucht, denen ſich dann vorläufig
mo=
natliche Vorſchüſſe in einer Höhe von 6,7 Millionen
an=
ſchließen ſollen, bis die Ordnung der Finanzen
wieder=
hergeſtellt ſei. Die Geſamtſumme der von China
benö=
tigten Gelder beträgt 2 Milliarden Mark. Die
Anſtel=
lung eines ausländiſchen Finanzkontrolleurs mit
ſelbſtän=
digen Machtbefugniſſen lehnt China zunächſt noch ab;
die Sicherheit der Anleihe ſoll, wie verabredet, durch
Er=
höhung der Seezölle und der Salzſteuer gewährleiſtet
werden.
— Karlsruhe, 26. April. Nachdem die
Strei=
chung der Oſtmarkenzulage für Poſt= und
Tele graphenbeamte durch Sozialdemokraten,
Zentrum und Polen im Reichstag, der Vertretung des
deutſchen Volkswillens, alſo von höchſter Stelle her, im
ganzen Reiche Aufſehen hervorgerufen hatte, hat etwas
Aehnliches hier die Streichung des Beitrages für den
Oſtmarkenveerein durch die Vertretung unſorer
Bürgerſchaft zuwege gebracht. Aus den Zeitungsberichten
iſt nämlich zu erſehen, daß auf Antrag eines
ſozialdemo=
kratiſchen Stadtverordneten unter Zuſtimmung der
zen=
trumsparteilichen und eines Teiles der
Stadtverord=
neten der Fortſchrittlichen Volkspartei der bisher dem
Deutſchen Oſtmarkenverein bewilligte jährliche
Zu=
ſchuß von 100 Mark mit einer Majorität von 35 gegen 33
Stimmen (bei 122 Stimmberechtigten) geſtrichen worden
iſt, ungeachtet der Einwendungen eines der
letztgenann=
ten Partei angehörigen und eines anderen
Stadtverord=
neten. Der Antrag auf Streichung wurde mit dem
poli=
tiſchen Charakter des Vereins begründet.
Demgegen=
über hatte der vorſitzende Oberbürgermeiſter deſſen in
erſter Linie nationalen Charakter und deſſen Verdienſt
um die Bildung der Jugend durch die hier veranſtalte=
ten nationalen Jugendvorträge vergeblich geltend
ge=
macht. In der Tat wird nun der Verein ſeitens der
preußiſchen Behörden nicht zu den politiſchen Vereinen
gezählt, vielmehr hat im vergangenen Herbſte das
preu=
ßiſche Finanzminiſterium entſchieden, daß der Verein als
„ein gemeinnütziger Verein” anzuſehen und als ſolcher
ſteueramtlich zu behandeln ſei. Dringend zu wünſchen
wäre es, daß in unſerer Bürgerſchaft die jetzt beſchloſſene
Streichung des Oſtmarkenbeitrages die Irrtümer und
den Mangel wahrhaft nationaler Großſinnigkeit
beleuch=
tete, welche Vertreter von Parteien in unſerem
Gemeinde=
rate betätigt haben, die doch jeden Zweifel an ihrer
Vaterlandsliebe entrüſtet von ſich weiſen würden.
* Wien, 26. April. Bei den heutigen Erſatzwahlen
für den Gemeinderat in drei Bezirken des dritten
Wahlkörpers wurden in zwei Bezirken Chriſtlich=Soziale
gewählt. Im Bezirk Ottakring iſt Stichwahl zwiſchen
dem Chriſtlich=Sozialen und dem Sozialdemokraten
er=
forderlich.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 29. April.
* Ernannt haben Se. Könial. Hoheit der
Groß=
herzog den Regierungsaſſeſſor Dr. jur. Jakob Koehl
zu Breslau und den Regierungsbaumeiſter Heinrich
Koch zu Altona zu Mitgliedern einer Eiſenbahndirektion
in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft und
den Regierungsbaumeiſter Auguſt Betz zu Dirſchau zum
Vorſtand eines Maſchinenamts in der Heſſiſch=Preußiſchen
Eiſenbahngemeinſchaft. — Ernannt wurden die
Forſt=
referendare Auguſt Joſeph zu Darmſtadt, Georg
Schwarz zu Dirlammen und Franz Leibfried zu
Groß=Umſtadt zu Forſtaſſeſſoren.
* Verliehen wurde mit Ermächtigung Sr. Königl.
Hoheit des Großherzogs dem Großh.
Regierungs=
baumeiſter des Maſchinenbaufaches Adolf
Stock=
hauſen in Kattowitz die etatsmäßige Stelle eines
Regierungsbaumeiſters in der Heſſiſch=Preußiſchen
Eiſen=
bahngemeinſchaft.
* Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Johann Peter Blees aus Wörrſtadt, Kreis
Oppen=
heim, eine Lehrerſtelle an der evangeliſchen Schule zu
Hammelbach, Kreis Heppenheim; dem
Schulamts=
aſpiranten Ludwig Schäfer aus Bensheim die zweite
Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Gammelsbach,
Kreis Erbach; dem Lehrer Adam Mader zu Nauheim,
Kreis Groß=Gerau, eine Lehrerſtelle an der
Gemeinde=
ſchule zu Michelſtadt, Kreis Erbach.
*X* Der Finanzausſchuß der Zweiten Kammer iſt
für morgen Dienstag zu einer Beratung über die
Beamtenbeſoldungsreform und die
Regier=
ungsvorlage über die Schuldentilgung einberufen
worden. Es handelt ſich gutem Vernehmen nach hier
zu=
nächſt nur um eine ganz allgemeine, unverbindliche
Aus=
ſprache.
* Branntweinbrennerverſammlung. Auf Einladung
der'Landwirtſchaftskammer war am Freitag
hier eine Anzahl von Vertretern des heſſiſchen
Brennereigewerbes verſammelt, um
Stel=
lung zu dem im Reichstage zur Verhandlung ſtehenden
Geſetzentwurf über die Beſeitigung des
Branntwein=
kontingents zu nehmen. Der Verſammlung wohnten
als Vertreter des Finanzminiſteriums die Herren Ge= Dr. Becker und Geheimer Oberfinanzrat=
Weiſſenbruch bei. Die Beſchlüſſe, die gefaßt wurden,
ſollen einer allgemeinen heſſiſchen Brennerverſammlung
vorgelegt und hiernach endgültige Beſchlüſſe gefaßt
wer=
den, die eventuell dem Reichstage unterbreitet werden
ſollen. Die fragliche Verſammlung findet Dienstag, den
80. April, nachmittags halb 3 Uhr in der Alemannia in
Frankfurt ſtatt. Das einleitende Referat hat Herr Dir.
Frohmader=Berlin übernommen.
* Flugzeugzelt=Wektbewerb. Die Südweſtgruppe des
Deutſchen Luftfahrer=Verbandes veranſtaltet am 17.
Mai=
dieſes Jahres in Darmſtadt auf dem
Truppen=
übungsplatz im Einvernehmen mit dem Kgl.
Preu=
ßiſchen Kriegsminiſterium und der Inſpektion für
Mili=
tär=Luft= und Kraftfahrweſen einen Wettbewerb
für=
transportable Flugzeugzelte. Die Zelte werden am 15.
Mai um 7 Uhr abends in Darmſtadt aufgeſtellt und am
17. Mai um die Mittasſtunde abgebrochen. Es iſt
dies=
ein ſehr intereſſanter Wettbewerb und wird beim
hieſi=
gen Publikum großes Intereſſe erwecken, um ſo mehr
da die Flieger, welche in Darmſtadt am 17. Mai morgens
eintreffen werden, dieſe Zelte benutzen und ausprobieren
Eine Frau als Meiſterdetektiv.
C2) Die ruſſiſche Geheimpolizei genießt nicht
gerade den beſten Ruf; die Skrupelloſigkeit, die oft ihr
Vor=
gehen kennzeichnet, hat ihr viele und oft auch derechtigte
Vorwürfe eingetragen. Aber als eine Truppe, deren Ziel
es iſt, Verbrecher aufzuſpüren und unſchädlich zu machen,
zählt ſie gewiß zu den mächtigſten Polizeiorganiſationen
der Welt, und in ihrer Reihe beſitzt ſie eine ganze Anzahl
von Beamten, die als Detektivs über ungewöhnliche
Ta=
lente und über einen Scharfſinn verfügen, der jedem
Sher=
lock Holmes Ehre machen könnte. Wenig bekannt aber iſt
die Tatſache, daß die ruſſiſche Geheimpolizei auch eine
junge Dame im Dienſt hat, die von den Kriminaliſten
geradezu als ein Genie geprieſen wird und unter den
Kol=
legen neidlos als die „Königin der Detektivs” gerühmt und
bewundert wird. Das iſt ein Fräulein Maria Kupkin,
die Tochter eines Moskauer Polizeiinſpektors ſeit fünf
Jahren iſt es ihr Lebenszweck, Verbrechern auf die Spur
zu kommen, ſie hat ſich mit ſeltenem organiſatoriſchem
Ta=
lent ein ganzes Netz von koſtbaren Informationsquellen
geſchaffen, die ihr in der Tat in einer ganzen Reihe von
Fällen, wo die Behörden alle Nachforſchungen als
hoff=
nungslos bereits aufgegeben hatten, überraſchende
Triumphe ermöglichten. Aber ihr Meiſterſtück, von dem
eine franzöſiſche Zeitſchrift jetzt berichtet, war die
Ent=
larvung eines Polizeikommiſſars, ihres eigenen
Vorge=
ſetzten.
In einem Petersburger Juwelenladen war mit
un=
gewöhnlicher Geſchicklichkeit ein verwegener Diebſtahl
aus=
geführt worden: ein Perlenkollier war entwendet, das ein
Vermögen wert war. Alle Nachforſchungen blieben
fruchk=
los, die Polizei wollte bereits enttäuſcht die Akten ſchließen,
als Fräulein Kupkin eines Tages beim oberſten Chef der
Geheimpolizei erſchien und ohne weiteres mit ruhiger
Sicherheit ihren direkten Vorgeſetzten, einen angeſehenen
Kommiſſar für den Dieb erklärte. Die Verblüffung und
das Erſtaunen waren nicht gering: man glaubte, die junge
Dame ſei einer Wahnvorſtellung zum Opfer gefallen, aber
man gab ihr ſchließlich wohl oder übel die Möglichkeit, ihre
Theſe zu beweiſen. Die Kette der Schlußfolgerungen war
unanfechtbar. Bei der Beſichtigung des Tarortes hatte die
Detektivin feſtgeſtellt, daß die Tat nur von einem
Ver=
brecher begangen ſein konnte, der mit den polizeilichen
Nachforſchungsmethoden genau vertraut ſein mußke: alle
Spuren waren verwiſcht, falſche Spuren geſchickt
vorge=
täuſcht und vor allen Dingen nirgends ein Fingerabdruck,
der Dieb hatte mit Handſchuhen gearbeitet. Am Tage des
Diebſtahls äber war jener Polizeikommiſſar von
Peters=
burg abweſend, er kehrte erſt am Abend zurück, er hatte
an=
geblich der Beerdigung eines Freundes beigewohnt. Nach
kurzen Nachforſchungen ſtellte ſich heraus, daß der
Kom=
miſſar am Nachmittage ein kleines Landhaus beſucht hatte,
das ihm gehörte, in dem er aber nur wenige Minuten
ver=
weilt hatte. Dann war er geraden Weges nach
Peters=
burg zurückgefahren. Fräulein Kupkin verſchaffte ſich nun
die Handſchuhe des Kommiſſars und konnte feſtſtellen, daß
die Maſerung des Leders bis auf die kleinſten Einzelheiten
mit den am Tatorte zurückgebliebenen Handſchuhabdrücken
übereinſtimmten. „Eine ſofortige Hausſuchung in jener
Landvilla wird zweifellos die Richtigkeit meiner
Folger=
ungen beweiſen.‟ Noch am ſelben Tage wurde das
Land=
haus genau durchſucht und im Keller fand man in der Tat
das verſchwundene Perlenhalsband. Noch in derſelben
Nacht wurde der Kommiſſar verhaftet.
Konzerte.
mm. Einen ſehr befriedigenden Verlauf nahm auch
das zweite dieswinterliche Konzert, welches der
Sän=
gerchor des Darmſtädker Lehrervereins
am Freitag im Städtiſchen Saalbau gab. Die große
künſtleriſche Aufgabe, die ſich der Verein geſtellt hatte
und mit beſtem Gelingen durchführte, iſt ein ſchönes
Zeugnis für das ernſte Beſtreben desſelben, nur die
ge=
haltvollſten Werke der Männerchorliteratur zu pflegen.
Von den drei Chorwerken mit Orcheſter nahm den
gan=
zen erſten Teil des Programms das Requiem in d=moll
von Luigi Cherubini ein, ein Werk, dem in jedem ſeiner
einzelnen Abſchnitte die vollendetſte Formenſchönheit, der
reinſte Wohlklang der Harmonien und die gewählteſte
Klangverbindung in der Orcheſtrierung eigen iſt. Aus
dieſen Gründen iſt es auch für den Chor „dankbar” zu
ſingen, und obgleich an die Ausdauer desſelben
erheb=
liche Anforderungen geſtellt werden, ſo ſind die
Ausfüh=
renden doch von ihrer Aufgabe ſo begeiſtert, daß keine
Ermüdung wahrzunehmen iſt. Sei es nun, daß der be=
reits als erfolgreicher Opernkomponiſt gefeierte Meiſter
in der Einleitung der feierlichen Totenmeſſe eine ernſte
Klage anſtimmen läßt, oder im „Dies irae” die
Schrek=
ken des Weltgerichts in Tönen malt, immer iſt ſeine
muſikaliſche Ausdrucksweiſe vornehm und klangſchön und
ſelbſt ſtark dramatiſche Stellen wirken nie opernhaft,
ſon=
dern halten ſich in den Grenzen kirchlichen Empfindens=
(wenigſtens nach der Auffaſſung romaniſcher Völker)
Von beſonderer Schönheit iſt das „Offertorium”, das
prunkvolle „Sanktus” und der Schluß des „Agnus dei”
mit den pſalmodierend wiederholten Anfangsworten, zu
denen verklärend wunderbare hohe Geigenklänge ertönen,
während im übrigen die charakteriſtiſchen Klänge der
Holzbläſer den vorzugsweiſen Klangkolorit abgeben.
In dem folgenden Tonwerk. der Rhapſodie für
Män=
nerchor und Orcheſter mit Altſolo, welches Frau Valy
Fredrich=Höttges Konzertſängerin aus Berlin,
ſang, verband ſich die edeltimbrierte hohe Altſtimme der
Künſtlerin in ſtelenvollem Vortrag mit den ſonoren
Männerſtimmen. Vier Lieder am Klavier, „Gebet” und
„Hätt’ ich ein Haus” von K. Schuricht, beide ſehr hübſche
Kompoſitionen, ſowie das Nachtlied Zarathuſtras und
die Epiſode aus dem Hohenlied von Arnold
Mendels=
ſohn, der ſelbſt feinſinnig am Flügel begleitete, gaben
der Dame Gelegenheit, ihre vollendete Vortraaskunſt
und ihre Anpaſſungsfähigkeit in den Stimmungsgehalt
der verſchiedenartigen Lieder zu zeigen; eine ganz
her=
voragende Leiſtung war dann noch das mit dramatiſchem
Feuer belebte Siegeslied der Judith von Heinr. van
Eyken mit Orcheſterbegleitung, deſſen lebendiger Vortrag
ihr viel Beifall eintrug. Zwei Chorgeſänge von Arnold
Mendelsſohn, „Feſtgeſang” und „Deutſcher Aar”,
ſchwungvoll und packend mit Orcheſterbegleitung
kompo=
niert und vom Vereinschor mit Begeiſterung geſungen,
beſchloſſen den Abend.
Die Ausarbeitung der Chorwerke bis ins Einzelne
zeugte für die fleißige Einſtudierung ſeitens des
Diri=
genten, Herrn Wilhelm Borngäſſer, der auch die
Auffüh=
rung mit Ruhe und Sicherheit leitete: der Chor ſelbſt hielt
ſich tadellos. Die Großh. Hofkavelle begleitete mit
be=
ſonderer Feinheit und Klangſchönheit.
Nümmer 100.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. April 1912.
Seite 3.
*Der Handelsverein hielt am Freitag abend unter
Leitung ſeines Vorſitzenden, Herrn C. Wittich, ſeine
47. Hauptverſammlung ab. Das Protokoll der
vorjährigen Hauptverſammlung wurde genehmigt, ebenſo
der Jahresbericht, welcher den Mitgliedern im Druck
zu=
gegangen war. Die Rechnungsablage erſtattete
Herr Stadtverordneter Th. Kalbfuß. Die Einnahmen
betrugen 1135,63 Mk., die Ausgaben 1126,43 Mk., ſo daß
ein Kaſſevorrat von 9,20 Mk. verbleibt. Das
Ver=
mögen, beſtehend in Wertpapieren im Nennwert zu 6700
Mark, bezw. Kurswert 6192 Mk., und Spareinlagen,
be=
läuft ſich auf zuſammen 7034,21 Mk. Die Rechnung
wurde von den Herren Waitz und Wolff geprüft und
für richtig befunden. Dem Rechner wurde Entlaſtung
erteilt und ihm zugleich für ſeine ſorgfältige und
ge=
wiſſenhafte Kaſſeführung der Dank ausgeſprochen. Bei
der Erſatzwahl wurden die ſatzungsgemäß ausſcheidenden
Herren Kommerzienrat Frölich, Rummel, Waitz und
Wittich durch Zuruf wieder= und für den verſtorbenen
Herrn Bodenheimer wurde Herr Direktor L. Baier
neu=
gewählt. Anträge waren nicht eingelaufen und wurden
ſolche aus der Mitte der Verſammlung heraus auch
nicht geſtellt. Mit Dank an die Erſchienenen ſchloß
hierauf der Vorſitzende die Verſammlung. Anſchließend
fand noch eine Vorſtandsſitzung ſtatt mit der
Tages=
ordnung: Bürowahl. Es wurden gewählt: zum I.
Vor=
ſitzenden Herr J. Lutz, zum II. Vorſitzenden Herr
C. Wittich, zum Schriftführer Herr F. Waitz und zum
Rechner Herr Th. Kalbfuß. Weiter wurde auf Antrag
des Herrn Lutz für die hier ſtattfindenden
Flieger=
veranſtaltungen ein Beitrag von 100 Mk. bewilligt.
* Vortrag. Heute, Montag abend, hält Herr
Karl Becker, Leiter der kommuniſt. Liebe=Kolonie
Locarno=Orſelina (Süd=Schweiz) einen öffentlichen
Vor=
trag über: „Das Fortleben nach dem Tode, Verkehr mit
den lieben Abgeſchiedenen, Segen mit dem guten
Schutz=
geiſt, der jedem Menſchen beigegeben iſt. Iſt es Sünde,
mit Geiſtern zu verkehren? Sicherheit, Geiſter zu
unter=
ſcheiden, ob ſie gut oder böſe ſind.‟ Der Vortragende
behandelt das Thema mit religiöſem Ernſte und
wiſſen=
ſchaftlicher Gründlichkeit. (Siehe Anzeige.)
(*) Kriegerkameradſchaft Haſſia. Die 7.
Ver=
bandslotterie der Haſſia ergab einen Reinertrag
von 8404,20 Mk., davon entfallen auf die
Verbands=
vereine 2801,40 Mk. — Die Führung des
Groß=
herzoglichen Wappens in der Fahne iſt dem
Militärverein Oſſenheim geſtattet worden.
* Vierzig Jahre „Invalidendank”. Auf eine
nun=
mehr 40jährige Tätigkeit in ernſter, ſelbſtloſer Arbeit
blickt der unter dem Protektorate des Kronprinzen
ſtehende Verein „Invalidendank” zurück. Die deutſchen
Männer, die am 5. April 1872 den Verein „
Invaliden=
dank” gegründet haben, ſtellten ſich die Aufgabe: „
Invali=
den Offizieren, Unteroffizieren und Soldaten der letzten
Kriege Mittel und Wege zu gewähren, wie ſie durch
Selbſttätigkeit und unabhängig von der Fürſorge der
Penſionsanſtalten und der Privatwohltätigkeit von neuem
ſich eine geſicherte Exiſtenz zu erkämpfen vermögen.‟ Der
„Invalidendank” betreibt bekanntlich eine Annoncen=
Expedition. Aus Anlaß des Jubiläums iſt ein
Sonder=
druck aus dem umfangreichen Werk „Die Entwickelung
Groß=Berlins” erſchienen, das die Geſchichte des „
Inva=
lidendank” enthält.
— Poſtnotiz. Vom 1. Mai ab werden die Pakete
und Wertbriefe im Stadtbezirk ſowie alle
Eilpakete und Eilwertbriefe im Stadt= und
Landbezirk vom Poſtamt 2 (am Bahnhofplatz)
aus beſtellt. Nachſendungsanträge, Anfragen uſw., die
ſich auf dieſe Gegenſtände beziehen, ſowie Anträge auf
Abholung von Paketen aus der Wohnung ſind
daher fortan an das Poſtamt 2 zu richten. Die
regel=
mäßige Abholung der Pakete und Wertbriefe hat
nach wie vor beim Poſtamt 1 in der Rheinſtraße zu
er=
folgen. Die Beſtellung der gewöhnlichen Briefe und
Einſchreibbriefe, Poſtanweiſungen, Zeitungen uſw., ſowie
der auf gewöhnlichem Wege zu beſtellenden Pakete nach
dem Landbezirk findet auch ferner vom Poſtamt 1 aus
ſtatt. Die Leerung der Stadtbriefkaſten wird vom
1. Mai ab bei den meiſten Leerungsfahrten etwa
10 Minuten früher erfolgen als ſeither. Karten mit den
neuen Leerungszeiten werden an den Briefkaſten
bald=
möglichſt angebracht werden.
* Das Darmſtädter Fahrplanbuch iſt erſchienen und
in den bekannten Verkaufsſtellen zu haben. Da es noch
die letzten Fahrplanänderungen berückſichtigt und
beſon=
ders die Anſchlüſſe in überſichtlicher Weiſe enthält, dürfte
das Darmſtädter Fahrplanbuch nach jeder Hinſicht der
zuverläſſigſte Führer ſein. Beſonders unentbehrlich
dürfte es diesmal ſein, da infolge der Eröffnung
des neuen Hauptbahnhofs eine Reihe von
Fahrplan=
änderungen nötig wurde. Die von Jahr zu Jahr
ſtei=
gende Beliebtheit des roten Buches ſpricht am beſten für
ſeine praktiſche Verwendbarkeit und Zweckmäßigkeit.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer
Expe=
dition (Rheinſtraße Nr. 23) ſind von heute ab folgende
Bilder neu ausgeſtellt: Der deutſche Kaiſer
er=
wartet das griechiſche Königspaar am Landungsplatze
auf Korfu; Das deutſche Unterſeeboot „U 8” auf einer
Probefahrt; Porträts des Begründers der Kruppſchen
Werke, Alfred Krupp und des neuen Miniſterpräſidenten
in Ungarn, v. Lukacs: Photographiſche Aufnahme der
einzelnen Phaſen der Sonnenfinſternis am 17. April.
§ Leerſtehende Wohnungen. Nach den durch die
Polizei im Laufe der letzten Woche gemachten
Feſt=
ſtellungen ſtehen zur Zeit dahier 474 Wohnungen leer,
und zwar im erſten Polizeirevier 13, im zweiten 64, im
dritten 57, im vierten 79, im fünften 114, im ſechſten 91
und im ſiebenten Polizeirevier 56. Der Größe nach
ver=
teilen ſich die leeren Wohnungen wie folgt: 11
Woh=
nungen mit je 1 Zimmer, 111 mit je 2 Zimmern, 136
mit je 3 Zimmern, 97 mit je 4 Zimmern, 56 mit je 5
Zimmern, 36 mit je 6 Zimmern, 11 mit je 7 Zimmern.
5 mit je 8 Zimmern, 1 mit 9 Zimmern, 3 mit je 10
Zimmern, 1 mit 11 Zimmern, 2 mit je 12 Zimmern,
1 mit 13 Zimmern, 2 mit je 14 Zimmern und 1 mit
18 Zimmern.
Pferdemarkt Darmſtadt. Der diesjährige
Darmſtädter Frühjahrspferdemarkt findet nicht,
wie urſprünglich beabſichtigt, am 6., 7. und 8. Mai,
ſondern erſt am 13., 14. und 15. Mai ſtatt. Für die
Prämiierung der Pferde und Fohlen ſtehen 2000
Mark zur Verfügung. Zur Prämiierung kommen:
1. Händlerpferde, 2. Mutterſtuten mit dem im laufenden
Jahre geborenen Fohlen, 3. dreijährige (1909 geborene)
Fohlen. Die Anmeldungen zur Prämiierung von Stuten
und Fohlen haben bis ſpäteſtens 8. Mai ſchriftlich bei
dem Schriftführer des Pferdemarktes Herrn W. Tönges
in Darmſtadt, Hermannſtr. 7, zu erfolgen. Anmeldungen
von Händlerpferden zur Prämiierung werden Montag,
den 13. Mai, vormittags von 8—9 Uhr, im
Geſchäfts=
zimmer des Pferdemarkts, Holzhofallee 32,
entgegen=
genommen.
Der Ankauf von Pferden und Fohlen zur
Verloſung, ſowie das Vorführen der Pferde und Fohlen
zur Muſterung und Prämiierung beginnt Montag, den
13. Mai, vormittags 9 Uhr. Nachmittags 3 Uhr findet
die Preisverteilung ſtatt. Dienstag, den 14. Mai, wird
erforderlichenfalls der Ankauf der Pferde und Fohlen
zur Verloſung fortgeſetzt. Mit dem Pferdemarkt iſt eine
Verloſung von Pferden, Wagen, landwirt
ſchaftlichen und ſonſtigen Gegenſtänden
ver=
bunden, die Mittwoch, den 15. Mai nachmittags 2 Uhr,
in den unteren Räumen des Pferdemarkts beginnt.
Die Abnahme der zur Verloſung angekauften Pferde
und Fohlen erfolgt Mittwoch, den 15. Mai,
nach=
mittags 4½ Uhr.
A Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
vergangener Woche. Butter ½ Kg. 1,50 M., Eier 6—9 Pf.,
Schmierkäſe ½ Ltr. 22—25 Pf., Handkäſe 4—10 Pf.,
Kar=
toffeln der Zentner 4,50—5,00 M., Kumpf (10 Liter)
80 Pf., ½ Kg. 7—8 Pf., Mäuschen ½ Kg. 15 Pf., neue
Malta ½ Kg. 18 Pf.; Obſt u. dgl.: Aepfel ½ Kg. 25 Pf.,
Zitronen 5 Pf., Apfelſinen 5—7 Pf.; Salat, Gemüſe:
Kopfſalat 12—14 Pf., Körbchen Feldſalat oder Lattich
10—12 Pf., neue Schälgurken 45—50 Pf., Spargeln
½ Kg. 40—60 Pf., Bündel Radieschen 2 Pf., Rettich
6—12 Pf., Meerrettich 10—25 Pf., Zwiebeln ½ Kg. 10 bis
12 Pf., Tomaten ½ Kg. 70 Pf., Gelberüben ½ Kg. 25 Pf.,
Bündel Karotten 20—50 Pf., Bündel Römiſch=Kohl 3 Pf.,
Spinat ½ Kg. 15—16 Pf., Wirſing 25 Pf., Weißkraut,
Rotkraut ½ Kg. 20—25 Pf., Blumenkohl 20—80 Pf.,
Schwarzwurz ½ Kg. 25 Pf.; Geflügel, Wild: Gänſe
½ Kg. 85 Pf., Enten 4—5 M., Hahnen und Hühner 2,00
bis 2,20 M., Tauben 60—70 Pf., Paar Zuchttauben 1,50
bis 10,00 M., Zicklein 2—3 M., Lapins 0,90—1,00 M.;
Fiſche ½ Kg.: Hecht, Karpfen 80 Pf., Aal 1,30 M., andere
Rheinfiſche 35—60 Pf., Rotzungen 80 Pf., Schollen 25 Pf.,
Kabeljau 20—30 Pf., Schellfiſche 25 Pf., Seelachs 19
bis 24 Pf.; in den Fleiſchſtänden ½ Kg.: Rindfleiſch
60—66 Pf., Hackfleiſch 70 Pf., Rindsfett 60 Pf.,
Rinds=
würſtchen (Stück) 15 Pf., Kalbfleiſch 90 Pf., Schweinefleiſch
84 Pf., geſalzenes und Koteletts 96 Pf., Schwartenmagen,
Fleiſchwurſt 80 Pf., Leber= und Blutwurſt 70 Pf.
* Der Floh=Zirkus, welcher während der Meſſe auf
dem Meß=Platz aufgeſtellt iſt, iſt, wie man uns ſchreibt,
des Beſuches wert. Man wird ſtaunen, wie weit es
menſchliche Geduld, Geſchicklichkeit und Erfindungsgabe
gebracht haben. Die kleinen Künſtler ſind gebändigt,
ge=
zähmt und führen dann auf Kommando allerliebſte
Kunſt=
ſtückchen frei vor den Augen der Beſucher auf; unter
an=
derem ziehen die kleinen Kerls allerhand goldene
Wägel=
chen, duellieren ſich, laufen auf hohem Seil uſw. Auch
bei den in Freiheit Vorgeführten iſt, zur Beruhigung der
Zuſchauer, jede Deſertion ausgeſchloſſen.
§ Zuſammenſtoß. Am Freitag nachmittag kurz
nach 3 Uhr ſtieß Ecke der Hermann= und Karlſtraße
ein Motorwagen der elektriſchen
Straßen=
bahn mit einem mit Stroh beladenen Fuhrwerk
zuſammen. An dem Motorwagen iſt eine
Glas=
ſcheibe zertrümmert worden.
* Feuer. Folgenden offiziellen Brandbericht läßt
uns das Kommando der Feuerwehr zugehen: Freitag
nacht 2 Uhr 39 Min. wurde der Feuerwache durch den
Fernſprecher und das Feuertelephon durchs Polizeiamt
gemeldet: Feuer, Eliſabethenſtraße 31. Bei Ankunft der
Wache ſtand der Dachſtuhl des Hintergebäudes in
Flam=
men. Es wurde ſofort eine Schlauchlinie durch das
Treppenhaus und eine zweite Schlauchlinie von außen
über die mechaniſche Drehleiter nach dem Dache gelegt
und das Feuer hierdurch raſch auf ſeinen Herd beſchränkt=
Die Weckerlinien wurden alarmiert, aber nur die Linie 2
kam in Tätigkeit, welche die Räumarbeiten übernahm.
Die Entſtehungsurſache iſt noch nicht ermittelt. Die
Feuerwache kam ins Wachelokal 3 Uhr 40 Min. zurück.
pp. Groß=Gerau, 27. April. Die
Konſerven=
fabrik verzeichnet für das letzte Geſchäftsjahr einen
Reingewinn von 84540 Mark. 68750 Mark (gleich
5½ Prozent) werden als Dividende verteilt. Die
Tan=
tieme an Angeſtellte beträgt zuſammen 6000 Mark. —
Bei der Verpachtung der Aecker an der
Darm=
ſtädter= und an der Gernsheimer Straße wurden die
einzelnen Stücke von 4,50 Mark bis zu 20 Pfg. herunter
zugeſchlagen. — Der Altbürgermeiſter Schad. der
heute beerdigt wird, war der älteſte
Ortsgerichts=
mann Heſſens.
* Groß=Gerau, 27. April. Am erſten Maienſonntag,
den 5. Mai d. J., wird das wohlvorbereitete Bundesfeſt
des Evangeliſchen Jünglingsbundes im
Großherzogtum Heſſen im gaſtlichen Gr.=Gerau
die Scharen der angeſchloſſenen Vereine und Freunde
zum zehnten Male ſeit Beſtehen des Verbandes
vereini=
gen. Der Feſtgottesdienſt um 10 Uhr in der geräumigen
ſchönen Kirche wird durch die Mitwirkung der
vereinig=
ten Poſaunenchöre, des Streichorcheſters vom Offenbacher
Wartburg=Verein und des Groß=Gerauer
Kirchengeſang=
vereins muſikaliſch beſonders reich ausgeſtattet. Zum
Feſtprediger iſt Herr Profeſſor D. Schoell=Friedberg
gewonnen worden, außerdem wird der
Bundesvor=
ſitzende im Feſtgottesdienſt eine kurze Anſprache halten.
Nachmittags wird ein ſtattlicher Feſtzug die Teilnehmer
zum Spielplatz des dortigen Jugendvereins führen, um
an verſchiedenen Muſterſpielen der einzelnen
Bundesver=
eine zu zeigen, wie ſehr die konfeſſionellen Vereinigungen
auch von jeher die „körperliche Ertüchtigung” pflegen. Die
Nachverſammlung auf dem Marktplatz bringt außer den
Begrüßungen und gemeinſamen Liedern eine Anſprache
des Herrn Pfarraſſiſtenten Page von Offenbach. Jeder
Feuilleton.
P. Münchener Theater. Veit Stoß, Trauerſpiel
in fünf Akten von Tim Klein, fand bei der
Urauffüh=
rung im Kgl. Reſidenztheater am 25. eine ſehr beifällige
Aufnahme. Das Stück behandelt das Thema: Kunſ
und Verbrechen. Veit Stoß, der Nürnberger Bildſchnitzer
bringt den Auftrag, den Engliſchen Gruß für die
Loren=
zer Kirche zu ſchnitzen, nur durch eine Urkundenfälſchung
an ſich. Als das Werk vollendet und der Meiſter auf der
Höhe ſeines Ruhmes angelangt iſt, ſtürzt er plötzlich durch
das Bekanntwerden ſeines Verbrechens in tiefſte Schmach
und Erniedrigung. Veit Stoß muß am Pranger ſtehen
und die Backen werden ihm gebrannt. Der Dichter hat
es verſtanden, dieſe Kontraſte äußerſt wirkſam zu
geſtal=
ten und ein Stück Alt=Nürnberger Leben vor uns erſtehen
zu laſſen. Albrecht Dürer und Hans Imhoff wandeln
über die Bühne, bürgerliche Geſetzlichkeit und die
Ge=
ſetze leidenſchaftlichen Künſtlertums prallen hart
aufein=
ander. Das Werk iſt eine ſtarke Talentprobe des ſchon
durch Balladen und packende Dichtungen, welche die
Re=
formation behandeln, bekannt gewordenen Dichters.
Klein iſt der Sohn des bekannten Elſäſſer Pfarrers, des
Verfaſſers der „Fröſchweiler Chronik”.
* Folgen der Sonnenfinſternis. Von intereſſanten
Sehſtörungen, deren Urſache die Sonnenfinſternis
vom 17. April iſt, berichtet Profeſſor Dr. Fleiſcher (
Tü=
bingen) im Schwäbiſchen Merkur. In der Tübinger
Augenklinik haben ſich ſieben Patienten vorgeſtellt. Sie
alle tragen noch ein Andenken an die letzte
Sonnen=
finſternis im Auge, und zwar in Form eines dunklen
Fleckens, den ſie ſeither in ihrem Geſichtsfelde ſtändig
wahrnehmen, und der ſie am deutlichen Leſen und Sehen
hindert. Die Unvorſichtigen hatten mit bloßem Auge
die Verfinſterung der Sonne verfolgt. Nun iſt es eine
bekannte Tatſache, daß beim Fixieren eines hellen Gegen
ſtandes deſſen Nachbild noch kängere Zeit im Auge
nach=
klingt. Je heller das betrachtete Objekt und je länger
es fixiert wird, deſto intenſiver und nachhaltiger wirkt
der ſtörende blinde Fleck im Auge. Im allgemeinen
ver=
ſchwindet er wieder nach kürzerer Zeit und ohne weiteren
Schaden für das Sehvermögen. Fleiſchers Patienten
aber beklagen ſich darüber, daß der dunkle Fleck vor ihrem
Auge gar nicht mehr weichen wolle. Die Unterſuchung
mit dem Augenſpiegel ließ an der Stelle des deutlichſten
Sehens in der Netzhaut des Auges ein rundes, helles
Fleckchen von 0,14 Millimeter Durchmeſſer wahrnehmen.
Die Netzhaut, die ſonſt durchſichtig iſt, zeigte an dieſem
Orte eine weißliche, undurchſichtige Trübung, wie
geron=
nenes Eiweiß. Die Form dieſes Fleckens wies eine
ſcharfkonturierte Sichel auf, alſo das genaue Abbild der
noch üchtbaren Sonnenſichel zurzeit der Sonnenfinſternis.
* Banknoten=Wäſche. Aus New=York ſchreibt man
der Köln. Ztg. vom 14. April: In der Regierungsdruckerei
hat man ſeit mehr als einem Jahre Verſuche begonnen zur
Reinigung und Auffriſchung von Papiergeld. Es wurden
zu dieſem Zwecke zwei Maſchinen gebaut, eine davon nach
Angabe einer der zahlreichen beim Drucken von
Papier=
geld beſchäftigten Frauen, durch welche angeblich die
Auf=
gabe gelöſt wird. Wenn das Verfahren ſich bewährt,
würde für die Regierung eine jährliche Erſparnis von
etwa 1000000 Dollar möglich ſein, denn bei der jetzigen
Abnützung eignen ſich kaum 60 Prozent des beim Schatzamte
und den Nebenſtellen einlaufenden Papiergeldes zur
Wiederausgabe; der Reſt muß durch neue Scheine erſetzt
werden. Die Verſuche, die in Waſhington zum Ziele
ge=
führt haben, werden auch von der Regierung anderer
Län=
der mit Spannung verfolgt, und das deutſche
Reichsſchatz=
amt hat verſuchshalber 47000 Dollar in kleinern Scheinen
zur Wäſche hierher geſandt, die fein ſäuberlich aufgefriſcht
und gebügelt ſich jetzt wieder auf dem Wege nach Berlin
befinden. Es heißt, daß jede der in Betried genommenen
Maſchinen etwa 25000 Scheine täglich wieder umkaufsfähig
machen kann, und daß die Koſten des Verfahrens ſich auf
etwa 20 Cent für 1000 Geldſcheine ſtellen. Nun wird in
Amerika beſonders zurzeit der Erntebewegung das
Pa=
piergeld wohl ſtärker ſtrapaziert und abgenutzt als in
irgendeinem andern Lande der Welt, auch iſt der Verkehr
von Hand zu Hand viel reger, und es wird daher auf die
Papiergeldwäſche auch von den Geſundheitsbehörden Wert
gelegt, weil ohne Zweifel eine Uebertragung von
Krank=
heitskeimen durch ſtark abgegriffene ſchmutzige Geldſcheine
zuweilen vorkommt.
— Der proteſticrende Täufling. Der italieniſche
Bauchredner Domini hatte einem Mitarbeiter der
Gazetta di Bergamo allerlei Intereſſantes von ſeiner
Kunſt erzählt, dabei auch eine luſtige kleine Geſchichte,
in der er durch eine unerwartete Entfaltung ſeines
bauch=
redneriſchen Talentes eine amüſante kleine Szene
her=
vorrief. Domini war in Santiago von ſeinen Wirten
zur Taufe geladen worden; er ſollte als Pate fungieren
und hatte die Ehre angenommen. Alles ging gut, nun
hielt er den kleinen Weltbürger über das Taufbecken.
„Dabei kam mir plötzlich ein übermütiger Einfall. Ich
ſah, wie der kleine Täufling bei der Berührung mit dem
Waſſer die Lippen öffnete und den Mund zum Weinen
verzog. Plötzlich hörten die Anweſenden den kleinen
Täufling mit hoher Kinderſtimme vorwurfsvoll ſagen:
„Genug, genug, laßt mich jetzt in Frieden, ich werde mich
noch erkälten, Du böſer Pate.” Nie in meinem Leben
habe ich einen ſolchen Erfolg mit meiner Bauchrednerei
errungen. Dem Geiſtlichen ſank vor Verwunderung das
Kinn herab, alles ſtarrte mit entſetzten Augen auf den
proteſtierenden Täufling, man glaubte ſchon an ein Wun=
der, bis mir mein Gewiſſen ſchlug und ich meine Miſſetat
beichtete. . .
— Die Blumenvaſe am Gürtel. Die eleganten
Pa=
riſerinnen, die es als eine Pflicht gegen den Frühling
betrachten, ihr Koſtüm durch ein Bukett oder ein paar
Blumen zu ſchmücken, ſind begeiſterte Anhängerinnen
einer Erfindung geworden, die von einer leidenſchaftlichen
Blumenfreundin ausgegangen iſt. Auch heute ſieht man
am Gürtel der eleganten Frau den herkömmlichen
Blu=
menſchmuck, aber die bunten Frühlingsblüten ſind nicht
mehr dem Schickſal ausgeſetzt, nach einer Stunde müde
und welk die Köpfe hängen zu laſſen. Am Gürtel oder
am Mantel blitzt jetzt ein kleines hübſches Kriſtallgefäß
auf, eine eigenartig konſtruierte koniſche Blumenvaſe, die
friſches Waſſer enthält. Und in dieſer Vaſe leuchten nun
die Veilchen oder die Frühlingsblüten friſch in die Welt
und können nicht ſo ſchnell wie früher verwelken. Dieſer
kleine, vor wenigen Wochen erfundene „Porte=Fleurs”
iſt ſehr ſinnreich konſtruiert; in der Mitte verjüngt ſich das
Gefäß und läßt nur eine kleine Oeffnung, durch die die
Blumenſtengel in das Waſſer hineinragen. Man kann
dieſen hübſchen Blumenhalter ſogar wagerecht tragen,
ohne daß auch nur ein Tropfen Waſſer herausrinnen
kann.
* Rauchen verboten! Der Berliner Polizeipräſident
ſchenkt den Kraftwagen ſeine ganz beſondere
Auf=
merkſamkeit; leider richtet ſie ſich aber weniger gegen die
unverſchämte Raſerei, namentlich in den ſogenannten
Prachtſtraßen des Weſtens, als gegen allerhand
Schön=
heitsfehler. Dem Erlaß über den gleichfarbigen Anſtrich
der Kraftwagen ſoll in kurzem ein allgemeines
Rauch=
verbot für ihre Lenker folgen. Schön ſiehts in der
Tat nicht aus, wenn der Automobillenker einen
Zigarren=
ſtummel zwiſchen den krampfhaft zuſammengebiſſenen
Zähnen hält, ſo daß der neue Erlaß des Herrn v. Jagow
unſere ſtrengen Aeſthetiker gewiß zufrieden ſtellen wird:
auch der Genuß, den er den Herren Chauffeuren in Zukunft
entziehen will, kann kaum allzu groß ſein. Fragt ſich
nun, ob er ſachlich, d. h. durch Rückſichten auf
Verkehrs=
ſicherheit gerechtfertigt iſt. Die Berliner Polizei ſcheint
dieſe Frage bejahen zu wollen und in dem
Zigarren=
ſtummel eine Beeinträchtigung der Fahrſicherheit zu
er=
blicken. Das Rauchverbot gilt nicht nur für die Lenker von
Kraftdroſchken, ſondern auch für die Automobilbeſitzer.
Da=
bei iſt freilich noch nicht abzuſehen, wie man das Verbot
in der Praxis durchführen will, zumal die in Groß=Berlin
den Herren Automobilführern ſtillſchweigend geſtattete
Fahrgeſchwindigkeit die Kontrolle auf Zigarren ziemlich
ſchwierig machen dürfte.
Seite &e
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. April 1912.
Nummer 100.
Freund einer idealen modernen Jugendpflege iſt bei dem
Feſte herzlich willkommen.
Mainz, 27. April. Der 29jährige Schiffer Hch.
Dit=
tenberger aus Nierſtein wurde nachts, als er auf
ſein Boot zurückkehren wollte, am Rheinufer von einem
Menſchen überfallen, der ihm mit einem Meſſer den
rechten Oberarm bis auf den Knochen durchſtach. Er
erlitt ſchweren Blutverluſt und kam ins Hoſpttal. Der
Polizei iſt es gelungen, den Täter, einen hieſigen
Tage=
löhner, feſtzunehmen.
Eich, 26. April. Hier kam es in einer Wirtſchaft
beim Kartenſpielen wegen 2 Pfennigen zu einer
Schlä=
gerei unter den Spielenden. Dem Straßenwärter Ph.
Roſch wurde eine Ohrfeige ſo kräftig gegeben, daß ihm
das Trommelfell des linken Ohres platzte.
Büdesheim, 27. April. Die Gemeindevertretung
wurde bei der Eiſenbahnbehörde vorſtellig, daß bei dem
Bau der Bahn Geiſenheim-Sarmsheim hier eine
Sta=
tion errichtet würde. Es iſt dies ſchon aus dem
Grunde gerechtfertigt, da die Gemeinde Büdesheim in
den 70er Jahren zu der Bahn Bingen-Alzey über 10000
Gulden zahlen mußte, obwohl die Station Büdesheim=
Dromersheim für die Gemeinde kein Intereſſe hat.
Leiſelheim, 26. April. Ein bedauerlicher
Unglücks=
fall ereignete ſich heute mittag 12 Uhr. Drei Kinder
des Fabrikarbeiters Gg. Eckert von hier hängten ſich
hinten an ein fahrendes Fuhrwerk. Hierbei geriet das
dreieinhalbjährige Söhnchen mit dem Bein in das Rad.
Das Kind geriet zwiſchen Rad und Wagen und wurde
zu Tode gedrückt. Die bedauernswerten Eltern
fin=
den rege Teilnahme.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 27. April. Im Prozeß
gegen den Bankangeſtellten Friebe wegen Ueberfalls
auf den Kaſſenboten Klein von der Darmſtädter Bank,
wurde der Angeklagte wegen verſuchten ſchweren Raubes
unter Zubilligung mildernder Umſtände zu 4 Jahren 11
Monaten Gefängnis verurteilt. In dem Prozeß wurde
von den Geſchworenen zuerſt die Schuldfrage auf
ver=
ſuchten Todſchlag und verſuchten ſchweren Raub unter
Verſagung mildernder Umſtände bejaht. Der
Staats=
anwalt beantragte eine Strafe von 14 Jahren 11 Mon.
Zuchthaus. Während der Beratung des Gerichtshofes
ſahen die Geſchworenen ein, daß ſie ſich zu Ungunſten des
Angeklagten geirrt hatten. Vor der Verkündigung des
Urteils erklärte der Obmann: Von den Geſchworenen
habe ich einſtimmig den Auftrag erhalten, zu erklären,
daß wir uns in der Beratung bezüglich einer Frage zu
Ungunſten des Angeklagten geirrt haben. Wir bitten
nochmals beraten zu dürfen. Das Gericht beſchloß das
Berichtigungsverfahren als zuläſſig. Die Geſchworenen
zogen ſich zu einer neuen Beratung zurück und bejahten
dann nur die Schuldfrage nach verſuchtem ſchweren Raub
unter Zubilligung mildernder Umſtände. Daraufhin wurde
das gemeldete Urteil gefällt. — Heute morgen um 6 Uhr
brannte das Familienbad Wannſee, das ſich
neben dem Freibad befindet, vollſtändig nieder. Man
vermutet Brandſtiftung. Als der bejahrte Pfarrer a.
D. Liebig in Wilmersdorf geſtern infolge eines
An=
falls von Uebelkeit ein Schnäpschen trank, wurde er
in=
nerhalb weniger Minuten bewußtlos. Die
Haushäl=
terin holte ihren Mann, der den Stöpſel der Flaſche
ableckte, um den Inhalt der Flaſche feſtzuſtellen. Auch
er erkrankte und bekam während des Transportes nach
dem Lichterfelder Krankenhaus einen Tobſuchtsanfall. Er
wurde heute früh entlaſſen, während der Pfarrer ſtarb.
ohne das Bewußtſein wieder erlangt zu haben.
Ver=
mutlich enthielt die Flaſche Atropin. Auch der
Apo=
theker, der von der Flüſſigkeit koſtete, erkrankte. Er
be=
findet ſich aber außer Gefahr.
Frankfurt, 27. April. Die bei dem
Automobil=
unfall an der Unterſchweinſtiege verletzten beiden
Perſonen, die ins Städtiſche Krankenhaus verbracht
wur=
den, ſind der 25 Jahre alte Chauffeur Lambert Pitzen
aus Rüſſelsheim und der Volontär Theodor Veil aus
Rußland. Man hofft, ſie am Leben zu erhalten.
München, 27. April. Das Schwurgericht
ver=
urteilte nach zweitägiger Verhandlung den 25jährigen
Maler Albert Speckner, der am 18. Dezember 1911 an der
11jährigen Maurerstochter Frieda Bracher ein
Sittlich=
keitsverbrechen verübt und dann das Kind durch Erſticken
getötet hatte, worauf er die Leiche in einem Sack auf eine
Wieſe ſchleppte, wegen Sittlichkeitsverbrechens und
Mor=
des zum Tode und zu vier Jahren Zuchthaus.
St. Goarshauſen, 27. April. Auf einem hier vor
Anker liegenden Kranenſchiff wurde durch Zufall
während der Abweſenheit des Maſchiniſten eine
Falſch=
münzerwerkſtatt entdeckt. Es wurden Formen
für Fünf= und Zweimarkſtücke gefunden. Der in
Lud=
wigshafen wohnende Maſchiniſt wurde verhaftet. Es
wurde eine Unterſuchung eingeleitet, ob noch weitere
An=
gehörige des Schiffes an der Faſchmünzerei beteiligt ſind.
Wien, 26. April. Der 82jährige Schauſpieler von
Erneſt wollte nachts ein Licht anzünden. Seine Kleider
ffingen Feuer. Trotz ſchneller Hilfe erlitt er ſchwere
Brandwunden. Er wurde in hoffnungsloſem Zuſtande
ins Krankenhaus gebracht.
Paris, 27. April. Nach einer polizeilichen
Mitteil=
ung hat die Unterſuchung ergeben, daß die Behauſung
des anarchiſtiſchen Trödlers Gauzy in Petit=Ivry den
Automobilbanditen als Schlupfwinkel und
Zu=
ſammenkunftsort gedient habe. Der
Unterſuchungsrich=
ter fand nämlich im Keller des Hauſes in Lampenruß
den Namen des Autobanditen Carrouy, und zwar, allem
AAnſchein nach, von deſſen eigener Hand geſchrieben. Gauzy
leugnet nach wie vor hartnäckig, daß er zu den
Auto=
mobilbanditen in irgend welchen Beziehungen geſtanden
habe.
Southampton, 26. April. Die Ausreiſe der
„Olympie” iſt aufgegeben worden. Das Schiff
kehrt in den hieſigen Hafen zurück.
New=York, 27. April. Eine Kleiderfabrik in
einem Hinterhauſe geriet geſtern in Brand. Von den
350 Arbeiterinnen iſt eine verbrannt, die anderen
wur=
den über Planken nach den benachbarten Häuſern
ge=
rettet. viele ſprangen in ein aus Teppichen
improviſier=
tes Rettungstuch.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 27. April. Präſident Dr. Kaempf
er=
öffnet die Sitzung um 11,15 Uhr. Die
zweite Leſung des Etats der
Reichseiſen=
bahnen
wird fortgeſetzt. Abg. Koßmann (Zentr.): Das günſtige
finanzielle Ergebnis des letzten Jahres erfüllt uns mit
Befriedigung. Dieſe Ueberſchüſſe ſollten für die
Ver=
beſſerung der Betriebe und für Aufbeſſerungen der
Ar=
beiter benutzt werden. Die Arbeiterzüge ſollten etwas
komfortabler ausgeſtattet werden; vor allem ſollten ſie
heizbar gemacht werden. Die
Reichseiſenbahnzivilſuper=
numerare wünſchen eine Abkürzung des Diätariats und
Vermehrung der Stationsaſſiſtenten. Allen dieſen
Wün=
ſchen ſollte entſprochen werden. Auch ſollte man ſich der
wirtſchaftlichen Verhältniſſe der
Bahnunterhaltungsarbei=
ter, Streckenwärter und Handwerker in beſonderer Weiſe
annehmen. Wir haben alle Urſache, dahin zu wirken, daß
das Vertrauen, das die Arbeiter zu ihren Verwaltungen
haben, erhalten bleibt. Mit dieſem Vertrauen ſteht und
fällt die nationale Geſinnung und das gewiſſenhafte
Pflichtbewußtſein. — Eiſenbahnminiſter v.
Breiten=
bach: Herr Lieſching wünſchte geſtern die Schaffung
eines Ausgleichsfonds aus den Ueberſchüſſen der
Eiſen=
bahnen. In erſter Linie wäre dafür das Reichsſchatzamt
zuſtändig. Das Ergebnis iſt nicht ſo beſonders gut. Im
Durchſchnitt der letzten zehn Jahre betrug der Ueberſchuß
nach dem Abzug der Verzinſung des Anlagekapitals, das
in Elſaß=Lothringen ganz beſonders groß iſt, nur 3,75
Prozent. Nach Rückvergütung der für die
Landesvertei=
digung nötigen Kapitalsanlage bleibt der Ueberſchuß
noch immer unter vier Prozent Rente. Dieſe Rente wird
immer nur mäßig ſein. Dr. Will meinte, die Ueberſchüſſe
würden der elſaß=lothringiſchen Bevölkerung entzogen.
Eine Ueberweiſung an den Landesetat, wobei dem Reich
lediglich das Riſiko verbleibt, wäre ohne genaue
Nach=
prüfung des Reichstages nicht möglich. Von einer „
Ver=
preußung” der Reichseiſenbahnen iſt keine Rede. Die
preußiſchen Verwaltungsgrundſätze haben aber dem
Reichslande erheblichen Nutzen gebracht. (Sehr gut
rechts.) In keiner Weiſe iſt nachgewieſen worden, daß
unter dem jetzigen Syſtem irgendwie geſchädigt wird.
Der Gednake, den Herr Dr. Will hier ausgeſprochen
hat, entſpricht dem bei ſeiner Partei beſtehenden
Preu=
ßenhaſſe. Gegen eine Erhöhuna der Löhne einzelner
Ka=
tegorien der Eiſenbahnangeſtellten beſtehen ſchwere
Be=
denken. Würden wir bei einer Klaſſe an den jetzigen
Zu=
ſtänden rütteln, dann kämen wir ſofort zu einer
allgemei=
nen Umwälzung. Dem Wunſche, die Einheimiſchen bei
der Anſtellung bei den Reichseiſenbahnen mehr zu
berück=
ſichtigen, kommen wir nach Möglichkeit nach. Es iſt
un=
erſchütterliche Auffaſſung der Verwaltung, aus Gründen
des Gemeinwohls Stellung nehmen zu müſſen gegen die
Beſtrebungen der Sozialdemokratie, und jeder
Verwal=
tung. Stellung zu nehmen gegen diejenigen, die
ſozial=
demokratiſchen Beſtrebungen huldigen. (Unruhe bei den
Soz.) Denjenigen Vereinigungen, die die Forderungen
der Verwaltung erfüllen, werden keinerlei Hinderniſſe
bereitet. Bei einer Reviſion der Fahrkartenſteuer muß
darauf geachtet werden, daß die vierte Klaſſe nach wie
vor von der Steuer frei bleibt. Der Ausgleich muß
in=
nerhalb der erſten drei Klaſſen erfolgen.
Abg. Dr. Will=Schlettſtadt (Elſ.): Im
Ober=
elſäſſiſchen iſt der Bau einer zweiten Strecke nach Baſel
notwendig, umſomehr, als eine zweite elektriſche Bahn
dort nicht konzeſſioniert worden iſt. Ebenſo iſt der
Aus=
bau mehrerer Nebenſtrecken erforderlich. Die Freifahrt
des Statthalters iſt zu reformieren. Die Wartezeit der
Stationsdiätare muß abgekürzt werden. Die Löhne für
die Angeſtellten und Arbeiter bei den Reichseiſenbahnen
ſind geringer, als die entſprechenden in Privatbetrieben
ſie müſſen deshalb erhöht werden. Zu bedauern iſt
fer=
ner, daß der Nachtdienſt bei der Eiſenbahn nicht ſo
be=
rechnet wird wie zum Beiſpiel bei der Poſt. Die
einge=
borenen Elſaß=Lothringer müſſen bei der Anſtellung
mindeſtens ebenſo berückſichtigt werden wie die
Alt=
deutſchen.
Abg. Ickler (nl.): Die Wagenmeiſter,
die doch eine große Verantwortung haben, ſind in Elſaß=
Lothringen ſchlechter geſtellt, als in anderen deutſchen
Staaten. Ebenſo ſteht es mit den Lademeiſtern. Man
ſollte in den Reichslanden auch Oberlademeiſterſtellen
einführen. Dann könnte in dieſe Stellen leicht eine ganze
Reihe von Lademeiſtern aufrücken und es würden dadurch
dadurch höhere Löhne erzielt. Beſſere Löhne wünſchen
wir für die Magazinaufſeher und Arbeiter, die
gleich=
falls eine große Verantwortung haben, da ſie wertvolles
Material zu beaufſichtigen bezw. zu bearbeiten haben. Bei
den Werkſtättenhandwerkern und Arbeitern ſollte eine
beſſere Wertung der Nachtarbeit Platz greifen, auch
müßte es ihnen möglich ſein, das Höchſtgehalt zehn Jahre
früher zu erreichen, wie jetzt. Seit in Mülhauſen das
Prämienſyſtem eingeführt iſt, haben die Arbeiter jährlich
einen Schaden von 200 Mark. Dieſes Syſtem muß
des=
halb beſeitigt werden, ebenſo das Akkordſyſtem in den
Betriebswerkſtätten, da die Arbeit in dieſen Werkſtätten
ſich nicht für Akkordarbeit eignet. Der Erholungsurlaub
muß allen Bahnunterhaltungsarbeitern gleichmäßig
ge=
währt werden. Die Rangierer wünſchen, daß ihnen die
Ueberſtunden, die ſie im Intereſſe des Dienſtes machen
müſſen, bezahlt werden. Erwünſcht iſt ferner die
Beſei=
tigung der dreijährigen Karenzzeit und die beſchränkte
freie Arztwahl.
Abg. Werner=Gießen (Rfp.): Die Vorwürfe der
Beamten müſſen von der Regierung erwogen und
berück=
ſichtigt werden. Von einem hygieniſch äußerſt wertvollen
Desinfektionsmittel zur Tötung der Anſteckungsſtoffe der
erſten und zweiten Wagenklaſſe ſollte weitmöglichſter
Ge=
brauch gemacht werden. — Abg. Peirotes (Soz.): Wir
können dem Miniſter nicht beiſtimmen, wenn er davon
ſpricht. Elſaß=Lothringen habe große Vorteile aus der
preußiſchen Verwaltung gehabt. Für die mittleren und
unteren Beamten und die Eiſenbahnarbeiter muß mehr
geſorgt werden. Heute haben wir noch das Recht, von
Hungerlöhnen zu reden. Die jetzigen Arbeiterausſchüſſe
ſind nichts wert, ſie ſind ein Meſſer ohne Klinge. Das
Perſonal auf den Reichseiſenbahnen iſt viel zu gering.
Die ganze Beſoldungsordnung müßte anders aufgeſtellt
werden, damit die Angeſtellten früher in den Genuß des
Höchſtgehaltes kommen. Für die Beamten müſſen
Beam=
tenausſchüſſe geſchaffen werden, die die Wünſche der
Be=
amten der Verwaltung vorzutragen hätten. Redner
will dann auf die zu dieſem Etat vorliegenden Petitionen
eingehen, wird aber vom Vizepräſident Dr. Paaſche
dar=
auf aufmerkſam gemacht, daß die Petitionen noch
beſon=
ders beraten werden. — Redner fährt fort: Den zweiten
Vogeſendurchſtich brauchen wir unbedingt. Die Trace
muß über Kolmar geführt werden. Unſere
Stationsge=
bäude müſſen beſſer inStand gehaltenwerden. Mit der
An=
wendung ſeiner preußiſchen Grundſätze wird der Miniſter
in Elſaß=Lothringen wenig Gegenliebe finden. Sein
Vor=
gehen iſt vielfach direkt verbrecheriſch. (Vizevräſident Dr.
Dove rügt dieſen Ausdruck.) Dann will ich ſagen, ſein
Vorgehen iſt unerhört und ungerecht. Preußenhaß
ken=
nen wir nicht. Dieſer Vorwurf des Miniſters trifft nicht
zu. Wenn der Miniſter in Elſaß=Lothringen den
Ober=
bremſer ſpielen will, dann werden wir dafür ſorgen, daß
es auch in Elſaß=Lothringen bei der Reichseiſenbahn in
der Sozialvolitik vorwärts geht.
Abg. Schiffer (Zentr.): Den Ausſchluß des
Sim=
pliziſſimus von den Eiſenbahnbuchhandlungen halten
wir für durchaus berechtigt. Das Streikrecht für unſere
Staatsarbeiter iſt gar nicht möglich. Ein
Zentralarbeiter=
ausſchuß mit dem Sitz in Straßburg muß ins Leben
ge=
rufen werden zur Geltendmachung allgemeiner Wünſche.
(Abg. Liz. Mumm ruft: Sehr richtig!)
Miniſter v. Breitenbach: Die Verwaltung iſt
ſtets bemüht geweſen, ſozialpolitiſch auf der Höhe zu
ſein. Die Löhne ſind ſtetig gewachſen. Die Erbauung
einer Parallellinie für den Oberelſaß wird erwogen. Von
einer Konzeſſionsverweigerung zur Schaffung einer
elek=
triſchen Schnellbahn iſt mir nichts bekannt. Ein
Vogeſen=
durchſtich würde ſehr koſtſpielig ſein. Auch iſt mir nichts
bekannt, daß Frankreich dieſen Plan hegt. „ Es trifft nicht
zu, daß Beamtenſöhne im Elſaß von uns bevorzugt
werden. Hungerlöhne werden nicht bezahlt. Die
Arbei=
ter ſind ſo geſtellt, daß ſie im Laufe der Zeit ihre
Le=
benshaltung erheblich verbeſſern können. Unrichtig iſt
es, daß Arbeiter entlaſſen worden ſeien, weil ſie einer
beſtimmten Organiſation angehört hätten. Sie ſind
ent=
laſſen, weil ſie einen ſchweren Diſziplinverſtoß begangen
hatten. (Zwiſchenrufe bei den Soz.) Den Vorwurf, ich
hätte in meinem Erlaß gegen die guten Sitten verſtoßen,
kann ich ruhig hinnehmen. Ich habe keinen anderen
Zweck damit verfolgt, als dem Staatswohl zu dienen.
(Beifall rechts.)
Abg. Windeck (Lothr.): Die Verkehrsverhältniſſe
in Lothringen müſſen verbeſſert werden namentlich in
der Gegend von Diedenhofen. Auch die Einrichtungen
der Bahnhöfe laſſen vielfach zu wünſchen übrig. Mit
einer Aufbeſſerung der Löhne der Arbeiter dürfen wir
nicht zurückhalten, um reichstreue Arbeiter zu erhalten.
Die Generaldebatte ſchließt. Zu Titel 1 liegt eine
Reſolution der Sozialdemokraten vor, wonach den
Arbei=
tern der Reichseiſenbahnen für die Wochenfeiertage der
Lohn bezahlt wird. Für die Reſolution ſtimmen bei
ſehr=
ſchwach beſetztem Hauſe die Sozialdemokraten. einige
Freiſinnige und der einzige anweſende Nationalliberale.
Die Abſtimmung bleibt, da auch die Rechte und das
Zentrum ſehr ſchwach vertreten iſt, zweifelhaft. Es
muß Hammelſprung vorgenommen werden. Es ſtimmen
für die Reſolution 38, dagegen 43. Das Haus iſt ſomit
beſchlußunfähia.
Nächſte Sitzung Montag 1 Uhr: Fortſetzung und
Kolonialetat. Schluß 4 Uhr.
* Berlin 27. April. Die achte Kommiſſion
des Reichstages zur Vorberatung des Entwurfs
des Geſetzes, betreffend die Beſeitigung des
Branntweinkontingents, konſtituierte ſich
unter dem Vorſitz des Abg. Zehnter (Ztr.). Ihr gehören
fünf Deutſch=Konſervative, ſieben Mitglieder des
Zen=
trums, der Vorſitzende mit eingerechnet, ein Pole drei
Nationalliberale, vier Mitglieder der Fortſchrittlichen
Volkspartei und acht Sozialdemokraten an.
Wehrvorlagen und Jeſnitenerlaß.
* In ihrem Rückblick ſagt die Norddeutſche
Allge=
meine Zeitung: Die viertägige Beſprechung der
Wehr=
vorlagen im Reichstag erbrachte von neuem den
Be=
weis, daß mit der Sozialdemokratie eine Verſtändigung
über die Fragen der Wehrmacht unmöglich iſt, ſolange
das Reich nicht nach den ſozialdemokratiſchen Wünſchen
umgemodelt iſt. Im Gegenſatz dazu ſteht die
grundſätz=
liche Bereitwilligkeit, mit der die bürgerlichen Parteien,
vorbehaltlich der Einzelprüfung in den Kommiſſionen,
für die Wehrvorlage eintreten. Dafür können die
Ver=
bündeten Regierungen und die ganze Nation dem
Reichstag danken. Wenn der Reichstag ſelbſt ohne
hef=
tige Meinungskämpfe und Konflikte in der Sache ſelbſt
zu einem poſitiven Ergebnis gelangt, ſo iſt das ein
Vor=
gang, deſſen wir uns trotz aller Parteikämpfe und
Mein=
ungsverſchiedenheiten zwiſchen Regierung und
Volksver=
tretung freuen können. Denn inmitten aller
Unzufrie=
denheit und Verbitterung beweiſt er, daß der nationale
Wille in voller Kraft ſteht und daß die Fürſorge für die
Wehrmacht uns allen gleichmäßig am Herzen liegt. Es
iſt zu hoffen, daß in der Frage, die den Lebensnerv des
nationalen Intereſſes berührt, auch die
Deckungs=
frage, nicht zu einem Zankapfel werde. Bei den hier
beſtehenden Meinungsverſchiedenheiten ſvielt letzten
Endes die Frage eine wichtige Rolle, ob die Regierung
die zukünftige Finanzentwickelung um zwanzig ode
dreißig Millionen zu günſtig geſchätzt hat oder nich
Der Streit darüber darf die Löſung der Aufgabe wede
vereiteln noch aufſchieben, von deren Notwendigkeitdie
beiden ſtreitenden Teile überzeugt ſind. Das will das
Volk nicht und wird auch der Reichstag nicht wollen.
Zu der Auseinanderſetzung des Kriegsminiſters mit
dem Abg. Erzberger über die Duellaffäre des
Ober=
arztes der Landwehr Sambeth und die Kabinettsordre
ſagt die Norddeutſche Allgemeine Zeitung: Wir wollen
den Erörterungen, welche in der Kommiſſion fortgeführt
werden, nicht vorgreifen, müſſen aber ſchon jetzt
Ver=
wahrung gegen die heftigen, in Form und Sache weit
über das Ziel hinausſchießenden Angriffe gegen die
Kabinettsordre und die Perſon des Kriegsminiſters
ein=
legen.
Zwiſchen den Erklärungen des Reichskanzlers und
des bayeriſchen Bundesratsbevollmächtigten zu dem
bayér. Jeſuſitenerlaß hat man einen
Wider=
ſpruch finden wollen, ſofern der Reichskanzler ſagte, daß
der Erlaß ihm zunächſt durch die Preſſe bekannt
ge=
worden ſei, während man aus den Worten des Grafen
von Lerchenfeld entnehmen wollte, daß den
Bundes=
regierungen der Erlaß mitgeteilt worden wäre. Der
angebliche Widerſpruch klärt ſich folgendermaßen auf: Im
Januar teilte Bayern die veränderten Anſchauungen
über den Beariff der Ordenstätigkeit mit, und erhielt
auf ſeine Anfrage Auskunft über die Handhabung des
Geſetzes in Preußen. Den authentiſchen Wortlaut des
bayeriſchen Erlaſſes vom 11. März erfuhr der
Reichs=
kanzler ſpäter auf amtliches Erſuchen.
Zum Untergang der „Titauic”.
* Waſhington, 27. April. Senator Smith
nahm heute Bezug auf die engliſche Kritik über die
Leit=
ung der Unterſuchung über den Untergang der „Titanic”.
Smith ſagte, die meiſten Offiziere der „Titanic” hätten
ihm perſönlich verſichert, daß ſie keinen Grund zur
Be=
ſchwerde hätten und daß ſie keine Beſchwerde an die
bri=
tiſche Botſchaft gerichtet hätten. Ein Matroſe der „
Tita=
nic” ſagte vor der Kommiſſion aus, daß, als die „
Tita=
nic” ſank, ein Dampfer mit zwei Lichtern am Maſt zu
ſehen war. Das Schiff fuhr ganz nahe an uns vorüber
und wir dachten, daß es uns zu Hilfe kommen würde.
Die Rettungsboote fuhren auf dieſe Lichter zu und das
hielt die Boote zuſammen. Drei Stunden lang blieb
der Dampfer in der Nähe, aber er gab kein einziges
Signal.
Nummer 100.
Darmſtädter Tagblatt, Monrag, den 29. April 1912.
Seite 5
die Eröffnung des neuen Bahnhofes Darmſtadt.
M. St. Darmſtadt, 28. April.
Ein Feſttag liegt hinter uns. Ein Feſttag, dem
heller, herrlicher, lachender, freundlicher
Frühlingsſon=
nenſchein verheißungsvoll auch äußerlich den Stempel
froher zuveyſichtlicher Erwarzungan, und auch wohl
ſchon erfüllter Hoffnungen aufdrückte. Ein Tag, an dem
im engeren Sinne Umſtände halber nur eine beſchränkte
Anzahl Bevorzugter, im weiteren aber ein erfreulich
großer Teil der Bevölkerung lebhaften und freudigen
Anteil nahm, und deſſen in vielerlei Momenten
beruh=
ende Bedeutung ihn allen Teilnehmern zur
unvergeß=
lichen Erinnerung geſtalten wird. Ein Tag, der
Darm=
ſtadt wieder einmal in den Vordergrund des Intereſſes
rückt. Denn es wurde an dieſem ein Werk dem
Ver=
kehr übergeben, das alles gleiche zurzeit exiſtierende in
vieler Beziehung in den Schatten ſtellt, das als
muſter=
gültig nun immer mehr anerkannt wird.
Das neue große Werk, der Darmſtädter Bahnhof.
hat ſeine Weihe empfangen und iſt nun ſeiner
eigent=
lichen Beſtimmung zugeführt worden.
Die alten und neuen Bahngebäude waren beflaggt
uund auch ſonſtige Gebäude ſah man im Flaggenſchmuck.
Um 11,30 Uhr verſammelten ſich die etwa 150
gelade=
nen Feſtgäſte in den Fürſtenräumen und auf dem 1.
Bahnſteig des alten Main=Neckar=Bahnhofs. Hier ſtand
ein Sonderzug bereit, der, gezogen von
girlanden=
bekränzter Lokomotive, die Feſtgäſte nach dem nzuen
Bahnhof bringen ſollte.
Die Fahrt des Sonderzuges
währte nicht lange, aber ſie trug den Charakter einer
kleinen Triumphfahrt. Alle Beamten hatten Gala=
Uni=
form angelegt., Die an der Fahrſtrecke liegenden
Eiſen=
bahn= und ſonſtigen Bauten waren mit Girlanden und
Fähnchen geſchmückt. Wo irgend Zugang zu den
Glei=
ſen war, hatten ſich Schauluſtige angeſammelt und im
Bereich der neuen Bahnanlagen hielt die Menge die
bei=
den Seiten dicht beſetzt. Die große Brücke am
Dorn=
heimer Weg war „ſchwarz von Menſchen”, und — was
man nicht bei dem ſonſt ſo zurückhaltenden Darmſtädter
Publikum gewohnt iſt — als der Feſt=Sonderzug die
Brücke paſſierte, wurde er mit brauſenden Hochrufen,
Tüchter= und Hüteſchwenken begrüßt. Mit dieſem
Son=
derzug war gewiſſermaßen ſymboliſch der Verkehr von
den alten zu den neuen Anlagen hinübergeleitet.
Im neuen Bahnhof angekommen, verſammelten ſich
die Feſtaäſte in der mit Blumen und Blattpflanzen
ſin=
nig geſchmückten Schalterhalle des neuen
Empfangs=
gebäudes zum
Feſtakt.
Der Geſangsvortrag von Mozarts „O Schutzgeiſt
alles Sc önen” geſungen vom Sängerchor des
Mozart=
vereins unter Begleitung der Kapelle des Leibgarde=
Re=
giments, leitete die Feier ſtimmungsvoll ein.
Als erſter Redner trat alsbald
Eiſenbahndirektions=Präſident
Dr. Michaelis
zum Podium und hielt die Feſtanſprache, in der er etwa
folgendes ausführte: In drei Tagen ſollen die neuen
Bahnhofsanlagen der Haupt= und Reſidenzſtadt des
ſchö=
nen Heſſenlandes dem Verkehr übergeben werden. Die
alten Betriebsanlagen und Verkehrsräume ſind zu eng
geworden und entſprechen in ihrer Einfachheit und
Un=
zulänglichkeit nicht mehr den Anforderungen, die der ſo
mächtig gewachſene Verkehr und die mit ihm geſtiegene
hohe Bedeutung der Stadt ſtellen. Denn von der Zeit
des Entſtehens dieſer alten Anlagen an bis jetzt ſind
über zwei Menſchenalter verfloſſen, und was vor 66
Jah=
ren den Bedürfniſſen entſprach, erfordert heute
gebiete=
riſch eine Umgeſtaltung von Grund aus. Wer konnte
aber auch damals ahnen, daß die Erfindung des
Dampf=
wagens eine ſo gewaltige Umwälzung aller unſerer
wirt=
ſchaftlichen und Verkehrs=Verhältniſſe im Gefolge haben
würde? Die Männer, die damals die Eiſenbahnanlagen
ſchufen, taten recht, wenn ſie ſich dabei nach den
gege=
benen beſcheidenen Verhältniſſen richteten, und wenn jetzt
das, was damals entſtand, verlaſſen und mit dem
ge=
waltigen Aufwand von 17 Millionen Mark neu geſchaffen
werden mußte, ſo wollen wir uns freuen, daß der infolge
tatkräftiger Arbeit und zielbewußten Vorwärtsſtrebens
der Darmſtädter Bürger gewaltig entwickelte Verlehr
den alten beſcheidenen Eiſenbahnanlagen entwachſen iſt.
Mag das Alte fallen und in ſeinem Fall ſo manches uns
lieb Gewordene mit ſich fortreißen — dafür ſehen wir um
uns her neues. junges. kräftiges Leben erblühen. Zwar
ſoll uns das Alte ehrwürdig ſein, aber wir dürfen nie
vergeſſen, daß wir vorwärts müſſen. Mit Volldampf
voraus iſt die Forderung unſerer Zeit.
Das darf uns indeſſen nicht abhalten, da, wo die
Umſtände es fordern, unſeren Blick auch auf die
Ver=
gangenheit zurückzulenken, denn nur in dem Vergleich mit
ihr liegt der richtige Wiertmeſſer für die Gagenwart.
Laſſen Sie uns daher auch heute uns vergegenwärtigen,
was einſt war, und es vergleichen mit dem, was an ſeiner
Stelle dafür geſchaffen worden iſt.
Redner gab ſodann ein! Gegegenſiherſtellung des
Einſt und Jitzt, die wir ähnlich bereits in unſerem
er=
ſchöpfenden Artikel am Samstag brachten. Er fulr
dann fort: Es bedarf wohl keiner weiteren Ausführung,
daß dieſe, den beſcheidenen Verhältniſſen vor 66 Jahren
angepaßten und dafür genügenden Anlagen den jetzt
vör=
lig veränderten Bedürfniſſen des Verkehrs und
Betrie=
bes nicht mehr gerecht werden konnten. Welche
Vermeh=
rung der Verkehr auf beiden Bahnhöfen zuſammen in
den letzten drei Jahrzehnten erfahren hat, ergeben
fol=
gende Zahlen. Es betrug die Zahl der Reiſenden im
Jahre 1880: 500 000, im Jahre 1910: 1500000; die Zahl
der Güter in Tonnen betrug im Jahre 1880: 180000. im
Jahre 1910: 430000; die Zahl der Züge betrug täglich
im Jahre 1880: 90, im Jahre 1910: 260; die Zahl der
Einwohner von Darmſtadt betrug im Jahre 1880: 49000,
im Jahre 1910: 87000.
Eine Beſeitigung der eben geſchilderten Mängel war
alſo dringend geboten. Im weiteren warf Redner einen
kurzen Blick auf die Geſchichte der Vorverhandlungen
und der jetzigen Bahn, die wir ebenfalls bereits
mitteil=
ten. Er fuhr fort: Es blieb nichts anderes übrig, als
ſich mit einer Verlegung der Bahnanlagen hinaus nach
dem Weſten trotz der weſentlich höheren Koſten vertraut
zu machen. Der Entſchluß hierzu war aber doch nicht
allzuſchwer, denn für die Stadt ergab ſich hierbei die
Möglichkeit einer ungehinderten Ausdehnung nach
We=
ſten und der Erſchließung wertvollen Induſtriegeländes,
für die Eiſenbahnverwaltung die Möglichkeit
der Herſtellung einer einheitlichen, vollſtändig
neuzeit=
lichen Anlage mit einem neuen, allen Bedürfniſſen
ent=
ſprechenden Empfangsgebäude.
Im Norden der Stadt iſt ein neuer Bahnhof für den
Perſonenverkehr geſchaffen, im Süden iſt der beketts
vorhandene Bahnhof etwas weiter nach dem Weſten
ver=
ſchoben und die Station Kranichſtein iſt zu einem großen
Rangierbahnhof ausgebaut worden.
Die Einführungen der verſchiedenen Linien von
Nor=
den her in den Bahnhof ſind außerhalb derart
ange=
ordnet, daß Bahnkreuzungen in Schienenhöhe durchweg
vermieden ſind. Die vorhandenen von den Bahnlinien
gekreuzten Straßen und Wege ſind durch im ganzen 32
Kunſtbauten ſchienenfrei unter= oder überführt. Das
Empfangsgebäude iſt mit dem Fürſtenbau und dem
Ver=
waltungsgebäude im Süden, dem Dienſt=, Wirtſchafts=
und Wohngebäude im Norden, zu einer geſchloſſenen
Gruppe vereinigt. Das Innere des Empfangsgebäudes
iſt auf das zweckmäßigſte eingerichtet und bietet die
Ge=
währ für die ſchnellſte und bequemſte Abfertigung der
Reiſenden. Wie auch in künſtleriſcher Beziehung dieſe
in=
neren Räume von Meiſterhand durchgebildet ſind, habe
ich wohl nicht nötig zu ſchildern, ſie ſprechen für ſich
ſelbſt. Bekannt iſt, daß aus dem öffentlichen Wettbewerb
neben dem jetzigen Profeſſor an der Techniſchen
Hoch=
ſchule in Charlottenburg Klingholz der Profeſſor Pütze;
als erſter Preisträger hervorging. Sein Entwurf gab
die Grundlage ab für das Empfangsgebäude, für die
übrigen Bauten und für die Geſtaltung des Vorplatzes,
dem ſich auch das von der Poſtverwaltung erbaute neue
Poſtgebäude harmoniſch einfügte. Und wahrlich: wenn
man auf dem Bahnhofsvorplatz ſtehend den Blick über
dieſe ganze Anlage ſchweifen läßt, dann ſieht man ein
Bild von ſo großer Schönheit und Harmonie, wie man
es wohl ſelten wieder finden wird. Ich glaube, daß es
ſchwer ſein wird, eine Stadt zu nennen, die ſich einer
ähnlich ſtimmungsvollen und harmoniſchen
Bahnhofs=
anlage rühmen kann.
Für das glückliche Zuſtandekommen dieſes Werkes
ſchuldet die Eiſenbahnverwaltung Dank allen ſtaatlichen
und ſtädtiſchen Behörden, Korporationen, Künſtlern,
Un=
ternehmern, Handwerkern und Arbeitern, die, ein jeder
an ſeinem Platze, durch ihre tatkräftige Unterſtützung
zu dem Gelingen beigetragen haben. Nur ihre willige
Mitarbeit und ihr ſtetes Entgegenkommen haben es
er=
möglicht, alle Schwierigkeiten glücklich und zu aller
Zu=
friedenheit zu überwinden. Nicht kleinliche Rückſichten
leiteten ſie, ſondern immer der Gedanke, daß ein großes
Werk nur von großen Geſichtspunkten aus gefördert und
durchgeführt werden könne. Es iſt ein Werk geſchaffen
worden, das der Eiſenbahnverwaltung ihre ſchwere und
verantwortungsvolle Aufgabe, den Verkehr und Betriev
ſicher zu bewältigen, weſentlich erleichtert. Zwar hat
es, wie es ja auch nicht anders möglich war, große
finan=
zielle Opfer gefordert, die beſonders auch die Stadt ſchwer
belaſteteten, aber ſie hat ſie gebracht in dem feſten
Ver=
trauen auf ihre weitere glückliche Fortentwickelung, und
in dieſem Vertrauen wird ſie ſich nicht getäuſcht haben,
denn ihr kräftiges und geſundes Aufblühen bis zur
Ge=
genwart bürgt auch für eine kräftige und geſunde
Zu=
kunft.
Von Anfang an hat Seine Königliche Hoheit des
Großherzog dieſem hervorragenden Bau ſein
hohes Intereſſe zugewendet, und vieles von dem, was
Sie hier ſehen, iſt auf ſeine Anreauna zurückzuführen.
Auch für das heutige Feſt hat er ſich lebhaft intereſſiert,
und die Idee, die Feſtgäſte mit einem Sonderzuge von
den alten Bahnhöfen in den neuen zu fahren, um ihn
hierdurch gewiſſermaßen ſymboliſch zu eröffnen, ſtammt
von ihm. Unter ſeinem ſtarken Schutz und Schirm haben
ſich Kunſt und Wiſſenſchaft vereinigt. um dem Handel und
Verkehr eine neue, ſchöne und würdige Betriebsſtätte zu
ſchaffen. In dankbarer Liebe und Verehrung vereinigen
wir uns in dem Rufe:
Seine Königl. Hoheit der Großherzog
hoch, hoch, hoch!
Unmittelbar darauf trat Herr
Miniſterialdirektor Offenberg=Byrlin
vor und hielt folgende Anſprache:
Im Auftrage meines Herrn Chefs, Seiner Exzellenz
des Staatsminiſters und Miniſters der öffentlichen
Ar=
beiten von Breitenbach, der zu ſeinem lebhaften
Bedauern durch dringende Dienſtgeſchäfte verhindert iſt,
an dieſer Eröffnungsfeier teilzunehmen, übergebe ich
nunmehr dieſe Anlagen dem Betriebe. Mögen ſie ihren
Zweck erfüllen, mögen ſie dem Verkehr eine neue Gaſſe
bahnen und mögen ſie der Haupt= und Reſidenzſtadt
Darmſtadt zur Zierde gereichen und ihrem Blühen und
Gedeihen förderlich ſein! Dieſer ſtolze Bau, der einen
Merkſtein in der Entwickelungsgeſchichte der deutſchen
Eiſenbahnen bilden wird, hat Seiner Majeſtät dem
Kaiſer und König von Preußen Anlaß gegeben,
die nachfolgenden Auszeichnungen zu
ver=
leihen:
Den Roten Adlerorden erſter Klaſſe Seiner Exzellenz
dem Großh. Heſſiſchen Staatsminiſter Ewald,
Mi=
niſter des Großherzoglichen Hauſes, des Aeußern und
der Juſtiz und Seiner Exzellenz dem Großh. Heſſiſchen
Miniſter der Finanzen Braun in Darmſtadt; den
Roten Adlerorden dritter Klaſſe dem Großh. Heſſiſchen
Provinzialdirektor Herrn Fey, Geh. Regierungsrat in
Darmſtadt; den Königlichen Kronenorden dritter Klaſſe
dem Oberbürgermeiſter der Haupt= und Reſidenzſtadt
Darmſtadt Herrn Dr. Gläſſing, dem Großh.
Heſſi=
ſchen Geheimen Oberbaurat Herrn Kilian, und dem
Profeſſor an der Techniſchen Hochſchule in Darmſtadt
Herrn Pützer in Darmſtadt; die Königliche Krone zum
Roten Adlerorden vierter Klaſſe dem Beigeordneten der
Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt Herrn Ekert in
Darmſtadt; den Roten Adlerorden vierter Klaſſe dem
Großh. Heſſiſchen Baurat und Beigeordneten der Haupt=
und Reſidenzſtadt Darmſtadt Herrn Jaeger in
Darm=
ſtadt, dem Großh. Heſſiſchen Regierungsrat Herrn Dr.
jur. Schneider, Mitglied der Königl. Preußiſchen
und Großh. Heſſiſchen Eiſenbahndirektion in Mainz, dem
Großh. Heſſiſchen Juſtizrat Herrn Dr. Oſann,
Rechts=
anwalt in Darmſtadt, und dem Großh. Heſſiſchen
Ober=
konſiſtorialrat Herrn D. Bernbeck in Darmſtadt;
fer=
ner den Charakter als Eiſenbahndirektor mit dem
perſön=
lichen Range der Räte vierter Klaſſe dem Eiſenbahn=
Rechnungsdirektor Herrn Henkel in Mainz.
Namens meines Herrn Chefs ſpreche ich Ihnen allen
den herzlichſten Glückwunſch aus.
Alsbald ergriff das Wort
Finanzminiſter Braun Exzellenz,
der etwa folgendes ausführte: Der Gedanke des Baues
eines neuen Bahnhofes für Darmſtadt iſt von der
groß=
herzoglichen Regierung und namentlich von S. K. H.
dem Großherzog mit lebhafteſtem Intereſſe
aufgenom=
men und in gleicher Weiſe das gewaltige Unternehmen
in ſeinem ganzen Verlaufe begleitet worden. Die Großh.
Regierung weiß die von größtem Pflichtbewußtſein
ge=
tragene Mühe und Arbeit aller Beteiligten hoch zu
ſchätzen, die das glänzende Gelingen vorausgeſetzt hat
und das Vertrauen auf die Erfüllung der an das Werk
ſich knüpfenden Wünſche rechtfertigt.
Als Ausdruck des Allerhöchſten Dankes für das
Ge=
leiſtete haben S. K. H. der Großherzog aus Anlaß
der heutigen Feier zu verleihen geruht: Dem
Königlich Preußiſchen Staatsminiſter und Miniſter der
öffentlichen Arbeiten Paul von Breitenbach
Exz=
die Krone zum Großkreuz des Verdienſtordens Philipps
des Großmütigen; dem Unterſtaatsſekretär im Königlich
Preußiſchen Miniſterium der öffentlichen Arbeiten Wirkl.
Geh. Rat Eduard Stieger Exz. das Großkreuz, und
dem vortragenden Rat in dieſem Miniſterium Geh.
Ober=
baurat Karl Alexander Rüdell das Komturkreuz
zwei=
ter Klaſſe des genannten Ordens; dem Präſidenten der
Königlich Preußiſchen und Großherzoglich Heſſiſchen
Eiſenbahndirektion zu Mainz Dr. Georg Michaelis
die Krone zum Komturkreuz zweiter Klaſſe dieſes
Or=
dens; den Mitgliedern der genannten Direktion, und
zwar: dem Ober= und Geheimen Regierungsrat Karl
Gallo das Ehrenkreuz, dem Geheimen Baurat Karl
Kirchhoff das Ritterkreuz erſter Klaſſe dieſes Ordens;
ferner die gleiche Auszeichnung: dem Regierungs= und
Baurat Friedrich Mettegang, Hochbaudezernenten,
und dem Regierungsbaumeiſter Paul Schmidt,
De=
zernenten für Neubauangelegenheiten bei der genannten
Direktion; weiter: dem Architekt Louis Panthel,
ſo=
wie dem Eiſenbahnoberſekretär Auguſt Meißner,
beide bei derſelben Direktion, das Ritterkreuz zweiter
Klaſſe desſelben Ordens; dem Rangiermeiſter Georg
Schmidt, dem Werkführer Wilhelm Bauer und dem
Weichenſteller erſter Klaſſe Heinrich Häuſer dieſe drei
zu Darmſtadt, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der
In=
ſchrift „Für treue Dienſte”, dem Schachtmeiſter Georg
Kahl zu Griesheim das Allgemeine Ehrenzeichen mit
der Inſchrift „Für treue Arbeit”.
Sodann verlas Se. Erzellenz folgendes Telegramm
des Preußiſchen Eiſenbahnminiſters Exz.
Breiten=
bach: „Es gereicht mir zu beſonderer Freude, Eurer
Exzellenz meine herzlichſten Glückwünſche zum heutigen
Feſttage zu überſenden, welcher der Reſidenz eine dem
Bedürfniſſe gegenwärtigen und zukünftigen Verkehrs
entſprechende Bahnhofsanlage bringt und der
Gemein=
ſchaftsverwaltung Gelegenheit gibt, auf dem Gebiete des
Eiſenbahnweſens erneut ihre Fürſorge für das
Groß=
herzogtum Heſſen zu betätigen. v. Breitenbach,
Staats=
miniſter und Miniſter der öffentlichen Arbeiten.
Dann brauſten die Klänge des immer von neuem
packenden Feſtgeſanges L. van Beethovens „Die Himmel
rühmen des Ewigen Ehre” durch die übrigens eine
vor=
zügliche Akuſtik aufweiſende Halle. Damit war der
Feſt=
akt beendet.
Nach einem kurzen Rundgang und Beſichtigung der
Neubauten verſammelten ſich um 1 Uhr nachmittags die
geladenen Feſtaäſte in dem ſtimmungsvollen Warteſaal
1. und 2. Klaſſe zum
Feſtmahl,
offiziell ſehr beſcheiden als „Frühſtück” bezeichnet.
Hier=
zu waren an hufeiſenförmiger Tafel und einigen
Neben=
tiſchen insgeſamt 140 Gedecke aufgelegt.
Den Reigen der Tiſchreden eröffnete
Staatsminiſter Ewald Exz.:
Sehr geehrte Herren! Nach dem Eindruck, den wir
auf unſerem Rundgang vorhin gewonnen haben, darf
man Darmſtadt zu ſeinem neuen Bahnhof
beglück=
wünſchen. Empfangsgebäude und Bahnhofhalle ſind
wie auch dem Laien ſofort erkennbar — Muſter
zweck=
mäßiger innerer Anordnung. Die Geſamtanlage bietet
in der Gruppierung und der Verbindung mit dem
Bahn=
hofsplatz ein nArkungsvolles arckſitektoniſches Bild
Dank ganz beſonders auch der kunſtſinnigen Förderung,
die unſer Landesfürſt dem Werke angedeihen ließ.
Die Eröffnung dieſer Neuanlagen iſt aber kein
Er=
eignis von nur lokaler Bedeutung. Der Bau, deſſen
Abſchluß wir heute feiern, iſt zugleich ein Markſtein in
der Epoche des großen wirtſchaftlichen Aufſchwungs, den
Deutſchland unter dem Schutz der Kaiſerlichen Macht
ge=
nommen hat. Voll Dankbarkeit richtet ſich deshalb an
ſolchem Tage der Blick nach dem erhabenen
Ober=
haupt des Reiches, deſſen weiſer Politik es in
nunmehr 24 jähriger Regierung gelungen iſt, ohne
Preis=
gabe unſerer nationalen Ehre und Würde Deutſchland
die Segnungen des Friedens zu erhalten und deſſen
ruhi=
ge Machtentwickelung zu ſchützen. Sie beruht nicht nur
in dem ſtarken Bevölkerungszuwachs, ſondern namentlich
in der ungeheuren Vermehrung unſeres
Nationalvermö=
gens, das dasjenige Frankreichs bereits überflügelt hat.
In Wechſelwirkung hiermit iſt die Gütererzeugung und
der Güterabſatz enorm angewachſen. Sie haben den
Verkehr in neue Bahnen geleitet und zu einer
intenſive=
ren Verbindung von Nord= und Süddeutſchland gedrängt.
So bertitete ſich der Zuſammenſchluß Preußens und
Heſſens in dem Gemeinſchaftsvertrage von 1896 vor, durch
den die Preußiſche Eiſenbahn=Verwaltung mit Mainz,
Mannheim und Aſchaffenburg Fuß in Süddeutſchland
faßte; die Verwaltung, von der ein großes deutſches
Blatt neulich mit Recht ſagte, daß man nirgendwo in
der Welt ſchneller, bequemer und ſicherer reiſt, als auf
ihren Strecken.
Dieſe Erweiterung des Wirkungskreiſes der
vorbild=
lichen Preußiſchen Eiſenbahn=Verwaltung war deshalb
für die allgemeinen deutſchen Verkehrsintereſſen ein hoher
Gewinn. Ihn dankt der deutſche Verkehr in
hervor=
ragendem Maße der hochherzigen Entſchließung Seiner
Königlichen Hoheit unſeres Großherzogs, der in
klarer Erkenntnis und Würdigung der großen
gemein=
ſamen deutſchen Verkehrsintereſſen, iie derjenigen
ſeines Landes, auf das uneingeſchränkte Recht
der Eiſenbahnhoheit im eigenen Lande, auf die
ſelbſtän=
dige Bewirtſchaftung der heſſiſchen Bahnſtrecken
ver=
zichtete und damit dem Gemeinſchaftsvertrage von 1896
die Wege ebnete. Freudig geben wir heute, an einem
Feſttage des Verkehrs, dieſen Empfindungen der Dank=
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. April 1912.
Nummer 100.
barkeit gegen unſeren Kaiſer und unſeren Landesfürſten
Ausdruck, indem wir in den Ruf einſtimmen:
Seine Majeſtät, Kaiſer Wilhelm, König von
Preu=
ßen und Seine Königliche Hoheit, Großherzog Ernſt
Ludwig von Heſſen und bei Rhein Sie leben hoch
Freudig ſtimmte die Feſtverſammlung ein und wie
üblich intonierte die Muſik die Nationalhymne.
Nach dem nächſten Gang ergriff Herr
Miniſterialdirektor Offenberg=Berlin
das Wort, der etwa folgendes ſagte:
Eure Exzellenzen! Meine Herren! Als vor
nun=
mehr 15 Jahren die Preußiſch=Heſſiſche
Finanzgemein=
ſchaft gebildet wurde, da vereinte ein feſtlicher Akt die
beteiligten Behörden beider Staaten zur Feier dieſes
wichtigen Ereigniſſes. In ſchwungvollen Reden wurden
die ſtaatsrechtliche, finanzpolitiſche und wirtſchaftliche
Bedeutung der Gemeinſchaft erörtert, und wurden
Hoff=
nungen, Erwartungen und Wünſche an ihre Begründung
geknüpft. Ob ſie alle erfüllt ſind, das zu beurteilen muß
ſich Ihnen überlaſſen, die Sie den Dingen näherſtehen
und noch die heſſiſchen Verkehrsverhältniſſe vor Eingang
der Gemeinſchaft gekannt haben. Die Redner von
damals ſind alle bis auf einen bereits aus
die=
ſer Zeitlichkeit geſchieden. Dieſer eine aber, der
da=
malige Präſident der Gemeinſchaftsdirektion Mainz, und
nunmehrige Staatsminiſter von Breitenbach, leitet jetzt
als Miniſter der öfſentlichen Arbeiten die geſamten
preu=
ßiſchen Staatseiſenbahnen, Preußens und Heſſens. Sie
alle wiſſen, welches Intereſſe er ſeinem Direktionsbezirk,
ſeinen Beamten und ſeinen Arbeitern entgegenbrachte.
Da werden Sie es begreifen, wie ſehr er es bedauert,
daß er durch die Lage der Dienſtgeſchäfte gezwungen
worden iſt, ſeine Zuſage zur Teilnahme an der heutigen
Feier zurückzuziehen. So hat er mich denn beauftragt,
Ihnen ſeine Grüße und ſeine Glückwünſche zu
über=
bringen. Vor allem aber ſoll ich ſeine Anerkennung und
ſeinen Dank allen denen ausſprechen, die mitgewirkt
haben an der Vollendung dieſes großen Werkes; in erſter
Linie den Künſtlern des Hochbaues und des
Eiſenbahn=
baues, denen wir die geiſtvollen Entwürfe verdanken;
nicht minder den bauleitenden Beamten, unter deren
ſorgender Hand das Werk der Vollendung entgegenreifte,
und nicht zuletzt den Unternehmern und Arbeitern, die
mit unermüdlicher Tatkraft die Gedanken der Künſtler
und Ingenieure in die Erſcheinung umſetzten — ihnen
allen Dank!
Es ſind ſchwere Sorgen, die den beteiligten
Behör=
den durch die großen Bahnhofsumbauten entſtehen. Dem
wachſenden Verkehre muß ſein Recht werden, und dem
Ausdehnungsbedürfniſſe der Städte muß Raum
geſchaf=
fen werden, was ohne Verlegung der ganzen Anlage
vielfach nicht möglich iſt, und doch wieder ſind Hunderte
von Exiſtenzen daran intereſſiert, daß dieſe Anlagen an
ihrem Platze bleiben. So entſtehen ſchwere Konflikte,
die manchmal nicht ohne eine gewiſſe Härte gelöſt
wer=
den können. Eiſenbahnverwaltung,
Landespolizeibehör=
den und Städte müſſen dabei Hand in Hand arbeiten,
wenn etwas Gedeihliches entſtehen ſoll. Das iſt aber
im vorliegenden Falle in hervorragendem Maße
ge=
ſchehen. Dank der Opferwilligkeit des heſſiſchen Staates,
dank dem Entgegenkommen aller beteiligten
Landesbe=
hörden, dank der großzügigen Mitwirkung der ſtädtiſchen
Verwaltung, insbeſondere bei der Wahl des Platzes, hat
ſich hier der Eiſenbahnverwaltung die Gelegenheit
ge=
boten, etwbas Ganzes zu ſchaffen — ein Muſterwerk, das
noch für lange Jahre hinaus vorbildlich ſein wird.
Eine herrliche Anlage iſt es, die wir heute dem
Ver=
kehr übergeben haben. Aber es bedurfte auch einer
herr=
lichen Anlage, um etwas für die Haupt= und
Reſidenzſtadt=
dieſes ſchönen Landes würdiges zu ſchaffen. Gebettet
zwi=
ſchen Rhein, Main und Odenwald, bildet Darmſtadt eine
der Perlen unſeres deutſchen Vaterlandes. Mein Herr Chef,
und mit ihm wir Gemeinſchaftsbeamte alle, ſind ſtolz
darauf, daß es uns vergönnt war, dieſer Perle eine ſo
prächtige neue Faſſung zu geben, dem ganzen heſſiſchen
Lande und ſeiner Hauptſtadt eine ſolch großartige
Ver=
kehrsanlage zu ſchaffen. Und dieſen Gefühlen drängt es
mich dadurch Ausdruck zu geben, daß ich Sie auffordere,
die Gläſer zu erheben und einzuſtimmen in den Ruf:
Das Heſſenland ſeine Bewohner und
ſeine Hauptſtadt hoch! hoch! hoch!
Als letzter der Tiſchredner ergriff das Wort
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing:
Exzellenzen! Verehrte Anweſende!
Der Tag der Vollendung unſerer neuen
Bahnhofs=
anlagen iſt für die Stadt ein Feſttag von hoher,
beſon=
derer Bedeutung. Die Stadt Darmſtadt hat das Glück,
aus der Hand der Bauherrin, der Königlich Preußiſchen und
Großherzoglich Heſſiſchen Eiſenbahnverwaltung eine neue
Bahnhofsanlage zu erhalten, auf die wir mit Stolz und
freudiger Genugtuung blicken.
An dem heutigen Tage, der zugleich einen Ehrentag in
der Geſchichte der Eiſenbahnverwaltung darſtellt, iſt es mir
eine angenehme Pflicht, auszuſprechen, wie das Projekt
des Neubaues der Bahnhofsanlagen von der
Eiſenbahn=
verwaltung gefördert worden iſt. Schon der erſte Präſident
der Eiſenbahndirektion Mainz, der jetzige Herr Miniſter der
öffentlichen Arbeiten, Exzellenz von Breitenbach, hat
das größte Intereſſe für die Frage bekundet. Ich bedauere,
daß es ihm nicht möglich iſt, an dem heutigen Tag unter
uns zu weilen. Gerne hätten wir den Dank dem Herrn
Miniſter ausgeſprochen, der ſchon als
Eiſenbahndirektions=
präſident mit Energie bemüht war, unſere Verkehrsfrage
zu löſen. Unter der Verwaltung des Herrn Präſidenten
von Rabenau wurde der Entwurf vorgelegt, der
nach eingehender Beratung allſeitige Billigung fand. Es
erfüllt uns mit aufrichtigem Bedauern, daß es ihm nicht
vergönnt war, den heutigen Tag zu erleben. Herr
Präſi=
dent von Rabenau hat ſich vor allem bei den
Vorverhand=
lungen für den Ausgleich der Gegenſätze bemüht und
das nunmehr ausgeführte Projekt auf das Wärmſte
unter=
ſtützt. Auch der damalige Oberbürgermeiſter der Stadt
mein Amtsvorgänger Herr Oberbürgermeiſter
Morne=
weg, der mit der ſchwerwiegenden Bahnhofsentſcheidung
befaßt war, weilt nicht mehr unter uns. In der ihm
eige=
nen Pflichttreue war er von dem Gefühle höchſter
Verant=
wortung durchdrungen, als die bedeutungsvolle
Entſcheid=
ung getroffen wurde. Nach hingebendſter Arbeit entſchloß er
ſich, der Verlegung der Bahnhöfe zuzuſtimmen, weil er
erkannte, daß die zukünftige Entwickelung der Stadt, nach
einer allerdings ſchweren Uebergangszeit, durch das neue
Unternehmen in weitgehendem Maße gefördert wurde.
Die neuen Anlagen ſind unter dem Herrn Präſidenken
Dr. Michaelis zur Ausführung gelangt und haben von
ihm ſtets große Förderung und Unterſtützung erfahren.
Wir ſind dem Herrn Präſidenten für dieſe Förderung
herzlich dankbar. Wir möchten den Wunſch ausſprechen,
daß er die wohwollende Geſinnung und das ſeitherige gute
Einvernehmen übertragen möge auf die nunmehr
kommen=
den Zeiten des Betriebs und der Benutzung des neuen
Bahnhofs,
Das Werk des Bahnhofsbaues brachte für
die Herren Präſidenten und ihre Mirar
beiter eine außerordentliche Arbeit, die in
techniſcher, baulicher, künſtleriſcher und
verwaltungstechniſcher Beziehung große
Aufgaben bot. Die Eiſenbahndirektion hat ein großes
Werk in kurzer Zeit mit bewundernswürdiger Tatkraft
vollendet. Standen doch auch den Herren Präſidenren die
richtigen Mitarbeiter zur Seite. Für das große kechniſche
Gebiet darf ich vor allem Herrn Oberbaurat Everken,
jetzt in Köln, nennen. Zu unſerer Freude dürfen wir ihn
heute begrüßen. Herr Oberbaurat Everken hat als
Neubau=
dezernent der Eiſenbahndirektion Mainz das Projekt der
Neugeſtaltung der Bahnanlagen bearbeitet. Ein großer
Teil der Vorentwürfe und der jetzt zur Ausführung
ge=
brachte Entwurf iſt von ihm geſchaffen. Die der Löſung
ſich entgegenſtellenden Schwierigkeiten haben ſeiner
Ar=
beitskraft und ſeiner durchdringenden Gründlichkeit das
richtige Feld der Betätigung gegeben. Bei der
Ausarbeit=
ung der Entwürfe wurde er in hervorragender Weiſe von
Herrn Regierungsbaumeiſter Schmidt unrerſtützt, der
auch die bauliche Ausarbeitung der Entwürfe, ſowie die
Bauleitung der Ingenieurbauten hatte. Herr
Regier=
ungsbaumeiſter Schmidt führte ſeine Aufgaben mit großer
Sicherheit durch und wurde insbeſondere von den Herren
Regierungsbaumeiſter Haack und Wolfskehl
unter=
ſtützt. Der Umfang der Arbeiten wird erſichtlich, wenn
man erwägt, daß zirka 1700000 Kubikmeter Bodenfläche
in Bewegung geſetzt und eingebaut, 100 Kilometer Gleiſe
verlegt, 32 Kunſtbauten für die Straßenbauten und
Unter=
führungen zur Ausführung gelangt ſind. Die
Bearbeit=
ung und Ausführung der Hochbauten lag in den Händen
des Herrn Regierungs= und Baurats Mettegang, der
ſchon durch eine Reihe anderer vorbildlicher
Bahnhofs=
bauten ſeine ſelbſtändige, klare, künſtleriſche Auffaſſung und
hervorragende Fähigkeit bewies. Wer die von Herrn
Re=
gierungs= und Baurat Mettegang ausgeführten baulichen
Anlagen, insbeſondere Waſſerturm, die Empfangsgebäude
von Nord und Süd, die Beamtenwohnungen und die
Wohnhäuſer der Arbeiterkolonie ins Auge faßt, muß ihm
dankbar ſein für ſeine Schöpfungen und die ſchöne
Be=
reicherung, die das Stadtbild von ſeiner Hand erfahren
hat. Ihm lag auch die große Arbeit der Banleitung für das
Hauptempfangsgebäude ob. Unter ihm waren an den
Arbeiten beteiligt die Herren Regierungsbaumeiſter
Müller, Architekt Panthel, Architekt Schuh,
Regier=
ungsbauführer Morneweg. Das Empfangsgebäude,
die ganze Platzgeſtaltung und die anderen hier bis jetzt
erwähnten Bauten und Anlagen ſind nach dem Ergebnis
eines Wettbewerbs von Herrn Profeſſor Pützer
ausge=
arbeitet, der in künſtleriſcher Beziehung die
Eiſenbahn=
direktion in hervorragender Weiſe unterſtützt hat. Es wurde
durch ſeine Tätigkeit eine Geſamtwirkung von großer
künſtleriſcher Einheit erreicht. Sie zeigte aufs Beſte, mir
welch einfachen architektoniſchen Mitteln es möglich iſt,
ein=
drucksvoll zu geſtalten, wenn ſich die Arbeit des Architekten
nicht auf einzelne Gebäude beſchränkt, ſondern wenn es
ihm vergönnt iſt, ein ganzes Platzbild nach einem
künſi=
leriſchen Gedanken entſtehen zu laſſen. Es ſind
abwechſer=
ungsreiche maleriſche Bilder entſtanden, ohne daß die
ein=
zelnen Baukörper über eine ſchlichte ſachliche Geſtaltung
hinausgehen. Auch das Innere des Empfangsgebäudes
zeigt ein bewußtes Streben nach einfachſter räumlicher und
künſtleriſcher Ausbildung. Wir freuen uns, daß die
künſt=
leriſche Ausbildung der Zweckbeſtimmung der Anlage
ge=
recht wird. Es iſt für eine moderne Verkehrseinrichtung
die künſtleriſch wahre und doch anſprechende Form
gefun=
den worden. Neben Herrn Profeſſor Pützer waren als
künſtleriſche Mitarbeiter tätig die Herren Profeſſoren
Scharvogel, Jobſt Kleuckens und Riegel.
Weiter als Bildhauer die Herren Belz und Ohly in
Frankfurt, als Maler die Herren Hemming und Witte
in Düſſeldorf. Ferner die Architekten Völlmy und
Schönhagen, Aſſiſtenten der Techniſchen Hochſchule.
Herr Profeſſor Pützer hat ſich durch die Bahnhofsanlagen,
die künſtleriſche reizvolle Platzgeſtaltung ein
hervorragen=
des Denkmal in der Baugeſchichte unſerer Stadt geſetzt.
Herr Regierungsrat Dr. Schneider hatte die
Verwalt=
ungsangelegenheiten, insbeſondere den Grunderwerb bei
einem ſehr zerſpliterten Grundbeſitz und die Führung der
Verhandlungen mit den Behörden, namentlich über
Straßen und Baufluchtlinien. Die Verhandlungen über
die finanzielle Seiteldes großen Unternehmens waren ebenfo
verantwortungsvoll wie ſchwierig. Herrn Regierungsrat
Dr. Schneider iſt es zu danken, daß dieſe Verhandlungen
mit Energie und Wohlwollen für die ſtädtiſchen Inrereſſen
durchgeführt wurden. Es hat insbeſondere auch die
Regel=
ung der für die Induſtrie wichtigen Fragen der Lagerplätze
und Anſchlüſſe eine befriedigende Löſung gefunden. Das
Projekt der Induſtriegleisanlagen, das in weitgehender
Weiſe die Zukunft der Stadt berückſichtigt und der
In=
duſtrie die ſeither fehlenden Anſchlüſſe verſchafft, hat durch
Herrn Regierungsrat Dr. Schneider eine große Förderung
erfahren. Ich ſpreche dieſen Herren und allen ihren
Mit=
arbeitern den wärmſten Dank der ſtädtiſchen Verwaltung
für die hervorragende Arbeit aus, die hier mit Umſicht
in kurzer Zeit geleiſtet wurde.
Die geſamte Anlage des neuen
Bayn=
hofs iſt für die Stadt und ihre ſpätere
Ent=
wickelung von größter Bedeutung. Die große
Aufnahmefähigkeit des Bahnhofs und die Sicherungen
des Verkehrs erfüllen uns mit Genugtuung. Die Vorzüge
des neuen Betriebs: die Beſeitigung der
Straßenkreuz=
ungen, die Möglichkeit direkter Züge Mainz-Heidelberg
und Worms-Aſchaffenburg, die ſchienenfreien Zugänge
zu den einzelnen Bahnſteigen, die neuen Anſchlüſſe für die
Induſtrie, die Beſeitigung des Bahndammes der
Oden=
waldlinie und die Vereinigung des Verkehrs an einer
Stelle, ſtellen große Fortſchritte dar. Die neue Querhalle
iſt in praktiſcher und äſthetiſcher Beziehung aufs feinſte
durchgebildet und gewährt dem Reiſenden einen klaren
Ueberblick. In freudiger Stimmung empfinden wir die
künſtleriſchen Schönheiten in der Innen= und
Außenarchi=
tektur der neuen Bahnhofsanlagen, in der Gruppierung
der einzelnen Bauten und der Platzgeſtaltung. Die
be=
währte Künſtlerhand von Profeſſor Pützer hat hier ein
herrliches Platzbild geſchaffen, in das ſich das neue ſchöne
Poſtgebäude harmoniſch einfügt. Seine Königliche Hoheit
der Großherzog hat von Anfang an den Bauten und der
Platzgeſtaltung das lebhafteſte Intereſſe zugewendet und
hat noch jüngſt bei der Frage der Bebauung des ſtädtiſchen
Baublocks Anregungen gegeben, die wir mit aufrichtiger
Freude begrüßen. In ſeiner ganzen Vollendung wird das
von Herrn Profeſſor Pützer geſchaffene Bild erſt wirken,
wenn mit der Bebauung die Platzwirkung erreicht iſt.
An=
geſichts der außerordentlichen und wohlgelungenen Arbeit
beglückwünſche ich die Eiſenbahnverwaltung und Herrn
Profeſſor Pützer zur Vollendung der neuen Anlagen auf
das Herzlichſte im Namen der Stadt.
Verehrte Anweſende! Ich habe die Ehre, im Namen
der verehrten Gäſte und für die Stadt der
Eiſenbahnver=
waltung unſeren herzlichſten Dank und wärmſte
Anerken=
nung zu unterbreiten. Ich kann nicht umhin, darauf
hin=
zuweiſen welch bedeutungsvolle Anlagen die Preußiſch=
Heſſiſche Eiſenbahnverwaltung in Preußen und Heſſen
be=
reits zur Ausführung gebracht hat und wie ſie im Gebiete
der öffentlichen Arbeiten eine einzigartige Stellung
ein=
nimmt. Wir wiſſen, wie ſie durch die Entwickelung des=
Verkehrs zur wirtſchaftlichen Wohlfahrt des Landes und
durch ihre Aufträge zur Belebung der Induſtrie
beigetra=
gen und wie ſie dem Bahnweſen einen achtunggebietenden
Namen im Inland und Ausland gegeben hak. Wer
Ge=
legenheit hatte, die Verkehrseinrichtungen,
Wohlfahrts=
inſtitute und Beamtenverhältniſſe des Auslandes mit den
Einrichtungen der Preußiſch=Heſſiſchen
Eiſenbahnverwalt=
ung zu vergleichen, hat auch im Auslande das Lob unſerer
Verwaltung gehört. Die Entwickelung der
Eiſenbahntech=
nik, die Raſchheit, Billigkeit und Sicherheit des Verkehrs
und die großen Wohlfahrtseinrichtungen der
Eiſenbahnver=
waltung erfüllen uns mit Stolz und Genugtuung. Wir
freuen uns an dem zuverläſſigen Beamtenheer, das ſich
durch Verantwortlichkeitsgefühl und nationales
Pflicht=
bewußtſein auszeichnet.
So wollen wir für die Eiſenbahnverwaliung den
Ge=
fühlen der Hochachtung und des herzlichſten Dankes
Aus=
druck verleihen. Unſer Glas ſoll gelten der
Eiſenbahnver=
waltung als Förderin der Wohlfahrt des Volkes und als
Bauherrin der neuen Darmſtädter Eiſenbahnanlagen. Ich
fordere Sie auf, ſich zu erheben und mit mir einzuſtimmen
in den Ruf: Die Königlich Preußiſche und Großherzoglich
Heſſiſche Eiſenbahnverwaltung — Hoch!
Es bedarf keiner beſonderen Betonung, daß die
Feſt=
gäſte auch in dieſe Hochs freudig bewegt einſtimmten.
So nahm das Mahl, das im übrigen durch den
Charak=
ter einer gewiſſermaßen feierlichen Gediegenheit
ausge=
zeichnet wurde, einen animierten Verlauf und bildete
einen ſchönen Abſchluß zu der harmoniſchen, an
Ein=
drücken bleibender Art reichen Feſtfeier.
Während der Tafel erbat und erhielt Staatsminiſter
Ewald Exz. das Einverſtändnis zur Abſendung von
herzlichen Huldigungs= und
Begrüßungs=
telegrammen an Se Maj. den Kaiſer. Se. Kgl.
Hoheit den Großherzog und den Eifenbahnminiſter
von Breitenbach.
Die aufgetragenen Speiſen und Getränke fanden
un=
eingeſchränktes Lob und bildeten einen neuen Beweis
für die Vorzüglichkeit der Küche des Herrn Niemann,
und ſeiner Weine. Es gab Kraftbrühe mit Mark, blaue
Forellen mit friſcher Butter und neuen Kartoffeln, dazu
Trittenheimer und Chateau Laroſe; Rehrücken mit
Rahmtunke und verſchiedene Gemüſe, dazu Nierſteiner=
Kranzberg (Heſſiſche Weinbaudomäne), Metzer Maſthuhn
mit Kopfſalat und Kompott, dazu Marcobrunner
Kabi=
nett (Graf von Schönborn); Eis auf Italiener Art,
Kupferberg Gold, Käſeplatte, Früchte, Mokka, und zum
Schluß für die ganz Seßhaften noch Gerſtenſaft.
Die Tafelmuſik ſtellte, ſchneidig wie gewohnt, die
Kapelle des 1. Großh. Heſſiſchen Leibgarde=Regiments
Nr. 115 unter Obermuſikmeiſter Hauskes Leitung.
Gegen 5 Uhr war das Mahl beendet und nach einem
weiteren Rundgang wurden um 6 Uhr aus
betriebs=
techniſchen Gründen die Bahnhofsräume geſchloſſen.
Der Vollſtändigkeit halber geben wir nachſtehend das
Verzeichnis der Feſtteilnehmer:
Staatsminiſter Ewald Exz., Miniſter der Finanzen Braun
Exz., Miniſter des Innern v. Hombergk zu Vachäu
Geheimerat Süffert, Provinzialdirektor Fey, Geheimer
Oberfinanzrat Dr. Rohde, Geheimer Oberbaurat Prof=
Hofmann, Geheimer Oberbaurat Kilian,
Oberkonſiſtorial=
rat D. Bernbeck, Regierungsrat v. Werner,
Regierungs=
rat Dr. Reinhart, Regierungsrat Gennes, Vorſtand des
Polizeiamtes, Kreisbauinſpektor Baurat Baltz,
Ober=
finanzaſſeſſor Ulrich, Miniſterialdirektor Wirklicher Geh.
Oberegierungsrat Offenberg, als Vertreter des Kiniſters
der öffentlichen Arbeiten, Miniſterialdirektor Dorner,
Geheimer Oberbaurat Rüdell, Geheimer
Oberregierungs=
rat Welcker, Geheimer Oberbaurat Holverſcheit,
Finanz=
miniſter a. D. Gnauth Exz., Generalleutnant v. Plüskoſ
Exz., Stadtkommandant Generalmajor v. Randow,Ges
heimerat Römheld, Vorſtand der Großh.
Kabinettsdirel=
tion, Hofmarſchall v. Ungern=Sternberg,
Oberbürger=
meiſter Köhler, erſter Präſident der Zweiten Kammer=
Oekonomierat Korell, zweiter Präſident der Zweiten
Kammer, die Landtagsabgeordneten Dr. Oſann, Dr
Münch, Henrich, Geheimer Baurat Wickop, Rektor del
Techniſchen Hochſchule, Geheimer Oberbaurat Altvater
ehemaliger Vorſitzender der Direktion der Main=Neckar=
Bahn, Oberpoſtdirektor Milkau, Poſtbaurat Höfig,r
bauer des neuen Poſtgebäudes, Oberpoſtinſpektor
Wacht=
mann, Bankdirektor Parcus, Vorſitzender der
Handels=
kammer Darmſtadt, Kommerzienrat Jacobi, ſtellvertr.
Vorſitzender der Handelskammer Darmſtadt, Geheimer
Kommerzienrat Hedderich, Reichsbankdirektor Offenberg,
Th. Stemmer, Vorſitzender des Verkehrsvereins
Darm=
ſtadt, Generaldirektor der Badiſchen Staatseiſenbahnen
Roth, Eiſenbahndirektionspräſident v. Gayer=
Ludwigs=
hafen. Eiſenbahndirektionspräſident Reuleaux=Frankfurt
am Main, Eiſenbahndirektionspräſident a. D. v.
Mühlen=
fels=Berlin, Geheimer Baurat Rötelmann und
Regier=
ungs= und Baurat Jordan, als Vertreter der
Süddeut=
ſchen Eiſenbahngeſellſchaft, Oberbürgermeiſter Dr.
Gläſ=
ſing, Bürgermeiſter Mueller, die Beigeordneten Jäger,
Ekert und Schmitt, Bureaudirektor Daub, Baurat Keller,
Stadtbaumeiſter Buxbaum, Elektrizitätswerksdirektor
Meyer, die Stadtverordneten Dr. Bender, Saeng,
Mark=
wort, Sames und J. H. Möſer,
Eiſenbahndirektionsprä=
ſident Dr. Michaelis, Ober= und Geheimer
Regierungs=
rat Gallo, Ober= und Geheimer Baurat Schoberth, Geh.
Baurat Kirchhoff. Regierungsrat Dr. Schneider,
Regie=
rungs= und Baurat Mettegang, Regierungs= und Baurat
Horn, Regierungs= und Baurat Effenberger, die
Regie=
rungsbaumeiſter Schmidt, Wolfskehl, Müller, Haack und
Wagner, Rechnungsdirektor Henkel,
Regierungsbau=
führer Morneweg, Architekt Panthel, Architekt Schuh,
Eiſenbahnoberſekretär Meißner, Eiſenbahnoberſekretär
Schneider, Techniſcher Eiſenbahnſekretär Hartmann,
In=
genieur Auguſt, Oberbahnmeiſter Sautier, Geheimer
Baurat Frey, Eiſenbahn=Amtsvorſtand in Darmſtadt,
Eiſenbahndirektor Schilling, die Regierungsbaumeiſter
Rothamel, Cramer, Brandes und Hofmann,
Regierungs=
aſſeſſor Kilian, Oberbahnhofsvorſteher Kuhnly,
Ober=
bahnmeiſter Grüling, Rangiermeiſter Georg Schmidt I.,
Telegraphenwerkführer Bauer, Stellwerksſchloſſer
Heu=
ſer, die Redakteure Max Streeſe, Theuerkauf, Boesmann,
Dr. Sander, W. Pfeil, Präſident des Mozartvereins=
Kapellmeiſter Rehbock, Dirigent des Mozartvereins,
Oberbaurat Everken von Köln, Profeſſor Vützer,
Pro=
feſſor Scharvogel, Profeſſor Jobſt, Architekt Völmy,
Architekt Schönhagen, Oberingenieur Holmarenn=Berlin,
Vertreter der Baufirma E. Schneider=Berlin,
Chefinge=
nieur Wolf, Vertreter der A. E.=G. zu Frankfurt a. M.,
Kommerzienrat Stahmer, Georg=Marienhütte,
Kom=
merzienrat Göbel=Darmſtadt, Direktor Heinrichsdorf,
Ver=
treter der Aktien=Geſellſchaft vorm. Hilgers, Rheinbrohl,
Nummer 100.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. April 1912.
Seike 7.
Diplom=Ingenieur Fiſcher=Guſtavsburg, Diplom=
Inge=
nieur Hinkel=Darmſtadt, Fabrikant Donges=Darmſtadt,
Fabrikant Nohl=Darmſtadt, Direktor Glöckler (
Hofmöbel=
fabrik Alter), Möbelfabrikant Fritz Erhardt,
Bauunter=
nehmer Vetter, Bauunternehmer L. Wagner,
Schacht=
meiſter Kahl=Griesheim, Hofweißbindermeiſter Klein,
Malermeiſter Hemming.
Unternehmer, denen weſentliche Bauausführungen und
Lieferungen überkragen worden ſind.
(Auf Vollſtändigkeit ſollen dieſe Angaben keinen Anſpruch
erheben.)
Ausführung der Erd=, Rodungs=
Böſch=
ungs= und Wegebefeſtigungsarbeiteſn,
ſo=
wie der ſämtlichen Streckenbauwerke (
aus=
ſchließlich der eiſernen Ueberbauten) und
zwar: a) der Strecken ſüdweſtlich der bisherigen Mainzer
Linie: R. Schneider, G. m. b. H. in Berlin; b) der Strecken
nordöſtlich der bisherigen Mainzer Linie: H. Vatter in
Mannheim.
Herſtellung der eiſernen Ueberbauten
für die Unter= und Ueberführungen (Brücken)
und zwar: a) der Perſonengleiſe Heidelberg-Frankfurt
und Darmſtadt-Mainz, der Gleiſe Mainz-Darmſtadt
unter Worms-Darmſtadt, Mainz-Darmſtadt unter
Frank=
furt-Heidelberg, Darmſtadt-Kranichſtein über
Aſchaffen=
burg-Darmſtadt und Odenwaldbahn, Gräfenhäuſer
Straße, Dornheimer Weg und Pallaswieſenſtraße: Georg
Donges in Darmſtadt; b) der Gleiſe Darmſtadt-
Aſchaffen=
burg unter den Linien Heidelberg-Frankfurt und
Darm=
ſtadt-Mainz, Worms-Darmſtadt und Aſchaffenburg-
Darmſtadt, Frankfurter Straße: Aktiengeſellſchaft für
Brückenbau, Tiefbohrung und Eiſenkonſtruktion in
Neu=
wied a. Rh.
Oberbauarbeiten. H. Vetter in Eſchollbrücken;
(W. Hauf II. u. A. Krämer II. in Eſchollbrücken.
Lieferung von Bettungsmaterial (Kies
und Steinſchlag). L. Menz in Mainz; Lahn=Baſalt=
und Lavawerke, G. m. b. H. in Geilnau; Julius
Beſemül=
ler in Kirn a. d. Nahe; Albert Pfeiffer in Kirn a. d Nahe;
Franz Taver Michels in Andernach a. Rh.; Porphyrwerk
Weinheim; Odenwälder Hartſteininduſtrie, A.=G. in
Darm=
ſtadt; M. Adorf in Mayen.
Zementlieferung. Süddeutſche
Zementverkaufs=
ſtelle, G. m. b. H., Verkaufsſtelle Heidelberg: Portland=
Zementfabrik Hemmoor.
Herſtellung der Sicherungs= (Stellwerks=)
anlagen, ſowie Lieferung von
Telegra=
phenmaterialien. C. Stahmer, A.=G. in
Georgs=
marienhütte; Siemens u. Halske, A.=G. in Berlin;
Kabel=
werk Rheydt, A.=G. in Rheydt; Süddeutſche Kabelwerke
in Mannheim; R. Boſſe u. Ko in Berlin.
Herſtellung der größeren und kleineren
Hochbauten (ausſchließlich des
Empfangs=
gebäudes und der Bahnſteige Darmſtadt
Hauptbahnhof). Maurerarbeiten: Dipl.=Ing.
Georg Hinkel in Darmſtadt; Dipl.=Ing. Bernhard Fiſcher
in Guſtavsburg; Karl Feldmann in Crumſtadt; Johannes
Werner in Langen; Gerhardt u. Müller in Griesheim:
Ludwig Wagner in Darmſtadt; Chriſtian Herdt in Ober=
Ramſtadt; Wilhelm Georg in Roßdorf; Wiedekind u. Kempf
in Groß=Zimmern; Adam Krämer in Arheilgen; Jakob
Crößmann in Pfungſtadt; Peter Schupp in Griesheim
Zimmerarbeiten: Franz Joſeph Liebmann in
Weiſenau; Johann Georg Müller Witwe in Weiſenau;
Ludwig Kehr in Darmſtadt; Gebrüder Weber in
Beerfel=
den i. O.; Georg Nikolaus Stühlinger in Reinheim i. O.;
5. Hornung III. in Pfungſtadt; Peter Schäfer in
Eber=
ſtadt; Peter Weigand in Arheilgen; Georg Metzler in
Lengfeld i. O.; Ludwig Werner in Langen; Gebrüder
Seeger in Pfungſtadt; P. Kunkel in Dieburg.
Dachdecker= und Spenglerarbeiten:
Ge=
brüder Müller in Darmſtadt; Heinrich Weiler in
Darm=
ſtadt; Jean Keller in Darmſtadt; Büſcher u. Hoffmann,
G. m. b. H. in Mainz; Kaſpar Schmelz in Mainz; Wilhelm
Hofmann in Griesheim; Karl Dauber in Alzey.
Schreinerarbeiten: W. Hermann in Darmſtadt;
Valentin Sturm in Urberach; Chr. Preißmann u.
Schaff=
ner I. in Pfungſtadt; Karl Traiſer u. Friedr. Steup in
Groß=Gerau; Johann Jakoby IV. in Darmſtadt; Wilhelm
Lotz in Wiesbaden.
Schloſſer=, Schmiede= und Eiſenarbeiten:
Jakob Scheid in Darmſtadt; J. Jakobi in Darmſtadt; L.
Schaffner I. in Pfungſtadt; Ludwig Fey in Mainz; Georg
Friedrich Rettig in Darmſtadt; Alexander Ciszewski in
Mainz.
Putz=, Anſtreicher= und Tüncherarbeiten:
Wilhelm Klein in Darmſtadt; Georg Hillgärtner in
Darm=
ſtadt; H Schumann in Roßdorf; Ludwig Krickſer in
Darm=
ſtadt; Georg Geißler in Eberſtadt.
Glaſerarbeiten: Freie Glaſerinnung in
Darm=
ſtadt; L. Sandoz in Darmſtadt; M. Werner in Darmſtadt;
M. Werner in Mainz.
Dachkonſtruktionen: a)
Lokomotivreparatur=
werkſtatt: Aktiengeſellſchaft für Brückenbau, Tiefbohrung
und Eiſenkonſtruktion in Neuwied a. Rh.; b)
Tenderwerk=
ſtatt und Lokomotivſchuppen: F. G. Arnold in Offenbach
am Main; e) Güter=, Eilgut= und Zollſchuppen: Georg
Donges in Darmſtadt.
Bimsbetondacheindeckungen: P. Heyl u. Ko.
in Darmſtadt.
Entwäſſerungs= und
Waſſerleitungs=
anlagen: Gerhardt u. Müller in Griesheim; Wiedekind
u. Kempf in Groß=Zimmern; Jakob Nohl in Darmſtadt.
Dampffheizanlagen: Jakob Nohl in
Darm=
ſtadt; Heinrich Fritz in Darmſtadt; Johannes Haag in
Augsburg; Fritz Käferle in Hannover; Gebrüder Körting,
A.=G. in Körtingsdorf.
Außenbeleuchtung des Hauptbahnhofes:
Allgemeine Elektrizitätsgeſellſchaft in Frankfurt a. M.
Lieferung der Pflaſterſteine und Aus
führung der Pflaſterarbeiten: Vereinigte
Rouſ=
ſellſche Baſaltwerke, G. m. b. H., Kleinſteinheim; Jakob
Pickel u. Ko. in Kottenheim; Franz Taver Michels in
An=
dernach; Albert Pfeiffer in Kirn a. d. Nahe; Quirin Datz
in Gonſenheim; Konrad Meyer in Roßdorf.
Herſtellung und innere Ausſtattung des
Empfangsgebäudes Darmſtadt,
Haupr=
bahnhof nebſt Fürſtenbau. Maurerarbeiten:
Dipl.=Ing. Bernhard Fiſcher in Guſtavsburg.
Steinmetz=
arbeiten und Werkſteinlieferung: Michel Lickes, bezw.
Deutſche Werkſteinbrüche, G. m. b. H. in Köln=Sülz;
Ma=
thias Adorf in Mayen. Trägerlieferung: Gebrüder Trier
Darmſtadt. Dach= und Deckenkonſtruktion: Georg
Don=
in Darmſtadt. Dacheindeckungsmaterial:
Aktiengeſell=
ift Sturm in Freiwaldau in Schleſien.
Zimmerarbei=
ten: Dipl.=Ing. Georg Hinkel in Darmſtadt; Georg Niko=
laus Stühlinger in Reinheim. Spenglerarbeiten: A.
Mül=
ler u. Dilling und A. u. L. Kling in Darmſtadt.
Glaſer=
arbeiten: Freie Glaſerinnung in Darmſtadt. Putz= und
Stuckarbeiten: Gebrüder Nover in Darmſtadt; Wilhelm
Klein in Darmſtadt. Entwäſſerungs=, Gas= und
Waſſer=
leitungen: Jakob Nohl in Darmſtadt. Bildhauerarbeiten:
Profeſſor Heinrich Jobſt in Darmſtadt; E. W. Ohly in
Frankfurt a. M.; Joh. Belz in Frankfurt a. M.
Wand=
verkleidungen: Kurt Schleh in Köln; J. N. Köbig, G. m.
b. H. in Mainz. Flieſen und Kachelwerk: Großh.
Kera=
miſche Manufaktur in Darmſtadt. Terrazzoarbeiten: Karl
Mion in Darmſtadt. Tiſchlerarbeiten: Ludwig Alter in
Darmſtadt; Otto Gail in Biebrich; Gebrüder Neugebauer
in Wiesbaden. Stabfußböden: Mechtold u. Komatz in
Frankfurt a. M. Schloſſer= und Metallarbeiten: Valenken
Hammerau in Frankfurt a. M.; Heinrich Emmel in
Darm=
ſtadt; Fritz Oerterer in Darmſtadt. Maler= und
Anſtreicher=
arbeiten: Henning u. Witte in Düſſeldorf; Wilhelm Klein
in Darmſtadt. Marmorbeläge: Dyckerhoff u. Neumann en
Wetzlar. Heizungsanlage: Fritz Käferle in Hannover.
Kühlanlage: Frankfurter Kühlanlagen=Geſellſchaft.
Be=
leuchtungsanlagen und Beleuchtungskörper: Allgemeine
Elektrizitätsgeſellſchaft in Frankfurt; Louis Buſch in
Mainz; Oberdhan u. Beck in Mainz. Kücheneinrichtung
und Herdlieferung: Gebrüder Roeder in Darmſtadt.
Kunſt=
verglaſungen: Eudner u. Ko. in Darmſtadt. Möbel für
die Fürſtenräume: Ehrhardt u. Söhne in Darmſtadt.
Gar=
ten= und Rohrmöbel: Joſeph Trier in Darmſtadt. Sonſtige
Möbel: Gebrüder Neugebauer in Wiesbaden; Otto Gail
in Biebrich; J. Thomae in Darmſtadt; L. Berdelle in
Mainz; Franz Gerſter in Mainz; Wilhelm Lotz in
Wies=
baden; Gebrüder Thonet in Frankfurt a. M. Schänktiſche:
L. Schuhmacher in Frankfurt a. M. Teppiche und
Vor=
hänge: Henri Portune, G. m. b. H. in Darmſtadt.
Elek=
triſche Uhren: C. Theodor Wagner in Wiesbaden.
Fahr=
kartendruckmaſchinen: Gandenbergerſche Maſchinenfabrik,
Georg Göbel in Darmſtadt.
Herſtellung der Bahnſteige des
Haupt=
bahnhofs. Eiſenkonſtruktionen für die Ueberdachungen:
Aktiengeſellſchaft für Verzinkerei und Eiſenkonſtruktion,
vorm. Jakob Hilgers, Abteilung Brückenbau, Neuwied am
Rhein. Tragkonſtruktion des Perſonenſteigs und der
Trep=
pen: Jakob Stumpf in Worms. Bimszement=
Kaſſetten=
platten der Ueberdachung: Friedrich Remy Nachfolger in
Neuwied a. Rh. Dachpappeneindeckung: Deſſauer
Dachpap=
penfabrik in Deſſau. Kittloſe Oberlichter: Eickelkamp
u. Schmid in Düſſeldorf. Eiſenbeton des vereinigten
Für=
ſten= und Gepäckſteges: Rheiniſche Betonbaugeſellſchafk,
G. m. b. H. in Mainz. Schmiedeiſerne Fenſter: Kornelius
Eſſer in Köln=Ehrenfeld. Deckenanſtriche der
Eiſenkon=
ſtruktionen: Georg Geißler in Eberſtadt.
Spenglerarbei=
ten: A. Müller u. Dilling in Darmſtadt.
Entwäſſerungs=
anlagen: Wiedekind u. Kempf in Groß=Zimmern.
Holz=
bekleidungen und Zimmerarbeiten: Dipl.=Ing. Georg
Hin=
kel in Darmſtadt; Georg Nikolaus Stühlinger in
Rein=
heim i. O. Putzarbeiten: Wilhelm Klein in Darmſtadt.
Verglaſungen: Freie Glaſerinnung in Darmſtadt.
Kunſt=
ſteinplatten zur Abdeckung der Bahnſteige und Treppen:
J. Rouſſelle u. C. Schwenk in Frankfurt a. M.; Zechſtein=
und Zechitwerke. G. m. b. H. in Bredelar.
Granitabdec=
platten: Jak. Kleinfelder in Neuwied a. Rh. Elektriſche
Aufzüge: Gebrüder Weißmüller in Frankfurt=Bockenheim.
Luftfahrt.
* Friedrichshafen, 27. April. Das Lu
ſchiff „L. Z. 12” unternahm heute vormittag zwei
Fahrten, die hauptſächlich wiſſenſchaftlichen
Unterſuchun=
gen und Experimenten mit den Propellern dienten. Graf
Zeppelin iſt heute vormittag nach Stuttgart abgereiſt.
* Weida, 27. April. Der mit zwei Offizieren
be=
ſetzte Albatros=Militärdoppeldecker, der geſtern abend
von Leipzig=Lindenau nach Weimar weiterflog,
ver=
irrte ſich bei Naumburg an der Saale. Eine
Not=
landung bei Gräfenbruch erfolgte ſo unſanft, daß
der Apparat in Trümmer ging und die beiden
Offiziere herausgeſchleudert wurden. Leutnant Cörper
blieb unverletzt, Leutnant Fink erlitt eine
Fuß=
verſtauchung und wurde nach Weida gebracht.
* Paris, 28. April. Drei deutſche
Luft=
ſchiffer gingen in der Umgegend von Chalon ſur
Saone nieder. Sie waren drei Studierende aus
Frei=
durg (Breisgau). Sie erhielten die Erlaubnis, Chalon
nach Erlegung der Zollgebühren für den Ballon zu
ver=
laſſen.
Sport.
* Frankfurt a. M., 28. April. Auf dem Sportplatz
der „Viktoria” fand heute das Fußballwettſpiel
um die Süddeutſche Meiſterſchaft zwiſchen dem
Karlsruher Fußballverein und dem Frankfurter
Fuß=
ballverein ſtatt, das zu Gunſten der Karlsruher mit
7.0 endete. Der Beſuch war ſehr gut, das Spiel
beſon=
ders auf Seiten der Karlsruher recht flott.
* Automobilſport. Die Uebungsfahrt des
Deutſchen Freiwilligen Automobil=Korps,
die anläßlich des Deutſchen Zuverläſſigkeits
fluges am Oberr hein in Ausſicht genommen iſt, hat
eine ſtattliche Beſetzung gefunden. Im ganzen gaben 30
Mitglieder des Korps Meldungen ab; u. a. wird ſich auch
der Kommandeur des Korps, Herzog Adolf Friedrich zu
Mecklenburg=Schwerin und der Chef des Stabes, Geheimer
Kommerzienrat Büxenſtein, beteiligen.
Marokko.
* Paris, 27. April. Mehreren Blättern zufolge
ſei die Mehrheit der Miniſter, Miniſterpräſident Poincare
an der Spitze, von der Ueberzeugung durchdrungen, daß
in Anbetracht der bedrohlichen Zuſtände in
Ma=
rokko, die militäriſchen und adminiſtrativen
Ein=
richtungen des Protektorats in eine einzige
Hand gelegt werden müſſe. Da die Erfahrung gelehrt
habe, daß die Ernennung eines Ziviliſten zum
Gene=
ralreſidenten und eines demſelben
untergeordne=
ten militäriſchen Oberbefehlshabers, notgedrungen zu
Weiterungen führen müſſe, habe, die Anſicht, daß die
Ge=
neralreſidentſchaft einem Militär anvertraut werden ſoll,
ſehr an Boden gewonnen. Immerhin habe dieſe Idee
auch entſchiedene Gegner, zu denen außer dem
Präſiden=
ten der Republik insbeſondere Miniſter Bourgois ge
hört. Was die Frage der nach Marokko zu entſendenden
Verſtärkungen anlangt, die gleichfalls im heutigen
Miniſterrat erörtert werden wird, hält die Regierung
vorläufg einige tauſend Mann für ausreichend.
* Paris, 27. April. Aus Tanger wird gemeldet
daß die Gärung im Gharbgebiet zunehme. Nach
Arbaua ſeien dem Rittmeiſter Vary zwei Kompagnien
Kolonialinfanterie und eine Maſchinengewehrabteilung
als Verſtärkung geſchickt worden. Doch ſei es fraglich,
ob die Verſtärkung genügen würde, da auch die von Vary
befehlten Fußtruppen ausreiſen dürften. Die Wirkung
der Ereigniſſe von Fez und die Meuterek von Arbaua
werden ſich wohl bald auch im Norden Marokkos fühlbar
machen und man kann nicht leugnen daß bereits unter
den europäiſchen Anſiedlern in Tanger eine gewiſſe
Be=
unruhigung Platz gegriffen hat. Wenn dieſe auch nicht
ganz gerechtfertigt ſein möge, ſo täte die Regierung doch
gut daran, durch die Entſendung einiger Kriegsſchiffe die
Beſorgniſſe der Europäer zu zerſtreuen.
* Paris 27. April. Der heute in Rambouillet
ab=
gehaltene Miniſterrat hat beſchloſſen, den General
Lyautey, Kommandanten des 10. Armeekorps, zum
Generalreſidenten im marokkaniſchen
Protek=
toratsgebiet zu ernennen. Der bisherige franzöſiſche
Kon=
ſul in Fez Gaillard wird dem General Lyautey als
Ge=
neralſekretär beigegeben. Der bisherige Geſandte
Reg=
nault wird abberufen und erhält eine Geſandtſchaft in
Europa.
Der italieniſch=türkiſche Krieg.
* Konſtantinopel, 27. April. Die Pforte
be=
ſchloß, 6 Italiener auszuweiſen, darunter den
Vertreter der Aſſieurazioni Generali in Trieſt, Ferandez
Angeblich ſtehen noch weitere 75 Ausweiſungen bevor.
* Konſtantinopel, 28. April. Das
Kriegs=
miniſterium veröffentlicht ein Telegramm Enver Beys
vom 23. April über den Kampf der in dieſer Nacht
bei Tobruk ſtattgefunden hat. Die Italiener hätten
etwa 40 Tote gehabt. Ferner ſeien zwei
Maſchinen=
gewehre unbrauchbar gemacht und ein Scheinwe fer
zer=
ſtört worden. Die türkiſchen und arabiſchen Truppen
hatten 2 Tote und 3 Verwundete.
China.
* London, 27. April. Die Daily Mail meldet aus
Peking: Die deutſche Firma Arnold,
Kar=
berg u. Ko., die ein öſterreichiſches Syndikat vertritt,
hat mit dem chineſiſchen Finanzminiſterium
eine 6prozentige Anleihe von 9 Millionen Mark
abge=
ſchloſſen. Die Anleihe iſt zu 95 Prozent ausgegeben
worden. Für die Anleihe ſind die ſtädtiſchen Akziſen
von Peking verpfändet worden. Die chineſiſche
Regier=
ung hat die Verpflichtung, bis zur vollen Höhe der
An=
leihe bei den Skodawerken Geſchütze zu beſtellen.
* London, 27. April. Wie das Reuterſche Bureau
erfährt, findet zwiſchen den Mächten ein
Gedankenaus=
tauſch über die Sechsmächte=Anleihe Chinas
ſtatt. Vertreter der intereſſierten ſechs Finanzgruppen
werden im Mai wahrſcheinlich in London
zuſammen=
treten, und es iſt unwahrſcheinlich, daß, was die
Einzel=
heiten betrifft, vorher etwas Beſtimmtes vereinbart
wer=
den wird. Nach telegraphiſchen Nachrichten aus China
ſoll angeſichts der unſicheren Verhältniſſe und der in
Be=
tracht kommenden politiſchen Intereſſen eine ſtrenge
Auf=
ſicht über die Anleihen als notwendig erachtet werden
Man hält es für nicht unwahrſcheinlich, daß in den
Er=
örterungen, die jetzt ſtattfinden, formelle Anerkennnu
der Anſprüche gewiſſer Mächte angeregt werden wird
die zwar im allgemeinen, aber bisher nicht formell
Gelt=
ung gefunden haben.
Darmſtadt, 29. April.
Die Kreisgruppe Darmſtadt des Deutſchen
Flotten=
vereins hielt am Samstag abend im Kaiſerſaal unter dem
Vorſitz des Herrn Profeſſor Dr. Baur ihre diesjährige
Hauptverſammlung ab, die ſehr zahlreich beſucht war und
zu der auch Vertreter der Ortsgruppen Roßdorf,
Arheil=
gen und Pfungſtadt erſchienen waren. Nach herzlicher
Be=
grüßung der Verſammlung durch den Vorſitzenden gelangte
durch Herrn Schriftführer Page das Protokoll der letzten
Generalverſammlung zur Verleſung und Genehmigung.
Hierauf erſtattete der Vorſitzende einen eingehenden
Ge=
ſchäftsbericht über das Vereinsjahr 1911. In trefflichen
Worten wies der Redner auf die im vorigen Jahr
beſtan=
dene Kriegsgefahr hin, in der nicht nur in Deutſchland,
ſondern in ganz Europa der Friede auf des Meſſers Schneide
geſtanden. Die Friedensträume zwiſchen Deutſchland,
Frankreich und England wurden ins rechte Licht gerückt.
Aber auch das Intereſſe für eine ſtarke Armee und Flotte
wurde in weite Kreiſe des deutſchen Volkes getragen. Auch
im Deutſchen Flottenverein hat dieſes Intereſſe durch eine
ſtarke Aufwärtsbewegung der Mitgliederzahl Ausdruck
gefunden. Der Mitgliederſtand der Kreisgruppe
Darm=
ſtadt iſt von 1301 in 1910 auf 1389 in 1911 geſtiegen. Die
Mitgliederzahl der Ortsgruppen hatten Ende 1911
folgen=
den Stand: Darmſtadt 803, Mercks=Fabrik 157, Arheilgen
68, Eberſtadt 33, Erzhauſen 25, Gräfenhauſen 20, Meſſel
27, Nieder=Ramſtadt 28, Ober=Ramſtadt 30, Pfungſtadt 56,
Roßdorf 135. Außerdem gehören der Kreisgruppe noch
ſieben Körperſchaften mit 1267 Mitgliedern an. Die
Zeit=
ſchrift Die Flotte wurde in 1314 Exemplaren bezogen. Die
Vereinsgeſchäfte wurden in 10 Vorſtandsſitzungen
er=
ledigt. Anſtelle des von der Leitung des Landesverbandes
zurückgetretenen Herrn General Korwan iſt Herr Admiral
a. D. Weſtphal getreten. Anſtelle des langjährigen
ver=
dienten Schatzmeiſters Herrn Krämer wurde Herr
Miniſterialreviſor Fink zum Schatzmeiſter der
Kreisgruppe Darmſtadt ernannt. Das
Vortrags=
weſen hatte auch in dieſem Jahre eine reiche Ausſtattung
erfahren. Zwei Vorträge der Kolonialgeſellſchaft, zwei
Vorträge des Vortragsverbandes und zwei
Veranſtalt=
ungen der Kreisgruppe und die Marineausſtellung gaben
weiten Kreiſen Darmſtadts Gelegenheit, ſich über die
Marine= und Flottenverhältniſſe des Reiches reiche
Kennt=
niſſe zu verſchaffen. Auch für das Jahr 1912 haben ſich
die Herren Admiral a. D. Weſtphal, Oberbürgermeiſter
Schäfer und Lehrer Page bereit erklärt, Vorträge in
den Ortsgruppen zu halten. Der Darmſtädter Preſſe
ſprach der Vorſitzende für die reiche Unterſtützung Dank
und Anerkennung aus. Ein Blick rückwärts zeige ein
erfreuliches Emporblühen des Darmſtädter
Flottenver=
eins, und daß auch die Kreisgruppe Darmſtadt zur
Stärke und zum Ruhme Deutſchlands unter der Deviſe:
„Mit Volldampf voraus!” beigetragen habe. Die
Rech=
nungsablage des Schatzmeiſters, Herrn Frick, ergab in
Einnahme 3481,76 Mark, in Ausgabe 3484,86 Mark. Die
Rechnung wurde von Herrn Stadtgeometer Fleckenſtein
geprüft und richtig befunden. Unter anerkennenden
Dan=
kesworten wurde den beiden Schatzmeiſtern Entlaſtung
erteilt. Eine redaktionelle Statutenänderung des § 4
fand einſtimmige Annahme. Am Schluſſe der
Haupt=
verſammlung wies Herr Admiral Weſtphal mit großem
Nachdruck darauf hin, daß nur durch unſere ſtarke Flotte
der Krieg im vorigen Jahre verhindert wurde. Pflicht
eines jeden deutſchen Mannes ſei es daher, zur
Stärk=
ung und zum Ausbau der Flotte beizutragen. Mit
Dan=
kesworten des Vorſitzenden wurde die Verſammlung
um 9 Uhr geſchloſſen.
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. April 1912.
Nummer 100
J. Griesheim, 28. April. Ein
Selbſtmordver=
ſuch und ein Selbſtmord ereigneten ſich heute hier.
Im erſteren Falle handelt es ſich um eine jüngere
Ehe=
fra, welche, noch rechtzeitig von ihrem Manne gefunden.
nach längeren angeſtrengten Wiederbelebungsverſuchen
von Sanitätsmitglidern der Freiwilligen Feuerwehr
wieder ins Leben zurückgerufen werden konnte. Die
Angſt vor einem zu erwartenden Familienereignis,
wel=
ches nunmehr zerſtört ſein dürfte, ſoll das Motiv geweſen
ſein. — Im anderen Falle, bei welchem ein in den 40er
Jahren ſtehender Mann in Frage kommt, waren
eben=
ſogleich vorgenommene Wiederbelebungsverſuche ohne
Erfolg.
Auerbach, 27. April. Der
Kammermuſik=
verein Auerbach hielt am Freitag ſeine
Generalver=
ſammlung ab. Der Vorſitzende, Herr Rentner Sieben,
eröffnete die Sitzung und erſtattete nach Begrüßung der
Erſchienenen den Jahresbericht über die Tätigkeit
des Vereins im abgelaufenen Jahre. Der Verein hat
zwei Quartett=Abende und zwei Soliſten=Abende
ver=
anſtaltet, die ſich ſämtlich eines hohen künſtleriſchen,
ſo=
wie ausreichenden pekuniären Erfolges erfreuten. Die
Mitgliederzahl hat ſich im letzten Jahre von 193 auf 267
gehoben. Nach Vorlage des Rechnungsberichtes, der mit
2178,73 Mark abſchließt, wurde dem Rechner Entlaſtung
erteilt. Geäußerten Wünſchen nach Solovorträgen des
hervorragenden Mitgliedes des Quartetts Rebner, Herrn
Joh. Hegar (Cello), ſoll entſprochen werden. Die
ge=
ſchloſſene Intereſſengemeinſchaft mit dem Verkehrs= und
Verſchönerungsverein Bensheim fand einſtimmige
Ge=
nehmigung nach dem Vorſchlage des Vorſtandes.
— Mainz, 28. April. Trotz ſchärferer Ueberwachung
richteten ſtreikende Winzer in den oberrheiniſchen
Weinbergen erneut große Zerſtörungen an. Es iſt
noch nicht gelungen, der Täter habhaft zu werden.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Nikolasſee, 27. April. Heute nachmittag gegen ſechs
Uhr entſtand in Beelitzhof ein Waſſerrohrbruch der
Charlottenburger Waſſerwerke Aktiengeſellſchaft.
Beelitz=
hof war faſt gänzlich überſchwemmt und unter Waſſer
geſetzt. Im Reſtaurant Beelitzhof geht das Waſſer bis
zur Tiſchhöhe. Zahlreiche Feuerwehren der Umgegend
und eine große Anzahl der Arbeiter der Waſſerwerke ſind
damit beſchäftigt, die Maſchinenhäuſer auszupumpen und
die Bruchſtelle zu dichten. Man hofft, daß ſie in der Nacht
fertig werden. Friedenau, Charlottenburg, Schöneberg,
Haalenſee und Grunewald ſind gänzlich ohne Waſſer.
Hannover, 28. April. Sämtliche Fahrer der
Adlerwerke, die den Kraftdroſchkenverkehr in
der Stadt beſorgen, ſind heute nach vierzehntägigem
Streik wieder in den Dienſt getreten, ohne daß ihre
Forderungen bewilligt wurden.
* Wernigerode, 28. April. In der Neuen Mark
wurden in der vergangenen Nacht acht Wohnhäuſer
durch eine Feuersbrunſt elngeäſchert.
* Leipzig, 27. April. Das Reichsgericht
ver=
urteilte im Spionageprozeß gegen den Schloſſer Wolf
aus Preichau den Angeklagten nach Antrag des
Reichs=
anwalts wegen verſuchten Verrats militäriſcher
Geheim=
niſſe zu 1¾ Jahren Zuchthaus. Unter Einrechnung der
früheren nicht verbüßten ſechsmonatigen Gefängnisſtrafe
wurden beide Strafen zu zwei Jahren Zuchthaus
zu=
ſammengezogen. Außerdem wurde Wolf zu 5 Jahren
Ehrverluſt und Stellung unter Polizeiaufſicht verurteilt.
Oldenburg, 27. April. (Vorläufiges amt
liches Wahlergebnis.) Bei der geſtrigen
Reichs=
tagserſatzwahl im zweiten oldenburgiſchen Wahlkreiſe
Varel=Jever erhielten Dr. Wiemer (Fortſchr. Vpt.) 10301,
Hug (Soz.) 12557, Dr. Albrecht (Natl.) 1898, Frhr. von
Hammerſtein (Bund der Landwirte) 998 Stimmen.
Zer=
ſplittert waren zwei Stimmen.
* Danzig, 27. April. Bei dem heute auf der Schichau=
Werft erfolgten Stapellauf des Linienſchiffes
„Erſatz Aegir” hielt König Friedrich Auguſt
die Taufrede, in der er ſagte: Vor uns liegt es, ein
Erzeugnis deutſchen Gewerbefleißes, kunſtvoll geſtaltet
nach gewiſſenhafter Vorbereitung durch unſere
Marine=
behörde, gebildet durch bis ins Kleinſte treue Arbeit; in
ſeiner Geſamtheit aber ein kraftvolles Ergebnis jener
unermüdlichen Fürſorge für des Reiches Wohl und Wehr,
für die wir alle unſerem Kaiſer danken. Mein ganzes
Haus und Land ſind gleichzeitig erfüllt mit hoher Freude
und herzlicher Zuſtimmung im ganzen Reiche wird es
begegnen, daß nach dem Willen Seiner Majeſtät des
Kaiſers dieſes Schiff dem Gedächtnis eines Monarchen
geweiht ſein ſoll, der, getragen von der Liebe ſeiner
Sachſen, von dem Vertrauen aller Deutſchen in großer
Zeit der Gründung des Reiches unter den Erſten
geſtan=
den hat. Die Freundſchaft, die mit drei Kaiſern ihn
ver=
band und die des regierenden Kaiſers Majeſtät über das
Grab hinaus auf mich, Seinen Nachfolger, übertragen
hat, findet darin einen erhebenden Ausdruck für alle
Zeiten, daß dieſes Schiff den Namen „König Albert”
führen ſoll. Es iſt ein gutes Panier, unter dem es
fah=
ren wird, und ſein Name wird ihm der Leitſtern ſein
in der Erfüllung des hohen Berufs nach den Befehlen
des Kaiſers einzuſtehen für Deutſchlands Ehre und
Macht. Der Segen des dreieinigen Gottes geleite das
Schiff und alle, die es tragen wird.
Hierauf vollzog Prinzeſſin Mathilde von
Sachſen den Taufakt mit folgenden Worten: „Auf
Be=
fehl Sr. Majeſtät des Kaiſers taufe ich Dich „König
Albert‟. Der Feier wohnten auch der Kronprinz
und die Kronprinzeſſin bei.
Nach dem Stapellauf nahm der König den
Vorbei=
marſch der Ehrenkompagnie entgegen und begab ſich zu
Wagen mit dem Kronprinzen, von Huſaren eskorriert,
zum Danziger Hof, wo ein vom Staatsſekretär des
Reichsmarineamtes gegebenes Frühſtück ſtattfand.
* Swinemünde, 27. April. Bei dem Dorfe Heckeritz
auf Uſedom geriet geſtern abend ein Automobil ins
Schlendern und ſtürzte um. Von den drei Inſaſſen
wurde der Ingenieur Jahniſch von der Allgemeinen
Elektrizitätsgeſellſchaft in Berlin, der unter das
Fahr=
zeug geriet, getötet. Ingenieur Bachmann=Stettin wurde
ſchwer verletzt, während der Wagenführer, Ingenieur
Ritter, Leiter des hieſigen Provinzialbureaus, mit einer
leichten Quetſchung der Schulter davonkam.
* Wien, 27. April. Bei der Stichwahl für den
Gemeinderat in dem Bezirk Ottakring iſt der
Sozial=
demokrat Anton David mit 2101 von 4181 Stimmen
ge=
wählt. Der chriſtlich=ſoziale Gegenkandidat unterlag mit
2079 Stimmen. Bei den Wahlen für die
Bezirksvertret=
ung des Bezirks Ottakring erhielten die Sozialdemokraten
ſämtliche 10 Mandate.
Paris, 28. April. Polizeibeamte umſtellten in der
vergangenen Nacht ein einzelnes Haus in Choiſy le Roi,
das den Automobilbanditen als Zufluchtsort
dient. Heute früh eröffneten die Banditen auf die Be=
amten und Pioniere, die hinzugezogen worden waren,
um das Haus in die Luft zu ſprengen, ein
regelrechtes Feuer. Es heißt, es ſeien bereits mehrere
Perſonen verwundet worden.
* Paris, 28. April. In Choiſy le Roi brachten die
Pioniere um ¾12 Uhr zwei Dynamitpatronen bei
dem Hauſe, in dem ſich die Automobilbanditen befanden,
zur Entladung, ohne jedoch einen Mauereinſturz zu
er=
zielen. Im Innern des Hauſes ertönten Revolverſchüſſe,
weshalb angenommen wird, daß die Banditen
Selbſt=
mord verübt haben. Als man in das Haus eindrang,
wurde Bonnot ſchwer verletzt, der Eigentümer
Dubois tot aufgefunden. Der Automobilbandit
Bon=
not iſt nach ſeiner Ankunft im Hoſpital ſeinen
Ver=
letzungen erlegen.
* Paris, 28. April. Ueber die Vorgänge in
Choiſy=
le=Roy werden folgende Einzelheiten
ge=
meldet: Nachdem Pioniere, gedeckt von einem
Stroh=
wagen, ſich dem Hauſe, wo ſich die Automobilbanditen
befanden, genähert hatten, legten ſie Dynamitpatronen
nieder. Infolge der Entladung wurde das Mauerwerk
beſchädigt. Im Innern des Hauſes wurde der Leichnam
des Eigentümers Dubois aufgefunden. Bonnot hatte
eine ſchwere Schußverletzung in der linken Schläfe,
außerdem einen Schuß in der Herzgegend. Eine große
Menſchenmenge verſuchte in das Haus einzudringen und
die Banditen zu lynchen.
* London, 27. April. Morningpoſt meldet aus
Teheran vom 20. April: Die Beſchießung der Moſchee
in Moſchod durch die Ruſſen hat die Bewegung unter den
Mullahs gefördert, die mit einem heiligen Krieg
gegen die Fremden drohen. Der Hauptführer
Said Ali iſt wegen aufrühreriſcher Reden verhaftet
wor=
den. Eine Deputation von Mullahs hat dem Regenten
erklärt, daß er abgeſetzt werden würde, wenn er im
gegenwärtigen Augenblick Perſien verlaſſe. Man glaubt,
daß Naſſar=el=Mulks Reiſe nach Europa infolge der
Halt=
ung der Mullahs aufgegeben wurde.
* Petersburg, 27. April. Die Reichsduma nahm
den Etat des Miniſteriums des Aeußern an. Die Duma
ſprach den Wunſch auf Feſtſetzung einer Anteilsnote
Finnlands an dieſen Ausgaben und die Notwendigkeit
der Errichtung einer Akademie für orientaliſche
Sprachen aus.
* Petersburg, 28. April. Gegen 7000 ſtudierende
Zuhörerinnen der Frauenkurſe veranſtalteten geſtern
nachmittag vor der Kaſankirche eine Kundgebung
aus Anlaß der Vorgänge in den Lenabergwerken.
Die Menge erſchien mit einer roten Flagge und ſang
das Totenlied. Gendarmen und berittene Schutzleute
zerſtreuten die Demonſtranten. Währenddeſſen verſuchten
andere Demonſtranten, welche das Totenlied ſangen, in
die Kaſankirche zu ziehen, ſie wurden jedoch gleichfalls
von der Polizei zerſtreut. Die Ruhe iſt wieder hergeſtellt.
Viele Verhaftungen wurden vorgenommen.
* Konſtantinopel, 28. April. Anläßlich des
Jah=
restages der Thronbeſteigung des
Sul=
tans iſt die Stadt reich beflaggt. Am Vormittag fand
ein Empfang im Palais ſtatt. Darauf wurde die von
der Nürnberg=Augsburger Maſchinenfabrik exbaſtte
Brücke von Galata nach Stambul feierlich eröffnet.
Nach=
mittags fand auf dem Freiheitshügel eine Revue über
30000 Mann aller Waffengattungen ſtatt, der der
Sul=
tan, die Prinzen, das diplomatiſche Korps, ſowie
zahl=
reiche Würdenträger und das Publikum beiwohnten. Die
ausgezeichnete Haltung der Truppen fand allgemeine
Be=
wunderung. Zum erſten Male ſtieg ein Militär=
Aero=
plan auf. der über dem Paradefelde in großer Höhe
ein=
drucksvoll manövrierte. Abends war die Stadt
illumi=
niert. Etwa 200 wegen politiſcher Delikte Verurteilte
wurden begnadigt.
* Damaskus (Paläſtina), 27. April. In vergangener
Nacht brach im Baſarviertel ein großer Brand
aus, der einen großen Teil des Viertels einäſcherte und
bisher nicht gelöſcht werden konnte. Das Gebäude der
Ottomanbank iſt durch das Feuer bedroht. Mehrere
Tote ſind bereits geborgen. Der Schaden beträgt
ſchätzungsweiſe 50 Millionen. Militär beteiligt ſich an
den Löſcharbeiten. Die Entſtehungsurſache iſt noch
un=
bekannt.
* Konſtantinopel, 28. April. Das Schadenfeuer
in Damaskus hrach in den Räumen der Redaktion
des Araberblattes „Erravi” aus und griff auf das
Baſar=
viertel über, das zerſtört wurde. Die Höhe des
ange=
richteten Schadens iſt nicht genau feſtgeſtellt. Die große
Moſchee Omajagen und das Regierungsgebäude blieben
unverſehrt. Die ganze Garniſon war an den
Löſchungs=
arbeiten beteiligt.
* Waſhington, 28. April. Das Staatsdepartement
ſprach die Bereitwilligkeit aus, an der internationalen
Konferenz zur Herbeiführung einer größeren
Sicher=
heit des Verkehrs auf dem Ozean
teilzuneh=
men. Der ſtellvertretende Sekretär des
Staatsdeparte=
ments, Wilſon, erklärte, Deutſchland werde die Führung
bei der Vorbereitung der Konferenz übernehmen.
Oklahoma=City, 28. April. Ein Tornado
richtete geſtern nachmittag in verſchiedenen Teilen
Okla=
homas mannigfache Verheerungen an. Aus dem
Orte Lugert wird berichtet, daß der Wirbelſturm einen
vorüberfahrenden Eiſenbahnzug von den Schienen warf.
Eine Anzahl Reiſender ſei getötet oder verletzt worden.
Ein Hilfszug ſei mit Aerzten nach Lugert abgegangen.
— Wiesbaden, 27. April. Der im 78. Lebensjahre
ſtehende Generalleutnant z. D. Friedrich von
Haug=
witz beging heute ſein 60jähriges
Militär=
jubiläum. Aus dieſem Anlaſſe iſt ihm eine
Kaiſer=
liche Kabinettsorder zugegangen, durch welche ihm die
Erlaubnis zum Tragen der Uniform des Grenadier=
Re=
giments Kaiſer Wilhelm II. (2. Weſtpreußiſches) Nr. 7,
wo er vor 60 Jahren eingetreten war, erteilt wird.
— Aſchaffenburg, 27. April. Im benachbarten
Groß=Walſtadt brannte heute früh die
um=
fangreiche Oelmühle Scherer vollſtändig nieder.
Ge=
rettet wurde nichts.
— Breslau, 27. April. Profeſſor Dr. Göbel, der
Leiter der Tripolisexpedition des Roten Kreuzes iſt
hierher zurückgekehrt. Die Leitung der Expedition
über=
nahm Privatdozent Dr. Otten=Tübingen. Die kranken
Mitglieder der Expedition befinden ſich alle auf dem
Wege der Beſſerung.
H. B. Paris, 27. April. Die Nachricht aus London,
daß der Dampfer „Olympie” ſeine Reiſe nach
Ame=
rika für diesmallaufgegeben hat, hat in Cherbourg,
wo Hunderte von Reiſenden auf dieſen Dampfer
war=
teten, große Aufregung hervorgerufen. Ein
Teil der Reiſenden iſt bereits nach Havre gefahren um
dort auf die Abfahrt eines großen franzöſiſchen Dampfers
zu warten, da der Dampfer „La Provence” der
aus=
nahmsweiſe heute in Cherbourg anlegen wird, mehr als
300 Anträge auf Fahrkarten zurückweiſen mußte. Andere
werden verſuchen, auf dem deutſchen Dampfer „
Phila=
delphia”, der morgen in Cherbourg anlegt, Platz zu
finden. Noch andere begaben ſich nach Boulogne, der
vorletzten Station des deutſchen Dampfers „General
Grant” Für dieſen Dampfer haben ſich die meiſten
Rei=
ſenden der dritten Klaſſe entſchloſſen.
H.B. London, 27. April. Nach dem genauen
Be=
richt aus Southampton über den Streik auf dem
Rieſen=
ſchiff „Olympic” und über deſſen aufgegebene
Ausfahrt brachte das Kreuzverhör des fünften
Offi=
ziers, Withers, von der „Olympie” bei der
Verhand=
lung gegen die ſtreikende Beſatzung aufſehenerregende
Enthüllungen über die Bemannung und Ausrüſtung des
Rieſenſchiffes zutage. Auf die Kreuzfragen der
Vertei=
diger der Streikenden gab Withers zu, daß die
Beſatz=
ung ſehr knapp war. Die Offiziere mußten das
Achter=
teil des Schiffes bei der Abfahrt lösmachen, Stewards
wurden herangezogen, um als Heizer zu helfen. Der
Offizier konnte nicht verneinen, daß die Mannſchaft der
„Olympic” nur aus zuſammengewürfelten Leuten
be=
ſtand und daß von 200 Mann nur 3 Zeugniſſe über
bis=
herige Dienſte beibringen konnten. Wie der Verteidiger
anführte, waren die zuſammenlegbaren Rettungsbodte
alt und unbrauchbar und hatten Jahre lang ungeprüft
auf Lager gelegen. Der Offizier konnte dieſe Angaben
nicht widerlegen.
H.B. London, 27. April. Bei einem Rennen zu
Dartmoor ereignete ſich geſtern ein tragiſcher
Unfall. Beim dritten Rennen kam einer der
Herren=
reiter namens Gerald Halifax, der Sohn des Kapitäns
Halifax, beim Ueberſpringen einer Hürde zu Fall. Sein
Pferd überſchlug ſich und fiel auf den Reiter. Als man
den Verunglückten unter dem Pferde hervorzog, war er
bereits tot. Die Braut und die Schweſter des
Verun=
glückten befanden ſich unter den Zuſchauern.
— Athen, 27. April. 17 kretiſche
Abgeord=
nete ſind geſtern hier angekommen, um ihren Sitz in
der griechiſchen Kammer einzunehmen. Weitere treffen
am Montag ein. Die Bevölkerung von Athen bereitete
ihnen einen begeiſterten Empfang. Durch königliches
Dekret iſt die Eröffnung der Kammer um 30 Tage
ver=
tagt worden.
EEeA
Verkaufs-
Fabrik ant:
stellen durch
August Jacobi
lieses Plakat
Darmstadt.
kenntlich.
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Statt Karten.
Liesel Stautz
Wilh. Gg. Hennings
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Mathildenplatz 15
Gutenbergstrasse 62
(*1
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſeres unvergeßlichen Sohnes
und Bruders
(10056
Herrn Carl Ströher
ſagen wir Allen, insbeſondere Herrn Pfarrer
Kleberger für ſeine troſtreichen Worte, ſowie für
die zahlreichen Blumenſpenden unſeren innigſten
Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 27. April 1912.
Tageskalender.
Hoftheater, Anfang 7½ Uhr (Ab. B): „Der Herr
Senator”
Vortrag von Carl Becker um 8¼ Uhr im „Fürſtenſaal”.
Generalverſammlung des Verſchönerungsvereins
um 6 Uhr im Reſtaurant Sitte.
Hauptverſammlung des Hausbeſitzervereins um
8½ Uhr im Reſtaurant Sitte.
Konzerte: Hotel Heß und Bürgerkeller um 8 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße Nr. 23);
Zur Ankunft der griechiſchen Königsfamilie in Korfu;
Das deutſche Unterſeeboot „U 8” auf einer Probefahrt;
Porträts von Alfred Krupp (zu ſeinem 100.
Geburts=
tage) und dem neuen Miniſterpräſidenten in Ungarn
v. Lukacs; Photographiſche Aufnahmen der
Sonnen=
finſternis am 17. April.
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 30. April.
Faſelvieh=Verſteigerung um 11 Uhr
Arheilger=
ſtraße 43, um 11¾ Uhr Beſſungerſtraße 60.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
Nummer 100.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. April 1912.
Seite 9.
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Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. April 1912.
Nummer 100.
3C
C
JC
4
FurAaien
Sammet=Gummi=Gürtel, ſchwarz Stck. 38 ₰
Batiſt=Bluſe, weiß, hübſch verarbeitet, Stck. 125 ₰
Unterrock, aus geſtr. Waſchſtoff mit Volant 110 ₰
Damen=Hemd, aus gutem Stoff, Reformſchnitt 115
Damen=Beinkleid mit Stickerei .
95 ₰
Haus=Schürze, voll, groß, waſchecht
78 ₰
Bluſen=Schürze, hübſche Fagon
95 ₰
½ Dutzend Taſchentücher, gebrauchsfertig . 95 ₰
Damen=Handſchuhe, Trikot
. . 48 ₰
Damen=Handſchuhe, durchbrochen, kurz . . 22 ₰
Damen=Handſchuhe, durchbrochen, lang . . 38 ₰
Damen=Strümpfe, engl., lang, ſchwz. u. braun 48 ₰
Damen=Strümpfe, durchbroch., ſchwz. u. braun 48
Frauen=Strümpfe, deutſch lang, pat.=geſtrickt 32
Korſett, mit Spiral=Einlage .
95₰
Korſett, aus prima Drell, Frackfaçon. . . . 185 ₰
Untertaille, reich mit Stickerei
. . . 110 ₰
Tüll=Jabots
. „
. 45 ₰
Aeroplan=Schleife, ſehr modern
45 ₰
Damen=Handtaſche, imit. Auto m. Ueberklappe 88 ₰
Für
den auskutf!
1 Paket Kerzen, gute Qualität
37 ₰
1 Paket Streichhölzer
23 ₰
1 Stück Kernſeife
14 ₰
1 Paket Seifenpulver
3 ₰
3 Pakete Seifenſand
18
½ Pfund=Doſe Bohnerwachs .
32
1 Paket Puddingpulver
5 ₰
1 Doſe Schmirgelpulver
24 ₰
100 Blatt Butterbrotpapier
22₰
1 Paket Silberputzwatte
35 ₰
3 Dutzend Reißnägel
5 ₰
Waſchklammern, 60 Stück
10 ₰
½ Dutzend Britannia=Kaffeelöffel . .
35 ₰
1 Wachstuch=Markttaſche
35 ₰
6 Weingläſer
55
1 Satz — 6 Stück Schüfſeln, weiß?. . .
95 ₰
1 Blumengitter .
48
1. Gießkanne, 10 Liter faſſend
125
1 Kaffee=Mühle mit gutem Werk
78
1 Aluminium=Milchkocher
95 ₰
3 Aluminium=Milchtöpfe, div. Größen
95
1 Sand=, Seife= und Soda=Geſtell
95
Far kinder!
Ruckſäcke
42
Knaben=Bluſen, waſchbar
58
Sweaters, einfarbig und mit Borde ..
50 ₰
Ruſſenkittel, weiß mit Bordure .
95
Kimono=Schürze, waſchecht
45
Kinder=Kleidchen aus Mouſſeline
88
Lavalliers, ſchottiſche Deſſins
25
Kinder=Stickerei=Kragen .
48
Matroſen=Kragen
45
Stickerei=Garnitur für Kragen und Aermel
68
Südweſter aus Sommerſtoff
48
Kinderhütchen aus weiß Piqué
95
Stickerei=Häubchen .
58
Knaben=Spazierſtock mit Metallgriff
33
Knaben=Strohhut . .
35
Matroſenhut für Knaben und Mädchen . . . 68
Kinder=Strümpfe
für das Alter von:
9—10 Jahren
25 ₰ 30 ₰ 37 ₰ 43 ₰ 48 ₰
Kinder=Söckchen, ſchwarz, weiß und braun,
für das Alter von:
9—10 Jahren
16 ₰ 20 ₰ 27 ₰ 32 ₰ 38
. Ernst-Ludwig-
und Färberei Hugo Luckner (Inh. Gebr. Röver), Leipzig
strasse 12,
Darmstaut
Rheinstr. 23,
chem. Waschanstalten.
Farborer debr Rover, Frankfurt a. M. Hügelstrasse 2
Chem. Reinigen u. Färben v. Damen-, Herren- u. Kinder-Kleidern, Vorhängen, Decken, Fellen, Spitzen, Handschuhen etc.
ca. 1000 Angestellte.
Kurſe vom 27. April 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
InProz.
Sf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,00
3½ Deutſche Reichsanl. 90,50
81,30
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,00
90,75
3½ do. Conſols
81,25
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,00
92,90
3½
do.
84,00
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,50
89,25
do.
3½
3
do.
4 Hamburger Staatsanl. 100,30
4 Heſf. Staatsanleihe 100,00
4 do. do. (unk. 1918) 100,00
89,20
do.
3½
78,20
„
do.
80,80
3 Sächſiſche Rente.
4 Württemberger v. 1907 100,70
95,00
do.
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 101,00
1¾ Griechen v. 1887 . . 55,30
3¾/ Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 91,80
4 do. Goldrente . . . 96,40
1 4 do. einheitl. Rente 89,20
3 Portug. unif. Serie I 65,00
3 do. unif. Ser. III 68,00
3 do. Spezial . . . . 10,20
5 Rumänier v. 1903 . . 101,30
4 do. v. 1890 . . 94,90
1 4 do. v. 1905 . . 91,70
; 4 Ruſſen v. 1880 . . . . 91,20
4 do. v. 1902 . . . . 90,25
1 4½ do. v. 1905 . . . . 100,40
3½ Schweden .
89,00
4 Serbier amort. v. 1895 85,20
4 Türk. Admin. v. 1903 84,20
1 4 Türk. unifiz. v. 1903 90,60
4 Ungar. Goldrente . . . 91,20
j 4 do. Staatsrente . . . 89,60
In Proz
. .101,10
5 Argentinier .
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 92,10
5 Chineſ. Staatsanleihe . 100,50
do.
4½
4½ Japaner . . . . . . . 95,00
5 Innere Mexikaner . . . 95,20
do.
59,70
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,00
5 Gold=Mexikaner . . . . 100,00
3 Buenos Aires Provinz 71,80
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt
. . . 143,90
5 Nordd. Lloyd . . . . . 115,50
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 123,75
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 112,00
8 Baltimore und Ohio . 109,00
6½ Schantungbahn . . . 138,00
6" Luxemb. Prince Henri 1613/
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 16½
6 Pennſylvania R. R.
Letzte Induſtrie=
Hivid. Aktien.
4 Brauerei Werger 72,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik
. . . 499,75
14 Chem. Fabrik Gries=
. 262,00
heim
30 Farbwerke Höchſt . . 580,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 339,00
10 Cement Heidelberg . . 156,60
32 Chem. Werke Albert 455,50
12½ Holzverkohlung
Kon=
ſtanz . . . . . . . 322,00
4 Lahmeyer . . . . . . .131.00
Meen
Sehte
Dwid.
7½Schuchert, Nürnberg 163,75
12 Siemens & Halske . 244,50
5 Bergmann Electr. . . 157,00
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 177,80
0 Gummi Peter . . . . 136,20
0 Kunſtſeide Frankfurt 185,50
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 479,00
10 Maſchinenf. Badenia 182,50
6 Wittener Stahlröhren 185,80
8 Steana Romana Petr. 145,25
15 Zellſtoff Waldhof . . 242,25
12½ Bad. Zucker=
Wag=
häuſel . . . . . . . 212,00
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 124,00
3 Südd. Immobilien . 69,50
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . 194,50
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 228,80
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 184,75
10 Gelſenkirchener .
8 Harpener . . . .. . . . 195,50
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 263,60
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Carv. . . . . . . . 104,00
4 Laurahütte . . . . . . 180,75
10 Kaliwerke Aſchersleben
Weſteregeln 192,00
10
7½ South Weſt Africa 155%
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. 89,50
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 100,20
4 Eliſabethbahn, freie . . 96,50
4 Franz=Jofefs=Bahn .
3 Prag=Duxer . . . . . . 76,80
5 Oeſterr. Staatsbahn . 105,00
4 Oeſterr. Staatsbahn .
do.
78,50
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.)
Sinmn
(2
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 79,80
do.
53,80
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn 96,20
4 Ruſſ. Südweſt . .
. 88,90
4½ Moskau=Kaſan
. 36,60
do.
88,50
4 Wladichawchas
8-,80
4 Rjäſan Koslow .
89,00
3 Portugieſ. Eiſenb.
77,20
91,00
do.
24 Livorneſer . . . . . 69,10
3 Salonique=Monaſtir . 65,50
4 Bagdadbahn . . .
83,50
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 97,50
4 Miſſouri=Pacific . . . . 74,40
4 Northern=Paciſic . . . 100,20
4 Southern=Pacific. . . . 95,10
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 88,20
5 Tehuantepec . . . . .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . 199,00
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn . . . . . . . 150,40
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 166,75
6½ Darmſtädter Bank . 122,00
12½ Deutſche Bank .255,10
6 Deutſche Vereinsbank . 123,80
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 118,40
10 Diskonto=Kommandit 183,60
8½ Dresdener Bank . . 1527
9½ Frankf. Hypoth.=B. 214,60
6½ Mitteld. Kreditbank 118,40
7 Nationalb. für Deutſchl. 122,70
7 Pfälziſche Bank . . . . 130,00
5.86 Reichsbank . . . . . 136,20
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,25
7½ A. Schaaffhaufen.
Bankverein . . . 128,20
7½ Wiener Bankverein . 134,10
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 98,80
Sf. Pfandbriefe. InProz.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 90,00
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S.15—19, 21—26 98,00
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,50
3½
89,00
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 100,70
3½
do.
89,80
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
.100,40
S. 14, 15, 17, 24/26
. 100,45
18—23 . . .
8½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—8
89,80
S. 3—5
89,60
S. 9—11
89,70
4 Meininger Hyp.=Bank 99,50
3½
do.
89,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917)
98,40
3½ do. (unk. 1914) . . 88,60
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,20
do.
3½
89,60
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt .
. . . 99,00
8½ do.
90,60
4 Frankfurt.
100,70
8½ do.
93,00
4 Gießen .
3½ do.
4 Heidelberg
99,30
3½ do.
4 Karlsruhe
99,70
8½ do.
89,50
4 Magdeburg.
3½ do.
4 Mainz
3½ do.
4 Mannheim .
3½ do.
4 München .
100,40
3½ Nauheim
4 Nürnberg.
99,60
3½ do.
*90,20
4 Offenbach .
In dran,
(
3½ Offenbach .
100,00
4 Wiesbaden .
94,80
3½ do.
4 Worms .
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888 .
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner , 100 —
3 Holl. Komm. . fl. 100 108,00
3 Madrider . . Fs. 100 75,20
4 Meininger Pr.=Pfand=
137,40
briefe . . . . .
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 179,25a
3 Oldenburger . . . . . . 125,00
2½ Raab=Grazer fl. 150 116,00
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 198,60
Freiburger . . . . Fs.15 75,50
Fs. 45
Mailänder .
Fs. 10 34,40
do.
Meininger . . . . . fl. 7
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 522,00
do. v. 1858fl. 100
Ungar. Staats . . fl. 100
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 171,00
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,45
20 Franks=Stücke . . . . 16,22
lmerikaniſche Noten . . . 4, 19½
Engliſche Noten . . . . . 20,48
Franzöſiſche Noten. . . . 81,10
Holländiſche Noten. . . . 169,40
Italieniſche Noten . . . 80,45
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,80
Ruſſiſche Noten . . . . 215,50
Schweizer Noten . . . . . 81,05
Reichsbank=Diskonto. . .
Reichsbank=Lombard Zsf. 6
Nummer 100.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. April 1912.
Seite 11.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Pinſcher. Die Hunde können von den Eigentümern bei
dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht
ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um
(10031
10 Uhr, ſtatt.
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Frühjahrsmeſſe 1912.
Unter Bezugnahme auf § 366 Ziff. 10 St. G. B., Art. 264 Pol.
St. G. und Art. 129b Abſ. 2 der Städteordnung wird für die Dauer
der diesjährigen auf dem ſtädtiſchen Gelände gegenüber dem
Hallen=
ſchwimmbad ſtattfindenden Frühjahrsmeſſe folgendes angeordnet;
1. Es iſt verboten, durch die Reihen der Schau= und
Verkaufs=
buden zu reiten oder mit Fuhrwerken irgend welcher Art
namentlich auch mit Fahrrädern, zu fahren.
2. Ueber die an das vorerwähnte Gelände grenzenden Straßen
(Lindenhof=, Mühl= und Landgraf=Georgs=Straße) darf nur
im Schritt gefahren oder geritten werden.
(9900soi
Darmſtadt, den 23. April 1912.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Bekanntmachung,
betreffend die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe in der Haupt=
und Reſidenzſtadt Darmſtadt.
Da aus Anlaß der Meſſe am Sonntag, den 5. Mai 1912,
für die Stadt ein geſteigerter örtlicher Geſchäftsverkehr zu erwarten
iſt, wird hiermit auf Grund des § 105b Abſatz 2 der
Reichsgewerbe=
ordnung und der § 143 und 145 der Ausführungsverordnung zur
Gewerbeordnung für dieſen Tag die Offenhaltung ſämtlicher offenen
Verkaufsſtellen einſchließlich der Verkaufsſtände der Meſſe in der Zeit
von 11 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends zugelaſſen.
Während dieſer Stunden iſt die Beſchäftigung von Gehilfen,
Lehrlingen und Arbeitern in allen offenen Verkaufsſtellen geſtattet.
Darmſtadt, den 23. April 1912.
(10017oms
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
Verloſung von Schuldverſchreibungen der
Stadt Darmſtadt.
In Vollziehung des Schuldentilgungsplanes der Stadt
Darm=
tadt ſind heute nachſtehende ſtädtiſche Schuldverſchreibungen auf den
Inhaber des 3½%igen Anlehens, Buchſtabe L, von 1902 zur Rück
zahlung auf den 1. Oktober d. Js. berufen worden, nämlich:
Abt. I. zu 2000 Mk. Nr. 241, 398, 406, 448, 702, 731, 773, 817, 852,
.859, 910, 973.
Abt. II. zu 1000 Mk. Nr. 47, 71, 330, 331, 340, 362, 377, 429, 432,
536, 830, 848, 866, 949, 1030, 1080, 1192, 1197, 1198, 1550,
1552, 1574, 1666, 1669, 1718, 1764, 1846, 1898, 1909, 2190.
Abt. III. zu 500 Mk. Nr. 191, 604, 625, 670, 931, 1054, 1201, 1326,
1397, 1463, 1505, 1623, 1634, 1647, 1700, 1717, 1812, 1824
1889, 2188, 2200, 2201, 2207, 2215, 2229, 2287, 2298, 2333
2397.
Abt. IV. zu 200 Mk. Nr. 32, 216, 387, 470, 504, 570, 600, 611, 641,
664, 973, 1008, 1102, 1178.
Die Einlöſung geſchiebt bei der Stadtkaſſe Darmſtadt, ſowie bei
der Bank für Handel und Induſtrie zu Darmſtadt und Berlin und
deren übrigen Niederlaſſungen, bei der Preußiſchen Zentral=
Genoſſen=
ſchaftskaſſe in Berlin, der Pfälziſchen Bank in Ludwigshafen und
deren Niederlaſſungen in Frankfurt a. M. und Worms.
Die Verzinſung der Schuldverſchreibungen hört vom 1. Oktober
d. Js. an auf.
Darmſtadt, den 22. April 1912.
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.
(9823ds
Heſſiſche Eiſenbahn=Aktiengeſelſchaft.
Am 1. Mai I. J. tritt ein
Tarif für die Beförderung von Perſonen, Gepäck,
Expreß= und Marktgut
in Kraft. Die darin aufgenommenen beſonderen
Ausführungsbeſtim=
mungen ſind gemäß den Vorſchriften unter § 2 der Eiſenbahn=
Ver=
kehrsordnung genehmigt. Zunächſt bleiben noch in Geltung für die
Dauer des Dampfbahnbetriebs und in den Dampfbahn=Zügen der
Strecken Eberſtadt-Darmſtadt-Arheilgen u. Darmſtadt-Griesheim
a) die Fahrpreiſe für die zweite Wagenklaſſe
b) die Beſtimmungen und Beförderungspreiſe für Zeit= und
Marktkarten und für den Güterverkehr;
c) die Beſtimmungen über die Benutzung der Schüler=
Wochen=
karten von anderen Perſonen als Schülern.
Aufgehoben werden durch den neuen Tarif:
1. alle für die vormals ſtädtiſchen Linien in Darmſtadt
er=
laſſenen Beſtimmungen und Beförderungspreiſe;
2. der Tarif für die Darmſtädter Straßenbahnen (Eberſtadt-
Darmſtadt-Arheilgen und Darmſtadt — Griesheim) vom
1. April 1898 nebſt Nachträgen 1 und 2.
Der neue Tarif enthält unter anderem:
a) eine neue Regelung der Einzelfahrpreiſe mit zahlreichen
Ermäßigungen und Einrichtung des Umſteigeverkehrs
zwi=
ſchen elektriſchen und Dampfbahnlinien;
b) Einführung folgender Zeitkarten:
1. für den Stadt=Innenverkehr zum Preiſe von 10,20 Mk. für
den Kalendermonat, gültig auf ſämtlichen elektriſchen und
Dampfbahnſtrecken innerhalb der Grenzpunkte:
Hauptbahn=
hof, Schlachthof, Ringſtraße (Odenwaldbahn, ſpäter
Oſt=
bahnhof), Ohlyſtraße, Niederſtraße und Artilleriekaſerne. Die
Ausdehnung auf eine äußere Stadtſtrecke iſt gegen
Zah=
lung eines Zuſchlags von 1—2 Mk. zuzügl. Steuer möglich.
2. Zuſammenſtellbare Zeitkarten für jede beliebige
zuſammen=
hängende Tarifſtrecke
zu 10 Pfg. für 5,10 Mk.
„ 15 „ „ 6,70
für den Kalendermonat
„ 20 „ „ 8,20 „
„. 25 „ „ 9,70
u. ſ. f.
3. Schüler monatskarten nur für Fahrten nach und von der
Schule zum Preiſe von
a) 3 Mk. für den Kalendermonat und eine Strecke des
Innenverkehrs in Darmſtadt,
b) 4 Mk. für den Kalendermonat und eine Strecke des
Stadtbezirks Darmſtadt über den Innenverkehr hinaus.
Die bisherigen Beförderungspreiſe für Schüler= und Arbeiter=
Wochenkarten auf den Dampfbahnlinien bleiben unverändert.
Anträge auf Ausfertigung von Zeit= und Schülerkarten können
bis auf Weiteres in den Dienſträumen: Neckarſtraße 5, Arheilgen,
Eberſtadt und Griesheim abgegeben werden. Vordrucke hierzu ſind
daſelbſt unentgeltlich zu haben.
Darmſtadt, den 24. April 1912.
(8935fs
Süddeutſche Eiſenbahn=Geſellſchaft
Der Oberbürgermeiſter
Die Direktion:
J. V.:
Rötelmann.
Ekert.
Suche jedes Quantum
Milch
bis Mitte Mai. Off. unt. V. 450
an Haaſenſtein & Vogler, A.=G.,
Mannheim.
(10024fI
raues Koſtüm, Leinenkoſtüm
0 Paletot, Kinderkleider,
Kin=
derbett, Uebergardinen, verſch.
Reißbretter, Nickeltiſch ꝛc.
verkaufen. Beckstrasse 87,
parterre.
(*20772
Aufhebung der Oktrei=Erheb=
und Wiegeſtelle an der
Eliſabethenſtraße.
Infolge Schließung des
Güter=
bahnhofs zunächſt der
Eliſabethen=
ſtraße am 28. ds. Mts. wird die
obige Oktroi=Erheb= und
Wiege=
ſtelle aufgehoben.
Von dieſem Tage ab iſt die
Ab=
gabe für oktroipflichtige
Gegen=
ſtände bei der nächſten Erheb= und
Wiegeſtelle Heidelbergerſtr. 17
(Ecke Eſchollbrückerſtraße) zu ent=
(10012so
richten.
Darmſtadt, den 26. April 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Ekert.
Unfallverſicherung.
Unter Bezugnahme auf die
Be=
kanntmachung vom 8. Februar
ds. Js. erſuche ich diejenigen Un
ternehmer, die mit der Anmel
dung ihres Betriebes noch im
Rückſtande ſind, ſolche umgehend
zu erſtatten, widrigenfalls ich
ge=
nötigt bin, gegen ſie mit Geldſtrafen
vorzugehen. Im Rückſtande ſind
insbeſondere noch die
Unterneh=
mer, die Fahrzeuge und Reittiere
zu Privat= oder Luauszwecken
halten.
(9851fo
Die Anmeldung hat bei dem
Büro Waldſtraße 6 zu erfolgen,
woſelbſt auch die Formulare für
ſie zu erhalten ſind.
Nicht anzumelden ſind die
Be=
triebe, die bereits bei einer
Berufs=
genoſſenſchaft verſichert ſind.
Darmſtadt, 24. April 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Mueller.
In unſer Handels=Regiſter,
Ab=
teilung A, wurden folgende
Einträge vollzogen:
Am 19. April 1912.
Hinſichtlich der Firma:
Mayer & Sender,
Darm=
ſtadt.
Geſchäft und Firma ſind auf
die Kaufleute Alexander Mayer
und Joſeph Mayer, beide in
Darm=
ſtadt, als perſönlich haftende
Ge=
ſellſchafter übergegangen.
Offene Handelsgeſellſchaft.
Die Geſellſchaft hat am 19. April
1912 begonnen.
Moſes Mayer, Kaufmann in
Darmſtadt, iſt zum Prokuriſten
beſtellt.
Am 22. April 1912.
Neu eingetragen die Firma:
Ferdinand Schnägelberger,
Darmſtadt.
Inhaber: Ferdinand
Schnägel=
berger, Kaufmann in Darmſtadt.
Ferdinand Schnägelberger,
Kauf=
mann Ehefrau, Marie, geb. Neuſel,
in Darmſtadt, iſt zur Prokuriſtin
beſtellt.
(10021
Darmſtadt, 26. April 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
Bekanntmachung.
Die Firma Ludwig Nungeſſer,
Dampfziegelei in Pfungſtadt, iſt
auf Ludwig Nungeſſer IX. in
Pfungſtadt übergegangen. Zum=
Prokuriſten iſt beſtellt Ludwig
Nungeſſer V. daſelbſt.
Eintrag in das Handelsregiſter A
iſt erfolgt.
(10037
Darmſtadt, 24. April 1912.
Großherzogliches Amtsgericht II.
Faſelvieh=Verſteigerung.
Dienstag, den 30. ds. Mts., vormittags 11 Uhr, wire
in dem Faſelſtall Arheilger Straße Nr. 43 und um 11¾ Uhr in
dem Faſelſtall Beſſunger Straße Nr. 60 je ein zuchtuntauglicher Bulle
öffentlich meiſtbietend verſteigert.
(9862fs
Darmſtadt, den 23. April 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
.: Jaeger.
Sahrbahn= und Fußſteigbefeſtigungen.
In dem durch die Stadtverordneten=Verſammlung feſtgeſtellten
ſtädtiſchen Hauptvoranſchlag für 1912, der vom 26. April bis 2. Mai
I. Js. auf dem Stadthaus, Zimmer Nr. 39, in den üblichen
Ge=
ſchäftsſtunden offen liegt, ſind die unten verzeichneten Fahrbahn= und
Fußſteigbefeſtigungen aufgenommen, die im Laufe des
Geſchäfts=
jahres zur Ausführung gelangen ſollen. Wir empfehlen den
An=
liegern dieſer Straßenzüge, etwa beabſichtigte Anſchlüſſe ihrer
Grund=
ſtücke an den Straßenkanal, an die Verſorgungsrohre oder an die
Fernſprech= und Lichtkabelleitung unter Beachtung der hierüber
gül=
tigen Beſtimmungen baldigſt herſtellen zu laſſen.
Zu Aufbrüchen der neuen Fahrbahn= und Fußſteigbefeſtigungen
wird in den nächſten Jahren die Zuſtimmung der Stadtverwaltung
nur dann erteilt werden, wenn die Geſuchſteller der Stadt gegenüber
die Verpflichtung übernehmen, für alle infolge des Aufbruchs ver
anlaßten Schädigungen der Straßenbefeſtigung, insbeſondere auch für
die nachträglich etwa eintretenden Senkungen des Untergrundes,
aufzukommen und hierfür entſprechende Kaution hinterlegen.
Darmſtadt, den 24. April 1912.
Städtiſches Tiefbauamt.
(9840fs
Keller.
Straßenſtrecken.
Bezeichnung
der auszuführenden
Arbeiten.
A. Fahrbahnbefeſtigungen.
Beckſtraße zwiſchen Kies= und
Heinrichſtraße.
Marktplatz zwiſchen Ernſt=
Ludwigsplatz und Schillerplatz.
Wendelſtadtſtraße zwiſchen
Alicen= und Blumenthalſtraße.
B. Fußſteigbefeſtigungen.
Chauſſierung der Fahrbahn.
Fahrbahn=Umpflaſterung
längs der
Schloßgarten=
mauer.
Kleinpflaſterherſtellung.
Grüner Weg zwiſchen Herdweg
und Ohlyſtraße.
Lichtenbergſtraße zwiſchen
Dieburger Straße und
Guten=
bergſtraße.
Schießhausſtraße zwiſchen
Nieder=Ramſtädter Straße und
„Im Geißenſee‟.
Verbindungsſtraße zwiſchen
Gräfenhäuſer Straße und
Helfmannſtraße.
Randſteinverſetzung auf der
Oſtſeite.
Randſteinverſetzung beiderſeits.
Moſaikfußſteig und
Randſtein=
verſetzung auf der Südſeite.
Randſteinverſetzung auf der
Nordſeite.
Kraftloserklärung von Pfandſcheinen.
Die Inhaber der angeblich abhanden gekommenen Pfandſcheine
Nr. 5487, 7108, 7716, 9934, 15 478, 81314, 91416,
91420, 92 280, 92 429, 95 346, 97 586, 97 698 und
98 769 werden hiermit aufgefordert, ihre Anſprüche innerhalb
14 Tagen, vom Tage des Erſcheinens dieſer Bekanntmachung an
gerechnet, in unſerem Geſchäftszimmer — Kirchſtraße Nr. 9 — geltend
zu machen, widrigenfalls nach Ablauf dieſer Friſt gemäß § 32 des
Statuts vom 18. Auguſt 1900, betreffend die ſtädtiſche
Pfandleil=
anſtalt Darmſtadt, die Kraftloserklärung der Pfandſcheine erfolgen wird.
Darmſtadt, den 27. April 1912.
(10018
Städtiſche Pfandhausverwaltung.
Paul.
Die Verlegung des Darmſtädter Pferdemarkts
vom 6. auf den
13. Mai 1912.
geben wir hiermit bekannt.
(10023
Der Vorstand.
Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 1. Mai 1. J., vormittags 9 Uhr,
verſteigere ich im Auftrage der Erben im Hauſe
Hügelſtraße 29, I.
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diwan, 1 Salonſchränkchen, 1 Salontiſch, 2 Salonſtühle,
1 Säulenſtänder, 1 großer Spiegel mit Trumeau, 1 Büfett,
nußb. poliert, 1 Spiegelſchrank, 1 zweitüriger Kleiderſchrank,
1 Flurgarderobe, 1 Kleiderſtänder, 1 Schreibtiſchſeſſel, 1
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1 Bauerntiſch u. a. m., 2 komplette, ſehr gute Betten mit
Roßhaarmatratzen und Bettwerk, 1 Mädchenbett, 1
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mehrere ſehr gute Stiche und ſonſtige Bilder, 1 großen
Zimmerteppich und 2 Vorlagen, 5 komplette
Fenſtervor=
hänge, 1 Plüſchtiſchdecke und 2 Fenſtermäntel, 1
Gaszug=
lampe und ſonſtige Beleuchtungskörper, die
Kücheneinrich=
tung mit Gasherd.
Ferner Glas und Porzellan, ſowie Nippſachen,
3 ſilberne Tafelaufſätze, 2 ſilberne Brotkörbe und
ſonſtige kleine ſilberne Gegenſtände, 2 Operngläſer, 1
hüb=
ſche Bronzefigur und ſonſtige Gegenſtände.
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare
Zahlung ſtatt.
(10036oi
Die Beſichtigung kann Dienstag, nachmittags von 3 bis
5 Uhr, im Verſteigerungslokal, Hügelſtraße 29, geſchehen.
Darmſtadt, den 29. April 1912.
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator,
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.
u Ziehungs-
MeilleVerlegung.
Ziehung L. u. 6. Mei1912.
Altenburger
des Agnes-frauenvereins vom
Koten- Kreug
3333 Gewinnez
5 8
12550
30
J
E 8
. I1Losel0Mk
Lesvalfikvatoubste25e
versendetdas Generstdebite
Lotferiebankümbl
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Petrenz, Kgl. Pr. Lott.-Ein.;
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Rheinstr., Kiefer,
Mathil-
denpl., Gg. Lud. Kriegk,
Fr. Marguth, Marchandt,
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(*10742
Eliſabethenſtraße 39.
undehütte und Deutſche
Schäferhündin, pr.
Stamm=
baum, wegzugsh. billig zu verkauf
Pankratiusſtr. 11. 1. St. (*10529fs
u. Polſtermöbel,
Tapezlel-Matratzen,
Vor=
hänge, werd. gut u. bill. ausgeführt.
P. Frieſe, Pankratiusſtr. 69. (5198a
Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. April 1912.
Nummer 100.
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Nummer 100.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. April 1912.
Seite 13.
Der-Verkauf
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(10039
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Exped. d. Bl.
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. April 1912.
Nummer 100.
Erſte Kammer der Stände.
St. Darmſtadt, 28. April.
5. Sitzung.
Am Regierungstiſch: Staatsminiſter Ewald Exz.,
Finanzminiſter Braun Exz., Miniſter des Innern
v. Hombergk zu Vach Exz., Geheimerat Dr. Beſt,
Geh. Obermedizinalrat Dr. Lorenz.
Vizepräſident Fürſt Karl zu Solms=
Hohen=
ſolms=Lich eröffnet die Sitzung um 10 Uhr 15 Min.
und verlieſt zunächſt eine Reihe von Entſchuldigungen.
Darauf wird in die Tagesordnung eingetreten:
Der Antrag des Abg. Leun, die Bildung der
Land=
tagswahlkreiſe der Provinz Oberheſſen
betref=
fend, wird dem Beſchluſſe der Zweiten Kammer
ent=
ſprechend abgelehnt.
Ueber die Regierungsvorlage, betr. Geſetzentwurf
die Ausführung des
Reichsviehſeuchen=
geſetzes
vom 26. Juni 1909, erſtattet Graf zu Solms=
Lau=
bach kurz Bericht und bittet, dem Geſetzentwurf
zuzu=
ſtimmen, da durch die feſtgelegte 5jährige Geltungsdauer
es ja demnächſt leicht möglich ſein wird, eventuelle
Aen=
derungen zu treffen. Man ſollte alſo heute geringe
Be=
denken zurückſtellen, zumal das Reichsgeſetz am 1. Mai
in Kraft trete und man dann eventuell ohne
Ausführ=
ungsgeſetz ſei. — Gewerberat Falk tadelt die
Beſtim=
mung, daß von der Tötung bei Tuberkuloſe nicht zu
ſchnell und zu oft Gebrauch gemacht werden ſoll. Gerade
die Tuberkuloſe ſei ſehr gefährlich, auch wegen der
Ueber=
tragung auf Menſchen, ſo daß man ſie möglichſt ſchnell
und radikal bekämpfen ſollte, was am beſten durch
Töt=
ung des befallenen Viehes geſchehe.
Geh. Obermedizinalrat Dr. Lorenz verbreitet ſich
eingehender über die Bekämpfung der Tuberkuloſe. Nach
den gemachten Erfahrungen muß dieſe langſam und
da=
durch wirkſam erfolgen. In den öſtlichen Provinzen
Preußens, wo man ſeit Jahren planmäßig die
Tuber=
kuloſe bekämpfe, werden nur noch ſolche Tiere getötet,
die an ſogenannter offener Tuberkuloſe leiden, alſo
Tuberkelbazillen aus ihrem Körper ausſcheiden und ſo
allerdings ſehr zur Verbreitung der Krankheit beitragen.
Das langſame Vorgehen Preußens empfehle ſich auch für
Heſſen, denn auch im weſtlichen Teile des Reiches läßt
ſich die Tuberkuloſe nicht ſo ſchnell bekämpfen, weil man
es hier mit einer großen Menge kleiner Beſitzer zu tun
hat. Notwendig iſt die planmäßige Bekämpfung der
Tuberkuloſe nach einem beſtimmten Syſtem, das es
er=
möglicht, eine tuberkuloſereine Zucht zu ſchaffen. Auch
in Bayern hat man dieſe Notwendigkeit und damit das
nicht zu ſchnelle Vorgehen mit Tötung als richtig erkannt.
Man geht auch dort ganz langſam vor. Man muß vor
allem die Tuberkuloſe in den Zuchten bekämpfen, die ſich
durch Nachzucht ergänzen. Daraus ergibt ſich, daß wir
in Heſſen richtig vorgehen. Man muß nun die
Erfahr=
ungen abwarten.
Gewerberat Falk bleibt dabei, daß man nur mit
raſchem und radikalem Vorgehen vorwärts kommt. Das
ſei um ſo nötiger, als ein Fünftel des ganzen
Viehbeſtan=
des an Tuberkuloſe krank ſei. Namentlich bei
Euter=
erkrankungen hält Redner es für nötig, energiſcher
vorzu=
gehen und die Tiere auszumerzen. — Graf zu
Stol=
berg=Roßla: Wenn man dem Staat keine größeren
Opfer auferlegen will, kann man auch kein energiſcheres
Vorgehen erzielen. Man könne doch die bedeutenden
Koſten nicht dem Prodnzenten auferlegen. Es empfiehlt
ſich alſo, dem Wege der Regierung zu folgen.
Geh. Obermedizinalrat Dr. Lorenz macht noch
darauf aufmerkſam, daß zunächſt auch vom Bundesrat
vorgeſchlagen war, die von Tuberkuloſe befallenen Tiere
zu töten. Doch wurde das beſonders von den Beſitzern
bekämpft, ſo daß die Beſtimmung ſchließlich geändert
wurde, und man erſt noch Erfahrungen zu ſammeln
be=
ſchloß. Es wurde im allgemeinen für richtig gehalten,
ſich vorerſt auf die Zuchtbeſtände, die ſich durch Nachzucht
ergänzen, zu beſchränken.
Nach weiteren kurzen Ausführungen des
Gewerbe=
rat Falk, der das Metzgergewerbe vor Belaſtung
ge=
ſchützt wiſſen will, ſchließt die Generaldebatte. In der
Spezialberatung werden die einzelnen Artikel ohne
De=
batte und damit das ganze Geſetz nach den
Beſchlüſſen der Zweiten Kammer
ange=
nommen.
Auch zur Regierungsvorlage, betreffend den
Geſetz=
entwurf, die
Entſchädigung für an Maul= und
Klauen=
ſeuche gefallenes Rindvieh,
erſtattete Graf=u Solms=Laubach kurz Bericht und
beantragt ebenfalls Annahme nach dem Ausſchußantrag,
der in allen Punkten der Zweiten Kammer zuſtimmt.
Redner weiſt dann nochmals den wieder erhobenen
Vor=
wurf zurück, als ſei die Erſte Kammer an dem Scheitern
des erſten Entwurfes dieſes Geſetzes ſchuld.
Fürſt zu Yſenburg=Büdingen=
Wächters=
bach führt Klage über die großen Beläſtigungen und
Schädigungen, die durch die Sperrmaßregeln
hervorge=
rufen werden, ohne daß dadurch überhaupt die
Ausbreit=
ung der Seuche wirkſam verhindert werde. Das ſei
überhaupt unmöglich, denn man müßte ſonſt alle Spatzen,
Mäuſe, Ratten uſw. einſperren. Auf Grund eigener
Er=
fahrungen empfiehlt Redner bei Ausbruch der Seuche in
einem Stall, ſofort das geſamte Vieh des Ortes zu
infi=
zieren. Dann ſei die Seuche in höchſtens 14 Tagen
be=
kämpft. Man ſollte dieſes Infizieren zwangsweiſe
durch=
führen. Allerdings müßte den Betroffenen eine
Entſchä=
digung gewährt werden, die aber durch Gegenſeitigkeit
aufzubringen ſein müßte.
Graf zu Solms=Laubach begrüßt dieſe
An=
regungen, deren ſorgfältigſte Prüfung er empfiehlt; doch
gehöre das eigentlich zu dem Ausführungsgeſetz zum
Reichsviehſeuchengeſetz. Im übrigen empfiehlt Redner,
die Sperrbezirke möglichſt nicht zu groß zu bemeſſen,
da=
mit die ſchweren Schädigungen und Beläſtigungen
ge=
mildert werden.
Geh. Obermedizinalrat Dr. Lorenz: Dieſe Frage
ſei ſchon ſeit Jahren Gegenſtand der Prüfung, doch kam
man ſtets zu dem Reſultat, daß von einer zwangsweiſen
Infizierung abzuſehen ſei, da es mehrfach vorgekommen
iſt, daß geimpfte Viehbeſtände eingegangen ſind. Doch
könne man die Bundesratsbeſtimmungen bezüglich
Auf=
hebung der Sperre uſw. milder behandeln, wenn auch
vor einer allzu milden Handhabung gewarnt werden
müſſe.
Gewerberat Falk bittet um milde Handhabung
aller dieſer Beſtimmungen und führt dann Klage über
Offenbach berührende Spezialfälle.
Miniſter des Innern v. Homberg zu Vach Exz.:
Die techniſchen Fragen des Geſetzes ſind bereits von dem
Herrn Referenten beantwortet worden. Ich möchte nur
noch hinzufügen, daß wir dankbar ſind für alle
Anreg=
ungen, die uns gegeben werden, und daß die Großh. Re=
gierung ernſtlich prüſen wird, ob und wie weit ſich hhr
eine Handhabe bietet zur weiteren Bekämpfung der
Maul= und Klauenſeuche. Den Hauptwert des Geſetzes
erblicke ich darin, daß wir in Zukunft durch die
Anmelde=
pflicht und durch die Beſtimmung, daß derjenige, der das
rechtzeitige Anmelden unterläßt, des
Entſchädigungsan=
ſpruches verluſtig geht, in die Lage kommen werden, in
Zukunft frühzeitiger einſchreiten zu können. Denn durch
dieſe Beſtimmung wird der Verheimlichung des
Aus=
bruches der Maul= und Klauenſeuche, die früher ſo
ver=
derblich geweſen iſt, beſſer entgegengetreten werden, als
durch die Polizeivorſchriften. Darin erblicke ich den
Hauptwert des Geſetzes. Die Regierung iſt der Erſten
Kammer dankbar, daß ſie es ermöglicht, das Geſetz noch
vor dem 1. Mai zu verabſchieden.
Damit ſchließt die Generaldebatte.
In der Spezialberatung wird Art. 1
debatte=
los angenommen. Zum Art. 2 fragt Gewerberat Falk
an, ob das Kadavergewicht mit oder ohne Haut zu
ver=
ſtehen iſt. — Geh. Obermedizinalrat Dr. Lorenz
er=
klärt, das Kadavergewicht ſei natürlich das des ganzen
Viehes, wie es aus dem Stall kommt, mit Haut und
Eingeweiden. Teile, die eventuell noch zu verwerten
ſind, werden von dem Gewicht bei der Entſchädigung
ab=
gezogen. — Die weiteren Artikel werden ohne
weſent=
liche Debatte angenommen. Damit iſt auch dieſes
Geſetz nach den Beſchlüſſen der Zweiten=
Kammer erledigt.
Der Antrag der Abgeordneten Leun, Korell=
Angenrod und Genoſſen, Veteranenbeihilfe
be=
treffend, ſowie die Regierungsvorlage, betreffend die=
Veräußerung von fiskaliſchen Grund
ſtücken, werden debattelos nach den
Beſchlüſ=
ſen der Zweiten Kammer erledigt.
Letzter Punkt der Tagesordnung iſt die
Anfrage=
des Mitgliedes der Erſten Kammer der Stände, Herrn
Geheime Kommerzienrat Dr. Bamberger, betreffend;
Erbauung einer Eiſenbahnbrücke über
den Rhein im Rheingau.
Die Anfrage lautet: a) Iſt die Großherzogliche
Re=
gierung bereit, über den Stand der Verhandlungen
wegen Erbauung einer Eiſenbahnbrücke über den Rhein
im Rheingau mit Anſchluß an die ſtrategiſche Bahn Gau=
AlgesheinMünſter a. St. Auskunft zu erteilen?
b) Welche Maßnahmen ſind in Ausſicht genommen, um
die Verkehrsintereſſen Heſſens zu wahren?
Auf die Anfrage verlieſt Finanzminiſter Braun
Exz. folgende Antwort der Regierung: Bei den
Verhandlungen über den Bau einer Verbindungsbahn
von Rüdesheim (Geiſenheim) nach Sarmsheim (
Ocken=
heim) iſt die Großh. Regierung von Anfang an darauf
bedacht geweſen, die heſſiſchen Verkehrsintereſſen zu
wahren. Die Verhandlungen ſind noch nicht endgültig
abgeſchloſſen. Dies iſt auch nicht wohl möglich, ſolange
nicht das Maß der Beteiligung des Reiches an dem
Pro=
jekt ſicher ſteht. Ueber die ſchwebenden Verhandlungen
Auskunft zu geben, kann aber die Großh. Regierung
nicht für geeignet halten. Den Ständen des
Großher=
zogtums wird demnächſt eine Vorlage wegen des auf
Heſſen entfallenden Koſtenanteils zugehen. Sie wird ſich
indeſſen noch verzögern, zumal ſie der Genehmigung
Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs bedarf. Bei=
Beratung der Vorlage im Landtag wird, ſoweit noche
forderlich, Gelegenheit gegeben ſein, die Sache weiter zu
erörtern.
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Nummer 100.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. April 1913.
Seite 15.
Geh. Kommerzienrat Dr. Bamberger beantragt
Beſprechung der Antwort, die beſchloſſen wird. Er führt
dann in eingehenden Darlegungen aus, daß man in
Mainz der Erbauung der Brücke wenig ſympathiſch
gegenüberſtehe da nach früheren Erfahrungen auch
dieſe Brücke wieder eine Ablenkung des Perſonen= wie
auch des Güterverkehrs im Gefolge haben werde. Nach
der Wormſer Brücke habe vor allem die Mainzer
Kaiſer=
brücke eine ſchwere Schädigung gebracht, da der ganze
Rheingau von Mainz abgetrennt wurde zugunſten
Wies=
badens. In gleicher Weiſe wird auch die proiektierte
Brücke für Mainz Schädigungen bringen. In einer
Ver=
ſammlung in Mainz wurden von allen maßgebenden
Faktoren dieſe Bedenken geteilt und in einer Denkſchrift
an die Regierung dieſe dargelegt. Wenn die Brücke
ge=
baut werden muß, ſollte man auch rechtzeitig daran
den=
ken, die drohenden Schädigungen von Mainz
abzu=
wenden. Vor allem ſollte man die direkte Verbindung
mit dem Rheingau wieder herſtellen, was techniſch
mög=
lich ſei. Weiter könne man durch zweigleiſigen Ausbau
der Strecke Mainz-Kaiſerslautern für Mainz
Hinter=
land erſchließen und der Stadt ſo ein Aequſvalent
bieten.
Oberbürgermeiſter Dr. Göttelmann iſt der
Re=
gierung dankbar, daß ſie zugeſagt hat wie bisher ſchon,
auch in Zukunft die Intereſſen der heſſiſchen Landesteile
zu wahren beſtrebt zu ſein. Daß die Entziehung der
Rheingauzüge Mainz ſchweren Schaden gebracht hat,
werde Rehner demnächſt durch Tatſachenmaterial zu
be=
weiſen in der Lage ſein. Auch die Rheingaubewohner
ſelbſt wünſchen, daß dieſes Unrecht wieder gut gemacht
werde.
Frhr. v. Heyl zu Herrnsheim widerſpricht der
Behauptung des Geh. Kommerzienrats Bamberger, daß
die Wormſer Brücke der Provinz Rheinheſſen Nachteile
gebracht hat. Das ſei unrichtig; im Gegenteil iſt die
Wormſer Brücke für die Provinz von erheblichem
Vor=
teil geweſen, wenn die Stadt Mainz vielleicht auch
ge=
ſchädigt wurde. Er weiſt ferner darauf hin, daß
be=
ſtimmend für all dieſe Brücken doch in erſter Linie
mili=
täriſche Rückſichten ſeien und daß dadurch allein das Reich
zuſtändig iſt. Der derzeitigen Regierung, beſonders dem
Herrn Finanzminiſter, gebühre Dank dafür daß ſie durch
Sicherung eines guten Verhältniſſes zwiſchen Land und
Reich auf dieſem Gebiete die möglichſte Berückſichtigung
all dieſer Wünſche gewährleiſtet, und die Mißhelligkeiten,
die künſtlich von gewiſſer Seite zwiſchen Heſſen und dem
Reich aufgebaut waren, zu beſeitigen beſtrebt iſt.
Oberlandesgerichtspräſident Dr. Hangen
wider=
ſpricht der Berechtigung, von Heſſen einen beſonderen
Beitrag zu verlangen, da nach der Verfaſſung alle
Kriegs=
laſten gleichmäßig vom Reich zu tragen ſind. Die Stadt
Mainz hat als Feſtung ohnehin Nachteile und
Entwickel=
ungsbeſchränkungen zu tragen. Das Reich ſollte alſo die
Bahn und die Brücke auf eigene Koſten bauen. —
Ober=
bürgermeiſter Dr. Göttekmann widerſpricht dem.
Er hält es für beſſer, die Bahn auf Gemeinſchaftskoſten
zu errichten und einen Zuſchuß vom Reich zu verlangen.
Doch möchte er in der Veurteilung dieſer Frage der
Re=
gierung den Vortritt laſſen. — Frhr v. Heyl zu
Herrnsheim ſchließt ſich dem an. Die Befürchtung,
daß die projektierte Brücke der Stadt ähnliche
Schädig=
ungen bringen wird, wie die Kaiſerbrücke, hält er für
durchaus unbegründet. Uebrigens trage der Vertreter
der Stadt Mainz im Reichstag, der die Gemeinſchaft ja
auf Leben und Tod bekämpft, nicht dazu bei, für Mainz
im Reiche Sympathien zu erwecken. Die Mainzer
ſoll=
ten ſich doch auch politiſch darauf beſinnen, daß ſie nicht
erwarten können, Sympathien zu finden im Reiche oder
im Reichstag, wenn ſie einen Vertreter dorthin
entſen=
den, der mit ſeiner politiſchen Partei die Gemeinſchaft
auf Leben und Tod bekämpft. — Oberbürgermeiſter Dr.
Göttelmann widerſpricht dem. Die Stadt Mainz
könne nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wenn
ihr Abgeordneter im Reichstag eine Stellung einnimmt,
die der Regierung entgegenſteht.
Nach weiterer kurzer Debatte ſchließt die
Beſprech=
ung. Die Tagesordnung iſt damit erledigt und das
Haus vertagt ſich auf unbeſtimmte Zeit.
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Tagesordnung:
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Rech=
nungsprüfer. Feſtſetzung des Voranſchlags für 1912/13.
Ergänzungswahl des Vorſtandes.
2. Vortrag des Herrn Stadtverordneten Sames über
Steuerfragen.
Etwaige Anträge bittet man bis längſtens den 26. April d. J.
bei dem Vorſtande einzureichen.
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Copyright 1910 by Anny Wothe, Leipzig.
Das Mädchen iſt mein, murrte er grimmig und weder
ihr noch ein anderer ſoll es mir nehmen.
Das wird ſich finden. Zuerſt, Bjarni Petrurſſen, will
ich euch ſagen, daß ihr eurer Führerdienſte hiemit
ent=
hoben ſeid. Räuber, die wehrloſe Frauen überfallen,
kann ich nicht in meiner Geſellſchaft dulden. Ihr werdet
ſofort unſere Reiſegeſellſchaft verlaſſen.
Und Hallgerdr mit mir, drohte der Knecht. Ihr
Vater hat ſie mir anvertraut und ich muß ſie
wieder=
bringen.
Ihr habt deutlich gezeigt, wie ihr das Vertrauen
eures Herrn ehrt, ſagte der Kapitän hart. Ich werde es
Ravna Jonſon berichten, des ſeid gewiß.
Ihr dürftet den Weg ohne mich ſchwerlich
zurückfin=
den, lachte der Knecht höhniſch. Ihr braucht mich, Herr!
Das laß nur meine Sorge ſein. Hier, haſt du deinen
Lohn, rief er, Bjarni einen Beutel mit Silbermünzen
vor die Füße werfend, und nun mach dich fort, aber gleich.
Ich gehe nicht, rief Bjarni wild.
So werde ich dich zwingen, antwortete mit kalter
Ruhe der Kapitän, den Revolver auf die Stirn des
Bur=
ſchen gerichtet. Wirſt du gehorchen?
Bjarni ſchäumte vor Wut. Aber er ſah, daß es gegen
den unerbittlichen Willen des Fremden keine Widerrede
gab. Dieſer Mann, der da ſo ruhig, die finſteren, grauen
Augen feſt und kalt auf ihn gerichtet, mit der Waffe in der
Hand vor ihm ſtand, der würde keine Gnade üben, der
würde ihn ohne Beſinnen niederſchießen, ſo er es noch
wagte, einen anderen Willen zu haben als den ſeinen.
Schritt für Schritt hatte Ingwald den Burſchen mit
der erhobenen Waffe zurückgedrängt.
Stumm deutete er jetzt mit der Hand hinüber nach
dem Tun, wo die Pferde ſtanden.
Fort! rief er dann gebieteriſch, als Bjarni noch zögerte
und in ſeinen Augen blitzte es wie meſſerſcharfer Stahl.
Zähneknirſchend hob Bjarni die Fauſt.
Hütet euch, rief er, vor meiner Rache. Ich will euch
ein Stücklein ſpielen, an das ihr denken ſollt, ſo lange
ihr lebt.
In wilder Flucht ſtürmte er über die Wieſe den
Pfer=
den zu.
Hallgerdr lehnte halb ohnmächtig an Ingwalds
Bruſt, der jetzt langſam die Waffe ſinken ließ.
Den Burſchen wären wir los, ſagte er befriedigt,
Hallgerdr noch zärtlicher an ſich ziehend. Hat er dich ſehr
erſchreckt, mein Liebling?
Ich fühlte mich verloren, da kamſt du, Geliebter, und
machteſt mich frei. Wie danke ich dir.
Sie ſchauerte plötzlich zuſammen.
Was iſt dir, Hallgerdr? Du frierſt, die Nacht iſt kalt.
Nein, nein. Ich fürchte nur Bjarni. Er läßt ſich nicht
ungeſtraft demütigen. Du hätteſt ihn nicht fortſchicken
ſollen, Ingwald, denn ehe wir heimkehren, iſt er längſt
im Widarhof, und wer weiß, was er dem Vater berichtet.
Sorge dich nicht, du Holde. Sobald wir heimlehren
in euren ſchweigenden Hof, werde ich mit deinem Vater
reden. Was Bjarni tut und ſagt, iſt mir ganz
gleichgül=
tig, mit ſolchem Geſindel bin ich noch immer fertig
ge=
worden.
Aber die anderen, was werden ſie ſagen, wenn Bjarnk
fehlt? Wo finden wir einen Führer?
Sei ohne Sorge. Ich werde alles morgen früh dem
Amtsmadur und den anderen erklären. Einen Führer
beſorgt uns wohl der Pfarrer und außerdem weiß der
kkleine Mar beſſer Beſcheid als Bjarni, der Junge hat den
Weg ſchon mehrmals gemacht. Er iſt gut und treu.
Ich fürchte mich ſo, flüſterte Hallgerdr. Bjarni ſinnt
Böſes und unſerer Liebe droht Gefahr.
Wurde Ingwalds Antlitz nicht um einen Schein
blaſſer?
Sorglich führte er die zitternde Geliebte zwiſchen den
Gräbern hindurch zur Kirche zurück.
Geh ſchlafen, mein Lieb, bat er ſanft und vertraue
mir und meiner Liebe.
Es war, als wollte er ſie heiß an ſeine Bruſt ziehen,
aber er nahm nur ganz ſacht und zart ihren blonden Kopf.
zwiſchen ſeine beiden Hände und küßte ſie ſtill auf die
eisblauen, feuchtſchimmernden Augen.
Das Baerskind ſollte ihm heilig ſein.
Und als Hallgerdr hinter der hohen Kirchtür
ver=
ſchwunden, da warf er ſich aufſtöhnend in das feuchte
Gras des Kirchhofs. Seine beiden braunen Hände
um=
klammerten den Erdhügel, unter dem eine andere müde
Seele gebettet lag, die er nie gekannt und ein wildes
Schluchzen kam aus ſeinem Munde,
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Sie, die ihm vertraute, die ſo gläubig zu ihm aufſah, die
nicht ahnte, daß er ihretwegen Weib und Kind verließ,
die war nun ſeit heute noch enger an ihn gefeſſelt.
Er zweifelte keinen Augenblick, daß Bjarni den
Widar=
hof vor ihrer Rückkehr erreichen und Ravna Jonſon
Dinge über ihn berichten würde, die den Alten feindlich
ſtimmten.
Nun gab es kein Zurück mehr für ihn. Um
Hall=
gerdr zu kämpfen, war ſeines Lebens höchſtes Ziel.
Das Mondlicht verblaßte. Die Stirnen der Gletſcher
begannen zu glühen, als ſtünden ſie in Flammen.
Ingwald Anderſen ſah es nicht. Das Geſicht in das
feuchte Gras gedrückt, lag er da in dumpfer Betäubung.
Nur einmal glaubte er von fern Hufſchlag zu vernehmen,
da lächelte er wehmütig. Bjarni Petrurſſon zog von
dan=
nen, ihn und Hallgerdr bei Ravna Jonſon zu verklagen.
Und die anderen ſchliefen in der Kirche.
Ueber den Tun kam Ole Gudmund aus dem
Pfarr=
haus. Sein Antlitz ſtrahlte in dem hellen Licht und ſeine
blauen Augen leuchteten.
Das ſchwerkranke Kind im Pfarrhaus war durch ſeine
Hilfe gerettet und die Eltern lagen auf den Knien und
dankten Gott, der den fremden Arzt in ihr ſtilles Haus
geſandt.
Und überall tiefes, heiliges Schweigen. Der Tag
des Herrn zog herauf, ein Sonntag mit flimmerndem
Tau und tauſend Farben.
Wie ein Beten ging es durch die Lande.
und dam anen ein daer feiſen file, memnialiche
Reiſetage.
Wie ein Alp laſtete es auf der kleinen Geſellſchaft, die
ſich mühſam durch Sand und Sumpf ſchleppte.
Der ſechzehnjährige Sohn des Pfarrers hatte ſich zum
Führer erboten. Er war ein geſchickter Burſche und kannte
Weg und Steg im Lande.
Den finſteren, mürriſchen Bjarni vermißte keiner.
Der Amtmann Thorkjel freute ſich ſogar unverhohlen.
Er lachte ſo gern, aber wenn Bjarni ſo mürriſch drein
blickte, war es ihm vergangen. Die Erklärung des
Kapi=
täns, weshalb er Bjarni fortgeſchickt, genügte ihm
voll=
kommen.
Jorum hatte ſich innig mit dem kleinen Hirtenjungen
angefreundet, der verſtand ſie noch am beſten.
Jon war müde und blaß. Er litt unter den
Mühſelig=
keiten der Reiſe und der Amtmadur ſah öfter beſorgt zu
ihm herüber.
Ole Gudmund hielt ſich zu den Studenten. Signe
ignorierte er vollſtändig. Das machte ihr Pein und ſie
quälte Hallgerdr mit wahrer Wolluſt und verhinderte
geſchickt jede Annäherung des Kapitäns an die Freundin.
Hallgerdr war voll geheimer Angſt, wenn ſie an
Bjarni und den Vater dachte. Sie fürchtete ſich vor der
Heimkehr.
Als ſie mit Hilfe einer Fähre, die aus einem großen
Kaſten beſtand, im Sattel mit vollem Gepäck über die
breite Pjorſa ſetzten, da hatte zum erſten Mal der
Kapi=
tän ſeinen Pony dicht an den ihren gedrängt. Geſpro=
chen hatten ſie auch da nicht. Hallgerdr hatte nur
ge=
fühlt, daß er ihr in der Gefahr nahe ſein wollte.
In drei Abteilungen wurde die Geſellſchaft in der
Fähre an der ſtarken Eiſenkette über den Strom gezogen.
Die Erſatzpferde, denen man das Gepäck abgenommen,
ſchwammen luſtig nebenher.
Hallgerdr ſieht aus dem grauen, ſchmutzigen Waſſer
wild verzerrte Fratzen zu ſich aufgrinſen. Sie faßt
willkürlich nach Ingwalds Hand. Plötzlich aber muß
ſie an Kaare Myrdal denken. Wo er wohl weilt?
Viel=
leicht in Not und Gefahr? Ihre Hand ſinkt ſchwer herab.
Die Gefahe, in der ſie alle momntan ſchweben, iſt ihr eine
Beruhigung, eine Genugtuung. Sie will leiden, weil ſie
weiß, daß ſie Kaare Myrdal ſo elend gemacht.
Schon beim erſten Morgengrauen waren die
Reiſen=
den am folgenden Tage von dem Hofe Galtalſekur
auſ=
gebrochen.
Umſonſt hatte der Amtmadur und auch Hallgerdr
verſucht, Jon zum Zurückbleiben zu bewegen, um ſie auf
dem Hofe zu erwarten. Er hatte es energiſch abgelehnt.
Die Heklei zu beſteigen war ſchon immer ſeines Herzens
Sehnen geweſen. Er fühlte ſich ja ganz, wohl, man
möchte ihn doch nicht quälen.
Ueber einen alten Lavaſtrom aufwärts ging der
be=
ſſchwberliche Weg, dann durch niederes Birkengebüſch, das
wie grüne Schleier durch die Luft wehte und zuletzt durch
Lavaklippen, Sand und Wieſengelände, an einem ſtillen
HHof vorüber, immer ſteiler bergan.
(Fortſetzung folgt.)
Nummer 100.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 29. April 1912.
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* Die Landwirtſchaftliche
Genoſſen=
ſſchaftsbank in Darmſtadt verſendet ſoeben ihren
Geſchäftsbericht über das 28. Geſchäftsjahr 1911
mit der Bilanz. Dem Bericht des Vorſtandes über das
abgelaufene Geſchäftsjahr entnehmen wir folgendes:
Der Geſamtumſatz betrug 360,26 Millionen Mark
in 1911 gegen 315,81 Millionen Mark in 1910 und 341,14
Millionen Mark in 1909. Er iſt ſomit gegen das
Vor=
jahr um 44,45 und gegen 1909 um 19,12 Millionen Mark
jgeſtiegen. Es wurde ein Reingewinn erzielt
ivon 111945,37 Mark in 1911 gegen 153 103,18 Mark in
14910 und 203 709,43 Mark in 1909. Das Reinerträgnis
iſt mithin gegen das Vorjahr um 41157,81 Mark und
gegen 1909 um 91 764,06 Mark zurückgegangen.
Der Rückgang des Reinerträgniſſes neben der Zunahme
des Umſatzes erklärt ſich einmal aus den erhöhten
Koſten (höhere Steuer= und Stempelabgaben,
ver=
imehrte Verſicherungszuſchüſſe und durch die verteuerte
(Lebenshaltung verurſachte Gehaltsſteigerung) und dann
laus der geringen Zinsſpannung beim
Geld=
ſausgleiche, welche im Jahresdurchſchnitt 0,46 Prozent
be=
trug. Aus der Umſatz= und Vermögensbilanz und den
Erläuterungen dazu ſei hier hervorgehoben: Das geſamte
Betriebskapital ſtellte ſich Ende des Berichtsjahres auf
21,34 Millionen Mark, bei einem eigenen Kapital von 3,05
Millionen Mark. Unter dem fremden Kapital von 18,29
Millionen Mark ſind 16,69 Millionen Mark Einlagen der
Mitglieder, und zwar 9,00 Millionen Mark Einlagen in
laufender Rechnung und 7,69 Millionen Mark
Depoſiten=
gelder mit mehrmonatlichen Kündigungsfriſten, davon
7,36 Millionen Mark mit 12monatlicher Kündigung. Der
freine Kaſſenumſatz iſt mit 63,45 Millionen Mark um 4.92
Millionen Mark größer als im Vorjahre. Im
Wechſel=
verkehr iſt bei den Geſchäfts= und Diskontwechſeln, welche
von den Mitgliedern zur Gutſchrift in laufender
Rech=
nung nach Abzug des Diskonts eingereicht wurden eine
Zunahme zu verzeichnen, und zwar der Stückzahl nach
um 1271, dem Betrag nach um 1,13 Millionen Mark.
Da=
igegen fand bei den Inkaſſowechſeln eine Abnahme ſtatt;
ees wurden 5227 Stück, dem Betrag nach für 2,01 Millionen
Mark weniger Wechſel zum Einzug überſandt. Der
Rück=
gang iſt darauf zurückzuführen, daß der Einzug von
Wechſeln auf Landorte, ſofern ſie nicht über mehr als 800
Mark lauten, nach Einführung des Wechſelproteſtes durch
die Poſt neuerdings dieſer überwieſen wird. Nach
Aen=
derung der Einzugsbedingungen hat wieder eine größere
Ueberweiſung von Einzugswechſeln an uns
ſtattgefun=
den. Der Scheck=Inkaſſoverkehr, der im Vorjahre nach
der Stückzahl einen Rückgang um 7,71 Prozent, dem
Be=
trage nach eine Zunahme um 7,72 Prozent zu verzeichnen
hatte, hat in dieſem Jahre der Stückzahl wie dem Betrag
nach wieder zugenommen. Die Einführung des
Scheck=
ſtempels war der beſſeren Ausbreitung und Benutzung
des Schecks auch in unſeren Genoſſenſchaftskreiſen nichts
weniger als förderlich; die trotzdem jetzt zu verzeichnende
Zunahme des Scheckverkehrs iſt auf die vor Einführung
des Scheckgeſetzes von allen Seiten, auch von der
Genoſ=
ſenſchaftsbank, ſo intenſiv betriebene Propaganda
zurück=
zuführen. Im Poſtſcheckverkehr wurde in dieſem Jahre
wieder ein etwas größerer Umſatz erzielt; er kann ſich
aber für unſere Organiſation nicht recht entwickeln, da er
bei den ihm noch anhaftenden Mängeln ausgiebig und
mit Nutzen von unſeren Mitgliedern im Verkehr mit uns
nicht benutzt werden kann. Werden bei der
bevorſtehen=
den geſetzlichen Regelung des Poſtſcheckweſens die
Wün=
ſche und Vorſchläge der ſeitens des Reichspoſtamtes
ein=
berufenen Poſtſcheckkonferenz berückſichtigt, dann wird
dieſe Einrichtung auch für unſeren Zahlungsverkehr
grö=
ßere Bedeutung erhalten. Gegen die von einigen Seiten
angeregte Verzinſung der Poſtſcheckguthaben verhalten
ſich die Reichsbehörden nach wie vor ablehnend. Infolge
der politiſchen Beunruhigungen im abgelaufenen Jahre
ſehen die Geld= und Diskontmärkte auf eine zeitweiſe ſehr
aufgeregte Periode zurück. Dazu kam der wirtſchaftliche
Aufſchwung, der ſich auf manchen Gebieten deutlich
be=
merkbar machte; einen eben ſolchen Einfluß übte die
ſchlechte Ernte für den Geldmarkt aus. Wenn trotzdem
der Reichsbankdiskont im Durchſchnitt ſich gegen das
Vorjahr nur um 0,05 Prozent gehoben hat, ſo iſt das in
erſter Linie der Leitung der Reichsbank zu verdanken. Sie
hat es verſtanden, den bargeldloſen Umſatz durch beſſere
Einbürgerung der kleinen Noten weiter auszudehnen
und durch ihre Deviſenpolitik ihre Goldvorräte zu
ſchützen. Unſer in erſter Linie dem Geldausgleich der
heſſiſchen Verbandsgenoſſenſchaften dienendes Inſtitut
kann mit ſeinen Zinsſätzen den Schwankungen der
Geld=
leihſätze am allgemeinen Geldmarkt nicht folgen; im
In=
tereſſe der Genoſſenſchaften und deren Mitglieder muß
ſie auf tunlichſte Stabilität ihrer Sätze ſehen. Dieſem
Grundſatze iſt auch das abgelaufene Geſchäftsjahr treu
geblieben; ſeit dem 1. Januar 1907 haben wir unſere
all=
gemeinen Zinsſätze im laufenden Rechnungsverkehr nicht
geändert.
Ueber die Verwendung des verfügbaren Gewinn=
Ueberſchuſſes von 111945,37 Mark hat die
Generalver=
ſammlung der Bank nach Maßgabe des § 50 des
Geſell=
ſchaftsvertrages zu beſchließen. Es wird vorgeſchlagen,
von dem Reingewinn für 1911 den Aktionären
einen Gewinnanteil von 4 Prozent zu geben und
den Reſt von 11945,37 Mark als Gewinnvortrag auf neue
Rechnung zu überſchreiben.
H. Frankfurt, 27. April. (
Börſenwochen=
bericht.) Ueber den i talieniſchen Dardanellenfeldzug
iſt die Börſe wieder ſehr ruhig geworden und entwickelte
während der ganzen Geſchäftswoche einen zeitweiſe recht
lebhaften Verkehr. Der flüſſige Geldſtand für
Prolon=
gationszwecke zum kommenden Ultimo, wobei reichliches
Geld bis 4½ Prozent erhältlich war, ermunterte die
Spe=
kulation zu erneuter Tätigkeit. Außerdem hört man, daß
die Bank von England vorausſichtlich zu Beginn des
näch=
ſten Monats ihren Diskontſatz ermäßigen will, was
eben=
falls günſtig ſtimulierte. Die Lage des Kupfermarktes
iſt unverändert gut, was ſich in dem Kurs der „Rio Tinto”,
die bis 2000 ſteigen konnten, am deutlichſten bekundete.
Hingegen iſt die New=Yorker Börſe, wenn auch nicht
matter, jedoch ſehr ſchwankend geworden, wozu die
Präſi=
dentſchaftsfrage, der Saatenſtand und die Truſt=
Unterſuch=
ungen Veranlaſſung boten und noch für die Folge
weſent=
lichen Einfluß ausüben dürften.
Zu den Einzelheiten übergehend, iſt die regere
Be=
achtung für 3½prozentige Deutſche Staatsrenten
erwäh=
nenswert; doch erfolgten keine nennenswerten
Preisver=
änderungen, da noch viel flottantes Material vorhanden
iſt. Ausländiſche Staatsfonds lagen feſt, beſonders wieder
die ruſſiſchen, ſerbiſchen und argentiniſchen. Türken
blie=
ben gut behauptet, auch türkiſche Loſe erholt, während
Madrider Loſe offeriert waren. Großes Geſchäft fand in
Schantungbahn, Hamburger Paketfahrt und Nordd. Lloyd
ſtatt, die anſehnlich avancierten; für letztere wurde bekannt,
daß das erſte Quartal einen Mehrüberſchuß von vier
Mil=
lionen erbracht habe. Es ſcheint aber auch die Abſicht einer
Erhöhung des Aktienkapitals zu beſtehen, dem aber
aller=
dings erſt durch eine Animierung der Märkte der Boden
geebnet werden muß. Baltimore und Ohio ſtiegen um
mehrere Prozente, zunächſt auf die von dem Vorſitzenden
des Exekutivkomitees bei einem Interview gemachten
gün=
ſtigen Eröffnungen. Dann wurde auf die Erklärungen des
Präſidenten der Bahn verwieſen, daß nach erfolgter
Leg=
ung der Doppelgleiſe täglich 1200 Frachtwagen befördert
werden könnten. Oeſterreichiſche Bahnen ſchloſſen
nied=
riger.
Am Bankenmarkt blieb es ſtill, bei nur kleinen
Varia=
tionen. Montanwerte waren zeitweiſe gedrückt auf die
bevorſtehenden Entſcheidungskämpfe im
Stahlwerksver=
band, ſowie die Möglichkeit in der Einſchränkung der
Koks= und Brikettfabrikation. Bei Wochenſchluß verlautete
von einem Kompromiß mit Stinnes im
Stahlwerksver=
band, was von größter Bedeutung war. Dieſe konnten
ſich daraufhin anſehnlich erholen, beſonders „Phönix” das
Lieblingspapier der Spekulation. Anhaltend gute
Stim=
mung beſtand auf dem Kaſſainduſtriemarkt, auf welchem
Deutſche Gold= und Silber=Scheideanſtalt 1140 erreichten;
ferner Daimler=Motoren bis 272½, Maſchinenfabrik
Ober=
urſel bis 148½, Frankfurter Hafenmühle bis 124, Badiſche
Maſchinenfabrik Durlach i. B. bis 144½, Moenus bis 320,
Kunſtſeide bis 188½ ſteigend. Schwächer auf
Gewinſt=
realiſationen ſind Holzverkohlung, bis 324½, Höchſter
Farb=
werke bis 579. Chemiſche Albert gaben bis 450 nach, da
die Dividende (30 Prozent gegen 32 Prozent im Vorj.)
nicht befriedigte. Steana Romana und Zellſtoff Waldhof
waren recht feſt, 145 reſp. 243; ruhiger lagen Gummi
Peter 135,25, und Aluminium 255. Im Wittener
Stahl=
röhrenwerke vollzogen ſich größere Abgaben, bis 188, auf
die bisherigen Betriebsergebniſſe. Am Elektrizitätsgebiet
herrſchte reges Ultimo=Geſchäft, beſonders in Allgemeine
Elektrizitätsgeſellſchaft, Siemens u. Schuckert bei
anſehn=
lich erhöhten Kurſen. Bergmann ſtiller (156). Chemiſche
Fabrik Griesheim, Elektron Frankfurt a. M. verteilen
wieder 14 Prozent; gleichzeitig ſoll eine Erhöhung des
Aktienkapitals um 2 Millionen Mark, auf 16 Millionen
Mark, beſchloſſen ſein. Privatdiskonto 3¾ Prozent.
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Mailänder 10=Fres.=L. 32,90, Raab=Grazer Anr.=Sch. 37,90,
in Reichsmark; Gothaer Prämie II 118,40, Donau=
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lierung 148 (nominell), Madrider 76 P., in Prozent. Ferner
ſchließen: 4proz. Reichs (bis 1918 unkündbar) 101,50,
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von 1899 100 G., 4proz. Heſſen von 1906 99,90 B., 4proz.
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Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 24—25) 100,60 G., 3½proz.
Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 3—5) 89,60, 3½proz. Heſſ.
Land.=Hyp.=Pfdbr (S. 9—11) 89,70, 4proz. Heſſ. Kommunal=
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