Darmstädter Tagblatt 1912


21. Februar 1912

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175. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 22 Seiten.

Das Neueſte vom Tage.

Dem Reichstag iſt der Entwurf eines Schutz=
truppengeſetzes
zugegangen.
*27.
Der Reichstag beendete geſtern die erſte Leſung
des Etats, die zweite ſoll am 1. März beginnen.
77.
Die Wehrvorlagen werden erſt im März im Bun=
desrat
eingebracht werden.

Das norwegiſche Miniſterium unter dem Vor=
ſitz
von Bratlie iſt gebildet worden.

Ein Manifeſt kündigt an, daß China die euro=
päiſche
Zeitrechnung annehmen und 1912 das
erſte Jahr der Republik ſein wird.

Eine berechtigte Ablehnung.

* Die Köln. Ztg. ſchreibt: Gegen den vom Kanzler
befürworteten Entſchluß des Kaiſers, einem
Teile des neuen Reichstagspräſidiums den
Empfang zu verſagen, dürfte ſich wohl von kei=
nem
Standpunkt aus etwas einwenden laſſen. Ein
Rumpfpräſidium iſt eben kein Präſidium mehr, und den
Beſuch einzelner Mitglieder des Präſidiums in Gnaden
als einen Akt des Reichstages gelten zu laſſen, wäre eine
ſchwächliche Beſcheidenheit, die weder der Würde der Krone,
noch der Würde des Reichstags entſprochen hätte. Trotz=
dem
bleibt das Geſchehnis allerdings im höchſten Maße
bedauerlich, und zwar aus verſchiedenen Gründen. Ein=
mal
löſt es das Band, mit dem die Geſchichte wie die
Reichsverfaſſung ſelber die regierende und die geſetz=
gebende
Gewalt des Reiches verbunden hat; es erzeugt
den Anſchein einer latenten Kriſe, die zwar in Wirklichkeit
nicht beſteht, deren Anſchein aber ſchon dem in ſolchen Din=
gen
ſehr phantaſiefrohen Auslande willkommenen Stoff
zu Betrachtungen liefern wird, die unſerer Stellung nicht
gerade förderlich ſein werden. Dann aber muß man in
der nun offenkundig gewordenen intranſigenten Haltung
der Sozialdemokratie auch eine bedenkliche Verſchärfung
der innerpolitiſchen Lage erblicken. Wenn eine Fraktion,
die weit über ein Viertel aller Reichstagsſitze inne hat,
der Krone ſolchen Affront antut, dann ſpaltet ſie damit
ſſelber das Parlament in zwei feindliche Lager, derart,
daß der Sozialdemokratie mit einer Hand voll Mitläu=
fern
alle anderen Parteien geſchloſſen gegenüberſtehen
müſſen. Wir wiſſen nicht, welchen Gewinn ſich die So=
zialdemokratie
von dieſer Spaltung verſpricht; wem ſie
zunächſt eine große Freude mit ihrer Haltung gemacht
hat, das mag ſie heute in den Blättern des ſchwarz=
blauen
Blocks nachleſen. Es ſcheint faſt, als würde der
Partei jetzt vor ihrer eigenen Gottähnlichkeit bange, und
als ſuche ſie durch Leiſtungen wie Ledebours Rede vom
Samstag und das brüske Verhalten des erſten Vizeprä=
ſidenten
der Krone gegenüber von der verantwortungs=
reichen
Stelle einer mitarbeitenden Partei wieder den
dunkeln warmen Sumpf der abſoluten Oppoſition zurück=
zugewinnen
. Aber es dürfte ſich zeigen, daß das, was
einer Fraktion von ein paar Dutzend Mitgliedern erlaubt
iſt, der ſtärkſten Fraktion des Reichstages, deren Zahl
die Hundert überſchreitet, nicht mehr geſtattet iſt. Die
Sozialdemokratie muß jetzt dartun, ob und welch ein po=
ſitiver
Inhalt in ihr ſteckt; beſteht ſie die Probe nicht,
dann wird das deutſche Volk, ſobald die Gelegenheit
kommt, Abrechnung mit ihr halten und ihre Reihen ebenſo
wieder lichten, wie es ſie jetzt gefüllt hat. Die Sozial=
demokratie
kennt das deutſche Volk ſchlecht, wenn ſie nicht
merkt, daß ſie mit dem Streich, den ſie ſich jetzt gegen
die Krone geleiſtet hat, ſchwerer wider deſſen wahre Mei=
nung
verſtoßen hat, als wenn ſie ſelbſt irgend ein volks=
tümliches
und nützliches Geſetz abgelehnt hätte.

Oeſterreichs Auslandspolitik.

In dem Moment, wo Graf Aehrenthal die Augen
für immer ſchloß, war auch die Bewilligung ſeines Abs
ſchiedsgeſuches erfolgt, an ſeine Stelle trat, wie in der
letzten Zeit ziemlich feſtſtand, der frühere Botſchafter in

Petersburg, Graf Berchtold. Aehrenthal iſt nach einem
recht bewegten Leben und einer glänzenden Laufbahn
geſtorben, nur daß ihm in der letzten Zeit durch allerlei
Ränke ſein Daſein recht verbittert wurde.
Als Aehrenthal ſein Amt antrat, war die Maſchine=
rie
des Auswärtigen Amtes ſo ziemlich verroſtet, Graf
Goluchowski war an und für ſich ein guter Mann und
vor allen Dingen ein warmer Freund Deutſchlands,
aber in den letzten Jahren war in ſeiner Leitung der
auswärtigen Politik eine gewiſſe Untätigkeit eingeriſſen,
die zu dem übrigen Schlendrian im öſterreichiſchen Staats=
leben
paßte. Freilich nicht nur durch ihn allein, ſondern
durch die ſchweren inneren Wirren war Oeſterreich da=
mals
im Konzert der Mächte in die zweite Reihe gedrängt
worden. Man geht vielleicht nicht fehl, den Rücktritt
Goluchowskis auf den wachſenden Einfluß des Thron=
folgers
zurückzuführen, wie überhaupt die neuerliche Be=
tätigung
Oeſterreichs nach außen hin nicht am letzten Ende
auf den Erzherzog Franz Ferdinand zurückzuführen ſein
dürfte. Seitdem durch deſſen Eingreifen auf den Gang
der Ereigniſſe ein großer Einfluß ausgeübt worden iſt,
herrſcht in der öſterreichiſchen Politik wieder eine lebhafte
Friſche, die auch nach außen hin in die Erſcheinung tritt.
Bald nachdem Aehrenthal ſein Amt angetreten hatte,
überraſchte er die Welt mit ſeinem Donau=Adria=Projekt,
dem bald die Okkupation Bosniens und der Herzegowina
folgte. Aehrenthal mochte wohl die Schwäche Rußlands
während ſeiner Tätigkeit auf dem Petersburger Bot=
ſchafterpoſten
zur Genüge kennen gelernt haben, und ſo
ſagte er ſich, daß dieſer alte Rivale auf dem Balkan ihm
nicht ſonderlich gefährlich werden könnte, wenn er feſt
zugreifen würde. Dieſe Kalkulation war richtig, freilich
mit dem Endreſultat, daß eine Entfremdung mit Ruß=
land
eintrat. An dem Erfolge hatte indeſſen nicht zuletzt
das Eingreifen Deutſchlands ſeinen Anteil, ſonſt wäre
der Ausgang vielleicht doch ſchließlich ein anderer ge=
worden
.
Graf Aehrenthal hat es an Beweiſen nicht fehlen
laſſen, daß er durchaus auf dem Boden eines intimen
Verhältniſſes zu Deutſchland geſtanden hat, wie er über=
haupt
ein Anhänger des Dreibundes war. Hat er doch
ſelbſt gegenüber Italien ſich ſoweit entgegenkommend ge=
zeigt
, daß man ihn angeſichts der oft wenig freundlichen
Politik des Apenninenreiches von einflußreicher Stelle
die größten Schwierigkeiten bereitete. Damals ſiegte
Graf Aehrenthal zwar noch einmal über die angeblich
unter der Führung des Thronfolgers ſtehende Gegen=
ſtrömung
, die alles für einen entſcheidenden Kampf mit
Italien vorbereiten will, aber ſchon damals ſagte man ſich,
daß die Tage Aehrenthals gezählt ſeien.
Von ſeinem Nachfolger heißt es, daß er die bisherige
Politik fortſetzen werde. Man wird es abzuwarten haben,
jedenfalls übernimmt eine durchaus befähigte und erfab=
rene
Perſönlichkeit die Leitung der auswärtigen Politik
der Donau=Monarchie, und gerade im gegenwärtigen
Moment, wo es einer feſten und zielbewußten Hand be=
darf
, kann dieſe Wahl nur begrüßt werden. Mögen auch
die Intereſſen auf auswärtigem Gebiete teilweiſe nicht
die gleichen ſein, wie Deutſchland ſie verfolgt hat, ſo ſind
doch die Geſchicke beider Reiche durch die beſtehenden Ver=
träge
und Beziehungen ſo eng miteinander verknüpft,
daß man nur eine Perſönlichkeit wünſchen kann, die ge=
willt
iſt, die bisherigen Bahnen fortzuſetzen.

Der italieniſche Miniſter des Aeußern
Marquis di San Giuliano hat von dem neuer=
nannten
öſterreichiſch=ungariſchen Miniſter des Aeußern
Grafen Berchtold folgendes Telegramm erhalten:
Tiefbewegt von dem koſtbaren Beweis des Mitgefühls
Eurer Exzellenz bitte ich Sie, den Ausdruck der ledhaf=
teſten
Dankbarkeit der Kaiſerlichen und Königlichen Re=
gierung
zu genehmigen für die warmen Worte, die das
Hinſcheiden des Grafen Aehrenthal Ihnen eingegeben hat.
Dem Grafen Aehrenthal hat es beſonders am Herzen ge=
legen
, die innigen Beziehungen’zwiſchen un=
ſeren
beiden befreundeten und verbünde=
ten
Ländern immer enger zu geſtalten. Die perſön=
lichen
Beziehungen, die mit Eurer Exzellenz zu pflegen
ihm vergönnt waren, nicht weniger wie die politiſche Ueber=
einſtimmung
der Anſichten, die er zwiſchen Ihnen und ſich
beſtehend wußte, haben außerordentlich zu dem vollen

Erfolg ſeiner auf dieſes Ziel gerichteten Bemühungen
beigetragen. Von demſelben Gefühl beſeelt, habe ich mir
vorgenommen, dem Wege zu folgen, den er vorgezeichnet
hat und bin ſicher, ſo dem Vertrauen Eurer Exzellenz zu
begegnen, dem Vertrauen, daß Sie niemals aufgehört
dem hervorragenden Staatsmann zu bezeugen, deſſen Ver=
luſt
wir alle beklagen. Marquis di San Giu=
liano
antwortete: Die Gefühle, die Eure Exzellenz
mir die Güte haben, zum Ausdruck zu bringen und die
ich in jeder Hinſicht teile, werden in Italien ein ſympa=
thiſches
Echo finden. Ich bin tief davon überzeugt, daß
meine Beziehungen zu Eurer Exzellenz, gegründet auf
demſelben gegenſeitigen Vertrauen und derſelben Ein=
ſtimmigkeit
der Anſichten, die mich mit dem ausgezeich=
neten
Staatsmann vereinigten, deſſen Verluſt wir alle ſo
lebhaft beklagen, dazu beitragen werden, die Innigkeit
der Beziehungen zwiſchen unſeren beiden befreundeten
und verbündeten Ländern immer zu verſtärken.

Deutſches Reich.

Die Einbringung der Wehrvorlagen
im Bundesrat. Wie Berliner Blätter hören, iſt eine
Ueberweiſung der Wehrvorlagen zur Beſchlußfaſſung an
den Bundesrat zunächſt noch nicht zu erwarten. Die ge=
genwärtig
geführten Verhandlungen, die namentlich der
Deckungsfrage gelten, ſind noch in vollem Gange. Nach
dem gegenwärtigen Stande der Dinge kann erwartet wer=
den
, daß die Vorlagen im März dem Bundesrat zugehen
können, um dann dem Reichstag unterbreitet zu werden.
159 Initiativanträge. Die Zahl der
Initiativanträge im Reichstag hat ſich durch eine letzte
Serie, eingebracht vom Zentrum, der Fortſchrittlichen
Volkspartei, der Wirtſchaftlichen Vereinigung, Polen und
Elſaß=Lothringern, auf 159 erhöht.
Der Entwurf eines Schutztruppen=
geſetzes
iſt dem Reichstage zugegangen. Er bringt
u. a. folgende neue Vorſchriften: Es iſt in Zukunft zu=
läſſig
, der aktiven Dienſtzeit in der Schutztruppe zu ge=
nügen
, ſowie Uebungen bei der Schutztruppe abzuleiſten.
Es wird ein Beurlaubtenſtand der Schutztruppe gebildet,
zu dem Offiziere und Mannſchaften, die in der Schutz=
truppe
gedient haben, und Mannſchaften des Beurlaub=
tenſtandes
, die in den Kolonien anſäſſig ſind, übertreten.
Die Organiſation der Kontrollbehörden liegt in der
Hand des Gouverneurs, die Bewilligung der Reiſekoſten
bei Geſtellungen in Kontrollangelegenheiten iſt zuläſſig.
Schutztruppenangehörige können in das Heer zurücktreten
und ſind dabei hinſichtlich des Dienſtalters nicht ſchlechter
zu ſtellen, als wenn ſie im Heer oder in der Marine ver=
blieben
wären. In das Schutztruppengeſetz ſind ferner
aufgenommen Beſtimmungen über den Heiratskonſens,
die Ablehnung von Vormundſchaften, den Gewerbebetrieb,
das Soldatenteſtament, die Entrichtung von Staatsſteu=
ern
und die Annahme von Aemtern.
Baſſermann über die National=
liberale
Partei. In Settin hielt der Reichstags=
abgeordnete
Baſſermann in einer ſtark beſuchten Ver=
ſammlung
von Vertrauensnännern einen Vortrag über
Nationalliberale Quertreilereien. Der Parteiführer ta=
delte
ſcharf, daß zahlreicke Parteigenoſſen im Reiche
durch aufgeregte Telegremme oder übereilte Entſchlie=
ßungen
die Unſtimmigkit vermehren. Baſſermann er=
klärte
, die Nationallibaalen könnten ſich ebenſownig an
einem reinen Großblakpräſidium wie an einem rein
ſchwarz=blauen Präſſium beteiligen. Die Sozialdemo=
kratie
müßte zur fraktiſchen Mitarbeit herangezogen
werden. Was der Abgeordneten Scheidemann betreffe,
ſo hätten die Natönalliberalen nichts gewußt von deſſen
früherer Aeußeruig über das preußiſche Königshaus. Es
ſei offenbar Abicht des Zentrums und der Konſervati=
ven
geweſen, die Nationalliberalen in den Großbloch
hineinzuzwänen. Ueber den Ausgang der nächſten Prä=
ſidentenwahlſei
man ganz im Ungewiſſen.
Deegemeinſchaftliche Landtag der
Herzogümer Koburg und Gotha trat am
Montag 4ſammen. An Regierungsvorlagen ſind u. a.
eingeganen, ein neues Beamtenbeſoldungsgeſetz, ein
Staatstrtragebetr. Errichtung eines gemeinſchaftlichen
Oberptſicherungsamtes der Staaten Sachſen=Weimar und
Sachſch=Koburg=Gotha, ſowie ein Geſetz über die Abän=
derug
des Berggeſetzes,

[ ][  ][ ]

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Die Obſtruktion gegen die Wehrvorlage
im ungariſchen Abgeordnetenhauſe. Trotz
energiſcher Beſchlüſſe der oppoſitionellen Parteikonferen=
zen
, welche die Fortſetzung der Obſtruktion gegen die
Wehrvorlagen ankündigten, ſind die vertraulichen Ver=
handlungen
fortgeſetzt worden, um die Koſſuthpartei zu
bewegen, daß ſie an der Obſtruktion nicht teilnehme und
die Juſth=Fraktion iſoliert werde. Der Miniſterpräſident
bewies den Abänderungsvorſchlägen, die von der Koſſuth=
partei
in Bezug auf die Wehrvorlage gemacht worden
ſind, das größte Entgegenkommen, ſodaß, wie in parla=
mentariſchen
Kreiſen verlautet, das Abſchwenken der
Koſſuthpartei von der Obſtruktionstaktik der Juſthpartei
zu erwarten ſteht. Somit iſt Ausſicht vorhanden, daß die
Wehrvorlage im Abgeordnetenhauſe in abſehbarer Zeit
erledigt wird. Die Erklärung des Miniſterpräſidenten
in der Sitzung des Abgeordnetenhauſes darüber, daß er
geneigt ſei, den Antrag des Abgeordnetenhauſes, durch
den er angewieſen wird, den Geſetzentwurf zur Wahl=
reform
innerhalb einer beſtimmten Friſt einzubringen,
anzunehmen, machte großen Eindruck. Der Abgeordnete
Juſth lehnte zwar das Anerbieten ab, da keine Sicher=
heit
für die Erfüllung der Zuſage geboten ſei. Doch iſt
es nicht völlig ausgeſchloſſen, daß die Verhandlungen
auch in Bezug auf die Wahlreform zu einem Ergebnis
führen und die Obſtruktion gegen die Wehrvorlage gänz=
lich
eingeſtellt wird.
Der bosniſche Landtag wurde am Montag
eröffnet. Der Bürgermeiſter von Serajewo Curſie Ef=
fendi
bat das Präſidium, die Landesregierung zu befra=
gen
, auf welche Weiſe ſie Genugtuung für das unſchuldig
vergoſſene Blut zu geben gedenke. Zum Zeichen der
Trauer und zum Proteſt gegen das unmenſchliche Vor=
gehen
der Polizei beantragte er die Aufhebung der
Sitzung. Schließlich forderte er das Volk auf, ſich zu
beruhigen und die Sache den Abgeordneten zu über=
laſſen
. Unter lebhaftem Beifall des ganzen Hauſes wurde
die Sitzung geſchloſſen.
Frankreich.
Die Tätigkeit der Kongokommiſſion.
Mitte nächſten Monats werden im Kongogebiet die Ver=
handlungen
der deutſch=franzöſiſchen Kommiſſion zur ge=
nauen
Abgrenzung der dortigen Gebiete beginnen. Man
macht ſich in Paris darauf gefaßt, daß der franzöſiſche
Standpunkt, die im Kongofluß dem deutſchen Gebiet vor=
gelagerten
Inſeln gehörten zu Frankreich, von Deutſch=
land
bekämpft werden wird. In Paris glaubt man, daß
dieſe Angelegenheit das Haager Schiedsgericht beſchäf=
tigen
wird.
England.
Spionage in Deutſchland. Im Unter=
hauſe
fragte das Mitglied Harald Smith den Staats=
ſekretär
des Aeußern, ob er ſeine Aufmerkſamkeit auf die
Umſtände hingelenkt habe, unter denen ein engliſcher
Staatsbürger kürzlich in Deutſchland der Spionage für
ſchuldig befunden wurde und ob er über die dabei in
Frage kommenden öffentlichen und privaten Intereſſen
eine befriedigende Erklärung abgeben könne. In Ver=
tretung
des Miniſters des Aeußern Grey bejahte Unter=
ſtaatsſekretär
Acland den erſten Teil der Anfrage, er=
klärte
jedoch, keinerlei Mitteilung über die Angelegenheit
machen zu können. King richtete an den Finanzſekretär
im Schatzamt die Anfrage, ob in den Jahren 1910 und
1911 direkt oder indirekt irgendwelche Zahlungen an den
aus dem Stewart=Prozeß bekannten Arſéne Verrue,
alias Frederik Rue, geſchehen ſeien, und was dieſer dafür

geleiſtet habe. Der Finanzſekretär Mann erwiderte, er
habe keine Kenntnis von ſolchen Zahlungen.
Norwegen.
Das neue Miniſterium hat folgende Zuſam=
menſetzung
: Bratlie: Präſidium und Verteidigung, Ir=
gens
: Aeußeres, Profeſſor Frederik Stang: Juſtiz, Enge:
Landwirtſchaft, Frederik Konow: Finanzen, Liljedahl:
Kultus, Lindvig: Handel, Braenne: Oeffentliche Ar=
beiten
.
Perſien.
Die engliſch=ruſſiſche Note bietet Perſien
einen Vorſchuß von 4 Millionen Mark zu 7 Prozent. Da=
ür
erwarten die beiden Mächte, daß Perſien erſtens ſofort
die Prinzipien des engliſch=ruſſiſchen Abkommens anneh=
men
wird, zweitens die Fidais und andere irreguläre
Truppen entlaſſen werde, ſobald der Exſchah und ſein
Bruder Perſien verlaſſen habe, drittens eine kleine Effek=
tivarmee
organiſiere und viertens ſich mit Muhamed Ali
auf Grund der mündlichen engliſch=ruſſiſchen Vorſchläge
vom 6. Juli verſtändige.
Vereinigte Staaten.
Staatsſekretär Knox erklärte, er werde ſeine
Reiſe ausführen, wie ſie geplant war, wenn er nicht von
Präſident Taft anderweitige Inſtruktionen erhalte. Das
wird ſo aufgefaßt, daß er trotz der feindlichen Note Ospi=
nas
Kolumbien zu beſuchen gedenke.
Mexiko.
Die Aufſtändiſchen ſind jetzt in 18 Staaten mit
kriegeriſchen Operationen beſchäftigt, am ernſteſten in
Coahuils und Durange.

* Peſt, 19. Febr. Der Handelsminiſter erklärte im
Abgeordnetenhauſe auf eine Interpellation betreffend die
Ausſperrung von 24 000 Metallarbeitern,
keine der beiden Parteien hätte ſich bisher an die Regie=
rung
gewandt. Die Kündigung der Arbeiter ſeitens der
Fabrikanten ſei geſchehen, doch ſei dieſe nicht endgültig.
Die Regierung beobachte ſtrikte Neutralität und verfolge
die Angelegenheit mit größter Aufmerkſamkeit.
* Sofia, 19. Febr. Der König und der Kron=
prinz
gründeten mit 50000 Franken, die die Verſiche=
rungsgeſellſchaft
Bulgaria dem Kronprinzen anläßlich
ſeiner Großjährigkeit übergeben hatte, einen Fonds zu
Auslandsſtipendien für bulgariſche Stu=
denten
.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 21. Februar.
g. Strafkammer. Die bereits mehrmals vorbeſtrafte
31jährige Ehefrau des Taglöhners O. hat ſich dadurch der
fortgeſetzten Urkundenfälſchung und des Betrugs ſchuldig
gemacht, daß ſie in vier Fällen Anweiſungen des Armen=
pflegers
auf Naturalien fälſchte. Außerdem hat ſie eine
Taſchenuhr im Werte von 10 Mark geſtohlen und dieſelbe
verſetzt. Sie wurde unter Zubilligung mildernder Um=
ſtände
zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Die
bisher unbeſtrafte Ehefrau Granitzer hat, um bei einem
Wohnungsvermieter den Anſchein als zahlungsfähige Mie=
terin
zu erwecken, zwei Mietquittungen gefälſcht. Sie wird
zu der geſetzlichen Mindeſtſtrafe von 1 Woche Gefäng=
nis
verurteilt. Die Firma J. G. Wiegand, Nachf. Lud=
wig
Huith in Memmingen (Algäu) bot in einem Inſerat
der Sonntagsbeilage der Berliner Morgenzeitung Lim=
burgerkäſe
das Pfund zu 42 Pfg. und ff. Schweizerkäſe das
Pfund zu 65 Pfg. an. Der Lehrer H. in Bockenroth i. O.
beſtellte daraufhin ein Poſtkolli von 5 Kilogramm, das auch
ſofort per Nachnahme kam. Bei der Oeffnung des Pakets
ſah aber H., daß der gelieferte Käſe keine Aehnlichkeit mit
em hatte, was man unter Schweizerkäſe verſteht. Es war
ein überreifer, fließender Tilſiter Magerkäſe, den H. gar
nicht aufmachen konnte, ohne daß er auseinanderlief. Die
Firma erbot ſich, auf die Reklamation des H., den Käſe zu=
rückzunehmen
und ihm alle Unkoſten zu erſtatten, was dieſer
aber ablehnte. Der Inhaber des Geſchäfts, Huith, wurde
auf die erfolgte Anzeige vom Schöffengericht Reichelsheim
i. O. zu 3 Mark Geldſtrafe verurteilt. Er legte gegen das

Urteil Berufung ein, desgleichen die Staatsanwaltſchaft,
und zu der geſtrigen Berufungsverhandlung vor der hieſigen
Strafkammer war Kaufmann Kölb als Sachverſtändiger
über den Geſchäftsverkehr im Käſehandel zugezogen worden.
Nach ſeinem Gutachten iſt Schweizerkäſe nicht unter 1 Mark
im Kleinhandel zu verkaufen, während der gelieferte Mager=
käſe
, nach den Angaben des Zeugen H. zu ſchließen, höchſtens
einen Wert von 4045 Pfg. haben konnte. Schweizerkäſe,
vie in der Anzeige angeboten, ſei es auf keinen Fall ge=
weſen
, denn der würde nicht weich. Das Gericht ſah die
als Entſchuldigung von der beklagten Firma vorgebrachte
Mitteilung, daß ſie noch von keiner Seite Beſchwerde wegen
der Lieferung gehabt habe, eher als einen Belaſtungsgrund
an, denn daraus gehe hervor, daß auch noch andere Per=
ſonen
von dieſen betrügeriſchen Manipulationen der Firma
in Mitleidenſchaft gezogen ſeien. Es kam deshalb unter
Verwerfung der Berufung des Angeklagten zu einer Er=
höhung
der Verurteilung auf 20 Mark Geldſtrafe.
Sie habe ſich zweifellos dadurch einen Vorteil verſchafft, daß
ſie günſtigere Lieferungsbedingungen vorſpiegelte, als ſie
tatſächlich erfüllen wollte. Wenn auch der Zeuge H. wußte,
daß er keinen Schweizerkäſe für den niedrigen Preis erhal=
ten
würde, ſo hätte er doch zweifellos angenommen, daß
er einen nach Schweizer Art im Algäu bereiteten Käſe bekäme.
Durch die Erhebung des Betrages per Nachnahme war dem
Empfänger H. auch nicht die Möglichkeit gegeben, vom Kauf
ſofort zurückzutreten.
Aufbeſſerung der Gehälter der Staats=
beamten
. In den Tagesblättern finden ſich über die in
Ausſicht ſtehende Vorlage, betreffend die Aufbeſſerung
der Gehälter der Staatsbeamten, Mitteilungen, die
wir zu berichtigen in der Lage ſind. Ueber den Inhalt
der Beſoldungsvorlagen beſteht im Staats=
miniſterium
volles Einvernehmen, ebenſo darüber, daß
die Gehaltsaufbeſſerungen ohne Rückſicht auf den Zeit=
punkt
der Verabſchiedung der Vorlagen mit Wirkung
vom 1. April an in Kraft treten ſollen. Der Ein=
gang
der Vorlagen bei den Landſtänden iſt in aller=
nächſter
Zeit zu erwarten.
* Wegen des Bahnbaus Bensheim=Lindenfels
fand, wie die Darmſt. Ztg. erfährt, am letzten Samstag
eine Beſprechung im Finanzminiſterium ſtatt, an der
außer Vertretern der Continentalen Eiſenbahn= Bau=
uud
Betriebs=Geſellſchaft auch der Kreisrat des Kreiſes
Bensheim und der Bürgermeiſter der Kreisſtadt Bens=
heim
teilnahmen. Die Regierung erklärte ſich damit ein=
verſtarden
, daß die Bahn durch das Schönberger
Tal gebaut wird. Einer Führung der Linie durch das
Zeller Tal (über Gronau) ſtehen nach den Unter=
ſuchungen
der Continentalen Eiſenbahn=Bau= und Be=
triebs
=Geſellſchaft techniſche, insbeſandere betriebstechniſche
Schwierigkeiten entgegen, während andererſeits die von
den Gemeinden zu tragenden Geländeerwerbskoſten im
Schönherger Tal erheblich höber ſein werden, als im
Zeller Tal. Mit Rückſicht auf die große Belaſtung der
Gemeinoen will die Unternehmerfirma nochmals prüfen,
ob nicht durch das Zeller Tal eine nicht ſchlechtere und
nicht teuerere Linie gebaut werden kann als durch das
Schönberger Tal. Sollte auf Grund dieſer Prüſung
darum nachgeſucht werden, die Schönberger Linie durch
eine günſtigere Linie über Zell=Gronau zu erſetzen, ſo
wird das Miniſterium dieſem Wunſch entſprechen. Im
übrigen iſt über die Konzeſſionsbedingungen im weſent=
lichen
ein Einverſtändnis erzielt worden.
G. H. Ih. Vom Hoftheater. In der heute (Mittwoch)
ſtattfindenden Aufführung von Zar und Zimmermann,
in der Fräulein Jüttner vom Staditheater in
Metz als Marie auf Engagement gaſtiert, hat Herr
Becker, anſtelle des erkrankten Herrn Hans Hacker, die
Partie des Marguis von Chateauneuf aus beſonderen
Gefälligkeiten übernommen. Fräulein Jüttner, die
eventuell in nächſter Saiſon als Opernſoubretie in den
Verband der Hofbühne eintreten ſoll, wird am folgen=
den
Tag, Donnerstag, den 22., die zweite Gaſtrolle als
Aennchen im Freiſchütz ſingen.
* Dr. Karl Zimmermann *. Der am 7. Februar im
70. Lebensjahre verſtorbene Großh. Oberlandesgerichtsrat
i. P. Dr. Karl Zimmermann war nach im Frühjahr 1866
beſtandener Staatsprüfung zunächſt in der gerichtlichen
und anwaltlichen Praxis beſchäftigt, bis er im Jahre
1871 als Miniſterialſekretär beim Großh. Juſtizminiſte=
rium
angeſtellt wurde. Im Jahre 1874 wurde er zum
Landgerichtsaſſeſſor in Höchſt ernannt und wirkte vom
1. Oktober 1879 an als Amtsrichter in Lorſch. Von hier
im Jahre 1883 an das Amtsgericht Darmſtadt II berufen
wurde er wiederholt mit Aushilfe beim Großh. Land=
gericht
Darmſtadt beauftragt, bis er im Oktober 1884

Die Einſamkeit in der Weltſtadt.

Von Hermann Kienzl, Berlin.
Ich fahre auf der Elektriſchen durch die tobenden
Straßen von Berlin. Der Abend ſenkt ſich hernieder,
über den Dächern liezt rötlich ſchimmernde Dunkelheit.
Aber die Faſſaden der Häuſer prahlen in greller Helle,
die aus vielen hundert Bogenlampen in die feuchte Luft
rinnt und die Nacht verfpottet. Das Licht war den alten
Völkern heilig. Sie beteten die Geſtirne an, die es ſpen=
deten
. Auch uns kommt der Segen von oben! Von den
Dachfirſten ſchreien die blerdenden Reklamen, immer wie=
der
aufblitzend und verlöſaend, die Glaubenslehre des
handelstüchtigen Jahrhundirts herab. Merkur iſt der
mächtigſte der Götter geworken. Ihm dient, was der
edle Menſchengeiſt erfindet. Sieh da! Hoch über dem
Potsdamer Platz ſchbebt ein fhimmendes Luftſchiff. Der
große Gedanke hat Aeolus, den Herrn der Winde, beſiegt,
um hier Lakai zu ſein im Dienſt einer Zigarettenfirma!
Meine ſurrende Poſtchaiſe ſtockt. Eingerammt in eine
unabſehbare Kolonne von Straßmbahnwagen, muß ſie
geduldig warten, reichliche Minuter lang, bis ein unge=
heurer
Knäuel von Fahrzeugen allr Art ſich gelöſt hat
und die Strecke für Sekunden freigegben iſt. Eine Kette
von Automobilen, Autobuſſen, Droſchen, raſſelt an mei=
nen
Glaswänden vorbei. Auf den Lürgerſteigen wälzt
ſich langſam der Menſchenſtrom. Welch eine wüſte Sym=
phonie
von Stimmen und Schritten!
Der Fahrgaſt der Elektriſchen iſt argeſtumpft gegen
das Außerordentliche. Kaum ſtreift ſein Aige die Straße,
kaum vernimmt ſein Ohr den Lärm der Hölle. Er iſt,
gleich vielen ſeiner Fahrtgenoſſen, in ein Buch vertieft.
In ein uraltes Büchlein. Erſchienen anno Domini 1773
bei Weydmanns Erben und Reich in Leipzie Ueber die
Einſamkeit von Johann Georg Zimmerkann. Wer
Goethes Biographie und Schopenhauers Weke im Ge=
dächtnis
trägt, kennt den in der Schweiz eborenen
Königlich großbritanniſchen Leibmedicus zu Hmnover
der der Arzt und Freund der Charlotte von Sein und
ein tapferer Menſch und Philoſoph geweſen iſt Sein
Leben lag in des Unglücks Schatten, ſeine Gäanken
haben den Denkern eines ſpäteren Jahrhunderts nanche
Erleuchtung gegeben. Vor einigen Jahren iſt und der

Briefwechſel Zimmermanns mit Katharina II. von
Rußland eröffnet worden, und ſein Gehalt reiht ſich wür=
dig
den Briefen an, die Diderot und Voltaire an die
Zarin richteten.
Und nun in dieſem vor 150 Jahren von keinem
Propheten geahnten babyloniſchen Völkergewirr der Leip=
ziger
Straße in Berlin, verſchlagen von den betäuben=
den
Energien des Verkehrs, leſe ich die ſtillen Worte des
Einſamen! Johann Georg Zimmermann, wo iſt die
Welt, die du erlebt haſt? Doch, wie ich weiter leſe,
beruhigt mich die Erkenntnis, daß es doch wohlWahrheiten
gibt, die, einmal gefunden, den Veränderungen und
Errungenſchaften der Zeiten trotzen. Seltſam ſpricht der
alte Johann Georg in einem Tramwaywagen, der durch
die brandenden Wogen der Großſtadt fährt, die gedruck=
ten
Worte: Ich weiß auch, daß man außer den heiligen
Mauern eines Kloſters oder dem Bezirke einer ſtillen
ländlichen Gegend einſam ſein kann. Der Umgang mit
ſich ſelbſt iſt in jeder großen Geſellſchaft und
in der volkreichſten Stadt eben ſo möglich, als
in den Wüſten von Lybien, in den hohlen Bäumen von
Japan und in dem Kloſter der Trappe!
Mit einem Male wird mir bewußt, wie köſtlich hier,
im wildeſten Lärm, die Muße iſt, die mir gönnt, in Zim=
mermanns
Einſamkeit zu verſinken. Die große, laute
Fremde da draußen iſt eine ſchützende Wallmauer, und
ich bin in meiner fahrenden Burg ein freier Träumer und
Herr .
Zweierlei Einſamkeit kann die Großſtadt geben; die
zwei Einſamkeiten, deren eine der Menſch begehrt, der zu
ſich ſelbſt flüchtet; deren andere der Menſch fürchtet, dem
tief in die Bruſt der brüderliche Drang gelegt iſt. Die
Großſtadt wehrt dir nicht, dich vor der Welt zu verſchlie=
ßen
, aber ſie erſchwert es, den Freund am Buſen zu hal=
ten
. Sie legt endloſe Straßenzüge, die komplizierteſten
Widerſtände von Zeit und Raum und die geſteigerten
Obliegenheiten des Berufes zwiſchen die Menſchen, die
ſich ſuchen. Sie wirkt, indem ſie einer teils wahlloſen,
teils nur repräſentativen oder geſchäftlichen Geſelligkeit
Tür und Tor öffnet, unſozial auf die edlere Gemeinſchaft.
So wenig ſie ein trautes Heimatsgefühl bei den Noma=
den
oder Koloniſten, die ſie zu Hunderttauſenden anzieht,
erweckt, ſo wenig gliedert ſie die ungeheure Maſſe der Be=
wohner
in geiſtige Familie. Wo findet ſich heute noch

in Berlin, in dieſer Stadt der pompöſen Abfütterungen
und der Feſte ohne Herzlichkeit, ein Kreis, wie einſt der
der Rahel Varnhagen geweſen?
Die zwei grundverſchiedenen Einſamkeiten deutet
Zimmermann in dem Satz an: Der gemeine Kopf empfin=
det
Langeweile am meiſten im Umgange mit ſich ſelbſt,
ein aufgeklärter am meiſten in Geſellſchaft.
Es gibt alſo auch zwei Arten von Langeweile. Die
eine iſt eines Menſchen Ekel vor ſich ſelbſt, die andere
eines Menſchen Ekel vor anderen. Der Flachkopf, der
nicht mit ſich ſelbſt zu leben weiß und von ſeiner Lange=
weile
und Eitelkeit in die ödeſten geſellſchaftlichen Unter=
haltungen
, in die belang= und wertloſeſten Beſchäftig=
ungen
und Zeitvergeudungen getrieben wird, kennt nur
eine, und zwar eine quälende Einſamkeit: er fühlt ſie,
wenn er ohne zerſtreuende Geſellſchaft iſt. Gerade dieſe
Einſamkeit ſchätzen, im Gegenſatz zu den Schwindel=
geiſtern
, die Menſchen höherer Gattung in vielen Stun=
den
ihres Daſeins als ein edles Glück, und auch Mon=
taigne
preiſt ſie, indem er zugleich auf die zweite
Art Einſamkeit hinweiſt, mit dem Bekenntnis, er habe
ſich ſtets in großer Geſellſchaft am einſamſten, d. h. am
unglücklichſten gefunden.
Indeſſen, in allen Lebensſtunden ſich der Abge=
ſchloſſenheit
ergeben, das mag einem Melancholiker und
Menſchenfeind, und niemals einem geſunden Gemüt tau=
gen
. Sogar Zimmermann, der, ſich die Freuden der
munteren Jugend zurückrufend, erklärt, niemals eine
höhere Wolluſt gekannt zu haben, als die des einſamen
Denkens, ſelbſt dieſer überzeugte Lobredner der Ein=
ſamkeit
ſchreibt: Der Menſch ſcheint für den Menſchen
geſchaffen. Nicht nur unſere Bedürfniſſe, ſondern der
natürliche und angeborene Trieb der Kreatur, mit ähn=
lichen
Kreaturen zu leben, haben die Bande der Geſell=
ſchaft
geknüpft. Die Welt ſollte nicht eine Einſam=
ſamkeit
ſein. . . . In dem Ausdruck unſerer Empfind=
ungen
, in der Mitteilung unſerer Begriffe, in der be=
ſtändigen
Auswechſelung derſelben mit den Begriffen
und Empfindungen unſerer Freunde liegt eine Selig=
keit
, die auch der hartnäckigſte Einſame fühlt. Ich kann
den Felſen meine Klagen nicht bringen, und dem Abend=
winde
meine Freuden nicht erzählen; meine Seele ſehnt
ſich nach einer verſchwiſterten Seele; mein Herz ſchlägt
für ein ähnlich denkendes und fühlendes Herz; Himmen

[ ][  ][ ]

Mitglied dieſes Gerichtshofes wurde. Aus genanntem
Kolleg ſchied er 1896 aus und trat als Oberlandes=
gerichtsrat
in das Oberlandesgericht ein. Zunehmende
Kränklichkeit veranlaßte ihn jedoch, bereits zum 1. Januar
1898 ſeine Penſionierung nachzuſuchen, die unter Anerken=
nung
ſeiner langjährigen treuen Dienſt erfolgte. Den
Verſtorbenen zeichneten Gründlichkeit der Arbeitsweiſe,
klare Auffaſſungsgabe und ein hohes Maß theoretiſcher
Kenntniſſe aus. Sein verdienſtvolles Werk: Die Sonder=
rechte
der Provinzen Starkenburg und Oberheſſen des
Großherzogtums Heſſen wird ihm ein dauerndes Geden=
ken
in der Juriſtenwelt ſichern.
* Jahresbericht der Beratungsſtelle für Alkoholkranke.
Die Beratungsſtelle für Alkoholkranke in Darmſtadt hat
ſoeben den Bericht über ihre Tätigkeit im erſten Geſchäfts=
jahr
herausgegeben. Dem Bericht geht eine Schilderung
über die Gründung und die verfolgten Ziele der Bera=
tungsſtelle
voran. Dem Bericht iſt folgendes zu entneh=
men
: Die Tätigkeit in der Sprechſtunde vollzog ſich
gewöhnlich in der Weiſe, daß hier die laufenden Geſchäfte
erledigt wurden, ferner fanden die vorſprechenden Trin=
ker
oder deren Angehörige hier Gelegenheit zu rückhalt=
loſer
Ausſprache und konnten ſich Rat und Hilfe erbitten.
Die Hilfe beſtand zunächſt in mündlicher Aufklärung und
Belehrung über die Alkoholfrage in ihrer geſundheitlichen,
wirtſchaftlichen und ſittlichen Bedeutung, in Verteilung
alkoholgegneriſcher Schriften und in Ermahnung zu voll=
ſtändiger
Enthaltſamkeit als des einzigen wirkſamen Mit=
tels
zur Heilung der Trunkſucht. In weitaus den mei=
ſten
Fällen macht aber die Fürſorge eine Reihe Maßnah=
men
notwendig, wie Vermittelung von Arbeitsgelegen=
heit
, Ueberführung der Pfleglinge in eine Trinkerheil=
anſtalt
oder Irrenanſtalt, Einleitung des Entmündigungs=
verfahrens
, Ueberweiſung der Kinder an die öffentliche
oder private Fürſorge und dergleichen mehr. Daß der
Pfleger über alle Dinge, die ihm anvertrauk werden, Ver=
ſchwiegenheit
beobachtet, iſt ſelbſtverſtändlich. Ueber ihre
Tätigkeit erſtatten die Pfleger bei der Beratungsſtelle re=
gelmäßig
Bericht. Während des erſten Geſchäftsjahres
wurden im ganzen 33 Alkoholkranke, 28 männliche und
5 weibliche, namhaft gemacht. Die Anmeldung erfolgte
in 13 Fällen durch die Ehefrau, in 3 Fällen durch andere
Verwandte, in 7 Fällen durch Behörden, in 8 Fällen durch
Privatperſonen und in 2 Fällen durch den Trinker ſelbſt.
Der Name der Anzeigenden wird grundſätzlich geheim ge=
halten
. Ihrem Familienſtand nach waren von den gemel=
deten
Perſonen 28 verheiratet (24 Männer und 4 Frauen),
2 waren verwitwet und 3 waren ledig. Die Altersklaſſen
waren wie folgt vertreten: zwiſchen 2030 3, zwiſchen
3140 18, zwiſchen 4150 8. zwiſchen 5160 3,
zwiſchen 6170 1. Von den Berufsarten waren fol=
gende
vertreten: gelernte Arbeiter 8. Tagelöhner 8, Fabrik=
arbeiter
5, Hausfrauen 4. Angeſtellte 2, ſonſtige Berufs=
arten
6. Es ſpricht deutlich für den engen Zuſammen=
hang
zwiſchen Alkoholismus und Armenlaſt, daß in 25
von den gemeldeten 33 Trinkerfällen das Städtiſche
Pflegeamt (Armenamt) bereits Akten über die gemeldeten
Perſonen oder deren Familien beſaß und in 20 dieſer
Fälle ſchon größere oder geringere Unterſtützungen ge=
währt
hatte. Intereſſant iſt hierbei auch die Tatſache,
daß in 11 dieſer Unterſtützungsfälle das Pflegeamt unter
anderem auch Arzt= oder ſonſtige Kurkoſten für Trinker=
kinder
übernehmen mußte, ein Hinweis darauf, daß das
Trinkerelend auch in der Geſtalt einer ſchwächlichen Nach=
kommenſchaft
zu Tage tritt und über Generationen hinaus
weiter wirkt. Die enge Wechſelbeziehung zwiſchen Alko=
holismus
und Kriminalität iſt bekannt und unbeſtritten.
Von den gemeldeten Trinkern waren 10 nachweislich ein
oder mehrere Male vorbeſtraft, einer hat auch bereits un=
ter
Polizeiaufſicht geſtanden. Die Vorſtrafen bezogen ſich
auf Diebſtahl, Beleidigung. Körperverletzung, Widerſtand
gegen die Staatsgewalt, Urkundenfälſchung. Betrua Sach=
beſchädigung
, Bettel und Ruheſtörung. Zum Schluß be=
dauerte
der Bericht, daß die Beratungsſtelle in keinem
Falle um Hilfe von der Geiſtlichkeit erſucht worden iſt
und wendet ſich an die Allgemeinheit mit der Bitte um
Unterſtützung. Mit einem Dankeswort an diejenigen, die
der Beratungsſtelle mit Nat und Tat beigeſtanden haben,
ſchließt der inhaltsreiche Bericht.
* Schauturnen der Akademiſchen Turnriege in der
Turnhalle des Ludwigs=Georgs=Gymnaſiums. Soder=
ſtraße
30. Zu den ausgezeichnet gelungenen Vorführun=

gen waren zahlreiche Gäſte erſchienen, darunter als Ver=
treter
der Techniſchen Hochſchule Prorektor Geh. Hofrat
Prof. Dr. Schenck die früheren Rektoren Geh. Baurat
Prof. Gutermuth und Geh. Baurat Prof. Walbe,
Direktoren der höheren Knabenſchulen, nämlich Geh.
Schulrat Dr. Mangold und Geh. Schulrat Münch,
Mitglieder des Turnkränzchens Darmſtädter Lehrer, Ver=
treter
der beiden akademiſchen Turnvereine und viele
Studenten. Als Turner ſah man 26 Studierende.
Das Programm brachte zuerſt gemeinſame Frei=Uebungen
modernſter Art, die gute Haltung, Gewandtheit und rich=
tige
Atmung bezweckten. Im Geräteturnen waren Uebun=
gen
am Barren, Bock, Pferd und Reck zu ſehen in allen
Graden der Schwierigkeit. Es ſollen ſich in der unteren
Riege ſogar Teilnehmer befunden haben, die im gegen=
wärtigen
Semeſter ihren erſten regelrechten Turnunter=
richt
genießen, einzelne Ruſſen. Am Ende erfolgte ein
gemeinſames Keulenſchwingen. Schließlich fand eine Be=
grüßung
ſtatt durch den Leiter der Akad. Turnriege,
Herrn Reallehrer und Turnlehrer an der Techniſchen Hoch=
ſchule
, P. Luley, der eine Anſprache des Herrn Prorek=
tors
, Prof. Dr. Schenck, in Verhinderung des Rektors
folgte. Die Gäſte waren durchweg hochbefriedigt von
den ſchönen, genußreichen Eindrücken der Veranſtaltung.
Den Turnenden ſelbſt merkte man willige Hingabe an
die nicht geringen Anforderungen ihrer Uebungen an.
Das eigene Empfinden wohltuender Förderung körver=
licher
Ausbildung und der Beifall des Publikums müſſen
zu noch höheren Leiſtungen begeiſtern, und die übrigen
Studierenden, welche bis jetzt der ſchönen Turnſache noch fern
geblieben ſind, werden ſich durch die Erfolge der Akad.
Turnriege anregen laſſen, im kommenden Semeſter in die
Reihen der Turner einzutreten.
* Vorträge. Man ſchreibt uns: Auf den Vortrag
des Herrn Profeſſors Dr. Leimbach=Heidelberg am
Freitag, den 23. Februar, abends 8¼ Uhr, in der Tech=
niſchen
Hochſchule über das Thema Die akademiſche
Trinkſitte und unſer Volk ſei hier nochmals hingewieſen.
Es dürfte für weite auch nichtakademiſche Kreiſe von
Intereſſe ſein, aus dem Munde eines alten Korps=
ſtudenten
zu hören, welche Gefahren das Feſthalten der
Studentenſchaft an einer ſchädlichen, überlebten Sitte
nicht nur für ſie ſelbſt, ſondern ebenſo ſehr für unſer
ganzes Volk mit ſich bringt. (Siehe Anzeige.)
Das äußerſt intereſſante Thema, über das der durch
ſeine Vorträge rühmlichſt bekannte Herr Profeſſor
Schwarz, Frankfurt, heute abend 8 Uhr in der St.
Eliſabethenkirche ſprechen wird, lautet: Die katholiſche
Kirche und der moderne Staat. (Siehe Anzeige.)
* Im Frauenverein der Johannesgemeinde wird
am Freitag, den 23. Februar, abends 8 Uhr. Herr
Pfarrer Marguth von Nieder=Beerbach, früher be=
kanntlich
Aſſiſtent an der Johannesgemeinde, über Eine
Wanderung durch Schwaben, Erlebniſſe und Eindrücke‟
ſprechen und dabei das als Geburtsland ſo vieler be=
rühmter
Männer, und ſowohl landſchaftlich als auch in
geſchichtlicher, beſonders kirchengeſchichtlicher Entwicklung
intereſſante Württemberg nach den Reiſeeindrücken zweier
junger Theologen ſchildern. (Siehe Anzeige.)
* Verein für Verbreitung von Volksbildung.
Der Schlußvortrag des Balkanzykkus, der wegen Er=
rankung
des Herrn Dr. Jäckh verſchoben werden
mußte, iſt auf Dienstag, den 5. März, feſtgeſetzt; er wird
vornehmlich die wirtſchaftlichen Verhältniſſe und Deutſch=
ands
Intereſſen in der Türkei behandeln. Am voraus=
gehenden
Donnerstag, den 29. Februar, wird Herr Pro=
feſſor
Dr. W. Sonne ſprechen über: Altes und Neues
aus der Sprengſtoff=Technik. Am Freitag, den 8. März,
folgt der Lichtbilder=Vorirag von Diplom=Ingenieur Dr.
Dunkler=Berlin mit dem Thema: Die Talſperren
und ihre Bedeutung für Kultur und Menſchheit‟. Die
Vorträge der Herren Dr. Jäckh und Dunkler finden im.
Kaiſerſaal ſtatt, Herr Profeſſor Dr. Sonne ſpricht in
der Techniſchen Hochſchule, Saal 326. (Näheres durch
Unzeigen.)
* Orpheum. Das Gaſtſpiel des Dresdener Belvedere=
Enſembles dauert nunmehr noch bis inkl. 29. Februar.
(Siehe Anzeige.)
* Aus der Beſſunger Büchsrhalle (Beſſungerſtraße 48)
wurden im Monat Januar 1366 Bücher entliehen; einge=
chriebene
Leſer ſeit 1. April 538. Geſchenke gingen ein
von Frau Oberſt von Lengerke 3 Bände Zeitſchriften, von
Frau A. Kühner 7 Bände Bücher und Zeitſchriften und

2 Mappen Kunſtblätter, Herrn Hauptmann von Hahn 4
Jahrgänge Zeitſchriften, Frau Landgerichtsdirektor Stephan
6 Jahrgänge Kunſtwart. Den gütigen Gebern herzlichen
Dank! Anmeldungen weiterer Spenden von Büchern und
guten Zeitſchriften, ſowie Beitrittserklärungen zum Ver=
ein
für Verbreitung von Volksbildung (Mindeſtbeitrag
2 Mk.) werden vom Vorſtand des Vereins gerne entgegen=
genommen
. Unentgeltliche Bücherausgabe: Dienstag, Don=
nerstag
und Samstag von abends 7½9 Uhr. Daſelbſt
auch Bücherverzeichniſſe zu 20 Pfg.
X Schlachtungen. Nach dem Monatsberichte des
Fleiſchbeſchauamts ſind während des Monats Januar
im hieſigen Schlachthaus geſchlachtet worden: 155
Ochſen, 3 Bullen, 326 Kühe, 9 Jungrinder, 1022 Kälber,
2917 Schweine, 307 Schafe, 5 Ziegen und 20 Pferde.
Beanſtandet wurden: 65 Ochſen, 2 Bullen, 213 Kühe,
6 Jungrinder, 19 Kälber, 441 Schweine, 74 Schafe, 1 Ziege
und 1 Pferd. Minderwertig wurde erklärt das Fleiſch!
von: 1 Ochſen, 10¾ Kühen, 5¾ Kälbern, 10¾ Schweinen
ind 3 Schafen. Bedingt tauglich war das Fleiſch
von: ¾ Kühen, ¾ Kälbern und ¾ Schweinen. Un=
auglich
waren: 2 Kühe, 1184 Organe, 168½ kg Fett
und 80 kg Fleiſch von 822 Tieren. Auf Trichinen!
wurden unterſucht: 2917 im Schlachthaus geſchlachtete
Schweine, ſowie 4161 kg für hieſige Metzger eingeführtes
friſches Fleiſch von 210 Schweinen. Der Nachunter=
ſuchung
wurden unterzogen: 755 Sendungen eingeführtes
Fleiſch, enthaltend: 14726 kg Rindfleiſch, 4510kg Schweine=
fleiſch
, 887 kg Kalbfleiſch, 201 kg Hammelfleiſch u. 34 kg
Ziegenfleiſch.
-gs. Von Tobſucht befallen wurde geſtern mittag kurz
nach 12 Uhr der Küchenchef eines hieſigen Hotels. Er
wurde durch die Rettungswache mittelſt Krankenautomo=
bils
nach dem ſtädtiſchen Krankenhaus gebracht.

Offenbach, 19. Febr. Der 13 Jahre alte Schüler
Guſtav S. war ſeit dem 2. Januar ſpurlos ver=
ſchwunden
. Alle Bemühungen, ſeinen Aufenthalt zu
ermitteln, blieben ohne Erfolg. Geſtern vormittag wurde
ſeine Leiche oberhalb des Hafens aus dem Main ge=
ländet
und nach dem Friedhof gebracht. Was den
Jungen in den Tod getrieben hat, ſteht noch nicht feſt. Er
war ein beliebter und tüchtiger Schüler, der eine über
ſeine Jahre hinausgehende Reife erlangt hatte.
Mainz, 20. Febr. Ein auswärtiger Maurer, der auf
der Ludwigſtraße einer Frau das Portemonnaie
aus der Taſche ſtahl, wurde feſtgenommen,
als er einen weiteren Taſchendiebſtahl verſuchte. Das
heſſiſche Finanzminiſterium hat infolge der vielfachen
Vorſtellungan aus Intereſſentenkreiſen den preußiſchen
Miniſter der öffentlichen Arbeiten erſucht, den geplan=
ten
Umbau der Koſtheimer Schleuſe möglichſt
bald ausführen zu laſſen.
Zornheim, 20. Febr. Dem Landwirt Heinrich Knuß=
mann
II. wurde der ganze Hühnerbeſtand mit
13. Hühnern und einem Hahn geſtohlen. Die Diebe
müſſen ſehr ſachkundig ſein und eine große Frechheit be=
ſitzen
, da der Hühnerſtall nur einige Meter von dem Wohn=
zimmer
entfernt ſteht, und da im Nachbarhof ein ſonſt
ſehr wachſamer Hund iſt. Die Diebe haben noch mehrere
Ställe unterſucht und in einem anderen Gehöft eine Gans
mitgenommen. Bei Johann Braunbeck wurde eine Partie
Wäſche aus dem Garten mitgenommen. Trotz großer
Mühe der Gendarmerie von Nieder=Olm konnten die Diebe
noch nicht entdeckt werden.
Ober=Hiltersklingen, 20. Febr. Auch unſere Gemeinde
hat ſich zur Erbauung einer Waſſerleitung ent=
ſchloſſen
. Die Kulturinſpektion in Darmſtadt hat bereits
die entſprechenden Arbeiten zur Submiſſion ausgeſchrie=
ben
. Die Anlage bekommt zwei Hochbehälter und eine
Röhrenleitung von 6000 Meter.
* Steinberg (Kreis Gießen), 20. Febr. Man ſchreibt
uns: Die Vorarbeiten zu der am 8., 9. und 10. Juni 1912
hier ſtattfindenden 43jährigen Jubiläumsfeier des Ge=
ſangvereins
Eintracht mit der ein nationaler
Geſangwettſtreit verbunden wird, ſind ſo weit
gediehen, daß die zweiten Rundſchreiben bereits an die
Vereine zum Verſand gelangten. Die ausgeſetzten Geld=
preiſe
belaufen ſich auf etwa 1300 Mk.; außerdem werden
den wettſtreitenden Vereinen wertvolle Kunſtgegenſtände
zur Verfügung ſtehen. Eine beſondere Anziehungskraft

und Erde verſchwinden bei der, die wir lieben. Aber
er fügt bei, daß viele Menſchen von der Begierde, mit
ihresgleichen zu leben, ganz von ſich ſelbſt weggetrieben
werden, und daß durch den Wunſch, der Welt zu gefallen,
die Neigung, in ſich ſelbſt zu ſehen, zerſtört wird. Es ſoll=
ten
ſich eben die vermeiden, die nicht innerlich zu=
ſammenpaſſen
.
Auf nichts achtet der großſtädtiſche geſellige Ver=
kehr
weniger, als auf die innere Harmonie, auf den
fruchtbringenden Zweck des geſelligen Lebens, man
müßte denn die Anknüpfung von Konnexionen, die der
Karriere nützen, die praktiſchen Goldfiſchzüge und Töch=
ter
=Verkuppelungen und die Befriedigung der Eitelkeit
mit der Einladung vieler Titel, Wappen und Orden als
edle Zwecke und Früchte gelten laſſen! Das war in der
großen Welt zum Teile immer ſo aber es war nicht
ausſchließlich ſo, und es iſt damit gegenwärtig
nirgends ſchlimmer, als in der guten Geſellſchaft von
Berlin, die eine eigentümliche Miſchung von alteuro=
päiſchem
Byzantinismus und neuem Amgxikanismus
darſtellt.
Wie die geiſtigen Menſchen früherer Zeit über einen
ſolchen Zuſtand der Geſellſchaft urteilten, das mögen
uns ihre eigenen Wege ſagen. Goethe der ſich ſei=
nen
Umgang in der Regel doch zu wählen in der Lage
war, beklagt in den Wahlverwandtſchaften die Ver=
luſte
des geſellſchaftlichen Lebens: Gedenkt man, wie
viele Menſchen man geſehen, gekannt, und geſteht ſich,
wie wenig wir ihnen, wie wenig ſie uns geweſen, wie
wird uns da zu Mute! Wir begegnen dem Geiſtreichen,
ohne uns mit ihm zu unterhalten, dem Gelehrten, ohne
von ihm zu lernen, dem Gereiſten, ohne uns zu unter=
richten
, dem Liebevollen, ohne ihm etwas Angenehmes
zu erzeigen. Niemand verteilt ſein Geld unter an=
dere
ſagt Montaigne, jedermann ſeine Zeit und
ſein Leben‟ In Knigges Umgang mit Menſchen
ſteht der Satz: Wer mit vielen umgeht, treibt einen
Kleinhandel, bei dem es zwar viel zu tun, aber wenig
zu erwerben gibt. Ueber die Bedingungen und die
Formen des geſellſchaftlichen Getriebes (man könnte auch
von ſeiner Uniform ſprechen), und über die Aufopfer=
ung
der eigenen Perſönlichkeiten und die Großzüchtung
von Peer Gynt=Charakteren ſpricht Weber im Demo=
kritos
: Die geſellige Verfeinerung, die verlangt, daß
jeder ſei, wie der andere, geſellig ſchone, allen gefalle,
dieſes tyranniſche, aber den Schwachen höchſt willkom=
mene
Geſetz unterdrückt alle Eigentümlichkeiten des Cha=

rakters. Viel zu viel Wert auf die Meinungen an=
derer
zu legen, iſt ein allgemein herrſchender Zuſtand‟
meint Schopenhauer und Vauvenargues
ſagt es rauher: Die Kunſt, zu gefallen, iſt die Kunſt, zu
betrügen. Auch Goethe in Ilmenau, dem höfi=
ſchen
Zwang entflohen, ruft aus:
Doch ach, ein Gott verſagte mir die Kunſt,
Die arme Kunſt, mich künſtlich zu betragen
und von der ſogenannten Welt ſagt er in einem ſei=
ner
Gedichte: Nicht will ſie Gemüt, will Höflichkeit: in
einem anderen: Die Welt will uns nichtig‟. In Dicht=
ung
und Wahrheit finden wir das Weistum: Es iſt dem
geſelligen Menſchen gleichgültig, ob er nützt oder ſchadet,
wenn er nur unterhalten wird. Auguſt Wilhelm
Schlegel macht die bittere Bemerkung: Von dem,
was unſerem Herzen am nächſten liegt, mit einiger Rühr=
ung
und Erſchütterung zu ſprechen, würde dem Ton der
feinen Geſellſchaft nicht angemeſſen ſein und er fügt
bei, dieſe Geſellſchaft ſei für den Enthuſiasmus tödlich.
Aber faſt verblüfft es, daß Schlegels, große Freun=
in
, Frau von Stael, die ſelbſt in ihrem Schloſſe
Loppet am Genfer See einen Hofſtaat (allerdings erleſe=
ner
Geiſter) um ſich verſammelt hatte, aus ihrem über=
aus
reichen Verkehr Erfahrungen zog, wie dieſe Sätze in
Corinne: Mangel an Enthuſiasmus, Mangel an Mein=
ungen
. Mangel an Gefühl, ein wenig Geiſt mit dieſem
negativen Schatze verbunden, und man erwirbt oder er=
hält
ſich das geſellſchaftliche Leben im eigentlichen Sinne
des Wortes, das heißt: Vermögen und Rang. . . . In
Gegenwart der Sonne und des geſtirnten Firmaments
braucht man ſich nur zu lieben und ſich einander würdig
zu finden. Aber die Geſellſchaft! Die Geſellſchaft! Wie
verhärtet ſie das Herz, wie frivol macht ſie den Geiſt! Wie
macht ſie uns nur für das Leben, was man von uns ſagen
wird!
Ich behaupte nicht, daß die geſellſchaftliche Dreſſur
in kleinen Reſidenzſtädten eine größere Achtung des Gei=
ſtes
und Herzens, eine minder äußerliche Pflege der Gaſt=
lichkeit
vor den Großſtadt=Sitten voraus habe. Gewiß
aber iſt in vielen deutſchen Mittelſtädten ein anmutigerer
Verſtand des geſelligen Verkehrs heimiſch; gewiß wird
im engeren Bezirke die Fähigkeit der Menſchen, ſich
innerliche Werte bei der Wahl ihres Umganges zu
ſchaffen, von den äußeren Verhältniſſen gefördert. In
der Weltſtadt fühlt ſich manches anſpruchsvolle Gemüt zu
unfreiwilliger Einſamkeit verurteilt.

Dagegen gewährt die rieſige Metropole dem Wunſche
des Denkers und Dichters nach ungeſtörter Stille und
nach einer Zurückgezogenheit, in die läſtige Späher nicht
dringen, eine ſo vollkommene Erfüllung, als ſie weder
eine abgeſchiedene ländliche Gegend, noch ein Kloſter der
Trappiſten, ja vielleicht nicht einmal die lybiſche Wüſte
bietet! Der Großſtädter braucht nur den ernſtlichen
Willen zu haben, ſich der Einſamkeit zu ergeben, dann iſt
er bald allein. Im Städtchen und im Dorfe grüßt ihn
der freundliche Nachbar. Hier nicht. Dort kann er ſich,
ſoll er nicht Feindſeligkeiten und hiernach doch den Ver=
brauch
eigener Kraft gewärtigen, gewiſſen geſelligen
Pflichten nicht entziehen. Entrinnt er aber auch dem
Feſtmahl und dem Skat, ſo begegnet er, ſetzt er ſeinen
Fuß auf die Straße, doch allenthalben bekannten Men=
ſchen
oder doch Menſchen, die ihn gewiß ken=
nen
. Denn noch immer, wie zu der Zeit
von Kotzebues Deutſchen Kleinſtädtern iſt man
dort um den lieben Nebenmenſchen vom Mor=
gen
= bis zum Abendſchlafrock, vom Frühſtück bis zum
Nachtmahl ſehr beſorgt! Keine fremde Seele kümmert ſich
in der Weltſtadt um des einzelnen Leben oder Sterben.
Jeder iſt nur mit ſich beſchäftigt, mit ſeinem Kampf um’s
Daſein. Die Straße, in der du wohnſt, zeigt dir bei
jedem Blick nie vorher geſehene Geſichter. Im üppiaſten
Gedränge der Menſchenmaſſen biſt du einer von Tau=
ſenden
, ein Körnchen im Dünenſand. Wen nicht Amt
und Beruf aus ſeiner Höhle locken und wer die Leiden=
ſchaft
des Einſiedlers beſitzt, kann ſeinen Verkehr jahre=
lang
auf Diener oder Wartefrau und etwa auf den Poſt=
boten
beſchränken und das herrliche Leben eines Einzel=
häftlings
führen. Hier trifft ihn nicht einmal der beredte
Blick eines ſtummen Kloſterbruders, und ſeine Wüſte be=
tritt
kein Karawanen=Kamel.
Vor dieſer unendlichen Einſamkeit, die eine moderne
Rieſenſtadt dem Untertauchenden bietet, wäre Johann
Georg Zimmermann ſicherlich zurückgebebt! Er, der
als ein früher Vorgänger Nietzſches nur die Abwehr der
Vielzuvielen im Sinne hatte und an die natürliche Ein=
ſamkeit
jedes ungewöhnlichen Menſchen dachte. Und
auch ſchon Zimmermann hatte Vorgänger! Denken iſt,
ſagt Ariſtippus, nichts anderes, als ſich den unverſöhn=
lichen
Haß unwiſſender, blödſinniger, abergläubiſcher und
verdorbener Menſchen auf den Hals laden! Der Epheſer
ruft: Wenn einer unter uns geſchickt iſt, ſo ziehe er aus
und ſei es anderswo! Aus der großen Stadt braucht
der Geſchickte wenigſtens nicht auszuziehen. . .

[ ][  ][ ]

Seite L.

Nummer 44

darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 21. Februar 1912.

dürfte die unter anderen wertvollen Preiſen für das
Ehrenſingen ausgeſetzte ſilberne Plakette ſein.
(*) Langsdorf, 18. Febr. In der Nähe der Bahn=
ſtrecke
wird ſchon ſeit Oktober an der Erbohrung
einer Quelle zur Waſſerleitung gearbeitet; bis jetzt
iſt es noch nicht gelungen, den Felſen zu durchſchlagen.
Möglich, daß man jetzt wieder auf den Plan des Abg.
Phil. Köhler zurückkommt, der ſchon vor Jahren den
Anſchluß an das Gruppenwaſſerwerk Bad=Nauheim-
Lauter empfahl.

Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 19. Febr. Eine Opera=
tion
an einem Nilpferde wurde geſtern vor=
mittag
im Zirkus Sarraſani vorgenommen. Dis 2½
Jahre alte Nilpferdfräulein Thereſa war ſeit 1½ Wo=
chen
leidend; ſeit zwei Tagen hatte ſich der Zuſtand ſo
verſchlechert, daß die Nahrungsaufnahme verweigert
wurde. Die Unterſuchung ergab, daß die Patientin an
einer Vereiterung der linken Backe litt und daß ein ope=
rativer
Eingriff dringend notwendig ſei. Geſtern vor=
mittag
erſchienen die Tierärzte Dr. Senft vom Zoologi=
ſchen
Garten und Dr. Ließ am Krankenlager der Dick=
häuterin
. Aber alle Verſuche, ſie aus dem Transport=
wagen
auf den Operationstiſch zu bringen, ſcheiterten
an der vollſtändigen Apathie des Tieres und an ſeinem
koloſſalen Gewichte, das trotz zweier Flaſchenzüge und
ſechs ſtarker Männer nicht fortzubewegen war. So ent=
ſchloß
man ſich, die Operation im Wagen vorzunehmen.
Da bei der eigenartigen Patientin Vorſicht geboten war,
wurde der Koloß mit Strikken und Riemen gefeſſelt und
zunächſt ſein Mündchen zur Unterſuchung mittels zweier
Flaſchenzüge und dicker Knüppel geöffnet. Die anfangs
gehegte Befürchtung, daß eine Zahnfiſtel vorliege, be=
ſtätigte
ſich nicht. Nachdem der gefährliche Rachen ſicher
verſchnürt war, wurde zum Oeffnen des Abſzeſſes ge=
ſchritten
. Während der Direktor Stoſch=Sarraſani ſeinem
Schmerzenskinde Troſt zuſprach, drang das Meſſer des
Arztes in einer Ausdehnung von 10 Zentimeter in die
entzündete Backe ein, aus der ſich ſogleich mehrere Liter
Eiter ergoſſen. Die Wunde wurde, wie üblich, ausge=
ſpült
, nur daß hierzu nicht eine Spritze ausreichte; die
Spülflüſſigkeit wurde vielmehr mit einer Gießkanne in
die gewaltige Hauttaſche gegoſſen. Gleich nach beendeter
Operation blickte Thereſe ihren Gebieter dankbar an
und verſpeiſte einige Rübenſcheiben. Ein abends aus=
gegebenes
Bulletin beſagt, daß ſich das Befinden der Pa=
tientin
zuſehends beſſert. Der unter dem Verdachte
des dreifachen Raubmordes an der Familie
Schulz in der Alten Jakobſtraße verhaftete Schloſſer
Oskar Trenkler aus Klein=Schönau hat in der ver=
gangenen
Nacht bei ſeiner Vernehmung im Amtsgericht
Zittau dem Berliner Kriminalkommiſſar Hoppe gegen=
über
ein umfaſſendes Geſtändnis abgelegt. Nach
dieſem Geſtändnis hat Trenkler den dreifachen Raub=
mord
allein verübt, indem er nach einander zuerſt die
Frau Schulz, dann deren 19jährige Tochter und ſchließ=
lich
den Juwelier Auguſt Schulz niederſchlug. Der drei=
fache
Mord ſei ihm dadurch erleichtert worden, daß er
immer nur einem Opfer gegenüberſtand und die Tochter
erſt kam, nachdem die Mutter ſchwer getroffen, der Vater
erſt, nachdem Frau und Tochter bereits tot am Boden
lagen. Der Kommiſſar erzielte das Geſtändnis dadurch,
daß er Trenkler fragte, was er eigentlich mit dem geraub=
ten
Sparkaſſebuch getan habe. Dieſe Frage war während
der Vernehmung ſo plötzlich und unerwartet geſtellt, daß
Trenkler in die Falle ging und gedankenlos antwortete,
das habe ich verbrannt. Trenkler war bereits in der
Schule ein Taugenichts. Wiederholt kam er mit dem
Strafgeſetzbuch in Konflikt; als vorletzte Strafe verbüßte
er ſechs Jahre Zuchthaus, weil er in Neu=Gersdorf einem
Reiſenden eine Geldtaſche mit einem Meſſer abgeſchnitten
hatte und dann noch tätlich gegen den Reiſenden vor=
gegangen
war.
München, 19. Febr. Bei der heute mittag in der Ka=
pelle
des Vinzentius erfolgten Trauung der Prinzeſſin
Thereſe zu Oettingen=Wallerſtein mit dem Prinzen Alfred
von und zu Liechtenſtein, Neffen des regierenden Fürſten,
wurde der 85jährige Fürſt Ernſt zu Windiſch=Grätz, Oberſt=
Erblandſtallmeiſter in Steiermark, der Gemahl der Prin=
zeſſin
Camilla zu Oettingen=Spielbera, von einem Schlag=
anfall
betroffen. Der aus den Mitgliedern der höchſten
bayeriſchen und öſterreichiſchen Ariſtokratie beſtehenden Hoch=
zeitsgeſellſchaft
bemächtigte ſich große Aufregung. Der ſo
plötzlich Erkrankte wurde im Sanitätsautomobil in das
Hotel Continental gebracht, wo es ihm über Mittag etwas
beſſer ging. Die Trauung wurde dann von dem Bruder
des Bräutigams, dem Benediktinerpater Prinz Ildefons zu
Liechtenſtein, vollzogen.
München, 19. Febr. Das Landgericht Mün=
chen
I verurteilte nach achttägiger Verhandlung den ſozial=
demokratiſchen
Landtagsabgeordneten Auer=München
wegen Beleidigung der Zentrumsabgeordneten Frank und

Cadau, ſowie des Bahnverwalters Rupprecht zu einem
Monat Gefängnis. Auer hatte den drei Beamten
in einer Eiſenbahnverſammlung vorgeworfen, ſie hätten
ihr Amt zugunſten einer der Zentrumspartei naheſtehenden
Baugenoſſenſchaft mißbraucht.
Sgarbrücken, 19. Febr. Die Kälte der letzten Wochen
hat, wie auch ſonſt in ſtrengen Wintern, einige unlieb=
ſame
Gäſte nach Deutſchland gebracht. Aus Gegenden
im Oſten und Weſten des Reiches kamen Nachrichten, daß
ſich dort Wölfe gezeigt haben. Bekannilich iſt der
Wolf bei uns ebenſo wie in England völlig ausgerottet.
Wenn aber in ſchneereichen Wintern der Hunger die Tiere
zu weiten Wanderungen treibt, kommen ſie auch zu uns
über die Grenze. Das iſt erklärlich, wenn man erfährt,
daß ein Wolf in einer Nacht mitunter 70 Kilometer weit
ſchweift. Zuletzt iſt aus Großblittersdorf gemeldet wor=
den
, daß ſich in dem dortigen Gemeindewalde ein Wolf
zeige, der von Holzfällern beobachtet worden war. Der
Gemeindeförſter wurde ſofort in Kenntnis geſetzt, der
ſofort eine regelrechte Treibjagd auf den fremden Gaſt
unternahm. Der aber ließ ſich wohl einmal von ferne
blicken, verſchwand dann aber wieder. Man vermutet,
daß er aus den Ardennen herübergewechſelt iſt, wo die
Wölfe noch einheimiſch ſind.
Steele a. Ruhr, 19. Febr. In der katholiſchen Kirche
ſtürzt e während des Gottesdienſtes ein Teil des Decken=
gewölbes
ein. Dabei wurde einer der am Hochaltar
amtierenden Miniſtranten ſchwer verletzt. Unter den Be=
ſuchern
des Gotteshauſes brach eine Panik aus.
Inſterburg, 19. Febr. In dem ruſſiſchen Dorfe Par=
venehre
erſchien, nach dem Oſtdeutſchen Tageblatt, ein vor
etwa zehn Jahren als 12jähriger Knabe nach Amerika
ausgewanderter junger Mann. Er logierte ſich
in ſeinem Elternhauſe ein, ohne daß ſeine Mutter und
Schweſter ihn erkannten. Da er von einem großen Ver=
mögen
erzählte, überredeten Frau und Tochter den heim=
kehrenden
Vater, den Fremden zu ermorden. Erſt nach
der Tat erfuhr der Mörder, daß er ſeinen eigenen
Sohn erſchlagen hatte. Mann, Frau und Tochter
wurden verhaftet; die Mutter iſt wahnſinnig geworden.
Paris, 19. Febr. Ein großer Erdrutſch, der
leicht hätte unabſehbare Folgen haben können, ereignete
ſich geſtern, wie ſchon gemeldet, bei der Hügelkette von
Puymorens. Dort finden gegenwärtig Arbeiten zum
Bau eines Tunnels durch die Pyrenäen ſtatt. Infolge der
letzten anhaltenden Regengüſſe hatte ſich das Erdreich ge=
lockert
, und geſtern ſtürzten etwa 25000 Kubikmeter
Erdmaſſen auf den Eingang des Tunnels hernieder,
in dem ſich 150 Arbeiter befanden. Glücklicherweiſe
blieben einige Luftzuführungsſchächte frei, durch die man
den verſchütteten Arbeitern ſofort Sauerſtoff zuführen
konnte. Auf die Kunde von dem Unglück war die Bevöl=
kerung
in Maſſen herbeigeſtrömt und beteiligte ſich lebhaft
an den Rettungsarbeiten. Nach mehreren Stunden gelang
es, einen kleinen Weg in den Tunnel zu bahnen, durch den
die Verunglückten, von der Bevölkerung mit Jubelrufen
empfangen, Mann für Mann an das Tageslicht geholt wer=
den
konnten.
Lyon, 20. Febr. Ein furchtbarer Selbſt=
mord
wurde geſtern nachmittag in der hieſigen St.
Polykarbuskirche verübt. Eine etwa 30jährige Frau goß
ſich am Eingang der Kirche eine Flaſche Eſſenz über Klei=
der
und Kopf und zündete die Flüſſigkeit an. Im Nu
glich die Unglückliche einer lebenden Fackel. Auf ihr
Geſchrei eilten die in der Kirche Anweſenden herbei, doch
war jegliche Hilfe vergellich. Die Frau verſchied nach
wenigen Minuten. Nach den bisherigen Feſtſtellungen
glaubt man, daß die Selbſtmörderin in einer Privat=
irrenanſtalt
in Ville Urbanne in Pflege geweſen iſt und
von dort entwichen war.
Toulon, 20. Febr. Bei der Demolierung des Wracks
der Liberté wurden unter den Drehtürmen 14 Ma=
troſenleichen
aufgefunden. Die Matroſen hatten
ſich offenbar in der Annahme dorthin geflüchtet, daß ſie
vor den Wirkungen der Exploſion in den Panzertürmen
Schutz finden würden.
Serajewo, 19. Febr. Wie die Blätter melden, wur=
den
bei den geſtrigen Vorfällen mehrere Perſonen
durch Säbelhiebe und Pferdehufe verletzt. Ein in den
Kopf geſchoſſener Sextaner, ein Sohn des Gemeinde=
rats
Schiragio, lebt noch, doch iſt ſein Zuſtand hoffnungs=
los
. Wer den Schuß abgab, iſt bisher nicht feſtgeſtellt
worden. Die Blätter greifen die Polizei heftig an, hin=
gegen
findet das taktvolle Vorgehen des Militärs all=
gemeine
Anerkennung.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
Klavierabend von Télémaque Lam=
brino
. Ein außergewöhnlicher Kunſtgenuß ſteht den
Muſikfreunden Darmſtadts bevor in dem Klavierabend

von Télémaque Lambrino, dem zur Weltberühmtheit ge=
wordenen
gottbegnadeten griechiſchen Künſtler, am
Samstag, den 24. Februar, 8 Uhr abends in der
Traube‟. Geradezu begeiſtert iſt die Kritik ausnahms=
los
von dem Spiel Lambrinos, das ſeit Rubinſtein nicht
wieder gehört wurde. Télémaque Lambrino iſt nicht nur
ein Schwärmer, deſſen Klaviergeſäuſel den Damen und
weibiſchen Männern die kranken Nerven einlullt, auch
nicht nur ein Taſten=Zyklop, der mit hartem Hämmern
den Zaghaften den Mut einflößt, den ſie ſelbſt nicht beſitzen,
keiner, der nur phyſiſches Staunen erregt nein, ein
ganzer Künſtler. Manns genug für den harten Ernſt
der Kunſt; groß genug und reif genug für die Tiefe Beet=
hovens
und dabei auch zart und ſinnig genug für die fei=
nen
Kauſerien eines Chopin und die Euſebius= Blüten=
träume
eines Schumann. Und wiederum ein Künſtler,
der ſich nicht in den gemütlichen Sackgaſſen hübſcher Ba=
gatellen
verfängt, kein Hiſtorienkrämer, der um der Muſik=
geſchichte
willen Staub aufwirbelt und Raritäten vor=
ſpielt
, ſondern ein Künſtler, der aufs Ganze geht, dem
jegliche Einzelheit Mittel iſt zu dem Zweck einer einheit=
lichen
, großzügigen Kunſt, ein Künſtler, der Muſik hat in
ihm ſelbſt und der darum auch vom Komponiſten Muſik for=
dert
, keine Satzrechnereien und Spielereien, ſondern Muſik,
die der Abglanz des Lebens iſt. Den Kartenverkauf beſorgt
die Firma Gg. Thies Nachfolger (Leopold Schutter) hier.
Gaſtſpiel Marya Delvard-Mare
Henry. Anläßlich des am 23. Februar in der freien
literariſch=künſtleriſchen Geſellſchaft ſtattfindenden Gaſt=
ſpiels
Marya Delvard-Mare Henry geben wir einige
Urteile bekannter Blätter wieder: Herr Dr. Arthur Neißer
ſchreibt in der Zeitſchrift Die Gegenwart: Lieder und
Stimmungen betiteln die beiden prächtigen Künſtler mit
vollem Recht ihre Darbietungen. Wenn doch ein leiſer
Hauch ihres Erlebewillens unſere Podiumsgröße im Kon=
zertſaal
beleben möchte. Dr. Hans Heinz Eversi
ſchreibt in der Schaubühne: Marc Henry und Marya
Delvard ſind feſſelnde, abgeſchloſſen in ſich und auf ſich
ruhende Typen. Dr. Trog von der Neuen Zürcher
Zeitung ſagt über den Abend: Das feinſte Gefühl für
den Stil macht ſich überall geltend. Man wird den rei=
chen
, feinen Abend in wonniger Erinnerung behalten.
Herr Willy Rath ſchreibt in der Täglichen Rundſchau:
In ſchmuckloſem ſchwarzen Sammtkleid bei traumhaftem
Dämmerlicht kann Marya Delvard uns mit ihrer unge=
wöhnlichen
Suggeſtionskraft allemal in ihre Stimmungen
zwingen. Die Kölniſche Zeitung ſchreibt: Hier ſpra=
chen
und ſangen kluge und feine Köpfe mit literariſchem
Intereſſe. Henry entwickelte eine Kraft, eine ſprühende
Friſche des Temperaments, die mitreißt und erquickt;
in Delvards vornehmer Sicherheit liegt ein bannender
Zauber; in ihrer Art iſt ſie ſicher etwas Großes, Nicht=
Erreichtes.

Handel und Verkehr.
* Die ordentliche Generalverſamm=
lung
der Darmſtädter Volksbank findet am
Dienstag, den 27. Februar, ſtatt. Aus dem ſoeben heraus=
gegebenen
Bericht des Vorſtandes, dem 50. Ge=
ſchäftsbericht
, geben wir nachſtehendes wieder: Aus klei=
nen
Anfängen hat ſich das Inſtitut durch beharrliche und
erfolgreiche Arbeit zu ſeiner jetzigen Bedeutung empor=
gerungen
. Eine Denkſchrift wird im Laufe des Jahres
die Geſchichte der Genoſſenſchaft behandeln. Als ihr
Geburtstag iſt der 14. Auguſt zu betrachten; er ſoll in einer
würdigen Weiſe begangen werden, nähere Mitteilungen
werden die Mitglieder ſpäter erhalten. Aber heute ſchon
ſei hervorgehoben, daß es während der verfloſſenen fünf=
zig
Jahre ſtets das Beſtreben der Verwaltung geweſen
iſt, den Mitgliedern der Genoſſenſchaft den von ihnen
benötigten Betriebskredit zu billigen Bedingungen bereit
zu ſtellen, um ihnen damit einen feſten Rückhalt für ihre
geſchäftlichen Unternehmungen zu gewähren. Die Ent=
wickelung
der Genoſſenſchaft erfordert die Erhöhung
der Kreditgrenze; es wird beantragt. ſie zukünftig
auf 300.000 Mark feſtzuſetzen. Eine leichte Beſſerung
läßt ſich für das hieſige Baugewerbe im abgelau=
fenen
Jahre feſtſtellen; der Geſamt=Bauwert der fertig=
geſtellten
Neu= und Umbauten hat eine mäßige Steiger=
ung
erfahren. Doch ſtellt ſich immer noch das Uebermaß=
an
Mietshäuſern, das kapitalſchwache Bauunternehmer
Ende der 80er und anfangs der 90er Jahre in unſerer
Stadt geſchaffen haben, und die Schwierigkeit, zweite
Hypotheken zu erhalten, dem Aufſchwung der Bautätig=
keit
hindernd entgegen. Dazu kommen die hohen Ab=
gaben
, die jetzt auf dem Grundſtücksverkehr laſten; ſie
erſchweren den Umſatz, die Verkäuflichkeit der Häuſer
und beeinträchtigen empfindlich den Verkaufswert. Daß
ſich die Kapitaliſten der Hergabe von Geld auf zweite
Hypotheken in ſo ſtarkem Maße enthalten, iſt wohl zu
bedauern; ein gründlicher Wandel wird aber erſt ein=
treten
, wenn die kapitalſchwachen Elemente von dem

Feuilleton.
C) Eine Eiſenbahn übers Meer. Präſident Taft hat am
22. Januar eine Eiſenbahnlinie feierlich eröffnet, die unter
den Verkehrsmitteln der Welt ganz eigenartig daſteht.
Es iſt ein Schienenſtrang, der mehr als 100 Kilometer
weit ins offene Meer führt. Um die Verbindung zwiſchen
den Vereinigten Staaten und der Inſel Kuba zu erleich=
tern
und die Fahrt abzukürzen, haben die Amerikaner die
Eiſenbahnlinie, die an der Oſtküſte von Florida entlang
führt, in die offene See hinein verlängert. Intereſſante
Einzelheiten über dieſes großartige, in ſeiner Art allein=
ſtehende
Unternehmen teilt F. Honoré in einem Aufſatz
der Illuſtration mit: Zur Anlage des Schienenweges hat
man den Kranz von Korallenriffen benutzt, die den Kanal
von Florida durchziehen und durch zahlreiche Meerarme
von einander getrennt ſind. Dieſe Riffe mußten durch
große Viadukte miteinander verbunden werden, von
denen manche eine Länge von mehreren Kilometern er=
reichen
. An der äußerſten Spitze von Florida, in der
Gegend von Everglades, liegt die niedrige und ſumpfige
Küſte faſt dem Meeresſpiegel gleich; ſchon hier hatte die
Anlegung der Eiſenbahnlinie zwiſchen Miami und Wa=
ters
Edge außerordentliche Schwierigkeiten bereitet. Von
da an aber war man gezwungen, die Eiſenbahn über das
Meer ſelbſt zu führen. Von der Küſte bis Knights Key
muß die Eiſenbahn 108 Kilometer zurücklegen, von denen
etwa für die Hälfte der Weg durch Dämme und Viadukte
geſchaffen werden mußte; der längſte Viadukt nahe bei
Long Key iſt 9½ Kilometer lang; der Reiſende verliert
auf dieſer Fahrt das feſte Land völlig aus den Augen.
In der Umgebung der Korallenriffe iſt der Ozean wenig
tief. Es genügte, den Sand acht Meter auszubaggern,
um das Fundament für die Pfeiler zu legen; die Schie=
nen
befinden ſich 10,30 Meter über dem Meeresſpiegel.
Dieſe Höhe genügt, um den Zügen Schutz gegen den
ſtärkſten und höchſten Wellenſchlag zu gewähren. Die

rieſenhafte Arbeit wurde mit außerordentlicher Schnellig=
keit
ausgeführt. Die erſten 100 Kilometer wurden von
einem Heer von 3000 Arbeitern innerhalb von 2 Jahren
fertiggeſtellt. Zum Teil hauſten die Arbeiter auf den
Korallenriffen, zum Teil waren ſie auf Brückenſchiffen in=
ſtalliert
. Das ganze Material, das Waſſer, die Lebens=
mittel
wurden von einer nur dieſem Zwecke dienenden
Flotte herbeigeſchafft, die aus neun Dampfſchiffen, aus
drei Schleppdampfern und mehr als 100 kleineren Trans=
portſchiffen
beſteht. Die Geſamtkoſten der Anlage belau=
fen
ſich auf über 80 Millionen Mark; die Durchſchnitts=
koſten
von je 1700 Metern werden mit einer ½ Mill. ange=
geben
. Der äußerſte Punkt der Anlage iſt Key Weſt, zugleich
der ſüdlichſte Hafen der Vereinigten Staaten und der dem
Panama=Kanal am nächſten liegende. Key Weſt, das alſo
nun durch eine Eiſenbahn mit dem Feſtlande verbunden
iſt, iſt von Havanna noch durch einen Meerarm von 157
Kilometern getrennt. Früher mußte man die Reiſe von
Florida nach Havanna von dem Hafen Miami antreten.
Jetzt iſt es möglich, in einem Tage von New=York nach
der Hauptſtadt Kubas zu gelangen. Die Eiſenbahnfahrt
übers offene Meer, die von außerordentlicher politiſcher
und ökonomiſcher Bedeutung iſt, bietet daneben auch dem
Reiſenden eines der merkwürdigſten Schauſpiele, denn
im lururiöſen Eiſenbahnwagen ſitzend, erlebt der Paſſa=
gier
die Reize einer Meerfahrt, ſauſt an bizarr geformten
maleriſch gelegenen Korallenklippen vorbei und kann in
völliger Sicherheit ſich auch dem aufregenden Bilde eines
Sturmes mit hohem Seegang ruhig hingeben.
* Ungeſtillte Ordensſchmerzen. Der Generalordens=
kommiſſion
ſind von einem Fahrraddiebe ſo nebenbei
mehrere Bände alter Akten geſtohlen worden, als ſie von
einem Radfahrer zur Buchbinderei gebracht werden ſollten.
Die Bände enthalten Akten der Ordensverleihungen aus
den Jahren 1868, 1874 und 1878, die ganz beſonders durch
zahlreiche Randbemerkungen intereſſant ſind, die

Kaiſer Wilhelm I. dazu machte. Die B. Z. am Mit=
tag
teilt einige dieſer Randbemerkungen mit, die beweiſen,
daß der alte Kaiſer insbeſondere für die Ordensſchmerzen
von Schauſpielern kein Mitgefühl hatte. Als Kro=
lop
, der ehemalige Baſſiſt der Hofoper, ſeiner Sehnſucht
nach einem Orden in einem Geſuch Ausdruck gegeben hatte,
ſchrieb der Kaiſer dazu: Trefflicher Sänger, aber deshalb
braucht er doch nicht einen Orden zu erhalten, Niemann iſt
ein größerer Sänger und begnügt ſich mit Anerkennung
und Gage. Auf das Geſuch um einen Orden für Frau
Frieb=Blumauer ſchrieb er: Wußte nicht, daß die
alte Frieb auf Orden erpicht iſt. So eine große Künſtlerin!
Auf das Geſuch um einen Orden für eine andere Künſtlerin
ſchrieb er: Ach nein! Iſt mit Lorbeer ausgezeichnet, genügt
vollſtändig! Man wollte den Kaiſer bewegen, einen
eigenen Künſtlerorden zu gründen. Er lehnte es aber ab
und meinte, daß die Künſtler genug hätten an der ſüßen
Laſt der ſächſiſchen, weimariſchen Orden uſw. Angeblich
beſtand bei den Hohenzollern das Herkommen, daß einem
Schauſpieler kein Orden verliehen wurde. Dieſes Herkom=
men
iſt jedoch längſt durchbrochen und manch' Schauſpieler
erfreut ſich nun auch mit preußiſchen Orden wohlgefüllter
Knopflöcher.
Arreſt auf Befehl des Fürſten. Dem weſtfäliſchen
Jägerbataillon Nr. 7 in Bückeburg iſt durch den Fürſten
zu Schaumburg=Lippe eine ſehr unangenehme Ueberraſchung
zuteil geworden. Der Fürſt iſt den wenigſten Mannſchaften
des Bataillons bekannt, weshalb es natürlich kein Wunder
war, daß ihm nicht die vorgeſchriebene Ehrenbezeugung er=
wieſen
wurde. Jetzt hat der Fürſt ein drakoniſches Mittel
angewandt: Er diktierte höchſteigenhändig dem ganzen Ba=
taillon
eine Strafe von acht Tagen Kaſernenarreſt und be=
fahl
außerdem, daß innerhalb der nächſten vier Wochen
keinem Unteroffizier und keinem Jäger Stadturlaub zu er=
teilen
ſei.

[ ][  ][ ]

Grundſtücksmarkt verſchwinden und wenn die Darlehens=
geber
der erſten Hypothek bei der Beleihung entweder
eine größere Vorſicht, als ſeither üblich, walten laſſen,
oder wenn ſtatt kündbarer feſter Darlehen unkündbare
Hypotheken mit Tilgungsraten gegeben werden, um
welche die nachfolgenden Hypotheken in ihrem Range
vorzurücken hätten.
Der Geſamtumſatz hat ſich um etwa 600000 Mark
geſteigert. Weſentliche Mehrerträge hat das Kredit=
geſchaft
erbracht, beſonders in den beiden Geſchäftszwei=
gen
Kontokorrenz= und Vorſchuß=Konto, während die
anderen Konten, mit Ausnahme des Effekten=Kontos,
nur unweſentliche Veränderungen zeigen. Dem Rück=
gang
der Staatspapiere mußten wir abermals durch
Abſchreibungen einen Tribut zollen. Der ſich fortſetzende
Rückgang des Kurſes unſerer deutſchen Staatspapiere iſt
außerordentlich zu bedauern, denn hierdurch wird das
Anlage ſuchende Publikum immer mehr abgeſchreckt, ſolche
Papiere zu erwerben. Es bleibt abzuwarten, ob die
Beſtimmungen der Reichsverſicherungsordnung und des
Verſicherungsgeſetzes für Angeſtellte zur Anlage der Prä=
mien
in den nächſten Jahren einen fühlbaren und beſſern=
den
Einfluß auf die Kursgeſtaltung der deutſchen Staats=
papiere
ausüben werden. Die Bewegungen der übrigen
Geſchäftszweige ſind aus den Erläuterungen zu erſehen.
Das von der Reichsbank empfohlene Schema zur Auf=
ſtellung
der Zweimonatsbilanzen iſt ſchon bei dem Ab=
ſchluß
zugrunde gelegt. Die Bilanz ſchließt mit einem
Gewinnergebnis von 165 223,10 Mark, das geſtattet, wie=
der
in Vorſchlag zu bringen: 6 Prozent Dividende zu
verteilen, weſentliche Beträge den Reſerven zuzuführen,
ſowie beſondere Abſchreibungen vorzunehmen.
* Gothaer Lebensverſicherungsbank
auf Gegenſeitigkeit. Nach vorläuſgger Feſtſtellung betrug
1911, im 83. Geſchäftsjahre der Bank, der Zugang an
neuen Verſicherungsſummen 83 Millionen Mark er über=
ſtieg
den des vorletzten Jahres um 9 Millionen Mark und
war überhaupt der höchſte Neuzugang, den die Gothaer
Bank in einem Jahre erreicht hat. Nach Abzug aller Ab=
gänge
erhöhte ſich der Geſamtbeſtand an eigentlichen
Lebensverſicherungen auf mehr als 1096 Millionen Mark.
Bei den günſtigen Sterblichkeits= und Zinsverhältniſſen
ſowie bei den niedrigen Verwaltungskoſten iſt auch das
finanzielle Ergebnis des letzten Jahres wiederum ſehr
befriedigend.
H. Frankfurt a. M., 20. Febr. ( Frucht=
marktbericht
.) Am Wochenmarkt waren einheimiſche
Brotfrüchte reichlicher vorhanden und die Preiſe zur Ab=
ſchwächung
geneigter, da die Kaufluſt ſehr geringfügig
blieb. Gut behauptet blieb Landroggen und Gerſte.
Hafer konnte bei ſtärkerem Angebot im Preiſe nachgeben.
Futtermittel weniger gefragt und kaum feſt, nur Futter=
gerſte
und Mais knapp und preishaltend. Die Forderun=
gen
für Mehl ſind unverändert, aber eher williger. Der
Mannheimer Getreidemarkt iſt ruhig und
nahezu geſchäftslos. An der Berliner Produk=
tenbörſe
war Getreide matter auf das heitere früh=
lingsmäßige
Wetter und auf die Herabſetzung der La=
plata
=Offerte um 11½ Mk. Auch das Provinzangebot
war zunehmender. Hafer niedndzer, da Lokoware und
Provinzofferten billiger und ſtärker waren.
Nach den letzten Kabelnachrichten von den ameri=
kaniſchen
Getreidemärkten (New=York und
Chicago) war Weizen anfangs nachgebend auf den Aus=
weis
der ſchwimmenden Vorräte, dann aber wieder höher
auf die Feſtigkeit der inländiſchen Produktenmärkte, ſpe=
ziell
in Minneapolis. Beſſere Nachfrage für Mehl wie
auch für Lokoware begünſtigte die beſſere Stimmung.
Mais ebenfalls nach anfänglicher Schwäche anziehend
auf die Ankündigung einer Abnahme in Illinois; nur
Maitermin ſchließlich billiger. Die ſichtbaren Weizenvor=
räte
ſind dort in dieſer Woche von 61.51 Millionen Buſh
auf 60 Millionen Buſh. zurückgegangen, hingegen die
Maisvorräte von 10.11 Millionen Buſh. auf 11.33 Mill.
Buſh. geſtiegen. In Kanada erhöhten ſich die Weizen=
vorräte
in dieſer Woche von 22.93 Millionen Buſhels auf
23.08 Millionen Buſhels.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilogramm wie
folgt: Weizen hieſiger und Wetterauer, 21.9022
Norddeutſcher 21.9022, Kurheſſiſcher 21.9022, Ruſſi=
ſcher
23.5024.50, Laplata 23.2524, Rumäniſcher 23.50
bis 24.25, Kanſas 2424.25, Redwinter 23.5024, Walla=
Walla 23.7524, Manitoba 23.5024; Roggen hieſi=
ger
2020.15, Bayeriſcher (Pfälzer) 20.1020.20, Ruſſi=
ſcher
20.7521, Amerikaniſcher , Rumäniſcher 20.50
bis 20.75; Gerſte (Pfälzer) 2223, hieſige und Wet=
terauer
2223, Fränkiſche 2223, Riedgerſte 2223,
Ungariſche . Ruſſiſche Futtergerſte : Hafer
hieſiger 2121.25, Ruſſiſcher 20.5022. Bayeriſcher 21.00
bis 21.25, Rumäniſcher 20.5021.75, Amerikaniſcher 19.25
bis 19.75; Mais mired 18.1018.25, Donaumais 18.30
bis 18.50. Ruſſiſcher 18.5018.75, Rumäniſcher 18.50 bis
18.60, Weißer Mais 18.3018.50. Laplata 18.3018.50,
Weizenſchalen 13.7514, Weizenkleie 13.5013.90, Rog=
genkleie
14.2514.50, Futtermehl 1616.50, Biertreber
getrocknet 1515.50; Weizenmehl, hieſiges (Baſis
ab Mannheim) Nr. 0 3131.25, feinere Marken 31.50 bis
31.75, Nr. 1 30.2530.50, feinere Marken 30.7531, Nr. 2
29.2529.50, feinere Marken 29.7530, Nr. 3 27.2527.50,
feinere Marken 27.7528, Nr. 4 23.5023.75. feinere Mar=
ken
2424.25; Roggenmehl, hieſiges, Nr. 0 2828.25,

Generalverſammlung des Bundes
der Landwirte.

Berlin, 19. Febr. Unter Beteiligung von über
8000 Landwirten aus allen Teilen des Reiches und zahl
reicher Reichs= und Landtagsabgeordneter der konſervativen
und freikonſervativen Partei trat heute mittag im Sport=
palaſt
der Bund der Landwirte zu ſeiner diesjähri=
gen
Generalverſammlung zuſammen. Es waren
faſt alle bekannteren Bundesführer erſchienen. Zu Beginn der
Tagesordnung wurde außer dem bereits bekannt gegebenen
Geſchäftsbericht eine Reſolution vorgelegt, in der gleich=
mäßiger
Schutz jeder nationalen Arbeit, beſonders der land=
wirtſchaftlichen
Produktion, verlangt, und weiterer Ausbau
der ſozialen und wirtſchaftlichen Fürſorge für den Mittel=
ſtand
und den Beamtenſtand, ſowie Schutz der chriſtlichen
und nationalen Arbeiterſchaft gegen ſozialdemokratiſchen
Terrorismus gefordert wird. Zur Deckung der ſtetig ſtei=
genden
Anforderungen für Heer und Flotte wird Beibehal=
tung
der indirekten Steuern und Ausbau einer beſonderen
Beſteuerung des mobilen Großkapitals gefordert, während
man von der Ausdehnung der Erbſchaftsſteuer auf Kinder
und Ehegatten nur eine Vermehrung der Zerriſſenheit der
bürgerlichen Parteien erwartet. Der Bundesvorſitzende
Dr. Röſicke (Gersdorf) hielt, mit lebhaftem Beifall em=
pfangen
, eine hochpolitiſche Begrüßungsanſprache, in der er
einen Rückblick auf den letzten Reichstagswahlkampf wirft,

in dem die Gegner des Bundes mit orientaliſchem Ge=
pränge
und mit vergifteten Waffen gegen die Rechte ins
Feld zogen. Den Hanſabund und die Liberalen bezeichnet
er als eine Trabantentruppe der Sozialdemokraten. Der
Erfolg der Wahl ſei der, daß der Libieralismus geſchlagen
ſei und die Sozialdemokratie über ihren Sieg frohlocke. Der
Reichskanzler möge die Gefahren de Sozialdemokratie
nicht unterſchätzen und ſchon ehe die Revolution da iſt,
energiſch auftreten. Bezeichnend ſei, daß gerade der Hanſa=
bund
dieſe Konſtellation herbeigeführt habe, obgleich be=
ſtimmende
Perſönlichkeiten des Bundes ſich rühmen, zur
nächſten Umgebung des Kaiſers zu gehören. Unentwegt
werde der Bund für Kaiſer und Reich eintreten. Mit einem
Hoch auf den Kaiſer ſchloß er die Begrüßungsrede.
Nach einer weiteren Anſprache, die Frhr. von
Wangenheim (Klein=Spiegel) der zweite Vor=
ſitzende
des Bundes, hielt, erſtattete der Direktor
des Bundes, Dr. Diedrich Hahn, den Geſchäfts=
bericht
. Nach Erſtattung des Kaſſenberichts durch
Kammerherrn von Blödau (Ehrenberg ergriff der
Direktor des Bundes, Dr. Diedrich Hahn, das Wort, der
zunächſt verſicherte, daß der Bund immer kräftig für den
Mittelſtand eintrete. Sozialdemokratie und mobiles Groß=
kapital
zeigen die zwei gleich bleibenden Tendenzen: Die
Sozialdemokratie ſtrebe nach Organiſation der Arbeiter=
maſſen
zur Vernichtung der bürgerlichen Geſeuſchaft, das or=
ganiſierte
Großkapital aber ſtrebe nach der Herrſchaft im alter
bürgerlichen Staat. Der Redner verteidigt dann die Hal=
tung
der Bundesführer in der Finanzreform und wirft der
Regierung vor, daß ſie die Partei, die die Finanzen des
Reiches aufgebeſſert habe, vollſtändig im Stich ließ. Wir
warnen, ſagte er, vor der Wiederaufrollung der Frage der
Erbſchaftsſteuer. Tut der Reichskanzler es dennoch, ſo ſteht
er nicht über den Parteien, ſondern ſteigt vom Zaune herab,
und wir würden das unendlich bedauern. von Olden=
burg
(Januſchau): Der letzte Wahlkampf war ein Kampf
des internationalen Judentums gegen den chriſtlich= monar=
chiſchen
Staat. Wir haben die Nationalliberalen unter=
ſtützt
, aber es war eine Dummheit. Wir werden es nur
wieder tun wenn ſich die Nationalliberalen andere Führer
ſuchen. Mit dem Freiſinn ſind wir fertig, er gehört zur
Sozialdemokrtie, up ewig ungedeelt. Die größte Verwirr=
ung
im Volke haben die Verbündeten Regierungen ange=
richtet
, die die Sozialdemokratie zu poſitiver Mitarbeit her=
anzogen
. Heraus mit den Sozialdemokraten aus den Vor=
zimmern
der Geheimräte! Eins ſteht feſt: Unſer Schlachtruf
heißt: Für Gott, König und Vaterland, für die Nation, und
unerſchütterlich lebt in uns das Bewußtſein: Dennoch ſiegſt
Du, Nazarener! Die Reſolution wurde angenommen.
Mit einem Hoch auf den Bund den Landwirte ſchloß der
Vorſitzende die Verſammlung.

Luftfahrt.

Die Abnahmefahrt des P. L. 11.
* Berlin, 20. Febr. Geſtern nachmittag um ½6 Uhr
ſtieg das Luftſchiff P. L. 11 zu ſeiner letzten Uebungs=
fahrt
vor der Uebernahme ſeitens der Heeresverwaltung
auf. Die Fahrt ſoll 16 Stunden dauern. Während der
letzten 5 Stunden ſoll eine Höhe von mindeſtens 1500 Me=
tern
innegehalten werden. Das Luftſchiff nahm den Kurs
auf Spandau. Es ſoll von Hannover nach Berlin zurück
kehren.
* Berlin, 20. Febr. Der Lenkballon P. L. 11 iſt
geſtern nachmittag 4,53 Uhr zu einer Dauerfahrt aufgeſtiegen.
Die Führung lag in den Händen von Hauptmann von
Kohler und Oberleutnant Stelling, ſowie Steuermann
Thomſon. Die aſtronomiſche Navigation leitete Herr
Wittich. Außerdem befanden ſich an Bord zwei Maſchi=
niſten
und zwei Mitglieder der Abnahmekommiſſion, darun=
ter
Hauptmann von Jena. Die Landung erfolgte
glatt heute früh 9,50 Uhr. Die Fahrt ging über die Pro=
vinz
Hannover. Das Luftſchiff hatte teilweiſe mit ſtarkem,
böigem Gegenwind von 1516 Meterſekunden zu kämpfen.
Von 12.15 Uhr an herrſchte 5 Stunden lang Regen. Von
12,15 bis 8,20 hielt ſich das Luftſchiff in einer Höhe von
10001100 Metern. Bei der Landung hatte es noch für
8 Stunden Betriebsſtoff und wäre weiter geflogen, wenn
ticht die Mannſchaft zu erſchöpft geweſen wäre. Bei der
Landung war Generalmajor v. Meſſing zugegen, der ſich ſehr
lobend über die Fahrt ausſprach. Mit dieſer Fahrt geht
das Luftſchiff in den Beſitz der Militärverwal=
tung
über. Das Luftſchiff ſoll in den nächſten Tagen die
Luftreiſe nach Königsberg i. Pr. antreten, wo es ſtatio=
niert
wird.

sr. Ein neuer Aeroplan=Weltrekord im
Fluge mit vier Paſſagieren wurde von dem Fluglehrer
der Guſtav Ottoſchen Flugſchule, A. Renzel=München,
aufgeſtellt. Er flog mit vier erwachſenen Perſonen an
Bord eines Otto=Doppeldeckers 21 Minuten 45 Sekun=
den
und verbeſſerte damit den bisher von dem Franzoſen
Buſſon gehaltenen alten Rekord von 17 Minuten 28 Se=
unden
nicht unerheblich.
sr. Ein neuer Todesſturz ereignete ſich bei
dem zur Zeit in San Franzisko ſtattfindenden Flug=
Meeting. Dort verunglückte ein deutſcher Aviatiker
amens Hoff, der anſcheinend in einen Wirbelwind ge=
raten
war und ſeine Maſchine trotz aller Anſtrengungen
nicht mehr vor dem Sturz bewahren konnte.

Sport.

sr. Ein neuer Weltrekord im Schwim=
men
über 200 Meter wurde von dem deutſchen
Meiſterſchwimmer Bretting in Magdeburg aufgeſtellt,
und zwar bei einem Schwimm=Meeting, das vom
Schwimmſportklub Hellas zum Beſten des deutſchen
Olympia=Fonds veranſtaltet wurde. Es gelang Bret=
ting
, 200 Meter in 2 Minuten 24½ Sekunden zurückzu=
legen
und damit den von dem Ungarn Zolton von Hal=
may
gleichfalls in Magdeburg im Jahre 1908 von 2:28½
aufgeſtellten Rekord um 4 Sekunden zu verbeſſern. Der
bisherige deutſche Rekord wurde ſogar um 8 Sekunden
unterboten.
sr. Im Internationalen Lawn=Tennis
Turnier zu Monte Carlo, das die Internatio=
nale
Lawn=Tennis=Saiſon an der Riviera einleitet,
wurde die Herrenmeiſterſchaft im Einzelſpiel entſchieden.
Sieger blieb Wilding, der den Franzoſen Decugis be=
reits
in der Vorſchlußrunde geſchlagen hatte, und in der
Schlußrunde auf Moore traf, den er 63, 63, 63
ſchlug. Das Dameneinzelſpiel wurde von Fräulein
Tripp im walk-ofer gewonnen. Das Herren= Doppel=
ſpiel
gewannen Decugis=Gernot gegen Freeborb= Tam=
baux
.

Faſchingsfreude in Darmſtadt.

Hoch wie ſelten gingen die Wogen des Faſchings
in unſerer Reſidenz während der drei Tage, und ganz
beſonders geſtern, am Faſtnachts=Dienstag. Das herr=
lichſte
Wetter begünſtigte das Treiben in den Straßen
und die Reſtaurants und Cafés waren wieder überfüllt.
Der Roſenmontag
brachte die ſeit Jahren beſtens eingeführte Feſtvor=
ſtellung
im närriſchen Hoftheater=Orpheum
auf Allerhöchſten Befehl Sr. Närriſchen Hoheit des Prin=
zen
Karneval. Das Orpheum trug noch den herrlichen
Blütenſchmuck von der Künſtler=Redoute Unter Blüten.
am Samstag und die das Haus füllenden Beſucher waren
meiſt in Koſtümen oder doch mindeſtens mit närriſchem
Kopfſchmuck erſchienen. Fanfarengeſchmetter zeigte das
Erſcheinen des Prinzen mit Gefolge und des närri=
ſchen
Miniſteriums an. Unter den Klängen des Narrhalla=
marſches
erfolgte der Einzug in die Mittelloge, von der
herab der Präſident der Karnevalgeſellſchaft
Narrhalla, Mar Weiner, die Schar der När=
rinnen
in pointierter Rede herzlichſt begrüßte. Dann
nahm die Vorſtellung ihren Anfang. Die Künſtlerinnen
und Künſtler des Königlichen Belvedere leiſteten
auch in dieſer Vorſtellung unter erſchwerenden Umſtänden
wieder Hervorragendes. Weder durch die ziſchenden ſchil=
lernden
Luftſchlangen, noch die fortgeſetzt krachenden
Knallerbſen uſw. ließen ſie ſich beirren. Trude Troll,
der Tanzkobold, tanzte mit unvermindert entzückender
Grazie ſich auch in die Herzen der Narrenſchar hinein,
und Maud Hawley faszinierte wieder durch ihre
Vorträge und Eleganz der Koſtüme. Maria Lee
ſchleuderte mit unverminderter Wirkung ihrem Nachbar
im Roſenkavalier den Dreckchen Ammi ins Geſicht und
blieb gleich verführeriſch als reizendes Compèrchen, und
Diana Renard von gleich vornehmer Grazie als
Commére. Elſe Clermont und Nanni Weiße tanz=
ten
im Hoſenrock, ſpielten Fußball und verkauften Mar=
queriten
, unbehindert durch das frohe Treiben, und auch
die Herren Indra Ritter, Freyberg und Bell=
mann
waren mit unvermindertem Erfolge auf dem
Plan, ſo daß die Vorſtellung auch künſtleriſch auf der
Höhe einer Feſt= und Hofvorſtellung ſtand. In der
Pauſe fand auf der Bühne großer Dekorierungsakt ſtatt.
Im Auftrage Sr. Närriſchen Hoheit des Prinzen über=
reichte
Präſident Weiner ſämtlichen Künſtlerinnen und
Künſtlern Orden am Bande und der närriſche Hoftheater=
Intendant Fink wurde in den erblichen Adelsſtand er=
hoben
, in welchem er hinfüro Fink von Finkenſtein
heißen wird.
Nach der Feſtvorſtellung ſtattete der Elferrat der
Narrhalla dem Maskenball des Veloziped=
klubs
im Kaiſerſaal einen offiziellen Beſuch ab, der mit
freudigem Hallo aufgenommen wurde. Hier herrſchte wie
immer frohes Treiben, und mit Begeiſterung gab man
ſich dem fröhlichen Mummenſchanz hin.
Zu einer der ſchönſten und vornehmſten Veranſtalt=
ungen
des Roſenmontags wurde zweifellos der Rhei=
niſche
Karneval in der Traube‟ Hier war ſchon
von 9 Uhr ab kein Stuhl mehr frei, und in fortwähren=
dem
Kommen und Gehen ſahen die feſtlich geſchmückten
Räume der Traube wohl Tauſende, die dem Genießen
der ſchönen Stunden ſich hingaben. Man dachte nicht an
die Nöte der Zeit, die politiſchen Wetterwolken, die
häuslichen Sorgen und das Elend des Alltages waren
vergeſſen. In allen Sälen wogte die frohgeſtimmte
Menge, ſogar eine Flucht von Privatzimmern im erſten
Stock mußte geräumt werden, um all den Obdach= und
Atzungheiſchenden Unterſchlupf zu gewähren. Aber trotz
des enormen Andranges verlief alles nach gutem alten
Brauche glatt und vornehm.
Auch in den übrigen Lokalen ging es hoch her. Café
Ernſt Ludwig, Oper, Schloß=Café waren
dauernd überfüllt. Hotel Heß zeichnete ſich wieder
durch einen außerordentlich ſtarken Verkehr, durch recht
buntes Faſtnachtstreiben mit Luftſchlangenſchlachten,
Tänzen uſw. aus. Wie ſelten in einem Lokale, kann hier
Faſchingsluſt üppige Blüten treiben. Im Kölniſchen
Hof war nicht minder reges Leben und das karnevali=
ſtiſche
Konzert brachte die übermütigſte Stimmung in die
tolle Karnevalswelt in den ſchön geſchmückten Räumen.
Reſtaurant Schmitz, in dem das treffliche Benno=Bier
ſo köſtlich mundet, übte nicht minder Anziehungskraft
aus. Ueberall das gleiche bunte ausgelaſſene tolle Bild,
und noch als der ehrbare Philiſter am Morgen die Stätte
ſeiner Wirkſamkeit aufſuchte, begeanete man ganzen
Scharen, die erſt jetzt den heimiſchen Penaten zuſteuerten,
um nach kurzen Stunden der Ruhe wieder hineinzutollen
in den Höhepunkt des Trubels, den
Faſtnachts=Dienstag.
Wie tags zuvor Narrentrompetenklänge und Schel=
lenklingen
von früh bis ſpät. In den Straßen wieder
ein Auf= und Niederwogen phantaſtiſch koſtümierter luſti=
ger
Männlein und Weiblein. In den Straßen häuften
ſich die bunten Konfettiblättchen, und von Bäumen und
Balkonen herab hängen luſtig flatternd die ſchillernden
Luftſchlangen. Mittags nahm das Leben in den Straßen
zu. Masken ſchließen ſich zu Gruppen zuſammen, Muſik=
banden
kamen zu Fuß und zu Wagen, andere Gruppen
und Klepper ſchließen ſich an. Phantaſtiſch geſchmückte
Autos und Wagen belebten die Straßen, in denen im Ver=
kehrszentrum
der Stadt ein ſchier beängſtigendes Ge=
dränge
herrſchte. Mehrfach ſtockte vorübergehend der
Straßenbahnverkehr.
Vor der Wohnung des Ehrenpräſidenten der Karne=
valgeſellſchaft
Narrhalla Max Anſpach auf dem Ernſt
Ludwigs=Platz und des Präſidenten Weiner auf dem
Marktplatz zählte die Menge nach Tauſenden. Die Ka=
pellen
Weber und Hauske konzertierten hier mit
ihrer ſchneidigen Schar von halb 3 bis 5 Uhr, und bei den
rauſchenden Klängen promenierten unzählige Menſchen=
mengen
auf und ab. Später erfolgte eine Rundfahrt
des Elferkomitees der Karnevalgeſellſchaft Narr=
halla
durch die Straßen der Stadt. Ueberall wurde der
Zug, dem ſich viele Wagen und Gruppen anſchloſſen, von
der Menſchenmenge lebhaft und freudigſt begrüßt. Am
Abend folgte der Große Rat wieder verſchiedenen Ein=
ladungen
.
In den Lokalen der Stadt erreichte abends das kar=
nevaliſtiſche
Treiben ſeinen Höhepunkt. Beſondere Ver=
anſtaltungen
, Konzert, Ball uſw., fanden wieder ſtatt im
Hotel Heß, im Café Ernſt Ludwig, Schloß=Café, Café
Oper, Hotel Traube, Britannia=Hotel, Kaiſerſaal, Turn=
halle
uſw. Sämtliche Lokale waren überfüllt. Im Saal=
bau
fand der übliche Faſtnachtstrubel der Karnevalgeſell=
ſchaft
Narrhalla wie immer koloſſalen Beſuch.
Vorſtellung im Hoftheater.
W-l. Auch das Hoftheater wurde, wie alljährlich,
der Faſchingsſtimmung gerecht, indem es die tolle Räder=
ſche
Poſſe Robert und Bertram zur Aufführung
brachte. Neue Geſichtspunkte laſſen ſich dieſem Stücke

[ ][  ][ ]

auch unter dem Einfluß der Karnevalsſtimmung nicht
abgewinnen; nur die mildernden Umſtände ſprechen
an dieſem Tage mehr zu ſeinen Gunſten, als ſonſt. Die
die Geſtalten der Poſſe verkörpernden Darſteller und Dar=
ſtellerinnen
ſind alte Bekannte. Das luſtige Vagabunden=
paar
Robert und Bertram wurde wieder von den Herren
Jürgas und Jordan geſpielt, die in ihren verſchie=
denen
Metamorphoſen in Geſang, Spiel und Koſtümier=
ung
gleich gelungen waren und ſtürmiſche Heiterkeit ent=
feſſelten
. Einen nicht minder großen Lacherfolg als das
doppelte J erzielte das Ipelmeyerenſemble, an der Spitze
Herr Wagner als köſtlicher Ipelmeyer, Herr Knis=
pel
als klaſſiſcher Jack und Herr Lehrmann als
famoſer Dr. Corduan. Frau Rudolph als Kommer=
zienrätin
, Herr Schneider als Bandheim und Fräulein
Uttmann als Iſidora ergänzten dies ulkige Enſemble
in beſter Weiſe.
Von den Nebenrollen ſind noch der bärbeißige Stram=
bach
des Herrn Hoff, der Michel des Herrn Bern=
hardt
, der Mehlmeyer des Herrn Semler der Wirt
des Herrn Kräger und Fräulein Wisthaler als
Frau Miller lobend zu erwähnen. Fräulein Gr ün=
berg
war eine feſche Röſel. Wenn wir uns aber recht
entſinnen, hat die Vertreterin dieſer Rolle im 2. Akte
früher ein Couplet geſungen, das fortfiel. Stilvoll und
ſchneidig waren die beiden Gendarmen der Herren Klotz
und Peterſen. Im erſten Akte mit ſeinem famoſen
Geſangspotpourri ſang Herr Sautier ſein Lied mit
wohlklingendem Organ.
Die von Frau Thiele=Leonhardt arrangier=
ten
Tänze im zweiten und dritten Akte wurden von dem
Ballettkorps und den Damen Huber und Croneberg
hübſch ausgeführt und ernteten lebhaften Beifall.
Das Publikum war in rechter Faſtnachtsſtimmung
und unterhielt ſich ſehr gut.
Heute iſt nun
Aſchermittwoch,
der dem freien Regiment des Prinzen Karneval, unter
deſſen Szepter es ſich ſo ſchön ſorglos leben ließ, ein un=
rühmlich
Ende bereitet. Die Schellenkappe, geſtern noch
ſo ſtolz erhobenen Hauptes getragen, ſie wird tief verſenkt
in den dunklen Schoß irgend einer Lade. Ihr Klingeln,
das geſtern ſo ſilberhell dem Ohre ſüße Muſik, heute macht
es nervös; es erinnert daran, daß wieder einmal die
ſchönſten Tage des Jahres, die der Freude, des Faſchings,
vorbei ſind, daß die Philiſter triumphieren.
Das heißt ganz zu Ende iſt das närriſhe Treiben
doch noch nicht. Man beginnt in unſerer Reſidenz gar
den Aſchermittwoch noch zu feiern. Im Café
Ernſt Ludwig findet eine offizielle Abſchieds=
feier
des Prinzen Karneval ſtatt. Die Feier beginnt
mit Konzert. Um 10 Uhr abends gibt der Prinz ein Feſt=
mahl
für alle Anweſenden, um mit dem Glockenſchlage
11.11 Uhr endlich zu verſchwinden, geleitet von Trauer=
klängen
der Kapelle Weber.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 20. Febr. Präſident Kaempf eröffnet
die Sitzung um 1 Uhr 20 Min. Fortſetzung der
erſten Beratung des Etats.
Abg. Dr. Seyda (Pole): Dr. Arend hat gefordert,
daß die ungerechte Polenpolitik unverändert fortgeführt
werde. Da können wir uns freuen, daß die Reichspartei
ihre politiſche Bedeutung faſt vollſtändig verloren hat.
Die Liberalen ſollten, wie der Sozialdemokratie, ſo auch
uns Polen mehr Verſtändnis entgegenbringen. Wir ver=
langen
, daß bei den Wahlen kein amtlicher Mißbrauch
der Dienſtſtellung, vor allem des Anſehens und der Ge=
walt
, geübt wird. Die Ausweiſungsbeſtimmungen wer=
den
polniſchen Arbeitern gegenüber zu ſchroff gehandhabt.
Ueberhaupt verlangen wir Ausdehnung des Arbeiter=
ſchutzes
. (Beifall bei den Polen.)
Abg. Schulz (Reichspartei): Wenn der Vorredner
ſeine Befriedigung darüber ausdrückt, daß die Reichs=
partei
, die Partei des Hakatismus, wie er ſie nannte,
geſchwächt ſei, ſo habe ich dazu zu bemerken, daß, wenn
im deutſchen Volke das Nationalgefühl verflacht iſt, dies
die Reichspartei ſchwächen mußte. Dieſe Tatſache iſt kein
gutes Zeichen für die anderen Parteien. (Bravo rechts,
Lachen links.) Abg. Dr. David (Soz.): Herr Wer=
muth
hat für die Erbſchaftsſteuer wie ein Löwe ge=
kämpft
. Der Reichskanzler hat ſich dagegen ſofort bereit=
finden
laſſen, den Erisapfel zurückzuziehen. Wir ver=
langen
angeſichts der wachſenden großen Vermögen, daß
endlich mit der Einführung der direkten Reichsſteuer vor=
gegangen
wird. Eine neue Heeres= und Marinevorlage
zu bringen, iſt gegenwärtig der ſchlechteſt gewählte Augen=
blick
. Daß die deutſch=freundliche Politik in England auch
wirklich ernſthaft gehandhabt wird, dafür werden meine
dortigen Parteifreunde ſchon ſorgen. Die Maſſen der Be=
völkerung
haben kein Intereſſe an einem eventuellen Krieg
mit Frankreich oder England, nur kleine, aber finanziell
mächtige Kreiſe wünſchen den Krieg, um daraus ihre Ge=
ſchäfte
zu machen. Gegen dieſe Panzerplattenpatrioten
Front zu machen, haben die Volksmaſſen allen Anlaß.
Der Reichskanzler hat uns in ſeiner Rede als antinational
bezeichnet. Er verwechſelte dabei international mit anti=
national
. Ein Kampf mit geiſtigen Waffen iſt uns ſtets
angenehm, wenn dieſe Waffen auch, wie der letzte Wahl=
kampf
zeigte, nicht immer von der edelſten Sorte ſind.
Bei uns gibt es keine feſten Dogmen, wie bei irgend einer
Konfeſſion oder Sekte. Wenn die Konſervativen uns
Terrorismus vorwerfen, ſo gebe ich ihnen das Wort zu=
rück
. Sie (zu den Konſervativen) wiſſen als Arbeitgeber.
ebenſo bei den Wahlen und vielen anderen Gelegenheiten
Terror anzuwenden, wie dies ja auch Graf Weſtary ver=
langt
hat, der die Sozialdemokratie mit Machtmitteln
niederſchlagen will. Die gewaltſame Revolution iſt nicht
unſer Ziel, wohl aber dringen die Konſervativen darauf
hin, und damit wollen ſie ihre Unentbehrlichkeit bewei=
ſen
. Macht man die Arbeiterbevölkerung zu gleichberech=
tigten
Bürgern, dann ſichert man den Kulturfortſchritt
und den Frieden in der Nation. Der philoſophiſche Reichs=
kanzler
verſteht alles, nur ſeine Zeit nicht. Herrn Paaſche
rief er mit ſeiner Mahnung zur Sammlung in rühren=
der
Weiſe zu: Hermann, kehre zurück, alles verziehen!
Unſere jetzige Wirtſchaftspolitik, die Teuerungsvolitik, iſt
eine Politik gegen den Mittelſtand, den Graf Weſtarp
jetzt retten will. Von Konzeſſionen will er aber nichts
wiſſen. Da war doch Fürſt Bülow ein anderer Kerl!
(Große Heiterkeit.) Als es ſich um die Wahl des erſten
Vizepräſidenten handelte, iſt eine alte Aeußerung Scheide=
manns
über das Hohenzollernhaus ausgearaben worden.
Viel ſchlimmer als dieſe Aeußerung iſt die konſervative
Preßhetze, die gegen Fürſt Bülow und den König von
Preußen ſich richtete und darauf hingeht, das gegebene
Verſprechen über die Wahlreform in Preußen nicht inne=
zuhalten
und einen Wortbruch zu begehen. Der Abgeord=

nete Mumm, der ſich zum Sprachrohr der Unterſtützung
über dieſe Aeußerung machte, ſollte an den Stöckerſchen
Scheiterhaufenbrief ſich erinnern. Der Nichtempfang des
Präſidiums beim Kaiſer ſtellt ſich als eine Preſſion gegen
den unabhängigen Reichstag als ſouveräne Körperſchaft
dar. Der Regierung muß es genügen, wenn wir bereit
ſind, mit der Regierung des Monarchen praktiſch zu arbei=
ten
, und das iſt wiederholt und einwandfrei erklärt wor=
den
. So wahr in China eine Junker=Republik errichtet
iſt, betrachten die preußiſchen Mandſchus (Heiterkeit) die
Krone als eine Schutzvorrichtung für ihre priviligierte
Stellung. Es wird aber auch für Preußen eine ähnliche
Entwicklung wie in China eintreten. Wir ſind bereit zur
poſitiven Mitarbeit an der Ausgeſtaltung unſerer Ver=
faſſung
in demokratiſierendem Sinne. (Beifall bei den
Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Schiffer (natl.): Ich
möchte zur Klärung der Vorgänge bei den Verhandlun=
gen
zur Präſidiumwahl einige Ausführungen machen
Herr Bebel muß ſich geirrt haben. Seine Aeußerungen
hatten keinen anderen Sinn, als daß ſich die Sozialdemo=
kraten
bei Behinderung des Präſidenten verpflichteten und
bereit erklärten, den Beſuch bei Hofe mitzumachen und
eventuell das Kaiſerhoch auszubringen. Dies war die
Auffaſſung ſämtlicher Teilnehmer. Um Mißverſtändniſſe
zu vermeiden, habe ich ſofort das Ergebnis dieſer Ver=
handlungen
feſtgelegt. Wenn Herr Bebel ſich vielleicht
nicht mehr der Einzelheiten erinnert, ſo erinnere ich ihn
nur an das ſcherzhafte Wort, daß er nicht dafür garantie=
ren
wolle, daß der ſozialdemokratiſche Vizepräſident bei
der Ausbringung des Kaiſerhochs keine Darmverſchlingung
bekommt. Ich muß auf der von mir gegebenen Schilde=
rung
beſtehen bleiben. Abg. Bebel (Soz.): Ich bin
einfach baff. An der ganzen Darſtellung des Herrn Schif=
fer
iſt kein einziges Wort wahr. Herr Schiffer kam erſt
am zweiten Tage in die Verhandlungen, und als er kam,
verſchwand Herr Baſſermann. Bebel gibt ſodann eine
eingehende Schilderung der Verhandlungen. Die Frage
der Hofgängerei und des Kaiſerhochs ſind für unſere Par=
tei
damals ſchon entſchieden geweſen und die Fortſchrittl
Volkspartei hat ihre Zuſtimmung dazu gegeben. Ich habe
keine feierliche Erklärung abgegeben, die ganzen Verhand=
lungen
waren überhaupt wenig feierlich. Jetzt ſagt Herr
Schiffer, ich hätte erklärt, unſere Parteigenoſſen würden
zu Hofe gehen und eventuell das Kaiſerhoch ausbringen.
Ich habe nur erklärt, daß wir nur dis offiziellen Ver=
pflichtungen
übernehmen würden. Wenn der Präſident
verhindert iſt, iſt es ſelbſtverſtändlich, daß der Vizepräſi=
dent
einſpringen muß. Von Hofgängerei iſt aber keine
Rede geweſen. Die Nationalliberalen und die Freiſinni=
gen
ſchloſſen ſich uns an. Die Nationalliberalen wollen
jetzt für einen Ausweg einen Sündenbock, und der ſoll
ich ſein. Abg. Gröber (Ztr.): Bebel täuſcht ſich, die
geſamten Teilnehmer ſtimmten ſeinen Ausführungen nicht
zu. Wir verlangen von einem Vizepräſidenten die Ueber=
nahme
aller Verpflichtungen, der geſchriebenen und der
ungeſchriebenen. Meine Erinnerung deckt ſich mit den
Ausführungen des Abg. Schiffer, daß die Sozialdemokra=
ten
auch zu Hofe gehen und eventuell das Kaiſerhoch aus=
bringen
wollten. Abg. Schiffer (natl.): Herr Gröber
hat meine Darſtellung Wort für Wort beſtätigt.
Nach meiner Anſicht iſt die Sache jetzt klargeſtellt. Wir wiſſen,
was wir von den Sozialdemokraten zu halten haben.
Abg. Junck (nat.=lib.): Ich ſtelle feſt, daß Bebel nach
meiner untrüglichen Erinnerung davon Mitteilung gemacht
hat, der ſozialdemokratiſche Vizepräſident werde bei Ver=
hinderung
des Präſidenten auch das Kaiſerhoch ausbringen.
Abg. Bebel (Soz.): Hat ſich Herr Baſſermann nicht
bereit erklärt, ſich mit meiner Erklärung zu beſcheiden und
keine weiteren Forderungen zu ſtellen? Abg. Müller=
Meiningen (Fortſchr. Volksp.): Die Lage iſt mir ſehr peinlich.
Dieſe Verhandlungen bieten ein trauriges Bild, zumal es
ſich darum handelt, die Glaubwürdigkeit eines Abgeordeten
herabzuſetzen, wobei es ſich um ein ſo hochangeſehenes Mit=
glied
wie Bebel handelt. Was Herr Gröber geſagt hat,
entſpricht den Tatſachen.
Hierauf ſchließt die erſte Leſung des Etats. Er
wird an die Budgetkommiſſion verwieſen.
Es folgen die verſchiedenen Anträge auf Aender=
ung
der Geſchäftsordnung. Ohne Debatte werden
ſie an die verſtärkte Geſchäftsordnungskommiſſion verwieſen.
Hiernach folgt die erſte Leſung der Rechnungen der afrika=
niſchen
Schutzgebiete und von Neu=Guinea, für das Jahr
1906. Nach unerheblichen Debatten gehen die Vorlagen
an die Rechnungskommiſſion. Ebenſo eine weitere Rech=
nungsſache
. Somit iſt die Tagesordnung erledigt.
Nächſte Sitzung: Mittwoch, 1 Uhr. Tagesordnung:
Interpellationen betr. Aufhebung der Futtermittelzölle und
des Kartoffelzolles. Schluß 5¼ Uhr.
* Berlin, 20. Febr. Der Seniorenkonvent
des Reichstags trat heute zuſammen, um über die Ge=
ſchäftslage
zu beraten. Heute ſoll die erſte Beratung des
Etats zu Ende gehen und ohne Debatte ſollen im Anſchluß
daran die Anträge auf Reform der Geſchäftsordnung
der Geſchäftsordnungskommiſſion überwieſen werden. Mor=
gen
und übermorgen ſoll die fortſchrittliche Interpellation
über die Aufhebung der Futtermittelzölle und über die Su=
ſpendierung
der Kartoffelzölle beraten werden. Am Freitag
ſoll der Geſetzentwurf über den Mädchenhandel, das Han=
delsvertragsproviſorium
mit der Türkei, das Staatsange=
hörigkeitsgeſetz
und das Schutztruppengeſetz auf die Tages=
ordnung
geſtellt werden. Man hofft, dieſe Vorlagen noch im
Laufe des Februar erledigen zu können. Am 1. März will
man mit der zweiten Leſung des Etats beginnen,
und zwar zunächſt mit dem Etat des Reichsamts des
Innern. Die zweite Leſung des Etats wird vorausſichtlich
den Monat März ausfüllen. Vom 28. März bis 16. April
ſollen die Oſterferien dauern.

Der engliſche Grubenſtreik.

* London, 20. Febr. Die Lage in Bezug auf
den bevorſtehenden Kohlenarbeiterſtreik iſt heute
unverändert. Die öffentliche Meinung geht dahin,
daß eine Intervention der Regierung nur noch eine Frage
von Stunden ſei. Die Militärbehörden haben die Entſen=
dung
von Infanterie und Kavallerie in den Kohlendiſtrikt
geſichert. Umfangreiche Vorkehrungen für eine Verſorgung
der Truppen für 23 Monate ſind getroffen worden. Die
Stärke der mobiliſierten Truppen ſteht im Verhältnis zu der
ernſten Lage im Kohlengebiet. Das Militär hat in erſter
Linie darauf zu achten, eine Zerſtörung der Grubenanlagen
zu verhindern. Beſondere Maßnahmen ſind in Wales ge=
troffen
, wo, wie bei früheren Streiks, Unruhen ernſter Art
zu befürchten ſind.
* London, 19. Febr. Im Unterhauſe erklärte in Be=
antwortung
der Anfrage, ob die Regierung bei dem allge=
meinen
Kohlenbergarbeiterausſtand Schritte er=
greifen
würde, um die Aufrechterhaltung des Betriebes der

gewerblichen Induſtrien und die Zurückhaltung genügender
Kohlenvorräte für die Verkehrszwecke ſicher zu ſtellen, der
Handeläminiſter, er müſſe davon Abſtand nehmen, zurzeit
über dieſe Angelegenheit und eine etwaige Stellungnahme
der Regierung dazu eine Erklärung abzugeben.
* London, 19. Febr. Der Polizeichef der Grafſchaft
Glamorgan bat um Entſendung von 3500 Mann Infan=
terie
und 500 Mann Kavallerie. Als Begründung
führte er an, die Bergleute dieſes Diſtrikts könnten, da ſie
einen Streikfonds hätten, den Streik auf friedlichem Wage
nicht erfolgreich durchführen. Es ſei deshalb notwendig,
daß er vorbereitet ſei, Ausſchreitungen und Plünderungen
im Keim zu erſticken. Die Behörden würden es nicht nur
mit den Ausſtändigen, ſondern auch mit einer zügelloſen,
durch Not zum Aeußerſten getriebenen Bevölkerung zu tun
haben.
* London, 20. Febr. Sir George Asquith hat nach
Beratung mit dem neuen im Oktober vor. Js. gegründeten
Induſtrier at (Induſtrial Council) der Regierung Bericht
ber die Lage in der Kohleninduſtrie erſtattet. In
Südwales, Durham und North=Cumberland dauern die
erhandlungen zwiſchen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
ort und man hofft, daß hier eine Einigung erzielt wird. Der
Ausführungsausſchuß der Gewerkſchaften der Transport=
arbeiter
beſchloß, in der Vorſtandsſitzung, die am nächſten
Freitag in Mancheſter ſtattfindet, einen allgemeinen Sym=
athieſtreik
zu empfehlen, ſofern der Kohlenarbeiterſtreik
ausbricht. Die Abſicht iſt, das Ausladen und die Beförder=
ung
von importierten Kohlen zu verhindern.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktton
leinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Zum Straßenbahntarif.
In der nächſten Stadtverordneten=Verſammlung ſoll
noch ein neuer Tarif für unſere Straßenbahn beraten wer=
den
. Es wird ſich in der Hauptſache darum handeln,
die Verlängerung der Straßenbahn nach dem neuen
Bahnhof tariflich in das Verkehrsnetz einzubeziehen. Wie
verlautet, ſoll ein Streckentarif in dem Sinne vorgeſchla=
gen
werden, daß für je 3 Kilometer ein Fahrpreis von
10 Pfg. zu entrichten iſt. Es ſoll damit erreicht werden,
daß der neue Hauptbahnhof in den bisheri=
gen
10 Pfennig=Tarif der Stadt einbezogen wird.
Dieſer Gedanke iſt jedenfalls zu begrüßen und
wird für alle diejenigen, die daran Teil ha=
ben
, als ein verkehrsförderndes Mittel gelten dürfen. Um
ſo weniger iſt es zu verſtehen, wie man dieſen an und
für ſich richtigen Gedanken für einen Teil der Bewohner
unſerer Stadt dadurch unwirkſam macht, daß der ſüdliche
Stadtteil, das heißt Beſſungen, ſoweit es ſüdlich der Nie=
derſtraße
liegt, von dieſer Vergünſtigung ausgeſchloſſen
werden ſoll. Beſſungen iſt durch die Bahnhofsverlegung
ohnehin ſchon in hohem Grade geſchädigt dadurch, daß
es ſeinen Bahnhof verliert. denn die weit im Felde drau=
ßen
liegende Halteſtelle Bahnhof=Süd, zu der in abſeh=
barer
Zeit keine Elektriſche führen wird und für die auch
kein Güterverkehr mehr eingerichtet wird, kann nicht im
gerinaſten als ein Erſatz für den bisberigen Bahnhof. ge=
ſchweige
denn als eine Verkehrsverbeſſerung gelten. Wenn
nun auch noch hinzukommt, daß die Bewohner Beſſungens
für die Fahrt nach und von dem Bahnhof 50 Prozent mehr
zahlen müſſen als alle anderen Bewohner der Stadt,
dann dürfte doch die Frage berechtiat ſein, was denn
die Beſſunger Bewohnerſchaft verbrochen hat, daß man
ſie zu ſolcher Extraſteuer und überhaupt zur Verſchlech=
terung
ihrer Verkehrsverhältniſſe zu verurteilen ſucht?
Man hat ſich, um einen Geſamtfortſchritt in der gan=
zen
Stadt nicht aufzuhalten. ſchließlich damit abgefunden,
eine Verteuerung des ſeitberigen Verkehrs nach dem
Schloßgartenplatz und der Taunusſtraße, die ja nun au=
ßerdem
noch eintreten ſoll, mit in den Kauf zu nehmen.
Aber das muß doch jeder rechtlich und ſozial Denkende
zugeſtehen, daß kein ſtichhaltiger Grund vorgebracht wer=
den
kann, die Bewohner Beſſungens und namentlich die
dort in großer Zahl wohnenden Arbeiter für den Ver=
kehr
nach dem Bahnhof ungünſtiger zu ſtellen, als alle an=
deren
Bewohner der Stadt. Wir hoffen beſtimmt, daß
namentlich die Stadtverordneten=Verſammlung dieſes
Unrecht nicht zulaſſe und damit zualeich verhindert wird,
daß die ſonſt unausbleibliche Verminderung der Freauenz
der Straßenbahn in derem Intereſſe ſelbſt vermieden
wird.
Viele Beſſunger.

Landwirtſchaktliches.

Saatgutmärkte. Um den Landwirten die
Möglichkeit zu geben, auf Grund von Proben ſich Saat=
gut
unſerer ertragreichſten Sorten von Gerſte, Hafer,
Sommerweizen und Kartoffeln zu beſchaffen, veranſtaltet
die Landwirtſchaftskammer eine Reihe von Saatgutmärk=
ten
. Dieſelben finden an nachbenannten Orten und
Tagen ſtatt: Nieder=Ingelheim: Donnerstag,
den 22. Februar, von vormittags 10 bis nachmittags 2
Uhr im Gaſthaus zur Krone (Beſitzer: Franz Joſ.
Maier). Sprendlingen (Rheinheſſen): Samstag,
den 24. Februar, von vormittags 10 bis nachmittags 2
Uhr im Hotel Demmer. Groß=Gerau: Mittwoch,
den 28. Februar, von vormittags 10 bis nachmittaas 2
Uhr im Reſtaurant zum Adler. Auf den Saatmärkten
werden Proben von Getreide, ſowie Kartoffeln, und
zwar aus den Saatbauſtellen der Landwirtſchaftskammer,
ausgeſtellt. Es können hierbei Beſtellungen auf das aus=
geſtellte
Saatgut von den Landwirten aufgegeben wer=
den
. Da nur von der Landwirtſchaftskammer angekörtes
Saatgut der Saatbauſtellen auf dem Markte zur Aus=
ſtellung
gelangt, werden die Landwirte auf dieſe gün=
ſtige
Gelegenheit zum Ankauf von ſortenechtem Saatgut
beſonders aufmerkſam gemacht.

Literariſches.

Geſunde Frauen, ärztlich=literariſche Be=
ſprechung
des Klimakteriums von Dr. Fiſcher= Dückel=
mann
(Heſperus=Verlag, G. m. b. H., Berlin SW. 68),
geh. 2 Mk., geb. 3 Mk. Eine der ſympathiſchſten, inhalt=
vollſten
, klügſten und beherzigenswerteſten Schriften, die
in Hinſicht auf das Michaélisſche Buch Das gefährliche
Alter entſtanden ſind, iſt das Buch der berühmten Aerz=
tin
Dr. A. Fiſcher=Dückelmann. Ihr iſt die Kritik des
Michaélisſchen Werkes nicht Selbſtzweck, ſondern nur
Ausgangspunkt. Beſonders dieſer zweite Teil des Buchs
iſt ſo wertvoll, ſo unmittelbar ins praktiſche Leben hinein=
greifend
, daß man jeder Frau dieſe Schrift in die Hand
drücken möchte.
Harrar, Die Kette. (Hans Sachs=Verlag in
München.) Die vorliegenden Gedichte ſind ſchon rein in=
haltlich
nach zwei Seiten bemerkenswert, haben wir es
doch mit einer Art Kulturgeſchichte des Weibes und ſeines
Liebeslebens einerſeits und das iſt bei einem ſolchen

[ ][  ][ ]

Stoff bewunoernswert mit auch ſormal ganz aus=
erleſener
Lyrik zu tun. Die Kette iſt das Buch eines
künſtleriſch reifen und zielbewußten Menſchen, und wir
können die Verfaſſerin ſchon heute getroſt in die erſten
Reihen ihrer dichtenden Genoſſinnen ſtellen.

Die Revolution in China.

* Peking, 19. Febr. Ein heute veröffentlichtes
Manifeſt kündigt an, daß China die europäiſche
Zeitrechnung annehmen und 1912 das erſte Jahr der
Republik ſein wird.
Juanſchikai bereitet die Mitteilung vor, durch die
den Mächten ſeine Wahl zum Präſidenten notifiziert und
die Anerkennung der Republik erbeten wird. Es
iſt unwahrſcheinlich, daß die Veröffentlichung noch vor der
Ernennung des Kabinetts ſtattfinden wird.
* Charbin, 19. Febr. Die Revolutionäre,
welche von Fudsjadjan Beſitz zu ergreifen verſuchten, haben
ſich als Pſeudorepublikaner erwieſen, die unter dem Vor=
wande
der Einführung einer Volksregierung Krongelder
an ſich reißen wollten. Eine Abteilung chineſiſcher Truppen
umzingelte das Regierungsgebäude in Fudsjadjan zwecks
Verhaftung der Rebellen. Letztere weigerten ſich, ſich zu er=
geben
, und verwundeten zwei Soldaten. Sechs Rebellen
wurden getötet, 30 Rebellen wurden verhaftet und zum
Tode verurteilt.
e London, 20. Febr. Die Times melden aus Tokio
vom 19. ds.: Mit Rückſicht auf den formellen Proteſt
Jabans ziehen ſich die chineſiſchen Truppen, ſo=
wohl
reguläre wie republikaniſche, aus der neutralen Zone
der Mandſchurei zurück.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Bremen, 20. Febr. Zu der aus Waſhington mit=
geteilten
angeblichen Entſcheidung des Oberſten Gerichts=
hofes
, daß der Norddeutſche Lloyd die Einwan=
derungsgeſetze
dadurch verletzt habe, daß er die Auswan=
derer
im Falle der Ausſchließung von der Landung
zwinge, die Rückreiſe ſelbſt zu bezahlen, teilt der Nord=
deutſche
Lloyd mit, er könne zur Zeit nicht ermeſſen, wor=
auf
ſich das Urteil gründe. Er ſei ſich jedenfalls keiner
Handlung bewußt, die gegen die amerikaniſchen Einwan=
derungsbeſtimmungen
verſtoße. Werde in einem ameri=
kaniſchen
Hafen ein Auswanderer von der Landung aus=
geſchloſſen
, ſo erfolge die freie Rückbeförderung.
* Wien, 20. Febr. Wie die Wiener Zeitung meldet,
enthob der Kaiſer den Sektionschef im Miniſterium
des Aeußern Grafen Eſterhazy ſeiner Bitte gemäß
von ſeinem Poſten und ſtellte ihn unter Verleihung des
Titels und Charakters eines außerordentlichen bevoll=
mächtigten
Botſchafters zur Dispoſition.
London, 20. Febr. Aus Ottawa wird gemeldet: Zwi=
ſchen
der Regierung von Kanada und einer Anzahl
von engliſchen Kapitaliſten ſind Verhandlun=
gen
im Gange zwecks Gründung einer neuen Dampfer=
linie
zwiſchen Halifax und Großbritannien, deren Schiffe
24 Knoten in der Stunde laufen ſollen. Hinter der Ge=
ſellſchaft
ſollen die Canadian=Pacific=, die Grandtrunks=
und Canadian=Northern=Eiſenbahnen, ſowie die Allan=
linie
ſtehen. Es iſt vorgeſchlagen worden, zunächſt 30
Millionen Dollars aufzuwenden zum Bau von ſechs
Schiffen, die im Kriegsfalle in Kreuzer umgewandelt
werden können. Die kanadiſche Regierung wendet dem
Konzern eine jährliche Subvention zu, vorausſichtlich vier
Millionen Dollars.
Konſtantinopel, 19. Febr. Der Sultan ſtiftete
den Witwen und Waiſen der im Kriege von Tri=
polis
gefallenen Offiziere und Soldaten 3000 Pfund. Es
verlautet, der frühere Arbeitsminiſter Haladſchian, Jung=
türke
, übernimmt das Portefeuille des Finanzminiſters.
Der jetzige Finanzminiſter Nail Bey tritt aus Geſund=
heitsrückſichten
zurück.
* Meriko, 20. Febr. In Cuernawaca fand ein großer
Kampf ſtatt. Die Regierungstruppen, von ſtarker Ar=
tillerie
unterſtützt, ſchlugen die Zapatiſten, deren Verluſte
unbekannt ſind. Auch bei Torrcon wurden die Rebellen
geſchlagen und hatten 57 Tote.

Brüſſel, 20. Febr. In der Diamant=Avenue iſt
geſtern ein im Bau befindliches Wohnhaus einge=
ſtürzt
. Von zehn verſchütteten Arbeitern wurden zwei
als Leichen, drei ſchwer verletzt hervorgezogen.
Mons (Belgien), 20. Febr. Die Unterſuchung, die
über zwei verſuchte Zugentgleiſungen auf der Strecke
Brüſſel-Paris eingeleitet wurde, hat ergeben, daß die
Anſchläge von einer Anzahl von Kindern verübt
worden ſind. Sie gaben im Verhör an, daß ſie gerne
Zeugen einer Zugentgleiſung geworden wären.
Verona, 20. Febr. Ein Maurer, der bei dem
Brunnenbau verſchüttet worden war, iſt nach 85ſtündiger
Arbeit mit Hilfe von Pionieren halb erfroren her=
vorgezogen
.
H. B. London, 20. Febr. Der hieſige Korreſpondent
des Journal de Geneve meldet ſeinem Blatte aus an=
geſehener
diplomatiſcher Quelle, daß die engliſche Re=
gierung
bereits der franzöſiſchen Mitteilung über die
erſten Ergebniſſe der Beſprechungen, die in
London und Berlin ſtattgefunden haben, gemacht
hat. Der Wert des Erzielten kann jedoch nur gering be=
meſſen
werden. Die beiden Regierungen haben bisher
nur Hypotheſen ins Auge geſaßt. Die Beſprechungen
über ein afrikaniſches Ablommen haben nur untergeord=
neie
Punkte berührt. Was die Flottenrüſtungen betriſt,
ſo ſind bisher nur beruhigende Erklärungen ausgetauſcht
worden, Richt einmal eine zeitweilige Einſchränkung der
Rüſtungen ſei ins Auge gefaßt worden. Beſonders über
den letzteren Punkt haben die Unterhandlungen nur ein
ganz geringes Ergebnis gezeitigt. Auf alle Fälle ver=
ſichert
England, ſeinen eingegangenen Bündniſſen treu
zu bleiben.
H. B. Sofia, 20. Febr. Der Vertrag zwiſchen Bul=
garien
und Rußland betreffend Zahlung der durch die
Beſetzung Oſtrumeliens entſtandenen Koſten iſt heute
unterzeichnet worden. Die Schuld, die 10 680 000 Rubel
in Papier beträgt, wird in zwei Annuitäten beglichen

werden. Die Vorlage wird der Sobrane zur Genchmig=
ung
unterbreitet werden.

Amtlicher Weiterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Die weſtliche Depreſſion iſt nordoſtwärts vor=
gedrungen
und liegt heute mit ihrem Kern über der
Nordſee. Von Nordoſten her rückt ein neues Hoch vor,
das dem Tief den Weg verſperrt. Wir werden morgen
in den Bereich nordweſtlicher Winde kommen, die Ab=
kühlung
bringen werden.
Ausſichten in Heſſen für Mitt woch, den 21. Febr.;
Wolkig, meiſt trocken, etwas kälter.

Für Matte und Schwache,
beſonders nach ſtarken Blutverluſten, Operationen,
Entbindungen iſt Bioſon das Beſte!
Teile hierdurch mit, daß ich Vioſon voriges Jahr ge=
trunken
habe. Ich war eigentlich nicht krank geweſen, ich
wollte mich nur nach einer Entbindung kräftigen. Gleich
den Tag nach der Entbindung fing ich an, Bioſon regel=
mäßig
zu trinken und ich habe mich damit wirklich ſo ge=
kräftigt
, daß ich nach ein paar Tagen ſo geſund und friſch
ausgeſehen habe, daß ſich ſogar die Hebamme gewundert
hat. Ich habe nur ein Päckchen verbraucht. Vorigen
Monat hat ſich mein Mann ſehr matt und elend gefühlt
und habe ich auch ihm gleich Bioſon geholt und bereitet.
Bis heute, alſo in einem Monat, ſind 2 Pakete verbraucht
und werde ich heute noch das dritte holen. Es ſchmeckt
ihm ſehr gut und er hat ſich bereits ſo erholt, daß er
bedeutend beſſer ausſieht: auch ſein Huſten hat nach=
geſaſſen
. Ich habe das Bioſon auf Empfehlung meiner
Schweſter gekauſt, der es auch gute Dienſte geleiſtet hat.
Gleiwitz, 30. Juni 1911. Frau Marta Mayer,
Moltkeſtraße 31. Unterſchrift bezlaubigt: Theodor
Schwartz, Notar. Bioſon, das beſte u. billigſte Nähr=
u
. Kräftigungsmittel ſeiner Art, Doſe (ca. ½ Kilo) 3 Mk.
in Apotheken, Drogerien. Verlangen Sie vom Bioſonwerk
Frankfurt (Main) Gratisprobe und Broſchüre. (43250

TEliek-Ukufe
Unbckaerdlfofst
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Bildhauer, Vertreter der Wies-
;: badener Gssellschaft
Darmstadt, Karistrasse 94
Ständiges Lager von Grabdenk-
mälern
, Medellen u. Skizzen in
jeder Preislage.

B1433

Die Ratsherrnbrüderſchaft
erlaubt ſich hiermit auf die Anſchaffung ihres neuen
Leichenwagens aufmerkſam zu machen. Der Wagen
bietet in ſeiner ernſten und würdigen Erſcheinung
(50a
Gewähr für eine pietätvolle Beſtattung.
Beſondere Beſtellungen hierzu nehmen entgegen:
Wagenverwalter Lorenz. Woogsplatz 5, Tel. Nr. 211.
Wagenführer Ernſt Büchler, Nieder=Ramſtädterſtr. 56,
Tel. Nr. 1073.

Unterrichtsweſen.

Der Fortſchritt der modernen Technik hat auch auf
dem Gebiete des höheren techniſchen Unterrichtsweſens eine
Arbeitsteilung nötig gemacht. Wer ſich zum Diplom=
ingenieur
und Doktoringenieur ausbilden will und die
Maturität einer Oberrealſchule oder eines Realgym=
naſiums
beſitzt, geht zur techniſchen Hochſchule. Wer
nicht beabſichtigt, in den höheren techniſchen Staatsdienſt
einzutreten und nur Abiturient einer Realſchule oder
wenigſtens im Beſitze der Einjährigen=Berechtigung iſt,
erwirbt ſich das Patent als akademiſcher Ingenteur am
Städtiſchen Friedrichs=Polytechnikum zu
Cöthen=Anhalt. Dieſe alademiſche Lehranſtalt
nimmt eine Mittelſtellung zwiſchen techniſcher Hochſchule
und Technikum ein. Der Studiengang umfaßt 7 Semeſter.
Es ſind 10 verſchiedene Stndienabteilungen vorhanden.

Aus dem Geſchäftsleben.

Fiſchſuppe. Die bei den Fiſchgerichten entfernten
Fiſchköpfe und Gräten werden mit Waſſer, ein wenig
Salz. ½ Lorbeerblatt, 1 Zwiebel und einigen Gewürz=
körnern
aufs Feuer gebracht und etwa ½ Stunden
ausgekocht. Dann macht man eine helle Mehlſchwitze,
füllt dieſe mit der durchgeſeihten Fiſchbrühe auf, löſt
darin 23 Maggis Bouillon=Würfel auf und läßt nun
gut durchkochen. Vor dem Anrichten ſchmeckt man die
Suppe nach Salz ab und bindet ſie mit einem Eigelb.
Sehr verfeinert wird die Suppe, wenn man ihr noch
2 Eßlöffel geriebenen Käſe, etwas gehackte Peterſilie und
810 Tropfen Maggis Würze hinzufügt.

Dankſagung.
Für die überaus zahlreichen Beweiſe herz=
licher
Teilnahme bei dem uns betroffenen herben
Verluſte ſagen wir Allen unſern innigſten Dank.
Ebenſo Dank Herrn Pfarrer Vogel für ſeine tief=
empfundene
Grabrede und der Liedertafel für
den erhebenden Geſang.
(4385
Karl Storck u. Söhne.
Darmſtadt, am 21. Februar 1912.

Todes-Anzeige.
(Statt beſonderer Mitteilung.)
Verwandten, Freunden und Bekannten die
traurige Mitteilung, daß geſtern abend 10 Uhr
nach kurzen, in großer Geduld ertragenen Lei=
den
, im 64. Lebensjahre, meine gute Frau,
unſere unvergeßliche Mutter, Großmutter,
Schweſter, Schwiegermutter, Schwägerin und
Tante
(4358
Margaretha Schwindt
geb. Mütz
ſanft verſchieden iſt.
Im Namen der Hinterbliebenen:
L. Schwindt.
Darmſtadt, Berlin, Beuel, Hamburg,
Münſter a. St., Theodorshalle, Oberemmel,
den 20. Februar 1912.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 22. Fe=
bruar
, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehauſe
Soderſtraße 112 p. aus, ſtatt.
Von Beileidsbeſuchen bitten wir abſehen zu
wollen.
Die feierlichen Exequien finden Samstag, den
24. Februar, vormittags 9 Uhr, in der St. Lud=
wigskirche
ſtatt.

Statt beſonderer Anzeige.
Allen Freunden und Bekannten die ſchmerz=
liche
Nachricht, daß es Gott dem Allmächtigen
gefallen hat, unſer innigſtgeliebtes Söhnchen
Fritz.
im 4. Lebensjahre nach kurzem, ſchwerem Lei=
den
zu ſich in die Ewigkeit abzurufen.
In tiefſtem Leid:
Karl Huwerth und Frau,
Roßdörferſtraße 21.
Darmſtadt, den 20. Februar 1912.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 22. Fe=
bruar
, nachmittags 4 Uhr, vom Portale des
Darmſtädter Friedhofes aus, ſtatt. (4393

een

Großh. Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Ab. A): Zar
und Zimmermann.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Kurſus über Armenpflege ꝛc.: Vorträge von Reg.=
Aſſeſſor Kröll um 4/ Uhr und von Dr. meck. Vir um
5¼ Uhr im Saalbau
Vortrag von Profeſſor Schwarz um 8 Uhr in der
Eliſabethenkirche.
Karneval=Abſchiedsfeier um 9 Uhr im Café
Ernſt Ludwig.
Heiterer Abend um 7.59 Uhr im Reſt. Zum Freiſchütze.
Konzert um 4 Uhr auf der Ludwigshöhe.
Konzert um 6 Uhr im Kölniſchen Hof.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um ½ 8 Uhr im Reſtaurant Metropol
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein=
u
. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½11 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 411 Uhr.
Olympia=Kinematograph Rheinſtraße 2.
Bilder vom Tage. (Auslage Rheinſtraße 23): Das
zweite Präſidium des Reichstages; Freiherr von Hert=
ling
, der neue bayeriſche Miniſterpräſident; die Schaf=
fermahlzeit
im Hauſe Seefahrt in Bremen; Tote der
Woche.

Verſteigerungskalender.

Donnerstag, 22. Februar.
Waffen= ꝛc. Verſteigerung um 11 Uhr in der
Ludwigshalle‟.
Nutzholz=Verſteigerung um 9 Uhr in der Turn=
halle
am Woogsplatz.
Holzverſteigerung um 9 Uhr im Darmſtädter Hof
zu Griesheim.
Stammholz=Verſteigerung um 10 Uhr im Gaſt=
haus
Zur Krone zu Groß=Gerau.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerek.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.

nach Pilsner Art B
nach Münchner Art
Hell Export Guug
e Koimtd Tateiliers aen
Ranner Druu in Flaschen und Syphons.
2453a

[ ][  ][ ]

Olympia

DARM-

SSTäDT

Mene Mittwoch, 21. Febr.
Aschermittwoch
u. folgende Tage
nur noch bis inkl. 29 Febr.:

Lichtspiel-Theater
Rheinstrasse 2, Seitenbau, 1. Etage
Panikſicherſtes Lichtſpiel=Theater am Platze, durch
ſeine nach den neueſten baupolizeilichen Vorſchriften
geſchaffenen 7 Ausgängen, wovon 6 direkt ins
Freie; feuerſicherſtes, durch Benützung des Appa=
rates
gegen Filmbrand, durch welchen die Schärfe
des Bildes nicht im Geringſten geſchädigt wird, wo=
von
ſich die Beſucher ſelbſt überzeugen können u.ſwerden.
Im Programm vom 21. bis einſchl. 23. d. Mts. ſei
beſonders auf den hervorrag. Kunſtfilm hingewieſen:

Gastspiel d. Ensemble
vom Königl. Belvedere,
Dresden. (VI4389

So leben wir..I
Aktuelle Revue in 12 Bildern
v. Dr. Rich. Hirsch u. Harry Waldau

GRAFENSTR-12EcKE RHEINSTR-
Grösste u. beste Projektionsfläche am Platze
4X3 Mtr. in Aluminium.
Erstklass., flimmerfreie, scharfe Projektion.
Erstkl. Programm
vom 19. bis inkl. 24. Februar 1912
bringen wir ein ganz vortrefflich gelungenes Werk,
welches gewiſſermaßen den Stil Shakeſpeares ins
Moderne übertragend, den Ernſt der Tragödie mit dem
grotesken Satirſpiel glücklich vereint, betitelt:

Die Irrfahrten
Odysseus

Ermäßigter Vorverkauf wis bekinnt.
Num. Parkett bei Hugo de Waal
Rheinstraße. 12.

Täglich frische

nach der Dichtung des Homer
Vorführungsdauer ca. 1½ Stunden.

Mainzer (4364a
obere Bleichstr. 13. Telefon 1265.

Dieſer Film iſt das Vollkommenſte, das man in der
kinematographiſchen Wiedergabe dem Publikum dar=
zuſtellen
verſtanden hat; die Wiedererweckung eines
der bedeutendſten Stücke altgriechiſcher Kultur; ein
Kunſtwerk zum Studium und zur Unterhaltung,
eine Schöpfung, die nicht nur vorübergehenden Wert
haben, ſondern ein Dokument kinematographiſcher
(4375
Kunſt darſtellen ſoll.

ut erh. Kinder-Sitz- und
( Liegewagen, ſchw. Gehrock
mit Weſte für ſtarke Figur zu
verkaufen Rhönring 91, Mſ. (*4120

Schlager
Schlager
oder die Tochter der Lumpensammler.
Nach dem berühmten Drama von Anicet Bourgois
und Ferdinand Dugué, geſpielt von den beſten
Kräften der Pariser Bühnen.
Sehenswert.
Vorführungsdauer ¾ Stunden.
Schlager. Das Testament schlager.
ergreifende Tragödie eines jungen unbemittelten Arztes.
Der Dank des Löwen
ein ſenſationelles Tierdrama.
Schlager ersten Ranges.
Schlager ersten Ranges.
Alle bis jetzt gezeigten größeren Tierdramen, wie: Unter
den Klauen der Löwen, Den Leoparden entronnen
Die Löwen des Tyrannen u. dergl., weit hinter ſich
laſſend. Ueberall, wo gezeigt, grösste Sensation erregend!
Max und Jeanne wollen Schauspieler werden
Komödie, geſpielt von dem ſo beliebten Max Linder
und Fräulein Renouard.
Tontolini als Erfinder, originelle Humoreske.
Christian Gepäckträger aus Liebe. Humor.
Gymnastische Uebungen der Kriegsschule
zu Karlsburg.
Durch die alten Städte Deutschlands
herrliche Naturaufnahme.
Beſonders empfehlenswertes großartiges
Senſationsprogramm.
(*4152

Großherzogl. Hoftheater
Mittwoch, 21. Februar.
120. Abonnem.=Vorſtellung. A 31.
Zar und Zimmermann.
Komiſche Oper in 3 Akten
von A. Lortzing.
Perſonen:
Peter I., Zar von
Rußland . . . Hr. Semper
Peter Iwanow,
ein Ruſſe . . Hr. Bernhardt
van Bett, Bürger=
meiſter
von Sar=
Hr. Haff
dam .
Marie, ſ. Nichte .
General Lefort . Hr. Kräger
Lord Syndham . Hr. Stephani
Marquis von
Chateauneuf . . Hr. Becker
Witwe Brown,
Zimmermeiſterin Fr. Rudolf
Ein Offizier . . Hr. Herrmann
Ein Ratsdiener Hr. Fleiſchmann
*
Marie . Frl. Kath. Jüttner,
vom Stadttheater in Metz, a. G.
Nach dem 1. Akte längere Pauſe.
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Proſzeniumsloge 5 Mk., Fremden=
loge
5 Mk., Balkonloge 4.50 Mk.,
1. Rang 4 Mk., 2. Rang: 16.
Reihe 2 Mk., 7. u. 8. Reihe 1.60 Mk.
Sperrſitz: 1.13. Reihe 3.50 Mk.,
14.20. Reihe 3 Mk., Parterre:
1.5. Reihe 2.20 Mk., 6.8. Reihe
1.80 Mk., 1. Galerie 1 Mk., 2. Ga=
lerie
50 Pfg.
Anfang 7 Uhr. Ende 10 Uhr.
Kartenverk. 111 u. von 6 Uhr an.
Vorverkauf
von 111 Uhr f. d. Vorſtellungen
Donnerstag, 22. Febr. 121. A.=V.
B 31. Der Freiſchütz. Aenn=
chen
Frl. Jüttner, a. G. Kleine
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Freitag, 23. Febr. 122. Ab.=V.
C 30. Zum erſten Male wieder=
holt
: Das Tänzchen. Gr.
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Samstag, 24. Febr. Außer Ab.
Vorſtell. zu ermäßigten Preiſen:
Glaube und Heimat. An=
fang
7½ Uhr. (Vergl. beſ. Anz.)
Die Hoftheaterhauptkaſſe iſt an
allen Wochentagen, vormittags
von 1012½ Uhr, geöffnet.

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Suppe
Es ladet freundlichſt ein
4107) G. Scheller

Wer übernimmt den

Programm
zu dem am Mittwoch, den
21. Februar, von 121 Uhr mit=
tags
vor dem Neuen Palais ſtatt=
findenden
Konzert der Kapelle
des Großh. Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61.
1. Mandy‟=Novelette, Two Step
von T. W. Thurban. 2. Ouver=
ture
zum Singſpiel Berlin, wie
es weint und lacht von A. Conradi.
3. Im Chambre separée‟ Lied
aus Der Opernball von Heu=
berger
. 4. La Zigane‟, Zigeuner=
Mazurka von L. Ganne. 5. Kind,
du kannſt tanzen Walzer aus der
Operette Die geſchiedene Frau
von Leo Fall. 6. a) Laßt uns
das Leben genießen, Marſch von
L. Simon; b) Auf zur Ludwigs=
höhe‟
, Marſch von M. Weber.

Schiffsbericht.
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York nach dem Orient, 17. Fe=
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5 Uhr 15 Min. nachmittags von
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Einen Lenrling
ſucht Gg. Koch, Tapezier,
Riedeſelſtraße 48.
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mit Berechtigung zum einj.=freiw.
Dienſt in die kaufmänniſche Lehre
geſucht. Schriftl. Offert. erbeten.
Auguſt Jacobi,
4330ms) Landwehrſtr 70.
Ein Küferlehrling
ſucht J. Schanz, Küfermeiſter,
Teichhausſtraße 40. (4340a
Lehrjunge geſucht. Bäcker=
meiſter
Friedrich Vöglein.
Zwingenberg (Heſſen). (*4147
Auf dem kaufmänniſchen Büro
einer hieſ. Fabrik der Eiſenbranche
iſt eine
(4392md
Lehrlingsstelle
mit einem jungen Mann, der die
Berechtigung zum einſ. freiwillig.
Militärdienſt hat, gegen ſofortige
Vergüt. zu beſetzen. Selbſtgeſchr.
Off. alsbald erb. u. K 84 a. d. Ean,

[ ][  ][ ]

Sport.

Pfr. Wettbewerb deutſcher Halbblut=
pferde
in Berlin. Der 1. Tag des vom Reichsverband
für deutſches Halbblut veranſtalteten Wettbewerbs deutſcher
Pferde geſtaltete ſich am Sonntag zu einem vollen Erfolg.
Man bemerkte u. a. Oberlandſtallmeiſter von Oettingen,
den Landwirtſchaftsminiſter Freiherrn v. Schorlemer, ſo=
wie
General Graf Roeder, den Kommandierenden der
erſten Garde=Kavallerie=Brigade. Die große Material=
Prüfung ſah 42 Pferde am Start. Als Sieger aus der
Konkurrenz ging Leutnant der Reſerve v. Guſtedt auf
ſeiner hannoverſchen Fuchsſtute Sportsmann hervor.
Zweiter wurde Fräulein v. Bornuths Karo und Dritter
Generalmajor v. Hertzbergs Brillant. Am Ermunterungs=
Jagdſpringen nahmen 54 Konkurrenten teil. Es mußte
dann auch zwiſchen zehn Pferden abgeſtochen werden.
Den erſten Preis erhielt Oberſtleutn. Dumraths Gauner
gegen Freiherrn v. Buddenbrocks Sieglinde. Dritter
wurde Regierungsaſſeſſor R. Burgers Panſchi. Das
Damenreiten wurde von ſieben Teilnehmerinnen beſtrit=
ten
. Frau von Krieger auf Leutn. v. Boxbergs Land=
ſtreicher
ſiegte gegen Frau Seiffert, die Oberſtleutnant
Freiherrn v. d. Borchs Moltke ritt. Als Dritter plazierte
ſich Fräulein Unger auf Leutn. von Hohberg und Buch=
walds
Panther. Um die deutſche Armee=Dreſſur=Prüfung
bewarben ſich 17 Teilnehmer. Leutn. F. v. Zobeltitz
(2. Garde=Ulanen=Regiment) ſiegte auf Froben, einem
Pferde ſeines Regiments, gegen Fama, die Leutn. von
Heyden, vom 2. Garde=Dragoner=Regiment, ſteuerte. Drit=
ter
wurde Oberleutn. von Dresky (6. Küraſſier=Regt.)
auf Nelſon. Das Gruppenſpringen zu dreien gewann
die Gruppe des Militär=Reitinſtituts zu Hannover. Um
den zweiten Preis mußte das erſte Garde=Dragoner=Regt.
mit der Gruppe der Königlichen Kriegsakademie ſtechen.
Die erſten Garde=Dragoner erhielten den zweiten Preis
gegen die Akademiker zugeſprochen.
* St. Moritz (Schweiz), 18. Febr. Mochten auch
die Renntage gewiſſermaßen das ganze Intereſſe des
Sportplatzes abſorbieren, ſo ſind doch die Ereigniſſe
deshalb nicht ſtille geſtanden und programmgemäß ward
auf den anderen Sportanlagen an der Erledigung der
geſtellten Aufgaben gearbeitet. Auf den Rennbahnen des
Creſta= und Bobsleigh=Run ſpielten ſich die
Wettkämpfe um die verſchiedenen Cups und Medaillen
fleißig ab, wobei auch ſo vornehme Gäſte wie der deut=
ſche
Kronprinz, der bekanntlich ſchon ſeit längerer
Zeit im Creſta Palace in Celerina mit ſeiner Familie
weilt, aktiv ſich beteiligten. Er iſt ein kühner Bobfahrer
und tritt mit ſeinem Bob Roter Adler mit den Cham=
pionen
der Bahn in die Schranken. Zum Skeleton hat er
noch nicht gegriffen, die Eiskehle des Creſta=Run über=
läßt
er anderen. Da kämpften nun die Meiſter des Fachs,
ein Bott und ein Thoma, um die verſchiedenſten koſtbaren
Trophäen dieſer Tage, ſo um den Curzon Cup, und nur
das Wetter ſiſtierte die Entſcheidung auf günſtigere Zei=
ten
. Auf den Eisplätzen vollzogen ſich die verſchiedenen
Eislauffeſte, an welchen die Koryphäen dieſer
ſchönen Kunſt ſich beteiligten und die Tauſende von Zu=
ſchauern
erfreuten. In den Hotels ſind die großen
Feſte en vogue. So fand im Grand Hotel außer einem
ſtark beſuchten Fancy Dreß noch ein großartiges Blu=
menfeſt
ſtatt, wozu von Nizza eine Rieſenmenge Mar=
gueriten
beſchafft worden war. Im Kulm Hotel und im
Palace Hotel rivaliſierten die geſellſchaftlichen Anläſſe
mit dieſem Feſte und boten ebenfalls glänzende Schau=
ſpiele
von Reichtum und Schönheit. Das Feſt der Kaiſer=
feier
im Grand Hotel wies über dreihundert Gedecke auf
und geſtaltete ſich überaus ſchön. Auf dem Rigi ſind
die Schneeverhältniſſe äußerſt günſtig. Ueber die Faſt=
nachtstage
ſind verſchiedene Skiausflüge und Picknicks
geplant, während in den Hotels die Abende mit koſtü=
mierten
Bällen und Konzerten ausgefüllt werden.

sr. Die Weltmeiſterſchaft im Paarlaufen
auf dem Eiſe, die am erſten Tage des Weltmeiſter=
ſchaftsmeetings
von Mancheſter entſchieden wurde,
gewann das engliſche Ehepaar Johnſon knapp vor
dem deutſchen Kunſtläuferpaar Herrn und Frau Jacobſon
(geb. Eilers). Das Ehepaar Brynn=Kriſtiania belegte
den dritten Platz.

Landwirtſchaftliches.

Kurzer Getreide=Wochenbericht
der Preisberichtſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrates
vom 13. bis 19. Februar.
Angeſichts des milden Wetters und der Ausſicht auf
baldige Beilegung des Eiſenbahnerſtreiks in Argentinien
bekundete der Getreidehandel überwiegend matte Haltung.
Die Weltverſchiffungen zeigten in der Berichtswoche etwas
größeren Umfang, und mit der Wiederkehr geordneter Ver=
hältniſſe
am La Plata rechnet man auf eine weitere Zunahme
des Weltexports und damit allmählich auf eine reichlichere
Verſorgung, wenn auch die nächſten Wochen noch kleine
Zufuhren bringen werden. Bezüglich der Winterſaaten hört
man aus einigen Gebieten Deutſchlands Klagen über Win=
kerſchäden
und ſchwachen Stand, doch nahm der Handel
keinen Bezug darauf, zumal die Provinz wieder als Abgeber
für Herbſtlieferung auftrat. Auch in Amerika ſchien man
der günſtigen Beurteilung des Cincinnati Price Current
mehr Beachtung zu ſchenken als den Klagen eines anderen
Fachblattes. Dagegen befürchtet man, daß der häufige
Wechſel zwiſchen Tauwetter und ſtarkem Froſt bei fehlender
Schneedecke in Rußland nicht ohne nachteilige Folgen bleiben
dürfte. Die Forderungen für ausländiſchen Weizen waren
im allgemeinen ermäßigt. In Deutſchland trug neben
der ſchwächeren Haltung des Auslandes die Schwierigkeit
des Mehlabſatzes dazu bei, die Unternehmungsluſt einzu=
ſchränken
, zumal auch der Export mit Anſchaffungen zurück=
hielt
, und wenn andererſeits das Angebot keineswegs dring=
lich
war, ſo zeigte ſich bei der milden Witterung hier und
dort mehr Neigung zu Verkäufen. Im Lieferungsgeſchäft
verlor Weizen infolgedeſſen 4½4½ Mark, Roggen 2¾
bezw. 2½, per September 2 Mark. Beſonders fühlbar machte
ſich der Einfluß der milden Witterung bei Futtergetreide.
Das Haferangebot vom Inlande iſt zwar keineswegs reich=
lich
, aber die Kaufluſt war außerordentlich ſchwach, ſo daß
die Preiſe weiter nachgeben mußten. Auch die ruſſiſchen
und argentiniſchen Forderungen waren leicht ermäßigt, und
im Zuſammenhange damit erfuhren auch die Lieferungs=
preiſe
eine Abſchwächung von ca. 2 Mark. Unter der all=
gemeinen
Unluſt hatte auch Gerſte zu leiden, die ſich 23
Mark billiger ſtellte, obwohl Rußland nur ſpärlich offeriert.
Die Forderungen für Mais aller Art wurden ſeit der letz=
ten
Woche um 34 Mark herabgeſetzt. Es ſtellten ſich
die Preiſe für inländiſches Getreide am letzten Markttage
wie folgt:

Weizen
Roggen
Hafer
Königsberg. .207 (2 ) 180 (
190 (
.205 (
185 (12
Danzig
192
Stettin
209 ( 2 ) 186 (
196 (
Poſen
.205 ( 1 ) 183
192
.205 (
Breslau
183
192 (
Berlin
.211½ (
190½ (
208
Magdeburg .208
188
209
.210
Halle
212
191
.206
Leipzig
190
216
.208
Dresden
186
208 (
.209
Roſtock
189
200 (
218
Hamburg
202
218 (
Hannover . . 208
197
215 (
Düſſeldorf . . 217
197
204
215
Köln
196
200
Frankfurt a. M. 220
201½
213
Mannheim . . 225
202½
212½
Straßburg . .227½ ( 21
210
215
München . 230 (
213
215 (

Weltmarktpreiſe Weizen: Berlin Mai 214,50 ( 4,25)
Peſt April 200,40 ( 2,25), Liverpool März 177 (),
Paris Febr. 219,30 (0,40), Chicago Mai 154,70 ( 4,80),
Roggen: Berlin Mai 193,50 ( 2,75). Hafer: Berlin
Mai 191,50 (2,00). Futtergerſte cif. Hamburg Febr.
154 ( 3,25), März 153,50 (2,00), Mais Mixed Febr.=
März 134 (4,00), Odeſſa ſchwim. 133 (3), Donau
ſchwim. 134 (4), La Plata Mai=Juni 117 ( 4) Mk.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.

Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
3 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 11. Februar: Dem Kaufmann Robert
Dörr, Sandſtraße 34, ein S., Robert Georg Heinrich. Am
12.: Dem Heizer Rudolf Mann, Schuknechtſtr. 55, ein S.,
Rudolf. Am 10.: Dem Kaſſierer Alfred Gans, Landwehr=
ſtraße
47, eine T., Käthe Emma Erna. Am 16.: Dem Fuhr=
mann
Karl Zimmer, Neugaſſe 1, eine T., Helene Marie.
Am 14.: Dem Lohnkutſcher Johannes Fiſcher, Niederram=
ſtädterſtraße
27, ein S., Arthur. Am 12.: Dem Kaufmann
Heinrich Klappich, Helfmannſtraße 4, ein S., Georg.
Am 15.: Dem Schaffner bei der Staatsbahn Franz Held,
Feldbergſtraße 75, ein S., Peter Ludwig. Am 18.: Dem
Schloſſer Karl Abel, Kiesſtraße 21, eine T., Margarete
Mathilde Marie. Am 15.: Dem Geſchäftsführer Alwin
May, Karlſtraße 10, eine T., Ludmilla.
Aufgebote. Am 17. Februar: Der Arbeiter Wilhelm
Karl Bremſer, Höchſt a. M., und Wilhelmine Salziger,
Wiesbaden. Am 19.: Der Friſeur Ludwig Brunner,
Ahaſtraße 24, und Anna Katharina Margaretha Ludwig,
Aliceſtraße 37. Der Verlademeiſter Albert Heinrich Michel,
Wendelſtadtſtraße 30, und Friederike Schönbein, Blumen=
thalſtraße
38. Der Glaſer Jakob Creter, Sandbergſtr. 15,
und Anna Gerhard, Langgaſſe 31.
Eheſchließungen. Am 17. Februar: Bäcker Faver=
Hummel mit Eliſabetha von der Schmitt, beide hier.
Bäcker und Konditor Joſef Krug, mit Babette Kirchner,
beide hier. Maſchinentechniker Ludwig Werkmann, mit
Marie Lerch, beide hier. Diener Heinrich Holſchuh, mit
Köchin Magdalena Dapper, beide hier. Fahrburſche Adam
Göbel, mit Margareta Koch, beide hier. Former Jo=
hannes
Lehr, mit Hildegard Gaiſer, beide hier. Gr.
Finanzaſſeſſor Karl Bock in Jugenheim, mit Lucie Fol=
mer
in Wald=Michelbach. Vizefeldwebel Heinrich Nohe
hier, mit Hilda Brecht in Heddesheim. Maurer, z. Z.
Dragoner, Franz Gingerich hier, mit Margareta Arnold
in Unter=Hambach. Fuhrmann Adam Ruhmann mit
Büglerin Marianne Hill, beide hier. Sergeant Emil
Erdmann, mit Marie Fiſcher, beide hier. Kaufmann
Karl Facius in Frankfurt a. M., mit Frieda Schnell,
hier.
Geſtorbend. Am 15. Februar: Freifrau Mathilde
von Lehmann, geb. Willich, genannt von Pöllnitz, Witwe
des Oberförſters i. P., 78 J., ev., Neckarſtr. 16. Am 16.:
Marie Ober geb. Friſchmann, Witwe des Fabrikanten,
83 J., ev., Liebigſtraße 14. Karl Jährling, S. d. Kol=
porteurs
, 4 Mon., ev., Neue Ireneſtraße 4. Julie Stamm,
geb. Eſch, Ehefrau des Kirchenrats, 59 J., ev., Nieder= Ram=
ſtädterſtraße
53. Dorothea Storck, geb. Ritzel, Ehefrau
des Weißbindermeiſters, 52 J., ev., Stiftſtraße 56. Am 17.:
Dorothea Poth, geb. Göckel, Witwe des Obſthändlers,
62 J., ev., Moosbergſtraße 48. Am 16.: Kath. Müller,
geb. Fiſcher, Witwer des Fabrikarbeiters, 39 J., ev., Ober=
Ramſtadt. Am 18.: Schneider Ph. Friedrich Herm. Hart=
nann
, 47 J. ev., Schulſtraße 13. Tapezierer Friedrich
Wilhelm Dechert, 18 J., ev., Sandbergſtr. 16. Am 19.:
Gärtnerlehrling Friedrich Karl Hermann Jordan, 17J.,
ev., Wixhauſen. Amalie Wilke, geb. Hug, Witwe des
Hofſchauſpielers, 70 J., ev., Wendelſtadtſtraße 42.

(Schutzmarke Schwan)
ist billig, bequem, sparsam,

(4326ff)

Heute

Aschermittwoch
grosser Massen-Fisch-Verkauf auf dem Marktplatz
gew. Stockſiſch, 1 Pfund 25 Pfg., Backſchellfiſch 1 Pfund 18 Pfg.,
lebend friſch: Schellfiſch, Kabliau, Silber=Lachs, uſw.
I. V. Georg Schmidt, Nordsee-Fischhalle
Städt. Fiſch=Verkaufsſtelle unter ſtädt. Kontrolle. (4383
NB. Bitte genau auf Nordſee=Fiſchhalle achten. 1. Stand. Ein=
gang
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zu vermieten. Nähere Auskunft durck, die Firma Herz
Hachenburger Sohn, Rheinſtraße 1, Telephon 339,
ſowie durch das Immobilienbureau von Julius Kahn,
Telephon Nr. 135.
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nommen
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Geſchäfts=Eröffnung.
Einem verehrlichen Publikum von hier und Umgebung, ſowie
werten Freunden und Gönnern hiermit zur gefl. Kenntnisnahme,
daß ich mit dem Heutigen im Hauſe
8 Lauteſchlägerſtraße 8
eine
Fleischhackerei mit elektrischem Betrieh
errichtet habe und halte mich bei Bedarf beſtens empfohlen. Es
wird mein Beſtreben ſein, meine Auftraggeber in jeder Weiſe zu=
frieden
zu ſtellen.
(*4159.
Darmſtadt, 20. Februar 1912
Heist.

[ ][  ][ ]

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Gefunden: 1 ſchwarzes Handtäſchchen mit Portemonnaie mit
Inhalt. 1 gold. Broſche mit Granaten und dreireihiger Perlenkette.
1 weißes Taſchentuch mit einem Geldſtück. 2 mittelgroße Schlüſſel
(zuſammengebunden), 1 ſchwarzes Spitzentuch. 1 Paar grau und
grün geſtrickte wollene Handſchuhe. 1 grauer Hut. 1 Stück Nickel=
uhrkette
mit Anhänger. 1 weißes Taſchentuch, gez. H. S. 1 brauner
Glacéhandſchuh. 1 Fahrrad=Schelle. 1 Portemonnaie mit einigen
Pfennigen und 1 Schlüſſel. 1 Türdrücker. 1 Damenſchirm mit ge=
bogenem
Griff (die Spitze des Griffs ſtellt einen Schwanenkopf dar).
1 ſchwarzes Portemonnaie mit Inhalt. 1 gold. Armband. (4353
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde. In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher. Die Hunde können von den Eigentümern
bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der
nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags
um 10 Uhr, ſtatt.
(4356

Brviſton v. Mielwohnungen, Schlaſtellen u. Feuerſtätten.

Die auf Grund der unten abgedruckten Geſetzesvorſchrift vor=
zunehmende
Reviſion von Mietwohnungen und Schlafſtellen findet
z. Zt. im VI. Polizei=Revier ſtatt. Hierbei werden auch die Feuer=
ſtätten
beſichtigt.
Darmſtadt, den 2. Februar 1912.
(3349mmm
Großherzogliche Bürgermeiſterei (Baupolizei).
Mueller.
Artikel 1 des Geſetzes,
betreffend die polizeiliche Beaufſichtigung von Mietwohnungen.
Die Geſundheitsbeamten des Staates und die Ortspolizei=
behörden
, ſowie die von letzteren Beauftragten ſind befugt, die zum
Vermieten beſtimmten Wohnungen und Schlafſtellen einer Unter=
ſuchung
in der Richtung zu unterwerfen, ob aus deren Benutzung
zum Wohnen oder Schlafen Nachteile für die Geſundheit oder Sitt=
lichkeit
nicht zu beſorgen ſind. Gleiche Befugnis ſteht den genannten
Organen bezüglich der Schlafräume zu, welche von Arbeitgebern
ihren Arbeitern (Lehrlingen, Geſellen, Gehilfen, Dienſtboten uſw.)
zugewieſen werden.


Oeffentliche Impfung.

Mittwoch, den 21. Februar und die folgenden Mittwoche,
ſolange Bedürfnis, von nachmittags 3 Uhr ab unentgeltliche Impf=
termine
im Schulhaus in der Rundeturmſtraße für im Vorjahr
impfpflichtige, bis jetzt noch nicht geimpfte Kinder.
Angeordnete Wiederimpfungen werden in dieſen Terminen
ebenfalls vorgenommen.
Nachſchau jeweils 8 Tage ſpäter, bei Meidung der geſetz=
lichen
Strafe.
Nachſtehende Verhaltungsvorſchriften werden zur Beachtung
bekannt gegeben.
1. Aus einem Hauſe, in welchem anſteckende Krankheiten, wie
Scharlach, Maſern, Diphtherie, Krup, Keuchhuſten, Fleck=
typhus
, roſenartige Entzündungen oder die natürlichen Pocken
herrſchen, dürfen die Impflinge zum allgemeinen Termine
nicht gebracht werden.
2. Die Eltern des Impflings oder deren Vertreter haben dem
Impfarzte vor der Ausführung der Impfung über frühere
oder noch beſtehende Krankheiten des Kindes Mitteilung
zu machen.
8. Die Kinder müſſen zum Impftermin mit rein gewaſchenem
Körper und mit reinen Kleidern gebracht werden.
Darmſtadt, den 17. Februar 1912.
(4280a
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Schmitt.

ie Arbeiten bei Pflaſterung der Querſtraße bis zur ſüdlichen Lager=
ſtraße
auf dem Truppenübungsplatz Darmſtadt und die Chauſ=
ſierung
bei Erweiterung der Munitions=Magazin=Anlagen des
Artillerie=Depots zu Darmſtadt ſollen je zu einem Los verdungen
werden, und zwar:
Los I die Plaſterarbeiten auf dem Truppenübungsplatz,
II die Chauſſierungsarbeiten für das Artilleriedepot hier.
Die Bedingungen und Zeichnungen liegen im Baubureau
Riedeſelſtraße 60, II. während der Dienſtſtunden vormittags von 8½
bis 12½ und nachmittags von 3 bis 6 Uhr offen und können daſelbſt
die Verdingungsunterlagen zum Preiſe von 0,50 Mk. für Los I und
0,40 Mk. für Los II gegen poſt= und beſtellgeldfreie Einſendung be=
zogen
werden.
Die ausgefüllten Angebote nebſt den vorgeſchriebenen Proben
ſind verſiegelt und mit entſprechender Aufſchrift verſehen bis zum
27. Februar 1912, vormittags 10 Uhr, an vorgenanntes Bau=
bureau
poſt= und beſtellgeldfrei einzuſenden, zu welchem Zeitpunkt die
Eröffnung erfolgt.
Die Zuſchlagsfriſt beträgt 28 Tage.
(B4382
Militär=Bauamt.

Lieferung von Betriebsmaterialien.

Die Lieferung der für das Etatsjahr 1912 erforderlichen Betriebs=
materialien
ſoll in öffentlicher Verdingung in folgenden Loſen ver=
geben
werden:
Bindfaden
15500 kg Packkordel
Los I
Siſal
1260
Plombenſchnur
Los II 12000 Stück Dauerbrand=(Harz) Fackeln
Los III 110000 kg gew. Holzkohlen
Los IV 223000 Stück Lampenzylinder.
Die Verdingungsunterlagen können bei unſerem Zentralbureau
(Zimmer 51 unſeres Verwaltungsgebäudes) eingeſehen oder gegen
gebührenfreie Einſendung von 50 Pfg. in bar (nicht Briefmarken)
für jedes einzelne Los bezogen werden.
Die Eröffnung der Angebote findet am Donnerstag, den
7. März 1912, 10½ Uhr vormittags, im Zimmer 72 unſeres Ver=
waltungsgebäudes
ſtatt.
Die Angebote ſind bis zu dieſer Zeit verſiegelt und mit der
Aufſchrift: Angebot auf Lieferung von Betriebsmaterialien Los
Nr. * verſehen, porto= und beſtellgeldfrei an uns einzuſenden.
(J4390
Die Zuſchlagsfriſt endet am 21. März 1912.
Mainz, den 17. Februar 1912.
Königlich Preußiſche und Großherzogl. Heſſiſche Eiſenbahndirektion.


Iolzsverkeigerdng.

Donnerstag, 29. d. Mts., von vormittags 9 Uhr an
werden in dem oberen Lokale der Turnhalle dahier (Woogsplatz 5
aus Domanialwalddiſtrikt Böllenfalltor (Kirchſchlag), ſowie dem
Philippshoſpitalwalddiſtrikt, Grabenſtück, verſteigert:
Nutzſcheiter (1,75 m lang, ungeſpalten) rm: 6 Kiefern;unt. K 15 an die Exp. (*3925sm
Scheiter rm: 351 Buchen, 33 Eichen, 1 Birken, 25 Kiefern;
Knüppel rm: 229 Buchen, 27 Eichen, 8 Birken, 1 Pappeln, ſich. Perſ. erh. Darl., ev. in 24 St.
26 Kiefern; Reiſig Wellen: 7035 Buchen, 270 Eichen,
165 Birken, 20 Pappeln, 280 Kiefern, 15 Fichten; Stöcke
rm: 46 Buchen, 1 Eichen, 1 Kiefern, 2 Lärchen, 1 Fichten;
Stöcke (fein) rm: 8 Buchen.
Kaufliebhaber werden erſucht, das Holz vor der Verſteigerung
einzuſehen. Der Großh. Forſtwart Klipſtein zu Forſthaus Böllen=
falltor
wird dasſelbe auf Verlangen vorzeigen. Das Holz mit blau
unterſtrichenen Nummern wird nicht zur Verſteigerung kommen.
(4354
Darmſtadt, 19. Februar 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Beſſungen.
Heinemann.

Bekanntmachung.

(Stadtwald.)
Die Brennholz=Verſteigerung
Nr. 12 vom 19. d. Mts. iſt geneh=
migt
. Die Ueberweiſung des Hol=
zes
und der erſte Abfuhrtag wer=
den
auf Mittwoch, den 28. Febr.,
feſtgeſetzt.
Darmſtadt, 20. Februar 1912.
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann. (4333

Vergebung von Bürſten=
waren
und Handtüchern.

Die Lieferung von
2000 Stück Borſtenbeſen,
700 Borſtenſchrubbern,
1000 Wurzelſchrubbern,
1500
Scheuerbürſten,
Wurzelbürſten,
500
Abortbürſten,
200
125 Ofenbürſten,
50 Polſterbürſten,
2000 Handfegern,
ferner
900 Stück weißleinenen Hand=
tüchern
und
3000 grauleinenen Hand=
tüchern

ſoll öffentlich vergeben werden.
Die Lieferungen haben im Laufe
des Etatsjahres 1912 (1. 4. 12 bis
31. 3. 13) je nach Bedarf, inner=
halb
4 Wochen nach jedesmaliger
Beſtellung, zu erfolgen.
Lieferungs=Bedingungen nebſt
Angebotsbogen ſind getrennt für
die Bürſten= und Webwaren für
je 50 Pfg. bei unſerem Zentral=
bureau
zu haben. Beim Bezug
durch die Poſt ſind die Beträge
in bar nicht in Briefmarken
portofrei einzuſenden. (J4391
Die Angebote ſind uns bis zum
6. März, 10 Uhr vormittags,
zu überſenden.
Zuſchlagsfriſt 14 Tage.
Mainz, den 14. Februar 1912.
Königlich Preuß. und Großh.
Heſſ. Eiſenbahndirektion.

Das früher
Riedmatter’ſche Gaſt=
wirtſchaftsanweſen

in der Sommerfriſche Traiſa
bei Darmſtadt, Station der
Odenwaldbahn, ca. 30 Min.
von der Halteſtelle Böllen=
falltor
der Darmſtädter elek=
triſchen
Straßenbahn entfernt,
beſtehend aus zweiſtöckigem,
unterkellertem, maſſiven Haus
mit geräumigen Reſtaura=
tionslokalitäten
, Sälen, Frem=
denzimmern
, großer Stallung
und anderen Seitengebäulich=
keiten
, Grabgarten, ſowie
großen ſchattigen Reſtaura=
tionsgarten
, zuſam. 2256qm,
ortsgerichtlich taxiert zu
Mk. 45000. ferner einige
Feld= und Wieſengrundſtücke
daſelbſt, werden (4119a
Donnerstag, 29. Februar
1912, nachmittags 43 Uhr,
auf dem Rathauſe in Traiſa
durch das unterzeichnete Ge=
richt
zwangsweiſe verſteigert.
Die Erteilung des Zu=
ſchlags
iſt nicht davon ab=
hängig
, daß die Taxe erreicht
wird. Auskunft erteilt das
Großherzogliche Ortsgericht
Traiſa.
Großherzogliches Amtsgericht
Darmſtadt II.

Auf nur prima II. Stelle
leihe ſelbſt ſofort Kapital aus.
Offerten, auch von Agenten, aber
nur mit ganz ausführl. Angaben
erb. u. J 64 an die Exv. (4019a

II. Hypothek
von 9 bis 10000 Mk
unter 75. pCt. d. o. Taxe ſucht
pünktlicher Zinszahler von Selbſt=
geber
. Hypothek kann zediert werd.
Off. u. H 24 a. d. Exped. (3662a
oder Mk. 17000,
Mk. 12000 75 oder 80% der
ortsgerichtlichen Taxe, werden auf
la Haus, von nachweislich pünkt=
lichem
Zinszahler, geſucht. Gefl.
Angebote erbitte unter E 78 an
die Expedition ds. Blattes. (2883a

Hypoth., auf gut.
3000 Mk. Obiekt geſucht. Näh.

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ohne Bürgſch. Viele hunderte erhielt.
bereits. Keine Auskunftsgebühr!
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Castner, Berlin-Weidmannslnst. (*4115ms
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ratenw. Rückzahl., ev. ohne Bürg.
*4144) Gg. Nau, Hügelstr. 32, p.
Sprechz. nur vorm. von 111 Uhr.

Verſteigerungs=Anzeige.

Freitag, den 23. Februar l. J., vorm. 9 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungslokal
Ludwigshalle, Obergaſſe 12
aus einem Nachlaß folgende Gegenſtände:
1 Sofa mit 2 Seſſel mit grünem Plüſchbezug, 1 Chaiſe=
longue
, 1 Sofa, 6 Stühle mit rotem Plüſchbezug, 1 Herren=
Schreibtiſch, 1 Büfett, 1 Vertiko, 1 Ausziehtiſch, 1 Spiel=
tiſch
, 2 Etageren, 1 Nähtiſch, 1 Regulator, 1 Standuhr,
1 Pianino, nußb. pol., verſchied. Kleiderſchränke, 1 kompl.
Bett, 1 Waſchkommode und Nachttiſch mit Marmorplatte,
verſchied. Spiegel, Bilder und kleine Möbel, Porzellan und
Glas u. a. m., 3 noch ſehr gut erhaltene Gaslüſter;
ferner 1 kompl. Schlafzimmer=Einrichtung, 2 Bettſtellen
mit Patentmatratzen, 2 Wollmatratzen, 2 Deckbetten und
4 Kiſſen, 1 Vertiko, 4 Stühle, 1 Tiſch mit 2 Schubladen,
1 kompl. Küchen=Einrichtung.
Es kommen ferner zum Ausgebot:
1 Partie Pelz=Garnituren für Damen und
Kinder, ſowie einzelne Muffe u. Kolliers uſw.
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare
Zahlung ſtatt.
Darmſtadt, den 21. Februar 1912.
(4357md
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator,
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.

Verſteigerungs-Anzeige.

Mittwoch, den 21. Februar I. Js., nachm. 3 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungslokal Zur Ludwigshalle dahier
(Obergaſſe) öffentlich zwangsweiſe gegen Barzahlung:
1 Partie Schnittwaren, ſowie Hausmobilien durch alle
Rubriken u. a. m., und
Donnerstag, 22. Februar I. Js., vorm. 11 Uhr,
daſelbſt auf Anordnung Großh. Amtsgerichts Darmſtadt I:
2 Spazierſtöcke, 1 Gewehr, 4 Revolver, 2 Brownings,
1 Schlagring, 2 Meſſer, ſowie eine Partie Patronen.
Darmſtadt, den 20. Februar 1912.
(4386
Kapp, Großh. Gerichtsvollzieher,
Friedrichſtraße 24, I.

Rüghoh=Berſteigerung ea. 15.

(Stadtwald.)
Freitag, den 23. Februar I. Js., morgens 9 Uhr,
werden im Saale der hieſigen Turngemeinde, Woogsplatz 5,
174,64 fm Nutzholz verſteigert, und zwar:
I. Aus der Forſtwartei Beſſunger Laubwald (Förſter Lehr)
Abt. 1 und 2 (Dieterſchlag), Abt. 31 und 32 (Dachsberg):
Eichen=Stämme 1 Stück III. Kl. 0,83 fm
IV. 2,64
11
V. 3,88
13 VI. = 21,98
Buchen
3 II. 5,38
19
III. 17,82
40
IV. 22,49
3 V. 1,03
Lärchen
, V. 3,28
Fichten
V. 1,59
Eichen=Stangen 3
I. 0,20
II. 0,18
Fichten
115
I. 8,37
261
I. 6,73.
=Reisſtangen 95
II.
0,55
II. Aus den Forſtwarteien Städtiſche Tanne (Forſtwart Ahl=
heim
) Abt. 4, 16 und verſchiedene, ſowie aus Beſſunger Tanne
(Forſtwart Geriſch) Abt. 33, 41, 43, 47 und andere:
Kiefern=Stämme 2 Stück I. Kl. 5,55 fm
12,03
II.
46,49
59 III.
3,62
Sämtliches Holz iſt an gut fahrbare Wege gerückt. Unter=
ſtrichene
Nummern werden nicht verſteigert. Nummernverzeichniſſe
ſind bei den obengenannten Forſtwarten zu haben. In den beiden
Tannen finden keine weiteren Verſteigerungen mehr ſtatt.
Darmſtadt, den 8. Februar 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.
(3925dm

Holzverſteigerung.

Mittwoch, den 28. Februar, vormittags ½9 Uhr,
werden in der Brücher’ſchen Wirtſchaft zu Arheilgen verſteigert:
I. Aus Forſtwartei Faſanerie aus Diſtrikt Tiergarten 21 das
Durchforſtungsholz und aus Rothſuhl, Oberwald und Tier=
gaxten
das Dürr= und Windfallholz (Nr. 938 bis 1209):
Scheiter, rm: 124 Buchen I. Kl., 119 Buchen II. Kl., 1 Hain=
buche
, 17 Eichen, 12 Birken, 8 Erlen, 0,9 Linden, 3 Kiefern,
24 Fichten; Knüppel, rm: 84 Buchen, 1 Hainbuche, 14 Eichen,
10 Birken, 1 Erle, 1 Linde, 5 Kiefern, 9 Fichten; Knüppel=
Reiſig, rm: 6 Birken; Reiſig, Wellen: 2140 Buchen,
20 Linden; Stöcke, rm: 69 Buchen, 4 Birken, 2 Erlen,
2 Linden, 2 Kiefern.
II. Aus Forſtwartei Kalkofen von dem Abtrieb im Licht=
ſchlag
19 (Höllſchneiſe):
Scheiter, rm: 82 Buchen I. Kl., 70 Buchen II. Kl., 6 Hain=
buchen
, 17 Eichen, 2 Birken, 6 Erlen; Knüppel, rm:
76 Buchen, 4 Hainbuchen, 10 Eichen, 1 Birke, 3 Erlen;
Reiſig, Wellen: 3800 Buchen.
Blau unterſtrichene Nummern werden nicht verſteigert. Aus=
kunft
erteilen Forſtwart Schmidt zu Faſanerie und Förſter Loeſch
zu Kalkofen, beides Poſt Darmſtadt.
Darmſtadt, den 20. Februar 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Kranichſtein.
van der Hoop.
(4374

Letzte Stammholz=Verſteigerung.

Montag, den 26. Februar 1912,
von vormittags 9 Uhr an, werden aus hieſigem Gemeindewald,
Diſtrikt Klingsackertanne, an Ort und Stelle
313 Stück Kiefernſtämme von 1754 cm Durchm. u. 215m Länge
an die Meiſtbietenden verſteigert.
Zuſammenkunft an der Bach= und Jägerſchneiſe.
Pfungſtadt, den 15. Februar 1912.
(4117sm
Großh. Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
Lang.

[ ][  ][ ]

Mamm= und Nüßhhor=Serſteigerungen.

1. Freitag, den 23. Februar I. J., vorm. 9 Uhr
anfangend, werden im Gundernhäuſer Gemeindewald öffentlich ver=
ſteigert
:
9 St. Fichten=Stämme IV. Klaſſe 9,13 fm, 330 St. Fichten=
Stämme V. Klaſſe 83,93 fm, 9 St. Lärchen=Stämm
2,63 fm, 1228 St. Fichten=Derbſtangen 54,81fm, 945 St.
Fichten=Reisſtangen 10,56 fm.
Die Zuſammenkunft iſt auf dem Meſſeler Weg am Eingang
des Waldes.
2. Dienstag, den 27. Februar I. J., vorm. 9 Uhr
anfangend, werden im Gundernhäuſer Gemeindewald öffentlich ver=
ſteigert
:
2 St. Fichten=Stämme III. Klaſſe 3,15 fm, 16 St. Fichten
Stämme IV. Klaſſe 16,11 fm, 313 St. Fichten=Stämme
V. Klaſſe 106,04 fm, 6 St. Lärchen=Stämme 3,06 fm,
1017 St. Fichten=Derbſtangen 43,35 fm, 5 St. Lärchen=
Derbſtangen 0,30fm, 1450 St. Fichten=Reisſtangen =6,34fm.
Die Zuſammenkunft iſt auf der Herrnwieſenſchneiſe am Pflanz=
garten
.
Gundernhauſen, den 17. Februar 1912.
(4272im
Großh. Bürgermeiſterei Gundernhauſen.
Schütz.

Brenn= und Stammholz=Verſteigerung.

Montag, den 26. Februar, vormittags 9 Uhr,
werden im Darmſtädter Hof zu Weiterſtadt aus dem Gemeinde=
wald
=Diſtrikt Täubcheshöhl verſteigert:
212 rm Kiefern=Scheiter, 240 rm Kiefern=Knüppel, 10000
Kiefern=Wellen, 175 rm Kiefern=Stöcke, 7 rm Schweineſtall=
Legner.
An demſelben Tage, nachmittags 3 Uhr,
an der Abtriebsfläche Diſtrikt Täubcheshöhl, oberhalb des Merck’ſchen
Waſſerwerks:
34 Stämme mit 23,87 km Inhalt, ausgeſuchtes Schnittholz.
Weiterſtadt, 19. Februar 1912.
(4291im
Großherzogliche Bürgermeiſterei.
Becker.

Stamm=, Stangen= u. Brennholz=Verſteigerung.

Freitag, den 23. Februar, vormittags ½10 Uhr
anfangend, werden im Gemeindewald Ober=Ramſtadt, Diſtrikt Katzen=
wald
, an Ort und Stelle verſteigert:
4 Lärchenſtämme 1,44 cbm, 27 Fichtenſtämme 5,79 cbm,
97 Fichten=Derbſtangen 8,18 cbm, 11rm Buche= u. 31 Kiefern=
Scheiter, 33 rm Buche=, 12 Eiche=, 55 Kiefern= u. 16 Fichten=
Knüppel, 530 Stück Fichten=Wellen, 2 rm Buche=, 2 Kiefern=
und 5 Fichten=Stöcke.
Bemerkt wird, daß das Bau=Nutzholz am Anfang verſteigert wird.
Zuſammenkunft am Diſtrikt Katzenwald auf dem Vizinalweg
Nieder=Ramſtadt-Nieder=Modau.
Ober=Ramſtadt, den 14. Februar 1912.
(4311
Großherzogliche Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
Rückert.

Hessische Handeis Hehranstatt
Rheinstr. 6, II.
Darmstadt
Fernspr. 923.
I. Einjährige Handelsschule mit vollem Tagesunterricht.
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Dora Plattner.
Roman von Ernſt Clauſen.
(Nach druk verboten.)
12)

Der Huſarenleutnant war nicht dumm, meinte Lühr=
ſen
bitter, vielleicht braucht er jetzt das Geld vom Schwie=
gervater
.
Ach ja, man kommt auf ſolche ſchlimmen Gedanken.
Wiſſen Sie, was er mir riet? Ich ſoll Halligboſtel
verkaufen
Da trat ſie dicht vor ihn an den Schreibtiſch.
Verkaufen, Halligboſtel verkaufen ? Das iſt ja ganz
unmöglich! Das tun Sie doch nicht, denn dann wäre es
beſſer geweſen, Sie hätten es damals gleich getan, ehe Sie
ſo viel Arbeit und Geld hineinſteckten.
Lührſen war es, als höbe jemand mit an der Laſt
und ſie ſei nur noch halb ſo ſchwer! Das ſagte ich ihm
auch. Aber ich muß Geld ſchaffen und weiß nicht, woher
nehmen, ohne zu ſtehlen.
Iſt’s viel, Herr Lührſen ?
Wie man es nimmt! Wenn mir jemand gegen an=
ſtändige
Zinſen fünftauſend Mark auf den Tiſch legte,
könnte ich es zur Not machen
Und deshalb ſollten Sie verkaufen?
Ja, deshalb!
Da wandte ſie ſich langſam ab und begann ihre Arbeit
wieder; langſam, ohne Haſt, zerſtreut wiſchte ſie dieſelbe

Stelle am Bücherregal mehrere Male. So kam ſie dicht
an die Tür, ſo weit weg von ihm wie möglich.
Ich wollte nur ſagen, Herr Lührſen, es iſt ja nur ein
ſo dummer Gedanke, aber ich habe das kleine Erbe von
der Schweſter meines Vaters, es ſind ſogar ſechstauſend
Mark, und und
Lührſen ſtand langſam auf, und Dora nahm den Tür=
griff
in die Hand. Nun war’s heraus, ſie hatte es nicht
laſſen können, er tat ihr leid.
Und, Fräulein Plattner, und wenn ich zunächſt
keine wirkliche Garantie geben könnte?
Wieſo Garantie, ich verſtehe davon gar nichts, Herr
Lührſen. Ich brauche kaum die Zinſen, denn ich habe ja
mein Gehalt hier bei Ihnen, und geſund bin ich auch, und
übrigens, der Doktor Dänhardt könnte Ihnen doch auch
etwas leihen. Er renommiert ja immer, daß er hier Kapi=
taliſt
würde, weil er kein Geld ausgeben könnte.
Nun war Lührſen bei ihr. Geben Sie mir mal Ihre
Hand, Fräulein Dora!
Die andere Tür des Zimmers ging leiſe auf, aber
Frau Lilli zog ſie wieder zu bis auf einen kleinen Spalt,
als ſie die beiden Hand in Hand ſtehen ſah, die nichts ge=
merkt
hatten.
Ja, Fräulein Dora, die Hand, die ich hier halte, eine
gepflegte Damenhand iſt es nicht. Sogar etwas hart, hart
von der Arbeit hier in Halligboſtel und letzten Endes von
der Arbeit in meinem Dienſt, für mich und den Jungen.

Haben Sie Dank, tauſend Dank, ſchon für die freundliche
Abſicht.
Sie war feuerrot geworden und zog die Hand haſtig
aus ſeiner. Machen Sie doch nicht ſo viel Weſens davon,
Herr Lührſen.
Sie ging ſchnell hinaus. Er blickte eine Weile ihr nach,
warf dann den Kopf auf, nahm ſeine Jagdmütze vom Nagel
neben der Tür und ging ebenfalls hinaus, indem er eine
Melodie vor ſich hin pfiff.
Als er fort war, trat Lilli ein. Sie wiederholte unbe=
wußt
halblaut ſeine Worte: Arbeit in meinem Dienſt! Da=
ran
hate ſie in den ganzen Jahren nicht gedacht, daß hier
eine andere zwar nicht ihre Stelle, ſo doch ihre Pflicht über=
nahm
und übernehmen mußte.
Von links kam Dänhardt raſch aus dem Krankenzim=
mer
, gab ihr flüchtig die Hand, fragte, ob ſie gut geſchlafen
hätte, und ſetzte ſich an den Schreibtiſch, um ein Rezept zu
ſchreiben. So, alle zwei Stunden einen Eßlöffel voll!
Dann ging er zur Tür und rief hinaus: Fräulein Plattner,
ach bitte, einen Augenblick!
Ich komme ſchon, Herr Doktor! und gleich darauf kam
ſie ins Zimmer. Sie erſchien Lilli noch größer und ſtatt=
licher
als geſtern, denn Dora trug ein helles Schürzen=
kleid
.
Guten Morgen, gnädige Frau! ſagte ſie ruhig.
Guten Morgen! antwortete Lilli ziemlich kurz.
Wie ich ſchon Fräulein Plattner ſagte, wandte ſich den.
Doktor an Lilli, iſt der Junge ganz munter, natürlich vers.

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ſich zu Dora wendend: das Rezept möchte ich doch gern bald
beſorgt haben!
Gewiß, ſehr gern, Herr Doktor! Dora nahm das am
Kleiderrechen hängende wollene Kopftuch herab.
Na, ſo eilig wäre es nun nicht derade. Sie wollen
doch nicht gleich ſelbſt hinlaufen nach Bütfeld? Uebrigens
ſehen Sie heute zum wenigſten nicht ſehr wohl aus!
Um ſo beſſer wird mir die friſche Luft tun, ich bin ja
nicht von Watte. Geben Sie nur das Rezept her!
Kann denn die Stine nicht hingehen oder Bohlmann?
Dora ſah doch etwas verlegen Lilli an, die eine Zeitung
von Lührſens Schreibtiſch aufgenommen hatte und darin
zu leſen ſchien. Die Stine hat gerade im Augenblick nicht
gut Zeit. Wozu die Umſtände?
Da ſah Lilli auf. Iſt Stine das Mädchen, das die
Zimmer umräumt? Ich möchte die nächſte Nacht in dem
kleinen Kabinett neben Fränzchen ſchlafen!
Ja, Frau Lührſen, das Mädchen iſt eben damit beſchäf=
tigt
!
Weshalb ſagt man mir denn nicht, das die Diener
ſchaft andere Dinge zu tun hat?
Dänhardt fing an zu lachen, und murmelte halblaut:
Dienerſchaft iſt gut, die gibt’s überhaupt hier nicht!
Aber gnädige Frau, der kurze Weg nach der Apotheke
ich tue es gern.
Aber ich wünſche es nicht. Mein Zimmer hat Zeit.
Schicken Sie das Mädchen, und damit baſta!
Dora wurde etwas bleich und richtete ſich ſtramm auf,

bezwang ſich aber und ſagte nur: Ganz wie die gnädige
Frau befehlen! Danach legte ſie das Kopftuch wieder ab
ind verließ das Zimmer.
Dänhardt ſtand da, hatte ſein ſpöttiſches Lächeln aufge=
ſetzt
und fixierte Lilli durch ſeinen Klemmer, die unmutig
die Zeitung mitten durchriß. Es ſpielen ſich doch ganz in=
altreiche
kleine Konflikte ab im gewöhnlichen Leben, dachte
er, als auch Lilli ſchon losbrach: Wie gnädige Frau befeh=
len
! Es iſt zum Verrückt werden! Als ob ich hier An=
ſprüche
machte!
Na, gnädige Frau, meinte Dänhardt, indem er ſich auf
die Tiſchkante ſetzte und mit dem linken Bein baumelte,
na, Ihre Willensäußerung eben ließ ja an Deutlichkeit
nichts zu wünſchen übrig! Leicht iſt ja die ganze Choſe nicht,
weder für Sie noch für die andern, beſonders nicht für
Fräulein Plattner.
So! Lilli lachte gezwungen auf und weshalb
denn? Ich gebe hier ja nur eine Gaſtrolle eine Gaſtrolle
als Mutter
Er ſah, daß ſie Tränen in den Augen hatte. Sie trat,
um dies zu verbergen, ans Fenſter. Dänhardt zog die
Schultern hoch: Meine Gnädige, Sie ſind nervös von Haus
aus und übernervös heute. Das iſt ganz natürlich und wird
ſich geben, zudem es dem Jungen wirklich erheblich beſſer
geht.
Lilli antwortete nicht darauf, ſondern ſah angelegent=
ich
zum Fenſter hinaus. Was macht nur mein Mann dort?
Iſt er das wirklich dort oben auf dem Ackerwagen? Sehen
Sie mal, Doktor.

Dieſer trat zu ihr ans Fenſter. Natürlich iſt er’s. Da
wird Hafer aufgeladen. Famos, was? Wie er da oben
ſteht und jedesmal den Sack, den Bohlmann heranſchleppt,
mit einem Schwung hinaufwuchtet und zur Seite packt!
Das iſt jedesmal ein ausgewogener Zentner!
Und ſolche Arbeit macht mein Mann hier täglich?
Doch nicht immer. Heute nur ausnahmsweiſe, weil
der Knecht Jochen krank iſt, zu dem ich übrigens noch hin
muß. Aber im Grunde glaube ich, daß Ihr Mann die Ar=
beit
gar nicht ſo ungern tut. Er greift oft ſelbſt zu, ſelbſt
wenn er es kaum nötig hätte.
Lilli ſah dann ſtumm hinein in die Bäume von dem
Hauſe. Wie ſchön das doch iſt, wirklich, das habe ich noch
nie geſehen. Doch, einmal als Backfiſch war ich im Tier=
garten
nach ſolchem Schneefall. Es war auch ſchön, aber
nicht ſo ſtill und ruhig, nicht ſo feierlich. Sagen Sie mal,
Doktor, wie iſt Fränzkchen eigentlich, wenn er geſund iſt?
Ich müßte lügen, wenn ich behaupten wollte, er wäre
anders als der Durchſchnitt geſunder Jungens, ich meine
natürlich nicht Berliner Durchſchnitt oder Großſtadtdurch=
ſchnitt
, denn der kommt meiſtens ſchon mit einem halb ver=
brauchten
Gehirn und noch weniger brauchbarem Körper
auf die Welt. Eine eigenwillige Kröte iſt er und ziemlich
wild. Nur dem Vater folgt er aufs Wort. Im Grunde
ſind wir ja alle hier ſo ein bißchen Ihrem Manne untertan.
Er repräſentiert hier gewiſſermaßen die Vernunft einer
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Bericht über die Lage des Arbeitsmarktes
in Heſſen und Heſſen=Naſſau im Januar.

In der Metallinduſtrie wird der Beſchäftig=
ungsgrad
allgemein als ſehr günſtig bezeichnet. Beſonders
zu vermerken iſt, daß die Unruhe, in der zeitweiſe der Ar=
beitsmarkt
in Frankfurt a. M. durch die Veränderungen
in der A. E. G. (früher Lahmeyer) ſchwebte, wieder weicht.
Die Firma hat ihren Betrieb wieder eröffnet und es werden
täglich Arbeitskräfte eingeſtellt, ſo daß gegenwärtig zirka
1600 Leute Arbeit gefunden haben. Aus Mainz wird be=
richtet
, daß in der Metallverarbeitung und Maſchinen=
induſtrie
die Lage des Arbeitsmarktes gegenüber den an=
deren
Berufen am günſtigſten geweſen ſei. Auch in Worms
iſt die Zahl der offenen Stellen in der Metallinduſtrie etwas

gewachſen, jedoch machte ſich der Mangel an tüchtigen Kräf=
ten
, über den ſchon im Vormonat geklagt wurde, trotz der
großen Zahl der Arbeitſuchenden auch in dieſem Monat
geltend. Offenbach berichtet, daß die Lage in der Ma=
ſchineninduſtrie
gut geweſen ſei und daß hauptſächlich Nach=
frage
nach älteren tüchtigen Schloſſern und Drehern
herrſchte.
Die Lage in der Portefeuille=Induſtrie in
Offenbach wird auch in dieſem Monat als ungünſtig be=
zeichnet
. Der Beſchäftigungsgrad war ſchlechter als im
ſelben Monat des Vorjahres. Damit zuſammenhängend
macht ſich ein Ueberangebot in großem Maße bemerkbar
nd ebenſo fand überall eine Verkürzung der Arbeitszeit
ſtatt. Für Sattler und Tapezierer war nach dem Bericht
von Frankfurt a. M. die Arbeitsgelegenheit etwas günſtiger;
es wurden meiſtens Tapezierer für Kundſchaftsarbeit ver=
langt
. Wiesbaden teilt mit, daß für Tapezierer Arbeits=
mangel
geweſen ſei. Aus der Induſtrie der Holz=
und Schnitzſtoffe wird Folgendes berichtet: In Frank=
urt
a. M. wurden Schreiner auf Bau und Möbel und
teilweiſe auf Kundſchaftsarbeit zahlreich verlangt. Die
Vermittelung der Glaſer und Rahmenmacher, Küfer und
Wagner war wieder ſehr gut, alle Bewerber konnten unter=
gebracht
werden. In Mainz betrug in der Holzinduſtrie
die Zahl der Arbeitſuchenden das Dreifache der Zahl der
offenen Stellen. In Worms war für Bauſchreiner, der
Jahreszeit entſprechend, ebenfalls wenig Arbeit, während
die Möbelſchreiner meiſtens Beſchäftigung fanden. Der
Bildhauer=Verein aus Mainz berichtet, daß der Geſchäfts=
gang
ſchlecht geweſen ſei. Aus Darmſtadt wird berichtet,
daß der Beſchäftigungsgrad auf Möbel zufriedenſtellend
geweſen ſei, daß dagegen Bauſchreiner weniger geſucht
wurden.
Aus der Induſtrie der Nahrungs= und Ge=
nußmittel
liegen nur Mitteilungen aus der Zigarren=
und Tabakbranche vor. Aus Gießen wird der Beſchäftig=
ungsgrad
in der Zigarreninduſtrie nicht als günſtig bezeich=
net
. Im allgemeinen ſei aber auch der Monat Januar für
die Zigarreninduſtrie kein günſtiger Monat. Aus dem
Bekleidungsgewerbe berichtet Franlfurt a, M.,
daß der Beſchäftigungsgrad für Schuhmacher Anfang des
Monats ein ſehr günſtiger geweſen ſei, aber bei eintreten=
dem
Froſtwetter in der zweiten Hälfte des Monats zurück=
ging
. Auch der Geſchäftsgang in den Fabriken wird als
zut bezeichnet. Ebenſo wie im Schuhmachergewerbe war
uch im Schneidergewerbe der Beſchäftigungsgrad zu An=
fang
des Jahres günſtig. Auch Offenbach a. M. bezeichnet
den Beſchäftigungsgrad in den Schuhfabriken als gut. Nach
einem Bericht aus Worms hat ſich die Beſchäftigungsmög=
lichkeit
für Schneider und Schuhmacher gegenüber dem
Vormonat etwas gehoben.
Was das Baugewerbe anlangt, ſo war die Nach=
frage
nach Maurern und Zimmerleuten ſowohl in Groß=,

Mittel= und Kleinſtädten überall gering. Das Buch=
druckergewerbe
hatte nach einer Mitteilung der Tarif=
gemeinſchaft
in Frankfurt a. M. eine ſteigende Tendenz. Es
verblieben 37 Arbeitsloſe gegen 64 im Vormonat. Auch
die Reichstagswahlen ſorgten für einen ziemlich flotten Ge=
ſchäftsgang
. Für Heizer und Maſchiniſten war
nach Mitteilung aus Worms keine Arbeitsgelegenheit vor=
handen
, ebenſo nicht für Fabrikarbeiter. Auch bei den
Taglöhnern und Erdarbeitern ging die Zahl
der Arbeitsloſen wieder in die Höhe. Wiesbaden dagegen
teilt mit, daß für ungelernte Arbeiter der Beſchäf=
tigungsgrad
günſtig geweſen ſei, da durch die günſtige
Witterung Kanalbauten und Erdarbeiten hätten vorgenom=
men
werden können. Zu den Notſtandsarbeiten hätten
ſich bis jetzt halb ſo viel Arbeiter eintragen laſſen, als im
Winter 1910/11. Aus Mainz wird mitgeteilt, daß gegen
Ende des Monats eine Reihe Arbeiter, teils gelernte, teils
ungelernte, bei der Stadt angenommen worden ſeien.
Außerdem habe eine größere Anzahl Leute Arbeit bei Ka=
nalbauten
gefunden. In der Landwirtſchaft war
naturgemäß im Berichtsmonat der Beſchäftigungsgrad
gering und in den Weinbergen konnte während des Froſt=
wetters
nicht gearbeitet werden.
Aus dem Gaſt= und Schankwirtſchafts=
gewerbe
berichtet der Arbeitsnachweis Wiesbaden, daß
der Geſchäftsgang, der Zeit entſprechend, als gut bezeichnet
werden könnte. Sehr zahlreich gingen ſchon Geſuche von
auswärtigen Arbeitſuchenden für Saiſonſtellen ein. Man=
gel
herrſchte ſchon jetzt an männlichem und weiblichem
Küchenperſonal. Sehr erfreulich iſt der Aufſchwung des
Arbeitsnachweiſes für das Gaſtwirtsgewerbe in Bad= Nau=
heim
. Das Herannahen der Saiſon machte ſich bereits be=
merkbar
. Vor allem wurden Zimmer= und Hausmädchen
ehr geſucht. Während für Zimmermädchen genug, wenn
auch oft unbrauchbare Offerten eingingen, ſei es hinſichtlich
der Hausmädchen, auch mit Hilfe der großen Facharbeits=
nachweiſe
Frankfurt a. M., Wiesbaden und Stuttgart vor=
läufig
unmöglich, auch nur annähernd den Bedarflzu decken.
Hinſichtlich des übrigen Hotelperſonals (Kellner, Köche uſw.)
hielten ſich Angebot und Nachfrage ſo ziemlich die Wage.
In der Frauenabteilung herrſchte in Wiesbaden ein großer
Mangel an Dienſtmädchen, hauptſächlich fehlten Mäd=
hen
mit Kochkenntniſſen und Köchinnen. Von den gemel=
deten
Stellen konnte nur ein Drittel beſetzt werden. Aus
Kaſſel wird eine große Nachfrage nach Köchinnen und
Hausmädchen gemeldet. Auch in Mainz machte ſich ein
ſtarker Dienſtbotenmangel bemerkbar. Beſonders wird
darüber Klage geführt, daß Frauen Monatsſtellen annehmen
und dann nicht zur Arbeit erſcheinen, oder ſchon nach einigen
Tagen ausbleiben. Dieſe Unzuverläſſigkeit vieler ſtelle=
ſuchenden
Frauen hat u. a. ein Zurückgehen der offenen
Stellen zur Folge.

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Aschermittwoch 1912!
Aschermittwoch 1912!
Offizielle
Abschleusteler des Prinisen Karhevar
im Café Ernst Ludw

Um 9 Uhr abends beginnt ein Familiäres-Konzert
Punkt 10 Uhr: Festmahl, gegeben von Sr. närr. Hoheit für alle Anwesende
Glockenschlag 11½ verschwindet das Prinzenpaar auf ein ganzes Jahr.

4263

SSEEEEEEESESESEHESEEEEESSEEESESRRE

Richard Wagner-verein Darmstadt.
Dienstag, den 27. Februar 1912, abends 8 Uhr,
im Festsaale der Turngemeinde (Woogsplatz 5):
KONZERTT
von Frau
Elly Ney-van Hoogstraaten aus Keln(Klatier)
und Fräulein
Lotte Hegvesi aus Frankfart a. M. (Violoneelle).
Der Steinway-Konzertflügel ist aus dem Lager der Firma
Hoflieferant A. W. Zimmermann (Inhaber Ludwig Schweisgut).
Eintrittskarten für Nichtmitglieder: Sperrsitz zu 5 Mk., Saal
zu 3 Mk. Vorsaal zu 1.50 Mk., Galerie zu 1.50 Mk., Stehplätze im
Saal zu 1 Mk.; Studentenkarten zu 1 Mk. und Schülerkarten zu
50 Pfg. bei Leopold Schutter, im Verkehrsbüro und abends an
der Kasse. Beitrittserklärungen für das neue Vereinsjahr,
die noch vor dem obigen Konzerte erfolgen, berechtigen zu dessen
freiem Besuche. Der Jahresbeitrag beträgt 12 Mk. (4310
Jedes Mitglied hat das Recht, an der im Monat
März stattfindenden Verlosung der von dem Verein
angekauften Eintrittskarten zu den diesjährigen Bay-
reuther
Bühnenfestspielen (zu 25 Mk.) teilzu-
nehmen
.
Der Vorstand.

Freie Hierarisch-Känstierische Geselschaft.

Freitag, 23. Februar Mathildenhöhsaal
abends 8 Uhr
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Kammerkunst-Abend
Marya Delvard Marc Henry
Lieder und Stimmungen.
Karten für Nichtmitglieder im Vorverkauf bei A. Berg=
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zu Mk. 3., 2., 1., an der Abendkasse Mk. 3.50. 2.50, 1.50.

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Sonntag, 25. Februar, abends 711 Min.
Grosses Masken-Kränzchen
im Perkeo, Alexanderſtraße.
Maskenkarten für Fremde: Herren 1 Mk., Damen 50 Pfg.,
Vorverkauf bei Herrn Ph. Herold, Hutgeſchäft, Große Ochſengaſſe,
und Herrn A. Sulzmann, Friſeur, Große Ochſengaſſe.
Maskenkarten für Mitglieder à 20 Pfg. ſind bei dem 1. Vor=
ſitzenden
, Herrn Jul. Bellefontaine, Zigarrengeſchäft, Holzſtraße 1,
(4309ms
zu haben.

Einladung zur Hauptverſammlung
: des Darmſtädter Sprachvereins:
Samstag, den 24. Februar 1912, abends 8½ Uhr, pünktlich bei
F. Sitte, Karlſtraße 15, eine Treppe hoch.
Tagesordnung:
1. Vortrag des Herrn Prof. Dr. H. Reis aus Mainz über
Die heſſiſchen Mundarten, ihre wichtigſten Eigentümlichkeiten
und ihr Verhältnis zur Schriftſprache. Zu dieſem Vortrag iſt
die Einführung von Gäſten, auch Damen, ſehr erwünſcht. 2. Jahres=
bericht
. 3. Kaſſenbericht. 4. Vorſtandswahlen 5. Sonſtiges.
Um zahlreiche Teilnahme bittet ergebenſt
(4308
Der Vorstand.
J. A.: Prof. Dr. A. E. Berger.

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Sie naht uns wieder, die Zeit der Examina, der
Schulentlaſſungen und Konfirmationen, die für Viele
die dringende Löſung der Berufsfrage bedeutet und
manchen Eltern Kopf und Herz ſchwer macht. Aber auch
die Mütter, deren Töchter in der Wahl ihrer Eltern ſo
vorſichtig geweſen, daß ſie ſich über die Berufsfrage nicht den
Kopf zu zerbrechen brauchen, haben ihre Sorgen, denn die
Backfiſchlein von 1912 ſind anſpruchsvoll und wiſſen ſo
gut in der Mode Beſcheid, daß in der Regel um das
Einſegnungskleid ein harter Kampf entbrennt.
Ginge es ihnen nach, ſo würden es wohl lauter Mode=

dämchen ſein, die, ſo gar nicht den Ernſt
der Situation erfaſſend, nicht einmal
äußerlich als Konfirmandinnen erſcheinen
würden. Zum Glück aber gibt es genug
vernünftige Mütter, die das Uebermaß zu
dämpfen und die Grenze von Paſſend und
Unpaſſend zu ziehen wiſſen. Sie haben
die jungen Mädchen zu überzeugen, wie
notwendig gerade für dieſe ernſte Feier ein
Kleid iſt, das weder durch Machart, Stoff
noch durch auffallende Garnitur aus dem
Rahmen fallen darf und der Trägerin ihren
noch halb kindlichen Reiz läßt. Hierin
kommt die heurige Mode mit ihrem aus=
geſprochen
jugendlichen Gepräge den Müt=
tern
ſehr zu Hilfe, obwohl auch die Gefahr
nahe liegt, daß Uebertreibungen hinſichtlich
der Enge und Kürze der Röcke vorkommen,
die oft noch unpaſſender erſcheinen als ein
Zuviel der Garnitur oder ein Mißgriff in
der Form. Die Frage, ob ſchwarz oder
weiß, wird ſtets vom Geſchmack und von
den Verhältniſſen abhängen. Hat ein junges
Mädchen öfters Gelegenheit, ein weißes
Wollkleid zu tragen, ſo iſt ein ſolches, ſchon
weil jugendlicher, dem düſteren Schwarz
vorzuziehen. Wer aber mehr auf das
Praktiſche zu ſehen hat, wählt beſſer letzteres,
da es ſelbſt bei raſchem Wachstum immer
noch länger getragen werden kann als das
durch öfters Reinigen bald zu eng und kurz
gewordene weiße Kleid. Kaſchmir, Kamm=
garn
Serge und Vbile ſind für ſchwarze
Kleider die bevorzugten Materialien, die
man mit Seidenblenden, Soutacheſtickereien,
Treſſen oder flachen Stoffpüffchen garniert,

falls nicht ein breiter geſtickter Kragen die ganze Garnitur
ausmacht. Hinſichtlich der Machart zählt die kurztaillige
Empireform mit zu dem Vorteilhafteſten, läßt ſie doch
nicht nur das ſchmächtigſte Backfiſchlein etwas ſtärker
erſcheinen, ſondern deckt auch liebevoll manche Eckigkeit
zu. Manche Mutter wird ja aus eigener Erfahrung
wiſſen, wie ſchwierig es iſt, ein mageres, eckiges oder ein
unterſetztes, mit Körperfülle geſegnetes junges Mädchen
ſo zu kleiden, daß es nicht unvorteilhaft von den Uebrigen
abſticht, da heißt alſo: überlegen und prüfen, ehe man
ſich entſcheidet. Eine für Schmächtige wie für Stärkere gleich
kleidſame Form zeigt unſer hübſches Einſegnungskleid
Nr. 5693 aus ſchwarzem Kaſchmir und feinen ſchwarzen

Seidentreſſen, deſſen etwas bluſige Taille hier dem ſchlank=
fallenden
Rock angeſetzt, ſeitlich geſchloſſen und durch
einen breiten Tafftkragen mit Litzenbeſatz ausgeſtattet
iſt. Beſonders apart wirkt der leicht gereihte Rock da=
durch
, daß je eine Vorder= und Hinterbahn, unten an
einer Seite abgerundet, einem treſſenbeſetzten Teil auf=
geſteppt
ſind, das unten loſe ausfällt. Nicht minder kleid=
ſam
ſind all jene durch ein Fichu vervollſtändigten Empire=
kleidchen
, von denen ein beſonders hübſches aus weißem
Voile einen ſchlanken Etagenrock hatte, deſſen drei Teile
wie das Fichu mit ſchmalen Seidenrüſchen garniert

waren. Am Einſegnungskleide macht man die Fichus
meiſt aus dem Stoff des Kleides und garniert ſie mit
Grelotabſchluß, Seidenblenden oder einer leichten Stickerei.
Ihre Enden verlaufen entweder im hochverlegten Gürtel
oder einer ſeitlichen Bandkokarde mit langen Enden.
Schmalſchultrige Figuren tragen am beſten den wieder
modernen eingeſetzten Aermel, der meiſt mit einem breit
über die Schulter greifenden Taillenarrangement gepaart,
dadurch beſonders den Schmächtigen zugute kommt. Von
den neuen Rockformen ſind die leicht garnierten den glatten
vorzuziehen, weil gerade die letzteren bei ihrer Schlankheit
ſchon immer etwas Figur beanſpruchen und an kind=
lichen
Erſcheinungen oft dürftig wirken. Beſonders

empfehlenswert ſind hier die Miederröcke, die man
glatt wie gereiht gern mit breiten, flachen Blenden
oder etagenförmig übereinanderfallenden Volants
garniert.
Und nun ein Wort über Kindermoden! Schlankheit
iſt auch hier die Parole, zu der ſich eine gewiſſe Vorliebe
für Natürlichkeit geſellt, die ſo aufzufaſſen iſt, daß die
Form des kindlichen Körpers möglichſt zum Ausdruck
kommt und nicht durch überflüſſige Stoffmengen oder
verbreitende Arrangements beeinträchtigt wird. Dieſe
Wahrhaftigkeit werden allerdings nur die gut gewach=

ſenen Kinder vertragen, für die ja auch
die verſchiedenartigen Kimonokleider ſpeziell
geſchaffen ſind. So iſt beiſpielsweiſe das
hübſche Empirekleid Nr. 5210 aus kirſch=
rotem
Kaſchmir mit weißer, ſchwarz=
geſtickter
Tuchgarnitur durch ſeine Kimono=
ärmel
beſonders für kräftige Mädchen
empfehlenswert, denn das ganze, nur
wenig faltige Kleidchen bedingt durch
ſeine ſchlichte Machart und den ſchlanken
Fall einen gut entwickelten Körper.
Hat die Mutter aber ein ſchmächtiges
Töchterlein anzuziehen, ſo tut ſie beſſer,
ein Bluſenkleidchen zu wählen, das nicht
allzu ſchlank gehalten, durch einen breiten
Kragen vervollſtändigt wird, der das Fi=
gürchen
ſtets etwas vollkommener erſcheinen
läßt. Hinſichtlich der Kleidſamkeit recht
empfehlenswert iſt unſer niedliches Kleidchen
Nr. 5275, das kindlich und einfach zugleich,
ſpeziell für kleinere Mädchen beſtimmt iſt.
Aus kornblumenblauem, ſchwarzkariertem
Wollſtoff gefertigt, wird es durch einen
ſehr breiten Reverskragen aus éeru Tuch
vervollſtändigt, der auf der Schulter!
geſchlitzt, dort durch Knöpfchen und Schlingen!
zuſammengehalten wird. Das zierliche
Kleidchen zeigt ein der loſen Bluſe angeſetztes,
in Quetſchfalten geordnetes Röckchen, das
oben ein Gürtel abſchließt. Neu ſind ferner
kittelartige Kleider mit abſtechender Unterbluſe
die ſich beſonders in der heißen Jahreszeit als
praktiſch erweiſen dürften, da ſich die Bluſe!
auswechſelbar geſtalten läßt. Unter den
Hängern bildet das Kimonohängerchen
eine neue Erſcheinung, die, wie alles Kimono=

artige, ebenfalls auf kräftige Kinder ſpekuliert. Es zeigt
eine leicht geſchweifte Paſſe mit kurzem angeſchnittenen
Aermel, unter dem ein kurzes Puffärmelchen hervor=
fällt
. Der Hänger ſelbſt iſt in Quetſchfalten gelegt,
die ſcharf nieder gebügelt ſind. Die Kleider der
größeren Mädchen weiſen vielfach Anklänge an die
Mode der Großen auf. Sieht man doch auch hier
Fichugarnituren, Reverskragen, Tunikaröcke und ſchürzen=
artige
Arrangements, ganz wie ſie Mama und die
große Schweſter tragen. Was aber nicht hindert,
daß ſo ein kleines Fräulein als Miniaturausgabe doch
ganz niedlich ausſehen kann, wenn die Mutter mit Geſchmack
und Verſtändnis zu wählen wußte!
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Modell Nr. 5275.

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