Abonnementspreis
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175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
tnren Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 22 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Der Austauſch der
Ratifikationsurkun=
den über das deutſch=franzöſiſche
Ab=
kommen vom 4. November 1911 iſt am
Diens=
tag abend in Paris erfolgt.
Im Ruhrbezirk iſt es zu weiteren
Aus=
ſchreitungen der Ausſtändigen gekommen.
Der engliſche Flottenetat für das
Rechnungs=
jahr 1912/13 ſchließt insgeſamt mit 44085 400 Pfund
gegen 44392500 Pfund des laufenden
Rechnungs=
jahres ab.
Die Konferenz der Vertreter der engliſchen
Grubenbeſitzer und der Bergarbeiter,
die unter dem Vorſitz des Premierminiſters am
Diens=
tag in London ſtattfand, wurde auf Mittwoch vertagt.
Ein „zweites Dresden”?
C „Genoſſe” Schippel ſtellt in der neueſten
Aus=
gabe der Sozialiſtiſchen Monatshefte eine Anzahl
radi=
kaler ſozialdemokratiſcher’ Stimmen zuſammen, die die
Entrüſtung der Zielbewußten über die
ſozialdemo=
kratiſche Sſtichwahltaktik bei der letzten
Reichstagswahl wiederſpiegeln. Unter höhniſchen
Seitenhieben auf die „Vorreiter zu einem
zwei=
ten Dresden” gelangt Schippel zu dem Ergebnis:
„So hätten wir denn alle die alten guten Bekannten von
Dresden glücklich wieder beiſammen, nur daß der Vorſtoß
ſich diesmal nicht gegen Bernſtein oder den
Reviſionis=
mus, ſondern klipp und klar gegen die bisherige
Par=
teikeitung kehren ſoll. Man follte dabei die
Erfah=
rungen nicht aus dem Auge verlieren, die uns nach
Dres=
den bei den Wahlen eingebläut wurden. Selbſt der
ſtärkſte Parteiorganismus bleibt ſchließlich in dieſer
ver=
giftenden Atmoſphäre des ſchleichenden Mißtrauens und
der offenen Verdächtigung nicht ungefährdet.”
Die Radikalen ſind aber nicht die einzigen „
Vorrei=
ter” zu einem zweiten Dresden! Vielmehr tragen auch
reviſioniſtiſche Stimmführer in derſelben Ausgabe der
Sozialiſtiſchen Monatshefte zur Kritik der
ſozial=
demokratiſchen Parteileitung nicht
uner=
heblich bei. „Genoſſe” Queſſel knüpft ſeinen Tadel an
die Haltung an, die die ſozialdemokratiſche
Reichstags=
fraktion in der Präſidentenfrage durch den
Be=
ſchluß einnahm, daß der ſozialdemokratiſche
Vizepräſi=
dent nicht zu Hofe gehen dürfe. Er urteilt hierüber u. a.:
„Wie in einer Republik ein geordnetes ſtaatliches
Leben nicht möglich iſt, wenn die größte Partei jeden
perſönlichen Verkehr mit dem Präſidenten abbricht, ſo
iſt auch das parlamentariſche Regierungsſyſtem nicht
denkbar, wenn die ſtärkſte Partei des Landes es ablehnt,
zur Erfüllung ſtaatlicher Aufgaben mit dem
Staats=
oberhaupt perſönlich zu verkehren. Wer ein
parla=
mentariſches Regierungsſyſtem will, darf ſich nicht durch
die Zwirnsfäden höfiſcher Etikette davon abhalten laſſen,
den Monarchen im demokratiſchen Sinn zu beeinfluſſen.”
An dem Hinarbeiten auf das parlamentariſche Syſtem
läßt die ſozialdemokratiſche Fraktion nach Queſſels
An=
ſicht es auch inſofern fehlen, als ſie nicht grundſätzlich
Beſtandteil einer Mehrheit der geſamten Linken ſein will.
Er ſchreibt darüber u. a.:
„Auch die von der ſozialdemokratiſchen Fraktion
neuerdings geſtellten Abänderungsanträge zur
Verfaſſung könnten, auch wenn ſie unverändert
an=
genommen würden, uns dieſem Ziel (d. h. dem
parla=
mentariſchen Syſtem. Red.) nicht weſentlich näher
brin=
gen. Ueberhaupt iſt es ein Irrtum, wenn man annimmt,
daß papierne Beſtimmungen ein parlamentariſches
Re=
gime herbeiführen können. Alle hiſtoriſche Erfahrung
ſpricht dafür, daß nur eine parlamentariſche Mehrheit.
und zwar der Linken, hinter der die Majorität der Nation
ſteht, die Volksſouveränität in Form des
parlamentari=
ſchen Syſtems begründen kann.”
Hierin begegnet ſich Queſſel mit dem „Genoſſen”
Edmund Fiſcher, der für ſozialdemokratiſche Mitarbeit
auf breiteſter Grundlage eintritt und namentlich die
Bil=
dung einer parlamentariſchen Mehrheit mit den
Libera=
len befürwortet. „Genoſſe” Fiſcher führt in dieſer
Hin=
ſicht u. a. aus:
Die 4½ Millionen Wähler warten nun darauf, was
die Sozialdemokratie Sichtbares zuſtande brin=
gen werde. Da ſich nicht annehmen läßt, daß ſie zur
Mehrheit im Reich wird, ihrer Werbekraft auch Grenzen
gezogen ſind, über die wir uns nicht täuſchen dürfen,
kann ich es unmöglich dauernd ablehnen, ſich mit den
Liberalen zu einer feſten Mehrheit zu verbinden. Die
Teilnahme an einer feſten Parlamentsmehrheit iſt der
erſte Schritt zur Teilnahme an der Regierungsgewalt
in der bürgerlichen Geſellſchaft, aber auch zur Eroberung
der Regierungsgewalt überhaupt und zur Erreichung
der Demokratie und des Sozialismus.”
Im ſchroffen Gegenſatze hierzu hat die
parteiamt=
liche Rechtfertigung der ſozialdemokratiſchen
Stichwahl=
taktik das „dauernde Zuſammenwirken” mit dem
Libe=
ralismus im Parlament als „groben Fehler”
ausdrück=
lich verworfen. Liegen alſo in dieſer wichtigen Frage
reviſioniſtiſche „Vorſtöße” gegen die Parteileitung vor,
ſo werden die geſamten Radikalen ſchwer gereizt durch
die Offenheit, mit der „Genoſſe” Fiſcher bekennt:
„Eine ſozialiſtiſche Regierung könnte
aber, auch wenn ſie die große Mehrheit des Volkes
hinter ſich hätte, augenblicklich an der
kapitaliſti=
ſchen Produktionsweiſe gar nichts ändern.
Die ſozialiſtiſche Regierung müßte bürgerlich,
kapi=
taliſtiſch regieren, das heißt den kapitaliſtiſchen
Unternehmern alle die Sicherheiten und Garantien
bie=
ten, die notwendig ſind, um die Beſtriebe aufrecht zu
er=
halten. Andernfalls würde die Produktion plötzlich ſtill
ſtehen, und was dann käme, wäre alles andere, nur nicht
eine ſozialiſtiſche Geſellſchaft. Aus dem Boden läßt ſich
keine neue Produktionsform ſtampfen, ſondern nur in
langer Arbeit allmählich zur Entfaltung bringen: durch
Bildung von Genoſſenſchaften, kommunalen und
ſtaat=
lichen Betrieben uſw.”
Das alles iſt zwar nicht neu, aber doch lehrreich,
wieder zu hören.
Der Geſundheitszuſtand in der franzöſiſchen
und in der deutſchen Armee.
** „Das Land muß es erfahren, die Nation muß
endlich den Geſundheitszuſtand ihrer Armee erkennen,
muß der Tatſache ins Auge ſehen, daß Frankreich in
pathologiſcher Beziehung an der Spitze der Nationen
marſchiert,” mit dieſen Worten beginnt der Chef der
Mediziniſch=Statiſtiſchen Abteilung der franzöſiſchen
Ar=
mee, Dr. Binet=Sanglé, einen Alarmruf, den er im
Jour=
nal veröffentlicht und der in der Erkenntnis gipfelt, daß
es ſo wie bisher in der franzöſiſchen Armee nicht weiter
gehen könne. Auf Grund eines umfangreichen
amt=
lichen Zahlenmaterials vergleicht Dr. Binet den
Ge=
ſundheitszuſtand der franzöſiſchen
Trup=
pen mit dem der deutſchen, italieniſchen, öſterreichiſchen,
engliſchen und ruſſiſchen Truppen und kommt zu dem
Er=
gebnis, daß auf allen Gebieten Frankreich am
ſchlech=
teſten abſchneidet. Der franzöſiſche Militärarzt weiſt
dabei mit beſonderem Nachdruck auf die unvergleichlich
viel beſſeren Verhältniſſe in der deutſchen Armee
hin und die Gegenüberſtellung der entſprechenden Zahlen
gibt in der Tat für Frankreich ein geradezu troſtloſes
Bild.
Die Krankheitszahl erreichte in den Jahren 1903
bis 1907 auf je 1000 Soldaten folgende Ziffern. Im
deutſchen Heere erkrankten an Maſern von 1000 Mann
0,62, in Frankreich dagegen nicht weniger als 12,31. Bei
Scharlach lauten die Zahlen für Frankreich 3.70, für das
deutſche Heer 0,68. Für Diphtheritis: Frankreich 18,27,
Deutſchland 0,54, für Rheumatismus: Frankreich 18,.27,
Dautſchland 7.68, für Ruhr: Frankreich 1.95 und
Deutſch=
land 0.12. Mit beſonderem Nachdruck aber weiſt Dr.
Binet auf die ſchlimmen Verwüſtungen hin. die die
Pa=
rotitis, der berüchtigte Ziegenpeter, der Volkskraft
Frank=
reichs zufügte. Bei dem Stillſtand der franzöſiſchen
Be=
völkerungszunahme gewinnt dieſes Leiden eine
beſon=
dere Bedeutung. Im Jahre 1909 mußte man in der
franzöſiſchen Armee nicht weniger als 11227 Fälle von
Parotitis feſtſtellen; damit ſcheiden 5 Prozent, gegen 600
junge Männer, von der Fortpflanzung der Raſſe
end=
gültig aus. In der Zeit 1903—1907 zählte man in der
franzöſiſchen Armeg auf je 1000 Soldaten nicht weniger
als 18,66 Fälle von Parotitis, während für die deutſche
Armee im gleichen Zeitraum die Zahl 0.83 beträgt. In
dieſem Zuſammenhange ſpricht der franzöſiſche Mediziner
von den ſanitären Verhältniſſen in
Deutſch=
land mit der größten Anerkennung. Der
Desinfektions=
dienſt in Deutſchland iſt ungleich viel beſſer organiſiert
als bei uns. Städte wie Berlin. Köln. Hamburg, Kiel
uſw. bieten uns hierin ein Vorbild, ſelbſt in den kleinſten
Städten fehlen Desinfektionsanſtalten nicht, und dadurch
erklärt ſich auch der ungleich beſſere Geſundheitszuſtand
im deutſchen Heere. Im Vergleich mit unſerer Arme
regiſtriert man im deutſchen Heere: zweimal ſo wenig
Fälle von Diphtheritis, Genickſtarre und Influenza, fünf:
mal ſo wenig Fälle von Scharlach, ſechsmal ſo wenig
Typhus, 16mal ſo wenig Ruhr, 21mal ſo wenig Pocken
und 22mal ſo wenig Parotitis wie im franzöſiſchen
Militärdienſt. Und dabei,” ſo ſchließt der franzöſiſche
Mediziner, „will ich gar nicht von der Schwindſucht
ſpre=
chen, die bei uns dreimal ſo viel Soldaten heimſucht,
als in Deutſchland.”
Deutſches Reich.
— Die Arbeiten des Reichstags. Im
Reichstage nimmt man an, daß die laufenden Arbeiten
kurz vor Pfingſten abgeſchloſſen werden können. Die
Be=
ratung des Etats dürfte noch vor Ende April beendet
werden. Der übrige vorliegende Stoff, in der
Haupt=
ſache das Staatsangehörigkeitsgeſetz, dürfte im Plenum
nicht allzu viel Zeit in Anſpruch nehmen. Was die neuen
Wehrvorlagen anbelangt, ſo hofft man, daß dieſe
Vor=
lagen noch einige Tage vor dem Beginn der Oſterferien
dem Reichstage zugehen werden, ſodaß ſie in den
Frak=
tionen noch vor Oſtern beſprochen werden können. Die
erſte Leſung ſoll dann kurz nach der Wiederaufnahme
der Beratungen im April erfolgen. Es wird
angenom=
men, daß bei einer Einigung der Parteien über die
Frage der Verſtärkung der Heeresmacht die Wehrvorlagen
bis Pfingſten verabſchiedet ſein können. Sollten ſich
je=
doch größere Schwierigkeiten ergeben, namentlich
bezüg=
lich der Deckungsmittel ſo dürfte die endgültige
Verab=
ſchiedung der Vorlage auf den Herbſt verſchoben werden.
Nach dar anſtrengenden Wahlkampagne macht ſich jetzt
bereits im Reichstage eine gewiſſe Ermüdung bemerkbar.
So weit der Bericht einer parlamentariſchen
Korreſpon=
denz.
Die Beſprechung der
Zentrumsinter=
pellation über den Bergarbeiterſtreik im
Ruhrgebiet wird vorausſichtlich heute Donnerstag oder
morgen Freitag im Reichstag ſtattfinden.
— Die Reichspartei. Die Reichspartei verfügt
jetzt wieder über 15 Sitze durch den Uebertritt von zwei
Wilden, von denen der eine Graf Poſadowsky iſt. Die
Reichspartei iſt hierdurch auch nun wieder mit einer
Stimme in den Kommiſſionsſitzungen vertreten, Dasſelbe
wurde ſchon einmal berichtet, aber dann widerrufen.
— Die Reichsanſtalt für
Privatange=
ſtellte. Die neu zu errichtende Reichsanſtalt für
Pri=
vatangeſtellte wird zunächſt in Wilmersdorf bei Berlin
untergebracht werden, wo das Direktorium die
Organi=
ſation der Anſtalt durchführen wird. Es wird erwartet,
daß zu geeigneter Zeit ein beſonderes Reichsgebäude für
die neue Behörde errichtet werden wird. Der
Etatsent=
wurf, der die Mittel für die Einrichtung der Reichsanſtalt
anfordert, wird in nächſter Zeit dem Reichstage zugehen.
Präſident wird, wie bereits berichtet wurde, der jetzige
Miniſterialdirektor im Reichsamt des Innern, Exzellenz
Caſper.
In der reichsländiſchen Zweiten
Kammer wurde der Poſten von 44000 Mark für
ge=
heime Ausgaben im Intereſſe der Polizei vom Zentrum,
den Sozialdemokraten und den Demokraten geſtrichen,
während die Liberalen und der Lothringer Block ſich der
Abſtimmung enthielten. Das Zentrum erklärte ſich jedoch
bereit, ſeinen Standpunkt einer Reviſion zu unterziehen,
wenn eine Kontrolle dem Parlament zugeſtanden würde.
Außerdem gab es eine lebhafte Debatte über die
fran=
zöſiſchen Inſchriften (an Läden, Schaufenſtern uſw.),
deren Verbot von den Vertretern aller Parteien auf das
energiſchſte bekämpft und deren Abſchaffung verlangt
wurde. Bei der dritten Leſung ſoll ein entſprechender
Antrag geſtellt werden. Unterſtaatsſekretär Mandel
er=
klärte, der Regierung ſei dieſes Verbot ſelbſt ſehr
unan=
genehm, ſie könne aber nicht darauf verzichten.
Ausland.
Frankreich.
Der Austauſch der
Rakifikations=
urkunden über das deutſch=franzöſiſche
Abkommen vom 4. November 1911 iſt am Dienstag
abend im Miniſterium des Aeußern durch den deutſchen
Botſchafter Frhrn. v. Schön und den Miniſterpräſidenten
Poincaré erfolgt. Der Temps ſchreibt: Die
Unterzeich=
nung der deutſch=franzöſiſchen Ratifikationsurlunden
durch die beiden Staatsmänner hat ſich deshalb
etwas verzögert, weil beſonders künſtleriſch ausgeführte
Drucke auf Velinepapier hergeſtellt und in
Maroquin=
leder eingebunden wurden. Das eine Exemplar trägt
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 14. März 1912.
Nummer 63.
auf dem Umſchlag die Inſignien der Republik, das
an=
dere den deutſchen Reichsadler.
England.
Das neue Flottenbauprogramm ſieht an
Schiffsneubauten vor: vier große Panzerſchiffe, acht
leichte gepanzerte Kreuzer, zwanzig
Torpedobootszer=
ſtörer und eine Anzahl von Unterſeebooten und
Hilfs=
fahrzeugen. Der Mannſchaftsbeſtand wird um 2000
Mann vermehrt werden. In der Erläuterung, die der
erſte Lord der Admiralität Churchill dem Flotten=Etat
beigegeben hat, heißt es, daß der Flotten=Etat unter der
Vorausſetzung zuſammengeſtellt worden ſei, daß die
vor=
handenen Flottenprogramme der anderen Mächte keine
Erweiterung erfahren. Im Falle ſolcher Erweiterungen
würde es notwendig ſein, ſowohl für die zu
bewilligen=
den Mittel wie für den Mannſchaftsbeſtand einen
Nach=
tragsetat einzubringen. Für Schiffsneubauten werden
13 971527 Pfund Sterling gegen 15063877 im
laufen=
den Rechnungsjahre, davon 12067727 für die Fortſetzung
der Arbeiten an den bereits in Bau befindlichen Schiffen
und 1903800 Pfund Sterling für die Inangriffnahme
der Neubauten des neuen Programms beſtimmt. Der
Prozentſatz der neuen Schiffe des neuen Programms,
deren Bau im neuen Rechnungsjahre begonnen werden
ſoll, iſt größer als gewöhnlich. Danach wird es nötig
ſein, den Bau der geſamten neuen Torpedobootszerſtörer
auf einmal zu beginnen.
Das Heer. Im Verlaufe der Debatte über das
Heeresbudget im Unterhauſe erklärte Amory (Unioniſt),
daß das Land ſich bezüglich der Armee genau in
derſel=
ben Lage befinde, als dies vor Ausbruch des
ſüdafrikani=
ſchen Krieges der Fall geweſen ſei.
Parlamentsunter=
ſekretär Seely erwiderte, es ſei wörtlich wahr, daß
Eng=
land im Jahre 1899 die kleine Truppenmacht, die
not=
wendig geweſen ſei, um Verſtärkungen nach Natal zu
ſenden, nicht habe abſenden können, ohne Truppen von
Indien, Zeylon und anderen öſtlichen Garniſonen
wegzu=
nehmen. Aber es ſeien ſeither große Fortſchritte
ge=
macht worden. England könnte in wenigen Tagen, wenn
die Transportſchiffe bereit ſind, 150000 Mann vollſtändig
ausgerüſtet und mit Waffen, Munition und Vorräten,
ſowie Verſtärkungen für drei Monate abſenden und das
bedeute einen außerordentlichen Fortſchritt. Wenn
Amory die Zeit des ſüdafrikaniſchen Krieges mit der
gegenwärtigen vergleiche, ſo heiße das mit dem Hauſe
Scherz treiben. — Die Effektivſtärke der Armee wurde
darauf bewilligt.
Rußland.
Das Staatsbudget für 1912. Die
Reichs=
duma begann mit der Beratung des Staatsbudgets für
1912. Der Präſident der Budgetkommiſſion, Alexejenko,
führte aus:
Die Budgetkommiſſion erzielte durch Abänderungen
der Vorlage bei voller Berückſichtigung der
Volksbedürf=
niſſe einen Ueberſchuß in den ordentlichen Einnahmen
von 282 Millionen. Außerdem würden zur Deckung der
außerordentlichen Ausgaben und außer den für die
Til=
gung der Schatzſcheine beſtimmten 100 Millionen Rubel
nicht, wie die Vorlage beantrage, die 14,7 Millionen aus
den freien Barbeſtänden, ſondern die 54 Millionen des
Ueberſchuſſes benutzt werden. Das gegenwärtige
Bud=
get ſei das dritte ohne Fehlbetrag. In einem Zeitraum
von 5 Jahren ſei es gelungen, über drei Milliarden für
die Landesverteidigung und die volle Wiederherſtellung,
ja Stärkung der Kriegsmacht anzuweiſen und den
Aus=
gaben für die Volksbildung die gebührende Stellung
einzuräumen, ſowie den Anforderungen der
Landorga=
niſation und der Landwirtſchaft zu genügen, die Bahnen
in Sibirien zu entwickeln und die Lage der Beamten
aufzubeſſern. Ferner ſeien die Summen zur Tilgung
der Staatsſchuld vergrößert worden. Das Budget 1912
überſteige das Budget von 1907 um mehr als 500
Millio=
nen, die allein in ordentlichen Einnahmen beſtänden.
Da=
bei bleibe ein freier Barbeſtand von über 400 Millionen.
Miniſter Kokowzow führte in der Dumaſitzung aus: Zum
erſten Male erreicht das ruſſiſche Budget eine Höhe von
mehr als drei Milliarden Rubel. Die ordentlichen
Aus=
gaben wachſen durchſchnittlich um 80 bis 100 Millionen.
Die Staatskaſſe wird dadurch jedoch nicht orſchöpft /und
das Gleichgewicht des Budgets in Zukunft nicht gefähr=
det, ſelbſt ein Mißwachs iſt faſt ohne Einfluß auf die
Einnahmen. Die fünfjährige Arbeit der Reichsduma hat
bewirkt, daß die Einnahmen die Ausgaben um
1013000000 Rubel überſteigen. Dies hat die Deckung
der außerordentlichen Ausgaben, die Bildung eines
freien Barbeſtandes und die Tilgung von 205 Millionen
Staatsſchulden ermöglicht. Die Anleiheoperationen
ha=
ben dem freien Barbeſtand nur etwas mehr als 50
Mil=
lionen Rubel zugeführt. Die ordentlichen Einnahmen
ſind in vier Jahren um 20 Prozent gewachſen. Es iſt
behauptet worden, das Branntweinmonopol bilde die
Grundlage des Staatsbudgets. Jedoch hat das Monopol
an Einnahmen nur 7,8 Prozent gebracht. Die
Steuer=
laſt, die für 1912 10 Rubel 84 Kopeken pro Kopf
aus=
macht, iſt ſeit 1908 nur um 38 Kopeken geſtiegen. Der
Miniſterpräſident erklärte weiter: Von 150 Millionen
Rubel, um welche die Ausgaben der vier letzten Jahre
geſtiegen ſind, entfallen 121 auf die Landesverteidigung
Die Ausgaben zu Kulturzwecken ſind um 167 Millionen
geſtiegen. Davon entfallen 77 Millionen auf die
Volks=
aufklärung und 47 Millionen auf die Agrar=Organiſation
der Landwirtſchaft. Wenn Anleihen unnötig ſind, das
Staatsbudget wächſt und die Bedürfniſſe freigebig
be=
friedigt werden, ſo findet dies ſeine Klärung in der
Fi=
nanzlage, dem Finanzſyſtem und den Verhältniſſen
Ruß=
lands. Die Einnahmen wachſen alljährlich um etwa 40
Prozent. Selbſt unverbeſſerliche Peſſimiſten können den
Erfolg in der Umgeſtaltung des Wirtſchaftslebens nicht
in Abrede ſtellen. Nach 10 Jahren dürfte das ruſſiſche
Budget vier Milliarden erreichen. Kokowzow gab
ſo=
dann einen Ueberblick über die Tätigkeit der dritten
Duma und ſchloß, ſie könne auf den zurückgelegten Weg
ruhig zurückſchauen.
Die Entlaſſung des Botſchafters
Tſcharykow wird von der Nowoje Wremja als ein
Ereignis von höchſter Bedeutung bezeichnet. Die Intrige
gegen ihn ſei lange geführt worden. Der mißglückte
Ver=
ſuch, zwiſchen der Türkei und Italien zu vermitteln,
habe den Becher zum Ueberlaufen gebracht. Tſcharykow
habe, indem er den Verſuch nicht unterſtützte, zweifellos
ſeine patriotiſche Pflicht erfüllt. Die Zeitung deutet an,
daß Neratow der Nachfolger Tſcharykows werden dürfte.
Rjetſch ſchreibt: Der Politik Tſcharykows lag die
Ideali=
ſierung der jungtürkiſchen Richtung zugrunde. Wohl
war ein paſſender Mann in Konſtantinopel nötig, aber
immerhin iſt die ſchroffe Verabſchiedung tadelnswert,
die an die Stolypinſche Methode erinnert.
Türkei.
Aus Kreia meldet die Wiener Neue Freie Preſſe,
daß in einer ſehr bewegten Sitzung die revolutionäre
Verſammlung die Entſendung von zwei Abgeordneten
nach Griechenland und die Bildung eines Ausſchuſſes
zur Wahl einer proviſoriſchen Regierung beſchloß.
Ei=
nige Mitglieder der revolutionären Verſammlung
er=
griffen Beſitz von den Schlüſſeln der Miniſterien. Im
Auftrage des Präſidenten der Verſammlung überwachen
Gendarmen die Miniſterien. Die Konſuln traten ſofort
zu einer Beratung zuſammen. Die Anhänger Venizelos
proteſtierten gegen die revolutionären Beſchlüſſe. Trotz
dieſer Ereigniſſe herrſcht vollkommene Ordnung.
* Zeugniszwangsverfahren gegen das
Hamburger Fremdenblatt. Im Dezemher
vorigen Jahres erſchien im Hamburger Fremdenblatt eine
kurze Notiz mit der Ueberſchrift: „Kaufmänniſche
Ge=
werbeſteuer”, in der mitgeteilt wurde, daß in den
Be=
ratungen des bürgerſchaftlichen Ausſchuſſes, der ſich mit
weiteren Steuern für Hamburg zu beſchäftigen hatte, die
kaufmänniſche Gewerbeſteuer eine ſympathiſchere Aufnahme
als bisher gefunden habe. Da die Steuerdeputation eine
Denkſchrift über dieſe Steuer entworfen hatte, war ſie der
Meinung, daß ein Beamter der Deputation dem
Ham=
burger Fremdenblatt dieſe Notiz übermittelt oder ihr die
Grundlage dafür gegeben habe. In dieſer Angelegenheit
ſtand kürzlich Termin vor der Abteilung für
Requiſitions=
ſachen im Strafverfahren an. Der verantwortliche
Re=
dakteur für Kommunalpolitik, Dr. Obſt, ſollte als Zeuge
darüber vernommen werden, wer dem Hamburger
Frem=
denblatt die Notiz überſandt habe. Da der Zeuge
ſelbſt=
verſtändlich unter Bezugnahme auf ſeine Berufsehre ſich
weigerte, Angaben über die Autorſchaft der Notiz zu
machen, ſo wurde er, weil er das Zeugnis ohne geſetzlichen
Grund verweigert hatte, in die Koſten des Verfahrens
ſo=
wie zu einer Geldſtrafe von 200 Mark, eventuell 20 Tagen
Haft verurteilt. Von einer Erzwingung des Zeugniſſes
durch Haft wurde, wie der vernehmende Richter
ausdrück=
lich betonte, auf Wunſch der Staatsanwaltſchaft abgeſehen.
Wenn auch dieſe mildere Praxis dem Standpunkte des
Redakteurs in bezug auf unverbrüchliche Wahrung des
Redaktionsgeheimniſſes einigermaßen entgegenkommt, ſo
muß doch anläßlich dieſes Falles aufs neue auf die
Un=
haltbarkeit der geſetzlichen Beſtimmungen und auf die
dringende Notwendigkeit ihrer Reform anläßlich der
Neu=
regelung unſeres Strafprozeßverfahrens hingewieſen
werden.
* Senſationelle
Gerichtsberichterſtat=
tung. Der Polizeipräſident in München hatte ſich an
die journaliſtiſchen Organiſationen mit der Anfrage
gewendet, wie am beſten der ſenſationellen
Berichterſtat=
tung über Gerichtsverhandlungen, die ſich mit gemernen
Verbrechen beſchäftigen, begegnet werden könnte. Der
ge=
ſchäftsführende Ausſchuß des Landesverbandes der
bayeriſchen Preſſe hat darauf erwidert, der Wunſch des
Polizeipräſidenten werde allgemeine Billigung ſinden.
Fachleute ſeien ſich aber darüber klar, daß eine
dahin=
gehende Vereinbarung der Preſſe nur eines Teiles des
Reiches den beabſichtigten Zweck nicht erreichen werde
und deshalb wertlos wäre. Es ſei nötig, daß ſich eine
über das ganze Reich verbreitete Organiſatkon mit dieſer
Angelegenheit befaſſe. Auf der im Juni ds. Js. in
München ſtattfindenden Tagung des Reichsverbandes der
deutſchen Preſſe werde eine Erörterung darüber
er=
folgen.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 14. März.
* Vom Hofe. Die Großherzoglichen
Herr=
ſchaften folgten am Dienstag abend 8 Uhr einer
Ein=
ladung des Königl. Preußiſchen Geſandten Freiherrn
v. Jeniſch zum Abendeſſen. (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Mittwoch den Generalleutnant z. D.
Brodrück von Königsberg i. O., den Großh. Baurat
Jaeger, den Stadtbaurat Buxbaum, den Muſikdirektor
Süß, den Verlagsinhaber Schutter, den
Regierungs=
baumeiſter Hildebrand von Bingen; zum Vortrag den
Finanzminiſter Braun, den Vorſtand des Kabinetts
Geheimerat Römheld.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Heinrich
Frim=
berger zu Erbach, Kreis Heppenheim, eine Lehrerſtelle
an der Gemeindeſchule zu Obertshauſen, Kreis
Offen=
bach, mit Wirkung vom 15. April d. J. an; dem Lehrer
Georg Roth zu Radmühl, Kreis Lauterbach, die
Lehrer=
ſtelle an der Gemeindeſchule zu Holzmühl, in demſelben
Kreiſe; dem Schulamtsaſpiranten Georg Rein aus
Steinbach, Kreis Erbach, eine Lehrerſtelle an der
Ge=
meindeſchule zu Wieſeck, Kreis Gießen.
g. Schwurgericht. In der geſtrigen Verhandlung
gegen den Kaufmann Schmidt aus Bensheim hält
der Angeklagte noch immer ſeine Taktik, jeden
Betrugs=
verſuch in Abrede zu ſtellen, aufrecht, trotzdem ihm faſt
durch jeden Zeugen Aeußerungen bewieſen werden, die die
Betrugsabſicht von vornherein erkennen laſſen. So
ſchwin=
delte er mehreren Zeugen vor, die Geſellſchaft hätte
Fi=
lialen in Antwerpen, Köln, Berlin, Dresden uſw., es
wäre ein Reſervefonds von 40 Millionen vorhanden und
ähnliche phantaſtiſche Schilderungen der Geſellſchaft.
Der Angeklagte ſcheute ſich nicht, den Zeugen bewußtes
Lügen vorzuwerfen. Ein Zeuge hatte zunächſt 4000 Mark
als Kaution eingelegt, ſpäter ließ er ſich überreden, einen
Geſellſchaftsanteil der Würzburger Geſellſchaft, der
wie=
derholt verpfändet war, für 3000 Mark zu 15 Prozent
Zinſen zu übernehmen. Dieſer Zeuge iſt um ſeine 7000
Mark gänzlich gekommen. Ein Teil der Zeugen iſt
we=
gen weiter Entfernung vom Erſcheinen entbunden und
ſind dieſelben kommiſſariſch vernommen worden. — Die
Zeugenvernehmung dürfte haute noch immer nicht
abge=
ſchloſſen werden.
* Ortstarifamt für das Weißbindergewerbe. Unter
dem Vorſitz des Bürgermeiſters Mueller fand am
4. d. Mts. eine Sitzung ſtatt, die nach einleitender
Be=
ſprechung vertagt und am 11. d. Mts. nach éſtündiger
Verhandlung zu Ende geführt wurde. Es handelte ſich
um eine Klage gegen 7 hieſige Weißbinderfirmen
auf Grund des § 10 des Reichstarifvertrags für das
Weißbindergewerbe. In dem § 10 haben ſich die
be=
teiligten. Arbeitgeber= und Arbeitnehmerverbände
ver=
pflichtet, ſich gegenſeitig zur Bekämpfung einer
unan=
gemeſſenen Konkurrenz zu unterſtützen. Eine ſolche
Kon=
kurrenz liegt vor, wenn ein Meiſter, gleichgültig, ob er
Mitglied des Hauptverbandes deutſcher
Arbeitgeberver=
bände im Malergewerbe iſt oder nicht, einen Auftrag
unter dem Selbſtkoſtenpreis übernimmt oder
Angebote bei Submiſſionen macht, die unter dem
Selbſt=
koſtenpreis ſtehen. Im vorliegenden Falle war den 7
Firmen zur Laſt gelegt worden, daß ſie bei Submiſſionen
für ein ſtädtiſches, ſowie für eiſenbahnfiskaliſche
Ge=
bäude Gebote unter dem Selbſtkoſtenpreis eingelegt hät=
Mit dem deutſchen Roten Kreuz über
die Felſenberge von Tripolis.
C) Mit den Ausdrücken der höchſten Bewunderung
berichtet der im türkiſchen Hauptquartier von Ghurian
weilende engliſche Korreſpondent Alan Oſtler den Marſch
der deutſchen Kolonne vom Roten Kreuz durch die wüſten,
wegloſen Felsberge um Ghurian. „Daß die deutſchen
Aerzte mit ihren Aſſiſtenten und ihren Krankenwärtern
ihre ausgezeichnete Ausrüſtung bis zu den Gipfeln dieſer
Berge hinaufgebracht haben, das iſt eine der gewaltigſten
und ſchönſten Leiſtungen, die ich je erleben konnte. Es
wäre der Stoff zu einer Sage — „Wie das Rote Kreuz
nach Ghurian kam”, ein Heldengedicht, das den
Balladen=
ſängern vergangener Jahrhunderte Ehre gemacht haben
würde, jenen fahrenden Skalden, die uns Engländern und
Deutſchen, die unſeren gemeinſamen Vorfahren vor
Jahr=
tauſenden von großen Taten der Vorväter ſangen und
be=
richteten. Ich mußte unwillkürlich an Hannibals Zug über
die Alpen denken und ſelbſt jetzt, wo die Arbeit getan iſt
und ich davon erzählen will, erſcheinen mir die
überſtan=
denen Mühen und die beſiegten Schwierigkeiten nicht
klei=
ner als die jener Helden der Wiſſenſchaft, die in der
Ant=
arktis ſchwer beladene Schlitten durch verſchneite Wüſten
über Eisberge vorwärts treiben.
Als die Deutſchen mit ihrer Karawane von 360
ſchwer=
beladenen Kamelen und 14 mit mächtigen Kiſten bepackten
Wagen Azizia erreichten, hielt ich es für vollkommen
aus=
geſchloſſen, daß dieſe Vorräte und Inſtrumente auch nur
bis zu dem erſten Hügel vor Ghurian gebracht werden
könnten. Sechs Tage ſpäter war das Unmögliche Ereignis
geworden, war der letzte der ſchweren Wagen von
Men=
ſchen und Tieren über den letzten unwegſamen Bergpfad
emporgeſchleppt, ja man möchte ſagen, emporgetragen.”
Von Azizia ab hat Alan Oſtler den abenteuerlichen Zug
dieſer deutſchen Karawane begleitet, über ſteile
Felskup=
pen, durch Schluchten, vorbei an gefährlichen Abgründen.
„Und ich bin ſtolz darauf, daß ich Seite an Seite mit
die=
ſen deutſchen Gelehrten und deutſchen Männern in
Hemds=
ärmeln ſchieben, ziehen und tragen helfen durfte, bis die
ermatteten Muskeln den Dienſt verſagten. Die Araber
blickten mit ſcheuer Bewunderung auf dieſe „Herren” die
überall ſelbſt Hand anlegten und vor keiner Unmöglichkeit
zurückſchreckten. „Wullahi” flüſterten ſie rühmend, „das
ſind die Kinder wahrer Männer.”
Am 7. Februar war der Zug von Azizia aufgebrochen,
die Maultiere und Pferde der türkiſchen Artillerie zogen
die Wagen über den weichen knirſchenden Sand der Wüſte.
Als dann mit Einbruch der Dunkelheit das Lager
aufge=
ſchlagen wurde, ließen die Männer der türkiſchen Eskorte
ihre ſeltſamen langgezogenen Weiſen ertönen, und vom
deutſchen Lagerfeuer antworteten deutſche Volkslieder, die
Lorelei und ſchließlich auch die Wacht am Rhein. Kaum
daß um Mitternacht der erſte Schimmer des Mondes am
Horizont heraufſtieg: da begann ſchon wieder die Arbeit,
der mühſelige, erſchöpfende Marſch durch dieſes wüſte, öde
Land. Noch waren die Wege erträglich. „Nur zwei von
dieſen fünfzehn deutſchen Männern hatten jemals auf
einem Pferde geſeſſen; alle aber verſchmähten den Eſel
und verſuchten ſich ohne weiteres als Reiter; kleine
Zwi=
ſchenfälle mit den ſtörriſchen arabiſchen Pferden würzten
den Anfang unſerer gemeinſamen Reiſe. Aber dann blieb
keine Zeit mehr zu lachender Unterhaltung: jetzt kamen die
Berge, jetzt wurde es ernſt. Mächtige Felsblöcke
ver=
ſperrten den Weg, gefährliche Riſſe gähnten, die Pferde
mußten wie Ziegen klettern, die Wagen buchſtäblich über
ausgetrocknete Flußläufe, durch Dornen und Büſche
ge=
tragen werden. Mit Spaten und Hacke wurde Bahn
ge=
ſchafft, mit Hebeln ſtemmten wir die Räder Schritt um
Schritt weiter. Hier mußten wir Löcher im Erdreich
zu=
graben, um hinüber zu kommen; dann wurden lange,
ſchwere Seile an den Wagen befeſtigt, und
nebeneinan=
der zogen mit allen Kräften ihres Körpers Türken und
Deutſche, bis die Haut vom Handballen abgeſchürft war
und die Glieder ſchmerzten. Alle Rang= und
Klaſſenunter=
ſchiede waren verwiſcht. Der türkiſche Offizier und der
deutſche Arzt zerrten neben braunen Arabern und
gravi=
tätiſchen Türken an den Seilen, ſetzten die Hebebäume an,
griffen in die Speichen der Wagenräder. Hier rief einer
der Deutſchen dem türkiſchen Soldaten ein Scherzwort zu;
der Türke verſteht es natürlich nicht, aber er lächelt
würde=
voll und dann klammern ſich die Hände ſchon wieder um
die Speichen. So arbeiteten wir uns Schritt um Schritt
vorwärts; am Abend war endlich der Fuß der Berge
er=
reicht, die Stelle, von der zwei wirkliche ſteile Bergtreppen
nach Ghurian hinaufführen. Es ſchien hoffnungslos, die
Wagen hier empor zu ſchleppen. Es ſchien unmöglich.
Aber am nächſten Morgen begannen die Deutſchen
ge=
laſſen das Werk. Die Anſtrengungen des Tages ſpotten
einfach jeder Beſchreibung. Zitternd und erſchöpft ſanken
die Pferde zu Boden. Einer der Wagen überſchlug ſich
und wäre mit Mann und Tier in eine 30 Meter tiefe
Schlucht geſtürzt, wenn nicht ein mächtiger Granitblock zum
Glück das fallende Gefährt aufgehalten hätte. Am Abend
dieſes Tages waren 12 Wagen bis zum Gipfel geſchleppt;
mit zerbrochenen Rädern, geborſtenen Deichſeln, im Grunde
nur Trümmer von Wagen. Aber die Kiſten waren
ge=
rettet. Und am nächſten Tage wurden die beiden letzten
geholt. Als wir endlich oben ſtanden, mit aufgekrempelten
Hemdsärmeln, in Schweiß gebadet, keuchend und todmüde,
waren wir froh und ſtolz. Ich glaube, daß niemand
die=
ſen Deutſchen dieſe Leiſtung nachmacht. Sie haben es
vollbracht. Es ſind prächtige Männer, dieſe Deutſchen vom
Roten Kreuz.”
Nummer 63.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 14. März 1912.
Seite 3.
ten. Das Ergebnis der Verhandlungen führte dahin,
daß die Klage gegen 2 Firmen als unbegründet
erkannt wurde, während bei den 5 übrigen Firmen
feſtgeſtellt wurde, daß unter den Selbſtkoſten
eingelegt worden war. Gegen 4 dieſer Firmen wurde
antragsgemäß auf Verwarnung erkannt, während
von einer Maßregelung der fünften Firma im Hinblick
auf die Geringfügigkeit des Differenzbetrags abgeſehen
wurde. Bei der Urteilsbegründung hob Bürgermeiſter
Mueller hervor, daß die ausgeſprochene Strafe der
Ver=
warnung auf der einen Seite als ausreichend angeſehen
werden müſſe, da ein Verſtoß gegen den § 10 des
Reichs=
tarifvertrags zum erſten Mal hier feſtgeſtellt worden ſei.
Auf der anderen Seite ſei eine Ahndung des
vorgekom=
menen Verſtoßes umſomehr angezeigt, als es ſich hier
um Schäden handle, die geeignet ſeien, dem Handwerk
tiefe Wunden zu ſchlagen. Es ſei im dringenden Intereſſe
aller Beteiligten gelegen, daß gegen ſolche
Unterpreisan=
gebote mit allem Nachdruck vorgegangen werde. Er habe
es ſehr bedauert, daß das Ortstarifamt überhaupt mit
einem Verfahren auf Grund des § 10 des
Reichstarifs=
vertrages befaßt worden ſei. Wenn aber das Verfahren,
wie er hoffe, den Erfolg habe, daß künftighin kein Anlaß
mehr gegeben ſein würde, auf Grund des
Paragraphen 10 gegen hieſige Meiſter
vorzu=
gehen, dann werde man die Inanſpruchnahme
des Ortstarifamts im vorliegenden Falle doch nicht zu
bereuen haben. Kurz vor 9 Uhr wurde die Sitzung
ge=
ſchloſſen.
* Auflieferung von Frachtgütern. Man ſchreibt uns:
In der Zeit von 4 bis 6 Uhr nachmittags drängen ſich
an den Güterabfertigungen die Fuhrwerke in
ganz beängſtigender Weiſe und jedes möchte ſeine Güter
zuerſt an den Mann bringen. Die Einrichtungen der
Staatsbahn werden ſehr abfällig kritiſiert und es fallen
mitunter Worte, die in keinem Komplimentierbuch ſtehen.
Demgegenüber iſt feſtzuſtellen, daß die Einrichtungen der
Staatsbahn vollauf genügen, wenn aber die hieſige
Ge=
ſchäftswelt ihre Sendungen erſt in den letzten
Abend=
ſtunden aufliefert, ſo iſt es ganz natürlich, daß bei der
Auflieferung der Güter Stockungen eintreten. Die
Ge=
ſchäftsleute ſind wohl der Anſicht, daß für ihr Perſonal
der geringſte Zeitverluſt einträte, wenn dies die Güter in
der letzten Abendſtunde zur Auflieferung bringe. Dieſe
Auffaſſung iſt jedoch falſch. Würde ein Teil der Güter
vormittags oder ab 2 Uhr nachmittags
auf=
geliefert, ſo fände eine prompte Güterabnahme ſtatt und
der Aufenthalt würde auf ein Minimum beſchränkt. Die
Geſchäftswelt ſcheint ſich auch noch nie die Frage
vorge=
legt zu haben, wie die Bearbeitung der Frachtbriefe auf
den Abfertigungen erfolgt. Nach den
Ausführungsbe=
ſtimmungen zur Verkehrsordnung kann die Auflieferung
von Frachtgut bis 6 Uhr, von Eilgut und Wagenladungen
bis 7 Uhr nachmittags erfolgen. Die Beamten der
Ab=
fertigungen haben von 7 bezw. 8 Uhr vormittags bis
7 Uhr nachmittags Dienſt. Jeder Frachtbrief zu den
auf=
gelieferten Sendungen muß 8—10mal behandelt werden
Im Laufe des Tages kommen Hunderte von
Frachtbrie=
fen zur Auflieferung, von denen viele auch noch
mangel=
haft ausgefertigt ſind, die erſt durch telephoniſche
Rück=
ſprache uſw. richtiggeſtellt werden müſſen. Der größte
Teil der Frachtbriefe kommt jedoch erſt zwiſchen 4 und
6 Uhr nachmittags zur Auflieferung. Daß die
Abfertig=
ungsbeamten innerhalb der letzten zwei Dienſtſtunden
dieſe Frachtbriefe exakt bearbeiten können, iſt ein Ding
der Unmöglichkeit, und ſie ſind gezwungen, über die
nor=
male Dienſtzeit hinaus noch 1 bis 1½ Stunde länger zu
arbeiten. Es wäre, auch im Intereſſe der Geſchäftsleute
ſelbſt, dringend erwünſcht, daß ſie ihre Sendungen
mög=
lichſt frühzeitig aufliefern, wodurch auf beiden
Sei=
ten manche Unannehmlichkeit vermieden würde.
* Silberhochzeit. Das Feſt der Silberhochzeit
feierten am Dienstag bei voller Geſundheit das
Ehe=
paar Gg. Behrmann. Der Jubilar ſteht auch ſchon
über 25 Jahre im Dienſte der Main=Neckar=Bahn als
Weichenſteller, während die Jubilarin über 25 Jahre in
der Dampfwäſcherei Ludwia Hering tätig iſt.
* Sektion Darmſtadt, Deutſcher und Oeſterr.
Alpenverein. In der Monatsverſammlung
be=
richtete Herr Dr. Tenner, unterſtützt von zahlreichen,
wohlgelungenen Lichtbildern über eine Frühjahrsreiſe in
das ſüdliche Frankreich. Von Lvon führte die
Fahrt über Vienne, Avignon, Tarascon, Nimes, Arles,
Marſeille, Grenoble und zurück zum Genfer See. Der
Redner wußte ein feſſelndes Bild von der reichen Fülle
von Eindrücken zu geben, welche gerade dieſes Land dem
Reiſenden gibt: Da zieht die Geſchichte von den Zeiten
der alten Griechen bis zur Neuzeit am Geiſte vorüber,
und wenn auch kein Land mit ſeinen Denkmälern der
Vergangenheit ſo aufgeräumt hat, wie die Provence und
das Languedoc, ſo zeugen doch noch heute die ſtolzen
Römerbauten, die Tempel in Vienne und Nimes, die
mächtigen Amphitheater in Nimes und Arles, das
Theater und der Triumphbogen in Orange, ſowie der
kühne Pont du Gard von dem mächtigen Geiſt des
Altertums, die Schloßbauten in Avignon und Tarascon,
die Kathedralen aus früh=romaniſcher und gotiſcher Zeit,
die merkwürdigen Stadttrümmer von Les Beaux von
der Romantik des Mittelalters und ein ſüdlich=reges
Volksleben inmitten der abwechſelungsreichen
Land=
ſchaftsbilder: Feigen, Wein und Oliven, daneben die
öde Cräu und Camargue bieten die eigenſten und
wir=
kungsvollſten Reize für jedes empfängliche Gemüt.
Reicher Dank der Verſammlung, den der Vorſitzende
in Worte kleidete, war der wohlverdiente Lohn des
Redners.
Mungtskalender für Aquarfen= und
Terrarien=
freunde. (Mitgeteilt vom Verein „Hottonia”.) Die
länger währenden Tage und die Kraft der höher
ſteigen=
den Sonne im März machen ſich ſchon in der Vegetation
unſerer Gewäſſer bemerkbar. Auf dem Grunde der
Tüm=
pel und Gräben fangen die Pflanzen in größerer Zahl
an zu treiben. Auch in unſeren Aquarien verſchwindet
allmählich die unſchöne braune Schicht auf den
Pflan=
zen, die im Winter infolge des Licht= und
Sauerſtoff=
mangels entſtanden iſt. Jetzt iſt die beſte Zeit zur
Neu=
bepflanzung bezw. zur Ergänzung der im Winter
ein=
gegangenen Pflanzen. Bei geheizten Aquarien muß die
Heizung genau überwacht werden. Es iſt namentlich
darauf zu achten, daß keine Ueberhitzung der Behälter,
welche in ſonnigen, warmen Zimmern nachmittags leicht
entſtehen kann, ſtattfindet. Dasſelbe gilt auch für die
geheizten Terrarien. Auf der anderen Seite iſt ein zu
ſtarkes Sinken der Temperatur in der Nacht zu
vermei=
den. Mit dem Bezug empfindlicher Fiſche wartet man
beſſer noch bis Ende des nächſten Monats, wenn die
Transportgefäße keine beſondere Wärmevorrichtung
ent=
halten. Verſchiedene Fiſcharten ſchreiten jetzt ſchon zur
Paarung. Die Frühjahrsnachzuchten erweiſen ſich als
beſonders widerſtandsfähig. Gegen Ende März erwachen
bei günſtiger Witterung die Eidechſen, Ringel= und
Glat=
tennatter aus dem Winterſchlafe. Die Erdkröten und die
Taufröſche ſuchen ihre Laichplätze auf oder ſind ſchon in
voller Paarung begriffen. Die ungeheizten Terrarien
werden zur Aufnahme der heimiſchen Tiere, welche den
Ueberwinterungskäſten entnommen werden, in Stand
geſetzt, friſch bepflanzt, gereinigt uſw. und an einem
hel=
len, ſonnigen Standort im Zimmer gebracht. Mit dem
Aufſtellen der Terrarien im Freien wartet man bis Mitte
April. Zur Erhaltung und Schonung unſerer Tier= und
Pflanzenwelt wäre es zu begrüßen, wenn in den Schulen
die Kinder immer wieder darauf hingewieſen würden,
das Quälen der Tiere, das Totſchlagen der Schlangen,
Blindſchleichen oder Eidechſen, den Maſſenfang der
Molche und das achtloſe Ausreißen von Pflanzen uſw.
zu unterlaſſen.
— Die Koloniale Jagd= und Meerfiſche=Ausſtellung,
die, wie bereits berichtet, in der Zeit vom 30. März bis
10. April dieſes Jahres im Etabliſſement „Kaiferſaal”
ſtattfindet, hat ſich infolge vielſeitiger Beteiligung zu
einer Veranſtaltung entwickelt, die in den weiteſten
Krei=
ſen Intereſſe hervorruft. Der große Kaiſerſaal nebſt
den Galerien in der Grafenſtraße iſt vollſtändig beſetzt
und wird ein wiſſenſchaftlich hochbedeutendes Bild aus
den Kolonien widerſpiegeln. Seltenheiten von großem
Werte auf allen Gebieten des Jagdweſens zu Waſſer und
zu Lande, an Fiſchen, Vögeln, Raubtieren, an Waffen
und Ausrüſtungsgegenſtänden der Eingeborenen und
Europäer ſind in ſo großer Anzahl vorhanden, daß ein
Beſuch der Ausſtellung wohl jeden befriedigen und
feſ=
ſeln dürfte, der ein wiſſenſchaftliches und patriotiſches
Intereſſe für die deutſchen Kolonien beſitzt. Von
deut=
ſchen Kolonialfreunden im Auslande werden
hochinter=
eſſante Photographien und Jagdtrophäen ausgeſtellt.
Ebenſo ſind reiche Sammlungen aus Privatbeſitz auf
allen Gebieten der Wiſſenſchaft, des Sportes und des
täg=
lichen Lebens vorhanden. Eine reiche Sammlung von
Pflanzen aus den Kolonien, wohl die größte, welche es
bis jetzt gibt, wird von einem früheren Beamten aus
Deutſch=Südweſtafrika ausgeſtellt, und werden
Lichtbil=
dervorträge aus Afrika den Beſuchern Gelegenheit bie=
ten, einen Einblick in das Leben und die afrikaniſchen
Verhältniſſe zu tun. Das weitere über die Ausſtellung
wird in der Tagespreſſe in nächſter Zeit durch Inſerate
und Plakate noch bekannt gegeben werden.
— Aufführung eines Odenwälder Volksſtücks.
Einem allgemeinen Wunſche entſprechend, findet die
Wiederholung des mit ſo großem Beifalle
aufge=
nommenen Volksſtücks „s Millerſch Lisl vunn
Michl=
boch” am Sonntag, den 17. März, abends 8 Uhr, im
Saale der Turngemeinde Beſſungen ſtatt und ſind die
Eintrittskarten bei den im Anzeigeteil erſichtlichen
Ver=
kaufsſtellen zu haben.
* Ein Zeppelinſchiff als Beleuchtungskörper im
Schaufenſter des Inſtallationsbureaus Georg Keil,
Eli=
ſabethenſtraße 36, zieht gegenwärtig die Aufmerkſamkeit
der Paſſanten in hohem Maße an. Das Schiff iſt kunſtvoll
aus Mattglas mit Eiſenbeſchlägen als Modell eines
Zep=
pelinluftſchiffes angefertigt und dient als elektriſcher
Beleuchtungskörper.
— Poſtnoßiz. Die Verſendung mehrerer
Pakete mit ein er Poſtpaketadreſſe iſt für die Zeit
vom 1. bis einſchließlich 6. April weder im inneren
deut=
ſchen Verkehr noch im Verkehr mit dem Auslande —
aus=
genommen Argentinien — geſtattet. Nach Argentinien
können auch in dieſer Zeit mehrere, jedoch höchſtens drei
Pakete, mit einer Poſtpaketadreſſe verſandt werden.
* Chauſſeehaus. Wie alljährlich, ſo findet auch dies
Jahr an den Tagen des 14., 15., 16. und 17. März in den
Lokalitäten des Chauſſeehauſes (Heidelberger Straße
Nr. 87) Münchener Bockfeſt ſtatt. Zum Ausſchank
gelangt das beliebte Doppel=Spaten=Bier der Gebrüder
Sedlmayr in München. Für die erforderliche muſikaliſche
Unterhaltung ſorgt eine gewählte Abteilung unſerer 61er
Kapelle. (Siehe Anz.)
g. Unſall. Ein Schulknabe rannte geſtern mittag
in der Alexanderſtraße beim Lazarett, als er einem
Fuhr=
werk ausweichen wollte, gegen einen
Straßenbahn=
wagen und wurde von dieſem umgeſtoßen. Der
Junge erlitt zwei ſtark blutende Wunden an der Stirn
und anſcheinend auch einen Armbruch. Die Verletzungen
ſind nicht ernſter Natur.
§ Entflohener Zwangszögling. Ein
Zwangs=
zögling aus Lampertheim, welcher aus der
Erziehungs=
anſtalt Ohlyſtift bei Gräfenhauſen entwichen iſt,
wurde hier aufgegriffen und nach der Anſtalt
zurückverbracht.
§ Geiſtesgeſtört. Geſtern vormittag gegen 7 Uhr
iſt ein Taglöhner in einem Anfall von Geiſtesgeſtörtheit
aus dem Dachfenſter des Hauſes Große Bachgaſſe
Nr. 13 auf die Straße geſprungen. Er erlitt
hierdurch einen doppelten Beinbruch und mußte durch
die Sanitätswache in das Städtiſche Krankenhaus
ver=
bracht werden.
§ Selbſtmord. Am Dienstag mittag gegen 12 Uhr
hat ein älterer Mann in ſeiner Wohnung ſeinem Leben
durch Erhängen ein Ende gemacht.
§ Kellerbrand. In dem Hauſe Weinbergſtraße
Nr. 46 entſtand am Dienstag vormiitag kurz nach 8 Uhr
ein Kellerbrand welcher durch die Hausbewohner
alsbald wieder gelöſcht worden iſt.
Offenbach, 13. März. Das Infanterie=Regiment Nr.
168 ſoll bekanntlich durch die Bildung eines dritten
Batail=
lons verſtärkt werden. Mit der Stadt Offenbach waren
Unterhandlungen zwecks Uebernahme gepflogen worden.
Da nach Mitteilung des Beigeordneten Weil ein
Kaſernen=
bau einen Koſtenaufwand von etwa 1800000 Mark
er=
fordern würde, war man anfänglich gegen die Uebernahme.
Geſtern hat ſich abermals der Verfaſſungsausſchuß mit
dieſer Angelegenheit befaßt. Von der Erwägung
aus=
gehend, daß in den letzten Jahren alle in Frage
kommen=
den Städte die Kaſernenbauten übernommen haben und
daß das ſeitens der betreffenden Stadt hierfür aufgewandte
Kapital mit vier Prozent verzinſt und mit 1 Prozent
ſei=
tens des Militärfiskus amortiſiert wird, wurde die
Bür=
germeiſterei erſucht, mit der Militärverwaltung in
dies=
bezügliche Verhandlungen zu treten.
Fürth i. O., 12. März. Im Sande erſtickt iſt heute
nachmittag der 54 Jahre alte, verheiratete Schuhmacher
Wilh. Hübner in Rimbach. Er war in einer Sandgrube
in Rimbach tätig, als ein Teil der Grube
ein=
ſtürzte und Hübner mit einem anderen Arbeiter
ver=
ſchüttete. Während dieſer gerettet werden konnte,
Konzerte.
mm. Der Lieder= und Duetten=Abend, den Frau
Ottilie Metzger=Lattermann und Herr Theodor
Lattermann aus Hamburg am Dienstag im Rich.
Wagner=Verein hier gaben, erfreute ſich eines
ungewöhnlich ſtarken Beſuches. Viele zum erſten Male
geſungene Kompoſitionen gaben dem reichhaltigen
Pro=
gramm ein erhöhtes Intereſſe, das noch mehr auch der
ſehr geſchätzten Wagner=Sängerin galt, welcher im
all=
gemeinen auch der größte Teil des Erfolges an dem
ſchön verlaufenen Abend zukam. Der echte volle Altklang
der prachtvollen voluminöſen Stimme offenbarte ſich am
porteilhafteſten in den Sololiedern, die Frau Metzger=
Lattermann mit inniger Empfindung vortrug; unter
die=
ſen ſeien die mit einer ſtimmungsvollen, nicht
überlade=
nen und ungeſuchten Klavierbegleitung verſehenen Lieder
von Fritz Fleck: „Abſeits” und „Die Mutter” ſowie „
Ab=
ſchied von meiner Tochter” von Hans Pfitzner, die ganz
beſonders wirkſam vorgetragen wurden, hervorgehoben.
Pfitzners intereſſante Stimmführung gibt der
Geſangs=
ſtimme eine reizvolle Unterlage, obgleich bei ſeinem
zwei=
ten Lied, „Abendrot” die Grenze des dem einfachen
Ge=
dicht angemeſſenen Tonſatzes faſt überſchritten wird. In
der auf ſtürmiſches Verlangen zugegebenen Sapphiſchen
Ode konnten ſich Vortragskunſt und Wohlklang der
Stimme beſonders gut entfalten.
Ein Zyklus von fünf Liedern Friedrich Rückerts:
„Kindertotenlieder” von Guſtav Mahler (zum Gedächtnis
des im Mai des vorigen Jahres verſtorbenen
Kompo=
niſten geſungen) ſind, mit Ausnahme des letzten, für
die Geſangsſtimme, an die ſie übrigens recht große
An=
forderungen ſtellen, doch nicht ſehr dankbar geſchrieben
Die neben der reichentwickelten und orcheſtralen
Begleit=
ung faſt abſichtlich vernachläſſigte Singſtimme, die jeder
melodiſch gefälligen Faſſung gefliſſentlich auszuweichen
ſucht, erſchöpft nicht ganz den Gefühlsinhalt der
Rückert=
ſchen Gedichte, und die übertriebenen leidenſchaftlich=
dra=
matiſchen Ausbrüche können für den genannten Mangel
nicht entſchädigen; trotz der vollendeten Vortragskunſt
ſprach darum eigentlich nur das klanglich am beſten
be=
dachte: „In dieſem Wetter, in dieſem Braus” an, das,
für ſich allein vorgetragen, ſich länger erhalten dürfte.
In ſieben Liedern für Baß kam Herrn Theodor
Lattermanns gewaltiges, in der Tiefe ſehr klang=
volles Organ und ſeine Vortragskunſt, die den
Bühnen=
ſänger nicht verleugnet, zur Geltung. Außer oft
gehör=
ten Liedern von Schubert, Schumann und Brahms
inter=
eſſierten das gutgearbeitete und wohlklingende „Obdach
der Liebe” von Robert Kahn und das rhythmiſch lebhaft
bewegte Lied „Der Sieger” von Hugo Kaun am meiſten,
denen als Zugabe „Der Arbeitsmann” folgte. Bei den
Duetten, mit denen das Künſtlerpaar das Konzert begann
und ausklingen ließ, wurde die erſte Nummer durch
naſalen Ton in der Höhe der Baßſtimme etwas
beein=
trächtigt, während die zwei Duette von Anton Dvoräk,
echt volkstümliche zweiſtimmige mähriſche Lieder, ſehr
klangſchön zu Gehör kamen und zum Teil wiederholt
werden mußten. Die Begleitung an einem hübſchen
Perzinaflügel hatte Herr Profeſſor A. Mendelsſohn
mit gewohnter Meiſterſchaft ausgeführt.
bewilligen. Der Antrag wurde dem Budgetausſchuß
überwieſen. Der Miniſterpräſident teilte mit, die
Regie=
rung beabſichtige in den nächſten Tagen einen Antrag auf
Bewilligung eines Betrages für die Expedition
Amund=
ſens einzubringen, damit Amundſen in den Stand geſetzt
werde das Ziel zu erreichen, das er ſich von Anfang geſetzt
habe, nämlich zum Nordpol vorzudringen. Die
Geo=
graphiſche Geſellſchaft hat die angekündigte Aufforderung
an das norwegiſche Volk erlaſſen, Beiträge für Amundſens
Nordpolexpedition zu zeichnen.
O.K. Vom Schlaf der Fiſche. Von faſt allen Tieren
der Erde wiſſen wir, daß ſie nach mehr oder minder
gro=
ßen Zwiſchenräumen des Schlafes bedürfen um die beim
Wachen und in der Bewegung abgegebenen Energien zu
erſetzen; nur über den Schlaf der Fiſche beſitzt die
Wiſſen=
ſchaft noch keine erſchöpfenden Aufſchlüſſe, und ſeit langem
bemühen ſich in ſtiller Arbeit fleißige Forſcher, Licht in
dies Rätſel im Leben der Waſſerbewohner zu tragen. Vor
kurzem hat der Direktor des neuen Aquariums von Madras
ein Werk erſcheinen laſſen, das eine Reihe außerordentlich
intereſſanter Beobachtungen von den Lebensgewohnheiten
der Fiſche enthält. Auf Grund ſeiner Studien hat der
Ge=
lehrte feſtgeſtellt, daß die Seebarſche von der Gattung
Se=
ranus ſich allnächtlich auf den Grund ihres Baſſins
zurück=
ziehen und hier bis zur Wiederkehr des Tageslichtes völlig
unbeweglich verharren, alſo für unſere Begriffe ſchlafen.
Aehnliche Beobachtungen können bei einer ganzen Reihe
anderer Fiſche gemacht werden. Dabei zeigte ſich aber,
daß gewiſſe Fiſcharten, wie die Nature berichtet, nicht erſt
größere Tiefen aufſuchen, ſondern mit dem Einbruch der
Dunkelheit an der Stelle, wo ſie ſich befanden,
bewegungs=
los bleiben. Merkwürdig aber iſt die Tatſache, daß bei
manchen Fiſchgattungen ein dem Schlaf verwandter
Zu=
ſtand überhaupt nicht wahrgenommen werden konnte, die
Tiere ſcheinen ſich garnicht auszuruhen und ſchwimmen die
ganze Nacht hindurch von einem Ende des Baſſins zum
anderen hin und her.
Der heilige Teppich der Mekkapilger. Unmittelbar
nach dem Beiramfeſt gehen alljährlich von Aegypten die
Rieſenkarawanen der Mekkapilger ab, um die Reſte des
Propheten anzubeten, die in einem Stahlſarg eingeſchloſſen
ſind, der an der magnetiſch gemachten Decke des
Grab=
tempels aufgehängt iſt. Den Pilgerzug begleitet jedes
Feuilleton.
* Aus Kunſt und Wiſſenſchaft. Ein unbekanntes
Jugendwerk von Wilhelm Raabe. Bei der
Durchſicht der Tagebücher Raabes iſt, wie der H. C. meldet,
der Oberſchulrat Prof. Dr. Brandes=Wolfenbüttel, einer der
beſten Freunde des verſtorbenen Dichters, einer kleinen
No=
velle auf die Spur gekommen, die Raabe 1884 für die
Leipziger Illuſtrierte Zeitung geſchrieben, aus Verſehen
aber nicht ſeinen Geſamtwerken angereiht hat. Die
No=
velle, die den Titel „Ein Buch” führt, wird jetzt
veröffent=
licht im vierten Band der in Heſſes Verlag erſchienenen
Meiſternovellen neuerer Erzähler. Der Dichter, der im
Jahre 1884 mit der Abfaſſung der „Unruhigen Gäſte”
be=
ſchäftigt war, hat nebenbei in fünf Wochen die Novelle
ge=
ſchrieben, ganz in Stil und Form ſeiner Jugendarbeiten.
Oberbürgermeiſter Knobloch als Dichter.
Seine Uraufführung erlebte in Elberfeld das ſoziale
Schau=
ſpiel Tiefen von Benjamin Coida, hinter welchem
Deck=
namen ſich eine bekannte Perſönlichkeit aus dem
Direk=
torium des Hanſa=Bundes verbirgt, nämlich der
Ober=
bürgermeiſter a. D. Knobloch.
Ehrung für Amundſen. Im norwegiſchen
Storthing brachte der Abg. Vik einen Antrag ein, 6000
Kronen jährlich für ein an Amundſen zu übertragendes
außerordentliches Profeſſoriat an der Univerſität zu
Seite 4e
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 14. März 1912.
Nummer 63.
konnte beim Ausgraben des Hübner nur noch der Tod
feſt=
geſtellt werden.
Dudenhofen, 13. März. In der vergangenen Nacht
gegen 4 Uhr brach in der Hofreite des Gaſtwirts Auguſt
Heller, Michelsbräu, aus bisher unaufgeklärter Urſache
ein Brand aus, dem die Oekonomiegebäude und ein
Teil des Tanzſaales zum Opfer fielen. Dem raſchen
Eingreifen der freiwilligen Feuerwehr iſt es zu
ver=
danken, daß das Wohngebäude gerettet wurde. Der
Schaden iſt bedeutend, da ſich in den abgebrannten
Ge=
bäulichkeiten eine Selterswaſſerfabrikation nebſt einem
Kohlenlager befanden, und wird auf 6—7000 Mark
ge=
ſchätzt. Die Gebäude ſtanden vor dem Abbruch, da an
ihrer Stelle ein Neubau errichtet werden ſoll.
Mosbach, 13. März. In dem benachbarten
Dorn=
diel fiel das vierjährige Töchterchen der Eheleute Georg
Neff am Freitag in einem unbewachten Augenblick in
einen Topf ſiedenden Waſſers und verbrannte
ſich derart, daß es an den Verletzungen ſtarb.
Mainz, 13. März. Vor dem Schöffengericht ſollten
ſich geſtern der 39jährige Ingenieur Aug. Drandt von
hier und Redakteur Schildbach von der Mainzer
Volkszeitung wegen Beleidigung eines
Schutz=
manns verantworten. Drandt hat ſich vor einigen
Tagen mit Rückſicht auf den bevorſtehenden Prozeß
mit=
tels Leuchtgas in ſeiner Wohnung vergiftet. Drandt
war im Dezember vorigen Jahres auf der Redaktion der
Volkszeitung erſchienen und ſchilderte dort den Vorfall,
den er mit angeſehen haben wollte, wie ein Schutzmann
ohne Grund einen jungen Menſchen verhaftet und
miß=
handelte. Schildbach veröffentlichte einen Artikel, durch
welchen der Schutzmann aufs ſchwerſte beleidigt wurde.
In der Verhandlung ſtellte ſich der Vorfall weſentlich
anders dar. Nach der Beweisaufnahme gab Redakteur
Schildbach die Erklärung ab, die Feſtſtellungen hätten
ergeben, daß die Schilderung des Verhaltens des
Schutz=
manns in der Hauptſache den Tatſachen nicht entſprochen
habe, er (Schildbach) könne daher die in dem Artikel
ent=
haltenen Beſchuldigungen nicht aufrechti erhalten und
nehme den Vorwurf der unmenſchlichen Behandlung mit
Bedauern zurück.
Mainz, 13. März. Eine Zigeunerinvaſion gab
es geſtern in der hieſigen Neuſtadt. In einem Hauſe der
Joſephſtraße mietete ein Fremder für ſich und drei weitere
Perſonen eine Parterrewohnung auf die Dauer von einer
Woche. Der Mieter zahlte den Mietbetrag im voraus.
Heute erſchien nun der Fremde in Begleitung von zehn
„Damen”, die ſich ſofort durch die ganze Art ihres Aufzugs
als richtige Zigeuner entpuppten. Sie brachten ihr ganzes
Hausgerät, beſtehend in einem Bett (für 11 Perſonen) und
einigen Töpfen, auf einem Handkarren mit und richteten
ſich in dem Hauſe wohnlich ein. Als der Vermieter ſeine
neuen Hausgenoſſen ſich näher beſah, fürchtete er einen
all=
gemeinen Auszug der übrigen Hausbewohner und den
ſcharfen Proteſt der Nachbarſchaft. Als die Geſellſchaft
ſeiner Aufforderung zum Verlaſſen der Wohnung nicht
Folge leiſtete, rief man die Polizei herbei, die alsbald
er=
ſchien und die Eindringlinge ausquartierte.
Worms, 13. März. Da ſich die Verhandlungen der
Stadtverwaltung mit den ausſtändigen Arbeitern der
Gasrohrverlegung Worms-Pfiffligheim virſchlagen
haben, ſo hat ſie kurz entſchloſſen der Baufirma P.
Schmitt den Auftrag zur Weiterführung der
Arbeiten erteilt. Dieſe Firma hat ſich nun aus
Weſt=
falen 40 Erdarbeiter kommen laſſen, die in der Nacht von
geſtern auf heute hier ankamen. Vom frühen Abend an
war der hieſige Bahnhof von einer Menge Streikender
belagert, die die Streikbrecher in Empfang nehmen
woll=
ten und ſie nach dem Gewerkſchaftshauſe zu führen
beäb=
ſichtigten. Aber Ueberredungsverſuche verragken bei den
fremden Arbeitern, und dieſe haben heute ihre Arbeit
begonnen. — Die Reifeprüfung an der hieſigen
Oberrealſchule legten auch 2 Damen ab. Auf Grund
ihrer Leiſtungen waren beide vom mündlichen Examen
befreit. Frl. Marie Binnenfeld aus Worms
wen=
det ſich der Mathematik zu, während Frl. E. Ebert aus
Oſthofen Mediziner werden will.
Oppenheim, 12. März. Der Deſtillateur Ph. Greim
war heute in der Kloſterbrennerei Mariacron in einem
Keſſel beſchäftigt, welchem ein anderer Arbeiter
unvorſich=
tigerweiſe Alkoholdämpfe zuleitete. Durch ein in dieſem
kritiſchen Moment durch Greim entzündetes Licht entſtand
eine Exploſion der Dämpfe, die dem
Bedauerns=
werten ſchwere Brandwunden an den Händen und
beſonders im Geſicht beibrachte.
Jahr ein neuer heiliger Teppich, der unter dem
Wunder=
ſarg ausgebreitet wird, während der des Vorjahres
weg=
genommen wird und die Goldfäden, die in ihn eingewebt
ſind, unter die Gläubigen als Reliquie verteilt werden.
Die Herſtellung des neuen Teppichs wird von der
ägyp=
tiſchen Regierung alljährlich auf dem Wege des Zuſchlags
vergeben und koſtet rund 400000 Mark, ein Preis, deſſen
Höhe ſich durch das koſtbare Herſtellungsmaterial —
Gold=
fäden und Edelſteine — rechtfertigt. Der alte Teppich wird
nach der Rückkehr in der Moſchee der Zitadelle von
Alexan=
dria niedergelegt, während der neugefertigte, in einem
koſtbaren Kaſten verpackt, auf den Rücken eines Kamels
verladen wird. Dieſes auserwählte Kamel legt die
Bahn=
reiſe von Kairo nach Alexandria in einem Spezialwagen
und unter der Hut des Emirs El Hag, einer Art
muſel=
manniſchen Erzbiſchofs, zurück. Während der Fahrt über
die 208 Kilometer lange Strecke ſind die Bahnhöfe reich
mit Flaggen geſchmückt und von einer dichtgedrängten
Menge beſetzt. Die Ankunft in Alerandria weckt helle
Be=
geiſterung und wird mit 23 Kanonenſchüſſen begrüßt. Dann
ordnet ſich der enorme Zug der Fanatiker, die heulen,
tan=
zen und ſich unaufhörlich geißeln. Bevor das Kamel mit
dem Teppich auf das Schiff verladen wird, das es längs
des Roten Meeres nach Mekka bringt, empfängt der
Khe=
dive, der den Zug am Tor ſeines Palaſtes erwartet, die
heiligen Zügel aus der Hand des Emirs El Hag und führt
das Kamel durch den großen Hof des Palaſtes, um es dann
bis zum Verladungsplatz zu begleiten, während die
Scheichs von der Höhe der Minarets herab die Gläubigen
zum Gebet auffordern.
* Rache iſt ſüß. Es iſt ſchon ſpät, die Geſellſchaft
iſt ermüdet; ſchließlich, ſo erzählt eine amerikaniſche
Zeitſchrift, beſtürmt man einen der Herren, der ſich
manchmal als Sänger aufſpielt. Man bittet ihn, zu
ſingen. Aber der Amateurſänger iſt bedenklich. Es iſt
ſchon ſo ſpät, die Nachbarn könnten ſich beſchweren. „Oh!”
ruft die junge Dame des Hauſes, „auf die nehmen Sie
keine Rückſicht! Singen Sie nur los! Die haben vorige
Woche unſeren Hund vergiftet!“
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 12. März. Profeſſor Dr.
D. Adolf Laſſon, der berühmte Univerſitätslehrer,
darf heute in voller geiſtiger und körperlicher Friſche
ſei=
nen 80. Geburtstag begehen. Vor kurzem erſt beging
der greiſe Philoſoph ſein goldenes Schriftſtellerjubiläum
in ſeltener Rüſtigkeit. — Heute fanden in Berlin 25
Pro=
teſtverſammlungen gegen die in der
Einkommen=
ſteuernovelle geplante Beſteuerung der
Kon=
ſumvereine ſtatt. Es wurde in allen
Verſammlun=
gen eine entſprechende Reſolution angenommen. — Der
Schöneberger Kriminalpolizei iſt es geſtern
gelungen, den ſeit Jahresfriſt verfolgten angeblich
geiſtes=
kranken Kaufmann Ludwig Schäfer mit einer Anzahl
Komplizen zu verhaften. Er hat unter
verſchiede=
nen fingierten Firmen in allen Stadtteilen Groß=
Ber=
lins En gros=Geſchäfte errichtet, die aber nur dazu
dien=
ten, auswärtige Firmen um ihre Waren zu betrügen.
Die von ihm verübtan Betrügereien ſollen ſich auf 250000
Mark belaufen.
Homburg, 13. März. Ein Anſchlag iſt geſtern
abend auf den 8,20 Uhr von hier nach Friedberg
ab=
gehenden Perſonenzug zwiſchen Holzhauſen und
Rodheim, etwa 1 Kilometer entfernt von letzterem Orte
ausgeführt worden. Die Lokomotive ſtieß dort auf eine
quer über das Hauptgleiſe gelegte Schiene, von der
ein Teil von der Maſchine zerſtört wurde, ein anderer
Teil zur Seite flog und einen Signalmaſt zertrümmerte.
Glücklicherweiſe iſt der Zug nicht entgleiſt. Zwei der
Tat verdächtige Kroaten, die in der Nähe wohnen,
wur=
den noch nachts verhaftet.
Straßburg i. E., 12. März. In der Nacht von
Sonn=
tag auf Montag ſtiegen Diebe in das Münſter,
zer=
ſtörten eines der koſtbarſten Fürſtenfenſter, erbeuteten
Opferaeld und entkamen unerkannt.
Eiſcnach, 13. März. Der projektierte Umbau des
Wartburgflügels, in welchem ſich der
Wirtſchafts=
betrieb befindet, wird endgültiger Beſtimmung zufolge
im September dieſes Jahres in Angriff genommen
wer=
den. Für den Umbau hat Profeſſor Bodo Ebhardt
die Pläne angefertigt. Dieſe ſind ſo gehalten, daß der
Charakter der Burg durch den Umbau nicht beeinträchtigt
wird. Die Geſamtbauzeit iſt auf ein Jahr berechnet.
Eiſenach, 12. März. Auf dem Kaliſchacht Nippa bei
Heringen an der Werra löſte ſich ein 10 Zentner ſchwerer
Eiſenring aus dem Lager und ſtürzte in die Tiefe.
Von den auf dem Grunde des Schachtes arbeitenden
Leuten ſind vier lebensgefährlich und drei leichter verletzt
worden.
Dutsburg, 12. März. Von den bei der
Einſturz=
kataſtrophe auf der Niederrheiniſchen Hütte ſchwer
verletzten Arbeitern ſind zwei geſtorben. Die Zahl
der Getöteten beträgt jetzt drei.
Brüſſel, 12. März. Das Ardennendorf
Warmfon=
taine wird ſeit einigen Tagen von Erdrutſchungen
heimgeſucht. Unterhalb des Dorfs befinden ſich tief
aus=
gehöhlte Schieferſchächte. Die Stützpfeiler des Erdbodens
haben nachgegeben. Ueber 300 Menſchen mußten das
Dorf bereits verlaſſen.
Madrid, 12. März. Der König unterzeichnete ein
Dekret durch welches Prinz Alphonſo von
Orleans und Bourbon, der älteſte Sohn der Infantin
Eulalia, in alle Ehrentitel und Vorrechte als Infant von
Spanien wieder eingeſetzt wird.
Bombay, 12. März. Infolge einer furchtbaren
Exploſion von 1½ Tonnen Dynamit, die auf einem
ſchwimmenden Magazin untergebracht waren, wurden
neun indiſche Matroſen, die ſich auf dem Fahrzeug
be=
fanden, in die Luft geſprengt und ſind ſamt dem
Fahr=
zeug vollſtändig verſchwunden. Meilenweit im Umkreiſe
wurden Fenſterſcheiben eingedrückt.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.”
— Kammermuſike= Vereinigung. Es ſei
darauf hingewieſen, daß die vierte und letzte Matinee am
kommenden Sonntag im Muſikvereinsſaal erſt um 11¼ Uhr
beginnt. Dabei dürften auch einige Worte über das nur
wenig bekannte Streichquartett op. 132 am Platze ſein.
Beethoven hat es zwei Jahre vor ſeinem Tode geſchrieben,
im Sommer 1825; und wie alle Werke dieſer letzten Zei! trägt
auch das A-moll=Quartett die Züge ernſter und abgeklärter
Weltanſchauung, wozu ſich noch ein Unterton des Leidens
fügt. Man gedenke nur der körperlichen und ſeeliſchen
Ver=
faſſung Beethovens jener Zeit, wenn er, eben von ſchwerer
Krankheit geneſen, ſeinem etwas leichtſinnigen Neffen
zu=
ruft: „Wo bin ich nicht verwundet, nicht zerſchnitten? O
kränke nicht mehr, der Senſenmann wird ohnehin keine lange
Friſt mehr geben!” So geben hauptſächlich die beiden
Eck=
ſätze ein Bild ſchmerzerfüllter Leidenſchaft, während der
langſame Satz vom Komponiſten ſelbſt den Titel erhielt:
„Ein Dankgeſang eines Geneſenen an die Gottheit” ein
Choral, zwiſchen deſſen immer reicherer und innigerer
Wiederholung ſtets neu erſtehende Lebensfreude pulſiert.
Beethoven nennt das Quartett ſelbſt „ein meiner würdiges
Kunſtwerk” und es iſt dankbar anzuerkennen, daß ſich die
Kammermuſik=Vereinigung der Einſtudierung dieſes an
Schwierigkeiten überreichen Werkes unterzogen hat.
C Kompoſitionsabend Johanna
Senf=
ter. Es iſt ſchon auf den intereſſanten Abend hingewieſen
worden, den die junge heſſiſche Künſtlerin Johanna
Senfter am 15. dieſes Monats im Saale der
Ver=
einigten Geſellſchaft zweifellos den Muſikfreunden
unſerer Stadt bereiten wird. Johanna Senfter hat ohne
Frage allerlei zu ſagen, und ſie beherrſcht die Technik der
Kompoſition ſicher genug, um keinen Zweifel über das,
was ſie ausdrücken will, zu hinterlaſſen. Wenn ſie ſich
vorerſt noch häufig an die Ausdrucksweiſe ihres Lehrers
Max Reger anlehnt, ſo iſt damit faſt nichts gegen ſie
geſagt. Jeder Kompoſitionslehrer von ausgeprägtem
Weſen färbt ab. Aber wenn ein Schüler eines
Kompo=
niſten, deſſen Technik ſo kompliziert iſt wie die Regers,
dem Lehrer ſoviel abgelernt hat wie Fräulein Senfter, ſo
verdient er daraufhin ſchon Beachtung zu finden. In dem
Konzert am Freitag abend werden mitwirken: Frau
Emma Küchler=Weißbrod (Geſang), Fräulein
Lili Hickler (Violine), Herr Johannes Hegar (Cello)
und Herr Parl Aron (Klavier). Wie man uns mitteilt,
haben die Allerhöchſten Herrſchaften ihr
Er=
ſcheinen zu dem Konzert zugeſagt. (S. Anz.)
Der ſtädtiſche Voranſchlag für das Jahr 1912
(umfaſſend die Zeit vom 1. April 1912 bis 31. März 1913)
iſt im Druck erſchienen und bildet einen ſtattlichen Band
von 356 Seiten. Der Hauptvoranſchlag ſchließt mit
8 702 480 Mk. ab; hiervon entfallen 5936 180 Mk. auf die
Verwaltung, 1766300 Mk. auf das Vermögen. Bei der
Verwaltung erſcheint gegenüber dem Vorjahn ein Fehl=
betrag von 80000 Mk. Dieſe Summe als Gemeindeſteuer
ausgeſchlagen, würde, unter Zugrundelegung des
Ge=
meindeſteuerkapitals für 1911, eine Erhöhung des
Aus=
ſchlagsſatzes von 128,4 Prozent um etwa 2,8 Prozent
er=
fordern. Das Ergebnis der Steuerregulierung für 1912
liegt noch nicht vor. Da aber wohl mit einer Steigerung
der Steuerkapitalien gerechnet werden kann — in den
Jah=
ren 1902 bis 1911 betrug die durchſchnittliche jährliche
Steigerung 63 900 Mk. — ſo wird vorausſichtlich auch der
obige Fehlbetrag von 80000 Mk. bei Feſthaltung an der
letztjährigen Ausſchlagsziffer auf dem Steuerwege
auf=
gebracht werden können. Es empfiehlt ſich, bis zu dieſer
Feſtſtellung zum Ausgleich des Voranſchlags für 1912 den
Betrag von 256620 Mk. dem Ausgleichsfonds zu
entneh=
men und nach Feſtſtellung der neuen
Gemeindeſteuerkapi=
talien den Mehr= oder Minderertrag an Steuern für 1912
mit dem Ausgleichsfonds zu berichtigen. Nicht
berückſich=
tigt in vorliegendem Voranſchlag ſind die von den ſtädtiſchen
Beamten und Bedienſteten, der Schutzmannſchaft, der
Leh=
rerſchaft und der ſtädt. Arbeiterſchaft eingereichten Geſuche
um Erhöhung ihrer Bezüge im Hinblick auf die herrſchende
Teuerung auf allen Gebieten der Lebenshaltung. Wenn
auch von der Stadtverwaltung anerkannt wird, daß die
dermaligen Gehalte und Löhne nicht mehr den
verteuer=
ten Lebensverhältniſſen entſprechen und ſomit das
all=
ſeitige Verlangen nach einer, den Zeitverhältniſſen
ent=
ſprechenden Aufbeſſerung der Bezüge nicht von der Hand
zu weiſen iſt, ſo iſt die Einſtellung der zu dieſem Zweck
erforderlichen Mittel in den gegenwärtigen Voranſchlags=
Entwurf nur deshalb unterblieben, weil zunächſt die
Stel=
lungnahme des Staates zu der Frage der Erhöhung der
Gehalte der Staatsbeamten abgewautet werden ſoll.
Eine Aufbeſſerung der Gehalte und Löhne erfordert
natur=
gemäß eine nicht unerhebliche Summe, deren Aufbringung
in Darmſtadt nur auf dem Wege einer Steuererhöhung
möglich iſt. Beſtimmte Grundlagen für die Bemeſſung
einer Gehaltserhöhung liegen, da die ſtaatlicherſeits
beab=
ſichtigten Maßnahmen nicht bekannt ſind, noch nicht vor;
immerhin ſteht jetzt ſchon feſt, daß, wenn den Geſuchen nur
zum Teil entſprochen werden ſoll, doch mit einer
Mehr=
ausgabe von rund 200000 Mk. gerechnet werden muß.
Ueber die beabſichtigten Gehalts= und Lohnerhöhungen,
ſowie über die davon abhängige Feſtſtellung des
Steuer=
ausſchlags wird beſondere Antragſtellung bis nach einer
demnächſtigen Vorberatung im Finanz=Ausſchuß
vorbe=
halten. Die für 1912 veranſchlagten
Verwaltungsaus=
gaben weiſen bei einem Vergleich mit dem Vorjahre eine
Steigerung von rund 145000 Mk. auf — ein Ergebnis,
das gegenüber der ſeitherigen normalen Steigerung der
Ausgaben als günſtig bezeichnet werden muß und
beſon=
ders dadurch erzielt wurde, daß bei Veranſchlagung der
Ausgaben mit größter Sparſamkeit verfahren worden iſt.
Nicht dringliche Forderungen wurden zurückgeſtellt und
mit Maßnahmen zur Vereinfachung des Dienſtes und zur
Erzielung dauernder Erſpartliſſe fortgesahren. Wie in
jedem Jahre, ſo ſteht auch in dem bevorſtehenden die
Mehr=
forderung für die Schulen mit nahezu 60000 Mk. an erſter
Stelle. Ferner mußten 30000 Mk. Stückzinſen für ein im
Laufe des Jahres vorausſichtlich nötig werdendes
An=
lehen eingeſtellt werden. Erhöhte Zuſchüſſe bedürfen die
Polizeikaſſe, die Krankenhauskaſſe die Armenkaſſe und die
Kaſſe des Hallenſchwimmbades. Die Verwaltungs=
Ein=
nahmen weiſen zwar zum Teil auch erfreuliche
Mehrergeb=
niſſe auf, teilweiſe ſind aber auch größere Ausfälle zu
ver=
zeichnen, ſo insbeſondere bei „Oktroi” infolge der durch
reichsgerichtliche Entſcheidung erfolgten Aufhebung der
Oktroiabgabe für Wild und Geflügel (25000 Mk.),
nach=
dem auch bereits in den Vorjahren die Oktroieinnahme für
Schaumwein und Bier einen Rückgang erfahren hat und
der Bieroktroi in ſpäteren Jahren geſetzlicher Beſtimmung
gemäß noch weitere Ausfälle zur Folge haben wirds
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 13. März. Präſident Dr. Kaempf
er=
öffnet die Sitzung um 1,20 Uhr. Schleunige Anträge auf
Einſtellung ſchwebender Verfahren gegen die
Abgeord=
neten Nowicki (Pole), Baudert (Soz.) und Dr. Struve
(Fortſchr. Vp.) werden ohne Debatte angenommen. Die
Interpellation des Zentrums betreffend den Streik im
rheiniſch=weſtfäliſchen Kohkenrevier erledigt ſich für
heute, da Staatsſekretär Dr. Delbrück erklärt, die
Inter=
pellation morgen beantworten zu wollen. — Es folgt die
erſte Beraſtung eines Geſetzentwurfs
be=
treffend Einſtellung eines Nachtrags zum
Reichshaushaltsetat für 1911.
Abg. Molkenbuhr (Soz.): Die Sache bedarf
noch eingehender materieller Prüfung, deshalb beantrage
ch Ueberweiſung der Vorlage an die Budgetkommiſſion.
Es ſollen hier Stellen geſchaffen werden für die
Inkraft=
ſetzung der Reichsverſicherungsordnung. Da ſind
man=
cherlei Fragen zu erörtern, die für die Ausführung der
Verſicherungsordnung von größter Wichtigkeit ſind. —
Miniſterialdirektor Dr. Caſpar: Wir müſſen zunächſt
eine Organiſation ſchaffen, um das Inkrafttreten der
Reichsverſicherungsordnung zu ermöglichen, und darum
handelt es ſich bei den jetzt geforderten Stellen. Das
Reich muß in Bezirke geteilt werden, in die
Vertrauens=
männer zu wählen ſind. Es muß ſomit ein Wahlaufruf
erlaſſen und mit den Behörden Fühlung genommen
wer=
den. Dann erſt kann der Aufbau errichtet werden, den
Herr Molkenbuhr wünſcht. Einer Beratung in der
Bud=
getkommiſſion bedarf es dazu nicht. — Abg.
Baſſer=
mann (nl.): Ich kann mich dem Antrag des Abg.
Mol=
kenbuhr nicht anſchließen. Es handelt ſich nur um die
Feſtſtellung des Beſoldungsetats für die Präſidenten und
die Mitglieder des Direktoriums der
Reichsverſicherungs=
nſtalt. Dazu kommt daß die Sache recht
dring=
lich iſt. — Miniſterialdirektor Dr. Caſpar: Ich kann
die Auffaſſung des Abg. Baſſermann nur beſtätigen.
Aba. Dr. Schädler (Zentrum): Ich bitte,
an=
geſichts der Dringlichkeit von der Beratung in einer
Kom=
miſſion abzuſehen. — Aba. Molkenbuhr (Soz.): Ich
wollte nur verhindern, daß ohne Einwilligung der
Kom=
miſſion das Direktorium eingeſetzt wird. — Abg. Graf
Weſtarp (konſ.): Ich bitte, die Vorlage auch in
zwei=
ter Leſung hier ſofort zu erledigen. „Etwas neues iſt
ſeit der Debatte im vorigen Herbſt nicht in Erſcheinung
getreten. Wir haben nichts, woran wir Kritik üben
könnten.
Der Antrag Molkenbuhr wird zurückgezogen und die
Vorlage in erſter Leſung erledigt, und darauf auch in
zweiter Leſung ohne Debatte unverändert angenommen.
Sodann wird die
Beratung des Etats des Innern
fortgeſetzt und zwar bei Tital: Förderung des Abſatzes
landwirtſchaftlicher Erzeugniſſe und Unterſtützung
wiſ=
ſenſchaftlicher, techniſcher und ähnlicher allgemeiner Be=
Nummer 63.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 14. März 1912.
Seite 5.
ſtrebungen auf dem Gebiete der Landwirtſchaft. Hierzu
liegen mehrere Reſolutionen vor, die ſich auf die
Be=
kämpfung der Maul= und Klauenſeuche beziehen. Es
wird daher eine Generaldebatte eröffnet, in der auch
teilweiſe der Titel Reichsgeſundheitsamt und mehrere
damit in Verbindung ſtehende Etatstitel einbezogen
werden. — Abg. Matzinger (Zentr.) begründet eine
Reſolution ſeiner Partei, in der gefordert wird, daß die
Bekämpfung der Maul= und Klauenſeuche intenſiver
be=
trieben wird. Weiter wird u. a. volle
Entſchädigungs=
pflicht des Staates für Viehtötung und Schadloshaltung
für Sperrmaßregeln verlangt. Radner führt aus: Der
Rückgang der Maul= und Klauenſeuche hat nicht
angehal=
ten. Trotz der amtlichen Kontrolle iſt die Verſchleppung
der Seuche aus Verſuchsanſtalten zu konſtatieren. Die
Milchverſorgung wird immer ſchwerer, da geſunde
Milch=
kühe immer teurer werden. Auch die Fleiſchverſorgung
iſt erheblich erſchwert. Wir verlangen Staatsprämien
zur Durchforſchung der Seuche und Entdeckung des
Seu=
chenerregers. Die Koſten der Durchführung des
Vieh=
ſeuchengeſetzes, ſowie Ausgaben für einen beamteten
Tierarzt uſw. müßten durch allgemeine Mittel beſtritten
werden. Die Verhütungsvorſchriften dürften nicht einzig
bureaukratiſch vorgenommen werden, ſie ſollten unter
Mitwirkung von praktiſchen Landwirten bewerkſtelligt
werden. — Abg. v. Bolko (konſ.): Wir ſtimmen dem
Antrag des Zentrums zu. Sowohl die Landwirtſchaft
wie auch die ganze Volkswirtſchaft hat großen Schaden
durch die Maul= und Klauenſeuche erlitten. Wir wollen
den Schutz unſerer Viehbeſtände. Wir wollen zum
we=
nigſten nicht ſchlechter behandelt werden als das
Aus=
land. Das Inkrafttreten des neuen Viehſeuchengeſetzes,
das wir am 1. April erwarten, wird hoffentlich manches
ändern. Beim Ausbruch einer Seuche muß eventuell das
Abſchlachten des Viehs im Seuchenherd ſelber
vorgenom=
men werden. Namentlich die Kleinbeſitzer werden
Mo=
nate hindurch gezwungen, ihr Vieh im Stalle ſtehen zu
laſſen. Das trifft ſie ſchwer und macht böſes Blut. Die
Schutzmaßregeln treffen die Bevölkerung ſchwerer, als
die Krankheit ſelber. Von dem neuen Seuchengeſetz
er=
warte ich, daß in Zukunft ſchnell und energiſch
eingetre=
ten und nicht erſt abgewartet wird, bis der ganze deutſche
Viehbeſtand, der viele Milliarden an Wert hat. gefährdet
iſt. Eine kleine Gegend kann davon vielleicht Nutzen
haben, aber dem ganzen Vaterlande wird ſchwierer
Schaden durch die Vernachläſſiaung der
Seuchen=
bekämpfung entſtehen. (Beifall rechts.) — Abg.
Wam=
hoff (nl.): Die Oeffnung der Grenzen würde die
Seu=
chengefahr erheblich vermehren. Es müſſen für die
Durchforſchung der Seuche Mittel bereit geſtellt werden.
Unſere Reſolution verlangt weiter Vermeidung
unnöti=
ger Härten und die Uebernahme tierpolizeilicher Koſten
auf die Staatskaſſe. — Abg. Dr. Plunck (Fortſchr. Vp.):
Viele Seuchenfälle kommen jetzt überhaupt nicht mehr
zur Kenntnis der Behörden, weil die Leute die
Schere=
reien ſcheuen. Das Viehſeuchengeſetz muß an den
Gren=
zen beſonders ſſcharf gehandhabt werden, damit kein
krankes Stück Vieh nach Deutſchland hereinkommt.
(Bravo.) Schleswig=Holſtein allein hat einen Schaden
von vielen Millionen durch die Seuche erlitten. (Hört,
hört!) — Vizerpäſident Dr. Paaſche bittet die
Red=
ner, ſich kürzer zu faſſen.
Abg Scheidemann (Soz.): Früher beklagte man
ſich über die Seuche, jetzt über die zu ihrer Bekämpfung
ergriffenen Maßnahmen. Die der Regierung gemachten
Vorwürfe ſind zum größten Teil ungerechtfertigt. Die
Entſchädigungen für gefallenes Vieh ſind noch lange nicht
ausreichend. Es müßte die obligatoriſche
Viehverſiche=
rung eingeführt werden. — Abg. Kloſe (Zentr.): Ich
erſuche die Regierung dringend, das neue
Viehſeuchen=
geſetz baldigſt in Kraft treten zu laſſen. — Direktor im
Reichsamt des Innern v. Jonquiéres: Was die
Entſchädigungen anlangt, ſo iſt eine Erhöhung
gegen=
wärtig unmöglich. Die diesbezüglichen Wünſche der
In=
tereſſenten laſſen ſich nicht erfüllen. Es wäre dann
mög=
lich, wenn eine Aenderung dahin getroffen wird, daß
die Koſten den Reichs= und Staatskaſſen auferlegt
wer=
den. Die neuen Vorſchriften ſind den Intereſſenten lange
Zeit vorher zugänglich gemacht worden, ſodaß ihnen alſo
die Möglichkeit geboten war, ſich dazu zu äußern. Wir
hoffen, daß das Geſetz, wenn auch nicht zum
kalender=
mäßigen Frühjahr, ſo doch zum wirklichen in Kraft
geſetzt werden kann. — Abg. Heck (nl.): Das Löfflerſche
Serum zur Bekämpfung der Maul= und Klauenſeuche iſt
zu teuer, um allgemein verwendet zu werden. Wir
müſſen für eine beſſere Immuniſierung unſerer
Vieh=
beſtände bedacht ſein. — Abg. Behrens (Wirtſch.
Vgg.): Wir ſtimmen den Forderungen zu, wie ſie in den
Reſolutionen niedergelegt ſind. — Abg. Werner (Rfp.):
Die harten Strafen für Uebertretungen gegen das Vieh. haben zu allgemeinen Klagen geführt. Es
muß anſtelle der Gefängnisſtrafe nur auf Geldſtrafe erkannt
werden dürfen. — Abg. v. Morawski (Pole) bittet,
eine Reſolution ſeiner Partei anzunehmen, die ſich in
gleicher Richtung bewegt wie die anderen. — Der
Bericht=
erſtatter bittet, dem Antrag der Kommiſſion zuzuſtimmen
— Der Titel und ſämtliche Reſolutionen werden
ange=
nommen. — Bei Titel 7b Kreisſchulkommiſſionen
be=
gründet Abg. Schulz (Soz.) eine Reſolution ſeiner
Partei, die Kommiſſion zu einem ſelbſtändigen
Reichs=
amt für das geſamte Schul= und Bildungsweſen des
Deutſchen Reiches auszubauen. Die ausgeworfenen 6500
Mark reichen nicht aus, um dieſe Kommiſſion praktiſch
arbeiten zu laſſen. Die Pflege des Schulweſens iſt für
das Reich mindeſtens ebenſo wichtig wie die Förderung
der Wehrfähigkeit. Den Abſolventen der Mittelſchulen
ſollte ebenfalls die Berechtigung zum Einjährigendienſt
zuſtahen. Weiter verlangt die Reſolution beſſeres
Schul=
weſen, Abſchaffung des zweiten Dienſtjahres und
Re=
gelung des Schulweſens durch Reichsgeſetz.
Hierauf wird die Weiterberatung auf
Donners=
tag 1 Uhr vertagt. Vorher der Bergarbeiterſtreik. —
Schluß 6,30 Uhr.
Parlamentariſches.
* Am Dienstag Nachmittag fand der „Darmſt. Ztg.
zufolge unter dem Vorſitz des Staatsminiſters Dr
Ewald eine Sitzung der Kommiſſion zur
Be=
ratung der Vereinfachung der
Staatsver=
waltung ſtatt, an der regierungsſeitig noch
Finanz=
miniſter Dr. Braun und Geheimerat Dr. Beſt teilnahmen.
Gegenſtand der Beratung bildete eine von dem Großh.
Miniſterium der Juſtiz vorgelegte Denkſchrift über die
Ab=
änderung der Amtsgerichtsbezirke. Wie in
der Denkſchrift dargelegt iſt, ergibt eine Vergleichung der
Geſchäftslaſt der heſſiſchen Beamten der ſtreitigen und
freiwilligen Gerichtsbarkeit mit der Geſchäftslaſt der
gleichen Behörden in den angrenzenden Oberlandes=
gerichtsbezirken, daß die heſſiſchen Juſtizbeamten
durch=
ſchnittlich nicht geringer, vielmehr gegenüber denjenigen
der Oberlandesgerichtsbezirke Frankfurt a. M., Kaſſel und
Zweibrücken ſtärker belaſtet ſind als jene. Nach Anhörung
der Amtsgerichte und der Präſidenten der Landgerichte iſt
die Regierung zu dem Ergebnis gekommen, daß die
be=
ſtehende Bezirkseinteilung der Amtsgerichte im großen und
ganzen dem Intereſſe der Rechtspflege und namentlich den
Bedürfniſſen der Bevölkerung entſpricht. Die Regierung
iſt indeſſen der Anſicht, daß ſich eine Reihe von
Aende=
rungen durchführen läßt, durch die eine ſachgemäßere Ver
teilung der Arbeitslaſt und des vorhandenen
Beamten=
perſonals eintritt. Nach dem von dem Miniſterium der
Juſtiz aufgeſtellten Organiſationsplan ſollen in
Wald=
michelbach, Schotten, Ulrichſtein, Nieder=Olm und
Wörr=
ſtadt je 1, zuſammen 5 Richter, fortfallen. Von dieſen ſollen
2 nach Oppenheim und Alzey verſetzt werden. Die übrigen
3 ſollen alsbald dadurch Verwendung finden, daß in Groß=
Gerau, Offenbach und Darmſtadt II je ein Hilfsrichter durch
einen ordentlichen Richter erſetzt werden muß, da es ſich bei
dieſen Gerichten um ein dauerndes Bedürfnis handelt. Von
den 6 Hilfsrichtern, die in Altenſtadt, Hungen, Oppenheim,
Groß=Gerau, Darmſtadt II und Offenbach entbehrlich
wer=
den, ſollen 5 in Waldmichelbach, Ulrichſtein, Schotten,
Nieder=Olm mit Wörrſtadt und demnächſt in Gießen, zum
Teil allerdings nur zeitweiſe, Verwendung finden.
Hier=
nach werde eine Erſparnis nach drei Richtungen erzielt.
Zunächſt ſei die Möglichkeit gegeben, 3 Richterſtellen, deren
Neuſchaffung unvermeidlich iſt, mit vorhandenen
Richter=
kräften zu beſetzen und damit die Neuanforderung der für
dieſe Stellen erforderlichen Mittel zu vermeiden, ſodann
werde eine Anzahl Hilfsrichter nur während eines Teiles
des Geſchäftsjahres Verwendung finden, endlich werde das
bei einzelnen Gerichten näher rückende Bedürfnis nach
Ver=
mehrung der Richterkräfte hintangehalten. Ein
Kom=
miſſionsmitglied regte, veranlaßt durch eine Eingabe der
Bürgermeiſterei Wörrſtadt, an, bei der Einteilung der
Amtsgerichtsbezirke der Provinz Rheinheſſen den Bezirk
Nieder=Olm ſoweit zu verkleinern, daß ein Richter
ge=
nüge, den Amtsgerichtsbezirk Wörrſtadt ſoweit zu
ver=
größern, daß die Geſchäftslaſt für 2 Richter ausreiche, es
bei den 3 Amtsrichtern in Alzey zu belaſſen und die in
Nieder=Olm erſparte Richterſtelle Oppenheim zuzuteilen;
hierdurch werde der für Nieder=Olm und Wörrſtadt
ge=
meinſam vorgeſehene Hilfsrichter erſpart.
Staatsminiſter Dr. Ewald ſagte Prüfung dieſes
An=
trages auf Grund des neuen Materials zu und erklärte, daß
die Regierung ſich wegen der vorgeſchlagenen Neueinteilung
nochmals mit den in Betracht kommenden Gemeinden ins
Benehmen ſetzen werde. Entſprechend weiterer Anregungen
von Kommiſſionsmitgliedern erklärte ſich Staatsminiſter
Dr. Ewald auch damit einverſtanden, daß wegen Zuteilung
der Gemeinde Fränkiſch=Crumbach nach Reinheim oder
eventl. wegen deren Verbleiben in dem Amtsgerichtsbezirk
Reichelsheim weitere Erhebungen ſtattfinden ſollen und
daß nochmals geprüft werden ſolle, ob die Gemeinde
Harx=
heim bei Nieder=Olm zu belaſſen und von ihrer Zuteilung
zu Oppenheim abzuſehen ſei. Im übrigen wurde der
vor=
gelegte Organiſationsplan des Großh. Miniſteriums der
Juſtiz nicht beanſtandet.
Die Bergarbeiterbewegung.
Deutſchland.
* Eſſen, 12. März. Von insgeſamt 266835
Berg=
leuten des Ruhrbezirks ſind heute 110107 angefahren.
Es ſtreiken demnach 58,74 Prozent.
* Eſſen 12. März. Zur Nachmittagsſchicht
im Ruhr=Revier ſind 21113 Mann eingefahren, während
39984 hätten einfahren ſollen. Es ſtreiken alſo heute
Nachmittag 47,2 Prozent.
* Eſſen, 12. März. Nach Zeitungsmeldungen ſind
die Vertreter des nationalen
Bergarbeiter=
vereins in Eſſen zuſammengetreten, um über die durch
den Streik geſchaffene Lage zu beraten. Es wurde
aner=
kannt, daß die Behörden große Vorkehrungen zum Schutze
der Arbeitswilligen geſchaffen haben, doch wurde
betont, daß der Schutz nicht in der richtigen Form ausgeübt
werde. Es ſei notwendig, daß die Eingänge von den
Zechen von großen Menſchenanſammlungen freigehalten
werden, damit die Arbeitswilligen leichter zu ihrer
Arbeits=
ſtätte gelangen könnten. Die Verſammlung beauftragte
ſechs Mitglieder, bei dem Eſſener Polizeipräſidenten die
Wünſche des Bergarbeitervereins vorzutragen.
* Eſſen, 12. März. Die Rheiniſch=Weſtfäliſche
Zeitung meldet aus Hamborn: Heute nachmittag kam es
bei Schacht I der Gewerkſchaft Deutſcher Kaiſer bei der
Schichtbeendigung zu Zuſammenſtößen zwiſchen
der Polizei und Streikenden. Die Schutzleute
zerſtreuten die Menge. In der Nähe des Rathauſes wurde
auf einen Schutzmann ein Revolverſchuß abgegeben, der
Schutzmann ſchoß ebenfalls ſcharf und verletzte den
An=
greifer leicht am Kopfe.
* Eſſen, 13. März. Der bergbauliche
Ver=
ein verweigert von heute ab jede Mitteilung an die
Preſſe, weil ihm Stimmungsmache vorgeworfen ſei. Der
Preſſe wird dadurch eine wichtige Informationsquelle
ab=
geſchnitten.
* Eſſen, 13. März. Die Leitung der
Gewerk=
vereine chriſtlicher Bergarbeiter erläßt
fol=
gende Erklärung: Es zeigt ſich immer deutlicher, daß
der behördliche Schutz für die weiterarbeitenden Bergleute
nicht genügt. Aus faſt allen Bezirken der Ruhrreviere
kommen begründete Klagen über Beläſtigungen.
Trupp=
weiſe kommen die Vertrauensleute der Gewerkvereine zu
den Bureaus und beſchweren ſich. Es wird beſonders
be=
tont, daß die Beläſtigungen recht oft weniger durch
ſtrei=
tende Bergleute, als durch fremdes, unbekanntes Geſindel
erfolgen. Wir haben uns auf grund der Klagen unſerer
Mitglieder ſchon mehrfach unter Angabe von Tatſachen an
die Behörden gewandt, um einen ausreichenden Schutz für
die Nichtſtreikenden zu erhalten. Die Polizeibehörde hat
ſich bemüht, an den angegebenen gefährdeten Punkten mehr
Sicherheit zu ſchaffen, mit dem Erfolge, daß die
Beläſti=
gungen dort ab= und an anderen Stellen zunehmen.
Offenſichtlich genügt der bis jetzt zur Verfügung ſtehende
Beamtenapparat nicht. Es herrſcht ſtellenweiſe nicht die
Be=
hörde, ſondern der Pöbel. Wir ſehen uns genötigt,
öffent=
lich feſtzuſtellen, daß die Zunahme der Streikenden nicht
auf Streikluſt, ſondern auf Furcht vor Ueberfällen und
Beläſtigungen zurückzuführen iſt. Weiter müſſen wir ſchon
jetzt darauf aufmerkſam machen, daß die Wut der zum
Streik haltenden ſozialdemokratiſchen und polniſchen
Menge ſteigt und damit auch die Gefahren für die
arbei=
tenden Bergleute zunehmen. Wenn die Behörden nicht für
ausreichenden Schutz ſorgen, müſſen wir ſie für die
kom=
menden ernſten Ereigniſſe verantwortlich machen.
* Eſſen 13. März. Zur kombinierten Früh= und
Mittagsſchicht mußten einfahren 312272 Bergleute,
eingefahren ſind 123 268 Mann. Gefehlt haben alſo
60,53 Prozent.
* Hamborn, 12. März. Heute abend kam es in
Ober=Marxloh zu ſchweren Ausſchreitungen. Als
eine Anzahl Arbeitswilliger von einem Polizeiaufgebot
nach den Wohnungen begleitet wurde, entwickelte ſich ein
Kampf zwiſchen Streikenden und
Polizei=
mannſchaften. Auch heute wurde die Polizei mit
Steinen beworfen und aus den Fenſtern der Häuſer wurden
zirka 200 Schüſſe auf ſie abgegeben. Die Ladenbeſitzer
ſahen ſich gezwungen, ihre Läden zu verbarrikadieren.
Der Mob zertrümmerte die Straßenlaternen. Eine Laterne
wurde umgeworfen und das ausſtrömende Gas angezündet.
Erſt nach mehreren Zuſammenſtößen gelang es der Polizei
die Ruhe wieder herzuſtellen. Viele Polizeibeamte, unter
ihnen zwei Kommiſſare, wurden durch Steinwürfe
erheb=
lich verletzt. Im Laufe des Nachmittags weilte der
Re=
gierungspräſident Dr. Kruſe aus Düſſeldorf auf dem
Kampfplatze der geſtrigen Krawalle. In einer
außer=
ordentlichen dringenden Stadtverordneten=Verſammlung
wurde beſchloſſen, zu geſtatten, daß für die Dauer des
Streiks die Gewerkſchaft „Deutſcher Kaiſer” eine
Schutz=
wehr von 52 Mann und die Zeche „Neumühl” eine ſolche
von 22 Mann einrichtet, welche aus Beamten der
Gewerk=
ſchaft „Deutſcher Kaiſer” gebildet wird. Die
Schutz=
wehren haben Polizeirechte und werden mit Piſtolen und
Polizeiknütteln ausgeſtattet. Ihre Aufgabe iſt es, die
Zechen und Arbeitswilligen zu ſchützen; auch ſollen ſie nur
mit Polizeibeamten auftreten. Im Laufe des
Nach=
mittags wurden wieder zahlreiche Verhaftungen
vorge=
nommen.
* St. Avold 12. März. Auf der Grube „
Merlen=
bach” der Saar= und Moſelbergwerksgeſellſchaft iſt plötzlich
der Streik ausgebrochen. Heute Mittag ſind von den
rund 700 Mann der Belegſchaft der Grube nur 50
ange=
fahren. Die Streikenden, die ohne Kündigung die Arbeit
niedergelegt haben, ſtellen die gleichen Forderungen wie die
Arbeiter des Ruhrbezirks. Auf den ſonſtigen Gruben des
Bezirks iſt alles angefahren.
* Saarbrücken, 13. März. In einer geſtern
ſtatt=
gehabten Beſprechung von
Arbeiterausſchuß=
mitgliedern mit dem Vorſitzenden der
Königlichen Bergwerksdirektion
Saar=
brücken erklärte letzterer u. a. folgendes: Die Löhne
haben ſteigende Richtung. Sie ſtehen höher als im Jahre
1908, dem bisher höchſten Stand. Die Belegſchaft kann
ſicher darauf rechnen, daß eine weitere Steigerung der Löhne
eintritt und die Arbeiter der Saargruben an der beſſeren
Konjunktur teilnehmen werden. Die Zechenlöhne bei den
einzelnen Inſpektionen ſollen genau geprüft und hierbei die
Wünſche der Arbeiter ſoweit wie möglich berückſichtigt
wer=
den. Er erkenne voll und ganz an, daß die Saarbergleute
ihre Pflicht erfüllen und er ſei beſtrebt, ihnen gerecht zu
werden. Für den erſten des nächſten Monats ſei die
Ein=
führung der Familienkaſſe vorgeſehen. In den nächſten
Tagen ſoll hierüber der Arbeiterausſchuß noch gehört
werden.
* Herne, 13. März. Als heute früh ein
Schutz=
mannsaufgebot unter Leitung eines Kommiſſars
nach der beendeten Einfahrt auf Zeche Shamrock nach der
Zeche Julia marſchierte, wurde es auf der Rottbruchſtraße
von Streikenden mit Steinen beworfen und
be=
ſchoſſen. Die Schutzleute erwiderten das Feuer. Ein
Streikender wurde durch einen Kopfſchuß getötet.
* Dortmund 13. März. Das Oberbergamt gibt
bekannt: Bei der heutigen Frühſchicht ſollten einfahren
unter Tage 246016 Mann. Es ſind eingefahren 75325,
mithin ſtreiken 170 691 Mann. Ueber Tage ſollten anfahren
65 136, es ſind angefahren 47876 Mann. Mithin ſtreiken
17259 Mann.
* Düſſeldorf, 13. März. Auf eine aus Hamborn
eingegangene telegraphiſche Anordnung des Düſſeldorfer
Regierungspräſidenten Kruſe ſind vergangene Nacht
weitere Schutzmannſchaften aus
Düſſel=
dorf abgegangen und zwar ſechs berittene und acht
Fußbeamte. Heute früh folgten zwei Kommiſſare, vier
Wachtmeiſter und 77 Beamte. Außerdem wurden von dem
Regierungspräſidenten 36 Gendarmen nach Hamborn neu
beordert.
* Zwickau, 13. März. Dem Anſuchen der
Bergarbeiter bis zum 12. März über ihre
Forde=
rungen beſtimmte Erklärungen abzugeben, ſind in den
Be=
zirken Zwickau, Lugau und Oelsnitz nur einzelne
Gruben=
verwaltungen nachgekommen. Unter ihnen befindet ſich
der Morgenſternſchacht, der ſich ablehnend verhält. Man
glaubt, daß die übrigen Werke dieſem Beiſpiele folgen
werden. In dieſem Falle dürften die Bergarbeiter den
Streik beſchließen. Es kommen etwa 23000 Bergleute in
den beiden Revieren in Frage.
England.
* London, 12. März. Heute abend wurde über die
heutige Konferenz der Zechenbeſitzer eine
amt=
liche Mitteilung ausgegeben, die beſagt, daß eine
allge=
meine Beſprechung über die Lage ſtattgefunden habe. Die
Konferenz ſei auf morgen früh vertagt worden.
Die Konferenz der Vertreter der
Gruben=
beſitzer und Bergarbeiter die unter dem Vorſitz
des Premierminiſters Asquith im Auswärtigen Amt
ſtatt=
fand, iſt nach dreieinhalbſtündiger Däuer auf morgen
ver=
tagt worden. Eine Mitteilung über den Verlauf der
Ver=
handlungen iſt nicht erfolgt.
* London, 13. März. Die Preſſe äußert ſich
opti=
miſtiſch über die Ausſichten einer Beilegung des
Kohlenſtreiks. Die Daily News legt Gewicht darauf,
daß auf der geſtrigen Konferenz eine Unterkommiſſion von
Grubenbeſitzern und Bergleuten eingeſetzt wurde, die die
Minimalſätze beſtimmen oder wenigſtens erörtern ſoll.
Nach der Times hat geſtern ein Mitglied des Kabinetts
privatim erklärt, die Mehrheit der Grubenbeſitzer und der
Bergleute könnte innerhalb 48 Stunden zu
Friedens=
bedingungen gelangen, wenn die jetzigen Verhandlungen
fortgeſetzt würden.
* London, 13. März. In mehreren Landdiſtrikten
Schottlands wurden Bäckerläden geſtürmt und
Kohlen= und Kokslager geplündert. In Nottingham
hat die Staatsanwaltſchaft gegen ein ſozialiſtiſches Blatt
Anklage wegen Aufreizung zum Mord erhoben. Es wurden
zwei Verhaftungen vorgenommen.
* London, 13. März. Als Einleitung zu den
ge=
meinſchaftlichen Konferenzen hielt der
Ver=
band der Bergarbeiter heute eine Sitzung ab und erklärte
am Schluſſe derſelben, daß der Verband einmütig bedauere,
daß die Bergwerksbeſitzer keine Neigung gezeigt hätten,
die von den Arbeitern beanſpruchten Lohnſätze zu
erwä=
gen. Der Verband ſei daher nicht in der Lage, die
Wieder=
aufnahme der Arbeit anzuraten, bevor nicht ein
Minimal=
lohn für die verſchiedenen Kategorien der unter Tag
Ar=
beitenden bewilligt worden ſei. Der Verband ſei willens,
in Verhandlungen mit den Gruhenbeſitzern der verſchie=
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 14. März 1912.
Nummer 63.
Mit Recht kann Scotts Emulſion
ein Hausmittel
genannt werden, denn ſie hat ſich im Laufe von
35 Jahren einen ſtändigen Platz in unzähligen
Familien erworben. Für Kinder wie für
Er=
wachſene iſt
(36163
Scotts Emulſion unzweifelhaft ein
vortreffliches Stärkungsmittel.
denen Diſtritl einzutreien, um die Beilegung der
ftrit=
tigen Punkte ſobald als möglich zu erzielen.
* London, 13. März. Amtlich wird feſtgeſtellt, daß
die Beilegung des Streiks in wenigen Stunden
zu erwarten iſt, wenn die Verhandlungen zwiſchen den
Bergwerksbeſitzern und den Vertretern der Arbeiterſchaft
im gleichen Sinne wie geſtern heute weitergeführt werden.
Oeſterreich=Ungarn.
* Prag, 12. März. Auch die deutſchnationalen
Bergarbeiter, deren Vertretung im Reichsrate eine
Interpellation wegen der Streikgefahr im Nordweſtrevier
mit dem Verlangen nach Lohnerhöhung eingebracht
hat, beriefen eine Verſammlung zur Beratung der
Streik=
gefahr am nächſten Sonntag ein, ebenſo die Bergarbeiter
des Nürſchauer Kohlenbeckens.
* Teplitz, 13. März. Die Entſcheidung der
Berg=
arbeiter Nordweſt=Böhmens über die
Streik=
frage wird am Sonntag in Turn erfolgen.
Belgien.
* Brüſſel, 12. März. Infolge der
Bergarbei=
terausſtände in Deutſchland und England
begann unter den belgiſchen Grubenarbeitern
eine Gärung, weshalb das Nationalkomitee der Fédération
der Bergleute zuſammengetreten iſt, das beſchloß, die
Fragen der Minimallöhnung, einer Lohnerhöhung um
15 Prozent und der offiziellen Anerkennung der Fédération
den vier Revierkonferenzen für Sonntag zur getrennten
Beſchlußfaſſung vorzulegen. Eine allgemeine Konferenz
ſoll am 24. März in Brüſſel zuſammentreten, um endgültig
über die zu treffenden Maßnahmen Beſchluß zu faſſen.
Luftfahrt.
H. B. Berlin, 13. März. Zum erſtenmal in
Deutſch=
land hat ſich heute früh in Johannisthal der Fall ereignet,
daß zwei Flugmaſchinen in der Luft
zuſam=
menſtoßen. Beide Maſchinen ſtürzten aus 5 Meter
Höhe ab. Der Fliegerſchüler Badowski trug bei dem
Sturz einen Bruch des rechten Armes, ſowie Bein= und
Kopfverletzungen davon.
* Wiesbaden, 13. März. Heute wurde hier der
Verein Deutſcher Adler mit dem Zweck der
Förderung des deutſchen
Militärflug=
weſens gegründet. Der Zweck ſoll erreicht werden
durch Beſchaffung von Mitteln in Form einer
National=
ſammlung zur Anſchaffung und Erhaltung von
Luftfahr=
zeugen, ſowie zur Ausbildung von Fliegern. Der Verband
wird demnächſt einen Aufruf an das deutſche Volk erlaſſen.
Von der Regierung und einer Anzahl von
Großindu=
ſtriellen iſt dem Unternehmen weitgehende Unterſtützung
zugeſagt worden.
sr. Der Weltrekord für Ueberlandflüge
iſt von dem Morane=Flieger Tabuteau wiederum
überboten worden. Es glückte ihm der Verſuch,
von Pau nach Paris an einem Tage zu fliegen.
Tabu=
teau ſtartete morgens 7 Uhr 15 Minuten in Pau und
kam um 9 Uhr 50 Minuten in Poitiers an, das er um
2 Uhr 55 Minuten nachmittags verließ. Nach einem
Aufenthalt von 10 Minuten in Etampes erreichte der
Flieger 5 Uhr 25 Minuten das Flugfeld Villa Coublay
bei Verſailles. Tabuteau hat bei der erſten Etappe von
Pau nach Poitiers eine durchſchnittliche
Stundengeſchwin=
digkeit von 167 Kilometer innegehalten und bei der
zweiten Etappe von Poitiers nach Villa Coublay,
abge=
rechnet den kurzen Aufenthalt in Etampes, 137
Kilo=
meter. Die zurückgelegte Diſtanz beträgt zirka 730
Kilo=
meter.
Handel und Verkehr.
— Darmſtadt, 13. März. Dem 14.
Geſchäftsbe=
richt des Vorſtandes der Odenwälder Hartſtein=
Induſtrie A.=G. zu Darmſtadt für das Jahr
1911 entnehmen wir das Nachſtehende: Die auf das Jahr
1911 geſetzten Hoffnungen haben ſich erfüllt. Die lebhafte
Nachfrage nach Materialien, die am Schluß des letzten
Geſchäftsberichts betont werden konnte, hat im
laufen=
den Jahre angehalten. Die Beſtellungen an Kleinſchlag
zu Wegebau und Gleisbettung ſind zahlreich eingelaufen
und die Werke waren das ganze Jahr über hierin voll
beſchäftigt. Hand in Hand mit der lebhafteren Nachfrage
war auch ein Anziehen der Verkaufspreiſe verbunden und
es war uns möglich, die Preiſe für Kleinſchlag durchweg
etwas zu erhöhen. Verſand und Umſatz haben im
Be=
richtsjahre wiederum zugenommen. Das Ergebnis ſtellt
ſich wie folgt: Der Bruttogewinn beträgt 279836.64 Mk.,
hiervon werden zu Abſchreibungen verwendet 145945.89
Mark, während der Reſt von 133890.75 Mk. wie folgt zur
Verteilung vorgeſchlagen wird: 5 Prozent geſetzliche
Re=
ſerve 6694,55 Mk., 4 Prozent Vor=Dividende auf 1400000
Mark 56000 Mark, Tantieme an den Aufſichtsrat und
Vorſtand 21394.05 Mk., 3½ Prozent Super=Dividende
auf 1400000 Mk. 49000 Mk.; Reſt 802.15 Mk., hierzu
Ge=
winnvortrag aus 1910 4222.06 Mk., verbleiben 5024 Mk.
21 Pfg., welche auf neue Rchnung vorgetragen werden.
Die öffentliche Generalverſammlung findet am 17.
April im Zentralbureau der Geſellſchaft in Darmſtadt
mit folgender Tagesordnung ſtatt: 1. Vorlegung der
Bilanz und Gewinn= und Verluſtrechnung pro 1911. 2.
Erteilung der Entlaſtung an Aufſichtsrat und Vorſtand.
3. Beſchlußfaſſung über die Verteilung des
Reinge=
winnes.
Landwirtſchaftliches.
O Vermittlungen von Saatgut. Infolge
des ungünſtigen Ausfalles der 1911er Ernte iſt die
Nach=
frage nach gutem Saatgetreide und beſonders
Saatkartoffeln in dieſem Jahre eine große. Durch
die Saatbauſtellen der Landwirtſchaftskammer für das
Großherzogtum Heſſen iſt im Großherzogtum eine
Ein=
richtung getroffen, die es den Landwirten möglich macht,
ſtets ſortenechtes und reines Saatgut bewährter Sorten
von Kartoffeln, ſowohl wie von Sommerweizen, Gerſte
und Hafer zu beziehen. Die Landwirtſchaftskammer für
das Großherzogtum Heſſen iſt gerne bereit, den Bezug
ſolchen durch ſie angekörten Saatgutes ihrer
Saatbau=
ſtellen zu vermitteln.
Literariſches.
C „Und all die Kränze” Gedichte von Rudolf
Presber. (J. G. Cottaſche Buchhandlung Nchflg.,
Stutt=
gart; 3 Mark). Von all den Bänden Gedichte, die Rud.
Presber uns nun ſchon beſchert, dünkt dieſer neueſte uns
der beſte, weil poeſievollſte, reifſte. Oder iſt’s nur eine
Täuſchung, ſcheint alles, was von dem ja zu den „
Lieb=
lingen” unter der gegenwärtigen Dichtergeneration
Zäh=
lenden, neu erſcheint, das Beſte? Das Beſte, weil eben
ſalles gut, was ſeiner Feder entfließt. Jedenfalls
fbringt der neue Band wieder Proben köſtlicher deutſcher
Karl Fröhlich Schatten=Liliput. Mit
Verſen für die Kleinen und einem Nachwort für die
Großen v. F. Avenarius. In Pappband Mark 1.—
Georg D.W. Callway, Kunſtwartverlag, München.
Lebte da, lang iſt’s her, in Düſſeldorf ein junger Maler,
der ging abends in den Wirtshäuſern herum und für was
Warmes oder Kaltes ſchnitt er den Leuten ſo unglaublich
feine Schattenriſſe in allerhand luſtigen oder ernſten Szenen
aus, daß es wirklich an Hexerei grenzte. Nach einem halben
Jahrhundrt nun legte ein Nachfahr dieſe Sächlein
Avena=
rius vor und dieſer erkannte in ihnen mit Freuden längſt
verſchollen geglaubte Jugendarbeiten desſelben Karl
Fröhlich, der ſpäter zum Lehrer eines Hochberühmten
ward, Paul Konewkas. Avenarius hat recht, einige dieſer
hier genau in Originalgröße wiedergegebenen Bildchen
dürften in der Tat die Gipfelpunkte der Scherenvirtuoſität
aller Zeiten bedeuten. Avenarius hat Kindern Verſe dazu
gedichtet, die alles zu einem launigen Ausflug nach
Schat=
ten=Liliput zuſammenfaſſen. In einem „Nachwort für die
Großen” gibt er auch ernſthaftere Rechenſchaft.
— Eine Anweiſung zur Oelmalerei”
von Emy Gordon, Verlag von E. Haberland, Leipzig=R.,
Preis 1.50 M., geht ſchon in vierter Auflage in die Welt.
Die rühmlich bekannte Verfaſſerin gibt allen Anfängern
und Dilettanten in der Oelmalerei ſehr beherzigenswerte
Ratſchläge, deren Befolgung nicht nur vor vielen
Miß=
griffen ſchützen, ſondern auch zu recht guten Ergebniſſen
führen wird. Die Verfaſſerin verſpricht in ihrem Vorwort
nicht mehr als ſie halten kann, aber ſie verrät mit jeder
Zeile, daß ſie weiß was Anfänger und Dilettanten brauchen
und worüber ſie Auskunft haben wollen.
— Verſicherungs=Geſetz für Angeſtellte
iſt in der Sammlung von Geſetzausgaben des C. H.
Beck=
ſchen Verlags (Oskar Beck) in München — als
Seiten=
ſtück zu der im gleichen Verlag erſchienenen,
weitverbrei=
teten Ausgabe der Reichsverſicherungsordnung — zur
Ausgabe gelangt. Der billige Preis von M. 1.20 für den
ſauber gedruckten Band von 108 Seiten verbürgt die
allge=
meinſte Verbreitung dieſer Ausgabe des wichtigen Geſetzes.
Der engliſche Flottenetat.
* London, 13. März. Die Preſſe beſchäftigt ſich
mit dem Flotten=Etat. Daily Chronicle iſt
mit dem Etat einverſtanden, obwohl die erhoffte
Reduk=
tion nicht möglich geweſen ſei. Das Blatt hofft, daß die
Ziffern des Etats die Hochwaſſerlinie bezeichnen und
daß künftig ebenſo wie in den erſten Jahren der liberalen
Regierung Reduktionen möglich ſein werden. Die Stärke
der engliſchen Flotte hänge davon ab, was die anderen
Mächte tun. Immerhin ſei es bedauerlich, daß immer
auf Deutſchland hingewieſen werde und Ziſſern zum
Vergleich gebraucht wurden, die nicht immer zuverläſſig
ſeien. Das Blatt betont, der ernſte Wunſch der
geſam=
ten Regierung und der liberalen Partei, der auch von
der großen Maſſe der Nation geteilt würde, ſei, zu einer
Verſtändigung mit Deutſchland zu kommen. Aber erſt
nach einer ſolchen Verſtändigung könne eine
Einſchrän=
kung der Rüſtungen eintreten. Das engliſche Programm
habe keinen aggreſſiven oder herausfordernden Charakter.
Eine eventuelle Vermehrung des Bauprogramms ſei
ausdrücklich nicht erwähnt, obwohl ſie ſtillſchweigend
an=
gcnommen ſei. Wenn andere Mächte ihr Programm
er=
weitern würden, ſo würde England genötigt ſein, dieſe
Vermehrung durch einen Nachtraasetat aufzunehmen.
Das kommt einer dringenden Aufforderung gleich, den
Wettkampf der Rüſtungen nicht zu forcieren, und dieſe
Aufforderung geſchieht im auten Willen und in
freund=
lichem Sinne, und wir hoffen und glauben, daß ſie eing
gute Aufnahme finden wird. — Die Daily News greift
den Flotten=Etat heftig an, da er das Stärkeverhältnis
zu Deutſchland auf 2 zu 1 ſetze. Der Etat ſei nicht nur
finanziell ein Unglück, ſondern eine Revolution in der
engliſchen Flottenpolitik. Der Augenblick dazu ſei
be=
ſonders unglücklich gewählt und der enaliſche Etat ſei
das ſicherſte Mittel, ein neues deutſches Flottengeſetz auf
breiteſter Grundlage zu ſchaffen. Das Blatt erwähnt
die ſchlechten Erfahrungen mit der Konſtruktion des
„Orion” des „Lion” und der „Queen Mary” und ſchließt:
Es hat keinen Zweck, den Abaeordneten Reden zu
hal=
ten, wenn ſie nicht entſprechend abſtimmen, denn keine
Regierung wird dieſen wahnſinnigen Ausgaben für die
Rüſtungen Einhalt tun, wenn ſie ſich mit ihrem Sturze
bedroht ſieht. Die Times ſagt, daß der Etat das
Ver=
ſprechen einlöſe, das Miniſter Churchill in ſeiner
Glas=
gower Rede gegeben habe. Auch die übrigen
unioniſti=
ſchan Zeitungen erklären ſich mit dem Flotten=Etat
ein=
verſtanden.
Der italieniſch=türkiſche Krieg.
* Konſtantinopel, 12. März. Das
Kriegs=
miniſterium veröffentlicht eine Depeſche des
türki=
ſchen Truppenbefehlshabers in Tripolis, in der es heißt:
Nachdem wir erfahren haben, daß der Feind Ain=
Zara teilweiſe geräumt und ſeine Stellung rückwärts
verlegt hat, begannen wir am 10. März den Kampf und
ſtellten dabei feſt, daß der Feind wirklich Ain=Zara
ge=
räumt, ſich nach dem Norden zurückgezogen und hier eine
neue Verteidigungsſtellung eingerichteß hat. Bei dem
Angriff der italieniſchen Stellung hatten wir fünf Tote
und neun Verwundete.
* Konſtantinopel 12. März. Die Pforte hat
Nachrichten, nach denen ſich zwei italieniſche
Kriegsſchiffe im Archipel befinden ſollen. Man
glaubt jetzt, daß das Vorgehen der Italiener gegen eine
der Inſeln unmittelbar bevorſteht. Die Miniſter des
Krieges, der Marine und des Innern hielten unter dem
Vorſitz des Miniſters des Aeußern eine Beratung ab.
Der Kriegsminiſter hatte eine Beſprechung mit dem
Groß=
weſir. Die Pforte hat auch Nachrichten über die
Kon=
zentration ruſſiſcher Truppen in der Gegend von Kars
und Erivan erhalten. Die offiziellen Kreiſe glauben aber
nicht, daß ſich die Truppenbewegungen gegen die Türkei
richten.
H. B. Rom, 13. März. Von zuſtändiger Seite wird
mitgeteilt, daß für die nächſten Tage keinerlei Operationen
ſeitens der italieniſchen Flotte zu erwarten ſind und zwar
aus zwei Gründen, nämlich erſtens, weil der neue
Ober=
befehlshaber ſeinen Poſten noch nicht übernommen hat und
wichtigere Operationen nur unter ſeiner Leitung
voll=
zogen werden, und zweitens, weil eine ſolche Aktion für
dieſen Augenblick ein Fehler wäre, den Italien nicht
be=
gehen wolle.
Letzte Nachrichten.
— München, 13. März. Der Neſtor des bayeriſchen
Zentrums, Landgerichtsrat a. D. Joſeph Geiger, der
dem Landtag über 30 Jahre angehörte und in den 80er
Jahren Mitglied des Reichstages war, iſt in München
ge=
ſtorben.
H. B. London) 13. März. Das Tauchboot A 3
wurde heute nach Portsmouth gebracht und dort
gedockt. Die 14 Leichen wurden herausgeholt und nach
Kasley übergeführt, um dort nach der Totenſchau beerdigt
zu werden.
— Belgrad, 13. März. In dem ſüdſerbiſchen
Städt=
chen Prokuplje brach in einem Hotel eine
Feuers=
brunſt aus, durch die das Hotel und ein dort befindliches
Lichtſpieltheater abbrannte. Etwa 200 Menſchen
flüch=
teten in wilder Panik aus dem Theater. Es wurden alle
gerettet.
H.B. Petersburg, 13. März. Der ruſſiſche
Bot=
ſchafter in Rom, Fürſt Dolgorucki, verläßt
krank=
heitshalber ſeinen Poſten. Sein Geſundheitszuſtand iſt
ſo unbefriedigend, daß er nicht in der Lage war, mit der
italieniſchen Regierung über die Friedensvermittelung zu
unterhandeln. Bis zur Ernennung des neuen
Botſchaf=
ters wird der erſte Sekretär, Baron Korff, die Geſchäfte
des Botſchafters führen.
* Tokio, 13. März. Japan ſoll den Mächten eine
gemeinſame Aktion zur Anerkennung
Yuanſchi=
kais als Präſidenten der Chineſiſchen
Re=
publik vorgeſchlagen haben. Die Mehrzahl der Mächte
ſoll den Vorſchlag bereits angenommen haben, aber eine
gewiſſe Macht regt hinſichtlich der Mongolei Vorbehalte
an. Japan hat bisher auf den Vorſchlag, ſich an den
An=
eihen zu beteiligen, nicht geantwortet, da es aus
finan=
ziellen Gründen nicht wünſcht, einen größeren Betrag zu
zeichnen, als zur Wahrung des Rechts der Beteiligung
er=
forderlich iſt.
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Hura, uun hab iohs aber doch noch gefanden
das ideale Mittel zur Bekämpfung meines
chroniſchen Katarrhs. Ich nehme einfach vor
dem Schlafengehen und beim Aufſtehen eine
Taſſe Milch mit ein paar Sodener Mineral=
Paſtillen — natürlich nur Fays ächte — lutſche
ab und zu eine unter Tags, und es iſt
wunder=
bar: der alte Katarrh iſt einfach verſchwunden.
Und für ein lächerlich billiges Geld, denn die
Schachtel „Fays Sodener” koſtet nur 85 Pfg.
und reicht eine ganze Weile.
(6159M
Darmſtädter Möbelfabrik
G. m. b. H.
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fertigt Wohnungseinrichtungen Erſtrlaſſige Arbeit — Dauernde Garantie
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Fabrik und Hauptausſtellungshaus: Darmſtadt, Heidelbergerſtr. 129
Zweiggeſchäfte: Darmſtadt, Rheinſtr. 28 — Frankfurt a. M., Kaiſer=Wilhelm=Daſſage
Illuſtrierte Koſtenanſchläge gratis!
(766a
[ ← ][ ][ → ]Nummer 63.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 14. März 1912.
Seite 7.
Trauerkleider
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Telephon 1501 und 1472.
(125a
Aus dem Geſchäftsleben.
Das Verſandgeſchäft May & Edlich in Leipzig=
Plagwitz hat ſoeben ſeine neue Preisliſte zur
Aus=
gabe gebracht und ſendet dieſelbe auf Verlangen
jeder=
mann koſtenfrei zu. In überraſchender Reichhaltigkeit
finden ſich darin alle diejenigen Artikel verzeichnet, die
für jeden Haushalt unentbehrlich ſind, daneben aber
noch in den verſchiedenſten Preislagen eine ganze Reihe
von Gegenſtänden, die ſich zu Geſchenkzwecken eignen.
Waren, die nicht den vollen Beifall des Beſtellers
finden, werden ohne weiteres zurückgenommen oder
um=
getauſcht. Man laſſe ſich daher eine Preisliſte kommen.
Man ſchreibt uns: Zum Schutz gegen die großen
Schäden, welche jahraus, jahrein durch die Motten,
bezw. durch deren Maden verurſacht werden, war bis
vor einem Jahee ein radikales Mittel überhaupt nicht
bekannt. Erſt im vorigen Frühjahr wurde durch die
Fabrik Pharmazeutiſcher Präparate Pharmakon G. m.
b. H. in Berlin ein ſeit Jahren in den Hofhaltungen
Sr. Maj. des Kaiſers erprobtes und ſtändig im
Ge=
brauch befindliches Schutzmittel gegen Motten unter
dem Namen „Dr. Weinreich’s Mottenäther”
in den Handel gebracht. Die Anerkennungsſchreiben,
welche von Behörden, militäriſchen Bekleidungskammern
und aus allen Geſellſchaftskreiſen bei der oben
ge=
nannten Geſellſchaft inzwiſchen eingegangen ſind,
be=
ſtätigen die Zufriedenheit der Abnehmer.
Unterrichtsweſen.
Städtiſche Handels=Hochſchule Köln.
Das Vorleſungsverzeichnis der Handels=Hochſchule
für das Sommer=Semeſter 1912 iſt ſoeben erſchienen.
Der Lehrplan umfaßt im ganzen 166 verſchiedene
Vor=
leſungen und Uebungen in wöchenzlich 291 Stunden.
Faſt alle Wiſſensgebiete ſind hierbei vertreten, an erſter
Stelle natürlich die Hauptdisziplinen,
Volkswirtſchafts=
lehre, Privatwirtſchaftslehre und Rechtslehre. Die
abend=
lichen, öffentlichen Vorleſungen bieten allen Kreiſen der
Bevölkerung willkommene Gelegenheit, ihre
Allgemein=
vildung zu erweitern und wiſſenſchaftlich zu vertiefen.
Die Vorleſungen und Uebungen beginnen am 18. April.
Das Technikum Mittweida iſt ein unter
Staatsaufſicht ſtehendes höheres techniſches Inſtitut zur
Ausbildung von Elektro= und Maſchinen=Ingenieuren,
Technikern und Werkmeiſtern und, zählt jährlich ca.
2—3000 Beſucher. Der Unterricht ſowohl in der
Elektro=
technik als auch im Maſchinenbau wurde in den letzten
Jahren erheblich erweitert und wird durch die
reich=
haltigen Sammlungen, Laboratorien für Elektrotechnik
und Maſchinenbau, Werkſtätten und Maſchinenanlagen
uſw. ſehr wirkſam unterſtützt. Das Sommerſemeſter
be=
ginnt am 16. April 1912, und es finden die Aufnahmen
für den am 25. März beginnenden, unentgeltlichen
Vor=
kurſus von Mitte März an wochentäglich ſtatt.
Aus=
führliches Programm mit Bericht wird koſtenlos vom
Sekretariat des Technikum Mittweida (Königreich Sachſen)
abgegeben.
Der heutigen Geſamkauflage unſeres Vlattes
liegt ein Proſpekt bei von dem Spezialhaus
für Herren= und Knabenbekleidung Philipp Heß,
hier, Schillerplatz 5, worauf hiermit hingewieſen wird. (6170
Hurdnstalt Domnel Launus.
(1/2 Stunde von Frankfurt a. M.), für Erholungsbedürftige
Narven- u. innere Kranke. Sommer und Winter besucht.
im
Prospekte durch
Dr. M. Schulze-Kahleyss, Nervenarzt.
Familiennachrichten.
Todes-Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Heute nacht 12 Uhr verſchied nach langem,
ſchwerem Leiden unſere liebe Schweſter u. Tante
Franziska Emge.
Darmſtadt, den 12. März 1912.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Helene Spieß Wwe.,
Karl Chr. Spieß.
Blumenſpenden und Kondolenzbeſuche dankend
verbeten.
Die Beerdigung findet ſtatt: Freitag, den
15. März, vormittags 11 Uhr. (6130
Die Beerdigung des
(6228
Herrn Theodor Soeder
findet Donnerstag nachmittag 2 Uhr, vom
Sterbehauſe, Dreibrunnenſtr. 1 aus, ſtatt.
Danksagung.
Für die erwiesene Teilnahme bei
der Beerdigung unseres lieben Vaters,
Grossvaters und Urgrossvaters sagen
wir Allen unseren herzlichsten Dank.
6208)
Familie K. Lang.
Dankſagung
Für die überaus herzliche Teilnahme, ſowie
für die herrlichen Blumenſpenden bei dem
Heim=
gange unſeres geliebten Entſchlafenen ſprechen wir
unſeren tiefgefühlteſten Dank aus.
(6229
Im Namen der tieſtrauernden Hinterbliebenen:
Frau Mina Goldmann.
Darmſtadt, den 13. März 1912.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Auch heute noch lagert über ganz Europa hoher
Druck, unter deſſen Einfluß überall trübes, doch trockenes
Wetter herrſcht. Die ſtarke Depreſſion im Nordweſten
iſt etwas gegen Süden vorgedrungen und wird morgen
unſer Wetler leicht beeinfluſſen. So haben wir trübes
Wetter und vereinzelte leichte Regenfälle zu erwarten.
Ausſichten für Donnerstag, den 14. März 1912:
Wolkig, vereinzelt leichte Regenfälle, mild.
Tageskalender.
Großh. Hoftheater, Anf. 7 Uhr (Ab. D): „Goethes
Fauſt=Tragödie‟
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Vortrag von Geh. Regierungsrat Dr. Dietz um 3¼ Uhr
Kiesſtraße 17 (Verband evang.=kirchl. Frauenvereine).
Vortrag von Profeſſor Broda um 8½ Uhr im „
Fürſten=
ſaal” (Heſſ. Landesverein für Frauenſtimmrecht).
Konzerte: Hotel Heß und Bürgerkeller um 8 Uhr. —
Reſtaurant „Metropol” um ½8 Uhr. — Chauſſeehaus,
um 7 Uhr.
Fachausſtellung für das Maler= ꝛc. Gewerbe
Neckar=
ſtraße 3 (geöffnet von 11—1 Uhr).
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke
Rhein=
u. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 4—11 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 4—11 Uhr,
Olympia=Kinematograph, Rheinſtraße 2.
Bilder vom Tage. (Auslage Rheinſtraße 23): Die
Heldentaten der Londoner Suffragetten; die Leipziger
Frühjahrsmeſſe; vom Kriegsſchauplatz in Tripolis; das
Verbrechen von Ezenſtochau vor Gericht.
Verſteigerungskalender.
Freitag, 15. März.
Nutzholz=Verſteigerung um 9 Uhr in der
Turn=
halle am Woogsplatz.
Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr im Ober=
Ramſtädter Gemeindewald (Zuſammenkunft im Diſtrikt
Eichelberg auf dem Frankenhäuſer Weg beim
Weg=
weiſer Frankenhauſen-Waſchenbach).
Holzverſteigerung um 9 Uhr in Oberförſterei Meſſel
(Zuſammenkunft auf der Kreuzung von Koſacken= und
Höllwieſenſchneiſe).
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Aax Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.
nach Pilsner Art u
nach Münchner Art
Hell Export Guug
—feinste Tafelbiere
in Flaschen und Syphons.
2453a
Kurſe vom 13. März 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
In Proz.
Bf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,00
3½ Deutſche Reichsanl. . 90,50
81,70
do.
3
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99,90
3½ do. Conſols . . . 90,40
81,50
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 99,90
93,20
do.
3½
84,00
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 100,00
89,25
do.
do,
3
4 Hamburger Staatsanl. 99,7
4 Heſſ. Staatsanleihe 99,90
4 do. do. (unk. 1918) 100,00
89,10
do.
3½
78,60
do.
81,40
3 Sächſiſche Rente.
4 Württemberger v. 1907 100,10
95,00
do.
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 101,40
1¾/ Griechen v. 1887 . . 54,60
3¾/ Italiener Rente .
4½ Oeſterr. Silberrente
4 do. Goldrente . . . 96,90
4 do. einheitl. Rente 89,70
3 Portug, unif. Serie I 65,00
3 do. unif. Ser. III 68,00
3 do. Spezial . . . . 10,00
5 Rumänier v. 1903 . . 101,40
4 do. v. 1890 . . 94,90
4 do. v. 1905 . . 91,80
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 100,40
. 90,75.
4 do. v. 1902 .
4½ do. v. 1905 . . . . 100,40
92,40
3½ Schweden . .
4 Serbier amort. v. 1895 85,30
4 Türk. Admin. v. 1903 84,00
4 Türk. unifiz. v. 1903 91,30
4 Ungar. Goldrente . . . 91,90
4 do. Staatsrente . . . 90,00
In Proz=
Jf.
5 Argentinter .
.100,90
4
88,30
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 92,60
5 Chineſ. Staatsanleihe . 99,80
do.
4½
. 95,10
4½ Japaner . . .
5 Innere Mexikaner . . . 93,60
3
do.
59,20
4 Gold=Mexikaner v. 1904 88,20
5 Gold=Mexikaner . . . . 98,80
3 Buenos Aires Provinz 72,50
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
8 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt . . . . . . . 140,80
3 Nordd. Lloyd . . . . . 104,70
Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 123,75
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 115,25
8 Baltimore und Ohio . 103,30
6 Schantungbahn . . . . 134½
6½ Luxemb. Prince Henri 153,00
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 17,85
6 Pennſylvania R. R. .118,50
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
3 Brauerei Werger . . 72,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 494,00
14 Chem. Fabrik
Gries=
heim
.254,10
27 Farbwerke Höchſt . . 541,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 339,50
8 Cement Heidelberg . . 159,00
32 Chem. Werke Albert 442,90
12½ Holzverkohlung
Kon=
ſtanz . . . . . . . 291,50
4 Lahmeyer . . . . . . . 127,50
Stöb.
7 Schuchert, Nürnberg . 154,80
12 Siemens & Halske . 233,50
12 Bergmann Electr. . . 181,50
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 178,90
25 Gummi Peter . . . . 144,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 133,00
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 462,50
12 Maſchinenf. Badenia 197,00
16 Wittener Stahlröhren 219,50
8 Steana Romana Petr. 134,50
15 Zellſtoff Waldhof . . 242,00
12½ Bad. Zucker=Wag=
.. 208,00
häuſel ..
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 129,30
3 Südd. Immobilien . 71,00
Bergwerks=Aktien.
10 Aumetz=Friede . . . . 186,70
12 Bochumer Bergb. und
Gußſt. . . . . . . 223½
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 180,90
10 Gelſenkirchener . . . . 197,00
7 Harpener .
.. . 190,25
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb . . . 249,25
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . .
.. 85,00
4 Laurahütte . . . . . . 174,00
10 Kaliwerke Aſchersleben
10
Weſteregeln 190,00
5 South Weſt Africa .
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 89,10
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 95,60
4 Franz=Jofefs=Bahn . .
3 Prag=Duxer . . . . . . 75,90
5 Oeſterr. Staatsbahn . 104,70
4 Oeſterr. Staatsbahn . 94,50
do.
3
79,10
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,60
In Pre
Jf.
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.)
54,90
29/10 do.
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn 96,40
4 Ruſſ. Südweſt . . . . . 88,40
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,70
do.
4 Wladichawchas . . . . 90,80
4 Rjäſan Koslow .
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 78,80
92,50
do.
4½
. 71,10
2¼/0 Livorneſer
3 Salonique=Monaſtir . 65,40
. 84,50
4 Bagdadbahn .
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 97,00
4 Miſſouri=Pacific . . . . 73,80
4 Northern=Pacific . . . 100,90
4 Southern=Pacific . . . 95,40
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 88,25
5 Tehuantepec . . . . . . 98,60
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich 193,50
8½ Bergiſch=Märkiſche
.149,80
Bahn.
9 Berlin. Handelsgeſ. . . 171,10
6½ Darmſtädter Bank . 124,75
12½ Deutſche Bank . . . 262,80
6 Deutſche Vereinsbank . 124,50
5½ Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 118,20
10 Diskonto=Kommandit 189,30
8½ Dresdener Bank . . 156,10
9½ Frankf. Hypoth.=B. 212,50
6½ Mitteld. Kreditbank 120,90
7 Nationalb. für Deutſchl. 125,00
5½ Pfälziſche Bank . . 130,25
6.48 Reichsbank . . . . . 137,50
7 Rhein. Kreditbank . . . 135,00
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein .
7½ Wiener Bankverein . 138,80
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 99,20
Zf. Pfandbriefe. InPro
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . .
90,00
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 15—19, 21—26 98,30
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 99,75
do.
89,50
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 100,90
90,10
do.
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
.100,60
S. 12, 13, 16
S. 14, 15, 17, 24/26
18—23.
100,75
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—
90,10
S. 3—5 .
89,90
S. 9—11
90,00
4 Meininger Hyp.=Bank 100,00
do.
3½
89,50
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 98,70
3½ do. (unk. 1914) . . 89,20
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,50
do.
90,30
3½
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . . . . 99,25
3½ do.
89,80
4 Frankfurt.
100,00
3½ do.
99,80
4 Gießen .
3½ do.
4 Heidelberg
99,60
3½ do.
89,00
4 Karlsruhe
99,60
3½ do.
90,00
4 Magdeburg
3½ do.
4 Mainz
3½ do.
90,30
4 Mannheim
96,50
3½ do.
90,10
4 München
99,60
3½ Nauheim
90,00
4 Nürnberg
98,50
½ do.
90,50
4 Offenbach
In Proz.
88,60
3½ Offenbach
99,70
4 Wiesbaden
3½ do.
94,10
4 Worms .
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888 .
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100 167,20
3½ Cöln=Mindner 100 135,50
3 Holl. Komm. . fl. 100 105,50
3 Madrider . . Fs. 100 78,00
4 Meininger Pr.=
Pfand=
briefe . .
. . . 136,00
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 180,50
3 Oldenburger . . . . . . 125,00
½ Raab=Grazer fl. 150 115,75
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger.
. ſl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 199,00
Freiburger .
Fs. 15 —
Fs. 45 —
Mailänder
.Fs. 10
do.
Meininger
.fl. 7 34,80
Oeſterreicher v. 1864fl. 100 529,00
do. v. 1858fl. 100 453,00
Ungar. Staats . . fl. 100 369,80
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 170,80
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,47.
20 Franks=Stücke .
16,26
Amerikaniſche Noten.
Engliſche Noten . .
20,47
Franzöſiſche Noten.
81,20
Holländiſche Noten. .
169,35
Italieniſche Noten .
80,60
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,85
Ruſſiſche Noten
215,75
Schweizer Noten .
80,85
Reichsbank=Diskonto.
Reichsbank=Lombard Zsf. 6
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 14. März 1912.
Nummer 6.
Ausstellung
Den Eingang der Pariser u. WienerModellhüte
sowie sämtlicher Saison-Neuheiten
11
beehrt sich anzuzeigen
(6181
Weiblich
2 Jahre alt, ſucht ver
Fränl., 1. April Stellung, am
liebſten kleines Geſchäft od. Filiale
zu übernehmen. Kaut. k. geſt. werd.
Off. u. R 60 an die Exp. (*6252ids
Geſchäftskund. Fräulein ſucht
Stellungin Delikateſſ= od.
Kolonial=
warenhandlg. Anerbiet. unt. R 67
an die Exped. d. Bl. (*6279ids
Beamtentochter, w. die kaufm.
Buchhaltung, ſowie Stenograph. u.
Maſchinenſchr. gel ſ. alsb. geig.
Stell. Sehr beſch. Anſprüche. Gefl.
Zuſchr. u. § 27 a. d. Exp. (*6496
Contorſtelle ſucht Fräulein mit
Abgangszeugnis des
Handels=
kurſus der Aliceſchule zur
Weiter=
bildung in kaufmänniſchen
Bureau=
arbeiten. Offert. unter 8 26 an
die Ervedition erbeten. (*6488dfs
Gebildetes, kinderliebes
Fräulein
im Schneidern bewandert, wünſcht
Stellung in feinem Hauſe f.
nach=
mittags zu 1—2 Kindern. Gefl. Off.
erbeten u. § 9 a. d. Exp. (*6420ds
Ordenliches Mädchen, weiches
kochen kann, ſucht Stelle. Näheres
Rheinſtraße 5. 2. St. (*6443
Reihiges Mädchen mit guten
Empfehl. ſucht für nachm. Beſchäft.
Näh. Magdalenenstr. 1, II b. Bastian. (*6453
Mädch. ſ. Laufd. vor= u. nachm.
Landgraf Georgenſtr. 1, III. (*6490
im Kochen u. Haus=
Stütze, weſen ſelbſtändig,
ge=
wandte Jungf., auch im Haush.
gerne tätig, in der Bedienung der
Dame ſehr angenehm, ſuch. Stell.
zum 1. April; ein nettes 18jähr.
Mädch., in beſſ. Hauſe ged., ſucht
Stelle zu Kind.; 2 Mädch. aus
gut. Famil., groß u. kräft., 18 u.
19 Jahr., aus Oberh. u. Pfalz,
ſuchen Anfangsſtellen
Gertrude Hartmann,
gewerbsmäßige Stellenvermittlerin
Eliſabethenſtraße 45. (6185
Anſt. Mädchen, das nähen und
dügeln gut verſteht, ſucht Stellung
als Hausmädchen in beſſ. Hauſe.
Näh. Herrngartenſtr. 5, pt. (B6196
Junge Frau ſicht Lauſd., geht
auch waſchen u. putz. halbe Tage
Arheilgerſtraße 25.
(*6482
Männtien
Durchaus zuverl. arbeitender
Underwood-Schreiber
mit eigener Maſchine ſucht per
1. April, ev. ſpäter Stellung. Beſte
Reſerenzen. Geſl. Offerten unter
(5931a
R 47 bef. die Exped.
neltererKaufmann, mit ſchöner
Handſchrift, ſucht für nachm.
Stellung a. Kontor od. Lager, od.
übernimmt ſonſt. ſchriftl. Arbeiten.
Off. u. P 84 a. d. Exped. (5778a
Junger Mann
20 Jahre alt, welcher eine Handels=
Lehranſtalt beſuchte, früher in d.
Herrn= u. Knabenkonfektion tätig
war, ſucht per 1. April Stellung
auf ein Büro od. Engros=Geſchäft.
Zeugniſſe ſtehen zu Dienſten. Off.
u. G. G. Stuttgart, hauptpostl. (*6429
Berufswechsel!
Jüngerer, arbeitsfr. Mann mit
tadell. Vergangenheit u. durchaus
koreiter Handſchrift, ehrl.
vor=
wärtsſtr., ſucht paſſ.
Vertrauens=
poſten. Kaution, ev. Beteiligung
m. einig. Mille an gut. Sache.
Eintritt jederzeit. Gefl. Offerten
unter § 12 an die Exp. (*6433ds
Uetee
Weiblich
Tüchtige
Verkäuferinnen
für unſer Kurz=, Weiß= u.
Woll=
warengeſchäft zum ſofort. Eintritt
geſucht. Vorſtellung erwünſcht
Gebrüder Unger
6053md) Ludwigsſtr. 9.
Geſ. wird z. 1. April jüng.
Ver=
käuferin f. Schweinemetz. Fr.
Blumon-
schein, N.=Ramſtädterſtr. 57. (6025md
Eine im Falzen geübte
Pavierarbeiterin
ſofort geſucht.
J. Ph. Leuthner
Ernſt=Ludwigsplatz 2. (6172
Mehrere Lehrmädchen
aus guter Familie p. Mitte April
geſ. Sofork. Vergütung. Wilh.
Kraetzinger, Ludwigſtr. (5643a
Rud. Nick Nchfla-
W. Nagel
Ernst-Ludwigstraße 16
Ernst-Ludwigstraße 16.
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Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 14. März 1912.
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Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.
§8 30.
Donnerstag, 14. März.
1912.
Bekanntmachung.
Unter Hinweis auf Artikel 33 des Geſetzes vom 24. März 1910 wird hiermit
zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß der Stempel:
1. für Verkaufs= oder Waagautomaten,
2. für automatiſche Kraftmeſſer,
3. für Automaten, die zur Unterhaltung des Publikums dienen,
4. für alle in öffentlichen Wirtſchaftslokalen aufgeſtellten Klaviere oder ſonſtige
Muſikwerke,
5. für Luxuswagen und Luxusreitpferde,
deren Verſteuerung am 31. März 1912 abläuft, wenn die Abgabepflicht fortdauert,
im Monat März zu entrichten iſt.
Die Entrichtung des Stempels erfolgt an allen Wochentagen des Monats
März, vormittags von 9—12 Uhr, bei der unterzeichneten Behörde im
Regierungs=
gebäude (Neckarſtraße Nr. 3, Zimmer Nr. 9) dahier.
(3283a
Darmſtadt, den 1. Februar 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
An die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Unter Hinweis auf den nachſtehend abgedruckten Art. 39 Ziff. 2 des
Feldſtraf=
geſetzes vom 13. Juli 1905 beauftragen wir Sie, den Zeitraum, während deſſen die
Tauben demnächſt eingeſchloſſen zu halten ſind, alsbald zu beſtimmen und in Ihren
Gemeinden wiederholt öffentlich bekannt zu machen. Bei der Bekanntmachung wollen
Sie ausdrücklich darauf hinweiſen, daß mit Rückſicht auf die Schäden, die von
Tauben zur Saatzeit angerichtet zu werden pflegen, eine genaue Beobachtung der
Vorſchrift im landwirtſchaftlichen Intereſſe verlangt werden muß.
Dem Polizei= und Feldſchutzperſonal iſt die Durchführung Ihrer Anordnung
anzuempfehlen.
Darmſtadt, den 7 März 1912.
(5937id
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Artikel 39 Ziffer 2 des Feldſtrafgeſetzes.
Mit Geldſtrafe bis zu 30 Mark oder mit Haft bis zu einer Woche wird beſtraft:
„Wer Tauben zur Saat= oder Erntezeit innerhalb des durch die Ortspolizeibehörde
beſtimmten und öffentlich bekannt gemachten Zeitraums nicht eingeſchloſſen hält.”
Bekanntmachung.
Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß am 11., 12., 15.,
18., 19., 22., 25., 26., 29. März 1912 von 8 Uhr vormittags bis 6 Uhr abends von
Truppenteilen des XVIII. Armee=Korps Schießen mit ſcharfer Munition auf dem
Schießplatz bei Meſſel abgehalten wird.
Schußrichtung vom Steinhügel, 1 km nördlich Meſſel in nordnordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich,
„ Weſten: Dammweg-Brunnersweg ausſchließlich,
Süden: Forſthaus Steinacker-Steinhügel ausſchließlich,
im Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über
Milches=
wieſe-Sauwieſe -Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während desSchießens durch Poſten, Wegeſchranken und Warnungstafeln
ab=
geſperrt.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten. (
Polizeiver=
ordnung Kreisamt Darmſtadt 25. Sept. 1909, Kreisamt Offenbach a. M., 20. Sept. 1909.)
Iſt das Schießen früher beendet, ſo werden die Gemeinden Meſſel und Offenthal
von Aufhebung der Abſperung ſofort benachrichtigt.
Darmſtadt, den 16. Februar 1912.
(4911a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Tarif
der Kreisabdeckerei für den Kreis Darmſtadt.
Genehmigt durch Verfügung Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom
26. Februar 1912 zu Nr. M. d. J. II. 966.
§ 1. Die ſeitens der Kreisabdeckereikaſſe den Eigentümern zu leiſtende
Ver=
gütung für das Ueberlaſſen der Haut gefallener Tiere beträgt in den Fällen, in
welchen das Abledern nach den beſtehenden Beſtimmungen zuläſſig iſt:
1. für ein Stück Rindvieh von 2 und mehr Jahren
4 Mark
2. für ein Stück Rindvieh von einem bis zu 2 Jahren .
2 „
3. für ein Pferd von 2 und mehr Jahren, ausgenommen
Militär=
pferde
§ 2. Der Eigentümer gefallenen Kleinviehs, als Kälber, Ziegen, Hunde, Katzen,
Sauglämmer, Saugferkel, neugeborene und ungeborene Tiere, ebenſo der Eingeweide
geſchlachteter Tiere, hat keinen Anſpruch auf Abholung durch eine beſondere Fuhre.
Die Abholung ſoll vielmehr in der Regel gelegentlich bei einer Durchfahrt und nur,
wenn der Geſchäftsbetrieb es erlaubt, durch beſondere Fuhre erfolgen.
§ 3. Die Haut gefallener Tiere kann von dem Eigentümer nicht zurückverlangt
werden, auch nicht gegen Erſtattung der Abholungskoſten. Die Abholung der in den
§§ 1 und 2 genannten Tiere geſchieht unentgeltlich=
§ 4. Für Abholung und Beſeitigung der aus öffentlichen oder privaten
Schlacht=
häuſern anfallenden, zur Vernichtung beſtimmten Eingeweide und Abfälle, ſowie von
ungeborenen behaarten Kälbern iſt eine Gebühr von 1 Mark für je 100 Kilogramm
oder weniger, aber nicht mehr als 8 Mark für eine Fuhre mit einem Ladegewicht bis
zu 1000 Kilogramm ſeitens der Gemeinde an die Kreisabdeckereikaſſe zu zahlen.
§ 5. Für Abholung und Vernichtung von Tieren, welche nach bereits erfolgter
Ablederung bei der Fleiſchbeſchau für genußuntauglich befunden worden ſind, ſind
1. für ein Stück Großvieh, einſchl. Pferde von 2 und mehr Jahren 6 Mark
2. für ein Stück Großvieh, einſchl. Pferde unter 2 Jahren oder für
ein Stück Kleinvieh
3. für Teile von Tieren von je 100 Kilogramm oder weniger die Sätze des
§ 4 ſeitens der Gemeinde an die Kreis=Abdeckereikaſſe zu zahlen.
Falls mehrere Teile (ſ. Nr. 3) von einem Stück Großvieh herrühren, iſt eine
Gebühr von im ganzen nicht mehr als 6 Mark ſeitens der Gemeinde an die Kreis=
Abdeckereikaſſe zu zahlen.
§ 6. Iſt nach den geſetzlichen Beſtimmungen das Abledern oder die
Verwen=
dung der Haut gefallener oder getöteter Tiere verboten, ſo ſind, wenn für das
be=
treffende Tier auf Grund geſetzlicher Vorſchriften eine Entſchädigung aus öffentlichen
Mitteln geleiſtet wird für Abholung und Vernichtung
1. eines Stückes Großvieh, einſchl. Pferde von 2 und mehr Jahren 10 Mark
und
2. eines Stückes Großvieh, einſchl. Pferde von 1 bis zu 2 Jahren 8 „
an Gebühren ſeitens des Eigentümers an die Kreis=Abdeckereikaſſe zu zahlen.
§ 7. Den Gemeinden bleibt es überlaſſen, die nach §§ 4 und 5 gezahlten
Ge=
bühren gemäß Art. 7 ff. des Ausführungsgeſetzes vom 4. April 1903 zu verrechnen.
§ 8. Die Koſten der Benachrichtigung der Anſtalt trägt die Gemeindekaſſe.
§ 9. Vorſtehender Tarif tritt mit Wirkung vom 1. April 1912 an die Stelle
(6133
7. Juli 1903.
des Tarifs vom 9. Auguſt 1904.
Darmſtadt, den 8. März 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Werner.
Das Großherzogliche Miniſterium des Innern hat dem Guſtav=Adolf=
Frauen=
verein in Darmſtadt die Erlaubnis erteilt, am 14. Mai 1912 eine Verloſung von
Gebrauchs= und Luxusgegenſtänden zu veranſtalten. Es dürſen bis zu 8000 Loſe zu
0,20 Mk. das Stück ausgegeben werden. Der Wert der Verloſungsgegenſtände muß
mindeſtens 60 Prozent des Bruttoerlöſes aus dem Verkaufe der Loſe betragen. Der
(6132
Vertrieb der Loſe iſt im Kreis Darmſtadt geſtattet.
Zu die Großeriolichen Birgermiſtreient des Fries.
Wir machen Sie darauf aufmerkſam, daß nach Artikel 5 der
Wieſenpolizeiord=
nung vom 5. November 1906 im Monat März ein Wieſenrundgang vorzunehmen iſt.
Der Einſendung der nach Artikel 7 Abſatz 2 der Wieſenpolizeiordnung an uns
einzureichenden Abſchriften der Einträge ſehen wir bis zum 15. April ds. Js.
entgegen.
(6141
Darmſtadt, den 8. März 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
In Vertr.: von Werner.
Bekanntmachung.
Betreffend: Das Muſterungs=Geſchäft im Kreiſe Darmſtadt im Jahre 1912.
Für den Kreis Darmſtadt wird das Muſterungs=Geſchäft vom 1. bis 24. April
lfd. Js. im Hauſe der Turngemeinde, Woogsplatz 5 dahier, vorgenommen werden.
Die Muſterung findet in folgender Weiſe ſtatt:
Montag, den 1. April: der ſämtlichen Militärpflichtigen aus der Stadt
Darm=
ſtadt, deren Namen mit den Buchſtaben A bis C beginnen.
Dienstag, den 2. April. desgleichen 1. Stadt Darmſtadt, Buchſtabe D bis F,
2. Gemeinde Hahn.
Mittwoch, den 3. April: desgleichen 1. Stadt Darmſtadt, Buchſtabe G, 2.
Ge=
meinde Weiterſtadt. 3. Gemeinde Wirhaufen.
Mittwoch, den 10. April: desgleichen 1. Stadt Darmſtadt, Buchſtaben H und J.
Donnerstag, den 11. April: desgleichen 1. Stadt Darmſtadt, Buchſtabe K,
2. Gemeinde Gräfenhauſen.
Freitag, den 12. April: desgleichen 1. Stadt Darmſtadt, Buchſtaben L und M.
2. Gemeinde Eſchollbrücken. 3. Gemeinde Schneppenhauſen.
Samstag, den 13. April: desgleichen 1. Stadt Darmſtadt, Buchſtaben N bis R.
2. Gemeinde Eich.
Montag, den 15. April: desgleichen 1. Stadt Darmſtadt, Buchſtabe S, jedoch
nur die in den Jahren 1890 und 1891 geborenen Militärpflichtigen.
2. Gemeinde Erzhauſen. 3. Gemeinde Traiſa.
Dienstag, den 16. April: desgleichen 1. Stadt Darmſtadt, Buchſtabe 8, die
im Jahre 1892 geborenen Militärpflichtigen, 2. Gemeinde Malchen.
3. Gemeinde Roßdorf.
Mittwoch den 17. April: desgleichen 1. Stadt Darmſtadt, Buchſtaben I bis 2,
2. Gemeinde Meſſel.
Donnerstag, den 18. April: desgleichen 1. Gemeinde Braunshardt, 2. Gemeinde
Arheilgen.
Freitaa, den 19. April: desgleichen 1. Gemeinde Eberſtadt, 2. Gemeinde Nieder=
Beerbach.
Samstag, den 20. April; desgleichen Gemeinde Griesheim.
Montag, den 22. April: desgleichen 1. Gemeinde Nieder=Ramſtadt, 2. Gemeinde
Ober=Ramſtadt.
Dienstag, den 23. April: desgleichen Gemeinde Pfungſtadt.
Sämtliche Militärpflichtige, welche im Jahre 1892 geboren und im Kreiſe
Darmſtadt geſtellungspflichtig ſind, die Ueberzähligen (dienſtaugliche Leute aus
früheren Jahren, welche infolge hoher Losnummer nicht eingeſtelt worden ſind und
über die noch nicht definitiv entſchieden iſt, die alſo keine andere Militär=Legitimation
haben, als ihre Loſungs= und Geſtellungsſcheine), ſowie die Zurückgeſtellten aus
früheren Jahren (im Jahre 1890 und 1891 Geborene) werden hiermit aufgefordert,
ſich an den vorbezeichneten Tagen jedesmal pünktlich 7¼ Uhr vormittags zur
Muſterung einzufinden.
Die Militärpflichtigen aus früheren Jahren haben ihre Loſungsſcheine, ſofern
dieſelben nicht ſchon bei der Anmeldung zur Stammrolle abgegeben worden ſind, bei
der Muſterung vorzulegen, damit ſie ergänzt und berichtigt werden können.
Auch werden unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom 3. Januar l. Js.
(Amtsverkündigungs=Blatt Nr. 5 von 1912) die im Jahre 1892 geborenen, im Beſitz
des Berechtigungsſcheines zum einjährig=freiwilligen Dienſt befindlichen
Militär=
pflichtigen, welche bis jetzt ihre Zurückſtellung vom Militärdienſt noch nicht
bean=
tragt haben, wiederholt aufgefordert, dies alsbald und ſpäteſtens im
Muſterungs=
termin zu tun.
Mittwoch, den 24. April findet die Loſung ſtatt, und zwar von vormittags
8 Uhr ab für die Militärpflichtigen aus derStadt Darmſtadt, von 10 Uhr ab für
die Militärpflichtigen aus den Landgemeinden.
Von der perſönlichen Geſtellung vor der Erſatz=Kommiſſion ſind nur entbunden:
1. Diejenigen im Beſitz des Berechtigungsſcheins zum einjährig=freiwilligen
Dienſt befindlichen Leute, weiche vorſchriftsmäßig ihre Zurückſtellung bei
der Erſatz=Kommiſſion beantragt haben.
2. Diejenigen, welche ſich als Freiwillige bei einem Truppenteil gemeldet und.
Annahmeſchein für die Einſtellung im Herbſt l. Js. erhalten haben.
3. Diejenigen, welche wegen ihres Geſundheitszuſtandes, z. B. Blödſinn,
Ver=
krüppelung ꝛc. nicht perſönlich ſich ſtellen können, was durch ein ärztliches
Zeugnis und eine Beſcheinigung der betreffenden Bürgermeiſterei beſtätigt
ſein muß.
Wer an Epilepſie zu leiden behauptet, hat auf eigene Koſten drei!
Alaubhaſte Zeugen hierfür zu ſtellen oder ein Zeugnis eines beamteten
Arztes beizubringen.
Die Militärpflichtigen, welche ohne genügenden Entſchuldigungsgrund ſich zur
Muſterung nicht ſtellen oder nicht pünktlich zu derſelben erſcheinen, haben die Nachteile
zu erwarten, welche für dieſen Fallin der Wehrordnung feſtgeſetzt ſind. Dieſelben
ver=
lieren unter Umſtänden die Berechtigung, an der Loſung teilzunehmen, ſowie die aus
Reklamationsgründen erwachſenen Anſprüche und werden, neben Verurteilung in eine
Geldſtrafe bis zu 30 Mark oder 3 Tagen Gefängnisſtrafe, vorweg zum Militärdienſt
herangesogen.
Das perſönliche Erſcheinen bei der Loſung bleibt den Militärpflichtigen überlaſſen.
Bezüglich der Geſuche um Zurückſtellung und Befreiung vom Militärdienſt
in Berückſichtigung häuslicher, gewerblicher und Familienverhältniſſe ꝛc. wird auf
die §§ 32 u. 33 der Wehrordnung vom 22. November 1888 (Reg.=Bl. Nr. 68 von 1901),
das Reglement vom 12. Mai 1868 (Reg.=Bl. Nr. 26 von 1868) und die diesſeitige
Bekannt=
machung vom 7. Februar l. Js. (Amtsverkündigungs=Blatt Nr. 23) mit dem Anfügen
aufmerkſam gemacht, daß diejenigen Perſonen, zu deren Gunſten wegen Arbeits= und
Aufſichtsunfähigkeit die Zurückſtellung eines Miltärpflichtigen in Anſpruch genommen
wird (Eltern und Geſchwiſter ꝛe. derſelben), vor der Erſatz=Kommiſion an dem Tage
zu erſcheinen haben, an welchem die Muſterung der betreffenden Militärpflichtigen
ſtatt=
findet. Die Geſuche ſind alsbald, ſoweit noch nicht geſchehen, bei den Großherzoglichen
Bürgermeiſtereien vorzubringen.
Ebenſo haben diejenigen Reklamanten, deren Söhne 1910 und 1911 wegen
häus=
licher ꝛc. Verhältniſſe zurückgeſtellt worden ſind, inſofern ſie eine weitere Zurückſtellung
bezw. die Befreiung vom Militärdienſt für die Friedenszeit glauben in Anſpruch
nehmen zu können, ihre Geſuche bei den Großherzoglichen Bürgermeiſtereien zu erneuern
und mit ihren Söhnen vor der Erſatzkommiſſion zu erſcheinen, gegenfalls die
Reklama=
tionen unberückſichtigt bleiben.
Ferner wird darauf hingewieſen, daß ſpätere Geſuche um Zuweiſung zu einem
anderen Truppenteil unberückſichtigt bleiben; denen, die beſondere Wünſche für einen
Fruppenteil oder Standort haben, wird empfohlen, ſich rechtzeitig zum freiwilligen
Dienſt zu melden.
Zugleich wird bekannt gemacht, daß über etwaige von Reſerve= und
Landwehr=
mannſchaften, ſowie Erſatz=Reſerviſten eingereichten Geſuche um Zurückſtellung wegen
häuslicher, gewerblicher oder Familienverhältniſſe an den Tagen verhandelt wird, an
welchen die Muſterung der betreffenden Ortsangehörigen angeſetzt iſt.
Darmſtadt, am 9. März 1912.
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt.
Dr. Reinhart Reg.=Rat.
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Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt. Donnerstag, den 14. März 1912.
Nummer 63.
Faſeleber=Vergebung.
Montag, den 18. März 1912, vorm. 11½ Uhr,
wird auf dem Rathauſe zu Pfungſtadt ein zur Zucht untauglich
gewordener, gut gemäſteter, ſchwerer Faſeleber auf dem
Sub=
miſſionswege vergeben. Bedingungen liegen vom 12. d. Mts. an bei
(6157f
der unterzeichneten Behörde zur Einſicht offen.
Pfungſtadt, am 11. März 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
Lang.
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2 Waſchtiſche, 2 Spiegel=, 2 Kleider=, 2 Kaſſen=, 2 Glas= und
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Reiß=
bretter, 1 ſchwarzer Anzug pp.;
auf freiwilligen Antrag: 1 Diwan.
(6129
Darmſtadt, den 13. März 1912.
Thüre, Großh. Gerichtsvollzieher,
Bleichſtraße 9.
Kollen- u. Sterbeverein „Friede‟ Ober-Kamstadt.
Vergebung von Kohlen u. Briketts für d. Geſchäftsjahr 1912/13.
Der Bedarf von zirka 38—46 Waggon Kohlen Nuß II (nur aus
dem Ruhrgebiet) und zirka 20—25 Waggon Briketts „Union” ſoll
vergeben werden. Angebote unter der Bezeichnung „Anlieferung für
Kohlen” ſind verſchloſſen bis Samstag, den 16. März 1912 bei
dem 1. Vorſitz. Adam Rückert III., Ernſt=Ludwigſtr., einzureichen.
Lieferungsbeding, ſind bei Genanntem in deſſen Wohnung oder gegen
Einſend. des Portos von 0 Pfg. zu erhalten. Der Vorſtand. (5537dsd
In unſer Handelsregiſter, Abtei=
5 lung B, wurde heute folgender
Eintrag vollzogen hinſichtlich der
Firma:
Maſchinenfabrik u.
Müh=
lenbauanſtalt G. Luther,
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Darmſtadt.
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(6127
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Darmſtadt, 9. März 1912.
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Nr. 15 unterm Heutigen iſt
ge=
nehmigt. Ueberweiſung des
Hol=
zes und erſter Abfuhrtag ſind auf
Mittwoch, den 20. ds. Mts.,
feſtgeſetzt.
Darmſtadt, 12. März 1912.
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann. (6128
Bekanntmachung.
Betreffend: Die
Holzverſteige=
rung vom 18. März
in Hahn.
Die irrtümlich ausgeſchriebenen
102 St. Fichtenderbſtangen
kom=
men nicht zum Ausgebot.
Ober=Ramſtadt, 11. März 1912.
Großherzogliche Oberförſterei
Ober=Ramſtadt.
Daab.
(6126
Matratzenſtreu=
Verkauf.
Am Montag, den 18. ds. Mts.,
um 8 Uhr vormittags,
wird in der Kaſerne am Beſſunger
Weg die Matratzenſtreu aus einem
Batterieſtall öffentlich und
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Darmſtadt, im März 1912.
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meldungen von Schülern werden im Schulgebäude (Lagerhausſtraße)
Freitag, den 12. April, vormittags von 9—12 Uhr,
aber auch ſchon vom 18.—29. März, vormittags an allen
Schul=
tagen entgegengenommen.
Die aufzunehmenden Schüler haben einen Geburtsſchein, einen
Impfſchein und ein Abgangszeugnis der ſeither beſuchten Schule
vorzulegen.
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arbeiten. Großer Garten. Zentralheizung, elektr. Licht. (2154f
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Nummer 63.
Zahn-Créme
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 14. März 1912.
Seite 13.
Mundwasser
Abg. Breidenbach beantragt wiederholt, die
Gen=
darmerieſtationen telephoniſch anzuſchließen.
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach;
Die Regierung hat ſchon jetzt nach Möglichkeit dieſem
Wunſche Rechnung getragen und wird auch, da ſie die
Notwendigkeit des Telephonanſchluſſes für die
Gendar=
merieſtationen durchaus anerkennt, auf dem Wege
wei=
ter fortfahren. Daß es nicht ſchneller geſchieht, hat
ſei=
nen Grund darin, daß doch immerhin erhebliche Koſten
damit verbunden ſind.
Der Ausſchußantrag, 1555 Mark in Einnahmen
und 586870 Mark in Ausgaben zu bewilligen, wird dann
angenommen.
Zum Kapitel 32: Polizei, entſteht zunächſt eine
lange Geſchäftsordnungsdebatte über die
Verſtaatlichung der Offenbacher Polizei
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach
vertritt in eingehenden Darlegungen die
Regierungs=
vorlage. Es werde hierbei allgemein von einer
Ver=
ſtaatlichung der Offenbacher Polizei geſprochen. Von
einer vollſtändigen Verſtaatlichung in dem Sinne
daß das geſamte Polizeiperſonal auf Staatskoſten
ange=
ſtellt werde uſw., könne nicht die Rede ſein. Das in
Ausſicht genommene Vorgehen bezweckt nur die
Ueber=
tragung der Lokalpolizei an einen ſtaatlichen Beamten
Es iſt begründet in Artikel 57 Abſ. 1 der St.=O. Wenn
die Regierung von dieſem Recht Gebrauch mache, ſo
ſchaffe ſie damit keinen Ausnahmezuſtand für Offenbach,
ſondern ſie ſtelle Offenbach nur in gleiche Linie mit
Darmſtadt und Gießen. Unter keinen Umſtänden handele
es ſich um einen Eingriff in die Selbſtverwaltung. Die
Ausübung der Polizei ſtellt ein ſtaatliches Hoheitsrecht
dar, das die Stadt nur ſo weit ausübt, als es ihr vom
Staat übertragen wird. In Artikel 56 wird
ausdrück=
lich der Grundſatz ausgeſprochen, daß der
Stadtverord=
netenverſammlung eine Mitwirkung in Sachen der
Lokalpolizei nicht zuſteht. Die für die Regierung
maß=
gebenden Gründe zur Verſtaatlichung ſind in der
Be=
merkung zum Budget ausführlich dargelegt. Redner
habe den dort aufgeführten keine weiteren hinzuzufügen.
Schon ſeit vielen Jahren ſchließen faſt alle Berichte der
Kreisämter, Richter und Staatsanwälte über die
unzu=
reichende Polizei in Offenbach mit dem Erſuchen, die
Polizei unter Staatsgewalt zu ſtellen. Die Vorlage iſt
alſo keineswegs einem Augenblicksbedürfnis
entſprun=
gen. Sie wird auch begründet durch die beſonderen
Verhältniſſe, die ſeit jeher in Offenbach herrſchen.
Ein=
mal ſei nur an die Seßhaftmachung der galiziſchen Juden
zum Nachteil der anderen Einwohner, an die neuerdings
erfolgte Niederlaſſung zahlreicher Zigeuner und endlich
der Anarchiſten erinnert, die ſich zweifellos unter den
Augen der ſtädtiſchen Polizei weniger beobachtet fühlen,
als unter denen der ſtaatlichen Polizei in Frankfurt.
Ueberhaupt iſt ein Zuſammenarbeiten beider
Polizei=
behörden bei der Eigenart und der Lage des Kreiſes
Offenbach oft notwendig, zurzeit aber ſehr ſchwer.
Wäh=
rend die Tätigkeit der Kriminalpolizei wohl
anzuerken=
nen iſt, hat die ſtädtiſche Polizei oftmals verſagt. (
Zwi=
ſchenruf der Soz.: Unerhört!) Es iſt auch von erheblichem
Nachteil für die Polizei, daß ſie ſich jeweils der öfters
wechſelnden politiſchen Mehrheit der
Stadtverordneten=
verſammlung anpaſſen muß und dann wohl unter dem
Zweite Kammer der Stände.
17. Sitzung.
St. Darmſtadt, 13. März.
Am Regierungstiſch: Finanzminiſter Braun Exz.,
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach Exz.,
Geheimeräte Dr. Becker, Dr. Beſt, Süffert,
Mini=
ſterialräte Hölzinger, Dr. Kratz.
Präſident Köhler eröffnet die Sitzung um 9½
Uhr. Das Haus ſetzt die Spezialberatung des
Hauptvoranſchlags fort. Die Kapitel 23 bis 29
werden ohne Debatte nach den Ausſchußanträgen
ange=
nommen.
Zu Kapitel 30:
Provinzialdirektionen und Kreisämter,
erſucht Abg. Köhler die Regierung, dahin wirken zu
wollen, daß die Kreis= und Provinzialbehörden ihre
Voranſchläge früher vorlegen, als es jetzt geſchieht. Die
Voranſchläge werden zurzeit meiſt erſt in dem
Rechnungs=
jahre vorgelegt, für das ſie beſtimmt ſind.
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach:
Die Regierung hat wiederholt darauf hingewirkt, daß
die Voranſchläge rechtzeitig vorgelegt werden. Sie
er=
kennt den Wunſch, dem der Abg. Köhler Ausdruck
ver=
liehen, als vollberechtigt an und wird nicht unterlaſſen,
auf die Kreiſe in dieſem Sinne weiter einzuwirken. Sie
erkennt namentlich an, daß es für die Städte und
grö=
ßeren Gemeinden unendlich wichtig iſt, den Betrag der
Provinzial= und Kreis=Umlagen rechtzeitig kennen zu
lernen, da ſie ja auf die Gemeindeumlagen von großer
Bedeutung ſind.
Abg. Finger ſtellt den Antrag, die Gemeinde
Gimbsheim bei der neuen Kreiseinteilung im Kreiſe
Worms zu belaſſen.
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach:
Es iſt bereits eine neue Zuteilung der Gemeinden der
Provinz Rheinheſſen zu den einzelnen Kreiſen nach den
Wünſchen der Kammer fertiggeſtellt worden und es ſind
geſetzmäßig über dieſe Vorlage zunächſt die Kreistage zu
hören. In dieſem Stadium befindet ſich die
Angelegen=
heit jetzt. Die Wünſche um anderweitige Zuteilung von
Gemeinden ſind alſo zunächſt in den Kreistagen geltend
zu machen. Hernach kommt die Vorlage erſt an den
Landtag.
Das Kapitel wird dann nach dem Ausſchußantrag
— 1605 Mark in Einnahmen und 655 300 Mark in
Aus=
gaben zu bewilligen — angenommen.
Zu Kapitel 31: Gendarmerie, werden von den
Abgg. v. Brentano und Wolf=Stadecken Wünſche
vorgebracht, die auf der Tribüne nicht zu verſtehen ſind.
Gefühl leidet, daß ſie nicht den nötigen Rückhalt bei der
vorgeſetzten Behörde, der Bürgermeiſterei, findet. Völlig
verſagt habe die Polizei bei dem oft angeregten
nächt=
lichen Demonſtrationszug, der zu einem ſcharfen Proteſt
aus allen Kreiſen der Bürgerſchaft und dem dringenden
Wunſche nach Verſtaatlichung geführt hat. Die
Regier=
ung erachte es darum nicht nur für ihr Recht, ſondern
für ihre Pflicht, hier alle die Maßregeln zu ergreifen,
die ſie für richtig hält. (Bravo!)
Abg. Eißnert erklärt, die vom Miniſter des
Innern gegebene Begründung könne er als ſolche in
keiner Beziehung anerkennen. Die Polizei in Offenbach
funktioniere jetzt tadellos und habe alle
Organiſations=
wünſche und Anordnungen der Regierung ſtets erfüllt.
Früher, unter dem Oberbürgermeiſter Brinck, ſei ſie
aller=
dings weniger gut geweſen. Heute funktioniere die
Po=
lizei mindeſtens genau ſo gut, wie die in anderen
Städten, auch in denen, wo die Polizei verſtaatlicht iſt.
Er betrachte die Vorlage der Regierung unter allen
Um=
ſtänden als einen Eingriff in die Selbſtverwaltung der
Stadt, gegen die er auf das energiſchſte proteſtiere. Die
Offenbacher Polizei habe nie verſagt, auch bei dem
De=
monſtrationszug nicht. Daß ſie dabei nicht blank gezogen
und nicht ein Blutbad angerichtet hat, darin dürfe doch
kein Verſagen erblickt werden. Bei dem
Demonſtrations=
zug ſei gar nichts geſchehen. Und wenn nun gar geſagt
werde in dem Bericht, der von der
Stadtverordneten=
mehrheit abhängige Bürgermeiſter hindere die Polizei
an der Verfolgung von Verbrechen und dergleichen, ſo
ſei das unerhört. Redner ſchließt, man ſollte das Land
nicht belaſten, wo die Stadt die Koſten gerne tragen will.
Abg. v. Brentano: Man kann ja wohl
verſchie=
dener Meinung ſein über die Auffaſſung der
Selbſtver=
waltung der Kommunen. Wenn man ſie ſo auffaſſe, daß
die Städte eine völlige Republik bilden ſollen im Staate,
ſo könne man in der Verſtaatlichung der Polizei wohl
einen Eingriff in die Rechte der Selbſtverwaltung
er=
blicken. Faßt man aber die Selbſtverwaltung ſo auf, daß
die Städte in freier Bewegung ſegensreich ſich entwickelnt
ſollen, ſo kann in der Verſtaatlichung keineswegs eine‟
Knebelung der Selbſtverwaltung erblickt werden. (Sehr
richtig!) Redner verbreitet ſich ſodann über die rechtliche!
Seite der Angelegenheit und ſtellt feſt, daß es das
un=
beſtrittene Recht des Staates ſei, die Polizei unter ſeinel
Verwaltung zu ſtellen. Die polizeiliche Gewalt der
Städte iſt ihnen gewiſſermaßen nur verliehen und kann
jederzeit zurückgenommen werden. Iſt die Regierung
alſo im Recht, ſo kann von einem Eingriff in die
Selbſt=
verwaltung keine Rede ſein. Es fragt ſich nur, ob
Ver=
anlaſſung zur Verſtaatlichung vorliegt. Das iſt
zweifel=
ſos der Fall. Denn nach der Auffaſſung
ſämt=
licher bürgerlicher Kreiſe hat die Polizeiſ
Offenbachs ihre Pflicht nicht erfüllt. Auch
Teile Ihrer Partei (zum Abg. Eißnert) beſtätigen das.
Das beweiſt ſchon Ihre erbärmlich beſuchte
Proteſtver=
ſammlung. (Unruhe.) Unbegreiflich ſei es, wie man
aus dem Bericht herausleſen kann, daß der
Bürger=
meiſter von Offenbach die Entdeckung von Verbrechen
hindere. In dieſer Beziehung kämpft Herr Dullo gegen
Windmühlen. Daß der Bürgermeiſter und die ganze
Verwaltung von der jeweiligen Majorität der
Stadtver=
ordneten ſtark abhängig iſt, kann nicht beſtritten werden.
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Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 14. Marz 1912.
Nummer 65.
Er möchte mal den Bürgermeiſter ſehen, der gegen die
derzeitige Mehrheit der Offenbacher Stadtverordneten
auch nur acht Tage regiert. (Sehr richtig!) Es iſt nicht
zu beſtreiten, daß ſich zurzeit alle möglichen Elemente in
Offenbach niederlaſſen, die in Frankfurt und anderswo
die Polizeiaufſicht ſcheuen. Auch vornehme Juden haben
ſchon erklärt, daß es im Intereſſe der Stadt läge, die
galiziſchen Elemente aus der Stadi zu entfernen. Bis
vor wenigen Jahren hat eine Organiſation von
Anarchiſten in Offenbach beſtanden. Die Schutzleute
ſelbſt befinden ſich ſeit Jahren in einer Zwickmühle, unter
der ſie ſchwer zu leiden haben. Redner beweiſt das durch
eine ganze Anzahl Spezialfälle. Die Krone ſetze allem
aber der Demonſtrationszug auf. Das Recht, die Straße
gewaltſam zu okkupieren, müßte, wenn die
Sozialdemo=
kraten es für ſich in Anſpruch nehmen, auch allen anderen
Parteien zuerkannt werden. (Zuruf: Gewiß!) Die letzte
Folge davon wären Straßenkämpfe, die ja vielleicht
manchem von Ihnen (zu den Sozialdemokraten) nicht
be=
denklich erſcheinen mögen. Welchem Staat iſt zuzumuten,
ſolchen Unfug zu dulden? Redner ſchildert dann den
Verlauf des Demonſtrationszuges. Die Polizei habe
gar nichts getan, die haarſträubenden Vorfälle zu
verhin=
dern. In der Stadtverordnetenverſammlung habe man
erklärt, die Polizei ſei zufällig nicht anweſend geweſen,
da ſie nichts gehört habe. In ganz Offenbach habe man
die Rufe gehört, nur die Polizei nicht. (Unruhe.) Die
Unzufriedenheit über die Polizei habe weite Kreiſe der
Bürgerſchaft ergriffen und er hoffe, daß man hier mit
möglichſt großer Mehrheit der Regierungsvorlage
zu=
ſtimme. (Bravo!)
Abg. Raab kann ebenfalls die Begründung der
Regierungsvorlage nicht anerkennen und bekämpft die
Haltung des Ausſchuſſes, der einfach über die Gründe
der Stadt Offenbach gegen die Verſtaatlichung
hinweg=
gegangen ſei. Die Polizei in Offenbach ſei nicht
ſchlech=
ter, als irgend eine andere. Auch andere Kreiſe
veran=
ſtalten Demonſtrationszüge, ohne daß die Polizei
ein=
ſchreitet. Man beabſichtigt, die Offenbacher Polizei einer
Parteimajorität zu entziehen, will ſie aber doch einer
anderen Parteimehrheit gleich wieder unterſtellen. Denn
der Herr Miniſter ſteht doch auch unter dem Druck einer
Mehrheit dieſes Hauſes. (Widerſpruch. Unrühe.) Die
Verſtaatlichung bedeute nichts anderes als eine Schikane
der Stadt Offenbach. (Präſident Köhler ruft den
Red=
ner zur Ordnung.) Abg. Raab möchte ſich, wie neulich
der Abg. Adelung verbeſſern, bezeichnet aber zum Schluß
wieder die Regierungsvorlage als eine Vergewaltigung
der Stadt Offenbach. Er erhält dafür einen zweiten
Ordnungsruf.
Abg. Grünewald iſt ebenfalls der Meinung, daß
es ſich nicht um eine Verſtaatlichung der Polizei, ſondern
nur um eine Verſtaatlichung der Spitze der Polizei
han=
delt. Er möchte dem Herrn Miniſter gegenüber doch
her=
vörheben, daß die von dieſem angezogenen galiziſchen
Juden, Zigeuner und Anarchiſten denn doch keinen
er=
heblichen Teil der Bevölkerung darſtellen. Dieſe Anſicht
könnte, wenn ſie unwiderſprochen bleibt, der Stadt
ſcha=
den, die doch ein blühendes Gemeinweſen ſei, auf das
der Staat ſtolz zu ſein Grund hat. Die Erfahrungen,
die man in Gießen mit der Verſtaatlichung der Polizei
gemacht hat, ſprechen gegen die Regierungsvorlage.
(Hört, hört!) Man möchte dort den früheren Zuſtand
gerne wieder herſtellen. Redner iſt alſo aus allgemeinen
Gründen gegen die Verſtaatlichung. Dabei ſei es ihm
ganz gleichgültig, ob das, was über die Offenbacher
Ver=
hältniſſe hier geſagt wird, richtig ſei oder nicht.
Uebri=
gens ſcheine ihm die Wahrheit in der Mitte zu liegen.
Er ſei auch darum gegen die Verſtaatlichung, weil die
Stellung des hier in Frage kommenden Beamten immer
als Durchgangspoſten betrachtet wird. Das ſei ein
Feh=
ler, denn wenn der Beamte ſich endlich richtig
einge=
arbeitet habe, werde er Kreisrat oder ſonſtwie der
Ver=
waltung entzögen. Es könnte auch einen Nachteil für
die Stadt Offenbach bedeuten, wenn man gerade ſie
her=
ausgreift.
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach
verweiſt bezüglich des letzten Satzes auf das, was er
anfangs ſeiner heutigen Ausführungen geſagt habe. Die
Regierung wird die Verſtaatlichung der Polizei aller
Städte im Auge behalten, ſobald die Mittel das
erlau=
ben. Die Verſtaatlichung der Offenbacher Polizei erfolgt
nicht, um dieſe Stadt beſonders zu kennzeichnen, ſondern
aus den mehrfach erwähnten Gründen. Wenn geſagt
wurde, daß auch Turn= und Kriegervereine Umzüge
ver=
anſtalten, ſo muß doch darauf hingewieſen werden, daß
dieſe Demonſtrationszüge keinen bedrohlichen Charakter
haben, was aber bei dem in Frage ſtehenden Zuge in
erheblichem Maße der Fall war. Daß man die Stadt
Offenbach über die Abſichten der Regierung nicht
unter=
richtet hat, ſei nicht richtig. Die Stadt habe ſchon im
Oktober Kenntnis von der Abſicht der Regierung
erhal=
ten und iſt ausreichend gehört worden.
Präſident Köhler teilt dann mit, daß die
Vor=
ſtiellung der Stadt Offenbach mit zur Debatte
ſteht und daß der Ausſchuß beantragt, ſie für erledigt zu
orklären.
Abg. Dr. Oſann tritt den Ausführungen des Abg.
Grünewald entgegen. Man dürfe die Sache doch nicht
vom Gießener Standpunkt aus betrachten, das mit
Offen=
bach doch gar nicht zu vergleichen wäre. Die Frage darf
nicht nach einem Schema, ſondern ſie muß nach den
je=
weiligen ſpeziellen Verhältniſſen der betreffenden Städte
entſchieden werden. Richtig ſei, daß es ein Nachteil iſt,
wenn die Perſon des Polizeivorſtandes zu oft wechſelt.
Die Zweckmäßigkeitsfrage ſei dahin zu erörtern, ob es
notwendig iſt, die Offenbacher Polizei zu verſtaatlichen.
Dieſe Notwendigkeit ſcheint doch gegeben. Der Staat
kann, falls die von ihm eingeſetzte Perſönlichkeit ſich als
ungeeignet erweiſt, dieſe einfach abberufen und
ander=
weit verwenden. Beim Kommunalbetrieb iſt das kaum
möglich. Daß in der Bürgerſchaft der Stadt Offenbach
allgemein der Wunſch nach Verſtaatlichung vorhanden
iſt, kann nicht beſtritten werden. Auch darauf habe man
Rückſicht zu nehmen. Im Namen ſeiner ganzen Fraktion
ſtimme er der Vorlage der Regierung zu. Das gleiche
wäre der Fall, wenn auch ein anderer Bürgermeiſter an
der Spitze Offenbachs ſtände.
Abg. Ulrich bekämpft ſcharf die Vorlage und die
Redner, die für dieſe eingetreten ſind. Er erörtert
ein=
gehend die Verhältniſſe der Stadt Offenbach und gibt
eine Charakteriſierung des dortigen Bürgermeiſters. (Er
wird vom Präſidenten ermahnt, mehr bei der Sache
zu bleiben und ſich kürzer zu faſſen.) In Offenbach
ſeien alle bürgerlichen Parteien im Stadtrat vertreten,
und auch viele Bürgerliche haben ſich gegen die
Verſtaat=
lichung ausgeſprochen. Bei dem Demonſtrationszug habe
die Polizei ſich durchaus richtig verhalten, ſo daß man
ihr dankbar ſein ſollte dafür, daß ſie keine Revolver
knal=
len ließ und keinen Säbel dreinfahren. Das Urteil
gegen die Führer des Zuges beweiſe ja doch, daß die
Sache nicht ſo ſchlimm geweſen iſt. Nach eingehender
Darſtellung kommt Redner auf die Frage der Sparſam=
keit. In der Vereinfachungskommiſſion, verweigere man
die 3000 Mark für Penſionäre und hier bewillige man
dreimal ſo viel, trotzdem die Stadt Offenbach es gar nicht
will. Seine Partei ſei entſchloſſen, jede Ungeſetzlichkeit
zu verhindern, ſie ſei aber auch entſchloſſen, ſich nicht zu
Staatsbürgern zweiter Klaſſen ſtempeln zu laſſen. Die
Stadtverordnetenverſammlung habe ſich nie als Trägerin
der Polizeigewalt gefühlt. Es ſei nicht wahr, daß in
Offenbach eine Menge ſchwerer Verbrechen unaufgeklärt
und ungefühnt geblieben ſei. Für das, was früher
ge=
weſen iſt, dürfe die jetzige Polizei nicht verantwortlich
gemacht werden. Was die Galizier und Zigeuner
be=
trifft, ſo ſeien es auch Menſchen, und vom menſchlichen
Standpunkte aus dürfe man die Unglücklichen nicht
ver=
dammen. Die Stadt Offenbach habe dafür geſorgt, daß
in geſundheitlicher Beziehung ihr kein Schaden erwächſt.
Es ſei nicht zu beſtreiten, daß die Verſtaatlichung der
Polizei nur vom politiſchen Standpunkt aus betrieben
wird. (Bravo! bei den Soz.)
Abg. Dr. Weber als Berichterſtatter verteidigt den
Ausſchußbericht gegenüber den Angriffen des Abg. Ulrich.
Die Verſtaatlichung ſei ein Recht des Staates und
be=
deute keinen Eingriff in die Selbſtverwaltung.
Der Ausſchußantrag und damit die
Verſtaatlichung der Offenbacher Polizei
wird ſodann gegen die Stimmen der
So=
zialdemokraten und der Freiſinnigen
an=
genommen. Die Vorſtellung der Stadt Offenbach
wird für erledigt erklärt.
Nach einer perſönlichen Bemerkung der Abgg. Ulrich
und Dr. Weber wird die Sitzung nach 1½ Uhr
ge=
ſchloſſen. — Nächſte Sitzung nachmittags 3½ Uhr.
18. Sitzung.
(Nachmittags=Sitzung.)
Am Regierungstiſche: Miniſter des Innern v.
Hom=
bergk zu Vach Exz., Geheimerat Dr. Weber,
Mi=
niſteralräte Hölzinger und Dr. Kratz.
Vizepräſident Dr. Schmitt eröffnet die Sitzung um
3½ Uhr. Die Beratung wird fortgeſetzt. Die Kapitel
33 und 34 werden debattelos erledigt nach den
Ausſchuß=
anträgen.
Zum Kapitel 35: Kirchen, regt Abg. Wolſ=
Stadecken an, einzelne kleine Pfarreien eingehen zu
laſſen. Ihm ſei ein Pfarrer mit 5000 Mark bekannt,
der ganze 200 Seelen zu paſtorieren habe. Das Volk
achte auf ſolche Zuſtände. Hier ſollte das Oberkonſiſtorium
auf Vereinfachung bedacht ſein. — Abg.
Schönber=
ger (ſchwer verſtändlich) wünſcht einmal feſtgeſtellt zu
wiſſen, welche Zuſchüſſe der Staat für die einzelnen
Kon=
feſſionen zahlt. — Abg. Korell=Königſtädten freut
ſich, daß der Abg. Wolf zugibt, daß Pfarrer doch
wenig=
ſtens notwendig ſind. Dem Abg. Schönberger könne
man nur zuſtimmen, ſchon damit einmal die Legende
zerſtört würde, als ob der Staat der Kirche große
Ge=
ſchenke gebe. Im weſentlichen erhalte die Kirche ſich
ſelbſt. Die Aufhebung kleiner Pfarreien iſt an ſich nicht
unberechtigt, aber ſie hat wohl ihre Schwierigkeiten, wie
die Praxis ſchon ergeben habe. Denn, wie bei der
Auf=
hebung der Oberförſtereien, widerſetze ſich jede Gemeinde,
bei der man den Anfang machen will. Uebrigens ſei
da=
mit, daß der Pfarrer nur eine kleine Parochie habe, nicht
immer geſagt, daß er nun auf der faulen Haut liegen
könne. Arbeit ſei immer vorhanden. — Abg.
Ade=
lung weiſt darauf hin, daß man ſchon vor vier
Jah=
ren beſchloſſen hätte, im Sinne der Anregung Korells
vorzugehen. Er tritt dann, dem Prinzip ſeiner Partei
entſprechend, für Trennung von Kirche und Staat ein
und vertritt den Standpunkt, daß die Kirchen ihre Koſten
ſelbſt zu decken haben.
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach
macht bezüglich des Wunſches des Abg. Schönberger
dar=
auf aufmerkſam, daß ein großer Teil der Zuſchüſſe des
Staates auf Verpflichtungen beruht, die der Staat
gegen=
über der Kirche hat. Der Anſicht, daß zu kleine Pfarreien
beſſer mit größeren vereinigt werden, kann die
Regier=
ung ſich nur anſchließen.
Abg. Molthan erklärt, der Staatsbeitrag
be=
ruhe in der Tat auf einem Rechtsanſpruch der Kirchen
und keineswegs auf freiwilligen Geſchenken. Das
Ka=
pitel wird hierauf nach dem Ausſchußantrag mit 483 221
Mark Ausgaben genehmigt.
Zu Kapitel 36: Landes=Univerſität,
be=
ſpricht Abg. Korell=Angenrod das Studium der
Landwirtſchaft und bekämpft den Ausſchußbericht, daß
die entſcheidende Stellungnahme dem Ausſchuß ſowohl
wie der Regierung inſofern erleichtert wurde, als die
finanzielle Leiſtungsfähigkeit des Landes einen weiteren
Ausbau des Inſtitutes zurzeit und wohl auch für die
Zukunft unmöglich macht. Es könne ſehr wohl mehr
ge=
ſchehen auch im gegenwärtigen Rahmen. Man ſollte
wenigſtens die Worte „auch für die Zukunft” ſtreichen.
Abg. Grünewald wünſcht, daß alles geſchehen möge,
um der drohenden Konkurrenz der ſicher kommenden
Univerſität Frankfurt zu begegnen. Dazu gehöre auch
der Ausbau des Landwirtſchaftlichen Inſtituts, und auch
er halte es für ſehr bedenklich, dieſen Ausbau für alle
Zukunft für unmöglich zu erklären. Er verbreitet ſich
dann eingehend über einen dahingehenden Antraa
ſei=
ner Partei, auf den er zu gegebener Zeit
zurückkom=
men werde. — Abg. Fenchel ſpricht ſich in gleichem
Sinne aus und unterſtützt den Antrag, die Worte „für
die Zukunft” zu ſtreichen. — Abg. Urſtadt verbreitet
ſich näher über die Konkurrenz, die eine Univerſität
Frankfurt für Gießen haben würde, die ſich beſonders
auf dem Gebiete der lebenden fremden Sprachen
bemerk=
bar machen dürfte. Er macht diesbezüglich verſchiedene
Vorſchläge und tritt beſonders für Anſtellung von
fremd=
ſprachlichen Lektoren ein. Man könne die
Auslands=
kurſe dafür einſchränken. — Abg. Molthan: Der
Ausſchuß habe mit Abſicht die Worte „für die Zukunft”
eingefügt, um dem Antrag Grünewald von vornherein
ein Bein zu ſtellen. (Aha!) Und zwar mit vollem
Ein=
verſtändnis der Vertreter der Landwirtſchaft. Er ruft
dann ins Gedächtnis zurück, was alles ſchon für die
Uni=
verſität geſchehen iſt. Er glaube nicht, daß
Frankfurt=
für Gießen eine ſo große Konkurrenz bilden würde.
Wenn man die Ueberzeugung haben könnte, daß die für
das landwirtſchaftliche Inſtitut geforderten
Mehrauf=
wendungen der heſſiſchen Landwirtſchaft wieder zugute
kommen, würde er gerne dafür ſtimmen. Aber im
Inter=
eſſe des Landes müſſe doch einmal auf den ungeheuren
Zuſchuß hingewieſen werden, den die Univerſität
alljähr=
lich erfordert.
Abg. Breidenbach tritt dem entgegen und
be=
fürwortet den Antrag Korell=Angenrod. — Abg. Wolf=
Stadecken tritt für den Ausſchußantraa ein. — Abg.
Brauer meint, man könnte ſehr wohl auch die Frage
aufwerfen, ob man nicht an die Techniſche Hochſchule
Darmſtadt ein landwirtſchaftliches Inſtitut angliedern
könne, wie es z. B. auch in München der Fall iſt, zumal
ſich in Darmſtadt die landwirtſchaftliche Verſuchsſtation
befindet. Jedenfalls geſtattet die Finanzlage nicht, alles,
was eventuell erforderlich wäre, wenn man ganze Arbeit
leiſten wollte, auszuführen. — Abg. Bähr kann dem
zuſtimmen, was der Abg. Brauer geſagt hat.
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach:
Die Regierung teilt durchaus die Anſicht, die der Abg.
Grünewald geäußert, daß alles geſchehen müſſe, um die
drohende Konkurrenz der kommenden Univerſität
Frank=
furt abzuwenden. Und die Anregungen bezüglich der
Errichtung eines Lupusheimes, einer Kinderklinik, eines
Unfallkrankenhauſes und dergleichen mehr werden
durch=
aus freudig begrüßt. Was den Ausbau des
landwirt=
ſchaftlichen Inſtituts betrifft, ſo möchte Redner ſich in
Rückſicht auf die Geſchäftslage des Hauſes heute darüber
nicht äußern, da der Antrag Gränewald, der ja heuté
nicht zur Beratung ſteht, Gelegenheit dazu bieten werde.
Abg. Dr. Oſann weiſt darauf hin, daß der
Aus=
ſchuß erſt zu ſeinem Bericht gekommen iſt, nachdem die
drei Landwirte ihr Urteil über den Ausbau des
land=
wirtſchaftlichen Inſtituts abgegeben hatten. Im Grunde
habe er gegen die Streichung des Paſſus nichts
einzu=
wenden.
Geheimerat Dr. Weber möchte auf die
Ausführ=
ungen des Abg. Molthan feſtſtellen, daß es bei der
Be=
willigung der 100000 Mark Zuſchuß ſeitens der Stadt
Gießen keines Druckes von irgend einer Seite
be=
durft hätte. Eine Rückſprache mit dem
Oberbürger=
meiſter Mecum habe genügt, daß die Stadt ſofort die
100000 Mark Zuſchuß zu den beiden neuen Kliniken
be=
willigte, und zwar durchaus bedingungslos. Redner
möchte das ausdrücklich mit dem Ausdruck des Dankes
vor dem Lande feſtſtellen.
Abg. Korell=Angenrod vertritt nochmals ſeinen
Standpunkt. Ebenſo die Abgg. Grünewald und
Molthan. Darauf wird der Ausſchußantrag,
Bewilligung der Einnahme mit 614937 Mark, der
Aus=
gabe mit 1628 536 Mark, angenommen.
Zu Kapitel 37: Techniſche Hochſchule,
wer=
den an Einnahmen 14352 Mark und an Ausgaben 9852
Mark mehr vorgeſehen, ſodaß ſich der Zuſchußbedarf um
4500 Mark gegen das Vorjahr verringert. Neu iſt eine
Ausgabe von 2500 Mark für einen außerordentlichen
Profeſſor der Zelluloſechemie. Die Zahl
der Studierenden der Papierinduſtrie wächſt von Jahr
zu Jahr. Im Winterſemeſter 1909/10 wurde dieſes Fach
zum erſten Male geleſen; damals betrug die Zahl der
Studierenden der Papierfabrikation 37, während ſie im
Winterſemeſter 1911/12 auf 61 geſtiegen iſt. Um den
der=
zeitig hervorragenden Lehrer für Zelluloſechemie der
Hochſchule zu erhalten, iſt die Errichtung einer
außer=
ordentlichen Profeſſur dringend geboten. Der
Aus=
ſchuß beantragt, in Einnahme 347975 Mark, in
Aus=
gabe 771300 Mark zu bewilligen.
Abg. Stöpler bittet, Erhebungen darüber
anzu=
ſtellen, ob es ſich nicht ermöglichen läßt, den Bau und
Betrieb von landwirtſchaftlichen Maſchinen durch das
Elektrotechniſche Inſtitut uſw. in größerem Maße zu
be=
rückſichtigen.
Geheimerat Dr. Weber: Die Regierung wird die
Anregung im Auge behalten.
Abg. Dr. Oſann befürwortet die beantragte neue
Profeſſur für Zelluloſechemie. — Abg. Bähr iſt gegen
dieſe Forderung. Er bittet vor allem, an die
Auslän=
der höhere Anſprüche inbezug auf Vorkenntniſſe und
Schulgeld uſw. zu ſtellen, damit der Beſuch durch die
Ausländer, die doch nur die deutſchen Ingenieure
ver=
drängen, mehr beſchränkt werde. Auch ſei ihm von
ſtudentiſcher Seite mehrfach Klage darüber geführt
wor=
den, daß es an der Hochſchule Profeſſoren gebe, die
eigentlich „überſtändig” ſeien. — Das Kapitel wird
dann angenommen.
Zum Kapitel 38: Gymnaſien,
Realgymna=
ſien, Oberreal= und Realſchulen, ſowie
pädagogiſche Seminarien, iſt ein Antrag
der Abgg. Dr. Oſann und Genoſſen eingelaufen,
da=
hin zu ſtreben, den Zeichenunterricht auf den
höheren Lehranſtalten und Seminarien zu fördern,
da=
durch, daß die Zeugnisnoten im Zeichnen, falls ſie
gün=
ſtig ſind, zum Vorteil für die Schüler in die Wagſchale
fallen, indem ſie bei der Abgangsprüfung eventl. zur
Kompenſation einer geringeren Note beitragen.
Abg. Münch verbreitet ſich ausführlich über die
Zunahme des Beſuchs der höheren Schulen und die
Gründe, die dazu führten und erörtert dann allgemein
ſchultechniſche Fragen. Das Schulgeld für die höheren
Schulen dürfte nicht erhöht werden. Sehr eingehend
be=
ſpricht er den Zeichenunterricht und mehrere andere
Unterrichtsfächer. Die Gehalte der Schuldiener ſeien
un=
zulänglich, beſonders ſeien die Sondervergütungen ſehr
ungleich formiert.
Abg. Korell=Angenrod möchte einmal die Frage
der Extemporalien anſchneiden. Wie dieſe Frage in den
heſſiſchen Schulen heute noch geübt werde, das ſtehe im
Widerſpruch mit dem preußiſchen Erlaß gleichen Betreffs.
Es wird den Kindern bei uns keine Gelegenheit
gege=
ben, ſich gründlich in den Stoff zu vertiefen, ehe ſie ihn
ſchriftlich firieren. An den unteren Anſtalten wechſelten
die Lehrer zu oft. Das ſei von Nachteil für die Kinder.
— Abg. Urſtadt möchte beſonders die Ausführungen
des Abg. Münch bezüglich der Schuldiener unterſtützen.
Auch mit dem, was der Abg. Korell geſagt habe, ſei er
einverſtanden, doch ſei die Sache auch bei uns nicht ſo
ſchlimm, wenn der Lehrer richtia vorgehe. Die Frage
ſollte unter Heranziehung der Eltern geregelt werden.
Redner beſpricht dann die Reform des höheren
Mäd=
chenſchulweſens und hält hierzu die Heranziehung der
konſervativen Elemente für notwendig, als welche er
die „Nichts=als=Mütter” bezeichnet. Alle möglichen
Frauenvereine ſeien befragt worden, nur nicht dieſe
Nichts=als=Mütter‟. Er wünſcht die Schaffung eines
Elternrates für alle höheren Bürgerſchulen. Eine ſolche
Elternvertretung ſei dringend notwendig. Die Zunahme
des Mathematik=Unterrichts an den Mädchenſchulen ſei
zu bekämpfen. Bedauerlich ſei, daß die Koedukation
keinen weiteren Ausbau erfahre. Aus erzieheriſchen
Gründen müſſe die Koedukation für die unteren Klaſſen
gefordert werden. Auch die Selbſtverwaltung der
Schü=
ler müßte erweitert werden. Das Wirtshaus= und
Rauchverbot der Schüler ſollte beſſer aufgehoben werden,
da es doch nicht durchgeführt werden kann. Wenn die
Eltern es verantworten wollten, daß ihre Kinder
rau=
chen, ſollte man beſondere Verbote nicht aufrecht
erhal=
ten. Die Stenographie zum fakultativen Unterrichtsfach
zu machen, halte er an den höheren Schulen für falſch,
an den oberen Klaſſen der Volksſchulen für angebracht.
Sparen ließe ſich auf dem Gebiete des Schulweſens durch
die Verminderung der Schulſtunden für die Schüler.
Dadurch könnte eine ganze Anzahl Oberlehrer erſpart
werden. Das Können brauche durch die Beſchränkung
des Stoffes nicht zu leiden. — Abg. Wiegand wünſcht
eine andere Verteilung der Beiträge der Gemeinden zu
den höheren Lehranſtalten. — Abg. Henrich ſtimmt
Nummer 63
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 14. März 1912.
Seite 15.
der Anſicht des Abg. Münch zu, daß die Maſigen
Schu=
len den 9klaſſigen vorzuziehen ſeien, und befürwortet die
Abſchaffung des Examens an den Realſchulen uſw. —
Abg. Lang wiederholt ſeinen neulich eingebrachten
Wunſch wegen der Realſchule in Michelſtadt. — Abg.
Münch ergänzt ſeine Ausführungen noch in einigen
Punkten.
Geheimerat Süffert möchte ſich nicht über alles
verbreiten, was der Abg. Münch hier vorgebracht hat.
Der Tatſache, daß ein bedenklicher Andrang zum
akade=
miſchen Studium in Heſſen herrſche, habe er bereits ſeit
längerem ſeine Aufmerkſamkeit zugewendet. Heſſen ſteht
inbezug auf die Zahl der Studierenden an der Spitze.
Aber Mittel, wie man dem begegnen könne, haben auch
die Redner von heute nicht geben können. Die
Regier=
ung wird die Frage dauernd im Auge behalten. Auch
zu viel Schulen habe man in Heſſen. Aber daran ſei die
Schulverwaltung nicht ſchuld, die immer gebremſt habe.
(Sehr richtig!) Die Ausſcheidung von der Zulaſſung zum
Univerſitätsſtudium müſſe den jeweiligen Schulgruppen
überlaſſen bleiben. Bei den Abſchlußprüfungen milde
zu verfahren, ſei nicht angängig. Man müſſe da
minde=
ſtens dasſelbe verlangen, was auch in anderen Staaten
verlangt wird. Den Anregungen der Lehrplanreform
ſtehe die Schulabteilung entgegenkommend und
ſympa=
thiſch gegenüber. Sie bevorzuge durchaus nicht die
Gymnaſien, ſondern ſtehe den verſchiedenen
Lehranſtal=
ten durchaus objektiv gegenüber. Nachdem wir aber
durch den Schulfrieden von 1900 das
Gleichberechtigungs=
prinzip haben, ſollte man beiden Anſtalten die Freiheit
laſſen, ihre Eigenart auszubauen und zu entwickeln. Den
Zeichenunterricht habe die Schulabteilung ſtets geſchätzt
und werde es auch weiter tun, doch könne er nicht
ver=
ſprechen, daß der Antrag Oſann alsbald in die Praxis
überſetzt wird, denn man ſei doch durch die Verträge mit
den anderen Staaten gebunden. Ueber die ſexuelle
Auf=
klärung wolle er ſich nicht verbreiten. In dieſer eminent
ſchwierigen und empfindlichen Frage tue die Regierung,
was irgend möglich ſei. Der von dem Abg. Korell
an=
gezogene Erlaß des preußiſchen Miniſters wurde gleich
bekämpft wie befürwortet. Bei aller Sympathie für
Preußen ſolle man doch nicht ſofort alles nachmachen,
was von Preußen eingeführt wird. Die Abſchaffung
des ſchriftlichen Extemporale ſei nicht zu befürworten.
Das eine oder andere aus dem Erlaß werde man nach
ſorgfältiger Prüfung auch für Heſſen übernehmen. Was
die Frage der Schuldienerbezüge betrifft, ſo war die
Schulabteilung redlich bemüht, den Anforderungen
ge=
recht zu werden, und werde auch in Zukunft beſtrebt ſein,
Härten zu beſeitigen. Was die Ausführungen des Abg.
Urſtadt betrifft, ſo ſei er der Meinung, daß ſogen.
Elternabende recht gute Gelegenheit geben, die „
Nichts=
als=Mütter” zu hören. Die Koedukation habe die
Schul=
abteilung immer nur als Notbehelf angeſehen und
da=
mit ſtimme Heſſen mit allen anderen Staaten überein.
Er, Redner, habe nie erklärt, daß man gute Erfahrun=
gen damit gemacht habe, er habe nur geſagt, die
Er=
fahrungen haben keine erheblichen Mißſtände ergeben.
Gegen die Aufhebung des Wirtſchafts= und
Rauchver=
bots habe er nichts einzuwenden. Bedenklich wäre dieſe
Aufhebung höchſtens vom Standpunkte der
Abſtinenz=
beſtrebungen. Von dem Sparvorſchlag des Abg.
Ur=
ſtadt halte er nicht viel, denn in der Praxis würde die
Verminderung der Stunden eine Verminderung der
Oberlehrer doch nicht ohne weiteres im Gefolge haben.
(Zuſtimmung.) Dem Ideal der Einheitsſchule könne er
nicht zuſtimmen. Was den Vorſchlag Urſtadts
bezüg=
lich der Lektoren betrifft, ſo habe er dabei überſehen, daß
man ja das Syſtem der Austauſchaſſeſſoren habe, die dieſe
Lektoren erſetzen. Der Anregung Wiegands könne keine
Folge gegeben werden, da die Vorlage ſchon
ausgear=
beitet ſei. Damit ſchließt die Debatte.
Der Ausſchußantrag, a) die Einnahme mit
2053 046 Mark und b) die Ausgaben mit 3049352 Mark
zu bewilligen, wird angenommen. Ebenſo
der Antrag Oſann und Genoſſen als
Re=
ſolution.
Darauf wird die Sitzung um 7¾ Uhr geſchloſſen.
Nächſte Sitzung Donnerstag, 9 Uhr.
Sport.
sr. Das interne Kunſtlaufmeeting der drei
Berliner Eislauf=Vereine hatte eine zahlreiche
Zuſchauer=
menge nach dem Berliner Eispalaſt gelockt. Die
Haupt=
nummer bildete das Kunſtlaufen um die
Ber=
liner Meiſterſchaft, in der der Deutſche Meiſter
Werner Rittberger (B. S. C.) eine Klaſſe für ſich
bildete. Rittberger lief ſeine Kür in ſo blendendem Stile,
daß ihm keiner ſeiner drei Gegner auch nur annähernd
gleichkam, die ſich dann auch nur um die Plätze einen
heißen Kampf lieferten. Der zweite Preis fiel an Vieregg
(B. E. V. 86) vor Moevius (E. V. B.) und Horn
(E. V. B.). Das Bezirksjuniorlaufen für Herren
brachte nur zwei Bewerber an den Start, von
denen Kaldenbach (E. V. B.) vor Lauterbach (E. V. B.)
den Sieg davontrug. Im Bezirkskunſtlaufen für Damen
konkurrierten vier Läuferinnen, von denen ſich Frl. Frenſſen
(E. V. B.) als die Beſte erwies. Den zweiten Platz
be=
legte Frl. Winter (E. V. B.) vor Frl. Rolle (B. S. C.) und
Frl. Mertens (E. V. B.). In der Walzerkonkurrenz ſiegte
das Paar Frl. Winter=Kaldenbach (E. V. B.) vor Frl.
Rolle=Henning (B. S. C.). Ein Eisſchnellaufen über 1500
Meter endete mit dem erwarteten Siege des Meiſterläufers
Knud. Den Abſchluß des Programms bildete ein
Eis=
hockey=Wettſpiel zwiſchen dem Berliner Schlittſchuh=Klub
und einer kombinierten Mannſchaft von dem
Charlotten=
burger Sport=Klub und dem Berliner Eislauf=Verein von
1886. Der Kampf ergab den erwarteten Sieg des B. S. C.
mit 522. In der erſten Hälfte ſpielte der B. S. C.
aller=
dings etwas unaufmerkſam und konnte zwei Schüſſe des
Gegners in der 3. und 13. Minute nicht verhindern, ſodaß
der Kampf bei Halbzeit 1.2 ſtand.
sr. Das Internationale Schachturnier in
San Sebaſtian ergab in der 16. Runde bisher keine
weſentlichen Verſchiebungen. Allerdings wurden erſt zwei
Partien beendet. Die eine gewann Duras gegen Leonhard,
während die zweite zwiſchen Schlechter und Marſchall remis
ergab. Unbeendet blieben noch die Partien Perlis=
Niem=
zowitſch und Tarraſch=Rubinſtein. Spielmann und
Teich=
mann waren ſpielfrei. Eine intereſſante Begegnung ſteht
wieder für die 17. Runde zwiſchen Spielmann und Dr.
Tarraſch in Ausſicht, bei dem dem Münchener Meiſter
Ge=
legenheit gegeben wird, ſich etwas zu rehabilitieren.
sr. Beim Training zum Achter=Ruder=
Match Oxford=Cambridge ſoll von der
Cam=
bridge=Mannſchaft ein neuer ſenſationeller
Re=
kord aufgeſtellt ſein und zwar ſoll die Mannſchaft die
ganze 3¼ engliſche Meilen lange Rennſtrecke in 15 Min. 30
Sek. zurückgelegt haben. Die bisherige beſte Zeit für die
Strecke beträgt 15:37 und wurde vor etwa zwei
Jahr=
zehnten von einer Orforder Mannſchaft erzielt. Die beſte
Leiſtung neueren Datums war die Zeit von 16:03, die die
Cambridge=Mannſchaft 1910 erreichte. Mit Rückſicht auf
den neuen inoffiziellen Rekord ſieht man der Begegnung der
Hell= und Dunkelblauen am 30. März diesmal mit ganz
be=
ſonderer Spannung entgegen.
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packend in logiſchem Aufbau Konflikte der Seele
ent=
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warm empfehlen möchten. Daß in unſerer Zeit der
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erleben konnte, ſpricht wohl mehr noch als die Empfehlung
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Roman von Ernſt Clauſen.
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31)
Er gab Lührſen die Hand und nickte Lilli zu. Wir
ſehen uns ja noch auf dem Bahnhof, wir beiden
ein=
ſamen modernen Kulturpflanzen, die eigentlich nur noch
in Warmbeeten gut gedeihen, das heißt, verzeihen Sie,
ich meine natürlich in Treibhäuſern; ich werde es lernen,
mich in Berlin wieder beſſer auszudrücken. Einen
Augen=
blia, gnädige Frau!
Er trat mit ihr zur Seite. Frau Lührſen, greifen
Sie zu, wenn Sie noch Gemütsballaſt haben und bei
ihm ſolchen vermuten. Ich war zu klein neben einem
Lührſen. Das war nicht ſchön von Dänhardt, aber er
war eiferſüchtig. Alſo nochmals gute Nacht! — Damit
ging er langſam hinaus. —
Daß ihm die Sache doch ſo nahe ging! Ich hätte
es ihm kaum zugetraut! ſagte Lilli.
Sie ſah wohl, wie es in Lührſen arbeitete. Wenn
nun Dora dem Doktor ihr Jawort gegeben hätte!
Wes=
halb tat ſie es nicht? Es wäre ſo gut geweſen, für ihn,
und vielleicht auch für ſie. Aber nun war vieles klarer in
ihm geworden.
enen ene ertene iteren
vielleicht noch einmal mit Dora Plattner darüber
ſpre=
chen? Vielleicht hat ſie nur in der erſten Ueberraſchung nein
geſagt?
Ich — mit ihr darüber ſprechen —? Nein, das wäre
nutzlos. Das ſteht mir nicht zu. Sie weiß, was ſie will.
Wieder herrſchte Schweigen zwiſchen den beiden. Dann
begann Lilli mit weicher Stimme: Gerdt, du ſagteſt
vor=
hin, es gäbe nur eines, was ſcheidet. Ich weiß wohl,
was du meinſt. Was ſo ſcheidet, iſt doch allein das
Er=
kalten der Liebe!
Es war, als müſſe er ſich erſt wieder in dieſe
Gedan=
kengänge hineinfinden, denn er ſtrich mit der Hand über
die Stirn, ehe er antwortete. Das nicht allein, vielleicht
weniger, als man glaubt. Noch viel mehr und ſchärfer
ſcheidet die Enttäuſchung im Charakter des andern.
Das iſt nicht wahr! Die Liebe iſt es! Kann ſie,
wenn einmal dageweſen, überhaupt jemals ſterben?
Früher habe ich das auch nicht geglaubt, nicht für
möglich gehalten, Lilli.
In der alten Uhr raſſelte es, und dann ſchlug es
ſiebenmal. Lilli horchte darauf. Dann kam die Angſt
wieder vor dem Scheiden, nicht nur vor dem Scheiden
von ihrem Kinde, ſondern auch vor dem Scheiden von
deſſen Vater, von dem Mann, den ſie doch noch zu lieben
glanbte mit der Liche di beſchen poil, die an ſch reiſen
will, Macht fühlen! Sie hatte einen andern Lührſen hier
kennen gelernt.
Sie war bei ihm, ganz dicht, und griff mit beiden
Händen nach ſeinem Arm. Gerdt, Gerdt, weißt du nicht
mehr, weißt du noch, damals, es war am Abend nach
unſerer Hochzeit. Wir kamen in unſer Zimmer, in unſer
neues Heim in Berlin. Da nahmſt du mich in deine
Arme und ſagteſt gute, große Worte zu mir —
Ja, Lilli, ich weiß Wort für Wort, und ich habe jedes
halten wollen! Was rührſt Du daran,
Gerdt, das kann ja nicht ſterben! Keiner kann das
ver=
geſſen, nicht die Manneslippen, die ſolche Worte ſprachen!
Denkſt Du daran? Wie ſelig waren wir. In unſern
Her=
zen ein einziger großer Feſtgedanke. Kannſt Du das
ver=
geſſen? Und nun hier in Halligboſtel, Gerdt—
Sie legte die eine Hand auf ſeine Schulter, und er
fühlte, wie ſie ſich zu ihm drängte, und er ſaß da in wachen
Erinnerungen unter dem Klang ihrer Worte, die ſo gut zu
malen wußten, die mit der Erinnerung die Gegenwart faſt
verdunkelten, er ſaß da, und der weiche Klang ihrer
ver=
ſchleierten Stimme war in ſeinem Ohr.
O Gerdt, ſo heimiſch, ſo ſtill, ſo ruhig iſts hier bei dir,
Ich kann nicht helfen, mir iſt es, als ſeien alle die Jahre
ſeitdem ein Traum geweſen. Denkſt du daran?
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mals ja, da glaubte ich auch, wir würden
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wachſen, jeden Tag feſter in guter Kameradſchaft, und
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noch, er richtete ſich unwillkürlich ſtraffer auf, dennoch haben
wir uns ineinander getäuſcht. Du in mir und ich in dir.
Du haſt mich doch im Stich gelaſſen.
Sie glitt an ſeinem Stuhl nieder und griff nach ſeinen
Händen. Vergiß, Gerdt! Sieh mir in die Augen! Noch
iſt nicht alles vorbei. Du ſahſt mich früher oft und gern
ſo an deiner Seite. Wir werden einander wieder verſtehen
lernen, wenn du mich einmal, einmal nur wieder geküßt
haſt!
Er hatte ſich über ſie gebeugt und ſah ihr in die Augen.
Ja, er dachte daran, aber er dachte auch daran, daß ſie ſo
zu=
ſammen lebten nur im erſten Jahre, kaum im erſten Jahre,
eigentlich nur wenige Monate, genau ſo lange, bis dieſe
Frau auch dieſen Roman erlebt hatte.
Sie ſprach weiter und weiter: Wenn du deſſen
ge=
denkſt, Gerdt, dann wirſt du verſtehen, daß ich recht hatte,
daß du nicht hierher gehen und hier bleiben durfteſt. Küſſe,
mich, Gerdt, nur einmal wieder!
Sein Atem ging ſchwer, und ſie ſah und fühlte, daß in
dieſer Sekunde die Entſcheidung dicht vor der Tür ſtand,
daß die Leidenſchaft in ihm ſchon auf der Schwelle ſtand,
um alle Riegel aufzubrechen! Sein Blick ſuchte und ſuchte
in ihren Augen, als wollte er jeden einzelnen Gedanken
da=
rin entziffern, aber dann — fuhr er mit einem Ruck in die
Höhe, ſodaß ſie zurücktaumelte.
Des ich nigt hier biber duſte Des fiaſt du dar
Lilli, Lilli, ich habe vorhin eine ganz klare Frage geſtellt!
Ja ja, ich weiß. Sage nur, daß du mich noch liebſt,
daß keine andere dir in den letzten Jahren mehr war, als
ich dir einſt geweſen bin!
Lilli, verwirre nicht alles! Nicht dein freier Wille
führte dich hierher! Vergiß das nicht!
Ich will nicht heucheln, ich weiß das. Doch was ich
jetzt empfinde, das iſt echt!
Echt wie die Zeit —, ſagte er mit rauher Stimme,
anderes haſt du mir wirklich nicht zu ſagen?
Etwas anderes, Gerdt? Wie meinſt du das? Ich
ſprach von unſerer Liebe.
Da ſprang Lührſen auf und trat zurück. „Nein, nein,
nein, was wir da zurückrufen wollen, woran du anknüpfen
willſt, Lilli, gewiß, das bleibt, ſo lange, genau ſo lange,
wie man noch nicht zu alt iſt dafür. Da ſteht etwas zwiſchen
uns, etwas, was lebt und beſteht ſeit langen Jahren. Das
läßt ſich nicht flicken, das läßt ſich nicht wieder
zuſammen=
bringen, auch nicht durch Leidenſchaften
Sie hob die Hand an die Stirn und richtete ſich auf aus
ihrer knieenden Stellung. „Etwas anderes, Gerdt, anderes,
als daß ich dich liebte —? Und das trifft dich nicht mehr?
Und ſich aufrichtend und plötzlich den Ton ändernd,
aus=
brechend in voller Leidenſchaft, kochend vor Scham, daß ſie
ſich hinreißen ließ zu betteln: Dann weiß ich auch, Gerdt
Lührſen, was, oder vielmehr wer zwiſchen uns ſteht! Die
— die Dora Plattner iſt es!
Was würde er ſagen, Er würde leugnen! Er war
ſehr blech uns ſand undenglich und recle ſch inden er
langſam, ruhig ſagte: Dora Plattner —? An die dachte
ich eben nicht, ganz gewiß nicht, an die dachte ich eben nicht.
Aber du haſt recht, die vielleicht auch!
So, nun iſt es alſo endlich heraus, die Wahrheit! Nunt
herunter mit der Maske, Gerdt!
Ich brauche keine Maske; ich habe nichts zu verhüllen
und nichts abzuſprechen. Ja, wenn ſie zwiſchen uns ſteht,
dann ſteht ſie an einem Platz, der leer gelaſſen wurde, dann
hat ſie ein Recht erworben auf einem Platz durch Pflicht
und Arbeit, durch alles das, was du mir wie einen alten
Handſchuh vor die Füße geworfen haſt. Den ſoll ich jetzt
wieder aufleſen, nicht wahr, in einer Sekunde der
Leiden=
ſchaft. Am Handſchuh blieb der Trauring hängen, den haſt
du mit weggeworfen!
So — meinſt du, daß ſie den Platz hier behalten will?
Wenn nun dieſe Dora Plattner freiwillig ginge, gar nicht
hier bleiben wollte, auch nicht, wenn ich gehe? Stolzer iſt
ſie als du, und — und ehrlicher vielleicht auch. Vor einer.
Stunde hat ſie es mir geſagt, hier in dieſem Zimmer, und
nur verſprochen zu ſchweigen, bis ich aus dem Hauſe ſei,
weil ich nicht wollte, daß ihr Gehen mir das Bleiben leichter.
machen ſollte, falls ich bleiben wollte.”
Das — das habt ihr miteinander geſprochen? Alſo
abgekartete Geſchichten! Er war mit zwei Schritten an des
Tür.
Schnell, ſchnell Gerdt, ſonſt läuft ſie dir am
Ende=
davon! rief Lilli mit heiſerer Stimme.
(Fortſetzung iplatz.
Seite 20)
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 14. März 1912.
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Seite 22:
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 14. März 1912.
Nummer 63.
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abends 9 Uhr, im Vereinshaus ſtattfindenden
ardentlichen Generalverſammlung
ergebenſt eingeladen.
Tagesordnung: Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr,
Kaſſebericht, Ergänzungswahl zum Vorſtand, Verſchiedenes.
Der Vorstand.
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Dekorierungsfest
findet Samstag, den 16. März I. Js.,
abends 8½ Uhr, im feſtlich geſchmückten
grossen Saale des städt. Saalbaues
ſtatt. — Die Mitglieder des Klubs werden zu
recht zahlreicher Beteiligung hiermit höflichſt
eingeladen.
Der Vorstand.
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vor obigem Vortrag erfolgen, berechtigen zu freiem Eintritt.
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Donnerstag, 14. März.
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Der Tragödie zweiter Teil
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Spielleitung: Oberregiſſ. Valdek.
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Fauſt . . .
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Der Kaiſer .
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Biſchof=Kanzler . Hr. Wagner
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Hr. Hacker
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Schatzmeiſter
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Galathea
Galathea
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Sirene
Zweite
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Zweite
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Elfen. Hofherren. Hofdamen.
Trabanten. Pagen. Erſcheinung
des Paris. Zephyre.
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tonen. Lamien. Sirenen und
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Reihe 2 Mk., 7. u. 8. Reihe 1.60 Mk.,
Sperrſitz: 1.—13. Reihe 3.50 Mk.,
14.—20. Reihe 3 Mk., Parterre:
1.—5. Reihe 2.20 Mk., 6—8. Reihe
1.80 Mk., 1. Galerie 1 Mk., 2.
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Tragödie.” Vierter Abend:
Der Tragödie zweiter Teil, zweite
Abteilung. Kleine Preiſe.
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fang 7 Uhr. (Vergl. beſ. Anz.)
Samstag, 16. März. Auß. Ab.
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Sonntag, 17. März. 138. Ab.=V.
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Ba=
jazzo.” Gr. Pr. Anf. 7. Uhr.
Aus dem Spielplan.
Montag, 18. März. 139. A.=V.
A 35. Zum erſten Male
wieder=
holt: „Baumeiſter Solneß.”
Kleine Preiſe. Ankang 7 Uhr.
Dienstag. 19. März. 140. A.=V.
D 36. „Siegfried.‟ Große.
Preiſe. Anfang 6 Uhr.