Darmstädter Tagblatt 1912


05. März 1912

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175. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 20 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Der Kaiſer iſt geſtern vormittag in Oldenburg
eingetroffen.
Der Staatsſekretär des Reichskolonial=
amts
Dr. Solf iſt geſtern in Hanau eingetroffen,
um ſich über die Verhältniſſe der dortigen Diamanten=
induſtrie
zu informieren.
Das Zeppelin=Luftſchiff Viktoria Luiſe‟
iſt geſtern vormittag 9 Uhr in Friedrichshafen abgefah=
ren
und nachmittags 4.40 Uhr in Frankfurt a. M. einge=
troffen
.
Die Unruhen in Tientſin und Peking dauern
fort.

Karl Peters über die engliſche Annäherung.

* Im Tag veröffentlicht Karl Peters (London) einen
Aufſatz, der in weiteſten Kreiſen berechtigtes Aufſehen
erregen dürfte, zeigt er doch, wie dem nahen Beſchauer
der engliſchen Politik Vorgänge erſcheinen, die in Deutſch=
land
die Uteilskraft ſo mancher Zeitungsleſer zu verwir=
ren
vermochten. Wir greifen aus ſeinen Ausführungen
das Wichtigſte heraus:
Lord Haldane reiſt nach Berlin. Was für Vorſchläge
er hinüberbrachte, iſt weder hier noch drüben gemeldet.
Deutſchland und Großbritannien ſollen gleiche Intereſſen
in Perſien und China haben. Dies iſt am Ende eine
Phraſe, um die der Kriegsminiſter ſich nicht nach Berlin
zu bemühen brauchte. Beide Staaten wollen gegenſeitige
Spionage verbieten. Das werden am Ende zu jeder Zeit
höfliche Staatsmänner irgend zweier Länder ſich erklären.
Lord Haldane wolle einen Vorſchlag machen, die Walfiſch=
bucht
gegen eine Grenzregulierung, alſo wohl am Ca=
privizipfel
, auszutauſchen. Das kommt ein wenig zu
ſpät, nachdem Deutſchland an hundert Millionen auf Swa=
kopmund
und die Bahnen von dort ins Innere verwendet
hat. Recht banale Kombinationen! Arrangements über
den Flottenbau ließen ſich zwiſchen zwei Großmächten
nicht verabreden, belehrt bei dieſer Gelegenheit die Lon=
doner
Preſſe. Vor einigen Jahren, plaudert die Pall Mall
Gazette aus, habe man in der Tat eine Vereinbarung in
dieſer Richtung getrofſen. Wirklich habe die deutſche Ad=
miralität
die authentiſchen Ziffern des kommenden Jah=
resbudgets
an die Admiralty in London überſandt. Lord
Macnamara habe dieſen Ziffern entſprechend auch nur
vier Dreadnoughts beſtellt. Aber er habe die deutſchen
Angaben für unwahr gehalten und deshalb neben dieſen
offiziellen gleich vier geheime Kiele legen laſſen. So ſeien
es acht geworden. Am Ende des Jahres aber habe er
ſich überzeugen müſſen, daß die deutſchen Ziffern doch
wahr geweſen ſeien. Eine rührende Geſchichte!
Mit ſolcher Kenntnis berührte hier recht wunderbar
die Aufnahme, die der engliſche Abgeſandte in Berlin
fand. Anſtatt ihn kühl und höflich an ſich kommen zu
laſſen, riß ſich die höchſte Geſellſchaft des Deutſchen Rei=
ches
geradezu um ihn. Es ſchien, daß man es nicht eilig
genug haben konnte, den imponierenden Eindruck, den die
Haltung des deutſchen Volkes im vorigen Herbſt hier
in der Tat gemacht hatte, ſo gründlich wie möglich in
Großbritannien zu verwiſchen. Man nahm ihn auf, als
wenn ſein Beſuch dringend erſehnt ſei. Als ob irgend
iemand Eindruck machen könnte in Großbritannien durch
ſchwächliches Nachrennen!
Tatſache iſt, daß in dieſem Lande die Empfindungen
gegen Deutſchland gerade in der letzten Zeit ausgeſpro=
chen
an Kälte und Feindſeligkeit durch die ganze Nation
zunehmen. Mr. Winſton Ehurchill im Glasgow und
nicht Lord Haldane war der wirkliche Offenbarer der bri=
tiſchen
öffentlichen Meinung. Zwei britiſche gegen einen
deutſchen Kiel und entſprechend mehr Mannſchaften, und,
wenn Deutſchland die Race nicht aufgibt. Vergrößerung
dieſes Zwiſchenraumes, das iſt die Politik, welche die
liberale Regieruna ankündiat und das Land ausführen
wird. Weshalb Churchill dies Programm urbi et orb:
verkündete, während Haldane in Berlin Friedensſchal=
meien
blies, weiß er ſelbſt am beſten.
Mr. Churchill ſprach die Meinung aus, daß Deutſch=
land
, mit der Sozialdemokratie als belaſtendem Moment.
die angeſpannte Konkurrenz mit dieſem Lande nicht
werde durchhalten können. Im großen und ganzen war
ſeine Rede, drohend und plump, wie England zu den
Zeiten der Väter zu ſprechen liebte, und nicht geeignet,
ein ſtolzes Volk zu gewinnen. Sie war eine verbeſſerte
Auflage der Rede Lloyd Georges vom vorigen Sommer.
Darauf antwortet man nicht mit Worten, ſondern mit
Taten. In dieſem Fall mit der Durchführung unſeres
eigenen Flottenplanes und einer unbekümmerten auswi=
tigen
Politik. Ueberhaupt iſt Großbritannien dasjenige
Land, wo ſich höfliche Reden am wenigſten lohnen, das

aber rückſichtsloſes Handeln ſehr ſchnell verſteht. Es iſt
nämlich für einen Defenſivkrieg großen Stils ſo außer=
ordentlich
ſchwerfällig vorbereitet. Das weiß ſicherlich
auch Winſton Churchill, und die Glasgower Rede war
einer ſeiner dreiſten Bluffs.
Wie es keinem Zweifel unterliegen kann, daß ein gut
Teil der Anglophobie in Deutſchland dem prätentiöſen
Auftreten einzelner Engländer drüben zuzuſchreiben iſt, ſo
muß ich wiederholen, daß eine Urſache für die Gering=
ſchätzung
, mit welcher unſere Landsleute vielfach von den
Engländern eingeſchätzt werden, in der Anglomanie von
Deutſchen beſteht. Von ſolcher Anglomanie gibt mir je=
der
Beſuch in Deutſchland neue Beweſie. Ceterum cen=
seo
! Dies Sich=an=den=Hals=werfen muß den ſelbſtbe=
wußten
Bewohnern Albions naturgemäß Verachtung ein=
ſtößen
. Wenn acht Deutſche zuſammen mit einem Eng=
länder
am Tiſch ſitzen, radebrechen ſie alle Engliſch. Sie
drängen ſich zu ſeiner Bekanntſchaft. Sie zwingen ihn
geradezu, unſer Volk als eine niedere Raſſe zu betrachten,
etwa wie Botokuden oder Manjemas. Ich kann leider
dieſen Punkt bei meiner Beſprechung des Verhältniſſes
der beiden Nationen niemals umgehen. Sollte es wirk=
lich
ganz hoffnungslos ſein, hier eine Wendung zu ſchaf=
fen
? Wenn das der Fall iſt, dann nützt auch alle über=
legene
Leiſtung im Krieg und Frieden nichts Weſentliches.

Die Unruhen in China.

** Die in den letzten Tagen aus dem Reiche der
Mitte eingelaufenen Nachrichten laſſen erkennen, daß mit
der Abdankung der Mandſchu=Dynaſtie und der Ausrufung
der Republik für das eigenartige Staatsweſen die in=
nere
Ruhe noch nicht zurückgekehrt iſt. Es mag ſein, daß
die Lage nicht ſo peſſimiſtiſch beurteilt zu werden braucht,
wie es von einzelnen Seiten geſchieht, aber es wäre auch
verkehrt, ſich in Sicherheit zu wiegen und darauf zu bauen,
daß die augenblicklichen Machthaber in China der Schwie=
rigkeiten
Herr zu werden vermögen. Man wird ſich er=
innern
, wie bitter es ſich zu Beginn dieſes Jahrhunderts
rächte, daß man die Gefahr des Boxeraufſtandes unter=
ſchätzte
und ſich zu lange dem Gefühl der Sorgloſigkeit
hingab. Der Charakter der Chineſen iſt unberechenbar
und dem großen Haufen ſoll man nicht trauen. Beſon=
ders
in dieſer Zeit nicht, wo ſeit langem alle Bande der
Ordnung geſtört waren, wo niemand wußte, wer denn
eigentlich Herr in China war. Ob das ſchon heute die
meiſten Chineſen wiſſen und es faſſen können, daß der
Thron, der für ſie bisher den Begriff des Göttlichen
hatte, urplötzlich aller Macht enkleidet werden durfte?
Es heißt, daß in der Gardediviſion die Mehrzahl der
Offiziere von der Republik nichts wiſſen will und der
Dynaſtie treu geblieben iſt. Ob dieſer Umſtand mit den
Vorgängen in Verbindung ſteht, läßt ſich nach den bisher
eingelaufenen Meldungen ſchwer feſtſtellen. Jedenfalls
iſt es beunruhigend, daß die am Donnerstag abend aus=
gebrochenen
Revolten einen ſolchen Umfang annehmen
und in tagelange Plünderungen und Brandſtiftungen
ausarten konnten. Wenn es ſich beſtätigen ſollte, daß bei
den Regierungswirren die Pekinger Soldaten ohne Sub=
ſiſtenzmittel
gelaſſen worden ſind, keinen Sold erhalten
haben und nun aus Hunger ſich auflehnten, ſo kann man
den leitenden Männern den Vorwurf nicht erſparen,
leichtfertig eine neue ſchwere Gefahr über China herauf=
beſchworen
zu haben. Denn daß auf den chineſiſchen Sol=
daten
kein Verlaß iſt, ſelbſt wenn er nicht zu hungern
braucht, hat man 1900 geſehen, wo die Soldateska mit den
Boxern gemeinſchaftliche Sache machte und auch nicht da=
vor
zurückſchreckte, gegen die fremden Geſandtſchaften
vorzugehen.
Letztere ſind heute beſſer auf alle Eventualitäten vor=
bereitet
als im Jahre 1900, und wir wollen hoffen, daß
ſie ſelbſt einem ſtärkeren Anſturm erfolgreich Widerſtand
zu leiſten vermögen. Die außerordentlichen Maßnah=
men
, die von ihnen augenblicklich getroffen werden, ſind
nur zu billigen, ſie zeigen aber auch, daß man die Lage
an Ort und Stelle nicht leicht nimmt. Dazu iſt ja auch
kein Anlaß, namentlich wenn es ſich beſtätigt, daß die
Unruhen ſich nicht auf Peking beſchränken, daß die Meu=
terer
von außerhalb Zuzug erhalten. Ob und inwieweit
die in Tientſin ausgebrochenen Unruhen mit den Vor=
gängen
in Peking in Verbindung ſtehen, läßt ſich vor=
läufig
noch nicht erkennen, jedenfalls erweckt die Situa=
tion
im Reiche der Mitte noch wenig Vertrauen, Ueber=
raſchungen
ſcheinen nicht ausgeſchloſſen und der jungen
Rcpublik ſtehen noch unendliche Schwierigkeiten bevor,
ehe ſiebihre Herrſchaft geſichert ſehen kann. Daß ange=
ſichts
der vorliegenden Gefahr ein gemeinſames Vor=

gehen der Mächte beraten wird, kann nur gebilligt=
werden
.

Aus Tientſin, 3. März, wird über die Un=
ruhen
noch gemeldet: Der Brand in der Eingeborenen=
ſtadt
begann geſtern abend 10 Uhr und war heute früh
8 Uhr auf ſeinen Herd beſchränkt. Die Münze und die
vornehmſten Stadtviertel wurden niedergebrannt und
ausgeplündert. Der Schad en wird auf 100 Millio=
nen
Lire geſchätzt. Es ſollen ungefähr 100 Men=
ſchen
umgekommen ſein. Die Unruhen wurden von
den Revolutionären hervorgerufen, die mit Polizeiſol=
daten
und Leuten aus der Leibwache des Vizekönigs aus
Peking gekommen ſind. Es wird befürchtet, daß ſich die
Unruhen heute Nacht erneuern. Die Fremdenniederlaſ=
ſungen
werden von 5000 ausländiſchen Soldaten bewacht.
Der Tod des deutſchen Arztes, der ſich geſtern in die Ein=
geborenenſtadt
wagte, ruft die lebhafteſte Anteilnahme
hervor.
In Peking marſchierten am Sonntag früh eine
Abteilung Artillerie mit Muſik zum Palaſt des Herzogs
Kuei, des Vaters der Kaiſerin=Witwe, ſchoß das Tor
ein und plünderte und brannte einen Teil des
Palaſtes nieder. Die Truppen des Herzogs hatten
ſich geſtern an den Plünderungen beteiligt, aber heute
kämpften ſie gegen die Plünderer. Es ſcheint, daß die
ganze Nordarmee mit der Meuterei einverſtanden war, da
ſie glaubte, die Ankunft der Delegierten aus Nanking be=
deute
ihre Entlaſſung.
Die Delegierten Nankings erannten die De=
putation
, die ſich nach Nanking begibt, um die Anſichten
der fremden Mächte bekannt zu geben und der Bevöl=
kerung
Nankings die Notwendigkeit, Juanſchikai zu
unterſtützen, klar zu machen, ſowie von der Not=
wendigkeit
eines feſten Bündniſſes der ſtändigen Nankin=
ger
Regierung mit der Pekinger Regierung zu überzeu=
gen
. Weder die Regierung noch die Delegierten glauben,
daß eine Intervention der Mächte notwendig iſt.

Deutſches Reich.

Aus der Nationalliberalen Partei.
Die Nationalliberale Korreſpondenz ſchreibt: Die Köl=
niſche
Zeitung bringt in ihrer Nr. 222 einen Bericht über
eine Verſammlung in Offenbach, in der der frühere Abg.
Dr. Streſemann ſprach. Nach dieſem Bericht hat Herr Dr.
Streſemann geſagt, daß gerade der Abg. Schiffer es ge=
weſen
ſei, der die ganzen Verhandlungen mit der Sozial=
demokratie
geführt habe und dafür eingetreten ſei, daß
die Fraktion einmütig für Scheidemann ſtimmte‟. Nach
einem anderen Bericht in Nr. 29 758 des Hannoverſchen
Couriers ſoll Herr Streſemann ſogar geäußert haben,
die Wahl Scheidemanns ſei nicht auf Betreiben Baſſer=
manns
, ſondern auf Betreiben des Herrn Schiffer er=
folgt
. In ähnlicher Weiſe werden die Vorgänge neuer=
dings
in Zuſchriften an die Preſſe dargeſtellt. Dieſe
Darſtellungen geben ein durchaus unzutreffendes Bild
der Dinge. Daß Abg. Schiffer nicht die ganzen Verhand=
lungen
mit der Sozialdemokratie geführt hat, in welchem
Sinne er ſie, als er von Herrn Baſſermann zu dem
Schlußakt hinzugezogen wurde, tatſächlich führte, und
welche Stellung er überhaupt einnahm, iſt bereits aus
ſeiner öffentlichen Auseinanderſetzung mit dem Abg.
Bebel zur Genüge bekannt. Das übrigens nicht ein=
mütige
Eintreten der Fraktion dafür, daß überhaupt
ein Sozialdemokrat in das Präſidium gewählt wurde,
beruhte, wie ſchon mitgeteilt, auf einem Fraktionsbe=
ſchluß
; und die Tätigkeit des Herrn Schiffer während der
Wahlhandlung beſtand lediglich darin, daß er, nachdem
Herr Spahn gewählt worden und damit die Gefahr eines
Großblockpräſidiums beſeitigt war, erklärte, es ſei nun=
mehr
vom Standpunkt jenes Fraktionsbeſchluſſes aus
gleichgültig und zuläſſig, wenn der Sozialdemokrat ſtatt
als zweiter, als erſter Vizepräſident gewählt würde. Im
übrigen ſind wir der Anſicht, daß man jetzt dieſe Erör=
terungen
über die Vergangenheit, insbeſondere über an=
gebliche
Gegenſätze zwiſchen Baſſermann und Schiffer
ſchließen ſollte: ſie liegen wahrhaftig nicht im Intereſſe
der Partei!
Die Budgetkommiſſion des elſaß=
lothring
iſchen Landtag es hat beſchloſſen, die
ſogenannte Kaiſerjagd bei Ober=Haßloch zu verpachten. Der

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Regierungsvertreter im Landtag teilte hierzu folgendes
mit: Die Vorbehaltung des Staatswaldbezirks bei
Ober=Haßloch als Jagdrevier des Kaiſers, war als eine
durch das Land dem Kaiſer erwieſene Aufmerkſamkeit
gedacht, die als ſolche von dem Kaiſer gutgeheißen wor=
den
war. Nach der in der Budgetkommiſſion geäußerten
Kritik habe der Kaiſer auf Vortrag des Statthalters be=
ſtimmt
, daß von dem Vorbehalt des betreffenden Jagd=
gebietes
abzuſehen ſei.
Abſtimmungsergebnis der Land=
tagswahlen
in Bayern. Nach den endgültigen
Zuſammenſtellungen des Statiſtiſchen Landesamtes iſt
das Abſtimmungsergebnis für die Landtagswahl 1912
folgendes: Im ganzen wurden 964670 gültige Abſtim=
mungen
vorgenommen, von denen 325138 (33,7 Prozent)
auf die 30 zweimännigen Wahlkreiſe treffen. Von den
gültigen Abſtimmungen entfallen auf Zentrum, Freie
Vereinigung (Konſervative und Bund der Landwirte),
Mittelſtandsvereinigung und Reichspartei 463 715 oder
48,1 Prozent, auf Liberale, Bayeriſchen und Deutſchen
Bauernbund und Sozialdemokraten 489652 oder 50,7
Prozent.

Ausland.

Frankreich.
Die franzöſiſch=ſpaniſche techniſche
Kommiſſion hat ihre Arbeiten begonnen. Sie ſtellte
zunächſt die Reihenfolge feſt, in der die verſchiedenen
Fragen erörtert werden ſollen. Den erſten Punkt bilden
die marokkaniſchen Zölle. Die Beratungen ſind geheim.
Die Organiſation des Protektorats in
Marokko. Der Geſandte Regnault erklärte vor ſeiner
Abreiſe nach Tanger einem Berichterſtatter, daß er in Fez
zahlreiche Unterredungen mit den Miniſtern des Sultans
über die Organiſierung des Protektorates haben werde.
Betreffs der ſpaniſchen Zone meinte Regnault u. a., daß
die Zollverwaltung in Larraſch einer franzöſiſch= ſpani=
ſchen
Kommiſſion anvertraut werden ſolle, da die Intereſ=
ſen
der Gläubiger Marokkos dies erheiſchten. Das
Journal des Débats ſpricht ſich entſchieden gegen die von
Regnault angekündigten langen Verhandlungen mit dem
Maghzen aus. Der Sultan wünſche nur eine reichliche
Zivilliſte, und die möge man ihm geben, aber eine Ver=
ſtändigung
mit dem Maghzen in Angelegenheiten der Ver=
waltung
heiße, die Aufgabe Frankreichs nur verwickeln
und erſchweren. Auch die Idee Regnaults, ſich in die
Verwaltung der ſpaniſchen Zone einmiſchen zu wollen,
ſei unzuläſſig und man müſſe hoffen, daß die franzöſiſche
Regierung dieſe Anſchauung nicht teile.
Griechenland.
Miniſterpräſident Venizelos und die
politiſche Lage. Miniſterpräſident Venizelos hielt
in Patras eine längere Rede über die politiſche Lage, in
welcher er der reviſioniſtiſchen Verſammlung für ihre Ver=
faſſungsreviſion
und geſetzgeberiſche Tätigkeit große An=
erkennung
zollte. Der Miniſterpräſident ſprach von den
weſentlichſten Reformen, die in den Departements der
Juſtiz, der Oeffentlichen Arbeiten und des Innern einge=
führt
worden ſeien. Zur Reorganiſation der nationalen
Verteidigung ſeien die Militärmiſſionen berufen. Es ſei
ein neuer Kreuzer, mehrere Torpedobootszerſtörer und
ein weiteres Unterſeeboot in Auftrag gegeben worden.
Die Reviſion des Zolltarifs und eine Anzahl weiterer
Maßnahmen, welche eine günſtige wirtſchaftliche und

inanzielle Lage möglich mache, über die das Gleichgewicht
des Budgets Zeugnis ablege, ſeien zur Sicherung des
ationalen Aufſchwunges geplant. Griechenland wünſche
den Frieden, unglücklicherweiſe hänge dies aber von
Griechenland nicht ab. So ſei es genötigt, für jeden Fall
militäriſche Vorbereitungen zu treffen. Sollten ſich wider
ſeinen Willen Verwicklungen ergeben, ſo ſei es in der
Lage, 110000 Kombattanten und beträchtliche Seeſtreit=
nächte
zu mobiliſieren. Die Rede wurde mit anhalten=
dem
Beifall aufgenommen. In Athen trafen die aus
Konſtantinopel ausgewieſenen griechiſchen Zeitungsbe=
richterſtatter
ein. Die öffentliche Meinung bezeichnet dieſe
Maßnahme der Pforte als willkürlich und iſt darüber ſehr
erregt.
Amerika.
Die Vereinigten Staaten und Mexiko.
Präſident Taft hat nach einer Beratung mit dem Kabi=
nett
eine Proklamation erlaſſen, in der die Ame=
rikaner
aufgefordert werden, in allem, was Mexiko angeht,
ſich ſtreng an die Vorſchriften der Neutralität zu halten.
Dies wird als eine Aufforderung an die Amerikaner aus=
gelegt
, ſich gegenwärtig von Mexiko fernzuhalten. Kürz=
lich
ſeien Drohungen vernommen worden, daß die
Amerikaner in Mexiko ermordet werden würden, falls
Schritte zur Herbeiführung einer amerikaniſchen Inter=
vention
gemacht werden. In der Proklamation des Prä=
ſidenten
werden auch die Behörden darauf hingewieſen,
mit äußerſter Sorgfalt darüber zu wachen, daß Ver=
letzungen
der Neutra lität Mexikos durch
die Amerikaner verhindert würden, und, falls dies
doch geſchehe, die Betreffenden zur Verantwortung zu
ziehen. Eine Neutralitätsverletzung durch irgendwen
würde in keiner Weiſe von der amerikaniſchen Regierung
geduldet werden.
Perſien.
Der Exſchah. Es wird berichtet, daß der Exſchah
die Inſel Aſchurada erreicht hat, eine ruſſiſche Marine=
ſtation
im Süden der Bucht von Aſterabad. Der ruſſiſche
Konſul in Aſterabad ſoll es übernehmen, den Truppen
des Exſchah die ausgemachte Summe von 70000 To=
mans
auszuzahlen. Der künftige Wohnort des Exſchahs
iſt noch nicht beſtimmt.

* Berlin, 4. März. Die Voſſ. Ztg. meldet aus
Petersburg: Der Zar und ſeine Gemahlin werden
ſich am 27. März zu längerem Aufenthalt nach Livadia
begeben.
* Dortmund, 4. März. Von der aus 950 Mann
beſtehenden Frühſchicht der dem Eiſen= und Stahl=
werk
Höſch gehörenden Zeche Kaiſerſtuhl 2 ſind nur 222
Mann angefahren. Die geſamte Belegſchaft beträgt 3500
Mann. Auf der dem Harpener Bergbauverein gehören=
den
Zeche Scharnhorſt ſtreikt die Hälfte der Frühſchicht.
Der Alte Bergarbeiterverband erläßt einen
Aufruf an die Bergleute, in dem er davor warnt,
dem Beiſpiel der Belegſchaften Scharnhorſt und Kaiſer=
ſtuhl
zu folgen, da ſich dieſe eines Bruches der
Diſziplin ſchuldig gemacht hätten. Die Bergleute
ſollten ruhig bei der Arbeit bleiben und die Parole ihrer
Führer abwarten.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 5. März.
* Beſtätigt haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
die am 15. Februar 1912 durch die Stadt=
verordnetenverſammlung
vollzogene Wahl des Rechts=

anwalts Juſtizrats Wilhelm Grünewald in Gießen
zum unbeſoldeten Beigeordneten der Provinzialhaupt=
ſtadt
Gießen.
* Verleihungen und Ernennungen. Se. Königl.
Hoheit der Großherzog haben dem Bauinſpektor für
beſondere Bauausführungen Hugo Landmann zu
Offenbach, dem Bauinſpektor des Hochbauamts Dieburg
Ludwig Klump zu Dieburg und dem Kreisbauinſpektor
des Kreiſes Darmſtadt Heinrich Baltz zu Darmſtadt den
Charakter als Baurat verliehen; ferner dem Werkführer
Martin Weſp zu Arheilgen, in Dienſten der Firma
Ferdinand Schmidt, Poſamentenfabrik zu Darmſtadt,
das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift Für treue
Arbeit am Bande des Verdienſtordens Philipps des
Großmütigen.
Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben den
Lehrer an dem Lehrerſeminar zu Alzey Otto Höcker
zum Lehrer an dem Lehrerſeminar zu Friedberg mit
Wirkung vom 16. April d. J. an ernannt.
g. Schwurgericht. Das Schwurgericht der Provinz
Starkenburg begann geſtern unter dem Vorſitz des Land=
gerichtsrat
Leberecht die erſte Schwurgerichtsperiode
912 mit der Verhandlung der Anklage wegen Tot=
ſchlags
gegen den 26jährigen verheirateten Gürtler Jakob
Hitzel aus Oberroden. Vertreter der Anklage iſt
Staatsanwalt Schreiber, Verteidiger des Angeklagten
Rechtsanwalt Dr. Katz. Nach der Ausloſung und der
Vereidigung der Geſchworenen wurde mit der Verneh=
mung
des Angeklagten begonnen. Hitzel war in der=
Mönchſchen Fabrik zu Offenbach beſchäftigt und ſtand mit
dem ebenfalls in derſelben Fabrik beſchäftigten Schleifer
Friedrich Rupp in freundſchaftlichen Beziehungen.
Später entſtanden zwiſchen Beiden Streitigkeiten und hatte
der Angeklagte Hitzel den Rupp im Verdacht, daß er ihn
aus der Fabrik hinausbringen wolle. Am 1. Weihnachts=
feiertag
war Hitzel in der Köhlſchen Wirtſchaft in Ober=
Roden im Geſangverein. Auch Rupp kam dorthin und
fing Händel an, ſodaß man ihn aus der Wirtſchaft entfernen
ließ. Noch im Hinausgehen rief Rupp dem Hitzel Schimpf=
worte
wie Lump, Schuft, Wilddieb u. a. mehr zu, ſodaß
Hitzel äußerſt erregt wurde und wütend äußerte, er werde
ſchon ſpäter mit ihm abrechnen. Hitzel ging dann nach
Hauſe, und nahm dort trotz dem Bitten ſeiner Frau, ſein
Flobertgewehr, drei Kugelpatronen und ein Küchenmeſſe
zu ſich, die Patronen ſteckte er in die Taſche. Er kam dann=
in
die Kuhnſche Wirtſchaft, verſteckte jedoch vorerſt das Ge=
wehr
auf dem Hofe der Wirtſchaft. Er ließ ſich ein Glas
Bier geben und ſagte dann zu Zeugen: Ich werde den
Rupp und den Breuer kaput ſchießen. Als ihm geſagt
wurde, er hätte ja keine Waffe, holte er das Gewehr herein.
Als die Zeugen ſahen, daß das Gewehr geladen ſei, ſagten
ſie, er möge ſo etwas nicht machen, er ſolle an Frau und
Kinder denken, worauf Hitzel höhniſch lächelnd erwiderte:
das mache ich doch. Er ging dann weiter auf dem Wege
nach der Köhlſchen Wirtſchaft. Unterwegs traf er noch
einen Förſter und auch dieſem erzählte er, er werde heute
abend noch einen erſchießen. Gegen 9½ Uhr ſah er dann
den Rupp kommen; er rief ihm entgegen: Fritz, biſt Du es?
und gab im ſelben Augenblick aus einer Entfernung von
5 bis 7 Schritt einen Schuß auf Rupp ab. Der Schuß traf
den Rupp in die rechte Bruſtſeite und verletzte die Lunge.
Rupp iſt bald darauf an Verblutung geſtorben. Auf den
Aufſchrei des Getroffenen eilten die Schleifer Frank und
Müller herzu, konnten jedoch zunächſt den ſich wie unſinnig
gebärdenden Angeklagten nicht überwältigen, bis ihn ein
Schlag über den Kopf bewußtlos zu Boden ſtreckte. Der
Angeklagte Hitzel geſteht die Tat in allen Einzelheiten
zu, er ſei aber angetrunken geweſen, den Schuß bereut er.
Er wird von allen Zeugen als ein leicht erregbarer Menſch
bezeichnet, der im ganzen Dorf wegen ſeiner Gewalttätig=
keiten
gefürchtet iſt. Der Zeuge Franz Frank, ein Schwager
Rupps, der mit ihm kam, gibt an, Hitzel hätte nach dem
erſten Schuß auch auf ihn gezielt, hätte aber nicht mehr
laden können, da ihm unterdes der Schleifer Müller das
Gewehr entriß. Der Schuß auf Rupp ſei mit dem Ausruf
zugleich gefallen. Zeuge Frank hat auch deutlich erkannt,
daß Hitzel genau auf Rupp gezielt hat. Die Staatsanwalt=
ſchaft
hatte zunächſt die Anklage wegen Mord geſtellt, aber
ſchließlich in der Erwägung, daß Hitzel in einer dauernden

Das Märchen und das Leben.

Kantate von Willem de Haan.
Zum Konzert des Muſikvereins am Montag, 11. März.
Vor einigen Jahren (1905) wurde im Muſikverein
de Haans Lied von Werden und Vergehen aufgeführt,
worin das Ewige Sein beſungen wird, welches ſich uns
in der Form von Werden und Vergehen offenbart.
Sein neues Werk: Das Märchen und das Leben bietet
die Fortſpinnung und Vertiefung desſelben Gedankens.
Der Komponiſt, in beiden Werken ſein eigener Textdichter,
ſchildert uns hier das Leben des Menſchen (der Menſch=
heit
) unter Führung von zwei ſymboliſchen Geſtalten:
Werdegang und Märchen. Werdegang, die Trieb=
kraft
aller Dinge, der uns die Natur in ihrer Größe, ihrer
unerbittlichen Notwendigkeit und Härte zeigt; Märchen,
der ſchöne Schein, die Phantaſie, die das Leben aus=
ſchmückt
und uns durch ihre Ideale, Kunſt und Religion,
über das harte Leben hinweg zu täuſchen ſucht. Ihr
Walten läßt der Dichter im Lebensgang zweier Menſchen
an uns vorüberziehen. Hilkar iſt der Mann Liane iſt
die Frau die ſich um das Leben des Mannes rankt, ſein
Daſein ergänzend und durch ihre Liebe verſchönend; er,
nach Taten jagend und das Weſen der Dinge erforſchend;
ſie, unter Märchens Einfluß noch mehr als der Mann,
ihrem ſchönen Schein, ihren Symbolen huldigend.
Der Gang der Dichtung iſt kurz folgender: (1. Teil.)
Es iſt Nacht. Zwei Geſtalten nahen ſich, von Oſten
Werdegang, von Weſten Märchen. Sie beide
verkünden die bevorſtehende Geburt des jungen Königs.
Werdegang iſt erſtaunt, Märchen hier zu finden: Das
tauſendjährige Reich der Nacht geht zu Ende, die Menſch=
heit
bedarf des täuſchenden Spieles nicht mehr. Aber
Märchen will erſt das Feld räumen, wenn er, Hilkar, der
junge Prinz (die Menſchheit) aus eigenem Antrieb ver=
ſcheuchen
wird. Beide werden vom König zu Erziehern
des Prinzen angenommen, deſſenGeburt nun bald durch die
Herolde in alle Winde hinaus verkündet wird. Der
Knabe wird größer, und während Werdegang ihm am
Tage das große Buch der Natur öffnet und erklärt, ſingt
Mädchen ihm abends in der Dämmerung von dem Trei=
ben
der Elfen und Dryaden vor, und von den fleißigen
Erdmännlein da draußen in den Bergen. Der Verluſt
ſeines Lieblingsvogels, der vor ſeinen Augen von einem
Habicht zerriſſen wird, bringt dem Knaben den erſten
Seelenſchmerz und erſchüttert ihn derart, daß ihm die
Natur als ein furchtbares, alles verſchlingendes Ungetüm
erſcheint. Märchen tröſtet ihn, zeigt ihm Lohn und

Strafe im Jenſeits, die Schrecken der Hölle, die Qualen
des Fegefeuers, wie die Wonnen der Verklärten, die in
ewiger Seligkeit den Urquell des Guten, die Gottheit
umſchweben.
(2. Teil.) Hilkar iſt König und ſoll eine Gattin wäh=
len
. Aber die, welche ihm die einzige Begehrenswerte
erſcheint, Liane, wird von Nordens König Düſter=
wahn
umworben. Faſt iſt alle Hoffnung, ſie einſt zu
beſitzen, entſchwunden, da meldet Märchen, daß Liane
König Düſterwahns Werbung ausgeſchlagen habe und
ihm angehören wolle. Die fürſtliche Braut wird freudig
vom Volke eingeholt, und nach den Empfangs= und Feſt=
tagen
führt der König ſeine Gattin an einen ſtillen See
in Wald= und Gebirgseinſamkeit und feiert dort ſein jun=
ges
Glück, ſegnend bewacht von Werdegang und Märchen.
(3. Teil.) Ein Thronerbe iſt geboren und Hilkar
wähnt ſich auf dem Gipfel des Glückes. Da droht dem
Reiche eine ſchwere Gefahr: Düſterwahn und Ueber=
reif
haben ſich vereinigt, Hilkars Herrſchaft zu vernich=
ten
. Nach ſchweren Kämpfen, in denen es ſogar Düſter=
wahn
gelingt, die Königin und den Kronprinzen zu
rauben, kehrt Hilkar endlich als Sieger über beide feind=
liche
Reiche heim. Nun gehört ihm die ganze Erde. Das
Weltreich iſt gegründet, und Künſte und Friedenswerke
erblühen allerwegen. Auch das Königspaar erfreut ſich
des Friedens und verehrt dankbar die ewigen Geſetze
des Seins, Hilkar voll Bewunderung vor der Majeſtät
der Natur und beſtrebt, immer tiefer in ihre Geheimniſſe
einzudringen, bis ſie ſich einſt allen ſeinen Völkern als
ein heiliger Tempel öffnen möge, die Königin erfüllt von
der das All durchdringenden Macht ſeines ſchöpferiſchen
Gottes.
(4. Teil.) Der König ſteht am Ende ſeines Lebens,
Seine Gemahlin iſt geſtorben, ſein Sohn herangewach=
ſen
. Aber noch immer forſcht und ſtrebt Hilkar und hört
nicht auf, für ſein Volk zu arbeiten. Endlich aber geht’s
zum Sterben. Werdegang, derſelbe, der des Königs gan=
zes
Leben begleitet und geführt hat, ruft Hilkar ab. Du
möchteſt ſtille ſtehn. Es gibt kein Stillſtehn, kein Ver=
weilen
. Das Weltall nimmt dich auf, das große ewige
Sein. Den König macht der grauſe Ruf erſtarren und,
während er ſterbend dahinſinkt, ruft er Märchen.
Werdegang hat ſein Spiel verloren, tröſtend zeigt Mär=
chen
dem König in ſeinem letzten Traum das Weltall ſo,
wie er es erträumte, und durch ſeine Traumgeiſter führt
es ihm Liane in erſter Jugendſchönheit vor, in voller
Seligkeit wähnt er mit ihr durch das Weltall zu ſchwe=
ben
, dem Geſang der Sterne lauſchend, der ihnen ſo ver=
ſöhnend
vom ewigen Sein ſpricht. Und ſo entſchlum=
mert
er=

Die Muſik, die der Komponiſt zu ſeiner Dichtung ge=
ſchrieben
hat, bildet mit ihr ein feſtgefügtes Ganzes.
Jeder der vier Hauptteile iſt in einzelne Szenen abge=
teilt
. Das Prinzip der Leitmotive iſt vollſtändig beiſeite
gelaſſen, obgleich hie und da Reminiſzenzen mit poetiſch
muſikaliſcher Wirkung auftreten. Hierzu gehört die Ver=
wendung
von gewiſſen Klangfarben, die bei geeigneter
Veranlaſſung öfters wiederkehren. So die Solo=Violine
bei Märchens Erſcheinen, und die Orgel, wenn es ſich
um die Gottheit, um das Sein, die Ewigkeit, die Natur,
oder um deren Verkörperung Werdegang handelt. Sie
iſt das Inſtrument, das dem Tonſetzer für dieſen Zweck
am geeignetſten erſchien. Während alle anderen Inſtru=
mente
im Ab= und Zunehmen, im Entſtehen und Ver=
fallen
ihres Klanges einen eigentümlichen Reiz beſitzen,
iſt ſie mit ihrem gleichmäßigen Ton, der vom Anfang
bis zum Schluß die gleiche Stärke und Fülle behält, mehr
als jedes andere Inſtrument geeignet, dasjenige zu
malen, was über das Zeitliche und Vergängliche hinaus=
geht
, ſie verſinnbildlicht eben die Ewigkeit
Das Werk bietet ſowohl dem Soliſten Liane (Sopran),
Märchen (Alt), Hilkar (Tenor) und Werdegang ( Bari=
ton
), als auch dem Chor und dem Orcheſter dankbare
Aufgaben. Als beſonders wirkungsvoll ſeien hervorge=
hoben
Märchens Schilderung von Hölle und Himmel am
Schluſſe des erſten Teils, Hilkars und. Lianens großes
Liebesduett und Werdegangs Geſang am Schluſſe des
zweiten, Lianens große Klage im dritten und die Her=
beirufung
des Märchens im letzten Teil. Unter den
Chören ſind der Begrüßungschor, der Kriegschor, der
groß angelegte Schlußchor und der leiſe verhallende
Schluß des Werkes als hervorragende Schönheiten der
Partitur zu nennen. de Haans Kantate, welche die Kri=
tik
als eine wirkliche Bereicherung der Konzertliteratur
bezeichnet hat, ſtellt ſich uns dar als das Werk eines
echten Muſikers, der gleich weit entfernt von den Aeußer=
lichkeiten
und Maßloſigkeiten der Modernen wie von
ſtiliſtiſcher Engherzigkeit mit reicher Erfindung und ſiche=
rer
Beherrſchung aller Mittel zu ſchaffen verſteht. Daß
der Komponiſt für die Gedanken ſeiner eigenen Dichtung
den erſchöpfenden muſikaliſchen Ausdruck gefunden hat,
wird den Hörern allenthalben zum Bewußtſein kommen.
Die letzten Feinheiten und Schönheiten kennt allerdings
immer nur, wer als Mitwirkender in ein Werk tiefer ein=
zudringen
in der Lage war. Möge die Begeiſterung und
Hingebung, die dieſem tieferen Wiſſen entſpringt, dem
neuen Werke auch hier zu vollendeter Wiedergabe ver=
helfen
und ihm verſtändnisvolle, herzliche Aufnahme er=
wirken
.
Dr. V.
Darmſtadt, 3. März 1912.

[ ][  ][ ]

Erregung geweſen ſei, die Anklage nur wegen Totſchlags
erhoben.
Nach der Beweisaufnahme ſtellte der Verteidiger des
Angeklagten den Antrag, den Angeklagten auf ſeinen Gei=
ſteszuſtand
unterſuchen zu laſſen. Der Antrag wird ab
gelehnt. Kreisarzt Dr. Schwan aus Dieburg gibt als
Sachverſtändiger einen Bericht über den Leichenbefund.
Aus der Schußwunde gehe unzweifelhaft hervor, daß
Hitzel beim Abgeben des Schuſſes das Gewehr angelegt
und gezielt haben müſſe, denn der Schuß ging von der
vierten vorderen Rippe durch die Lunge in die ſiebente
hintere Rippe, alſo von oben nach unten. Der Tod des
Rupp iſt durch innere Verblutung eingetreten. Geh.
Medizinalrat Dr. Lehr hat den Angeklagten auf Ver=
anlaſſung
des Unterſuchungsrichters in der Unterſuchungs=
haft
auf ſeinen Geiſteszuſtand unterſucht; die Unterſuchung
hat nichts ergeben, was auf eine geiſtige Erkrankung des
Angeklagten ſchließen kann. Nach der Beweisaufnahme
trat eine Pauſe von 1½ Stunden ein. Den Geſchwo=
renen
wurden 6 Fragen vorgelegt, von denen die erſte auf
vorſätzliche Tötung lautete, die zweite, ob die Tat mit
Ueberlegung geſchehen iſt, die dritte, ob der Angeklagte
durch eine ſchwere Beleidigung oder Notwehr zu der Tat
berechtigt wurde, die vierte lautete auf mildernde Um=
ſtände
. Im Falle der Verneinung der beiden erſten Fra=
gen
waren die Frage 5 und 6 auf Körperverletzung mit
tödlichem Ausgang und nach mildernden Umſtänden hier=
für
geſtellt. Der Staatsanwa lt ſtellte die Tat des
Angeklagten als einen feigen Meuchelmord hin, der ſeine
Sühne auch nur durch eine entſprechende Strafe finden
könne. Er plädierte auf Bejahung der erſten und der
zweiten Frage, alſo auf Schuldigſprechung des Mordes,
infolgedeſſen auf Ausſpruch der Todesſtrafe der Ver=
teidiger
auf Körperverletzung mit tödlichem Ausgange,
ſowie mildernden Umſtänden. Die Geſchworenen
bejahten Frage 1 und verneinten Frage 2, erkannten alſo
den Angeklagten ſchuldig der vorſätzlichen =
tung
ohne Ueberlegung unter Aberkennung der mildern=
den
Umſtände. Das Gericht erkannte demgemäß auf
9 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrenrechtsver=
luſt
. Ein Monat der Unterſuchungshaft wird dem An=
geklagten
angerechnet.
g. Strafkammer. Wegen Betrugs hatte ſich geſtern
vor der Strafkammen der 36jährige Drechsler Hans
Mürſchberger aus Thurn (Kreis Frankfurt a. M.)
zu verantworten. M. war in einer Offenbacher Fabrik be=
ſchäftigt
und hatte bei ſeinem Austritt zur Erhebung ſeines
Lohnes einen Scheck über 17 Mark ausgeſtellt erhalten.
Die Summe war durch eine 17 mit zwei angehäng=
ten
Nullen angegeben. Der trennende Punkt war ſo un=
deutlich
gemacht, daß der Bankbeamte ihn ganz überſah.
Er verglich auch die Zahl nicht mit der in Buchſtaben
angegebenen Summe, ſondern ſtellte dem Angeklagten eine
Anweiſung auf 1700 Mark aus, die dieſer auch in Em=
pfang
nahm. Er erhielt unter Einbeziehung einer früher
erlittenen Strafe von 1 Woche eine Geſamtſtrafe von 4
Monaten 5 Tagen Gefängnis, abzüglich 5 Wo=
chen
der erlittenen Unterſuchungshaft.
Provinzialausſchuß. Die Tagesordnung zur
Sitzung des Provinzialausſchuſſes der Provinz Starken=
burg
am Samstag, den 9. März, vormittags 9½ Uhr,
lautet: 1. Beſchwerde des Michael Faltermann II. zu
Viernheim gegen einen Gemeinderatsbeſchluß betr. Orts=
bürgernutzen
des Adam Faltermann I. daſelbſt. 2. Bau=
geſuch
des Adam Winkenbach VII. zu Viernheim. 3. Be=
ſchwerde
des Ingenfeurs Heinrich Kolloge zu Offenbach.
* Poſtdienſtnachrichten aus der Ober=Paſtdirektion
Darmſtadt. Verliehen aus Anlaß des Scheidens
aus dem Dienſte das Preußiſche Allgemeine Ehren=
zeichen
dem Ober=Poſtſchaffner Paeſſel in Offenbach.
Ferner wurde dem Ober=Poſtaſſiſtenten Jertz in Mainz
der Titel Ober=Telegraphenaſſiſtent verliehen. Ver=
ſetzt
: Poſtinſpektor Bindewald von Nordhauſen nach
Alzey unter Uebertragung der Poſtdirektorſtelle daſelbſt;
Ober=Poſtaſſiſtent Schneider von Offenbach nach Worms.
Angenommen: Thereſia Bretzel in Worms als
Telegraphengehilfin. In den Ruheſtand tritt
die Telegraphengebilfin Maadalene Kiefer in Gießen.
D Von der Techniſchen Hochſchule. Der Diplom=
Ingenieur Michael Robinoff aus Stolpzy hat ſich am
2. d. Mts. an der hieſigen Techniſchen Hochſchule der
mündlichen Doktor=Ingenieur=Prüfung im Chemiſchen
Fache unterzogen und gut beſtanden.
Züge Frankfurt=Darmſtadt=Haidelberg. Vom 1
Mai ab verkehren auf der Main=Neckarbahn, Frankfurt=
Darmſtadt=Heidelberg, 52 D=, Eil=, Perſonen=
und Triebwagenzüge in jeder Richtung. Der erſte Zug nach
Darmſtadt geht von Frankfurt 4 Uhr 24 ab, der letzte 12
Uhr 18.

D Fahrplanänderungen. Aus der Nachweiſung
der mit dem 1. Mai eintretenden wichtigen Fahrplan=
änderungen
, bei der die im Sommer regelmäßig eintreten=
den
Aenderungen nicht berückſichtigt ſind, teilen wir nach=
ſtehend
die beſonders für Darmſtadt intereſſanten mit:
Eilzug Nr. 154, ab Mainz 7.06, an Darmſtadt 7.53 Uhr.
(Zur Verbeſſerung der Frühverbindung Mainz=Darmſtadt.)
D=Zug Nr. 85 ab Mannheim 1.23, an Frankfurt a. M. 2.42
Uhr. (Iſt von der Riedbahn auf die Main=Neckarbahn ver=
legt
.) Eilzug Nr. 168, ab Frankfurt a. M. 9.32, an Heidelberg
11.14 Uhr. (Zur Verbeſſerung der Verbindung von Berlin
nach Mannheim und Heidelberg. Anſchluß vom D=Zug Nr.
130.) Perſonenzug Nr. 2809, ab Worms 5.27, an Darmſtadt
6.52 Uhr. (Wird zur Herſtellung des Anſchluſſes an denD=Zug
Nr. 182 in Darmſtadt 20 Minuten früher gelegt.) Per=
ſonenzug
Nr. 3011, ab Worms 8.16, an Bensheim 8.55 Uhr.
(Wird 14 Minuten ſpäter gelegt.) Eilzug Nr. 89, ab Worms
9.40, an Darmſtadt 10.46 Uhr. (Wird früher gelegt und
vor dem Eilzuge Nr. 99 bis Goddelau durchgeführt.) Per=
ſonenzug
Nr. 923, ab Heidelberg 7.21, an Frankfurt a. M.
9.54 Uhr. (Wird zwiſchen Heidelberg und Darmſtadt früher
gelegt und vor dem Eilzuge Nr. 93 bis Darmſtadt durch=
geführt
.) Perſonenzug Nr. 935, ab Heidelberg 9.42, an
Frankfurt a. M. 12.31 Uhr. (Wird ſpäter gelegt und hält
ab Darmſtadt auf allen Stationen bis Neu=Iſenburg.)
Die Züge der Strecken Darmſtadt-Wiebelsbach und
Darmſtadt-Groß=Zimmern ſind durch die Eröffnung des
neuen Bahnhofs Darmſtadt, wodurch die Linien 3,8 Kilo=
meter
länger werden, ſämtlich verſchoben worden.
* Städtiſche Straßenbahn=Verwaltung. Die Fahr=
geldeinnahme
vom Februar beträgt 32039,28 Mark,
im Vorjahre 27849,30 Mark. Die Einnahme für den
Wagenkilometer im Februar 36,07 Pfg., im Vorjahre
33,25 Pfg.
* Ueber die Tätigkeit der Arbeitsnachweisſtelle im
ſtädtiſchen Hauſe Waldſtraße 6 (Telephon 371) werden
für den Monat Februar folgende Zahlen mitgeteilt: 703
offene Stellen, 943 Arbeitſuchende, 330 Vermittelungen,
darunter 114 Dienſtboten.
C Jubiläum. Das 40jährige Dienſtjubiläum des
Werkmeiſters Martin Weſpin der Firma Ferdinand
Schmidt wurde am Samstag nachmittag unter Be=
teiligung
ſämtlicher Angeſtellten der Firma, ſowie mehrerer
Ehrengäſte feſtlich begangen. Zu dem Feſtakte hatte man
den Arbeitsplatz des Jubilars mit Blumen geſchmückt.
Herr Regierungsrat Gennes überreichte mit entſprechen=
der
Anſprache die dem Jubilar vom Großherzog ver=
liehene
Ordensauszeichnung, der Prinzipal Herr Ferdi=
nand
Schmidt, als Jubelgeſchenk einen namhaften
Geldbetrag und machte gleichzeitig Mitteilung, daß der
Iubilar anſtelle der ſeitherigen und allen übrigen Jubi=
laren
zugeſtandenen Stägigen Ferien zukünftig 14 Tage Ur=
laub
pro Jahr erhalten werde. Das kaufmänniſche und
Arbeiter=Perſonal überreichte einen ſehr ſchönen Regulator
mit Widmung, das weibliche Perſonal ein von der
Firma Hch. Elbert künſtleriſch ausgeſtattetes Gedenkblatt.
Bei gemütlichem Zuſammenſein in dem beſonders hübſch
dekorierten Webſaal Feſt=Eſſen, Geſangsvorträgen,
ernſten und munteren Reden uſw. verlief die Feier ani=
miert
und harmoniſch und legte beredtes Zeugnis ab von
dem guten und nachahmenswerten Verhältnis zwiſchen Ar=
beitgeber
und=Nehmer und von der Liebe und Verehrung,
deren ſich der Jubilar auch bei Mitarbeitern und Unter=
gebenen
zu erfreuen hat. Auch fehlte es nicht an Ehrungen
ſeitens alter Kunden und Lieferanten durch zahlreiche
ſchriftliche und telegraphiſche Glückwünſche und Geſchenke.
* Im Silberkranz. Am Sonntag feierten die Ehe=
leute
Heinrich May, Rhönring 117, und deſſen Frau
Lina, geb. Rühl, in aller Friſche das Feſt der ſilbernen
Hochzeit.
*Der Heſſiſche Automobilklub erſucht uns um Auf=
nahme
nachſtehender, für Automobilbeſitzer ſehr wichtigen
Mitteilung: Laut Artikel 49 und 50 des Einführungs=
geſetzes
zur Reichsverſicherungsordnung vom 19. Juli 1911
ſind ſämtliche Beſitzer von Automobilen, welche einen
Chauffeur oder eine anderweitige Hilfsperſon (z. B. Putzer)
beſchäftigen, verpflichtet, dieſelben bei der zuſtändigen
Behörde zur Unfallverſicherung anzumelden. Das Reichs=
verſicherungsamt
hat ſoeben verfügt, daß die Anmeldung
bis ſpäteſtens 15. März 1912 zu erfolgen hat. Eine Geld=
ſtrafe
bis zu 100 Mark iſt im Falle des Verſäumniſſes vor=
geſehen
. Jeder Chauffeur, jeder Putzer, gleichviel ob er
wachſen oder jugendlich, ob Gehilfe, Geſelle oder Lehrling,
muß zur Unfallverſicherung angemeldet werden, auch dann,
wenn derſelbe bereits Mitglied einer Berufsgenoſſenſchaft
oder anderweitig gegen Unfall verſichert iſt. Anmeldungs=
pflichtig
iſt jede zur Reinigung oder Unterhaltung eines

Automobils verwendete Perſon (Hausdiener, Gärtner,
Kutſcher, Magd uſw.), mit oder ohne Entgelt, ob dauernd
oder vorübergehend oder im Nebenverdienſt beſchäftigt.
Anmeldeformulare ſind koſtenlos von der Geſchäftsſtelle
des Klubs, Eliſabethenſtraße 56, zu beziehen.
* Wilhelm Bader=Ausſtellung. Man ſchreibt uns:
Als zweite Sonderausſtellung Darmſtädter Künſtler iſt
jetzt im Schaufenſter der Hof=Buch= und Kunſthandlung
Johs. Waitz, Eliſabethenſtraße 16, die von Prof. Wilh.
Bader eröffnet. Viele reizende Aquarelle zeigen von
Neuem das wohl allſeitig bekannte feine Empfinden, mit
dem der Künſtler ſowohl weite Landſchaften als auch
kleine ihm lieb gewordene Motive wiederzugeben weiß,
eine Kunſt, die für ſich ſelbſt am beſten reden kann und
will. Es bedarf deshalb keines beſonderen Hinweiſes,
dieſer Ausſtellung die verdiente Beachtung zu ſchenken.
C) Schlußfeſt der Volks=Unterrichts=Kurſe. Das in
dem Kaiſerſaal von der Freien Studentenſchaft der Tech=
niſchen
Hochſchule hier veranſtaltete Schlußfeſt der akade=
miſchen
Volks=Unterrichtskurſe war ſehr zahlreich beſucht
und viele Teilnehmer der Kurſe mit ihren Familien waren
erſchienen. Stud. cand. ing. Frank begrüßte in herz=
lichen
Worten die Feſtgäſte, unter denen ſich auch der
Senior der Hochſchule, Geh. Baurat Prof. Lincke, befand.
Zunächſt fand eine Vorführung von Lichtbildern, Natur=
aufnahmen
aus dem Odenwald, Oberheſſen, dem Neckar=
tal
und von Schloß Wolfsgarten ſtatt, die wegen ihrer
vorzüglichen Naturtreue und feinen Intimität der Verfer=
tigerin
Frl. Suſanne Homann alle Ehre machten. Es
folgten nun in bunter Reihe Muſik= und Zithervorträge
von Kursteilnehmern, ſowie Vorführung von Schatten=
bildern
, Kasperltheater und Rezitationen, die reichen Bei=
fall
fanden. Namens der Hörer dankte Herr Schröder den
Leitern der Akad. Volksunterrichtskurſe für ihre Opfer=
freudigkeit
und bezeichnete dieſe als ein ſoziales Werk
der deutſchen Studentenſchaft. An dem Schlußfeſt nahm
auch ein großer Teil der Freien Studentenſchaft teil. Mit
einem kleinen Tanzvergnügen fand das ſchön verlaufene
Feſt ſeinen Abſchluß.
Volksbildungsverein. Auf den heutigen Vor=
trag
des Herrn Chefredakteurs Dr. Jäckh=Heilbronn
im Kaiſerſaal über den deutſch=engliſchen Kampf im
Orient ſei hiermit nochmals hingewieſen.
Zweite Liturgiſche Paſſionsfeier in der Stadt=
kirche
. In der Paſſionsfeier am Mittwoch, abends
8 Uhr, ſingt die Chorſchule folgende Lieder: 1. O Lamm
Gottes, unſchuldig 2. Seelenbräutigam, 3. Aus
Wenn mich mein’ Sünden kränken, 4. Jeſu hilf ſiegen
Auf der Orgel kommen 2 Stücke aus Opus 162 von
Rheinberger zum Vortrag.
* Die Deutſche Kolonialgeſellſchaft Abteilung
Darmſtadt, veranſtaltet nächſten Samstag, den
9. März, abends 8¼ Uhr, wieder einen öffentlichen Licht=
bilder
=Vortraa und zwar wird Herr Geh. Hofrat
Profeſſor Dr. Schenck hier, über Mexiko und ſeine
Begetation ſprechen. Herr Profeſſor Dr. Schenck hat
vor drei Jahren gemeinſam mit Herrn Garteninſpektor
Purpus von hier eine mehrmonatliche Reiſe nach
Mexiko zwecks botaniſcher Forſchungen und Studienf
unternommen. Einen längeren Aufenthalt nahm er im
Indianerdorf San Luis in der Sierra de Mixteca, von
wo aus Gelegenheit gegeben war, die eigenartige Vege=
tation
des Hochlandes kennen zu lernen. Dann bot die
Hauptſtadt Mexiko viel des Intereſſanten, insbeſondere
ihr Muſeum aztekiſcher Altertümer. Ferner wurde der
in ihrer Nachbarſchaft liegende hohe ſchneebedeckte Vulkan=
berg
Popocatepetl beſtiegen. Den Schluß der Reiſe
bildete ein Aufenthalt auf dem Landgut der gaſtlichen
Familie Sartorius, die nach Darmſtadt verwandtſchaft=
liche
Beziehungen hat, in Mirador, herrlich gelegen im
tropiſchen Waldgebiet des Staates Veracruz. Herr Pro=
feſſor
Dr. Schenck hat zahlreiche Lichtbilder auf ſeiner
Reiſe aufgenommen, durch deren Vorführung er Land
und Leute noch anſchaulicher machen wird. Der Vortrag
findet im großen Hörſaal des Phyſikaliſchen Inſtituts
der Techniſchen Hochſchule ſtatt. Das Weitere ſiehe die
Anzeige in der heutigen Nummer.
Volkskonzert. Man ſchreibt uns: Am Sonntag nach=
mittag
veranſtalteten die unter der Leitung des Herrn K.
Grim hier ſtehenden Geſangvereine im Saale der
Beſſunger Turnhalle ein Volkskonzert, das von
überaus zahlreichen Freunden des Geſanges beſucht war.
Galt es doch, dem Fonds zur Errichtung eines Gedenk=
ſteins
für den leider ſo früh verſtorbenen Liederkomponiſten
Ph. Orth den Reinertrag dieſes Konzerts zuzuführen.
Vertreten waren die Geſangvereine Bürgerverein Beſſun=
gen
, Frohſinn=Braunshardt, Frohſinn=Worfelden, katholi=
ſcher
Männer= und Arbeiterverein, Kirchenchor St. Eliſa=
beth
, Männer=Quartett Beſſungen, Orthſches Männer=

Fenilleton.

Aus Kunſt und Wiſſenſchaft. Man ſchreibt uns:
Vor einigen Wochen haben ſich die Lichtbild= Theater=
beſitzer
des ganzen Deutſchen Reiches zu einer einheit=
lichen
Organiſation vereinigt, die den Namen Schutz=
verband
deutſcher Lichtbild=Theater
trägt. Alle bereits beſtehenden Lokal= und Landesorga=
niſationen
haben ſich dieſem Verband angeſchloſſen. Der
Schutzverband deutſcher Lichtbild=Theater repräſentiert
ſomit eine Reichsorganiſation, dazu geſchaffen,
in erſter Linie Einfluß auf die Filmfabrikation zu ge=
winnen
und ſogenannte Schundfilms von der Vor=
führung
fernzuhalten. Der Schutzverband will damit
Mißſtände aus der Welt ſchaffen, wie ſie in letzter Zeit
mehrfach zu Klagen Anlaß gegeben haben. Eine weitere
Aufgabe des Schutzverbandes iſt, der Verflachung
der künſtleriſchen Qualität der Filmpro=
duktion
vorzubeugen, wie ſie in neuerer Zeit
durch die Gründung eines Filmtruſtes droht. Eine in
Vorbereitung befindliche Aktiengeſellſchaft hat mit der
Mehrzahl der in Deutſchland vertretenen ausländiſchen
Filmfabrikanten Abkommen getroffen, auf Jahre hinaus
deren ganze Produktion, ohne Rückſicht auf Qualität
und künſtleriſche Durcharbeitung, abzunehmen und ſelbſt=
verſtändlich
damit die deutſchen Lichtbild=Theaterbeſucher
zu beglücken. Dieſelbe Geſellſchaft ſucht durch glänzende
Angebote auch die deutſchen Fabrikanten für ihre Pläne
zu gewinnen. Die aufſtrebende deutſche Film=Induſtrie
ließ ſich jedoch auch von den verlockendſten Angeboten
micht beſtechen, da ſie die Gefahr, die eine ſolche Be=
ſſchränkung
der Filmproduktion nach ſich ziehen würde,
rechtzeitig erkannke. Unter Hintanſetzung der momentan
gebotenen günſtigen Chancen haben die deutſchen Film=
werleger
den einmütigen Beſchluß gefaßt, in Verbindung
mit dem Schutzverband für die Freiheit des Filmmarktes
einzutreten. Der Schutzverband wird ſomit auch der
deutſchen Filmfabrikation, die bisher unter der auslän=
diſchen
Filmeinfuhr nicht recht die ihr gebührende Stel=
Lung einnehmen konnte, zur Anerkennung verhelfen.

Wie die Tägliche Rundſchau mitteilt, ſchweben zwi=
ſchen
den Bundesregierungen Verhandlungen, die dar=
auf
abzielen, auf allen Univerſitäten Lehrſtühle für
ſoziale Medizin zu errichten, um die Studieren=
den
der Medizin mit den Beſtimmungen der Reichsver=
ſicherungsordnung
und der Arbeiterſchutzgeſetzgebung und
mit den bei der Durchführung dieſer Geſetze den Aerzten
erwachſenden Aufgaben vertraut zu machen. Es wird
erwogen, ob durch eine Ergänzung der Prüf=
ungsordnung
für Aerzte die Unterweiſung der
Studierenden der Medizin in der ſozialen Medizin ge=
fordert
werden kann in dem Umfange, in dem ſie als
Lehrgegenſtand auf den deutſchen Hochſchulen behandelt
wird.
Spielplan des Frankfurter Stadt=
theaters
. 1. Opernhaus. Dienstag. 5. März:
Zum erſten Male: Die verſchenkte Frau. Mittwoch, 6.:
Der Freiſchütz. Donnerstag, 7.: Die verſchenkte Frau.
Freitag, 8.: Boccaccio. Samstag, 9.: Die Meiſterſinger
von Nürnberg. Sonntag, 10., 3¼ Uhr: Der Troubadour;
½8 Uhr: Die verſchenkte Frau. Montag, 11.: Orpheus
in der Unterwelt. Dienstag, 12.: Oberſt Chabert.
2. Schauſpielhaus. Dienstag, 5. März: Frangois
Villon. Mittwoch, 6.: Frangois Villon. Donnerstag, 7.
Othello. Freitag, 8.: Madame Sans Géne. Samstag, 9.
Götz von Berlichingen. Sonntag, 10., 3½: Die Vergnü=
gungsreiſe
; 7 Uhr: Heimat. Montag, 11.: Gaſtſpiel von
Irene Trieſch vom Leſſingtheater, in Berlin: Nora.
Dienstag, 12.: Johannisfeuer. 3. Neues Thea=
ter
. Dienstag, 5. März (zum erſten Male): Hundstage.
Luſtſpiel in drei Akten von Korfiz Holm. Mittwoch, 6.
Die fünf Frankfurter. Donnerstag, 7.: Hundstage. Frei=
taa
, 8.: Die fünf Frankfurter. Samstag, 9.: Julchens
Flitterwochen. Sonntag, 10., 3½: Meyers: 8 Uhr: Die
fünf Frankfurter. Montag, 11.: Mandragola. Dienstag,
12.: Hundstage.
Spielplan des Großh. Hof= und Natio=
naltheaters
Mannheim. 1. Hoftheater.
Dienstag, 5.: Triſtan und Iſolde. (Gaſtſpiele: Zdenka
Mottl=Faßbender, Alfred von Bary). Mittwoch, 6.: Die

Journaliſten. Donnerstag, 7., keine Vorſtellung. Frei=
tag
, 8.: Tannhäuſer. (Eliſabeth: Albine Nagel a. G.,
Tannhäuſer: Walter Günther=Braun a. G.) Samstag,
9.: (Zum erſten Male): Gudrun. Sonntag, 10.: Götter=
dämmerung
. 2. Neues Theater. Dienstag, 5.:
(Gaſtſpiel Konrad Dreher): Wann der Auerhahn balzt.
Mittwoch, 6.: (5. Gaſtſpiel Konrad Dreher): Der G. m. b.
H.=Tenor. Donnerstag, 7.: (6. Gaſtſpiel Konrad Dreher):
Ein blauer Teufel, Die grüne Schnur, Die ſchlaue Kom=
teſſe
). Freitag, 8.: (7. Gaſtſpiel Konrad Dreher): Der
Nachtwandler. Samstag, 9., keine Vorſtellung. Sonn=
tag
, 10.: (8. Gaſtſpiel Konrad Dreher): Weh’ dem, der
fliegt.
C. K. Ein Rieſendenkmal auf dem Erieſee. Der lang=
gehegte
Plan der Amerikaner, zu der Jahrhundertfeier
der ſiegreichen Seeſchlacht auf dem Erieſee dem Ueber=
winder
der engliſchen Flotte, Commodore Perry, ein gro=
ßes
Denkmal zu errichten, iſt jetzt geſichert und ſteht un=
mittelbar
vor der Ausführung. Das Monument ſoll auf,
der kleinen South Baß=Inſel auf dem Erieſee erſtehen
und nicht nur der Ehrung des berühmten Admirals
dienen, ſondern zugleich auch den 100jährigen Frieden
mit England feiern, denn im Jahre 1812 war es das letzte
Mal, daß engliſche und amerikaniſche Waffen ſich kreuz=
ten
. Die Kommiſſion, die die Ausführung des Planes
übernommen hatte, ſchrieb einen Wettbewerb aus, an dem
faſt alle führenden Architekten ſich beteiligten; als Sieger
ſind jetzt J. H. Freedlander und A. D. Seymour hervor=
gegangen
, deren großzügiger Plan in der Tat die Er=
richtung
eines gewaltigen Monuments vorſieht. Am Ufer
der Inſel ſoll ein mehr als 300 Meter langer und etwa
80 Meter breiter Ehrenhof gebaut werden, bei deſſen An=
lage
auch der Gartenkunſt eine weſentliche Rolle zuge=
dacht
iſt. Zu beiden Seiten dieſes marmorgepflaſterten
Hofes werden ſtattliche Bauwerke im griechiſchen Stil er=
ſtehen
; zur Linken ein ſäulengeſchmückter Bau, der ein
Muſeum hiſtoriſcher Reliquien des amerikaniſchen Kriegs
von 1812 aufnehmen wird. Zur Rechten erſteht dann ein
prächtiger griechiſcher Säulenbau, an deſſen Wänden Re=
liefs
mit Darſtellungen von Krieasſzenen und Medail=

[ ][  ][ ]

Quartett und Sängerluſt. Als weitere Mitwirkende ſind
zu nennen: Fräulein Toni Erb, Schülerin der Joachim=
ſchen
Geſangsſchule, und das Dietesheimer Lehrer= Quar=
tett
(Kammermuſikvereinigung), beſtehend aus den Herren
Vogel, Metzler, Wagner ſenior und junior. Herr Grim,
der ſich hier und über die Grenzen unſerer Vaterſtadt als
Liederkomponiſt berechtigtes Anſehen erworben hat, hatte
ſich mit Veranſtaltung dieſes Konzertes eine große, doch
dankbare Aufgabe geſtellt; und wenn Herr Grim, dem Cha=
rakter
des Konzertes entſprechend, faſt durchweg mit Volks=
liedern
aufwartete, ſo hat er ſich mit den muſterhaft vor=
getragenen
ſchlichten Weiſen erneut die Herzen ſeiner be=
geiſterten
Zuhörer gewonnen. Die Maſſenchöre, u. a.
Erntetanz von Wengert, Entſchwundenes Glück von Grim
und Aufruf zur Jagd von Orth, waren wirkungsvoll vor=
getragen
und mit Fleiß und Sorgfalt einſtudiert. Eine
der beſten Leiſtungen war die von dem Kirchenchor St.
Eliſabeth, beſtehend aus 20 Herren und 32 Knaben, wie=
dergegebene
Volksweiſe: Jauchze mein Herz, von Neuert.
Fräulein Erb brachte Lieder im Volkston von Mayer=
Hellmund, Bohm und Sachs mit lieblicher Sopranſtimme,
bei der beſonders die ſpielend leicht genommene Höhe an=
genehm
berührte. Das Dietesheimer Lehrer=Quartett war
mit einem Trio von Thomé und dem Kaiſer=Quartett von
Haydn vertreten. Soliſtiſch beteiligte ſich noch Herr
Vogel mit dem Vortrag der Parſival=Paraphraſe, Vio=
linſolo
von Wilhelmi und einer Sonate von Grieg, wozu
Herr Wagner ſen. die Klavierbegleitung übernahm. Auch
ſie wurden durch die künſtleriſche Wiedergabe dieſer Stücke
mit reichem Beifall ausgezeichnet. Ein Geſamtlob noch
den wackeren Sängern. Obgleich verſchiedenen Vereinen
angehörend, hatte man doch das Gefühl, als wären dieſe
200 Sänger ein einziger, ſchon Jahre hindurch beſtehender
Verein, der unter Meiſter Grims Dirigentenſtab ſo Ein=
heitliches
und Wirkungsvolles geboten.
Hofkünſtler Bellachini hat in der Turnhalle am
Woogsplatz ſein vielverſprechendes Gaſtſpiel am Sonntag
abend begonnen. Leider war es uns nicht möglich, der
Vorſtellung ganz beizuwohnen, ſodaß wir eine eingehende
Beſprechung erſt morgen bringen könnnen. Aber ſoviel
kann nach dem, was wir ſahen, geſagt werden: Was
Bellachini bringt, iſt ganz einzigartig und in Aufmachung
und Umfang der Vorſtellung imponierend. Jedenfalls
hat man in Darmſtadt Gleiches auf dem Gebiete unterhal=
tender
Zaubervorſtellungen nicht geſehen, ſodaß dieſe tat=
ſächlich
bald Tagesgeſpräch werden dürften.
* Kavallerie=Verein. Unter ſtarker Beteiligung hielt
am Sonntag der neugegründete Kavallerie=Verein Darm=
ſtadt
im Vereinslokal, Reſtaurant Zur Reichskrone‟,
Mühlſtraße Nr. 5, ſeine Generalverſammlung ab. Zum
erſten Vorſitzenden wurde Herr Leutnant a. D. Monnard
einſtimmig gewählt.
* Verein der Hundefreunde von Darmſtadt und Um=
gegend
. Auf der großen Int. Hundeausſtellung am 3. März
in Mannheim wurden die Hunde folgender Mitglieder mit
Preiſen ausgezeichnet. Für Dobermänner 6 erſte und
Ehrenpreiſe Herr Feldmann in Crumſtadt. Für Airedale=
Terrier 1 erſten und Ehrenpreiſe die Herren Barban und
Mertens, 1 erſten Herr Rechtsanwalt Rohde. Für Deutſche
Boxer 2 erſte Herr Katzenbach. Für Bernhardiner 2 erſte
und Ehrenpreiſe, Herr Oeſtreicher.
Städtiſche Schulzahnklinik. Im Monat Februar
1912 wurden behandelt 639 Kinder (388 Mädchen, 251
Knaben) mit 913 Konſultationen. Gefüllt wurden
744 Zähne, ausgezogen wurden 417 Zähne (358 Milch=
zähne
, 59 bleibende Zähne). Zahl der Tage, an denen
Sprechſtunden abgehalten wurden: 25.
Städtiſche Leſe= und Bücherhalle. Während
des Monats Februar wurde die Leſehalle im ganzen
von 3889 Perſonen beſucht (im Februar 1911 von 3495),
durchſchnittlich an jedem Tage 134 Beſucher. Aus der
Bücherhalle nach Hauſe entliehen wurden im ganzen
11 122 Bände (1911: 10049), darunter 4075 wiſſenſchaft=
liche
und belehrende Werke. Die Zahl der ſeit dem
1. April v. J. neu eingeſchriebenen Leſer ſtieg auf 4209.
An Büchergeſchenken gingen in dieſem Monat weiter
ein: von Herrn J. Barth 5 Jahrg. Zeitſchr., von der
ſtädtiſchen Blindenanſtalt in Berlin 17 Jahrg. Zeit=
ſchriften
und 9 Bände in Blindenſchrift, von Herrn
Bureauaſſiſtent Brüſchmann 1 Bd., von Herrn Hofbuch=
händler
Buchner 1 Bd., von Frau Pfarrer Cellerius
1 von ihr verfaßtes Werk, von Frau E. Clemens Wwe.
21 Jahrg. Zeitſchriften. Aus dem Nachlaß von Frl. E.
Cullmann 10 Bde., von der Direktion der Großh. Viktorja=
ſchule
eine Anzahl von Schriften, von Herrn Profeſſor
Dr. Eigenbrodt eine von ihm herausgegebene Schrift,
von Herrn Eiſenbahndirektor Grooß eine von ihm her=
ausgegebene
Schrift, von Frau Kaufmann Kaſſel 34
Bde. und 4 Jahrg. Zeitſchriften, von Herrn G. Kollmer
1 Bd., von Herrn Poſtinſpektor Kraft 2 Bde, von Herrn
Dr. med. Nerking in Düſſeldorf eine von ihm heraus=
gegebene
Schrift, von Herrn Major Piſtor 15 Jahrg.

Zeitſchriften und eine Anzahl kleinere Schriften, von
Frau Hauptmann Schneider 1 Bd., von Frau Ingenieur
Schulze 10 Bde. Allen Gebern herzlichen Dank! Weitere
Schenkungen von Büchern, ſoweit ſolche nicht veraltet,
ſind jederzeit willkommen.
St. Orpheum. Nach dem vierwöchigen Gaſtſpiel der
rfolgreichen Künſtlerſchar des Dresdener Belvedere‟
hat die Direktion das Etabliſſement wieder ſeiner eigent=
lichen
Beſtimmung, dem Varieté, zugeführt und ein in
der Geſamtzuſammenſetzung wie in den Darbietungen
der einzelnen Künſtler ganz vorzügliches Spezia=
litäten
=Enſemble engagiert, das ſeine erſten Vorſtellun=
gen
mit beſtem Erfolge abſolviert hat. Eröffnet wird der
Abend durch ein Paar ſeltſamer Menſchen, die auf dem
Gebiete der Schlangenmenſchenkunſt geradezu Verblüf=
fendes
leiſten. Les Romanows ſind’s; ein Kon=
torſioniſtenpaar
, das ſobald keine gleichwerten Konkur=
renten
finden dürfte. Dabei geben beide eleganten Schlan=
genmenſchen
ihre ſchwierigen Tricks mit ſo liebenswürdi=
gem
Humor, daß das Hals=, richtiger Knochenbrecheriſche
hrer Kunſt gar nicht zum Bewußtſein der Zuſchauer
kommt, oder doch recht äſthetiſch gegeben wird, was nicht
immer von den Darbietungen dieſer Art geſagt werden
kann. Dann kommt ein Jongleur, Mr. Cartellax
der ebenfalls ein ausgezeichneter moderner Vertreter die=
ſer
alten Kunſt iſt und neue Tricks bringt, zu denen un=
ſtreitbar
ſein Doppelbalanceakt zählt. Der Künſtler
balanciert auf der Spitze eines Billard=Queues 2 Bälle
aufeinander und auf dieſen wieder ein Queue mit einem
Ball auf der Spitze. Sicherlich das Höchſte, was Ruhe
und jahrelange Uebung vermögen. Von grotesker Ko=
mik
iſt der Muſikaliſche Akt, den Loros Zinnſolda=
ten
geben. Köſtliche Karikaturen, die doch auf muſika=
liſchem
Gebiete Gutes leiſten, wenn auch ihr Haupterfolg,
wie geſagt, den Lachmuskeln zugute kommt. Ueber=
haupt
iſt für Humor gut und reichlich geſorgt in dem Pro=
gramm
. Vielleicht wollte die Direktion den Uebergang
von der luſtigen Karnevalszeit nicht gar zu ſchmerzlich
empfinden laſſen. Seppl Mauermeier iſt ein
ganz vorzüglicher, auch muſikbegabter bayeriſcher Humo=
riſt
. Seine Vorträge ſind originell und in der draſtiſchen
Komik, beſonders der Damen=Rolle, iſt er geradezu
überwältigend. Endlich iſt noch das außergewöhnlich
erfolgreiche humoriſtiſche Duo Kurz und Lang zu
nennen, ein rieſenlanger und ein knirpsgroßer Vortrags=
künſtler
, die mit einer Reihe wirkungsvollſter Satiren
aufwarten und wahre Lachſalven auslöſen.
Auf dem Gebiete der Parterre=Gymnaſtik dürfen zu=
nächſt
die 5 Aregors genannt werden, die das Pro=
gramm
mit Recht als Elite=Akrobaten mit Schleuderbrett
verzeichnet. Es iſt in der Tat ſtaunenswert, mit welcher
Sicherheit und Eleganz dieſe fünf Künſtler arbeiten und
wie flott ſie eine ganze Reihe hier noch nicht geſehener
Tricks vorführen. Doch erwachſen ihnen in The Bleſ=
ſings
durchaus gleichwerte Konkurrenten auf anderem,
aber ähnlichem Gebiete. Mit Recht nennt dieſes ſeltene
Künſtlerpaar ſich Phänomenale Bravour=Equilibriſten
und die Dame ſtellt in ihrer Art eine eigene Klaſſe dar.
Zu ihrer junoniſchen Erſcheinung paßt die immenſe Kör=
perkraft
, die ſich im Gegenſatz zu vielen ihrer Kolleginnen
von der gleichen Fakultät gar nicht durch auffallende
Muskelbildungen verrät. Die beiden arbeiten höchſt
elegant, und die Dame beſonders graziös. Viele ihrer
Tricks dürften konkurrenzlos ſein. Von beſonderem Reiz
und nicht zu unterſchätzendem künſtleriſchen Werte ſind
Robert Paxtons Polychrom Renaiſſance Ko=
loſſal
=Gemälde, darſtellend: 1. Tempel der Venus
nach Rae. 2. Water Nymphs nach H. Zatzka. 3. Unter
Blüten von Rr. Paxton. 4. Der Sommer nach Makart.
5. Atelierbeſuch von A. Ricci. 6. Der Frühling kam nach
E. von Blaas. 7. Aurora nach Reni. 8. Sonnenaufgang
von R. Paxton. Die Bilder werden durchaus dezent, in
reizvoller Beleuchtung und farbenprächtigem Kolorit ge=
ſtellt
und ernten berechtigten reichen Beifall. Vorführun=
gen
des Biograph, der intereſſante Bilder von der
italieniſchen Kriegsmarine bringt, bilden den Schluß der
Vorſtellung, deren Beſuch warm zu empfehlen iſt.
* Das Reſidenz=Theater am weißen Turm iſt, ſo
ſchreibt man uns, jeden Abend ausverkauft. Man ſieht.
daß die Films der Aſta Nielſen=Serie ſich einer großen
Beliebtheit erfreuen. Das jetzige Bild, Die Macht des
Goldes iſt auch direkt erſtklaſſig. Herr Fricke, der neue
Inhaber des Reſidenz=Theaters, hat ſich entſchloſſen, das
Bild bis Freitag, den 8. d. Mts., als Einlage vorführen
zu laſſen. Heute erſcheint neben dieſer Einlage ein voll=
ſtändig
neues Programm (ſiehe Inſerat), woraus wir den
Film Das Unkraut beſonders hervorheben. Ein packend
geſpieltes Drama, das in ſeinem künſtleriſchen Aufbau von
neuem beweiſt, daß die Kinodramen ſchon lange die
Theaterſtücke überragen, wo glänzendes Spiel eine dürf=
tige
, intereſſeloſe Handlung übertüncht.
Selbſtmord. Der Eiſenbahnaſſiſtent Markgraf
von hier hat ſich geſtern in Mainz, vermutlich in einem

Anfalle von Schwermut, in den Rhein geſtürzt und
iſt ertrunken. M. war ſchon ſeit Monaten nervös leidend.

S. Bensheim, 4. März. In Sachen des Bahnbaues
Bensheim-Lindenfels gab Bürgermeiſter Dr.
Frenay=Bensheim auf eine ſeitens des Stadtverordneten
und Landtagsabgeordneten Auler=Bensheim an die Bürger=
neiſterei
Bensheim gerichtete Interpellation in der Stadt=
verordnetenſitzung
vom 1. März eine Erklärung ab, aus
welcher wir folgendes hervorheben: Der ſeitens der inter=
eſſierten
Odenwaldorte der Stadt Bensheim gemachte Vor=
wurf
, ſie trage Schuld an der Verzögerung, welche der
Bahnbau erleide, iſt hinfällig, denn gerade Bensheim hat
bisher als einziger Ort finanzielle Opfer in der Angelegen=
heit
gebracht, indem es ſeinen und einen anderweitig nicht
gedeckten Beitrag zu den Projektierungskoſten zahlte. Die
Unternehmerin des Bahnbaues, die Continental= Eiſenbahn=
au
=Geſellſchaft in Berlin erachtet die Erbauung der Bahn
über Zell-Gronau um zirka 200000 Mark höher als über
Schönberg. Bürgermeiſter Dr. Frenay hält die Geländeer=
werbskoſten
bei dem Schönberger Projekt erheblich höher.
Finanzminiſter Dr. Braun erkannte dies Bedenken für be=
rechtigt
an und macht ſeine Zuſtimmung davonabhängig, daß
die beteiligten Gemeinden klipp und klar davon unterrichtet
werden, daß die Schönberger Linie vorausſichtlich viel
höhere Geländeerwerbskoſten verurſache, als did Zeller
Linie. Seitens der Regierung iſt ein eventueller Mehr=
koſtenbeitrag
von 30 Prozent zugeſtanden worden, worauf
Dr. Frenay den Stadtverordneten für die Zeller Linie die
Leiſtung einer beſonderen Vorauszahlung zu empfehlen ſich
bereit erklärte und auch Private zur Beteiligung auffordern
wollte. Die Continentale hat die Entſcheidung üben den
Bahnbau in Händen und neigt der größeren zu erwartenden
Einkünfte halber mehr für die Schönberger Linie. Es iſt
bedauerlich, daß von auswärts gegen die Stadt Bensheim
ſo ſehr agitiert wird, denn Bensheim wahrt blos ſein
Recht und ſchützt die Nachbargemeinden mit, wenn es alle
Gründe für und wider die eine oder andere Linie in Er=
wägung
zieht, im Uebrigen iſt in der Bürgermeiſter=
verſammlung
vom 16. Februar erklärt worden dad die
Stadtvertretung Bensheim das ihrige tun werde, daß das
Projekt nicht ſcheitere, wenn die Entſcheidung für die
Schönberger Linie falle.
Bensheim, 4. März. Die Mandelbäume ſtehen
ſeit Samstag an den Abhängen der Bergſtraße von
Zwingenberg über Bensheim, Heppenheim und Weinheim
hinauf bis Heidelberg in voller Blüte. Ihre friſche
Blumenpracht erfreut wohl das Auge, läßt aber doch
befürchtende Gefühle aufkommen über das gar zu frühe
Hervorſproſſen. Auch die roſaroten Pfirſichblüten zeigen
ſich hie und da, ſo daß bis Ende dieſer Woche unſere
Bergſtraße in ihr herrliches Frühlingskleid gekleidet ſein
wird.
Lindenfels, 4. März. Die hieſige Ortsgruppe
des Odenwaldklubs zählt nun 56 Mitglieder. Im
verfloſſenen Jahre traten zehn Mitalieder ein und fünf
aus. Die Einnahmen betrugen 203,84 Mark, die Aus=
gaben
135,77 Mark. Der neu gewählte Vorſtand beſteht
aus den Herren: Dr. Weißmann, Vorſitzender: Lehrer
Zinßer, Stellvertreter: Lehrer Schmitt, Schriftführer;
Bürgermeiſter Schnellbächer, Rechner; die Buchhalter
Schobert und Keil ſind Beiſitzer und ſtellvertretende Füh=
rer
. Am 24. März wird Herr Profeſſor Kiſſinger=
Darmſtadt in der hieſigen Ortsgruppe einen Vortrag
mit Lichtbildern halten über Jugendwanderungen.
H. B. Mainz, 4. März. Im erſten Bataillon des In=
fanterie
=Regiments Nr. 88 in Mainz haben ſich
ſeit Samstag eine große Anzahl Erkrankungen
unter Vergiftungserſcheinungen ereignet, die auf den
Genuß von verdorbenen Fiſchen zurückgeführt werden. Am
Samstag erkrankten 36, am Sonntaa 15 und heute weitere
29 Soldaten, insgeſamt 80. Todesfälle ſind bis jetzt nicht
vorgekommen.
Mainz, 4. März. Ein allgemeiner Ausſtand der
Möbeltransportarbeiter droht den Spediteu=
ren
der hieſigen Stadt gerade jetzt bei dem bevorſtehen=
den
Quartalswechſel. Die gewerkſchaftlich oraaniſierten
Arbeiter verlangen ſtatt des bisher gezahlten Tagelohns
bon 5 Mark einen ſolchen von 7 Mark und für jede Ueber=
ſtunde
eine Vergütung von 70 Pfg. Außerdem ſollen für
jedes zu transportierende Klavier noch extra 6 Mark be=
zahlt
werden, wie auch der Transport eines jeden Herdes
neben dem Tagelohn von 7 Mark beſonders bezahlt wer=
den
ſoll. Dieſe Forderungen wurden ſeitens der Möbel=
transvortfirmen
abgelehnt. Daraufhin kündigten die
Transportarbeiter den allgemeinen Ausſtand für den be=
vorſtehenden
Quartalswechſel an. (M. Journ.)
Worms, 4. März. Die in einem Eiſenbahnwagen in
Ludwigshafen mit einer Schußwunde im Kopf aufge=
fundene
Leiche eines jungen Mannes wurde als die
des 21jährigen Fabrikarbeiters Ernſt Anton Greber
aus Worms feſtgeſtellt, der ſich ſeit September vor. Js.
in Ludwigshafen befindet und in den Anilinwerken be=
ſchäftigt
war. Er hat die Tat anſcheinend im Anfalle=
von
Geiſtesgeſtörtheit begangen, wegen der er auch vom
Militär entlaſſen wurde.
Gießen, 4. März. Eine recht unangenehme
Entdeckung machte geſtern abend ein hieſiger Schloſ=
ſermeiſter
. Er hatte in einem Betriebe in der Hamm=
ſtraße
eine Keſſel=Reparatur vorgenommen, und als er
Feierabend machte und ſeinen während der Arbeit abge=
legten
Rock anziehen wollte, war dieſer nebſt Taſchenuhr
und ſonſtigen in den Taſchen befindlichen Wertſachen ver=
ſchwunden
.
Friedberg, 4. März. In der Vorſtandsſitzung des
hieſigen Schwimmbades wurde feſtgeſtellt, daß für
dieſes Jahr an die Aktionäre 7 Prozent Dividender
verteilt werden können. In 22 Jahren ſind alle Aktien
ausgeloſt und das Badehaus geht an die Stadt über.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 3. März. Die Ausſtel=
lung
in der Akademie der Künſte: Friedrich
der Große in der Kunſt die ſich des außerordentlich leb=
aften
Zuſpruchs des Publikums erfreut, iſt bis zum
17. März einſchließlich verlängert worden. Die erſte
Schneezeit, welche mit dem Schneefall vom 7. Jan.
begonnen hat, hat an Löhnen für Hilfsarbeiter und Ko=
ſten
der Schneepflüge ungefähr 38500 Mk. erfordert, wäh=
rend
für Abfuhrkoſten durch Geſpanne und Schneekarren
rund 83000 Mk. aufgewendet werden mußten. Hierzu
kommer noch 6500 Mk. andere Koſten. Daraus ergeben
ſich die Geſamtkoſten im Betrage von rund 128000 Mk.
Die zweite Schneezeit begann am 1. Februar. Sie erfor=
derte
für Löhne an Hilfsarbeiter und Koſten der Schnee=
pflüge
rund 27000 Mk., für die Abfuhr 71500 Mk. und
dürfte an Räumungskoſten weitere 5000 Mk. verlangen,
ſo daß hier die Geſamtkoſten auf 103 500 Mk. zu beziffern
ſind. Beide Schneezeiten zuſammen haben alſo eine

lons auftauchen. Die ganze Anlage aber gipfelt in einer
gewaltigen, machtvoll emporſtrebenden doriſchen Säule,
die ſich, von einem niedrigen Marmorbau flankiert, in
der Mitte des Ehrenhofes in unmittelbarer Nähe des
Ufers erhebt. Dieſe Säule, die eigentlich einen rieſigen
Turm darſtellt, wird auf der Spitze ein großes Leuchtfeuer
tragen und damit auch praktiſche Zwecke erfüllen: als
Leuchtturm für die Schiffahrt auf dem Erieſee. Die
Stätte, an der dies großzügige Monument erſtehen wird,
liegt etwa 10 Kilometer von dem Kampfplatze auf dem
Erieſee entfernt. Die Regierung der Vereinigten Staa=
ten
hat für den Bau des Denkmals bereits eine Summe
von nahezu 3 Millionen Mark zur Verfügung ge=
ſtellt
; mit der Ausführung der Pläne ſoll ſofort begonnen
werden, damit der Bau bis zum Sommer 1913 vollendet
iſt. Vorausſichtlich wird die feierliche Einweihung dann
am 4. Juli ſtattfinden.
ml. Eierprüfung durch Röntgenſtrahlen. Der Ver=
ein
für nationale Hühnerzucht in England iſt auf die
Idee gekommen, die Eier durch Röntgenſtrahlen auf
ihre Friſche unterſuchen zu laſſen. Er hat zu dieſem
Zwecke 40 Unterſuchungsſtellen eingerichtet; die Organi=
ſation
wird jedoch ſtändig erweitert und es wird ange=
ſtrebt
, binnen kurzem allwöchentlich allein nach London
eine halbe Million Eier zu liefern, die durch Röntgen=
ſtrahlen
einwandfrei geprüft ſind. Die Unterſuchung er=
folgt
gleich nach der Ankunft der Eier in London in einem
beſonders eingerichteten dunklen Raum. Bei der Durch=
leuchtung
mit Röntgenſtrahlen erweiſen ſich die friſchen
Eier als vollſtändig durchſichtig, während größere, be=
wegliche
Flecke darauf hinweiſen, daß das Ei verdorben
iſt. Die verwöhnten Londoner verlangen ſchon jetzt
überall röntgendurchleuchtete Eier.
Wer anderen eine Grube gräbt . . . Eine luſtige
kleine Geſchichte erzählt der Gaulois: Ein ſehr bekannter
Pariſer Bildhauer, der durch ſeinen Witz berühmt iſt,
war am Donnerstag auf 12 Uhr zu einem Frühſtück ge=

laden. Er ging über den Boulevard Saint Germain:
Plötzlich brach ein Platzregen los, der Künſtler mußte ſich
in einen Hauseingang flüchten. Die Automobile ſtrei=
en
, alle vorüberfahrenden Droſchken waren beſetzt; was
ſollte man tun? Draußen geht ein würdiger älterer Herr
mit einem prächtigen großen Regenſchirm einher. Dem
witzigen Bildhauer kommt ein Einfall: er ſtürzt auf den
Fremden, packt ihn am Arm, drängt ſich unter den Schirm
und ruft mit der Miene ehrlichen Entzückens: Aber wie
ich mich freue, Sie zu treffen! Seit zwei Wochen will ich
Sie beſuchen. Welch glücklicher Zufall! Ich muß mit
Ihnen ſprechen, kommen Sie doch ein Stück mit. Und
ohne dem guten alten Herrn Zeit zu laſſen, ſich zu faſſen,
plaudert unſer Bildhauer weiter, erzählt Anekdoten, be=
richtet
von einer nicht exiſtierenden Familie, die beiden
teuer ſei; kurz, er kommt durch dieſe Liſt unter dem Schutz
des Schirmes ſeinem Ziele immer näher. Unmittelbar
vor dem Hauſe, wo der Bildhauer erwartet wurde, richtet
er plötzlich mit glänzend geſpieltem Erſtaunen ſeinen Blick
genauer auf das Geſicht des Nachbarn und ruft mit er=
heuchelter
Verlegenheit: Oh, pardon, Monſieur, ich ſehe,
daß ich mich geirrt habe. Das ſcheint mir auch er=
widert
kühl und gelaſſen der Fremde. Nein, ich bitte Sie
tauſendfach um Verzeihung, entſchuldigen Sie meine
Indiskretion, ich ahnte gar nicht . . Ich bin Bildhauer,
mein Name iſt T. Ich würde mich freuen, wenn Sie mich
im Atelier beſuchen wollen, ich danke Ihnen, auf Wieder=
ſehen
. Und auf ſeinen wohlgelungenen Trick nicht wenig
ſtolz, ſtürmte der Künſtler in das Haus und erzählte
lachend ſeinen Freunden die Geſchichte von dem düpier=
ten
alten Herrn. Ihre Krawatte ſitzt ſchief flüſtert ihm
ein Bekannter zu. Der Bildhauer faßt mit der Hand nach
der Krawatte. Seine Krawattennadel fehlt. Mechaniſch
durchſucht er ſeine Taſchen: ſein Portemonnaie iſt ver=
ſchwunden
, ſeine Uhr, ſeine Brieftaſche. Der düpierte‟
würdige alte Herr war ein erprobter Taſchendieb.
Wer anderen eine Grube gräbt . . . .

[ ][  ][ ]

Ausgabe von 231500 Mk. erfordert. 2000 Ber=
liner
Gemeindeſchüler und=Schülerinnen
waren geſtern an einer Geſangsaufführung be=
teiligt
, die im Zirkus Buſch zugunſten einer Reihe von
Kinderhilfsvereinen ſtattfand. Die ſingenden Kinder füll=
ten
faſt eine halbe Runde des weiten Zirkushauſes aus.
Die muſikaliſche Schulung der Kinder war exakt. Die
Leitung der Geſänge hatte Rektor Hofmann, die künſt=
leriſche
Verantwortung trug Profeſſor Felix Schmidt.
Der eigentliche Veranſtalter iſt Schulrat Fiſcher. An den
nächſten drei Sonntagen wird das Volkskonzert wieder=
holt
werden. Ein gefährlicher Bahnräuber,
in der Perſon des 23jährigen Inſtallateurs Seydlitz, ſtieg
auf der Station Wedding zu einem Schlafenden in einem
Abteil dritter Klaſſe und fuhr mit ihm nach Weißenſee zu.
Als der Reiſende bei einem Verſuch, ihn zu berauben, er=
wachte
, verſetzte ihm Seydlitz mit einer metallenen Kaffee=
flaſche
etwa 20 Schläge auf den Kopf, bis er niederſank.
Auf dem Bahnhof Weißenſee verſuchte der Fledderer, mit
der von ihm geraubten Beute eiligſt zu entkommen. Das
fiel jedoch den Stationsbeamten auf, die ihn feſtnahmen
und der Polizei übergaben. Drei Portemonnaies, eine
ganze Anzahl Straßenabonnements, mehrere Arbeiterfahr=
karten
, ſowie ſonſtige Sachen wurden bei dem Räuber
gefunden. Die Ermittelungen im Zuſammenbruch
des Bankhauſes Bäthge in Spandau, deſſen
Inhaber ſich am Samstag erſchaſſen hat, haben ergeben,
daß ſich die Depotunterſchlagungen auf etwa 760000 Mk.
belaufen.
Frankfurt, 4. März. Mit großen militäriſchen Ehren
erfolgte heute vormittag auf dem Frankfurter Friedbofe
die Beerdigung des letzten Frankfurter Staot=
kommandanten
, des in Darmſtadt verſtorbenen
Generalleutnants z. D. v. Stülpnagel. Am Portal
hatte ſich General v. Eichhorn, ſowie das Offizierkorps
des hieſigen Infanterie=Regiments eingefunden, ferner
höhere Offiziere des Bockenheimer Artillerie=Regiments
und viele Kranzdeputationen auswärtiger Garniſonen.
Unter den Zivilgäſten befanden ſich u. a. Regierungsprä=
ſident
v. Meiſter und Oberbürgermeiſter Adickes. Nach
der Einſegnung des mit Kränzen überdeckten Sarges in
der Portalkapelle hielt der ehemalige Militäroberpfarrer
Falke im Freien eine Gedächtnisrede, in der er die charak=
teriſtiſchen
Vorzüge v. Stülpnagels hervorhob. Mit ihm
ſei ein Offizier der alten preußiſchen Schule dahingegan=
gen
, ein Waffengefährte Wilhelms I., ein einfacher ſchlich=
ter
Mann, deſſen Andenken fortdauern werde. Der Kaiſer
habe den Kindern eine Beileidsdepeſche zukommen laſſen,
in der er v. Stülpnagel das Vorbild der Pflichterfüllung
nannte. Nach einem Choral, den die Kapelle der 81er
ſpielte, wurde der Sarg neben dem Grabe von Stülp=
nagels
Gattin beigeſetzt.
Hamau, 4. März. Heute vormittag traf hier der
Staatsſekretär des Reichskolonialamtes Dr. Solf in
Begleitung zweier Miniſterialräte ein, um ſich, wie ſchon
kürzlich berichtet, über die Verhältniſſe der hieſigen Dia=
mantinduſtrie
und über die Wünſche der hieſi=
gen
Diamantinduſtriellen bezüglich der Ver=
wertung
der deutſch=ſüdweſtafrikaniſchen Diamanten zu in=
formieren
. Am Vormittag fanden zunächſt im Rathauſe
Beſprechungen ſtatt, zu denen ſowohl Arbeitgeber als
auch Arbeitnehmer der Diamantinduſtrie hinzugezogen
waren. Heute nachmittag ſollen mehrere Diamantſchlei=
fereien
beſichtigt werden. Anſchließend daran findet noch
eine Beſprechung im engeren Kreiſe ſtatt.
Trieſt, 3. März. Die graſſierende internationale
Spionagefurcht hat für den deutſchen Kon=
ſul
in Trieſt ein tragikomiſches Abenteuer zur Folge
gehabt. Der Vertreter des Deutſchen Reiches in Trieſt,
Legationsrat Dr. Winkel, Lloydinſpektor Ludw. Schieſtl,
Konſul Friedrich Meißner in Trieſt und der Oberinge=
nieur
Müller der Staatsbahnen, den Südtirolern vom
Bau der Bahn Trient-Malé her gut bekannt, wurden
am vergangenen Sonntag auf einer harmloſen Bergtour
beim Ueberſchreiten der italieniſchen Grenze von Cara=
binieris
angehalten obwohl alle vier Herren mit
regelrecht ausgeſtellten Päſſen verſehen waren, unter
Spionageverdacht verhaftet und in Polizeigewahrſam
der alten Longobardenſtadt Ciyidale mehrere Stunden
feſtgehalten. Die Päſſe wurden als Falſifikate bezeichnet
und nur dadurch, daß Inſpektor Schieſtl ſchließlich eine
Freikarte der dortigen Eiſenbahn der Societa Veneta
vorwies, gelang es ihm endlich, vom Polizeichef die Frei=
laſſung
für ſich und ſeine Freunde zu erwirken. Trotzdem
wurden die Herren vor ihrer Abfahrt von Cividale im
Eiſenbahnabteil von einem ihnen nachgeſchickten Cara=
biniere
zum Vorweis der gelöſten Fahrkarten gezwungen
und ihnen bedeutet, daß ſie ſofort nach Oeſterreich zurück=
kehren
müßten, widrigenfalls ſie weitere Unannehmlich=
keiten
zu gewärtigen hätten.
Paris, 4. März. In der Ortſchaft Obiat (Departement
Corréze), brach in der vergangenen Nacht in einem Gaſt=
hauſe
eine Feuersbrunſt aus, durch die eine aus
ſieben Perſonen beſtehende Familie ums Leben kam.
Paris, 4. März. Im Walde von Fontainebleau ſtürzte
geſtern ein Automobil in den Straßengraben und be=
grub
die ſieben Inſaſſen unter ſich. Der Motor erplodierte
und eine Frau namens Jarvier konnte nur als völlig ver=
kohlte
Leiche hervorgezogen werden. Die übrigen ſechs
Reiſenden erlitten ſchwere Verletzungen.
Kopenhagen, 3. März. Bei der Beiſetzung des Dich=
ters
Hermann Bang, die geſtern vormittag auf
dem hieſigen Weſtkirchhof erfolgte, und dem Wunſche des
toten Mannes gemäß in aller Stille und nur in Anweſen=
heit
der Familie des Verſtorbenen und der allernächſten
Freunde ſtattfand, ereignete ſich ein peinlicher Zwi=
ſchenfall
. Nachdem die Beerdigung vorüber war,
ſtellte ſich heraus, daß man den Dichter in ein falſches
Grab gelegt hatte. Daher wurde die Beerdigung nach=
mittags
von neuem vorgenommen. Das Trauergefolge
verſammelte ſich um 3 Uhr nochmals auf dem Kirchhof
Die Leichenträger gruben den in die däniſche Flagge ge=
hüllten
Sarg aus dem Grabe und trugen ihn, gefolgt von
den Anweſenden, zu dem richtigen Grabe, wo dann die
ſterbliche Hülle Herm. Bangs endgültig der Erde über=
geben
wurde.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchiehr, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

Inſtrumental=Verein. Ueber die Konzert=
ſängerin
Fräulein Elſe Diefenthäler, Geſanglehrerin
an der Akademie für Tonkunſt, die als Soliſtin für das
morgen, Mittwoch, den 6. März, abends 8¼ Uhr im großen
Saale des Saalbaues ſtattfindende Konzert des Inſtrumen=
tal
=Vereins gewonnen wurde, ſchreibt das Wittener Tage=
blatt
glegentlich eines Konzertes des Kölner Gürzenich=
quartettes
: Eine echte Künſtlerin lernten wir in Fräulein
Elſe Diefenthäler kennen. Ihrer ſympathiſchen äußeren Er=
ſcheinung
entſpricht ihre weiche ſympathiſche Stimme. Auch
bei ihr bewunderten wir die Wahrheit künſtleriſcher Emp=

findung, die auf den äußeren Eindruck verzichtet, um dem In=
halt
der Kompoſition und dem Text gerecht zu werden. Der
ſeelenvolle Vortrag der außerordentlich ſtimmungsvollen
Doloroſa=Lieder von Jenſen wirkte wahrhaft ergreifend
und ebenſo poetiſch gelang ihr der Vortrag der ſchlichten
Weiſen von Strauß und Schubert’s: Der Tod und das
Mädchen. Die Stimme beſitzt den warmen tiefen Klang
echter Altſtimmen. Wir hatten den Eindruck, als ob ſie
großer Kraft fähig wäre und nur die innige, intime Stim=
mung
der Geſänge ſelbſt die weiche, lyriſche Stimmgebung
bedingte. Fräulein Diefenthäler wird in dem Konzert
zwei hier noch unbekannte Arien von Händel mit Orcheſter=
begleitung
und vier Lieder von Brahms, Arnold Mendels=
ſohn
und Max Reger zu Gehör bringen. Die Klavier=
egleitung
hat Fräulein Marie Schwan, die Begleitung
uf der Orgel Herr Muſikdirektor Klaſſert übernommen.
das Orcheſter, das nun zirka 50 Mitglieder zählt, hat unter
Leitung ſeines neuen Dirigenten, Herrn Direktor Schmitt,
im Laufe der letzten Monate bedeutende Fortſchritte ge=
nacht
, ſo daß ſich die Konzerte des Inſtrumental=Vereins
bald allgemeiner Beliebtheit erfreuen werden. Die zu er=
gänzenden
Blasinſtrumente und Kontrabaßſtimmen (Ovo=,
Fagott, Klarinette, Horn, vier Kontravuſſe und Schlagzeug)
ind mit erſten Kräften der Kapelle des Leibgarde Infan=
terie
=Regimentes Nr. 115 beſetzt. Nach allem ſteht dem
Publikum ein äußerſt genußreicher Abend bevor.
Für das Symphoniſche Konzert der Kapelle
des Leibgarde=Regiments unter Mitwirkung der Frau
Eliſe Knibbe=Thiel macht ſich bereits ein reges
Intereſſe kund. Eine Künſtlerin, die ſich nicht nur als aus=
ibende
Pianiſtin, ſondern auch als Komponiſtin und
Orcheſterdirigentin betätigt (als bis jetzt einzige in Deutſch=
and
), verdient wohl die Beachtung der muſikliebenden
Kreiſe. Iſt es zunächſt vornehmlich die rein muſikaliſch=
künſtleriſche
Seite der Veranſtaltung, die manchen neuen
Geſichtspunkt darbietet, ſo kann das Konzert auch zunächſt
als lehrreicher Beitrag gelten für diejenigen, welche ſich mit
der wichtigen und aktuellen ſozialen Frage des modernen
Frauenberufes beſchäftigen. Von den weiteren Orcheſter=
werken
, die zur Aufführung gelangen, ſei beſonders hinge=
vieſen
auf die Blumenmädchenſzene aus Parſi=
al
, welche im orcheſtralen Gewande im hieſigen Konzert=
ſaale
uns wohl je kaum begegnete. (Siehe Inſerat.)

Kongreſſe und Verbandstage.

Deutſcher Frauen=Kongreß.
Berlin, 3. März. Der Deutſche Frauen=Kongreß
eendete geſtern ſeine Verhandlungen. Der heutige Tag
war dem Thema Die Frau im öffentlichen Le=
ben
gewidmet. Fräulein Dr. Salomon forderte
in ihrem einleitenden Referat, daß die Frau aus der cari=
ativen
Betätigung in der Sozialpolitik zu geſetzmäßiger
Mitarbeit herangezogen werde, und daß demgemäß die
Geſetzgebung umgeſtaltet werde. Die zweite Referentin,
Frau Jenni Apolant, verlangt insbeſondere die Heran=
ziehung
der Frau zu den ſozialen Aufgaben in der Ge=
meinde
; das eigentliche Arbeitsgebiet ſei hier die Armen=
pflege
. Die nächſte Referentin, Fräulein Meier,
vünſcht, daß die Frau auf dem Gebiete der Vormundſchaft
mehr herangezogen werde als bisher. Die letzte Referen=
tin
, Frau Marie Wegner, tritt für die Mitarbeit der
Frau bei der Wohnungsinſpektion und bei den Arbeits=
nachweiſen
ein. In der Diskuſſion fordert Frau Kamilla
Jellinek (Heidelberg) energiſchen Kampf gegen die
Animierkneipen und das Verbot weiblicher Bedienung in
den Gaſtwirtſchaften. Frau Bentheimer (Mannheim)
ſchildert die Erfahrungen, die man in den badiſchen
Städten mit der Frauenarbeit gemacht habe.
Dann wandte ſich der Kongreß ſeinem intereſſanteſten
Thema zu: Die Frauen und die Politik. Frau
Minna Cauer vom deutſchen Verband für Frauenſtimm=
recht
gab einen Ueberblick über die Frauenſtimmrechtsbe=
wegung
in Deutſchland. Im Jahre 1902 hat Miniſter
v. Hammerſtein das Wort geſprochen: Ich will nicht,
daß die Frau ſich politiſch organiſiert. Und im Jahre
1908 war es wieder ein Miniſter, der ſagte: Der er=
werbstätigen
Frau müſſen wir das politiſche Organiſati=
onsrecht
geben. Welch ein Erfolg! Dieſer Erfolg iſt
aber nur der erwerbstätigen Frau zu danken, und ich be=
zweifle
, ob die ſchönen Augen der Frauenrechtlerinnen
das erreicht hätten. Es kommt der Tag, an dem wir
ſagen: Wir ſind Taglöhnerinnen, die ihre Rechte fordern,
weil ſie an dem Geſchicke des Vaterlandes teilnehmen
wollen. Die zweite Referentin, Frau Lilli Fiſcher=
Eckert entwickelt das Programm der Deutſchen Vereini=
gung
für Frauenſtimmrecht, das zwar das Wahlrecht für
die Frauen fordere, aber ſich von dem Streit über dieſes
der jenes Wahlrecht fernhalte. In der Diskuſſion wies
Frau Lindemann (Berlin) auf die jüngſten Ausſchrei=
tungen
der engliſchen Suffragettes hin und meinte, daß
dieſe Art des Kampfes nicht die der deutſchen Frau ſein
könne. Man dürfe aber die engliſchen Suffragettes nicht
gänzlich verurteilen, denn ſie hätten nur vom Manne ge=
lernt
, und was die engliſchen Suffragettes jetzt machten,
ſeien Limonaden gegen das, was engliſche Männer früher
getan hätten. Frau Regina Deutſch (Berlin): Das
letzte Ziel der ſtaatsbürgerlichen Gleichberechtigung der
Frau iſt: ein Reich zu ſchaffen, in dem ſich jeder Bürger
wohl fühlen kann. Fräulein Helene Lange hält die
Oraaniſation der Frau zur Erreichung des Stimmrechts
nicht für unbedinat notwendig. Sie glaubt auch nicht.
daß es den Himmel auf Erden bedeuten würde, wenn die
Frau das Stimmrecht erreicht haben würde. Allerdings
müſſe die Frau eneraiſch für ihre Rechte eintreten, und ſo
lange nur einzelne Männer in den Parlamenten für
Frauenrechte eintreten, ſei dies gerade ſo, wie wenn ein
Silberberawerksbeſitzer für den Bimetallismus kämpfe.
Nur die Frau könne für ihre Rechte kämpfen.
Es folaten dann noch Referate über die Stellung und
Mitarbeit innerhalb der politiſchen Parteien, worauf
Fräulein Dr. Salomon mit einem Schlußworte den
Deutſchen Frauenkongreß ſchloß.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 4. März. Präſident Dr. Kaempf eröffnet
die Sitzung nach 2¼ Uhr.
Die Beratung des
Etats für das Reichsamt des Innern
wird fortgeſetzt. Abg. Wetterlé (Elſ.): Einige Mit=
glieder
des Hauſes haben geglaubt, an den Beſchlüſſen
der Budgetkommiſſion des elſaß=lothringiſchen Landtages
Kritik ausüben zu müſſen. Man hat uns nachgeſagt, wir
wollten dem engliſchen Parlamente auf dieſe Weiſe Kon=
kurrenz
machen. Der Abgeordnete Dr. Will hat die Sache
ſchon teilweiſe richtig geſtellt. Ueber den Dispoſitions=
fonds
brt ſchon vor fünf Jahren die Regierung die Belege

auf Verlangen des Landesausſchuſſes vorgelegt. Was
dabei herauskam, war allerdings toll genug, nämlich, daß
der Fonds hauptſächlich zu außeretatsmäßigen Penſionen
verwendet werde. Jedenfalls ſind der Gnaden= und
Dispoſitionsfonds der Regierung zur Verfügung geſtellt,
um raſche Hilfe zu leiſten, in Fällen, die im Etat nicht
haben vorgeſehen werden können, nicht aber, um den Pen=
ſionären
eine Extrawurſt zu braten. Am Schluß unſerer
Finanzkommiſſion hat jetzt die Regierung die Frage, wer
über den Gnadenfonds verfügt, dahin beantwortet, die
elſaß=lothringiſche Regierung verteile das Geld. Es werde
dem Kaiſer darüber berichtet oder nicht berichtet. (Hört!
hört! links.) Wir haben trotzdem nur verlangt, es ſolle
die Verwendung einer Subkommiſſion von vier Mitglie=
dern
mitgeteilt werden, zur Wahrung des Geheimniſſes.
Dieſer Wunſch wurde rnudweg abgeſchlagen, obwohl ſeine
Erfüllung dem Vorrechte des Trägers der Krone keines=
wegs
zu nahe trat. Da glaubte die Kommiſſion, ſich für
die Streichung entſcheiden zu müſſen. Der Dispoſitions=
fonds
des Statthalters, 130000 Mark, wurde dagegen an=
ſtandslos
bewilligt, weil darüber ſchon ſeit fünf Jahren
Rechenſchaft abgegeben wird. 230000 Mark Dispoſitions=
fonds
ſind für ein kleines Land, wie das unſerige, zu viel.
Ferner hat man bemängelt, wie ſich der Landtag in Elſaß=
Lothringen zu der Verpachtung des Kaiſerlichen Jagd=
reviers
in Ober=Haßloch geſtellt hat. Tatſächlich hat der
Kaiſer dort noch nie gejagt.
Präſident Dr. Kaempf erklärt dieſe Verhandlungen
für zu weit von dem Verhandlungsgegenſtand abliegend.
Abg. Wetterlé fortfahrend: Ich gab nur eine Antwort
auf das, was hier bereits erwähnt worden iſt. Der Re=
präſentationsfonds
von 200000 Mark für den Statthalter
ieben ſeinen ſonſtigen Bezügen iſt auch viel zu hoch. Des=
halb
hat auch der Landtag die Hälfte für künftig weg=
fallend
bezeichnet. Wenn den Beamten zwei Tage vor
der Stichwahl geſagt wurde, ſie könnten ruhig für den
Sozialdemokraten ſtimmen, ſo iſt das ein unerlaubter be=
hördlicher
Druck. (Zuſtimmung links.) Unglaublich iſt,
daß der Urheber dieſes Zirkulars vom Kaiſer als Mit=
glied
der Erſten Kammer beſtätigt worden iſt. Ob die
Handlungsweiſe des elſaß=lothringiſchen Landtags klug
war, überlaſſe man ihm und dem elſaß=lothringiſchen
Volke.
Abg. Mumm (Wirtſchaftliche Vereinigung): Trotz=
em
die engliſchen Arbeiterführer eine Beteiligung der
deutſchen Bergarbeiter an der Streikbewegung nicht ge=
wünſcht
haben, hat ſich doch ein Teil der weſtfäliſchen
Bergarbeiterſchaft hinreißen laſſen, ſich der Bewegung
nzuſchließen. Die Wohnungsfürſorge ſollte nicht bei den
Staatsbeamten und Staatsarbeitern Halt machen. Die
Tätigkeit der Gewerbeinſpektoren muß noch weiter aus=
jedehnt
werden.
Miniſterialdirektor Caspar: Zunächſt iſt geſagt
worden, was aus den Vorſchlägen des Beirats für Arbei=
terſtatiſtik
für die Binnenſchiffahrt und das Kontorperſo=
nal
geworden ſei. Ueber die Sonntagsruhe und Nacht=
arbeit
der Kontoriſten ſind Vorarbeiten im Gange. Be=
züglich
der Binnenſchiffahrt liegen die Verhältniſſe auf
den verſchiedenen Waſſerſtraßen verſchieden. Uebelſtände
ſind nur auf einzelnen vorhanden. Die Erhebungen wer=
den
alsbald fortgeſetzt werden und zwar zunächſt auf dem
Rhein. Ueber die Sonntagsruhe in nicht offenen Ver=
kaufsſtellen
iſt die Vorbereitung einer Vorlage im Gange;
über die Sonntagsruhe in offenen Verkaufsſtellen wird
dem Reichstage demnächſt eine Vorlage zugehen.
Abg. Werner (D. Refpt.): Die Zigeunerplage hat
in letzter Zeit beſonders in Heſſen überhand genommen.
Es iſt dort den Behörden noch immer nicht möglich ge=
weſen
, die des Mordes angeſchuldigten Zigeuner ding=
feſt
zu machen. Gegenwärtig iſt die Güterſchlächterei
größer, als die Latifundienbildung. Das iſt höchſt un=
erfreulich
. Auch ich bin der Meinung, daß die zur Be=
kämpfung
der Maul= und Klauenſeuche erlaſſenen Be=
ſtimmungen
nicht ſo rigoros gehandhabt werden ſollten,
als bisher. Das Wanderlagerweſen müßte bedeutend
eingeſchränkt und die Warenhäuſer mit einer kräftigen
Steuer belegt werden, damit wirkliche Mittelſtandspolitik
gemacht werden kann. Ich trete ein für volle Aufrecht=
erhaltung
der Koalitions= und Gewerbefreiheit.
Staatsſekretär Dr. Delbrück: Ich will mich heute auf
einige allgemeine Betrachtungen über unſere wirtſchafts=
politiſche
Lage beſchränken und behalte mir vor, auf Ein=
zelheiten
morgen einzugehen. Es iſt bereits bemerkt
worden, daß unſere wirtſchaftliche Lage ihren Tiefſtand
überwunden und bereits in einer erfreulichen Aufwärts=
bewegung
begriffen iſt. Ich freue mich, feſtſtellen zu
können, daß unſer Wirtſchaftsleben die beiden letzten
Prüfungen, die große Dürre und die Lage unſerer äuße=
en
Politik ſo außerordentlich gut überſtanden hat;
das beweiſt, daß die Grundlage unſerer Wirtſchaftspolitik
eine gute iſt. Das iſt u. a. darin zu ſehen, daß der Geld=
markt
in der Lage war, die abnormen Anſprüche zu be=
friedigen
, insbeſondere bei den Ultimozahlungen im
September und Dezember. Anzuerkennen iſt auch, daß
das Bemühen der Reichsbank, über die Schwierigkeiten
er äußeren Politik hinwegzukommen, von Erfolg be=
gleitet
geweſen iſt. Ernſt iſt auch die Frage der Liquidi=
tät
unſerer Banken, und da iſt es erfreulich, daß es der
Regierung gelungen iſt, ohne geſetzlichen Zwang die
Zweimonatsbilanzen allgemein einzuführen. Dadurch
iſt die Sicherheit der Geſchäfte erheblich geſteigert und
auch für die Leiſtungen iſt es von Vorteil. Bei unſeren
Zolltarifen kann es ſich nur um Aenderungen in der
Handhabung handeln, um eine Reviſion, die ſich ergibt
aus einer Verſchiebung in der Technik oder in dem Be=
darf
von Rohſtoffen. Aber es darf keine grundlegende
Aenderung in unſerer Wirtſchaftspolitik vorgenommen
verden. Um die Intereſſen der Induſtrie genügend zu
wahren, ſollen die Zolltarife, bevor ſie abgelaufen ſind,
den Reichstag beſchäftigen. Die Regierung hat ſich lange
mit dieſen Tarifen beſchäftigt und hatte dabei Gelegen=
heit
, große Gebiete unſerer Induſtrie, ihre Wünſche und
Zedürfniſſe eingehender kennen zu lernen. Dieſe Arbeit
hat mehr als drei Jahre in Anſpruch genommen; leider
haben es die kleinen Betriebe abgelehnt, ſich an den Ver=
handlungen
zu beteiligen. Eine allgemeine Enquete halte
ch nicht für angängig, weil wir das Material nicht für
öffentliche Zwecke benützen können. Bei den Vorbereit=
ingen
der Handelsverträge war unſere Sorge, dafür
Vorſorge zu treffen, daß in den vertragſchließenden Län=
dern
den Arbeitern in ſozialpolitiſcher Beziehung die=
ſelbe
Behandlung zuteil wird wie bei uns, um einen Aus=
gleich
für die ſozialen Laſten zu ſchaffen. Daß auf dieſem
Gebiet Erfolge erlangt ſind, brauche ich nur auf den
ſchwediſchen Handelsvertrag hinzuweiſen. Zweifel
herrſcht darüber, ob die Meiſtbegünſtigungsverträge in
Zukunft dieſelbe Stelle einnehmen werden wie bisher,
oder ob Reziprozitätsverträge (Gegenſeitigkeitsverträge)
abzuſchließen ſein werden. Dieſe Verträge ſind für
manche Länder wichtige Exiſtenzfragen, denn nur die
Meiſtbegünſtigungsverträge ſichern der Induſtrie und der

[ ][  ][ ]

Landwirtſchaft unter Umſtänden die Konkurrenzfähigkeit.
Anzuerkennen ſei auch der autonome Zolltarif, wie der
zwiſchen Deutſchland und Amerika. In der Regel iſt
aber eine andere Regelung der Handelsbeziehungen wün=
ſchenswert
; ſo iſt durch den Vertrag mit Schweden die
Einfuhr für die für unſere Induſtrie ſo wichtigen Erze
geſichert. Eine weitere Frage iſt die Syndikatsentwick=
lung
; dieſe entwickeln ſich leicht in den Ländern mit
Schutzzollpolitik. Sie können ſehr oft eine Gefahr für
das Wirtſchaftsleben werden; die Monopole haben
durch dieſe Entwickelung ein ganz anderes Geſicht bekom=
men
, denn ein Privatmonopol kann erheblich gefährlicher
werden, als ein unter der Kontrolle des Parlaments
ſtehendes Staatsmonopol. Ich kann nicht umhin aus=
zuſprechen
, daß es auch in Deutſchland nicht ausgeſchloſ=
ſen
erſcheint, daß ſich die Privatmonopole in Staats=
monopole
verwandeln werden. Nur habe ich den Ein=
druck
, daß Deutſchland für dieſe Entwicklung noch nicht
reif iſt. Dieſe Entwicklung aufzuhalten, iſt nicht möglich
das Beſtreben der Geſetzgebung muß daher darauf ge=
richtet
ſein, Auswüchſe unmög,ich zu machen. Durch das
Kohlenſyndikat iſt erſt eine gewiſſe Stabilität in den Koh=
lenhandel
gekommen. Das Kaliſyndikat hat eine Ent=
täuſchung
gebracht. Dem Staat iſt das Recht nicht zu
nehmen, ſich an einem Syndikat aus Zweckmäßigkeits=
gründen
zu beteiligen, wenn die vorgeſehenen Ziele und
die angewandten Mittel ihn nicht mit dem Volk in Kon=
flikte
bringen. Abg. Sachſe (Soz.): Eine Verſtaatlich=
ung
haben wir immer gefördert, nur muß damit eine
Feſtſetzung von Minimallöhnen und die Garantie der
perſönlichen Freiheit der Arbeiter Hand in Hand gehen.
Die Regierung ſollte, wenn ſie ſtets über Terrorismus
klagt, zunächſt die Zwangsinnungen beſeitigen oder eine
ähnliche Inſtitution für die Arbeiter ſchaffen, dann wür=
den
die Klagen verſtummen. Ueber die ungerechte An=
wendung
des Reichsvereinsgeſetzes haben die Arbeiter
noch ſehr zu klagen. Die Behauptungen, daß der Ter=
rorismus
der Arbeitgeber nicht exiſtiert, ſind unwahr;
die ſchwarzen Liſten ſind noch immer nicht verſchwunden.
Freiherr v. Gamp hat empfohlen, die Arbeiter ſeßhaft zu
machen. Dies wird am raſcheſten geſchehen, wenn die
Zechenbeſitzer den berechtigten Wünſchen der Arbeiter ent=
gegenkommen
. Ich bitte Sie, unſere Anträge und Reſo=
lutionen
anzunehmen und damit die Rechte der Arbeiter
zu ſichern. Arg. Irl (Zentrum): Im Intereſſe des
Mittelſtandes muß das Genoſſenſchaftsweſen ausgebaut
werden. Die Regierung ſollte die Reviſionsverbände
unterſtützen, damit die Genoſſenſchaften an den Kongreſ=
iſen
teilnehmen und Erfahrungen austauſchen können.
Der Entwurf des Hanſabundes für das Submiſſions=
weſen
kann wohl auf die Induſtrie paſſen, aber auf das
Handwerk nicht. Redner fordert noch beſondere Schutz=
maßnahmen
für das Handwerk.
Hierauf wird die Weiterberatung auf Dienstag
1 Uhr vertagt. Schluß ¾7 Uhr.

Luftfahrt.

Viktoria Luiſe, der neueſte Zeppelin.
* Der neueſte Rieſenluftkreuzer hat die Stätte ſeines
Erſtehens, die Luftſchiffbauwerft Friedrichshafen, verlaſ=
ſen
und nach wohlgelungenen Probefahrten ſeine mehr=
fach
verſchobene große Dauerfahrt nach Frankfurt
am Main, ſeinem vorläufigen Standort, angetreten.
Das neue Luftſchiff unterſcheidet ſich von der Schwaben
abermals durch einige Verbeſſerungen, insbeſondere am
Steuerapparat, ſowie durch den Einbau einer weiteren
Gaszelle von acht Meter Länge. Das Luftſchiff hat nun
eine Länge von 148 Meter bei einem Durchmeſſer von
14 Meter und einem Rauminhalt von 19000 Kubikmeter.
Es wird getragen von 18 einzelnen Gaszellen, die zwi=
ſchen
je 2 Querringen des Aluminiumgerüſtes eingebettet
liegen. Dieſe Einteilung des Tragkörpers in 18 einzelne
Zellen bedingt eine weitere Sicherheit für die Paſſagiere.
Die Paſſagierkabine bietet Raum für zwanzig
Perſonen. Sie iſt ſo in das Luftſchiff eingebaut, daß die
Längsträger des Luftſchiffes zugleich Träger der Kabine
ſind im übrigen iſt die Kabine an 12 Stahldrähten dop=
pelt
in ihrer Lage ſo geſichert, daß ſie unverrückbar hängen
bleibt, auch wenn aus irgend einem Zufall ein Paar
Streben biegen oder brechen ſollten. Alle Metallteile des
Kabinengerüſtes ſind innen mit Mahagoni umkleidet,
ebenſo wie die Füllungen und die Decke aus Mahagoni=
Furnieren beſtehen. Eine reiche Einlege=Arbeit in Perl=
mutter
an den Deckenbalken und Säulen geben dem
Raum eine große Eleganz. Der Fußboden, in ſicherer
Weiſe mit fünffachen Holzeinlagen verleimt, iſt mit einem
Teppichbelag verſehen, große Klappfenſter geſtatten un=
gehinderten
Ausblick nach allen Seiten und die leichten
Korbſeſſel gewähren bequemen Sitz. In der vorderen
der beiden Führergondeln befinden ſich ein Motor
von 145 Pferdeſtärken und alle Steuerräder, Ballaſt= und
Ventilzüge uſw.; in der hinteren Gondel ſind zwei Mo=
toren
, ebenfalls je 145 Pferdeſtärken, untergebracht. Der
Motor der vorderen Gondel treibt ein Paar zweiflügelige
Luftſchrauben, die 500 Umdrehungen in der Minute
machen; die hinteren Motoren bewegen je eine vierflü=
gelige
Luftſchraube mit etwas verminderter Tourenzahl.
Am hinteren Ende des Luftſchiffes trägt ein Rahmen die
verſtärkten Seiten= und Höhenſteuer. Erſtere
ſind ſechs ſenkrechte Flächen, die ſo wirkſam ſind, daß das
Schiff auf einem Kreiſe von rund 550 Meter Durchmeſſer
zu drehen vermag. Mit den wagrechten Höhenſteuern kann
der Kreuzer außerordentlich kräftig und ſchnell in eine
Schräglage gebracht werden, in der er auf= und abwärts
ſteigen kann. Am hinteren Ende befinden ſich außerdem
noch die links und rechts wagerecht angebrachten Stabi=
liſierungsflächen
, die dem Luftſchiffe den ruhigen Flug
ſichern. Die große ſenkrechte Stabilitätsfläche am Heck
des Schiffes hat auf Grund der bei den Probefahrten ge=
machten
Erfahrungen ein verhältnismäßig ſchmales,
leicht bewegliches Heckſteuer erhalten. Links und rechts
vom Heckſteuer, aber unterhalb der wagrechten Stabili=
tätsfloſſen
, ſind je vier jalouſieartige Höhenſteuer und
neben dieſen je drei ſenkrechte Flächen als Horizontal=
ſteuerung
angebracht.
Die Motoren entwickeln insgeſamt 435 Pferde=
ſtärken
und geben dem Luftſchiff eine Reiſegeſchwindigkeit
mit zwei Motoren von etwa 17 Sekundenmetern, das ſind
61 Kilometer die Stunde, und mit drei Motoren eine
Höchſtgeſchwindigkeit von mindeſtens 20 Sekundenmetern,
das ſind 72 Kilometer in der Stunde. Die volle Tragkraft
des Luftſchiffes beträgt rund 22000 Kilogramm in Mee=
reshöhe
. Zieht man das Geſamtgewicht des Luftſchiffes
ab, ſo verbleibt eine nutzbare Tragkraft von über 5500
Kilogramm. Von dieſer Geſamttragkraft werden etwa
1200 bis 1500 Kilogramm für die Betriebsſtoffe (Oel und
Benzin) in Anſpruch genommen.
Zur Führung gehören wieder acht bis neun Per=
ſonen
: ein Führer, zwei Steuerleute und zwei Monteure
in die vordere Gondel und ein Fahr=Ingenieur und zwei
bis drei Monteure in die hintere Gondel.

Das Zeppelin=Luftſchiff Viktoria Luiſe iſt der elfte
Luftkreuzer, der in Friedrichshafen hergeſtellt wurde.
Wie ſein Vorgänger, das Luftſchiff Schwaben, dem es
in der Konſtruktion in vielem ähnlich iſt, wird Viktoria
Luiſe der Deutſchen Luftſchiffahrts=Aktien=Geſellſchaft
(Delag) als Paſſagierluftſchiff dienen. Vorerſt wird das
neue Luftſchiff für einige Monate in Frankfurt a. Main
ſtationiert werden; für ſpäter kommen Hamburg und
Düſſeldorf als Aufenthaltsorte in Betracht.
Ueber den Verlauf der Dauerfahrt liegen
folgende Einzelmeldungen vor:
* Friedrichshafen 4. März. Das Luftſchiff
Viktoria Luiſe iſt um 9 Uhr 15 Minuten aufgeſtiegen.
Es fliegt über Konſtanz, Baſel, Straßburg, Mannheim
nach Frankfurt, wo die Ankunft heute abend erwartet
wird.
* Schaffhauſen, 4. März. Das Luftſchiff
Viktoria Luiſe iſt um 9 Uhr 45 Min. über Konſtanz, um
10 Uhr 45 Min. über Schaffhauſen geflogen.
* Baſel, 4. März. Das Luftſchiff Viktoria Luiſe‟
kam um halb 1 Uhr in Sicht; es überflog die Stadt in
geringer Höhe und verſchwand um 12 Uhr 45 Minuten
in nördlicher Richtung. Der Himmel iſt bewölkt; es weht
ein leichter Wind.
* Mülhauſen, 4. März. Das Luftſchiff Viktoria
Luiſe paſſierte Mülhauſen über der Napoleonsinſel um
1 Uhr 15 Min. nachmittags in ruhiger, aber ſehr ſchneller
Fahrt.
* Baden=Baden, 4. März. Das Luftſchiff
Viktoria Luiſe vaſſierte um 2 Uhr Offenburg und um
2.25 Uhr Baden=Oos.
Die Hoffnung, den ſtolzen Luftkreuzer auch in Darm=
tadt
begrüßen zu können, wurde leider im wahrſten
Sinne des Wortes zu Waſſer. Denn wohl wegen des
andauernd regneriſchen Wetters änderte er von Heidel=
berg
ab ſeinen Kurs und nahm Richtung auf Mann=
heim
, das er um 3.30 Uhr paſſierte. Um 3 Uhr 43 Min.
überflog die Viktoria Luiſe Worms und nahm von
dort Richtung auf Mainz.
* Frankfurt, 4. März. Die Viktoria
Luiſe iſt um 4 Uhr 40 Min. glatt vor der Halle
gelandet.
* Straßburg. 3. März. Das Programm des
Zuverläſſigkeitsfluges am Oberrhein 1912
lautet folgendermaßen: Samstag, 11. Mai: Abnahme der
Flugzeuge in Straßburg. Oertliche Wettbewerbe in
Straßburg. Sonntag, 12. Mai: Flug Straßburg=Metz
mit Vogeſenüberquerung. Weitere Wettbewerbe in Straß=
burg
. Montag, 13. Mai: Ruhetag in Metz. Oertliche
Wettbewerbe dort. Dienstag, 14. Mai: Flug Metz= Saar=
brücken
. Landung in Saarbrücken, vorher, der kurzen
Strecke wegen, Aufklärungsübung in der Richtung Dieden=
ofen
. Mittwoch, 15. Mai: Flug Saarbrücken=Mainz.
Donnerstag, 16. Mai: ((Himmelfahrt) Ruhetag in Mainz.
Oertliche Flüge in Saarbrücken und in Mainz. Freitag,
17. Mai: Flug von Mainz nach Frankfurt a. M. mit
Zwiſchenlandung in Darmſtadt. Eventuell Wettbewerb im
ſchnellen Aufſteigen. Samstag, 18. Mai: Ruhetag in
Frankfurt. Oertliche Wettflüge in Frankfurt. Sonntag,
19. Mai: Flug Frankfurt=Karlsruhe. Oertliche Wett=
ewerbe
in Karlsruhe und Frankfurt. Montag, 20. Mai:
Flug Karlsruhe=Freiburg. Dienstag, 21. Mai: Ruhetag
n Freiburg. Oertliche Wettflüge in Freiburg. Mitt=
woch
, 22. Mai: Flug Freiburg=Konſtanz mit Schwarzwald=
überquerung
. Oertliche Wettflüge in Konſtanz.

Sport.

* Fußball. Im Kreisſpiel um die Meiſterſchaft
von Bayern in Klaſſe B beſiegten die Würzburger
Kickers den F.=K. Fürth auf eigenem Platz mit 411 Toren.
* Turngemeinde Beſſungen. Am Sonntag
ſpielte die erſte Fußball=Mannſchaft der Turn=
gemeinde
Eberſtadt gegen die gleiche der Turnge=
meinde
Beſſungen, wobei letztere mit 1210 Toren
ſiegte.
sr. Die Berliner Fußballmeiſterſchafts=
ſpiele
ſahen am Sonntag ſämtliche 20 Mannſchaften
der 1. Klaſſe in Tätigkeit. Das Haupttreffen zwiſchen
Preußen und Hertha gewann Preußen mit 310, womit
der erſte Platz in der Abteilung B zugunſten von Preu=
ßen
entſchieden ſein dürfte. Preußen verfügte im allge=
meinen
über beſſere Elf und erzielte durch den Rechts=
außen
=Stürmer in der 4. Minute das erſte Tor. Von
einem Eckball aus, den der Linksaußen=Stürmer verwan=
delte
, fiel in der 27. Minute das zweite und 7 Minuten
ſpäter durch einen ſcharfen Schuß des Mittelſtürmers das
3. Tor. Minerva konnte gegen Konkordia überraſchender
Weiſe nur unentſchieden 111 abſchneiden. Torlos endete
die erſte Spielhälfte bei offenem Spiel. Gleich nach Wie=
derbeginn
ſchoß der Mittelſtürmer von Minerva das erſte
Tor, doch glich Konkordia aus dem Gedränge heraus in
der 20. Minute wieder aus. Die ſtarke Ueberlegenheit
von Minerva in der zweiten Spielhälfte konnte nicht
zum Ausdruck gelangen, da der bekannte internationale
Torwächter von Konkordia, Chr. Schmidt, die beſten
Schüſſe glänzend hielt. Germania unterlag gegen den
Berliner Ballſpiel=Klub mit der hohen Torziffer von 1:8.
Union ſiegte über Tennis=Boruſſia mit dem über=
raſchenden
Reſultat von 6:4. Das gleichmäßige Spiel
ſtand bei Halbzeit noch 4:3 für Tennis=Boruſſia, deren
Strümerreihe ſich wider Erwarten gut hielt. Nach der
Pauſe konnte Union durch überlegenes Spiel den Kampf
für ſich entſcheiden. Vorwärts erfocht über die in der
2. Serie anſcheinend nachlaſſende Mannſchaft von Favorit
den bemerkenswerten Sieg von 210. Bei offenem Spiel
führte Vorwärts bei der Pauſe mit 110. Die übrigen
Spiele nahmen den erwarteten Ausgang und zwar ſiegten
Viktoria mit 8:0 gegen Berliner Sportklub (Pauſe 4:0).
Alemannia mit 511 (3:0) gegen Rapide, Tasmania mit
4:0 (2:0) gegen Norden Nord=Weſt. Viktoria=Spandau mit
2 (210) gegen Sportklub Charlottenburg und Britan=
nia
7:2 (211) gegen Triton=Spandau.
kl. Ein 7½ Km.=Vorgabelaufen veranſtaltete
m Sonntag vormittag der Verein für Raſenſport Berlin
(V. f. R.) 87 Läufer ſtellten ſich dem Starter. Die Renn=
ſtrecke
auf der Mariendorf-Lichtenrader Chauſſee war
in äußerſt ſchlechtem Zuſtande, ſodaß nur mäßige Zeiten
erzielt wurden, umſomehr, als auch Gegenwind die Läu=
fer
behinderte. Sieger wurde Stern (V. f. R.) bei 3 Min.
Vorgabe in 27 Min. vor Beſchann (B. S. C.) bei 3 Min.
Vorgabe in 27:55, Bergemann (Hellas) bei 2 Min. Vor=
gabe
in 28:07.2 und Eble (Tasmania) bei 2½ Min. Vor=
gabe
. Die Malleute Hempel, Blankenburg und Wenzel
vermochten ihre beträchtlichen Vorgaben nicht aufzuholen
und endeten an 28., 30. bezw. 47. Stelle. Im ganzen er=
reichten
65 Läufer das Ziel.

Handel und Verkehr.

Dem Bericht der Direktion der Bank für Han=
del
und Induſtrie (Darmſtädter Bank) über
das 59. Geſchäftsjahr 1911 für die 59. am 4. April
1912 in Darmſtadt ſtattfindende ordentliche General=
Verſammlung entnehmen wir das Nachſtehende:
Der Verlauf des Jahres 1911 in ſeinen erſten Monaten
bot die Ausſicht auf ein günſtiges Ergebnis. Die Ent=
wickelung
in vielen Zweigen des induſtriellen und ge=
werblichen
Lebens ſchritt weiter voran; die Verhältniſſe
auf dem Geldmarkte geſtalteten ſich befriedigend und die
Reichsbank konnte ihren Wechſelzinsfuß ſchon Mitte
Februar auf 4 Proz. herabſetzen. Dieſe Sachlage wirkte
belebend auf die Banktätigkeit ein, die aus der Befriedig=
ung
geſteigerter Kreditbedürfniſſe, aus Finanztransaktio=
nen
und erhöhten Umſätzen im Effektengeſchäft einen an=
gemeſſenen
Nutzen erzielen konnte. Leider brachte hierin
der Sommer eine unerfreuliche Aenderung durch die
bekannten Vorgänge in der äußeren Politik. Die dadurch
herbeigeführte Erregung und Unſicherheit wirkte lähmend
auf den Unternehmungsgeiſt ein und veranlaßte im
Effektenmarkt umfaſſende Realiſationen. Verſchlimmert
vurde dieſer Zuſtand noch durch den gleichzeitig eintre=
tenden
Kursrückgang in den nordamerikaniſchen Börſen=
werten
, durch die ſich aus der Zurückzahlung der auslän=
diſchen
Guthaben ergebende Verſteifung des Geldmark=
tes
und durch eine allgemeine Teuerung, die als Folge
der durch die abnormen Witterungsverhältniſſe herbei=
geführten
ungünſtigeren Ernte in wichtigen landwirt=
ſchaftlichen
Erzeugniſſen eintrat. Wenn auch mit der im
letzten Vierteljahr eingetretenen Entſpannung der poli=
tiſchen
Lage ſich die Folgeerſcheinungen der erwähnten
Tatſachen teilweiſe erheblich ausgeglichen haben, ſo iſt
doch die günſtige Entwickelung der erſten Monate des
Jahres nicht wieder voll erreicht worden.
Dieſen Vorgängen entſpricht das Ergebnis unſeres
Inſtituts, das im Durchſchnitt des ganzen Jahres zwar
dem des Vorjahres gleichkommt, zu deſſen Gewinn je=
doch
die Zweige des laufenden Geſchäfts in ſtärkerem
Maße beigetragen haben als die Effekten= und Konſor=
tialgeſchäfte
. Ungünſtig auf das Reſultat des Effekten=
geſchäftes
hat insbeſondere auch die börſenmäßige Min=
derbewertung
unſeres Beſitzes an Reichs= Staats= und
Kommunalanleihen eingewirkt. Die Bilanz weiſt in ihren
geſtiegenen Endziffern auf die weitere fortſchreitende
Entwickelung der Bank hin, deren Geſamtumſatz von
einer Seite des Hauptbuches ſich wiederum erheblich, und
zwar um ungefähr 9600 Millionen, vermehrt hat. Die
Zahl unſerer Zweiganſtalten iſt um zwei Depoſitenkaſſen
in Frankfurt a. M. und je eine in Bamberg, Hannover,
Ludwigshafen und Stettin gewachſen. Auch die Ber=
liner
Depoſitenkaſſen haben ſich um eine vermehrt, ſo daß
jetzt 30 vorhanden ſind. Die Zahl der Angeſtellten betrug
am Ende des Berichtsjahres 2678.
Der Generalverſammlung wird vorgeſchlagen, die
gleiche Dividende wie im Vorjahre von 6½ Prozent nach
den geſtern ſchon mitgeteilten Maßgaben, zu verteilen.

Der Kaiſer in Oldenburg.

* Berlin, 4. März. Der Kaiſer iſt geſtern
abend 11 Uhr 15 Min. nach Oldenburg abgereiſt.
* Oldenburg, 4. März. Um 8 Uhr 45 Min. vor=
mittags
lief der Hofzug mit dem Kaiſer in den feſtlich
geſchmückten Bahnhof ein. Der Großherzog und der
Erbgroßherzog, beide in Uniform, waren zum
Empfang erſchienen. Der Kaiſer, in Admiralsuniform,
egrüßte die Fürſtlichkeiten herzlich und fuhr durch das
Spalier von Soldaten und Schulkindern, von brauſendem
Jubel begrüßt, nach dem Eliſabeth=Anna=Palais, wo eine
Frühſtückstafel ſtattfand. Das Gefolge ſpeiſte im Alten
Schloſſe.
* Oldenburg, 4. März. Pünktlich um 10½ Uhr
traf der Kaiſer vom Schloß in Begleitung des Groß=
herzogs
auf dem Bahnhofe ein und verließ nach freund=
licher
Verabſchiedung die Stadt auf dem Wege nach Wil=
helmshafen
. Der Kaiſer ſah ſehr friſch aus und unterhielt
ich aufs lebhafteſte mit ſeiner Umgebung.

Der engliſche Bergarbeiterſtreik.

* London, 4. März. In London iſt von den
Wirkungen des Streikes bisher kaum etwas zu
ſpüren. Von morgen ab wird der Eiſenbahnverkehr ein=
geſchränkt
werden. Eine Station in London ſelbſt und
vierzehn Vorortſtationen werden ganz geſchloſſen werden.
Im Militärlager von Aldershot ſind alle Vorkehrungen
für den Notfall getroffen. Eiſenbahnerkompagnien in
Langmoore ſind bereit, den Betrieb der Strecken zu über=
nehmen
, über die eventuell die Truppe befördert werden
müſſen. Bis jetzt ſind keine Zwiſchenfälle von Bedeutung
bekannt geworden. Die Zahl der Arbeiter in anderen
Betrieben, die ſchon jetzt infolge des Kohlenſtreiks be=
ſchäftigungslos
geworden ſind, wird auf mehr als hun=
derttauſend
angegeben. Man hält eine Beendigung des
Streikes früheſtens vor Ende dieſer Woche kaum für mög=
lich
.

Die Revolution in China.

* Berlin 4. März. Nach den letzten Meldungen
aus China verlief die Nacht vom 2. zum 3. März und der
geſtrige Sonntag in Peking ruhig. Der Sicherheits=
dienſt
in der Stadt wird jetzt durch die frühere ſtädtiſche
Gendarmerie beſorgt, die in voller Stärke wieder herange=
zogen
worden iſt. Geſtern Nachmittag machten Abteilungen
ſämtlicher fremden Bewachungstruppen einen gemein=
ſamen
Umzug durch die Stadt, der eine günſtige Wirkung
hatte. In Tientſin wurde der Deutſche Max Schreyer, als
er ſich zur Rettung der Familie eines deutſchen Ingenieurs
in das Chineſenviertel begab, von chineſiſchen Soldaten
durch Schüſſe in Kopf und Unterleib getötet. Die Täter
wurden ergriffen und ſofort erſchoſſen. Juanſchikai ſprach
ſein Bedauern über den Tod Schreyers aus. Der deutſche
Ingenieur Rademacher wurde durch einen Hieb über die
Hand leicht verletzt. Das Konſulatskorps in Tientſin hat
auf Bitte der chineſiſchen Behörden veranlaßt, daß auch in
dem Chineſenviertel von Tienitſin ein Sicherheitsdienſt
eingerichtet wird, ſoweit die Kommandanten der fremden
Truppen dort in der Lage ſind.
* London, 4. März. Dem Reuterſchen Bureau
wird aus Peking gemeldet: 800 Mann ausländiſche
Truppen patrouillieren in der Umgebung der Fremden=
niederlaſſungen
. Die Bevölkerung iſt vollkommen ruhig.
Jetzt halten ſich in Peking ungefähr 3000 Mann aus=
ländiſcher
Truppen auf. Von Port Arthur ſind 5000
Japaner nach Tientſin beordert worden, wo die ausländi=

[ ][  ][ ]

ſchen Truppen nur 190 Mann ſtart ſnd. Ale Zuanſchilal
treu gebliebenen Truppen haben Peking in der Richtung auf
Paotingfu verlaſſen, um den Aufſtändiſchen den Weg ab=
zuſchneiden
. Die Haltung der chineſiſchen Trup=
pen
und der Polizei in Peking beſſerte ſich erheblich,
aber die Plünderungen dauern fort. Geſtern nahmen
die Aufſtändiſchen Tungtſchon bei Peking in den Beſitz und
plünderten die Häuſer vieler Edelleute. Die umliegenden
Ortſchaften mußten deshalb beſchoſſen werden. Die
Beſitzungen einiger Fremden in Peling ſind ebenfalls ge=
plündert
worden. Prinz Tſching befindet ſich ſchwer krank
im franzöſiſchen Hoſpital in Peking. Im Laufe des heu=
tigen
Tages wurden über 100 Hinrichtungen voll=
zogen
, Unter den Hingerichteten befanden ſich ſechs Frauen,
viele Polizeibeamte. Soldaten in Uniform ſind jedoch nicht
hingerichtet worden, da die Behörden auch die anderen Sol=
daten
, die alle eigentlich irgendwie an dem Aufſtande be=
teiligt
ſind, aufzureizen befürchten. Die Leichen der Ent=
haupteten
liegen noch in den Straßen. Bei den letzten
Feuersbrünſten ſind im Ganzen 20 Perſonen ums Leben
gekommen. Die Chineſen ſehen dem Ausgang dieſer Wen=
dung
beſorgt entgegen, die Ausländer glauben an eine
Beſſerung der Lage.

Darmſtadt, 5. Mket.
=gs. Einbruch und Mordverſuch. Geſtern abend gegen
½8 Uhr überraſchte der Händler Falk in der Kleinen
Ochſengaſſe 4 einen Einbrecher bei der Arbeit. Er ver=
ſuchte
, ihn feſtzunehmen, erhielt aber von dem Einbrecher
derart ſchwere Verletzungen, daß er bewußtlos zuſammen=
brach
. Er erhielt Meſſerſtiche in den Kopf, Hände und
Arme, ſodaß er von der Rettungswache in das Kranken=
haus
gebracht werden mußte. Dem Einbrecher gelang es,
zu entkommen.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 4 März. In ſämtlichen Kartonage=
fabriken
iſt heute Morgen die Arbeit nicht auf=
genommen
worden. Die Induſtrie iſt vollſtändig
lahmgelegt.
* Straßburg, 3. März. In der Reichstagsſitzung vom
29. Februar d. J. hat, den Zeitungsberichten zufolge, der
Abgeordnete Dr. Will=Hönheim in Bezug auf den
Gnadenfonds des Kaiſers geäußert, dieſer Fonds
ſolle jahrelang zu Zuſchüſſen für das Kaiſer Wilhelm=
Denkmal in Straßburg verwendet worden ſein. Dem=
gegenüber
erklärt der Vorſitzende des damaligen Komttees
zur Errichtung eines Denkmals für weil. Kaiſer Wilhelm I.
zu Straßburg, Geheimer Juſtizrat E. von Bomhard hier,
in einer Zuſchrift an die hieſigen Blätter, daß keinerlei
Zuſchüſſe aus irgendwelchen öffentlichen Mitteln, insbe=
ſondere
auch nicht aus einem Gnadenfonds des Kaiſers
(oder dem Dispoſitionsfonds des Herrn Statthalters in
Elſaß=Lothringen) zu der Denkmalerrichtung verwendet
wurden. Das für die Errichtung des Denkmals beſtehende
Komitee hatte es ſich zum Grundſatz gemacht, daß das Denk=
mal
ausſchließlich aus den von ihm zu ſammelnden frei=
willigen
Geldſpenden des deutſchen Volkes erſtehen ſolle,
und hat dieſen Grundſatz getreulich durchgeführt.
* Luxemburg, 4. März. Prinz Auguſt Wilhelm
von Preußen iſt heute morgen hier eingetroffen, um
als Vertreter des Kaiſers an den Beiſetzungsfeierlichkeiten
teilzunehmen und iſt vom Großherzog von Baden, dem
deutſchen Geſandten Grafen v. Schwerin und dem Komman=
danten
, Major van Dyck empfangen worden. Das Pub=
kikum
begrüßte ihn lebhaft. Der König der Beigier triſt
heute Mittag hier ein.
* Brüſſel, 3. März. Der König von Belgien iſt
heute Vormittag von der Riviera nach Brüſſel zurück=
gekehrt
und hat ſich auf dem direkten Wege nach Luremburg
begeben, um den Beiſetzungsfeierlichkeiten des Großherzogs
beizuwohnen.
Danzig, 4 März. Auf der Schichauwerft ſind
krotz des von den Organiſationen proklamierten allge=
meinen
Streiks von 2500 Arbeitern nur 1000 in den
Streik getreten. 1500 Mann arbeiten weiter
Innsbruck, 4. März. In den Alpen ſind bei Seis
drei Skifahrer verſchwunden. Eine Rettungs=
expedition
iſt ausgeſandt worden.

Ich habe
vom Januar d. J. bis jetzt Scotts Emulſion regel=
mäßig
genommen und dadurch eine entſchiedene Hebung
und Stärkung meines Allgemeinbefindens erzielt. Be=
ſonders
hat ſich der Appetit bedeutend gebeſſert, das
Eſſen ſchmeckt mir wieder, und infolgedeſſen kann ich
eine ſtändige Gewichtszunahme feſtſtellen (innerhalb
ſechs Wochen reichlich ſechs Pfund). Auch mit meinem
Ausſehen und mit meiner Verdauung bin ich ſehr zu=
frieden
und kann im ganzen wirklich nicht anders ſagen,
als daß ich mich jetzt viel kräftiger fühle. Ich glaube,
daß jedem abgeſpannten und überarbeiteten Menſchen,
wie man ſie gegen Ende des Winters ſo viel antrifft,
ein paar Flaſchen
Scotts Emulſion,
regelmäßig genommen, von größtem Nutzen ſein würden.
(Gez.) Alfred Sommerlatte, Leipzig, Kaiſer=Wilhelmſtr. 8,
24. April 1916.
Es iſt klar, daß Scotts Emulſion, welche, regelmäßig
genommen, die Eßluſt ſehr anregt, auch das Körpergewicht be=
einſlußt
. Ständige Gewichtszunahmen gehen mit dem Ein=
nehmen
von Scotts Emulſion Hand in Hand, und es iſt dies
gewiß ein vorzüglicher Beweis, welch vortreffliches Kräftigungs=
und Stärkungsmittel Scot ts Emulſion darſtellt.
Scotts Emulſion wird von uns ausſchließlich im großen verkauft,
und zwar nie loſe nach Gewicht oder Maß, ſondern nut in verſtegellen
Priginalſlaſchen in Karton mit unſerer Schutzmarke (Fiſcher mit dem
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Ains den beichitsichen.

Wo kleine Kinder ſind, ſollte in jedem Haushalt
ſtets ein Paket des bekannten ſelbſttätigen Waſchmittels
Perfilt vorätig ſein. Wenn auch anzunehmen iſt,
daß die Vorzüge dieſes Produktes, hinſichtlich ſeiner
außerordentlich hervorragenden Waſchwirkung, den
meiſten Hausfrauen bekannt ſein dürfte, ſo ſei hiermit
noch beſonders darauf hingewieſen, daß gerade zum
Waſchen von Kinderwäſche es nichts Beſſeres gibt, als
Perſil Abgeſehen von der Schnelligkeit und Gründ=
lichkeit
mit der Perſil die Wäſche reinigt und blendend
weiß macht, beſeitigt es auch die der Kinder= und be=
ſonders
der Säuglingswäſche meiſt anhaftenden ſcharfen
Gerüche und läßt die Wäſche nicht gelb werden. Dazu
kommt, daß nach wiſſenſchaftlichen Feſtſtellungen Perſil
beim Waſchen eine ſtark desinfizierende Wirkung ent=
faltet
, wodurch dasſelbe ein Vorbeugemittel gegen Ueber=
tragung
von anſteckenden Krankheiten wird.
Eine in der jetzigen teuren Zeit doppelt erfreuliche
Tatſache iſt es, daß die ſparſame Hausfrau zu dem ge=
ringen
Preiſe von 10 Pfg. 23 Teller kräftige wohl=
ſchmeckende
Suppe auf den Tiſch bringen kann, wenn ſie
=Maggis Suppenwürfel verwendet. Viele
Sorten, wie Reis, Erbs, Grünkern, Sternchen, Kartoffel,
Rumford uſw., bieten angenehme Abwechslung. Maggis
Suppen (Schutzmarke Kreuzſtern.)

Kunſtverein. Täglich geöffnet von 114 Uhr,
Sonntags von 104 Uhr.

Familiennachrichten.

Aol Darmſtadt, den 3. März 1912.
Die glückliche Geburt eines kräftigen
Stammhalters
zeigen hocherfreut an
Philipp Spieß jr. u. Frau
Frieda, geb. Haas.

V5362)

Todes-Anzeige.
(Statt beſonderer Mitteilung.)
Hiermit die ſchmerzliche Mitteilung, daß
unſere liebe gute Muter, Schwiegermuter,
Großmutter, Schwägerin und Tante (5326
FrauElise Haus Wwe.
geb. Baltzer
geſtern abend an den Folgen eines Schlag=
anfalles
im 60. Lebensjahre ſanft dem Herrn
entſchlafen iſt.
Pfungſtadt, Darmſtadt, Frankfurt a. M.,
Worms, Heddernheim und Münſter,
den 4. März 1912.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Ludwig Haus,
Inhaber des Hotel Strauß in Pfungſtadt.
Die Beerdigung findet am Mittwoch, den
6. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichen=
halle
des Beſſunger Friedhofes aus, ſtatt.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlichſter Teilnahme
bei dem Ableben unſeres lieben Vaters, Groß=
vaters
und Schwiegervaters
(5357
Herrn
Ernst Zachmann
ſagen hiermit tiefgefühlten Dank
die trauernden Hinterbliebenen.
In deren Namen:
Adolf Zachmann.
Darmſtadt, 3. März 1912.

Todes-Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten die
traurige Mitteilung, daß meine liebe Gattin,
unſere herzensgute Mutter, Schwiegermutter
und Großmutter
(B5329
Frau Elisabeth Heyer
geb. Geiger
nach langem, geduldig ertragenem Leiden heute
ſanft entſchlafen iſt.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Wilhelm Heyer.
Darmſtadt, den 3. März 1912.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 6. März,
nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des
Beſſunger Friedhofes aus, ſtatt.

Todes-Anzeige.
Allen Verwandten und teilnehmenden Be=
kannten
die traurige Mitteilung, daß unſere
liebe Gattin Mutter, Pflegemutter, Tochter,
Schweſter, Schwägerin und Tante (B5334
Frau Marie Kumof
geb. Heß
am Sonntag, den 3. März, abends ½8 Uhr,
nach langem, ſchwerem, mit großer Geduld ge=
tragenem
Leiden, im kaum vollendeten 39. Ze=
bensjahre
verſchieden iſt.
Die trauernd Hinterbliebenen:
Jakob Kumpf und Töchterchen,
Michael Rüthlein,
Helene Heſt Wwve.,
Familie Peter Heß,
Marie Heß und Kinder.
Darmſtadt, den 4. März 1912.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 6. März,
nachmittags 2 Uhr, vom Beſſunger Friedhof
aus, ſtatt.

Kirchliche Nachrichten.

Stadtkirche. Mittwoch, 6. März, abends 8 Uhr:
Ltturgiſche Paſſionsfeier. Pfarrer Beringer. Kollekte.
Johanneskirche. Mittwoch, 6. März, abends
8 Uhr: III. Paſſionsandacht. Pfarrer Dingeldey.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Unter dem Einfluß der nordweſtlichen Depreſſion
fielen in Weſteurpa verbreitete leichte Regen, währendi
der Oſten trocken blieb. Die Temperaturen bewegen ſich
in Deutſchland zwiſchen 50 und 80. In Rußland und
Skandinavien herrſcht noch ſtrichweiſe geringer Froſt.
Lugano meldet 61 mm Niederſchlag. Der nach Nordoſten
abziehenden Depreſſion folgen neue, ſo daß wir mit
keiner Aenderung des herrſchenden Wetters zu rechnen
haben.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, den 5. März:
Trüb, vielfach Regen, mild; Südweſtwinde.

Tageskalender.

Großh. Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Ab. B): Der
Kuhreigen.
Vorſtellung um 8½ Uhr im Orpheum.
Vortrag von Profeſſor Dr. Alt um 8¼ Uhr im Hör=
ſaal
330 der Techniſchen Hochſchule (Goethebund).
Vortrag von Chefredakteur Dr. Jäckh um 8¼ Uhr im
Kaiſerſaal‟ (Volksbildungsverein).
Vorſtellung des Hofzauberkünſtlers Bellachini um
8½ Uhr in der Turnhalle am Woogsplatz.
Konzerte: Hotel Heß und Bürgerkeller um 8 Uhr.
Reſtaurant Metropol um ½ 8 Uhr.
Fachausſtellung für das Maler= ꝛc. Gewerbe Neckar=
ſtraße
3 (geöffnet von 111 Uhr).
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein=
u
. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½11 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 411 Uhr.
Olympia=Kinematograph, Rheinſtraße 2.
Bilder vom Tage. (Auslage Rheinſtraße 23): Zum
Thronwechſel in Luxemburg; zum Bombardement der
Hafenſtadt Beirut; von der Eröffnung des neuen bay=
riſchen
Landtags; der Durchſchlag des Jungfrautunnels.

Verſteigerungskalender.

Mittwoch, 6. März.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 10 und 3 Uhr in
der Ludwigshalle‟.
Mobiltar= ꝛc. Verſteigerung um 11 Uhr Runde=
turmſtraße
16.
Brennholz=Verſteigerung um ½9 Uhr in der
Brücherſchen Wirtſchaft zu Arheilgen.
Nutz= und Brennolz=Verſteigerung um 9½ Uhr
im Eberſtädter Gemeindewald (Zuſammenkunft am
Beckerweg am Eingang des Waldes).

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckereia
Verantwortlich für den pvoltiſchen Teil, für Feuileton=
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſes
für den Inſeratenteil: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.

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2eines kleinen Haushalts ſofort
geſucht. Zu erfragen Lichtenberg=
8ſtraße 68 im Laden. (5173soi 4
Beſſeres Alleinmädchen
udas kochen kann, wegen Erkran=
lekung
des bisherigen, in Haushalt
d. von 2 Leuten zum 1. April geſucht.
nNäheres zu erfragen bei Profeſſor
36Schrader, Mathildenſtr. 11, part.,
tvon 57 u. von 89 Uhr. (*5345oi zum 1. o. 10. April,
Geſucht wegen Heirat des
bisherigen
Mädchens, eine Köchin
mit gut. Zeugn., die a. Hausarbeit
übernimmt Annaſtraße 20. (B5027 Alleinmädchen geſucht, etwas
Kochen u. Bügeln verlangt Saal=
bauſtr
. 69, 2. St.
(*5048fsi von 8 bis 10 Uhr
(*5449
eWilhelminenſtr. 21, Uhrengeſchäft. zuverläſſiges, zum
t.Laufmädcher
April geſucht
11*5392imd) Ob. Liebfrauenſtr. 42, II.

Ein ilt. Kindermadchen eventl.
Kinderfrau zu 3 Kind. (Mädchen)
p. 1. April ev. früh. bei hoh. Lohn
geſ. Bismarckſtr. 66, part. (*5445

Stütze
älteres, gebild., im Vorleſen ge=
wandtes
, einfaches Mädchen, das
kochen, nähen u. alle Hausarbeit
verſteht, auf 1. April zu Dame u.
Herrn geſucht. 2 Mädchen vorhand.
Off. mit Ang. d. bish. Stelle, von
Alter und Anſpr. unter O 24 an
die Expedition ds. Bl. (*5384

Geſucht zum 1. April eine Stütze,
die ſelbſtändig kocht, gewandt im
Nähen und erfahren in allen
Zweigen des Haushaltes. Offert.
u. O. 29 an die Exped. (*5418im

Geſucht für 1. April, ev. früer,
ein ſehr ſauberes, zuverl. Mädchen.
Nur ſolche mit guten Zeugniſſen
mögen ſich vorſtellen bei Leſchhorn,
Martinſtraße 31, 1. Stock, von
103 Uhr.
(*5410im

Köchinnen, feine Haus= und
Alleinmädchen finden ſehr gute
Stellen. Emma Frank, ge=
werbsmäßige
Stellenvermittlerin,
Karlſtraße 31.
(*5425

Für Küche und Haushalt ein
erfahrenes, nicht zu jung. Mädchen=
bei
hoh. Lohn p. 1. April evtl. früh.
geſucht Bismarckſtr. 66, p. (*5444

Zuv. Lauffrau oder Mädchen
geſ. Wienersſtr. 30, 1. St. (*5427

für
Eine Frau Laufdienſt
ſofort geſucht. Näh Exped (*5488
Mädchen jeder Art ſucht ſtets
Jchannette Weissmantel, gewerbs=
mäßige
Stellenvermittlerin,
Kaſinoſtr. 17. (*5457

Tüchtige Waſchfrau
geſ. Darmſtädter Dampfwäſcherei
Edelweiß, Lauteſchlägerſtr. 28.

Reinl., unabh. Lauffrau von
morgens bis nachmitt. geſucht.
Wo? ſagt die Exped. (*5380imd
Tüchtiges Servierfräul, ſofort
geſucht Reſtauration z. fr. Quelle,
Gr. Kaplaneigaſſe 2. (*5528
Köchinnen, Alleinmädchen,
Haus= u. Zimmermädchen, ſow.
Dienſtboten aufs Land, erhalten
koſtenlos gute Stellen, nachgewieſ.
für ſofort od. aufs Ziel Arbeits=
nachweis
Darmstadt, Wald=
ſtraße
6, Zimmer 6. Tele=
(5345a
phon 371.

Braves Dienſtmädchen tags=
über
per ſofort geſucht Lieb=
(*5519
frauenſtr. 90, 1. St. r.
Suche per ſofort, geg. gut. Lohn
in bürgerl. Haush., fleiß. ehrlich.
Mädch. Viktoriaſtr. 44, pt. (*5493imd

Fräulein, weiches gute Zeug=
niſſe
beſitzt, zu 4=jährigem Jungen
nach Offenbach geſucht. Näheres
Ernſt=Ludwigſtr. 18, I. (*5484

Eine tüchtige Lauffrau geſucht
Viktoriaſtraße 27, part. (5282
Kräftiges, ſolides W Küchen=
mädchen
baldigſt geſucht (5343im
Britannia-Hotel.

Herrſchaftsköch. n. ausw. u. mehr.
Alleinmädch., d. koch. k., geſ. Karolina
Beck, gewerbsmäßige Stellenver=
mittlerin
, Eliſabethenſtr. 22, II. (*55
in kleinen
Junges Mädchen Haushalt
für Hausarbeit geſucht Nieder=
Ramſtädterſtr. 5½, 3. St. (*5500im

Suche Kinder= u. Hausmädch.,
Köchin u. Alleinmädch. (*5452
Frau Sidonie Frank, Schulſtr. 9,
gewerbsmäßige Stellenvermittlerin
Köchin, welche Hausarbeit. verr.,
p. 1. April geſ. Näh. Exod. (*5467

Laufmädchen vormitags gel=
Palm, Viktoriaſtr. 58, 1. St. (*5489

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 5. März 1912.

Seite 9.

Aufruf

Die ſichere und glückliche Zukunft unſeres Vaterlandes beruht auf einer kräftig geſund an Leib und Seele und wehrhaft heranwachſenden Jugend! Und gerade
der Jugend drohen in unſerer Zeit in leiblicher, ſittlicher und vaterländiſcher Beziehung die größten Gefahren! Deshalb ſind in allen deutſchen Gauen von jeher
treudeutſche Männer und Frauen, ſowie vaterländiſche Vereinigungen am Werke, unſerer ſchulentlaſſenen Jugend ein frohes Gedeihen zu körperlicher Kraft und ſittlicher
Tüchtigkeit zu erleichtern. Von dieſer verdienſtlichen Arbeit darf jetzt eine noch tiefere und umfaſſendere Wirkung erhofft werden, nachdem die daran beteiligten Ver=
bände
ſich neuerdings in einzelnen Bundesſtaaten in beſondere Organiſationen zuſammengeſchloſſen haben. Soll aber ein voller Erfolg erzielt, ſoll die geſamte
deutſche Jugend erfaßt werden, ſo bedarf es der Mitwirkung der weiteſten Volkskreiſe, vor allem auch der Väter und Mütter unſerer heranwachſenden Jugend.
Dieſe allgemeine Teilnahme beſonders für einen wichtigen Zweig der Jugendpflege gewinnen zu helfen: für die Erziehung der Jugend zu körperlicher und
ſittlicher Tüchtigkeit in Haus, Beruf und öffentlichem Leben, hat ſich
der Bund
Jungdentſchland‟
zum Ziel geſetzt.
Von der nach Millionen zählenden deutſchen ſchulentlaſſenen Jugend treibt jetzt noch nicht viel mehr als ein Viertel regelmäßig irgendeine Art körperlicher
Uebung. Nahezu drei Viertel gilt es noch dazu heranzuziehen.
Deutſche Väter und Mütter! Wir brauchen ein ſtarkes Geſchlecht für die Zukunft unſeres Volkes! Nur eine wehrhafte Jugend ſichert
den Staaten und Nationen eine glückliche Zukunft. Das lehrt die Geſchichte aller Zeiten bis in die jüngſte Stunde.
Darum ſendet eure Kinder in die Vereine, die die körperliche und ſittliche Erziehung im vaterländiſchen Geiſte als ernſtes Ziel vor
Augen haben, und wo es an ſolchen Vereinigungen fehlt, helft nene gründen als Glieder des Bundes Jungdeutſchland und hütet im Herzen
der Jugend die Liebe zum Deutſchtum und Vaterland.
Dieſem Aufruf des von Generalfeldmarſchall Frhr. v. d. Goltz ins Leben gerufenen Bundes Jungdeutſchland folgend wurde am 31. Januar ds. Js. in
Darmſtadt ein Heſſiſcher Landesverband Jungdeutſchland als Glied des Geſamtbundes gegründet. Zahlreiche Vereine und Einzelmitglieder ſind ihm bereits
beigetreten. Soll es ihm aber gelingen, ſeine Ziele überall im Lande zu verwirklichen, ſo bedarf er der Mithilfe der weiteſten Kreiſe.
Darum ergeht unſer Ruf an alle die, denen das Wohl der Jugend am Herzen liegt. Helfen Sie uns, treten Sie unſerem Bunde bei
zur gemeinſamen Arbeit an der Erſtarkung der heranwachſenden Jugend; denn ſie iſt die Zukunft unſeres Vaterlandes!
Im Namen des Landes=Ausſchuſſes
des Heſſiſchen Landesverbandes Jungdentſchland:
Darmſtadt, im März 1912.
Frhr. v. Heyl.
Zuſchriften werden erbeten an die Geſchäftsſtelle des Heſſiſchen Landesverbandes Jungdeutſchland in Darmſtadt, die weiteres Material gerne überſendet. Die
Höhe des Mitgliedsbeitrags iſt nach den Satzungen in das Ermeſſen des Einzelnen geſtelt.
(5321

Suche zum 1. April ein erfahr.
älteres Mädchen, das gut kochen
kann und Hausarbeit macht. Wod
ſagt die Expedition. (*5468im

Modele geſucht
Beſſeres, gutgekleidet. Fräulein
als Kopf= u. Koſtümmodell, ſowie
weibl. Aktmodell. Zu melden von
1012 und 35 Uhr (4937dsi
Profeſſor Adolf Beyer,
Saalbauſtr. 73, Gartengebäude.

Männlich

Iu Bäckereibetrieben
eingeführte, rührige Platzvertreter
zum Verkauf unſeres glänzend be=
gutachteten
Spezial=Malz= Extrak=
kes
geſucht. Ernſtlich arbeitenden
Herren gewährleiſtet die Vertretung
hohen Verdienſt. Gefl. Anerbie
tungen unter Beifügung von Re=
ferenzen
erbeten.
(5149f
Eustav Schoder, G. m. b. H., Malz=
extrakt
=Fabrik in Feuerbach
bei Stuttgart.

Gegen Gehalt und hohe Prov.
wird ein zuverläſſiger Mann als
Verkäufer, dem gegen kleine
Sicherheit das Inkaſſo mit über=
tragen
werden kann, für hieſigen
Platz geſucht. Offert. unt. O 68
beförd. die Exped. d. Bl. (65364a
Bezirksvertreter
für Verſandgeſchäft geſucht, hoher
Verdienſt, Branchekenntniſſe nicht
nötig. Einige Mille Kapital ſutze=
ſive
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des Preiſes unter O. 51 an
die Expedition.
(5322
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5360a) Magdalenenſtraße 11
unter O. 58 an die Exped. (*5502

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Die Poſition iſt mit feſten, auskömmlichen Bezügen u. Proviſionen
ausgeſtattet, es kann daher nur auf eine bewährte, ſolbente Per=
ſönlichkeit
reflektiert werden. Ausführl. Of. erbeten unter M1 2082
an Haasenstein & Vogler, A.-G., Frankfurt a. M. (5310ff

(
Offene Stellen enthält ſtets die
Zeitung: Deutſche Vakanzen=Poſt
Eßlingen 143. (2533M

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Aschaffenburg.
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ſowie Horizontalbohrer u. Fräſer
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Geſellſchaft, Fabrik Frankfurt
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Auerbach (Heſſen).
(*5511

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Näh. Wendeſtadtſtr. 3, I. (*3490

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Zeugniſſen
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kalienhandlung
zur gründlichen
Ausbildung geſucht (5303imdf
Hch. Kraft, Michelstadt, Hessen.

Junger kriſt. Zausbuſche
ſof. geſ. Näheres Exped. (5365

Für einen gesitteten jung.
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bildung
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Real) bietet sich bei uns
Gelegenheit zur Erlernung
des
Buchhandels.
Lehrzeit drei Jahre unter
persönlich. fachmännisch.
Leitung, darauf gute Gehll=
fenstelle
in ersten Häusern.
Da es zurzeit an gutem
Nachwuchs mangelt, bietet
unser angeschener Beruf
für strebsame junge Leute
gute Aussichten für die
Zukunft.
Der Eintritt kann sofort
oder Ostern erfolgen. Per-
sönliche
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(4293f
beten.
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regale
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zimmertiſch
uſw. Näh. Rieger=
platz
8, Schreinerwerkſtatt. (*5506

Kurſe vom 4. März 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach,

In Proz.
Zf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,00
3½, Deutſche Reicheanl. . 9070
81,70
8
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,00
9070
3½ do. Conſols .
81,80
3 do. bo.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,00
93,20
do.
3½
83,60
3
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 101.00
89,70
do.
31
79,60
3
do.
4 Hamburger Staatsanl. 100,00
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99,60
4 do. do. (unk. 1918) 100,00
89,20
bo.
3½
78,90
do.
3 Sächſiſche Rente . . . . 81,70
4 Württemberger v. 1907 100, 10
95,00
(3½
do.
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 101,30
1¾ Griechen v. 1887 . . 53,50
30 Ktaliener Rente ..
4½ Oeſterr. Silberrente 93,20
do. Goldrente . . . 96,75
do. einheitl. Rente.
3 Portug, unif. Serie I 65,20
3 do. unif. Ser. III 67,90
3 do. Spezial . . .
5 Rumänier v. 1903 . . 101,45
4 do. v. 1890 . . 95,00
4 do. v. 1905 . . 92,00
91,20
4 Ruſſen v. 1880 .
4 do. v. 1902 . . . . 91,2)
4½ do. v. 1905 . . . . 100,40
3½ Schweden . . . . .
4 Serbier amort. v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903 83,75
4 Türk. uniſitz. v. 1903 91,60
4 Ungar. Goldrente . . . 92,25
4 do. Staatsrente . . . 90,30

In Proz.
Zf.
5 Argentinter .
.101,20
88,75
dv.
4½ Chile Gold=Anleihe . 92,70
5 Chineſ. Staatsanleihe . 99,80
do.
95,40
4½
4½ Japaner . . . . . . . 95,70
5 Innere Mexikaner . . . 95,80
do.
3
60,50
4 Gold=Mexikanerv. 1904 88,10
5 Gold=Mexikaner . . . . 99,85
3 Buenos Aires Provinz 72½
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
8 Hamb.=Amerika= Paket=
jfahrt
. . . . . . . 139,00
3 Nordd. Lloyd . . . . . 104,50
6 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 123,79
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 113,50
8 Baltimore und Ohio . 101,75
6 Schantungbahn . . . 132,50
6½ Luxemb. Prince Henri 153,00
O Oeſt. Südbahn (Lomb.) 18½
6 Pennſylvania R. R. . 119,00
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
3 Brauerei Werger . . 71,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 489,75
14 Chem. Fabrik Gries=
heim

. . . 253,00
27 Farbwerfe Höchſt . . 536,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 339,00
8 Cement Heidelberg . . 158,00
32 Chem. Werke Albert 443,50
12½ Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 289,00
4 Lahmeyer . . . . . . . 127,50

Ze
InProt.
Btölb.
7 Schuchert, Nürnberg . 152,50
12 Siemens & Halske . 233,25
13 Bergmann Electr. . . 173,00
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 177,25
25 Gummi Peter . . . . 141,90
0 Kunſtſeide Frankfurt 126,00
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 463,50
12 Maſchinenf. Badenia
16 Wittener Stahlröhren 233,00
8 Steana Romana Petr. 134,00
15 Zellſtoff Walbhof . . 241,75
12½ Bad. Zucker= Wag=
häuſel
. . . . . . . 208,00
10 Neue Boden=A.A.=Geſ. 133,80
3 Südd. Immobilien . 71,00
Bergwerks=Aktien.
10 Aumetz=Friede . . . . 180,40
12 Bochumer Vergb. und
Gußſt. . . . . . . 218,50
11 Deutſch=Luxemburg.=
Pergb. ..
. 177,50
10 Gelſenkirchener . . . . 194,00
7 Harpener . . . . . . . 187,00
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb . . . 246,75
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Carv. . . . . . . . 84,40
4 Laurahütte . . . . . . 174,50
10 Kaliwerke Aſchersleben
10 Weſteregeln 192,00
5 South Weſt Africa . 153,75
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 90,00
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 100,60
4 Eliſabethbahn, freie . . 95,80
4 Franz=Jofefs=Bahn . .
3 Prag=Durer . . . . . . 75,90
5 Oeſterr. Staatsbahn . 104,70
4 Heſter. Staatsbahn . 95,30
do.
3
79,90
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99.70

Gee u
(in
4 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 80,40
55,00
do.
23/10
77,75
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolſbahn 96,00
88,40
4 Ruſſ. Südweſt. . .
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,80
do.
4 Wladichawchas . . . . 101,50
4 Rläſan Koslow . .
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 78,60 S. 12, 13, 16
do.
2½, Livorneſer . . . 1 71,10
3 Salonique=Monaſtir . 66,00
4 Bagdadbahn:
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 97,10
4 Miſſouri=Paeiſie . . . . 74,00
4 Northern=Paeiſie . . . 101,25
4 Southern=Pacific . . . 95,30
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 88,30
5 Tehuantepe . . . . . . 97,80
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 194,00
8½ Bergiſch=Märkiſche
Bahn . . . . . . . 149,00
9 Berlin. Handelsgeſ. . . 170,60
6½ Darmſtädter Bank . 124,50
12½ Deutſche Bank . . . 259,00
6 Deutſche Vereinsbank 124,50
5½ Deutſche Eſſkt=und
W.=Bank . . . . . 118,20
10 Diskonto=Kommandit 186,60 4 Karlsruhe
8½ Dresdener Bank 155,70
9½ Frankf. Hypoth.=B. 211,50
6½ Mitteld. Kreditbank 121,00
7 Nationalb. für Deutſchl. 125,00
5½ Pfälziſche Bank . . 130,25
6.45 Reichsbank . . . . . 13850
7 Rhein. Kreditbank. . . 135,00
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 130,75 3½ Nauheim
7½ Wiener Bankverein . 138,75
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16. u. 17 . .. 99,20

Pfandbrieſt. Süm=
3½, Frankſ. Hypoth.=BDank
S. 19 . . . . . . . 90,00
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 1519, 2126 98,30
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 100,00
3½
do.
89,50
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 101,10
do.
3½
90,30
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
. 100,60
92,001 S. 14, 15, 17, 24/26
1823. .
.. 100,85
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
. 84,10 S. 1 u. 2, 68
90,30
S. 35 .
90,10
S. 911
90,20
4 Meininger Hyp.=Bank 100,00
do.
89,50
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 99,00
3½ do. (unk. 1914) . . 89,30
4. Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,90
do.
3½
90,60
Städte=
Obligationen.
Darmſtabt
do.
3½
4 Frankfurt.
.100,50
do.
96,10
4 Gießen .
3½, do.
Heidelberg
99,90
A do.
89,30
99,50
do.
90,60
4 Magdeburg
do.
3½
4 Mainz .
98,50
3½ do.
4 Mannheim
do.
90,10
4 München .
1 Nürnberg.
9980
do.
4 Offenbach.

(nsen.
3f.
3½ Offenbach
4 Wiesbaden .
. 100,00
5½, do.
90,20
4 Worms.
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1888 .
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner 100 136,10
3 Holl. Komm. . fl. 100 106,40
3 Mabrider . . F6. 100 7800
4 Meininger Pr.= Pfand=
brieſe
. . . . . . . 136,60
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 18000
3 Oldenburger . . . . . . 125,80
2½ Raab=Grazer fl. 150 115,50
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger. . . . . fl. 7 34,50
Braunſchweiger Tlr. 20 198,00
Freiburger .
Fs.15
Fs. 45
Mailänder .
do. . . 58. 10 31,70
Meininger . .
ſl. 7 34,50
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 533,00
do, v. 1858fl.100 454,00
Ungar. Staats . . fl. 100
Benediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 170,40
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigus .
20 Franis=Stücke
. 16,27
Amerikaniſche Noten . . . 4,19½
Engliſche Noten . . . . . 20,48
Franzöſiſche Noten. . . . 81,20
90,10 Holländiſche Noten. . . . 169,35
Italieniſche Noten . . . . 80,65
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,85
99,70 Ruſſiſche Noten . . . . 216,00
90,00Schweizer Noten . . . . . 80,90
90.70 Reichsbank=Diskonto . .
Reichsbank=Lombard 3sf. 6

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[ ][  ][ ]

Bekanntmachung.

Unter Hinweis auf die §§ 3, 1527 der Verordnung vom 6. Mai 1957, den
Radfahrverkehr betreffend, ſowie unter Hinweis auf die Strafbeſtimmungen im Falle
einer Verfäumnis wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Erhebung des
Stempels für Fahrräder für das Rechnungsjahr 1912
von heute ab bis 31. März 1912 an jedem
Wochentage, vormittags von 9 bis 12 Uhr,
bei Großh. Kreisamt Darmſtadt, Neckarſtraße Nr. 3, im Erdgeſchoß, Zimmer Nr. 9,
ſtattfindet.
Wir fordern daher alle Beſitzer von Fahrrädern, welche ſie auf öffentlichen
Wegen und Plätzen benutzen, auf, die Stempelabgabe während der oben erwähnten
Zeit, unter Vorlage der Radfahrkarten, zu entrichten oder, ſofern die Vorausſetzungen
hierzu vorliegen, während derſelben Zeit (ſ. § 19 Abſ. 2 der Verordnung) Antrag auf
Befreiung von der Abgabe zu ſtellen.
Anſprüche auf Befreiung ſind:
1. für die Stadt Darmſtadt bei dem zuſtändigen Polizeirevier,
2. für die Landgemeinden des Kreiſes bei der Großh. Bürgermeiſterei des
Wohnorts
vorzubringen. Anträge, die nach dem 1. April 1912 geſtellt werden, können keine
Berückſichtigung mehr finden.
Darmſtadt, den 21. Februar 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Verordnung, den Radfahrverkehrbetreffend.

Vom 6. Mai 1907, §§ 3. 1527 der Verordnung.
C. Der Radfahrer.
a) Ausweis über die Perſon des Radfahrers.
§ 3. Wenn ein Fahrrad auf öffentlichen Wegen und Plätzen benutzt werden ſoll,
hat der Beſitzer hiervon dem für ſeinen Wohnort zuſtändigen Kreisamt ſchriftlich oder
mündlich Anzeige zu erſtatten und die in Nr. 58 des Tarifes zum Urkundenſtempelgeſetz
in der Faſſung der Bekanntmachung vom 28. März 1907 vorgeſchriebene Stempelabgabe
für die Radfahrkarte zu entrichten.
Das Kreisamt erteilt dem Anmeldenden eine auf den Namen des Radfahrers
lautende Radfahrkarte, die nach anliegendem Muſter ausgeſtellt wird.
Der Radfahrer hat die Radfahrkarte bei ſich zu führen und auf Verlangen dem
zuſtändigen Beamten vorzuzeigen.
Für Perſonen unter 14 Jahren erfolgt die Ausſtellung auf Antrag des Vaters,
Vormundes oder ſonſtigen Gewalthabers.
Die Radfahrkarte gilt für den Umfang des Deutſchen Reiches.
Radfahrer, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt außerhalb des Deutſchen Reiches
haben, haben einen anderweiten genügenden Ausweis über ihre Perſon bei ſich zu
führen und auf Verlangen dem zuſtändigen Beamten vorzuzeigen.
E. Vorſchriften über die Stempelabgabe.
§ 15. Die Stempelabgabe für die Jahreskarte (§ 3, Abſ. 1), gültig vom 1. April
bis 31. März des folgenden Jahres, beträgt 5 Mark. Entſteht die Abgabepflicht in der
Zeit zwiſchen 1. Oktober und 31. März des folgenden Jahres, ſo iſt für dieſen Zeitraum
nur die Hälfte dieſes Betrages zu entrichten.
§ 16. Das Kreisamt trägt die Anmeldungen unter fortlaufenden Nummern in
ein Verzeichnis ein, erhebt die in § 15 erwähnte Abgabe und erteilt den Anmeldenden
1. eine Radfahrkarte (§ 3),
2. eine Nummerplatte, die der Nummer des Verzeichniſſes entſpricht,
§ 17. Auf der Rückſeite der Radfahrkarte ſind Stempelmarken im Betrage der
entrichteten Abgabe durch das Kreisamt aufzukleben und zu entwerten.
Bei den von der Stempelabgabe befreiten Perſonen (§ 23) erhalten die Radfahr=
karten
auf der Rückſeite den Vermerk Stempelfrei bis 31. März 19. .".
§ 18. Die Nummerplatte trägt auf beiden Seiten auf weißem Grund in 6 cm
hoher lateiniſcher Schrift den Anfangsbuchſtaben der Behörde, die die Radfahrkarte
ausgeſtellt hat (für das Kreisamt Dieburg 11) und dahinter in 5 amn hohen Ziffern die
Rummer der Radfahrkarte (§ 16). Die Nummern werden, je nachdem ſie von einek
Behörde der Provinz Starkenburg, Oberheſſen oder Rheinheſſen zugeteilt worden ſind,
in roter, blauer oder grüner Farbe aufgetragen. Bei den für den Landbezirk eines
Kreiſes ausgegebenen Nummerplatten iſt der betreffende Buchſtabe in der Farbe der
Nummer, bei den Nummerplatten für den Stadtbezirk eines Kreiſes dagegen in
ſchwarzer Farbe ausgeführt.
Das Fahrrad muß beim Befahren öffentlicher Wege und Plätze mit der Nummer=
platte
verſehen ſein. Letztere, deren Inſchrift ſtets in lesbarem Zuſtande erhalten wer=
den
muß, iſt in der Richtung der Längsare des Fahrrades und nach vorn gerichtet derart
zu befeſtigen, daß die Inſchrift von beiden Seiten gut ſichtbar iſt. Die Nummerplatte
wird von der Behörde beſchafft und den Beſitzern von abgabepflichtigen Fahrrädern
unentgeltlich geliefert. Wer von der Stempelabgabe befreit iſt, hat die Koſten der
Nummerplatte zu erſetzen.
Beſitzer von ſolchen Fahrrädern, die mit Nummerplatten verſehen ſind, dürfen
zur Kontrollierung der Abgabe nicht angehalten werden.
§ 19. Die Abgabe iſt von einer und derſelben Perſon, auch bei einem Wechſel des
Fahrrades, innerhalb desſelben Jahres (1. April bis 31. März) ſtets nur einmal und
zwar erſtmalig bei der Anmeldung des Fahrrades und ſodann alljährlich im Monat
März für das darauffolgende Rechnungsjahr unter Vorlage der Radfahrkarte bei dem
Kreisamt zu entrichten.
Innerhalb der gleichen Friſten haben die Perſonen, die gemäß § 23 Befreiung
von der Abgabepflicht in Anſpruch nehmen, bei dem Kreisamt entſprechenden Antrag
zu ſtellen.
§ 20. Wer den Beſitz eines anmeldepflichtigen Fahrrades im Laufe eines Jahres
aufgibt oder verliert, hat dies dem Kreisamt ſeines Wohn= oder Aufenthaltsortes läng=
ſtens
binnen einer Woche unter Vorzeigung der Karte und Rückgabe der Nummerplatte
anzuzeigen.
Wer, ohne den Beſitz aufzugeben, das Fahrrad auf öffentlichen Wegen und
Plätzen nicht mehr benutzen will, kann ſich durch Abmelden des Rades unter Rückgabe
der Nummerplatte von der weiteren Abgabepflicht befreien.
Die Abmeldung iſt in das nach § 16 zu führende Verzeichnis einzutragen und dem
Abmeldenden auf Verlangen auf der ihm erteilten Karte zu beſcheinigen.
§ 21. Verlegt der Beſitzer eines anmeldepflichtigen Fahrrades ſeinen Wohn=
oder
Aufenthaltsort in einen anderen Kreis, ſo iſt das Rad bei dem Kreisamt, das die
Radfahrkarte ausgeſtellt hat, abzumelden und bei dem für den neuen Wohn= oder
Aufenthaltsort zuſtändigen Kreisamt unter Vorlage der Radfahrkarte anzumelden; das
letztere erteilt eine neue Nummerplatte und zieht die bisher geführte Rummerplatte
behufs Rückgabe an das zuſtändige Kreisamt ein.
§ 22. Es iſt verboten, Nummerplatten eigenmächtig anzufertigen, die Inſchrift
von Nummerplatten eigenmächtig zu ändern und ſolche Nummerplatten zu führen, die
nicht von der zuſtändigen Behörde erteilt ſind.
Der Beſitzer eines mit Nummerplatte verſehenen Fahrrades darf dieſes an
andere Perſonen zur Benutzung auf öffentlichen Wegen und Plätzen nur vorübergehend
überlaſſen.
F. Ausnahmen.
§ 23. Von der Stempelabgabe ſind befreit:
1. Militärperſonen und ſonſtige Perſonen, die in Dienſten des Reiches oder eines
Bundesſtaates, einer Provinz, eines Kreiſes oder einer Gemeinde ſtehen und
Fahrräder überwiegend zur Erledigung der ihnen obliegenden Dienſt=
geſchäfte
benutzen;
2. Perſonen, die das Fahrrad überwiegend als Beförderungsmittel zur
Arbeitsſtelle oder zur Ausübung ihres Verufes oder Gewerbes benutzen, ſofern
ihr Einkommen den Betrag von jährlich 150 Mark nicht erreicht;
3. Schüler, die das Fahrrad überwiegend als Beförderungsmittel zum Beſuche
der in einer anderen Gemeinde oder mindeſtens 272 Kilometer von der Wohnung
entfernt gelegenen Schule benutzen;
4. Perſonen, die ſich zum Kurgebrauch oder weniger als 30 Tage lang im Groß=
herzogtum
aufhalten;
5. Perſonen, die ein Fahrrad, für das die Stempelabgabe bereits entrichtet iſt,
vorübergehend benützen (§ 22, Abſ. 2).
§ 24. Wird auf Grund des § 23 eine Befreiung von der Stempelabgabe in An=
ſpruch
genommen, ſo iſt vorzulegen:
1. in den Fällen der Ziffer 1 eine Beſcheinigung der vorgeſetzten Dienſtbehörde da=
hingehend
, daß das Fahrrad ü berwiegend zu dienſtlichen Zwecken
verwendet wird.

g in den Füln der Iiſer 2 der kehte Stenerzeitel und eine Beſcheinigung der
Bürgermeiſterei oder Polizeibehörde über das Vorliegen der weiteren Voraus=
ſetzung
. Bei Bedienſteten genügt hinſichtlich des letzten Punktes eine Beſcheinig=
ung
des Arbeitgebers, die jedoch durch die Bürgermeiſterei oder Polizeibehörde
beſtätigt ſein muß;
3. in den Fällen der Ziffer 3 eine Beſcheinigung der Bürgermeiſterei oder der
Polizeibehörde oder des Klaſſenlehrers.
Ueber den Anſpruch entſcheidet, vorbehaltlich der Beſchwerde an das Miniſterium
des Innern, das Kreisamt, bei dem die Stempelabgabe zu entrichten ſein würde.
Die Steuerbehörden ſind verpflichtet, den Kreisämtern auf Verlangen jede zur
Entſcheidung erforderliche Auskunft zu geben.
§ 25. Eine Verpflichtung zum Führen einer Nummerplatte und zum Mit=
führen
einer Radfahrkarte beſteht nicht für die in § 23 Ziffer 1 genannten Per=
ſonen
, wenn:
1. dieſe bei Benutzung des Rades Uniform, Amtskleidung oder ein Amtsabzeichen
tragen, oder
2. das Rad als zu Dienſtzwecke beſtimmt von der vorgeſetzten Behörde kenntlich
gemacht iſt.
§ 26. Ob und inwieweit Ausnahmen von den in Gemäßheit des § 13 ergangenen
Vorſchriften für den dienſtlichen Radfahrverkehr der Beamten der Poſt= und Tele=
graphenverwaltung
und anderer öffentlicher Verwaltungen, ſowie der Gendarmen
zuzulaſſen ſind, beſtimmt das Miniſterium des Innern.
G. Strafbeſtimmungen.
§ 27. Zuwiderhandlungen gegen die Vorſchriften über die Entrichtung der
Stempelabgabe werden nach dem Geſetz vom 12. Auguſt 1899 über den Urkunden=
ſtempel
in der Faſſung der Bekanntmachung vom 28. März 1907, Zuwiderhand=
lungen
gegen die übrigen Vorſchriften dieſer Verordnung und gegen die darin vor=
behaltenen
allgemeinen oder beſonderen polizeilichen Anordnungen (§ 13) in Gemäß=
heit
des § 366 Nr. 10 des Reichsſtrafgeſetzbuches mit Geldſtrafe bis zu 60 Mark oder
mit Haft bis zu 14 Tagen beſtraft.
Urkundenſtempelgeſetz.
Artikel 31, Abſ. 1. Die im Art. 14 Nr. 2 bezeichneten Perſonen haben, wenn ſie
den Vorſchriften bezüglich der Verpflichtung zur Entrichtung des Stempels zuwider=
handeln
, unbeſchadet ihrer Haftpflicht für den fehlenden Stempel (Art. 14), eine Geld=
ſtrafe
verwirkt, welche dem vierfachen Betrage des hinterzogenen Stempels gleich=,
kommt, mindeſtens aber drei Mark beträgt. Jede zuwiderhandelnde Perſon trifft die
ganze Strafe. Auf Beamte findet dieſe Vorſchrift keine Anwendung.
Abſ. 3. Die Verhängung der Strafe erfolgt nach Maßgabe der Vorſchriften,
des Geſetzes, die Einführung des Verwaltungsſtrafbeſcheids bei Zuwiderhandlungen
gegen die Vorſchriften über die Erhebung öffentlicher Abgaben und Gefälle betreffend,
vom 20. September 1890.
Abſ. 4. Wenn ſich aus den Umſtänden ergibt, daß eine Stempelhinterziehung
nicht hat verübt werden können oder nicht beabſichtigt worden iſt, ſo tritt ſtatt der
vorgedachten Geldſtrafe eine Ordnungsſtrafe bis zu zweihundert Mark ein.
Art. 33. Wer es, den beſtehenden Beſtimmungen zuwider, unterläßt, die nach
en Tarifnummern 10, 35, 41 49, 50, 53, 60, 90 erforderlichen Erlaubnisſcheine und
Karten zu löſen, verfällt in die im Artikel 31 Abſ. 1 beſtimmte Strafe. Die Vor=
ſchriften
des Artikels 31 Abſ. 2 bis 4 finden entſprechende Anwendung.
Die hinterzogene Stempelabgabe iſt von demjenigen nachzuentrichten, der in
Falle der Löſung des Erlaubnisſcheines oder der Karte zur Zahlung des Stempels
verpflichtet geweſen wäre. Die Einziehung der Abgabe erfolgt nach Maßgabe der
Vorſchriſten des Artikels 26.
Unterſteht die Perſon, die nach Abſ. 2 die Stempelabgabe nachzuentrichten hat,
wegen Minderjährigkeit oder wegen ihres geiſtigen oder körperlichen Zuſtandes der
Beaufſichtigung, ſo haftet für die Entrichtung der Stempelabgabe auch derjenige,
welcher kraft Geſehes zur Führung der Auficht verpflichtet iſt. Die Haſtbarkeit triſt
nicht ein, wenn der Aufſichtspflichtige nachweiſt, daß er ſeiner Pflicht genügt hat oder
daß die Stempelhinterziehung auch bei gehöriger Aufſichtsführung erfolgt ſein würde.
Die Beſtimmung des Abſ. 2. Satz 2 findet Anwendung.
An die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Vorſtehende Bekanntmachung empfehlen wir Ihnen wiederholt in geeignet
erſcheinender Weiſe zur Kenntnis der Intereſſenten Ihrer Gemeinde zu bringen.
Darmſtadt, den 21. Februar 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
(4719a

Bekanntmachung.

Unter Hinweis auf Artikel 33 des Geſetzes vom 24. März 1910 wird hiermit
zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß der Stempel:
1. für Verkaufs= oder Waagautomaten,
2. für automatiſche Kraftmeſſer,
3. für Automaten, die zur Unterhaltung des Publikums dienen,
4. für alle in öffentlichen Wirtſchaftslokalen aufgeſtellten Klaviere oder ſonſtige
Muſikwerke,
5. für Luxuswagen und Luxusreitpferde,
deren Verſteuerung am 31. März 1912 abläuft, wenn die Abgabepflicht fortdauert,
im Monat März zu entrichten iſt.
Die Entrichtung des Stempels erfolgt an allen Wochentagen des Monats
März, vormittags von 912 Uhr, bei der unterzeichneten Behörde im Regierungs=
gebäude
(Neckarſtraße Nr. 3, Zimmer Nr. 9) dahier.
(3283a
Darmſtadt, den 1. Februar 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

Gemäß der Vorſchrift des Art. 93 bezw. des Art. 43 letzter Satz der Kreis= und
Provinzial=Ordnung vom 12. Juni 1874 bringen wir hiermit den Auszug der von
Großherzoglicher Oberrechnungskammer unverändert abgeſchloſſenen Rechnung der
Provinzialkaſſe der Provinz Starkenburg für 1909 Ri. zur öffentlichen Kenntnis.

Betrag
Einnahme
Rubri
*
557 158.
1. Beiträge der Kreiſe
3. Beſondere Abgaben
4. Beiträge des Staates
zum Neubau von
114 323.55
Kreisſtraßen
548.02
6. Kapitalzinſen
8. Koſten des öffentlichen
942.03
Verfahrens
4758.58
10. Erſatzpoſten .
17. Neu aufzunehmende Ka=
pitalien

20. Kaſſevorrat aus vorher=
68 629.44
gehenden Jahren
Summe der Einnahme . 746 359.62

Rubrik
Ausgabe
Betrag

21. Kapitalzinſen
28 290.46
1800.
22. Beſoldungen
23. Diäten und Gebühren
2 166.15.
24. Botenlohn und Verkündig=
ungskoſten

278.86)
25. Für Bureaubedürfniſſe und
Gerätſchaften
2799.15
26. Penſionen und Unterſtütz=
1562.50
ungen
28. Bau und Unterhaltung der
Kreisſtraßen
530 266.54
29. Uneinbringliche Ausſtände
82.90
30. Zuſchuß in andere Kaſſen . 6531.
31. Koſten des öffentlichen Ver=
fahrens

449.53
32. Koſten der Naturalverpfleg=
ungsſtationen
.
54 210.56.
33. Für die Provinzialpflege=
anſtalt

78883.16
37. Auszuleihende Kapitalien .
38. Zurückzuzahlende Kapitalien 8 404.75
Summe der Ausgaben . 715 725.56

Abſchluß
746359 62
Die Einnahme beträgt
15 725 56
Die Ausgabe beträgt
30 634 66 5
Verglichen beibt Reſt
und dieſer beſteht in barem Vorat.
Darmſtadt, den 29. Februar 1912.
Der Provinzial=Ausſchuß der Provinz Starkenburg.
Fey.
(5339

[ ][  ][ ]

Bekanntmachung.

Die nachſtehenden Ausführungen der Handwerkskammer, welche für die aus
der Schule austretenden jungen Leute, die ſich in einem Handwerk ausbilden
wollen, von beſonderer Bedeutung ſind, bringen wir hiermit zur Kenntnis der Inter=
eſſenten
.
Darmſtadt, den 29. Februar 1912.
Großherzogliche Kreisſchulkommiſſion Darmſtadt.
Fey.
Die Handwerkskammer zu Darmſtadt teilt folgendes mit:
Die zu Oſtern bevorſtehende Schulentlaſſung ſtellt wieder eine große Anzahl
von jungen Leuten vor die wichtige Lebensfrage der Berufswahl. Dabei werden in
vielen Fällen die Lehrer als Berater in Betracht kommen und es ſcheint uns deshalb
zu deren Information eine Darlegung der Verhältniſſe im Handwerk geboten.
Von der Ergreifung eines Handwerks wird häufig Abſtand genommen in dem
Glauben, das Handwerk habe unter dem Einfluß der Induſtrie ſeine Rolle ausge=
ſpielt
, es habe keine Zukunft. Sehr mit Unrecht. Denn wenn auch im Wandel der
Zeiten mit dem Fortſchreiten der Technik einige Handwerkszweige ins Hintertreffen
geraten ſind, ſo haben ſich doch andere dem Fortſchritt anzupaſſen gewußt und ſind
mit ihm zu neuer höherer Blüte gelangt. Andererſeits leuchtet es auch ein, daß
einige Handwerkszweige ihrer Art nach eine Konkurrenz der Induſtrie überhaupt
nicht zu befürchten haben, daß in anderen die handwerksmäßige Arbeit durch die
ſchablonenhafte Erzeugniſſe der Induſtrie nicht erſetzt werden kann und das hand=
werksmäßig
hergeſtellte Stück wegen größerer Haltbarkeit und ſorgfältigerer An=
fertigung
dem Induſtrieerzeugnis vorgezogen wird. Daraus ergibt ſich, daß das
Handwerk ſtets ſeinen Platz an der Sonne im Wirtſchaftsleben haben wird und
jedem, der Veranlagung und Strebſamkeit mitbringt, zunächſt befriedigendes Aus=
kommen
, dann aber auch Ausſicht auf reichlichen Verdienſt, ja ſelbſt auf Wohlſtand
bietet. Wie die Zugehörigkeit zahlreicher Handwerker zum Reichstag, Landtag, Ge=
meindevertretung
uſw. beweiſt, genießt das Handwerk auch im ſozialen Leben berech=
tigtes
Anſehen.
Die Mannigfaltigkeit der Handwerkszweige geſtattet jedem, einen ſeinen Neig=
ungen
und ſeiner Veranlagung entſprechenden Beruf zu ergreifen. Die Ausbildungs=
koſten
ſind gering im Vergleich zu den Koſten, die die Vorbereitung auf andere vfel
weniger ausſichtsvolle Berufe verurſacht und in einigen Handwerkszweigen wird
ſogar ſchon während der Lehrzeit ein wenn auch nicht großer Lohn bezahlt. Dabei
ſeien die Eltern und Vormünder gewarnt, aus Scheu vor den Koſten der Lehrzeit,
die Kinder einem Berufe zuzuführen, der zwar bald höhere Löhne zahlt, aber keinerlei
wirklich ernſte Schulung und damit Ausſicht auf Vorwärtskommen gibt. Als be=
ſonders
ſchwer ins Gewicht fallender Vorteil bei der Wahl eines Handwerks zum
Beruf iſt noch zu erwähnen, daß die Selbſtändigmachung in der Regel auch kapital=
armen
Perſonen weſentlich leichter wird, als in anderen Berufen.
Im nachſtehenden ſoll auf die Handwerkszweige hingewieſen werden, deren
Ergreifung zufolge einer von uns angeſtellten Erhebung z. Zt. vorteilhaft iſt, einmal
weil darin noch Lehrſtellen zu beſetzen ſind, dann weil ſie nach Abſolvierung der
Lehrzeit gute Ausſichten auf gutbezahlte Geſellen= und Gehilfenſtellen bieten und
ſchließlich, weil ſie in gewiſſen Fällen auch die Selbſtändigmachung unter erleichterten
Bedingungen ermöglichen.
Zunächſt iſt darauf hinzuweiſen, daß von den Nahrungsmittelgewerben, den
Bäckern, Konditoren und Metzgern faſt überall in Heſſen Lehrlinge verlangt werden.
In den meiſten Fällen wird dem Lehrling außer Koſt und Wohnung auch eine
wöchentliche Vergütung von 13 Mark und mehr gewährt. Die Ausſichten auf gut=
bezahlte
Gehilfenſtellen ſind nicht ſchlecht und ſtrebſame Leute mit etwas Kapital
können ſich leicht eine Exiſtenz ſchaffen.
Auch im Bekleidungsgewerbe, bei den Schneidern und Schuhmachern, ſind freie
Lehrſtellen vorhanden. Die Ausſichten in dieſen Gewerben ſind ebenfalls gute inſo=
fern
, als tüchtige Geſellen ſehr geſucht ſind und überall, beſonders auch in den Groß=
betrieben
, gut bezahlt werden.
Im Friſeurgewerbe ſind zwar im Herrengeſchäft die Ausſichten weniger gut,
dagegen finden geſchickte junge Leute, die ſich zu Damenfriſeuren eignen, ſtets gut=
bezahlte
Gehilfenſtellen.
In den verſchiedenen Zweigen des Bauhandwerks werden ebenfalls Lehrlinge
geſucht. So beſonders im Maurer=, Zimmerer=, Dachdecker= und Glaſerhandwerk.
Insbeſondere wird im Elaſerhandwerk über Mangel an Lehrlingen und Geſellen
geklagt, obgleich dieſes Gewerbe zu den beſtbezahlten gehört. Auch im Spengler= und
Inſtallateurgewerbe finden brauchbare junge Leute gute Lehrſtellen, und es wird in
dieſem Handwerkszweige ein Wochenlohn von 26 Mark vergütet. Im Schmiede=
handwerk
wird ebenfalls über Lehrlingsmangel geklagt, und doch finden Schmiede
leicht dauernde, gutbezahlte Stellen in Großinduſtrie, Brauereien, Fuhrgeſchäften uſw.
Freie Lehrſtellen ſind ferner noch vorhanden bei den Uhrmachern, Küfern,
Tapezierern und Polſterern und Wagenbauern. Das Wagnerhandwerk bietet beſon=
ders
gute Ausſichten wegen des ſtetig zunehmenden Automobilkaroſſeriebaues.
Im vorſtehenden ſind einige Handwerkszweige nachgewieſen, in denen beſtimmt
Lehrſtellen frei ſind. Damit ſoll jedoch nicht geſagt ſein, daß es unmöglich ſei, in
anderen Handwerkszweigen auch unterzukommen, wenn auch vielleicht die Nachfrage
nach Lehrſtellen dort ſtärker iſt, wie etwa im Schloſſerhandwerk, durch deſſen Er=
lernung
ein junger Mann ſich wohl ſtets gute Ausſichten ſchafft, inſofern als er
ſpäter in der Induſtrie leicht eine gutbezahlte Stellung findet. Ueberhaupt kann die

Frage kaum erſchöpfend behandelt werden, denn es leuchtet ein, daß in vielen nicht
genannten, z. B. den graphiſchen Gewerben, Buchdruck, Steindruck uſw., ſowie in den
Luxusgewerben, Sattlereien und Lederwarenmachereien ſtets Nachfrage nach Lehr=
lingen
beſteht und tüchtigen, nicht einſeitig ausgebildeten, auch ſonſt etwas künſtleriſch
veranlagten jungen Leuten dauernde und gutbezahlte Stellungen winken.
Ferner gibt es eine Reihe von Gewerben, die verhältnismäßig ſeltener auf=
treten
oder auch nur in beſtimmten Gegenden betrieben werden, zu denen aber je
nach Sachlage geraten werden kann. In ſolchen Fällen dürfte es der Beratung der
Eltern durch die ortskundigen Herren Lehrer überlaſſen bleiben, ob ſich die Ergreifung
(5284
dieſer Handwerke empfiehlt.
An die Schulvorſtände des Kreiſes.
Wir erſuchen Sie, die Lehrer von vorſtehendem in Kenntnis zu ſetzen und den=
ſelben
zu empfehlen, auch die Schüler, die zur Entlaſſung kommen und ſich einem
Handwerk widmen wollen, entſprechend zu verſtändigen.
Darmſtadt, den 29. Februar 1912.
Großherzogliche Kreisſchulkommiſſion Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

Betreffend: Das Erſatz=Geſchäft 1912, insbeſondere Anträge auf Zurückſtellung und
bezw. Befreiung Militärpflichtiger vom Militärdienſt auf Grund häuslicher
Verhältniſſe ꝛc.
Es wird hierdurch zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß diejenigen Angehörigen
von Militärpflichtigen oder Militärpflichtige ſelbſt, welche glauben, die nachſtehend ab=
gedruckten
Vergünſtigungen des § 32,2 der W.=O. in Anſpruch nehmen zu tönnen, ihre
desfallſigen Anträge alsbald und ſpäteſtens bis zum Erſatz=Geſchäft im laufen=
den
Jahr bei den Großherzoglichen Bürgermeiſtereien vorzubringen haben, und wird
hierbei ausdrücklich darauf aufmerkſam gemacht, daß Geſuche der rubr. Art, welche nach
dem Erſatz=Geſchäft eingehen, keine Berückſichtigung mehr finden können, es ſei denn,
daß die Verhältniſſe, welche einen Antrag rechtfertigen, erſt nach dieſer Zeit ein=
getreten
ſind.

Darmſtadt, den 7. Februar 1912.
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatzkommiſſion Darmſtadt.

Dr. Reinhart, Regierungsrat.
ꝛc.
ꝛc.
Abdruck
2. Es dürfen vorläufig zurückgeſtellt werden:
a) die einzigen Ernährer hilfloſer Familien, erwerbsunfähiger Eltern, Großeltern
oder Geſchwiſter;
b) der Sohn eines zur Arbeit und Aufſicht unfähigen Grundbeſitzers, Pächters
oder Gewerbetreibenden, wenn dieſer Sohn deſſen einzige und unentbehrliche
Stütze zur wirtſchaftlichen Erhaltung des Beſitzes, der Pachtung oder des
Gewerbes iſt;
c) der nächſtälteſte Bruder eines vor dem Feinde gebliebenen, oder an den er=
haltenen
Wunden geſtorbenen, oder infolge derſelben erwerbsunfähig gewordenen
oder im Kriege an Krankheit geſtorbenen Soldaten, ſofern durch die Zurück=
ſtellung
den Angehörigen des letzteren eine weſentliche Erleichterung gewährt
werden kann;
d) Militärpflichtige, welchen der Beſitz oder die Pachtung von Grundſtücken durch
Erbſchaft oder Vermächtnis zugefallen, ſofern ihre Lebensunterhaltung auf deren
Bewirtſchaftung angewieſen und die wirtſchaftliche Erhaltung des Beſitzes oder
der Pachtung auf andere Weiſe nicht zu ermöglichen iſt;
e) Inhaber von Fabriken und anderen gewerblichen Anlagen, in welchen mehrere
Arbeiter beſchäftigt ſind, ſofern der Betrieb ihnen erſt innerhalb des dem
Militärpflichtjahre vorangehenden Jahres durch Erbſchaft oder Vermächtnis
zugefallen und deren wirtſchaftliche Erhaltung auf andere Weiſe nicht möglich
iſt. Auf Inhaber von Handelshäuſern entſprechenden Umfangs findet dieſe
Vorſchrift ſinngemäße Anwendung;
f) Militärpflichtige, welche in der Vorbereitung zu einem beſtimmten Lebensberufe
oder in der Erlernung einer Kunſt oder eines Gewerbes begriffen ſind und
durch eine Unterbrechung bedeutenden Nachteil erleiden würden.
g) Militärpflichtige, welche ihren dauernden Aufenthalt im Auslande haben.
ꝛc.
ꝛc.
Darmſtadt, den 7. Februar 1912.
Betreffend: Das Erſatz=Geſchäft 1912, insbeſondere Anträge auf Zurückſtellung und
bezw. Befreiung Militärpflichtiger vom Militärdienſt auf Grund häus=
licher
ꝛc. Verhältniſſe.

Der Zivil=Vorſitzende der Großh. Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt
an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.

Indem ich Sie auf meine Bekanntmachung vom Heutigen in rubr. Betreff hin=
weiſe
, beauftrage ich Sie zugleich, die aufgenommenen Reklamationsprotokolle, gehörig
vervollſtändigt und erläutert, ſtets alsbald hier vorzulegen. Sie wollen auch, ſoweit
tunlich, für die Verbreitung der Bekanntmachung in Ihren Gemeinden Sorge tragen
und namentlich ſolche Leute, von denen Ihnen aus eigener Erfahrung bekannt iſt, daß
ihre Verhältniſſe einen Antrag rechtfertigen, möglichſt auf dieſelbe aufmerkſam machen.
Dr. Reinhart, Regierungsrat.
(3773a

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde. In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 2 Spitzhunde, 1 Foxterrier, 1 Dachshund. 1 Boxer ( zu=
gelaufen
). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem
5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung, der nicht
ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag vormittags um
(5291
10 Uhr, ſtatt.

Bekanntmachung.

Betreffend: Die Vermeidung von Staubentwicklung bei Bauten.
Unter Bezugnahme auf unſere früheren Bekanntmachungen weiſen
wir wiederholt darauf hin, daß nach Maßgabe der beſtehenden ge=
ſetzlichen
Beſtimmungen (§366,8 Reichsſtrafgeſetzbuches, Artikel 112 und
292 Polizeiſtrafgeſetzes) diejenigen Beſtrafung zu gewärtigen haben,
welche es unterlaſſen, bei Bauten, namentlich beim Abbruch von
Gebäuden und bei der Ernenerung des Verputzes alle Vor=
kehrungen
zu treffen, welche geeignet ſind, Gefahren für Vorüber=
gehende
und eine beläſtigende Staubentwicklung zu verhindern.
Insbeſondere iſt dafür Sorge zu tragen, daß
1. der Verputz und das Mauerwerk vor dem Abſchlagen und
während dieſer Arbeiten ausreichend benäßt wird, daß
2. Bauſchutt nicht auf die Erde abgeworfen, ſondern abgetragen
oder in Gefäßen abgelaſſen und hierbei ebenſo wie beim Auf=
laden
auf Wagen und Abfahren ausreichend benäßt wird, daß
3. derartige Bauarbeiten, bei welchen eine Staubentwicklung nicht
ganz zu vermeiden iſt, nur in den frühen Morgenſtunden
(vor 8 Uhr vormittags) vorgenommen werden dürfen.
Die Schutzmannſchaft iſt mit Ueberwachung beauftragt.
Darmſtadt, den 2. März 1912.
(5351im
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Bekanntmachung.

Die Lieferung des Brotes und der warmen Koſt ſowie die Be=
ſorgung
der Leibwäſche für die Schüblinge und Polizeigefangenen
während des Rechnungsjahres 1912 ſoll vergeben werden.
Die Angebote ſind bis zum Montag, den 11. März 1912,
vormittags 10 Uhr bei Großh. Polizeiamt (Hügelſtraße 31/33,
Zimmer Nr. 24) verſiegelt abzugeben, woſelbſt auch die Bedingungen
einzuſehen ſind.
Darmſtadt, den 2. März 1912.
(5350
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Landwirtſchaftskammerwahl.

In der Woche vom Mittwoch, den 6. März bis einſchl. Dienstag,
den 12. März 1912, während der üblichen Büroſtunden liegt die Liſte
des Vertrauensmännerkreiſes Darmſtadt I und II der in der Stadt
Darmſtadt zur Vertrauensmännerwahl wahlberechtigten Verbands=
angehörigen
, die zugleich die Angaben über die Wählbarkeit der
Verbandsangehörigen enthält, in dem Stadthauſe, Rheinſtraße 16/18,
Zimmer 6, zu jedermanns Einſicht offen. Innerhalb dieſer Friſt

können Einwendungen gegen die Richtigkeit und Vollſtändigkeit der
Liſte ſchriftlich oder zu Protokoll der Bürgermeiſterei erhoben werden.
(5315
Darmſtadt, den 2. März 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei
J. V.: Mueller.

Verſteigerungs-Anzeige.

Mittwoch, den 6. März 1912, vorm. 11 Uhr,
werden im Pfandlokale Rundeturmſtr. 16 (Reſtauration Zur Roſen=
höhe‟
), Darmſtadt
verſchiedene Möbel, darunter Schreibtiſche, Vertikos,
1 Pianino, Kleiderſchränke, Spiegelſchränke, Waſchkommoden.
Weißzeugſchränke, Diwans, Sofas, Büfetts, Tiſche, Nacht=
ſchränkchen
, Bilder, Bücherſchränke, Kommoden, 1 Kredenz,
1 Regulator, vollſtändige Betten, ferner Ladenregale,
Warenſchränke, Ladentheke, Ladentiſche, 1 Ladenregiſtrier=
kaſſe
, Brockhaus=Lerikon, 63 Bücher verſch. Werke,
Servietten, Herren=Sommerkleiderſtoffe, Nähmaſchinen,
1 Elektromotor, 1 Eisſchrank, 1 Grammophon, Koffer,
Wäſcheſtoffe, Gurten, Vorhangkordel, Hemden, Flaſchen,
Kinderſpielzeuge, Körbe, altes Gerümpel u. dergl. mehr
durch den Unterzeichneten zwangsweiſe verſteigert.
(5335
Die Verſteigerung der fettgedruckten Sachen findet ſicher
ſtatt.
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher,
Georgenſtraße 11.

Verſteigerungs-Anzeige.

Mittwoch, den 6. März 1912,
verſteigere ich im Verſteigerungslokal Zur Ludwigshalle ( Ober=
gaſſe
) öffentlich zwangsweiſe gegen Barzahlung:
1. vormittags 10 Uhr:
ca. 300 Meter doppelbreiten Bettkattun, Bettdrell,
Barchent u. Damaſt, Rouleauxköper, Flockpiqué, Hem=
den
= und Schürzenſtoffe, ca. 70 Bett= und ca. 80 Tiſch=
decken
, Damenhemden, ca. 170 Damenſchürzen, leinene
Tafel= und Handtücher, Servietten, u. ca. 160 Dutzend
Taſchentücher u. a. m., ferner eine Ladeneinrichtung,
beſtehend in großem, faſt neuem Warenſchrank und
3 Theken;
2. nachmittags 3 Uhr:
Hausmobilien durch alle Rubriken, 1 Grammophon,
1 Muſikwerk und 10 Mille Zigaretten.
Die Verſteigerung findet beſtimmt ſtatt.
Darmſtadt, den 4. März 1912.
(5347
Kapp, Großh. Gerichtsvollzieher
Friedrichſtraße 24, I.

Ueberſicht

der Durchſchnittspreiſe von folgen=
den
Früchten und Verbrauchsgegen=
ſtänden
in der Zeit
vom 16. bis 29. Februar 1912:
per Sack à 100 Kilo
Weizen von Mk. 22.50 bis 24.75
Korn
17. 21.-
Gerſte
18.25 22.75
Hafer
19.25 22.
Butter ½ Kilo Mk. 1.50
Butter in Partien Mk. 1.40
Eier per Stück 10 Pfg.
Eier in Partien per 25 Stück
Mk. 2.25
Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 10.
Kartoffeln per 25 Kilo Mk. 3.
Kornſtroh per 50 Kilo Mk. 4.50
Heu per 50 Kilo Mk. 5.50
Darmſtadt, 4. März 1912.
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.

Bekanntmachung.

Nach Abhaltung des Schluß=
termins
und Vollzug der Schluß=
verteilung
iſt das Konkursverfahren
über das Vermögen der Bernhard
Mainzer Witwe hier und über den
Nachlaß des Bernhard Mainzer
(5317
aufgehoben worden.
Darmſtadt, den 1. März 1912.
Der Gerichtsſchreiber
Großherzoglichen Amtsgerichts I.

Bekanntmachung.

(Stadtwald.)
Die geſtern abgehaltene Nutz=
und Brennholz=Verſteigerung Nr. 14
iſt genehmigt. Ueberweiſung des
Holzes und erſter Abfuhrtag ſind
auf Montag, den 11. ds. Mts.,
feſtgeſetzt.
Darmſtadt, 2. März 1912.
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann. (5299

Onſt. u. Unterh. von Gärten
u. Beſchneid. von Bäumen
wrd prompt u. billig ausgeführt.
Poſtk. gen. Ia Referenzen. (*5470
F. Seipel, Gärtner, Erbacherſtr. 45.
per Rolle 25
Tapezieren Piennig. Off.
unt. O. 44 an die Exp. (*5461

[ ][  ][ ]

Verſteigerungs-Anzeige.

Freitag, den 8. März I. J., vorm 9 u. nachm. 3 Uhr
verſteigere ich wegen Wegzug auf freiwilligen Antrag des Beſitzers
Ludwigshalle, Obergaſſe 12
folgende noch ſehr gute und nur kurze Zeit gebrauchte
Möbel und Haushaltungsgegenſtände:
1 Salon=Einrichtung: 1Sofa, 2 Seſſel, 2 Stühle,
2 vergold. Stühle, 1 Ziertiſchchen, 1 Vertiko,
1 Salontiſch, 1 Wandbild (Gobelin), 1 Spiegel,
1 Teppich, 1 Fell, 1 Lüſter;
1 Eßzimmer: 1 Büfett, 1 Serviertiſch, 1 Aus=
ziehtiſch
, 4 Stühle, 1 Ziertiſch, 1. Teppich
1 Zuglampe, 1 Wanduhr, 1 Schaukelſeſſel,
1 Chaiſelongue;
1 Schlafzimmer mit 2 eiſernen Reformbetten,
Waſchtiſch, 2 Nachttiſche, Waſchgarnitur, Hand=
tuchſtänder
:
1 Schlafzimmer mit 2 pol. Bettſtellen, Waſch=
tiſch
, Nachtiſche u. ſ. w.,
ferner kommen zum Ausgebot:
mehrere 1 und 2tür. Kleiderſchränke, 1 poliert.
nußb. Kleiderſchrank, 2 Chaiſelongues, mehrere
Seſſel, Stühle, Waſchkommode, Spiegel, Tep=
piche
und ſonſtige kleine Möbel, 1 Herren=
ſchreibtiſch
, 1 Flurgarderobe, 1 Garnitur
Gartenmöbel, 1 Waſchmaſchine, 1 Waſchmangel
1 Eisſchrank, 1 kupf. Keſſel, 1 Partie Vogel=
hecken
und 3 Wellenpapageien.
Eine faſt neue Küchen=Einrichtung,
und noch ſonſtige Haushaltungsgegenſtände in
großer Anzahl.
Porzellan, Gläſer und Service.
12 verſilberte Beſtecke in Etul,
12 Kaffeelöffel, 1 verſilberter Pokal.
Alle Gegenſtände ſind ſehr wenig gebraucht und
noch ſehr gut erhalten.
Die Beſichtigung kann Donnerstag, den 7. März.
nachmittags von 36 Uhr in dem Verſteigerungslokal ſtattfinden.
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare
Zahlung ſtatt.
(5300id
Darmſtadt, den 5. März 1912.
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator,
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.

Verſteigerungs-Anzeige.

Donnerstag, den 7. März 1912, nachm. 2 Uhr,
verſteigere ich im Saale Rundeturmſtraße 16 zwangs=
weiſe
gegen Barzahlung:
1 Kaſſenſchrank.
Verſteigerung beſtimmt.
Darmſtadt, den 4. März 1912.
(5353
Rollenhagen, Großh. Gerichtsvollzieher,
Kaſinoſtraße 24.

Die Resiestande
in
Herren- und Knaben-Anzügen, Paletots,
Konfirmanden-Anzügen, Hosen etc.
werden wegen Aufgabe dieſer Artikel nur noch bis
Ende dieses Monats
größtenteils zu und unter Selbſtkoſtenpreis aus=
(5105sic
verkauft.
Sobr. Blait

Markt 5.

AInfolge Todesfalles zu verkaufen: 5 gute Arbeits=
J pferde, 12 Wagen, 2 Rollen, Ackergeräte
durch alle Rubriken überhaupt, Schiff und Geſchirr ꝛc
*5428id
Anzuſehen mittags von 122 Uhr:
Gardiſtenſtraße 15.
Friedr. Stumpf, Nachlaßverwalter.

ebr. Fahrrad billig zu ver=
kaufen
. Offert. unter O 50
(*5456
an die Exped.

uterhalt. Fahrrad (Renner)
billig zu verkaufen Wald=
ſtraße
24, Hinterhaus, pt. (*5451

Heuverkauf.

Die Heuverſteigerung vom
4. März 1912 wurde genehmigt.
Die Abfuhrſcheine können alsbald
gegen Barzahlung bei unterzeich=
neter
Behörde abgeholt werden.
Darmſtadt, 4. März 1912.
Großh. Oberförſterei Krauichſtein.
van der Hoop. (5327

Aufforderung!

Alle diejenigen, welche berechtigte
Anſprüche an den Nachlaß des am
27 Februar verſtorbenen Chriſtian
Trautmann dahier zu machen
haben, werden hiermit aufgefordert,
dieſelb. längſtens bis zum 12. März
d. Js. bei mir geltend zu machen.
Darmſtadt, 4. März 1912. (5306im
Ph. Trautmann, Arheilgerſtr. 39.

Brennholz=Verkauf.

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Erfolg betrieben wird, auch für
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Offert. unt. O 37 an die Exped.

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förſterei in Eberſtadt zu verk.
Off. unt. O. 23 an die Exp. (*5385

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595e
ſucht Gr. Ochſeng. 36, Klein. (*5

Schiffsbericht.

Hamburg=Amerika=Linie.
Mitgeteilt von dem Vertreter Hrn.
Adolf Rady, Darmſtadt,
Zimmerſtraße 1.
Dampfer Barcelona nach New=
York, 1. März 2 Uhr nachmit
tags Dover paſſiert.
Dampfer Weſterwald nach Phie
ladelphia, 1. März 10 Uhr mor=
gens
Dover paſſiert.
Dampfer Fürſt Bismarck von
Mexiko und Havanna kommend,
1. März 4 Uhr nachmittags von
Corung.
Dampfer König Friedrich Auguſt‟
nach dem La Plata, 1. März
2 Uhr morg. von Teneriffa.
Dampfer König Wilhelm II.
von dem La Plata kommend,
29. Februar 2 Uhr nachmittags
von Teneriffa.
Vergnügungsdampfer Meteor
Mittelmeerfahrt, 1. März 11 Uhr
morgens in Venedig.
Unterch
fühfänser Fehnlium
Frankenhausen
Ing.-u. Werkm.-Abt. Gr. Masch.-La
Hoch- und Tiefbau.

wünſcht engliſch.
Engländerin Unterricht zu er=
teilen
Wilhelminenplatz 10, I. (5295a

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Off. m. Honorarang. u. O 1 kxp. (*5307o

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Damen u. Herren
werden in geſonderten Kurſen in
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Weißzeugnähen, Zuſchneiden
flicken und ſticken wird gründlich
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Viktoriaſtraße 24, II. (*5474id

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u
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Hauſe. Anmeld. v. 1012 vorm.
Wilhelminenſtr. 5, Hinterh. (4795a

Holz=Verſteigerung.

Donnerstag, 7. März I. J., von vorm. 9 Uhr an,
werden in dem oberen Lokale der Turnhalle dahier (Woogsplatz 5)
aus verſchiedenen Abteilungen von Domanialwalddiſtrikt Beſſunger
Forſthaus (Abzählungsnummer 369 848) verſteigert:
Scheiter rm: 167 Buchen, 10 Hainbuchen, 1 Eſchen, 145 Eichen,
10 Birken, 4 Erlen, 36 Kiefern, 3 Lärchen; Knüppel rm:
101 Buchen, 7 Hainbuchen, 2 Eſchen, 83 Eichen, 5 Birken,
9 Erlen, 2 Aſpen, 18 Kiefern, 4 Lärchen, 1 Fichten; Reiſig
Wellen: 2730 Buchen, 10 Eſchen, 20 Aſpen, 1550 Eichen,
125 Birken, 140 Erlen, 45 Aſpen, 970 Kiefern, 140 Lärchen,
130 Fichten; Stöcke rm: 32 Buchen, 47 Eichen, 1 Erlen,
15 Kiefern.
Kaufliebhaber werden erſucht, das Holz vor der Verſteigerung
einzuſehen. Der Großh. Forſtwart Kolb zu Beſſunger Forſthaus iſt
beauftragt, dasſelbe auf Verlangen vorzuzeigen.
Darmſtadt, 26. Februar 1912.
(4866mi
Großherzogliche Oberförſterei Beſſungen.
Heinemann.

Nutzholz-Verſteigerung.

Mittwoch, den 13. März d. Js., vorm. 9 Uhr
beginnend, werden im Gaſthaus Zur Krone in Erfelden a. Rhein
aus den Diſtrikten Knoblochsau und Faſanerie der Großh. Ober=
förſterei
Dornberg, ſowie aus den Diſtrikten Kühkopf, Geyer und
Steinerwald der Großh. Oberförſterei Worms verſteigert:
Stämme: Eichen: 78 Stück I. Kl. 179,75 fm, 48 Stück
II. Kl. 61,57 fm, 74 Stück III. Kl. 67,81 fm, 113 Stück
IV. Kl. 66,66 fm, 8 Stück V. Kl. 2,80 fm, 2 Stück
VI. Kl. 0,59 fm; Eſche: 2 Stück II. Kl. 3,28 fm,
13 Stück IV. Kl. 7,82 fm, 13 Stück V. Kl. 6,01 fm,
56 Stück VI. Kl. 14,16 fm; Ulme: 2 St. I. Kl. 5,62 fm,
15 Stück II. Kl. 29,73 fm, 44 Stück III. Kl. = 58,15 fm,
60 Stück IV. Kl. 48,80 fm, 42 Stück. V. Kl. 20,39 fm,
25 Stück VI. Kl. 9,55 km; Obſtbaum: 1. Stück IV. Kl.
0,27 fm, 1 St. V. Kl. 0,22 fm; Nußbaum: 1 Stück
I. Kl. 1,01 fm, 2 Stück IV. Kl. 0,47 fm, 2 St. V. Kl.
0,40 fm; Erle: 1 Stück IV. Klaſſe 0,64 fm, 1 Stück
V. Kl. 0,20 fm, 2 Stück VI. Kl. 0,40 fm; Pappel:
1 Stück II. Kl. = 3,55 fm, 2 Stück III. Kl. 2,47 fm,
4 Stück IV. Kl. 3,03 fm; Aspe: 2 Stück IV Kl.
2,81 fm; Fichte: 3 Stück III. Kl. 3,50 fm; Derbſtangen:
2 Eichen 0,12 fm, 10 Eſchen 0,76 fm.
Dornberg und Worms, den 27. Februar 1912.
(5342!
Großh. Oberförſterei Vornberg. Großh. Oberförſterei Worms.
Kleinkopf.
Schaub.

Verpachtung des Karuſſellplatzes
der Gemeinde Eberſtadt.

Montag, den 11. März I. Js., nachmittags 3½ Uhr, ſoll
im Büro der unterzeichneten Stelle der Karuſſellplatz der Gemeinde
Eberſtadt in öffentlicher Submiſſion vergeben werden. Offerten ſind
bis zu genanntem Termin verſchloſſen mit entſprechender Aufſchrift
erſehen, bei unterzeichneter Stelle einzureichen. Bedingungen können
vor der Verſteigerung bei uns eingeſehen werden.
Eberſtadt b. D., den 1. März 1912.
(5281
Großh. Bürgermeiſterei Eberſtadt.
Schäfer.

MFemahdiz. Hobeherkauf
C
1 komplette Speiſezimmer=Einrichtung, hell eiche, 2 Büfetts,
Kaſſenſchrank, 1 Satz Billardbälle, 3 Diwans, 3 Schränke, Tiſche,
2 Klubſeſſel, 2 kompl. Betten, Waſchkommode, Nachtſchrank, Bilder,
3 Gasherde, Chaiſelongue, 2 Seſſel, Kommode, Porzellanvaſen,
Vertikows, Regulator und ſonſtiges. Verkauf den ganzen Tag, die
Sachen ſind gebraucht, doch gut erhalten.
F. Kurtz, Auktionator u. Taxator, Tädagogstr. 2.
Aufträge werden ſtets entgegengenommen.
(*5407

Verkauf von Baumaterialien.

Bleichſtraße, neben der Synagoge, Wittich’ſche Hofbuch=
druckerei
, ſind durch Niederlegung eines 30m langen Seitenbaues
ſämtliche Baumaterialien, beſtehend aus Sparren, Balken à 10m
lang, Fenſter mit und ohne Geſtelle, 400 Bord 44½m lang,
30 Zimmertüren mit Futter und Bekleidung, Glastüren, eiſernen
Oefen, einem Röderherd, Küchenplättchen, Backſteinen und Ruſſen=
ſteinen
billig zu verkaufen.
(5333id
Friedrich Ganss.

Großh. Ludwigs= u. Liebigs=
Oberrealſchule zu Darmſtadt.
Anmeldungen zum Eintritt werden Freitag, den 15. März,
von 35 Uhr, in den betr. Schulgebäuden entgegengenommen.
Von Darmſtädter Schülern ſind die von der Rheinſtraße, Alexander=
ſtraße
und Dieburgerſtraße ſüdlich wohnenden in der Ludwigs= Ober=
realſchule
, die nördlich wohnenden in der Liebigs=Oberrealſchule, von
auswärtigen Schülern, die an Bahnhof Darmſtadt=Oſt ankommenden
in der Ludwigs=Oberrealſchule, die im Hauptbahnhof eintreffenden
n der Liebigs=Oberrealſchule anzumelden. Das letzte Schulzeugnis,
der Geburts= und Impfſchein ſind bei der Anmeldung vorzulegen.
Großherzogliche Direktionen der Ludwigs=
und Liebigs=Oberrealſchule.
Dr. Derſch. Dr. Dorfeld.
5287ii)

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Gegründet 1899 :: Darmstadt :: Matbildenplatz 7
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Forthildung für den kaufm. Beruf für
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freuen ſich über den eleganten
Hochglanz und das Kind beſchmutzt
ſich die Händchen nicht. wenn es
an den Schuben ſpielt. Pilo iſt un=
antaſtbar
das beſte aller exiſtieren=
den
Schubputzmittel. Es werden
viele ſchlechte Schuberémes ange=
boten
, daber Vorſicht beim Einkauf.

Hora Plattner.
Roman von Ernſt Clauſen.
(Nachdruck verboten.)
23)

Sollte dieſe Lilli Lührſen über ſie lächeln dürfen?
Nie und nimmer! Dann gegen Mitternacht kam der Zuſtand
zwiſchen Wachen und Schlaf, angefüllt mit Träumen und
grauenhaften Erſcheinungen aus Peter Sandkuhls Spuk=
geſchichten
. Mitten in der Nacht fand ſie ſich an der Zimmer=
tür
, gerade im Begriff hinunterzugehen und Feuer! zu
rufen, weil ſie ganz deutlich geſehen hatte, wie aus dem
Fremdenzimmer in Halligboſtel die hellen Flammen heraus=
ſchlugen
. Sie hörte das Tuten des Nachtwächters unten
vorm Hauſe, und vom Glockenturm ſchlug es zwölfmal. Sie
horchte. Unten, wo die Kinder ſchliefen, ſchrie eines im
Traume laut auf, und ſie hörte des Schwagers Stimme, der
dem Kinde gütlich zuſprach. Sie kroch fröſtelnd wieder ins
Bett. Warum hatte ſie keinen Menſchen in der Welt mehr,
der ihr gütlich und liebevoll zugeſprochen hätte? Ach nein,
Helene konnte das auch nicht. Alles war voll Erinnerungen
und Erſcheinungen. Wie Frühlingsſtürme die Natur durch=
toben
, ehe das ſtrotzende Leben ſich freimacht, ſo tobte es in
ihr, ſeit ſie wußte, daß ſie einen Mann lieb hatte, den ſie nie
lieb haben durfte und konnte. Sie ſah ihren Vater und ihre
Mutter auch, dann alte, längſt geſtorbene Leute aus dem
Dorfe; ſie gingen in der Birkenallee auf und ab im langen
Zuge, einer hinter dem andern

Dech meäwirdic, as ſoat anden Aenget enwdicſe
ind um ſechs Uhr Licht machte und aufſtand, fühlte ſie ſich
ruhig und kühl wie immer, nur müde. Sie beeilte ſich, da=
mit
ſie noch um ſieben Uhr in Halligboſtel ſein könnte, weil
heute Brot gebacken wurde und ſie wußte, daß die Tannert
nie richtig auf den Teig achtgab. Außerdem mußten Eier
und Butter verpackt werden, die nach Hamburg geſchickt
wurden. Die tägliche Pflicht und Arbeit gaben ihr die
beiden ernſten Hände, ſtarke Hände, an denen der Menſch ſich
halten kann! Wie gut das tat, ſo im blaſſen, nüchternen
Morgengrauen, das noch kaum zu ahnen war, gegen den
ſcharfen, ſchneidenden Wind anzugehen! Ja, ſie wollte
heute mit Lührſen alles kurz und klar abſprechen.
ſlls Lilli an dieſem Morgen aufwachte, wußte ſie, daß
ſie am Abend mit dem Achtuhrzuge nach Hamburg fahren
wollte, wo ſie mit einer Redaktion zu verhandeln hatte, um
dann morgen nach Berlin zurückzukehren. Sie hatte es ſich
alles reiflich überlegt. So war es am vernünftigſten. Aber
das Vernünftige lag ihr heute ſchwer auf dem Gemüt. Sie
dachte an ihr Kind, das begonnen hatte, ſich an die Mutter
zu gewöhnen. Alles Harte war weich geworden in ihr.
Das mußte, mußte doch anders werden! Sie wollte ihr
Kind doch öfter ſehen und ihr Mann? Ah, der lief ja
halbe Tage fort, nur um nicht mit ihr zuſammen zu ſein.
Lührſen begrüßte ſie freundlicher bei ihrem Eintritt in
die Wohnſtube, als ſie erwartet hatte. Seine ganze Art
war milder, als hätte er ihr etwas abzubitten. Aber ſie
hatte ſich ſo eingelebt in Trotz und Widerſpruch, daß ſie ſein

ne e e e er ete ete nene
führte, die er ja ſicher erſehnte.
Aber da gab er ihr einen Brief, der für ſie angekommen
war aus Berlin. Der Brief war von ihrem Verleger, der
ihr kurz mitteilte, daß ihr Drama von einer größeren Bühne
zur Aufführung angenommen worden ſei. Sie hatte Mühe,
die Freude, den Stolz, den Jubel über dieſe Nachricht nicht
merken zu laſſen. Endlich konnte ſie von der Bühne zu ihrer
Zeit und zu den Menſchen der Gegenwart ſprechen, alles
hinausrufen, was ſie von ihren Anſchauungen über die
Stellung der Frau in der heutigen Geſellſchaft in das
Drama hineingetragen hatte. Seit Jahren lag das Werk
da, denn ſie hatte es damals geſchrieben in der Stimmung,
als der Bruch mit ihrem Manne ſich vollzog. Nun war es
endlich doch geglückt! Ah, ſie wollte der Welt zeigen, daß
auch auf der Bühne die Frau dieſer Zeit etwas zu ſagen
hatte. Dieſe Stimmung wollte ſie ſich nicht ſelbſt entweihen
dadurch, daß ſie hier darüber ſprach! Nun mußte Lührſen
doch wohl anerkennen, daß ſie damals recht hatte.
Das wirkte in ihr noch nach, als ſie Dora begrüßte und
kaum merkte, wie kurz und kühl dieſd ihr guten Morgen
ſagte, auch nicht bemerkte, wie Dora noch kühler und kürzer
mit Lührſen einige Wirtſchaftsfragen verhandelte. Ihm
zwar fiel es auf. Vorgeſtern würde er ſie erſtaunt gefragt
haben, was ihr fehle. Heute konnte er das nicht mehr. Es
war gut ſo, wenn ſie nie ahnte, was er ſeit geſtern wußte.
Lilli holte ihren Pelz aus ihrem Zimmer und ging ins
Freie. Sonnenhell war es draußen. Sie ſchaute Freude in

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de dinge hlueht, und de Dinge, der ine dinc, der
Schnee die zirpenden Meiſen, die ſo geſchäftig an der Eiche
vor dem Hauſe hinaufhuſchten, alles gab Freude und Schön=
heit
zurück.
Der Fußweg in die Allee hinein war verbreitert
worden. Nachdem Bohlmann den Backofen geheizt hatte,
war er von Lührſen hingeſchickt worden, um den Weg brei=
ter
auszuſchaufeln, denn einerſeits gab es keine dringendere
andere Arbeit, und zweitens ſah es ja ſo aus, als wollte das
Froſtwetter anhalten und der Schnee lange liegenbleiben.
Bohlmann, der ſchon bis zur Mitte der Allee als Bahn=
brecher
vorgedrungen war, befand ſich heute in mindeſtens
ebenſo erregter Stimmung wie Lilli, wenn auch keineswegs
in ſo freudiger. Ihm war etwas Unglaubliches zugeſtoßen.
Der Briefträger hatte ihm ein Briefkouvert, mit ſchwarzem
Rande und mit einer Dreipfennig=Marke verſehen, ausge=
händigt
. Nun gehörte Bohlmann zu den Analphabeten in
Deutſchland, die es ſtatiſtiſch eigentlich gar nicht mehr gibt,
die aber doch ſehr häufig vorkommen; wenigſtens ge=
ſchriebene
Schrift konnte er nicht leſen. Aber der Briefträger
behauptete, es ſtünde deutlich Herrn Karl Bohlmann auf
dem Briefe. Darin ſtak eine ſchwarzumränderte Karte, auf
der gedruckt zu leſen war, daß Jürgen Lübbers in Hamburg
geſtorben ſei. Jürgen Lübbers war aber der Windhund,
den Bohlmanns Frau, die Lene, nach der Scheidung ge=
heiratet
hatte. Die Nachricht war Bohlmann denn doch
mächtig in die Knie gefahren, und wenn heute der Back=
ofen
nicht die richtige Hitze, oder vielmehr zu viel Hitze be=
kommen
hatte, ſodaß alles Brot eine Rinde bekam ſo hart
wie Stein, ſo konnte Bohlmann nichts dazu. Daran war
dann der tote Hafenarbeiter Jürgen Lübbers ſchuld!
Wenn ſie nun nix zu beißen hat und kommt mit die
ltten Göhren hier angezogen! Zu gut bin ich, viel zu

au bi ich ſchie er in überdes andere mit. Ich waßg,
ich nehm ſie dann doch wieder, wenn ſie anfängt zu rohren
und zu heulen. Die Tannert hat zweitauſend Mark auf die
Sparkaſſe, und die Lene hat wahrſcheinlich nix wie
Kinners! Mit dieſen Gedanken unter der Pelzmütze hatte
er Schnee geſchaufelt, und es war auch danach geworden,
unordentlich und nicht gerade! Der Schweiß ſtand ihm in
hellen Tropfen auf der Stirn. Ob vom Schneeſchaufeln,
war zweifelhaft.
Da kam Lilli die Allee herauf!
Sieh ſo, dachte er, da kommt die gnädige Frau ge=
gangen
! Wie ſie doch ſo nüdlich herangezwänzelt kommt
mit dem ſchönen Pelz! Die Stadtleute ſind doch kurios.
Wir tragen den Pelz nach innen, daß er warm hält.
Die Stadtleute machen’s wie die Pudel und tragen den
Pelz nach außen. Und was ſie für nen ſtaatſchen Hut
hat! Da kann hier keine gegen an. Von die ſeidenen
Unterkledaſchen gar nicht zu reden!
Ja, dachte Peter Bohlmann, nachdem er die Schau=
fel
vor ſich hingeſtellt hatte, um ſo Lilli Lührſens Näher=
kommen
zu erwarten. Er rückte die Mütze und ſagte recht
zutunlich und gemütlich: Guten Morgen, gnädige Frau!
Sie wollte auch ihm etwas Freundliches ſagen und
fragte, ob das ſchwere Arbeit ſei, das Schneeſchaufeln
nämlich?
Das war nun eine Frage, die kein Menſch in der
ganzen Gegend getan haben würde, nicht einmal ein
Säugling, ob nämlich Schneeſchaufeln ſchwere Arbeit
wväre, noch dazu bei Froſtwetter. Aber Bohlmann hatte
Lebensart und wußte, was ſich gehörte. Einem andern
hätte er ſicher geantwortet: Du Däsbartel, willſt mich
wohl zun Narren halten! Aber, wie geſagt, er drückte
ſich ſehr diplomatiſch aus und erwiderte: Manchmal iſts

ſchor und manhanet iſts ſeiht, des komnt wie dei
allens ins Leben auf die Verhältniſſe an, akkurat wie
bei’s Heiraten!
Lilli fühlte ſich augenblicklich hilflos dieſem dumm=
pfiffigen
Tagelöhner gegenüber, und ſie hätte lieber in
dieſem Augenblick mit einem Miniſter zu tun gehabt als
mit Bohlmann, der breitbeinig mit der Schaufel vor ihr
im Wege ſtand. Es iſt doch wundervolles Wetter heute,
nicht wahr? fragte ſie.
Ja, das ſage ich auch, Frau Lührſen. Nich wahr, bei
uns kann’s Sie wohl gefallen. Hier rechts gleich an die
Allee iſt ſchwerer Weizenboden, aber weiter bergauf wird’s
immer ſchlechter, bloß für Kartoffeln is er ganz gut.
Letztes Jahr war Haber drauf, aber der is man hölliſch
windbeutelig ausgeſchlagen. Aber das is ja auf Stunds
ſo Mode. Sie ſind ja nun doch unſern Herrn Lührſen
ſeine richtige Frau?
Was wollte denn dieſer Menſch? Ja, das bin ich!
ſagte ſie und wurde über und über rot.
Bohlmann dachte, daß ſie doch ine hübſche kleine Frau
wäre. Ja, nix für ungut, gnädige Frau, ich meine man
ſo, wie is das denn nu? Haben Sie ſich wieder ver=
tragen
? Er is ja auswennig oft en büſchen kurz ange=
bunden
, aber inwennig is er gut mit uns! Wir mögen
ihn ganz gern leiden. Bleiben Sie man hier. Auf den
Sommer is es wunderſchön in Halligboſtel.
Großer Gott, was wollte dieſer Menſch? Sollte ſie
umkehren?
Bohlmann aber nahm ihr halbverlegenes Lächeln
als Aufmunterung.
(Fortſetzupg folgt.)

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Schloſſe zu Verſailles. 3. Akt:
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Nach d. 1. u. 2. Aufz. je läng. Pauſe.
Krank: Hr. H. Hacker, Frl. Huber,
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49. Verbandstag der Heſſiſchen Land=
wirtſchaftlichen
Genoſſenſchaften.

St. Im Städtiſchen Saalbau tagte geſtern unter ge=
wohnt
zahlreicher Beteiligung der 49. Verbandstag der
heſſiſchen landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften unter dem
Präſidiums des Verbandsdirektors, Herrn Geheimerat
Haas. Der Präſident hieß die Erſchienenen herzlichſt
willkommen und begrüßte beſonders die Herren Geheime=
räte
Dr. Wagner und Direktor Dr. Nolden= Frank=
furt
, gleichzeitig bedauernd, daß die Staatsregierung
und das Kreisamt keine Vertreter entſandt haben. Red=
ner
wies dann darauf hin, daß der internationale Ver=
bandstag
der landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften in die=
ſem
Jahre in Baden=Baden ſtattfindet und er=
wähnt
das 25jährige Jubiläum des Herrn Oekonomie=
rats
Dr. Heidenreich als Direktor der Zentral=
genoſſenſchaft
.
Bei der Neuwahl von Verbandsausſchußmitgliedern
ereignet ſich ein
Zwiſchenfall.
Direktor Dr. Heidenreich tritt warm ein für Vor=
nahme
der Wahl durch Zuruf, wie dies ſeit jeher Brauch
iſt, obwohl die Statuten Stimmzettel vorſchreiben. Der
vom Präſidenten unterſtützte Vorſchlag wird von der
Spar= und Darlehenkaſſe Griesheim ſcharf bekämpft,
deſſen Vertreter Stimmzettelwahl beantragt. Aus der
längeren, teilweiſe recht erregten Debatte geht hervor,
daß der Proteſt ſich gegen den Bürgermeiſter Senß=
felder
=Büttelborn richtet, der auch in einem Flug=
blatt
von Griesheim aus ſcharf angegriffen wird. Es
wird endlich beſchloſſen, zunächſt eine Wahlvor=
ſchlagskommiſſion
zu wählen und die Wahl ſelbſt
ſeinſtweilen zurückzuſtellen.
Direktor Dr. Nolden=Frankfurt dankt für ſeine
Einladung und hebt beſonders den guten Eindruck her=
vor
, den er im Vorjahre von hier mitnehmen konnte. Er
ſpricht dann warme Anerkennung aus dem Herrn Ver=
bandsdirektor
Haas, dem er unter lebhaftem Beifall
noch langes Wirken im Intereſſe und zum Wohle des
Genoſſenſchaftsweſens wünſcht. Geheimerat Haas
dankt für dieſe Worte und weiſt darauf hin, daß der
Vorredner das mühſelige Werk der Gründung einer
landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaft in Deutſch= Südweſt=
afrika
durchgeführt hat, die dem Reichsverband ange=
ſchloſſen
iſt.
Darauf erteilt Generalſekretär Haas den Jahres=
bericht
.
Der Jahresbericht des Verbandsdirektors für das
Jahr 1911 liegt gedruckt vor. Er verleiht zunächſt dem
Gefühle aufrichtiger Trauer über den Heimgang eines
Mannes Ausdruck, der dem Verbandsausſchuß eine lange
Reihe von Jahren zugehört hat, des Herrn Gutsbeſitzers
Wilhelm Seiboldt zu Nieder=Eſchbach in Oberheſſen. Der
Dahingeſchiedene hat ſich ſtets mit warmem Herzen in den
Dienſt des Genoſſenſchaftsweſens geſtellt und an der För=
derung
desſelben regen Anteil genommen. Im Jahre
1910 hat ſich wiederum, ſo heißt es weiter, eine bemerkens=
werte
Zunahme der landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften
vollzogen, doch blieb der Zuwachs gegen die Vorjahre
etwas zurück. Die Vermehrung betrug: 813 Genoſſenſchaf=
ten
im Jahre 1910. Demgemäß hat ſich die Zahl der länd=
lichen
Genoſſenſchaften geſteigert auf: 24175 am 31. De=
zember
1910. An dieſer bemerkenswerten Zunahme ſind
alle Genoſſenſchaftsarten, wenn auch in verſchiedenem
Grade, beteiligt. Während ſich die Spar= und Darlehens=
kaſſen
, Bezugs= und Abſatzgenoſſenſchaften und namentlich
die Molkereigenoſſenſchaften relativ gering vermehrt haben,
nämlich um 3, 4 bezw. 2 Prozent des vorjährigen Beſtan=
des
, iſt der Zuwachs bei den ſonſtigen Genoſſenſchaften

ein ſehr erheblicher geweſen. Auf dem Gebiete der Geſetz=
gebung
ſei zunächſt der Nachwirkung der Reichsfinanz=
reform
gedacht, welche namentlich mit den Beſtimmungen
hinſichtlich der Stempelſteuer den Intereſſenkreis der land=
wirtſchaftlichen
Genoſſenſchaften fühlbar berührt hat. Das
kürzlich zuſtande gekommene Wertzuwachsſteuer=Geſetz be=
rührt
die landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften vornehmlich
inſofern, als ſie ſich mit dem Güterverkehr befaſſen. An=
geſichts
der ſteigenden Zahl berufsmäßiger Beamten in
der Genoſſenſchaftsorganiſation hat der Entwurf eines
Verſicherungsgeſetzes für Angeſtellte auch für genoſſen=
ſchaftliche
Kreiſe tiefgehende Bedeutung. Ein ſehr lebhaf=
tes
Intereſſe, nicht ſelten verquickt mit politiſchen Motiven,
hat das Kaligeſetz erweckt. Die von ihm bewirkte Verbil=
ligung
der Kaliſalzpreiſe hat zweifelsohne zu einer augen=
fälligen
Steigerung des Kalikonſums beigetragen. Die
innere Entwickelung der Genoſſenſchaften iſt durch das
Streben nach Vervollkommnung und Vertiefung gekenn=
zeichnet
. Einen recht beachtenswerten Fortſchritt ſtellt die
vom Bayeriſchen Landesverband landwirtſchaftlicher Ge=
noſſenſchaften
ſeit einigen Jahren eingerichtete Veranſtal=
tung
von einmonatlichen Unterrichtskurſen zur Ausbildung
von Rechnern, Geſchäftsführern uſw. dar. Der gemeinſame
Bezug landwirtſchaftlicher Bedarfsartikel ſcheint, nach man=
cherlei
Beobachtungen zu urteilen, in jüngſter Zeit einen
gewiſſen Stillſtand ſeines Wachstums aufzuweiſen. Be=
dauerlicherweiſe
iſt auf dem Gebiete des gemeinſamen Be=
zuges
die Neigung zur Eigenbrödelei im Wachſen und
der Handel dabei der lachende Dritte. Ein eigenartiges,
aber nicht herzerfreuendes Schauſpiel iſt es, daß zur glei=
chen
Zeit, wo in landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaftskrei=
ſen
jener ſchlimme deutſche Erbfehler die Uneinigkeit
zutage tritt, der Handel ſich des Genoſſenſchaftsprinzipes
bedient und ſich zu machtvollen Bezugszentralen, wie z. B.
für Kali und Thomasmehl, vereinigt. Die Zerſplitterung
der genoſſenſchaftlichen Wirkſamkeit iſt umſomehr zu be=
dauern
, als das ſtändige Vorkommen minderwertiger Lie=
ferungen
ſeien ſie unbewußt oder mit Abſicht erfolgt
auf die Geſundung des landwirtſchaftlichen Bedarfsartikel=
handels
durch leiſtungsfähige Konſumentenorganiſationen
hinweiſen.
Von den beſtehenden 24175 ländlichen Genoſſenſchaften
hat ſich die überwiegende Mehrheit im Reichsverband zu
gemeinſamer zentraler Arbeit zuſammengefunden. Ihm
gehörten in 41 Provinzial= und Landesverbänden Ende
1910 an zuſammen 19113 Genoſſenſchaften. Die Zunahme
der Beſtandsziffer von 18633 Genoſſenſchaften Ende 1909
auf 19113 Genoſſenſchaften Ende 1910 iſt namentlich durch
ſtarke Zugänge bei den Verbänden Hannover (49), Halle
(47), Kiel (39), München (34), Straßburg I (32), Dresden
(30), Karlsruhe (30), Breslau (Raiffeiſen (28), Roſtock (27).
Berlin (Raiffeiſen) (26) zu erklären. Im Mittelpunkt der
Geſchäftstätigkeit des Reichsverbandes, ſoweit ſie nach
außenhin der weiteren Oeffentlichkeit gegenüber zutage
trittt, ſtand die Abhaltung des 26. Deutſchen landwirtſchaft=
lichen
Genoſſenſchaftstages in den Tagen vom 7.9. Juli
1910 in Koblenz. Ueber ſeine Verhandlungen haben wir
ſeinerzeit berichtet. Die Entwickelung der Zentralkaſſen
des Reichsverbandes war im Berichtsjahr eine günſtige.
Der Geſamtumſatz der territoriellen Zentralkaſſen des
Reichsverbandes ſtieg nach den vorläufigen Angaben von
4892 Millionen Mark im Jahre 1909 auf 5460 Millionen
Mark im Jahre 1910. Das Geſamtbetriebskapital dieſer
Zentralkaſſen erhöhte ſich von 262 Millionen Mark im Jahre
1909 auf 292 Millionen Mark im Jahre 1910. Im Zuſam=
menhang
mit der eingetretenen größeren Geldflüſſigkeit
zeigten die Einlagen der Genoſſenſchaften wiederum ein
Wachstum von 187 Millionen Mark im Jahre 1909 auf 214
Millionen Mark im Jahre 1910. Die Zentral=Ein= und
Verkaufsgenoſſenſchaften haben im Berichtsjahr im Ver=
gleich
zu früheren Jahren nur beſcheidene Fortſchritte auf=
zuweiſen
.
Der Bericht geht dann eingehender auf den Verband
der heſſiſchen landwirtſchaftlichen Genoſ=
ſenſchaften
ein. Der Beſtand an Mitgliedergenoſſen=
ſchaften
war am Schluſſe des Berichtsjahres 1910 zuſam=
men
674 Genoſſenſchaften mit 70015 Mitgliedern. Seit=
dem
ſind ausgeſchieden infolge Auflöſung 16 Genoſſen=
ſchaften
. Neu beigetreten ſind zuſammen 14 Genoſſenſchaf=
ten
mit 1113 Mitgliedern. Der heutige Stand beträgt mit=
hin
zuſammen 672 Genoſſenſchaften mit 70 396 Mitgliedern.
Keinem Zweifel unterliegt es, daß kaum einem zweiten
ſozialen Gedanken eine ſolche Werbekraft innegewohnt hat

und noch imewehn, wie dem Gensſenſchafsgedanken=
Dieſe werbende Kraft muß ſich vor allem in dem Arbeiten
und Wirken einer beſtehenden Genoſſenſchaft offenbaren.
Zur oberſten Richtſchnur ſeiner agitatoriſchen Tätigkeit, den
genoſſenſchaftlichen Gedanken in irgend einer Form dort,
wo es noch möglich, feſten Fuß faſſen zu laſſen, hat ſich
der Verband daher die eingehende Prüfung der Frage ge=
ſetzt
, ob im einzelnen Falle für die genoſſenſchaftliche Grün=
dung
ſowohl Daſeinsberechtigung wie Daſeinsfähigkeit
ſprechen.
Vom Spar= und Kreditverein Nieder=
Modau ſagt der Bericht u. a.: Der Spar= und Kreditver=
ein
Nieder=Modau iſt im Jahre 1874 gegründet worden.
Sein Beitritt zum heſſiſchen Verband erfolgte im Jahre
1879. Die Geſchäftsführung des Vereins war von Anfang
keine einwandfreie. Trotzdem verſtand er, ſich in weiten
Kreiſen der Bevölkerung Vertrauen zu erwerben, ſo daß
ihm von nahe und ferne bei weitem mehr fremde Gelder
in Form von Spareinlagen zufloſſen, als er in ſeinem
eigentlichen Geſchäftsbetrieb, ſowie zur Befriedigung des
Perſonalkredits ſeiner Mitglieder benötigte. Die Folge
war, daß die überſchießenden kurzfriſtigen Betriebsmittel
in einer Weiſe Anlage fanden, die im Laufe der Zeit immer
nehr den genoſſenſchaftlichen Prinzipien der Liquidität und
hauptſächlich der Sicherheit Hohn ſprachen. Nicht nur, daß
man übermäßige Beträge in meiſtens faulen Hypotheken
und in Kaufſchillingen feſtlegte, gewährte man auch Blanko=
lredite
in beliebiger Höhe, machte unbeſchränkte Geſchäfte
mit Nichtmitgliedern im Jahre 1899 war bereits über
die Hälfte der Betriebsmittel bei ſolchen feſtgelegt unter=
ließ
den Einzug fälliger Zinſen faſt vollſtändig, ſo daß
Ende 1902 der Zinſenausſtand die horrende Höhe von über
220000 Mark erreicht hatte. Von Einhaltung einer Kredit=
grenze
ſah man entweder ab oder ſetzte ſich über die T=
ſtellung
hinaus, indem man einzelnen Perſonen Kredite
bis zu 100000 Mark und 200000 Mark gewährte. Der Be=
zirk
der Genoſſenſchaft nahm allmählich einen immer grö=
ßeren
Umfang an. Jeder, der ſonſtwo kein Geld belam,
wandte ſich nach Nieder=Modan. Allen genoſſenſchaftlichen
Grundſätzen wurde ſomit direkt ins Geſicht geſchlagen.
Infolge des Umſtandes, daß der Rendgnt Adam, der einer
angeſehenen und wohlhabenden Familie emſtammte, allent=
halben
ſich großer Achtung und Beliebtheit erfreute, ge=
lang
es ihm, die Beteiligung an der Geſchäftsführung der
Kaſſe ſeitens der übrigen Vorſtandsmitglieder und die Kon=
trolltätigkeit
des Aufſichtsrats immer mehr auszuſchalten
und allein das Heft in die Hand zu bekommen. Mit den
genoſſenſchaftlichen Mitteln ſchaltete und waltete nun Adam
beinahe nach Willkür, er lieh Gelder ohne jede Genehmig=
ung
aus, ſogenannte gute Freunde verleiteten ihn zu Spe=
kulations
= und Wechſelgeſchäften gewagteſter Art, kurzum,
immer mehr griffen Zuſtände Platz, die die Zukunft des
Kreditvereins im unheilvollſten Lichte erſcheinen ließen.
Wie Vorſtand und Aufſichtsrat ſo beſeelte auch die Geſamt=
heit
der Mitglieder ein blinder Vertrauensduſel zu Adam.
Wenn nur alljährlich eine hohe Dividende zur Verteilung
kam häufig von 10 Prozent und man die Gewißheit
hatte, daß das Geſchäftsergebnis ein fröhliches Ge=
lage
auf Koſten der Genoſſenſchaft geſtatteie, ſo geneh=
migte
man anſtandslos jede Bilanz, mochte ſie auch formell:
und materiell unrichtig aufgeſtellt ſein, und erteilte der Ge=
ſchäftsführung
Entlaſtung. Nach weiteren intereſſanten
Darlegungen ſchließt der Bericht: Als Pflicht des Verban=
des
iſt es aber zu betrachten, nichts unverſucht zu laſſen,
um die Genoſſenſchaft auf beſſere Wege zu bringen und
Mitgliedern und Gläubigern ihr Geld zu erhalten. Leider
kam das Werk nicht zuſtande. Sein Mißerfolg iſt zwar
zum Teil auf die erfolgte Irreführung zurückzuleiten, zum
nicht geringſten aber auch auf die Tatſache, daß die direkt
intereſſierten Faktoren zuviel an den eigenen Nutzen und
zu wenig an das gemeinſame große Ziel dachten.
Zu den Spar= und Darlehenskaſſen ergeben die Zahlen,
daß das Jahr 1910 für die Kreditgenoſſenſchaften als ein
im großen und ganzen glücklich verlaufenes bezeichnet wer=
den
kann. Für die Bezugs= und Abſatzgenoſſenſchaften wird
die Konkurrenz des Handels von Jahr zu Jahr eine ſchär=
fere
und erbittertere. Dies zeigt fich auch in dem Umſtand,
daß der Geſamtwarenbezug im Jahre 1910 etwas zurück=
gegangen
iſt. Auch das Verhältnis der Genoſſenſchaften
zu den Warenzentralen läßt noch vieles zu wünſchen übrig.
Oft hört man noch die Anſicht ausſprechen, daß ſie ſelbſtt
direkt billiger kaufen müßten, als durch Vermittelung der
Zentralgenoſſenſchaften, die ſich ihre Arbeit durch einen ent=

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ſprechenden Auſchlag auf den Preis ebenſalle bezahlen
ließen. Unter den ſonſtigen Genoſſenſchaften ſind der Zahl
nach am ſtärkſten die Winzergenoſſenſchaften. Das lange
von den Weinintereſſenten, vor allem aber von den Win=
zern
erſehnte gute Weinjahr iſt in 1911 endlich zur Tatſache
geworden. Der Wein dieſes Jahrganges dürfte, was Güte
anbelangt, ſeinem großen Kollegen vor hundert Jahren,
dem 1811er, kaum nachſtehen, dieſen vielleicht ſogar vieler=
orts
noch übertreffen; jedenfalls darf die Qualität des
1911er heute ſchon als eine weit über den Durchſchnitt
hinausgehende angeſprochen werden. Auch inbezug auf
Quantität hat der Heurige im allgemeinen recht befriedigt,
denn es dürfte durchſchnittlich ein guter halber Herbſt ein=
gebracht
worden ſein.
Zur Geſchäftstätigkeit des Verbandes wird bemerkt:
Die Reviſion der angeſchloſſenen Genoſſenſchaften iſt für
den Verband nach wie vor das erſte und wichtigſte Tätig=
keitsfeld
. Im Berichtsjahre wurden 548 Reviſionen vor=
genommen
. Wenn auch im allgemeinen gefagt werden
lann, daß bei weitaus der Mehrheit der Genoſſenſchaften
die Organe mit Eifer bemüht waren, die vorgeſchriebenen
Obliegenheiten zu erfüllen, ſo gibt es andererſeits Idoch
eine nicht unbeträchtliche Anzahl, bei welcher Vorſtand und
Aufſichtsrat es durchaus an dem nötigen Pflicht= und Ver=
antwortlichkeitsgefühl
fehlen laſſen. Es haben mancher=
orts
Entwickelungstendenzen Platz gegriffen die, wenn
ihnen nicht energiſch Einhalt geboten wird, mit Sorge
für die Zukunft erfüllen müſſen. Dies gilt vor allem von
Mißgriffen und Fehlern, die ſeitens der Spar= und Dar=
lehenskaſſen
in der Anlage ihrer überſchüſſigen Gelder ge=
macht
werden.
Der Bericht ſchließt: Wenn auch der Rückblick auf die
genoſſenſchaftliche Arbeit des Jahres 1911 kein ungetrüb=
ter
iſt, ſo kann man doch mit Freude feſtſtellen, daß das
Jahr auch als ein ſolches fortſchreitender geſunder Wei=
ferentwickelung
zu betrachten iſt. Wenn eine Genoſſen=
ſchaft
ſolid und ſicher nach den erprobten Regeln arbeitet,
ſich in keiner Weiſe auf gewagte Geſchäfte einläßt, wenn
Vorſtand ſeine Sache verſteht und der Aufſichtsrat
ihm auf die Finger ſieht, dann können ſich Kataſtrophen
und Verfehlungen nur ſchwer ereignen. Vor allem aber
Hände weg von jeglichem Geſchäften ſpekulativer Art, bei
denen nur der Augenblickserfolg lockt, die aber in ihrem
meiſt zu ſchwerer Reue Veranlaſſung geben, Leuten
a die zu ſolchen Geſchäften verleiten wollen, die Türe
gewieſen. Die Geiſter und Willen ſind heute leider auf
anderem Boden gewachſen: Vor allem mein eigener Vor=
teil
, dann das andere! Das iſt im Weſen heute der
Wahrſpruch der Welt geworden und wirkt leider auch oft
genug auf die Genoſſenſchaften ein. Möge deshalb jeder
ſtets der alten Tatſache eingedenk ſein, daß der Einzelne
am beſten fährt, wenn ſich die Geſamtheit eines guten Ge=
deihens
erfreut. (Lebh. Beifall.)
Der Vorſitzende eröffnet eine
Diskuſſion,
zu deren Beginn er zunächſt den Herrn Verbandsdirektor
Sänger aus Baden begrüßt, der dann im Namen der
70000 badiſchen Genoſſen Grüße überbringt und den
Verhandlungen beſten Verlauf wünſcht. (Lebh. Beifall.)
Genoſſenſchaftler Kämmerer aus Heuſenſtamm
wünſcht noch nähere Auskunft über die Nieder=Modauer
Bank, beſonders darüber, wie es möglich ſein konnte, den
Herrn Beck als Rendant nach Nieder=Modau zu ſchicken,
obwohl dem Verband die Ungeeignetheit des Mannes be=
kannt
ſein mußte. Generalſekretär Haas beſtreitet
das letztere und weiſt darauf hin, daß Beck wohl in
Unterſuchungshaft ſitzt, aber damit noch nicht gerichtet
iſt. Auch Gen. Riches=Groß=Zimmern iſt mit der
gegebenen Aufklärung nicht zufrieden. Der Verband
hätte unbedingt früher eingreifen müſſen, wenn ihm
die mangelhafte Geſchäftsführung bekannt war. (Lebh.
Beifall.) Geheimerat Haas weiſt darauf hin, daß
nicht hier auf dem Verbandstag, ſondern bei der Ge=
neralverſammlung
der landwirtſchaftlichen Genoſſen=
ſchaftsbank
dieſe Rechenſchaft zu fordern ſei.
Direktor Ihrig von der Genoſſenſchaftsbank ſtimmt
dem zu. Er würde gerne hier Auskunft geben, aber es
ſei richtiger, dem Unterſuchungsrichter nicht vorzugreifen.
Der Verband habe übrigens jahrelang verſucht, dort ein=
zugreifen
, aber die Generalverſammlung der Nieder=
Modauer Bank hat immer wieder gegen den Rat der

Genoſſnſchaftsbant die beanſtandeten Perſonen in Vor=
ſtand
und Aufſichtsrat gewählt. Mehrfache Reviſoren
hat der Rechner dann aufs Raffinierteſte zu täuſchen ge=
wußt
. Als dann der Zuſammenbruch nicht mehr aufzu=
halten
war, hat die Genoſſenſchaftsbank alsbald Sanier=
ungsverhandlungen
eingeleitet, die aber trotz lebhafter
Bemühungen nicht durchzuführen waren, weil die Mit=
glieder
dahin ſich raten ließen, nicht zu zahlen, ſondern
die Genoſſenſchaftsbank die Verluſte tragen zu laſſen.
Das war nicht angängig und ſo wurde der Konkurs un=
vermeidlich
. Nähere Auskunft werde auf der Generalver=
ſammlung
gegeben werden. (Beifall.)
Gen. Eckſtein=Griesheim hält den Vorwurf auf=
recht
, daß der Verband wiſſen mußte, daß Beck nicht der
geeignete Mann war für Nieder=Modau. Verantwort=
lich
für die Verluſte ſei in erſter Linie der Aufſichtsrat.
Iſt dies der Fall, müſſen dieſem auch Grundlagen für
eine Beaufſichtigungs= und Reviſionstätigkeit gegeben
werden. Dieſe Grundlagen biete nur die Geſchäftsord=
nung
, die ſehr unzulänglich ſei. Redner ſtellt dazu fol=
genden
Antrag:
Der Verbandstag wolle beſchließen: Die Verbands=
verwaltung
wird beauftragt, die Geſchäftsordnung, welche
vom Verband entworfen und herausgegeben wird, einer
Reviſion zu unterziehen und dieſelbe den heutigen Ver=
hältniſſen
entſprechend zu erweitern und auszubauen
unter Anlehnung an die Geſchäftsbeſtimmungen der
Landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaftsbank in Darmſtadt.
Den Kreditgenoſſenſchaften des heſſiſchen Verbandes
aber wird zur Pflicht gemacht, dieſe Geſchäftsordnung
als für ſie geltend anzunehmen, und dem Verband die
Pflicht auferlegt, die Reviſionen auf Grund dieſer Unter=
lagen
durch ſeine Reviſoren auszuführen.
Generalſekretär Haas und Direktor Ihrig neh=
men
den Rendanten Beck wiederholt in Schutz. Direktor
Ihrig hält den Antrag wohl für praktiſch, doch meint er,
daß der Verband eines ſolchen Antrages nicht bedurft
hätte. Der Vorſitzende ſagt zu, den Antrag beim Reichs=
verband
zu vertreten. Gen. Ritz meint, wenn die be=
ſtehenden
Vorſchriften genau befolgt würden, käme auch
heute ſchon nichts vor. (Lebh. Zuſtimmung.)
Gen. Palmy=Gundernhauſen greift ſcharf die Ge=
noſſenſchaftsbank
an, die er allein verantwortlich macht.
Die Angriffe werden mit gleicher Schärfe durch Direktor
Ihrig zurückgewieſen. Wenn den wohlgemeinten Rat=
ſchlägen
der Genoſſenſchaftsbank gefolgt worden wäre,
hätte die Sanierung glatt durchgeführt werden können,
ohne daß die Spareinleger irgend etwas verloren hätten.
Gen. Palmy hält ſeine Darſtellungen aufrecht.
Auch Oekonomierat Walter=Lengfeld nimmt die Ge=
noſſenſchaftsbank
in Schutz und meint, wenn die zu Un=
recht
Angeſchuldigten Gelegenheit gehabt hätten, ſich vor
Gericht zu rechtfertigen, werde man auch Wege finden, die
Nieder=Modauer Kaſſe zu ſanieren, ohne den Konkurs
durchzuführen. Dann wird ein Antrag aufe Schluß
der Debatte angenommen.
Die Rechnung
ſchließt ab mit einer Geſamteinnahme von 140 725,54
Mark und einer Geſamtausgabe von 13494995 Mark,
der Rechnungsüberſchuß beträgt 5775,59 Mark.
Hierzu kommt Rechnungsüberſchuß aus den Vorjahren
mit 75006,65 Mark, ſodaß der Geſamtüberſchuß
beträgt 80 782,23 Mark. Der Rechnungsprüfer beantragt
Entlaſtung, die dem Vorſtand erteilt wird.
Nächſter Punkt der Tagesordnung iſt
Neuregelung der Jahresbeiträge.
Nach dem Referat des Generalſekretärs Haas wer=
den
einige Anträge hierzu vorgelegt, die allgemein auf
Erhöhung der Beiträge hinzielen. Begründet werden die
Anträge im weſentlichen mit der durch die notwendig
gewordene Verſchärfung der Reviſionen bedingter Perſo=
nalvermehrung
uſw.
Ein Genoſſenſchafter regt an, einen Reſervefonds zu
ſchaffen, etwa dadurch, daß pro Kopf 12 Mark erhoben
werden, und aus dieſem Fonds in Fällen, wie Nieder=
Modau, Hilfe zu erteilen. Dem tritt Direktor Dr. Hei=
denreich
entgegen. Der Vorſchlag des Vorſtandes wird
dann angenommen.
Wahlen.
Gen. Grünewald=Babenhauſen berichtet dann
über die Beſprechung der Wahlvorſchlagskommiſſion, die

zu dem Entſchluß gekommen iſt, daß Bürgermeiſter
Senßfelder wieder wählbar iſt und die Wiederwahl
ſämtlicher Ausſcheidenden durch Zuruf empfiehlt.
Gen. Eckſtein=Griesheim ſpricht ſich nochmals ſehr
ſcharf gegen die Wahl Senßfelders aus, wenn die=
ſer
nicht vorziehen ſollte, ſein Amt als Vorſtand der
Groß=Gerauer Kaſſe niederzulegen. Es kommt wiederum
zu lebhafter, ausgedehnter Debatte, die damit endet, daß
ſämtliche ausſcheidenden Herren: 1. Geh. Regierungsrat
Bichmann=Darmſtadt, 2. Oekonomierat Dr. Heidenreich=
Darmſtadt, 3. Bürgermeiſter Keller=Spiesheim, 4. Bür=
germeiſter
Löſch=Wald=Uelversheim, 5. Gutsbeſitzer Merg=
ler
=Gernsheim, 6. Lehrer i. P. Ritz=Darmſtadt, 7. Bür=
germeiſter
Senßfelder=Büttelborn, 8. Oekonomierat Wal=
ter
=Lengfeld wieder gewählt und in der Erſatzwahl für
die verſtorbenen Verbandsausſchußmitglieder 1. Oeko=
nomierat
Wernher=Nierſtein Rendant Paul Wern=
her
=Nierſtein, 2. Gutsbeſitzer Wilh. Seiboldt I.= Nie=
der
=Eſchbach Direktor Fenchel=Griedel gewählt wer=
den
. Schließlich wird gegen die Wahl proteſtiert, jedoch
ohne Erfolg.
Durch die infolge dieſes Ergebniſſes entſtehende an=
dauernde
Unruhe bleibt der Vortrag des Herrn Geh.
Hofrats Profeſſor Dr. Wagner über
Die Propagandatätigkeit auf dem Ge=
biete
der Düngerverwendung
unverſtändlich. Auch die wiederholten Verſuche des Vor=
ſitzenden
, Ruhe zu ſchaffen, bleiben erfolglos. Redner
beſpricht den Unterſchied zwiſchen der Propaganda der
Düngerinduſtrie und der der Landwirtſchaft. Die Pro=
paganda
der erſteren iſt auf Abſatz, die der letzteren auf
rationelle Düngung gerichtet. Die Düngerinduſtrie ſei
immer bereit geweſen, zur Verbreitung der wiſſenſchaft=
lichen
Ergebniſſe beizutragen. Er verbreitet ſich dann
eingehend über die Tätigkeit der landwirtſchaftlichen
Verſuchsſtation, der Verbreitung ihrer Propagandaſchrif=
ten
uſw. Die langjährigen Verſuche haben ergeben, daß
es in Heſſen dem Boden faſt überall, in Aeckern und Wie=
ſen
, an Phosphorſäure fehlt. Da das Phosphor aber!
noch ſehr teuer war, konnte eine durchgreifende Düng=
ung
zunächſt nicht erfolgen. Da kam dann die Thomas=
ſchlacke
, die zu ſehr niedrigem Preiſe angeboten wurde.
Im Jahre 1884 wurde die Thomasſchlacke geprüft, und
man fand, daß ſie ganz verkehrt angewendet wurde. Man
erkannte die ungeheure Bedeutung des Thomasſchlacken=
mehles
, deſſen reichſte Anwendung Redner der heſſiſchen
Landwirtſchaft empfahl, zu einer Zeit, da es noch ſehr
billig (14 Pfg.) angeboten wurde. 1888 habe er dann
die Erfahrungen auch weiteſten Kreiſen bekannt
gemacht. Die Qualität des Thomasmehles verbeſſerte
ſich von Jahr zu Jahr, was ſeine Verwendung ganz be=
deutend
erhöhte (in 25 Jahren von 6 auf 36 Millionen
Doppelzentner). Das brachte auch der Landwirtſchaft
bedeutenden Aufſchwung. Vor 25 Jahren habe Redner
in einem Gutachten ein Programm für die Dünger=
propaganda
aufgeſtellt, das er bis heute konſequent durch=
geführt
habe. Die deutſche Regierung hat dem Pro=
gramm
zugeſtimmt und es hat gute Früchte getragen.
Von 100 Millionen vor 25 Jahren iſt der Geſamtver=
brauch
auf 440 Millionen Mark geſtiegen. Die Propa=
ganda
iſt aber auch heute noch nicht unnötig geworden.
Namentlich auch bei uns in Heſſen muß die Düngung
in vielen Gegenden auf Aeckern und Wieſen noch er=
heblich
verſtärkt werden. Vermehrte Düngung muß aber
mit beſſerer und paſſenderer Saat Hand in Hand gehen.
Noch vieles andere kommt hinzu. Freilich muß das
Geld für eine erneute umfangreiche Propaganda geſchaffen
werden. Nicht beſſer, wie hier, könne Kapital angelegt
werden. Der Verbrauch muß auf 700 Millionen ſteigen
und dementſprechend der Ertrag der Landwirtſchaft.
(Lebh. Beifall.)
Der Vorſitzende ſpricht dem Redner Dank aus und
erklärt unter lebhaftem Beifall, daß für die heſſiſchen
Landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften Geheimerat Wag=
ner
immer bleiben wird, was er ſtets war: unſer
Wagner.
Geheimerat Wagner dankte herzlichſt für die Ova=
tion
und gab der Hoffnung Ausdruck, daß das Ver=
trauen
der heſſiſchen Landwirtſchaft ihm auch in Zukunft
den Mut der Arbeit erhalten wird. (Lebh. Beifall.)
Darauf wird die Tagung mit einem Schlußwort des!
Verbandsdirektors Haas gegen 2 Uhr geſchloſſen.

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an einem Fahrweg. Offert. unter
(*5466
O. 41 an die Exp.

Geſucht
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Kaſerne des Leibgarde=Regts. 115,
zwei gut möblierte Zimmer
(Schlaf= u. Wohnzimmer) in guter
Lage. Adreſſen unter O. 46 in
d. Exp. d Bl niederzul (*5462imd

leiteres Fraulein ſucht ein un=
Amöbliertes Zimmer mit Koch=
vorrichtung
in gutem Haus. Off.
unter O. 67 a. d. Exped. (*5515

zut möbl. Wohn= u. Schlaf=
6 Zimmer mit 2 Betten zum
Preiſe von 40 Mk. geſucht. Oif
unter O. 65 an die Exp. (5355

Für ein anſtändiges Fräukein,
das einige Zeit zurückgezogen leben
will, wird bei mäßigem Preis
liebev. Penſion geſucht. Off. mit
Preis unter O 40 Exped. (*5491

mmerten
Wohnhaus mit Stallungen
und ſonſtigen Gebäulichkeiten unt.
günſtigen Bedingungen zu ver=
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. Das Haus eignet ſich
für jedes Geſchäft. Offerten unt.
AA 37 an die Expedition. (B4776

Hübsches Landhaus
direkt am Wald geleg., bill. zu verk.
Off. u. M 70 an die Exp. (*4779msi