Abonnementspreis
Inſerake
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
ſowie von unſeren Agenturen und
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ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Der Kaiſer iſt von Kiel in Berlin wieder
einge=
troffen.
Der bayeriſche Landtag iſt auf den 27. Februar
einberufen worden.
Geſtern begannen in Berlin die Verſammlungen
der landwirtſchaftlichen
Organiſa=
tionen.
Der gemeinſame Finanzminiſter für
Oeſterreich=Ungarn, Burian, kam um ſeine
Entlaſſung ein.
Der Wechſel in der Leitung der auswärtigen
Politik Oeſterreich=Ungarns.
*⁎* Woran nach den letzten Meldungen gar nicht
mehr zu zweifeln war, iſt nun eingetreten: Graf Lexa von
Aehrenthal hat der ſchweren Erſchütterung ſeiner
Geſund=
heit nicht widerſtehen können, er iſt hinübergegangen an
demſelben Tage, an welchem Kaiſer Franz Joſef dem
Demiſſionsgeſuche des verdienten Beamten in den
ſchmei=
chelhafteſten Ausdrücken ſtattgegeben und ihm in der
Per=
ſon des früheren Petersburger Botſchafters Grafen
Berch=
told einen Nachfolger im Amte ernannt hatte.
Graf Aehrenthal war am 27. Februar 1854 in Prag
geboren. Er gehörte einer der angeſehenſten Familien
des verfaſſungstreuen böhmiſchen Großgrundbeſitzes an.
Nach Vollendung ſeiner Studien widmete er ſich dem
diplomatiſchen Dienſte und begann ſeine Karriére im
Auswärtigen Amte unter Kalnoky. Er war dann in
ver=
ſchiedenen auswärtigen Miſſionen tätig, wurde nach
vorübergehender Wiederbeſchäftigung in der Wiener
Zen=
tralſtelle zum Botſchaftsrat in Petersburg ernannt, wo
er acht Jahre verblieb, und ging darauf als Geſandter
nach Bukareſt. Schon nach einem Jahre, 1895, erhielt er
den Botſchafterpoſten am ruſſiſchen Hofe, wo er für ein
Zuſammengehen Rußlands und Oeſterreichs auf der
Balkanhalbinſel wirkte und die Mürzſteger Beſchlüſſe
vor=
bereitete, die geraume Zeit hindurch die Baſis für die
Politik beider Mächte im Südoſten Europas bildeten.
Als Rußland durch die Beendigung des Krieges mit
Japan wieder freie Hand erhalten hatte, vermochte
Aehren=
thal einer Wandlung der ruſſiſchen Politik und einer
Ent=
fremdung mit Oeſterreich=Ungarn nicht vorzubeugen. Er
verließ nach dem Rücktritte Goluchowskis den
Peters=
burger Poſten, um die Leitung der auswärtigen Politik
der Doppelmonarchie zu übernehmen, was im Oktober
1906 geſchah.
Ueber fünf Jahre war Aehrenthal in dieſem Amte,
und es kann ihm die Anerkennung nicht verſagt werden,
daß er ſich des Vertrauens, das ihn auf den
verantwor=
tungsvollen Poſten berief, in jeder Hinſicht würdig
ge=
zeigt hat. Als überzeugungstreuer Anhänger der
Drei=
bundpolitik ſetzte er die Beziehungen ſeiner Vorgänger
mit dem Deutſchen Reiche und mit Italien fort. Schon im
Frühjahr 1907 erſchien er in Berlin, um ſich am
Kaiſer=
hofe vorzuſtellen und mit den leitenden deutſchen Kreiſen
Fühlung zu nehmen. Auch mit den jeweiligen
italieni=
ſchen Staatsmännern tauſchte er Beſuche aus. Die
Auf=
rechterhaltung eines guten Verhältniſſes zu Italien lag
ihm beſonders am Herzen, wodurch er ſich bekanntlich
ſpä=
ter mit manchen Kreiſen Oeſterreichs in Zwieſpalt ſetzte.
Im Verein mit dem damaligen Kriegsminiſter Schönaich
gab Aehrenthal im Mai 1908 wegen des zwiſchen den
Regierungen Oeſterreichs und Ungarns bezüglich der
Er=
höhung der Offiziersgagen geſchloſſenen Kompromiſſes
ſeine Demiſſion, die aber vom Kaiſer abgelehnt wurde
Und das war gut für die Doppelmonarchie, denn ob die
ſchon ein halbes Jahr darauf vollzogene Annektion
Bos=
niens und der Herzegowina ohne die ſachgemäße Leitung
und die Energie Aehrenthals ſo glücklich durchgeführt
worden wäre, erſcheint immerhin fraglich. Unzweifelhaft
hat hierbei der ſpäter mit dem Grafentitel belohnte
Miniſter des Aeußern ein großes diplomatiſches Geſchick
bewieſen, das ſich erſt recht bewährte, als es galt, die in
Aufruhr geratenen Wolken am europäiſchen Horizont
wieder zu glätten.
Seit etwa einem Jahre erweckte der
Geſundheitszu=
ſtand des Grafen Aehrenthal Beſorgniſſe, und letzterer
erhielt im März 1911 einen zweimonatigen Urlaub zur
Erholung. Aber auch nach deſſen Abſolvierung hatte der
Miniſter ſeine volle Arbeitskraft noch nicht
wiedererhal=
ten, und ſo waren denn ſchon lange Meldungen verbreitet,
die von einem baldigen Wechſel im Miniſterium des
Auswärtigen ſprachen. Bekanntlich wurden damit
Ge=
rüchte über Unſtimmigkeiten zwiſchen dem Grafen und
dem Thronfolger verknüpft. Volle Klarheit darüber wird
wohl kaum geſchaffen werden, jedenfalls hat Graf
Aehren=
thal, wenn er ſich gewiſſen Anſichten militäriſcher Kreiſe
widerſetzte, nur das Wohl der öſterreichiſch=ungariſchen
Monarchie im Auge gehabt.
Auch der neue Miniſter des Aeußern, Graf Berchtold,
hat zuletzt den Petersburger Botſchafterpoſten inne
ge=
habt. Er war an der Newa während der
Annektions=
kriſis tätig und verſtand es, ernſte Verwickelungen, die
durch ein Eingreifen Rußlands unvermeidlich geworden
wären, zu verhindern. Im März vorigen Jahres trat
Graf Berchtold von ſeinem Amte zurück, um ſich der
Be=
wirtſchaftung ſeiner Güter zu widmen. Er gilt ſchon
lange als Nachfolger Aehrenthals und wird deſſen Politik
weiter fortſetzen, dem Dreibunde Treue zu wahren, ein
freundſchaftliches Verhältnis mit Rußland zu
unterhal=
ten und auf der Balkanhalbinſel den Status quo zu
ſichern.
Die Wiener Zeitung widmet) dem Gedächtnis des
Grafen Aehrenthal folgende Worte: Ein frühzeitiger
Tod hat einen der bedeutendſten unter den führenden
Staatsmännern unſerer Zeit hingerafft, einen hoch
be=
gabten, viel verdienten Politiker, der durch Jahre
hin=
durch auf die auswärtige Machtſtellung
Oeſter=
reich=Ungarns einen beſtimmenden Einfluß ausgeübt hat.
In den Tagen jäh hereingeknochener Umgeſtaltung der
orientaliſchen Verhältniſſe hob Graf Aehrenthal mit
ent=
ſchloſſenem Mut die achtunggebietende Machtſtellung der
Monarchie und verlieh damit dem Kraftbewußtſein des
Reiches einen geſteigerten Ausdruck. Die Amtstätigkeit
des nun dahingeſchiedenen Grafen wirv ein bedeutendes
Kapitel in der öſterreichiſch=ungariſchen Geſchichte bilden.
Ein Oeſterreich=Ungarn, das kraftvoll und wachſam die
Stellung die es in einer ruhmreichen Geſchichke
erwor=
ben, behauptet und befeſtigt, das von jedermann
reſpek=
tiert wird, das war das Ideal, das ſeine Seele erfüllte.
Inmitten der Arbeit für dieſes hohe patriotiſche Ziel iſt
er abberufen worden. Nicht bloß bei uns, ſondern wohl
in ganz Europa wird der Tod Aehrenthals als ein
au=
ßerordentlich wichtiges Ereignis
empfun=
den werden. Seine Tatkraft, ſeine Entſchloſſenheit, ſeine
Zuverläſſigkeit machten ſeinen Namen zu einem der
ge=
achtetſten unter den Staatsmännern Europas. Graf
Aeh=
renthal läßt in Europa eine ſchwer ausfüllbare Lücke
zu=
rück, die Monarchie aber verliert in ihm einen ihrer
er=
folgreichſten und fähigſten Staatsmänner,
einen glühenden Patrioten, deſſen Glauben an die Größe
ſeines Vaterlandes unerſchütterlich war, und die
leben=
digſte und ſtärkſte Arbeitskraft, die Oeſterreich=Ungarn
vielleicht je beſeſſen hat.
Sämtliche italieniſchen Blätter widmen
Aeh=
renthal lange Artikel und drücken die Erwartung aus, daß
Graf Berchtold dieſelbe Politik befolgen werde.
Tribuna ſagt: Das kaiſerliche Handſchreiben an den
ſterbenden Miniſter bildet ein Beweis der vollen
Billi=
gung der Politik Aehrenthals und gleichzeitig das
Pro=
gramm für die Zukunft. Das iſt der Punctum saliens
in der traurigen Stunde, in der wir unſer aufrichtiges
Beileid nicht nur der Familie Aehrenthals, ſondern auch
dem verbündeten Lande ſenden. Tribung widmet den
zweiten Artikel dem Grafen Berchtold und erklärt, man
könne ſicher ſein, daß ſeine Politik ebenſo wie die
Aehren=
thals weſentlich friedlich ſei von der Art, daß die
wieder=
erwachten Sympathien, die in öſterreichiſch=ungarschen
Kreiſen für Italien herrſchen, noch zunehmen werden.
Giornale d'Italia ſchreibt: Aehrenthal verſtand uns,
möge auch ſein Nachfolger die Italiener verſtehen, das
ſind die Wünſche, die man im Intereſſe der beiden
Ver=
bündeten hegen muß.
Deutſchland und England,
C Zu dieſem jetzt viel erörterten Thema ſchreibt
man uns: Eine Reihe ſachkundiger Beurteiler, von denen
an dieſer Stelle nur der Nationalökonom Adolf Wagner
genannt ſei, haben ſich vereinigt, um im Märzheft der
Monatsſchrift. Ueberall das deutſch=engliſche
Verhält=
nis vom geſchichtlichen, maritimen, geographiſchen und
volkswirtſchaftlichen Standpunkte aus zu beleuchten. Die
Redaktion der genannten Monatsſchrift faßt das Ergebnis
aller dieſer Unterſuchungen folgendermaßen zuſammen:
„So ſehr auch die Verdienſte der Engländer um Kultur
und Ziviliſation anzuerkennen ſein mögen, die engliſche
Politik iſt ein gefährliches Weſen, denn ſie kennt nichts
anderes, wie den eigenen Vorteil! Gegenüber
dieſer Tatſache ſteht die andere Tatſache, daß wir ein
großes Reich geworden ſind und — bleiben wollen! In
dieſer Lage bleibt uns nichts übrig, als uns die
Englän=
der ſelbſt zum Muſter zunehmen und ebenfalls nur auf
den eigenen Vorteil bedacht zu ſein. Stoßen hierbei die
Intereſſen der beiden Völker gegeneinander, ſo muß eine
Auseinanderſetzung erfolgen. Da dieſe
Auseinander=
ſetzung ſehr leicht eine kriegeriſche ſein kann, ſo müſſen
wir rüſten. Damit es aber, wenn irgend möglich, zum
Kriege nicht kommt, müſſen wir ebenfalls rüſten. Das
Falſcheſte, was wir tun könnten, wäre ein Nachgeven.
Denn abgeſehen davon, daß wir ſolchergeſtalt hinſichtlich
der phyſiſchen Kraft noch mehr als es ſchon der Fall ins
Hintertreffen kämen, würden wir eine moraliſche Einbuße
erleiden, die nie wieder gut zu machen wäre und die uns
mit Recht die hin und wieder in England beliebte
Be=
zeichnung der „second rate nation” eintragen würde.
Auf der anderen Seite entſpricht es durchaus dem
Cha=
rakter der Engländer, auch an einem Gegner Energie,
Iſtigkeit, Entſchloſſenheit, Kraft, Kühnheit, Mut,
Aus=
dauer und Tüchtigkeit zu ſchätzen und anzuerkennen, und
nicht minder tut das die engliſche Politik. Während aber
tene Bewertung der guten Eigenſchaften auch des Gegners
beim einzelnen Engländer eine Folge ritterlicher,
germa=
niſcher Denkungsart iſt, iſt ſie in der engliſchen Politik
nur das Ergebnis allerkühlſter Berechnung.
Man mag alſo das Ding drehen und wenden wie
man will, ſo viel ſteht feſt: England kann over könnte
ſehr wohl der Freund eines ſtarken Deutſchen Reiches
werden, nimmermehr aber der Freund des kränklichen,
zerriſſenen, ſchwachen zerfahrenen, unentſchloſſenen und
unbewehrten Schattenbildes eines Deutſchen Reiches. Auch
wir verkennen die guten Eigenſchaften der Engkänder
kei=
neswegs und wollen hoffen, daß es uns gelingt, ſie zur
Achtung gegen das Deutſche Reich zu zwingen, ohne die
eine Freundſchaft nicht möglich iſt. Jetzt aber, oder
viel=
leicht nie wieder iſt die Zeit, dieſe Achtung uns zu
errin=
gen, darum nunc, nune insurgite remis!“
Der engliſche Bergarbeiter=Ausſtand.
* Der Kongreß der engliſchen Bergleute hat den
Generalausſtand beſchloſſen. Es handelt ſich
nur noch um die Feſtſetzung des Tages, an dem er in
Kraft treten ſoll. Der bevorſtehende Streik von einer
Million Bergleute wird alle induſtriellen Zweige, die von
den Kohlen abhängig ſind, zum Stillſtand bringen.
Sämt=
liche Gas=, Elektrizitäts= und Transportgeſellſchaften,
ſo=
wie die anderen großen Fabriken haben große
Kohlen=
vorräte geſammelt, um wenigſtens für die erſte Zeit
wäh=
rend der Ausſtandsbewegung gedeckt zu ſein. Sollte der
Ausſtand länger als 14 Tage dauern, ſo werden
ſämt=
liche Induſtrien gezwungen ſein, ihre Betriebe zu
ſchlie=
ßen, da ihre Kohlenvorräte verbraucht ſein werden. Das
Syndikat der Bergleute wird in der Lage ſein, den
Aus=
ſtand länger als ſechs Wochen zu proklamieren, da ihm
genügend Streikgelder zur Verfügung ſtehen. Werden
Koh=
len vom Kontinent nach England eingeführt, ſo werden ſich
die Transportarbeiter weigern, die Vorräte auszuladen.
Die Times fordern energiſch, daß ſich das Parlament mit
der Angelegenheit beſchäftigt, die geeignet ſei, das
Pu=
blikum zu beunruhigen. Sowohl zum Nutzen des
Par=
laments, als zum Nutzen des Landes müſſe in dieſer
Be=
ziehung etwas getan werden.
Die Beſorgniſſe wegen des Grubenarbeiter=
Ausſtan=
des nehmen immer mehr zu. In induſtriellen Kreiſen
glaubt man angeſichts der Entſchloſſenheit, die auf
bei=
den Seiten herrſcht, daß es nicht leicht ſein werde, den
Ausſtand zu verhindern. Die Grubenbeſitzer glauben
ſchwerwiegende Intereſſen daran zu haben, daß die
be=
ſtehenden Arbeitsverträge und die Lohnſkala in Kraft
bleiben. Die Arbeiter ihrerſeits erklären, daß ſie auf
keinen Fall die Arbeit wieder aufnehmen würden, ſolange
nicht ein Mindeſtlohn eingeführt ſei und die beſtehenden
Verträge gelöſt wären.
Im Verlaufe des
Sozialiſtenkongreſ=
ſes in Lyon forderte Keir Hardy die Arbeiter aller
Länder auf, mit den engliſchen Arbeitern in
den Streik zu treten. Im weiteren Verlaufe des
Kongreſſes erklärte der Delegierte Ciotti, er überbringe
die Grüße des italieniſchen Proletariats in dem
Augen=
blick, wo chauviniſtiſche Torheit ſich der kapitaliſtiſchen
Bourgeoiſie bemächtigt und ſie dazu geführt hätte, eine
der ſchlimmſten Piratenzüge ins Werk zu ſetzen. Die
ſo=
zialiſtiſchen Deputierten würden ihren Proteſt bei
Eröff=
nung des Parlaments am 22. Februar laut werden laſſen.
Der Präſident des Kongreſſes Sembat ſagte bei der
Begrüßung Keir Hardis, die Sozialiſten werden nicht
zulaſſen, daß die franzöſiſch=engliſche Entente eine
anti=
deutſche Entente werde. Die chauviniſtiſchen
Leiden=
ſchaften ſeien erloſchen, auch in Frankreich. Sembat ſagte
die Unterſtützung der franzöſiſchen Bergleute zu.
Deutſches Reich.
— Däs Zentrum gegen neue Steuern.
Das Zentrum iſt gegen eine Erbſchaftsſteuervorlage, weil
iſie eine „Brüskierung unſerer Reichsfinanzreformparteien”
bedeuten würde. Es iſt aber auch gegen alle anderen
möglichen Steuervorlagen. Das ſpricht die Germania
klipp und klar aus in einem Artikel, in dem ſie ſagt:
Die Frage der Deckung der Wehrvorlagen iſt von dem
Etatsredner des Zentrums, Abg. Speck, in
beachtenswer=
ter Weiſe zur Erörterung gebracht worden, und es iſt
dankbar zu begrüßen, daß derſelbe ſogleich die Frage
aufgeworfen hat, ob denn überhaupt neue Steuern
drin=
gend nötig ſeien. In Beantwortung dieſer Frage iſt der
Abg. Speck zu dem Ergebnis gekommen, daß neue Steuern
nicht nötig ſeien, daß vielmehr die Mehrkoſten der neuen
Wehrvorlage aus den laufenden Einnahmen gedeckt
wer=
den können. . . . Der Reichsſchatzſekretär Wermuth wird
ſich begreiflicherweiſe ſehr dagegen ſträuben, aber das
darf den Reichstag nicht irre machen. Dem deutſchen
Volk ſind der Steuerlaſten gerade genug auferlegt. Und
wenn es ſich auch bei den Deckungsvorlagen nur um
Be=
ſitzſteuern handelt, ſo iſt doch dabei zu bedenken, daß
dieſe Beſitzſteuern nicht allein von den wohlhabenden
und reichen Bevölkerungsſchichten, ſondern zum Teil auch
vom Mittelſtand getragen werden müßten. Dann kommt
noch hinzu, daß doch ſchließlich nicht ohne Not neue
Steuerquellen erſchloſſen werden ſollten, dazu iſt es immer
noch früh genug, wenn kein anderer Ausweg mehr
mög=
lich iſt. Als die Reichsfinanzreform geſchaffen wurde, da
haben die Redner aller Parteien der
Finanzreformmehr=
heit zum Ausdruck gebracht, daß nun für die nächſten
Jahre Schluß gemacht werden müſſe mit der
Steuerbewil=
ligung . . . Wir dürfen wohl erwarten, daß der
Reichs=
tag feſt bleiben wird und nur dann ſich dazu verſtehen
wird, neue Steuern zu bewilligen, wenn ihre
Notwendig=
keit als unabweisbar nachgewieſen wird. Der Reichstag
wird ſich ſeiner Pflicht, die Wehrmacht des Reiches auf
der gebotenen Höhe zu erhalten, ſicherlich nicht entziehen,
aber auf der anderen Seite hat er auch Pflichten gegen
das Volk, deſſen Intereſſen wahrzunehmen er berufen iſt.
Da, wie mehrfach ausgeführt, das Zentrum infolge
der Schwächung der übrigen bürgerlichen Parteien durch
die Wahlen in ſolchen Fragen ausſchlaggebend iſt, dürfte
es ſchon bei den Steuerfragen zu einem Konflikt kommen.
— Die Religionsverhältniſſe im neuen
Reichstage. Der Konfeſſion nach ſind im neuen
Reichstage 179 Abgeordnete evangeliſch (1907: 220), 130
katholiſch (141), 69 Konfeſſionsloſe (18), 8 freireligiös und
1 Deutſch=Katholik (5), 7 Iſraeliten (3), 1. Baptiſt, 2 nicht
angegeben. 1907 waren noch zwei Altkatholiken und ein
Mennonit gewählt worden. Die Zahl der Proteſtanten
und Katholiken iſt zurückgegangen, die der
Konfeſſions=
loſen, Freireligiſöſen und Iſraeliten hat zugenommen
Die Evangeliſchen haben nicht mehr die abſolute
Mehr=
heit unter den Abgeordneten.
— Ueber den Ertrag der
Diamanten=
förderung in Deutſch=Südweſtafrika im
Jahre 1911 liegen jetzt Angaben vor. Im Dezember 1911
betrug die Förderung 61997 Karat. Sie blieb damit um
2564 Karat hinter der desſelben Monats im Jahre 1910
zurück, die 64 561 Karat betrug. In den neun Monaten
des gegenwärtigen Rechnungsjahres, von April bis
De=
zember 1911, iſt insgeſamt ein Rückgang von 40015 Karat
zu verzeichnen, der beſonders auf die Monate April,
Au=
guſt, November und Dezember fällt. Im April blieb die
Förderung gegen das Vorjahr um 19602 Karat zurück, im
Auguſt um 6675 Karat, im November um 11228. In
den anderen Monaten war die Förderung annähernd
die gleiche wie in den entſprechenden Monaten des
Vor=
jahres, nur im Juli überſchritt ſie die vorjährige um 2341
Karat. Die geſamte Förderung von April bis
Dezem=
ber 1911 belief ſich auf 578 798 Karat, 618813 Karat im
gleichen Zeitraum des Rechnungsjahres 1910/11.
— Die Nationalliberalen. Aus Hamburg
wird gemeldet: Der Reichstags=Wahlverein von 1884 hat
in ſeiner Vorſtandsſitzung einſtimmig folgende Erklärung
beſchloſſen:
Der Vorſtand hält nach den Vorgängen bei der
Prä=
ſidentenwahl die ſofortige Einberufung des
Zentralvor=
ſtandes der Partei und danach eines allgemeinen
Par=
teitages für unvermeidlich. Es iſt ihm ganz
unverſtänd=
lich, daß nationalliberale Männer für den Abgeordneren
Auguſt Bebel als Präſidenten des deutſchen Reichstages
ſtimmen konnten. Er ſieht in dieſem Verhalten ein durch
nichts zu rechtfertigendes Abkehren von den Traditionen
und Grundſätzen der Nationalliberalen Partek. Er
be=
dauert es ferner außerordentlich, daß auch für die Wahl
des Abgeordneten Scheidemann eine größere Anzahl
Na=
tionalliberaler geſtimmt hat. Bei aller Anerkennung der
Tatſache, daß ſich die Reichstagsfraktion in einer
außer=
ordentlich ſchwierigen Lage befand, muß doch
ausgeſpro=
chen werden, daß das Vertrauen zu der gegenwärtigen
Leitung der Partei durch dieſe Ereigniſſe ſtark
erſchüttert iſt. Der Vorſtand hält es heute
mehr als je für die Aufgabe des Vereins,
ſeinen Standpunkt innerhalb der Partei zu
vertre=
ten und im Reichstage dafür zu ſorgen, daß eine
Wieder=
holung derartiger Vorkommniſſe in der Nationalliberalen
Partei unter allen Umſtänden ausgeſchloſſen bleibt. Wenn
ſich dennoch herausſtellen ſollte, daß dafür keine Gewähr
gegeben iſt, werden weitere Entſchließungen zu treffen
ſein. Der Vorſtand beauftragt ſeine Vertreter im
Zen=
tralvorſtand der Partei, nach den vorſtehend
niedergeleg=
ten Grundſätzen zu verfahren.
Aehnliche Kundgebungen liegen vor aus Braunſchweig
und Leipzig.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Der gemeinſame Finanzminſiſter Bu
rian erbat von dem Monarchen die Enthebung von
ſeinem Amt. Das alleinige Motiv iſt der Umſtand, daß
infolge der Ernennung Berchtolds, der ungariſcher
Staats=
angehöriger iſt, zum Miniſter des kaiſerlichen und
kö=
niglichen Hauſes und des Aeußern im Falle des
wei=
teren Verbleibens Burians im Amte entgegen der bisher
ſtets eingehaltenen Gepflogenheit nunmehr zwei Ungarn
in dem gemeinſamen Miniſterium wären. Der Kaiſer
hat über das Demiſſionsgeſuch noch keine Entſcheidung
getroffen. Der Kaiſer vereidigte am Vormittag den
Mi=
niſter des Aeußern Berchtold.
Frankreich.
Poincaré bleibt. Das Echo de Paris
demen=
tiert das in parlamentariſchen Kreiſen verbreitete Gerücht,
wonach Miniſterpräſident Poincaré nunmehr nach
Erle=
digung des deutſch=franzöſiſchen Abkommens und nach
Annahme des weſentlichen Artikels der Wahlreform
ſei=
tens der Kammer ſeine Hauptaufgabe als beendet anſehe,
und die erſte Gelegenheit ergreifen wolle, um
zurückzu=
treten. Eine der Regierung naheſtehende Perſönlichkeit
erklärte einem Redakteur des genannten Blattes,
Poin=
caré halte es für ſeine Pflicht, die von ihm übernommene
Leitung der Statsgeſchäfte ſolange zu bewahren, als ſein
Kabinett das Vertrauen des Parlaments genieße. Er
halte übrigens ſein Werk nicht für beendet, ſondern ſei
der Anſicht, daß er von dem Parlament und dem Land,
das von ihm in der Regierungserklärung dargelegte
Programm der inneren und äußeren Politik zu
verteidi=
gen habe. Im Kabinett herrſche unter allen Mitgliedern
über alle Fragen volle Einigkeit.
Die Wahlreformvorlage. In
parlamenta=
riſchen Kreiſen glaubt man, daß die Wahlreformvorlage
noch im Laufe dieſes Jahres vor den Senat gelangen
und mit den von dieſem vorgenommenen
Aenderun=
gen zu Anfang 1913 von der Kammer angenommen
wer=
den würde. Die nächſten Kammerwahlen würden dann
bereits auf Grund des neuen Wahlgeſetzes ſtattfinden.
Amerika.
Vereinigte Staaten. Wie jetzt bekannt wird,
ſoll der Hauptzweck der Reiſe des Staatsſekretärs Knox
nach Mittelamerika eine Verſtändigung mit Mexiko ſein.
Man will einen guten Eindruck auf die Mexikaner
ma=
chen, indem der Staatsſekretär mit einem Kriegsſchiff und
in vollen Ehren als Sondergeſandter erſcheint. Herr
Knox reiſt am 23. Februar auf dem Kreuzer „Waſhington”
nach Panama, Coſtarica, Nicaragua, Honduras,
Salva=
dor, Guatemala und Mexiko, wo ein dreitägiger
Aufent=
halt geplant iſt, dann zurück über Panama, Kolumbia,
Venezuela, Portorico und Kuba. Die Meldungen aus
Mexiko berichten von völliger Anarchie.
Argentinien und Paraguay. Nachdem
Paraguay Genugtuung gewährte, erfolgte die
Unter=
zeichnung des Protokolls, wodurch zwiſchen Argentinien
und Paraguay die Beziehungen wieder hergeſtellt
werden.
Perſien.
Derbritiſche und der ruſſiſche Geſandte
haben am Sonntag der perſiſchen Regierung die
erwar=
tete gemeinſame Erklärung übermittelt. Ihr Inhalt iſt
nicht veröffentlicht worden.
Der Exſchah. In Teheran erhält ſich das
Ge=
rücht, daß der Exſchah nicht bereit ſei, die Apanage von
50000 Temans anzunehmen und unter Verzicht auf ſeine
Thronrechte Perſien zu verlaſſen. Weitere Meldungen
be=
ſagen, er ſoll ein großes Heer ſammeln, um im Frühjahr
gegen Teheran zu ziehen. Die Regierung beabſichtigt
nun, ſchnell ein neues Parlament einzuberufen, um eine
Anleihe zu ermöglichen.
* Berlin, 19. Febr. Bei der Feſtiafel im
Schloſſe zu Kiel hielt der Kaiſer eine Anſprache,
deren Wortlaut uns drahtlich mitgeteilt wird: „Ich heiße
Eure Königliche Hoheit und die Prinzeſſin Thereſe von
Herzen hier willkommen und bitte Eure Königliche Hoheit,
der Dolmetſch meines Dankes und der meiner Marine
bei Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzregenten ſein zu
wollen für die große Ehre, die er derſelben erwieſen hat
durch die Erlaubnis, daß eines der neueſten Linienſchiffe
ſeinen erlauchten Namen tragen und dasſelbe durch ſeine
Tochter die Taufe empfangen darf. Eurer Königlichen
Hoheit markige Rede hat uns alle mit hoher Freude
er=
füllt. Wenn ich aus derſelben einen Satz herausgreifen
darf, ſo wähle ich den Wahlſpruch, der unter dem
Wit=
telsbacher Schilde am Bug des „Prinzregent Luitpold‟”
prangen ſoll: „In Treue feſt!” Er ſoll eine Mahnung
ſein an Offiziere und Beſatzung des Schiffes, alle ihre
Kräfte einzuſetzen im Dienſte des Vaterlandes, zu ſeinem
Schutze und zur Erhaltung der fleckenloſen Ehre ſeiner
Flagge. Er ſoll zum anderen der Welt die Feſtigkeit des
Reiches in Erinnerung bringen. Wer in ſeinem Leben
ſich mit der Kunſt beſchäftigt hät, kennt das herrliche
Ma=
terial des Moſaik und lernt die wunderbaren Bilder, die
aus ihr geformt werden, ſchätzen und bewundern. Von
ferne betrachtet ſieht er ein farbenprächtiges Geſamtbild
vor ſich, tritt er heran, ſo wird er gewahr, daß das
Kunſt=
werk aus lauter einzelnen Steinchen zuſammengeſetzt iſt,
welche von verſchiedener Form und Farbe individuell in
ſich gefeſtigte kleine Gebilde ſind. So iſt es mit unſerem
Reich. Von ferne als mächtiges Ganzes wirkend, iſt es
zuſammengeſetzt aus einzelnen Stämmen, ſtolz auf ihre
Eigenart und treu anhängend ihren angeſtammten
Für=
ſtenhäuſern, deren buntfarbigen Fähnlein ſie
Jahrhun=
derte lana gefolat ſind. Feſtgeſchart ſind alle zum Schutze
des deutſchen Reichspaniers. Heute gilt mein
Trink=
ſpruch dem älteſten und ehrwürdigſten dieſer deutſchen
Fürſten, dem Vorbild in Treue zu Kaiſer und Reich, dem
Faſtnacht.
Karnevalsbräuche früherer Zeiten.
ml. Der Faſching iſt das Ueberbleibſel der bis ins
Altertum zurückreichenden Sitte, bei öffentlichen Feſten
Narren mitwirken zu laſſen. Der Brauch, ſich durch
Poſſenreißer die Zeit vertreiben zu laſſen, ſoll während der
zehnjährigen Belagerung Trojas entſtanden ſein. Es heißt,
daß diejenigen, welche zu dem gemeinſchaftlichen Gaſtmahl
nichts Materielles beitrugen, die Anweſenden durch
Schnurren und Scherze unterhalten mußten. Später
er=
ſcheint ſchon der Narr bei den üppigen Gelagen der Griechen
als eine notwendige Perſönlichkeit: Häßlich geſchminkt, in
bunten Kleidern und mit kahlgeſchorenem Schädel, auf dem
nur einige Haarbüſchel ſtehen gelaſſen waren, tanzte der
Narr, indem er Lieder mit ägyptiſchem Akzent vortrug
oder die Schmauſenden mit ſpitzen Worten verſpottete. Auch
die Römer führten bei ihren prunkvollen Triumphzügen
Narren und rieſenhafte Fratzenbilder mit, die den Pöbel
beluſtigten.
Nicht anders war es in Deutſchland. Nicht nur
bei Hochzeiten und Turnieren mußten Narren die Pracht
des Feſtes erhöhen und die allgemeine Luſtigkeit erwecken,
auch bei kirchlichen Feſten kamen die ſeltſamſten
Poſſen=
ſpiele vor. Sogar die Prieſter wählten ſich einen
Narren=
papſt und trieben die ausgelaſſenſten Scherze. Während
heute das Karnevalstreiben auf eine kurze Zeit des Jahres
beſchränkt iſt, nahm man im Mittelalter auch an anderen
Feſttagen wie Weihnachten, Oſtern und Pfingſten
Gelegen=
heit, ſich in lächerlicher Weiſe zu kleiden, närriſche Scherze
zu treiben und es den profeſſionellen Luſtigmachern
gleich=
zutun. Ja, es wurden ſogar neue Feſte erfunden, wie das
Eſelsfeſt, zum Andenken an die Flucht Joſephs und Marias
aus Aegypten, wobei es ſehr luſtig herging. Der Narr von
Beruf war eben im Mittelalter eine allgemein beliebte und
unentbehrliche Perſon, die weder in reichen
Patrizierhäu=
ern noch an den Höfen der Fürſten und Könige fehlen
durfte. Und ſo allgemein war die Sitte, daß auch
vor=
nehme Geiſtliche ſich einen Hausnarren hielten; das zeigt
uns Holbeins berühmter „Totentanz” im Muſeum zu
Baſel: Auf dem Bilde ſehen wir bei dem ſterbenden Abte
den Hausnarren. Ebenſo finden wir in dem von Oemler
illuſtrierten berühmten „imaginibus mortis” einen
Prä=
laten, in deſſen Gefolge ſich ein Jäger mit dem
Jagdfal=
ken und ein Narr befinden, deſſen Kappe mit Eſelsohren
ge=
ziert iſt. Von einem Königsberger wird berichtet, daß die
Fleiſcher in der Faſtnacht des Jahres 1583 mit einer Wurſt
herumzogen, die 596 Ellen lang war, 434 Pfund wog und
zu der außer anderen Ingredienzien auch noch 36
Schweine=
ſchinken verbraucht wurden. Dieſes Wurſtmeiſterſtück der
löblichen Fleiſcher wurde von 91 Geſellen unter freudigem
Geſang auf hölzernen Gabeln durch die Stadt getragen.
18 Jahre ſpäter ſtellten die Fleiſcher von Königsberg am
Faſtnachtsfeſt einen neuen Rekord auf. Sie fertigten
dies=
mal eine Bratwurſt von 1005 Ellen Länge und verbrauchten
dazu 81 geräucherte Schinken und 18½ Pfund Pfeffer. Nach
dem Umzug durch die Stadt wurden die Bäcker eingeladen,
ſich an dem Wurſtſchmaus zu beteiligen. Zur Revanche
ver=
fertigten dann die Bäcker aus 12 Scheffeln Weizenmehl
drei große Striezel, deren jeder 5 Ellen lang war, und ſechs
friſche Brezeln, die unter der Beihilfe der Fleiſcher verzehrt
wurden. Auch in Nürnberg haben ehemals die Fleiſcher
an der Faſtnacht dergleichen ungeheure Bratwürſte
herum=
getragen. Am 8. Februar 1658 geſchah dies zum
letzten=
mal. Damals hatte die Wurſt eine Länge von 658 Ellen,
und ſie wog 514 Pfund. Zwölf Knechte trugen ſie an einer
Stange, die 12 Schuh lang war. Erſt im Laufe der
Jahr=
hunderte haben dieſe Scherze und Tollheiten eine
allmäh=
liche Abſchwächung erfahren. Was davon übrig blieb, zeigt
das Faſchingstreiben in den Städten am Rhein und im
Süden Deutſchlands.
Vorträge.
* Ortsgewerbeverein. „Wunder der
Technik” darf man wohl mit Recht die verſchiedenen
Apparate und Methoden zum Schweißen und Schmieden
der Metalle mit Hilfe des elektriſchen Stromes nennen,
die Profeſſor Brockmann aus Offenbach im
Orts=
gewerbeverein ſeinen zahlreichen Zuhörern vorführte.
Der Vorſitzende des Ortsgewerbevereins, Herr
Schloſſer=
meiſter Jakobi, wies in ſeiner Begrüßungsanſprache
darauf hin, daß Herr Prof. Brockmann dem Darmſtädter
Ortsgewerbeverein ſchon öfter Vorträge auf dem Gebiet
der Metallbearbeitung gehalten habe, die noch in aller
gutem Gedächtnis ſeien. Einleitend verbreitete ſich der
Redner über die ungeheueren Fortſchritte der
Elektro=
technik, die in unſeren Induſtriebetrieben das den
Men=
ſchen weiland von Prometheus geſchenkte Feuer immer
mehr entbehrlich mache. Es wurde eine große Anzahl
deutſcher und amerikaniſcher Schweißapparate und
Schweißmaſchinen erläutert. Man unterſcheidet heute
zwei verſchiedene Arten der Schweißung, die „
Stumpf=
ſchweißung” und die Punktſchweißung‟ Das Verfahren
zum Schweißen der Metalle gründet ſich im weſentlichen
darauf, daß zwei, Ende auf Ende zu ſchweißende Stäbe
von zwei leitenden Klammern erfaßt, durch einen
Wech=
ſelſtrom erhitzt, gegeneinander gedrückt werden, ſobald die
nötige Hitze erreicht iſt. An den Berührungsſtellen des
Werkſtückes findet der elektriſche Strom einen großen
Widerſtand, und ſchon nach kurzer Zeit wird das Metall
auf Schweiß= und Schmelzhitze gebracht. Prof.
Brock=
mann erläuterte eingehend die Vorteile dieſer Apparate,
die es ermöglichen, mit dem geringſten Aufwand von Zeit,
Mühe und Lohn die Werkſtücke zu bearbeiten. Gerade die
Koſtenfrage iſt eine Kardinalfrage, ſo ſei zum Beiſpiel
mitgeteilt, daß ſich die Koſten zum Schweißen eines
Flach=
eiſens von 415 Quadratmillimeter Querſchnitt auf 0,7.
Pfg. ſtellen, unter Vorausſetzung, daß der Strompreis
Prinzregenten Luitpold von Bayern, den Gott ſegnen und
ſchützen möge zum Heile Bayerns und des ganzen
deut=
ſchen Vaterlandes. Der Prinzregent lebe hoch!”
* Schloß Berg, 19. Febr. Ein heute vormittag
ausgegebenes Bulletin beſagt: Infolge der
Schlua=
beſchwerden iſt die Nahrungszufuhr beim Großherzog noch
immer erſchwert, ſodaß der Kräfteverfall und die
Ge=
wichtsabnahme voranſchreitet. Leichte
Temperaturſteige=
rung, ſowie Huſtenreiz ſtören die Nachtruhe. Die
Herz=
tätigkeit iſt befriedigend. Die Lunge zeigt keine weiteren
Erſcheinungen. Auch andere weitere krankhafte
Verän=
derungen ſind nicht zu konſtatieren. Das Bulletin iſt von
drei Aerzten unterzeichnet.
* London, 18. Febr. Die Lage in den Docks
von Glasgow wird ſtündlich ernſter, da die Dockarbeiter
ſich weigern, nach den Beſtimmungen des neuen
Abkom=
mens, das von Sir Georg Asquith vermittelt wurde, zu
arbeiten. Tauſende Tonnen von Waren im Werte von
über 1 Million Pfund Sterling liegen in den Docks.
Nie=
mand wagt ſie anzurühren. Eine Lokalfirma, die den
Schutz der Polizei nachſuchte, um eine Sendung von
Gü=
tern fortſchaffen zu können, wurde dahin verſtändigt, daß
die Polizei die Fortbringung der Waren nicht für
ange=
zeigt halte. Wenn die Firma verſuchen würde, die
Wa=
ren fortzuſchaffen, ſo würde ſie dies auf eigene Gefahr
tun. Andere Firmen lehnen es ab, ſelbſt leicht
verderb=
liche Güter weiterzuſchaffen, wofern nicht für militäriſchen
Schutz geſorgt wird.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 20. Februar.
* Vom Hofe. Ihre Königl. Hoheit die
Groß=
herzogin empfingen am Samstag mittag 12 Uhr im
Neuen Palais Frau Schliephake aus Friedberg. —
Prinz Reinhard zu Solms=Lich iſt am
Sonntag vormittag 7 Uhr 43 Min. zum Beſuch im Neuen
Palais eingetroffen und abends 10 Uhr 26 Min. wieder
abgereiſt. — Prinzeſſin Marie zu Solms=
Lich iſt am Sonntag mittag 12 Uhr 14 Min.
ab=
gereiſt. (Darmſt. Ztg.)
* Auszeichnung. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog haben dem Lehrer für Naturwiſſenſchaften an
der Wein= und Obſtbauſchule zu Oppenheim Dr. Franz
Muth den Charakter als Profeſſor erteilt.
* Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog den Aſſiſtenzarzt Dr. Wilhelm Schmeel aus
Darmſtadt zum Oberarzt der Landesirrenanſtalt bei
Alzey mit Wirkung vom 1. März d. J. an, den
Lehr=
amtsaſſeſſor Dr. Karl Völzing zum Oberlehrer an
der Real= und Landwirtſchaftsſchule zu Groß=Umſtadt,
den Lehramtsaſſeſſor Theodor Heuß zum Oberlehrer an
der Oberrealſchule zu Worms und den Lehramtsaſſeſſor
Auguſt Keller zum Oberlehrer an dem Wolfgang Ernſt=
Gymnaſium zu Büdingen; ferner den
Regierungsbau=
meiſter Emil Moeller zu Paderborn zum Vorſtand
eines Werkſtättenamtes in der Heſſiſch=Preußiſchen
Eiſen=
bahngemeinſchaft mit Wirkung vom 1. Februar d. J. an.
* Das Großh. Regierungsblatt Nr. 3 enthält: 1.
Be=
kanntmachung, Vereinfachung der Quittungen betreffend.
2. Bekanntmachung, Aenderung der
Ausführungsbeſtim=
mungen zu § 14 des Weingeſetzes betreffend. 3.
Bekannt=
machung, die vorläufige Beſtellung der
Verſicherungs=
behörden im Bereiche der Unfallverſicherung betreffend.
4. Bekanntmachung, die den Namen „Graf Waldemar von
Oriola’ſche Gedächtniskapelle” führende Stiftung
betref=
fend. 5. Bekanntmachung, Aufhebung der Großh.
Bau=
behörde für die Neubauten in Bad=Nauheim betreffend.
D Provinzialausſchuß. Die Tagesordnung
zur Sitzung des Provinzialausſchuſſes der Provinz
Starkenburg am Samstag, den 24. Februar,
vormittags 9½ Uhr, lautet: 1. Enteignung
von Gelände zur Eröffnung der Friedrichſtraße zu
Neu=Iſenburg. 2. Klage des ſrüheren
Gemeindeein=
nehmers Georg Riebel IV. zu Lindenfels gegen
die Fürſorgekaſſe für Gemeindebeamte ꝛc. hier. 3.
Kon=
zeſſionsgeſuch der Firma Chemiſche Fabrik Griesheim=
Elektron, Werk Oehler zu Offenbach a. M.
C. Von der Techniſchen Hochſchule. Wie bekannt,
erfreut ſich das Fach der Papierfabrikation an
hieſiger Techniſcher Hochſchule, das durch Herrn Geh.
Baurat Profeſſor Pfarr in hervorragendem Maße
ver=
treten ſind, einer ſtets wachſenden Frequenz. Im
gegen=
wärtigen Semeſter widmen ſich 61 Studierende dieſem
Fache, das erſtmals im Winterſemeſter 1909/10 geleſen
wurde. Um den derzeitigen Lehrer der Zelluloſechemie
der Hochſchule zu erhalten, erachtet die Regierung die
Errichtung einer außerordentlichen Profeſſur
für geboten und verlangt in Kapitel 37 des
Haupi=
voranſchlags hierfür 2500 Mk., deren Genehmigung der
Ausſchuß beantragt.
* Die Nationalliberalen in Heſſen. In einer am
Sonntag in Worms abgehaltenen, ſehr zahlreich
beſuch=
ten Vertrauensmännerverſammlung der
Nationalliberalen Partei des Wahlkreiſes
Worms-Heppenheim-Wimpfen wandte man ſich erſtens
dagegen, daß bei der Wahl des Reichstagspräſidiums
An=
gehörige der nationalliberalen Fraktion für die Wahl
eines Sozialdemokraten eingetreten ſind und zweitens
dagegen, daß in einer kürzlich in Frankfurt a. M.
ſtatt=
gefundenen Vertrauensmännerverſammlung einige
Mit=
glieder der Nationalliberalen Partei, beſonders
Jung=
liberale, den Ausſchluß der Herren v. Heyl und Dr. Becker
ſowie den Ausſchluß des Nationalliberalen Vereins
Worms aus der heſſiſchen Landespartei gefordert haben.
* Bei der herannahenden Zeit der Konfirmation und
Erſtkommunion möchten wir darauf hinweiſen, daß der
Allgemeine Verein gegen Verarmung und
Bettelei und die Städt. Armenpflege, an welch'
beide Stellen in jedem Jahre Geſuche um Unterſtützung
zur Ausrüſtung armer Kinder für die zu den genannten
kirchlichen Handlungen erforderlichen Bekleidung
heran=
treten, über die Grundſätze, nach welchen dieſe Geſuche zu
behandeln ſind, Vereinbarungen getroffen haben. Nach
dieſen wird die Städtiſche Armenpflege Unterſtützungen
für ſolche Kinder geben, deren Eltern entweder in die
Armenpflege aufgenommen ſind, oder ſich zur Aufnahme
in dieſe eignen. Der Allgemeine Verein gegen
Verarm=
ung und Bettelei wird ſich auch bei derartigen Geſuchen
von den bei ihm in Uebung befindlichen Grundſätzen
lei=
ten laſſen. Es dürfte am Platze ſein, darauf hinzuweiſen,
daß es in erſter Linie Pflicht der Eltern iſt, rechtzeitig
für Mittel zu ſorgen, aus denen die Anſchaffung
beſtrit=
ten werden kann. Iſt doch ſowohl durch die
Pfennigſpar=
kaſſe, wie durch die Knabenarbeitsanſtalt, die
Kirchenchor=
ſchulen, die Handarbeitsſchulen uſw. vielfach Gelegenheit
geboten. Zweck dieſer Zeilen iſt, hieran Beteiligte
dar=
auf nachdrücklichſt aufmerkſam zu machen, daß alle
der=
artige Geſuche insbeſondere darauf geprüft werden,
warum die Eltern ihrerſeits nicht rechtzeitig für
Anſamm=
lung der erforderlichen Mittel geſorgt haben.
* Der Familienabend des Kirchengeſangvereins der
Johannesgemeinde, der die Mitglieder dieſes Vereins
nach einer arbeits= aber auch erfolgreichen Tätigkeit im
Dienſte des kirchlichen Kunſtgeſanges nun zu einer
geſel=
ligen Feier am Freitag abend im Fürſtenſaal vereinigte,
nahm einen ſehr ſchönen Verlauf. Chor= und
Solovor=
träge — Frau Joachim, Fräulein Elske, die Herren
E. Sulzmann und Ziſſel (mit ſeinen ſehr
ſtim=
mungsvollen Waldhorn=Vorträgen) — bildeten den
Rah=
men für die mit Intereſſe erwarteten und mit
vie=
lem Beifall begrüßten Lebenden Bilder über bekannte
Lieder, deren Geſang die Darſtellung begleitete. Dazu
kamen noch Anſprachen des Vorſitzenden, des Herrn Pfr.
Dingeldey, und des Herrn Rechnungsrats Keutzer, der
namens ſämtlicher zuletzt im „Zigeunerleben”
vereinig=
ten Mitwirkenden Worte und Zeichen des Dankes für
Fräulein S. Homann hatte, die mit der glänzend und
feinſinnig durchgeführten Regie der Bilder betraut war;
ſowie eine Verloſung eines „Jochheim” die wieder zum
Beſten der Kinderſchule der Johannesgemeinde von
ſei=
nem Meiſter überlaſſen worden war. Alles in allem eine
fröhliche und ſinnige Feier des Vereins, der mit
freudi=
gem Mut zu weiteren Zielen in der Pflege des
Kirchen=
geſanges wandern wird.
* Der zweite Vortrag über Volksgeſundheitspflege,
den Herr Dr. Noellner im Auftrage den Zentrale für
Säuglingspflege und Mutterſchutz für Teilnehmerinnen
der Abendkurſe in der Hauswirtſchaftlichen
Fortbildungsſchule hält, wird nächſten
Mitt=
woch, 8¼ Uhr, in der Turnhalle, Rundeturmſtraße Nr. 9,
ſtattfinden. Der einleitende Vortrag am letzten Mittwoch
war ſehr zahlreich beſucht. Außer den Teilnehmerinnen
der Abendkurſe hatten ſich noch mehrere andere
Inter=
eſſenten eingefunden, was in anbetracht der Wichtigkeit
der Vorträge ſehr zu begrüßen iſt.
* Der Darmſtädter Sprachverein hält Samstag, den
24. Februar, abends halb 9 Uhr, Karlſtraße Nr. 15 (bei
F. Sitte) ſeine Hauptverſammlung ab. Dem
ge=
ſchäftlichen Teil geht voraus ein Vortrag des bekannten
Mundartenforſchers Profeſſor Dr. H. Reis aus Mainz
über „Die heſſiſchen Mundarten, ihre wichtigſten
Eigen=
tümlichkeiten und ihr Verhältnis zur Schriftſprache”. Bei
dieſem Vortrage ſind Gäſte, auch Damen, ſehr
willkom=
men. Näheres iſt aus dem Anzeigenteil zu erſehen.
* Vom Fernſprechuetz. In der im Juli 1912
er=
ſcheinenden Ausgabe des Teilnehmerverzeichniſſes für das
hieſige Ortsfernſprechnetz werden die Eintragungen einer
größeren Anzahl von Teilnehmern auf Wunſch eine
zweckmäßigere Faſſung erhalten und an anderer Stelle
als ſeither ſtehen, damit ſie leichter aufzufinden ſind.
Weitere Wünſche auf Aenderung der Eintragung im
Teilnehmerverzeichnis ſind dem Telegraphenamt
zweck=
mäßig bald bekannt zu geben.
S. E. Immobilienverkehr. Die Beſitzung der
Kom=
merzienrat Keller Erben, Heinrichſtraße Nr. 2, Ecke
Heidel=
bergerſtraße, wurde von Seiner Durchlaucht dem Prinzen
Wilhelm zu Löwenſtein=Wertheim=Freudenberg zum Preiſe
von 170000 Mark käuflich erworben.
§ Unfall. Am Sonntag nachmittag gegen 3½ Uhr
iſt ein 4 Jahre alter Knabe vor dem Hauſe Rheinſtraße 36
einem die Rheinſtraße herauffahrenden Motorradfahrer
wider das Rad und zwar mit dem Kopfe gegen die
Lenkſtange geſprungen. Der Knabe kam zu Fall, erlitt
an der rechten Kopfſeite eine ſtark blutende Wunde und
mußte nach dem ſtädtiſchen Krankenhaus verbracht werden.
Karneval in Darmſtadt.
Künſtler=Redoute unter Blüten.
Es iſt nun tatſächlich zum Clou der närriſchen Saiſon
geworden, das große Blütenfeſt mit Redoute der
Karne=
valgeſellſchaft Narrhalla. Es war ein ſchönes,
vornehmes und doch außerordentlich fideles, von echter
Karnevalſtimmung beherrſchtes Feſt. So ſchön, wie ſeit
langem, vielleicht überhaupt nicht, ein gleiches in
Darm=
ſtadt gefeiert wurde. Das Orpheum erwies ſich als
durch=
aus geeignet für ein Maskenfeſt in vornehmem,
künſtleri=
ſchem Rahmen. Die Rotunde des Feſtſaales war in ein
farbenfrohes Meer von Blüten getaucht. Von der Kuppel
und von den Kronen herab zogen ſich in mächtigen Bogen
bute Girlanden zu den Logen, deren Brüſtungen mit
un=
zähligen zartroſenfarbenen Apfelblütenzweigen äußerſt
ſtim=
mungsvoll geſchmückt waren. Beſonders die Mittelloge
trug dieſen Blütenſchmuck in verſchwenderiſcher Fülle. Bis
zur Decke hinauf waren Säulen und Baluſtrade
blüten=
überſät. Große dunkelrote Phantaſieblumen belebten
rings=
um wirkſam die zarte Grundfarbe und von Säule zu Säule
zogen ſich noch weiße Girlanden, ebenfalls durch vielfarbene
Blüten und Blumen reich belebt. Zu dem künſtlichen
Schmuck von den Händen geſchickter Dekorateure kamen
zahlloſe Blumen, Blüten und Pflanzen, die neben der
Bühne die Sekt=, Blumen= und Konditorſtände
geſchmack=
voll verkleideten und ſonſt im Saale verteilt waren. Die ganze
Eſtrade war zu reizenden, nach dem Saale zu durch geraffte
Stoffe einheitlich abgeſchloſſenen Lauben und Niſchen
um=
gewandelt, von denen aus ſich ein ſtets wechſelndes und
ſtets reizvolles Bild auf den in hellſter, feſtlicher
Beleuch=
tung erſtrahlenden Saal mit dem farbenfrohen Auf= und
Abgewoge eröffnete. So war nach außen hin der Charakter
des „Blütenfeſtes” in ſchönſter und wirkſamſter Weiſe
ge=
wahrt. Das Schönſte aber unter dem Blumen= und
Blü=
tenmeer waren, auch darin hatte man recht prophezeit, die
entzückenden lebenden und wandelnden Kinder Floras, die
genußfrohe und erwartungsvoll geſtimmte Schar der
Närrinnen, die in allen erdenklichen, aber durchweg
tot=
ſchicken, eleganten Koſtümen der Einladung gefolgt waren
und dem eigenartigen Feſte zu ſeinem Glanz und ſeiner
Schönheit verhalfen, die es für jeden Beſucher ſicher zu
einer der ſchönſten Erinnerungen, wenn nicht überhaupt
zur ſchönſten des Karnevals 1912 werden ließen.
Das Enſemble des Königl Belvedere=Dresden
hatte in ſeinen künſtleriſchen Darbietungen ſich dem
Fa=
ſchingscharakter des Feſtes trefflich anzupaſſen gewußt
und die Künſtlerinnnen und Künſtler gingen auf alles, was
aus dem an ſolchen Abenden gern zur Mitwirkung
be=
reiten Publikum kam, fröhlich ein. Bald bildeten die
leicht=
beſchwingten, buntſchillernden Luftſchlangen treffliche
Ver=
bindungen zwiſchen Publikum und Künſtlerſchaft, und die
ſo geſchloſſenen „zarten Bande” wurden gefeſtigt, als der
künſtleriſche Teil beendet und nach überraſchend kurzer Zeit
des Ausräumens mit dem Blütenball begonnen
wer=
den konnte. Und dieſer bildete doch unbeſtreitbar den
Glanz=
punkt des Abends. Er wurde äußerſt ſtimmungsvoll
ein=
geleitet durch eine Polonäſe, zu der den Tanzenden, oder
richtiger Schreitenden, große, langgeſtielte, phantaſievolle
Lotosblumen verſchiedenſter Farbe überreicht wurden. Und
nun kam in das Blütenmeer der Dekoration dieſes zweite
der wandelnden, bunten Rieſenblumen; das bot tatſächlich
ein geradezu entzückendes Bild, deſſen Glanz erhöht wurde
durch den jeweils die Farben wechſelnden Scheinwerfer.
Und die Geſichter der edlen Elf ſtrahlten in eitel Wonne,
10 Pfg. pro Kilowattſtunde gerechnet werden kann. Ein
Verbrennen des Materials iſt ausgeſchloſſen, da man es
ganz in der Hand hat, wieviel Wärme man zuführen will.
Für das Zuſammenſchweißen von Blech ſind beſondere
Apparate konſtruiert. Es wird das Arbeitsſtück Punkt
für Punkt zuſammengeſchweißt, es bildet ſich eine Naht,
die aber mit Hilfe beſonders für den Zweck gebauter
Ma=
ſchinen auch ſofort hergeſtellt werden kann. Iſt es nicht
nötig, flüſſigkeitsdicht zu ſchweißen, ſo genügen nur einige
Schweißpunkte, um das Werkſtück zuſammenzuhalten.
Der Vortragende glaubt, daß in vielen Fällen die
elek=
triſche Schweißung die Nietung verdrängen wird:
da=
gegen glaubt er nicht, daß die elektriſche Schweißung die
autogene Schweißung verdrängen kann, die immer noch
in den Werkſtätten der Kleinhandwerker den Arbeitsbehelf
bildet, der ſich durch billige Anſchaffung und ſonſtige
Vor=
teile auszeichnet. Sobald es ſich um Maſſenherſtellung
handelt, wird die elektriſche Schweißung vorzuziehen ſein,
was Redner an einer Anzahl ſchöner Bilder aus den
Großbetrieben der Emaillewarenfabrikation
demonſtrie=
ren konnte. In zwei Schlußbildern zeigte Redner den
Unterſchied der alten und neuen Zeit, indem er Einblick
tun ließ in eine größere Werkſtätte wo noch Rauch, Ruß
und Funkenſprühen den Raum erfüllten, wo Stücke nach
der alten Methode im Feuer zuſammengeſchweißt werden
ſollten, und einen Blick gewährte in die Werkſtätten der
Neuzeit, wo der elektriſche Strom ſeines Amtes waltet
und nicht geübte Schweißer, ſondern junge Damen
an den Schweißmaſchinen ihre Arbeit verrichten. Die
dankenswerten, lehrreichen Ausführungen des Redners
ſund die bildlichen Darſtellungen fanden den Beifall der
Verſammlung.
Feuilleton.
* Aus der Bühnenwelt. Aus Mänchen wird und
geſchrieben: Joſeph Schanderls dreiaktige Komödic
„Nachtrab” fand im Luſtſpielhaus bei der Uraufführung
beifällige Aufnahme. Es iſt eines der unerquicklichſten
Zeichen der Zeit, Lyriker von Rang, wie z. B. Hans
Mül=
ler und jetzt Joſeph Schanderl, ſo unverhüllt nach den
Tantiemen des Theaters ſchielen zu ſehen. Man ſtelle ſich
Heine, Mörike, Uhland vor, die in Wettbewerb mit
Kotzebue und Birch=Pfeiffer treten, dann wird das
Gro=
teske dieſer Erſcheinung ſo recht ſinnfällig. Der „Neue
Verein” dem wir dieſe Aufführung verdanken, verkennt
ſeine Aufgabe, ringenden Talenten den Weg zu bahnen,
ganz und gar Dieſer Friſeur=Schwank hätte ſeinen Weg
auch ohne die Hebammendienſte eines Vereins mit
ernſt=
haften Zielen gemacht. Die Bildung marſchiert. Das
Quietſchen der Damen bekundete, daß ſie auch die
verſteck=
teſten Schlüpfrigkeiten verſtanden hatten.
Spielplan des Frankfurter
Stadtthea=
ters. 1. Opernhaus: Dienstag, 20. Febr.: „
Boccac=
cio‟ — Mittwoch, 21.: „Der Roſenkavalier” —
Donners=
tag, 22.: „Die Zauberflöte‟ — Freitag, 23.: „König für
einen Tag”. — Samstag, 24.: „Der Poſtillon von
Lon=
jumeau”. — Sonntag, 25., 3¼ Uhr: „Mignon” 7 Uhr:
„Boccaccio‟ — Montag, 26.: „Martha‟ — Dienstag, 27.:
„Tiefland”. 2. Schauſpielhaus: Dienstag, 20. Febr.:
„Primeroſe‟ — Mittwoch, 21.: „Primeroſe‟ —
Donners=
tag, 22.: „Madame Sans Géne‟. — Freitag, 23.:
Ein=
maliges Gaſtſpiel von Alexander Moiſſi vom Deutſchen
Theater in Berlin: „Don Carlos” (Marquis von Poſa:
Alexander Moiſſi). — Samstag, 24.: „Heimat”. —
Sonn=
tag, 25., ½4 Uhr: „Die Vergnügungsreiſe” 7 Uhr: „
Prime=
roſe‟ — Montag, 26.: „Nach mir . .!‟ Dienstag, 27.:
„Iphigenie auf Tauris” 3. Neues Theater: Diens
tag, 20. Febr.: „Julchens Flitterwochen” — Mittwoch, 21.:
„Papa‟. — Donnerstag, 22.: „Mandragola” — Freitag,
23.: Zum 1. Male: „Die fünf Frankfurter”, Luſtſpiel in drei
Akten von Karl Rößler. — Samstag, 24.: „Die fünf
Frankfurter” — Sonntag, 25., 11½ Uhr, Matinee: Prof.
Dr. Oskar Bie, 3½ Uhr: Vorſtellung der Freien
Volks=
bühne. 8 Uhr: „Die fünf Frankfurter” — Montag, 26.,
3 Uhr: Geſchloſſene Vorſtellung. — Dienstag, 27.: „Die
fünf Frankfurter”
Spielplan des Großh. Hof=und National=
Theaters Mannheim. Dienstag, 20. Febr.:
Kinder=
vorſtellung: „Die goldene Märchenwelt” „Cabaret”
Mittwoch, 21.: „Hans Sonnenſtößers Höllenfahrt”. —
Don=
nerstag, 22.: „Der Bergſee‟. — Freitag, 23.: „Die
Jour=
naliſten”. — Samstag, 24.: „Frühlingsluft” — Sonntag,
25.: „Tosca‟. — Montag, 26.: „Der Raub der
Sabine=
rinnen”.
C. K. Aus dem finſterſten Frankreich. In der ſchönen
Bretagne herrſchen im Volke noch immer dunkelſter
Aber=
glauben und wunderliche Vorſtellungen von Hexen, Zauberei
und ſchwarzer Kunſt. Ein für dieſe abergläubiſchen Ideen
des Volkes in der Bretagne charakteriſtiſcher Vorfall hat
vor dem Polizeigericht von Saint Brieur ſeinen Abſchluß
gefunden, nachdem ein armer, unſchuldiger Eſel vorher dem
Zaubergrauben zum Opfer gefallen war. Als Angeklagte
erſchien eine Anzahl junger Burſchen; ſie hatten abends
gegen 11 Uhr das Wirtshaus verlaſſen und auf dem Wege
durch das Dorf ſtießen ſie auf einen Eſel, der mitten auf der
Straße ſtand. Sofort regten ſich in den Gemütern der
jungen Leute abergläubiſche Gedanken; ein Eſel mitten auf
der Straße — nein, das war ſicher kein wirklicher Eſel, das
mußte ein Zaubereſel ſein. Der eine flüſterte es dem andern
zu, und einer meinte ſchließlich, das ſei der Ortsgeiſtliche,
der die Macht habe, ſich an gewiſſen Tagen des Jahres in
einen Eſel zu verwandeln. Die Burſchen ſtanden
beieinan=
der, raunten und flüſterten, jeder einzelne von ihnen wäre
wahrſcheinlich am liebſten umgekehrt und ſchleunigſt
davon=
gelaufen, aber einer mochte ſich vor dem anderen ſchämen
und jeder wollte ſeinen Mut beweiſen. Und ſo traten ſiet
denn tapfer auf das Ungetüm zu und riefen herausfordernd:
„Wir haben keine Angſt vor Ihnen, Herr Pfarrer, Sie ſehent
es ja, wir haben durchaus keine Angſt vor Ihnen!”
Un=
glücklicherweiſe fiel es dem armen guten Langohr in dieſem
Augenblicke ein, ſeine Stimme zu erheben und ein kräftiges
J—a durch die Stille der Nacht ertönen zu laſſen. Die
tapferen jungen Bretonen wichen entſetzt zurück, dann aber
faßten ſie ſich ein Herz, ſtürzten auf den Eſel los und warfen
das arme Tier in eine Sandgrube. Jeder zog ſein Meſſer
und in ein paar Minuten war der Langohr regelrecht
er=
dolcht. Das beichteten ſie jetzt, ein wenig beſchämt, vor
dem Polizeirichter und erklärten: „Wir haßten ihn, denn
wir ſind Sozialiſten.” Sie haben dafür drei Wochen in
Unterſuchungshaft ſitzen müſſen und jeder von ihnen iſt jetzt
noch mit einer Geldſtrafe von 50 Francs belegt worden.
Das Urteil wird die jungen Bretonen höchſtwahrſcheinlich
noch in dem Glauben beſtärken, daß dieſer Eſel ein wahrer
Teufel in Eſelsgeſtalt ſein muß.
* Von der Treue eines Hundes wird den Münch. N.
Nachr. folgendes Geſchichtchen berichtet: Ein Herr in
als ſie die ſchier endloſe Reihe der Polonäſe überblickten.
Ueber 180 Paare wurden gezählt und dabei drängte ſich
in den Logen und Gängen noch alles in ſchier beängſtigender
Fülle. Prinz Georg Ludwig I. (Herr Plauth) führte die
Polonäſe an. Es folgten dem hohen Paare die Elfer mit
den Künſtlerinnen des Belvedere, Maud Hawley im
flotten Matroſenanzug, Trude Troll und Maria Lee in
totſchicken Pariſer Toiletten, Elſe Clermont als
herzi=
gss, übermütiges Baby, Diane Renard im reizenden,
kurzen Tanzröckchen, das ſie übrigens im Laufe des Abends
mit ſo entzückender Grazie zu bewegen wußte, daß man
be=
dauerte, die Künſtlerin nicht einmal auf der Bühne in einer
Tanzrolle zu ſehen, Hanni Weiſer als Rodlerin uſw.
Und all’ die holden „Tanzfeen des Belvedere” hielten die
ganze Nacht aus, gaben dem frohen Treiben und ſeligen
Ge=
nießen in vollen Zügen ſich hin und belebten vor allem mit
ihrer Tanzkunſt, die ſie auszuüben nicht müde wurden,
den Ball bis zum Schluſſe, der offiziell um 4 Uhr erfolgte,
inoffiziell aber bis zum neuen Morgen dauerte. Sie hatten
durchaus kein Bedürfnis, auf die „Suche nach dem echten
Lebensquell” zu gehen, den ſie hier in überſchäumender Fülle
ſprudelnd fanden. Und ſie fühlten ſich durchaus heimiſch
in dem Kreiſe, der ſtets echtes Karnevalstreiben im Rahmen
fröhlicher K unſt zu pflegen berufen iſt.
Ueber den Verlauf des einzig ſchönen Feſtes herrſchte
nur eine Stimme des Lobes und der Anerkennung, aus der
die K.=G. Narrhalla erſehen mag, daß ſie mit dem
Arrange=
ment eines wirklich vornehmen Maskenfeſtes einem
Bedürf=
nis entſprochen und daß ſie mit dieſem von künſtleriſchen
Geſichtspunkten getragenen Blütenfeſte ſich auf dem richtigen
Wege befand. Es war ein glänzendes Gelingen des erſten
Verſuches dieſer Art.
* Der Geſangverein Liederzweig feierte im großen
Feſtſaale der Turngemeinde ſeinen Maskenball. Wie
immer, war er auch diesmal eine Zugkraft für die
Lebens=
luſt und den Frohſinn der Jugend, ſowohl der
Vereins=
angehörigen, mit Gönnern und Freunden. Der Saal war
infolgedeſſen übervoll. An ſchönen und originellen
Mas=
ken war kein Mangel und auch die Aelteren erfreuten ſich
an dem luſtigen und fröhlichen Faſchingstraiben. Die
Einnahmen waren dem Zuſpruch entſprechend ſehr gut.
Eine ſchöne Nachfeier am Sonntag bei Mitglied Rapp
in Arheilgen beſchloß das in allen Teilen ſchön gelungene
Arrangement.
Faſtnachtsſonntag. Das war ein Leben und ein
Trubel in den Straßen wie ſeit langem nicht. Herrlichſtes
Frühlingswetter begünſtigte das frohe muntere
Fa=
ſchingstreiben in den Straßen, und Jung und Alt machte
in ausgiebigſter Weiſe Gebrauch von der Maskenfreiheit,
Luftſchlangen und Konfetti füllten die Straßen, die von
Muſikanten, Masken aller Art, ganzen Gruppen, auch
Wagen uſw. bis in die Abendſtunden hinein belebt waren.
Vor allem beherrſchten tagsüber die Kinder, wie üblich in
allerlei hübſche Koſtüme gekleidet, die Straßen und das
Getäte der Narrentrompeten nahm kein Ende. Abends
ſetzte ſich dann das Faſchingstreiben in den Cafés und
großen Reſtaurants fort. Sämtliche in Frage
kommen=
den Lokale waren überfüllt und dauernd flutete eine
un=
gezählte froh und ausgelaſſen geſtimmte Menge aus und
ein. Café Ernſt Ludwig mit ſeiner prächtigen
Dekora=
tion, Schloß=Café und Café Oper, alle waren
überfüllt. Wo noch ein Plätzchen frei war, wurde
es dazu benutzt, um ſich nach den Klängen der
Karnevals=
muſik im Tanze zu drehen. Das Hotel Heß nimmt mit
ſeinen karnevaliſtiſchen Veranſtaltungen in unſerer Stadt
mit eine führende Rolle ein. In ihm war an den beiden
Tagen ein ſolcher Andrang, daß kaum noch ein Platz zu
finden war. Fidele Stimmung herrſchte dort, ebenſo wie
im Hotel Britannia, wo bei den Klängen von vier
Muſik=
kapellen ſich ein rges Karnevalstreiben entfaltete. Im
Kölniſchen Hof, im Reſtaurant Schmitz, im Schützenhof,
im Reſtaurant Sitte ſchlugen die Wogen der
Faſchings=
begeiſterung ebenfalls recht hoch. Da wurde geſungen,
getanzt, Luftſchlangenſchlachten wurden geſchlagen. Ein
gut beſuchtes karnevaliſtiſches Konzert war auch auf der
Ludwigshöhe.
* Ein karnevaliſtiſches Fußballwettſpiel, veranſtaltet
von zwei Mannſchaften des Sportklubs „Haſſia” fand
auf dem Exerzierplatz ſtatt. Die eine hatte ſich in eine
Neger=Fußballmannſchaft verwandelt, das ſehr gelungen
ausſah. — Der Vorverkauf zu dem großen
Masken=
ball im Kaiſerſaale am Faſtnacht=Dienstag iſt ſehr rege.
* Karnevalgeſellſchaft Narrhalla. Der Große Rat
ſchreibt uns: Wie ſeit langen Jahren Brauch, wird auch
heuer die Karnevalgeſellſchaft Narrhalla die Saiſon durch
ein großes, allgemeines, populäres
Karne=
valfeſt in ſämtlichen Räumen des
Städti=
ſchen Saalbaues beſchließen. Der von Jahr zu
Jahr ſteigende Beſuch dieſes großen Schlußfeſtes, in
dem im loſen Zuſammenhang noch einmal alles geboten
wird, was der Karneval beut, Tanz, Geſang, Muſik und
Becherklang, Luftſchlangen= und Konfettiſchlacht, fröhliches
Maskentreiben überhaupt, kurz alles, was das
Narren=
herz begehrt, ſpricht für ſeine große Popularität. Der
Große Rat hat auch diesmal für alles geſorgt. Drei
Muſikkapellen werden zum Tanz aufſpielen. Betrieb
wird in ſämtlichen Räumen ſein. Auch der Prinz wird
dem großen Schlußfeſte ſeiner Regentſchaft mit Gefolge
einen Beſuch abſtatten. Selbſtredend auch der Große
Rat. (S. Anz.)
* Karnevaliſtiſche Ständchen. Nach alteingeführtem
Brauch konzertiert heute Dienstag nachmittag die Kapelle
Weber (Feldartillerie=Regiment Nr. 61) vor dem
Hauſe des Ehrenpräſidenten der Karnevalgeſellſchaft
Narrhalla Max Anſpach auf dem Ernſt Ludwigs=Platz
von halb 3 Uhr ab. Die Kapelle Hauske (Leibgarde=
Regiment Nr. 115) ſpielt von 3 Uhr ab vor der Wohnung
des Präſidenten Max Weiner auf dem Marktplatz.
* Heſſenbräu, Kirchſtraße 3. Am Faſtnacht=Dienstag
findet in ſämtlichen Räumen des altbekannten Lokals
großes karnevaliſtiſches Konzert bei freiem Eintritt ſtatt.
* Weiterſtadt, 19. Febr. Man ſchreibt uns: Der
hie=
ſige Geſangverein Sängerluſt hielt am Sonntag eine
Ge=
neralverſammlung ab. Hierbei wurde beſchloſſen, daß
der Verein nächſtes Jahr (1913) auf Pfingſten ſein
50jähriges Fahnenjubiläum, verbunden mit
einem großen nationalen Geſangwettſtreit, abhält. Die
Gründer des Vereins, noch ſieben Herren, jetzt im
Greiſen=
alter, wurden zu Ehrenmitgliedern ausgerufen. Es ſind
dies die Herren: Franz Schydlowski I., Joh. Hamm VII.,
Phil. Hamm III., Adam Hamm III., Phil. Jak. Becker,
Phil. Ries I. und J. Menzer. Dieſer Herren Willen iſt,
das Feſt mit der alten, ſchon ſehr vom Winde verwehten
Fahne mitzumachen. Der Verein hat ſich eines ſehr
guten und unbeſcholtenen Rufes zu erfreuen und hat ſchon
mehrere erſtklaſſige Preiſe errungen; im vergangenen
Jahre fünf. Hoffentlich wird der Verein von allen
Ge=
ſangsfreunden und Vereinen, ſowie von allen beſſeren
Kreiſen unterſtützt werden, ſodaß das Feſt ein ſchönes
wird.
Offenbach, 19. Febr. Der Optiker Frohmann,
der die Offenbacher Allgemeine Ortskrankenkaſſe ſeit
Jah=
ren durch unredliche Manipulationen erheblich geſchädigt
hat und flüchtig gegangen war, hat ſich in Darmſtadt der
Staatsanwaltſchaft geſtellt. Zuvor hätte er
der hieſigen Kriminalpolizei mitgeteilt, daß er ſich der
Darmſtädter Polizei ſtellen werde. Die Unterſuchung
der von Frohmann verübten Schwindeleien iſt noch nicht
abgeſchloſſen, ſodaß die Höhe der Summe, um welche die
Krankenkaſſe geſchädigt wurde, noch nicht angegeben
wer=
den kann. Der Umfang der Manipulationen, ſowie der
Umſtand, daß ſie ſchon eine Reihe von Jahren verübt
wurden, laſſen darauf ſchließen, daß die Krankenkaſſe
ziem=
lich erheblich geſchädigt wurde.
* Erbach, 19. Febr. Man ſchreibt uns: Das
Streich=
quartett der 61er Kapelle aus Darmſtadt gab
am letzten Freitag im Gräflichen Schloſſe zu Erbach eine
muſikaliſche Soiree. Seine Erlaucht der Graf zu Erbach=
Erbach ſprach im Laufe des Abends dem Herrn
Muſik=
meiſter Weber, welcher die Prim=Geige ſpielte,
wieder=
holt ſeine Anerkennung für die Darbietungen aus und
mußte ſich das Quartett zu mehreren Einlagen
ver=
ſtehen, welche auch von den geladenen Herrſchaften (etwa
100 Perſonen) dankbar aufgenommen wurden.
Mainz, 19. Febr. Am Samstag fand von
verſchie=
denen Truppenteilen der Mainzer Garniſon eine
mili=
täriſche Eiſenbahnübung bei der
Staatsbahn=
ſtrecke zwiſchen Heidesheim und Ingelheim ſtatt. — Der
Inhaber einer hieſigen Wirtſchaft nahm vor einigen Tagen
eine gründliche Reviſion ſeiner Gebrauchsgegenſtände vor.
Bei dieſer Gelegenheit ſtellte der Wirt feſt, daß ihm in
den letzten Monaten nicht weniger als 80 ſilberne und
ſon=
ſtige metallene Gabeln, Löffel und Meſſer, 30 Tiſchtücher
und Servietten — und über 200 Stück Porzellangeſchirre
entwendet worden waren.
Mainz, 19. Febr. In das Amtsgefängnis zu Lörrach
wurden dreijugendliche Ausreißer
eingelie=
fert die ihren Eltern in Mainz entlaufen waren. Die
Bürſchchen, die im Alter von 16—18 Jahren ſtehen, waren
mit dem Schnellzug nach Straßburg gefahren; dort
verſetz=
ten ſie ihre Ueberzieher und dampften nach Baſel. Hier
verſetzten ſie ihre Uhren und andere Gegenſtände und
wanderten auf Schuſters Rappen nach Herten, wo ſie bei
einem Wirte einkehrten und ſich den beſten Rotwein, den
er im Keller hatte, munden ließen. Als es ans Zahlen
ging, ſtellte ſich heraus, daß ſie kein Geld mehr hatten.
Daraufhin wurden ſie durch die Gendarmerie verhaftet.
Worms=Pfiffligheim, 19. Febr. Eine hochherzige
Gabe im Betrage von 1000 Mk. — 700 Mk. für den evang.
Kirchenbauverein und 300 Mk. für den
Frau=
enverein (Krankenpflege) — hat Fräulein Anna Ott
von hier zum Andenken an ihre kürzlich verſtorbene Mutter
unſerer Gemeinde zugewendet.
Oppenheim, 17. Febr. In den Rhein
geſprun=
gen iſt der Taglöhner Ph. Karl von hier. Er war
längere Zeit kränklich und deswegen lebensmüde. Geſtern
verließ er das Krankenlager und die Wohnung und kehrte
nicht mehr zurück. Die Ehefrau ließ nach dem Vermißten
ſuchen, und vormittags fand man am Wachthäuschen am
Rhein die Kleider des Lebensmüden, der den Tod im
Rhein geſucht und gefunden haben dürfte.
Mettenheim, 19. Febr. Dieſer Tage wurde bei dem
Ausgraben eines Kellers des Herrn Bürgermeiſters
Muth ein ſehr intereſſanter Fund gemacht. Die
Arbeiter ſtießen bei 4 Meter Tiefe auf ein vollſtändig
er=
haltenes Grab, das ſich nach ſachverſtändigem Urteil
als ein altfränkiſches erwies. Der Tote war, wie
der Fund ergab. in voller Ausrüſtung beſtattet worden.
Skelett und Waffenteile, als: Pfeilſpitze, Dolch, Schwert,
Lanze, Streitaxt und Feuerſtein wurden dem Wormſer
Muſeum überwieſen. Zu Füßen des Skeletts lagen gut
erhaltene Eierſchalen und ein Glas. Weiter wurden von
den Landwirten Jakob Stahl und Jakob Günther
ver=
ſchiedene Altertümer, von dem Handarbeiter Phil.
Duſt und Dr. Münch mehrere alte Münzen dem Muſeum
übergeben.
Heidesheim, 19. Jebr. Die Freiherr von Stummſche
Fideikommißverwaltung hat den Reſt der zwiſchen Hei”
desheim und Eltville gelegenen Rheininſel „
Kö=
nigswinter Au” der dem heſſiſchen Staate gehörte,
erworben. Das Neuland wird mit Obſtbäumen
an=
gepflanzt. Bezüglich einer weiteren Rheininſel im
ſo=
genannten „Kleinen Rhein” bei Heidesheim ſchweben
zwiſchen dem Staate und der Fideikommißverwaltung
Verkaufsverhandlungen.
Gießen, 18. Febr. Der Reichskanzler genehmigke die
Erhebung der Reichsbanknebenſtelle Gießen zu einer
Reichsbankſtelle. Mit der Erbauung eines
Reichs=
bankgebäudes ſoll ſofort begonnen werden.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 18. Febr. Der Königvon
Montenegro iſt geſtern abend aus Petersburg in Berlin
eingetroffen. Er gedenkt einige Tage hier zu bleiben. —
Der Prozeß Weingartners gegen den König von
Preußen wird, dem B. T. zufolge, abermals die Gerichte
be=
ſchäftigen. Bekanntlich hatte Herr v. Weingartner Klage
gegen den König von Preußen erhoben mit dem Verlangen,
daß die von der Generalintendantur erlaſſene Verfügung,
Weingartner dürfe in Berlin nicht dirigieren, aufgehoben
werde. Das Gericht hatte damals ſeine Klage abgewieſen.
Darauf appellierte der Künſtler an die nächſte Inſtanz.
Seiner Berufung iſt ſtattgegeben und Termin auf den
20. Februar anberaumt worden. Der Prozeß dürfte
je=
doch vertagt werden, da ſich Weingartner augenblicklich in
Amerika befindet. — Auf tragiſche Weiſe hat heute
vormittag der 19jährige Gymnaſiaſt Mußgenug, der Sohn
einer Charlottenburger Witwe, ſein Leben verloren.
Als ſein Hund auf der bereits ziemlich morſchen Eisdecke
des Teufelsſees einbrach, eilte trotz der Warnungen einiger
Spaziergänger der junge Mann dem Hunde nach, um ihn
zu retten. Dabei brach er ſelbſt ein. Als man ihn nach
einiger Zeit herauszog, war der Tod bereits eingetreten.
— In Zittau in Sachſen iſt ein früherer Student
verhaf=
tet worden, der im dringenden Verdacht ſteht, der
Mörder der Familie Schulze in der Alten
Jakob=
ſtraße in Berlin zu ſein. In ſeinem Beſitz wurden zahlreiche
Uhren und Ringe gefunden, die anſcheinend aus dem
Ju=
welierladen der Ermordeten ſtammen. — Das Queckſilber
des Thermometers, welches vor Kurzem noch unter dem
Gefrierpunkte ſtand, zeigte geſtern 15 Grad Wärme.
Bremen, 18. Febr. Ein Seitenſtück zu den großen
Moabiter Streikunruhen entrollte eine Verhandlung vor
dem hieſigen Schwurgericht, vor dem ſich der in
New=York geborene Arbeiter Johann Kaul wegen
Landfriedensbruchs zu verantworten hatte. Die
Anklage geht auf die Vorgänge zurück, die ſich Anfang
Oktober v. J. abſpielten und mit dem Streik der Arbeiter
der Laiſer=Brauerei in Verbindung ſtanden. Die
Ar=
beiter dieſer Brauerei hatten damals die Arbeit
nieder=
gelegt, weil ſie mit ihrer Firma in Lohndifferenzen
ge=
raten waren. Die Brauereidirektion verſuchte,
arbeits=
willige Leute heranzuziehen, um ihren ſtändigen
Ver=
pflichtungen nachkommen zu können. Am 5. Oktober
nachmittags verließ das Laſtautomobil der Brauerei den
Hof des Etabliſſements, um mit einer Ladung Bier nach
dem Freihafen zu fahren. Durch Streikpoſten wurde die
Abſicht bald bemerkt und das Automobil ſofort von
Strei=
kenden und anderen in der Nähe befindlichen Perſonen
umringt und angehalten. Das Automobil wurde geführt
von dem Werkmeiſter Sigriſt, außerdem befanden ſich
noch 4 bis 5 Arbeitswillige auf ihm. Allmählich nahm
die Haltung der Menge gegen die Inſaſſen des Wagens
aggreſſiven Charakter an; man verſuchte die Bierkiſten
von dem Wagen herunterzuſtoßen, die Arbeitswilligen
wurden mit Steinen beworfen und teilweiſe verletzt.
Sigriſt erhielt in dem Handgemenge von hinten einen
Schlag mit einer Bierflaſche auf den Kopf. Die
Arbeits=
willigen verteidigten ſich nur ſchwach, bis auf einen, der,
mit einer Art bewaffnet, die Menge davon abhielt, den
ganzen Wagen in das Waſſer zu werfen. Nachdem die
Poliziſten Verſtärkung erhalten hatten, gelang es mit
großer Mühe, das Automobil auf den Hof der Brauerei
zurückzuſchieben. Unter den johlenden und tohenden
Menſchen ſpielte, wie ſich in der Beweisaufnahme ergab,
der Angeklagte eine hervorragende Rolle. Er hat das
Automobil beſtiegen und von dort aus die Menge zur
Demolierung des Gefährts angefeuert. Kaul iſt bereits
in einer Irrenanſtalt interniert geweſen, um auf ſeinen
Geiſteszuſtand unterſucht zu werden. Ein mediziniſcher
Sachverſtändiger bekundete auch, daß er an geiſtiger
Min=
erwertigkeit leide, doch ſeien die ſtrafausſchließenden
Paſſau beſitzt ſeit ein paar Jahren einen ſchwarzen
Schnürpudel. Das Tier iſt der Familie ſehr zugetan.
Die Haustochter lag nun jüngſt mehrere Tage in einer
Klinik zu Paſſau krank danieder. Der Hund ſuchte die
ganze Wohnung während der Abweſenheit der Tochter
ab und gebärdete ſich bei einem Beſuch in der Klinik
ge=
radezu unbändig vor Freude. Als das Fräulein die
An=
ſtalt verließ, bewachte es der Pudel auf Schritt und
Tritt. Der Zufall wollte es, daß das Fräulein einen
Brief zum Nürnberger Schnellzug tragen mußte. Der
Hund glaubte, ſeine junge Herrin verreiſe, und als er
ſie gerade aus den Augen verloren hatte, ſchlüpfte er
durch die Perronſperre, lief über die Gleiſe und den
gan=
zen Zug entlang, um ſeine Beſchützerin zu ſuchen. Als
er ſie nicht bemerkte, ſprang er in einen Wagen und in
dem=
ſelben Moment fuhr der Zug ab. Das Fräulein ſuchte
nun den Hund — natürlich vergebens. — Eine Annonce
wurde in der Zeitung aufgegeben und darauf erſchien
die Tochter eines höheren Eiſenbahnbeamten in der
Wohnung eines Hundebeſitzers mit der Mitteilung, daß ſie
Zeuge war, als der Hund den Zug abſuchte und in den
Wagen ſprang. Wo befand ſich nun der Hund? In
Vils=
hofen, Oſterhofen oder einer anderen Station? Der Herr
des Tieres telephonierte die betreffenden Bahnſtationen
an, in denen der Schnellzug hält, und ſiehe da, in
Platt=
ling wurde eine Spur gefunden. Dort hat der
Bahnver=
walter nachts auf der Suche nach ſeinen Leuten den
Hund gefunden und ihn zu ſich ins Bureau genommen.
Am anderen Tage ſtand der Pudel beim Eintreffen aller
Züge bereit, offenbar in dem Glauben, ſeine Herrin
würde ihn ſuchen. Als niemand kam, lief das Tier einem
nach Deggendorf fahrenden Zuge nach und kam ganz
er=
ſchöpft nach Bankofen, wo es in einem Bauernhauſe
Unterkunft ſuchte. Der Hund kehrte dann wieder nach
Plattling zurück, wo er von den aus Paſſau nachgereiſten
Angehörigen ſeines Beſitzers in Empfang genommen
wurde. Die Freude des Tieres beim Wiederſehen war
unbeſchreiblich.
— Wölfe in Spanien. Den Stürmen und den
Ueber=
ſchwemmungen iſt in Spanien jetzt eine Kälteperiode
ge=
folgt, in den nördlicheren Landſtrichen ſind große
Schnee=
fälle zu verzeichnen und damit iſt über die ländliche
Be=
völkerung eine neue Heimſuchung hereingebrochen: eine
wahre Wolfsplage. In den Gebirgsgegenden
Spa=
niens hauſen noch heute Wölfe und durch den Schnee ſind
die ausgehungerten Raubtiere nun in die Täler hinabge=
trieben worden, wo ſie auf alle lebenden Weſen Jagd
machen und unter dem Zwange des Hungers alle Scheu
vor den Menſchen abgelegt haben. In der Nähe von
Fer=
rol wurden am Mittwoch bei der Heimkehr vom Markte
eine Anzahl Landarbeiter im Freien von den Wölfen
an=
gefallen; es gab einen wüſten Kampf, aber es gelang den
Männern ſchließlich, die ausgehungerten Beſtien in die
Flucht zu treiben. Zwei Stunden ſpäter aber griffen die
Wölfe zwei andere Arbeiter an, der eine wurde ſofort zu
Boden geworfen und zerfleiſcht, während der andere ſich
im letzten Augenblick, ſchwer verwundet, noch auf einen
Baum retten konnte, wo er ſpäter von einem Trupp Bauern
erlöſt wurde. Während ſeines Aufenthaltes in den Aeſten
mußte der Verwundete mitanſehen, wie die Wölfe zu ſeinen
Füßen den Körper ſeines Kameraden zerriſſen. Die Bauern
haben ſich jetzt zuſammengerottet, um eine große Razzia
auf die Wölfe abzuhalten, damit die Gegend von dieſen
blutgierigen und gefährlichen Gäſten der Wintersnot
be=
freit wird.
* Der verbeſſerte Hahn. In dem Dorfe Kirchheim,
nahe bei Heidelberg, hat ſich, wie die Straßb. Poſt berichtet,
ein origineller Betrug ereignet. Vor einigen Tagen hatte
der Kirchheimer Geflügelzuchtverein eine Ausſtellung
ver=
anſtaltet. Einer der Ausſteller hatte ſich aus dieſem Anlaß
von einem württembergiſchen Geflügelzüchter einen
präch=
tigen Hahn ſchicken laſſen. Die Freude an dem ſchönen Tier
dauerte jedoch nur wenige Tage, denn die ſtolzeſte Zierde
des Hahns, ſeine Schwanzfedern, fielen eine nach der andern
aus. Bei näherer Unterſuchung fand ſich, daß dem
Chan=
tecler die Federn angeleimt waren. Der betrügeriſche
Ver=
käufer hatte dem Tier die alten Federn bis auf wenige
Zen=
timeter abgeſchnitten, neue prächtige Federn in die alten
Kiele hineingeſteckt und dieſe mit einem Klebſtoff befeſtigt.
Natürlich wird der humorbegabte Betrüger ſich vor Gericht
zu verantworten haben.
* Ihre Rache. Ein eigenartiges Vorkommnis wird aus
Solingen berichtet. In einem dortigen Gaſthaus wurden
vorgeſtern Nacht fämtlichen Gäſten die Stiefel geſtohlen.
Man vermutet, daß eine Hauſiererin dieſen Diebſtahl
ver=
übt hat, die im Hotel ihre Waren verkaufen wollte, aber
hinausgewieſen wurde, und den Kellnern daraufhin drohend
zurief: „Dafür ſollt Ihr mir büßen, Ihr
Servietten=
ſchwenker!‟ Der Gaſthofsbeſitzer war genötigt, am andern
Morgen vierzehn Gäſten neue Stiefel zu kaufen.
Vorausſetzungen des § 51 St.=G.=B. nicht vorhanden.
Der Wahrſpruch der Geſchworenen lautete auf ſchuldig
des Landfriedensbruches unter Verſagung mildernder
Umſtände. Darauf verurteilte der Gerichtshof den
An=
geklagten, der noch fünf Monate Gefängnis wegen
Dieb=
ſtahls zu verbüßen hatte, zu einer Geſamtſtrafe von zwei
Jahren und zwei Monaten Zuchthaus.
Paris, 19. Febr. Durch einen Felsſturz wurde
der Eingang des im Bau befindlichen Tunnels von
Puymourens (Dep. Ariege) der transpyrenäiſchen Bahn
vollſtändig verſchüttet. Die im Tunnel eingeſchloſſenen
150 Arbeiter konnten nach mehrſtündigen Anſtrengungen
befreit werden.
Hamburg, 19. Febr. Nach amtlicher Mitteilung wird,
um eine durchgreifende Abhilfe der durch die
Witterung und den großen Verkehrsandrang
hervorgeru=
fenen Betriebsſtörung auf den Zufahrtslinien
nach Hamburg zu ſchaffen, vom Montag früh ab die
An=
nahme von Frachtgut=Wagenladungen nach den
Ham=
burger, Altonaer und Harburger Ladeplätzen bis auf
weiteres im ganzen Bereiche der preußiſch=heſſiſchen
mecklenburgiſchen und oldenburgiſchen Staatsbahn und
der angrenzenden Privatbahnen geſperrt. Die
Eiſen=
bahn ſchätzt die Dauer der Sperre auf zwei bis drei
Tage.
Kiel, 18. Febr. Der Kaiſer beſichtigte heute
nach=
mittag die Fortſchritte der Bauarbeiten am Kaiſer
Wil=
helm=Kanal und folgte abends einer Einladung des
Prin=
zen Adalbert zum Souper in deſſen Villa „Seeluſt” Um
10 Uhr 45 Minuten iſt der Kaiſer nach Berlin abgereiſt
Prinz Heinrich war zur Verabſchiedung am Bahnhof.
Paris, 18. Febr. Geſtern abend ſtürz te ſich das
20jährige Fräulein Mathilde Paulian, eine Enkelin
Frederic Paſſys vom zweiten Stock des Eiffelturms
hinunter. Ihr Körper blieb ſtark verſtümmelt auf einem
Vorſprung des erſten Stockwerkes liegen. Man glaubt,
daß das Mädchen den Selbſtmord in einem Anfalle von
Neuraſthenie verübt hat.
Marſeille, 19. Febr. Eine große Feuersbrunſt
richtete heute morgen in den Räumen des im Hafen
lie=
genden Paſſagierdampfers „Djemnah” Verwüſtungen an.
Der Schaden iſt ſehr beträchtlich. Verletzt wurde niemand.
Nantes, 19. Febr. In der vergangenen Nacht wurde
ein Teil der Bretagnewerft durch eine
Feuers=
brunſt eingeäſchert. Der angerichtete Schaden wird
auf 500 000 Franken geſchätzt.
London, 19. Febr. In Maidenhead an der Themſe
will man ein längſt verloren geglaubtes Gemälde
von Rembrandt entdeckt haben, das unter dem
Namen „Der Rattentöter” bekannt war. Es befindet
ſich jetzt in den Händen eines Herrn A. Boulting. Die
Londoner Experten, die das Bild prüften, haben es für
echt erklärt. Rembrandt ſoll das Bild um 1630 herum
gemalt haben, als er 24 Jahre alt war. Eine im
Briti=
ſchen Muſeum befindliche Radierung iſt eine genaue
Kopie des Oelbildes. Das Gemälde mißt 39148 Zoll.
Der jetzige Beſitzer hat ein Angebot von 80000 Mark
ab=
gelehnt.
London, 19. Febr. Der Kapellmeiſter Swinglen brach,
während er bei Schluß der Vorſtellung im Theater
Royal in Darwon die Nationalhymne dirigierte,
be=
wußtlos zuſammen und ſtarb bald darauf.
London, 19. Febr. Die Londoner Blätter wiſſen von
einer heldenmütigen Tat eines
Weichenſtel=
lers namens Picke zu berichten. Der Mann verlor, als
er im Begriffe war, eine Weiche zu ſtellen, plötzlich das
Gleichgewicht und fiel um, als ein Zug heranbrauſte, der
die Kleider des Weichenſtellers erfaßte und ihn über 100
Meter weit mitſchleifte. Picke, der ſchwere
Verletz=
ungen an den Armen und Beinen davontrug, ſchleppte
ſich unter den größten Anſtrengungen noch bis zu ſeinem
Wärterhäuschen, wo er noch im letzten Augenblick für den
folgenden Zug die Weiche umſtellen konnte, ſo daß ein
Unglück vermieden wurde.
Konſtantinopel, 18. Febr. Geſtern nachmittag
explo=
dierte in Kitſchevo im Wilajet Monaſtir im
Polizei=
bureau, das im Regierungsgebäude untergebracht iſt,
eine Bombe. Ein Teil des Gebäudes iſt zerſtört; ein
Attentäter wurde getötet, die übrigen ſind verhaftet.
Fünf Perſonen wurden verwundet.
Serajewo, 18. Febr. Geſtern abend fand vor der
katholiſchen Kathedrale eine kroatiſche
Kund=
gebung gegen Ungarn ſtatt. Als Wachmannſchaften
zum Auseinandergehen aufforderten, fielen mehrere
Re=
volverſchüſſe. Die Polizei wurde mit Steinen beworfen.
Dieſe räumte nunmehr den Platz mit blanker Waffe.
durch die Schüſſe wurde ein Student getötet. Mehrere
Poliziſten wurden durch Steinwürfe ſchwer verletzt. Es
kam noch zu weiteren Zuſammenſtößen zwiſchen
Poli=
zei und Demonſtranten, ohne daß jedoch jemand verletzt
wurde. Als Militär zu Hilfe kam, zerſtreuten ſich die
Demonſtranten ſofort. Um 9 Uhr abends herrſchte völlige
Ruhe. Militär hält die Straßen beſetzt. Es wurden
zahlreiche Verhaftungen vorgenommen.
New=York, 19. Febr. Die
Einbruchsverſiche=
rungsgeſellſchaften drohen angeſichts der
Epi=
demie der Straßenüberfälle in New=York mit
einer Erhöhung der Verſicherungsprämie gegen
Straßen=
raub in New=York. Die Prämien wegen Einbruches in
Warenhäuſer ſind bereits erhöht worden.
Indianapolis, 19. Febr. Im Bureau von Miſter
Frank Ryan, dem Vorſitzenden des internationalen
Ver=
bandes der Brücken= und Eiſenarbeiter, der am 13. Febr.
im Zuſamenhang mit dem Dynamitattentat der
Brüder Mac Namara verhaftet wurde, haben
Detek=
tivs unter einem Schreibpult Mikrophone angebracht,
deren Drähte nach einem Raum und zu dem Bureau führte.
In dieſem Raum nahmen Stenographen alles auf, was
in den Bureaus in den Sitzungen des Verbandes und
zwiſchen den Arbeiterführern und ihren Anwälten beraten
wurde.
Daresſalam, 19. Febr. Geſtern wurde das Urteil
des Kaiſerlichen Obergerichts in der Berufungsſache des
Freiherrn v. Wächter dem früheren Referenten des
Gouverneurs, verkündet. v. Wächter war wegen
Mein=
eides angeklagt und in der erſten Inſtanz zu 16 Monaten
Gefängnis verurteilt worden. Er wurde geſtern
frei=
geſprochen und die Koſten der Staatskaſſe auferlegt.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
* Der Richard Wagner=Verein wird auf
ſeinen letzten Vereinsabenden in dieſem Winter u. a. noch
zwei der größten deutſchen Pianiſtinnen unſerer Tage:
Frau Elly Ney und Frau Ellen Saatweber=Schlieper,
auf=
treten laſſen. Ueber Elly Ney, die bei unſerem Publikum
ſchon früher einen außergewöhnlichen Erfolg hatte, liegen
uns folgende Preßſtimmen vor: Köln: „Die vorgetragenen
Werke wurden dem Zuhörer ſo innerlich nahegebracht und
ſo gründlich nach ihrem ſeeliſchen Gehalt erſchöpft, daß Elly
Ney, auch ihre männlichen Kollegen eingeſchloſſen, in die
erſte Reihe der Pianiſten zu ſetzen iſt.” Amſterdam: „Sel=
ten erfüllte den Konzertſaal ein ſolcher Beifall wie diesmal.
Mit großer Sehnſucht wünſcht man Elly Ney hier wieder
zu hören.” Hamburg: „Es geht etwas von Elly Ney aus,
was man nicht jeden Abend erlebt, etwas von Größe, etwas
von jenem Fluidum, das die Atmoſphäre unter künſtleriſche
Hochſpannung ſetzt.” Aachen: „Elly Ney iſt eine
Künſt=
lerin von unheimlicher Kraft, dämoniſcher Glut des
Em=
pfindens, von wahrhaft genialem Können. Eine der ganz
Großen.” Frankfurt a. M.: „Die ganze Auffaſſung
er=
innerte am meiſten noch an Anton Rubinſtein, gegen deſſen
Spiel an Kraft und Großzügigkeit die Leiſtung nur
un=
weſentlich zurückſtand.” Köln: Etwas Urgewaltiges iſt in
dieſer Künſtlerin, das jeden packt. Elly Ney gehört zu den
ganz Großen.”
Parlamentariſches.
*X* Darmſtadt, 19. Febr. Der
Geſetzgebungs=
ausſchuß der Zweiten Kammer hielt am
Sams=
tag nachmittag noch eine längere gemeinſame Beratung
mit der Regierung ab, für welche die Herren Miniſter des
Innern, Exz. v. Hombergk, Geh. Rat Dr. Weber
Miniſterialrat Hölzinger und Geh. Obermedizinalrat
Dr. Lorenz erſchienen waren. Die Beratung drehte ſich
ausſchließlich um die Regierungsvorlage, betreffend die
Ausführung des Reichsviehſeuchengeſetzes vom 26. Juni
1909, reſp. um die darüber zwiſchen Regierung und
Aus=
ſchußmitgliedern noch beſtehenden
Meinungsverſchieden=
heiten. Den Hauptpunkt derſelben bildete die Feſtſetzung
des auszuſchlagenden Beitrags der Viehbeſitzer. Während
die Regierung den Ausſchlag nach der Stückzahl mit je
20 Pfennig feſtſetzen will, ausſchließlich der Pſerde, für die
der Beitrag nach je 1000 Mark Wert berechnet wird,
ver=
langte der Ausſchuß die Berechnung des Ausſchlags nach
dem Wert reſp. der Tiergattung. Hierüber wurde eine
Einigung noch nicht erzielt. Einen weiteren Differenzpunkt
bildete die Höhe der Entſchädigung. Die
Landwirtſchafts=
kammer hat beantragt, die Höchſtgrenze für Rindvieh auf
800 Mark feſtzuſetzen, während die Regierung nur 400
Mark als Wertgrenze vorſchlug. Man einigte ſich
ſchließ=
lich dahin, den Betrag von 600 Mark feſtzuſetzen.
Bezüg=
lich der Heranziehung der Viehhändler zu den Beratungen
hatte die Landwirtſchaftskammer verſchiedene Vorſchläge
gemacht, die jedoch nicht akzeptiert wurden. Es wurde
be=
ſchloſſen, daß der Viehhändler nur dann herangezogen
wer=
den ſoll, wenn er eine gewiſſe Anzahl Vieh dauernd im
Stalle hat. Es wurde übrigens bei der Beratung die
Tat=
ſache konſtatiert, daß in den von der Maul= und
Klauen=
ſeuche als verſeucht bezeichneten Gegenden des Landes nur
4 Prozent an der Seuche erkrankt waren.
Von der landwirtſchaftlichen Woche.
— Berlin, 19. Febr. Die Reichshauptſtadt ſteht
im Zeichen der großen Landwirtſchaftlichen
Woche. Nachdem in der erſten Hälfte des Monats
Fe=
bruar das Königliche Landesökonomiekollegium und der
Deutſche Landwirtſchaftsrat als die amtlichen
Landwirt=
ſchaftlichen Vertretungen des Deutſchen Reiches und der
preußiſchen Monarchie getagt haben, begannen am
heu=
tigen Montag in Berlin die Verſammlungen der großen
Landwirtſchaftlichen Organiſation: des Bundes der
Land=
wirte, der Deutſchen Landwirtſchaftsgeſellſchaft, der
Ver=
einigung der Steuer= und Wirtſchaftsreformer und der
zahlreichen Reichs= und Landesverbände für die
verſchie=
denſten landwirtſchaftlichen Berufszweige. Ueber 80000
Landwirte aus allen Teilen des Reiches und auch aus
dem Auslande bevölkern heute Berlin, das ſich völlig in
den Dienſt der großen landwirtſchaftlichen Woche geſtellt
hat. Alle großen Säle und ſonſtigen
Verſammlungs=
lokale ſind von den Landwirtſchaftlichen Tagungen mit
Beſchlag belegt; auch die Theater, Reſtaurants und die
ſonſtigen Vergnügungs= und Erholungsſtätten ſtehen im
Zeichen der grünen Invaſion. Die Kaufhäuſer und
Spe=
zialgeſchäfte wetteifern in Reklamen, um die kaufkräftigen
landwirtſchaftlichen Kreiſe, die in dieſen Tagen in Berlin
weilen, anzulocken, und die Hotels und Penſionen ſind
bis unter das Dach mit landwirtſchaftlichen Beſuchern
angefüllt. Eine goldene Flutwelle ergießt ſich über die
Reichshauptſtadt.
Neben der Generalverſammlung des Bundes der
Landwirte iſt die Hauptverſammlung der Deutſchen
Landwirtſchaftsgeſellſchaft ein bedeutſames
Ereignis der deutſchen Landwirtſchaftlichen Woche. Der
Jahresbericht der Geſellſchaft ſtellt feſt, daß die
Mitgliederzahl von 17790 im Vorjahre auf 18 453 am
1. Januar 1912 geſtiegen iſt. Die Zentralkaſſe der
Geſell=
ſchaft erzielte einen Ueberſchuß von 260000 Mark. Die
diesjährige Wanderverſammlung der Deutſchen
Land=
wirtſchaftsgeſellſchaft wird in den Tagen vom 8. bis 11.
Juni in Bad Harzbura ſtattfinden. Am 1. Januar 1912
wurde die neue Geſchäftsſtelle der Geſellſchaft für
Ver=
mittelung von Kohlen und Briketts an die Mitglieder
eröffnet. Weitere Verhandlungen der Geſellſchaft betraſen
die Sammlung von Beobachtungen bei der Trockenheit
des Jahres 1911, bei der Kartoffeldüngung und bei der
Felddüngung überhaupt. Die Düngerſtelle der
Geſell=
ſchaft hatte in Kali=Rohſalzen und Kali=Düngeſalzen,
Thomasphosphatmehl und anderen Düngerſorten einen
Umſatz von 3 773 106 Doppelzentnern. Der
Sonderaus=
ſchuß für Pflanzenſchutz reate im Oſten Deutſchlands die
Anſtellung von Beiſpielsverſuchen zur Bekämpfung von
Pflanzenſchädlingen an; außerdem behandelte er die
Frage der zweckmäßigen Bekämpfung der Mäuſeplage.
Eingehende Verſuche hierüber ſollen beſonders im
Kai=
ſer Wilhelm=Inſtitut für Landwirtſchaft in Bromberg
durchgeführt werden. In der Tierzuchtabteilung ſtand
die Durchwinterung der Niebbeſtände unter dem Einfluß
der Futterknappheit zur Debatte. Beſonderes Interoſ
erfordern auch diesmal die Verhandlungen der
Kolonial=
abteilung der Deutſchen Landwirtſchaftsgeſellſchaft, in
welcher die Frage der Zebukreuzung mit deutſchen
Vieh=
ſchlägen für koloniale Zwecke immer noch große Debatten
zeitigt, ebenſo die Frage der Viehbeſchaffung für die
Ko=
lonien, die zurzeit wegen der Verbreitung der Maul= und
Klauenſeuche faſt gänzlich ſtockt.
Der Geſchäftsbericht des Bundes der
Landwirte der der heutigen Generalverſammlung
vorgelegt wurde, führt aus: Im Jahre 1911 iſt der Bund
der Landwirte nur in einem Reichstagswahlkreiſe in der
Erſatzwahl tätia geweſen, und zwar in Gießen=Nidda in
welchem Wahlkreiſe der von der Wirtſchaftlichen
Ver=
einigung aufgeſtellte Herr Dr. Werner mit Hilfe des
Bun=
des der Landwirte gewählt wurde. Ferner hat der Bund
der Landwirte in elf Landtagserſatzwahlen Kandidaten
unterſtützt. In dieſen elf Erſatzwahlen ſiegten neun vom
Bunde der Landwirte unterſtützte Kandidaten, während
zwei Kreiſe für unſere Kandidaten verloren gingen.
So=
dann iſt der Bund der Landwirte noch in einer größeren
Anzahl von allaemeinen Landtagswahlen, wie in
Olden=
burg, Heſſen, Elſaß=Lothringen, Schwarzburg und in
Braunſchweig tätig geweſen, außerdem in einzelnen Land=
tagserſatzwahlen in den Königreichen Bayern und
Sach=
ſen. Auch in dieſen Kreiſen hat der Bund der Landwirte
zum größten Teile mit gutem Erfolg gearbeitet. Nur im
Großherzogtum Oldenburg gingen einige Kreiſe dadurch
verloren, daß bei der Erſatzwahl die Freiſinnigen ſich
nicht, wie in anderen Jahren, mit den rechtsſtehenden
Parteien gegenſeitig unterſtützten, ſondern diesmal direkt
mit den Sozialdemokraten Wahlbündniſſe hatten. Leider
iſt es ja auch bei den Hauptwahlen der verbündeten
Lin=
ken von Baſſermann bis Bebel gelungen, die Wiederwahl
einiger unſerer hervoragendſten Führer zu verhindern.
So ſchmerzlich das für unſere Sache iſt, trägt doch das
Vorgehen unſerer Gegner weſentlich zur Klärung der
Lage bei und wir werden danach in Zukunft unſere
Maßnahmen zu treffen haben. Es hat damit eine
Ent=
wickelung unſeres Parteiweſens eingeſetzt, wie ſie Herr
von Oldenburg bereits vor Jahren in der
Generalver=
ſammlung des Bundes der Landwirte vorausſagte.
Durch die Abteilung „Organiſation” inkluſive der
Geſchäftsſtellen wurden im vergangenen Jahre 18892
Verſammlungen, darunter 9478 Wahlverſammlungen,
vorbereitet und durch 151 Beamte und Redner
abgehal=
ten. Außerdem iſt insbeſondere während der
Wahlagi=
tation eine größere Anzahl hilfsbereiter
Bundesmitglie=
der durch Abhalten von Bundesverſammlungen, durch
Hausagitation uſw. unſerer Sache dienlich geweſen.
Im=
mer mehr haben ſich die Bundesfeſte als eine ſtändige und
bewährte Einrichtung erwieſen, und ſo konnten dann im
vergangenen Jahre 125 ſolcher Feſte ſtattfinden. An dem
jährlich in Berlin ſtattfindenden Lehrgange für Redner
haben 167 Herren teilgenommen. Die Mitgliederzahl iſt
in ſtetigem Steigen geblieben und hat ſeit der vorigen
Generalverſammlung um Tauſende zugenommen. Das
Bundesblatt erſchien in der Zentralausgabe in 52
Num=
mern mit 12566000 Exemplaren. Nach der
Jahreszu=
ſammenſtellung hat die Abteilung zur Vermittelung von
Dünge= und Futtermitteln im verfloſſenen Jahre die
Lie=
ferung von 6886000 Zentner im Werte von 11444706
Mark vermittelt. Dem Reviſionsverbande des Bundes
der Landwirte gehörten am 1. Januar 1912 377
Genoſſen=
ſchaften an. Die genoſſenſchaftliche Zentralkaſſe, die den
dem Reviſionsverbande des Bundes der Landwirte
an=
geſchloſſenen 377 Genoſſenſchaften bezw. Geſellſchaften,
die zu ihrem Betriebe nötigen Kapitalien vermittelt, hat
auch im abgelaufenen Geſchäftsjahre zufriedenſtellend
ge=
wirkt. Ihr Umſatz betrug rund 228 Millionen Mark. Die
geſamte Tätigkeit des Bundes wurde erledigt durch
zu=
ſammen 43 Oberbeamte und 214 Beamte.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 19. Febr. Präſident Dr. Kaempf
er=
öffnet die Sitzung um 2,20 Uhr. Auf dem Platz des
Präſi=
denten liegt aus Anlaß des 70. Geburtstages des
Präſiden=
ten Kaempf ein großer Fliederſtrauß. Der Präſident dankt
dem Schriftführer für dieſe Aufmerkſamkeit. Tagesordnung:
Fortſetzung der
Erſten Beratung des Etats.
Abg. Gans Edler Herr zu Putlitz (konſ.): Sämtliche
Etatsredner haben die Beſſerung in unſeren Reichsfinanzen
anerkannt, dagegen hat keine der neuen Steuern vor dem
Redner der fortſchrittlichen Volkspartei Gnade gefunden.
Die Erbſchaftsſteuer hat bei dieſer Partei, die ſie bis dahin
abgelehnt hatte, erſt Gnade gefunden, nachdem dieſe
Forde=
rung zu einer politiſchen Frage erhoben worden war. (
Leb=
haftes Sehr richtig! rechts). Unſere Grundſätze dieſer Steuer
gegenüber ſind nicht entkräftet worden. Ich bin beauftragt,
zu erklären, um Mißverſtändniſſe zu vermeiden, daß wir auf
urſerem ablehnenden Standpunkte verharren. (Hört, hört!
links.) und uns nicht davon abbringen laſſen werden.
Außerordentlich ſympathiſch berührt hat uns der erſte Satz
der Thronrede auf Erhaltung des Staatsgefühls. Der
Reichskanzler findet uns ſtets in Verfolgung dieſes Strebens
an ſeiner Seite. (Der Reichskanzler betritt den Saal). Das
Anwachſen der Sozialdemokratie wird auf die
wirtſchaft=
lichen Verhältniſſe zurückgeführt. Das iſt verwunderlich.
Iſt doch in der wirtſchaftlichen Lage der Arbeiter in den
letz=
ten Jahrzehnten eine ganz ungewöhnliche Beſſerung
ein=
getreten. Während der Blockära habe ich es ausgeſprochen,
daß ein großer Teil der Liberalen lieber mit den
Sozial=
demokraten als mit den Blockparteien zuſammengehen
möchte. Die Entwickelung und die Rede des Abgeordneten
v. Payer haben mir völlig Recht gegeben. Wir wollen
eine kräftige Mittelſtandspolitik. Dabei ſoll natürlich die
Sozialpolitik nicht leiden. Wir treiben die Sozialpolitik
nicht zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, ſondern im
Intereſſe der Arbeiterſchaft. Die Aufrechterhaltung der
Liebesgabe iſt für die kleinen Brenner unbedingt
erforder=
lich. (Sehr richtig! rechts. Lachen links.) Wer darüber
lacht, beweiſt, daß er von den Dingen nichts verſteht.
(Lachen.) Eine Miniſterverantwortlichkeit würde die
par=
lamentariſche Regierungsform in ſchlimmſter Geſtalt
be=
deuten. Die beantragte Aenderung der Geſchäftsordnung
lehnen wir ab, ebenſo die neue Wahlkreiseinteilung. Unter
den ſozialdemokratiſchen Wählern befinden ſich viele
na=
tional und monarchiſch geſinnte Leute. (Bravo!) Soll die
Geſundung in den politiſchen Verhältniſſen erfolgen, ſo
muß ſich die Haltung der bürgerlichen Geſellſchaft ändern.
Wir dürfen nicht indirekt oder moraliſch die
ſozialdemo=
kratiſche Bewegung fördern. (Lebhafter Beifall rechts.)
Abg. Dr. Paaſche (nat.=lib.): Die kategoriſche
Ableh=
nung der Erbſchaftsſteuer hätte der Vorredener nicht
aus=
ſprechen ſollen, bevor noch die Vorlage eingebracht iſt.
Hof=
fentlich ändert ſich noch die Haltung der Konſervativen.
(Lachen und Zurufe links.) Vom Staatsſekretär Wermuth
haben wir die Ueberzeugung, daß er den ehrlichen Willen
hat, die alte Bankerottwirtſchaft nicht wieder von neuem
beginnen zu laſſen. Die Matrikularbeiträge ſollten
urſprüng=
lich eine bewegliche Einnahme ſein. Sie ſollte ſich anpaſſen
der jeweiligen wirtſchaftlichen Lage. Jetzt ſind ſie zu einer
Rente der Einzelſtaaten an das Reich geworden. Die
Ein=
zelſtaaten haben jetzt kein Intereſſe daran, wie der Etat
auf=
gstellt wird, ob wir die Zölle hoch einſchätzen oder
niedrig. Vielleicht ließe ſich ein Vergleich finden, daß die
Grenze nach oben für die Schuldentilgung feſtgelegt wird,
damit man unrechten Matrikularbeiträgen vorbeugt. Der
ſchwarz blaue Block rühmt ſich mit den Opfern, die er
an=
geblich bei der Finanzreform gebracht hat, allerdings aus
den Taſchen anderer Leute. Hätte er die Erbanfallſteuer
bewilligt, ſo hätte das einen weſentlich beſſeren Eindruck
gemacht, das wäre eine wirklich nationale Tat geweſen.
Wir haben im Wahlkampf ſtets gegen dieSozialdemokratie
gekämpft und ſind ihr in keiner Weiſe entgegengekommen.
Immer haben wir die nationale Fahne hochgehalten. Wir
ſollten die Schrittmacher der Sozialdemokratie geweſen
ſein. Es iſt aber nachgewieſen, daß nur in vier Wahlkreiſen
auf den Sozialdemokraten Stimmen von uns entfallen ſind,
während die Konſervativen die Sozialdemokraten in 12,
und die Welfen in ſechs Wahlkreiſen unterſtützt haben, und
das Zentrum braucht nur an die Verhandlungen im Dom
zu Speyer zu denken. Man ſollte uns dankbar ſein, daß wir
bei der Präſidentenwahl bemüht waren, den Reichstag
ar=
beitsfähig zu machen. Wenn wir einen ſozialdemokratiſchen
Vizepräſidenten gewählt haben, ſo haben andere Perſonen
keine Berechtigung, daran Kritik zu üben. Republikaniſche
Beſtrebungen haben wir dadurch nicht unterſtützt. Auch
der ſchwarz=blaue Block hat früher anders darüber gedacht.
Die Wehraufgaben mit blindem Vertrauen zu bewilligen
kann uns nicht zugemutet werden. Das käme auf das Wort
vom beſchränkten Untertanenverſtand heraus, bei dem es
nur heißt: Maul halten! Wir wollen ebenfalls einen
tat=
kräftigen Schutz der nationalen Arbeit, aber keine
Bevor=
zugung der Landwirtſchaft. Wenn der Reichskanzler erklärt,
er könne keine reaktionäre und keine Politik der Linken
mit=
machen, ſo ſoll er es einmal mit der goldenen Mitte
ver=
ſuchen. Wir müſſen beſtrebt ſein, zufriedene Bürger zu
ſchaffen.
Abg. Gothein (Fortſchr. Volksp.): Konſervative und
Zentrum ſind die Schuldigen, daß wir unter einer ſolchen
großen Schuldenlaſt ſeufzen. Auch England kam erſt zu
ge=
ſunden Finanzen, als es zum Freihandel überging. Jetzt
kommt man uns ſchon wieder mit neuen Forderungen, und
Graf von Poſadowsky verlangt, daß wir ſie bedingungslos
bewilligen ſollen, das käme tatſächlich auf den beſchränkten
Untertanenverſtand heraus. Warum hat die Rechte 1909
die Erbanfallſteuer verſagt? Wenn ſie auch diesmal wieder
nicht dafür zu haben iſt, wird ſie eben ohne ſie gemacht
werden. Wir verlangen eine neue Wahlkreiseinteilung
und die Einführung der Verhältniswahl. Dies läßt ſich
mit gutem Willen ſehr leicht durchführen, auch in den kleinen
Bundesſtaatan, wenn Wahlbezirke von etwa 2 Millionen
gebildet werden. Die Auslaſſungen des Reichskanzlers zur
Präſidentenwahl haben einen provokatoriſchen Ton in unſere
Verhandlungen hineingebracht. Die ſozialdemokratiſche
Fraktion hatte als ſtärkſte Fraktion ein Recht darauf, im
Präſidium vertreten zu ſein. Da hat der Reichskanzler
garnichts darein zu reden, welche Perſonen ſich der
Reichs=
tag zu ſeiner Vertretung wählt. Wenn wir uns bereit
er=
klärt haben, für die Erweiterung der Rechte des Hauſes mit
einzutreten, ſo zielt das nur auf das hin, was
das Zentrum in Bayern bereits erreicht hat,
nämlich eine parlamentariſche Regierung. Durch die
Vertretung der Sozialdemokraten im Präſidium werden
ſie gezwungen, auch an den Aufgaben des Reichstags
prak=
tiſch mitzuarbeiten. Auch wir treiben praktiſche
Bauern=
politik, die iſt aber nur erfolgreich, wenn der
Großgrund=
beſitz kleiner wird und dafür die Zahl der Kleinbauern
ver=
mehrt wird, aber damit geht es zu langſam.
Reichskanzler v. Bethmann Hollweg: Ich will
mich auf einige kurze Bemerkungen beſchränken. Der Abg.
Gothein hat ſoeben den Wunſch ausgeſprochen, daß ich mich
nicht in die Wahl des Präſidiums hätte einmiſchan ſollen.
Dasſelbe hat auch der Abg. Ledebour in der etwas ſcharfen
Sprache am Samstag zum Ausdruck gebracht. Er hat es
eine unerhörte Einmiſchung genannt, was ich über die
Vor=
gänge bei der Wahl geſagt habe. Ich habe nicht daran
ge=
dacht, mich in die Wahl einzumiſchen, ſondern mir nur
er=
laubt, einige Bemerkungen darüber zu machen. Ich habe
nicht im geringſten daran gedacht, dem Reichstage nicht etwa
die volle Freiheit zuzugeſtehen, ſich ein Präſidium zu wählen
wie er will. Ich habe nur die Haltung der beiden liberalen
Parteien zum Gegenſtande meinar Bemerkungen gemacht
und ausgeführt, daß ſich die beiden liberalen Parteien nach
links entwickelt haben. Es ſind keine Anmaßungen und
Uebergriffe, wenn ich Betrachtungen über die Wahl des
Präſidiums anſtelle, einer Begebenheit, die das geſamte
öffentliche politiſche Intereſſe im höchſten Maße erregt hat.
Daran ſoll ich ohne ein Wort vorübergehen? Nein, meine
Herren! Kein Menſch wird mich daran hindern, die
An=
ſchauungen zum Ausdruck zu bringen, die ich für die
rich=
tigen halte. Wenn ich der eingebildete Bürokrat wäre, als
der ich oft in der Preſſe hingeſtellt werde, ſo könnte ich
ver=
ſucht werden, das zurückzugeben, was mir der Abg.
Lede=
bour in ſeiner Rede am Samstag vorgeworfen hat. In
Ihren Reden hat die Erbſchaftsſteuer einen breiten Raum
eingenommen. Ich kann ja nichts dagegen einwenden,
wenn Sie ſich über die Erbſchaftsſteuer, was die
Ver=
gangenheit angeht, unterhalten, aber ich kann mir keinen
großen Nutzen davon verſprechen, wenn Sie die kommende
Erbſchaftsſteuer zum Gegenſtand Ihrer Erörterung machen.
die Erbſchaftsſteuer in Verbindung mit der Wehrvorlage,
die Ihnen ja noch gar nicht zugegangen iſt. Ich kann nur
raten, den Zeitpunkt erſt abzuwarten, ſonſt kriegen wir
immer wieder davon zu hören, wie Deckung zu ſuchen iſt,
das iſt aber eine Aufgabe der Regierung, nicht des
Reichs=
tags. Meiner Meinung nach ſollten Sie nicht vorher
da=
rüber ſprechen, als Ihnen die Vorlage der Verbündeten
Regierungen vorliegt. Wir, der Staatsſekretär und ich,
haben nicht angefangen von der Erbſchaftsſteuer zu ſprechen,
ſondern wir haben nur erwidert auf die Bemerkungen,
die vom Hauſe gefallen ſind, und ich muß noch einmal
be=
tonen, daß den verbündeten Regierungen volle Freiheit
ge=
laſſen werden muß bei der Suche nach Decknug für neue
Ausgaben. Eine vorherige Kritik kann die ſchwierige Lage
nicht erleichtern, und ich möchte deshalb die dringende Bitte
an Sie richten, mit der Kritik bis zu dem Zeitpunkte zu
war=
ten, wenn die Verbündaten Regierungen an Sie
herange=
treten ſind. Ich will mich nun noch auf ein paar Worte
be=
ſchränken. Abg. Paaſche hat gemeint, ich ſei den Beweis
für die Linksentwickelung des Liberalismus, namentlich
der Nationalliberalen. ſchuldig geblieben. Wir wollen doch
nicht Verſtecken ſpielen. Die Frage der Entwickelung
der Nationalliberalen Partei iſt nicht nur auf Ihren
Parteitagen, ſondern auch in Ihrer Preſſe
ſchon ſeit Jahren eine Tagesfrage. Die Jungliberalen
haben ſich zuſammengetan, um die Partei weiter nach
links zu bringen. Dieſe Entwickelung brachte auch die
Frontſtellung gegen rechts. Ich will die Berechtigung
dieſer Frontſtellung nicht unterſuchen. Ich konnte es aber
nicht unterlaſſen, dies feſtzuſtellen. Dies iſt die Signatur
dieſer Bewegung in Ihren Reihen; ſie hat in den letzten
Tagen ſogar die Gnade des Berliner Tageblattes
gefun=
den. (Heiterkeit.) Aber auch abgeſehen von der
haupt=
ſtädtiſchen Preſſe ſind ſich alle Richtungen darüber einig.
Als unparteiiſchen Beobachter konnten mir alle dieſe
Tat=
ſachen nicht entgehen, um daraus meinen Schluß zu ziehen.
Belehren Sie mich eines Beſſeren und ich werde der Erſte
ſein, der das mit Freuden begrüßen würde, und ich nehme
ſchon heute mit Freude die Zuſicherung des Abgeordneten
Paaſche entgegen, daß ſich ſeine Partei nicht weiter nach
links entwickeln wird. Der Abg. Paaſche hat verſichert,
die Partei werde feſt an den alten Traditionen halten.
Sie haben das mit Heiterkei begrüßt. Ich habe das
mei=
ner Meinung nach ohne jede Spur von Ironie geſagt; ich
habe das aufgefaßt, daß die Partei die Abſicht hat, dies
zu verwirklichen. Ich glaube trotz aller Gegenſätze
zwi=
ſchen den bürgerlichen Parteien, daß ſie aufhören werden,
ſich auseinander zu entwickeln und daß der Boden
wie=
der gefunden wird, auf dem ſich die Reichspolitik ſeit der
Gründung bewegt, dem der Mitte. Daß dies kommen
möge, iſt mein innigſter Wunſch.
Abg. Bebel erklärt, daß ſich die Sozialdemokratie bei
den Verhandlungen um die Bildung des Präſidiums nur
bereit erklärt habe, die verfaſſungsmäßigen Pflichten zu
übernehmen, aber nicht auch die höfiſchen Gewohnheiten.
— Abg. Paaſche: Ich kann nur konſtatieren, daß meine
Parteikollegen bei den Verhandlungen die Stellungnahme
der Sozialdemokraten ſo verſtanden haben, daß ſie ſich auch
bereit erklärten, daß der Vizepräſident im Falle der
Be=
hinderung des Präſidenten auch das Kaiſerhoch ausbringen
würde.
Weiterberatung Dienstag 1 Uhr. Außerdem
Ge=
ſchäftsordnungsanträge und Rechnungsſachen. — Schluß
¼7 Uhr.
Luftfahrt.
* Berlin, 19. Febr. Die
Luftverkehrsge=
ſellſchaft m. b. H. hat das Paſſagier= und Reklame=
Luftſchiff „Parſeval 6‟ für die Monate Juli, Auguſt
und September 1912 an die Genoſſenſchaft Aero in
Lu=
zern verpachtet. Es wird beabſichtigt, den „Parſeval 6"
auf dem Luftwege von Berlin nach Luzern zu überführen.
Er ſoll von Luzern aus täglich Paſſagier= und
Reklame=
fahrten bezw. Mondſcheinfahrten über dem
Vierwaldſtät=
ter See mit illuminierter Gondel unternehmen; ferner
ſollen Fernfahrten um den Rigi, Bürgenſtock, ſowie nach
verſchiedenen Schweizer Städten arrangiert werden.
* London, 19. Febr. Der Hauptmann der
italie=
niſchen Luftſchifferabteilung De Winckel, der ſeit
eini=
gen Wochen in England weilt, um Aeroplane für die
italieniſche Regierung zu prüfen und eventuell zu kaufen,
ſtürzte am Samstag bei Salisbury ab, brach beide
Beine und erlitt auch andere ſchwere Verletzungen.
* London, 18. Febr. Wie die Zeitungen aus San
Franzisko melden, ſind dort zwei Zweidecker aus
einer Höhe von 100 Fuß abgeſtürzt. Der deutſche
Flieger Hoff wurde tödlich verletzt. Der Engländer
Glenmartin blieb unverletzt. Beide Flugzeuge ſind
vollſtändig zertrümmert.
Sport.
* Frankfurt, 18. Febr. Auf dem Programm der
vor kurzem begründeten Kommiſſion für flugſportliche
Veranſtaltungen in Frankfurt ſteht in erſter Reihe die
Erzwingung des 800 Meter hohen
Feld=
berges für die der hieſige Großkaufmann Wronker
einen Preis von 2000 Marl ausgeſetzt hat. Die
Entfern=
ung hin und zurück beträgt 36 Kilometer, der
Höhenunter=
ſchied zwiſchen dem Abflugsort am Rebſtock und dem
Feldberg iſt 800 Meter. Der Flug, der nach den
Beding=
ungen nur an Sonntagen ausgeführt werden darf, muß
am 3. März beendet ſein, ſo daß den Bewerbern alſo nur
noch zwei Sonntage zur Verfügung ſtehen. Heute ſollte
der Anfang gemacht werden. Auf dem Flugplatz am
Rebſtock, auf dem nun die Zeppelinhalle fertigſteht, hatte
ſich bei dem frühlingswarmen Wetter auffallend viel
Publikum eingefunden, deſſen Schauluſt befriedigt wurde,
wenn auch der Flug zum Feldberg nicht zuſtande kam.
Der Flieger Weyl, der ſich als Erſter zu dem
Wett=
kampfe gerüſtet hatte, unternahm ſchon frühzeitig auf
ſei=
nem Doppeldecker einen Verſuch. Ueber der Ebene vor
dem Taunus lag aber ein derartiger Dunſt, daß der Flug
nur mit beträchtlichen Zeitverluſten hätte ausgeführt
wer=
den können. Da ſich bei zwei ſpäter vorgenommenen
Probeflügen, die in beträchtliche Höhen führten, das
gleiche ungünſtige Bild zeigte, trat Weyl für dieſen Tag
von ſeinem Vorhaben zurück. Ein Troſtpreis, den
der=
ſelbe Stifter ausgeſetzt hatte, entſchädigte den Piloten für
ſeine Mühe. Für nächſten Sonntag haben ſich vier
Be=
werber gemeldet.
lb. Der Kampf um den Kronprinzen=
Pokal wurde am Sonntag auf dem Union=Sportplatz
zu Berlin=Mariendorf ausgetragen. Süddeutſchland
ſtellte eine tadellos ausgeglichene Mannſchaft, die in
Zu=
ſammenſpiel und Ballbehandlung dem Gegner überlegen
war. Der großen Energie der Süddeutſchen waren die
Berliner nicht gewachſen, deren Zuſammenſtellung zu
wünſchen übrig ließ. Schon in der erſten Minute nach
Spielbeginn konnten die Berliner zwar ein
Ueberraſch=
ungstor erzielen; dann waren die Süddeutſchen einige
Zeit glatt überlegen und erzielten in der 12. und in der
19. Minute zwei Tore, dem in der 30. Minute das dritte
Tor folgte. Bei Halbzeit ſtand das Sviel 3:2. In der
zweiten Spielhälfte geſtaltete ſich das Spiel
ausgegliche=
ner. Der Berliner Mannſchaft boten ſich verſchiedene
Chancen, die zum Teil ausgelaſſen wurden, öder die
Schüſſe gingen ganz knapp daneben. Süddeutſchland war
glücklicher. Der Sieg der ſüddeutſchen Mannſchaft mit
6:5 war verdient, und zum zweiten Male wandert der
Pokal nach Süddeutſchland.
Der italieniſch=türkiſche Krieg.
* Konſtantinopel, 18. Febr. Der
außer=
ordentliche dem Kriegsminiſterium gewährte
Kre=
dit von einer Million Pfund dient zur Deckung der
Kriegsauslagen. Nach ſicheren Informationen
betragen die bisherigen Kriegsausgaben 20 Millionen
Franken, deren größter Teil für den Ankauf unterſeeiſcher
Minen für die Dardanellen und für die Inſtandſetzung
der Küſtenverteidigung verwendet worden iſt.
— Konſtantinopel 19. Febr. Im hieſigen
Aus=
wärtigen Amt wird von offizieller Seite verſichert, die
Pforte habe Informationen erhalten, wonach Oeſterreich=
Ungarn und Rußland gewillt ſeien, keinerlei
Ver=
änderungen des Status quo auf dem
Bal=
kan oder Komplikationen in dieſem Gebiete zu dulden.
Sie würden, wenn nötia, ſelbſt mit den Waffen dieſe
Forderung aufrecht erhalten.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 19. Febr. Der Kaiſer iſt aus Kiel hier
wieder eingetroffen.
* München, 19. Febr. Der Prinzregent berief
den Landtag auf den 27. Februar ein.
* Stuttgart, 19. Febr. Der geſchäftsführende Ausſchuß
der nationalliberalen Partei
Württem=
bergs hat folgenden Beſchluß gefaßt: Der Ausſchuß
begrüßt die Wiederwahl Baſſermanns zum Vorſitzenden
der Reichstagsfraktion. Er ſteht einſtimmig auf dem
Standpunkt der Ablehnung der Großblockpolitik und hofft,
es werde bei der endgültigen Wahl des
Reichstagsprä=
diums gelingen, ein Geſchäftspräſidium zu bilden, in dem
neben dem Liberalismus die ſtärkſten Fraktionen des
Reichstags vertreten ſind. Sollte aber das Zentrum bei
ſeiner ablehnenden Haltung beharren, ſo wird der
Aus=
ſchuß den Eintritt eines Nationalliberalen in ein mit der
Linken zu bildendes Präſidium nicht beanſtanden.
* Erfurt, 19. Febr. Geſtern nachmittag ½4 Uhr wurde
von hier aus am nordöſtlichen Himmel ein Meteor von
ungewöhnlicher Lichtſtärke beobachtet, das mit großer
Ge=
ſchwindigkeit niederging. Drei Minuten darauf vernahm
man ein ſtarkes, donnerartiges Rollen, ſodaß viele Leute,
die das Meteor nicht geſehen hatten, glaubten, einen
Erd=
ſtoß verſpürt zu haben.
* Nordhauſen, 19. Febr. Auf die Klage des
Magde=
burger Bankvereines gegen die Stadt Stolberg
verurteilte das Landgericht die Stadt zur Erſtattung
des Schadens von 12800 Mark, der dem Bankverein
durch die Veruntreuung des Bürgermeiſters Pampel
ent=
ſtanden iſt. Ein zweiter Prozeß iſt von der Preußiſchen
Zentralgenoſſenſchaftskaſſe zu Berlin gegen die Stadt
an=
geſtrengt, weil die Kaſſe durch Veruntreuungen des
Bür=
germeiſters von Stolberg Pampel einen Schaden von
90000 Mark erleidet.
* Wien, 19. Febr. Dem Vernehmen nach wird der
Kaiſer dem Demiſſionsgeſuch des
Finanz=
miniſters Baron Burian ſtattgeben.
* Waſhington, 19. Febr. Der Geſandte Kolumbiens
ſchlug dem Staatsdepartement in nichtamtlicher Form vor,
Staatsſekretär Knox möge es für nicht angezeigt
erachten, auf ſeiner Reiſe durch Zentralamerika
Kolum=
bien zu beſuchen. Der Geſandte gab als Grund
ſeines Vorſchlags die wegen der Erwerbung des
Pana=
makanals durch die Unionſtaaten beſtehenden
Meinungs=
verſchiedenheiten zwiſchen dieſen und Kolumbien an.
Staatsſekretär Knox geht infolgedeſſen wahrſcheinlich nicht
nach Kolumbien.
H.B. Berlin, 19. Febr. Die Reichsparkei, die
bisher nur 14 Mitglieder zählte, hat den an Stelle des
Abgeordneten v. Oldenburg in Elbing gewählten
Abge=
ordneten Schröder in ihre Fraktion aufgenommen, ſo daß
die Reichspartei über 15 Mitglieder verfügt und im
Sinne der Geſchäftsordnung des Reichstages nunmehr
eine Fraktion bildet, der eine Vertretung in den
Kommiſ=
ſionen und im Senioren=Konvent zuſteht.
— Köpenick, 19. Febr. In einem Hauſe der
Schöner=
linderſtraße erfolgte vergangene Nacht beim Ableuchten
einer defekten Gasleitung eine heftige Detonation.
In der erſten Etage ſind die Decken eingeſtürzt, Türen
herausgeriſſen und Wände geborſten. Ein Ehepaar erlitt
erhebliche Brandwunden.
— Mailand, 19. Febr. Der Blitzzug Mailand=
Turin ſtieß geſtern abend beim Einfahren in die
Station Vercelli mit einem Güterzuge zuſammen. Da
die Geſchwindigkeit der Züge ſchon ſehr herabgemindert
war, wurden nur ſieben Reiſende ſchwer verletzt. Bei zwei
weiteren Unfällen in Sizilion und Tarent wurde ein
Heizer getötet verſchiedene Reiſende verwundet.
H. B. Paris, 19. Febr. Ein ſchrecklicher
Un=
glücksfall ereignete ſich geſtern bei einer Vorſtellung,
die die Menagerie Fortunio in Alancon gab. Ein
junger Radfahrer, der während der Vorſtellung auf einem
Drahtſeil über den Löwenkäfig zu fahren hatte, wurde
plötzlich vom Schwindel befallen und ſtürzte aus 6 Meter
Höhe in den Käfig, wo er mit gebrochenen Beinen liegen
blieb. Die Beſtien ſtürzten ſich ſofort auf den
Unglück=
lichen und zerfleiſchten ihn fürchterlich. Schließlich
ge=
lang es den Wärtern, die Tiere von dem entſetzlich
zu=
gerichteten Körper abzubringen. Der Zuſtand des jungen
Menſchen iſt hoffnungslos.
HB. London, 19. Febr. Die Regierung iſt weiter
eif=
rig beſtrebt, in den zwiſchen den
Bergwerksbe=
ſitzern und den Grubenarbeitern beſtehenden
ſtrittigen Fragen zu vermitteln. Der Wunſch nach einer
Intervention der Regierung beſteht jedoch bei keiner der
Parteien. 80000 Mann Truppen ſtehen bereit, im Falle
des Ausbruchs von Unruhen, nach dem Bergrevier von
Wales abzugehen.
* Waſhinaton, 19. Febr. Der Brief des hieſigen
kolumbiſchen Geſandten Oſpina, in dem dieſer den
Be=
ſuch des Staatsſekretärs Knox in
Kolum=
bien als inopportun bezeichnet, ſchuf, obwohl der
Ge=
ſandte den Brief auf eigene Verantwortung hin ſchrieb,
eine ernſte diplomatiſche Lage, da das Staatsdevartement
ihn als eine Beleidigung der Vereinigten Staaten
be=
trachtet. Die Abberufung Oſpinas wird erwartet, doch
iſt die Regierung geneigt, die Inſtruktionen Kolumbiens
an Oſpina abzutreten, die aber, wie man glaubt, die
nicht=
amtlichen Anſchauungen Oſpinas beſtätigen werden. Die
Folge einer ſolchen Beſtätigung würde der Abbruch der
diplomatiſchen Beziehungen ſein. Oſpina ſprach ſich in
dem Brief ſcharf über die Weigerung der Vereiniaten
Staaten aus, die Streitigkeiten über die
Panamakanal=
zone durch ein Schiedsgericht zu regeln. Aus dieſem
Grunde wurde der Beſuch des Staatsſekretärs als
in=
opportun bezeichnet.
Unſcheinbares
kurzes, ſtruppiges und
dünnes Haar entwickelt
ſich in kurzer Zeit zu
kräftigen und vollen
Zöpfen, wenn
regel=
mäßig nach Vorſchrift
Javolangewandtwird.
„Javol” enthält Kräuterauszüge, die dem Haare die
für=
ſein Wachstum notwendigen Beſtandteile zuführen und 88
von den Haarpapillen begierig aufgenommen werden.
„Javol” ſtärkt, kräftigt und fördert den Haarwuchs in
ungeahnter, nie erwarteter Weiſe und wird nur in
Originalflaſchen zu 2 Mark und in Doppelflaſchen zu
3,50 Mark verkauft. Es wird fetthaltig für trockenes Haar
und fettfrei für fettreiches Haar hergeſtellt. In allen
durch Auslagen kenntlich gemachten Geſchäften zu haben.
Kolberger Anſtalten für Exterikultur, Oſtſeebad Kolberg.
CARMULIUrWonE
Eine Flasche 60 Pfg. ersetzt eine Hausapotheke.
Karmelitergeist
(131.
Ach liebe Frau Schneider, was soll ich tun?
Das Kind huſtet u. ſpricht ganz heißer, der Hals iſt
rot u. ich hab ſolche Angſt. Aber ich kann doch jetzt
ſpät abends den Doktor nicht mehr holen! — Nun,
damit geben Sie dem Kind einſtweilen ſechs von
dieſen Sodener Paſtillen in warmer Milch — es ſind
die ächten von Fay — und in einer Stunde noch
einmal ſechs. Das wird vielleicht ſchon genügen und
jedenfalls wird es nützen. Kaufen Sie ſich dann
morgen eine Schachtel für 85 Pfg. in der
Apotheke=
oder Drogerie. Fays Sodener ſollten Sie
wirk=
lich immer im Haus haben. Nachahmungen
weiſe man zurück.
(3164mk
Die Plege der Stimmo
erweist sich immer mehr als ebenso notwendig wie
diejenige etwa der Hände und der Zähne. Unter
allen Mitteln, die eine klare freie Stimme schaffen,
wohltuend auf Rachen und Hals wirken, üblen
Ge=
ruch aus dem Munde nehmen, hat sich keines nur
annähernd so verbreitet und behauptet, als die in
ihrer Wirkung unvergleichlichen Wybert-Tabletten.
Sie gehören zum eisernen Bestande jedes Haushaltes,
wig Seife und Zahnpulver. Die lange ausreichende
Schachtel kostet in allen Apotheken und Drogerien
1 Mark. Niederlagen in Darmstadt: in sämtlichen
Apotheken; Drogerie von C. Finke; Germania-
Dro-
gerie, Mühlstr. 78; Bismarck-Drogerie, Ecke Karl- u.
Hügelstr.; Medizinal-Drogerie von Fr. Beckenhaub,
Ecke Schul- u. Kirchstr., u. Drogerie von C. Watzinger.
Wilhelminenst. 11.
(1993M
Hotel Darmstädter Hof
Vornehmes Sälchen für
Vertobte
zur Abhaltung von Gesellschaften, Polterabenden und
Hochzeiten bestens geeignet. (130a
„Empfohlen durch den deutschen Offiziers-Verein‟.
Großh. Hofbibliothek, geöffnet Montag bis Freitag
von 9—1 Uhr und nachmittags von 2—4 Uhr, Samstag
von 9—1 Uhr.
Familiennachrichten.
Todes-Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten
die traurige Nachricht, daß heute mein braver
Sohn, unſer Bruder, Schwager und Onkel
Herr Wilhelm Dechert
nach langem Leiden im beinahe 19.
Lebens=
jahre ſanft verſchieden iſt.
(B4286
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen:
Frau L. Dechert Witwe, geb. Lehr,
und Geſchwiſter.
Darmſtadt, den 19. Februar 1912.
Die Beerdigung findet Dienstag nachmittag
um 3 Uhr, vom Portale des Beſſunger
Fried=
hofes aus, ſtatt.
Danksagung.
Für all die vielen Beweise
freund-
licher Teilnahme bei dem Tod unsrer
lieben Entschlafenen herzlichen Dank.
Namens der Hinterbliebenen:
Stamm, Kirchenrat. (4275
Todes-Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten
die traurige Nachricht, daß unſer lieber
Schwager und Onkel
(4306
Heinrich König
Schuhmachermeiſter
heute nacht plötzlich verſchieden iſt.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Ch. Hartmann.
Darmſtadt, den 19. Februar 1912.
Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittag
um 5 Uhr, von der Friedhofskapelle aus, ſtatt.
Statt beſonderer Anzeige.
Heute morgen entſchlief ſanft nach
länge=
rem Leiden im 70. Lebensjahre meine
innigſt=
geliebte Mutter
(4296
Amalie Wilke
geb. Hug
Witwe des Hofſchauſpielers Theodor Wilke.
Der trauernde Hinterbliebene:
Karl Wilke,
Ober=Bahnaſſiſtent.
Darmſtadt, den 19. Februar 1912.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 21.
Fe=
bruar, um 11 Uhr vormittags, vom
Sterbe=
hauſe Wendelſtadtſtraße 42 aus, ſtatt.
Beileidsbeſuche dankend verbeten.
Es sind uns bei dem Heimgange
unsrer geliebten Verstorbenen so
un-
zählige Beweise wärmster Teilnahme
zugegangen, dass es uns nur auf
diesem Wege möglich ist, unseren
innigsten Dank auszusprechen.
Prof. Albert Hartmann,
Frau Geh. Baurat Marx.
Darmstadt, 19. Februar 1912.
(4300
Danksagung.
Für die wohltuende Teilnahme, die
uns beim Ableben unseres lieben
Ent-
schlafenen in so reichem Masse zuteil
geworden ist, sagen wir auf diesem
Wege herzlichen Dank.
(4254
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Sofie Engel, geb. Benner.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meines unvergeßlichen Gatten,
unſeres Vaters, Bruders und Schwagers
Ludwig Schmidt
Tapeziermeiſter.
ſagen innigſten Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Darmſtadt, 19. Februar 1912. (4280
Mertenen
Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Ab. B): „Robert und
Vertram”.
Ausſtellung von Porträtphotographien
Wil=
helminenſtraße 27 (geöffnet von 10—1 u. 3—7 Uhr).
Karnevaliſtiſche Konzerte ꝛc.: Café Ernſt Ludwig.;
— Britannia=Hotel um 7.1 Uhr. — Hotel Heß um
6 Uhr. — Schloß=Café. — Kölniſcher Hof um 6 Uhr. —
Reſtaurant Sitte. — Reſtaurant „Zur Oper”. —
Turn=
halle am Woogsplatz um 6 Uhr. — Schützenhof um
5.11 Uhr. — Reſtaurant Schmitz, Luiſenſtr. — Reſtaurant
„Zum Landgrafen — Heſſiſcher Hof um 5½ Uhr. —
Saalbau um 6.11 Uhr. — Hugenſchütz’ Felſenkeller.
Maskenball des Sportklub „Haſſia” um 7.71 Uhr im
„Kaiſerſaal”
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke
Rhein=
u. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½—11 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 4—11 Uhr.
Olympia=Kinematograph Rheinſtraße 2.
Bilder vom Tage. (Auslage Rheinſtraße 23): Das
zweite Präſidium des Reichstages; Freiherr von
Hert=
ling, der neue bayeriſche Miniſterpräſident; die
Schaf=
fermahlzeit im Hauſe „Seefahrt” in Bremen; Tote der
Woche.
Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 21. Februar.
Holzverſteigerung um ½9 Uhr in der Brücherſchen
Wirtſchaft zu Arheilgen.
Stammholz=Verſteigerung um 10 Uhr im
Rat=
haus zu Griesheim
Evangeliſations=Verſammlung des Blauen Kreuz=
Vereins um 8 Uhr Mühlſtraße 24.
Großh. Landesmutenm. Gebfner Son= und
Feiertags von 10—1 Uhr und 2—4 Uhr, Freitags
von 10—1 Uhr, ſowie Mittwochs von 2—4 Uhr
eintrittsfrei; Dienstags, Donnerstags und Samstags
von 11—1 Uhr gegen Eintrittsgeld.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.
in een ene etenenete ene eiteh ichen Brie ni ſtahte
beliebteste Mittel zu Regelung des Stuhlganges und Verhütung von Verstopfung
u-Konickt für Erwachsene und Kinder sollte in keinem Haushalt fehlen. Von zahl eichen
Aerzten wärmstens empfohlen. Originalblechdosen mit 20 Fruchtkonfitüren M1.—
Man hüte sich vor minderwertigen Nachahmungen und verlange ausdrücklich LAXIN.
(VI4264)
Kurſe vom 19. Februar 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
3f. Staatspapiere. I1 Pro=
4 Dſche. Reichsſchatzanw. 100, 10
Deutſche Reichsanl.. 91,10
82,10
do.
Preuß. Schatzanweiſg. 100,00
½ do. Conſols . . . . 91,00
82,20
do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,20
93,50
do.
83,80
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. .101,80
90,00
do.
79,80
do.
4 Hamburger Staatsanl. 100,70
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 100,40
do. do. (unk. 1918) 100,40
89,50
do.
78,80
50
Sächſiſche Rente .. 81,80
Württembergerv. 1907 100,70
da.
95,00
Bulgaren=Tabak=Anl.
½ Griechen v. 1887 . . 52,80
½ Italiener Rente . . .
4½ Oeſterr. Silberrente . 93,90
do. Goldrente . . 96,80
do. einheitl. Rente 90,.50
Portug. unif. Serie I 65,40
do. unif. Ser. III 68,10
do. Spezial. 1000
Rumänier v. 1903 . . 101,50
do. v. 1890. . 95,00
do. v. 1905. . 92,30
Saezt
4 Ruſſen v. 1880. . . . 92,00
4 Ruſſen v. 1902 . . . . 91,20
4½ do. v. 1905 . . . . 100,70
91,80
3½ Schweden. .
4 Serbieramort. v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903 84,70
4 do. unifiz. v. 1903 91,70
4 Ungar. Goldrente . . 92,25
4 do. Staatsrente . 90,40
5 Argentinier . . . . . . 101,30
88,50
do.
4½ Chile Gold=Anleihe 92,40
5 Chineſ. Staatsanleihe 100,25
95,80
do.
4½
95,70
4½ Japaner
5 Innere Merikaner . 97,50
60,95
do.
4 Gold=Merikan. v. 1904 90,50
5 Gold=Merikaner . . . 100,30
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
8 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt . . . . . . . . 142,10
.105,70
3 Nordd. Lloyd
6 Südd. Eiſenb.=Geſ.. . 124,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 69½
Einz. Mk. 408 113,75
Baltimore & Ohio. . 104,60
Gotthardbahn ..
IuVre,
6½Oeſt.=Ungar. Staatsb. 154,75
0 Deſt.Stböhn. Eond) 19,35
6 Pennſylvania R. R. 119,30
Induſtrie=Aktien.
9 Mainz. Aktienbrausrei 200,00
3 Werger=Brauerei . . 7300
25 Bad. Anil.= u. Sodafbr. 497,00
14 Fahrk Griesheim . . 254,50
27 Farbwerk Höchſt . . . 553,50
20 Verein chem. Fabriken
341,00
Mannheim . .
5 Lahmeyer ..
. 162,60
7 Schuckert.
12 Siemens &e Halske. . 238,25
30 Adlerfahrradw. Kleyer 464,50
12 Bochumer Bb. u. Guß 225,50
.203½
17 Gelſenkirchen.
.198,50
7 Harpener . .
15 Phönix, Bergb. u.
Hüt=
tenbetrieb . . . . . . . 255,80
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. . 90,00
4 Pfälzer Prt. . . . . . 100,40
do.
92,00
3½,
4 Eliſabeth., ſteuerpfl.
do. ſtenerfrei 96,20
5 Oeſterr. Staatsbahn.
do.
95,20
do. alte . 80,20
5 Oeſterr. Südbahn . . 99,80
80,10
do.
55,20
do.
77,75
Raab=Oedenburge:
89,50
Ruſſ. Südweſt.. .
Kronpr. Rudolfbahl . 96,00
In 1.
24) Livorneſer. . . . .. 71,30
4 Miſſouri=Packſie . . . 74,00
4 Bagdadbahn Mk. 408 84,50
1 Anatoliſche Eiſenb. . 97,60
5 Tehuantepe . . . . . 100,30
Bank=Aktien.
9 Berliner Handelsgef. 173,00
6½ Darmſtädter Bank. . 126,00
12½ Deutſche Bank . . . 264½
6 Deutſche Vereinsb. 125,25
10 Diskonto=Geſellſchaft 190,90
8½ Dresdner Bank . . . 158,60
6½ Miteldent. Krebitbr. 121,00
7 Nationalbk. f. Deutſchl. 126,75
.130,25
6½ Pfälzer Bank.
140,00
6,45 Reichsbank . .
7 Rhein. Kredit=Bank. 135,50
7½Wiener Bank=Verein 138,00
Pfandbriefe.
4 Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 99,20
90,00
do. S. 19. .
4 Frk. Hyp.=Kreditverein
S. 15—19, 21—26 98,50
4 Hamb.=Hypoth.=Bank 100,00
89,75
do.
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=B. 101,30
90,30
do.
3½
4 Meining. Hyp.=Bank 100,20
88.50
da.
3½,
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 99,10
do. (unk. 1914) 89,30
4 Südd. Bd.=Kr.=Br.=Pf. 100,60
90,60
do,
3½
ertig.
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt .
3½ bo.
4 Fransſass .
100,80
3½ bs.
95,90
-
4 Gichn
-
3½, ba
4 6
99,70
3½, 68.
89,60
Je
4 ala
3½
90,10
4
—
8½
4
de 100,00
3½
½
89,60
4 Mänche
§ 100,10
3½ Nauheim
90,00
4 Kürnberg.
99,90
3½ do.
90,80
4 Offenbach
2
3½ da.
-
4 Wiesbade
100,00
3½ do.
9050
4 Worms .
610
3½ ds.
4 Liſſaboner ꝛ. 1886 ₰ ₰ 80,60
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100
3½ Eöln=Mindner . 100 136,20
5 Donau=Reg. fl. 100 178,00
3 Holl. Zamm, * 100 106.25
In Pong
3 Madrider Fs. 106
4 Meining. Pr.=Pfand=
.. 136,60
briefe. .
Oeſterr. 1860er Loſe 180,00
.125,00
3 Oldenburger .
2½ Nags=Grazer fl. 159 114,50
Unverzinsliche
Aalebensloſe.
Augsburger
K.
Braunſchweiger Tlr. 20 200,60
Freiburger
Fs. 15 —
Mailändes
Fs. 45 —
Fs. 10 —
da.
ſtl. 7 —
Meininges
Oeſternichese. 1864 . 100 526,00
59. ℳ. 1858 ₰ 100 453,00
Ungsr. G6ous . 100 370,60
Benebiger Frs. 30
Tärkiſche
„ 400 170,40
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Gopereigns . .
20,47
20 Jaan==Stücke
16,25
Oeſterr. 20=Kronen ..
16,90
Amerikanfſche Noten .
419
Engliſche Noten . . . 3 20,48
Franzöfiſche Roten . . . . 81, 15
Holländiſche Roten . . . . 169, 45
Italiemſche Noten . . . . 80,75
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,90
Ruſſiſche Noten . . . . . . 216,00
Schweiger Noten . . . . . 81,05
Reichshaul=Diskonts . . . 5%
Meichäbenschemhard ZMf 60.
CalvErnerladsf
Carnvanoi
Dekoration: „Die Zeit der Apfelblüten‟
Dienstag: Konzert der Kavelle Weber (6ler
Liederbücher mit Originaldichtungen
Luftschlangenschlacht etc.
3961a!
Eintritt 50 Pfg.
Confetti verboten!
Eintritt 50 Pfg.
Saal hnotel zur fraube
Samstag, den 24. Februar, pünktlich 8 Uhr;
Klavier-Abend
von
Felemlugtie Lambrie
Programm: Bach: Allemande; Sarabande. Mozart:
Fantasie D-moll. Scarlatti: Pastorale; Capriccio.
Beethoven: Mondschein-Sonate. Schumann:
Fanta-
siestücke op. 12. Grieg: Volksweise; Papillons.
Rubin-
stein: Rève angélique. Paganini-Liszt: La campanella.
Konzert-Flügel: Julius Blüthner aus dem Magazin von
(4278ids
A. W. Zimmermann, Hoflieferant.
Karten zu Mk. 3.—, 2.—, 1.— bei Hoflieferant Georg Thies
Nachf. (Leopold Schutter), Elisabethenstr. 12, u. an der Abendkasse.
Zu dies. Klavierabend werd. ausnahmsios keine Freikarten ausgegeben.
Hugenschutz Feisenkeier
Fastnacht-Dienstag:
(*4069
Grosse Redeuf
mit einer gut besetzten Kapelle. Eintritt frei!
Brauerel-Hesiahraut glet. 1f.,
Fastnacht=Dienstag
Grosses
Karhevanstisch. Konzert
Anfang 5½ Uhr.
(4253
Eintritt frei.
Jacob Keller.
Grafen=
Grafen
ſtraße 2 Reslüdranon „Zum Preischulz ſtraße 2
Aſchermittwoch, abends 7.59 Min.:
Helterer Abend
Ausschank: Salvator der Paulauer Brauerei, München
wozu höflichſt einladet
Philipp Spilger.
4288)
Ludwigshöhe.
Jeden Mittwoch u. Samstag
Kur-Konzer 6.
Eintritt 25 Pfg. 10 Abonnementskarten zu
Mk. 1.50 ſind zu haben im Verkehrsbureau und an der Kaſſe (B10
Grafen-
Grafen-
str. 18 Schlegel J str. 18
Theater-u. Masken-Garderobe
Verleih- und Versandhaus.
— Grösstes Lager am Platze. —
VUeber 1200 Kostüme u. Dominos
für Herren, Damen u. Kinder.
Historische Kostüme für Festzüge und Kostümfeste.
Kulissen — Fahnen von 50 an
zu verleihen. (3111a
ocheleg. Damenmasten, teils
Maskenkostüme großer
neu, von 3 Mk. an zu verleih.
Auswahl von 3 Mk. an, Domino: Roßdörferſtr. 16, 1. St. (2497a
1 Mk., bis 10 Uhr abends
ge=
d. Türkin,
öffnet Stiftſtr. 89, part. (3826a Maskenkoſtüme:Stalienerin
Schwerttänzerin u. Holländerin, neu,
zu verl. Luiſenſtr. 32, I. (*3853soi
Zigeunerin, ſchön. ſchwarz. Domino
bill. zu verl. Mauerſtr. 12, I. (*3989oi
Mllessenbrau
Kirchstrasse 3.
Fastnachts-Dienstag:
Groß. Harhebanstisches
Konzert
Eintritt frei! (4306
Großherzogl. Hoftheater
Dienstag, 20. Februar.
119. Abonnem.=Vorſtellung. D 30.
Robert und Bertram.
Poſſe mit Geſang und Tanz in
4 Abteilungen von G. Räder.
Perſonen:
1. Abteilung: Die Flucht.
Robert Arreſtan= Hr. Fürgas
Bertram) ten Hr. Jordan
Strambach,
Ge=
fängniswärter,
Invalide . . . Hr. Hoff
Michel, ſein Neffe,
Bauernburſche . Hr. Bernhardt
lobe
ushel
Ed
Mühlstrasse 40, 1. Stock, Konfektion
nächst Turnhalle (Woogsplatz).
eue, nicht getragene Kostüme, Damen- und Herren-
I Dominos vom hochelegantesten bis einfachsten zu ver-
(3625a
leihen — Massanfertigung.
g weg. Geſchäfts=
Maskenanzüge aufg., Herren=
und Damenanzüge billig (*3690dsi
Karl Wolf, Gr. Ochſengaſſe 37.
(Els
Sleg. ſeid. Damendomino z. vl.
3643a) Schillerplatz 8, 1. St.
Nomino, Herren- u. Damen-Masken
bill. zu verl., Damenfrisieren
2278a) Mauerſtr. 8, II., Riesinger.
3 ſchöne Maskenkoſtüme
(Spanierin, Orientalin u. Pierrette)
billig zu verleihen
(2571t
Gutenbergſtraße 11, part.
Damen-Masken
faſt alle neu, ſeid. Koſtüme, Jung=
Deutſchland, Ruſſin, Monte=Carlo,
Roſe, Tirol., Großes Loos,
Waſſer=
roſe, Stern, Veilchen, Zigeunerin,
Gärtnerin, Pierretts in all. Farben,
Spaniſche Tänzerinnen, Soubrette,
Goldfiſch, Rokoko, Italienerin u.
verſchied. Trachten von 3 Mk. an,
Domino 1 Mk. Stiftſtr. 89, pt. (2576a
Laskenkoſtim (Schmetterling)
Mf. zierliche Figur zu verleihen
Mauerſtr. 4, part.
2564a)
Ball- und
Gesellschaftsfrisuren
werd. jederzeit elegant ausgeführt,
auch werd. noch Damen i.
Abonne=
ment angenommen. Beſtellungen
erbite Mauerſtr. 4, part.; daſ.
Kopfwaſch. f. Damen u. Trocknen
mit dem neueſten Trockenappar.
Damenſalon ſeparat. (2565a
Taſtnacht= Dienstag: Domno,
Reiſeonkel, Italiener, Gigerl,
Pierrot, Clown, Zigeunerin,
Marok=
kanerin, Indierin, Pierretten, eleg.
Münchner Kindl u. Rokoko b zu verl.
2299tgi) Georg Riesinger Mauerſtr. 8, II.
(Seltene eleg. u. Damenmaske
(Kaſtanie) billig zu verleihen
4246oi) Nied.=Ramſtädterſtr. 16, I.
Gleg. Soubretten=Maske bill.
Ez verl. Grafenſtr. 4, I. (*4070imd
Residenz-
Thledter
am weissen Turm.
Größtes und eleganteſtes
Lichtſpielhaus Heſſens.
Nur heute!
Zu jederVorſtellung
Der
Karneyals-
in
Masken
Zigeunerin, Spanierin, Italienerin
rumäniſche Bäuerin, Luſtige Witwe,
zu verleihen od. zu verk. (*4026
Müllerſtr. 35, part.
Darmstadt 1911.
Eigene Aufnahme des
Reſidenztheaters.
U. a.:
Der Empfang des Komitees
bei Sr. Königl. Hoheitden
Großherzog.
2 ſch. D.=Masken ſ. 3 u. 4 M. zu
verk. Liebfrauenſtr. 52, p. (*4235ms
Und das übrige
Schlagerprogramm!
(4255
2. Abteilung: Die Hochzeit.
Hr. Jürgas
Hr. Jordan
Erſte 1 Schild= Hr. Sautier
Zweite ) wache Hr. Göllnitz
Ein Korppral . . Hr. Dobski
Robert .
Bertram .
Mehlmeyer, Pacht. Hr. Semler
Lips, Wirt . . . Hr. Kräger
Röſel, Schenkmäd. Frl. Grünberg
.Hr. Bernhardt
Michel.
Ein Brautvater . Hr. Jungmann
Erſter 1 Land= Hr. Peterſen
Zweiterl gendarm Hr. Klotz
Hr. Fleiſchmann
Ein Kellner
3. Abteil.: Soirée u. Maskenball.
Hr. Jürgas
Robert . .
Bertram . . . . Hr. Jordan
Ipelmeyer, ein
reicher Bankier Hr. Wagner
Iſidora, ſ. Tocht. Frl. Uttmann
Samuel
Band=
heim, ſein erſter
Kommis . . Hr. Schneider
Kommerzienrätin
Forchheimer, ſ.
Couſine . . . . Fr. Rudolph
Doktor Corduan,
Hausfreund . . Hr. Lehrmann
Jack, Diener . . Hr. Knispel
4. Abteilung: Das Volksfeſt.
Robert
Bertram.
Frau Miller, Wwe.
Röſel, ihre
Pflege=
tochter
Michel
Strambach . .
Guckkaſtenfrau
Ein Ausrufer
Hr. Jürgas
Hr. Jordan
Frl. Wisthaler
Frl. Grünberg
. Hr. Bernhardt
Hr. Hoff.
Fr. Hartig
Hr. Geyer
Krank: Hr. H. Hacker, Frl. Howard.
Preiſe der Plätze (Gr. Pr.):
Proſzeniumsloge 6 Mk.,
Fremden=
loge 6 Mf. Balkonloge 5 Mk.
1. Rang 4.50 Mk., 2. Rang (1.—6.
Reihe) 2.50 Mk., (7. und 8 Reihe.
2 Mk., Sperrſitz (1.—13. Reihe)
4. Mk., (14.—20. Reihe) 3.20 Mk.,
Parterre (1.—5. Reihe) 2.70 Mk.,
(6.—8. Reihe) 2.20 Mk., 1. Galerie
1.20 Mk., 2. Galerie 60 Pfg.
Anfang 7 Uhr. — Ende 9¾ Uhr.
Kartenverk. 11—1 u. von 6 Uhr an.
Vorverkauf
von 11—1 Uhr f. d. Vorſtellungen:
Mittwoch, 21. Febr. 120. A.=V.
A 31. „Zar und
Zimmer=
mann.” Marie . Frl. Katharina
Jüttner vom Stadttheater in Metz,
a. Gaſt. Kl. Preiſe. Anf. 7 Uhr.
Donnerstag, 22. Febr 121. A.=V.
B31. „Der Freiſchütz.”
Aenn=
chen . Frl. Jüttner, a. G. Kleine
Preiſe. Anfang. 7 Uhr.
Freitag, 23. Febr. 122. Ab.=V.
C 30. Zum erſten Male
wieder=
holt: „Das Tänzchen.‟ Gr.
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Die Hoftheaterhauptkaſſe iſt an
allen Wochentagen, vormittags
von 10—12½ Uhr, geöffnet.
Samtag, 24. Februar,
Außer Abonnement
Volksvorſtell. zu erm. Preiſen,
Glaube und Heimat.
Preiſe der noch
vorhan=
denen Plätze:
Proſzeniums=
loge 2 Mk., Fremdenloge 2 Mk.,
Balkonloge 2 Mk., 1. Rang 2 Mk.
Sperrſitz 1.50 Mk.
Der Kartenverkauf zu dieſer
Vor=
ſtellung findet Freitag, 23. Febr.,
ſowie an dem darauffolgend. Tage,
vormittags von 11—1 Uhr, an der
Das Neueſte vom Tage.
Heute iſt Faſtnachtdienstag.
Das Damenſchwimmbad iſt heute nur für Damen
geöffnet. Auch Stadtverordnete haben keinen Zutritt.
Der Kaiſer ſchenkte dem Lord Churchill ein
Luxusſchiff.
Im Reichstag findet heute keine
Präſidenten=
wahl ſtatt.
Lord Haldane erklärte, daß er nach Berlin gereiſt ſei,
um ſich deutſche Brillen zu kaufen.
In Tripolis iſt noch immer Krieg.
Yuanſchikai hat ſich ſeinen Zopf abſchneiden
laſſen.
Politiſches.
Das Ergebnis des Beſuches des Lords
Halt-an in Berlin.
* Ueber den Beſuch des Lords Halt-an in Berlin
ſind in letzter Zeit ſo viele falſche Meldungen verbreitet
worden, daß eine authentiſche Aufklärung über Zweck und
Ziel dieſer Reiſe gewiß erwünſcht iſt.
Zunächſt iſt feſtzuſtellen, daß der Lord, der nur
zu=
fälliger Weiſe auch Kriegsminiſter iſt, keinen offiziöſen
Auftrag gehabt hat; er hat zwar vor der Reiſe mit dem
König und den Miniſtern konferiert, aber darin kann doch
nichts Ungewöhnliches erblickt werden. Der Beſuch in
Berlin galt nur ſeiner alten Tante, die er gern einmal
wiederſehen wollte, und wenn er auch vom Kaiſer zum
Frühſtück geladen worden iſt und mit dem Reichskanzler
eine Beſprechung gehabt hat, ſo waren dieſe rein
perſön=
licher Art. Es wurde meiſtens nur vom Wetter und den
Schönheiten der Stadt Berlin und der Höflichkeit der
Berliner, nebenbei auch von Politik geſprochen.
Immerhin kann nicht geleugnet werden, daß in der
Möglichkeit der Ausſprache, die dem Lord in Berlin
ge=
boten worden iſt, und dem Umſtand, daß es ihm nicht
unterſagt worden iſt, von Politik zu ſprechen, als ein
be=
deutungsvoller Anfang der Beſſerung in den Beziehungen
zwiſchen den beiden Nationen erblickt werden. Durch
dieſe Möglichkeit der freien Ausſprache, bei der ja
be=
ſtimmte Themata gar nicht berührt zu werden brauchen,
iſt im Prinzip ein weites Betätigungsgebiet für
diplo=
matiſche Verhandlungen geſchaffen worden, die ſich auf
alle möglichen Gebiete erſtrecken können, falls ſolche
über=
haupt in Erwägung gezogen werden ſollten. Ein
ver=
heißungsvoller Anfang nach dieſer Richtung iſt ja ſchon
gemacht worden, indem die engliſchen Miniſter nach
einan=
der frei und unbehindert Reden gehalten haben, in denen
ſie ſich einander widerſprochen haben, und der
Reichs=
kanzler im Reichstag eine ſo klare und bündige
Erklä=
rung über den Zweck und das Ergebnis der Reiſe
Halt-
ans abgegeben hat, die ja eigentlich alle weiteren.
Erör=
terungen und Zweifel an dem poſitiven Erfolg überflüſſig
machen ſollten.
Es iſt deshalb unbegreiflich, daß hier und da noch
ſolche Zweifel geäußert worden ſind. Jeder, der ſich
be=
lehren laſſen will, und ſich nicht abſichtlich der Erkenntnis
der Wahrheit verſchließt, wird aus dieſen in ſo klarer
und unzweideutiger Form abgegebenen Erklärungen und
den Folgeerſcheinungen einſehn müſſen, daß Lord
Halt-
an wirklich in Berlin geweſen iſt,
* Vom Reichstage. Heute und morgen findet
keine Präſidentenwahl im Reichstage ſtatt. So viel bis
jetzt bekannt iſt, wird bei der endgültigen
Präſidenten=
wahl der Däne Hanſen zum Präſidenten, ein Pole zum
erſten und ein Welfe zum zweiten Vizepräſidenten
ge=
wählt werden.
* Die Abrüſtungsfrage wird in kürzeſter Zeit
zur Befriedigung gelöſt werden. Da nach Ausſage
ein=
wandsfreier Zeugen die Flotte für Deutſchland ein Luxus,
für England aber eine Notwendigkeit iſt, ſoll die deutſche
Flotte an England verſchenkt werden. Dies dürfte auch
in England einen guten Eindruck machen.
* Mandatsniederlegung. Der
ſozialdemo=
kratiſche Reichstagsabgeordnete Hoch hat ſein Mandat
niedergelegt, weil die Anrufung ſeines Namens durch
Genoſſen im Reichstag vielfach zu unliebſamen
Mißdeu=
tungen Anlaß gegeben hat.
* Der Bund der Alkoholgegner hat beim
Bundesrat beantragt, die nicht mehr zeitgemäßen
Orts=
namen Weinheim, Weinberg, Weingarten, Bierbach,
Bierbergen und Seckbach einer Umtaufung unterziehen
zu laſſen.
* Der engliſche Marineminiſter
Chur=
chill hat einen Antrag auf Einführung einer
Lurus=
ſteuer für in England eintreffende deutſche Schiffe im
Parlament eingebrachk.
* Marokkaniſches. Aus dem noch nicht
ver=
öffentlichten diplomatiſchen Notenwechſel des vergangenen
Sommers zwiſchen Frankreich und Deutſchland wird jetzt
ein Schriftſtück durch Indiskretion eines Beamten bekannt,
wonach Frankreich als Entſchädigung für Deutſchlands
Verzicht auf Marokko dem Reiche den Eiffelturm
ange=
boten habe. Deutſchland ſoll nicht abgeneigt geweſen
ſein, den Eiffelturm anzunehmen, aber England habe
interveniert und mobil gemacht, weil es fürchtete, daß
mit dem Eiſen des Turmes Deutſchland neue
Panzer=
ſchiffe baue.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 20. Februar.
Die Darmſtädter Verkehrsverhältniſſe.
Eine ſenſationelle Wendung hat die letzte Beratung
der noch nicht erledigten Beſtimmungen der Verträge über
die Heſſiſche Eiſenbahn=Aktiengeſellſchaft genommen. Den
von den Stadtverordneten Dr. Lahn, Heinrich und Eßmuß
vorgeſchlagenen tiefeingreifenden Abänderungs= und
Ver=
beſſerungsvorſchlägen konnte die Bürgermeiſterei
ebenſo=
wenig wie die Mehrheit der Stadtverordneten ſich
ver=
ſchließen und man beauftragte eine Ueber=Subkommiſſion
mit Ausarbeitung neuer Vorſchläge. Dieſe Kommiſſion
hat die ganze letzte Nacht hindurch in den verſchiedenen
Cafés getagt und unterbreitet heute der Bürgermeiſterei
und Stadtverordnetenkommiſſion einen Vorſchlag, deſſen
Annahme unter allen Umſtänden geſichert ſcheint. Wir
ſind bereits in der Lage, die nichtigſten Punkte der neuen
Vorſchläge mitzuteilen.
Danach wird weder mit der A. E.=G., noch mit der
S. E.=G., noch mit den S. Sch.=W. ein Vertrag abgeſchloſſen,
da dieſe ſämtlichen Firmen zu viel Vorteile für ſich in
An=
ſpruch nehmen und keine Gewähr für Erhaltung der
Kog=
litionsfreiheit bieten. Dagegen ſchlägt die Kommiſſion auf
Antrag der Stadtvv. Dr. Lahn und Baſtienne vor,
eine A.=G. m. b. H. zu gründen, die beide
Geſellſchafts=
formen treffend in ſich vereinigt. Und zwar ſoll der zweite
Kontrahent der bekannte Großkapitaliſt Scherl ſein,
deſſen ſelbſtloſes Wirken im Intereſſe anderer, beſonders
ſeiner großen Unternehmungen, bekannt iſt. Die
Finan=
zierung des neuen Unternehmens iſt ſehr einfach. Die
Stadt überliefert ihre ſämtlichen Kraftwerke und deren
Be=
amte mit Einſchluß der Stadtverordneten, die dieſen genialen
Ausweg fanden, der Firma Scherl. Dieſe übernimmt es,
auf eigene Rechnung in einem Zeitraum von
höch=
ſtens 3 Monaten das geſamte Verkehrsweſen unſerer Stadt
und der Umgebung zu organiſieren und zu moderniſieren.
Es wird überall das Einſchienenſyſtem eingeführt.
Das Gewerkſchaftshaus wird zum Zentralbahnhof. Die
Firma zahlt der Stadt ſofort 2 Millionen und
über=
nimmt außerdem für die nächſten 50 Jahre die
Verpflicht=
ung, eine etwa notwendig werdende Steuererhöhung
auf ſich zu übernehmen. Sämtliche Angeſtellte des
ſtädti=
ſchen Verkehrsweſens, die in den neuen Betrieb übergehen
erhalten ab 1. April die doppelten Bezüge und dieſe
Dop=
pelſtellung bleibt beibehalten in dem Maße, da im Dienſt
der Stadt Gehaltserhöhungen uſw. erfolgen würden.
Die Firma Scherl erbaut ſofort 4 Linien ins
Mar=
tinsviertel, das dadurch mit Recht zur
Verkehrszen=
trale im Stadtgebiet wird. Auf allen Linien wird der
3 Minutenverkehr eingerichtet. Weiter werden ſofort die
Bergſtraßenbahn, die Bahn ins Darmſtädter Hinterland,
nach Frankfurt uſw., in Angriff genommen. Der Fahrpreis
wird überall auf 5 Pfennig herabgeſetzt. Jeder
Paſſagier iſt mit dem Empfang ſeines Fahrſcheins mit
10000 Mark in der Lebensverſicherung und mit hoher Rente
gegen Unfall verſichert. Mit jedem Wagen iſt ein Speiſe=
und Schlafwagen verbunden, der von den Paſſagieren
un=
entgeltlich nach Bedarf benutzt werden kann.
Um die Rentabilität des Darmſtädter Kraftwerks zu
ſichern, kauft die Firma Scherl aus eigenen Mitteln die
Mainzer, Wormſer und Mannheimer Werke auf und legt
ſie ſtill, ſodaß das Darmſtädter Werk vorausſichtlich
die Zentrale für ganz Heſſen und Baden werden wird.
Es iſt zu erwarten, daß dieſe ungemein günſtigen
Vor=
ſchläge in der Stadtverordneten=Verſammlung eine
Mehr=
heit finden werden, und da Stadtv. Dr. Lahn, der Vater
dieſer genialen Vorſchläge, es übernommen hat, die Firma
Scherl zur Unterſchrift zu bewegen, ſcheint die Annahme
derſelben geſichert. Wie verlautet, ſoll alsbald nach der
Annahme vorgeſchlagen werden, den Stadtv. Dr. Lahn zum
Ehrenbürger Darmſtadts zu machen. Wir können
dem nur zuſtimmen.
B. Zur Vereinfachung der Staatsverwaltung ſchreibt
man uns: Es iſt der unermüdlichen Arbeit der Regierung
und der Stände gelungen, durch einen wahrhaft genialen
Vorſchlag nicht nur erhebliche Erſparungen zu erzielen,
ſondern auch die Lage der hungernden Beamten
aufzu=
beſſern und zugleich der notleidenden Landwirtſchaft zu
helfen. Zunächſt hat man die engliſche Arbeitszeit
ein=
geführt, es wird ohne Mittagspauſe gearbeitet, wodurch
bereits um vier Uhr die Arbeit erledigt iſt. Der Staat
ſpart Heizung und Beleuchtung, der Beamte die unnötigen
Ausgaben für das Mittageſſen. Damit aber nun die
Be=
amten in der freien Zeit am Nachmittag nicht übermütig
werden, hat man angeordnet, daß ſie nach Bureauſchluß
als landwirtſchaftliche Arbeiter ſich zu beſchäftigen haben.
Die Vorteile dieſer Neueinrichtung ſind enorm: Endlich
wird dadurch der ſchwer empfundenen Leutenot der
Land=
wirtſchaft abgeholfen. Der Bauer erhält koſtenlos
Arbeits=
lräfte, da die Beamten ja doch ihr Gehalt beziehen. Der
Bauer hat nur für die Verpflegung zu ſorgen, die ihn
wenig koſtet, weil er ja alle Lebensmittel ſelbſt produziert;
er gibt Milch, Butter und Käſe und legt Eier. Der
Be=
amte erhält durch die koſtenloſe Verpflegung einen
bedeu=
tenden Einnahmezuwachs, womit eine Gehaltsaufbeſſerung
in bar überflüſſig wird. Und wie geſund iſt die einfache,
kräftige Koſt des Landmanns für den verwöhnten
Be=
amten, der ſich ſonſt von Hummer, Auſtern und Sekt zu
nähren pflegt; labt er ſich an Schwarzbrot und Apfelwein
des Landwirts, ſo wird ein Heer von Magenkrankheiten,
die aus dem zu üppigen Leben des Beamten herrühren,
vermieden und die Beamten ſparen die teueren Badereiſen.;
Auch die Sommerfriſche braucht der Beamte nicht mehr!
zu beſuchen; wenn er Tag für Tag ordentlich im Freien
ſchafft, werden die Schäden der ſitzenden Lebensweiſe ſchon
ausgeglichen. Und endlich welche Perſpektiven öffnen ſicht
auf eine Ausſöhnung der Gegenſätze zwiſchen Stadt und
Land, zwiſchen Beamten und Bauern. Die Agrarier
brau=
chen dann doch nicht mehr zu behaupten, daß die Beamten
nichts ſchaffen und daß ein Bauer morgens ſchon müd
ge=
arbeitet wäre, wenn ein Beamter noch ſeinen Rauſch
aus=
ſchlafen müſſe. Wie freundſchaftlich wird ſich vielmehr das
gegenſeitige Verhältnis geſtalten; der Bauer wird von der
Bildung ſeines ihm zur Arbeit zugewieſenen Beamten
gewiß gern profitieren und der Beamte wird ſich an dem
einfachen, geſunden Sinn des Landmanns erfreuen. Wie
ſchön wird es ſein, wenn der Herr Amtsgerichtsrat Juder
und der Herr Aktuar Skribifax mit dem Landwirt und
Oekonomierat Miſtfink nach der Arbeit zuſammenſitzen und
ihre Meinungen über die Welt und die Menſchen, Staat
und Beruf tauſchen. Man erwartet, daß in Kürze aucht
andere ungenügend beſchäftigte Menſchen, Rentner,
Redak=
teure, Kaufleute, Induſtrielle unter den gleichen
Beding=
ungen in der Landwirtſchaft beſchäftigt werden, die einer
ungeahnten Blüte entgegengeht.
Frauenwahltag.
Ein Zukunftsbild.
* Es war an einem heißen Dezembertage. In dem
kleinen Stübchen, in das die Morgenſonne von Weſten
her ihre Strahlen durch die gefrorenen Fenſterſcheiben
warf, ſaß der Amtsſchreiber Weinrich und ſtillte ſein vor
drei Wochen geborenes Kind nebenbei in einem Buche
über Mutterſchutz und Säuglingsfürſorge leſend.
Drau=
ßen tobte der Lärm. Denn es war Wahltag. Als
Kan=
didaten waren aufgeſtellt der Geheime Ober=
Verſendungs=
leiter Durchfall und Frau Irmentraut Sieg, ihrer
Be=
ſchäftigung nach Zeitungsträgerin, Ausläuferin und
Ver=
mieterin, daneben Vorſitzende des Volksvereins zur
Er=
kämpfung der Frauenrechte und weiblicher Bildung, kurz
Volksfrauenverein genannt. Sie hatte ſich hier einen
großen Einfluß zu verſchaffen gewußt; denn da ſie ein
regelmäßiges Freiexemplar der von ihr ausgetragenen
Zeitung bezog, hatke ſte ſich alle Schlagwörter, die ja im
politiſchen Kampfe das unentbehrlichſte Rüſtzeug ſind,
angeeignet und warf in ihren Verſammlungen mit
die=
ſen nur ſo um ſich, daß alle Anweſendinnen ſprachlos
wurden, gewiß der höchſte Triumph in einer
Frauen=
verſammlung.
Aber, um wieder auf den beſagten Hammel zu
kom=
men, der in dieſem Falle ein Schaf iſt, Herr Weinrich
war am frühen Morgen von ſeiner beſſeren Ehehälfte
verlaſſen worden. Schon des Nachts hatte ſie — ſie war
nämlich Vertrauensmännin der Frauenpartei — im
Traume fortwährend Wahlreden gehalten und wütend
um ſich geſchlagen, ſo daß das Licht vom Nachttiſch flog
und der Mann unter die Bettdecke kroch. Als ſie ſich
morgens angekleidet hatte, was man bei einer ſolchen
modernen Frau ankleiden nennt, fragte ſie ihre ſchlechtere
Ehehälfte: „Wen wählſt Du?” Ich wähle Durchfall.”
„Idiot” kitſch ſie und warf die Türe hinter ſich zu. Er
aber, nachdem er ſeinen Vaterpflichten genügt hatte, ging
in die Küche und kochte den Kaffee; denn auch die
Aushilfe war wählen gegangen.
Frau Weinrich ging, nachdem ſie ihre paar Haare
mit einem kühnen Griff geordnet und ihren ſogenannten
Hut aufgeſetzt und den Wahlzettel in ihre Hoſen= —
par=
don Rocktaſche geſteckt hatte, alsbald mit energiſchen und
zielbewußten Schritten ins Wahllokal. Draußen ſah es
bunt aus: Große weiße, roſa, rote, gelbe, grüne und blaue
Zettel klebten übereinander an den Tafeln. Frau
Wein=
rich ſchmunzelte: „Frauenherrſchaft — gute Zeiten,
Män=
nerherrſchaft — ſchlechte Zeiten!” — „Wählt Frau Sieg‟
— „Nieder mit den Männern!” — „Die Männer haben
uns tauſende von Jahren geknechtet, Frauen aus dem
Volke, ermannt Euch und werdet Ihr jetzt die Männer!”
„Die Männer vertrinken das Geld und laſſen die
Frauen zu Hauſe mit ihren Kindern und Sorgen allein!“—
Auch hier ſchmunzelte Frau Weinrich, obwohl ſie wußte,
daß es auf ſie nicht paßte; aber ſchon bei dem Gedanken,
daß es auch auf ſie paſſen könnte, geriet ſie in Wut. Sie
griff nach ihrem Wahlzettel in die Taſche, ſie hatte ihn
noch! „Den werden wir’s heimzahlen” ſagte ſie und
ging in der richtigen Wahlſtimmung zur Urne. Welch ein
Moment! Aller häuslicher Aerger, vom dünnen Kaffee
und den ſchlechten Semmeln des Morgens an bis zum
Kindergeſchrei des Nachts, aller Zorn über die teuren
Streichhölzer und Kartoffeln, über die vielen
Knochenbei=
lagen zum Fleiſch, die zerriſſenen Strümpfe und Hoſen
des Jungen, die ſchlechte Laune des ſogenannten
Haus=
herrn, den zugigen Ofen in der guten Stube und die
teure Miete; aller Neid gegen beſſer gekleidete und
ge=
ſtellte und ſommerreiſende Männinnen; aller Groll über
ihre geſellſchaftlichen Zurückſetzungen — kurz, aller
jahre=
lang aufgeſpeicherte Aerger, Zorn und Wut, die ihr
männliches Herz beſchlichen hatten, entluden ſich in dieſem
einen fürchterlichen Zettel, den ſie jetzt in den Bauch der
allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Urne warf.
uff!
Schade, daß es vorbei war! Aber ſie ſollen ſich’s
merken!
Frau Weinrich war mit ſich zufrieden. Sie hatte
bei=
getragen zur Volksbefreiung, und mit dieſem erhebenden
Gefühl ging ſie zurück in ihre reaktionäre Häuslichkeit.
Ihren Mann würdigte ſie keines Blickes. Er war ein
rückſtändiges altes Möbel!
Frau Sieg war gewählt worden! Die geknechteten
Frauen waren gerächt. Ein unſägliches Freudengeheul
ging durch die Reihen der Wählerinnen, als die Nachricht
ten von weiteren Siegen der Frauenpartei einliefen. Jetzt
kommt eine neue Zeit! Nur war man ſich nicht ganz
klar, wo ſie beginnen ſollte. Die Männer abſchaffen? Ja,
es ginge wohl, aber es geht nicht. Aber die Tyrannei,
die Bevormundung, der Geiz und die verfluchte
Pünkt=
lichkeit der Männer müßten aufhören. Die Frage, ob die
neue ſoziale, veilchenblaue Republik durch gewaltſame
Umwälzung einzuführen ſei, oder ob die heutige
Geſell=
ſchaft in ſie hineinwachſen ſolle, wurde noch offen gelaſſen.
Auch der Streik als Kampfmittel wurde akzeptiert. Es
wurde ein Koch= und Flickſtreik vorgeſchlagen, und im
äußerſten Falle die Proklamierung des Geburtsſtreiks.
Dieſer wurde aber zunächſt abgelehnt, da man fürchtete,
die Sympathien der Wählerinnen unter 40 Jahren zu
ver=
lieren. So was könnte man wohl denken, aber nicht
ſagen. Schließlich wurde als Proteſt gegen die Teuerung
das Enthalten vom Kaffeetrinken und das Einfangen
ſolcher, die immer aller werden, mit der Phraſenfalle
empfohlen. Jedenfalls war man ſich einig darüber, daß
die Herrſchaft der Frauen kommen müſſe, ſpäteſtens im
Jahre 2000, denn ihnen gehöre die Zukunft, ihnen gehöre
die Welt!
Aber in dem Stübchen, wo Herr Weinrich morgens
ſein Kind geſtillt hatte, gab es am Abend eine böſe Szene.
Als er etwas murmelte von „Lüge” und „Phraſe” die die
Welt beherrſchen, machte die ſtärkere Ehehälfte in ihrem
Hauſe den Anfang mit der Frauenherrſchaft. Alle
höfi=
ſchen Gebräuche wurden beiſeite geſetzt und über das
Haupt des reaktionären Möbels flog ein Stiefelknecht
und ſchlug dröhnend gegen die Wand — es war die
Mor=
genröte einer neuen Zeit!
„Die Wahrheit von Bingen=Alzey”,
(Frei nach Goethes „Fauſt”.)
Du mußt verſtehn,
Aus Nichts mach zehn,
Und zwei laß gehn.
Und wenn zwei fehlt,
Biſt du gewählt:
Denn zwei macht keins,
Das iſt des Fortſchritts=Einmaleins.
* Ein vernünftiger Erlaß. Da letztes Jahr
verſchie=
dene Entgleiſungen vorkamen, wobei immer der letzte
Wagen eines Zuges das Unglück verſchuldete, hat der
preußiſche Eiſenbahnminiſter, den Münch. N. Nachr.
zu=
folge, verfügt, daß hinfort an allen Zügen, ob
Schnell=
oder Bummel=, der letzte Wagen des Zuges wegfällt.
* Vom Kriege. Seitdem die Italiener den Krieg auf
die Wüſte ausgedehnt haben, iſt er im Sande
ver=
laufen.
** Zur Orientierung für Fremde in unſerer Stadt
ſei folgendes bemerkt, das vielleicht im nächſten „
Frem=
denführer durch Darmſtadt” Aufnahme finden könnte:
Das Bismarckdenkmal ſteht auf dem
Ludwigs=
platz; daneben gibt es eine Bismarckſtraße, die
auf den Bahnhofsplatz führt. Das
Liebig=
denkmal ſteht auf dem Bahnhofsplatz, während
die Liebigſtraße nach dem Wilhelmsplatz
führt und die Wilhelmſtraße in einem anderen
Stadtviertel im Süden liegt. Noch einfacher iſt die Sache
mit dem Mathildenplatz, der
Mathilden=
ſtraße und der Mathildenhöhe. Der
Mathilden=
platz liegt nicht an der Mathildenſtraße, ſondern an der
Luiſenſtraße, die Mathildenſtraße liegt eine halbe
Stunde davon entfernt und mündet in die
Friedhofs=
allee. Nicht zu verwechſeln damit iſt die Mathildenhöhe
und der Mathildenhöhweg im N.O. der Stadt. Wer
von hier aus einen Spaziergang nach dem
Mathilden=
platz, der Mathildenſtraße und wieder zurück zur
Mathil=
denhöhe macht, hat ſo ziemlich die Stadt umkreiſt. Die
Neckarſtraße heißt nur am Anfang Neckarſtraße,
ſpäter wird ſie Heidelbergerſtraße genannt. Die
Herrngartenſtraße in Beſſungen liegt am
Orangeriegarten, der Herrngarten eine ½
Stunde davon entfernt am Hoftheater. Aehnlich iſt es
mit der Hofgartenſtraße, die nicht bei der
Hof=
gärtnerei, ſondern in einem anderen Stadtviertel am
Prinz Emil=Garten liegt. Die Sache klingt zwar
etwas verwickelt, iſt aber ganz einfach, und wer erſt zehn
Jahre in Darmſtadt gewohnt hat, kann ſich nicht mehr
irren.
— Der Richard Wagner=Verein gibt ſchon jetzt
be=
kannt, daß er im Jahre 1925 ſeinen 500. Vereinsabend
feſtlich begehen wird.
* Der Verein der Enttäuſchten nennt ſich ein
neu=
gegründeter Verein derjenigen Leute, die ſich auf
die Stelle des neuen Hoftheaterdirektors Hoffnung
ge=
macht haben. Der Verein zählt bis jetzt 21 Mitglieder.
Die Beamtenbeſoldungsreform iſt nun, wie wir
vernehmen, endlich einen erheblichen Schritt weiter
ge=
kommen. Und zwar hat die Reichsregierung, um
wenig=
ſtens den dringendſten Bedürfniſſen alsbald zu
ent=
ſprechen, jedem Beamten ab 1. April d. J. ein
Poſt=
ſcheckkonto errichtet, über das nach Beliebten verfügt
werden kann bis zu einer gewiſſen Grenze. Dieſe Grenze
richtet ſich jeweils nach der Stellung und beginnt beim
Miniſter mit dem 4fachen Jahreseinkommen ſtaffelweiſe
herab bis zum doppelten Stundenlohn der
Staatsarbei=
ter. Die Poſt ſchießt die erforderlichen Gelder aus ihren
Ueberſchüſſen vor, die erzielt werden durch Abſchaffung
des Rechts der regierenden Fürſten auf Portofreiheit, die
der neue Reichstag bereits beſchloſſen.
Denkmalverſetzung. Bei dem jüngſten Erdbeben
iſt die Ludewigsſäule auf dem Luiſenplatz in bedenkliches
Schwanken geraten und hat die Anwohner des
Luiſen=
platzes in erhebliche Gefahr gebracht. Auf Anſuchen
ſämtlicher An= und Umwohner wird, um dieſer Gefahr
vorzubeugen, die Ludewigsſäule verſetzt werden, und
zwar in den Hof des Landesmuſeums, wo ein
Sonder=
bau errichtet wird. Die Verſetzung macht keinerlei
tech=
niſche Schwierigkeiten, da man im Denkmalverſetzen in
Darmſtadt gute Erfahrungen beſitzt. Um dem Luiſen= ſein altgewohntes Gepräge nicht zu nehmen, wird
eine ganz gleiche neue Säule aus Gummi errichtet
werden, die bei weiteren Erdbeben mitſchwankt, aber nie
ſtürzen kann.
Ein neues Kaufmanns=Erholungsheim ſoll, wie
wir hören, auf dem Frankenſtein errichtet werden.
Nach Anſicht der Sachverſtändigen eignet ſich die alte
Burgruine ganz vorzüglich zu dieſem Zwecke und ſoll
ſchon nach geringfügigen Umbauten geeignet ſein,
Er=
holungsbedürftige aufzunehmen.
Eine neue Gartenſtadt, die ſiebente, wird nun bald
erſtehen, und zwar unmittelbar neben dem neuen
Bahn=
hofe. Dieſes Gelände kam als einzig geeignetes allein in
in Frage, denn die neue Gartenſtadt wird ſchon an ſich
„Eiſenbahncharakter” tragen. Es ſind nämlich ſämtliche
ab 1. April abgängigen Wagen der S. E.=G. zu
Wohn=
häuſern umgebaut und mit Vor= und Hintergarten
ver=
ſehen worden. Neben dem reizenden Anblick dieſer
wirk=
lichen Gartenſtadt entſpricht ſie vor allem inbezug auf die
Billigkeit endlich allen Anforderungen. Es hat
nämlich ein Konſonium die ſämtlichen Wagen als
Alt=
material auf Abbruch erſtanden, da ſie aber, wie alles bei
der S. E.=G. noch in tadelloſem Zuſtande ſind, ſind ſie zu
beregtem Zweck durchaus geeignet.
H. B. Abnahme der Geburten. Nach den neueſten
ſtatiſtiſchen Mitteilungen hat in der Stadt Darmſtadt
die Zahl der Geburten abgenommen. Sollte am
Ende daran die Säuglingsfürſorge ſchuld ſein? Wenn
man dem betrübenden Reſultat begegnen will, wäre es
vielleicht am Platze, einen Verein zur Väterpflege
zu gründen, denn von den Vätern hängt doch alles ab!
Im Jagdklub hielt am Samstag abend der
Polar=
forſcher Cook einen Vortrag über ſeine
Jagderleb=
niſſe im Polar=Eiſe. Die lebenswahren Schilderungen
des geſchätzten Redners fanden rauſchenden Beifall.
b. Aufregende Meldung aus dem Wild=Weſt von
Darmſtadt. Der Rheinkanal iſt infolge des Hochwaſſers
übergetreten, hat den neuen Bahnhof überſchwemmt und
den Waldfriedhof vernichtet.
— Neues Kino. Im Keller des neuen
Bahnhofs=
gebäudes wird in dieſer Woche ein neues
Kinemato=
graphentheater eröffnet, deſſen
Sicherheitsvorrich=
tungen alles bisher Dageweſene übertreffen. Außer zehn
Ausgängen ins Freie iſt noch ein unterirdiſcher Gang
vorhanden, der direkt auf den Bahnhof führt. Bei
Feuers=
gefahr kann der ganze Zuſchauerraum in die Erde
ver=
ſenkt werden. Sämtliche Beſucher ſind gegen Filmbrand
verſichert.
* Geſpräch im Zuſchauerraum bei einer „Gudrun”=
Aufführung: Was die vorn Gedees macht wegen
dem ane Bub wenn ſie viere von der Sort hätte, dann
dhät ſie ſich nicht ſo darüber ufreche.
Stadtverordneten=Verſammlung.
11. Sitzung.
St. Darmſtadt, 20. Februar.
In Vertretung des Oberbürgermeiſters, der in ſeiner
früheren Eigenſchaft als Landtagsabgeordneter und als
Sub=Direktor der heſſiſchen Kraftwerk=Aktien=Geſellſchaft
anderweit beſchäftigt iſt, eröffnet Bürgermeiſter Mu=Eller
die Sitzung um 4 Uhr und macht zunächſt folgende
Mitteilungen:
Eingegangen iſt eine Eingabe des
Hausbeſitzer=
vereins, die 11. in dieſem Jahre, auf Herabſetzung
der Waſſer= und Kanalgebühren oder Uebertragung der=
elben, ſowie aller ſonſtigen Laſten der Hausbeſitzer auf
die Mieter. — Gleichzeitig teilt der Hausbeſitzerverein
mit, daß er Herrn Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing
zum Ehrenmitglied ernannt habe.
Der Bezirksverein Martinsviertel bittet in
einer erneuten Eingabe um endliche Erfüllung ſeiner
Straßenbahnviertel. Wenn die Neuregelung der
Ver=
kehrsverhältniſſe keine Gewähr für dieſe Erfüllung biete,
haben ſämtliche 20000 Einwohner des Viertels ſich
ver=
pflichtet, nach Frankfurt zu verziehen, da die
Bahn=
verbindung mit Frankfurt viel günſtiger ſei, als die vom
Nartinsviertel mit dem Zentrum der Stadt.
Auf Antrag des Herrn Bürgermeiſter Mu=Eller
at die Bürgermeiſterei eine Armen=, Jugend=,
Strafent=
aſſenen=, Säuglings=, alte Damen=, Kinder= Reſerviſten=,
Geſellen=, Mädchen=, geſtürzte Miniſter=, durchgefallene
Kandidaten=, Vogel=, Hunde= und ſonſtige Fürſorge=
Kommiſſion ins Leben gerufen. Ein 19wöchiger
Vortragskurſus, zu dem 279 Redner gewonnen
ind, ſoll demnächſt beginnen und alle Intereſſenten in
ie Materie einweihen. Es wird damit einem
lang=
gefühlten Bedürfnis entſprochen. (Bravo!)
Es wird dann in die Tagesordnung eingetreten.
Vom Schwimmbad.
Es liegt eine Eingabe der Studentenſchaft vor, die
ahin geht, den Abonnementspreis für Schwimm= und
Wannenbäder zu ermäßigen. Hoch= und Tiefbauausſchuß,
Kanalkommiſſion und Mai= und ſonſtige Käfervertilgungs=
Deputation haben dem Antrag der Bürgermeiſterei zuge
timmt.
Stadtv. Voll iſt prinzipiell gegen den Antrag, da
die Zuſchüſſe zum Schwimmbad dauernd ſteigen im
Gegen=
ſatz zum großen Woog. Die koſtſpielige Einrichtung des
Schwimmbades ſei überhaupt völlig überflüſſig und bei
dem ſchlechten Stand der Finanzen unſerer Stadt könne
er es nicht verantworten, weitere Zuſchüſſe zu bewilligen.
Uebrigens habe man in ſeiner Jugend viel weniger
ge=
badet und ſei auch groß geworden. Er beantragt deshalb,
das Schwimmbad zu ſchließen oder es bei ſchlechtem
Wetter als Markthalle zu benutzen oder als Milchkuranſtalt
er Zentrale für S. u. M. zu überlaſſen. Wenn dieſer
An=
rag als zu weitgehend abgelehnt werden ſollte, bitte er,
weniaſtens das Frauenbad zu ſchließen, da trotz aller
Bemühungen die Frauen Darmſtadts nicht dazu zu
be=
wegen ſeien, im Winter zu baden. Das
Frauenſchwimm=
bad würde faſt gar nicht benutzt.
Stadtv. Schwapp: M. H.! Der Anſicht, daß das
Frauenbad nicht beſucht wird, muß ich auf das
Entſchie=
denſte widerſprechen und zwar aus eigener Erfahrung. Ich
komme doch täglich hinein und muß beſtätigen, daß
das Frauenbad ſehr ſtark beſucht wird. (Allgemeine
Ent=
rüſtungs= und Pfuirufe. Am Preſſetiſch legt der
Bericht=
erſtatter der A. H. F. die Feder demonſtrativ nieder. Es
wird über einen eventl. Streik der Berichterſtatter alsbald
beraten.)
Der Vorſitzende bittet um die Erlaubnis, den
Polizeiamtmann Rechtenfeig telephoniſch herbeirufen
zu dürfen, damit man die Gewähr habe, daß in dieſem
unter Denkmalſchutz ſtehenden Saal die Sittlichkeit in keiner
Beziehung gefährdet wird. Die Verſammlung ſtimmt
leb=
haft, unter teilweiſem Proteſt, zu.
Stadtv. Wermut: M. H.! Es iſt tief beklagenswert,
daß ſich ein in Ehren und in Enthaltſamkeit von Alkohol
und Fleiſch grau gewordener Herr, ein außerordentlich
verdientes Mitglied dieſer hohen Verſammlung, der ſeit
Jahrzehnten mit beſtem Erfolg beſtrebt iſt, uns außer den
Wünſchen des Mathildenhöhviertels und denen der
Ent=
haltſamkeitsvereine und Vegetarier, ſtets das zu
unter=
breiten, was ſchon nach unſeres erhabenen Geiſteshelden
Schiller ein edler Götterfunken iſt: Freude und Heiterkeit,
daß unſer ſicher allgemein hochgeſchätzter Kollege Herr
Schwapp noch in ſeinem Alter vom Wege der
Sittlich=
nd Schicklichkeit abgewichen und gegen allen Brauch und
auch gegen die von uns erlaſſenen Beſtimmungen das
Frauenbad täglich beſucht. Ich beklage das
außerordent=
lich tief und kann nicht umhin, meine Verwunderung
dar=
über auszuſprechen, daß dieſes frevelhafte Tun täglich,
hören Sie: täglich! erfolgen konnte, ohne daß unſere
Sit=
tenpolizei davon erfuhr. Und welchen Tiefſtand ſittlichen
Empfindens verrät es, daß unſere Frauen und Mädchen
dieſen täglichen Badebeſuch des Herrn Schwapp hinnehmen
ohne Beſchwerde, als etwas Selbſtverſtändliches. Ich
be=
antrage eine ſtrenge Unterſuchung und zur Verhinderung
der Wiederkehr ſolcher Fälle die Einſetzung einer
Ueber=
wachungskommiſſion! (Lebh. Beifall, Unruhe.)
Stadtv. Schwapp hat den Redner mehrfach ohne
Erfolg unterbrochen. Er verlangt, erregt, das Wort, doch
ſind noch 7 Redner vorgemeldet.
Stadtv. Dr. Derben: M. H.! Geſtatten Sie, daß ich
dieſe hochwichtige Frage einmal vom Standpunkt des
Juriſten aus kurz (Bravorufe) erörtere. (Stadtv. Fleiſcher
nimmt alsbald ſeine Nickerſtellung ein.) Die Sache ſelbſt
iſt juriſtiſch, wenn auch nicht unbedeutend, ſo doch
un=
bedenklich. Aber wichtiger wie die Sache ſind für uns
jetzt die ſich daraus ergeben habenden Folgen, die doch
mindeſtens ſehr ſtark ins Sittliche, reſp. Unſittliche
hinein=
ragen. Für das zweifellos als vorliegend zu betrachtende
Vergehen des Herrn Schwapp kommen die §§ 171, 172,
173, 174, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 181a, 182, 183, 184,
184a in Frage. Außerdem ſämtliche Beleidigungs=,
Un=
fugs= und eventl. Sachbeſchädigungsparagraphen. Welcher
von) dieſen §s uns hier eingehendſt in der Folge zu
beſchäf=
tigen hat, das kommt zunächſt auf die Gründe und
Ab=
ſichten an, die den Herrn Kollegen Sch. zum täglichen
Be=
tritt des Frauenſchwimmbades bewogen haben. Ueber dieſe
Gründe und Abſichten ſind wir jedoch noch ſolange im
Unklaren, als ſich Herr Sch. nicht ſelbſt eingehend darüber
geäußert hat. Es dürfte ſich alſo empfehlen, die weitere
Beratung dieſer Angelegenheit auszuſetzen, bis die
frag=
liche Aeußerung des Herrn Schwapp uns zur Kenntnis
gegeben werden kann. Soviel kann ich aber jetzt ſchon
ſagen, in einer Hinſicht liegt die unerquickliche
Angelegen=
heit für mich juriſtiſch durchaus klar, nämlich für mildernde
Umſtände dürfen wir jeden Falles plädieren, da ich der
feſten Ueberzeugung bin, daß Herrn Sch.s Abſichten im
Damenſchwimmbad ohne Erfolg geblieben ſind, ganz gleich,
welcher Art ſie geweſen ſein mögen. (Beifall. Stadtv.
Fleiſcher wacht vorübergehend auf.)
Stadtv. Dr. Lahn (Soz.): M. H., ich muß dem Herrn
Vorredner in allen Punkten durchaus widerſprechen. Und
zwar, weil ich und meine Parteifreunde der Meinung ſind,
daß das, was er eben ausgeführt, in der Hauptſache vom
politiſchen (Hört, hört, nervöſes Lachen) Standpunkt
dik=
tiert war. Dieſen hier in den Vordergrund zu ſtellen,
iſt aber einzig unſer verbrieftes Vorrecht. Und daß wir
unſere Vorrechte hier nicht beſchneiden laſſen, auch nicht
durch eine Vergewaltigung der Minderheit durch eine
reaktionäre Mehrheit, darauf können Sie ſich verlaſſen und
ich beantrage, daß ſofort ein ſtarkes Schutzmannsaufgebot
unter dem Kommando des Herrn Polizeirats Sibirien
hier erſcheint, um uns, wie auch ſchon früher, die Stange
zu halten. Aber meine Herren, auch juriſtiſch hat der Herr
Vorredner durchaus Unrecht. Von den von ihm
heran=
gezogenen §§ kommt hier kein einziger in Frage. Es kann
ſich im Falle Schw. höchſtens um Hausfriedensbruch, alſo
§§ 123 und 124, handeln. Selbſt unter dieſen
Geſichts=
punkten iſt aber die Art des Herrn Sch. wohl in der Präxis
ſtraffrei, denn es hat ihn unſeres Wiſſens niemand die
vorgeſchriebenen drei Male aus dem Damenbade
verwie=
ſen. (Beifall bei den Soz.)
Stadtv. Dr. Leberus: M. H.! Die beiden Vorredner
befinden ſich im Irrtum. Es kann ſich im Falle Schwapp
keineswegs um einen der angezogenen §§ handeln, ſondern
nach der juriſtiſch durchaus klaren Lage der Sache höchſtens
um Spionage, alſo um die §§ 81—93 des
Reichs=
ſtrafgeſetzbuchs.
Nachdem noch 4 Mitglieder des Rechtsausſchuſſes ihre
ſämtlich ſich widerſprechenden Anſichten geäußert und die
Sachlage dadurch juriſtiſch durchaus geklärt haben, erhält
das Wort
Stadtv. Grützel: M. H.! Nachdem nun 2 Stunden
über dieſe Frage debattiert wird, geſtatten Sie mir wohl
die beſcheidene Bemerkung, daß die ganze Frage überhaupt
nicht juriſtiſch zu löſen iſt (Lebh. Sehr wahr), ſondern daß
ſie einzig und allein in das Gebiet der Wohnungsfürſorge
gehört. Da liegt die Wurzel alles Uebels. Schaffen Sie
dem Volke geſunde Wohnungen und zu jeder Wohnung
ein vom hygieniſchen Standpunkt unentbehrliches
Schwimm=
bad, und Fälle, wie die hier vorliegenden, ſind ſo gut wie
ausgeſchloſſen. (Lebh. Beifall.)
Stadtv. Schwapp kann zunächſt kein Wort
heraus=
bringen, ſchreit dann überlaut: Ins Haus komme ich
täg=
lich, nur ins Haus, nicht ins Damenbad!, und ſetzt ſich
erſchöpft nieder. (Allgemeine Ruhe.)
Bürgermeiſter Mu=Eller: M. H.! Nach dieſer
Er=
klärung des Herrn Stadtv. Schwapp darf ich die
Ange=
legenheit wohl für erledigt betrachten, und Sie ſind wohl
damit einverſtanden, daß wir auf das Erſcheinen des Herrn
Amtmann Rechtenfeig verzichten. Zumal der Herr
Amt=
mann mir ſoeben mitteilt, daß ſeine Zeit durch die
In=
ſpizierung der zahlloſen Chambres ſeparées, Lauben uſw.
über Gebühr in Anſpruch genommen iſt. Es erhebt ſich
kein Widerſpruch. Wir können alſo in der Sache fortfahren.
Stadtv. Dr. Mahner: Ich muß im Intereſſe der
Volksgeſundheit dem Antrag des Stadtv. Voll
wider=
ſprechen. Der Rückgang der Frequenz des Damenbades
iſt nicht auf ein mangelndes Badebedürfnis der Frauen
im Winter, ſondern vielleicht auf die neue Mode
zurück=
zuführen. Denken Sie nur an die Korſetts, die heute
un=
entbehrlich ſind. Es iſt ſehr wahrſcheinlich, daß weibliche
Kraft nicht mehr ausreicht, dieſe Korſetts zu ſchließen, und
wenn wir vielleicht daran denken könnten, recht kräftige
männliche Badediener anzuſtellen, würde die Frequenz ſich
ſicher wieder heben. (Unruhe und Widerſpruch.)
Stadtv. Hühnrich verbreitet ſich in etwa 2ſtündiger
Rede über die finanzpolitiſche Seite des Antrages.
Stadtv. Baſtienne polemiſiert in dreiſtündigen
Ausführungen gegen den Vorredner, dem er in jedem
Ein=
zelpunkt widerſpricht, im Endreſumé aber gleichkommt und
zuſtimmt. (Bei der Wichtigkeit und prinzipiellen
Bedeu=
tung der beiden Reden halten wir wörtliche Wiedergabe
für gerechtfertigt und werden ſie morgen in Sonderbeilage
bringen. D. R.)
Stadtv. Merkſatz macht im Schlußwort als Referent
darauf aufmerkſam, daß an der Genehmigung der Sache
ja überhaupt nichts mehr zu ändern iſt, da
der Tarif mit dem herabgeſetzten Preis ja längſt in
Kraft iſt und der Stadt keinerlei Mehrkoſten erwachſen.
(Hört. hört, Beifall.)
Der Antrag wird angenommen und wegen der
vor=
gerückten Zeit der Reſt der Tagesordnung auf morgen
Mittwoch vertagt. — Schluß 10½ Uhr.
Kunſtnotizen.
* Großh. Hoftheater. Eine Neuinſzenierung
der Oper „Lohengrin” bildet das nächſte Ereignis
der Opernſaiſon. Die Proben ſind in vollem Gange.
U. a. ſoll im dritten Akt die ſymboliſche Abnahme der
Mäntel Lohengrins und Elſas durch eine wirkliche
Ent=
kleidungsſzene erſetzt werden. Natürlich wird dabei mit
Takt und Delikateſſe verfahren werden. Die Mitteilung
an ſich dürfte aber nicht verfehlen, das Intereſſe an der
bevorſtehenden Aufführung zu erhöhen.
Vermiſchte und Letzte Nachrichten.
* Aus der Reichshauptſtadt, 19. Febr. Der Kaiſer
ſchenkte dem engliſchen Marineminiſter Lord
Chur=
chill ein Luxusſchiff. — Der ſchwarz=blaue Block
hat eine größere Anzahl von bewährten
Polizeihun=
den erworben, welche die abhanden gekommenen
Reichs=
tagsmandate wiederfinden ſollen. Bis jetzt ſoll aber
noch keines gefunden worden ſein. — Da unlängſt
in=
folge Anrennens durch ein Automobil das Coligny=
Denkmal einen unzeitgemäßen Ruck nach rechts gemacht
hat, haben die Stadtverordneten, um einem ſolchen
Aergernis vorzubeugen, beſchloſſen, alle Denkmäler
mit einem ſtarken eiſernen Gitter in roſarotem Anſtrich
zu umgeben. Vor jedem Denkmal wird eine
Warn=
ungstafel mit gleichem Anſtrich und der Inſchrift
„Achtung, Denkmal!” aufgeſtellt.
* Paris 19. Febr. Bei der Beratung des
Landwirt=
ſchaftsbudgets im Senat erklärte der
Landwirtſchafts=
miniſter, daß Frankreich das beſte Vieh
hervor=
bringe. Ein Widerſpruch erfolgte nicht.
* Rom, 19. Febr. (Tel.) Die Italiener
be=
ſchoſſen ein franzöſiſches Torpedoboot. Da die
Be=
ſchießung erfolglos blieb, wurde ſie eingeſtellt. Es ſtellte
ſich heraus, daß die Italiener auf eine Seeſchlange
ge=
ſchoſſen hatten.
* Paris, 19. Febr. (Tel.) Die Monna Liſa iſt
wiedergefunden worden. Sie befand ſich in einem
Neben=
zimmer, in das bisher kein Beamter hineingekommen war.
Die Entdeckung geſchah durch Zufall, da ein Beſucher den
Zweck dieſes Zimmers verkannte.
* London, 19. Febr. (Tel.) Lord Halt-an erklärte
in einer Rede in Leeds, er ſei nach Berlin gereiſt, um ſich
deutſche Brillen zu kaufen, durch die er beſſer ſehen
könne als durch die engliſchen Brillen made in Germany.
* Peking, 19. Febr. (Tel.) Yuanſchikai hat ſich
heute unter großen Feierlichkeiten ſeinen Zopf
abſchneiden laſſen. Alle Mitglieder des Hofes waren
anweſend.
Erſchienen am Faſtnachts=Dienstag. 12. Jahrgang.
Unverantwortliche Redaktion des Tagblatts.
(Das Uebelnehmen und Nachdrucken vorſtehender Artikel
iſt verboten.)
§ 20.
Dienstag, 20. Febrnar.
1912.
Bekanntmachung.
Unter Hinweis auf Artikel 33 des Geſetzes vom 24. März 1910 wird hiermit
zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß der Stempel:
1. für Verkaufs= oder Waagautomaten,
2. für automatiſche Kraftmeſſer,
3. für Automaten, die zur Unterhaltung des Publikums dienen,
4. für alle in öffentlichen Wirtſchaftslokalen aufgeſtellten Klaviere oder ſonſtige
Muſikwerke,
5 für Luxuswagen und Luxusreitpferde,
deren Verſteuerung am 31. März 1912 abläuft, wenn die Abgabepflicht fortdauert,
im Monat März zu entrichten iſt.
Die Entrichtung des Stempels erfolgt an allen Wochentagen des Monats
März, vormittags von 9—12 Uhr, bei der unterzeichneten Behörde im
Regierungs=
gebäude (Neckarſtraße Nr. 3, Zimmer Nr. 9) dahier.
(3283a
Darmſtadt, den 1. Februar 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
Die nachſtehende Bekanntmachung des Reichsverſicherungsamts vom 15. Jan. 1912
gebſt der Anleitung für die Anmeldung unfallverſicherungspflichtiger Betriebe und
Tätigkeiten bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis.
Die Anmeldungen aus den Landgemeinden des Kreiſes ſind bis zu dem
an=
geſetzten Termine — 15. März d. Js. — bei Vermeidung der in nachſtehender
Bekannt=
machung des Reichsverſicherungsamts angedrohten Rechtsnachteile bei dem
unterzeich=
neten Kreisamt einzureichen.
Darmſtadt, den 8. Februar 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt
I. V.: v. Werner.
Bekanntmachung
über die Anmeldung unfallverſicherungspflichtiger Betriebe und Tätigkeiten.
Vom 15. Januar 1912.
Nach Artikel 49 des Einführungsgeſetzes zur Reichsverſicherungsordnung vom
19. Juli 1911 (Reichs=Geſetzbl. 1911 S. 839) hat jeder Unternehmer eines Betriebs oder
von Tätigkeiten, die erſt die Reichsverſicherungsordnung der Unfallverſicherung
unter=
ſtellt, binnen einer vom Reichsverſicherungsamte zu beſtimmenden Friſt das
Unter=
nehmen unter Angabe ſeines Gegenſtandes und ſeiner Art ſowie der Zahl der
durch=
ſchnittlich in ihm beſchäftigten verſicherungspflichtigen Perſonen beidem Verſicherungsamt,
in deſſen Bezirk das Unternehmen ſeinen Sitz hat, anzumelden.
Die Friſt für die Anmeldung wird hiermit auf die Zeit bis zum
15. März 1912 einſchließlich
feſtgeſetzt.
Iſt die Anmeldung verſäumt oder unvollſtändig, ſo hat das Verſicherungsam.
ſelbſt die Angaben nach eigener Kenntnis der Verhältniſſe aufzuſtellen oder zu ergängent
Das Verſicherungsamt iſt befugt, die Unternehmer durch Geldſtrafe bis zu 100 Mk.
anzuhalten, binnen einer geſetzten Friſt Auskunft zu erteilen (Artikel 50 des
Einführungs=
geſetzes zur Reichsverſicherungsordnung).
Soweit noch keine Verſicherungsämter errichtet ſind, haben die Anmeldungen
bei den von der oberſten Verwaltungsbehörde beſtimmten örtlich zuſtändigen Stellen
zu erfolgen (Artikel 7 des Einführungsgeſetzes zur Reichsverſicherungsordnung).
Im übrigen wird wegen der Anmeldung auf die beigefügte Anleitung verwieſen.
Berlin, den 15. Januar 1912.
Das Reichsverſicherungsamt, Abteilung für Unfallverſicherung.
Dr. Kaufmann.
Anleitung
für die Anmeldung unfallverſicherungspflichtiger Betriebe und Tätigkeiten (Artikel 49, 50
des Einführungsgeſetzes zur Reichsverſicherungsordnung vom 19. Juli 1911)
I. Welche Betriebe und Tätigkeiten ſind anzumelden?
Anmeldepflichtig ſind die durch § 537 der Reichsverſicherungsordnung vom
19. Juli 1911 der reichsgeſetzlichen Unfallverſicherung neu oder erſt in vollem Umfang
unterſtellten Betriebe und Tätigkeiten.
Demzufolge ſind anzumelden:
1. Apotheken,
2. Gerbereibetriebe,
3. Gewerbebetriebe, in denen
a) Bau= und
b) Dekorateurarbeiten
ausgeführt werden,
4. Steinzerkleinerungsbetriebe,
5. Betriebe von Badeanſtalten,
6. gewerbsmäßige Binnenfiſcherei=, Fiſchzucht=, Teichwirtſchafts= und
Eis=
gewinnungsbetriebe,
7. das Halten von Fahrzeugen auf Binnengewäſſern,
8. gewerbsmäßige Fahr=, Reittier= und Stallhaltungsbetriebe,
9. das Halten von anderen Fahrzeugen als Waſſerfahrzeugen, wenn ſie
durch elementare oder tieriſche Kraft bewegt werden,
10. das Halten von Reittieren,
11. a) Betriebe zur Beförderung von Perſonen oder Gütern,
b) Holzfällungsbetriebe.
c) Betriebe zur Behandlung und Handhabung der Ware,
wenn ſie mit einem kaufmänniſchen Unternehmen verbunden ſind, das
über den Umfang des Kleinbetriebs hinausgeht.
Zu 1. Schon bisher unterlagen Apothekenbetriebe der Unfallverſicherung,
wenn in ihnen mehr als zehn Perſonen beſchäftigt oder Motore verwendet wurden
oder mit ihnen eine umfangreiche Lagertätigkeit verbunden war Nach der
Reichs=
verſicherungsordnung ſind ſämtliche Apotheken ohne Rückſicht auf Art und Umfang
verſicherungspflichtig.
Zu 2. Das gleiche gilt von den Gerbereien, die jetzt in vollem Umfang ohne
Rückſicht auf die Zahl der in ihnen beſchäftigten Arbeiter oder die Verwendung von
Motoren der Verſicherung unterliegen.
Zu 3a. Hinſichtlich der Gewerbebetriebe, in denen Tiefbauarbeiten ausgeführt
werden, iſt der Umfang der verſicherten Tätigkeit durch die Reichsverſicherungsordnung
nicht unweſentlich erweitert worden. Denn bisher waren bei an ſich nicht
verſicherungs=
pflichtigen Gewerbebetrieben, in denen nebenbei Tiefbauarbeiten ausgeführt wurden,
nur die eigentlichen Tieſbauarbeiten verſichert während jetzt in gleicher Weiſe wie
ſchon früher bei Hochbauarbeiten der geſamte Gewerbebetrieb verſichert iſt, ſobald in
ihm gewerbliche Tiefbauarbeiten nicht nur gelegentlich ausgeführt werden.
Zu 3b. Neu in die Verſicherung ſind allgemein einbezogen Gewerbebetriebe, in
denen Dekorateurarbeiten (Anbringen von Gardinen, Bildern, Vorhängen uſw.)
aus=
geführt werden. Für ſie gilt Ziffer 3a entſprechend.
Zu 5. Für die Badeanſtalten gilt Ziffer 2.
Das Halten von Fahrzeugen und Reittieren. Zu 7, 9 und 10. Neu ſind ferner
der Verſicherung unterſtellt das Halten von Fahrzeugen auf Binnengewäſſern, und
zwar ohne Rückſicht auf die verwendete Triebkraft, ſowie das Halten von anderen
als Waſſerfahrzeugen, wenn ſie durch elementare oder tieriſche Kraft bewegt werden,
ferner das Halten von Reitieren.
Es ſind ſomit jetzt nicht nur die Tätigkeiten im Intereſſe der zu gewerblichen
Zwecken gehaltenen, ſondern auch der zu Privat=, Luxus= oder wiſſenſchaftlichen Zwecken
verwendeten Fahrzeuge und Reitiere verſichert. Dabei iſt zu beachten, daß die
Ver=
ſicherung bei allen Waſſerfahrzeugen auf Binnengewäſſern ohne Unterſchied ihrer
Art Platz greift, während dies bei Land= und Luftfahrzeugen nur dann der Fall iſt,
wenn ſie durch elementare oder tieriſche Kraft bewegt werden. Vorausſetzung der
Verſicherungspflicht bei allen dieſen Tätigkeiten iſt aber, daß das Fahrzeug oder
das Reittier nicht bloß zu einem ganz vorübergehenden Zweck gehalten wird.
Unverſichert bleibt das Halten von durch menſchliche Kraft bewegten
Fahr=
zeugen (Kinderwagen, Handkarren, Fahrrädern).
Zu 8. Gleichfalls neu verſichert iſt der gewerbsmäßige Fahrbetrieb, d. h. das
Einfahren fremder Pferde, ſowie der gewerbsmäßige Reittier= und
Stallhaltungs=
betrieb. Hierher gehören namentlich die Betriebe von Reit=, Renn= und Fahrbahnen,
von Reit= und Fahrſchulen, ſowie die ſogenannten Tatterſalls und Hivpodrome,
ferner die Zirkusbetriebe, ſoweit es ſich bei ihnen um die Wartung und Pflege der
Reittiere oder um ſonſtige Arbeiten der Stallhaltung handelt; außerdem die
Penſions=
ſtall= und Viehhaltungsbetriebe. Die Einſtellung von Vieh durch einen Viehhändler
ſie unterfällt
Betrieb zur Behandlung und Handhabung der Ware (zu vgl. 11c) der
Ver=
ſicherungspflicht.
Zu 11a und b. Betriebe zur Beförderung von Perſonen oder Gütern, ſowie
Holzfällungsbetriebe ſind nicht mehr wie früher nur in Verbindung mit einem
Handels=
gewerbe, deſſen Inhaber im Handelsregiſter eingetragen iſt, verſicherungspflichtig.
Sie unterſtehen vielmehr jetzt den Beſtimmungen der Reichsverſicherungsordnung,
wenn ſie mit einem über den Umfang des Kleinbetriebs hinausgehenden kaufmänniſchen
Unternehmen verbunden ſind.
Zu 11c. Die Verſicherung der früheren „Lagerungsbetriebe” iſt weſentlich
um=
geſtaltet worden. Früher waren derartige Betriebe nur hinſichtlich der eigentlichen
Lagerungsarbeiten und nur unter der Vorausſetzung verſichert, daß ſie mit einem
Handelsgewerbe verbunden waren, deſſen Inhaber im Handelsregiſter eingetragen
war. Jetzt ſind alle Betriebe zur Handhabung und Behandlung der Ware verſichert,
ſofern ſie mit einem über den Umfang des Kleinbetriebs hinausgehenden
kauf=
männiſchen Unternehmen verbunden ſind.
Hieraus ergibt ſich die Ausdehnung der Verſicherungspflicht auf eine Reihe von
Tätigkeiten, die bisher der Verſicherungspflicht nicht unterfielen. Denn der neue
Begriff „Handhabung und Behandlung der Ware” umfaßt ſowohl die eigentlichen
Lagerungsarbeiten, wie:
Auf= und Abladen und Hineinſchaffen der Ware in die Geſchäftsräume, Aus=,
Ein= und Umpacken, Umfüllen, Auffüllen des Handlagers, Sortieren, Vermeſſen,
und Auszeichnen der Ware, Handhabung der Ware bei der Beſtandsaufnahme,
Beförderung der Ware aus einem Geſchäftsraum in den anderen, Behandlung
der Ware, um ſie in verkaufsfähigen Zuſtand zu verſetzen und darin zu
er=
halten, ſowie die Inſtandhaltung der Warenräume (zu vgl. Beſcheid 2229,
Rekursentſcheidung 2277, Amtliche Nachrichten des R. V. A. 1908 S. 494, 655),
als auch alle übrigen dem techntſchen Teile des Betriebs angehörenden Verrichtungen,
die zu der bisher unverſicherten Verkaufstätigkeit in näherer Beziehung ſtehen, wie:
Das Herbeiholen der Ware aus dem Hand= oder ſonſtigen Lager, das
Vor=
legen und Vorzeigen der Ware zum Zwecke des Verkaufs, das Umgehen mit
der Ware während der Verkaufsverhandlungen, das Abmeſſen, Abwiegen,
Ver=
packen oder Vereitſtellen der Ware zum Zwecke des Verpackens, der Uebergabe
der Ware an die Käufer und das Zurücklegen der unverkauften oder nicht
paſſenden Ware in das Lager uſw.
Unverſichert bleiben auch jetzt noch die dem Handel dienenden Tätigkeiten,
die mit der eigentlichen Behandlung und Handhabung der Ware nichts zu tun haben.
Dahin gehören beiſpielsweiſe die Arbeiten im Kontor und in der Kaſſe.
Der Kreis der verſicherten Betriebe iſt auch inſofern ausgedehnt worden, als
der Inhaber des Betriebs nicht mehr im Handelsregiſter eingetragen ſein muß. Ferner
iſt der Begriff Handelsgewerbe” durch „kaufmänniſches Unternehmen” erſetzt. Auch
dies führt zur Verſicherungspflicht von bisher verſicherungsfreien Betrieben, die zwar
nicht zu den eigentlichen handelsgewerblichen Betrieben gehören, ihrer Natur nach
aber ihnen naheſtehen. Dahin gehören die Genoſſenſchaften des Reichsgeſetzes vom
1. Mal 1889, nämlich Produktiv=, Abſatzgenoſſenſchaften, Magazinvereine,
Konſum=
vereine, Vereine zur Beſchaffung von Gegenſtänden des landwirtſchaftlichen und
gewerblichen Betriebs uſw.
Damit aber nicht durch dieſe neuen Vorſchriften auch kleinſte Betriebe mit ganz
unerheblicher Unfallgefahr von der Verſicherung erfaßt werden, hat die
Reichsverſiche=
rungsordnung vorgeſehen, daß die Verſicherungspflicht von Betrieben zur Behandlung
und Handhabung der Ware dann nicht eintritt, wenn das kaufmänniſche Unternehmen.
mit dem ſie verbunden ſind, über den Umfang des Kleinbetriebs nicht hinausgeht.
Das Reichsverſicherungsamt hat auf Grund des § 537 letzter Abſatz der
Reichs=
verſicherungsordnung zu beſtimmen, welche kaufmänniſchen Unternehmungen als
Kleinbetriebe der Unfallverſicherung nicht unterliegen. Demgemäß hat es beſchloſſen,
daß alle diejenigen kaufmänniſchen Unternehmungen als Kleinbetriebe zu gelten haben,
in welchen die Tätigkeit der von dem Unternehmer beſchäftigten Perſonen im ganzen
jährlich nicht mindeſtens dreihundert volle Arbeitstage (Tagesleiſtungen) ergibt. Bei
Berechnung der Arbeitstage wird die Tätigkeit der Hausdiener, Arbeiter, Packer,
Markthelfer, Laufburſchen, Kutſcher und der mit ähnlichen Arbeiten beſchäftigten
Perſonen voll die Tätigkeit der kaufmänniſchen Angeſtellten nur zur Hälſte angerechnet.
Es iſt alſo beiſpielsweiſe ein Betrieb verſicherungspflichtig, der Hausdiener uſw.
100 Tage und kaufmänniſche Angeſtellte 400 Tage im Jahre (100 — 400 = 300 Tage)
beſchäftigt, während ein Betriebl, in welchem Hausdiener uſw. 100 Tage und
kauf=
männiſche Angeſtellte 300 Tage (100 P 300 — 250 Tage) beſchäftigt werden, von der
Verſicherung befreit bleibt.
Werden Arbeitskräfte zum Teil als Hausdiener uſw., zum Teil als kaufmänniſche
Angeſtellte verwendet, ſo iſt ihre Tätigkeit im erſteren Falle voll, im letzteren nur zur
Hälfte in Anſatz zu bringen. Verſichert iſt alſo beiſpielsweiſe ein Betrieb dann, wenn
in ihm zwei Perſonen in der Weiſe beſchäftigt werden, daß die eine 100 Tage als
Hausdiener uſw. und 80 Tage als kaufmänniſcher Angeſteller, die andere
60 Tage als Hausdiener uſw. und 240 Tage als kaufmänniſcher Angeſtellter tätig iſt
(100 P —80 60 4 240 = 320 Tage).
II. Welche Betriebe und Tätigkeiten ſind nicht anzumelden?
1. Von den nach Ziffer 1 der Unfallverſicherung in vollem Umfang unterſtellten
Betrieben und Tätigkeiten ſind dieienigen nicht anzumelden, welche bereits
verſiche=
rungspflichtig und angemeldet waren.
2. Desgleichen ſind nicht anzumelden ſolche Unternehmen, die als Nebenbetriebe
gewerblicher oder landwirtſchaftlicher Betriebe bereits verſichert ſind,
3. Nicht verſicherungspflichtig und deshalb gleichfalls nicht anzumelden ſind alle
Betriebe und Tätigkeiten, in welchen der Unternehmer allein ohne Gehilfen, Lehrlinge
oder ſonſtige Arbeiter tätig iſt: die rein zufällige Beſchäftigung einer Hilfskraft, deren
Heranziehung nicht vorausgeſehen werden kann, macht den Betrieb nicht
verſiche=
rungs= und anmeldepflichtig.
Als Arbeiter gelten auch Familienangehörige des Unternehmers, die in dem
Betriebe beſchäftigt werden, mit Ausnahme der Ehefrau, die niemals als Arbeiterin
ihres Ehemanns angeſehen werden kann.
III. Wer hat anzumelden?
Zur Anmeldung verpflichtet iſt der Unternehmer des Betriebs oder der
Tätig=
keiten oder ſein geſetzlicher Vertreter.
Unternehmer iſt derjenige, für deſſen Rechnung der Betrieb geht, und bei nicht
gewerbsmäßigem Halten von Reittieren oder Fahrzeugen, wer das Reittier oder
Fahrzeug hält (§ 633 der Reichsverſicherungsordnung).
Halter eines Fahrzeugs oder Reittiers iſt, wer nicht nur vorübergehend die
Inſtandhaltung des Fahrzeugs oder die Wartung und Pflege des Reittiers für eigne
Rechnung übernommen hat.
Von mehreren Unternehmern eines Betriebs iſt jeder zur Anmeldung verpflichtet.
Durch die Anmeldung eines Unternehmers wird der Anmeldepflicht der übrigen genügt.
Für die Anmeldepflicht iſt es einflußlos, ob der Unternehmer eine natürliche oder
juriſtiſche Perſon iſt.
IV. In welcher Form und in welchem Umfang ſoll die Anmeldung erfolgen?
1. Für die Anmeldung wird die Benutzung der nachſtehenden Muſter empfohlen.
2. In ihr iſt der Gegenſtand des Betriebs (Muſter I) oder die Art der
Tätig=
keiten (Muſter II) genau zu bezeichnen, Umfaßt ein Betrieb weſentliche Beſtandteile
verſchiedenartiger Gewerbszweige, ſo ſind ſämtliche Beſtandteile anzugeben; dabei iſt
der Hauptbetrieb hervorzuheben.
3. Ferner iſt die Zahl aller durchſchnittlich beſchäftigten verſicherungspflichtigen
Perſonen anzugeben, gleichviel ob ſie Inländer oder Ausländer, männlichen oder
weib=
lichen Geſchlechts, ob ſie erwachſene oder jugendliche Arbeiter, Gehilfen, Geſellen oder
Lehrlinge mit oder ohne Entgelt ſind, ob ſie dauernd oder vorübergehend
be=
ſchäftigt werden.
4. Betriebsbeamte ſind nur dann verſicherungspflichtig, wenn ihr
Jahresarbeits=
verdienſt an Entgelt 5000 Mk. nicht überſteigt.
Zum Entgelt gehören neben Gehalt oder Lohn auch Gewinnanteile, Sach= und
andere Bezüge, die der Verſicherte, wenn auch nur gewohnheitsmäßig ſtatt des
Ge=
halts oder Lohnes oder neben ihm von dem Arbeitgeber oder einem Dritten erhält.
5. Wenn regelmäßig nur eine beſtimmte Zeit des Jahres gearbeitet wird, iſt
die anzumeldende „durchſchnittliche” Arbeiterzahl diejenige, welche ſich zur Zeit des
regelmäßigen vollen Betriebes ergibt.
6. Als beſchäftigt ſind diejenigen Perſonen anzumelden, welche im Unternehmen
tätig ſind und Arbeiten, die zum Unternehmen gehören, zu verrichten haben, ohne
Rückſicht darauf, ob die Verrichtung innerhalb oder außerhalb der etwa vorhandenen
Anlage (Werkſtätte uſw.) erfolgt.
7. Hat ein Unternehmer Zweifel, ob er zur Anmeldung verpflichtet iſt oder
nicht, ſo empfiehlt ſich gleichwohl die Anmeldung zur Vermeidung der Nachteile bei
Verletzung der geſetzlichen Anmeldepflicht. Die Zweifel können aber vermerkt werden
(Spalte „Bemerkungen” der Muſter I und II).
V. Bis wann iſt anzumelden?
Die Anmeldung muß bis 15. März 1912 einſchließlich erfolgen. Säumige
Unter=
nehmer können von dem Verſicherungsamt oder der Behörde, welche nach der
Be=
ſtimmung der oberſten Verwaltungsbehörde vorläufig an die Stelle des
Verſicherungs=
amts getreten iſt, zur Anmeldung durch Geldſtrafe bis zu 100 Mk. angehalten werden.
Muſter I
(für Betriebe.)
Anmeldung
unfallverſicherungspflichtiger Betriebe gemäß Artikel 49 des Einführungsgeſetzes zur
Reichsverſicherungsordnung vom 19. Juli 1911 (Reichs=Geſetzbl. S. 839).
des
Unternehmers
(Firma) Gegenſtand
des
Betriebs?) Art
des
Betriebes‟ Zahl
d. durchſchnitt=
flich beſchäftigt.
verſicherungs=
pflichtigen
Perſonen Bemerkungen
(insbeſondere Angabe,
ob bereits Mitglied
einer
Berufsgenoſſenſchaft
und welcher)
den
(Unterſchrift des Anmeldepflichtigen.)
B. Fahr= und Reittierhaltungsbetrieb.
*) „Handbetrieb” oder Betrieb mit elementarer oder tieriſcher Kraft.
Muſter II
(für Tätigkeiten bei nichtgewerbsmäßigem Halten
von Fahrzeugen und Reittieren).
Anmeldung
unfallverſicherungspflichtiger Tätigkeiten gemäß Artikel 49 des Einführungsgeſetzes zur
Reichsverſicherungsordnung vom 19. Juli 1911 (Reichs=Geſetzbl. S. 839).
des
Unternehmers Art‟)
der Tätigkeiten Zahl
der durchſchnitlich
beſchäftigten ver=
ſicherungspflich ſicherungspflich=
tigen Perſonen Bemerkungen
(insbeſondere Angabe,
ob bereits Mitglied
einer
Berufsgenoſſenſchaft
und welcher)
den
(Unterſchrift des Anmeldepflichtigen.)
*) Z. B. Halten einer Segel=, Motorjacht, eines Reitpferdes.
Bekanntmachung.
Unter Bezugnahme auf die vorſtehende Bekanntmachung des Großh. Kreisamts
Darmſtadt weiſen wir darauf hin, daß die Anmeldungen aus der Stadt Darmſtadt
bis zu dem angeſetzten Termine — 15. März d. Js. — bei der unterzeichneten
Bürgermeiſterei (Bureau: Waldſtraße 6) einzureichen ſind. Daſelbſt ſind auch die
Formulare für die Anmeldung zu erhalten.
Darmſtadt, den 8. Februar 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
(4284
J. V.: Mueller.
Bekanntmachung.
Nachdem in den angrenzenden Teilen der Kreiſe Groß=Gerau und Offenbach
die Maul= und Klauenſeuche erloſchen iſt, werden die Gemeinden und Gemarkungen
Arheilgen, Braunshardt, Erzhauſen, Gräfenhauſen, Schneppenhauſen,
Weiter=
ſtadt und Wixhauſen aus dem Beobachtungsgebiet ausgeſchieden.
Mit Ausnahme der Gemeinde und Gemarkung Meſſel, die mit Rückſicht
auf die Verſeuchung von Urberach und Ober=Roden Beobachtungsgebiet bleiben,
iſt zurzeit der ganze Kreis Darmſtadt freies Gebiet.
Für das Beobachtungsgebiet (Gemeinde und Gemarkung Meſſel) bleiben
die wiederholt bekannt gemachten Anordnungen bis auf weiteres in Kraft.
Weiter bleiben bis auf weiteres in Kraft für den ganzen Kreis:
1. das Verbot des Handels mit Klauen= und Federvieh im Umherziehen,
2. das Verbot der Viehmärkte,
3. die wiederholt bekannt gegebenen Vorſchriften über Quarantäne,
4. die Vorſchriften über die tierärztliche Unterſuchung des von Schlachtviehhöfen
und von außerhalb des Großherzogtums mit der Eiſenbahn im Kreiſe
Darm=
ſtadt eintreffenden Klauenviehs.
Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Anordnungen werden mit hohen Strafen,
wenn ſie wiſſentlich begangen ſind, gemäß § 328 Str.=G.=B. mit Gefängnis geahndet.
Darmſtadt, den 18. Februar 1912.
(4281
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
An die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes!
Wir weiſen Sie auf vorſtehende Bekanntmachung hin, die Sie alsbald auf
orts=
übliche Weiſe in Ihrer Gemeinde veröffentlichen laſſen wollen.
Die Viehhändler und Metzger wollen Sie beſonders benachrichtigen.
Darmſtadt, den 18. Februar 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.
Bekanntmachung.
Die nachſtehende Bekanntmachung des Großh. Kreisgeſundheitsamts Darmſtadt
vom 8. d. Mts. bringen wir hiermit zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 9. Februar 1912.
(3923dsi
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
Bekanntmachung.
Betr.: Ausführung des Reichsimpfgeſetzes.
Alle Eltern und Pflegeeltern, die in dieſen Tagen von uns aufgefordert worden
ſind, den Nachweis zu führen, daß die Impfung ihrer im Jahre 1911 impfpflichtigen
Kinder und Pflegebefohlenen erfolgt oder aus einem geſetzlichen Grund unterblieben
iſt, machen wir darauf aufmerkſam, daß dieſer Nachweis durch Vorlage des
Impf=
ſcheins oder, falls ein geſetzlicher Hinderungsgrund für die Impfung beſtanden, durch
Vorlage eines ärztlichen Zeugniſſes an folgenden Tagen:
Mittwoch, den 14., 21. und 28. Februar und 6. März.
nachmittags von 2—3 Uhr,
in dem Schulhaus in der Rundeturmſtraße 9 geführt werden muß, wenn ſie ſich nicht
die in § 14 des Reichsimpfgeſetzes angedrohten Strafen zuziehen wollen.
Darmſtadt, 8. Februar 1912.
Großh. Kreisgeſundheitsamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Beſt.
Bekanntmachung.
Wir bringen die nachſtehende Polizeiverordnung über die Sicherheit des
Ver=
kehrs auf den Landſtraßen wiederholt zur öffentlichen Kenntnis und erwarten, daß
die Vorſchrift des § 1 befolgt wird, damit die Sicherheit des Verkehrs auf den Straßen
zur Nachtzeit erhalten bleibt.
Die Großh. Gendarmerie und das Polizeiperſonal ſind beauftragt, den Befolg
zu überwachen und Zuwiderhandlungen anzuzeigen.
Darmſtadt, den 16. Februar 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
Polizei=Verordnung.
Betreffend: Die Sicherheit des Verkehrs auf den Landſtraßen und Vorkehrungen
gegen Beſchädigungen durch Fuhrwerke.
Auf Grund der Art. 78 und 48, V 1 des Geſetzes vom 12. Juni 1884, die innere
Verwaltung und die Vertretung der Kreiſe und der Provinzen betreffend, ſowie des
§ 366 pos. 1 des Reichsſtrafgeſetzbuchs wird unter Zuſtimmung des Kreis=Ausſchuſſes
und mit Ermächtigung Großh. Miniſteriums des Innern und der Juſtiz vom 13. Juni
I. Js. (zu Nr. M. J. 15 622) unter Aufhebung der Polizeiverordnung vom 4. Dezember
1884 verordnet, was folgt:
§ 1. Alle auf den innerhalb des Kreiſes Darmſtadt belegenen Staats= und
Kreisſtraßen, ſowie den in dieſe Straßenzüge fallenden Ortsdurchfahrten nach
Ein=
tritt der Dunkelheit verkehrenden Fuhrwerke müſſen mit einer, an gut ſichtbarer
Stelle angebrachten brennenden Laterne verſehen ſein. Perſonenfuhrwerke, welche auf
den erwähnten Straßen während der genannten Zeit verkehren, müſſen durch zwei
hell brennende Laternen, welche zu beiden Seiten des Bocks anzubringen ſind,
be=
leuchtet ſein.
§ 2. Zuwiderhandlungen gegen dieſe Beſtimmungen unterliegen der Beſtrafung
nach § 366 des Reichsſtrafgeſetzbuchs (Geldſtrafe bis zu 60 Mark oder Haft bis
vier=
zehn Tagen).
§ 3. Vorſtehende Polizei=Verordnung tritt vierzehn Tage nach ihrer Publikation
im Darmſtädter Tagblatt in Kraft.
Darmſtadt, den 19. Juni 1890.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
v. Marquard.
An die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden und die Großh.
Gendarmerie des Kreiſes.
Wir beauftragen Sie, dem Befolg der Vorſchriften der obigen Polizei=
Ver=
ordnung beſondere Aufmerkſamkeit zuzuwenden und Zuwiderhandlungen zur Anzeige
zu bringen.
Den Großh. Bürgermeiſtereien empfehlen wir, den Inhalt der Polizei=
Ver=
ordnung wiederholt ortsüblich bekannt machen zu laſſen und das Polizeiperſonal mit
entſprechender Weiſung zu verſehen.
(4307
Darmſtadt, den 16. Februar 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.
Darmſtadt, den 7. Februar 1912.
Betreffend: Die Führung der Rekrutierungsſtammrollen; hier Zu= und Abgänge
Militärpflichtiger.
Der Zivil=Vorſitzende der Großh. Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt
au die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Indem ich Sie auf die Beſtimmungen des § 46 Poſ. 13 der Wehr=Ordnung vom
22. November 1888 (Neuabdruck im Reg.=Bl. Nr. 68 von 1911) hinweiſe, nach welcher
von jeder An= und Abmeldung eines Militärpflichtigen zur bzw. von der Stammrolle
infolge Aufenthaltswechſels, behufs Berichtigung der alphabetiſchen und Reſtanten=
Liſten, hierher Mitteilung zu machen iſt, empfehle ich Ihnen die entſprechenden
An=
zeigen — bei Anmeldungen unter Vorlage des Loſungsſcheins — für jeden Mann
getrennt, alsbald zu erſtatten.
Dr. Reinhart, Regierungsrat.
(3699a
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde. In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Pinſcher, 1 Jagdhund. 1 Jagdhund (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier
ausgelöſt werden. Die Verſteigerung, der nicht ausgelöſten Hunde
findet dortſelbſt jeden Werktag vormittags um 10 Uhr, ſtatt. (4266
Bekanntmachung.
Aufrechthaltung der Sicherheit und Ordnung während der
Faſtnachtszeit betr.
Nachdem in den letzten Jahren wiederholt Ausſchreitungen an
den Faſtnachtstagen vorgekommen ſind, haben wir uns gleichwie im
verfloſſenen Jahre veranlaßt geſehen, den Polizeiaufſichtsdienſt in den
verkehrsreichſten Straßen der Stadt an den Faſtnachtstagen zu
verſtärken.
Die Beamten ſind mit ſtrengſter Weiſung verſehen, gegen alle
Ausſchreitungen unnachſichtlich vorzugehen.
Alle Verkleidungen, ſowie das Anheften und Verteilen von
bildlichen Darſtellungen, Liedern, Zetteln und dergleichen, welche
gegen die guten Sittten verſtoßen, ſind verboten.
Ebenſo iſt das unbefugte Tragen von Militär= und
Beamten=
uniform unterſagt.
Aus feuerpolizeilichen Gründen muß das Tragen von Laternen,
die mit Spiritus, Petroleum oder ähnlichen leicht entzündlichen
Flüſſigkeiten geſpeiſt werden, bei Maskenbällen, Aufzügen oder
ähn=
lichen Gelegenheiten verboten werden. In öffentlichen
Verſamm=
lungen, wie insbeſondere Ballſälen und Wirtſchaften, iſt in
an=
betracht der Feuersgefahr das Werfen mit Papierſchlangen,
Papierſchnitzeln oder ſonſtigen feuergefährlichen Gegenſtänden
unzuläſſig. Außerdem müſſen ſämtliche Ein= und Ausgänge,
ſowie die Korridore im Innern der Räume freigehalten werden
und dürfen nicht durch Tiſche, Stühle, Bänke oder dergleichen
verſtellt werden.
Auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen, ſowie aus den
Häuſern darf nicht mit Orangen, Aepfeln oder ſonſtigen harten
Gegen=
ſtänden geworfen werden. Beim Werfen mit Papierſchlangen iſt
darauf zu achten, daß die Leitungsdrähte der elektriſchen
Straßen=
bahn nicht damit behängt werden.
Aus geſundheitspolizeilichen Gründen iſt das Aufheben und
Anſammeln von Konfetti oder Papierſchlangen von der Straße,
des=
gleichen das Werfen mit aufgehobenem Konfetti oder Papierſchlangen
nicht zuzulaſſen. Ebenſo iſt der Verkauf und Gebrauch von
Pfauen=
federn und Federwedeln zu beanſtanden. Sollten in letzterer
Rich=
tung Beläſtigungen des Publikums hervortreten, ſo iſt die
Beſchlag=
nahme der Gegenſtände zu gewärtigen.
Zuwiderhandlungen gegen dieſe Vorſchriften werden auf Grund
der beſtehenden geſetzlichen und verordnungsmäßigen Beſtimmungen
geahndet werden.
Indem wir dies zur Kenntnis des Publikums bringen, richten
wir an die Einwohnerſchaft die Bitte, unſere Polizeiorgane in der
Durchführung der getroffenen Maßnahmen nach Möglichkeit
unter=
ſtützen zu wollen.
Darmſtadt, den 14. Februar 1912.
(4024fsi
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Schulgeld=Erhebung,
Das Schulgeld für das Großh.
Realgymnaſium und deſſen
Vor=
ſchule, die Großh. Ludwigs=
Oberrealſchulen, die Großh.
Liebigs=Oberrealſchule, die
Vor=
ſchule der Großh. Gymnaſien,
die Viktoriaſchule, das
Lehrer=
innen=Seminar, die
Eleonoren=
ſchule und die Mittelſchulen für
das I. Kalender=Vierteljahr
1912 iſt, bei Meidung der
Mah=
nung, bis Ende Ifd. Mts. an
den Werktagen, vormittags von
8½ bis 12½ Uhr, hierher zu
ent=
richten.
(3918a
Darmſtadt, 12. Februar 1912.
Die Stadtkaſſe.
J. V.: Hahn.
Inſtallationsarbeiten ſofort zu
vergeben. Offerten unt. K 57
an die Expedition ds. Bl. (*4081
Rheinſand.
Die Lieferung von 2000 cbm
Rheinſand ſoll verdungen werden.
Lieferungsbedingungen liegen
bei dem Tiefbauamt, Zimmer Nr. 7,
während der Dienſtſtunden zur
Einſicht offen. Auch werden dort
die Angebotſcheine abgegeben.
Angebote ſind bis
Donnerstag, 29. Februar l. Js.,
vormittags 11 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu=
(4161so
reichen.
Darmſtadt, 16. Februar 1912.
Tiefbauamt.
Keller.
in unſer Handels=Regiſter,
Ab=
teilung B, wurde heute
folgen=
der Eintrag vollzogen hinſichtlich
der Firma:
Reſidenz=Automat,
Geſell=
ſchaft mit beſchränkter
Haftung, Darmſtadt.
Die beiden bisherigen
Geſchäfts=
führer, Friedrich Sachs und Johann
Heinrich Jacob, ſind
ausgeſchie=
den; an ihrer Stelle ſind Willy
Schlagdenhaufen, Geſchäftsführer,
Wilhelm Rathgeber, Kaufmann
beide in Darmſtadt, zu
Geſchäfts=
führern beſtellt.
(4269
Darmſtadt, 16. Februar 1912.
Großh. Amtsgericht Darmſiadt I.
Oeffentliche Impfung.
Mittwoch, den 21. Februar und die folgenden Mittwoche,
ſolange Bedürfnis, von nachmittags 3 Uhr ab unentgeltliche
Impf=
termine im Schulhaus in der Rundeturmſtraße für im Vorjahr
impfpflichtige, bis jetzt noch nicht geimpfte Kinder.
Angeordnete Wiederimpfungen werden in dieſen Terminen
ebenfalls vorgenommen.
Nachſchau jeweils 8 Tage ſpäter, bei Meidung der
geſetz=
lichen Strafe.
Nachſtehende Verhaltungsvorſchriften werden zur Beachtung
bekannt gegeben.
1. Aus einem Hauſe, in welchem anſteckende Krankheiten, wie
Scharlach, Maſern, Diphtherie, Krup, Keuchhuſten,
Fleck=
typhus, roſenartige Entzündungen oder die natürlichen Pocken
herrſchen, dürfen die Impflinge zum allgemeinen Termine
nicht gebracht werden.
2. Die Eltern des Impflings oder deren Vertreter haben dem
Impfarzte vor der Ausführung der Impfung über frühere
oder noch beſtehende Krankheiten des Kindes Mitteilung
zu machen.
3. Die Kinder müſſen zum Impftermin mit rein gewaſchenem
Körper und mit reinen Kleidern gebracht werden.
Darmſtadt, den 17. Februar 1912.
(4280a
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Schmitt.
Städtiſche Sparkaſſe Darmſtadt
(unter Haftung der Stadt Darmſtadt)
22 Hügelſtraße 22.
Fernſprech=Anſchluß Nr. 456.
Reichsbank=Girokonto.
Poſtſcheck=Konto.
Nachweisſtelle für zweite Hypotheken. Frankfurt a. M. Nr. 5869.
Verkehrszeit: Vom 1. April bis 30. September an jedem Werktage
vormittags von 8 bis 12½ Uhr, vom 1. Oktober
bis 31. März an jedem Werktage vormittags von
8½—12½ Uhr.
I. Einlagen= und Rückzahlungsgeſchäft: im Erdgeſchoß.
Verzinſung der Einlagen: Bis einſchließlich 10000 Mark = 3½%
über 10000 Mark — 3% für die ganze Einlage.
Zinsbeginn: Für Einlagen vom nächſten auf die Einzahlung
fol=
genden Werktage an. Bei Rückzahlungen hört die
Ver=
zinſung mit dem letzten der Erhebung vorausgehenden
Werktage auf.
II. Darlehensgeſchäft und Verwaltung: im erſten Stock.
Städtiſche Pfennig=Sparkaſſe.
Einzahlungen in Pfennigbeträgen von 10, 20 Pfg. u. ſ. f. bis
einſchließlich eine Mark werden jeden Samstag, nachmittags von
2 bis 8 Uhr, von nachverzeichneten Erhebeſtellen entgegengenommen:
Praſſel, M. W., Schulſtraße 10.
Landau, M., Mathildenplatz 1.
Bopp, K., Heinheimerſtraße 74.
Waitz, Pfarrer, Mollerſtr. 23.
Roth, G., Dieburgerſtraße 9.
Koch, K., Marktplatz 3.
Stephan, H., Stiftſtraße 29.
Finke, P. C., Ballonplatz 5.
Klockow, F., Pankratiusſtr. 26.
Schroth, J., Gardiſtenſtraße 15.
Scholl, R., Soderſtraße 44.
Poth, E., Heinheimerſtraße 20. Möſer, J. H., Ruthsſtraße 16.
Supp, A. J., Marktplatz 8.
Seibert, F., Pallaswieſenſtr. 44.
Waitz, E., Eliſabethenſtraße 16.
Büchler A., Roßdörferſtr. 26½
Hebermehl, G., Eliſabethenſtr. 53.
Filialen:
Kiesſtraße 34.
Sandbergſtraße 27.
Lauteſchlagerſtraße 4.
Mollerſtraße 17.
Schwab, T., Ernſt=Ludwigsplatz 4. Sulzmann, A., Forſtmeiſterſtr. 2.
Mattheß, H., Liebfrauenſtr. 58.
Jarraſch, J., Heinheimerſtr. 35. Erb, O., Alexanderſtraße 17½
Der Verwaltungsrat der ſtädtiſchen Sparkaſſe.
Der ſtellvertretende Vorſitzende.
Wagner.
(4295a
Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 21. Februar 1912, vorm. 11 Uhr,
werden im Pfandlokale Rundeturmſtraße 16 (Roſenhöhe)
verſchiedene Möbel, darunter Diwans, Vertikos,
Kleider=
ſchränke, Waſchtiſche, Nachtſchränkchen, Sofas, Bilder,
Schreib=
tiſche, 2 Pianinos, ferner 2 Ladenkontrollkaſſen, 1 Stella=
und 1 Tambourſtickmaſchine, ſowie verſchiedene Landauer
und Coupees
zwangsweiſe verſteigert.
(4297
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher,
Georgenſtraße 11, I.
Holz-Verſteigerung.
Montag, den 26. u: Dienstag, den 27. Februar,
jedesmal vormittags von 9 Uhr an, ſollen im Gaſthaus „Zum
Löwen” in Nieder=Ramſtadt (Fr. Bender) aus dem Diſtrikt
Hinter=
forſt verſteigert werden:
Scheiter rm: 243 Buchen, 30 Eichen, 20 Kiefern; Knüppel
rm: 303 Buchen, 28 Eichen, 27 Kiefern, 6 Fichten; Reiſig
Hdt. Wellen: 126 Buchen, 5 Eichen, 4 Kiefern, 8 Fichten;
Stöcke rm: 52 Buchen, 14 Eichen, 8 Kiefern, 3 Fichten.
Am erſten Tag kommen die Nrn. 419 bis 647, am zweiten
Tag die Nrn. 648 bis 708 und 782 bis 950 zum Ausgebot.
Die mit F bezeichneten Nummern werden nicht verſteigert.
(4259
Ober=Ramſtadt, den 16. Februar 1912.
Großh. Oberförſterei Ober=Ramſtadt.
Daab.
Blamm= und Autzholz=Terſteigerungen.
1. Freitag, den 23. Februar I. J., vorm. 9 Uhr
anfangend, werden im Gundernhäuſer Gemeindewald öffentlich
ver=
ſteigert:
9 St. Fichten=Stämme IV. Klaſſe — 9,13 fm, 330 St. Fichten=
Stämme V. Klaſſe — 83,93 km, 9 St. Lärchen=Stämme
— 2,63 fm, 1228 St. Fichten=Derbſtangen — 54,81 fm, 945 St.
Fichten=Reisſtangen — 10,56 fm.
Die Zuſammenkunft iſt auf dem Meſſeler Weg am Eingang
des Waldes.
2. Dienstag, den 27. Februar I. J., vorm. 9 Uhr
anfangend, werden im Gundernhäuſer Gemeindewald öffentlich
ver=
ſteigert:
2 St. Fichten=Stämme III. Klaſſe — 3,15 fm, 16 St. Fichten=
Stämme IV. Klaſſe — 16,11 fm, 313 St. Fichten=Stämme
V. Klaſſe — 106,04 fm, 6 St. Lärchen=Stämme — 3,06 fm,
1017 St. Fichten=Derbſtangen = 43,35 fm, 5 St. Lärchen=
Brenn= und Stammholz=Verſteigerung
Montag, den 26. Februar, vormittags 9 Uhr,
verden im „Darmſtädter Hof” zu Weiterſtadt aus dem
Gemeinde=
wald=Diſtrikt Täubcheshöhl verſteigert:
212 rm Kiefern=Scheiter, 240 rm Kiefern=Knüppel, 10000
Kiefern=Wellen, 175 rm Kiefern=Stöcke, 7 rm Schweineſtall=
Legner.
An demſelben Tage, nachmittags 3 Uhr,
an der Abtriebsfläche Diſtrikt Täubcheshöhl, oberhalb des Merck’ſchen
Waſſerwerks:
34 Stämme mit 23,87 km Inhalt, ausgeſuchtes
Weiterſtadt, 19. Februar 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterer.
Becker.
Schnittholz.
(4291im
garten.
Derbſtangen —0,30fm, 1450 St. Fichten=Reisſtangen =6,34 fm.
Die Zuſammenkunft iſt auf der Herrnwieſenſchneiſe am Pflanz=
(4272im
Gundernhauſen, den 17. Februar 1912.
Großh. Bürgermeiſterei Gundernhauſen.
Schütz.
Bekanntmachung.
Im Konkurs über das
Ver=
mögen des Wolf Wartensleben,
Pferdehändler von Ober=
Ram=
ſtadt, betragen die Teilungsmaſſe
7400 Mk. 63 Pfg., die
nichtbevor=
echtigten Forderungen 59076 Mk.
73 Pfg.
(4267
Darmſtadt, 19. Februar 1912.
Reibſtein,
Konkursverwalter.
Mliert Zimmer
Das Haus zum Aleinbewohnen
Bismarckſtr. 41½, 10 Zimmer mit
Halle u. Zubehör, Zentralheizung
Vor= u. Hintergarten, iſt per
ſof=
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11)
Ja, Herr Lührſen, ſagte Wolff, des Menſchen Wille iſt
ſein Himmelreich. Wollen Sie wirklich noch zehn Jahre ſo
fortſchuften? So lange dauerts, bis Sie die Schulden los
ſind. Dann ſind aber Ihre beſten Mannesjahre futſch!
Wenn mir das einer ſchwarz auf weiß gäbe, daß zehn
Jahre wirklich langten, ich tät’s mit Freuden. Bis dahin
werden dieſe Knochen ja wohl halten.
Sie ſind ein merkwürdiger Menſch, Herr Lührſen, ein
bißchen hannoverſcher oder norddeutſcher Dickkopf iſt doch
dabei!
Meinen Sie —2 lachte Lührſen ſarkaſtiſch und warf den
Kopf auf, und das war zweifellos ein harter Dickkopf.
Na, wenn Sie verkaufen, bleiben Ihnen allemal ſo etwa
ſechzigtauſend Mark, das heißt, wenn Sie es geſchickt
machen und es mir überlaſſen gegen angemeſſene Proviſion.
Ich glaube, ich wüßte ein paar Leute in Hamburg, denen
man damit kommen könnte. Dann habe ich mein Geld und
Sie das Ihrige. Sie haben ſtudiert, den Doktor gemacht.
Leicht bekämen Sie irgend eine gute Anſtellung, vielleicht als
Direktor einer landwirtſchaftlichen Winterſchule, oder auch
Sie gehen in die akademiſche Laufbahn. Sie könnten leben
ohne Sorgen. Statt deſſen rackern Sie ſich hier ab werfen
Ihre beſten Jahre weg und verſauern hier ganz und gar.
Wie doch andere für uns zu ſorgen wiſſen, wie ſie alles
ſo ſchön für uns zurecht denken, als ob man ſo eine Art
Maſchine wäre, die einfach auf ein anderes Lebensgeleis
geſchoben werden kann und dort weiterrollt, dachte Lührſen
indem er an den Tiſch herantrat und auf Wolffs Glatze
hinunterſah.
Verſauern —2 Hier? Meinen Sie —? Na, das kommt
darauf an. Verſauern würde meine Natur, wenn ich Ihren
Rat befolgte. Ich habe mich daran gewöhnt, ſehen zu
wollen, was ich ſchaffe, und ob’s gut wurde! Aber wenn ich
Ihnen das alles erklären wollte, Sie würden es doch nur
halb begreifen. Ich denke eben anders herum. Sind
ſechzigtauſend Mark ſo ſicher wie meine Halligboſteler Felder
und Bäume? Was gebe ich meinem Jungen mit, wenn ich
ihm ſo und ſo viel tauſend Mark laſſe?
Herr Wolff ſah etwas ſcheu in Lührſens graue Augen
hinein. Dieſer ſprach ſehr eindringlich, und weil bei Wolff
bares Geld und gutes Eſſen der Inbegriff
aller=
höchſten Menſchenglücks war und einziger Maßſtab der
Wertſchätzung unter Menſchen, wurde ihm dieſe eindringliche
Sprache unbehaglich.
Sehen Sie, Herr Wolff, fuhr Lührſen fort, ſolange
ein Menſch auch nur einige Morgen ſchuldenfreies Land
und ein trockenes Haus hat, iſt er ſicher vor dem Hungern,
und zweitens, ſo lange er das hat, iſt er ein freier Mann,
der ſich um keinen Menſchen in der Welt zu ſcheren hat,
ſondern alles mit ſeinem Gott abmachen kann. Er iſt Herr!
Und das will ich meinem Jungen erhalten, ſo oder ſo. Er
ſoll nie nötig haben, den Rücken krumm zu machen und
ſich ſchuriegeln zu laſſen. Aber, wie geſagt, das werden Sie
kaum verſtehen. Eines aber werden Sie vielleicht
ver=
ſtehen. Wenn ich mich nicht irre, hat. Ihr Großvater ſchon
das Haus Wolff Söhne gegründet?
Ganz recht, mein Urgroßvater tat es.
Schön, Herr Wolff, ich weiß, daß Ihr Großvater und
Ihr Vater ſolide, ordentliche Geſchäftsleute waren
Ja, das wußte der Bankier, und er beneidete ſeine
Väter, denn er konnte ſich nicht verhehlen, daß ſeine
Ge=
ſchäfte nicht mehr ſo ſolide waren, aber er hatte dabei in
zehn Jahren mehr verdient als jene in fünfzig Jahren,
und er konnte ſich Wagen und Pferde halten. Aber
Lührſen fuhr nach kurzer Pauſe fort: Wenn nun ſchlechte
Zeiten kämen, was Sie ja wohl Kriſen und ſchlechte
Kon=
junkturen nennen, wo es ſich um Sein oder Nichtſein
han=
deln würde
Da fuhr ſich der Bankier mit beiden Händen an den
Kopf: Um Gotteswillen, Herr Lührſen, malen Sie den
Teufel nicht an die Wand! Geſchäft bleibt Geſchäft, und
unſereins ſitzt immer auf einem Pulverfaß!
Sein Entſetzen war nicht ganz geheuchelt denn er hatte
kürzlich für zweimalhundert Mark Getreide in Oſtpreußen
gekauft und war außer ſich, daß gegen ſeine Berechnung
die Preiſe noch nicht anzogen.
Ich frage nur, Herr Wolff, würden Sie einfach retten,
was zu retten iſt, und Ihre Firma zum Teufel gehen
laſſen?
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von Geſchäften verſtand! Aber er ſagte: Nein, Herr Lührſen,
ſolange noch eine Spur von Hoffnug wäre, würde ich die
Firma halten.
Na, ſehen Sie wohl! Die Firma Lührſen auf
Hallig=
boſtel iſt nachweisbar mehr als dreihundert Jahre alt,
wahrſcheinlich noch älter, und vor hundertfünfzig Jahren
waren die Lührſens noch einfache Bauern.
Wolff hatte die Zigarre weggelegt, denn die Sache
langweilte ihn, und die Zigarre war wirklich zu ſchlecht.
Verehrter Herr Lührſen, das iſt alles ganz ſchön und
gut, aber das Sie nun die die zweihundert Jahre wieder
ſtreichen und nicht viel anders als ein Bauer hier arbeiten,
das iſt denn doch, na, ſagen wir mal, mindeſtens unklug
und paßt nicht mehr in unſere Zeit.
So? Ich denke anders. Das iſt die höchſte Vernunft.
Freilich, die meiſten fragen nur, was bringt die Geſchichte
mir jedes Jahr ein. Iſt’s denn nicht genug, wenn ich davon
geſund leben kann, ohne was gut zu machen? Ich habe es
oft genug hören müſſen von anderen Gutsbeſitzern, daß ich
Gefühlsduſelei triebe. Sie mögen recht haben, aber mir
iſt ganz wohl zu Mute bei der Duſelei.
Ich weiß, weiß ganz genau, Herr Lührſen! Um ſo
ſchwerer wird mir meine Forderung.
Lührſen blickte eine Weile ſinnend zum Fenſter hinaus.
Dan indie er ſch mi einer leſen Fie zuſcher den
Augenbrauen wieder zu Wolff.
Hol’s der Teufel, dann ſchlag ich den Wald um. Auch
Gefühlsduſelei, daß man das nicht gern tut und an ſo tote
Dinge wie Eichen und Buchen das Herz hängt. Aber
ſchließlich, der Wald wächſt einmal wieder, zwar werde
ich’s nicht mehr erleben. Sie ſollen Ihr Geld haben, ich
werde mit einem Holzhändler abſchließen.
Der Bankier ſtand auf. Wie Sie wollen, Herr Lührſen,
Wie geſagt, mir tut es leid. Doch überlegen Sie es ſich
noch einmal in Ruhe. Kann denn Ihr Herr
Schwieger=
vater, der Geheimrat Baltensperg, nichts tun. Der Mann
iſt doch gut.
Nun wußte Lührſen, welche genauen Erkundigungen
Wolff eingezogen hatte, ehe er ihm das Geld gab. Ich habe
keine Veranlaſſung, von meinem Schwiegervater Geld
an=
zunehmen.
Na ja, ich weiß. Ich muß nun weiterfahren. Bitte,
bemühen Sie ſich nicht, der Schlitten hält ja vor der
Haus=
tür. Alſo auf Wiederſehen! Vergnügte Weihnachten!
Er hielt Lührſen die weiche, fette Hand hin, durch
die dieſer mit ſeiner muskulöſen Rechten nur durchwiſchte.
Als der Mann hinaus war, ſtand Lührſen noch eine
Weile und blickte die Tür an, durch die Wolff gegangen.
Der Mann war in ſeinem Recht, und ein ſolider
Geſchäfts=
mann war er, aber dennoch — es iſt nicht leicht, den nicht
un beſen der me wieh unt Daunwande er ſch ſeie ſch
vor den Schreibtiſch und ſtützte den Kopf in die Hand.
So bemerkte er kaum, daß Dora Plattner eingetreten war.
Erſt nach einer Weile wandte er den Kopf ihr zu. Sie
drehte ihm den Rücken zu, ſtand am Eßſchrank und hob
ſich auf die Fußſpitzen, um mit dem Wiſchtuch an den oberen
Rand des Möbels zu kommen. Ihr ſchlanker Körper mit
dem emporgereckten rechten Arme hob ſich in dem grauen
Wollkleid wirklich ſchön ab von dem dunkeln Holz des
Schrankes, und die Sonne, die ins Zimmer ſchien, wob
einen goldigen Rand um Doras Haar im Nacken. Er ſah
das alles vielleicht nicht, aber er ſah, daß ſie getreu ihre
Pflicht tat.
Fräulein Dora, ſagte er langſam.
Ja, Herr Lührſen. Sie blieb bei der Arbeit und wandte
nur den Kopf etwas zur Seite.
Der Bankier Wolff war hier —!
Sie ließ den Arm ſinken. Ich weiß, und jedesmal
faſt, wenn er hier geweſen iſt, haben Sie Sorgen. Es iſt
kindiſch, aber ſein koſtbarer Pelz, der im Flur hing, ärgerte
mich.
Lührſen lächelte. Er tut es nicht aus Bosheit.
Mag ſein. Ich weiß nur, daß er bei Hamburg eine
ſchöne Villa in Blankeneſe hat. Man zeigte ſie mir einmal.
Seine Tochter hat ja einen Huſarenleutnant geheiratet.
(Fortſetzung folgt.)
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