Abonnementspreis
Inſerate
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwirdnichtübernommen.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 32 Seiten.
Die nächſte Ausgabe des Darmſtädter
Tagblatts erfolgt am Dienstag.
Das Neueſte vom Tage.
Prinz Heinrich von Preußen iſt zum Beſuch
am Großh. Hofe hier wieder eingetroffen.
Unter dem Vorſitz des Prinzen Heinrich
von Preußen konſtituierte ſich in Berlin die
„Wiſſenſchaftliche Geſellſchaft für
Flug=
technitt.
Der Reichskanzler iſt am Mittwoch abend nach
Korfu abgereiſt. Die Ankunft in Korſu iſt für
heute vorgeſehen.
Das engliſche Unterhaus vertagte ſich bis
zum 10. April.
Der Exekutivausſchuß des engliſchen
Bergarbei=
terverbandes empfiehlt die.
Wiederauf=
nahme der Arbeit.
Der Dampfer „Koobana” iſt nach einem
Tele=
gramm aus Broome mit 50 Fahrgäſten und 80 Mann
Beſatzung untergegangen.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6 und 7.
Oſtern.
*⁎* Stürme durchbrauſten in den letzten Tagen das
Land, von Schneefall und Kälte meldeten die Zeitungen,
und es ſah aus, als ob der Frühling, der ſchon offiziell
ſeinen Einzug gehalten hatte, wieder umgekehrt ſei. Aber
durch alles dieſes haben wir uns die Hoffnung nicht
neh=
men laſſen, daß der Lenz kommen werde. Dem Tode
folgt Leben, dieſe Wahrheit lehrt uns alljährlich die
Na=
tur, lehrt uns aber auch die Oſterbotſchaft von der
Auf=
erſtehung des Herrn. Dieſe Botſchaft iſt es, die die
Her=
zen der Menſchen noch heute erfüllt und auch in Zukunft
bewegen wird. Freilich werden auch wir, ebenſo wie
Chriſtus vor ſeinem Tode ſchwer gekämpft hat, des
Le=
bens Ziel nicht ohne Kampf erreichen, denn ohne ſolchen
gibt es auch hier auf Erden keine Erfüllung der
ausge=
ſprochenen Verheißung.
Die Kirche erfüllt ihre Aufgabe, zu verkünden, was
der Kreuzestod des auf die Welt geſandten Gottesſohnes
und ſeine Auferſtehung für das ſittliche und religiöſe
Le=
ben bedeuten, ſie zwingt den Einzelnen zur Einkehr in
ſich ſelbſt und gibt ihm die Hand, ſich wieder aufzurichten.
Aber das Grundthema des Oſtertages kann auch auf die
äußeren Angelegenheiten, die man die politiſchen nennt,
angewendet werden. Ohne ſchweren unausgeſetzten
Kampf gibt es auch hier keine Erfüllung der
ausgeſpro=
chenen Verheißung. Aber wenn uns des Kampfes Laſt
und Hitze zu ſchwer zu werden drohen, ſo ſollen wir uns
am Oſtertage erinnern, daß dieſe uns auferlegte Laſt
nicht gerade unſerer Zeit und unſerem Volke eigen iſt,
ſondern ſich als ein allgemeines Menſchenlos darſtellt,
das jeder Zeit und jedem Volke aufgebürdet iſt. In
ſchwerer Arbeit den Idealen zuzuſtreben, iſt eine Pflicht,
aber auch ein Vorzug des Menſchengeſchlechts.
Die Religion lehrt uns, daß es die Aufgabe des
Einzelnen ſei, an ſeiner inneren Vollendung zu arbeiten.
Zur Erreichung dieſer Vollendung gehört aber auch eine
zweckmäßige Geſtaltung des Staatsweſens. Nur im
Staat und durch dieſen kann der Menſch ſeine ſittliche
Be=
ſtimmung erfüllen und nur durch die vereinten Kräfte
Aller läßt ſich eine Geſtaltung des Staatsweſens
errei=
chen, die es jedem Einzelnen geſtattet, mit ſeinem
Näch=
ſten in Frieden zu leben. In uns wohnt das Bild eines
vollkommenen Staatsweſens, in dem für jede Kraft der
Raum zur Betätigung, für jeden berechtigten Wunſch
die Möglichkeit der Erfüllung gegeben iſt. Dieſem Bilde
jagt die Menſchheit nach. Vieles ſah ſie im Laufe der
Zeit ſich verwirklichen, aber dem idealen Ziele blieb ſie
immer noch fern, denn es ſtellten ſich ſtets neue Aufgaben
ein deren Löſung nicht leichter wurde.
Wenigen Völkern iſt der Kampf um ſeinen Staat ſo
ſauer geworden wie dem deutſchen. Durch Jahrhunderte
hindurch war uns das Bewußtſein unſerer politiſchen
Pflichten verloren gegangen und erſt durch ſchwere
Schick=
ſale und die an dieſe anknüpfende Arbeit der Denker und
Dichter bekann ſich das deutſche Volk dieſer Pflichten.
Dann kam eine glänzende Zeit und wer dieſe vor vier
Jahrzehnten durchlebt hat, wird wiſſen, daß ſelten ein
Volk ſo viel an freudiger Befriedigung, an geiſtiger
Er=
hebung genoſſen hat wie das deutſche Volk in der Zeit
der Wiederaufrichtung des Reiches. Aber niemand hat
damals geahnt, wie viel Zeit und wie viel Kraft uns
der innere Ausbau des Reiches noch koſten würde. Auch
heute iſt noch viel Kraft und Anſpannung nötig, und
wir dürfen die Hoffnung nicht verlieren, wenn immer
neue Aufgaben an uns herantreten und wenn Verſuche
gemacht werden, den Bau ins Wanken zu bringen.
Durch Nacht zum Licht rufen uns die Oſterglocken
zu, ſie beſtärken uns in der Zuverſicht, daß die
Schwie=
rigkeiten, die ſich in unſerem innerpolitiſchen Leben immer
noch auftürmen, ſchließlich doch einmal überwunden
werden zum Heile unſeres Volkes und Vaterlandes.
Der bayeriſche Jeſpitenerlaß.
* Die Norddeutſche Allgemeine Zeitung hat zu dem
mehrfach beſprochenen Jeſuitenerlaß des Miniſteriums
Hertling folgendes zu berichten: „Nach Mitteilungen
der Preſſe hat die bayeriſche Regierung
neuer=
lich Beſtimmungen über die Handhabung des § 1 des
Jeſuitengeſetzes erlaſſen. In einem Teil der
Preſſe wird daran dieBehauptung geknüpft, daß dieſe
Be=
ſtimmungen mit dem Sinn des Reichsgeſetzes und der
dazu ergangenen Beſchlüſſe des Bundesrats in
Wider=
ſpruch ſtänden. Ob das der Fall iſt oder nicht, wird
Ge=
genſtand der Prüfung für diejenige Stelle ſein
müſſen, welche verfaſſungsmäßig zur Ueberwachung der
Ausführung der Reichsgeſetze berufen iſt.”
Zur verfaſſungsmäßigen Ueberwachung iſt der
Kai=
ſer berufen. Artikel 17 der Reichsverfaſſung beſtimmt:
„Dem Kaiſer ſteht die Ausfertigung und Verkündigung
der Reichsgeſetze und die Ueberwachung der
Ausfüh=
rung derſelben zu.”
Die meiſten Blätter vertreten die Anſicht daß ſich
die bayeriſche Regierung in Widerſpruch geſetzt hat zu
der Abſicht des Geſetzes und dieſem eine ungeſetzmäßige
Auslegung gegaben hat.
Die Kölniſche Zeitung ſchreibt: Wichtiger
noch als die weitere Ultramontaniſierung Bayerns
ſcheint uns der Schaden zu ſein der für das Reich, ja
für das ganze Rechtsempfinden unſeres Volkes darin
liegt, daß hier die Regierung eines Bundesſtaates ein
Reichsgeſetz in einem Sinne auslegt, der mit der
Ab=
ſicht des Geſetzgebers und der Auslegung des oberſten
Gerichts in ſchroffem Widerſpruch ſteht. Es iſt erfreulich,
daß ſelbſt die Kreuzzeitung hier dem Bundesgenoſſen
die Freundſchaft aufkündigt und ihm gegenüber mit
Ent=
ſchiedenheit die Rechte des Staates vertritt. Auch für
ſie unterliegt es keinem Zweifel, daß Bayern dem Sinn
und Zweck des Jeſuitengeſetzes zuwider handelt. — Die
Berliner Morgenpoſt berichtet aus München: Nach
Mitteilungen von hervorragender Seite iſt es
zweifel=
los, daß der Reichskanzler dem Kaiſer über die Abſicht
der bayeriſchen Regierung, die Lücke des Jeſuitengeſetzes
auszufüllen, Vortrag gehalten hat. Die Morgenpoſt
be=
merkt, das Jeſuitengßſetz iſt ein Ausnahmegeſetz und
Ausnahmegeſetze taugen nichts und ſollten beſeitigt
wer=
den. Beſeitigt, und nicht allein interpretiert! — Das
Berliner Tageblatt weiſt im Hinblick auf die
letzte Auslegung der Norddeutſchen Allgemeinen Zeitung
über den Jeſuitenerlaß auf die Veröffentlichung einer
Zuſchrift in der Germania hin, worin die Münchener
Meldung der Morgenpoſt beſtätigt wird, und ſchreibt
dazu: Danach würde es ſich um ein zwiſchen Herrn von
Bethmann Hollweg und Frhrn. v. Hertling abgekartetes
Spiel handeln. Es wäre taktvoller geweſen, unter
ſol=
chen Umſtänden von der Berufung auf den Kaiſer
abzu=
ſehen.
Die Voſſiſche Zeitung zitert ebenfalle
die Zuſchrift der Germania und erklärt: Wäre dieſ;
Darſtellung richtig, ſo gewänne es den Anſchein, als ob
Bayern offen und ehrlich durch ſchriftlichen Erlaß eine
Aenderung herbeigeführt hat, die Preußen nur auf
mündlichem Wege geheim angeordnet hat. Sobald
Ab=
geordnetenhaus und Reichstag wieder zuſammentreten,
wird Herr v. Bethmann Hollweg nicht umhin können, zu
erklären, was es mit dem Verſuch des bayeriſchen
Mini=
ſteriums auf ſich hat, ein Reichsgeſetz auf dem
Verwal=
tungswege unwirkſam zu machen. An der
Beantwor=
tung dieſer Frage haben alle Parteien ein ſtarkes
Intereſſe.
Die oben zitierten Ausführungen der Germania
lauten: „Die bayeriſche Regierung hat die mildere
Praxis der Ausführung des Jeſuitengeſetzes auf dem
Wege der Verordnung feſtgelegt. Die Bemühungen der
liberalen Preſſe, die bayeriſche Regierung in Gegenſatz
zur preußiſchen zu bringen, ſind im vornherein als
miß=
lungen zu betrachten; denn den preußiſchen Oberprä=
ſidenten iſt mündlich vom Miniſterium vor langer Zeit
empfohlen worden, gegenüber der Vortragstätigkeit der
Jeſuiten eine verſöhnliche Handhabung des
Jeſſtiten=
geſetzes auch für die Zukunſt zu beobachten und
Verſchär=
fungen der derzeitigen Praxis zu vermeiden. Bayern
ahmt mit dem Erlaß dies Beiſpiel nach mit dem einzigen
Unterſcheid ,daß die Provinzialchefs in Preußen
münd=
lich, in Bayern ſchriftlich verſtändigt worden ſind.”
Es möge daran erinnert werden daß von dem
jetzigen Reichstag in dieſer Angelegenheit nichts
zu erwarten iſt, da das Zentrum und die
Sozialdemokra=
ten in ihm die bedeutende Mehrheit haben und letztere
ſich bereits früher für die Aufhebung des Jeſuitengeſetzes
ausgeſprochen haben. Vielleicht hat Bayern dieſe durch
die Reichstagswahlen geſchaffens günſtige Lage
aus=
genutzt.
Deutſches Reich.
— Monarchen=Zuſammenkunft. Die
Nowoje Wremja meldet: Mitte Juli ſoll eine
Zuſam=
menkunft des Zaren mit dem Kaiſer Wilhelm in den
Fin=
niſchen Schären ſtattfinden.
Der Reichskanzlerhat am
Mittwoch abend in Begleitung ſeines Adjutanten
die Reiſe nach Korfu angetreten. Er wird in
Brindiſi vom Kreuzer „Kolberg” abgeholt und trifft
heute Samstag in Korfu ein. Irgend eine politiſche
Be=
gegnung iſt nicht beabſichtigt.
— Eine Erklärung Roerens. Der frühere
Abgeordnete Roeren erklärte bezüglich ſeiner ferneren
Haltung: Er beabſichtige nicht, den Streit außerhalb
der Zentrumsfraktion fortzuſetzen, er würde nur dann für
ſeing Grundſätze eintreten, wenn ſie angegriffen würden.
Es handle ſich für ihn lediglich um die Frage, ob die
Tätigkeit des Zentrums ſich im Einklange mit den
Grund=
ſätzen der katholiſchen Weltanſchauung zu befinden habe,
oder ob die ſogenannte allgemeine oder gemeinſame
chriſtliche Weltanſchauung, die er als Utopie bezeichnen
müſſe mäßgebend ſein ſolle. Man ſuche gefliſſentlich dieſe
einfache Streitfrage zu verdunkeln, indem man von der
Definition der Oſterdienstagskonferenz ſpreche, ſtatt den
angegebenen Standpunkt klar darzulegen. Die
Meldun=
gen von Einberufung einer neuen
Oſterdienstagskonfa=
renz bezeichnete Roeren als erfunden. Intereſſant war
die Eröffnung Roerens, daß in früherer Zeit aus der
Um=
änderung der Bezeichnung „katholiſche Fraktion” in „
Zen=
trum” abſolut nicht auf eine Aenderung der Grundſätze
der katholiſchen Fraktion geſchloſſen werden dürfe. Das
Zentrum wählte damals ausdrücklich die Bezeichnung
„Fraktion des Zentrums (katholiſche Fraktion)”. Daß
nur Katholiken zur Mitgliedſchaft gelangen könnten, ſei
niemals von ihm oder von irgend einem ſeiner
Geſin=
nungsgenoſſen behauptet worden.
Als künftiger Gouverneur von
Sa=
moa an Stelle Dr. Solfs nennt man jetzt den
Gouver=
neur von Togo, Dr. Brückner, der aus Rückſichten auf
ſeine und ſeiner Familie Geſundheit von Togo
fortzu=
kommen wünſcht.
Helſgolland als Flottenſtützpunkt.
Der Matroſen=Artillerie=Abteilung auf Helgoland wird
nunmehr eine dritte Kompagnie angegliedert, die ſchon
im April formiert wird. Die erforderlichen
Kaſerne=
ments ſind vor einiger Zeit fertiggeſtellt worden.
Helgo=
land hat als Stützpunkt für die Flotte in den letzten
Jah=
ren bekanntlich weſentlich an Bedeutung gewonnen und
wird es noch mehr, wenn der große Hafenbau erſt beendet
ſein wird.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Zur Lage in Ungarn. Im ungariſchen
Ab=
geordnetenhauſe erklärte Khuen=Hedervary, das
könig=
liche Handſchreiben entſpreche vollſtändig der Verfaſſung.
Er ſehe mit Bedauern, daß das Parlament nicht derartig
tätig iſt, wie dies ſein ſollte, das Ungeſunde müſſe
aus=
gemerzt werden. Was die Forderung betreffe, daß die
Wahlreform vor der Wehrreform verhandelt werde, ſo
könne hierüber die Nation befragt werden. Der
Miniſter=
präſident erklärte ſchließlich, die in den Blättern
erſchie=
nenen Meldungen über die letzten Audienzen ſtammten
nicht von ihm. Das Abgeordnetenhaus vertagte ſich
dann auf den 12. April. Nach der Rede des
Miniſterprä=
ſidenten verſammelte ſich, wie der Neuen Freien Preſſe
aus Peſt gemeldet wird, in den Couloirs eine Gruppe
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 6. April 1912.
Nummer 82.
Abgeordneter, denen der Miniſterpräſident erklärte, es ſei
ganz ſelbſtverſtändlich, daß das Haus aufgelöſt würde,
wenn es nicht arbeitsfähig wäre. Er hätte die
Betrau=
ung nicht übernommen, wenn er nicht entſchloſſen wäre,
zu dem äußerſten Mittel zu greifen. Wenn die Ordnung
im Parlament nicht wieder hergeſtellt wird, erklärte der
Miniſterpräſident, werden wir binnen einem Monat die
Auflöſung des Reichstags erleben.
Frankreich.
Ueber den franzöſiſch=marokkaniſchen
Protektoratsvertrag verbreitet die Agence
Ha=
vas folgende ausführliche Angaben:
Die beiden Regierungen ſind übereingekommen,
die=
jenigen Reformen durchzuführen, die die franzöſiſche
Re=
gierung als nützlich anſehen ſollte. Die religiöſe
Stel=
lung des Sultans, ſowie ſein traditionelles Anſehen
werden gewahrt. Ebenſo werden der Kultus des
Is=
lams und die Unantaſtbarkeit der religiöſen
Einricht=
ungen gewährleiſtet. Der Maghzen ſoll erhalten und
reformiert werden, die Rechte Spaniens und die
beſon=
dere Stellung der Stadt Tanger werden gewahrt. Die
franzöſiſche Regierung hat das Recht, militäriſche
Be=
ſetzungen vorzunehmen, die ſie als erforderlich für die
Aufrechterhaltung der Ordnung betrachtet, und
polizei=
liche Maßnahmen wie in den marokkaniſchen Gewäſſern
vorzunehmen. Die franzöſiſche Regierung verſpricht dem
Sultan ihre Unterſtützung. Die Regierungsmaßnahmen
werden von der franzöſiſchen Regierung vorgeſchlagen
und vom Sultan verordnet. Frankreich wird in
Ma=
rokko durch einen bevollmächtigten Generalreſidenten
vertreten, der der einzige Vermittler zwiſchen dem
Maghzen und den framden Vertretern iſt, Dekrete des
Sultans zu billigen und zu promulgieren hat.
Frank=
reich vertritt die marokkaniſchen Untertanen und deren
Intereſſen im Auslande. Der Sultan verpflichtet ſich,
keinen internationalen Akt vorzunehmen, keine Anleihe
aufzunehmen und keine Konzeſſion zu erteilen ohne die
Zuſtimmung Frankreichs. Die beiden Regierungen
be=
halten ſich vor, gemeinſchaftlich die Reorganiſation der
Finanzen durchzuführen.
Dem Flottenprogramm entſprechſend wird
am 1. Mai die Kiellegung von zwei und am 3. Auguſt
ds. Js. die eines dritten Dreadnoughts erfolgen. Nach
einer Verfügung des Marineminiſters werden dieſe
Schlachtſchiffe die Namen „Lorraine” „Bretagne” und
„Provence” führen und wahrſcheinlich 23500 Tonnen
faſſen.
England.
Das engliſch=portugieſiſche Bündnis.
Auf eine Anfrage Noel Buxtons im Unterhauſe, ob das
Offenſiv= und Defenſivbündnis zwiſchen England und
Portugal kürzlich erneuert worden ſei, erklärte Grey in
einer ſchriftlich abgefaßten Erwiderung: Die Frage
ent=
hält eine Ungenauigkeit, die zu berichtigen ich für
weſent=
lich halte. Es iſt ein ſchwerer Irrtum, von dem
engliſch=
portugieſiſchen Bündnis als einem Offenſiv= und
Defen=
ſivbündnis zu ſprechen. Wenn der Abgeordnete Buxton
den Text der Verträge, der 1898 veröffentlicht wurde,
an=
ſehen will, wird er finden, daß das Bündnis ein rein
defenſives iſt. Die Verträge, die nicht für beſtimmte Zeit
abgeſchloſſen, ſind ihrer Natur nach dauernd. Sie
unter=
liegen deswegen keiner Erneuerung, wenn ſie nicht
vor=
zeitig, zum Beiſpiel durch einen Krieg, zwiſchen beiden
Vertragsgegnern beendet ſind. Die Bündnisverträge
werden von Zeit zu Zeit beſtätigt. Auf eine derartige
Beſtätigung war kürzlich formell in der Einleitung zu
dem allgemeinen engliſch=portugieſiſchen
Schiedsgerichts=
vertrag von 1904 hingewieſen.
Das Unterhaus wurde bis 10. Arpil vertagt, um in
die Oſterferien zu gehen. Die Homerulebill wird am 11.
April eingebracht.
Türkei.
Die Wahlen haben bisher ein für das
jungtür=
kiſche Komitee überaus günſtiges Reſultat ergeben. Etwa
15 von den bereits gewählten Abgeordneten gehören
ſämtlich dem Komitee an.
* Zur Berichterſtattung über
Schüler=
ſelbſtmorde iſt das nachfolgende Schreiben des
Vor=
ſitzenden des Vereinsverbandes akademiſch gebildeter
Lehrer Deutſchlands an den Reichsverband der deutſchen
Preſſe eingegangen: An den Reichsverband der deutſchen
Preſſe richtet der Unterzeichnete im Namen und Auftrage
des Vereinsverbandes akademiſch gebildeter Lehrer
Deutſchlands die ergebene Bitte, in ſeinen Kreiſen dahin
wirken zu wollen, daß die ſenſationelle Darſtellung der
ſogen. „Schülerſelbſtmorde” in der Preſſe, die geeignet
iſt, das Anſehen der höheren Schulen Deutſchlands
herab=
zuſetzen, vermieden wird. Schon der vielgebrauchte
Aus=
druck „Schülerſelbſtmorde” iſt irreführend, und es wäre
dafür richtiger „Selbſtmorde Jugendlicher” zu ſetzen.
Hat doch die Statiſtik längſt nachgewieſen, daß die Zahl
von jugendlichen Selbſtmördern in dem gefährlichen
Uebergangsalter vom Knaben zum Jüngling, die nicht
eine höhere Schule beſuchen, weit höher iſt, als die aus
den Kreiſen der Schüler höherer Lehranſtalten. Auch bei
der Darſtellung vom Selbſtmorde eines Schülers wäre
alſo zu wünſchen, daß ſtets gewiſſenhaft nach den
Grün=
den gefragt würde, und man würde dann in den bei
weitem meiſten Fällen finden, daß dieſer mit dem
Schul=
betrieb nicht im Zuſammenhange ſteht. Ueberhaupt aber
wäre erfreulich, wenn die Preſſe der Behandlung des
Selbſtmordes Jugendlicher gegenüber eine gewiſſe
Zu=
rückhaltung übte, zumal ja erfahrungsgemäß die
Schil=
derung von Selbſtmorden, wie die von anderen
krankhaf=
ten Erſcheinungen, verderblich auf jugendlich unreife
Gemüter wirkt und zur Nachahmung verführt. In
vor=
züglicher Hochachtung (gez.) Rektor Dr. Poland, erſter
Vorſitzender des Vereinsverbandes akademiſch gebildeter
Lehrer Deutſchlands.
* Berlin, 4. April. Der Kaiſer lud den
Kö=
nig von Sachſen zum Stapellauf des
Pan=
zers „Erſatz Aegir” ein der dem Schlachtſchiff den
Namen „König Albert” geben wird. Das Schiff wird
Ende dieſes Monats von der Schichau=Werft in Danzig
von Stapel laufen.
* Jena 4. April. Die Verhandlungen des
Schiedsgerichts zur Beilegung der Streitigkeiten
im Schneidergewerbe werden vorausſichtlich noch
einige Tage dauern.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 6. April.
* Vom Hofe. Ihre Königl. Hoheit die
Groß=
herzogin empfingen am Mittwoch vormittag 10½ Uhr
im Neuen Palais den Oberſtleutnant Sonntag und
Hauptmann Schultz, ſeither im Infanterie=Leib=Regiment
„Großherzogin” Nr. 117 in Mainz. — Burggraf und
Graf zu Dohna=Schlobitten iſt am Mittwoch nachmittag
4 Uhr 33 Min. zum Beſuch im Neuen Palais
einge=
getroffen. (Darmſt. Ztg.)
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog dem Faßeichmeiſter Joſef Schober in
Bens=
heim, dem Faßeichmeiſter Heinrich Becker in Gießen
und dem Eichmeiſter Heinrich Rettberg in Nidda
das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift „Für
lang=
jährige treue Dienſte” am Bande des Verdienſtordens
Philipps des Großmütigen.
* Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog den Bergaſſeſſor Ernſt Scheerer zu
Darm=
ſtadt zum Bergaſſeſſor bei der Oberen Bergbehörde und
der Bergmeiſterei Darmſtadt mit dem Titel „
Bergamt=
mann” mit Wirkung vom 16. April 1912 ab, den
Miniſterialreviſor bei der Buchhaltung des Miniſteriums
der Finanzen, Martin Steffan, zum
Sekretariats=
aſſiſtenten bei dem Miniſterium der Finanzen, Abteilung
für Bauweſen, mit dem Amtstitel „Miniſterialreviſor”
den Bureauaſſiſtenten bei der Buchhaltung des
Mini=
ſteriums der Finanzen, Miniſterialreviſor Wilhelm
Wandel zum Miniſterialreviſor bei dieſer Stelle, den
Finanzaſpiranten Auguſt Kümmel aus Wieſeck (bei
Gießen) zum Hauptſteueramtsaſſiſtenten; ferner wurden
Otto Steuernagel aus Ober=Sorg zum
Röhren=
meiſter für das Fernheizwerk der Badeanſtalt Bad
Nauheim und die Schulverwalterinnen an der höheren
und erweiterten Mädchenſchule zu Gießen Hedwig
Velke und Sophie Weber zu Lehrerinnen an
dieſer Schule unter Belaſſung in der Kategorie der
Volksſchullehrerinnen ernannt.
* Ernennungen zum Verwaltungsgerichtshof. Se.
Königl. Hoheit der Großherzog haben zu Mitgliedern
des Verwaltungsgerichtshofes für die Dauer des von ihnen
bekleideten Amtes ernannt: den ordentlichen Profeſſor in
der juriſtiſchen Fakultät der Landesuniverſität, Geheimen
Juſtizrat Dr. Arthur Benno Schmidt in Gießen, den
vor=
tragenden Rat im Miniſterium der Finanzen und deſſen
Abteilungen, Geheimen Oberfinanzrat Dr. Theodor Fuchs,
die Oberlandesgerichtsräte Dr. Wilhelm Berchelmann,
Auguſt Fabricius und Hermann Sandmann, den
vortragenden Rat im Miniſterium der Finanzen, Abteilung
für Finanzwirtſchaft und Eiſenbahnweſen, Geheimen
Ober=
finanzrat Dr. Ferdinand Rohde, die
Oberlandesgerichts=
räte Johannes Wagner, Karl Pfannmüller und
Georg Dieffenbach, den Kreisrat des Kreiſes Worms,
Geheimen Regierungsrat Dr. Karl Kayſer in Worms,
den Kreisrat des Kreiſes Groß=Gerau, Geheimen
Regier=
ungsrat Dr. Eduard Wallau in Groß=Gerau, den
Ober=
landesgerichtsrat Peter Fleitz, den Kreisrat des Kreiſes
Friedberg Karl Schliephake in Friedberg, den
ordent=
lichen Profeſſor in der juriſtiſchen Fakultät der
Landes=
univerſität Dr. Wilhelm van Calker in Gießen und
den Oberlandesgerichtsrat Dr. Berchelmann für die
Dauer ſeiner Angehörigkeit zum Verwaltungsgerichtshof
zum ordentlichen Vertreter des Präſidenten dieſes
Gerichts=
hofes.
* Das Großh. Regierungsblatt Nr. 13 enthält:
1. Geſetz wegen Abänderung des Geſetzes, die
Aus=
führung des Impfgeſetzes für das Deutſche Reich vom
8. April 1874 betreffend, vom 25. Mai 1875 (Reg.=Bl.
S. 335.) 2. Bekanntmachung, die Impfgebühren betr.
g. Strafkammer. Wegen Betrugs und unlauteren
Wettbewerbs hatte ſich geſtern vor der hieſigen
Sträf=
kammer der 51jährige Reiſende Matthias Kiegerl aus
Ludwigshafen zu verantworten. Kiegerl vertrieb im
Herbſt vorigen Jahres in Lorſch einen Futterkalk, wobei
er betrügeriſche Angaben gemacht haben ſoll. Er gab
an, der von ihm verkaufte Futterkalk hätte einen
Nähr=
gehalt von 90 bis 95 Prozent, auch ſpiegelte er den
Leu=
ten vor, er komme als Vertreter der weltberühmten
Brock=
mannſchen Futtermittelfabrik und zeigte auch ein
Re=
klameſchild der Firma vor. Es gelang ihm auch in
meh=
reren Fällen, 5 Kilopakete zum Preiſe von 3,80 Mark
zu verkaufen, während er das Fabrikat zum Preiſe von
14 Mark für den Zentner bezog. Nach dem Gutachten
des Geheimerats Wagner hat das verkaufte Produkt
ei=
nen äußerſt geringen Prozentſatz Nährgehalt, etwa vier
Prozent, als Futtermittel ſei es nahezu wertlos und als
Düngemittel zu teuer. Der Angeklagte gab zu, den
Leu=
ten den Nährgehalt auf 90 Prozent angegeben zu haben,
er ſei aber auch in dieſem Glauben geweſen. Als
Brock=
mannſches Fabrikat habe er ſeine Ware nicht angeprieſen,
ſondern als Hofmannſches. Das ſie außerordentlich
ſchädigende Treiben des Angeklagten kam dadurch zur
Kenntnis der Firma Brockmann, daß die
Landwirtſchaft=
liche Genoſſenſchaft Lorſch im Intereſſe ihrer Mitglieder
eine Unterſuchung des von Kiegerl gelieferten Produktes
vornehmen ließ. Das geradezu vernichtende Ergebnis
der Analyſe veröffentlichte ſie in einer größeren
land=
wirtſchaftlichen Zeitung, natürlich unter der Angabe, der
unterſuchte Futterkalk ſei von der Firma Brockmann
ge=
liefert, wie es Kiegerl angegeben hatte. Der
Staats=
anwalt beantragte eine Geldſtrafe von 300 Mark. Das
Gericht erachtete ſowohl Betrug als auch unlauteren,
Wettbewerb für erwieſen, berückſichtigte aber die
bis=
herige Unbeſtraftheit des Angeklagten und verurteilte
ihn zu 50 Mark Geldſtrafe.
Der 20jährige Schloſſer Heinrich K. aus Pfungſtadt
war Kaſſierer des Zimmerſchützenvereins Pfungſtadt und
hatte als ſolcher im Juli 1911, als er arbeitslos war,
einen Betrag von 17,10 Mark aus der Kaſſe für ſich
ver=
braucht, der zur Begleichung einer Rechnung für eine
Allerlei vom Oſterei.
ml. Vom Oſterei und ſeiner Bedeutung.
Das Ei als Sinnbild des neukeimenden Lebens kehrt
bei allen Feſten wieder. Nicht nur bei den Mai= und
Johannisfeiern, auch zu Weihnachten und Neujahr und
bei den Faſchingsfeſten werden ausgeblaſene Eier als
Schmuck ſeit altersher verwendet. Die bedeutendſte Rolle
aber ſpielt doch überall das Ei als Oſterſpende. Nach
kirchlicher Auslegung ſoll es als Symbol des aus dem
Grabe erſtandenen Erlöſers gelten. Doch iſt das
Chri=
ſtentum wohl kaum als Urheber dieſer Sitte anzuſehen,
denn ſie fand ſich ſchon bei den heidniſchen Völkern vor,
die ſich zur Frühlingsſonnenwende, wenn alles zu
kei=
men und ſproſſen anfing, bedeutungsvoll mit Eiern
be=
ſchenkten. Noch heute trifft man vielfach auf dem Lande
den Brauch, in die erſte Garbe der Ernte ein Brot und
ein Oſterei einzubinden, oder man läßt den erſten Pflug
über ein im Acker vergrabenes Brot und Ei fahren. In
Thüringen ißt der Sämann mit ſeiner Familie auf dem
eben beſtellten Felde ein paar friſche Eier. Die
Gegen=
wart des Leben in ſich bergenden Eies bietet — ſo meint
man — eine Gewähr für das Wiederaufkeimen der Saat.
Der Brauch, ſich Eier zu Oſtern zu ſchenken, ſteht aber
uch in enger Beziehung zu dem Haushaltungsſyſtem auf
einem Bauernhofe. Gewöhnlich wird im Herbſt die
Viehherde reduziert, um für den Winter hindurch mit dem
Futter zu reichen. Im Frühjahr darf dann nicht mehr
geſchlachtet werden, damit ſich die Lücken, die der Winter
geſchlagen, wieder ausfüllen. Höchſtens kann ein Lamm
oder ein Zicklein dem Oſtermahl geopfert werden. Sonſt
iſt man auf die erſten Gaben der Natur, die Eier,
ange=
wieſen. So erklären ſich leicht und naturgemäß die
Bräuche des Oſterlamms und der Oſtereier, und man
muß zu deren Deutung nicht unbedingt auf religiöſe
Mo=
tive zurückgreifen.
Das Oſterei als Heiratsvermittler.
Von einer romantiſchen Geſchichte, in der ein
beſcheide=
nes Oſterei mit Glück und Erfolg die ſonſt im
allgemei=
nen nicht immer dankbare Rolle eines Heiratsvermittlers
geſpielt hat, berichtet eine franzöſiſche Zeitſchrift. In
dem amerikaniſchen Staate New=Jerſey ſteht die
Hühner=
zucht bekanntlich in hoher Blüte, und zur Oſterzeit gehen
gewöhnlich große Eierſendungen über den Ozean
nach Europa, um hier auf dem Eiermarkt den Wettkampf
mit den heimiſchen Erzeugniſſen aufzunehmen. Eine
der größten Hühnerzüchtereien New=Jerſeys iſt die
Farm von Black Hill, die Frau Putnam gehört. Für
ein neunzehnjähriges, junges, hübſches Mädchen aber,
wie dies Edith Putnam, die Tochter der Farmbeſitzerin,
iſt, bietet das Leben in einem Hühnerhof wenig
Kurz=
weil. Und ſo kam es auch, daß ſie im vergangenen
Jahre, als die großen Oſtereier=Sendungen nach Europa
verſandbereit waren, einen übermütigen Einfall hatte.
Es war nur ein Scherz, ein romantiſcher Zeitvertreib,
aber der blauäugigen jungen Edith kam die Idee,
irgend eines der Oſtereier als Boten zu dem ihr noch
un=
bekannten idealen Manne ihres Herzens zu benutzen.
Sie nahm eines der Eier und ſchrieb mit Tinte auf die
Schale ihren Namen, dazu New=Jerſey und darunter die
lakoniſche Bemerkung: „Neunzehn Jahre; blaue Augen;
blonde Haare”. Ob Edith Putnam noch auf eine
Ant=
wort wartete, oder ob ſie ihre „Eierpoſt” inzwiſchen
vergeſſen hatte, wird nicht erzählt, aber der Zufall ließ
ſich die Gelegenheit nicht entgehen und wenige Wochen
ſpäter traf auf Black Hill ein Brief ein, der an MMiß
Edith Putnam gerichtet war und den Poſtſtempel
Bir=
mingham trug. Der Schreiber muß ein nicht weniger
romantiſches Gemüt als die junge Amerikanerin
ge=
weſen ſein, denn der Brief lautete ſehr kurz und
bün=
dig: „Ihre kleine Botſchaft hat mich heute erreicht, das
Ei war ausgezeichnet und von Ihren blauen Augen habe
ich den ganzen Tag geträumt. Ich nehme daher den
nächſten Dampfer nach Amerika. Ich werde es wagen,
mich vorzuſtellen.” Und da die Liebe bekanntlich keine
Hinderniſſe kennt, fuhr der begeiſterungsfähige Herr aus
Birmingham wirklich nach New=York und begann ſich
nach dem genauen Wohnſitz der Familie Putnam zu
er=
kundigen, denn Miß Edith hatte auf ihrem Oſterei zwar
ihren Namen und den Staat angegeben, aber genauere
Angaben der Adreſſe unterlaſſen. In New=York waren
ſeine Bemühungen fruchtlos, aber in Trenton, der
Haupt=
ſtadt von New=Jerſey, hatte er nach langem Suchen mehr
Glück und erfuhr ſchließlich, wo Black Hill lag und daß
dort die Familie Putnam wohnt. Das romantiſche
Abenteuer nahm ein günſtiges Ende, die beiden
jun=
gen Leute ſchienen einander zu gefallen, denn wenige
Monate ſpäter erſchien das junge Paar vor dem Paſtor
des Nachbardorfes, um ſich trauen zu laſſen. Das
Oſterei hat alſo ſeine Pflicht getan.
Das Neueſte in Oſtereiern. Viele der
größten Rokokomeiſter, ein Watteau und Lancret, haben
auf den zerbrechlichen Eierſchalen die köſtliche Anmut
ent=
zückender Bildmotive verſchwendet. Heute freilich begnügt
man ſich nicht mehr mit dem Hühnerei, ſondern man
ver=
fertigt dieſe Oſtergaben aus allem möglichen Mate=
rial, und der erfinderiſche Modegeiſt iſt beſtrebt, auch
in dieſen Oſtergeſchenken ſeine teuerſten, bizarrſten und
anmutigſten Einfälle zu offenbaren. So hat man es mit
beſonders großen Eiern verſucht und eine franzöſiſche
Wochenſchrift weiß von einem Pariſer Herrn zu
erzäh=
len, der ſich von einem engliſchen Schokoladefabrikanten
ein Ei von 3 Meter Höhe und 1,50 Meter Umfang
her=
ſtellen ließ. Das Innere und das Aeußere dieſes
Rie=
ſeneis waren gleich prächtig geſchmückt. In der
Schoko=
ladenhülle befanden ſich Blumen, Parfüms und 500
Kilogramm der feinſten Bonbons. Das Ei koſtete den
Beſteller 12500 Francs, die ſehr bedeutenden
Transport=
koſten nicht mitgerechnet; die Fahrt über den Kanal mit
dieſer gebrechlichen Ware war nämlich durchaus nicht
einfach; es mußte eine beſondere Trage dafür
angefer=
tigt werden, und acht Träger ſchleppten ihm ſchließlich
die ſüße Laſt ins Haus. Das Neueſte, was die
Mode in Oſtereiern bringt, ſind Eier ganz aus
Blumen. Es iſt jedenfalls ein ſinniges und graziöſes
Geſchenk, das man einer Dame darbringt, wenn man
ihr ſolch ein Oſterei ſchickt, das ganz aus Parmaveilchen
oder ganz aus Nelken oder aus Roſen beſteht. Am
tief=
ſten muß man in den Beutel greifen, wenn ſolche Gabe
aus ſeltenen Orchideen hergeſtellt werden ſoll; dann kann
ſolch ein Ei ein kleines Vermögen verſchlingen. Höchſt
beliebt ſind die Eier aus bemaltem oder beſticktem Stoff,
die diesmal noch überall mit Perlen und Pailletten
ver=
ziert werden. Das ſind dann kleine glänzende und
fun=
kelnde Schmuckſtücke, die eine Dame etwa an ihre
Lieb=
lingstoilette gemahnen können. Eine ganz neue Form
der Oſtergabe iſt ein Ei, das ganz von künſtlichen
Roſen=
blättern umſchloſſen iſt. Iſt es klein, dann bietet es die
beſte Hülle für einen Schmuckgegenſtand, der den
eigent=
lichen Inhalt des Geſchenks bilden ſoll. Ueberhaupt.
haben ſich die Juweliere des Oſtereis mehr und mehr
bemächtigt und ſchaffen daraus die köſtlichſten Behälter,
die bereits die Pracht des darin befindlichen
Schmuck=
ſtückes ahnen laſſen. Hals= und Armbänder, Ringe und
Broſchen werden in kleinen, eiförmigen Käſtchen
ver=
ſchenkt, die mit feinem Leder, mit Samt oder Seide
über=
zogen ſind. Eine anmutige Hülle für ein ſolches Geſchenk
bietet eine künſtliche Roſe, die täuſchend nachgeahmt iſt
und an einem Stiel überreicht wird. Anſtelle der Blüte
bergen die geſchloſſenen Roſenblätter ein kleines Ei, das
ſich in demſelben Augenblick öffnet, wo die Blätter
aus=
einandergebreitet werden, und dann in dieſem Neſt ein
kleines Juwel enthüllt.
Nummer 82.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 6. April 1912.
Seite 3.
Patronenlieferung dienen ſollte. Um die Entdeckung zu
verhindern, bis er das Geld erſetzen konnte, ſtellte er
eine Quittung aus, die er mit dem Namen des
Lieferan=
ten unterſchrieb. Außer dieſem Betrag verbrauchte er
noch 30,30 Mark aus der Vereinskaſſe. Das Geld iſt
ſpä=
ter von den Eltern dollſtändig erſetzt worden. Das
Ge=
richt verurteilte den Angeklagten wegen einfacher
Urkun=
denfälſchung und Unterſchlagung zu 2 Wochen
Ge=
fängnis.
Der 17jährige Bäckerlehrling Heinrich Chriſtoph S.
von Darmſtadt hatte in mehreren Fällen Wechſel und
Bürgſchaftsſcheine mit dem Namen ſeines Großvaters
unterſchrieben, um nicht den weiten Weg zum Großvater
machen zu müſſen. Der jugendliche Angeklagte, der dieſe
Manipulationen ohne Wiſſen ſeiner Mutter
vorgenom=
men hatte, gab an, nicht gewußt zu haben, daß dies
ſtrafbar ſei. Das Gericht erkannte auf 6 Wochen
Ge=
fängnis.
A Die direkten Staatsſteuern des Etatsjahres 1912
ſind zu 18 556 602,58 Mark veranſchlagt, 14098 108,18 Marr
Einkommen= und 4 458 494,40 Mark Vermögensſteuer. Im
vorigen Jahre belief ſich — bei gleichen Steuerſätzen — die
Veranſchlagung auf 17925538,32 Mark, ſo daß eine
Ver=
mehrung um 631064,26 Mark vorliegt, was immerhin ein
ganz erfreuliches Anwachſen der Steuerkraft bedeurer. Die
Stadt Darmſtadt (Finanzamt Darmſtadt I) iſt an dieſen
Zahlen wie folgt beteiligt: Vermögensſteuer: 568 747,90
Mark (1911: 555 447,90 Mark), Einkommenſteuer: 1979 432,74
Mark (1911: 1938964,63 Mark), zuſammen für 1912:
2548 180,64 Mark (1911: 2 494 412,53 Mark), alſo dieſes
Jahr mehr: Vermögensſteuer: 13300 Mark,
Einkommen=
ſteuer 40 468,11 Mark, zuſammen 53 768,11 Mark.
Das Finanzgeſetz für unſeren heſſiſchen Staat für
das Etatsjahr 1912 iſt im letzten Regierungsblatt
veröffent=
licht worden. Die zur Erhebung kommenden direkten
Steuern bleiben bekanntlich die gleichen wie im Vorjahre,
ſſo daß gegen letzteres eine Steuererhöhung nicht eintritt:
Einkommenſteuer nach dem Geſetz von 1899 mit 15 Prozenr
Zuſchlag und Vermögensſteuer nach dem Geſetz vom
glei=
ſchen Jahre mit 72¾u Prozent Zuſchlag. Die Summe der
Ausgaben beläuft ſich auf 80199243 Mark, worunter
68665 278 Mark Verwaltungs= und 11533965 Mark
Ver=
mögensausgaben. Der Abſchluß des Etats iſt demzemgen
des Vorjahres 1911 nahezu gleich; dort waren es 67728755
Mark Verwaltungs= und 12369102 Mark Vermögens=,
zu=
ſammen 80 097862 Mark Ausgaben.
* Die Herbſtmanöver des 18. Armeekorps. In dieſem
Jahre werden die großen Manöver des 18. Armeekorps
im Großherzogtum Heſſen abgehalten. Das
Manöver=
gelände wird begrenzt für das Korpsmanöver im Norden
durch die Ortſchaften Breuberg, Neuſtadt, Sandbach,
Nauſes, Hering, Klingen, Ueberau, Reinheim, Hahn,
Ober=Ramſtadt, Beſſungen, Griesheim, Gernsheim und
den Rhein abwärts bis Bingen; im Oſten, Süden und
Weſten durch die Grenze des Großherzogtums Heſſen.
Die 25. Diviſion (Großh. Heſſ.) erhält den weſtlichen,
die 21. Diviſion den öſtlichen Teil des Manövergeländes
zugewieſen. Die Scheidegrenze des Uebungsgeländes für
beide Diviſionen bildet der Rhein. Die Brigademanöver
werden vorausſichtlich am 5. September beginnen, denen
ſich dann die Diviſions= und das Korpsmanöver
anſchlie=
ßen. Das dreitägige Korpsmanöver wird am 21. Sept.
endigen.
— Die Gründung der Ortsgrupe Darmſtadt des
Landesverbandes „Jungdeutſchland” wurde, wie uns
ver=
ſpätet mitgeteilt wird, kürzlich in einer im Städtiſchen
Saalbau abgehaltenen Verſammlung vollzogen.
Einge=
funden hatten ſich nachſtehende Vereine: „Wandervogel”
Ortsgruppe Darmſtadt, Jugendvereinigung der
Martins=
gemeinde, Chriſtlicher Verein junger Männer „
Wart=
burg” und Jugendvereinigung der Stadtgemeinde,
Fuß=
ballklub „Olympia”, Darmſtädter Soprtklub 1905,
Darm=
ſtädter Lehrerverein und der obligatoriſchen
Fortbil=
dungsſchule, Pfadfinder, Ortsgruppe Darmſtadt,
Jung=
konſtantia, Verein für katholiſche Kaufmannslehrlinge,
Katholiſcher Lehrkingsverein Darmſtadt, Turnverein
Darmſtadt, Turngemeinde Darmſtadt, Großh.
Landes=
baugewerkſchule Darmſtadt, „Jung=Darmſtadt” der
ver=
einigten Kriegervereine Darmſtadts, Jugendvereinigung
von Kaufmannslehrlingen. Deutſchvölkiſcher Turnverein
„Jahn”, Turngemeinde Beſſungen und
Schülerwanderun=
gen des Odenwaldklubs. Ferner hatten ſich auf
beſon=
dere Einladung eingefunden der Vorſitzende des
Landes=
verbandes, General Frhr. v. Heyl, deſſen
Stellvertre=
ſter Provinzialdirektor Fey, der Schriftführer. Profeſſor
Kiſſinger und Regierungsaſſeſſor Dr. Pabſt. Weiter
war erſchienen der Vertreter des Landeslehrerverbandes,
Herr Hauptlehrer Huff. Bürgermeiſter Mueller
be=
grüßte die Erſchienenen und hob harvor, daß der Zweck
der Verſammlung der ſei, eine feſte Organiſation für die
Landeshauptſtadt einzurichten und einen Ortsausſchuß
zu beſtellen. Er gab ſodann einen kurzen Ueberblick über
den Stand der Jungdeutſchlandbewegung im
allgemei=
nen und über den Stand der Organiſation im
Großher=
zogtum Heſſen. Hierauf ergriff Prof. Kiſſinger das
Wort zu einem kurzen Vortrag über Aufgabe und Ziel
des Bundes. An der ſich anſchließenden Ausſprache
be=
teiligten ſich Proſeſſor Wienkoop, General von Heyl,
Provinzialdirektor Fey, Prof. Kiſſinger und
Bürgermei=
ſter Mueller. Provinzialdirektor Fey ſprach ſich noch im
allgemeinen über die Wichtigkeit der Bewegung aus und
forderte die Vermehrung der Leibesübungen in den
Schu=
len, ſowie Erleichterungen für den freiwilligen Eintritt
bei dem Militär für die jungen Leute, die Mitglieder
von Vereinen zur Pflege von Leibesübungen ſeien.
Nachdem General von Heyl ſich nochmals ausführlich
über die Ziele des Bundes ausgeſprochen und über
ein=
zelne noch ſchwebende Fragen Klarheit geſchaffen hatte,
gab Regierungsaſſaſſor Dr. Pabſt noch einen Ueberblick
über die erwachſene Literatur und verteilte eine Anzahl
von Druckſchriften. Hiernach erklärte Bürgermeiſter
Muel=
ler unter dem Einverſtändnis aller Anweſenden die
Ortsgruppe Darmſtadt für konſtituiert
und ſchlug vor, den Ortsausſchuß in der Weiſe zu
bil=
den, daß jeder angeſchloſſene Verein ihm durch ſeinen
Vorſitzenden angehören ſolle. Als Vertreter des
Offizier=
korps ſei außerdem Herr Oberleutnant Deiß in den
Aus=
ſchuß zu delegieren. Der Vorſchlag fand einſtimmige
Annahme. Alsdann ſchloß der Vorſitzende die Sitzung
mit Dank an die Erſchienenen.
* Ciſſarz=Ausſtellung. Im Gewerbe=Muſeum
(Neckarſtraße 3) iſt eine Ausſtellung von Arbeiten des
Prof. J. V. Ciſſarz=Stuttgart eröffnet worden. Die
Ausſtellung, die in der graphiſchen und Textilabteilung
des Muſeums untergebracht iſt, umfaßt eine
umfang=
reiche Sammlung von Arbeiten für den Buchdruck,
Pro=
ben in der von Ciſſarz gezeichneten Lateinſchrift,
Ein=
bände und Vorſatzpapiere. Ferner ſind vertreten
Brief=
köpfe, Geſchäftskarten, Adreſſen und Exlibris in
Buch=
druck und Lithographie. Beſonderes Intereſſe verdienen
die reichen Einbände mit Ledereinlegearbeit. Ferner die
von ihm gezeichneten Adreſſen beſonders die der
Stutt=
garter Bürgerſchaft zur ſilbernen Hochzeit des
Königs=
paares von Württemberg. In der Tertilabteilung ſind
Abſchnitte von Stoffen in Zeugdruck und Weberei
ausge=
hängt, zu denen Prof. Ciſſarz die Entwürfe geliefert hat.
Eine Reihe von Photographien nach ausgeführten
Ar=
beiten (Möbel, Metallarbeiten, Glasfenſter)
vervollſtän=
digt das durch die Originale gebotene Bild der reichen
Tätigkeit des bekannten Künſtlers. Die Ausſtellung iſt
vom 9. April bis 5. Mai täglich geöffnet von 11—1 Uhr,
außerdem Mittwochs und Samstags von 3—5 Uhr
nach=
mittags. Der Eintritt iſt frei.
* Ueber die Tätigkeit des Arbeitsnachweiſes in dem
Städtiſchen Hauſe Waldſtraße Nr. 6 (Telephon 371)
wer=
den für den Monat März folgende Zahlen mitgeteilt:
963 offene Stellen, 1018 Arbeitſuchende, 372
Vermittelun=
gen, darunter 160 Dienſtboten. Das Geſchäftszimmer für
die männliche Abteilung wird im Laufe des Monats nach
Grafenſtraße Nr. 30 verlegt werden.
* Städtiſthe Straßenbahn=Verwaltung. Die
Fahr=
geldeinnahme vom März 1912 betrug 34 802,12 Mk.
(im Vorjahre 32892,14 Mk.). Die Einnahme für den
Wagenkilometer im März dieſes Jahres beläuft ſich auf
36,53 Pfg. gegen 34,83 Pfg. im gleichen Monat des
Vor=
jahres.
Verein Volksküche. (Unter dem Protektorat der
Großherzogin.) Die andauernd unfreundliche Witterung
in dem Monat März l. J. hat gar manchen Koſtgänger
Schutz und Hilfe in der Volksküche ſuchen und finden
laſſen; nach den üblichen Durchſchnittsberechnungen haben
täglich 415 Schützlinge in der Volksküche Mittag= und
Abendeſſen eingenommen. Trotz der ſeit dem Vorjahre
eingetretenen weſentlichen Erhöhungen der Kaufpreiſe
für die notwendigſten Lebensmittel werden den
Schütz=
lingen der Volksküche die notwendigen Erfriſchungen zu
den althergebrachten niedrigen Vergütungsſätzen aus
politiſch und wirtſchaftlich ruhiger Zeit verabfolgt — in
1911 eine Mehrausgabe für die Verwaltung von rund
2100 Mark, welche nur auf dem Wege beſonderer
Für=
bitte um Unterſtützung und um Dank der wohlwollenden
Berückſichtigung dieſer Fürbitte beſtritten werden konnte.
* Die Monatsverſammlung des Kriegervereins
Darmſtadt fand im Vereinslokale der Turnhalle am
Woogsplatz ſtatt. Der Vorſitzende, Herr Hauptmann a. D.
Waldecker, begrüßte die erſchienenen Kameraden und
erſtattete nach Verles des letzten Protokolls Bericht über
die Tätigkeit des Vorſtandes im abgelaufenen Monat.
Die Verſammlung ehrte das Andenken der ſeit der
letz=
ten Monatsverſammlung verſtorbenen Kameraden durch
Erheben von den Sitzen. Zu Punkt 2 der Tagesordnung
übergehend: „Jahresbericht der Kriegerkameradſchaft
Haſſia” gibt der Vorſitzende der Verſammlung an Hand
eines gedruckten Berichts Aufſchluß über den
Ver=
mögensſtand, Mitgliederſtand, das Unterſtützungsweſen,
die Kriegergräberſchmückung, den Haſſia=
Kalenderver=
trieb, das Sammelweſen uſw. Der nächſte Punkt der
Tagesordnung lautete: „Anträge zur
Mitgliederver=
ſammlung in Nieder=Olm”. Dieſe Anträge wurden
ein=
zeln durchberaten und konnten dieſelben teilweiſe die
Zuſtimmung der Verſammlung finden und teilweiſe
wurden dieſelben abgelehnt. Nach hierauf erfolgter
Bücherausgabe ſchloß der Vorſitzende die
Monatsver=
ſammlung.
* Sektion Darmſtadt, Deutſch=öſterreichiſcher
Alpen=
verein. In der Monatsverſammlung ſprach Herr Dr. med.
Vix über Bergtouren in den Tropen. Von Tanga brachte
die Uſambarabahn die Reiſenden nach Amani mit einer
wichtigen Verſuchsſtation. Man lernte den Urwald mit
ſeiner Vegetation kennen, der bis 3000 Meter Höhe reicht,
und die wildreiche Grasſteppe der Maſſai. Von den beiden
Gipfeln des Kilimandſcharo wurde der Kibu trotz großer
Schwierigkeiten bis zur Höhe von 5800 Metern beſtiegen.
Der Gipfel konnte wegen heftigen Schneeſturms und
gro=
ßer Erſchöpfung nicht erreicht werden. Ueber Moſchi wurde
der Viktoria=Nyanſa erreicht. Die Lager der Schlafkranken
wurden beſucht, und die Reiſe im Gebiet des Kagera, in
dem manche den Quellfluß des Nil erkennen wollen, und
weiter bis zum meerartigen Tanganjika fortgeſetzt. In
Nyanſa wurde der Reiſende vom König Uſambara
feier=
lich empfangen. Von beſonderer landſchaftlicher Schönheit
iſt der Kibuſee, wo auf einer Inſel das Zwergvolk der
Kwidſchwi beſonderes Intereſſe erregte. Nordwärts
wur=
den von Kiſſengi mit großer Anſtrengung die beiden
täti=
gen Vulkane Niragongo und Namlagira beſtiegen und am
Fuß der Kiringavulkane mit ihren eigenen Formen entlang
und weiter oſtwärts der Weg nach dem Viktoria=Nyanſa
zurückgenommen, wo der Reiſebericht an dem Ausfluß des
Viktoriaſees, der eigentlichen Nilquelle, endete. Es iſt nicht
möglich, hier die Fülle wertvoller Mitteilungen über
Sit=
ten und Bräuche der berührten Stämme, über die
Eigen=
art des Reiſens in dieſen Gegenden, über die Freuden der
Jagd und die Gefahren auf dem See und im Urwald mehr
ils darauf hindeutend zu erwähnen. Es gelang dem
Red=
ner, unterſtützt von zahlreichen wohlgelungenen
Lichtbil=
dern, anſchauliche und den Hörer feſſelnde Schilderungen
ſeiner Erlebniſſe zu geben, ſodaß ihm reicher,
wohlverdien=
ter Dank, auch durch die Worte des Vorſitzenden, geſpendet
wurde.
* In der Stadtkirche wird am erſten Oſterfeiertag
eine Oſterfeier des Kirchengeſangvereins und der
Chor=
ſchule ſtattfinden. Orgel: Präludium von J. S. Bach
und Vorſpiel zu: „Laſſet uns den Herrn preiſen” von S.
Karg=Elers. Chöre: Macht auf das Tor der
Gerechtig=
keit, Satz von B. Klein. Willkommen, Held im Streite,
von A. Mendelsſohn. Kommt wieder aus der ſinſtern
Gruft, von Joh. Seb. Bach. Der Maie, der Maie, von
Friedr. Mergner. Triumph, Triumph, von B. Helder.
Einer iſt König, Satz von A. Mendelsſohn. Schönſter,
Herr Jeſu, Satz von Ferdinand Bender. — Chorſchule:
Erinnere dich, mein Geiſt, erfreut, und Oſtern, Oſtern,
Frühlingswehen. Der Eintritt iſt frei, doch werden
auf der Empore gegenüber der Orgel die drei vorderſten
Reihen für Mitglieder bis zum Beginn der Feier
frei=
gehalten.
* Bezüglich der Gottesdienſte am 2.
Oſterfeier=
tag iſt unter den hieſigen evangeliſchen Gemeinden mit
Genehmigung der Kirchenbehörde folgende Vereinbarung
getroffen worden: Um auch ſolchen, die an einer
Kon=
firmation nicht teilnehmen, am 2. Feiertag Gelegenheit
zum Beſuch eines Gottesdienſtes zu geben, werden
ab=
wechſelnd immer einige Kirchen am 2. Oſterfeiertag von
Konfirmationen freigehalten, während in den übrigen
kon=
firmiert wird. In dieſem Jahre finden am 2.
Oſter=
feiertage in der Stadtkirche, Stadtkapelle und außerdem
in der Martinskirche keine Konfirmationen, ſondern
Predigtaottesdienſte ſtatt.
* Deutſche Koloniale Jagd= und Meerſiſche=
Ausſtellung. Das Ausſtellungskomitee hat beſchloſſen,
da die Ferien bereits vorige Woche begonnen haben
und ein klaſſenweiſer Beſuch von allen Schulen nicht
mehr möglich war, den Eintrittspreis für Schüler auch
beim Einzelbeſuch auf 10 Pfg. zu ermäßigen. Ferner
teilt das Ausſtellungskomitee zu verſchiedenen Anfragen
über verkäufliche Jagdtrophäen, und
Ausſtellungsgegen=
ſtände mit, daß am 9. und 10. April, den beiden letzten
Tagen der Ausſtellung, Verkaufstage feſtgeſetzt ſind, wo
Liebhaber und Sportsfreunde Gelegenheit finden, für
Jagdzimmer und Privatſammlungen preiswürdig
der=
artige Gegenſtände erwerben zu können.
Einziehung von Fernſprechgebühren. Am
9. April wird mit der Einziehung der Fernſprechgebühren
begonnen werden. Es empfiehlt ſich, die fälligen
Be=
träge bereitzuhalten.
* Der Geſangverein „Sängerluſt” veranſtaltet
am 2. Feiertage einen Familienſpaziergang mit
nach=
folgendem Tanz nach Roßdorf. Einkehr bei Gaſtwirt
Günther. (Näheres ſiehe Anzeige.)
* Der Geſangverein Liederkranz macht am
zweiten Oſterfeiertag einen Spaziergang nach Eberſtadt
über Ludwigshöhe, Marienhöhe. Im Gaſthaus zur
Harmonie iſt gemütliches Zuſammenſein mit Tanz.
(Näheres ſiehe Anzeige.)
* Köſener S. C. Der Bezirksverband Darmſtadt
des Verbandes Köſener Korpsſtudenten veranſtaltet
Samstag, den 20. April, in dem Gartenſaal des
Städtiſchen Saalbaues eine Muſikkneipe. Hierzu
ſind alle, auch die dem Bezirksverband nicht
angehören=
den Angehörigen des Köſener S. C. eingeladen. (S. Anz.)
Feuilleton.
C.K. 156000 Francs für ein Bild der Kölner Schule.
Die Verſteigerung der Sammlung Dollfus in Paris, deren
erſter Tag einen Erlös von faſt eirsx Million Francs
brachte, iſt beſonders bedeutend wegen der deutſchen,
nie=
derländiſchen und italieniſchen Primitiven, von denen
Dollfus in einer 40jährigen fruchtbaren Sammlertätigkeit
eine Fülle prächtiger Werke zuſammengebracht hatte, wie
ſie wohl ſo bald kein Privatſammler mehr beſitzen wird.
Den höchſten Preis dieſes denkwürdigen Auktionstages
er=
zielte aber ein prächtiges Werk der Kölniſchen Schure, das
dem ſogen. Meiſter der heiligen Sippe zugeſchrieben wird.
Es iſt ein kleines Tryptichon von 1,24 Meter Höhe und
1,80 Meter Breite, deſſen Mittelbild in leuchtenden Farben
die Darſtellung im Tempel zeigt, während die beiden
Sei=
tenbilder die Madonna mit dem Jeſuskind und den
auf=
erſtandenen Chriſtus vor ſeiner Mutter darſtellen. Das
herrliche Bild, für das 156000 Francs gezahlt wurden, ſoll
für das Berliner Muſeum erworben worden ſein.
— Die Rieſenſchlange im Hauſe des Mörders. Von
neuem beſchäftigt ſich die Phantaſie der Londoner mit dem
Hauſe Hilldrop=crescend 39, mit dem Hauſe, in dem der
berüchtigte Dr. Crippen lebte und ſeine Frau, die ſchöne
Elmore ermordete und verſcharrte. Seit einiger Zeit
ſchmücken zwei aufgemalte ſchottiſche Diſteln die Tür des
verfehmten Hauſes: der bekannte ſchottiſche Komiker Sandy
Mc. Nab, der kürzlich von einer ſüdafrikaniſchen Tournee
zurückgekehrt iſt, hat die Stätte des Verbrechens
vorurteils=
los gemietet, denn er iſt alles andere als abergläubiſch.
Trotzdem erlebte er Montag nachts in ſeinem mit zahlloſen
ſüdafrikaniſchen Reiſeerinnerungen geſchmückten neuen Heim
eine böſe Stunde. Er kehrte nachts um halb eins nach
Hauſe zurück und wollte ſich zur Ruhe begeben, als er
plötzlich durch geheimnisvolle Geräuſche aus der Küche
ge=
weckt wurde. „Ich habe geſunde Nerven”, ſo erzählte der
Schauſpieler einem Interviewer, „ſonſt hätte ich dieſes
Haus wohl nicht bezogen. Aber ich machte mich doch mit
einer gewiſſen unheimlichen Beklemmung auf die Suche,
ich mußte in das Souterrain hinunter und, um in die Küche
zu kommen, den berüchtigten Kohlenkeller durchqueren, wo
die Ueberreſte der ſchönen Elmore gefunden wurden.” Mc.
Nab öffnete die Küchentür: der Boden war über und über
mit zerbrochenem Geſchirr bedeckt. Im Widerſchein des
Lichtes aber erkannte man ſofort die Identität des
nächt=
lichen Einbrechers: in der Nähe des Warmwaſſerbehälters
lag auf einem Brettergerüſt zuſammengerollt eine große,
über vier Meter lange Rieſenſchlange, die zornig über die
Störung ziſchte und dem Schauſpieler ihre unheimlich
glühenden Augen zuwandte. Mc. Nab hatte die Schlange
aus Südafrika mitgebracht; ſie war in einer von einem
Drahtgeflecht umſponnenen Kiſte verwahrt geweſen, aber
das gefährliche Reptil hatte ſich ſchließlich doch einen
Aus=
weg gebahnt, mit dem Kopf das Drahtnetz zerriſſen und
eine Wanderung durch das Haus angetreten. Der
Schau=
ſpieler verſuchte die Schlange in ihren Kaſten
zurückzubrin=
gen, aber er merkte ſofort, daß er der gewaltigen
Muskel=
kraft des Tieres nicht gewachſen war, und brachte ſich noch
im letzten Augenblick ſchleunigſt in Sicherheit, indem er
aus der Küche flüchtete und die Tür verſchloß. Am Morgen
erbat er vom Zoologiſchen Garten Hilfe, und der
Ober=
värter der Reptilienabteilung, Collins, zeigte dem Komiker
dann. wie man mit Rieſenſchlangen zu verkehren hat. Eine
junge kleine Katze, die ſonſt gewöhnlich in der Küche ſchlief,
war verſchwunden. Der Zweifel über ihren Verbleib
wurde durch einen Blick auf die Schlange beſeitigt: an einer
Stelle war ihr Körper zu einem Klumpen ausgedehnt.
„Hier iſt Ihre Katze,” konnte der Wärter Collins dem
Schauſpieler erklären. Sie war ſeit zwei Monaten die erſte
Mahlzeit der Schlange.
* Sonnenfinſternis und Politik. Ein Pariſer Blatt
bringt eine ſehr zeitgemäße Anregung. An die bekannte
Geſchichte von Chriſtoph Columbus erinnernd, in der
er=
zählt wird, wie der Entdecker die Bewohner der Inſel
Jamaika, die ihm keine Lebensmittel liefern wollten,
da=
durch ſchreckte und einſchüchterte, daß er ſie mit einer von
ihm vorausberechneten Mondfinſternis bedrohte, bemerkt
die betreffende Zeitung: Es wäre vielleicht gut, die
Marok=
kaner ſchon jetzt auf die für den 17. April bevorſtehende
Sonnenfinſternis aufmerkſam zu machen, damit die
brau=
nen Söhne Marokkos nicht denken, dieſes Naturereignis ſei
eine Folge des Protektoratsvertrages und eine Strafe
Gottes für die Nachgiebigkeit des Sultans und des
Maghzen. Auf dieſe Weiſe würde den Marokkanern
im=
merhin der Reſpekt vor den Franzoſen erhalten, die ſo klug
ſeien, derartige Dinge vorauszuwiſſen. Das Blatt ſtellt
den Fall zur Erörterung.
* O, dieſe Titel. In Münchener Zeitungen ſtand
die=
ſer Tage eine Familienanzeige, in der von einer
Hoftheater=
verſenkungsmeiſtersgattin die Rede war. Heute kommt die
bayeriſche Hofwachswarenfabrikantenswitwe daran. Die
Hofbodenwichſersgehilfenswitwe iſt ihr ſchon
voran=
gegangen.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 6. April 1912.
Nummer 82.
* Die heſſiſche Konferenz des Deutſchen Evangeliſchen
Schulvereins hält wie alljährlich am Oſterdienstag,
nach=
mittags ½3 Uhr, in Frankfurt (Evang. Kaſino,
Börſen=
platz 7, 1. Stock) ihre Hauptverſammlung ab. Lehrer
Gengnagel=Nieder=Ramſtadt wird über „Vorfragen zur
Reform des Religionsunterrichts” referieren. Gäſte ſind
willkommen.
* Orpheum. Das Gaſtſpiel der Oberbayern iſt nur
noch von kurzer Dauer und geht demnächſt zu Ende. Der
Spielplan für die nächſten Tage iſt aus der Anzeige in
vorliegender Nummer dieſes Blattes erſichtlich.
Frankfurter Intimes Theater „Trocadero”.
Oſterſonntag und Oſtermontag findet
nach=
mittags 4 Uhr und abends ½9 Uhr Fremdenvorſtellung
und ab ½11 Uhr „Trocadero”=Vorſtellung ſtatt. Alles
weitere ſiehe Inſerat.
Ludwigshöhe. Die Feſtkonzerte am 2. und
3. Oſterfeiertage, Montag, den 8. und Dienstag, den 9.
April, werden von der Kapelle des Leibgarde=Regiments
unter Obermuſikmeiſter Hauskes Leitung ausgeführt. Die
Vortragsfolgen bringen in beſonderer Auswahl nur gute
Werke erſter Meiſter, und ſei auf die diesbezügliche
An=
zeige hingewieſen. Als Neuheit wird u. a. auch eine
Gavotte von S. May zum erſten Male geſpielt werden.
Von der Wach= und Schließ=Geſellſchaft. Im
Monat März ergaben die fortlaufenden Reviſionen
unſerer Nachtwachbeamten folgende Fälle: 359 offene
Haustüren und Tore vorgefunden, 93mal brannte Licht
in Geſchäfts= und Bureaulokalitäten, Kellern und
Boden=
räumen bezw. wurde vergeſſen, dasſelbe zu löſchen, 21
defekte Schlöſſer und Türen, ſowie ſteckengebliebene
Schlüſſel vorgefunden, 6 offenſtehende Parterrefenſter
ermittelt, 9 Hausbewohnern geöffnet, die ihre Schlüſſel
vergeſſen hatten.
Offenbach, 4. April. Bei einem hieſigen Hotelbeſitzer
kamen häufig 2 Mädchen in den tagsüber offenſtehenden
Keller, und als man ſie nach ihrem Begehr fragte, gaben
ſie an, ihre Hutnadeln ſeien hinabgefallen. Eines Tages
entpuppten ſie ſich aber als ganz raffinierte Diebe und
Betrüger. Sie boten nämlich in einem anderen Hotel
Waſſerfläſchchen zum Kauf an, die ſie vorher im dortigen
Keller geſtohlen hatten. Einem hinzugerufenen
Schutz=
mann gaben ſie falſche Namen an. Durch eine Frau
konnten jedoch ihre Perſonalien als die der Eva Maria E.,
13 Jahre alt, und der Barbara E., 14 Jahre alt, beide
von hier, feſtgeſtellt werden. Sie hatten ſich heute nun
vor dem Schöffengericht zu verantworten und wurden
trotz ihres hartnäckigen Leugnens vom Amtsanwalt
über=
führt. Das Gericht erkannte gegen Barbara E. auf 10
Tage Gefängnis gegen Eva Maria E. auf 1 Woche
Ge=
fängnis und 1 Tag Haft. Durch bedingten Strafaufſchub
ſoll verſucht werden, ſie auf beſſere Bahnen zu lenken.
Mainz, 4. April. Wie gemeldet wird, wurde durch eine
kaiſerliche Kabinettsorder die Auflaſſung der
Feſtungs=
umwallung der Stadt Mainz von dem Fort Hauptſtein
bis zu dem Mombachertor mit Wirkung vom 31. März
1912 ab verfügt. Nur ein kleiner Teil des Feſtungsgürtels
iſt jetzt noch geſchloſſen.
Weiſenau, 4. April. Durch das Eingehen der
Rheini=
ſchen Brauerei wird nicht nur eine ganze Anzahl Arbeiter
und Beamter brotlos, ſondern auch diejenigen Leute, die
in dem Betriebe alt und invalide geworden und auf Grund
eines wohlwollenden Entgegenkommens ſeitens der
Direk=
tion eine monatliche Unterſtützung von 20 Mark als
Zu=
ſchuß zur Invalidenrente erhielten, verlieren dieſe. Die
Liquidations=Geſellſchaft hat ein diesbezügliches Geſuch
um Weiterbelaſſung der Unterſtützung oder wenigſtens
einer kleinen Abfindung abgewieſen, da ſie nicht in der
Lage wäre, derartige Unterſtützungen zu gewähren.
Guntersblum, 3. April. Halb erfroren und
be=
wußtlos wurde geſtern von zwei Gimsheimer Bürgern die
Frau des Steinhauers Diehl an der Guntersblumer
Brücke aufgefunden. Die Frau hatte ſich in einem
Däm=
merzuſtand von zuhauſe entfernt und war nur notdürftig
bekleidet.
Gießen, 4. April. Der Naturheilkundige und frühere
Oberſt Spohr hatte in einem Artikel der Vegetariſchen
Warte u. a. behauptet, daß bei der Herſtellung des
koffeinfreien Kaffees Benzol und Blauſäuro verwendet
werde. Das Produkt ſei geſundheitsſchädlich. Der
Kaufmann Weidemann, Direktor der Kaffee=Geſellſchaft
Hag, hatte daraufhin an Spohr einen Brief geſchrieben,
in dem er dieſe Behauptungen beſtritt und auf das
Ur=
teil von Männern der Wiſſenſchaft über die Güte des
Hag=Kaffees hinwies. Es mangele dem Verfaſſer des
Artikels an dem Verantwortlichkeitsgefühl, das ein
Offi=
zier in beſonderem Maße beſitzen müſſe. Spohr klagte
darauf wegen Beleidigung. Das Schöffengericht ſprach
Weidemann frei, weil ihm der Schutz des § 193
zu=
komme. Die Strafkammer, die in zweiter Inſtanz die
Klage verhandelte, ſprach ihm ebenfalls den Schutz dieſes
Paragraphen zu, folgerte aber aus einigen Wendungen
die Abſicht der Beleidigung und erkannte deshalb auf
eine Geldſtrafe von 50 Mark.
Gießen, 4. April. Profeſſor Dr. phil. Walter Otto
Ordinarius der alten Geſchichte an der Univerſität
Greifs=
wald, hat einen Ruf hierher an die Landesuniverſität als
Nachfolger von Prof. Dr. M. L. Strack erhalten.
Friedberg, 4. April. Die früheren
Auguſtiner=
ſchüler und insbeſondere alle Freunde der
Familien=
geſchichtsforſchung werden die Veröffentlichung der
Fried=
berger Auguſtinerſchulmatrikel freudig begrüßen. In 791
Nummern ſind darin Beruf, Wohnort und Tod der
Abi=
turienten von 1851—1902 zuſammengeſtellt. Die
Ge=
ſchichte der Friedberger (Latein= oder) Auguſtinerſchule
reicht ja freilich bis 1543 zurück. Allein die Anſtalt wurde
1839 mit der Muſterſchule vereinigt und erſt am 17.
Ok=
tober 1850 wieder abgetrennt und als Realſchule in dem
1696/97 errichteten Auguſtinerſchulgebäude in der
Augu=
ſtinergaſſe untergebracht. 1884 erhielt die Schule die
Be=
zeichnung Progymnaſium und iſt ſeit 1898 Gymnaſium.
Der jetzige Prachtbau in der Leonhardſtraße wurde am
8. Auguſt 1901 bezogen. Viele ehemalige
Auguſtinerſchul=
abiturienten werden aus dem hübſch ausgeſtatteten,
em=
pfehlenswerten Büchlein zum erſten Male hören, was
inzwiſchen aus ihren Schulfreunden und Mitſchülern
ge=
worden iſt. Hoffentlich bietet ſich auch in abſehbarer Zeit
die Gelegenheit, eine gleiche Liſte der Schüler vor 1851
und ebenſo ein Verzeichnis der Lehrer der Anſtalt zu
bringen. Durch ſolche Veröffentlichungen wird um Schule
und Schüler ein Band geſchlungen, deſſen ideeller Wert
mit den Jahren wächſt, zumal wenn es ſich um eine
An=
ſtalt handelt, die, wie die Friedberger Auguſtinerſchule,
auf eine faſt 400jährige rühmliche Vergangenheit
zurück=
blicken darf.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 4. April. Nachdem ſich
herausgeſtellt hat, daß das Marmorpalais in
Pots=
dam für die kronprinzliche Hofhaltung nicht
genügt und auch Um= und Anbauten den Zweck nicht mehr
erfüllen würden, hat man ſich an maßgebenden Stellen
entſchloſſen, einen Neubau am Jungfernſee im Neuen
Garten bei Potsdam zu errichten. Die Lage iſt vom.
Kronprinzen ſelbſt gewünſcht worden. Es wurden ſechs
Baupläne von Profeſſor Schultze=Naumburg, dem
be=
kannten Begründer der Saalecker Werkſtätten, angefertigt,
von denen nunmehr einer, der im Stil des altengliſchen
Landhauſes gehalten iſt, die Genehmigung des Kaiſers
erhalten hat. Das neue Palais ſoll bis zum Frühjahr
1914 bezugsfertig ſein und dann vom Kronprinzen ſofort
bezogen werden. Das Marmorpalais, das zurzeit von
der Kaiſerin bewohnt iſt, wird vorausſichtlich in Zukunft
als Kavalierhaus dienen. — Bei den Neubauten auf
der Berliner Muſeumsinſel iſt man jetzt mit
dem Abbruch der Fundamente des Steuergebäudes
be=
ſchäftigt, der noch mehrere Wochen in Anſpruch nehmen
wird. Erſt dann wird der große ſüdliche Flügel des
Meſſelſchen Muſeumsforums fundiert werden. Dabei
wird auf die beſtehenden Muſeumsbauten, beſonders das
hier dicht benachbarte Neue Muſeum, die größtmögliche
Rückſicht genommen, und es iſt auch jede Sicherung
ge=
troffen, um einen Durchbruch des Waſſers in die noch
unter die Tiefe des Spreebettes hinabgeführten
Ausſchach=
tungen zu verhüten, wie ihn jetzt der Spreetunnal der
Untergrundbahn erfahren mußte und wie ihn hier ein
Einbruch des Kupfergrabens bringen könnte. Im
übri=
gen ſtehen die Maſchinen hier in waſſerdichten Häuſern,
und ſo ſind die Pumpanlagen für jeden Fall außer
Ge=
fahr. — In der heutigen Generalverſammlung der
Ge=
ſellſchaft für elektriſche Hoch= und
Untergrund=
bahnen wurde mitgeteilt, daß trotz des Aufenthalts
der Bauausführung infolge des jüngſten
Waſſerein=
bruches in der Baugrube doch die rechtzeitige
Eröff=
nung der Geſamtſtrecke Spittelmarkt-Schönhauſer Allee
für Frühjahr 1913 anzunehmen ſein dürfte. Der
Geld=
bedarf für die Durchführung des Bauprogramms ſoll für
das laufende Jahr durch den Verkauf von Obligationen
im Höchſtbetrage von zwanzig Millionen Mark gedeckt
werden. Bisher ſind davon zehn Millionen Mark
bege=
ben. Es iſt weiter beabſichtigt, im Laufe des nächſten
Jah=
res zwanzig Millionen Mark Aktien oder vielleicht
Vor=
zugsaktien auszugeben.
Stuttgart, 4. April. Vom Schwarzwald und aus
der Schwäbiſchen Alb werden 6 Grad Kälte gemeldet
Der an der Pflanzenwelt angerichtete Schaden iſt groß.
Gera (Reuß), 4. April. In der Färberei von Schütze
und Leube explodierte heute früh ein
Dampf=
keſſel. Der Ingenieur Bierwirth wurde getötet, zwei
Arbeiter ſchwer verletzt.
Breslau, 4. April. Ein 15jähriger Lehrling
ei=
ner Breslauer Firma, der geſtern vom Poſtſcheckamt
Geld abhob wurde von einem Manne in ein
Zim=
mer des gegenüberliegenden Hotels gelockt. Dort nahm
der Mann, der ſich unter dem Namen Kurt Kramer=
Bautzen in die Fremdenliſte eintrug, dem Lehrling unter
Bedrohung mit dem Revolver 400 Mark ab und flüchtete.
Wien, 4. April. Für den Empfang des Berliner
Stadtrates im Monat Mai ſind vorläufig 20000
Kro=
nen bewilligt worden.
Paris, 4. April. Das hieſige
Zuchtpolizei=
gericht entſchied geſtern den Prozeß des
bekann=
ten Millionärs Edwards gegen den Redakteur der
Dépéche Parlamentaire und eine Anzahl franzöſiſcher
Provinzblätter zugunſten des Klägers. Bekanntlich
hatte die Dépèche Parlamentaire anläßlich des
plötz=
lichen Todes der ſchönen Schauſpielerin
Lan=
telme, die im Sommer vergangenen Jahres bei einer
Rheinfahrt auf der Jacht ihres Gatten den Tod in den
Wellen gefunden hat, das Gerücht verbreitet, die
Künſt=
lerin habe ein gewaltſames Ende gefunden. Herr
Ed=
wards, der bereits in dritter Ehe mit der Ertrunkenen
verheiratet war, ſtehe in dem Rufe, ein moderner Ritter
Blaubart zu ſein. Edwards ſtrengte gegen den Urheber
des Artikels, den eine Reihe franzöſiſcher Blätter
wei=
ter verbreitet hatte, die Klage wegen böswilliger
Ver=
dächtigung an. In dem geſtrigen Termin wurden die
Beklagten zu Gefängnisſtrafen von ein bis zwei
Mo=
naten, ſowie zu Geldſtrafen bis zu einer Höhe von
zwei=
tauſend Francs verurteilt.
Paris, 4. April. Präſident Falliéres hat die Baronin
Couvigny, die ihren 18jährigen Sohn zur Ermordung
ihres Gatten angeſtiftet hatte, und die vom Schwurgericht
von Caen zum Tode verurteilt worden war, zu
lebens=
länglichem Zuchthaus begnadigt.
Paris, 4. April. Seit geſtern abend wütet auf dem
Güterbahnhofe von St. Cecile de Andorge im Departement
Garde ein heftiges Feuer. Faſt alle Güter, die auf
dem Bahnhofe lagerten, ſind den Flammen zum Opfer
gefallen. Der Schaden ſoll ſehr bedeutend ſein.
Konſtantinopel, 3. April. Die Hafenpolizei hat in
einer Barke zwei große Pakete Dynamit und neun
Bomben beſchlagnahmt, die heute aus Varna hier
eingetroffen waren. Die beiden Inſaſſen der Barke, ein
Bulgare Simon Jvaneff, der ruſſiſcher Untertan iſt, und
ein armeniſcher Anarchiſt namens Kirker, der die
bul=
gariſche Staatsangehörigkeit beſitzt, wurden verhaftet.
Sie hatten die Sprengſtoffe auf ein anderes Schiff
trans=
portieren wollen, mit dem ſie dann offenbar nach
Stam=
bul gebracht werden ſollten. Die Unterſuchung ſoll
er=
geben haben, daß die Sprengſtoffe von einem
mazedo=
niſch=bulgariſchen Komitee abgeſchickt worden ſind. Die
Polizei fahndet nach den Mitſchuldigen der beiden
Ver=
hafteten in Konſtantinopel.
Saloniki, 4. April. Geſtern früh wurden in Koritza
im Wilajet Monaſtir eine Reihe ſtarker Erdſtöße
be=
obachtet. Mehrere Häuſer ſtürzten ein oder wurden
be=
ſchädigt. Menſchen ſind nicht umgekommen.
Paducah (Kentucky), 4. April. Telephoniſch wird
aus Cairo (Illinois) gemeldet: Durch die
Ueber=
ſchwemmung am Miſſiſſippi ſind viele Häuſer
eingeſtürzt und zahlreiche Fabriken überſchwemmt.
Melbourne, 3. April. Der Dampfer „Koobana”
der am 20. März von Port Hedland in (Nordweſt=
Auſtra=
lien eine Reiſe nach den Nordhäfen Auſtraliens
angetre=
ten hat, und von dem ſeitdem nichts mehr gehört wurde,
iſt nach einem Telegramm aus Broome während eines
ſtarken Orkans mit 50 Fahrgäſten und 80 Mann
Beſatz=
ung untergegangen. Trümmer des Schiffs wurden
50 Seemeilen von Broome entfernt nördlich der Inſel
Bedaut gefunden.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
Ueber die am Oſtermontag an unſerer Hofbühne
erſtmalig zur Aufführung kommende Opern=Neuheit Wolf=
Ferraris „Der Schmuck der Madonna” ſchreibt die
Moderne Künſt: Der deutſch=italieniſche Komponiſt hat
diesmal das Gebiet des Humors verlaſſen und den Beweis
erbracht, daß ſeine Kräfte auch zu einer tragiſchen Oper
aus=
reichen. Wieder ſpielt ſein Stück in Italien. Italieniſches
Volksleben entrollt ſich vor den Augen des Zuſchauers;
aus der italieniſchen Szene iſt der tragiſche Konflikt
ge=
ſchaffen. Im erſten Akt breitet ſich der Golf von Neapel
aus. Es iſt das Feſt der Madonna. Eine Frau aus dem
Volke hat einſt, da ihr Sohn in Krankheit lag, der Mutter
Gottes gelobt, ein Kind der Sünde zur Erziehung zu ſich
zu nehmen. Dieſe Maliella entwickelte ſich zu einem
car=
menhaften Mädchen, das von ſeinem Nennbruder, dem
Schmiede Gennaro, aufs heißeſte geliebt wird. Sie aber
hängt ihr Herz an Raffaele, den wilden Führer der
Kamor=
riſten. Hat er ihr doch erklärt, ſie ſo heiß zu lieben, daß er
ihretwegen den Schmuck der Madonna, die ſoeben vor der
Menge vorbeigetragen wird, rauben will. Erſchreckt hält ſie
den Davonſtürmenden zurück, dem es freilich mit ſeiner
Be=
hauptung nicht ernſt war. Der zweite Akt ſpielt in dem
Hausgärtchen der Mutter Gennaros. Noch einmal
ver=
ſucht dieſer Maliella für ſich zu gewinnen, aber ſie erwidert
ihm nur, Raffaele liebe ſie noch viel heißer, habe er ihr doch
verheißen, den Schmuck der Madonna für ſie zu ſtehlen.
Da ſteigt in Gennaros Bruſt der Gedanke auf, ſie dadurch
für ſich zu erobern, daß er wirklich dieſes Verbrechen begeht
und er ſchleicht ſich zur Kirche hinweg, nachdem er ſeine
Schweſter eingeriegelt hat. Indeſſen naht Raffaele, der
mit ſeinen Helfershelfern Maliella ein Ständchen bringt
und in ihr mit Liebkoſungen und Umarmungen durch das
Gitter hindurch die heißeſte Liebesbrunſt wachruft. So trifft
der zurückkehrende Gennaro Maliella an, der er den Schmuck
der Madonna umlegt. Ihr ganzes Weſen und ihre Sinne
ſchreien nach Raffaele. Mit dem Gedanken an ihn ſinkt ſie
in die Umſchlingung Gennaros. So iſt der tragiſche
Aus=
gang des dritten Aktes vorbereitet. Maliella, die
verſprochen hat, ſich in das Heim der Kamorriſten zu
be=
geben, wird von Raffaele zurückgeſtoßen. In Gennaro
er=
kennteman hier den Dieb, der den Schmuck der Madonna
geſtohlen hat, und alles weicht entſetzt vor ihm zurück. Da
legt er den Schmuck auf den Altar der Madonna wieder
nieder und ringt im Gebet mit ihr, bis ein Lichtſtrahl, der
auf die Statue der Mutter Gottes fällt, kund tut, daß ſie
ihm verziehen hat. Maliella aber hat ſich ins Meer
ge=
ſtürzt.
— „Polniſche Wirtſchaft” im
Saalbau=
theater. Die von zahlreichen Theaterfreunden ſchon
lange mit Spannung erwartete dreiaktige Operettenpoſſe
„Polniſche Wirtſchaft” von Kurt Kraatz und Georg
Okon=
kowsky, Muſik von Jean Gilbert, wird vom nächſten
Dienstag, den 9. April bis einſchließlich Samstag, den 13.
April d. J., alſo nur fünf Abende hintereinander, im
Städt. Saalbautheater in Szene gehen. Das Werk hat
überall den größten Erfolg erzielt, was auch in Darmſtadt
der Fall ſein wird. „Reizend” — ein Wort ſoll alles
be=
ſagen — iſt die Muſik von Jean Gilbert. Sie enthält eine
Fulle der gefälligſten Melodien und läßt es verſtändlich
er=
ſcheinen, daß z. B. in Berlin das Werk bis heute über 600
Aufführungen erlebte. Der Dialog iſt reich mit allerhand
ergötzlichen Witzen geſpickt, die kein allzuſcharfes Nachdenken
erfordern. Der Haupterfolg aber kommt auf das Konto
der populären Muſik zu ſtehen. — Der alleinige Vorverkauf
befindet ſich nur im Verkehrsbureau, Wartehalle am Ernſt=
Ludwigsplatz.
Lieder=Abend Elſa Laura von
Wol=
zogen. Es iſt dem kunſtliebenden Darmſtadt längſt
be=
kannt, daß Elſa Laura von Wolzogen zu den derzeit
Führen=
den auf dem Gebiete ihrer eigenartigen und reizenden Kunſt
gehört, ja daß ſie in vielem vielleicht überhaupt die
Herr=
ſchende iſt, wie z. B. in ihrer ganz meiſterhaften
Charakterk=
ſierung. Darüber herrſcht Einigkeit in der geſamten Kritik
der führenden Blätter des In= und Auslandes. Ein großes
Kölner Blatt ſchrieb u. a.: Elſa Laura von Wolzogen
ge=
hört zu den bevorzugteſten Interpretinnen des Volksliedes
und des Chanſons; ſie hat in Deutſchland dieſe
Kunſt=
gattung wieder neu geſchaffen, und nimmt neben der Yvette
Guilbert und der Delvard einen erſten Rang ein, Ja ſie
übertrifft eigentlich beide inſofern, als ſie beider Vorzüge
in ſich vereinigt; ſie hat das Urſprüngliche, Kräftige und,
wo es ankommt, Derbe der Guilbert und gleichzeitig das
Nervöſe, Zerſetzte, Moderne, wie es die Delvard zu ihrer
Domäne gemacht hat. Alle Charaktere und alle Lebensläufe
meiſtert ihre Kunſt, und immer ſcheint ſie einem gleich
groß. Sie ſingt von einem einſamen Mädchen und ſchildert
auf das eindringlichſte und rührendſte deſſen Leiden und
Entbehrungen, und gleich darauf ſchlägt ſie ein flottes
Chanſon an und zeigt einem ungetreuen Freier, daß ſie ihn
noch lange nicht braucht, und auch alle Lebensalter
be=
herrſcht ſie; ſie ſingt von Kindern mit derſelben
Glaub=
würdigkeit wie vonalten Jungfern, von halbwüchſigen Buben
und geſtrengen Herren, von Matronen und Dienſtboten, und
überall folgt man ihr gern. Wie köſtlich charakteriſiert ſie
etwa die derben alten Weiber; man glaubt die Wangel vor
ſich zu ſehen. Und ohne Zweifel iſt ſie auch eine
vorrreff=
liche Schauſpielerin; ihre Kunſt wird ebenſo groß ſein, wenn
ſie ſich ſchauſpieleriſch wie als Diſeuſe betätigt.‟ — „Immer
und immer wieder tauchen Damen auf, die zur Laute ſingen.
Aber welche erreicht Elſa Laura von Wolzogen, die übrigens
auch als Sängerin ſich vervollkommnet hat, im Vorrrag?
Beſonders Volkslieder ſind ihre Domäne,” ſchreibt Die
Muſik, Berlin. — „Sie riß ihr Publikum ganz mit ſich
fort und wurde mit Beifall überſchüttet,” die Illionis
Staats=Zeitung. — „Die Frau Baronin iſt Meiſterin einer
ebenſo liebenswürdig graziöſen als raffiniert ausgebildeken
Kunſt, mit der ſie auch diesmal wieder lebhaften Beifall
erntete.‟ Die Münchener Neueſten Nachrichten. „Elſa Laura
von Wolzogen ſingt und ſiegt. Beides miteinander
Eigent=
lich ſpielt, mimt ſie ihre Lieder, und zum Erfolge tragen
Lautenſpiel, Toilette, geſungenes Wort, die ſympathiſche
Perſönlichkeit und ihr Mienenſpiel in gleichem Maße bei.
Ihre hiſtoriſchen Balladen und Liebeslieder, Tanz=, Scherz=
und Spottlieder meiſtert ſie mit einer Sprech= und
Sprachen=
gewandtheit, die fabelhaft iſt, und ein Deutſch ſingt und
ſagt ſie, das zu hören man nie müde würde.‟ Das Berner,
Tageblatt.
Wie bekannt, findet das hieſige Konzert am 10. April,
8 Uhr, im Saal des Hotel zur „Traube” ſtatt.
Karten=
verkauf bei Gg. Thies Nachf. (Leopold Schutter),
Eliſa=
bethenſtraße 12. (Fernſprecher 815.)
Parlamentariſches.
* Die Beamtenbeſoldungsvorlage iſt
am Donnerstag verſchickt worden. Sie enthält ein
Man=
telgeſetz nebſt Begründung und 1 Anlage (Finanzplan).
Hierzu Geſetze über: 1. den Wohnungsgeldzuſchuß und
Nummer 82.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 6. April 1912.
Seite 5.
den Wegfall der Entſchädigung für die Dienſtwohnungen
der Staatsbeamten nebſt Begründung A., B und D (mit
10 Unter=Anlagen); 2. die Gehalte der Staatsbeamten nebſt
Begründung A, C und D; 3. die Abänderung des Geſetzes
über die Gehalte der Volksſchullehrer nebſt Begründung
(mit 2 Unter=Anlagen); 4. die Aenderung des Geſetzes.
die Witwen= und Waiſenkaſſen der Volksſchullehrer
be=
treffend, vom 21. Juli 1900 nebſt Begründung; 5. die
Koſten der höheren Schulen nebſt Begründung (mit 6
Unter=Anlagen); 6. die Aenderung des Geſetzes über den
Urkundenſtempel vom 12. Auguſt 1899, in der vom 1. April
1910 an geltenden Faſſung nebſt Begründung; 7. die
Aenderung des Geſetzes, die Erhöhung von Zuſchlägen
zur Reichserbſchaftsſteuer betreffend, vom 30. März 1907
nebſt Begründung (mit 1 Unter=Anlage); 8. die
Erhöh=
ung der Zivilliſte Seiner Königlichen Hoheit des
Groß=
herzogs (mit 1 Unter=Anlage). Im ganzen umfaßt die
Vorlage 184 Druckſeiten.
Handel und Verkehr.
*X* Darmſtadt, 4. April. Die Bank für
Handel und Induſtrie hielt heute vormittag ihre
59. Generalverſammlung hierſelbſt unter Vorſitz
des Reichstagspräſidenten und Vorſitzenden des
Auf=
ſichtsrats der Bank, Herrn Dr. Joh. Kaempf, ab. Es
waren 37 Aktionäre mit 129563 Stimmen vertreten. Zu
Punkt 1 der Tagesordnung, Berichterſtattung des
Vor=
ſtandes über die Vermögens= und Geſchäftsverhältniſſe
der Bank, wurde auf den gedruckt vorliegenden
Ge=
ſchäftsbericht für 1911 hingewieſen. Der Bruttogewinn
beläuft ſich auf 24360595 Mark. Davon gehen ab: für
Handlungsunkoſten (einſchließlich der Tantiemen an den
Vorſtand und die Oberbeamten mit 1455048 Mark)
9156 468 Mark, an Steuern 1174 408 Mark, für
Zuwend=
ungen an die Beamten, deren Penſionsfonds, ſowie für
wohltätige Zwecke 1699531 Mark, für Abſchreibungen
auf Immobilien und Mobilien 523 276 Mark,
Rückſtel=
lung für die Talonſteuer 660000 Mark, in Summa
13 213 684 Mark, ſodaß ein Reingewinn von 11146911
Mark verbleibt. Davon ſind zu zahlen an Tantiemen
für den Aufſichtsrat 280000 Mark und 6½ Prozent
Divi=
dende — 10 400000 Mark. Der Reſt von 466911 Mark
wird auf neue Rechnung vorgetragen. Die
Verſamm=
lung nahm Kenntnis von dem Bericht und genehmigte
die Rechnung, ſowie die Verteilung einer
Diwi=
dende von 6½ Prozent. In der letzten
Generalver=
ſammlung war beſchloſſen worden, die Zahl der
Auf=
ſichtsräte auf 20 zu beſchränken. Es erſchien im
Inter=
eſſe der Bank, dieſe Beſtimmung wieder aufzuheben und
zwei neue Aufſichtsräte hinzuzuwählen. Als ſolche
wur=
den durch Zuruf gewählt der Direktor der K. K. Priv.
Bank und Wechſelſtuben=Aktiengeſellſchaft Merkur in
Wien, Dr. Bretthauer, und Geh. Kommerzienrat
Rinkel=Berlin und Landeshut (Schleſien). Der
Vor=
ſitzende machte ſchließlich noch die Mitteilung, daß Herr
Geh. Kommerzienrat Hedderich den Wunſch
ausge=
ſprochen habe, mit Ablauf des Jahres aus dem
Vor=
ſtande auszuſcheiden. Der Vorſitzende dankt ihm ſchon
jetzt für ſeine langjährigen vortrefflichen Leiſtungen und
bemerkt, daß ſeine Wahl zum Aufſichtsratsmitglied
vor=
geſchlagen werden würde. Damit war die Tagesordnung
der Generalverſammlung erledigt.
* Oberhauſen, 4. April. Der Aufſichtsrat der
Concordia, Bergbau=Aktien=Geſellſchaft
wird der auf den 22. April einberufenen ordentlichen
Ge=
neralverſammlung eine Dividende von 16 Prozent (im
Vorjahr 11 Prozent) vorſchlagen.
* Bremen, 3. April. Die heutige ordentliche
Ge=
neralverſammlung des Norddeutſchen
Lloyd genehmigte den Jahresbericht, die Gewinn= und
Verluſtrechnung für 1911, und damit die Verteilung einer
fünfprozentigen Dividende, erteilte dem
Auf=
ſichtsrat und dem Vorſtand Entlaſtung, wählte die
aus=
ſcheidenden Aufſichtsratsmitglieder J. H. Kolenkampff und
Direktor Mankiewitz wieder und genehmigte verſchiedene
Statutenänderungen.
Luftfahrt.
Die erſte Begegnung zweier Zeppelin=Kreuzer.
Wie angekündigt, hat am Donnerstag die erſte
Be=
gegnungsfahrt zweier Zeppelin=Luftſchifte über
Mann=
heim ſtattgefunden. Damit hat die „Delag” der
Bevöl=
kerung Mannheims ein Schauſpiel geboten, wie es gleich
ſchön und erhaben wohl auch in Zukunft zu den
Selten=
heiten zählen wird. Die Fahrt der beiden Luftrieſen
war vom herrlichſten Wetter begünſtigt. Das Luftſchiff
„Viktoria Luiſe” war um 10 Uhr 15 Minuten nach
Mannheim aufgeſtiegen. Der Hinweg führte über Worms,
der Rückweg über Darmſtadt. Die „Viktoria Luiſe‟
hatte acht Paſſagiere an Bord. Die Führung hatte Dr
Eckener.
Das Luftſchiff „Schwaben” hat punkt 10 Uhr die
Fahrt nach Mannheim angetreten. Es war
vorauszu=
ſehen, daß es früher als die von Frankfurt abgehende
„Viktoria Luiſe” an ſeinem Beſtimmungsort eintreffen
würde. An Bord befanden ſich neun Paſſagiere. Die
Führung hatte Ingenieur Dörr. Ueber die Begegnung
über Mannheim liegen folgende Meldungen vor:
* Mannheſm, 4. April. Die „Schwaben”
wurde um 11 Uhr 10 Min. in Mannheim geſichtet. Sie
fuhr der „Viktoria Luiſe” entgegen und kehrte um
11 Uhr 25 Min. wieder zurück in Begleitung der „Viktoria
Luiſe” welche in einem Abſtand von 2 Minuten folgte.
Die beiden Luftſchiffe bewegten ſich in wiederholten
Schlei=
fenfahrten über der Stadt. Eine Landung war nicht
ge=
plant. Nach etwa 4ſtündigem Paradieren über
Mann=
heim und Ludwigshafen verließen die beiden Luftſchiffe
11 Uhr 40 Minuten die Stadt und nahmen die Richtung
nach Heidelberg.
* Heidelberg, 4. April. Kurz vor mittag kamen
beide Luftſchiffe in herrlicher Fahrt über Heidelberg an,
um ſich dann in der Weſtſtadt zu trennen. Die „
Schwa=
ben” ſetzte ihre Fahrt über Heidelberg nach dem
Neckar=
tal fort, während die „Viktoria Luiſe” die
Berg=
ſtraße entlang fuhr. Eine ungeheure Menſchenmenge
jubelte den beiden ſtolzen Luftkreuzern zu.
In Darmſtadt wurde die „Viktoria Luiſe‟
nach ½1 Uhr geſichtet. Im Sonnenſcheine hellglänzend
tauchte ſie, nachdem ſie lange vorher durch das
charakteri=
ſtiſche Summen der Propeller ſich angekündigt, aus dem
Dunſt auf und kreuzte dann direkt Darmſtadt über dem
Reſidenzſchloß, am Herrngarten uſw. vorbei. Das
Luft=
ſchiff flog ſo tief, ſchätzungsweiſe zum Teil kaum höher
als 80—100 Meter, daß man alle Einzelheiten genau
er=
kennen konnte. Nach ¾1 Uhr verſchwand die „Viktoria
Luiſe” wieder den Blicken.
H. B. Frankfurt a. M., 4. April. Das Luftſchiff
„Viktoria. Luiſe” traf kurz nach 1 Uhr von der
Rannheimer Begegnungsfahrt wieder hier ein.
rankfurt, 4. April. Die „Viktoria
Luiſe” erſchien um 1 Uhr 10 Minuten über der Stadt
und landete gegen ½2 Uhr glatt vor der Luftſchiffhalle.
Baden=Oos 4. April. Das Luftſchiff „
Schwa=
ben” iſt um 1 Uhr 40 Minuten vor der Luftſchiffhalle
wieder eingetroffen und um 1 Uhr 58 Minuten glatt
ge=
landet.
Frankfurt 4. April. Wie verlautet, verläßt die
„Viktoria Luiſe” in der nächſten Woche, jedenfalls
aber bald nach Oſtern, Frankfurt, um eine Zeitlang von
Düſſeldorf aus Fahrten zu unternehmen. Wohl wird
dann die „Schwaben” hier und da Frankfurt aufſuchen, und
auch die „Viktoria Luiſe” kommt für kurze Beſuche hierher
zurück, doch wird ſie erſt im Juli zum Schützenfeſt wieder
in der Luftſchiffhalle am Rebſtock ſtationiert werden.
* Wiſſenſchaftliche Geſellſchaft für
Flugtechnik. Unter dem Vorſitz des Prinzen
Hein=
rich von Preußen konſtituierte ſich im Herrenhauſe
in Berlin die „Wiſſenſchaftliche Geſellſchaft für Flugtechnik”,
die berufen iſt, der aufblühenden deutſchen Luftſchiffahrt
neue und ſchnellere Wege zu weiſen.
* Von der „Ala”. Bei einem Feſtmahl, das au=
Anlaß der Eröffnung der Allgemeinen Luftfahrzeug=
Aus=
ſtellung vom Kaiſerlichen Automobilklub, dem
Kaiſerlichen Aeroklub und dem Verein Deutſcher
Motor=
fahrzeug=Induſtrieller veranſtaltet wurde, hielt Seine
Königliche Hoheit Pr in z Hein rich von
Preußen eine Rede, in der er u. a. ſagte, die Ausſtellung
zeige, wie man ohne Chauvinismus beſtehen könne und daß
im Flugzeugweſen viel geſchehen ſei, um Deutſchland
vor=
wärts zu helfen. Ein ſtarkes Fliegerkorps tue
uns bitternot. Die Mittel zur Erlangung eines ſolchen
ſeien ſicher zu beſchaffen, wenn ein Appell an die Nation
in richtiger Weiſe gerichtet werde. Den zurzeit noch
miß=
lichen pekuniären Verhältniſſen abzuhelfen, ſei der Zweck
einer zu veranſtaltenden Sammlung. Er bitte, der Arbeit
der für dieſe Organiſation zu wählenden Männer
Ver=
trauen und Unterſtützung entgegenzubringen. Der Kaiſer
habe vor kurzem einen Preis für den beſten deutſchen
Flug=
zeugmotor geſtiftet und dadurch das größte Intereſſe für
die vierte Waffe, wie man das Flugzeugweſen zu nennen
pflege, bewieſen. Der Prinz dankte dem Kaiſer und die
Anweſenden ſtimmten begeiſtert in das ausgebrachte
Kaiſerhoch ein.
Paris, 5. April. Der „Matin” kündigt an, daß
er die Veranſtaltung eines Aeroplanwettfluges
Paris=Peking plane.
Sport.
* Fußball. Morgen, Sonntag, ſtehen ſich auf dem
Sportplatze an der Windmühle die 1. Mannſchaften des
F.=K. Karlsruhe=Mühlburg und des Darmſtädter
Sportklubs 1905 im friedlichen Wettkampfe
gegen=
über. Der gute Ruf, der den Gäſten vorausgeht, bürgt für
ein hochintereſſantes Spiel.
* Turnen. Das 30. Mittelrheiniſche
Kreis=
turnfeſt, das bekanntlich in den Tagen vom 3. bis 6.
Auguſt in Aſchaffenburg ſtattfindet, verſpricht, nach den
Vorbereitungen zu ſchließen, eine ſehr bedeutende,
groß=
zügige Veranſtaltung zu werden. Die Angehörigen des
Mittelrheiniſchen Turnkreiſes werden wohl in Scharen
dem ſchönen Frankenſtädtchen zuſtrömen, deſſen
Bevöler=
ung ihnen einen warmen und von lebhafteſtem Intereſſſ
für die Turnſache getragenen Empfang bereiten wird. Die
Feſtausſchüſſe entwickeln bereits ſeit Wochen eine emſige
Tätigkeit und ſtädtiſche, ſowie ſtaatliche Behörden laſſen den
Vorbereitungen weitgehendſte Unterſtützung widerfahren.
Verhaftung eines franzöſiſchen
Automobil=
banditen.
* Paris 3. April. Carouy, einer der
Rädels=
führer der Automobilbanditen wurde heute
nachmittag auf dem Bahnhof in Locere bei Verſailles
von Poliziſten umzingelt und ehe er Widerſtand leiſten
konnte, gefeſſelt. Er gab ohne weiteres zu, daß er
einer der Aatomobilbanditen ſei, doch verweigerte er
jedes weitere Geſtändnis. Man fand bei ihm zwei
ge=
ladene Browning=Revolver. Der Verbrecher wurde ſofort
nach Paris gebracht und vor den Leiter der Sicherheits=
Behörde geführt. Die Polizei verfolgte ſeit geſtern die
Spur Carouys. Für einen Augenblick hatte man ſie
ver=
loren, ſie wurde aber bei Palaiſeau wieder
ge=
funden. Carouy wurde am Bahnhof feſtgenommen,
bevor er ſich zur Wehr ſetzen konnte. Während ſeiner
Vernehmung gelang es ihm. Tabletten zu verſchlucken.
Man griff aber ſofort ein, ſodaß das in den Tabletten
etwa enthaltene Gift nicht wirken konnte. Carouy wurde
in einer Zelle der Polizeivräfektur untergebracht.
* Paris 4. April. Zu der Verhaftung
Ca=
rouys werden noch folgande Einzelheiten gemeldet:
Als Carouy vor den Leiter der Sicherheitsbehörde
Gui=
chard geführt wurde, richtete er an dieſen die Bitte, ſeine
Feſſeln etwas lockern zu laſſen, da er kaum atmen könne.
Kaum war dieſer Bitte entſprochen worden, als Carouy
blitzſchnell aus ſeiner Hoſentaſche ein weißes Kügelchen
hervorholte und zum Munde führte. Den Poliziſten, die
ihn vergeblich hindern wollten, das Kügelchen zu
ver=
ſchlucken, rief er zu: Ihr werdet mich nicht lebend haben.
Ich habe Blauſäure genomman. Die angebliche
Blau=
ſäure blieb jedoch vollſtändig wirkungslos und als ein
Arzt herbeikam, um Carouy ein Gegengift zu reichen,
meinte dieſer: Der Apotheker hat mich betrogen. Er
hat mir keine Blauſäure gegeben. Sie ſehen, daß ich kein
richtiger Anarchiſt bin, da ich nicht einmal im
Stande bin, mich umzubringen. Vor dem
Leiter der Sicherheitsbehörde leugnete Carouy
entſchie=
den, an den Anſchlägen in der Rue Ordener in
Mongé=
ron und Chantilly beteiligt geweſen zu ſein. Die Polizei
hält es für möglich, daß er bei dieſen Verbrechen keine
aktive Rolle geſpielt hat, doch iſt ſie überzeugt, daß er
eine ganze Anzahl von Einbruchdiebſtählen und zwei
Raubmordverſuche unternommen hat.
* Paris, 5. April. Die Sicherheitsbehörde hat
in=
folge einer Anzeige, wonach ſich der
Automobilban=
dit Garnier in der Rue Ordner auf dem Mont
Martre und deſſen Helfershelfer Bonnot in dem
Vor=
orte Rominville aufhalten, heute nachmittag umfaſſende
Maßnahmen getroffen, um der beiden Verbrecher habhaft
zu werden. Sie hat einzelne Häuſer, in denen Garnier
und Bonnot vermutet werden, von zahlreichen Detektiven
umzingeln laſſen.
Die Bergarbeiterbewegung.
Eſſen a. d. R., 5. April. Der Gewerkverein
Chriſtlicher Bergarbeiter erſuchte am 25. März
den Zechenverband, allen, auch den freiwillig Streiken=
den, die Kontraktbruchsſtrafen zurückzuerſtatten, da die
unſchuldigen Familien, die Geſchäftswelt und die
be=
teiligten Gemeinden unter dem Lohnausfall am ſchwerſten
litten.
Zwickau, 4. April. Nachdem die Vertreter faſt
ſämtlicher Belegſchaften der beiden großen
ſächſi=
ſchen Steinkohlenreviere abermals das
Berg=
amt als Einigungsamt angerufen hatten, wurde von dem
Vorſitzenden des Einigungsamtes zunächſt mit den
Ver=
tretern faſt ſämtlicher Zwickauer Werke über den Antrag
verhandelt. Die Werke lehnten es auch diesmal ab, ſich
dem Antrag anzuſchließen. Sodann wurde von den
Ver=
tretern des Bergamtes angeregt, eine Beſprechung
zwi=
ſchen Arbeitgebern und Arbeitnehmern unter dem Vorſitz
der Bergbehörde über die Beilegung des Streiks
außer=
halb des Rahmens des Einigungsamtes abzuhalten.
Die Vertreter der Zwickauer Werke lehnten auch dieſes
ab, weil ſie den jetzigen Ausſtand nicht als durch die
wirtſchaftliche Lage der Arbeiter veranlaßt anſähen,
ſon=
dern lediglich als eine Machtprobe der Sozialdemokraten
und des Bergarbeiterverbandes.
* Brüx, 3. April. Die Bergarbeiter=
Ver=
ſammlungen des hieſigen Reviers nahmen die
Zuge=
ſtändniſſe der Bergwerksbeſitzer an und werden morgen
den vollen Betrieb wieder aufnehmen.
* London, 3. April. Der Exekutivausſchuß
des Bergarbeiterverbandes wird morgen hier
eine Sitzung abhalten zur Feſtſtellung der Ergebniſſe der
Abſtimmung. — Es iſt die Frage aufgeworfen worden, ob
der Exekutivausſchuß befugt ſei, die Wiederaufnahme
der Arbeit anzuordnen, wenn eine geringe Mehrheit
für die Fortſetzung des Streiks iſt. Eine
Verbandsbeſtim=
mung hierüber gibt es nicht. Es wäre deshalb möglich, daß
man ſich zur Einberufung einer nationalen Konferenz
ent=
ſchlöſſe.
* London 3. April. Generalpoſtmeiſter Samuel
äußerte einer Deputation gegenüber, die er in Sachen des
iriſchen Poſtdienſtes empfing, es ſei alle Ausſicht vorhanden,
daß der Kohlenſtreik bald vorüber ſein werde.
Seines Wiſſens ſei für die Fortſetzung des Streiks eine
Zweidrittelmehrheit erforderlich, ebenſo wie für die
Streikerklärung. Man werde bald wiſſen, ob der Streik in
nächſter Zeit aufhören wird. Er für ſeine Perſon ſei
über=
zeugt, daß in wenigen Tagen, vielleicht ſchon in wenigen
Stunden, wieder normale Verhältniſſe eintreten werden.
H.B. London, 4. April. Das Referendum hat
ergeben, daß bisher 167900 Stimmen für die
Wiederauf=
nahme der Arbeit und 186027 dagegen ſind. Es ſteht
be=
reits feſt, daß es unmöglich iſt, die erforderliche
Zweidrittel=
mehrheit für die Fortſetzung des Streiks
zuſam=
menzubringen. Das Exekutivkomitee der Bergarbeiter
wird daher nichts anderes tun können, als den Streik für
beendet zu erklären und die Wiederaufnahme der Arbeit
zu verfügen. Der Arbeiterführer Aſhton erklärte, die
Wie=
deraufnahme der Arbeit bedeute für die Arbeiter keinen
Verluſt, ſondern den erhofften Erfolg.
London 4. April. Nach den Feſtſtellungen des
Exekutivausſchuſſes des Bergarbeiterverbandes
wurden 201013 für die Wiederaufnahme der Arbeit,
244011 Stimmen dagegen abgegeben. Da ſich die
Zwei=
drittelmehrheit nicht ergab, empfiehlt der Ausſchuß die
Wiederaufnahme der Arbeit, die auch die zum
Samstag einberufene Konferenz noch beſtätigen ſoll.
* Petersburg, 3. April. Eine
Miniſterkommiſ=
ſion hat in Verbindung mit Vertretern induſtrieller
Branchen feſtgeſtellt, daß die Kohlenvorräte
ge=
nügen, um das Bedürfnis des Staates und der
beteilig=
ten Induſtrien bis Mai zu decken. Falls nicht bis dahin
im engliſchen Kohlenrevier wieder normale
Verhältniſſe herrſchen, wurde die Notwendigkeit
aner=
kannt, Petersburg mit ruſſiſcher und ſchleſiſcher Kohle zu
verſorgen. Ferner wurde feſtgeſtellt, daß es den
ruſſi=
ſchen Eiſenbahnen möglich ſei, die notwendigen
Kohlen=
transporte zu bewältigen.
Eine offiziöſe Erklärung zum Jeſuitengeſetz.
* Die Norddeutſche Allgemeine Zeitung ſchreibt:
Die Germania vom 4. d. M. führt in einer Zuſchrift
aus parlamentariſchen Kreiſen aus, den preußiſchen
Oberpräſidenten ſei mündlich vom Miniſterium vor
langer Zeit empfohlen worden, gegenüber der
Vor=
tragstätigkeit von Jeſuiten eine
verſöhn=
liche Handhabung des Jeſuitengeſetzes auch für
die Zukunft zu beobachten und Verſchärfungen der
der=
zeitigen Praxis zu vermeiden. Dieſe Ausführung iſt
un=
vollſtändig und gibt infolgedeſſen den Sinn der den
preußi=
ſchen Oberpräſidenten erteilten Weiſung unrichtig
wieder. Den Oberpräſidenten iſt nach der Aufhebung des
§ 2 des Jeſuitengeſetzes zwar empfohlen worden, die
bis=
herige Milde und eine verſöhnliche Handhabung des
Ge=
ſetzes auch für die Zukunft eintreten zu laſſen und jede
Ver=
ſchärfung des gegenwärtigen Standpunktes nach
Mög=
lichkeit zu vermeiden; dabei iſt aber dieſer Standpunkt
ausdrücklich dahin feſtgelegt worden, daß durch das
Ge=
ſetz vom 8. 3. 1904 nur der Paragraph 2 des Geſetzes
vom 4. 7. 1872, d. h. die Befugnis zur
Reichsver=
weiſung ausländiſcher und zur Internierung
in=
ländiſcher Jeſuiten aufgehoben ſei, im übrigen aber das
Geſetz, insbeſondere Paragraph 1, materiell und formell
unberührt geblieben iſt. Gemäß dem zur
Ausführ=
ung dieſes Geſetzes ergangenen Bundesratsbeſchluß vom
5. Juli 1872 ſei den Jeſuiten nach wie vor die
Aus=
übung einer Ordenstätigkeit ſowie die
Abhal=
haltung von Miſſionen unterſagt. Als
Ausübung der Ordenstätigkeit ſei anzuſehen, jede prieſter:
liche, ſeelſorgeriſche Tätigkeit, insbeſondere Predigt, Beichte,
Abſolution, Meſſe und Sakramentsverwaltung.
Nach=
gelaſſen ſei den Jeſuiten lediglich die ſogenannte missa
solitaria und das Leſen von Primizmeſſen, ſoweit dabei
der Charakter des Familienfeſtes gewahrt bleibe, das
Leſen ſtiller Meſſen, ſowie die Austeilung der
Sterbe=
ſakramente. Als verbotene Ordenstätigkeit ſei weiterhin
einer Entſcheidung des Oberverwaltungsgerichts vom
8. Mai 1900 auch das Halten von religiös=
wiſſenſchaft=
lichen Vorträge durch Jeſuiten anzuſehen.
Unter die hiernach verbotene Ordenstätigkeit fallen
ſelbſtverſtändlich auch die ſogenannten
Konferenz=
vorträge und alle prieſterlichen Handlungen, die
zwecks vorübergehender Aushilfe in der Seelſorge
vor=
genommen werden. In Preußen iſt ſtets daran
feſt=
gehalten worden, daß zwiſchen der Ordenstätigkeit der
Jeſuiten und anderen prieſterlichen Funktionen derſelben
ein Unterſchied nicht zu machen ſei. Seit jener
Anwei=
ſung an die Oberpräſidenten änderte ſich die
Rechtsauf=
faſſung der preußiſchen Regierung nicht.
Der franzöſiſch=marokkauiſche Protektorats=
Vertrag.
* Paris, 4. April. Der franzöſiſch=marokkaniſ e
Prot ektorats=Vertrag hat folgenden Wortlaut:
Die Regierung der franzöſiſchen Republik und die
Regie=
rung des Sultans haben die Abſicht, in Marokko eine regel=
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 6. April 1912.
rechte Regierung einzurichten, die auf Ordnung im
In=
nern und auf der allgemeinen Sicherheit beruht, die
Ein=
führung von Reformen geſtattet und die wirtſchaftliche
Ent=
wickelung des Landes ſicherſtellt.
Artitel 1. Die Regierung der Republik und der
Sul=
tan ſind darüber einig, in Marokko ein neues Regime
ein=
zuführen, das die Reformen der Verwaltung, der
Rechtspflege, der Schule, der wirtſchaftlichen, finanziellen
und militäriſchen Einrichtungen in ſich ſchließt, deren
Ein=
führung auf marokkaniſchem Gebiet die franzöſiſche
Re=
gierung als nützlich betrachten ſollte. Dieſes Regime wird
die religiöſen Verhältniſſe, die Achtung vor dem Sultan
und ſein traditionelles Anſehen, die Ausübung der
islami=
tiſchen Religion und die religiöſen Einrichtungen,
insbeſon=
dere die der „Habouz” unangetaſtet laſſen. Es wird ferner
die Organiſation des ſcherifiſchen Maghzen mit ſich bringen.
Die Regierung der Republik wird ſich mit der
ſpani=
ſchen Regierung über die Intereſſen verſtändigen, die
dieſe Regierung infolge der geographiſchen Stellung und
der territorialen Beſitzungen an der marokkaniſchen Küſte
beſitzt. Ebenſo wird die Stadt Tanger ihren beſonderen
Charakter bewahren, der ihr zuerkannt iſt und ihre ſtädtiſche
Organiſation beſtimmt.
Artikel 2. Der Sultan läßt von jetzt ab zu, daß die
franzöſiſche Regierung, nachdem ſie den Magyzen davon
benachrichtigt hat, zu denjenigen der militäriſchen
Beſetzungen auf marokkaniſchem Gebiet ſchreitet, die
ſie als notwendig zur Aufrechterhaltung der Ordnung und
der Sicherheit des Handels hält, ferner daß ſie jede
Poli=
zeigktion zu Lande und den marokkaniſchen Gewäſſern
ausübt.
Artikel 3. Die Regierung der Republik übernimmt die
Verpflichtung, dem Sultan jederzeit Unterſtützung
gegen jede Gefahr zu leihen, die ſeine Perſon und den
Thron bedrohen und die Ruhe ſeiner Staaten gefährden
ſollte. Dieſelbe Unterſtützung wird dem Thronerben
und ſeinen Nachfolgern gewährt.
Artikel 4. Die Maßregeln, die das neue Regime des
Protektorats nötig machen, werden auf Vorſchlag der
franzöſiſchen Regierung vom Sultan oder den Behorden,
denen er ſeine Macht überträgt, verordnet. Ebenſo ſoll es
mit den neuen Reglements und den Veränderungen der
beſtehenden Reglements gehalten werden.
Artikel 5. Die franzöſiſche Regierung wird beim
Sul=
tan durch den Generalreſidenten vertreten, der alle
Machtbefugniſſe der Republik in Marokko in ſeiner Hand
hat und über die Ausführung des abgeſchloſſenen
Ver=
trages wacht. Der Generalreſident wird der einzige
Ver=
mittler des Sultans bei fremden Verrretern in
allen Beziehungen ſein, welche die Vertreker mit der
marokkaniſchen Regierung unterhalten.= Er iſt beſonders
mit Fragen beauftragt, welche Fremde in Marokko
an=
gehen. Er wird die Macht haben, namens der franzöſiſchen
Regierung alle durch den Sultan erlaſſenen Dekrete zu
billigen und bekanntzugeben.
Artikel 6. Der Sultan perpflichtet ſich, keinen Vertrag
internationalen Charakters ohne die vorherige
Zuſtim=
mung Frankreichs abzuſchließen.
Artikel 7. Die franzöſiſche und die ſcherifiſche
Regie=
rung behalten ſich vor, gemeinſam die Grundlage für die
Reorganiſation der Finanzen feſtzuſetzen,
welche die den Trägern der Staatspapiere und öffentlichen
marokkaniſchen Anleihen übertragenen Rechte reſpektiert,
die Verbindlichkeiten des ſcherifiſchen Schatzes garantiert
und die Einkünfte der Regierung regelmäßig einzieht.
Artikel 8. Der Sultan verzichtet darauf, zukünftig
direkt oder indirekt eine öffentliche oder private Anleihe
aufzunehmen und ohne die Ermächtigung Frankreichs unter
irgend einer Form eine Konzeſſion zu gewähren.
Literariſches.
— Einen liebenswürdigen Gedanken finden wir in
dem ſoeben erſchienenen Heft 14 der Wiener Mode
verwirklicht: Eine Beilage „Den älteren und ſtärkeren
Damen in den Familien der Abonnentinnen gewidmet.”
Das iſt in der Tat etwas ganz neues. Bisher waren ältere
und ſtärkere Damen die Stiefkinder der Mode. Kein Blatt
kümmerte ſich um ſie, denn jedes Modebild mußte ſo
jugendlich ſchlank als möglich ausſehen. Von jetzt an
wer=
den auch ſie fachmänniſchen Rat finden, da die ſchön und
reichhaltig illuſtrierte Beilage in jedem Quartale erſcheinen
wird. Sie wird dem führenden Wiener Blatte ganz
ge=
wiß viele neue treue Freundinnen gewinnen, wozu auch die
übrigen Neuheiten des Blattes, die Modetelgramme, die
Photo=Chronik, der Fragekaſten uſw. ihr gut Teil beitragen
werden.
Darmſtadt, 6. April.
* Vom Hofe. Donnerstag Vormittag beſichtigten
der Großherzog, die Großherzogin und Prinz Heinrich
den Neubau der von dem Architekten Georg Kugel
aus=
geführten Villa Wagner am Roquetteweg.
* Kunſthalle. Am 2. Oſterfeiertage bleibt die
Kunſt=
halle am Rheintor geſchloſſen.
Perſonalnachrichten der Oberpoſtdirektion in
Darmſtadt. Verliehen von Sr. Majeſtät dem Kaiſer
und König dem Poſtmeiſter Schmidt in Grünberg der
Charakter als Rechnungsrat; dem Oberbriefträger Bager
in Laubach beim Scheiden aus dem Dienſte das
Preu=
ßiſche Allgemeine Ehrenzeichen in Silber. — Ferner
wurde verliehen: der Charakter als Poſtſekretär den
Oberpoſtaſſiſtenten Kraußmüller in Oppenheim und
Lorge in Mainz=Kaſtel; den Poſtverwaltern Malſy in
Schlitz, Sturmfels in Flonheim und Weber in Ober=
Ramſtadt; der Charakter als Telegraphenſekretär dem
Obertelegraphenaſſiſtenten Mattheß in Mainz; der Titel
Oberpoſtaſſiſtent den Poſtaſſiſtenten Becker, Stodtmeiſter,
Strohauer und W. Wagner in Mainz, Janſohn in Neu=
Iſenburg, Lampe in Gießen, Mohr in Bensheim, Moos,
Schweitzer und Witzenberger in Darmſtadt, Neſſel und
Pfaue in Offenbach, Rabenau und Töpfer in Worms,
Sauer in Oppenheim, Thraum in Friedberg und Uſinger
in Alsfeld: der Titel Obertelegraphenaſſiſtent den
Tele=
graphenaſſiſtenten Heß, Kieslich und Adam Ohl in
Darmſtadt, Mohr, Seeger und Siegl in Mainz und Nohl
in Gießen, ſowie den Oberpoſtaſſiſtenten Hainer und
Keutzer in Offenbach. — Verſetzt: Oberpoſtpraktikant
Kießler von Darmſtadt nach Köln als Poſtinſpektor;
Oberpoſtpraktikant Schaumann von Berlin nach
Darm=
ſtadt; Oberpoſtſekretär Eberhardt von Alzey nach
Arn=
ſtadt; die Poſtſekretäre Bonarius von Mainz nach
Lan=
genberg (Rhld.), Maurer von Darmſtadt nach
Kalden=
kirchen (Rhld.) und Zimmermann von Nidda nach Bad
Nauheim, Telegraphenſekretär Ohly von Mainz nach
Darmſtadt, Oberpoſtaſſiſtent Guthier von Vilbel nach
Mainz; die Poſtaſſiſtenten Eck von Falkenſtein (
Vogt=
land) nach Worms, Geiſel von Darmſtadt nach
Frank=
furt, Walker von Worms nach Friedberg und Wolf von
Mainz nach Frankfurt; die Telegraphenaſſiſtenten Ehr=
hardt von Worms, Spengler von Darmſtadt und Wüſt
von Mainz nach Hamburg, Natale von Darmſtadt nach
Köln, Rothbruſt von Eſſen nach Mainz und Webel von
Mainz nach Berlin. Ernannt: die Poſtſekretäre
Neitzel und Schiebelhuth in Darmſtadt zu
Oberpoſtkaſſen=
buchhaltern. — Uebertragen: dem Poſtſekretär
Spiehl aus Mainz eine Oberpoſtſekretärſtelle in Alzey,
dem Telegraphenſekretär Peterſen aus Sonderburg eine
Obertelegraphenſekretärſtelle in Mainz; bei der
Ober=
poſtdirektion: dem Telegraphenſekretär Schupp eine
Bureaubeamtenſtelle 1. Klaſſe, dem
Telegrahpenaſſiſten=
ten Rechel eine ſolche 2. Klaſſe. — Etatsmäßig
an=
geſtellt: Poſtſekretär Jöckel in Mainz,
Telegraphen=
ſekretär Heil in Darmſtadt; die Poſtaſſiſtenten Brückbauer
und Schnell in Worms, Imbeſcheidt in Bingen, Kadel
und Weigand in Mainz, Keil in Alzey, Klinger, Rodrian
und Ulm in Gießen, Kurtz in Friedberg, Melzer, Säxer,
und Stühler in Oſthofen, Volz in Seligenſtadt; die
Te=
legraphenaſſiſtenten Dürkes in Darmſtadt. Günther in
Offenbach, Hotz, Kreiling und Pinther in Gießon, Schorch
und Strecker in Mainz; die Telegraphengehilfinnen
Hahne in Mainz und Regina Lacher in Worms. —
Be=
ſtanden: die Poſtaſſiſtentenprüfung: die Poſtgehilfen
Appel in Londorf, Kröll in Guntersblum, Kufer in
Darm=
ſtadt, Mandel in Zwingenberg. Rathgeber in Groß=
Gerau und Guſtav Wenner in Darmſtadt; die
Poſt=
anwärter Saxer und Stühler in Oſthofen; die
Telegra=
phenaſſiſtentenprüfung: die Telegraphenanwäkter
Krei=
ling in Gießen und Schorch in Mainz. —
Angenom=
men: zu Poſtanwärtern Vizefeldwebel Becker in
Lan=
gen, Wachtmeiſter Blickhan in Offenbach und
Vizefeld=
webel Friedrich in Alzey; zu Telegraphengehilfinnen:
Karoline Arras in Mainz und Frieda Köchlin in Gießen;
Oberpoſtſchaffner a. D. Fekonia zum Poſtagenten in
Bretzenheim und Witwe Marie Genzlinger zur
Poſtagen=
tin in Bürſtadt. — Freiwillig ausgeſchieden:
Poſtgehilfin Knell in Darmſtadt. Telegraphengehilfin
Storck in Mainz, ſowie die Poſtagenten Kappes in
Bretzenheim und Ofenloch in Bürſtadt. — Geſtorben:
Poſtſekretär Goldmann in Darmſtadt.
* Karfreitagskonzert. Wie alljährlich veranſtaltete
der Muſikverein unter Leitung ſeines Dirigenten
Herrn Hofkapellmeiſters Hofrats de Haan auch an
dem geſtrigen Karfreitag in der Stadtkirche ein geiſtliches
Konzert, bei dem J. S. Bachs „Matthäus=Paſſion”
zur Aufführung gelangte. Mitwirkende waren die
Konzertſängerinnen Frau Sophie Schmidt=Illing
von hier (Sopran), Frau Paula Werner=Jenſen von
Berlin (Alt), der Konzertſänger Herr Franz Müller
von hier (Tenor) und Herr Theodor Harriſon aus
München (Baß), ſowie die Großherzogliche Hofkapelle.
Außerdem wirkten bei mehreren Chorälen die Schüler der
Samper’ſchen Chorklaſſe unter Leitung des Herrn
Hofmuſikers Adam mit. Die Orgelbegleitung lag
bei Herrn Wilhelm Borngäſſer in berufenen Händen.
Unter der bewährten und energiſchen Leitung des Herrn
Hofrats de Haan, der das Maſſenaufgebot von
Sängern und Muſikern zu meiſtern und zu begeiſtern
verſteht, fand das grandioſe Werk auch diesmal eine
muſtergiltige Wiedergabe, an der ſich die andächtige
Zu=
hörerſchaft wahrhaft erbaute. Boten auch die Soliſten
ſtimmlich und geſanglich treffliche Leiſtungen, ſo war es
doch hauptſächlich das harmoniſche Zuſammenwirken
aller beteiligten künſtleriſchen Kräfte, das der Aufführung
den Erfolg ſicherte und ihr zu dem tiefen Eindruck
ver=
half, den ſie bei allen Zuhörern hinterließ. Die Kirche
war bis auf den letzten Platz beſetzt, und dem
Muſik=
verein und ſeinem Meiſter gebührt für die ſchöne und
weihevolle Aufführung Anerkennung und Dank.
St. Die Freie literariſch=künſtleriſche Geſellſchaft bot
am Donnerstag abend ihren Mitgliedern und Gäſten
eine intereſſante Vorleſung von Georg Fuchs
i Werk „Till Eulenſpiegel”, Komödie in
5 Aufzügen. Für die Vermittelung der Bekanntſchaft
mit dieſem Bühnenwerke darf man der freien literariſchen
Geſellſchaft, die auf dieſem Gebiete übrigens ein
breite=
res Feld ihrer Betätigung finden ſollte, aufrichtig
dan=
ken. Georg Fuchs findet Worte und formt Sätze in
die=
ſem Till Eulenſpiegel voll poetiſchen Schwunges und
tief durchdachten Inhalts. Es war ihm nicht eigentlich
darum zu tun, einen Till Eulenſpiegel zu ſchaffen, wie
wir aus der Sage ihn kennen, nicht den Schalk zu
zeich=
nen und ſeine Schwänke auf die Bühne zu bringen. Der
Dichter gibt viel mehr als das. Sein Eulenſpiegel
ſym=
boliſiert eine ganze Menſchheit mit ihrer Unraſt und mit
ihren Leidenſchaften. Und wie eine feine politiſche
Sa=
tire ſcheints das Werk zu durchziehen, wenn es offenbart,
wie das Volk, die Maſſe, ſich, wenn auch widerſtrebend,
lenken und leiten läßt von einem einzigen
überragen=
den Geiſte, wenn er nur der Maſſe Schwächen kennt und
zur rechten Zeit das rechte Mittel findet. Mag er dem
Volke auch ins Geſicht ſchleudern: Euch alle hab ich zum
Geſpött gemacht, gefuchtelt, gehudelt, geprellt und
ver=
lacht, Erleichtert die Beutel, beſchwert die Gewiſſen, Nach
Willkür hin= und hergeriſſen, gebeizt, geätzt, gebrannt
und gebiſſen!” er beherrſcht ſie doch, die Maſſen, und
darf ſelbſtbewußt ſagen: Die gehen vor= und
hinter=
wärts, ganz wie man will, wenn man ſie nur ergreift.
Gewaltig donnert und verlockend pfeift. Mit
Sauer=
kraut und Schweinefleiſch im Teller ſind ſie beglückt. Man
muß, um ſie zu meiſtern, ſie nur nach ihrer Art begeiſtern:
Große alte Worte, kleine neue Heller.” — Eine Satire
auf unſer ganzes geſellſchaftliches und kulturelles Leben.
Die Tendenz des Werkes und des Geiſtes
Eulen=
ſpiegels aber findet ihren Ausdruck treffend in dem,
was Till, als er gehenkt werden ſollte, der Nonne beichtet,
als ſie von ihm wiſſen will die Sünden, die ihm leid:
Dreierlei iſt mir leid, daß ich’s im Leben, Nicht immer
tat, wie ich es ſollte Und auch von Herzen begehrte und
wollte. Zum einen: wenn ich ein Weib geſeh’n, Und
Blick und Blick mit Luſt empfing, Und fühlte dann mein
Blut in Wirbeln geh’n, Daß ich zum Herzen riß das
junge Ding Und jeden Sinn in ihrem Reize ſonnte — Daß
ich das nicht immer konnte, das iſt mir leid! Zum
an=
dern, Daß ich durch alle Welt nicht durfte wandern, Daß
ich nicht alle träge Geſellen Von den Bänken konnte
ſchnellen, Daß ich nicht mit Hagel und Blitz Zerſtob jeden
nutzloſen, feiſten Beſitz, Nicht alle verriet, die ſich feige
vergruben Und Fackeln warf in die dunkelſten Stuben,
Nicht alle neckte, Die von Salbung triefen, Nicht alle
weckte, Die das Leben, das Leben verſchliefen, Und alle
befreite, die nach Schaffen riefen: Das iſt mir leid!—
Zum dritten und letzten: Sah ich die Lumpen neidiſch
eifern, Wie ſie die Menſchen zeternd verhetzten Und jede
Pracht mit ihrem Gift begeifern, Wie ſie grimmig haſſen
die Kraft und alles verfehmen, was ſchürft und ſchafft,
Wie ſie den Helden Schlingen ſtellen, Den wirkenden,
Geiſt verketzern und prellen, Mißgünſtig, lüſtern, falſch
und dumm, Aechzend, häßlich, ſtinkend und krumm: Dann
gelüſtet mich, ſie zu erſticken Und allen alten Weibern,
die aus Neid Die Jungen verläſtern, die Mäuler zuzu=
flicken! Daß ich dies nicht konnte, das iſt mir herzlich
leid!
Der Aufführung des umfangreichen Werkes, die
ihm, ſchon ſeiner dichteriſchen Schönheiten wegen, wohl
zu wünſchen wäre, ſteht einſtweilen ein Mangel des
inneren ſzeniſchen Zuſammenhanges entgegen, der die
Bühnenwirkung vielleicht beeinträchtigen könnte. Herr
Regiſſeur Hacker hatte für die Vorleſung Striche
vor=
genommen, die den Wert des Werkes und auch die
Ab=
ſicht des Dichters in keiner Beziehung beeinträchtigen,
für eine Aufführung aber ſicher gute Fingerzeige bieten
dürften. Die Rollen wurden von den Mitgliedern der
Großh. Hofbühne, den Damen Gothe, Rudolf, Meißner,
ſowie den Herren Hacker, Heinz, Schneider,
Weſtermann geleſen. Das Werk fand bei dem
zahlrei=
chen Publikum eine höchſt ſympathiſche Aufnahme, die
ſich durch warmherzigen Beifall kundgab.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 4. April. In der Verhandlung des
Pro=
zeſſes gegen den Drogiſten Scharmach und
Ge=
noſſen wegen Methylalkoholvergiftungen wurde der Antrag
der Verteidigung auf Vertagung abgelehnt. Der
Gerichts=
hof beſchloß den Haftbefehl gegen Zaſtrow aufzuheben und
die Haftentlaſſung Dahles von einer Kautionsſtellung von
6000 Mark abhängig zu machen.
* Schwetzingen, 5. April. Geſtern abend um ½10 Uhr
durchfuhr das Bierautomobil einer Schwetzinger
Braue=
rei am Oſtersheimerübergang die geſchloſſene
Bar=
iere und blieb mitten auf dem Gleiſe ſtehen. In
dem=
ſelben Moment brauſte der Schnellzug 9 Uhr 37 Min.
her=
an und demolierte das Automobil vollſtändig. Der Zug
fuhr dann noch etwa 300 Meter weiter, worauf er durch
Entgleiſung zum Stillſtand kam. Der Chauffeur des
Automobils, Hermann Heinrich, wurde tödlich verletzt und
ſtarb 2 Stunden ſpäter nach ſeiner Ueberlieferung in das
akademiſche Krankenhaus in Heidelberg.
* München, 4. April. Der Reichskanzler iſt heute
vormittag 10½ Uhr mit dem um eine halbe Stunde
ver=
ſpäteten Berliner Schnellzug hier eingetroffen. Er wurde
am Bahnhof von dem preußiſchen Geſandten v. Treutler und
den übrigen Herren der preußiſchen Geſandtſchaft
emp=
fangen und begab ſich mit dem Geſandten ins Palais der
Geſandtſchaft zum Frühſtück. Um 11¾ Uhr reiſte der
Reichskanzler weiter.
* Zeulenroda, 4. April. Einen dreiſten
Raub=
überfall verübte heute mittag der 17jährige Burſche
Conrad. Er überfiel den 75 Jahre alten Handarbeiter
Heinrich Dietrich hinterrücks in einer Scheune beim
Holzſpalten und verſetzte ihm mit einem Knüppel drei
ſchwere Schläge, ſodaß er blutüberſtrömt zuſammenbrach
und bewußtlos darniederliegt. Conrad raubte die
Bar=
ſchaft von 150 Mark und ergriff die Flucht. Es gelang
der Polizei, den Täter feſtzunehmen, der die Tat
ein=
geſtanden hat.
* Wien, 5. April. Aus Lemberg eingetroffene
Nach=
richten beſagen, daß in Oſt=Galizien durch äußerſt
hef=
tige Schneeſtürme während der letzten drei Tage
zahl=
loſe Telegraphen= und Telephonleitungen zerſtört wurden.
Der geſamte Telegraphen= und Telephonverkehr iſt
unter=
brochen. Die Perſonenzüge treffen, ſoweit ſie überhaupt
verkehren, mit vielſtändigen Verſpätungen ein. Der
ge=
wöhnliche Güterverkehr iſt zurzeit auf allen Strecken ganz
eingeſtellt. Lemberg ſelbſt iſt von der Umgebung faſt
völ=
lig abgeſchnitten, ſo daß die Verſorgung mit Lebensmitteln
bereits Schwierigkeiten macht. Der durch den Sturm und
die Schneemaſſen im ganzen Lande angerichtete Schaden
iſt außerordentlich groß.
* Laibach, 5. April. Eine aus 8 Perſonen beſtehende,
von Profeſſor Dr. Cerk geführte
Touriſtengeſell=
ſchaft geriet, wie die Neue Freie Preſſe meldet, auf dem
Hochſtuhl in Oberkrain in eine Schneelawine und wurde
verſchüttet. Rettungsexpeditionen fanden bisher 7
der Vermißten als Leichen auf, ein achter, ein Student,
wird noch vrmißt.
* Innsbruck, 5. April. Der Referendar Fritz
Sai=
ler aus Stuttgart, der mit 15 Gefährten eine Skitour zur
Aſcherhütte auf den Rotpleißkopf machte, iſt geſtern bei der
Abfahrt unterhalb der Aſcherhütte abgeſtürzt. Er
er=
litt einen Schädelbruch und ſtarb. Die Leiche wurde nach
See in dem Paznauntal gebracht.
* Turin, 5. April. In der Dynamitfabrik in
Avigliano erfolgte eine Exploſion, bei der 2 Perſonen
getötet und 15 verletzt wurden. Der Sachſchaden iſt
bedeutend.
* Agram, 4. April. Das Amtsblatt veröffentlicht die
Ernennung des Banus Cuvaj zum königlichen
Kom=
miſſarfür Kroatien und Slavonien. In einer
Be=
kanntmachung erklärte der Kommiſſar, infolge dieſer
Aller=
höchſten Entſchließung werde jede Tätigkeit des
au=
tonomen geſetzgebenden Körpers
einge=
ſtellt. Hiermit würden auch alle Vorbereitungen für die
Landtagswahlen unterbrochen. Wo er bei der
Durchführ=
ung ſeiner Aufgabe auf Widerſtand ſtoße, werde er kraft
ſeiner Stellung alle Maßnahmen anwenden, die ihm als
Kommiſſar zu Gebote ſtänden. — Eine Verordnung des
königlichen Kommiſſars verfügt die Präventiv=
Zen=
ſur für die Preſſe und die Anmeldung der
verant=
wortlichen Redakteure. Eine zweite Verordnung ſetzt das
Geſetz über das Verſammlungsrecht proviſoriſch außer
Kraft, eine dritte Verordnung legt das Polizeiweſen in die
Hände der Landesbehörden und verfügt die Errichtung
königlicher Polizeikommiſſariate im ganzen Lande.
* London, 5. April. Wie dem „Daily Telegraph” aus
New=York gemeldet wird, ſind Sidna Allen und
Wes=
ley Edwards, die zwei Führer der Bande von
Hille=
ville, in Virginien von einer Polizeiabteilung umzingelt und
nach verzweifeltem Kampf erſchoſſen worden. Der
New=Yorker Korreſpondent des „Daily Telegraph” fügt
jedoch hinzu, daß in den letzten 14 Tagen mindeſtens
zwölfmal Meldungen über die Gefangennahme oder
den Tod der Verbrecher nach New=York gelangten, die
ſich auf Grund der nachfolgenden Unterſuchung als
un=
wahr erwieſen.
„Daily Chronicle” bringt gleichfalls einen Bericht
aus New=York über eine Schlacht, der beſagt, daß ein
halbes Dutzend Verfolger und, wie man glaubt, auch
einige von den Verbrechern verwundet ſeien, doch ſcheine
es, daß ſich die Verbrecher in eine befeſtigte
Zufluchts=
ſtätte zurückziehen konnten.
Paris, 5. April. Der Deputierte Bluyſen teilte
dem Miniſterpräſidenten Poincaré mit, daß er ihn bei
Wiederzuſammentritt der Kammer über den
Pro=
tektoratsvertrag interpellieren werde.
* Paris, 5. April. In der Villa des früheren
mexi=
kaniſchen Geſandten de Mir in dem Vororte Neuilly
wurde heute nacht ein Einbruchsdiebſtahl verübt
und Schmuckſachen im Werte von 300000 Frcs.
ge=
raubt. Ein kürzlich entlaſſener Diener iſt des Diebſtahls
verdächtig.
Nummer 83.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 6. April 1912.
Seite 7.
* Paris, 5. April. Wie von offizieller Seite gemeldet
wird, beträgt bei den künftigen Dreadnoughts „
Bre=
tagne”, „Provence” und „Loraine” die Waſſerverdrängung
23 500 Tonnen, die Länge 165 Meter, die Breite 27 Meter,
die Ausrüſtung 10 Kanonen von 340 Millimeter in 5 in der
Längsachſe angeordneten Panzertürmen und 22 Kanonen
von 14 Zentimeter, ſowie 4 Torpedogeſchütze, die
Ge=
ſchwindigkeit beträgt 20 Knoten bei 28000 Pferdeſtärken,
und die Beſatzung 1000 Mann. Die „Bretagne” wird in
Breſt, die „Provence” in Lorient gebaut. Die Ausführung
der „Lorraine” wurde der Privatinduſtrie übergeben. Der
höhere Marinerat beendete auch die Prüfung der Pläne
der zwei Dreadnoughts, deren Bau nach den
Flottenpro=
gramm im Jahre 1913 in Angriff genommen werden ſoll.
Ueber ſeine Beſchlüſſe wird Stillſchweigen beobachtet, da
man die Merkmale dieſer Dreadnoughts möglichſt lange
ge=
heim halten will. Die Pläne können übrigens noch eine
gründliche Aenderung erfahren, falls es ſich beſtätigt, daß
Italien die Kiellegung von 6 Ueberdreadnoughts von
29000 Tonnen, 25 Knoten und 326 Geſchützen beabſichtigt.
* Kiew, 5. April. Nachts herrſchte in dem Gebiet
der Südweſtbahn ſtarker Schneeſturm. Die
Eiſen=
bahnzüge erlitten Verſpätungen, viele Telegraphenlinien
ſind beſchädigt.
Waſhington, 5. April. Das Mitglied des
Kon=
greſſes, Kumphery, hat einen Geſetzentwurf eingebracht,
durch den die Häfen der Union für alle Schiffe
ge=
ſperrt werden, welche einer das Shermanſche
Anti=
truſtgeſetz verletzenden Geſellſchaft angehören.
Tokio, 5. April. Juſaku Uyehara,
Komman=
dant der XIV. Diviſion, iſt an Stelle des verſtorbenen
Barons Iſhimoto zum Kriegsminiſter ernannt worden.
Unſer Töchterchen Maria
kam als 7=Monatskind auf die Welt und ging, anſtatt
voran, immer mehr zurück, ſo daß es mit 3 Monaten
nur 5 Pfund wog. Nachdem verſchiedene andere
Mittel nichts geholfen hatten, nahmen wir unſere
Zu=
flucht zu dem bekannten Kinder=Stärkungsmittel
Scotts Emulſion und können mit ruhigem Gewiſſen
jetzt behaupten, daß wir die Kräftigung unſerer Kleinen
nur hierdurch erzielten. Denn Mariechen begann bald
zuzunehmen, erreichte innerhalb zweier Monate gerade
das doppelte Gewicht, nämlich 11 Pfund, und heute,
16 Monate alt, hat ſie es ſchon auf 25 Pfund gebracht.
Die Zahnzeit wurde vorzüglich überſtanden.
(Gez.) Frau Heinen. Neuß a. Rh., 7. Mai 1910.
Scotts Emulsion
In der Ernährung inno in dem Aufziehen vorzeitig auf die
Welt gekommener Kinder muß beſonders fürſorglich vorgegangen
werden. Hier rächt ſich jeder Fehler und jede Verſäumnis.
Gerade ſolchen Kindern erweiſt ſich Scotts Lebertran=
Emulſion, in den entſprechenden Mengen regelmäßig genommen,
als ein wahrer Segen. Die Entwicklung ſolcher Frühkinder
wird durch Scotts Emulſion oft ſo gefördert, daß ſie nach
einiger Zeit weder im blühenden Ausſehen noch im kräftigen
Körper= und Knochenbau von anderen Kindern irgendwie zu
unterſcheiden ſind.
Scotts Emulſion wird von uns ausſchließlich im großen verkauft,
und zwar nie loſe nach Gewicht oder Maß, ſondern nur in verſiegelten
Originalſtaſchen in Karton mit unſerer Schutzmarke (Fiſcher mi dem
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Dienstag, den 9. April er. früh
zur Ausgabe. Annahmeſchluß von Anzeigen hierfür
iſt am
Samstag, 6. April, nachmittags 5 Uhr.
Text für größere Anzeigen erbitten wir uns früher.
Familien=Anzeigen, die während der Oſterfeiertage beim
Portier, Rheinſtraße 23, abgegeben werden, finden in der
Dienstag=Nummer noch Aufnahme.
Darmſtädter Tagblatt.
Familiennachrichten.
Statt Karten.
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Emil Stern
Verlobte
Griesheim
Stuttgart
Darmstadt
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Man verlange
Freisliste.
Vertreier: Haas & Bernhard, Darmstadt, Rheinstr. 14
Statt jeder besonderen
Meldung.
Am 2. April entschlief nach
langem, schwerem Leiden im
Philippshospital meine
innigst-
geliebte Schwester
Fräulein
Auguste Von haner.
In tiefer Trauer:
Anna von Müller.
Darmstadt,
den 4. April 1912.
Braunschweig,
Beerdigung den 6. April,
nach-
mittags 4½ Uhr.
(B8454
Todes-Anzeige.
Freunden und Bekannten die traurige
Mitteilung von dem heute mittag 2 Uhr nach
nur eintägigem Leiden erfolgten Ableben
meines lieben Gatten, unſeres treubeſorgten
(8483
Vaters
Herrn Daniel Weil.
Darmſtadt, den 4. April 1912.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Lina Weil, geb. Goldſchmidt,
und Kinder.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 7. April,
vormittags 10½ Uhr, vom Portale des israel.
Friedhofes aus, ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
während der Krankheit und beim Hinſcheiden
meines innigſt geliebten, treu beſorgten Mannes,
unſeres Vaters, Bruders, Schwiegerſohns und
Schwagers
Herrn Karl Götz
Reserve-Lokomotivführer
ſprechen wir hiermit unſeren herzlichſten Dank aus.
Insbeſondere danken wir für die liebevolle und
auf=
opfernde Pflege der Schweſtern der Martinsgemeinde
im Weſtbezirk, für die troſtreiche Grabrede des Herrn
Pfarrers Waitz, ſowie für die Ehrungen, welche ihm
von Seiten des Lokomotivbeamtenvereins
Darm=
ſtadt, ſowie der Turngeſellſchaft hierſelbſt, bei der
(*8809
Beerdigung zuteil wurden.
Im Namen der trauernd Hinterbliebenen:
Anna Götz, geb. Ganßert.
Dankſagung.
Herzlichen Dank Allen, die uns beim Ableben
(*8808
unſeres unvergeßlichen Vaters
Herrn Philipp Hörr
Mechaniker
ihre Teilnahme bewieſen.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſere innigſtgeliebte Mutter, Großmutter,
Schweſter und Tante
(*8795
Frau Marie Rapp
geb. Triefenbach
Witwe des Großh. Kammermuſikers
Joſef Rapp
Mittwoch nachmittag um 4½ Uhr nach langem,
mit Geduld ertragenem Leiden im 78.
Lebens=
jahre zu ſich zu rufen.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 3. April 1912.
Die Beerdigung findet Samstag, nachmittags
3. Uhr, vom Portale des ſtädtiſchen Friedhofes
aus, ſtatt.
nach Pilsner Art C
nach Münchner Art
Hell Export GuSG
— feinste Tafelbiere
in Flaschen und Syphous.
2453a
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 6. April 1912.
Nummer 82.
Todes=Anzeige.
Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht,
mitzuteilen, daß unſer treuer, langjähriger
Diener
Daniel Weil
(8485
heute plötzlich infolge eines Herzſchlages
ver=
ſtorben iſt.
Wir verlieren in ihm einen bewährten,
zu=
verläſſigen Beamten, deſſen Andenken wir ſtets
in Ehren halten werden.
Darmſtadt, den 4. April 1912.
Die Starkenburg Loge.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 7. April,
vormittags 10½ Uhr, vom Portale des israel.
Friedhofes aus, ſtatt.
Tageskalender.
Samstag, 6. April.
Orpheum, Anfang 8¼ Uhr: Gaſtſpiel des Oberbayer.
Bauerntheaters („Der Meineidbauer”).
Sonntag, 7. April.
Orpheum: Gaſtſpiel des Oberbayer. Bauerntheaters
(4 Uhr: „Der heilige Rat”, — 8¼ Uhr: „Aus der Art
geſchlagen‟).
Jugendweihe der Freireligiöſen Gemeinde um 6 Uhr
Sandſtraße 18.
Montag, 8. April.
Großh. Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Ab. B): „Der
Schmuck der Madonna”.
Orpbeum: Gaſtſpiel des Oberbayer. Bauerntheaters
(4 Uhr: „Vauern=Moral” — 8¼ Uhr: Sündige Liab‟).
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. — Bürgerkeller
um 4 und 8 Uhr.
Waldſpaziergang der Turngemeinde Darmſtadt (
Zu=
ſammenkunſt um 2 Uhr am Bahnübergang
Dieburger=
ſtraße. — Gemütliches Zuſammenſein um 7 Uhr.
Spaziergang des Geſangvereins „Sängerluſt” nach
Roßdorf (Abmarſch um 2 Uhr am Kapellplatz).
Spaziergang des Geſangvereins „Liederkranz” nach
Eberſtadt (Abmarſch um 2 Uhr am Kapellplatz).
Tanzkränzchen der Turngeſellſchaft um 4 Uhr im
Turnhauſe.
Tanzkränzchen um 4 Uhr in der „Stadt Pfungſtadt”.
Koloniale Jagd= u. Meerfiſche=Ausſtellung
im „Kaiſerſaal” (geöffnet von 9—8 Uhr).
Großh. Landes muſenm. Gebfnet: Sonn= und
Freitags von 10—1 Uhr, Mittwochs und Sonntags
von 3—5 Uhr, Eintritt frei: Dienstags. Donnerstags
und Samstags von 11—1 Uhr gegen Eintrittsgeld.
Mauſoleum zu beſuchen nach vorheriger
Erlaubnis=
einholung beim Großh. Hofmarſchallamt.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke
Rhein=
u. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 4—11 Uhr.
Olympia=Theater, Rheinſtr. 2, 1. Etage:
Vorſtellungen von 4—11 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 4—11 Uhr.
The American Bio Co., Ernſt=Ludwigsſtr. 23.
Vorſtellungen von 4—11 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 9. April.
Hofreite=Verſteigerung des Jakob Weicker (Nieder=
Ramſtädterſtraße) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Hofreite=Verſteigerung des Ad. Walter (
Wieners=
ſtraße 46) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſes
für den Inſeratenteil: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.
Pfungstädter Flaschenbiere in altbewährter Reinheit und Güte
Pfungstädter „Pilsner‟
Pfungstädter „Faiserbräuse
Pfungstädter „Märzen‟
Pfungstädter „Bock Ale‟
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direkt vom Lagerfass
Bestellungen erbittet man per Telefon, Amt Darmstadt Nr. 246
od. an die mit Plakaten gekennzeichneten Verkaufsstellen zu richten
Exportbrauerei J. Hildebrand, G. m. b. H.
Pfungstadt.
(3114a
wirkte mit überraſchendem Erfolg, ſelbſt
in den ſchwerſten Fällen, wo nachweislich
nichts anderes mehr half, der Haas’ſche
patentierte lentbare
Redressions-
Cerndeinſtr. 19ar
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orthopädisches
F. Menzel,
Shne Anzahlung erhalten
Be=
waren ohne Preiserhöhung
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Samstag, 6. April.
1912.
Kreistag.
Eine Sitzung des Kreistags findet
Mittwoch, den 17. April 1912, vormittags 11 Uhr,
in dem Rathausſaale dahier (Marktplatz 8) ſtatt.
Auf der Tagesordnung ſtehen folgende Gegenſtände:
1. Vorlage der Verwaltungsberichte des Kreis=Ausſchuſſes pro 1910 für die
Kreiskaſſe und die Kreis=Abdeckereikaſſe.
2. Prüfung und Begutachtung der Kreiskaſſerechnung und der Rechnung der
Kreis=Abdeckereikaſſe für 1910.
3. Feſtſetzung der Voranſchläge über Einnahmen und Ausgaben der Kreiskaſſe
und der Kreis=Abdeckereikaſſe für 1912, ſowie Beſtellung einer Kommiſſion
für die Verwaltung und Beauſſichtigung der Kreis=Abdeckerei. (Art. 61 der
Kreis=Ordnung von 1911.)
4. Ausführung des Geſetzes vom 24. Mai 1893 über die Koſten der
Land=
armenpilege.
5. Neuwahl von 2 Mitgliedern und 2 Stellvertretern für die Körkommiſſion
zur Begutachtung des Faſelviehs in den Gemeinden des Kreiſes Darmſtadt,
auf die Dauer von 3 Jahren (1912 bis einſchl. 1914)
6. Wahl eines Mitgliedes des Kreis=Ausſchuſſes an Stelle des verſtorbenen
Bürgermeiſters Müller von Roßdorf für den Reſt der laufenden
Wahl=
periode, d. i. bis Ende 1913.
(Da ſich im Kreis=Ausſchuſſe bereits drei Mitglieder befinden, die dem
Kreistage nicht angehören, ſo kann als Mitglied des Kreis=Ausſchuſſes
nur ein Mitglied des Kreistags gewählt werden. Art. 45 der Kreis=
Ord=
nung von 1911)
7. Wahl zweier Erſatzmänner des Kreis=Ausſchuſſes für die laufende
Wahl=
periode, d. i. bis Ende 1913 bezw. 1916.
(Ein Erſatzmann muß nach Art. 45 der Kreisordnung von 1911 dem
Kreistage angehören.)
8. Anſchluß der Gemeinde Pfungſtadt an das zu errichtende Gewerbe=
(8369a
gericht für die Landgemeinden des Kreiſes.
Darmſtadt, den 1. April 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
Die nachſtehende Bekanntmachung des Großh. Miniſteriums des Innern bringen
wir zur öffentlichen Kenntnis.
Darmſtadt, den 4. April 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.
Bekanntmachung
die Wahlen zur Landwirtſchaftskammer betreffend.
23. Dezember 1911
wird
Auf Grund der §§ 7 und 27 der Wahlordnung vom 16. Januar 1912
beſtimmt, daß die Wahlen der Vertrauensmänner am
Samstag, den 13. April d. Js.
und die Wahlen der Mitglieder der Landwirtſchaftskammer und der Ausſchüſſe
für die Provinzen am
Samstag, den 27. April d. Js.
vorzunehmen ſind.
Darmſtadt, den 2. April 1912.
(8421
Großherzogliches Miniſterium des Innern.
Ruppel.
v. Hombergk.
Bekanntmachung.
Den nachſtehenden Auszug aus den, für die Führer von Kraftfahrzeugen
geltenden Vorſchriften, bringen wir wiederholt in Erinnerung.
Darmſtadt, 3. April 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Auszug aus den Beſtimmungen der Verordnung des Bundesrats vom
3. Februar 1910 über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen.
Beſondere Pflichten des Führers.
§ 17. Der Führer iſt zu beſonderer Vorſicht in Leitung und Bedienung ſeines
Fahrzeuges verpflichtet. Er darf von dem Fahrzeuge nicht abſteigen, ſolange es in
Bewegung iſt, und darf ſich von ihm nicht entfernen ſolange die Maſchine oder der
Motor läuft: auch muß er, falls er ſich von dem Fahrzeuge entfernt, die Vorrichtung
in Wirkſamkeit ſetzen, die verhindern ſoll, daß ein Unbefugter das Fahrzeug in
Betrieb ſetzt.
Der Führer iſt verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, daß eine nach der
Beſchaffen=
heit des Kraftfahrzeuges vermeidbare Entwickelung von Geräuſch, Rauch, Dampf oder
üblem Geruch in keinem Falle eintritt.
Das Oeffnen etwa vorhandener Auspuffklappen iſt verboten.
§ 18. Die Fahrgeſchwindigkeit iſt jederzeit ſo einzurichten, daß Unfälle und
Ver=
kehrsſtörungen vermieden werden und daß der Führer in der Lage bleibt, unter allen
Umſtänden ſeinen Verpflichtungen Genüge zu leiſten.
Innerhalb geſchloſſener Ortsteile darf die Fahrgeſchwindigkeit von 15
Kilo=
meter in der Stunde nicht überſchritten werden. Bei Kraftfahrzeugen von mehr als
5,5 Tonnen Geſamtgewicht beträgt die überhaupt zuläſſige Höchſtgeſchwindigkeit 12
Kilo=
meter in der Stunde; ſie kann — vorbehaltlich der Vorſchriſt in Satz 1— his auf
16 Kilometer geſteigert werden, wenn wenigſtens die Triebräder mit Gummi bereift
ſind. Auf unüberſichtlichen Wegen, insbeſondere nach Eintritt der Dunkelheit oder bei
ſtarkem Nebel, beim Einbiegen aus einer Straße in die andere, bei Straßenkreuzungen,
bei Straßeneinmündungen, ſcharfen Straßenkrümmungen, bei der Ausfahrt aus
Grund=
ſtücken, die an öffentlichen Wegen liegen, und bei der Einfahrt in ſolche Grundſtücke,
bei der Annäherung an Eiſenbahnübergänge in Schienenhöhe, ferner beim Paſſieren
enger Brücken und Tore, ſowie ſchmaler oder abſchüſſiger Wege, ſowie da, wo die
Wirk=
ſamkeit der Bremſen durch die Schlüpfrigkeit des Weges in Frage geſtellt iſt, endlich
überall da, wo ein lebhafter Verkehr herrſcht, muß langſam und ſo vorſichtig gefahren
werden, daß das Fahrzeug ſofort zum Halten gebracht werden kann.
§ 19. Der Führer hat entgegenkommende, zu überholende, in der Fahrtrichtung
ſtehende oder die Fahrtrichtung kreuzende Menſchen, ſowie die Führer von
Fuhr=
werken, Reiter, Radfahrer, Viehtreiber uſw. durch deutlich hörbares Warnungszeichen
rechtzeitig auf das Nahen des Kraftfahrzeuges aufmerkſam zu machen; auf die
Not=
wendigkeit, das Warnungsreichen abzugeben, iſt in beſonderem Maße an
unüberſicht=
lichen Stellen zu achten.
Das Abgeben von Warnungszeichen iſt ſofort einzuſtellen, wenn Pferde oder
andere Tiere dadurch unruhig oder ſcheu werden.
Innerhalb geſchloſſener Ortsteile ſind Warnungszeichen mit der vorgeſchriebenen
Huppe abzugeben. Außerhalb geſchloſſener Ortsteile kann das Warnungszeichen auch
mit einer Fanfarentrompete abgegeben werden; dieſes Signalinſtrument darf auch
loſe im Kraftfahrzeuge mitgeführt und unter Verantwortung des Führes auch durch
eine andere, im Fahrzeug beförderte Perſon angewendet werden. Das Abgeben
lang=
gezogener Warnungsſignale, die Aehnlichkeit mit Feuerſignalen haben, ſowie die
Ver=
wendung anderer Signalinſtrumente iſt nicht ſtatthaft.
§ 20. Merkt der Führer, daß ein Pferd oder ein anderes Tier vor dem
Kraft=
fahrzeuge ſcheut, oder daß ſonſt durch das Vorbeifahren mit dem Kraftfahrzeuge
Menſchen oder Tiere in Gefahr gebracht werden, ſo hat er langſam zn fahren,
ſo=
wie erforderlichenfalls anzuhalten und die Maſchine oder den Motor außer
Tätigkeit zu ſetzen. Auf den Haltruf oder das Haltzeichen eines als ſolcher
kennt=
lichen Polizeibeamten hat der Führer ſofört anzuhalten. Zur Kenntlichmachung eines
Polizeibeamten iſt auch das Tragen einer Dienſtmütze ausreichend.
§ 21. Beim Einbiegen in eine andere Straße iſt nach rechts in kurzer
Wendung, nach links in weitem Bogen zu fahren. Dieſe Vorſchrift gilt
ent=
ſprechend für das Durchfahren von ſcharfen oder unüberſichtlichen
Wege=
krümmungen.
(6345si
Der Führer hat entgegenkommenden Kraftfahrzeugen, Fuhrwerken, Reitern,
Radfahrern, Viehtransporten oder dergleichen rechtzeitig und genügend nach rechts
auszuweichen oder, falls dies die Umſtände oder die Oertlichkeit nicht geſtatten,
ſo=
lange anzuhalten, bis die Bahn frei iſt.
Das Vorbeifahren an eingeholten Kraftfahrzeugen, Fuhrwerken, Reitern,
Rad=
fahrern, Viehtransporten oder dergleichen hat auf der linken Seite zu erfolgen.
Bekanntmachung.
Bei dem ſich immer mehr ſteigernden Kraftfahrzeugeverkehr auf den öffentlichen
Straßen iſt dringend erforderlich, daß alle Leiter von Fuhrwerken und alle Führer
von Fahrzeugen folgende Beſtimmungen begchten:
1. Alle, auf den öffentlichen Verkehrsſtraßen fahrenden Fuhrwerke und
Fahr=
zeuge müſſen die rechte Seite der Fahrbahn möglichſt einhalten.
2. Beim Ueberholen muß das überholende Fuhrwerk oder Fahrzeug in
aus=
reichender Entfernung das Zeichen zum Ueberholen abgeben. Die
Fuhr=
werke, die überholt werden ſollen, haben ſtets ſofort genügend nach der
rechten Seite auszuweichen. Bei dem Ueberholen beladener Fuhrwerke
muß namentlich auch darauf geachtet werden, daß das überholende Fuhrwerk
oder Fahrzeug das Zeichen für das Vorbeifahren möglichſt früh abgibt
und ſoweit nötig öfter wiederholt, da bei beladenen Fuhrwerken das
Ausweichen langſam von ſtatten geht. Alle Fuhrwerke und Fahrzeuge haben
bei Ertönen des Zeichens des überholenden Fuhrwerks oder Fahrzeuges
ſtets ſofort die rechte Seite der Fahrbahn einzunehmen, falls ſie ſich
nicht bereits auf dieſer Seite befinden und haben dem nachkommenden
Fuhr=
werk oder Fahrzeug genügenden Raum zum Vorüberfahren ohne
Ver=
zug zu geben.
Darmſtadt, 3. April 1912.
(8466
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
Die Kreisſtraße von den Hirſchköpfen bis zum Einſiedel (Gemarkung
Darm=
ſtadt) iſt wegen Einwalzen der Fahrbahn von Mittwoch, den 10. k. Mts. ab, auf ca.
3 Wochen für Fuhrwerke, Automobile, Motorräder u. dergl. geſperrt.
(8265dsi
Darmſtadt, den 30. März 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
Die Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt hat auf Grund des Artikels 11 der all=
26. Juli 1884,
gemeinen Bauordnung und der Artikel 1 und 2 des Geſetzes vom
17. Julit 1899,
die Enteignung von Grundeigentum betreffend, zur Eröffnung der Landgraf
Georgs=
ſtraße, zwiſchen Beck= und Wingertsbergſtraße, Antrag auf Einleitung des
Enteig=
nungsverfahrens wegen der nachbezeichneten, in der Gemarkung Darmſtadt gelegenen
Grundſtücke geſtellt:
1 Inhalt der
Kulturart
Geſamt=in Anſpruch
und Eigentümer Wohnortflächeninhaltgenommenen
Fläche
Gewann
am
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mit Garten=Maurermeiſter,
1408 red. Inh.92 red. Inh., Drei= und Ehefrau,
brunnen= u. 1 geb. Keller
Beckſtraße
1825 gem. Inh. 1278 gem. J.
1016¾0 Grabgarten
daſelbſt
11813 red. Inh.) 1269 red. Inh.
457 gem. Inh. 115 gem. und
10162½/100 Bauplatz
1456 red. Inh.) red. Inh.
daſelbſt
(398 gem. Inh. 44 gem Inh.
1016½¾/100 Grabgarten Pietz, Philipp,
383 red. Inh.l 43 red. Inh. Garten=
Stadtbauauf=
ſeher, u.
Ehe=
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daſelbſt 1 frau, geb. Bär
Meiſter, Lud=
374¾/10 gem. J.) 47 gem. Inh.
1016 00o
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1016½/0
398 red. Inh. 66 red. Inh.
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geb. Sutter
Dies wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht mit dem Anfügen, daß der Antrag
nebſt Plänen vom 15. April bis einſchließlich 29. April d. Js. auf der Großh.
Bürger=
meiſterei Darmſtadt während der üblichen Dienſtſtunden zu jedermanns Einſicht
offen=
liegen wird.
Zur Verhandlung über den Plan und die zu leiſtende Entſchädigung ſowie zur
Entgegennahme etwaiger Einwendungen und Anträge wird Tagfahrt vor der
Lokal=
kommiſſon anberaumt auf
Freitag, den 17. Mai d. Js., nachmittags 3½ Uhr,
(Sitzungsſaal des Kreis=Ausſchuſſes, Darmſtadt, Neckarſtraße 3).
Die Eigentümer, Pächter. Mieter u. ſonſtige an den abzutretenden Grundſtücken
per=
ſönlich Berechtigte, ſowie alle übrigen bei der Enteignung Beteiligten werden aufgefordert:
1. Einwendungen gegen den Plan bei Meidung des Ausſchluſſes und Annahme
der Einwilligung in die beanſpruchte Abtretung oder Beſchränkung,
2. Erklärung auf die angebotene Entſchädigungsſumme bei Meidung der
Unter=
ſtellung der Annahme des Angebots,
3. Anträge auf Ausdehnung der Enteignung bei Meidung des Ausſchluſſes mit
ſolchen,
4. Anträge auf Aufrechterhaltung beſtehender Laſten (Art. 19 des Geſ.) bei
Meidung des Ausſchluſſes mit ſolchen,
5. Anträge auf Einrichtung und Unterhaltung von Anlagen, welche für die
be=
nachbarten Grundſtücke oder im öffentlichen Intereſſe zur Sicherung gegen
Gefahren und Nachteile notwendig ſind oder notwendig werden bei
Mei=
dung des Ausſchluſſes mit ſolchen,
6. etwaige noch unbekannte Anſprüche und Rechte an die zu enteignenden
Grundſtücke bei Meidung des Ausſchluſſes mit ſolchen,
in dem oben erwähnten Termin mündlich vorzubringen. Wer am perſönlichen
Er=
ſcheinen verhindert iſt, hat ſich zur Vermeidung der vorgenannten Rechtsnachteile
durch einen mit ſchriftlicher Vollmacht verſehenen Bevollmächtigten vertreten zu laſſen.
Zugleich werden die Eigentümer auf folgende Beſtimmungen der Art. 27 u. 3
des Enteignungsgeſetzes beſonders verwieſen:
1. Artikel 27: Wenn dritte Perſonen als dinglich Berechtigte oder wegen ſonſtiger
Rechtsverhältniſſe bei der Enteignung beteiligt ſind, ſo muß ſie der
Eigen=
tümer ſofort nach Zuſtellung der Bekanntmachung der unterzeichneten Behörde
bezeichnen, welche ſie ſodann unter Androhung des geeigneten Rechtsnachteils
zu der Tagfahrt vorzuladen hat.
Unterläßt der Eigentümer dieſe Bezeichnung, ſo bleibt er für dieſe
An=
ſprüche verantwortlich.
2. Artikel 9: Der Eigentümer des abzutretenden Grundſtücks muß von Zuſtellung
der Bekanntmachung an zu neuen Anlagen oder zu einer von der bisherigen,
beziehungsweiſe der gewöhnlichen abweichenden Art der Bewirtſchaftung die
Genehmigung der Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt einholen, widrigenfalls
dafür eine Entſchädigung demnächſt nur inſoweit verlangt werden kann, als
durch die Veränderung auch für den öffentlichen Zweck, für welchen die
Ent=
eignung geſchieht, der Wert des Geländes erhöht worden iſt.
Räumt der Eigentümer von dem obigen Zeitpunkt an einem anderen
ein dingliches Recht an dem zu enteignenden Grundſtück oder ein perſönliches
Recht auf deſſen Benutzung ohne Genehmigung der Großh. Bürgermeiſterei
Darmſtadt ein ſo ſteht jenem anderen an die letztere ein Anſpruch auf eine
beſondere Entſchädigung nicht zu.
Die Unternehmerin wird zu dem Termin unter dem Rechtsnachteile vorgeladen,
daß im Falle ihres Ausbleibens Verzichtleiſtung auf Fortſetzung des
Enteignungs=
verfahrens unterſtellt und ſie mit den bis dahin entſtandenen Koſten belaſtet werden wird.
Darmſtadt, den 29. März 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
(8423
J. V.: Dr. Jann.
Nummer 40.
Amtsverkündigungsblatt Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt.
Samstag, den 6. April 1912.
Bekanntmachung.
Am 15. März d. J. iſt die auf Grund des Geſetzes vom 8. Juli 1911 (Reg.=Blatt.
1911 S. 246, 247 erlaſſene Verordnung über den Arbeiterſchutz und die Unfallverhütung
bei Hoch= und Tiefbauten (Reg.=Blatt 1912 S. 30ff.) in Kraft getreten.
Den Unternehmern und Arbeitern des Hoch= und Tiefbaugewerbes und der
ver=
wandten Gewerbe, ſowie den Bauherrn wird empfohlen, ſich mit den Beſtimmungen
des Geſetzes und der Verordnung bekannt zu machen.
Insbeſondere verweiſen wir auf folgende Beſtimmungen:
1. Bei Hochbauten gelten die jeweils erlaſſenen Unfallverhütungsvorſchriften der
Heſſen=Naſſauiſchen Baugewerksberufsgenoſſenſchaft, bei Tiefbauten diejenigen der
Tief=
bau=Berufsgenoſſenſchaft, außerdem für etwaige Nebenbetriebe die
Unfallverhütungs=
vorſchriften der in Betracht kommenden weiteren Berufsgenoſſenſchaften als polizeiliche
Beſtimmungen im Sinne des § 1 des Geſetzes vom 8. Juli 1911. Die Verletzung dieſer
Vorſchriften zieht daher für Mitglieder der Berufsgenoſſenſchaft in Zukunft nicht nur
die von der Berufsgenoſſenſchaft feſtzuſetzenden Straffolgen nach ſich (vergl. §§ 112 Abſ. 1
Ziffer!, 116Gewerbe=Unfallgeſetzes; 840Bau=Unfallverſicherungsgeſetz; demnächſt §§ 848 ff.
870 Reichsverſicherungsordnung), ſondern auch die Strafe des Geſetzes vom 8. Juli 1911.
(Geldſtrafe bis 300 M., im Unvermögensfalle Haft, ſoweit nicht eine ſchwerere Strafe
auf Grund der Gewerbeordnung oder der allgemeinen Strafgeſetze verwirkt iſt)
2. Verantwortlich für die Beobachtung der Vorſchriften ſind neben dem
Gewerbe=
treibenden in dem im § 151 Gewerbeordnung näher bezeichneten Umfang auch diejenigen
Perſonen, welche der Gewerbetreibende mit der Leitung des Betriebs oder der
Be=
aufſichtigung desſelben betraut hat, ferner auch Bauherrn und Geſamtunternehmer, die
keine gewerbmäßigen Unternehmer ſind.
3. Die Vorſchriften der Verordnung dienen hauptſächlich dem Schutz der Geſundheit
und Sittlichkeit der Arbeiter; ſie beziehen ſich auf Beſchaffenheit der Baubuden, der
Aborte, Staubverhütung, Schutzgegen die Witterung bei Rohbauten, Genuß von Alkohol,
Trinkwaſſer
4. Der Unternehmer hat dafür zu ſorgen, daß mindeſtens ein Abdruck der
Ver=
ordnung vom 15. Februar 1912 auf jeder Bauſtelle ausgehängt iſt, und daß jeder neu
eintretende Arbeiter auf dieſen Ausbang beſonders hingewieſen wird. Er hat außerdem
den Tag, an dem mit der Bauausführung oder der Aufſtellung eines größeren
Ge=
rüſtes begonnen werden ſoll, ſpäteſtens drei Tage zuvor bei dem Kreisamt, in der
Stadt Darmſtadt bei der Bürgermeiſterei ſchriftlich oder zu Protokoll anzuzeigen. Die
Anzeigen können durch Vermittelung der Ortspolizeibehörden, Polizeiamt in Darmſtadt,
Bürgermeiſterei in den Landgemeinden, erſtattet werden. Bei geringfügigen
Bau=
ausführungen wie kleineren Schuppen, Buden, Anlage von kleineren Abort=und
Sammel=
gruben, Grenzmauern, Einfriedigungen, Zäunen und dergleichen, bedarf es einer
An=
zeige vor Baubeginn nicht.
5. Die örtliche Aufſicht auf den Bauſtellen liegt (unbeſchadet der den
Gewerbe=
aufſichtsbeamten und den Aufſichtsbeamten der Berufsgenoſſenſchaften zuſtehenden
Befugniſſen) den mit der örtlichen Baupolizei betrauten Beamten (d. i. in den
Land=
gemeinden den Kreisſtraßenmeiſtern, in der Stadt Darmſtadt den ſtädtiſchen
Bau=
kontrolleuren) ob. Ihren Anordnungen iſt Folge zu leiſten. Im Weigerungsfalle
kann das Erforderliche durch das Kreisamt oder die Bürgermeiſterei Darmſtadt im
Wege polizeilichen Zwangs angeordnet werden. Auch kann bis zur Herſtellung des der
polizeilichen Vorſchrift oder Verfügung entſprechenden Zuſtands die Einſtellung der
Bauarbeiten, ſoweit ſie durch die Verfügung betroffen werden, angeordnet werden, falls
deren Fortſetzung erhebliche Gefahren oder Nachteile herbeizuführen geeignet ſein würde.
Darmſtadt, den 3. April 1912,
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.
8422
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Gefunden: 1 Automobildeckmantel. 1 großer Schlüſſel
1 Portemonnaie mit Inhalt. 1 braunes Kinder=Portemonnaie mit
einigen Pfennigen. 1 graue Knabenmütze. 1 elektr. Lampen=
Glüh=
körper. 1 Schulbibel. — Zugelaufen: 1 brauner Wolfshund. (8460
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Jagdhund. 1 Boxer (zugelaufen). Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden.
Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(8411
Sonntagsruhe in den Apotheken. Am Sonntag, den 7. April,
ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr alends folgende
Apotheken geöffnet: Merckſche Engel=Apotheke, Rheinſtraße, und
Beſſunger Apotheke, Karlſtraße. Am Montag, den 8. April, haben die
beiden nachfolgenden Apotheken geöffnet: Hof=Apotheke Ballonplatz
und Adler=Apotheke, Wilhelminenplatz. Alle übrigen Apotheken
ſind von 1 Uhr ab geſchloſſen.
Bekanntmachung.
Die nachſtehende Polizeiverordnung bringen wir erneut zur
allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 2. April 1912.
Großherzogliches Polizeiamt.
J. V.: Lauteſchläger.
Polizeiverordnung
für die Stadt Darmſtadt, die Beaufſichtigung der Hunde betreffend.
Auf Grund des Artikels 56 Abſatz 2 Ziffer 1 des Geſetzes,
betreffend die Städteordnung für das Großherzogtum Heſſen, vom
13. Juni 1874 wird nach Anhörung der Stadtverordneten=Verſammlung
der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt mit Genehmigung des
Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom 16. März 1909, zu
Nr. M. d. J. II 1247, die nachſtehende Polizeivererdnung für den
Gemeindebezirk Darmſtadt erlaſſen:
§ 1. Innerhalb der Stadt müſſen auf öffentlichen Straßen
und Plätzen, ſowie an Orten, wo Menſchen zu verkehren pflegen,
1. biſſige Hunde mit einem das Beißen verhindernden Maulkorb
verſehen ſein und an einer kurzen Leine geführt werden,
2. Hunde der nachſtehenden Raſſen:
a) Bernhardiner,
b) Neufundländer,
e) Leonberger,
d) Doggen (Deutſche, Ulmer, Däniſche und Bulldoggen),
e) Barſoys (große ruſſiſche Windhunde),
k) Maſtiffs
und alle aus Kreuzungen dieſer Raſſen hervorgegangenen Hunde
an einer kurzen Leine geführt werden.
§ 2. Alle Hunde ſind an der Leine zu führen
1. in den dem Publikum geöffneten Großherzoglichen Hofgärten,
2. in der neuen Anlage weſtlich der Main=Neckar=Bahn,
3. auf den Bahnſteigen der Bahnhöfe,
4. in Wirtſchaften und Wirtsgärten.
§ 3. Die Begleiter von Hunden haben dafür Sorge zu tragen,
daß dieſe in den öffentlichen Anlagen, in denen ſich Raſenplätze,
Blumenbeete oder Gebüſchanpflanzungen befinden, nicht außerhalb
der Wege umherlaufen.
§ 4. Außerhalb der Stadt müſſen alle biſſigen Hunde mit
einem das Beißen verhindernden Maulkorb verſehen ſein.
§ 5. Kranke Hunde und läufige Hündinnen müſſen auf der
Straße und an Orten, wo Menſchen zu verkehren pflegen, ſtets an
der Leine geführt werden.
Mit anſteckender Krankheit, insbeſondere Hautkrankheit behaftete
Hunde, müſſen zu Hauſe eingehalten werden.
§ 6. Es iſt verboten, zur Nachtzeit, d. h. in der Zeit von
10 Uhr abends bis 5 Uhr morgens, Hunde ohne Aufſicht auf der
Straße frei umher laufen zu laſſen.
§ 7. Das Mitbeingen von Hunden auf Friedhöfe, den
Wochen=
markt und die Meſſe, ſowie in öffentliche Dienſtgebäude, in die
Badehäuſer oder an die Badeplätze des Woogs, zu öffentlichen
Feier=
lichkeiten und in Räume, in denen Nahrungs= oder Genußmittel
feilgeboten werden, iſt verboten.
§ 8. Die Beſitzer und Begleiter von Hunden haben die
erforder=
lichen Maßregeln zu treffen, damit die Ruhe nicht durch andauerndes
Gebell oder Geheul ihrer Hunde geſtört wird, und insbeſondere das
Anbellen von Perſonen, Zug= und Reittieren durch ihre Hunde zu
verhindern.
§ 9. Das Polizeiamt kann den Aufenthalt bösartiger, biſſiger
und kranker Hunde auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen
ganz verbieten.
§ 10. Für jeden Hund, der in das nach § 1 der Verordnung
vom 4. November 1899, die Hundeſteuer betreffend, von der Großh.
Bürgermeiſterei zu führende Hunderegiſter eingetragen iſt, erhält der
Beſitzer des Hundes eine Blechmarke mit einer Nummer, die der
Hund, ſolange er ſich außerhalb eines Hauſes, geſchloſſenen
Grund=
ſtücks oder ſonſtigen umſchloſſenen Raumes befindet, ſtets am
Hals=
band zu tragen hat.
§ 11. Wer den vorſtehenden Beſtimmungen zuwiderhandelt oder
die ihm darin auferlegten Verbindlichkeiten nicht erfüllt, wird, inſoweit
nicht andere Strafbeſtimmungen zur Anwendung zu kommen haben,
auf Antrag des Großh. Polizeiamts mit Geldſtrafe bis zu 30 Mark
beſtraft.
§ 12. Die Polizeibehörde hat ferner das Recht, alle Hunde,
die entgegen den Beſtimmungen dieſer Polizeiverordnung nicht
an=
geleint oder nicht mit einem das Beißen verhindernden Maulkorb oder
nicht mit der in § 10 vorgeſchriebenen Blechmarke verſehen ſind, durch
den Hundefänger einfangen zu laſſen, falls der Beſitzer nicht zur
Stelle iſt und den Hund in Gewahrſam nimmt.
Desgleichen können alle Hunde eingefangen werden, die an den
in § 7 genannten Orten, in öffentlichen Anlagen außerhalb der Wege
oder zur Nachtzeit ohne Aufſicht frei umherlaufen.
§ 13. Die eingefangenen Hunde werden in Verwahrung und
Pflege genommen und 5 Tage lang zur Auslöſung durch den Beſitzer
bereit gehalten.
Die Herausgabe erfolgt an die Perſonen, die ſich als
empfangs=
berechtigt ausweiſen, gegen Erſtattung des Betrags, der von dem
Polizeiamt als Entſchädigung für die durch das Einfangen und die
Verpflegung der Hunde der Polizeikaſſe erwachſenen baren Auslagen
feſtgeſetzt wird.
Hunde, welche die in § 10 vorgeſchriebene Blechmarke mit
Nummer tragen, ſind den Eigentümern innerhalb 24 Stunden nach
dem Einfangen gegen Erſtattung einer beſonderen Gebühr in Höhe
von 50 Pfennig zuzuführen.
Hunde, die innerhalb der 5tägigen Friſt nicht ausgelöſt ſind,
werden entweder zu Gunſten der Polizeikaſſe veräußert oder getötet.
§ 14. Durch die Beſtimmungen des § 12 wird das wegen
Uebertretung der Vorſchriften dieſer oder der in § 10 erwähnten
Verordnung einzuleitende Strafverfahren nicht berührt.
§ 15. Die Polizeiverordnung vom 4. Auguſt 1891, die
Beauf=
ſichtigung der Hunde betreffend, wird aufgehoben.
Die Polizeiverordnung für den Kreis Darmſtadt vom 9. Auguſt
1882, das Fahren mit Hunden betreffend, wird durch die Vorſchriften
dieſer Polizeiverordnung nicht berührt.
§ 16. Dieſe Polizeiverordnung tritt am 15. April 1909 in Kraft.
Darmſtadt, den 24. März 1909.
(8412si
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Bekanntmachung.
Betr.: Polizeiliche Schutzmaßregeln in den bei Darmſtadt
ge=
legenen Waldungen.
Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß mit Wirkung
vom 6. April I. Js. der Sicherheitsdienſt in der Waldumgebung der
Stadt, gleichwie in den Vorjahren, wiederum in Kraft tritt. Der
Aufſichtsdienſt wird von 7 Forſtaufſehern ausgeübt, welche die
Uni=
form der ſtaatlichen Forſtwarte tragen und mit Gewehr ausgerüſte:
ſind. Ihre Aufgabe iſt die ſtändige Beaufſichtigung der die Stadt
umgebenden Waldungen unter beſonderer Berückſichtigung der von
dem Publikum begangenen Spazierwege.
Da den Forſtaufſehern die polizeiliche Ueberwachung der
Wald=
umgebung obliegt, ſind ſie von dem Großh. Kreisamt eidlich als
Polizeibeamte auf den Polizeiſchutz verpflichtet und im Beſitz einer
von dem unterzeichneten Polizeiamt ausgeſtellten Ausweiskarte.
In der Ueberzeugung, daß durch die ſtändige polizeiliche
Ueber=
wachung der Waldungen eine erhöhte Gewähr für die Sicherheit des
Spaziergängerpublikums gegeben iſt, richten wir hiermit an die
Ein=
wohnerſchaft die Bitte, von etwaigen verdächtigen Wahrnehmungen
in den Wäldern bei Begegnung die Forſtaufſeher oder aber das
unterzeichnete Polizeiamt in Kenntnis ſetzen zu wollen.
Darmſtadt, den 3. April 1912.
(8370sim
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.
J. V.: Lauteſchläger.
Verkaufspreiſe der Fleiſch= u. Wurſtwaren 1. d. Haupt= u. Reſidenzſtadt Barmſtadt
(Nach den Mitteilungen des Vorſtandes der Metzger=Innung.) (22563
per
Ochſenfleiſch
96 Pfg
90
Rindfleiſch
90
Kalbfleiſch
Hammelfleiſch
90
60
Bruſt
86
Schweinefleiſch
Kottelettſt. u. geſalz. Fleiſch 96
Speck, geräuchert
. 110
per ½ kg
Dörrfleiſch
. 100 Pfg.
Schinken m. Bein . . . 110
Rollſchinken
. 130
Schweineſchmalz, roh
u. ausgelaſſen
86
Schwartenmagen,
Fleiſch= u. Bratwurſt . 86
Leber= u. Blutwurſt
70
Das neue ſtädtiſche Niederlage=Gebände am
neuen Güterbahnhof im Dornheimer Weg
iſt ſoweit fertiggeſtellt, daß die Benutzung am 1. Mai ds. Js. in
Ausſicht genommen werden kann. Eine Abtrennung der einzelnen
vermietbären Lagerräume kann erſt vorgenommen werden, wenn
beſtimmte Angaben der Intereſſenten über die benötigten
Raum=
größen vorliegen. Wir empfehlen daher allen Geſchäftsinhabern,
die auf längere Zeit Lagerräume mieten wollen, ſchon jetzt mit dem
Stadtbauamt ſich zu verſtändigen, damit Verzögerungen vermieden
werden.
Die Mietpreiſe können nach dem Entwurf des „Gebührentarifs”,
deſſen Feſtſetzung der Stadtverordneten=Verſammlung vorbehalten
bleibt, von dem Stadtbauamt angegeben werden.
(7915ids
Darmſtadt, den 30. März 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
I. V.: Ekert.
Vergebung von Leinen, Stoffen zu
Kleidern uſw.
für das Stadtkrankenhaus zu Darmſtadt.
Die verſchloſſenen Angebote auf vorgeſchriebenem Formular,
zu haben auf der Geſchäftsſtube des Krankenhauſes, ſind
Montag, den 22. April I. Js., vormittags
zwiſchen 10 und 11 Uhr,
in den am Haupteingange angebrachten Angebotkaſten einzulegen.
Mit Kennzeichen verſehene Muſterſtücke ſind bei dem Oberverwalter
abzugeben. Auskunft erteilt unter Vorlage von Muſtern der
Ober=
verwalter. Bemerkt wird, daß nur gute Ware verlangt wird.
Die Genehmigung der Vergebung, ſowie die Auswahl unter
allen Anbietenden bleibt Großh. Bürgermeiſterei vorbehalten.
(7714ss
Darmſtadt, den 30. März 1912.
Die Krankenhaus=Direktion:
Dr. Fiſcher.
la Wiesenheu
ſowie Korn= u. Haferſtroh, eine
große Kaute Miſt, 7—8 Malter
Futterkartoffel verkauft (5140a
Karl Grünig IV., Makler,
Pfungſtadt, Feldbergſtraße 14.
Oinder=Sitz= u. Liegewagen zu
nerk. Pankratiusſtr. 49, I. (*8728
Sofort billigſt zu verk.
1 Stollwerks Waren=Automat
mit 12 Einwürfen
faſt neu, gut funktionierend.
An=
zuſehen von 9—10 Uhr morgens
im Reſidenztheater am weißen
Turm.
(*8730si
Ueberſicht
der Durchſchnittspreiſe von
folgen=
den Früchten und
Verbrauchsgegen=
ſtänden in der Zeit
vom 16. bis 31. März 1912:
per Sack à 100 Kilo
Weizen von Mk. 22.50 bis 24.75
Korn
„ „ 17.— „ 20.−
Gerſte
„ „ 18.— „ 22.50
Hafer
„ 19.50 „ 22.-
Butter ½ Kilo Mk. 1.50
Butter in Partien Mk. 1.40
Eier per Stück 10 Pfg.
Eier in Partien per 25 Stück
Mk. 2.25
Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 10.—
Kartoffeln per 25 Kilo Mk. 3.—
Kornſtroh per 50 Kilo Mk. 4.50
Heu per 50 Kilo Mk. 5.50
Darmſtadt, 3. April 1912.
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.
Zentralheizungs= und
Schreinerarbeiten
für die Mittelſchule II ſollen
ver=
geben werden.
Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Angebotsſcheine werden nach
aus=
wärts nicht verſandt=
Angebote ſind bis
Donnerstag, 11. April 1912,
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
(8424si
Darmſtadt, 2. April 1912.
Stadtbauamt.
Buxbaum.
Oktrai=Rückvergütung.
Anſprüche auf Oktroi=
Rückver=
gütung aus dem
Verwaltungs=
jahr 1911 (1. April 1911 bis 31. März
1912) müſſen unter Vorlage der
bezügl. Ausfuhrbeſcheinigungen (
zu=
ſammengeſtellt) und der
Quit=
tungen über die bezahlte
Oktroi=
abgabe längſtens bis zum 1. Mai
d. Js. geltend gemacht werden.
Darmſtadt, 2. April 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Schmitt. (8323ds
Städtiſches
Hallenſchwimmbad.
Darmſtadt, Mühlſtraße 33.
Schwimmbäder, Wannenbäder,
Brauſebäder, Heißluft=, Dampf=,
Maſſage= und Duſchbäder,
Elek=
triſchlichtbäder und
Kohlen=
ſäurebäder. (5081a
Die Anſtalt iſt zur Zeit
geöff=
net vormittags von 7—1½ Uhr
und nachmittags von 3—8½ Uhr.
Die Verwaltung.
Bekanntmachung.
Montag, den 15. April I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die zum Nachlaß des
Schrei=
nermeiſters Konrad Stein dahier
gehörige Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
I 181¾/100 423 Hofreite
Fried=
richſtraße 20,
zwecks Aufhebung der zwiſchen den
Erben beſtehenden Gemeinſchaft in
unſerem Bureau zwangsweiſe ver=
(K140/11
ſteigert werden.
Falls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen, kann
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
er=
reicht.
Darmſtadt, 28. März 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V7602
Bekanntmachung.
In unſerm Handelsregiſter A
wurde heute die Firma Ww.
Grü=
nig in Eberſtadt gelöſcht. (8450
Darmſtadt, 29. März 1912.
Großherzogliches Amtsgericht II.
Städt. Schulzahnklinik
Luiſenſtraße 20, II.
Sprechſtunden Wochentags:
Morgens von 10—12
Mittags von 2—5. (859a
Nummer 82.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 6. April 1912.
Seite 13.
Kokspreiſe des ſtädt. Gaswerks
ab 1. April 1912.
A. Für den Koks=Kleinverkauf.
Nach Maß und nur gegen Barzahlung ab Gaswerk:
a) Gabelkoks der Hektoliter Mk. 1,15
„ 1,35
b) Nußkoks
„ 1,00
c) Bohnenkoks „
Für das Faſſen und Anliefern von Koks in Säcken mit je
einem Hektoliter Inhalt, Mindeſtabnahme 3 Säcke, werden für den
Hektoliter 20 Pfg. erhoben. Die Säcke müſſen ſofort entleert und
zurückgenommen werden können.
B. Für den Koks=Großverkauf.
Nach Gewicht, in Fuhren nicht unter 30 Zentner, ab Gaswerk:
a) Gabelkoks der Zentner 1 Mk. 25 Pfg.
1 „ 35
b) Nußkoks
Bei Abnahme von 60 Zentnern, lediglich in Wagenladungen
an einem Tage ab Gaswerk, wird bis auf weiteres ein Nachlaß von
3 Pfg. auf den Zentner, bei Abnahme von 100 Zentner ein ſolcher
von 5 Pfg., bei Abnahme von 200 Zentner von 7 Pfg. und bei
400 Zentner von 10 Pfg. gewährt.
Für ſtändige Abnehmer (Selbſtverbraucher in der Stadt und
der nächſten Umgebung, ſo weit der Koks in Fuhren bezogen wird),
d. h. für ſolche, die eine dahingehende Erklärung bei der ſtädtiſchen
Gaswerksverwaltung abgeben und mindeſtens 30 Zentner auf einmal
beziehen, kommt für den ganzen, im Laufe eines Verwaltungsjahres
(1. April bis 31. März) ſtattfindenden Koksbezug der nachſtehende
Nachlaß auf die Grundpreiſe „B” nach Schluß des Jahres zur
Feſt=
ſtellung und Rückvergütung:
1. Bei Abnahme von 400 bis weniger als 600 Ztr. 12 Pf. p. Ztr.
2. Bei Abnahme von 600 bis weniger als 1000 Ztr. 14 Pf. p. Ztr.
3. Bei Abnahme von 1000 bis weniger als 2000 Ztr. 16 Pf. p. Ztr.
4. Bei Abnahme von 2000 und mehr Zentner . . 18 Pf. p. Ztr.
Die durch das ſtädtiſche Gaswerk bezogenen Kokſe werden mit
10 Pfg. Fuhrlohn für den Zentner berechnet. In dieſem Preis iſt
das einfache Abwerfen vom Wagen oder Karren in den Hof oder
Schuppen einbegriffen.
Für das Abtragen des Kokſes in Körben oder das nochmalige
Aufnehmen desſelben mit der Schaufel zur Weiterbeförderung an den
Aufbewahrungsort werden für den Zentner 5 Pfg. in Rechnung
ge=
ſtellt. Dahingehende Wünſche ſind gleichzeitig mit der Beſtellung
bei der ſtädtiſchen Gaswerksverwaltung, Frankfurterſtraße 29,
auf=
zugeben.
Aus der Beſtellung muß die Menge und Sorte des gewünſchten
Kokſes, ſowie der Stand oder Beruf und die Wohnung des
Be=
ſtellers genau hervorgehen.
Die Fuhrleute ſind nicht berechtigt, Trinkgelder zu fordern.
Es werden hier noch die Namen hieſiger Firmen angefügt,
welche infolge vertraglicher Vereinbarungen in der Lage ſind, Koks
aus dem ſtädtiſchen Gaswerk zu den gleichen Preiſen und
Fuhr=
löhnen, wie oben angeführt, zu liefern.
Es ſind dies z. Zt. folgende Firmen:
1. P. Baumann, Inh. Ph. Baumann, 2. Baumann &
Jelk=
mann, 3. Ludwig Fiſcher, 4. Glückauf (Dexheimer), 5. B. M.
Hachen=
burger, 6. J. Nold, 7. Gg. Schneider, 8. Max Ranis, 9. Georg Schött,
10. Friedr. Schubkegel, 11. W. Stumpf, 12. J. Trautwein, 13. Hrch.
Volz, 14. Wilh. Köhler, 15. K. Möll Wwe., 16. Heeb & Röder,
17. Jakob Groh, 18. H. Nold Ww., 19. Auguſt Orlemann, 20. M.
Pfael=
zer, G. m. b. H., 21. W. Schwab.
Darmſtadt, den 2. April 1912.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V. Ekert.
(8334si
Kraſtloserklärung von Pfandſcheinen.
Die Inhaber der angeblich abhanden gekommenen Pfandſcheine
Nr. 2101, 5134, 6841, 13 171, 13.235, 13328, 13359
und 91909 werden hiermit aufgefordert, ihre Anſprüche innerhalb
14 Tagen, vom Tage des Erſcheinens dieſer Bekanntmachung an
gerechnet, in unſerem Geſchäftszimmer — Kirchſtraße Nr. 9 — geltend
zu machen, widrigenfalls nach Ablauf dieſer Friſt gemäß § 32 des
Statuts vom 18. Auguſt 1900, betreffend die ſtädtiſche
Pfandleih=
anſtalt Darmſtadt, die Kraftloserklärung der Pfandſcheine erfolgen wird.
Darmſtadt, den 3. April 1912.
(8349
Städtiſche Pfandhausverwaltung.
Paul.
Berliner Kunstauktions-haus
Gebrüder Heilbron
Berlin, Zimmerſtraße 13.
Verſteigerung des geſamten
künſtleriſchen Nachlaſſes von
Keinhold Begas
a) Werke in edlem Material (Marmor, Bronze)
b) Gipsabgüſſe — Modelle — Studien.
Daran anſchließend:
Gemälde=Verſteigerung aus den Nachläſſen
Profeſſor Alfons SpringMünchen
Hoßahnarzt Karl Elchinger München
Montag, 15. April, bis Mitt=
Versteigerung: woch, 17. April, von 10 Uhr an,
Freitag, 12. April, bis Sonn=
Ausstellung: tag, 14. April, von 10 bis 2 Uhr.
Kataloge gratis. — Illuſtr. Kataloge mit 85 Lichtdrucktafeln
(7641MI
Preis 6 Mk.
Darmſtädter Pädagogium
Leiter: M. Elias, Herdweg 56, Telephon 2554,
ſtaatlich konzeſſionierte Privatſchule mit den Klaſſen Sexta bis
Oberprima. Der Unterricht wird in kleinen Klaſſen erteilt, ſo daß
die Berücksichtigung der individuellen Veranlagung der
Schüler ermöglicht wird. An der Anſtalt unterrichten 14 Lehrer.
In beſonderen Kurſen erfolgt die Vorbereitung zum
Ein-
jährigen-, Primaner- und Abiturienten-Examen.
1910/12 beſtanden 15 Abiturienten, 31 Einjährige und
viele für andere Klaſſen.
(B5564
zum Abiturienten-Examen für Damen u.
Vorbereifung Herren (u. Primareife) u. zum Elnjähr.-
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zugleich Gesangschule für Konzert, Oper und Haus.
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Gegründet 1851.
Elisabethenstr. 36.
Beginn des Sommer-Semesters am 15. April 1912.
Ausbildung in sämtlichen Fächern der Tonkunst.
Einzel- und Klassenunterricht je nach Wunsch. Kunst-, Dilettanten- und Vorschule,
Schriftliche oder mündliche Anmeldungen bei der Direktion, Elisabethenstr. 36.
Sprechstunden während der Ferien vormittags von 10—12½ Uhr.
Prospekte kostenfrei durch die Direktion, die Musikalienhandlungen und das Verkehrsbüro.
Die Direktion: Wilhelm Schmitt, Willy Hutter.
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Englisch, Pranzosisch, Hanenisch u. Spulisch
beginnen am 15. April 1912 neue Anfänger-Abendkurse.
Ferner Begihn neuer Tages-Zirkel u. Separat-Damen-Zirkel
für Anfänger, Vorgeschrittene und Konversation.
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Deutsch für Ausländer.
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daſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
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Darmſtadt, 19. März 1912.
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Konkursverfahren.
Das Konkursverfahren über das
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Darmſtadt, 15. März 1912.
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Neuaufnahme
6. April 1912.
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Samstaa, den 6. April 1912.
Nummer 82.
Dur- Aamarung un uie Holzarbener!
Der Deutſche Holzarbeiter=Verband macht alle Anſtrengungen, Arbeiswillige von unſerem Betriebe fern zu halten, indem
er uns Vertragsbruch vorwirft.
In Wahrheit handelt es ſich, und das haben alle Verhandlungen klar dargetan, lediglich um eine Machtfrage. Der
Deutſche Holzarbeiter=Verband verlangt von uns, lt. Brief vom 30. März, daß wir
1. den Werkmeiſter von ſeinem Poſten abberufen,
2. die Arbeitswilligen entlaſſen,
3. den durch Streik entſtandenen Lohnausfall decken.
Darauf haben wir zu erwidern:
zu 1: daß in einer beſonderen von uns einberufenen Verſammlung, in der die Arbeiter dem Meiſter gegenübergeſtellt waren,
der Werkmeiſter eines Unrechtes nicht überführt werden konnte;
zu 2: iſt es ſelbſtverſtändlich, daß wir die Arbeitswilligen halten, reſp. ſie dem Drucke des Deutſchen Holzarbeiter=Verbandes
gegenüber ſchützen;
zu 3: erachten wir es für ein mehr wie ſtarkes Stück, von uns zu beanſpruchen, die Streikenden auf unſere Koſten zu
unter=
halten, bezw. ihnen den Lohnausfall zurückzuvergüten.
Hiernach überlaſſen wir das Urteil jedem rechtlich Denkenden ſelbſt.
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Nummer 82.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 6. April 1912.
Seite 15.
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[ ← ][ ][ → ]35 92.
Samstag, 6. April.
1912.
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lich den Namen Dr. Hommel. (VI1746
Zur Geſchichte des Oſterhaſen.
Plauderei von Detlev Störe.
In Privat= und öffentlichen Bibliotheken finden ſich
häufig Bildertafeln, die urſprünglich zu einem aus dem
Ende des 18. Jahrhunderts ſtammenden Lehrbuch über
Naturgeſchichte gehörten. Dieſes hatte einen gewiſſen
Wilhelm Fiſcher zum Verfaſſer und war für den Gebrauch
in Volksſchulen geſchrieben, doch iſt es niemals auf den
Büchermarkt gekömmen, weil die Freunde des Fiſcher,
denen er es zur Begutachtung vorlegte, in Entſetzen
dar=
über ausbrachen und ihm auf das dringendſte anrieten,
es der Oeffentlichkeit zu entziehen. SSie behaupteten —
wahrlich nicht mit Unrecht — daß der Inhalt des Werkes
auf mittelalterlichen Anſchauungen beruhte und von
Aberglauben und kraſſeſter Unwiſſenheit Zeugnis ab=
neder Krilit war der
Schriftſteller ſo niedergeſchmettert und verzweifelt, daß
er ſeinem Verleger die Druckkoſten bezahlte und
ſämt=
liche Exemplare ſeines Buches eigenhändig verbrannte.
Als er dann aber mit den dazu gehörigen Illuſtrationen,
die in einem ſeparaten Band in Groß=Oktavformat
ver=
einigt waren, ein Gleiches tun wollte, dauerten ihn die
ſchönen Bilder, die er in feinſter Aquarellmalerei von
einem renommierten Maler nach ſeiner eigenen Angabe
und auf eigene Koſten hatte entwerfen laſſen, ſo ſehr,
daß er es nicht über’s Herz brachte, ſie den gefräßigen
Flammen zu überliefern. Das Auto=dafé unterblieb und
die Illuſtrationen wanderten in die Läden der
Supple=
mentsbuchhändler, um, nicht als Lehrmittel, ſondern als
Bilderbücher für Kinder verkauft zu werden. Viel
An=
klang fanden ſie jedoch nicht; ſie verſtaubten und gingen
größtenteils verloren. Eine kleinere Anzahl iſt uns
in=
deſſen erhalten geblieben und wird, wie ſchon erwähnt,
in Bibliotheken aufbewahrt. Was aber war die Urſache,
daß die Freunde des Fiſcher ein ſo abweiſendes Urteil
über jenes Naturgeſchichtswerk fällten und daß ſogar die
zu ſeiner Vervollſtändigung dienenden Bildertafeln
redig=
lich als. Kinderbilderbücher zur Ausgabe gelangen
konnten?
Je nun, der Mann, der übrigens den Beruf des
Lehrers ausübte, war wirklich etwas rückſtändig in ſeinen
Anſichten, denn er verbreitete ſich in ſeinem Buche nicht nur
über die Tiere, deren Exiſtenz zu ſeiner Zeit als
erwie=
ſen galt, ſondern auch über jene, die niemals eines
Men=
ſchen Auge erblickt hat, nämlich über die fabelhaften.
Ausführlich, mit liebender Sorgfalt beſchrieb er ihre
körperliche Beſchaffenheit, Gewohnheiten und
Lebens=
bedingungen und ließ ſie, ſo wie ſeine Phantaſie ſie
ſeinem inneren Auge vorführte, von ſeinem Illuſtrator
darſtellen. Dieſe fabelhaften Tiere aber waren: der
Drache, das Einhorn, der Vogel Phönix, der Vogel Rock,
die Seeſchlange, der Seemönch, die Seejungfer, das
Flügelpferd, der Vampyr, der Singſchwan, der
Wehr=
wolf und der Oſterhaſe — alſo ein volles Dutzend an der
Zahl. Wilhelm Fiſcher hatte dieſe Geſchöpfe aber nicht
etwa in einem beſonderen Abſchnitt ſeines Werkes
be=
handelt, ſondern ſie ganz ordnungsmäßig in dieſer und
jener Klaſſe von Tieren eingereiht. Vom Oſterhaſen ſagte
er, daß er zwar zu den Hafen gehörte, aber doch eine
Ab=
art derſelben darſtellte, und in mancher Hinſicht ſich von
den gewöhnlichen Feldhaſen beträchtlich unterſchiede.
Das Bemerkenswerteſte an ihm wäre, daß er Eier legte,
aus denen auch die Jungen ausſchlüpften und daß dieſe
Eier nicht die Beſchaffenheit von Vogeleiern hätten,
ſon=
dern bedeutend größer wären, als ſelbſt die des Albatros
und auch viel härtere Schalen hätten. Außerdem zählte
der Oſterhaſe zu den zweigeſchlechtlichen Lebeweſen gleich
gewiſſen Eidechſenarten und der Lerche. Abgebildet war
dies merkwürdige Tier ſeiner Angabe nach mit einem
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6 An der Marktfialle 6
nur erste Etage.
Seite 18.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 6. April 1912.
Nummer 82.
braungeſprentelten Eit zwiſchen den Hinterbeinen. „Man
hat im Mittelalter verſucht, die Haſeneier zu eſſen —
ſchrieb Herr Wilhelm Fiſcher —, „aber es erwies ſich als
unmöglich, da das Dotter beim Kochen bleigrau wurde
und hart wie Holz. Der Leibkoch von Franz II. von
Frankreich, der auch ein Haſenei für ſeinen königlichen
Gebieter geſotten hatte, koſtete davon, aber es bekam ihm
ſchlecht, da er zeitlebens das Gefühl zurückbehielt, als ob
er einen Stein im Magen liegen hätte. Man pries ſich
am franzöſiſchen Hof glücklich, daß des Königs Majeſtät
nicht von der Speiſe genoſſen hatte.”
Laſſen wir nun aber die Ausführungen des
Verfaſ=
ſers jenes denkwürdigen Naturgeſchichtsbuches beiſeite
und ſehen wir zu, was auch andere Leute über den
Oſter=
haſen gefabelt haben. Das heißt „gefabelt” iſt eigentlich
nicht das richtige Wort, da man ſich in alten Zeiten für
faſt überzeugt hielt, daß jenes ſeltſame Tier — ein
Stief=
bruder unſeres biederen Meiſters Lampe — tatſächlich
lebte und ſehr abſonderliche Eigenſchaften beſäße. Daß
man den Haſen überhaupt in Beziehung zu dem Oſterfeſt
gebracht und gewiſſermaßen zu einem Symbol desſelben
gemacht hat, beruht auf einem altgermaniſchen Mythos.
Als nämlich der Sonnengott, der in ewiger Jugendſchöne
ſtrahlende Baldur, von dem blinden Rieſen Hodur
ver=
mittelſt eines Miſtelzweiges erſchoſſen war, wagte
nie=
mand dem Altvater Wodan den Tod ſeines liebſten
Sohnes zu verkünden, und da dies doch geſchehen mußte
und zwar ohne Verzug, ſo wählte man den Haſen zum
Ueberbringer der Unglücksbotſchaft, weil er das
ſchnell=
füßigſte Tier war. Dieſer Mythos iſt ſpäter mit anderen
ſeinesgleichen vermiſcht und verwechſelt worden, derart,
daß einer Verſion nach der Haſe nicht Wodan, ſondern
den Menſchen den Tod des Sonnengottes gemeldet und
einer anderen nach, daß er ihnen überhaupt nicht dieſe
Trauerkunde, ſondern im Gegenteil eine frohe Botſchaft
brachte — die von der bevorſtehenden Ankunft des
Früh=
lings. Das Oſterfeſt aber fällt in die gleiche Zeit, in
welcher unſere heidniſchen Altvordern ihr Frühlingsfeſt
bfeierten, es iſt direkt an deſſen Stelle getreten und wie
von dem altgermaniſchen Julfeſt viele Bräuche und
Vor=
ſtellungen für unſer Weihnachtsfeſt übernommen ſind, ſo
iſt das Nämliche bezüglich des Frühlingsfeſtes für die
ſchriſtlichen Oſtern geſchehen. In ungezählten uralten
Dichtungen, Mythen und Sagen finden wir den Haſen
mit dem germaniſchen Frühlingsfeſt verknüpft, ſo war er
lehedem das der Oſtara, der Frühlingsgöttin — nach der
unſer Oſterfeſt den Annahmen vieler zufolge den Namen
bekommen hat — geweihte Tier, mit dem ſie ſpäter auch
ſtets abgebildet wurde; ferner iſt davon die Rede, daß
er das erſte Tier war, das im jungen Lenz aus dem
Winterſchlaf erwachte, in den, wie poetiſche
Schöpfungs=
geſchichten erzählten, zu prähiſtoriſcher Zeit alle Tiere
verſanken uſw. Immer und überall wird er als
Früh=
lingsbote oder Symbol des Frühlings erwähnt.
Iſt ſomit ſeine Beziehung zum Oſterfeſt dargelegt,
ſo erhebt ſich doch weiter die Frage in uns, wie man auf
den Gedanken gekommen iſt, ihm als eierlegendes
Ge=
ſchöpf den Vögeln, die doch ſonſt als alleinige Beſitzer
dieſes Privilegs gelten, in’s Handwerk pfuſchen zu laſſen.
Die Antwort hierauf iſt jedoch bald gefunden. Das Ei
war für viele Völker das Sinnbild der Unnſterblichkeit
und die Aegypter gaban es als ſolches mitſamt dem
Scarabäus, dem aus der Raupe entſchlüpften Käfer und
dem Ring in Geſtalt einer ſich in den Schwanz beißenden
Schlange — beides gleichfalls Unſterblichkeit — und
Ewigkeitsſymbolen- ſogar ihren Toten ins Grab mit —
was liegt demnach näher, als es auch zum Sinnbild des
Frühlings zu machen, in dem die Natur aus ihrem
Win=
terſchlaf erwacht und in ewigem Kreislauf ſich erneut?
So reihte Symbol ſich an Symbol, dem Haſen einte ſich
das Ei und der naive Sinn des Volkes wußte keine
beſſere Verbindung zwiſchen beiden zu ſchaffen, als daß
es dem Haſen die Produktion des Eies zuſchrieb. Wie
wir jedoch faſt überall bei Völkern auf einem
verhältnis=
mäßig tiefen Kulturzuſtand beobachten können, daß ſich
urſprünglich ſehr poetiſche Vorſtellungen bei dem
lang=
ſamen Erwachen aus dem Kindheitsſtadium vergröbern,
ſo iſt das auch hier der Fall. Der Verſtand, der ſich nicht
mehr mit Gleichniſſen und Märchen zufrieden gibt und
dem ſich andererſeits doch noch nicht Erfahrungen und
Kenntniſſe gefallen, macht aus den ſagenhaften poetiſchen
Ueberlieferungenn eine Realität, die natürlich meiſt ſehr
plump und albern iſt. In dem vorliegenden Falle fand
der heidniſche, auf ſymboliſtiſche Vorſtellungen gegründete
Mythos ſeinen Niederſchlag in dem Glauben an die
tat=
ſächliche Exiſtenz des eierlegenden Haſen. Durch
Jahr=
hunderte hindurch meinte man, daß ausnahmslos jeder
Haſe die bezügliche Fähigkeit beſäße; aber dann gelangte
man zu der Ueberzeugung, daß nur der Oſterhaſe eine
ſolche zoologiſche Abnormität ſei. Die Geſchichte, die der
Lehrer Wilhelm Fiſcher von dem Ei erzählt, das der
Leibkoch Franz II. für ſeinen Gebieter kochte, hat eine
hiſtoriſche Baſis. Sie verhält ſich freilich beträchtlich
anders, als der erleuchtete Verfaſſer jenes
Naturge=
ſchichtsbuches ſie berichtet; aber ein Körnchen Wahrheit
iſt doch daran. Franz II. glaubte nämlich nicht ſo recht an
den eierlegenden Haſen, bis man ihm ein Ei brachte, von
dem angeblich vertrauenswürdige Männer behaupteten,
daß es wirklich von einem Haſen herrührte. Es war ſehr
groß, braungefleckt und ſteinhart; aber als man es
ent=
zwei ſchlug, fand ſich kein Eidotter darin. Manche
wol=
len wiſſen, daß es überhaupt kein natürliches, ſondern
ein künſtliches Ei geweſen ſei. Gekocht iſt es aber nicht
worden, vielmehr hat der König die zerbrochenen
Scha=
len unter ſeinen Raritäten aufbewahren laſſen. Noch vor
etwa zweihundert Jahren ſollen ſie in einer franzöſiſchen
Sammlung von Altertümern ſich befunden haben. Schalen
von vermeintlichen Haſeneiern ſind aber auch an anderen
Orten ſorgſam behütete Schätze geweſen, und noch
heuti=
gen Tages exiſtiert irgendwo — wenn ich nicht irre, in
Holland — ein Stück von einer Eierſchale, die als
Frag=
ment eines Haſeneies ausgegeben wird.
Was die Zweigeſchlechtlichkeit des Oſterhaſen
anbe=
trifft, ſo dürfte es wohl ſchwer zu ergründen ſein, wann
und wo dies Märchen entſtanden iſt. Indeſſen gibt es
auch eine ganze Menge hierauf bezügliche Deutungen.
die aber zu viele Vorausſetzungen haben, als daß es
möglich wäre, hier näher darauf einzugehen. Einige
führen bis zu der Zeit des „Urſtandes”, das heißt, der
Zeit vor dem Sündenfall, auf Lilith, Adams erſte Frau
zurück, die nach der Auffaſſung vieler auch nicht als ein
Weſen für ſich, ſondern als die körperliche Hälfte Adams
zu denken iſt. Die Vertreter dieſer Anſchauung ſtellen ſich
den Adam und die Lilith gewiſſermaßen als eine Herme
vor, die auf der einen Seite ein Mann, auf der anderen
ein Weib war. Dies ſoll in dem Haſen ſymboliſiert ſein.
Als er dann im Wandel der Zeiten zum Oſterhaſen
wurde, galt er vielfach durch Jahrhunderte hindurch als
Sinnbild des reuigen Sünders. Das Sinnbild der Furcht
iſt er daegegen in ſeiner Eigenſchaft als Oſterhaſe nie
geweſen.
Daß der Oſterhaſe unter den Oſterbräuchen bis auf
den heutigen Tag eine Rolle geſpielt hat, braucht nicht
erſt geſagt zu werden. Schon in alten Zeiten formte man
ihn aus Brot= und Kuchenteig und ließ ihn nebſt anderen
Lebensmitteln — namentlich Eiern, Mehl und Salz —
in katholiſchen Ländern in der Kirche einſegnen, bis er
dann ſpäter dem ebenfalls aus Teig hergeſtellten
Oſter=
lamm Platz machen mußte. Gegenwärtig findet man ihn
hauptſächlich in Konfitürengeſchäften, wo er aus
Mar=
zipan und Zucker gebildet, die Begierde unſerer Kleinen
reizt. Für die Erwachſenen iſt er dagegen ziemlich
un=
wichtig geworden, außer wenn die Mutter für ihre junge
Schar ein Spiel im Grünen arrangiert, das im Suchen
der verſteckten Eier givfelt und bei dem wohl auch ein als
Häschen verkleidetes Kind mitwirkt.
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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 6. April 1912.
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Seite 20.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 6. April 1912.
Nummer 82.
Kirchliche Anzeigen.
Evangeliſche Gemeinden.
Oſtern
Oſter=Sonntag, den 7. April 1912
Hofkirche: Vormittags um 10 Uhr:
Hauptgottes=
dienſt. — Nachmittags um 3 Uhr: Vesper; danach Beichte
und Anmeldung zur hl. Kommunion am Oſtermontag.
Stadtkixche: Vormittags 10 Uhr: Pfarrer Kleberger.
Kollekte für den Kirchenfonds. — Vorm. um 11¼ Uhr:
Kindergottesdienſt. Pfarrer D. Dr. Diehl. — Abends
um 8 Uhr: Liturgiſche Oſterfeier des
Kirchengeſangver=
eins. Kollekte für den Kirchenfonds.
Stadtkapelle: Vorm. um 7 Uhr: Pfarrer Vogel.
Kollekte für den Kirchenfonds. — Vorm. um 9½ Uhr:
Pfarrer Velte. Feier des heil. Abendmahls mit
Vor=
bereitung. Kollekte für den Kirchenfonds. — Vorm. um
11 Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Vogel.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Vormittags 8 Uhr:
Diviſionspfarrer Lie Schettler.
Johanneskirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Kraus.
Vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer
Kraus.
Martinskirche: Kollekte für den Kirchenfonds. —
Vor=
mittags um 10 Uhr: Pfarrer D. Waitz. — Vorm. um
10½ Uhr im Gemeindehaus: Pfarrer Widmann.
— Vorm. um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt für den
Oſt=
bezirk. Pfarrer Widmann. — Nachm. um 4 Uhr:
Bibel=
ſtunde im Martinsſtift. Pfarrer Veller.
Pfründnerhaus: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer i. P.
Schneider.
Elizabethenſtiſt: Vormittags um 10 Uhr:
Haupt=
gottesdienſt mit Abendmahl. Pfarrer Hickel. — Vorm.
um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde): Vorm. um 10 Uhr:
Pfarraſſiſtent Flöel. Feier des hl. Abendmahls. Kollekte
für den Kirchenfonds. — Nachm. um 2 Uhr: Beichte
für das Abendmahl bei der Konfirmation.
Pfarrver=
walter Lic. Dr. Vollrath. — Abends um 6 Uhr:
Ober=
hofprediger Ehrhard. Kollekte für den Kirchenfonds.
Pauluskirche: Kollekte für den Kirchenfonds. —
Vor=
mittags um 10 Uhr: Pfarraſſiſtent Herpel. Feier des
heil. Abendmahls. — Nachmittags um 2 Uhr:
Konfir=
mationsbeichte. Pfarrer Rückert.
Großh. Schloßkapelle zu Kranichſtein: Sonntag, den
7. April, vorm. um 11¾ Uhr: Gottesdienſt. Pfarraſſiſtent
Mangold.
Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 7. April,
vormittags um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. —
Nach=
mittags um 4 Uhr: Bibelſtunde. — Um 4 Uhr im
Vorder=
haus: Jugendbund für E. C. — Abends um 8½ Uhr:
Evangeliſation. — Dienstag, den 9. April, abends um
8½ Uhr: Blaukreuzſtunde. — Mittwoch, den 10. April,
nachmittags von 2—4 Uhr: Hoffnungsbund für Knaben.
Von 4— 6 Uhr: Hoffnungsbund für Mädchen. — Abends
um 8½ Uhr: Uebung des gemiſchten Chors. —
Donners=
tag, den 11. April, abends 8½ Uhr: Bibelbeſprechſtunde
für Männer. — Donnerstag, abends um 8½ Uhr: Im
„Kaiſerſaal” Vortrag für Frauen und Jungfrauen,
ge=
halten von Prediger Trappmann aus Barmen. —
Frei=
tag, den 12. April, AAbends um 8½ Uhr: Vortrag für
Männer und Jünglinge im „Kaiſerſaal”. Redner
der=
ſelbe. — Filiale der Stadtmiſſion (
Beſſunger=
ſtraße 88, Hinterbau): Freitag, den 12. April, abends um
8½ Uhr: Evangeliſation.
Oſter=Montag, den 8. April 1912
Hofkirche: Vorm. um ½10 Uhr: Beichte und
An=
meldung zur heil. Kommunion in der Sakriſtei. — Um
10 Uhr: Feier des hl. Abendmahls. — Nachm. um 3 Uhr:
Prüfung der Konfirmanden.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer D. Dr. Diehl.
— Nachm. um 3 Uhr: Prüfung der Konfirmanden des
Oſt bezirks. Pfarrer Vogel.
Stadtkapelle: Vorm. um 9½ Uhr: Pfarrer Beringer.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Vorm. um 8 Uhr:
Militärhilfsgeiſtlicher Salzſieder.
Johanneskirche: Vorm. um 10 Uhr:
Konfirmations=
feier des Südbezirks mit heil. Abendmahl. Pfarrer
Dingeldey. Kollekte für den Kirchenfonds. — Nachm.
um 2½ Uhr: Prüfung der Konfirmanden des
Nord=
bezirks. Pfarrer Kraus.
Martinskirche: Vormittags um ½10 Uhr:
Pfarr=
aſſiſtent Lautenſchläger. — Vorm. um 11 Uhr: Prü=
ſung der Konſirmanden des Nord beztrks. Pfaraſiſent
Lautenſchläger.
Eliſabethenſtiſt:. Vorm. um 10 Uhr:
Hauptgottes=
dienſt. Pfarrer Stein.
Beſſunger Kirche (Betrusgemeinde): Vorm. um ½ 10 Uhr:
Konfirmation und Feier des hl. Abendmahl.
Pfarrver=
walter Lic. Dr. Vollrath. Kollekte für den
Kirchen=
fonds. — Nachmittags um 3 Uhr: Entlaſſung der
Kon=
firmanden. Pfarrverwalter Lic. Dr. Vollrath.
Pauluskirche: Kollekte für die Pauluskirche. — Vorm.
um 9½ Uhr: Konfirmationsfeier. Pfarrer Rückert. —
— Nachm. um 3 Uhr: Konfirmandenprüfung.
Pfarr=
aſſiſtent Herpel. — Um 5 Uhr: Konfirmationsnachfeier
Pfarrer Rückert.
Lutheriſcher Hottesdienſt. (Selbſtändige evang.=lutheriſche
Kirche.) Am Oſter=Montag, den 8. April, vormittags um
10 Uhr, im „Feierabend”, Stiftſtr. 51: Pfarrer Müller.
Freirekigiſe Geneinde: Oſter=Sonntag, nachm. um
6 Uhr, in der Freimaurerloge, Sandſtr. 18: 1.
Jugend=
weihe (Konfirmation). Zutritt für jedermann frei.
Gemeinde gläubig getauſter Chriſten (Bapticken),
Mauer=
ſtraße 17: Oſter=Sonntag, den 7. April, vorm. um
9½ Uhr und nachm. um 4 Uhr: Predigt. — Um 5 Uhr:
Abendmahl. Prediger Höpfner. — Vorm. um 10½ Uhr:
Sonntagsſchule. — Mittwoch, den 10. April, abends um
8½ Uhr: Bibelſtunde. Jedermann herzlich eingeladen.
Methodiſtengemeinde (Taunusſtraße 53): Sonntag,
den 7. April, nachmittags um ¾3 Uhr: Sonntagsſchule
Kindergottesdienſt). — Um 4 Uhr: Predigt. Prediger
Eckert aus Offenbach. — Freitag, den 12. April, abends
um 9¼ Uhr: Bibel= und Gebetsſtunde. Jedermann
herzlich willkommen.
Katholiſche Gemeinden
St. Ludwigskirche: Samstag, den 6. April,
nachmit=
tags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit
zur heil. Beichte.
Oſtern
Oſter=Sonntag, den 7. April 1912
Vorm. von 5½ Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
— Um 6 Uhr: Auferſtehungsfeier und hl. Meſſe. — Um
7 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion. — Um 8 Uhr:
Militärgottesdienſt mit Predigt. — Um ½10 Uhr:
Hoch=
amt mit Predigt. — Um 11 Uhr: letzte hl. Meſſe. —
Nach=
mittags um 3 Uhr: Vesper; hierauf Gelegenheit zur
hl. Beichte.
Kapelle der Warmherzigen Schweſtern: Sonntag, vorm.
um ½ 7 Uhr: heil. Meſſe. — Nachmittags um 4 Uhr:
Verſammlung im Mädchenheim. — Um 6 Uhr:
Feſt=
andacht.
Kapelle der Engliſchen Fträulein: Sonntag, vormittags
um 7 Uhr: heil. Meſſe.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 6. April,
nach=
mittags um 3 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit
zur heil. Beichte. Von ½ 5 Uhr ab bei einem fremden
Beichtvater.
Heiliges Oſterfeſt
Oſter=Sonntag, den 7. April 1912
Vorm. von ½ 6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
— Um ½7 Uhr: Auferſtehungsfeier und Frühmeſſe. —
8 Uhr: hl. Meſſe mit Predigt. — Um ½10 Uhr:
Hoch=
amt und Predigt. — Nachmittags um 2 Uhr: Vesper
und Segen. — Um 3 Uhr: Beichtgelegenheit, ebenſo
abends um 8 Uhr.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, den
6. April, nachmittags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr:
Gelegenheit zur heil. Beichte.
Hochheiliges Oſterfeſt
Oſter=Sonntag, den 7. April 1912
Kollekte für den Kirchenbau
Vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.
— Um 7 Uhr: heil. Meſſe. — Um 9 Uhr: Hochamt mit
Predigt. — Nachm. um ½3 Uhr: Feierliche Vesper;
darauf Gelegenheit zur hl. Beichte.
Oſter=Montag, den 8. April 1912
St. Ludwigskirche: Vorm. von ½6 Uhr an:
Gelegen=
heit zur hl. Beichte. — Um 6 Uhr: erſte hl. Meſſe. — Um
7 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. — Um 8 Uhr:
Militirgoltesdienſt. — Um ½ 10 Uhr. Hochamt. — Um
11 Uhr: letzte heil. Meſſe. — Nachmittags um 3 Uhr:
Feſtandacht. — An allen Werktagen, vorm. um 6 Uhr:
G elegenheit zur heil. Beichte. — Von Dienstag an
be=
ginnt die werktägige Spätmeſſe um ¼9 Uhr.
Kapelle der Barmherzigen Schweſtern: Montag, vorm.
um ½7 Uhr: heil. Meſſe. — Nachm. um 4 Uhr:
Ver=
ſammlung im Mädchenheim. — Um 6 Uhr:
Roſenkranz=
andacht.
Kapelle der Engliſchen Fräulein: Montag, vormittags
um 7 Uhr: hl. Meſſe. — Dienstag, vorm. um 7 Uhr:
Segenmeſſe mit Predigt.
St. Eliſabethenkirche: Vorm. von 6 Uhr an:
Beicht=
gelegenheit. — Um ½7 Uhr: Frühmeſſe. — Um 8 Uhr:
heil. Meſſe. — Um ½10 Uhr: Hochamt. — Nachm. um
2 Uhr: Oſterandacht. — Die Bibliothek des
Borromäus=
vereins iſt am Oſterfeſte geſchloſſen.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Vormittags= um
6 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte. — Um 7 Uhr: hl.
Meſſe. — Um 9 Uhr: Hochamt. — Nachmittags um
½3 Uhr: Feſtandacht.
The Church of England Service
Easter-Monday, 8th April 1912
Divine Service followed by Holy Communion will be
held in the Hofkirche at 11,30 a. m.
The Rev. H. de Ste. Croix, British Chaplain from
Heidel-
berg, will officiate.
Gotiesdienſt der israelitiſchen Deligtonsgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Samstag, den 6. April:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Sabattausgang
7 Uhr 50 Min.
Schlußtage des Paſſahfeſtes.
Sonntag, den 7. April:
Vorabendgottesdienſt 7 Uhr.
Montag, den 8. April:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min.. Predigt
9 Uhr 25 Min. Abendgottesdienſt 7 Uhr 50 Min.
Dienstag, den 9. April:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Feſtesausgang
7 Uh 55 Min.
Gottesdienſt an den Wochentagen: Morgens 7 Uhr.
Abends 7 Uhr 55 Min.
Cetaufte, Getraute und Beerdigte.
Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 26. März: Dem Taglöhner
Wilhelm Ihrig S. Peter Wilhelm, geb. 2. März. 31.
März: Dem Taglöhner Johann Karl Pfleger T.
Kata=
rine, geb. 29. Nov. 1911, Dem Magazinier Karl
Hein=
rich Wallrabenſtein S. Hans Friedrich, geb. 30. Jan.
Dem Kunſtſchloſſermeiſter Friedrich Oerterer T. Pauline,
geb. 9. März.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 29. März: Muſikalienhändler
Franz Ferdinand Zierfuß u. Seraphine Johanna Jenny
Schutter.
Johannesgemeinde: 30. März: Schreiner
Au=
guſt Lambrecht und Marie Reinhard von hier.
Schul=
verwalter Georg Born in Offenbach a. M. und Sophie
Altvater von hier. Mechaniker Adolf Völger und Ida
Hubertus von hier.
Petrusgemeinde: 30. März: Schneider Heinrich
Reimund und Elſe Agnes Pacholski.
Brerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 2. April= Wilhelmine
Eliſa=
beth Finſer, T. des Hilfsarbeiters, 1 Jahr, ſtarb 31. März.
4. April: Mechaniker Philipp Hörr, 60 J., ſtarb 2. April.
29. März: Rohrleger Johannes Walter, 53 J, ſtarb
26. März. 30. März: Schreinermeiſter Karl Kahlbach,
71 J., ſtarb 27. März. 31. März: Eliſe Volk, geb. Mahr,
Witwe des Rentners, 73 J., ſtarb 28. März.
Johannesgemeinde: 1. April: Werkführer
Georg Schönberger, 59 J., ſtarb 29. März.
Petrusgemeinde: 3. April: Katharine Kredel,
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Frau und zwei Kinder zurücklaſſend. Dort wieder zu
Reichtum gelangte. Während deſſen ſein geliebtes
Töchterchen verſtarb. Niemand getraute dieſe
Schreckens=
nachricht zu übermitteln. Bei ſeiner Rückkehr ſah er in
der Geſellſchafterin ſeiner Frau und heimlichen Liebe.
ſeines Sohnes, ſeine Tochter und machte demſelben
Vorwürfe, daß die Liebe zu ſeiner Schweſter gottlos
unſinnig, ſeine Leidenſchaft Verblendung und
Ver=
brechen ſei, doch am nächſten Tage erſcheint der
Bild=
hauer mit dem Koſtenanſchlag für das Grabdenkmal
Klothildes und er erfährt die ſchreckliche Gewißheit, daß
ſein Liebling längſt verſtorben und die Geſellſchafterin
nur die Rolle der Tochter geſpielt habe, um ihm die
ſchreckliche Nachricht vorzuenthalten. Wundervolles,
äußerſt ſpannendes Spiel von Anfang bis zu Ende.
Das Lösegeld der Ehre. Gutgeſpieltes Drama.
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Das Chamäleon. Wiſſenſchaftlicher Naturfilm.
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Der Tempel von Niko. Herrl. kolor. Naturaufn.
Wie ein Brief aus Afrika an uns gelangt.
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Ab Montag!
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Die diebessichere Villa. Guter humor. Schlager.
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Montag, den 8. und Dienstag, den 9. April
(am 2. und 3. Oſterfeiertag):
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der Kapelle des Leibgarderegiments.
Dirigent: Obermuſikmeiſter H. Hauske.
Aus der Vortragsordnung für 2. Feiertag: Mozart,
Ouver=
ture zu „Don Juan” Wagner, Fragmente aus „Die Meiſterſinger
von Nürnberg‟; Schubert, „Ave Maria‟ Demerſſeman: Ein Feſt
in Aranjuez‟. Locombe, „Aubade aux Mariés” (Morgenſtändchen
den Vermählten); Strauß, „Wiener Blut”, Walzer; S. May,
„Gavotte” (zum erſten Male).
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Chor der Friedensboten aus „Rienzi”, Södermann, „Schwediſcher
Hochzeitsmarſch”; Sullivan, Fantaſie aus Der Mikado”, u. a. m.
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ununterbrochen
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Einladung
an die 1907 gewählten Vertreter
am Freitag, den 12. April 1912, abends 8½ Uhr,
im Saale des Hotel Hess, Eingang Saalbaustr.
Tages=Ordnung:
1. Rechnungsanſtände aus dem Jahre 1909.
2. Der Stand der Kaſſe.
3. Erſatzwahl des Vorſtandes.
Um pünktliches und zahlreiches Erſcheinen bittend, zeichnet
Hochachtungsvoll
Vereinigte Ortskrankenkasse Darmstadt.
Knoblauch.
Diejenigen Vertreter, deren Amtsdauer am 1. Januar 1912
beginnt, können den Verhandlungen beiwohnen, haben aber weder
beratende noch beſchließende Stimme.
Anmerkung zu Punkt 3:
Aus dem Vorſtande ſcheiden aus:
Von den Arbeitgebern: Die Herren Carl Schembs und Adam
Haury.
Von den Arbeitnehmern: Die Herren W. Knoblauch, Ph. Krell,
G. Baßler, Joh. Böhm und Aug. Wyczisk.
(8344
Sämtliche Herren ſind wieder wählbar.
I.
Vom 30. März bis 10. April im Kaisersaal, Grafenstr.
Geöffnet von morgens 9 Uhr bis abends 8 Uhr. Eintritt 50 Pfg.
Reichhaltige Sammlungen von Jagdtrophäen, präparierten
Meerfischen und Vögeln, Waffen und Kriegsausrüstungen der
Eingeborenen aus deutschen Kolonien, ethnologische und ethno-
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graphische Gegenstände, Pflanzen, Literatur.
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Kosener 3.6
Zur Teilnahme an der Samstag, den
20. April, abends 8 Uhr, in dem Gartenſaal
des Städtiſchen Saalbaues ſtattfindenden
Musikkneipe
beehren wir uns alle einem Korps des Köſener
S. C.=Verbandes angehörigen alten Herren, Inaktive
und Aktive freundlichſt einzuladen, und bitten um
recht zahlreiches Erſcheinen.
(8433a
Der Bezirksverband Darmstadt
des Verbandes alter Korpsstudenten.
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Turngeſellſchaft
Darmſtadt.
Gegründet 1875.
Vereinslokal: Dieburgerſtraße 26
Montag den 8. April 1912
(2. Oſterfeiertag):
Tanzkränzchen
in den Räumen unſeres Turnhauſes, Dieburgerſtr. 26.
Hierzu laden wir unſere Mitglieder, ſowie Freunde und
(8095m
Gönner des Vereins höflichſt ein.
Anfang 4 Uhr.
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Truppenübungsplatz vampfstrassenbahn)
empfiehlt sich durch feine Küche u. vorzüsl. Getränke. 3
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Indercharwoche
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im Intimen Theater
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an der Abendkaſſe Mk. 4, 3, 2 und 1.50.
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2. Oſterfeiertag:
Familienſpaziergang mit Tanz
nach Roßdorf, Einkehr bei Mitglied Günther.
Abmarſch 2 Uhr Kapellplatz; bei ſchlechtem Wetter
Abfahrt 3.20 Uhr Roſenhöhe.
Hierzu ladet freundlichſt ein
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Nummer 82.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 6. April 1912.
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Schwierig-
keiten und Gefahren der Forscher dies Bild zu Wege
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Die Zarenbraut
:: Sehr spannendes russisches Drama :
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Der verschollene Hauptmann
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Seite 24.
Darmſtädter Tagblatt, Samstaa, den 6. April 1912.
Nummer 82.
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Der Hof des Hchweigens.
Ein Roman aus Island von Anny Wothe.
(Nüchsth berboten.)
13)
Copyright 1910 by Anny Wothe, Leipzig.
Du, wiſperte Jorum wenige Minuten ſpäter ihrer
Schweſter zu, nachdem ſie haſtig das große Stück Kuchen
am Büffet vertilgt, das ihr der freundliche Kapitän des
„Blücher” aufgenötigt hatte, ich weiß was.
Das intereſſiert mich abſolut nicht, antwortete Signe
mit reizvollem Geſchick eine goldgelbe Orange als
Fang=
ball verwendend, die ihr ſoeben einer der Offiziere
gebracht.
Na, Du wirſt ſchon noch zu Dir kommen, Fräulein
Hochmut, gab Jorum zurück, jetzt auch kräftig der Bowle
zuſprechend, in der ſie mit dem Zünglein die roten
Erd=
beren ſuchte. Jon iſt nämlich verliebt. Und weißt Du
in wen? In Hallgerdr! Wenn Jon nun Hallgerdr
hei=
ratet, dann braucht Dir nicht mehr bange zu ſein, daß
Hallgerdr Dir Deine Freier fortnimmt, wie Du es jetzt
immer tuſt.
Schweige, Du Naſeweis. Was ahnſt Du von
ſol=
chen Dingen.
Jorum lacht eſehr reſpektwidrig und drehte ihrer
Schweſter verächtlich eine lange Naſer
Ich weiß, was ich weiß. Ich weiß, daß Du Kaare
Myrdal wollteſt, weil er Hallgerdr gern mochte, und ich
weiß, daß Du es auf den Kapitän abgeſehen haſt, der
im=
mer nur Hallgerdr anſtarrt,
Dn ſeiſ ſin ſehn, dun vorlantes wieg.
Ja, die Wahrheit, die kannſt Du nicht vertragen,
triumphierte die Kleine, ihre ſtrohgelben Zöpfe, die ihr
lang über den Rücken hingen, unbekümmert um die
um=
ſtehenden Tänzer, aufſteckend. Ich ſuche mir jetzt auch
einen Mann. So hübſch wie Du bin ich freilich nicht.
Aber wenn meine Kleider erſt lang ſind und die Zöpfe
in Schleifen hängen, dann kann ich doch noch ganz
leid=
lich ausſehen. Ich werde ſchon einen bekommen. Dann
bin ich aber anders wie Du. Weißt Du, ſo wie Mutter
mit Vatern. Mit anderen lache ich dann nicht mehr und
mache auch keine ſchönen Augen, wie Du, ſondern wahr
und wahrhaftig, ich habe immer nur den einen lieb.
Weinen könnto ich üher Dich, daß Du ſo ſchlecht biſt,
Signe, ſo grundſchlecht!
Das ſchlanke, ſieggewohnte Mädchen blickte die
kleine, unſcheinbare Schweſter in der dunklen Tracht
mit den eckigen Bewegungen einen Augenblick
faſſungs=
los an, dann ſagte ſie hochmütig:
Die Tanzerei hat Dir wohl den Sinn verwirrt,
Jorum? Du ſollteſt zuſehen, daß Du an Land kommſt.
Die Nachtluft taugt nicht für kleine Mädchen. Schlaf
gut, Kleine.
Siane ließ ſich wieder von einem der Offiziere zum
Tanz führen.
Jorum aber ſah ihr drohend nach, die kleine, kräftige
Hand feſt zu einer Fauſt geballt.
Sie iſt zu ſchlecht, die Signe, ſchluchzte ſie plötzlich
auf, während die andere Hand verlangend nach der ſü=
den Sbeſe griſt die ihr enr der kländſchen
Suden=
ten, deren verſchiedene auf dem Schiffe waren, anbot.
Was habt Ihr denn, Jorum Thorkjel? forſchte der
Jüngling. Seid Ihr nicht froh, daß wir hier das ſchöne
Feſt an Bord haben? Seht nur, wie gut und
liebens=
würdig all die Damen und Herren uns begegnen, und
wie ſie unſer ſtarrgs, ſchönes Land bewundern, über
deſſen Höfen der Falke kreiſt.
Ach, Arne Mattiſſon, gab Jorum kläglich zurück,
während ſie doch tapfer die Tränen niederzwang, die
immer wieder aufſteigen wollten. Ich wollte, ich könnte
mich mit Euch freuen, aber ich bin traurig über Signe,
meine Schweſter.
Signe, rief der Jüngling, indem ihm verräteriſch
das Blut in die Schläfe ſchoß. Iſt ſie krank, fehlt ihr
etwas?
Ja, die Liebe fehlt ihr, von welcher der Propſt ſagt,
daß ſie groß genug iſt, Berge zu verſetzen. Ich
denkee=
jetzt immerzu an die Liebe, die Signe nicht hat. Wißt
Ihr, warum?
Er wußte es nicht.
Aber er ſchaute das unſchöne, eckige, kleine Mädchen
mit den großen Kinderaugen und den ſtrohgelben
Zöpfen aufmerkſam an, und er fand mit ernem Male,
daß ſie ſchön war in ihrem Eifer, das Weſen der Liebe
zu ergründen, die ſie noch nicht kannte, wenn auch keine
Spur von Signes holdem Reiz Jorum ſchmückte, Jorum,
die ſo ein liebes, kleines Mädchen war.
Wollt Ihr wohl einmal mit mir tanzen, Jorum?
Nummer 82.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 6. April 1912.
Seite 25.
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Ob ſie wollte.
Mit Feuereifer drehte ſie ſich bald darauf mit ihm
im Kreiſe.
Es kam ihm gar nicht zum Bewußtſein, daß ſie nicht
tanzen konnte.
Beide fanden nachher, daß der Tanz doch das
aller=
ſchönſte, nein, das einzige Vergnügen ſei, das vollauf
befriedigen könne, und die „Roſen aus dem Süden”
nach deren melodiſchen Walzerrhythmen ſie ſich in nicht
ganz einwandfreiem Taktgefühl wiegten, umſchmeichelten
ihnen noch Herz und Sinne, als ſchon ihr Klang lange
verweht war.
Der Ball an Bord des „Blücher” hatte ſeinen
Höhe=
punkt ſchon überſchritten, als Kaitän Ingwald
Ander=
ſen endlich Gelegenheit fand, ſich Hallgerdr zu nahen.
Die ſchöne Baerstochter war ſehr umſchwärmt worden.
Die hohe Geſtalt mit dem lang herabwallenden,
lichtgoldenen Haar und den groß aufgeſchlagenen Augen,
der Typus der Nordländerin, hatte überall Aufſehen
er=
regt. Man hatte ihr viel Artigkeiten über ihren Gang
und über ihr ſeltſames, ſchaurig ſchönes Land geſagt.
Man hatte ſie nach alten Sagen gefragt und ſie
unermüd=
lich zum Tange gefordert, ſodaß Hallgerdr kaum zu ſich
kam. Wie in einem Taumel genoß ſie die Freude des
Tanzens, der Unterhaltung, des Farbenrauſches, des
hellen Lichts, ſowie der feſtlich geſchmückten Menge. Das
war Glut, das war Leben. Der ſtille Hof des
Schwei=
gens verſank ihr, als wäre er nie geweſen.
Ich hoffe, Ihr habt mir einen Tanz aufgehoben,
Hallgerdr Jonſon, fragte Inwald Anderſen, zu ihr
tre=
tend.
Die Kehle war ihm ſeltſam rauh und trocken.
Sie lächelte ihm glücklich entgegen.
Gern tanze ich mit Euch, Herr.
Wie ein Brauſen war es vor ſeinen Ohren, wie ein
Wogen vor ſeinen Augen.
Das blonde Weib feſt an ſeine Bruſt gepreßt, floc
er über den improviſierten Tanzboden dahin.
Der Kapitän des Dampfers lachte hinter ihm drein
Nun kriegt der Kerl, der Anderſen, es noch auf die
alten Tage. Weiß der Himmel, er tanzt ja wie ein
jun=
ger Gott. Und die Schönſte hat er ſich ausgeſucht.
Hallgerdr hielt plötzlich inne.
Ihr Schleier, im ſchnellen Dahingleiten aufgeweht,
hatte ſich feſt um das Hautp ihres Tänzers geſchlungen,
und ſie mühte ſich nun, das zarte Gewebe zu löſen.
Dabei kam ſie ſeinem Antlitz ganz nahe und da,
hatte ſie es nur geträumt, oder war es wirklich geſchehen,
da hatte er ſie unter den bergenden Falten des Schleiers
gerüßt.
Heiß fühlte ſie den Kuß auf ihren Lippen brennen,
und doch war er nur leiſe wie ein Hauch auf ihren Mund
gefallen.
Die Umſtehenden lachten und halfen den Schleier
entwirren.
Schwer atmend ſtand der Kapitän vor Hallgerdr.
Verzeiht mein Ungeſchick, entſchuldigte er ſich voll
Haltung. Ich habe ſeit vielen Jahren nicht getanzt.
Faſt fürchtete ich, es ganz verlernt zu haben.
Das Mädchen errötete tief.
Wie konnte ſie nur denken, daß dieſer Mann, der ſo
hoch und ſtolz vor ihr ſtand, ſie heimlich küſſen würde?
Wie kamen ihr nur ſo dumme Gedanken?
Und doch brannte noch immer die Glut des Kuſſes
auf ihren Lippen.
Jon Thorkjel, der mit brennenden Augen den
Vor=
gang bemerkte, trat jetzt hinzu und ſagte rauh:
Es iſt ſpät, Hallgerdr. Morgen gibt es noch der
Vorbereitungen viele, wenn wir am Montag bei
Tages=
anbruch aufbrechen wollen. Die Mutter iſt ſchon an
Land, und der Vater wollte im Klubhaus auf uns
war=
ten. Paßt es Dir, ſo rufe ich Signe und Jorum. Die
Barkaſſe liegt bereit. Rüſte Dich zur Fahrt.
Er ſprach, ohne ſie anzuſehen, die er liebte, und die,
heiße Glut auf den Wangen, vor ihm ſtand, ihr zur
Seite der fremde Mann, der ihm finſter ins Antlitz ſah.
Wenn Ihr erlaubt, wandte ſich der Kapitän
Ander=
ſen herriſch gegen den Jüngling, ſo werde ich Hallgerdr
Jonſon heimgeleiten in Euer gaſtlich Haus. Die
Bar=
kaſſe iſt ohnedies ſchon mehr als belaſtet. Soeben ſehe
ich Eure ſchönen Schweſtern die Schiffstreppe
hinabſtei=
gen, fügte er hinzu, ſich über die Reeling beugend, da
dürfte ohnedies in der Barkaſſe für uns alle kein Platz
ſein.
So werden wir ein anderes Boot nehmen,
antwor=
tete Jon, die rote Lockenmähne zurückſchüttelnd und dem
Kapitän feindlich ins Auge ſehend.
Gemach, junger Freund, mein Boot liegt neben der
Barkaſſe bereit. Geſtattet Ihr, Hallgerdr Jonſon, daß
ich Euch hinüber führe nach Reykjavik? fragte Ingwald
Anderſen.
Hallgerdr ſah unſchlüſſig von einem zum anderen,
dann blickte ſie hinab.
So komm doch, winkte Signe, die ſtrahlend zwiſchen
Einigen Offizieren und dem dicken Kommerzienrat in
der Barkaſſe ſaß, ein Patz iſt noch frei. Komm ſchnen,
Hallgerdr, ſonſt fahren wir wahrhaftig ohne Dich ab.
(Fortſetzung folgt.)
Seite 26.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 6. April 1912.
Nummer 82.
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Nummer 82.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 6. April 1912.
Seite 31.
Badajoz.
Ein Erinnerungsblatt zur 100jährigen Wiederkehr der
Verteidigung.
Von Hauptmann E. Maurer, Freiburg i. B.
(Schluß.)
Die Heſſen auf der Breſche.
Bei der Erſtürmung von Badajoz durch die Engländer
und Portugieſen in der Nacht vom 6. zum 7. April 1812.
Motto: Der Soldat muß ſich können fühlen,
Wer’s nicht edel und nobel treibt,
Lieber weit von dem Handwerk bleibt.
Soll ich friſch um mein Leben ſpielen,
Muß mir noch etwas gelten mehr:
-
Ja, über’s Leben geht noch die Ehr‟!
Schiller.
Den braven Kampfgenoſſen
zur 25jährigen Gedächtnisfeier des Kampfes zu Badajoz
und den Manen der daſelbſt gefallenen Brüder
gewidmet
von dem Verfaſſer.
Voilendet iſt der Sonne Lauf,
Feurig glühen ihre letzten Strahlen,
Drohend ſteigen ſchwarze Wolken auf,
Die in Abendglut ſich blutig malen;
Schaurig hüllet die Natur
Sich in finſtre Schatten ein
Und es ſchweiget jede Kreatur.
Einſam ſchreitet nur allein
Abgemeſſinen Schrittes durch die Nacht
Noch der Poſten, welcher wacht
In der Feſte unten am Glacie. —
Horch! jetzt rufet er: „qui vit”!
Nein, es war des Totenvogels Schrei,
Der, im Feindeslager aufgeſchreckt
An der Feſte flog vorbei.
Oft ſchon hat er uns geneckt!
Ihm verleiht der aberwitz’ge Wahn,
Töricht, die prophet’ſche Gabe,
Als künd’ er den Todesengel an
Und berufe Opfer zu dem Grabe.
Horch! es ſtöhnt und ächzt
Dort im Schutte und Getrümmer
Jener Breſche. — Nein, es krächzt
Nur das Käuzchen. Immer
Hör’ ichs zu derſelben Stunde,
Wo der Poſten an dem Turme ſteht,
Wenn vor Mitternacht die Runde
Auf dem Walle hin und wieder geht.
Auch mag’s Mancher nicht wohl leiden,
Denn ſein Krächzen ſoll nicht Gut’s bedeuten.
Will’s wohl glauben,
Daß es uns nichts Gutes mag verkünden.
Dennoch ſoll es uns den Mut nicht rauben
Und uns ſtets auf unſerm Poſten finden.
Sind wir nicht die alten, wackern Heſſen?
Hat der Sieg uns nicht ſchon oft gelacht,
Wenn wir uns mit Kampfbegier gemeſſen
Mit dem Feind in blutig, heißer Schlaſcht?
Fanden wir nicht bei Zornoſa ſchon
Unſers Mutes ehrenvollen Lohn?
Standen wir nicht brav und kühn
In der Schlacht bei Medellin?
Rückten wir nicht mutig wacker vor
In dem Kampf bei Meſa de Ypor?
Oder in Aſturiens hohen Felſenrücken,
Wo der Spanier nie dem Mauren wich,
Ließen wir uns ſiegreich dort nicht blicken,
Als der Feind bei Salas ſetzte ſich?
Krönt” uns nicht der Sieg an beiden Orten
Wie im Süden dort, ſo hier im Norden?
Ward nicht hier wie dort die feindliche Kanone
Unſerm Mut zum wohlverdienten Lohne?
Pochte nicht das Herz des tapfern Heſſen hoch,
Als von Arzobispo ſich der Feind zurücke zog?
Und in Talavera de la Reina’s Völkerſchlacht
Schlugen ſich die Heſſen nicht bis in die Nacht?
Zogen ſie dann mutig nicht zum Tajosſtrande,
Als der Feind ſich nach der Mancha wandte,
Und als dort auf’s Neu entzündet ſich der Krieg,
Teilten ſie nicht bei Almonacid den Sieg?
Fochten ſie nicht tapfer in dem Heere,
Als der Spanier 30 Tauſend ſtreckten die Gewehre
Bei Ocana, in der Mancha Herz?
Achtete der Heſſe je Gefahr und Schmerz? —
Drum, mag Totenvogel oder Käuzchen ſchrei’n,
Mutig wird der Heſſe ſtets im Kampfe ſein!
Eingeſchloſſen hat des ſtolzen Britten Uebermacht,
Die zu Lutſitaniens Schutze er hierher gebracht,
Uns mit ſeinem Bundesgenoſſen zwar
Hier in dieſer Feſte Wällen;
Doch wir trotzen ſtandhaft der Gefahr
Und an unſerm Mute ſoll ſich ſeine Kraft zerſchellen!
Drohend donnerts aus den feindlichen Geſchützen
Lange ſchon in unſer krieggewöhntes Ohr,
Und wenn auch, getroffen von des Todes Blitzen,
Manchen Braven blutend unſer Herz verlor,
So wird darum doch des Heſſen Mut nicht ſinken,
Sollt der Tod ihm auch aus tauſend Feuerſchlünden
winken:
Kühn entſchloſſen und bereit
Stehet er gerüſtet da zum Streit.
Doch, was regt ſich dort am Horizonte?
Gleich den Meereswogen ſtrömt es durch die Nacht;
Sieh!! es flimmert dort im bleichen Monde,
Als bereite ſich der Feind zur Schlacht.
Näher ſtets und näher kömmt’s herangezogen,
Schweigend wogt es von der Ferne her,
Wie die ſchwarzen, ſturmbewegten Wogen
Auf dem fernen Abendmeer.
Sieh’! es blitzt, wie nahes Wetterleuchten,
Dort im Rücken an der Zitadelle;
Praſſelnd folgt mit ſchnellen, leichten
Donnern jetzt der Schall des Blitzes Helle.
Auf! an eure Poſten, tapf’re Heſſen!
Jetzo will der Feind ſich mit uns meſſen.
Horch! auch auf der rechten Flanke,
An der Palmas Pforte, hör’ ich was
Brüllend ſtürzt der Feind dort in die Schranke:
Wie das ſtürmet ohne Unterlaß!
Jetzt, Kamkraden, ſtehet auf den Breſchen
Mutig trotzend der Gefahr!
Unſern heißen Kampfesdurſt zu löſchen,
Bietet die Gelegenheit ſich dar.
Seht! nun drängt’s in dichten Haufen
Sich heran auf dem Glacie:
Teuer ſollen ſie das Wageſtück erkaufen,
Uebeln Lohn für ihre ſaure Müh’!
Nimmer ſoll’s dem kühnen Feind gelingen,
Wo wir kämpfen, in die Feſte einzudringen.
Ha! ſchon ſtürzet gleich der wilden Flut,
Sich der Feinde Strom hier in den Graben
„Feuer!” — Halt! Kamkraden, mäßigt euren Mut:
Ruhig, feſt entſchloſſen wartet, bis ſie haben
Unſ’re Breſchen erſt beſtiegen —
Jetzt! Kamkraden, „ſterben oder ſiegen!“
Ha! wie ſchmettert durch die dichten Glieder
Unſer tödliches Geſchoß und mäht,
Gleich der Sichel, ſie zu Hunderten danieder,
Wo der Heſſen Siegesfahne weht!
Horch! es öffnet mit des Donners Krachen
Sich der Minen Höllenrachen;
Wie aus ſpeiendem Vulkan
Schlägt die Flamme himmelan;
Hundertfach verbreitet ſich der Knall
In des Echos aufgeſchrecktem Widerhall
Und es bebt umher der Feſte Grund
Ueber dieſem Schreckensſchlund:
Weithin unter der Verſtümmelten Gewimmer
Schleudert’s das zerborſtene Getrümmer.
Grollend brüllt der Donner der Geſchütze
Durch die kalte, mitternächt’ge Luft,
Feurig zucken ſchlangenzüng’ge Blitze
Und der enge Kampfplatz wird zur Gruft;
Blutig rot entzündet flammt der Himmel
Und es raſt das heiße Kampfgetümmel.
Hundertpfünd’ger Bomben Rachen
Berſten jetzt mit lautem Krachen,
Mit zertrümmertem Geſteine
Fliegen der Zerſchmetterten Gebeine
Sauſend durch die Luft
In die off’ne Gruft.
Streitet mutig hier
An dem Cavalier!
Seht! da wollen ſie herein!
Schlaget wacker drein,
Meine Kameraden!
Werfet die Granaten
In die dichten Reih’n!
Hört ihr, wie ſie ſchrei’n?
„Ha, wie glüh’n die Röhre
Unſerer Gewehre‟
Nehmt die Pique zur Hand!
Haltet tapfer Stand!
Seht! da drängt ſich’s wieder:
Stoßt ſie nieder!
Bravo! meine Brüder;
Ha, ſie weichen
Unſer’n Streichen:
Viktoria! ihr Lieben,
Unſer iſt der Sieg geblieben!“
Aber auf dem Feld der Ehre traue keiner ſeinem Glücke!
Denn der Kriegesgott iſt falſch und lohnt mit Tücke:
Und der Götze opfert ſeine Prieſter dem Geſchicke.
Ach! indem wir auf den Breſchen ſiegen
Und der Feind muß weichen unſerm Mut,
Hat er anderwärts den Wall erſtiegen
Und den Sieg errungen ohne Blut;
Denn die weitgedehnten Feſtungswerke
Waren hier und da nicht wohl bewacht,
Und der ſpärlichen Beſatzung Stärke
Ueberbot des Feindes Uebermacht;
Und das Haupt, das überwachet, fehlte,
Denn es floh der feige Philippon,
Als der Kampf noch unſere Herzen ſtählte.
Ehrenlos, mit unſerm Fluch davon.
Schmerzlich hören wir die böſe Kunde
Auf der ſieggekrönten Stätte,
Und der Lorbeer wird zur übeln Stunde
Uns zur harten Eiſenkette.
Tief erſchüttert von des Schickſals Schlage,
Blicken traurig wir mit ſtummer Klage
Auf die teuren Todesopfer nieder,
Die auch wir dem falſchen Gott gebracht,
Auf die vielen treu geliebten Brüder,
Die gefallen, ach umſonſt! in dieſer Nacht.
Doch umſonſt ſeid ihr ja nicht gefallen,
Denn ihr ſtarbt den ſchönen Heldentod;
Euer Ruhmwird ewig laut erſchallen,
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