Abonnemenispreis
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Im Reichstag hielt geſtern der Reichskanzler
bei der erſten Beratung der Wehrvorlagen
eine längere Rede.
In Eſcher wurden durch die Exploſion einer
Flaſche mit Kohlenſäure 4 Perſonen
getö=
tet und mehrere ſchwer verletzt.
Bei Bad Oldesloe wurde ein Automobil von einem
Zuge angefahren, wobei zwei Inſaſſen getötet und
drei ſchwer verletzt wurden.
Die Wahlen in Serbien haben keine Mehrheit
für die Regierung gebracht.
Nach den letzten Meldungen iſt die Ruhe in Fez
wieder hergeſtellt. Die Angaben über die
Ver=
luſte lauten widerſprechend.
Die Geſundung der Reichsfinanzen.
C Dieſes Thema bildet den Gegenſtand einer
Ab=
handlung, die der bisherige Schatzſekretär Wermuth
im Maihefte der Deutſchen Revue (Stuttgart, Deutſche
Verlagansſtalt) veröffentlicht. Neben der amtlichen
Be=
gründung der Deckungsvorlage werden ohne Zweifel
Wermuths Darlegungen die Baſis der bevorſtehenden
parlamentariſchen=Erörterung bilden. Denn ſie ſind eine
Art öffentlicher Rechtfertigung ſeines Ausſcheidens aus
dem Amt und heiſchen ſo eindringlich die Erſchließung
neuer Einnahmequellen, daß bei der unbeſtreitbaren
Sachkunde des Verfaſſers der Auseinanderſetzung mit
ihm nicht ausgewichen werden kann.
In der Einleitung des Artikels ſagt Wermuth: „Ich
ſehe keinen Grund, warum ein früheres Mitglied der
Regierung nicht in ſolch entſcheidendem Zeitpunkt ſeine
Meinung außerhalb des Amtes unbefangen und niemand
zuleide ſollte vertreten können, nicht als Stimme aus
dem Jenſeits, ſondern als lebendiger Reichsangehöriger.
Irgend einen perſönlichen Nachklang wird man, wie ich
hoffe, in meinen Ausführungen nicht entdecken.”
Wermuth berechnet die auf Grund der Wehrvorlagen
für die Etats der Jahre 1913 und 1914 ſich ergebende
Mehrausgabe auf 180, bezw. auf 200 Millionen Mark.
Zu deren Deckung hält er es für unerläßlich, jetzt eine
ſtarke neue Einnahme zu erſchließen, als im
gegenwärtigen Zeitpunkte nicht eine Konſumſteuer,
ſon=
dern eine Beſitzſteuer, und zwar die erweiterte
Erv=
ſchaftsſteuer, in Frage komme. Wermuth ſieht
geradezu das Wohl der Reichsfinanzen davon abhängen,
daß die „Selbſtberuhigung” zerſtört wird, die in dem
Vorhaben liege, die Ueberſchüſſe von 1911 und 1912 zur
Deckung des neuen Bedarfs zu verwenden. Würde
die=
ſes Vorhaben verwirklicht, dann handele es ſich dabei
nur um eine verkleidete Anleihe. Denn eine derartige
Verwendung der Ueberſchüſſe von 1911 bedeute die
nach=
trägliche Aufnahme einer Anleihe für jenes Jahr und die
Wiedervermehrung der Reichsſchuld durch Rückgängigs
machen der tatſächlichen Schuldentilgung. Das
Höher=
ſchätzen der Einnahmen für 1912 bedeute
min=
deſtens den Wegfall jedes Ueberſchuſſes und damit die
Preisgabe der Schuldentilgung, möglicherweiſe aber
ei=
nen Fehlbetrag, der durch Anleihe gedeckt werden müſſe.
Kehre man aber nach den früheren Grundſätzen zu dem
Verfahren zurück, die Flottenbauten oder den Kaiſer
Wilhelm=Kanal auf den außerordentlichen Etat zu ſetzen,
ſo bedeute dies die Anleihe ohne Umweg.
Die Art, wie Wermuth für eine vorſichtige
Ein=
nahmeſchätzung und für die Beſchränkung des
außeror=
dentlichen Etats auf Anleihen zu werbenden Zwecken
eintritt, mag der „Selbſtberuhigung” zu ſtreng erſcheinen,
iſt jedoch ſchließlich wohl das einzige Mittel, vor einem
Rückfall in die alte Schuldenwirtſchaft zu bewahren. Daß
indeſſen Wermuth im Schatzſekretär nicht nur den „Mann
mit zugeknöpften Taſchen” erblickt, ſondern auch die Fi
nanzkraft des Staates ſeinen politiſchen Aufgaben
ener=
giſch nutzbar gemacht wiſſen will, ergibt ſich aus ſeinem
Bekenntnis zu dem Grundſatz: Wehrvorlagen möglichſt
gründlichſt vorzubereiten, aber in der Ausführung ſelbſt
nicht zu ſchwanken. Gerade die energiſche Politik
als ſolche erſcheint Wermuth mit Recht als ein Mittel,
das im Zuſammenhange mit eiver wohl überleg=
ten Verteilung der Laſten den Deutſchen zue
Steuerzahlung willig macht.
In einem längeren offiziöſen Artikel der Nordd. Allg.
Ztg. wird die Finanzpolitik des Reiches unter
be=
ſonderer Rückſichtnahme auf die Wehr= und
Deckungsvor=
lagen verteidigt. Es heißt da:
Die Finanzverwaltung, die die Koſten für die
Wehr=
vorlagen zu prufen hatte, war verpflichtet, die inzwiſchen
gewonnenen Erfahrungen zu berückſichtigen. Wenn ſich
da=
bei ergab, daß die Einnahmen für 1912
weſent=
lich höher eingeſchätzt werden konnten, als bei der
Einbringung des Etats geſchehen war, ſo liegt hierin kein
Vorwurf gegen die bisherige Uebung. Der Eindruck der
großen Fehlabſchlüſſe, unter denen das Reich bis vor kurzem
zu leiden gehabt hatte war für die bisherige Schätzung
nicht ohne Einfluß. Jetzt nachdem die Jahre 1909, 1910
und 1911 mit erheblichen Mehreinnahmen abgeſchloſſen,
nachdem die Abgaben von 1909 den Behaxrungszuſtand
erreicht haben und ſeit der Finanzgeſetzgebung drei Jahre
vergangen ſind, liegt kein Grund vor, mit den Schätzungen
ſoweit zurückzuhalten, daß ſie ſich auch unter nicht zu
er=
wartenden außergewöhnlich ungünſtigen Verhältniſſen als
nicht zu hoch erweiſen. Die jetzt vorliegenden Erträgniſſe
des Jahres 1911 berechtigen zweifellos zu der Annahme,
daß. 80 Millionen Mark mehr im Jahre 1912 zur
Verfügung ſtehen werden, als bisher angenommen. Be
willigt daher der Reichstag, mit Wirkung vom 1. Oktober
ab, die Erhöhung der Branntweineinnahmen, ſo bedarf es
für das Etatsjahr 1911 keiner weiteren Deckung. 1. Das
Jahr 1911 erbringt tatſächlich 100 Millionen Mark mehr
aus Zöllen und Steuern, als für 1912 vorgeſehen war.
2. Bei der Poſt= und Telegraphenverwaltung ſind die
Ueberſchüſſe 1911 um mehr als 30 Millionen Mark höher,
als für 1911 veranſchlagt war An Erſparniſſen aus der
Verzinſung der Reichsſchuld ſind 10 Millionen Mark
ein=
zuſetzen. Zu beſonderen Vorwürfen hat die Kürzung des
Ordinariums für 1912 um 10 Millionen Mark für den
Nordoſtſeekanal Anlaß gegeben. Es iſt bereits
er=
llärt worden, daß es ſich nicht um ein Hinausſchieben des
Baues aus finanziellen Gründen, ſondern lediglich darum
handle, daß er techniſch noch nicht ſo weit fortgeſchritten ſei,
wie urſprünglich angenommen. Die Bauverwaltung iſt
da=
her nicht imſtande, 1912 die urſprünglich vorgeſehenen
Summen auszugeben. Es iſt ſonach durchaus gerechtfertigt,
den Voranſchlag für 1912 um 80 Millionen Mark auf der
Einnahmeſeite zu erhöhen und die Neuanforderungen auf
die Beſeitigung des Branntweinkontingents vom 1
Ok=
tober d. J. ab zu beſchränken. Gemäß den bei den
Be=
ratungen der Finanzreform von 1908 als zweckmäßig
er=
kannten Verfahren iſt den Wehrvorlagen endlich ein Plan
beigefügt, wie ſich die Bilanzierung des Reichshaushalts
vorausſichtlich in den ſpäteren Jahren zwiſchen 1913 und
1917 geſtalten wird. Aus dem Plane geht hervor, daß
in=
folge der in den letzten Jahren erreichten guten Fundierung
der Reichsfinanzen die erheblichen Neuanforderungen aus
den laufenden Einnahmen beſtritten werden können, ſofern
dieſe durch die Beſeitigung des Branntweinkontingents die
erforderliche Ergänzung erfahren. Wird dieſe Vorlage
an=
genommen, ſo entfällt endlich jede Beſorgnis vor einer
Unterbrechung der in den letzten Jahren erfolgreich
einge=
leiteten Schuldentilgungspolitik.
Die in der Denkſchrift enthaltene unverſchleierte
Dar=
ſtellung der Tatſachen kann daher, ſo ſchließt die
Nord=
deutſche, zu den erhobenen Angriffen unſolider
Finanz=
gebahrung einen begründeten Anlaß nicht geben.
Die italieniſche Flottenaktion
iſt nach einer halbamtlichen römiſchen Meldung in der
Hoffnung erfolgt, die türkiſche Flotte zur Ausfahrt und
zum Angriff zu veranlaſſen. Man wird dieſe Angabe
umſoweniger für bare Münze nehmen, als dieſelbe
halh=
amtliche Meldung behauptet, daß die italieniſche Flotte
ihr Ziel erreichte. Tatſächlich aber hat ſich die türkiſche
Flotte, was wegen ihrer notoriſchen Unterlegenheit von
vornherein kaum zweifelhaft ſein konnte, nicht zum
An=
griff beſtimmen laſſen. Iſt alſo trotzdem der Zweck der
italieniſchen Flottenaktion erreicht, dann muß er ein
an=
derer geweſen ſein. Begreiflicherweiſe wird in dieſer
Beziehung vor allem gemutmaßt, daß Italien die
Sper=
rung der Dardanellen als Folge ſeiner Aktion
voraus=
geſehen und auf dieſem Wege internatienale Schritte
ge=
gen die Pforte herbeizuführen bezweckt habe. Ging
Ita=
liens Rechnung in der Tat dahin, dann iſt das Ziel
we=
der bisher erreicht worden, noch ſteht ſeine Erreichung
für die Zukunft in ſicherer Ausſicht. Denn die Pforte kann
darauf verweiſen, daß ſie nur unter dem Zwange einer
von Italien bewirkten Notwendigkeit die
Dardanellen=
ſperre verfügte, und ſie wird überdies die Sperre
ſobald=
als möglich aufheben. Proteſt gegen die Sperre iſt
bis=
her, wie aus diplomatiſchen Kreiſen verlautet, von keiner
Macht-eingelegt worden; darüber hinausgehende Zei=
tungsnachrichten, die von einer militäriſchen Unterſtützung
der Aktion Italiens durch Rußland fabelten, ſind durch
die Ereigniſſe bereits widerlegt.
Wenn mithin die Erreichung des erörterten Zieles
beſtritten werden muß, ſo kommt als ein weiterer
wahr=
ſcheinlicher Zweck der italieniſchen Flottenaktion die
Rück=
ſicht auf die Volksſtimmung Italiens, die endlich eine
Tat der Flotte ſehen wollte, in Frage. Der Widerhall,
den die Dardanellen=Aktion in der italieniſchen Preſſe
geweckt hat, ſpricht für die Richtigkeit dieſer Annahme.
Hierauf aber dürfte ſich der Erfolg der Aktion auch
be=
ſchränken. Denn auf die Stimmung der Türkei hat das
raſch abgebrochene, wirkungsloſe Schießen nach der erſten
Ueberraſchung auf den Nächſtbeteiligten offenbar keinen
ein=
ſchüchternden Eindruck gemacht. Das dürfte auch in der
Antwort zutage treten, die die Pforte auf die
Vermitt=
lungsaktion der Mächte erteilen wird. Die italieniſche
Flottenaktion ſcheint daher alles in allem für Italien
von äußerſt geringem Nutzen zu ſein.
Deutſches Reich.
Fortſchrittler und Wehrvorlagen.
Die parteioffiziöſe Liberale Korreſpondenz ſchreibt über
die Stellungnahme der Fortſchrittlichen Volkspartei zu
den Wehrvorlagen:
„Vorausſichtlich wird keine der Forderungen, die für
die techniſche Vervollkommnung der Wehrmacht zu Waſſer
und zu Lande beſtimmt ſein ſſollen, einem Widerſtande
bei der Fraktion begegnen. Dagegen muß eine nähere
Begründung der Notwendigkeit der darüber
hinausgehen=
den Verſtärkung der Friedenspräſenz abgewartet werden.
Was bisher in der ſogenannten „Begründung” vorliegt,
genügt weder nach der politiſchen noch nach der
militäri=
ſchen Seite hin, um ſich ein abſchließendes Urteil
bil=
den zu können. Uebereinſtimmung dürfte weiterhin in
der Fraktion darin beſtehen, daß die Deckungsfrage die
größten Schwierigkeiten bereiten werde, und
insbeſon=
dere wird die von der Regierung vorgeſchlagene Regelung
auf die allerlebhafteſten Bedenken ſtoßen. Endlich beſteht
kein Zweifel darüber, daß zu einer Ueberſtürzung der
Durchberatung kein Anlaß vorliegt. Jedenfalls wird
es der ernſteſten Erwägung wert ſein, ob es nicht
an=
gängig iſt, neue Wege für die Aufbringung der
Deckungs=
mittel einzuſchlagen, die vor allen Dingen dazu führen,
die beſitzenden Klaſſen in ausreichendem Maße zu den
neueſten Laſten des Reiches heranzuziehen.
Hinſichtlich=
der Branntweinſteuervorlage macht ſich in der Fraktion
die Auffaſſung geltend, daß ſie in der jetzigen Form,
näm=
lich unter Beibehaltung des Durchſchnittsbrandes und
des Vergällungszwanges nicht annehmbar ſei, weil dieſe
beiden Beſtimmungen ebenfalls eine Liebesgabe darſtellen
und dadurch trotz der Einſchränkung greſp. Beſeitigung
des Kontingents die Monopoliſierung der
Spirituszen=
trale voll aufrechterhalten bleiben würde. Schon mit
Rückſicht auf die Spiritus verarbeitenden Induſtrien,
ins=
beſondere die Eſſiginduſtrie, müſſen Maßnahmen
getrof=
fen werden, dahingehend, daß die Spirituspreiſe keine
übertriebene Steigerung erfahren, wie dies bei der
An=
nahme der jetzigen Vorlage wahrſcheinlich der Fall ſein
würde. Man iſt in der Fraktion überzeugt davon, daß
die Verhandlungen über die Branntweinſteuerfrage ſich
ſehr ſchwierig geſtalten und eine geraume Zeit in
An=
ſpruch nehmen werden.”
— Die Verkehrseinnahmen dieutiſcher
Eiſenbahnen im März 1912 betrugen nach der im
Reichseiſenbahnamt aufgeſtellten Ueberſicht für alle
Bah=
nen im März 1912: Perſonenverkehr 63 360989 Mark,
gegen das Vorjahr mehr 5434212 Mark; Güterverkehr
168 829963 Mark, gegen das Vorjahr ein Mehr von
9695 463 Mark; für die Bahnen mit dem Rechnungsjahre
April bis März in der Zeit vom 1. April 1911 bis Ende
März 1912 im Perſonenverkehr 728356 234 Mark, gegen
das Vorjahr ein Mehr von 46 282810 Mark, im
Güter=
verkehr 1732785816 Mark, gegen das Vorjahr ein Mehr
von 139997605 Mark; für die Bahnen mit dem
Rech=
nungsjahre Januar bis Dezember in der Zeit vom
1. Januar 1912 bis Ende März 1912 im Perſonenverkehr
21575300 Mark, gegen das Vorjahr ein Mehr von
1816871 Mark und im Güterverkehr 50 180 917 Mark,
gegen das Vorjahr ein Mehr von 3 246994 Mark.
— Der preußiſch=ſüddeutſche
Lotterie=
vertrag. Zu dem preußiſch=ſüddeutſchen
Lotteriever=
trag nimmt das bayeriſche Zentrum neuerdings eine
an=
dere und zwar günſtigere Stellung ein, als bisher, ſo daß
jetzt die Annahme des Vertrags durch den Landtag doch
noch als wahrſcheinlich betrachtet werden darf. Das
neue Defizit von 4 Millionen im Staatshaushalt, ſowie
der zweifelhafte Erfolg der eigenen Staatslotteriesſind
mi
ie Haltung
geblie=
ben.
Weil der Liberalen
werd.
Hge ſtimmen.
e Partei
Würt=
tembe.
ein! Pſußerordentlichen
Ver=
tretertag ein.
einſtimmig an, worin das
Ver=
trauen ausgeſpaggird, daß die nationalliberale
Reichstagsfraktit
er bewährten Führung
Baſſer=
manns die durch (iz bewährte Haltung in
natio=
nalen Fragen einneh.
verde. Ferner wird bedauert,
daß die Erbſchaftsſteuer von der Regierung nicht wieder
eingebracht worden ſei und eine Verſtändigung mit dem
Reichsverband der nationalliberalen Jugend für
durch=
aus möglich erachtet.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.
zummer 95.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Der neue ungariſche Miniſterpräſſidenk
Dr. v. Lukacs, der in der vorigen Regierung das
Finanzminiſterium leitete, iſt, wie gemeldet, mit der
Bildung eines neuen Kabinetts beauftragt worden.
Da=
mit hat er eine undankbare Aufgabe übernommen, die
viel Geſchick und Vorſicht erfordert. Aus einer der vielen
in Siebenbürgen anſäſſigen adeligen Familien
armeni=
ſcher Abkunft ſtammend, widmete er ſich von Jugend auf
dem Studium wirtſchaftlicher Fragen und hatte ſchon
in jungen Jahren einen volkswirtſchaftlichen Lehrſtuhl
inne. Aus Geſundheitsrückſichten zog er ſich aber bald
nach ſeiner Vaterſtadt Zalatna zurück, wo er die Leitung
der Familienbergwerke übernahm. Er wurde
Abgeord=
neter, 1893 Staatsſekretär im Finanzminiſterium, und 2
Jahre ſpäter trat er ſelbſt an die Spitze dieſes
Mini=
ſteriums, das er volle zehn Jahre verwaltete. Nach
ſei=
nem Rücktritt 1905 tat er ſich als politiſcher Führer
her=
vör und wurde Ende 1909 mit der Bildung eines
Ka=
binetts betraut, doch ſchon am 11. Januar 1910 überließ
er dieſen ſchwierigen Auftrag, den er nicht erkedigen
konnte, dem Grafen Khuen, in deſſen Kabinett er wieder
die Finanzen übernahm. Damals war Lukacs, der jetzt
62 Jahre zählt, kaum acht Tage Miniſterpräſident.
Schweiz.
Die Todesſtrafe im neuen
ſchweizeri=
ſchen Strafrecht. Die eidgenöſſiſche Kommiſſion
für die Ausarbeitung des neuen ſchweizeriſchen
Straf=
rechtes beſchloß einſtimmig, die Todesſtrafe nicht in das
Geſetz ſelbſt aufzunehmen. Den Kantonen bleibt aber die
fakultative Anwendung der Todesſtrafe vorbehalten; jedes
Todesurteil iſt von Amts wegen der Begnadigungsinſtanz
vorzulegen.
Frankreich.
Die Kriegsflotte. Eine offizielle Miteilung
beſagt: Vom 1. Mai wird Admiral de Lapeyrére unter
ſeinem Befehl eine Kriegsflotte vereinigen, die aus 12
Panzerſchffen, darunter ſechs Dreadnoughts, einem
leich=
ten Geſchwader und ſechs großen Panzerkreuzern, 30
Tor=
pedojägern, 2 Sprengminenſchiffen, fünf großen
Angriffs=
unterſeebooten und einem Begleitkreuzer für Flugzeuge
und Unterſeeboote beſtehen wird. Unter dem Befehl
La=
peyrères werden dann zwei Vizeadmiräle, zwei
Kontre=
admiräle, ſowie 600 andere Offiziere und 18000 Mann
ſtehen. Es iſt dies das erſte Mal, daß in Frankreich eine
ſolche Streitmacht ſtändig einem Admiral anvertraut wird.
Zu den franzöſiſch=ſpaniſchen
Ver=
handlungen wird aus Madrid gemeldet: Der
Ver=
mittlungsvorſchlag Englands geht dahin, daß Spanien
an Frankreich ein großes Gebiet in Mergate abtreten
möge. Dafür ſoll Frankreich ſeine Anſprüche in der
Ge=
gend von Ifni vermindern.
Portugal.
Die Kolonien. Nach einer Liſſaboner Meldung
betont der Secolo, daß ſich die Lage in den überſeeiſchen
Beſitzungen Portugals ſeit Errichtung der Republik
un=
verkennbar verſchlimmert habe. Die Regierung vermöge
nicht, Ruhe und Ordnung in den Kolonien
aufrechtzuer=
halten.
Serbien.
Die Wahlen. Nach den Stichwahlen, bei denen
drei Regierungskandidaten, ein Jungradikaler, ein
Natio=
naliſt und zwei Fortſchrittler gewählt wurden, iſt die
Regierungspartei 83, die Oppoſitionspartei 82 Mandate
ſtark. Eine Nachwahl iſt erforderlich.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 23. April.
* Großh. Hoftheater. In der heutigen Vorſtellung
von Shakeſpeares Sommernachtstraum wird Herr
Hacker den „Lyſander” ſpielen, da Herr Baumeiſter
durch das plötzliche Hinſcheiden ſeiner Gattin, der auch
als Künſtlerin hochgeſchätzten Frau Gertrud
Bau=
meiſter=Felsegg, in Trauer verſetzt worden iſt.
In der Flotow=Gebächtnisfeier „Martha” wird der
lyriſche Tenor der Frankfurter Oper, Herr Robert
Hutt, ein Künſtler mit glänzenden Mitteln, den
„Lyonel” gaſtweiſe ſingen.
—g. Strafkammer. Der bereits mehrmals wegen
Be=
trugs vorbeſtrafte 43jähr. Maurer Nikolaus Schmidt aus
Ellar, hatte ſich geſtern abermals wegen zwei Betrugsfällen
vor der Strafkammer zu verantworten. Der Angeklagte
hatte im Herbſt vorigen Jahres in Rüſſelsheim in Arbeit
geſtanden, war aber trotz ausreichenden Verdienſtes
ſeinen Logisleuten das Mietsgeld für mehrere Wochen
ſchuldig geblieben. Außerdem borgte er ſich von ihnen noch
3 Mark. Sein Einkommen brachte er gewöhnlich in
ſchlech=
ter Geſellſchaft durch. Da ſeine letzten Vorſtrafen ziemlich
weit zurückliegen, wurden dem Angeklagten noch einmal
mildernde Umſtände zuerkannt. Er wurde zu 8 Monaten
Gefängnis verurteilt. Von der Unterſuchungshaft
kommen 1 Monat in Anrechnung. — Von einem
Bekann=
ten, der jedoch nicht zu ermitteln iſt, wollte der 33jährige
Knecht Jakob Philipp Gundinger aus Roxheim ein
Fahrrad als Sicherheit für eine Schuld von 4 Mark
er=
halten haben, das in der Nacht zum 23. Februar in
Büttel=
born durch Einſteigen aus einem Bauerngehöft geſtohlen
war. Zu einem bekannten Zeugen hatte er geäußert, er
hätte das Rad in Mainz geſtohlen. Die Verhältniſſe in
Büttelborn will er überhaupt nicht kennen, trotzdem er vor
einiger Zeit denſelben Zeugen zu einer Diebesfahrt nach
dorthin eingeladen hatte. Das Gericht kam angeſichts der
Tatſache, daß dieſer Diebſtahl genau ſo ausgeführt war,
wie mehrere andere, bei denen der Angeklagte ebenfalls
erſt den großen Unbekannten vorſchützte und nach der
Ver=
urteilung die Tat eingeſtand, auch diesmal zur Verurteilung
des Angeklagten. Unter Verſagung mildernder Umſtände
wurde er zu der geſetzlichen Mindeſtſtrafe, wegen ſchweren
Rückfallsdiebſtahls zu 2 Jahren Zuchthaus
ver=
urteilt, er nahm auch das Urteil ſofort an.
Provinzialausſchuß. Die Tagesordnung zur
Sitzung des Provinziglausſchuſſes der Provinz
Starken=
burg am Freitaa, den 26. April, vormittags 9½ Uhr,
lautet: Klage des Ortsarmenverbands Hanau gegen
den Ortsarmenverband Klein=Steinheim; Klage des
Ortsarmenverbands Groß=Gerau gegen den
Orts=
armenverband Wolfskehlen; Antrag der Großh.
Bürger=
meiſterei Heppenheim auf Beſtrafung von ſieben
Ge=
meinderatsmitgliedern wegen unentſchuldigten Verlaſſens
der Gemeinderatsſitzungen; desgleichen gegen fünf
Ge=
meinderatsmitglieder wegen Verſäumnis von
Gemeinde=
ratsſitzungen.
* Zur Eröffnungsfeier des neuen
Hauptbahn=
hofs am 28. April hat die Königl. Preußiſche und Großh.
Heſſiſche Eiſenbahndirektion Mainz folgende
Feſtord=
nung aufgeſtellt: 11 Uhr 30 Minuten vormittags
Verſammlung der geladenen Feſtgäſte in den
Fürſten=
räumen und auf dem 1. Bahnſteig des alten Main=
Neckarbahnhofs. 11 Uhr 38 Minuten vormittags von
da Fahrt der Feſtgäſte mit Sonderzug über die alten
nach den neuen Anlagen (Empfangsgebäude). Die
Ab=
fahrt des Sonderzuges liegt aus Betriebsgründen
un=
abänderlich feſt. 12 Uhr mittags Beginn der Feier in
der Schalterhalle des neuen Empfangsgebäudes unter
Mitwirkung des Mozartvereins und der Muſikkapelle
des Leibgarde=Infanterie=Regiments. a)
Geſangsvor=
trag: „O Schutzgeiſt alles Schönen” von Mozart;
b) Anſprache des Eiſenbahndirektionspräſidenten; e)
Ge=
ſangsvortrag: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehres
von Beethoven. Anſchließend Beſichtigung der
Neu=
bauten durch die Feſtgäſte. 1 Uhr nachmittags
Früh=
ſtück in dem Warteſaal 1. und 2. Klaſſe des neuen
Em=
pfangsgebäudes für die geladenen Feſtgäſte. Von 3 Uhr
nachmittags ab nochmalige Beſichtigung der Bahnanlagen
unter ſachverſtändiger Führung.
* Die Verkehrs=Einnahmen aus dem Perſonen= und
Güterverkehr betragen nach vorläufiger Feſtſtellung: 1. für
die Eiſenbahndirektionsbezirke Frankfurt a. M. und Mainz:
a) im Monat Februar 1912 9665000 Mark oder gegen
das Vorjahr mehr 831000 Mark — 9,40 Prozent, b) in der
Zeit vom Beginn des Rechnungsjahres 130887000 Mark
oder gegen das Vorjahr mehr 7631000 Mark — 6,19
Pro=
zent; 2. für die Preußiſch=Heſſiſche Eiſenbahngemeinſchaft:
a) im Monat Februar 1912 166 699000 Mark oder gegen
das Vorjahr mehr 20940000 Mark — 14,37 Prozent, b) in
der Zeit vom Beginn des Rechnungsjahres 2009599009s
Mark oder gegen das Vorjahr mehr 156264000 Mark
8,43 Prozent.
* Jugendfürſorge muß, wenn ſie Erfolg haben ſoll,
perſönliche Arbeit ſein. Junge Menſchen, die von dem
rechten Wege abgekommen ſind, werden für eine
Zurecht=
weiſung und Einwirkung nur dann zugänglich ſein,
wenn dieſe von einer Perſönlichkeit ausgeht, die ſich in
die perfönlichen und wirtſchaftlichen Verhältniſſe des
Ver=
irrten hineinzudenken weiß, ſeine pſychologiſche
Ent=
wickelung zu erkennen vermag und dann aus dem Schatz
ihrer Erfahrungen heraus ſie zu erziehen und zu
behan=
deln verſteht. Solche Arbeit vom Menſchen zum
Men=
ſchen kann natürlich eine behördliche Stelle für ſich allein
nicht üben; ſie muß ſich geeigneter Helfer und
Helferin=
nen bedienen. Gerade in unſerer Stadt hat man in
die=
ſer Beziehung ſchon einen kräftigen Schritt vorwärts
getan. Bei der Durchführung der Zwangserziehung, bei
der Schutzaufſicht gefährdeter Kinder und jugendlicher
Mädchen, bei der Jugendgerichtshilfe, bei der
Ueber=
wachung der Mündel der Berufsvormundſchamt, der
Wai=
ſen und Armenpflegekinder, überall wird die behördliche
Tätigkeit durch intenſive Mitarbeit zahlreicher
freiwilli=
ger Helfer und Helferinnen unterſtützt und ergänzt.
Immer wird es aber Fälle geben, in denen freiwillige
ehrenamtliche Arbeit allein nicht genügen kann, Fälle,
in denen der ſchwierigen Verhältniſſe wegen ſolchen
Helferinnen ein Eintreten ſchlechterdings nicht zugemutet
werden kann. Oefters wird es auch für die Verwaltung
bei der Durchführung der genannten Arbeit notwendig
ſein, ein Organ zur Hand zu haben, das auftragsweiſe
Feſtſtellungen und Aufklärungen bewirken und das die
Durchführung amtlicher Anordnungen überwachen kann.
Ein Analogon haben wir bereits in der Armenpflege;
die Arbeit der ehrenamtlicher Pfleger und Pflegerinnen
wird unterſtützt und ergänzt durch beamtete
Armenauf=
ſeher. Auch in der Jugendfürſorge wird demnächſt für
die weibliche Jugend eine Berufsarbeiterin den
freiwilligen Helferinnen zur Seite treten. Die
Stadt=
verordneten=Verſammlung hat die Annahme einer
Für=
ſorge=Dame bereits beſchloſſen. Nicht zu
polizei=
lichen Ueberwachungen und Zwangsfunktionen, ſowie zu
Strafverfolgungszwecken ſoll ſie herangezogen werden,
nur fürſorgliche Arbeit im Geſchäftsbereich des ſtädtiſchs;
Pflegeamts — dem ſie auch zugeteilt werden wird
iſt ihr zugedacht. Ihre Aufgabe wird da beginnen, wd
die polizeiliche Tätigkeit aufhört oder für dieſe noch
keine Veranlaſſung zum Einſchreiten beſteht. — Für
die Stelle iſt Fräulein Anna Gradwohl in
Ausſicht genommen, die ihren Dienſt am 1. Mai antreten.
wird. Ihre Wahl verdankt dieſe Dame ausſchließlich
der Tatſache, daß ſie auf den verſchiedenſten Gebieten
der öffentlichen Fürſorge ſchon mit bemerkenswertem
Erfolg tätig geweſen iſt und reichlich Gelegenheit gehabt
hat, ſich über die umfangreichen und ſchwierigen
Ar=
beiten, die ihrer auch hier harren, zu orientieren, — ein
Umſtand, auf den um ſo mehr Rückſicht genommen
wer=
den mußte, als es ſich im vorliegenden Falle um
die erſtmalige Beſetzung einer derartigen Stelle handelt.
Ein heiſiſcher Dichter!
Von Dr. Hermann Bräuning=Oktavio.
Im Sommer des vergangenen Jahres kam ich auf
meinen Fahrten und Wanderungen durch den Odenwald
einmal gegen Spätnachmittag von Nieder=Ramſtadt durch
einen Hohlweg, an einer Fabrik vorbei auf die
Land=
ſtraße nach Nieder=Beerbach. Die Sonne brannte und in
der drückend heißen Luft wars ſtill; von Nieder=Beerbach
fang langſam im Takt ein Schmiedehammer ſein
eintöni=
ges Lied entgegen. Nichts rührte ſich ſonſt; Bauernkinder
lagen am Hang eines Obſtbaumſtücks — träge und müde,
und Hühner hatten ſich im Staub der Goſſen eingeſcharrt.
Ste regten ſich nicht, als ich vorüberfuhr.
Hinter dem Dorf ſteigt der Weg langſam an; ich ſtieg
vom Rade und ſchielte durſtig nach den Kirſchen. Die
hingen hoch und ſchauten verlockend herunter; das Rad
anſtellen an einen Baum, eins, zwei, drei oben und
doch das geſchah nur in Gedanken; denn an der nächſten
Wegebiegung, die meine Raubgelüſte verbergen ſollte,
lehnte friedlich eine Leiter und zwiſchen den Blättern
und Kirſchen hindurch lachten mir zwei Augen ſchelmiſch
zu. Zu zwei blauen Augen gehören auch zwei rote
Wan=
gen, zwei Lippen und ein kleines, klopfendes Herz
aber keine Kirſchen, umſonſt!
Langſam ſchob ich das Rad weiter und kam
allmäh=
lich zur Höhe, kurz vor Ober=Beerbach; dort oben hat man
einen wunderbaren Ausblick nach Weſten zu. Wie
gran=
dios ragten weiter drüben die Höhen, hinter denen
See=
heim und Jugenheim liegen mußten, die Wälder hinein
in das unendliche Flimmern und Strahlen.Worte
faſſens nicht.
Plötzlich ſchießt um eine Wegbiegung ein Kraftwagen
wirbelt vorbei und im Nu iſt alles in eine
undurchdring=
liche Staubwolke gehüllt. Kaum habe ich ihm den erſten
derben Kraftausdruck, wie ſie mir von meiner Goethe=Merck=
Bekanntſchaft her recht geläufig ſind, und mit denen ich
bei mir ſelbſt eine gefahrloſe Gefühlsentladung
herbei=
führe, nachgejagt, da ſchlägt hinter mir jemand eine
gellende Lache an, ein Lachen, das nachzittert von Wut,
Verzweiflung und Hohn und mich ſchaudern macht. Ich
drehe mich um und ſehe am andern Abhang der Straße,
wo ſich Wieſen und Aecker langſam hinunter ins Tal
verlieren, einen Menſchen in aufgeſtragenen; ſchlechten
Kleidern; ich ſehe zuerſt nur den Rücken, denn, längs
hin=
geſtreckt, ſtarrt er nach der Richtung, die der Kraftwagen
genommen. Er lacht noch zwei=, dreimal, dann wendet er
den Kopf langſam mir zu; aus einem fahlen Geſicht mit
markanten Zügen ſchauen mich zwei tiefblaue Augen an.
Augen des Kranken, Augen des Dichters! Noch ſagte er
nichts, aber aus ſeinen Augen da ſprach Verzweiflung,
Haß und verwehte Leidenſchaft; da flackerte es ſeltſam
darin auf. Augen des Wahnſinns ſahen mich an.
Langſam nickte er mit dem Kopf und ſprach mit einer
Stimme, die jeden Augenblick in ein heiſeres Lachen
über=
zuſpringen drohte: „Dreck . ſo iſt das ganze Leben!”
Und nun kam nach und nach Leben in dies verfallene
Ge=
ſicht, in den Augen blitzte Zorn und der Körper dehnte
und ſpannte ſich; Haß und Wut, Verzweiflung und Groll
jagten ſich in wilden Flüchen. Da ſchrie einer ſein Leid,
ſeine Schmerzen hinein in die endlos weite Welt, da
krampfte einer die welken Hände, zerrte an des Geſchickes
Strängen, fluchte Schickſal, Gott und Menſchen, an deren
Ruhe ſein Lebensſchiff zerſchellt oder ſich in die Irre
ver=
loren hatte. Er ſchrie, doch keiner erhörte ihn! Da packte
er ein Buch, das im Graſe neben ihm gelegen, ſprang
mich an und hielt mir vergilbte Blätter unter die Naſe.
„Ja, das bin ich — ich! Das ſchreibt man von mir, und
wenn auch Goethe miauzt, das bin ich — — — Kleiſt!“
Aus Vilmars Literaturgeſchichte waren es Blätter,
zer=
leſen, loſe und ungeordnet; jeden Satz, der von ſeinem
Ruhmg, ſeiner Größe zeugte, ſchrie er mir wie ein
Ver=
zweifelter ins Ohr. Dabei ſah er mich, als lauere
darauf, daß ich zweifelnd ihm entgegnen möchte; doch mich
ergriffen Wort und Blick, ich nickte nur und ſchwieg, da
mich das Gräßliche ſeines Geſchicks, das ich zu ahnen
be=
gann, ſchier erdrückte. Er hielt mich feit und ſprang an
Stel=
len des Buches, wo er behauptete, in meinen Mienen Zweifel
zu leſen, auf ſeine Lebensgeſchichte über und entrollte
Bilder, halb Mär, halb Mehr! Was er da erzählte, das
konnte er doch gar nicht erlebt haben; das gehörte doch
aber einer ganz anderen Zeit an . . . und doch zwang er
mich wieder, ihm zu lauſchen, denn zwiſchen all den
Ge=
ſchichten, die da um 1800 ſpielten, jagte ſein Leid, ſein
Schmerz, ſprach Einer, der nur ſelbſt grenzenloſes Elend
erfahren, deſſen dichtende Seele durch Schmutz und Kot
geſchleift war, ſich auflehnte, noch einmal aufflackerte vor
dem Zuſammenbruch. „Ja, glauben Sie mir” ſagte er
ganz unvermittelt bei einer Stelle, „ich habe es dem Groß=
herzog in Frankfurt?) geraten, ich habe ihn darum
ge=
fleht, ſich auch der Dichtkunſt anzunehmen. Er allein könne
und hätte alle, die was taugten, berufen können! Das
hätte Leben gegeben, Anregungen und tauſendfältigen
Segen für Kunſt. Wiſſenſchaft und Induſtrie. Alle Gros
ßen, geiſtig Großen, alle die Großes wollen, nur einmal
um ihn verſammelt, Herre, das hätte ein Schaffen, ein
Glück werden können! . . aber ſo . . . gelacht hat er!
Phantaſt, Schwärmer haben die anderen mich geſcholten
und was bin ich nun? Verhungert, verlottert,
aufgerie=
ben und abgerackert ein Lump, ein Nichts! Plötzlich
— er hatte die letzten Worte mit Mühe, abgeriſſen
heraus=
geſchleudert — war es, als ſchüttele ihn ein Krampf, er
zerrte an ſeinem Hals, ein krampfartiger Huſten riß
ſei=
nen Körper zuſammen und, Blut ſpeiend, ſiel er am
Rain nieder.
Was ich tat, weiß ich nicht mehr genau; ſo viel
weiß=
ich noch, daß ich, da die Zuckungen bald aufhörten, raſch
ins Dorf fuhr, Leute holte, die den Halbtoten in das erſte
Gaſthaus brachten. Was aber weiter tun? Ich hatte
damals keinen Pfennig in der Taſche, da fiel mir ein juns
ger Pfarrer im Nachbardorfe ein, den ich von meiner
Gymnaſiaſtenzeit her kannte. Ich durfte hoffen, daß er
jetzt, obwohl ich ihn jahrelang nicht geſprochen hatte,
kom=
men und helfen werde; hilfsbereit war er bald zur Stelle
und ließ den Kranken ins Pfarrhaus ſchaffen. Doch alle=
Pflege und alles Sorgen war umſonſt; der Fremde hatte
noch wirres, unverſtändliches Zeug gelallt und war noch,
ehe der herbeigerufene Arzt im Auto ankam, für immer
geendet.
Spät abends fuhr ich nach Hauſe und neben mir
tanzten Schatten, huſchten über den Weg und ſummten
geſpenſtige Lieder. Ueber den Bergen wetterleuchtete es
und neben mir murmelte der Bach, bald näher, bald
ent=
fernter. Raſch flogen die Bäume und
Telegraphenſtan=
gen vorüber, und der Schein der Laterne ließ immer neue
Schatten in arotesken, abgeriſſenen Formen an mir
vor=
beiſtreifen. Aber in dem Auf und Ab dieſer nächtlichen
Fahrt verfolgte mich unabläſſig das Bild des Toten. Da
hatte ich Einen kurz vor dem Ende noch kennen gelernt,
*) Dem Zuſammenhang nach kann nur der
Kurerz=
kanzler Karl Theodor von Dalberg, von 16./2. 1810 bis
30./9. 1813 Großherzog von Frankfurt, gemeint ſein.
Nur= P 95₰
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.
Seite 3.
oezirkskaſſe Darmſtadt. Wegen der verſpäteten
Zuſtellung der Steuerzettel für 1912 in der Stadt
Darm=
ſtadt iſt die Mahnfriſt für das erſte Steuerziel bis
zum 6. Mai ds. Js. erſtreckt worden. Es können deshalb
die Steuerbeträge pro 1912, ſowie die
Gewerbeſcheinſtem=
pel bis einſchließlich 4. Mai an allen Wochentagen
inner=
halb der Zahlſtunden bei der Bezirkskaſſe Darmſtadt,
Lindenhofſtraße 15, ohne Mahngebühr bezahlt werden.
Am 26. und 27. April iſt wegen Erſtreckung der Mahnfriſt
das Bureau für den Verkehr des Publikums geöffnet,
während es am 6. und 7. Mai geſchloſſen bleibt.
A Ausgabe der Staatsſteuerzettel. Dermalen
findet die Ausgabe der ſtaatlichen Steuerzettel für das
am 1. ds. Mts. begonnene neue Steuerjahr ſtatt. Die
Staatliche direkte Steuer zerfällt bekanntlich in die
Ein=
kommen= und die Vermögensſteuer. Beide Steuerarten
werden nach beſtimmten Sätzen erhoben, die diesmal
gegen das Vorjahr eine Veränderung nicht erlitten
haben. Mit der ſtaatlichen Steuer werden auch die
Landeskirchenſteuern für die evangeliſche und die
katho=
tliſche Landeskirche erhoben, und zwar in Form von
Zu=
ſſchlagsprozenten. Auch dieſe Ausſchläge, 12% für die
levangeliſche und 5½ % für die katholiſche Kirche, haben
gegen das Vorjahr eine Veränderung nicht erlitten.
Wer alſo in ſeinem diesjährigen Steuerzettel eine
Aenderung gegen das Vorjahr findet, der merke ſich,
daß dieſe nicht in einer Veränderung der
Ausſchlags=
normen begründet iſt, ſondern in Aenderungen der
Ein=
lkommens= und Vermögensverhältniſſe des
Steuer=
pflichtigen ſelbſt geſucht werden muß.
A. K. Flotow=Feier. Wie ſchon an dieſer Skelle
berichtet, findet kommenden Freitag, den 26. April, um
11 Uhr auf dem hieſigen Friedhof eine Feier zur 100.
Wiederkehr des Geburtstages Friedrich von Flotows
an deſſen ſchönem, durch die Stadt geſchmückten Denkmal
ſtatt. Eingeleitet wird die Feier durch die Kapelle des
Großh. Leibgarde=Regiments Nr. 115 mit dem Vortrag
der Beethovenſchen Hymne „Die Himmel rühmen des
Ewigen Ehre”, unter Leitung des Herrn
Obermuſikmei=
ſters Hauske. Hierauf folgt Anſprache des Herrn
Bürgermeiſters Rudolf Mueller, an die ſich der
Vor=
trag einer die Bedeutung des Tages feiernden Dichtung
von Karl Schäfer durch Herrn Stadtſekretär Georg
Jöckel anſchließt. Mit dem Gebet aus „Indra” von
Friedrich von Flotow durch obengenannte Kapelle ſchließt
alsdann die Gedenkfeier. — Das Großh. Hoftheater
be=
geht dieſelbe durch eine am Vorabend ſtattfindende
Auf=
fführung von Flotows populärſter Oper „Martha”.
* Flugveranſtaltungen in Darmſtadt. Die
Arbeits=
rausſchüſſe für die Flugveranſtaltungen in Darmſtadt
haben nunmehr ihre regſte Tätigkeit entfaltet, um die für
Darmſtadt gelegentlich des 2. Oberrheiniſchen
Zuverläſ=
iſigkeitsfluges vorgeſehenen und jetzt — die finanzielle
Sicherſtellung vorausgeſetzt — auch feſtſtehenden
Veranſtaltungen vorzubereiten. Es ſind dies vor allem
um=
fangreiche Schauflüge, deren Hauptdarbietung die
intereſſante Konkurrenz um den gleichzeitig kürzeſten und
fſchnellſten Abflug bilden wird. Dieſer Wettbewerb iſt in
gleicher Form bisher noch in keiner Stadt zum Austrag
gebracht worden. Er wird das ſeltene Schauſpiel eines
gleichzeitigen Starts von mindeſtens acht,
jedenfalls aber noch mehr, Fliegern bringen. Dann ſind
Landungen und Paſſagierfahrten der „Viktoria
Luiſe” oder „Schwaben” zu organiſieren. Die
Lan=
dung eines Zeppelin=Schiffes iſt für Darmſtadt nunmehr
geſichertt. In Verbindung damit werden für unſere
Re=
ſidenzler Paſſagierflüge zu bedeutend
er=
mäßigten Preiſen ſtattfinden. Vorausſetzung
da=
bei iſt jedoch eine entſprechende Beteiligung. Doch iſt
wohl ſicher anzunehmen, daß ſich in Darmſtadt bei dem
regen Intereſſe, das man der Luftfahrt hier
entgegen=
bringt, die genügende Anzahl Teilnehmer — etwa 40
finden werden. Nähere Mitteilungen darüber folgen.
Anmeldungen ſind für ſämtliche genannten Fahrten und
Veranſtaltungen zu richten an die Geſchäftsſtelle der
Heſſiſchen Flugſtudiengeſellſchaft,
Rhein=
ſſtraße Nr. 14 (Telefon 2536). Aus alledem geht hervor, daß
ſdie Leitung der Veranſtaltung in Darmſtadt keine Mühe
ſſcheut, reichhaltige und erſtklaſſige luftſportliche
Darbiet=
ungen zu verſchaffen. An dem Publikum wird es nun ſein
durch zahlreiches Erſcheinen die Veranſtaltung, die große
Koſten verurſacht, zu unterſtützen, vor allem aber durch
Beiträge zu dem unbedingt
notwendi=
igen Fonds die ganze Veranſtaltung ſichern zu
helfen. Viele Wenige geben ein Viel. Bereitwilligſt
haben ſich wieder zahlreiche Studierende zur Verfügung
geſtellt, um eine rege Sammeltätigkeit zu entfalten. Es
darf gehofft werden, daß ſie vollen Erfolg bringt.
* Sängercher des Lehrervereins. Es ſei hiermit
nochmals auf die hervorragende Künſtlerin aufmerkſam
gemacht, welche in dem Freitag, den 26. April,
ſtattfindenden Konzert zum zweiten Male in unſerer
Stadt auftreten wird. Frau Fredrich=Höttges
aus Berlin hat ſich bei ihrem erſten Erſcheinen eine
be=
geiſterte Gemeinde geſchaffen, die ihrem demnächſtigen
Auftreten mit freudiger Erwartung entgegenſieht.
Welchen Eindruck die Künſtlerin damals zurückließ,
brachte das Tagblatt mit folgenden Worten zum
Aus=
druck: „Mit der Gewinnung der Soliſtin hatte der
Verein eine außerordentlich glückliche Hand, Frau
Fredrich=Höttges bereitete ihren Hörern einen reinen
Kunſtgenuß, der von Lied zu Lied ſich ſteigerte. Die
umfangreiche, prächtige Altſtimme der Künſtlerin iſt
von ungemein ſympathiſchem Wohlklang und von einem
wunderſam weichen Timbre. In der zarten, faſt
hin=
gehauchten Stelle: „Gib deine Hand” aus „Der Tod
und das Mädchen”, war es, als ob angeſchlagenes
Bronzegeläute leiſe verklingt. Zu der brillanten
Ge=
ſangstechnik und der frappierenden Reinheit geſellte ſich
eine Innigkeit des Vortrags, die auch dem Textgehalt
der Dichtung vollauf gerecht wurde.” Näheres über das
Programm iſt zu erſehen aus der Konzert=Anzeige in
der heutigen Nummer.
* Handelsverein. Die diesjährige Haupt
ver=
ſammlung findet am Freitag, den 26. April, abends
8½ Uhr, im „Kaiſerſaal” (Lokal des Kaufmänniſchen
Vereins) ſtatt, worauf die Mitglieder hiermit
aufmerk=
ſam gemacht werden.
* Verein der Detailliſten von Darmſtadt. In
der heute Dienstag abend 9 Uhr im „Kaiſerſaal”
ſtatt=
findenden Hauptverſammlung wird der
Vor=
ſitzende, Herr W. Kalbfuß, über: „Die unlauteren
Wett=
bewerbsfälle und die Darmſtädter Staatsanwaltſchaft”
ſprechen. Redner hat durch ſeine jahrelange praktiſche
Arbeit auf dem Gebiete des unlauteren Wettbewerbs
reiche Erfahrungen geſammelt, ſo daß man ſeinen
Aus=
führungen mit größtem Intereſſe entgegenſieht. Den
Mitgliedern iſt hierbei auch Gelegenheit gegeben, ſich
von der intenſiven Arbeit des Vorſtandes auf dieſem
Gebiete zu überzeugen.
* Die Mitglieder des Vereins für Verbreitung
von Volksbildung genießen Preisermäßigung für das
Konzert des Darmſtädter Lehrer=Sängerchors am
26. d. M. (Näh. ſ. Anzeige.)
S. Turngemeinde Beſſungen. Am Samstag hielt die
Turngemeinde Beſſungen in ihrem Vereinshauſe ihre
Hauptverſammlung ab. Pünktlich um 9 Uhr
er=
öffnete der 1. Sprecher, Herr Profeſſor R. Kiſſinger,
die Verſammlung und gab einen Rückblick auf das
abge=
laufene Jahr, das im allgemeinen einen ruhigen
Ge=
ſchäftsgang hatte. Es bedingt dies beſonders die gut
geregelte Finanzwirtſchaft, welche die Möglichkeit gibt,
daß die Laſten ſtets geringer, und in abſehbarer Zeit das
Anweſen freies Eigentum der Gemeinde ſein wird.
Ehrend gedachte der 1. Sprecher auch der verſtorbenen
zwei Mitglieder, zu deren Andenken die Verſammlung
ſich erhob. Nach den Berichten der=Vertreter des
Vor=
ſtandes und der einzelnen Ausſchüſſe waren die
Leiſtun=
gen der Turnmannſchaft wieder ganz hervorragend gute,
und ſind Kreis= und Gaufeſt mit Erfolg und
Auszeich=
nung beſucht worden; hierbei bedauerte der Turnwart
nur den Mangel an Turnern und Vorturnern in
mittle=
ren Jahren, dagegen war der Zugang an Zöglingen
ganz beſonders ſtark und erfreulich, woran die
Einführ=
ung der Spielabteilung in der Turngemeinde mit Urſache
iſt. Die Damen=Abteilung erfreut ſich ſehr reger
Beteilig=
ung und ſteten Zuwachſes; auch das Schülerturnen hat
rege Teilnahme aufzuweiſen. Es iſt immer eine Freude,
den Ernſt und Eifer der Buben zu ſehen. Die Ueberſicht
über die Rechnung und den Voranſchlag laſſen, wie
ge=
wohnt, die gute fachmänniſche Bearbeitung erkennen.
Das Jahr hat wieder mit einem kleinen Ueberſchuß
ab=
geſchloſſen und einige Hausanteilſcheine konnten zur
Rück=
zahlung ausgeloſt werden. Hierauf fand durch den erſten
Sprecher in der üblichen würdigen Weiſe die
Ueberreich=
ung von Ehrentafeln für 25jährige Mitgliedſchaft an die
Turner Heinrich Berth, Jakob Heymann, Heinrich
Karn und Franz Schulzſtatt, wobei der erſte Sprecher
der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Mitgliedſchaft in der
Gemeinde noch recht lange dauern möge. Gleichzeitig gab
der erſte Sprecher auch den von dem Ausſchuß der
Deut=
ſchen Turnerſchaft eingeſandten Ehrenbrief für den
Ehren=
vorſitzenden der Gemeinde, Herrn Stadtverordneten L.
Ph. Wittmann, bekannt. Da Herr Wittmann jedoch
krankheitshalber am Erſcheinen verhindert war, ſo konnte
derſelbe nicht überreicht werden. In der nun folgenden
Wahl des Vorſtandes und der Ausſchüſſe wurden die
bei=
den Sprecher und ſehr bewährten langjährigen Leiter der
Turngemeinde, Herr Profeſſor R. Kiſſinger und Herr
Karl Darmſtädter, einſtimmig wiedergewählt. Dem
lang=
jährigen Rechner, Herrn Wilh. Wenchel, war es leider
durch Ueberbürdung nicht mehr möglich, das Amt
weiter=
zuführen. Es iſt an dieſe Stelle Herr Emil Bracher
ge=
wählt worden. Alle übrigen Aemter kamen wieder in
beſte Hände. Der erſte Sprecher dankte nun allen
erſchie=
nenen Mitgliedern, gab ſeiner Freude über den guten
und ſachlichen Verlauf der Verhandlungen Ausdruck und
ſchloß mit einem „Gut Heil!” auf das Gedeihen der
Turn=
gemeinde Beſſungen, die immer eine gute Stätte für
Ju=
genderziehung und die Pflege für Geiſt und Körperkraft
bleiben möchte, die Hauptverſammlung.
§ Schutzmannsſchule. An der gemeinſamen
Schutz=
mannsſchule für das Großherzogtum Heſſen hat am
Montag vormittag der diesjährige
Frühjahrslehr=
gang hier im Polizeiamtsgebäude begonnen. Es
iſt dies ſeit Beſtehen der Schule der 15. Lehrgang. An
demſelben nehmen teil: drei Schutzleute aus Mainz, drei
aus Worms, zwei aus Darmſtadt, je ein Schutzmann
aus Bensheim und Gießen, ſowie ein
Schutzmanns=
anwärter aus Gießen, zuſammen 11 Mann.
* Odenwaldklub. Der Frühling iſt da! Kein
Wun=
der alſo, wenn ſich die geſtrige Wanderung der hieſigen
Ortsgruppe beſonders reger Teilnahme erfreute. Sie
führte — unter vortrefflicher Leitung der Herren
Zent=
ner und Klump — von Weinheim aus durch die neuen
Anlagen des dortigen Verkehrsvereins über den
Geiers=
berg nach Ober=Flockenbach. Anfänglich bot dieſer Teil
der Tour prächtige Ausblicke nach Weinheim und nach dem
Rhein. Dann ging es, immer auf der Höhe, durch
zau=
bervolle Waldpfade nach dem Orte der Frühſtücksraſt. Das
Gaſthaus zur Roſe bewirtete die Wanderer aufs beſte.
Nach einſtündiger Pauſe wurde die Wanderung
fortge=
ſetzt. Sie führte auf den Eichelberg mit der im letzten
Jahre neu erbauten Schutzhütte der Ortsgruppe
Mann=
heim. Die herrliche Fernſicht, die ſich von hier aus den
Augen der Wandersleute erſchloß, lohnte die Mühe des
Aufſtieges überreichlich. Prächtige Waldwege, Ausblicke
von ſeltenſter Schönheit, das lieblichſte Grün der
Flu=
ren, unterbrochen von dem leuchtenden Geld blühenden
Rapſes, ſorgten für Abwechſelung und ließen den Weg
nach Heiligkreuzſteinach nicht lang werden. Hier wurde
im Gaſthaus „Zum roten Löwen” kurze Einkehr
gehal=
ten. Bald war das Ulfenbachtal und das Trommgebiet
erreicht. Schon grüßte in der Ferne das Schloß von
Hirſchhorn. Nach kurzer Zeit war das Ziel ſichtbar. Man
traf dort kurz nach 4 Uhr ein und ließ ſich im „
Natura=
liſten” das Mittageſſen beſtens munden. Fröhlich
plau=
dernd und muntere Lieder ſingend, zogen die luſtigen
Geſellen dann heimwärts.
* Vogelsberger Höhenklub, Zweigverein
Darm=
ſtadt. Zur erſten Wanderung im neuen Jahre
hatten ſich die Klubgenoſſen zahlreicher als je
eingefunden: Die Teilnehmerliſte wies 68 Namen auf.
Und wenn etwa jemand befürchtet hätte, daß infolge
dieſer ſtarken Beteiligung die Gemütlichkeit verſchwinden
würde, ſo würde er eines beſſeren belehrt worden ſein
denn die Wanderung verlief ſo genußreich, daß die
all=
gemeine Anſicht war, es ſei noch nie ſo ſchön geweſen.
Der Weg führte von Langen über Dreieichenhain und
Grafenbruch nach Offenbach, wo mit dem dortigen
Bruderverein noch einige gemütliche Stunden verlebt
wurden.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer
Expedition (Rheinſtr. 23) ſind von heute ab folgende
Bilder von dem untergegangenen Rieſendampfer „Titanic”
ausgeſtellt: Eine Frontanſicht des Dampfers, die
Turn=
halle an Bord und eine Luxus=Schlafkabine, ferner
Photographien bekannter Perſönlichkeiten, die bei dem
Unfall umgekommen ſind; ein im Ozean ſchwimmender
Eisberg.
* Opern=Abend im Hotel „Heß”. Wie bereits
mitgeteilt, findet heute Dienstag, wieder ein Opern=
Abend ſtatt. An dieſem Abend wird unter anderem
„Chor der Friedensboten” (Rienzi) von Richard Wagner,
„Butterfly” (große Fantaſie) von Puccini geſpielt und
die „Reverie” von Vieuxtemps (Violin=Solo) von Herrn
Kupellmeiſter Otto zum Vortrag gebracht werden.
Ludwigshöhe. Morgen Mittwoch verabſchiedet
ſich die Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61
auf einige Wochen, um dem Regiment nach der Senne
bei Paderborn zu folgen. Das Programm wird
viel=
gehegte Wünſche erfüllen und für jeden etwas bringen.
der ſich im Leben aufgerieben, geopfert hatte um ein
Ideal, eine Hoffnung; die Menſchen hatten ihn zerbrochen,
hinaus ins Elend gejagt und dort war er als Lump auf
der Landſtraße ver--, geſtorben. Wer war es? Wie hieß
er? Nichts gab darauf Antwort; kein Papier, kein Buch,
nichts. Ich beſaß von ihm nichts als ein paar Blätter,
Hefte, die er mir beim raſchen Sprechen aufgedrängt
hatte. — „Leſen Sie!‟ — Das war alles! Nur ſo viel
hatte ich aus ſeinen wirren Reden, aus ſeinem Hinweis
auf die Literaturgeſchichte, daß er an der Idee litt, als
ſei er Kleiſt, der Dichter Heinrich von Kleiſt. Er hatte
ſich, vielleicht in ſeinen Jünglingsjahren, vielleicht auch
auf der Schule, mit Kleiſts Leben vertraut gemacht; er
brachte manche Epiſode, manche Brieferzählung vor, die
mir von meinen Studien her geläufig war. Dazu miſchte
er, ob bewußt, kann ich nicht ſagen, früheres und
ſpä=
teres zu und flocht darein, was in ihm an menſchlichem
und dichteriſchem Erleben aufgeſpeichert war. Im ganzen
aber ſchien der kranke Körper von der fixen Idee
be=
herrſcht, er ſei Kleiſt; vielleicht hatte er ſich aus
Verzweif=
lung darüber, daß man ihn niedergetreten, ſein
Dichter=
leben zermalmt hatte, daran geklammert und ſich noch
einige Jahre elend und verkommen dahingeſchleppt. Nun
war er tot und kein Papier kündete ſeinen Namen. Zuerſt
dachte ich an den in Amerika verſchollenen heſſiſchen
Dich=
ter Friedrich Wilhelm Jeckel aus Büdingen; doch bald
mußte ich erkennen, daß er, nach dem Alter des Toten,
Jeckel nicht ſein könne.
Mam hatte trotz eifrigem Suchen bei dem Toten nichts
finden khnnen; erſt einige Tage nachher hatte man am
Waldrande neben einer friſchen Feuerſtätte einige Fetzen
von Blättern gefunden, die aus Vilmars
Literatur=
geſchichte ſtammten. Danach war leicht zu ermeſſen, daß der
Fremde, her doch Papiere gehabt haben mußte, dieſe
wahrſcheinſich, abſichtlich oder nicht, verbrannt hatte. So
ging wiedehr Einer dahin, in der Reihe der Namenloſen,
der verdienſte, daß ſein Name gedauert hätte oder doch
wenigſtens ſin Heſſen nicht unbekannt geblieben wäre.
Denn ſo viſel iſt aus ſeinen Anſpielungen und Stellen
fſeiner Dichtſungen zu entnehmen, daß ſeine Eltern aus
kten; ſeine Mutter verlor er in früheſter Kind=
Heſſen ſtamnzn
beit und ginsg ſpäter davon, vertrieben wohl durch eine
Stiefmutter. In einem frühen Gedicht „An die
Na=
tur” heißt es einmal:
„Fahr hin, o armes Menſchenleben,
Ein Wahn klingt mir dein Glück!
Ich zagte nicht, mein Los aus deiner Urn zu nehmen,
Verwaiſt und gottverlaſſen bin ich, nimm’s zurück.”
Ich möchte im folgenden einige Proben der mir
vorliegenden Gedichte geben. Sie können gewiß nicht alle
als nach Form und Inhalt durchaus vollendete
Schöpf=
ungen gelten; doch fällt durch ſie, die wohl zum größten
Teil ſeiner Jugendperiode angehören, ohne daß an ſie
die letzte Feile gelegt worden wäre, mancher Lichtſtrahl
auf das Leben eines Menſchen, der, durch unglückliche
Lebensumſtände von ſeinem Wege vertrieben, allmählich
der Not des Lebens und ſeinem ehrlichen Haß gegen die
Menſchen erlag. — Da ihn ſein Lebensgang hinderte,
ſelbſt zu geſtalten, Bleibendes zu ſchaffen, ſpann ſich ſein
kranker Sinn in die Gefühls= und Schaffenswelt eines
anderen hinein, der mit ihm vielleicht das gemeinſam
hatte, ſich an den Menſchen aufgerieben zu haben — mit
Heinrich von Kleiſt. Beginnen möcht’ ich mit einem
Ge=
dicht, das uns die Verfaſſung ſeines Schöpfers und
ſei=
nen kranken Sinn deutlich zum Ausdruck bringt:
Beſtimmung.
„Auf meiner Stirne ſteht der Schmerz geſchrieben,
Aus meinen Augen leuchtet nur das Weh;
Auf meinen Wangen ſpielt nur bleiches Zehren,
Und meine Lippen küßt nur bittres Leid!
Doch manchmal ſtreiften lichte Locken,
Von leichtem, lindem Süd geweht,
Wie Friedensklang verklungner Glocken
Die Wangen und die kranke Stirn.
Doch wie im Wind verklingen Glocken,
Wohl über Berg und Tal weit fort,
So mahnten, mich ſtreichelnd, die Locken
An junger Liebe trautes Wort!
Und immer ſteht’s wie einſt geſchrieben:
Dir iſt nur Schmerz und Leid beſchieden;
Das Glück hat deine Bruſt gemieden
Und dich, dich kann der Tod nur lieben.”
Schickſal.
Ich bin ſo einſam, ganz verlaſſen,
In weiter Welt allein;
Mit wirrem Blick irr ich durch Gaſſen:
Das Glück iſt nicht mehr mein!
Ich möcht’ im ſtillen manchmal weinen,
Um Liebe guter Frau’n.
Sagt Augen, die ſo ſeltſam ſcheinen,
Darf ich euch nie vertrau’n?
Die Frau am Fenſter.
Ihr Köpfchen lag in der weißen Hand
Und träumt heraus in die Nacht;
Ein Sehnen drängt nach fernem Land,
Wo Stern an Sternlein wacht.
In frohe Mädchenjahre ſie ſchweifte,
Als ſie zum Erſtenmal nach Hauſe gekommen
Ein Ahnen die Wangen roſig ſtreifte
Und fragte, was Liebe, was Liebe?
Dann eine Nacht — ſtill auf der Raſenbank,
Fern Kleiderrauſchen, ſchwere Luft von Staub und
Stimmen
Als ſie, als er in heißen Armen Liebe trank.
Drinn ſummt den Walzerſchritt der Baß und brummt.
Oft hört ſie noch verirrter Walzertakt,
Spürt manchmal noch die Ballſaalluft;
Doch daß ein Mann gefleht, ſie toll gepackt
Im Augenglüh’n, in Sommerſchwüle — das war.
Vielleicht kann ich ſpäter an anderer Stelle einige
Stücke mehr, vielleicht auch etwas aus den
Proſadicht=
ungen geben; hier mögen dieſe für den Namenloſen
zeugen.
Wenn die Menſchen einander hadern, dann möchte ich
ſie hinausführen, wo die großen Toten liegen, die ſie
.. laſſen, da hinaus! Da
haben verhungern, verr
würde gar mancher an ſeine Bruſt ſchlagen und
verſtum=
men ob ſeinem Dünkel, ſeiner Moral, der es ein Labſal,
Unverſtandenes zu verurteilen, zu verlachen, in den
Staub zu treten, zu zetern über Menſchen, die — trotz
Hunger und Elend — als ein ganzes Jahrhundert von
Wohlgenährtheit und Moraliſchkeit!
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.
Numiger 95.
Während der Abweſenheit der Kapelle werden die
Mitt=
wochs=Kurkonzerte von der Kapelle des Leibgarde=
Regiments Nr. 115 weitergeführt.
Hugenſchütz” Felſenke er. „Herr Reſtaurateur
Tod eröffnete am Sonntag durch die Kapelle der 61er
Artillerie mit einem Frühlingskonzert die Saiſon. Der
lang erſehnte Wunſch und die Sympathie des Publikums
machte ſich dadurch bemerkbar, daß der große Garten
des Hugenſchütz’ Felſenkeller bis zum letzten Platz
be=
ſetzt war.
Milchreviſionen. Während des Monats Februar
ſind durch die hieſige Polizei 3460 Milchreviſionen
vorgenommen worden. Hierbei wurden ſieben
Proben teils wegen zu geringem Fettgehalt und teils
wegen Waſſerzuſatz beanſtandet und daher zwecks
Unter=
ſuchung dem chemiſchen Unterſuchungsamt überwieſen.
Auf Grund dieſer Beanſtandungen und zwecks
Auf=
klärung des Sachverhalts war die Erhebung von zwölf
Lieferproben erforderlich. 32 Liter gewäſſerte Milch
wurden dem Verkehr entzogen. Im Monat März
ſind 3845 Milchreviſionen vorgenommen worden. Hierbei
wurden 22 Proben teils wegen zu geringem Fettgehalt
und teils wegen Waſſerzuſatz beanſtandet und daher
zwecks Unterſuchung dem chemiſchen Unterſuchungsamt
überwieſen. Infolge dieſer Beanſtandungen und zwecks
Aufklärung des Sachverhalts war die Erhebung von
20 Liefer= und 21 Stallproben erforderlich. 56½ Liter
gewäſſerte Milch wurden dem Verkehr entzogen.
§ Streit. In der Nacht zum Sonntag gegen 3 Uhr
entſtanden in der Ober= und Schloßgaſſe zwiſchen hier
wohnhaften Zigeunern Streitigkeiten, wobei
zwei davon mit einem Raſiermeſſer ſchwer verletzt
wurden. Die Verletzten mußten in das ſtädtiſche
Krankenhaus aufgenommen werden.
pp. Groß=Gerau, 22. April. Geſtern fand im „
Ried=
hof” auf Anregung des Gaſtwirts Hans Heldmann
eine Intereſſentenverſammlung zur
Grün=
dung eines Ziegenzuchtvereins ſtatt. Züchter
Rink aus Dornheim referierte über Zucht und
Fütter=
ung der Ziegen in ſehr inſtruktiver Weiſe. In der
Dis=
kuſſion, an der ſich u. a. der Vorſitzende des
Ziegenzucht=
vereins Trebur, Löſch, hervorragend beteiligte,
wur=
den viele wertvolle Anregungen gegeben. In den
pro=
viſoriſchen Vorſtand wurden als Vorſitzender Hans
Heldmann, als Beiſitzer Joh. Wambold III. und
Nik. Seiler gewählt.
Trebur, 22. April. Ein eigenartiger
Un=
fall ſtieß letzthin einem hieſigen jungen Manne zu,
in=
dem er das Mißgeſchick hatte, im Schlafe künſtliche
Zähne, die er im Munde trug, zu verſchlucken.
Der junge Mann kam ins Mainzer Rochusſpital.
Erzhauſen, 22. April. Unter dem Vorſitz des Herrn
Werner=Langen hielt der Verkehrsverband der
Strecke Frankfurt-Darmſtadt geſtern im
hie=
ſigen Gaſthaus „Zur Linde” eine gut beſuchte
Verſamm=
lung ab, in der zunächſt über die vom Vorſtand
geleiſte=
ten Arbeiten Rechenſchaft abgelegt wurde. Da die ſchon
ſeit langem den Eiſenbahndirektionen Frankfurt und
Mainz unterbreiteten Bitten um vermehrtes Halten der
Perſonenzüge auf den kleineren Stationen dort keine
Be=
rückſichtigung fanden, hat ſich jetzt der Verband
beſchwerde=
führend an das Miniſterium zu Berlin gewendet. Weiter
ſoll ein beſonderer Lokalvorortverkehr ins Leben gerufen
werden, um das läſtige lange Halten der Perſonenzüge
auf den Ueberholungsſtationen zu vermeiden. Allſeitig
wurde ein enger Anſchluß des Darmſtädter
Verkehrsver=
eins an den Verband gewünſcht. Ueber den
gegenwärti=
gen Stand der elektriſchen Bahn von Offenbach nach
Egelsbach berichtete Herr Weidmann=Neu=Iſenburg. Die
Vorarbeiten ſind ſo weit gediehen, daß jetzt nur noch die
Genehmigung des Projektes zum Bau durch die
maß=
gebenden Körperſchaften ausſteht. Jeder der Orte wird
nur mit einem Zuſchuß bis zu 12000 Mark herangezogen.
An der Stadt Darmſtadt liegt es nun, ob die Strecke von
Egelsbach bis Darmſtadt fortgeführt werden ſoll oder
nicht. In den letzten Tagen hat ſich der Verband auch mit
einer Firma in Verbindung geſetzt, um dieſe zur
Ein=
richtung eines Automobilomnibusverkehrs innerhalb
ein=
zelner Ortſchaften zu bewegen. Die Anregung hat
be=
reits Erfolg inſofern gebracht, als eine Genoſſenſchaft
in Bildung begriffen iſt. Die Angelegenheit ſoll eine
derartige Beſchleunigung erfahren, daß bereits Mitte
Mai der Betrieb aufgenommen werden kann. (In
Lan=
gen bildete ſich eine Automobilbetriebsgeſellſchaft.) Nach
der Erledigung weiterer geſchäftlicher Angelegenheiten
beſchloß der Verband für die Folge den Beſuch
hervor=
ragender landwirtſchaftlicher und gewerblicher Betriebe
im Bereiche der Verbandsorganiſation. Dem Verbande
traten neu bei die Gemeinde Arheilgen, der
Fortſchritt=
liche und der Zentrumsverein Neu=Iſenburg, ſodaß er
jetzt 41 Körperſchaften mit 6050 Mitgliedern umſchließt.
Die nächſte Verbandstagung tritt am 8. Juni in
Wix=
hauſen zuſammen.
Eppertshauſen, 22. April. Ein großer
Wald=
brand, der den ungefähr 30 Morgen großen jungen
Kiefernwald vernichtete, brach geſtern nachmittag in der
Gemarkung Münſter aus. Er wurde wahrſcheinlich durch
Funken der Lokomotive des Zuges 5020 der
Strecke Offenbach-Reichelsheim, der kurz vor 4 Uhr an
dieſer Stelle vorbeifährt, verurſacht. Dem raſchen und
tatkräftigen Eintreten der Eppertshauſener Feuerwehr iſt
es zu danken, daß der nahe gelegene Hochwald verſchont
wurde.
* Groß=Steinheim, 22. April. Die hieſige
Bau=
genoſſenſchaft hat nach ihrem jetzt erſchienenen
Jahresbericht für 1911 bis zum Schluſſe des Jahres 24
Häuſer mit 50 Wohnungen im Herſtellungswerte von
173000 Mark errichtet, die von mehr als 200 dem
Arbei=
terſtande angehörigen Perſonen bewohnt werden.
Meh=
rere Häuſer befinden ſich im Bau. Zur Hergabe zweiter
Hypotheken hat die Gemeinde für ein Kapital von 40000
Mark die Bürgſchaft übernommen, die Gelder hat die
Landesverſichefrungsanſtalt in Darmſtallt dargeliehen.
Die Genoſſenſchaft verfügt noch über 30 gut belegene
Bauplätze, die bis zur Bebauung an Mitglieder zur
landwirtſchaftlichen Benutzung verpachtet ſind. Sie
ver=
fügt bei einem Geſchäftskapital von rund 13000 Mark
über Reſerven von über 6000 Mark. In dem
Jahres=
berichte weiſt ſie noch beſonders hin auf die große
Be=
deutung der Seßhaftmachung des Arbeiters im eigenen
Heim. Dies zu fördern ſei eine dankbare Aufgabe und
verdiene die Unterſtützung von Staat und Gemeinde.
Mainz, 22. April. Die gut beſuchte Verſammlung
des Deutſchen Weinbauvereins, die am Sonntag
in Mainz ſtattfand, wurde von dem erſten Präſidenten,
Reichsrat Dr. Buhl, eröffnet. Er begrüßte die
Ver=
treter der preußiſchen, heſſiſchen, pfälziſchen und
luxem=
burgiſchen Regierung, ſowie der Handelskammer Mainz,
der Stadt Mainz, der Weinbauvereine und
Weinbauſchu=
len. Nach der Begrüßung ergriff Profeſſor Müller=
Thurgau das Wort zu ſeinem Vortrage, in dem er die
Ergebniſſe ſeiner Forſchung darlegte, die alles bisher auf
dieſem Gebiete Erforſchte als nichtig hinſtellen. Bisher
ſei man der Anſicht geweſen, daß die Krankheitserreger
die Sporen, durch die obere Seite der Rebenblätter in
dieſe eindringen und von dort aus ihr Vernichtungswerk
ausführen. Hierdurch ſei die bisherige Bekämpfungsart,
das Spritzen von oben, entſtanden. Da dieſes Verfahren
jedoch von verhältnismäßig wenig Erfolg begleitet war,
ſo hätte er, der Redner, erneut Verſuche unternommen
und in einwandfreier Weiſe feſtgeſtellt, daß die
Verbrei=
ter der Peronoſpora nicht von oben, ſondern von unten
in das Blatt eindringen. Dieſe Entdeckung habe eine
ganz andere Bekämpfungsart nötig gemacht. Bei der
Beſpritzung von oben ſeien 70—100 Prozent der
geimpf=
ten Blätter von der Krankheit ergriffen worden, bei
ſei=
nen Verſuchen, die Blätter von unten zu beſpritzen und
von oben zu infizieren, wurde aber kein einziges Blatt
befallen. — Während der Diskuſſion, an der ſich
eine große Anzahl Herren beteiligten, wurden die
Ver=
ſuche und deren Reſultate beſtätigt. Es wurde ferner
der Wunſch ausgeſprochen, daß ſich in Deutſchländ eine
Organiſation bilden möge, die die Nachrichten über das
Auftauchen der Peronoſpora gleich in die anderen
Wein=
baugebiete bekannt geben ſolle, da die Beobachtung
ge=
macht worden ſei, daß die Peronoſpora von Weſten nach
Oſten wandere. Nach längerer Ausſprache ſchloß der
Vorſitzende des Rheinheſſiſchen Weinbauvereins die
Verſammlung.
Mainz, 22. April. Der Taglöhner Wilhelm
Lau=
fer hatte vor einigen Jahren im Streite ſeine Frau
erwürgt und wurde damals vom Schwurgericht zu
mehreren Jahren Zuchthaus verurteilt. Nachdem er aus
dem Zuchthauſe entlaſſen war, heiratete er bald
darauf wieder. Seit 6 Wochen iſt das Paar
ver=
heiratet, doch haben ſich die Ehegatten ſeit einiger Zeit
wieder getrennt und die Frau ernährt ſich durch
Monats=
ſtellen und Weckaustragen. Geſtern morgen lauerte
Lau=
fer ſeiner Frau in der Ernſt=Ludwigſtraße, wo ſie
Bröt=
chen austrug, auf, um, wie er ſich vorher ausgedrückt
hatte, ſie umzubringen. In einem Hausflur
über=
fiel er ſie und verſetzte ihr trotz ihrer energiſchen
Gegenwehr zwei Meſſerſtiche in den Kopf und
einen in den linken Oberarm. Auf ihre Hilferufe eilten
Vorübergehende der Frau zu Hilfe, ſonſt wäre ſie von
dem Raſenden erſtochen worden. Als die Leute kamen,
ging Laufer flüchtig. Die ſchwerverletzte Frau wurde
von der herbeigeholten Sanitätswache verbunden und
ins Hoſpital gebracht.
Worms, 22. April. Vorgeſtern nachmittag
ſcheu=
ten in der ſtädtiſchen Kiesgrube an der Mainzerſtraße
zwei Pferde des ſtädtiſchen Fuhrparks und gingen
durch. Der Fuhrknecht ſuchte die Pferde am Kopf
einzuhalten, er wurde aber von dieſen umgeriſſen und
zu Boden geworfen, wobei ihm zwei Räder des leeren
Wagens über die Bruſt gingen. Er erlitt u. a. einen
Rippenbruch und mußte in das ſtädtiſche Krankenhaus
gebracht werden.
Oppenheim, 22. April. Mit Wirkung vom 1. Juli d. J.
werden die nachbezeichneten Gemeinden von ihren
bisherigen Amtsgerichtsbezirken
abge=
trennt und den nachbezeichneten Bezirken zugeteilt: Die
Gemeinde Hahnheim vom Amtsgericht Nieder=Olm zum
Amtsgericht Oppenheim, die Gemeinde Undenheim
vom Amtsgericht Wörrſtadt zum Amtsgericht Oppenheim,
die Gemeinde Udenheim vom Amtsgericht Nieder=Olm zu
dem Amtsgericht Wörrſtadt, die Gemeinde Jugenheim
vom Amtsgericht Wörrſtadt zum Amtsgericht Ober=
Ingel=
heim, die Gemeinde Ober=Hilbersheim vom Amtsgericht
Wörrſtadt zum Amtsgericht Bingen.
Wallertheim, 22. April. Am 24. d. M. feiert
Alt=
bürgermeiſter Dechent im Kreiſe ſeiner Familie
den 90. Geburtstag. Durch ſeine 27jährige Tätigkeit als
Bürgermeiſter in=hieſiger Gemeinde und als langjähriges
Mitglied der Landesſynode hat er ſich einen großen
Be=
kanntenkreis errungen.
(*) Friedberg, 21. April. Die Sterbekaſſe für
Mitglieder des Heſſiſchen
Landesgewerbever=
eins und des Verbandes deutſcher Gewerbevereine
hielt=
heute vormittag im Hotel „Drei Schwerter” ihre
Haupt=
verſammlung ab. Der Vorſitzende, Bauunternehmer
Sames=Darmſtadt, begrüßte beſonders den Vertreter
der Großh. Zentralſtelle Reuter=Darmſtadt, die
Ver=
treter des Württembergiſchen Verbandes, den
Bürgermei=
ſter Stahl=Friedberg und die Vorſitzenden der
Gewerbe=
vereine Friedberg und Bad Nauheim. Herzliche
Begrüß=
ungsworte ſprach Bürgermeiſter Stahl namens der Stadt
Friedberg. Den Verwaltungsbericht erſtattete Syndikus
Engelbach=Darmſtadt. Die Sterbekaſſe hat im Jahre
1911 einen erfreulichen Fortſchritt zu verzeichnen.
Ins=
geſamt ſind 52 Neuzugänge mit einem
Verſicherungs=
kapital von 36 500 Mark zu verzeichen. Der Reingewinn
beträgt 5067,71 Mark. Der Stand der verſicherten
Kapi=
talien belief ſich am 31. Dezember 1911 auf 673800 Mark.
Im Jahre 1911 ſind neu zugegangen 52 Mitglieder mit
einem Verſicherungskapital von 36500 Mark, abgegangen
durch Tod 2 Mitglieder mit einem Verſicherungskapital
von 5480 Mark, mithin iſt ein Zugang von 18960 Mark an
verſicherten Kapitalien zu verzeichnen. Die Mitgliederzahl
betrug Ende 1910: 1158. Ende 1911: 1169. Die
Jahres=
rechnung ſchließt für 1911 ab mit einer
Geſamtein=
nahme von 51 248,67 Mark und einer
Geſamtaus=
gabe von 49205,17 Mark; mithin verbleibt ein
Barbe=
ſtand von 2043,50 Mark. Der Vermögensſtand betrug nach
dem Kurswert vom Ende des Jahres 160051,09 Mark.
und hat ſich ſonach im Berichtsjahre um 12627,50 Mark
vermehrt. Das Jahr 1911 ſchließt ſomit mit einem
Ueberſchuß von 5067,71 Mark ab. Da in dieſem
Jahre dem Sicherheitsfond nichts zu überweiſen iſt, kann
der ganze Betrag zu ſonſtigen Zwecken Verwendung
fin=
den. Die Kaſſenführung des Geſchäftsführers wurde am
11. Dezember 1911 durch die Kontrolleure einer Viſitation
unterzogen, wobei ſich keinerlei Anſtände ergaben. Die
Feuilleton.
* Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
Wet=
ter und Vegetation. Nachdem vom 1. bis
4. und 9. bis 15. April infolge der ſtarken
Kälterückfälle die Entwickelung der Vegetation faſt
gänzlich geſtockt hat, ſchreitet letztere ſeit Eintritt
wahrhaft frühlingsmäßiger Wärme mit elementarer
Gewalt voran. Während im Laubwald bisher nur Birke
und Hainbuche ihren Blätterſchmuck angelegt hatten —manche
Exemplare der letzteren ſchon ſeit Anfang März — beginnt
jetzt auch die Rotbuche allenthalben zu grünen. Die
Früh=
apfelſorten blühen etwa ſeit dem 18., während das mittlere
Datum des Aufblühens in Darmſtadt laut der
phänolo=
giſchen Karte von Prof. Dr. Ihne erſt auf den 26. fällt.
Auch die Vogelwelt iſt in den letzten Tagen durch Kuckuck
und Wendehals vermehrt worden, ſo daß nur noch
Schwal=
ben, Nachtigallen und Pirole fehlen. Hoffentlich bleiben
wir, nachdem der April noch 7 Froſttage gebracht hat, von
weiteren Kälterückfällen verſchont. Sehr erwünſcht wäre
ein durchdringender Regen, nachdem die heftigen Winde das
Erdreich ſtark ausgetrocknet haben. Uebrigens ſteht der
Winterroggen teilweiſe ſehr gut.
Wagner=Cyklus an der Peſter
Volks=
oper. Die Peſter Volksoper veranſtaltet vom 16. Mai ab
zehn Vorſtellungen des beſtehenden Wagnercyklus, an
welchen unter Führung von Ernſt v. Schuch und Franz
von Mikorey nahezu ſämtliche weltberühmten
Wagner=
ſänger teilnehmen werden, u. a. Kammerſängerin Bahr=
Mildenburg, Mme. Charles Cahier, Erna Denera Mottl=
Faßbaender, Elena Forti, Gura Hummel, Frieda Hempel,
Berta Morena, Eva Plaſchke, v. d. Oſten, Louiſe Perara=
Petzl, ferner die Kammerſänger Dr. Dary, Bender, Braun,
Feinhals, Geiß, Henſel, Hott, Knote, Plaſchke, v. Rocy,
Schramm, Zador. Das Orcheſter und der Chor des
Deſſauer Theaters werden ebenfalls mitwirken. Die
Buda=
peſter Volksoper, die amphitheatraliſch gebaut iſt, hat
Sitz=
plätze für 3200 Perſonen. Vormerkungen für den
Wagner=
cyklus ſind in Budapeſt, Fahrkartenbureau, ſowie in
ſämt=
lichen ausländiſchen Reiſebureaus zu bewerkſtelligen.
Spielplan der Frankfurter Theater
1. Opernhaus. Dienstag, 23. April: Die Hugenotten.
Mittwoch, 24.: Alt=Wien. Donnerstag, 25.: Die Walküre.
Freitag, 26.: Boccaccio. Samstag, 27.: Siegfried.
Sonn=
tag, 28.: Aleſſandro Stradella. Hierauf: Flotte Burſche.
Montag, 29.: Ein Walzertraum. — 2.
Schauſpiel=
haus. Dienstag, 23. April: Die Stützen der Geſellſchaft.
Konſul Bernick: Albert Baſſermann. Mittwoch, 24.: Das
ſtarke Geſchlecht. Donnerstag, 25.: Othello. Othello: Alb.
Baſſermann. Freitag, 26.: Der Raub der Sabinerinnen.
Emanuel Strieſe: Albert Baſſermann. Samstag, 27.:
Die Stützen der Geſellſchaft. Konſul Bernick: Alb.
Baſſer=
mann. Sonntag, 28., 3½ Uhr: Schöne Frauen; 7 Uhr
Doktor Klaus. Montag, 29.: Das ſtärkere Geſchlecht.
3. Neues Theater. Dienstag, 23. April: Das kleine
Café. Mittwoch, 24.: Mamzelle Nitouche. Donnerstag,
25.: Mamzelle Nitouche. Freitag, 26.: Die fünf
Frank=
furter. Samstag, 27.: Mamzelle Nitouche. Sonntag, 28.,
3½ Uhr: Meyers; 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Montag,
29.: Die fünf Frankfurter.
Spielplan des Hof= und
National=
theaters Mannheim. Dienstag, 23. April (Zum
erſten Male): Hundstage. Mittwoch, 24. (Zweites
Gaſt=
ſpiel Agnes Borgo): Arda. Donnerstag, 25.: Die fünf
Frankfurter. Freitag, 26. (Neu einſtudiert): Die
Maien=
königin, Der Schauſpieldirektor, Abu Haſſan. Samstag,
27. Lumpaci Vagabundus. Sonntag, 28.: 9. Matinee:
Legenden und Schwänke aus dem Mittelalter.
Tann=
häuſer.
* Der ertrunkene Milliardär J. J. Aſtor und ſeine Frau.
Unter den Opfern der furchtbaren Schiffskataſtrophe vom
14. April befindet ſich auch der bekannte Multimillionär
John Jakob Aſtor, ein Enkel jenes Aſtor, der aus ſeinem
badiſchen Heimatsorte Walldorf bei Heidelberg im Jahre
1777 nach London und von hier aus nach New=York ging
und durch kühne Spekulationen mit Pelzwaren und
Grund=
ſtücken ein Vermögen von etwa 500 Millionen Mark
hin=
terließ. Der jetzt ums Leben gekommene John Jakob
Aſtor hatte nach Beendigung ſeiner Studien an der
Ha=
vard=Univerſität verſchiedene Erfindungen auf mechaniſchem
Gebiet gemacht und ſich dann dem Bau moderner Hotels
in Amerika zugewandt. Seiner Initiative iſt das Entſtehen
der berühmten Hotels „Walldorf=Aſtoria”, „St. Regie” und
des Knickerbocker Hotels zu danken. Während des
ſpaniſch=
amerikaniſchen Krieges ſchenkte er ſeinem Vaterlande eine
vollſtändige Artilleriebatterie. Im kubaniſchen Kriege
wirkte er bei der Belagerung von Santiago de Cuba mit.
Im Jahre 1911 heiratete der damals 45jährige in zweiter
Ehe ein 20jähriges, vermögenloſes Mädchen, dem er als
Brautgeſchenk 50 Millionen Mark gab, während er ſeine
erſte Gattin, eine geborene Ava Lowis Willing, mit 40
Millionen Mark bei der Eheſcheidung abfand. Aſtors
junge Frau iſt, wie berichtet, unter den Geretteten an Bord
der „Carpathia” in New=York eingetroffen.
* König Alfons als guter Staatsbürger. Die ſpaniſche
Regierung hat vor kurzem eine Steuer auf elektriſche
Feuerzeuge gelegt. Am Morgen des Tages, an dem
die=
ſes Geſetz in Kraft trat, erſchienen im Bureau des
Steuer=
kontrolleurs von Hendaye zwei Offiziere in Uniform.
Lächelnd trat der größere von ihnen an den Schalter, zog
ein kleines, niedliches Feuerzeug aus Gold hervor und
bat den Beamten, den Stempel darauf zu drücken, nachdem
er ſeine Abgabe entrichtet hatte. Das gleiche tat der
an=
dere Offizier. Dem Beamten kam erſt viel ſpäter zum
Bewußtſein, daß es ſein König geweſen war, dem er den
Stempel auf ſein Feuerzeug gedrückt hatte.
C.K. Hohe Preiſe für Eier des großen Alk. Die
Sammler von naturgeſchichtlichen Raritäten werden mit
Intereſſe erfahren, daß in den nächſten Wochen vielleicht
zwei koſtbare Seltenheiten, zwei Eier des großen Alk, im
Handel auftauchen werden. Lady Smith von Aſhton Court
in Sommerſet hat die beiden Alk=Eier, die ſie von Sir
J. H. Greville Smyth geerbt hat, in dieſen Tagen in
Lon=
don verkauft. Für das eine Ei ſind 3150 Mark bezahlt
worden, das zweite ging für 2940 Mark in die Hände des
neuen Beſitzers über. Das dritte Exemplar aus dem
Be=
ſitze der Lady Smyth iſt dem Muſeum von Briſtol
über=
wieſen worden. Nach einer von Edward Bidwel
aufge=
ſtellten Statiſtik exiſtieren auf der Erde nur noch 73 Eier
von jenem ausgeſtorbenen Seevogel.
* Eine weiſe Vorſichtsmaßregel. Man hat ſo oft auf
die Pariſer Stadtverwaltung geſcholten. Aber ſie hat
alles wieder gut gemacht. Sie iſt die vorſichtigſte,
ſorg=
lichſte Behörde der Welt. Sie wußte, daß am 17.
April=
mittags eine Sonnenfinſternis ſtattfinden werde. Sie traf
ihre Vorkehrungen. Sie ſorgte dafür, daß die von dieſem
Unglück betroffenen Pariſer trotzdem etwas ſahen, nicht in
dunkle Nacht getaucht waren. Von 10 Uhr morgens an
brannten in den verkehrsreichen Straßen des Stadtinnern
allenthalben die — Gaslaternen! Erſt um 2 Uhr wurden
ſie wieder ausgedreht. So wurde dann verhindert, daß
während der vier Sekunden der „totalen” Finſternis ſelbſt
der kleinſte Taſchendiebſtahl gewagt wurde.
* Wirklich „alter Nordhäuſer”. Aus Nordhauſen
be=
richtet man: Vor einigen Tagen ſtieß man ſhier bei der
Anlage eines Hausanſchluſſes zur Kanaliſation an einem
der älteſten Brennereigrundſtücke nach Durchſchlagen einer
Kellerwand auf ein geheimes Gewölbe, in dem ſich einige
Fäſſer mit uraltem Nordhäuſer befanden. Es iſt
anzunehmen, daß im Kriegsjahre 1806 der damalige
Be=
ſitzer das edle Naß vor den durſtigen Kehlen der
Fran=
zoſen ſchützen wollte und die Fäſſer deshalb einmauern
ließ. Noch im Jahre 1806 aber ſtarb der Beſitzer und das
Grundſtück wurde von dem Erben weiterverkauft.
Nummer 95.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.
Seite 5.
Delegiertenverſammlung wurde am 30. April 1911 zu
Oppenheim a. Rh. abgehalten. Vorſtandsſitzungen haben
ſtattgefunden am 10. Januar 1912, eine weitere am 25
März 1912, ſowie eine Sitzung des erweiterten Vorſtandes
rz 1912. Bis jetzt wurden bei 270
ebenfalls am 25.
Sterbefällen 135530 Mark ausbezahlt. Auf Antrag des
Sparkaſſenkontrolleurs Haas=Gießen wurde dem
Rech=
ner und dem Vorſtand Entlaſtung erteilt. Bei
Beſprech=
ung des Punktes Verwendung des Ueberſchuſſes aus 1911
in Höhe von 5067,71 Mark wurde beſchloſſen, im Intereſſe
der älteren Mitglieder und der Agitation zwei
Monats=
beiträge im Jahre 1912 zu erlaſſen. Bei der
Vorſtands=
wahl wurden die ſeitherigen Herren wiedergewählt; in
den erweiterten Vorſtand kamen für Gießen Dikore und
Haas, für Büdingen Geiß. Die Prüfungskommiſſion
be=
ſteht aus den Herren Emmel=Hungen, Haas=Gießen und
Bauunternehmer Weber=Darmſtadt. Um 1 Uhr war die
Tagung beendet.
K Bad Nauheim, 22. April. Nachdem am Freitag
Prinz Adalbert, der drittälteſte Sohn, zum Beſuch
bei ſeiner kaiſerlichen Mutter ankam und hier nur einige
Stunden weilte, traf am Samstag nachmittag ¾5 Uhr
der jüngſte Sohn der Kaiſerin, Prinz Joachim,
hier per Automobil ein. Er hatte die Reiſe mit ſeinem
Begleiter von Kaſſel=Wilhelmshöhe aus unternommen.
Als der Prinz vor der Villa Groedel vorfuhr, war die
Kaiſerin mit der Hofdame v. Keller ausgefahren. Nach
etwa einer halben Stunde traf die Kaiſerin dann ein und
empfing den unerwarteten Beſuch. Prinz Joachim wird
einige Wochen hier verweilen. Sonntag vor= und
nach=
mittag wurden längere Ausflüge unternommen.
(*) Büdesheim, 20. April. Die irdiſchen Ueberreſte
des Grafen Oriola, die ſeither in der gräflichen
Ruheſtätte auf dem Friedhof gebettet waren, wurden
dieſer Tage in das jetzt vollendete neue Mauſoleum
übergeführt. Es iſt anſchließend an die Südoſtſeitedes
Friedhofes auf gräflichem Eigentum errichtet. Der
Nid=
dertalſängerbund, deſſen langjähriger Vorſitzender der
Graf war, trug einige Chöre vor. Das Mauſoleum iſt
in Rundform erbaut und von einer vergoldeten Kuppel
und einem Kreuz gekrönt.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 21. April. Das
vielbeſpro=
chene Projekt der Mitglieder des Leſſingtheaters, nach dem
Ausſcheiden des Direktors Brahm ein eigenes „Theater in
der Form einer Sozietät zu gründen, iſt nunmehr
end=
gültig zur Durchführung gebracht worden: Unter dem
Namen „Deutſches Künſtlertheater” iſt die neue
Kunſtſtätte geſtern gegründet worden. Mitglieder der
Sozietät, die im Juli 1914 ihre Tätigkeit vor dem großen
Publikum aufzunehmen gedenkt, ſind u. a. Tylla Durieux,
Karl Foreſt, Oskar Fuchs, Bertha Gieſicke (zurzeit am
Kleinen Theater tätig), Gerhart Hauptmann, Hilde
Herte=
rich, Elſe Lehmann, Emil Leſſing, Theodor Loos, Heinz
Monnard, Ernſt Neßler, Emanuel Reicher, Guſtav Rickelt,
Rudolf Rittner, Oskar Sauer, Mathilde Suſſin, Annelieſe
Wagner und Paul Wegener. Das Stammkapital, das ohne
erhebliche Schwierigkeiten zuſammengebracht wurde,
be=
trägt 790000 Mark. So hat das neue Unternehmen ein
glänzendes Enſemble und ein ſtattliches Betriebskapital,
aber eines fehlt noch: die Stätte, an der das neue Deutſche
Künſtlertheater ſein Heim aufſchlagen wird. Viele
Ver=
handlungen ſind ſchon gepflogen worden. Aber bisher iſt
noch keine Entſcheidung darüber gefällt, ob man in eines
der beſtehenden Theatergebäude einziehen oder ein neues,
eigenes Haus bauen ſoll. — Die Fiſcherinnung
feierte heute- ihr 275jähriges Jubiläum. — Der
vielge=
nannte Spieler und Hochſtapler Stallmann alias
Ba=
ron Korff=König iſt in Monaco verhaftet worden. Die
Auslieferungsverhandlungen ſind bereits eingeleitet.
Geſtern nachmittag vernichtete ein Waldbrand in der
Jungfernheide etwa hundert Morgen Holz. Der Brand
dauerte zwei Stunden. Nach der Berliner Morgenpoſt
ſind nur vierzig Morgen vernichtet worden. Zur Löſchung
waren neben Militär zahlreiche Feuerwehren Berlins
zur Stelle.
Wiesbaben, 22. April. Fabrikant und
Kommerzien=
rat Bernhard Müller, der Sohn des Begründers der
bekannten Sektfirma Matthäus Müller in Eltville, iſt
hier im 74. Lebensjahre geſtorben. Der Verſtorbene
war Ehrenbürger der Stadt Eltville.
Pforzheim, 21. April. In dem benachbarten Dorfe
Eutingen brannten heute nacht mitten in dem Orte
bei der Kirche fünf Wohnhäuſer und vier Scheunen ab
Der Schaden beträgt zwiſchen 60000 und 70000 Mark.
Es liegt zweifellos Brandſtiftung vor. Zwei
Verdäch=
tige wurden verhaftet. Acht Familien ſind obdachlos.
Vor 4 Wochen ſind gleichfalls fünf Wohnhäuſer und vier
Scheunen niedergebrannt.
Altona, 22. April. In der Nähe von Bad Oldesloe
iſt geſtern abend ein Automobil, in dem ſich der
Manufakturiſt Eggers aus Oldesloe, deſſen Bruder,
Schwiegermutter und ſeine zwei Kinder befanden, gegen
einen Eiſenbahnzug angefahren. Eggers und ſeine
Schwiegermutter wurden getötet, der Bruder und
ſeine beiden Kinder ſchwer verletzt.
Meißen, 20. April. Wie in verſchiedenen anderen
Städten, ſo hat auch in Meißen die Polizei die
Befug=
nis, in gewiſſen Fällen gegen jemanden das ſogenannte
Schankſtättenverbot auszuſprechen. Es darf
dann der mit dem Verbot Bedachte kein Wirtshaus
be=
ſuchen. Meiſtens wird dabei das Verbot über
ſäu=
mige Schuldner verhängt, die bei der Stadt= oder
Steuerkaſſe noch in der Kreide ſtehen. Das Verbot traf
nun auch einen Zigarrenfabrikanten, der mit ſeiner
Steuerzahlung im Rückſtande war. Eines Tages kam
die Polizei dahinter, daß der Mann doch einen
Abend=
ſchoppen getrunken hatte und erhob gegen ihn Klage, die
vor dem Schöffengericht verhandelt wurde. Zu ſeiner
Verteidigung führte der Angeklagte an, daß er
Geſchäfts=
mann ſei und unter ſeinen Kunden auch viele Gaſtwirte
zähle. Dieſe rechneten aber mit einer Gegenleiſtung.
Wenn er ſie nicht einmal ab und zu beſuche, kauften ſie
ſihm nichts mehr ab. Das Gericht folgte dieſen
Ausführ=
lungen aber nicht, ſondern ſprach eine Haftſtrafe von
ſeinem Tage aus. In der Begründung des Urteils
wurde ausgeführt, daß es dem Verurteilten frei
geſtan=
den habe, Gaſtwirtſchaften lediglich um Geſchäfte zu
machen zu beſuchen. Er habe aber bei dem fraglichen
Abendſchoppen lediglich „die Annehmlichkeiten
des Wirtshauslebens” genießen wollen und ſich
dadurch eines Bruches des Schankſtättenverbots ſchuldig
gemacht.
Breslau, 22. April. In der Dynamitfabrik
in Altberun ließ ein Mädchen beim Einpacken eine
Patrone fallen, die explodierte und eine Exploſion
des übrigen in der Packſtube vorhandenen Dynamits
hervorrief. Zwei Arbeiterinnen wurden verſtümme.
und getötet
Wien, 22. April. Die 26jährige Soubrette
Har=
kna aus Dortmund wurde geſtern früh tot in
ihrem Bett aufgefunden. Sie hatte ſich einen
Schuß in den Kopf beigebracht. In einem an die
Poli=
zei hinterlaſſenen Briefe ſind Verfügungen über ihr
Eigentum getroffen.
Paris, 22. April. Wie aus Reims gemeldet wird,
ſoll die gegen die jüngſt verhafteten Muſeums= und
Kir=
chendiebe eingeleitete Unterſuchung Anhaltspunkte dafür
bieten, daß dieſelben auch an dem Diebſtahl der
Gioconda beteiligt ſeien. Bei einem von ihnen ſoll
ein Brief gefunden worden ſein, in dem es heißt: Wir
wußten wohl, daß das ſeltene Porzellan auch die
Lieb=
haber der Gioconda verlocken würde.
Petersburg, 22. April. Die Unruhen in den
Goldwäſchereien am Lenaſtrom ſind nach
amt=
licher Mitteilung dadurch veranlaßt worden, daß die
Verwaltung den dortigen Arbeitern, die ſich im
Aus=
ſtande befanden, nur einige Nebenforderungen, aber
nicht die Hauptforderungen bewilligte, daß ſie ferner
verlangte, die Streikenden ſollten ihre Wohnungen
räu=
men, ihnen die Lieferung von Lebensmitteln, die ſonſt
nicht zu beſchaffen waren, verweigerte und das
Streik=
komitee verhaften ließ. Die großen Verluſte an
Menſchenleben ſind dem Umſtande zuzuſchreiben,
daß eine Kompagnie Soldaten gegen einen dreitauſend
Mann ſtarken Zug Streikender, der ſich zum
Verwalt=
ungsgebäude begeben wollte, auf hundert Schritt
Ent=
fernung zu feuern begann und die an der Spitze
be=
findlichen Leute von den hinteren vorwärts gedrängt
wurden und nicht ausweichen konnten.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 22. April. Auf der Tagesordnung ſteht
zunächſt ein ſchleuniger Antrag der Freiſinnigen auf
Einſtellung eines ſchwebenden Verfahrens gegen
den Abg. Gothein. Dem wird ohne Debatte entſprochen.
Es folgt die
erſte Leſung der Wehrvorlagen.
Der Reichskanzler ergreift hierzu das Wort.
Meine Herren! Die Verbündeten Regierungen ha
ben Ihnen Geſetzentwürfe vorgelegt, die eine
Stär=
kung unſerer Wehrmittel zu Waſſer und
zu Lande bezwecken. Die Vorlagen bereiten, wie Sie
aus dem Inhalt erſehen, zum Teil eine allmählich ſich
ſteigernde Vermehrung unſerer Kriegs= und
Verteidi=
gungsbereitſchaft vor. Beide Vorlagen ſind das
Er=
gebnis eingehender Prüfungen und Arbeiten der
zuſtän=
digen Reſſorts. Der Schwerpunkt liegt in den
organi=
ſatoriſchen Neuerungen, die ſie bringen, deren Begrün
dung im einzelnen den Leitern dieſer Reſſorts
vorbehal=
ten iſt. Ich ſelbſt will mich auf einige allgemeine
Ge=
ſichtspunkte beſchränken. Zunächſt möchte ich hervorheben,
daß wir die Vorlagen nicht eingebracht haben im
Hin=
blick auf eine unmittelbar drohende Gefahr. In der
au=
genblicklichen europäiſchen Situation liegt für uns kein
Grund zur Beunruhigung. Trotzdem würden wir ge
wiſſenlos handeln, wenn wir nicht unſere Rüſtungen auf
einem unſeren Mitteln und unſeren Kräften
entſprechen=
den Stand erhalten und ſtets wieder bringen würden
Tun wir das nicht, ſo ſind unſere Aufwendungen für
Wehrzwecke überhaupt im letzten Grunde zwecklos. (
Zu=
ſtimmung rechts.) Daß dieſe Anſicht immer mehr
Gemein=
gut der Nation wird, dafür zeugen die vielfachen
Stim=
men, die gerade aus dem Volke ſelbſt heraus eine Ver
ſtärkung und Vervollkommnung unſerer Machtmittel
for=
dern. (Widerſpruch und Lachen bei den Soz. Sehr richtig
bei den übrigen Parteien Glocke des Präſidenten.)
Dieſe Stimmung beruht in ihrem Kern nicht auf
kriegeri=
ſchen Gelüſten, nicht auf dem Wunſch, andere zu
be=
drohen.
Deutſchland iſt kriegsbereit, wenn ein Krieg ihm
auf=
gezwungen wird, aber ſelber ſucht es ihn nicht. (Beifall.)
Die Stimmung beruht vielmehr auf dem durchaus
berech=
tigten Bewußtſein, daß eine ſtarke Rüſtung zur
Errei=
chung aller unſerer Zwecke und Ziele nötig iſt. Wir
brau=
chen eine ſtarke Rüſtung nicht allein zur Abwehr gegen
einen möglicken Angriff, ſondern auch zur Wahrung
unſerer Stellung im Frieden, zur Sicherung unſerer
Wohlfahrt zu jeder Zeit. (Sehr richtig! rechts.) Und
gerade diejenigen, die den Frieden wünſchen, die für
den Frieden arbeiten und ſelbſt die, die für den Frieden
reden, werden ſich der Einſicht nicht verſchließen können,
daß, wenn für irgend jemand, ſo gerade für Deutſchland
mit ſeiner kontinentalen Lage im Herzen Europas, mit
ſeinen nach allen Seiten offenen Grenzen in ganz
beſon=
derem Maße in einer ſtarken Wehrmacht die ſicherſte
Friedensbürgſchaft beſchloſſen liegt. (Sehr wahr!)
Ge=
wiß geſchieht viel, um die Konfliktsmöglichkeiten zu
ver=
hindern, nicht allein auf Friedenskongreſſen, ſondern auch
durch Abmachungen unter den Staaten, durch
Schieds=
gerichtsabkommen und ähnliche Abmachungen. Aber die
Möglichkeit von Kriegen wird dadurch nur eingeſchränkt.
Die Beziehungen unter den Nationen breiten ſich immer
mehr über den Erdhall aus. Dadurch werden
unzwei=
felhaft auch die friedlichen Berührungspunkte vermehrt
zugleich aber treten mit dem Wettkampf der materiellen
ntereſſen neue Konfliktsmöglichkeiten hervor. Ich habe
geſagt, daß zur Zeit Gründe zur Beunruhigung nicht
vorhanden ſind. Umſomehr bedauere ich alamierende
Gerüchte, die bei uns oder anderen vielleicht aus
miß=
verſtandenem Patriotismus in erreaten Preſſeartikeln.
ausgeſtreut werden, um notwendige Rüſtungsmaßregeln
angeblich zu fördern. Sie ſtören Handel und Wandel
(Sehr richtig! links) und bringen keinen Nutzen. Ich habe
die Ueberzeugung und alle Anzeichen ſprechen dafür, daß
keine der Regierungen der Großmächte einen Konflikt
mit uns wünſcht oder herbeizuführen ſucht. (Hört! Hört!
bei den Soz.) Die Kriege ſind aber ſehr häufig nicht von
den Regierungen geplant und herbeigeführt worden, die
Völker ſind vielfach durch lärmende und fanatiſierende
Minoritäten dazu getrieben worden. (Zuſtimmung.
Dieſe Gefahr beſteht auch heute. (Sehr richtig! links.)
und vielleicht in noch höherem Maße als früher. (Hört!
Hört! bei den Soz.)
Nachdem Oeffentlichkeit, Volksſtimmung an Gewicht
und Bedeutung zugenommen haben, wehe dem, weſſen
Rüſtung ſodann lückenhaft iſt. Wie ſich die Zukunft
ent=
wickeln wird, wird niemand prophezeien wollen. Als
wir im Jahre 1910/11 das Quinquennat machten. hat
niemand vorausgeſehen, daß ſich ſobald an die
Schlich=
tung der aufgetretenen internationalen Differenzpunkte
die Beſorgnis vor akuten Verwickelungen und damit die
Sorge entwickeln würde, ob wir einen Teil
unſerer militäriſchen Kraft unbenutzt laſſen könnten. Aber
meine Herren, nicht nur im Ausblick auf einen möglichen
eg, ſei es in naher oder ferner Zukunft, liegt uns die
Pflicht ob, ſtark, militäriſch ſtark zu ſein, unſer Anſehen
unſere Wohlfahrt, unſere Sicherheit auch im Frieden hän=
gen davon ab. Nach unſerer Wehrkraft bemißt man
un=
ſeren Wert als Freund und Bundesgenoſſen unſere
Be=
deutung als eventuellen Gegner, das Gewicht unſerer
Worte in internationalen Fragen, die uns berühren, die
Rückſicht, die andere auf unſer Intereſſe nehmen. All=
Mächte um uns verfahren nach demſelben Grundſatz. Wit
werden darüber in der Kommiſſion die näheren
Mittei=
lungen machen. Da dürfen gerade wir mit unſerer
expo=
nierten geographiſchen Lage, auf die ich ſchon einmal
hingewieſen und mit den ſteigenden Bedürfniſſen eines
wachſenden Volkes nicht zurückſtehen. Ich würde es für
ein Unrecht dieſem Hauſe gegenüber, für ein
unberechtig=
tes Mißtrauen in das Verſtändnis und den Patriotismus
unſeres Volkes anſehen, wenn ich zur Begründung einer
notwendigen Vermehrung unſerer Heeres= und
Flotten=
macht den nahen Krieg an die Wand malen wollte.
Und auch Sie, meine Herren, werden, wie ich glaube
dem Lande einen Dienſt erweiſen, indem Sie ihm das,
was zu ſeiner Stärke und Macht notwendig iſt, in dem
Gefühl nicht erregter Befürchtungen, ſondern ruhiger und
ernſter Geſchloſſenheit gewähren. (Beifall, Bravo rechts.)
Ich komme zur Deckungsfrage. Es iſt gewiß keine leichte
Aufgabe, ſchon ſobald nach der Finanzreform des Jahres
1909 und den Steuerlaſten, die ſie dem deutſchen Volke
auferlegt hat, wiederum mit neuen Steuerforderungen
heranzutreten. Keiner hat das klarer erkannt und
her=
vorgehoben als der verdienſtvolle bisherige Leiter der
Reichsfinanzverwaltung. (Heiterkeit links.) Ich weiß
nicht, weshalb es Ihre Heiterkeit erregt, wenn ich eine
Tatſache feſtſtelle, aber ſo wenig wir um der Hinderniſſe
willen, die ſich neuen Steuerforderungen entgegenſtellen,
von der Notwendigkeit für unſere militäriſche Sicherheit
abſtehen oder dieſe Ausgaben ſich nur verſchieben
kön=
nen, ſo wenig dürfen wir von den Grundſätzen einer
ge=
ſunden Finanzpolitik abweichen. (Sehr richtig! links.
Leine Armee kann ohne die Rückendeckung guter
Finan=
zen agieren, aber zugleich iſt eine ſtarke Wehrmacht das
ſtärkſte Fundament guter Finanzen. (Sehr richtig! rechts.
Es wäre unverantwortlich, wollten wir den Grundſatz
aufgeben: Keine Ausgabe ohne Deckung, und
zurückkeh=
ren zu dem Syſtem der deckungsloſen Ausgaben, das uns
im abgelaufenen Jahrzehnt in ſo ſchwere Kalamität
ge=
bracht. Ich bin überzeugt, daß auch der Reichstag die
Schwere der Verantwortung fühlt, die ihm die Löſung
der Deckungsfrage auferlegt (Sehr richtig! links) und daß
er mit den Verbündeten Regierungen einig iſt in dem
Willen, die unumgänglichen Ausgaben für die Rüſtungen
nicht zum Ausgangspunkt eines neuen Leidensweges zu
machen. Nun hat die öffentliche Kritik dem Finanzplan
der Ihnen vorliegenden Denkſchrift vielfach Mangel an
Solidität vorgeworfen. Mit Unrecht! Sie werden ſich
dieſer Ueberzeugung anſchließen, wenn Sie die
Darle=
gungen, die Ihnen der Reichsſchatzſekretär darüber
ma=
chen wird, unvoreingenommen prüfen.
Ich will gern zugeben, daß allen finanziellen Zukunfts
ſchätzungen für eine längere Zeit eine gewiſſe
Unſicher=
heit inne wohnt und inne wohnen muß (Sehr richtig!
in der Mitte), auch wenn ſie noch ſo ſorgfältig aufgeſtellt
ſind, wie die Ausdehnung der Erbſchaftsſteuer über etwa
einen Ertrag von 60 Mill. gegenüber 36 Mill., die wir
aus der Aufhebung des Branntweinſteuerkontingents er
warten. Kann man nun wirklich behaupten, daß eine
Differenz von 20 bis 30 Millionen bei einem Milliarden
etat unſeren Vorſchlag von vornherein zu einem unſoliden
ſtempelt? Wer die öffentlichen Erörterungen der letzten
Zeit aufmerkſam verfolgt hat und aufrichtig ſein will,
muß zugeben, daß die uns wiederholt in der Preſſe
ge=
machten Vorwürfe, dieſe Vorlage entſpränge
ausſchließ=
lich politiſchen Erwägungen, vollſtändig grundlos ſind.
Die Parteien der Linken haben uns wiederholt ihr
Miß=
behagen darüber ausgeſprochen, daß wir nicht die
Erb=
anfallſteuer zur Beſtreitung der durch die Wehrvorlagen
entſtehenden Mehrkoſten vorgeſchlagen haben. Wir
ha=
ben darauf verzichtet, weil wir überzeugt ſind, daß wir
damit dem Betrage, der durch den Fortfall der ſog.
Branntweinliebesgabe frei wird, auskommen können.
(Zuruf: Wie lange?) Anderſeits wäre durch das
Ein=
bringen der Erbſchaftsſteuer die Kluft, die jetzt leider
zwi=
ſchen den einzelnen bürgerlichen Pateien beſteht, noch er
weitert worden. Hätten wir uns jetzt darauf verlaſſen, daß
die Sozialdemokraten aus Vorliebe für Beſitzſteuern, alle
Abneigung gegen eine Verſtärkung von Heer und Flotte
vergeſſen würden, ſo wäre lediglich ein äußerſt
folgen=
ſchwerer Mißerfolg herausgekommen. Nicht dem einen
zu Liebe und dem anderen zu Leide haben die
Vor=
bündeten Regierungen die Einbringung unterlaſſen,
ſon=
dern einfach deshalb, weil es ſich darum handelte, eine
Mehrheit für die notwendigen Wehrvorlagen zu erlangen.
Eine Erbanfallſteuer hätte aber der bereits herrſchenden
Zerklüftung innerhalb der bürgerl. Parteien noch
Vor=
ſchub geleiſtet. Wir mußten uns daher bemühen, eine
möglichſt einheitliche Annahme der Wehrvorlagen zu
er=
zielen. Ich kann deshalb die Linke bitten, die
vorge=
ſchlagene Erhöhung unſerer Wehrkraft nicht daran
ſchei=
tern zu laſſen, daß die Erbſchaftsſteuer nicht aufs Tapet
gebracht iſt. Die Vorſchläge ſind im Intereſſe unſerer
Wehrkraft erforderlich und ſollten hoch über den Kämpfen
der Parteien ſtehen. Das, meine Herren, ſind im
weſent=
lichen die Anſchauungen, von denen die Verbündeten
Re=
gierungen bei dem Ausarbeiten dieſer Vorlagen geleitet
worden ſind. Die Herren Reſſortchefs werden dann
die=
ſen Begründungen noch notwendig erſcheinende
Erwei=
terungen zu teil werden laſſen. Nichts iſt verlangt, was
nicht zum Ausbau unſerer Wehrfähigkeit erforderlich
wäre. Nicht neue Macht und Stärke, ſondern dem
Deutſchen Reiche die notwendige Kraft nach innen und
außen ſollen die Wehrvorlagen bringen. Ich bin gewiß,
daß im Auslande bereits Rechnungen auf den deutſchen
Parteihader angeſtellt werden; die werden Sie zu
ſchanden machen. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß
in dieſen wichtigen Fragen bei Ihnen die nationale
Vaterlandsliebe das entſcheidende Wort ſprechen wird.
(Lebhafter Beifall.)
Kriegsminiſter v. Heeringen: Wie das frühere
Friedenspräſenzgeſetz, bezweckt auch das vorliegende die
im Laufe der Jahre allmählich bemerkbar gewordenen
Lücken im deutſchen Heere auszufüllen. Die militäriſche
Lage iſt ſeit 1910 in einer fortwährenden Entwickelung
begriffen geweſen. Die Korps ſollen ſchon im Frieden
vorgebildet werden. Hand in Hand geht eine
Vermehr=
ung des Beurlaubtenſtandes. Vermehrungen finden auch
ſtatt bei den Funkentelegraphen= und den Telegraphen=
Abteilungen, ſowohl hinſichtlich des Materials als auch
des Perſonals. Ferner iſt eine Vermehrung der
Ge=
neralſtabsſtellen vorgeſehen, was ſchon im Hinblick
dar=
auf berechtigt iſt, daß gerade an die Führer die größten
Anforderungen geſtellt werden. Ich habe das Vertrauen
zum Reichstag, daß er dem Reiche nicht verſagen wird,
wovon unter Umſtänden ſeine Exiſtenz abhängt.
Seite 6
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.
Nummer 95.
Admiral von Tirpitz: Durch die neue Flottenvor
lage ſoll die bisherige nicht berührt werden. Zwei
Miß=
ſtände ſoll die neue Vorlage beſeitigen, einmal die
Ent=
laſſung der Reſerviſten alljährlich im Herbſt, und
zwei=
tens das geringe Verhältnis der ſofort verwendbaren
Flotte zu unſerer Geſamtflotte. Allerdings mußten wir
unter Berückſichtigung der Finanzlage manche
Forder=
ung zurückſtellen. Die geforderten Neueinrichtungen ſind
aber auch deshalb unabweisbar, da ſie das mindeſte
ſind, was unſerer Flotte not tut. Die Koſten der
beabſich=
tigten Mehrindienſtſtellung verteilen ſich auf mehrere
Jahre und ſind nicht beſonders groß. (Zuruf links: Na,
es geht!). Die Forderungen ſind in den engſten
Gren=
zen gehalten und die Vorlage iſt lediglich aus
militäri=
ſchen, nicht aus politiſchen Gründen entſtanden. Aus
dieſem Grunde wird auch kein Patriot dieſer Vorlage
ſeine Zuſtimmung verſagen.
Reichsſchatzſekretär Kühn: Die Vermehrung von
Heer und Flotte iſt natürlich nur möglich, wenn die nötige
finanzielle Grundlage vorhanden iſt. Wir dürfen ihnen
nur näher treten, wenn wir unſere durchaus geſunde
Fi=
nanzpolitik nicht zu verlaſſen brauchen. Unſere
Schulden=
laſt darf nicht vermehrt werden. Alle Anleihen dürfen nur
für werbende Anlagen geſchehen. Wir dürfen auch
des=
halb nicht von dem Grundſatz abweichen: Keine
Aus=
gaben ohne Deckung. Der beliebte Staatsſekretär
Wer=
muth ſoll ein warmer Freund der Erbſchaftsſteuer ge
weſen ſein; hieraus zog die Preſſe vielfach den Schluß,
ſein Nachfolger müßte entgegengeſetzter Geſinnung ſein.
Ein Perſonenwechſel ſollte aber hierauf keinen Einfluß
haben. Ich darf aber wohl bemerken, daß der erſte
Ent=
wurf über die Erbanfallſteuer, der allerdings nicht das
Licht der Welt erblickt hat, von mir herrührt. Ich bin
niemals grundſätzlicher Gegner der Erbanfallſteuer
ge=
weſen und auch die Regierung hatte einen zweiten
Ent=
wurf damals eingebracht gehabt. Das
Branntweinkon=
tingent ſoll nur in den Reſervatſtaaten reduziert, in den
anderen beſeitigt werden. Ich hoffe mit dem geringen
Betrag auszukommen, beſonders durch das gute
Etats=
jahr 1911, wo uns vorzügliche Einnahmen bevorzuſtehen.
ſcheinen. Wir ſind mit unſeren Anſprüchen aufs äußerſte
herabgegangen, um unſere ſchon ſtark belaſtete
Bevölker=
jung nicht noch mehr zu belaſten. Ein Volk, das
immer=
hin auf einen Angriffskrieg gefaßt ſein muß, muß auch
Reſerven haben, wenn die Not groß iſt.
Abg. Haaſe (Soz.): Die heutigen Erklärungen laſ
ſen vermuten, daß wir ſehr bald wieder mit einer neuen
Heeresvorlage zu rechnen haben müſſen. Herr von
Hee=
ringen ſagte 1909, daß durch das damalige Geſetz den
Anforderungen in vollem Umfange entſprochen ſei. Wel
cher Herr von Heeringen hat nun recht, der von 1909 oder
der von 1912? Man muß aus dieſen Erklärungen den
Schluß ziehen, daß die Gutachten unſerer militäriſchen
Sachverſtändigen ohne Wert ſind. Frankreich wird noch
lange mit der Beruhigung von Marokko zu tun haben,
von hier haben wir alſo nichts zu fürchten. Unſer
Vor=
gahen in den Rüſtungen iſt nur das Signal für die
an=
deren Mächte. Dieſes Wettrüſten kann nur ein Ende mit
Schrecken nehmen. Wir werden in der Kommiſſion an der
Beratung teilnehmen und für die Aufbeſſerung der
Mann=
ſchaftslöhne und der Veteranengelder eintreten. Sind
Abg.
Ueberſchüſſe vorhanden, dann heraus damit.
Spahn (Zentr.) Viel mehr als die finanziellen Laſten
der Wehrvorlagen ſollen die perſönlichen, die unſere
Be=
völkerung tragen muß, uns eingehend prüfen laſſen.
ob Bedarf für dieſe Vermehrungen vorhanden iſt, (Zuruf
Sie lehnen alſo ab!) Warten Sie nur ab. Wir haben
zu prüfen, ob die Notwendigkeit vorhanden iſt, oder ob
die Vorlagen durch die politiſchen Verhältniſſe
begrün=
det ſind. Wir ſehen, daß die benachbarten Völker keine
Opfer ſcheuen, um ihre Rüſtungen intakt zu halten und zu
vervollſtändigen. Wir müſſen dafür Sorgen tragen, daß
die Erhöhung der Mannſchaftslöhne nicht erſt mit dem
neuen Etatsjahr, ſondern ſchon am 1. Oktober Tatſache
wird. Einſtimmig ſind meine Freunde einig darin, daß
die Beſeitigung des Branntweinkontingents nicht der
Ausgang zu einer neuen Branntweingeſetzgebung wird
Die Erſchaftsſteuer lehnen wir unter allen Umſtänden ab
— Abg. Herzog (Wirtſch. Vgg.): Wir haben Vertrauen
zu den militäriſchen Sachverſtändigen. Den
Anforderun=
gen können wir nur zuſtimmen.
Nächſte Sitzung Dienstag 1 Uhr: Schluß halb
7 Uhr.
Die deutſche Handwerks=Ausſtellung.
— Dresden, 20. April. Nachdem ſich bereits vor
längerer Zeit in Dresden ein Ausſchuß gebildet hatte zu
dem Zweck, den Stand des modernen deutſchen
Handwerks zur Darſtellung zu bringen und in
Ver=
bindung damit zu zeigen, in welcher Weiſe und in welchem
Umfange die Maſchine für das Handwerk nutzbar gemacht
werden kann, hatte Oberbürgermeiſter Dr. Beutler zu
heute eine Anzahl von Behörden, Korporationen und
ge=
werblichen Organiſationen, ſowie Vertreter der ſtädtiſchen
Behörden zu einer Verſammlung in das neue Dresdener
Rathaus geladen. Nach Begrüßung der Erſchienenen
er=
läuterte Dr. Beutler ſeinen Plan und bezeichnete es als
be=
ſonders bedeutungsvoll, daß ſich der Vorſtand der
Stän=
digen Ausſtellungskommiſſion für die deutſche Induſtrie in
Berlin einmütig bereit erklärt hat, das Unternehmen zu
unterſtützen. Auch könne neben dem Handwerk auf eine
ſtarke Beteiligung der in Frage kommenden Zweige der
Maſchineninduſtrie mit Sicherheit gerechnet werden. Die
Ausſtellung ſoll ein anſchauliches Bild von dem
gegenwär=
tigen Stande des deutſchen Handwerks und von ſeinem
Streben nach Vervollkommnung ſeiner Arbeitsweiſe geben
und in Verbindung damit zeigen, wie die Maſchine für das
Handwerk nutzbar gemacht werden kann. Es ſollen
fol=
gende Gruppen gebildet werden: Baugewerbe mit
Woh=
nungs=, Straßen= und Wegebau; Bearbeitung von
Metal=
len, Holz, Knochen, Horn u. dgl. zu
Gebrauchsgegenſtän=
den; Handwerke für Schmuckgegenſtände;
Bekleidungs=
gewerbe, Körper= und Geſundheitspflege, Spiel und
Sport; Nahrungs= und Genußmittel; Handwerk für Schrift
und Bild; Maſchinen und Werkzeuge aller Art, ſowie in
beſonderen Abteilungen geſchichtliche
Handwerkerorgani=
ſation, Sitten und Gebräuche, Bildungsmittel,
Berufs=
krankheiten und deren Verhütung, ſtaatliche Förderung des
Handwerks, ſowie Hausfleiß, Jugendarbeit und
Jugend=
erziehung. Dieſe Pläne fanden im allgemeinen Billigung
Nach weiteren Erläuterungen wurde folgende
Ent=
ſchließung einſtimmig angenommen:
„Die Verſammlung erklärt ſich mit der
Veranſtal=
tungeiner Ausſtellung „Das deutſche
Hand=
werk Dresden 1915” auf Grund des allgemeinen
Programms einverſtanden und überträgt dem
Arbeitsaus=
ſchuß die weiteren Vorbereitungen für das Unternehmen.
Sie ſpricht die Erwartung aus, daß die Stadt Dresden,
der ſächſiſche Staat und die Reichsregierung das Zuſtande=
Lommen der Ausſtellung durch entſprechende finanzielle
Unterſtützung ermöglichen werden. Die Verſammlung
be=
ſchließt, an Se. Majeſtät den König von Sachſen die Bitte
zu richten, das Protektorat über die Ausſtellung zu
über=
iehmen. Ihre Exzellenzen Staatsſekretär Dr. Delbrück
und Staatsminiſter Graf Vitzthum ſollen erſucht
wer=
en, das Ehrenpräſidium der Ausſtellung anzunehmen
Weiter werden die Vertreter der Staatsregierungen, die
eine Förderung der Ausſtellung in Ausſicht ſtellen, gebeten,
dem Ehrenpräſidium beizutreten.”
Der Notſtand in Nieder=Modan.
Von Direktor Baſtian.
In Kreiſen, denen das über Nieder=Modau und
Um=
gegend hereingebrochene Unglück nahe geht, iſt die Frage
erortert worden, ob nicht den hart bedrängten
Kaſſemit=
gliedern und Schuldnern dadurch zu Hilfe zu kommen
wäre, daß man ihnen die Erfüllung ihrer Pflichten der in
Konkurs geratenen Kaſſe gegenüber erleichtern kann. Ueber
die Notwendigkeit einer Hilfsaktion iſt angeſichts der
Ge=
fahr, daß einer Reihe von Exiſtenzen der Ruin droht, ein
Zweifel nicht möglich. Andererſeits iſt aber der
Fehl=
betrag im Verhältnis zur Zahl der haſtenden Genoſſen ein
ſo hoher, daß eine einigermaßen wirkſame Hilfe ſchon
wegen der Kapitalbeſchaffung, ganz abgeſehen von der
ungeheueren Verwaltungsarbeit, auf die allergrößten
Schwierigkeiten ſtößt. Wer ſich von dem Notſtand
über=
zeugt hat, der wird es aber nicht fertig bringen, ſich
un=
tätig mit der Feſtſtellung zu begnügen, daß eine Aktion
möglicherweiſe an der Höhe des Fehlbetrags ſcheitert.
Vielmehr wird die umgekehrte Folgerung zu ziehen ſein,
daß — gerade weil der Fehlbetrag ſo groß iſt, der von
einem perhältnismäßig kleinen Mitgliederbeſtand gedeckt
werden muß — eine Hilfe erſt recht unbedingte
Notwen=
digkeit iſt.
Die finanziellen Verhältniſſe der Nieder=Modauer
Kaſſe, wie ſie zurzeit liegen, ziffermäßig hier darzulegen,
trage ich Bedenken. Für die Entwickelung der
Grund=
züge einer Hilfsaktion können die Ziffern aber auch
ent=
behrt werden.
Der Fehlbetrag geht über 1 Million hinaus; ſeine
Deckung ließe ſich derart denken, daß 1. die
Verwaltungs=
rgane (Aufſichtsrat und Vorſtand) zu einem Opfer
ver=
anlaßt werden; 2. den Einlegern ein Nachlaß angeſonnen
wird (im Konkurs verlören ſie ja auch Zinſen und, ſo wie
die Verhältniſſe liegen, vielleicht auch noch Kapital); 3. von.
den Banken als Gläubigern eine Kürzung ihrer Anſpürche
erbeten wird, wegen der Inanſpruchnahme aus
Bürgſchaf=
ten Ablöſungsverträge geſchloſſen, und 4. für den dann noch
verbleibenden Reſt die Mitglieder in Anſpruch genommen
werden. Man mag die zu 1, 2 und 3 ſich ergebenden
Be=
träge hoffnungsfreudig noch ſo hoch anſetzen, ſo bleibt doch
noch von den Mitgliedern ein empfindlich hoher Ausfall
zu decken.
Es erhebt ſich nun die Frage, wie dieſen Mitgliedern
(natürlich auch den Schuldnern) die Erfüllung ihrer
Pflich=
ten erleichtert werden kann, da es an einer
Kreditorgani=
ſation nach dem Konkurs der bisherigen Genoſſenſchaft
in Nieder=Modau fehlt. Eine neue Genoſſenſchaft als
Schutz= und Hilfskaſſe zum Zwecke der
Geldbe=
ſchaffung zu gründen, um die vorhandene Lücke
aus=
zufüllen, dürfte ſich als ein fragwürdiger Weg deshalb
er=
weiſen, weil die neue Kaſſe ſich mit einem ſo hohen
Riſiko belaſten müßte, daß ihr das Vertrauen von
Ein=
legern, auf welche ſie ja doch zum Zwecke der
Geldbeſchaff=
ung angewieſen bliebe, kaum in dem erforderlichen
Aus=
maß zur Seite ſtünde. Das Riſiko wäre um deswillen ſo
unerträglich geſteigert, weil die Kaſſe, wenn ſie
einiger=
maßen hilfreich wirken will, ſehr weit in der
Kreditein=
räumung gehen müßte. Dazu treten noch die beſonderen
Gefahren, die in jeder lokalen Kreditkonzentration liegen.
Bei einer ſolchen Sachlage werden ſich auch kaum genügend
hilfsbereite Männer finden, welche die neue Genoſſenſchaft
bilden ſollen, ſelbſt wenn man die hier vorzuziehende
be=
ſchränkte Haftart wählt. Dieſe Erwägungen führen alſo,
um es zu wiederholen, dazu, daß bei einer ſolchen
Zweck=
beſtimmung der Hilfskaſſe die Mitglieder ausbleiben und
erſt recht die Einleger fehlen würden.
Die Umſchau nach einem anderen geeigneten Weg
lenkt den Blick ganz von ſelbſt auf die Genoſſenſchaften (die
auch ſchon mit Rückſicht auf ihre eigenen Intereſſen den
Wunſch haben dürften, daß der Konkurs ſo bald als
mög=
lich zu Ende geführt wird, und der Fall Nieder=Modau
aus der öffentlichen Erörterung ausſcheidet). Wenn die
in Heſſen beſtehenden Genoſſenſchaften (über 400)
wenig=
ſtens der Mehrzahl nach im Intereſſe der
Genoſſenſchafts=
ſache mitmachen, dann wird es, ohne daß das Engagement
für die einzelne Genoſſenſchaft irgendwie erheblich wird,
ohne weitere Schwierigkeit möglich ſein, eine Hilfsaktion
zuſtande zu bringen. Eine jede Kaſſe hätte ja im
Durch=
ſchnitt nur 3000 bis 4000 Mark Engagement gegen
Unterlagen zu übernehmen; ihr Riſiko kann alſo auch
ſchlimmſtenfalls nicht hoch werden. Die Ausführung denke
ich mir derart, daß die verſchiedenen Genoſſenſchaften die
Darlehen, deren die bedrängten Mitglieder oder Schuldner
und auch die in Anſpruch zu nehmenden Mitglieder der
Verwaltungsorgane zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen
bedürfen, zur Verfügung ſtellen, aber nicht in bar, ſondern
durch Gutſchrift bei der alten Kaſſe, wie wir noch ſehen
werden. In jedem einzelnen Falle hätte ſelbſtverſtändlich
die Feſtſtellung vorauszugehen, wie hoch das betreffende
Mitglied auf Grund ſeiner Vermögensverhältniſſe von der
Konkursverwaltung, die ja natürlich weiter amtiert,
über=
haupt herangezogen werden kann. Der weitere Gang der
Dinge wäre nun eigentlich der, daß dieſer Darlehensbetrag
an den Konkursverwalter abzuführen ſein würde, der ihn
ſeinerſeits mit zur Befriedigung der Gläubiger zu
ver=
wenden hätte. Um aber eine Flüſſigmachung der
Kapi=
alien hintanzuhalten und außerdem auch zu erreichen, daß
die Einleger ihre Gelder bei einer lokalen Kaſſenſtelle
ſtehen laſſen können. ſchlage ich vor, in der Form der
Ge=
noſſenſchaft mit beſchränkter Haftpflicht in Nieder=Modau
ine neue Kaſſe zu gründen, auf welche die Einlagen
der alten Kaſſe im Einverſtändnis mit den Einlegern
über=
gehen und welche andererſeits als Aktiva=Forderungen
an die Genoſſenſchaften von der alten Kaſſe zediert erhält.
Gemeint ſind jene Forderungen, welche die alte Kaſſe
(gleich Konkursverwalter) gegenüber den intervenierenden
inzelnen Genoſſenſchaften erwarb und welche gleichzeitig
mit der Uebertragung der Einlagen von der alten Kaſſe
an die neue abgetreten werden. Damit ſind die Gläubiger
der alten Kaſſe befriedigt, der Konkurs iſt an ſeinem
natür=
lichen Ende angelangt. Die ganze Ueberleitung könnte
in der Zeit eines Jahres erledigt ſein; ein unermeßlicher
Vorteil, wenn man bedenkt, wie bleiern ein längerer
Ge=
noſſenſchaftskonkurs auf den geſchäftlichen und privaten
Verhältniſſen aller Beteiligten liegt. Der neuen
Genoſ=
enſchaft, die ſolcherart nur denkbar gute Aktivgeſchäfte
macht, könnte es an Vertrauen gewiß nicht fehlen. Man
kann deshalb erwarten, daß die Einlagen bis auf
die=
jenigen Beträge, die unbedingt in bar gebraucht werden.
auf ſie übergehen.
Iſt es nun der einen oder anderen Genoſſenſchaft
ge=
nehmer, anſtatt ſelbſt als Darlehensgeber aufzutreten, die
Gewährleiſtung für eine Forderung von 3000 bis 4000
Mark zu übernehmen, ſo könnte auch das ſelbſtverſtändlich
dankbar angenommen werden. Dann hätte die neue Kaſſe
formell das Darlehen an den Anleiher zu geben. Die
Bilanz der neuen Kaſſe erführe damit keine
Verſchlechter=
ung, denn ob ſich in den Aktiven ausſchließlich Forderungen
an Genoſſenſchaften befinden oder ob ein Teil dieſer
For=
derungen gegenüber den Mitgliedern und Schuldnern unter
Gewährleiſtung von ſolchen Genoſſenſchaften beſteht,
be=
dingt inbezug auf die Qualität der Aktiven keinen
Unter=
ſchied. Die eine oder andere Genoſſenſchaft wird
möglicher=
weiſe auch vorziehen, einen einmaligen Zuſchuß à fonds
perdu zu leiſten. Der vorgeſchlagene Weg ſchließt es nicht
aus, auch mildtätige Zuwendungen anzunehmen, wiewohl
damit der rein geſchäftsmäßige Grundſatz, auf den ſich
der ganze Plan aufbaut, verletzt wird.
Von großer Bedeutung iſt, daß ein
Flüſ=
ſigmachen der Ausſtände durch den
Kon=
kursverwalter und ein Ueberangebot von
Vermögenswerten vermieden bleibt, denn
eine Maſſen=Exekution muß zu einer
Ver=
ſchleuderung, alſo zu einer außerorden
t=
lichen Entwertung des Beſitzes führen.
Dieſer Fall tritt nicht ein, wenn den Verpflichteten in der
geſchilderten Weiſe beigeſprungen wird. Eine
Kapital=
bewegung in der Form des Barverkehrs iſt damit
gleich=
falls vermieden. Ob der Staat wenigſtens in kleinem
Umfange öffentliche Mittel feſtlegen kann durch Mitbieten
bei allenfalls doch notwendig werdenden Verſteigerungen,
oder wie er ſonſt etwas tun könnte, das würde in einem
ſpäteren Stadium zu erörtern ſein, wenn die Staatshilfe
nicht überhaupt entbehrt werden kann und grundſätzlich
erreichbar iſt.
Damit die Einlagen auf die neue Kaſſe in möglichſt
weitem Umfange übergeführt werden, könnte vereinbart
werden, daß diejenigen Einleger, welche auf der ſofortigen
Barbefriedigung beſtehen, ſich einen größeren Nachlaß
ge=
fallen laſſen, als die übrigen, welche Gläubiger der neuen
Kaſſe werden. Die unumgänglichen Barrückzahlungen
können ſpäterhin aus Geldern, welche der
Konkursverwal=
ter ſchon eingetrieben hat und noch weiter eintreibt, oder
aus neuen Einlagen geleiſtet werden. Wird nun der von
den Einlegern erwirkte Nachlaß nur zur Hälfte zur
Deck=
ung des Fehlbetrags verwendet, ſo könnte aus der anderen
Hälfte ein recht erheblicher Reſervefonds von mehr als
200000 Mark gebildet werden, der den Genoſſenſchaften
gleichfalls haften könnte als eine Art Rückbürgſchaft. Dieſe
Regelung empfiehlt ſich auch um deswillen, weil die den
einzelnen Genoſſenſchaften zuzuweiſenden Engagements
nur ziffernmäßig, aber nicht auch qualitativ gleichartig ſind.
Die Bilanz der neuen Kaſſe ſähe dann ſo aus:
Aktiva: Forderungen an Genoſſenſchaften und an
Dritte mit Gewährleiſtung durch einzelne Genoſſenſchaften
. Mark.
Paſſiva: Einlagen und Verpflichtungen der alten
Kaſſe mit Abzug des Nachlaſſes
.. Mark. Sicherheitss
fonds zur Deckung von Ausfällen
. Mark.
Wenn ſpäterhin die Verhältniſſe ſich konſolidiert haben,
könnte die neue Kaſſe an die allmähliche Uebernahme der
bei den anderen Kaſſen ausſtehenden Kapitalreſte (
ur=
ſprüngliche Darlehen abzüglich der mittlerweile
vollzoge=
nen Abrentungen) herantreten.
Für die Geſchäftsführung der neuen Kaſſe denke ich
mir, bis das Vertrauen ein feſt begründetes iſt, neben dem
Kaſſenvorſtand einen Arbeitsausſchuß, in den ehrenamtlich
Landtagsabgeordnete, die Bürgermeiſter der beteiligten
Ge=
meinden, ſowie Finanzamtsvorſtände und andere Staats
beamte, denen die vorgeſetzten Inſtanzen für dieſen Zweck
ausnahmsweiſe wohl die Genehmigung zur Mitwirkung
erteilen dürften, eintreten könnten. Die Koſten eines
Sekretariats, die ja bei der ſtarken Abkürzung des Kon
kurſes nicht hoch ſein werden, könnte vielleicht der Stadt
übernehmen, der damit zu der ganzen Aktion einen
mäßi=
gen, aber doch auch vertretbaren Beitrag leiſten würde.
Ich weiß, daß auf dem Weg zum Ziel viel Arbeit, viel
Undank und manches Bedenken liegt. Aber hat es nicht
ein größeres Bedenken gegen ſich, die Nieder=Modauer
einfach ihrem Schickſal zu überlaſſen? Freilich, wenn
die Genoſſenſchaften, die als die Nächſten
zugunſten von Nieder=Modau den erſten
und wichtigſten Schritt tun müſſen, ſich abs
ſeits ſtellen, fällt der Plan in dieſer Form.
Daß es aber gerade im Intereſſe des genoſſenſchaftlichen=
Gedankens bedauerlich wäre, wenn der Weg der
Selbſt=
hilfe unter dem ſieahaften Wort „Alle für einen” nicht
be=
ſchritten werden würde, bedarf keiner weiteren Ausführung.
Und die Verantwortung dafür, daß andere Kreiſe
wegblei=
ben. wenn die Genoſſenſchaften nicht vorangehen, iſt keine
geringe. Meine Arbeit entſprang einer höheren Ortes
ergangenen Anregung, die in dem warmherzigen Beſtreben
wurzelt. Wege für eine Hilfeleiſtung ausfindig zu machen,
Einen Vorſchlag möchte ich in Vorſtehendem der
Erörter=
ung meiner Fachgenoſſen unterſtellen und namentlich den
Genoſſenſchaften mit der Bitte um eine wohlwollende
Würdigung unterbreiten.
Luftfahrt.
* Frankfurt, 22. April. Die beiden
Zeppelin=
ſchiffe „Viktoria Luiſe” und „Schwaben”
unter=
nehmen morgen von ihren Häfen aus längere Fahrten.
Die „Viktoria Luiſe” fliegt von Frankfurt nach Baden=
Baden, die „Schwaben” kommt von Baden=Baden nach
Frankfurt. Beide Schiffe verlaſſen um 9 Uhr ihren
Standort und werden ſich gegen 10½ Uhr auf der Höhe
von Heidelberg kreuzen. Nachmittags um 3 Uhr ſteigen
die Schiffe zur Heimfahrt auf.
Zum Untergang der „Titanie‟
— New=York, 21. April. Verſchiedene Dampfel
melden, daß ſie an der Unglücksſtelle der „Tita”
nie” Trümmer und zahlreiche Leichen geſehen haben
Der Kabeldampfer „Me Kei Bermett” begab ſich zur Und
glücksſtelle, um heute mit der Bergung der Leichen beginnen
zu können.
* London 21. April. Die Subſkription in
England zu Gunſten der Hinterbliebenen der
umgekom=
menen Mannſchaft der „Titanic” beläuft ſich augenblick;
lich auf insgeſamt 2 Millionen Mark. In Belfaſt allein
ſind während einer Stunde 125000 Mark gezeichnet worden
* New=York, 22. April. Vor der
Senats=
kommiſſion erklärte der erſte Telegraphiſt
der „Carpathia” daß die unrichtige
Meld=
ung, daß die Paſſagiere der „Titanic” alle gerettet ſeien
und die „Titanic” ins Schlepptau genommen werde, nicht
von ihm geſandt worden ſei. Er habe der „Baltic”
ge=
meldet etwa um 10,30 Uhr Montag vormittags, daß
die „Carpathia” auf dem Schauplatz des Unglücks
ge=
weſen ſei, die Ueberlebenden an Bord genommen hätte
und nach New=York ginge. Er habe keinen einzigen Ver=
Nummer 95.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.
Seite 7.
ſuch genacht irgend weiche Tatſachen vorzuenthallen.
Der zweite Telegraphiſt der „Titanic” Bride, ſagte
aus, er habe am Sonntag nachmittag eine Meldung der
„Carpathia” aufgefangen, die für die „Baltic”
be=
ſtimmt geweſen ſei, daß ſich in der Nähe des Schiffes
drei große Eisberge befänden. Er habe dieſe Meldung
dem Kapitän perksnlich gegeben. Bride ſagte ferner aus,
Kapitän Smith, der keinen Rettungsgürtel angelegt
hatte, habe bis zuletzt auf der Kommandobrücke
geſtan=
den und ſei ins Waſſer geſprungen, als es die
Kommando=
brücke erreichte. Die Senatskommiſſion wird am
Mon=
tag ihre Sitzungen in Waſhington wieder aufnehmen.
DDie überlebenden Amerikaner haben bereits
Vorladungen erhalten. Die Reiſe Mr. Smiths, des
Vor=
ſitzenden der Senatskommiſſion, nach New=York wird
da=
durch erklärt, daß Miſter Ismay an Mr. Franklin
tele=
graphiert hatte, die Abfahrt der „Codfie” möchte
ver=
ſſchoben werden, damit ſie die Ueberlebenden von der
Mannſchaft der „Titanic” an Bord nehmen könne.
Die=
iſes Telegramm war von dem amerikaniſchen
Regier=
lungsapparat aufgefangen und nach New=York
weiter=
gegeben worden.
* New=York, 22. April. Der Kabeldampfer „Mac
Key Bennet” berichtet, daß er in der Nähe der
Unter=
gangsſtelle der „Titanie” 64 Leichen geborgen
habe, die vermutlich noch identifizierbar ſind. Einige
an=
idere Leichen, deren Rekognoszierung nicht mehr möglich
iſt, wurden in die See verſenkt.
* London, 22. April. Der Daily Telegraph melde:
laus New=York vom 21. April: Ein Heizer, der mit
dem Kapitän Smith in dem Augenblick des
Unter=
gangs des Schiffes auf dem Brückendeck war, berichtet:
Als das letzte Boot flott gemacht wurde, brach das
Waſ=
ſer über die Brücke. Der Kapitän, der ſchon bis in die
Knie im Waſſer ſtand, rief aus: Jungens, Ihr habt Eure
Pflicht getan. Ich verlange nichts mehr von Euch, ich
entlaſſe Euch. Ihr kennt das Geſetz der See, jedermann
ſteht für ſich ſelbſt. Gott ſegne Euch!‟ Dann nahm er
ein weinendes Kind, das auf der Brücke neben ihm ſtand,
auf den Arm und ſprang hinab. Ein geretteter
Paſſagier beſtätigte die Ausſage des Heizers. Er ſagte,
ſer habe den Kapitän mit einem Kind unter dem Arm
ſſchwimmen ſehen. Smith habe das Kind in ein Boot
gebracht, ſich aber geweigert, ſelbſt in das Boot
Zu gehen.
* London, 22. April. Für den
Unterſtütz=
iungsfonds zugunſten der Hinterbliebenen der
Opfer der „Titanic” ſind bisher über 2 Millionen
Mark geſammelt worden; etwa 1,9 Millionen davon ſind
in London zuſammengekommen.
Der italieniſch=türkiſche Krieg.
* Konſtantinopel, 22. April. Ein unter dem
Vorſitze des Großweſiers abgehaltener Miniſterrat hat den
Text der Antwortnote der Pforte auf den
Ver=
mittlungsſchritt der Mächte genehmigt. Die Antwort wird
von dem Miniſter des Aeußern den Botſchaftern bei dem
heutigen Empfang mitgeteilt werden.
* Saloniki, 22. April. Der hieſige
Hafenkomman=
dant erhielt von Chedes die amtliche Mitteilung, daß
geſtern ſieben italieniſche Panzerſchiffe und drei
Torpedofahrzeuge dort eingelaufen und nach
drei=
viertelſtündiger Anweſenheit wieder in Sce gegangen ſeien.
Nach Meldungen von Chies und Tenedes ſind dort
gleich=
falls italieniſche Kriegsſchiffe geſehen worden. In Kreiſen,
die dem jungtürkiſchen Komitee naheſtehen, verlautet, daß
Mitgliedern des Komitees die Zuſicherung gemacht worden
ſei, daß die Italiener einen Angriff auf Saloniki nicht
unternehmen werden. Trotzdem werden hier und bei den
Befeſtigungen des Kap Karaburun, ſowie an ſonſtigen
Küſtenplätzen alle Vorſichtsmaßregeln für einen
italie=
niſchen Angriff fortgeſetzt.
* Konſtantinopel, 22. April. Die Sperrung
der Dardanellen verurſacht der Schiffahrt große
Verlegenheit. Ueber fünfzig Dampfer befinden ſich im
Hafen. Im Perſonen=, Waren= und Poſtverkehr iſt eine
Stockung eingetreten. Es werden Maßnahmen getroffen,
um den Verkehr auf indirekten Wegen abzuleiten. Die
Eiſenbahngeſellſchaften ſagten der Regierung eine
Erleich=
terung für den Getreidetransport zu. Die Stadtbehörde
trifft unabläſſig Vorkehrungen, um eine
Lebensmittel=
teuerung hintanzuhalten. Wegen der Einſtellung des
Verkehrs mit Trieſt trat auf dem Zuckermarkte eine große
Hauſſe ein. Der zwiſchen dem Bautenminiſterium und den
Orientbahnen abgeſchloſſene Vertrag betr. den Bau und
Betrieb der Bahnlinie Uesküb-Kalkendelen-Geſtivar
wurde geſtern unterzeichnet
H. B. Berlin, 22. April. Auf das Telegramm, das
die Mannheimer Börſe über die wirtſchaftlichen
ſchädigenden Folgen der Dardanellen=Sperrung an den
Reichskanzler geſandt hatte, iſt ihr folgende
Ant=
wort zugegangen: Auf Ihr Telegramm betreffend
Sper=
rung der Dardanellen erwidere ich Ihnen, daß
Deutſch=
land als neutrale Macht ſich nicht in einen Krieg zwiſchen
zwei Großmächten einmiſchen kann. Die kaiſerliche
Re=
gierung wird ſich indeſſen angelegen ſein laſſen, zum
Schutz der deutſchen Intereſſen die nach Lage der
Ver=
hältniſſe geeigneten Schritte zu tun. (gez.) Kiderlen.
Der Aufruhr in Fez.
* Tanger, 21. April. Nachrichten aus Fez
be=
ſſagen: Die Lage iſt ruhig. Franzöſiſche Truppen
machten gegen 1000 Gefangene. Zahlreiche andere
Meu=
terer flohen in die Umgegend und verſteckten ſich in den
Häuſern, die von Patrouillen durchſucht werden, während
in der Nähe aufgeſtellte Poſten die Flüchtlinge feſtnehmen
ſollen. Die Zahl der ermordeten franzöſiſchen
Zivilperſonen beträgt wahrſcheinlich acht, mehrere
andere werden vermißt. Die Zahl der ermordeten
In=
ſtrukteure wird auf 15 angegeben. Angehörige einer
an=
deren Nation ſcheinen nicht umgekommen zu ſein.
* Tanger, 22. April. General Moinier traf
geſtern morgen in Fez ein, wo die Ruhe wieder
her=
geſtellt iſt. Die geſamten Verluſte in den Kämpfen vom
17. bis 19. betragen 25 Tote, darunter 2 Kaufleute, und
etwa 60 Verwundete. El Mokri und Regnault beſuchten
die Verwundeten im Hoſpital. El Mokri dankte den
Truppen für die bewieſene Tapferkeit.
* Paris, 22. April. Wie der Petit Pariſien aus
Tanger meldet, beläuft ſich die Zahl der in Fez
ge=
töteten franzöſiſchen Offiziere und
Unter=
offiziere auf 30. Unter den von den Aufrührern
nieder=
gemachten Ziviliſten befinden ſich der Berichterſtatter des
Matin, Bringau, ſowie deſſen Frau. Der Matin teilt
mit, daß ſeinem Sonderberichterſtatter vom Geſandten
Regnault verboten worden ſei, irgend welche Meldungen
mittels Funkentelegraphie abzuſenden, er habe nur
tele=
graphieren dürfen, daß er ſich noch immer in Sicherheit
befinde, was recht beunruhigend klinge. Das Blatt ſchreibt
tweiter: Die Nachricht von der Niedermetzelung der fran=
öſiſchen Ofizſere und Ziiliſten hat in der öffentlichen
Meinung eine tiefgehende Bewegung
hervor=
gerufen. Die Regierung hat geglaubt, den Geſandten
Regnault beglückwünſchen zu müſſen. An wen wird ſie
ihren Tadel richten? Es ſind ſchwere Fehler begangen
worden. Die Niedermetzelung unſerer Landsleute hätte
vermieden werden können. Die franzöſiſchen Truppen
ſind zur Befreiung der bedrohten Europäer am 21. Mai
vorigen Jahres in Fez eingetroffen. Seit 11 Monaten
ſind die Franzoſen Herren der Stadt. Was iſt ſeither
zum Schutze unſerer Landsleute geſchehen?
* Paris, 22. April. Nach einer Havasmeldung aus
Tanger wurden bei der Plünderung des
Inden=
viertels in Fez an 100 Juden getötet. Die Zahl
der verwundeten Juden ſei ſehr beträchtlich und das
Elend unter dieſen ſehr groß. — Wie aus Elkſar gemeldet
wird, zeigt ſich nunmehr auch unter den ſcherifiſchen
Truppen in Suk=el=Arba eine bedenkliche Gärung. Die
franzöſiſchen Offiziere haben Vorſichtsmaßregeln
ge=
troffen. — Aus Taurirt wird gemeldet, daß in den
letz=
ten Tagen von den Marolkanern zwei franzöſiſche
Sol=
daten getötet wurden, die als Lagerwachtpoſten
aufge=
ſtellt waren.
* Paris 22. April. Nach den letzten Telegrammen
des Majors Moiniers aus Fez ſind die bei den
Un=
ruhen entſtandenen Verluſte folgende: 15 Offiziere
und 40 Mann tot, 40 Offiziere und 70 Mann verwundet;
außerdem ſind 13 Zivilperſonen, ſämtlich franzöſiſcher
Nationalität, getötet worden.
Darmſtadt, 23. April.
* Ein prächtiger Meteor wurde am Abend des 21.
April einige Minuten vor 10 Uhr beobachtet. Der
gelb=
lich=weiß glänzende Meteor bewegte ſich von Oſten nach
Weſten, in ſeiner Bahn folgte nach zirka 20 Sekunden
ein weiterer ganz kleiner Meteor nach.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 22. April. Die Nordd. Allg. Ztg. ſchreibt:
Seit dem Inkrafttreten des deutſch=italieniſchen
Handelsvertrags ergeben ſich Zweifel und
Mei=
nungsverſchiedenheiten über die Auslegung einiger
Ver=
tragsbeſtimmungen. Begründet auf beiderſeitiges
Ver=
trauen dürfte verſucht werden, hierüber
Verſtändi=
gung durch mündliche Verhandlungen zwiſchen
Kommiſ=
ſaren der deutſchen und der italieniſchen Regierung
herbei=
zuführen. Dieſe Verhandlungen ſollen am 24. April in
Rom beginnen.
* Berlin, 22. April. Als heute früh der Schutzmann
Meyer den 21jährigen Arbeiter Gaede zur Wache brachte,
wurde er von einer großen Schar Strolche und
Zuhäl=
tern bedroht, niedergeriſſen und mißhandelt. Es
ge=
lang ihm. wieder aufzuſpringen und ſeinen Revolver zu
ziehen, mit dem er ſeinem ſchlimmſten Angreifer, den als
gewalttätig bekannten Arbeiter Meinert, durch einen Schuß
in den Unterleib verwundete. Der Schutzmann erlitt
mehrere leichte Verletzungen.
* Aſchaffenburg, 22. April. Bei der Einfahrt in die
Station Aſchaffenburg entgleiſte heute kurz vor zwei
Uhr der D=Zug 57 München==Frankfurt a. M.
Ein Perſonenwagen wurde aus dem Gleis geworfen und
mehrere Fahrgäſte leicht verletzt. Der Zug traf in
Frank=
furt mit großer Verſpätung ein.
* Rinteln, 22. April. Bei den Vorbereitungen zu einem
Richtfeſt in Eſcher im Kreiſe Grafſchaft Schaumburg
explodierte geſtern eine Flaſche mit
Kohlen=
ſäure. Ein Mann war ſoforttot, drei wurden ſchwer
verletzt in das Krankenhaus nach Rinteln befördert, ſie ſind
unterwegs ihren Verletzungen erlegen. Zwei
weitere Schwerverwundete befinden ſich in dem Eſcher
Krankenhauſe. Ein neunjähriges Mädchen wurde an der
Hand verletzt, ſodaß ſie wahrſcheinlich verloren iſt. Das
Feſtzelt wurde vollſtändig zertrümmert.
* Altenburg, 22. April. Die Altenburger Zeitung
meldet: Infolge grundſätzlicher Meinungsverſchiedenheiten
in der Hausminiſterialverwaltung reichte Staatsminiſter
Borries ſein Entlaſſungsgeſuch ein, das von
dem Herzoa für den Herbſt bewilliat wurde.
* Stockholm. 22. April. Das Befinden
Strind=
bergs hat ſich verſchlechtert. Die Schmerzen ſind in
der Zunahme begriffen, die Morphiumeinſpritzungen
haben keine Wirkung mehr. Man alaubt, daß in den
näch=
ſten Tagen eine neue Overation nötig wird.
* New=York. 22. April. Infolge von
Wirbelſtür=
men, die geſtern in einigen Teilen von Illinois und
Indiana ausbrachen, wurden 32 Perſonen getötet und
etwa 100 verwundet. Es wurde großer Sachſchaden
an=
gerichtet.
H. B. Berlin, 22. April. Wie das Depeſchen=Bureau
Herold von gutunterrichteter Seite erfährt, wird die
ame=
rikaniſche Regierung an die Mächte eine Einladung zu
einer internationalen Konferenz bezüglich
Regelung des Schiffahrtsverkehrs in
kür=
zeſter Zeit gelangen laſſen. Wie wir hören, wird die
deutſche Regierung, ſobald eine derartige Aufforderung
ergeht, in zuſtimmendem Sinne eine Antwort erteilen.
Lübeck, 22. April. In einer Menagerie überfiel
ein Tiger den Oberwärter. Es gelang dem Perſonal
nach ſchwerem Kampfe, dem Tiger ſein Opfer zu entreißen.
Der Wärter iſt ſchwer verletzt worden.
H. B. London, 22. April. Dem Korreſpondenten des
Herold=Bureau wird von zuverläſſiger Seite mitgeteilt,
daß die Verhandlungen zwiſchen Deutſchland
und England muimehr auf kolonialen Gebiete
wei=
ter geführt werden. Die engliſchen Vorſchläge, die ſich
u. a. auf afrikaniſches Gebiet erſtrecken, ſind vor kurzem
der deutſchen Regierung übermittelt worden und das
eng=
liſche Kolonialamt erwartet jetzt die deutſchen
Gegenvor=
ſchläge. Der Korreſpondent des Herold=Bureau fügt
hin=
zu, man gebe ſich in London nicht der Erwartung hin,
daß ſich die augenblicklichen Verhandlungen in
allerkürze=
ſter Zeit erledigen werden. Vielmehr nimmt man an, daß
bis zur gegenſeitigen Verſtändigung eine geraume Zeit
verſtreichen wird.
Brieſraten.
§ 100. Dauernd untauglich.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Das nordöſtliche Hochdruckgebiet bedeckt jetzt den
ganzen Kontinent. Daher war es heute morgen in ganz
Deutſchland heiter. Die Temperaturen liegen in der
Nähe von 10‟ Regen fiel nur in Karlsruhe in ganz
unerheblicher Menge. Unter dem Einfluß des hohen
Druckes iſt wenig Aenderung der Witterung zu erwarten.
Teiltiefs können Gewitter verurſachen.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, den 23. April:
Heiter, trocken, warm. Gewitterneigung.
Für Schulkinder.
Daß viele Kinder in der Schule nicht
recht mitkommen, unaufmerkſam und matt ſind,
iſt gar oft auf eine zarte Körperkonſtitution
zurückzuführen. Anregung der vielfach
darnie=
derliegenden Eßluſt und beſſere
Ernährung iſt hier unbedingt am
Platze. Nichts iſt hierfür beſſer
geeignet, als die ſeit
Jahrzehn=
ten erprobte Scotts Emulſion.
Längere Zeit hindurch regelmäßig
genommen, kräftigt ſie Mädchen
und Knaben ſo erfreulich, daß
ſt mit
Marke demfiſcher ihnen die Schule und das
— dem Garanties
zeichen des Scott= Lernen bald wieder zur Freude
ſchen Verjahrens!
wird.
(39602
Scotts Emulſion wird von uns ausſchließlich im großen
verkauft und zwar nie loſe nach Gewicht oder Maß, ſondern nur
in verſiegelten Originalflaſchen in Karton mit unſerer Schutzmarke
(Fiſcher mit dem Dorſch). Scott & Bowne, G. m. b. H., Frankfurt a. M.
Beſtandteile: Feinſter Medizinal=Lebertran 150,0, prima
Glyzerin 50,0, unterphosphorigſaurer Kalk 4,3,
unterphosphorig=
ſaures Natron 2.0, pulv. Tragant 3,0 feinſter arab. Gummi
pulv. 2.0, Waſſer 129,0, Alkohol 11,0. Hierzu aromatiſche
Emulſion mit Zimt=, Mandel= und Gaultheriaöl je 2 Tropfen.
Angeſichts der Verteuerung der meiſten Genußmittel
iſt auf die Billigkeit von
(9606)f
En
SANURU N2E
beſonders hinzuweiſen. Dieſe fachgemäße Miſchung
vor=
zugsweiſe britiſch=indiſcher Tees ſteht qualitativ ſo hoch,
daß ſie den weitgehendſten Anſprüchen zu genügen
ver=
mag. Dabei ſtellt ſich infolge der außergewöhnlichen
Ausgiebigkeit eine Taſſe Sang=Ho Tee auf kaum
über 1 Pfg. Gratisproben bei MORlz LANDAU,
Fernſprecher 116.
Z
Helfer bei unerwartete
eſuch ſind:
A80
e
Fleisch-a Geflügel-Pasten
lachsButfersSandwich-Fischpaste
Sehr nahrhaft und leicht verdaulich.
Es
gibt kein gefährliches Alter
wohl aber gefährliche Jahreszeiten. Gefährlich
iſt vor allem der Vorfrühling, der notoriſch die
größte Zahl an Erkältungen bringt. Wer ſich die
Frühjahrsfreude nicht verderben und etwaige
Affektionen der Halsſchleimhäute ſchnell bekämpfen
will, der gewöhne ſich daran, immer Fays echte
Sodener Mineral=Paſtillen zu benützen. Man
kauft ſie für 85 Pfg. die Schachtel in jeder
Apo=
theke oder Drogerie, laſſe ſich aber unter keinen
Umſtänden Nachahmungen aufſchwatzen. (85100
aarfärben mit Henné. Spezialität.
Friseur Müller
Wilhelminenpl. 2, a. d. kath. Kirche. Tel. 1466.
Kopfwaschen 1.— — mit Ondulieren 1.50,
auch Sonntags von 9—12 Uhr. (6584a
Todes=Anzelge.
Am 21. ds. Mts. verſchied ſanft nach kurzem Leiden unſere liebe, gute Tante
Fräulein Sophie Uebelshäusser
im 78. Lebensjahre.
(*10169
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Franz Uebelshäusser, Kriegsgerichtsrat a. D.
Darmſtadt, den 22. April 1912.
Die Beiſetzung findet ſtatt: Mittwoch, den 24. ds. Mts., nachmittags 3 Uhr, vom Leichenhauſe
des hieſigen Friedhofes aus.
(Beſondere Todesanzeigen werden nicht zugeſandt.)
Gestern abend ist unser lieber Vater
und Grossvater
Drr-Auer Bochmann
im 80. Lebensjahre nach kurzem Leiden
sanft entschlafen.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.
Nummer 95.
Darmstadt, Offenbach,
den 22. April 1912.
CöIn
Die trauernden Hinterbliebenen:
Auguste Best, geb. Lochmann,
Kreisrat Friedrich Lochmann,
Melly Lochmann, geb. Muhl,
Geheimrat Dr. Georg Best,
Jenny Joseph, geb. Best,
Hans L. Best,
Else Lochmann,
Kurt Lochmann,
Regierungsassessor Dr. Karl Joseph.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den
24. April, vormittags 11 Uhr, vom
Trauer-
hause aus, statt.
(9667
Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 24. April.
Hofreite=Verſteigerung des Phil. Maul (Beckſtraße)
um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Muſikwerke=, Weißzeug= ꝛc. Verſteigerung um
9 und 2 Uhr im ſtädtiſchen Pfandhaus.
Unentgeltliche ärztliche Beratungsſtelle
für Säuglingspflege, Heinheimerſtraße 21.
Statt beſonderer Anzeige.
Allen Freunden und Bekannten die traurige
Mitteilung, daß meine liebe Frau (B9619
Gertrud Baumeister
nach kurzem, ſchwerem Leiden heute nacht 4 Uhr
ſanft entſchlafen iſt.
Darmſtadt, den 22. April 1912.
Hans Baumeister,
Großherzogl. Heſſ. Hofſchauſpieler.
Die
Die
Trauerfeierlichkeit findet Dienstag abend.
7½ Uhr im Alice=Hoſpital ſtatt.
Einäſcherung findet am Mittwoch in
Offenbach ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Anteilnahme
anläßlich des Ablebens unſerer innigſtgeliebten
Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Tante
Frau Hch. Röth Wwe.
Marie, geb. Wüst
ſprechen wir unſeren innigſten Dank aus. (9621
Darmſtadt, den 22. April 1912.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen.
Todes-Anzeige.
Hierdurch die traurige Mitteilung, daß es
Gott dem Allmächtigen gefallen hat, meinen
innigſtgeliebten, unvergeßlichen Mann, unſeren
treuſorgenden Vater, Sohn, Schwiegerſohn,
Schwager und Onkel
(9626
Herln Jakeb- Appolmann
Zimmermann
am Sonntag abend 9½ Uhr nach langem,
ſchwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden,
im Alter von 45 Jahren 3 Monaten abzurufen.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Anna Appelmann nebſt Kindern.
Darmſtadt, Geeſtemünde, 21. April 1912.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 24. April,
nachmittags 4 Uhr, vom Portale des
Fried=
hofes aus, ſtatt.
Tageskalender.
Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Ab. B): „Ein
Sommer=
nachtstraum”.
Vortrag von Frau Balſer um 8 Uhr im „Fürſtenſaal,
(Allg. deutſcher Frauenverein).
Hauptverſammlung des Vereins der Detailliſten
um 9 Uhr im Reſtaurant „Kaiſerſaal”.
Konzerte: Hotel Heß, Bürgerkeller und Reſtaurant
„Metropol” um 8 Uhr.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
Weiblich
Fräulein a. beſſer. Fam. ſ. St.
a. Verkäuferin i. Konditorei oder
Café, w. ſ. a. i. Haushalt tätig
k. Beſt. Referenzen ſt. z. Dienſt.
Off. u. E 78 Expedit. (*10141
Tücht. Verkäuferin in Wäſche
branche durchaus erf., ſ. alsb. Stell.
Gefl. Off. u. E 83 d. d. Exp. (*10161
Eine
geübte Friseuse
wünſcht zur weiteren Ausbildung
im Friſieren und Nagelpflege in
beſſerem Geſchäfte Stellung. Off.
unt. E 65 an die Exped. (*10105
Tüchtige Schneiderin nimmt
Kunden an f. in u. außer dem Hauſe
Wienersſtraße 68, 2. St. (*10185
Schneiderin wünſcht mit perf
Schneiderin auszugehen. Offert.
unt. E 69 an die Exped. (*10123
nimmt noch Kund
Schneiderint im Hauſe an. Off.
unt. E 70 an die Exp. (*10122
die in Hand=
Beamtentochter arbeiten und
Schneid. bewand. iſt, auch
kinder=
lieb, ſucht für nachm. Beſchäftigung
in guter Familie. Zu erfragen in
der Expedition ds. Bl. (B9636
Landmädchen, w. ged. hab. u.
zute Zeugn. beſitz., Kindermädch.,
welche Kindererzieh. gel. h., ſuch. in
Darmſt. Stell. Frau Berta
Ness-
ling, gewerbsmäßige
Stellenver=
mittlerin, Ludwigſtr. 8. (*10045oi
Schulentl. Mädchen ſucht
Be=
ſchäftigung, am liebſten ein Kind
auszufahren. Näher. Gr.
Ochſen=
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Nummer 95.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.
Seite 9.
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Kleyer . . . . . . 470,00
10 Maſchinenf. Badenia 175,00
6 Wittener Stahlröhren 190,00
8 Steana Romana Petr. 144,00
15 Zellſtoff Waldhof . . 237,50
12½ Bad. Zucker=
Wag=
häuſel .
. . . 217,90
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 126,00
3 Südd. Immobilien . 69,10
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 195,10
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 229½
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb.
. . 183,80
10 Gelſenkirchener
.196,90
8 Harpener
. 193,90
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb . 263,00
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro.
. 87,00
4 Laurahütte
. 179,00
10 Kaliwerke Aſchersleben
10
Weſteregeln 192,00
7½ South Weſt Africa 156,50
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 87,70
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 100,50
4 Eliſabethbahn, freie . . 97,00
4 Franz=Jofefs=Bahn
3 Prag=Duxer . . . . . . 76,00
5 Oeſterr. Staatsbahn . 105,10
4 Oeſterr. Staatsbahn 95,30
.do.
78,20
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,80
In Proz
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 79,80
54,10
do.
3 Raab=Oedenburg
. 77,10
4 Kronprinz Rudolfbahn 96,50
4 Ruſſ. Südweſt.
4½ Moskau=Kaſan
. 96,6
do.
88,40
4 Wladichawchas . . . . 89,00
4 Rjäſan Koslow
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 77,00
do.
24/10 Livorneſer . . . . . 69,10
3 Salonique=Monaſtir . 65,75
4 Bagdadbahn
. 83,70
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 97,50
4 Miſſouri=Pacific:
. 74,50
4 Northern=Pacific . . . 100,20
4 Southern=Pacific . . . 95,30
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 88,25
5 Tehuantepec .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 196,80
Bergiſch=Märkiſche
Bahn
.151,20
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 166,70
6½ Darmſtädter Bank . 122,50
12½ Deutſche Bank . 255,50
6 Deutſche Vereinsbank . 124,25
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . 118,90
10 Diskonto=Kommandit 183,90
8½ Dresdener Bank . 153,70
9½ Frankf. Hypoth.=B. 214,50
6½ Mitteld. Kreditbank 118,40
7 Nationalb. für Deutſchl. 122,40
7 Pfälziſche Bank . . . . 130,00
5.86 Reichsbank . . . . 137,7
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,75
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 128,00
Wiener Bankverein . 134½
4 Frankf. Hypoth.=Bank
NS. 16 u. 17. ₰ . 98.80
In Proz.
Zf. Pfandbriefe.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
90,00
S. 19.
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 15—19, 21—26 98,00
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,50
89,00
3½
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 100,70
81
do.
89,80
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
100,40
S. 14, 15, 17, 24/26
18—23.
. 100,45
3½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—8
89,80
S. 3—5
89,60
S. 9—11
. 89,70
4 Meininger Hyp.=Bank 99,50
3½
do.
89,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 98,50
3½ do. (unk. 1914) . . 88,70
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,20
do.
8½
89,60
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt
8½ do.
90,50
4 Frankfurt
* 100,40
3½ do.
93,50
4 Gießen
do.
4 Heidelberg
99,00
3½ do.
4 Karlsruhe
99,50
3½ do.
89,50
4 Magdeburg
do.
31
4 Mainz
3½ do.
4 Mannheim
99,40
3½ do.
90,20
4 München
100,00
3½ Nauheim
4 Nürnberg
99,60
do.
90,30
4 Offenbach ..
Zf.
In Proz.
3½ Offenbach
4 Wiesbaden
99,50
do.
94,60
4 Worms .
99,20
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner 100 136,90
3 Holl. Komm. . fl. 100 108,00
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.=
Pfand=
briefe
. . 136,00
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 178,60
3 Oldenburger . . . . . . 125,00
2½ Raab=Grazer fl. 150 101,50
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 199,80
Freiburger .
F8. 15 75,00)
Mailänder
Fs. 45
do.
Fs. 10
fl. 7
Meininger .
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 522,00
do. v. 1858fl.100
Ungar. Staats . . fl. 100 371,50
Fs. 30
Venediger .
Türkiſche . . Fs. 400 170,80
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns
20,45
20 Franks=Stücke .
16,22
Amerikaniſche Noten . . . 4,19½
Engliſche Noten . . .
20,48
Franzöſiſche Noten. .
81,15
Holländiſche Noten. . . . 169,40
Italieniſche Noten . . . . 80,40
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,80
Ruſſiſche Noten . . . . 215,50
Schweizer Noten . . . . . 81,05
Reichsbank=Diskonto. . .
Reichsbank=Lombard 3sf. 6
eite 10,
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.
Nummer 95.
dringt in jedes Heim Musik aus allen
Ländern und Vorträge von Künstlern
wie Caruso — Destinn - Hempel u. a. m.
Auf Dunsch illustrierte Preisltste bereitwilligst.
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Darmstadt
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jed. Anzug od. Paletot nur Mk. 50.— bezw. Mk. 55.— im Abonnement. Proſpekte u. Stoffproben an
reſſent. umſ. Christian Hoeser, Schneidermſtr., Mainz, Schillerstr. 48, I. Nur ff. Maßanfertig. Gegr. 1888.
Dienstag, 23. April:
Gvern-Abend
HOTEL „HESS
Poudrette
Peru-Guano
Chili-Salpeter
Kainit
Thomasmehl
Superphosphat
Kali 40%
Dungsalz in Original-
Säcken und lose
Geflügel- u. Kücken-
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Brutreis
Geschälte Hirsen etc.
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Hundekuchen
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Kirchstrasse 1
Telefon 137.
(9661
O
Lenrersangercnor.
II. Abonnement-Konzert
Freitag, 26. April, abends 8 Uhr, im Städt. Saalbau.
Mitwirkende:
(9612
Frau Vally Fredrich=Höttges aus Berlin (Alt),
Herr Prof. Arnold Mendelsſohn (Klavierbegleitung),
Orcheſter: Die Großherzogliche Hofkapelle:
Leitung: Herr Wilhelm Borngäſſer.
Vortragsordnung:
I. Requiem D-moll für Männerchor u. Orcheſter Luigi Cherubinl.
2. Rhapſodie für Alt, Männerchor u. Orcheſter Johs. Brahms.
3. Vier Lieder für Alt mit Klavierbegleitung
a) Gebet
. . . Karl Schuricht.
b) Hätt’ ich ein Haus
c) Aus dem Nachtlied Zarathuſtras
. Arnold Mendelssohn.
d) Aus dem Hohenlied
4. Judiths Siegeslied für Alt mit Orcheſter . Heinr. van Eyken.
5. Zwei Männerchöre mit Orcheſter
a) Feſtgeſang,
. . . . Arnold Mendels sohn.
b) Deutſcher Aar
Karten zu 3, 2 und 1 Mark in der Muſikalienhandlung von
L. Schutter, im Verkehrsbüro und abends an der Kasse.
nſere Mitglieder und angeſchloſſenen Vereine machen wir darauf
aufmerkſam, daß zu dem am 26. ds. Mts. im Städtiſchen
Saalbau (unter Mitwirkung der Großh. Hofmuſik) ſtattfindenden
KonzeridesDarmstädterLehrer-Sängerchors
Karten zu ermäßigten Preiſen für Galerie, Eſtrade, Saal und
numerirten Sperrſitz am Verkehrsbüro gegen Vorzeigen der Mit
(9594if
gliedskarten zu haben ſind.
Verein für Verbreitung von Volksbildung.
AUssTELLUNC
im Ausstellungsgebände auf der Mathildenhöhe
(Mittelsaal)
DARMSTADT.
Marmor-Transparente
in Kunst und Kunstgewerbe.
Geöffnet bis Mitte Juni täglich von 10—6 Uhr.
Eintritt frei. (9108a) Eintritt frei.
Ludwigshöhe.
Jeden Mittwoch u. Samstag
Kur-Konzer t.
Eintritt 25 Pfg. 10 Abonnementskarten zu
1.50 ſind zu haben im Verkehrsbureau und an der Kaſſe. (B7897
Handelsverein in Darmſtadt (E. L.)
Einladung.
Die 47. ordentliche Hauptverſammlung
findet nach § 7 der Satzungen
Freitag, den 26. April 1912, abends 8½ Uhr,
im Kaisersaal
(Lokal des Kaufmänniſchen Vereins) ſtatt, wozu die Mitglieder
hier=
mit ergebenſt eingeladen werden.
(9654
Der Vorstand.
Tages=Ordnung:
1. Geſchäftsbericht.
2. Rechnungsablage.
3. Erſatzwahl des Vorſtandes.
4. Anträge und Beratungen.
trünes Jackenkleid, noch neu,Akademiſch geprüfte Schneiderin
für 10 Mk. zu verkaufen (große 8 empf. ſich in u. auß. dem Hauſe
Figur) Fuchsſtr. 1, part. (*10151*10189ims) Roßdörferſtr. 1, II. r.
Nach beendigtem Kurſus an der
NHebammenlehranſtalt z. Mainz
habe ich mich hier als
Hebamme
niedergelaſſen und empfehle mich
den verehrten Damen Darmſtadts.
Frau Pfafl, Hebamme,
Löffel=
gaſſe 10.
(*10192ids
Dame
(*10027
aus erſten Kreiſen ſucht für ihr
½ jähr. Kind (Mädch.) vorzügliche
gewiſſenh. Pflege nur bei beſſ. Leut.
Nur Darmſtadt u. freie Lage, Garten
od. Anlagen. Off. u. E 66 Exp.
Miskr. Aufnahme findet Fräul.
bei anſtänd. Familie, auch zur
Erhol., i. waldreich. Geg., mäß. Pr. b.
Frau Lina Benſel, Schlierbach
(bei Wächtersbach).
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ſof. od. ſpäter
6 Zim.=Wohn. geſ. Off. m. Pr.
unt. E 71 an die Exp. (*10110
Geſucht per 1. Juni
5—6 Zimmerwohnung
parterre oder 1. Stock, für
Etagen=
geſchäft (Möbel), oder Wohnung
mit Lagerraum im Zentrum.
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gebote mit Preis unter E 92 an
(*10205
die Expedition.
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ſucht auf ſofort freundliches, helles
Zimmer, möglichſt mit
Schlaf=
raum. Offerten unter V. 387 an
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Preisangabe und Ref. zu richten
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jung. Kaufm. geſucht. Off. mi
Preisang. unter E 75 an die
Exped. dieſes Blattes. (9605om
ſucht. möbl. Wohn= und
Hell Schlafzimmer in gutem
Hauſe, ruhige, ſonnige Lage. Off
unter E 80 an die Exp. (*10174
Näſche z. Waſch. u. Büg. all. Art
w. angen. Frau Winter,
Heidel-
bergerstr. 40. Postk. gen. (*10204
Schiffsbericht.
Hamburg=Amerika=Linie.
Mitgeteilt von dem Vertreter Hrn.
Adolf Rady, Darmſtadt,
Zimmerſtraße 1.
Dampfer „Amerika”, von New=
York kommend, 19. April 1 Uhr
25 Minuten morgens Lizard
paſſiert.
Dampfer „Aragonia” 18. April
4 Uhr nachmittags von New=
York nach New=Orleans.
Dampfer „Hamburg”, von New=
York, 18. April 6 Uhr morgens in
Genua.
Dampfer „Hoerde”, von Galveſton
kommend, 19. April 3 Uhr 30
Mi=
nuten morgens Dover paſſiert.
Dampfer „Moltke” 18. April 12 Uhr
mittags von New=York über
Gibraltar, Algier und Neapel
nach Genua.
Dampfer „Sygna”, 17. April 5 Uhr
30 Minuten nachmittags von
Philadelphia nach Hamburg.
Vergnügungsdampfer „Meteor”
vierte Mittelmeerfahrt, 18. April
12 Uhr mittags in Korfu.
wünſcht engliſch.
Engländerin Unterricht zu
er=
teilen Wilhelminenplatz 10, I. (5295a
Existenz:
Damen u. Herren
werden in geſonderten Kurſen in
Körperpflege und Maſſage
aus=
gebildet geg. ſehr mäßiges Honorar.
Gefl. Zuſchriften unter L 62 an
(B4738
die Exped. ds. Bl.
Damenfrisieren
lernt man gut, billig und gründlich
durch langjähr. Lehrerin (*9953sid
M. Fröhlich, Waldſtr. 3, 2. Stck.
erlernt jedermann
Für 10 Mk. das Tanzen im
anerkannt beſten Tanzinſtitut von
Philipp Scholl. Tanzlehrer,
Mühlſtraße 26, 2. Stock. (*10162im
Dacharbeiten
werden raſch und billigſt ausgef.
Adam May. Dachdecker
Grafenſtraße 37,
Rundeturm=
ſtraße 16.
(*10202id
tardinen werd. geſpannt, d. Bl.
zu 30 Pf., auch Spanner
ver=
liehen Roßdörferſtr. 56, III. (*1020s
werden jed. Geſchmack ent=
Hüte ſpr. ſchik u. fein angef., ält.
Hüte mod. umgearb. in u. auß. d.
Hauſe Ludwigspl.8, Vdh. III. (9624a
Frau empfiehlt ſich im
Aus=
beſſern von Wäſche, Damen= und
Herrenkleidern
(B9110
Ludwiashöhſtraße 1., 3.
Großherzogl. Hoftheater
Dienstag, 23. April.
160. Abonnem.=Vorſtellung. B 40.
Zu Shakeſpeare’s Geburtstag,
Neu einſtudiert:
Ein Sommernachtstraum.
Phantaſtiſches Luſtſpiel in 3
Ab=
teilungen von Shakeſpeare.
Muſikal. Leitung: Kapellm. Kittel.
Spielleitung: Oberregiſſ. Valdek.
Perſonen:
Theſeus, Fürſt zu
Athen
Hr. Heinz
Egeus, Vater der
Hermia
Hr. Wagner
Lyſander,) Lieb= Hr. Hacker
Deme= hab. der
trius, Hermia Hr. Weſtermann
Philoſtrat, Aufſ.
der Luſtbarkeiten
am Hofe des
Theſeus.
. Hr. Klotz
Squenz, der
Zim=
mann
Hr. Lehrmann
Schnock, der
Schreiner
Hr. Kräger
Zettel, der Weber Hr. Jürgas
Flaut, der
Bälgen=
flicker
Hr. Speiſer
Schnauz, d.
Keſſel=
flicker
. Peterſen
Schlucker, der
Schneider
. Knispel
Hippolyta,
Köni=
gin d. Amazonen,
mit Theſeus
ver=
lobt
. Frl. Heumann
Hermia, Tochter d.
Egeus, in
Lyſan=
der verliebt
. Frl. Grünberg
Helena, in
Deme=
trius verliebt . Frl. Meißner
Oberon, König
der Elfen
. Hr. Schneider
Titania, Königin
der Elfen
. Frl. Uttmann
Puck, ein Elfe
Oberon’s . . Frl. Gothe
Spinn=
webe
. Marie Stoffer
Motte,
. Dora Harreus
Senf=
. Aennchen Dörr
ſamen,
Bohnen=
blüte, 15
. Erna Jungkurth
. Frl. Schaub
Drei andere
Frl. Lehmann
Elfen
. Frl. Longin
Vorkommendes Ballett, arrang.
von der Hofballettmeiſterin Frau
Thiele=Leonhardt.
Die Elfenreigen werden
ausge=
führt von dem Corps de Ballet.
Nach der 2. Abteil. längere Pauſe.
Krank: Frl. Geyersbach.
Preiſe der Plätze (Kl. Pr.):
Proſzeniumsloge 5. Mk.,
Fremden=
loge 5 Mk., Balkonloge 4.50 Mk.,
1. Rang 4 Mk., 2. Rang: 1—6.
Reihe 2 Mk., 7. u. 8. Reihe 1.60 Mk.,
Sperrſitz: 1.—13. Reihe 3.50 Mk.,
14.—20. Reihe 3 Mk., Parterre:
1.—5. Reihe 2.20 Mk., 6.—8. Reihe
1.80 Mk., 1. Galerie 1 Mk., 2.
Ga=
lerie 50 Pfg.
Anf. 7 Uhr. — Ende nach 10 Uhr.
Kartenverk. v. 11—1 u. von 6 Uhr an.
Vorverkauf
von 11—1 Uhr f. d. Vorſtellungen:
Mittwoch, 24. April. 161. Ab.=V.
A 41. „Im weißen Röß’I.”
Kleine Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Donnerstag, 25. April. 162. Ab.=
Vorſt. C 41. Zum Gedenken an
Friedrich v. Flotow (geb. 26. April
1812). „Martha.” Lyonel: Hr.
Robert Hutt vom Opernhaus in
Frankfurt a. M., als Gaſt. Kl.
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Freitag, 26. April. 163. Ab.=V.
D 41. Neu einſtudiert: „Nora.”
Kleine Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Samstag, 27. April.
Außer Abonnement.
Vorſtellung zu ermäß. Preiſen.
Zum Beſten der Wohlfahrtskaſſen
des deutſchen Bühnenvereins.
Anfang 7 Uhr.
Robert und Bertram.
Poſſe mit Geſang und Tanz in
4 Abteilungen von G. Räder.
Muſik von verſch. Komponiſten.
Preiſe der noch
vorhan=
denen Plätze:
Proſzeniums=
loge 2 Mk., Fremdenloge 2 Mk.,
Balkonloge 2 Mk., 1. Rang 2 Mk.
Sperrſitz 1.50 Mk.
Der Kartenverkauf zu dieſer
Vorſtellung findet Freitag, den
26. April, ſowie an dem
darauf=
folgenden Tage vormittags von
11—1 Uhr, an der Tageskaſſe ſtatt.
38 47.
Dienstag, 23. April.
1512.
Bekanntmachung.
Die Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt hat die landespolizeiliche Abnahme des
Neubaues der elektriſchen Straßenbahn in der Alle und vor dem neuen
Haupbahn=
hof beantragt.
Termin für die landespolizeiliche Prüfung iſt auf Samstag, den 27. April
1912, vormittags 9 Uhr anbergumt (Sammelpunkt an dem Bahnübergang der
Main=Neckarbahn).
Unter Hinweis auf die Fertigſtellung der Anlagen fordern wir hiermit auf,
etwaige Einſprüche hinſichtlich der planmäßigen Ausführung des Projekts in dem
be=
zeichneten Temine vorzubringen.
Darmſtadt, den 22. April 1912.
(9628
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Werner.
Bekanntmachung.
Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß am 23., 25.,
29., 30. April 1912, von 8 Uhr vormittags bis zum Dunkelwerden, Schießen
mit ſcharfer Munition von Truppenteilen des 18. Armeekorps auf dem Schießplatz bei
Meſſel abgehalten werden.
Kerile e Steinhügek, 1 Im nördlich Meſe, in nordnordweſlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich,
im Weſten: Dammweg-Brunnersweg ausſchließlich,
„ Süden: Forſthaus Steinacker-Steinhügel ausſchließlich,
„ Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über
Milches=
wieſe-Sauwieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegeſchranken und Warnungstafeln
ab=
geſperrt.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten. (
Polizelver=
ordnung Kreisamt Darmſtadt 25. September 1909, Kreisamt Offenbach a. M. 20.
Sep=
tember 1909.)
Wenn das Schießen früher beendet iſt, werden die Gemeinden Meſſel und
Offenthal von Aufhebung der Abſperrung ſofort benachrichtigt.
Darmſtadt, den 19. März 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
(7489a
Fey.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Pinſcher. 1 Foxterrier, 1 Dobermann (zugelaufen). Die
Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier
aus=
gelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet
dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(9608
Die nachſtehende Warnung des Königlichen Polizeipräſidums
2 Berlin bringen wir zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 19. April 1912.
(9658
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Warnung.
Bereits am 20. Juni 1908 habe ich auf das Treiben des
Nerven=
ſanatoriums „Silvana” in Genf hingewieſen, das von Dr. Rumler
begründet. von Dr. med. Ringelmann fortgeführt wurde und zurzeit
von Dr. Kaplan geleitet wird. Seit Jahren hat ſich das Inſtitut
hemüht, durch Anpreiſungen und Verſprechungen in geleſenen deutſchen
Zeitungen unter Hinweis auf ein von Dr. Rumler verfaßtes Buch
„Neuraſthenie‟ Leidende zu brieflicher Fernbehandlung und zu
er=
heblichen, aber nutzloſen Aufwendungen zu bewegen, durch die
zahl=
reiche Kranke in ihrem Vermögen geſchädigt worden ſind.
Leider iſt es trotz der von zahlreichen Behörden ergangenen
Warnungen dem Inſtitut gelungen, ſein Dreiben, zum Teil unter der
Deckadreſſe „Verlag Aeseulap” oder „Sanitas” Genf, mit Erfolg
fortzuſetzen, und ſelbſt angeſehene deutſche Tageszeitungen für ſeine
Inſerate in Anſpruch zu nehmen.
Da das Treiben des genannten Inſtituts geeignet iſt, deutſchen
Staatsangehörigen Schaden an Geſundheit und Vermögen
zuzu=
fügen, ſo wird vor dieſem, auf Ausbeutung leichtgläubiger und
ängſt=
licher Perſonen berechneten Schwindel hiermit nochmals gewarnt.
Berlin, den 6. April 1912.
Der Polizeipräſident.
In Vertretung: (gez.) Friedheim.
Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, 24. April 1912, vormittags 11 Uhr,
werden im Pfandlokale Rundeturmſtraße 16 („Zur Roſenhöhe‟)
verſchiedene Möhel, darunter:
Schreibtiſche, Vertikos, Kleiderſchränke, Sofas,
Spiegel=
ſchränke, Diwans, Küchenſchrank, Regulateure, Pianinos,
ferner Hobelbänke, Kaſſenſchrank, 8 Kokosläufer, Coupes,
Landauer, 6 Kartons Wachs, Kohlen= und
Blaupapier, 14 Stück
Schreibmaſchinen=
zubehör, 1 Heftmaſchine, 30 Gerüſtdielen,
ver=
ſchiedene ein= und mehrflammige Gaslampen,
5 Gasherde und eine Partie Zigarren
zwangsweiſe verſteigert.
(9659
Die Verſteigerung der fettgedruckten Gegenſtände findet
beſtimmt ſtatt.
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher,
Georgenſtraße 11, I.
Verſteigerungs=Anzeige.
Donnerstag, 25. April 1912, nachmittags 4 Uhr,
verſteigere ich im Saale „Zur Ludwigshalle‟, Obergaſſe dahier,
öffentlich meiſtbietend gegen Barzahlung folgende Pfänder
be=
ſtimmt:
7 Eisſchränke, 1 Wirtsbüfett, 2 Eiskiſten, 5
Wirts=
tiſche, 88 Gartenſtühle, 1 Monometer, ſowie 1
Pferde=
geſchirr für ein ſchweres Zugpferd.
(3647
Wedel, Großh. Gerichtsvollzieher,
Darmſtadt, Bleichſtraße 28.
Die von uns auf das Leben der Agathe Sonnenfeld, damals
in Hannover, geboren am 10. Januar 1891, ausgefertigte
Er-
lebens-Versicherungs-Police Nr. 142825 über Mark 1000.— ist
angeblich abhanden gekommen.
Der gegenwärtige Inhaber der Police wird aufgefordert,
sich binnen 6 Monaten bei uns zu melden, widrigenfalls die
Police für kraftlos erklärt werden wird.
Berlin, den 5. März 1912.
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O. Gerstenberg. Generaldirektor
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wir, alle Rückſtände für das
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gelaufene Rechnungsjahr 1911
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entrichten.
Darmſtadt, 17. April 1912.
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Darmſtadt, 22. April 1912.
Städtiſches Tiefbauamt.
En unſer Handel=Regſter,
Ab=
teilung A, wurden folgende
Einträge vollzogen:
Am 4. April 1912.
Hinſichtlich der Firma:
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und Aepfelweinkelterei,
Darmſtadt.
Geſchäft ſamt Firma ſind auf
Kaufmann Karl Philipp Müller
in Darmſtadt übergegangen.
Die Prokura der Kaufmann
Heinrich Müller Ehefrau, Erneſtine,
geb. Eilert, in Darmſtadt, iſt
er=
loſchen.
(9609
Am 17. April 1912.
Gelöſcht die Firma:
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Kölni=
ſcher Hof Friedrich Müller,
Darmſtadt.,
Darmſtadt, 19. April 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I
ferde=Verkauf.
9
Freitag, den 26. April 1912,
vormittags 11 Uhr,
wird auf dem Hofe der
Train=
kaſerne, Darmſtadt,
Eſchollbrücker=
ſtraße 24, eine zum Militärdienſt
nicht geeignete 5½ jährige
Re=
monte öffentlich meiſtbietend gegen
Barzahlung verſteigert. (9618
Train=Bataillon Nr. 18.
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Am Donnerstag, den 25. April,
wird die Matratzenſtreu einer
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Ka=
palleriekaſerne an der Holzhofalle
verſteigert. Der Verkauf beginnt
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Seite 12.
Nummer 95.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.
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Der Hof des Schweigens.
Ein Roman aus Island von Anny Wothe.
26)
Copyright 1910 by Anny Wothe, Leipzig.
Und noch einer wußte, wie Hallgerdr und Ingwald
ſtanden. Bjarni Petruſſon, und er brütete Rache.
Niemand ſollte ihm Hallgerdr nehmen, am wenigſten
der Fremde, der auf den Hof gekommen wie ein Dieb in
der Nacht, der das blonde Weib betört hatte hier in der
wilden Einſamkeit, wo es in den Bergen krachte und gärte,
als würden Zaubertränke gebraut.
Nein, die Baerstochter war ſein. Bjarni Petruſſon
gab ſie nicht her.
Der Sjera nötigte, nachdem ſeine Gäſte ſich erquickt,
izum Bleiben, aber man durfte nicht verweilen, ſollte das
Ziel noch erreicht werden.
Im dichten Nebel ging es vorwärts. Ganz auf die
Klugheit und Sicherheit der Pferde vertrauend, ritt man
(dahin.
Wie mit tauſend Armen wuchs der Nebel empor.
(Immer dichter, immer ſchwarzer legte er ſich um Fjelde
und Tal, und der Wind ächzte und raſſelte, als führe er
Steinlawinen mit ſich, die verheerend herniedergingen.
Unaufhaltſam, in ſcharfer Gangart, trabten die Pferde
dahin.
Verfluchte Erde und verfluchter Nebel, grollte Bjarni,
als man nicht mehr die Hand vor den Augen ſehen konnte
und dach vorwärts mußte.
Schaumweiße, kochende Waſſerfälle ſprühten zu Tal.
Jetzt war auch einer der gewaltigſten, die Bruard,
er=
reicht, die ſich in großartigem Falle über die ſchwarzen
Lavafelſen herabſtürzt.
Tönte aus den donnernden Waſſern nicht ein
geheim=
nisvolles Rufen und Raunen?
Komm, komm, meinte Hallgerdr von tauſend
Stim=
men zu hören.
Wer? rief ſie. War es eine Stimme oder war es
Kaare Myrdal, den ſie verraten hatte?
Nein, nicht verraten, denn ſie hatte ihm ja beim
Abſchied bedeutet, daß es ein Scheiden für immer ſei.
Auch Ingwald Anderſen dünkte es, als riefe ihn bei
den lochenden Waſſerfällen eine drohende Stimme.
War das nicht der bleiche Tod, der da mit knöchernen
Fingern winkte, und klang es nicht aus dem wüſten
Ge=
braus wie das leiſe Weinen eines Kindes.
Nein, es war ja albern, ſich von ſolchen Wahnideen
narren zu laſſen. Der Wind balgte ſich nur mit dem
gelben, kniſternden Schwefel, der ihm den Atem nahm.
Oder konnte es doch noch etwas anderes ſein?
Ingwald ſchloß unwillkürlich die Augen. Das war
das wilde Aufheulen einer Seele, die er gemordet.
Wie gehetzt flog er jetzt dahin. Er wagte es nicht,
ſich nach Hallgerdr umzuſehen, deren Roß Bjarni feſt
am Zügel hielt.
Der ſauſende Sturm verſchlang die Worte, die hier
und da einer dem anderen zurief. Wie von Höllenfeuern
verfolgt, ſo raſten die Pferde mit geſpannten Nüſtern
über den dampfenden Boden. Oft ſchien es, als wollten
ſie zuſammenbrechen, aber immer wieder rafften ſie ſich
auf, und vorwärts ging es, unermüdlich vorwärts.
Das luſtige „Ho” des kleinen Mar war lange
ver=
ſtummt. Nur ab und zu kam aus der Bruſt der Reiter
und Reiterinnen ein dumpfes Stöhnen.
Und endlich atmeten alle auf. Das Gaſthaus zum
Geyſir war erreicht. Zwar konnte es niemand in dem
dichten Nebel erkennen, aber Bjarni, der Wegkundige,
gebot halt.
Man ſprang haſtig ab und taſtete ſich im Nebel und
Regen zu dem ſchützenden Haus. Das ſogenannte Hotel
war glücklicherweiſe unbeſetzt. Vom Geyſir war nichts
zu ſpüren, trotzdem er nur ein paar hundert Schritte
entfernt ſein ſollte.
Jeder ſchlüpfte obdachfroh in die ſchmuckloſe, aus=
Holz gebaute Herberge, ein kleines, beſcheidenes
Ding=
mit einem größeren Verſammlungspferch. Ringsherum
eine Reihe kleiner Pferche, jeder enthält zwei ſchmale
Betten. Die wurden nun eifrigſt verteilt,
Dann ſitzt die kleine Reiſegeſellſchaft noch in dem
großen Pferch um den ſchmalen Helztiſch mit ſeinen
wackeligen Bänken und erzählt, nachdem ſich alle
ge=
ſtärkt, Dröguſöger (Geſpenſtergeſchichten), ohne welche
der echte Isländer gar nicht ſchlafen kann, bis Jorum,
die ſchon in ihren Pferch gekrochen war,
ungeduldig=
ſchreit, man ſolle aufhören. Sie hätte überhaupt noch
unmenſchlichen Hunger.,
Nummer 95.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23. April 1912.
Seite 13.
Hallgerdr reicht ihr noch einen Kuchen, dann ſchläft
Jorum befriedigt ein, während Jon und Bjarni noch
einen Zwiegeſang anſtimmten, bis alle zur Ruhe gehen.
Ingwald und Hallgerdr haben noch kein Wort
zu=
ſammen geredet.
Ole Gudmund hat Signe noch nicht wieder mit
ei=
nem Blick geſtreift.
Die Nacht war ſchwarz, aber voll unheimlichen
Le=
bens. Das Waſſer rauſchte hernieder, und in der Erde
war ein Zittern und Dröhnen wie von kämpfenden
Ur=
gewalten.
Der Geyſir warf ſeine kochenden Waſſermaſſen hoch
in die ſchwarze Luft. Wie eine Sylphide ſtieg er in
geiſter=
hafter Schönheit empor, aber die Menſchen in ſeiner Nähe
ſchliefen nach dem beſchwerlichen Ritt ſo tief und feſt,
als hielte ſie Todesſchlaf umfangen.
Hallgerdr erhob ſich zuerſt von ihrem harten Lager.
Wüſte Träume hatten ſie gequält.
Signe, die an ihrer Seite geruht, ſchlief noch ſüß
und ſorglos, als Hallgerdr leiſe, um die anderen nicht zu
ſtören, hinaustrat in den grauen Morgen.
Regen und Sturm hatten aufgehört. Ein Donnern
und Stöhnen war in der Luft. Wie von Kanonenſchlägen
zitterten Türen und Fenſter.
Hallgerdr ſieht furchtlos über das wilde, dampfende
Gebiet, das vor ihr liegt.
Ganz allein will ſie zum Geyſir. Eine
unbezwing=
liche Macht treibt ſie vorwärts.
Schwefeldünſte verpeſten die Luft.
Sie ſchreitet über den weichen, gleichſam durchkochten
Boden, über ſchmale Bäche, die in allen Farben ſchillern.
Langſam ſteigt ſie die kleine Anhöhe zum Geyſir empor.
Geſchickt weicht ſie den kleinen Quellen aus, die überall
aus der Erde ſprudeln. Sie weiß, daß ein unvorſichtiger
Schritt ſie der brodelnden Tiefe überlkefern, daß eine
plötzlich aus dem Boden ſchießende hohe Waſſerſäule
ſie vernichten kann, aber ſie muß allein ſein, nur eine
kleine Weile allein mit ihren wild ſtürmenden Gedanken.
Sie freut ſich plötzlich mit wilder Luſt, daß das
ſelt=
ſame Land, das ſo grauenhaft ſeine gewaltigen Krater
aufreißt und wildes Feuer und ſengende Aſche
meilen=
weit durch die Luft ſpeit, ihr Vaterland iſt. Sie fühlt
ſich plötzlich verwandt mit den ſchaurigen Geheimniſſen
der vulkaniſchen Erde.
Auch in ihrer Bruſt tobt ein Kampf. Wie Feuer und
Waſſer ſtreitet es in ihrem Innern.
Nun hockt Hallgerdr auf dem weiten, tiefen Rand
des Beckens, das den Geyſir einfaßt.
Der Geyſir ſpringt nicht. Nur ſchwere, weiße Dämpfe
wälzen ſich in die kalte Morgenluft. Darüber liegt wie
roſiger Schaum das erſte Erglühen der Sonne.
Ueberall ſieht Hallgerdr weiße Dampfſäulen auft
ſteigen. Zu luftigen Kränzen ſich auflöſend, ſchwingen ſie
ſich zum Morgenrot.
Und ſie verweilt auf dem tückiſchen Boden, beide
Hände um die hochgezogenen Knie geſchlungen, und
wartet.
Jetzt, denkt ſie, wird der Kapitän aufſtehen und ſeine
Augen werden ſie ſuchen. Er wird, wenn er denkt, daß
ſie zum Geyſir gegangen iſt, ihr vielleicht folgn, und ſie
würde ihm hier ſagen können, hier allein mit ihm, daß
ſie Furcht hatte vor ſeiner Liebe.
War dem wirklich ſo? War es nicht vielmehr Furcht
vor ſich ſelber?
War ſie nicht ausgegangen, um allein zu ſein, und
jetzt ſehnte ſie ſich ſchon wieder nach dem fremden Mann,
der ihre ganze Seele von dem erſten Tage an, da ſie ihn
ſah, beherrſchte?
Warum habe ich keine Mutter? ſchluchzte es in ihrem
Innern. Sie würde mich verſtehen, würde mir helfen,
ſie würde mich auf den richtigen Pfad weiſan, der ſich mir
verbirgt.
Mit Signe, der lächelnden Signe, konnte ſie nicht
reden. Signe hatte ſich, ſeitdem Ingwald ſich Hallgerdr
zugeneigt, offenbar feindſelig gegen die Freundin gezeigt.
Das beunruhigte und verſtimmte Hallgerdr. Jon, ja,
der würde ſie verſtehen. Mit den feinen Fühlfäden ſeiner
Seele würde er begreifen und nachempfinden, was ſie
quälte, aber gerade ihm konnte ſie ſich nicht anvertrauen,
weil ſie ihm tiefes Leid zufügen würde, Leid, das ihn
noch kränker und elender machte.
Hilf mir doch, rief Hallgerdr und ſtreckte
unwillkür=
lich die Hände empor. Erſchrocken bebte ſie zuſammen.
Ein donnerähnliches Krachen war in der Luft. Tief aus
dem Innern der Erde ſchien es zu kommen.
Und wieder das wilde, furchtbare Getöſe, und noch
einmal.
In wahnſinniger Haſt floh Hallgerdr zurück vor dem
Waſſer, das plötzlich über das Becken ſprudelte und mit
raſender Gewalt über die großen Steinplatten ſchoß.
(Fortſetzung folgt.)
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Nümmer 95₰
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 23.
1912.
Seite 15.
au
Oa
e
ige
in Darmſtadt.
zuverlaiſiakeitsſing am Oberrhein.
Von heute an befinden ſich die Liſten zur Sammlung
der Beittuge Tar une Füsveranstaltungen in Darmstaur
in Umlauf. Eine Anzahl Herren der Techniſchen Hochſchule hat in nneigennützigſter und dankenswerter Weiſe die
Sammlung der freiwilligen Geldſpenden übernommen. Wir richten hierdurch die dringende Bitte an die
Einwohner=
ſchaft Darmſtadts
die nationale Sache
durch möglichſt reichliche Gaben zu unterſtützen.
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Concours hippique nahm am Samstag
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tag ſeinen Fortgang. Verkaufs=Jagdſpringen: 1.
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zier=Pferde=Verein Liſa. Damenpferd=Dreſſur=
Prü=
fung: 1. Hptm. Müllers King I (Frau P. Müller);
2. Rittm. von Moers'=Hannover Newbank (Frau v.
Moers); 3. Rittm. Willmers=München Ingo (Frau E.
Willmer); 8 konkurrierten. Vierſpänner: Abtl. I. 1. Prinz
Friedrich von Schönburg=Waldenburg. Abtl. III.: 1. Oblt.
z. S. Dollmann. 3 konkilerietten. Eignungs=Prüfung
für Reitpferde: 1. Kammerherr von Hardt’s Ben Cherif
(Stallm. Trapp); 2. Frau A. D. Geigers Robin grey
(Stallm. Speer); 3. Frau Scherings Hans X. (Stallm.
Berndt). 12 konkurierten. Großes Jagdſpringen: 1.
— Oberlt. a. D. R. Roßmanns Cark Petrel (Lt. Graf
Holck); 1. — Desſelben Haiderabad (Beſ.); 3. Hrn. Otto
Kochs Nevermint (Hr. Paul Heil); 4. Prinz Friedrich
Karl von Preußens Gibſon Boy I (Lt. v. Schleinitz —-);
5. Oberlt. von Kröchers Dohna (Beſ.). Die noch
aus=
ſtehenden Reſultate des Eröffnungstages waren:
Maiden Spring=Konkurrenz. 1. Oblt. Graf v. d. Goltz
Cara (Lt. v. Jagow); 2. Oblt. v. Kröchers Dohne.
General von Fulitz! Geylord. Armee=Dreſſur=Prüfung:
1. Lt. Frhr. v. Marſchalls Lohengrin; 2. Oblt. v. Deskys
Lord IV. Einigungs=Prüfung für Reitpferde: 1. Hrn,
Herbert L. Kappels Sauce=bor; 2. Dr. Hugo
Fleiſch=
manns Maid of the Miſt. Tandem=Prüſung: 1. Hrn. B.
v. Achenbachs: 2. Herr Wolf.
* Die Reſultate am dritten Tag (Sonntag) waren:
Remonte=Dreſſur=Prüfung. Abteilung I: 1. 2. Garde=
Dragoner=Regiment; 2. Leib=Garde=Huſaren= Regiment;
3. 2. Garde=Ulanen=Regiment. (14 Konkurrenten.)
Abteilung II: 1. Feld=Art.=Regiment Nr. 3; 2. 3. Garde=
Feldartillerie=Regiment. (4 Konkurrenten.) —
Einſpän=
nige Selbſtfahrer: 1. Herbert L. Kappels Cakewalk (Beſ.):
1—2. Fr. Lampe=Viſchers Sympathie (Beſ.); — 2. Hr. E.
Lindpainters Bibby (Beſ.). (16 Konkurrenten.) —
Da=
men=Jagd=Springen: 1. Hpt. Vollmers Even if (Frau
v. Krieger); 2. Rittm. v. Moers May Queen (Frau Rittm.
Moers); 3. Frl. H. v. Stumms Stella (Komteſſe v.
Ein=
ſiedel). (9 Konkurrenten.) An der Großen Dreſſur=
Prü=
fung beteiligten ſich 20 Reiter. Die Konkurrenz zog ſich
in die Länge.
Rennen zu Frankfurt am Main.
Eröff=
nungs=Flachrennen; 2000 Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1.
Leutn. Frhr. v. Entreß=Fürſtenecks Beau Manoir (Leutn.
v. Moßner) 2. Koromaya (Leutn. v. Moſch), 3. Junker
(Leutn. v. Platen). Tot. 78110, Pl. 18, 22, 14:10. Unpl.;
May Royal, Alleslay, Nikolaus, Herr Hauptmann,
Lich=
tenſtein, Leander Brodekin Mobile. Gegenwehr,
Länge. — Ermunterungs=Hürdenrennen; 2000 Mark, Diſt.
250 Meter: 1. Herrn J. Akthoffs Mulden II. (Torke), 9
Sandeur (Dyhr), 3. Cabin (Böhme). Tot. 56:10, Pl. 32,
29, 61310. Unpl.: Protegee (4), Maroe IV, Moroſe,
Rowdy, Faraga, Prinzeß Clifta, Calendar, Door=Mat,
The Trapper, Dindoniette (gef.), Scabieuſe, Soupeur (
ge=
fallen). Leicht. 1—2 La. — Preis von Sankt Georgen;
Ehrenpreis und 3000 Mark, Diſtanz 3500 Meter: 1. Stall
Hollands Bodger II (Leutn. Kneel), 2. Bobolink (Beſ.),
3. Rockledge (Leutn. Frhr. v. Berchem). Tot. 33110, Pk.
20, 37, 27.10. Unpl.:: Pas de Quadre, Sklavin, Placide,
Sterling, Gold, David II, Le Repas, Groufe Fly.
Lor=
rimer. Ueberlegen, 5—2—10 La. — Preis von
Fried=
richshof; 3000 Mark, Diſtanz 3000. Meter: 1. Frhrn. K.
von Bethmanns Raiſuli (Fanta), 2. Viel Vergnügen
(Unterholzner), 3. Fieſole (Miſchon). Tot. 39.10, Pl.
21, 28:10. Unpl.: Red Clover. Kanter, 10—15 Lg.
Suermondt=Jagdrennen; Ehrenpreis und 3000 Mark,
Diſtanz 3000 Meter: 1. Herren J. und G. Reimanns Peter
(Leutn. v. Berchem), 2. Bauernfänger (Leutn. Frhr. v.
Lotzbeck), 3. Diana (Leutn. Stellbrink). Tot. 31110. Pl.
19, 20110. Unpl.: Marder, Stromboli, Einbrecher Sicher
1—6 Lg. — Preis von Einheim; 3000 Mark, Diſtanz 3000
Meter: 1. Stall Hollands Hareſtock (Mackenzie) 2. Lyre
dAirain (Unterholzner), 3. Silver Sea (Kühl). Tot.
26:10, Pl. 12, 18, 13:10. Unpl.: Mir, Guatemala, Chicard,
Curry, Agua. Leicht, 2—8—8
Rennen zu Köln a. Rh. Maſha=Rennen: 5000
Mark, Diſtanz 1000 Meter: 1. Kgl. Württemberg. Priv.=
Geſtüt Weils Trotz (Schläfke), 2. Hartguß (Bullock), 3.
Li=
padia (Groneberg). Tot. 33:10, Pl. 13, 12:10. —
Früh=
jahrs=Jagdrennen; 2500 Mark, Diſtanz 3000 Meter:
4. Herrn H. Haas’ Bolondora (H. Brown) 2. Kreppwör
(Johuſon
de (Gehrke). Tot. 16.10, Pl. 13, 17110.
Großes Kölner Frühjahrs=Handikap; 25000 Mark,
Diſtanz 1600 Meter: 1. Hrn. P. Pakheiſers Geier (Spear),
2. Aſchanti (Ted Rice), 3. Werra II. (Lane). Tot. 25:10,
Pl. 33, 16. 27310. — Preis von Gürzenichz 2500 Mark.
Diſtanz 3200 Meter: 1. Herrn C. Oſthoffs May May
(Leiß), 2. Little Ben (Gehrke), 3. Tempete III. (E. Franke)
Tot. 81310, Pl. 29 17 18110. — Fels=Handikap: 5000,
Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1. Monſ. P. Hirſchbergers
Montyon (Belhouſe) 2. Highland Fling (E. Franke),
3. Siskin (Fox). Tot. 28:10. Pl. 18, 90, 2310. — Galtee=
More=Rennen; 5000 Mark. Diſtanz 1400 Meter: 1. Herrn
L. Peſchs Blumenflor (Cleminſon) 2. Loreley (F.
Bul=
lock), 3. Cimon (Fox). Tot. 27310, Pl. 12, 11:10. — Preis
von Dahlhauſen; 2500 Mark, Diſtanz 3200 Meter: 1. Hrn.
H. Walters Lümmel I (Johnſon), 2. Fliege (Bauer),
3. Dekoration (Holoubeck). Tot. 24210, Pl. 15, 2110.
Rennen zu Grunewald. Die Reſultate des am
Sonntag ſtattgehabten Rennens waren: Preis von
Ga=
tow; 6000 Mk., Diſtanz 3500 Meter: 1. Graf Bernſtorff=
Gyldenſteens Gefa (Naſh), 2. Abendſonne (Weißhaupt);
3. Beatrice B. (Buchholz) Tot. 41.10, Pl. 10, 10310.
Otto Marckwald=Rennen, 5000 Mk., Diſtanz 1200 Meter: 1.
Herren E. und G. Buggenhagens Rejvice (Bleuler); 2.
Ve=
nezia (H. Teichmann), 3. Siena (Ludwig). Tot. 3110. Pl.
12, 12, 13:10. — Murellenberger=Jagd=Rennen, 10 000 Mk.
und Ehrenpreis, Diſtanz 3500 Meter: 1. Herrn W. Dodels
Avignon (Bel.). 2. Edelmann (Lt. F. v. Zobeltitz); 3.
Char=
manter Kerl (Lt. v. Sydow). Tot. 115:10. Pl. 31, 30.
46:10. — Preis von Pichelswerder, 5000 Mk., Diſtanz 1200
Meter: 1. Herrn F. Solloways Herbert (Blades), 2.
Königsleutnant (H. Teichmann), 3. Gutes Zeichen (
Lud=
wig). Tot. 19110. Pl. 13, 13, 14:10. — Preis von Bonn,
Ehrenpreis und 3300 Mk., Diſtanz 3500 Meter, 1. Lt.
Wege=
ners Water Ouzel (Beſ.), 2. Nowton (Lt. Graf Strachwitz),
3. Capo Lazarro (Lt. v. Mitzlaff). Tot. 87110. Pl. 22, 15,
29:10. — Amazonen=Preis, Ehrenpreis und 5000 Mk.,
Diſtanz 3500 Meter: 1. Lt. Braunes Fawkes (Beſ.), 2.
Me=
dee II (Lt. Sichler), 3. Großherzog (Lt. v. Sydow). Tot.
28:10. Pl. 16, 55, 31.10. — Weſtend Jagd=Rennen, 4200
Mk., Diſtanz 4000 Meter: 1. Herrn H. Weſtens Horridoh
(G. Winkler), 2. Pride of Weil (Scholz), Z. Werra (
Weis=
haupt) Tot. 70310. Pl. 29, 22110.
* Radrennen. Die Radrennen in Mainz
gingen am Sonntag bei gutem Beſuch und Wetter vor
ſich. Die Hauptkonkurrenz bildeten zwei Dauerrennen
über 10 Kilometer und 40 Kilometer, die beide von Pongs
gewonnen wurden. Pongs ſiegte im Zehnkolimeterlauf
in 10 Minuten 58 Sekunden mit 50 Meter vor Weiß von
Frankfurt a. M. und einer Runde vor Roſenlöcher und
im Vierzigkilometerlauf in 41 Minuten 5½ Sek. mit 30.
Meter vor Roſenlöcher und Weiß, der weit zurück endete.
In den Flieger=Rennen dominierte Otto Meyer.
* Radfernfahrt Mannheim-Eberbach-Mannheim.
Bei der am Sonntag ſtattgefundenen Fernfahrt
Mann=
heim-Eberbach-Mannheim (130 Kilometer) konnte der
Darmſtädter Straßenfahrer H. Fiſcher den dritten Platz
belegen, trotz Reifendefektes. Nachfolgend die acht
Erſten: 1. Roſenhahn (Heiligenſtein), 2. Metzger (
Stutt=
gart), 3. Fiſcher (Darmſtadt), 4. Kuhn (Friedrichsfeld),
5 Brendlein (Mannheim) 6. Joachim (Mannheim),
Kraft (Mannheim), 8. Griesbeck (Mannheim).
Der Große Sttraßenpreis von
Hanno=
ver, der über eine Strecke von 343 Kilometer führte,
ver=
einigte 60 unſerer beſten Straßenfahrer am Start. Bis
zum 70. Kilometer blieb das Feld ziemlich geſchloſſen.
Beim 150. Kilometer bildeten noch 6 Paare die
Spitzen=
gruppe. Die Kontrolle in Minden (181 Kilometer)
er=
reichten gemeinſam Roſellen, Straſſer und Hartmann.
Zwiſchen Minden und Rinteln wurde Straſſer von einem
Krampf befallen, der ihn zum Ausſcheiden zwang.
Ro=
ſellen und Hartmann blieben bis zum Ziel zuſammen.
wo Roſellen (Kontinental=Pneu) durch einen guten Spurt
mit zwei Längen vor Hartmann in 11 Stunden 20 Min.
als Sieger das Ziel paſſierte. 3. Karl Zander=Berlin,
11 Std. 34 Min., 4. Aberger=Berlin, ½ Lg., 5. Schütz=
Ber=
lin, 1 weitere Länge, 6. Kotſch=Kyritz, 7. Böhm, 8. Fahle.
Dresdener Eröffnungs=Radrennen.
Fünf=Ländermatch. 40 Kilometer: 1. Collins. 32 Min.
24½ Sek., 2. Salzmann, 550 Meter. 3. Kieldſen, 4700
Meter, 4. Contenet, 8380 Meter. Dickentmann ſendete
infolge mehrerer Motorſchäden weit zurück. —
Verſuchs=
rennen über 15 Kikometert 1. Golins, 12 Min 53 Sek.,
2. Thomas, 340 Meter, 3. Dickentman, 480 Meter, 4. Pawke,
5. Contenet. — Zukunftspreis über 20 Kilometer: 1.
Col=
lins (Kontinental), 17 Min. 9½ Sek., 2. Pawke, 2330 Me=
e e dien Brter ue eehhon 23sg.
zurück, 5. Amort, 3620 Mtr. zurück, Dickentmann aufgegeben.
Der Preis der Nationen kam am Sonntag
auf der Berliner Olympia=Radrennbahn vor etwa 10000
Zuſchauern zum Austrag. 15 Kilometer=Handieap himer
Motoren: 1. Gnilka (Mal), 12:50, 2. Jenske (800 Meter),
200 Meter zurück, 3. van Lyck (1600 Meter), 1310 Meter
zurück, 4. Rocke (4100), 1570 Meter zurück. Harrn Elkes=
Memorial, 10 Kilometer: 1. Stellbrink, 8 Min. 10,4 Sek.,
2. Walthour, 70 Meter, 3. Ryſer, 280 Meter, 4. Janke, 970
Meter, 5. Miquel (Motordefekt). Rekordfahren: 3 Runden,
1200 Meter hinter Motoren mit ſtehendem Start: 1.
Wal=
thour 1 Min. 13. Sck., 2. Stellbrink, 1113,1, 3. Janke, 1115.
1 4. Ryſer, 1117,2, 5. Miquel nicht geſtartet. Auguſt=Ehr=
Preis: 1 Wegener, 2. Hoffmann, Handbreite, 3. Stolz,
4. Sonntag. Prämienfahren: 1. Ehlert, 2. Ganzevoort.
3 K. Müller. Huber=Seidl=Erinnerungpreis: 1. Kudelg=
Wegener, 2. Hoffmann=Fr. Stellbrink, 3. Finn=Packebuſch
Preis der Nationen, 75 Kilometer: 1. Stellbrink, 57330.
2. Sanke, 1740 Meter, 3. Walthour, 4140 Meter, 4. Ryſer,
6820 Meter, 5. Miquel, weit zurück,
* Hockey, Hockey=Städtekampf Hamburg=
Berlin. Der Hockey=Städtekampf Hamburg=Berlin
ge=
langte am Sonntag in Hamburg zum erſten Male zum
Austrag, und ſah die Hamburger Mannſchaft mit 92
ſieg=
reich. Die Hamburger lieferten ein ſehr gutes Spiel,
gegen das die mit Erſaßz für die hervorragenden Spieler
Stulz (Berliner Sportklub) und W. Ringe (Berliner
Hockeyklub) herübergekommenen Berliner machtlos waren.
Beide Tore für Berlin ſchloß Korth (Preußen). Von den
Toren für Hamburg erzielte Lühmann 5, Zuerm 3 und
Goßler 1 Tor
* Fußball. Berliner Fußballmeiſterſchaft.
Die Berliner Fußballmeiſterſchaftsſpiele brachten am
Sonntag endlich die Entſcheidung. Preußen ſiegte, wie
im erſten der beiden Entſcheidungsſpiele, mit dem
knap=
pen Refultat von 211 über Viktoria. Ferner ſiegten
Mi=
nerva mit 210 über Rapide, Vorwärts mit 310 über
Ger=
mania Tasmania mit 411 über Konkordia und Tennis
Boruſſia mit 5:4 über Favorit.
Die Berliner Militär=Fußballſpiele
nahmen am Sonntag folgenden Verlauf: In
Charlotten=
burg ſchlug das erſte Garde=Feldartillerie=Regiment auf
dem Unionſportplatz das zweite Garde=Feldartillerie,
Regiment mit 511, auf dem Schmargendorfer Britannia=
Platz ſpielten die Eliſabether gegen die Garde=Schützen
4:4 unentſchieden. Dagegen verlor das Telegraphen=
Bataillon unerwarteterweiſe mit 310 gegen die ſehr gute
Mannſchaft des vierten Garde=Regiments, während das
drite Garde=Regiment mit 43 das zweite Garde=
Regi=
ment ſchlug.
Die Fußballmeiſterſchaft von
Mittel=
deutſchland gelangte am Sonntag im
Entſcheidungs=
ſpiel zwiſchen Fußballklub Wacker=Halle a. S und der
Leipziger Spielvereinigung zum Austrag. Da in der
vorgeſchriebenen Spielzeit von zweimal 45 Minuten auf
beiden Seiten kein Tor fiel, mußte der Kampf um
zwei=
mal 15 Minuten verlängert werden. Es gelang dann der
Leipziger Spielvereinigung, das entſcheidende Tor zu
landen und damit mit 1.0 die Meiſterſchaft zu gewinnen.
Die Fußballmeiſterſchaft von
Nord=
deutſchland gelangte in Hamburg zum Austrag. Vor
etwa 5000 Zuſchauern lieferten ſich die beiden Gaumeiſter
Holſtein=Kiel und Eintracht=Braunſchweig, einen
erbitterten Kampf, den ſchließlich die Kieler Mannſchaft
knapp mit 32 zu ihren Gunſten entſchied. Holſtein
ge=
winnt hiermit zum dritten Male hintereinander die
Nord=
deutſche Meiſterſchaft.
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Seite 16.
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