Darmstädter Tagblatt 1912


23. Februar 1912

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175. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Der Herzog Adolf Friedrich zu Mecklen=
burg
wird zum Gouverneur von Togo er=
nannt
werden.
Zwiſchen dem Grafen Berchtold, dem deutſchen
Reichskanzler und dem ruſſiſchen Mini=
ſterpräſidenten
fand ein freundſchaftlicher De=
peſchenwechſel
ſtatt.
Der Geograph Profeſſor Richard Andree iſt im Alter
von 76 Jahren geſtorben.
Die Einladung des engliſchen Premier=
miniſters
an die Arbeitgeber und Arbeiter im
Kohlenbergbau zu einer Beſprechung iſt beider=
ſeits
angenommen worden.
Durch ein Großfeuer in Houſton (Texas) ſind
viele Wohnhäuſer, Fabriken und Kirchen und 5060000
Baumwollballen zerſtört worden.

Etats=Nachleſe.

Nach ſechstägiger Debatte iſt die erſte Leſung des
Etats zu Ende gegangen, natürlich ohne daß man ſich
mit den Einzelheiten des Reichshaushaltes ſehr ein=
gehend
befaßt hätte. Von geringen Abſchweifungen
abgeſehen, beſchäftigten ſich ſämtliche Redner vorwiegend
mit politiſchen Auseinanderſetzungen, und Mangel an
Stoff war diesmal wahrlich nicht zu verzeichnen. Mögen
auch die Meinungen ſcharf auf einander geplatzt ſein, ſo
kann man doch konſtatieren, daß die Sitzung im großen
und ganzen einen durchaus würdigen Verlauf nahm, und
daß uns die vielfach erwarteten ſtürmiſchen Szenen er=
ſpart
geblieben ſind. Namentlich der erſte Teil der Etats=
debatte
bewegte ſich auf einem recht hohen Niveau, und
es blickte das Beſtreben hindurch, die herrſchenden Gegen=
ſätze
nicht unnötigerweiſe noch weiter zu verſchärfen.
Dieſe Abſicht war löblich, und ſie hat ihre guten Früchte
getragen, gleichwohl aber vermag der Gang der Verhand=
lungen
doch nicht über die Kluft hinüber zu täuſchen, die
ſich zwiſchen den beiden großen Parteikonſtellationen auf=
getan
hat.
Aeußerlich genommen mag das Reſultat der Erörter=
ungen
nicht wichtig erſcheinen, in Wirklichkeit aber hat
es nicht an Momenten von nicht zu unterſchätzender Be=
deutung
für die Entwicklung der inneren Politik gefehlt.
Um ein greifbares Ergebnis vorweg zu nehmen, iſt aus
den Darlegungen des Reichskanzlers und noch mehr des
Schatzſekretärs heraus zu leſen, daß bei den noch zu er=
wartenden
Wehrvorlagen die Erbſchaftsſteuer in der
Deckungsfrage eine wichtige Rolle ſpielen wird. Sie
dürfte auch Veranlaſſung zu einem Konflikt geben, nach=
dem
ſowohl das Zentrum wie auch beſonders die Kon=
ſervativen
erklärt haben, daß ſie unter keinen Umſtänden
für die Erbanfallſteuer zu haben ſein werden. Herr von
Bethmann Hollweg hat der Rechten deswegen Vorhal=
tungen
gemacht, Erfolg hat er dabei aber nicht gehabt.
Noch ein wichtiges Ergebnis hat die Etatsdebatte im
letzten Moment gezeitigt. Die Vorgänge bei der Präſi=
dentenwahl
und ihre Folgeerſcheinungen dürften dahin
führen, daß die Nationalliberalen bei der Präſidenten=
wahl
mit der Rechten zuſammen gehen und daß die Wahr
eines ſozialdemokratiſchen erſten Vizepräſidenten eine
Epiſode geweſen ſein wird. Auf der andren Seite kommt
die nationalliberale Partei dadurch aus einer mißlichen
Klemme, da die in ihren Reihen jetzt herrſchende Erreg=
ung
ſich legen und eine Einigung wieder erfolgen dürfte.
Nunmehr gilt es, im Reichstage ſich der prakitſchen
Arbeit zu widmen, und an Arbeit fehlt es wahrlich nicht.
In einigen Wochen dürften auch die Wehrvorlagen fer=
tig
ſein, die zweifellos den Höhepunkt der Verhandlun=
gen
bringen werden.

Der Entwurf eines Reichs=Theatergeſetzes.

* Wie die Tägl. Rundſchau hört, befindet ſich zurzeit
bei der zuſtändigen Reichsbehörde der Entwurf eines
Reichstheatergeſetzes in Vorbereitung, der indeſſen noch
nicht ſo weit gediehen iſt, daß er noch in dieſer Tagung

bereits dem Bundesrat und dem Reichstag wird
zugehen können.
Im übrigen ſcheint man nach wie vor an den zu er=
wartenden
Entwurf in Bühnenkrekſen Hoffnungen zu
knüpfen, die nicht erfüllt werden können. Bei weiblichen
Bühnenangehörigen ſcheint namentlich die Anſicht zu be=
ſtehen
, daß beim Anſtellen von Schauſpielern auch die
Gehaltsfrage einer geſetzlichen Regelung unterliegen ſoll.
Anderſeits wird. angenommen, daß die Theaterzenſur an
das Reich übertragen werden ſoll. Dieſe Anſichten ſind
naturgemäß unzutreffend. Denn einmal ſteht die Reichs=
regierung
nach wie vor auf dem Standpunkt, daß ſie in
den freien Arbeitsvertrag in Bezug auf Gehalt und Lohn
nicht mit geſetzlichen Maßnahmen eingreifen will. Ander=
ſeits
iſt durchaus nicht in Ausſicht genommen, an der Zu=
ſtändigkeit
der Bundesregierungen in Bezug auf Theater=
fragen
in irgend einer Weiſe zu rütteln.
Ein Reichstheatergeſetz kann ſich lediglich auf ſo=
zialpolitiſche
Fragen beziehen, und zwar auf
die Gebiete, die auch ſonſt ſchon reichsgeſetzlich zwiſchen
Arbeitgebern und Angeſtellten anderer Berufsſtände ge=
regelt
ſind. Dahin gehört die Dauer der Beſchäftigung,
die Gewährung ausreichender Ruhepauſen uſw. Nur um
dieſe Fragen hat es ſich auch bei der vor längerer Zeit
ſtattgehabten Beratung gehandelt. Sie varfolgte din
Zweck, feſtzuſtellen, wie der Schutz der Bühnenangeſtell=
ten
in ſozialer Beziehung mit den wirtſchaftlichen In=
tereſſen
der Bühnenleiter zu vereinen iſt. Auch die
Altersverſorgung von Schauſpielerinnen
und Schauſpielern kann für eine geſetzliche Re=
gelung
nicht mehr in Frage kommen ,da durch das ſo=
eben
verabſchiedete Verſicherungsgeſetz für An=
geſtellte
dieſe Frage auch für Bühnenangeſtellte erle=
digt
iſt. Dieſe ſind ohne Rückſicht auf den Kunſtwert
ihrer Leiſtungen als Privatangeſtellte der Verſicherungs=
pflicht
unterworfen, ſoweit ihre Einkommenverhältniſſe
den geſetzlichen Vorſchriften dafür entſprechen.

Der neue öſterreichiſch=ungariſche Miniſter
des Aeußern Graf Berchtold

telegraphierte anläßlich ſeiner Ernennung zum Miniſter
des kaiſerlichen und königlichen Hauſes und des Aeußern
an den deutſchen Reichskanzler:
Durch die Gnade Sr. Majeſtät, meines allergnädig=
ſten
Herrn, zum Poſten eines Miniſters des kaiſerlichen
und königlichen Hauſes und des Aeußern berufen, gereicht
es mir zu einem beſonderen Vergnügen, in dieſer Eigen=
ſchaft
Ew. Exzellenz zu begrüßen. Mein verewigter, tief=
betrauerter
Vorgänger erblickte in dem Dreibunde
die unverrückbare Grundlage ſeiner Poli=
tik
. Er hat ſich durch die ſtets bewährte Bundestreue
jenes hohe Maß von Vertrauen erworben, das ihm ſei=
tens
der verbündeten Mächte entgegengebracht worden
iſt. Indem ich nun das von dem Grafen von Aehrenthal
hinterlaſſene reiche Erbe inniger vertrauensvoller Be=
ziehungen
zu der deutſchen Regierung antrete, hoffe ich
zuverſichtlich, auf die bundesfreundliche, tatkräftige Un=
terſtützung
Ew. Exzellenz rechnen zu dürfen.
Reichskanzler von Bethmann Hollweg
beantwortete die Depeſche des Grafen Berchtold folgen=
dermaßen
:
Ew. Exzellenz danke ich herzlichſt für das Telegramm,
womit Sie die Güte hatten, mir Ihre Ernennung zum
Miniſter des k. und k. Hauſes und des Aeußern ver=
ſönlich
mitzuteilen. Ich ſpreche Eurer Erzellenz zu dem
Beweiſe hohen Vertrauens, den Ihr allergnädigſter Herr
Ihnen damit gegeben, meine wärmſten Glückwünſche
aus in der feſten und frohen Ueberzeugung, daß die ver=
trauensvollen
, bundesfreundſchaftlichen Be=
ziehungen
, die Ihr unvergeßlicher Herr Amtsvor=
gänger
ſo zielbewußt gepflegt, in gedeihlicher Weiſe ſich
fortentwickeln werden. Ihnen zur Erfüllung der würde=
vollen
, hohen Aufgabe vollen Erfolg wünſchend. bitte ich,
Eure Exzellenz verſichert zu ſein, daß ich in feſter Bun=
destreue
beſtrebt ſein werde, Ew. Erzellenz Politik, wo
ich kann, mit allen Kräften zu unterſtützen.
Der ruſſiſche Miniſterpräſident Ko=
kowtzow
und der ruſſiſche Miniſter des Aeu=
ßern
Saſonow haben anläßlich der Ernennung des
Grafen Berchtold zum Miniſter des kaiſerlichen und
königlichen Hauſes und des Aeußern Glückwunſchtele=
gramme
an dieſen geſandt. Die Depeſche des ruſſiſchen
Miniſterpräſidenten lautet in deutſcher Ueberſetzung:
Ich erfahre ſoeben, daß Sie von Ihrem Souverän
zu dem Poſten des Miniſters des Aeußern berufen wor=
den
ſind und dieſen angenommen haben. Geſtützt auf
unſere alten Beziehungen, bitte ich Sie, bei dieſer Gele=
genheit
meine aufrichtige Gratulation und die beſten

Wünſche entgegenzunehmen und an die beſondere Ge=
nugtuung
zu glauben, die die Nachricht Ihrer Ernennung
in mir hervorgerufen hat. Ich bin gewiß, daß Ihre Be=
mühungen
dahin zielen werden, die auf die Erhal=
tung
des Friedens gerichteten gemeinſamen
Beſtrebungen unſerer Regierungen noch wirkſamer
zu geſtalten.
Das Telegramm Kokowtzows erwiderte Graf Berch=
told
mit folgenden Worten:
Sehr dankbar für die ſympathiſchen Worte, die Sie
die Güte hatten mir anläßlich meiner Berufung auf den
Poſten des Miniſters des k. und k. Hauſes und des
Aeußern zu übermitteln, ſpreche ich meine aufrichtigſten
Wünſche dahin aus, daß die von eminent fried=
lichen
Gefühlen geleiteten Bemühungen der beiden
Regierungen zur Befeſtigung und Entwickelung der Be=
ziehungen
der beiden benachbarten und
befreundeten Reiche dienen werden.
Die Antwort Berchtolds auf die Depeſche Saſo=
nows
lautet: Sehr gerührt von den ſympathiſchen
Wünſchen, die Sie die Güte hatten auszudrücken, bin ich
glücklich, Gelegenheit zu haben, unſere einſtigen ausge=
zeichneten
Beziehungen, an welche ich das beſte Andenken
bewahre, wieder anzuknüpfen. gez. Berchtold.

Die Neue Freie Preſſe ſchreibt: Wenn man die
Kundgebungen zuſammenhält, welche der Miniſter des
Aeußern Berchtold mit den leitenden Perſönlichkeiten
Deutſchlands, Italiens und Rußlands gewechſelt har,
ſo zeigt ſich deutlich, in welchen Beziehungen zu ſeinen
großen Nachbarn ſich Oeſterreich=Ungarn bei dem Hinſcheiden
von Aehrenthals befindet. Das Bündnis mit Deutſchland
beſteht in ungeſchwächter Kraft, die Allianz mit Italien
iſt neu befeſtigt, die Trübung iſt geſchwunden, die zwiſchen
der Monarchie und Rußland aus der Zeit der Annexions=
kriſe
zurückgeblieben war. Aehrenthal hat in der Tat
ein reiches Erbe hinterlaſſen.

Deutſches Reich.

Die Wahlprüfungsko mmiſſion des
Reichstags hat entſprechend der Vereinbarung des
Seniorenkonvents die Abſicht, in flottem Tempo zu arbei=
ten
. Die von ihr behandelten Wahlprüfungen ſollen dann
möglichſt ſofort vom Plenum erledigt werden.
Die Tagung des Zentralausſchuſſes
der Fortſchrittlichen Volkspartei, die ur=
ſprünglich
auf den 9. und 10. März angeſetzt worden
war, hat verſchoben werden müſſen, weil nach Beſchluß
des Seniorenkonvents des Reichstags der 9. und 11.
März ſitzungsfrei bleiben. Der Zentralausſchuß wird in=
folgedeſſen
nunmehr zum 16. und 17. März nach Berlin
einberufen werden.
Deutſch=engliſche Verhandlungen.
Der Berliner Lokalanzeiger bringt einen aus London
datierten, Aufſehen erregenden Artikel über engliſch=
deutſche
Verhandlungen. An unterrichteter Stelle erfährt
das Wolffſche Bureau, daß die Angaben des Artikels
lediglich auf Kombinationen beruhen und daher geeignet
ſind, falſche Erwartungen und falſche Befürchtungen her=
vorzurufen
.
In dem Artikel iſt geſagt: Lord Haldane habe nach
ſeiner Rückkehr mit dem Grafen Metternich konferiert und
das angeſtrebte Ziel beſtehe in der Aufſtellung einer Art
Protokoll, worin über die großen Hauptfragen der Welt=
politik
die Anſchauungen und prinzipiellen Standpunkte
der beiden Regierungen niedergelegt werden ſollen und
das beide Parteien als Richtſchnur für ihre weitere Poli=
tik
annehmen wollen, ſo daß in Zukunft jeder deutſch=
engliſche
Intereſſenkonflikt rechtzeitig diskutiert und ver=
nieden
werden könne. Auch ſolle das Protokoll loyale
Friedens= und Freundſchaftsverſicherungen beider Teile
enthalten urd üher die beiderſeitigen Wünſche und Ab=
ſichten
keinerlei Zweifel beſtehen laſſen. Es ſoll ſich um
keine Entente handeln, wohl aber um eine vollkommene
politiſche Einigung über alle denkbaren Streitfragen. Ein
Dokument, wie es in dieſer Art vielleicht noch nicht dage=
weſen
iſt. Frankreich, das über den Fortgang der Be=
prechungen
auf dem Laufenden gehalten war, ſoll auch
von dem ganzen Protokoll Kenntnis erhalten. Abge=
chloſſen
ſind die Beſprechungen noch nicht, doch iſt es un=
wahrſcheinlich
, daß Kolonialfragen von Bedeutung oder
Rüſtungsfragen eine Hauptrolle ſpielen werden. Die
Intereſſenſphären in Südafrika ſind zwiſchen Deutſch=
land
und England ſchon durch den Vertrag von 1899 ab=
gegrenzt
worden. Die Frage künftiger Rüſtungen werde
wohl in der Hauptſache von dem Grade der Beruhigung
abhängen, der durch eine Verſtändgiung zwiſchen Deutſch=
land
und England in der ganzen Welt eintreten wird.
Herzog Adolf Friedrich Gouverneur
von Togo, Gegenüber der in letzter Zeit vielfach auf=

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Seite 2.

getauchten Behauptung, daß der mecklenburgiſche Herzog
Africanus zum Nachfolger des Freiherrn v. Rechenberg
für Deutſch=Oſtafrika beſtimmt ſei, können wir feſtſtellen,
daß dies nicht der Fall iſt. Wohl aber ſteht jetzt, wie
Berliner Blätter erfahren, das andere feſt, daß Herzog
Adolf Friedrich als Gouverneur nach Togo gehen wird.
Der Geſetzentwurf über die Errich=
tung
eines gemeinſamen thüringiſchen
Oberverwaltungsgerichts mit dem Sitz in
Jena wurde vom Landtag des Herzogtums Altenburg
einſtimmig angenommen. Zum ſtaatlichen Bevollmäch=
tigten
für Sachſen=Altenburg wurde Geh. Staatsrat
Frhr. v. Hardenberg ernannt.

Ausland.

Frankreich.
Die franzöſiſch=ſpaniſchen Verhand=
lungen
. Ueber die Unterredung zwiſchen Garcia
Prieto, Geoffray und Bunſen wird aus Madrid gemeldet,
daß Spanien endgültig folgende Punkte annehme:
1. Schlichtung etwaiger Reklamationen durch ein
internationales Schiedsgericht; 2. allgemeines Schieds=
gericht
für alle mit dem künftigen Abkommen zuſammen=
hängenden
Fragen; 3. Vereinheitlichung der Zolltarife;
4. Verpflichtung Spaniens, ſeine Rechte auf die ihm zu
überlaſſende Zone an niemanden, auch nur zeitweiſe,
abzutreten; 5. Reviſion des Madrider Abkommens von
1885, bezw. des Schetzverhältniſſes der Eingeborenen.
Was die Ernennung des Vertreters des Sultans in der
ſpaniſchen Zone anlangt, ſo verlangt Spanien eine mög=
lichſt
baldige Ernennung dieſes Vertreters und beſondere
Bürgſchaften für deſſen Befugniſſe. Bezüglich der Bahn
Tanger-Fez ſchlägt Spanien vor, daß die Betriebsgeſell=
ſchaft
der franzöſiſchen Strecke 30 Prozent ihrer Einnah=
men
der ſpaniſchen Geſellſchaft überlaſſe, welch letztere
30 Prozent ihrer Einnahmen der franzöſiſchen Geſellſchaft
zu überlaſſen hätte.
Der Temps bemerkt, daß dies für Frankreich einen
beträchtlichen Nachteil bilden würde, da die franzöſiſche
Strecke weit größer iſt als die ſpaniſche. Die Frage der
Gebietskompenſationen würde noch nicht erörtert, da
Spanien um eine genauere Feſtſtellung der franzöſiſchen
Anſprüche erſucht hat.
England.
Die perſiſche Frage. Bei der Fortſetzung der
AAdreßdebatte im Unterhauſe brachte der Radikale Pon=
ſonby
ein Amendement ein, indem er erklärt, die britiſche
Regierung habe, indem ſie es unterließ, wirkſame Schritte
zur Aufrechterhaltung der der Integrität und Unabhängig=
keit
Perſiens entſprechenden Wortlauts des engliſch=ruſſiſchen
Abkommens zu tun, eine ſchwere Bedrohung Indiens und
der Lebensintereſſen Großbritanniens zugelaſſen.
Grey antwortete in einer längeren Rede auf die Kri=
tik
an der perſiſchen Politik und gab ein Geſamtbild der
Lage in Perſien. Er betonte, daß das engliſch=ruſſiſche
Abkommen nicht eine Ausdehnung der Verantwortlichkeit
Englands darſtelle, ſondern eine Begrenzung ſeiner Ein=
wirkung
bei einer entſprechenden Begrenzung der ruſſi=
ſchen
Einwirkung, und erklärte, das Abkommen ſei auf
beiden Seiten eingehalten worden. Der ruſſiſche Einfluß
ſei in Nordperſien vorherrſchend geweſen, bevor das Ab=
kommen
getroffen wurde. Die Frage, wie England jetzt
ſtrategiſch daran ſei, hänge von dem Gebrauch ab, der
von dem ruſſiſchen Einfluß in Nordperſien gemacht wor=
den
ſei. Was für Schwierigkeiten auch mit Bezug auf
die inneren perſiſchen Angelegenheiten beſtanden hätten,
ſo ſei der ruſſiſche Einfluß doch nicht benutzt worden,
um die ſtrategiſche Lage an der indiſchen Grenze ungün=
ſtiger
zu geſtalten als ſie vor dem Abkommen war. Die
Anweſenheit der ruſſiſchen Truppen in Nordperſien ſei
durch verſchiedene Urſachen hervorgerufen worden, aber
die britiſche Regierung ſei in Kenntnis geſetzt worden,
daß die ruſſiſchen Truppen nicht in der Abſicht einer dau=
ernden
Beſetzung Perſiens in dieſes Land entſandt wor=

den ſeien. Der Miniſter wies weiter darauf hin, daß die
ruſſiſchen Truppen nicht die einzigen ausländiſchen Trup=
pen
in Perſien ſeien. Es ſtänden auch türkiſche Truppen
jenſeits der Grenze in Perſien. Sie ſeien allmählich
immer weiter vorgeſchoben worden, und die ſpätere An=
weſenheit
ruſſiſcher Truppen in Nordperſien dürfte zu
noch weiterem Vorrücken der türkiſchen Truppen geführt
haben. Wenn die ſtrategiſche Lage Rußlands bedroht
würde oder durch Vorrücken der türkiſchen Truppen viel=
leicht
geſchädigt würde, ſo ſei Rußland befugt. zum Schutz
ſeiner Intereſſen jede Maßregel, die es für nötig halte, zu
ergreifen. Im weiteren Verlaufe ſeiner Rede erklärte
Grey, die Regierung habe ſich geweigert, den früheren
Schah anzuerkennen, doch könne dieſer nicht ausgewieſen
werden, außer auf Grund von Bedingungen. Dem frü=
heren
Schah ſei durch Vermittelung des ruſſiſchen Kon=
ſuls
mitgeteilt worden, daß ſeine Sache hoffnungslos ſei,
und daß er beſſer täte, das Land zu verlaſſen. Grey ging
dann noch auf die letzte gemeinſame Noke Rußlands und
Englands ein, und bemerkte, man hoffe, daß eine größere
Anleihe auf dem gewöhnlichen finanziellen Wege aufge=
bracht
würde, um der perſiſchen Regierung Geldmittel
zu verſchaffen Die britiſche Intervention in Perſien
müſſe auf britiſchen Intereſſen gegründet ſein. Er würde
es nicht auf ſich nehmen, falls in Nordperſien Streitig=
keiten
entſtehen ſollten, als Schiedsrichter zu funaieren
und das Urteil darüber zu ſprechen. Grey mißbilligte,
daß man ſich alles, was gegen das ruſſiſche Vorgehen
ſpreche, zu eigen mache, und daß Dinge, die offenbar eine
Provokation Rußlands ſeien, unbeachtet blieben. Die
Zukunft ſei nicht frei von Schwierigkeiten, und es ſei nicht
leicht, die perſiſche Regierung aufrecht zu erhalten und die
Wiederherſtellung der Ordnung zu ſichern. Das ſei das
Ziel der engliſchen Regierung.
Das Amendement wurde darauf zurückgezogen.
Norwegen.
Das Storthing wählte den früheren Staats=
miniſter
Konow mit 151 Stimmen, das Adelsthing den
ehemaligen Staatsminiſter A. Berge mit 42 Stimmen
zum Präſidenten.
Rußland.
Militärſteuer. Der Finanzminiſter brachte in
der Reichsduma einen Geſetzentwurf ein, betreffend die
beſondere Militärſteuer für Perſonen, welche von der
Wehrpflicht befreit ſind.
Amerika.
Der Aufruhr in Mexiko. Nach amtlichen Mel=
dungen
breitet ſich die Anarchie in Mexiko immer mehr
aus. Mehrere Städte befinden ſich in Händen der Auf=
ſtändiſchen
. Die Proteſte von Amerikanern gegen die
Plünderungen werden immer zahlreicher.

* London, 21. Febr. In dem Streik der
Glasgower Hafenarbeiter entſchied der
Schiedsrichter zugunſten der Arbeitgeber.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 23. Februar.
* Ernannt haben Se. Könjal, Hoheit der Groß=
herzog
den Finanzrat Guſtav Balſer zu Darmſtadt
unter Verleihung des Amtstitels Oberfinanzrat zum
vortragenden Rat in der Abteilung für Forſt= und
Kameralverwaltung des Miniſteriums der Finanzen
unter Beibehaltung ſeines Referats in der Abteilung für
Finanzwirtſchaft und Eiſenbahnweſen mit Wirkung vom
1. März d. J. an, ferner den Bezirkskaſſier der Bezirks=
kaſſe
Lich, Karl Schmidt zu Lich, mit Wirkung vom
Tage ſeines Dienſtantritts an zum Miniſterialreviſor und
Beamten bei dem Forſtvermeſſungs= und Taxationsbureau.
* Erlaubnis zur Annahme von Orden. Se. Königl.
Hoheit der Großherzog haben dem Regierungsrat
Dreſcher zu Frankfurt a. M. die Erlaubnis zur An=
nahme
und zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dem
Deutſchen Kaiſer und König von Preußen verliehenen
Roten Adler=Ordens 4. Klaſſe erteilt.
* In den Ruheſtand verſetzt haben Se. Königl.
Hoheit der Großherzog den Bezirkskaſſier der Be=

zirkskaſſe Friedberg, Rendanten Friedrich Meißinger
in Friedberg, wegen geſchwächter Geſundheit auf ſein
Nachſuchen.
* Der Bericht über die Zweite Kammer befindet
ſich auf Seite 14 und 15 unſeres heutigen Blattes.
*X* Die Landes=Univerſität Gießen wird im laufen=
den
Winterſemeſter von insgeſamt 1428 Studierenden
und Hörern beſucht, darunter 5 Hoſpitantinnen und 86
Hörerinnen. Neu immatrikuliert wurden zu Anfang
des Semeſters 252 Perſonen, darunter 6 heſſiſche und
23 nichtheſſiſche Studentininen. Nach der Staatsange=
hörigkeit
zählt die Landes=Univerſität unter den 1272
Studierenden 793 Heſſen und 479 Nichtheſſen, darunter
289 Preußen, 42 Bayern, 19 Badener, 9 Württemberger
und unter den insgeſamt 65 Ausländern 44 Ruſſen. Von
den Fakultäten iſt die mediziniſche Fakultät mit 257 Stu=
dierenden
die ſtärkſte. Neuere Philologie ſtudieren 202,
klaſſiſche Philologie 75, Rechtswiſſenſchaft 121, Theologie
83, Tierheilkunde 161, Naturwiſſenſchaften 85, Chemie
33, Landwiktſchaft 69, Mathematik 65, Forſtwiſſenſchaft
21. Unter den 44 ſtudierenden Ruſſen befinden ſich 18
weibliche, die zumeiſt Medizin ſtudieren.
g. Strafkammer. Der bereits wegen Diebſtahls vor=
beſtrafte
, aber bedingt begnadigte 16jährige Rudolf
Götz hatte ſich geſtern abermals wegen mehrerer Dieb=
ſtähle
zu verantworten. Er war im Herbſt vorigen Jah=
res
in einem hieſigen Penſionat als Hausburſche tätig
und bereits damals hatte man ihn im Verdacht, meh=
rere
Diebereien begangen zu haben. Nach ſeiner Ent=
laſſung
ſchlich er ſich noch einmal in das Haus und ent=
wendete
aus einem verſchloſſenen Kaſten 15 Mark. Das
Gericht verurteilte ihn wegen Diebſtahls in drei Fällen
zu 3 Monaten Gefängnis.
Kurſus für Armenpflege und Jugendwohlfahrt.
Nach mehrtägiger Pauſe nahm am Mittwoch der Kurſus
ſeinen Fortgang. In das Programm war eine Beſich=
tigung
der Hauswirtſchaftlichen Fortbil=
dungsſchule
in der Hermannſtraße eingeſchoben wor=
den
, die Mittwoch nachmittag 3 Uhr erfolgte. Eine große
Anzahl Damen und Herren nahmen teil. Die Hauswirt=
ſchaftliche
Fortbildungsſchule ſteht unter Oberleitung der
Großh. Bürgermeiſterei. Sie hat die Aufgabe, die aus
der Volksſchule entlaſſenen Mädchen durch Belehrung,
Beiſpiel und Uebung für die Aufgaben der Hauswirt=
ſchaft
zu befähigen. In unſerer Stadt beſtehen drei Ab=
teilungen
dieſer Schule und zwar in der Rundeturmſtraße,
Lagerhausſtraße und Hermannſtraße. An der Schule
wirken außer dem Leiter noch 3 Volksſchullehrer, 3 Hand=
arbeitslehrerinnen
. 1 Hilfslehrerin. 3 Haushaltungs=
lehrerinnen
. 1 Lehrerin für Bügeln und 2 für
Kleidermachen. In allen Abteilungen wird in Hand=
und Maſchinennähen. Flicken und Stopfen. Sticken, Klei=
dermachen
. Bügeln, Kochen, Waſchen und Putzen, Rechnen
und Geſchäftsaufſatz Unterricht erteilt. Die Unterrichts=
ſtunden
liegen im Waſchen und Putzen täglich vormittags
von 812 Uhr, in den übrigen Unterrichtsgegenſtänden
nachmittaas zwiſchen 37 Uhr. Außerdem werden be=
ſondere
Abendkurſe im Kochen, Einmachen und Backen
abgehalten. Das Schulgeld beträgt monatlich 1 Mark für
hieſige und 3 Mark für auswärtige Teilnehmerinnen. Für
dieſes äußerſt geringe Entgelt können die Schülerinnen
an allen Kurſen teilnehmen. Die in der Küche zuberei=
teten
Speiſen dienen den Mädchen nach der Herſtellung
als Mahlzeit, für die ſie 15 Pfg. bezahlen. Der ſtädtiſche
Zuſchuß zu den Schulkoſten beträgt pro Jahr über 12000
Mark. Die Schule weiſt auch Herrſchaften in ihr ausge=
bildete
Dienſtmädchen nach. Intereſſenten belieben ſich
an den Leiter, Herrn Lehrer Schäfer, zu wenden. Um
4¼ Uhr ſprach im Städtiſchen Saalbau Herr Regierungs=
aſſeſſor
Kröll über die rechtliche Seite der Fürſorge für
gefährdete und verwahrloſte Kinder und Jugendliche.
Auch die Epilepſie behandelte der Redner in kurzen =
gen
. Der Referent forderte ſchließlich ein Zuſammen=
gehen
der Pädagogen und Pſychiater zur gegenſeitigen
Ergänzung und zur gemeinſamen Löſung ſchwieriger,
noch ſchwebender Fragen der Unterbringung. Lebhafter
Beifall wurde beiden Rednern zu teil. Herr Bürgermei=
ſter
Mueller hob die Notwendigkeit eines Reichsfürſorge=
geſetzes
hervor und dankte Herrn Dr. med. Vix beſonders
für die Bereitwilligkeit zur Mitarbeit in der Jugendfür=
ſorge
. Eine längere Diskuſſion ſchloß ſich an.

Intimes von der Kaiſerin Tſuſi.

** Daß eine chineſiſche Prinzeſſin zur Feder greift und
ein Buch veröffentlicht, iſt etwas Ungewöhnliches; in Lon=
don
erſcheint ſoeben ein Buch der erſten Hofdame der
verſtorbenen chineſiſchen Kaiſerin=Witwe Tſuſi,
und die Verfaſſerin, Prinzeſſin Der Ling, gibt darin eine
feſſelnde Schilderung jener merkwürdigen Frau, die ſo
lange über ein Volk von 400 Millionen Menſchen regierte
und ſelbſt von ihren vielen Gegnern und Kritikern als ein
merkwürdiger und ungewöhnlicher Charakter anerkannt
worden iſt. Die Verfaſſerin hat zwei Jahre lang in un=
mittelbarer
Nähe der Kaiſerin gelebt und entwirft eine lehr=
reiche
Charakteriſtik vom Weſen der vielumſtrittenen ein=
zigen
Retterin Chinas. Tſuſi war eine eigenartige Miſch=
ung
von Gutmütigkeit und ungeduldiger Grauſamkeit, von
angeborener Schlauheit und Klugheit und zugleich von einer
Unwiſſenheit, die auf ihre hohe Stellung und auf ihre Ab=
geſchloſſenheit
zurückzuführen iſt.
Ihr ganzes Leben galt nur dem einen Ziele, China zu
einer mächtigen Nation zu erheben, und ſie litt ſtets unter
dem Gefühl, nicht zu wiſſen, auf welchem Wege dieſes Ziel
zu erreichen ſei. Oft klagte ſie darüber, daß die ganze Laſt
der Regierung auf ihren Schultern liege und daß ſie doch
nichts erreichen könne, da die Männer ihrer Umgebung
alle ihre Beſtrebungen zunichte machten. So gab ſie z. B.
offen zu, daß kaiſerliche Befehle für die Angriffe der Boxer
auf die Europäer in Peking vorhanden waren, aber ſie be=
ſtritt
es ſtets, dieſe Befehle ſelbſt gegeben zu haben. Sie
hatte keine ausgeſprochene Abneigung gegen Fremde, aber
ſie fürchtete ſie und ihre Religion. Sie wollte, daß China
bleiben ſolle, was es war, und einmal vertraute ſie ihrer
Hofdame an, ſie habe oft von ſich gedacht, daß ſie die
klügſte Frau ſei, die je gelebt habe. Obgleich ich viel von
der Königin Viktoria gehört und auch eine chineſiſche
Ueberſetzung ihrer Lebensbeſchreibung geleſen habe, ſcheint
mir ihr Leben doch nicht ſo intereſſant und ereignisreich
als das meine. Dabei verfügte die Kaiſerin über eine un=
gewöhnliche
Menſchenkenntnis und über ein ſehr ſcharfes
und ſicheres Urteil. Zu einem Gartenfeſt im Kaiſerſchloſſe
war einmal auch eine engliſche Dame geladen, die in einem
groben Wollmantel erſchien und mit den Händen in den
Manteltaſchen umherwandelte als ſei es furchtbar kalt.
Dazu trug die Engländerin eine wollene Mütze. Ihre
Majeſtät fragte mich, ſo berichtet die chineſiſche Hofdame in

ihrem Buche, ob ich die Dame geſehen habe, deren Kleider
aus Reisſäcken gemacht ſeien und ob es nicht etwas un=
gewöhnlich
ſei, in einem ſolchen Aufzuge bei Hofe zu er=
ſcheinen
. Und die Kaiſerin fügte hinzu, daß die fremde
Dame, wer immer ſie auch ſei, ſich ſicherlich nicht in anſtän=
diger
Geſellſchaft zu bewegen wiſſe. Ich fühle ſofort,
fügte Tſuſi hinzu, ob dieſe Leute gewillt ſind, die mir als
Herrſcherin zukommende Achtung zu erweiſen, oder ob ſie
das nicht für nötig halten. Dieſe Fremden haben die Idee,
die Chineſen ſeien dumm und unwiſſend, und infolgedeſſen
brauche man ſich bei ihnen nicht ſo ſorgſam zu betragen
als in europäiſcher Geſellſchaft.
Eine beſondere Sorgfalt widmete die Kaiſerin=Witwe
ſtets ihrer Toilette. Sie hatte Dutzende von Flaſchen
mit Parfüm und auch parfümierte Seife. Wenn ſie ihr Ge=
ſicht
fertig gewaſchen hatte, trocknete ſie ſich mit einem
weichen Tuche ab und ſpritzte ſich eine Art von Glyzerin
ins Geſicht, das aus Honig und den Staubfäden gewiſſer
Blumen bereitet war. Dann bedeckte ſie ihr Geſicht mit
einem ſtark duftenden roſafarbenen Puder. Die Garderobe
der Kaiſerin war ſehr umfangreich und faſt jedes einzelne
Stück eine Koſtbarkeit. In der Friſur trug ſie Blumen
und Juwelen, wie überhaupt Perlen und Edelſteine ihre
beſondere Vorliebe bildeten. Ueber dem Gewande trug ſie
eine Art Cape, das aus gegen 3500 Perlen gearbeitet war,
ja ſie pflegte ſogar goldene Fingernägelſchoner zu tragen,
die ungefähr drei Zoll lang waren. Aber wie weiblich die
Kaiſerin in Dingen des Schmuckes und Putzes auch em=
pfand
, ſie liebte es ſehr, als Mann angeſprochen und be=
handelt
zu werden. Sie war ihrem Weſen nach auch viel
männlicher und tatkräftiger als ihr Sohn, der Kaiſer, der
immer von den beſten Abſichten beſeelt war und doch nie
die Kraft beſaß, etwas zu verwirklichen.
Durch das ganze Leben der Kaiſerin zieht ſich als ein
tragiſcher Gegenſatz ihr heißer Wunſch, China zu helfen
und das rührende Unvermögen, den rechten Weg dafür zu
finden. Ich bekomme fortwährend große Denkſchriften,
in denen dieſe oder jene Reform vorgeſchlagen wird ſo
meinte die Kaiſerin einmal halb lächelnd, halb verzweifelt,
aber es ſcheint, daß wir nie auch nur einen Schritt weiter
kommen. So bietet dieſes Buch der chineſiſchen Hofdame
zum erſten Male ein menſchliches Bild der vielumſtrittenen
Herrſcherin, die ſo oft in blinder Einſeitigkeit als ein
wahres Scheuſal der Grauſamkeit und Herrſchgier geſchil=
dert
worden iſt.

Großherzogliches Hoftheater.

Mittwoch, 21. Februar:
Zar und Zimmermann.
W-l. Daß die heutige Aufführung der Oper Zar und
Zimmermann hinter früheren Aufführungen zurückſtand,
iſt darin begründet, daß es ſich zum Teil um Aushilfs=
beſetzungen
handelte und das Enſemble aus Mitgliedern
dreier Theater ſich zuſammenſetzte. Der köſtliche Humor
der Lortzingſchen Muſik kam denn heute auch nur zu ſchwa=
cher
Geltung. Herr Boel vom Stadttheater in Mainz,
der vertretungsweiſe die Partie des van Bett ſang, ent=
behrt
zwar in Mimik und Darſtellung nicht der Komik, die
Stimme aber, die übrigens keinen ausgeſprochenen Baß=
charakter
hat, iſt zu wenig ausdrucks= und modulations=
fähig
, als daß er die geſänglichen Pointen in einer ſeinen
Intentionen entſprechenden Weiſe herausarbeiten könnte.
Auf Engagement für das Fach der erſten Soubrette gaſtierte
Frl. Katharina Jüttner vom Stadttheater in Metz.
Ihre äußere Erſcheinung eignet ſich wenig für dieſes Fach,
hr noch unfertiges Spiel und die völlige Abhängigkeit vom
Kapellmeiſter laſſen darauf ſchließen, daß ſie noch eine An=
fängerin
iſt; nur im 3. Akte ging ſie etwas aus ſich heraus.
Der geſangliche Vortrag an ſich verdient dagegen Lob,
wenn auch die Stimme ohne charakteriſtiſche Färbung iſt.
Herr Semper als Zar war im Dialog zu ſalbungs=
voll
, ſang aber die Parkie mit Wärme und ſorgfältiger
Tonbehandlung. Neu war Herr Bernhardt als Peter
Iwanow, der in Spiel zu unruhig und nervös iſt und zu
haſtig ſpricht. Eigentümlich wirkte die Beſetzung der Par=
ie
des windigen Franzoſen durch den Heldentenor Herrn
Becker. Stimmlich kam ſie aber dabei nicht ſchlecht weg.
Herr Becker erntete mit dem ſentimentalen Lied im 2. Akte
ſogar Beifall bei offener Szene. Die kleineren Partien
waren durch die immer die Situation beherrſchende Frau
Rudolph (Witwe Brown), Herrn Stephani (Lord
Syndham) und Herrn Kräger (Lefort) beſetzt.
Das Publikum, das ſich anfangs reſerviert verhielt,
ſpendete zuerſt nach der draſtiſchen Schlußſzene des
2. Aktes lebhafteren Beifall.
Der neu ernannte Hoftheaterdirektor Dr. Eger wohnte
der Vorſtellung bei.

[ ][  ][ ]

Die Wahl der Vertreter der Kaſſemitglieder der
ſtaatlichen Betriebskrankenkaſſe zur Generalverſammlung
und deren Erſatzmänner findet ſtatt: für die Provinz
Oberheſſen: Montag, den 4. März 1912, vormittags 10½
bis 11½ Uhr zu Homberg a. O. im Sitzungsſaale des
Großherzoglichen Amtsgerichts; für die Provinz Star=
kenburg
: Mittwoch, den 6. März 1912, nachmittags von
2½4 Uhr in Groß=Gerau im Sitzungsſaale des Groß=
herzoglichen
Kreisamts; für die Provinz Rheinheſſen:
Freitag, den 8. März 1912, nachmittags von 3½4½
Uhr in Worms im Sitzungsſaale des Großherzoglichen
Kreisamts. Für die in den Provinzen Oberheſſen und
Starkenburg beſchäftigten Kaſſemitglieder werden je 10
Vertreter und für die in der Provinz Rheinheſſen beſchäf=
tigten
Kaſſemitglieder 5 Vertreter und für jeden Vertre=
ter
ein Erſatzmann gewählt. Bezüglich des weiteren
wird auf § 29 des Statuts verwieſen.
* Der Heſſiſche Landesverein vom Roten Kreuz in
Verbindung mit dem Alice=Frauenverein ver=
anſtaltet
, wie ſchon mitgeteilt, auch in dieſem Jahre
Lehrgänge für Damen, die während eines Krie=
ges
vorzugsweiſe in der freiwilligen Krankenpflege hier
in Darmſtadt tätig ſein wollen. Der theoretiſche Lehr=
gang
beginnt, wie nochmals erwähnt ſei, am 1. März
und beſteht, wie ſeither, aus 20 Vorleſungen, die der
Großh. Leibarzt Herr Dr. Happel jeden Montag,
Mittwoch und Freitag von 57 Uhr nachmittags im
Feſtſaale des Ludwig=Georg=Gymnaſiums abhalten
wird.
Die Konferenz für evangeliſche Gemeindearbeit
in Darmſtadt veranſtaltet nächſten Montag, den 26. Fe=
bruar
, abends 8 Uhr, eine Zuſammenkunft im Gemeinde=
haus
, Kiesſtraße 17. Der Tag iſt für ſie ein Gedenktag,
da an ihm der Führer auf dem Gebiete evangeliſcher Ge=
meindereform
und Gemeindeorganiſation, Paſtor D.
Sulze, ſein 80. Lebensjahr vollendet. Dieſer Erinner=
ung
entſpricht die Wahl des Themas: Bekanntes und
Vergeſſenes aus Sulzes Programm für Reform der
evangeliſchen Gemeinden, namentlich der Stadtgemein=
den
. An das Referat, das Profeſſor Lic. Matthes
übernommen hat, wird ſich eine eingehende Beſprechung
anſchließen. Außer den Konferenzmitgliedern ſind auch
alle Freunde der Sache willkommen.
* Vom Blaukreuzverein. Man ſchreibt uns:
Während die Welt ihre tollen Streiche unter der Maske
und im ausgelaſſenen Mummenſchanz ausübte, hielt das
hieſige Blaue Kreuz im Stadtmiſſionshauſe, Mühl=
ſtraße
24, eine ernſte und doch liebliche, geſegnete
Evangeliſationsverſammlung ab. In kurzen, klaren
Strichen wies Herr Prediger Schöpfwinkel=Offenbach an
der Hand von Pſ. 136, V. 23 hin auf die Unterdrückung
des Volkes Iſrael durch Pharao und dabei auf den
Druck, die Laſt, das Elend, hervorgerufen durch den
Alkohol. Aber Gott gedachte an ſein Volk und ſieht
auch das heutige Geſchlecht, wie es ſeufzt trotz Spiel,
Tanz, Maskerade und Alkohol. Er kam in ſeinem ge=
liebten
Sohne und ſchuf eine Errettung, an welcher
Jeder, der glaubt, Anteil haben kann. Gnade und Güte
werden frei und umſonſt dargeboten. Auch die zweite
Anſprache von Herrn Prediger Meiſter hier hob klar
das Elend hervor, das durch die Sünde in die Welt
gekommen iſt. Wo aber die Sünde mächtig geworden
iſt, da iſt die Gnade in Chriſto noch viel mächtiger.
Jedem Elend, jeder Gebundenheit und den Mächten der
Finſternis gegenüber iſt Jeſus gewachſen und gibt
Heilung, Freiheit, Licht dem Bittenden. Zwiſchen den
Anſprachen boten auch der gemiſchte Geſangchor, ein
Männerquartett, ein Sologeſang und Poſaunenvortrag
und drei ſehr ergreifende, zu Herzen gehende Dekla=
mationen
Erquickung, ſodaß jeder Teilnehmer etwas
Bleibendes und wirkliche geiſtliche Nahrung für den
Ernſt und Kampf des Lebens mitnehmen konnte. Solche
Verſammlungen haben bleibenden und Ewigkeitswert.
k. Jubiläum im Hauſe Merck. Der hier in weiten
Kreiſen allgemein beliebte Buchhalter Hch. Jung feierte
geſtern ſein 25jähriges Dienſtjubiläum im Hauſe
E. Merck. Dem Jubilar dürfte es an Ehrungen und
Glückwünſchen ſicher nicht gefehlt haben.
* Briefmarken=Ausſtellung in Darmſtadt. Der
hieſige Briefmarken=Sammler=Verein, Sek=
tion
Darmſtadt des Internationalen Philateliſten=
Vereins Dresden, beabſichtigt, zur Feier ſeines
25jährigen Beſtehens am 23. Marz d. J. eine
Briefmarken=Ausſtellung im engeren Rahmen zu veran
ſtalten. Die Ausſtellung findet im Blauen Saal
des Hotel Heß ſtatt der durch ſeine günſtige Lage
uud die guten Lichtverhältniſſe ſich vorzüglich zu einer
derartigen Veranſtaltung eignet. Die zahlreichen An=
meldungen
der ausſtellenden Mitglieder, die von dem
Guten nur das Beſte zeigen werden, gewährleiſten ſchon
heute einen hohen Genuß für die Beſucher. Die Aus=
ſtellung
wird ſich auf die Poſtwertzeichen aller Länder
der Erde erſtrecken; neben den klaſſiſchen Marken Alt=
Deutſchlands und Europas werden Auslandſtaaten,

ſowie deutſche und engliſche Kolonien in reicher Aus=
wahl
vertreten ſein. Die geplante Ausſtellung dürfte
bei den Freunden und Liebhabern des ſchönen Brief=
markenſammelſports
vor allem deshalb ein erhöhtes
Intereſſe beanſpruchen, weil es die erſte derartige Aus=
ſtellung
in Darmſtadt ſein wird. Weitere Mitteilungen
werden durch die hieſigen Tagesblätter bekannt gegeben
werden.
* Der Ortsgewerbeverein wird, ſo ſchreibt man uns,
in dieſem Jahre neben ſeinen Veranſtaltungen auch
Wanderungen in die Umgegend von Darmſtadt un=
ternehmen
. Auf weniger bekannten Wegen wird er ſeine
Mitglieder (Gäſte immer willkommen) durch Wald und
Wieſen führen und dabei ſtets beſorgt ſein, daß auch die
Damen und erwachſenen Kinder der Familien teilnehmen
können. Die erſte Wanderung findet am kommenden
Sonntag ſtatt und führt die Teilnehmer von Station
Erzhauſen ab durch den Wildpark (hirſchreichſtes Revier)
nach Meſſel. Da die Wanderung auf alle Fälle und bei
jeder Witterung ſtattfindet, ſo iſt Touriſtenanzug zu em=
pfehlen
, der Führer wird jedoch dem Wetter entſprechende
Wege wählen. In vorläufiger Ermangelung eines Tou=
riſtengewandes
erſcheint es ratſam, nicht gerade das em=
pfindlichſte
anzuziehen; die derbſten Stiefel herbei und
das wetterfeſte Hütchen auf den Kopf, dann wandert es
ſich noch einmal ſo gut. Gilt doch den Wandergenoſſen
und=Genoſſinnen ein froh Geſicht, ein luſtig Gemüt und
ein paar rüſtige Beine mehr als Samt und Seide der
äußeren Hülle, gibt uns doch auch der nun bald wieder
erwachende Frühling in der Natur genug zu beſtaunen,
zu bewundern, ſelbſt zu beneiden. Darum Friſch auf
zur erſten Wanderung am Sonntag. Näheres wird in
dem Anzeigenteil bekannt gegeben.
nn. Ein neues Gartenſtadtprojekt (Waldkolonie)
für Eiſenbahnbeamte und Staatswerkſtättenarbeiter
In der Nähe des ſeiner Vollendung entgegengehenden
neuen Hauptbahnhofs und der neuen Wagen= und
Lokomotiven=Reparatur=Werkſtätten am Dornheimer
Weg und der Mittelſchneiſe wird eben eine Waldwohn=
haus
=Kolonie für Eiſenbahnbeamte und Werkſtätten=
arbeiter
der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahnverwaltung
errichtet. Zur Zeit werden daſelbſt 6 ſchmucke Ein= und
Zweifamilienhäuſer gebaut, denen, demnächſt noch ſechs
weitere folgen werden, ſo daß für 24 Familien billige
Wohnungsgelegenheit geſchaffen iſt. Die ſehr hübſch im
Darmſtädter Landhausſtil erbauten Wohnhäuſer erheben
ſich unmittelbar im Wald und ſind mit allem neuzeit=
lichen
Komfort ausgeſtattet und mit Gas= und Waſſer=
leitung
verſehen. Die Ausführung der Entwürfe dieſer
eigenartigen Bauten ſtammen von der Eiſenbahndirektion
Mainz. Die Wohnhäuſer mit je Dreizimmerwohnungen
und Zubehör ſind nur für Unterbeamte und Arbeiter
beſtimmt, die in den Reparaturwerkſtätten und an dem
Hauptbahnhof Darmſtadt beſchäftigt ſind. Se. Königl.
Hoheit der Großherzog nimmt ganz beſonderes Intereſſe
an der Entwickelung dieſer Waldwohnhauskolonie, da
die auf der Darmſtädter Kunſtausſtellung errichteten
Muſter=Arbeiterhäuſer hierfür teilweiſe als Vorbild
dienten. Die Baukoſten der Einzelwohnhäuſer einſchließ=
ich
Gartengelände ſchwanken zwiſchen 10 und 12000 Mk.
Die Bauausführung der hübſchen Wohngebäude liegt in
den Händen des Herrn Bauunternehmer und Architekten
Ludwig Wagner in Darmſtadt.
Sterbekaſſeverein Darmſtadt. Die Mitglieder
des Sterbekaſſevereins Darmſtadt ( Vor=
ſitzender
: Herr Lehrer Köhres, Pallaswieſenſtr. 50) wer=
den
hierdurch auf die in heutiger Nummer enthaltene
Anzeige betr. die Samstag, den 24. ds. Mts., ſtattfindende
Hauptverſammlung aufmerkſam gemacht. Nach
dem Jahresbericht des z. Zt. 680 Mitglieder zählenden
Vereins betrug das Vermögen desſelben Ende 1910
13992,48 Mk. und Ende 1911 14885,96 Mk. Es hat ſich
ſomit im Jahre 1911 um 893,48 Mk. vermehrt. An Sterbe=
renten
ſind im Jahre 1911 6651,04 Mk. zur Auszahlung
gekommen. Der Vorſtand beabſichtigt, der diesjährigen
Hauptverſammlung erleichternde Beſtimmungen für die
Auszahlung der Sterberenten in ſolchen Fällen vorzu=
ſchlagen
, in denen die Hinterbliebenen von Witwern
oder Witwen teilweiſe im Auslande weilen.
* Aſchermittwochs=Abſchied. Eine gelungene und
urfidele Aſchermittwochs=Abſchiedsfeier
fand Mittwoch abend noch im Café Ernſt Ludwig ſtatt.
Der Prinz wollte diesmal nicht ohne weiteres ſein
freudeſpendendes Szepter aus der Hand legen und ſich
wenigſtens noch einen Abgang mit Glanz ſichern. Er
hatte darum ſeine Getreuen, ſoweit ſie noch nicht Aſche
aufs Haupt geſtreut, zu einem Abſchiedsſouper geladen.
Die Räume des Ernſt Ludwig trugen noch den ſchönen
Apfelblütenſchmuck. Viele getreue Untertanen hatten des
Prinzen Einladung als Befehl angeſehen und füllten
das Feſtlokal bis auf den letzten Platz. Prinz Georg
Ludwig I. mit ſeinem Gefolge und der Ehrenpräſident
der Karnevalgeſellſchaft Narrhalla wurden beim Er=

ſcheinen mit freudigem Halloh begrüßt und zum letzten
Male ertönten beim Einzug die Klänge des Narrhalla=
marſches
. Die Kapelle Weber unter ihrem Faſtnachts=
dirigenten
Richards bot ein fidel=familiäres Konzert
und noch einmal erklangen aus den, ſtellenweiſe aller=
dings
etwas heiſeren, Kehlen die Karnevalslieder, noch
einmal wurde geſchunkelt, getanzt und geſcherzt in ſchön=
ſter
aber wehmutgeſchwängerter Scheideſtimmung.
Auch die Belvedere=Künſtlerſchar nahm an der Abſchieds=
feier
wieder teil. Um 10,11 Uhr ließ der Präſident ſei=
nen
getreueſten Anhängern ein Prunkmahl reichen in
Geſtalt eines ganz vorzüglichen Rollmopſes, der nach
den Tagen des Schwelgens und Genießens trefflich mun=
dete
. Um 11,11 Uhr ſollte Schluß ſein, aber der Prinz
gab den allgemeinen, dringenden Bitten ſeiner Unter=
tanen
nach und verſchloß ſich nicht der Einſicht, daß 11,11
Uhr in der Scheideſtunde zu viel der ſchönen Einſer
enthielt. Er genehmigte gnädigſt die Streichung der
Hälfte, und alles hielt bis 1,1 Uhr aus. Kurz vor der!
Abſchiedsſtunde beſtieg Ehrenpräſident Max Anſpach!
das Podium, um im Auftrage des Prinzen dem zu Ende
gehenden Karneval eine Gedächtnisrede zu halten, die!
aber bald zu einer Willkommensrede des Karneval 19134
wurde, den um 4 Wochen zu verlängern, er feſt verſprach.;
Mit ſtürmiſchem Beifall wurde die Rede aufgenommen.
Dann begannen die Lichter zu erlöſchen, eins nach
dem andern. Die Muſik intonierte einen Trauermarſch,
der mit harter Diſſonanz abbrach, als punkt 1,1 Uhr das
Feſtlokal in tiefem Dunkel lag und draußen, irgendwo
hinten im Hof, hörte man die letzten Töne der Klarinette.
Als die Lichter wieder aufflammten, war die Muſik ver=
ſchwunden
, die vier Tage lang hier nicht zu ſpielen auf=
hörte
, verſchwunden der Prinz, das Gefolge, das när=
riſche
Miniſterium. Der Karneval 1912 war endlich zu
Grabe getragen.
* Liedertafel=Maskenball. Man ſchreibt uns: Wie
alljährlich, ſo wird auch dieſes Jahr die Liedertafel am
Samstag, den 24. Februar, mit ihrem Maskenball den
würdigen Abſchluß des Karnevals in der Turnhalle am
Woogsplatz bilden. Wie ſchon mitgeteilt, findet umt
12 Uhr ein großer Einzug der Venus mit Tannhäuſer.
Grazien, Amor und Amoretten ſtatt. Letztere werden
durch einen luſtigen Reigen die Sache verherrlichen. Die
Dekoration iſt vollſtändig dem Titel des Maskenballes
angepaßt. Zwei Muſikkapellen werden abwechſelnd un=
unterbrochen
ſpielen. Auch das närriſche Miniſterium
der Karnevalgeſellſchaft Narrhalla, an der Spitze
Prinz Karneval, hat ſeinen Beſuch zugeſagt. Da der
Verkauf der Karten ſchon ein ſehr ſtarker iſt, ſo verſpricht
auch der diesjährige Maskenball der Liedertafel wieder
den Glanzpunkt der Saiſon zu bilden. (Näheres Anzeige.)
Faſtnacht=Familienabend des Wartburg=Bereins.
Man ſchreibt uns: Am Faſtnacht=Dienstag vereinigte
ein wohlgelungener Familien=Abend die Mit=
glieder
, Freunde und Gönner des Chriſtl. Vereins junger
Männer Wartburg im Evang. Gemeindehaus, Kies=
ſtraße
Nr. 17. Die große Beliebtheit, welcher ſich die
Veranſtaltungen des Wartburg=Vereins erfreuen, zeigte
ſich auch hier wieder, da, trotzdem an dieſem Tag allent=
halben
Feſtlichkeiten waren, die Feier ſehr gut beſucht
war. Der neuerdings unter Leitung ſeines Muſik=
meiſters
H. Lutz mit ſo großem Erfolg auftretende
Poſaunen=Chor tat auch hier wieder ſein Beſtes und
erwarb großen Beifall durch ſeine exakt vorgetragenen
Stücke. Auch die Spieler des von Herrn Sekretär
A. Reeg verfaßten Feſtſpiels: In Treue vereint,
erzielten durch ihr gutes Spiel reichen Beifall. Der
Männerchor, mehrere Soliſten und eine Turnerriege
brachten durch vorzügliche Leiſtungen reiche Abwechslung
in das Programm. Anſprachen hielten Herr Pfarrer
D. Dr. Diehl und Herr Pfarraſſiſtent Lautenſchläger.
Eine reichhaltige Verloſung erfreute während der Pauſe
die Gäſte. Gegen 11 Uhr trennte man ſich mit dem Be=
wußtſein
, einenkgemütlichen Abend verlebt zu haben.
s. Wegen Veruntreuung flüchtig. Der Reiſende und
Buchhalter der Kaiſermühle in Eberſtadt, Guſtav
Schrappt, iſt ſeit zwei Tagen verſchwunden und wird
ſeitens der hieſigen Staatsanwaltſchaft wegen Unter=
ſchlagung
und Untreue verfolgt. Er hatte jene
Stelle während zweier Jahre inne und ſoll ſie in letzter
Zeit zur Aneignung von Kundengeldern, die er auf
Grund der ihm erteilten Inkaſſovollmacht vereinnahmte,
benutzt haben. Auf 1. April d. J. war ihm gekündigt, er
entfernte ſich jedoch ſchon jetzt. Der vorläufig ermittelte
Betrag der Veruntreuungen beziffert ſich auf über 1800
Mark. Der Flüchtige ſtammt aus Magdeburg, iſt 22
Jahre alt, etwa 1,65 bis 1,70 Meter groß, von ſchlanker,
ſchwächlicher Figur, hat blonde Haare, Anflug von blon=
dem
Schnurrbart, hageres, gelblich=bleiches Geſicht und
ſpricht norddeutſchen Dialekt.
§ Feſtgenommen. Zwei Zwangszöglinge,
welcher aus der Erziehungsanſtalt Ohlyſtift bei Gräfen=
hauſen
entwichen ſind, wurden am Mittwoch hier auf=
gegriffen
und nach der Anſtalt zurückverbracht.

Feuilleton.

C. Meteorologiſches aus Heſſen. (Vgl. Nr. 22 dieſes
Blattes vom 26. Januar.) Der verfloſſene Januar war
im erſten Drittel viel zu mild, während der übrige Teil
eine mäßige Kälte brachte. Das Temperaturmittel ſchwankt
zwiſchen 1,6 Grad Celſius in Mainz und 1,3 Grad in
Ulrichſtein, welch letzterer Station Neunkirchen mit einem
Mittelwert von 0,7 Grad am nächſten kommt. Darm=
ſtadt
notierte 1,3 Grad (0,7 über normal). Der höchſte
Thermometerſtand wurde in Worms mit 10,6 beobachtet,
während in Ulrichſtein 6,7 Grad der höchſte Wert war.
Weit größer waren die Gegenſätze hinſichtlich der nieder=
ſten
Stände, indem Worms nur 7,0 Grad gegenüber
15,4 in Ulrichſtein aufwies. Die Zahl der Froſttage
ſchwankt zwiſchen 18 (in Darmſtadt und Mainz) und 22
(in Lauterbach und Bad=Nauheim), die Zahl der Eistage
zwiſchen 3 und 12. Die Bewölkung war der Jahreszeit
entſprechend eine ſtarke; der Prozentſatz bewegt ſich zwi=
ſchen
75 in Schotten und 85 in Darmſtadt. Oeſtliche Winde
herrſchten in den beiden letzten Dekaden vor, während im
erſten Drittel äquatoriale Luftſtrömungen überwogen, die
an 2 Tagen ſtürmiſch auftraten. Die Niederſchläge, die
ſich in Darmſtadt faſt ausſchließlich auf die erſte Dekade
beſchränkten, waren äußerſt unregelmäßig verteilt. Die
Gegenſätze bilden Herchenhain mit 98,3 und Worms mit
23,9 Millimeter (Darmſtadt: 50,4). In Herchenhain fiel
an einem einzigen Tage (am 5.) mehr als das anderthalb=
fache
des Niederſchlags, den Worms im ganzen Monat er=
reichte
. Die Zahl der Schneetage ſchwankt zwiſchen 2 und
12 und zu einer Schneedecke kam es in den tiefer gelegenen
Gegenden nur am 9. Bezeichnend waren die außerordent=
lichen
Barometerſchwankungen vom 7.9. als Folge einer
tieſen, unmittelbar über unſere Gegend hinwegziehenden De=
preſſion
. Hagelfälle kamen in der Zahl 13 an 9 Sta=
Kionen vor und Gedern und Grebenhain melden, eire in

dieſer Jahreszeit ſehr ſeltene Erſcheinung, je 1 Gewitter.
Die Mittel der Waſſerſtände lagen beim Rhein etwas über
und beim Main etwas unter dem Durchſchnitt.
* Der Durchſchlag des Tunnels Jungfraujoch wurde
erſt am Donnerstag oder Freitag erwartet. Die auf Sta=
tion
Eigergletſcher wohnenden Gäſte lagen noch in tiefer
Ruhe, als die Freudenbotſchaft die ganze Kolonie in Auf=
regung
brachte. Eine Stunde nach dem Durchſchlag fuhr
ein Extrazug nach dem Jungfraujoch bis Kilometer 8,80
Der Tunnel war völlig betriebsfähig. Nur die letzten 500
Meter bis zur Endſtation bedürfen noch des Ausbaues.
Der letzte Schuß traf genau die bezeichnete Stelle. Durch
ein metergroßes Loch krochen bei Tagesanbruch die Mi=
neure
und grüßten den ſüdlichen Himmel. Um 9 Uhr früh
war das Loch erweitert und ein kleines Plateau heraus=
geſchlagen
, auf dem 12 Perſonen die Ausſicht bewundern
konnten. Bis zum Rhonetal war der Fernblick offen. Seit
dem Winter 1907/08 wurde an der etwa 3½ Kilometer
langen Tunnelſtrecke von der Station Eismeer in 3161
Meter Höhe zum Jungfraujoch gearbeitet, jener ſcharfen
Einſenkung, die Jungfrau und Mönch trennt. In 3457
Meter Höhe führt von dieſem Tunnel ein Seitenſtollen
ins Freie. Hier wird die Station Jungfraujoch angelegt
werden. Die Gipfel von Jungfrau und Mönch werden
nun in drei Stunden zu erreichen ſein. Die Bahn wird
vorläufig nicht weiter gebaut. Nach dem letzten Geſchäfts=
bericht
weiſt das Unternehmen ein Aktienkapital von 4 Mil=
lionen
und eine konſolidierte Schuld von 7180000 Francs
auf. Der niedrigen Temperatur wegen mußte bei den
Sprengarbeiten auf dem letzten Teil des Bahnbaues eine
beſonders ſchwer gefrierende Dynamitmaſſe verwandt
werden.
* Koſtbare Bilder. Bei der Fortſetzung der Auktion
Weber in Berlin wurden folgende Preiſe erzielt: Die
Kreuztragung und die Kreuzigung Chriſti von Tiepolo
brachten zuſammen 130000 Mark (Sedelmever=Paris); den

nächſthöchſten Preis erzielte mit 76000 Mark Goyas Bild=
nis
des Don Tomas Perez Eſtala (Kunſthalle Hamburg).
Desſelben Meiſters Revolutionsſzene brachte es auf
20000 Mark (Muſeum Budapeſt). Von Rubens brachte
Das apokalyptiſche Weib 55000 Mark (Muſeum Buda=
peſt
) und das als von ſeiner Hand herrührend vielfach an=
gezweifelte
Bildnis der Helene Fourment 48000 Mark
(Muſeum Brüſſel). Für das gleichfalls angezweifelte Bild
der Infantin Maria Thereſia von Velasquez zahlte der
ruſſiſche Sammler Kanenga 45000 Mark. Die Murillos
Maria als Himmelskönigin und Die Rückkehr der heili=
gen
Familie gingen für 34000, bezw. 32000 Mark weg.
Den Clou der heutigen Auktion bildete ein Männliches
Bildnis von Frans Hals, das gegen Schluß verſteigert
wurde und vom Berliner Kunſthändler Schwerſentz für
195000 Mark für eine ausländiſche Galerie erworben
wurde. Der Erlös des heutigen zweiten Auktionstages
beträgt 1163 220 Mark, ſo daß die Verſteigerung insgeſamt
bis jetzt über drei Millionen Mark gebracht hat.
Die Frauenrechtlerinnen am Scheidewege. Die be=
kannte
New=Yorker Millionärin Frau O. H. P. Belmont,
die durch Errichtung eines billigen Reſtaurants und eines
Schönheitsſalons für das Frauenſtimmrecht Stimmung
zu machen ſucht, muß jetzt erfahren, daß Undank der Welt
Lohn iſt. In ihrem Schönheitsſalon kann man maſſiert,
friſiert und verſchönt werden, die erleſenſten Toilettewaſſer
ſtehen einem zur Verfügung und die Idee, mit dieſem
Köder putzſüchtige Frauen anzulocken und ſo allmählich für
das Frauenrecht zu intereſſieren, hat ſich zwar in der Praxis
bewährt; es fehlt nicht an Kunden, aber den Gehilfinnen
von Mrs. Belmont ſind plötzlich Bedenken aufgetaucht,
und ſo manche Unſtimmigkeiten erſtanden. Zuerſt began=
nen
die Damen, die in dem Reſtaurant kochen und be=
dienen
, zu ſtreiken; Mrs. Belmont wollte ihre eigenen Die=
ner
zur Aushilfe hinſchicken, aber die Männer waren em=
pört
und liefen ohne Kündigung davon. Nun hat auch

[ ][  ][ ]

Offenbach, 22. Febr. Das Infanterie=Regiment 168,
das bisher nur aus zwei Bataillonen beſteht, ſoll durch
die Bildung eines dritten Bataillons auf
die übliche Regimentsſtärke vermehrt werden.
Es handelt ſich jetzt darum, in welcher heſſiſchen Stadt
dieſes neu zu bildende Bataillon garniſonieren ſoll. Das
erſte Bataillon ſteht bekanntlich in Butzbach und das
zweite in Offenbach. Um die Garniſon des dritten Ba=
taillons
haben ſich bereits die Städte Friedberg und Butz=
bach
beworben. Auch an die Stadt Offenbach iſt,
wie in der geſtrigen Sitzung des Verfaſſungsausſchuſſes
mitgeteilt wurde, eine diesbezügliche Anfrage ergan=
gen
. Auf Grund deſſen iſt von dem Beigeordneten Weil
ein Koſtenanſchlag aufgeſtellt worden, nach dem der Bau
einer neuen gemeinſchaftlichen Kaſerne 1800000 Mark
Koſten verurſachen würde. In anbetracht dieſer gewal=
tigen
Ausgaben, die mit der Uebernahme des dritten Ba=
taillons
der Stadt entſtehen würden, wurde einſtimmig
das Angebot abgelehnt.
Offenbach, 22. Febr. Die Achſen= und Räderfabrik
von Dick & Kirſchten, ſowie J. F. Schmid haben
in Gemeinſchaft mit einem auswärtigen Werk ihren
Fabrikbetrieb vereinigt. Die neue Firma, die
vom 1. März ab in Kraft tritt, lautet: Vereinigte Fabri=
ken
Dick & Kirſchten und J. F. Schmid, Offenvach.
Durch die Unvorſichtigkeit einiger Feuerwehr=
leute
, die mit dem Ausbrennen von Kellerwohnungen
bei dem Fuhrunternehmer F in k in der Bettinaſtraße
beſchäftigt waren, war ein Schadenfeuer entſtanden,
das die Scheuer vollſtändig einäſcherte und einen Schaden
von etwa 20000 Mark verurſachte. Der Beſitzer hat jetzt
bei der Stadt einen vorläufigen Schadenerſatz in Höhe
von 650 Mark für verbrannte Futtervorräte geltend ge=
macht
, die auch vom Verfaſſungsausſchuß bewilligt wur=
den
. Die Angelegenheit dürfte noch ein weiteres Nach=
ſpiel
im Gefolge haben, da ohne Zweifel die Feuerver=
ſicherung
ihrerſeits Schadenerſatzanſprüche bei der Stadt
geltend machen wird.
Mainz, 22. Febr. Das Mainzer Journal ſchreibt:
Am 29. Februar kommt beim hieſigen Gericht eine Klage
von Hofrat Behrend gegen den Opernſänger
Spemann in Wiesbaden zur Verhandlung. Als am
110. Februar der Heldentenor Knote zur Siegfried= Auf=
führung
nicht erſchien, wurde Herr Spemann aus Wies=
ſbaden
berufen. Als der Theater=Sekretär, Herr Hentze,
vor der Aufführung zu Spemann in die Garderobe ging,
ium mit ihm über die Honorarfrage zu ſprechen, erklärte
Spemann, mit dem bei früheren Anläſſen ein bedeutend
jgeringeres Honorar ausgemacht worden war, daß er an
dieſem Abend nicht unter 500 Mark ſinge. Dieſes Ho=
norar
wurde auch nach einigem Zögern von dem Sekre=
tär
zugeſagt. Aber dann kam die Ueberraſchung; nach
dem zweiten Akt verlangte Herr Spemann ein Honorar
von 700 Mark, andernfalls er nicht weiterſingen werde.
Das Geld müſſe ſofort ſchon nach dem zweiten Akt
ausbezahlt werden. Der Not gehorchend, wurden durch
die Theaterkaſſe unter Vorbehalt 700 Mark an Spemann
ausbezahlt, ſodaß die Vorſtellung zu Ende geführt wer=
den
konnte. Der Direktor des Mainzer Stadttheaters
ſtrengte am folgenden Tage eine Klage auf Rückzahlung
von 200 Mark an, da Spemann von Anfang an nur 500
Mark verlangt und die Notlage der Direktion benutzt
habe, um weitere 200 Mark zu erhalten.
Pfeddersheim, 21. Febr. Verbrannt iſt geſtern
das dreijährige Mädchen des Arbeiters Schmitt. Die
Frau war gerade abweſend, als das Kind ſich am Feuer
zu ſchaffen machte. Das Hemdchen fing Feuer und im
Nu ſtand das Kind in hellen Flammen. Auf die Hilfe=
rufe
kamen Nachbarn herbei. Die Hilfe kam jedoch zu
ſſpät. An den erlittenen Verletzungen ſtarb das Kind
in kurzer Zeit. Für die Eltern iſt der Verluſt um ſo
ſſchmerzlicher, da es ihr einziges Kind war.
Friedberg, 21. Febr. Einer Düſſeldorfer Induſtrie=
Geſellſchaft iſt von der Staatsregierung das Mutungs=
recht
in den Erlen (nahe bei Melbach) zur Erſchlie=
ßung
eines Eiſenſteinbergwerks verliehen
worden. Die Geſellſchaft will in nächſter Zeit mit den
Vorarbeiten beginnen.
Friedberg, 21. Febr. Ein ſchwerer Unglücksfall
hat ſich geſtern morgen auf der Strecke Friedberg- Hom=
burg
ereignet. Der in Rosbach um 6,35 Uhr abgehende
Perſonenzug überfuhr zwiſchen Block 12 und 13, an
der Stelle, wo die Waſſerleitungsanlagen erbaut wer=
den
, einen bei den Umbauarbeiten beſchäftigten Arbei=
ter
, der in Stücke zerriſſen wurde.
(*) Großen=Linden, 21. Febr. Die Vorrarbeiten zur
Wiederherſtellung deshieſigen Pfarrhau=
ſſes
, welches wohl der älteſte Fachwerkbau in Ober=
ſheſſen
ſein dürfte, ſtehen gegenwärtig ſtill. Das Gebäude
ſiſt ums Jahr 1450 erbaut worden, alſo in der Blütezeit

der deutſchen Baukunſt. Es ſind Beſtrebungen im Gange,
das hervorragende Baudenkmal heſſiſch=deutſcher Kunſt
zu erhalten. Jahrhunderte lang hat es ſchon den Geiſt=
lichen
unſeres Städtchens als Heim gedient.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 21. Febr. Der phil=
harmoniſche
Chor veranſtaltete heute in der Hoch=
ſchule
für Muſik, unter Leitung von Prof. Siegfried Ochs,
auf allerhöchſten Befehl eine Aufführung von Judas Mak=
kabäus
. Der Kaiſer erſchien in Begleitung des Prinzen
und der Prinzeſſin Ernſt Günther. Mitwirkende waren
Hofopernſänger Kirchhoff, Frau Noordewick=Reddingius,
Frau vor Kraus=Osborne, Kammerſänger von Kraus,
ſowie 100 Knaben des Domchors. Die Aufführung war
in allen Einzelheiten hervorragend. Am Schluſſe wurde
Profeſſor Ochs zum Kaiſer gerufen, der ihm ſeine vollſte
Anerkennung ausſprach, ihm den Kronenorden 3. Klaſſe
überreichte und ihm, ſowie allen Mitwirkenden herzlich
dankte. Zum erſten Male trat geſtern das Induſtrie=
nuſeum
vor die Oeffentlichkeit, deſſen Aufgabe es ſein
ſoll, das Verſtändnis für die Arbeit der Induſtrie über
die Fachkreiſe hinaus zu tragen und an dem Welthandels=
platz
Berlin eine ſtändige Ueberſicht über die Erzeugniſſe
der deutſchen Induſtrie zu bieten. Der Streit um die
Kinematographentheater=Stteuer hat am
Mittwoch durch die Beſtätigung der Genehmigung der von
den Schöneberger ſtädtiſchen Körperſchaften be=
ſchloſſenen
Steuerordnung von ſeiten des Bezirksausſchuſ=
ſes
in Potsdam ſeine Erledigung gefunden. Bei der
Vernehmung des mit dem Diebe im Reichskanz=
lerpalais
verklagten, aber freigeſprochenen Hehlers
Szylinski auf dem Polizeipräſidium mußte dieſer zuge=
ben
, daß er den ausgeſprochenen Verdacht, der Dieb Wal=
ter
Döring ſei auch der Mörder der Witwe Hoffmann
aus der Blumenthalſtraße, nur auf Mutmaßungen ſtützen
önne. Die Nachprüfung der Angaben ergab ihre völlige
Haltloſigkeit.
Wiesbaden, 21. Febr. Karl Schurich t, der Diri=
gent
des Rühlſchen Geſangvereins in Frankfurt a. M.,
wurde zum erſten Kapellmeiſter des hieſigen Kur=
orcheſters
gewählt.
Deſſau, 22. Febr. Vor dem Schwurgericht hatte
ſich die 45jährige Bergmannsfrau Brandt aus Heck=
lingen
wegen Mordes und Mordverſuches zu verant=
worten
. Sie ſtieß ihre 3 Kinder im Alter von 1½ bis 10
Jahren in die Bode und ſprang nach. Ein Arbeiter
rettete die Frau und ein Kind, die anderen zwei Kin=
der
ſind ertrunken. Das Gericht ſprach die Angeklagte,
die die Tat aus Elend begangen hatte, von der Anklage
des Mordes frei, verurteilte ſie aber wegen Totſchlags
unter mildernden Umſtänden zu fünf Jahren Ge=
fängnis
.
Stendal, 21. Febr. Zu drei Monaten Ge=
fängnis
wurde von der Strafkammer in Stendal der
ſozialdemokratiſche Fabrikarbeiter Hein verurteilt, der
einen Mitarbeiter, der bei der Wahl in Tangermünde
einem Bürgerlichen ſeine Stimme geben wollte, daran zu
hindern ſuchte, indem er ihm zurief: Wenn du den
wählſt, ſchlagen wir dir die Knochen entzwei! Der Ver=
urteilte
beſtritt, die Aeußerung in dieſer Form getan zu
haben.
Uerdingen, 22. Febr. Durch Selbſtentzündung
entſtand geſtern abend in dem ſogenannten Miſchraum
der Uerdinger Baumwollſpinnerei, Aktien=Geſellſchaft,
ein verheerender Brand, der ſich infolge der großen
Mengen Zündſtoff ſchnell ausdehnte. Die großen Fa=
brikanlagen
ſtanden in einem Augenblick in Flammen.
Die Ausgänge waren verqualmt, ſodaß die beſchäftigten
Arbeiter und Arbeiterinnen nur mit großer Mühe ſich
retten konnten. Drei Perſonen werden vermißt. Man
befürchtet, daß ſie in den Flammen umgekommen ſind.
Zwei Perſonen wurden ſchwer verletzt in das Kranken=
haus
eingeliefert. An ihrem Aufkommen wird gezwei=
felt
. Die Spinnerei brannte vollſtändig aus.
Duisburg, 22. Febr. Wie der Duisburger General=
Anzeiger meldet, hat der Generaldirektor der Fürſtlich
Hatzfeld=Wildenburgiſchen Domäne, von Boot, Verun=
treuungen
in Höhe von 2 Millionen Mark be=
gangen
. Er ſoll mit einer Dame geflüchtet ſein, wäh=
rend
ſeine Frau ſich im Irrenhauſe befindet.
Braunſchweig, 22. Febr. Der Geograph Profeſſor
Richard Andree, der Herausgeber von Andrees Hand=
atlas
iſt, wie die Braunſchweiger Landeszeitung mit=
teilt
, auf der Reiſe von München nach Nürnberg ge=
ſtorben
.
Görlitz, 21. Febr. Vor dem hieſigen Schöffengericht
gelangte die Privatbeleidigungsklage des
Berliner Tageblatts gegen den Landrat Dr.
Hegenſcheidt=Hoyerswerda, Reichstagsabgeord=
neter
im Reichstagswahlkreiſe Hoyerswerda=Rothenburg
zur Verhandlung. Als Vertreter des Tageblatts war
Thefredakteur Theodor Wolff erſchienen. Dr. Hegen=
ſcheidt
war beſchuldigt, während der Wahlbewegung in
einem Flugblatt dem Tageblatt vaterlandsloſe
Beſinnung vorgeworfen zu haben. Der Angeklagte
wurde auf Grund des § 193 des Strafgeſetzbuches, Wah=
rung
berechtigter Intereſſen, freigeſprochen. Die
Koſten des Verfahrens wurden dem Privatkläger auf=
erlegt
.
Innsbruck, 22. Febr. Der Abſturz eines Fels=
koloſſes
von 800 Kubikmetern bedroht einen Teil des
Dorfes Deutſchhofen. Es ſind umfaſſende Vorbereitun=
gen
getroffen, um eine Kataſtrophe zu verhindern.
Paris, 22. Febr. In einem Automobildroſch=
kenſchuppen
gerieten geſtern zwei Wagen in
Frand. Die Unterſuchung ergab, daß das Feuer durch
die Exploſion einer in mehreren Glasröhren enthalte=
nen
verdächtigen Flüſſigkeit verurſacht worden war. Man
bringt den Vorfall mit dem bereits ſeit einigen Mona=
ten
andauernden Chauffeurausſtand in Zuſammenhang.
Lorient, 22. Febr. Das ſtrafrechtliche Verfahren
gegen den der Spionage beſchuldigten italieniſchen
Anarchiſten Albertini, der im Marinearſenal Beſchäf=
tigung
gefunden hatte, iſt eingeſtellt worden, doch wurde
gleichzeitig über Albertini die Landesverweiſung ver=
hängt
.
Kriſtianka, 21. Febr. Wie Aftenpoſten erfährt, wurde
heute ein Matroſe des hier liegenden engliſchen Ka=
nonenbootes
Foxhound unter Bewachung mit einem
heute abgehenden Wilſon=Dampfer nach Hull geſchickt.
Wie das Blatt weiter mitteilt, ſoll es ſich um einen in
England naturaliſierten Deutſchen handeln, welcher der
Spionage zugunſten Deutſchlands beſchuldigt wird.
Moskau, 21. Febr. Der Herzogregent von
Braunſchweig und Gemahlin ſind hier ein=
getroffen
.
New=York, 21. Febr. Im Hooſactunnel ( Maſ=
ſachuſetts
) kam es 2500 Fuß von der weſtlichen Einfahrt

zu einem Zuſammenſtoß zwiſchen einem Perſonen=
zug
und einem Güterzug. Heftiges Feuer und ſchwere
Exploſionen machen es unmöglich, bis zur Unglücksſtelle
vorzudringen; die Behörden glauben, daß das vor
Samstag oder Sonntag nicht gelingen wird. Bis dahin
iſt der Verkehr unterbrochen. Soweit bis jetzt bekannt
iſt, wurden vier Perſonen getötet, 17 Güterwagen wur=
den
zerſtört.
New=York, 21. Febr. In Houſton (Texas) iſt ein
Großfeuer ausgebrochen, das ſich über eine Fläche
von einer Meile Länge und Breite über ſieben Häuſer=
blocks
ausdehnte. Viele Wohnhäuſer, Fabriken und
Kirchen fielen dem Brande zum Opfer. Gegen 1000 Per=
ſonen
ſind obdachlos. Der Schaden wird auf 5 Mill.
Dollars geſchätzt. Durch das Großfeuer wurden auch
5060000 Baumwollballen zerſtört.
Windhuk, 19. Febr. Die Lüderitzbuchter Zeitung
ſchreibt: Zu Beginn des Jahres 1905 unternahm der
Stabsveterinär Johannes Rogge einen Dienſtritt von
Lüderitzbucht nach Bethanien und zurück. Auf dem Rück=
wege
begriffen, ritt er, begleitet von dem Reiter Fei=
bicke
, am 10. Januar von Kubub weg und beabſichtigte,
ſeinen Weg über die Waſſerſtelle Ukama zu nehmen.
Dieſe Waſſerſtelle hat er nicht erreicht, und trotz eifriger
Nachforſchungen war weder von ihm, noch dem Reiter
Feibicke irgend eine Spur zu finden, ſodaß angenommen
werden mußte, daß beide, in der Wüſte verirrt, verdurſtet
ſeien. Etwa vor 1 Jahr wurden die Koppel und das Sei=
tengewehr
des Reiters aufgefunden und daraufhin die
Nachforſchungen um ſo eifriger wieder aufgenommen.
Dieſelben blieben reſultatlos, bis am 12. ds. eine von
Herrn Leutnant Tſchoerner von der 5. Kompagnie, Cha=
mnis
, ausgeſandte Patrouille unter Führung des Polizei=
ſergeanten
Peters aus Kolmanskuppe nicht ſehr weit von
dieſer Eiſenbahnſtation die Leiche des Stabsveterinärs
auffand. Die Leiche lag auf der halben Höhe einer Wan=
derdüne
und konnte ſehr leicht identifiziert werden, da
ſie, wahrſcheinlich die ganzen ſieben Jahre unter dem
trockenen Sande liegend, gänzlich mumifiziert und gut
erhalten war. Bei der Leiche wurden außer eigenhän=
digen
Aufzeichnungen des Verſtorbenen ein Paket Feld=
poſtbriefe
, zum Teil von ſeither im Aufſtande gefallenen
Offizieren und Angehörigen der Schutztruppe herrührend,
in gutem Zuſtande aufgefunden, ebenſo eine größere
Geldſumme. Aus den Aufzeichnungen des Verſtorbenen,
Poſtkarten an ſeine Mutter, Geſchwiſter und andere Fa=
milienangehörige
geht hervor, daß er am 10. Januar Let=
terkopf
paſſiert, die Waſſerſtelle Ukama aber verfehlt hat,
und daß er ſeinen Tod durch Verdurſten vor Augen ſah.
Um den ſchrecklichen Qualen zu entgehen, hat er ſich
ſchließlich durch einen Revolverſchuß durch die Schläfen
den Tod gegeben. Es iſt eine eigentümliche Schickung,
daß er genau 7 Jahre nach ſeinem Todestage,
dem 12. Januar 1905, am 12. Januar 1912 aufgefunden
wurde. Merkwürdigerweiſe beſagen die hinterlaſſenen
Schriftſtücke Roggers gar nichts über den Verbleib des
Reiters Feibicke, deſſen Leiche noch nicht gefunden worden
iſt. Es iſt anzunehmen, daß ſich die beiden bei dem
krampfhaften Suchen nach Waſſer aus den Augen ver=
loren
haben. Wie wir hören, wird die Leiche auf Wunſch
der Familie des Verſtorbenen nach Deutſchland überge=
führt
werden.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

Hoftheater. Zu der nächſten Montag ſtattfin=
den
Erſtaufführung des Schauſpiels Die Rivalin
von E. E. Ritter ſchreibt Herr Regiſſeur Hacker:
Eduard Eugen Ritter, der mit ſeinem Schauſpiel Die
Rivalin zum erſten Male auf unſerer Hofbühne zum
Worte kommt, iſt trotzdem kein Neuling. Ekein Schau=
ſpiel
Frau Marie und ſein Luſtſpiel Schwiegerſöhne
haben ihm in der Theaterwelt ſchon einen Namen ge=
macht
. Ritter hat außerdem eine Reihe viel geleſener
Romane und Novellen geſchrieben und Uptain Sinclairs
bekannter Roman Der Sumpf iſt dem deutſchen Pu=
blikum
in Ritters Ueberſetzung übermittelt worden. Sein
neues Schauſpiel Die Rivalin behandelt einen unge=
mein
intereſſanten Konflikt. Die Mutter, die ihren Sohn
unter ſchweren Sorgen zu einem tüchtigen Manne er=
zogen
hat er iſt ein hervorragender Arzt und ſeine
Klinik hat einen Weltruf glaubt ſich durch deſſen Hei=
rat
auf das Altenteil der Liebe geſetzt. Sie kämpft darum
gegen die junge Frau, mit der ſie ſich in die Liebe ihres
Sohnes nicht teilen will. Verſchiedene mit der Haupt=
handlung
verknüpfte Epiſoden verleihen dem im weſent=
lichen
ernſt geführten Stück vielfach auch einen luſtſpiel=
mäßigen
Einſchlag.
Klavierabend Télémaque Lambrino.
Zu dem künſtleriſchen Ereignis, das uns der Klavierabend
des berühmten Künſtlers Lambrino morgen Samstag
abend (Hotel Traube) bringen wird, ſchreibt man uns noch:
Auch als Kammermuſikſpieler erſten Ranges iſt Lambrino
bekannt durch ſeine Mitwirkungen mit dem Böhmiſchen
Streichquartett, Gewandhaus= Prill= und Roſégartett. Das
Repertoire Lambrinos iſt ſehr reichhaltig und geht weit
über das vieler Pianiſten; es erſtreckt ſich von Bach bis auf
die modernen Komponiſten. Der Vortrag der H-moll=
Sonate Liſzts iſt z. B. eine derartig hervorragende Leiſtung
dieſes Künſtlers, daß er gerade hierin ganz wenig Kon=
kurrenten
hat. Seine Phantaſie und ſelbſtändige Geſtalt=
ingskraft
kommen gerade in dieſem Werke, einem Grad=
meſſer
für jeden modernen Pianiſten, zu allerſchönſter Gel=
tung
. (Den Kartenverkauf beſorgt die Firma Gg. Thies
Nachf. (Leopold Schutter), Eliſabethenſtraße.)

Stadtverordneten=Verſammlung.

26. Sitzung.
St. Darmſtadt, 22. Febr.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing eröffnet die Sitz=
ung
um ¾4 Uhr. Beig. Ekert macht zunächſt Wahl=
vorſchläge
von Mitgliedern für die gemäß § 4 der
Verordnung vom 9. Dezember 1911, die Abſchätzung des
gemeinen Wertes der landwirtſchaftl. benutzten Grund=
ſtücke
für die Gemeindegrundſteuer betreffend, zu bilden=
den
Kommiſſionen. Die vorgeſchlagenen Herren werden
gewählt.
Ein gewonnener Prozeß.
Stadtv. Lin dt teilt mit: Der Prozeß der Th.
Söder Eheleute gegen die Stadt wegen Enteignung
von Gelände im verlängerten Alexandraweg iſt von dem
Landgericht dahin entſchieden, daß ſtatt verlangter über
80 000 M. die Stadt nur 2400 M. zu zahlen hat unter Zu=
ſcheidung
von neun Zehntel der Koſten an Söder und nur
ein Zehntel an die Stadt. Dieſes Urteil iſt jetzt rechts=
kräftig
, Die Stadt wird die Urteilsſumme nebſt Koſten
auf die Anlieger auszuſchlagen haben.

die Vorſteherin des Schönheitsſalons ihre Demiſſion ge=
igeben
. Sie iſt der Anſicht, daß dieſe Form der Propaganda
doch der großen und ſchönen Sache unwürdig ſei. Wenn
Sie eintreten, werden Sie empfangen mit der Frage: Haben
Sie ſchon mit dieſem Haarwaſſer einen Verſuch gemacht?
Haben Sie ſchon jene Teintpillen erprobt? Und das
ſcheint mir nicht der rechte Weg, das Frauenſtimmrecht
durchzuſetzen. Mrs. Belmont meint es gut, ſie hat Tau=
ſende
ausgegeben. Sie kommt jeden Morgen um zehn in
ihrem ſchönen Privatautomobil, ein Diener öffnet ihr den
Schlag. Dann kommt ſie herein und arbeitet, koſtet die
Suppe, arrangiert die Seifen im Schönheitsſalon und be=
aufſichtigt
alles. Sie iſt unermüdlich, aber ſie hat meiner
Anſicht nach einen falſchen Weg eingeſchlagen und darum
itrete ich zurück. Und nun herrſcht im Frauenklub bittere
Zwietracht, die einen ſind für den Schönheitsſalon und die
anderen dagegen. Was wird geſchehen? Die tätige Mil=
lionärin
erklärt jedenfalls, ſie werde ihren Plan nie auf=
geben
, ſie wird weiter Seife und Haarfärbemittel verkaufen,
zum Heil und Frommen der Frauenrechtlerinnen. Und be=
weiſen
, daß dies der rechte Weg zum Frauenſtimmrecht iſt.
* Die Johanna der Wüſte. Ein engliſches Blatt
veröffentliche folgende phantaſtiſche Schilderung der
Wiedereroberung von Gargareſch durch die Türken. An
der Spitze der Wüſtenkrieger flog mehr als ſie ritt auf
einem ſchwarzen Pferde eine ſchlanke Frau in einem brau=
men
Gewand, die keine Waffe trug, die aber mit ihren
wilden Gebärden und ihrem ſchrillen Geſchrei die Männer
zu tollkühner Tapferkeit anreizte. Sie war faſt ſchwarz
von Angeſicht, eine vollblütige Sudaneſin. Dieſe Johanna
der Wüſte war die erſte, die mit ihrem Schlachtroß über
die Schanzen von Gargareſch hinwegſetzte. Ehe die letzten
Schanzen genommen wurden, hatte ein Granatſplitter ihr
Hand und Arm zermalmt, aber ſie erhob das blutende
Glied drohend gegen die Zaghaften, die vor den italieni=
ſchen
Kanonen zurückſcheuen wollten und höhnte, ſie möchten
doch zu den Kindern in die Zelte flüchten. Sie blieb auf
dem Kampfplatz, bis die Italiener die Flucht ergriffen, und
iſt heute die Heldin im Lager von Scnati Beni Adhem.

[ ][  ][ ]

Es folgt:
Abſtimmung über die noch unerledigten
Punkte des Vertrags zwiſchen der Stadt
und der Süddeutſchen Eiſenbahngeſell=
ſchaft
.
Der Vorſitzende trug zunächſt die ſämtlichen Ver=
tragspunkte
vor, über die in den Sitzungen der Stadtver=
ordnetenverſammlung
am 9. und 10. Februar lfd. Js.
noch nicht abgeſtimmt wurde und teilt hierzu die Be=
ſchlüſſe
mit, die von dem Rechts= und Sonderausſchuß in
gemeinſamer Sitzung gefaßt worden ſind. Die Verſamm=
lung
ſtimmt den neuen Vorſchlägen teils ohne, teils mit
kurzer Debatte zu. Zu § 13 der Satzung hatte Stadtv.
Baſtian beantragt, mindeſtens ſechs Mitglieder des
Aufſichtsrates aus den Vertretern der Stadt zu wählen.
Er zieht den Antrag heute zurück, da die neu vorgeſchla=
gene
Faſſung ihm genügt.
Zu § 20 entſteht eine lange Debatte über die Koali=
tionsfrage
reſpektive die Zulaſſung bezw. An=
erkennung
beſtehender Arbeitervereine
und Organiſationen. Der Oberbürgermeiſter ſtellt
feſt, daß dasKoalitionsrecht den Angeſtellten gewährt wird,
daß er aber keine Organiſation zulaſſen werde, die in
unruhiger Zeit Streiks und dergleichen organiſieren
würde, um eventuell Forderungen durchzuſetzen. Der
Verkehr diene der Allgemeinheit und dieſe mache ihn,
Redner, für die Aufrechterhaltung verantwortlich. Wenn
er nicht einſchreiten würde, würde ihn der Aufſichtsrat
dazu zwingen. Zu den nicht zugelaſſenen Organiſationen
zähle der Transportarbeiterverein, der bereits einmal
einen Streik nach ſozialdemokratiſchen Grundſätzen orga=
niſiert
hat, Im übrigen dürfe jeder Arbeiter politiſch
denken wie er wolle. Dieſen Standpunkt hält der Vor=
ſitzende
den Stadtvv. Dr. Fulda, Aßmuth, Dr. Gal=
lus
, Henrich und Gretzſchel gegenüber aufrecht.
Stadtv. Karl Lautz meint, daß der Stadtv. Dr. Fulda
dieſes Koalitionsrecht hier ſo oft betont hat, als ob das
ganze Leben davon abhänge. Man müſſe demgegenüber
doch auch feſtſtellen, daß es jedem Arbeitgeber unbenom=
men
ſein müſſe, Herr im Hauſe zu bleiben. In ſeinem
Gewerbe ſei es doch vorgekommen, daß die Gewerkſchaften
Forderungen aufgeſtellt, die die Geſellen gar nicht haben
wollten. Es genüge doch, daß es allen Arbeitern geſtattet
iſt, Vertreter zu wählen, mit denen dann die Kommiſſion
verhandelt. (Sehr richtig!) Stadtv. Dr. Noellner
ſpricht ſich in gleichem Sinne aus. Es ſoll jeder Arbeiter
gehört werden, eventuell durch ſeinen Vertrauensmann;
die Bürgermeiſterei verwahre ſich mit Recht nur dagegen,
mit den ſozialdemokratiſchen Organiſationen als ſolchen
zu verhandeln. Es wird ſchließlich vom Oberbürger=
meiſter
eine Faſſung vorgeſchlagen, nach der den aus der
Mitte der Arbeiterſchaft gewählten Vertrauensmännern
Gelegenheit gegeben ſein muß, von der Kommiſſion ge=
hört
zu werden. Ein Antrag Fulda, zu ſagen mit
Vertretern der Arbeiterſchaft wird abgelehnt.
Stadtv. Gretzſchel beantragt, zu ſagen: Soweit
es ſich um Arbeits= und Dienſtordnungen, die Lohn= und
Gehaltstarife handelt, iſt die Zuſtimmung einer Kom=
miſſion
erforderlich, die aus den Mitgliedern der nach
§ 20 beſtehenden Kommiſſion, ſowie aus zwei aus der
Mitte der Angeſtellten und Arbeiter gewählten Vertretern
beſteht. Die Kündigung von Angeſtellten und Arbeitern
der Geſellſchaft kann nur nach Anhörung dieſer Kommiſ=
ſion
erfolgen.
Der Oberbürgermeiſter iſt gegen dieſen
Antrag, weil ſeine Annahme mit den übrigen Beſtim=
mungen
des Vertrages in Widerſpruch ſteht. Die Ten=
denz
des Antrages ſei die gleiche wie die des Antrages
der Bürgermeiſterei. Stadtv. Gretzſchel kann dieſe
Auffaſſung nicht teilen. Stadtv. Henrich iſt gegen
die Anſicht des Stadtv. Dr. Fulda und tritt für die Faſ=
ſung
der Bürgermeiſterei ein. Ebenſo in längeren Aus=
führungen
Stadtv. Sames. Die Abſtimmung ergibt
Annahme des Antrags der Bürgermeiſterei
und Ablehnung des Antrags Gretzſchel.
Ueber Linienführung und Tarife der ver=
einigten
Straßenbahnen
ſpricht Herr Regierungsrat Jordan als Vertreter
der Süddeutſchen Eiſenbahn=Geſellſchaft. Seinen Aus=
führungen
iſt das Folgende zu entnehmen:
Im weſentlichen ſoll die Linienführung beſtehen blei=
ben
, wie ſie nach dem Vortrag des Herrn Oberbürgermei=
ſters
von Herrn Rötelmann aufgeſtellt worden iſt und
zwar:
Linie I: Jugenheim Eberſtadt Heidelberger
Straße-Neckar= und Rheinſtraße-Alexanderſtraße- Die=
burger
Straße bis Hirſchköpfe, mit zwiſchen liegenden
Fahrten: Eberſtadt-Schloß-Taunusſtraße, wenn nötig,
bis Hirſchköpfe. Linie II: Griesheim-Hauptbahnhof
Darmſtadt-Schloß-Oſtbahnhof. Linie III: Arheil=
gen
-Schloß-Oſtbahnhof. Linie IV: Friedhöfe bezw.
Böllenfalltor-Schloß-Hauptbahnhof. Linie V: Beſ=
ſungen
-Schloß-Hauptbahnhof. Linie VI: Schloß=
gartenplatz
-Frankfurterſtraße-Mathildenplatz-Schloß=
Ernſt Ludwigs=Straße-Eliſabethenſtraße-Neckarſtraße-
Rheinſtraße bis Main=Neckar=Bahnhof-Bismarckſtraße-
Liebigſtraße-Pallaswieſenſtraße bis Frankfurter Straße.
Bei den inzwiſchen gepflogenen weiteren Verhand=
lungen
und in den Beſprechungen in den Ausſchüſſen hat
hat ſich die allſeitige Zuſtimmung zu dieſer Linienführ=
ung
ergeben. Indeſſen traten noch zwei Wünſche in
den Vordergrund: 1. daß das Martinsviertel eine
unmittelbare Verbindung mit dem neuen
Haupt bahn hof erhält, und zwar über Bis=
marckſtraße
-Dornheimer Weg, und 2. daß eine direkte
Linie von dem Ernſt Ludwigs=Platz durch die Pankra=
tiusſtraße
nach dem Martinsviertel geſchaffen
wird.
Nach Verſtändigung mit der Bürgermeiſterei wurde
vereinbart, dieſen Wünſchen tunlichſt entgegenzukommen.
Es iſt daher in Ausſicht genommen, die neue Verbind=
ungslinie
nach dem Hauptbahnhof zu erbauen, nachdem
der Eiſenbahndamm im Zuge des Dornheimer Weges-
Bismarckſtraße beſeitigt iſt.
Ferner iſt die Verlängerung der Linie vom
Schloßgartenplatz nach dem Riegerplatz geplant.
Bezüglich des Wunſches des Martinsviertels auf Er=
bauung
einer direkten Linie durch die Pan=
kratiusſtraße
muß zunächſt die techniſche Möglich=
keit
dieſer Linienführung geprüft werden, und ihre Aus=
führung
wäre davon abhängig zu machen, daß zuvor die
Pankratiusſtraße auf Koſten der Stadt entſprechend ver=
breitert
wird, ſowie daß die entgegenſtehenden Hinder=
niſſe
bei Vorüberführung der Linie an der Hochſchule be=
ſeitigt
ſind und die erforderliche Konzeſſion und die ſonſt
notwendigen Genehmigungen erlangt werden können.
Sollte dieſe Linie nicht verwirklicht werden können, ſo
bleibt es bei dem alten Vorſchlage der geplanten Ring=
linie
, die vom Schloßgartenplatz durch die Pallaswie=
ſenſtraße
in die Frankfurter Straße einbiegt, über den
Ernſt Ludwigs=Platz, die Eliſabethen=, Rhein= und die

Neckarſtraße nach der Liebigſtraße führt und an der Frank=
furter
Straße endigt.
Dies iſt das allgemein anzuſtrebende Programm, deſ=
ſen
Durchführung indeſſen noch abhängig iſt von der
näheren Prüfung der techniſchen Einzelheiten und der noch
vorzunehmenden wirtſchaftlichen und betriebstechniſchen
Feſtſtellungen.
Bezüglich des Zonentarifs wurde ausgeführt:
Der Tarif für die Straßen= und Vorortbahnen muß
nach bewährten Grundſätzen neu geregelt werden, ſchon
deshalb, weil die Linienführung geändert wird, und weil
Erweiterungen (nach dem neuen Hauptbahnhof und nach
dem Riegerplatz) und außerdem neue Strecken (nach dem
Oſtbahnhof und die Ringlinie) hinzukommen. Der be=
ſtehende
Tarif der Städtiſchen Straßenbahn kann unter
dieſen Umſtänden nicht aufrecht erhalten werden. Bei
einer Neuregelung iſt ein Einheitstarif, wie er in
einzelnen Großſtädten eingeführt wurde, für die hieſigen
Verhältniſſe wegen ſeiner Unwirtſchaftlichkeit vollſtändig
ausgeſchloſſen. Es kommt alſo nur der Zonen=
oder
Streckentarif in Betracht mit dem Grundſatz,
daß für 10, 15 und 20 Pfg. beſtimmte Weglängen zurück=
gelegt
werden können. Die Süddeutſche Eiſenbahn= Geſell=
ſchaft
hat das Beſtreben, in dieſer Beziehung den Wün=
ſchen
der Einwohner in weiteſtgehendem Maße entgegen=
zukommen
und ſie hat im Einvernehmen mit der Bür=
germeiſterei
die Einheitsſtrecke auf annähernd 3000 Meter
feſtgeſetzt. Es können hiernach für 10 Pf g. u. a. folgende
Strecken innerhalb des Stadtgebietes zurückgelegt
werden:
Ab Landskronſtraße bis: Pallaswieſenſtraße,
Alter Bahnhof, Exerzierplatz, Marienplatz, Stiftſtraße.
Beckſtraße.
Ab Niederſtraße bis: Schlachthof, Hauptbahn=
hof
, Ringſtraße, Oſtbahnhof.
Ab Annaſtraße bis Roſenhöheweg; ab Hirſch=
köpfe
bis Schloß; ab Roſenhöheweg bis: Pal=
laswieſenſtraße
, Alter Bahnhof, Exerzierplatz, Marien=
platz
, Heinrichſtraße, Beckſtraße; ab Ringſtraße bis:
Artillerie=Kaſerne, Schlachthof, Hauptbahnhof, Ohlyſtraße;
ab Stiftſtraße bis: Weinbergſtraße, Sportplatz; ab
Schloß bis: Rennbahn, Böllenfalltor, Hirſchköpfe, Rie=
gerplatz
(Ringlinie); ab Schlachthof bis: Oſtbahn=
hof
, Hauptbahnhof, Artillerie=Kaſerne, Ohlyſtraße; ab
Pallaswieſenſtraße bis: Weinbergſtraße, Sport=
platz
, Oſtbahnhof, Roſenhöheweg; ab Hauptbahnhof
bis: Oſtbahnhof, Ohlyſtraße, Artillerie=Kaſerne.
Dieſer Zonentarif hat den Vorteil, daß eine Ver=
teuerung
für die Fahrten nach dem Hauptbahnhof trotz
der 800 Meter längeren Strecke nicht eintritt, ausgenom=
men
für einige Bezirke, die jenſeits der Dreikilometerzon:
liegen. Ferner iſt der Vorteil damit verknüpft, daß auch
die Außenſtrecken der Städtiſchen Linien nicht mehr 15
Pfg., ſondern vom Zentrum der Stadt aus bis zu 3000
Meter gleichfalls nur 10 Pfg. koſten. Die Knipskar=
ten
kommen allerdings in Wegfall, da ſie ſchon jetzt
faſt keine Vorteile bieten, dagegen ſollen zuſammenſtellbare
Streckenfahrkarten zu ermäßigten Preiſen aus=
gegeben
werden, wodurch es möglich iſt, auf einzelnen
oder mehreren Linien oder in beliebiger Zuſammenſtel=
lung
zu ermäßigten Preiſen zu fahren.
Schließlich ſollen die beſtehenden Vergünſtigungen
für Arbeiterfahrkarten nach den Vororten bei=
behalten
werden.
Zu den Wünſchen des Martinsviertels erklärt
der Oberbürgermeiſter, daß dieſes Viertel beſtimmt nicht
nur eine Linie mit der Mitte der Stadt erhält, ſondern
auch eine Verbindung mit dem neuen Hauptbahnhof.
An das Referat des Regierungsrats Jordan
ſchließt ſich eine lange Debatte. Stadtv. Kalbfuß
ſtimmt dem Tarifentwurf uſw. im weſentlichen zu, doch
hat er bezüglich der Linienführung einige Anſtände.
Stadtv. Henrich fragt, wie ſich der Verkehr geſtalten
wird, wenn ab 1. April beide Bahnbetriebe nebenein=
ander
beſtehen. Man müßte doch dann die Tarife aus=
gleichen
. Der Beſſunger Stadtteil werde nachteilig be=
handelt
durch die Zonenführung. Man müſſe Beſſungen
entgegenkommen, namentlich im Verkehr von und nach
dem Hauptbahnhof. Stadtv. Möſer tritt den Be=
denken
entgegen, die gegen das Projekt der Linienführung
ins Martinsviertel vorgebracht wurden. Namentlich
würde die Techniſche Hochſchule keinen Einwand erheben.
Die Verbreiterung der Pankratiusſtraße würde nicht ſo
teuer kommen; aber ſelbſt wenn die Koſten ſehr groß wer=
den
, dürfe man angeſichts des zu erwartenden ſehr ſtar=
ken
Verkehrs die Koſten nicht ſcheuen. Stadtv. Dr.
Kolb tritt für die gleichmäßige Berückſichtigung aller
Viertel ein. Man ſollte den Kreis nicht ſo ſcharf ziehen,
und an einer der anderen Stellen weitergehen.
Regierungsrat Jordan tritt dem entgegen. Keine
Stadt, die Zonentarif hat, gibt drei Kilometer für 10 Pfg.
und wenn man eine Ausnahme macht für Beſſungen,
dann muß man ſie auch für andere Viertel machen, ſonſt
fällt der Zonentarif überhaupt. Stadtv. m u t h
tritt wiederholt für das Martinsviertel, und zwar für die
Peripheriebahn ein. Stadtv. Schupp hält das vor=
gelegte
Linienprojekt für gut und meint, man ſolle auch
nicht zu viel verlangen, denn die weitergehenden Wünſche
werden ſchon an dem Koſtenpunkte ſcheitern. Zum Zonen=
tarif
beklagt er ebenfalls die nachteilige Behandlung Beſ=
ſungens
, doch könne man daran das Projekt nicht ſcheitern
laſſen. Bei einem ſo großen Geſchäft müſſe auch mal ein
Leidtragender ſein. Stadtv. Stemmer ſpricht ſeine
Freude über das vorgelegte Projekt aus. Wunſchlos aber
könne eine ſo durchgreifende Reform niemals ſein. Es
komme ja auch nur wenig für den 15 Pfg.=Tarif in Be=
tracht
. Stadtv. Werner meint, die Verbilliaung be=
zieht
ſich nur auf die Leute, die Streckenkarten löſen, alſo
meiſt auf Ausflügler uſw., aber nicht auf die Beſſunger,
die am äußerſten Ende wohnen. Man habe den Beſſungern
chon den Bahnhof genommen und nun ſollen ſie auch
noch 50 Prozent Fahrpreiserhöhung zahlen. Das ſei
unrecht, zumal Beſſungen kein Geheimratsviertel ſei, ſon=
ern
dort meiſt Arbeiter und mittlere Beamte wohnen.
Man habe das Zentrum der Zone nicht richtig gewählt.
Mit einer Verlegung des Zentrums um 200 Meter nach
Süden wäre allen Teilen geholfen. Stadtv. Kahn
pricht ſeinen Dank aus für das vorgelegte Projekt. Für
ie Verbreiterung der Pankratiusſtraße muß unbedingt
geſorgt werden. Den Ausführungen des Stadtv. Werner
bezüglich des Zonentarifes ſtimme er bei. Stadtv. Dr.
Noellner ſchlägt vor, die Fahrt von der Landskron=
Heidelberger Straße ab für 10 Pfg. nach dem
Hauptbahnhof zu geſtatten. Auf weitere Anfragen Dr.
Noellners teilt Regierungsrat Jordan mit, daß von
9½12 Uhr 12=Minutenverkehr eintreten ſoll und nach
12½ Uhr je nach Bedürfnis einzelne Wagen zu den
Staatsbahnzügen verkehren ſollen. Stadtv. K. Lautz
würde zwar gern die Beſſunger Wünſche erfüllen, aber
es geht nun einmal nicht und man dürfe daran den Ver=
trag
nicht ſcheitern laſſen. Er verbreitet ſich dann ein=

gehend über die Linienführung und bittet, dafür zu ſor=
gen
, daß vom 1. April ab die Dampfbahn gleich wie die
Elektriſche ohne Aufſchlag benutzt werden kann.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing verbreitet ſich
ausführlich über die Entſtehungsgeſchichte der vorliegen=
den
Vorlage und über die Finanzierung derſelben. Man
müßte doch auch bedenken, daß die Wunſche nicht allein
mehr die Süddeutſche, ſondern doch die neue Gemeinſchaft
und damit die Stadt treffe. Redner bittet, die Vorlage,
die ein großes Entgegenkommen bedeute, anzunehmen.
Stadtv. Schäfer empfiehlt dringend die Annahme
der Vorlage, an der einfach nichts zu ändern iſt. Stadtv.
Saeng iſt mit dem Plan einverſtanden, wenn die ge=
zogene
Grenze keine abſolute ſein ſoll und man von der
Landskronſtraße bis zum Bahnhof für 10 Pfg. fahren
kann. Stadtv. Nohl ſpricht ſich im gleichen Sinne
aus. Auch Stadtv. Leyerzapf tritt noch für die Beſ=
ſunger
ein. Damit ſchließt die Debatte.
Es ſind eine Anzahl Anträge eingelaufen, die
teilweiſe zurückgezogen, teilweiſe der Verwaltung über=
wieſen
werden. Ueber den Antrag, von der Landskron=
Heidelberger Straße bis zum Bahnhof für 10 Pfg. zu
fahren, ſoll mit der Süddeutſchen Eiſenbahn=Geſellſchaft
verhandelt werden, desgleichen bezüglich des Antrages
Dr. Kolb betr. die Schießhausſtraße.
Damit iſt die Tagesordnung erſchöpft. Schluß
gegen halb 9 Uhr.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 22. Febr. Präſident Dr. Kaempf eröff=
net
die Sitzung um 1 Uhr 20 Min. Die Beſprechung der
Interpellation, betreffend
Aufhebung der Futtermittel= und Kar=
toffelzölle

wird fortgeſetzt.
Abg. Antrick (Soz.): Für uns iſt die Antwort des
Staatsſekretärs keineswegs befriedigend ausgefallen.
Eine beſſere Rede zugunſten des lückenloſen Zolltarifes
konnte ſich keiner der Herren von der Rechten wünſchen.
Die Rede zeigte die völlige Abhängigkeit der Reichs=
regierung
von dem oſtelbiſchen Junkertum. Durch eine
plötzlich geſteigerte Nachfrage nach Mais kann eine Er=
höhung
des Weltmarktpreiſes eintreten. Dieſe Erhöhung
würde aber bei weitem nicht ſo viel ausmachen, wie der
auf Mais gelegte Zoll. Wir müſſen deshalb nach wie vor
eine Aufhebung des Zolles für Mais und Futtermittel
im Intereſſe der ärmeren Landwirte verlangen. Was
Sie (nach rechts) durch den Wuchertarif nicht erreicht
haben, das haben Sie zu erreichen verſucht durch die Ein=
fuhrſcheine
. Wenn Sie (zum Zentrum) die Produktions=
koſten
für die Landwirtſchaft mindern wollen, dann
müſſen Sie mit uns für die Aufhebung der Futtermittel=
und. Getreidezölle eintreten. (Zuruf des Abg. Srzoda
(Zentrum): Die Getreidepreiſe ſind jetzt niedriger als
ohne Schutzzoll!) Das ſtimmt nicht. Wenn Sie ſich über
den wahren Sachverhalt informieren wollen, ſo leſen Sie
doch meine große Rede vom Jahre 1902 nach. (Große
Heiterkeit.) In Volkskreiſen werden wir ſagen, was ſie
von dieſem Reichstag zu erwarten haben und von einer
Regierung, die unter der Fuchtel der Junker ſteht. Mit
dem fluchwürdigen Schutzzollſyſtem muß gebrochen wer=
den
. (Beifall bei den Soz. Hu! im Zentrum und rechts.)
Staatsſekretär Wermuth: Ich finde, daß die In=
terpellation
in eine nicht beſonders glückliche Zeit fällt.
Wir ſehen gerade gegenwärtig ein Niederſinken der
Preiſe für alle landwirtſchaftlichen Erzeugniſſe. Der Zoll
iſt auf Futtermittel und Kartoffel ohne Einfluß geweſen.
Die Einfuhr von Futtergerſte in den Monaten Oktober
bis Januar iſt genau ſo groß, ja noch etwas größer ge=
weſen
als die Einfuhr im gleichen Zeitraum des Vor=
jahres
. Bei Mais iſt ſeit der letzten Interpellation im
Herbſt ein erheblicher Preisrückgang zu verzeichnen. Der
Handel rechnet übrigens infolge der günſtigen La Plata=
Ernte mit weiter günſtigen Verhältniſſen. Es iſt auch an=
zunehmen
, daß die Verwendung von Mais in Brenne=
reien
jetzt noch ſtärker werden wird; Anzeichen dafür
zeigen ſich bereits. Damit würden wiederum gewiſſe
Mengen Kartoffeln für den Konſum frei werden. Im
Uebrigen wollte ich Ihnen mitteilen, daß der Bundesrat
heute im Sinne deſſen beſchloſſen hat, was ich vor einiger
Zeit und Staatsſekretär Dr. Delbrück in Ausſicht ſtell=
ten
. (Bravo!) Der Bundesrat hat beſchloſſen, zu geneh=
migen
, daß aus Billigkeitsgründen Kartoffeln vorjäh=
riger
Ernte von der Verzollung frei zu laſſen ſind. ( Leb=
hafter
Beifall.) Es trifft nicht zu. daß der Zoll auf Früh=
kartoffeln
eigentlich ein Finanzzoll ſein ſollte; denn dann
würden die verbündeten Regierungen ihn eingebracht ha=
ben
. Das haben ſie aber nicht getan. Der Zolltarifent=
wurf
vom Jahre 1902 enthält einen Zoll auf Kartoffel
nicht. Es wurde erſt in der Kommiſſion von verſchiede=
nen
Seiten ein derartiger Zoll verlangt. Ein weitergehen=
der
Antrag bezweckte ſogar, für die Zeit vom 15. Fe=
bruar
bis 31. Juli einen Zoll von 25 Mark und für die
übrige Zeit von einer Mark. Dem wurde aber von ver=
ſchiedenen
Seiten widerſprochen. Ein Antrag, einen
Zoll von 2,50 Mk. feſtzuſetzen für die Zeit vom 15. Fe=
bruar
bis zum 31. Juli d. Js., wurde auch vom Abgeord=
neten
Herold (Zentrum) damit begründet, daß man die
Kartoffeln für den Großkonſum frei laſſen und nur
darauf bedacht ſein ſollte, die vom Auslande kommenden
Frühkartoffeln mit einem Zoll zu belegen. Dieſen Zoll
haben wir zu verteidigen gehabt. Er bleibt zunächſt
gegenüber Italien mit einer Mark beſtehen. Es bedeutet
alſo keine große Belaſtung und liegt auch nicht im In=
tereſſe
der Agrarier. Dieſer Zoll muß naturgemäß ganz
anders auf Italien und Malta wirken, als für Oeſter=
reich
, Rußland und die Niederlande, deren Erzeugniſſe na=
türlich
viel billiger ſind. Die Befürchtungen, daß gerade
die billigen Kartoffeln durch den Zoll getroffen werden,
haben ſich nicht als begründet erwieſen. In dieſem Jahre
liegen die Verhältniſſe anders betreffs der Einfuhr aus
Rußland und den Niederlanden. Durch den Winter ſind
für den Verſand der großen Abſchlüſſe bedeutende Un=
zuträglichkeiten
entſtanden, deshalb ſollen auch dieſe Ab=
ſchlüſſe
, die aus dieſem Grund nicht zum Verſand ge=
langen
konnten, dem Zoll nicht unterworfen ſein. Wir
glauben damit im Sinne des Schutzzolles gehandelt zu
haben, wenn die verbündeten Regierungen ohne Inan=
ſpruchnahme
des Reichstages von dem ihnen zuſtehenden
Recht auf Suspendierung Gebrauch gemacht haben.
Hieraus können Sie das Intereſſe erkennen, das die ver=
bündeten
Regierungen fortgeſetzt für die Volkswirtſchaft,
für Induſtrie, Handel und Landwirtſchaft pflegen, indem
ſie offenbare Unzuträglichkeiten beſeitigen.
Abg. Giesberts (Ztr.): Der Abgeord=
nete
Antrick verlangte nicht vollſtändige Auf=
hebung
, ſondern Abbauen des Zolles. Die Not
der Bevölkerung zu lindern, ſind wir bereit. Das

[ ][  ][ ]

Zentrum hat ſch bei der Finanzreſorm gegen den Kar=
toffelzoll
gewandt. Die Sozialdemokratie ſollte das an=
erkennen
. Die Landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften ha=
ben
durch Bereitſtellen von Geldmitteln zur Beſchaffung
von Futtermitteln ſehr ſegensreich gewirkt. Als Redner,
auf verſchiedene Zwiſchenrufe eingehend antwortet, bittet
Vizepräſident Dove, Zwiſchenrufe zu unterlaſſen, und
nicht darauf zu antworten. Giesberts fortfahrend: Es
wird viel von Parteien von Agrarpolitik geſprochen, die
mit dem Agrarproblem noch gar nicht ins Reine gekom=
men
ſind. Gerade bei den Sozialdemokraten gehen die
Anſichten darin weit auseinander. (Vizepräſident Dove
bittet den Redner, zur Sache zu ſprechen.) Giesberts: Ich
trete dafür ein, daß eine unparteiiſche, parlamentariſche
Kommiſſion eingeſetzt wird, die die Folgen des Schutz=
zollſyſtems
eingehend zu prüfen hat, damit wäre der
ſozialdemokratiſchen Agitation am eheſten Einhalt ge=
boten
. Abg. Weilnböck (konſ.): Wir legen Wert
darauf, feſtzuſtellen, daß das Beſtehen eines Kartoffel=
zolles
nur den Zweck hat, die kleinen Landwirte konkur=
renzfähig
zu machen. Heute koſtet auf dem Lande und in
den kleinen Städten der Zentner Kartoffeln 4 Mark, in
den großen Städten 8 Mark. Den Vorteil hat alſo ledig=
lich
der Handel, hier netto 100 Prozent. Bei der Auf=
hebung
des Zolles, der für den Zentner nur 50 Pfennig
beträgt, würde ſich dieſer Betrag auch noch bei dem Han=
del
verkrümeln. In früheren Zeiten hat die Suspen=
dierung
des Gerſtenzolles nicht preismildernd, ſondern
eher preisſteigernd gewirkt. Ich warne die Parteien der
Linken davor, zu verſuchen, einen Keil zwiſchen Groß=
und Kleinbeſitz zu treiben, ſie werden damit doch keinen
Erfolg haben. Abg. Heſtermann (D. Bbd.):
Unter den Zuſtimmenden zu dem Kartoffelzoll befindet
ſich kein kleiner und mittlerer Bauer. Von der Aufhebung
des Gerſtenzolles hätte nur der Großkapitaliſt einen Vor=
teil
, er iſt der größte Feind der Landwirtſchaft. (Großer
Widerſpruch.) Ich kann das ſagen von meinem Stand=
punkt
aus, ich bin ein Wilder (Heiterkeit) und ſtehe auf
ſeiten keiner Partei. Abg. Schweikhardt (Fortſchr.
Vpt.): Der Handel iſt mit vielen Unkoſten belaſtet, auch
durch die große Finanzreform, und muß ſich mit gerin=
gem
Nutzen begnügen.
Nach einigen perſönlichen Bemerkungen wird die
Sitzung auf Freitag 11 Uhr vertagt. Tagesordnung:
Geſetz zur Bekämpfung des Mädchenhandels, Handel= und
Schiffahrtsvertrag mit der Türkei und das Reichsange=
hörigkeitsgeſetz
. Schluß 6 Uhr.

Luftfahrt.

sr. Die Zahl der deutſchen Militärflug=
zeuge
wird jetzt ſtändig durch auffallend reiche Be=
ſtellungen
ſeitens des Kriegsminiſteriums vermehrt.
So wurden in jüngſter Zeit zumeiſt mit Lieferungsfriſt
bis zum 1. Mai je 16 Apparate bei den Albatros=Werken
in Johannisthal und E. Rumpler=Luftfahrzeugbau= Ber=
lin
=Lichtenberg beſtellt. Ein größerer Poſten von 11.
Apparaten wird von der Aviatik=Aktiengeſellſchaft Mül=
hauſen
i. E. zu liefern ſein. 2 Apparate werden von den
Harlan=Werken=Berlin, 3 bei Auguſt Euler= Frank=
furt
a. M. und 1 bei der Firma Dorner=Johannisthal
beſtellt.
* Mannheim, 21. Febr. Dem Mannheimer Ge=
neralanzeiger
wird von kompetenter Seite geſchrieben:
Das Luftſchiff Schütte=Lanz ſoll vorausſichtlich
in der erſten Hälfte des März feine zweite Fahrtperiode
beginnen, nachdem nunmehr auch der zweite große Mo=
tor
eingebaut und alle ſonſtigen Vorbereitungen ge=
troffen
ſind. Heute fand eine eingehende Beſichtigung
des Luftſchiffes und der geſamten Anlagen durch Herrn
Oberſt Schmiedecke, Abteilungschef im Kriegsmini=
ſterium
, ſtatt. Die Beſichtigung erfolgte jetzt, weil alle
Teile für die endgültige Montage aufgebaut und bereit
liegen. Wie wir hören, ſoll die Beſichtigung zur Zufrie=
denheit
ausgefallen ſein. Auch ſoll bereits in der vori=
gen
Woche eine Beſichtigung durch die Herren Offiziere
der Berliner Inſpektion des Luft= und Kraftfahrweſens
ſtattgefunden haben.
* Wien, 21. Febr. Der Landtag nahm einen An=
trag
an, 30000 Kronen als Preis für einen Fernflug
Berlin= Wien und 20000 Kronen für einen Rund=
flug
in Niederöſterreich und ſonſtige Ueber=
landflüge
zu bewilligen.
* Paris, 22. Febr. Die Gemeindeverwalt=
ung
von Rouen bewilligte einen Kredit von 20000
Francs für ein Flugzeug, das den Namen Ville de
Rouen erhalten ſoll. In Belfort wurde eine Samm=
lung
für einen Militär=Aeroplan eingeleitet, der den
Namen der Stadt führen ſoll.

Die Kriſis im engliſchen Kohlenbergbau.

* London, 21. Febr. Im Unterhauſe teilte Pre=
mierminiſter
Asquith unter Beifall des Hauſes mit, daß
die Einladung an die Arbeitgeber und Arbeitnehmer im
Kohlenbergbau morgen zu einer Beſprechung
mit ihm im Auswärtigen Amt zuſammenzukommen, bei=
derſeits
angenommen worden ſei.
* London, 22. Febr. Die Admiralität hat große
Abſchlüſſe über den Ankauf amerikaniſcher Koh=
len
gemacht, die in die auswärtigen Kohlenſtationen zu
liefern ſind. Ferner hat die Admiralität von den Koh=
lengruben
in Wales, mit denen ſie in Geſchäftsverbin=
dung
ſteht, alle Kohlen gekauft, die zu haben waren und
Dampfer zu deren ſofortigen Verladung gechartert.
London 22. Febr. Nach einer Meldung der
London News Agency werden die Vertreter der
Arbeiter morgen früh im Auswärtigen Amt mit der
Regierung verhandeln. Auf jeden Fall lehnte heute nach
langer Beratung der Börgarbeiterbund die Probezeit
von zwei Jahren ab, welche die Grubenbeſitzer fordern,
wenn ſie den Mindeſtlohn annehmen ſollten. Vertreter
der Bergarbeiter von Großbritannien, Frank=
reich
, Belgien und Oeſterreich hielten heute eine
Konferenz ab, um über die Frage einer Unterſtützung der
engliſchen Bergleute im Falle eines Ausſtandes, ſowie
über die Möglichkeit eines Sympathieſtreiks zu beraten.
Ein Beſchluß wurde nicht gefaßt. Die Beratungen ſollen
morgen fortgeſetzt werden.

Die Revolution in China.

* Mukden, 21. Febr. Der republikaniſche Ober=
befehlshaber
der Mandſchurei, Lantienwai, verlangte
von Tſchaoerhſuen die Uebergabe ſeines Amtes, andernfalls
drohe er, die Stadt gewaltſam einzunehmen. Die Bevöl=
kerung
iſt unruhig. Der Handel ſtockt.
* London, 22. Febr. Der Daily Telegraph meldet
aus Schanghai vom 21. dieſes Monats: Tangſchaoyi
hat heute in Begleitung von 21 hervorragenden Republi=

kanern, darunter Vertretern aus Nanking und Wutſchang,
Schanghai verlaſſen, um ſich zu Juanſchi=
kai
zu begeben. Er wird in vier Tagen in Peking ein=
treffen
. Juanſchikai wird ſich nach Empfang der Dele=
gierten
per Bahn nach Hankau und von da auf dem Fluß
nach Nanking begeben, wo er in 14 Tagen erwartet wird.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Burean.)

* Berlin, 22. Febr. Der Bundesrat hat in ſeiner
heutigen Sitzung die Vorlage betr. den Zollerlaß für Kar=
toffeln
, der Vorlage betr. Ergänzung und Aenderung der
Taratarife ſeine Zuſtimmung erteilt. Zur Annahme ge=
langten
die Vorlagen betr. Prägung von 5 Millionen Mark
Zehnpfennigſtücke und 21 Millionen Mark Dreimarkſtücke,
ſowie je 4,5 Millionen Mark Zwei= und Einmarkſtücke, 2
Millionen Mark Zweipfennigſtucke und 3 Millionen Mark
Einpfennigſtücke.
* Berlin, 22. Febr. Heute vormittag um 11 Uhr wurde
zum Andenken an den verſtorbenen Grafen Aehren=
thal
in der Stille eine Meſſe in der katholiſchen Hed=
wigskirche
geleſen. Unter den Anweſenden befanden ſich
der Reichskanzler, Staatsſekretär v. Kiderlen=Wächter,
Unterſtaatsſekretär Zimmermann, der italieniſche, der ja=
paniſche
und der franzöſiſche Botſchafter, ſämtliche Herren
der öſterreichiſch=ungariſchen Botſchaft mit ihren Damen,
der bayeriſche Geſandte Graf von und zu Lerchenfeld, Ver=
treter
der ruſſiſchen, engliſchen und der italieniſchen Bot=
ſchaft
, der bulgariſche Geſandte und der Kommandeur des
Kaiſer Franz Garde=Grenadier=Regiments Nr. 2.
* Krefeld, 22. Febr. Der Krefelder Zeitung zufolge
ſind bei dem Brande der Baumwollſpinnerei
zu Uerdingen ein Arbeiter und zwei Arbeiterinnen
ſchwer verletzt worden. Niemand wird vermißt. Der Be=
trieb
erfährt vorausſichtlich keine Unterbrechung.
* Schloß Berg (Luxemburg), 22. Febr. Ein heute
mittag 12 Uhr ausgegebenes Bulletin über das Be=
finden
des Großherzogs beſagt, daß keine Tem=
peraturſteigerung
mehr zu beobachten war und auch der
Huſtenreiz geringer geworden iſt. Dagegen war in den letz=
ten
Tagen öfter leichte Herzſchwäche zu konſtatieren. Puls
und Atmung ſind ſehr unregelmäßig. Die Schluckbe=
ſchwerden
haben nicht zugenommen.
* Mailand, 22. Febr. Dem Corriere della Sera wird
aus Kairo gemeldet: Nach einem in der Zeitung El Ahram
erſchienenen Brief erklärte der Führer des Aufſtan=
des
in Arabien, Said Idris, er habe die Waffen
von den Italienern erhalten, indem er die Stämme daran
erinnert, daß auch Mohammed Geſchenke nicht zurückge=
wieſen
habe. Im Uebrigen habe er niemals feindliche
Gefühle gegen Italien gehegt, deſſen Haltung gegenüber
dem Islam in Erythräa er zu ſchätzen wiſſe. Idris richtete
auch einen Brief an den Führer der Senuſſi, in welchem
er dieſe auffordert, der Feſtſetzung der Italiener in Tri=
polis
keinen Widerſtand zu leiſten und in dem er ſeine Ver=
wunderung
darüber ausſpricht, daß die tripolitaniſchen
Araber die Partei der Türken nehmen, die immer ein Un=
glück
für den Islam geweſen ſeien. Er erinnert die Senuſſi
weiter daran, daß ſie ſeit langem beſchloſſen hätten, ſich
die Sympathieen Frankreichs und Großbritanniens zu er=
halten
. So ſollten ſie auch auf Italien zählen, um ihren
ſchließlichen Sieg auf der arabiſchen Halbinſel zu ſichern.
Der Brief ſchließt mit der Ankündigung, daß der Marſch
gegen Mekka demnächſt angetreten werden ſolle und mit dem
Ausdruck der zuverſichtlichen Hoffnung, daß das Kalifat
unverzüglich den Arabern zurückgegeben werde.
* Kriſtiania, 22. Febr. Einer Morgenblattmeldung
zufolge iſt auf der hieſigen engliſchen Geſandtſchaft nichts
davon bekannt, daß der Heizer des hier liegenden eng=
liſchen
Torpedojägers Foxhound als deutſcher Spion
verhaftet wurde. Es liege wahrſcheinlich eine Verwechſlung
mit einem Heizer des Foxhound vor, der wegen eines
in Trunkenheit ausgeführten Ueberfalles auf einen norwegi=
ſchen
Heizer verhaftet, ſpäter aber aus der Haft entlaſſen
und nach England geſandt wurde.
* Stockholm, 22. Febr. Das Organiſationskomitee
der Olympiſchen Spiele hielt unter dem Vorſitz des
Kronprinzen eine Sitzung ab, in der u. a. beſchloſſen
wurde, die durchaus grundloſen Gerüchte zu dementieren,
die ſich in der internationalen Preſſe über den angeblichen
Zimmermangel in Stockholm während der Olympiſchen
Spiele verbreitet haben. Bei den offiziellen Vermietungs=
bureaus
ſind außer den vorhandenen Hotels eine durchaus
genügende Anzahl Zimmer angemeldet.
* Petersburg, 22. Febr. Reichsduma. In Beant=
wortung
der oppoſitionellen Interpellationen betreffend die
Ausſchließung der Urheber der Studenten=
unruhen
von den Univerſitäten, ſowie betreffend das
proviſoriſche Verbot von Studentenverſammlungen in den
Hochſchulräumen führte der Unterrichtsminiſter Kaſſow aus,
der Miniſterrat ſei der Anſicht, daß private Verſammlungen
von Studenten nur zu akademiſchen Zwecken zuläſſig ſeien.
Er ſei nicht der Anſicht, daß darunter auch die Abſicht, einen
Streik zu proklamieren, zu verſtehen ſei. (Beifall auf der
Rechten). Ohne die Maßnahmen, die die Regierung ge=
troffen
hätte, wäre der Studentenſtreik überall einſtimmig
proklamiert worden. Binnen 8 Tagen würden alle ruſſiſchen
Schulen geſchloſſen worden ſein. Er wäre alsdann dar=
über
interpelliert worden, welche Maßnahmen er zu ihrer
Wiedereröffnung zu ergreifen gedenke. (Andauernder Bei=
fall
rechts und im Zentrum). Die von der Regierung ge=
troffenen
Maßnahmen ſeien gewiß ſtreng geweſen, aber
die Regierung habe ſie in Ermangelung eines beſſeren ge=

troffen und ſei tief davon überzeugt, daß ſie damit einem
Teil der Studenten eine Unterbrechung ihrer Studien er=
ſpart
habe. Der Miniſter ſchloß mit der Erklärung, das
Unterrichtsminiſterium, das mit Arbeit überhäuft ſei, ſei
wohl geneigt, es möglichſt den Univerſitätskörperſchaften zu
überlaſſen, den Fortgang des Unterrichts an den Univerſi=
täten
zu gewährleiſten. Die baldige Erfüllung dieſer Auf=
gabe
würde das Miniſterium der Unannehmlichkeit ent=
heben
, wieder zu Zwangsmaßnahmen zu greifen.
* Konſtantinopel, 22. Febr. Blättermeldungen beſagen,
das Marine=Miniſterium erwäge ein neues Bauten=
rogramm
für 20 Marineeinheiten. Die Vor=
beſprechungen
mit engliſchen Werften und der Caſſelſchen
Kationalbank of Turkay, welche die nötigen Summen vor=
ſtrecken
ſoll, hätten bereits begonnen.

Brieſtaſten.

W. hier. Sie fragen: Iſt ein Kaufmann oder
Händler nicht verpflichtet, ſchlechte Eier umzutau=
ſchen
oder das Geld dafür zurückzugeben? Gute Eier
koſten jetzt pro Stück 1012 Pfg. Wenn unter 20 Eiern
5 ſchlechte ſind, habe ich 50 Pfg. weggeworfen. In
jedem anderen Falle kann der Käufer verlangen,
für ſein Geld brauchbare Ware zu erhalten und der
Verkäufer tauſcht ſchlechte und verdorbene um. Warum
ſoll bei Eiern eine Ausnahme gemacht werden? Der
Käufer iſt doch hier ebenſo um ſein Geld betrogen, wie in
anderen Fällen. Die Verkäufer weigern ſich aber, für
ſchlechte und unbrauchbare Eier Erſatz zu leiſten. Gibt
es hierüber geſetzliche Beſtimmungen?
Wir können Ihnen hierüber keine Auskunft geben,
vielleicht iſt einer unſerer Leſer dazu in der Lage.
G. K, hier. Wenden Sie ſich an das Hauptmeldeamt
Darmſtadt.
M. Kz. hier, Hanauer Hof. Die Reichsgeſetzgebung
wird ausgeübt durch den Bundesrat und den Reichstag;
dieſem letzteren ſteht ein Initiativrecht zu, d. h. er kann
ſelbſt Geſetzesvorlagen vorſchlagen. Die vom Bundesrat
ausgehenden Geſetzesvorlagen werden im Auftrag des
Kaiſers im Reichstag eingebracht, aber dem Kaiſer ſteht ein
Geſetzesvorſchlagsrecht nicht zu, ſondern nur den verbün=
deten
Regierungen als Ganzes. Ein Geſetz kommt zu=
ſtande
durch übereinſtimmende Mehrheitsbeſchlüſſe von
Bundesrat und Reichstag; die Sanktion der Geſetze ſteht
wiederum dem Bundesrat zu und nicht dem Kaiſer, der
nur die Ausfertigung und die Verkündigung der Geſeſtze
zu vollziehen hat. Die Verkündigung erfolgt im Reichs=
geſetzblatt
. Die heſſiſchen Kammern erlaſſen ebenfalls ge=
meinſam
mit der Regierung die Geſetze. Die Zweite Kam=
mer
iſt der Erſten Kammer nicht unterſtellt und keine kann
für ſich allein Geſetze erlaſſen. Eventl. erfolgt gemeinſame
Abſtimmung.

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Heute morgen entſchlief ſanft nach langem,
mit großer Geduld ertragenem Leiden unſere
liebe gute Schweſter, Schwägerin, Tante und
Großtante
(4546
Auguste Seederer
im 76. Lebensjahre.
Darmſtadt, den 22. Februar 1912.
Pauline Seederer.
Seederer, Oberst z. D.
nebſt Kindern und Enkel.
Die Einſegnung findet Freitag, den 23. Februar,
nachmittags 5 Uhr, im Trauerhauſe Martin=
ſtraße
48, die Einäſcherung am 24. Februar,
mittags 1 Uhr, in Offenbach ſtatt.

Dankſagung.
Für die herzliche Teilnahme bei dem Heim=
gang
meiner lieben Mutter
(4528
Frau
Amalie Wilke Wwe.
ſage innigſten Dank.
Karl Wilke, Ober=Bahnaſſiſtent.
Darmſtadt, am 22. Februar 1912.

Dankſagung.
Für die Beweiſe herzlicher Teilnahme bei dem
Heimgang unſeres lieben Onkels und Schwagers
Herrn Heinrich König
ſagen wir Allen herzlichen Dank.
(4545
Familie Chr. Hartmann.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlichſter Teilnahme
an dem Hinſcheiden unſeres braven Sohnes und
Bruders
(B4518
Wilhelm Dechert
ſagen Allen innigſten Dank.
Familie Dechert.

Gottesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 23. Februar:
Vorabendgottesdienſt 5 Uhr 45 Min.
Samstag, den 24. Februar:
Morgengottesdienſt 9 Uhr Sabbatausgang 6 Uhr
45 Minuten.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religions=
geſellſchaft
.
Samstag, den 24. Februar:
Vorabend 5 Uhr 20 Min. Morgens 8 Uhr. Nach=
mittags
4 Uhr. Sabbatausgang 6 Uhr 45 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 25. Februar,
an: Morgens 6 Uhr 30 Min. Nachmittags 5 Uhr.
NB. Donnerstag, den 29. Februar:
Faſttag T. Esther. Nachmittags 5 Uhr 45 Min.

Dankſagung.
Anläßlich meines 70. Geburtstages ſind
mir aus Nah und Fern ſo zahlreiche Glück=
wünſche
zugegangen, daß es mir unmöglich iſt,
jedem Einzelnen perſönlich zu danken. Ich
ſpreche daher auf dieſem Wege allen Gratu=
lanten
meinen herzlichſten Dank aus.
Schäfer, Bürgermeister,
Eberſtadt bei Darmſtadt.
4522)

Tageskalender.

Großh. Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Ab. C): Das
Tänzchen‟
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Kurſus über Armenpflege ꝛc.: Beſichtigung ves
Ohlyſtifts bei Gräfenhauſen (Abfahrt 1.42 Uhr).
Schlußverſammlung um 8 Uhr im Saalbau.
Kammerkunſt=Abend von Marya Delvard und
Marc Henry um 8 Uhr im Mathildenhöhſaal (Freie
lit.=künſtl. Geſellſchaft).
Vortrag von Direktor Paſtor Stuhrmann um 8 Uhr
im Kaiſerſaal
Vortrag von Pfarrer Marguth um 8 Uhr im Ge=
meindehaus
der Johannesgemeinde (Frauenverein).
Vortrag von Profeſſor Dr. Leimbach um 8¼ Uhr im
Saal 330 der Techn. Hochſchule (Alkoholgegnerbund.)
Konzert um 6 Uhr im Kölniſchen Hof.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um ½8 Uhr im Reſtaurant Metropol.
Konzert um ½8 Uhr im Bürgerkeller.

Verſteigerungskalender.

Samstag, 24. Februar.
Waffen= ꝛc. Verſteigerung um 11 Uhr in der
Ludwigshalle‟.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.

Detammotcm. Kienlgonerbtreisendef
unn Achtung i
Betr.: Anmeldung zur Unfallberufsgenossenschaft!
Aus den amtlichen Bekanntmachungen geht nicht mit der
wünſchenswerten Klarheit hervor, daß
en alle
Detailgeschäfte
die entweder 1 gewerblichen (Hausburſchen u. dergl.) oder 2 kaufm.
Angeſtellte dauernd das ganze Jahr beſchäftigen, ſich
zur Unfallberufsgenoſſenſchaft anmelden müſſen.
Wir machen daher unſere Mitglieder ſowie alle ſonſtigen
hieſigen Detailgeſchäfte auf die entſprechenden Beſtimmungen auf=
merkſam
. Die Anmeldungen haben bei Vermeidung einer
Strafe bis zu Mk. 100. bis
(4506a
ſpäteſtens 15. März
bei der Großh. Bürgermeiſterei (Waldſtr. 6, I.) zu erfolgen. An=
meldeformulare
können auch bei dem Vorſitzenden unſeres Vereins,
Herrn Wilh. Kalbiuss, Markt 10, in Empfang genommen werden,
der auch gerne jede weitere Auskunft in dieſer Angelegenheit erteilt.

Unſere Mitglieder machen wir darauf aufmerkſam, daß ſie
Lehrverträge und Angeſtelltenverträge jederzeit unentgelt=
lich
bei dem unterzeichneten Vorſitzenden erhalten können.

Der Vorstand des Vereins der Detaillisten in Darmstadt.
Fr. Becker, Schriftführer.
Wilh. Kalbfuss, Vorsitzender.

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bei Heß im Rondell das ſilb.
Tuch an ſich nahm, iſt erkannt.
Abzugeben im Verkehrsbüro, ſonſt
erfolgt Anzeige.
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wurde im Café
Montag Ernst-Ludwig
ein Stock mit ſilberner Krücke
wahrſcheinlich irrtümlich mitge=
nommen
. Bitte denſelben am
(*4313
Büfett abzugeben.

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gekommen. Vor Ankau
wird gewarnt Aug. Bauſcher,
Dreibrunnenſtraße 10.
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Vor Ankauf wird gewarnt. (*4310

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Freitag, 23. Februar.
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Zum erſten Male wiederholt:
Das Tänzchen.
Luſtſpiel in 3 Akten von Her=
mann
Bahr.
Spielleitung: Regiſſeur Hacker.
Perſonen:
Rittergutsbeſitzer
Joachim v. Bieſt=
Zeſer, M. d. R. Hr. Heinz
Johanna, ſ. Frau Frl. Heumann
Malwine, ſ. Tocht. Frl. Uttmann
Generaldir. Emil
Lavin
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Regierungsaſſ. Dr.
James Lavin, ſ.
. Hr. Weſtermann
Sohn
Frau KlaraHeydt,
Klavierlehrerin . Frl. Alſen
Paul Windel, In=
ſeratenagent
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Probſt Rochus v.
Kathen.
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Dalm=Duhna . Hr. Schneider
Geheimrat Prof.
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Frhr. von Jentz . Hr. Lehrmann
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Reihe) 2.50 Mk., (7. und 8. Reihe.
2 Mk., Sperrſitz (1.13. Reihe)
4 Mk., (14.20. Reihe) 3.20 Mk.,
Parterre (1.5. Reihe) 2.70 Mk.,
(6.8. Reihe) 2.20 Mk., 1. Galerie
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, J. Schlegel, Maskenverleihanstalt, Grafenstr., F. Karl,
Uhrmacher, Soderstrasse, J. Matheis, Friseur, Obergasse
und im Verkehrsbüro. Studentenkarten sind beim
Hausmeister der Technischen Hochschule zu haben.

Anmeldungen zur Mitgliedschaft, deren Vollzugnoch vor dem
Feste gewünscht wird, sind bis spätestens 23. Februar an den
1. Vorsitzenden, Herrn W. Lehrbach, Schillerplatz zu richten.

Wir machen unsern Mitgliedern bekannt, dass Mitglieds-
maskenkarten
nur für die direkt zur Familie gehörigen,
ledigen Personen (wie Tochter oder Sohn) letzterer nicht
über 18 Jahre, abgegeben werden, welche bei unserem 1. Vor-
sitzenden
, Herrn W. Lehrbach, Schillerplatz, zu haben sind.

DER VORSTAND.

(4494

Verein der Württemberger, Darmstadt.
Sonntag, den 25. Februar, von abends 7 Uhr ab:
Geburtstags-Feier
Sr. Maj. des Königs Wilhelm II. von Württemberg
bei Mitglied Eppler, Zur Bavaria Grafenſtr. 21.
4480) Hierzu ladet höfl. ein
Der Vorstand.

Sonntag, den 25. Febr. 1912, abends 8½ Uhr,
im Lokal des Chriſtl. Vereins j. Männer
Riegerplatz 3
Vortrag

des Herrn Miſſionar J. A. Beutel ans

über:

Allerlei Erlebnisse aus dermissionsarbeit‟
Eintritt frei für jedermann.
(4514

Bezirnsverem Sohannesviertel
Einladung zur Hauptverſammlung
am Montag, den 26. Februar, abends 8½ Uhr,
im neuen Sälchen des Frankfurter Hofss
Ecke der Frankfurter= und Landwehrſtraße.
Tagesordnung:
1. Rechenſchaftsablage.
2. Linienführung und Fahrgeldtarif der elektriſchen Bahnen
im Johannesviertel.
3. Die Anlage der Induſtriegeleiſe.
4. Die Erhaltung eines Poſtamts innerhalb des Viertels.
5. Neuwahl des Vorſtandes und der Ausſchüſſe.
6. Verſchiedenes.
(4534
Zu zahlreichem Beſuch ladet ergebenſt ein
Der Vorstand.
Mehober
Einrichtungen, Nachlässe
übernehme zur Versteigerung, zum vorteilhaften Verkauf, auch
Ankauf F. Kurtz, Auktionator u. Taxator, Pädagogstr. 2.

[ ][  ][ ]

Aelt. Frl., d. läng. J. 1. Stelle
in Engr.=Geſch. inneh., w. ſich ab
1. April zu verändern. Off. unt.
K 83 hauptpoſtl. (*3985omf
Beſſ. Mädch., welches Kleider=
machen
gelernt, wünſcht m. Schnei=
derin
auszugehen, um ſich noch
beſſer auszubilden. Off. unt. M. B. 20
postlagernd Pfungstadt. (*4266fs

ſucht Laufdienſt per
Frau 1. März morgens 2 Std.
Bleichſtr. 5, 2. St. rechts. (*4322
ſucht morg. Laufd. Kranich=
Früu ſteinerſtr. 8½, M. I. (*4327

Mädchen, welch. etw. nähen kann,
ſucht Stelle z. Kind. od. in kl. Haus=
halt
. Wienersſtr. 61, Hh. II. I. (*4292

Kiniderfrauien
franz. Schweizerin mit gut. Zeugn.
ſucht Stelle, am liebſten zu kleinen
Kindern, zum 1. März od. 1. Mai.
Off. u. L 19 a. d. Exp. (*4288

Junge Frau ſ. Hausarb. Magda=
lenenſtr
. 1, Htb., Fr. Pries. (*4304

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das Hausarbeit verſteht u. kochen
kann, ſucht v. morg. bis über Mittag
Stellg. Off. u. L24 a. d. Exp. (*4330fs

Unabhängige Frau ſucht 2 Std.
morgens Laufdienſt Karlſtr. 64,
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Handſchrift, ſucht Stelle als Lager=
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nimmt
bei mäß. Berechnung Ver=
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bei Bauausführung. u. Wohnungs=
herrichtung
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militärfrei, ſucht für ſofort Arbeit=
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Kleinſt. in d. Woche mitzuarb.
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ſpäter geſucht
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München, Neuhauſerſtraße 28.

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Aelt. erfahr. Dienſtmädchen werden. Zur Einführung wird
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mittags, event. tagsüber geſucht mit Angabe von Alter, ſeitheriger
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bürgerl. kochen kann, ſofort geſucht.
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Tiefbauamt, Hügelſtr. Nr. 31/33,
einreichen.
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Bekanntmachung.

In der Pferdeſtallung des Hauſes Schuknechtſtraße Nr. 55 iſt
die Bruſtſeuche ausgebrochen.
(4521
Darmſtadt, den 21. Februar 1912.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Bekanntmachung.

Nachſtehende Polizeiverordnung bringen wir erneut zur Kenntnis
der Beteiligten.
Darmſtadt, den 15. Februar 1912.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Polizeiverordnung

betreffend die Ausführung der Kaiſerlichen Verordnung vom 9. Juli
1900, hier: Anzeigepflicht der Motore.
Auf Grund des Artikels 78 der Kreis= und Provinzialordnung
vom 12. Juni 1874 wird mit Zuſtimmung des Kreisausſchuſſes und
mit Genehmigung Großh. Miniſterium des Innern vom 29. Oktober
1901 zu Nr. M. d. J. III. 5947 für den Kreis Darmſtadt verordnet,
was folgt:
§ 1. Jeder Gewerbetreibende, in deſſen Werkſtätte ein durch
elementare Kraft (Dampf, Wind, Waſſer, Gas, Luft, Elekrizität uſw.)
bewegtes Triebwerk in gleichviel welchem Umfange zur Verwendung
kommt, hat die erfolgte Aufſtellung und Inbetriebnahme innerhalb
8 Tagen nach Beginn der letzteren der Ortspolizeibehörde anzuzeigen.
§ 2. Jeder Gewerbetreibende, der zu Zeit des Inkrafttretens
dieſer Polizeiverordnung in ſeiner Werkſtätte einen Motor der in
§ 1 bezeichneten Art benutzt, hat dies bis zum 15. Januar 1902 der
Ortspolizeibehörde anzuzeigen.
§ 3. Zuwiderhandlungen gegen die Vorſchriften in den §§ 1
und 2 werden mit Geldſtrafen bis 30 Mark beſtraft.
§ 4. Dieſe Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung
im Kreisblatte in Kraft.
(4233od
Darmſtadt, den 10. Dezember 1901.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Grancy.

Geſetzliche Geſellenprüfung.

Die diesjährigen Geſellenprüfungen finden im Monat
April ſtatt.
An derſelben können alle jungen Handwerker teilnehmen, deren
Lehrzeit ſpäteſtens am Schluß der Prüfungen beendet iſt.
Anmeldungen zur Prüfung ſind unter Benutzung des vorge=
ſſchriebenen
Formulars (bei dem Unterzeichneten erhältlich) bis zum
9. März, von 812 und 25 Uhr, an den unterzeichneten Aus=
ſchuß
, Kiesſtraße 21, zu richten. Die Prüfungsgebühr beträgt 3 Mark
und iſt mit der Anmeldung an den Unterzeichneten einzuſenden.
Wir machen insbeſondere darauf aufmerkſam, daß die Ab=
legung
der Geſellenprüfung zwingende Vorbedingung für die
Zulaſſung zur Meiſterprüfung iſt, künftig aber nur noch durch
das Beſtehen der letzteren die Befugnis zum Anleiten von Lehr=
lingen
erworben werden kann. Die Verſäumnis der Geſellen=
prüfung
hat alſo ſpätere empfindliche, nicht mehr nachzuholende
Nachteile im Gefolge.
Darmſtadt, den 21. Februar 1912.
(4444dfs
Der Prüfungsausſchuß des Ortsgewerbevereins.
Georg Hild, I. Vorſitzender.

Antz= u. Brennholz=Verſteigerung Nr. 14.
(Stadtwald.)

Freitag, den 1. März I. Js., vormittags 9 Uhr,
werden in der Turnhalle (Woogsplatz 5) hier, aus der Forſtwartei
Beſſunger Laubwald (Förſter Lehr) verſteigert:
I. Nutzholz: aus den Abteilungen 5 (Stellkopf), 18 (Ständige Weide),
24 (Vorderwieſenſchlag) und aus verſchiedenen Abtei=
lungen
(Abz. Nr. 4861424).
1. Stämme:
Eichen II. Kl. 1 Stck. 1,32 fm! Eſchen V. Kl. 8 Stck. = 2,90 fm
III. 3 3,01
VI. 32
5,57.
IV. 20 10,07 Buchen III. 5 3,50
V. 10 3,57
IV. 2 1,11
VI. 2 0,49 Lärchen V. 19 6,78
Eſchen IV. 1 0,73 1Fichten V. 17 5,91
2. Derbſtangen:
Eichen I. Kl. 10 Stck. 0,55 fmFichten I. Kl. 17 Stck. 1,51 fm
2 0,11
Eſchen I.
II. 42 1,56
3. Reisſtangen: Fichten II. Kl. 25 Stck. 0,16 fm.
II. Brennholz: aus der Abteilung 18 (Ständige Weide), ſowie das
Dürr= und Windfallholz aus verſchiedenen Abtei=
lungen
(Abz. Nr. 1022 bis 1260).
Scheiter: Buche 5 rm, Eiche 4 rm, Kiefer 122 rm
35
22
, 199
Knüppel:
Reiſigknüppel: Eiche 1 Kiefer = 42 rm
Kiefer = 32 rm (fein), Fichte 3 rm (grob).
Stöcke:
Unterſtrichene Nummern werden nicht ausgeboten. Weitere
Verſteigerungen finden im Beſſunger Laubwald nicht mehr ſtatt.
Darmſtadt, den 21. Februar 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.
(4248fm

Holz-Verſteigerung.

Dienstag, 27. Februar I. Js.,
werden verſteigert aus Diſtrikt I Eichen, Abt. 44 und 45 (Abtriebe),
48 (I. Durchforſtung) und das Dürr= und Windfallholz aus Abt. 17)
18, 2426, 29, 31, 3538, 40, 52 und 53:
Scheiter, rm: 99 Buche, 155 Eiche (dabei Werkholz),
1 Erle, 2 Kiefer; Knüppel, rm: 51 Buche, 123 Eiche, 9 Erle,
1 Eſche, 6 Kiefer, 3 Fichte, 2 Lärche; Reiſig, Wellen;
2940 Buche, 20 Eiche; Stöcke, rm: 49 Buche, 67 Eiche;
Knüppelreiſig, rm: 2 Hainbuche, 134 Eiche.
Zuſammenkunft morgens 9 Uhr auf Kreuzung Waizenborn=
ſchneiſe
und Schmellenbruchſchneiſe. Vorgezeigt wird nur das Holz
in Abt. 44 und 45; alles andere Holz iſt vorher einzuſehen. Aus=
kunft
durch Forſtwart Kirſchner zu Steinacker (Poſt Meſſel).
Meſſeler Forſthaus, 21. Februar 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Meſſel.
(4478
Schlag.

Streu=Verſteigerung.

Am Schluß der Mittwoch, 28. Februar, vormittags, in
Arheilgen ſtattfindenden Holzverſteigerung wird das Laub von
folgenden Parkwieſen zur Selbſternte verſteigert:
Geſchwend, öſtlich Speierhügelſchneiſe, desgleichen weſtlich
derſelben; Mörsbach, öſtlich Höllſchneiſe; Zinkenwieſe,
ausgenommen Loſe 34 bis 36; Hirten=, Fangwieſe; Silz,
ſüdlich, dieſelbe nördlich Bahn; Kühruhe, Rund=, Kern=,
Stadtförſterswieſe; Rottwieſe, ſüdlicher und nördlicher Teil.
Darmſtadt, den 21. Februar 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Kranichſtein.
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tiefschwarze Qualitäten, ein- u. zweireihig,
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Preislagen: 25.- 30.- 34.-38. bis 50.
Schwarze Kleider
in all. Grössen, 26.-28.-30.-32.-35.-40.
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Ludwigsplatz, Ecke Schulstrasse. . (4531

Schulgeld-Erhebung.

Das Schulgeld für das Großh.
Realgymnaſium und deſſen Vor=
ſchule
, die Großh. Ludwigs=
Oberrealſchulen, die Großh.
Liebigs=Oberrealſchule, die Vor=
ſchule
der Großh. Gymnaſien,
die Viktoriaſchule, das Lehrer=
innen
=Seminar, die Eleonoren=
ſchule
und die Mittelſchulen für
das I. Kalender=Vierteljahr
1912 iſt, bei Meidung der Mah=
nung
, bis Ende lfd. Mts. an
den Werktagen, vormittags von
8½ bis 12½ Uhr, hierher zu ent=
richten
.
(3918a
Darmſtadt, 12. Februar 1912.
Die Stadtkaſſe.
I. V.: Hahn.

Eußſteigunterhaltungsarbeiten
und Kaualanſchlüſſe.

Die im Verwaltungsjahr 1912
vorkommenden Fußſteigunterhal=
tungsarbeiten
und Kanalausfüh=
rungen
kleineren Umfangs ſollen
erſtere nach 2 Loſen getrennt
zu den in einem Preisverzeichnis
feſtgelegten Einheitspreiſen an hie=
ſige
Meiſter übertragen werden.
Geeignete Bewerber werden ein=
geladen
, bis ſpäteſtens
Donnerstag, 7. März I. J.,
vormittags 10 Uhr,
durch Anerkennung der bei unſe=
rem
Amte Zimmer 7 offen=
gelegten
Bedingungen ihre Bereit=
willigkeit
zur Uebernahme dieſer
Arbeiten zu erklären. (4439df
Darmſtadt, 21. Februar 1912.
Tiefbauamt.
Keller.

Bekanntmachung.

Freitag, 22. März I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Weißbindermeiſter
Karl Hermann Eheleuten dahier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
IV 305¾/10 702 Hofreite Lich=
tenbergſtraße

in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K15/12
Darmſtadt, 8. Februar 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V3550

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2 Rolläden, 1m br., bill. zu verk.
Näh. Frankfurterſtr. 24, Htb. (*4273

Verſteigerungs-Anzeige.

Samstag, 24. Februar l. Js., vormittags 11 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungs=Lokale Zur Ludwigshalle dahier
(Obergaſſe), auf Anordnung Großh. Amtsgerichts Darmſtadt I:
2 Spazierſtöcke, 1 Gewehr, 4 Revolver, 2 Brownings,
1 Schlagring, 2 Meſſer, ſowie eine Partie Patronen.
Verſteigerung findet beſtimmt ſtatt.
(4530
Darmſtadt, den 22. Februar 1912.
Kapp, Großh. Gerichtsvollzieher,
Friedrichſtraße 24, I.

Verſteigerungs-Anzeige.

Montag, den 26. d. Mts., nachmittags 4 Uhr,
ſollen im Verſteigerungslokal Ludwigshöhſtr. 4 folgende Pfänder
gegen bar verſteigert werden:
1 Pianino, 1 kl. Kaſſeſchrank, 1 Kleiderſchrank, 1 Eisſchrank,
1 Büfett, 1 Schreibtiſch, 1 Bücherſchrank, 1 Diwan u. a. m.
Darmſtadt, den 20. Februar 1912.
(4512fs
Wieser.

Abhanden gekommene
Sparkaſſenbücher.

Die vermißten Einlagenbücher
Nr. lautend auf den Namen
47877 Wagner, Chriſtina,
48647 Wittmann, Chriſtine,
64954 Schimpf, Leonh.,
64990 Reichel, Ph.,
65184 Hoffarth, Marie,
65382 Kiſtinger, Georg Ph.,
65969 Schimpf, Margar.,
73247 Geffert, Anna,
73617 von Perglas, Marie,
77094 Wund, Frau,
77435 Schäfer, Hermann,
78629 Janz, Johann,
79562 Jacoby I., Hermann
Witwe,
85717 Wundt, Frieda,
162456 Fieg, Emma,
der ſtädtiſchen Sparkaſſe Darmſtadt
werden nach deren Satzung § 20
für kraftlos erklärt, wenn ſie nicht
innerhalb drei Monaten
hei dieſer Kaſſe vorgezeigt werden
Darmſtadt, 17. Februar 1912.
Der Verwaltungsrat der ſtädtiſchen
Sparkaſſe.
Der ſtellvertretende Vorſitzende:
Wagner. (4481ff

150 Liter Vollmilch
abzugeben. Off. u. L31 Exp. (*4307

ut erh. halbplattiertes Einſp.=
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*4264fs) Beſſungerſtr. 112, part.

Bekanntmachung.

Freitag, den 8. März I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Jakob Hirſchinger Ehe=
leuten
dahier zugeſchriebene Lie=
genſchaft
:
Flur Nr. qm
IV 122 801 Hofreite Mag=
dalenenſtraße

ſtraße Nr. 6,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K120/11
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, kann Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er=
reicht
.
Darmſtadt, 13. Februar 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V4025

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Dora Plattner.
Roman von Ernſt Clauſen.
(Nachdruk verboten.)
14)

Lilli ſchüttelte den Kopf. Die kleinen Kriegsliſten
kennen wir Frauen untereinander. Nebenbei iſt es einer
ſtolzen ſelbſtbewußten Frauennatur unwürdig, ſich ſo zu
verſtecken. Schließlich iſt es nur Heuchelei.
Kommt eben alles auf die Natur an, ob es Winkel=
züge
ſind oder echte Natur. Dänhardt trommelte mit den
Fingern auf den Tiſch, an dem er ſtehen geblieben war.
Und weshalb ſollte dieſe dieſe Walküre ſich nicht
für Sie intereſſieren, Herr Doktor?
Das will ich Ihnen ſagen. Ich habe die feſte Uebe=
zeugung
, daß ich ihr nicht im geringſten imponiere!
Im-po-nieren? Großartig! Iſt das nötig? Was
ſo ein Mann nicht alles verlangt?
Ja, dieſe Walküren, wie Sie eben ſagten, tun es nicht
anders. Sehen Sie, ſo ein moderner Jammerfritze von
Mann, der ſich erſt aufrütteln und zu Taten begeiſtern laſ=
ſen
muß, der hätte hier nicht einmal bei der dicken Frau
Tannert Glück. Soll ich Ihnen eine kleine Geſchichte er=
zählen
, nur zur Illuſtration? Wir drei, Fräulein Platt=
ner
, Ihr Mann und ich mußten anſtandshalber im Herbſt
das Erntefeſt in Bütfeld mitmachen. Ich komme mit Fräu=
lein
Dora die Treppe herunter, die vom Tanzſaal in den

engen Hausflur hinunterführt. Hinter uns die ganze
Treppe gedrängt voll von Burſchen und Welbern. In der
Gaſtſtubentür unten ſteht da ein Kerl, ein Matroſe, einen
Kopf größer als ich, prima Knochenbau. Der ſteht da
breitbeinig vor der Treppe, hält die Hände in den Hoſen=
taſchen
und grinſt Fräulein Plattner ganz verliebt an
und ſagt: De ſmucke Deern muß mir einen Kuß geben,
das is Seemannsrecht! Na, ich ſehe mir den Kerl an;
etwas betrunken war er ſcheinbar. Hinter uns kichert und
lacht das, und ich merke, wie dieſe ganze Geſellſchaft dar=
auf
ſpannt, was ich nun tun würde. Na, mit Betrun=
kenen
muß man diplomatiſch verkehren. Ich biete ihm
Zigarren an, aber er ſchüttelt den Kopf: Ne, erſt muß
ich nen Kuß haben, bloß zum Jux! Dabei torkelte er
auf uns zu wie ein junger Seehund. Wir retirieren, die
Weiber hinter uns kreiſchen. Da geht unten die Gaſt=
ſtubentür
auf, wo ein gewiſſer Herr mit den älteren
Bauern geſeſſen hatte. Machen Sie, daß Sie hinaus=
kommen
! ruft er dem Matroſen zu. Da macht der auch
ſchon einen Griff nach der Gegend, wo die Kerls das
Meſſer ſtecken haben. Aber er kam nicht dazu, denn er
wurde an der Bruſt gepackt, gehoben und fliegt ſo einige
Meter weit aus der offenen Tür mitten auf die Straße.
Und wer warf den Menſchen hinaus?
Das war ein gewiſſer Gerdt Lührſen, Ihr Herr Ge=
mahl
.

Und Sie?
Ich? O, ich nähte dem Matroſen die Kopfhaut wie=
der
zuſammen. Ich glaube, zehn Nadeln waren nötig.
Ja, was glauben Sie nun, wer von uns beiden würde
Ihnen im-po-niert haben?
Er fixierte Lilli ſehr ſcharf, ſah auch, wie ſich ihre
Wangen etwas gerötet hatten, aber ſie ſagte trotzdem, ei=
gentlich
nur um den Eindruck ahzuſchütteln: Lächerlich!
Seien Sie doch nicht komiſch!
Ich frage ſehr ernſt. . . . Ich behaupte ja gar nicht,
daß man nur mit brutaler Kraft imponieren könnte, ob=
gleich
auch darin mehr liegt, als man glaubt, da nun ein=
mal
in gewiſſen Lagen der Mann die Frau ſchützen muß.
Aber ſolch ein Mädchen wie Dora Plattner will Hand=
lungen
ſehen, Entſchlüſſe, Taten, Willenskraft. Wiſſen Sie,
was ich tat? Er richtete ſich auf und lachte ſarkaſtiſch. Ich
kaufte mir ſo ein paar Dinger, eiſerne Hanteln, und ſeit=
dem
geht es jeden Morgen und jeden Abend, eins zwei,
eins zwei, was übrigens ſehr geſunde Gymnaſtik iſt
er machte die Bewegungen des Hantelns mit den Armen;
ſo, nun habe ich noch Beſuche zu machen. Und da iſt
Fräulein Plattner, wandte er ſich an dieſe, die mit einem
Nähkorb in den Händen eintrat. Alſo, alle zwei Stunden
gurgeln. Heute mittag eine Taſſe Bouillon, ſonſt nur
leichte Suppen.
Schon gut, Herr Doktor, Sie wollen fort?

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NB. Zahle pr. Zahn bis 1 Mk. L. Willig aus Bremen.

Bei Steinmanns iſt der Storch geweſen, und ich muß
hin. Ich glaube, es war der ſechſte Junge.
Ja, ſagte Dora einfach, und was für Prachtjungen
die fünf erſten. Ich habe mich neulich erſt darüber ge=
freut
.
Dänhardt aber griff in den Nähkorb und zog ein
Kleidungsſtück heraus, das er in die Höhe hielt.
Oho, was haben wir denn hier? Fränzchens Hoſen!
Na, damit hätte es nun wirklich noch etwas Zeit gehabt.
Sie ſollten ſich lieber Ruhe gönnen und ſich etwas hin=
legen
, denn Sie ſehen miſerabel aus.
Ich, hinlegen, am hellen Tage, das wäre das erſte
Mal!
Da ſehen Sie, wandte ſich Dänahrdt an Lilli, wieviel
Autorität ich hier habe, und wieder zu Dora, die am Näh=
tiſch
Platz genommen hatte: Reſpekt haben Sie doch nicht
die Spur vor mir.
Dora ſah Dänhardt ganz erſtaunt an. Reſpekt ?
Wieſo? O doch, vor Ihrer ärztlichen Kunſt und vor Ihrer
ſcharfen Zunge.
Sehen Sie, Frau Lührſen, da haben wirs, was ich
vorhin ſagte. Vor meiner Kunſt ? Wenn ich ſelbſt nur
mehr Reſpekt davor hätte! Das kann ein Halunke gerade
ſo gut lernen wie ein Biedermann, wenn er nur das =
tige
Gehirn hat, wenigſtens was ſo zum Handwerk ge=
hört
.
Lilli hatte die beiden ſcharf beobachtet. Es war, als
könnte der Doktor nicht recht aus dem Zimmer hinausfin=
den
. Sie ſagte ſehr nachdrücklich: Ich glaubte, Herr Dok=
tor
, Sie müßten noch Beſuche machen?

Muß ich auch. Donnerwetter, da hätte ich bald den
Knecht Jochen vergeſſen. Sein Fuß will nicht wieder gut
werden. Bitte, Fräulein Plattner, ſpringen Sie nicht
gleich wieder auf, ich weiß ja Beſcheid hier. Meinen Man=
tel
laſſe ich hängen und hole ihn mir nachher.
Mit einem Blick auf Dora, die ſich über ihre Näharbeit
beugte, und auf Lilli, die mit ihrer Uhrkette ſpielte, ging er
dann endlich hinaus.
Das waren doch zwei merkwürdige Gegenſätze, dieſe
beiden Frauen! Aber die Lührſen ſah fraglos noch hölliſch
gut aus und ja, er fühlte, wie ihn doch noch viele alte
Gewohnheiten mit ſolchen Vertreterinnen des ſchönen Ge=
ſchlechts
verbanden. Sie waren ihm doch leichter verſtänd=
lich
. Dora kam ihm beinahe plump vor neben der ele=
ganten
, feingliedrigen Lilli, und man konnte mit letzterer
ſich ſo fein hin und her zanken und höfliche Grobheiten
ſagen. Na, die ganze Sache war hier ſchön verfahren.
Das Kind außer Gefahr, der eigentliche Grund, weshalb
deſſen Mutter gekommen war, damit aufgehoben, und nun
mußten alle Eiſenbahnen zuſchneien und Frau Lilli hier
feſtſitzen. Er war wütend, daß er vorgeſtern ſelbſt darauf be=
ſtanden
hatte, daß Lührſen an die Mutter telegraphierte,
als dieſer ihn fragte, ob die Sache ernſt ſei. Er hatte zwar
ſelbſt gezweifelt, ob der Junge durchkommen würde. Nun
hatte Lührſen die Beſcherung. Alles geht doch ſchief im
Leben, und ſonſt war es viel behaglicher in der Halligboſteler
Wohnſtube.
So waren denn Großſtadtkind und Landkind allein
geblieben in der Stube. Die eine zart, fein in den Gliedern,

beweglich, ein ſchnittiges Geſicht, voll Leben und Geiſt, ein
Kopf, den nur mehrere Generationen ausſchließlich intellek=
tueller
Kultur ſo bilden konnten; das phyſiſch waibliche
etwas verkümmert und das Gefühlsleben hungrig nach
ſtarken Senſationen und Erregungen! Die andere hoch ge=
wachſen
, derb gebaut, der Mutter folgend, die einem ange=
ſehenen
Bauernhauſe entſtammte; in den Bewegungen mehr
Kraft als Anmut, ein Geſicht, durch deſſen große, ruhige
Züge nur ſchwer das Innenleben zum Ausdruck gelangte,
eine Stirn, die die nützlichen und vernünftigen Dinge zu
bewältigen gewohnt war, indem jede Erkenntnis in prak=
tiſches
Wollen umgeſetzt wird. So gibt es zwei Arten von
Menſchen heute in jedem ziviliſierten Volke, und ſie var=
ſtehen
einander nur mühſam, ſie verachten deshalb einander
oft, es gibt kaum noch Brücken zwiſchen ihnen, Brücken
des Verſtändniſſes. Es gibt kein Volk mehr wie
einſtmals . .
Frau Lührſen ſah den blonden, geſenkten Scheitel Dora
Plattners vor ſich und ärgerte ſich über die äußere Ruhe
der ganzen Geſtalt, über dieſes ruhige, zweckbewußte Hin
und Her der Nadel in den Kinderhöschen, über das regel=
mäßige
Anziehen des Fadens, als ob in dieſem Augenblick
keine andere und wichtigere Aufgabe in der ganzen Welt
gäbe für jene Frauenhände, als ein ausgeriſſenes Hoſen=
dreieck
, das an einem Nagel oder Holzſplitter hängen ge=
blieben
, wieder zum Ganzen zu fügen. Die Hände Doras
ſahen aus, als wären ſie in der Welt, um Unordnungen
zu bekämpfen.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Raucher haben darunter zu leiden, daß die Zähne ſich
verfärben und auch der Atem ſtets tabakgeſättigt iſt. Je
ſtärker dem ſüßen Laſter gehuldigt wird, deſto mehr macht
ſich dieſer Aebelſtand bemerkbar. Tägliches, zweimaliges
Dutzen der Zähne mit Kosmodont=Zahnereme mit aktivem
Sauerſtoff erhält auch dem ſtärkſten Raucher ſtets weiße,
blanke Zähne ſowie reinen Mundgeruch. Ein Fachmann
ſchreibt uns: Schließlich möchte ich noch die große, eben=
falls
auf der Wirkung des aktiven Sauerſtoffes beruhende
Reinigungskraft der Kosmodont=Zahncreme erwähnen. Ich=
habe
über 6 Jahre ein und dieſelbe Zahnereme gebraucht,
habe mich aber nach nur 3 bis 4 wöchiger Benutzung zur
Kosmodont=Zahnereme gewandt, da ſie ſogar den Nieder=
ſchlag
von 20 Zigaretten pro Tag faſt ſpurlos vernichtet.
Kosmodont=Zahnereme mit aktivem Sauerſtoff (Tube
60 Pfennig) iſt in allen einſchlägigen Geſchäften
zu haben. Drobetube gratis durch die Kolberger
Anſtalten für Exterikultur, Oſtſeebad Kolberg.

Zweite Kammer der Stände.

3. Sitzung.
St. Darmſtadt, 22. Febr.
Am Regierungstiſche: Staatsminiſter Ewald Exz.,
Finanzminiſter Braun Exz., Miniſter des Innern
v. Hombergk zu Vach Exz., Geheimerat Dr. Weber,
Miniſterialräte Hölzinger, Dr. Kratz, Baurat
Schöberl.
Präſident Köhler eröffnet die Sitzung um halb 11
Uhr und erteilt zunächſt dem Schriftführer Finger das
Wort, der Mitteilung macht von einem Schreiben der
Erſten Kammer, in dem dieſe die Wahl ihres Präſidiums
und die Zuſammenſetzung der Ausſchüſſe mitteilt.
Vereidigung.
Danach werden die neu in die Kammer eingetretenen
Abgeordneten Buſold, Eißnert, Hartmann und
Soherr auf die landſtändiſche Verfaſſung verpflichtet.
Der ebenfalls neugewählte Abg. Adelung wird auf
ſeinen früher geleiſteten Eid verwieſen.
Darauf wird in die Tagesordnung eingetreten:
Eine Anfrage der Abgeordneten Dr. Oſann und Ge=
noſſen
betrifft:
Tierärztliche Unterſuchungskoſten der
Maul= und Klauenſeuche.
Dieſe Anfrage lautet: Iſt der Regierung bekannt, daß
ſich Klagen über die Höhe der tierärztlichen Unterſuch=
ungskoſten
anläßlich der Maul= und Klauenſeuche und
verſchiedene Berechnungen in einzelnen Bezirken ergeben
haben? Empfiehlt es ſich nicht, dieſe Koſten den Vieh=
beſitzern
abzunehmen und auf die Staatskaſſe zu über=
nehmen
?
Miniſter des Innern v. Hombergk zu Vach Exz.
verlieſt hierauf die Antwort der Großh. Staatsregierung,
deren Beſprechung und Drucklegung von den Abgg. Dr.
Oſann bezw. Bähr beantragt und beſchloſſen wird.
Zweiter Gegenſtand der Tagesordnung iſt die An=
frage
der Abg. Brauer und Genoſſen, betr.:
Maul= und Klauenſeuche.
Die Abgeordneten richten an die Großh. Regierung
die Anfrage: Iſt der Großh. Regierung bekannt, daß in
den von der Maul= und Klauenſeuche befallenen Bezirken
eine große Erregung in landwirtſchaftlichen Kreiſen über
die Handhabung der Polizeivorſchriften und des Gebüh=
renweſens
in den Sperr= und Beobachtungsgebieten be=
ſteht
? Iſt die Großh. Regierung bereit, gegebenen Falls
Abhilfe zu ſchaffen?

Auch hierauf verlieſt Miniſter des Innern v. Hom=
bergk
zu Vach Exz. die Regierungsantwort, deren
Beſprechung und Drucklegung auf Antrag des Abg.
Brauer bezw. Breidenbach ebenfalls beſchloſſen
vird.
Abg. Dr. Schmitt macht darauf aufmerkſam, daß
von ſeiner Partei ein förmlicher Antrag in gleichem Be=
treff
vorliegt und bittet, dieſe drei Poſitionen zuſammen
zu verhandeln. Man iſt damit einverſtanden.
Eine dringliche Anfrage des Abgeordneten Dr. Wink=
ler
betreffend:
Bekämpfung des Heu= und Sauerwurmes
lautet: 1. Iſt es der Großh. Staatsregierung bekannt,
daß in den Gemeinden des Kreiſes Worms auf Veran=
laſſung
des Großh. Kreisamtes Worms zum Zweck der
Bekämpfung des Heu= und Sauerwurmes Polizeiverord=
nungen
erlaſſen worden ſind, welche einen Zwang zur
Anbringung von Fangbüchſen in den Weinbergen aus=
ſprechen
und Strafe im Falle der Zuwiderhandlung an=
drohen
? 2. Iſt es der Großh. Staatsregierung bekannt,
daß alsdann auch eine große Anzahl von Strafen ver=
hängt
und hierdurch große Erregung in einzelne Gemein=
den
getragen wurde? Iſt es der Großh. Staatsregierung
bekannt, daß Strafen ſogar in ſolchen Fällen verhängt
wurden, wo die Gemeindevertretung Zwang und Beſtraf=
ung
nicht wünſchte? 3. Iſt die Großh. Staatsregierung
bereit, einen Erlaß von Strafe und Koſten in dieſen Fäl=
en
herbeizuführen? 4. Iſt die Großh. Staatsregierung
bereit, darauf hinzuwirken, daß für die Zukunft durch die
ihr nachgeordneten Verwaltungsbehörden Zwangsmaß=
regeln
nicht eher erlaſſen werden, als bis die Wirkſamkeit
der vorgeſchlagenen Bekämpfungsmittel hinreichend er=
probt
iſt?
Auf dieſe Anfrage verlieſt Miniſter des Innern
v. Hombergk zu Vach Exz. eine eingehende Antwort
der Regierung. Auf Antrag des Abg. Dr. Winkler
wird Beſprechung und auf Antrag des Abg. Finger
Drucklegung der Antwort beſchloſſen.
Es folgt eine Anfrage der Abgeordneten Korel l=
Königſtädten und Genoſſen, betreffend:
die Ausführungsbeſtimmungen zum Reb=
lausgeſetz
:
An die Großh. Regierung richten wir die Anfrage,
ob ſie in der Lage iſt, angeſichts der neuerdings beſonders
in Bingen, Büdesheim und Kempten hervorgetretenen
Unzutraglichkeiten eine Abänderung der Ausführungs=
beſtimmungen
zum Reblausgeſetz herbeizuführen. Iſt ſie
insbeſondere geneigt, benachbarte, von der Reblaus be=
fallene
Gemarkungen zu einem Bezirke im Sinne des
Geſetzes zuſammenzulegen, die Desinfektion in den Win=
termonaten
auf das Mindeſtmaß einzuſchränken und die
Unterſuchungsarbeiten ſo zeitig zu beendigen, daß für
die Kreszenz keine Nachteile entſtehen?
Die Regierungsantwort verlieſt gleichfalls Miniſter
des Innern v. Hombergk zu Vach Exz. Auf Antrag
des Abg. Korell wird Beſprechung und auf Antrag des
Abg. Reh Drucklegung beſchloſſen.
Eine Anfrage der Abgeordneten Dr. Oſann und
Genoſſen, betreffend:
Elektriſche Ueberlandzentralen,
lautet: Hat die Regierung Kenntnis davon, daß bei dem
Bau der Ueberlandzentralen der kleinere und mittlere
Handwerkerſtand ſich an den Arbeiten der Inſtallation
uſw. nicht in wünſchenswerter Weiſe beteiligen kann, weil
die Großbetriebe gerade dieſe Arbeiten auch für ſich in
Anſpruch nehmen? Will die Regierung bei Genehmig=
ung
dieſer Ueberlandzentralen darauf Bedacht nehmen,
daß und in welcher Weiſe die Intereſſen der kleinen und
mittleren Handwerker, Elektrotechniker, Inſtallateure und

Verkäufer von Inſtallations= und ſonſtigen Artikeln hier
gewahrt werden?
Die Anfrage erfährt die gleiche Erledigung. Auf An=
trag
des Abg. Lang wird Beſprechung der vom
Miniſter des Innern v. Hombergk zu Vach Exz. ver=
eſenen
Regierungsantwort beſchloſſen. Die Antwort
gipfelt im weſentlichen in folgenden Punkten:
Die Großh. Staatsregierung wirkt grundſätzlich und
planmäßig darauf hin, daß das Arbeitsgebiet der in
Heſſen anſäſſigen mittleren und kleineren Inſtallations=
firmen
erweitert wird oder mindeſtens beſtehen bleibt.
Bei den Anlagen in Rheinheſſen und im Ried konnten
wir gewiſſe Vorrechte der Rheiniſchen Schuckert= Geſell=
ſchaft
nicht verhindern. Durch unſeren Einfluß iſt aber
immerhin erreicht worden, daß die einheimiſchen Inſtal=
lationsfirmen
ſich noch in ganz bedeutendem Maße an
den Inſtallationsarbeiten beteiligen können. In Zukunft
werden wir, da wir mit größeren Machtbefugniſſen aus=
gerüſtet
ſind, nicht mehr geſtatten, daß den Großfirmen
irgend welche Vorrechte auf dem Gebiete der Hausinſtal=
lationen
und der Motorenlieferung zugeſtanden werden.
Wir ſind allezeit eifrig beſtrebt, einen leiſtungsfähigen
Mittelſtand im elektrotechniſchen Inſtallationsgewerbe zu
erhalten und zu fördern.
Abg. Dr. Oſann beantragt weiter, die Regierungs=
antwort
nicht mit der Drucklegung zu vertagen, ſondern
alsbald in eine Beſprechung einzutreten, da die Sache
doch ſehr dringlich ſei und man unter allen Umſtänden
die Intereſſen des Kleingewerbes, namentlich der Inſtal=
lateure
, wahren müſſe gegenüber den Großfirmen, beſon=
ders
der Rheiniſchen Schuckert=Geſellſchaft. Dieſe großen
Geſellſchaften haben an und für ſich ſchon Monopolvor=
teile
und nun würden jenen noch mehrfache Monopole
zugeſichert, ſo in der Motorenlieferung uſw. Es ſei
Pflicht des Staates, hier eventuell einen Druck auszu=
üben
, um das Kleingewerbe zu ſchützen und einen leiſt=
ungsfähigen
ſoliden Gewerbeſtand zu erhalten. Abg.
Lang ſpricht ſich in gleichem Sinne aus. Seine Aus=
führungen
ſind auf der Preſſetribüne ſchwer zu verſtehen.
Abg. Molthan iſt mit ſeinen politiſchen Freunden
dem Abg. Dr. Oſann dankbar dafür, daß er dieſe bren=
nende
Frage hier angeſchnitten hat. Auch er ſei der
Meinung, daß Regierung und Kreisämter durch Verwei=
gerung
der Kreisſtraßen uſw. einen wirkſamen Druck aus=
üben
können. Abg. Stephan ſteht gleichfalls auf
dem Standpunkt, daß das Kleingewerbe gegen die Groß=
unternehmer
geſchützt werden müſſe; doch möchte er dar=
auf
hinweiſen, daß die Geſellſchaft in Rheinheſſen ( Rhei=
niſche
Schuckert=Geſellſchaft und Stadt Worms) keine
Monopolſtellung beſitzt, ſondern gehalten iſt, auch dem
Kleingewerbe Arbeiten zu überlaſſen. Es ſeien einige 20
kleine Inſtallationsfirmen in dieſem Kreiſe zugelaſſen.
Miniſter des Innern v. Hombergk zu Vach Exz.:
Die Abgg. Dr. Oſann und Molthan haben die Anſicht ver=
treten
, daß die Regierung ſchon nach dem derzeitigen Ge=
ſetze
in der Lage ſei, die Kreisſtraßen eventuell zu ver=
weigern
. Das iſt nicht der Fall. Die Regierung kann
die Kreisſtraßen nicht verweigern, da dieſe im Eigentum
der Kreiſe ſtehen. Die Kreiſe haben aber doch meiſt ein
Intereſſe an dem Zuſtandekommen der Zentralen und
werden darum kaum Einſpruch erheben wollen. Aber
ſelbſt wenn ſie wollten, wären ſie nach dem derzeitigen
Geſetz dazu nicht in der Lage, denn der Artikel 30 be=
ſtimmt
, daß die Kreisſtraßenverwaltungen die Benutzung
der Kreisſtraßen zu derartigen Anlagen geſtatten müſſen,
wenn nicht öffentliche Intereſſen im Wege ſtehen.

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[ ][  ][ ]

Abg. Korell=Königſtädten erörtert Einzelfälle und
möchte den Abg. Oſann dahin berichtigen, daß im Ried
kein Motorenmangel beſteht, daß vielmehr auch z. B. die
Landwirtſchaftskammer Motoren vermittelt. Daß der
Kampf gegen die zunehmende Monopolſtellung der Groß=
firmen
bisher ohne Erfolg geblieben, liege ſeiner Mein=
ung
nach daran, daß eine Anzahl ſich den Ordnungs=
parteien
zurechnenden Abgeordneten durch
Aktienbeſitz an dieſen Großfirmen und Banken finan=
ziel
intereſſiert ſei. Mit der Tendenz der Aus=
führungen
des Abg. Oſann ſei er einverſtanden. Auch
ſeine Partei habe Intereſſe für das Kleingewerbe.
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach:
Der Abg. Korell hat ausgeführt, daß ausſchlaggebend
ffür die Machtſtellung der Großfirmen die finanzielle Be=
teiligung
von Abgeordneten ſei. Man dürfe doch wohl
erwarten, daß derartige Behauptungen belegt werden
durch Namensnennung der in Frage kommenden Perſo=
nen
. Geſchehe dies auch nicht im Plenum, ſo könne es doch
perſönlich erfolgen, damit die Regierung der Sache auf
den Grund gehen könne. Er würde dann dem Plenum
ſſagen können, ob die Behauptung auf Tatſachen beruht
oder ob es ſich um müßiges Gerede handelt.
Baurat Schöberl: Es iſt dem zweifellos zuzu=
ſtimmen
, daß die großen Firmen leichter zu Aufträgen
kkommen, weil ſie nun einmal als leiſtungsfähiger gel=
ten
als das Kleingewerbe, und dadurch von ſelbſt eine
Monopolſtellung genießen. Offiziell eingeräumt werde
ein ſolches Monopol nicht. Die Regierung habe ſelbſt
das lebhafteſte Intereſſe daran, den gewerblichen Mittel=
ſtand
zu erhalten und zu kräftigen, und was ſie in die=
ſer
Beziehung tun konnte, ſei ſicher geſchehen und prak=
tiſch
auch von Erfolg geweſen. Im Ried ſind von ins=
geſamt
1012000 Inſtallationen 3000 Inſtallationen von
8 kleinen Firmen ausgeführt worden, und daß dies zur
vollſten Zufriedenheit geſchah, zeugt von der Leiſtungs=
fähigkeit
dieſer Firmen. In Rheinheſſen war das Ver=
hältnis
allerdings weniger günſtig. Dort ſind insgeſamt
14000 Inſtallationen ausgeführt worden und davon von
10 Kleinfirmen nur 1600. Sehr eingehend verbreitet ſich
Redner dann über die Entſtehungsgeſchichte des Ried=
vertrages
und ſtellt hierbei feſt, daß allerdings in
dem erſten Vertragsentwurf ein vollſtändiges Monopol
für die Rheiniſche Schuckertgeſellſchaft vorgeſehen war,
daß es aber den energiſchſten Bemühungen der Regier=
ung
nach langen Verhandlungen gelungen iſt, die frag=
liche
Beſtimmung zu ändern, reſp. durch die jetzige zu er=
ſetzen
. Was die Regierung irgend im Intereſſe des
Kleingewerbes tun konnte, iſt geſchehen.
Abg. Dr. Weber hebt die Vorzugsſtellung Ober=
heſſens
als Bauherr der neuen Zentrale anerkennend
hervor und teilt mit, daß das Wölfersheimer Werk am
1. Oktober in Kraft tritt. Abg. Hartmann äußert
Spezialwünſche der Mühlenbeſitzer ſeines Wahlbezirkes.
Abg. Bähr weiſt die Behauptung des Abg. Korell=
Königſtädten zurück, daß die Landwirtſchaftskammer Mo=
toren
vermittelt habe. Das ſei noch nie geſchehen. Die
Freiſinnigen haben aber während des ganzen Wahl=
kampfes
nichts beſſeres zu tun gehabt, als auf der Land=
wirtſchaftskammer
herumzuhauen und das ſcheine der
Abg. Korell noch in der Uebung zu haben. (Heiterkeit.)
Abg. Ulrich wünſcht den kleinen Unternehmern
Gleichberechtigung zu ſichern. Es ſcheine, daß darin alle
Parteien des Hauſes einig ſeien. Ob man allerdings
etwas Erſprießliches in der Sache tun könne, ſei fraglich.
Die Großfirmen ſeien eben einmal leiſtungsfähiger. Die
kleinen Gewerbetreibenden könnten dem nur entgegen=
treten
durch Zuſammenſchluß, um dann durch Preis=
herabſetzung
ein Paroli zu bieten. Man ſollte bei Er=
richtung
der Ueberlandzentralen auch die vorhandenen
kleinen Elektrizitätswerke in Betracht ziehen und ſie
event. entſchädigen. Große Hoffnungen könne man ſich
auf Rettung des Mittelſtandes dieſer Branche aber kaum
machen.
Abg. Henrich iſt mit der Tendenz der Anfrage
Oſanns ebenfalls einverſtanden. Es komme nur auf die
Ausführung an. Redner beſpricht dann eingehender das
Werk Rheinheſſens, das das Ried verſorge, und rügt da=
bei
, daß die Regierung und vor allem der Kreisrat des
Kreiſes Groß=Gerau, Dr. Wallau, die Intereſſen der
Stadt Darmſtadt in keiner Weiſe genügend gewahrt
haben.
Baurat Schöberl tritt dem energiſch entgegen.
Die Aeußerung des Herrn Abg. Henrich gibt die er=
wünſchte
Gelegenheit, einmal mit einer weitverbreiteten
Legende aufzuräumen, die ſich an die Elektrizitätsverſorg=
ung
des Riedes anknüpft. Auf einer Verſammlung in
Goddelau, die von den Bürgermeiſtern und Gemeinderäten
der Riedgemeinden beſchickt war, wurden Herr Kreis=
rat
Dr. Wallau und ich ermächtigt, an die Stadt Darm=
ſtadt
wegen der Stromverſorgung des Riedes aus dem
neuen Elektrizitätswerk am Dornheimer Weg heranzu=
treten
. Wir verhandelten mit der Stadt zuerſt ſchriftlich,
dann mündlich. In einer Beſprechung auf dem Stadthaus

legten die ſtädtiſchen Beamten Berechnungen vor, nach
denen die Verſorgung der Riedorte für die Stadt unwirt=
ſchaftlich
war. Ueber den Strompreis und die ſonſtigen
Bedingungen gingen die Anſichten ſoweit auseinander, daß
eine Verſtändigung ausgeſchloſſen erſchien. Wir verließen
die Verhandlung mit dem Eindrucke, daß die Beratungen
reſultatlos verlaufen ſeien. Dann kam ein Angebot der
Main=Kraftwerke in Höchſt, daß aber ſpäter von dem Un=
ternehmen
wieder zurückgezogen wurde. Hierauf erbot ſich
die Rheiniſche Schuckert=Geſellſchaft, das Ried mit Strom
zu verſorgen. Eingehende Verhandlungen mit ihr führten
zu einer Verſtändigung über alle weſentlichen Punkte. Ein
Vertragsentwurf war durchgearbeitet. Da beſuchte mich
plötzlich ein Beigeordneter der Stadt Darmſtadt und er=
klärte
, daß wir den Vertrag mit der Rheiniſchen Schuckert=
Geſellſchaft nicht abſchließen dürften. Die Stadt könne
ſich nicht damit einverſtanden erklären, daß das Ried von
Rheinheſſen aus mit Strom verſorgt werde. Ich ſetzte ihm
auseinander, wie weit die Verhandlungen mit der Rhei=
niſchen
Schuckert=Geſellſchaft gediehen ſeien, erinnerte ihn
daran, daß unſere gutgemeinten Vorſchläge von der Stadt
abgelehnt wurden, und daß nunmehr ſeit unſerer letzten Ver=
handlung
faſt ein Jahr vergangen ſei. Im weiteren Ver=
lauf
der Sache ſtellte dann das Gr. Kreisamt Groß=Gerau
es der Stadt anheim, das Ried unter den gleichen Beding=
ungen
zu verſorgen, die mit der Rheiniſchen Schuckert= Ge=
ſellſchaft
vereinbart worden waren. Damit ſollte es der
Stadt gewiſſermaßen ermöglicht werden, in den mit der
Rheiniſchen Schuckert=Geſellſchaft vereinbarten Vertrag ein=
zutreten
. Dieſes Entgegenkommen gegenüber der Stadt=
verwaltung
ging ſchon hart an die Grenze des vom geſchäft=
lichen
Standpunkt aus Zuläſſigen heran. Wir hatten
große Bedenken, ob man das überhaupt noch gegenüber
einer Firma verantworten könne, die nun endlich bergit
war, die Schwierigkeiten zu löſen, die ſeit Jahren in der
Frage der Elektrizitätsverſorgung des Riedes beſtanden.
Die Stadt hat esabgelehnt, in dieſe Beding=
ungen
einzutreten, da ihr die Stromverkaufspreiſe
zu niedrig erſchienen. Wir hatten durchaus keine Vorliebe
für die Rheiniſche Schuckert=Geſellſchaft und auch keinen
Mangel an Vorliebe für die Stadt Darmſtadt. Die Inter=
eſſen
der Reſidenzſtadt wurden ſoweit berückſichtigt, als es
möglich war. Schließlich konnte man aber die Ried= Ge=
meinden
, die nun Gelegenheit hatten, unter günſtigen Be=
dingungen
mit Strom verſorgt zu werden, unmöglich noch
länger hinhalten.
Abg. Senßfelder nimmt ebenfalls den Kreisrat
Dr. Wallau gegen die Angriffe Henrichs in Schutz.
Abg. Dr. Oſann wendet ſich ſehr ſcharf gegen den
Abg. Henrich, der den Kreisrat Dr. Wallau hier förm=
lich
denunziert habe, ohne daß er das ausreichende Ma=
terial
zur Hand hatte oder dieſes genügend geprüft
hatte. (Zuſtimmung und Unruhe.)
Abg. Korell=Königſtädten erklärt ſich bereit, dem
Miniſter des Innern privatim zu ſagen, worauf ſich ſeine
vorigen Behauptungen beziehen ſollten. Er tritt dem
Abg. Bähr entgegen und weiſt es zurück, daß er die Land=
wirtſchaftskammer
habe beſchimpfen wollen. In dem
ihm bei Bearbeitung des Vortrages für Königſtädten
vorgelegenen Material habe tatſächlich geſtanden, daß
die Landwirtſchaftskammer Motoren vermittele. Das ſei
ja auch gar nicht zu beanſtanden. Im übrigen ſei zu
bedauern, daß verſchiedene Herren hier Wahlreden hal=
ten
. (Unruhe.)
Abg. Henrich verwahrt ſich gegen die Ausführ=
ungen
Dr. Oſanns. Er habe keineswegs denunziert, ſon=
dern
nur Tatſachen feſtgeſtellt.
Abg. Bähr bleibt dem Abg. Korell gegenüber da=
bei
, daß gerade immer die Leute am meiſten auf die Land=
virtſchaftskammer
ſchimpfen, die am wenigſten über ihre
Zwecke und Ziele unterrichtet ſind. (Zurufe von den
Freiſinnigen: Diätenmacherei.) Abg. Bähr: Auf die
Diätenfrage werde ich Ihnen ſchon noch die rechte Ant=
wort
geben. Sie weiſen doch Ihre Diäten auch nicht
zurück, Herr Reh! Ich ſtehe auf dem Standpunkt, Diäten
zu nehmen, wo ſie mir zuſtehen. (Erneute Unruhe.)
Abg. Dr. Oſann: Er habe dem Abg. Henrich nicht
unterſtellen wollen, daß er wider beſſeres Wiſſen denun=
ziert
habe. Seine Ausführungen halte er im übrigen
aufrecht.
Da noch eine Sitzung des Seniorenkonvents
ſtattfinden ſoll, ſchließt Präſident Köhler die Sitzung
um ¾1 Uhr.
Nächſte Sitzung Freitag 9 Uhr. Tagesordnuna:
Antwort=Adreſſe auf die Thronrede, Voranſchlag.

Sport.

Schirke im Harz (Brockengebiet), 21. Febr. 1
Grad Wärme. Seit geſtern abend Schneefall. Winterfeſt
der Kurverwaltung am 25. Februar. Programm hier ein=
zuſehen
.

sr. Vierter Wettbewerb deutſcher Halb=
blutpferde
. Der vom Reichsverband für deutſches
Halbblut im Sportpalaſt zu Berlin veranſtaltete 4. Wett=
bewerb
hat am Mittwoch ſein Ende erreicht. Auch am
Schlußtage zeigte die große Halle des Sportpalaſtes wieder
zahlreichen Beſuch, wenn auch der erſte Rang größere Lücken
bot. In der Hofloge bemerkte man wieder Prinz Joachim
und die Herzogin Ernſt Günther von Schleswig=Holſtein,
ſowie den Herzog von Ratibor und den Flügel=Adjutanten
des Kaiſers, Major von Caprivi. Weiter waren anweſend
Graf Georg Lehndorff, Oberlandſtallmeiſter von Oettingen,
Landſtallmeiſter Dr. Grabenſee=Celle, Landſtallmeiſter von
Schlüter, Geſtüts=Direktor von Senden, Major von Goß=
ler
, General von Longchamp=Berier, General Dulitz, Ge=
ſtüts
=Direktor von Seydlitz=Labes, Herr von Zitzewitz=
Wedern, der türkiſche Major Djemal Bey, der Organiſator
der türkiſchen Landespferdezucht u. a. In der Material=
prüfung
für Wagenpferde konnte für Zweiſpänner ein 1.
Preis nicht verteilt werden, dagegen zeigten in der Hoch=
ſprungkonkurrenz
3 Reiter die gleichen Leiſtungen, ſodaß
drei 1. Preiſe zur Verteilung kamen. Der bekannte Renn=
reiter
Lt. Graf Holck war mit ſeinem oſtpreuß. braunen
Walach Ney nicht vom Glück begünſtigt und mußte ſich
mit dem 4. Platze begnügen. Die Verteilung der an den
3 Tagen errungenen Ehrenpreiſe nahm Gräfin E. Henckel
vor, die Gattin des Vorſitzenden des Reichsverbandes für
deutſches Halbblut. Die Reſultate waren: Material= Prüf=
ung
für Wagenpferde. Zweiſpänner: 2. Lt. A. v. Hoh=
berg
und Buchwaldts 6jähr. Poſenſche Schimmel=Stute,
Carmen und Carara. 2. Bentſchener Tatterſalls Poſen=
ſcher
brauner Wallach Tänzer und braune Stute Fee. Ein=
ſpänner
: 1. Hrn. Kurt Schneiders Traber=Hengſt Wein=
ſtock
; 2. Lt. v. Hohberg und Buchwaldts 5jähr. Scheck= Wal=
lach
Kobold: 3. Rittm. A. Brandts 9jähr. Poſenſche braune
Stute Gretchen. 6 Konkurrenten. Material=Prüfung. Für
Reitpferde in der Hand von Pferdehändlern und Verkaufs=
Inſtituten. 1. Zentrale für Offizierspferde, 7jähr. oſtpreuß.
F.=St. Hertha; 2. Hrn. Karl Löwenthals 5jähr. oſtfrieſ. br.
Wallach Narval; 3. desſelben 7jähr. hannov. F.=St. Elba.
8 Konkurrenten. Hochſpringen. Offen für Pferde im Pri=
vatbeſitz
. 1. Frhrn. v. Buddenbrock=Pläswitz 5jähr.
ſchleſ. F.=St. Sieglinde (Beſ.); 1. Oberlt. O. v. Mitzlaffs
alter oſtpreuß. dunkelbrauner Wallach Mulatte (Beſ.); *1.
Lt. Müſelers alter Poſenſcher Rotſchimmel=Wallach Huber=
tus
(Beſ.). 8 Konkurrenten. Wagenpferd=Qualitäts= Prüf=
ung
. 1. Lt. v. Hohberg und Buchwaldts 6jähr. Poſenſche
Schimmel=Stuten, Carmen und Carara; 2. Hrn. R. Schultze
Moeglins 5jähr. brdbg. Schimmel=Wallach Appache und 7jähr.
oldenburg. Rotſchimmel=Stute Sapriſti; 3. Hrn. Andrege=
Ermwerds 6jähr. heſſiſche Falben=Stuten Erna und Saba.
3 Konkurrenten. Dreſſur=Prüfung. Für Eigentums=, Char=
gen
= und Dienſt=Pferde. Herrenreiten. 1. Lt. d. Reſ. von
Guſtedts 8jähr. hannov. F.=St. Sportsdame (Beſ.); 2.
Oberlt. F. v. Zobeltitz’ alter oſtpreuß. Rotſchimmel=Wallach
Kolumbus (Beſ.); 3. Oberlt. v. Dreskys 7jähr. oſtpreuß.
F.=Wallach Lord (Bef.). 19 Konkurrenten. Troſtſpringen.
Jagdſpring=Konkurrenz für Pferde im Privatbeſitz. 1. Lt.
d. Reſ. A. Oſterrieds 10jähr. F.=St. Georgine (Abſtammung
unbekannt), (Lt. v. Geyer); 2. Lt. Schmidts 6jähr. oſtpr.
Rotſchimmel=Wallach Wind (Beſ.); 3. Frhrn. v. Budden=
brocks
=Pläswitz’ 6jähr. ſchleſ. brauner Wallach Grane (Beſ.).
38 Konkurrenten.
Im Internationalen Lawn=Tennis=
Turnier zu Monte Carlo wurde die Meiſterſchaft
im gemiſchten Doppelſpiel von Frl. Rieck=Deutſchland/A. F.
Wilding=Auſtralien überlegen mit 6.0, 6:3 gegen das eng=
liſche
Paar Miß Tripp=Mils Meyers gewonnen. Die Alte
Derrenmeiſterſchaft fiel an R. C. Allen. Von den bereits
beendeten Vorgabekonkurrenzen gewann das Herreneinzel=
ſpiel
Klaſſe A Baron Gaillard gegen C. G. Allen 46, 63,
62, das Herreneinzelſpiel mit Vorgabe Klaſſe B Viſart
de Bocarmé gegen Montague 62, 36, 64. Das Da=
men
=Doppelſpiel mit Vorgabe gewannen Greay=Miß Gaul=
let
mit 63, 46, 62 gegen Miß Ranſam=Miß Stuart.
Im Anſchluß an das Turnier in Monte Carlo beginnt
nunmehr das große Turnier des Lawn=Tennis=Clubs in
Cannes, zu dem 173 Meldungen abgegeben wurden. Auch
Wilding wird ſich dort beteiligen.
** Im Internationalen Schachturnier zu
San Sebaſtian wurde die 2. Runde geſpielt. Es traten
zuſammen Perlis=Leonhard, Marſhall=Spielmann, Tar=
raſch
=Duras, Rubinſtein=Schlechter und Forgacz=Teichlann,
während Niemczowitſch ſpielfrei war. Beendet wurde nur
die Partie Forgacz=Teichmann, die Remis ergab. Alle üb=
rigen
Partien wurden abgebrochen. In der Hängepartie
der erſten Runde Rubinſtein=Marſhall ſiegte Rubinſtein
nach glänzendem Endſpiel. Vor Beginn der 3. Partie
ſollen die Hängepartien erledigt werden.

Kurſe vom 22. Februar 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

8f. Staatspapiere. Ir Pra.
4 Dſche. Reichsſchatzanw. 100,10
3½ Deutſche Reichsanl.. 90,90
81,90
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,10
3½ do. Conſols . . . . 90,90
81,90
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,10
93,50
do.
90,00
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. . 99,70
89,75
do.
79,80
do.
4 Hamburger Staatsanl. 100,15
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 100,20
do. do. (unk. 1918) 100,49
89,80
do.
78,90
do.
Sächſiſche Rente . . . 81,80
Württembergerv. 1907 100,60
95,00
do.
Bulgaren=Tabak=Anl.
Griechen v. 1887 . . 53,30
Italiener Rente . . .
Oeſterr. Silberrente 93,80
do. Goldrente . . 97,00
do. einheitl. Rente 90,30
Portug. unif. Serie I 65½
do. unif. Ser. III 67,90
do. Spezial. 10,00
Rumänier v. 1903 . . 101,70
do. v. 1890. . 95,00
do. v. 1905. . 92,30

Rest
4 Ruſſen v. 1880. . . . 92,00
4 Ruſſen v. 1902 . . . . 91,40
½ do. v. 1905 . . . . 100,40
3½ Schweden. . . .
4 Serbieramort. v. 1895 86,60
4 Türk. Admin. v. 1903 84,90
do. unifiz. v. 1903 92,10
4 Ungar. Goldrente . . 92,40
4 do. Staatsrente . 90,25
5 Argentinier . . . . . . 101,30
89,00
do.
4½ Chile Gold=Anleihe 94,10
5 Chineſ. Staatsanleihe 100,20
96,10
do.
4½
95,70
½ Japaner
Innere Merikaner . . 97,40
61,10
do.
4 Gold=Merikan. v. 1904 90,00
Gold=Mexikaner . . . 100,60
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
8 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . . 141,75
3 Nordd. Lloyd . . . . 105,00
6 Südd. Eiſenb.=Geſ.. . 124,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 114.50
6 Baltimore & Ohio. . 104½
Gotthardbahn . . . .

SnVrs.
6½Oeſt.=Ungar. Staatsb. 155,00
0 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 18,30
6 Pennſylvania R. R. 119,00
Induſtrie=Aktien.
9 Mainz. Aktienbrauerei 200,00
3 Werger=Brauerei . . . 70,00
25 Bad. Anil.= u. Sodafbr. 495,25
14 Fabrik Griesheim . . 254,75
27 Farbwerk Höchſt . . . 548,50
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . . 339,50
5 Lahmeyer . .
.161½
7 Schuckert
12 Siemens & Halske. . 238,25
30 Adlerfahrradw. Kleyer 471,50
12 Bochumer Bb. u. Guß 225,50
17 Gelſenkirchen . . . . . 202,25
7 Harpener . . . . . . . 196,00
15 Phönix, Bergb. u. Hit=
tenbetrieb
. . . . . . . 255,70
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . 90,00
4 Pfälzer Prt. . . . . . 100,30
do.
91,80
3½
4 Eliſabeth., ſteuerpfl..
do. ſteuerfrei . 96,10
5 Oeſterr. Staatsbahn. 104,90
do.
95,20
do. alte.
5 Oeſterr. Südbahn . . 99,80
do.
80,60
55,50
do.
Raab=Oedenburger. . 78,10
Ruſſ. Südweſt..
89,40
4 Kronpr. Rudolfbahn .

Ir ½.
Nr.
2½0 Livorneſer. . . . .. 71,40
73,90
1 Miſſouri=Packfic
Bagdadbahn Mk. 408 84,50
Anatoliſche Eiſend., . 97,00
5 Tehuantepec . . . . . 99,90
Bank=Aktien.
9 Berliner Handelsgeſ. 147,50
6½ Darmſtädter Bank. . 125,80
12½ Deutſche Bank . . . 264,80
6 Deutſche Vereinsb. 125,40
10 Diskmnto=Geſellſchaft 191,10
8½ Dresdner Bank 158,50
6½ Mitteldent. Kreditbk. 121,40
7 Rationakbk. f. Deutſchl. 125,50
6½ Pfülzer Bank . . . . 130,25
. 140,00
6,45 Reichsbank .
7 Rhein. Kredit=Bank. 135,50
7½Wiener Bank=Verein 138,50
Pfandbriefe.
4 Frankſt. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 99,20
do. S. 19. . . . . 90,00
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126 98,50
Hamb.=Hypoth.=Bank 100,00
89,75
do.
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=B. 101,30
90,30
do.
3½
4 Meining. Hyp.=Bank 100,20
89,50
do.
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 99,10
do. (unk. 1914) 89,30
3½
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,60
90,30
do.
3½

Inprez.
St.
Städte=
Obligationen
4 Daraß
89.
90,20
e 90
3½ 2.
96,00
4 Gteßen
3½ ba.
99,70
3½

89,60
4
e 100,00
8½
91,00


100,25
½
90,30
es
½ D8.
90,20
Mäachen
100,10
½ Nauheim
90,00
4 Nürnberg .
99,90
3½ do.
90,80
4 Offenbach
3½ de.
-
4 Wiesbade
99,80
3½ da.
96,10
4 Worms
-
3½ do.
4 Liſjabonen v. 1888. 80,10
Verzinsliche
Aulehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100 169,75
3½ Cöln=Mindner 100 136,20
5 Donau=Reg. ſl. 100
5 Hall. Kemp, 100 106,00

In Bes
3 Mabrider Fs. 100 78,4
4 Meining. Pr.= Pfand=
brieſe
.
.. 137,50
Oeſterr. 1860er Loſe 180,5
3 Olbenburger .
2½ Raal=Grazer ſi. 150 114,90
Maverinsliche
Aulebensloſe.
Augsburger
f. 2
Braunſchweigss Tlr. 20 200,20
Freiburges
Fs. 15
Fs. 45
Mailänden
da
Fs. 10
I. 7
Meiningss
Oeſterrsickes & 1864 100 527,00
8o. M 1858 100
Ungar. Gtaas
100 370,60
Denedigas
Frs. 30 (
Türkiſche
. 400 173,00
Gold, Gilber und
Banknoten.
Engl. Sopereigns
20,47
20 Frus=Stücke
16,25
Oeſterr. 20=Gronm.
16,90
Amerikaniſche Reten
4,19
Engliſche Noten
35 20,48
Frangöſiſche Noten . . . . 81, 25
Holländiſche Noten . . . . 169,35
Italieniſche Noten . . . . 80,55
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,90
Ruſſiſche Reten . . . . . . 216,00
Schweiger Noten . . . . . 81,05
Reichsbami=Diskonto .
LeichäbanKomhach Zak. 6%

[ ][  ]

Werntonen
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