Abonnementspreis
mpnatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
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werden angenommen in Darmſtadt,
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ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
175. Jahrgang
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 28 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Der deutſche Kaiſer iſt geſtern früh von Venedig
nach Brioni abgereiſt.
Die Nordd. Allg. Ztg. dementiert die Gerüchte von
einem beabſichtigten Rücktritt des
Reichskanz=
lers.
Der Reichstagsabgeordnete Albert
Trä=
ger, älteſtes Mitglied des Reichstages, iſt geſtern im
82. Lebensjahre geſtorben.
Eine Geſellſchaft von 11 Skifahrern wurde
bei Hochſchneeberg bei Wien von einer Lawine
verſchüttet. Nur eine Perſon iſt gerettet worden.
In Bad Gaſtein wurde eine neue
Thermal=
quelle entdeckt.
Die Verhandlungen des engliſchen
Pre=
mierminiſters mit den Minenbeſitzern
und den Vertretern der Bergleute
wur=
den auf Dienstag vertagt.
Automobilbanditen verübten in Montgeron
und Ehantikly Bluttaten, durch die die
Be=
völkerung von Paris in große Aufregung verſetzt
wor=
den iſt.
Bei den Wahlen in Griechenland erhielt die
Regierung eine ſehr große Mehrheir.
Marokko.
— Das deutſch=franzöſiſche Abkommen
über Marokko iſt zwar unterzeichnet, aber damit iſt die
Marokkofrage keineswegs völlig erledigt, wie man jetzt
wahrzunehmen genug Gelegenheit, hat. Insbeſondere
meldet ſich jetzt eine Stelle, von der man die
allerwenig=
ſten Schwierigkeiten erwartet hatte, nämlich der
Sul=
tan Muley Hafid, über deſſen Kopf hinweg die
Mächte ihre Entſchlüſſe gefaßt haben, unbekümmert
darum, was der Beherrſcher des ſcherifiſchen Reiches
dazu ſagen würde. Hatte man es doch überdies von
franzöſiſcher Seite gefliſſentlich immer ſo dargeſtellt, als
ob der Sultan ſelber es geweſen ſei, der Frankreich zu
ſeinem Schutz herbeigerufen habe, und der geradezu ſtolz
darauf ſei, unter franzöſiſchem Protektorat zu ſtehen. Man
hat an der Seine in dieſer Hinſicht ſtark geflunkert und
muß nun ſehen, daß die Dinge bei weitem nicht ſo
gün=
ſtig ſtehen, wie man wahrmachen wollte. Der Sultan
weigert ſich, die franzöſiſche Miſſion zu empfangen, die
wegen des Protektorats mit ihm verhandeln ſoll; er ſtellt
ſich krank, nach einer anderen Verſion ſoll er ſogar den
Palaſt verlaſſen und ihn unbewohnbar gemacht haben,
weil dort die franzöſiſche Miſſion untergebracht ſein
wollte.
Man darf die Bedeutung dieſes Vorganges, ſo
un=
weſentlich ſie vielleicht auch erſcheinen mag, und ſo ſicher
Muley Hafid wird nachgeben müſſen, keineswegs
unter=
ſchätzen. Der Vorgang iſt zweifellos ein Symptom für
die in Fez herrſchende Stimmung und es iſt keineswegs
ausgemacht, daß das Beiſpiel des Sultans bei den
ver=
ſchiedenen Stämmen nicht Nachahmung findet. Die
Marokkaner haſſen die Franzoſen genau ſo wie alle
ſon=
ſtigen Europäer, ſie betrachten ſie als Eindringlinge, und
es kann leicht dahin kommen, daß der Tanz von neuem
losgeht und die franzöſiſchen Truppen wieder
gezwun=
gen werden, größere Expeditionen zu unternehmen; hat
es doch auch in der letzten Zeit an kleineren Gefechten
nicht gefehlt, ein Beweis, daß die franzöſiſche Herrſchaft
keineswegs geſichert iſt.
Zu alledem kommen noch die Differenzen mit
Spa=
nien. Hat ſchon der Vertrag mit Deutſchland geraume
Zeit in Anſpruch genommen, ſo ziehen ſich die
Verhand=
lungen zwiſchen Paris und Madrid ungemein in die
Länge und ſind ſchon mehrfach unterbrochen — wenn
nicht abgebrochen geweſen. Spanien pocht auf ſeine
al=
ten Rechte und ſagt nicht ohne weiteres zu den
weit=
gehenden franzöſiſchen Wünſchen Ja und Amen. Man
ſtützt ſich auf den Vertrag von 1904 und wehrt ſich gegen
die franzöſiſchen Aufſaugungsgelüſte. Die ſpaniſche
Preſſe führt eine ſehr ſcharfe Sprache gegen die
Fran=
zoſen, man wolle lieber an ein Schiedsgericht
appellie=
ren als gegenüber den übertriebenen Forderungen
Frank=
reichs nachgeben. Ja, es wird ſogar geſagt,
daß Spanien an einer eventuellen Entente mit Frank=
reich abſolut kein Intereſſe mehr habe, wenn man die
Zeche zahlen müſſe.
Aus alledem ſieht man, daß die Marokkofrage von
einer Löſung noch recht weit entfernt iſt und daß es noch
immer zu Ueberraſchungen kommen kann.
Die Deckung der Wehrvorlagen.
Nunmehr iſt auch, wie die Kölniſche Volkszeitung
mitteilt, die Deckungsvorlage dem Bundesrat
zuge=
gangen. Sie,ſchlägt die Beſeitigung der Liebesgabe vor.
Die Erwartung, daß die Intereſſen der ſüddeutſchen
Bren=
ner in irgend einer Weiſe wahrgenommen würden,
be=
ſtätigt ſich. Die Vorlage behält nämlich für die
ſüddeut=
ſchen Brenner eine Spannung von 10 Mark bei.
Außer=
dem iſt für diejenigen kleinen Brenner, die auf ihr
Kon=
tingent Verzicht leiſten, eine angemeſſene Abfindung
vor=
geſehen. Die Vorlage ſoll bereits am 1. September d. J.
in Kraft treten. Die durch die Beſeitigung der
Liebes=
gabe zu erwartende Mehreinnahme wird für das erſte
Halbjahr auf 14 Millionen Mark, für das zweite volle
Jahr auf rund 35 Millionen Mark berechnet.
Nach allem, was man über die Stimmung bei den
Parteien hört, wird, abgeſehen von der im Prinzip
negierenden Sozialdemokratie, den Wehrvorlagen von
keiner Seite grundſätzlich Oppoſition gemacht werden,
wenn auch ſelbſtverſtändlich die Forderungen im
einzel=
nen einer kritiſchen Prüfung unterliegen werden. Der
Schwerpunkt wird aber in der Deckungsfrage liegen, da
die von der Regierung vorgeſchlagene Aufhebung der
Branntwein=Liebesgabe angeſichts der damit
verknüpf=
ten Entſchädigung für die ſüddeutſchen Brenner für die
Reichskaſſe nur höchſtens etwa 30 Millionen Mark
brin=
gen wird, ſo daß alſo im Durchſchnitt 83, im Jahre 1914
ſogar 97 Millionen Mark auf die Ueberſchüſſe des Jahres
1911 und die laufenden Einnahmen verwieſen werden.
Somit dürfte ſich die Wehrvorlagedebatte vor allem zu
einer finanzpolitiſchen geſtalten, bei der von liberaler
Seite die Erbſchaftsſteuer in den Vordergrund geſtellt
werden wird mit Berufung darauf, daß, wie aus den
Kundgebungen der letzten Tage hervorgeht, bei den
Re=
gierungen Sachſens, Württembergs, Badens, Heſſens,
und ſogar auch Bayerns eine ſtarke Stimmung dafür
vor=
handen war, jetzt dieſe Erbſchaft des Fürſten Bülow
an=
zutreten.
Deuſches Reich.
Unbegründete Kriſengerüchte. Zur
Zeit, als die Kriſengerüchte entſtanden, wurde von
ver=
ſchiedenen Seiten auch die Behauptung von dem
bevor=
ſtehenden Rücktritt des Reichskanzlers verbreitet.
Da die Gerüchte nicht zum Schweigen kamen und
neuer=
dings auch dadurch feſtere Geſtalt annahmen, daß von
ei=
nem formell erfolgten Rücktrittsgeſuch des Reichskanzlers
geſprochen wurde, ſo ergeht folgendes Dementi in der
Norddeutſchen Allgemeinen Zeitung: „In verſchiedenen
Blättern wird erzählt, der Reichskanzler habe am 13.
ds. Mts. ein Abſchiedsgeſuch eingereicht. In einer
Prö=
vinzzeitung war noch hinzugefügt, der Kanzler habe nach
einer Auseinanderſetzung mit dem Kaiſer ſein
Entlaſ=
ſungsgeſuch eigenhändig geſchrieben, verſiegelt und „durch
den Hausminiſter überbringen” laſſen. Es gibt Politiker,
die aus dem Ausbleiben des Dementis den Schluß
ziehen möchten, es müſſe doch etwas Wahres daran ſein.
Deshalb mag hiermit feſtgeſtellt ſein, daß die ganze
Ge=
ſchichte in das Reich der Fabel gehört.‟ Ein Berliner
Telegramm der Kölniſchen Zeitung weiſt auf das
De=
menti hin und fügt hinzu: Man kann die
Grundloſig=
keit jener Gerüchte am beſten aus der Tatſache
beurtei=
len, daß der Kaiſer gerade in den Tagen, die als die
Kriſentage bezeichnet werden, den Kanzler in ſehr
freund=
ſchaftlicher Weiſe aufforderte, ihn während ſeines
Aufent=
haltes in Korfu zu beſuchen. Herr von Bethmann
Holl=
weg wird der kaiſerlichen Einladung nachkommen und die
Oſtertage zu einer Reiſe nach Korfu und einem kurzen
Aufenthalt auf dem Achilleion benutzen, wo er einige
Tage als Gaſt des Kaiſers weilen wird. Mit irgend
welchen politiſchen Dingen hat die Reiſe nichts zu tun.
Rücktritt des Frhrn. von Marſchall.
Frhr. v. Marſchall, der deutſche Botſchafter in
Konſtan=
tinopel, hat, wie der Berliner Börſen=Courier hört, dem
Reichskanzler kürzlich mitgeteilt, daß er mit Rückſicht auf
ſein Alter ſich der Bürde des Amtes nicht mehr gewachſen
fühle. Frhr. v. Marſchall hat in den letzten Jahren
wie=
derholt den Wunſch ausgeſprochen, in den Ruheſtand zu
treten, iſt aber ſtets infolge der Vorſtellungen der
maß=
gebenden Stellen, die den erfolgreichen Diplomaten nicht
gern gehen laſſen wollten, noch weiter auf ſeinem Poſten
verblieben. Der Rücktritt von Marſchall wird ſich noch
im Laufe dieſes Sommers vollziehen. Wie verlautet,
will Marſchall ſeinen Lebensabend in ſeiner badiſchen
Heimat verbringen.
Ein Reichskartellgeſetz ſoll in
Vorbe=
reitung ſein. Es ſchweben Erwägungen darüber, ob man
ein Reichskartellamt als beſondere Abteilung im
Reichs=
amt des Innern, oder als eigenes Amt, etwa nach dem
Vorbild des Aufſichtsamts für Privatverſicherung,
ein=
richten ſoll. Das Kartellamt ſoll die Aufgabe haben, die
Kartelle einer genauen Beaufſichtigung zu unterwerfen,
ihre Satzungen zu prüfen und zu den Beratungen der
Kartelleiter einen Kommiſſar zu entſenden. Ferner ſoll
ihm das Recht zuſtehen, gegen unbotmäßige Kartelle
ge=
wiſſe Maßnahmen zu ergreifen. Vorgeſehen iſt ferner
die Führung eines Kartellregiſters.
— Neue Garniſonen. Infolge der neuen
Hee=
resvorlage ſind größere Aenderungen in der Dislokation
von Truppen zu erwarten. Insbeſondere werden
meh=
rere rheiniſche Städte Garniſonen erhalten, vor allen
Dingen auch einige in der Eifel. Zu dieſen ſoll vor allem
auch Düren gehören.
— Erhöhter Schutz des
Wahlgeheim=
niſſes. Wie die Tägl. Rundſchau hört, ſchweben
Er=
wägungen, die eine Erhöhung und Verbeſſerung des
Schutzes des Wahlgeheimniſſes für die Wahlen zum
Reichstag bezwecken. Man denkt daran, einheftliche
Wahlurnen zu beſchaffen, deren Konſtruktion das
Ge=
heimnis der Wahl ſichert und die Möglichkeit einer
Beob=
achtung der Wähler durch irgendwelche Machenſchaften
mit den Wahlzettelumſchlägen ausſchließt. Die
Wahl=
urne ſoll von Reichs wegen den einzelnen Wahlbezirken
koſtenfrei geliefert werden.
— Der Vorſtand des Reichsverbandes
der nationalliberalen Jugend wird am
Sonntag zuſammentreten, um zu den Beſchlüſſen des
Zenſtralvorſtandes der Nationalliberalen Partei
Stel=
lung zu nehmen und die Einberufung eines
Vertreter=
tages der Jugend vorzunehmen.
— Von der nationalliberalen Partei.
Der Voſſiſchen Zeitung wird aus nationalliberalen
Krei=
ſen beſtätigt, daß die Beſchlüſſe des Zentralvorſtandes der
nationalliberalen Partei keine Rückſchlüſſe auf die
Hal=
tung des Vertretertages geſtatten. Insbeſondere die
Reichstagsfraktion ſtehe zu achtzig Prozent zu
Baſſer=
mann.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Die ungariſche Kriſe. Graf Khuen verläßt
Wien, ohne, wie man erwartete. mit der
Kabinettsbil=
dung betraut worden zu ſein, und wird in Peſt mit den
leitenden Politikern über die Vorausſetzungen der
Lö=
ſung der Kriſe weiter verhandeln, dann aber
wahrſchein=
lich am Donnerstag dem Kaiſer von neuem berichten.
Die Schwierigkeiten liegen ſowohl in der
Reſolutions=
frage, als auch darin, daß die Vorſchläge Khuens keine
ausreichende Bürgſchaft auf Durchſetzung der Wehrreform
gegen die im Abgeordnetenhauſe vorhandene Obſtruktion
boten.
Frankreich.
Scherifiſche Armee in Marokko. Die
France Militaire meldet, daß die franzöſiſche
Militär=
miſſion in Marokko aufgelöſt und vom 1. März d. Js.
ab eine ſcherifiſche Armee gebildet wurde, deren
Kom=
mandant dem Oberbefehlshaber in Marorko
untergeord=
net ſei, der gleichzeitig der Kriegsminiſter des Sultans
ſein werde. Die Verwaltung wird in franzöſiſcher Sprache
geführt werden. Die für 1912 vorgeſehene Summe
be=
läuft ſich auf 16 Millionen. Allmählich werden die
Stämme zum obligatoriſchen (Militärdkenſt gezwungen
werden.
England.
Neue ruſſiſche Eiſenbahn=Anleihe. Dem
Evening Standard zufolge wird als unmittelbar
bevor=
ſtehend die Ausgabe einer neuen ruſſiſchen 4½proz.
Eiſen=
bahn=Anleihe im Betrage von 1400000 Pfund Sterling
erwartet. Der Kurs ſoll ſich auf etwa 97½ Prozent ſtellen.
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. März 1912.
Nummer 74.
Griechenland.
Die neue Kammer ſetzt ſich aus 181 Deputierten
zuſammen. Endgültig gewählt ſind 147 Anhänger von
Venizelos, 8 Theotokiſten, 3 Zaimiſten, 7
Mavromicha=
liſten und 8 Unabhängige. Zaimis, der frühere kretiſche
Kommiſſar, iſt gewählt. Rhalys iſt endgültig gefallen.
Venizelos erklärte, die überwältigende Mehrheit, die das
Volk ihm gegeben habe, ermögliche, das Werk der
völli=
gen Hebung des Landes zu beendigen.
Aegypten.
Die Eröffnung der
Nationalverſamm=
lung. Der Khedive hat die alle zwei Jahre
zuſammen=
tretende Nationalverſammlung mit einer Rede eröffnet,
in der er auf die Maßnahmen der Regierung hinwies,
die dieſe ſeit dem letzten Zuſammentreten der
Verſamm=
ung zur Förderung des Erziehungsweſens und der
Wie=
dergeburt der arabiſchen Literatur getroffen habe. Die
Regierung habe den Provinzialbehörden 100000 Pfund
für Erziehungszwecke zur Verfügung geſtellt, ferner ſei
die Bewäſſerung Mittel=Aegyptens in Angriff
genom=
men worden und es ſei dadurch eine halbe Million
Fed=
dangs (ein Feddang — 50 Ar) dem Anbau erſchloſſen
worden. Durch die weitere Bewäſſerung, wodurch die
Er=
höhung der Aſſuanta laperra möglich werde, würden
weiterhin 1250000 Feddangs der Bebauung erſchloſſen
werden. Die Erhöhung der Talſperre ſei kürzlich vollendet
worden. Der Khedive berichtete ferner über die
fortſchrei=
tende Verbeſſerung in den Waſſerverhältniſſen der
Delta=
provinzen Behera und Gharbiah und von ihrem Plan,
die repräſentative Regierung den Intereſſen des Landes
mehr anzupaſſen.
Amerika.
Paraguay. Die Blätter melden aus Aſuncion,
daß die proviſoriſche Regierung die Auflöſung des
Se=
nats und der Kammer verfügt habe. Emiliano
Gonza=
lez habe proviſoriſch die Präſidentſchaft der Republik
übernommen. Er werde die Wahl des Präſidenten, der
Senatoren und der Deputierten noch vor dem 1. Juli
ausſchreiben. Das neue Kabinett ſei gebildet worden,
Euſebio Ayala habe das Auswärtige übernommen.
Japan.
Die Wahlvorlage, die die Vermehrung der
Abgeordneten und der Wahlbezirke vorſieht, wurde in
gemeinſamer Sitzung beider Häuſer beraten. Eine
Ei=
nigung war unmöglich, ſodaß die Vorlage geſcheitert iſt.
* Wallau=Korell und die Immunität
der Abgeordneten. In Groß=Gerau fand
unter dem Vorſitz des Geh. Rats Dr. Wallau eine
Verſammlung der Bürgermeiſter des Kreiſes ſtatt. In
ihr ergriff der Vorſitzende das Wort, um Stellung zu
nehmen gegen die Angriffe des Pfarrers
Ko=
rell in der Zweiten Kammer. Er führte nach dem
Groß=Gerauer Kreisblatt aus:
„In der Erwiderung auf die Rede des Abg. Schmitt
hat Herr Pfarrer Korell geſagt: „Und wenn hier geſagt
worden iſt, daß ich damit die Ehre eines anderen
Men=
ſchen angegriffen hätte, ſo muß ich ſagen, das
widerſtrei=
tet dem unkorrigierten Wortlaut des Stenogramms, denn
ich habe ausdrücklich geſagt, daß es ſich um Gerſichte
han=
dele, und daß ich mich als Abgeordneter verpflichtet hielt,
ſie hier vorzubringen. Nachdem die Sache aufgeklärt
worden iſt, habe ich getan, was ich hier im Hauſe als
Ab=
geordneter, der auf Loyalität hält, tun kann.”
Nach dem amtlichen Stenogramm hat Herr Pfarrer
Korell geſagt: „Es ſind keine Gerüchte, ſondern beſtimmte
Dinge, die in der Provinz Starkenburg im Umgang ſind.”
Und was hat nun der Abgeordnete, der auf Loyalität
hält, getan, nachdem die Sache aufgeklärt war? Nichts.
Am 22. Februar brachte er ſeine Beſchuldigung vor; ich
wartete bis zum 2. März, alſo über eine Woche auf ein
Wort der Entſchuldigung, der Aufklärung — nichts er=
folgte! Am 2. März ſchrieb ich ihm und bat ihn um
An=
gabe ſeiner Gewährsmänner. Am 8. März, alſo auch
wieder erſt nach Ablauf beinahe einer Woche, erhielt ich
die Antwort, daß er die Nennung der Gewährsmänner
verweigere, die Sache aber in loyaler Weiſe mit mir
ordnen wolle. Hierauf erfolgte dann meine Antwort vom
11. März. Unſere Korreſpondenz lautet:
„Groß=Gerau, 2. März 1912. Sehr geehrter Herr
Pfarrer! Wie ich aus einer von dem Herrn Miniſter an
mich gerichteten Frage über den Beſitz von Aktien der
Rheiniſchen Schuckertwerke und der hierauf erfolgten
Er=
klärung des Herrn Miniſters in der Zweiten Kammer
entnehmen muß, haben Sie dem Herrn Miniſter mich als
denjenigen Herrn genannt, der im Verdachte ſtehe, aus
finanziellen Gründen die Rheiniſchen Schuckertwerke bei
der Stromverſorgung im Kreiſe Groß=Gerau begünſtigt
zu haben. Ich bitte Sie höflichſt. mir die Namen Ihrer
Gewährsmänner zu nennen. Mit geziemender
Hochach=
tung. Dr. Wallau.
„Zweite Kammer der Landſtände des
Großherzog=
tums Heſſen. Darmſtadt, 8. März 1912. Geehrter Herr
Kreisrat! Es liegt mir daran, die Sache, wegen deren
Sie an mich ſchreiben, zwiſchen Ihnen und mir zu einem
loyalen Ergebnis zu bringen. Wenn Sie die
Steno=
gramme des Landtages leſen, finden Sie von mir
deut=
lich ausgeſprochen, daß nicht ich Ihre Integrität
anzwei=
felte, ſondern daß ich die Gerüchte und Behauptungen
anderer wiederzugeben mich für verpflichtet hielt. Ich bin
nicht in der Lage, Ihren Wunſch nach Nennung meiner
Gewährsmänner zu erfüllen, da es ein Vertrauensbruch
von mir wäre. Ich ſtehe nicht an, zu erklären, daß ich die
Sache für eine Verleumdung halte und daß ich bereit bin,
wenn Sie es für richtig halten, in einer noch näher
feſt=
zuſtellenden Form auch außerhalb des Landtages die
Sache aufzuklären. Ergebenſt Alfred Korell.”
Groß=Gerau, den 11. März 1912. Geehrter Herr
Pfarrer! Auf Ihre Zuſchrift vom 8. I. M. habe ich zu
erwidern, daß Sie in Ihrer Rede vom 22. v. M.
aus=
drücklich geſagt haben: „es ſind nicht Gerüchte, ſondern
es ſind ganz beſtimmte Dinge in der Provinz
Starken=
burg im Umlauf.” Jetzt wünſchen Sie eine loyale
Aus=
einanderſetzung mit mir. Loyal wäre es geweſen, wenn
Sie ſich bei mir oder ſonſt wie richtig informiert hätten,
ehe Sie unter dem Schutze der Immunität den vergifteten
Pfeil gegen mich abgeſchoſſen; loyal wäre es geweſen.
wenn Sie, nachdem Ihnen das Verleumderiſche Ihrer
Behauptungen nachgewieſen war, ein Wort der
Entſchuldigung mir gegenüber gefunden hätten,
loyal wäre es ferner geweſen, wenn Sie
dieſe Lumpen nicht noch mit Ihrem Namen
deckten und der gerechten Strafe für Ehrabſchneider
ent=
zögen. Wenn ich nun unglücklicherweiſe zufällig im
Be=
ſitz einer Schuckertaktie geweſen wäre? Dann hätte ich
das Triumphgeheul von Ihrer
verleumderi=
ſchen Meute hören wollen! Eine Erklärung Ihrerſeits
iſt für mich vollſtändg wertlos; die Bevölkerung hat Ihr
Verhalten bereits gerichtet. Für mich iſt die Sache damit
erledigt. Nur einen guten Rat will ich Ihnen für Ihre
fernere parlamentariſche Tätigkeit nicht vorenthalten.
Schenken Sie in Zukunft Ihren Freunden nicht in dieſer
leichtfertigen Weiſe Glauben, denn ſehr leicht wird der
Verbreiter ſolcher „beſtimmten Dinge” der die
Verleum=
der dann der gerechten Strafe entzieht, gerade ſo
beur=
teilt, wie die Verleumder ſelbſt. Mit geziemender
Hoch=
achtung Dr. Wallau. Geh. Regierungsrat.”
* London, 25. März. Heute nachmittag fand in
der Queenshall eine Verſammlung der britiſchen
Abtei=
lung der Vereinigung deutſcher und
briti=
ſcher Kirchenmänner zur Förderung der
Beziehungen zwiſchen Deutſchland und
England ſtatt. Der Erzbiſchof von Canterbury hieß
in ſeiner Eigenſchaft als Präſident D. Spiecker und
Pro=
feſſor Deißmann, die als Abgeſandte der deutſchen
Ab=
teilung erſchienen waren, willkommen. Er erklärte, es
ſei eine bindende Pflicht für die Völker beider Länder,
einen breiten und feſten Grund zu legen, auf dem das
richtige Gefühl zwiſchen den beiden Nationen
unbeweg=
bar feſtſtehen könne. D. Spiecker und Profeſſor
Deiß=
mann traten in beredten Worten für freundſchaftliche
Be=
ziehungen ein Profeſſor Deißmann erklärte, daß eine
Verſtärkung der Verteidigungskräfte Deutſchlands nichts
als ein Mittel ſei, um die großen deutſchen
Handels=
unternehmungen zu ſchützen.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 27. März.
* Vom Hofe. Prinz und Prinzeſſin Franz
Joſeph von Battenberg nahmen am Montag an
der Frühſtückstafel im Neuen Palais teil. (Darmſt. Ztg.)
* Ernannt wurde der Hauswärter im nördlichen!
Kollegiengebäude Heinrich Langsdorf in Darmſtadt
vom Tage ſeines Dienſtantritts an zum Diener bei dem=
Kataſteramt.
g. Strafkammer. In der Nacht zum 22. Januar
war bei dem im Umbau begriffenen Schuhwarengeſchäft
von Spier am Luiſenplatz ein Einbruch verübt
worden. Die Diebe, von denen man zunächſt keine
Spur fand, hatten eine Tuffſteinwand durchſchlagen
und=
eine Bretterwand beſeitigt und hatten zunächſt aus der
Wechſelkaſſe 20 Mark geſtohlen und dann etwa 35 bis
40 Paar Schuhe im Werte von 300 Mark eingepackt und
mitgenommen. Als Täter wurden ſpäter der 23jährige
Weißbinder Jakob Schneider aus Eberſtadt und der
27 jährige Fabrikarbeiter Karl Heinrich Buſch aus
Worms ermittelt. Der Weißbinder Schneider verſprach
eines Tags einem ihm bekannten Arbeitsloſen ein Paar
Schuhe, er ging mit ihm nach dem Güterbahnhof,
wo=
die geſtohlenen Stiefel vergraben waren. Durch dieſe
Freigebigkeit kam die Täterſchaft zur Kenntnis der
Polizeibehörde. Schneider gab als Mittäter den Buſch
an, dieſer beſtreitet jedoch energiſch ſeine Beteiligung an
dem Diebſtahl. Das Gericht ſieht jedoch ſeine Teilnahme
als bewieſen an und verurteilte den Buſch zu 3 Jahren
3 Monaten Zuchthaus, den Schneider zu
2 Jahren 9 Monaten Zuchthaus, letzterem
wer=
den unter Berückſichtignng ſeines Geſtändniſſes 8 Wochen
von der Unterſuchungshaft angerechnet. — Wegen
Ver=
gehen gegen die Religion wurde nach nichtöffentlicher
Verhandlung der Landwirt Franz Rebel XI. von
Oberroden zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt.
Rebel=
hatte in der Trunkenheit im Wirtshauſe eine von einem
nicht ermittelten Reiſenden gemachte beleidigende
Aeußer=
ung über ein Dogma der katholiſchen Religion mehrfach
wiederholt. Als Milderungsgrund wurde lediglich die
ſtarke Angetrunkenheit in Betracht gezogen. — Der
66 jährige Taglöhner Karl Heinrich Pfarrer aus
Michelſtadt iſt beſchuldigt und geſtändig, zwei
Pferde=
decken und einen Schirm in Steinbach i. O. geſtohlen
zu haben. Er wird zu einer Geſamtſtrafe von 3
Mo=
naten 2 Wochen Gefängnis verurteilt.
C) Aus dem ſtädtiſchen Voranſchlag für 1912.
Für=
die Waſſerverſorgung von Arheilgen ſind
112000 Mark eingeſtellt und zwar 100000 Mark für das
Rohrnetz und 12000 Mark für die Hydranten und
Brun=
nen. An Einnahmen ſollen aus Arheilgen dei
vorausſicht=
lich neunmonatlicher Waſſerabgabe 8000 Mark erfallen:
7200 Mark für Waſſer und 800 Mark für
Hydranten=
gebühr. Man rechnet hiernach damit, daß die
Waſſer=
abgabe in der Gemeinde Arheilgen von Anfang Juli ds.
Jahres an erfolgen kann. Im übrigen iſt bei dem
Städtiſchen Waſſerwierk die Ginnahme nan
Waſſerzins aus der Stadt ſelbſt zu 522700 Mark
veran=
ſchlagt. etwa 14000 Mark mehr als im laufenden Jahre=
Nach Abzug aller Betriebskoſten, ſowie der für
Verzin=
ſung und Amortiſation des Anlagekapitals erforderlichen
Beträge und der Abſchreibungen verbleibt noch ein
Ueber=
ſchuß von 209000 Mark, der in die Stadtkaſſe fließen ſoll
— Die Feier des allgemeinen Buß= und Bettags
in Heſſen. Für den allgemeinen Buß= und Bettag, der
nach alter, frommer Sitte wiederum am Sonntag=
Palmarum zu begehen iſt, haben Se. Königl. Hoheit der
Großherzog die nachfolgenden Bibelſtellen als
Predigt=
texte ausgewählt und beſtimmt, und zwar: 1. Für den
Vormittag 1. Petri 5. 5—6: „Gott widerſtehet den
Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So
demütiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes,
daß er euch erhöhe zu ſeiner Zeit”. 2. Für den
Nach=
mittag Joſua 24, 15: „Ich und mein Haus wollen
dem Herrn dienen‟. — Auch in dieſem Jahre ſoll der
Ertrag der am Sonntag Palmarum in den evangeliſchen
Kirchen zu erhebenden Kollekte zur Unterſtützung von
hilfsbedürftigen evangeliſchen Gemeinden des
Großher=
zogtums, die an Orten mit überwiegend katholiſcher
Bevölkerung beſtehen, verwendet werden.
* Kirchenmuſikaliſche Abendfeier in der
Stadt=
kirche. Es wird uns mitgeteilt, daß die Lautenbegleitung
zu dem A. Mendelsſohnſchen Liede „Der du von dem
Himmel biſt” von Herrn cand. phil. L. Stöppler
ausgeführt wird. Die Feier beginnt wieder um 8 Uhr.
Altes und Neues von Korfu.
Von Dr. H. Schröder.
Das verſteinerte Schiff des Odyſſeus. — Ein deutſcher
Achilles. — Schulenburg, Goethe und Varnhagen. — Von
Korfus Geſchichte und Natur. — Das Achilleion.
Korfu iſt die Perle des Mittelmeeres. Schon wenn
das mit allen Reizen des Südens geſchmückte Eiland
fernher aus den Fluten des Ozeans taucht, gewährt es
dem Auge das entzückendſte Bild. Wie eine farbig
leuch=
tende Schale ruht es auf dem Spiegel der kriſtallenen Flut.
und kommt man näher, dann vereinigt ſich der belebte
Hafen, die maleriſch auf den Felſen thronende Citadelle
der einſt ſo berühmten Feſtung, die Meeresflut in ihrer
ſo wunderbaren Bläue, wie ſie die Phantaſie nur ahnen
kann, zu einem unvergeßlichen Panorama. Dieſe liebliche
Inſel iſt umwoben von den Träumen einer uralten
Ver=
gangenheit; ſie iſt im Laufe der Geſchichte das Ziel ſo
mancher berühmten Seefahrer geworden, die damals nur
mühſam, durch Wind und Wetter zu manch zeitraubenden
Kreuzungen gezwungen, auf hochbordigen Kriegsſeglern
und in kleinen Felucken dem Strande zuſtrebten. Und
wieder richten ſich in dieſen Tagen die Augen der Welt
nach dieſem Eiland, aber diesmal iſt es ein ſchnellerer Kiel,
der die Adria durchfurcht und von Pola aus in grader
Linie Korfu zueilt. Nicht kriegeriſchen Zwecken, wie ſie
dereinſt die ſtolzen Dreidecker der Republik Venedig
ver=
folgten, gilt diesmal die Fahrt. Weithin kündet vom
Großtopp die goldene Standarte, daß die „Hohenzollern”
den deutſchen Kaiſer gen Süden trägt, der auf ſeinem
Sommerſitz Achilleion Erholung finden will.
Ein Land zum Träumen iſt Korfu; iſt doch hier wohl
einer der herrlichſten Dichterträume geboren worden, die
die Weltliteratur kennt! Ja, das iſt der gaſtliche Strand,
an dem der müde Wanderer Odyſſeus nach
unend=
lichen Irrfahrten und Mühſalen als armer Schiffbrüchiger
freundliche Aufnahme fand; hier iſt das Schlaraffenland
der Phäaken, die in heiterm Glück und Wohlleben ihre Tage
ſo anmutig und glänzend verbrachten, wie es nur auf
einem ſolch paradieſiſchen Fleck Erde möglich iſt.
Unwill=
kürlich rufen Meer und Landſchaft die Bilder der
Dich=
tung in uns wach. Wir ſehen im Geiſte, wie die Wogen
ſich auftürmen in wildem Grimm, erregt durch des unver=
ſöhnlichen Neptun ſtrafenden Zorn. Wir verfolgen mit
ängſtlicher Spannung das Los des Irrfahrers, mit dem
die Wellenkämme ihr gefährliches Spiel treiben; wir
dan=
ken der hilfreichen Leukothea, die ihn errettet, und ſehen
ihn endlich halbtot nackt und bloß an die bergende Küſte
getrieben, noch einmal dem Todesſchickſal entronnen, das
ihn umlauert. Und wenn wir vom Meere hin zum
Markte ſchreiten, dann werden all die Szenen der
wunder=
vollen Idylle lebendig. Uns umſchwebt die jungfräulich
zarte Stimmung der Nauſikaa=Geſtalt, das wimmelnde
Leben des gaſtlichen Hofes entfaltet ſich vor uns, und aus
dem fernen Wogengemurmel erſteht die ahnungsreiche
Begleitung, die einſt zu des Odyſſeus großer Erzählung
ihre einförmige Melodie ſang. Das Andenken des großen
Dulders lebt noch heute in der Sage der Korfioten fort;
ſie zeigen uns von einem Punkte nahe der Stadt aus ein
Felſeninſelchen in einer Meeresbucht und nennen dies
winzige Eiland das verſteinerte Schiff des Ulyſſes.
Heute trägt das Inſelchen ein ganz mit Grün
bewachſe=
nes, von Cypreſſen umgebenes kleines Kloſter. Homer
er=
zählt ja im 13. Geſang der Odyſſee, daß phäakiſche
Männer den Odyſſeus nach Ithaka heimbrachten, daß aber
ihr Schiff auf der Rückkehr von dem Meerbeherrſchenden
Poſeidon zur Strafe in eine Inſel verwandelt wurde,
be=
vor es Korfus Strand wieder berührte. So lebt des
Odyſſeus Andenken in ſeinem verſteinerten Schiff fort.
Doch wer ſteht dort auf dem Marktplatz, wo wir ſeiner
Geſtalt ſoeben noch im Traum zu begegnen glaubten?
Es iſt ein anderer, ein hiſtoriſcher Held, der
neben dem Sagenkönige die höchſte Geltung im Andenken
der Korfioten beſitzt; es iſt ein deutſcher Landsmann,
deſſen Ruhm hier im ſteinernen Standbild feſtgehalten iſt
und zwei Jahrhunderten wie allen Unbilden des Wetters
in dieſem Werk getrotzt hat. Die Inſchrift am Sockel
mel=
det uns, weß Namen und Stand er geweſen: Matthiae
comiti Schulemburgio, summo terrestrium copiarum
praefecto, christianae reipublicae in Corcyrac obsidione
laborantis fortissimo assertori, adhue viventi,
Sena-
tus. Anno 1716, die 12. sept. Dem Reichsgrafen
Matthias von der Schulenburg, dem höchſten
Befehlshaber ſeiner Landtruppen, widmete alſo der Senat
von Venedig dies Denkmal als dem Höchſttapfern Erretter
der chriſtlichen Republik bei der Belagerung des
bedräng=
ten Korfu. Schulenburg war es geweſen, der 1716 die
furchtbarſte Wut der Türkenmacht zerbrach, die ſich
ſeit=
dem nie wieder ſo drohend und gefahrvoll gegen die
chriſt=
lichen Staaten erhoben hat. Ihm allein gebührte Ehre
und Verdienſt dieſer außerordentlichen Verteidigung, die
er bei dem ſchlechten Zuſtand der Feſtungswerke und der
ſchwachen Beſatzung nur mit der Aufbietung aller Kräfte
und der größten perſönlichen Tapferkeit durchgeführt hat.
Bewundernd nannte man ihn damals den „zweiten
Achilles” und ſein Ruhm erſcholl durch ganz Europa. Die
Kaiſer und Könige des chriſtlichen Europa ſprachen ihm
ihren Dank aus und Venedig ehrte ſeinen General in
einer ſo unvergleichlichen Weiſe, wie ſeine Heldentat
bei=
ſpiellos geweſen war. Die Stadt, die den nahen Fall
ihrer Vormauer Korfu mit Zittern erwartet hatte und der
Flut des türkiſchen Einbruchs nicht hätte Widerſtand
leiſten können, war von unbeſchreiblichem Jubel erfüllt;
im Dom von San Marco wurde ein feierliches Dankfeſt
abgehalten; der Senat beſchloß, nachdem er den
Schutz=
patron von Korfu. dem heiligen Spiridion — deſſen
Reli=
quien die griechiſche Kirche von Korfu noch heute bewahrt
gebührenden Dank dargebracht hatte, dem weltlichen
Beſchützer außer einem koſtbaren Ehrendegen und einem
lebenslänglichen Ehrenſold ein Denkmal in Lebensgröße
auf dem großen Marktplatz von Korfu darzubringen. Der
berühmte Bildhauer Franz Imbianchi vollendete das
ſtattliche Werk in Marmor; alle andern Bildſäulen, die
man früher verſchiedenen venezianiſchen Proveditoren
er=
richtet hatte, wurden niedergeriſſen, damit das Monument
in einſamer Größe von hoher Stelle aus weit über das
Meer hinſchaue. So ward Schulenburg eine Ehrung
zuteil, wie ſie Venedig vorher noch nie einem Ausländer,
beſonders nicht einem Proteſtanten, erwieſen hatte. Als
bald darauf 1718 ein Teil der Stadt durch
Pulvereni=
zündung zerſtört wurde, blieb das Denkmal wie durch ein
Wunder mitten unter den Trümmern unverſehrt, und
noch heute beherrſcht das Standbild dieſes „deutſchen
Achilles” die Stadt.
Bis an ſein Lebensende hat Schulenburg der Republik
gedient. Als 1747 die Leiche des Siebenundachtzigjährigen
mit höchſter Feierlichkeit in Benedig beigeſetzt wurde, weilte
gerade Goethes Vater in der Lagunenſtadt und
be=
wahrte eine unvergeßliche Erinnerung an dies prunkvolle
Begräbnis. Kupferſtiche, die den Helden und ſein
Denk=
mal darſtellten, brachte er in die Heimat mit und hat ſie
Nummer 74.
Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. März 1912.
Seite 3.
* Naumann=Vortrag. Der Vorſtand der
Fort=
ſchrittlichen Volkspartei macht ſeine Mitglieder auf den
wom Bund für Volkskultur heute Mittwoch abend in
ider Turnhalle am Woogsplatz ſtattfindenden Vortrag
ides als hervorragenden Redner und Sozialpolitiker
be=
kkannten D. Fr. Naumann aufmerkſam und fordert
ſeine Mitglieder zu zahlreichem Beſuch auf. Wegen
des zu erwartenden großen Andrangs wird recht früh=
Zeitiges Erſcheinen empfohlen. Karten ſind im
Verkehrs=
lbureau erhältlich. Der Saal wird pünktlich 7 Uhr
ge=
föffnet, Zugang nur durch den Haupteinzang. Die
Damen werden gebeten, die Hüte abzunehmen. Naumann
ſtritt nach dieſem Vortrag eine längere Erholungsreiſe
gan und es wird ſich nicht ſobald wieder Gelegenheit
bbieten, dieſen bedeutenden Redner zu hören.
* Cercle francais. Man ſchreibt uns: Montag
rabend fand der dritte Vortrag des Herrn Profeſſeur
J. Berryer im Kaiſerſaal ſtatt. Gegenſtand des
Vor=
trags war „Alph. Daudet et ses oeuvres‟ In
aus=
ldrucksvoller, klarer Weiſe ſchilderte Profeſſeur Berryer
Das Leben von dem meridionalen Alph. Daudet, und
zwar hauptſächlich ſein Werk: Le petit chose, ſodann
trug er aus „Contes de mon moulin” intereſſante
Stellen vor. Schließlich deklamierte er den Monolog:
„ai du chic” von Coquelin=Cadet vorgetragen, welcher
Uebhaften Beifall fand. Der Vortrag war gut beſucht
rund dürften die Zuhörer durch die langſame, ſehr ſchöne
rund klangvolle Ausſprache des franzöſiſchen Redners
zum Verſtändnis der Schönheiten der Sprache und der
Werke Daudets gelangt ſein
* Abgeſtiegen ſind im Hotel „Traube” Fürſt und
Fürſtin zu Iſenburg=Birſtein, Fürſt zu Leiningen, Fürſt
zzu Solms=Lich, Prinz zu Solms=Braunfels, Graf zu
Stolberg=Roßla und Familie, Graf von Schlitz, Graf zu
Erbach=Fürſtenau, Graf zu Solms=Aſſenheim, Graf zu
Solms=Laubach, Baron von Riedeſel, Baron von
Wam=
bolt, Geh. Kommerzienrat Gail, Geh. Rat Dr. Schmidt,
WGeh. Rat Dr. Stroh, Geh. Rat Dr. Bamberger.
* Deutſcher Flottenverein. Der Heſſiſche
Landesver=
bund des Deutſchen Flottenvereins gibt ſoeben ſeinen
Jahresbericht für das Jahr 1911 heraus, aus dem
fol=
gendes zu entnehmen iſt: Die Hauptverſammlung
des Deutſchen Flottenvereins wurde am 28. Mai 1911 in
Nürnberg abgehalten. An ihr nahm auch der Schutzherr
des bayeriſchen Landesverbandes, S. K. H. Prinz Georg
von Bayern teil. Vom Heſſiſchen Landesverband
wa=
ren anweſend die Herren Dr. Merck, Oberbürgermeiſter
Schäfer, Kontreadmiral z. D. Weſtphal, Ingenieur
Ho=
burg und Bergkaſſierer Winter. Der Beſuch aus allen
Teilen Deutſchlands war ſehr zahlreich und die Tagung
verlief außerordentlich angeregt. Beigetragen hierzu
hat=
ten zunächſt die umſichtigen Vorbereitungen ſeitens des
bayeriſchen Landesverbandes und vor allen Dingen der
von dem Präſidenten, Sr. Exz. dem Großadmiral von
Köſter in ausführlicher Weiſe begründete Antrag für eine
Reſolution an, den Reichskanzler. Dieſer Beſchluß
wurde einſtimmig unter begeiſtertem Beifall ohne
Dis=
kuſſion angenommen. Die ſehr gut beſuchte
Haupt=
verſammlung des Landesverbandes fand
am 5. September in Auerbach ſtatt, über die wir bereits
berichtet haben. Leider haben die Anregungen, daß die
einzelnen Gruppen eines Kreiſes ſich zu einer
Kreis=
gruppe zuſammenſchließen möchten, einen weiteren
Er=
folg in dieſem Jahre nicht gehabt. Die Mitgliederzahl
bewegt ſich ſeit 1907 zum erſten Male in aufſteigender
Linie. Es iſt eine Zunahme von 175 Mitgliedern zu
ver=
zeichnen. Die Zahl der dem Verein angehörenden
Kör=
perſchaften iſt um 32 gewachſen mit 572 Mitgliedern.
Hauptſächlich iſt dieſe Zunahme der vom Präſidium
an=
geregten lebhafteren Agitation zu verdanken. In den
übrigen Landesverbänden haben ſich ferner allein in der
erſten Hälfte des Jahres 1911, alſo noch bevor die
leb=
haftere Agitation einſetzte, 32 neue Orrsgruppen
gebil=
det, während im Heſſiſchen Landesverband eine
Ver=
mehrung nicht eingetreten iſt. Einige Gruppen haben ſich
aufgelöſt, andere ſind dafür hinzugekommen.
* Ausſtellung. Auf die am 27., 28. und 29. März
im Penſionat Dupré ſtattfindende Ausſtellung von
Handarbeiten der Schülerinnen werden Intereſſenten
und Freunde auch an dieſer Stelle aufmerkſam gemacht.
Siehe Anzeige.)
* An die Waſſerkante. Der Heſſiſche Landesausſchuß
des Deutſchen Flottenvereins führt in der
Zeit vom 18. bis 25. Juli ſeine diesjährige
Geſell=
ſchaftsfahrt nach dem in früheren Jahren bewährten
Programm durch: Hamburg, das nordiſche Venedig, der
bedeutendſte Handelsplatz des Kontinents, entrollt ein
umfaſſendes Bild unſeres Welthandels, das herrlich
ge=
legene Kiel zeigt die ihn ſchützenden Machtmittel; ein
Beſuch des Felſeneilandes Helgoland ſchiebt ſich
dazwi=
ſchen. Je zweitägiges Verweilen vermeidet
Ueberan=
ſtrengung, ſodaß ſelbſt weniger rüſtige Damen und Herren
mit Genuß teilnehmen können. Auch Nichimitglieder ſind
bei frühzeitiger Anmeldung willkommen. Preis 110 Mk.
Beteiligung an einer fünftägigen Anſchlußfahrt nach dem
reizvollen Dänemark wird ermöglicht. Programme ſind
von den Flottenvereins=Geſchäftsſtellen und von dem
Heſſiſchen Landesausſchuß, Darmſtadt, Waldſtraße 1
(offen von 3—6 Uhr nachmittags) zu erhalten. Im
Groß=
herzogtum Heſſen wird nur dieſe Fahrt vom
Flottenver=
ein veranſtaltet, nur ſie gewährt die daraus erwachſenden
Vorteile.
D Poſtblatt. Anfang April erſcheint eine neue
Nummer des Poſtblatts, das eine Beilage zum
Reichsanzeiger bildet, aber auch für ſich bezogen werden
kann. Im Poſtblatt, das im Reichs=Poſtamt
zuſammen=
geſtellt wird, ſind die wichtigſten Verſendungsbedingungen
und Tarife für Poſtſendungen aller Art, ſowie für
Tele=
gramme enthalten. Auf die ſeit dem Erſcheinen der
vorangegangenen Nummer (Anfang Januar)
einge=
tretenen Aenderungen wird in der neuen Nummer durch
beſonderen Druck (Schrägſchrift) hingewieſen. Das
Poſt=
blatt kann auch neben anderen, umfangreicheren
Hilfs=
mitteln für den Verkehr mit der Poſt und Telegraphie
(Poſtbücher, Poſt= und Telegraphennachrichten für das
Publikum uſw.) mit Vorteil benutzt werden, weil es
dieſe bis auf die neueſte Zeit ergänzt.
* Orpheum — Bauerntheater. Die Oberbayern
brin=
gen heute Mittwoch, den 27. März, die erſte Aufführung
des vieraktigen Volksſtücks von Hans Werner „Um Liab
und Leben” Morgen Donnerstag kommt zur Aufführung
„Bauern=Moral” von J. Kirchner=Lang. (S. Anzeige.)
* Das Reſidenztheater am Weißen Turm, das größte
und eleganteſte Lichtſpielhaus Heſſens, bringt von heute
Mittwoch bis inkl. Freitag u. a.: „Verfehltes Leben”
großes Drama in drei Akten, verfertigt von der
Nordi=
ſchen Filmfabrik, Kopenhagen. Die großen nordiſchen
Films zeichnen ſich durch beſonders künſileriſche
Auf=
machung u. vor allem anderen dadurch aus, daß ſie es
vor=
trefflich verſtehen, hersliche Naturaufnahmen mitz iſem
Vorwurf des Dramas zu verbinden, ſodaß dieſe Art
Auf=
nahmen von beſonderem Wert und Schönheit ſind, da
ſie neben dem Vorwurf die herben Schönheiten der
nor=
diſchen Landſchaft vermitteln. (S. auch Anzeige.)
* Verſchwunden iſt ſeit einigen Tagen ein hieſiger
Geſchäftsmann, der Metzgermeiſter R. aus der
Feldberg=
ſtraße, der aus Groß=Umſtadt ſtammte und ſeit letztem
Herbſte hier ſelbſtändig war. Er hat ſeine Familie
mit=
genommen, aber eine große Schuldenlaſt hinterlaſſen.
§ Zuſammenſtoß. Am Montag nachmittag zwiſchen
4 und 5 Uhr iſt in der Ludwigshöhſtraße ein Wagen
der elek’riſchen Straßenbahn mit einem beladenen
Fuhr=
werk zuſammengeſtoßen, wobei an letzterem ein kleiner
Schaden entſtanden iſt.
Seeheim, 25. März. Das im „Darmſtädter Hof”
abgehaltene Dekorierungsfeſt der hieſigen
Oden=
waldklub=Ortsgruppe nahm einen in jeder Hinſicht ſchönen
Verlauf. Vertreter des Zentralausſchuſſes und mehrerer
benachbarter Ortsgruppen hatten es ſich nicht nehmen
laſſen, dem Feſte beizuwohnen und dadurch das Gefühl der
Zuſammengehörigkeit und Kameradſchaftlichkeit unter den
Klubmitgliedern zu bekunden. Gediegene Geigenvorträge
des Geſchwiſterpaares Boſſe, vortreffliche Lieder von
Fräulein Käthe Seitz und ein famoſes Odenwaldklub=
Döppelquartett ſorgten für den muſikaliſchen Teil des
Abends, während eine nette und flottgeſpielte muſikaliſche
Humoreske (Frl. Seitz, Lehrer Meier) das Publikum in die
richtige Stimmung für den „Clou” des Abends brachten,
für den vom Vorſitzenden Dr. Max Koppe verfaßten
Touriſtenſchwank „Die Meier’n” in welchen der eigentliche
Dekorierungsakt in geſchickteſter Art verflochten war.
Geſpielt wurde derſelbe ganz ausgezeichnet. Frl. Roſa
Cülp (die „Meiern”), Carl Frank („Lebrecht Meier”),
Frl. Käthe Schmidt („Wirtstochter Liſett”) und Frl.
Marie Seeger (Wirtin „Zum ſcheelen Kibitz” in
Wald=
hinkelsbach i. O.) boten treffliche Leiſtungen. Herr Kaſſier
Löwe trank auf die Ortsgruppe Seeheim im Namen der
Gäſte, während der Vorſitzende allen Mitwirkenden dankte
von denen noch Herr Lehrer Meier und Herr cand. mach.
K. Groll mit humoriſtiſchen Vorträgen wohlverdienten
Beifall ernteten.
Offenbach, 26. März. Die 13 Volks= oder
Bür=
gerſchulen der Stadt Offenbach zählten am Ende des
Jahres 1910/11 insgeſamt 11926 Schüler, und zwar 5953
Knaben und 5973 Mädchen. Der Konfeſſion nach waren
6766 Schüler evangeliſch, 4309 katholiſch, 135 altkatholiſch,
470 deutſchkatholiſch und 246 israelitiſch. Zur Entlaſſung
kamen 611 Knaben und 656 Mädchen, zuſammen 1267
Kin=
der. An den Bürgerſchulen wirkten insgeſamt 239
Lehr=
kräfte, 181 männliche und nur 58 weibliche, 177 definitiv
und 62 proviſoriſch angeſtellte. 135 der Lehrkräfte waren
evangeliſcher, 88 römiſch=katholiſcher, 3 alt= und 8
deutſch=
katholiſcher und 5 israelitiſcher Konfeſſion. Weiterhin
waren 24 Handarbeits= und 4 Kochlehrerinnen an den
Schulen tätig. Die Fortbildungsſchule wurde am Ende
des Schuljahres in den 3 Abteilungen von 1370 Knaben
beſucht, die von 48 Lehrern unterrichtet wurden.
Néu=Iſenburg, 25. März. In der letzten Zeit
wur=
den hier verſchiedene Fahrraddiebſtähle auf die
raffinierteſte Weiſe ausgeführt, ohne daß es gelang, den
Dieb feſtzuſtellen. Als nun am Samstag durch den
Schutzmann Nennſtiel ein Radfahrer angehalten wurde,
der eines der geſtohlen Räder fuhr, gelang es, die Spur
des Diebes zu entdecken und ihn in der Perſon des 20
jäh=
rigen Gelegenheitsarbeiters Knöß zu verhaften. Allein
in voriger Woche wurden drei Räder in verſchiedenen
Wirtſchaften geſtohlen und einem hieſigen Althändler
verkauft.
Groß=Steinheim, 25. März. Ein ſchwerer
Un=
glücksfall ereignete ſich am Samstag abend vor
Schluß der Arbeitszeit in der Zigarrenfabrik von Karl
und Wilhelm Carſtenjen hier. Ein junger Burſche, der
14jährige S., der älteſte von 9 Geſchwiſtern, geriet beim
Putzen einer Maſchine in das Kammrad, ſodaß
der Arm vollſtändig gequetſcht wurde und
vorausſichtlich ſteif bleiben wird. Es iſt dies um ſo
be=
dauerlicher, als dieſer Junge der einzige war, der
ſei=
ner Mutter wöchentlich einen kleinen Verdienſt nach
Hauſe brachte.
Klein=Steinheim, 25. März. Heute vormittag gegen
6 Uhr ſtieß die Straßenbahn Hanau-Groß=
Steinheim in der Nähe der Halteſtelle am Schulhaus zu
Klein=Steinheim mit dem Fuhrwerk des
Holzhänd=
lers J. K. Nohl in Klein=Steinheim zuſammen.
So=
wohl das Fuhrwerk als auch die Elektriſche wurden
be=
ſchädigt; ein Maſt der Elektriſchen wurde umgeriſſen.
Nonrod, 26. März. In der Nacht zum Montag wurde
bei einer Schlägerei der 26jährige Maurer Jakob Berg
durch Meſſerſtiche ſchwer verletzt. Die ſchweren
Ver=
letzungen in Kopf und Rücken machten die Ueberführung
Bergs in das Darmſtädter Krankenhaus nötig, wo
be=
reits eine eidliche Vernehmung des Verletzten ſtattfand.
Als Täter wurde der 17jährige Dienſtknecht Philipp
Rai=
mund aus Laudenau ermittelt, der bereits in
Unter=
ſuchungshaft genommen wurde. Die Schlägerei entſtand
wahrſcheinlich aus Eiferſucht. In der Begleitung des
Raimund befanden ſich noch zwei Laudenauer Burſchen,
in der Begleitung des Verletzten ſein Bruder Adam Berg.
Mainz, 26. März. Das Statiſtiſche Amt hat im
De=
zember v. J. eine amtliche Zählung der
leerſtehen=
den Wohnungen vorgenommen. Ihre Zahl betrug
947, das iſt 3,61 Prozent. Während in den Stadtteilen
Mainz und Mainz=Kaſtel der Normalſatz von 3 Prozent
überſchritten iſt, wird er in Mainz=Mombach nicht erreicht.
Er beläuft ſich dort auf nur 1,91 Prozent. In Mainz=
Mombach herrſcht alſo Wohnungsmangel. Die meiſten
Wohnungen ſtehen leer im zweiten Polizeibezirk. Es ſind
dies zum Teil Wohnungen, die infolge ihrer
Beſchaffen=
heit und Lage als minderwertig bezeichnet werden müſſen.
Hinſichtlich der Größe der leerſtehenden Wohnungen
er=
gibt ſich folgendes Bild: Es betrug die Geſamtzahl der
Kleinwohnungen 12982, die Zahl der leerſtehenden
Kleinwohnungen 584 (4,50 Proz.), die Geſamtzahl der
größeren Wohnungen 13272, die leerſtehenden großen
Wohnungen 363 (2,70 Proz.). Bei den Kleinwohnungen
iſt alſo der Normalſatz von 3 Prozent erheblich
über=
ſchritten.
Mainz, 26. März. Bei den Abtragungsarbeiten am
Binger Tor rutſchte geſtern nachmittag ein Teil des Walles
zuſammen und begrub die Maurer Wilh. Langeck
und Franz Schenk aus Mombach unter ſich. Die
Kol=
legen der Verunglückten gruben die Verſchütteten ſofort
aus. Langeck trug einen Unterſchenkelbruch und
dem Knaben Goethe gezeigt. Als Varnhagen von
Enſe in ſeinen „biographiſchen Denkmalen” Schulenburg
eine prächtige Lebensbeſchreibung widmete, erinnerte ſich
Goethe dieſes Helden ſeiner Kindheit und ſchickte den
Kupfer mit dem Denkmal 1825 mit folgenden Worten an
den Biographen: „Auch erhalten ſie eine Rolle mit dem
Standbilde des Grafen Schulenburg, zu Korfu errichtet;
nehmen Sie jenes früher zitierte Familienblatt geneigt
auf, und bewahren es mir zum Andenken. Dem Hiſtoriker
iſt es gewiß intereſſant, daß er, durch zwei Generationen
vermittelt, über ein Jahrhundert perſönlich zurückgreift.”
Außer dem Standbild Schulenburgs befinden ſich heute
noch auf Korfu ein Denkmal für Kapo d’Iſtrias und eins
für den Kronprinzen Rudolf von Oeſterreich, zu denen vor
einem Jahre nun noch die große vom Kaiſer für Korfu
beſtellte Achilles=Statue von Herter gekommen iſt.
Mit den großen Tagen der Verteidigung Korfus gegen
die Türken, da es ſich als Bollwerk der ganzen Chriſtenheit
gegen die mohammedaniſche Gefahr bewährt hatte, war die
Heldenzeit in der Geſchichte der Inſel dahin. Mit
der joniſchen Inſelgruppe, zu der es gehört, wurde Korfu
im Wiener Kongreß unter den Schutz Großbritanniens
ge=
ſtellt, welches dadurch in Verbindung mit dem Beſitz von
Malta und Gibraltar die Seeherrſchaft im Mittelmeer
erlangte. Aus dieſer Schutzherrſchaft hat England die
Inſeln erſt wieder entlaſſen, und in ihre Vereinigung mit
dem griechiſchen Königreich gewilligt, als im Jahre 1863
Georg I., ein Bruder der damaligen Prinzeſſin von Wales,
den Thron in Athen beſtieg. Unter der engliſchen
Herr=
ſchaft war der Mittelpunkt von Korfu das Haus des Lord=
Oberkommiſſars ,weit berühmt wegen ſeiner Lage und
ſeiner wundervollen Ausſicht. Der Garten, der den
pracht=
vollen Beſitz umſchloß, vereinte in ſeiner duftenden
Herr=
lichkeit alles, was man ſich an Blühendem nur denken
kann. Palmen wuchſen hier neben japaniſchen
Miſpel=
bäumen, beſonders aber fielen die Akazienbäume auf, an
deren Stämme empor ſich in voller Blüte ſtehende Roſen
bis weit in die Aeſte hinein gerankt hatten. Die Wunder
dieſes Gartens und überhaupt die landſchaftliche Schönheit
Korfus hat in begeiſterten Worten Graf Eulenburg
ge=
ſchildert, der im Jahre 1860 als Gaſt des engliſchen
Gou=
verneurs auf Korfu weilte.
Am beſten lernt man Land und Leute auf einer Fahrt
durch die ganze Inſel kennen, die etwa 3½ Meilen breit iſt.
Unaufhörlich faſt rollt der Wagen durch Olivenbaine, deren
ſtrenge feierliche Pracht durch Orangen= und Feigenwälder,
durch Cypreſſen und Granatbäume unterbrochen wird. Im
Schatten der Wälder weiden langwollige Schafe, braune
Ziegen, Rinder, Eſel und Pferde. Zu Pferde ſind auch faſt
alle Landleute, denen man begegnet, und zwar reiken auch
die Frauen mit ſtolzer Würde im Herrenſitz. Die farbigen
griechiſchen Gewänder, die ſich im ſchönen Faltenwurf um
die prächtigen Geſtalten drapieren, erhöhen noch den
maleriſchen Reiz des Landſchaftsbildes, das dann am
Ziele der Fahrt durch den Blick auf die wundervollen
Meerbuchten geſchloſſen wird. Von den blühenden
Gärten ſchweift der Blick auf das tiefblaue, ſich
weithin=
dehnende joniſche Meer. Der überwältigendſte Anblick
bietet ſich wohl von einem erhöhten Punkt der Oſtküſte
aus, von dem man nach dem Feſtlande hinüberſchauen
kann. auf dem die Schneegipfel der Berge in den Strahlen
der Sonne golden erglühen.
Einen neuen Mittelpunkt hat Korfu in dem
Sommer=
ſitz des Kaiſers, dem Achilleion, erhalten. Das Schloß
mit ſeinem ſchönen Park liegt 1½ Stunden von der Stadt
entfernt. Unten am Strand befinden ſich die Badehäuſer
und eine weit ins Meer hinausgebaute Mole geſtattet das
Landen unmiktelbar unterhalb des Schloſſes. Natur und
Kunſt vereinigen ſich, um das Achilleion zu einem
unver=
gleichlichen Erholungsaufenthalt zu machen. Wie der, der
nach Korfu kommt, ohne ſein Zutun gleichſam eine
Ver=
jüngung erfährt, da der griechiſche Kalender 14 Tage
hinter dem unſeren zurückbleibt, ſo iſt in einem tieferen
Sinne das Eiland ein Born der Verjüngung und
Er=
friſchung, vor anderen Städten der Erde begnadet durch
die Geſchenke der Natur, die Erinnerungen der Geſchichte
und die Märchenſchöne der Dichtung.
Berliner Muſikbrief.
Man ſchreibt uns aus Berlin: Im Theater des
Weſtens wurde am Samstag „Dieſchöne Helena”
von Offenbach in der Inſzenierung von Maq
Reinhardt zum erſten Male aufgeführt. Eine
Sen=
ſation für das Publikum, nicht aber für jene, die in einer
Operette der Muſik doch mindeſtens dieſelben Rechte
ein=
geräumt wiſſen wollen, wie dem ſzeniſchen Beiwerk. Die
„Schöne Helena” iſt eine von Satire erfüllte muſikaliſche
Komödie, deren Wirkungswerte zunächſt im Stoff und
lbſtverſtändlich nicht zum geringſten Teil in der Muſik
enthalten ſind. Eine doppelt unterſtrichene Inſzenierung
braucht dieſe einfache Geſchichte gar nicht. Daß dem ſo
iſt, hat ſich zweifellos allein ſchon daraus ergeben, daß in
dem tollen Wirbel von geſchwungenen nackten Beinen,
Biedermeierkoſtümen, verwegenen Farbenkombinationen
und in das Fabelhafte geſteigerten Dekorationen die
Muſik kaum zur Geltung gekommen iſt. Die Zuhörer
haben ja gar nicht die Zeit dazu, der Muſik zu folgen,
wenn ſie in jedem Augenblick von einem äußerlichen
Ein=
druck zu dem anderen geſtoßen werden, wenn die
Mit=
wirkenden auf einem Blumenſteg mitten durch das
Par=
kett auf die Bühne hinaufſtürmen, und wenn ein Effekt
den anderen ohne Unterbrechung ablöſt. So hat Offenbach
dieſe Muſik ſich allerdings nicht gedacht. Es iſt äſthetiſch
grundfalſch, auf dieſe feinen zarten melodiſchen Linien
den grobſinnlichen Effekt der äußerlichen Wirkung zu
ſtülpen, und das Ergebnis des Ganzen iſt, daß aus
die=
ſer Operette eine ſchön ausgeſtattete Poſſe geworden iſt.
Die Darſtellung iſt den Winken des Herrn und
Mei=
ſters getreulich gefolgt. In erſter Linie hat der muſikaliſche
Leiter der Aufführung, Oskar Fried, alles getan,
was dazu beitragen konnte, das Muſikaliſche zu hemmen
und zu verkehren. Dem Fluſſe der Melodie ſtemmte er
ſich mit der ſchweren Wucht gedehnter Tempi entgegen,
und aus dem vielen Ausdeuten und Hineindeuten erwuchs
eine Verzerrung des muſikaliſchen Gehalts der Partitur.
In dieſem Sinne iſt ihm auch die Vertreterin der
Haupt=
rolle, Ilona Hajdu, inſofern liebvoll
entgegenge=
kommen, als ſie in ihrer temperamentloſen Art die „
He=
lena” abſolut nicht muſikaliſch und darſtelleriſch
zutref=
fend verkörperte. Sehr gut entledigte ſich Herr Kutzner
als „Paris” ſeiner Aufgabe, und dem unendlich
komi=
ſchen Herrn Pallenberg aus Wien ſei gern atteſtiert,
daß er den „Menelaus” drollig und ulkig gegeben hat.
Volles Lob gebührt Poldi Deutſch, der einen
prächti=
gen „Kalchas” auf die Szene ſtellte. Den allzu viel
mimenden und agierenden Chören blieb unter ſolchen
Umſtänden nicht genügend Zeit übrig, ihre muſikaliſchen
Aufgaben zu löſen. Zwiſchen Orcheſter und Bühne war
nicht immer der wünſchenswerte Einklang vorhanden,
und auch die Sauberkeit der Geſänge ließ mitunter recht
viel zu wünſchen übrig. Mit dem Publikum beteiligten
ſich das Kronprinzenpaar und Prinz und Prinzeſſin Eitel
Friedrich an dem ſtarken Beifall, der der Aufführung
ge=
ſpendet worden iſt.
J. G. Lusztig.
Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch
Schenk eine Fußverletzung davon. Die Verletzten wurden
mittels Droſchke ins Rochushoſpital gebracht.
Worms, 26. März. Nach Beendigung der geſtrigen
Vorſtellung im Spiel= und Feſthaus verſammelten
ſich die Mitwirkenden und der Theaterausſchuß in dem
oberen Sälchen zu einer kleinen Abſchiedsfeier.
Oberbürgermeiſter Köhler dankte den Darmſtädter Gäſten
für alles Schöne, das ſie mit ihrer Kunſt in der
abgelaufe=
nen Spielzeit den Wormſern dargeboten haben, gedachte
der aus dem Verbande Ausſcheidenden und ſprach den
Wunſch aus, daß das ſchöne Verhältnis, das zwiſchen dem
Darmſtädter Hoftheater und unſerem ſtädtiſchen
Spiel=
hauſe ſeit 23 Jahren beſteht, auch fernerhin erhalten
bleiben möchte. Hofrat Winter ſchloß ſich dem Wunſche
an. Er ſchloß mit einem Hoch auf die Stadt Worms.
Worms, 27. März. Geſtern abend hatte ſich von dem
gegenwärtig im hieſigen Zollhafen vor Anker liegenden
Dampfer „William Egan 9‟ der Heizer Wilh. van den
Bergen mit einem Matroſen von demſelben Dampfer
nach der Stadt begeben, um einzukehren. Als ſie um ein
Uhr gemeinſchaftlich wieder an Bord zurückgekehrt waren,
trennten ſich beide dorten und begaben ſich nach ihren
Schlafräumen. Heute früh fand man die Mütze des
Hei=
zers auf Deck, während der Heizer ſelbſt
verſchwun=
den iſt. Zweifellos iſt der Mann, der etwas angetrunken
geweſen ſein ſoll, in der Dunkelheit ins Waſſer geſtürzt
und ertrunken. Die Leiche konnte bis jetzt nicht gefunden
werden.
Eich, 26. März. Zu dem bereits mitgeteilten Unfall
ſind noch folgende Einzelheiten nachzutragen: In der
Wirtſchaft „Zur Linde” von A. Jäger ſaß abends nach
9 Uhr der junge Gutsbeſitzer Ernſt von Büngener
(nicht Behler, wie zuerſt berichtet) vom nahen Gut
Lieb=
frauenthal mit mehreren Herren. v. Büngener hantierte
mit einem Revolver, der ſich plötzlich entlud. Die Kugel
drang dem Schuhmachermeiſter Gg. Ziegler III. in die
Seite. Ziegler erlitt derartige Verletzungen, daß er nach
wenigen Minuten ſtarb. Der bedauernswerte 43jährige
Mann hinterläßt eine Frau mit drei unmündigen Kindern.
v. Büngener ſtellte ſich ſofort nach der unglückſeligen Tat
der Gendarmerie, v. B. iſt der Sohn eines Bankdirektors
in Köln.
Bingen, 26. März. Vor Eintrittt in die Tagesordnung
gab der Bürgermeiſter der Stadtverordneten=
Verſamm=
lung von einem Schreiben des Reichstagsabgeordneten des
hieſigen Kreiſes, Dr. Becker, Kenntnis, nach dem die
Pläne für die neue Rheinbrücke bereits im
Eiſenbahn=Miniſterium fertiggeſtellt worden ſeien. Die
neue Brücke ſoll die beiden Rheinufer zwiſchen Geiſenheim
und Gaulsheim verbinden. Die Brücke wird
ausſchließ=
lich als Eiſenbahnbrücke ausgeführt werden, doch ſoll an
einer Seite, vielleicht auch an beiden, ein Fußgängerſteg
angebracht werden. Ferner ſoll die Brücke ausſchließlich
vom linken Rheinufer Anſchluß an den Schienenweg
rhein=
auf und rheinab erhalten. Danach würde alſo wohl
Rheinheſſen mit dem Rheingau verbunden, jedoch nicht
das letztere mit dem erſteren. Ferner teilte Dr. Becker in
dem Schreiben mit, daß die Ausſichten der Stadt Bingen
zur Erhaltung einer Garniſon günſtige wären und er
hoffe, in den nächſten Tagen darüber erſchöpfendere
Aus=
kunft geben zu können.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 25. März. Ein neues
Heim für den Kronprinzen wird nun doch im
Neuen Garten zu Potsdam errichtet werden. Freilich
iſt der Neubau nur in Form eines größeren Landhauſes
gedacht; die Vorarbeiten des Baues, der Prof. Schulze=
Naumburg übertragen iſt, ſind bereits ſehr vorgeſchritten,
ſodaß in kurzer Zeit mit den Ausſchachtungsarbeiten
be=
gonnen werden kann. — Profeſſor Wilhelm Münch,
Lehrer der Pädagogik an der Berliner Univerſität, iſt
geſtorben. — Heute begann vor der 10. Strafkammer
der Prozeß gegen den Drogiſten Scharmach und
Genoſſen, die angeklagt ſind, durch die Herſtellung und
den Vertrieb von Methylalkohol den Tod der 89 Aſyliſten
im Berliner Obdach vor Weihnachten ſowie fünf
Erblin=
dungen verurſacht zu haben. Es kam aber noch nicht
zur Verhandlung, da der Prozeß bis Freitag vertagt
wurde, um der Verteidigung Zeit zur Vorbereitung zu
geben. — Eine nicht eben gewöhnliche Unterhaltung
hat=
ten heute morgen die Standinhaber und Käufer in der
Zentralmarkthalle am Alexanderplatz. Plötzlich
bemerk=
ten einige Leute einen Affen, der in dem Geſtänge
un=
ter dem Dache herumſprang. Er ſah intereſſiert auf das
Treiben unter ſich, zeigte aber keine Luſt, ſich von einigen
„beherzten” Männern, die Anſtalten zu ſeiner „
Feſt=
nahme” machten, fangen zu laſſen. Im Gegenteil: er
ſprang und kletterte immer weiter und machte ſich über
ſeine Verfolger, die die Jagd mit ziemlich primitiven
Mitteln betrieben, luſtig. Ueber den Erfolg der Jagd
iſt nichts bekannt geworden.
Frankfurt, 26. März. Die Vorarbeiten für die
Er=
weiterungsbauten des Hauptbahnhofs
ſind jetzt ſo weit gefördert worden, daß am 1. April das
Baubureau eingerichtet werden kann, das den Bau in
Angriff nehmen wird. Wie bekannt ſein dürfte, handelt
es ſich bei dem Umbau um zwei Hallen, die an die Nord=
und die Südſeite des Hauptbahnhofs angebaut werden
ſollen. Der Südflügel ſoll zuerſt erſtehen. Die
Verlän=
gerung des vor den Hallen gelegenen Querbaues wird
erſt nach Fertigſtellung der Seitenflügel vorgenommen
werden.
München, 26. März. Das Königliche Reſidenztheater
erlebte bei der geſtrigen Aufführung des Luſtſpiels von
Sternheim „Die Kaſſette” einen Theaterſkandal,
wie München ihn noch nicht geſehen hat. Das Stück
wurde bei offener Szene vom zweiten Akt an unter
fort=
währendem Hohnlachen und Skandal zu Ende geführt.
Sämtliche Hoflogen waren von bayeriſchen Prinzen
be=
ſetzt, die Zeugen der Vorgänge waren.
Aſchaffenburg, 26. März. Fräulein Würzer,
eine beliebte Schauſpielerin am hieſigen Stadttheater, iſt
infolge Morphiumvergiftung geſtorben.
Hohenlimburg, 25. März. Der 11jährige Sohn eines
Prokuriſten, der das Jagdgewehr ſeines Vaters aus dem
Schrank genommen hatte, ſchoß im Scherz vom Balkon
der elterlichen Wohnung auf den im Garten ſtehenden
13jährigen Sohn eines Fabrikanten und tötete ihn
auf der Stelle; er hatte ihn ins Herz getroffen.
Leipzig, 25. März. Das Reichsgericht verwarf
die Reviſion des Fabrikarbeiters Johann Baptiſt
Adolf, der vom Schwurgericht Mülhauſen (Elſaß) am
2. Februar 1912 wegen Raubmordes zum Tode
verur=
teilt worden iſt. Er hatte am 12. September 1911 die
Wirtin Witwe Katharine Weber in Sandweiler bei
Sennheim erwürgt und beraubt.
Wien, 25. März. Eine aus elf Perſonen
be=
ſtehende Geſellſchaft von Skifahrern unter Führung
des Wiener Bezirksrichters Hacker wurde heute mittag
in der Nähe von Hochſchneeberg bei Wien von einer
Lawine erfaßt und verſchüttet. Bisher iſt
ein Teilnehmer gerettet, ein Toter namens Emerich
Neu=
ner geborgen worden. Eine Expedition zur Rettung der
Verſchütteten iſt abgegangen. Die übrigen Skifahrer,
ſämtlich Wiener, werden für verloren gehalten.
Weiter wird hierzu gemeldet: Die Expedition zur
Rettung der von einer Lawine verſchütteten Touriſten
mußte infolge Schneeſturmes in das Hotel
Hochſchnee=
berg zurückkehren. Mit dem erſten Frühzug heute
mor=
gen wird das Eintreffen des alpinen
Rettungsaus=
ſchuſſes aus Wien erwartet. Von dem einzigen
Men=
ſchen, der bisher gerettet worden iſt, einem Fräulein
Papleit, wurde folgendes mitgeteilt: Die Partie brach
unter Führung des Dr. Hacker auf. Auf dem
Serpen=
tinweg zwiſchen Kaiſerſtein und Kloſterwappen gerieten
die Abſteigenden an eine mächtige, etwa ſechs Meter
überhängende Schneemaſſe. Dr. Hacker war etwas
vor=
aus. Fräulein Papleit hatte ihm kaum zugerufen, daß
ſie den Schnee unter ihren Füßen wanken fühle, als die
ganze Schneefläche zu rutſchen begann. Sie bearub die
Teilnehmer unter ſich. Zwei Holzknechte, die eben die
Fiſcherhütte abgeſperrt hatten und auf dem Heimwege
waren, ſahen die unheilvolle Szene und begannen mit
ihren Schaufeln die Rettungsarbeit. Da Fräulein
Papleit nur von einer dünnen Schneedecke bedeckt war,
wurde ſie bald hervorgezogen. Sie iſt vollſtändig
unver=
letzt. Die Holzknechte ſchaufelten weiter und bargen
Herrn Emerich Neuner aus Wien, aber als Leiche. Sie
führten alsdann Fräulein Papleit ins Schneeberghotel,
von wo ſie nach Wien gebracht wurde.
Peſt, 25. März. Bei dem Kanalbau auf dem
Hun=
gariaring ſtürzten heute abend infolge mangelhafter
Steifung etwa 50 Kubikmeter Erde auf 10 Arbeiter.
Sieben Arbeiter wurden gerettet, drei konnten nur als
Leichen geborgen werden. Der Polier wurde
ver=
haftet. Gegen den Unternehmer iſt ein Verfahren
ein=
geleitet worden.
Bern, 26. März. In Graubünden ſind zwei
Schwei=
zer Skiläufer, die über den Septimer=Paß im
Enga=
din wollten, vom Schneeſturm überraſcht
wor=
den. Während es dem einen gelang, nach Bergell
abzu=
ſteigen, um Hilfe zu holen, iſt der andere vor Erſchöpfung
zurückgeblieben und erfroren. Heute geht eine
Kolonne=
zur Bergung der Leiche ab.
Rom, 26. März. Der Mailänder Secolo berichtet,
daß die gerichtliche Unterſuchung wegen des
Mordanſchlages auf den König abgeſchloſſen
iſt. Die Unterſuchung hat ohne den geringſten Zweifel
dargetan, daß kein Komplott beſtand und der
Mord=
anſchlag Dalbas das Werk eines überſpannten Geiſtes
iſt. Der Prozeß gegen Dalba wird nächſte Woche vor
dem Schwurgericht in Rom zur Verhandlung gelangen.
Dalba ſteht unter der Anklage des verſuchten
Königs=
mordes.
Brüſſel, 25. März. Prinzeſſin Stephanie
legte Berufung gegen die gerichtliche Regelung des
Nachlaſſes Leopold II. ein.
New=York, 26. März. In einem hieſigen Logierhaus
entſtand ein Feuer, das mit großer Schnelligkeit um
ſich griff und das Gebäude faſt völlig zerſtörte. Unter
den Gäſten entſtand eine ungeheure Panik. Zwei
Per=
ſonen ſind verbrannt, fünf weitere erlitten ſchwere
Ver=
letzungen. Die Entſtehungsurſache des Feuers iſt noch
unbekannt.
Parlamentariſches.
*X* Darmſtadt, 26. März. Der
Finanz=
ausſchuß der Zweiten Kammer hielt heute
unter dem Vorſitz des Abg. Dr. Oſann wieder eine
Sitzung ab, um noch mehrere Regierungsvorlagen,
An=
träge und Vorſtellungen für die Plenarberatung
fertig=
zuſtellen. Die Regierungsvorlagen, betr. die
Staats=
ſchuldenverwaltung für 1908, und betr. die Nachweiſe
für die Landeskreditkaſſe in den Jahren 1906 und 1907,
ferner die Regierungsvorlage, betr. die Kreisärzte,
Kreisaſſiſtenzärzte uſw., und die Vorlagen, betr.
Weg=
parzellen in Gernsheim und Grundſtücksteile in Groß=
Umſtadt, wurden ohne beſondere Diskuſſion erledigt.
Der Antrag Ulrich und Genoſſen, betr. Abänderung der
Gewerbeinſpektion, wurde für erledigt erklärt, nachdem
ſeitens der Regierung nachgewieſen worden war, daß
die Reviſionen der Gewerbeinſpektoren vermehrt worden
ſind und daß beſondere Beſchwerden oder
Unzuträglich=
keiten über eine allzu geringe Anzahl von Reviſionen
nicht hervorgetreten ſind. Weiter beſchloß der Ausſchuß,
die Vorſtellung Großh. Staatsbeamten i. P. um
ander=
weite Regelung ihrer Bezüge, ſowie die Vorſtellung des
Vereins der heſſiſchen Domanialforſtwarte um
Beſſer=
ſtellung, und in Verbindung damit eine Vorſtellung des
Heſſiſchen Jagdklubs zuſammen mit der demnächſtigen
Regierungsvorlage über die Beamtenbeſoldungsreform
zu beraten. Bei dem Antrag Ulrich, betr. die
Hilfs=
angeſtellten in Staatsbetrieben, und dem weiteren
An=
trag Ulrich, betr. die Bahn durch das Modautal, zwei
Anträge, die ohne beſondere Begründung vom
Antrag=
ſteller faſt alle Jahre wiederholt werden, beſchränkte ſich
der Ausſchuß auf den Beſchluß, die Anträge für erledigt
zu erklären, da keinerlei neue Tatſachen zu den früheren
Erörterungen über dieſe Anträge beigebracht worden ſind.
Im Anſchluß an dieſe Ausſchußberatungen ſtellte der=
Vorſitzende, Dr. Oſann, ausdrücklich feſt, daß alle
Vor=
lagen, die dem Ausſchuß überwieſen wurden, von
dieſem auch erledigt worden ſind, mit Ausnahme
der=
jenigen, bei denen bisher eine Regierungsantwort noch
nicht erfolgt iſt, und der Schuldentilgungsvorlage, die
der Ausſchuß ausdrücklich bis zur Einbringung des
Geſetzentwurfs über die Beamtenbeſoldungsreform
zurückzuſtellen beſchloſſen hat, um danach über die
finan=
ziellen Anforderungen an die Staatskaſſe ein klares Bild
zu gewinnen. Die in einer der letzten Kammerſitzungen
vom Abg. Raab gegen die Tätigkeit des
Finanzaus=
ſchuſſes erhobenen Vorwürfe ſind ſomit völlig
unbe=
gründet.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 26. März. Präſident Dr. Kaempf
eröff=
net die Sitzung um 1,20 Uhr. Dritte Beratung des in
Brüſſel am 17. März 1912 vollzogenen Protokolls betr.
die Fortſetzung der durch den
Zuckervertrag vom 5. März 1912
gebildeten Internationalen Vereinigung.
Abg. v. Gräbski (Pole): Beim Abſchluß der
Kon=
vention iſt keine Rückſicht auf die Intereſſen der
Konſu=
menten genommen worden. Für Rußland ſpringen
au=
ßerordentliche Vorteile aus dem Abkommen heraus. Die
Reichsregierung hätte allen Anlaß, ſich Rußland
gegen=
über zu ſichern, daß die Beſtimmungen der Konvention
innegehalten werden, damit die deutſche Zucker=Induſtrie
Großherzogliches Hoftheater.
Montag, 25. März:
„Der Raub der Sabinerinnen”.
W-l. Der ausgelaſſene Schönthanſche Schwank Der
Raub der Sabinerinnen” gelangte heute nach
mehrjähri=
ger Pauſe wieder zur Aufführung und erzielte einen
durchſchlagenden Heiterkeitserfolg. Die Zugkraft ſolcher
Stücke wird erhöht, wenn ſie nicht zu oft aufgeführt
wer=
den. Der Schwank hat auch mehrere dankbare Rollen,
zu denen in erſter Linie die des Theaterdirektors
Emanuel Strieſe aus Sachſen gehört, die einen
Prüf=
ſtein für die komiſche Beanlagung ihres Darſtellers
ab=
gibt. Bis auf den ſächſiſchen Dialekt, der wohl nur von
den mit Elbwaſſer Getauften ganz echt geſprochen wird,
und wie alle Dialekte ſchwer zu erlernen iſt, entſprach
Herr Jordan allen Anforderungen der Rolle und ließ
an komiſcher Pointierung und Wirkung nichts zu
wün=
ſchen übrig. Aber faſt noch gelungener war der Profeſſor
Gollwitz des Herrn Lehrmann deſſen ernſt
genom=
mene Aufſaſſung der Rolle des Autors in Aengſten und
Verzweiflung durch den Kontraſt um ſo komiſcher wirkte.
Auch Herr Wagner als Karl Groß und Frau
Ru=
dolph als Roſa entwickelten viel Humor; nur hätte
letztere beſſer getan, den gekünſtelten Dialekt ganz beiſeite
zu laſſen. Mit der Beſetzung der weiblichen Rollen
des Schauſpiels in letzter Zeit können wir uns nicht
immer einverſtanden erklären. Weshalb Frl.
Grün=
berg die ihrem Repertoire fern liegende Rolle der Frau
Marianne ſpielte, iſt nicht klar, da andere Kräfte des
Schauſpiels dafür vorhanden ſind. Das Koſtüm, in dem
ſie erſchien, war deplaziert. Friſch und natürlich wie
immer war Frl. Gothe als Paula; dasſelbe gilt auch
von Herrn Schneider, der ſich in ſeiner Rolle als
jugendlicher Liebhaber auf Strieſes Bühne und im Hauſe
des Herrn Profeſſors ſichtlich wohler fühlte, als Herr
Weſtermann in der des jungen Ehemanns. Recht
würdig war Frl. Heumann als geſtrenge Frau
Pro=
feſſorin. Das Publikum unterhielt ſich aufs beſte;
ein=
zelne Szenen des Stückes entfeſſelten wahre Stürme des
Beifalls.
Konzerte.
mm. Zu ſeinem zweiten Konzert mit großem
Orcheſter, welches am Montag abend im großen,
außer=
ordentlich ſtark beſuchten Saalbauſaale ſtattfand, hatte
der Mozartverein ein ebenſo reichhaltiges und
viel=
ſeitiges wie bedeutungsvolles Programm aufgeſtellt,
deſſen erſte Abteilung außer Chören mit Soloſtimmen
und Orcheſter auch fünf Lieder der Soliſten mit
Begleit=
ung des großen Orcheſters enthielt.
Eine wirkungsvolle Eröffnungsnummer bleibt immer
„Die Allmacht” von Schubert in der Bearbeitung von
Franz Liſzt, in welchem Herrn Franz Müllers
Tenor=
ſolo ſehr angenehm berührte. Auch ſeine zwei von Feliz
Mottl wunderſchön inſtrumentierten Lieder für Tenor
von F. Liſzt: „O komm im Traum” in deſſen
drama=
tiſch wirkendem Orcheſterſatz das kurze, harte
Geigenpiz=
zikato ſo hübſch mit den weicheren und nachhallenden
Harfenakkorden abwechſelt, und „Mein Kind, wär’ ich
Kö=
nig” die Herr Müller an ſpäterer Stelle vortrug, fanden
dieſelbe gute Aufnahme und brachten dem beliebten
Sänger den wohlverdienten Lorbeer ein. Herr
Hofopern=
ſänger Alfr. Stephani, der zweite Soliſt des Abends,
gab dem ruhigen Stimmungszauber, der über Gottfried
Kellers „Hymne an die Nacht” von Siegmund v. Hauſſegger
liegt, einen vollendeten Ausdruck; prächtig kontraſtierte
ſein ſonores Organ mit den rieſelnden Klängen der
Streichinſtrumente, in die ſich tiefe Waldhornklänge
wun=
dervoll miſchen.
Von ganz beſonderem Klangreiz ſind indeſſen die
beiden Lieder mit Orcheſter von Guſtav Mahler, mit
deren Vortrag Fräulein Elſe Ziegler,
Konzert=
ſängerin aus Frankfurt a. M., entzückte: Das ernſtere
durch intereſſante Klangkombinationen der begleitenden
Holzblasinſtrumente beſonders feſſelnde Lied „Ich
atmet’ einen linden Duft” ſowie ein fröhliches „
Rhein=
legendchen”, das mit ſeiner neuen, trotz reizvoller
Modu=
lation ganz volksliedmäßig bleibenden Melodie
allge=
meine Verbreitung verdient. Die in der hohen Lage
be=
ſonders klangvolle Stimme kam dann ferner zur Geltung
in einer originell inſtrumentierten, ſehr ſchönen
Kompo=
ſition: „Ein Harfenklang” von C. Bleyle, der unter
an=
derem ſehr geſchickt den lange Zeit verſchmähten Unde=
zimenakkord mächtig füllend anwendet. Desſelben
Ton=
ſetzers packendes Tanzlied „An den Miſtral” nach
Wor=
ten von Friedrich Nietzſche, in welchem die wohlklingende
Soloquartettſtelle von Herrn Franz Müller mit den
Ver=
einsmitgliedern Herren Schramm, Roth und Jung
ge=
ſungen wurde, war eine Glanznummer für den Verein
und fand auch hier die begeiſtertſte Aufnahme,
Die zweite Programm=Abteilung füllte ein
einheit=
lich in ſich abgeſchloſſenes Werk geſchichtlichen Charakters
von Heinrich Zöllner, deſſen Opus 90, das
Chor=
werk „Bonifacius”, mit Sopran= und Bariton=Solo=
und großem Orcheſter, hier zum erſten Male gehört
wurde. Die Vorberichte haben auf die beſonderen
Schön=
heiten aufmerkſam gemacht. Außer der glänzenden
rou=
tinierten Schreibweiſe für das Orcheſter iſt die Partie
der Wodansprieſterin dem Komponiſten am beſten
ge=
glückt. Nächſt dieſer liegt die größte Stärke des Werkes
in der meiſterhaften Behandlung der Stimmen des
Chores, der durch die Wechſelwirkung einer herben
Uni=
ſonomelodie mit harmoniſchem Geſang die beiden ſich
feindlich gegenüberſtehenden Parteien gut charakteriſiert.
Den Höhepunkt erreicht die dramatiſche Geſtaltung des
Tonwerkes nach dem Fall der Wodanseiche, wo die
Prie=
ſterin höchſte Töne leidenſchaftlicher Verzweiflung
an=
ſchlägt und die Zeit der Götterumnachtung und
Welt=
vernichtung gekommen wähnt. Dramatiſch zwar ebenſo
bedeutend, jedoch im muſikaliſchen Ausdruck weniger
glücklich und entſchieden, iſt dem Komponiſten die Partie
des Bonifacius geraten. Doch iſt gegen den Schluß des
Werkes hin ſein Wechſelgeſang mit den beiden
Chor=
abteilungen (die Seligpreiſungen), von großer
Schön=
heit. Ein impoſant klingender Doppelchor mit auf das
höchſte geſteigerten Orcheſtereffekten zu dem Zwiegeſang
der nun bekehrten Prieſterin mit Bonifacius ſchließt das
Werk glänzend ab, deſſen ausgedehnte Solopartien für
Frl. Ziegler und Herrn Stephani eine ſehr
dank=
bare Aufgabe bildeten, die ſie vortrefflich löſten. Der
ſtattliche Mozartchor und die Großherzogliche
Hof=
kapelle leiſteten unter der ſicheren künſtleriſchen
Leit=
ung des Vereinsdirigenten, Herrn Großh. Kapellmeiſter
Friedrich Rehbock, Vorzügliches; die
Harmonium=
partie zu Nr. 1 und 6 war bei Herrn Hoforganiſt H. R
ö=
mer in beſten Händen.
Nummer 74.
Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. März 1912.
Seite 5.
und die Konſumenten durch das große Entgegenkommen
Rußland gegenüber nicht noch weiter geſchädigt werden.
Ich vermag der Konvention aus ſachlichen Gründen nicht
zuzuſtimmen. — Abg. Dr. Arendt (Rp.): Es beſteht
die Gefahr, daß Rußland die Beſtimmungen der
Kon=
vention umgeht. Auch England gegenüber ſind wir im
unklaren Verhältnis. Es iſt zu befürchten, daß England am
1. September 1913 aus der Konvention ausſcheidet und
ſodann mit einer außerordentlichen Begünſtigung des
engliſchen Rohrzuckers zu rechnen iſt. Wir müſſen von
der Regierung Auskunft erhalten, ob England gegenüber
etwas verabredet iſt und wie die Zugeſtändniſſe lauten.
— Staatsſekretär Kühn: Ob England der Konvention
ſpäterhin angehören wird oder nicht, können wir nicht
wiſſen. Jedenfalls hat es ſich ſein Recht der Kündigung
vorbehalten. Vor Ablauf dieſes Termins beſteht
keiner=
lei Klarheit über ſeine Haltung. Schon jetzt hat
Eng=
land die Erklärung abgegeben, daß es, wenn es auch der
Konvention nicht angehört, an ſeiner Haltung nichts
än=
dern wird. Rußland iſt gehalten, über ein gewiſſes
Quantum hinaus nichts nach dem Weſten auszuführen.
Gegen eine etwaige Umgehung der Konvention werden
wir ſenergiſch einſchreiten. Eine Kontingänterhöhung
wird in Zukunft an Rußland nicht gewährt werden. —
Abg. Bernſtein (Soz.): Wir betrachten die Sache
nicht vom einſeitigen Standpunkt der Produzenten aus,
ſondern von dem der Volkswirtſchaft. England bezieht
aus ſeinen Kolonien nicht den ſiebenten Teil ſeines
Be=
darfs an Zucker. (Hört! Hört!) Eine Gefahr für die
deutſche Induſtrie liegt darin nicht. — Abg. Graf von
Kanitz (konſ.): Wir ſind ſtets für Herabſetzung der
Zuckerſteuer eingetreten. Die Konvention hatte
urſprüng=
lich den Zweck, dem heilloſen Zuſtande auf dem
Zucker=
markt ein Ende zu machen, der durch das Prämienſyſtem
entſtanden war. Jetzt hat die Induſtrie aber kein
In=
tereſſe mehr an der Konvention. Eine wirkſame
Kon=
trolle des ruſſiſchen Kontingents iſt dringend zu
em=
pfehlen. Bei einer künftigen Verhandlung dürfen nicht
aus Courtoiſie weitere Zugeſtändniſſe gemacht werden
dazu haben wir keinen Anlaß. (Beifau rechts.) — Abg.
Doormann (Fortſchr. Vp.): Wir laſſen uns nicht
davon abhalten, auch jetzt wieder der Konvention
zuzu=
ſtimmen. (Beifall.) — Abg. Kleye (nl.): Die deutſche
Zucker=Induſtrie will keine Sonderrechte, ſie will nur
gleiche Rechte wie die ruſſiſche Zucker=Induſtrie.
Sämt=
liche Intereſſentenorganiſationen nehmen Stellung gegen
die Konvention. Da iſt die Haltung der Regierung un
verſtändlich. Ich beantrage auch jetzt noch
Kommiſſions=
beratung. — Staatsſekretär Kühn: In keinem Lande iſt
eine Kontrolle leichter als in Rußland. Das dortige
Kontingent wird auf die einzelnen Fabriken verteilt, die
dann den Kontingentsſchein allerdings abtreten können.
Auch im Jahre 1902 hat die Induſtrie gegen die
Kon=
vention angekämpft, ſpäter iſt ihr Nutzen allſeitig
aner=
kannt worden. So wird es auch noch weitere ſechs Jahre
ſein.
Der Antrag auf Kommiſſionsberatung wird
abge=
lehnt und die Konvention gegen die Stimmen der
Kon=
ſervativen, der Reichsvartei, einiger Polen und
National=
liberalen angenommen.
Es folgen
Wahlprüfungen.
Ohne Debatte werden für gült g erklärt die
Wahl der Abgeordneten Ickler (nl.), Schulenburg (nl.),
Dunajski (Pole) und Dr. Erdmann (Soz.)
Es folgt die Fortſetzung der:
zweiten Leſung des Poſt=Etats.
Abg. Duffner (Zentr.): Der gute Abſchluß des
Jahres 1910/11 läßt hoffen, daß die berechtigten Wünſche
mancher Beamtenkategorien und der Altpenſionäre erfüllt
werden, die bis jetzt aus Mangel an Mitteln
unberück=
ſichtigt bleiben mußten. Die Unterbeamten müſſen vor
allem ſo geſtellt werden, daß ihre Bezüge mindeſtens
dem Durchſchnittslohn gelernter Arbeiter entſprechen. Auch
die Familienverhältniſſe, die Kinderzahl uſw. der
Unter=
beamten müſſen bei der Entlohnung der Beamten
berück=
ſichtigt werden. Dadurch würden viele Quellen der
Un=
zufriedenheit beſeitigt werden. Die Sonntagsruhe der
Unterbeamten muß auf jeden Fall durchgeführt werden,
auch der Dienſthygiene und der Wohnungsfürſorge für die
Beamten iſt ſeitens der Poſtverwaltung ein möglichſt
großes Intereſſe zuzuwenden. Der Wohnungsgeldzuſchuß
für die verheirateten Unterbeamten müßte erhöht
wer=
den, damit er nicht niedriger iſt, als der für die
unver=
heirateten Beamtinnen. Bei Bemeſſung des
Wohnungs=
geldzuſchuſſes iſt nicht mehr wie bisher auf die lokalen
Verhältniſſe Rückſicht zu nehmen. Die ſtärkere
Hinzu=
ziehung weiblicher Perſonen zum Poſtdienſt hat ſich
be=
währt. Für die vielen Poſtagenten iſt die Einrichtung
einer Penſionsverſicherung ſehr erwünſcht. Für
poſt=
lagernde Sendungen ſollten höhere Portoſätze eingeführt
werden, dadurch würde manchem Mißbrauch vorgebeugt.
Nicht nur Geſchäftsbriefe oder harmloſe Beſtellungen für
ein Stelldichein werden voſtlagernd geſandt. ſondern auf
dieſem Wege kommt auch die pornographiſche Literatur
in die Hände unſerer Schuljugend. Ich bitte den
Staats=
ſekretär um wohlwollende Prüfung und Berückſichtigung
der Wünſche der Poſtbeamten. (Beifall im Zentrum.)
Staatsſekretär des Reichspoſtamtes Krätke: Die
Berechnung der Beamtenbezüge läßt ſich nicht auf Grund
der Ueberſchüſſe der Verwaltung bemeſſen. Man kann
nicht von dem Grundſatz ausgehen, daß in einer
gutren=
tierenden Verwaltung die Ueberſchüſſe nur für die
Beam=
ten verwendet werden, dann müßte zum Beiſpiel
um=
gekehrt in der Juſtizverwaltung für die Beamten gar
nichts geſchehen. (Heiterkeit.) Hinſichtlich des Aufrückens
von Unterbeamten in die Schaffnerſtellen werden
Beſſe=
rungen geſchaffen werden, obgleich es ſchwer iſt, die
An=
wärter in andere Gegenden zu verſetzen. Die
Sonntags=
ruhe, die in den letzten Jahren allerdings ſich etwas
verſchlechtert hatte, iſt inzwiſchen wieder gebeſſert
wor=
den. Sowohl bei den männlichen wie bei den weiblichen
Beamten und den Unterbeamten iſt die freie
Sonntags=
zeit erheblich geſtiegen. Eine Verſicherung wird vielfach
von den Agenten ſelber nicht gewünſcht, weil ſie
viel=
fach in anderweitigen Beamtenſtellen ſich befinden oder
ſchon anderweitige Penſionen beziehen. Dieſen Wünſchen
gegenüber muß man etwas vorſichtig ſein. Der Dienſt
der Agenten auf dem Lande iſt nicht ſo anſtrengend, ein
Erholungsurlaub iſt durchaus nicht nötig, da ſie ſich ja
beliebig vertreten laſſen können. Eine Erhöhung des
Portos für die poſtlagernden Briefe halte ich nicht für
angängig, da müßte das ganze Poſtgeſetz geändert
werden. — Abg. Pauli=Hagenow (konſ.): Die Rede
des Abg. Zubeil war im ſchlimmſten Maße verhetzend.
Ich bedauere es lebhaft, daß es noch Beamte gibt, die
den Abg. Zubeil zum Sprachrohr ihrer Wünſche machen.
Das zeugt davon, daß die Beamten das Vertrauen in
ihre vorgeſetzte Behörde verloren haben. Mit derartigen
Kleinigkeiten ſollte der Reichstag nicht behelligt werden.
Ich halte es mit dem Weſen eines Beamten nicht
verein=
bar, ſich mit einem ſozialdemoklatiſchen Abgeordneten
in Verbindung zu ſetzen. Die Ueberſchüſſe der
Poſtver=
waltung ſind gewiß erfreulich, ſie ſollen jedoch dem
Be=
trieb der Poſt als gemeinnützige Verkehrsanſtalt wieder
zugute kommen. Die ganze Beſoldungsfrage jetzt
auf=
zurollen, iſt nicht angängig. Ich habe das Vertrauen zu
der Reichspoſtverwaltung, daß ſie den gerechten
Anfor=
derungen der Beamten Rechnung tragen wird.
Abg. Beck=Heidelberg (nl.): Die erheblichen
Ueber=
ſchüſſe der Poſtverwaltung ſind ein erfreuliches Zeugnis
von der Leiſtungsfähigkeit unſerer Beamten. Die
Unter=
beamten haben ſicher mit Freude den Dank und die
Aner=
kennung aus dem Munde des Kaiſers
entgegengenom=
men. Ich ſetze dieſen Dank noch fort, wenn ich
aner=
kenne, daß dieſer Dank nicht nur für einen Teil der
mitt=
leren und unteren Beamten Geltung hat, ſondern auch für
die höheren Beamten, die in wichtigen Aemtern ihre
be=
deutende Arbeit bewältigt haben. Die Sparſamkeit im
Betrieb der Reichspoſtverwaltung iſt notwendig,
aller=
dings nur unter Berückſichtigung der wirtſchaftlichen
Verhältniſſe. Wenn die Unterbeamten vermehrt
wer=
den, müſſen auch die Aufſichtsbeamten vermehrt werden,
die keineswegs überflüſſig ſind. Uferlos iſt die
Beam=
tenvermehrung durchaus nicht. Wir haben unſere
For=
derungen in einer Reſolution niedergelegt, die wir zur
Annahme nur empfehlen möchten. Der Erholungsurlaub
muß in angemeſſener Weiſe erweitert werden.
Insbe=
ſondere müſſen die Härten der Beſoldungsreform
beſei=
tigt und auch die Gratifikationen erhöht werden. Wir
dürfen den Wünſchen der Beamten nicht immer
ableh=
nend gegenüberſtehen, um das gegenwärtig zweifellos
herrſchende Mißtrauen zu beſeitigen. Wir müſſen alles
tun, damit es auch in dieſer Beziehung heißt:
Deutſch=
land in der Welt voran. Das Weltbriefporto muß
ver=
billigt werden.
Präſident Dr. Kaempf: Ich habe dem Hauſe eine
überaus ſchmerzliche Mitteilung zu machen. (Die
Ab=
geordneten und die Regierungsvertreter erheben ſich von
ihren Sitzen.) Vor wenigen Minuten iſt mir die
Nach=
richt zugegangen, daß Albert Träger, der dem Hauſe ſeit
1874 ununterbrochen angehört hat, dahingeſchieden iſt.
In dieſem Augenblick ſteigt vor unſerem Auge das Bild
auf, als er vor wenigen Wochen die Verhandlungen im
Hauſe mit jugendlicher Friſche geleitet hat. Zu ſeiner
Huldigung, der wohl politiſche Gegner aber niemals
ei=
nen perſönlichen Feind gehabt hat, bitte ich Sie, ſich von
Ihren Sitzen zu erheben. Als äußeres Zeichen unſerer
Anerkenntnis ſeiner Tätigkeit werde ich mir geſtatten, an
ſeinem Grabe einen Kranz niederzulegen.
Abg. Kiel (Fortſchr. Vp.): Das Einkilopaket muß
baldigſt eingeführt werden. Auch der beſeitigte
Ankunfts=
ſtempel muß im Intereſſe des Handels wieder in Kraft
treten. Mit der Portofreiheit der Fürſten wird vielfach
Mißbrauch getrieben, beſonderswenn dieFürſten neben ihren
Regierungsgeſchäften noch andere Induſtriezweige
be=
treiben. (Heiterkeit.) Redner legt ſodann mehrere
der=
artige Auswüchſe dar und bittet den Staatsſekretär.
Ab=
hilfe zu ſchaffen. — Staatsſekretär Krätke: Es iſt
un=
zuläſſig, mit dem Portoprivileg Mißbrauch zu treiben.
Den angezeigten Fällen wird nachgegangen und Reme=
dur geſchaffen. Eine Verbilligung des Weltbriefportos
iſt wegen der Verſchiedenartigkeit der Berechnung
augen=
blicklich nicht möglich, doch wird ſich der nächſte
Weltpoſt=
kongreß eingehend mit dieſer Frage beſchäftigen. Die
Barfrankierung einzuführen iſt äußerſt bedenklich.
Da=
durch würde die Gefahr der Unterſchlagung bedeutend
vermehrt werden. Es ſind aber bereits Verſuche mit
ei=
ner Maſchine im Gange, die die Briefe gleichzeitig
fran=
kiert und abſtempelt. Die Wiedereinführung des
Poſt=
ankunftsſtempels iſt im Intereſſe der ſchnellen
Abferti=
gung nicht zu empfehlen. Von einem Mißtrauen gegen
die Beamtenorganiſationen iſt mir nichts bekannt.
Aus=
ſchreitungen, die vorkommen ſollten, werden ſtreng
be=
ſtraft. — Abg. Dr. Chlapowski (Pole): Die
Behand=
lung des polniſch ſprechenden Publikums an den
Poſt=
ſchaltern iſt oft unerhört. Die Oſtmarkenzulage hat
le=
diglich politiſche Tendenz und wir bitten Sie, dieſe
Zu=
lage zu ſtreichen. — Abg. Frhr. v. Gamp (Rp.): Die
Oſtmarkenzulage zu ſtreichen geht nicht an. Den
Reſo=
lutionen, die nicht finanzielle Bedeutung haben, ſtimmen
wir zu. Die Beſoldungsreform hier noch einmal
aus=
führlich zu behandeln, iſt jetzt nicht die Zeit dazu. —
Staatsſekretär Krätke: Die Oſtmarkenzulage iſt den
Beamten bewilligt worden zum Ausgleich der
Verhält=
niſſe in den öſtlichen Provinzen. Ich bitte den
Vertre=
ter der Polen, ſeinen Antrag nicht aufrecht zu erhalten,
er würde dadurch viele Beamten erheblich ſchädigen.
Hierauf wird die Weiterberatung auf Mittwoch
1 Uhr vertagt. Vorher Handelsvertrag mit Bulgarien.
Schluß halb 8 Uhr.
* Berlin, 26. März. Die
Geſchäftsord=
nungskommiſſion des Reichstages beſchloß,
als Fraktion nur eine Mitgliedervereinigung von
minde=
ſtens 15 Mitgliedern (Vollmitgliedern und Hoſpitanten)
anzuerkennen.
Zu der Zentralvorſtandsſitzung der
National=
liberalen Partei vom 24. März.
Die Sitzung des Zentralvorſtandes war eine ſtreng
vertrauliche und Baſſermann wies beſonders am Schluß
nochmals auf die Vertraulichkeit der Verhandlungen hin.
Die gefaßten Beſchlüſſe wurden ja bereits veröffentlicht,
und insbeſondere hatten die Jungliberalen mit Recht den
Anſpruch erhoben, daß der ihre Organiſation betreffende
Beſchluß in die Oeffentlichkeit kommen müſſe, da ſie ja
doch ſonſt ihre Vorbereitungen zu dem Parteitage nicht
treffen könnten. Trotz der Vertraulichkeit werden jetzt in
der Preſſe Einzelheiten der Verhandlungen gegeben,
die mit der Wahrheit abſolut nicht im Einklang ſtehen.
So verbreitet das Depeſchenbureau Herold die
Nach=
richt, die Liſte der zu wählenden Mitglieder des
Zentral=
vorſtandes, die von dem rechten Flügel ausgegangen ſei,
habe unter anderem auch „die Namen der bekannten
heſſiſchen Nationalliberalen enthalten,
deren Wahl Baſſermann als eine Brüskierung betrachtet
und als ſolche heftig bekämpfte.”
Demgegenüber erkläre ich, daß auf dem Wahlzettel
überhaupt kein heſſiſcher
Nationallibe=
raler ſtand, daß auch Baſſermann dieſe deshalb nicht
bekämpft hat.
Darmſtadt, den 26. März 1912.
Dr. Oſann,
Vorſitzender der heſſiſchen Nationalliberalen Partei.
Albert Träger †.
* Berlin, 26. März. Geheimer Juſtizrat Albert
Träger, Mitglied des Reichstages und des preußiſchen
Abgeordnetenhauſes, iſt heute nachmittag 2 Uhr 55
Mi=
nuten im Sanatorium Grunewald an Herzſchwäche in=
Alter von 81 Jahren geſtorben.
Albert Träger, Geh. Juſtizrat, Mitglied des
preußi=
ſchen Abgeordnetenhauſes und des deutſchen
Reichs=
tages, war am 12. Januar 1830 in Augsburg geboren,
beſuchte das Gymnaſium in Naumburg und ſtudierte an
den Univerſitäten Halle und Leipzig Jurisprudenz. Er
wurde 1857 Gerichtsaſſeſſor, 62 Rechtsanwalt in Cölleda,
75 in Nordhauſen und wohnte ſeit 91 in Berlin.
1896 wurde er Juſtizrat und 1908 Geh. Juſtizrat. Er
war ſeit 1874 (mit Ausnahme von 1878—80) Mitglied
des Reichstags, und zwar vertrat er zuerſt den Kreis
Gera, ſpäter Berlin 5 und 4, Grünberg und zuletzt Varel
und gehörte der Freiſinnigen bezw. Fortſchrittlichen
Volkspartei an. Dem preußiſchen Abgeordnetenhauſe
ge=
hörte er von 1879—82, 84—87 und ſeit 92 an. Er war
das älteſte Mitglied des Reichstages und eröffnete
be=
kanntlich als Alterspräſident den gegenwärtigen
Reichstag am 7. Februar noch in voller Friſche.
In weiteren Kreiſen bekannt geworden iſt Albert
Träger als Dichter und Schriftſteller. Seine geſammelten
Gedichte ſind bis jetzt in 18 Auflagen erſchienen. Er
war Herausgeber der „Deutſchen Kunſt in Bild und
Lied” veröffentlichte mit Georg Pertz eine
Ueberſetz=
ung von Burns Gedichten nebſt Biographie, ſchrieb
No=
vellen und Dramen, u. a. „Die letzte Puppe”, die ein=
Feuilleton.
* Die Familie Bethmann in Frankreich. In ſeiner
Vaterſtadt Bordeaux iſt vor einigen Tagen Herr Charles
de Bethmann in hohem Alter geſtorben. „Durch ſeinen
Tod”, ſo ſchreiben die franzöſiſchen Zeitungen, „verliert der
in Frankreich anſäſſige Zweig der Herren von Bethmann
ſein Oberhaupt.‟ Die Familie „de Bethmann” die in
Bordeaux ein altes und angeſehenes Bank= und
Spedi=
tionsgeſchäft betreibt, iſt in der Tat eines Urſprunges mit
der Familie von Bethmann Hollweg, der der fünfte
Kanz=
ler des Reiches angehört, ſowie mit den Freiherren von
Bethmann, denen das Bankhaus „Gebrüder Bethmann”
in Frankfurt a. M. gehört. Und es iſt vielleicht nicht
un=
intereſſant, über den verwandtſchaftlichen Zuſammenhang
der drei Zweige etwas näheres zu hören. Der
gemein=
ſame Ahnherr aller drei Zweige iſt Simon Moritz
Beth=
mann, der 1725 als fürſtlich naſſauiſcher Amtmann ſtarb.
Von ſeinen Söhnen begründete Johann Philipp das
Bankhaus in Frankfurt a. M., Johann Jakob die Firma
in Bordeaux. Johann Jakob Bethmann ſtarb als
öſter=
reichiſcher Konſul in Bordeaux; er hatte 1776 den
Reichs=
ritterſtand erhalten und übertrug ihn mit ſeinem Namen
auf ſeinen Schwiegerſohn Peter Heinrich Metzler — und
dieſer Peter Heinrich Metzler, genannt von Bethmann, iſt
der Vorfahr der jetzigen „de Bethmann” in Bordeaux.
Es iſt ein Beweis des Anſehens, das die Brüder
Beth=
mann in verhältnismäßig kurzer Zeit erwarben, daß zwei
von ihren Schwiegerſöhnen, Johann Jakob Hollweg und
Peter Heinrich Metzler, ſich beeilten, ihren angeſtammten
Namen aufzugeben und den ihrer Frauen anzunehmen.
— Eine moderne Legende. Es war einmal ein kleiner
Knabe, der barfuß durch die Straßen von New=York
wan=
derte, denn ſeine Eltern waren ſo arm, daß ſie ihrem
Kinde keine Schuhe kaufen konnten. Und der kleine
Sulli=
van ging Winter und Sommer barfuß in die Schule, die
Füße ſchwollen ihm an und bluteten, und im Winter
ſchmerzten ſie ihn oft ſo ſehr, daß ſeine Augen groß und
ſtarr wurden, wenn er durch den Schnee marſchieren
mußte. Der arme kleine Sullivan war ſehr traurig und
er wollte nicht glauben, daß dieſen Tagen des Unglücks
einmal frohe Zeiten folgen könnten. Aber mit den Jahren
wurde aus dem kleinen Sullivan ein junger Sullivan,
der fleißig arbeitete und Geld verdiente. Und wenn es
ihm ſo gut ging, daß er etwas erſparen konnte, dann
kaufte er oft Schuhe für die armen kleinen Kinder, die
bar=
fuß gehen müſſen. Und als aus dem jungen Sullivan
dann der große und reiche Sullivan geworden war, kaufte
er in jedem Jahre von ſeinem vielen Gelde 5000 Paar
ſchöne warme Kinderſchuhe und ſchenkte ſie den Kleinen,
die keine hatten und denen im Winter die Füße weh
taten. Dieſe „moderne Legende” iſt wirklich geſchehen
und jener barfüßige, arme kleine Sullivan iſt heute der
berühmte amerikaniſche Millionär und Senator der
Ver=
einigten Staaten. Und im Gedenken an die Not ſeiner
Kindheit gibt er alljährlich ein Feſt, bei dem 5000 arme
Kinder von dem Senator Schuhe und Stiefel erhalten.
Dann teilt der Senator Sullivan ſeine Gaben ſelbſt aus
und ſorgt dafür, daß die Schuhe nicht drücken. Vor einigen
Tagen haben die New=Yorker wieder wie alljährlich dies
ungewöhnliche und rührende Schauſpiel erlebt, das
zu=
gleich ein ſchönes Beiſpiel dafür iſt, wie ein reicher
und angeſehener Mann ſeine dunkle Vergangenheit nicht
verleugnet, ſondern gerade aus ihr den frohen Mut zu
einer guten Tat empfängt.
C) Das Gefängnis als Bildungsanſtält. Antoinette
Tolla, die Frau eines italieniſchen Steinträgers in
Hackenſack in Jerſey, die vor ſechs Jahren zum Tode
ver=
urteilt worden war, weil ſie einen Landsmann, der ſie
zu vergewaltigen ſuchte, erſtochen hatte, iſt ſoeben aus
dem Zuchthaus entlaſſen worden, zu dem ſie auf Grund
der ſtarken, gegen die Vollziehung der Todesſtrafe
ge=
richteten Proteſte ſeinerzeit begnadigt worden war. Da
ſich die Verurteilte in der ſechsjährigen Haft muſtergültig
führte, hat man ihr auf das Drängen der öffentlichen
Meinung jetzt die Wohltat der bedingten Freilaſſung
ge=
währt. Das Bemerkenswerteſte ihres Falles kennzeichnet
indeſſen die Tatſache, daß die Tolla, die, als ſie das
Ge=
fängnis betrat, weder leſen noch ſchreiben konnte; heute
als gebildete Perſon wieder in den Kreis der
Geſell=
ſchaft tritt. Sie beherrſcht jetzt nicht nur die engliſche
Sprache in Wort und Schrift, ſondern hat in der
ſechs=
jährigen Haft auch die feine Küche, die Kunſtſtickerei,
Stenographie und das Maſchinenſchreiben erlernt. Sie
hat ſich ein Wiſſen und Kenntniſſe angeeignet, die der
An=
alphabetin bei der Rückkehr in die Freiheit den Weg zum
ſozialen Aufſtieg frei machen.
* Eines der älteſten Bühnenhäuſer Deutſchlands, das
alte Stadttheater in Halberſtadt, das 1279 als
Nonnen=
kloſter von der Gräfin Bia von Regenſtein gegründet
wurde, 400 Jahre lang kirchlichen Zwecken diente und
ſchließlich als Theater benutzt wurde, ſoll in nächſter Zeit
abgeriſſen werden, um einem Neubau Platz zu machen.
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. März 1912.
Nummer 74.
aktigen Genrebilder „Eine Stunde vor der Hochzeit” und
mit Emil Pohl „Morgenſtündchen einer Soubrette” uſw.
Unter unſeren Vaterlandsdichtern gebührt ihm eine
Ehrenſtelle.
Die Mittelmeerreiſe des deutſchen Kaiſers.
* Venedig, 25. März. Fürſt zu Fürſtenberg
iſt heute mittag hier eingetroffen und hat auf der „
Hohen=
zollern” Wohnung genommen. Heute nachmittag fuhren
der Kaiſer und der König und die Fürſtlichkeiten auf
Einladung des Königs nach der Inſel Torcelle, wo alte
Baulichkeiten und die mit Moſaiken geſchmückte alte Kirche
beſichtigt wurden. Die Rückfahrt erfolgte gegen abend
durch den Canale Grande. Abends fand beim Kaiſer an
Bord der „Hohenzollern” ein Diner ſtatt, bei dem der
Kaiſer links neben dem König ſaß. Nach dem Diner
wurde den Majeſtäten eine große Serenade gebracht.
Ein gemiſchter Chor und ein Orcheſter waren auf einem
großen ſchwimmenden, reich illuminierten Prahm plaziert,
der neben der „Hohenzollern” beilegte. Ein Männerchor
ſang die deutſche Hymne, das Orcheſter ſpielte „Marcia
Reale‟. Es folgten Stücke aus den Opern von Roſſini,
Bellini, Verdi, Mascagni und Wagner, teils mit Chor.
Von Wagner wurde das Vorſpiel zu den „Meiſterſingern”
und der Einzugsmarſch des Chors aus dem „Tannhäuſer”
und zum Schluß beide Nationalhymnen geſpielt.
Zahl=
loſe Boote umringten die Kaiſerjacht, die Ufer mit den
alten weltberühmten Bauwerken erſtrahlten in
pracht=
vollem Buntfeuer. Das Publikum brachte den Majeſtäten
ſtürmiſche Ovationen dar. Um 10½ Uhr verließ der
Kö=
nig die „Hohenzollern” nach herzlicher Verabſchiedung
von dem Kaiſer und den Fürſtlichkeiten. Um 11 Uhr
reiſte der König ab.
* Venedig, 26. März. Die „Hohenzollern”
iſt mit dem Kaiſer, dem Prinzen und Prinzeſſin Auguſt
Wilhelm und der Prinzeſſin Viktoria Luiſe an Bord heute
früh um 7 Uhr, gefolgt von dem Kreuzer „Kolberg” von
hier abgefahren.
H.B. Brioni, 26. März. Die Jacht „
Hohen=
zollern” iſt mit Kaiſer Wilhelm und der kaiſerlichen
Familie heute im Kanal Faſana vor Anker gegangen.
Auf der Mole hatten ſich der Thronfolger Erzherzog Franz
Ferdinand mit Familie, ſowie die Spitzen der Behörden
zur Begrüßung eingefunden. Die öſterreichiſche Flotte iſt
der Jacht „Hohenzollern” entgegengefahren und hat ſie bis
in den Kanal Faſana geleitet.
Die Ortsgruppe Groß=Berlin der
Reichspartei
veröffentlicht einen Aufruf, in dem es heißt: Das
An=
wachſen des Radikalismus in Deutſchland muß jeden
Vaterlandsfreund mit ſchwerer Sorge erfüllen. Der
Zwieſpalt der bürgerlichen Parteien ebnet der
Umſturz=
partei die Bahn. Die Reichsverfaſſung und unſere
bürger=
liche Freiheit iſt bedroht, wenn die Erfolge der
Sozial=
demokratie uns vor innere Kämpfe ſtellen, welche zugleich
die Machtſtellung des Reiches und den Wohlſtand des
deutſchen Volkes erſchüttern müſſen. Mehr als je erſcheint
es geboten, daß ſich der national geſinnte Teil des
deut=
ſchen Volkes zur gemeinſamen Abwehr vereinigt. Hierzu
bedarf es einer ſtarken Mittelpartei, die ihren Beruf darin
erblickt, das Einigende hervorzuheben und das Trennende
zurückzuſtellen. Die Unterzeichneten ſind
zuſammengetre=
ten, um in Groß=Berlin einen Mittelpunkt für alle
die=
jenigen zu ſchaffen, die gewillt ſind, einzuſtehen für Kaiſer
und Reich, für Deutſchlands Machtſtellung zu Lande und
zu Waſſer, für unſere koloniale Ausbreitung, für die
Bis=
marckſche Wirtſchaftspolitik — den gleichmäßigen Schutz
von Induſtrie und Landwirtſchaft, Handel und Gewerbe —
ſowie für die Aufrechterhaltung des ſozialen Friedens.
Der Gegenſatz zu allen Feinden von Kaiſer und Reich,
insbeſondere zur Sozialdemokratie, iſt für die
Reichs=
partei unüberbrückbar; zwiſchen der Rechten und der
Lin=
ken aber will ſie, ihrer Aufgabe als Mittelpartei
entſpre=
chend, die Vermittelung herſtellen. Wir wenden uns nicht
nur an unſere bisherigen Freunde mit der Aufforderung
zum Beitritt, ſondern wir hoffen, daß die Ortsgruppe
Groß=Berlin der Reichspartei vielen, die bisher abſeits
ſtanden, Gelegenheit bieten wird, ihre Kraft in den Dienſt
vaterländiſcher Politik zu ſtellen.
Unterzeichnet iſt der Aufruf u. a. von den
Abgeord=
neten: Dr. Arendt, von Dewitz, von Dirkſen, Freiherr von
Gamp, Holtz, von Liebert, Rahardt, Dr. Rewoldt und
Freiherr von Zedlitz.
Die Bergarbeiterbewegung.
* Beuthen, 26. März. Der Streik auf der
Gottesſegen=Grube und dem Hildebrandſchacht iſt
beige=
legt worden. Die Belegſchaften des Hildebrand= und
des Aſchenbornſchachtes ſind wieder angefahren. Als
Zu=
geſtändniſſe wurde den Arbeitern eine 7½prozentige
Re=
gelmäßigkeitsprämie zugebilligt.
* Radzienkau, 26. März. Eine am Sonntag
nachmittag abgehaltene große
Bergarbeiterver=
ſammlung hat eine Reſolution angenommen, in
der von ſämtlichen Grubenverwaltungen eine
Aufbeſſer=
ung der Schicht= und Hauerlöhne von 15 Prozent
gefor=
dert wird. Gleichzeitig wurde mitgeteilt, daß, falls bis
zum 27. März nicht eine allgemein befriedigende Antwort
an die Gewerkſchaften eingehen ſollte, die Arbeiter in den
Generalſtreik eintreten würden.
* Zabrze, 26. März. Der Streik auf der
Köni=
gin Luiſe=Grube und der Berginſpektion Knurow iſt
be=
endet. Die Belegſchaften ſind heute wieder voll
einge=
fahren. Ueber hundert Mann wurden, da ſie drei Tage
der Arbeit fern geblieben ſind, wegen Kontraktbruches
entlaſſen.
* Prag, 25. März. Das Ergebnis der geſtrigen in
zahlreichen Orten des böhmiſchen Kohlenreviers
ab=
gehaltenen Verſammlungen iſt, daß der Streik im
Brüxer und Duxer Bezirk weiter um ſich gegriffen hat.
Im Auſſiger und Falkenauer Bezirk iſt der Ausſtand
neuerlich ausgebrochen. Im Teplitzer Bezirk iſt ebenfalls
der Ausbruch des Streiks zu erwarten.
* Prag, 26. März. Die Lage im
Kohlen=
revier iſt folgende: In Kladno und Schlan iſt der
Be=
trieb normal. In Auſſig wird auf 14 von 15 Schächten,
in Falkenau auf 12 von 32 Schächten geſtreikt. Von 7083
Arbeitern ſtreiken 2300. Auf zwei Schächten wurde der
Ausſtand beigelegt. In Teplitz wird auf 17 von 25
Schächten, im Brüxer Revier auf 20 von 31, in Dux auf
ſämtlichen 42 Schächten geſtreikt. In Karlsbad ſind auf
dem Poldiſchacht 200 Arbeiter ausſtändig.
* London, 25. März. Im Unterhaus erklärte
der Staatsſekretär des Innern, daß, da die
Verhand=
lungen noch ſchwebten, die Beratung der
Kohlen=
grubenbill auf morgen verſchoben wurde. Ein
Telegramm aus Glasgow meldet, daß die allgemeine
Ab=
kehr der Beraleute vom Streik wabrſcheinlich iſt. 1000
Bergleute haben die Arbeit in Bellſhill (Grafſchaft Larack)
wieder aufgenommen und ungefähr weitere
tau=
ſend auf anderen Zechen.
H. B. London, 26. März. Die Regierung iſt,
gutem Vernehmen nach, entſchloſſen, falls eine Einigung
zwiſchen den Bergwerksbeſitzern und den Arbeitern nicht
zuſtande kommt, äußerſt ſcharf gegen die
Ausſtän=
digen vorzugehen, die Unruhen verurſachen.
Der Belagerungszuſtand wird in dieſem Falle über
ſämt=
liche Diſtrikte verhängt werden. Auch ſoll Militär zur
Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung und zum Schutz
der Arbeitswilligen herangezogen werden. Aus dieſem
Grunde iſt Bereitſchaftsbefehl an ſämtliche Regimenter
der Territorialarmee ergangen.
Bluttaten franzöſiſcher Automobilbanditen.
* Chantilly) 25. März. Automobiliſten,
die aus der Richtung von Paris kamen, ſchoſſen zwei
Kaſſenboten mit Revolver ſchüſſen nieder. Einer
wurde getötet, der andere verwundet. Die
Automo=
biliſten flohen. Man glaubt, daß es ſich um Räuber
handelt, die heute früh in einem Pariſer Vorort ein
Automobil geſtohlen hatten.
* Paris, 25. März. Ueber den Raubanfall
von Chantilly weriken falgende Einzelheiten
ge=
meldet: Die ſechs Bandidaten kamen um 10,30 Uhr im
Automobil as. Vier Jrangen mit Revolvern in die
Filiale der Société Générale, töteten den Kaſſierer und
einen Angeſtellten, verletzten einen anderen Angeſtellten
und raubten 40000 Franken. Der fünfte wachte
mit einem Karabiner, der ſechſte hütete das Automobil.
Die Banditen beſchoſſen die Perſonen, die ſie verfolgten,
und verſchwanden in der Richtung nach Paris. Bei
As=
nieres ließen ſie das Automobil ſtehen.
* Paris, 25. März. Aus Montgeron wird
fol=
gender Vorfall gemeldet, der offenbar mit dem
Raub=
anfall in Chantilly in Zuſammenyang ſteht: Auf
der Straße nach Montgeron machten vier Männer dem
Lenker eines Automobils das Zeichen zum Halten. Als
dieſer anhielt, forderten ſie ihn auf, ihnen das
Auto=
mobil zu überlaſſen. Der Chauffeur weigerte
ſich, worauf ſie ihn durch Revolverſchüſſe töteten. Ein
Reiſender, der im Wagen ſaß, flüchtete; er wurde an der
Hand verwundet. Die vier Uebeltäter und zwei
Kom=
plizen, die ſich in einem in der Nähe befindlichen
Schup=
pen aufgehalten hatten, bemächtigten ſich des Automobils
und fuhren in der Richtung auf Paris davon.
* Paris, 25. März. Die von den 4
Automobil=
banditen in Monitgeron und Chantilly
verübte Bluttat rief in der Bevölkerung eine umſo
größere Erregung hervor, als die Bemühungen der
Po=
lizei, der Verbrecher habhaft zu werden, ſeit vier
Mo=
naten vergeblich ſind. Die Banken, die ſchon anläßlich
der Ueberfälle auf mehrere Kaſſenboten beſondere
Sicher=
heitsvorkehrungen zum Schutze ihrer Zweiganſtallten
treffen, und auch die Juweliere, die durch die mit
un=
erhörter Verwegenheit verübten Anſchläge der
Automo=
bilbanditen lebhaft beunruhigt ſind, beſchäftigen ſich mit
dem Plan, beſondere Schutzmaßnahmen zu treffen. Die
Sicherheitsbehörden ordneten eine Ueberwachung
ſämt=
licher Pariſer Bahnhöfe an, ebenſo werden ſämtliche
Pa=
riſer Tore von der Polizei ſtreng überwacht. Da ſich in
dem Augenblick, wo die Banditen in Asniéres flüchteten,
zwei Züge kreuzen, konnte bisher nicht feſtgeſtellt
wer=
den, ob ſie in den nach Paris oder nach dem Pariſer
Vorort Argenteuil abgegangenen Zug geſprungen ſind.
* Paris, 25. März. Infolge der Raubanfälle
in Montgeron und Chantilly wird
Miniſter=
präſident Poincaré morgen im Minkſterrat
Maßnah=
men unterbreiten, durch die ſich die Tätigkeit der Polizei
wirkſamer geſtaltet. — Der junge Mann, der ſich in dem
Automobil befand, das bei Montgeron überfallen wurde,
wurde ſchwer verletzt. Er ſtellte ſich tot, weshalb ihn die
Banditen liegen ließen. Nachdem die Räuber in die
Bureauräume der Société Générale in Chantilly
einge=
drungen waren, ſtellten ſie ſich vor den Schaltern auf und
feuerten auf Kommando Revolverſchüſſe ab. Der
Kaſſierer wurde ſofort getötet, ein anderer Angeſtellter
ſtarb nach zehn Minuten, ein dritter wurde ſchwer
ver=
wundet, ein vierter bückte ſich und entging ſo den
Schüſ=
ſen und flüchtete. Der Vorfall ſpielte ſich in wenigen
Minuten ab. Nachdem die Banditen das Automobil in
Asniéres, wohin die Polizeiagenten ſie verfolgten, ſtehen
ließen, kletterten ſie über eine Eiſenbahnſchranke und
ſprangen auf einen vorbeifahrenden Zug.
* Paris. 28. März. Der Leiter des Steckbrief=
Amtes des Sicherheitsdienſtes, Bertillon fand bei
dem in Asniéres zurückgelaſſenen Ayromobil die
Fingerabdrücke der Anarchiſten Garnier und
Car=
rouy, die den Raubüberfall in der Rue Ordener
verübt haben. Die Société Générale, deren Kaſſenbote
Caby in der Rue Ordener ausgeraubt und deren
Zweig=
anſtalt in Chantilly der Schauplatz der Bluttat der
Au=
tomobilbanditen war, hat eine Belohnung von
100000 Franken demjenigen zugeſichert, der durch
ſeine Angaben die Verhaftung der Verbrecher ermögliche.
Der Gaulois regt an daß auch der Automobilklub. für
den die Sicherheit der Straßen von der größten
Bedeu=
tung ſei, einen hohen Preis auf die Feſtnahme der
Ban=
diten ausſetzen möge.
* Paris, 25. März. In Paris war eine
groß=
zügige Ueberwachung eingerichtet worden, um die
Banditen, von denen man nicht wußte, daß ſie neue
Verbrechen begangen hatten, zu erwarten. Beſonders in
der Gegend des Vorortes Asniéres kreuzten beſtändig
Poliziſten auf Rädern. Plötzlich ſahen ſie in der
Ferne ein Automobil auftauchen, das dem Signalement
entſpreſch. Sie verſuchten es zu verfolgen, aber das
Automobil raſte mit einer ſolchen Geſchwindigkeit, daß
es den Poliziſten unmöglich geweſen wäre, wenn nicht
ein vorüberfahrender Automobilbeſitzär ihnen ſeinen
Rennwagen zur Verfügung geſtellt hätte. Nun
ene=
wickelte ſich eine Jagdauf Leben und Tod. Die
Poliziſten, drei an der Zahl, gewannen immer mehr
an Terrain. Die Räuber, die ſich verfolgt ſahen,
machten plötzlich eine ſehr raſche Wendung, drehten
völ=
lig um und ſtürzten ſich mit raſender Schnelligkeit auf
das ſie verfolgende Automobil. anſcheinend in der
Ab=
ſicht, es auf eine äußerſt gefährliche Kolliſion mit dem
Rennwagen ankommen zu laſſen. Der Leiter des
Renn=
wagens machte im letzten Moment zum Glück eine
Wen=
dung zur Seite, ſodaß die beiden Automobile aneinander
vorbeiſchoſſen. Aber die Verfolgung war damit
miß=
lungen. Wie andere Augenzeugen beobachteten, hatten
die Banditen kurz darauf eine Panne und als ſich neue
Verfolger näherten, fanden ſie nur das leere Automobil
Man nimmt an, daß die Banditen ſich auf den Bahn=
damm begeben haben und dort einen in mäßig ſchneller
Fahrt vorbeigehenden Zug beſtiegen haben.
* Paris, 26. März. Die Bluttaten von
Montgeron und Chantilly bilden das
aus=
ſchließliche Thema der heutigen Preßerörterungen. Die
Blätter, in deren Artikel ſich die durch dieſe Verbrechen
in der Bevölkerung verurſachte Aufregung widerſpiegelt,
fordern, daß die energiſchſten Maßnahmen ergriffen
wer=
den. Der Rappel verlangt nachdrücklich, daß
Polizeiprä=
fekt Lepine durch einen Mann erſetzt werde, der im
Beſitz=
ſeiner körperlichen und geiſtigen Vollkraft ſei. Es ſei
unverzeihlich, daß die Regierung aus Furcht oder
Schwäche zuſehe, wie das Uebel, deſſen Folgen
unheil=
bar werden könnten, ſich immer mehr verſchlimmere. Die
Petit Republique iſt der Anſicht, daß den
Waffenhänd=
lern die Verpflichtung auferlegt werden müſſe, Waffen
nur in der Wohnung der Käufer und nach Feſtſtellung
deren Identität abzulieſern. Der Radical ſagt,
vor=
allem müſſen die Richter dem Geſetze ſeine ganze Kraft
wiedergeben. Gegen dieſe außergewöhnlichen Verbrecher
müſſen die Geſetze mit außergewöhnlicher Strenge
ge=
handhabt werden. Zum Schluß der geſtrigen
Kammer=
ſitzung brachte der radikale Deputierte Franklin=Bouillon
die Bluttaten zur Sprache und kritiſierte dann ſcharf die
Zuſtände auf der Polizeipräfektur, die er als anarchiſtiſch
bezeichnete. Miniſter des Innern Steeg nahm die
Po=
lizei in Schutz, gab jedoch zu, daß eine größere
Ueber=
einſtimmung in der Tätigkeit der verſchiedenen
Abteilun=
gen wünſchenswert ſei und erklärte, daß die Regierung
ungeſäumt alle notwendigen Maßnahmen treffen werde,
um die Wiederholung ſo ſchauerlicher Verbrechen zu
ver=
hindern Wie verlautet, ſollen 15 neue
Polizeikommiſ=
ſare und 35 neue Polizei=Inſpektoren ernannt und die
Zahl der der Polizei zur Verfügung ſtehenden
Automo=
bile auf 12 erhöht werden. Die erforderlichen Kredite
werden noch heute von der Kammer verlangt werden.
Heute nacht wurde in dem Vororte Chantilly ein Mann
verhaftet, der ſich nach Paris einſchleichen wollte. Man
fand bei dem Mann, der ſich Bußbacher nannte, einen
Brief, der ſich auf den Raubanfall in der Rue Ordener
bezog.
Stimmen aus dem Publikum.
Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Rebaktios
ſeinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
— Unter den heſſiſchen Künſtlern erregt die jetzt
er=
ſchienene Nummer der Leipziger Illuſtrirten Zeitung
über das Großherzogtum Heſſen peinlichſtes
Auf=
ſehen, und zwar dadurch, daß faſt die ganze heſſiſche
Kunſt und anſäſſigen Architekten, Maler und Bildhauer,
darunter ſolche mit weithin bekannten Namen,
über=
haupt nicht erwähnt werden. Andere, von
be=
ſonderer Bedeutung, wie z. B. Profeſſor Friedrich
Pützer, der Erbauer des neuen Bahnhofes, eines
Werkes von eminenteſter
baukünſtleri=
ſcher Bedeutung, kommen durch eine kümmerliche
kleine Zeichnung nur ganz ungenügend zur Geltung, der
neue Bahnhof — wurde vergeſſen! Die Redaktion der
Illuſtrirten Zeitung hat es ganz überſehen, dem ſehr
ſchönen Aufſatz von Profeſſor Dr. Biermann über die
Künſtlerkolonie einen ebenſolchen über die ganz
hervor=
ragende Architektur und Malerei in Heſſen an die Seite
zu ſetzen. Es fehlen (im Text oder Abbildungen)
gerade die Beſten, die Profeſſoren Karl Hofmann
Walbe, Wickop, Vetterlein, Wienkoop, Hoelſcher, Cauer,
Beyer, Phil. Otto Schaefer, Bader, Kempin, Greiner,
Lippmann, die beiden Altheim, Hartmann, die beiden
Metzendorf gänzlich, und das ſind doch gerade die im
Lande anſäſſigen Künſtler. Ganz vergeſſen wurden auch
die großen auswärts tätigen heſſiſchen Maler, die hier
doch ſtets tätig und mitarbeitend ſind, die Herren
Lud=
wig von Hofmann, Bracht, Bantzer, Halm, Engel, E.
Preetorius u. a. Da dieſe Heſſennummer aber
bedeu=
tende Mitarbeiter und eine ſehr große Verbreitung hat
(man ſpricht von einer Auflage von 80000 Exemplaren!),
ſo haben die heſſiſchen Künſtler alle Urſache, gegen
die Unvollſtändigkeit energiſch zu proteſtieren.
Die Ignorierung bedeutet eine Kränkung und große
Schädigung der heſſiſchen Künſtler, denen es ſchon öfters
durch Berichterſtatter, welche die Verhältniſſe gar nicht
genügend kannten, ſo ergangen iſt. Dieſe
Janorierung=
ſtellt aber auch die offizielle Kunſtpflege in Heſſen
ein=
ſeitig und falſch dar. Wiſſen wir doch, daß eine ganze=
Reihe der genannten Künſtler durch ſtaatliche und
groß=
herzogliche Aufträge gefördert werden und daß
bedeut=
ſame Unternehmungen (z. B. die Ausſtellung 1911) eine
rege Förderung durch den Großherzog und die
Behör=
den der Stadt Darmſtadt erfahren haben.
Mehrere heſſiſche Künſtler.
Vermiſchtes.
— Landau (Pfalz), 22. März. Bei der heute
vor=
mittag in Speyer zu Ende gegangenen Prüfung für
den Einjährig=Freiwilligen
Militär=
dienſt haben 17 Schüler der höheren Handelsſchule
Landau (Pfalz) den Berechtigungsſchein erhalten.
Köln, 25. März. Die Kölner Hochſchule
für kommunale und ſſoziale Verwaltung
eröffnet am 15. Arpil ihr erſtes Semeſter. Die Hochſchule
iſt beſtimmt, Lücken in der Ausbildungsmöglichkeit nach
zwei Richtungen auszufüllen. Entſprechend den immer
umfangreicher werdenden Aufgaben, die die leitenden
Kommunalbeamten nicht nur in den Städten, ſondern
auch in ländlichen Bürgermeiſtereien zu löſen haben, will
die Hochſchule in ſyſtematiſcher Weiſe ihren Studenten
all das Wiſſen vermitteln, das zur Uebernahme leitender
Stellungen in der kommunalen Verwaltung unerläßlich
iſt. Es iſt zu erwarten, daß die an der Kölner Hochſchule
erfolgreich beſtandene Kommunalbeamtenprüfung die
denkbau beſte Empfehlung insbeſondere für diejenigen
ſein wird, die ſich um Bürgermeiſter= und Beigeordneten=
Poſten bewerben wollen, ſoweit für ſolche die Ablegung
der zweiten juriſtiſchen Prüfung nicht unbedingt
erfor=
derlich iſt. Gleichzeitig wird die neue Hochſchule beſtrebt
ſein, einem raſch zu großer Bedeutung kommenden neuen
Beruf die entſprechende Hochſchulbildung zu teil werden
zu laſſen, den ſogenannten Sozialbeamten, deren
Betäti=
gungsfeld insbeſondere nach Inkrafttreten der neuen
Reichsverſicherungsordnung ganz beſonders erweitert
wird. Endlich aber will die Hochſchule — und das iſt
nicht ihre unwichtigſte Aufgabe — den Hochſchulunterricht
der Univerſitäten, der techniſchen Hochſchulen, der in
manchen Richtungen Wünſche übrig läßt hinſichtlich des
Unterrichts im Verwaltungsrecht, ſowie in der ſozialen
Praxis und im ſozialen Recht dadurch ergänzen, daß
Referendaren, Aſſeſſoren, Diplom=Ingenkeuren in dieſen
Fächern die Gelegenheit zu einer ſyſtematiſchen
Fortbil=
dung geboten wird.
Nummer 74.
Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. März 1912.
Seite 7.
China.
* Peking, 25. März. Die Geſandten von Groß=
Dritannien, Frankreich, Deutſchland und den
Wereinigten Staaten überreichten ein gemeinſames
Memorandum, in dem nach kurzer Darlegung der ſeit
Dem 27. Februar von der internationalen Bankengruppe
über die Finanzierung mit der chineſiſchen Regierung
ge=
ppflogenen Verhandlungen der Standpunkt vertreten wird,
waß die engliſch=belgiſche Anleihe einen Wort=
Gruch darſtelle, und gegen die neue Anleihe entſchieden
wroteſtiert wird.
* Peking, 25. März. Telegramme aus Chung=
Eing melden die Ermordung des amerikaniſchen
=rieſters Hicks. Zwei Begleiter wurden, wie berichtet,
ſſſchwer verwundet. Die Geſellſchaft wurde offenbar von
Mäubern überfallen und vollſtändig ausgeraubt.
* Kuldſcha, 25. März. In der Nähe von Schicho
hhat eine große Schlacht zwiſchen Regierungstruppen
rund Revolutionären ſtattgefunden. Die Regierungsarmee
aaus Urmtſchi wurde geſchlagen. Sie verlor 1500 Tote,
20 Gefangene, drei Geſchütze, viele Munition und Proviant.
Die Revolutionären hatten 200 Tote und dringen jetzt
kweiter nach Schicho vor.
* Itſchang, 26. März. Die amerikaniſchen
Weiſtlichen Sheldon, Hoffmann und Hicks von der
(Univerſität Tſchengtu wurden 100 Meilen von Itſchang
won Räubern angefallen. Mr. Hicks wurde
ge=
ttötet, die anderen erlitten erhebliche Verletzungen,
wur=
rden aber unter Bedeckung nach Itſchang zurückgebracht.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 26. März. Die Steuerkommiſſion
des Abgeordnetenhauſes nahm mit 14 gegen
12 Stimmen den freikonſervativen Antrag an, die
Herab=
ſetzung um eine Steuerſtufe bei Einkommen unter 1200
Mark ſchon bei einem Kinde oder anderen
Familienange=
hörigen eintreten zu laſſen.
* Wien, 26. März. Nach der Unglücksſtelle
am Serpentinweg zwiſchen dem Kaiſerſtein und Kloſter
Wogg im Hochſchneeberggebiet ſind im Laufe
der Nacht zahlreiche Rettungsexpeditionen abgegangen.
Umfangreich ſind die von militäriſcher Seite getroffenen
Maßnahmen. Die Mannſchaften ſind ſämtlich Skifahrer.
Das Rettungswerk von dem Hotel Hochſchneeberg aus,
von dem auch Hunde mitgenommen wurden, geſtaltet ſich
wegen des dichten Nebels ſehr ſchwierig und gefährlich.
Man befürchtet, daß von den 10 noch vermißten
Teilneh=
mern an der Expedition niemand mehr am
Leben iſt. Heute früh wurde die Leiche des Führers
der Geſellſchaft, Bezirksrichters Hacker, nahe der Stelle
gefunden, wo geſtern Fräulein Papleit ſich aus den
Schneemaſſen rettete. Aus den Erzählungen des
Fräu=
leins Papleit und anderer Augenzeugen geht hervor,
daß die Kataſtrophe während der Abfahrt über den
ſtei=
len Schneeabhang von dem Hochſchneeberg zum
Ochſen=
boden nächſt der Fiſcherhütte ſich ereignete, und daß die
auf dem Schneeabhang befindlichen Perſonen von der
in Bewegung geratenen Schneemaſſe in die Tiefe
ge=
riſſen und von den mächtigen Schneemaſſen begraben
wurden. Man vermutet, daß die zuletzt die Fiſcherhütte
Verlaſſenden, Dr. Harker und Fräulein Papleit, die
La=
wine lostraten, welche nun auf die übrigen, in gerader
Linie abſteigenden Perſonen raſch anwachſend
herunter=
ſtürzte.
* Wien, 26. März. Von den im
Hochſchnee=
berggebiet Verunglückten ſind bisher ſieben
als Leichen geborgen worden.
* Salzburg, 26. März. Drei Salzburger
Tou=
riſten wurden auf einem Ausflug nach dem
Steiner=
nen Meer von einer Schneelawine überraſcht
und verſchüttet. Zwei ſind tot, einer konnte ſich
retten.
* Bad Gaſtein, 26. März. Anläßlich der
Neuregulier=
ung des Waſſereinlaufs in einen Betriebskanal für die
elektriſchen Kraftwerke iſt im Mühlbachgraben eine
neue Thermalquelle entdeckt worden. Die
Waſſertemperatur an den Austrittsſtellen beträgt über 28
Grad, die Ergiebigkeit zurzeit etwa zwei Sekundenliter.
* Rom, 26. März. Der König iſt heute vormittag
wieder hier eingetroffen.
* Ottawa, 26. März. Das biologiſche
Departe=
ment von Kanada beabſichtigt, im Sommer eine
Expedition in das Polargebiet zu ſenden.
Die Expedition ſoll unter Führung der Herren Borub
und Mac Milien ſtehen, die Peary auf ſeinen
Nordpol=
fahrten begleitet haben. Aufgabe der Expedition iſt die
Erforſchung des von Peary entdeckten Cooks=Landes
und, falls dieſes nicht gelingt, wiſſenſchaftliche
Beobacht=
ungen in Ellismereland und Grantland.
* Frankfurt, 26. März. Seit heute vormittag” ſind
Beratungen wegen einer friedlichen Beilegung des
Kampfs im Schneidergewerbe im Gange. Die
Verhandlungen, die zwiſchen den Hauptvorſtänden der
Verbände der Arbeitgeber und Arbeitnehmer unter dem
Vorſitz von Magiſtratsſyndikus Dr. Hiller vor dem
Ge=
werbegericht als Einigungsamt geführt werden, ſind
vorerſt unverbindlich, immerhin wird ſich aber aus dem
Ergebnis ſchließen laſſen, ob eine
Verſtändig=
ung möglich iſt oder ob Streik und
Ausſper=
rung fortdauern. (Frankf. Ztg.)
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Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder,
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Schwager und Onkel
Herrn Jakob Bauer
im 51. Lebensjahre zu ſich zu rufen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Bauer und Kinder.
Darmſtadt, den 27. März 1912.
Die Beerdigung findet am Mittwoch,
nach=
mittags 2 Uhr, vom Sterbehauſe
Sandberg=
ſtraße 23 aus, ſtatt.
Todes-Anzeige.
Heute morgen 3 Uhr entſchlief nach langem,
ſchwerem, mit Geduld ertragenem Leiden meine
liebe Gattin, unſere treubeſorgte Mutter,
Tochter, Schwägerin und Tante
(B7390
geb. Eigenbrodt.
Darmſtadt, den 26. März 1912.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Wilhelm Wambold u. Kind,
Georg Eigenbrodt.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den
28. März, nachmittags 3 Uhr, vom
Sterbe=
hauſe Hofgartenſtraße 11 aus, ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
und für die zahlreichen Blumenſpenden bei dem
Hinſcheiden meines lieben, guten Gatten, unſeres
Vaters, Großvaters und Schwiegervaters
August Knopf, Schuhnachermeister
ſagen wir Allen, insbeſondere Herrn Pfarrer
Kleberger für ſeine troſtreichen Worte am Grabe,
(*7843
unſeren tiefgefühlten Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Friedericke Knopf, geb. Fink.
Darmſtadt, den 26. März 1912.
Todes-Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Heute nacht entſchlief nach längerem
Lei=
den meine liebe gute Frau, unſere Mutter,
Schwiegermutter und Großmutter (7364
Frau
Wilhelmine Hummel
geb. Lochmann.
Darmſtadt, den 26. März 1912.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Wilhelm Hummel,
Expeditor i. P.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den
28. März, nachmittags 2 Uhr, vom
Sterbe=
hauſe Liebigſtraße 42 aus, ſtatt. Einſegnung
¼ Stunde vorher.
Blumenſpenden und Kondolenzbeſuche dankend
verbeten.
e
A. W. Jede Buchhandlung gibt Ihnen Auskunft.
J. R. 77. Wenden Sie ſich an die Bürgermeiſtereien
Mainz bezw. Gonſenheim.
Kirchliche Nachrichten.
Stadtkirche. Mittwoch, 27. März, abends 8 Uhr:
Kirchenmuſikaliſche Abendfeier. Kollekte.
Johanneskirche. Mittwoch, den 27. März,
abends 8 Uhr: 6. Paſſionsandacht. Pfarrer Kraus.
Amtlicher Weterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Ueber den ganzen Kontinent hat ſich hoher Druck
ausgebreitet; nur im hohen Nordweſten liegt noch ein
Tief, das unſer Wetter jedoch nicht beeinfluſſen kann.
Wir haben im Bereich des Hochs Abnahme der
Be=
wölkung und Sinken der Temperatur (beſonders nachts)
zu erwarten.
Ausſichten in Heſſen für Mittwoch, den 27. März:
Meiſt heiter und trocken, kälter.
Tageskalender.
Hoftheater, Anfang 7½ Uhr (Ab. D): „Liebelei”,
hierauf „Abſchiedsſouper”
Orpheum, Anfang 8½ Uhr: Gaſtſpiel des Oberbayer.
Bauerntheaters („Um Liab und Leb’n”).
Vortrag von Dr. Naumann um 8 Uhr in der
Turn=
halle am Woogsplatz (Bund für Volkskultur).
Vortrag von Oberlehrer Keller um 8 Uhr
Moller=
ſtraße 23 (Frauenverein der Martinsgemeinde).
Bismarckfeier des Alldeutſchen Verbandes um 8½ Uhr
im „Kaiſerſaal”.
Verſammlung des Provinzialtages der Provinz
Starkenburg um 10¼ Uhr im Rathausſaal.
Hauptverſammlung des Rabatt=Sparvereins um
um 9 Uhr im Reſtaurant „Kaiſerſaal”
Hauptprüfung um 5 Uhr im Konſervatorium für
Muſik (Mühlſtraße).
Schüleraufführungen der Klavierſchule Luitgard
Kuhlmann um 6 Uhr im „Fürſtenſaal”.
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. — Hotel Heß
und Bürgerkeller um 8 Uhr.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke
Rhein=
u. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 4—11 Uhr.
Olympia=Theater, Rheinſtr. 2, 1. Etage:
Vorſtellungen von 4—11 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 4—11 Uhr.
The American Bio Co., Ernſt=Ludwigsſtr. 23.
Vorſtellungen von 4—11 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Donnerstag, 28. März.
Verſteigerung unanbringlicher Poſtſendungen um
10 Uhr im Hofe des Hauptpoſtamtes.
Pferde= ꝛc. Verſteigerung um 3 Uhr
Rundeturm=
ſtraße 16.
Brennholz=Verſteigerung um ½9 Uhr in der
Brücherſchen Wirtſchaft zu Arheilgen.
Stamm= und Stangenholz=Verſteigerung um
9 Uhr im Roßdorfer Gemeindewald (Zuſammenkunft
auf der Kubig).
Holzverſteigerung um 9 Uhr im Gaſthaus „Zum
Löwen” zu Nieder=Ramſtadt.
Stammholz=Verſteigerung um 9 Uhr (
Zuſammen=
kunft auf der Chauſſee Meſſel-Urberach am
Wald=
eingang von Meſſel her).
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſez
für den Inſeratenteil: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.
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nach rilsner Art
nach Münchner Art
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Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. März 1912.
Nummer 74.
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Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. März 1912.
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be=
finden ſich: 1 Foxterrier, 1 Dachshund (zugelaufen). Die Hunde
Innen von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung, der nicht ausgelöſten Hunde findet
dort=
telbſt jeden Werktag vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(7365
Mubiläums=Stipendien=Stiftung zu Ehren
Her 25jäbrigen Regierung des hochstseligen
Grossberzogs Ludwig III.
Aus obiger Stiftung, welche bezweckt, daß aus den
Kapital=
finſen drei junge Leute, und zwar aus jeder der drei Provinzen einer,
ine gleichmäßige Beihilfe zu den Koſten ihrer Ausbildung auf einer
wöheren Bildungsanſtalt erhalten ſollen, ſind für das Jahr 1912 drei
Stipendien von je 400 Mk. zu vergeben.
Das Stipendium kann auf drei Jahre ausgedehnt werden; es
hönnen jedoch nur Angehörige ſolcher Gemeinden berückſichtigt werden,
rpelche Beträge zu dieſer Stiftung geleiſtet haben.
Hiernach berechtigte und befähigte junge Männer, welche zum
Zwecke ihrer Ausbildung eine höhere Bildungsanſtalt beſuchen oder
Oeſuchen wollen und ſich um das Stipendium zu bewerben
beab=
fichtigen, ſind eingeladen, ihre Geſuche durch ihre betreffende
Bürger=
rneiſterei an die Bürgermeiſterei der Hauptſtadt ihrer Provinz, alſo
aus Orten der Provinz Starkenburg an die Bürgermeiſterei Darmſtadt,
aus Rheinheſſen an die Bürgermeiſterei Mainz, aus Oberheſſen an
Die Bürgermeiſterei Gießen
bis längſtens zum 20. April ds. Js.
gelangen zu laſſen.
An Zeugniſſen ſind den Geſuchen beizulegen:
1. ein behördlich beglaubigtes Vermögenszeugnis,
2. eine behördliche Beſcheinigung, daß und wo Geſuchſteller
ſtudiert,
3. das Maturitäts= bezw. Schulabgangszeugnis,
4. ein Führungs= (Leumunds=) Zeugnis.
Außerdem iſt der Nachweis zu erbringen, daß der Geſuchſteller
in Heſſen geboren, bezw. heſſiſcher Staatsangehöriger iſt.
Darmſtadt, Gießen, Mainz, den 20. März 1912.
(7395mm
Das Kuratorium:
Dr. Gläſſing,
Mecum,
Dr. Göttelmann,
Oberbürgermeiſter. Oberbürgermeiſter, Oberbürgermeiſter.
Verſteigerung.
Dienstag, den 2. April, vormittags 10 Uhr,
ſollen im Großherzoglichen Hofmarſtall dahier einige ausrangierte
Kummt= und Bruſtblattgeſchirre, Zügel, Pferdedecken, Teppichgurten
(7330ms
uſw. gegen Barzahlung verſteigert werden.
Darmſtadt, den 22. März 1912.
Großherzogliches Hofmarſtall=Amt.
Riedeſel Freiherr zu Eiſenbach.
Stammholz-Verſteigerung.
Dienstag, den 2. April, vormittags 9½ Uhr
werden im „Rüſſelsheimer Hof” zu Rüſſelsheim folgende Stämme
aus den Forſtwarteien Mönchbruch, Oberes und Unteres Königſtädter
Forſthaus rerſteigert:
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verzeichniſſe ſind dort erhältlich.
(7347
Jagdſchloß Mönchbruch, den 23. März 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Mönchbruch.
Schäfer.
Stammholz-Verſteigerung.
Montag, den 1. April I. J., vormittags 10 Uhr
anfangend, werden im Schaafheimer Gemeindewald, Diſtrikt
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Zuſammenkunft auf der Kreisſtraße Schaafheim=Babenhauſen,
am Diſtrikt Neuwäldchen.
(7329ms
Schaafheim, am 25. März 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Schaafheim.
Hauck.
Kohlenverein Nieder=Modau
beabſichtigt ſeine diesjährige Lieferung von zirka 1500 Ztr. Kohlen
und zirka 300 Ztr. Briketts zu vergeben. Intereſſenten werden
gebeten, ihre Offerten alsbald an
Herrn Adam Ackermann V.
zu Nieder=Modau zu richten.
(*7820
Die Restbestände
in
Herren- und Knaben=Anzügen ..
Konfirmanden- u. Jünglings-Anzügen
Hoſen, Waſch-Anzügen u. Bluſen etc.
werden wegen Aufgabe dieſer Artikel größtenteils zu und
unter Selbſtkoſtenpreis ausverkauft. (7414msi
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panter
Beitreibung ſtädtiſcher
Gefälle.
Auf Beſchluß der
Stadtverord=
netenverſammlung vom 21. I. M.
tritt an Stelle der bisherigen
Mahnung von Gemeindeſteuer=
und Schulgeld=Rückſtänden
mit=
telſt offenen Zettels durch ſtädtiſche
Boten die Mahnung mittelſt
Zettel in offenem Briefumſchlag
durch die Poſt. Die Mahngebühr
bleibt die gleiche.
DieBeitreibung
derGemeinde=
ſteuer, die bisher eine zweizielige
war, wird vom Rechnungsjahr 1912
ab — erſtmals im Juni —
ein=
zielweiſe durchgeführt. (7394md
Darmſtadt, 23. März 1912.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Dr. Gläſſing.
Haferlieferung.
Die Lieferung von 60 Zentner
Hafer für die Faſelſtallungen iſt
zu vergeben.
Angebote und Haferproben ſind
bis Donnerstag, den 28. I. M.,
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
(7267im
Die Bedingungen liegen im
Stadthaus, Zimmer Nr. 39, zur
Ein=
ſicht offen.
Darmſtadt, 22. März 1912.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt
J. V.: Jaeger.
Die Lieferung von Kohlen für
die Ober=Poſtdirektion, die
Poſtämter und das
Telegraphen=
amt in Darmſtadt für das
Rech=
nungsjahr 1912 ſoll im Wege des
öffentlichen Anbietungsverfahrens
vergeben werden. Angebote mit
der Aufſchrift „Lieferung von
Kohlen” ſind bis zum 15. April,
10 Uhr vormittags, an die Ober=
Poſtdirektion einzureichen, zu
wel=
chem Zeitpunkte ihre Eröffnung
im Zimmer 93 erfolgen wird. In
dieſem Zimmer können die
An=
bietungs= und
Lieferungsbeding=
ungen eingeſehen oder in Empfang
genommen werden. Zuſchlagsfriſt
14 Tage.
(7320
Darmſtadt, 21. März 1912.
Kaiſerliche Ober=Poſtdirektion.
Die Epilevtiſchen=Anſtalt zu
Nieder=Ramſtadt bittet
wie=
derum um getragene Kleider, altes
Weißzeug, Lappen, ſowie
Ge=
brauchsgegenſtände aller Art. Die
Sachen werden nach Beſtellung (
tele=
phoniſch Amt Darmſtadt Nr. 572
oder ſchriftlich in den Briefkaſten
Kiesſtraße 30, part.) jederzeit mit
herzlichem Dank im Hauſe abgeholt.
Weimar, Pfarrer. (6389a
Manmnenner Hur Harkr 122
5. bis 8. Mai
Pferderennen 5., 7. und 12. Mai.
Ziehung der Lotterie —bar Geldsofort-ams. Mai
35 Hauptgewinne. Erster Preis: 2 Paar Wagenpferde.
1965 Silberpreise und andere Gegenstände.
zus. 2000 Gewinne im Werte von Mk. 50 000.−.
(6728fl
Für die Wagenpferde 75%, für die Arbeitspferde u.
Rindvieh-
gewinne 80% bar, für die Silberpreise der volle Geldwert.
— Los Mk. 1.—, 11 Lose Mk. 10.−
Kassier: Johs. Peters, C 4 Nr. 1.
Mannheim, im Januar 1912.
Landwirtschaftlicher Bezirksverein. Badischer Rennverein.
Lose zu beziehen durch J. F. Lang Sohn, in Heddesheim.
Bekanntmachung.
Mittwoch, 8. Mai 1912,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Wilhelm Groh zu
Arheilgen in der Gemarkung Beſ
ſungen gehörige Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
II 152/10 322 Hofreite
Karl=
ſtraße 50,
in unſerem Geſchäftszimmer,
Witt=
mannſtraße 1, zwangsweiſe
ver=
ſteigert werden.
Die Genebmigung der
Verſteige=
rung wird auch dann erfolgen, falls
ein der Schätzung entſprechendes
Gebot nicht eingelegt wird und
andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen.
Darmſtadt, 20. März 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen).
Frantz. (V7313
Bekanntmachung.
Mittwoch, 8. Mai I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Georg Haller
Ehe=
leuten von Darmſtadt, jetzt in
Hoch=
emmerich, im Grundbuch der
Ge=
markung Darmſtadt zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
II 283 75 Hofreite
Ober=
gaſſe Nr. 6,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(K27/12
Darmſtadt, 18. März 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V7312
n gut erhalten. Kinderwagen
billig zu verkaufen
Holz=
ſtraße 26, 1. Stock, rechts= (*7852
Bekanntmachung.
Der Armenarzt Herr Dr.
Leyd=
hecker iſt bis 20. April ds. Js.
verreiſt und wird in der
Armen=
praxis bis 8. April von Herrn
Dr. Gros, Riedeſelſtr. 21, und von
da ab durch Herrn Dr. Kautzſch,
Bleichſtraße 32 wohnhaft,
ver=
treten.
(7324
Darmſtadt, 25. März 1912.
Städtiſches Pflegeamt.
Krapp.
Bekanntmachung.
(Stadtwald.)
Die Nutzholzverſteigerung Nr. 18
unterm Heutigen iſt genehmigt.
Ueberweiſung des Holzes und erſter
Abfuhrtag iſt auf Mittwoch, den
3. April 1. J., feſtgeſetzt. (7319
Darmſtadt, 25. März 1912.
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.
Bekanntmachung.
Im Konkurs des Andreas
Eberth von Nieder=Ramſtadt
be=
tragen die Teilungsmaſſe 84,99 M.,
die nichtbevorrechtigten
Forderun=
gen 14 565,31 M.
(7321
Darmſtadt, 25. März 1912.
Reibstein,
Konkursverwalter.
Ein gut erhalt. zweiſitziger
Sport=
wagen, ein rohgezim. Tiſch
und ein Geſindebett billig abzugeb.
ankratiusſtr. 35. Manſ. (*7856
Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. März 1912.
Nummer 74.
Hauswirtſchaftliche Fortbildungsſchule.
Sonntag, den 31. März und Montag, den 1. April, je
nachmittags von 3—5 Uhr, findet in den Unterrichtsräumen der
Abteilung III, im Mittelſchulgebäude in der Hermannſtraße,
eine Ausſtellung von Arbeiten der Schülerinnen ſtatt.
Eltern und Angehörige der Schülerinnen, ſowie Freunde der
Anſtalt werden hierdurch zum Beſuche dieſer Ausſtellung freundlichſt
eingeladen.
Im Ausſtellungsraume nimmt der Leiter der Schule
Anmel=
dungen für das neue Schuljahr, das am 22. April beginnt,
ent=
gegen, und zwar auch für die Abteilungen I (Rundeturmſtraße) und
II (Lagerhausſtraße).
(7404md
Darmſtadt, den 26. März 1912.
Der Vorſtand:
Dr. Gläſſing, Oberbürgermeiſter.
Kaufmanniſche Vortotloungsſchute
der Großherzogl. Handelskammer Darmſtadt.
Das neue Schuljahr beginnt am Montag, den 15. April d. J.,
nachmittags 1 Uhr. Der Unterricht iſt auf 1—3 Uhr und an einzelnen
Tagen auf 1—4 Uhr nachmittags feſtgeſetzt. Die Aufnahme der
neu eintretenden Schüler findet am
Freitag, den 29. März, nachmittags von 4—6 Uhr, und
Samstag, den 30. März, mittags von 12—1 Uhr,
im Schullokale, Schulſtraße 9 (Hinterbau), durch Herrn Lehrer
Speckhardt ſtatt. Bei der Anmeldung, bei welcher die
Aufnahme=
bedingungen bezogen werden können, iſt die Vorlage des letzten
Schulzeugniſſes notwendig. Anmeldungen nach obigem Termine
müſſen ſchriftlich unter Beilage des Zeugniſſes bis ſpäteſtens
Samstag, den 13. April bei der Großh. Handelskammer eingereicht
werden, doch können dieſe nur Berückſichtigung finden, ſoweit noch
Platz vorhanden iſt.
Das Schulgeld beträgt für das ganze Jahr 28 Mk. und bei
Teilnahme am franzöſiſchen Unterricht, der fakultativ iſt, 36 Mk.
Hierzu kommen noch etwa 5 Mk. für neu anzuſchaffende Bücher.
Dem ſich Anmeldenden wird ein Formular übergeben werden,
auf welchem ſich ihr Prinzipal verpflichtet, das Schulgeld der
Kaufm. Fortbildungsſchule, welches vierteljährlich pränumerando
zur Erhebung gelangt, für ſeinen Lehrling während deſſen Lehrzeit
vorzulegen. Dieſes Formular iſt ausgefüllt und unterſchrieben beim
Schulbeginn am 15. April mitzubringen.
Der Beſuch der Schule verpflichtet auf drei Jahre und entbindet
die Schüler vom Unterricht in der allgemeinen Fortbildungsſchule.
Das Kuratorium:
Kommerzienrat L. Frölich.
Dr. Human.
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Darmſtädter Pädagogium
Leiter: M. Elias, Herdweg 56, Telephon 2554,
ſtaatlich konzeſſionierte Privatſchule mit den Klaſſen Sexta bis
Oberprima. Der Unterricht wird in kleinen Klaſſen erteilt, ſo daß
die Berücksichtigung der individuellen Veranlagung der
Schüler ermöglicht wird. An der Anſtalt unterrichten 14 Lehrer.
In beſonderen Kurſen erfolgt die Vorbereitung zum
Ein-
jährigen-, Primaner- und Abiturienten-Examen.
1910/12 beſtanden 15 Abiturienten, 31 Einjährige und
viele für andere Klaſſen.
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Beginn des Sommer-Semesters am 23. April.
Fortbildungskursus: Deutsch, Französisch, Englisch (von
Aus-
länderinnen), Geschichte, Geographie, Kunstgeschichte und
Hand-
arbeit. Pro Vierteljahr 45 Mk., pro Jahr 140 Mk. Praktisch. Kursus:
Kochen (Haushaltungslehrerin), Haushaltungschemie, Handarbeit
und Buchführung. Pro Vierteljahr 60 Mk., pro Jahr 180 Mk.
Kunstgewerbl. Fächer. — Prosp. und nähere Auskunft täglich von
11—12 Uhr und 4—5 Uhr durch die Vorsteherin.
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Frl. Dupré, Oberlehrerin.
Zur Besichtigung der am 26., 27. und 28. März im Institut ausgestellten
Handarbeiten der Schülerinnen wird höflich eing laden.
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englischem u. französischem Diktat.
Stenographie: Verkehrs- und Redeschrift nach Gabelsberger.
Beginn neuer Kurse: 15. April, vormittags 8 Uhr.
Getrennter Klassenunterricht für Fortbildungsschüler, der vom Besuche
der obligatorischen Fortbildungsschule befreit.
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Kurſe vom 26. März 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
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Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 99,90
3½ Deutſche Reichsanl. . 90,40
81,40
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4 Preuß. Schatzanweiſg. 99,30
3½ do. Conſols . . . 90,50
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3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,30
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do.
3½
84,00
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,20
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3½
79,70
do.
3
4 Hamburger Staatsanl. 99,70
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4 do. do. (unk. 1918) 99,90
88,60
do.
31
78,10
3
do.
3 Sächſiſche Rente . . . . 81,30
4 Württemberger v. 1907 100,40
94,90
3½
do.
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 101,30
1¾/ Griechen v. 1887 . . 55,25
3¾ Italiener Rente .
4½ Oeſterr. Silberrente 92,70
4 do. Goldrente . . . 96,70
3 Portug. unif. Serie I 64,10
3 do. unif. Ser. III 67,70
10,00
3 do. Spezial .
5 Rumänier v. 1903 . . 100,90
4 do. v. 1890 . . 95,10
4 do. v. 1905
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 90,70
4 do. v. 1902 . . . . 90,20
4½ do. v. 1905 . . . . 100,25
. 93,60
3½ Schweden .
4 Serbier amort. v. 1895 84,80
4 Türk. Admin. v. 1903 83,40
4 Türk. unifiz. v. 1903
4 Ungar. Goldrente . . . 91,10
4 do. Staatsrente... 89,70
3f.
In Proz
5 Argentinter . .
.100,30
4
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 94,50
5 Chineſ. Staatsanleihe . 100,80
do.
4½
95,00
4½ Japaner . .
. 94,90
5 Innere Mexikaner . . . 93,75
do.
3
4 Gold=Mexikaner v. 1904 87,50
5 Gold=Mexikaner . . . . 99,70
3 Buenos Aires Provinz 72½
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
8 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt . . . . . . . 141,00
3 Nordd. Lloyd . . . . . 104,40
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 122,90
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 111,50
8 Baltimore und Ohio .105,20
6 Schantungbahn . . . . 134,30
6½ Luxemb. Prince Henri 157,75
O Oeſt. Südbahn (Lomb.) 17,40
4 do. einheitl. Rente 89,80 6 Pennſylvania R. R. . 119,00
Letzte Induſtrie=
Dioid. Aktien.
3 Brauerei Werger . . 72,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 495,00
14 Chem. Fabrik
Gries=
heim . . . . . . . 260,80
27 Farbwerke Höchſt . . 565,50
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 338,00
8 Cement Heidelberg . . 154,00
32 Chem. Werke Albert 445,00
12½ Holzverkohlung
Kon=
ſtanz . . . . . . . 298,50
4 Lahmeyer . . . . . . . 127,00
Bröid.
7 Schuchert, Nürnberg . 154,00
12 Siemens & Halske . 233,00
12 Bergmann Electr. . . 167,50
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 177,50
25 Gummi Peter . . . . 143,75
0 Kunſtſeide Frankfurt 140,75
80 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 461,50
12 Maſchinenf. Badenia 195,20
16 Wittener Stahlröhren 209,50
8 Steana Romana Petr. 133,75
15 Zellſtoff Waldhof . 243,00
12½ Bad. Zucker=
Wag=
häuſel . .
. .203,00
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 122,30
3 Südd. Immobilien . 80,00
Bergwerks=Aktien.
10 Aumetz=Friede . . . . 185,90
12 Bochumer Bergb. und
Gußſt. .
.. . 225,00
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 181,30
10 Gelſenkirchener . . . . 193,25
7 Harpener .
. . . 194½
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb . . . 250,25
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
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.. 84,25
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10 Kaliwerke Aſchersleben 171,00
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Weſteregeln 193,00
5 South Weſt Africa .155,30
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Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 90,00
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 96,25
4 Franz=Jofefs=Bahn . .
3 Prag=Duxer . . . . . . 76,00
5 Oeſterr. Staatsbahn .
4 Oeſterr. Staatsbahn . 94,60
do.
78,70
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,30
Inhren
34
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 79,30
54,30
29/10 do.
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn 96,25
4 Ruſſ. Südweſt . . . . . 88,80
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,40
87,50
do.
4 Wladichawchas . . . . 89,00
4 Rjäſan Koslow . . . „
3 Portugieſ. Eiſenb. . . .77,80
92,50
4½ do.
2¼0 Livorneſer . . . . . 70,00
3 Salonique=Monaſtir . 64,90
4 Bagdadbahn . . . . . . 83,80
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 97,20
4 Miſſouri=Pacific . . . . 94,70
4 Northern=Pacific . . . 100,30
4 Southern=Pacific . . . 95,25
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 88,20
5 Tehuantepec . . . . . . 99,00
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich .
8½ Bergiſch=Märkiſche
Bahn . . . . . . . 149,60
9 Berlin. Handelsgeſ. . . 170,90
6½ Darmſtädter Bank . 124,50
12½ Deutſche Bank . . . 262,50
6 Deutſche Vereinsbank . 124,00
5½ Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 118,80
10 Diskonto=Kommandit 183,20
8½ Dresdener Bank . 156,10
9½ Frankf. Hypoth.=B. 213,50
6½ Mitteld. Kreditbank 118,50
7 Nationalb. für Deutſchl. 122,00
5½ Pfälziſche Bank . . 130,25
6.48 Reichsbank . . . . . 137,25
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,00
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 130,40
7½ Wiener Bankverein . 136,75
4 Frankf. Hypoth.-Bank
S. 16 u. 17 . . . 98,80
3t. Pfandbriefe. Zuſrm.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19. . . . . . . 90,00
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S.15—19, 21—26 98,10
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,50
3½
do.
89,50
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 100,70
3½
do.
89,80
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
. . 100,40
S. 14, 15, 17, 24/26
18—23.
.100,45
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—
89,80
S. 3—5
. 89,60
S. 9—11
. 89,70
4 Meininger Hyp.=Bank 100,00
3½
do.
89,50
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 98.50
3½ do. (unk. 1914) . . 89,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,40
do.
3½
90,00
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . . . .
3½ do.
89,50
4 Frankfurt.
. 99,30
3½ do.
93,50
4 Gießen .
3½ do.
90,00
4 Heidelberg
99,60
do.
3½
4 Karlsruhe
98,50
3½ do.
89,50
4 Magdeburg.
3½ do.
4 Mainz
99,00
3½ do.
4 Mannheim
98,50
3½
do.
89,40
4 München
99,40
3½ Nauheim
Nürnberg
98,80
do.
4 Offenbach .
8.
Inpro,
3½ Offenbach . . . . .
4 Wiesbaden . . . . . . 99,20
3½ do.
4 Worms .
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888 .
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . Tlr. 100 167,80
3½ Cöln=Mindner 100 136,10
3 Holl. Komm. . fl. 100 107,00
3. Madrider . Fs. 100
4 Meininger Pr.=
Pfand=
briefe . . . . . .. . 135,50
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 180,00
3 Oldenburger . . . . . . 125,30
2½ Raab=Grazer fl. 150 116,25
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7 36,00
Braunſchweiger Tlr. 20 198,50
Fs. 15
Freiburger .
Fs. 45 —
Mailänder .
do.
Fs. 10 —
Meininger .
fl. 7.
Oeſterreicherv. 1864 fl. 100 528,00
do. v. 1858fl. 100 450,00
Ungar. Staats . . fl. 100 368,00
Venediger . . . . Fs. 30 45,60
Türkiſche . . . . Fs. 400 169,80
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,43
20 Franks=Stücke . . . . 16,24
Amerikaniſche Noten . . . 4,19¾
Engliſche Noten . . . . . 20,43
Franzöſiſche Noten. . . . 81,15
Holländiſche Noten. . . . 169,25
Italieniſche Noten .
80,60
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,60
Ruſſiſche Noten . . . . . 215,50
Schweizer Noten .
80,85
Reichsbank=Diskonto. .
Reichsbank=Lombard 89. 6
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. März 1912.
Nummer 74.
Von der Bedentung und Wirkung der Dun=
Präparate kann ſich jedermann durch
Einſichtnah=
me meines neueſten Proſpektes mit 59
wahrheits=
gemäßen Heilberichten überzeugen. Weitere
dank=
ſagende Zuſchriften ſtehen jederzeit zur Verfügung.
für Kranke und Geſunde ſind Dun= Satde
(1.30),=Pillen (1.30) und Zäpfchen (2.00),
Proſpekte und kliniſch=therapeutiſche
Abhand=
lung koſtenfrei durch die Fabrik Hans=
Heiss, Darmstadt, Roßdörferſtraße 22.
EinE NenfzTAT
Meine Tochter Kätchen verletzte ſich vor 2 Jahren den
rechten Fuß unterhalb des Knöchels. Der Fuß wurde
ſchlimmer und ſchlimmer, ſodaß wir auf Anraten des
Arz=
tes hin unſer Kind nach Darmſtadt ins Krankenhaus brachten.
Dort wurde Knochentuberkuloſe feſtgeſtellt und ein Knöchel
herausgenommen. Nach 4 Jahr heilte der Fuß zu. Beim
Verlaſſen des Krankenhauſes wurde uns vom dortigen
Arzt mitgeteilt, daß der Fuß oder das ganze Unterbein
abgenommen werden müßte, wenn die Wunde wieder
aufbrechen ſollte. Als nach 5 Monaten der Fall wirklich
eintrat und der Arzt uns wiederholt riet, den Fuß oder
das Unterbein abnehmen zu laſſen, entſchloſſen wir uns,
es einmal mit den viel empfohlenen Dun=Präparaten zu
verſuchen. Wir hatten, Gott ſei Dank, beſten Erfola. Der
Eiter wurde durch die Dun=Salbe raſch aus der Wunde
herausgezogen, die Anſchwellung verſchwand, der Fuß
bekam bald wieder ſeine natürliche Farbe und heute iſt
unſer Kätchen, das zuvor ſchlecht ausſah, wieder friſch
und geſund und die Wunde geſchloſſen.
Roßdorf, 6. II. 1910. Georg Friedrich Gunkel.
Nervoſität, Hämorrhoiden und Rheumatismus. Die
Dunpillen ſind eine Wohltat für die Nerven und gegen
Schlafloſigkeit. Die Dunzäpfchen gegen Homorrhoiden und
harten Stuhl, die Dunſalbe gegen Rheumatismus und
Reißen. Ich nahm dieſe Präparade nur ½ Jahr lang
und habe jetzt wieder Luſt am Leben. Die Pillen nehme
ich ohne Unterbrechung weiter
Frau Dr. Schäfer, Straßburg.
Knochenhautentzündung. Aus freiem Antriebe teile ich
Ihnen hierdurch mit, daß mich Ihre Dun=Salbe von einer
ſchmerzhaſten Knochenhautentzundung in wenigen Tagen
geheilt hat. Ich bemerke dabei, daß ich das vortreffliche
Heilmittel leider erſt anwandte, nachdem ich bereits
wochen=
lang gelegen und gelitten hatte. Darmſtadt. Frau E. Frank.
Bauchfellentzündung. Meine Tochter Minchen war
ſo ſchwer an Bauchfellentzündung erkrankt, daß der Arzt
das Schlimmſte befürchtete. Durch Auflegen von Dun=
Pflaſter auf den Leib und öfteres Einnehmen von Dun=
Pillen war ſie nach wenigen Stunden aus aller Gefahr
und bereits nach 8 Tagen wieder auf. Nach 3 Wochen
fühlte ſie ſich wieder völlig geſund.
Forſthaus Eiſernhand bei Ober=Ramſtadt. W. Hoffmann.
Gerne teile ich Ihnen mit, daß mein kleiner Albert,
als er kaum ¾ Jahr alt war, durch Behandlung mit
Ihrer Dun=Salbe innerhalb 8 Tagen von Keuchhuſten,
der ihn bereits 4 Wochen lang gequält hatte, befreit wurde.
Auch bei Katarrhen, Fieber und Brandwunden hat mir
Ihr Dun=Präparat vorz. Dienſte geleiſtet.
Frau A. Melchior.
Darmſtadt, 15. 8. 1909.
Maſern. Mein kleiner Hugo erkrankte an Maſern ſo
ſchwer, daß er im Fieber irr redete und wir das
Schlimmſte befürchteten. Er war am ganzen Körper ſo rot
wie ein Krebs und zeigte ſich die Krankheit beſonders
hef=
tig an den Augen. Da ich Dun=Präparate ſchon öfter
mit beſtem Erfolge angewandt hatte, rieb ich ihn am
gan=
zen Körper mehrmal mit Dun=Salbe ein und gab ihm
Dun=Pillen. Der Erfolg war der, daß das Fieber raſch
ab=
nahm und Hugo nach etwa 3 Tagen wieder geſund war.
Frau A. Melchior.
Darmſtadt.
Als Krankenpflegerin mit faſt 30jähriger Dienſtzeit
würde ich mich wohl hüten, ein Heilmittel zu empfehlen,
von deſſen Vorzügen und völliger Unſchädlichkeit ich mich
nicht zuvor überzeugt hätte. Ich habe vielfach
Gelegen=
heit gehabt, zu ſehen und zu hören, daß die Dun=
Präpa=
rate mit nie verſagendem Erfolg bei offenen Wunden,
Ka=
tarrhen, Leberleiden, Brandwunden, Rheumatismus,
Js=
chias, Lungen= und Rippenfellentzündung, Blinddarm= und
Bauchfellentzündung u. a. angewandt wurden. Mir ſelbſt
haben die Dunſalbe und Dunpillen gegen Rheuma und
Anſchwellung der Beine treffliche Dienſte geleiſtet, und ich
bin überzeugt, daß nur ſie allein mir das Leben gerettet
haben, als ich kurz vor Weihnachten von einem ſchweren
Schleim=Schlaganfall getroffen worden war.
Darmſtadt, 3. Junk 1910.
K. S.
Die im April von Ihnen bezogenen Dunpräparate
waren von außerordentlicher Wirkung und habe ich meinem
Gjährigen Jungen ein Drüſengeſchwür (das im Entſtehen
war) geheilt, ſodaß die Eiterung gar nicht zum
Ausbruch=
kam. Wegen desſelben Leidens mußte ich den Knaben vor=
2 Jahren 18 Tage lang in ein Krankenhaus in Operation
und Behandlung geben.
„Dun” iſt bei uns zu einem unentbehrlichen Heilmittel
geworden und habe ich es ſchon oft empfohlen und auch
an Bekannte geliehen und wurden dort gleichfalls gute
Reſultate erzielt.
Lengfeld i. O., 1. 12. 1910.
Wilh. Heuß II.
Meine Leidenszeit fing 8 Wochen vor Weihnachten mit
Ischias und hochgradiger Nervoſität an, und behandelter
mich zuerſt Herr Dr. Sch. ohne Erfolg. Dann kam ich ins
Krankenhaus nach Worms, aus dem ich ebenfalls
ungeheilt=
entlaſſen wurde. Hierauf wurde durch das
Invalidenver=
ſicherungsamt ein Heilverfahren in einer Heilſtätte zu
Darmſtadt eingeleitet und dort alles mögliche angewandt.
Bei größter Ruhe linderte ſich mein Schmerz, aber bei der
kleinſten Anſtrengung kam er immer wieder. Erſt nach
An=
wendung Ihrer Dun=Präparate wurde ich mit jedem Tag
beſſer, und heute, nach dreiwöchigem Gebrauch, finde ich
mich körperlich wie geiſtig wohl, und habe ich wieder einen
ſehr guten Schlaf. Auch gegen mein Hämorrhoidalleiden
haben mir Ihre Dun=Präparate vortrefflich geholfen und
ſage ich Ihnen hiermit, daß mir nichts anderes geholfen hat.
Gg. Scheuermann.
Monsheim (Rheinheſſen).
Herr Guillermo Alter, Naturarzt in Buenos Aires,
ſchrieb am 18. Mai 1909: In die Salbe ſind die Kranken
einfach verrückt. Ich habe einige ſehr ſchöne Heilerfolge
mit der Salbe bei Knochentuberkuloſe, Flechten,
Geſchwül=
ſten und Fiſteln. Durch die Pillen einen auffallenden
Er=
folg bei Nierenſteinen.
Nur in Apotheken zu haben oder durch
Ver=
mittlung der Fabrik.
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Nummer 74.
Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. März 1912.
Seite 15.
Vom gedeckten Tiſch in alter Zeit.
C) Die jüngſten Beſtrebungen, bei der Herrichtung
der Tafel und bei dem Servieren der Speiſen
künſtle=
rriſche Geſichtspunkte geltend zu machen, zeigen im
allge=
rmeinen einen erfreulichen Zug zur Einfachheit; ſie
ver=
rraten das Bemühen, nicht durch Maſſe und Prunk, ſon=
Fdern durch Einheitlichkeit der Geräte und durch feine
Abtönung der Farbenakkorde zu wirken. Der gedeckte
iſch unſerer Zeit kann an Maſſe, Glanz und
Uep=
ſpigkeit des Materials nicht mit vergangenen
Jahr=
hunderten rivaliſieren; ein neues Geſchlecht geht andere
Wege als die Vergangenheit. Mit der Tafelkultur
ver=
ffloſſener Jahrhunderte beſchäftigt ſich ein feſſelnder
Auf=
ſatz in der Eſpaüa Moderna, in dem auch das große
Feſtmahl geſchildert wird, das bei der Hoch zeit
Heinrichs IV. und der Maria von Medici
in Paris, man kann wohl ſagen. gefeiert wurde, denn
ungeachtet der Unmaſſe von Leckerbiſſen übertönt der
entfaltete Prunk die Einzelheiten des Eſſens. Der
mäch=
tige Saal leuchtete in einem verwirrenden Widerſcheine
von Gold und Silber; wohin das Auge ſchweifte, fand es
Goldſchmuck, blitzende Geräte, funkelnde
Kriſtallgegen=
ſtände, wahre Blumengärten; und dies alles war in
ſtrahlende Lichtſtröme gebadet, während ſchwere Düfte
und Wohlgerüche die Atmoſphäre durchfluteten. Aber
damit noch nicht genug; bei jedem neuen Gang wurde die
Dekoration des Saales und der Schmuck der Tafel
ver=
ändert. Man hatte eine Vorrichtung getroffen, durch die
es möglich war, den Tiſch nach jedem Gang zu verſenken.
Wie durch Zauberei glitt plötzlich die mächtige Tafel in
die Tiefe, um wenige Augenblicke ſpäter in neuem
Ge=
wande wieder zu erſcheinen. Zu gleicher Zeit war die
in prachtvolle Gewänder gekleidete Dienerſchaft durch
Falltüren in der Ecke des Saales verſchwunden, um dann
in neuen Trachten wieder aufzutauchen, die in Farbe,
Schnitt und Schmuck ſorgſam auf die Tafeldekoration
abgeſtimmt waren. So wurde jeder Gang zu einem
eigenen, in ſich abgeſchloſſenen Feſte; ja, ſogar die Klänge
der Muſik waren bis auf das Einzelne auf das Gericht
abgeſtimmt. Beim Ochſenbraten erklangen ländliche
Wei=
ſen, beim Wildpret fröhliche Hörner= und Jagdmelodien.
Der Reichtum und die Maſſe der Speiſen war dabei ſo
groß, daß allein, ſo bemerkt ein Augenzeuge, der
Nach=
tiſch ausgereicht habe, um eine ganze Stadt zu ſättigen.
Den Gipfelpunkt bildeten die Süßigkeiten und das Obſt.
Wieder war die Tafel verſchwunden, da erklangen
plötz=
lich einſchmeichelnd die erſten Akkorde lockender
Tanz=
weiſen, die mächtig anwuchſen, und unter dieſen
Klän=
gen erſchien die Tafel wieder im Saale. Aus dem „
ge=
deckten Tiſche” war plötzlich ein prachtvolles
Blumen=
parkett geworden, über und über war die mächtige Fläche
mit Blüten und Blumen geſchmückt, und an den Rändern
erhoben ſich wirkliche Bäume. Und inmitten dieſer
plötz=
lich erſchienenen Landſchaft tummelten ſich in zarten
Schleiergewändern Nymphen und Sylphiden,
Tänzerin=
nen, die den Gäſten gezuckerte Früchte und Süßigkeiten
von den Bäumen pflückten. Die Liköre rieſelten in
kleinen Quellen zwiſchen Sträuchern und Bäumen und
auf den Aeſten und Zweigen dieſes ſeltſamen
Märchen=
waldes tummelten ſich wirkliche kleine Singvögel, deren
Schnabel und Krallen vorher vergoldet worden waren.
Der Tanz und die lärmende Feſtfreudigkeit mochte die
gefiederten kleinen Sänger nicht wenig entſetzt haben,
denn ſie flogen ängſtlich zur Decke empor und ſuchten hier
einen ſicheren Schlupfwinkel. Aber das war von dem
Arrangeur ſchon vorher in Rechnung geſetzt worden und
geſchickt zu einem neuen Effekt benutzt: Das
Deckenge=
wölbe des Saales war hellblau gemalt worden, um die
Bläue des Himmels vorzutäuſchen, damit es ausſähe,
als flatterten die kleinen Vögel frei im blauen Aether.
Aber bei all dieſem märchenhaften Glanze waren
die Pariſer jener Zeit gegen die Gefahr gefeit, vor
lau=
ter Schauen das Eſſen zu vergeſſen. Die Fremden, die
im 15. und 16. Jahrhundert Frankreich beſuchten,
berich=
ten Erſtaunliches von dem wahren Gargantua=Appetit
der Franzoſen. Eine ganz einfache Mahlzeit mußte
we=
nigſtens fünf oder ſechs Fleiſchgerichte umfaſſen: man
aß Schwäne, Kraniche, Schildkröten, Pfauen, Faſanen
Haſen, Wachteln, Wildbret und Fiſch, ja ſogar die
ärme=
ren Volksklaſſen aßen ſich am Fleiſche ſatt. Das
Lieb=
lingsgericht der kleinen Leute war damals der ſogen.
„Hoſchepot” der ſich aus allen möglichen Arten von Fleiſch
zuſammenſetzte. Noch zur Zeit des Sonnenkönigs war
der Appetit der Franzoſen in ſchönſter Blüte, und
Lud=
wig XIV. war ſelbſt nicht nur kein Koſtverächter, ſondern
der Beſitzer eines Appetits, der für unſere heutigen
Be=
griffe wie ein groteskes Märchen anmutet. In ihren
Briefen erzählt unſere Liſelotte von der Pfalz, daß ſie
den Sonnenkönig einmal folgende Reihe von Gerichten bei
dem „Dejeuner” vertilgen ſah: vier Teller Suppe, einen
ganzen Faſan, ein Rebhuhn, einen Teller Salat, zwei
Scheiben Schinken, Hammelbraten mit Knoblauch, einen
Teller Süßigkeiten, einen Teller Obſt und ſchließlich noch
zwei harte Eier. Nach dieſem Imbiß konnte es dann
Ludwig bis zum Diner aushalten, das abends um 10 Uhr
eingenommen wurde. Aber dann hatte er auch wieder
zguten Appetit”.
Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.
Geöffnet an Wochentagen von 9— 12 Uhr vorm. und
3 — 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 21. März: Dem Sergeant im
Leib=
garde=Infanterie=Regiment Nr. 115 Karl Ruppenthal,
Beckerſtraße 27, ein S. Johannes Heinrich. Am 18.: dem
Telegraphenarbeiter Johann Adam Schwinn,
Land=
wehrſtraße 62, eine T. Maria. Am 15.: dem
Fabrik=
arbeiter Johannes Old, Landwehrſtraße 31, ein S.
Jo=
hann Jakob. Am 22.: dem Inhaber eines Terrazzo= und
Zementbaugeſchäfts Raimondo Burlon,
Pallaswieſen=
ſtraße 85, eine T. Eliſe Katharina. Am 24.: dem
Fuhr=
mann Adam Ruhmann, Große Kaplaneigaſſe 9, eine T.
Margarete Marianne. Am 22.: dem Wagenmeiſter bei
der Staatsbahn Heinrich Emil Heilig,
Lauteſchläger=
ſtraße 27, eine T. Sofie Leona Hortence.
Aufgebotene. Am 21. März: Schreiner Johannes
Decker, Kahlertſtraße 21, mit Margarete Gerlach,
Kahlertſtraße 21. Ackermann Ferdinand Schuch,
Nie=
der=Aula, mit Margareta Döring, Queck. Ingenieur
Paul Iſenbügel, hier, mit Selma Lydia Limper,
Wölfrath. Bäcker Friedrich Adolf Guſtav Vollrath,
Oſſig, mit Dienſtmädchen Margarete Würthele, hier.
Am 22.: Schreiner Leo Niebling, Feldbergſtraße 71,
mit Dienſtbote Sofie Wiegand, Cronberg im Taunus.
Fahrburſche Johann Wilhelm Kreim, Kaupſtraße 5,
mit Fabrikarbeiterin Anna Maria Caſtritius,
Arheil=
gen. Gerichtsaſſeſſor Berthold Friedrich Karl Auguſt
Küchler, Fuchsſtraße 18, mit Hedwig Helene Hermine
Diefenbach, Alexanderſtraße 8. Am 23.: Bereiter Louis
Achille Hasler mit Marie Philippine Weber, beide
in Bern. Photograph Fritz Wilhelm Rath,
Halber=
ſtadt, mit Elſa Wurzler, Magdeburg. Am 25.:
Schutz=
mann Anton Simon, Pforzheim, mit Köchin Eva
Maria Brunnengräber, hier. Ingenieur Joſeph Karl
Engliſch, hier, mit Apollonie Karoline Leiſenheimer,
Frankenthal. Bahnarbeiter Kurt Paul Dietſch, hier,
mit Köchin Friederike Roſa Engelhardt, Sonnefeld.
Oelhändler Karl Eiſele, hier, mit Auguſte
Scham=
bach, Eberſtadt. Steinhauer Georg Röth, Worms, mit
Dienſtmagd Lina Schott, Weinheim. Bankbeamter
Chriſtian (ger. Karl) Schneider, Wiesbaden, mit
Alexandrine Eliſabeth Schallenberger,
Pankratius=
ſtraße 48. Sergeant im Garde=Dragoner=Regiment Nr. 23
Wilhelm Stiehler, Marienplatz 1, mit Köchin Karoline
Haber, Viktoriaſtraße 28.
Geſtoxbene. Am 22. März: Barbara Klos, T. des
Fuhrmanns, 11 Mte., kath., Blumenthalſtraße 63.
Schuh=
machermeiſter Auguſt Knopf, 80 J., ev., Kiesſtraße 2.
Metzgermeiſter Auguſt Kahn, 49 J., iſr.,
Schuchard=
ſtraße 4. Am 21.: Emilie Röhrich, geb. Berdux,
Ehe=
frau des Reſtaurateurs, 45 J., ev., Waldſtraße 8. Am 22.:
Buchhalter Peter Engelleitner, 31 J., ev., Landgraf=
Georgſtraße 8. Am 23.: Eliſ. Samesreuther geb.
Bro=
ſius, Witwe des Apothekers, 78 J., ev., Kiesſtraße 56.
Am 22.: Schuhmacher Jakob Theodor Bickhardt, 68 J.,
ev., Rundeturmſtraße 14. Luiſe Bach, geb. Eiſenhuth,
Ehefrau des Kanzleirats. 51 J., ev Wittmannſtraße 18.
Am 24.: Leutnant a. D. Andreas Steinacker, 67 J., ev.,
Beckſtraße 83. Am 23.: Kaufmann Georg Paul Julius
John, 21 J., ev., Kahlertſtraße 5½. Suſanne
Stappel=
ton, T. des Oberpoſtſchaffners, 1 J., kath.,
Eliſabethen=
ſtraße 61. Am 24.: Eliſ. Bleidt. geb. Uhrmacher, Witwe
des Apothekers, 62 J., kath., Riedlingerſtraße 33. Am
23.: Hilda Volk, T. des Küfers, 7 J., ev., Groß=
Zim=
mern. Am 24.: Theodore Marie Philippine Bachmann,
geb. Both, Ehefrau des Privatiers, 49 J., ev.,
Guten=
bergſtraße 52. Johanna Banger, geb. Endner, Witwe
des Kammermuſikers, 79 J., ev., Karlſtraße 45.
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[ ← ][ ][ → ]Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. März 1912.
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Der Hof des Hchweigens.
Ein Roman aus Island von Anny Wothe.
(Nachdruck verboten.)
5)
Copyright 1910 by Anny Wothe, Leipzig.
Das Schickſal nahm mir die Söhne, fuhr der Alte
mit dumpfer Schwere fort. Blühende Knaben mußten
im Lenze zur Hel. Du biſt die letzte, die mir geblieben.
Ich will nicht, daß der Widarhof in fremde Hände
über=
geht. Hier, wo ich, wo deine Mutter, wo unſere
Vor=
fahren gelebt und gelitten haben, hier ſollſt auch du
leben, hier ſollſt du dir eine Familie gründen, hier ſollen
deine Kinder aufwachſen
Und elend zugrunde gehen, wie deine Kinder elend
geſtorben ſind, ergänzte das Mädchen mit fliegendem
Atem des Vaters Worte, und ihre Augen glühten
leiden=
ſchaftlich auf. Nein, Vater, nie werde ich eines Mannes
Weib. Ich will nicht, wenn ich Kinder habe, ſie bis auf
das letzte hergeben, wie du es auch gemußt, und ich will
nicht, daß mein letztes Kind ein ſo elendes Leben führen
ſoll, wie ich es jetzt muß. Ich will nicht.
Was ficht dich an? fragte Ravna hochrot vor Zorn.
Wer hat dir ſo alberne Aefintyri (Märchen)
aufgebun=
den? Du wirſt tun, was ich befehle. Da iſt Bjarni
Petrurſſon. Er iſt treu wie keiner. Seit ſeiner Kindheit
dient er uns. Er verſteht den Handel mit Tran und
Fiſchen, er geht auf die Jagd. Er liebt den Vogelfang,
und er verſteht ſich auch auf den Handel mit Eiderdau=
den und Vogeleiern. Er iſt wie ich, obwohl ein Bauer,
ein Studierter, und weiß gut Beſcheid in Land und
Leben. Er iſt jetzt dreißig Jahr,zählt alſo zehn Jahre
mehr als du und hat ſich ein gutes Sümmchen erſpart.
Ihm, Bjarni Petrurſſon, will ich den Hof geben, und du
ſollſt ſein Weib werden. Haſt du mich verſtanden?
Ja, Vater, ich will aber nicht.
Du willſt nicht? Der Alte richtete ſich drohend auf.
Seit wann ziemt es ſich auf dem Widarhof, daß die
Kinder einen Willen haben? Der Vater, der Herr,
be=
fiehlt, und die Kinder gehorchen. Hat dich das der
Sjera (Pfarrer in Reykjavik nicht gelehrt?
Nein, Vater, er hat mich gelehrt, nur immer das
Rechte zu tun.
Dann war der Probſt kein echter Gottesmann, und
ich will den Biſchof über ihn befragen. Aber jetzt laß
es genug ſein. Du kennſt mein Gebot. Ich habe Bjarni
mein Wort gegeben, und du wirſt es einlöſen. Ich will,
daß wieder neues Leben hier aufblüht, ich will es noch
erleben, daß wieder Lachen in den Hof des Schweigens
zieht, damit es wieder hell wird in den dunklen Stuben.
Der Hof iſt verflucht, ſchluchzte das Mädchen auf,
beide Hände vor ihr zuckendes Antlitz ſchlagend. Hier
wird nie das Glück Einkehr halten. Hel iſt der Hof
ge=
weiht.
Einen Augenblick ſah Ravna Johnſon fein Kind
faſſungslos mit tief erblaßtem Geſicht an, dann aber
kehrte er Hallgerdr brüsk den Rücken. Er murmelte
etwas von „Altweibergeſchwätz”, aber ſeine Fauſt war
drohend geballt, und in ſeinen Augen funkelte der Zorn.
Mit ſcheuem Blick trug die alte Gynna die
Abend=
mahlzeit herein. Gleich darauf kam Bjarni, der ſoeben
mit den Knechten und Mägden vom Felde heimgekehrt.
Noch hing der friſche Heuduft in ihren Kleidern. Ernſt,
als ginge es zu einem Leichenſchmaus, ſchritten ſie alle zu
Tiſch. Die Mägde in ihren ſchwarzen Röcken und
Mie=
dern, die kleine, ſchwarze Mütze mit der langen
Seiden=
quaſte auf das linke Ohr gedrückt, die Männer in ihren
weiten Beinkleidern und kurzen Jacken, die Hua (eine
Art Haube) auf dem Kopfe, die ſie auch bei Tiſch nicht
ab=
nahmen.
Gynna ſprach das Tiſchgebet, und Hallgerdr füllte
die bunten Teller mit Skyr, dem Nationalgericht der
Is=
länder, einer Art ſaure Milch, die mit ſüßer Sahne und
Zucker genoſſen wird, und im Sommer beſonders
er=
friſchend ſchmeckt.
Mit zitternder Hand ſchnitt die Baerstochter auch
von dem großen Topfbrot aus Sandhafer, einer ſchweren
Koſt, das einen ſo unangenehmen, ſüßlichen Geſchmack
hat, und das Hallgerdr nicht eſſen konnte, ſeitdem ſie aus
Reykjavik heimgekehrt.
Ravna Jonſon teilte bedächtig das zähe Schaffleiſch,
das er umſtändlich jedem auf den dargereichten Teller
ſchob. Geſprochen wurde nicht.
Da ließ plötzlich die alte Gynna Meſſer und Gabel
fallen.
Nummer 74.
Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. März 1912.
Seite 19.
Ihre waſſerblauen Augen riſſen ſich weit auf und
blickten ſtarr in die Ferne.
Siehſt du etwas, Gynna? forſchte plötzlich der alte
Ravna mit verſtörtem Geſicht. Was iſt dir? So ſprich
doch, Alte.
Gynna ſah ſtarr vor ſich hin ins Leere.
Die Knechte glotzten dumm vor ſich hin, und die
Mägde krochen ſcheu zu einander.
Ich ſehe ihn, wie er über das Eis ſchreitet, flüſterte
die Alte, aber es iſt ein anderer Weg, als den er heute
macht. Heute kommt er übers Meer, über die graue
Lava. Es trägt ihn ein flinkes Roß. Auf den Widarhof
hält er zu. Kannſt du ihn nicht erkennen, Ravna
Jon=
ſon? Nein, du kennſt ihn nicht, aber ich kenne ihn.
Gerade wie er, kam einſt am dunklen Tage ein Mann
über das Eis. Lang, lang iſt’s her. Hel küßte ihm die
roten Lippen. Hel kränzte ihm das bleiche Haupt.
Schweige! donnerte der Alte. Verrücktes, altes
Weib!
Gynna rührte ſich nicht. Mit weitgeöffneten Augen
ſtierte ſie vor ſich hin, und die dürre Hand ausſtreckend,
rief ſie laut:
Jetzt ſetzt er ſchon über den Tun. Im Grasgadur
(Küchengarten) ſteht er ſtill. Er lauſcht wohl auf das
Brauſen des Meeres, Jetzt, jetzt iſt er ganz nahe. Unheil
bringt ſeine Nähe, Unheil ſchreitet ins Haus!
Die Mägde ſchrien laut auf, denn auf der Schwelle
der Wohnſtube ſtand ein Mann, und ſeine Augen bohrten
ſich in Hallgerdrs Augen, indem er ſtill den Alten grüßte,
als ſähe er ihn nicht zum erſten Mal, und er hatte ihn
doch nie zuvor geſchaut.
Auf einen Wink Ravnas verließen die Knechte und
Mägde lautlos, ſich ſcheu umſehend, die Stube, nur=
Bjarni blieb und die neugierige, alte Gynna.
Der Mann aber, der auf der Schwelle ſtand, war
Ingwald Anderſen.
Was führt euch her? fragte Ravna Jonſon, die hohe
Geſtalt gebieteriſch aufrichtend und dem braunen Gaſt
feſt ins Geſicht ſehend.
Der Amtmadur hat mir einen Gruß für euch — und
für euch — wandte ſich der Fremde artig an Hallgerdr,
aufgetragen.
Nehmt Platz, Herr. Freunde des Amtmanns ſind
mir immer willkommen, entgegnete Ravna feierlich.
Es fragt ſich, ob ich des Amtmanns Freund bin. Er
ſagte mir, daß ihr am beſten Land und Leute in Island
kennt, und daß ihr früher oft Führerdienſte in das
Innere des Landes hinein geleiſtet habt. Ich ſuche nun
einen Kundigen, der mich weiter in das ſeltſame Land
bis zu dem Geyſir bringt und wieder zurück. Der
Amt=
mann ſelbſt, der Sohn und die älteſte Tochter wollen die
Tour auch mitmachen, und ſie haben mich beauftragt,
euch zu bitten, daß ihr auch eurer Tochter geſtattet, an
dem Ausflug teilzunehmen.
Hallgerdr ſah halb erſtaunt, halb freudig erregt in
das Geſicht des fremden Seemanns, der ſeine großen,
grauen, von buſchigen Brauen verdunkelten Augen
un=
abläſſig auf ſie gerichtet hielt.
Ein Ausflug mit den Freunden weit in das Land
hinein dünkte Hallgerdr herrlich. Nicht immer das
nie=
dere Dach des Widarhofes über ihrem Haupte fühlen
zu müſſen, erſchien ihr als der Inbegriff allen Glückes,
aber ſie wagte es nicht, den Vater um ſein Zugeſtändnis
für dieſes unverhoffte Ereignis zu bitten.
Die Hände feſt ineinander gelegt ſtand ſie in
atem=
loſer Spannung und harrte der Antwort.
Ravna Jonſon ſann ſchwer vor ſich hin.
Die alte Gynna ſchielte neugierig von einem zum
an=
deren, und Bjarni Petrurſſon, der Knecht, hielt ſein etwas
ſtruppiges, dunkelblondes Haupt tief geſenkt.
Ein Lauern war in ſeinen grüngrauen Augen.
Ich bin aus den Jahren, wo man auf Abenteuer
auszieht, bemerkte der Alte, ein bitteres Spottlächeln um
die Lippen. Ich, Herr, kann euch und auch den
Amt=
madur nicht zum Geyſir führen. Der Widarhof iſt meine
Welt, über die ich nicht mehr hinausgehe, wenn es nicht
nötig iſt. Da aber iſt Bjarni Petrurſſon, den ich liebe
wie einen Sohn. Er iſt treu und zuverläſſig. Wenn er
euch paßt, ſo mag er euch führen.
Hallgerdr ſenkte den blonden Kopf.
Nun war all ihre Freude aus.
Ingwald Anderſen ſah ſcharf zu dem Knecht hinüber,
der, beide Hände in den Taſchen ſeiner weiten Beinkleider
vergraben, ſtand und wartete.
(Fortſetzung folgt.)
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im Gegensatz zu früher, der Genuss von Kakao
und Schokolade nicht mehr als Leckerei oder
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schaftliche Untersuchungen, ferner Erfahrungen
in Krankenhäusern und die Erfolge bei nervös
veranlagten Schulkindern, jungen Mädchen, wie
überhaupt Personen jeden Alters, änderten die
Anschauungen. Kakao und Schokolade gelten
heute nicht nur als Genussmittel, sondern als
hervorragende Volksnahrungsmittel, da sie die
zur Erhaltung des menschlichen Körpers
not-
wendigen Bestandteile besitzen; sie bilden somit
einen Faktor in der Volkshygiene.
Kakao bewahrt nur dann volles, frisches
Aroma und stets gleichmässigen
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schmack, wenn er durch luftdichte
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Seite 24.
Darmſtädter Tagblatt, . März 1912.
Nummer 74.
Handel und Verkehr.
* Der Bericht der Großh. Handelskammer
zu Darmſtadt für die Kreiſe Bensheim, Darmſtadt,
Erbach, Groß=Gerau und Heppenheim über das Jahr 1911
(45. Bericht der Handelskammer) iſt im Druck erſchienen.
Wir entnehmen demſelben folgendes:
Nach den ſtarken Konjunkturrückgängen in den Jahren
1907 und 1908 konnte in den Jahren 1909 und 1910 wieder
eine Beſſerung der allgemeinen
Wirtſchafts=
lage feſtgeſtellt werden. Von ſeiten der Reichsregierung
war im Februar 1911 im Reichstage der vielfach geteilten
Hoffnung Ausdruck verliehen worden, das Jahr 1911
würde wiederum eine Hochkonjunktur bringen. Dieſe
Er=
wartungen haben ſich nicht erfüllt. Es kann aber eine
weitere Aufwärtsenwickelung unſeres
Wirtſchaftslebens feſtgeſtellt werden. Zu Waſſer
und zu Lande hat der Frachtverkehr ſtark zugenommen,
was vom vergangenen Herbſte ab jedoch leider wiederum
einen äußerſt empfindlichen Wagenmangel zur Folge hatte.
Handel, Gewerbe und Induſtrie haben den dringenden
Wunſch, es möchte dieſe immer wiederkehrende bedauerliche
Begleiterſcheinung jedes wirtſchaftlichen Aufſchwunges in
Deutſchland nun endlich einmal beſeitigt werden.
Wieder=
um haben der Kohlenabſatz und die Erzeugung von
Roh=
eiſen beträchtliche Steigerungen erfahren. Auch unſere
Ein=
fuhr und Ausfuhr ſind nicht unweſentlich geſtiegen. Nach
Arbeitskräften hat ebenfalls eine rege Nachfrage geherrſcht.
Wie im Vorjahre ſind aber wiederum mehr weibliche als
männliche Arbeitskräfte eingeſtellt worden. Der
wirtſchaft=
liche Aufſchwung Deutſchlands war eben durchaus kein
all=
gemeiner. Wichtige Induſtriezweige haben noch geradezu
daniedergelegen oder nur einen kaum befriedigenden
Ge=
ſchäftsgang zu verzeichnen gehabt. Immer mehr hat ſich
die allgemeine Anſicht herausgebildet, daß unſere
Nach=
frage, unſere Konſumfähigkeit und Kapitalbildung
hinter unſerem Angebot, unſerer Produkionsfähigkeit und
unſerem Bedarf an Kapital nicht unweſentlich zurückſtehen.
Wenn manche Hoffnung, welche auf das Jahr 1911 geſetzt
war, nicht in Erfüllung gegangen iſt, ſo liegt dies bis zu
einem gewiſſen Grade auch an der außerordentlichen Hitze
und Trockenheit des letzten Sommers. In erſter Linie iſt
die Landwirtſchaft, dann aber auch das geſamte
konſu=
mierende Publikum, ſowie ein großer Teil von Handel und
Induſtrie durch dieſen Naturvorgang geſchädigt worden.
Es iſt zwar die Weizen=, Roggen= Gerſte=, Hafer= und
hauptſächlich die Weinernte gut, zum Teil ſogar beträchtlich
beſſer als in den Vorjahren ausgefallen, aber die
Kar=
toffel=, Gemüſe=, Rüben= und Viehfutterernte hat einen
um ſo ſchlechteren Ertrag gebracht. Hauptſächlich die
kleine=
ren Landwirte werden aus Mangel an Futtermitteln wohl
vielfach gezwungen ſein, ihren Viehbeſtand zu vermindern.
Infolge der herrſchenden Lebensmittelteuerung ſteigen
fortgeſetzt die Gehaltsanſprüche und die Lohnforderungen
der kaufmänniſchen Hilfskräfte ſowie der arbeitenden
Be=
völkerung, ohne daß unſere Induſtrie imſtande iſt,
ent=
ſprechend höhere Verdienſte zu erzielen. Die Kaufkraft der
Landwirtſchaft iſt durch die ſtattgehabten Mißernten
teil=
weiſe geſchwächt worden und diejenige der konſumierenden
Bevölkerung wird fortgeſetzt durch die Teuerung der
not=
wendigſten Lebensbedürfniſſe herabgemindert. Handel
und Induſtrie haben hierunter ſtark zu leiden. Der
Reichs=
bankdiskont ſtand zu Anfang des Jahres 1911 auf 5
Pro=
zent, wurde erſt Anfang Februar auf 4½ Prozent und
nach Mitte Februar auf 4 Prozent herabgeſetzt. Sicher iſt
es für den Wirtſchaftsverkehr von großem Nutzen geweſen,
daß die übliche Heraufſetzung des Diskontſatzes im Herbſte
diesmal erſt in der zweiten Hälfte des September erfolgte.
Es wurde bis zum Jahresende an dem Satz von 5 Prozent
feſtgehalten, obwohl der Privatdiskont längere Zeit auf
gleicher Höhe ſtand.
Die Lage im Handelskammerbezirk hat
ſich der allgemeinen Lage entſprechend geſtaltet. Infolge
des weiteren Daniederliegens des Baugewerbes wurde
wiederum der Geſchäftsgang der mit ihm verwandten
Ge=
werbe, hauptſächlich der Steininduſtrie, des Eiſen= und
Holzhandels, der Ziegeleien und diesmal auch der
Herd=
induſtrie ungünſtig beeinflußt. Auch diejenigen
Ge=
ſchäftszweige, welche gelegentlich der letzten
Reichsfinanz=
reform mit neuen Steuern bedacht worden ſind, haben
ſich, außer dem Braugewerbe, welches während des ſehr
heißen Sommers einen guten Abſatz zu verzeichnen hatte,
noch nicht von dem ſtattgehabten Geſchäftsniedergang
er=
bolt. Unſere Zündholzinduſtrie iſt anſcheinend infolge
der neuen Kontingentierung der Zündholzfabriken gemäß
Reichsgeſetz vom Juni 1911 und des ſich einſtellenden
Mehrbedarfs in langſamem Aufſteigen begriffen.
Da=
gegen wird noch lebhafte Klage in der Tabakinduſtrie und
hauptſächlich in der Eſſig= und Branntweinfabrikation
ge=
führt, welch letztere durch das Privatmonopol der
Spiri=
tuszentrale fortwährend ſtark bedrückt werden. Die
außer=
ordentliche Hitze des letzten Sommers hat einer Anzahl
von Induſtriezweigen großen Schaden gebracht, während
wieder andere Induſtriezweige aus ihr Nutzen gezogen
haben. So iſt vor allem die Induſtrie für
landwirtſchaft=
liche Maſchinen geſchädigt worden, da die Landwirtſchaft
infolge ihrer geſchwächten Kaufkraft nicht in der Lage
war, wie bisher derartige Maſchinen zu beſchaffen.
För=
dernd hat jedoch die Hitzperiode eingewirkt auf den Abſatz
von Bier, alkoholfreien Getränken, Apfelwein und
Mineral=
waſſer. Auch die Strohhutinduſtrie konnte einen guten
Abſatz verzeichnen. Wie in den Vorjahren hat ſich der
Geſchäftsgang bei einem großen Teile des Kolonialwaren=
und Landesprodukten=Groß= und Kleinhandels wiederum
recht ungünſtig geſtaltet. Es beſtehen die Klagen über
die überwältigende Konkurrenz der Konſumvereine,
Filial=
geſchäfte und Warenhäuſer weiter fort. Im „
Ausver=
kaufsweſen” haben die Beſtimmungen des neuen Geſetzes
gegen den unlauteren Wettbewerb mancherlei Mißſtände
beſeitigt. Leider beſteht jedoch verhältnismäßig wenig
Ausſicht, daß in abſehbarer Zeit eine allgemeine
Beſſer=
ung, hauptſächlich in der bedrängten Lage des
Detailhan=
dels, platzgreift. Wie aus den Berichten der einzelnen
Geſchäftszweige hervorgeht, können auf einen im
allge=
meinen günſtigeren Geſchäftsgang als im Vorjahre
haupt=
ſächlich folgende Geſchäftszweige zurückblicken: die
Zucker=
fabrikation, die Lederfabrikation, die Druckereien und die
Maſchineninduſtrie im allgemeinen. Weniger günſtig hat
ſich die Geſchäftslage für die Maſchineninduſtrie für
Zünd=
holzfabriken geſtaltet, da die Zündholzinduſtrie noch lange
nicht ihre frühere Bedeutung wieder erlangt hat, ſowie
für die Schildpatt= und Celluloidkammfrabriken, welche
unter der Ungunſt der Mode zu leiden hatten. Auch die
Tuch= und Papierfabrikation haben zum Teil über einen
Geſchäftsrückgang geklagt.
Landwirtſchaftliches.
Kurzer Getreide=Wochenbericht
der Preisberichtſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrats
vom 18. bis 25. März.
Nach dem erſten diesjährigen Staatenſtandsbericht
der Preisberichtſtelle haben Auswinterungen nur ver=
einzelt, und zwar lediglich bei den empfindlichen
eng=
liſchen Weizenſorten ſtattgefunden, während die
Roggen=
ſaaten ausnahmslos gut durchgekommen ſind und einen
ſehr befriedigenden Stand aufweiſen. Die Stimmung
für Weizen auf dem Weltmarkte war in der
Berichts=
woche überwiegend feſt. Neben England, deſſen Vors
räte ſehr ſchwach ſind, bekundeten auch Italien und
Frankreich rege Kaufluſt, ſodaß ſich für deutſchen Weizen
wieder vielfach Verwendung zeigte. Die
Weltverſchif=
fungen behielten trotz anſehnlicher argentiniſcher
Leiſtun=
gen nur mäßigen Umfang. Da Kohlenmangel in den
engliſchen Häfen viele Dampfer am Auslaufen behindert,
macht ſich am La Plata bereits Mangel an Schiffsraum
bemerkbar, ſo daß die Frachtraten ſcharf angezogen haben
und man befürchtet, daß ſich daraus neue Schwierigkeiten
für den argentiniſchen Weizenverſand ergeben könnten
Auf dem Berliner Lieferungsmarkte machte ſich infolge
der lebhaften Nachfrage zu Ausfuhrzwecken rege
Deck=
ungsfrage bemerkbar, ſo daß ſich die Preiſe nach
zeit=
weiſer Abſchwächung wieder um 1—2 Mark beſſern
konn=
ten. Für Roggen beſtand zunächſt wenig
Unternehm=
ungsluſt, da hierin das Ausfuhrgeſchäft ſtockt und der
Ab=
ſatz im Inlande unter der unbefriedigenden Lage des
Mehlgeſchäftes leidet. Auch die großen Berliner
Be=
ſtände und die günſtige Beurteilung der Felder trugen
dazu bei, den Markt unter Druck zu halten, aber da
wei=
teres Angebot vom Inlande knapp iſt, konnte ſchließlich
auch für dieſen Artikel eine feſtere Stimmung Platz
grei=
fen. Das Hafergeſchäft blieb auch in der Berichtswoche
ſchleppend, trotzdem aus den eingetroffenen
Waſſerzu=
fuhren billiger als vom Inlande zu kaufen war. Das
Provinzangebot blieb zurückhaltend, Rußland ſucht
wei=
ter zurückzukaufen. Ruſſiſche Futtergerſte hat bei
ſchwa=
chem Angebot neuerdings merklich im Preiſe angezogen,
Mit angeregt war dadurch auch Mais feſt und höher
ge=
halten. Es ſtellten ſich die Preiſe für inländiſches
Ge=
treide am letzten Markttage wie folgt:
Roggen
Hafer
Weizen
Königsberg .208 (- 2 ) 178 (*1½) 193½ (*1
215 (-6 ) 180½ (*1½) 191 (*1.
Danzig.
193
211 (* 3 ) 193
Stettin
179
190
. 204
Poſen
179 (—
191
.204
Breslau .
208
212 (* 1 ) 186
Berlin
c
208
Magdeburg .209 (* 1. ) 187
213 (* 3 ) 191 (*1 ) 215
Halle .
211 (* 2 ) 191 (*3. ) 214
Leipzig
.212 (* 2 ) 190 (*1 ) 212
Dresden
193
Roſtock
.209 (* 1 ) 183
203
188
Kiel
.210
197
212
Hamburg . . 216
213
198
Braunſchweig . 206 (*
213 (4
Hannover
190
.208
205 (*1
198. (*2
Düſſeldorf . . 218
207 (*1
.220 (* 3 ) 195
Köln
212½(—
Frankfurt a. M. 222½ (* 3½) 198½
215
Mannheim . . 227½ (* 2½) 197½
215
202½
Straßburg . .225
) 211
München . . 231 (* 1
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Peſt April 191,35 (— 4,10), Liverpool Mai 172,55 (*- 0,70),
Paris März 229,80 (— 4,10), Chicago Mai 158,65 (*- 3,10),
Roggen: Berlin Mai 191 (—1,50), Hafer: Berlin Mai
194 (—0,50), Futtergerſte frei Hamburg unverzollt
ſchwim. 162,50 ( 2), März 168,50 (F 2), Mais Mixed
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Nummer 74.
Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. März 1912.
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zum Besten des Diakonissenhauses „Elisabethenstift‟
Freitag, den 29. März 1912, abends 8¼ Uhr,
in der Stadtkirche
unter gütiger Mitwirkung von Fräulein Thea Fey (Gesang),
Fräulein Iise Hoffmann (Violine), Herrn Hoforganist Hugo
Römer (Orgel), dem Kirchenchor der Martinsgemeinde
(Dirigent: Herr Heinrich Colin).
Leitung: Wilhelm Schmitt, Direktor der Akademie für Tonkunst.
Programm: Händel: Orgel-Konzert Nr. 1; Vitali:
Ciaconna für Violine; Händel: Arie für Sopran aus „Der Messias‟:
2 Chöre von J. S. Bach u. A. Becker; Händel: Sonate Nr. 5
für Violine; 2 Lieder für Sopran von J. S. Bach u. F. Schubert;
Durante: Magnificat für Soli, Chor, Streichorchester, Orgel und
Cembalo.
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Seite 26.
Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. Mürz
Nummer 74.
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Mittwoch, 27. März.
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Liebelei.
Schauſpiel in 3 Akten
von Arthur Schnitzler.
Spielleitung: Oberregiſſ. Valdek.
Perſonen:
Hans Weiring,
Violinſpieler am
Joſephſtädter
Theater.
. Hr. Wagner
Chriſtine, ſ. Tocht. Frl. Meißner
Mizi Schlager,
Modiſtin . . Frl. Gothe
Katharina Binder,
Frau e.
Strumpf=
wirkers .
. Fr. Rudolph
Lina, ihre neun=! Hedwig
Jung=
kurth
jährige Tochter
Fritz Lobheimer . Hr. Weſtermann
Theodor Kaiſer . Hr. Schneider
Ein Herr
. Hr. Heinz
. Hr. Herrmann
Ein Diener.
Hierauf:
Abſchiedsſouper.
Luſtſpiel in 1 Akt
von Arthur Schnitzler.
Spielleitung: Regiſſeur Hacker=,
Perſonen:
Anatol
Hr. Jürgas
Max
Hr. Schneider
Annie .
. . Frl. Gothe
Ein Kellner
. Hr. Peterſen
Nach dem Schauſpiel „Liebelei”
findet eine längere Pauſe ſtatt.
Krank: Hr. Hans Hacker.
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Sperrſitz: 1.—13. Reihe 3.50 Mk.,
14.—20. Reihe 3 Mk., Parterre:
1.—5. Reihe 2.20 Mk., 6.—8. Reihe
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Donnerstag, 28. März. 147. A.=V.
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Kleine Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Freitag, 29. März. 148. Ab.=V.
B 37. Neu einſtudiert: „ Die
verſunkene Glocke” (
Schau=
ſpiel). Kl. Preiſe. Anfang 7 Uhr.
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von 10—12½ Uhr, geöffnet.
Programm
zu dem am Mittwoch, den
27. März, von 12—1 Uhr
mit=
tags vor dem Neuen Palais
ſtatt=
findenden Konzert der Kapelle
des Großh. Train=Bat. Nr. 18.
1. „In Treue feſt” Marſch von
Teike. 2. Ouverture zur Oper
„Dichter und Bauer” von Suppé.
3. Pilgerchor und Lied an den
Abendſtern aus der Oper „
Tann=
häuſer” von Wagner. 4. „
Japani=
ſcher Laternentanz” von
Joſchi=
tomo. 5. „Wiener Blut”, Walzer
von Strauß. 6. Potpourri aus d.
Operette „Der Graf von
Luxem=
burg, von Lehär.
Nummer 74.
Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 27. März 1912.
Seite 27.
Luftfahrt.
sr. Das Internationale Meeting der
Waſſer=Aeroplane in Monako, das bis
Ende dieſes Monats dauert, nahm am Sonntag mit
be=
merkenswerten Flügen ſeinen Anfang. Beſonders
zeich=
neten ſich Robinſon (Curtiß) aus, der einmal einen
län=
geren Flug zum Kap Martin ausführte und ein anderes
Mal dem nach Monako fahrenden Dampfer „Meteor” das
Geleit gab, indem er das Schiff umkreiſte, neben ihm auf
Dem Waſſer niederging, wieder aufſtieg uſw. Am
erfolg=
rreichſten war am erſten Tage der Aviatiker Fiſcher (mit
Fiſcher=Eindecker), der alle vier Prüfungen mit zwei
Paſſagieren an Bord beſtand und neun Punkte erzielte.
Die Prüfungen ſehen vor: 1. Start auf ruhigem Waſſer,
Landung auf ruhigem Waſſer, 3. Start auf bewegtem
Waſſer, 4. Landung auf bewegtem Waſſer. Für die
bei=
iden erſten Prüfungen wurde je 1 Punkt gegeben, für die
dritte Prüfung 3 und für die vierte Prüfung 2 Punkte.
Außerdem werden Paſſagiere gewertet. Robinſon mit
Kurtiß=Apparat, ebenſo Paulhan mit Curtiß beſtanden
gleichfalls alle vier Prüfungen. Da ſie aber nur einen
Paſſagier mitführten, brachten ſie es nur auf 7 Punkte.
An vierter Stelle plazierte ſich Renaux (Maurice
Far=
man), der drei Prüfungen mit zwei Perſonen an Bord
beſtand und dafür 5,2 Gutpunkte erhielt. Fünfter wurde
Caudron (Caudron=Fabre) mit 4 Gutpunkten für drei
beſtandene Prüfungen mit einem Paſſagier. Colliex
(Canard=Voiſin) beſtand die erſte Prüfung mit drei
Paſ=
ſagieren und erhielt 1,5 Gutpunkte. Ihm ſtieß leider ein
hedauerlicher Unfall zu, der aber noch verhältnismäßig
glimpflich ablief. Colliex wollte nach längerem Flug auf
dem Waſſer landen. Bei der großen Geſchwindigkeit
wurde der Apparat aber von dem Wellengange ſo
un=
glücklich gefaßt, daß er ſich vollſtändig überſchlug. Die
Maſchine ging in Trümmer, die Inſaſſen fielen ins
Waſ=
ſer konnten aber bald durch Boote gerettet werden.
Er=
folglos blieben bisher die Verſuche von Roger (Canard=
Voiſin) und Benoit (Sanhez Beſa=Aparat).
Sport.
sr. Olympiſche Spiele. Das preußiſche
Kul=
tusminiſterium hat ſoeben dem Olympia=Fonds
der Deutſchen Sportbehörde für Athletik einen Zuſchuß
von 1000 Mark bewilligt. Damit beläuft ſich die
Zu=
wendung des preußiſchen Kultusminiſteriums für die
olympiſchen Spiele überhaupt auf 7000 Mark, nachdem
dem Reichsausſchuß 3000 Mark und der Deutſchen
Tur=
nerſchaft weitere 3000 Mark bereits geſtiftet worden ſind.
Die Haltung des preußiſchen Kultusminiſteriums wird
in Sportkreiſen lebhafte Befriedigung erwecken. Es iſt
nur zu hoffen, daß die Miniſterien der anderen
Bundes=
ſtaaten gleichfalls für dieſe wichtige Vertretung
Deutſch=
lands in Stockholm etwas erübrigen können. Der
Spe=
zialfonds der Deutſchen Sportbehörde für Athletik ſoll
die Koſten beſtreiten, die aus der Vorbereitung für die
Spiele und den nötigen Reiſen innerhalb Deutſchlands
und den beſonderen Unterſtützungen der Sportsleute
durch eigenen Maſſeur uſw. erwachſen. Die von der
Sportbehörde ausgelegte Sammlung hat bisher
ein=
ſchließlich dieſer Stiftung des Kultusminiſteriums 3700
Mark ergeben, ſo daß noch ungefähr 2000 Mark zu decken
ſind.
Ringkampf. Städte=Wettkampf im Ringen
Eſſen-Berlin. Der vom Verband Eſſener Athleten=
Vereine mit dem S. C. Heros 03 Eſſen a. d. R. vor mehr
als 1500 Zuſchauern veranſtaltete Städte=Wettkampf im
Ringen ergab den Sieg von S. C. Heros 03 mit zwölf
Punkten vor der Eſſener Mannſchaft mit zehn Punkten.
Im Federgewicht gelang es Reiman=Heros durch zwei
Siege ſeinen Gegner de Flamming=Eſſen im erſten Gang
nach acht Minuten durch Doppelnelſon und im zweiten
Gang nach acht Minuten durch Schulterdrehgriff zu
Boden zu werfen. Im Leichtgewicht vermochte der
Eſſe=
ner Witt den Berliner Kockel in zwei Gängen jedesmal
durch einen Hüftſchwung zu werfen, nachdem der erſte
Gang zwiſchen beiden unentſchieden verlaufen war. Die
intereſſanteſten Kämpfe ergaben ſich im Mittelgewicht.
Hier warf der Weltmeiſter Paulini=Heros ſeinen Gegner
Hinze durch Ueberſtürzer nach hinten in 13 Minuten. Der
zweite Gang verlief unentſchieden, während im
Schluß=
gang Paulini energiſcher vorging und ſeinen Gegner
nach vier Minuten durch einen ſchönen Untergriff von der
Seite warf. Im Schwergewicht wehrte ſich Pache=Heros
wacker ſeiner Haut gegen den Altmeiſter Sperling=Eſſen.
Zwei Gänge verliefen unentſchieden. Im Schlußgang
drückte der Eſſener Pache in der Brücke zu Boden.
— Radrennen. Der Große Preis von
Mo=
tako brachte in den drei Zwiſchenläufen die Siege von
Dupuy, Hourlier und Ellegaard, gegen den der Berliner
Bader unterlag. Den Endlauf ſah dann Hourlier in
Front. der mit einer Viertellänge vor dem Weltmeiſter
Ellegaard und Dupuy gewann.
5. Berliner Sechstage=Rennen. Der Stand
nach 67 Stunden (Montag abends 7 Uhr) iſt: Rütt-Stol,
Moran-Root, Stabe-de Mara, Lorenz-Saldow,
Schil=
ling-Pawke, Galvin-Großmann, Miquel-Poulain,
Roſellen-Eſſer, 2180 Kilometer (Weltrekord). Eine
Runde zurück Marr-v. Natzmer, zwei Runden zurück
Arend-Carapezzi, Scheuermann-Peter, Finn-
Packe=
buſch, Stellbrink-Rudel.
* Hockey. Die Meiſterſchaft der
Inter=
nationalen Eishockey=Liga, die auch unter
dem Titel einer Weltmeiſterſchaft in Brüſſel zu Gunſten
des Berliner Schlittſchuhklubs für Deutſchland
entſchie=
den wurde, ergab in den letzten Begegnung zwiſchen der
Berliner Mannſchaft und den Frankreich vertretenden
Club des Patineurs=Paris einen neuerlichen Sieg der
Deutſchen mit 310, nachdem das Spiel bei Halbzeit
noch 0 :0 geſtanden hatte. Wic ſchon mitgeteilt, ſtand das
Ergebnis der Meiſterſchaft ſchon vor dieſem Spiele feſt.
Im ganzen hatte der Berliner Schlittſchuhklub, der ſeine
ſämtlichen Spiele gewann, acht Punkte auf ſich vereint.
An zweiter Stelle ſtehen die Oxford=Canadians, die
ein=
mal, und zwar vom Berliner Schlittſchuhklub, geſchlagen
wurden und mit Belgien einmal unentſchieden ſpielten.
Die gleiche Punktzahl erzielten die Belgier, da ſie
indeſ=
ſen ein ſchwächeres Torverhältnis haben, als die Oxford
Canadians, blieb ihnen nur der dritte Platz. An vierter
Stelle ſteht Frankreich mit 2 und an fünfter Stelle die
Schweiz mit 0 Punkten. — Im Anſchluß an die
Meiſter=
ſchaftskämpfe hielt die Internationale Eishockey=
Ver=
einigung ihren Kongreß ab. Dieſer beſchloß, einem
An=
trag der Deutſchen zufolge, die diesjährige Europa=
Meiſterſchaft, die in Prag ausgetragen wurde, zu
annul=
lieren und eine Wiederholung der Spiele Berlin zu
überweiſen.
Fußball. Die Fußballſpiele um die
Eng=
liſche Ligameiſterſchaft zeigten am letzten
Spiel=
tage eine auffallend große Zahl unentſchiedener
Reſul=
tate mit geringer Torzahl, was von neuem die
gleich=
wertige Spielſtärke der verſchiedenen Mannſchaften
be=
weiſt. So ſpielten Middlesbrough=Sheffield United,
Weſtbromwich Arſenal-Mancheſter City, Mancheſter
United-Liverpool und Bury-Oldham Athletics,
ſämt=
lich unentſchieden 111. Im übrigen ſiegten Newcaſtle
United mit 411 über Notts County 411, Everton 1:0 über
Preſton Nort End, Blackburn Rovers mit 311 über
Brad=
ford, Tottenham Hotſpur mit 211 über Aſton Villa,
Sun=
derland gegen Woolwich Arſenal 1:0 und Bolton
Wan=
derers über Sheffield Wednesday 1:0.
Das Internationale Länder=Fußball=
Wettſpiel Schottland-England, das in
Hampton Park vor über 100000 Zuſchauern abgehalten
wurde, endete unentſchieden 111. Ein weiterer Länder=
Wettkampf England-Irland ergab den Sieg Englands
von 10:3.
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