Darmstädter Tagblatt 1912


23. April 1912

[  ][ ]

Abonnemenispreis
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
werden
angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. Bei
für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
gerichtlicher
Beitreibung oder bei Konkurs
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Im Reichstag hielt geſtern der Reichskanzler
bei der erſten Beratung der Wehrvorlagen
eine längere Rede.
In Eſcher wurden durch die Exploſion einer
Flaſche mit Kohlenſäure 4 Perſonen getö=
tet
und mehrere ſchwer verletzt.
Bei Bad Oldesloe wurde ein Automobil von einem
Zuge angefahren, wobei zwei Inſaſſen getötet und
drei ſchwer verletzt wurden.
Die Wahlen in Serbien haben keine Mehrheit
für die Regierung gebracht.
Nach den letzten Meldungen iſt die Ruhe in Fez
wieder hergeſtellt. Die Angaben über die Ver=
luſte
lauten widerſprechend.

Die Geſundung der Reichsfinanzen.

C Dieſes Thema bildet den Gegenſtand einer Ab=
handlung
, die der bisherige Schatzſekretär Wermuth
im Maihefte der Deutſchen Revue (Stuttgart, Deutſche
Verlagansſtalt) veröffentlicht. Neben der amtlichen Be=
gründung
der Deckungsvorlage werden ohne Zweifel
Wermuths Darlegungen die Baſis der bevorſtehenden
parlamentariſchen=Erörterung bilden. Denn ſie ſind eine
Art öffentlicher Rechtfertigung ſeines Ausſcheidens aus
dem Amt und heiſchen ſo eindringlich die Erſchließung
neuer Einnahmequellen, daß bei der unbeſtreitbaren
Sachkunde des Verfaſſers der Auseinanderſetzung mit
ihm nicht ausgewichen werden kann.
In der Einleitung des Artikels ſagt Wermuth: Ich
ſehe keinen Grund, warum ein früheres Mitglied der
Regierung nicht in ſolch entſcheidendem Zeitpunkt ſeine
Meinung außerhalb des Amtes unbefangen und niemand
zuleide ſollte vertreten können, nicht als Stimme aus
dem Jenſeits, ſondern als lebendiger Reichsangehöriger.
Irgend einen perſönlichen Nachklang wird man, wie ich
hoffe, in meinen Ausführungen nicht entdecken.
Wermuth berechnet die auf Grund der Wehrvorlagen
für die Etats der Jahre 1913 und 1914 ſich ergebende
Mehrausgabe auf 180, bezw. auf 200 Millionen Mark.
Zu deren Deckung hält er es für unerläßlich, jetzt eine
ſtarke neue Einnahme zu erſchließen, als im
gegenwärtigen Zeitpunkte nicht eine Konſumſteuer, ſon=
dern
eine Beſitzſteuer, und zwar die erweiterte Erv=
ſchaftsſteuer
, in Frage komme. Wermuth ſieht
geradezu das Wohl der Reichsfinanzen davon abhängen,
daß die Selbſtberuhigung zerſtört wird, die in dem
Vorhaben liege, die Ueberſchüſſe von 1911 und 1912 zur
Deckung des neuen Bedarfs zu verwenden. Würde die=
ſes
Vorhaben verwirklicht, dann handele es ſich dabei
nur um eine verkleidete Anleihe. Denn eine derartige
Verwendung der Ueberſchüſſe von 1911 bedeute die nach=
trägliche
Aufnahme einer Anleihe für jenes Jahr und die
Wiedervermehrung der Reichsſchuld durch Rückgängigs
machen der tatſächlichen Schuldentilgung. Das Höher=
ſchätzen
der Einnahmen für 1912 bedeute min=
deſtens
den Wegfall jedes Ueberſchuſſes und damit die
Preisgabe der Schuldentilgung, möglicherweiſe aber ei=
nen
Fehlbetrag, der durch Anleihe gedeckt werden müſſe.
Kehre man aber nach den früheren Grundſätzen zu dem
Verfahren zurück, die Flottenbauten oder den Kaiſer
Wilhelm=Kanal auf den außerordentlichen Etat zu ſetzen,
ſo bedeute dies die Anleihe ohne Umweg.
Die Art, wie Wermuth für eine vorſichtige Ein=
nahmeſchätzung
und für die Beſchränkung des außeror=
dentlichen
Etats auf Anleihen zu werbenden Zwecken
eintritt, mag der Selbſtberuhigung zu ſtreng erſcheinen,
iſt jedoch ſchließlich wohl das einzige Mittel, vor einem
Rückfall in die alte Schuldenwirtſchaft zu bewahren. Daß
indeſſen Wermuth im Schatzſekretär nicht nur den Mann
mit zugeknöpften Taſchen erblickt, ſondern auch die Fi
nanzkraft des Staates ſeinen politiſchen Aufgaben ener=
giſch
nutzbar gemacht wiſſen will, ergibt ſich aus ſeinem
Bekenntnis zu dem Grundſatz: Wehrvorlagen möglichſt
gründlichſt vorzubereiten, aber in der Ausführung ſelbſt
nicht zu ſchwanken. Gerade die energiſche Politik
als ſolche erſcheint Wermuth mit Recht als ein Mittel,
das im Zuſammenhange mit eiver wohl überleg=

ten Verteilung der Laſten den Deutſchen zue
Steuerzahlung willig macht.
In einem längeren offiziöſen Artikel der Nordd. Allg.
Ztg. wird die Finanzpolitik des Reiches unter be=
ſonderer
Rückſichtnahme auf die Wehr= und Deckungsvor=
lagen
verteidigt. Es heißt da:
Die Finanzverwaltung, die die Koſten für die Wehr=
vorlagen
zu prufen hatte, war verpflichtet, die inzwiſchen
gewonnenen Erfahrungen zu berückſichtigen. Wenn ſich da=
bei
ergab, daß die Einnahmen für 1912 weſent=
lich
höher eingeſchätzt werden konnten, als bei der
Einbringung des Etats geſchehen war, ſo liegt hierin kein
Vorwurf gegen die bisherige Uebung. Der Eindruck der
großen Fehlabſchlüſſe, unter denen das Reich bis vor kurzem
zu leiden gehabt hatte war für die bisherige Schätzung
nicht ohne Einfluß. Jetzt nachdem die Jahre 1909, 1910
und 1911 mit erheblichen Mehreinnahmen abgeſchloſſen,
nachdem die Abgaben von 1909 den Behaxrungszuſtand
erreicht haben und ſeit der Finanzgeſetzgebung drei Jahre
vergangen ſind, liegt kein Grund vor, mit den Schätzungen
ſoweit zurückzuhalten, daß ſie ſich auch unter nicht zu er=
wartenden
außergewöhnlich ungünſtigen Verhältniſſen als
nicht zu hoch erweiſen. Die jetzt vorliegenden Erträgniſſe
des Jahres 1911 berechtigen zweifellos zu der Annahme,
daß. 80 Millionen Mark mehr im Jahre 1912 zur
Verfügung ſtehen werden, als bisher angenommen. Be
willigt daher der Reichstag, mit Wirkung vom 1. Oktober
ab, die Erhöhung der Branntweineinnahmen, ſo bedarf es
für das Etatsjahr 1911 keiner weiteren Deckung. 1. Das
Jahr 1911 erbringt tatſächlich 100 Millionen Mark mehr
aus Zöllen und Steuern, als für 1912 vorgeſehen war.
2. Bei der Poſt= und Telegraphenverwaltung ſind die
Ueberſchüſſe 1911 um mehr als 30 Millionen Mark höher,
als für 1911 veranſchlagt war An Erſparniſſen aus der
Verzinſung der Reichsſchuld ſind 10 Millionen Mark ein=
zuſetzen
. Zu beſonderen Vorwürfen hat die Kürzung des
Ordinariums für 1912 um 10 Millionen Mark für den
Nordoſtſeekanal Anlaß gegeben. Es iſt bereits er=
llärt
worden, daß es ſich nicht um ein Hinausſchieben des
Baues aus finanziellen Gründen, ſondern lediglich darum
handle, daß er techniſch noch nicht ſo weit fortgeſchritten ſei,
wie urſprünglich angenommen. Die Bauverwaltung iſt da=
her
nicht imſtande, 1912 die urſprünglich vorgeſehenen
Summen auszugeben. Es iſt ſonach durchaus gerechtfertigt,
den Voranſchlag für 1912 um 80 Millionen Mark auf der
Einnahmeſeite zu erhöhen und die Neuanforderungen auf
die Beſeitigung des Branntweinkontingents vom 1 Ok=
tober
d. J. ab zu beſchränken. Gemäß den bei den Be=
ratungen
der Finanzreform von 1908 als zweckmäßig er=
kannten
Verfahren iſt den Wehrvorlagen endlich ein Plan
beigefügt, wie ſich die Bilanzierung des Reichshaushalts
vorausſichtlich in den ſpäteren Jahren zwiſchen 1913 und
1917 geſtalten wird. Aus dem Plane geht hervor, daß in=
folge
der in den letzten Jahren erreichten guten Fundierung
der Reichsfinanzen die erheblichen Neuanforderungen aus
den laufenden Einnahmen beſtritten werden können, ſofern
dieſe durch die Beſeitigung des Branntweinkontingents die
erforderliche Ergänzung erfahren. Wird dieſe Vorlage an=
genommen
, ſo entfällt endlich jede Beſorgnis vor einer
Unterbrechung der in den letzten Jahren erfolgreich einge=
leiteten
Schuldentilgungspolitik.
Die in der Denkſchrift enthaltene unverſchleierte Dar=
ſtellung
der Tatſachen kann daher, ſo ſchließt die Nord=
deutſche
, zu den erhobenen Angriffen unſolider Finanz=
gebahrung
einen begründeten Anlaß nicht geben.

Die italieniſche Flottenaktion

iſt nach einer halbamtlichen römiſchen Meldung in der
Hoffnung erfolgt, die türkiſche Flotte zur Ausfahrt und
zum Angriff zu veranlaſſen. Man wird dieſe Angabe
umſoweniger für bare Münze nehmen, als dieſelbe halh=
amtliche
Meldung behauptet, daß die italieniſche Flotte
ihr Ziel erreichte. Tatſächlich aber hat ſich die türkiſche
Flotte, was wegen ihrer notoriſchen Unterlegenheit von
vornherein kaum zweifelhaft ſein konnte, nicht zum An=
griff
beſtimmen laſſen. Iſt alſo trotzdem der Zweck der
italieniſchen Flottenaktion erreicht, dann muß er ein an=
derer
geweſen ſein. Begreiflicherweiſe wird in dieſer
Beziehung vor allem gemutmaßt, daß Italien die Sper=
rung
der Dardanellen als Folge ſeiner Aktion voraus=
geſehen
und auf dieſem Wege internatienale Schritte ge=
gen
die Pforte herbeizuführen bezweckt habe. Ging Ita=
liens
Rechnung in der Tat dahin, dann iſt das Ziel we=
der
bisher erreicht worden, noch ſteht ſeine Erreichung
für die Zukunft in ſicherer Ausſicht. Denn die Pforte kann
darauf verweiſen, daß ſie nur unter dem Zwange einer
von Italien bewirkten Notwendigkeit die Dardanellen=
ſperre
verfügte, und ſie wird überdies die Sperre ſobald=
als
möglich aufheben. Proteſt gegen die Sperre iſt bis=
her
, wie aus diplomatiſchen Kreiſen verlautet, von keiner
Macht-eingelegt worden; darüber hinausgehende Zei=

tungsnachrichten, die von einer militäriſchen Unterſtützung
der Aktion Italiens durch Rußland fabelten, ſind durch
die Ereigniſſe bereits widerlegt.
Wenn mithin die Erreichung des erörterten Zieles
beſtritten werden muß, ſo kommt als ein weiterer wahr=
ſcheinlicher
Zweck der italieniſchen Flottenaktion die Rück=
ſicht
auf die Volksſtimmung Italiens, die endlich eine
Tat der Flotte ſehen wollte, in Frage. Der Widerhall,
den die Dardanellen=Aktion in der italieniſchen Preſſe
geweckt hat, ſpricht für die Richtigkeit dieſer Annahme.
Hierauf aber dürfte ſich der Erfolg der Aktion auch be=
ſchränken
. Denn auf die Stimmung der Türkei hat das
raſch abgebrochene, wirkungsloſe Schießen nach der erſten
Ueberraſchung auf den Nächſtbeteiligten offenbar keinen ein=
ſchüchternden
Eindruck gemacht. Das dürfte auch in der
Antwort zutage treten, die die Pforte auf die Vermitt=
lungsaktion
der Mächte erteilen wird. Die italieniſche
Flottenaktion ſcheint daher alles in allem für Italien
von äußerſt geringem Nutzen zu ſein.

Deutſches Reich.

Fortſchrittler und Wehrvorlagen.
Die parteioffiziöſe Liberale Korreſpondenz ſchreibt über
die Stellungnahme der Fortſchrittlichen Volkspartei zu
den Wehrvorlagen:
Vorausſichtlich wird keine der Forderungen, die für
die techniſche Vervollkommnung der Wehrmacht zu Waſſer
und zu Lande beſtimmt ſein ſſollen, einem Widerſtande
bei der Fraktion begegnen. Dagegen muß eine nähere
Begründung der Notwendigkeit der darüber hinausgehen=
den
Verſtärkung der Friedenspräſenz abgewartet werden.
Was bisher in der ſogenannten Begründung vorliegt,
genügt weder nach der politiſchen noch nach der militäri=
ſchen
Seite hin, um ſich ein abſchließendes Urteil bil=
den
zu können. Uebereinſtimmung dürfte weiterhin in
der Fraktion darin beſtehen, daß die Deckungsfrage die
größten Schwierigkeiten bereiten werde, und insbeſon=
dere
wird die von der Regierung vorgeſchlagene Regelung
auf die allerlebhafteſten Bedenken ſtoßen. Endlich beſteht
kein Zweifel darüber, daß zu einer Ueberſtürzung der
Durchberatung kein Anlaß vorliegt. Jedenfalls wird
es der ernſteſten Erwägung wert ſein, ob es nicht an=
gängig
iſt, neue Wege für die Aufbringung der Deckungs=
mittel
einzuſchlagen, die vor allen Dingen dazu führen,
die beſitzenden Klaſſen in ausreichendem Maße zu den
neueſten Laſten des Reiches heranzuziehen. Hinſichtlich=
der
Branntweinſteuervorlage macht ſich in der Fraktion
die Auffaſſung geltend, daß ſie in der jetzigen Form, näm=
lich
unter Beibehaltung des Durchſchnittsbrandes und
des Vergällungszwanges nicht annehmbar ſei, weil dieſe
beiden Beſtimmungen ebenfalls eine Liebesgabe darſtellen
und dadurch trotz der Einſchränkung greſp. Beſeitigung
des Kontingents die Monopoliſierung der Spirituszen=
trale
voll aufrechterhalten bleiben würde. Schon mit
Rückſicht auf die Spiritus verarbeitenden Induſtrien, ins=
beſondere
die Eſſiginduſtrie, müſſen Maßnahmen getrof=
fen
werden, dahingehend, daß die Spirituspreiſe keine
übertriebene Steigerung erfahren, wie dies bei der An=
nahme
der jetzigen Vorlage wahrſcheinlich der Fall ſein
würde. Man iſt in der Fraktion überzeugt davon, daß
die Verhandlungen über die Branntweinſteuerfrage ſich
ſehr ſchwierig geſtalten und eine geraume Zeit in An=
ſpruch
nehmen werden.
Die Verkehrseinnahmen dieutiſcher
Eiſenbahnen im März 1912 betrugen nach der im
Reichseiſenbahnamt aufgeſtellten Ueberſicht für alle Bah=
nen
im März 1912: Perſonenverkehr 63 360989 Mark,
gegen das Vorjahr mehr 5434212 Mark; Güterverkehr
168 829963 Mark, gegen das Vorjahr ein Mehr von
9695 463 Mark; für die Bahnen mit dem Rechnungsjahre
April bis März in der Zeit vom 1. April 1911 bis Ende
März 1912 im Perſonenverkehr 728356 234 Mark, gegen
das Vorjahr ein Mehr von 46 282810 Mark, im Güter=
verkehr
1732785816 Mark, gegen das Vorjahr ein Mehr
von 139997605 Mark; für die Bahnen mit dem Rech=
nungsjahre
Januar bis Dezember in der Zeit vom
1. Januar 1912 bis Ende März 1912 im Perſonenverkehr
21575300 Mark, gegen das Vorjahr ein Mehr von
1816871 Mark und im Güterverkehr 50 180 917 Mark,
gegen das Vorjahr ein Mehr von 3 246994 Mark.
Der preußiſch=ſüddeutſche Lotterie=
vertrag
. Zu dem preußiſch=ſüddeutſchen Lotteriever=
trag
nimmt das bayeriſche Zentrum neuerdings eine an=
dere
und zwar günſtigere Stellung ein, als bisher, ſo daß
jetzt die Annahme des Vertrags durch den Landtag doch
noch als wahrſcheinlich betrachtet werden darf. Das
neue Defizit von 4 Millionen im Staatshaushalt, ſowie
der zweifelhafte Erfolg der eigenen Staatslotteriesſind

[ ][  ][ ]

mi
ie Haltung geblie=
ben
.
Weil der Liberalen
werd.
Hge ſtimmen.
e Partei Würt=
tembe
.
ein! Pſußerordentlichen Ver=
tretertag
ein.
einſtimmig an, worin das Ver=
trauen
ausgeſpaggird, daß die nationalliberale
Reichstagsfraktit
er bewährten Führung Baſſer=
manns
die durch (iz bewährte Haltung in natio=
nalen
Fragen einneh.
verde. Ferner wird bedauert,
daß die Erbſchaftsſteuer von der Regierung nicht wieder
eingebracht worden ſei und eine Verſtändigung mit dem
Reichsverband der nationalliberalen Jugend für durch=
aus
möglich erachtet.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.

zummer 95.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Der neue ungariſche Miniſterpräſſidenk
Dr. v. Lukacs, der in der vorigen Regierung das
Finanzminiſterium leitete, iſt, wie gemeldet, mit der
Bildung eines neuen Kabinetts beauftragt worden. Da=
mit
hat er eine undankbare Aufgabe übernommen, die
viel Geſchick und Vorſicht erfordert. Aus einer der vielen
in Siebenbürgen anſäſſigen adeligen Familien armeni=
ſcher
Abkunft ſtammend, widmete er ſich von Jugend auf
dem Studium wirtſchaftlicher Fragen und hatte ſchon
in jungen Jahren einen volkswirtſchaftlichen Lehrſtuhl
inne. Aus Geſundheitsrückſichten zog er ſich aber bald
nach ſeiner Vaterſtadt Zalatna zurück, wo er die Leitung
der Familienbergwerke übernahm. Er wurde Abgeord=
neter
, 1893 Staatsſekretär im Finanzminiſterium, und 2
Jahre ſpäter trat er ſelbſt an die Spitze dieſes Mini=
ſteriums
, das er volle zehn Jahre verwaltete. Nach ſei=
nem
Rücktritt 1905 tat er ſich als politiſcher Führer her=
vör
und wurde Ende 1909 mit der Bildung eines Ka=
binetts
betraut, doch ſchon am 11. Januar 1910 überließ
er dieſen ſchwierigen Auftrag, den er nicht erkedigen
konnte, dem Grafen Khuen, in deſſen Kabinett er wieder
die Finanzen übernahm. Damals war Lukacs, der jetzt
62 Jahre zählt, kaum acht Tage Miniſterpräſident.
Schweiz.
Die Todesſtrafe im neuen ſchweizeri=
ſchen
Strafrecht. Die eidgenöſſiſche Kommiſſion
für die Ausarbeitung des neuen ſchweizeriſchen Straf=
rechtes
beſchloß einſtimmig, die Todesſtrafe nicht in das
Geſetz ſelbſt aufzunehmen. Den Kantonen bleibt aber die
fakultative Anwendung der Todesſtrafe vorbehalten; jedes
Todesurteil iſt von Amts wegen der Begnadigungsinſtanz
vorzulegen.
Frankreich.
Die Kriegsflotte. Eine offizielle Miteilung
beſagt: Vom 1. Mai wird Admiral de Lapeyrére unter
ſeinem Befehl eine Kriegsflotte vereinigen, die aus 12
Panzerſchffen, darunter ſechs Dreadnoughts, einem leich=
ten
Geſchwader und ſechs großen Panzerkreuzern, 30 Tor=
pedojägern
, 2 Sprengminenſchiffen, fünf großen Angriffs=
unterſeebooten
und einem Begleitkreuzer für Flugzeuge
und Unterſeeboote beſtehen wird. Unter dem Befehl La=
peyrères
werden dann zwei Vizeadmiräle, zwei Kontre=
admiräle
, ſowie 600 andere Offiziere und 18000 Mann
ſtehen. Es iſt dies das erſte Mal, daß in Frankreich eine
ſolche Streitmacht ſtändig einem Admiral anvertraut wird.
Zu den franzöſiſch=ſpaniſchen Ver=
handlungen
wird aus Madrid gemeldet: Der Ver=
mittlungsvorſchlag
Englands geht dahin, daß Spanien
an Frankreich ein großes Gebiet in Mergate abtreten

möge. Dafür ſoll Frankreich ſeine Anſprüche in der Ge=
gend
von Ifni vermindern.
Portugal.
Die Kolonien. Nach einer Liſſaboner Meldung
betont der Secolo, daß ſich die Lage in den überſeeiſchen
Beſitzungen Portugals ſeit Errichtung der Republik un=
verkennbar
verſchlimmert habe. Die Regierung vermöge
nicht, Ruhe und Ordnung in den Kolonien aufrechtzuer=
halten
.
Serbien.
Die Wahlen. Nach den Stichwahlen, bei denen
drei Regierungskandidaten, ein Jungradikaler, ein Natio=
naliſt
und zwei Fortſchrittler gewählt wurden, iſt die
Regierungspartei 83, die Oppoſitionspartei 82 Mandate
ſtark. Eine Nachwahl iſt erforderlich.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 23. April.

* Großh. Hoftheater. In der heutigen Vorſtellung
von Shakeſpeares Sommernachtstraum wird Herr
Hacker den Lyſander ſpielen, da Herr Baumeiſter
durch das plötzliche Hinſcheiden ſeiner Gattin, der auch
als Künſtlerin hochgeſchätzten Frau Gertrud Bau=
meiſter
=Felsegg, in Trauer verſetzt worden iſt.
In der Flotow=Gebächtnisfeier Martha wird der
lyriſche Tenor der Frankfurter Oper, Herr Robert
Hutt, ein Künſtler mit glänzenden Mitteln, den
Lyonel gaſtweiſe ſingen.
g. Strafkammer. Der bereits mehrmals wegen Be=
trugs
vorbeſtrafte 43jähr. Maurer Nikolaus Schmidt aus
Ellar, hatte ſich geſtern abermals wegen zwei Betrugsfällen
vor der Strafkammer zu verantworten. Der Angeklagte
hatte im Herbſt vorigen Jahres in Rüſſelsheim in Arbeit
geſtanden, war aber trotz ausreichenden Verdienſtes
ſeinen Logisleuten das Mietsgeld für mehrere Wochen
ſchuldig geblieben. Außerdem borgte er ſich von ihnen noch
3 Mark. Sein Einkommen brachte er gewöhnlich in ſchlech=
ter
Geſellſchaft durch. Da ſeine letzten Vorſtrafen ziemlich
weit zurückliegen, wurden dem Angeklagten noch einmal
mildernde Umſtände zuerkannt. Er wurde zu 8 Monaten
Gefängnis verurteilt. Von der Unterſuchungshaft
kommen 1 Monat in Anrechnung. Von einem Bekann=
ten
, der jedoch nicht zu ermitteln iſt, wollte der 33jährige
Knecht Jakob Philipp Gundinger aus Roxheim ein
Fahrrad als Sicherheit für eine Schuld von 4 Mark er=
halten
haben, das in der Nacht zum 23. Februar in Büttel=
born
durch Einſteigen aus einem Bauerngehöft geſtohlen
war. Zu einem bekannten Zeugen hatte er geäußert, er
hätte das Rad in Mainz geſtohlen. Die Verhältniſſe in
Büttelborn will er überhaupt nicht kennen, trotzdem er vor
einiger Zeit denſelben Zeugen zu einer Diebesfahrt nach
dorthin eingeladen hatte. Das Gericht kam angeſichts der
Tatſache, daß dieſer Diebſtahl genau ſo ausgeführt war,
wie mehrere andere, bei denen der Angeklagte ebenfalls
erſt den großen Unbekannten vorſchützte und nach der Ver=
urteilung
die Tat eingeſtand, auch diesmal zur Verurteilung
des Angeklagten. Unter Verſagung mildernder Umſtände
wurde er zu der geſetzlichen Mindeſtſtrafe, wegen ſchweren
Rückfallsdiebſtahls zu 2 Jahren Zuchthaus ver=
urteilt
, er nahm auch das Urteil ſofort an.
Provinzialausſchuß. Die Tagesordnung zur
Sitzung des Provinziglausſchuſſes der Provinz Starken=
burg
am Freitaa, den 26. April, vormittags 9½ Uhr,
lautet: Klage des Ortsarmenverbands Hanau gegen
den Ortsarmenverband Klein=Steinheim; Klage des
Ortsarmenverbands Groß=Gerau gegen den Orts=
armenverband
Wolfskehlen; Antrag der Großh. Bürger=
meiſterei
Heppenheim auf Beſtrafung von ſieben Ge=
meinderatsmitgliedern
wegen unentſchuldigten Verlaſſens
der Gemeinderatsſitzungen; desgleichen gegen fünf Ge=
meinderatsmitglieder
wegen Verſäumnis von Gemeinde=
ratsſitzungen
.
* Zur Eröffnungsfeier des neuen Hauptbahn=
hofs
am 28. April hat die Königl. Preußiſche und Großh.
Heſſiſche Eiſenbahndirektion Mainz folgende Feſtord=
nung
aufgeſtellt: 11 Uhr 30 Minuten vormittags
Verſammlung der geladenen Feſtgäſte in den Fürſten=
räumen
und auf dem 1. Bahnſteig des alten Main=
Neckarbahnhofs. 11 Uhr 38 Minuten vormittags von

da Fahrt der Feſtgäſte mit Sonderzug über die alten
nach den neuen Anlagen (Empfangsgebäude). Die Ab=
fahrt
des Sonderzuges liegt aus Betriebsgründen un=
abänderlich
feſt. 12 Uhr mittags Beginn der Feier in
der Schalterhalle des neuen Empfangsgebäudes unter
Mitwirkung des Mozartvereins und der Muſikkapelle
des Leibgarde=Infanterie=Regiments. a) Geſangsvor=
trag
: O Schutzgeiſt alles Schönen von Mozart;
b) Anſprache des Eiſenbahndirektionspräſidenten; e) Ge=
ſangsvortrag
: Die Himmel rühmen des Ewigen Ehres
von Beethoven. Anſchließend Beſichtigung der Neu=
bauten
durch die Feſtgäſte. 1 Uhr nachmittags Früh=
ſtück
in dem Warteſaal 1. und 2. Klaſſe des neuen Em=
pfangsgebäudes
für die geladenen Feſtgäſte. Von 3 Uhr
nachmittags ab nochmalige Beſichtigung der Bahnanlagen
unter ſachverſtändiger Führung.
* Die Verkehrs=Einnahmen aus dem Perſonen= und
Güterverkehr betragen nach vorläufiger Feſtſtellung: 1. für
die Eiſenbahndirektionsbezirke Frankfurt a. M. und Mainz:
a) im Monat Februar 1912 9665000 Mark oder gegen
das Vorjahr mehr 831000 Mark 9,40 Prozent, b) in der
Zeit vom Beginn des Rechnungsjahres 130887000 Mark
oder gegen das Vorjahr mehr 7631000 Mark 6,19 Pro=
zent
; 2. für die Preußiſch=Heſſiſche Eiſenbahngemeinſchaft:
a) im Monat Februar 1912 166 699000 Mark oder gegen
das Vorjahr mehr 20940000 Mark 14,37 Prozent, b) in
der Zeit vom Beginn des Rechnungsjahres 2009599009s
Mark oder gegen das Vorjahr mehr 156264000 Mark
8,43 Prozent.
* Jugendfürſorge muß, wenn ſie Erfolg haben ſoll,
perſönliche Arbeit ſein. Junge Menſchen, die von dem
rechten Wege abgekommen ſind, werden für eine Zurecht=
weiſung
und Einwirkung nur dann zugänglich ſein,
wenn dieſe von einer Perſönlichkeit ausgeht, die ſich in
die perfönlichen und wirtſchaftlichen Verhältniſſe des Ver=
irrten
hineinzudenken weiß, ſeine pſychologiſche Ent=
wickelung
zu erkennen vermag und dann aus dem Schatz
ihrer Erfahrungen heraus ſie zu erziehen und zu behan=
deln
verſteht. Solche Arbeit vom Menſchen zum Men=
ſchen
kann natürlich eine behördliche Stelle für ſich allein
nicht üben; ſie muß ſich geeigneter Helfer und Helferin=
nen
bedienen. Gerade in unſerer Stadt hat man in die=
ſer
Beziehung ſchon einen kräftigen Schritt vorwärts
getan. Bei der Durchführung der Zwangserziehung, bei
der Schutzaufſicht gefährdeter Kinder und jugendlicher
Mädchen, bei der Jugendgerichtshilfe, bei der Ueber=
wachung
der Mündel der Berufsvormundſchamt, der Wai=
ſen
und Armenpflegekinder, überall wird die behördliche
Tätigkeit durch intenſive Mitarbeit zahlreicher freiwilli=
ger
Helfer und Helferinnen unterſtützt und ergänzt.
Immer wird es aber Fälle geben, in denen freiwillige
ehrenamtliche Arbeit allein nicht genügen kann, Fälle,
in denen der ſchwierigen Verhältniſſe wegen ſolchen
Helferinnen ein Eintreten ſchlechterdings nicht zugemutet
werden kann. Oefters wird es auch für die Verwaltung
bei der Durchführung der genannten Arbeit notwendig
ſein, ein Organ zur Hand zu haben, das auftragsweiſe
Feſtſtellungen und Aufklärungen bewirken und das die
Durchführung amtlicher Anordnungen überwachen kann.
Ein Analogon haben wir bereits in der Armenpflege;
die Arbeit der ehrenamtlicher Pfleger und Pflegerinnen
wird unterſtützt und ergänzt durch beamtete Armenauf=
ſeher
. Auch in der Jugendfürſorge wird demnächſt für
die weibliche Jugend eine Berufsarbeiterin den
freiwilligen Helferinnen zur Seite treten. Die Stadt=
verordneten
=Verſammlung hat die Annahme einer Für=
ſorge
=Dame bereits beſchloſſen. Nicht zu polizei=
lichen
Ueberwachungen und Zwangsfunktionen, ſowie zu
Strafverfolgungszwecken ſoll ſie herangezogen werden,
nur fürſorgliche Arbeit im Geſchäftsbereich des ſtädtiſchs;
Pflegeamts dem ſie auch zugeteilt werden wird
iſt ihr zugedacht. Ihre Aufgabe wird da beginnen, wd
die polizeiliche Tätigkeit aufhört oder für dieſe noch
keine Veranlaſſung zum Einſchreiten beſteht. Für
die Stelle iſt Fräulein Anna Gradwohl in
Ausſicht genommen, die ihren Dienſt am 1. Mai antreten.
wird. Ihre Wahl verdankt dieſe Dame ausſchließlich
der Tatſache, daß ſie auf den verſchiedenſten Gebieten
der öffentlichen Fürſorge ſchon mit bemerkenswertem
Erfolg tätig geweſen iſt und reichlich Gelegenheit gehabt
hat, ſich über die umfangreichen und ſchwierigen Ar=
beiten
, die ihrer auch hier harren, zu orientieren, ein
Umſtand, auf den um ſo mehr Rückſicht genommen wer=
den
mußte, als es ſich im vorliegenden Falle um
die erſtmalige Beſetzung einer derartigen Stelle handelt.

Ein heiſiſcher Dichter!
Von Dr. Hermann Bräuning=Oktavio.

Im Sommer des vergangenen Jahres kam ich auf
meinen Fahrten und Wanderungen durch den Odenwald
einmal gegen Spätnachmittag von Nieder=Ramſtadt durch
einen Hohlweg, an einer Fabrik vorbei auf die Land=
ſtraße
nach Nieder=Beerbach. Die Sonne brannte und in
der drückend heißen Luft wars ſtill; von Nieder=Beerbach
fang langſam im Takt ein Schmiedehammer ſein eintöni=
ges
Lied entgegen. Nichts rührte ſich ſonſt; Bauernkinder
lagen am Hang eines Obſtbaumſtücks träge und müde,
und Hühner hatten ſich im Staub der Goſſen eingeſcharrt.
Ste regten ſich nicht, als ich vorüberfuhr.
Hinter dem Dorf ſteigt der Weg langſam an; ich ſtieg
vom Rade und ſchielte durſtig nach den Kirſchen. Die
hingen hoch und ſchauten verlockend herunter; das Rad
anſtellen an einen Baum, eins, zwei, drei oben und
doch das geſchah nur in Gedanken; denn an der nächſten
Wegebiegung, die meine Raubgelüſte verbergen ſollte,
lehnte friedlich eine Leiter und zwiſchen den Blättern
und Kirſchen hindurch lachten mir zwei Augen ſchelmiſch
zu. Zu zwei blauen Augen gehören auch zwei rote Wan=
gen
, zwei Lippen und ein kleines, klopfendes Herz
aber keine Kirſchen, umſonſt!
Langſam ſchob ich das Rad weiter und kam allmäh=
lich
zur Höhe, kurz vor Ober=Beerbach; dort oben hat man
einen wunderbaren Ausblick nach Weſten zu. Wie gran=
dios
ragten weiter drüben die Höhen, hinter denen See=
heim
und Jugenheim liegen mußten, die Wälder hinein
in das unendliche Flimmern und Strahlen.Worte
faſſens nicht.
Plötzlich ſchießt um eine Wegbiegung ein Kraftwagen
wirbelt vorbei und im Nu iſt alles in eine undurchdring=
liche
Staubwolke gehüllt. Kaum habe ich ihm den erſten
derben Kraftausdruck, wie ſie mir von meiner Goethe=Merck=
Bekanntſchaft her recht geläufig ſind, und mit denen ich
bei mir ſelbſt eine gefahrloſe Gefühlsentladung herbei=
führe
, nachgejagt, da ſchlägt hinter mir jemand eine
gellende Lache an, ein Lachen, das nachzittert von Wut,
Verzweiflung und Hohn und mich ſchaudern macht. Ich
drehe mich um und ſehe am andern Abhang der Straße,
wo ſich Wieſen und Aecker langſam hinunter ins Tal
verlieren, einen Menſchen in aufgeſtragenen; ſchlechten

Kleidern; ich ſehe zuerſt nur den Rücken, denn, längs hin=
geſtreckt
, ſtarrt er nach der Richtung, die der Kraftwagen
genommen. Er lacht noch zwei=, dreimal, dann wendet er
den Kopf langſam mir zu; aus einem fahlen Geſicht mit
markanten Zügen ſchauen mich zwei tiefblaue Augen an.
Augen des Kranken, Augen des Dichters! Noch ſagte er
nichts, aber aus ſeinen Augen da ſprach Verzweiflung,
Haß und verwehte Leidenſchaft; da flackerte es ſeltſam
darin auf. Augen des Wahnſinns ſahen mich an.
Langſam nickte er mit dem Kopf und ſprach mit einer
Stimme, die jeden Augenblick in ein heiſeres Lachen über=
zuſpringen
drohte: Dreck . ſo iſt das ganze Leben!
Und nun kam nach und nach Leben in dies verfallene Ge=
ſicht
, in den Augen blitzte Zorn und der Körper dehnte
und ſpannte ſich; Haß und Wut, Verzweiflung und Groll
jagten ſich in wilden Flüchen. Da ſchrie einer ſein Leid,
ſeine Schmerzen hinein in die endlos weite Welt, da
krampfte einer die welken Hände, zerrte an des Geſchickes
Strängen, fluchte Schickſal, Gott und Menſchen, an deren
Ruhe ſein Lebensſchiff zerſchellt oder ſich in die Irre ver=
loren
hatte. Er ſchrie, doch keiner erhörte ihn! Da packte
er ein Buch, das im Graſe neben ihm gelegen, ſprang
mich an und hielt mir vergilbte Blätter unter die Naſe.
Ja, das bin ich ich! Das ſchreibt man von mir, und
wenn auch Goethe miauzt, das bin ich Kleiſt!
Aus Vilmars Literaturgeſchichte waren es Blätter, zer=
leſen
, loſe und ungeordnet; jeden Satz, der von ſeinem
Ruhmg, ſeiner Größe zeugte, ſchrie er mir wie ein Ver=
zweifelter
ins Ohr. Dabei ſah er mich, als lauere
darauf, daß ich zweifelnd ihm entgegnen möchte; doch mich
ergriffen Wort und Blick, ich nickte nur und ſchwieg, da
mich das Gräßliche ſeines Geſchicks, das ich zu ahnen be=
gann
, ſchier erdrückte. Er hielt mich feit und ſprang an Stel=
len
des Buches, wo er behauptete, in meinen Mienen Zweifel
zu leſen, auf ſeine Lebensgeſchichte über und entrollte
Bilder, halb Mär, halb Mehr! Was er da erzählte, das
konnte er doch gar nicht erlebt haben; das gehörte doch
aber einer ganz anderen Zeit an . . . und doch zwang er
mich wieder, ihm zu lauſchen, denn zwiſchen all den Ge=
ſchichten
, die da um 1800 ſpielten, jagte ſein Leid, ſein
Schmerz, ſprach Einer, der nur ſelbſt grenzenloſes Elend
erfahren, deſſen dichtende Seele durch Schmutz und Kot
geſchleift war, ſich auflehnte, noch einmal aufflackerte vor
dem Zuſammenbruch. Ja, glauben Sie mir ſagte er
ganz unvermittelt bei einer Stelle, ich habe es dem Groß=

herzog in Frankfurt?) geraten, ich habe ihn darum ge=
fleht
, ſich auch der Dichtkunſt anzunehmen. Er allein könne
und hätte alle, die was taugten, berufen können! Das
hätte Leben gegeben, Anregungen und tauſendfältigen
Segen für Kunſt. Wiſſenſchaft und Induſtrie. Alle Gros
ßen, geiſtig Großen, alle die Großes wollen, nur einmal
um ihn verſammelt, Herre, das hätte ein Schaffen, ein
Glück werden können! . . aber ſo . . . gelacht hat er!
Phantaſt, Schwärmer haben die anderen mich geſcholten
und was bin ich nun? Verhungert, verlottert, aufgerie=
ben
und abgerackert ein Lump, ein Nichts! Plötzlich
er hatte die letzten Worte mit Mühe, abgeriſſen heraus=
geſchleudert
war es, als ſchüttele ihn ein Krampf, er
zerrte an ſeinem Hals, ein krampfartiger Huſten riß ſei=
nen
Körper zuſammen und, Blut ſpeiend, ſiel er am
Rain nieder.
Was ich tat, weiß ich nicht mehr genau; ſo viel weiß=
ich
noch, daß ich, da die Zuckungen bald aufhörten, raſch
ins Dorf fuhr, Leute holte, die den Halbtoten in das erſte
Gaſthaus brachten. Was aber weiter tun? Ich hatte
damals keinen Pfennig in der Taſche, da fiel mir ein juns
ger Pfarrer im Nachbardorfe ein, den ich von meiner
Gymnaſiaſtenzeit her kannte. Ich durfte hoffen, daß er
jetzt, obwohl ich ihn jahrelang nicht geſprochen hatte, kom=
men
und helfen werde; hilfsbereit war er bald zur Stelle
und ließ den Kranken ins Pfarrhaus ſchaffen. Doch alle=
Pflege und alles Sorgen war umſonſt; der Fremde hatte
noch wirres, unverſtändliches Zeug gelallt und war noch,
ehe der herbeigerufene Arzt im Auto ankam, für immer
geendet.
Spät abends fuhr ich nach Hauſe und neben mir
tanzten Schatten, huſchten über den Weg und ſummten
geſpenſtige Lieder. Ueber den Bergen wetterleuchtete es
und neben mir murmelte der Bach, bald näher, bald ent=
fernter
. Raſch flogen die Bäume und Telegraphenſtan=
gen
vorüber, und der Schein der Laterne ließ immer neue
Schatten in arotesken, abgeriſſenen Formen an mir vor=
beiſtreifen
. Aber in dem Auf und Ab dieſer nächtlichen
Fahrt verfolgte mich unabläſſig das Bild des Toten. Da
hatte ich Einen kurz vor dem Ende noch kennen gelernt,

*) Dem Zuſammenhang nach kann nur der Kurerz=
kanzler
Karl Theodor von Dalberg, von 16./2. 1810 bis
30./9. 1813 Großherzog von Frankfurt, gemeint ſein.

[ ][  ][ ]

Nur= P 95

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.

Seite 3.

oezirkskaſſe Darmſtadt. Wegen der verſpäteten
Zuſtellung der Steuerzettel für 1912 in der Stadt Darm=
ſtadt
iſt die Mahnfriſt für das erſte Steuerziel bis
zum 6. Mai ds. Js. erſtreckt worden. Es können deshalb
die Steuerbeträge pro 1912, ſowie die Gewerbeſcheinſtem=
pel
bis einſchließlich 4. Mai an allen Wochentagen inner=
halb
der Zahlſtunden bei der Bezirkskaſſe Darmſtadt,
Lindenhofſtraße 15, ohne Mahngebühr bezahlt werden.
Am 26. und 27. April iſt wegen Erſtreckung der Mahnfriſt
das Bureau für den Verkehr des Publikums geöffnet,
während es am 6. und 7. Mai geſchloſſen bleibt.
A Ausgabe der Staatsſteuerzettel. Dermalen
findet die Ausgabe der ſtaatlichen Steuerzettel für das
am 1. ds. Mts. begonnene neue Steuerjahr ſtatt. Die
Staatliche direkte Steuer zerfällt bekanntlich in die Ein=
kommen
= und die Vermögensſteuer. Beide Steuerarten
werden nach beſtimmten Sätzen erhoben, die diesmal
gegen das Vorjahr eine Veränderung nicht erlitten
haben. Mit der ſtaatlichen Steuer werden auch die
Landeskirchenſteuern für die evangeliſche und die katho=
tliſche
Landeskirche erhoben, und zwar in Form von Zu=
ſſchlagsprozenten
. Auch dieſe Ausſchläge, 12% für die
levangeliſche und 5½ % für die katholiſche Kirche, haben
gegen das Vorjahr eine Veränderung nicht erlitten.
Wer alſo in ſeinem diesjährigen Steuerzettel eine
Aenderung gegen das Vorjahr findet, der merke ſich,
daß dieſe nicht in einer Veränderung der Ausſchlags=
normen
begründet iſt, ſondern in Aenderungen der Ein=
lkommens
= und Vermögensverhältniſſe des Steuer=
pflichtigen
ſelbſt geſucht werden muß.
A. K. Flotow=Feier. Wie ſchon an dieſer Skelle
berichtet, findet kommenden Freitag, den 26. April, um
11 Uhr auf dem hieſigen Friedhof eine Feier zur 100.
Wiederkehr des Geburtstages Friedrich von Flotows
an deſſen ſchönem, durch die Stadt geſchmückten Denkmal
ſtatt. Eingeleitet wird die Feier durch die Kapelle des
Großh. Leibgarde=Regiments Nr. 115 mit dem Vortrag
der Beethovenſchen Hymne Die Himmel rühmen des
Ewigen Ehre, unter Leitung des Herrn Obermuſikmei=
ſters
Hauske. Hierauf folgt Anſprache des Herrn
Bürgermeiſters Rudolf Mueller, an die ſich der Vor=
trag
einer die Bedeutung des Tages feiernden Dichtung
von Karl Schäfer durch Herrn Stadtſekretär Georg
Jöckel anſchließt. Mit dem Gebet aus Indra von
Friedrich von Flotow durch obengenannte Kapelle ſchließt
alsdann die Gedenkfeier. Das Großh. Hoftheater be=
geht
dieſelbe durch eine am Vorabend ſtattfindende Auf=
fführung
von Flotows populärſter Oper Martha.
* Flugveranſtaltungen in Darmſtadt. Die Arbeits=
rausſchüſſe
für die Flugveranſtaltungen in Darmſtadt
haben nunmehr ihre regſte Tätigkeit entfaltet, um die für
Darmſtadt gelegentlich des 2. Oberrheiniſchen Zuverläſ=
iſigkeitsfluges
vorgeſehenen und jetzt die finanzielle
Sicherſtellung vorausgeſetzt auch feſtſtehenden
Veranſtaltungen vorzubereiten. Es ſind dies vor allem um=
fangreiche
Schauflüge, deren Hauptdarbietung die
intereſſante Konkurrenz um den gleichzeitig kürzeſten und
fſchnellſten Abflug bilden wird. Dieſer Wettbewerb iſt in
gleicher Form bisher noch in keiner Stadt zum Austrag
gebracht worden. Er wird das ſeltene Schauſpiel eines
gleichzeitigen Starts von mindeſtens acht,
jedenfalls aber noch mehr, Fliegern bringen. Dann ſind
Landungen und Paſſagierfahrten der Viktoria
Luiſe oder Schwaben zu organiſieren. Die Lan=
dung
eines Zeppelin=Schiffes iſt für Darmſtadt nunmehr
geſichertt. In Verbindung damit werden für unſere Re=
ſidenzler
Paſſagierflüge zu bedeutend er=
mäßigten
Preiſen ſtattfinden. Vorausſetzung da=
bei
iſt jedoch eine entſprechende Beteiligung. Doch iſt
wohl ſicher anzunehmen, daß ſich in Darmſtadt bei dem
regen Intereſſe, das man der Luftfahrt hier entgegen=
bringt
, die genügende Anzahl Teilnehmer etwa 40
finden werden. Nähere Mitteilungen darüber folgen.
Anmeldungen ſind für ſämtliche genannten Fahrten und
Veranſtaltungen zu richten an die Geſchäftsſtelle der
Heſſiſchen Flugſtudiengeſellſchaft, Rhein=
ſſtraße
Nr. 14 (Telefon 2536). Aus alledem geht hervor, daß
ſdie Leitung der Veranſtaltung in Darmſtadt keine Mühe
ſſcheut, reichhaltige und erſtklaſſige luftſportliche Darbiet=
ungen
zu verſchaffen. An dem Publikum wird es nun ſein
durch zahlreiches Erſcheinen die Veranſtaltung, die große
Koſten verurſacht, zu unterſtützen, vor allem aber durch
Beiträge zu dem unbedingt notwendi=
igen
Fonds die ganze Veranſtaltung ſichern zu
helfen. Viele Wenige geben ein Viel. Bereitwilligſt
haben ſich wieder zahlreiche Studierende zur Verfügung

geſtellt, um eine rege Sammeltätigkeit zu entfalten. Es
darf gehofft werden, daß ſie vollen Erfolg bringt.
* Sängercher des Lehrervereins. Es ſei hiermit
nochmals auf die hervorragende Künſtlerin aufmerkſam
gemacht, welche in dem Freitag, den 26. April,
ſtattfindenden Konzert zum zweiten Male in unſerer
Stadt auftreten wird. Frau Fredrich=Höttges
aus Berlin hat ſich bei ihrem erſten Erſcheinen eine be=
geiſterte
Gemeinde geſchaffen, die ihrem demnächſtigen
Auftreten mit freudiger Erwartung entgegenſieht.
Welchen Eindruck die Künſtlerin damals zurückließ,
brachte das Tagblatt mit folgenden Worten zum Aus=
druck
: Mit der Gewinnung der Soliſtin hatte der
Verein eine außerordentlich glückliche Hand, Frau
Fredrich=Höttges bereitete ihren Hörern einen reinen
Kunſtgenuß, der von Lied zu Lied ſich ſteigerte. Die
umfangreiche, prächtige Altſtimme der Künſtlerin iſt
von ungemein ſympathiſchem Wohlklang und von einem
wunderſam weichen Timbre. In der zarten, faſt hin=
gehauchten
Stelle: Gib deine Hand aus Der Tod
und das Mädchen, war es, als ob angeſchlagenes
Bronzegeläute leiſe verklingt. Zu der brillanten Ge=
ſangstechnik
und der frappierenden Reinheit geſellte ſich
eine Innigkeit des Vortrags, die auch dem Textgehalt
der Dichtung vollauf gerecht wurde. Näheres über das
Programm iſt zu erſehen aus der Konzert=Anzeige in
der heutigen Nummer.
* Handelsverein. Die diesjährige Haupt ver=
ſammlung
findet am Freitag, den 26. April, abends
8½ Uhr, im Kaiſerſaal (Lokal des Kaufmänniſchen
Vereins) ſtatt, worauf die Mitglieder hiermit aufmerk=
ſam
gemacht werden.
* Verein der Detailliſten von Darmſtadt. In
der heute Dienstag abend 9 Uhr im Kaiſerſaal ſtatt=
findenden
Hauptverſammlung wird der Vor=
ſitzende
, Herr W. Kalbfuß, über: Die unlauteren Wett=
bewerbsfälle
und die Darmſtädter Staatsanwaltſchaft
ſprechen. Redner hat durch ſeine jahrelange praktiſche
Arbeit auf dem Gebiete des unlauteren Wettbewerbs
reiche Erfahrungen geſammelt, ſo daß man ſeinen Aus=
führungen
mit größtem Intereſſe entgegenſieht. Den
Mitgliedern iſt hierbei auch Gelegenheit gegeben, ſich
von der intenſiven Arbeit des Vorſtandes auf dieſem
Gebiete zu überzeugen.
* Die Mitglieder des Vereins für Verbreitung
von Volksbildung genießen Preisermäßigung für das
Konzert des Darmſtädter Lehrer=Sängerchors am
26. d. M. (Näh. ſ. Anzeige.)
S. Turngemeinde Beſſungen. Am Samstag hielt die
Turngemeinde Beſſungen in ihrem Vereinshauſe ihre
Hauptverſammlung ab. Pünktlich um 9 Uhr er=
öffnete
der 1. Sprecher, Herr Profeſſor R. Kiſſinger,
die Verſammlung und gab einen Rückblick auf das abge=
laufene
Jahr, das im allgemeinen einen ruhigen Ge=
ſchäftsgang
hatte. Es bedingt dies beſonders die gut
geregelte Finanzwirtſchaft, welche die Möglichkeit gibt,
daß die Laſten ſtets geringer, und in abſehbarer Zeit das
Anweſen freies Eigentum der Gemeinde ſein wird.
Ehrend gedachte der 1. Sprecher auch der verſtorbenen
zwei Mitglieder, zu deren Andenken die Verſammlung
ſich erhob. Nach den Berichten der=Vertreter des Vor=
ſtandes
und der einzelnen Ausſchüſſe waren die Leiſtun=
gen
der Turnmannſchaft wieder ganz hervorragend gute,
und ſind Kreis= und Gaufeſt mit Erfolg und Auszeich=
nung
beſucht worden; hierbei bedauerte der Turnwart
nur den Mangel an Turnern und Vorturnern in mittle=
ren
Jahren, dagegen war der Zugang an Zöglingen
ganz beſonders ſtark und erfreulich, woran die Einführ=
ung
der Spielabteilung in der Turngemeinde mit Urſache
iſt. Die Damen=Abteilung erfreut ſich ſehr reger Beteilig=
ung
und ſteten Zuwachſes; auch das Schülerturnen hat
rege Teilnahme aufzuweiſen. Es iſt immer eine Freude,
den Ernſt und Eifer der Buben zu ſehen. Die Ueberſicht
über die Rechnung und den Voranſchlag laſſen, wie ge=
wohnt
, die gute fachmänniſche Bearbeitung erkennen.
Das Jahr hat wieder mit einem kleinen Ueberſchuß ab=
geſchloſſen
und einige Hausanteilſcheine konnten zur Rück=
zahlung
ausgeloſt werden. Hierauf fand durch den erſten
Sprecher in der üblichen würdigen Weiſe die Ueberreich=
ung
von Ehrentafeln für 25jährige Mitgliedſchaft an die
Turner Heinrich Berth, Jakob Heymann, Heinrich
Karn und Franz Schulzſtatt, wobei der erſte Sprecher
der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Mitgliedſchaft in der
Gemeinde noch recht lange dauern möge. Gleichzeitig gab
der erſte Sprecher auch den von dem Ausſchuß der Deut=
ſchen
Turnerſchaft eingeſandten Ehrenbrief für den Ehren=
vorſitzenden
der Gemeinde, Herrn Stadtverordneten L.
Ph. Wittmann, bekannt. Da Herr Wittmann jedoch

krankheitshalber am Erſcheinen verhindert war, ſo konnte
derſelbe nicht überreicht werden. In der nun folgenden
Wahl des Vorſtandes und der Ausſchüſſe wurden die bei=
den
Sprecher und ſehr bewährten langjährigen Leiter der
Turngemeinde, Herr Profeſſor R. Kiſſinger und Herr
Karl Darmſtädter, einſtimmig wiedergewählt. Dem lang=
jährigen
Rechner, Herrn Wilh. Wenchel, war es leider
durch Ueberbürdung nicht mehr möglich, das Amt weiter=
zuführen
. Es iſt an dieſe Stelle Herr Emil Bracher ge=
wählt
worden. Alle übrigen Aemter kamen wieder in
beſte Hände. Der erſte Sprecher dankte nun allen erſchie=
nenen
Mitgliedern, gab ſeiner Freude über den guten
und ſachlichen Verlauf der Verhandlungen Ausdruck und
ſchloß mit einem Gut Heil! auf das Gedeihen der Turn=
gemeinde
Beſſungen, die immer eine gute Stätte für Ju=
genderziehung
und die Pflege für Geiſt und Körperkraft
bleiben möchte, die Hauptverſammlung.
§ Schutzmannsſchule. An der gemeinſamen Schutz=
mannsſchule
für das Großherzogtum Heſſen hat am
Montag vormittag der diesjährige Frühjahrslehr=
gang
hier im Polizeiamtsgebäude begonnen. Es
iſt dies ſeit Beſtehen der Schule der 15. Lehrgang. An
demſelben nehmen teil: drei Schutzleute aus Mainz, drei
aus Worms, zwei aus Darmſtadt, je ein Schutzmann
aus Bensheim und Gießen, ſowie ein Schutzmanns=
anwärter
aus Gießen, zuſammen 11 Mann.
* Odenwaldklub. Der Frühling iſt da! Kein Wun=
der
alſo, wenn ſich die geſtrige Wanderung der hieſigen
Ortsgruppe beſonders reger Teilnahme erfreute. Sie
führte unter vortrefflicher Leitung der Herren Zent=
ner
und Klump von Weinheim aus durch die neuen
Anlagen des dortigen Verkehrsvereins über den Geiers=
berg
nach Ober=Flockenbach. Anfänglich bot dieſer Teil
der Tour prächtige Ausblicke nach Weinheim und nach dem
Rhein. Dann ging es, immer auf der Höhe, durch zau=
bervolle
Waldpfade nach dem Orte der Frühſtücksraſt. Das
Gaſthaus zur Roſe bewirtete die Wanderer aufs beſte.
Nach einſtündiger Pauſe wurde die Wanderung fortge=
ſetzt
. Sie führte auf den Eichelberg mit der im letzten
Jahre neu erbauten Schutzhütte der Ortsgruppe Mann=
heim
. Die herrliche Fernſicht, die ſich von hier aus den
Augen der Wandersleute erſchloß, lohnte die Mühe des
Aufſtieges überreichlich. Prächtige Waldwege, Ausblicke
von ſeltenſter Schönheit, das lieblichſte Grün der Flu=
ren
, unterbrochen von dem leuchtenden Geld blühenden
Rapſes, ſorgten für Abwechſelung und ließen den Weg
nach Heiligkreuzſteinach nicht lang werden. Hier wurde
im Gaſthaus Zum roten Löwen kurze Einkehr gehal=
ten
. Bald war das Ulfenbachtal und das Trommgebiet
erreicht. Schon grüßte in der Ferne das Schloß von
Hirſchhorn. Nach kurzer Zeit war das Ziel ſichtbar. Man
traf dort kurz nach 4 Uhr ein und ließ ſich im Natura=
liſten
das Mittageſſen beſtens munden. Fröhlich plau=
dernd
und muntere Lieder ſingend, zogen die luſtigen
Geſellen dann heimwärts.
* Vogelsberger Höhenklub, Zweigverein Darm=
ſtadt
. Zur erſten Wanderung im neuen Jahre
hatten ſich die Klubgenoſſen zahlreicher als je
eingefunden: Die Teilnehmerliſte wies 68 Namen auf.
Und wenn etwa jemand befürchtet hätte, daß infolge
dieſer ſtarken Beteiligung die Gemütlichkeit verſchwinden
würde, ſo würde er eines beſſeren belehrt worden ſein
denn die Wanderung verlief ſo genußreich, daß die all=
gemeine
Anſicht war, es ſei noch nie ſo ſchön geweſen.
Der Weg führte von Langen über Dreieichenhain und
Grafenbruch nach Offenbach, wo mit dem dortigen
Bruderverein noch einige gemütliche Stunden verlebt
wurden.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer
Expedition (Rheinſtr. 23) ſind von heute ab folgende
Bilder von dem untergegangenen Rieſendampfer Titanic
ausgeſtellt: Eine Frontanſicht des Dampfers, die Turn=
halle
an Bord und eine Luxus=Schlafkabine, ferner
Photographien bekannter Perſönlichkeiten, die bei dem
Unfall umgekommen ſind; ein im Ozean ſchwimmender
Eisberg.
* Opern=Abend im Hotel Heß. Wie bereits
mitgeteilt, findet heute Dienstag, wieder ein Opern=
Abend ſtatt. An dieſem Abend wird unter anderem
Chor der Friedensboten (Rienzi) von Richard Wagner,
Butterfly (große Fantaſie) von Puccini geſpielt und
die Reverie von Vieuxtemps (Violin=Solo) von Herrn
Kupellmeiſter Otto zum Vortrag gebracht werden.
Ludwigshöhe. Morgen Mittwoch verabſchiedet
ſich die Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61
auf einige Wochen, um dem Regiment nach der Senne
bei Paderborn zu folgen. Das Programm wird viel=
gehegte
Wünſche erfüllen und für jeden etwas bringen.

der ſich im Leben aufgerieben, geopfert hatte um ein
Ideal, eine Hoffnung; die Menſchen hatten ihn zerbrochen,
hinaus ins Elend gejagt und dort war er als Lump auf
der Landſtraße ver--, geſtorben. Wer war es? Wie hieß
er? Nichts gab darauf Antwort; kein Papier, kein Buch,
nichts. Ich beſaß von ihm nichts als ein paar Blätter,
Hefte, die er mir beim raſchen Sprechen aufgedrängt
hatte. Leſen Sie! Das war alles! Nur ſo viel
hatte ich aus ſeinen wirren Reden, aus ſeinem Hinweis
auf die Literaturgeſchichte, daß er an der Idee litt, als
ſei er Kleiſt, der Dichter Heinrich von Kleiſt. Er hatte
ſich, vielleicht in ſeinen Jünglingsjahren, vielleicht auch
auf der Schule, mit Kleiſts Leben vertraut gemacht; er
brachte manche Epiſode, manche Brieferzählung vor, die
mir von meinen Studien her geläufig war. Dazu miſchte
er, ob bewußt, kann ich nicht ſagen, früheres und ſpä=
teres
zu und flocht darein, was in ihm an menſchlichem
und dichteriſchem Erleben aufgeſpeichert war. Im ganzen
aber ſchien der kranke Körper von der fixen Idee be=
herrſcht
, er ſei Kleiſt; vielleicht hatte er ſich aus Verzweif=
lung
darüber, daß man ihn niedergetreten, ſein Dichter=
leben
zermalmt hatte, daran geklammert und ſich noch
einige Jahre elend und verkommen dahingeſchleppt. Nun
war er tot und kein Papier kündete ſeinen Namen. Zuerſt
dachte ich an den in Amerika verſchollenen heſſiſchen Dich=
ter
Friedrich Wilhelm Jeckel aus Büdingen; doch bald
mußte ich erkennen, daß er, nach dem Alter des Toten,
Jeckel nicht ſein könne.
Mam hatte trotz eifrigem Suchen bei dem Toten nichts
finden khnnen; erſt einige Tage nachher hatte man am
Waldrande neben einer friſchen Feuerſtätte einige Fetzen
von Blättern gefunden, die aus Vilmars Literatur=
geſchichte
ſtammten. Danach war leicht zu ermeſſen, daß der
Fremde, her doch Papiere gehabt haben mußte, dieſe
wahrſcheinſich, abſichtlich oder nicht, verbrannt hatte. So
ging wiedehr Einer dahin, in der Reihe der Namenloſen,
der verdienſte, daß ſein Name gedauert hätte oder doch
wenigſtens ſin Heſſen nicht unbekannt geblieben wäre.
Denn ſo viſel iſt aus ſeinen Anſpielungen und Stellen
fſeiner Dichtſungen zu entnehmen, daß ſeine Eltern aus
kten; ſeine Mutter verlor er in früheſter Kind=
Heſſen ſtamnzn
beit und ginsg ſpäter davon, vertrieben wohl durch eine

Stiefmutter. In einem frühen Gedicht An die Na=
tur
heißt es einmal:
Fahr hin, o armes Menſchenleben,
Ein Wahn klingt mir dein Glück!
Ich zagte nicht, mein Los aus deiner Urn zu nehmen,
Verwaiſt und gottverlaſſen bin ich, nimm’s zurück.
Ich möchte im folgenden einige Proben der mir
vorliegenden Gedichte geben. Sie können gewiß nicht alle
als nach Form und Inhalt durchaus vollendete Schöpf=
ungen
gelten; doch fällt durch ſie, die wohl zum größten
Teil ſeiner Jugendperiode angehören, ohne daß an ſie
die letzte Feile gelegt worden wäre, mancher Lichtſtrahl
auf das Leben eines Menſchen, der, durch unglückliche
Lebensumſtände von ſeinem Wege vertrieben, allmählich
der Not des Lebens und ſeinem ehrlichen Haß gegen die
Menſchen erlag. Da ihn ſein Lebensgang hinderte,
ſelbſt zu geſtalten, Bleibendes zu ſchaffen, ſpann ſich ſein
kranker Sinn in die Gefühls= und Schaffenswelt eines
anderen hinein, der mit ihm vielleicht das gemeinſam
hatte, ſich an den Menſchen aufgerieben zu haben mit
Heinrich von Kleiſt. Beginnen möcht’ ich mit einem Ge=
dicht
, das uns die Verfaſſung ſeines Schöpfers und ſei=
nen
kranken Sinn deutlich zum Ausdruck bringt:
Beſtimmung.
Auf meiner Stirne ſteht der Schmerz geſchrieben,
Aus meinen Augen leuchtet nur das Weh;
Auf meinen Wangen ſpielt nur bleiches Zehren,
Und meine Lippen küßt nur bittres Leid!
Doch manchmal ſtreiften lichte Locken,
Von leichtem, lindem Süd geweht,
Wie Friedensklang verklungner Glocken
Die Wangen und die kranke Stirn.
Doch wie im Wind verklingen Glocken,
Wohl über Berg und Tal weit fort,
So mahnten, mich ſtreichelnd, die Locken
An junger Liebe trautes Wort!
Und immer ſteht’s wie einſt geſchrieben:
Dir iſt nur Schmerz und Leid beſchieden;
Das Glück hat deine Bruſt gemieden
Und dich, dich kann der Tod nur lieben.

Schickſal.
Ich bin ſo einſam, ganz verlaſſen,
In weiter Welt allein;
Mit wirrem Blick irr ich durch Gaſſen:
Das Glück iſt nicht mehr mein!
Ich möcht’ im ſtillen manchmal weinen,
Um Liebe guter Frau’n.
Sagt Augen, die ſo ſeltſam ſcheinen,
Darf ich euch nie vertrau’n?
Die Frau am Fenſter.
Ihr Köpfchen lag in der weißen Hand
Und träumt heraus in die Nacht;
Ein Sehnen drängt nach fernem Land,
Wo Stern an Sternlein wacht.
In frohe Mädchenjahre ſie ſchweifte,
Als ſie zum Erſtenmal nach Hauſe gekommen
Ein Ahnen die Wangen roſig ſtreifte
Und fragte, was Liebe, was Liebe?
Dann eine Nacht ſtill auf der Raſenbank,
Fern Kleiderrauſchen, ſchwere Luft von Staub und
Stimmen
Als ſie, als er in heißen Armen Liebe trank.
Drinn ſummt den Walzerſchritt der Baß und brummt.
Oft hört ſie noch verirrter Walzertakt,
Spürt manchmal noch die Ballſaalluft;
Doch daß ein Mann gefleht, ſie toll gepackt
Im Augenglüh’n, in Sommerſchwüle das war.
Vielleicht kann ich ſpäter an anderer Stelle einige
Stücke mehr, vielleicht auch etwas aus den Proſadicht=
ungen
geben; hier mögen dieſe für den Namenloſen
zeugen.
Wenn die Menſchen einander hadern, dann möchte ich
ſie hinausführen, wo die großen Toten liegen, die ſie
.. laſſen, da hinaus! Da
haben verhungern, verr
würde gar mancher an ſeine Bruſt ſchlagen und verſtum=
men
ob ſeinem Dünkel, ſeiner Moral, der es ein Labſal,
Unverſtandenes zu verurteilen, zu verlachen, in den
Staub zu treten, zu zetern über Menſchen, die trotz
Hunger und Elend als ein ganzes Jahrhundert von
Wohlgenährtheit und Moraliſchkeit!

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.
Numiger 95.

Während der Abweſenheit der Kapelle werden die Mitt=
wochs
=Kurkonzerte von der Kapelle des Leibgarde=
Regiments Nr. 115 weitergeführt.
Hugenſchütz Felſenke er. Herr Reſtaurateur
Tod eröffnete am Sonntag durch die Kapelle der 61er
Artillerie mit einem Frühlingskonzert die Saiſon. Der
lang erſehnte Wunſch und die Sympathie des Publikums
machte ſich dadurch bemerkbar, daß der große Garten
des Hugenſchütz’ Felſenkeller bis zum letzten Platz be=
ſetzt
war.
Milchreviſionen. Während des Monats Februar
ſind durch die hieſige Polizei 3460 Milchreviſionen
vorgenommen worden. Hierbei wurden ſieben
Proben teils wegen zu geringem Fettgehalt und teils
wegen Waſſerzuſatz beanſtandet und daher zwecks Unter=
ſuchung
dem chemiſchen Unterſuchungsamt überwieſen.
Auf Grund dieſer Beanſtandungen und zwecks Auf=
klärung
des Sachverhalts war die Erhebung von zwölf
Lieferproben erforderlich. 32 Liter gewäſſerte Milch
wurden dem Verkehr entzogen. Im Monat März
ſind 3845 Milchreviſionen vorgenommen worden. Hierbei
wurden 22 Proben teils wegen zu geringem Fettgehalt
und teils wegen Waſſerzuſatz beanſtandet und daher
zwecks Unterſuchung dem chemiſchen Unterſuchungsamt
überwieſen. Infolge dieſer Beanſtandungen und zwecks
Aufklärung des Sachverhalts war die Erhebung von
20 Liefer= und 21 Stallproben erforderlich. 56½ Liter
gewäſſerte Milch wurden dem Verkehr entzogen.
§ Streit. In der Nacht zum Sonntag gegen 3 Uhr
entſtanden in der Ober= und Schloßgaſſe zwiſchen hier
wohnhaften Zigeunern Streitigkeiten, wobei
zwei davon mit einem Raſiermeſſer ſchwer verletzt
wurden. Die Verletzten mußten in das ſtädtiſche
Krankenhaus aufgenommen werden.

pp. Groß=Gerau, 22. April. Geſtern fand im Ried=
hof
auf Anregung des Gaſtwirts Hans Heldmann
eine Intereſſentenverſammlung zur Grün=
dung
eines Ziegenzuchtvereins ſtatt. Züchter
Rink aus Dornheim referierte über Zucht und Fütter=
ung
der Ziegen in ſehr inſtruktiver Weiſe. In der Dis=
kuſſion
, an der ſich u. a. der Vorſitzende des Ziegenzucht=
vereins
Trebur, Löſch, hervorragend beteiligte, wur=
den
viele wertvolle Anregungen gegeben. In den pro=
viſoriſchen
Vorſtand wurden als Vorſitzender Hans
Heldmann, als Beiſitzer Joh. Wambold III. und
Nik. Seiler gewählt.
Trebur, 22. April. Ein eigenartiger Un=
fall
ſtieß letzthin einem hieſigen jungen Manne zu, in=
dem
er das Mißgeſchick hatte, im Schlafe künſtliche
Zähne, die er im Munde trug, zu verſchlucken.
Der junge Mann kam ins Mainzer Rochusſpital.
Erzhauſen, 22. April. Unter dem Vorſitz des Herrn
Werner=Langen hielt der Verkehrsverband der
Strecke Frankfurt-Darmſtadt geſtern im hie=
ſigen
Gaſthaus Zur Linde eine gut beſuchte Verſamm=
lung
ab, in der zunächſt über die vom Vorſtand geleiſte=
ten
Arbeiten Rechenſchaft abgelegt wurde. Da die ſchon
ſeit langem den Eiſenbahndirektionen Frankfurt und
Mainz unterbreiteten Bitten um vermehrtes Halten der
Perſonenzüge auf den kleineren Stationen dort keine Be=
rückſichtigung
fanden, hat ſich jetzt der Verband beſchwerde=
führend
an das Miniſterium zu Berlin gewendet. Weiter
ſoll ein beſonderer Lokalvorortverkehr ins Leben gerufen
werden, um das läſtige lange Halten der Perſonenzüge
auf den Ueberholungsſtationen zu vermeiden. Allſeitig
wurde ein enger Anſchluß des Darmſtädter Verkehrsver=
eins
an den Verband gewünſcht. Ueber den gegenwärti=
gen
Stand der elektriſchen Bahn von Offenbach nach
Egelsbach berichtete Herr Weidmann=Neu=Iſenburg. Die
Vorarbeiten ſind ſo weit gediehen, daß jetzt nur noch die
Genehmigung des Projektes zum Bau durch die maß=
gebenden
Körperſchaften ausſteht. Jeder der Orte wird
nur mit einem Zuſchuß bis zu 12000 Mark herangezogen.
An der Stadt Darmſtadt liegt es nun, ob die Strecke von
Egelsbach bis Darmſtadt fortgeführt werden ſoll oder
nicht. In den letzten Tagen hat ſich der Verband auch mit
einer Firma in Verbindung geſetzt, um dieſe zur Ein=
richtung
eines Automobilomnibusverkehrs innerhalb ein=
zelner
Ortſchaften zu bewegen. Die Anregung hat be=
reits
Erfolg inſofern gebracht, als eine Genoſſenſchaft
in Bildung begriffen iſt. Die Angelegenheit ſoll eine

derartige Beſchleunigung erfahren, daß bereits Mitte
Mai der Betrieb aufgenommen werden kann. (In Lan=
gen
bildete ſich eine Automobilbetriebsgeſellſchaft.) Nach
der Erledigung weiterer geſchäftlicher Angelegenheiten
beſchloß der Verband für die Folge den Beſuch hervor=
ragender
landwirtſchaftlicher und gewerblicher Betriebe
im Bereiche der Verbandsorganiſation. Dem Verbande
traten neu bei die Gemeinde Arheilgen, der Fortſchritt=
liche
und der Zentrumsverein Neu=Iſenburg, ſodaß er
jetzt 41 Körperſchaften mit 6050 Mitgliedern umſchließt.
Die nächſte Verbandstagung tritt am 8. Juni in Wix=
hauſen
zuſammen.
Eppertshauſen, 22. April. Ein großer Wald=
brand
, der den ungefähr 30 Morgen großen jungen
Kiefernwald vernichtete, brach geſtern nachmittag in der
Gemarkung Münſter aus. Er wurde wahrſcheinlich durch
Funken der Lokomotive des Zuges 5020 der
Strecke Offenbach-Reichelsheim, der kurz vor 4 Uhr an
dieſer Stelle vorbeifährt, verurſacht. Dem raſchen und
tatkräftigen Eintreten der Eppertshauſener Feuerwehr iſt
es zu danken, daß der nahe gelegene Hochwald verſchont
wurde.
* Groß=Steinheim, 22. April. Die hieſige Bau=
genoſſenſchaft
hat nach ihrem jetzt erſchienenen
Jahresbericht für 1911 bis zum Schluſſe des Jahres 24
Häuſer mit 50 Wohnungen im Herſtellungswerte von
173000 Mark errichtet, die von mehr als 200 dem Arbei=
terſtande
angehörigen Perſonen bewohnt werden. Meh=
rere
Häuſer befinden ſich im Bau. Zur Hergabe zweiter
Hypotheken hat die Gemeinde für ein Kapital von 40000
Mark die Bürgſchaft übernommen, die Gelder hat die
Landesverſichefrungsanſtalt in Darmſtallt dargeliehen.
Die Genoſſenſchaft verfügt noch über 30 gut belegene
Bauplätze, die bis zur Bebauung an Mitglieder zur
landwirtſchaftlichen Benutzung verpachtet ſind. Sie ver=
fügt
bei einem Geſchäftskapital von rund 13000 Mark
über Reſerven von über 6000 Mark. In dem Jahres=
berichte
weiſt ſie noch beſonders hin auf die große Be=
deutung
der Seßhaftmachung des Arbeiters im eigenen
Heim. Dies zu fördern ſei eine dankbare Aufgabe und
verdiene die Unterſtützung von Staat und Gemeinde.
Mainz, 22. April. Die gut beſuchte Verſammlung
des Deutſchen Weinbauvereins, die am Sonntag
in Mainz ſtattfand, wurde von dem erſten Präſidenten,
Reichsrat Dr. Buhl, eröffnet. Er begrüßte die Ver=
treter
der preußiſchen, heſſiſchen, pfälziſchen und luxem=
burgiſchen
Regierung, ſowie der Handelskammer Mainz,
der Stadt Mainz, der Weinbauvereine und Weinbauſchu=
len
. Nach der Begrüßung ergriff Profeſſor Müller=
Thurgau das Wort zu ſeinem Vortrage, in dem er die
Ergebniſſe ſeiner Forſchung darlegte, die alles bisher auf
dieſem Gebiete Erforſchte als nichtig hinſtellen. Bisher
ſei man der Anſicht geweſen, daß die Krankheitserreger
die Sporen, durch die obere Seite der Rebenblätter in
dieſe eindringen und von dort aus ihr Vernichtungswerk
ausführen. Hierdurch ſei die bisherige Bekämpfungsart,
das Spritzen von oben, entſtanden. Da dieſes Verfahren
jedoch von verhältnismäßig wenig Erfolg begleitet war,
ſo hätte er, der Redner, erneut Verſuche unternommen
und in einwandfreier Weiſe feſtgeſtellt, daß die Verbrei=
ter
der Peronoſpora nicht von oben, ſondern von unten
in das Blatt eindringen. Dieſe Entdeckung habe eine
ganz andere Bekämpfungsart nötig gemacht. Bei der
Beſpritzung von oben ſeien 70100 Prozent der geimpf=
ten
Blätter von der Krankheit ergriffen worden, bei ſei=
nen
Verſuchen, die Blätter von unten zu beſpritzen und
von oben zu infizieren, wurde aber kein einziges Blatt
befallen. Während der Diskuſſion, an der ſich
eine große Anzahl Herren beteiligten, wurden die Ver=
ſuche
und deren Reſultate beſtätigt. Es wurde ferner
der Wunſch ausgeſprochen, daß ſich in Deutſchländ eine
Organiſation bilden möge, die die Nachrichten über das
Auftauchen der Peronoſpora gleich in die anderen Wein=
baugebiete
bekannt geben ſolle, da die Beobachtung ge=
macht
worden ſei, daß die Peronoſpora von Weſten nach
Oſten wandere. Nach längerer Ausſprache ſchloß der
Vorſitzende des Rheinheſſiſchen Weinbauvereins die
Verſammlung.
Mainz, 22. April. Der Taglöhner Wilhelm Lau=
fer
hatte vor einigen Jahren im Streite ſeine Frau

erwürgt und wurde damals vom Schwurgericht zu
mehreren Jahren Zuchthaus verurteilt. Nachdem er aus
dem Zuchthauſe entlaſſen war, heiratete er bald
darauf wieder. Seit 6 Wochen iſt das Paar ver=
heiratet
, doch haben ſich die Ehegatten ſeit einiger Zeit
wieder getrennt und die Frau ernährt ſich durch Monats=
ſtellen
und Weckaustragen. Geſtern morgen lauerte Lau=
fer
ſeiner Frau in der Ernſt=Ludwigſtraße, wo ſie Bröt=
chen
austrug, auf, um, wie er ſich vorher ausgedrückt
hatte, ſie umzubringen. In einem Hausflur über=
fiel
er ſie und verſetzte ihr trotz ihrer energiſchen
Gegenwehr zwei Meſſerſtiche in den Kopf und
einen in den linken Oberarm. Auf ihre Hilferufe eilten
Vorübergehende der Frau zu Hilfe, ſonſt wäre ſie von
dem Raſenden erſtochen worden. Als die Leute kamen,
ging Laufer flüchtig. Die ſchwerverletzte Frau wurde
von der herbeigeholten Sanitätswache verbunden und
ins Hoſpital gebracht.
Worms, 22. April. Vorgeſtern nachmittag ſcheu=
ten
in der ſtädtiſchen Kiesgrube an der Mainzerſtraße
zwei Pferde des ſtädtiſchen Fuhrparks und gingen
durch. Der Fuhrknecht ſuchte die Pferde am Kopf
einzuhalten, er wurde aber von dieſen umgeriſſen und
zu Boden geworfen, wobei ihm zwei Räder des leeren
Wagens über die Bruſt gingen. Er erlitt u. a. einen
Rippenbruch und mußte in das ſtädtiſche Krankenhaus
gebracht werden.
Oppenheim, 22. April. Mit Wirkung vom 1. Juli d. J.
werden die nachbezeichneten Gemeinden von ihren
bisherigen Amtsgerichtsbezirken abge=
trennt
und den nachbezeichneten Bezirken zugeteilt: Die
Gemeinde Hahnheim vom Amtsgericht Nieder=Olm zum
Amtsgericht Oppenheim, die Gemeinde Undenheim
vom Amtsgericht Wörrſtadt zum Amtsgericht Oppenheim,
die Gemeinde Udenheim vom Amtsgericht Nieder=Olm zu
dem Amtsgericht Wörrſtadt, die Gemeinde Jugenheim
vom Amtsgericht Wörrſtadt zum Amtsgericht Ober= Ingel=
heim
, die Gemeinde Ober=Hilbersheim vom Amtsgericht
Wörrſtadt zum Amtsgericht Bingen.
Wallertheim, 22. April. Am 24. d. M. feiert Alt=
bürgermeiſter
Dechent im Kreiſe ſeiner Familie
den 90. Geburtstag. Durch ſeine 27jährige Tätigkeit als
Bürgermeiſter in=hieſiger Gemeinde und als langjähriges
Mitglied der Landesſynode hat er ſich einen großen Be=
kanntenkreis
errungen.
(*) Friedberg, 21. April. Die Sterbekaſſe für
Mitglieder des Heſſiſchen Landesgewerbever=
eins
und des Verbandes deutſcher Gewerbevereine hielt=
heute
vormittag im Hotel Drei Schwerter ihre Haupt=
verſammlung
ab. Der Vorſitzende, Bauunternehmer
Sames=Darmſtadt, begrüßte beſonders den Vertreter
der Großh. Zentralſtelle Reuter=Darmſtadt, die Ver=
treter
des Württembergiſchen Verbandes, den Bürgermei=
ſter
Stahl=Friedberg und die Vorſitzenden der Gewerbe=
vereine
Friedberg und Bad Nauheim. Herzliche Begrüß=
ungsworte
ſprach Bürgermeiſter Stahl namens der Stadt
Friedberg. Den Verwaltungsbericht erſtattete Syndikus
Engelbach=Darmſtadt. Die Sterbekaſſe hat im Jahre
1911 einen erfreulichen Fortſchritt zu verzeichnen. Ins=
geſamt
ſind 52 Neuzugänge mit einem Verſicherungs=
kapital
von 36 500 Mark zu verzeichen. Der Reingewinn
beträgt 5067,71 Mark. Der Stand der verſicherten Kapi=
talien
belief ſich am 31. Dezember 1911 auf 673800 Mark.
Im Jahre 1911 ſind neu zugegangen 52 Mitglieder mit
einem Verſicherungskapital von 36500 Mark, abgegangen
durch Tod 2 Mitglieder mit einem Verſicherungskapital
von 5480 Mark, mithin iſt ein Zugang von 18960 Mark an
verſicherten Kapitalien zu verzeichnen. Die Mitgliederzahl
betrug Ende 1910: 1158. Ende 1911: 1169. Die Jahres=
rechnung
ſchließt für 1911 ab mit einer Geſamtein=
nahme
von 51 248,67 Mark und einer Geſamtaus=
gabe
von 49205,17 Mark; mithin verbleibt ein Barbe=
ſtand
von 2043,50 Mark. Der Vermögensſtand betrug nach
dem Kurswert vom Ende des Jahres 160051,09 Mark.
und hat ſich ſonach im Berichtsjahre um 12627,50 Mark
vermehrt. Das Jahr 1911 ſchließt ſomit mit einem
Ueberſchuß von 5067,71 Mark ab. Da in dieſem
Jahre dem Sicherheitsfond nichts zu überweiſen iſt, kann
der ganze Betrag zu ſonſtigen Zwecken Verwendung fin=
den
. Die Kaſſenführung des Geſchäftsführers wurde am
11. Dezember 1911 durch die Kontrolleure einer Viſitation
unterzogen, wobei ſich keinerlei Anſtände ergaben. Die

Feuilleton.

* Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben. Wet=
ter
und Vegetation. Nachdem vom 1. bis
4. und 9. bis 15. April infolge der ſtarken
Kälterückfälle die Entwickelung der Vegetation faſt
gänzlich geſtockt hat, ſchreitet letztere ſeit Eintritt
wahrhaft frühlingsmäßiger Wärme mit elementarer
Gewalt voran. Während im Laubwald bisher nur Birke
und Hainbuche ihren Blätterſchmuck angelegt hatten manche
Exemplare der letzteren ſchon ſeit Anfang März beginnt
jetzt auch die Rotbuche allenthalben zu grünen. Die Früh=
apfelſorten
blühen etwa ſeit dem 18., während das mittlere
Datum des Aufblühens in Darmſtadt laut der phänolo=
giſchen
Karte von Prof. Dr. Ihne erſt auf den 26. fällt.
Auch die Vogelwelt iſt in den letzten Tagen durch Kuckuck
und Wendehals vermehrt worden, ſo daß nur noch Schwal=
ben
, Nachtigallen und Pirole fehlen. Hoffentlich bleiben
wir, nachdem der April noch 7 Froſttage gebracht hat, von
weiteren Kälterückfällen verſchont. Sehr erwünſcht wäre
ein durchdringender Regen, nachdem die heftigen Winde das
Erdreich ſtark ausgetrocknet haben. Uebrigens ſteht der
Winterroggen teilweiſe ſehr gut.
Wagner=Cyklus an der Peſter Volks=
oper
. Die Peſter Volksoper veranſtaltet vom 16. Mai ab
zehn Vorſtellungen des beſtehenden Wagnercyklus, an
welchen unter Führung von Ernſt v. Schuch und Franz
von Mikorey nahezu ſämtliche weltberühmten Wagner=
ſänger
teilnehmen werden, u. a. Kammerſängerin Bahr=
Mildenburg, Mme. Charles Cahier, Erna Denera Mottl=
Faßbaender, Elena Forti, Gura Hummel, Frieda Hempel,
Berta Morena, Eva Plaſchke, v. d. Oſten, Louiſe Perara=
Petzl, ferner die Kammerſänger Dr. Dary, Bender, Braun,
Feinhals, Geiß, Henſel, Hott, Knote, Plaſchke, v. Rocy,
Schramm, Zador. Das Orcheſter und der Chor des
Deſſauer Theaters werden ebenfalls mitwirken. Die Buda=
peſter
Volksoper, die amphitheatraliſch gebaut iſt, hat Sitz=
plätze
für 3200 Perſonen. Vormerkungen für den Wagner=
cyklus
ſind in Budapeſt, Fahrkartenbureau, ſowie in ſämt=
lichen
ausländiſchen Reiſebureaus zu bewerkſtelligen.
Spielplan der Frankfurter Theater
1. Opernhaus. Dienstag, 23. April: Die Hugenotten.
Mittwoch, 24.: Alt=Wien. Donnerstag, 25.: Die Walküre.
Freitag, 26.: Boccaccio. Samstag, 27.: Siegfried. Sonn=
tag
, 28.: Aleſſandro Stradella. Hierauf: Flotte Burſche.
Montag, 29.: Ein Walzertraum. 2. Schauſpiel=
haus
. Dienstag, 23. April: Die Stützen der Geſellſchaft.
Konſul Bernick: Albert Baſſermann. Mittwoch, 24.: Das

ſtarke Geſchlecht. Donnerstag, 25.: Othello. Othello: Alb.
Baſſermann. Freitag, 26.: Der Raub der Sabinerinnen.
Emanuel Strieſe: Albert Baſſermann. Samstag, 27.:
Die Stützen der Geſellſchaft. Konſul Bernick: Alb. Baſſer=
mann
. Sonntag, 28., 3½ Uhr: Schöne Frauen; 7 Uhr
Doktor Klaus. Montag, 29.: Das ſtärkere Geſchlecht.
3. Neues Theater. Dienstag, 23. April: Das kleine
Café. Mittwoch, 24.: Mamzelle Nitouche. Donnerstag,
25.: Mamzelle Nitouche. Freitag, 26.: Die fünf Frank=
furter
. Samstag, 27.: Mamzelle Nitouche. Sonntag, 28.,
3½ Uhr: Meyers; 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Montag,
29.: Die fünf Frankfurter.
Spielplan des Hof= und National=
theaters
Mannheim. Dienstag, 23. April (Zum
erſten Male): Hundstage. Mittwoch, 24. (Zweites Gaſt=
ſpiel
Agnes Borgo): Arda. Donnerstag, 25.: Die fünf
Frankfurter. Freitag, 26. (Neu einſtudiert): Die Maien=
königin
, Der Schauſpieldirektor, Abu Haſſan. Samstag,
27. Lumpaci Vagabundus. Sonntag, 28.: 9. Matinee:
Legenden und Schwänke aus dem Mittelalter. Tann=
häuſer
.
* Der ertrunkene Milliardär J. J. Aſtor und ſeine Frau.
Unter den Opfern der furchtbaren Schiffskataſtrophe vom
14. April befindet ſich auch der bekannte Multimillionär
John Jakob Aſtor, ein Enkel jenes Aſtor, der aus ſeinem
badiſchen Heimatsorte Walldorf bei Heidelberg im Jahre
1777 nach London und von hier aus nach New=York ging
und durch kühne Spekulationen mit Pelzwaren und Grund=
ſtücken
ein Vermögen von etwa 500 Millionen Mark hin=
terließ
. Der jetzt ums Leben gekommene John Jakob
Aſtor hatte nach Beendigung ſeiner Studien an der Ha=
vard
=Univerſität verſchiedene Erfindungen auf mechaniſchem
Gebiet gemacht und ſich dann dem Bau moderner Hotels
in Amerika zugewandt. Seiner Initiative iſt das Entſtehen
der berühmten Hotels Walldorf=Aſtoria, St. Regie und
des Knickerbocker Hotels zu danken. Während des ſpaniſch=
amerikaniſchen
Krieges ſchenkte er ſeinem Vaterlande eine
vollſtändige Artilleriebatterie. Im kubaniſchen Kriege
wirkte er bei der Belagerung von Santiago de Cuba mit.
Im Jahre 1911 heiratete der damals 45jährige in zweiter
Ehe ein 20jähriges, vermögenloſes Mädchen, dem er als
Brautgeſchenk 50 Millionen Mark gab, während er ſeine
erſte Gattin, eine geborene Ava Lowis Willing, mit 40
Millionen Mark bei der Eheſcheidung abfand. Aſtors
junge Frau iſt, wie berichtet, unter den Geretteten an Bord
der Carpathia in New=York eingetroffen.
* König Alfons als guter Staatsbürger. Die ſpaniſche
Regierung hat vor kurzem eine Steuer auf elektriſche

Feuerzeuge gelegt. Am Morgen des Tages, an dem die=
ſes
Geſetz in Kraft trat, erſchienen im Bureau des Steuer=
kontrolleurs
von Hendaye zwei Offiziere in Uniform.
Lächelnd trat der größere von ihnen an den Schalter, zog
ein kleines, niedliches Feuerzeug aus Gold hervor und
bat den Beamten, den Stempel darauf zu drücken, nachdem
er ſeine Abgabe entrichtet hatte. Das gleiche tat der an=
dere
Offizier. Dem Beamten kam erſt viel ſpäter zum
Bewußtſein, daß es ſein König geweſen war, dem er den
Stempel auf ſein Feuerzeug gedrückt hatte.
C.K. Hohe Preiſe für Eier des großen Alk. Die
Sammler von naturgeſchichtlichen Raritäten werden mit
Intereſſe erfahren, daß in den nächſten Wochen vielleicht
zwei koſtbare Seltenheiten, zwei Eier des großen Alk, im
Handel auftauchen werden. Lady Smith von Aſhton Court
in Sommerſet hat die beiden Alk=Eier, die ſie von Sir
J. H. Greville Smyth geerbt hat, in dieſen Tagen in Lon=
don
verkauft. Für das eine Ei ſind 3150 Mark bezahlt
worden, das zweite ging für 2940 Mark in die Hände des
neuen Beſitzers über. Das dritte Exemplar aus dem Be=
ſitze
der Lady Smyth iſt dem Muſeum von Briſtol über=
wieſen
worden. Nach einer von Edward Bidwel aufge=
ſtellten
Statiſtik exiſtieren auf der Erde nur noch 73 Eier
von jenem ausgeſtorbenen Seevogel.
* Eine weiſe Vorſichtsmaßregel. Man hat ſo oft auf
die Pariſer Stadtverwaltung geſcholten. Aber ſie hat
alles wieder gut gemacht. Sie iſt die vorſichtigſte, ſorg=
lichſte
Behörde der Welt. Sie wußte, daß am 17. April=
mittags
eine Sonnenfinſternis ſtattfinden werde. Sie traf
ihre Vorkehrungen. Sie ſorgte dafür, daß die von dieſem
Unglück betroffenen Pariſer trotzdem etwas ſahen, nicht in
dunkle Nacht getaucht waren. Von 10 Uhr morgens an
brannten in den verkehrsreichen Straßen des Stadtinnern
allenthalben die Gaslaternen! Erſt um 2 Uhr wurden
ſie wieder ausgedreht. So wurde dann verhindert, daß
während der vier Sekunden der totalen Finſternis ſelbſt
der kleinſte Taſchendiebſtahl gewagt wurde.
* Wirklich alter Nordhäuſer. Aus Nordhauſen be=
richtet
man: Vor einigen Tagen ſtieß man ſhier bei der
Anlage eines Hausanſchluſſes zur Kanaliſation an einem
der älteſten Brennereigrundſtücke nach Durchſchlagen einer
Kellerwand auf ein geheimes Gewölbe, in dem ſich einige
Fäſſer mit uraltem Nordhäuſer befanden. Es iſt
anzunehmen, daß im Kriegsjahre 1806 der damalige Be=
ſitzer
das edle Naß vor den durſtigen Kehlen der Fran=
zoſen
ſchützen wollte und die Fäſſer deshalb einmauern
ließ. Noch im Jahre 1806 aber ſtarb der Beſitzer und das
Grundſtück wurde von dem Erben weiterverkauft.

[ ][  ][ ]

Nummer 95.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.

Seite 5.

Delegiertenverſammlung wurde am 30. April 1911 zu
Oppenheim a. Rh. abgehalten. Vorſtandsſitzungen haben
ſtattgefunden am 10. Januar 1912, eine weitere am 25
März 1912, ſowie eine Sitzung des erweiterten Vorſtandes
rz 1912. Bis jetzt wurden bei 270
ebenfalls am 25.
Sterbefällen 135530 Mark ausbezahlt. Auf Antrag des
Sparkaſſenkontrolleurs Haas=Gießen wurde dem Rech=
ner
und dem Vorſtand Entlaſtung erteilt. Bei Beſprech=
ung
des Punktes Verwendung des Ueberſchuſſes aus 1911
in Höhe von 5067,71 Mark wurde beſchloſſen, im Intereſſe
der älteren Mitglieder und der Agitation zwei Monats=
beiträge
im Jahre 1912 zu erlaſſen. Bei der Vorſtands=
wahl
wurden die ſeitherigen Herren wiedergewählt; in
den erweiterten Vorſtand kamen für Gießen Dikore und
Haas, für Büdingen Geiß. Die Prüfungskommiſſion be=
ſteht
aus den Herren Emmel=Hungen, Haas=Gießen und
Bauunternehmer Weber=Darmſtadt. Um 1 Uhr war die
Tagung beendet.
K Bad Nauheim, 22. April. Nachdem am Freitag
Prinz Adalbert, der drittälteſte Sohn, zum Beſuch
bei ſeiner kaiſerlichen Mutter ankam und hier nur einige
Stunden weilte, traf am Samstag nachmittag ¾5 Uhr
der jüngſte Sohn der Kaiſerin, Prinz Joachim,
hier per Automobil ein. Er hatte die Reiſe mit ſeinem
Begleiter von Kaſſel=Wilhelmshöhe aus unternommen.
Als der Prinz vor der Villa Groedel vorfuhr, war die
Kaiſerin mit der Hofdame v. Keller ausgefahren. Nach
etwa einer halben Stunde traf die Kaiſerin dann ein und
empfing den unerwarteten Beſuch. Prinz Joachim wird
einige Wochen hier verweilen. Sonntag vor= und nach=
mittag
wurden längere Ausflüge unternommen.
(*) Büdesheim, 20. April. Die irdiſchen Ueberreſte
des Grafen Oriola, die ſeither in der gräflichen
Ruheſtätte auf dem Friedhof gebettet waren, wurden
dieſer Tage in das jetzt vollendete neue Mauſoleum
übergeführt. Es iſt anſchließend an die Südoſtſeitedes
Friedhofes auf gräflichem Eigentum errichtet. Der Nid=
dertalſängerbund
, deſſen langjähriger Vorſitzender der
Graf war, trug einige Chöre vor. Das Mauſoleum iſt
in Rundform erbaut und von einer vergoldeten Kuppel
und einem Kreuz gekrönt.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 21. April. Das vielbeſpro=
chene
Projekt der Mitglieder des Leſſingtheaters, nach dem
Ausſcheiden des Direktors Brahm ein eigenes Theater in
der Form einer Sozietät zu gründen, iſt nunmehr end=
gültig
zur Durchführung gebracht worden: Unter dem
Namen Deutſches Künſtlertheater iſt die neue
Kunſtſtätte geſtern gegründet worden. Mitglieder der
Sozietät, die im Juli 1914 ihre Tätigkeit vor dem großen
Publikum aufzunehmen gedenkt, ſind u. a. Tylla Durieux,
Karl Foreſt, Oskar Fuchs, Bertha Gieſicke (zurzeit am
Kleinen Theater tätig), Gerhart Hauptmann, Hilde Herte=
rich
, Elſe Lehmann, Emil Leſſing, Theodor Loos, Heinz
Monnard, Ernſt Neßler, Emanuel Reicher, Guſtav Rickelt,
Rudolf Rittner, Oskar Sauer, Mathilde Suſſin, Annelieſe
Wagner und Paul Wegener. Das Stammkapital, das ohne
erhebliche Schwierigkeiten zuſammengebracht wurde, be=
trägt
790000 Mark. So hat das neue Unternehmen ein
glänzendes Enſemble und ein ſtattliches Betriebskapital,
aber eines fehlt noch: die Stätte, an der das neue Deutſche
Künſtlertheater ſein Heim aufſchlagen wird. Viele Ver=
handlungen
ſind ſchon gepflogen worden. Aber bisher iſt
noch keine Entſcheidung darüber gefällt, ob man in eines
der beſtehenden Theatergebäude einziehen oder ein neues,
eigenes Haus bauen ſoll. Die Fiſcherinnung
feierte heute- ihr 275jähriges Jubiläum. Der vielge=
nannte
Spieler und Hochſtapler Stallmann alias Ba=
ron
Korff=König iſt in Monaco verhaftet worden. Die
Auslieferungsverhandlungen ſind bereits eingeleitet.
Geſtern nachmittag vernichtete ein Waldbrand in der
Jungfernheide etwa hundert Morgen Holz. Der Brand
dauerte zwei Stunden. Nach der Berliner Morgenpoſt
ſind nur vierzig Morgen vernichtet worden. Zur Löſchung
waren neben Militär zahlreiche Feuerwehren Berlins
zur Stelle.
Wiesbaben, 22. April. Fabrikant und Kommerzien=
rat
Bernhard Müller, der Sohn des Begründers der
bekannten Sektfirma Matthäus Müller in Eltville, iſt
hier im 74. Lebensjahre geſtorben. Der Verſtorbene
war Ehrenbürger der Stadt Eltville.
Pforzheim, 21. April. In dem benachbarten Dorfe
Eutingen brannten heute nacht mitten in dem Orte
bei der Kirche fünf Wohnhäuſer und vier Scheunen ab
Der Schaden beträgt zwiſchen 60000 und 70000 Mark.
Es liegt zweifellos Brandſtiftung vor. Zwei Verdäch=
tige
wurden verhaftet. Acht Familien ſind obdachlos.
Vor 4 Wochen ſind gleichfalls fünf Wohnhäuſer und vier
Scheunen niedergebrannt.
Altona, 22. April. In der Nähe von Bad Oldesloe
iſt geſtern abend ein Automobil, in dem ſich der
Manufakturiſt Eggers aus Oldesloe, deſſen Bruder,
Schwiegermutter und ſeine zwei Kinder befanden, gegen
einen Eiſenbahnzug angefahren. Eggers und ſeine
Schwiegermutter wurden getötet, der Bruder und
ſeine beiden Kinder ſchwer verletzt.
Meißen, 20. April. Wie in verſchiedenen anderen
Städten, ſo hat auch in Meißen die Polizei die Befug=
nis
, in gewiſſen Fällen gegen jemanden das ſogenannte
Schankſtättenverbot auszuſprechen. Es darf
dann der mit dem Verbot Bedachte kein Wirtshaus be=
ſuchen
. Meiſtens wird dabei das Verbot über ſäu=
mige
Schuldner verhängt, die bei der Stadt= oder
Steuerkaſſe noch in der Kreide ſtehen. Das Verbot traf
nun auch einen Zigarrenfabrikanten, der mit ſeiner
Steuerzahlung im Rückſtande war. Eines Tages kam
die Polizei dahinter, daß der Mann doch einen Abend=
ſchoppen
getrunken hatte und erhob gegen ihn Klage, die
vor dem Schöffengericht verhandelt wurde. Zu ſeiner
Verteidigung führte der Angeklagte an, daß er Geſchäfts=
mann
ſei und unter ſeinen Kunden auch viele Gaſtwirte
zähle. Dieſe rechneten aber mit einer Gegenleiſtung.
Wenn er ſie nicht einmal ab und zu beſuche, kauften ſie
ſihm nichts mehr ab. Das Gericht folgte dieſen Ausführ=
lungen
aber nicht, ſondern ſprach eine Haftſtrafe von
ſeinem Tage aus. In der Begründung des Urteils
wurde ausgeführt, daß es dem Verurteilten frei geſtan=
den
habe, Gaſtwirtſchaften lediglich um Geſchäfte zu
machen zu beſuchen. Er habe aber bei dem fraglichen
Abendſchoppen lediglich die Annehmlichkeiten
des Wirtshauslebens genießen wollen und ſich
dadurch eines Bruches des Schankſtättenverbots ſchuldig
gemacht.
Breslau, 22. April. In der Dynamitfabrik
in Altberun ließ ein Mädchen beim Einpacken eine
Patrone fallen, die explodierte und eine Exploſion
des übrigen in der Packſtube vorhandenen Dynamits
hervorrief. Zwei Arbeiterinnen wurden verſtümme.
und getötet
Wien, 22. April. Die 26jährige Soubrette Har=
kna
aus Dortmund wurde geſtern früh tot in

ihrem Bett aufgefunden. Sie hatte ſich einen
Schuß in den Kopf beigebracht. In einem an die Poli=
zei
hinterlaſſenen Briefe ſind Verfügungen über ihr
Eigentum getroffen.
Paris, 22. April. Wie aus Reims gemeldet wird,
ſoll die gegen die jüngſt verhafteten Muſeums= und Kir=
chendiebe
eingeleitete Unterſuchung Anhaltspunkte dafür
bieten, daß dieſelben auch an dem Diebſtahl der
Gioconda beteiligt ſeien. Bei einem von ihnen ſoll
ein Brief gefunden worden ſein, in dem es heißt: Wir
wußten wohl, daß das ſeltene Porzellan auch die Lieb=
haber
der Gioconda verlocken würde.
Petersburg, 22. April. Die Unruhen in den
Goldwäſchereien am Lenaſtrom ſind nach amt=
licher
Mitteilung dadurch veranlaßt worden, daß die
Verwaltung den dortigen Arbeitern, die ſich im Aus=
ſtande
befanden, nur einige Nebenforderungen, aber
nicht die Hauptforderungen bewilligte, daß ſie ferner
verlangte, die Streikenden ſollten ihre Wohnungen räu=
men
, ihnen die Lieferung von Lebensmitteln, die ſonſt
nicht zu beſchaffen waren, verweigerte und das Streik=
komitee
verhaften ließ. Die großen Verluſte an
Menſchenleben ſind dem Umſtande zuzuſchreiben,
daß eine Kompagnie Soldaten gegen einen dreitauſend
Mann ſtarken Zug Streikender, der ſich zum Verwalt=
ungsgebäude
begeben wollte, auf hundert Schritt Ent=
fernung
zu feuern begann und die an der Spitze be=
findlichen
Leute von den hinteren vorwärts gedrängt
wurden und nicht ausweichen konnten.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 22. April. Auf der Tagesordnung ſteht
zunächſt ein ſchleuniger Antrag der Freiſinnigen auf
Einſtellung eines ſchwebenden Verfahrens gegen
den Abg. Gothein. Dem wird ohne Debatte entſprochen.
Es folgt die
erſte Leſung der Wehrvorlagen.
Der Reichskanzler ergreift hierzu das Wort.
Meine Herren! Die Verbündeten Regierungen ha
ben Ihnen Geſetzentwürfe vorgelegt, die eine Stär=
kung
unſerer Wehrmittel zu Waſſer und
zu Lande bezwecken. Die Vorlagen bereiten, wie Sie
aus dem Inhalt erſehen, zum Teil eine allmählich ſich
ſteigernde Vermehrung unſerer Kriegs= und Verteidi=
gungsbereitſchaft
vor. Beide Vorlagen ſind das Er=
gebnis
eingehender Prüfungen und Arbeiten der zuſtän=
digen
Reſſorts. Der Schwerpunkt liegt in den organi=
ſatoriſchen
Neuerungen, die ſie bringen, deren Begrün
dung im einzelnen den Leitern dieſer Reſſorts vorbehal=
ten
iſt. Ich ſelbſt will mich auf einige allgemeine Ge=
ſichtspunkte
beſchränken. Zunächſt möchte ich hervorheben,
daß wir die Vorlagen nicht eingebracht haben im Hin=
blick
auf eine unmittelbar drohende Gefahr. In der au=
genblicklichen
europäiſchen Situation liegt für uns kein
Grund zur Beunruhigung. Trotzdem würden wir ge
wiſſenlos handeln, wenn wir nicht unſere Rüſtungen auf
einem unſeren Mitteln und unſeren Kräften entſprechen=
den
Stand erhalten und ſtets wieder bringen würden
Tun wir das nicht, ſo ſind unſere Aufwendungen für
Wehrzwecke überhaupt im letzten Grunde zwecklos. ( Zu=
ſtimmung
rechts.) Daß dieſe Anſicht immer mehr Gemein=
gut
der Nation wird, dafür zeugen die vielfachen Stim=
men
, die gerade aus dem Volke ſelbſt heraus eine Ver
ſtärkung und Vervollkommnung unſerer Machtmittel for=
dern
. (Widerſpruch und Lachen bei den Soz. Sehr richtig
bei den übrigen Parteien Glocke des Präſidenten.)
Dieſe Stimmung beruht in ihrem Kern nicht auf kriegeri=
ſchen
Gelüſten, nicht auf dem Wunſch, andere zu be=
drohen
.
Deutſchland iſt kriegsbereit, wenn ein Krieg ihm auf=
gezwungen
wird, aber ſelber ſucht es ihn nicht. (Beifall.)
Die Stimmung beruht vielmehr auf dem durchaus berech=
tigten
Bewußtſein, daß eine ſtarke Rüſtung zur Errei=
chung
aller unſerer Zwecke und Ziele nötig iſt. Wir brau=
chen
eine ſtarke Rüſtung nicht allein zur Abwehr gegen
einen möglicken Angriff, ſondern auch zur Wahrung
unſerer Stellung im Frieden, zur Sicherung unſerer
Wohlfahrt zu jeder Zeit. (Sehr richtig! rechts.) Und
gerade diejenigen, die den Frieden wünſchen, die für
den Frieden arbeiten und ſelbſt die, die für den Frieden
reden, werden ſich der Einſicht nicht verſchließen können,
daß, wenn für irgend jemand, ſo gerade für Deutſchland
mit ſeiner kontinentalen Lage im Herzen Europas, mit
ſeinen nach allen Seiten offenen Grenzen in ganz beſon=
derem
Maße in einer ſtarken Wehrmacht die ſicherſte
Friedensbürgſchaft beſchloſſen liegt. (Sehr wahr!) Ge=
wiß
geſchieht viel, um die Konfliktsmöglichkeiten zu ver=
hindern
, nicht allein auf Friedenskongreſſen, ſondern auch
durch Abmachungen unter den Staaten, durch Schieds=
gerichtsabkommen
und ähnliche Abmachungen. Aber die
Möglichkeit von Kriegen wird dadurch nur eingeſchränkt.
Die Beziehungen unter den Nationen breiten ſich immer
mehr über den Erdhall aus. Dadurch werden unzwei=
felhaft
auch die friedlichen Berührungspunkte vermehrt
zugleich aber treten mit dem Wettkampf der materiellen
ntereſſen neue Konfliktsmöglichkeiten hervor. Ich habe
geſagt, daß zur Zeit Gründe zur Beunruhigung nicht
vorhanden ſind. Umſomehr bedauere ich alamierende
Gerüchte, die bei uns oder anderen vielleicht aus miß=
verſtandenem
Patriotismus in erreaten Preſſeartikeln.
ausgeſtreut werden, um notwendige Rüſtungsmaßregeln
angeblich zu fördern. Sie ſtören Handel und Wandel
(Sehr richtig! links) und bringen keinen Nutzen. Ich habe
die Ueberzeugung und alle Anzeichen ſprechen dafür, daß
keine der Regierungen der Großmächte einen Konflikt
mit uns wünſcht oder herbeizuführen ſucht. (Hört! Hört!
bei den Soz.) Die Kriege ſind aber ſehr häufig nicht von
den Regierungen geplant und herbeigeführt worden, die
Völker ſind vielfach durch lärmende und fanatiſierende
Minoritäten dazu getrieben worden. (Zuſtimmung.
Dieſe Gefahr beſteht auch heute. (Sehr richtig! links.)
und vielleicht in noch höherem Maße als früher. (Hört!
Hört! bei den Soz.)
Nachdem Oeffentlichkeit, Volksſtimmung an Gewicht
und Bedeutung zugenommen haben, wehe dem, weſſen
Rüſtung ſodann lückenhaft iſt. Wie ſich die Zukunft ent=
wickeln
wird, wird niemand prophezeien wollen. Als
wir im Jahre 1910/11 das Quinquennat machten. hat
niemand vorausgeſehen, daß ſich ſobald an die Schlich=
tung
der aufgetretenen internationalen Differenzpunkte
die Beſorgnis vor akuten Verwickelungen und damit die
Sorge entwickeln würde, ob wir einen Teil
unſerer militäriſchen Kraft unbenutzt laſſen könnten. Aber
meine Herren, nicht nur im Ausblick auf einen möglichen
eg, ſei es in naher oder ferner Zukunft, liegt uns die
Pflicht ob, ſtark, militäriſch ſtark zu ſein, unſer Anſehen
unſere Wohlfahrt, unſere Sicherheit auch im Frieden hän=

gen davon ab. Nach unſerer Wehrkraft bemißt man un=
ſeren
Wert als Freund und Bundesgenoſſen unſere Be=
deutung
als eventuellen Gegner, das Gewicht unſerer
Worte in internationalen Fragen, die uns berühren, die
Rückſicht, die andere auf unſer Intereſſe nehmen. All=
Mächte um uns verfahren nach demſelben Grundſatz. Wit
werden darüber in der Kommiſſion die näheren Mittei=
lungen
machen. Da dürfen gerade wir mit unſerer expo=
nierten
geographiſchen Lage, auf die ich ſchon einmal
hingewieſen und mit den ſteigenden Bedürfniſſen eines
wachſenden Volkes nicht zurückſtehen. Ich würde es für
ein Unrecht dieſem Hauſe gegenüber, für ein unberechtig=
tes
Mißtrauen in das Verſtändnis und den Patriotismus
unſeres Volkes anſehen, wenn ich zur Begründung einer
notwendigen Vermehrung unſerer Heeres= und Flotten=
macht
den nahen Krieg an die Wand malen wollte.
Und auch Sie, meine Herren, werden, wie ich glaube
dem Lande einen Dienſt erweiſen, indem Sie ihm das,
was zu ſeiner Stärke und Macht notwendig iſt, in dem
Gefühl nicht erregter Befürchtungen, ſondern ruhiger und
ernſter Geſchloſſenheit gewähren. (Beifall, Bravo rechts.)
Ich komme zur Deckungsfrage. Es iſt gewiß keine leichte
Aufgabe, ſchon ſobald nach der Finanzreform des Jahres
1909 und den Steuerlaſten, die ſie dem deutſchen Volke
auferlegt hat, wiederum mit neuen Steuerforderungen
heranzutreten. Keiner hat das klarer erkannt und her=
vorgehoben
als der verdienſtvolle bisherige Leiter der
Reichsfinanzverwaltung. (Heiterkeit links.) Ich weiß
nicht, weshalb es Ihre Heiterkeit erregt, wenn ich eine
Tatſache feſtſtelle, aber ſo wenig wir um der Hinderniſſe
willen, die ſich neuen Steuerforderungen entgegenſtellen,
von der Notwendigkeit für unſere militäriſche Sicherheit
abſtehen oder dieſe Ausgaben ſich nur verſchieben kön=
nen
, ſo wenig dürfen wir von den Grundſätzen einer ge=
ſunden
Finanzpolitik abweichen. (Sehr richtig! links.
Leine Armee kann ohne die Rückendeckung guter Finan=
zen
agieren, aber zugleich iſt eine ſtarke Wehrmacht das
ſtärkſte Fundament guter Finanzen. (Sehr richtig! rechts.
Es wäre unverantwortlich, wollten wir den Grundſatz
aufgeben: Keine Ausgabe ohne Deckung, und zurückkeh=
ren
zu dem Syſtem der deckungsloſen Ausgaben, das uns
im abgelaufenen Jahrzehnt in ſo ſchwere Kalamität ge=
bracht
. Ich bin überzeugt, daß auch der Reichstag die
Schwere der Verantwortung fühlt, die ihm die Löſung
der Deckungsfrage auferlegt (Sehr richtig! links) und daß
er mit den Verbündeten Regierungen einig iſt in dem
Willen, die unumgänglichen Ausgaben für die Rüſtungen
nicht zum Ausgangspunkt eines neuen Leidensweges zu
machen. Nun hat die öffentliche Kritik dem Finanzplan
der Ihnen vorliegenden Denkſchrift vielfach Mangel an
Solidität vorgeworfen. Mit Unrecht! Sie werden ſich
dieſer Ueberzeugung anſchließen, wenn Sie die Darle=
gungen
, die Ihnen der Reichsſchatzſekretär darüber ma=
chen
wird, unvoreingenommen prüfen.
Ich will gern zugeben, daß allen finanziellen Zukunfts
ſchätzungen für eine längere Zeit eine gewiſſe Unſicher=
heit
inne wohnt und inne wohnen muß (Sehr richtig!
in der Mitte), auch wenn ſie noch ſo ſorgfältig aufgeſtellt
ſind, wie die Ausdehnung der Erbſchaftsſteuer über etwa
einen Ertrag von 60 Mill. gegenüber 36 Mill., die wir
aus der Aufhebung des Branntweinſteuerkontingents er
warten. Kann man nun wirklich behaupten, daß eine
Differenz von 20 bis 30 Millionen bei einem Milliarden
etat unſeren Vorſchlag von vornherein zu einem unſoliden
ſtempelt? Wer die öffentlichen Erörterungen der letzten
Zeit aufmerkſam verfolgt hat und aufrichtig ſein will,
muß zugeben, daß die uns wiederholt in der Preſſe ge=
machten
Vorwürfe, dieſe Vorlage entſpränge ausſchließ=
lich
politiſchen Erwägungen, vollſtändig grundlos ſind.
Die Parteien der Linken haben uns wiederholt ihr Miß=
behagen
darüber ausgeſprochen, daß wir nicht die Erb=
anfallſteuer
zur Beſtreitung der durch die Wehrvorlagen
entſtehenden Mehrkoſten vorgeſchlagen haben. Wir ha=
ben
darauf verzichtet, weil wir überzeugt ſind, daß wir
damit dem Betrage, der durch den Fortfall der ſog.
Branntweinliebesgabe frei wird, auskommen können.
(Zuruf: Wie lange?) Anderſeits wäre durch das Ein=
bringen
der Erbſchaftsſteuer die Kluft, die jetzt leider zwi=
ſchen
den einzelnen bürgerlichen Pateien beſteht, noch er
weitert worden. Hätten wir uns jetzt darauf verlaſſen, daß
die Sozialdemokraten aus Vorliebe für Beſitzſteuern, alle
Abneigung gegen eine Verſtärkung von Heer und Flotte
vergeſſen würden, ſo wäre lediglich ein äußerſt folgen=
ſchwerer
Mißerfolg herausgekommen. Nicht dem einen
zu Liebe und dem anderen zu Leide haben die Vor=
bündeten
Regierungen die Einbringung unterlaſſen, ſon=
dern
einfach deshalb, weil es ſich darum handelte, eine
Mehrheit für die notwendigen Wehrvorlagen zu erlangen.
Eine Erbanfallſteuer hätte aber der bereits herrſchenden
Zerklüftung innerhalb der bürgerl. Parteien noch Vor=
ſchub
geleiſtet. Wir mußten uns daher bemühen, eine
möglichſt einheitliche Annahme der Wehrvorlagen zu er=
zielen
. Ich kann deshalb die Linke bitten, die vorge=
ſchlagene
Erhöhung unſerer Wehrkraft nicht daran ſchei=
tern
zu laſſen, daß die Erbſchaftsſteuer nicht aufs Tapet
gebracht iſt. Die Vorſchläge ſind im Intereſſe unſerer
Wehrkraft erforderlich und ſollten hoch über den Kämpfen
der Parteien ſtehen. Das, meine Herren, ſind im weſent=
lichen
die Anſchauungen, von denen die Verbündeten Re=
gierungen
bei dem Ausarbeiten dieſer Vorlagen geleitet
worden ſind. Die Herren Reſſortchefs werden dann die=
ſen
Begründungen noch notwendig erſcheinende Erwei=
terungen
zu teil werden laſſen. Nichts iſt verlangt, was
nicht zum Ausbau unſerer Wehrfähigkeit erforderlich
wäre. Nicht neue Macht und Stärke, ſondern dem
Deutſchen Reiche die notwendige Kraft nach innen und
außen ſollen die Wehrvorlagen bringen. Ich bin gewiß,
daß im Auslande bereits Rechnungen auf den deutſchen
Parteihader angeſtellt werden; die werden Sie zu
ſchanden machen. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß
in dieſen wichtigen Fragen bei Ihnen die nationale
Vaterlandsliebe das entſcheidende Wort ſprechen wird.
(Lebhafter Beifall.)
Kriegsminiſter v. Heeringen: Wie das frühere
Friedenspräſenzgeſetz, bezweckt auch das vorliegende die
im Laufe der Jahre allmählich bemerkbar gewordenen
Lücken im deutſchen Heere auszufüllen. Die militäriſche
Lage iſt ſeit 1910 in einer fortwährenden Entwickelung
begriffen geweſen. Die Korps ſollen ſchon im Frieden
vorgebildet werden. Hand in Hand geht eine Vermehr=
ung
des Beurlaubtenſtandes. Vermehrungen finden auch
ſtatt bei den Funkentelegraphen= und den Telegraphen=
Abteilungen, ſowohl hinſichtlich des Materials als auch
des Perſonals. Ferner iſt eine Vermehrung der Ge=
neralſtabsſtellen
vorgeſehen, was ſchon im Hinblick dar=
auf
berechtigt iſt, daß gerade an die Führer die größten
Anforderungen geſtellt werden. Ich habe das Vertrauen
zum Reichstag, daß er dem Reiche nicht verſagen wird,
wovon unter Umſtänden ſeine Exiſtenz abhängt.

[ ][  ][ ]

Seite 6

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.

Nummer 95.

Admiral von Tirpitz: Durch die neue Flottenvor
lage ſoll die bisherige nicht berührt werden. Zwei Miß=
ſtände
ſoll die neue Vorlage beſeitigen, einmal die Ent=
laſſung
der Reſerviſten alljährlich im Herbſt, und zwei=
tens
das geringe Verhältnis der ſofort verwendbaren
Flotte zu unſerer Geſamtflotte. Allerdings mußten wir
unter Berückſichtigung der Finanzlage manche Forder=
ung
zurückſtellen. Die geforderten Neueinrichtungen ſind
aber auch deshalb unabweisbar, da ſie das mindeſte
ſind, was unſerer Flotte not tut. Die Koſten der beabſich=
tigten
Mehrindienſtſtellung verteilen ſich auf mehrere
Jahre und ſind nicht beſonders groß. (Zuruf links: Na,
es geht!). Die Forderungen ſind in den engſten Gren=
zen
gehalten und die Vorlage iſt lediglich aus militäri=
ſchen
, nicht aus politiſchen Gründen entſtanden. Aus
dieſem Grunde wird auch kein Patriot dieſer Vorlage
ſeine Zuſtimmung verſagen.
Reichsſchatzſekretär Kühn: Die Vermehrung von
Heer und Flotte iſt natürlich nur möglich, wenn die nötige
finanzielle Grundlage vorhanden iſt. Wir dürfen ihnen
nur näher treten, wenn wir unſere durchaus geſunde Fi=
nanzpolitik
nicht zu verlaſſen brauchen. Unſere Schulden=
laſt
darf nicht vermehrt werden. Alle Anleihen dürfen nur
für werbende Anlagen geſchehen. Wir dürfen auch des=
halb
nicht von dem Grundſatz abweichen: Keine Aus=
gaben
ohne Deckung. Der beliebte Staatsſekretär Wer=
muth
ſoll ein warmer Freund der Erbſchaftsſteuer ge
weſen ſein; hieraus zog die Preſſe vielfach den Schluß,
ſein Nachfolger müßte entgegengeſetzter Geſinnung ſein.
Ein Perſonenwechſel ſollte aber hierauf keinen Einfluß
haben. Ich darf aber wohl bemerken, daß der erſte Ent=
wurf
über die Erbanfallſteuer, der allerdings nicht das
Licht der Welt erblickt hat, von mir herrührt. Ich bin
niemals grundſätzlicher Gegner der Erbanfallſteuer ge=
weſen
und auch die Regierung hatte einen zweiten Ent=
wurf
damals eingebracht gehabt. Das Branntweinkon=
tingent
ſoll nur in den Reſervatſtaaten reduziert, in den
anderen beſeitigt werden. Ich hoffe mit dem geringen
Betrag auszukommen, beſonders durch das gute Etats=
jahr
1911, wo uns vorzügliche Einnahmen bevorzuſtehen.
ſcheinen. Wir ſind mit unſeren Anſprüchen aufs äußerſte
herabgegangen, um unſere ſchon ſtark belaſtete Bevölker=
jung
nicht noch mehr zu belaſten. Ein Volk, das immer=
hin
auf einen Angriffskrieg gefaßt ſein muß, muß auch
Reſerven haben, wenn die Not groß iſt.
Abg. Haaſe (Soz.): Die heutigen Erklärungen laſ
ſen vermuten, daß wir ſehr bald wieder mit einer neuen
Heeresvorlage zu rechnen haben müſſen. Herr von Hee=
ringen
ſagte 1909, daß durch das damalige Geſetz den
Anforderungen in vollem Umfange entſprochen ſei. Wel
cher Herr von Heeringen hat nun recht, der von 1909 oder
der von 1912? Man muß aus dieſen Erklärungen den
Schluß ziehen, daß die Gutachten unſerer militäriſchen
Sachverſtändigen ohne Wert ſind. Frankreich wird noch
lange mit der Beruhigung von Marokko zu tun haben,
von hier haben wir alſo nichts zu fürchten. Unſer Vor=
gahen
in den Rüſtungen iſt nur das Signal für die an=
deren
Mächte. Dieſes Wettrüſten kann nur ein Ende mit
Schrecken nehmen. Wir werden in der Kommiſſion an der
Beratung teilnehmen und für die Aufbeſſerung der Mann=
ſchaftslöhne
und der Veteranengelder eintreten. Sind
Abg.
Ueberſchüſſe vorhanden, dann heraus damit.
Spahn (Zentr.) Viel mehr als die finanziellen Laſten
der Wehrvorlagen ſollen die perſönlichen, die unſere Be=
völkerung
tragen muß, uns eingehend prüfen laſſen.
ob Bedarf für dieſe Vermehrungen vorhanden iſt, (Zuruf
Sie lehnen alſo ab!) Warten Sie nur ab. Wir haben
zu prüfen, ob die Notwendigkeit vorhanden iſt, oder ob
die Vorlagen durch die politiſchen Verhältniſſe begrün=
det
ſind. Wir ſehen, daß die benachbarten Völker keine
Opfer ſcheuen, um ihre Rüſtungen intakt zu halten und zu
vervollſtändigen. Wir müſſen dafür Sorgen tragen, daß
die Erhöhung der Mannſchaftslöhne nicht erſt mit dem
neuen Etatsjahr, ſondern ſchon am 1. Oktober Tatſache
wird. Einſtimmig ſind meine Freunde einig darin, daß
die Beſeitigung des Branntweinkontingents nicht der
Ausgang zu einer neuen Branntweingeſetzgebung wird
Die Erſchaftsſteuer lehnen wir unter allen Umſtänden ab
Abg. Herzog (Wirtſch. Vgg.): Wir haben Vertrauen
zu den militäriſchen Sachverſtändigen. Den Anforderun=
gen
können wir nur zuſtimmen.
Nächſte Sitzung Dienstag 1 Uhr: Schluß halb
7 Uhr.

Die deutſche Handwerks=Ausſtellung.

Dresden, 20. April. Nachdem ſich bereits vor
längerer Zeit in Dresden ein Ausſchuß gebildet hatte zu
dem Zweck, den Stand des modernen deutſchen
Handwerks zur Darſtellung zu bringen und in Ver=
bindung
damit zu zeigen, in welcher Weiſe und in welchem
Umfange die Maſchine für das Handwerk nutzbar gemacht
werden kann, hatte Oberbürgermeiſter Dr. Beutler zu
heute eine Anzahl von Behörden, Korporationen und ge=
werblichen
Organiſationen, ſowie Vertreter der ſtädtiſchen
Behörden zu einer Verſammlung in das neue Dresdener
Rathaus geladen. Nach Begrüßung der Erſchienenen er=
läuterte
Dr. Beutler ſeinen Plan und bezeichnete es als be=
ſonders
bedeutungsvoll, daß ſich der Vorſtand der Stän=
digen
Ausſtellungskommiſſion für die deutſche Induſtrie in
Berlin einmütig bereit erklärt hat, das Unternehmen zu
unterſtützen. Auch könne neben dem Handwerk auf eine
ſtarke Beteiligung der in Frage kommenden Zweige der
Maſchineninduſtrie mit Sicherheit gerechnet werden. Die
Ausſtellung ſoll ein anſchauliches Bild von dem gegenwär=
tigen
Stande des deutſchen Handwerks und von ſeinem
Streben nach Vervollkommnung ſeiner Arbeitsweiſe geben
und in Verbindung damit zeigen, wie die Maſchine für das
Handwerk nutzbar gemacht werden kann. Es ſollen fol=
gende
Gruppen gebildet werden: Baugewerbe mit Woh=
nungs
=, Straßen= und Wegebau; Bearbeitung von Metal=
len
, Holz, Knochen, Horn u. dgl. zu Gebrauchsgegenſtän=
den
; Handwerke für Schmuckgegenſtände; Bekleidungs=
gewerbe
, Körper= und Geſundheitspflege, Spiel und
Sport; Nahrungs= und Genußmittel; Handwerk für Schrift
und Bild; Maſchinen und Werkzeuge aller Art, ſowie in
beſonderen Abteilungen geſchichtliche Handwerkerorgani=
ſation
, Sitten und Gebräuche, Bildungsmittel, Berufs=
krankheiten
und deren Verhütung, ſtaatliche Förderung des
Handwerks, ſowie Hausfleiß, Jugendarbeit und Jugend=
erziehung
. Dieſe Pläne fanden im allgemeinen Billigung
Nach weiteren Erläuterungen wurde folgende Ent=
ſchließung
einſtimmig angenommen:
Die Verſammlung erklärt ſich mit der Veranſtal=
tungeiner
Ausſtellung Das deutſche Hand=
werk
Dresden 1915 auf Grund des allgemeinen
Programms einverſtanden und überträgt dem Arbeitsaus=
ſchuß
die weiteren Vorbereitungen für das Unternehmen.
Sie ſpricht die Erwartung aus, daß die Stadt Dresden,
der ſächſiſche Staat und die Reichsregierung das Zuſtande=
Lommen der Ausſtellung durch entſprechende finanzielle

Unterſtützung ermöglichen werden. Die Verſammlung be=
ſchließt
, an Se. Majeſtät den König von Sachſen die Bitte
zu richten, das Protektorat über die Ausſtellung zu über=
iehmen
. Ihre Exzellenzen Staatsſekretär Dr. Delbrück
und Staatsminiſter Graf Vitzthum ſollen erſucht wer=
en
, das Ehrenpräſidium der Ausſtellung anzunehmen
Weiter werden die Vertreter der Staatsregierungen, die
eine Förderung der Ausſtellung in Ausſicht ſtellen, gebeten,
dem Ehrenpräſidium beizutreten.

Der Notſtand in Nieder=Modan.
Von Direktor Baſtian.

In Kreiſen, denen das über Nieder=Modau und Um=
gegend
hereingebrochene Unglück nahe geht, iſt die Frage
erortert worden, ob nicht den hart bedrängten Kaſſemit=
gliedern
und Schuldnern dadurch zu Hilfe zu kommen
wäre, daß man ihnen die Erfüllung ihrer Pflichten der in
Konkurs geratenen Kaſſe gegenüber erleichtern kann. Ueber
die Notwendigkeit einer Hilfsaktion iſt angeſichts der Ge=
fahr
, daß einer Reihe von Exiſtenzen der Ruin droht, ein
Zweifel nicht möglich. Andererſeits iſt aber der Fehl=
betrag
im Verhältnis zur Zahl der haſtenden Genoſſen ein
ſo hoher, daß eine einigermaßen wirkſame Hilfe ſchon
wegen der Kapitalbeſchaffung, ganz abgeſehen von der
ungeheueren Verwaltungsarbeit, auf die allergrößten
Schwierigkeiten ſtößt. Wer ſich von dem Notſtand über=
zeugt
hat, der wird es aber nicht fertig bringen, ſich un=
tätig
mit der Feſtſtellung zu begnügen, daß eine Aktion
möglicherweiſe an der Höhe des Fehlbetrags ſcheitert.
Vielmehr wird die umgekehrte Folgerung zu ziehen ſein,
daß gerade weil der Fehlbetrag ſo groß iſt, der von
einem perhältnismäßig kleinen Mitgliederbeſtand gedeckt
werden muß eine Hilfe erſt recht unbedingte Notwen=
digkeit
iſt.
Die finanziellen Verhältniſſe der Nieder=Modauer
Kaſſe, wie ſie zurzeit liegen, ziffermäßig hier darzulegen,
trage ich Bedenken. Für die Entwickelung der Grund=
züge
einer Hilfsaktion können die Ziffern aber auch ent=
behrt
werden.
Der Fehlbetrag geht über 1 Million hinaus; ſeine
Deckung ließe ſich derart denken, daß 1. die Verwaltungs=
rgane
(Aufſichtsrat und Vorſtand) zu einem Opfer ver=
anlaßt
werden; 2. den Einlegern ein Nachlaß angeſonnen
wird (im Konkurs verlören ſie ja auch Zinſen und, ſo wie
die Verhältniſſe liegen, vielleicht auch noch Kapital); 3. von.
den Banken als Gläubigern eine Kürzung ihrer Anſpürche
erbeten wird, wegen der Inanſpruchnahme aus Bürgſchaf=
ten
Ablöſungsverträge geſchloſſen, und 4. für den dann noch
verbleibenden Reſt die Mitglieder in Anſpruch genommen
werden. Man mag die zu 1, 2 und 3 ſich ergebenden Be=
träge
hoffnungsfreudig noch ſo hoch anſetzen, ſo bleibt doch
noch von den Mitgliedern ein empfindlich hoher Ausfall
zu decken.
Es erhebt ſich nun die Frage, wie dieſen Mitgliedern
(natürlich auch den Schuldnern) die Erfüllung ihrer Pflich=
ten
erleichtert werden kann, da es an einer Kreditorgani=
ſation
nach dem Konkurs der bisherigen Genoſſenſchaft
in Nieder=Modau fehlt. Eine neue Genoſſenſchaft als
Schutz= und Hilfskaſſe zum Zwecke der Geldbe=
ſchaffung
zu gründen, um die vorhandene Lücke aus=
zufüllen
, dürfte ſich als ein fragwürdiger Weg deshalb er=
weiſen
, weil die neue Kaſſe ſich mit einem ſo hohen
Riſiko belaſten müßte, daß ihr das Vertrauen von Ein=
legern
, auf welche ſie ja doch zum Zwecke der Geldbeſchaff=
ung
angewieſen bliebe, kaum in dem erforderlichen Aus=
maß
zur Seite ſtünde. Das Riſiko wäre um deswillen ſo
unerträglich geſteigert, weil die Kaſſe, wenn ſie einiger=
maßen
hilfreich wirken will, ſehr weit in der Kreditein=
räumung
gehen müßte. Dazu treten noch die beſonderen
Gefahren, die in jeder lokalen Kreditkonzentration liegen.
Bei einer ſolchen Sachlage werden ſich auch kaum genügend
hilfsbereite Männer finden, welche die neue Genoſſenſchaft
bilden ſollen, ſelbſt wenn man die hier vorzuziehende be=
ſchränkte
Haftart wählt. Dieſe Erwägungen führen alſo,
um es zu wiederholen, dazu, daß bei einer ſolchen Zweck=
beſtimmung
der Hilfskaſſe die Mitglieder ausbleiben und
erſt recht die Einleger fehlen würden.
Die Umſchau nach einem anderen geeigneten Weg
lenkt den Blick ganz von ſelbſt auf die Genoſſenſchaften (die
auch ſchon mit Rückſicht auf ihre eigenen Intereſſen den
Wunſch haben dürften, daß der Konkurs ſo bald als mög=
lich
zu Ende geführt wird, und der Fall Nieder=Modau
aus der öffentlichen Erörterung ausſcheidet). Wenn die
in Heſſen beſtehenden Genoſſenſchaften (über 400) wenig=
ſtens
der Mehrzahl nach im Intereſſe der Genoſſenſchafts=
ſache
mitmachen, dann wird es, ohne daß das Engagement
für die einzelne Genoſſenſchaft irgendwie erheblich wird,
ohne weitere Schwierigkeit möglich ſein, eine Hilfsaktion
zuſtande zu bringen. Eine jede Kaſſe hätte ja im Durch=
ſchnitt
nur 3000 bis 4000 Mark Engagement gegen
Unterlagen zu übernehmen; ihr Riſiko kann alſo auch
ſchlimmſtenfalls nicht hoch werden. Die Ausführung denke
ich mir derart, daß die verſchiedenen Genoſſenſchaften die
Darlehen, deren die bedrängten Mitglieder oder Schuldner
und auch die in Anſpruch zu nehmenden Mitglieder der
Verwaltungsorgane zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen
bedürfen, zur Verfügung ſtellen, aber nicht in bar, ſondern
durch Gutſchrift bei der alten Kaſſe, wie wir noch ſehen
werden. In jedem einzelnen Falle hätte ſelbſtverſtändlich
die Feſtſtellung vorauszugehen, wie hoch das betreffende
Mitglied auf Grund ſeiner Vermögensverhältniſſe von der
Konkursverwaltung, die ja natürlich weiter amtiert, über=
haupt
herangezogen werden kann. Der weitere Gang der
Dinge wäre nun eigentlich der, daß dieſer Darlehensbetrag
an den Konkursverwalter abzuführen ſein würde, der ihn
ſeinerſeits mit zur Befriedigung der Gläubiger zu ver=
wenden
hätte. Um aber eine Flüſſigmachung der Kapi=
alien
hintanzuhalten und außerdem auch zu erreichen, daß
die Einleger ihre Gelder bei einer lokalen Kaſſenſtelle
ſtehen laſſen können. ſchlage ich vor, in der Form der Ge=
noſſenſchaft
mit beſchränkter Haftpflicht in Nieder=Modau
ine neue Kaſſe zu gründen, auf welche die Einlagen
der alten Kaſſe im Einverſtändnis mit den Einlegern über=
gehen
und welche andererſeits als Aktiva=Forderungen
an die Genoſſenſchaften von der alten Kaſſe zediert erhält.
Gemeint ſind jene Forderungen, welche die alte Kaſſe
(gleich Konkursverwalter) gegenüber den intervenierenden
inzelnen Genoſſenſchaften erwarb und welche gleichzeitig
mit der Uebertragung der Einlagen von der alten Kaſſe
an die neue abgetreten werden. Damit ſind die Gläubiger
der alten Kaſſe befriedigt, der Konkurs iſt an ſeinem natür=
lichen
Ende angelangt. Die ganze Ueberleitung könnte
in der Zeit eines Jahres erledigt ſein; ein unermeßlicher
Vorteil, wenn man bedenkt, wie bleiern ein längerer Ge=
noſſenſchaftskonkurs
auf den geſchäftlichen und privaten
Verhältniſſen aller Beteiligten liegt. Der neuen Genoſ=
enſchaft
, die ſolcherart nur denkbar gute Aktivgeſchäfte
macht, könnte es an Vertrauen gewiß nicht fehlen. Man
kann deshalb erwarten, daß die Einlagen bis auf die=
jenigen
Beträge, die unbedingt in bar gebraucht werden.
auf ſie übergehen.

Iſt es nun der einen oder anderen Genoſſenſchaft ge=
nehmer
, anſtatt ſelbſt als Darlehensgeber aufzutreten, die
Gewährleiſtung für eine Forderung von 3000 bis 4000
Mark zu übernehmen, ſo könnte auch das ſelbſtverſtändlich
dankbar angenommen werden. Dann hätte die neue Kaſſe
formell das Darlehen an den Anleiher zu geben. Die
Bilanz der neuen Kaſſe erführe damit keine Verſchlechter=
ung
, denn ob ſich in den Aktiven ausſchließlich Forderungen
an Genoſſenſchaften befinden oder ob ein Teil dieſer For=
derungen
gegenüber den Mitgliedern und Schuldnern unter
Gewährleiſtung von ſolchen Genoſſenſchaften beſteht, be=
dingt
inbezug auf die Qualität der Aktiven keinen Unter=
ſchied
. Die eine oder andere Genoſſenſchaft wird möglicher=
weiſe
auch vorziehen, einen einmaligen Zuſchuß à fonds
perdu zu leiſten. Der vorgeſchlagene Weg ſchließt es nicht
aus, auch mildtätige Zuwendungen anzunehmen, wiewohl
damit der rein geſchäftsmäßige Grundſatz, auf den ſich
der ganze Plan aufbaut, verletzt wird.
Von großer Bedeutung iſt, daß ein Flüſ=
ſigmachen
der Ausſtände durch den Kon=
kursverwalter
und ein Ueberangebot von
Vermögenswerten vermieden bleibt, denn
eine Maſſen=Exekution muß zu einer Ver=
ſchleuderung
, alſo zu einer außerorden t=
lichen
Entwertung des Beſitzes führen.
Dieſer Fall tritt nicht ein, wenn den Verpflichteten in der
geſchilderten Weiſe beigeſprungen wird. Eine Kapital=
bewegung
in der Form des Barverkehrs iſt damit gleich=
falls
vermieden. Ob der Staat wenigſtens in kleinem
Umfange öffentliche Mittel feſtlegen kann durch Mitbieten
bei allenfalls doch notwendig werdenden Verſteigerungen,
oder wie er ſonſt etwas tun könnte, das würde in einem
ſpäteren Stadium zu erörtern ſein, wenn die Staatshilfe
nicht überhaupt entbehrt werden kann und grundſätzlich
erreichbar iſt.
Damit die Einlagen auf die neue Kaſſe in möglichſt
weitem Umfange übergeführt werden, könnte vereinbart
werden, daß diejenigen Einleger, welche auf der ſofortigen
Barbefriedigung beſtehen, ſich einen größeren Nachlaß ge=
fallen
laſſen, als die übrigen, welche Gläubiger der neuen
Kaſſe werden. Die unumgänglichen Barrückzahlungen
können ſpäterhin aus Geldern, welche der Konkursverwal=
ter
ſchon eingetrieben hat und noch weiter eintreibt, oder
aus neuen Einlagen geleiſtet werden. Wird nun der von
den Einlegern erwirkte Nachlaß nur zur Hälfte zur Deck=
ung
des Fehlbetrags verwendet, ſo könnte aus der anderen
Hälfte ein recht erheblicher Reſervefonds von mehr als
200000 Mark gebildet werden, der den Genoſſenſchaften
gleichfalls haften könnte als eine Art Rückbürgſchaft. Dieſe
Regelung empfiehlt ſich auch um deswillen, weil die den
einzelnen Genoſſenſchaften zuzuweiſenden Engagements
nur ziffernmäßig, aber nicht auch qualitativ gleichartig ſind.
Die Bilanz der neuen Kaſſe ſähe dann ſo aus:
Aktiva: Forderungen an Genoſſenſchaften und an
Dritte mit Gewährleiſtung durch einzelne Genoſſenſchaften
. Mark.
Paſſiva: Einlagen und Verpflichtungen der alten
Kaſſe mit Abzug des Nachlaſſes
.. Mark. Sicherheitss
fonds zur Deckung von Ausfällen
. Mark.
Wenn ſpäterhin die Verhältniſſe ſich konſolidiert haben,
könnte die neue Kaſſe an die allmähliche Uebernahme der
bei den anderen Kaſſen ausſtehenden Kapitalreſte ( ur=
ſprüngliche
Darlehen abzüglich der mittlerweile vollzoge=
nen
Abrentungen) herantreten.
Für die Geſchäftsführung der neuen Kaſſe denke ich
mir, bis das Vertrauen ein feſt begründetes iſt, neben dem
Kaſſenvorſtand einen Arbeitsausſchuß, in den ehrenamtlich
Landtagsabgeordnete, die Bürgermeiſter der beteiligten Ge=
meinden
, ſowie Finanzamtsvorſtände und andere Staats
beamte, denen die vorgeſetzten Inſtanzen für dieſen Zweck
ausnahmsweiſe wohl die Genehmigung zur Mitwirkung
erteilen dürften, eintreten könnten. Die Koſten eines
Sekretariats, die ja bei der ſtarken Abkürzung des Kon
kurſes nicht hoch ſein werden, könnte vielleicht der Stadt
übernehmen, der damit zu der ganzen Aktion einen mäßi=
gen
, aber doch auch vertretbaren Beitrag leiſten würde.
Ich weiß, daß auf dem Weg zum Ziel viel Arbeit, viel
Undank und manches Bedenken liegt. Aber hat es nicht
ein größeres Bedenken gegen ſich, die Nieder=Modauer
einfach ihrem Schickſal zu überlaſſen? Freilich, wenn
die Genoſſenſchaften, die als die Nächſten
zugunſten von Nieder=Modau den erſten
und wichtigſten Schritt tun müſſen, ſich abs
ſeits ſtellen, fällt der Plan in dieſer Form.
Daß es aber gerade im Intereſſe des genoſſenſchaftlichen=
Gedankens bedauerlich wäre, wenn der Weg der Selbſt=
hilfe
unter dem ſieahaften Wort Alle für einen nicht be=
ſchritten
werden würde, bedarf keiner weiteren Ausführung.
Und die Verantwortung dafür, daß andere Kreiſe wegblei=
ben
. wenn die Genoſſenſchaften nicht vorangehen, iſt keine
geringe. Meine Arbeit entſprang einer höheren Ortes
ergangenen Anregung, die in dem warmherzigen Beſtreben
wurzelt. Wege für eine Hilfeleiſtung ausfindig zu machen,
Einen Vorſchlag möchte ich in Vorſtehendem der Erörter=
ung
meiner Fachgenoſſen unterſtellen und namentlich den
Genoſſenſchaften mit der Bitte um eine wohlwollende
Würdigung unterbreiten.

Luftfahrt.

* Frankfurt, 22. April. Die beiden Zeppelin=
ſchiffe
Viktoria Luiſe und Schwaben unter=
nehmen
morgen von ihren Häfen aus längere Fahrten.
Die Viktoria Luiſe fliegt von Frankfurt nach Baden=
Baden, die Schwaben kommt von Baden=Baden nach
Frankfurt. Beide Schiffe verlaſſen um 9 Uhr ihren
Standort und werden ſich gegen 10½ Uhr auf der Höhe
von Heidelberg kreuzen. Nachmittags um 3 Uhr ſteigen
die Schiffe zur Heimfahrt auf.

Zum Untergang der Titanie‟

New=York, 21. April. Verſchiedene Dampfel
melden, daß ſie an der Unglücksſtelle der Tita
nie Trümmer und zahlreiche Leichen geſehen haben
Der Kabeldampfer Me Kei Bermett begab ſich zur Und
glücksſtelle, um heute mit der Bergung der Leichen beginnen
zu können.
* London 21. April. Die Subſkription in
England zu Gunſten der Hinterbliebenen der umgekom=
menen
Mannſchaft der Titanic beläuft ſich augenblick;
lich auf insgeſamt 2 Millionen Mark. In Belfaſt allein
ſind während einer Stunde 125000 Mark gezeichnet worden
* New=York, 22. April. Vor der Senats=
kommiſſion
erklärte der erſte Telegraphiſt
der Carpathia daß die unrichtige Meld=
ung
, daß die Paſſagiere der Titanic alle gerettet ſeien
und die Titanic ins Schlepptau genommen werde, nicht
von ihm geſandt worden ſei. Er habe der Baltic ge=
meldet
etwa um 10,30 Uhr Montag vormittags, daß
die Carpathia auf dem Schauplatz des Unglücks ge=
weſen
ſei, die Ueberlebenden an Bord genommen hätte
und nach New=York ginge. Er habe keinen einzigen Ver=

[ ][  ][ ]

Nummer 95.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.

Seite 7.

ſuch genacht irgend weiche Tatſachen vorzuenthallen.
Der zweite Telegraphiſt der Titanic Bride, ſagte
aus, er habe am Sonntag nachmittag eine Meldung der
Carpathia aufgefangen, die für die Baltic be=
ſtimmt
geweſen ſei, daß ſich in der Nähe des Schiffes
drei große Eisberge befänden. Er habe dieſe Meldung
dem Kapitän perksnlich gegeben. Bride ſagte ferner aus,
Kapitän Smith, der keinen Rettungsgürtel angelegt
hatte, habe bis zuletzt auf der Kommandobrücke geſtan=
den
und ſei ins Waſſer geſprungen, als es die Kommando=
brücke
erreichte. Die Senatskommiſſion wird am Mon=
tag
ihre Sitzungen in Waſhington wieder aufnehmen.
DDie überlebenden Amerikaner haben bereits
Vorladungen erhalten. Die Reiſe Mr. Smiths, des Vor=
ſitzenden
der Senatskommiſſion, nach New=York wird da=
durch
erklärt, daß Miſter Ismay an Mr. Franklin tele=
graphiert
hatte, die Abfahrt der Codfie möchte ver=
ſſchoben
werden, damit ſie die Ueberlebenden von der
Mannſchaft der Titanic an Bord nehmen könne. Die=
iſes
Telegramm war von dem amerikaniſchen Regier=
lungsapparat
aufgefangen und nach New=York weiter=
gegeben
worden.
* New=York, 22. April. Der Kabeldampfer Mac
Key Bennet berichtet, daß er in der Nähe der Unter=
gangsſtelle
der Titanie 64 Leichen geborgen
habe, die vermutlich noch identifizierbar ſind. Einige an=
idere
Leichen, deren Rekognoszierung nicht mehr möglich
iſt, wurden in die See verſenkt.
* London, 22. April. Der Daily Telegraph melde:
laus New=York vom 21. April: Ein Heizer, der mit
dem Kapitän Smith in dem Augenblick des Unter=
gangs
des Schiffes auf dem Brückendeck war, berichtet:
Als das letzte Boot flott gemacht wurde, brach das Waſ=
ſer
über die Brücke. Der Kapitän, der ſchon bis in die
Knie im Waſſer ſtand, rief aus: Jungens, Ihr habt Eure
Pflicht getan. Ich verlange nichts mehr von Euch, ich
entlaſſe Euch. Ihr kennt das Geſetz der See, jedermann
ſteht für ſich ſelbſt. Gott ſegne Euch! Dann nahm er
ein weinendes Kind, das auf der Brücke neben ihm ſtand,
auf den Arm und ſprang hinab. Ein geretteter
Paſſagier beſtätigte die Ausſage des Heizers. Er ſagte,
ſer habe den Kapitän mit einem Kind unter dem Arm
ſſchwimmen ſehen. Smith habe das Kind in ein Boot
gebracht, ſich aber geweigert, ſelbſt in das Boot
Zu gehen.
* London, 22. April. Für den Unterſtütz=
iungsfonds
zugunſten der Hinterbliebenen der
Opfer der Titanic ſind bisher über 2 Millionen
Mark geſammelt worden; etwa 1,9 Millionen davon ſind
in London zuſammengekommen.

Der italieniſch=türkiſche Krieg.

* Konſtantinopel, 22. April. Ein unter dem
Vorſitze des Großweſiers abgehaltener Miniſterrat hat den
Text der Antwortnote der Pforte auf den Ver=
mittlungsſchritt
der Mächte genehmigt. Die Antwort wird
von dem Miniſter des Aeußern den Botſchaftern bei dem
heutigen Empfang mitgeteilt werden.
* Saloniki, 22. April. Der hieſige Hafenkomman=
dant
erhielt von Chedes die amtliche Mitteilung, daß
geſtern ſieben italieniſche Panzerſchiffe und drei
Torpedofahrzeuge dort eingelaufen und nach drei=
viertelſtündiger
Anweſenheit wieder in Sce gegangen ſeien.
Nach Meldungen von Chies und Tenedes ſind dort gleich=
falls
italieniſche Kriegsſchiffe geſehen worden. In Kreiſen,
die dem jungtürkiſchen Komitee naheſtehen, verlautet, daß
Mitgliedern des Komitees die Zuſicherung gemacht worden
ſei, daß die Italiener einen Angriff auf Saloniki nicht
unternehmen werden. Trotzdem werden hier und bei den
Befeſtigungen des Kap Karaburun, ſowie an ſonſtigen
Küſtenplätzen alle Vorſichtsmaßregeln für einen italie=
niſchen
Angriff fortgeſetzt.
* Konſtantinopel, 22. April. Die Sperrung
der Dardanellen verurſacht der Schiffahrt große
Verlegenheit. Ueber fünfzig Dampfer befinden ſich im
Hafen. Im Perſonen=, Waren= und Poſtverkehr iſt eine
Stockung eingetreten. Es werden Maßnahmen getroffen,
um den Verkehr auf indirekten Wegen abzuleiten. Die
Eiſenbahngeſellſchaften ſagten der Regierung eine Erleich=
terung
für den Getreidetransport zu. Die Stadtbehörde
trifft unabläſſig Vorkehrungen, um eine Lebensmittel=
teuerung
hintanzuhalten. Wegen der Einſtellung des
Verkehrs mit Trieſt trat auf dem Zuckermarkte eine große
Hauſſe ein. Der zwiſchen dem Bautenminiſterium und den
Orientbahnen abgeſchloſſene Vertrag betr. den Bau und
Betrieb der Bahnlinie Uesküb-Kalkendelen-Geſtivar
wurde geſtern unterzeichnet
H. B. Berlin, 22. April. Auf das Telegramm, das
die Mannheimer Börſe über die wirtſchaftlichen
ſchädigenden Folgen der Dardanellen=Sperrung an den
Reichskanzler geſandt hatte, iſt ihr folgende Ant=
wort
zugegangen: Auf Ihr Telegramm betreffend Sper=
rung
der Dardanellen erwidere ich Ihnen, daß Deutſch=
land
als neutrale Macht ſich nicht in einen Krieg zwiſchen
zwei Großmächten einmiſchen kann. Die kaiſerliche Re=
gierung
wird ſich indeſſen angelegen ſein laſſen, zum
Schutz der deutſchen Intereſſen die nach Lage der Ver=
hältniſſe
geeigneten Schritte zu tun. (gez.) Kiderlen.

Der Aufruhr in Fez.

* Tanger, 21. April. Nachrichten aus Fez be=
ſſagen
: Die Lage iſt ruhig. Franzöſiſche Truppen
machten gegen 1000 Gefangene. Zahlreiche andere Meu=
terer
flohen in die Umgegend und verſteckten ſich in den
Häuſern, die von Patrouillen durchſucht werden, während
in der Nähe aufgeſtellte Poſten die Flüchtlinge feſtnehmen
ſollen. Die Zahl der ermordeten franzöſiſchen
Zivilperſonen beträgt wahrſcheinlich acht, mehrere
andere werden vermißt. Die Zahl der ermordeten In=
ſtrukteure
wird auf 15 angegeben. Angehörige einer an=
deren
Nation ſcheinen nicht umgekommen zu ſein.
* Tanger, 22. April. General Moinier traf
geſtern morgen in Fez ein, wo die Ruhe wieder her=
geſtellt
iſt. Die geſamten Verluſte in den Kämpfen vom
17. bis 19. betragen 25 Tote, darunter 2 Kaufleute, und
etwa 60 Verwundete. El Mokri und Regnault beſuchten
die Verwundeten im Hoſpital. El Mokri dankte den
Truppen für die bewieſene Tapferkeit.
* Paris, 22. April. Wie der Petit Pariſien aus
Tanger meldet, beläuft ſich die Zahl der in Fez ge=
töteten
franzöſiſchen Offiziere und Unter=
offiziere
auf 30. Unter den von den Aufrührern nieder=
gemachten
Ziviliſten befinden ſich der Berichterſtatter des
Matin, Bringau, ſowie deſſen Frau. Der Matin teilt
mit, daß ſeinem Sonderberichterſtatter vom Geſandten
Regnault verboten worden ſei, irgend welche Meldungen
mittels Funkentelegraphie abzuſenden, er habe nur tele=
graphieren
dürfen, daß er ſich noch immer in Sicherheit
befinde, was recht beunruhigend klinge. Das Blatt ſchreibt
tweiter: Die Nachricht von der Niedermetzelung der fran=

öſiſchen Ofizſere und Ziiliſten hat in der öffentlichen
Meinung eine tiefgehende Bewegung hervor=
gerufen
. Die Regierung hat geglaubt, den Geſandten
Regnault beglückwünſchen zu müſſen. An wen wird ſie
ihren Tadel richten? Es ſind ſchwere Fehler begangen
worden. Die Niedermetzelung unſerer Landsleute hätte
vermieden werden können. Die franzöſiſchen Truppen
ſind zur Befreiung der bedrohten Europäer am 21. Mai
vorigen Jahres in Fez eingetroffen. Seit 11 Monaten
ſind die Franzoſen Herren der Stadt. Was iſt ſeither
zum Schutze unſerer Landsleute geſchehen?
* Paris, 22. April. Nach einer Havasmeldung aus
Tanger wurden bei der Plünderung des Inden=
viertels
in Fez an 100 Juden getötet. Die Zahl
der verwundeten Juden ſei ſehr beträchtlich und das
Elend unter dieſen ſehr groß. Wie aus Elkſar gemeldet
wird, zeigt ſich nunmehr auch unter den ſcherifiſchen
Truppen in Suk=el=Arba eine bedenkliche Gärung. Die
franzöſiſchen Offiziere haben Vorſichtsmaßregeln ge=
troffen
. Aus Taurirt wird gemeldet, daß in den letz=
ten
Tagen von den Marolkanern zwei franzöſiſche Sol=
daten
getötet wurden, die als Lagerwachtpoſten aufge=
ſtellt
waren.
* Paris 22. April. Nach den letzten Telegrammen
des Majors Moiniers aus Fez ſind die bei den Un=
ruhen
entſtandenen Verluſte folgende: 15 Offiziere
und 40 Mann tot, 40 Offiziere und 70 Mann verwundet;
außerdem ſind 13 Zivilperſonen, ſämtlich franzöſiſcher
Nationalität, getötet worden.

Darmſtadt, 23. April.
* Ein prächtiger Meteor wurde am Abend des 21.
April einige Minuten vor 10 Uhr beobachtet. Der gelb=
lich
=weiß glänzende Meteor bewegte ſich von Oſten nach
Weſten, in ſeiner Bahn folgte nach zirka 20 Sekunden
ein weiterer ganz kleiner Meteor nach.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 22. April. Die Nordd. Allg. Ztg. ſchreibt:
Seit dem Inkrafttreten des deutſch=italieniſchen
Handelsvertrags ergeben ſich Zweifel und Mei=
nungsverſchiedenheiten
über die Auslegung einiger Ver=
tragsbeſtimmungen
. Begründet auf beiderſeitiges Ver=
trauen
dürfte verſucht werden, hierüber Verſtändi=
gung
durch mündliche Verhandlungen zwiſchen Kommiſ=
ſaren
der deutſchen und der italieniſchen Regierung herbei=
zuführen
. Dieſe Verhandlungen ſollen am 24. April in
Rom beginnen.
* Berlin, 22. April. Als heute früh der Schutzmann
Meyer den 21jährigen Arbeiter Gaede zur Wache brachte,
wurde er von einer großen Schar Strolche und Zuhäl=
tern
bedroht, niedergeriſſen und mißhandelt. Es ge=
lang
ihm. wieder aufzuſpringen und ſeinen Revolver zu
ziehen, mit dem er ſeinem ſchlimmſten Angreifer, den als
gewalttätig bekannten Arbeiter Meinert, durch einen Schuß
in den Unterleib verwundete. Der Schutzmann erlitt
mehrere leichte Verletzungen.
* Aſchaffenburg, 22. April. Bei der Einfahrt in die
Station Aſchaffenburg entgleiſte heute kurz vor zwei
Uhr der D=Zug 57 München==Frankfurt a. M.
Ein Perſonenwagen wurde aus dem Gleis geworfen und
mehrere Fahrgäſte leicht verletzt. Der Zug traf in Frank=
furt
mit großer Verſpätung ein.
* Rinteln, 22. April. Bei den Vorbereitungen zu einem
Richtfeſt in Eſcher im Kreiſe Grafſchaft Schaumburg
explodierte geſtern eine Flaſche mit Kohlen=
ſäure
. Ein Mann war ſoforttot, drei wurden ſchwer
verletzt in das Krankenhaus nach Rinteln befördert, ſie ſind
unterwegs ihren Verletzungen erlegen. Zwei
weitere Schwerverwundete befinden ſich in dem Eſcher
Krankenhauſe. Ein neunjähriges Mädchen wurde an der
Hand verletzt, ſodaß ſie wahrſcheinlich verloren iſt. Das
Feſtzelt wurde vollſtändig zertrümmert.
* Altenburg, 22. April. Die Altenburger Zeitung
meldet: Infolge grundſätzlicher Meinungsverſchiedenheiten
in der Hausminiſterialverwaltung reichte Staatsminiſter
Borries ſein Entlaſſungsgeſuch ein, das von
dem Herzoa für den Herbſt bewilliat wurde.
* Stockholm. 22. April. Das Befinden Strind=
bergs
hat ſich verſchlechtert. Die Schmerzen ſind in
der Zunahme begriffen, die Morphiumeinſpritzungen
haben keine Wirkung mehr. Man alaubt, daß in den näch=
ſten
Tagen eine neue Overation nötig wird.
* New=York. 22. April. Infolge von Wirbelſtür=
men
, die geſtern in einigen Teilen von Illinois und
Indiana ausbrachen, wurden 32 Perſonen getötet und
etwa 100 verwundet. Es wurde großer Sachſchaden an=
gerichtet
.
H. B. Berlin, 22. April. Wie das Depeſchen=Bureau
Herold von gutunterrichteter Seite erfährt, wird die ame=
rikaniſche
Regierung an die Mächte eine Einladung zu
einer internationalen Konferenz bezüglich
Regelung des Schiffahrtsverkehrs in kür=
zeſter
Zeit gelangen laſſen. Wie wir hören, wird die
deutſche Regierung, ſobald eine derartige Aufforderung
ergeht, in zuſtimmendem Sinne eine Antwort erteilen.
Lübeck, 22. April. In einer Menagerie überfiel
ein Tiger den Oberwärter. Es gelang dem Perſonal
nach ſchwerem Kampfe, dem Tiger ſein Opfer zu entreißen.
Der Wärter iſt ſchwer verletzt worden.
H. B. London, 22. April. Dem Korreſpondenten des
Herold=Bureau wird von zuverläſſiger Seite mitgeteilt,
daß die Verhandlungen zwiſchen Deutſchland

und England muimehr auf kolonialen Gebiete wei=
ter
geführt werden. Die engliſchen Vorſchläge, die ſich
u. a. auf afrikaniſches Gebiet erſtrecken, ſind vor kurzem
der deutſchen Regierung übermittelt worden und das eng=
liſche
Kolonialamt erwartet jetzt die deutſchen Gegenvor=
ſchläge
. Der Korreſpondent des Herold=Bureau fügt hin=
zu
, man gebe ſich in London nicht der Erwartung hin,
daß ſich die augenblicklichen Verhandlungen in allerkürze=
ſter
Zeit erledigen werden. Vielmehr nimmt man an, daß
bis zur gegenſeitigen Verſtändigung eine geraume Zeit
verſtreichen wird.

Brieſraten.

§ 100. Dauernd untauglich.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Das nordöſtliche Hochdruckgebiet bedeckt jetzt den
ganzen Kontinent. Daher war es heute morgen in ganz
Deutſchland heiter. Die Temperaturen liegen in der
Nähe von 10 Regen fiel nur in Karlsruhe in ganz
unerheblicher Menge. Unter dem Einfluß des hohen
Druckes iſt wenig Aenderung der Witterung zu erwarten.
Teiltiefs können Gewitter verurſachen.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, den 23. April:
Heiter, trocken, warm. Gewitterneigung.

Für Schulkinder.
Daß viele Kinder in der Schule nicht
recht mitkommen, unaufmerkſam und matt ſind,
iſt gar oft auf eine zarte Körperkonſtitution
zurückzuführen. Anregung der vielfach darnie=
derliegenden
Eßluſt und beſſere
Ernährung iſt hier unbedingt am
Platze. Nichts iſt hierfür beſſer
geeignet, als die ſeit Jahrzehn=
ten
erprobte Scotts Emulſion.
Längere Zeit hindurch regelmäßig
genommen, kräftigt ſie Mädchen
und Knaben ſo erfreulich, daß
ſt mit
Marke demfiſcher ihnen die Schule und das
dem Garanties
zeichen des Scott= Lernen bald wieder zur Freude
ſchen Verjahrens!
wird.
(39602
Scotts Emulſion wird von uns ausſchließlich im großen
verkauft und zwar nie loſe nach Gewicht oder Maß, ſondern nur
in verſiegelten Originalflaſchen in Karton mit unſerer Schutzmarke
(Fiſcher mit dem Dorſch). Scott & Bowne, G. m. b. H., Frankfurt a. M.
Beſtandteile: Feinſter Medizinal=Lebertran 150,0, prima
Glyzerin 50,0, unterphosphorigſaurer Kalk 4,3, unterphosphorig=
ſaures
Natron 2.0, pulv. Tragant 3,0 feinſter arab. Gummi
pulv. 2.0, Waſſer 129,0, Alkohol 11,0. Hierzu aromatiſche
Emulſion mit Zimt=, Mandel= und Gaultheriaöl je 2 Tropfen.

Angeſichts der Verteuerung der meiſten Genußmittel
iſt auf die Billigkeit von
(9606)f
En
SANURU N2E
beſonders hinzuweiſen. Dieſe fachgemäße Miſchung vor=
zugsweiſe
britiſch=indiſcher Tees ſteht qualitativ ſo hoch,
daß ſie den weitgehendſten Anſprüchen zu genügen ver=
mag
. Dabei ſtellt ſich infolge der außergewöhnlichen
Ausgiebigkeit eine Taſſe Sang=Ho Tee auf kaum
über 1 Pfg. Gratisproben bei MORlz LANDAU,
Fernſprecher 116.

Z
Helfer bei unerwartete
eſuch ſind:
A80
e
Fleisch-a Geflügel-Pasten
lachsButfersSandwich-Fischpaste
Sehr nahrhaft und leicht verdaulich.

Es

gibt kein gefährliches Alter
wohl aber gefährliche Jahreszeiten. Gefährlich
iſt vor allem der Vorfrühling, der notoriſch die
größte Zahl an Erkältungen bringt. Wer ſich die
Frühjahrsfreude nicht verderben und etwaige
Affektionen der Halsſchleimhäute ſchnell bekämpfen
will, der gewöhne ſich daran, immer Fays echte
Sodener Mineral=Paſtillen zu benützen. Man
kauft ſie für 85 Pfg. die Schachtel in jeder Apo=
theke
oder Drogerie, laſſe ſich aber unter keinen
Umſtänden Nachahmungen aufſchwatzen. (85100

aarfärben mit Henné. Spezialität.
Friseur Müller
Wilhelminenpl. 2, a. d. kath. Kirche. Tel. 1466.
Kopfwaschen 1. mit Ondulieren 1.50,
auch Sonntags von 912 Uhr. (6584a


Todes=Anzelge.
Am 21. ds. Mts. verſchied ſanft nach kurzem Leiden unſere liebe, gute Tante
Fräulein Sophie Uebelshäusser

im 78. Lebensjahre.

(*10169

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Franz Uebelshäusser, Kriegsgerichtsrat a. D.
Darmſtadt, den 22. April 1912.
Die Beiſetzung findet ſtatt: Mittwoch, den 24. ds. Mts., nachmittags 3 Uhr, vom Leichenhauſe
des hieſigen Friedhofes aus.
(Beſondere Todesanzeigen werden nicht zugeſandt.)

[ ][  ][ ]

Gestern abend ist unser lieber Vater
und Grossvater
Drr-Auer Bochmann
im 80. Lebensjahre nach kurzem Leiden
sanft entschlafen.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.

Nummer 95.

Darmstadt, Offenbach,
den 22. April 1912.

CöIn

Die trauernden Hinterbliebenen:
Auguste Best, geb. Lochmann,
Kreisrat Friedrich Lochmann,
Melly Lochmann, geb. Muhl,
Geheimrat Dr. Georg Best,
Jenny Joseph, geb. Best,
Hans L. Best,
Else Lochmann,
Kurt Lochmann,
Regierungsassessor Dr. Karl Joseph.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den
24. April, vormittags 11 Uhr, vom Trauer-
hause
aus, statt.
(9667

Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 24. April.

Hofreite=Verſteigerung des Phil. Maul (Beckſtraße)
um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Muſikwerke=, Weißzeug= ꝛc. Verſteigerung um
9 und 2 Uhr im ſtädtiſchen Pfandhaus.

Unentgeltliche ärztliche Beratungsſtelle
für Säuglingspflege, Heinheimerſtraße 21.

Statt beſonderer Anzeige.
Allen Freunden und Bekannten die traurige
Mitteilung, daß meine liebe Frau (B9619
Gertrud Baumeister
nach kurzem, ſchwerem Leiden heute nacht 4 Uhr
ſanft entſchlafen iſt.
Darmſtadt, den 22. April 1912.
Hans Baumeister,
Großherzogl. Heſſ. Hofſchauſpieler.

Die

Die

Trauerfeierlichkeit findet Dienstag abend.
7½ Uhr im Alice=Hoſpital ſtatt.
Einäſcherung findet am Mittwoch in
Offenbach ſtatt.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Anteilnahme
anläßlich des Ablebens unſerer innigſtgeliebten
Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Tante
Frau Hch. Röth Wwe.
Marie, geb. Wüst
ſprechen wir unſeren innigſten Dank aus. (9621
Darmſtadt, den 22. April 1912.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen.

Todes-Anzeige.
Hierdurch die traurige Mitteilung, daß es
Gott dem Allmächtigen gefallen hat, meinen
innigſtgeliebten, unvergeßlichen Mann, unſeren
treuſorgenden Vater, Sohn, Schwiegerſohn,
Schwager und Onkel
(9626
Herln Jakeb- Appolmann
Zimmermann
am Sonntag abend 9½ Uhr nach langem,
ſchwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden,
im Alter von 45 Jahren 3 Monaten abzurufen.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Anna Appelmann nebſt Kindern.
Darmſtadt, Geeſtemünde, 21. April 1912.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 24. April,
nachmittags 4 Uhr, vom Portale des Fried=
hofes
aus, ſtatt.

Tageskalender.

Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Ab. B): Ein Sommer=
nachtstraum
.
Vortrag von Frau Balſer um 8 Uhr im Fürſtenſaal,
(Allg. deutſcher Frauenverein).
Hauptverſammlung des Vereins der Detailliſten
um 9 Uhr im Reſtaurant Kaiſerſaal.
Konzerte: Hotel Heß, Bürgerkeller und Reſtaurant
Metropol um 8 Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

Weiblich

Fräulein a. beſſer. Fam. ſ. St.
a. Verkäuferin i. Konditorei oder
Café, w. ſ. a. i. Haushalt tätig
k. Beſt. Referenzen ſt. z. Dienſt.
Off. u. E 78 Expedit. (*10141

Tücht. Verkäuferin in Wäſche
branche durchaus erf., ſ. alsb. Stell.
Gefl. Off. u. E 83 d. d. Exp. (*10161

Eine
geübte Friseuse
wünſcht zur weiteren Ausbildung
im Friſieren und Nagelpflege in
beſſerem Geſchäfte Stellung. Off.
unt. E 65 an die Exped. (*10105

Tüchtige Schneiderin nimmt
Kunden an f. in u. außer dem Hauſe
Wienersſtraße 68, 2. St. (*10185

Schneiderin wünſcht mit perf
Schneiderin auszugehen. Offert.
unt. E 69 an die Exped. (*10123

nimmt noch Kund
Schneiderint im Hauſe an. Off.
unt. E 70 an die Exp. (*10122

die in Hand=
Beamtentochter arbeiten und
Schneid. bewand. iſt, auch kinder=
lieb
, ſucht für nachm. Beſchäftigung
in guter Familie. Zu erfragen in
der Expedition ds. Bl. (B9636

Landmädchen, w. ged. hab. u.
zute Zeugn. beſitz., Kindermädch.,
welche Kindererzieh. gel. h., ſuch. in
Darmſt. Stell. Frau Berta Ness-
ling
, gewerbsmäßige Stellenver=
mittlerin
, Ludwigſtr. 8. (*10045oi
Schulentl. Mädchen ſucht Be=
ſchäftigung
, am liebſten ein Kind
auszufahren. Näher. Gr. Ochſen=
gaſſe
30, 2. Stock links. (*10147
Für ein 16jähr. fleiß. ſauberes
Mädchen wird zum 15. Mai St.
geſucht. Off. unter E 84 an die
Expedition.
(*10148

J. Frau g. halbe Tage aus waſch.
u. putz., nimmt auch waſch. u. flicken zu
Hauſe an. Näh. Exped. (*10163

20 jähriges Mädchen ſucht gute
Stelle als Hausmädch., Darmſtadt
Kiesſtraße 57, part.
(V9644

Reinl, ganz unabh. Frau ſucht
von jetzt ab Stelle als Lauffrau
od. Aushilfe. Offert. unt. E 88
an die Expedition.
(*10173

Mädchen
24 J., welch. perf. ſchneidern und
ſervieren kann, ſucht Stelle als
1. Hausmädchen. Offerten unter
K. L. 24 hauptpoſtl. (*10167
Schenkamme v. Lande ſ. Stelle.
Frau Lina Dingeldein, gewerbs=
mäß
. Stellenvermittlerin, Schützen=
ſtraße
10½, Telefon 531. (*10198

Stellen ſuchen Hausmädchen,
Köch., Kindermädch. u. Kinderfr.,
Stützen, j. Landmädch., w. gedient
u. n. nicht ged. haben, für ſof. u.
1. Mai. Frau Mina Dingeldein,
gewerbsmäßige Stellenvermittlerin
Schützenſtraße 10½, Tel. 531. (*10199.

Junge Witwe, 26 Jahre, evang.,
ſucht alsbald Stellung zur ſelbſt=
ſtändigen
Führung des Haushaltes.
Gefl. Offerten unter E 82 an die
Expedition ds. Blattes. (*10187

Sb., zuverl. Frau h. n. Tagefreit.
Putzen Bleichſtr. 17, III. r. (*10194

Ein v. d. Herſchaft empfohl. beſſ.
Mädch. v. Lande ſ. l. Stelle a. Allein=
mädch
. i. kl. beſſ. Haush. f. 1. Mai.
Näh. Mathildenſtr. 14, II. (5-6 U.)*10207

Männitein

Solider, gewiſſenh., langjähriger
Verwalter eines herrſchaftl. Gutes
ſucht paſſende Vertrauensſtellung,
als Hausverwalter, Kaſſenbote od.
ſonſt irgend welcher Art.
Gefl. Offerten erbeten unt. E 89
an die Exp. ds. Bl. (9655a

Gebildeter, fleißiger, zuverläſigen
Mann ſucht Beſchäftigung als
Aufſeher, Portier oder ſonſtigen
Vertrauenspoſten. Kaution kann
geſtellt werden. Offerten unter
D 40 an die Expedition ds. Bl.
erbeten.
(*9613dsi

eiblich

Achtung!
Reiseldnighen.
Intelligente Damen, un=
abhängig
und redegewandt,
zur Gewinnung neuer Abon=
nenten
für ſehr beliebte Fa=
milienzeitſchrift
in Süddeutſch=
land
an mittleren Plätzen ge=
ſucht
. Vergütet wird ein feſtes
Tagegeld und gute Proviſion,
ferner Reiſekoſten. Damen
welche noch nicht gereiſt haben
können ſich auch melden, weil
die Einarbeitung durch einge=
führte
Dame erfolgt. Gefl.
Offerten unter Nr. 516 an
Daube & Co., Berlin. (9600D

Ein im Nähen tüchtiges, beſſer.
Fräulein
findet dauernde Beſchäftig. Näh.
(9620
Stiftſtraße 17, 1. E

Für 1. Mat eventl. 1. Junt ſuchen
tüchtige
Verkauferm
für unſere Manufakturwaren-
Abteilung. Offert. mit Zeugnis=
abſchriften
u. Gehaltsanſpr. erbitten
Gebr. Rothschild
Markt 2. (9665a

Flotte
Einlegerin
zum ſofortigen Eintritt geſucht
Herbertsche Hofbuchdruckerei Nachf.,
(9651
Wendelſtadtſtr. 6

Papierarbeiterin
C. W. Leske.

20 ſucht
10183

geſucht Damen=
Lehrmädchen konfektion Nieder=
Ramſtädterſtr. 15.
10152imc

Junge kräftige Mädchen
in die Waſch= u. Spülk. geſ. Lohn
monatl. 25 Mk. Eintritt ſof. Hotel
Krone, Jugenheim a. d. B. (9451soi

Tüchtige Haushälterin
ſofort oder ſpäter geſucht für das
Alice=Hoſpital, Dieburgerſtr. 21.
Nur ſolche mit gut. Zeugn. mögen
ſich melden b. d. Vorſteherin. (5904a

Alleinmädchen geſucht
Bügeln u. etwas Kochen verlangt
Saalbauſtraße 69, II. (*10108ids

Wegen Erkrank. des Mädchens
wird für ſofort eine Aushilfe für
einige Wochen geſucht, die kochen
kann, alle Hausarb. übern., aber
zu Hauſe ſchlafen kann. Zu erfr.
Sandſtraße 6, 2. Stock. (*10120im

Waſchfr. f. j. W. ½ Tag geſ.
Heidelbergerſtraße 42, II. (*10106

E. Mädch., d. e. k. k., z. 2 L. gef
Hoh. Lohn. Frau Sus. Röse, gew.
Stellenv., Kiesſtr. 35, I. (*10145

Tücht. brav. Dienſtmädchen für
1. Mai in kinderl. Haushalt geſ.
Vorſtell. 69 Uhr abends. Inſel=
ſtraße
19, part.
(*10144

Saub. Laufmädchen per ſofort
geſucht. Konditorei Schütz,
Bleichſtraße 43.
(*10142

Eine tüchtige Aushilfe geſucht
*10126im) Ernſt=Ludwigſtr. 16, I.

Perfekte Herrſchaftsköchin in
ein feines Haus zu zwei Perſonen
geſucht bei hohem Lohn. Näheres
Müllerſtraße 12, part. (*10134imd

Laufmädchen oder Frau von
8 10 Uhr geſucht Riedlingerſtr. 35,
1. Stock.
(*10149

Laufmädchen geſucht, dem Ge=
legenheit
geboten iſt, das Nähen
zu erlernen. Gottfr. Proeser,
Schulſtraße 8
1015

Junges Mädchen
von 92 Uhr für Hausarbeit in
kleinem Haushalt geſucht Anna=
ſtraße
6, part.
(*10154

Aelterer Herr ſucht per 1. Mai
eine ältere Perſon, alleinſtehende
Witwe nicht ausgeſchloſſen, als
Haushälterin. Offerten unter
E 87 an die Exvedition. (*10171

Tücht. Waschfrau
ſofort geſucht. Meldungen
Mathildenſtraße 49, I.
(B9648

Ein junges Mädchen
bei guter Behandlung per ſofort
oder 1. Mai geſ. Frau Spangen-
berger
, Schloßgaſſe 31. 19664

Ich ſuche zum 1. Mai ein zu=
verläſſiges
Fräulein das kochen
kann und ein Mädchen für Küche
und Hausarbeit.
Frau Th. Holthusen Ww.,
Orangerie=Allee 10. (B9666a

Aelt. Mädchen, welches perfei
kochen kann, in einen herrſchaftl.
Haushalt nach Pommern geſucht.
Näheres Expedition. (*10175

Saub. zuverläſſ. Putzfrau od.
Mädchen f. Mont., Mittw. und
Freit. vorm. je 3 Stunden geſucht
Hochſtraße 45, part. (*10180

Beſſeres Mädchen, welches koch.
kann, für klein. Haush. p. ſof. geſ.
chaeffer, Heidenreichſtr. 21. (*10188ids

Ein Servierfräulein für ſofort
geſucht Neue Niederſtr. 18. (*10190
Junges, aus der Schule ent
laſſenes Mädchen tagsüber ſofort
geſucht Karlſtraße 115, I. (*10211

Männlich

Jüngere

Techniker
zum Ausarbeiten von Normalien
für das Betriebsbüro einer ſüd=
deutſchen
Präziſionsfabrik per ſof
geſucht. Offert. mit Gehaltsanſpr.
und bisheriger Tätigkeit unter
E 72 an die Expedition. (*10112

Erstklassige
Margarinefabrik
sucht tüchtige
Vertreter
bei höchſter Proviſion. Off. unt.
F. J. P. 4288 an Rudolf
Moſſe, Frankfurt a. M. (94640f

Wir ſuchen für unſere Maſchinen
und Keſſelanlage einen erfahrenen
und geprüften
Heizer.
Diejenigen, welche auch gute
Kenntniſſe in der Bedienung der
elektriſchen Lichtanlage, Dynamo=
nebſt
Akkumulatoren=Batterie
haben, erhalten den Vorzug. Of
nebſt Angabe der ſeitherigen Tätig=
eit
befördert die Exped. ds. Bl.
(9545soi
inter E 46.

Für Eiſenbetonbau ſuche einen
Ingenieur
zum Ausarbeiten von ſtatiſchen
Berechnungen. Offerten u. E 67
an die Expedition.
*10115im

Verd. oder Neben=
Tägl. 10 Mk. verdienſt, häusl.,
ſchriftl., unauff. f. Herren u. Damen
jed. Standes, a. Beamte u. Lehrer.
Anfr. u. R. M. 106 an Rudo f Mosse,
Frankfurt a. M. zur Weiterbef. (9607M

aller Berufe
Offene Stellen enthält ſtets die
Zeitung: Deutſche Vakanzen=Poſt
Eßlingen 143. (2533M

Für Reklame=Neuheit
werden tüchtige
Inſeraten=Aqniſiteure
gegen hohe Proviſion per ſofort
geſucht. Gefl. Offert. unt. E 73
an die Expedition.
(*10109
Jüngerer, zuverläſiger
Helzer
per ſofort geſucht. Näheres bei
Wehner & Fahr,
9457soi) Schokoladenfabrik.

Tücht. Rockarbeiter u. Tag=
auf
Werkſtätte geſucht.
ſchneider J. G. Kahlert &
Söhne.
(*10101

1 Wagnergeselle
auf dauernd ſofort geſucht bei
Peter Müller III., Wagnerei und I B-
schneiderei
, Griesheim b. D. (9610imd

Buchbindergehilfe
geſucht
(9629
L. C. Wittich’sche Hofbuchdruckerei
Rheinſtraße 23.

Jüngerer Tapeziergehilfe für=
dauernde
Beſchäftigung geſucht
*10212im) Mathildenplatz 6.
Für Kohlenhdlg. Fahranteru. geſ.
Off. unt. I. M. 60 hauptpostl. (9650

1 Mann oder Burſche
wird zum Fahren eines Kranken=
wagens
für einige Stunden des
Tages geſucht.
(*10125
Hermann Oppenheimer Soderstr. 2, I.

Kräftiger Junge
von 1416 Jahren in die Kellner=
lehre
geſ. Eintritt ſofort. Hotel
Krone, Jugenheim a. d. B. (9450soi
wird
Jüng. Hausbursche geſ.
Eliſabethenſtraße 6. (*10113ims

Jung. ord. Hausburſche ( Rad=
fahrer
) ſof. geſucht. Konditorei
Schütz, Bleichſtraße. (*10143

Jüngerer kräft. Hausburſche
(Radfahrer) geſucht (*10159imd
Jacob Hugenschütz,
Langegaſſe 51.
Jüngerer, tüchtiger
Hausbursche
geſucht, Radfahrer mit Zeugniſſen
(9639
bevorzugt.
Gebrüder Nösinger
Grafenſtraße 19.

Taglöhner gesucht
Schreiner u. Zimmerleute bevorz.
Karlſtraße 54.
(*10160)

Jg. Hausburſchen m. a. Zeugn.
für Hotels, Reſtaur. u. Cafés geſ.
A. Dingeldein, gewerbsmäßiger Stellen-
vermittler
, Schützenſtr. 10½. (*10191

[ ][  ][ ]

Nummer 95.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.

Seite 9.

Zimm

Schulſtraße 10,
erſter Stock, 610 Zimmer,
Bad, Gas, Elektr. (auf Wunſch
Garten), p. 1. Oktbr. od. früher
zu vermieten. Die Wohnung iſt
tadellos hergerichtet. (7756ids

Z

Bismarckstrasse 48
5 Zimmerw. per ſofort zu verm.
Einzuſ. tägl. v. 1012 u. 35 Uhr.
(6214t
Näh. daſ. part.

Wohnung, 3. St., 5 Zimmer,
neu hergerichtet, per 1. Mai
z. v. D. Oppenheimer. (9414oms
Mühlſtr. 50, 1. St., 5 Zimmer,
Bad, zu 800 Mk., ev. 4 Zim. (9489is

Mathildenstr. 50, part.
ſchöne Fünf=Zimmerwohnung per
1. Juli. Preis 1000 Mk. Näheres
9622ms
Beletage.
h
Alicestrasse 25, I.
zum 1. Juli
auch früher oder ſpäter
für Juli, August, September
1912 erhebliche Mietpreis
ermäßigung nach Vereinbarung,
in freier, ruh. Lage ſehr geräum.,
preiswerte
Fünfzimmerwohnung
Bad, Küche, Speiſekammer, mehr.
Wandſchränke, Manſarde, 3 Keller
uſw. Balkon, Gartenanteil. Näheres
in der Wohnung.
(9634ms

Kiesſtraße 129
1. Stock, 4 Zimmer, Badez., Küche
mit Vorratsk., 2 Keller, Mädchenk.
Veranda zu vermieten. Näheres
Kiesſtraße 127, part. (9581oms

Elisabethenstr. 45
Mittelbau, 46 Zim.=Wohn. mit
Zubehör, auch f. Geſchäftszwecke ge=
eignet
. Näh. Vorderh., 2. St. (4645if

Mühlſtraße 18, 2. Stock, ſchöne
4= event. 5 Zimmerwohnung mit
reichlichem Zubehör ſofort zu ver=
mieten
. Näheres part.
(7966a

Riedlingerstr. 33, I.
mod. 4 Zimmerwohn. per 1. Juli
oder früher zu verm. Näheres
Schießhausſtr. 42, part. (B8611ids

Dreibrunnenſtr. 3 neuzeitlich
eingericht. 4 Zimmerwohnung für
1. Juli zu vermieten. (*9685dsi

Heidelbergerstr. 98
ſchöne 4 Zimmerwohnung, 2. Stock,
mit Balkon, in ſtillem Haus, ver
. Juli. Gas, Raſenbleiche. Näh.
1. Stock.
(B9285

Wienersstr. 79, I.
ſchöne 4=Zimmerwohnung mit
G. per 1. Juli zu vermieten.

Grafenſtr. 8, 3. St.
Schöne 4=Zimmerwohnung mit
Zubehör per 1. Juli zu vermieten.
Näheres parterre.
(8482is

Näheres Manſ.

Magdalenenſtraße 3, parterre
(7867is Stube ſofort.
(*10146

3 Zimmer

Soderſtr. 33

Manſarde zu ver=
mieten
. (*9666msi

Karlſtr. 34, 2. St. links, lere
große Manſarde.
(V9643

Zu vermieten:
Villenartiges Landhaus mit
7 geräumig. Zimmern, Küche,
Bad, Dachboden, Kammern,
Veranda und neuzeitliche Ein=
richtung
, 15 Min. von Darm=
ſtadt
, in einem beſſ. Vorort
mit guter Bahnverb. gelegen,
iſt ſof. billig auf mehr. Jahre
zu vermieten.
(9392a
Angeb. erb. unt. E 7 an d
Exped. ds. Bl.

Schulſtraße 10, im Seiten=
bau
parterre ſchöne Räume
für Büro geeignet, auf Ver=
langen
großes Magazin und
gute Keller, zu verm. (8927ids

Elisabethenstrasse 17
Ecke der Wilhelminenſtr., 1. Stock
auch zu Geſchäftszwecken ſehr ge=
eignet
, per ſofort zu verm. (7970if

nebit Magazin mit
Hel. Laden oder ohne 3 Zim., für jed. Geſchäft geeign.
Ecke Saalbauſtr. u. Marienpl. 8,
iſt per ſofort eventuell ſpäter zu
vermieten. Näheres Hügelſtr. 27,
Kontor.
(8009od
Dei von der Firma Zenner & Co.,
Eliſabethenſtr. 2, innehabende
geräum. Laden m. Ladenzim. iſt per
1. Auguſt d. J. anderweit. zu verm.
Näh. Zimmerſtraße 1. (6567oms

Laden
50 Cm, u. Ladenzimmer, große
5=Zimmerwohnung 1. Stock, zu
vermieten, Ecke Eliſabethen= und
Grafenſtraße. Näheres Grafen=
ſtraße
26.
(8807a

Waldſtr. 24, 1. St., gut möbl.
Zimmer. Näh. Vdh. part. (8313ids

Neckarſtr. 16, Gartenbau, gut
möbl. Wohn= u. Schlafz. (5565ids

Mathildenplatz3, II., groß., gu
möbl. Zim. an Dame zu vm. (6630ids

Im Tintenviertel
Schießhausſtr. 128, zum 1. Mai,
ev. früher, 3 ev. 2 gut möblierte
Zimmer nebſt gedecktem Balkon,
freie Südlage, Zentral=Heizung,
Gas. Einzuſ. 23 Uhr. (B7239ids

Ernſt=Ludwigſtr. 5, II., hübſch
möbl. Zimmer zu verm. (9079ids

Mollerſtraße 13, 1. Stock,
möbliertes Zimmer mit Kaffee,
monatl. 18 Mk., zu verm. (9095ids

Kranichſteinerſtr. 41½, p., n. d.
Hochſchule, ſch. möbl. Zim. (*9947soi

Grafenſtr. 8, 1. St., 2 ſchön
möblierte Zimmer mit oder ohne
Penſion zu verm. (*10050oi

Viktoriaplatz 6, 1. St., g. möbl.
ſep. Zim. zu vm. Mon. 12 M. (9578a
Landgraf Georgſtr. 70, 2. St.,
freundlich möbliertes Zimmer zu
vermieten.
(5584id

Viktoriaſtr. 24, part.
elegant möbliertes Wohn= und
Schlafzimmer zu verm. (8957t

Soderſtraße 64, part, möbl.
Zimmer, evtl. Wohn= u. Schlafz.
mit oder ohne Penſion. (*10139id

Soderſtraße 31 eine Schlafſtelle
zu vermieten.
(*10135

Ludwigsplatz 4, 2. St., ſchönes,
gemütl. möbl. Zimmer. (*10137im

Garrenſtraße 12, 2. St., möbl.
Zim., ſep., einzuſ. nachm. (*10130
Gr. Kaplaneigaſſe 26 Schlaf=
ſtelle
für ſol. Arbeiter mit Kaffee
,50 Mark zu verm. (*10131

Nieder=Ramſtädterſtr. 31, Hb.
3. St., Schlafſtelle ſof. (*10095imd

Caſinoſtraße 27, 2. St., eleg.
möbl. Zimmer per ſofort. (*10155

Schuchardſtraße 13, II., fein
möbl. Zimmer mit Penſion. (9625a

Aliceſtr. 32, I., möbl. Zimmer
mit oder ohne Klavier ſof. (*10153im

Mathildenplatz 6, I., 3 möbl.
Zimmer zu vermieten. (9632ids

Karlſtr. 28½, III., 2 möbl. Z. ie
n. 3 M. p. W., 12 Uhr ab anzuſ. (*10168

Karlſtr. 34, 2. St. ls., freundl.
möbl. Zimmer für 18 Mk. V9645

Fuhrmannſtr. 3, 1. St., Vdh.,
großes, gut möbliertes Zimmer an
Herrn od. Fräul. ſof. (*10206imd

Soderſtr. 4 (Kapellplatz), 3. St.,
ſchön möbl. Zimmer. (9468oims
Rheinſtraße 8, 3. Stock, ſchön
möbl. Zimmer zu verm. (9355t

Eliſabethenſtr. 31, 1. St., möbl.
Zim., Preis 17 Mk., zu v. (7564t

Saalbauſtr. 25, 2. Stock, gut
möbl. Zimmer zu verm. (8521t

Mathildenplatz 15, Ecke Bis
marckſtraße, 1. Stock, gr., ruh.,
ſchön möbl. Zim. z. verm. (8710t

Gartenſtr. 18, I., 2 ſchön möbl.
Zim. auf ſof. zu verm. (*10082oi

Neue Schwanenſtr. 72, 2. St.,
gut möbl. Wohn= u. Schlafzim. an
ein od. zwei ſolide Herren. (*10069oi
Bleichſtr. 45, I., möbl. Z. m. od
ohne Penſ., auch f. 2 Herren. (9582a

Neckarſtraße 24, 1. St. rechts
ſchön möbl. Wohn= und Schlaf=
zimmer
zu vermieten. (*10056oi

Pfründerhausſtr. 20, 1. St., gu
möbl. Zimmer zu verm. (*10053oi
Kahlertſtr. 1, 2. Stock links,
ein ſchönes großes, gut möbliertes
Zimmer, event. Klavier. (9563oidf

Mathildenpl. 15, Ecke Bismarck=
ſtraße
, Manſ., einf. m. Zim. bill. (9565t

Junge Dame
findet in guter Beamten=Familie
1 ſchön und bequem möbliertes
Zimmer mit oder ohne Penſion.
Auf Wunſch Familienanſchluß.
Nähe Viktoriaſchule. Näheres in
der Expedition ds. Bl. (9615if

en

Nüchſt dem Herengarten
in gutem Hauſe, Zimmer mit
oder ohne Penſion.
(9346a
Näheres in der Exp. ds. Bl.

Penſion Eliſabethenſtr. 4
Wohn= und Schlafzimmer, ſowie
Einzelzimmer mit Penſion, auch
auf Tage und Wochen. (9391a

Geſucht

wird f. eine Seminariſtin Familien=
penſion
in gutem Hauſe. Angeb.
unt. C 85
(9059id

Erbbegräbnis wird zu kaufen
1 geſucht. Offerten unter E 85
an die Exped. ds. Bl.
(B9638

sR. Ebel
Buchbinderei, Bildereinrahmung
Niederramstädterstr. 51.
Sämtliche Bucheinbände
Massenanfertigung von Broschüren
Gut sort. Lager von Bilderleisten.
olide Arbeit! Billigste Preise!

Kurſe vom 22. April 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Zf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,00
3½ Deutſche Reichsanl. 90,75
81,20
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,00
90,70
3½ do. Conſols
3 do. do.
81,10
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,00
93,00
do.
3
83,70
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,00
31
do.
89,10
3
do.
4 Hamburger Staatsanl. 100,30
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 100,00
4 do. do. (unk. 1918) 99,70
do.
3½
89,00
3
do.
78,20
3 Sächſiſche Rente..
80,75
4 Württemberger v. 1907 100,80
do.
95,00
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 101,40
1¾/ Griechen v. 1887 . . 55,60
3¾ Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 92,70
4 do. Goldrente . . . 96,25
4 do. einheitl. Rente 89,40
3 Portug. unif. Serie I 64,80
3 do. unif. Ser. III 67,80
3 do. Spezial . . . . 10,00
5 Rumänier v. 1903 . . 101,30
4 do. v. 1890 . . 94,60
4 do. v. 1905

4 Ruſſen v. 1880
. 90,80
4 do. v. 1902 . . . . 90,40
4½ do. v. 1905 . . . . 100,30
3½ Schweden
. . . 92,60
4 Serbier amort. v. 1895 84,90
4 Türk. Admin. v. 1903 84,40
4 Türk. unifiz. v. 1903 91,40
4 Ungar. Goldrente . . . 91,30
4 do. Staatsrente. . S. 89,70

Zf.
In Proz.
5 Argentinier
. 101,00
do.
88,40
4½ Chile Gold=Anleihe . 92,50
5 Chineſ. Staatsanleihe . 100,30
4½
do.
94,60
4½ Japaner
95,15
5 Innere Mexikaner
95,00
do.
4 Gold=Mexikaner v. 1904 88,50
5 Gold=Mexikaner . . . . 99,50
3 Buenos Aires Provinz 72,10
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
.
.140,60
5 Nordd. Lloyd . . . . . 108,90
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 123,25
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 112,60
8 Baltimore und Ohio . 107½
6½ Schantungbahn 136,75
6½ Luxemb. Prince Henri 161,00
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 17,00
6 Pennſylvania R. R. . 119,50
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger
72,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . 495,00
14 Chem. Fabrik Gries=
heim

..257,75
30 Farbwerke Höchſt . . 578,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 338,00
10 Cement Heidelberg . . 152,80
32 Chem. Werke Albert 453,50
12½ Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 322,00
4 Lahmeyer . 55So. .126,80

Eithte
In Pro;
Divid.
7½ Schuchert, Nürnberg 160,00
12 Siemens & Halske . 242,00
5 Bergmann Electr. . . 156,50
10 Deutſch.Ueberſee Electr. 176,00
0 Gummi Peter . . . 140,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 189,00
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 470,00
10 Maſchinenf. Badenia 175,00
6 Wittener Stahlröhren 190,00
8 Steana Romana Petr. 144,00
15 Zellſtoff Waldhof . . 237,50
12½ Bad. Zucker= Wag=
häuſel
.
. . . 217,90
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 126,00
3 Südd. Immobilien . 69,10
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 195,10
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 229½
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb.
. . 183,80
10 Gelſenkirchener
.196,90
8 Harpener
. 193,90
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb . 263,00
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro.
. 87,00
4 Laurahütte
. 179,00
10 Kaliwerke Aſchersleben
10
Weſteregeln 192,00
7½ South Weſt Africa 156,50
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 87,70
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 100,50
4 Eliſabethbahn, freie . . 97,00
4 Franz=Jofefs=Bahn
3 Prag=Duxer . . . . . . 76,00
5 Oeſterr. Staatsbahn . 105,10
4 Oeſterr. Staatsbahn 95,30
.do.
78,20
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,80

In Proz
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 79,80
54,10
do.
3 Raab=Oedenburg
. 77,10
4 Kronprinz Rudolfbahn 96,50
4 Ruſſ. Südweſt.
4½ Moskau=Kaſan
. 96,6
do.
88,40
4 Wladichawchas . . . . 89,00
4 Rjäſan Koslow
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 77,00
do.
24/10 Livorneſer . . . . . 69,10
3 Salonique=Monaſtir . 65,75
4 Bagdadbahn
. 83,70
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 97,50
4 Miſſouri=Pacific:
. 74,50
4 Northern=Pacific . . . 100,20
4 Southern=Pacific . . . 95,30
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 88,25
5 Tehuantepec .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 196,80
Bergiſch=Märkiſche
Bahn
.151,20
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 166,70
6½ Darmſtädter Bank . 122,50
12½ Deutſche Bank . 255,50
6 Deutſche Vereinsbank . 124,25
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . 118,90
10 Diskonto=Kommandit 183,90
8½ Dresdener Bank . 153,70
9½ Frankf. Hypoth.=B. 214,50
6½ Mitteld. Kreditbank 118,40
7 Nationalb. für Deutſchl. 122,40
7 Pfälziſche Bank . . . . 130,00
5.86 Reichsbank . . . . 137,7
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,75
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 128,00
Wiener Bankverein . 134½
4 Frankf. Hypoth.=Bank
NS. 16 u. 17. . 98.80

In Proz.
Zf. Pfandbriefe.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
90,00
S. 19.
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 1519, 2126 98,00
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,50
89,00
3½
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 100,70
81
do.
89,80
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
100,40
S. 14, 15, 17, 24/26
1823.
. 100,45
3½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68
89,80
S. 35
89,60
S. 911
. 89,70
4 Meininger Hyp.=Bank 99,50
3½
do.
89,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 98,50
3½ do. (unk. 1914) . . 88,70
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,20
do.
8½
89,60
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt
8½ do.
90,50
4 Frankfurt
* 100,40
3½ do.
93,50
4 Gießen
do.
4 Heidelberg
99,00
3½ do.
4 Karlsruhe
99,50
3½ do.
89,50
4 Magdeburg
do.
31
4 Mainz
3½ do.
4 Mannheim
99,40
3½ do.
90,20
4 München
100,00
3½ Nauheim
4 Nürnberg
99,60
do.
90,30
4 Offenbach ..

Zf.
In Proz.
3½ Offenbach
4 Wiesbaden
99,50
do.
94,60
4 Worms .
99,20
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner 100 136,90
3 Holl. Komm. . fl. 100 108,00
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe

. . 136,00
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 178,60
3 Oldenburger . . . . . . 125,00
2½ Raab=Grazer fl. 150 101,50
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 199,80
Freiburger .
F8. 15 75,00)
Mailänder
Fs. 45
do.
Fs. 10
fl. 7
Meininger .
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 522,00
do. v. 1858fl.100
Ungar. Staats . . fl. 100 371,50
Fs. 30
Venediger .
Türkiſche . . Fs. 400 170,80
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns
20,45
20 Franks=Stücke .
16,22
Amerikaniſche Noten . . . 4,19½
Engliſche Noten . . .
20,48
Franzöſiſche Noten. .
81,15
Holländiſche Noten. . . . 169,40
Italieniſche Noten . . . . 80,40
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,80
Ruſſiſche Noten . . . . 215,50
Schweizer Noten . . . . . 81,05

Reichsbank=Diskonto. . .
Reichsbank=Lombard 3sf. 6

[ ][  ][ ]

eite 10,

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.

Nummer 95.

dringt in jedes Heim Musik aus allen
Ländern und Vorträge von Künstlern
wie Caruso Destinn - Hempel u. a. m.
Auf Dunsch illustrierte Preisltste bereitwilligst.
Vorführung der Instrumente ohne Kaufzwang.

Georg Katr

Darmstadt
Hof-Uhrmacher und Hof-Lieferant
Telefon 506 Ludwigstr. 20.
lar nebenstehende weltbskannte Schutzmarke garastiart haste Quatität
Für Herrenl die wenigſtens 2 Anzüge u. 1 Paletot innerhalb eines Jahres benötigen,
jed. Anzug od. Paletot nur Mk. 50. bezw. Mk. 55. im Abonnement. Proſpekte u. Stoffproben an
reſſent. umſ. Christian Hoeser, Schneidermſtr., Mainz, Schillerstr. 48, I. Nur ff. Maßanfertig. Gegr. 1888.
Dienstag, 23. April:
Gvern-Abend

HOTEL HESS

Poudrette
Peru-Guano
Chili-Salpeter
Kainit
Thomasmehl
Superphosphat
Kali 40%
Dungsalz in Original-
Säcken und lose
Geflügel- u. Kücken-
Futter
Brutreis
Geschälte Hirsen etc.
Spratt’s
Hundekuchen
und
Puppy-Futter
Phosphor-Welpi
Hundeseife
Dungsalz
waggonweise nach allen Stationen
Hessens franko billigst.
Emlanderruid

Kirchstrasse 1
Telefon 137.

(9661

O
Lenrersangercnor.
II. Abonnement-Konzert
Freitag, 26. April, abends 8 Uhr, im Städt. Saalbau.
Mitwirkende:
(9612
Frau Vally Fredrich=Höttges aus Berlin (Alt),
Herr Prof. Arnold Mendelsſohn (Klavierbegleitung),
Orcheſter: Die Großherzogliche Hofkapelle:
Leitung: Herr Wilhelm Borngäſſer.
Vortragsordnung:
I. Requiem D-moll für Männerchor u. Orcheſter Luigi Cherubinl.
2. Rhapſodie für Alt, Männerchor u. Orcheſter Johs. Brahms.
3. Vier Lieder für Alt mit Klavierbegleitung
a) Gebet
. . . Karl Schuricht.
b) Hätt’ ich ein Haus
c) Aus dem Nachtlied Zarathuſtras
. Arnold Mendelssohn.
d) Aus dem Hohenlied
4. Judiths Siegeslied für Alt mit Orcheſter . Heinr. van Eyken.
5. Zwei Männerchöre mit Orcheſter
a) Feſtgeſang,
. . . . Arnold Mendels sohn.
b) Deutſcher Aar
Karten zu 3, 2 und 1 Mark in der Muſikalienhandlung von
L. Schutter, im Verkehrsbüro und abends an der Kasse.

nſere Mitglieder und angeſchloſſenen Vereine machen wir darauf
aufmerkſam, daß zu dem am 26. ds. Mts. im Städtiſchen
Saalbau (unter Mitwirkung der Großh. Hofmuſik) ſtattfindenden
KonzeridesDarmstädterLehrer-Sängerchors
Karten zu ermäßigten Preiſen für Galerie, Eſtrade, Saal und
numerirten Sperrſitz am Verkehrsbüro gegen Vorzeigen der Mit
(9594if
gliedskarten zu haben ſind.
Verein für Verbreitung von Volksbildung.

AUssTELLUNC
im Ausstellungsgebände auf der Mathildenhöhe
(Mittelsaal)
DARMSTADT.
Marmor-Transparente
in Kunst und Kunstgewerbe.
Geöffnet bis Mitte Juni täglich von 106 Uhr.
Eintritt frei. (9108a) Eintritt frei.

Ludwigshöhe.
Jeden Mittwoch u. Samstag
Kur-Konzer t.
Eintritt 25 Pfg. 10 Abonnementskarten zu
1.50 ſind zu haben im Verkehrsbureau und an der Kaſſe. (B7897

Handelsverein in Darmſtadt (E. L.)

Einladung.
Die 47. ordentliche Hauptverſammlung
findet nach § 7 der Satzungen
Freitag, den 26. April 1912, abends 8½ Uhr,
im Kaisersaal
(Lokal des Kaufmänniſchen Vereins) ſtatt, wozu die Mitglieder hier=
mit
ergebenſt eingeladen werden.
(9654
Der Vorstand.
Tages=Ordnung:
1. Geſchäftsbericht.
2. Rechnungsablage.
3. Erſatzwahl des Vorſtandes.
4. Anträge und Beratungen.
trünes Jackenkleid, noch neu,Akademiſch geprüfte Schneiderin
für 10 Mk. zu verkaufen (große 8 empf. ſich in u. auß. dem Hauſe
Figur) Fuchsſtr. 1, part. (*10151*10189ims) Roßdörferſtr. 1, II. r.

Nach beendigtem Kurſus an der
NHebammenlehranſtalt z. Mainz
habe ich mich hier als
Hebamme
niedergelaſſen und empfehle mich
den verehrten Damen Darmſtadts.
Frau Pfafl, Hebamme, Löffel=
gaſſe
10.
(*10192ids

Dame

(*10027

aus erſten Kreiſen ſucht für ihr
½ jähr. Kind (Mädch.) vorzügliche
gewiſſenh. Pflege nur bei beſſ. Leut.
Nur Darmſtadt u. freie Lage, Garten
od. Anlagen. Off. u. E 66 Exp.

Miskr. Aufnahme findet Fräul.
bei anſtänd. Familie, auch zur
Erhol., i. waldreich. Geg., mäß. Pr. b.
Frau Lina Benſel, Schlierbach
(bei Wächtersbach).
(*10124

ſof. od. ſpäter
6 Zim.=Wohn. geſ. Off. m. Pr.
unt. E 71 an die Exp. (*10110

Geſucht per 1. Juni
56 Zimmerwohnung
parterre oder 1. Stock, für Etagen=
geſchäft
(Möbel), oder Wohnung
mit Lagerraum im Zentrum. An=
gebote
mit Preis unter E 92 an
(*10205
die Expedition.

Student
ſucht auf ſofort freundliches, helles
Zimmer, möglichſt mit Schlaf=
raum
. Offerten unter V. 387 an
(9598fI
die Exped. ds. Bl.
Dum 1. Mai Zimmer mit Pen
0 ſion geſucht. Offerten mit
Preisangabe und Ref. zu richten
an Frl. Gradwohl, Wiesbaden,
(*10150
Gersdorffſtraße 2.

Freundlich
möbliertes Zimmer
I. Etage, Front, p. 1. Mai v
jung. Kaufm. geſucht. Off. mi
Preisang. unter E 75 an die
Exped. dieſes Blattes. (9605om

ſucht. möbl. Wohn= und
Hell Schlafzimmer in gutem
Hauſe, ruhige, ſonnige Lage. Off
unter E 80 an die Exp. (*10174

Näſche z. Waſch. u. Büg. all. Art
w. angen. Frau Winter, Heidel-
bergerstr
. 40. Postk. gen. (*10204

Schiffsbericht.

Hamburg=Amerika=Linie.
Mitgeteilt von dem Vertreter Hrn.
Adolf Rady, Darmſtadt,
Zimmerſtraße 1.
Dampfer Amerika, von New=
York kommend, 19. April 1 Uhr
25 Minuten morgens Lizard
paſſiert.
Dampfer Aragonia 18. April
4 Uhr nachmittags von New=
York nach New=Orleans.
Dampfer Hamburg, von New=
York, 18. April 6 Uhr morgens in
Genua.
Dampfer Hoerde, von Galveſton
kommend, 19. April 3 Uhr 30 Mi=
nuten
morgens Dover paſſiert.
Dampfer Moltke 18. April 12 Uhr
mittags von New=York über
Gibraltar, Algier und Neapel
nach Genua.
Dampfer Sygna, 17. April 5 Uhr
30 Minuten nachmittags von
Philadelphia nach Hamburg.
Vergnügungsdampfer Meteor
vierte Mittelmeerfahrt, 18. April
12 Uhr mittags in Korfu.

wünſcht engliſch.
Engländerin Unterricht zu er=
teilen
Wilhelminenplatz 10, I. (5295a

Existenz:
Damen u. Herren
werden in geſonderten Kurſen in
Körperpflege und Maſſage aus=
gebildet
geg. ſehr mäßiges Honorar.
Gefl. Zuſchriften unter L 62 an
(B4738
die Exped. ds. Bl.

Damenfrisieren
lernt man gut, billig und gründlich
durch langjähr. Lehrerin (*9953sid
M. Fröhlich, Waldſtr. 3, 2. Stck.

erlernt jedermann
Für 10 Mk. das Tanzen im
anerkannt beſten Tanzinſtitut von
Philipp Scholl. Tanzlehrer,
Mühlſtraße 26, 2. Stock. (*10162im

Dacharbeiten
werden raſch und billigſt ausgef.
Adam May. Dachdecker
Grafenſtraße 37, Rundeturm=
ſtraße
16.
(*10202id

tardinen werd. geſpannt, d. Bl.
zu 30 Pf., auch Spanner ver=
liehen
Roßdörferſtr. 56, III. (*1020s
werden jed. Geſchmack ent=
Hüte ſpr. ſchik u. fein angef., ält.
Hüte mod. umgearb. in u. auß. d.
Hauſe Ludwigspl.8, Vdh. III. (9624a

Frau empfiehlt ſich im Aus=
beſſern
von Wäſche, Damen= und
Herrenkleidern
(B9110
Ludwiashöhſtraße 1., 3.

Großherzogl. Hoftheater
Dienstag, 23. April.
160. Abonnem.=Vorſtellung. B 40.
Zu Shakeſpeare’s Geburtstag,
Neu einſtudiert:
Ein Sommernachtstraum.
Phantaſtiſches Luſtſpiel in 3 Ab=
teilungen
von Shakeſpeare.
Muſikal. Leitung: Kapellm. Kittel.
Spielleitung: Oberregiſſ. Valdek.
Perſonen:
Theſeus, Fürſt zu
Athen
Hr. Heinz
Egeus, Vater der
Hermia
Hr. Wagner
Lyſander,) Lieb= Hr. Hacker
Deme= hab. der
trius, Hermia Hr. Weſtermann
Philoſtrat, Aufſ.
der Luſtbarkeiten
am Hofe des
Theſeus.
. Hr. Klotz
Squenz, der Zim=
mann

Hr. Lehrmann
Schnock, der
Schreiner
Hr. Kräger
Zettel, der Weber Hr. Jürgas
Flaut, der Bälgen=
flicker

Hr. Speiſer
Schnauz, d. Keſſel=
flicker

. Peterſen
Schlucker, der
Schneider
. Knispel
Hippolyta, Köni=
gin
d. Amazonen,
mit Theſeus ver=
lobt

. Frl. Heumann
Hermia, Tochter d.
Egeus, in Lyſan=
der
verliebt
. Frl. Grünberg
Helena, in Deme=
trius
verliebt . Frl. Meißner
Oberon, König
der Elfen
. Hr. Schneider
Titania, Königin
der Elfen
. Frl. Uttmann
Puck, ein Elfe
Oberon’s . . Frl. Gothe
Spinn=
webe

. Marie Stoffer
Motte,
. Dora Harreus
Senf=
. Aennchen Dörr
ſamen,
Bohnen=
blüte
, 15
. Erna Jungkurth
. Frl. Schaub
Drei andere
Frl. Lehmann
Elfen
. Frl. Longin
Vorkommendes Ballett, arrang.
von der Hofballettmeiſterin Frau
Thiele=Leonhardt.
Die Elfenreigen werden ausge=
führt
von dem Corps de Ballet.
Nach der 2. Abteil. längere Pauſe.
Krank: Frl. Geyersbach.
Preiſe der Plätze (Kl. Pr.):
Proſzeniumsloge 5. Mk., Fremden=
loge
5 Mk., Balkonloge 4.50 Mk.,
1. Rang 4 Mk., 2. Rang: 16.
Reihe 2 Mk., 7. u. 8. Reihe 1.60 Mk.,
Sperrſitz: 1.13. Reihe 3.50 Mk.,
14.20. Reihe 3 Mk., Parterre:
1.5. Reihe 2.20 Mk., 6.8. Reihe
1.80 Mk., 1. Galerie 1 Mk., 2. Ga=
lerie
50 Pfg.
Anf. 7 Uhr. Ende nach 10 Uhr.
Kartenverk. v. 111 u. von 6 Uhr an.
Vorverkauf
von 111 Uhr f. d. Vorſtellungen:
Mittwoch, 24. April. 161. Ab.=V.
A 41. Im weißen Röß’I.
Kleine Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Donnerstag, 25. April. 162. Ab.=
Vorſt. C 41. Zum Gedenken an
Friedrich v. Flotow (geb. 26. April
1812). Martha. Lyonel: Hr.
Robert Hutt vom Opernhaus in
Frankfurt a. M., als Gaſt. Kl.
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Freitag, 26. April. 163. Ab.=V.
D 41. Neu einſtudiert: Nora.
Kleine Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Samstag, 27. April.
Außer Abonnement.
Vorſtellung zu ermäß. Preiſen.
Zum Beſten der Wohlfahrtskaſſen
des deutſchen Bühnenvereins.
Anfang 7 Uhr.
Robert und Bertram.
Poſſe mit Geſang und Tanz in
4 Abteilungen von G. Räder.
Muſik von verſch. Komponiſten.
Preiſe der noch vorhan=
denen
Plätze: Proſzeniums=
loge
2 Mk., Fremdenloge 2 Mk.,
Balkonloge 2 Mk., 1. Rang 2 Mk.
Sperrſitz 1.50 Mk.
Der Kartenverkauf zu dieſer
Vorſtellung findet Freitag, den
26. April, ſowie an dem darauf=
folgenden
Tage vormittags von
111 Uhr, an der Tageskaſſe ſtatt.

[ ][  ][ ]

38 47.

Dienstag, 23. April.

1512.

Bekanntmachung.

Die Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt hat die landespolizeiliche Abnahme des
Neubaues der elektriſchen Straßenbahn in der Alle und vor dem neuen Haupbahn=
hof
beantragt.
Termin für die landespolizeiliche Prüfung iſt auf Samstag, den 27. April
1912, vormittags 9 Uhr anbergumt (Sammelpunkt an dem Bahnübergang der
Main=Neckarbahn).
Unter Hinweis auf die Fertigſtellung der Anlagen fordern wir hiermit auf,
etwaige Einſprüche hinſichtlich der planmäßigen Ausführung des Projekts in dem be=
zeichneten
Temine vorzubringen.
Darmſtadt, den 22. April 1912.
(9628
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Werner.

Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß am 23., 25.,
29., 30. April 1912, von 8 Uhr vormittags bis zum Dunkelwerden, Schießen
mit ſcharfer Munition von Truppenteilen des 18. Armeekorps auf dem Schießplatz bei
Meſſel abgehalten werden.

Kerile e Steinhügek, 1 Im nördlich Meſe, in nordnordweſlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich,
im Weſten: Dammweg-Brunnersweg ausſchließlich,
Süden: Forſthaus Steinacker-Steinhügel ausſchließlich,
Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milches=
wieſe
-Sauwieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegeſchranken und Warnungstafeln ab=
geſperrt
.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten. ( Polizelver=
ordnung
Kreisamt Darmſtadt 25. September 1909, Kreisamt Offenbach a. M. 20. Sep=
tember
1909.)
Wenn das Schießen früher beendet iſt, werden die Gemeinden Meſſel und
Offenthal von Aufhebung der Abſperrung ſofort benachrichtigt.
Darmſtadt, den 19. März 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
(7489a
Fey.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher. 1 Foxterrier, 1 Dobermann (zugelaufen). Die
Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier aus=
gelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet
dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(9608

Die nachſtehende Warnung des Königlichen Polizeipräſidums
2 Berlin bringen wir zur allgemeinen Kenntnis.

Darmſtadt, den 19. April 1912.
(9658
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Warnung.

Bereits am 20. Juni 1908 habe ich auf das Treiben des Nerven=
ſanatoriums
Silvana in Genf hingewieſen, das von Dr. Rumler
begründet. von Dr. med. Ringelmann fortgeführt wurde und zurzeit
von Dr. Kaplan geleitet wird. Seit Jahren hat ſich das Inſtitut
hemüht, durch Anpreiſungen und Verſprechungen in geleſenen deutſchen
Zeitungen unter Hinweis auf ein von Dr. Rumler verfaßtes Buch
Neuraſthenie‟ Leidende zu brieflicher Fernbehandlung und zu er=
heblichen
, aber nutzloſen Aufwendungen zu bewegen, durch die zahl=
reiche
Kranke in ihrem Vermögen geſchädigt worden ſind.
Leider iſt es trotz der von zahlreichen Behörden ergangenen
Warnungen dem Inſtitut gelungen, ſein Dreiben, zum Teil unter der
Deckadreſſe Verlag Aeseulap oder Sanitas Genf, mit Erfolg
fortzuſetzen, und ſelbſt angeſehene deutſche Tageszeitungen für ſeine
Inſerate in Anſpruch zu nehmen.
Da das Treiben des genannten Inſtituts geeignet iſt, deutſchen
Staatsangehörigen Schaden an Geſundheit und Vermögen zuzu=
fügen
, ſo wird vor dieſem, auf Ausbeutung leichtgläubiger und ängſt=
licher
Perſonen berechneten Schwindel hiermit nochmals gewarnt.
Berlin, den 6. April 1912.
Der Polizeipräſident.
In Vertretung: (gez.) Friedheim.

Verſteigerungs-Anzeige.

Mittwoch, 24. April 1912, vormittags 11 Uhr,
werden im Pfandlokale Rundeturmſtraße 16 (Zur Roſenhöhe‟)
verſchiedene Möhel, darunter:
Schreibtiſche, Vertikos, Kleiderſchränke, Sofas, Spiegel=
ſchränke
, Diwans, Küchenſchrank, Regulateure, Pianinos,
ferner Hobelbänke, Kaſſenſchrank, 8 Kokosläufer, Coupes,
Landauer, 6 Kartons Wachs, Kohlen= und
Blaupapier, 14 Stück Schreibmaſchinen=
zubehör
, 1 Heftmaſchine, 30 Gerüſtdielen, ver=
ſchiedene
ein= und mehrflammige Gaslampen,
5 Gasherde und eine Partie Zigarren
zwangsweiſe verſteigert.
(9659
Die Verſteigerung der fettgedruckten Gegenſtände findet
beſtimmt ſtatt.
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher,
Georgenſtraße 11, I.

Verſteigerungs=Anzeige.

Donnerstag, 25. April 1912, nachmittags 4 Uhr,
verſteigere ich im Saale Zur Ludwigshalle‟, Obergaſſe dahier,
öffentlich meiſtbietend gegen Barzahlung folgende Pfänder be=
ſtimmt
:
7 Eisſchränke, 1 Wirtsbüfett, 2 Eiskiſten, 5 Wirts=
tiſche
, 88 Gartenſtühle, 1 Monometer, ſowie 1 Pferde=
geſchirr
für ein ſchweres Zugpferd.
(3647
Wedel, Großh. Gerichtsvollzieher,
Darmſtadt, Bleichſtraße 28.

Die von uns auf das Leben der Agathe Sonnenfeld, damals
in Hannover, geboren am 10. Januar 1891, ausgefertigte Er-
lebens
-Versicherungs-Police Nr. 142825 über Mark 1000. ist
angeblich abhanden gekommen.
Der gegenwärtige Inhaber der Police wird aufgefordert,
sich binnen 6 Monaten bei uns zu melden, widrigenfalls die
Police für kraftlos erklärt werden wird.
Berlin, den 5. März 1912.
VICroRlA zu Berlin
Allgemeine Versicherungs-Aktien-Gesellschaft
O. Gerstenberg. Generaldirektor
(7oa

Masch.-Techn, Arbeiten!
Kostenanschläge, Berechnungen, Projekte, Unter-
suchungen
, an Masch. Gutashten. Durcharbeitung
von Erfindungsideer, Entwerfen sowie Auszichen
und Beschresben von Zeichnungen etc. etc.
übernimmt billigst als Nebenbesch. erfahr. Fachmann.
O8fert. unt. K 83 befördert die Expedition
(4394a

en. Sitr u. Aegewagen
Gfür 10 Mk. abzug.
(*19151
Nieder=Ramſtädterſtr. 32, part.

4 Nahtiſch u. Doktorbuch, Platen,
drei Bände, billig zu verkaufen.
Näh. in der Expedition. (*10196

eretene beit und Brikete
K empfiehlt ins Haus gelieſer
V1268) J. Müller, Kiesſtr. 20.

für 250 Mk. zu
Piano perk. (*10133im
Liebfrauenſtr. 66, Laden.

Begleichung ſädt. Gefälle für
das Rechnungsjahr 1911.

Mit Rückſicht auf den Bücher=
ſchluß
der Stadtkaſſe und der
ſtädtiſchen Nebenkaſſen erſuchen
wir, alle Rückſtände für das ab=
gelaufene
Rechnungsjahr 1911
nunmehr unverzüglich hierher zu
(61333if
entrichten.
Darmſtadt, 17. April 1912.
Die Stadtkaſſe.
Koch.

Die Anfuhr von Grund
und Bauſchutt

kann gegen von uns auszuſtellende
Erlaubnisſcheine geſtattet werden=
Nach der Landgraf Georgsſtraße
hinter dem Woog.
dem neuen Faſanerieweg
hinter der Aktienziegelei.
dem neuen Täubcheshöhlen=
weg
unter dem Nordbahn=
hof
an der Frankfurter
(9671im
Straße.
Darmſtadt, 22. April 1912.
Städtiſches Tiefbauamt.

En unſer Handel=Regſter, Ab=
teilung
A, wurden folgende
Einträge vollzogen:

Am 4. April 1912.
Hinſichtlich der Firma:
Carl Ph. Müller, Wein=
und Aepfelweinkelterei,
Darmſtadt.
Geſchäft ſamt Firma ſind auf
Kaufmann Karl Philipp Müller
in Darmſtadt übergegangen.
Die Prokura der Kaufmann
Heinrich Müller Ehefrau, Erneſtine,
geb. Eilert, in Darmſtadt, iſt er=
loſchen
.
(9609
Am 17. April 1912.
Gelöſcht die Firma:
Hotel=Reſtaurant Kölni=
ſcher
Hof Friedrich Müller,
Darmſtadt.,
Darmſtadt, 19. April 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I

ferde=Verkauf.
9

Freitag, den 26. April 1912,
vormittags 11 Uhr,
wird auf dem Hofe der Train=
kaſerne
, Darmſtadt, Eſchollbrücker=
ſtraße
24, eine zum Militärdienſt
nicht geeignete 5½ jährige Re=
monte
öffentlich meiſtbietend gegen
Barzahlung verſteigert. (9618
Train=Bataillon Nr. 18.

Verkauf von
Matratzenſtreu.

Am Donnerstag, den 25. April,
wird die Matratzenſtreu einer
Eskadron auf dem Hofe der Ka=
palleriekaſerne
an der Holzhofalle
verſteigert. Der Verkauf beginnt
um 9 Uhr 30 Minuten vormit=
(9623
tags.
Leib=Dragoner=Regiment
Nr. 24.

Zeugnisabſchriften u. Verviel=
* fältigungen aller Art in
Maſchinenſchrift ſauber u. ſchnell
O. Stache, Frankfurt a. M.,
(*9901sid
Adalbertſtraße 4.

Damen-u. Herren-
Garderoben
werden tadellos gereinigt.
Reinigen
von Spitzen, Federn, Gardinen,
Portisren, Teppichen uſw.
(9656a
Färberei
für ſeidene Kleider u. Spitzen uſw.
Färberei Mack
Chemiſche Waſchanſtalt
Telefon 708. Schulſtraße 13.

ſecht. Selcktiner
Eichen mit Intarſien, ſpottbillig
Vertiko pol., zu 48 u. 60 Mk.
Ausziehtiſchm. Lin.=Bel. 30 Mk.
. 18 Mk.
Stegtiſch, pol.,
.55 Mk.
beiſ. Diwans
Chaiſelongue m. Molton 28 Mk.
.38 Mk.
Trumeau
.16 Mk.
Nähtiſchchen
9 Mk.
Büſtenſtänder
5 Mk.
Hausapotheke
. 10 Mk.
Rauchtiſchchen.
9 Mk.
Plüſchtiſchdecke
große und kleine Oelgemälde,
(*10210
alles neu, abzugeben
Gartenstrasse 20, part.

zu ver=
Dunkelrotſeid. Kleiv kaufen

Gervinusſtraße 62, I.

(2311

4n ur Anz. f. gr. Fig. b. z. pk. a. Frack
(*10186
V m. Weſte. Näh. Exp.

Junges Ehepaar
ſucht Filiale irgend welcher Art,
Zigarrengeſchäft bevorzugt, zuüber=
nehmen
. Off. u. E 76 Exp. (*10127

4.5
Wele

im Schneppenzahl, Flur 24, 51¾10
53½ 5000 am, per ſofort zu
verpachten. Näheres Holzhof=
(7845a
Allee 1, Kontor.

Me

3X4 Zimmer und
Wohnhaus Manſarde, Hof=
raum
, großer Garten, Gas, Waſſer=
leitung
, iſt erbteilungshalber zu ver=
kaufen
. Lage: Kiesſtraße nächſt der
Hochſtraße. Näh. Auskunft erteilt
P. Luft, Liebfrauenſtr. 70. (54a

105 Heideiberger
Strasse 105
Einfamilien-
wohnhaus

zweiſtöckig, mit Manfarde,
Dampfheizung, Warmwaſſer=
anlage
, Gas, Bad, großem
Obſtgarten unter günſtigſten Be=
dingungen
zu verkaufen oder zu
vermieten. Näheres Roßdörfer=
ſtraße
9, 1. Stock.
(6345a
Schönes Baugelände
an der Bergſtraße zu verk. Haus
in Darmſtadt wird in Zahlg. gen.
Off. unt. D 50 a. d. Exp. (B9575

M
Oſol.aus. Pfinurm. gs ausführl.
Ang. u. B 16 d. Erp. erb. (9450a

ehrl. leiz. u beiter=
Wer leiht 150 Mk. Offerten
bitte u. E 77 a. d. Exp. (*10129

Suche eine II. Hypothek
von 2000 Mk. auf gutes Haus,
I. Hypothek 20000 Mk., ortsg. Tare
34000 Mk. Off. u. E 79 Exp. (*10166im

1. Hypothek zu 4 Prozent
auf Neubauten in feiner Lage ge=
ſucht
. Offert. u. E 90 Exp. (*10200

erhält man auf Wechſel,
Geld Schuldſchein Mobiliar
in jeder Höhe durch E. Mauthe,
Riedeſelſtraße 48, I. Sprechſtr. v.
32 u. 26 Uhr.
(8446a

Weiße, eiſerne Kinderbettſtelle
1,50 m lang, mit Matratze und
Einlage für 8 Mk. zu verkaufen
9662) Heinrichſtr. 156, 2. St.

pol. u. 2 lack. Bettſtellen mit
1 Sprungrahmen u. Keilen bill. zu
verk. Grafenſtr. 23, 2. St. (*1912t

Allerfeinste
Marmeladen
und Konfifüren
Fabrikate:
J. Clot und Comp., Strassburg
J. Keiller & Sons, Tangermünde
Johannisbeer
Himbeer
Erdbeer
Aprikosen
Kirschen
Pflaumen
Raineclauden
Orange (9652

1 Pfd.-

Glas 6 Pfg.
10 Glas, sortiert, Mk. 7.50
Prompter Versand auch
nach auswärts.
Moriz Landau
Mathildenplatz 1. Tel. 116.

Sit verk. Jackenkostüm 4 M., Grau
Oheinenkleid 5 M. Näh. Exp. (*10176

Ginderwagen billig zu verkauf.
Zu. Grafenſtr. 12, 4. St. (*10201.

ut erhalt. Kinderwagen billig
10103 Neue Niederſtr. 17. Hth. I.
Ein weiß. Sitz= u. Liegewagen,
Nickelgeſtell, zu pr. (*10073ids
Schießhausſtr. 29, Manſarde.

35 gut erh. Anzüge f. j. Mann,
perſch. Mädchenkleider billig
zu verk. Liebigſtr. 32. (*10107

Kuterh. Fahradm. Freil.bill z. vk.
GHeidelbergerſtr. 21, Stb. (*10181

1t erh. Kinderwagen zu verk.
*10179) Kahlertſtr. 21, 2. St.

ſaub. Bett billig z. pl.
in ei
(*10208
Soderſtr.

Abhanden gekom.
in der Heinrichſtr. eine ſchwarz u.
weiße Katzg, auf den Namen
Täubchent hörend. Wiederbringer
20 Mk. Belohnung. Näher. unter
A 64 an die Expedition. (*10156

Eine silb. Damenuhr
mit Monogramm M. S. am Sonnt.
abend zw. 8½9 Uhr v. Eiſabethen=
ſtraße
bis Neuen Bahnhofverloren.
Abzug. Hotel Gottwald. (*10111
Werloren in d. Nacht v. Samst.
29 auf Sonnt. zw. 12 u. 1 gelbl.
kurz. Sommerüberz. auf d. Wege
Luiſenpl. Luiſenſtr. - Landwehr=
ſtr
. Wiederbr. g. Bel. Zweckdienl.
Angaben unt. E 91 Exp. (*10193

Letzten Samstag abend eine
echte Granatbroſche verloren
im Theater bis an den Wagen
Landskronſtraße, im Wagen, bis
zur Hermannſtraße Nr. 39. Da=
ſelbſt
gegen gute Belohnung ab=
zugeben
.
(*10197im
Ein junger Hund entlaufen
auf den Namen Tell hörend.
Wiederbringer Belohnung. Vor
Ankauf wird gewarnt. Ach. Spangen-
berger
, Bäckermeister, Schlo Bgasses 1. (9663

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Nummer 95.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.

Der Stempel: P. J. Schembs auf der
Sohle verbürgt Eleganz und Qualität.

Frühjahrs-Neuheiten
Entzückende, hochaparte Dessins in den neuesten Formen und Farben
sind eingetroffen.
Unserem Prinzip breu, nur das Beste und Schönste zu bringen, zeigen wir in
unserer Ausstellung wieder etwas ganz Hervorragendes.
P. J. Schembs, Rheinstrasse 20
neben Hotel Hess. Telefon 1965.

Unerreicht in Qualſtät und Preis!
(48
Preislagen: Mk. 85.-, 115.-, 125.-, 135.-, 145.

Auqust Engel

zialabteilung in Touristen-, Jagd- und Sportstiefeln für Damen und
Unse
Herren empfehle besonderer Beachtung.
Schuhpflegeartikel: Créme etc. in besten Marken.
(8324

Schuchardstr. 8. Darmstadt Telephon 1128.

Dr. Buck’s

ist höchst wohlschmeckend, äusserst nahrhaft
und stopft nicht. Es ist dies wohl das vorzüg-
lichste
Kakaopräparat der Gegenwart, insbesondere
als Nähr- und Kräftigungsmittel für in der Ent-
wicklung
zurückgebliebene Kinder, bei Blutarmut
u. allen Schwächezuständen, bei Magen- und
Darmkatarrh. Angenehmstes Frühstücksge-
tränk
für Gesunde und Kranke.
1 Pfd. 2.20 Mk., ½ Pfd. 1.10 Mk., ¼ Pfd. 55 Pfg.
Ein Versuch genügt, um denselben dauernd zu ver-
wenden
.
* Zu haben bei:
Reformgeschäft Arista‟
Gesundheitliche Nahrungs- und Genussmittel
Anton Braunwarth
Ernst-Ludwigstr. 3
Fernspr. 971.
(7197a

kauft man am besten und billigsten im Speziälgeschäft.
Bei meiner
Riesen- Aus-
wahlvonca
. 20000 Hargarhraren
findet jedermann etwas Passendes! (7960a
garantiert echt, in jeder Qualität,
Straussiedern ries. Auswahl, bekannt bill. Preise
Flügel, Reiher, Fantasiefedern, Hutnadeln etc.
Hutborden, Rosshaarborde, Holzspahn u. Ramieborde
Meter 10 Pfg.
in 40 Farben
10 Meter-Stück 2.20, 3., 3.90 Mk.
Moderne Drahtfassons
40, 60 und 70 Pfg.
Drahtband
Hutdraht 10 Meter 12 Pfg.
Modistinnen hohen Rabatt. Endetail.
Engros.
Ludwigsplatz1
Gg. Schubkeger reierhon 1227.

e rehlentft.
Brennkannäpfel beiAlbnahme
von 10hI 50 Pf. liefert auf Be=
ſtellung
frei Haus
(51a
Conrad Appel,
Bismarckſtr. 61. Telephon 91.

Eiz- u. Wolwaren

werden unter Garantie gegen Mot=
ten
und Feuersgefahr aufbewahrt. (5999a
nur Wilhelminenstrasse 7
F Hau Telefon 1533.

ſchwer eichen, ganz bill. abzugeb.,
verſch. Trumeauxſp., Büfetts, mod.
Diwans, Flurgarderoben, Schreib=
tiſche
, Bücherſchr., Spiegelſchr.,
Kleiderſchr., Waſchkom., Ruheſtühle,
Vertikos, Bettſtellen, Matratzen,
kompl. Einricht. denkb. billigſt.
Eliſabethenſtraße 46, Vorderhaus,
parterre.
(*1007ſoi

Philipp Hess

8529a)

H. G. Holtmann

Schulstrasse 3, Hof
Schulstrasse 3, Hof
Spezial-Werkstätte für Uhren-Reparaturen
Mässige Preise.
Saubere solide Arbeit.

Schillerplatz 5

Darmstadt

Schillerplatz 5

br. Nähmaſch., eintür. Kleider=
Gſchranf getr. Kleider u. and.
zu verk. Rückertſtr. 26, I. (*99.8si

wie ſeut 16
, billig zu verk.
Grafenſtraße 26.

L. 6 1d Sohn, Maniaktarwarcn. 510is 4430a)

Der Hof des Schweigens.
Ein Roman aus Island von Anny Wothe.
26)

Copyright 1910 by Anny Wothe, Leipzig.
Und noch einer wußte, wie Hallgerdr und Ingwald
ſtanden. Bjarni Petruſſon, und er brütete Rache.
Niemand ſollte ihm Hallgerdr nehmen, am wenigſten
der Fremde, der auf den Hof gekommen wie ein Dieb in
der Nacht, der das blonde Weib betört hatte hier in der
wilden Einſamkeit, wo es in den Bergen krachte und gärte,
als würden Zaubertränke gebraut.
Nein, die Baerstochter war ſein. Bjarni Petruſſon
gab ſie nicht her.
Der Sjera nötigte, nachdem ſeine Gäſte ſich erquickt,
izum Bleiben, aber man durfte nicht verweilen, ſollte das
Ziel noch erreicht werden.
Im dichten Nebel ging es vorwärts. Ganz auf die
Klugheit und Sicherheit der Pferde vertrauend, ritt man
(dahin.
Wie mit tauſend Armen wuchs der Nebel empor.
(Immer dichter, immer ſchwarzer legte er ſich um Fjelde
und Tal, und der Wind ächzte und raſſelte, als führe er
Steinlawinen mit ſich, die verheerend herniedergingen.
Unaufhaltſam, in ſcharfer Gangart, trabten die Pferde
dahin.
Verfluchte Erde und verfluchter Nebel, grollte Bjarni,
als man nicht mehr die Hand vor den Augen ſehen konnte
und dach vorwärts mußte.

Schaumweiße, kochende Waſſerfälle ſprühten zu Tal.
Jetzt war auch einer der gewaltigſten, die Bruard, er=
reicht
, die ſich in großartigem Falle über die ſchwarzen
Lavafelſen herabſtürzt.
Tönte aus den donnernden Waſſern nicht ein geheim=
nisvolles
Rufen und Raunen?
Komm, komm, meinte Hallgerdr von tauſend Stim=
men
zu hören.
Wer? rief ſie. War es eine Stimme oder war es
Kaare Myrdal, den ſie verraten hatte?
Nein, nicht verraten, denn ſie hatte ihm ja beim
Abſchied bedeutet, daß es ein Scheiden für immer ſei.
Auch Ingwald Anderſen dünkte es, als riefe ihn bei
den lochenden Waſſerfällen eine drohende Stimme.
War das nicht der bleiche Tod, der da mit knöchernen
Fingern winkte, und klang es nicht aus dem wüſten Ge=
braus
wie das leiſe Weinen eines Kindes.
Nein, es war ja albern, ſich von ſolchen Wahnideen
narren zu laſſen. Der Wind balgte ſich nur mit dem
gelben, kniſternden Schwefel, der ihm den Atem nahm.
Oder konnte es doch noch etwas anderes ſein?
Ingwald ſchloß unwillkürlich die Augen. Das war
das wilde Aufheulen einer Seele, die er gemordet.
Wie gehetzt flog er jetzt dahin. Er wagte es nicht,
ſich nach Hallgerdr umzuſehen, deren Roß Bjarni feſt
am Zügel hielt.
Der ſauſende Sturm verſchlang die Worte, die hier
und da einer dem anderen zurief. Wie von Höllenfeuern
verfolgt, ſo raſten die Pferde mit geſpannten Nüſtern

über den dampfenden Boden. Oft ſchien es, als wollten
ſie zuſammenbrechen, aber immer wieder rafften ſie ſich
auf, und vorwärts ging es, unermüdlich vorwärts.
Das luſtige Ho des kleinen Mar war lange ver=
ſtummt
. Nur ab und zu kam aus der Bruſt der Reiter
und Reiterinnen ein dumpfes Stöhnen.
Und endlich atmeten alle auf. Das Gaſthaus zum
Geyſir war erreicht. Zwar konnte es niemand in dem
dichten Nebel erkennen, aber Bjarni, der Wegkundige,
gebot halt.
Man ſprang haſtig ab und taſtete ſich im Nebel und
Regen zu dem ſchützenden Haus. Das ſogenannte Hotel
war glücklicherweiſe unbeſetzt. Vom Geyſir war nichts
zu ſpüren, trotzdem er nur ein paar hundert Schritte
entfernt ſein ſollte.
Jeder ſchlüpfte obdachfroh in die ſchmuckloſe, aus=
Holz gebaute Herberge, ein kleines, beſcheidenes Ding=
mit
einem größeren Verſammlungspferch. Ringsherum
eine Reihe kleiner Pferche, jeder enthält zwei ſchmale
Betten. Die wurden nun eifrigſt verteilt,
Dann ſitzt die kleine Reiſegeſellſchaft noch in dem
großen Pferch um den ſchmalen Helztiſch mit ſeinen
wackeligen Bänken und erzählt, nachdem ſich alle ge=
ſtärkt
, Dröguſöger (Geſpenſtergeſchichten), ohne welche
der echte Isländer gar nicht ſchlafen kann, bis Jorum,
die ſchon in ihren Pferch gekrochen war, ungeduldig=
ſchreit
, man ſolle aufhören. Sie hätte überhaupt noch
unmenſchlichen Hunger.,

[ ][  ][ ]

Nummer 95.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.

Seite 13.

Hallgerdr reicht ihr noch einen Kuchen, dann ſchläft
Jorum befriedigt ein, während Jon und Bjarni noch
einen Zwiegeſang anſtimmten, bis alle zur Ruhe gehen.
Ingwald und Hallgerdr haben noch kein Wort zu=
ſammen
geredet.
Ole Gudmund hat Signe noch nicht wieder mit ei=
nem
Blick geſtreift.
Die Nacht war ſchwarz, aber voll unheimlichen Le=
bens
. Das Waſſer rauſchte hernieder, und in der Erde
war ein Zittern und Dröhnen wie von kämpfenden Ur=
gewalten
.
Der Geyſir warf ſeine kochenden Waſſermaſſen hoch
in die ſchwarze Luft. Wie eine Sylphide ſtieg er in geiſter=
hafter
Schönheit empor, aber die Menſchen in ſeiner Nähe
ſchliefen nach dem beſchwerlichen Ritt ſo tief und feſt,
als hielte ſie Todesſchlaf umfangen.
Hallgerdr erhob ſich zuerſt von ihrem harten Lager.
Wüſte Träume hatten ſie gequält.
Signe, die an ihrer Seite geruht, ſchlief noch ſüß
und ſorglos, als Hallgerdr leiſe, um die anderen nicht zu
ſtören, hinaustrat in den grauen Morgen.
Regen und Sturm hatten aufgehört. Ein Donnern
und Stöhnen war in der Luft. Wie von Kanonenſchlägen
zitterten Türen und Fenſter.
Hallgerdr ſieht furchtlos über das wilde, dampfende
Gebiet, das vor ihr liegt.
Ganz allein will ſie zum Geyſir. Eine unbezwing=
liche
Macht treibt ſie vorwärts.
Schwefeldünſte verpeſten die Luft.

Sie ſchreitet über den weichen, gleichſam durchkochten
Boden, über ſchmale Bäche, die in allen Farben ſchillern.
Langſam ſteigt ſie die kleine Anhöhe zum Geyſir empor.
Geſchickt weicht ſie den kleinen Quellen aus, die überall
aus der Erde ſprudeln. Sie weiß, daß ein unvorſichtiger
Schritt ſie der brodelnden Tiefe überlkefern, daß eine
plötzlich aus dem Boden ſchießende hohe Waſſerſäule
ſie vernichten kann, aber ſie muß allein ſein, nur eine
kleine Weile allein mit ihren wild ſtürmenden Gedanken.
Sie freut ſich plötzlich mit wilder Luſt, daß das ſelt=
ſame
Land, das ſo grauenhaft ſeine gewaltigen Krater
aufreißt und wildes Feuer und ſengende Aſche meilen=
weit
durch die Luft ſpeit, ihr Vaterland iſt. Sie fühlt
ſich plötzlich verwandt mit den ſchaurigen Geheimniſſen
der vulkaniſchen Erde.
Auch in ihrer Bruſt tobt ein Kampf. Wie Feuer und
Waſſer ſtreitet es in ihrem Innern.
Nun hockt Hallgerdr auf dem weiten, tiefen Rand
des Beckens, das den Geyſir einfaßt.
Der Geyſir ſpringt nicht. Nur ſchwere, weiße Dämpfe
wälzen ſich in die kalte Morgenluft. Darüber liegt wie
roſiger Schaum das erſte Erglühen der Sonne.
Ueberall ſieht Hallgerdr weiße Dampfſäulen auft
ſteigen. Zu luftigen Kränzen ſich auflöſend, ſchwingen ſie
ſich zum Morgenrot.
Und ſie verweilt auf dem tückiſchen Boden, beide
Hände um die hochgezogenen Knie geſchlungen, und
wartet.
Jetzt, denkt ſie, wird der Kapitän aufſtehen und ſeine
Augen werden ſie ſuchen. Er wird, wenn er denkt, daß
ſie zum Geyſir gegangen iſt, ihr vielleicht folgn, und ſie

würde ihm hier ſagen können, hier allein mit ihm, daß
ſie Furcht hatte vor ſeiner Liebe.
War dem wirklich ſo? War es nicht vielmehr Furcht
vor ſich ſelber?
War ſie nicht ausgegangen, um allein zu ſein, und
jetzt ſehnte ſie ſich ſchon wieder nach dem fremden Mann,
der ihre ganze Seele von dem erſten Tage an, da ſie ihn
ſah, beherrſchte?
Warum habe ich keine Mutter? ſchluchzte es in ihrem
Innern. Sie würde mich verſtehen, würde mir helfen,
ſie würde mich auf den richtigen Pfad weiſan, der ſich mir
verbirgt.
Mit Signe, der lächelnden Signe, konnte ſie nicht
reden. Signe hatte ſich, ſeitdem Ingwald ſich Hallgerdr
zugeneigt, offenbar feindſelig gegen die Freundin gezeigt.
Das beunruhigte und verſtimmte Hallgerdr. Jon, ja,
der würde ſie verſtehen. Mit den feinen Fühlfäden ſeiner
Seele würde er begreifen und nachempfinden, was ſie
quälte, aber gerade ihm konnte ſie ſich nicht anvertrauen,
weil ſie ihm tiefes Leid zufügen würde, Leid, das ihn
noch kränker und elender machte.
Hilf mir doch, rief Hallgerdr und ſtreckte unwillkür=
lich
die Hände empor. Erſchrocken bebte ſie zuſammen.
Ein donnerähnliches Krachen war in der Luft. Tief aus
dem Innern der Erde ſchien es zu kommen.
Und wieder das wilde, furchtbare Getöſe, und noch
einmal.
In wahnſinniger Haſt floh Hallgerdr zurück vor dem
Waſſer, das plötzlich über das Becken ſprudelte und mit
raſender Gewalt über die großen Steinplatten ſchoß.
(Fortſetzung folgt.)

Strausstedern-Engroshaus Rudolf wolf
Bismarckstrasse 55
d Spezialhaus allerersten Ranges in:
Straussfedern:: Pleureusen
Reiher
Bekannt riesige, nicht zu übertreffende Auswahl

n allen Farben und Preislagen.

(7893a

Einzelverkauf zu Engrospreisen u. nur gegen bar.


ein Paar Rollſchuhe m. Kugel=
lager
Kahlertſtr. 1, II. I. (*10035oid

in 4 Tagen:
Ziehung am 27., 29. und 30. April
1. Strassburg.
Münster- Geid-Lonelte
9339 Geld-Gewinne zahlbar ohne Abzug Mark

(5

o0oe

C
1900

Strassburger
Mk. Porto u. Liste
30 Pfg. extra
Münster- Geld-Lose2
und Loseverkaufsstellen.
Zu hab

eigenes Fabrikat
den Gölner Marken an Güte
gleich, nur bedeutend billiger
als diese, empfiehlt in Flaschen
und lose ausgewogen. (7807a
Fr. Beckenhaub,
Medizinal-Drogerie und
Parfümerie
Schul- und Wilhe lminenstrasse.

Lud. Müller &. Co.
Berlin C., Breitestraße 5.

J. Stürmer
Straßburgl. E, Langstr. 107.

Obſtbäume in Töpfen
allerfeinſte Sorten, in voller Blüte,
garantiert tragbar, bei (9358fi
Gebr. Wenz, Rheinstr. 24.
Fahrrad- Feinste
Emall- Strohhut-
Lacke

Hoffärberei c. Z Ch. Reich

Chem. Waschanstalt

Gardinen-Wäscherei.

Anerkannt hervorragende Leistungen
Schnelle Bedienung
(6206a
Mässige Preise.
Größte u. modernste Färberei u. chem. Waschanstalt
in Darmstadt, Pallaswiesenstraße 146.
Rheinstraße 12½, Karlstraße 115,
Lädenl. Nieder-Ramstädterstraße 16.
Mainz: Schillerstrasse 50.

Werrn- u. Hamenstiefel à Paar 5.50 Mk. SSetzbohnen billig abzugeben.
ER Deutsche Schuhzentrafe, Pirmasens. (8661a Roßdörferſtr. 17., Hth., I. (*9893si

als: blau
braun
grün
gelb
rot
ſchwarz
ꝛc. 2c.
in Doſen
à 50 Pfg.,
ſowie
loſe gewogen.
Wiederverkäu=
fern
Rabatt.

als: blau
braun
grau
grün
rot
heliotrop
ſchwarz
modern=
farbig
ꝛc.
vorzügl. dek=
kend
m. hohem
Glanz, raſch=
trocknend
,
loſe gewogen.

I.

Darmstadt (7198a
Tel. 200. Schustergasse 14.

Nur 7 Tage
ar- Dayberran
wegen Umzug!
Hiermit unterſtelle meine geſamten Warenvorräte dem voll=
ſtändigen
Ausverkauf zu außergewöhnlich billigen Preiſen. Nament=
lich
offeriere:
Gummi=Waren aller Art
wie: Gartenſchlauch, Gas=, Abfüll= und Irrigator=Schlauch,
Bettſtoffe, Gummiabſätze, Spül=Spritzen, Gummi=(Celluloid=)
Wäſche, Hoſenträger, hygien. Gummiwaren, Verbandwatte ꝛc.
Kamm-Waren aller Art, Bürſten=Waren
als: Kopf=, Taſchen=, Zahn= und Kleiderbürſten ꝛc.
Toiletteartikel, Portemonnaies, Briefpapier, Kaſſetten ꝛc.
in nur guten Qualitäten für weniges Geld.
(*10097.
Hochachtend
Simon Breidenbach, Gummi- u. Kammwaren
22 Nieder=Ramſtädterſtraße 22.

99

Venezol

6

Beſte flüſſige Parkett= und Linoleum=Wichſe.
Reinigt, wichſt und poliert gleichzeitig. Keine Stahlſpäne,
keine Wichſe und kein Terpentinöl mehr nötig.
Zu haben in Kannen à ½ Liter zu Mk. 1. und
à 1 Liter zu Mk. 1.80 bei
(7188a
Friedrich Schaefer, Großh. Hoflieferant.
7 Ludwigsplatz 7.

Teppichklopferer
Fr. A. Göbel, Kiesſtraße 57.
(V5361
Wohnungsentstanbung und Motten-Vertilgung.

Damen-Konfektion Elise Mayer Damen-Konfektion
Karlstrasse 11II.
Maßanfertigung eleganter, sowie einfacher Damen-Garderobe.
Schicker Schnitt, gute, solide Arbeit bei billigster Bedienung
zugesichert.
(8816a
Feinste Referenzen.

gehrock, Frack, Snokiug= An=
züge
, Zylinder, zu verleihen
Rheinſtraße 5, 2. Stock. (7692a

ſehuppen z. Unterſtelle von
S12 kl. Wagen, billig zu verk.
Viktoriaſtraße 32, 1. St. (9557oi

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.

Nummer 95.

Wir eröffneten am 15. April ds. Js. neben unserem Manufaktur- und Modewarengeschäft ein
* Feeiter tur Maiseneiderer

Es ist hiermit jeder Dame Gelegenheit geboten, Kostümes, Kleider, sowie Blusen und Röcke etc. von bei un
gekauften Stoffen sehr elegant und sehr preiswert verarbeitet zu bekommen.
Unser Atelier wird von

erstklassiger Kraft

(9653

geleitet und sind wir hierdurch in Stand gesetzt, dem verwöhntesten Geschmack vollauf genügen zu können,

Ir ANTEEFVFMNTETTFRTUE

Markt 7

Willſt du jung bleiben und
elaſtiſch, ſo
Honie
ein hochgeſchätztes, unvergleich=
liches
Volksheilmittel, da er das
Blut reinigt und neue friſche
Säfte bildet. (6255a
Garantiert naturreine
Bienen-Schlender=Honige
in groß. Auswahl
preiswert bei
Fr. Beckenhaub
Medizinal-Drogerie
Schulstr. und Wilholminenstr. 11
(Mitgl. d. Starkenb. Bienenz.=V.)
ehetrtertehenenteh
E billg zu verkaufen Kaup=
ſtraße
2, 2. Stock.
(*9812fi

Zigarren!
5.
Puros
Bravohr. . 6 5
garantiert rein über-
z
: seeischer Tabak::
Eigene Fabrikation
Fabrikpreis (9209a
Emmericher
Waren-Expedition
Elisabethenstr. 12
*: Telefon 979.

Buchenſcheitholz!
kurz geſchnitten und geſpalten
la trocken
(701a
per Ztr. Mk. 1,30, frei Keller
Karl Schimmer
Heinheimerſtr. 76. Tele

Hausbeſitzer
kaufen
Oelfarben
Fußbodenlacke
Pinsel
Parkett-Wachs
Stahlspähne
Terpentin-Oel
Sandgrjol
Vorzugsprei-
zeu
bei
Anton
Fischer
Frankfurterstr.

Haararbeiten

ee Zee
los billigem Preis angefertigt.
Ausgekämmte Haare werden ver=
wendet
. Getragene Zöpfe werden
paſſend aufgefärbt.

Unterlagen
mit Haar v. 3 Mk. an

v. 2 Mk. an

Bei Aufträgen wird die nötige
Anleitung zum Selbſtfriſieren ge=
geben
.
(903a
G. Kanzler
Marktſtraße 3.

Tanz-Saal-Wachs

zum Spritzen;

zum Streuen,
nicht staubend,
vorzügl. Glättemittel,
billigst bei
Gebr. Vierheller
Darmstadt Schustergasse 14
Telephon 200. (7199a

Wegen Auftöſung des Haushaltes
ſind Möbel, Betten ꝛc., billig
abzugeben. Anzuſehen jed. Mittag
von 36 Uhr Karlſtraße 28½
1. Stock.
(9580a

Gebr. gut erhaltene Möbel
aller Art, als Vertike Bücher=,
Kleider= u. Küchenſchränke Tiſche,
Stühle, Betten uſw. (*10091oi
Wendelſtadtſtraße 2

Pianino
elegant gebaut, modern, in Nuß=
baum
, iſt mit Garantieſchein billig
abzugeben. Offerten unter E 30
(*9963si
an die Expedition.

gebrauchter, gut erhaltener
Kindersitz- und Liege-
wagen
billig zu verkaufen (9347a
Heinheimerſtraße 50, part.

Garten=Kies
liefert H. Kaus, Grüner Weg 93
Telephon 1591.
(B8587

Guggenheim & Marx

Speiſekartoffeln!
Ueberrheiner Induſtrie
Ztr. 5.00 Mk.
Holländer, gelbe 4.50
empfiehlt
Joh. Walther, Wienersſtraße 69,
Teleſon 1598. (9302a

Kopfsalat
friſch aus dem Beet
(9386a
Völker’s Handelsgärtnerei,
Hüaſtraße 89.

von Mk. 36 am
18
Tahrrader
Fahrradverſandhaus
Limito‟ (9476sis
Carl Lorsch
Tel. 1613. Pankratiusstr. 2½

Blumen-Kübel u. -Kistchen
für Fenſter u. Balk., per Stück von
20 Pfg. an hat fortw. abzug. (6892a
Mauls Maragrinegesch., Schuſterg. 5.

Peima Kinderſtiefel
billig zu verkaufen
(9542a
Neue Ireneſtraße 12
(zwiſch. Arheilger=u. Pankratiusſtr.)

2 ut erhalt. Sportwagen ( zwei=
ſitzig
) u. umklappbarer Kinder=
ſtuhl
ſehr billig zu verk. Neue
Niederſtr. 5, Stb. 2. St. (*9942soi

Eine zweiflügliche Werkſtättetür,
2,60 X1.90, ſowie ein gut er=
haltener
Porzellanofen und ein
eiſerner Herd ſehr billig zu ver=
kaufen
Wienersſtr. 60, Hth. (8925a

aut erhalten, wegen
1 Flüger Platzmangel bill. zu
verkaufen Stiftstr. 51. (*9964soi

en-

Kösten aus Holz (grün geſtrichen)
i. 6 Größen à. 1.10, 1.25, 1.40,
1.60, 1.75, 1.95 empf.
(8326a
E. Crämer, Ludwigſtraße 7.

Dampfreinigungsanstaft
ir
(5949a
Bettfedern u. Daunen
Gleichzeitig empfehle für
Neue Hüllen:
Barchent, Feder-
und Daunenköper.
I. Böttinger
Hofſtallſtraße 6
(nächſt dem Mathildenplatz)
Telephon 465.
Aelteſtes, beſteingerichtetes
Geſchäft dieſer Art am Platze.
Umarbeiten von Betten u.
Polſtermöbeln
gewiſſenhaft und reell in
eigener Werkſtätte.

Nächste Verlosungen.
Südpolar-Geldlotterie, Los 3 Mk.
Zieh. 23. u. 24. April1912.
Straßburger Geldletterie, Los 3 Mk.
Zieh. 27., 29. u. 30. April1912.
Hes. Rote Kreuz-Geldlotterie, Los
3 M., Zieh. 3. u. 4. Mai 1912.
Iltenburger 6 ldlotterie, Los 1 Mk.
Zieh. 4. u. 6. Mai 1912.
Nach auswärts 30 Pfg. extra
für Liſte u. Porto empfiehlt
und verſendet
(9321dsi
Philipp J. Schmidt,
Kgl. Preuß. Lott.=Einnehmer,
Darmſt., Rheinſtr. 33, Tel. 127.

HASSIA
Vervielfältigungs-
Büro
Inh. S. Guttmann
Uendelstadtstr. 26
Telefon 1679.
(6916a
Schrei bmaschinen-
Arbeiten
Diktate
in separätem Raum
Vervielfältigungen
ohne Fettrand.
Zeugnis-Abschriften
schneI I-sauber
diskret-billig.

m Gartenſchlauch zu vk. Off.
unt. E 68 an die Exp. (*10114

A
28

erſchied. getr. Kleider billig zu
verſ. Soderſtraße e4t. (*19140

Wie ich eine
chicke Frau wurde?
Dadurch, dass ich meine
überall bewundert. Kleider
nur nach d. entzückenden
Favorit-Moden-Album,
Preis nur 60 Pf., wählte u.
nach den vorzügl. Favorit-
schnitten
leicht u. preiswert
selbstschneiderte. Favorit-
Mstr. sind einzig. Hundert-
tausende
benutz. nur diese.
Die Verbraucher erh. 1912
wertv. Jub.-Gaben. Präm.-
Liste gratis d. alle Agent.
* Ferner empfohlen:
Jugend-Moden-Albon sopf.
Favorit-Handarbeits-Album 60 Pf.
Verlag: Internat. Schnitt-
manufaktur
Dresden-N. 8.
Arthur Sitti g, Louisenpfatz 4.
Grosse Betten 12 Mk.
(Oberbet, Unterbet, 2 Kiſen)
mit doppeltgereinigten neuen Bettfedern,
beſere Betten 15, 19. 24.50 Mark. 1½, ſchläſt=
ge
Betten 15. 20, 22 50. 28.50. 2250 Mark
uſw. Verſand gegen Nachnahme. Preis=
liſte
, Proben, Verpackung koſtenfrei.
Berlin S. 49
5 Gustau Lustig, Prinzenstrasse 46
Größtes Spezial=Geſchäft Deutſchl.
(4225

Telefon 1030.

Eine gut erhaltene Pampe mit
Emehreren Metern Bleirohr zu
verkaufen Viktoriaſtr. 26. (*10170id

a Speise- u. Saatkartoffel
verſchiedene Sorten, empfiehlt bill.
Georg Crössmann, Grafenſtr. 16. (9631a
anze Kanarienzüchterei, ſowie
Gnoch e. Hähne zu verk. bei F. W.
Sparr, Schloßgartenſtr. 51. (*10172

Bürgerlicher
Mittagstisch
gut und reichlich, von beſſerem
Herrn geſucht. Off. mit Preisang.
u. E 74 an die Exped. (9604om

uter Privat=Mittagstiſch
G
Schuchardſtr. 13, II. (9627a

Mäte
G kauſt zu höchſt. Preis, (0la
C. Minkler, Langenaſſe 10.

getrag. Herren
u. Damenkleid.,
Ich Näufe Schuhe. Zahled.
höchſten Preiſe. Poſtk. gen. (9002a
J. Schnitzer, Schloßgaſſe 11.

Kaufe

8050)

getrag. Kleider,
Schuhe ꝛc. zu den!
höchſten Preiſen.
Poſtkarte genügt.
M. Schnitzer
Schloßgaſſe

296s!!
Wer dort?
Hier M. Obstfeld, Althändler,
7 Kleine Bachgaſſe 7.
Kaufe getr. Kleider, Schuhe, Möbel,
alte Waffen, Fahrräder, Zahn=
gebiſſe
. Tel.=Nr. 2085 oder Poſt=
karte
, komme auch auswärts. (9210a

Alllte Münzen, alte Perlſtick, alte
Briefm., alte Zahngeb. bez. a. beſt.
G. Best, Ludwigshöhſtr. 60 I. (8445a

Brillanten, Platin,
Gold, Silber, ſowie
Käufe alte u. zerbroch. Zahn=
gebiſſe
z. höchſt. Preiſe. A. Kurtz,
Pädagogſtr. 2. Tel. 1202 (7862a

(50
Stue
Ankauf
von nur beſſ. getr. Herren= und
Damenkleid. u. dgl. bei reeller
Bezahlung. Jetzt Donnerstag
hier. Schriftliche Off. u. II 100
an die Expedition ds. Bl. (9332fsi

Wer dort ? (9134a
hier V. Schatz, Alexanderſtr. 15
Ich komme ſof. u. zahle Ihnen für
getrag. Kleid., Schuhe, Wäſche, Zahn=
gebiſſe
, alte Federbett. ſtets die höchſt.
Preiſe Tel. Nr. 1924 Poſtf. genügk.

für leidendes
Sitzwagen großes Kind zu
kaufen geſucht. Offerten unter
B2 36 an die Erped. d. Bl. (*12165

Zahle Höchste Preise
für getr. Kleider, Schuhe, Wäſche,
Möbel u. dergl.
Poſtkarte genügt. (*10099imd
A. Hochmann,


Ochkengaſle 16, Laden.

[ ][  ][ ]

Nümmer 95

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23.
1912.

Seite 15.


au


Oa
e
ige

in Darmſtadt.

zuverlaiſiakeitsſing am Oberrhein.
Von heute an befinden ſich die Liſten zur Sammlung
der Beittuge Tar une Füsveranstaltungen in Darmstaur
in Umlauf. Eine Anzahl Herren der Techniſchen Hochſchule hat in nneigennützigſter und dankenswerter Weiſe die
Sammlung der freiwilligen Geldſpenden übernommen. Wir richten hierdurch die dringende Bitte an die Einwohner=
ſchaft
Darmſtadts
die nationale Sache
durch möglichſt reichliche Gaben zu unterſtützen.
Heſſiſche Fluaſtudien=Geſellſchaft
Kammerherr Frhr. von Oetinger
Geheimerat Dr. Kittler
Hauptmann von Hahn.
Geſchäftsſtelle: Rheinſtraße 14.
(6996
Telephon 2536.

Sport.

* Pferderennen. Der Berliner Frühjahrs=
Concours hippique nahm am Samstag nachmit=
tag
ſeinen Fortgang. Verkaufs=Jagdſpringen: 1. Offi=
zier
=Pferde=Verein Liſa. Damenpferd=Dreſſur= Prü=
fung
: 1. Hptm. Müllers King I (Frau P. Müller);
2. Rittm. von Moers'=Hannover Newbank (Frau v.
Moers); 3. Rittm. Willmers=München Ingo (Frau E.
Willmer); 8 konkurrierten. Vierſpänner: Abtl. I. 1. Prinz
Friedrich von Schönburg=Waldenburg. Abtl. III.: 1. Oblt.
z. S. Dollmann. 3 konkilerietten. Eignungs=Prüfung
für Reitpferde: 1. Kammerherr von Hardt’s Ben Cherif
(Stallm. Trapp); 2. Frau A. D. Geigers Robin grey
(Stallm. Speer); 3. Frau Scherings Hans X. (Stallm.
Berndt). 12 konkurierten. Großes Jagdſpringen: 1.
Oberlt. a. D. R. Roßmanns Cark Petrel (Lt. Graf
Holck); 1. Desſelben Haiderabad (Beſ.); 3. Hrn. Otto
Kochs Nevermint (Hr. Paul Heil); 4. Prinz Friedrich
Karl von Preußens Gibſon Boy I (Lt. v. Schleinitz -);
5. Oberlt. von Kröchers Dohna (Beſ.). Die noch aus=
ſtehenden
Reſultate des Eröffnungstages waren:
Maiden Spring=Konkurrenz. 1. Oblt. Graf v. d. Goltz
Cara (Lt. v. Jagow); 2. Oblt. v. Kröchers Dohne.
General von Fulitz! Geylord. Armee=Dreſſur=Prüfung:
1. Lt. Frhr. v. Marſchalls Lohengrin; 2. Oblt. v. Deskys
Lord IV. Einigungs=Prüfung für Reitpferde: 1. Hrn,
Herbert L. Kappels Sauce=bor; 2. Dr. Hugo Fleiſch=
manns
Maid of the Miſt. Tandem=Prüſung: 1. Hrn. B.
v. Achenbachs: 2. Herr Wolf.
* Die Reſultate am dritten Tag (Sonntag) waren:
Remonte=Dreſſur=Prüfung. Abteilung I: 1. 2. Garde=
Dragoner=Regiment; 2. Leib=Garde=Huſaren= Regiment;
3. 2. Garde=Ulanen=Regiment. (14 Konkurrenten.)
Abteilung II: 1. Feld=Art.=Regiment Nr. 3; 2. 3. Garde=
Feldartillerie=Regiment. (4 Konkurrenten.) Einſpän=
nige
Selbſtfahrer: 1. Herbert L. Kappels Cakewalk (Beſ.):
12. Fr. Lampe=Viſchers Sympathie (Beſ.); 2. Hr. E.
Lindpainters Bibby (Beſ.). (16 Konkurrenten.) Da=
men
=Jagd=Springen: 1. Hpt. Vollmers Even if (Frau
v. Krieger); 2. Rittm. v. Moers May Queen (Frau Rittm.
Moers); 3. Frl. H. v. Stumms Stella (Komteſſe v. Ein=
ſiedel
). (9 Konkurrenten.) An der Großen Dreſſur= Prü=
fung
beteiligten ſich 20 Reiter. Die Konkurrenz zog ſich
in die Länge.
Rennen zu Frankfurt am Main. Eröff=
nungs
=Flachrennen; 2000 Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1.
Leutn. Frhr. v. Entreß=Fürſtenecks Beau Manoir (Leutn.
v. Moßner) 2. Koromaya (Leutn. v. Moſch), 3. Junker
(Leutn. v. Platen). Tot. 78110, Pl. 18, 22, 14:10. Unpl.;
May Royal, Alleslay, Nikolaus, Herr Hauptmann, Lich=
tenſtein
, Leander Brodekin Mobile. Gegenwehr,
Länge. Ermunterungs=Hürdenrennen; 2000 Mark, Diſt.
250 Meter: 1. Herrn J. Akthoffs Mulden II. (Torke), 9
Sandeur (Dyhr), 3. Cabin (Böhme). Tot. 56:10, Pl. 32,
29, 61310. Unpl.: Protegee (4), Maroe IV, Moroſe,
Rowdy, Faraga, Prinzeß Clifta, Calendar, Door=Mat,
The Trapper, Dindoniette (gef.), Scabieuſe, Soupeur ( ge=
fallen
). Leicht. 12 La. Preis von Sankt Georgen;
Ehrenpreis und 3000 Mark, Diſtanz 3500 Meter: 1. Stall
Hollands Bodger II (Leutn. Kneel), 2. Bobolink (Beſ.),
3. Rockledge (Leutn. Frhr. v. Berchem). Tot. 33110, Pk.
20, 37, 27.10. Unpl.:: Pas de Quadre, Sklavin, Placide,
Sterling, Gold, David II, Le Repas, Groufe Fly. Lor=
rimer
. Ueberlegen, 5210 La. Preis von Fried=
richshof
; 3000 Mark, Diſtanz 3000. Meter: 1. Frhrn. K.
von Bethmanns Raiſuli (Fanta), 2. Viel Vergnügen
(Unterholzner), 3. Fieſole (Miſchon). Tot. 39.10, Pl.
21, 28:10. Unpl.: Red Clover. Kanter, 1015 Lg.
Suermondt=Jagdrennen; Ehrenpreis und 3000 Mark,
Diſtanz 3000 Meter: 1. Herren J. und G. Reimanns Peter
(Leutn. v. Berchem), 2. Bauernfänger (Leutn. Frhr. v.
Lotzbeck), 3. Diana (Leutn. Stellbrink). Tot. 31110. Pl.
19, 20110. Unpl.: Marder, Stromboli, Einbrecher Sicher
16 Lg. Preis von Einheim; 3000 Mark, Diſtanz 3000
Meter: 1. Stall Hollands Hareſtock (Mackenzie) 2. Lyre
dAirain (Unterholzner), 3. Silver Sea (Kühl). Tot.
26:10, Pl. 12, 18, 13:10. Unpl.: Mir, Guatemala, Chicard,
Curry, Agua. Leicht, 288
Rennen zu Köln a. Rh. Maſha=Rennen: 5000
Mark, Diſtanz 1000 Meter: 1. Kgl. Württemberg. Priv.=
Geſtüt Weils Trotz (Schläfke), 2. Hartguß (Bullock), 3. Li=
padia
(Groneberg). Tot. 33:10, Pl. 13, 12:10. Früh=
jahrs
=Jagdrennen; 2500 Mark, Diſtanz 3000 Meter:
4. Herrn H. Haas’ Bolondora (H. Brown) 2. Kreppwör
(Johuſon
de (Gehrke). Tot. 16.10, Pl. 13, 17110.

Großes Kölner Frühjahrs=Handikap; 25000 Mark,
Diſtanz 1600 Meter: 1. Hrn. P. Pakheiſers Geier (Spear),
2. Aſchanti (Ted Rice), 3. Werra II. (Lane). Tot. 25:10,
Pl. 33, 16. 27310. Preis von Gürzenichz 2500 Mark.
Diſtanz 3200 Meter: 1. Herrn C. Oſthoffs May May
(Leiß), 2. Little Ben (Gehrke), 3. Tempete III. (E. Franke)
Tot. 81310, Pl. 29 17 18110. Fels=Handikap: 5000,
Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1. Monſ. P. Hirſchbergers
Montyon (Belhouſe) 2. Highland Fling (E. Franke),
3. Siskin (Fox). Tot. 28:10. Pl. 18, 90, 2310. Galtee=
More=Rennen; 5000 Mark. Diſtanz 1400 Meter: 1. Herrn
L. Peſchs Blumenflor (Cleminſon) 2. Loreley (F. Bul=
lock
), 3. Cimon (Fox). Tot. 27310, Pl. 12, 11:10. Preis
von Dahlhauſen; 2500 Mark, Diſtanz 3200 Meter: 1. Hrn.
H. Walters Lümmel I (Johnſon), 2. Fliege (Bauer),
3. Dekoration (Holoubeck). Tot. 24210, Pl. 15, 2110.
Rennen zu Grunewald. Die Reſultate des am
Sonntag ſtattgehabten Rennens waren: Preis von Ga=
tow
; 6000 Mk., Diſtanz 3500 Meter: 1. Graf Bernſtorff=
Gyldenſteens Gefa (Naſh), 2. Abendſonne (Weißhaupt);
3. Beatrice B. (Buchholz) Tot. 41.10, Pl. 10, 10310.
Otto Marckwald=Rennen, 5000 Mk., Diſtanz 1200 Meter: 1.
Herren E. und G. Buggenhagens Rejvice (Bleuler); 2. Ve=
nezia
(H. Teichmann), 3. Siena (Ludwig). Tot. 3110. Pl.
12, 12, 13:10. Murellenberger=Jagd=Rennen, 10 000 Mk.
und Ehrenpreis, Diſtanz 3500 Meter: 1. Herrn W. Dodels
Avignon (Bel.). 2. Edelmann (Lt. F. v. Zobeltitz); 3. Char=
manter
Kerl (Lt. v. Sydow). Tot. 115:10. Pl. 31, 30.
46:10. Preis von Pichelswerder, 5000 Mk., Diſtanz 1200
Meter: 1. Herrn F. Solloways Herbert (Blades), 2.
Königsleutnant (H. Teichmann), 3. Gutes Zeichen ( Lud=
wig
). Tot. 19110. Pl. 13, 13, 14:10. Preis von Bonn,
Ehrenpreis und 3300 Mk., Diſtanz 3500 Meter, 1. Lt. Wege=
ners
Water Ouzel (Beſ.), 2. Nowton (Lt. Graf Strachwitz),
3. Capo Lazarro (Lt. v. Mitzlaff). Tot. 87110. Pl. 22, 15,
29:10. Amazonen=Preis, Ehrenpreis und 5000 Mk.,
Diſtanz 3500 Meter: 1. Lt. Braunes Fawkes (Beſ.), 2. Me=
dee
II (Lt. Sichler), 3. Großherzog (Lt. v. Sydow). Tot.
28:10. Pl. 16, 55, 31.10. Weſtend Jagd=Rennen, 4200
Mk., Diſtanz 4000 Meter: 1. Herrn H. Weſtens Horridoh
(G. Winkler), 2. Pride of Weil (Scholz), Z. Werra ( Weis=
haupt
) Tot. 70310. Pl. 29, 22110.
* Radrennen. Die Radrennen in Mainz
gingen am Sonntag bei gutem Beſuch und Wetter vor
ſich. Die Hauptkonkurrenz bildeten zwei Dauerrennen
über 10 Kilometer und 40 Kilometer, die beide von Pongs
gewonnen wurden. Pongs ſiegte im Zehnkolimeterlauf
in 10 Minuten 58 Sekunden mit 50 Meter vor Weiß von
Frankfurt a. M. und einer Runde vor Roſenlöcher und
im Vierzigkilometerlauf in 41 Minuten 5½ Sek. mit 30.
Meter vor Roſenlöcher und Weiß, der weit zurück endete.
In den Flieger=Rennen dominierte Otto Meyer.
* Radfernfahrt Mannheim-Eberbach-Mannheim.
Bei der am Sonntag ſtattgefundenen Fernfahrt Mann=
heim
-Eberbach-Mannheim (130 Kilometer) konnte der
Darmſtädter Straßenfahrer H. Fiſcher den dritten Platz
belegen, trotz Reifendefektes. Nachfolgend die acht
Erſten: 1. Roſenhahn (Heiligenſtein), 2. Metzger ( Stutt=
gart
), 3. Fiſcher (Darmſtadt), 4. Kuhn (Friedrichsfeld),
5 Brendlein (Mannheim) 6. Joachim (Mannheim),
Kraft (Mannheim), 8. Griesbeck (Mannheim).
Der Große Sttraßenpreis von Hanno=
ver
, der über eine Strecke von 343 Kilometer führte, ver=
einigte
60 unſerer beſten Straßenfahrer am Start. Bis
zum 70. Kilometer blieb das Feld ziemlich geſchloſſen.
Beim 150. Kilometer bildeten noch 6 Paare die Spitzen=
gruppe
. Die Kontrolle in Minden (181 Kilometer) er=
reichten
gemeinſam Roſellen, Straſſer und Hartmann.
Zwiſchen Minden und Rinteln wurde Straſſer von einem
Krampf befallen, der ihn zum Ausſcheiden zwang. Ro=
ſellen
und Hartmann blieben bis zum Ziel zuſammen.
wo Roſellen (Kontinental=Pneu) durch einen guten Spurt
mit zwei Längen vor Hartmann in 11 Stunden 20 Min.
als Sieger das Ziel paſſierte. 3. Karl Zander=Berlin,
11 Std. 34 Min., 4. Aberger=Berlin, ½ Lg., 5. Schütz= Ber=
lin
, 1 weitere Länge, 6. Kotſch=Kyritz, 7. Böhm, 8. Fahle.
Dresdener Eröffnungs=Radrennen.
Fünf=Ländermatch. 40 Kilometer: 1. Collins. 32 Min.
24½ Sek., 2. Salzmann, 550 Meter. 3. Kieldſen, 4700
Meter, 4. Contenet, 8380 Meter. Dickentmann ſendete
infolge mehrerer Motorſchäden weit zurück. Verſuchs=
rennen
über 15 Kikometert 1. Golins, 12 Min 53 Sek.,
2. Thomas, 340 Meter, 3. Dickentman, 480 Meter, 4. Pawke,
5. Contenet. Zukunftspreis über 20 Kilometer: 1. Col=
lins
(Kontinental), 17 Min. 9½ Sek., 2. Pawke, 2330 Me=

e e dien Brter ue eehhon 23sg.
zurück, 5. Amort, 3620 Mtr. zurück, Dickentmann aufgegeben.
Der Preis der Nationen kam am Sonntag
auf der Berliner Olympia=Radrennbahn vor etwa 10000
Zuſchauern zum Austrag. 15 Kilometer=Handieap himer
Motoren: 1. Gnilka (Mal), 12:50, 2. Jenske (800 Meter),
200 Meter zurück, 3. van Lyck (1600 Meter), 1310 Meter
zurück, 4. Rocke (4100), 1570 Meter zurück. Harrn Elkes=
Memorial, 10 Kilometer: 1. Stellbrink, 8 Min. 10,4 Sek.,
2. Walthour, 70 Meter, 3. Ryſer, 280 Meter, 4. Janke, 970
Meter, 5. Miquel (Motordefekt). Rekordfahren: 3 Runden,
1200 Meter hinter Motoren mit ſtehendem Start: 1. Wal=
thour
1 Min. 13. Sck., 2. Stellbrink, 1113,1, 3. Janke, 1115.
1 4. Ryſer, 1117,2, 5. Miquel nicht geſtartet. Auguſt=Ehr=
Preis: 1 Wegener, 2. Hoffmann, Handbreite, 3. Stolz,
4. Sonntag. Prämienfahren: 1. Ehlert, 2. Ganzevoort.
3 K. Müller. Huber=Seidl=Erinnerungpreis: 1. Kudelg=
Wegener, 2. Hoffmann=Fr. Stellbrink, 3. Finn=Packebuſch
Preis der Nationen, 75 Kilometer: 1. Stellbrink, 57330.
2. Sanke, 1740 Meter, 3. Walthour, 4140 Meter, 4. Ryſer,
6820 Meter, 5. Miquel, weit zurück,
* Hockey, Hockey=Städtekampf Hamburg=
Berlin. Der Hockey=Städtekampf Hamburg=Berlin ge=
langte
am Sonntag in Hamburg zum erſten Male zum
Austrag, und ſah die Hamburger Mannſchaft mit 92 ſieg=
reich
. Die Hamburger lieferten ein ſehr gutes Spiel,
gegen das die mit Erſaßz für die hervorragenden Spieler
Stulz (Berliner Sportklub) und W. Ringe (Berliner
Hockeyklub) herübergekommenen Berliner machtlos waren.
Beide Tore für Berlin ſchloß Korth (Preußen). Von den
Toren für Hamburg erzielte Lühmann 5, Zuerm 3 und
Goßler 1 Tor
* Fußball. Berliner Fußballmeiſterſchaft.
Die Berliner Fußballmeiſterſchaftsſpiele brachten am
Sonntag endlich die Entſcheidung. Preußen ſiegte, wie
im erſten der beiden Entſcheidungsſpiele, mit dem knap=
pen
Refultat von 211 über Viktoria. Ferner ſiegten Mi=
nerva
mit 210 über Rapide, Vorwärts mit 310 über Ger=
mania
Tasmania mit 411 über Konkordia und Tennis
Boruſſia mit 5:4 über Favorit.
Die Berliner Militär=Fußballſpiele
nahmen am Sonntag folgenden Verlauf: In Charlotten=
burg
ſchlug das erſte Garde=Feldartillerie=Regiment auf
dem Unionſportplatz das zweite Garde=Feldartillerie,
Regiment mit 511, auf dem Schmargendorfer Britannia=
Platz ſpielten die Eliſabether gegen die Garde=Schützen
4:4 unentſchieden. Dagegen verlor das Telegraphen=
Bataillon unerwarteterweiſe mit 310 gegen die ſehr gute
Mannſchaft des vierten Garde=Regiments, während das
drite Garde=Regiment mit 43 das zweite Garde= Regi=
ment
ſchlug.
Die Fußballmeiſterſchaft von Mittel=
deutſchland
gelangte am Sonntag im Entſcheidungs=
ſpiel
zwiſchen Fußballklub Wacker=Halle a. S und der
Leipziger Spielvereinigung zum Austrag. Da in der
vorgeſchriebenen Spielzeit von zweimal 45 Minuten auf
beiden Seiten kein Tor fiel, mußte der Kampf um zwei=
mal
15 Minuten verlängert werden. Es gelang dann der
Leipziger Spielvereinigung, das entſcheidende Tor zu
landen und damit mit 1.0 die Meiſterſchaft zu gewinnen.
Die Fußballmeiſterſchaft von Nord=
deutſchland
gelangte in Hamburg zum Austrag. Vor
etwa 5000 Zuſchauern lieferten ſich die beiden Gaumeiſter
Holſtein=Kiel und Eintracht=Braunſchweig, einen
erbitterten Kampf, den ſchließlich die Kieler Mannſchaft
knapp mit 32 zu ihren Gunſten entſchied. Holſtein ge=
winnt
hiermit zum dritten Male hintereinander die Nord=
deutſche
Meiſterſchaft.

Bolles, üppiges
g, iſt leicht erlangt, wenn
Hallt das Haar ſtändig mit
Jabol gepflegt wird.
Javol enthält Kräuterauszüge,
die den Haarpapillen die zum Auf=
bau
des Haares notwendigen Stoffe?
zuführen, den Haarwuchs anregen,
ſtärken und fördern. Javol iſt
nach allem, was wir heute über das
menſchliche Haar wiſſen, das Beſte
und Natürlichſte zur Verſchönerung des Haares. Javol
wird nur in Originalklaſchen zu 2 M. oder in Doppel=
laſchen
zu 3,50 M. ſethaltig für trockenes Haar oder ſelt=
frei
für fettreiches Haar verkauft. Ueberall zu haben.
Kolberger Anſtalten für Exterikultur, Oſtſeebad Kolberg.

[ ][  ]

Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.

Nummer 95.

Musik aus allen Ländern
Gesang aller Künstler
in naturgetreuer und künstlerisch vollendeter Weise wiedergibt.
Alle Autoritäten auf dem Gebiete der Musik
Alle Künstler von Rang und Namen
erkennen die Vielseitigkeit und unerreichte Qualität des Tones an.
Wer ein Gramola hört, wünscht es zu besitzen!
Wer ein Gramola besitzt, will es nicht mehr entbehren!
Vorführung ohne Kaufzwang bereitwilligst
K. Jäger, Georgenstrasse 11
Telephon 2579
Offizielle Verkaufsstelle der Deutschen Grammophon-
Aktien-Gesellschaft Berlin-London
Aeltestes und grösstes Spezialgeschäft Darmstadts.
(9649)
Man weise Apparate ohne diese Schutzmarke zurück

Sirenkafe
für Herren und Kinder
in großer Auswahl empfiehlt
afe
Lamvert uesee, belgisches Hutgeschäft

12 Karlſtraße 12.
Eigene Reparaturwerkſtätte.

(*10177

Eine Wolitat für Damon iet
Kopfwaschen
mit den neuesten Wasch- u. elektr. Trocken-
apparaten
und bildet regelmässiges Waschen
nach meinem System die denkbar beste
Haarpflege. Schöne helle Damen-Salons
gegenüber dem neuen Palais. Kopfwaschen
inkl. Frisur 1 Mark. Separater Färbe-
Salon (Methode Henné).
(9646a
Friseur Müller
Telefon 1466. Wilhelminenplatz 2. a. d. kath. Kirche.

Sppich Reilgung.

Entſtanbung von
Teppichen und Polſtermöbeln etc.
mittelſt großer pat. Vacuum=Maſchine prompt u. billigſt.
Hess. Vachum-Reinig.-Ges. Ihel & Co.
Telephon 461.
Schuchardſtraße 14.

Wegen Umzug
zu verkaufen: 1 Holzbettſtelle
mit Sprungfedermatratze, Roß=
haarmatratze
, gut erhalten, 1 runde
engl. Badbütte, 1 Fenſtertritt,
2 Hanteln Wilhelmſtr. 2, II. (9616if

ſehr gu erhaltenter, verſtelbarer
1 Sportwagen zu verkaufen
B9637) Ludwigshöhſtraße 13½

Mk.
.56

ischenuhren-Repar. v. M. 1.50 an
leue Feder
1.0)
läser 25, Zeiger 1925. Schlüssel 10 Pfg.
rner neue Taschenuhren v. M. 3.50 an.
tets gutgeh. gebr. Taſchenuhren
vorrätig. Ailes mit Garantie
im Uhrengeſchäft (*10209
Grosse Oehsengasse 30.

Eienbahnwagen, z. Lagerr.
od. Bureau geeignet, zu verk.
Gebr. Weber, Soderſtr. 110. (*10195

rige billie Rosen,
Sür knaben Blasen, Anzüge eic.
Aelt. Sachen werden mit verarb
Schneiderin. Liebfrauenstr. 79. 1266

w. ſchön u. bill. garn.
Hute Altes verwendet (7240a
Eliſabethenſtraße 49, Htb.

Modes.
Hüte werd. ſchick u. bill. garniert,
alt. Material prakt. verw. (9109a
Vory Leissler, Gr. Ochſengaſſe 18.

Mzaſchen u. Glanzbügeln wird
angen. Soderſtr. 31. (*10136

Schirmfabrik Schlüter,
Kirchſtraße 27
Reparaturen u. Ueberziehen ver
(7894a
ſofort, billig= und gut.

Tägl. friſch geſtochenen
Spargel
(im Abonnement per Pfd.
30 und 50 Pfg.)
(9660
Heinrich Grimm
Hoflieferant.

Bei vorkommenden
Drechsterarbeiten
jeder Art halte ich mich beſtens
empfohlen. (9597a
Uebernehme auch Maſſenartikel
auf Spezialbänken.
Treppenstäbe, Kegel und Kugeln
billigſt
Hch. Stelz, mech. Dreherei
Griesheim bei Darmſtadt.

Umſetzen von
Oefen u. Herden,
ſowie alle Reparaturen
werden gut und billig ausgeführt
Blumenschein
Ofenſetzer (8758a
Wendelſtadtſtraße 49.

Einptelle mich
den geehrten Herrſchaften, ſowie
meiner werten Kundſchaft im An=
fertigen
fein. Anzüge u. Paletots.
Verändern, Reparieren u. Auf=
bügeln
bei bill. Berechnung. Ga=
rantie
für tadell. Sitz. Muſter zu
Dienſten, prima Referenz. (*10158
Wilh. Aberle jr.
Magdalenenſtraße 13.

Aufpol. v. Möb.
Spezialität: uſw., ſowie all=
vorkomm
. Schreinerarbeiten (1265a
Adolf Zeller, Schützenſtraße 8.

Parkettböden
werd. gerein. Dieburgerſtr. 4. (5073a

Federrollfuhren jeder Art
hier u. nach ausw. beſorgt (9595a
Karl Herling, Schulzengaſſe 22.

Dr. med.
Leydhecker
iſt von der Reiſe
zurück. (2613

Nur
Mark 1.10
koſten 4 Pfund
prima
Kern-Seife
½ weiß
½ gelb
10 Pfund Mk. 2.65
Antch Tischel
Adler-Drogerie
Mür (5996a
Frankfurterstrasse 12 u. 14.

Partie ſchädelechte
Hirsch- und Rehgeweihe
darunter Pracht=Exemplare, billig
abzugeben, 1 Küchentiſch (maſſiv)
mit Schublade 8 Mk., 2 groß. Oel=
druckbilder
mit breit., ſchön. Gold=
rahmen
à 8 Mk., 1 ovaler Spiegel
mit breitem Goldrahmen 9 Mk.,
wegen Platzmangel zu verkaufen
Moosbergſtr. 53, 3. St. I. (*10138

Zu verkaufen ein großer Tiſch
mit eichener Platte. Näheres
in der Expedition.
(9630

Kostüme, Schneiderarbeit
Robes u. Bluſen u. Moderniſieren.
bei billigſter Berechnung (*10100
Frau Heide, Heidelbergerſtr. 87, II.r.

flotter Gänger, mit
Pferd, Wagen ſofort zu ver=

kaufen

Schloßgaſſe 34. (*10164

Bildschöne Siufe
Zugpferd, kräftig, z. Zucht geeignet,
ca. 10jähr., fromm, preiswert zu
verkaufen
(*9868sim
Maschinengewehr-Komp.,
Truppenübungsplatz Darmſtadt.

Für Liebhaber!
Weißes Truthuhn, Prachtexempl.,
zu verk. Eberſtadt bei Darmſtadt,
Mühltalſtraße 66.
(*10102

zu verkaufen
Kaupſtraße 10.

Deutſcher Borer, bis 4 Mon.
alt, zu kauf. geſ. Off. m. Preis.
unt. E 64 an die Exp. (*10098

hat begonnen und bringe hier=
durch
dieſelben in empfehlende Er=
innerung
.
(*10117
Täglich 2mal friſch geſtochen.
Eigene Spargelkulturen.
Billigſter Tagespreis,
Jos. Bschirrer
Früchtenhandlung
Heidelbergerſtr. 95 u. Ecke Hoff=
mann
= u. Nieder=Ramſtädterſtr.

Wie neu
werden. Vorhänge, Gar=
dinen
, Spitzen, Kleider ꝛc.
mit meiner in Ausgiebigkeit,
Schönheit und zartem Ton
bis jetzt unübertroffenen
Créme-Farbe.
Nur echt in Flaſchen mit
Gebrauchs=Anweiſung und
Firma:
Fr. Beckenhaub
Drogen- und Farben-Kandlung
Ecke Schul= und Kirchſtraße.
Drogerie C. Watzinger
Wilhelminenſtraße 11.
(6364a)

dasbadeofen f.
Badewanne 75 Mk. zu verkauf.

*10132)

Saalbauſtraße 78.