Darmstädter Tagblatt 1912


16. März 1912

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175. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 48 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Die Beratungen der Miniſter über die
Wehrvorlagen, die am Donnerstag in Berlin
begonnen haben, werden offiziös als vertraulich
bezeichnet.
Der Maler Profeſſor Otto Seitz in München
iſt im Alter von 65 Jahren geſtorben.
Bei einem Zuſammenſtoß eines Poſtzuges mit
einem Kohlenzug auf Bahnhof Wittenberge wur=
den
der Zugführer und der Wagenwärter getötet
und 4 Zugbeamte ſchwer verletzt.
In Sevinghauſen wurden bei einem Zuſammen=
ſtoß
ſtreikender Bergleute mit den Gendarmen
zwei Angreifer erſchoſſen.
Die Konferenz zwiſchen den engliſchen
Zechenbeſitzern und Grubenarbeitern
hat bis jetzt zu keinem Ergebnis geführt.
In Rom fanden großartige politiſche Kundgebun=
gen
des Volkes und des Parlaments für den =
nig
ſtatt.

Politiſche Wochenſchau.

Die Präſidentenfrage im Reichstag hat endlich
ihre Löſung gefunden, und wenn man auch hier und da
ſich noch immer nicht ganz beruhigen kann, ſo macht es
doch den Eindruck, als wenn dieſe Frage nun end=
lich
allmählich aus der politiſchen Diskuſſion verſchwin=
den
wird. Erfreulicherweiſe liegen Anzeichen dafür vor,
daß man nicht die Abſicht hat, den Gang der Verhand=
lungen
wieder zu ſtören, und eine parteioffiziöſe Aus=
lenung
der Kirſervativen Korreſp. hat dies ausdrücklich
beſtätigt, indem darauf hingewieſen wird, daß die Frage
der Zuſammenſetzung des Präſidlums zurücktreten
müſſe gegenüber der Notwendigkeit einer geordneten Ab=
wickelung
der parlamentariſchen Geſchäfte. Freilich iſt
damit nicht geſagt, daß es nicht zu einem Zuſammenſtoß
kommt, der alls wieder über den Haufen wirſt. Doch
braucht man ſich vorläufig derartig peſſimiſtiſchen Re=
gungen
nicht hinzugeben.
Nun haben wir alſo auch im Ruhrrevier den Berg=
arbeiterſtreik
. Die Möglichkeit iſt nicht von der Hand
zu weiſen, daß es auch in Oberſchleſien und in Sachſen
zur Arbeitsniederlegung kommt. Der große engliſchte
Grubenarbeiterſtreik hat ſein Gegenſtück in Deutſchland ge=
ſunden
, und wenn es ſich auch nicht um einen Sympathie=
ſtreik
handelt, ſo haben die deutſchen Bergleute eben die
für ſie günſtige Zeit auszunutzen verſtanden, indem ſie
nun auch ihrerſeits in den Streik getreten ſind. Ein Teil
der deutſchen Vergleute und zwar dieſenigen die der
chriſtlichen Gewerkſchaft angehören, halten ſich von der
Bewegung fern und arbeiten weiter, aber es läßt ſich
nicht leugnen, daß, wenn auch im beſchränkten Umfange,
auf den Kohlengruben der Betrieb aufrecht erhalten wird,
ſchwere Schädigungen auf wirtſchaftlichem Gebiete ein=
treten
müſen. Man hatte gehofft, daß es bei uns nicht
dahin kommen würde, und die Verhandlungen in den
Parlamenten deuteten anſcheinend darauf hin, daß ſich
doch eine friedliche Löſung finden werde; umſomehr
mußte der plötzliche, vorzeitige Streikausbruch auf zwei
Zechen überraſchen und ſchließich hat ſich der Dreibund
der Bergarbeiter doch dazu entſchloſſen, das Kriegsbeil
auszugraben und die Erfüllung der aufgeſtellten For=
derungen
auf gewaltſame Weiſe zu erzwingen, vielleicht
auch nicht. Es wäre möglich geweſen, einen Kampf zu
vermeiden und auch im Reichstag iſt der Anſicht Ausdruck
gegeben worden, daß dieſer Streik ohne Grund heraufhe=
ſchworen
worden iſt Wie ſich die Dinge im Ruhrrevier
geſtalten werden, läßt ſich heute noch keineswegs genau
überſehen, und auch die parlamentariſchen Ausſprachen.
die in dieſer Woche ſtattgefundan haben, dürften nicht
unbedingt von Einfluß ſein. Jedenfalls wäre es aber
im Intereſſe der Geſamtheit dringend zu wünſchen, daß
man möglichſt bald zu einer Einigung kommt, wenn
nicht ſchwere wirtſchaftliche Folgeerſcheinungen ausblei=
ben
ſollen.
In der nächſten Zeit dürfte noch eine andere wichtige
Frage den Reichstag beſchäftigen, wenn es auch fraglich
iſt. ob es noch möglich ſein wird, vor den Oſterferien in
die Beratung der zu erwartenden Vorlagen einzutreten.
nämlich die Verſtärkung unſerer Wehrkraft zu Waſſer
und zu Lande. Nach dem, was man hört, ſcheinen die
in Frage kommenden Reſſorts ihre Forderung bedeutend
herabgeſchraubt zu haben, und zwar mit Rückſicht auf die
Dackungsfrage. Dieſe bietet nach wie vor nicht geringe
Schwierigkeiten, und am Donnerstag dieſer Woche ſind
die leitenden Miniſter der Bundesſtaaten in Verlin ein=
getroffen
, um mit dem Reichskanzler und dem Schatzſekre=
fr
über dieſe Frage zu konferieren. Es macht den Ein=

druck, als ob in dieſer Angelegenheit im Bundesrat
keine völlige Einigkeit herrſcht, und es ſteht feſt, daß eine
ganze Reihe von Staaten die Einführung der Erbanfall=
ſteuer
haben will, während Preußen angeſichts des Wi=
derſtandes
der Rechten und des Zentrums ſich dagegen
ſträubt, und auch Bayern im Hinblick auf die Haltung des
Zentrums einen ähnlichen Standpunkt vertreten ſoll.
Augenblicklich läßt ſich noch nicht ſagen, welchen Gang
die Dinge nehmen werden, die Verhandlungen ſind ver=
traulicher
Art. Immerhin iſt es nicht unintereſſant, daß
man davon ſpricht, der Schatzſekretär Wermuth, der ſich
auf die Erbanfallſtener feſtgelegt hat, werde aller Wahr=
ſcheinlichkeit
nach zurücktreten.
Verwirrung herrſcht auch bei unſeren Verbündeten
an der Donau, die ungariſche Kriſis hat noch immer
keine Löſung gefunden, weil im Hinblick auf die Situa=
tion
niemand ſich bereit erklären möchte, das dornenvolle
Amt einer Kabinettsbildung zu übernehmen; und doch
wäre. abgeſehen von allen Perſonalfragen, im Intereſſe
der Donau=Monarchie ſelbſt eine baldige Einigung drin=
gend
wünſchenswert, denn es liegt auf der Hand, daß
derartige Zwiſtigkeiten nicht dazu beitragen, die Autort=
tät
Oeſterreich=Ungarns nach außen hin zu erhöhen. Man
weiß in Peſt ſehr wohl. daß die Donau=Monarchie die
Verſtärkung des beſtehenden Heeres ſehr notwendig hat,
aber trotzdem, oder vielleicht gerade darum, beſteht man
dort auf der ungariſchen Forderung, deren Annahme
öſterreichiſcherſeits auf das entſchiedenſte abgelehnt wird,
die Herren Maayaren möchten eben ihre Zuſtimmung
teuer erkauft wiſſen, und darum das wenig ſchöne Schau=
ſpiel
eines Kuhhandels.
Verworren iſt nach wie vor auch die Lage im tür=
kiſch
=italieniſchen Kriege. Tatſächlich ſind die Mächte in
Rom an die Regierung des Apenninenreiches herangetre=
ten
, um dieſe zu bewegen, dem grauſamen Spiel in Tri=
politanien
ein Ende zu machen. Man hat aber dort den
Vertretern der Mächte ein zierlich geflochtenes Körbchen
überreicht mit einigen Süßigkeiten gefüllt, die dazu be=
ſtimmt
ſind, den ſchlechten Eindruck der Ablehnung zu
verwiſchen. Italien erklärt erneut auf das allerbeſtimm=
teſte
, ſich vorläufig auf keinen Waffenſtillſtand einlaſſen
zu wollen, und nur dann zu Friedensverhandlungen be=
reit
zu ſein, wenn dieſe auf der Baſis der Anerkennung
der Annektion ſtattfänden. Hierzu kann man ſich natür=
licherweiſe
angeſichts der geringen italieniſchen Erfolge
von Seiten der Türken nicht entſchließen und ſo dürfte
der Krieg denn ſcinen weiteren Gang nehmen. Ob es
wirklich zu der von Italien geplanten aroßen Flotten=
aktion
kommen wird, die verſchiedentlich angekündigt
wurde, ſteht dahin. denn man kann mit ziemlicher Sicher=
heit
annehmen, daß die Mächte, wenn ſie auch offiziell
nicht Eingegriffen haben, doch den Machthabern in Rom
nahegelegt haben dürften, einen derartigen Schritt zu
unterlaſſen, der weitere Verwicklungen nach ſich ziehen
könnte und nicht geeignet wäre, für Italien Sympathien
zu erwecken.
Auch im fernen Oſten haben die Dinge noch keine
ägertliche Klärung erfahren, wenn auch Tuanichikai
nunmehr den Eid auf die Verfaſſung der Republik ab=
gelcgt
hat. Die Ausſchreitungen haben zwar nachgelaſ=
ſen
, aber doch deutet vieles darauf hin, daß man über
kurz oder lang mit abermaligen Konflikten zu rechnen
haben wird; es iſt daher begreiflich, wenn die Mächte den
Dingen im fernen Oſten ihre ſchärfſte Aufmerkſamkeit
zuwenden und auch die Schutztruppen zur Sicherheit der
dort befindlichen Staatsangehörigen zu verſtärken ge=
denken
.

Das Attentat in Rom.

** Die Genugtnung, daß der gegen den König von
Italien verübte Anſchlag ohne ſchlimme Folgen für das
Herrſcherpaar abgelaufen iſt, wird auch bei uns in
Deutſchland voll und ganz geteilt, und das deutſche Volk
ſchließt ſich ſicherlich von Herzen der Kundgebung an, mit
der am Donnerstag die Reichstagsſitzung eingeleitet
wurde.
Allen Meldungen zufolge muß der Mordanſchlag
auf das Konto der Anarchiſten geſetzt werden, die ja in
Italien eine weitverzweigte Organiſation haben und
von dort aus ihre unheimliche Propaganda der Tat be=
treiben
. Es war ein Italiener, unter deſſen Dolchſtichen
Präſident Carnot ſein Leben aushauchte, auch König
Humbert fiel der Mörderhand eines italieniſchen Anar=
chiſten
zum Opfer, ebenſo die edle Kaiſerin Eliſabeth
von Oeſterreich. Gegen den jetzigen König von Italien
ſind auch ſchon mehrere Anſchläge verſucht worden, doch
iſt darüber nichts Beſtimmtes in die größere Oeffentlich=
keit
gelangt.
Man kann mit gutem Gewiſſen behaupten, daß das
Haus Savoyen ſich in Italien großer Sympathien er=
freut
, die namentlich auch der jetzigen Königsfamilie
gezollt werden. König Viktor Emanuel iſt ſogar ſehr
populär, und die laute Begrüßung, die ihm immer zuteil
wird, wenn er ſich in der Oeffentlichkeit zeigt, iſt aufrich=

tig gemeint. Es gibt zwar in Italien zahlreiche Repu=
blikaner
, die aber darum nicht minder gute Patrioten
ſind. Aufſtände, Unruhen und dergl. waren eine zeit=
lang
auf der apenniniſchen Halbinſel nicht ſelten, durch
Anarchiſten und Sozialiſten wurde die Ruhe vielfach ge=
ſtört
, aber ſchon ſeit einer Reihe von Jahren ſind ernſtere
Vorgänge ſolcher Art nicht zu verzeichnen geweſen. In
dieſem Jahre hat man das italieniſche Volk ſo einig wie
kaum zuvor geſehen, und alle Parteien ſcharten ſich um
die Regierung, als dieſe ad majorem gloriam patrige
das Tripolisabenteuer begann, das bisher ſchon große
Opfer an Gut und Blut gefordert hat und ſolche noch
weiter fordern wird. Und bisher iſt die Begeiſterung
noch nicht verblichen, wie die Vorgänge im Parlament
zeigen. Auch das Attentat hat von neuem Gelegenheit
gegeben, zu zeigen, wie ſehr das italieniſche Volk in
ſeiner Geſamtheit an ſeinem Königshauſe hängt. Daß es
natürlich auch Mißvergnügte gibt, welche gegen die wirt=
ſchaftlichen
Schädigungen, die dieſer Krieg verurſacht,
opponieren, iſt nicht zu leugnen, aber damit hat das gegen
den König verübte Attentat nichts zu tun, dieſes ſtellt
ſich vielmehr, wie ſchon oben geſagt, als ein anarchiſti=
ſches
Verbrechen dar, das nicht ſcharf genug verurteilt
werden kann und hoffentlich eine ſtrenge Sühne findet.

Deutſches Reich.

Die Beratungen über die Wehrvor=
lagen
. Am Donnerstag begannen der Norddeutſchen
Allgemeinen Zeitung zufolge unter dem Vorſitz des
Reichskanzers im Bundesratsſaale des Reichsamts des
Innern die vertraulichen Beſprechungen über die Wehr=
vorlagen
und ihre finanzielle Deckung, wozu der Reichs=
kanzler
und die leitenden Miniſter der Einzelſtaaten ein=
geladen
waren. An den Beſprechungen nahmen teil die
Chefs der beteiligten Reſſorts, die Finanzminiſter der
größeren Bundesſtaaten. Die Konferenz wurde um
1 Uhr abgebrochen und am Freitag nachmittag fortge=
ſetzt
. Die Norddeutſche Allgemeine Zeitung bezeichnet
die Beſprechung ausdrücklich als vertraulich. Das ſoll
heißen, die Teilnehmer haben ſich verpflichtet, vor der
offiziellen Publikation der Vorlagen nichts an die Oef=
fentlichkeit
zu bringen. Da außer den leitenden Mini=
ſtern
ſämtlicher Bundesſtaaten auch noch die Finanzmini=
ſter
der größeren und die Chefs der beteiligten Reichs=
ämter
teilgenommen haben, ſo war das ſeit langer Zeit
eine der größten Konferenzen bundesſtaatlichen Charak=
ters
. Der Berliner Lokalanzeiger weiß zu berichten:
Wie verlautet, hat die Miniſterkonferenz ſowohl über das
Maß der Wehrforderungen als auch die dafür erforder=
liche
Deckung zu einer vollen Verſtändigung zwiſchen den
Berliner maßgebenden Reichsſtellen und den einzelſtaat=
lichen
Miniſtern geführt. Die Geſetzentwürfe, die bereits
fertig vorliegen und nur noch geringer Aenderungen
bedürfen, ſollen dem Bundesrat ſo bald wie möglich zu=
gehen
. Ob es angehen wird, daß ſie dem Reichstage
noch vor den Oſterferien zugeſtellt werden, iſt fraglich,
aber nicht ausgeſchloſſen.
Die Geſchäftsordnungskommiſſion
des Reichstages nahm den die kurzen Anfragen
betreffenden Paragraphen 33a der Geſchäftsordnung in
einer Faſſung an, in der es u. a. heißt: An zwei Tagen
jeder Woche können Mitglieder des Reichstages vor Ein=
tritt
in die Tagesordnung Anfragen an den Reichskanzler
ſtellen. Die Tage werden vom Präſidenten im voraus
für die Seſſion beſtimmt. Die Stellung und Beantwor=
tung
der Fragen ſoll nicht länger als eine Stunde dau=
ern
. Eine Debatte über die Antwort des Reichskanzlers
iſt unzuläſſig. Der Anfrager kann zur Ergänzung oder
Berichtigung der Anfrage das Wort verlangen. Eine
ſchriftliche Erledigung der Anfrage iſt mit Zuſtimmung
des Antragſtellers zuläſſig.
Die Einnahmen der Eiſenbahnen.
In der Budgetkommiſſion des Reichstages teilte Mini=
ſter
v. Breitenbach mit, die Einnahmen der Eiſenbahnen
im Jahre 1911 würden vorausſichtlich zehn Millionen
mehr, insgeſamt 37 Millionen, Ueberſchuß bringen, als
der Etat vorſehe.
Eine Rheinmündung in Deutſchland.
Der Widerſtand Hollands gegen das deutſche Schiffahrts=
abgabengeſetz
hat einen Plan zur Reife gebracht, der die
Abzweigung eines Kanals vom Rhein zur Nordſee be=

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Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

Nummer 65.

die erſte Hilfeleiſtung bei leichten und ſchweren Verletz=
ungen
, Vergiftungen, dann über die erſte Hilfe bei ein=
fachen
und komplizierten Knochenbrüchen. Sodann wurde
das Anlegen von Notverbänden praktiſch vorgeführt, wor=
auf
der letzte Teil der Prüfung folgte, das Verbinden
und Fortſchaffen Verletzter und von ſonſtigen Unfällen
Betroffener. Dies gelangte mit vier Tragbahren zur
Ausführung und erfüllten die Mannſchaften auch dieſe
Aufgabe in exakter und ſachgemäßer Weiſe. Mit geſpann=
ter
Aufmerkſamkeit und ſichtlichem Intereſſe verfolgten
die anweſenden Gäſte den Verlauf der Prüfung. Herr
Generalarzt Dr. Lindemann hielt nun eine kernige
Anſprache an die Kolonne, in welcher es des öfteren ſei=
ner
Freude Ausdruck gab, daß die Mannſchaften auf alle
Fragen ſchnell und ſachgemäß geantwortet hätten, ſelbſt
bei dem ſchwierigen Kapitel Bau des menſchlichen Kör=
pers
ſeien die Antworten ſchnell und richtig erfolgt. Er
ſprach dem Kolonnenarzt, Herrn Dr. med. Aſcher, ſeine
vollſte Anerkennung aus über die gute Ausbildung der
Mannſchaften, und dankte ihm, daß er in ſelbſtloſer, un=
eigennütziger
Weiſe neben ſeinem keinesfalls leichten Be=
ruf
als Arzt die Funktionen eines Kolonnenarztes über=
nommen
habe. Er hob ferner hervor, daß jeder einzelne
Mann der Kolonne mit gutem Bewußtſein in der Lage
ſei, jeden an ihn herantretenden Fall ſachgemäß zu be=
handeln
. In ſeiner Anſprache richtete er die Bitte an
Herrn Bürgermeiſter Schäfer, die Kolonne in den Schutz
der Gemeinde zu neymen und ihr hilfreich zur Seite zu
ſtehen, denn es verdiene Anerkennung, daß ſich Männer
in aufopfernder Weiſe in den Dienſt der Allgemeinheit
ſtellen zum Wohle ihrer Mitmenſchen und zum Segen
der Gemeinde. Der Herr Bürgermeiſter verſprach hier=
auf
, der Kolonne in jeder Beziehung Unterſtützung zu=
teil
werden zu laſſen. Herr Generalarzt Dr. Lindemann
gab am Schluſſe ſeiner Rede den Mannſchaften die Worte
mit, es könne ein jeder mit Stolz erfüllt ſein, einer Frei=
willigen
Sanitätskolonne anzugehören, und forderte ſie
auf, fernerhin ihrem Prinzip, dem ſchönen Werk der Näch=
ſtenliebe
, ſtandhaft und treu zu bleiben. Ein gemütliches
Beiſammenſein beſchloß die in allen Punkten glänzend
ausgefallene erſte Prüfung der Kolonne. Wünſchen wir
der Freiwilligen Sanitätskolonne ein ſtetes Blühen und
Gedeihen zum Wohle aller!
-h- Von der Bergſtraße, 14. März. Der Wald=
meiſter
iſt gegenwärtig eine ſtark begehrte Pflanze
und wird namentlich von Leuten aus dem benachbarten
Fehlheim in den Waldungen aufgeſucht. In Fehlheim
beſchäftigt ſich bekanntlich ein großer Teil der Einwoh=
ner
jahraus jahrein mit dem Pflanzenſuchen und erzie=
len
viele damit ihren Lebensunterhalt. Die Fehlheimer
Naturforſcher wiſſen aber auch ganz genau, wo die
einzelnen Kräuter ihren Standort haben und trifft man
die Sammler bis tief in den Odenwald hinein.
h- Von der Bergſtraße, 14. März. Das gelinde
Wetter begünſtigt die Vegetation ſehr und in Feld und
Wald machen alle Gewächſe rieſige Fortſchritte. Die Win=
terſaat
ſteht äußerſt üppig im Felde und die Obſtbäume
ſehen im allgemeinen recht gut aus und verſprechen wie=
der
einen guten Ertrag, wenn nicht ungünſtige Witter=
ungsverhältniſſe
einen Strich durch die Rechnung machen.
-h- Aus dem Reichenbacher Tal, 14. März. Unter der
Einwohnerſchaft zirkuliert gegenwärtig eine Einzeich=
nungsliſte
, in der die zu erbauende Eiſenbahn
von Bensheim nach Lindenfels durch das Schönber=
ger
Tal verlangt wird. Die Liſte ſoll dem Großher=
zoglichen
Miniſterium unterbreitet werden. Bekanntlich
iſt eine ſtarke Strömung vorhanden, daß die Bahn durch
das Zell=Gronauer Tal geführt werden ſoll.
A Beerfelden, 14. März. Die hieſige Ortsgruppe des
Kreis=Obſtbauvereins hielt geſtern abend eine
Verſammlung ab, in welcher der Vorſitzende, Herr Haupt=
lehrer
Breidenbach, Belehrungen gab über die
Pflege der Obſtanlagen. Dieſe Frage hat eben
um ſo mehr Intereſſe, da eine Prämiierung der Obſt=
anlagen
durch den Landwirtſchaftsausſchuß in Aus=
ſicht
ſteht. Des weiteren wurden die Obſtarten feſtgeſtellt,
die für hier paſſen; die Lage rät in erſter Linie zur
Pflege des Wirtſchaftsobſtes. Um möglichſt raſch die
brauchbaren Sorten zu beſitzen, ſind viele Umpfropfungen
nötig. Ueber letzteres Thema hielt der Vorſitzende einen
Vortrag, der von viel Erfahrung und Kenntnis zeugte.
Schon im Winter ſind die Aeſte zu entfernen, im Früh=
ling
iſt dann bald eine neue Schnittfläche gewonnen. Die
ſogenannten Zugäſte müſſen den Baum bei Verarbeit=
ung
der Nahrung unterſtützen und bleiben ſtehen, bis
die Edelreiſer entſprechend gewachſen ſind. Das Pfropfen
alter, geſunder Bäume geſchieht ſo, daß man ſie zurück=
ſetzt
und ſpäter auf die ſogenannten Waſſerſchoſſen ver=
edelt
. Dieſem Vortrag ſchloß ſich ein reger Gedanken=
austauſch
der Anweſenden an.
Mainz, 15. März. Ein Kaufmannslehrling Lorenz
aus Darmſtadt fälſchte dort vor einigen Tagen eine

Poſtanweiſung auf den Namen der Firma, bei der er be=
ſchäftigt
war, und erhob darauf mehrere hundert Mark.
Ferner erſchwindelte er ſich auf den Namen der
Firma ein Fahrrad und fuhr damit davon. Die Reiſe
war aber ſehr kurz, denn am zweiten Tage ſeiner Flucht
wurde er hier auf der Meſſe feſtgenommen.
Der Lehrling wird zur Aburteilung nach Darmſtadt
gebracht.
Nierſtein, 15. März. Beim Verbringen eines offe=
nen
Güterwagens an die Ladeſtelle des Ufergleiſes mußte
der Maſchinenführer der Nebenbahn in dem Gefälle der
Güterhalle gegenüber halten, weil daſelbſt auf dem Ufer=
gleis
, vom Bahnhof her geſehen, 2 große und 10 kleinere
Steine auf jeden Schienenſtrang kunſtgerecht aufgelegt
waren. Eine Entgleiſung wäre ohne die Aufmerkſamkeit
des Maſchinenführers leicht möglich geweſen. Eine
weibliche unbekannte Leiche im Alter von etwa 20 Jah=
ren
wurde geſtern vormittag durch den Schiffer Johann
Lerch VI. dahier gelandet.
Ober=Ohmen, 15. März. Hier trug ſich ein Ver=
giftungsfall
durch glaſierte Honigtöpfe zu.
Die erwachſenen Mitglieder der Familie, die von dem
Honig genoſſen, erkrankten unter Vergiftungserſchein=
ungen
.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 14. März. Umgeben von
den Seinen feierte heute der zweite Ehrenobermeiſter der
Berliner Schloſſerinnung Wilhelm Fritſch in ſeinem Heim
am Engelufer bei beſter Geſundheit ſeinen 100. Ge=
burtstag
. Schon am frühen Morgen wurde dem Ju=
bilar
auf Veranlaſſung von Freunden ein Ständchen dar=
gebracht
. Dann trafen Blumen, Drahtgrüße und Glück=
wünſche
in großer Zahl ein. Als erſter ſandte der Kron=
prinz
aus Langfuhr folgendes Telegramm: Die Kron=
prinzeſſin
und ich ſenden Ihnen zu Ihrem heutigen 100.
Geburtstage, den Sie, wie ich höre, in ſeltener Friſche und
Rüſtigkeit verleben, die herzlichſten Glückwünſche. Möge
Ihnen Glück und Wohlergehen auch im weiteren Verlaufe
Ihres Lebensabends beſchieden ſein. Im Laufe des
Vormittags kam dann im Auftrage des Prinzen Friedrich
Leopold von Preußen, der der erſte Ehrenobermeiſter der
Berliner Schloſſerinnung iſt, deſſen Sohn Prinz Fried=
rich
Karl, der auch das Schloſſerhandwerk erlernt hat,
und überbrachte ein Bildnis des Prinzen Fried=
rich
Leopold mit deſſen Namensunterſchrift, ſowie ein
Handſchreiben der Prinzeſſin Friedrich Leo=
pold
, die als Frau eines Schloſſers und Mutter eines
Schloſſers Glückwünſche ausſprach. Der Geburtsort
Fritſchs überſandte dem Jubilar durch eine Abordnung
ein Schreiben, für das der Hundertjährige in längerer
Rede dankte. Im Auftrage des Kaiſers wurde
dem Ehrenobermeiſter eine Taſſe mit dem Bild des Mo=
narchen
überreicht. Im Auftrage der Handwerkskammer
überbrachten die Obermeiſter Rahardt und Lehmann eine
Glückwunſchadreſſe. Es erſchien ferner der Vorſtand des
Berliner Innungsausſchuſſes. Die Schloſſerinnung ließ
durch eine Abordnung ein Stilleben in ſilberner Schale
überreichen. Die unlängſt erfolgte Veröffentlichung einer
Eintragung in das Handelsregiſter hat Kunde gegeben
von einem neuen Unternehmen, über welches deſſen
Direktion nunmehr an der Hand eines demnächſt zu ver=
ſendenden
Proſpektes nähere Mitteilungen macht.
Es ſoll ein Ethnologiſcher Garten unweit der
Rennbahn Grunewald angelegt werden, und es iſt zu
deſſen Aufbau das Seeſchloß bei Pichelsberge mit weiten
Ländereien für die zu begründende Aktiengeſellſchaft ge=
ſichert
worden. Auf dieſem Gelände, das die doppelte
Größe des Zoologiſchen Gartens erreicht, ſollen Raſſen aus
allen Weltteilen nebſt Tieren und Pflanzen ihrer Heimat
vorgeführt werden. Große Pavillons ſollen für jeden
einzelnen Weltteil errichtet werden zur Aufſtellung ethno=
logiſcher
Sammlungen uſw. Eine Halle für beſonders
große Schauſtellungen und eine Arena mit verſchieb=
barem
Dache ſind als weitere Bauten vorgeſehen, deren
Höhepunkt ein Ausſichtsturm bilden ſoll. Ein Kinemato=
graphen
=Theater ſoll die neueſten, ethnologiſch intereſſanten
Aufnahmen aus aller Welt vorführen. Die Ermitte=
lungen
der Schöneberger Polizei gegen die Mitglieder der
kürzlich ausgehobenen ſchwarzen Bande haben er=
geben
, daß die Schwindeleien einen weit größeren Umfang
erreichten als bisher angenommen wurde. Es heißt, daß
die Schädigungen der Geſchäftswelt, die in Betracht kommt,
eine halbe Million betrage. Unter Hinterlaſſung be=
deutender
Schulden iſt der Schloſſermeiſter Rott, Char=
lottenburg
, der auf den Namen ſeiner Frau eine Bau=
ſchloſſerei
und Fahrſtuhlfabrik betrieb, mit ſeiner Ehefrau
geflüchtet. Nachdem ſich im Jahre 1911 der Fahrſtuhl=
ſabrikant
in Münſter, mit welchem Rott in Geſchäftsver=
bindung
ſtand, erſchoſſen hatte, ging das Geſchäft immer
mehr zurück. Man ſpricht von 40 bis 50000 Mark Ver=
bindlichkeiten
.

Frankfurt, 15. März. Seit einem Jahre wohnte in
einem Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofs der 76 Jahre
alte Chemiker Friedrich Bögel und ſeine 41jährige
Tochter Luiſe. Bögel hatte geſtern abend um 10½ Uhr
das Hotel mit dem Bemerken verlaſſen, daß er mit dem
Nachtſchnellzug nach München fahren wolle. Als nun heute
morgen das Zimmermädchen dem Fräulein den Kaffee
bringer wollte, war die Tür verſchloſſen und wurde trotz
wiederholten Anklopfens nicht geöffnet. Man ſprengte ſie
auf und fand das Mädchen tot auf dem Boden lie=
gen
. Die Leiche wies drei Schüſſe auf, von denen zwei
in den Kopf und einer in den Rücken gegangen waren.
Die Tat iſt geſtern abend zwiſchen 9½ und 10½ Uhr verübt
worden. Bögel iſt nach den polizeilichen Ermittelungen in
München nicht angekommen, auch hat er keine Aufzeichnün=
gen
hinterlaſſen, wie ſich das Drama abgeſpielt hat. Die
beiden lebten in dürftigen Verhältniſſen. Bögel, ein ner=
venkranker
Mann, ſtammte aus Crailsheim in Württem=
berg
und befaßte ſich in letzter Zeit mit Parentverwertung,
die Tochter arbeitete für ein Stickereigeſchäft. Seit einigen
Monaten war beider Verdienſt ſehr gering, ſie waren die
Miete für zwei Monate ſchuldig geblieben. Von. Bögel
fehlt bis jetzt jede Spur. Man vermutet, daß er auch ſich
ſelbſt ein Leid angetan hat.
Frankfurt, 15. März. Heute vormittag verſtarb Pfarrer
Friedrich Wilhelm Battenberg im 65. Lebensjahr an
einem Herzſchlag, nachdem ihm kurz vorher ſeine Frau in
den Tod vorangegangen war. Am 1. April wollte er in
den wohlverdienten Ruheſtand treten, nachdem er 28 Jahre
ſegensreich an der St. Peterskirche gewirkt hatte.
Hanau, 14. März. Die Stadtverordneten ſtimmten
der Aufnahme einer Anleihe von zwei Millio=
nen
Mark zu.
Wiesbaden, 14. März. Wir leſen im Wiesb. Tage=
blatt
: Der Gärtner Friedrich G. iſt evangeliſch, ver=
heiratet
und Vater von vier Kindern. Die Mutter iſt
katholiſch, die Kinder aber ſind in der Religion des
Vaters erzogen. Das eheliche Zuſammenleben erfuhr die
erſte Trübung, als das erſte Kind, ein Mädchen, die
Schule beſuchen mußte. Von allen Seiten, nicht nur von
ſeiner Frau, wurde auf ihn eingeſtürmt, das Kind an dem
katholiſchen Religionsunterrcht teilnehmen zu laſſen, der
Mann aber blieb feſt, trotz der größten Vorwürfe, die
ſeine Frau ihm machte. Endlich ging dieſe ſo weit, ihn
beim Vormundſchaftsgericht als Trunkenbold zu denun=
zieren
. Die Folge war die Einleitung des Entmündigungs=
verfahrens
wider ihn und die Trennung der beiden Ehe=
gatten
. Er ſelbſt ſah ein, daß die Kinder nicht allein im
Hauſe bleiben konnten. Es wurde über ſie die Fürſorge=
erziehung
angeordnet, und das älteſte Kind ins Marien=
haus
nach Biebrich verbracht. Damit die Kleine eine ganz
beſonders gute Pflege dort habe, zahlte der Vater
aus eigenen Mitteln 100 Mark Pflegegeld, und um end=
lich
Ruhe zu bekommen, gab er vor dem katholiſchen Geiſt=
lichen
zum Schluß zu Protokoll, daß er damit einverſtan=
den
ſei, wenn ſeine Kinder eine katholiſche Erziehung ge=
nöſſen
. Das brachte denn wieder auch den Frieden in die
Familie. Die Frau kehrte zu ihrem Manne zurück und er=
klärte
jedem, der es hören wollte, die Anſchuldigungen,
welche ſie gegen ihn erhoben habe, ſeien Verleumdungen,
es ſei kein wahres Wort daran. Die Folge war bei dem
Manne die Ueberzeugung, daß er nunmehr auch wieder
das Recht habe, frei über ſein Kind zu verfügen. Er holte
es aus Biebrich ab und ahnte nicht, daß er ſich dadurch
gegen das Geſetz vergehe. Samstag ſtand er unter der
Anklage des Vergehens gegen das Fürſorge=
geſetz
vor der Strafkammer. Das Gericht ſchenkte
ihm Glauben, als er verſicherte, er habe lediglich aus ſeinem
Pflichtgefühl als Vater gehandelt. Der Mann wurde frei=
geſprochen
.
Würzburg, 15. März. Im königlichen Schullehrer=
Seminar Würzburg ſind 20 Schüler unter Vergif=
tungserſcheinungen
erkrankt.
Wittenberge, 15. März. Der Poſtzug 6067 iſt heute
morgen 2.20 Uhr infolge Ueberfahrens des Einfahrts=
ſignals
auf Bahnhof Wittenberge gegen den nach Lüne=
burg
ausfahrenden Kohlenzug 6994 gefahren. Der
Zugführer und ein Wagenwärter wurden getötet. vier
Zugbeamte verletzt. Alle Gleiſe von und nach Hamburg.
Lüneburg und Perleberg ſind geſperrt, vorausſichtlich auf
12 Stunden. Die Perſonenbeförderung von Berlin nach
Hamburg und Lüneburg über Stendal iſt unterbrochen.
Der Materialſchaden iſt groß, drei Wagen des Poſtzuges
ſind verbrannt.
Gera, 15. März. Geſtern abend 6 Uhr erſchoß ſich
die Wiener Schauſpielerin Paula Naumann vom
fürſtlichen Hoftheater. Das Motiv zur Tat ſoll unglückliche
Liebe ſein.
Kiel, 14. März. Der Generalſuyerintendent für
Schleswig=Holſtein. Walloth, iſt im Alter von 61 Jah=
ren
hier geſtorben.

beruhe teils auf Geſetz (z. B. für Beamte des Reichs oder
der Bundesſtaaten, Lehrer uſw.), teils auf Beſtimmungen
des Bundesrats (Bekanntmachung des Reichskanzlers vom
27. Dezember 1899, betreffend die Befreiung vorübergehen=
der
Dienſtleiſtungen von der (Invaliden=) Verſicherungs=
pflicht
, teils auf beſonderem Antrage beſtimmter Perſo=
nen
. Zum freiwilligen Eintritt in die Kranken= und
Invalidenverſicherung ſeien verſchiedene Perſonen berech=
tigt
, bei der Invalidenverſicherung jedoch nur bis zum
40. Lebensjahr. Außerdem ſei beim Ausſcheiden aus
einem verſicherungspflichtigen Verhältnis die freiwil=
lige
Fortſetzung der Verſicherung möglich,
die ſehr zu empfehlen ſei, wobei man jedoch darauf achten
müſſe, daß die Antwartſchaft nicht erlöſche. Bei der Un=
fallverſicherung
ſeien verſchiedene Gruppen von Arbeitern
verſichert.
Der Redner kam ſodann auf die Beitragslei=
ſtung
zu ſprechen, die in der Regel den Arbeitgebern ob=
liege
, die dann den Beitragsanteil der Arbeiter dieſen am
Lohn kürzen dürfen. Die Leiſtungen der drei Verſiche=
rungszweige
ſeien wie der Vortragende ausführte
im allgemeinen unabhängig voneinander, jedoch ſo, daß
keine Lücke entſtehe und die Leiſtungen ſich einander an=
ſchlöſſen
. Der Redner ſchilderte dann eingehend die Lei=
ſtungen
der Krankenverſicherung, der Unfallverſicherung,
ſowie der Invaliden= und Hinterbliebenenverſicherung.
Zur Erwerbung von Anſprüchen aus der
Verſicherung ſei die Zurücklegung einer beſtimmten Warte=
zeit
erforderlich. Dieſe betrage bei der Invalidenverſiche=
rung
für die Invalidenrente, wenn für den Verſicherten
auf Grund der Verſicherungspflicht mindeſtens 100 Bei=
träge
geleiſtet worden ſeien, 200, ſonſt 500 Beitragswochen.
Bei der Altersrente betrage die Wartezeit 1200 Beitrags=
wochen
, unter gewiſſen Vorausſetzungen jedoch bedeutend
weniger.
Was das Verfahren in Reutenſachen an=
lange
, ſo erfolge die Feſtſetzung der Entſchädigung bei der
Unfallverſicherung von Amtswegen, bei der Kranken= und

Invalidenverſicherung nur auf Antrag. Bei der Invali=
denverſicherung
ſeien die Rentenanträge bei den Verſiche=
rungsämtern
, die bei den Kreisämtern errichtet würden,
bzw. bei den Bürgermeiſtereien, zu ſtellen. (In Darm=
ſtadt
im Hauſe Waldſtraße Nr. 6). Die Feſtſetzung der
Rente erfolge mittelſt Beſcheids durch den Vorſtand der
Landesverſicherungsanſtalt. Gegen den Beſcheid ſei Be=
rufung
an das Oberverſicherungsamt und Reviſion an
das Reichsverſicherungsamt möglich. Die Auszahlung der
Rente geſchehe durch die Poſt.
Zum Schluſſe ſprach der Redner noch von dem Heil=
verfahren
, das die Verſicherungsanſtalten einleiten
können, um drohende Invalidität von Verſicherten abzu=
wenden
, und das gerade im Kampfe gegen die Tuber=
kuloſe
von Jahr zu Jahr an Bedeutung und Umfang zu=
genommen
habe, was durch intereſſante Zahlenangaben
belegt wurde.
Nachdem der Vortragende noch einige Fragen aus der
Verſammlung beantwortet hatte, wurde dieſe von dem
Vorſitzenden Herrn Profeſſor Weimar mit Worten
des herzlichſten Dankes für die intereſſanten und lehrrei=
chen
Ausführungen des ſachkundigen Redners geſchloſſen.

Im Verein für Frauenſtimmrecht ſprach
Prof. Dr. Broda=Paris im Fürſtenſaal über: Die
Wirkungen des Frauenſtimmrechts in den
Ländern, die es bereits beſitzen. Dr. Broda
ſchilderte die Reſultate des Frauenſtimmrechts in Auſtra=
lien
, Neuſeeland und Finnland, wie er ſie während ſeines
Aufenthalts in den genannten Ländern beobachten konnte.
Das politiſche Kräfteverhältnis der Parteien hat ſich in
keinem der genannten Staaten infolge Einführung des
Frauenſtimmrechts geändert. Die Frauen ſtimmten in un=
gefähr
der gleichen Anzahl für die konſervativen, liberalen
und ſozialiſtiſchen Kandidaten, wie die Männer. Wohl
aber übten ſie einen weſentlichen Einfluß in der Richtung
fortſchrittlicher Sozial= und Kulturpolitik aus. Den Frauen

vor allem iſt die auſtraliſche Schutzgeſetzgebung zugunſten
der arbeitenden Frauen zu danken, die geſetzliche Feſtle=
gung
der Arbeitsbedingungen derſelben, die ſie vor Aus=
beutung
und Not ſchützt, auch die Erlaſſung von Kinder=
ſchutzgeſetzen
in Finnland und die Verbeſſerung des Erb=
rechtes
der Ehefrauen in genanntem Lande. In Neuſee=
land
und Finnland wurden unter dem Einfluſſe der
Frauen die bekannten Alkoholverbotgeſetze geſchaffen, wel=
che
der Trunkſucht einen Riegel vorſchoben und damit über=
aus
ſegensvollen Einfluß auf die Volksgeſundheit übten.
Die Frauen hatten allzuſehr erkannt, wie ſchwere Gefahren
die Trunkſucht für das Gedeihen der Familie mit ſich
bringt und überall traten die Frauen mit Enthuſiasmus
für das Alkoholverbot ein. In Auſtralien übte das
Frauenſtimmrecht noch eine eigenartige Wirkung. Die
Frauen richteten ihr Augenmerk nicht bloß auf die politi=
ſche
Richtung, ſondern weſentlich auch auf die moraliſchen
Qualitäten der Kandidaten. Sie wieſen ſolche Perſön=
lichkeiten
, die ſich eines irgendwie zweifelhaften Rufs er=
freuten
, entſchieden zurück und ſo wurden die politiſchen
Parteien gezwungen, bloß eine Ausleſe makelloſer Perſo=
nen
zur Wahl in die Vertretungskörper zu empfehlen.
Dieſe Reinigung der Parlamente von Geſchäftspolitikern,
ſowie überhaupt von allen ſolchen Abgeordneten, die nicht
um idealer Zwecke willen ihr Mandat verwalten, iſt über=
aus
ſegensvoll für die politiſche Atmoſphäre des auſtrali=
ſchen
Parlaments geworden. Auch Norwegen hat vor kur=
zem
das Frauenſtimmrecht durchgeführt
Nachdem Redner geendet, dankte Frl. Walz für den
intereſſanten Vortrag und Herr Prof. Urſtuot ſagte im
Auftrage ſeiner Landtagsfraktion, der fortſchrittlichen
Volkspartei, den Frauenſtimmrechtlerinnen die Unter=
ſtützung
ſeiner Partei bezüglich Erwerbung des Stimm=
rechts
zu. Mit einem kurzen Schlußwort des Dr. Broda
über die engliſche Frauenbewegung, unter Mißbilligung
des Gebahrens der Suffragetten, endigte der mit großem
Beifall aufgeremmene Vortrag gegen ½11 Uk.

[ ][  ][ ]

Nummer 65.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

Seite 5.

Venedig, 14. März. Die Kaiſerjacht Hohenzol=
lern
iſt hier eingetoroffen.
Paris, 15. März. In Lille wurde geſtern in einer
Badeanſtalt der vor einigen Monaten nach Veruntreuung
von zwei Millionen Francs durchgegangene Kaſſierer Le=
preux
der Suezkanal=Geſellſchaft verhaftet. In ſeiner
Behauſung wurden 13 Suezkanal=Obligationen, ſowie De=
potſcheine
über 60000 Francs aufgefunden. Lepreux er=
klärte
, dies ſei alles, was ihm von dem veruntceuten Be=
trage
übrig geblieben ſei. Den Reſt habe er durch Börſen=
ſpekulationen
verloren.
Brüſſel, 14. März. Der Haupttreffer der einen
Serie der Ausſtellungslotterie von Charleroi im Betrage
von 200000 Francs iſt einer Gruppe von 25 Arbeitern
eines Hüttenwerkes in Chatelineau zugefallen, die das be=
treffende
Los zuſammen genommen hatten. Die Auszahl=
ung
des Gewinnes war mit einigen Schwierigkeiten ver=
bunden
, da der gemeinſchaftliche Beſitznachweis des Loſes
durch die 25 glücklichen Gewinner nicht ganz leicht zu er=
bringen
war und darüber erſt eine als Urkunde dienende
Erklärung abgegeben werden mußte. Einzelne der Ge=
winner
hatten vergeblich verſucht, ſchon früher in den Beſitz
ihres Anteils zu gelangen. Das konnte nur gemeinſchaft=
lich
geſchehen und nachdem die notwendigen Förmlichkeiten
erfüllt waren. Am Montag Morgen zogen denn die 25,
jeder noch begleitet von einem Vertrauensmann, zuſammen
alſo 50 Perſonen, nach der Zweigniederlaſſung der bel=
giſchen
Nationalbank in Charleroi, um den Gewinn zu er=
heben
. Nachdem ſie ſich gebührend ausgewieſen hatten,
zahlte der Kaſſenbeamte den einzelnen ihre Anteile aus.
Jeder erhielt ein Päckchen von acht Tauſendfrankenſcheinen
nach der Meldung eines Provinzblattes, das dabei ver=
geſſen
zu haben ſcheint, daß noch mit einem 26. Teilhaber,
dem Staat, zu rechnen iſt, der auf ſeinen Anteil kaum ver=
zichten
dürfte. Nach der Auszahlung begab ſich die ganze
Geſellſchaft nach einer nahegelegenen Wirtſchaft, um das
freudige Ereignis in entſprechender Weiſe zu begießen.
London, 14. März. Nach zehntägiger Verhandlung
vor dem Schwurgericht endete geſtern der Giftmord=
prozeß
gegen den 40jährigen Verſicherungsagenten
Setton und ſeiner 34jährigen Gattin wegen Vergiftung
eines bei ihnen in Penſion wohnenden 49jährigen Fräu=
leins
mit der Verurteilung Settons zum Tode und der
Freiſprechung ſeiner Gattin. Die Anklage lautete auf
Vergiftung durch arſenikhaltigen Fliegenpapier=Extrakt.
Die Eheleute ſetzten ſich nach dem plötzlichen Tod der
Penſionärin in den Beſitz ihres Vermögens. Nach Aus=
grabung
der Leiche, mehrere Wochen ſpäter, wurden große
Mengen Arſenik gefunden.
New=York, 14. März. Das Grafſchaftsgericht von
Hillsville (Virginia) war heute der Schauplatz einer
einzigartigen Geſetzloſigkeit. Der Richter
Maſſie verurteilte einen gewiſſen Floydallen zu einem
Jahre Gefängnis, worauf deſſen Bruder und Freunde aus
ihren Revolvern einen wahren Kuaelregen eröffneten. Der
Richter, der Staatsanwalt, ein Geſchworener und ein Sche=
rif
wurden von mehreren Kugeln getroffen und getötet,
andere Geſchworene wurden verletzt. Die Täter entkamen.
New=York, 14. März. Heute vormittag ereianete ſich
bei Dunkerton (Jowa) auf der Great Weſtern Eiſenbahn
ein Eiſenbahn=Unfall. bei dem 25 Perſonen,
darunter 13 ſchwer verletzt wurden. Die Häufiakeit der
Eiſenbahn=Unfälle, es iſt dies der fünfte innerhalb einer
Woche, wird auf die herrſchende Kälte zurückgeführt, die
die Gefahr von Schienenbrüchen ſteigert.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſaſtungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

Der Richard Wagner=Verein, der ſeine
Winterſaiſon am nächſten Diensag, den 19. März, ab=
ſchließt
, wird ſeinen M tgliedern und Freunden zum
Schluſſe noch einmal etwas ganz Peſonderes bieten:
Das Wiederauftreten eines der größten Geiger der
Gegerwart, Profeſſor Henri Marteaus der mit der
Barmer Pianiſtin Ellen Saatweber=Schlieper hier
einen Sonatenabend geben wird. Im Düſſeldorfer
General=Anzeiger heißt es über das Künſtlerpaar: Sie
paſſen gut zueira der, der liebenswürdige, franzöſiſche
Geiger Marteau und die Barmer Pianiſtin Frau Ellen
Saatweber=Schlieper. Des erſteren vertieftes Kunſt=
empfinden
und ſchlichtes perſönliches Auftreten, ſowie
ſeine innere Herzensneigung ziehen ihn zur Pflege der
intimen Kammermuſe hin und die Klavierkünſtlerin
beſitzt jene köſtliche Anſchmiegungsfähigkeit, jenes fein=
nervige
Sich=Anpaſſen an die kinſtleriſchen Abſichten
ihres Partners, ohne welche Eigenſchaften eben ein
wirkliches Zuſammenwirken nicht möglich iſt. Daneben
aber bleibt beiden, Marteau wie Frau Saatweber, trotz
der gegenſeitigen Rückſichtnahme noch genug freie=

Temperament und warmblütiges Tonempfinden, um ſich
mit vollſter Hingabe in ihre Aufgabe vertiefen, die
Hörer an ihrer Neubelebung vornehmer Werke teil=
nehmen
laſſen zu können. Beider Muſizieren iſt ſo echt
empfunden ſo kunſtehrlich, daß man dieſen Ausdeutungen
bekannter oder unbekannter Stücke unbedingt glaubt.
Und noch eins, obſchon mehr en Aeußerliches, trägt
ungemein viel dazu be die Vort äge der genannten
Künſtler beſonders reizvoll zu geſtalten: ihr Sinn für
ſchöne Tonentfaltung. Wie Marteaus Geige zu ſingen
verſteht, das weiß heute jedermann, und auch Frau
Saatweber beſitzt dieſes ausgeprägte Gefühl für edle,
warme Klangwirkungen. Unter ihrer Hand klingt, ſingt
der Flügel, verrät derſelbe einen Reichtum an Klang=
ſchattierungen
, Nüancen, der das banale Wort von dem
lebloſen Klaviertone Lügen ſtraft. So war es ein
friſches, ein taufriſches Muſizieren, ein Schwelgen in
edlen Klang= und Tongebilden, das die Konzertgeber
boten.
Konzert des Violin=Virtuoſen Dr.
Wolfgang Bülau. Am Mittwoch, den 20. d. M.,
gibt der Violinvirtuoſe Dr. Wolfgang Bülau, der
ſich in kleinerem Kreiſe bereits außerordentlich vorteilhaft
in Darmſtadt eingeführt, im großen Saale des Hotels
Zur Traube ein eigenes Konzert, das auf beſonderes
Intereſſe des muſikaliſchen Darmſtadt ſicher rechnen darf
Die vorliegenden Kritiken ſprechen ſich außerordentlich
ſchmeichelhaft und anerkennend über die vielverſprechende
Kunſt Dr. Bülaus aus. Man erkennt an, daß ſein Ton
an Fülle gewonnen, ſeine Technik an Gewandtheit und
ſein Vortrag an Energie und Ausdrucksfähigkeit zuge=
nommen
haben. Offenbar iſt Herr Bülau beſtrebt, ſeinem
Spiel den Stempel männlichen Empfindens aufzudrücken.
Sehr gut vertrug ſich die Eigenart des Künſtlers mit der
Sonate op. 6 in E=dur von Botho Sigwart (Graf S.
Eulenburg), die ſchon früher bekannt geworden iſt und
der die Kunſt des Interpreten, namentlich in dem beſten
Abſchnitt des Werkes, dem erſten Allegro, vorteilhaft zu
ſtatten kam. Den Kartenverkauf beſorgt die Firma Gg.
Thies Nachf. (Leopold Schutter) hier, Eliſabethenſtraße.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 15. März. Präſident Dr. Kaempf
eröffnet die Sitzung um 1,20 Uhr. Vom Präſiden=
ten
der italieniſchen Deputiertenkammer
Marcora iſt eine Dankdepeſche eingetroffen, die in der
Ueberſetzung lautet: Ich mache mich zum getreuen Dol=
metſcher
der Gedanken der italieniſchen Deputiertenkam=
mer
, indem ich Ihnen hierdurch den lebhafteſten Dank
für die herzliche Kundgebung des Reichstages anläßlich
des fluchwürdigen Attentats ausſpreche, einer Kund=
gebung
, die die gegenſeitigen Gefühle der Sympathie
zwiſchen den beiden Ländern von neuem bekräftigt.
(Bravo.)
Von dem Kriegsminiſter iſt ein Schreiben
eingegangen, in dem die kürzlich von dem Abg. Dr.
Südekum (Soz.) gemachken Ausführungen über die
perſönlichen und dienſtlichen Verhältniſſe des Vorſitzen=
den
der Artillerieprüfungskommiſſion für unrichtig erklärt
werden.
Abg. Dr. Südekum (Soz.) zur Geſchäftsordnung:
Ich darf verſichern, daß ich es ſehr bedauern würde,
wenn ich ein Opfer einer falſchen Information oder ei=
ner
Perſonenverwechslung geworden wäre. Ich werde
Feſtſtellungen veranlaſſen und bei ſpäterer Gelegenheit
beim Militär=Etat darauf zurückkommen.
Der Nachtragsetat für 19111
wird nach kurzen Ausführungen des Abg. Mumm
(Wirtſch. Vgg.) in dritter Beratung definitiv ange=
nommen
. Sodann wird die Beſprechung der
Interpellation betreffend den Berg=
arbeiterſtreik

fortgeſetzt.
Abg. Gothein (Fortſchr. Vp.): Die geſtrige Rede
des Abg. Schiffer war weniger eine Begründung der
Interpellation als vielmehr ein Hilferuf an den Reichs=
kanzler
für den chriſtlichen Bergarbeiterverband gegen
den Alten Verband. Was er geſprochen hat, hat die
Diskuſſion nicht auf ein höheres Niveau gebracht. Es
handelt ſich für uns um die Frage des Einfluſſes der
Arbeiter durch die Arbeiterorganiſationen auf die Ar=
beitgeber
. Eine Lohnaufbeſſerung iſt den Beraarbeitern
wohl zu gönnen, und es iſt durchaus verſtändlich, wenn
in den Kreiſen der Bergarbeiter angeſtrebt wird, über die
Konfunktur hinaus die Löhne aufzubeſſern. In dem
Schicht= und Ueberſtundenweſen ſind unbedingt Erleich=
terungen
nötig. Die Forderung der Arbeiter nach einem
paritätiſchen Schiedsgericht wie auch ihre übrigen For=

derungen ſind derart, daß ſich wohl darüber reden ließe:
Dieſer Streik iſt zweifellos durch einen Kontraktbruch
herbeigeführt worden und das iſt das Bedauerliche, denn
wir alle haben den Wunſch, daß der Arbeitsvertrag re=
ſpektiert
wird (Sehr richtig! links) und daß die nötige
Kündigungsfriſt innegehalten wird. Es ſollte die Mög=
lichkeit
gemeinſamer Kündigung der Arbeitnehmer= oder
der Arbeitgeberorganiſationen gegeben werden. Bei dem
Verſuch, eine Einigung zwiſchen Arbeitgebern und Ar=
beitnehmern
zu erſtreben, iſt die Regierung zu ſpät ge=
kommen
. Wir brauchen die Sicherung des Koalitions=
rechts
und nach kanadiſchem Vorbild einen Verhand=
lungszwang
. Wir brauchen ein Reichsberggeſetz. Auch
wir wollen den Schutz der Arbeitswilligen und eine Ver=
ſtärkung
des Sicherheitsdienſtes in Zeiten des Streiks iſt
notwendig. Man ſollte mehr Vertrauen zu den Führern
der Arbeiter haben, die geeignet ſind, die Polizei bei der
Aufrechterhaltung der Ordnung zu unterſtützen und zu
entlaſten. Der Herrenſtandpunkt muß verlaſſen werden.
Unſer Ziel muß ſein: ein zufriedenes und fleißiges Volk
zu ſchaffen und dazu müſſen wir alle mitarbeitan, auch
die Regierung. (Beifall.)
Abg. Soſinski (Pole): Die jetzige Arbeiterbewe=
gung
im Ruhrrevier hängt nicht mit den engliſchen Ver=
hältniſſen
zuſammen, ihr Grund liegt viele Jahre zurück.
Die Bergarbeiterlöhne ſind nicht ſo geſtiegen, wie es die
Ueberſchüſſe der Zechenbeſitzer zulaſſen könnten. Die all=
gemeine
Teuerung verſchlechtert auch die Lage der Berg=
arbeiter
. Bekämpfen ſich die Verbände weiter wie bis=
her
, ſo reiben ſie ſich auf zum Vorteil der Arbeitgeber.
Das Steigen der Streikſtatiſtik beweiſt, daß die Mehrzahl
der Arbeiter die Forderungen unterſtützt. Jede Gewalt=
tat
verurteilen wir ſelbſtverſtändlich auch. Aus eigener
Anſchauung weiß ich aber, daß die Polizei vielfach in
ihrem blinden Eifer den Anſtoß zu Anſammlungen und
Zuſammenſtößen gegeben hat. (Hört! Hört! bei den Soz.
und Polen.) Der preußiſche Fiskus hätte ſeinen guten
Einfluß ausüben ſollen, um den Streik zu verhindern.
(Sehr richtig!) Unſere Befürchtungen zu dem § 11 des
Vereinsgeſetzes haben ſich voll verwirklicht. Wir haben
nicht einmal Streikbureaus errichten können. Die Re=
gierung
verhindert nicht, ſie will alſo das Blutvergießen.
(Glocke des Präſidenten. Vizepräſident Dr. Paaſche:
Sie dürfen nicht ſagen, die Regierung beabſichtigt das
Blutvergießen. Ich rufe Sie zur Ordnung.) Die Löhne
und Arbeitsbedingungen in Oberſchleſien ſind vielfacht
derartig Arbeiterausſchüſſe beſtehen vielfach gar nicht
mehr (Hört! Hört!) daß man ſich wundern muß, daß
die Fortſetzung der Arbeit überhaupt noch möglich iſt.
(Hört! Hört!)
Abg. Mertin (Rp.): Wir können den Ausfüh=
rungen
des Staatsſekretärs nur beipflichten und ſind ihm
dankbar für die Entſchiedenheit und Energie des Tones,
mit dem wir in letzter Zeit durchaus nicht verwöhnt ſind.
Die Regierung hat die Pflicht, Ordnung zu ſchaffen und
aufrecht zu erhalten. Die Sozialdemokratie hat nicht
das Recht, ſich hier als Hüter der Wahrheit aufzuſpielen.
Eine Partei, die jede entgegengeſetzte Anſicht als Un=
wahrheit
und Lügd, die den Staatsſekretär als Anwalt
der Zechenverwaltungen und einen ſachlichen Bericht als
beſtellte Arbeit bezeichnet (Sehr richtig, rechts, große Un=
ruhe
links), eine ſolche Partei iſt nicht dazu berufen, ein
derartiges Urteil abzugeben. (Sehr wahr, rechts. Hei=
terkeit
links.) Ich habe mich geſtern ſchon gewundert.
über die Heiterkeit, mit der Sie (zu den Soz.) dieſe ernſte
Angelegenheit behandeln. Es iſt gerechtfertigt, daß man
annimmt, daß politiſche Gründe maßgebend für den
Streik waren. Ob es ſich um einen Sympathieſtreik für
die Engländer oder einen Antipcthieſtreik gegen die
Chriſtlichen handelt, iſt gleichgültig. Beide Motive ſind
verwerflich. Ein weiteres Steigen der Löhne iſt in Aus=
ſicht
geſtellt worden. Wir denken gar nicht daran, Lohn=
forderungen
für unrecht zu erklären. Jeder Arbeiter iſt
ſeines Lohnes wert. Aber wir beſtreiten, daß eine 15 pro=
zentige
Lohnerhöhung gerechtfertigt iſt. Es iſt unklug
geweſen von den Gewerkſchaften, ſich an dieſe Forderung
zu binden. Wir verlangen einen energiſchen Schutz der
Arbeitswilligen. Ausnahmegeſetze wollen wir nicht, eine
ſchnelle, unparteiiſche Juſtiz iſt unbedingt nötig. An den
Streikunruhen iſt nur die Verhetzung der Sozialdemo=
kraten
ſchuld. Verſetzen Sie ſich (zu den Soz.) doch ein=
mal
in die Lage eines Schutzmanns, der ſich einer un=
ruhigen
Maſſe gegenüberſieht. Wer dieſe Beamten als.
Bluthunde bezeichnet, begibt ſich des Rechtes, ſich Ver=
treter
der Unterbeamten zu nannen. Abg. Behrens
(Wirtſch. Vag.): Der Abg. Gothein nennt die heutige
Debatte Gezänk der Arbeiterſekretäre, nun ich glaube, dieſe
Frage berührt das Intereſſe des Landes nicht minder

Feuilleton.

* Aus Kunſt und Wiſſenſchaft Zur Frage der
Univerſität Frankfurt hat der Abgeordnete Fried=
berg
(natl.) mit Unterſtützung ſeiner Fraktion zum Kultus=
etat
folgenden Antrag im preußiſchen Abgeord=
netenhauſe
eingebracht. Die königliche Staatsregie=
rung
wird erſucht,, 1. ihre Zuſtimmung zur Gründung der
Univerſität Frankfurt nur dann zu geben, wenn der Cha=
rakter
der Univerſität als einer Staatsveranſtaltung im
Sinne des preußiſchen Landrechts nach jeder Richtung hin
gewährleiſtet iſt, wenn die Rechte der Staatsregierung und
der Fakultäten übereinſtimmend mit den Verhältniſſen der
andern Univerſitäten geregelt werden, wenn die Freiheit der
wiſſenſchaftlichen Lehre und Forſchung ſichergeſtellt, wenn
endlich auch für die Zukunft Gewähr geboten wird, daß
Staatsmittel für die Univerſität nicht in Anſpruch genom=
men
werden; 2. die mit den Frankfurter Behörden, In=
ſtituten
und Privatperſonen abgeſchloſſenen Verträge vor
Zuſtimmung zu der Gründung der Univerſität dem Hauſe
der Abgeordneten vorzulegen.
Ottoseitz, der bekannte Münchner Maler, iſt am 13.
März geſtorben. Seitz war am 3. Seeptmber 1846 in
München geboren. Er ſtudierte hier bei Piloty. Sein Name
war bald geachtet. Bereits 1873 wurde er zum Profeſſor an
der Münchner Akademie ernannt.
Die neue Kleiderordnung des engliſchen Hofes. Im
Gegenſatz zu König Georg von England, der auf eine mög=
lichſt
glanzvolle Entfaltung der Krönungsfeſtlichkeiten gro=
ßen
Wert zu legen ſchien und ſich jedenfalls für alle Einzel=
heiten
perſönlich eingehend intereſſierte, zeigt die Königin
von England, wie ſchon öfters hervorgehoben, inbezug auf
Kleidung und Prunk einen ſehr zurückhaltenden, faſt puri=
taniſchen
Geſchmack, und ſchon im vorigen Jahre bereitete
ſie manchen Damen der Hofgeſellſchaft einige kleine, aber
tiefgreifende Enttäuſchungen: ſie legte von Anfang an eine
ausgeſprochene Abneigung gegen ein allzu offenes Dékolleté
an den Tag und machte auch keinen Hehl daraus, daß ihr

jede Verwendung von Parfum unſympathiſch iſt. Die ele=
ganten
Damen der engliſchen Ariſtokratie müſſen nun den
Kelch bis zur Neige leeren: ſoeben ſind neue offizielle Be=
ſtimmungen
über die Kleider der Damen bei den bevor=
ſtehenden
Hoffeſtlichkeiten erſchienen. Dieſe vom Lordkanz=
ler
, dem britiſchen Oberzeremonienmeiſter redigierten Vor=
ſchriften
laſſen deutlich den auf Beſchränkung jedes Toiletten=
aufwandes
gerichteten Geiſt der Königin erkennen und wer=
den
in ihrer Strenge beſonders bei den großen, hochgewach=
ſenen
Damen der Hofgeſellſchaft bitteres Herzeleid heivor=
rufen
. Denn die ſtattliche, bisher vier Yards lange Hof=
ſchleppe
, die gerade großen, ſtattlichen Frauengeſtalten aus=
gezeichnet
ſtand, iſt beſeitigt, bezw. erheblich verkleinert
worden. Die neue Schleppe, die künftig bei den britiſchen
Hoffeſtlichkeiten getragen werden muß, darf von der Schul=
ter
bis zum Ende der Schleppe nur noch drei Yards lang
ſein und an ihrem Ende eine Breite von höchſtens 54 Zoll
haben. 54 Zoll iſt auch die Marimalgrenze für den Teil
der Schleppe, der am Boden ſchleift. Während die Hof=
damen
bisher einen rund 2½ Meter langen Berg von
Spitzen, Chiffon und Seide am Boden hinter ſich herziehen
durften, darf der wirklich ſchleppende Teil fortan nur noch
ungefähr 1,30 Meter lang ſein. Und dasſelbe Schickſal hat
den Schleier ereilt: man hat ihn radikal gleich um ein
Viertel ſeiner ganzen Länge verkürzt; er darf künftig auf
keinen Fall länger als 1.10 Meter ſein, während er früher
gewöhnlich anderthalb Meter lang war. Die neuen Hof=
feſtlichkeiten
werden auch inbezug auf Farben ein ver=
ändertes
Bild zeigen. Im vergangenen Jahre, in der
Krönungsſaiſon, herrſchten ſchwere, üppige Stoffe und tiefe,
leuchtende Farben vor, Samt, Goldſtickereien, ein tiefs Rot,
ein ſtrahlendes Blau. In dieſem Jahre ſollten zarte, leichte
Stoffe und lichte, matte Farben vorherrſchen; die ganze
Farbenſymphonie wird gedämpft. Im übrigen bemühen
ſich die Damen der Hofgeſellſchaft, die ſtrengen Beſtimmun=
gen
des Hofes durch möglichſt originelle Koſtüme nach
Kräften auszugleichen; bei der nächſten Cour wird Königin
Mary Gelegenheit haben, die engliſchen Ariſtokratinnen
Paniers tragen zu ſehen

* Die deutſche Fleiſchermeiſterin, oder 210000 Mark
Gehalt. Großes Aufſehen erregte es im vorigen Jahre, als
es zum erſten Male einer Frau in Deutſchland gelang, vor
der zuſtändigen Kommiſſion im Schlachthofe zu Straubing
in Bayern die Meiſterprüfung im Fleiſchergewerbe zu be=
ſtehen
. Es war dies Frau Kathi Littich in Ergoldsbach
(Niederbayern), die Frau eines dortigen Metzgermeiſters,
die bei der Prüfung mit Sicherheit und Gewandtheit einen
Ochſen tötete, berufsgerecht ein Schwein und ein Kalb
ſchlachtete und dann in muſtergültiger Art die geſchlachteten
Tiere für die Fleiſchbank herrichtete. Auch die anſchließende
theoretiſche Prüfung fiel gut aus. Und nun hat, wie die
Allgemeine Fleiſcher=Zeitung berichtet, der Beſitzer eines
großen amerikaniſchen Hotels Frau Littich das Anerbieten
gemacht, ihr 50000 Dollars (210000 Mark) für eine zwei=
jährige
ſelbſtändige Tätigkeit in ſeinem Hotel zu zahlen.
Der Antrag iſt von Frau Littich angenommen, und da der
Ehemann, Metzgermeiſter Littich, Sicherſtellung des Geldes
verlangte, ſo iſt der Betrag von 50000 Dollars jetzt vor An=
tritt
ihrer Reiſe bei einem bayeriſchen Bankhauſe hinterlegt
worden. Bisher waren es nur Primadonnen und Varieté=
ſterne
, die in Dollarika auf ſolche Gehälter blicken konnten,
endlich wird auch die praktiſche Arbeit ihrem Werte nach ge=
würdigt
.
* Ein kleines Europa in Franzöſiſch=Lothringen. Der
Temps weiſt darauf hin, daß der Bezirk Briey im Departe=
ment
Meurthe=et=Moſelle unter 100 525 Einwohnern nicht
weniger als 57098 Ausländer zähle, und zwar ſeien hier
faſt ſämtliche Völker Europas vertreten. Es wohnen in
dem Bezirk: 9404 Deutſche, 16 Engländer, 743 Oeſterreicher,
10596 Belgier, 13 Bulgaren, 4 Dänen, 80 Spanier, 37
Griechen, 42 Holländer, 32096 Italiener, 3581 Luxemburger,
5 Norweger, 3 Rumänen, 239 Ruſſen, 7 Schweden, 247
Schweizer, 23 Türken. Von den Italienern ſind die meiſten
Bergarbeiter, während die Ruſſen faſt ſämtlich in der Land=
wirtſchaft
Beſchäftigung finden. Es muß bemerkt werden,
daß das genannte Departement eines der induſtriereichſten
Frankreichs iſt.

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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

Nummer 65.

wie die Reden des Abg. Gothein über Schutzzollpolitik.
Ich bewundere den Mut des Herrn Sachſe, mit dem er
eine Menge Unſtimmigkeiten vorgetragen hat, ich kann
das nur dadurch erklären, daß er ſich bewußt war, daß
er eine verlorene Sache vertritt. Ueber die Berechtigung
der Lohnforderungen herrſcht unter den Beteiligten kein
Streit, nur über den Zeitpunkt, die Art und Weiſe, auf
welche dieſe Forderungen geltend gemacht werden ſollen,
fherrſchen Meinungsverſchiedenheiten. Nach unſerer Mei=
nung
iſt es nicht berechtigt, Hunderttauſende ins Elend
zu bringen, wenn noch nicht alle Mittel verſucht ſind, auf
friedlichem Wege zur Einigung zu gelangen. Die Ur=
ſache
dieſes Streiks iſt nach unſerer Auffaſſung poli=
tiſcher
Natur, er ſoll die Rache für Bochum ſein. (Abg.
Sachſe ruft Lüge. Vizepräſident Dove: Ich habe dieſen
Ausdruck bereits geſtern gerügt, und bitte, dieſe Aus=
drücke
fernerhin zu unterlaſſen.) Es dreht ſich im Grunde
nur um einen Vernichtungskampf gegen die chriſtlichen
Gewerkſchaften. Der Brief an den Zechenverband war
nur der Zweck, eine Kampfparole zu haben und einen
Streik vom Zaune zu brechen. Den chriſtlichen Gewerk=
ſchaften
konnte nicht zugemutet werden, nach der ſozial=
demokratiſchen
Pfeife zu tanzen. Wenn ſich unſere Leute
bewaffnen, ſo iſt das erklärlich, ſollen ſie ſich von den
Streikenden niederknüppeln und erſchießn laſſen? Wenn
einem hier im Hauſe ſchon Judas zugerufen wird, wie
ſoll das erſt draußen im Lande zugehen? Gehen Sie
doch hier im Hauſe mit gutem Beiſpiel voran. Wir
ſind keine Freunde militäriſcher Hilfe und wir hoffen.
daß die Maſchinengewehre nicht in Tätigkeit geſetzt wer=
den
. Wir hoffen, daß die berechtigten Forderungen von
den Zechenbeſitzern erfüllt werden, damit wieder Ruhe
und Friede in das Land zurückkehrt. Handelsminiſter
Sydow: Die Frage, ob nach Anſicht der preußiſchen
Regierung die Arbeiterausſchüſſe in Lohnfragen zuſtän=
dig
ſeien, habe ich brreits früher dahin beantwortet,
daß dieſe Berechtigung ihnen zuerkannt werden müſſe.
wenn es ſich um Lohnfragen allgemeiner Natur handele.
Abg. Dr. Erdmann (Soz.): Das Zentrum iſt
nicht nur hier im Hauſe nach rechts gerückt, ſondern auch
näher an die Scharfmacher heran. Das arbeiterſchät
digende Verhalten der chriſtlichen Gewerkſchaften iſt die
Rache für die Niederlage Trimborns in Köln. Der Streik
iſt nicht durch Verhetzung entſtanden, ſondern durch die
Verbitterung über die ſchlechten wirtſchaftlichen Verhält=
niſſe
. Die Bergarbeiter werden oft wie Hunde behan=
delt
, ja manchmal noch ſchlechter wie die Hunde. Ferner
kommen auch politiſche Fragen in Betracht, die ſchwarz=
blaue
Blockpolitik und die Finanzreform, die die Verbit=
terung
der Arbeiter noch vermehrt haben. Die vom
Zentrum angeführten Gründe für das arbeiterſchädigende
Verhalten der chriſtlichen Gewerkſchaften glauben ſie
ſelber nicht. Wenn die Zeit für die Arbeiter günſtig iſt.
Lohnforderungen durchzuſetzen, auch wenn dabei ſchwere
Schädigungen für die Induſtrie entſtehen, ſollen ſie dieſe
dann vorübergehen laſſen? Die Chriſtlichen gehen darum
nicht mit, weil ſie auf die Mitgliedſchaft der ſtaatlichen
Arbeiter angewieſen ſind. Für Ordnung werden die
Organiſationen ſelber ſorgen. Polizei und Militär ver=
wirren
nur die Zuſtände. Die Auskunft der Regierung
iſt nicht ausreichend, ſie ſtützte ſich lediglich auf die An=
gaben
der Unternehmer. Zum Birgwerksbetrieb ge=
hören
doch wohl auch Arbeiter, die von der über den
Parteien ſtehen ſollenden Regierung doch auch gehört
werden ſollten. Statt deſſen werden Maſchinengewehre
entſandt. Das kann ich jetzt ſchon behaupten, wenn die
Arbeiter jetzt zu einem Friedensſchluß ohne Vorteile ge=
zwungen
werden könnten, dürfte der nächſte Streik nicht
wieder 7 Jahre auf ſich wartcn laſſen. Abg. Werner
(Rfp.): Wir wenden uns nur gegen den ungeſetzlichen
Zwang gegen Arbeitswillige. Die Regierung muß Vor=
ſorge
treffen, daß in Zukunft ein derartiger Streik nicht
wieder zu einer allgemeinen Gefahr werden kann.
Hierauf wird die Weiterberatung auf Samstag,
11 Uhr vertagt. Schluß 6,45 Uhr.
* Berlin, 15. März. Der Seniorenkonvent
des Reichstags beriet vor Beginn der Plenarſitzung
über die Geſchäftslage und einigte ſich dahin, daß die
Etats des Reichsamts des Innern, der Reichsdruckerei
und der Poſt= und Telegraphenverwaltung vor den
Oſterferien erledigt werden ſollen. Um dieſes zu er=
möglichen
, wird vorgeſehen, die täglichen Sitzungen län=
ger
dauern zu laſſen und nötigenfalls von der Stellung
von Schlußanträgen ausgiebigen Gebrauch zu machen.
Zwiſchen Oſtern und Pfingſten ſind für die Plenarbera=
tungen
28 Tage zur Verfügung. Hiervon ſind vorge=
ſehen
6 Tage für die erſte Beratung der Militärvorlage,
die Flottenvorlage, Steuergeſetze und Unvorhergeſehenes;
19 für die zweite Leſung des Etats, 3 für die dritte
Leſung.

Die Bergarbeiterbewegung.

Deutſchland.
* Bochum, 14. März. Heute morgen fand im
Schloßhof eine von 1012000 Perſonen beſuchte Streik=
verſammlung
ſtatt, in welcher von einem Redner
mitgeteilt wurde, daß nach den Angaben des Streik=
bureaus
der Streik auch heute im Wachſen begriffen ſei;
die Zahl der mitſtreikenden örtlichen Bergleute, die in
den Kampf hineingezogen ſeien, ſchätze er auf 50 Pro=
zent
. Von den gewerkſchaftlichen Organiſationen werde
der Streik weiter geführt, bis die Führer das Signal
zur Wiederaufnahme der Arbeit geben. Es wurde prote=
ſtiert
gegen das ſcharfe Vorgehen der fremden Ord=
nungsmannſchaften
und auf den Fall von Sodingen hin=
gewieſen
, auf Grund deſſen man ſich bei dem Miniſter
beſchwerte. Ferner wurde Einſpruch erhoben gegen die
Herbeiholung von Militär. Die Streikenden werden im
Sinne des geſtrigen Flugblattes zur Ruhe und Ord=
nung
aufgefordert.
* Eſſen, 14. März. Wie von zuverläſſiger Seite
mitgeteilt wird, wurde in der geſtrigen außerordentlichen
Hauptverſammlung des Zechenverbandes
allſeitig über den ungenügenden Schutz der Ar=
beitswilligen
Klage geführt und mit Rückſicht dar=
auf
und auf die von zuſtändiger Stelle gegebenen Zu=
ſicherungen
, daß nunmehr Militär zum Schutze herange=
zogen
werden ſoll, wurde beſchloſſen, vom Rechte der
Arbeitsordnung, die Kontraktbrüchigen bereits nach drei=
tägigem
Feiern aus der Belegſchaftsliſte zu ſtreichen und
ihnen den Lohn von ſechs Schichten einzubehalten, erſt
dann Gebrauch zu machen, wenn ſie nicht bis ſpäteſtens
Samstag, den 16. März, die Arbeit wieder aufnehmen.
Es ſei zu erwarten, daß durch den erweiterten Schutz
auch die Arbeiter, die jetzt noch wegen Bedrohungen und
Beläſtigungen durch die Ausſtändigen von der Arbeit
fern geblieben ſind, ebenſo wie die bisherigen Arbeits=
willigen
wieder zur Arbeit erſcheinen würden. Den Leu=

ten, die ſpäteſtens am Samstag die Arbeit wieder auf=
nehmen
, werden daher keine ſechs Schichten einbehalten.
Von dem Beſchluß wird heute von ſämtlichen Zechen
jedem Ausſtändigen einzeln durch Poſtkarte Mitteilung
gemacht.
* Bochum, 15. März. Die großen indu=
ſtriellen
Werke rechnen damit, daß bei langer Dauer
des Ausſtandes Betriebseinſchränkungen und Arbeiterent=
laſſungen
notwendig werden können. In den Werkſtätten
des Bochumer Vereins für Bergbau und Gußſtahlfabri=
kation
wurde heute durch Anſchlag eine ſolche Mitteilung
der Direktion bekannt gegeben.
* Eſſen, 15. März. In der Generalverſamm=
lung
der Bergbaugeſellſchaft Neu=Eſſen
erklärte die Verwaltung, ſie gewähre den 75 Prozent ihrer
Belegſchaft, die ſich dem Ausſtande nicht angeſchloſſen
hätten, für die Dauer des Streiks zehn Prozent Z u=
ſchlag
zum verdienten Lohn. Der Zechenverband hat
beſchloſſen, den übrigen Zechen das gleiche Vorgehen
zu empfehlen. Die Zeche Präſident Schacht 1 und 2,
iſt dieſer Anregung bereits gefolgt, indem ſie der geſam=
ten
Belegſchaft mitteilte, daß ſie, falls bis Samstag die
Arbeit wieder aufgenommen werde, eine zehnprozentige
Lohnerhöhung rückwirkend vom 10. März eintreten laſſen
werde.
* Hamborn, 15. März. Das erſte Bataillon
des Weſeler Infanterie=Regiments Nr. 57 iſt
in Recklinghauſen, das dritte Bataillon in Buer einge=
troffen
. Das Kommando iſt mit dem ganzen Regiments=
ſtab
unter Führung des Majors von Bredow in feld=
marſchmäßigem
Anzug und mit ſcharfen Patronen aus=
gerüſtet
. Vor dem Abmarſch folgte eine Belehrung der
Mannſchaften über den Gebrauch der Waffen.
* Hamborn, 15. März. Nach den Auftritten vom
Dienstag iſt die Ruhe durch die mit Unterſtützung der
Stadt Düſſeldorf gelungene Verdoppelung der Polizei=
kräfte
ſofort ſichergeſtellt worden. Von ernſthaften Ver=
letzungen
von Arbeitswilligen durch die Ausſtändigen
im hieſigen Bezirk iſt bisher kein Fall bekannt geworden.
Hiernach ſcheinen die Verhältniſſe bis jetzt im rheiniſchen
Teil des Ausſtandsgebietes günſtiger zu liegen, als im
weſtfäliſchen. Sollte ſich dieſes ändern, ſo werden die
erforderlichen Maßnahmen ohne Zögern getroffen werden.
* Wattenſcheid, 14. März. Heute abend wur=
den
in Sevinghauſen Arbeitswillige beläſtigt. Das bei
dem Schacht Fröhliche Morgenſonne liegende Gendar=
meriekommando
rückte zum Schutze aus. Bei dieſer Ge=
legenheit
wurde auf den Fußgendarmen Clemens
geſchoſſen, der von einem Schuß ins Geſicht und von
einem anderen in die Ohren getroffen wurde; ein dritter
Schuß drang durch den Helm. Der Gendarm machte von
ſeiner Waffe Gebrauch und erſchoß zwei An=
greifer
.
* Dortmund, 15. März. Nach den Ermittelun=
gen
des Königlichen Oberbergamts Dortmund ſind ins=
geſamt
141 763 Bergleute über und unter Tag ange=
fahren
. Es ſollten anfahren 324089. Gefehlt haben
alſo 182326 Mann. Nachdem geſtern gegen 5 Uhr der
Borſigplatz durch ein größeres Polizeiaufgebot geſäubert
worden war, ſammelten ſich nach der Entlaſſung des
größten Teiles der Polizeibeamten wieder mehrere hun=
dert
Menſchen an. Die Beamten, die zu zweien die
Menge zerſtreuen wollten, wurden verhöhnt und be=
ſchimpft
und mit Steinen beworfen. Gegen 6
Uhr wurden die Scheiben eines vorüberfahrenden Stra=
ßenbahnwagens
eingeworfen. Der Borſigplatz wurde
ſchließlich unter Zuhilfenahme von berittenen Polizei=
leuten
zum zweiten Male geſäubert. In der Schloſſer=
ſtraße
wurden hierbei auf mehrere Beamte Schüſſe ab=
gefeuert
. Auch aus den Häuſern wurde nach den Beam=
ten
mit Flaſchen, Töpfen und anderen Sachen gewor=
fen
. Verletzungen der Beamten ſind nicht vorgekommen.
* Düſſeldorf, 15. März. Nach einer Aeußerung
von zuſtändiger Seite iſt die Lage im Ausſtands=
gebiete
gegenwärtig ſo, daß die Heranziehung militä=
riſcher
Hilfe zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicher=
heit
und Ruhe, ſowie zum Schutze der Arbeitswilligen
vorläufig nicht erforderlich iſt.
* Zwickau, 15. März. Nachdem das Königliche
Bergamt in Freiberg auf Antrag der Bergarbei=
ter
ſich zur Vermittelung bereit erklärt hat, hat ſich die
genannte Behörde auch an die Werke mit der Anfrage ge=
wandt
, ob ſie ihrerſeits eine ſolche Vermittelung wün=
ſchen
. Die Antwort der Bergwerksverwaltungen ſteht
noch aus, doch iſt die Hoffnung, daß es zu keinem
Streik kommt, ſehr gering. Die Werke erklären, die
Forderungen der Bergarbeiter nicht erfüllen zu können.
Die Belegſchaften ſind an eine Kündigungsfriſt nicht ge=
bunden
. Die Kohlenpreiſe haben bereits ſtark ange=
zogen
.
England.
* London, 14. März. Die Konferenz, die zwi=
ſchen
den Zechenbeſitzern und den Grubenarbeitern zu=
ſammentrat
, iſt nach vierſtündiger Beratung auf morgen
vertagt worden.
* London, 14. März. Aus der in der geſtrigen
Sitzung des Grubenarbeiterverbandes gefaß=
ten
Reſolution, die heute der gemeinſamen Konfe=
renz
vorgelegt worden iſt, geht hervor, daß die Zuſtim=
mung
zu örtlichen Verhandlungen ſich nur auf die Löhne
der Angeſtellten, die nicht Kohlenhauer ſind, bezieht.
Die Bereitwilligkeit, zu unterhandeln, erſtreckt ſich alſo
nicht auf die Frage des Mindeſtlohnes.
London, 14. März. Die Antwort der Berg=
leute
, die heute zwei Sitzungen abhielten und in
keiner roſigen Stimmung waren, und die der Berg=
werksbeſitzer
werden nunmehr zweifellos die
Grundlage abgeben für die von der Regierung vorzu=
ſchlagenden
geſetzlichen Maßnahmen, die ſchon heute vor=
gelegt
werden ſollen. Die Streikunruhen in Lancaſhire
ſind ſchwerwiegender, als man zuerſt annahm. Drei Po=
liziſten
wurden verwundet und mußten ins Kranken=
haus
gebracht werden.
* London, 15. März. Die Verhandlungen
in der Kohlenſtreik=Konferenz haben einge=
ſtandenermaßen
bisher keine Fortſchritte gemacht. Die
unioniſtiſchen Blätter melden aus den Induſtriebezir=
ken
, daß die Arbeiter ſich gegen die unnachgiebige Halt=
ung
ihrer Führer aufzulehnen beginnen. In zwei Gru=
ben
in Lancaſhire iſt die Arbeit taſächlich wieder
aufgenommen worden, wie es ſcheint, hauptſächlich von
nichtorganiſierten Arbeitern. Auch im Revier von
Sheffield wurde geſtern der Betrieb in einer kleinen
Grube wieder eröffnet. In London hat der Streik,
abgeſehen von den Eiſenbahnen, noch zu keiner nennens=
werten
Arbeitseinſtellung geführt. Die Zahl der Ar=
beitsloſen
iſt geringer als zu der entſprechenden Zeit der
beiden letzten Jahre. Der Daily Chronicle verzeichnet,
daß in den letzten Tagen vier große Fußballwettkämpfe
in Lancaſhire und Yorkſhire, die hauptſächlich von Ar=
beitern
beſucht waren, an Eintrittsgeldern die Summe
von 160000 Mark erbracht haben.

Beldien.
Brüſſel, 15. März. Die Streikſtimmung
unter den belgiſchen Kohlenarbeitern iſt
durch Nachgiebigkeit der Zechenbeſitzer bald beſeitigt
worden. Die Arbeiter verlangen eine Lohnzulage von
7 Prozent des gewöhnlichen Lohnes. Das iſt vielen nach
kurzen Verhandlungen mit den Beſitzern zugeſtanden
worden.

Der Anſchlag auf den König von Italien.

Einzelheiten des Anſchlags.
* Rom 14. März. Der erſte Schuß, den ber
Attentäter d’Alba auf den König abgab, verletzte, wie des
näheren mitgeteilt wird, den Kommandanten der Eskorte,
Major Lang, der zur Linken des Wagens dicht neben dem
König ritt. Das Pferd machte einen Sprung, doch blieb
der Major im Sattel und näherte ſich dem Wagen noch
mehr, während ſich die Küraſſiereskorte dicht um den Wagen
drängte. Inmitten der allgemeinen Erregung bewahrte das
Königspaar vollkommene Ruhe, ebenſo die Eskorte. Darauf
gab d’Alba noch zwei Schüſſe ab und traf Lang am Kopfe,
ſo daß er vom Pferde ſtürzte. Ein Chauffeur und
ein Kutſcher des Herzogs von Borgheſe ſtürzten ſich auf
d’Alba, der weitere Schüſſe abzugeben verſuchte. d’Alba
bedrohte beide mit dem Revolver und fügte dem Kutſcher
im Geſicht eine Verletzung zu. Schließlich wurde d’Alba
von Poliziſten feſtgenommen. Die Menge ſuchte ihn
zu lynchen und verletzte ihn unbedeutend. Er wurde
nach dem Polizeikommiſſariat gebracht. Gegen 10 Uhr ver=
anſtaltete
die Menge eine Kundgebung vor dem Kommiſſa=
riat
, indem ſie Verwünſchungen gegen den Täter ausſtieß
und Hochrufe auf das Königspaar ausbrachte. Die Ver=
wundung
Langs ſcheint nicht ſehr ſchwer zu ſein. Als der
König und die Königin im Pantheon eintrafen, war die
Königin=Mutter bereits angekommen. Nach herzlicher Be=
grüßung
erzählte der König der Königin=Mutter den Ver=
lauf
des Attentats. Darauf wurde die Meſſe zelebriert,
die alljährlich am 14. März, den Geburtstage König Hum=
berts
, im Pantheon gefeiert wird. Der König beſuchte,
vom Direktor des Krankenhauſes geführt, den verletzten
Major Lang, unterließ jedoch, auf den Rat der Aerzte,
ihn zu ſprechen. Die Kugel hat Lang in den Nacken ge=
troffen
. Knochen ſind nicht beſchädigt worden. Beim Sturz
vom Pferd hat Lang ſich einige Verletzungen im Geſicht,
am Ohr, an der Schulter und eine leichte Gehirnerſchütter=
ung
zugezogen. Sein Zuſtand iſt nicht gefährlich.
Froh, daß der Zuſtand Langs verhältnismäßig befriedigend
war, verließ der König das Hoſpital. Auch der Kriegs=
miniſter
und viele andere bekannte Perſönlichkeiten ſtatteten
dem Verletzten Beſuche ab. Die Stadt hat heute morgen
ein ſeltenes Ausſehen. Da die Zeitungen noch nicht erſchie=
nen
waren, pflanzte ſich die Nachricht in die entlegenſten
Stadtviertel von Mund zu Mund fort. Um jeden, der die
Einzelheiten kannte, bildeten ſich Gruppen, die ſie hören
wollten. Miniſterpräſident Giolitti begab ſich zum
Quirinal, um den König zu beglückwünſchen. Die im Pa=
laſt
ausgelegten Liſten waren mit Unterſchriften der Mi=
niſter
, Botſchafter und Geſandten, hoher Beamter und Par=
lamentarier
und vieler Bürger bedeckt. Auf der Piazza di
Colonna bildete ſich um 10½ Uhr ein großer Zug mit
zahlreichen Fahnen. Auf dem Corſo war die Menſchen=
menge
ſo groß, daß der Verkehr ſtockte. Der Zug begab ſich
unter Hochrufen auf den König zum Quirinal. Aus
allen Fenſtern winkten Männer und Frauen mit Taſchen=
tüchern
und jubelten den Fahnen zu, die zur= Erinnerung
an den Tod König Humberts auf Halbmaſt geſetzt, jetzt aber
zum Zeichen der Freude wehten, daß der König der Ge=
fahr
entronnen ſei. Als der Zug auf dem Platze vor dem
Quirinal ankam, erſchienen der König und die Köni=
gin
, zuletzt mit ihren Kindern mehrmals auf dem Balkon,
anhaltend begrüßt. Fahnen, Hüte und Taſchentücher wur=
den
geſchwenkt. Vom Quirinal begaben ſich die Volks=
mengen
zum Kriegsminiſterium und zur Küraſſierkaſerne,
wo ſie auf die Leibwache Hochrufe ausbrachten. Dann be=
gab
ſich der Zug zum Palaſt der Königin=Mutter
Margherita.
Gleich nach dem Attentat wurde bei d’ Alba eine
Hausſuchung vorgenommen. Sein Arbeitsbuch wurde
beſchlagnahmt und daraus feſtgeſtellt, daß er bis geſtern
abend als Maurer auf einem Bau gearbeitet und dann die
Arbeit niedergelegt und das Handwerkszeug mitaenommen
hatte, unter der Angabe, daß er ſich nicht wohl fühle. Am
Morgen perließ er in ſehr früher Stunde ſeine Wohnſtätte,
nachdem er ſeine beſte Kleidung angezogen hatte.
Der franzöſiſche Botſchafter begab ſich als
Doyen des diplomatiſchen Korps zum Qufrinal und über=
mittelte
dort dem Zeremonienmeiſter die Glückwünſche für
den König namens des diplomatiſchen Korvs. Der König
erteilte heute morgen die gewöhnlichen Audienzen und
empfing den Deputierten Danieli, dem er eine genaue Schil=
derung
des Attentats gab.
Sympathiekundgeburngen des Volkes und des Parlaments.
* Rom, 14 März. Seit 9 Uhr früh füllte eine
erregte Menge, in der alle Bevölkerungsklaſſen
vertreten waren, die Straßen und äußerte ihren Unwillen
über den Mordanſchlag gegen die Urheber. Alle Zeitungen
in Rom und den Provinzen bringen Artikel, in denen die
Herrſchereigenſchaften des Königs hervorgehoben und das
empörende Attentat gebrandmarkt wird. Von allen Seiten
Italiens und des Auslandes erhält der König Tauſende
von Depeſchen. Um 2 Uhr nachmittags wurden die Läden
geſchloſſen und der öffentliche Verkehr eingeſtellt, um einer
großartigen Volkskundgebung Raum zu ſchaf=
fen
, die ſich am Nachmittag vor dem Quirinal vollzog.
Studenten, ſowie Abgeordnete von Vereinen und Körper=
ſchaften
begaben ſich zum Parlamentsgebäude. Der Prä=
ſident
Marcora trat auf den Balkon des Gebäudes und
hielt eine mit brauſendem Beifall aufgenommene Anſprache.
Wohl 50000 Perſonen waren auf dem Platze verſammelt.
Die ungeheuere Menge zog dann durch ein Spalier winken=
der
, Beifall rufender Männer und Frauen über den Corſo
und die Via Nazzionale zum Quirinal. Angehörige aller
Bevölkerungsſchichten hatten ſich mit der Nationalkokarde
geſchmückt. Von andauernden Beifallsrufen begrüßt, er=
ſchienen
, als die Spitze des Zuges mit Fahnen vor dem
Quirinal angekommen war, der König, die Königin und
die kleinen Prinzen auf dem Balkon. Die Königin trug
die Prinzeſſin Giovanna auf dem Arm. Es iſt unmöglich,
die Begeiſterung zu ſchildern, von der die Volksmenge beim
Anblick des hohen Paares ergriffen wurde. Der König
und die Königin verneigten ſich lächelnd. Die kleinen
Prinzen ſchwenkten ihre Mützen. Immer wieder mußten
der König und die Königin ſich dem begeiſterten Volke
zeigen.
In der Kammer waren die Tribünen überfüllt.
Der Miniſterpräſident, der mit ſämtlichen Miniſtern erſchie=
nen
war, berichtete zu Beginn der Sitzung dem Hauſe, das
ſich erhoben hatte, über das Attentat und erwähnte auch die

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Nummer 65.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

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Vorſtrafen des Urhebers, der u. a. wegen Mißhandlung
der Eltern beſtraft iſt. Zum Heile Italiens habe Gott das
Leben des vielgeliebten Herrſcherpaares bewahrt, deſſen
Charaktereigenſchaften und Tugenden von der ganzen Na=
tion
bewundert werden. (Einſtimmiger, lang andauernder
Beifall, auch auf der Linken, und wiederholte Rufe: Es lebe
der König! Die Tribünen ſchließen ſich der Kundgebung
der Kammer an.) Darauf verkündete der Kammerpräſident
Marcora: Ich drückte dem König ſofort die tiefgefühl=
teſten
Glückwünſche und die Entrüſtung der Kammer und
des Landes aus, deſſen getreuer Dolmetſch die Kammer ſei.
Ich wiederhole vor der geſamten ziviliſierten Welt die Hul=
digung
der Kammer vor dem Hauſe Savoyen, dem König
und der Königin, die auch bei dieſer Gelegenheit die treue
Gefährtin des Königs geweſen iſt, und der Königin=Witwe.
Marcora ſchloß mit der Wiederholung der Worte, die der
König am Tage der Eidesleiſtung als Souverän geſprochen
hat, daß ſein erſter Gedanke dem Volke gelte und daß er
Gott zum Zeugen anrufe, daß er für das Wohl des Vater=
landes
die eigene Perſon, Herz und Geiſt zur Verfügung
ſtelle. (Nicht endenwollender Beifall und Rufe: Es lebe
der König!) Das zweitälteſte Mitglied der Kammer, La=
cava
, drückte ſeine Entrüſtung über das Attentat aus und
ſchlug vor, die Kammer ſolle ſich noch heute in corpore
zum Quirinal begeben, um die Ergriffenheit der
ganzen Nation auszudrücken und gerade jetzt die Anhäng=
lichkeit
und Ergebenheit gegen den König und die Königin
zu verſichern. (Wiederholte lebhafte Rufe: Es lebe der
König! in der ganzen Kammer.) Sonnino äußerte eben=
falls
ſeinen Abſcheu und die Entrüſtung über das Attentat
gegen die Perſon des Königs, dem man die größte Ehr=
erbietung
ſchulde, gerade in dem Augenblick, wo Tauſende
von Brüdern ihr Leben für die Ehre der Fahne in die
Schanze ſchlügen. Der Redner forderte, umſo einiger ſollten
ſich die Geiſter um den Thron ſcharen und wünſchte, daß
dieſe Schande wieder gutgemacht werde durch verdoppelte
Anſtrengungen, das Vaterland ſtärker und geſitteter zu
machen. (Allgemeiner Beifall.) Er ſchließe ſich voll dem
Vorſchlage Lacavas an. (Lebhafter zuſtimmender Beifall.)
Darauf erklärte Pantano (radikal): Wegen der großen
Güte und hohen Weisheit des Monarchen hätte er niemals
denken können, daß ein Italiener die Hand gegen den König
bewaffnen könne. Die Tat könne nur die Tat eines Irr=
ſinnigen
ſein. Namens aller ſeiner Freunde von der Linken
ſchließt er ſich den Worten des Vorredners an. (Lebhafter
Beifall. Unaufhörliche Rufe: Es lebe der König!) Der
Vorſchlag Lacavas wurde einſtimmig durch Ak=
klamati
onangenommen. Dann wurde die Sitzung
auf morgen vertagt. Die Deputierten verließen den Saal,
um ſich in corpore nach dem Quirinal zu begeben.
Im Senat wurde des Königs und der Königin in
ähnlicher Weiſe gedacht, wie in der Kammer. Giolitti und
Manfredi gaben der Entrüſtung über die Tat und den Glück=
wünſchen
für das Herrſcherpaar Ausdruck. Die Senatoren
brachen in endloſe Hochrufe auf die Majeſtäten und das
Haus Savoyen aus. Der Botſchafter in Paris, Tittoni,
wies in ſeiner Eigenſchaft als Vertreter Italiens im Aus=
lande
darauf hin, daß von überall her, wo italieniſche Her=
zen
, auch jenſeits der Gebirge und Meere, im Geiſte und
Sinne mit den Bewohnern Italiens zuſammenſchlagen,
Grüße der Ergebenheit und Liebe an den König und die
Königin gerichtet werden. Um vier Uhr begaben ſich die
Senatoren zur Beglückwünſchung ins Quirinal.
Nachmittags begaben ſich die Deputierten vom
Monte Citorio aus im feierlichen Zuge nach dem
Quirinal, an der Spitze der Kammerpräſident, ſowie
der Miniſterpräſident Giolitti mit den Miniſtern und
Unterſtaatsſekretären. Unter den Abgeordneten bemerkte
man auch die Sozialiſten Biſſolati, Bonamini und Babrini,
ſowie den Republikaner Bellaqua. Die Miniſter und De=
putierten
betraten gemeinſam mit den Senatoren, die gleich=
falls
erſchienen waren, den Thronſaal des Quirinal. Die
Präſidenten des Senats und der Kammer beglückwünſchten
den König und die Königin. Beide gingen darauf
durch den Saal und ſchüttelten einem jeden die Hand.
Darauf bildeten ſich Gruppen, mit denen ſich das Königs=
paar
kurz unterhielt. Ihre einzige Sorge war das Befinden
des Majors Lang, über deſſen Beſſerung ſie ſehr erfreut
waren. Der König erzählte, er habe das Attentat erſt be=
merkt
, als er den Major Lang fallen ſah, die Königin da=
gegen
äußerte, ſie habe die ganze Tat beobachtet. Als ſie
d’Alba ſich dem König nähern und auf den König ſchießen
ſah, habe ſie ſich ſofort auf ihren Gemahl geworfen, um ihn
mit ihrem Körper zu decken. Glücklicherweiſe, fügte ſie hin=
zu
. war dies überflüſſig. Der Sozialiſt Cabrini ſaate zum
König: Majeſtät, haben einen ſchönen Beweis von Mut ge=
liefert
. Der König erwiderte lächelnd: es handelt ſich nicht
um einen Beweis von Mut, da der Wagen geſchloſſen war.
Der Sozialiſt Biſſolati entgegnete darauf: Aber man ſieht
auch den Mut nachher und ich glaube, mich darauf zu ver=
ſtehen
.
Der König und die Königin drückten ihre tiefe
Dankbarkeit für die Kundgebungen der Deputierten
und Senatoren, ſowie der römiſchen Bevölkerung aus. Sie
hätten noch nie eine ſo große Volksmenge geſehen. Beim
Verlaſſen des Saales brachten die Deputierten und Sena=
toren
ein dreifaches Hoch auf den König und die Köniain
aus. Dem Empfang wohnten auch in Rom anweſende De=

putierte, etwa 300, bei. Große Volksmaſſen füllten den
Platz vor dem Quirinal und gaben ihrer Freude über die
Errettung, des Königspaares in immer neuen lebhaften
Kundgebungen Ausdruck. Der König und die Königin muß=
ten
ſich zweimal auf dem Balkon zeigen, jedesmal von
ſtürmiſchen Huldigungen begrüßt.
Letzte Nachrichten.
* Rom 15. März. Die Norddeutſche Allge=
meine
Zeitung ſchreibt: Der frevelhafte Anſchlag auf
das Leben des um ſein Land hochverdienten Monarchen
muß in der ganzen geſitteten Welt tiefen Abſcheu hervor=
rufen
. Dem mit dem italieniſchen Krigshauſe verbun=
denen
italieniſchen Volk bringen wir herzlichſte Glückwünſche
zur Errettung des geliebten Königs aus ſchwerer Gefahr
dar. Die Empfindungen, mit denen die Kunde von der
Untat und ihrem Mißlingen überall aufgenommen worden
iſt, werden die Sympathie für die Perſon des mutigen und
pflichttreuen Herrſchers noch erhöhen und ſeine Stellung
noch befeſtigen, die dem König Viktor Emanuel die Herzen
ſeiner Italiener und die Hochſchätzung ſeiner Zeitgenoſſen
erworben hat.
Der Reichskanzler begab ſich, der Norddeutſchen
Allgemeinen Zeitung zufolge, heute nachmittag zum ita=
lieniſchen
Botſchafter, um ihm wegen des An=
ſchlags
auf das italieniſche Königspaar ſeine Entrüſtung
und wärmſte Teilnahme auszuſprechen.
* Rom, 14. März. In einer Note der Agenzia Ste=
fani
wird erklärt, daß alle Nachrichten, die von den Zei=
tungen
über das Verhör d’Albas veröffentlicht wer=
den
, nicht glaubwürdig ſind, weil die Unterſuchung, die
übrigens ſchnell fortſchreitet, dem Geſetze gemäß geheim iſt.
* Rom, 15. März. d’ Alba wurde vergangene Nacht
aus dem Polizeigewahrſam in das Unterſuchungsgefäng=
nis
gebracht. Bei ſeiner Einlieferung erklärte er dem
Direktor unter Tränen, daß er ſeine Tat bereue. Er ver=
weigerte
jede Nahrungsaufnahme. Der verwundete
Major Lang hat die Nacht gut verbracht.

Luftfahrt.

Die Wirkſamkeit der Luftſchiffein Tripolis.
* Mailand, 14. März. Vom Kriegsſchauplatz
kommen ausführliche Berichte über die Fahrt der beiden
militäriſchen Luftſchiffe P. 2 und P. 3, aus denen
hervorgeht, daß die Wirkung der lenkbaren Luftſchiffe,
was Erkundungen und namentlich was die Schädigung
des Feindes durch ausgeworfene Bomben anbetrifft, die
der Aeroplane noch weit überrifft. Die letzte Fahrt der
beiden Luftſchiffe ging vorgeſtern nach Zavia, einer Oaſe,
14 Kilometer öſtlich von Tripolis und 26 Kilometer öſtlich
von Zanzur an der Küſte auf dem Wege nach Zuara. Das
Türkenlager wurde wenige Kilometer hinter Zanzur ge=
ſichtet
. Die Feinde verſcheuchten das Luftſchiff mit hef=
tigem
Gewehrfeuer, doch blieb dieſes wirkungslos, da die
Luftſchiffe in einer Höhe von 1200 Metern ſchwebten.
Das Luftſchiff P. 2 ſah auf ſeinem Wege eine nach
Aguzia ziehende Karawane und ließ mehrere Bomben
fallen, deren Erfolg furchtbar war, indem drei Kamele
und eine Anzahl Treiber niedergeworfen wurden und die
Karawane einem Wurm gleich in mehrere Teile zerſchnit=
ten
wurde. Bei Zavia entdeckte das Luftſchiff eine Anzahl
von Laufgräben, die die Türken zum Schutz gegen eine
etwaige Landung der Italiener errichtet haben. Das
Luftſchiff ließ einige Bomben fallen, worauf die Beſatzung
der Laufgräben in verzweifelte Verwirrung geriet und un=
ter
den Palmen und in der hohen Vegetation Schutz
ſuchte. Dann warf das Luftſchiff noch zwei Bomben auf
das eigentliche Dorf Zavia, aus deſſen Häuſer und Gärten
Schüſſe gefallen waren. Von den beiden Bomben traf die
eine ein Haus, während die andre auf einen belebten
Platz fiel, wo eine furchtbare Wirkung unter der ver=
ſammelten
Menge eingetreten zu ſein ſcheint, da das Volk
wie ein Schwarm aufgeſcheuchter Vögel auseinander ſtob.
Auf dem Heimwege trafen die Luftſchiffe eine andere
Karawane. Die Luftſchiffer ſollen angeblich beobachtet
haben, wie die Bomben auf die auf Kamele geladenen
Kiſten ſchlugen, ſodaß deren Inhalt herausfiel. (F. Ztg.).

* Berlin, 15. März. Ein neuer Todesſturz,
dem einer der beſten deutſchen Flieger zum Opfer fiel, er=
eignete
ſich auf dem Flugplatz Teltow heute mittag. Der
bekannte Wrightflieger Guſtav Witte ſtürzte infolge
noch nicht aufgeklärter Urſache aus einer Höhe von etwa
100 Meter ab und war ſofort tot. Witte war im Jahre
1879 geboren und beſaß das Pilotenzeugnis ſeit dem 22.
Auguſt 1911. Er hatte ſich ſelbſt als Flieger ausgebildet.
* Frankfurt 15. März. Die heutige Morgen=
ausfahrt
des Luftſchiffs, Viktoria Luiſe wurde, da
in der Frühe Nebel herrſchte, erſt um 10 Uhr angetreten
An Bord befanden ſich u. a. Regierungsrat Mahrenholz,
zwei öſterreichiſche Marineingenieure und zwei Hauptleute
des öſterreichiſchen Luftſchifferkorps, die von ihrem Kom=
mando
zum Studium des Zeppelinſchen Luftſchiffſyſtems
hierher entſandt wurden. Die öſterreichiſche Regierung
hat die Abſicht, ihrem Luftgeſchwader auch einen Zeppelin
zuzuführen. Die Fahrt ging zunächſt mainabwärts, bis
über Koſtheim hinaus, dann wurde Kehrt gemacht, Frank=
furt
überflogen und nach Nordweſten geſteuert, nach Ober=

urſel, Homburg und Kirdorf. Die Rückreiſe führte über
Eſchersheim und dem Niddagrund entlang zum Rebſtock.
Unterwegs wurden Geſchwindigkeitsmeſſungen
vorgenommen, die ſehr zufriedenſtellend ausfielen. Die
Meſſungen ergaben etwa 72 Kilometer in der Stunde.
Um 12 Uhr war die Viktoria Luiſe wieder in der Halle.
Heute nachmittag ſoll um 3 Uhr noch ein Aufſtieg folgen.
sr. Der Kaiſerliche Aero=Klub hielt in ſeinen
Klubräumen am Nollendorfplatz in Berlin ſeine dies=
jährige
Geenſerallverſammlung ab. Rittmeiſter
von Frankenberg erſtattete den Jahresbericht und
teilte mit, daß dieMitgliederzahl zur Zeit 565 beträgt, da=
von
68 lebenslängliche, 269 ordentliche, 218 außerordent=
liche
und 12 Damen=Mitglieder. Mit Klubballonen wur=
den
im abgelaufenen Jahre von Bitterfeld und Schmar=
gendorf
aus 59 Fahrten ausgeführt. An
einer von Bitterfeld aus veranſtalteten Zielfahrt des
Klubs beteiligten ſich 17 Ballone. Bezüglich der Tätig=
leit
des Kaiſerlichen Aero=Klubs im neuen Geſchäftsjahre
wurde hervorgehoben, daß der Klub im Verein mit dem
Kaiſerlichen Automobil=Klub und Verein Deutſcher Motor=
fahrzeuginduſtriellen
in der Zeit vom 3. bis 14. April die
allgemeine Luftfahrzeugausſtellung in
den Ausſtellungshallen am Zoologiſchen Garten in Berlin
veranſtaltet. Ferner liegt die Leitung des Motorenwett=
bewerbs
gemeinſam in den Händen des Kaiſerlichen Aero=
Klubs und der beiden vorgenannten Vereinigungen. Des
weiteren veranſtaltet der Kaiſerliche Aero=Klub gemeinſam
mit dem Kaiſerlichen Automobil=Klub und dem Berliner
Verein für Luftſchiffahrt den diesjährigen Rundflug
um Barlin. Die Gründung eines Deutſchen
Freiwilligen Fl ieger=Korps ſoll in die Wege
geleitet werden.

Rudolf Presber=Abend.

Unter den modernen Dichtern iſt Rudolf Presber
einer der beliebteſten; das bedarf keiner Verſicherung mehr.
Und daß er in Darmſtadt eine beſonders große Gemeinde
treuer Freunde und Verehrer zählt, bewies der außer=
gewöhnlich
ſtarke Beſuch ſeines Vortragsabends, der geſtern
durch Vermittelung der Freien literariſch= künſt=
leriſchen
Geſellſchaft im Mathildenhöhſaale ſtatt=
fand
und allen der Geſellſchaft, dem Publikum und dem
Dichter einen vollen Erfolg brachte.
Rudolf Presber iſt ein moderner Dichter. Mit allen
Vorzügen und Fehlern eines ſolchen. Er ſchöpft aus
dem Leben und gibt den Lebenden, denn er iſt ein Kenner
des Lebens und auch wohl einer, der’s zu meiſtern verſteht.
Kein Dramatiker, kein Tragiker. Und doch weiß er zu
packen durch den Ernſt ſeiner Lyrik, weil er in jedes Hörers
Seele etwas anklingen läßt, das wie eine tiefe Wahrheit,
längſt unbewußt und von irgend einem Erlebnis her
hineingetragen, tief im Innern geſchlummert. Vielleicht
iſt es die tiefe Wahrheit, die bis zur äußerſten Konſequenz
ſchreitet, kein Endreſultat ſcheut, die uns ergreift, trotz des
Verſchmähens äußerer techniſcher Mittel. Schlicht und ernſt
kommt dieſe Wahrheit und ſie ſchmerzt manchmal, weil’s
ſcheint, als blicke man ſelbſt in den vorgehaltenen Spie=
gel
der Seele. Leben und Wahrheit iſt ſeine Dichtung.
Er iſt kein Humoriſt in des Wortes eigentlicher Deutung.
Selbſt im Scherz gibt er leiſe, ernſte Anklänge. Immer
aber Leben, immer Wahrheit und oft Satire.
Er iſt ein Kind ſeiner Zeit, unſerer Zeit mit all
ihren großen, unendlichen Errungenſchaften und all ihrem

Stolz und ihrem Selbſtbewußtſein. Auch darin ein
noderner Dichter. Er iſt nicht eigentlich der gemütvolle
deutſche Denker, und auch nicht der unter Tränen lachende‟
Humoriſt, wie wir ſo gerne den deutſchen Humor nennen,
wenn wir ihn recht bezeichnen wollen. Vielleicht weil er
das Leben zu gut kennt, fließt hin und wieder ein klein
wenig Härte in ſeinen Ernſt und Schärfe in ſeinen Humor.
Doch kann er herzhaft und kernig ſein, und ernſt, wenn auch
nicht zu Tränen, ſtimmen und lachen machen. Darum iſt
er ein wahrer Dichter, den man liebhaben muß, eben um
ſeiner Wahrheit willen.
Nun haben wir aus ſeinem eigenen Munde all die
ſchönen, in trauten Stunden oft gekoſteten Perlen ſeiner
Poeſie gehört, haben ihn kennen gelernt, der ſchon ſo oft
uns etwas zu ſagen hatte. Offen geſtanden, ein guter In=
terpret
ſeiner Dichtkunſt war er kaum. Mancher berufene
Rezitator hätte vielleicht pointenreicher ſein können. Er
hat kein Vortragsorgan. Doch vielleicht wollen ſeine Ge=
dichte
keine Vortrags kunſt, eben um ihrer Wahrheit willen.
Denn keines verfehlte die Wirkung. Rudolf Presber las
etwa ein Viertelhundert Gedichte. Zunächſt ernſt, dann
heiter, ſchön geordnet. Vielleicht wäre eine bunte Folge
noch empfehlenswerter geweſen. Wenn wir einiges be=
ſonders
hervorheben wollen, mag’s wegen ſeiner tiefen
Lebensweisheit ſein: So ſoll’s kommen dann Haſt Du
noch die alten Briefe und Troſt der Frau Lehmann
Schließlich noch das prächtige Menzel im Himmel womit.
aber eine Kritik der anderen Gedichte nicht gegeben ſein ſoll.
Den Schluß bildete die Humoreske in Verſen Mein Pa=
tient
. Das Publikum bereitete dem Dichter lebhafte
Ovationen,
St.

Sport.

* Fußballſport. Am Sonntag, 17. März, nach=
nitags
3 Uhr, wird auf dem Olympia=Sporplatz ein
hochintereſſantes Fußballwettſpiel zum Austrag gebracht
werden. Der Fußballklub Haſſia=Mainz ſteht mit
ſoiner zweiten Mannſchaft mit gleicher Punktzahl wie
der Darmſtädter Sportklub an erſter Stelle in
der Tabelle der Meiſterſchaftsſpiele im Mittelrheingau.
Um den Meiſter zu ermitteln, hat nunmehr ein Entſchei=
dungsſpiel
ſtattzufinden, das vom Verbande Süddeut=
ſcher
Fußballvereine für den nächſten Sonntag feſtgeſetzt
worden iſt. Das Spiel muß bis zur Entſcheidung durch=
geführt
werden und auf einem neutralen Platze zum
Austrag kommen. Beide Mannſchaften, die ſich durch ihre
beiderſeits gleich aute Spielweiſe dieſelbe Punktzahl in
den ſeitherigen Meiſterſchaftsſpieſen errungen haben,
werden ſicherlich ein hochintereſſantes Spiel liefern.
sr. Das internationale Schachturnier
in San Sebaſtian ergab bei Erledigung der Hänge=
partien
eine ſenſationelle Niederlagſe Spiell=
manns
durch den Münchener Meiſter Dr. Tarraſch,
während dieſer aber wiederum von Rubinſtein geſchlagen
wurde. Die drei weiteren Parteien Niemzowitſch=Perlis,
Teichmann=Leonhard und Marſhall=Schlechter ergab
remis. Spielmann behauptet trotz ſeiner Niederlage
noch die ſichere Führung mit 10½ Punkten vor
Niemzowitſch und Rubinſtein mit je 9, Perlis und Tar=
raſch
mit je 8½, Duras mit 7½. Marſhal mit 7, Schlechter
mit 6, Teichmann mit 5½ und Leonhard mit 4½ Punkten.

Die Revolution in China.

* Peking, 14. März. Juanſchikai hat ſich
gezwungen geſehen, mit einer aus etwa 10000 Mann
beſtehenden Truppenmacht, die kaiſertreu geblieben
iſt und den abgeſetzten Kaiſer wieder zur Regierung
bringen will, zu unterhandeln. Nach einer Meldung vom
12. März aus Peking marſchieren dieſe Soldaten auf
die chineſiſche Hauptſtadt zu und man hat ihnen bereits
Sendboten entgegengeſchickt, um ihren Vormarſch zu ver=
hindern
.
* Paris, 14. März. Zur Feier der Prokla=
mierung
der chineſiſchen Republik fand
heute unter dem Vorſitz des Vertreters Chinas, Utſon=
lien
ein Bankett ſtatt, dem u. a. der Deputiorte Painlevé,
der Akademiker Anatol France und der frühere Mini=
ſterpräſident
Monis beiwohnten.
* Petersburg, 14. März. Wie die Petersburger
Telegraphen=Agentur aus Paris meldet, iſt an die ruſ=
ſiſchen
Bankiers die Aufforderung zur Beteiligung
an den Vorſchüſſen gerichtet worden, die von Seiten des
engliſch=franzöſiſch=deutſch= amerikani=
ſchen
Konſortiums der interimiſtiſchen
chineſiſchen Regierung geleiſtet worden. Die
ruſſiſche Regierung willigt in eine Teilnahme unter der
Bedingung ein, daß letztere als eine von den gemein=
ſamen
chineſiſchen Anleihen unabhängige Operation be=
trachtet
werde und daß die Mächte ſofort miteinander
in Unterhandlungen über die Realiſationsbedingungen
dieſer Anleihe treten. Die ruſſiſche Regierung ſchlägt
vor, daß vor Abſchluß der erwähnten Unterhandlungen
Vorſchüſſe an China nur auf Grund eines Uebereinkom=
mens
der intereſſierten Mächte erteilt werden ſolle.

Darmſtadt, 16. März.

* Schwurgericht. In der Verhandlung gegen Schmidt
wurde nach viertägiger Verhandlung geſtern nachmittag
um 4 Uhr die Beweisaufnahme beendet. Nach einer
kleinen Pauſe verlas der Vorſitzende die Schuldfragen. Die
Plädoyers des Staatsanwalts und des Verteidigers,
ſowie die Rechtsbelehrung nahmen volle vier Stunden in
Anſpruch, ſodaß ſich die Geſchworenen erſt gegen 8 Uhr zur
Beratung zurückziehen konnten. Sie bejahten ſämtliche
Schilldfragen nach Betrug, Betrugsverſuchs, Urkunden=
fälſchung
und Meineids und verneinten die Fragen
nach mildernden Umſtänden in allen Fällen. Der Staats=
anwalt
plädierte dahin, dem Angeklagten den Betrug
als das ſchwerſte Delikt anzurechnen und beantragte eine
Zuchthausſtrafe von 8 Jahren. Das Gericht erkannte auf
6 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrenrechtsver=
luſt
, ſowie dauernde Eidesunfähigkeit. Die Unterſuchungs=
haft
wurde dem Angeklagten nicht angerechnet, weil er
hartnäckig bis zum Schluß geleugnet hat.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 15. März. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung ſchreibt: In der Beſprechung, die der
Reichskanzler geſtern mit den leitenden
Staatsmännern der Bundesſtaaten gehabt
hat, wurde einſtimmig das grundſätzliche Ein=
verſtändnis
mit den Wehrvorlagen ausgeſprochen

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

Zummer 65.

und die Rotwpendigkleit ihrer baldigen Durchführung an=
erkannt
. Ferner beſtand Einmütigkeit darüber, daß die
geltenden Grundſätze für die Finanzgebarung des Reiches
aufrecht zu erhalten ſeien und daß daher die Deckung
der neuen Koſten auch neue Einnahmen erfordert. End=
lich
war man allerſeits einig darin, daß neue Steuern
auf Verbrauch und Verkehr nicht vorgelegt werden. Die
danach ſich ergebende Möglichkeit wurde eingehend durch=
geſprochen
und ein Plan einſtimmig gutgeheißen, der
auf Grund der bereits vorbereiteten Unterlagen nunmehr
ſeine endgültige Geſtalt erhalten kann.
* Berlin, 15. März. Der Anwalt der Prinzeſſin
Luiſe von Belgien erſucht um Verbreitung folgen=
der
Berichtigung: Die Nachricht, die Schweſter der Prin=
zeſſin
Luiſe, die Gräfin Lonyay, ſtellte beim Seinetribu=
nal
den Entmündigungsantrag, iſt völlig aus der Luft
gegriffen, da nach eingezogenen Erkundigungen kein ſol=
cher
Antrag eingelaufen und auch die franzöſiſchen Ge=
richte
zur Verhängung der Kuratel über eine Ausländerin
wie die Prinzeſſin es iſt, zweifellos nicht zuſtändig ſind.
Ebenſo wenig erklärte ſich die Prinzeſſin bereit, freiwillig
unter Kuratel zu gehen.
* Heidelberg, 15. März. Heute vormittag wurde im
Walde zwiſchen dem Königſtuhl und der Molkenkur ein
etwa 30jähriger Mann und ein 16jähriges Mädchen,
beide mit ſchweren Schußverletzungen,
aufgefunden. Sie wurden ins Krankenhaus über=
geführt
. Es ſoll ſich um ein Liebespaar aus Ludwigs=
hafen
handeln.
Dresden, 15. März. Die Leitung des Hanſa=
bundes
hat Dr. Streſemann aufgefordert, die
Nachfolge Knoblochs anzutreten. Streſemann behielt ſich
die Entſcheidung vor.
Paris, 15. März. Auf dem Wege von Amſterdam
nach Paris wurde einem Diamantenhändler im
Expreßzug ein Käſtchen mit Juwelen im Werte von
125000 Francs geſtohlen.

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V Dienſtzeit bei dem ſtädtiſchen Gaswerk
zuteil gewordenen Gratulationen und Ge=
ſchenke
ſpreche ich auf dieſem Wege, da es mir
nicht möglich iſt jedem einzeln zu danken,
meinen innigſten Dank aus.
(*6691

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Die nordweſtliche Depreſſion iſt weiter in ſüdöſt=
licher
Rich ung vorgedrungen und zieht jetzt uns ganz
in ihren Bereich. Wir haben deshalb zunächſt Zunahme
der Niederſchläge zu erwarten. Mit dem Vorüberziehen
der Zyllone wird unſer Wind nach Nordweſt drehen
und ſo Sinken der Temperatur veranlaſſen.
Ausſichten für Samstag, den 16. März 1912:
Trüb, Regenfälle, mild, ſpäter Nachlaſſen der Nieder=
ſchläge
, kälter.

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Todes-Anzeige.
Heute mittag 1 Uhr entſchlief plötzlich nach
langem Leiden unſer treubeſorgter Vater, Bru=
der
, Großvater, Onkel und Schwiegervater
Christian Böttinger
Rentner
was wir hiermit teilnehmenden Verwandten
und Freunden geziemend zur Kenntnis bringen.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Mainz, New=York.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 17. d. M.,
nachmittags 5 Uhr, vom Portale des Fried=
hofs
aus, ſtatt.
(6488

Todes-Anzeige.
Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht,
Freunden, Bekannten und Verwandten die
ſchmerzliche Mitteilung zu machen, daß es Gott
dem Allmächtigen gefallen hat, unſeren treu=
beſorgten
Vater, Großvater, Bruder u. Onkel
Christoph Hofmann
Bäckermeiſter
nach kurzem Krankenlager heute morgen 10½ Uhr
aus dieſem Leben abzurufen.
(6429
Namens der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Fleckenstein,
Familie Kaffenberger.
Roßdorf, den 14. März 1912.
Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmit=
tags
3 Uhr, ſtatt.

Dankſagung.

Für die herzliche Teilnahme, die zahlreichen
Blumenſpenden und die ſo überaus liebevollen
und tröſtenden Worte des Herrn Pfarrer Vogel
bei dem Hinſcheiden meines lieben Mannes
Theodor Soeder
ſage ich meinen tiefgefühlteſten Dank. (6400
Die trauernde Witwe:
Dina Soeder.
Darmſtadt, 15. März 1912.

Tageskalender.
Samstag, 16. März.

Hoftheater, Anfang 7½ Uhr (Außer Abonnement):
Alt=Heidelberg‟.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Liederabend der Darmſtädter Geſangvereine 1912 um
8¼ Uhr in der Turnhalle am Woogsplatz.
Dekorierungsfeſt des Odenwaldklubs um 8½ Uhr
im Saalbau.
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. Hotel Heß
und Bürgerkeller um 8 Uhr. Reſtaurant Metropol‟
um ½8 Uhr. Chauſſeehaus um 7 Uhr.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein=
u
. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 411 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 411 Uhr.
Olympia=Kinematograph, Rheinſtraße 2.
The American Bio Co., Ernſt=Ludwigsſtr. 23.
Vorſtellungen von 411 Uhr.
Sonntag, 17. März.
Großh. Hoftheater, Anf. 7 Uhr (Ab. B): Cavalleria
Ruſticana hierauf Der Bajazzo.
Vorſtellung um 4 und 8¼ Uhr im Orpheum.
Matinee der Kammermuſik=Vereinigung um 11¼ Uhr
im Saale des Muſikvereins.
Aufführung des Odenwälder Volksſtücks 's Milkerſch
Lif’l vunn Mich’lboch um 8 Uhr in der Turnhalle
(Heidelbergerſtraße).
Familienabend des Evangeliſchen Bundes um 8 Uhr
im Saalbau.
Bibelſtunden von Prediger Schrenk um 4 u. 8½ Uhr
Mühlſtraße 24.
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr, Hotel Heß,
Bürgerkeller, Reſtaurant Metropol u. Chauſſeehaus
um 4 und 8 Uhr, Britannia=Hotel um ½ 8 Uhr.
Ausflug des deutſchen und öſterr. Alpenvereins nach
Höchſt (Abmarſch um 8 Uhr vom Böllenfalltor).
Ausflug des Vogelsberger Höhenklubs nach Auerbach
(Abfahrt um 8.59 Uhr).
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein=
u
. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½11 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 411 Uhr.
Olympia=Kinematograph Rheinſtraße 2.
The American Bio Co., Ernſt=Ludwigsſtr. 23,
Vorſtellungen von 411 Uhr.

Verſteigerungskalender.
Montag, 18. März.

Dünger=Verſteigerung um 8 Uhr in der Artillerie=
Kaſerne (Regiment Nr. 61).
Faſeleber=Verſteigerung um 11½ Uhr im Rat=
haus
zu Pfungſtadt.
Nutzholz=Verſteigerung um 9 Uhr in der Gay=
doulſchen
Wirtſchaft zu Hahn.
Stammholz=Verſteigerung um 10 Uhr in der
Weſtendhalle zu Langen.
Nutzholz=Verſteigerung um 10 Uhr im Schaaf=
heimer
Gemeindewald (Zuſammenkunft auf der Straße
Schaafheim-Schlierbach beim Diſtrikt Wachholder).

Ausſtelung von Büchern z. im Rathaus (geöfinet
von 47 Uhr),

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.

Todes-Anzeige.
(Statt jeder besonderen Mitteilung.)
Heute mittag entschlief unerwartet im Alter von 38 Jahren an Herz-
schwäche
meine liebe Frau, unsere treubesorgte Mutter, Tochter, Schwester,
Schwägerin und Tante
(6461
Lina Rechel, geb. Spiess.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Zahnarzt Adolf Rechel und Kinder,
Philipp Spiess sen. und Familie.
Stuttgart, Darmstadt, den 13. März 1912.
Die Beerdigung findet Samstag, den 16. März, nachmittags um 3½ Uhr, in Darmstadt
von der Friedhofskapelle aus, statt; Einsegnung ½ Stunde vorher daselbst.
Für Blumenspenden und Kondolenzbesuche wird höflichst gedankt.

[ ][  ][ ]

Nummer 65.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. Mürz 1912.

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Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

Nummer 65.

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Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

38 3l.

Samstag. 16. Mirz.

1912.

Bekanntmachung.

Unter Hinweis auf die §§ 3, 1527 der Verordnung vom 6. Mai 1917, den
Radfahrverkehr betreffend, ſowie unter Hinweis auf die Strafbeſtimmungen im Falle
einer Verfäumnis wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Erhebung des
Stempels für Fahrräder für das Rechnungsjahr 1912
von heute ab bis 31. März 1912 an jedem
Wochentage, vormittags von 9 bis 12 Uhr,
bei Großh. Kreisamt Darmſtadt, Neckarſtraße Nr. 3, im Erdgeſchoß, Zimmer Nr. 9,
ſtattfindet.
Wir fordern daher alle Beſitzer von Fahrrädern, welche ſie auf öffentlichen
Wegen und Plätzen benutzen, auf, die Stempelabgabe während der oben erwähnten.
Zeit, unter Vorlage der Radfahrkarten, zu entrichten oder, ſofern die Vorausſetzungen
hierzu vorliegen, während derſelben Zeit (ſ. § 19 Abſ. 2 der Verordnung) Antrag auf
Befreiung von der Abgabe zu ſtellen.
Anſprüche auf Befreiung ſind:
1. für die Stadt Darmſtadt bei dem zuſtändigen Polizeirevier,
2. für die Landgemeinden des Kreiſes bei der Großh. Bürgermeiſterei des
Wohnorts
vorzubringen. Anträge, die nach dem 1. April 1912 geſtellt werden, können keine
Berückſichtigung mehr finden.
Darmſtadt, den 21. Februar 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Verordnung, den Radfahrverkehrbetreffend.

Vom 6. Mai 1907, §§ 3, 1527 der Verordnung.
C. Der Radfahrer.
a) Ausweis über die Perſon des Radfahrers.
§ 3. Wenn ein Fahrrad auf öffentlichen Wegen und Plätzen benutzt werden ſoll,
hat der Beſitzer hiervon dem für ſeinen Wohnort zuſtändigen Kreisamt ſchriftlich oder
mündlich Anzeige zu erſtatten und die in Nr. 58 des Tarifes zum Urkundenſtempelgeſetz
in der Faſſung der Bekanntmachung vom 28. März 1907 vorgeſchriebene Stempelabgabe
für die Radfahrkarte zu entrichten:
Das Kreisamt erteilt dem Anmeldenden eine auf den Namen des Radfahrers
lautende Radfahrkarte, die nach anliegendem Muſter ausgeſtellt wird.
Der Radfahrer hat die Radfahrkarte bei ſich zu führen und auf Verlangen dem
zuſtändigen Beamten vorzuzeigen.
Für Perſonen unter 14 Jahren erfolgt die Ausſtellung auf Antrag des Vaters,
Vormundes oder ſonſtigen Gewalthabers.
Die Radfahrkarte gilt für den Umfang des Deutſchen Reiches.
Nadfahrer, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt außerhalb des Deutſchen Reiches
haben, haben einen anderweiten genügenden Ausweis über ihre Perſon bei ſich zu
führen und auf Verlangen dem zuſtändigen Beamten vorzuzeigen.
E. Vorſchriften über die Stempelabgabe.
§ 15. Die Stempelabgabe für die Jahreskarte (§ 3, Abſ. 1), gültig vom 1. April
bis 31. März des folgenden Jahres. beträgt 5 Mark. Entſteht die Abgabepflicht in der
Zeit zwiſchen 1. Oktober und 31. März des folgenden Jahres, ſo iſt für dieſen Zeitraum
nur die Hälfte dieſes Betrages zu entrichten.
§ 16. Das Kreisamt trägt die Anmeldungen unter fortlaufenden Nummern in
ein Verzeichnis ein, erhebt die in § 15 erwähnte Abgabe und erteilt den Anmeldenden
1. eine Radfahrkarte (§ 3),
2. eine Nummerplatte, die der Nummer des Verzeichniſſes entſpricht.
§ 17. Auf der Rückſeite der Radfahrkarte ſind Stempelmarken im Betrage der
entrichteten Abgabe durch das Kreisamt aufzukleben und zu entwerten.
Bei den von der Stempelabgabe befreiten Perſonen (§ 23) erhalten die Radfahr=
karten
auf der Rückſeite den Vermerk Stempelfrei bis 31. März 19 . .
§ 18. Die Nummerplatte trägt auf beiden Seiten auf weißem Grund in 6 cm
hoher lateiniſcher Schrift den Anfangsbuchſtaben der Behörde, die die Radfahrkarte
ausgeſtellt hat (für das Kreisamt Dieburg Di) und dahinter in 5 cm hohen Ziffern die
Nummer der Radfahrkarte (§ 16). Die Nummern werden, ie nachdem ſie von einer
Behörde der Provinz Starkenburg, Oberheſſen oder Rheinheſſen zugeteilt worden ſind
in roter, blauer oder grüner Farbe aufgetragen. Bei den für den Landbezirk eines
Kreiſes ausgegebenen Nummerplatten iſt der betreffende Buchſtabe in der Farbe der
Nummer, bei den Nummerplatten für den Stadtbezirk eines Kreiſes dagegen in
ſchwarzer Farbe ausgeführt.
Das Fahrrad muß beim Befahren öffentlicher Wege und Plätze mit der Nummer=
platte
verſehen ſein. Letztere, deren Inſchrift ſtets in lesbarem Zuſtande erhalten wer=
den
muß, iſt in der Richtung der Längsaxe des Fahrrades und nach vorn gerichtet derart
zu befeſtigen, daß die Inſchrift von beiden Seiten gut ſichtbar iſt. Die Nummerplatte
wird von der Behörde beſchafft und den Beſitzern von abgabepflichtigen Fahrrädern
unentgeltlich geliefert. Wer von der Stempelabgabe befreit iſt, hat die Koſten der
Nummerplate zu erſehen.
Beſitzer von ſolchen Fahrrädern, die mit Nummerplatten verſehen ſind, dürfen
zur Kontrolierung der Abgabe nicht angehalten werden
§ 19. Die Abgabe iſt von einer und derſelben Perſon, auch bei einem Wechſel des
Jahrrades, innerhalb desfelben Jahres (1. April bis 31. März) ſtets nur einmal. und
zwar erſtmalig bei der Anmeldung des Fahrrades und ſodann alljährlich im Monat
März für das daraufolgende Rechnungsjahr unter Vorlage der Radfahrkarte bet dem
Kreisamt zu entrichten.
Innerhalb der gleichen Friſten haben die Perſonen, die gemäß § 23 Befreiung
von der Abgabepflicht in Anſpruch nehmen, bei dem Kreisamt entſprechenden Antrag
zu ſtellen.
§ 20. Wer den Beſitz eines anmeldepflichtigen Fahrrades im Laufe eines Jahres
aufgibt oder verliert, hat dies dem Kreisamt ſeines Wohn= oder Aufenthaltsortes läng=
ſtens
binnen einer Woche unter Vorzeigung der Karte und Rückgabe der Nummerplatte
anzuzeigen.
Wer, ohne den Beſitz aufzugeben, das Fahrrad auf öffentlichen Wegen und
Plätzen nicht mehr benutzen will, kann ſich durch Abmelden des Rades unter Rückgabe
der Nummerplatte von der weiteren Abgabepflicht befreien.
Die Abmeldung iſt in das nach § 16 zu führende Verzeichnis einzutragen und dem
Abmeldenden auf Verlangen auf der ihm erteilten Karte zu beſcheinigen.
§ 21. Verlegt der Beſitzer eines anmeldepflichtigen Fahrrades ſeinen Wohn=
oder
Aufenthaltsort in einen anderen Kreis, ſo iſt das Rad bei dem Kreisamt, das die
Radfahrkarte ausgeſtellt hat, abzumelden und bei dem für den neuen Wohn= oder
Aufenthaltsort zuſtändigen Kreisamt unter Vorlage der Radfahrkarte anzumelden; das
letztere erteilt eine neue Nummerplate und zieht die bisher geführte Nummerplate
behufs Rückgabe an das zuſtändige Kreisamt ein.
§ 22. Es iſt verboten, Nummerplatten eigenmächtig anzufertigen, die Inſchrift
von Nummerplatten eigenmächtig zu ändern und ſolche Nummerplatten zu führen, die
nicht von der zuſtändigen Behörde erteilt ſind.
Der Beſitzer eines mit Nummerplatte verſehenen Fahrrades darf dieſes an
andere Perſonen zur Benutzung auf öffentlichen Wegen und Plätzen nur vorübergehend
überlaſſen.
F. Ausnahmen.
§ 23. Von der Stempelabgabe ſind befreit:
1. Militärperſonen und ſonſtige Perſonen, die in Dienſten des Reiches oder eines
Bundesſtaates einer Provinz, eines Kreiſes oder einer Gemeinde ſtehen und
Fahräder überwiegend zur Erledigung der ihnen obliegenden Dienſt=
geſchäfte
benutzen;
2. Perſonen, die das Fahrrad überwiegend als Beförderungsmittel zur
Arbeitsſtelle oder zur Ausübung ihres Berufes oder Gewerbes benutzen, ſofern
ihr Einkommen den Betrag von jährlich 1500 Mark nicht erreicht:
3. Schüler, die das Fahrrad überwiegend als Beförderungsmittel zum Beſuche
der in einer anderen Gemeinde oder mindeſtens 21s Kilometer von der Wohnung
entfernt gelegenen Schule benutzen;
4. Perſonen, die ſich zum Kurgebrauch oder weniger als 30 Tage lang im Groß=
herzogtum
aufhalten:
5. Perſonen, die ein Fahrrad, für das die Stempelabgabe bereits entrichtet iſt,
vorübergehend benützen (§ 22, Abſ. 2).
§ 24. Wird auf Grund des § 23 eine Befreiung von der Stempelabgabe in An=
ſpruch
genommen, ſo iſt vorzulegen:

I in den Fälln der Iiſer 1 eine Beſcheinigung der vorgeſehzten Dientbehörde da=
hingehend
, daß das Jahrrad ü ber wiegend zu dienſtlichen Zwecken
verwendet wird.
2. in den Fällen der Ziffer 2 der letzte Steuerzettel und eine Beſcheinigung der
Bürgermeiſterei oder Polizeibehörde über das Vorliegen der weiteren Voraus=
ſetzung
. Bei Bedienſteten genügt hinſichtlich des letzten Punktes eine Beſcheinig=
ung
des Arbeitgebers, die jedoch durch die Bürgermeiſterei oder Polizeibehörde
beſtätigt ſein muß;
3. in den Fällen der Ziffer 3 eine Beſcheinigung der Bürgermeiſterei oder der
Polizeibehörde oder des Klaſſenlehrers.
Ueber den Anſpruch entſcheidet, vorbehaltlich der Beſchwerde an das Miniſterium
des Innern. das Kreisamt, bei dem die Stempelabgabe zu entrichten ſein würde.
Die Steuerbehörden ſind verpflichtet, den Kreisämiern auf Verlangen jede zur
Entſcheidung erforderliche Auskunft zu geben.
§ 25. Eine Verpflichtung zum Führen einer Nummerplatte und zum Mit=
führen
einer Radfahrkarte beſteht nicht für die in § 23 Ziffer 1 genannten Per=
ſonen
, wenn:
1. dieſe bei Benutzung des Rades Uniform, Amtskleidung oder ein Amtsabzeichen
tragen, oder
2. das Rad als zu Dienſtzwecke beſtimmt von der vargeſetzten Behörde kenntlich
gemacht iſt.
§ 26. Ob und inwieweit Ausnahmen von den in Gemäßheit des § 13 ergangenen
Vorſchriften für den dienſtlichen Radfahrverkehr der Beamten der Poſt= und Tele=
graßhenverwaltung
und anderer öffentlicher Verwaltungen, ſowie der Gendarmen
zuzulaſſen ſind, beſtimmt das Miniſterium des Innern.
G. Strafbeſtimmungen.
§ 27. Zuwiderhandlungen gegen die Vorſchriften über die Entrichtung der
Stempelabgabe werden nach dem Geſetz vom 12. Auguſt 1899 über den Urkunden=
ſtempel
in der Faſſung der Bekanntmachung vom 28. März 1907, Zuwiderhand=
lungen
gegen die übrigen Vorſchriften dieſer Verordnung und gegen die darin vor=
behaltenen
allgemeinen oder beſonderen polizeilichen Anordnungen (§ 13) in Gemäß=
heit
des § 366 Nr. 10 des Reichsſtrafgeſetzbuches mit Geldſtrafe bis zu 60 Mark oder
mit Haft bis zu 14 Tagen beſtraft.
Urkundenſtempelgeſetz.
Artikel 31, Abſ. 1. Die im Art. 14 Nr. 2 bezeichneten Perſonen haben, wenn ſie
den Vorſchriften bezüglich der Verpflichtung zur Entrichtung des Stempels zuwider=
handeln
, unbeſchadet ihrer Haftpflicht für den fehlenden Stempel (Art. 14), eine Geld=
ſtrafe
verwirkt, welche dem vierfachen Betrage des hinterzogenen Stempels gleich=
kommt
, mindeſtens aber drei Mark beträgt. Jede zuwiderhandelnde Perſon trifft die
ganze Strafe. Auf Beamte findet dieſe Vorſchrift keine Anwendung.
Abſ. 3. Die Verhängung der Strafe erfolgt nach Maßgabe der Vorſchriften
des Geſetzes, die Einführung des Verwaltungsſtrafbeſcheids bei Zuwiderhandlungen
gegen die Vorſchriften über die Erhebung öffentlicher Abgaben und Gefälle betreffend,
vom 20. September 1890.
Abſ. 4. Wenn ſich aus den Umſtänden ergibt, daß eine Stempelhinterziehung
nicht hat verübt werden können oder nicht beabſichtigt worden iſt ſo tritt ſtatt der
vorgedachten Geldſtrafe eine Ordnungsſtrafe bis zu zweihundert Mark ein.
Art. 33. Wer es, den beſtehenden Beſtimmungen zuwider, unterläßt, die nach
den Tarifnummern 10, 35, 41, 49, 50, 58, 60, 90 erforderlichen Erlaubnisſcheine und
Karten zu löſen, verfällt in die im Artikel 31 Abſ. 1 beſtimmte Strafe. Die Vor=
ſchriſten
des Artikeis 31. Abſ. 2 bis 4 ſinden entſprechende Anwendung.
Die hinterzogene Stempelabgabe iſt von demjenigen nachzuentrichten, der im
Falle der Löſung des Erlaubnisſcheines ſoder der Karte zur Zahlung des Stempels
verpflichtet geweſen wäre. Die Einziehung der Abgabe erfolgt nach Maßgabe der
Vorſchriften des Artikels 26.
Unterſteht die Perſon, die nach Abſ. 2 die Stempelabgabe nachzuentrichten hat,
wegen Minderjährigkeit oder wegen ihres geiſtigen oder körperlichen Zuſtandes der
Beauſſichtigung, ſo haſtet für die Entrichtung der Stempelabgabe auch derſenige,
welcher kraft Geſetzes zur Führung der Aufſicht verpflichtet iſt. Die Haftbarkeit tritt
nicht ein, wenn der Aufſichtspflichtige nachweiſt, daß er ſeiner Pflicht genügt hat oder
daß die Stempelhinterziehung auch bei gehöriger Aufſichtsführung erfolgt ſein würde.
Die Beſtimmung des Abſ. 2. Satz 2 findet Anwendung.
An die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Vorſtehende Bekanntmachung empfehlen wir Ihnen wiederholt in geeignet
erſcheinender Weiſe zur Kenntnis der Intereſſenten Ihrer Gemeinde zu briugen.
Darmſtadt, den 21. Februar 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
(4719a

Provinzialtag.

Mittwoch, den 27. März d. J., vormittags 10½ Uhr, tritt im Rathausſaal
zu Darmſtadt (Marktplatz 8) der Provinzialtag der Provinz Starkenburg zu einer
öffentlichen Verſammlung zuſammen.
Auf der Tagesordnung ſtehen folgende Gegenſtände:
1. Vorlage des Verwaltungsberichts des Provinzialausſchuſſes und der
Provinzial=Pflegeanſtalt vom Jahr 1910 Ri.
2. Prüfung der Rechnung der Provinzialkaſſe und der Provinzial= Pflege=
anſtaltskaſſe
für 1910 Rf.
3. Feſtſtellung des Voranſchlags der Provinzialkaſſe und der Provinzial=
Pflegeanſtalt für 1912 Ri.
4. Neuwahl der bürgerlichen Mitglieder der Ober=Erſatz=Kommiſſion für
den II. Bezirk der 49. Infanterie=Brigade auf drei Jahre ron 1912 bis
einſchließlich 1914. Wegen Ablebens bezw. wegen abgelaufener Dienſtzeit
ſind ausgeſchieden: Bürgermeiſter Müller von Roßdorf als Mitglied und
Bürgermeiſter Lang von Pfungſtadt als Erſatzmann.
5. Neuwahl des Vorſtandes der Genoſſenſchaftskaſſe für Kommunal= Forſt=
warte
für die Rechnungsjahre 19111915 einſchließlich; hier Erſatzwahl
für den verſtorbenen Stellvertreter, Bürgermeiſter Müller von Roßdorf
für den Reſt der Wahlperiode.
(5864
Darmſtadt, den 4. März 1912.
Der Vorſitzende des Provinzialtags:
Fey.

Bekanntmachung.

Das nachſtehende Verzeichnis bringen wir mit dem Anfügen zur Kenntnis,
Ihrem Gemeinde=Einnehmer entſprechende Ausgabe=Dekretur zu erteilen.
Darmſtadt, den 8. März 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
(6380
Zuſammenſtellung
des Erſatzes wegen der Holzſamen=Lieferungen aus der fiskaliſchen Samenklenganſtalt
Gammelsbach für die Kommunalwaldungen im Wirtſchaftsjahr 1911, Rechnungs=
jahr
1914.

Weymouths=
Namen
Fichten 1 Kiefern
Kiefern Geld=
betrag

der à 3 Mk. à 11 Mk. 1à 12 Mk.
der
Gemeinde ꝛc. Oberförſterei
alcſchl
Beſſungen
Roßdorf
33)
Darmſtadt
Darmſtadt
24-
60
Dornberg
Griesheim
12
70
Eberſtadt
Eberſtadt
24 241
Nieder=Beerbach
61
Pfungſtadt
36)-
36)
Groß=Gerau
Weiterſtadt
33,
0,5
40150
Meſſel
Meſſel
31
Mörfelden
Erzhauſen
33)-
Gräfenhauſen
25-
Nieder=Ramſtadt Ober=Ramſtadt
Ober=Ramſtadt
11
Summa ſ8ö) 2910 o
3urſo
8,51 102-

[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt Großherz
Nummer 31.

Bekanntmachung.

Nachſtehende Polizeiverordnung vom 26. Auguſt 1910 wird wiederholt ver=
öffentlicht
. Genaue Beachtung derſelben wird dringend empfohlen.
Darmſtadt, den 7. März 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Polizei=Verordnung

vom 26. Auguſt 1910.
Auf Grund des Art. 78 der Kreis= und Provinzialordnung wird unter Zu=
ſtimmung
des Kreisausſchuſſes und mit Genehmigung des Großherzoglichen Mini=
ſteriums
des Innern vom 23. Auguſt 1910 zu Nr. M. d. J. II 3715 für den Kreis
Darmſtadt folgendes verordnet:
§ 1. Der Zuzug fremdländiſcher Arbeiter, ihrer Frauen, Kinder und etwaigen
ſonſtigen Begleiter iſt vr der Ankunft unter Angabe ihrer Zahl der Ortspolizei=
behörde
des Beſchäftigungsortes von dem Arbeitgeber oder ſeinem Stellvertreter ſchriftlich
anzuzeigen. War die Anzeige vor der Ankunft nicht möglich, ſo iſt ſie ſofort bei dem
Eintreffen der obengenannten Perſonen an ihrem Beſtimmungsort, ſpäteſtens aber
binnen 24 Stunden darnach der Ortspolizeibehörde zu erſtatten. Die Anzeige ſoll
Namen und Heimatſtaat der Zugezogenen enthalten.
Die Ortspolizeibehörde iſt zur ſofortigen Mitteilung an das Großh. Kreis=
geſundheitsamt
verpflichtet. Bei Krankheitsverdacht hat die Mitteilung telephoniſch
oder telegraphiſch zu geſchehen.
§ 2. Die Zugezogenen ſind verpflichtet, auf Ladung der Ortspolizeibehörde zur
Unterſuchung durch den Großh. Kreisarzt zu erſcheinen. Säumige werden polizeilich
vorgeführt. Der Arbeitgeber oder ſein Stellvertreter hat die für das Erſcheinen im
Unterſuchungstermin erforderliche Zeit zu gewähren.
Diejenigen Perſonen, die ſich über eine in den letzten zehn Jahren vorausge=
gangene
erfolgreiche Impfung oder über eine überſtandene Blatternerkrankung niht
ausweiſen können, werden im Unterſuchungstermin geimpft. Der Unterſuchungstermin
ſoll in der Regel am Beſchäftigungsorte ſtattfinden, wenn nicht unverhältnismäßige
Koſten hierdurch entſtehen. Wer ſich der Impfung entzieht, oder ſich weigert, die
Impfung vornehmen zu laſſen, hat die ſofortige Ausweiſung aus dem Großherzogtum
zu gewärtigen.
In dem Termin werden die Zugezogenen gleichzeitig auf das Vorhandenſein der
ägyptiſchen Augenkrankheit hin unterſucht und die notwendigen Maßnahmen getroffen.
§ 3. Jeder Geimpfte muß in einem zweiten Termin dem Großh. Kreisarzt zur
Nachſchau vorgeſtellt werden, falls ein ſolcher beſtimmt wird. Die Vorſchrift des § 2
Abſ. 1 Satz 3 findet entſprechende Anwendung.
§ 4. In dem in § 2 erwähnten Unterſuchungstermin ſoll eine Namensliſte unter
Angabe der Geburtstage oder wenigſtens des ungefähren Alters der vorgeführten
Perſonen von dem Arbeitgeber oder deſſen Stellvertreter dem Großh. Kreisarzt vor=
gelegt
werden.
§ 5. Die Koſten der Unterſuchung und Impfung werden auf die Polizeikaſſe
übernommen.
§ 6. Die nach Art. 89 des Polizeiſtrafgeſetzes vorgeſchriebenen Anmeldungen,
ſowie die nach anderen Beſtimmungen beſtehenden Verpflichtungen zur Anzeige des
Arbeitsantritts bleiben unberührt.

§ 7. Arbeitgeber oder deren Stellvertreter, welche die in §§ 13 dieſer Ver=
ordnung
angeordneten Aufſichtsmaßregeln verletzen, werden, ſofern nicht eine Be=
ſtrafung
aus § 327 des Reichsſtrafgeſetzbuchs zu erfolgen hat, mit Geldſtrafe von
130 Mark beſtraft.
§ 8. Die vorſtehenden Vorſchriften treten mit dem Tage ihrer Veröffentlichung
im Amtsderkündigungsblatt in Kraft. Mit dem gleichen Tage iſt die Polizeiverordnung
vom 9. Juni 1908, betreffend das Auftreten von Blatternerkrankungen unter fremd=
5699ss
ländiſchen Arbeitern, aufhehoben.

Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß am 18., 19., 22.,
25., 26., 29. März 1912 von 8 Uhr vormittags bis 6 Uhr abends von Truppenteilen
des XVIII. Armee=Korps Schießen mit ſcharfer Munition auf dem Schie platz beſ
Meſſel abgehalten wird.
Schußrichtung vom Steinhügel, 1 km nördlich Meſſel in nordnordweſtliche
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich,
Weſten: Dammweg-Brunnersweg ausſchließlich,
Süden: Forſthaus Steinacker-Steinhügel ausſchließlich,
im Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milches=
wieſe
-Sauwieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während desSchießens durch Poſten, Wegeſchranken und Warnungstafeln ab=
geſperrt
.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten. ( Polizeiver=
ordnung
Kreisamt Darmſtadt 25. Sept. 1909, Kreisamt Offenbach a. M., 20. Sept. 1909.)
Iſt das Schießen früher beendet, ſo werden die Gemeinden Meſſel und Offenthal
von Aufhebung der Abſperung ſofort benachrichtigt.
Darmſtadt, den 16. Februar 1912.
(4911a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

Nachſtehend bringen wir eine Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem
Truppenübungsplatz bei Darmſtadt für die Zeit vom 19. bis 21. März 1912 zur
öffentlichen Kenntnis. Die Abſperrungsgrenze, ſowie die Dauer der Abſperrung ſind
in der Zuſammenſtellung enthalten.
(6326si
Darmſtadt, den 12. März 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Zuſammenſtellung
der Schießtage auf dem Truppenübungsplatz Darmſtadt für die Zeit vom 19. bis
21 März 1910

Dauer der 1 Die Abſperrung
Tag
Truppenteil
Datum
Abſperrung
erſtreckt ſich
von bis
580
19. 3. Dienstag
Bis zum Land=
Infanterie
20. 3. 1 Mittwoch
graben
21. 3. Donnerstag
100 V. 550 N.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Gefunden: 1 ſchwarzer hirſchlederner Damenhandſchuh. 1 kleiner
Geldbetrag (in Papier eingewickelt). 1 Fahrradnummerplatte mit der
Nr. 7362. 1 ſchwarzes Portemonnaie mit Goldverzierung u. einigen
Pfennigen Inhalt. 1 ſilberne Buſennadel mit 2 hellen Steinchen.
1 Schiefertafel, Leſebuch und Griffelkaſten. 1 Werkzeugſack mit Zange,
Hammer und Schraubenzieher. 1 Doppelſchlüſſel. 1 neues braunes
Zigarettenetui. 1 Paket alte Damenkleider. 3 Paar weiße Damen=
hoſen
. 1 ſilbernes Kettenarmband.
(6374

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde. In polizei=

licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Bernhardiner. 1 Dachshund (zugelaufen). Die Hunde
können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung, der nicht ausgelöſten Hunde findet dort=
ſelbſt
jeden Werktag vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(6385

Sonntagsruhe in den Apotheken. Am Sonntag, den 17. März,

ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr abends folgende
Apotheken geöffnet: Merckſche Engel=Apotheke, Rheinſtraße, und
Beſſunger Apotheke, Karlſtraße. Alle übrigen Apotheken ſind von
1 Uhr ab geſchloſſen.

Verkauſspreiſe der Sleiſch. u. WVurſtwarent. d. Haupt. u. Keſtdenrſtadt Darmſtadt
(Nach den Mitteilungen des Vorſtandes der Metzger=Innung.) (22563

per ½ kg
Ochſenfleiſch
90 Pfg.
Rindfleiſch
84
Kalbfleiſch
90
Hammelfleiſch
90
Bruſt
60
Schweinefleiſch
,80
Kottelettſt. u. geſalz. Fleiſch 90
Speck, geräuchert
. 110

per ½ kg
Dörrfleiſch
. 100 Pfg.
Schinken m. Bein . . . 110
Rollſchinken
. 130
Schweineſchmalz, roh
u. ausgelaſſen . . 80
Schwartenmagen,
Fleiſch= u. Bratwurſt . 80
Leber= u. Blutwurſt . . 64

Verſteigerungs=Anzeige.

Auf freiwilligen Antrag verſteigere ich Montag, den 18. März
1912, vormittags 10 Uhr, in Griesheim b. D., Schafgaſſe Nr. 5
2 mittelſchwere Zuapferde
öffentlich, meiſtbietend gegen Barzahlung.
Die Verſteigerung findet beſtimmt ſtatt.
Wedel, Großh. Gerichtsvollzieher,
(6316
Darmſtadt, Bleichſtraße 28.

Faſeleber=Vergebung.

Montag, den 18. März 1912, vorm. 11½ Uhr
wird auf dem Rathauſe zu Pfungſtadt ein zur Zucht untauglich
gewordener, gut gemäſteter, ſchwerer Faſeleber auf dem Sub=
miſſionswege
vergeben. Bedingungen liegen vom 12. d. Mts. an bei
der unterzeichneten Behörde zur Einſicht offen.
(6157I
Pfungſtadt, am 11. März 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
Lang.

Autz= und Brennholz=Verſteigerung.

Mittwoch, den 20., Donnerstag, den 21. und
Freitag, den 22. März I. J.,
werden im Spachbrücker Gemeindewald, Diſtrikt Mark, verſteigert:
Scheiter rm: 22 Buchen, 3 Eiche I. Klaſſe, 5 Eiche II. Klaſſe,
48 Birke, 269 Kiefern;
Knüppel rm: 109 Buchen und Hainbuchen, 25 Eiche, 19 Birke,
97 Fichte, 1 Eſche und 5 Erle;
Wellen Stück: 250 Buchen, 50 Eichen, 27 Kiefern, 100 Fichten;
Stöcke rm: 10 Buchen, 7 Eichen, 88 Kiefer, 1 Erle;
3 Lärchen=Stämme 0,62 fm, 707 Fichten=Derbſtangen 64,07 fm.
Die Stangen eignen ſich zu Gerüſtſtangen bis zu 18m Länge.
Die Zuſammenkunft iſt bei Gaſtwirt Schneider an der
Bahnſtation Meſſel.
Anfang der Verſteigerung jeden Tag um 10 Uhr vormittags
auf der neuen Kreisſtraße an der Klein=Zimmerer Grenzſchneiſe.
Das Stamm=, Stangen und Eichen=Scheitholz I. Klaſſe kommt
am 1. Tage zur Verſteigerung.
Spachbrücken, am 14. März 1912.
(6320
Großh. Bürgermeiſterei Spachbrücken.
Illert.

n unſer Handels=Regiſter, Ab=
J teilung A, wurden folgende
Einträge vollzogen:

Am 5. März 1912.
Aenderung hinſichtlich der
Firma:
Café Ernſt Ludwig Ju=
lius
Gahrenfeld, Darm=
ſtadt
.
Geſchäft ſamt Firma iſt auf
Cafetier Alfred Schmitz in Darm=
ſtadt
übergegangen.
Die Firma iſt geändert in:
Café Ernſt Ludwig Al=
fred
Schmitz.
Am 8. März 1912.
Hinſichtlich der Firma:
Carl Till Nachfolger,
Darmſtadt.
Die offene Handelsgeſellſchaft iſt
mit Wirkung vom 20. Auguſt 1911
aufgelöſt. Geſchäft ſamt Firma
ſind auf den ſeitherigen Geſell=
ſchafter
Moritz Hachenburger, Kauf=
mann
in Darmſtadt, als Einzel=
kaufmann
übergegangen.
Am 13. März 1912.
Hinſichtlich der Firma:
Meiſter & Weißheimer,
Darmſtadt.
Die offene Handelsgeſellſchaft iſt
mit Wirkung vom 28. Februar
1912 aufgelöſt. Geſchäft ſamt Firma
ſind auf den ſeitherigen Geſell=
ſchafter
Johannes Weißheimer,
Kaufmann in Darmſtadt, als Ein=
zelkaufmann
übergegangen. (6376
Darmſtadt, 13. März 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Matratzenſtreu=
Verkauf.

Am Montag, den 18. ds. Mts.,
um 8 Uhr vormittags,
wird in der Kaſerne am Beſſunger
Weg die Matratzenſtreu aus einem
Batterieſtall öffentlich und meiſt=
bietend
verſteigert. (6053mdfs
Darmſtadt, im März 1912.
I. Abteilung
Feldartillerie=Regts. Nr. 61.

Matratzenſtreu=
Verkauf.

Freitag, den 22. März 1912,
10 Uhr vormittags,
wird auf dem Hofe der Artillerie=
Kaſerne, Heidelbergerſtraße 47, die
Matratzenſtreu der reitenden Bat=
terie
meiſtbietend verkauft. (6322
II. Abteilung
Feld=Artillerie=Regt. Nr. 25.

Dünger=Verſteigerung.
Dienstag, den 19. März ds.
Js., vormittags 11 Uhr, im
ſtädtiſchen Schlachthofe, Frank=
furterſtraße
Nr. 69. (6418so

Tannenklötzchen
zum Anfeuern (158a
kurz geſchnitten und gehackt
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von Mk. 1.20 per Ztr. empfiehlt
Brennholz=Dampfſchneiderei
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Pallaswieſenſtr. 30. Tel. 305.

Säuberung der Bäume, Sträucher=
Hecken von Raupenneſtern er.

Zufolge Verfügung Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt
vom 2. Januar d. Js. bringen wir die nachſtehende Polizeiverord=
nung
mit dem Anfügen zur Kenntnis der Intereſſenten, daß die
Viſitationen durch das Feldſchutzperſonal, zu welchen ſich die Grund=
eigentümer
und Pächter einfinden wollen, am 18. ds. Mts. beginnen
und zu den folgenden Terminen in den hierbei angegebenen Ge=
markungsteilen
ſtattfinden werden:
1. Im Oberfeld am 18. März ds. Js.:
a) Von vormittags 7½ Uhr an in allen von der Erbacher Straße
bis zu den drei Brunnen rechts, ſodann in den in der Mühl=
ſtraße
, der Soder= und Darmſtraße, der Nieder=Ramſtädter
Straße und der Kiesſtraße bis zur ſeitherigen Beſſunger Grenze
liegenden Gärten und Baumſtücken.
b) Von nachmittags 1 Uhr an in dem zwiſchen der Erbacher
Straße und der Dieburger Straße bis zum Wald liegenden
Gemarkungsteile.
2. Im Heinheimerfeld am 19. März ds. Js.:
a) Von vormittags 7½ Uhr an in den Baumſtücken und den
Gärten zwiſchen Dieburger und Kranichſteiner Straße bis zur
Faſaneriemauer.
b) Von nachmittags 1 Uhr an in den Baumſtücken und Gärten
zwiſchen der Kranichſteiner und Frankfurter Straße.
3. Im Löcher= und Niederfeld am 20. März ds. Js.:
a) Von vormittags 7½ Uhr an in allen von der Frankfurter Straße
links liegenden Gärten ꝛc., ſodann in denjenigen vor den ſo=
genannten
Main=, Rhein= und Neckartoren bis zur Arheilger=
reſp
. ſeitherigen Beſſunger Grenze.
b) Von nachmittags 1 Uhr an in den Hausgärten.
4. Im ſeitherigen Beſſunger Feld, und zwar:
a) Am 21. März ds. Js., von vormittags 7½ Uhr an in den
ſüdlich der Heinrichſtraße und öſtlich der Martinsſtraße, ſowie
des Martinspfads belegenen Gärten und Baumſtücken.
b) Am 22. März d. Js., von vormittags 7½ Uhr an in den
zwiſchen Martinspfad, Martinsſtraße, Heinrichsſtraße und
Heidelberger Straße belegenen Gärten und Baumſtücken.
c) Am 23. März d. Js., von vormittags 7½ Uhr an in den
weſtlich der Heide berger Straße belegenen Gärten und Baum=
ſtücken
in der Gemarkung Beſſungen.
Die Beteiligten, die ſich bis zu den angeführten Zeiten der frag=
lichen
Arbeiten nicht unterzogen haben, werden auf Grund des § 3
nachſtehender Polizeiverordnung beſtraft die nötige Säuberung der
Bäume und Entfernung der Aeſte und Zweige, ſowie das Ausſchnei=
den
der Miſteln wird auf ihre Koſten vorgenommen.
Darmſtadt, den 1. März 1912.
(5697ss
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Jäger.

Polizeiverordnung.

Betreffend: Säuberung der Bäume, Sträucher, Hecken von
Raupenneſtern ꝛc.
Auf Grund des Art. 43 Abſ. 2 und 37 des Feldſtrafgeſetzbuchs vom
13. Juli 1904, der Artikel 78 und 48, V, 2 der Kreis= und Pro=
vinzial
=Ordnung vom 12. Juni 1874 und des § 368 Nr. 2 des Reichs=
ſtrafgeſetzbuches
wird mit Zuſtimmung des Kreis=Ausſchuſſes und
mit Genehmigung des Großherzoglichen Miniſteriums des Innern
vom 10. Februar 1905 zu Nr. M. d. J. III. 1335 für den Kreis Darm=
ſtadt
nachſtehendes verordnet:
§ 1. Jeder Beſitzer eines Grundſtücks iſt gehalten, alljährlich
bis ſpäteſtens 15. März ſämtliche auf ſeinem Grundſtück befindliche
Bäume, Sträuche und Hecken von Raupenneſtern zu ſäubern und alle
mit Raupenneſtern behafteten Zweige und Aeſte in geeigneter Weiſe
zu entfernen und zu vernichten.
§ 2. Desgleichen iſt jeder Beſitzer eines Grundſtücks gehalten,
alljährlich bis ſpäteſtens 15. März die auf den Bäumen wachſenden,
denſelben ſchädlichen Miſteln auszuſchneiden.
§ 3. Zuwiderhandlungen gegen die in § 1 und § 2 getroffenen
Anordnungen werden auf Grund des § 368 Nr. 2 des Reichsſtraf=
geſetzbuchs
, bezw. des Artikels 37 des Feldſtrafgeſetzbuchs mit Geld=
ſtrafe
bis zu ſechzig Mark oder mit Haft bis zu vierzehn Tagen
beſtraft.
Auch wird die nötig werdende Säuberung der Bäume und Ent=
fernung
der Aeſte und Zweige, ſowie das Ausſchneiden der Miſteln
auf Koſten der Säumigen verfügt.
Darmſtadt, den 14. Februar 1905.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.

[ ][  ][ ]

Nummer 05.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

Seite 13.

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Filiale Darmstadt, Rheinstr. 33.

Mainzer Fruhjahrspferdemarkt lehe

Der Frühjahrspferdemarkt findet am
Donnerstag, den 21. März 1912
im ſtädtiſchen Viehhofe ſtatt. Marktprogramm und Prämiierungs=
plan
ſowie weitere Auskünfte ſind durch die Schlacht= und Viehhof=
Verwaltung Mainz erhältlich. Züchter und Händler, die gleichzeitig
mit Klauenvieh handeln, dürfen den Markt mit Pferden nicht beſchicken.
Mainz, im März 1912.
(Fr5728
Die ſtädtiſche Pferdemarktkommiſſion.
Berndt.

Nutzholz-Verſteigerung.

Montag, den 18. März, vormittags 10 Uhr
anfangend, werden im Schaafheimer Gemeindewald, Diſtrikt
Wachholder, verſteigert:
412 Fichten=Stämme 95,59 fm
779
=Derbſtangen 59,20
Zuſammenkunft auf der Kreisſtraße Schaafheim=Schlierbach,
am Diſtritt Wachholder.
Ferner Dienstag, 19. März, vormittags 10 Uhr
anfangend, werden im Diſtrikt Eichwaldsheeg, Thomasborn und
Langenbuche verſteigert:
5 Buchen=Stämme
3,75 fm
20 Eichen=Stämme
6,19
65 Buchen=Derbſtangen 3,48
44 Eichen=
2,96
601 Fichten=
25,81
136
Reisſtangen 1,18
6 Lärchen=Derbſtangen 2,75
105 Fichten=Stämme 20,81
4,4 rm Eichen=Nutzknüppel.
Zuſammenkunft am Zimmerplatz.
Schaafheim, am 11. März 1912.
(6027ms
Großherzogliche Bürgermeiſterei Schaafheim.
Hanck.

Hoeben gelangte zur Ausgabe:
März=Heft 1912.

der

Heſſiſchen ehronik
Monatsſchrift für Familien= und Ortsgeſchichte
in Heſſen und Heſſen=Naſſau
Begründet und herausgegeben von
Dr. Hermann Bräuning=Oktavio u. D. Dr. Wilh. Diehl
Inhalt: Dr. C. Knetſch: Ein Gang über die alten Marburger Fried=
höfe
. Mit Abbildungen. Schluß. Dr. Hermann Bräuning=Oktavio:
Wo iſt Goethes Götz von Berlichingen gedruckt? Mit einer Tafel.
Schluß. Hofrat Dr. Arthur Kleinſchmidt: Einiges aus meinen
Familiennachrichten. Karl Wehrhan: Volkskundliches über Glocken,
beſonders über Glockeninſchriften. Kleinere Mitteilungen: Grundſteine
zu einer Stammtafel der heſſiſch=thüringiſchen Familie Limpert.
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Preis: Jährlich 12 Hefte: 6 Mark, vierteljährlich 3 Hefte:
1,50 Mark, Einzelhefte gegen Voreinſendung des Betrags
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Man abonniert bei dem Verlag der Heſſiſchen Chronik
(L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei, Darmſtadt) und allen
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Unseren geehrten Geschäftsfreunden und Kundschaft zur gefl. Kenntnisnahme, dass wir unser seit 26 Jahren
bestehendes Geschäft mit heutigem Tags zach
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verlegt haben. Wir bitten, uns das seither geschenkte Vertrauen auch fernerhin entgegenzubringen, und werden wir bestrebt
sein, unsere werte Kundschaft auch weiterhin prompt, gut und billig zu bedienen.
Mit vorzüglicher Hochachtung.
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Großh. Realgymnaſtum zu Darmſtadt.
Anmeldungen für das neue Schuljahr werden Montag, den
18. März, vormittags 912 und nachmittags 35 Uhr, im
Schulgebände (Eingang Kirchſtraße 22) entgegengenommen.
Geburtsſchein, Impfſchein, Entlaſſungszeugnis der früheren
Schule ſind vorzulegen.
Die Aufnahmeprüfungen finden Montag, den 15. April,
(5830a
vormittags von 9 Uhr ab. ſtatt.
Der Unterricht beginnt Dienstag, den 16. April ds. Js.,
vormittags 9 Uhr.
Die Großherzogliche Direktion:
Münch, Geh. Schulrat.

Mitlericr und Eleongrenſhnlte zu Darmſahdt,
Anmeldungen zum Eintritt in die IX. bis I. Klaſſe werden
Montag, den 25. März, von 3 bis 5 Uhr,
in den betr. Schulgebäuden entgegengenommen.
Das letzte Schulzeugnis, der Geburts= und Impfſchein ſind
(5668fs
vorzulegen.
Großh. Direktionen der Viktoria= u. Eleonorenſchule.
Dr. Lueius.
Dr. Otto.

Darmſtädter Pädagogium
Leiter: M. Elias, Herdweg 56, Telephon 2554,
ſtaatlich konzeſſionierte Privatſchule mit den Klaſſen Sexta bis
Oberprima. Der Unterricht wird in kleinen Klaſſen erteilt, ſo daß
die Berücksichtigung der individuellen Veranlagung der
Schüler ermöglicht wird. An der Anſtalt unterrichten 14 Lehrer.
In beſonderen Kurſen erfolgt die Vorbereitung zum Ein=
jährigen
-, Primaner- und Abiturienten-Examen.
1910/12 beſtanden 15 Abiturienten, 31 Einjährige und
(B5564
viele für andere Klaſſen.

Allee Rochschule
Der nächſte Kochkurſus beginnt am 10. April.
Anmeldungen werden täglich in der Alice=Kochſchule
entgegen genommen.
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Töiſſenſchaftliches
und Haushaltungspenſionat
für In- und Ausländerinnen
Heidelbergerstrasse 43.

Gediegene, wiſſenſchaftliche Ausbildung. Franzöſin im Hauſe,
praktiſche u. Kunſthandarbeit. Kochen v. Haushaltungslehrerin. Muſik=
u
. Malunterricht. Relig. chriſtl. Erziehung. Gewiſſenh. Verpflegung,
geſellſchaftl. Ausbildung. Beſuch v. Theater, Konzerten, Vorträgen
u. Kunſtſammlungen. Garten am Hauſe. Honorar 1200 Mk. p. a.
Empfehlungen durch Eltern früh. Penſionärinnen. An dem wiſſen=
ſchaftlichen
, Handarbeits= u. Kochunterricht können auch externe
Schülerinnen teilnehmen. Proſpekte und nähere Auskunft täglich
von 1112 und 45 Uhr durch die Vorſteherin
(*5915sss
Frl. Clementine Dupré, staatl. gepr. Oberlehrerin.

Lehr-insttat von Ginru Epert
Hoffmannſtraße 8, II.
Stenographie (Gabelsb. Geſamtk.) 6 Mk.
Stenographie und Maſchinenſchreiben monatlich 12 Mk.
Maſchinenſchreiben allein monatlich 6 Mk.
Täglich Uebung für Fortgeſchrittene monatlich 4 Mk.
Sprachen und Muſik 1 Mk. aro Stunde.
(1940a

Auszeichnung u Se
Kaufm. Schnelischönschreiben Kgltaheit. Priz-
Raglse-Halern.
erteilt 19. März d. vorletzten Kurſus im kaufm. Schnell=
Schönſchreiben für Erwachſene ieden Alters. Keine
6 Vorauszahlung. Dauer des Unterrichts 1012 Stunden
1.20 Mk. Selbſtunterricht 2 Mk. (5158so
Kalligraph.
Lehrer. Wohnung: Schuchardſtraße 14, 2. Stock.
Ich beſtätige Herrn Hofer gerne, daß meine Eltern, ſowie alle,
die meine Handſchrift früher kannten, geradezu erſtaunt waren, wie
ſehr ſich dieſelbe durch einen Kurſus bei Herrn Hofer gebeſſert hat.
Darmſtadt, im Februar 1910. Herm. Dönges, cand. dipl. ing.

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zur Schonung der Nerven trotz erhöhter Leistungen in deutscher, lateinischer,
französischer, englischer und italienischer Sprache.
Das Sommersemester beginnt Dienstag, den 16. April.
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Das Vorleſungs=Verzeichnis für das Sommer=Semeſter 1912 iſt er=
ſchienen
und durch das Sekretariat, Claudiusſtraße 1, zu beziehen.
Die Vorleſungen und Uebungen beginnen am 18. April 1912.
Der Studiendirektor:
Professor Dr. Chr. Eckert.
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haltenen
Holzverſteigerungen ſind
genehmigt. Vom 25. ds. Mts. an
können die Abfuhrſcheine bei den
Hebeſtellen in Empfang genommen
werden. An dem gleichen Tage
wird die Ueberweiſung des Holzes
durch den Großherzoglichen Forſt=
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Schimpf dahier ( Forſt=
meiſterſtraße
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Darmſtadt, 15. März 1912.
Großh. Oberförſterei Beſſungen.
Heinemann. (6466

Die Epilevtiſchen Anſtalt zu
Nieder=Ramſtadt bittet wie=

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Stenographie notdürftig nach der alten Methode zu lernen,
sondern sucht sich durch Schreiben nach dem Tast-
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[ ][  ][ ]

Nummer 65.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. Marz 1912.

Seite 77

Herrenode!

In der heutigen schnell lebenden Zeit ist es vielen
Herren durch fast ununterbrochene, berufliche
Tätigkeit oft kaum noch möglich, für ihre Garde-
robe
die nötige Zeit und Sorgfalt zu verwenden.
Hier vermittelnd einzugreifen, hat sich mein
Spezialhaus mit moderner, guter Konfektion
zum Ziele gesteckt, Ich führe nicht, was man
so gewöhnlich mit Konfektion bezeichnet, sondern
nur gut verarbeitete Sachen, wie sie der heutige
hohe Stand der Technik und Intelligenz hervor-
zubringen
vermag.

Ich führe in 1OOfacher Auswahl:
1- und 2-reihig,
Herren-Anzuge, in 24 verschiedenen Grössen,
20, 24, 28, 52, 36, 40 bis 75
1- und 2-reihig,
Junglings-Anzuge, in 16 verschied. Grössen,
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Kurſe vom 15. März 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

In Proz.
Zf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,90
3½ Deutſche Reichsanl. . 90,40
81,50
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99,90
90,6)
3½. do. Conſols
81,30
3 do. do.
4 Bad, Staatsanleihe . . 99,90
93,20
do.
3½
84,00
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100, 10
93,20
do.
3½
do.
4 Hamburger Staatsanl. 99,70
4 Heſſ. Staatsanleihe 99,70
4 do. do. (unk. 1918) 100,00
89,40
do.
78,50
do.
81,40
3 Sächſiſche Rente.
4 Württemberger v. 1907 100,40
95,00
do.
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 101,40
1¾/ Griechen v. 1887 . . 55,00
3¾ Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 92,80
4 do. Goldrente . . . 97,00
4 do, einheitl. Rente 89,40
3 Portug, unif. Serie I 64,90
3 do. unif. Ser. III 68,00
10,00
3 do. Spezial
5 Rumänier v. 1903 . . 101,20
4 do. v. 1890 . . 95,00
92,60
4 do. v. 1905
4 Ruſſen p. 1880 . . . . 91,00
90,60
4 do. v. 1902 .
100,40
4½ do. v. 1905 .
77,80
3½ Schweden .
4 Serbier amort. v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903 84,00
4 Türk. unifiz. v. 1903 91,00
4 Ungar. Goldrente . . . 92,00
4 do. Staatsreute . . . 90,10

In Proz.
Zf.
5 Argentinter
.100,50
88,90
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 92,75
5 Chineſ. Staatsanleihe . 99,90
do.
4½
95,40
4½ Japaner . . . .
95,20
5 Innere Mexikaner . . . 93,90
3
do.
60,00
4 Gold=Mexikaner v. 1904 88,40
5 Gold=Mexikaner . . . .
3 Buenos Aires Provinz 72,50
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
8 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 141,00
13 Nordd. Lloyd . . . . . 104,00
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 123,40
Aktienausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 114,25
8 Baltimore und Ohio . 1035/
6 Schantungbahn . . . . 133.50
6½ Luxemb. Prince Henri 156,75
0 Leſt. Südbahn (Lomb.) 177
6 Pennſylvania R. R. . 118,50
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
3 Brauerei Werger . . 72,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . 496,50
14 Chem. Fabrik Gries=
heim
: . . . . . . 258,00
27 Farbwerke Höchſt . . 550,25
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 339,90
8 Cement Heidelberg . . 159,00
32 Cyem. Werke Albert 442,00
12½ Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 288,00
4 Lahmeyer . . . . . 127,50

Letzte
Sehen
Dwid.
7 Schuchert, Nürnberg . 155,80
12 Siemens & Halske . 235,00
12 Bergmann Electr. . . 179,25
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 178, 10
25 Gummi Peter . . . . 144,25
0 Kunſtſeide Frankfurt 134,00
80 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 462,50
12 Maſchinenf. Badenia 196,80
16 Wittener Stahlröhren 217,50
8 Steana Romana Petr. 134,00
15 Zellſtoff Waldhof . . 242,20
12½ Bad. Zucker= Wag=
häuſel
. . . . . . . 208,00
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 129,30
3 Südd. Immobilien . 71,00
Bergwerks=Aktien.
10 Aumetz=Friede . . . . 186,30
12 Bochumer Bergb. und
Gußſt. . . . . . . 224,00
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . .
181,50
10 Gelſenkirchener . . . . 197½
7 Harpener

193,80
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb . . . 250,50
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . .
. 86.00
4 Laurahütte . . . . . . 174,50
10 Kaliwerke Aſchersleben 170,00
10
Weſteregeln 195,00
5 South Weſt Africa .
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 89,00
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 95,50
4 Franz=Jofefs=Bahn . .
3 Prag=Duxer . . . . . . 76,10
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn . 94,50
3 do.
79,00
5 Oeſterr. Sudb. (Lomb.) 99,40

Men
Zf.
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.)
54,75
do.
20
77,60
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn 96,30
88,40
4 Ruſſ. Südweſt . .
4½ Moskau=Kaſan . . . 93,80
do.
4 Wladichawchas . . . . 90,50
4 Rjäſan Koslow . . . .
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 78,50
92,50
do.
2¼0 Livorneſer . . . . . 70,50
3 Salonique=Monaſtir . 65,40
84,20
4 Bagdadbahn .
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 97,00
98,50
4 Miſſouri=Paciſic.
4 Northern=Pacific
95,40
4 Southern=Pacific
5 St. Louis und San
88,40
Francisco . . .

5 Tehuantepec .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . 192,60
8½ Bergiſch=Märkiſche
. . 149,80
Bahn
9 Berlin. Handelsgeſ. . . 171½
3½ Darmſtädter Bank . 124 60
12½ Deutſche Bank . . . 262,25
6 Deutſche Vereinsbank . 124,50
5½ Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 118,50
10 Diskonto=Kommandit 183,40
8½ Dresdener Bank . . 156,40
9½ Frankf. Hypoth.=B. 212,70
6½ Mitteld. Kreditbank 121,00
7 Nationalb. für Deutſchl. 1247
5½ Pfälziſche Bank . . 130,25
6.48 Reichsbank . . . . . 138,00
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,00
7½ A. Schaaffhauſen.
Banlverein . . . . 135,00
7½ Wiener Bankverein . 138,00
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . 99,20

Zf. Pfandbriefe. InProz.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 .
. . . 90,00
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 1519, 2126 98,10
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,75
do.
3½
89,50
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 100,90
3½
do.
90,10
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
. 100,60
S. 14, 15, 17, 24/26
1823 . .
. 100,75
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6
90,10
S. 35 .
89,90
S. 911
90,00
4 Meininger Hyp.=Bank 100,00
3½
do.
89,50
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 98,70
3½ do. (unk. 1914) . . 89,20
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,4
do.
3½
90,30
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt
3½ do.
4 Frankfurt
100,20
do.
3½
96,00
4 Gießen
99,40
31
do.
4 Heidelberg
99,6)
3½ do.
89,00
4 Karlsruhe
3½ do.
90,00
4 Magdeburg.
31
do.
4 Mainz .
3½ do.
4 Mannheim
3½ do.
4 München
99,60
3½ Nauheim
90,00
4 Nürnberg
98,8)
3½ do.
90,50
4 Offenbach

Bf.
Arden
3½ Offenbach .
4 Wiesbaden .
99,70
3½ do.
89,25
4 Worms.
3½ do.
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Verzinsliche
Anlehensloſe.
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3½ Cöln=Mindner , 100 135,90
3 Holl. Komm. . fl. 100 106,50
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 136,00
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 180,50
3 Oldenburger . .
2½ Raab=Grazer fl. 150 114,75
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger .
fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 199,00
Freiburger .
Fs. 15
Mailänder
Fs. 45
do.
.Fs. 10
Meininger
ſl. 7
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 531,00
do. v. 1858fl. 100 453,00
Ungar. Staats . . fl. 100 369,80
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 169,00
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20 Franks=Stücke . . . . 16,26
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Engliſche Noten . . . . . 20,47
Franzöſiſche Noten. . . . 81,10
Holländiſche Noten. . . . 169,35
Italieniſche Noten . . . 80,65
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,65
Ruſſiſche Noten . . . . 215,75
Schweizer Noten . . . . . 80,85.
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[ ][  ][ ]

§8 6.

Samstag, 16. März.

1912.



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33)

Frölen, Frölen! Er ſchüttelte und rüttelte an Dora,
der Einbein, der alte Sandkuhl, und brachte ſie aus dem
halb bewußtloſen Zuſtande heraus auf die Beine. Ja
doch, Frölen, wie kommen Sie denn hierher? Sie wären
hier doch tot geweſen! Wie können Sie denn bei ſo nen
Wetter hier allein lang gehen! Das iſt ja ein Wetter, daß
der olle Sandkuhl ein halbes Jahr lang Dächer flicken
muß! In Boſtel flog gerade das halbe Dach von Mayers
Scheune herunter, als ich vorbeikam. Wenn nur kein
Feuer aufkommt!
Ja, wo war ſie denn? Aber ſie hatte bald ihre Ge=
danken
wieder geſammelt. Sie müſſen aufpaſſen, Sandkuhl,
wenn Bohlmann vom Bahnhof zurückkommt. Er darf nicht
durch die Allee fahren, denn das halbe Holz liegt quer über
der Allee!
Na, nu ſag ich man, das ſchöne Holz! Da ſind Sie
aberſt noch gut vonkommen, Frölen, bloß ne Schramme ins
Geſicht haben Sie. Geben Sie mir mal Ihr Taſchentuch,
das blutet ja, und wenn Ihre Schweſter Sie ſo ſieht, denn
verziehrt ſie ſich ja auf den Tod!

Er nahm ihr Taſchentuch, feuchtete es im Schnee an und
reichte es ihr. So, nu wiſchen Sie das Blut ab. Noch ein
büſchen weiter links nach dem Ohr zu. So, nu ſieht das
ſchon nicht mehr ſo ſchlimm aus! Ja, ich werd Bohlmann
abpaſſen. Das ſchöne Holz! Er wandte den Blick noch mal
dorthin und ſtand unbeweglich.
Sandkuhl, vorwärts, ich will nach Hauſe! Sie zitterte
wie Eſpenlaub.
Er antwortete nicht, und wie ſie ſich umſah und die
Augen dorthin wandte, wohin er ſpähte, ſah ſie am Ende
der Allee, wo der Weg vors Haus biegt, einen hellen
Schein über den Eichen, und über dem Schein flatterten
Rauchwolken dahin, hier und da von unten grell beleuchtet,
und dann fuhr eine ſpitze Flamme hoch über die Eichen=
kronen
hinauf.
Da brennt’s!
Es brennt in Halligboſtel, Frölen!
Ihr war es, als griffe eine eiſige Froſthand ihr ans
Herz! Lührſen allein mit der alten Tannert und der
Stine. Ein todkrankes Kind und der kranke Jochen, der
nicht gehen konnte, im Hauſe. Da, da ging die Glocke auf
dem Kirchturm in Bütfeld los, die Sturmglocke! Sie
mußten das Feuer von der Höhe hinter dem Dorfe bemerkt
haben.
Sandkuhl, Sie bleiben hier und paſſen Bohlmann ab,

wem er komnt ich wit hint eie waie aufder
Chauſſee nach Boſtel zu laufen bis zum Feldweg, der links
nach Halligboſtel hinüber bog. Es war ein Umweg, aber
es war wenigſtens ein Weg!
Da kommt ſchon ein Schlitten von Bütfeld heraufe
Frölen.
Ja, ſie hörte es auch und erkannte die Schlittenglocken,
dazu Bohlmanns Stimme, der Hüh, Hüh! gröhlte und
die Peitſche brauchte.
Dora ihm entgegen! Brennt’s bei uns?
Ja! ſchon war ſie im Schlitten neben ihm. Sand=
kuhl
, hierbleiben, wenn ſie mit der Feuerſpritze kommenf
Los, Bohlmann, was die Pferde hergeben!
Die Braunen wurden an der Allee=Einfahrt vorbei=
geriſſen
. Die Lieſe griff aus, und der Wallach machte
ſchon mehr als ſeinen gewohnten Renommiergalopp neben
her. Dora hielt den Blick unverwandt nach links. Wann
hatte wohl Lührſen das Feuer bemerkt? Nein, nein, es
konnte nicht zu ſpät geweſen ſein! Das Dach lag voll
Schnee, ſo ſchnell brennt das doch nicht. Aber ihre Angſt
war furchtbar! Jetzt lohten die Flammen hoch über den
Eichen!
Bohlmann, fahr zu, ſchneller!
Ich kann doch die Pferde nicht kaputjagen!
Sie riß ihm die Zügel und Peitſche weg, ſtellte ſ

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Nummer 65.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

Seite 19.

aufrecht in den Schlitten, lehnte ſich in die Zügel zurück
und ſchrie die Pferde an und pfiff ihnen mit der Peitſche
lang an den Hälſen herunter. Nun wußten die Braunen,
daß die Zügel in anderer Hand waren, und daß hinter
ihnen ein Menſch war, der von ihnen das Höchſte wollte,
was zwei gute hannoverſche Pferde leiſten können. Sie
verſtanden es! Hin fegten ſie, was ſie konnten! Das war
kein Spaß, kein luſtiges Durchgehen, das war Arbeit,
bitterer Ernſt und ernſter Wille hinter ihnen, der die =
gel
hielt und die Peitſche brauchte.
Frölen, die Pferde laufen weg!
Sie hörte ihn gar nicht. Wo der Weg abbog, hieß
es verhalten, und ſie fühlte, daß ſie noch Gewalt über die
Tiere hatte. Dann hinein in den ungebahnten Weg. Der
Vallach keuchte, als wolle ſeine Lunge verſagen, aber die
Lieſe lag in langen Galoppſprüngen in den Sielen ein
Sprung wie der andere. Ihr tat der Wallach leid, auf
den die Peitſche ſo oft herunterſauſte. Das Vollblut des
Vaters war in der Stute und tat ſeine Pflicht! Doras
Kopftuch hatte der Sturm genommen, ſchon oben auf der
Chauſſee, und es hoch in die Luft gewirbelt. Die Flech=
ten
hatte er ihr aus Zwang und Kunſt geriſſen und zerrte
ihr nun das lange blonde Haar wagrecht über die rechte
Schulter weg! Von Boſtel herauf kamen auch ſchon
Leute gelaufen! Noch einmal etwas verhalten, um die
Biegung links, und dann windend aufs brennende Haus
zu! Nun riß ſie die Pferde zuſammen, und heraus aus
dem Schlitten!
Die Ackerpferde ſtanden am Staket des Gemüſegar=
kens
angebunden. Gott ſei Dank, dann hatte Lührſen
früh genug den Brand bemerkt! Die Kuhſtalltür ſtand
offen. Die Tiere brüllten, und ſie ſah Lührſen in der
Tür, der den Stier herausbrachte. Das Tier war wie
wahnſinnig. Sie ſah, wie es den ſtarken Mann hin und
her ſchlenkerte und gegen den Türpfoſten rammelte, daß

es krachte. Aber der Wille eines Mannes war mehr als
die Kraft. Er zerrte den Bullen doch hinaus und hinter=
her
kamen brüllend die Kühe, eine nach der andern, und
die Stine wacker dazwiſchen. Dora und Bauern, die
herankamen, griffen zu und halfen, daß die Tiere nicht
wieder in den brennenden Stall zurückraſten.
Franz? ſchrie ſie Lührſen ins Ohr.
In der Scheune!
Und Jochen?
Auch! Sieh, da biſt du!
Der Feuerſchein flackerte über zwei bleiche Geſichter.
Sie ſahen einander in die glitzernden Augen. Dann
rannte er zurück an das Tor der großen Diele, das noch
geſchloſſen war. Eine Axt!
Er hielt ſie in den Fäuſten. Die ſchwere Axt don=
nerte
ins Tor und ſchlug es in Trümmer.
Was ſoll das? ſchrie Dora neben ihm.
Aber er ſprang durch die eingeſchlagene Tür die Lei=
ter
hinauf nach dem Hühnerſtall und warf die Tiere
hinunter.
Sie griff zu und andere auch. Es waren genug
Fäuſte zu helfen bereit. An die kleinſte Kreatur denkt
er! Das war, was ſie fühlte.
Da ging ein Schreien und Rufen los von draußen.
Heraus, Lührſen, das Dach kommt! Sie packte ihn an
und riß ihn vors Tor. Kommen Sie, Lührſen! Paſtor
Liebetrau nahm ſeine Hand und zog ihn weiter zurück,
während der Dachſtuhl krachend herunterkam.
Lührſen ſtand vor ſeinem Heim, kreuzte die Arme
über der keuchenden Bruſt und ſagte kein Wort, ſondern
biß die Zähne zuſammen und ließ die andern arbeiten
mit Spritzen, und was ſonſt ſie wollten. Es war ja doch
Unſinn bei dem Sturm! Sein Hund ſtand neben ihm und
drückte ſich leiſe winſelnd an ſeine Knie.

Da zuckte es ihm durch und durch: Mein Kind! Er
ſtürzte nach der Scheune, auf deren Dach der Schnee
ſchmolz und in Strömen Waſſers herunerleckte. Mitten
auf der Scheunandiele hing eine Stallaterne. Darunter
lagen nebeneinander ſein Kind und der Knecht, beide nur
im Hemde, ſo wie er ſie herausgetragen hatte auf ſeinen
Armen, aber gut verpackt in dicken Decken und tief im
Stroh geſchützt.
Neben Frank kniete Dora und hielt das nur leiſe wim=
merndes
Kind im Arm. Ihr langes Haar floß um ſie
wie ein lichter Mantel. Sie merkte, daß Gerdt Lührſen
neben ſie trat. Sie ſah ſeine herabhängende Hand und
konnte es nicht laſſen, ſie griff danach und fühlte den Druck
dieſer Hand wie Eiſen. Ihm lief Blut aus dem Aermel.
Was iſt? fragte ſie, indem ſie das Blut mit einem
Zipfel der Decke abwiſchte.
Nichts! Der Bulle hat mich nur gequetſcht. Was
macht der Junge?
Der lag halb bewußtlos. Lührſen trat wieder hinaus,
um nach dem Dach der Scheune zu ſehen. Der Schnee war
fort, das Dach dampfte, und der Sturm trieb Lohe und
Glut gerade auf die Scheune.
Da ſchrie er in den Lärm hinein: Bohlmann!
Ja, hier, Herr Lührſen!
Bohlmann war bei den Pferden und kümmerte ſich
um nichts ſonſt. Er hatte ſich Decken verſchafft, die Pferde
hineingewickelt und ſtand mit einem feſtgedrehten Stroh=
wiſch
in der Hand und rieb den Tieren unter den Decken
den Rücken, den Leib und die Beine. Ein alter Döskopp
war er nur, aber er wußte das Nächſte zu tun, weil er
die Tiere lieb hatte und nicht wollte, daß ſie zu ſchanden
würden. Ein Bündel Heu hatte jedes auch ſchon vor ſich
liegen. Die Lieſe fraß, aber der Wallach mochte noch
nichts. Die Flanken flogen ihm immer noch.
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Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

Nummer 65.

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Die Geſundheits= und Sterblichkeits=
verhältniſſe
im Kreiſe Darmſtadt im
Jahre 1911.

1, Die Zahl der Geſtorbenen nach dem Lebensalter.

1909
1910
1911
Es ſtarben
von einer Ein=
wohnerzahl
von 87 547151 287187 085150 686l93 000147 000
im Alter von
01 Jahren. . 217) 212 174 192 256) 244
170) 104
133)
121
115
107
96
104
1530
294) 119) 294) 132) 336) 130
3060
190) 1111 177) 105) 205) 102
6070
271) 168) 236) 152) 232). 142
über 70
1197) 740) 1110) 710 1306) 763
im Ganzen.
Die Sterblichkeits=
iffer
berechnet
ch danach auf
s Tauſend der
völkerung . . 13,3614,431 12,72 14,0 14,0 16,23

2. Die Todesfälle in den einzelnen Monaten.

1909
1910
Es ſtarben 1911
G
G
110 61 92- 63 102.
im Januar . . .
100 67 83 491. 117 54
Februar .
97. 53 100 76 130 63
März . . .
85 54 105 571 113
April
92 58 1 91 61 125 3
Mai
86. 66 100 49 1 115 83.
Juni
64 P 89 4
135 63
Juli
50 120
130 98
Auguſt
62
September . . 85. 83
95 58 88
Oktober.
86 43 88 1 531. 104 68
November
96 36 1 117 741 110 54
Dezember

3. Die durch Magen= u. Darmerkrankungen verur=
ſachten
Todesfälle in den einzelnen Monaten.

1909
1911
1910
Es ſtarben an
Magen= u. Darm=
krankheiten

2s 25
5S
im Januar . . .
Februar .
März .
5
April
Mai
Juni
21
Juli
Auguſt
43
September
15
Oktober
November .
Dezember

4. Die Todesurſachen.

1911 1910 1909
Es ſtarben
825
535
(257
an angeborn. Lebensſchwäche 1 39! 431 49 401 43 37
53 641 46 51 50 46
Altersſchwäche . . . . .
Kindbettfieber oder ande=
ren
Folgen der Geburt
akuten anſteck. Krankheiten I 36 27 30 301 85 32
u. zwar an Scharlach .
1
Maſern .
32
Diphtherie .
20 13
141 17 13
14 11
Keuchhuſten
5
Unterleibstyph.
Roſe .
Wundkrankheit.
n Lungentuberkuloſe . . . . 114 48 97 791133 75
Tuberkuloſe and. Organe 1 231 21y 31 121 27 19
6 2
Miliartuberkuloſe
9
akuten entzündlichen Er=
krank
. d. Atmungsorgane 1150 1241141 1081180 117
3 10
15
8
Influenza .
Krankheiten der Kreis=
149 91
184 71165
lauforgane . .
77 321 68 331 77 29
Gehirnſchlag .
anderen Krankheiten des
50 511 50 671 54 74
Nervenſyſtems
Magen= und Darmkrank=
heiten
. .
111102n 63 69110 104
anderen Krankheiten des
Verdauungsapparats . . 1 451 10 39 14 39 13
Blinddarmentzündung . 1 10
20
20
Krankheiten der Harn= u.
Geſchlechtsorgane .
17
37 211 42 14 49
Neubildungen, meiſt kreb=
ſiger
Natur . . . . . . . . 97 451113 541132 36
Selbſtmord . . . . . . . . 1 31 151 34 131 311 17
tötlicher Körperverletzung
3
Verunglückung oder an=
derer
gewaltſ. Einwirkung 12
18
55
anderen benannt. Krankh. 1 69
1
unbenannten Krankheiten 1 191 81 19 101 27

5. Bevölkerungszuwachs der Stadt Darmſtadt
durch Geburten.

1911 1910 1909 1908 1907
Im Jahre
wurden bei einer 87547187085 l9zooo 88o00 86500
Bevölkerung von
ebend geboren . . . . . 1694 1 1927 1966 2065 2136
mit Tod gingen ab 111971110 1306 1316 1384
es betrug demnach der
Bevölkerungszuwachs
497 817 660 749 752
durch Geburten . . .
und die Geburtsziffer
auf das Tauſend der
Bevölkerung .. . . . . 119,35 122,15 1 22,8 I 24,2 125,54

6. Ueberſicht über die im Jahre 1911 von den
behandelnden Aerzten gemeldeten Fälle von anzeige=
pflichtigen
Krankheiten.

Es wurden gemeldet
Fälle von
aus Darmſtadt . . . . . 154 198
Arheilgen . .
Braunshardt.
320
Eberſtadt . .
Erzhauſen
31
Gräfenhauſen:
Griesheim .
Malchen
Nieder=Beerbach .
Nieder=Ramſtadt.
Ober=Ramſtadt.
Pfungſtadt
Schneppenhauſen.
Traiſa . . . .
Waſchenbach. .
Weiterſtadt . . .
Wixhauſen

Während wir in den vorausgegangenen Jahren eine
ſtetig fallende Sterblichkeitsziffer hatten, iſt ſie im Berichts=
jahr
ſowohl in der Stadt Darmſtadt, als auch im Landbe=
zirk
wieder geſtiegen, was wohl hauptſächlich durch die
Steigerung der Todesfälle an Magen= und Darmkrank=
heiten
während der langen Hitzeperiode im Juli, Auguſt
und September bedingt war. Tabelle 3 gibt über dieſé
Verhältniſſe genaueſten Aufſchluß. Zu bemerken bleibt,
daß etwa 90 Proz. der Todesfälle durch Magen= u. Darm=
krankheiten
Kinder unter 1 Jahr betrafen, woraus der
Schluß gerechtfertigt erſcheint, neben zweckmäßiger Pflege
der Säuglinge und Beſchaffung einwandsfreier künſtlicher
Nahrung für die Säuglinge u. A. auch für hygieniſch gute,
in der heißen Jahreszeit gut temperierte Wohnungen be=
ſorgt
zu ſein. Daß die heiße Witterung mit an der Häu=
fung
und dem ungünſtigen Ausgang von Magen= Darm=
krankheiten
Schuld iſt, geht ebenfalls aus der Aufſtellung
aus dem Jahr 1910 hervor, wo wir einen naſſen und
kühlen Sommer hatten.
Die durch Lungentuberkuloſe bedingten Todesfälle
weiſen in der Stadt eine geringe Steigerung auf, nache
dem in den vorausgegangenen Jahren eine ſtetige Ab=
nahme
zu verzeichnen war, während die Abnahme der
Todesfälle im Landbezirk weitere Fortſchritte gemacht hat.
Auch die durch Erkrankungen des Herzens und der
Blutgefäße verurſachten Todesfälle zeigen in der Stadt
Darmſtadt während der letzten Jahre eine allmähliche
Steigerung.
Wenn die Todesfälle durch Blinddarmentzündung
im Landbezirk gegenüber denen in der Stadt ſo auffallend
gering erſcheinen, ſo mag dieſe auf den erſten Blick befrem=
dend
erſcheinende Tatſache darauf zurückzuführen ſein, daß
alle ſchweren Fälle wohl ausnahmsweiſe wegen des meiſt
notwendig werdenden operativen Eingriffs in den Kran=
kenhäuſern
der Stadt Aufnahme finden.
Der durch den Geburtenüberſchuß bedingte Bevölkee
rungszuwachs der Stadt Darmſtadt iſt im Berichtsjahr
erheblich geſunken, dementſpechend iſt auch die Geburts=
ziffer
, das iſt Anzahl der Geburten auf das Tauſend der
Bevölkerung, erheblich geringer geworden. Während die
Sterbeziffer, die in erfeulicher Weiſe in den letzten Jahren
immer mehr ſinkt, ſchließlich naturgemäß an einer unteren
Grenze ankommen muß, wo ſie nicht mehr weiter ernies
drigt werden kann, iſt der ſtetige Rückgang der Geburts=
ziffer
vom volkwirtſchaftlichen Standpunkt als eine recht
bedauerliche Erſcheinung anzuſehen. Sie wird voraus=
ſichtlich
immer noch weiter ſinken, da die Urſachen, die zu
einer künſtlichen Beſchränkung der Kinderzahl führen, an=
ſcheinend
noch ungehindert weiterwirken. Darmſtadt
ſcheint auch auf dieſem Gebiet allmählich in die Reihe der
Großſtädte einzurücken.
Die Erkrankungen an Scharlach ſind im Berichtsjahr
in der Stadt etwas zurückgegangen, während im Landbe=
zirk
nur in Erzhauſen eine ſtärkere Häufung der Erkran=
kungen
eintrat. Die Erkrankungen an Diphtherie haben in
Darmſtadt gegenüber dem Vorjahr eine geringe Mehrung
erfahren, in den Orten des Landbezirks traten ſie nur vere
einzelt auf mit Ausnahme von Eberſtadt, wo die bereits
im letzten Vierteljahr des Jahres 1910 beſtehende Epidemie
eine immer weitere Ausbreitung fand und zu 320 Erkran=
kungen
im Berichtsjahr führte, obgleich alle nur denkbaren
Maßnahmen zur Verhütung der Weiterverbreitung der
Krankheit zur Durchführung gelangten. In den letzten
Monaten iſt ein Nachlaſſen de Epidemie feſtzuſtellen.
Während in der Stadt Darmſtadt 11 Typhusfälle
feſtgeſtellt wurden, die ſich teilweiſe auswärts angeſteckt
hatten, hatten wir im Landbezirk eine ſtärkere Häufung
von Typhuserkrankungen in dem mit Zentralwaſſerver=
ſorgung
verſehenen Ober=Ramſtadt, die mit größter Wahr=
ſcheinlichkeit
darauf zurückzuführen waren, daß
in einem Milchgeſchäft Waſſer zur Spülung
und Kühlung von Milchkannen aus einem Keſſel=
brunnen
entnommen wurde, deſſen Beſchaffenheit nicht ein=
wandfrei
war. Einige Wochen nach der behördlich anges
ordneten Schließung dieſes Brunnens hörten die Erkran=
kungen
auf. Seit ½ Jahr iſt eine weitere Erkrankung nicht
mehr vorgekommen. Ein Fall von Paratyphus trat ir
Nieder=Ramſtadt auf.
Darmſtadt, 27. Februar 1912.
Großherzogliches Kreisgeſundheitsamt Darmſtadt.
J. V. Dr. Beſt.

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lichen
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und eine Sprache, die ebenſo packt, weil, ohne lapidar
zu ſein, ſie von Wucht iſt in ihrer Schlichtheit und Präg=
nanz
. Und dann die Kenntnis der Verhältniſſe Amerikas
und deren treffliche Schilderung. Die Schickſale jüdiſcher
Auswanderer ſchildert der Autor, aber ſein Werk gilt
viel mehr als das, es bildet einen Beitrag zur Kultur=
geſchichte
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Nummer 65.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912

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beigeſteuert haben, die Freunde und Bekannten des Kapitänleutnants Fiſcher,
werden hierdurch zur Feier ergebenſt eingeladen.
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Seite 24.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

Nummer 65.

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a. M.: Allerlei bunte Bilder von einem Besuch
bei den Evangelischen Spaniens und
musikalischen Darbietungen.
Der Eintritt für Mitglieder ist frei. Eintrittskarten
für Nichtmitglieder zu 30 Pfg., Familienkarteu (für 3 Personen)
zu 50 Pfg. sind abends an der Kasse zu haben.
(6423
Der Vorstand.

Mozart-Verein.
Montag, den 25. März 1912, abends 8 Uhr,
IIWinter-Konzert im Saalbau.
Mitwirkende: Fräulein Else Ziegler, Konzert-
sängerin
aus Frankfurt a. Main; Herr Alfred Stephani,
Grossh. Hofopernsänger von hier; Herr Franz Müller,
Konzertsänger von hier; die Großh. Hofkapelle.
Leitung: Herr Grossh. Kapellmeister Frdr, Rehbock.
I. Abteilung: 1. Die Allmacht
für Tenor-Solo, Männerchor und Orchester von Fr. Schubert-
Liszt. 2. Hymne an die Nacht für eine Baßstimme, mit
Orchester von S. Haussegger. 3. 2 Lieder für Alt, mit
Orchester von G. Mahler. 4. 2 Lieder für Tenor, mit
Orchester von Fr. Liszt. 5. 2 Stücke für Männerchor,
mit Orchester von C. Bleyle: a) Harfenklang mit Alt-
Solo und b) An den Mistral‟‟
(6427
II. Abteilung: Bonifacius
für Männerchor, Soli und grosses Orchester von
Hch. Zöllner.
Vereinsauskunftstelle, sowie Kartenverkauf an Nichtmit-
glieder
(reservierte Plätze für Mk. 3.) in der Hofbuch- und
Kunsthandlung von Müller & Rühle, Elisabethenstr. 5.

Vergnügungs=
und Erholungs=
Reiſen zur See
nach Portugal und
Spanien, Italien, Sizilien,
Griechenland, Aegypten,
Tuneſien, Algerien, nach
der Europäiſchen und
Aſiatiſchen Türkei, dem
Schwarzen Meere, Palä=
ſtina
und Syrien u. ſ. w.
Ceylon, Vorder= und
Hinterindien, China, Ja=
pan
, nach Auſtralien.
Weltreisen
Reiſe=Schecks
Welt=Kreditbriefe
Auskunft erteilen
Vorddeutscher
Lloyd Bremen
und ſeine Vertretungen.
In Darmstadt:
Anton Fischer,
Adler=Drogerie,
Frankfurterſtr. 12/14.
In Dieburg:
Carl Reh.
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Meidelberger
Chaussechaus strasse 89
Von Donnerstag, den 14. bis einſchl. Sonntag, den 17. März:
Grosses Malchner Bockrest
Jeden Abend humoriſtiſches Konzert
einer Abteilung der 6ler (Weber).
Eintritt frei.
(B6179)
Eintritt frei.

Neckar-
Restauration zum Münchner Kindl, strasse

Samstag, den 16. ds. Mts.,

Metzelsuppe

wozu höflichſt einladet
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Karl Hubert, Metzger und Wirt.

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und Bildwerke
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Lokal: Rathaus, Markt 8, eine Stiege hoch.
Geöffnet im Monat März: Samstags und Sonntags v. 47 Uhr,
(6318sss
Sonntags auch von 1112¼ Uhr. Eintritt frei!

Hotel,Hess‟
(881a
täglich
Conzert.
unstler

Stets freien Eintritt.
Sonntag: Anfang 4 Uhr.
2

Ludwigshöhe.
Sonntag, den 17. März, nachmittags 4 Uhr:
Militär (Streichmusik)-Konzert
Kapelle des Grossh. Hess. Art.-Regts. Nr. 61
Leitung: M. WEB ER.
U. a.: L. Cherubini, Ouvertüre Der Waſſerträger‟ D. E. F.
Auber, Ouvertüre Der Feenſee‟. Fantaſie über Motive der Boildieu=
ſchen
Oper Die weiße Dame von Berbiguin (Flöten=Solo: Herr
Müller). Joh. Strauß, Wo die Zitronen blüh’n Walzer. A.
Schreiner, Die Reiſe um die Welt in 15 Minuten, Potpourri.
Wenn der Bräutigam mit der Braut durch die Wälder zieht uſw.
Eintritt 25 Pfg.
(B6468
Die oberen Räume ſind für die Nichtkonzertbeſucher reſerviert.

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Von Samstag, d. 16., bis inkl. Dienstag, d. 19.:

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Eifersucht macht scharfsichtig und blind,
Sieht wie ein Schütz und trifft wie ein Kind.
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Ausserdem: Die russische Flotte.
Der Geizhals und die Diebe. Humor.
Der Wunsch geht in Erfüllung. Drama.
Wochen-Revne des R.-T.
Am Adriatischen Meer. Natur.

[ ][  ][ ]

Nummer 65.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

Seite 25.

See
e
Heilbewährt bei Katarrhen, Husten,
Heiserkeit, Verschleimung, Magen-
S säure Influenza u. Folgezustände.
Uberall erhältlich in Apotheken, Drogen und
Mineralwasser-Handlunnen.

Berliner Stimmungsbilder.
Von Paul Lindenberg.
Nachdruck verboten).

Immer Neues. Das Senſationsbedürfnis der Welt=
ſtadt
. Ein guter Magen. Herrn Kirſchners Rücktritts=
gedanken
. Der Bergarbeiter=Ausſtand. Nochmals der
Spieler=Prozeß. Sein Drumherum. Neue Berliner
Geſelligkeit. Der Duce und der Kommerzienrat.
Aus unſerer Künſtlerſchaft. Die Graf Harrach= Aus=
ſtellung
.
Berlins Neuigkeitsbedürfnis kam in die=
ſen
Tagen auf ſeine Rechnung. Es iſt erſtaunlich, wie groß
auch in dieſer Beziehung der Appetit der Weltſtadt iſt, was
alles und wie ſchnell ſie es verdauen kann, ſtets nach neuen
und ergiebigen Portionen verlangend. Bergarbeiter= Aus=
ſtand
die Entdeckung des Südpols durch Amundſen
Bedauern, daß der Filchnerſchen deutſchen Südpolexpedi=
tion
das eigentliche Ziel genommen wird Rücktritt des
Oberbürgermeiſters Kirſchner Erneutes Bleiben des=
ſelben
Erſatz Dr. Dernburg Vorläufige Ableugnung
ſeiner Oberbürgermeiſtergefühle Spielerprozeß Bujes=
Metternich Ein neuer Margolin=Prozeß Raubanfälle
bei Tag und bei Nacht. O, eine ganz hübſche Auswahl für
den kurzen Raum einer Woche!
Manches aus dieſem Groß=Berliner Repertoire erweckt
nur vorübergehendes Intereſſe, anderes wieder weiß länger
zu feſſeln, das hat dann ſchon einen beſonderen Einſchlag.
So ging man über die wohl gar zu voreilig in die Preſſe
gebrachten Rücktrittsgedanken unſeres bald
ſiebzigjährigen Oberbürgermeiſters ſchnell
zur Tagesordnung über, rechnet man doch ſchon ſeit ge=
raumer
Friſt mit ſeinem Abſchied und dürfte dieſen nur
im engſten Klüngel bedauern. Das ſoll keinen Tadel be=
deuten
; daß Herr Kirſchner gelegentlich nicht die nötige
Energie und das ſtarke Rückgrat gehabt, lag in ſeinem gan=
zen
geruhſamen Weſen, das ihm auch keinerlei Volkstümlich=
keit
verſchaffte. Den breiten Volksſchichten iſt ein tem=
veramentvoller
Menſch, auch wenn er mal vorbeihaut, ſtets
ſympathiſcher, als eine ſtillere Natur, die, nach Berliner
Ausdruck, nicht Jips noch Japs ſagt.
Auch um den Bergarbeiter=Ausſtand küm=
merte
man ſich hier vorläufig nicht viel. Man glaubt zu=
nächſt
nicht an ſeine längere Dauer, empfindet noch keiner=
lei
Kohlennot, zudem wärmt die liebe Frühlingsſonne
ſchon recht ſchön. Der jetzt begonnene Prozeß, in den der
Hochſtapler Margolin verwickelt iſt, lockt auch keine
Katz nach Moabit; bloß Wechſelfälſchungen und allerhand
Schiebungen, alter Plunder, nichts von Belang. Bleibt,
wenn wir von dem Tratſch abſehen, der ſich um liebevoll
behandelte Familienzerwürfniſſe in hohen und höchſten
Kreiſen dreht, der Spielerprozeß Bujes= Met=
ternich
, der nach mehrtägiger Pauſe jetzt von neuem die
Gemüter beſchäftigt. Weniger der beiden Angeklagten
wegen, als des ganzen Drumherums, das, wie oft, charak=
teriſtiſcher
und feſſelnder iſt, typiſcher für die Gegenwart
und unſere geſellſchaftlichen Verhältniſſe, als die Herren
Metternich und Bujes. Das ſind Figuren, über die man
nicht viele Worte zu verlieren braucht. Um das Gräflein
würde man ſich überhaupt nicht kümmern, wenn es nicht
der Träger eines geſchichtlich bekannten Namens und ſein
Oheim deutſcher Botſchafter wäre; ein unreifer, junger
Mann, der von früh an ſeinen Eltern ſchwere Sorgen be=
reitet
, der nichts gelernt, ernſter Arbeit gern aus dem Wege

ging, auf den Zufall ſeiner Abſtammung pochte und dies
Geburtstagsgeſchenk recht gut zu verwerten wußte, natür=
lich
auch zu einer Heirat. Und Herr Bujes ein ver=
ſchmitztergergmäniſch
=uiffcher und ſonſtiger Miſchling von
unbedeutad zem Ausſehen, ſo aus der Gegend von Jaſſy,
wo man dieſe Sorte ſchockweiſe trifft, ſprachenkundig und
verwandliſgsfähig, letzteres inbezug auf Nationalität,
Titel, Relgion, Beruf und was ſonſt dazu gehört, um jenen,
die nicht ölle werden, Sand in die Augen zu ſtreuen.
Jene, die nicht alle werden, unſere lieben Mit=
menſchen
in geſicherter Lebensſtellung, von gutem Ruf,
tüchtig in Ausübung ihrer Pflichten, auf ſich und ihren
Verkehrskreis achtend. Sie ſind es, die auch dieſem Prozeß
eine ihm ſonſt gar nicht zukommende Berückſichtigung ver=
ſchaffen
. Immer von neuem erſcheint es einem wie ein
ſeltenes Rätſel, daß dieſe Gutsbeſitzer, Offiziere, Fabrikan=
ten
, die doch nicht friſch aus dem Neſt kommen, die weite
Reiſen gemacht und Lebenserfahrung beſitzen, ſich von
einem Abenteuer à la Bujes übertölpeln kaſſen. Gewiß,
unterwegs, zumal im Ausland, ſchließt man leicht Bekannt=
ſchaft
, aber zwiſchen einem gelegentlichen Zuſammentreffen
und einer engen Anbiederung mit Sektgelagen iſt doch ein
großer Unterſchied. Ein adliges Fräulein verlobt ſich im
Handumdrehen mit jenem unanſehnlichen Rumänen, gibt
ihm auf Verlangen ihr Wort, ſich nicht über ihn zu erkun=
digen
was ſie und die Ihren doch ſofort hätte ſtutzig
machen müſſen und öffnet ihm ihren Treſor; ein Offi=
zier
lernt im Speiſewagen den gleichen fremdartigen Zeit=
genoſſen
kennen und folgt ſeiner Einladung zu einem
Schmaus im Hotelzimmer; ein anderer Offizier läßt ſich
in Paris bluffen von einem angeblichen Vetter des Her=
zogs
von Orleans und einem ein paar Orden tragenden
problematiſchen Grafen. Und all dieſe ſo ſchnell geſchloſſe=
nen
Verbrüderungen enden mit einem ausgiebigen Jeu,
bei welchem den lieben neuen Freunden die Taſchen gründ=
lich
geleert werden. Wenn die Hineingefallenen noch paſ=
ſionierte
Spieler wären, die dem Drange nach den bunten
Kartenblättchen nicht widerſtehen können, ſo würde man
ſich manches erklären, aber ſie haben ja ſämtlich ausgeſagt,
daß ſie ſich gar nichts aus dem Spiel machen und ſich nur
auf fortgeſetztes Drängen daran beteiligten.
Hier ſpielt auch wieder die leidige deutſche Vor=
liebe
für alles Ausländiſche mit. Ein gutdeut=
ſcher
Herr Müller oder Pfannſchmidt oder Lehmann, auch
wenn er viel repräſentabler ausgeſehen, als der verküm=
merte
Rumäne, hätte ſich wahrſcheinlich bei einem An=
näherungsverſuch
eine glatte Abweiſung von den erwähn=
ten
Herrſchaften zugezogen, aber Monſieur de Bujes, mit
dem roten Bändchen der Ehrenlegion im Knopfloch, ja,
Bauer, das iſt ganz was anderes! Mit dieſer deutſchen
Schwäche rechnen ja die Glücksritter aus aller Herren Län=
dern
und verrechnen ſich ſelten. Berlin iſt während der
letzten Jahrzehnte ſo gewaltig gewachſen, daß die Ein=
wohnerſchaft
, die ſich früher nach den einzelnen Ständen
abſonderte, völlig durcheinander gewirbelt wurde. Das
Nomadentum des Wohnungswechſels erſtreckt ſich auch auf
die Geſelligkeit. Einſt freute man ſich, recht viele alte Be=
kannte
zu beſitzen und ſie um ſich zu vereinen, heute iſt man
ſtolz, möglichſt viele neue Geſichter bei ſich zu ſehen und mit
Namen wie Titeln zu protzen. Groß=Berlin hat auch die
Großmannsſucht nicht erzeugt denn ſie ſteckte den Ber=
linern
ſchon von jeher in den Knochen aber erheblich ver=
ſtärkt
und hat ſie auf Kreiſe ausgedehnt, die ſich ehemals
davon fern gehalten. Der hohe Beamten= und Offizierſtand
iſt ausgeſchloſſen, weniger das Alt=Berliner Patriziertum,
das ſich lange genug gegen das Eindringen fremder Ele=
mente
gewehrt, aber ſchließlich doch nachgab und ſich den ge=
ſelligen
Neuerungen nicht verſchloß. Zu letzteren zählt ja
auch, daß man vielfach die Geſelligkeit aus dem eigenen
Heim in die prunkenden großen Hotels verlegt, dort in ab=
geſchloſſenen
Räumen ſeine Gäſte empfängt und bewirtet.
Da nimmt mans denn oft nicht ſo genau mit den Ein=
ladungen
, und mancher ſchlüpft unter, der ſonſt nicht die
häusliche Schwelle des Gaſtgebers betreten haben würde.

Bei einer derarigen feſtlichen Veraniallung hatte ein
hieſiger Kommerzienrat der, wohlhabend und durchaus von
ſolidem Weſen, ſehr viel auf einen mehrfach durchgeſiebten
Verkehrskreis hielt, einen italieniſchen Duce ken=
nen
gelernt, den er zu einem Beſuch und ſpäter zu den ſtets
vornehmen und angeregten Geſellſchaften in ſeiner Häus=
lichkeit
einlud. Der Duce deutete zwar an, daß er den
Titel eigentlich nicht führen dürfe, da er ſeinem älteren
Bruder zuſtehe, aber nach dem Tode ſeines Vaters des
Herzogs Soundſo, erbe er, neben anderem, auch einen klang=
vollen
Grafennamen. In Berlin, ſo gab der beſcheiden und
nett auftretende Italiano an, ſtudiere er Agrikulturchemie,
um ſpäter die hier gewonnenen Kenntniſſe auf den väter=
lichen
Gütern zu verwerten. Die Freundſchaft mit der
kommerzienrätlichen Familie wurde immer enger, nach
mehreren Monden hielt der Duce um die Hand der
älteſten Tochter, eines hübſchen 18jährigen Mädchens, an,
die ihm auch halb und halb zugeſagt wurde, nur wollte man
noch etwas warten, wegen der Jugend der Erwählten. Bald
danach, im vergangenen Monat, kam durch einen reinen
Zufall heraus, daß der Duce ein ſimpler Signor Bardini
und ſeines Zeichens Fechtmeiſter in einem hieſigen
italieniſchen Klub iſt. Ein Beiſpiel für viele! Und es gibt
recht viele fremde Fechtmeiſter in Berlin, die nicht bloß mit
dem Floret fechten!
Ja, das Berliner Geſellſchaftsleben iſt reich an aller=
hand
Wirrwarr, der auch an anderen Stellen zu bemerken
iſt, leider recht empfindlich in unſerer Künſtlerſchafl.
Da wechſelt’s fortwährend mit Strömungen und Gegen=
ſtrömungen
, das Cliquenweſen blüht, perſönlicher Ehrgeiz
haſcht nach Befriedigung und führt zu wunderlichen In=
triguen
wie Befehdungen. Man kann ſich heute noch nicht
einigen, ob man dem Plane einer großen deutſchen Kunſt=
ausſtellung
im kommenden Jahre in Berlin anläßlich
des Regierungsjubiläums des Kaiſers näher treten will,
und eine ähnliche Unentſchiedenheit herrſcht betreffs des
Baues eines neuen Ausſtellungspalaſtes. Sehr unerquick=
lich
ſind auch die Verhältniſſe im Landesausſtellungspark.
Der wirtſchaftliche Betrieb desſelben will und will nicht ge=
deihen
, innerhalb dreier Jahre hat die Regierung dem
Pächter nicht weniger als eine Million Mark bewilligt
wieviele tüchtige, ſtrebſame Künſtler hätte man damit för=
dern
können! und trotzdem haperts immer von neuem und
kann kein rechter Zug in die Sache kommen! Darunter leidet
aber auch erheblich die Große Berliner Kunſtausſtellung,
wie dies ſehr hübſch in einem kürzlichen Feſtblatt des Ver=
eins
Berliner Künſtler zum Ausdruck gelangte: in dem Ge=
fühl
ſeiner ganzen Würde und Hoheit ſteht ein Oberkellner
da, in der erhobenen Hand eine kleine Schale haltend, auf
der verſchüchtert Pallas Athene ſitzt, voll tiefer Ergebenheit
zu dem Gewaltigen herabblickend!
Als erfreulicher Gegenſatz zu jenen erwähnten Wirren
im Schoße unſerer Künſtlerſchaft wirkt die im Künſtler=
verein
veranſtaltete Ausſtellung einer Reihe von Werken
des Grafen Ferdinand Harrach, der kürzlich,
ſeinen achtzigſten Geburtstag gefeiert. Keine ſtürmiſche
Kunſt, kein Brauſen und Gähren, aber eine ernſte, vor=
nehme
, klare und wahre Richtung und Entwicklung von An=
fang
an, ein Selbſtgenügen der vorhandenen Kräfte, ein
ruhiges Abwägen und formvollendetes Streben in jeg=
licher
Beziehung. Jedes Bild, ob religiöſen oder kriege=
riſchen
Stoffes, ob Porträt oder Landſchaft, es zeigt uns
die gleiche Meiſterſchaft und liebevolle Vertiefung. Stets
hat man das Gefühl, daß Graf Harrach keins ſeiner Ge=
mälde
ſein Atelier verlaſſen ließ, ehe er nicht völlig damit
zufrieden. Und ehe er dieſe eigene Zufriedenheit erwarb,
mag er eine Unſumme von Fleiß und Studium aufgewen=
det
haben, was die Bilder ſelbſt kaum verraten. Neben den
glänzenden Porträts feſſeln uns beſonders die Szenen aus
dem 70er Feldzuge: Jäger vor Mont=Valérien, In den
Weinbergen von Wörth, Moltke vor Paris; ſchlicht, dabei
von außerordentlicher Stimmung, ſind die Schweizer Ge=
birgslandſchaften
, von geſchichtlichem Wert iſt Moltke auf
dem Sterbebette. Dieſe Ausſtellung hinterläßt einen un=
getrübt
reinen Genuß

Selhezt

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Seite 26.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

Nummer 65.

er

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Nummer 65.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

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Seite 30.

Darmſtädter Tagblatt, Samstaa, den 16. März 1912.

Nummer 65.

Zweite Kammer der Stände.

* 21. Sitzung.
St. Darmſtadt, 15. März.
Am Regierungstiſche: Miniſter des Innern v. Hom=
bergkzu
Vach Erz., Geheimeräte Dr. Becker, Höl=
zinger
, Dr. Kratz.
Präſident Köhler eröffnet die Sitzung um 9 Uhr
15 Min. Das Haus ſetzt die Beratung des Haupt=
voranſchlags
fort und zwar zunächſt über das
geſtern zurückgeſtellte Kapitel 67:
Reichsverſicherung.
Es gehört hierzu ein Antrag der Abgg. Fenchel,
Leun und Genoſſen: Ermittelungen darüber anzuſtellen,
ob es ſich nicht empfiehlt, in jeder Provinz ein Oberver=
ſicherungsamt
zu errichten.
Miniſterialrat Hölzinger beſpricht die Organi=
ſation
der Reichsverſicherungsämter. Seine Ausführun=
gen
bleiben auf der Tribüne faſt gänzlich unverſtändlich.
Er verbreitet ſich eingehender über die Landkrankenkaſſen.
Dieſe können durch geſetzliche Beſtimmungen ganz oder
für einzelne Landesteile aufgehoben werden. Die Leiſt=
ungen
der Krankenkaſſen ſind nach dem neuen Geſetz unter
ſich nicht weſentlich verſchieden. Die Regierung wird
von einem geſetzlichen Ausſchluß der Landkrankenkaſſen
abſehen, da dieſes für unſere Verhältniſſe nicht angängig
iſt. Auf die Anfrage des Abg. Raab wegen der zukünf=
tigen
Zulaſſung von Hilfskaſſen teilt Redner mit, daß
von den im Großherzogtum Heſſen beſtehenden Hilfs=
kaſſen
67 gänzlich in Wegfall kommen müſſen; 6 ſind
unbedingt zuzulaſſen und für 39 käme eine fakultative Zu=
laſſung
in Frage. Mit Ausnahme von beſonderen Fäl=
len
würde die Regierung keine Hilfskaſſen mehr zulaſſen,
wenn ſie nicht mindeſtens 1000 Mitglieder haben. Er=
wünſcht
ſei, daß auch dieſe Hilfskaſſen nicht mehr beſtehen
bleiben und daß weitere Hilfskaſſen nicht mehr zugelaſſen
werden. Auf die Entſchließungen der Landesverſicher=
ungsämter
habe die Regierung keinerlei Einfluß, da dieſe
vollſtändig ſouverän als Selbſtverwaltung iſt. Die Re=
gierung
kann daher im Sinne des Wunſches des Abg.
Raab betr. die Heilverfahren für Tabak= und Stein=
hauereiarbeiter
nicht tätig ſein. Uebrigens liege die Maß=

nahme, daß geheilte Arbeiter dieſer Berufe ihren Beruf
aufgeben müßten, die an ſich wohl hart erſcheine, doch
wieder im Intereſſe der Allgemeinheit der Verſicherten.
Abg. Hauck rügt das ſehr umſtändliche Beſcheinig=
ungsverfahren
für Rentenempfänger. Die Bürgermeiſte=
reien
der Landorte ſeien mit Geſchäften der ſozialen Ge=
ſetzgebung
überhäuft. Vor allem wendet ſich Redner da=
gegen
, daß die Bürgermeiſter die Unterſchriften der
Alters= und Invalidenrentenempfänger beſcheinigen müſ=
ſen
. In Fällen ſchwerer Erkrankungen der Rentenemp=
fänger
führe das zu ſchweren Unzuträglichkeiten. Mehr=
fach
können die Beſcheinigungen gar nicht zuverläſſig ge=
geben
werden.
Miniſterialrat Hölzinger: Die Beſchwerde des
Vorredners beruht im weſentlichen darauf, daß die
Land= und Forſtwirtſchaftliche Berufsgenoſſenſchaft ein
Verfahren eingeführt hat, das den geſetzlichen Beſtim=
mungen
nicht entſpricht. Nach dieſen genüge die Beſchei=
nigung
der Unterſchrift durch irgend eine zur Führung
eines Dienſtſiegels befugte Perſon.
Abg. Raab iſt mit der Regierungsantwort nicht
zufrieden. Man vermißt vor allem eine beſtimmte Ant=
wort
über das Schickſal der Landkrankenkaſſen. Daß
eine Anzahl kleiner Kaſſen verſchwinde, ſei eigentlich
nicht zu beklagen. Das Aufheben anderer würde aber
ſchwere Härten im Gefolge haben. Auch bezüglich des
Heilverfahrens für Tabak= und Steinhauerarbeiter könne
er die Anſicht des Regierungsvertreters nicht teilen. Zum
mindeſten müßte man nicht ſchematiſch verfahren, ſon=
dern
jeden Einzelfall beſonders prüfen. Wenn die Re=
gierung
auch keinen direkten Einfluß habe auf die Lan=
desverſicherungsanſtalt
, ſo könne ſie doch darauf hin=
wirken
, daß Härten möglichſt vermieden werden.
Miniſterialrat Hölzinger ſtellt einiges in den
Ausführungen des Vorredners richtig und zerſtreut be=
ſonders
deſſen Bedenken, daß Arbeitgeber und =nehmer
keinen Einfluß auf die Leiſtungen der Kaſſen haben wür=
den
. Darauf ſchließt die Debatte.
Der Ausſchuß beantragt: 1. Bewilligung
der vorgeſehenen Einnahme mit 38 200 Mark; 2. Bewil=
ligung
der unter Titel 1 der Ausgabe für perſönliche
Ausgaben angeforderten Summe von 56048 Mark mit
der Maßgabe, daß das dritte Mitglied des Oberverſiche=

rungsamtes unter Titel 1 Ziffer I3 nur proviſoriſch mit
der=Vergütung für eine Hilfskraft zu genehmigen iſt, daß
ferner die Ziffer 14 (1 Sekretär, zugleich Bureauvorſteher,
Höchſtgehalt 4600 Mark) geſtrichen wird und dafür unter
Ziffer 7 ſtatt 14000 15 900 Mark eingeſtellt werden, daß
zu Nr. 5 (Sekretäre) folgende Anmerkung eingefügt wird:
Die Regierung wird ermächtigt, einem der von den
Schiedsgerichten übernommenen Sekretäre für ſeine Per=
ſon
einen höheren Gehalt zu gewähren, ſoweit dieſem
Beamten in ſeiner jetzigen Dienſtſtelle ein höheres Gehalt
zugeſichert iſt und daß ſich die oben genannte Schluß=
ſumme
um die Differenz der Anfangsgehalte und der
Wohnungsgeldzuſchüſſe für die beiden in Betracht kom=
menden
Beamten ermäßigt. Hiernach beträgt die Aus=
gabeſumme
für perſönliche Ausgaben 56048 Mark weni=
ger
2448 Mk. gleich 53 600 Mk.; 3. Bewilligung der ſach=
lichen
Ausgaben mit 39900 Mark und der Koſten der
Verſicherungsämter mit 2000 Mark; 4. die in der Anmerk=
ung
am Schluſſe dieſes Kapitels verlangte Ermächtigung
für den Fall, daß das Oberverſicherungsamt erſt nach
dem 1. April 1912 ins Leben treten wird, zu genehmigen.
5. den Antrag der Abgg. Fenchel, Leun und Genoſſen für
erledigt zu erklären.
Der Ausſchußantrag wird angenommen.
Die Vorſtellung des Vereins mittlerer
Juſtizbeamten, die Beſetzung der mittleren Be=
amtenſtellen
bei den Landesverſicherungsbehörden betref=
fend
, wird für erledigt erklärt.
Die Artikel 7074 werden ohne Debatte nach den
Ausſchußanträgen angenommen.
Artikel 75: Förderung einzelner Zweige der Land=
wirtſchaft
, wird zurückgeſtellt.
Zu Artikel 75a: Landwirtſchaftskammer,
verbreitet ſich Abg. Korell=Königſtädten des längeren
über ſeinen Antrag, die Verſuche mit der Veredelung reb=
lausimmuner
Amerikaner=Reben auszudehnen. Er zieht
dieſen Antrag aber bis nach der Budgeterledigung zurück.
Abg. Dr. Weber beſpricht die vom Abg. Urſtadt
angeregte Aufteilung größerer Güter und ſtellt nament=
lich
deſſen Ausführungen bezüglich der Gemeinde Lind=
heim
in verſchiedenen Punkten richtig. Muſterhaft bewirt=
ſchaftete
große Güter ſeien ſtets von gutem vorbild=
lichen
Einfluß auf die ganze Gegend. Der Abg. Urſtadt

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Nummer 65.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

Seite 31.

habe den Fehter genach,nuicht beide Tele zu hören, ehe
er ſeine Anſtände hier vorbrachte. Abg. Finger wen=
det
ſich gegen den Abg. Korell bezüglich der Amerikaner=
Reben.
Miniſterialrat Hölzinger erklärt zur Abkürzung
der Debatte, daß ſchon jetzt in den verſchiedenſten Ge=
markungen
Verſuche mit den Amerikaner=Reben gemacht
werden und daß dieſe auch fortgeſetzt werden. Der An=
trag
Korell bedeute alſo gar nichts Neues Man werde
ſich ja eingehender über die Sache unterhalten, wenn der
Antrag zur Beſprechung ſteht. Nach weiteren Ausführ=
ungen
der Abgg. Beſt und Wolf hierzu vertritt Abg.
Urſtadt nochmals ſeinen Standpunkt zur Angelegen=
heit
Lindheim. Sein Material ſei durchaus einwandfrei.
Er habe die Standesherrſchaft gar nicht angegriſſen.
Seine Ausführungen galten den Intereſſen der Klein=
bauern
. Abg. Bähr ſpricht ſich im Sinne der Aus=
führungen
des Abg. Dr. Weber aus. Zu den Amerika=
ner
=Reben ſprechen noch die Abgg. Molthan. Korell=
Königſtädten, Miniſterialrat H5lzinger, Bähr und
Adelung.
Der Ausſchußantrag, 144190 Mark in Ausgabe zu
bewilligen, wird dann angenommen.
Kapitel 76: Bergbau, wird genehmigt.
Zu Kapitel 77: Kunſtſtraßenweſen, wünſcht
Abg. Wiegand über die Stellung der Kreisbauinſpek=
toren
bei der künftigen Vereinfachung etwas zu erfahren.
Er bittet weiter um Ausbau der Kreisſtraße Heppen=
heim
-Mörlenbach, die eine wichtige Verbindung Hep=
penheims
mit dem mittleren Odenwald bedeute.
Miniſter des Innern v. Hombergk zu Vach
teilt mit, daß die in Ausſicht ſtehende Denkſchrift über die
Neuorganiſation des Straßenbauweſens auch Näheres
über die Reform der Kreisbauinſpektionen enthalte und
der Vereinfachungskommiſſion vorgelegt werde. Der
Wunſch des Abg. Wiegand bezüglich des Ausbaues der
Straße nach Juhöker müßte zunächſt bei dem Kreis als
der zuſtändigen Inſtanz, geltend gemacht werden. Doch
müſſe er ſchon jetzt bekennen, daß ein Zuſchuß erſt be=
willigt
werden könne, wenn das Projekt fertiggeſtellt ſei.
Abg. Dorſch führt Klage über die ſchlechten Zu=
ſtände
der Straßen in der Wetterau. Abg. Lutz ver=
breitet
ſich ausführlich über das ganze Kunſtſtraßenweſen,
das er für zu teuer für die Gemeinden halte. Es wäre
beſſer geweſen, die Straßen in eigener Verwaltung zu
belaſſen. Die Straßenaufſicht ſolle mehr von praktiſchen
Leuten geübt werden. An den Aufſichtskoſten könne ge=
ſpart
werden. Ueberhaupt ſollte das ganze Straßenbau=
weſen
vereinſacht werden. Die Straßenwärter follen
mehr Arbeit erhalten, aber auch beſſer bezahlt werden.
Redner macht noch eine Reihe weiterer Reformvorſchläge.
Abg. v. Helmolt beſpricht den Zuſtand der Straßen
im Kreiſe Friedberg. Abg Grünewald beſtätigt
den ſchlechten Zuſtand der Straßen in Oberheſſen im
Gegenſatz zu den angrenzenden anderen Staaten. Man
ſollte mehr Kleinpflaſterſtraßen bauen, die auf die
Dauer billiger und beſſer ſind Abg. Breidenbach
tritt für Chauſſierung von Feldwegen ein. Abg.
Joutz bleibt auf der Tribüne unverſtanden. Nach
weiteren Ausführungen der Abgg. Dorſch, v. Hel=
molt
, Wolf=Stadecken weiſt!
Miniſterialrat Dr. Kratz darauf hin, daß die vom
Abg. Dorſch vorgebrachten Anſtände vor den Kreisaus=
ſchuß
gehören. Daß von einzelnen Rednern die Vor=
züglichkeit
des Kleinpflaſters anerkannt würde, begrüße
die Regierung und wünſche, daß dieſe Erkenntnis immer
mehr dazlt führen werde, größere Straßenzüge in Klein=
pflaſter
herzuſtellen. Der Abg. Lutz ſcheine doch die Be=
deutung
der Kunſtſtraßen zu gering einzuſchätzen. Man
müſſe doch unbedingt darauf bedacht ſein, daß die Stra=
ßen
Heſſens mindeſtens ebenſo gut ſind wie die der an=
arenzenden
Staaten. Dazu ſei eine Beaufſichtigung durch
ſachverſtändige Beamte notwendig. Die Tätigkeit der
Straßenmeiſter ſei eine ſehr umfangreiche geworden. Was
die Straßenwärter betrifft, ſo ſeien hier die Kreisämter
und ausſchüſſe zuſtändig. Wo eine genügende Auficht
vorhanden iſt, haben die Straßenwärter wohl kaum zu
wenig Arbeit. Die Zuſammenſchließung mehrerer Kreife
zur Beſtellung eines Kreisſtraßenmeiſters ſei nicht an=
gängig
. Redner verbreitet ſich dann eingehend über
Organiſations= und Anſtellungsfragen.
Abg. Korell=Königſtädten tritt für den Bau der
Straße Flonheim-Eckelsheim ein. Nach weiteren
Ausführungen der Abag. Senßfelder, Lang, Kre=
del
ſchließt die Debatte.
Die Zweite Kammer hatte im Hauptvoranſchlag für
1910 und 1911 ſchon im Zuſammenhange mit der Frags
der Neuorganiſation der Baubehörden und des ganzen
Bauweſens die unter dieſem Titel vorgeſehene Summe
jedesmal mit der Maßgabe bewilligt, daß acht Stellen
der Kreisbauinſpektoren auf den Inhaber geſetzt werden.
Da bis jetzt eine Aenderung in dieſen Verhältniſſen nicht
eingetreten iſt, beantragt der Ausſchuß, auch
für das Etatsjahr 1912 den hier angeforderten Betrag
von 122340 Mark mit der Maßgabe zu bewilligen, daß
acht Stellen auf den Inhaber geſetzt werden.
Zu Titel 2: Straßenunterhaltung, bean=
tragt
der Ausſchuß, die angeforderten 1000 000 Mk.
in Ausgabe zu bewilligen.
Zu Titel 3:. Neubauten und ſolchen gleich
zu achtenden Umbauten wird auf die Bemerkung
und Erläuterung zu Kapitel 134 verwieſen Der Aus=

ſerente ertentr ier ere
gabe zu bewilligen.
Zu Titel 4: Straßenbauten in unbemit=
telten
Landesteilen werden mit Rückſicht auf
den langſamen Fortſchritt der Neubauten nur 15000 Mk.,
das heißt 10 000 Mk. weniger als im Jahre 1911 gefor=
dert
. Es wurde von einem Mitglied des Ausſchuſſes die
Regierung erſucht, dahin wirken zu wollen, ſoweit ihr
dieſes im Rahmen der Verwaltungsgeſetze möglich ſei.
daß keine allzu große Verſchleppung der jetzt noch not=
wendig
zu erbauenden Straßen in den beiden hier in Be=
tracht
kommenden Kreiſen Erbach und Heppenheim ein=
trete
. Es handele ſich hier um die ärmſten Siedelungen
des Odenwaldes, für welche eine gute Straßenverbind=
ung
die erſte Vorausſetzung für einen erfolgreichen Kampf
um ihre ſchwierige Eriſtenz iſt. Die Regierung erklärte
ſich mit der Tendenz dieſer Ausführungen volſtändig
einverſtanden und verſprach, im Sinne derſelben ihren
Einfluß geltend zu machen. Der Ausſchuß bean=
tragt
Bewilligung von 19 240 Mark.
Sämtliche Titel werden angenommen.
Ohne Debatte werden im Sinne der Ausſchußanträge
erledigt die Kapitel bis 82. (Kapitel 81: Gewerbe=
aufſicht
, wird zurückgeſtellt.)
Zu Kapitel 83:
E ich weſen,
beantragt der Ausſchuß: 1. Bewilligung von 219850 Mk.
in Einnahme. 2. Bewilligung der perſönlichen Ausgaben
mit 59 486 Mark unter Gewährung der Mehranforderung
von 600 Mark für den techniſchen Reviſor als eine nicht
penſionsfähige Zulage für den gegenwärtigen Stellen=
inhaber
, und abzüglich des Mehrbetrages für einen Re=
viſor
an Stelle eines weiteren Bureaugehilfen (1100 Mk.)
und des Wohnungsgeldzuſchuſſes für beide Beamte (48
und 320 Mark); ferner abzüglich 600 Mark Vergütung für
zwei Obereichmeiſter unter Titel 1 Nr. 8. Die Summe
der perſönlichen Ausgaben beträgt 59486 Mark weniger
2068 Mark gleich 57 418 Mark. 3. Bewilligung der fort=
dauernden
ſachlichen Ausgaben mit 42 260 Mark und der
einmaligen mit 6000 Mark.
Abg. Stöpler vertritt hierzu (meiſt unverſtändlich)
einen Antrag des Abg. Beſt, die in dieſem Kapitel erzielte
Erſparnis zunächſt einem Reſervefonds zuzuführen, der
aber nach Ausführungen des Miniſteriglrats Hölzin=
ger
abgelehnt wird. Der Ausſchußantrag wird an=
genommen
.
Debattelos erledigt werden die Kapitel bis 87. Da=
mit
iſt das Miniſterium des Innern bis
auf die zurückgeſtellten Titel erledigt.
Es folgt die IX. Hauptabteilung:
Miniſterium der Juſtiz.
Am Regierungstiſche nehmen Platz: Geheimerat Dr.
Beſt. Geheimerat Miniſterialrat Lorbacher.
Zur Generaldebatte ſpricht zuerſt Abg. Dr. Zuck=
meyer
. Er tritt für Beſſerſtellung der Richter in ihren
Bezügen ein. Die Richtergehälter ſeien ſo klein, daß es
vielen unmöglich iſt, einen eigenen Hausſtand zu gründen
und daß ſich ſchließlich nur noch vermögende Herren dem
Richterſtand zuwenden können. In anderen Ländern
gebe man den Richtern, um ihre Unabhängigkeit und
Anbeſtechlichkeit zu wahren, außerordentlich hoße Dola=
tionen
. Bei uns iſt das ja Gott ſei Dank in dem Maße
nicht nötig, denn unſeren Richtern ſei die Unbeſtechlich=
keit
in Fleiſch und Blut übergegangen. Aber man ſollte
ihnen doch wenigſtens ſo viel geben, daß ſie ihr Aus=
kommen
haben und ſich ihre Unabhängigkeit wahren
können. Auch die Gerichtsſchreiber, Aktuaritätsaſſiſtenten
müßten beſſer geſtellt werden. Noch ſchlechter wie dieſen
gehe es den Gerichtsſchreibergehilfen, die ein Höchſtge=
halt
von 1900 Mark haben und, wenn ſie es endlich zum
Aktuaritätsaſſiſtenten gebracht haben, mit 1800 Mark, alſo
mit 100 Mark weniger, anfangen müſſen. Es ſei ein Feh=
ler
geweſen, die Beſoldungsordnung nicht mit dem Bud=
get
zuſammen vorzulegen. Hätte man das getan, dann
hätte man auch gleich bezüglich der Mittel dafür Be=
ſchlüſſe
faſſen können. Eine prozentuale Gehaltserhöh=
ung
, von der in den Zeitungen die Rede war, halte
Redner für falſch. Leider habe die Regierung über ihre
Abſichten zur Beſoldungsordnung die Kammer bisher im
Dunkeln gelaſſen. Die Vereinfachungskommiſſion könne
aus der Juſtiz mit Beamtenerſparungen nichts heraus=
holen
. Denn dieſe leide ſchon längſt unter einem Mangel
an Beamten. Er beſpricht dann, wie ſchon im Vorjahre,
die Staatsexamina und vertritt wiederholt den Stand=
punkt
, daß die Examensnote nicht maßgebend ſein kann
für die perſönliche Tüchtigkeit des einzelnen. Die Exa=
mensnote
entſtehe durch eine Summe von Zufälligkeiten.
Es ſei eine unbeſtreitbare Tatſache daß es Theoretiker
gebe, die das ganze Bürgerliche Geſetzbuch auswendig
kennen und in der Praxis doch völlig verſagen. Jeden=
falls
ſollte man Kandidaten mit ſchlechter Note Gelegen=
heit
geben, ſie zu verbeſſern. Man ſollte ſie an irgend
einem großen Landgericht verwenden und dann nach
ihrer praktiſchen Tätigkeit beurteilen. Vielleicht könne
man etwas aus der Juſtiz herausholen, wenn man die
Erteilung des Armenrechts etwas einſchränke. Dieſes
Zeugnis ſollte unter allen Umſtänden nur dann erteilt
werden, wenn wirklich der Betreffende nicht in der Lage
iſt, die Koſten zu bezahlen. Hier ſollte man ſtrengſtens
prüſen. Auch geſetzgeberiſch könne hier etwas geſchehen.
Allerdings kann die heſſiſche Regierung hier nur Anreg=

ungen geben. Fäle, wie die des Graſen Erbach, Grafen
Merenberg uſw. dürften ſich nicht ereignen. Bei der Feſt=
ſtellung
des Streitgegenſtandes ſollte der Richter auch das
fiskaliſche Intereſſe mehr im Auge haben. Die Gerichts=
koſten
müßten ſchneller eingezogen werden. Die Be=
weisgebühr
müßte je nach der Inanſpruchnahme des Ge=
richts
bemeſſen werden. Die Anwaltsgebührenordnung
bedürfe der Regelung. Auch für die Anwälte ſei die
Lebenshaltung geſtiegen, die Gebühren aber ſeit 1879
nicht. In Heſſen haben über 50 Prozent der Anwälte nur
ein Einkommen von 2500 Mark. Dabei werde die Kon=
kurrenz
immer größer, da die Zahl der Anwälte ja un=
beſchränkt
iſt. Mit der Zahl wachſe aber nicht die Qua=
lität
. Man müßte wieder zur Beſchränkung der Zahl
der Anwälte kommen. Auch in dieſer Beziehung ſollte
die Regierung im Bundesrat tätig zu ſein verſuchen.
Allerdings müßte dabei die Freiheit des Standes ge=
währleiſtet
werden. Redner beſpricht dann die Aender=
ungen
der Strafgeſetzgebung und fordert Zulaſſung der
Geldſtrafe bei geringfügigem Diebſtahl, geringere Beſtraf=
ung
des Mundraubes, Milderung des Rückfallsparagra=
phen
, Einführung der Berufung in Strafſachen vor der
Strafkammer. Was den Zivilprozeß angeht, ſo müßte
Redner alles, was er im Vorjahr geſagt habe, wieder=
holen
. Bezüglich der Reviſion bewege ſich unſere Reichs=
geſetzgebung
auf einem falſchen Weg. Geſetzesverletzungen
müßten in jedem Falle zur Reviſion führen können, nicht
nur, wo es ſich um hohe Objekte handelt. Gegen faule
Schuldner biete das Reichsgericht unzureichende Hand=
haben
. Schließlich tritt Redner für ein beſſeres kollegia=
les
Zuſammenarbeiten zwiſchen Richter und Anwalt
ein.
Im Hauſe ſind noch acht Rechtsanwälte und fünf an=
dere
Abgeordnete anweſend.
Geheimerat Dr. Beſt dankt dem Vorredner für das,
was er bezüglich der Richtergehälter und Aſſeſſorenan=
ſtellungen
geſagt. Es treffe das zu. An der ſpäten An=
ſtellung
der Aſſeſſoren ſei der allzu große Zudrang ſchuld.
Es erfolgen jährlich im Durchſchnitt zirka acht Anſtellun=
gen
, das ſei an ſich nicht wenig. Die Befoldungsvorlage,
die den Richtern uſw. gerecht werden ſoll, werde auch
Beſſerſtellung der Gerichtsſchreiber und Aktuariatsaſſi=
ſtenten
nach Möglichkeit zu erreichen ſuchen. Alle Wünſche
in dieſer Beziehung ſind aber unmöglich zu erfüllen.
Man könne nicht mit einem Male 198 neue Aktuarſtellen
ſchaffen. Die Gründe für die ablehnende Haltung in
dieſer Beziehung ſind ſchon mehrfach in den Druckſachen
niedergelegt. Die Funktionen der Gerichtsſchreiber ſeien
unter ſich ſehr verſchieden. Es ſei auch notwendig, im
Intereſſe der Disziplin, daß eine Stellung da iſt, der die
minder verantwortlichen Beamten unterſtehen. Wenn
man alle Aſſiſtenten zu Gerichtsſchreibern machen würde,
müßte man wieder die Gerichtsſchreiber avancieren laſ=
ſen
uſw. In anderen Bundesſtaaten ſeien allerdings die
Bezüge höher, aber auch die der oberen juriſtiſchen Be=
amten
. Die Frage der Schreibgehilfen beſchäftigt das
Haus ſeit Jahren. Stets habe man Verminderung der
Schreibkoſten verlangt. Der Herr Staatsminiſter habe
ſich kürzlich ja darüber ſchon geäußert. Die Regierung
habe geglaubt, mit ihren Maßnahmen auf dieſem Ge=
biete
den ungeteilten Beifall des Hauſes zu finden, da
ſie ja doch nur den dringenden Wünſchen des Hauſes
entſprochen hatte Es war aber nicht der Fall vielmehr
habe nach den Worten des Abg. Molthan ein Wettrennen
von Anträgen eingeſetzt. Zu der Frage des Examens
habe Redner den Standpunkt der Regierung ſchon im
Vorjahre ausführlich erörtert. Tatſächlich würde kein
Gedächtnisſtoff geprüſt, ſondern vorzugsweiſe in ſchwie=
rigen
praktiſchen Fragen. Es würde auch nicht jeder
vom Staatsexamen ausgeſchloſſen, der im Gedächtnis=
ſtoff
eine ſchlechte Note erhält. Ein Mann, der wenig
weiß, dieſes Wenige aber richtig anzuwenden weiß, ſei=
der
Regierung viel lieber als einer, der viel Theorie
kennt, aber praktiſch unfähig iſt. Wer allerdings durch=
aus
unfähig ſich erweiſe, dem ſage man ſchließlich im
eigenen Intereſſe, daß er auf Verwendung im Staats=
dienſt
nicht zu rechnen hat.
Abg. Boxheimer ſtimmt dem Vorredner darin
zu. daß inbezug auf Stellenverminderung wenig Erſpar=
niſſe
erzielt werden könnten. Wohl aber könne noch in
der Juſtiz geſpart werden durch Vereinfachung der Ge=
ſchäfte
bei den Gerichten. Es ſollten mehr akädemiſche
Beamter durch Subalternbeamte erſetzt werden. Auch
bei der Stempelrückvergütung und im Diätenweſen
könnte durch Vereinfachung geſpart werden. Ferner
durch Vereinfachung der Schreibarbeit, von der die Rich=
ter
entlaſtet werden ſollten. Das neue Grundbuchweſen
mache ebenfalls zu viel Schreibarbeit und ſei dringend
reformbedürftig. Auf dem Gebiete des Standesamts=
weſens
möchte Redner eine Aenderung dahin vorſchla=
gen
, daß der Richter von der Reviſion der Standesamts=
regiſter
befreit werde Die Stenographie ſollte mehr ein=
geführt
werden als bisher, beſonders bei Vernehmungen.
Redner fordert die Einſtellung einer Summe in den)
Etat für die Fortbildung der Richter, wie dies auch in
anderen Staaten geſchehe. Der § 7 der Beſoldungs=
ordnung
biete der Regierung Gelegenheit hierzu. Be=
dauerlich
ſei, daß ſo viel Juriſten, und gerade meiſtens
die beſten, aus Heſſen weggehen. Den Aſſeſſoren ſollte
man das Wohnungsgeld nicht verſagen.
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3 65.

Samstag, 16. März.

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Seite 34.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

Nummer 65.

Briehinkels Sunndags=Noochmitdags=
Bedrachtunge.

Nu weer aach for dießjohr de Winter vabei,
Gottvadullich, er war Eich net ohne,
Doch hoffentlich ſeid Ihr noch all im Blei,
Un dhat Eich e biſſelche ſchone.
Schun klebbert der Friehling ganz zaghaft an’s Dhor,
Drum loßt’s Eich, Ihr Leitcher, nor ſage:
Die Zeit is gefehrlich ſtobbt Watt Eich in’s Ohr
Un ſtellt bis in’s Halsgnick de Krage.
Un zwerwelt mitunner noch munter jetzt
Der Nordwind, die ooſig Kanallje,
So hott doch ſchon mancher ſein Ulſchter vaſetzt
Un geht ganz vagniegt in de Tallje.
Die Säſſong liggt im Sterwe, ſchun kann mer’s ſpiern,
Die Kunnzertſääl dhun langſam ſich ſchließe,
In de Alag gehn Awends die Päärcher ſchbaziern,
Um die Friehlingsluft zu genieße.
Es wehe aach lindere Liftcher bereits
Um die Nas uns es werd aam faſt iwwel,
Un geht mer mol mitdags uff’s Helle Kreiz
Dann hott voller Matſch mer die Stiwwel.
Am Himmel geht langſam die Kleesbrieh eweg,
Er zeigt ſchun e bleilicher Färbche
Un es bliehe die Veilcher am Faickſe Eck
In de Blumedußnelda ihrm Körbche.
Die Buwe die dobbſche jetzt voll Bläßier
Un dhun mit em Flitzboge ſchieße;
Die Menner die dhun jetzt mit Friehlingsbier
Sich manchmol des Näsche begieße:
Die Mädcher die zeige en heitere Sinn,
Die dhun ſich uff Oſtern valowe;
Un die Weiwer beſtelle die Neehderin
Vun wege der Friehjohrsgaddrowe.
Aach ennern die Menſche jetzt meiſt ihr Nadurn,
Un dhat ſich bloß ebbes vaſtobbe,
So mache ſe Bad= un Maſſagekurn
Un drinke Haarlemer Drobbe‟
En Daal dhut uff’s ungriſche Waſſer nor ſchwörn,
En Daal ißt nor Därrobſt und Feige;
Noch annern verhuzzelte Heidelbeern,
Die Abſicht is immer die gleiche.
Der aa hott en Schnubbe ganz ferchterlich,
Der anner lutſcht Emſer Paſtille‟
Der aa ſucht mit Pain=Expeller ſich
Die Schmerze im Rickkreiz zu ſtille. . . . . . .
Korzum, es werd Friehling jetzt allerwärts,
Ich peif drum uff all Eiern Bettel,
Es freid ſich uff Lenz un uff Liewe mei Herz
Un uff die kinftige Steierzettel.
Ja ſehe Se, ich bin halt e Gemietsmenſch, ich frei mich
uff deß, deß wo mich aus em Haische bringe kann, un nemm
domit dem ganze Aerjer die Gall. Dann daß in dere Be=
ziehung
widder ausgiewig an uns gedenkt werd, deß is

emol bombeſſcher. Ufſ die Gehaltsuffbeſſerung werrn mer
wohl net ſo lang zu worte brauche, wie die Herrn klaane
un große Beamte uff ihr. Awer: alles was recht is, haaßt
Gottlieb, die krieje ihr Uffbeſſerung aach noch, wann aach
net gleich heit, odder ſpäteſtens morje, odder höchſtens in eme
halwe Johr, odder iwwerhaubt net ,awwer ſie krieje ſe!
Un deßhalb ſolle Se nor die Hoffnung net valiern. Iwwri=
gens
geht’s jo jetzt mit Rieſeſchritte dem Friehjohr zu, un
wer deß net aus meine Vers erſehe hott, der ſoll nor emol
in de Zeitung gucke. Awwer um Gotteswille net vakehrt,
deß haaßt, net in de bollidiſche Daal un aach net in de
lokale, dann dodraus kann mer alles anner ehnder ſehe,
als wie de Friehlingsa’fang. Awwer wann mer die Zei=
tung
vakehrt erum lieſt, wann mer hinne a’fängt, do
kimmt mer uff annern Gedanke. Dann aus de Annooſe kann
mer am beſte die Zeit un Witterungsverhältniſſe ſtudiern,
vielleicht aach die berjerliche Finanzverhältniſſe. Aus jeder
Annoos awwer guckt aam de Friehling entgege, do lieſt mer
zum Beiſchbiel: Friehlingsmode Weiße Woche‟
Friehlingsbier, Friſche Siedeier, Fahrräder, Stroh=
hiet
, Gebrauchte Kinnerwäge un was dergleiche Sache
mer ſin, die mit em Friehjohr in direkter Vabindung ſteh’n.
Ja, die Strohhiet und die Friehlingsmode un die ge=
brauchte
Kinnerwäge, die zu kaafe geſucht werrn, deß ſin
immer die erſte A’zeiche vum kummende Lends. Un wann’s
gach ſchneit und ſtermt un regnet un ſo kalt is, daß aam die
Nas aus em Geſicht fellt, deß macht alles nix, der Frieh=
ling
kimmt, und die Kaafleit die wo Robes und Modes
an ihrm Lade ſteh hawwe (damit die Leit wiſſe, daß ſe do=
drei
kaa Rollmöps und Braunkohlebriketts krieje kenne!),
die riſte ſich, den Lends ferſchtlich zu empfange. Un ob er nu
im Hoſerock, odder in de Humpelhos kimmt, un ob. er en
Strohhut uff em Kobb hott, ſo groß wie e Storcheneſt, odder
e Hutzuckerzuckerhutsdutt mit Roſe, Tulwe, Nelke, Veilcher,
Sunneblumme, Geranie, Radiescher, Gelwe Riewe, Subbe=
grienes
und Zwiwwel garniert des is alles ganz
Worſcht: er kimmt
Un wann ich jetzt newer meim Owe ſitze dhu, un heer
drauß die Schbatze zwitſchern und die Amſchele peife, un
wann ich mer denk, daß jetzt bald die Veilcher bliehe drauß
in de Roßderfer Staabrich un daß des Maikraut am Diebs=
brunne
ſchun langſam aus em Bodem krawwelt, un daß die
Schneeglöckcher un die Schliſſelblumme ihr gelwe und weiße
Köbbcher aus em friſche Gras ſtrecke; un daß ſich iwwer=
haubt
unſer ganz Heſſelendche jetzt widder ſchmickt wie e
Braut, ſo daß unſer Odewald un unſer Bergſtroß mit all
ihre Blietebracht aus de Deitſche Lande erausleichte wie e
Fixſtern aus ere Schachtel Wix wann ich mer deß alles
ſo ausmole dhu, indem daß ich dodebei nooch em Feier gucke,
do kennt ich vor lauter Fraad en Borzelbaam ſchlage.
Was leiht mir an de ganze Bolledick, was leiht mir do=
dro
ob des neie Reichsdagsbräſidium bei’s Herr Kaiſers
empfange werd odder net, wos leiht mir da an dene 2 Pro=
zent
Steierzettelgehaltsuffbeſſerung, was dodro, ob ſe in de
Kammer Benemmedidätsunnerricht eifiehrn miſſe. Deß
is mer alles ſo egal, ich fiehl mich freier un wöhler, un es is
mer als wann mer en Staatsa’walt vum Herz gefalle weer
un ich möcht mit em Ullrich ausrufe: Es iſt eine Luſt

zu leben! Ich maan nadierlich net de Ullrich vun
Offebach un net de Ullrich vun Pungſcht ſundern de Ullrich
vun Hutten, der wo den holländiſche Kakao erfunne hottg
odder deß Schießpulver odder ſo was ähnliches
Wem awwer howe mer die herrliche Friehlings=
gefiehle
zu verdanke? Nor de Annooſe vun wege dene
bleureuſierte Wageräder, un dene obſtunkadoffelmarktähnlich
garnierte Storcheneſter, un dene zwaaunnhalbſtöckige Hut=
zuckerzuckerhuttsduttedibbehüt
, un dene Humpelhoſe un
Hoſeröck, un dene gebrauchte Kinnerwage. Die hawe den
Friehling feſtgenagelt un nu muß er kumme. Un wann er
aach Angſt hott, er kregt vun de Engelenner die Freund=
ſchaft
gekündigt, wann er zu uns zuerſt kimmt, un wann er
vielleicht aach glaabt er dhet ewenduell in Deitſchland als
Spion verhaft werrn, odder er kreegt gar im Kohlerevier als
Streikbrecher des Fell verhaage, deß is alles ganz dutt
egal, er muß kumme.
Un deſſentwege nor net uffgemuckt vun wege dere neie
Mode, ſie mag ſei wie ſe will, awwer ſie dhut den Friehling
verkindige und bringt uns uff annern Gedanke. Un deßhalb
folgt meim Rat: ziggt Eiern imbrägnierte Gummimantel
a’ un nemmt en waſſerdichte Regeſcherm un ſetzt Eich newe
de Owe un nemmt des Blättche in die Hand un ſtudiert die
Annooſe.
Wann Ihr awwer dann noch net glaawe wollt, daß de
Friehling im A’zug is, dann geht emol dorch die Stadt, do
ſeht Ihr an alle Ecke und Ende junge, friſche Knosbe un
Knösbcher, die ſich dieſer Dage erſchloſſe hawwe, odder noch
erſchließe, un die aus ihrem Stehumlegkrage, odder aus
ihrm Kimonoklaadche ſo zuverſichtlich in die Welt gucke, wie
die Zukunft aus em Zivilverſorgungsſchei! Ja, aach ſie
dhun de Friehling verkündige, die kunfermierte junge
Herrn und Dame‟. Sttolz wie die Spannjer ſchwinge
die Berſchjer ihrn Hatteknäcker un blotſche öffentlich
ihr erſt Zigarettſche un die Mäderncher gickele un ſchwärme
vun de kummende Danzſtundfreide. . . .
Ach, noch hengt en de Himmel voller Baßgeige un ſie
fihle net, wie ſich Vadder un Mudder voll Sorge die Frag
vorlege: Wie werd’s mit en werrn? Un: was werd aus
en werrn, Gehn ſe unner im Strom des Lewens, odder
erringe ſe ſich e beſcheide Plätzche an de Sunn?
No, die Kufermatzion fellt ja in de Friehling, alſo in
die Jahreszeit, wo ſich’s ſtill un geheimnisvoll rege dhut
in de große Natur un wo aach im bedrickteſte Menſcheherze
neie Hoffnunge keime, wolle mer deßhalb aach hoffe, daß
die junge Knösbcher net umkumme im Rauhfroſt ihrev
Sünden Maienblüte.
Un ſo wolle mer dann aach widder dem dißjährige
Friehling entgege ſehe trotz Kohle= und Schneiderſtreik, trotz
Reichsdagpräſendentekalamidät, trotz Steierzettelerhöhung
un Kammerſchbekdagel, un trotz all der klaane un große
Schickane mit dene mer des Lewe ſo a’genehm wie möglich
gemacht krieje.
Un ſo ſoll er aach poſtwendend erſcheine, de Herr Frieh=
ling
un ſoll uns jetzt kaa Irfieß for Oöbaa vormache un ſoll
net worte bis er mit em erſte Luxuszug im neie Bahnhof
eifahrn kann. Denn es is höchſte Eiſebah’ nun muß ſich
alles, alles wenden. .
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Seite 36,

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912

Nummer 65.

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ſpannendes Drama.
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Kambodscha (Iinter rdien)
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tiſchſter
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gezeigt wurde, mit folgenden
Titeln:
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ſchwieriger Uebergang, eine
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Dienstag, 19. März. 140 A.=V.
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Nummer 65.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

Seite 37.

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Nummer 65.
Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.
Seite 38.
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entſchieden, da dieſes nicht zutreffend iſt.
Wenn ſich darauf geſtützt wird, daß zwei Arbeiter den Minimallohn nicht erhielten, ſo haben wir hierauf zu erwidern,
daß dieſelben auf wiederholtes Bitten, da ſie ſich noch weiter ausbilden wollten, als Hilfsarbeiter eingeſtellt worden ſind, mithin
hatten ſie keinen Minimallohn zu beanſpruchen.
Auf Vorſtellung von anderer Seite hin haben wir den Betreffenden anheimgeſtellt, auszutreten, aber es wurde uns
erklärt, daß ſie bleiben wollten, um weiter zu lernen.
Es kann daher von einem Vertragsbruch abſolut keine Rede ſein. Wir nehmen vielmehr an, daß die Arbeit nur deshalb,
(643
niedergelegt worden iſt, weil zwei Arbeiter aus triftigen Gründen entlaſſen worden ſind.
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Nummer 65.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

Seite 39,

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Der Transport=Arbeiter=Verband hat gegen unſer Mitglied, die Firma
Paul Wolf & Co. in Darmſtadt, die ſogenannte Sperre verhängt.
Hierzu bemerken wir, daß dieſe Maßnahme des Verbandes gegen die genannte
Firma den Betrieb derſelben in keiner Weiſe hindert, da die Firma Paul
Wolf & Co. ſeit den Ausſchreitungen bei dem vorjährigen Streik keine Mit=
glieder
des Transport=Arbeiter=Verbandes mehr feſt angeſtellt und deshalb auch
der Abſchluß eines Tarif=Vertrages mit dieſem Verband für ſie keinen Wert
hat. Auch die übrigen Mitglieder des unterzeichneten Arbeitgeber=Verbandes
der Ortsgruppe Darmſtadt haben mit Ausnahme einer einzigen Firma den Ab=
ſchluß
eines Tarifverträges mit dem Transport=Arbeiter=Verband abgelehnt
und beruhen die gegenteiligen Angaben des letzteren Verbandes auf einer
Unwahrheit, die lediglich den Zweck verfolgt, die Intereſſen der Firma Paul
Wolf & Co. zu ſchädigen. Um dies zu verhindern, weiſen wir ausdrücklich
darauf hin, daß der vorgenannten Firma ausreichende und bewährte, bei den
vorjährigen Exzeſſen nicht beteiligte Arbeitskräfte zur Verfügung ſtehen, mit
denen ſie in der Lage iſt, alle Aufträge prompt und zuverläſſig und zur vollſten
Zufriedenheit der Kundſchaft zu erledigen. Im übrigen werden ſowohl von
der Firma Paul Wolf & Co., als auch von den anderen Mitgliedern unſeres
Verbandes dieſelben und teilweiſe ſogar höhere Löhne bezahlt, als ſie in dem
Tarif=Vertrag des Transport=Arbeiter=Verbandes vorgeſehen ſind.
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Seite 40

Darmſtädter Taßblatt, Sämstag, den 16. März 1912.

Nummer 654

Die Hinrichtung einer Räuberbande zu
Darmſtadt im Jahre 1814.
Von Philipp Brüchmann.

Vor 100 Jahren machte eine weitverzweigte Räuber=
und Diebesbande die Landſtraßen des Odenwaldes und
der Maingegend im höchſten Grade unſicher. Ebenſo wur=
den
die Bewohner dieſer Landesteile durch die zahlreichen
mit großer Verwegenheit ausgeführten Einbrüche fortge=
ſetzt
ſchwer geſchädigt und beunruhigt. Lange ſuchte man
vergeblich nach den Mitgliedern der Bande, bis es endlich
gelang, einige derſelben zu faſſen und mit Hilfe ihrer Ge=
ſtändniſſe
nach und nach auch der anderen habhaft zu wer=
den
. Im Juni 1814 wurden einſtweilen fünf der Inhaf=
tierten
durch Großh. Hofgericht zum Tode verurteilt. Die
von den Verurteilten gegen dieſe Entſcheidung eingelegte
Reviſion änderte nichts an dem Ausſpruch dieſes Gerichts
und ſo wurde die Hinrichtung auf den 5. November feſt=
geſetzt
.
Für die Kenntnis der perſönlichen Verhältniſſe der
Räuber und ihrer Verbrechen dienen folgende kurze Mit=
teilungen
.
Johann Adam Grasmann hatte ein Alter von
50 Jahren, war im Odenwald geboren und ein Witwer.
Er führte bei ſeinen Geſellen den Namen großer oder
langer Samel und war unter dieſem faſt allgemein den
Bewohnern des Odenwaldes perſönlich bekannt. Trotz=
dem
getraute ſich keiner, ihn feſtzuhalten, er war vielmehr
ſo gefürchtet, daß kein Bauer mehr nach eingebrochener
Dunkelheit ſich aus ſeinem Hof wagte, ſobald es hieß: der
lange Samel iſt in der Gegend. Nach ſeinem Geſtändnis
nahm er teil an 16 Straßen=Räubereien und über 100 Ein=
brüchen
.
Johann Adam Heusner war 36 Jahre alt, ver=
heiratet
und geboren zu Mümling=Crumbach als der Sohn
eines Hirten. Seine Eltern hielten ihn zu einem ordent=
lichen
Leben an, aber ſein eigner Onkel und Pate, der
ebenerwähnte große Samel verführte ihn zum Spitz=
bubenhandwerk
. Heusner führte bei ſeinen Genoſſen den
Namen roter Hann=Adam und war bei Haupt= Unter=
nehmungen
gewöhnlich der Anführer. Nach ſeinem Ge=
ſtändnis
hat er an 34 Straßen=Räubereien und 85 Ein=
brüchen
teilgenommen. In der Unterſuchung ſagte er,
wenn man ihn noch 5 Jahre ins Verhör nähme, ſo würde
er am Ende dieſer Zeit doch nicht behaupten können, alles
angegeben zu haben, da er ſich mit dem beſten Willen gar
nicht mehr auf alle ſeine Streiche erinnern könne.
Johann Martin Rupprecht, auch Heſſen=
Martin genannt. war zu Eckederode bei Saalmünſter ge=
boren
und 31 Jahre alt. Mit 17 Jahren ging er zum öſter=
reichiſchen
Militär, deſertierte dort, ließ ſich von den Frau=
zoſen
anwerben, bei denen er es auch nicht lange aushielt
und wieder davon lief. Er begab ſich dann ins Heſſiſche,
wo er einen Hauſierhandel mit irdenem Geſchirr anfing.
Dieſer Handel war für ihn jedoch nur ein Deckmantel,
unter dem er das Diebeshandwerk um ſo ſicherer treiben
konnte. Er meinte im Verhör, an ſeinem und ſeiner mei=
ſten
Kameraden Unglück ſeien nur die Weibsleute ſchuld.
Er wäre zwar vorher ſchon ein Spitzbube geweſen, doch
ein richtiger ſei er erſt geworden. ſeit ſein Gretchen zu
ihm gekommen ſei. 11 Straßen=Räubereien und 14 Ein=
brüche
wurden ihm zur Laſt gelegt.
Jakob Erbeldinger, 40 Jahre alt, ſtammte
aus Lothringen und war Vater von 7 Kindern. Er hatte

6 Jahre in Lugendurg beim Militir geſtanden, war dort
deſertiert, begab ſich dann in das Amt Lichtenberg i. O.,
wo er ſich niederließ und ſeine Diebereien anfing.
Johann Georg Taſcher, gebürtig aus Steinau
i. O., hatte ein Alter von 46 Jahren und war ebenfalls
Vater vieler Kinder. Er galt im Odenwald als einer der
gefährlichſten Menſchen und man konnte annehmen, daß
der größte Teil ſeiner Verbrechen unentdeckt blieb.
Am 2. November verbrachte man die Verurteilten
aus dem Gefängnis auf das Rathaus in das ſog. Arme=
fünderſtübchen
. Dort ſtand ihnen nach altem Herkommen
in den 3 letzten Tagen ihres Lebens das Recht zu, Beſuche
zu empfangen und an Eſſen, Trinken und Rauchen zu ver=
langen
, was ihnen beliebte. Jedem wurde, damit er ſich
zum Tode vorbereiten könne, ein Geiſtlicher beigegeben.
Heusner und Grasmann zeigten Reue, während Rupprecht
ſich ans Trinken und Rauchen hielt. Erbeldinger blieb ſtill
und mit ſich ſelbſt beſchäftigt, Taſcher wies alle geiſtlichen
Ermahnungen zurück. Erbeldinger, erhielt mehrfach Be=
ſuche
von ſeinen Kindern, wobei ſich herzbrechende Szenen
abſpielten. Heusners Frau nahm mit Rührung Abſchied
von ihrem Mann und rief ihm insbeſondere ins Gedächt=
nis
, wie ſie ihn anfangs immer gebeten habe, von dem
Räuberleben abzulaſſen. Grasmann gab ſeiner Tochter
die dringendſten Ermahnungen, ſich vor böſer Geſellſchaft
zu hüten, indem er ſich ſelbſt als Beiſpiel vorſtelle, wie
weit Laſter und Verbrechen führen. Taſcher wurde am
Abend vor ſeiner Hinrichtung von ſeiner Frau und ſeinen
Kindern beſucht. Kaum hatte er ſeine Frau erblickt. ſo
fuhr er ſie an: Du haſt dich ſeither nicht um mich beküm=
mert
, was willſt du nun, jetzt hätteſt du auch wegbleiben
können. Für ſeine Kinder zeigte er jedoch Zuneigung.
Man bewirtete ihn und ſeine Familie mit Wein und
Eſſen und ſie verzehrten es, als ob ſie ein Feſt feierten.
Taſchners Frau war gegen das Schickſal ihres Mannes
ſo unempfindlich, daß ſie den andern Tag mit ihren Kin=
dern
nach dem Richtplatz zog und der Hinrichtung ihres
Mannes zuſah. Am Tage vor der Hinrichtung erhielten
4 der Todeskandidaten das Abendmahl, dem Taſcher
wurde es erſt am Hinrichtungstage gegeben, da er ſich vor=
her
nicht als Sünder bekennen wollte.
Am Morgen des 5. November führte man die Delin=
quenten
, angetan mit ihren Sterbegewändern und beglei=
tet
von ihren Seelſorgern, auf den Marktplatz, wo ihnen
die landesherrliche Beſtätigung des Todesurteils vor
verſammeltem Peinlichen Gericht und einer aus der gan=
zen
Umgegend zuſammengeſtrömten Menſchenmenge vor=
geleſen
wurde. Heusner zeigte ſich bei dieſem Akt am
ſtandhafteſten, Taſcher war ſehr kleinmütig, Rupprecht war
angetrunken und zeigte ein freches Benehmen.
Auf einem Leiterwagen, eskortiert von Militär, wur=
den
die Miſſetäter nun unter dem Läuten des Armeſünder=
glöckchens
nach dem Richtplatz gefahren. Dort war eine Art
Bühne aufgeſchlagen, auf der ſich das Schaffot befand. Um
dieſe bildete das Militär ein Viereck, hinter welchem eine
ſchauluſtige Menge der Exekution zuſah.
Taſcher wurde faſt leblos auf das Gerüſt geholt, ſein
Kopf fiel zuerſt, es folgte Erbeldinger, dann Rupprecht.
Als Letzterer auf dem Schaffot ſtand, bemerkte Heusner
zu ſeinem Paten Grasmann: Petter, nun kommt Ihr.
Heusner war der Letzte. Er dankte ſeinem Seelſorger für
ſeine Mühe und indem er das Schaffot beſtieg, überreichte
er ihm ein Taſchentuch, mit der Bitte, es ſeiner Frau nebſt
ſeinem Kruzifix nach ſeinem Tode einzuhändigen und ihr

zufagen, daß jenes ſeine kezten Trinen enthalte, daß ſie
das Kruzifix, ſo lange ſie lebe, aufbewahren und vor dem=
ſelben
für ihn beten ſolle. Gleich darauf fiel ſein Haupt
unter dem Schwerte des Schaufrichters.
Die Exekution war beendet, nicht ganz 17 Minuten
hatte ſie in Anſpruch genommen.
Im ſtädtiſchen Muſeum befindet ſich im erſten Par=
terre
=Zimmer links eine Darſtellung dieſer Hinrichtung.
Weiter iſt in dieſem Zimmer zu ſehen: eine Fußfeſſel aus
dem Armeſünderſtübchen und ein Richtſchwert, mit dem
wahrſcheinlich die erwähnten 5 Miſſetäter vom Leben
zum Tod befördert worden ſind.

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das Werk gerade jetzt zu einer Zeit, in der man in der
Architektur gleiche Neigungen anzunehmen beginnt, wie
ſolche Schinkel in ſeinen Bauten verwirklicht hat. Eine
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glücklichſter Weiſe Schönheit und Zweckmäßigkeit verbin=
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Nummer 65.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

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Seite 42.

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[ ][  ][ ]

Nummer 65.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

Seite 43.

Marhe SPEIEn- gesetzich
geschützt unter Nr. 53025.

Gerrerrr-UbE 1912

Speier’s Schuhwarénhaus, Ludwigstrasse 16, zeigt die Ankunft
neuer Sendungen Schuhwaren an und veröffentlicht zugleich
seinen diesjährigen Modebericht.
Neben Kleidern und Hüten spielen die Schuhe, seit der fuss-
freie
Rock die Mode beherrscht, eine hervorragende Rolls.
Welche Dame sollte nicht ihren Fuss so klein als möglich,
elegant und zierlich erscheinen lassen ?
Braun ist auch in diesem Jahre wieder die Modéfarbe,
welchs in hellgelb, sog. Englisch-gelb, mittelbraun und dunkel-
braun
getragen wird. Sehr begehrt werden Halbschuhe sein,
welche mit dem geraden, sog. Steckel-Absatz und vorherrschend
in amerikanischen Formen verlangt werden. Auch Schuhe mit
dem hohen Louis XV.-Absatz werden wieder mehr getragen und
dienen vorherrschend für Promenade- und Gesellschaftstoiletten.
Neben dem Schnür-Promenadenschuh hat der Knopf-Halbschuh
wieder die Oberhand gewonnen und zwar in den elegantesten
Ausführungen mit schwarzen, grauen und weissen Sämisch-
leder
-Einsätzen. Auch braune Knopfstiefel mit gleichfarbigem
Einsatz sind sehr beliebt.
Am stärksten aber hat sich sowohl für Herren als für Damen.
die Lack-Mode erhalten. Zu einem eleganten Besuchskostüm
gehören Lackschuhe oder Stiefel, und hier ist die Mode so viel-
schöpferisch
, dass man wohl 2025 verschiedene Modelle kennt.
Herren tragen fast nur noch breite Stiefelformen, die mit
stark hervortretenden Sohlenrändern ausgestattet, dem Schuh
ein elegantes Gepräge geben. Hier tritt die Firma Speier
mit ihrem bewährten Weitensystem an, so dass auch Herren,
welché sonst nur Maasschuhe bragen, passende Stiefel bei
Speier finden. Wenn wir noch hinzufügen, dass durch die
ausgeprägte Halbschuh-Mode der elegante Strumpf unent-
behrlich
gsworden ist, so möchten wir nicht zu erwähnen
vergessen, dass Strümpfe in hochaparten Farben und Sticke-
reien
angeboten werden.
Auch in Kinderstiefeln sieht man in diesem Jahre die ver-
schiedenartigsten
Zusammenstellungen, Schwarze oder braune
Galoschen mit den verschiedenfarbigsten Einsätzen, auch mit
Samteinsätzen werden in diesem Jahre getragen, und nur in
einer Beziehung zeigt sich eine vernunftgemässe Verallge-
meinerung
: Man kennt für Kinder nur eine extra-breite,
rationelle Form, welche den Füsschen vollständige
Bewegungsfreiheit gewährt.
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Seite 44.

Darmſtädter Tagblatt. Samstag, den 16. März 1912.

Nummer 65

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[ ][  ][ ]

Nummer 65.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

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Seite 46.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

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Nummer 65

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 16. März 1912.

Seite 47.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.

Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
3 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 18. Mai 1911: Dem Kaiſerl. Vize=
konſul
Bernhard von Hahn in Schanghai ein S. Fritz
Gebhard. Am 9. März 1912: dem Hofgartengehilfen
Leonhard Mager, Liebfrauenſtraße 58, ein S. Hein=
rich
. Am 11.: dem prakt. Arzt Dr. Wilhelm Degen,
Klappacherſtraße 1, eine T. Eliſabeth Karoline. Am 10.:
dem Küfermeiſter Friedrich Poth, Holzſtraße 3, ein S.
Georg Friedrich. Am. 11.: dem Laborenten Georg
Steul, Ludwigshöhſtraße 23, ein S. Hans Emil. Dem
Schuhmachermeiſter Johannes Lotz, Saalbauſtraße 38,
ein S. Wilhelm Peter. Am 8.: dem Bahnaſſiſtenten
Leonhard Weigel, Liebigſtraße 81, ein S. Karl. Dem
Fuhrmann Auguſt Kompenhaus, Wendelſtadtſtraße 11,
eine T. Katharina Helena. Am 11.: dem Sergeanten
im Garde=Dragoner=Regiment Nr. 23 Heinrich Fauſt
ein S. Heinrich Friedrich Hans. Am 8.: dem Milchver=
käufer
Georg Schellhaas, Wienersſtraße 68, ein S.
Andreas Johann Heinrich.
Aufgebotene. Am 12. März: Telegraphen=Aſſiſtent
Karl Götz, hier, mit Maria Margarete Pollit,
Königsberg. Polizei=Sekretariatsaſſiſtent Otto Friedrich
Wilhelm Stegmüller, Heidelbergerſtraße 102a, mit
Roſine Margarethe Suſanne Heim, Erbach i. O. Gärt=
ner
Reinhold Heinrich Kirſt, Wolfsgarten bei Lan=
gen
, mit Marie Eliſabethe Wannemacher, Erzhauſen.
Fuhrknecht Franz Leopold Radomicki, Ober=Ramſtadt,
mit Margarethe Noſtadt, Ober=Ramſtadt. Dachdecker=
meiſter
Karl Ludwig Friedrich Krenkel, Schwanen=
ſtraße
25, mit Anna Geyer, Mühlſtraße 23. Schloſſer
Adam Klöppinger X. mit Köchin Klara Fleiſcher,
beide in Pfungſtadt. Fuhrknecht Georg Liebig I. mit
Margarethe Darmſtädter, beide in Pfungſtadt. Großh.
Oberbahnaſſiſtent Karl Adolf Wilke, Wendelſtadt=
ſtraße
42, mit Maria Eliſabethe Agnes Daus, Mainz.
Rechner der Landwirtſchaftskammer Karl Eger, hier,
mit Anna Eliſabethe Barbara Nau Gonſenheim. Am
13.: Geſchäftsführer der Heſſ.=Naſſ. Baugewerksberufs=
genoſſenſchaft
Karl Hermann Rudolf Melior, hier, mit
Emma Katharina Reichert, Altwiedermus. Bahn=
ärbeiter
Adam Unvericht, Feldbergſtraße 71, mit
Emma Amalia Herter, Bahra. Sergeant im Leib=
Dragoner=Regiment Nr. 24 Ferdinand Herzberger,
Holzhofallee 25, mit Hausmädchen Eliſe Koch, Saal=
bauſtraße
77. Lokomotivführer Johann Georg Peter
Marquard, Liebigſtraße 15, mit Modiſtin Mathilde
Becher, Landwehrſtraße 43. Eiſendreher Friedrich
Wilhelm Ehrenkäufer, Mathildenplatz 11, mit Eliſe
Chelius, Mathildenplatz 11. Sergeant im Großh.
Heſſ. Garde=Dragoner=Regiment Nr. 23 Heinrich Luft,
Marienplatz 1, mit Anna Katharina Meyer, Michel=
ſtadt
. Schneidergehilfe Johann Heinrich Ochs mit
Märia Stein, beide in Alsfeld. Kaufmann Karl
Stier, Landwehrſtraße 79, mit Kath. Marie Henriette
Leußler, Mühlſtraße 20. Am 14.: Glaſer Hermann
Weber, Hermannſtraße 5, mit Marie Scherer, Auer=
bach
. Lageriſt Adam Randoll. Mannheim, mit Konto=
riſtin
Emilie Thereſia Senftleben, hier. Kaufmann
Konrad Heinrich Bach, Gutenbergſtraße 34, mit Lina
Maria Anna Pfaff, Kaſſel. Taglöhner Valentin
Metz, Soderſtraße 62, mit Taglöhnerin Marie Nahr=
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. Soderſtraße 62.
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Georg Schäfer, S. des Hausburſchen, 22 Tage, ev.,
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61 J., kath., Adolf=Spießſtraße 23. Am 14.: Eva Eliſ.
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ev., Schuſtergaſſe 13. Am 13.: Privatier Ludwia Lau=
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I., 91 J., ev., Soderſtraße 94. Am 14.:
Spenalermeiſter Joh. Georg Momberger. 59 J., ev.,
Schützenſtraße 4. Am 13.: Kaufmann Heinrich Müller,
29 J., ev., Landgraf=Georgs=Anlage 64.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt II.

Geöffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
35 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 28. Febr.: dem Eiſenbahngehilfe Karl
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Udo. Am 29.: dem Schloſſer Adam Dingeldein, Wein=
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Aſſiſtent am Großh. Landesmuſeum Dr. phil. Auguſt
Feigel, Martinſtraße 55, ein S. Georg Ludwig. Am 3.:
dem Proviantamtsinſpektor Johann Heinr. Schmidt,
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Alois Stegmann, Frankenſteinſtraße 36, ein S. Am 3.:
dem Kaufmann Ludwig Erich Heinrich Karl Sauer,
Schießhausſtraße 39, ein S. Otto Ferdinand Ludwig.
Am 7.: dem Schreiner Heinrich Ernſt Hüther, Tannen=
ſtraße
38, ein S. Ferdinand. Am 2.: dem Großh. Regie=
rungsbaumeiſter
Ernſt Theodor Günther Kreuzien,
Grünerweg 44, eine T. Dem Schaffner bei der Staats=
bahn
Friedrich Wilhelm Daniel Hartmann, Herdweg
Nr. 28, ein S. Heinrich Richard. Am 7.: dem Weißbinder
Heinrich Bellinger, Weinbergſtraße 14, ein S. Nikolaus.
Am 5.: dem Sergeanten im Großh. Artilleriekorps Phi=
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Bleſſing, Neue Niederſtraße 21, ein S. Johann
Peter Waldemar. Am 7.: dem Hausburſche Fr. Keil,
Herdweg 21, ein S. Hans. Am 6.: dem Sergeant im
Train=Bataillon Nr. 18 Johann Ad. Kraß, Beſſunger
Straße 99, ein S. Wilhelm. Am 11.: dem Taglöhner
Philipp Weicker, Beſſunger Straße 30, eine T. Marg.
Marie. Dem Profeſſor an der Techniſchen Hochſchule Dr.=
Ing. Georg Wilh. Koehler, Wilhelminenſtraße 50, ein
S. Hellmut. Am 14.: dem Former Johann Konrad
Weißwantel, Hofgartenſtraße 6, eine T. Eliſabeth.
Dem Maler und Lackierer Karl Wilhelm Dotzert, Kies=
bergſtraße
4, eine T. Anna Emilie. Am 11.: dem Haupt=
mann
und Brigade=Adjutant der 49. Infanterie=Brigade
Heinrich Hermann Albert Guerrino Graf zu Lynar,
Eichbergſtraße 16, eine T.
Aufgebote. Am 2. März: Schneider Heinrich Rei=
mund
, Heidelbergerſtraße 111, und Elſa Agnes Pa=
cholski
. Am 6.: Tapezier Georg Buchmüller, Beſſunger
Straße 75, und Maria Eliſabetha Sprankel, Nieder=
ſtraße
15. Am 12.: Bahnmeiſterdiätar Nikol. Geißler,
Ahaſtraße 10, und Margar. Ockenfels zu Cochem, Re=
gierungsbezirk
Koblenz. Am 14.: Schloſſer Hermann
Richard Schulz, Beſſunger Straße 94, und Eliſabetha
Dorothea Margaretha Aßmuth, Wingertsgäßchen 8.

Eiſenbahnſchaffner Guſtav Neumann, Witwer, Don=
nersbergring
34, und Wilhelmine Kaul, daſelbſt. Am
15.: Kaufmann Emil Frank, Liebfrauenſtraße 29, Wit=
wer
, mit Karoline Chriſtine Auguſte Kriegbaum, geb.
Müller, Herrngartenſtraße 21.
Eheſchließungen. Am 2. März: Monteur Friedrich Karl
Nungeſſer, Martinſtraße 68, mit Margarete Schmitt
zu Rimbach. Am 4.: Hilfsarbeiter Valentin Land=
zettel
, Klappacherſtraße 64, und Anna Maria Guckels=
berger
, geb. Römer, zu Bergen, Kreis Hanau. Am 9.:
Diplom=Ingenieur Paul Guſtav Wilhelm Abraham zu
Bergen, Kreis Rügen, mit Anna Margarethe Eliſabeth
Schacht, Karlſtraße 56. Am 15.: Sergeant im Feld=
artillerie
=Regiment Nr. 61 Karl Späth, Beſſunger=
weg
125, mit Lina Steingaß, Parcusſtraße 7.
Geſtorbene. Am 1. März: K. Pr. Generalleutnant z. D.
Exzellenz Karl Friedrich Hermann von Stülpnagel,
73 J., ev., Wilhelmſtraße 8. Katharina Miſchlich, geb.
Schaber, Witwe des Zimmermanns, 87 J., ev., Grüner=
weg
25. Am 3.: Eliſabeth Heyer, geb. Geiger, Ehe=
frau
des Privatiers, 68 J., ev., Ludwigshöhſtraße 9.
Am 9.: Meta Wallot, geb. Krauſe, Witwe des Wein=
gutsbeſitzers
, 61 J., ev., Inſelſtraße 36. Am 11.: Poſt=
ſekretär
Rudolf Goldmann, 60 J., ev., Karlſtraße 83.

Kirchliche Anzeigen.

Evangeliſche Gemeinden.
Sonntag Lätare, den 17. März 1912
Hofkirche: Vormittags um 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Mittwoch, den 20. März, abends um 6 Uhr:
5. Paſſionsandacht.
Stadtkirche: Vorm. um 9 Uhr: Konfirmation der
Konfirmanden des Kaplaneibezirks und Feier des heil.
Abendmahls. Pfarrer Beringer. Vormittags um
11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer D. Dr. Diehl.
Nachmittags um 3 Uhr: Prüfung der Konfirmanden des
Südweſt bezirks. Pfarrer Velte. Abends um 6 Uhr:
Pfarrer Vogel. Mittwoch, den 20. März, abends um
8 Uhr: Liturgiſche Paſſionsfeier. Pfarrer Kle=
berger
. Kollekte.
Stadtkapelle: Samstag, den 16. März, abends um
6 Uhr: Vorbereitung zum heil. Abendmahl. Pfarrer
Beringer. Sonntag, den 17. März, vorm. um
10 Uhr: Pfarrer D. Dr. Diehl. Vorm. um 11 Uhr:
Kindergottesdienſt. Pfarrer Kleberger.
Gemeindehaus, Kiesſtraße 17: Sonntag, den
17. März, abends um 7½ Uhr: Stiftungsfeſt des Ge=
meindegeſangvereins
. Freitag, den 22. März, abends
um 8¼ Uhr: Bibelſtunde. Pfarrer D. Dr. Diehl.
Militärgemeinde (Stadtkapelle): Vorm. um 8½ Uhr:
Militärhilfsgeiſtlicher Salzſieder. Vormittags um
11 Uhr: Gottesdienſt im Lager. Kindergottesdienſt
fällt aus.
Johanneskirche: Vormittags um 10 Uhr: Pfarrer
Dingeldey. Vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottes=
dienſt
. Mittwoch, den 20. März, abends um 8 Uhr:
5. Paſſionsandacht. Pfarrer Dingeldey.
Martinskirche: Samstag, den 16. März, abends um
6 Uhr: Vorbereitung zum heil. Abendmahl. Anmeldung
von ½ 6 Uhr in der Sakriſtei. Pfarrer D. Waitz.
Sonntag, den 17. März, vorm. um 9 Uhr: Konfirmation
der Konfirmanden des Weſt bezirks. Pfarrer D. Waitz.
Feier des hl. Abendmahls. Kollekte für das Krüppelheim.
Nachm. um 3 Uhr: Prüfung der Konfirmanden des
Oſt bezirks. Pfarrer Widmann. Kollekte für das
Krüppelheim. Abends um 8 Uhr: 4. Paſſionsgottes=
dienſt
. Pfarraſſiſtent Müller. Nachm. um 4 Uhr:
Bibelſtunde im Martinsſtift. Pfarrer i. P. Schneider.
Eliſabethenſtift: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Kirchenrat Reich aus Marburg. Vorm. um
11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Donnerstag, den
21. März, nachmittags um 3 Uhr: Paſſionsgottesdienſt.
Pfarrer Stein.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde): Vorm. um 10 Uhr:
Pfarraſſiſtent Flöel. Vorm. um 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Pfarrverwalter Lic. Dr. Vollrath.
Nachmittags um 3 Uhr: Prüfung der Konfirmanden.
Pfarrverwalter Lic. Dr. Vollrath.
Pauluskirche: Vormittags um 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarrer Rückert. Vorm. um 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Pfarrer Rückert. Nachm. um 6 Uhr:
4. Paſſionsandacht. Pfarraſſiſtent Herpel.
Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 17. März,
vormittags um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Nach=
mittags
um 4 Uhr: Bibelſtunde von Prediger Schrenk=
Barmen. Abends um 8½ Uhr: Evangeliſation.
Von Montag, den 18. März, bis Samstag den
23. März, findet jeden Abend um 8½ Uhr Bibelſtunde
von Prediger Schrenk ſtatt. Mittwoch, den 20. März:
Frühjahrs=Philadelphia=Konferenz. Vorm. um 9½ Uhr:
Einleitung ins Wort Epheſer 3,113 von Herrn Pfarrer
Corevon=Frankfurt. Nachm. um 3 Uhr: Einleitung ins
Wort Epheſer 3,1421 von Herrn Pfarrer Eßlinger=
Auerbach. Anſchließend an beide Einleitungen weitere
Behandlungen des Wortes durch Brüder.

Gottesdienſt der Aenapoſtoliſchen Gemeinde (Neue Nieder=
ſtraße
13): Sonntag, nachmittags um 4 Uhr. Mitt=
woch
, abends um 8½ Uhr.

Gemeinde gläubig getaufter Chriſten (Baptiſten), Mauer=
ſtraße
17: Sonntag, den 17. März, vorm. um 9½ Uhr:
Predigt. Prediger Höpfner. Vorm. um 10½ Uhr:
Sonntagsſchule. Nachmittags um 4 Uhr: Predigt,
Taufe und Abendmahl. Prediger Höpfner. Abends
um 6 Uhr: Jugendverein. Montag den 18. und Frei=
tag
, den 22. März, abends um 8½ Uhr: Geſangverein.
Dienstag, den 19. März, abends um 8½ Uhr: Frauen=
Miſſionsverein. Mittwoch, den 20. März, abends um
8½ Uhr: Gebetsverſammlung.

Methodiſtengemeinde (Taunusſtraße 53): Sonntag,
den 17. März, nachm. um 4 Uhr: Predigt. Prediger
Eckert aus Offenbach. Freitag, den 22. März, abends
um ¼9 Uhr: Bibel= und Gebetsſtunde. Jedermann herz=
lich
willkommen.

Katholiſche Gemeinden
St. Ludwigskirche: Samstag, den 16. März, nachmit=
tags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit
zur heil. Beichte.
4. Faſten=Sonntag, den 17. März 1912
Vorm. von ½ 6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um 6 Uhr: erſte hl. Meſſe. Um 7 Uhr: Austeilung
der heil. Kommunion. Um 8 Uhr: heil. Meſſe. Um
½10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Um 11 Uhr: Aka=
demiſcher
Gottesdienſt. Nachm. um 3 Uhr: Sakra=
mentaliſche
Bruderſchaftsandacht mit Predigt. Montag
nachm. um 5 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte. Diens=

tag, vorm. um 9 Uhr: Levitiertes Hochamt. Mittwoch,
abends um 6 Uhr: Faſtenpredigt. Freitag, abends um
6 Uhr: Kreuzwegandacht.
Kapelle der Barmherzigen Schweſtern: Sonntag, vorm.
um ½7 Uhr: heil. Meſſe. Nachmittags um 4 Uhr:
Verſammlung im Mädchenheim. Um 5 Uhr: Ver=
ſammlung
des 3. Ordens. Um 6 Uhr: Roſenkranz=
andacht
.
Kapelle der Engliſchen Fräukein: Sonntag, vormittags
um 7 Uhr: heil. Meſſe.
Militärgemeinde: Sonntag, vormittags um ¼10 Uhr:
Auf dem Uebungsplatz bei Griesheim Singmeſſe mit
Predigt.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 16. März, nach=
mittags
um ½5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur heil. Beichte.
Sonntag, den 17. März 1912
Vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um ½7 Uhr: Frühmeſſe und Generalkommunion der
Sodalität. Um 8 Uhr: heil. Meſſe mit Predigt. Um
½10 Uhr: Hochamt und Predigt. Nachmittags um
2 Uhr: Andacht; darauf Sodalität. Abends um 8 Uhr:
Faſtenpredigt des hochw. Hrn. Oberlehrer Zinſer= Offen=
bach
. Montag, nachm. um 5 Uhr: Beichtgelegenheit.
Dienstag, nachm. um 5½ Uhr: Faſtenandacht.
Mittwoch, den 20. März, abends um 8 Uhr: Vortrag
des hochw. Herrn Prof. Schwarz. Thema: Religions=
freiheit
des modernen Staates und die katholiſche Kirche‟.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, den
16. März, nachmittags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr:
Gelegenheit zur heil. Beichte.
4. Faſten=Sonntag, den 17. März 1912
Vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um 7 Uhr: heil. Meſſe. Um 9 Uhr: Amt mit
Predigt. Nachmittags um ½3 Uhr: Sakramentaliſche
Bruderſchaftsandacht. Bibliothek (Heerdweg 28): Diens=
tag
, nachm. von 6 bis 7 Uhr. Mittwoch, abends um
6 Uhr: Faſtenandacht.
Kapelle zu Eberſtadt: Samstag, den 16. März, nachm.
um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Beichtgelegenheit.
4. Faſten=Sonntag, den 17. März 1912
Vorm. um 6 Uhr: Beichtgelegenheit. Um ½ 7 Uhr:
Austeilung der hl. Kommunion. Um ¼10 Uhr: Hoch=
amt
und Predigt. Nachmittags um ½2 Uhr: Chriſten=
lehre
und um 2 Uhr Andacht. An allen Werktagen,
morgens um ¼8 Uhr: Singmeſſe. Während der ganzen
Faſtenzeit iſt Mittwochs abends um ½6 Uhr Faſten=
andacht
.
Kapelle zu Pfungſtadt: 4. Faſten=Sonntag, den 17. März,
vormittags um 7 Uhr: Beichtgelegenheit. Um ½ 8 Uhr:
Amt und Predigt und Austeilung der hl. Kommunion.
Nachmittags um 4 Uhr: Andacht. Während der
ganzen Faſtenzeit iſt Montags nachmittags um ½5 Uhr
Faſtenandacht.

The Church of England Service
4th Sunday in Lent, 17th March 1912
Divine Service will be held in the Hofkirche
at 3,15 p. m.
The Rev. de Ste. Croix, British Chaplain at Heidelberg,
will officiate.

Getaufte, Getraute und Beerdigte.

Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 10. März: Dem Glaſer Wil=
helm
Keidel S. Ernſt, geb. 3. Febr. Dem Hauſierer
Max Wilhelm Richter S. Anton Jakob, geb. 2. Febr.
12. März: Dem Tapezier Georg Friedrich Poth S. Hans
Heinrich, geb. 3. Dez. 1911.
Johannesgemeinde: 10. März: Dem Photo=
graph
Auguſt Schäfer S. Georg Wilhelm Karl Heinz,
geb. 19. Jan. Dem Former Jakob Schuchmann T. Lina
Marie, geb. 10. Jan.
Martinsgemeinde: 10. März: Dem Tapezier
Karl Arthur Schmidt S. Karl Erich, geb. 23. Jan. Dem
Fabrikarbeiter Peter Hartmann S. Johann Adam, geb.
22. Februar. Dem Fabrikarbeiter Robert Buchwald S.
Georg, geb. 24. Jan. Dem Monteur Friedrich Mager
T. Katharina Barbara, geb. 30. Jan. Dem Bahnarbeiter
Karl Gerbig T. Eliſabeth, geb. 5. Febr. Dem Miniſte=
rialreviſor
Wilhelm Himmler T. Anna Wilhelmine Su=
ſanna
, geb. 8. Febr. Dem Kaufmann Georg Schmitt T.
Margarete Eliſabeth, geb. 14. Febr.
Paulusgemeinde: 10. März: Dem Präparateur
Adolf Alfred Ehrſam S. Otto, geb. 26. Jan.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 10. März: Buchhalter Philipp
Eduard Lange und Juſtine Katharine Herrmann. Elek=
tromonteur
Heinrich Peter Wilhelm Ackermann und
Luiſe Eliſabeth Geyer. 14. März: Bäcker Philipp Schwinn
und Katharina Wacker.
Johannesgemeinde: 9. März: Eiſendreher
Johannes Göriſch und Margarete Heß von hier.
Paulusgemeinde: 9. März: Diplom=Ingenieur
Paul Guſtav Wilhelm Abraham in Bergen (Rügen) und
Anna Margarete Eliſabeth Schacht.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 4. März: Philipp Mahr, S.
des Friſeurs, ¾ J., ſtarb 2. März. 10. März: Ludwig
Gölzenleuchter, S. des Poſtboten, ¼ J., ſtarb 8. März.
13. März: Margarete Kroth, T. des Fabrikarbeiters,
1 Mon., ſtarb 12. März. 10. März: Erna Ziegenbruch,
14 J. 7 Mon., ſtarb 7. März. 11. März: Rechnungsrat
i. P. Jakob Röttger, 73 J., ſtarb 9. März. 13. März:
Poſtſekretär Rudolf Goldmann, 60 J., ſtarb 11. März.
14. März: Tapezier Theodor Soeder, 59 J. 3 Mon.,
ſtarb 12. März.
Johannesgemeinde: 11. März: Eliſabeth
Margarete Fähr, geb. Harth, Ehefrau des Rentners, 59
J., ſtarb 9. März. Wagenwärter Philipp Reinheimer,
34 J., ſtarb 9. März. 12. März: Hausmeiſter Ernſt
Wagner, 36 J., ſtarb 10. März. Eliſabeth Döll, geb. Zu=
brod
, Witwe des Bahnwärters, 81 J., ſtarb 9. Marz.
Johannesgemeinde:
Beerdigte aus Anſtalten: 12. März: Tag=
löhner
Karl Adam Frickel aus Arheilgen, 54 J., ſtarb
9. März.
Paulusgemeinde: 8. März: Marie Lauten=
ſchläger
, geb. Wagner, Witwe des Brauereibeſitzers, 71 J.,
ſtarb 5. März zu Eberſtadt. 13. März: Poſtſekretär Ru=
olf
Goldmann, 60 J., ſtarb 11. März.

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