Abonnementspreis
Inſerafe
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 14 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Der Kaiſer hat abgelehnt, ein unvollſtändiges
Reichstagspräſidium zu empfangen.
Im Reichstage machte der Staatsſekretär von
Kider=
len=Wächter Mitteilungen über die
Marokkover=
handlungen.
Zum bayeriſchen Kriegsminiſter wurde der
kommandierende General des 3. Armeekorps Frhr.
Kreß von Kreſſenſtein ernannt.
In Kiel fanden am Samstag die Taufe und der
Stapellauf des neuen Linienſchiffes „
Prinz=
regent Luitpold” ſtatt.
Graf Aehrenthal iſt am Samstag geſtorben. Zu
ſeinem Nachfolger iſt der bisherige Petersburger
Bbt=
ſchafter Graf Verchtold ernannt worden.
Der franzöſiſche Senat hat den Marine=
Etat angenommen.
Der Präſident Bratlie des norwegiſchen Storthings iſt
mit der Neubildung des Kabinetts betraut worden.
Zur inneren Lage.
** Der Reichskanzler hat durch ſeine Rede
im Reichstag erkennen laſſen, daß es kein Zufall war,
wenn die Thronrede von der Notwendigkeit ausging,
das feſte Gefüge des Reiches und der ſtaatlichen Ordnung
unverſehrt zu erhalten. Denn die programmatiſche
Kund=
gebung des leitenden Staatsmannes bezeugt die
ener=
giſche Entſchloſſenheit der Regierung, tatſächlich über den
Parteien zu ſtehen und ſich weder von links noch von
rechts hochpolitiſche Zugeſtändniſſe abnötigen zu laſſen.
Nach rechts hin ſteckte der Reichskanzler inſofern ein
War=
nungsſignal auf, als er die grundverkehrte Behandlung
der Erbanfallſteuer durch Konſervative und Zentrum
kennzeichnete und ſcharf den Gedanken zurückwies, daß
eine neue Einbringung der Erbanfallſteuervorlage die
Parteien der Rechten brüskiere. Nach links aber beſeitigte
Herr von Bethmann Hollweg jeden Zweifel daran, daß
die Regierung die Hand zu einer weiteren
Demokrati=
ſierung des Wahlrechtes und zu einer Minderung der
Kronrechte nicht bieten werde. Für den unbefangenen
mittelparteilichen Politiker hat ſich damit der
Reichskanz=
ler auf einen Standpunkt geſtellt, deſſen Durchführung
als im zweifelloſen nationalen Intereſſe liegend erachtet
werden muß.
An dieſer grundſätzlichen Zuſtimmung zu dem Kern
der Programmrede des Reichskanzlers können auch die
Anariffe nichts ändern, die er gegen die nationalliberale
Reichstagsfraktion in Bezug auf ihre Haltung bei der
Präſidentenwahl gerichtet hat. Herr von Bethmann
Hollweg ſprach vielmehr, wie eine Reihe von
Kundgebun=
gen der nationalliberalen Partei gegen die eigene
Frak=
tion beweiſt, einem ſehr großen Teil der
nationallibera=
len Wähler aus der Seele, als er die nationalliberale
Stimmenabgabe für die „Genoſſen” Bebel und
Scheide=
mann geißelte.
Die Rede des Reichskanzlers v. Bethmann Hollweg
wird von den rechtsſtehenden Blättern, von der Germania
und der Täglichen Rundſchau ſehr beifällig beſſrochen.
Die linksliberalen Organe dagegen greifen Herrn
v. Bethmann Hollweg heftig an, hauptſächlich wegen des
Reichskanzlers Bemerkung über die radikale Strömung
im Liberalismus. Die Kreuzzeitung bringt eine
Aus=
laſſung der parteioffiziellen konſervativen Korreſpondenz,
in der gelobt wird, daß der Reichskanzler klar und
ent=
ſchieden das Entgegenkommen der Reichsregierung
gegen=
über demokratiſchen Tendenzen ablehnte. Die deutſche
Tageszeitung nennt die Rede Bethmanns ein kleines
Meiſterſtück, ſowie formell als auch ſachlich. Nur die
Worte über die Erbanfallſteuer gefallen dem bündleriſchen
Blatte nicht. Auch die Andeutung des Reichskanzlers,
daß die Regierung auf die Erbanfallſteuer zurückkommen
werde, müßte die Konſervativen veranlaſſen, die
Auf=
klärung über die Schäden dieſer Steuer wieder energiſch
aufzunehmen. Die Tägliche Rundſchau hofft, daß der
Ruf des Kanzlers nach Sammlung der bürgerlichen
Par=
teien gegen die Sozialdemokratie beſſer Verſtändnis
fin=
det als vor den Wahlen. Die Voſſiſche Zeitung wirft
dem Kanzler vor, daß er trotz des hübſch zugeſpitzten
Schlagwortes: „Weder reaktionär noch radikal ſoll
re=
giert werden!” immer weiter nach rechts gerückt iſt, was
ſeine Rede klar beweiſe. Das Berliner Tageblatt
verſpottet Herrn von Bethmann Hollweg als eine alte
Gouvernante und meint, die Linke habe nach dieſer Rede
nur noch mehr Anlaß zuſammenzuhalten. Bleibe ſie feſt,
ſo ſei ihr gleichgültig, ob der Gouvernante in einigen
Ta=
gen gekündigt werden ſoll oder bis zur gänzlichen
Erſtar=
rung im Dienſte bleibt. Der Vorwärts nennt
Beth=
mann einen guten Mann, aber unfähigen Reaktionär und
findet es unbegreiflich, wie an der Spitze der
Reichsregie=
rung ein Beamter von ſo bejammernswerter
Unzuläng=
lichkeit ſtehen könne.
Deutſches Reich.
— Kaiſerhoch und Sozialdemokratie
und die Taktik der Nationalliberalen. Die
Nationalliberale Korreſpondenz ſtellt feſt — und dieſe
Feſt=
ſtellung kommt unbegreiflich ſpät —, daß die
Sozial=
demokraten erklärten, im Falle der Behinderung des
erſten Präſidenten werde der ſozialdemokratiſche
Vize=
präſident die perſönliche Anzeige der Konſtituierung des
Reichstags beim Kaiſer ausführen und gegebenenfalls
auch das Kaiſerhoch ausbringen. Außerdem iſt die
Nationalliberale Korreſpondenz ermächtigt, feſtzuſtellen,
daß eine Parole, bei der Präſidentenwahl für Bebel zu
ſtimmen, weder von der Fraktion noch vom
Fraktions=
vorſtand noch von dem Vorſitzenden ausgegeben wurde.
Sie bemerkt dazu: Im Gegenteil, da die Fraktion ein
Großblockpräſidium ausdrücklich und wiederholt
abge=
lehnt hatte, ergab ſich von ſelbſt der Beſchluß, im Falle
der Stichwahl zwiſchen Spahn und Bebel mit weißen
Zetteln zu ſtimmen. Daß dieſe Parole nicht geſchloſſen
durchgeführt wurde, iſt bedauerlich und bei den einzelnen
Herren, die Bebel gewählt haben, nur durch die Erregung
des Augenblicks zu erklären. Die nationalliberale Partei
hat in den Wahlen die Großblockpolitik ausdrücklich
ab=
gelehnt. Auf demſelben Boden ſteht die
Reichstagsfrak=
tion im allgemeinen und in der Frage des Präſidiums.
Darüber ſind die Fraktion und ihre Führung
vollkom=
men einig.
— Der Reichskanzler über das
Reichs=
tagswahlrecht. Die Ausführungen des
Reichs=
kanzlers über das Reichstagswahlrecht in ſeiner
Frei=
tagsrede lauteten ausführlicher:
Sie, meine Herren Sozialdemokraten und Ihre
nächſten Nachbarn halten die unſichere politiſche
allge=
meine Lage für den geeigneten Zeitpunkt, um unſer
de=
mokratiſches Wahlrecht noch weiter zu demokratiſieren.
und um durch eine Erweiterung der ſogenannten
kon=
ſtitutionellen Garantien unſere Reichsverfaſſung von
Grund aus zu ändern. Zu einer weiteren
Demokratiſie=
rung unſeres Wahlrechts und zu einem Angriff auf die
Grundlagen der Reichsverfaſſung werde ich die Hand
nicht bieten. Unſer Wahlrecht leidet an vielen Mängeln.
Das wird von allen Seiten zugegeben. Die Rieſenkreiſe,
die mit dem Durchſchnitt nicht mehr im Verhältnis ſtehen,
mögen ein ſolcher Mangel ſein, aber es gibt auch noch
an=
dere Mängel. z. B. die Moral oder vielmehr die
Un=
moral der Stichwahl. Wir haben es ſoeben erlebt, daß
eine bürgerliche Partei bei Stichwahlen in dem einen
Wahlkreiſe vertragsmäßig mit den Sozialdemokraten
gemeinſame Sache machte, und daß dieſelbe bürgerliche
Partei in anderen Kreiſen es als einen Verrat am
Va=
terland und am Staat brandmarkte, für den
Sozialdemo=
kraten zu ſtimmen. Ich nenne die mangelnde Vertretung
der Minoritäten und alle die Schäden, die überhaupt
aus einer Uebertreibung des nackten Zahlenprinzips
hervorgehen. Ja, meine Herren, wenn Sie alle die
Schäden mitteilen wollen, dann läßt ſich ja über die
Sache reden, aber ich glaube, wer an dieſem Wahlrecht
andere Mängel als die der zahlenmäßigen
Ungleichhei=
ten entdeckt und offen bekennt, der wird als ein
Staats=
verbrecher verfemt und nur wer dem Götzen der reinen
Zahl huldigt, der iſt ein Volksfreund.
— Der Seniorenkonvent des
Reichs=
tages entſchied die Frage, ob zur Fraktionsbildung
und zur Vertretung im Seniorenkonvent auch künftighin
mindeſtens 15 Mitglieder erforderlich ſein ſollen, im
be=
jahenden Sinne. Die Reichspartei, die Wirtſchaftliche
Vereinigung und andere kleine Gruppen ſcheiden alſo
aus dem Senioren=Konvent aus. Weiter wurde eine
Einigung darüber erzielt, daß unmittelbar nach der
Be=
endigung der erſten Leſung des Etats die ſämtlichen
An=
träge auf Aenderung der Geſchäftsordnung einer
ver=
ſtärkten Kommiſſion von 21 Mitgliedern überwieſen
wer=
den ſollen, ohne daß man vorher eine größere Debatte
über dieſe Anträge durchführt.
— Rücktritt des bayeriſchen
Kriegs=
miniſters. Der Prinzregent von Bayern richtete an
den zurückgetretenen Kriegsminiſter Grafen von Horn
ein Handſchreiben, in dem es heißt: Empfangen Sie
meinen wärmſten Dank für Ihre treuen Dienſte, die Sie
mir und der bayeriſchen Armee geleiſtet haben. Um
Ihnen auch bei dem Scheiden aus der Aktivität einen
neuen Beweis meiner Anerkennung und meines
Ver=
trauens zu geben, verleihe ich Ihnen den Hausritter=
Orden vom Heiligen Hubertus und beſtimme, daß Sie
im Verhältnis als Generaladjutant verbleiben und in
den Liſten der aktiven Armee fortzuführen ſind. In
ei=
nem weiteren Handſchreiben teilt der Prinzregent dem
Kriegsminiſterium die Ernennung des Generals der
Ka=
vallerie, des kommandierenden Generals des 3.
Armee=
korps, Frhrn. Kreß von Kreſſenſtein zum Staatsrat im
ordentlichen Dienſt und zum Kriegsminiſter mit.
Ausland.
Frankreich.
Der Marine=Etat im Senat. Der Senat
ſetzte die Beratung des Marine=Etats fort. Miniſter
Delcaſſé wies darauf hin, daß die Flotte im Jahre 1911
um das Geſchwader der „Danton”=Klaſſe, 5
Torpedo=
bootszerſtörer und 4 Unterſeeboote, ſowie um den
Kreu=
zer „Waldeck=Rouſſeau” gewachſen ſei. In dieſem Jahre
werde eine neue große Einheit in Dienſt geſtellt. Die
neuen Kreuzer würden ſchneller als die alten vollendet.
Zwei würden in den Staatswerften auf Stapel gelegt,
ein dritter werde bei der Privatinduſtrie beſtellt
wer=
den. Frankreich werde außerdem eine gewiſſe Anzahl
Torpedobootszerſtörer und Unterſeeboote bauen.
Re=
ſervegeſchütze ſeien für alle Einheiten vorhanden. Noch
in dieſem Jahre werde das Schwarzpulver der Granaten
vollſtändig erſetzt werden. Die Pulvervorräte werden
zerſtört oder unter Waſſer geſetzt werden. Nur 600
Ton=
nen einwandfreies Pulver werde man zurückbehalten.
Bis Juli könne ein ganzes Geſchwader mit neuem
Pul=
ver verſehen ſein, aber ſchon jetzt könne man allen
Even=
tualitäten der Lage ins Auge ſehen. Die Beſtände an
Kohle und Petroleum ſeien genügend groß, ebenſo
be=
friedigend ſeien die Schiffsdocks, wenn auch in dieſer
Beziehung bis 1914 ſehr viel Schwierigkeiten zu
über=
winden ſein würden. Delcaſſé ſchloß, er würde es ſich
angelegen ſein laſſen, die Flotte um mächtige Einheiten
zu vermehren und die Tüchtigkeit der Mannſchaften zu
erhöhen. Er ſei willens, das Programm, das er dem
Parlament unterbreitet habe, methodiſch zu
verwirk=
lichen. Die Flotte ſtelle nunmehr eine Achtung
gebie=
tende Streitkraft dar, ſodaß jeder zögern werde,
Frank=
reich anzugreifen. — Der Senat nahm den Marine=
Etat an.
Die Wahlreform in der Kammer. Nach
bewegter Debatte wurde mit 321 gegen 213 Stimmen
auf Antrag des Miniſterpräſidenten der Geſamtinhalt
des Artikels 1b des Wahlreformentwurfs angenommen.
Der Artikel ſetzt feſt, daß jedes Deparkement einen
Wahlbezirk bildet und regelt die Berechnung der auf
eine Liſte fallenden Mandate. Die Kammer nahm
ſo=
dann den Artikel 20 mit 320 gegen 216 Stimmen an
und vertagte ſich darauf bis Donnerstag.
Die franzöſiſch=ſpaniſchen
Verhand=
lungen. Nach einer anſcheinend offiziöſen Meldung
über die franzöſiſch=ſpaniſchen Marokko=Verhandlungen
ſcheint die Nachricht des Temps, wonach Spanien
den engliſchen Vermittlungsvorſchlag angenommen habe,
teilweiſe etwas verfrüht zu ſein. Dem Petit Pariſien
wird mitgeteilt. Garcia Prieto habe den franzöſiſchen
Botſchafter Geoffray verſtändigt, daß er den engliſchen
Vorſchlag im Prinzip annehme unter der Bedingung,
daß die Friſt über die Arbeiten des gemiſchten
Ausſchuſ=
ſes beträchtlich abgekürzt werde. Der Matin will wiſſen,
daß in dem Vertrag, den der Geſandte Regnault dem
Sultan Mulay Hafid vorlegen werde, die Anerkennung
des franzöſiſchen Protektorats über ganz Marokko
aus=
geſprochen werde, doch werde Frankreich, ſobald es zu
einem endgültigen Abkommen mit Spanien gelangt ſein
werde, dem Sultan mitteilen, daß die ſpaniſche Zone von
ſpaniſchen Beamten im Verein mit einem Vertreter
Mulay Hafids verwaltet werden ſolle.
England.
Staatsſekretär Grey über die
deutſch=
engliſchen Verhandlungen. Staatsſekretär Grey
hielt in Mancheſter eine Rede, in der er auf den Beſuch
des Kriegsminiſters Haldane in Berlin und auf die
Rede des Premierminiſters Asquith und des
Reichs=
kanzlers von Bethmann Hollweg Bezug nahm. Der
Staatsſekretär ſagte: Ich hoffe, Sie werden anerkennen,
daß die Sprache, die der Premierminiſter hier gebraucht
hat, in demſelben Ton und Geiſte in Berlin erwidert
worden iſt. Sie werden auch zugeben, daß in beiden
Fäl=
len eine wohlüberlegte Zurückhaltung und Wortkargheit
zu beobachten war, d. h., daß die Reden kurz waren.
Nun, auch ich muß dieſelbe Zurückhaltung beobachten,
aber ich kann auch ſagen, daß, wenn eine ſtrikte
Zurück=
haltung gegenwärtig notwendig iſt, dieſe keinen
Man=
gel an Herzlichkeit in ſich ſchließt. Ich glaube
zuverſicht=
lich, daß etwas getan worden iſt, was zum Guten
aus=
ſchlagen wird, namentlich daß die Offenheit den
Him=
mel heller und klarer gemacht und den Nebel des
Arg=
wohns und Mißtrauens zerſtreut hat, der infolge von
unbegründeten Gerüchten und Berichten ſich erhoben
hatte. Grey ſagte weiter in ſeiner Rede noch folgendes:
Wir in England ſind ein großes, induſtrielles Volk, das
ſich einer großen, induſtriellen Entwicklung erfreut und
einer noch größeren induſtriellen Entwicklung
entgegen=
geht. Dasſelbe gilt von Deutſchland. In beider
In=
tereſſe muß Frieden herrſchen und ich fürchte nicht, daß
zwiſchen der öffentlichen Meinung beider Länder eine
dauernde Entfremdung entſtehen wird, vorausgeſetzt, daß
die Wahrheit zu ihrem Recht kommt. Es iſt nicht ſchwer,
die Wahrheit zu ſagen, die Schwierigkeit iſt, der Wahrheit
Glauben zu verſchaffen. Der Premierminiſter hat neulich
in ſeiner Rede im Unterhauſe ein für alle Mal eine große
Unwahrheit erledigt, nämlich die, daß wir im letzten
Jahre provozierende, aggreſſive und offenſive Angriffe
auf Deutſchland geplant hätten. Es hat niemals die
ge=
ringſte Begründung zu einem ſolchen Verdacht gegeben.
Norwegen.
Die Minüſterkriſe. Die durch des
Staats=
miniſters Kunows Abtreten in der Sprachenfrage
hervor=
gerufene Regierungskriſe wurde am Freitag im Storthing
beſprochen. Der Staatsminiſter fand hier keine
Unter=
ſtützung. Sein Verſuch, ein direktes Mißbilligungs=
Vo=
tum gegen die ausgeſchiedenen Miniſter hervorzurufen,
wurde abgelehnt, indem alle Parteien darin einig waren
daß die Sache eine rein private Angelegenheit und zum
parlamentariſchen Austrag nicht geeignet ſei. Der
Staats=
miniſter erklärte ſchließlich, die Sache ſei damit nicht
be=
endet, er komme ſchon wieder. Man verſtand dieſe
An=
deutung dahin, daß er eine Neubildung der Regierung
vorbereite, ohne Beteiligung der Fraktionen der
Rech=
ten. Einen Erfolg hat er damit nicht erzielt. Deshalb
reichte er ſeinen Abſchied ein. Der König beauftragte
ſofort den Führer der Rechten, General Bratlie, damit,
ein Miniſterium zu bilden. Vorausſichtlich wird dies
ſchnell gelingen, indem die früheren Mitglieder der
Rech=
ten, der Kriegsminiſter Bull ausgenommen, ihre
bisheri=
gen Portefeuilles übernehmen. Bratlie übernimmt
even=
tuell das Miniſterium der Landesverteidigung.
Rußland.
In der Debatte über das
Militärdienſt=
geſetz erhält die Reichsduma den Artikel aufrecht, durch
den jüdiſchen Familien, deren Angehörige ſich dem
Mili=
tärdienſt entziehen, eine Geldſtrafe von 300 Rubeln
auf=
erlegt und auf die Ergreifung des Flüchtlings eine
Be=
lohnung ausgeſetzt wird.
Türkei.
Kreta. Die Schutzmächte haben der vorläufigen
Aufſtandsregierung von Kreta das Schreiben, worin ſie
ihre Errichtung anzeigte, zurückſtellen laſſen, weil der
Aufdruck „Königreich Griechenland” und das griechiſche
Wappen am Kopf des Schreibens eine Verletzung des
ſeit 1908 in Kraft befindlichen Regimes darſtellen. Die
Schutzmächte erklären, daß ſie dieſe Verletzung als
nich=
tig und ungeſchehen anſehen; ſie könnten den Status
quo, den ſie feſt entſchloſſen ſind beizubehalten, nicht
an=
taſten.
Amerika.
Der Senat lehnte das von der Kammer
vorge=
legte Budget für 1912 ab, weil es ihm zu ſpät
unterbrei=
tet wurde, um ernſthaft geprüft zu werden. Der Senat
genehmigte für das Rechnungsjahr 1912 dasſelbe
Bud=
get wie für das Jahr 1911.
* Paris, 17. Febr. Aus Angers wird zu der
Ab=
ſtimmung des Bergarbeiterkongreſſes über den
Generalſtreik noch gemeldet, der Antrag, daß der
Ge=
ſamtausſtand zum 1. März anberaumt werden ſoll, wurde
nach der Abſtimmung mit großer Mehrheit angenommen,
doch ſprachen ſich die größten Bergarbeiterverbände,
näm=
lich der des Departementes Pas=de=Calais, des
Nord=
departementes ſowie der von Anzin gegen dieſes Votum
aus. Bei der Abſtimmung nach der Mitgliederzahl der
Gewerkſchaften wurde auch der Antrag, den 1. März als
Zeitpunkt für den Geſamtausſtand feſtzuſetzen, mit 105000
gegen 80000 Stimmen abgelehnt. Infolge dieſes
wider=
ſpruchsvollen Votums berief die Kongreßleitung eine
Nachtſitzung ein, über deren Verlauf ſtrengſte
Geheim=
haltung beſchloſſen wurde.
* London, 16. Febr. Das Einigungsamt
für den Kohlenbergbau in Südwales
ge=
ſtand, gemäß dem Antrage des unparteiiſchen Obmanns,
den Bergarbeitern eine allgemeine Lohnerhöhung zu.
Die Grubenbeſitzer zeigen ſich bereit, wieder in
Verhand=
lungen über die Kriſis einzutreten, erklären aber, nicht
ſämtlichen Arbeiterkategorien einen Minimallohn
ge=
währen zu können. Sie beſtehen darauf, daß die
Regie=
rung eingreife, um dem in 14 Tagen drohenden
Aus=
ſtand vorzubeugen. Nach den letzten eingelaufenen
Nach=
richten iſt jeder einzelne Bezirk des Verbandsgebietes
für den Ausſtand.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 19. Februar.
* Vom Hofe. Se. Königl. Hoheit der Großherzog
empfing am Freitag vormittag 11 Uhr im Neuen Palais
den Profeſſor Klein=Chevalier aus Berlin. — Die
Groß=
herzoglichen Herrſchaften begaben ſich am Freitag abend
6 Uhr im Auto nach Mainz und beſuchten daſelbſt in
der Liedertafel das Konzert des Profeſſors Friedberg
aus Köln. — Nach beendetem Konzert folgten die
Herr=
ſchaften einer Einladung des Geh. Kommerzienrats
Dr. Strecker zum Abendeſſen. (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Samstag den Architekten
Margold, Mitglied der Darmſtädter Künſtlerkolonie, den
Sanitätsrat Dr. Schad von Groß=Gerau, den Profeſſor
Dr. v. Franqué, Direktor der Univerſitäts=Frauenklinik
in Gießen; zum Vortrag den Staatsminiſter Ewald,
den Miniſter des Innern v. Hombergk zu Vach, den
Kabinettsſekretär Dr. Wehner.
* Verliehen wurde das Ehrenzeichen für Mitglieder
freiwilliger Feuerwehren durch Entſchließung Sr. Königl.
Hoheit des Großherzogs an Johann Orlemann
in Worms.
* Militärdienſtnachrichten. Die Unterapotheker
des Beurlaubtenſtandes Roeder (I Darmſtadt) und
Dr. Salfeld (Mainz) zu Oberapothekern befördert.
g. Provinzialausſchuß. Peter Bauer I. zu
Glatt=
bach bei Lindenfels i. O. hatte um die Schankkonzeſſion
für ſein an der Kreisſtraße Fürth=Seidenbuch gelegenes
Grundſtück nachgeſucht. Das Geſuch war vom
Gemeinde=
rat und der Bürgermeiſterei befürwortet worden. Gegen
die Erteilung der Konzeſſion wendete ſich ein Proteſt
von 15 Ortsbürgern. Der Kreisausſchuß Erbach lehnte
das Geſuch ab, da bei einer Einwohnerzahl von 170 zwei
Wirtſchaften dem Bedürfnis vollſtändig genügen. Der
gegen das Urteil eingelegte Rekurs wurde vom
Provin=
zialausſchuß als unbegründet verworfen unter
Aufer=
legung einer Averſionalſtrafe von 5 Mark.
Der Gemeinde Hetzbach, Kreis Erbach, war von der
Kreisſchuldirektion im Jahre 1909 die Errichtung einer
dritten Lehrerſtelle auferlegt worden. Die Gemeinde
er=
ſuchte, dieſe Errichtung auf 2 oder 3 Jahre zu
verſchie=
ben mit Rückſicht auf die finanzielle Lage der Gemeinde,
die durch Anlage einer Waſſerleitung und die durch den
Umſchwung in der Gerbinduſtrie veranlaßten
Minder=
einnahmen aus Lohe und durch Uebergang in der
Wald=
wirtſchaft zum Hochwaldbau finanziell ungünſtig belaſtet.
worden ſei. Die Schulaufſichtsbehörde ließ die Sache
auf das Anſuchen der Gemeinde bis jetzt ruhen; als aber
zu Beginn des neuen Schuljahres erneut dieſe
Forder=
ung geſtellt wurde, lehnte der Gemeinderat die dritte
Lehrerſtelle als unbegründet ab; er erbot ſich aber, die
Koſten für zwei tägliche Mehrſtunden zu übernehmen.
Von der Aufſichtsbehörde wurde ausgeführt, daß die
Schülerzahl in der zweiten Klaſſe 90 Schüler, in der erſten
Klaſſe 75 betrage, die Höchſtzahl von 80 ſei alſo
bedeu=
tend überſchritten und eine Beſſerung ſei in den nächſten
Jahren nicht zu erwarten. Die finanzielle Lage der
Gemeinde ſei eine gute, denn der Kommunalſteuerzuſchlag
ſei in den letzten 6 Jahren von 102 Prozent bis auf 77
Prozent geſunken. Die Gemeinde würde durch die Neu=.
einrichtung mit etwa 12—1400 Mark belaſtet werden. Der
Kreisausſchuß Erbach verurteilte die Gemeinde zur
Er=
richtung einer dritten Lehrerſtelle mit einem Gehalt von
900 Mark nebſt freier Wohnung und Stellung der
nöti=
gen Schullokalitäten. Der Provinzialausſchuß verwarf
den Rekurs der Gemeinde gegen das Urteil des
Kreis=
ausſchuſſes als unbegründet und legte der Gemeinde die
Errichtung einer dritten Lehrerſtelle mit einem Gehalt
für den Verwalter von 900 Mark und Stellung einer
Wohnung im Werte von 300 Mk. auf. Die Gemeinde wird
außerdem zu einer Averſionalſtrafe von 10 Mark
ver=
urteilt.
Am 17. Febr. 1911 wurde dem Kreisamt Offenbach
angezeigt, daß der Trödler Maiberg im Kleinen
Biergrund zu Offenbach keine Eintragungen in ſein
Trödelbuch gemacht habe. Bei der Reviſion wurde
feſt=
geſtellt, daß das Geſchäft eigentlich von dem Stiefvater
Max Wertheim geführt werde, und da dieſer bereits mit
1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverluſt.
vorbeſtraft iſt, ſtellte das gutächtlich gehörte
Gewerbe=
amt beim Kreisausſchuß den Antrag, bei der
Unzuver=
läſſigkeit des Maiberg dieſem die Genehmigung zur
Führung des Trödelgeſchäfts zu entziehen. Dieſem
An=
trage kam der Kreisausſchuß in der nichtöffentlichen
Ver=
handlung vom 3. Auguſt 1911 auch nach und auf den
An=
trag des Maiberg auf mündliche Verhandlung am 12.
Oktober wiederholte er das ausgeſprochene Entziehen des
Genehmigungsſcheines. Der Provinzialausſchuß
be=
ſchloß, die Verhandlung zwecks eingehender
Beweis=
erhebung zu vertagen.
Der Artiſt Wilhelm Delies aus Eberſtadt hatte
um einen Wandergewerbeſchein für 1912 für die
Veran=
ſtaltung von artiſtiſchen und theatraliſchen Vorführungen
nachgeſucht. Der Kreisausſchuß hatte den Schein
ver=
ſagt, da Delies keinen feſten Wohnſitz habe. Der
Pro=
vinzialausſchuß kam auf die Berufung des
Geſuch=
ſtellers zur Aufhebung des Urteils und erkannte dem
Delies den Wandergewerbeſchein zu, da er immer in
Engagement geweſen ſei und die Art des Geſchäfts es
ihm unmöglich machte, einen feſten Wohnſitz einzuhalten.
Herr Architekt Margold von der
Künſtler=
kolonie wurde am Samstag vormittag in längerer
Audienz vom Großherzog empfangen. Der Künſtler
hielt dem Großherzog Vortrag unter Vorlage von
Plänen und Entwürfen über die Ausſtellung 1913,
in=
ſonderheit über das Ausſtellungsreſtaurant, deſſen
Er=
bauung in ſeinen Händen liegt und über die
Umge=
ſtaltung und Ausſtattung des „Roſenhofes” für die
der Künſtler ebenfalls reizvolle und praktiſche Entwürfe
gefertigt hat.
Martinsgemeinde. Wenn ſchon öfters von unſeren
Gemeinde=Mitgliedern für die Miſſion das nötige
Intereſſe gezeigt wurde, ſo konnte man dies auch am
Freitag abend bei den Lichtbilder=Vorträgen
des Herrn Miſſionar Gſell wieder feſtſtellen. Zahlreich
hatten ſich ebenfalls aus weiten Kreiſen unſerer Stadt
Miſſionsfreunde eingefunden. Geſpannt lauſchten die
dankbaren Zuhörer dem Vortragenden, welcher das ſchöne
Land, das er in 10jähriger Tätigkeit kennen und lieben
lernte, in hochintereſſanten Bildern vor Augen führte:
Für die erhebenden und belehrenden Worte, welche die
Aufmerkſamkeit der Verſammlung bis zum letzten Worte
feſſelten, dankte der Vorſitzende der Männervereinigung
Theater und Konzerte im alten Rom.
Von Profeſſor Dr. Th. Birt.=)
Das Theaterſpiel wirkte in der Kaiſerzeit faſt
durch=
weg mit den einfachſten Mitteln, und eine illuſioniſtiſche
Ausſtattung fehlte im Drama faſt ganz. Wir hören
ge=
legentlich, daß Rom in jedem Jahre 175 regelmäßige
Spieltage hatte, die außerordentlichen nicht gerechnet;
da=
von entfielen 10 Tage auf die Gladiatoren, 64 auf
Wa=
genrennen, 101 dagegen auf das Theater. Das ſchlichtere
Theater waltete alſo doch immer noch vor. Das iſt der
Mimus und Pantomimus.
Es iſt jener Wechſelbalg von Theaterſtück, bald Poſſe,
bald Operette, bald ernſthaftes Schauſpiel, deſſen
Couplet=
melodien man auf allen Gaſſen pfiff und dem die größten
ebenſo wie die feinſten Effekte nach freier Laune zur
Ver=
fügung ſtanden. Wurde ein dummer König dargeſtellt,
ſo machte man ihm die Krone von Papier, das Szepter
aus Rohr, und das genügte. Der Text blieb oft
unaus=
gearbeitet; das meiſte improviſierten die genialen
Schau=
ſpieler. Oft wurden dabei ſtadtbekannte Schauſpieler
perſifliert. Man ſpielte ohne Masken. Die Mimen
tra=
ten aber auch oft in privaten Kreiſen auf und brachten da
gewiß ihre Hauptfineſſen. Wenn wir heute in der
Bör=
ſenzeitung leſen: „Intimes Kabarett mit erſtklaſſigen
Künſtlern und reizenden Melodien; ſämtliche Nummern
neu; der Konferenzier Fritz Grünfeld entfeſſelte wahre
Lachſtürme: eine brillante Akquiſition hat man in der
Diſeuſe Miezchen Berna gemacht, ein Gemiſch von
Pikan=
terie und Dezenz;” dazu etwa noch „ein keckes
Gamin=
geſicht oder eine feſche Perſon aus Wien” ſo könnte man
das Referat einfach übernehmen, wenn man für Miezchen
Berna etwa Kytheris einſetzte und Adonis für Fritz
Grünfeld. Sittengeſchichtlich aber iſt das Wichtigſte, daß
in den Frauenrollen, die ja ſonſt im Altertum nur von
Männern gegeben wurden, im realiſtiſchen Mimus
wirklich Frauen auftraten: die erſten großen Schauſpie=
*) Aus der kleinen römiſchen Kulturgeſchichte des
bekannten Marburger Gelehrten, die ſoeben in zweiter
Auflage (6.—10. Tauſend) erſchienen iſt. (1.25 Mark in
Originalleinenband.) Verlag von Quelle und Meyer in
Leipzig.
lerinnen der Weltgeſchichte, auf Brettern, die nicht etwa
die Welt, ſondern die die Halbwelt bedeuteten. Eine ſolche
Schauſpielerin war die Maitreſſe des großen Triumvirn
Antonius; und die chriſtliche Kaiſerin Theodora, die an
einer der Kirchenwände Ravennas ſo fromm gemalt iſt,
trat in Byzanz in den frechſten Mimenrollen auf. Eine
Chanteuſe als Kaiſerin. Das monarchiſche Prinzip litt
nicht darunter.
Ganz anders der Pantomimus. Während
wan=
dernde Schauſpielertruppen den Mimus in alle
Klein=
ſtädte trugen, gab es den raffinierten Pantomimus nur
in wenigen Hauptzentralplätzen der Kultur. Zur Zeit des
Kaiſers Auguſtus wurde die große Novität erfunden, und
der Kaiſerhof hat ſie dauernd in ſeine Protektion
genom=
men. Man denke ſich auf der Bühne einen einzigen
Tän=
zer, der in ſtummer Pantomime eine ganze Tragödie
vor=
führt, indem er ſich proteusartig in alle Rollen verwandelt.
Ein Triumph der Geſte, der beredten Hand! Welch
eigen=
artig feine Volkskultur ſetzt dies voraus, dies
ſtunden=
lange Andeuten und Verſtehen! Wenn ſolch ſchöner
grie=
chiſcher Tänzer mit Verleugnung ſeines Geſchlechts die
Phädra, Kanake oder Medea ſpielte, war die Wirkung
berückend, ergreifend, überwältigend. Koſtüme und
Ge=
berden waren, dem griechiſchen Schönheitsſinn
entſpre=
chend, ganz ideal gehalten; auf das täuſchendſte wurden
vor allem ſinnliche Stimmungen, auch an Frauen,
dar=
geſtellt, und man hütete die Jugend nach Möglichkeit vor
dem ſchamloſen Anblick. Als künſtleriſches Prinzip
er=
kennen wir aber deutlich dasſelbe, das auch die antike
Plaſtik beherrſcht, nämlich nur durch eine einzige bewegte
Figur einen ganzen Mythus darzuſtellen: die Statue der
in Schlaf verſunkenen Ariadne genügt; jeder kann ſich den
Theſeus, der ſie treulos verläßt, jeder ſich den Dionys,
der ſie zur Freude erweckt, ſelbſt hinzudenken.
Dies ſtumme, tragiſche Ballett war das Ende, es war
gleichſam das Verſtummen der erhabenen, ſonoren antiken
Tragödie auf der Bühne des Altertums. Aber dieſe
Pan=
tomime war doch nicht ganz ſtumm. Vielmehr kam
Chorgeſang und Orcheſter dazu, eine ſinnfällig klangreiche
und weichliche Begleitung. Denn man machte auch
Muſik in Rom — wir hätten das beinahe vergeſſen! —
und natürlich nur die allermodernſte. Rom und Muſik,
welcher Gegenſatz! Kein Volk war von Haus aus
un=
muſikaliſcher als der Römer Kaum irgend ein rämiſcher
Dichter iſt imſtande geweſen, ſeine Texte ſelbſt in Muſik
zu ſetzen. Da mußten immer die Griechen helfen.
Trotz=
dem hat ſich Rom damals auch ein Muſikleben angequält.
Hauptbezugsquelle dafür war Alexandria. Aber man
begnügte ſich nicht mit dem Herkömmlichen; denn in Rom
muß natürlich alles gleich rieſig ſein: zum mindeſten 100
Trompeten oder Harfen uniſono (das nannte man
Sym=
phonie) oder 1000 Choriſten auf einen Haufen: dazu
Pau=
ken und Zymbeln, Janitſcharengetöſe. Für harte Ohren
kann man ja nicht genug tun, das weiß auch unſere
Gegenwart. Man muß ſchmettern und girren und die
Sinne kitzeln. So war es auch damals. Daß die
Aus=
übenden Sklaven waren, verſteht ſich, und zwar griechiſch
gebildete. Warum ſollte ein reicher Nabob ſich nicht 100
Muſikanten kaufen und mit auf die Badereiſe nehmen?
Die beiden Muſikkaiſer Nero und Domitian haben dann
in Rom das Konzertleben ſogar zu regulieren, zu veredeln
verſucht, indem ſie regelmäßige Vorführungen
herſtell=
ten. Das Wort „Konzert” bedeutet Wettſtreit; ſie
ver=
anſtalteten alſo wirklich Konzerte und Wettkämpfe von
Soliſten mit Preisverteilung. Aber keiner der redſeligen
Zeitgenoſſen hat Muße gefunden, uns ſeinen Eindruck,
ſeine Ergriffenheit zu ſchildern. Es fehlte dafür
augen=
ſcheinlich ein Publikum, und ſolche hochgegriffenen
Kunſt=
freuden waren entbehrlich. Unentbehrlich dagegen erſchien
die Tafelmuſik während der Eßpauſen; ganze Orcheſter,
ganze Chöre. Schon damit iſt denn doch dieſer Betrieb
für ein deutſches Gemüt gerichtet, und uns intereſſiert
daran eigentlich nur die Steigerung im Bau der
Inſtru=
mente, die er mit ſich brachte. Im vierten Jahrhundert
nach Chriſti hatte man Zithern ſo groß wie unſere
Kon=
zertflügel, ſo daß ſie per Achſe befördert werden mußten,
und ſeit dem erſten Jahrhundert iſt auch die Waſſerorgel
in öffentlichen Konzerten immer häufiger geworden. Es
berührt uns in der Tat faſt modern, wenn das Moſaik
von Nennig bei Trier uns im Bild ein Hornſolo mit
Orgelbegleitung zeigt: man ſetzte an die Stelle des Horns
nur die Geige oder die Menſchenſtimme, und man glaubt
da ein Kirchenkonzert zu hören. Denkwürdig iſt auch, daß
der biedere Dudelſack, der ſich bis heute erhalten hat, zu
Neros Zeit hoffähig und das Allerneueſte war. Nero
ſelbſt wollte in ſeinen Konzerten mit dem Dudelſack
auf=
treten (Nero als utrieularius!), aber er wurde durch
ſeinen Tod an dieſer Großtat verhindert.
mit dem beſonderen Wunſche, daß Herr Miſſionar Gſell
noch öfters in unſerer Mitte weilen möge, damit der
Segen, den die Miſſionsarbeit geſchaffen, noch recht
vie=
len offenbar werde.
* Konzert in der Johanneskirche. Am Freitag abend
fand in der Johanneskirche zum Beſten der Kinderſchule
und Krippe der Johannesgemeinde ein
Wohltätig=
keitskonzert ſtatt, das zwar nicht ſo gut beſucht war,
wie es im Intereſſe des guten Zweckes zu wünſchen
ge=
weſen wäre, deſſen künſtleriſcher Erfolg aber dank der
Mitwirkung tüchtiger und bewährter Kräfte als bedeutend
bezeichnet werden kann. Herr Stadtorganiſt
Born=
gäſſer bewährte ſich in dem Vortrag der Sonate für
Orgel über den Choral „Aus tiefer Not” von Felix
Men=
delsſohn=Bartholdy und der Fuge in C=dur für Orgel von
Bach wieder als Meiſter ſeines Inſtrumentes, an deſſen
herrlichem Spiel ſich die Zuhörer wahrhaft erbauten. Herr
Richard Leucht aus Worms, ein Celliſt von
hervor=
ragendem Können und einer gründlichen muſikaliſchen
Bildung, ſpielte „Adagio cantabile” von Tartini, „
Abend=
lied” von Rheinberger, „Andante” von Corelli und „
An=
dacht” von Merkel mit ſchöner Empfindung. Des weiteren
kamen noch mehrere Geſänge für Baß zum Vortrag: das
„Gebet” von Mörike=Wolf, der Satz „Quoniam tu solus
sanctus” aus der H-moll=Meſſe und die „Kreuzſtab=
Kan=
tate” von J. S. Bach, die ebenfalls einen tiefen Eindruck
hinterließen.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer
Expe=
dition (Rheinſtr. 23) ſind von heute ab folgende Bilder
neu ausgeſtellt: Das zweite Präſidium des Reichstags;
Dr. Georg Freiherr v. Hertling, der neue bayeriſche
Miniſterpräſident; die Schaffermahlzeit in Bremen im
Hauſe „Seefahrt”: Generalfeldmarſchall Wilh. v. Hahnke
und Lord Joſef Liſter †.
* Heſſiſcher Dobermannpinſcher=Verein (Sitz
Darmſtadt). Wie aus dem Anzeigeteil erſichtlich, findet
die Hauptverſammlung des Heſſ. Dobermannpinſcher=
Vereins, Sonntag, den 25. Februar, nachmittags, im
Kaiſerſaal” ſtatt. Liebhaber und Intereſſenten dieſer
Raſſe ſeien nochmals hierauf aufmerkſam gemacht.
Bei=
trittserklärungen ſowie jede weitere diesbezügliche
Aus=
kunft erteilt die Geſchäftsſtelle des Heſſ.
Dobermann=
pinſcher=Vereins (Sitz Darmſtadt), Heinheimerſtr. 67 pt.
A Durchſchnittspreiſe von den Wochenmärkten
ver=
gangener Woche. Butter ½ Kg. 1,50, in Partien 1,40 M.
Eier 7—12 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 20—22 Pf., Handkäſe
4—10 Pf., Kartoffeln Zentner 4,50—5,00 M., Kumpf
(10 Liter) 80 Pf., ½ Kg. 6—7 Pf., Mäuschen ½ Kg. 12 bis
15 Pf.; Obſt u. dgl.: Aepfel ½ Kg. 15—25 Pf., Kaſtanien
½ Kg. 14—16 Pf., Zitronen 8—10 Pf., Apfelſinen 5—10 Pf.;
Salat, Gemüſe: Kopfſalat 15 Pf. Endivien 10—15 Pf.,
Rote Rüben ½ Kg. 12 Pf., Rettiche 8—10 Pf., Meerrettich
15—50 Pf., Zwiebeln ½ Kg. 12—14 Pf., Tomaten ½ Kg.
60 Pf., Gelberüben ½ Kg. 10—15 Pf., Spinat ½ Kg.
30 Pf., Wirſing 5—25 Pf., Grünkohl 5—10 Pf.,
Blumen=
kohl, Rotkraut, Weißkraut 15—60 Pf., Erdkohlrabi 6 bis
10 Pf., Schwarzwurz ½ Kg. 30—35 Pf., Roſenkohl ½ Kg.
40 Pf.; Geflügel, Wild: Gänſe ½ Kg. 80—85 Pf.,
Enten 4—5 M., Hahnen und Hühner 2,50 M., Tauben
60—70 Pf., Lapins 1 M.; Fiſche ½ Kg.: Hecht 80 Pf.,
Aal 1,20 M., andere Rheinfiſche 30—40 Pf., Rotzungen
60 Pf., Schollen 35—40 Pf., Kabeljau 19—29 Pf.,
Schell=
fiſche 21—30 Pf., Seelachs 22—33 Pf.; in den
Fleiſch=
ſtänden ½ Kg.: Rindfleiſch 60—66 Pf., Hackfleiſch 76 Pf.,
Rindsfett 55 Pf., Rindswürſtchen (Stück) 15 Pf.,
Kalb=
fleiſch 80 Pf., Schweinefleiſch 72 Pf., Schwartenmagen
70 Pf., Leber= und Blutwurſt 60 Pf.
* Darmſtädter Faſtnachtszeitung. In den
Höhe=
punkt des Karnevals fällt auch das Erſcheinen der
letzten Nummer der Darmſtädter Faſtnachtszeitung. Die
5. Nummer enthält eine ausgezeichnete Dichterarbeit von
Georg Schneider, ein humoriſtiſcher Scheinwerfer auf
das vergangene Jahr. Außerdem dürfte wohl ein
ge=
radezu köſtliches Lied von H. Enders über ein in unſerer
Stadt keine geringe Rolle ſpielendes ärztliches
Univerſal=
mittel nebſt einer Erwiderung des Fabrikanten, ein
Ge=
dicht von überzeugender Verſicherung, daß unſere Stadt
ganz beſonders vieles bietet, den kurzen
Jahr=
gang dieſes auf heimiſchem Humor baſierenden Blattes
in beſter Weiſe beſchließen.
§ Feſtgenommen. Am Freitag ſind hier
feſt=
genommen worden: ein Arbeiter aus Kleinen in
Schwerin wegen Betrug und ein Kellner aus Oeſterreich
wegen Unterſchlagung.
§ Zimmerbrand. Am Freitag nachmittag kurz
nach 1 Uhr iſt im Hauſe Landwehrſtraße Nr. 9 ein
Zimmerbrand ausgebrochen, welcher durch die
her=
beigerufene Feuerwehrwache alsbald gelöſcht wurde.
Karneval in Darmſtadt.
* Roſenmontags=Feſtvorſtellung im Orpheum. Die
heute (Roſenmontag), 19. Februar, zu Ehren des
Prin=
zen Karneval und ſeiner Getreuen angeſetzte Feſtvorſtel=
lung wird wie ſeit Jahren in mancherlei Hinſicht berufen
ſein, ebenfalls einen Glanzpunkt der heurigen
Faſchings=
freuden zu bilden. Alles iſt aufgeboten, um dem Abend
ein glanzvolles Gepräge zu ſichern und dem Prinzen
an=
läßlich ſeines Beſuches in der getreuen Woggs=Reſidenz,
ſowie dem närriſchen Miniſterium, den Vertretern froher
Faſchingslaune, einen würdigen Empfang zu bereiten.
Pünktlich 8,11 Uhr wird die närriſche Hoheit mit dem
großen Rat der Karnevalgeſellſchaft Narrhalla unter
Fan=
farengeſchmetter und den Klängen der karnevaliſtiſchen
Nationalhymne ihren Einzug halten, um in der
gro=
ßen Mittelloge der Feſtvorſtellung beizuwohnen. Große
Ueberraſchungen ſind vorgeſehen, auch ſtehen
Ordensver=
leihungen bevor. Das geſamte Künſtlerperſonal des
jetzi=
gen Programms wird ſich der gegebenen
Karnevalſtim=
mung beſtens anpaſſen. Den Narren und Närrinnen wird
ſich wiederum Gelegenheit bieten zum Austauſch zarter
Gefühle von Tiſch zu Tiſch, von den Logen zum
Par=
terre, zum Feſtknüpfen der Roſenbande, die in froher Luſt
mehr oder weniger merklich die gleichgeſtimmten Herzen
umfangen. Denn nur wer die Faſchingstage in einer
Kette froher Feſte zu genießen weiß, kann den Becher der
Freude bis zum Grunde leeren. Und nur der wird des
Aſchermittwochs Daſeinsſchwere wieder leicht ertragen
(Siehe Anzeige.)
* Jubiläums=Karneval der Turngemeinde. Einen
würdigen Abſchluß der diesjährigen Karnevalſaiſon
bil=
det das am Faſtnacht=Dienstag in der Turnhalle am
Woogsplatz ſtattfindende Große närriſche
Jubi=
läums=Faſtnachtstreiben mit Tanz. Alle
Säle, auf’s närriſchſte dekoriert, laden zum Tanz, zu
Bier und Wein ein. Muſik in allen Ecken. Der
Eintritts=
preis iſt auf 25 Pfennig pro Kopf feſtgeſetzt, ſodaß
jeder=
mann dieſes echt närriſch=fröhliche Treiben mitmachen
kann. Alles Nähere ſiehe Plakate und Anzeige,
—h. Eberſtadt, 19. Febr. Auf der jüngſten unſerer
drei evangeliſchen Kirchenglocken in dem, 1851 um ein
Weſentliches erhöhten, nach einer Inſchrift im
Kreuzge=
wölbe dem Jahre 1523 entſtammenden Kirchturm” lieſt
man unter der üblichen beſcheidenen „Berühmung” des
Glockengießers: „Mich goß Andreas Hamm in
Franken=
thal, Gießer der Kölner Kaiſerglocke, im Jahre 1885 in
der Amtszeit des Großh. Bürgermeiſters Mueller” — des
weiteren die Namen der damaligen
Gemeinderatsmit=
glieder, darunter auch, wie ebenfalls auf der Tafel neben
der Kirchentüre, den Namen unſeres Bürgermeiſters
Schäfer. Das zu erwähnen, liegt heute beſondere
und feſtliche Veranlaſſung vor, da der Genannte als
all=
beliebtes Gemeindeoberhaupt juſt ſeinen 70.
Geburts=
tag feiert. 1866 und 1870/71 im Rocke des oberſten
Kriegsherrn für Vaterland und Heimat ſtreitend und
Lorbeeren pflückend, wovon die Kriegsdenkmünzen auf
ſeiner Bruſt an vaterländiſchen Feſttagen zeugen,
zu=
mal er auch langjähriger erſter Vorſitzender des hieſigen
Kriegervereins iſt, wurde unſer Geburtstagskind 1884
Gemeinderatsmitglied, 1891 Beigeordneter und 1896
Bür=
germeiſter hierſelbſt. Nach Ablauf der Amtszeit
rühm=
lichſt wiedergewählt, kann er heute auf eine erkleckliche
Zahl wirklicher „Denkſteine” unſerer Heimatsgeſchichte
blicken. Bürgermeiſter Schäfer nahm den allertätigſten
und regelmäßig bahnbrechenden Anteil an allen
Denk=
würdigkeiten unſerer Heimatgeſchichte, im Kirchen= und
Schulvorſtande. Der Bau unſerer hübſchen Modaubrücke,
1898 vollendet, führte ihn bis vor den Großherzog. Auch
für den Bau der Pflegeanſtalt in unſerer Gemeinde
er=
griff er die Initiative. Waſſer= und Gasleitung ſind
ebenfalls mit ſeiner raſtloſen und unbeſtreitbar weit
aus=
greifenden Amtstätigkeit verknüpft. Auch unſere blühende
und wachſende Villenkolonie iſt recht eigentlich ſein
Werk. Mit einem Wort: So lange Eberſtadt beſteht, das,
nebenbei bemerkt, heuer auf ſeine 250jähr. Zugehörigkeitzur
Krone Heſſens frohgemut zurückblickt, wird man unſeres
Bürgermeiſters dankbar gedenken.
Offenbach, 17. Febr. Der Apotheker Frohmann
von hier wurde verhaftet, weil er die
Ortskran=
kenkaſſe um größere Summen, mehrere tauſend Mark,
geſchädigt hatte. Er fälſchte die von den Aerzten
ausgeſtellten Anweiſungen auf höhere Beträge und
be=
hielt das zuviel gezahlte Geld für ſich. Die Betrügereien
gehen bis ins Jahr 1907 zurück. — Gegen die
beabſich=
tigte Abgabe von Automatengas durch die
Stadt hat die Handelskammer in Berückſichtigung
der Intereſſen der hieſigen Spengler= und Inſtallateur=
Innung Stellung genommen. Wenn auch die
Han=
delskammet den Gedanken, Wenigbemittelten,
nament=
lich den Arbeitern, den Bezug von verbilligtem Gas zu
ermöglichen für einen glücklichen hält, ſo iſt es doch nach
ihrer Anſicht nicht erforderlich Automateneinrichtungen in
Wohnungen mit einem Mietpreiſe bis zu 500 Mark
herzu=
ſtellen.
Hirſchhorn, 17. Febr. Am 11. März wird hier die
alljährlich wiederkehrende
Lohrindenverſteige=
rung des ſüdlichen Odenwaldes ſtattfinden. Es
kom=
men in dieſem Jahre nur 23050 Zentner Rinde aus
Do=
manial=, Gemeinde=, ſtandesherrlichen und
Privatwal=
dungen zum Ausgebot. Als die Rindersvälder noch
rentierten, kamen gewöhnlich jährlich 70—80000 Zentner
Rinde zum Verkauf. Da aber die Rindenwälder ihrer
Unrentabilität wegen auf dem Ausſterbeetat ſtehen,
wer=
den bald dieſe ehemals ſo wichtigen Verſteigerungen ihr
Ende finden.
Heidesheim, 16. Febr. Hier wurden aus der
Baum=
ſchule eines Handelsgärtners in einer Nacht etwa 200
junge Obſtbäume geſtohlen. Am meiſten ſchien es
der Dieb auf Aprikoſenbäume abgeſehen zu haben, da die
meiſten der geſtohlenen Bäume Aprikoſenwildlinge ſind.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 17. Febr. Zum Nachfolger
Dr. Karl Mucks in der Leitung der Königl. Oper wurde
Hofkapellmeiſter Emil Paur ernannt. Emil Paur iſt am
29. Auguſt 1855 in Czernowitz (Bukowina) geboren. —
Eigenartige Garderobenverhältniſſe
herr=
ſchen im Reichstag. Wer ſeine Garderobe dort abgibt,
iſt, auch wenn er Mitglied des Reichstags iſt, in keiner
Weiſe ſicher, ſie auch unbedingt zurückzuerhalten. Das
Reich, der Reichstag oder ſonſt eine Behörde übernimmt
in dieſer Beziehung keinerlei Verantwortung, und auch die
Garderoben=Diener, die aus den proviſoriſch angeſtellten
Kanzleigehilfen genommen werden, können dazu nicht
herangezogen werden. Sie haben allerdings dafür auch
keinerlei Anſpruch auf Garderoben=Gelder. Ein ſolches in
Form eines Trinkgeldes zu geben, liegt vielmehr im freien
Ermeſſen desjenigen, der die Garderobe benutzt. Dieſe
Situation iſt kürzlich zur Sprache gekommen, gelegentlich
des Konzerts, das der Militär=Hilfsverein des 3.
Armee=
korps in den Räumen des Reichstags veranſtaltete. Bei
dieſer Gelegenheit erhielt eine junge Dame, den von ihr
abgegebenen Skunksmuff nebſt zugehöriger Stola — im
Werte von 300 Mark — nicht zurück, obwohl ſie von dem
Garderoben=Diener eine Marke bekommen hatte. — Die
Influenza herrſcht gegenwärtig in Berlin wieder
ein=
mal in außerordentlich großem Umfange. Allerdings zeigt
die Krankheit in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle
einen im ganzen gutartigen Verlauf. Von
wiſſenſchaft=
licher Seite iſt das gehäufte Auftreten der Influenza, das
faſt regelmäßig in die Monate Dezember bis Februar zu
fallen pflegt, auf das Fehlen von Sonnentagen
zurück=
geführt worden. Je geringer die Sonnenſtrahlen, deſto
ſtärker die Epidemie. Sonniges Froſtwetter pflegt dem
weiteren Umſichgreifen der Krankheit raſch einen Damm
entgegenzuſetzen.
Aßmannshauſen, 17. Febr. Eine auswärtige
Ge=
ſellſchaft hat mit der Gemeinde Aßmannshauſen einen
Vertrag abgeſchloſſen, durch die ſie die dortigen
Lithium=
quellen kauft, um ein neues großes Bad zu errichten.
Für die Anlage eines Kurparkes und die Erbauung eines
Kurhauſes mit 300 Zimmern ſtehen mehrere Millionen
zur Verfügung. Auch der Mineralwaſſerverſand ſoll in
großem Betriebe geregelt werden.
Karlsruhe, 17. Febr. Der Großherzog hat ſich
um 9 Uhr 42 Minuten nach Schloß Berg in Luxemburg
begeben.
Dresden, 16. Febr. Der Schulrat Dr. Rudolf Lißner
in Sehma im Erzgebirge, der ſeit Dienstag verſchwunden
iſt, wurde geſtern als Leiche aufgefunden. Man
glaubt, daß unbefugte Eingriffe in ſeinen Wirkungskreis
den Unglücklichen in den Tod getrieben haben.
Neunkirchen, 16. Febr. Heute nachmittag um 5 Uhr
brach in dem Keller der großen elektriſchen
Zen=
trale zu Heinitz durch Kurzſchluß Feuer aus, das die
Zentrale bis auf die Umfaſſungsmauern einäſcherte.
Die gewaltige Rauchentwicklung verhinderte ein
Heran=
kommen an den Brandherd. Die ſämtlichen Kabel brannten
durch. Das Feuer hat ſich dann den Weg bis zur
Schalt=
tafel gebahnt und dieſe völlig zerſtört. Die ſämtlichen
Ortſchaften im ganzen Saargebiet mit Ausnahme von
Saarbrücken, ſowie viele Ortſchaften in der Pfalz haben
keinen Strom mehr. Die Straßenbahnen blieben auf den
Strecken ſtehen, die Maſchinen verſagten den Dienſt, in
allen Lokalen verlöſchte das Licht. Der geſtern eröffnete
Triebwagenverkehr zwiſchen Heinitz, Neunkirchen und St.
Wendel mußte auch eingeſtellt werden. Innerhalb 24
Stun=
den iſt kein Strom zu erwarten. Die Zeitungen werden
morgen nicht erſcheinen können. Der Brand iſt kurz nach
7 Uhr gelöſcht worden. Die Maſchinen ſtehen noch, ſind
aber ſchwer beſchädigt worden.
Feuilleton.
C2) Amerikaniſche Telephonſchmerzen. Auch in Amerika
gibt es Telephonteilnehmer, die gleich ihren europäiſchen
Kollegen mit der Fernſprecheinrichtung und ihrer
Ver=
waltung manche ſchmerzliche Erfahrungen erleben, Eine
luſtige Schilderung ihrer bitteren Erfahrungen mit dem
New=Yorker Telephon gibt eine in Amerika lebende
Eng=
länderin, Mary Mortimer Maxwell, in einem Londoner
Blatte. „Ich mietete mir eine Wohnung in einem jener
ſchönen, modernen, bequemen amerikaniſchen Mietshäuſer,
und bevor ich einzog, beſtellte ich mir natürlich ein
Tele=
phon. Die Geſellſchaft beſtätigte mir den Auftrag: „
bin=
nen zehn Tagen” werde das Inſtrument aufgeſtellt ſein.
Drei Tage ſpäter kam ich ins Haus, um noch ein paar
Tapeten auszuſuchen; das Telephon ſtand ſchon da und
war gebrauchsfertig. Es war dem Amt Bryant
ange=
ſchloſſen und hatte die ſchöne, wenn auch nicht alltägliche
Nummer 0079810321 erhalten. Natürlich ließ ich auf
meinen neuen Briefbogen und Viſitenkarten die ſchöne
Bezeichnung „Telephon Nr. 0079810321 Bryant”
auf=
drucken. Und um meinen Freundinnen die Nummer
auch gründlich verraten zu können, lernte ich im Verlaufe
von einigen Tagen in raſtloſer Arbeit die Ziffer meinem
Gedächtnis einprägen, was nicht einfach war, da ich nun
einmal ein ſchlechtes Zahlengedächtnis habe. Aber es
ging. Eines ſchönen Morgens, drei Wochen waren
ver=
ſtrichen, klingelt der Apparat. „Halloh, ſind Sie 0079810321
Bryant?” fragte eine angenehme amerikaniſche
Frauen=
ſtimme. „Jawohl.” „Von morgen ab ſind Sie
54000826000 Stuyveſant.” Nein,” ſchrie ich entſetzt,
„ich will nicht 54000826000 Stuyveſant ſein. Ich kann
es einfach nicht behalten, ich will nicht. Ich habe mit
Mühe und Not 0097810321 Bryant gelernt!” „Ich bedauere
ſehr, aber wir müſſen Ihre Nummer ändern. . .
Zahl=
loſe neue Abonnenten. . . Wir müßten Sie einem
ande=
xen Zentralamt anſchließen. Alſo von morgen ab
54000826000 Stuyveſant, niht vergeſſen, bitte.” Ich
ſchrieb die neue Nummer auf mein Telephon, ich ging
zum Drucker und ließ das Kliſchee für meine Briefbogen
und meine Viſitenkarten ändern und glaubte nun, für
den Reſt meines New=Yorker Aufenthaltes Ruhe zu
haben. Ich kaufte mir auch ein Buch über
Gedächtnis=
kunſt, um die neue Zahl zu lernen, und nach ſechs
Wo=
chen war ich imſtande, die Nummer vollkommen fließend
und ohne anzuſtoßen herzuſagen. Da, eines ſchönen
Sonntag=Morgens, ich wollte mit meinem reizenden
neuen Kleide gerade zur Kirchenparade in der fünften
Avenue, da klingelt es wieder. „Halloh! 54000826000
Stuyveſant?” „Jawohl, was iſt los?” „Ich klingle nur
an, um Ihnen ſchon heute mitzuteilen, von Dienstag ab
ſind Sie 79 Grammercy!” Ich wurde maßlos wütend.
„Wie können Sie ſich unterſtehen, wie können Sie ſich
unterſtehen! Ich will nicht 79 Grammercy ſein. Ich will
54000826000 Stuyveſant bleiben, und wenn ich daran
ſter=
ben ſollte.” „Bedauere. Eine Aenderung
unvermeid=
lich. Ausdehnung des Netzes. Tauſende von neuen
Abonnenten, Fortſchritt. Entwicklung. Bitte
mer=
ken, von Dienstag ab 79 Grammercy.” Ich ſchrieb an
die Geſellſchaft, ich ſchilderte die Unkoſten, die mir
er=
wüchſen, die Unbequemlichkeit, ich verlangte wenigſtens
die Gewißheit, jetzt endgültig und ungeſtört meinetwegen
79 Grammercy zu ſein, aber auch zu bleiben. Und man
antwortete mir, man bedauere, man könne nicht
garan=
tieren, und ein hoher Beamter der Geſellſchaft erinnerte
mich daran, daß jeder Wechſel einen Fortſchritt in ſich
ſchließe. Ich ſchrieb künftig die Telephonnummer
müh=
ſam mit der Hand auf die Briefbogen und entwickelte
mich in den nächſten Monaten über „900 Morningſide‟
„20000 Broad”, „678543921184 Morning”, ſchließlich zu
99002 dreiundzwanzigſte Straße.”
ml. Die Elſter als Meteorologe. Eine franzöſiſche
Imkerzeitung, der Pariſer Apieulteur, machte jüngſthin auf
die intereſſante Tatſache aufmerkſam, daß die Neſtanlage
der Elſter als ziemlich zuverläſſiger Gradmeſſer für die
Wettergeſtaltung der Saiſon gelten dürfe. Wenn nämlich
der Inſtinkt der Vögel ihnen eine von Stürmen freie Saiſon
in Ausſicht ſtellt, bauen ſie ihr großes Neſt an der Spitze
von Pappeln, die ſie als Brutſtätten bevorzugen. Sehen ſie
dagegen einer von atmoſphäriſchen Stürmen bedrohten
Jahreszeit entgegen, ſo wählen ſie als Neſtplatz eine Stelle
des Baumes, die dem Boden nahe iſt, um ſo ihrer Brut
Schutz vor Wind und Regen zu ſichern. Dieſes Jahr haben
beiſpielsweiſe die Elſtern ihre Neſter faſt ausnahmslos
in der Mitte der Bäume gebaut, und die Witterung hat in
der Tat dem inſtinktiven Vorgefühl der Vögel Recht
ge=
geben, die danach nicht nur als Diebe, ſondern auch als
Wetterpropheten Anſpruch auf auszeichnende Hervorhebung
haben.
C. K. 400 Millionen für die Kultur des Nildeltas. Lord
Kitchener, der neue Gouverneur Aegyptens, beginnt ſeine
Amtstätigkeit mit einem großzügigen Projekte, das darauf
abzielt, die Bewäſſerungsfrage in dem Nildelta endgültig
zu regeln und zu löſen. Die Beſprechungen Kitcheners
mit dem engliſchen Direktor der Suezkanal=Geſellſchaft,
Sir William E. Garſtin, und Mr. Artur L. Webb gipfeln
in einem großartigen Entwurfe, der die künſtliche
Bewäſſer=
ung des ganzen Nildeltas vorſieht und einen
Koſtenauf=
wand von rund 400 Millionen Mark erfordert. Das
Hauptziel des Projektes iſt die Verbeſſerung der Qualität
der ägyptiſchen Baumwolle.
* Fremdwörter ſchwach. „Dürft’ ich um die Quadrille
bitten?” „Tut mir leid, iſt ſchon vergeben.” „Dann
viel=
leicht die zweite Quadrille?” „Auch ſchon verſagt.” „Aber
die dritte Quadrille! bitte, bitte!” „Nicht zu machen, mein
Herr. Bei der dritten Quadrille werde ich in Morpheus
Armen liegen.” „Haben Sie da ſchon ein Viſavis?”
Paris, 16. Febr. An das Friedberger Bombenattentat
erinnert ein äußerſt dreiſter Einbruch in das
Ju=
welengeſchäft von Baudet in Boulogne=ſur=Seine bei
Paris. Geſtern abend um achteinhalb Uhr ſchleuderten
vier Uebeltäter eine Bombe in den Laden, deren
Ent=
zündung ungeheuren Schaden verurfachte. Die Flammen
ſchlugen bis zum dritten Stock empor. Als die Zeugen
dieſes unerhörten Vorfalles ſich von ihrem Entſetzen
er=
holt hatten, ſahen ſie nur noch, wie ſich die Verbrecher mit
Edelſteinen und Schmuckſachen, die ſie in der Eile
aus den zerbrochenen Schaufenſtern zuſammengerafft
hat=
ten, aus dem Staube machten. Einer der Verbrecher war
durch die Exploſion der Bombe verletzt worden und ſeine
Kleider hatten Feuer gefangen. Gleichwohl ſuchten
ſämt=
liche vier Attentäter ihr Heil in der Flucht und erwehrten
ſich ihrer Verfolger durch mehrere Revoverſchüſſe, die
glück=
licherweiſe vorbeigingen. Die Räuber erreichten eine
menſchenleere Straße, ſprangen auf dort bereitſtehende
Fahrräder und entkamen unerkannt. Die Polizei iſt in
ſieberhafter Tätigkeit. Sie nimmt an, daß die vier
Ban=
diten zu einer langgeſuchten Diebesbande gehören, deren
Schlupfwinkel ſie jetzt um jeden Preis aufſtöbern will.
Kunſtnotizen.
Aeber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
—Gaſtſpiel Marya Delvard=Marc Henry.
Marc Henry und Marya Delvard, die Gründer der berühmten
Schriftſteller= und Künſtler=Vereinigung „Die elf
Scharf=
richter” aus München, werden Freitag, den 23. Februar,
in der Freien Literar.=Künſtleriſchen Geſellſchaft hier
gaſtieren. Die beiden bekannten Künſtler haben bereits
in Berlin in den Kammerſpielen des Deutſchen Theaters
und dann in allen größeren Städten Europas
Gaſtſpiel=
abende unter dem Titel „Lieder und Stimmungen”
ge=
geben, die bei Preſſe und Publikum den größten Beifall
fanden. Der große Reiz des Abends beſteht darin, daß das
maleriſche Moment ebenſo ſtark betont wird, wie das
lite=
rariſche und das muſikaliſche. Echte Trachten, ſtimmungsvolle
Koſtüme aus vergangenen Jahrhunderten, durch eine
originelle Inſzenierung unterſtützt, bringen auf die Bühne
eine Reihe farbiger Bilder, die für das Auge einen Genuß
bilden. Die Eigenart Marya Delvards, ihre ſeltſame Kunſt
und ihre präraphaelitiſche Erſcheinung bleiben im
Vorder=
grund.
Kurſus für Armenpflege, Jugendwohlfahrt
und Ingendfürſorge.
* Eingeſchoben wurde für kommenden Mittwoch,
den 21. d. M., pünktlich 3 Uhr nachmittags,
Beſichtig=
ung der Hauswirtſchaftlichen
Fortbild=
ungsſchule in der Hermannſtraße. Daran
anſchließend finden im Städtiſchen Saalbau 4¼ Uhr
Vorträge über „Fürſorge für gefährdete und
verwahr=
loſte Kinder und Jugendliche” a) über die rechtliche Seite
dieſer Fürſorge (Referent: Herr Regierungs=Aſſeſſor
Kröll) und b) uber die Mitarbeit des Pſychiaters (
Refe=
rent: Herr Dr. med. Vix) ſtatt. — Wir machen nochmals
auf die am Freitag, den 23. d. M., ſtattfindende
Be=
ſichtigung des Ohlyſtifts bei Gräfenhauſen (Abfahrt
2 Uhr Stadthaus) aufmerkſam. Die Einzeichnungsliſte
für die Fahrtteilnehmer liegt nur im Stadthaus,
Zim=
mer Nr. 13, offen. Koſtenbetrag 1,50 Mark; die
Ein=
zeichnung iſt bindend. Meldeſchluß Mittwoch, den
21. d. M., nachm. 6 Uhr. Für diejenigen, die die Bahn
benützen, iſt ab Hauptbahnhof 1,42 Uhr Fahrkarte nach
Wixhauſen zu löſen, Ankunft daſelbſt 1,54 Uhr; von da
noch ½ Stunde zu gehen nach der Anſtalt. Rückfahrt
kann mit den Zügen ab Wixhauſen 6,06, 6,14, 7,08 Uhr
erfolgen; Ankunft hier 6,18, 6,26 7,20 Uhr.
Eine Beſichtigung des warmen
Milchfrüh=
ſtücks für arme Schulkinder im Betriebe in der
Lagerhausſchule eröffnete das Programm des
Vor=
tragskurſus am Freitag. Anſprachen hielten dabei Herr
Hauptlehrer Kaßlick, Herr Staverordneter Lehr und
Herr Profeſſor Kiſſinger. Das warme Frühſtück wird
nach einem eingehenden Referat des Herrn
Stadtſekre=
tärs Schäfer an arme kränkliche oder ſchwächliche
Schul=
kinder ſeit dem Jahre 1889 verabreicht. Es beſteht in
einem Viertelliter abgekochter Milch und 1 Waſſerweck.
Ueber 1400 Kinder werden in dieſer Weiſe jährlich
ge=
ſpeiſt. Die Ausgaben hierfür betragen etwa 10000 Mk.
im Jahre. Bis jetzt konnten ungefähr 21000 Kinder
dieſe Wohltat genießen, dafür wurde ein Betrag von
148000 Mark aufgewendet.
Am Nachmittag um 3 Uhr verſammelte ſich eine
große Zahl der Kurſusbeſucher im Gemeindeſaale der
Martinsgemeinde. Herr Pfarrer D. Waitz hielt hier
einen kurzen Vortrag über die Kleinkinderſchule der
Martinsgemeinde, die größte unſerer Stadt. In drei
Klaſſen befinden ſich 250 Kinder im Alter von 2½ bis 6
Jahren. Drei Schweſtern und eine Gehilfin führen die
Aufſicht. Die Schule iſt vom Frauenverein ins Leben
gerufen und wird von dieſem unterhalten. Sie iſt nach
dem Erbgroßherzog „Georgenſchule” genannt und ſteht
unter dem Protektorat der Großherzogin. Geplant iſt
die Bildung einer 4. Klaſſe und die Errichtung einer
Krippe. Ein Gang durch das Haus zeigt dem Beſucher
helle, luftige Räume. Im fröhlichen Spiel tummeln ſich
die Kleinen, erfreut, den Beſuchern ihr für ihr Alter
immerhin ſchon beachtenswertes Können zeigen zu
kön=
nen. Es iſt ein Stück Erziehung, das hier geleiſtet
wird.
Ueber Jugendpflege im ſchul= und vorſchulpflichtigen
Alter ſprach um 4¼ Uhr im Saalbau Herr Lehrer
Eid=
mann. In warmen Worten beſprach er die
Einrich=
tungen der Kinderkrippen. Kleinkinderſchulen.
Mädchen=
horte und die Knabenarbeitsanſtalt, die wirkliche
Be=
wahranſtalten für die Jugend darſtellten.
Schülerwan=
derungen und Jugendſpiele ſeien in den Stunden der
Muße und Erholung zu veranſtalten. Das Jugendſviel
erziehe zu Ausdauer, Geduld, Aufmerkſamkeit,
Selbſtbe=
herrſchung, Geiſtesgegenwart, Entſchloſſenheit und Hilfe.
Neben dem Körper ſoll aber auch der Geiſt nicht
vernach=
läſſigt werden. Dem Jugendlichen, der ein Bedürfnis
zum Leſen anregender Schriften verſpürt, ſoll gute
Lek=
türe zugänglich gemacht werden. Der Redner empfiehlt
ſchließlich die Errichtung von Volkskindergärten, die im
organiſchen Zuſammenhang mit der Volksſchule ſtehen
und alle ausſichtsloſen Kinder vom 2. bis zum 6.
Lebens=
jahre umfaſſen müßten.
Um 5¼ Uhr ſprach Herr Prof. Kiſſinger über
„Pflege der ſchulentlaſſenen Jugend‟ Der Referent gab
eine Ueberſicht über die verſchiedenen Beſtrebungen auf
dieſem Gebiete in hieſiger Stadt. Er teilte alle dieſe
ju=
gendfördernden Vereine in mehrere große Gruppen ein.
Eine Gruppe ſind die auf dem Boden der kirchlichen
Ge=
meindearbeit entſtandenen Beſtrebungen, nämlich die
den evangeliſchen Kirchengemeinden angeſchloſſenen Ju=
gendvereinigungen und chriſtliche Vereine j. Männer. Im
Mittelpunkt der religiöſen Erziehung dieſer Vereine
ſte=
hen die Bibelſtunden; auch ſind Abende der Muſik und
der Belehrung in Vorträgen gewidmet. Auf katholiſcher
Seite beſtehen vier Vereine, die gleiche oder ähnliche
Zwecke verfolgen. Für die körperliche Wohlfahrt der
Schulentlaſſenen ſorgen die Turn=, Wander= und
Sport=
vereine. Bemerkenswert iſt, was der Redner über die
Stenographenvereine ſagte: „Jahraus, jahrein leiſten
in ſtiller Tätigkeit auch die Stenographenvereine, die neue
Jünger bei der Jugend zu gewinnen ſuchen, wertvolle
Arbeit im Dienſte der Volkswohlfahrt.=Immer mehr iſt
ihre Tätfgkeit im beſonderen Jugendpflege geworden.
Sie beſchäftigen die Jugend in ihrer Freizeit mit der
Ausbildung, in einer Kunſtfertigkeit, die ſchon manchem
im Leben zum Segen geworden iſt, verſehen ſie mit
gu=
tem Leſeſtoff, wirken ſozial vermittelnd, lehren ihre
Mit=
glieder, daß ohne ſtrenge Arbeit und Beharrlichkeit kein
Erfolg möglich iſt und erwecken in ihnen die freudige
Be=
zeiſterung im Streben nach ideellen Zielen. So konnte
gelegentlich einer Fünfzigjahrfeier eines
Stenographen=
verbandes der Feſtleiter ſagen: Die Arbeit der
Steno=
graphenvereine iſt auch Vaterlandsdienſt und
Stenogra=
phenvereine, im rechten Geiſte geleitet, ſind Stätten echter
Jugendpflege. Schließlich nennt der Referent noch die
kaufmänniſchen Vereine, mit deren Zwecken er die
Ver=
ſammlung bekannt macht, die Vereine zur Pflege der
weiblichen Jugend und berichtet dann von dem Wirken
einzelner Perſönlichkeiten in der Jugendpflege. An
Hand von Beiſpielen zeigt er, welche Arbeit einzelne
Perſonen, beſonders Lehrer im Dienſte der
Jugend=
wohlfahrt leiſten. Auch der Staat hat die Jugendarbeit
wirkſam fördernd in die Hand genommen durch die
Ein=
richtung der obligatoriſchen Fortbildungsſchule für die
männliche Jugend, welche auf die Schulentlaſſenen noch
3 Jahre erzieheriſch und belehrend einwirkt. Es wäre
ſehr zu wünſchen, daß auch die Fortbildungsſchule für
die weibliche Jugend bald obligatoriſch wird. Zum
Schluſſe fordert der Redner den Zuſammenſchluß aller
Jugendbeſtrebungen, Vereine und Perſönlichkeiten zu
einem Verbande für das ganze Land zu gemeinſamer
Arbeit und Ausſprache.
Herr Bürgermeiſter Mueller dankte den beiden
Herren für ihre belehrenden, von warmem Verſtändnis
für die Jugend getragenen Vorträge. An der
Dis=
kuſſion beteiligten ſich Herr Gymnaſiallehrer Lerch, Frl.
Pfnorr, Frl. v. Zabern, Herr Prof. Kiſſinger und Herr
Stadtverordneter Schuvp.
In dem letzten Bericht, in dem auch über den Beſuch
des Mädchenhorts berichtet wurde, iſt irrtümlich
angege=
ben worden, daß ſich die Beſchäftigung der Kinder nur
auf die ſchulfreien Nachmittage erſtreckt. Dies iſt nicht
der Fall. ſondern die Kinder werden täglich von 4 bis
7 Uhr beaufſichtigt und beſchäftigt.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 17. Febr. Präſident Kaempf eröffnet
die Sitzung um 1,20 Uhr. Es folgt die Fortſetzung der
erſten Beratung des Etats.
Abg. Ledebour (Soz.): Der Reichskanzler hat
geſtern ebenſo wie Herr Lizentiat Mumm ſich bemüht,
diejenigen Parteien mit Ermahnungen zu überſchütten,
die aus dem Wahlkampf mit einem gewiſſen
Selbſt=
gefühl hervorgegangen ſind. Der Reichskanzler ſollte an
ſeine ſtaatsmänniſche Pflicht gemahnt werden, während
der ganzen Etatsberatung hier zu bleiben und nicht wie
Bismarck ſie von weitem anzuhören. Nachdem er uns
in der unerhörteſten Weiſe provoziert hat, ſollte er auch
die Kritik anhören. Wenn irgend ein Mitglied des
Hau=
ſes ſeinem Unwillen über den Ausfall der
Präſidenten=
wahl Ausdruck gibt, ſo iſt das ſein gutes Recht, aber
wenn ein bureaukratiſcher Angeſtellter des Deutſchen
Reiches, der auf Grund höfiſcher Gnade in ſeinem Amt
iſt, ſich erlaubt, den deutſchen Reichstag deshalb
herunter=
zuputzen, ſo iſt das eine unerhörte Anmaßung. (
Leb=
haftes Bravo! links. Große Unruhe und Zwiſchenrufe
rechts. Glocke des Präſidenten.)
Präſident Kaempf: Herr Abg. Ledebour, Sie
überſchreiten die Grenzen des parlamentariſch Zuläſſigen.
Abg. Ledebour fortfahrend: Die Anſicht des
Gra=
fen Poſadowsky, die Sozialdemokratie werde ſich durch
das Läuterungsfeuer des Reviſionismus hindurch in
eine bürgerliche Partei zurückentwickeln, wird einmütig
von ſämtlichen Richtungen unſerer Partei entſchieden
ab=
gelehnt. Dem Reichsſchatzſekretär ſtimmen wir in dem
Grundſatze zu: Keine Ausgabe ohne Deckung! Die
un=
geheueren Steuern, wie die auf Lebensmittel, wollen wir
abbauen. Das Schutzzollſyſtem legt unſerer ganzen
wirt=
ſchaftlichen Entwickelung Feſſeln an, insbeſondere leidet
unſere Exportinduſtrie darunter. Wir verlangen deshalb
den lückenloſen Abbau des Schutzzolles. Unſere Aktion
in Kiautſchou hat ſich als völlig verfehlt erwieſen, und
unfere marokkaniſche Politik hat durch den Grenzboten=
Prozeß eine eigenartige Beleuchtung erfahren. Wir
wer=
den die Koalitionsfreiheit der Arbeiter unter allen
Um=
ſtänden wahren und ſicherſtellen. Nimmt man ihnen das
Koalitionsrecht, ſo drückt man ſie zum willenloſen
Werk=
zeug der Kapitaliſten herab. Das Reichstagswahlrecht,
das Graf Weſtarp verſteckt angriff, iſt für uns
unantaſt=
bar. Die Wahlkreis=Einteilung muß geändert werden.
Auf 100000 Einwohner ſoll ein Abgeordneter entfallen.
Findet ſich die Regierung und der Reichskanzler nicht
da=
zu bereit, dem Sinn dieſes Paragraphen der Verfaſſung
entſprechend zu handeln, ſo bedeutet das einen Bruch der
Verfaſſung. (Präſident Kaempf ruft den Redner
we=
gen dieſes Ausdrucks zur Ordnung.) Abg. Ledebour
fortfahrend: Graf Poſadowsky, der uns phantaſtiſche
Ziele vorgeworfen hat, iſt ſelber ein Phantaſt
ſchlimm=
ſter Sorte. (Zurufe und Unruhe.) Das Proletariat iſt
von großen Idealen erfüllt.
Präſident Kaempf ruft den Abg. Ledebour
nach=
träglich zur Ordnung, weil er der Regierung
verbreche=
riſche Umtriebe vorgeworfen habe.
Staatsſekretär v. Kiderlen=Wächter:
Der Abg. Ledebour hat Angriffe gegen die
Regie=
rung unſeres großen Nachbarreiches, mit dem wir in
Frieden und Freundſchaft leben, gerichtet. Dieſe
An=
griffe waren ſolche, wie ſie in dieſem hohen Hauſe wohl
noch nicht gehört worden ſind. (Hört! Hört! rechts.) Er
hat der Regierung verbrecheriſche Abſichten und Taten
vor der ganzen Welt vorgeworfen. Ich kann dieſe
An=
griffe nur auf das lebhafteſte bedauern, und muß ſie auf
das allerentſchiedenſte zurückweiſen. (Beifall rechts.) Ich
bin auch überzeugt, daß die große Mehrzahl in dieſem
Hauſe mein Bedauern teilt. (Beifall rechts. Rufe bei
den Soz.: Nal) Der Herr Abgeordnete hat auch mir
Verbrechen vorgeworfen. Darauf glaube ich mich nicht
weiter verteidigen zu ſollen. Er hat mir aber in ſeiner
Rede, wo er über die Marokko=Angelegenheit ſprach, die
gewünſchte Gelegenheit gegeben, einmal mit einem
Mär=
chen aufzuräumen, das ſich ſchon lange in der Preſſe
her=
umtreibt, das iſt das, daß ich gewiſſe Kreiſe aufgehetzt
hätte, indem ich geſagt hätte, wir wollten Teile von
Ma=
rokko nehmen. Da möchte ich hiſtoriſch zurückgreifen auf
die Zeit, ehe wir den „Panther” nach Agadir geſchickt
hatten. Es war von mir ein ausführliches Programm
ausgearbeitet worden. Dieſes Programm habe ich dem
Herrn Reichskanzler vorgelegt, der es gebilligt und die
Genehmigung Sr. Maj. erhalten hat. Wir hatten ſchon
lange mit Frankreich verhandeln wollen, weil die Sache
ſo nicht weiter ging, wie ſie ſich durch den Zug nach Fez
geſtaltet hatte. Wir haben das Schiff nach Agadir
ge=
ſchickt, um die Sache in Fluß zu bringen. Wir haben
dadurch feſtſtellen wollen, daß die Franzoſen nicht das
Recht, namentlich aber kein Mandat für ganz Europa
hat=
ten, in Marokko vorzugehen, und wenn unſere
Unter=
tanen in Marokko gefährdet ſind, dasſelbe Recht haben,
ſie zu ſchützen. Einige Tage vorher, ehe das Schiff nach
Agadir ging, habe ich Herrn Dr. Claß geſprochen. Ich
möchte hier einſchieben, Herr Dr. Claß war in dem
Pro=
zeß nicht gehört worden. Ich habe ihm damals geſagt,
wir werden demnächſt etwas tun, um die Marokko=
Ange=
legenheit in Fluß zu bringen, es ſind aber erſt
Einlei=
tungen zu Verhandlungen. So ungefähr war
die Sprache, die ich mit ihm gefährt habe.
Danach bin ich nach Kiſſingen gegangen.
Ich habe in Kiſſingen mit dem franzöſiſchen Botſchafter
bereits die erſte Ausſprache über die Kompenſationen
ge=
habt, und zwar ausdrücklich über Kompenſationen
außer=
halb Marokkos. Ich habe ihm nur zugeſchoben, daß er:
mir das nennen ſoll, was er herausfinden könne. Es war
nach dieſer Unterredung im Juni, da wollte Herr Dr. Claß
mich ſprechen. Ich war nicht hier, und ſtatt meiner hat
der Unterſtaatsſekretär mit ihm geſprochen. Er hat ihm
auseinandergeſetzt, daß wir nicht Teile von Marokko
haben wollen, und hat ihm die bekannten Gründe
ange=
geben, daß wir in Marokko keine Siedelungskolonie
fän=
den, keinen Kriegshafen hätten uſw. Da hat Herr Dr.
Claß am Schluß der Unterredung geſagt: Ach, das iſt
ſchade! Allerdings hat dann der Herr ſeine Schrift
ge=
ſchrieben: „Weſtmarokko deutſch!” So weit ich weiß, hat=
Herr Dr. Claß mir nur immer den Vorwurf gemacht, daß
ich ſchlechte Politik gemacht habe; der Fehler wäre, nicht
einen Teil von Marokko zu nehmen. Daß ich ihm aber
geſagt hätte, wir wollten das tun, dafür liegt von Dr.
Claß ſelbſt keine authentiſche Aeußerung vor, und ſie
wäre auch nicht richtig.
Dann iſt in den Zeitungen namentlich auch behauptet
worden, ich hätte einem Abgeordneten, der nicht mehr hier
iſt, einmal geſagt, wir müßten Marokko nehmen, und er
hätte ſich ſofort ſtenographiſche Aufzeichnungen gemacht.
Mit dieſem Märchen iſt man oft krebſen gegangen. Ich war
mir aber ausdrücklich bewußt, daß ich in dieſer
Unter=
redung ausführlich auseinandergeſetzt habe die Gründe,
warum wir nicht Teile von Marokko haben wollten. Es
hat ſich nachher auch herausgeſtellt, daß eine kleine
Ver=
wechſelung ſtattgefunden hatte. Es waren die
ſtenogra=
phiſchen Aufzeichnungen verwechſelt worden mit denen!
über eine Unterredung, die über die marokkaniſche
An=
gelegenheit mit einem Journaliſten ſtattgefunden hatte.
Nun habe ich eine dritte Unterredung mit Herrn Claß
gehabt. Auf dieſe iſt in dem Prozeß Bezug genommen
worden. Dieſe Unterredung war im September, wo ich
ſchon ziemlich über das reine Markko=Abkommen mit dem
franzöſiſchen Botſchafter eins war und wo wir eine kleine
Pauſe machten, um nachher über das Kongo=Abommen
zu verhandeln. Wie ſollte ich dazu kommen, in dieſer
Unterredung zu ſagen: „Ich werde mir einen Teil von
Marokko nehmen.‟ Es war allerdings eine ſehr
chauvi=
niſtiſche Stimmung in der franzöſiſchen Preſſe, und
ſo=
war es uns ganz erwünſcht, daß ſich auch bei uns eine
patriotiſche Stimmung bildete, für unſere Rechte
ein=
zutreten. Da fragte mich Herr Dr. Claß, wenn es nachher
zu Verſammlungen der Alldeutſchen käme, was er da,
ſagen ſollte. (Große Heiterkeit.) Ja, meine Herren, wenn
Sie zu mir kommen, dann werde ich es Ihnen auch ſagen.
(Erneute Heiterkeit.) Er hat mich ausdrücklich gefragt,
welches die Abſichten der Regierung ſeien. Daraus kann
man ihm keinen Vorwurf machen, und mir auch nicht,
wenn ich ihm geantwortet habe: Die Dinge liegen ſo.
Wir wollten Kompenſationen, aber noch iſt nicht das
Sta=
dium, daß wir ſagen können, die Sache iſt fertig. Es iſt
ganz gut, wenn ſich bei uns eine patriotiſche Stimmung
bildet; das ſchadet nichts, und es iſt kein Verbrechen, wenn
Sie etwas dafür tun. — Ich will noch zurückweiſen,
daß wir Lockſpitzel nach Agadir geſchickt hätten. Ich weiß
wirklich nicht, was die dort hätten tun ſollen. Ich glaube
aber, daß die Herren aus dem, was ich Ihnen geſagt
habe, erkannt haben werden, daß es unwahr iſt, daß ich
irgend jemandem damit gekommen wäre, wir wollten
einen Teil von Marokko nehmen und man möchte dafür
Propaganda machen. Dieſe Bewegung iſt gekommen ohne
unſer Zutun. Das mögen Sie ſchon daraus erſehen, daß
ich immer von dieſer Seite angegriffen worden bin.
Ir=
gend eine Aeußerung, wie in dem Prozeß über Spitzel
uſw., das möchte ich ausdrücklich betonen, iſt nicht von
den Herren, die ich geſprochen habe, gekommen, ſondern
ſie mögen gekommen ſein von irgend einem Dritten. Die
Herren, die ich geſprochen habe, ſind bedauerlicherweiſe
in dem Prozeß nicht gehört worden.
Abg. Gröber (Zentr.): Das Geſetz für die
Mini=
ſterverantwortlichkeit muß von uns unbedingt gefordert
werden. Wie bei jedem Staatsbeamten, läßt ſich auch
einem Miniſter gegenüber der Tatbeſtand ſehr wohl
feſt=
ſtellen. Durch eine Aenderung des Wahlreglements
müß=
ten möglichſt die Stichwahlen beſeitigt werden. Daß die
Wahlprüfungen dem Hauſe genommen und von ein
be=
ſonderes Gericht geſtellt werden ſollen, entſpricht nicht
unſeren Wünſchen. An der Wahlkreiseinteilung darf nicht
gerüttelt werden. Eine Moralpredigt den bürgerlichen
Parteien zu halten, war völlig verfehlt. Damit macht
er Reichskanzler keinen Eindruck, zumal da er den
Eris=
apfel der Erbanfallſteuer in die Parteien werfen will.
Gegen die Ausdehnung der Erbſchaftsſteuer auf Witwen
und Waiſen ſprechen die verſchiedenſten Bedenken, auch
finanzieller Art. — Auch wir billigen die Einſchränkung
der Miſchlingsehe in Samoa nicht. Das Zentrum wird
die Fortſetzung der Sozialpolitik als eine Forderung der
Gerechtigkeit verlangen. Beſonders betonen wir aber,
die tatkräftige Fürſorge für einen ſelbſtändigen
Mittel=
ſtand, dieſen hauptſächlichſten Träger unſeres
Staats=
lebens. Auch der heranwachſenden Jugend muß unſere
anz beſondere Fürſorge gewidmet ſein, wie es Kaiſer
Friedrich ſchon gewünſcht hat, namentlich auf religiöſer
Grundlage. Deshalb müſſen die Verfolgungsgeſetze gegen
gewiſſe Orden, die in Deutſchland noch beſtehen,
aufge=
hoben werden. (Beifall im Zentrum.)
Staatsſekretär Dr. Solf: Abg. Ledebour hat ſich bei
der Kritik meines Erlaſſes wegen des Eheverbotes zwiſchen
Weißen und Samoanerinnen auf chriſtlich=moraliſche
Ar=
gumente bezogen und hat auch vom Zentrum die erbetene
Unterſtützung gefunden. Dieſe Ausführungen ſind aber
lediglich theoretiſche Erörterungen. Ein Urteil über dieſe
kolonialpolitiſch außerordentlich wichtige Frage kann nur
derjenige haben, der jahrelang in ſolchen Ländern, wo
Weiße und Schwarze einander gegenüberſtehen, die
Schä=
den an beiden Raſſen beobachtet und ſtudiert hat. Ich
kann für heute nicht unwiderſprochen laſſen, daß die
Re=
gierung ſich von Argumenten habe leiten laſſen, die nicht
hoher ethiſcher Natur ſeien. Es handelt ſich da um
Fra=
gen, die noch höher ſtehen, als die Gefahr, daß die
Pro=
ſtitution vermehrt werde. Mein Erlaß geht dahin, daß
die beſtehenden Ehen zu Recht weiter beſtehen. Die Kinder
ſind Weiße oder den Weißen gleich zu erachten. Künftig
werden ſolche Ehen nicht mehr geſchloſſen. Kinder aus
nicht ehelichen Verbindungen gelten als Eingeborene. Der
Gouverneur kann unter Umſtänden ihnen die Rechte als
Weiße zuerkennen. Von den Samoanern wird dieſes
Ver=
bot freundlichſt begrüßt werden, denn die Zahl der Weiber
iſt dort leider eine erheblich geringere, als die der
Män=
ner. Jede Einheiratung eines Weißen, meiſt in
Häupt=
lingsfamilien, führt zu Unſtimmigkeiten. Die moraliſchen
Momente für ſolche Ehen ſind nicht gerade hoch. Die
Sakreſankte der chriſtlichen Ehe iſt in dieſen Verbindungen
meiſt nicht zu finden. Die Weißen heiraten, um eine
Haushälterin oder eine billige Wäſcherin zu erhalten oder
ſie wollen ihr Land vergrößern. In der Budgetkommiſſion
wird ſich näher darüber ſprechen laſſen. (Beifall.)
Staatsſekretär Wermuth: Die Ausgaben, die wir
in den ordentlichen Etat genommen haben, dürfen nicht
wie=
der in den außerordentlichen Etat zurückgeführt werden,
da dieſer dadurch anwachſen würde und dem Anleiheweſen
wieder Tür und Tor geöffnet würde. Die
Schuldentilg=
ung, die wir begonnen haben, darf nicht unterbrochen
wer=
den, und wenn neue Ausgaben notwendig ſind, dann iſt
es für die Steuerzahler beſſer, daß dieſe Ausgaben bar
be=
zahlt als aus Anleihen genommen werden. Eine große
Begeiſterung für die Bewilligung neuer indirekter Steuern
wird im Hauſe nicht zu finden ſein. Andererſeits ſteht feſt,
daß ſämtliche Bundesregierungen ſich einhellig und mit
Recht gegen eine Inanſpruchnahme der Einkommen= und
Vermögensſteuer wenden. Jetzt heißt es: Riskierung
ſtrengſtens unterſagt! Soll denn wirklich die
Erbſchafts=
ſteuer für immer und ewig als tiefer Schatten über unſerem
ganzen politiſchen Leben liegen bleiben? Soll die Kluft,
die ſich aus Anlaß dieſes Wortes geöffnet hat, noch vertieft
und erweitert werden, und ſollen auch ihretwegen die
Grundſätze aufgegeben werden, die Sie ſelbſt haben bauen
und feſtigen helfen, ſoll die Anleihewirtſchaft wieder
er=
neut eröffnet werden.
Die Weiterberatung wird auf Montag 2 Uhr vertagt.
Der Kaiſer und das Reichstagspräſidium.
* Berlin, 17. Febr. Wie beſtimmt verlautet, hat
der Kaiſer abgelehnt, das Reichstagspräſidium zu
empfangen. Der Präſident und der Zweite Vizepräſident
hatten darum nachgeſucht; der Kaiſer hat aber den Empfang
dieſes unvollſtändigen Präſidiums
abge=
lehnt. Daß die Angelegenheit eine perſönliche Sache
des Kaiſers iſt, geht ſchon daraus hervor, daß der Beſcheid
durch das Oberhofmarſchallamt ergangen iſt. (Köln. Ztg.)
Daß die Angelegenheit dieſe Wendung nehmen
würde, war mit Sicherheit vorauszuſehen.
Berlin, 18. Febr. Wie es die
Sozialdemo=
kraten mit den höfiſchen Verpflichtungen
des Reichstagspräſidenten zu halten gedachten,
iſt bereits angedeutet worden. Zu dieſer Frage gab
Abg. Bebel vor der Wahl folgende Erklärung ab: Unſer
Genoſſe wird zu Hofe gehen, wenn der erſte Präſident
verhindert iſt und er wird ein Kaiſerhoch ausbringen,
wenn der erſte Präſident nicht da iſt. Die Verpflichtung,
neben dem erſten Präſidenten zu Hofe zu gehen, hat
man ſeitens der Sozialdemokratie abgelehnt. Ebenſo hat
man es abgelehnt, für die Mitglieder der
ſozialdemo=
kratiſchen Reichstagsfraktion eine Erklärung dahin
abzu=
geben, daß künftig bei einem Kaiſerhoch der Saal nicht
mehr verlaſſen werde und daß ſie ſich von ihren Plätzen
erheben würden. Man könne die Einzelnen doch nicht
feſthalten.
Berlin, 18. Febr. Bisher pflegte das ganze
Präſidium des Reichstags, nachdem die
Kon=
ſtituierung desſelben ſchriftlich durch den Präſidenten dem
Kaiſer gemeldet worden war, eine Audienz beim Kaiſer
nachzuſuchen. Der regelmäßig gewährte Empfang galt
dem Präſidium in ſeiner Geſamtheit, nicht den einzelnen
Perſonen, die ihm angehörten. Wie wir erfahren, bezog ſich
diesmal die Anfrage beim Oberhofmarſchallamt wegen des
Empfanges beim Kaiſer nur auf den Präſisenten und
den zweiten Vizepräſidenten des Reichstages. Darauf
erging die Antwort, daß der Kaiſer beſtens danken
laſſe, aber verhindert ſei, die Herren zu empfangen.
Dieſe Antwort wurde auf Vorſchlag des
Reichs=
kanzlers gegeben, der dem Kaiſer nicht empfehlen konnte,
einer Abweichung von der gewohnten Regel zu folgen,
die er damit gut heißen würde.
Der Stapellauf des Linienſchiffes
„Prinzregent Luitpold‟
* Kiel 17. Febr. Der Kaiſer iſt heute früh
halb 8 Uhr hier eingetroffen. Außer den ſchon
gemelde=
ten Herren des Gefolges traf der Staatsſekretär des
Reichsmarineamtes mit dem Kaiſerlichen Sonderzug hier
ein. Zum Empfang waren auf dem Bahnſteig erſchienen:
Prinz Heinrich von Preußen, Prinz Adalbert, Prinz
Lud=
wig von Bayern, der Flottenchef Admiral von
Holtzen=
dorff, der Chef der Marineſtation der Oſtſee Admiral
Schröder, der Stadtkommandant Oberſt Albrecht,
Poli=
zeipräſident von Schröter u. a. Mit den Herren des
Ge=
folges des Prinzen Ludwig war der bayeriſche Geſandte
in Berlin, Graf von Lerchenfeld, erſchienen. Nach ſehr
herzlicher Begrüßung begaben ſich die hohen Herrſchaften
im Automobil zur Stadt. Der Kaiſer nahm Wohnung
auf der „Deutſchland”, während Prinz Ludwig und
Prinz Heinrich zum Schloß zurückkehrten. Die im Hafen
liegende Flotte ſalutierte die Kaiſerſtandarte. Das
Wet=
ter iſt regneriſch.
Mittags 12 Uhr fand in Gegenwart des Kaiſers der
Stapellauf des neuen Linienſchiffes „Erſatz Odin”
auf der Kruppſchen Germaniawerft ſtatt. Um 12 Uhr
er=
ſchien der Kaiſer mit ſeinen Gäſten. Nach Vorſtellung
begaben ſich die Herrſchaften nach der feſtlich geſchmückten
Taufkanzel, wo eine Ehrenwacht Aufſtellung genommen
hatte. Prinz Ludwig von Bayern und Prinzeſ=
Ain Thereſe beſtiegen alsdann unter Führung des
Herrn von Tirpitz, des Herrn Krupp von Bohlen=Halbach
und des Direktors der Germaniawerft die Taufkanzel,
während der Kaiſer und die übrigen Fürſtlichkeiten mit
Gefolge in dem daneben errichteten Pavillon Platz
nahmen. Darauf hielt Prinz Ludwig die Taufrede,
in der er ausführte:
Was dem heutigen Feſte ſeine beſondere Weihe
ver=
leiht, iſt, daß es Euere Majeſtät durch Höchſtihre
perſön=
liche Gegenwart verherrlichen und daß Euere Majeſtät
beſtimmt haben, daß das Schiff einen Namen führe, der
jedem Bayern, ja jedem Deutſchen teuer iſt, den Namen
„Prinz=Regent Luitpold‟. Euere Majeſtät erweiſen
da=
durch meinem hohen Vater eine ſeltene Ehre, mir aber —
das darf ich wohl hinzufügen — eine große Freude.
Mein hoher Vater gedenkt dieſer Stunde mit ſeinen
Segenswünſchen für das Schiff, für die ganze Kaiſerliche
Marine und ganz beſonders für deren Oberſten
Kriegs=
herrn, Euere Majeſtät. Er nimmt innigſten Anteil an
dem Erſtarken der Kaiſerlichen Marine und dem
Auf=
blühen der deutſchen Intereſſen über See, welche letztere
zu ſchützen und zu fördern auch eine Aufgabe der erſteren
iſt. Seine Königliche Hoheit der Prinz=Regent von
Bayern, der, ungebeugt durch ſein hohes Alter, Rückſchau
hält auf die vier Jahrzehnte des neuen Deutſchen
Rei=
ches, iſt einer der wenigen unter uns, die in der Reife
des Mannesalters den großen Ereigniſſen nahegeſtanden
und die dieſen neuen Abſchnitt in der Geſchichte des
deut=
ſchen Volkes eingeleitet haben. Sein Herz, das in Wärme
für alles ſchlägt, was die Größe und die Wohlfahrt des
Reiches betrifft, iſt voll Glauben und Hoffen für des
Reiches Zukunft, die das Zuſammenwirken der in Treue
verbündeten deutſchen Fürſten und Staaten verbürgt. Du
ſtolzes Schiff wirſt dich, wohin immer von deinem
Kaiſer=
lichen Herrn zum Schutze deutſcher Ehre und zum Schirme
deutſcher Intereſſen befohlen — ſei es im Frieden, den
uns Gott recht lange erhalten möge, ſei es im Kriege, den
wir nicht fürchten — deines hohen Paten, deſſen Namen
du trägſt, ſtets würdig erweiſen. Deine Beſatzung wird
immer eingedenk ſein des Wahlſpruches des Prinz=
Regen=
ten, der auch der des erſten bayeriſchen Ordens, des
Hu=
bertusordens, iſt und den jeder bayeriſche Soldat als
Helmſchmuck trägt, des Wahlſpruches: „In Treue feſt!“
Im Anſchluß daran taufte Prinzeſſin Thereſe von Bayern
das Linienſchiff auf den Namen „Prinz=Regent
Luitpold.”
* Kiel, 17. Febr. Der Kaiſer ergriff bei der
heutigen Frühſtückstafel im Königlichen Schloß das
Wort und trank auf das Wohl des Prinzregenten
Luit=
vold, indem er dieſem ſeinen wärmſten Dank für die
Entſendung eines nahen Anverwandten zur Taufe des
Linienſchiffes ausſprach. Die Deviſe auf dem bayeriſchen
Wappen am Bug des Schiffes „in Treue feſt” werde
der Beſatzung des Schiffes ſtets als Richtſchnur ihres
Handelns dienen; ſie ſei aber auch ein Wahrzeichen der
deutſchen Fürſten und Stämme, welche im Deutſchen
Reiche in feſter Treue vereint ſeien. Prinz Ludwig
dankte ſogleich und trank auf das Wohl des Kaiſers.
Abends fand an Bord des Flaggſchiffes „Deutſchland‟
Abendtafel bei dem Kaiſer ſtatt, an welcher Prinz
Lud=
wig teilnahm.
Kiel, 18. Febr. Prinz Ludwig von Bayern
iſt heute nachmittag abgereiſt. Prinz Heinrich
be=
gleitete ihn zur Bahn.
* München, 16. Febr. Zwiſchen dem Kaiſer
und dem Prinzregenten Lu itpold fand
an=
läßlich der Taufe des Linienſchiffes „Erſatz Odin” das
den Namen des Prinz=Regenten tragen ſoll, ein herzlicher
Depeſchenwechſel ſtatt.
Luftfahrt.
* München, 17. Febr. Der Pilot Rentzel von
den Flugmaſchinenwerken Guſtav Otto in München
ſtellte am Freitag nachmittag in Oberwieſenfeld mit
einem Otto=Zweidecker einen neuen
Paſſagier=
rekord mit fünf Perſonen (Geſamtgewicht 359
Kilogramm) auf, indem er einen Flug von 9,08 Min. Dauer
abſolvierte. Der bisherige Rekord betrug 7 Minuten.
* Friedrichshafen, 17. Febr. Der geſtrige
Auf=
ſtieg des neuen Luftſchiffes „Viktoria Luiſe” dauerte
1½ Stunden und bezweckte Geſchwindigkeitsmeſſungen
die unter der Leitung des Grafen Zeppelin
vorge=
nommen wurden. Das neue Luftſchiff erreichte eine
Se=
kunden geſchwin dig keit von 20,2 m und
übertrifft damit, obgleich es um 8 m länger iſt, die bei der
Schwaben” gemeſſene Geſchwindigkeit von 19,6 m. Heute
herrſcht ſtarker Nebel, weshalb vorausſichtlich kein weiterer
Aufſtieg erfolgt.
Friedrichshafen, 17. Febr. Die heutige
Probe=
fahrt des Luftſchiffes „Viktoria Luiſe” die um
2 Uhr begann, wurde um halb 4 Uhr mit einer glatten
Landung beendet. Die Fahrt diente wiederum der
Er=
probung der neuen Steuerung. Die Probefahrten ſollen
nächſte Woche fortgeſetzt werden; vorausſichtlich werden
ſich auch noch vor der Ueberführung des Luftſchiffes nach
Frankfurt a. M. einige Paſſagierfahrten anſchließen.
-ab. Als erſtes deutſches Opfer der
Luft=
ſchiffahrt 1912 iſt der Flugſchüler Albert Schmidt,
der am Donnerstag nachmittag bei Oberſchöneweide
ab=
ſtürzte, am Freitag früh ſeinen ſchweren Verletzungen
er=
legen. Schmidt war von dem bekannten Aviatiker Ellery
von Goriſſen ſeit dem Oktober 1911 ausgebildet worden
und benutzte bei ſeinem verhängnisvollen Alleinfluge einen
ihm vertrauten Deutſchland=Doppeldecker. Die Urſachen des
ſchweren Abſturzes ſind noch nicht feſtgeſtellt, doch iſt
anzu=
nehmen, daß eine Havarie des Apparates nicht vorlag
Vielmehr vermutet man, daß der Flieger bei dem
un=
ſichtigen Wetter bald nach ſeinem Start in Johannisthal
von den Fabrikſchornſteinen in Oberſchöneweide überraſcht
wurde und die Faſſung verlor. Er dürfte dann eine zu
ſcharfe Kurve beſchrieben und mit ſeinem Apparat
abge=
ſtürzt ſein.
London. 17. Febr. Der Flieger Graham=Gilmeur
iſt auf dem Fluge nach Richmond abgeſtürzt. Er war
ſofort tot.
* Paris, 17. Febr. Auf dem Flugplatze von
Ver=
ſailles veranſtalteten fünf Offiziere geſtern und vorgeſtern
Flugübungen, bei denen ſie insgeſamt 125 Offiziere
der höheren Kriegsſchule und des Geniekorps als
Flug=
gäſte mitnahmen.
Paris, 18. Febr. Der Militärflieger Hauptmann
Morel hat einen Zweiflächer erbaut, deſſen Geſtel
aus Stahl und deſſen Flugflächen und Steuer aus
Alu=
minium beſtehen. Die erſten Verſuche ſollen recht
ver=
ſprechend geweſen ſein.
Sport.
bd. Bobrennen in Davos. Auf der Davoſer
Schatzalpbahn kam am Freitag das Vierſitzer=
Bob=
rennen um den Kaiſer Wilhelm II.=Becher zur
Entſchei=
dung. Elf Konkurrenten bewarben ſich um die kaiſerliche
Trophäe. Sieger blieb der von den Gebrüdern Menten
geſteuerte, favoriſierte Bob „Sanga=Sanga”, der mit 3 Min.
14½ Sek. einen neuen Rekord aufſtellte. (Alter Rekord
3221). Zweiter wurde „Torpedo” (R. Lüders=Becci)
3 Min. 15,2 Sek.; Dritter „Preußen” (v. Eynern und H.
Seiffert=Berlin) 3 Min. 17,1 Sek. „Fliegender Holländer”
ging durch Sturz ſeiner Chance verluſtig, während „
Würt=
temberg” unterwegs den Breaker verlor.
Der Rennſtall der Herren A. und
C=
v. Weinberg wird, wie die ſoeben veröffentlichte
Trainingsliſte zeigt, in dieſer Saiſon eine Liſte von 34
Pfer=
den umfaſſen. Von älteren Pferden ſind der
unverwüſt=
liche Fervor, ſowie Sagitta und die vierjährigen Cimon,
Deſpot, Gargantua, Moenus und Caligula in Training
geblieben. Die Hauptſtreitmacht des Stalles wird die
jüngere Generation bilden, denn der Derby=Jahrgang
wird durch nicht weniger als 13 Dreijährige vertreten,
während der zweijährige Jahrgang 14 Köpfe umfaßt. Die
Mehrzahl der jungen Geſellſchaft ſtammt von den beiden
eigenen Deckhengſten der Herren v. Weinberg, Fels und
Feſtino ab. Als neuer Trainer des umfangreichen Stalles
wurde bekanntlich Ende vorigen Jahres Fred Taral
engagiert ,der ehemalige bekannte öſterreichiſche Jockei.
sr. Walther Rütt ohne Lizenz. Die bereits
auf dem kürzlich in Paris ſtattgefundenen Kongreß der
Union Cyeliſte Internationale geforderte
Disqualifizie=
rung des bekannten Radrennfahrers Walther Rütt, des
Gewinners des letzten Berliner SechstageRennens, iſt
jetzt ausgeſprochen worden. Der Vorſtand des Verbandes
Deutſcher Radrennbahnen bringt ſoeben zur öffentlichen
Kenntnis, daß dem Rennfahrer Walther Rütt die Lizenz
bis auf Weiteres entzogen worden iſt. Die Union Cyeliſte
Internationale hatte die Beſtrafung Rütt verlangt, weil
er gelegentlich des New=Yorker Sechstage=Radrennens
die amerikaniſche Union um die Einziehung einer gegen
ihn verhängten Geldſtrafe gebracht hatte.
sr. Internationale Automobil=
Fern=
fahrt Stockholm=Gotenburg=Stockholm. Das
Ergebnis der vom Königl. Schwediſchen Automobil=Klub
in der Zeit vom 4. bis 9. Februar veranſtalteten
Auto=
mobil=Zuverläſſigkeits=Fernfahrt Stockholm=Gotenburg=
Stockholm wird jetzt bekannt gegeben und bedeutet.
einen ſchönen Erfolg für die deutſche Induſtrie, da in beiden
Klaſſen deutſche Wagen als Erſte eintrafen. Im
Wettbe=
werb um den Winterpokal ſiegte der von Herrn Neren
geſteuerte Opelwagen Nr. 22 vor Kiellgreen (Vauxhall)
und Ecklund (Matthies). Den Ehrenpreis des Königs und
den Gotenburg=Pokal gewann von den in der Klaſſe III
geſtarteten Wagen May (N. A. G. Darling) vor Högmann,
(Buick) und Hohner (Overland).
Handel und Verkehr.
Berlin, 17. Febr. Heute nachmittag wurde int
einer Verſammlung von Mitgliedern der deutſchen Bank=,
Induſtrie= und Handelswelt der deutſch=braſilianiſche
Handelsverband gegründet. Die anweſenden Herren
rſter deutſcher Firmen erklärten ſich einſtimmig für die
Errichtung eines derartigen Verbandes, deſſen Beſtehen
durch Entgegenkommen der deutſchen Reichsbehörden und
eines Vertreters der braſilianiſchen Regierung in Berlin
unterſtützt wird. Da bereits eine große Anzahl von
Beitrittserklärungen abgegeben wurden, iſt das
Zuſtande=
kommen des Verbandes gewährleiſtet. Ein gemeinſames
Mahl vereinigte die Teilnehmer der Verſammlung. Zu
Mitoliedern des Vorſtandes wurden gewählt u. a.
Exzellenz General v. Alten, der Vorſitzende der Deutſch=
Südamerikaniſchen Geſellſchaft; ferner Maſchke, der in
Braſilien ſeit langem wirtſchaftlich betätigt iſt, Georgius,
Lertreter der deutſchen Exportfirma Theodor Wille,
Konſul Heinz. Die Filiale der Vereinigung in Rio de
Janeiro iſt geſichert. Die Vereinigung tritt unverzüglich
ins Leben.
Beuthen (Oberſchleſien), 17. Febr. In der
An=
gelegenheit der Firma Sorauer & Förſter in
Beuthen wurde heute in einer Verſammlung der
Groß=
banken der Vermögensſtatus der Firma im allgemeinen
erörtert und zur Prüfung der in Betracht kommenden
Details ein Ausſchuß gewählt, dem auch die Reichsbank
angehört. Der Ausſchuß wird ſeine Arbeiten bis
ſpäteſtens 24. Februar beſtimmt beendigen. Jedenfalls
herrſcht allſeitig Uebereinſtimmung, grundſätzlich die
Liquidation der Firma zu empfehlen.
Vermiſchtes
* Fortſchritte in der Beleuchtungstechnik.
Man ſchreibt uns: Aus den Tätigkeitsberichten der
Phyſika=
liſch=Techniſchen Reichsanſtalt in Charlottenburg, der
Zentralſtelle für phyſikaliſche und techniſche Prüfungen
in Deutſchland, ergibt ſich, daß in den letzten Jahren
erhebliche Fortſchritte in der Konſtruktion der
verſchie=
denartigen Beleuchtungskörper gemacht worden ſind.
Während im Jahre 1907 die Prüfungen von elektriſchen
Kohlenfadenlampen diejenigen der Metallfadenlampen
erheblich überſtiegen, traf dies im Jahre 1910 im
um=
gekehrten Verhältnis zu, ein Beweis, daß der Erſatz der
Kohlenfadenlampe durch die ſtromſparende
Metallfaden=
lampe immer weiter um ſich greift. Bei
Dauerprüfun=
gen zeigten im Jahre 1907 die langlebigſten
Kohlenfaden=
lampen in 920 Brennſtunden eine Abnahme der
Licht=
ſtärke von 20 Prozent bei einem ſteigenden
Energiever=
brauch von 3,8 auf 4,9 Watt pro Kerze, dagegen wieſen
die unterſuchten Metallfadenlampen im Jahre 1909 eine
durchſchnittliche Lebensdauer von 3300 Brennſtunden, ja
verſchiedene über 5500 Stunden bei einem
Energiever=
brauch von 1,1 Watt pro Kerze auf. Intereſſant iſt auch
die Mitteilung aus dem Bericht vom Jahre 1910, daß
eine Reihe Metallfadenlampen 7500 Stunden
ununter=
brochen gebrannt hat. Bei täglich vierſtündigem
Bren=
nen im Haushalt würden dieſe Lampen demnach über
5 Jahre zu verwenden ſein. Der Bericht vom Jahre
1911 liegt noch nicht vor. Wahrſcheinlich iſt, daß infolge
des gerade in dieſem Jahre erfolgten großen
Fort=
ſchrittes in der Metallfadenlampenkonſtruktion, bei der
die geſpritzten Metallfäden durch gezogene Metalldrähte
erſetzt wurden, die Lebensdauer der Lampen noch
wei=
ter erhöht und der Energieverbrauch pro Kerze
verrin=
gert ſein wird. Letzteren kann man nach von anderer
Seite vorliegenden Verſuchen mit 1 Watt pro Kerze bei
Lampen von geringer und mit 0,8 Watt pro Kerze bei
Lampen von größerer Lichtſtärke annehmen. Ueber
Dauerprüfungen von Gasglühlicht ſind in den Berichten
keine Angaben vorhanden. Durch Einführung der
Metallfadenlampen ſind nicht nur die Betriebskoſten um
as vierfache verbilligt, ſondern die Unterhaltungskoſten
der elektriſchen Beleuchtung ſind weſentlich vermindert.
Dadurch iſt auch für den kleinen Haushalt die
Möglich=
keit der Verwendung des elektriſchen Lichtes gegeben,
für den es namentlich ſeiner hygieniſchen Vorzüge wegen
von großer Bedeutung iſt.
CK. Die Ausſtellung „Stätten der
Ar=
beit”, die demnächſt in Dresden ein impöſantes Bild
moderner Kunſt vorführen wird, ſoll am 1. März pünktlich
ihre Pforten öffnen. Wie uns mitgeteilt wird, iſt die
internationale Beteiligung überaus glänzend ausgefallen.
Die beſten deutſchen Kunſtler haben Werke eingeſandt und
auch das Ausland wird gut vertreten ſein, vor allem
Belgien, die Heimat Meuniers, des großen Schilderers der
modernen Arbeit. Die Belgier werden wahrſcheinlich in
einer eigenen Sonderabteilung in einem Saale vereinigt
werden. Die Jury tritt am 24. Februar in Dresden
zu=
ſammen.
— Eine Verſuchsfarm für Straußenzucht
hat das ſüdweſtafrikaniſche Gouvernement bei Otjituezu
am weißen Noſob angelegt, über die das amtliche
Kolo=
nialblatt u. a. folgendes berichtet: Für die Anlage war
der Gedanke maßgebend, eine Muſteranlage zu
ſchaffen, um einen rationellen Betrieb des für das
Schutz=
gebiet neuen einträglichen Erwerbszweiges in
Farmer=
kreiſen einzuführen. Als hochwertiges Zuchtmaterial
wur=
den 10 Hähne und 13 Hennen aus Britiſch=Südafrika
ein=
geführt, gute Weide= und Brutkoppeln, ſowie die nötigen
Luzernefelder uſw. hergerichtet. Im ganzen ſind 1800
Hektar für die Verſuchsfarm eingezäunt worden. Zur
Leitung wurde ein Sachverſtändiger aus Britiſch=
Süd=
afrika verpflichtet, der Anfängern in der Straußenzucht mit
Rat und Tat zur Seite ſtehen ſoll. Das Brutgeſchäft der
Strauße hat mit Ablauf des vergangenen Jahres ſeinen
Anfang genommen, ſo daß binnen kurzem die erſte
Nach=
zucht zu erwarten iſt. Im Anſchluß an dieſe Zuchtverſuche
werden ſpäter auch mit den im Schutzgebiet wild
vor=
kommenden Straußen Zuchtverſuche anzuſtellen ſein, um
deren züchteriſche Eigenſchaften feſtzuſtellen und dieſe
eventuell durch fortgeſetzte Zuchtwahl oder durch
Kreuz=
ung mit hochwertigen Tieren fremder Herkunft zu ſteigern.
— Eineſchlafen de Stadt. Kaum ein zweites
Staa=
tengebilde von dem ehemaligen Umfang und der
Bedeut=
ung Spaniens iſt in hiſtoriſcher Zeit ſo ſchnell und
un=
aufhaltſam dem Verfall entgegengegangen, wie dies
Reich. Stumme, aber in ihrer ſchweigenden
Verlaſſen=
heit deſto beredtere Zeugen dieſes Niederganges ſind
eine Anzahl von einſt blühenden, volk= und
induſtrie=
reichen Städten, die zu ſchlafen und von ihrem alten
Glanz zu zehren ſcheinen. Segovia iſt ein typiſches
Bei=
ſpiel dafür. Aus der Reſidenz der kaſtiliſchen Könige
iſt es im 16. Jahrhundert zur Heimat von Bettlern und
Spitzbuben geworden, in dieſem Sinne konnte es zum
Beiſpiel Quevedo ſeinem Erzſchelm Don Pablo de
Segovia zur Heimat geben oder Ruiz de Alacron ſeinen
Räuber Moor zu einem Weber von Segovia machen.
Hatte es 1594 noch über 40000 Einwohner, ſo
beher=
bergte es 1723 nur noch 16000, eine Ziffer, die heute auf
14000 herabgegangen iſt. Was nutzte da der
unglück=
lichen Stadt die Gunſt ihrer Könige?! Sie verurſachte
ihr nur Koſten. 1570 feierte Philipp II. in Segovia
ſeine Vermählung mit der Erzherzogin Anna, einer
Tochter Kaiſer Max’ II., bei welcher Gelegenheit die
Stadt dem erlauchten Paar eine ganze Reihe prunkvoller
Feſte gab, wie Stiergefechte, Quadrillen zu Pferde,
Fackeltänze u. a. Beim Einzug der neuen Königin
ge=
leiteten ſie die Mitglieder der Zunfte, die in weiße Seide,
weißen Atlas oder roten Sammet gekleidet waren, durch
hundert Fuß hohe Triumphbogen nach der Kathedrale,
wo die Geiſtlichkeit ihrer wartete. Hier wohnte auch
Philipp II. unerkannt ihrem Empfang bei, um ſich
heim=
lich ſeine dritte Gattin, die er noch nicht geſehen hatte,
einmal anzuſchauen. Als Philipp III. 1600 Segovia
beſuchte, gaben ihm die Tuchweber ähnliche Feſte, bei
deren einem ſie die Eroberung Mexikos durch Fernando
Cortez aufführten. Als dann die Könige ihre Reſidenz
nach Madrid verlegten und die vornehmen Gäſte
aus=
blieben, wurde es ſtiller und ſtiller in Segovia. Die
Stadt verſank langſam in den Schlaf, der ſie heute noch
umfangen hält. Den ſeltſamen Eindruck, den der
ein=
ſtige Lieblingsſitz der kaſtiliſchen Könige heute auf den
Fremden macht, ſchildert im Februarheft von „
Weſter=
manns Monatsheften” Mar von Boehn in einem
reich illuſtrierten Aufſatz: „Wer Segovia betritt, dem
ſcheint die ganze Stadt zu ſchlummern und inmitten
ein=
geſtürzter Kirchen und verlaſſener Paläſte, in der
Ein=
ſamkeit verödeter Plätze und leerer Gaſſen zu träumen,
den Traum von glänzenden Zeiten, die ſie einſt geſehen.
Nun ſind Ehre und Ruhm, Macht und Reichtum
vorüber=
gerauſcht mit den Tagen, die ſie einſt gebracht. Der Lärm
der Waffen iſt verſtummt, wie die Unruhe des Handels,
nur das Gedächtnis an das Einſt iſt unverloren und
durchtönt die tiefe Stille der Gegenwart mit den leiſen
Klängen wehmütigen Erinnerns. Die Lage der Stadt
ähnelt der Toledos. Im Gegenſatz aber zu dem ernſten,
ja düſteren Charakter Toledos iſt hier alles heiter und
lieblich, Toledo wirkt feierlich, Segovia anmutig. Das
dankt die Stadt dem friſchen Grün, den Auen und
Gär=
ten. die ſeine Mauern in weitem Umkreis umgeben, den
blühenden Bäumen, dichten Büſchen und blumigen
Wie=
ſen ſeiner Flußtäler. Dies Bild wäre überall ſchön,
aber im Kontraſt zu dem ſonſtigen Altkaſtilien, das
waſſerarm und baumlos iſt wie die Wüſte, wirkt es ſo
überraſchend, Auge und Herz erfreuend, daß die
Kaſti=
lianer im Ueberſchwang ihrer Begeiſterung ſchon in alten
Zeiten ſagten: „De los huertos al Parral, paraiso
terrenal” (Von Segovia bis Parral, irdiſch
Paradieſes=
tal).”
Die Brandſchäden des Jahres
1911. Eine Statiſtik über die Geſamtzahl der
jährlich in Deutſchland vorkommenden
Brand=
ſchäden beſteht nicht. Nach den von dem
preußiſchen ſtatiſtiſchen Landesamt geführten Statiſtik
ſtieg im Jahre 1909 die Zahl der Brände in Preußen auf
mehr als 105000 mit einer Schadensſumme von rund 100
Millionen Mark. Die vom Kaiſerlichen Aufſichtsamt für
Privatverſicherung geführte Statiſtik bezieht ſich zwar auf
ganz Deutſchland, jedoch nur auf die Brände, die von den
der Aufſicht des Amtes unterſtehenden Privat=
Feuerver=
ſicherungs=Geſellſchaften entſchädigt wurden. Die letzte
vom Aufſichtsamt pro 1909 veröffentlichte Statiſtik gibt die
Zahl dieſer Brandſchäden auf 294000 an mit einer
Ent=
ſchädigungsſumme von 149 Millionen Mark. Ueber das
Jahr 1911 ſind die offiziellen Angaben erſt in zwei
Jah=
ren zu erwarten, aber ſchon jetzt läßt ſich feſtſtellen, daß
die Zahlen ein außerordentliches Emporſchnellen
auswei=
ſen werden. Das verfloſſene Jahr gehört zu den
brand=
reichſten, die in Deutſchland überhaupt zu verzeichnen
waren. Nachdem die erſte Hälfte des Jahres normal
ver=
laufen war, ſchwoll mit dem Einſetzen der faſt drei
Mo=
nate dauernden Hitzeperiode die Schadensziffer zu einer
bisher nicht erreichten Höhe an. Der an vielen Orten
eingetretene Waſſermangel erſchwerte zudem die
Löſch=
hilfe, ſodaß auch der auf die einzelnen Brände entfallende
Schaden außergewöhnliche Dimenſionen annahm. Die
Geſamtzahl der gemeldeten Schäden über 100000 Mark
ſtellt ſich auf 211 mit einer Entſchädigungsſumme von 60
Millionen Mark. Wenn ſich auch aus dieſen lückenhaften
Angaben kein ſicherer Schluß auf die geſamte Zahl und
Größe der Brände des Jahres 1911 ziehen läßt, ſo ſteht
doch ſo viel feſt, daß ſchon an ſich der allein auf die
ermit=
telten Großſchäden entfallende Betrag von 60 Millionen
Mark abnorm hoch iſt. Der für jene 211 Schäden gezahlte
Betrag erreicht faſt die Hälfte der im Jahre 1909
über=
haupt auf die Privatgeſellſchaften entfallenen
Entſchädig=
ungsſumme für 294000 Schäden. Im Jahre 1911 hat
man aber mit einer weit höheren Zahl und einer weit
größeren durchſchnittlich für den Einzelbrand zu
leiſten=
den Entſchädigung zu rechnen. Anlaß zu Beſorgniſſen
über eine etwaige Beeinträchtigung der
Leiſtungsfähig=
keit der privaten Feuerverſicherungsgeſellſchaften in
Deutſchland beſteht nicht, da die Geſellſchaften ſo gut
fun=
diert ſind, daß ſie die Verluſte des Jahres 1911,
erforder=
lichenfalls unter teilweiſer Inanſpruchnahme ihrer
Re=
ſervemittel zu tragen vermögen. Dagegen erfährt die
bisher teilweiſe beſtandene optimiſtiſche Auffaſſung über
die Rentabilität des Feuerverſicherungsbetriebes durch
die Ergebniſſe des Vorjahres eine ſehr nachdrückliche
Korrektur,
Literariſches.
C Die Kunſt unſerer Heimat, Zeitſchrift der
Vereinigung zur Förderung der Künſte in Heſſen und im
Rhein=Maingebiet (Dr. Greiner, Jugenheim.) Das erſte
Heft des neuen Jahrganges bringt an Textbeiträgen ein
Gedicht „Jahreswende” von Wilh. Holzamer, ferner
einen Auszug aus der Antrittsrede des Rektors der
Tech=
niſchen Hochſchule, Prof. Wickop, eine Legende von
He=
lene Chriſtaller, Odenwaldſtimmung von Dr. Fritz
Gräntz, einen Bericht über die Tagung des
Denkmal=
rates von Baurat Wagner uſw. Von den Bilderbeilagen
ſind beſonders zu erwähnen Wilhelm Baders prachtvolle
Adam und Eva, Frieſe von Wilh. Steinhauſen, eine
Bleiſtiftzeichnung von E. Liebermann, Abend von
Kurt Kempin, verſchiedene Goldſchmiedearbeiten von
Prof. Riegel u. v. a.
* In der von der Verlagsbuchhandlung B. G.
Teubner in Leipzig herausgegebenen Sammlung
wiſſenſchaftlich=gemeinverſtändlicher Darſtellungen aus
allen Gebieten des Wiſſens Aus Natur und
Geiſteswelt (jeder Band 1 Mk. bezw. 1,25. Mk.) ſind
weiter erſchienen: Bd. 314: Agrikulturchemie.
Von Dr. Paul Kirſche, Bibliothekar des Kaliſyndikats
Staßfurt=Leopoldshall. Mit 22 Abbildungen. — Bd. 316:
Landwirtſchaftliche Maſchinenkunde. Von
Dr. Guſtav Fiſcher, Profeſſor an der Königl.
Landwirt=
ſchaftlichen Hochſchule zu Berlin. Mit 62 Abbildungen.
— Bd. 324: Die großen Phyſiker und ihre
Leiſtungen. Von Profeſſor Dr. F. A. Schulze in
Marburg a. L. Mit 5 Bildniſſen. — Bd. 334: Die
Pilze. Von Dr. Alfons Eichinger, Aſſiſtent der
Ver=
ſuchsſtation für Pflanzenkrankheiten in Halle a. S. Mit
54 Abbildungen im Tert. — Bd. 335: Das
Aqua=
rium. Von Ernſt Willy Schmidt. Mit 15 Figuren im
Text. — Bd. 337: Experimentelle Biologie.
Von Dr. C. Theſing. Band II: Regeneration,
Trans=
plantation und verwandte Gebiete. Mit 1 Tafel und 69
Abbildungen. — Bd. 338: Die Spinnerei. Ein
Ueberblick über die in der Spinerei gebräuchlichſten
Roh=
materialien und ihre Verarbeitung von Profeſſor M.
Lehmann, Direktor der Preußiſchen Höheren Fachſchule
für Textilinduſtrie (Spinn= und Webeſchule) zu Krefeld.
Mit 35 Abbildungen im Text. — Bde. 340—347:
Planimetrie zum Selbſtunterricht. Von
Paul Crantz, Profeſſor am Askaniſchen Gymnaſium in
Berlin. Mit 99 Figuren. — Praktiſche
Mathe=
matik. I. Teil: Graphiſches und numeriſches Rechnen.
Von Dr. R. Neuendorf, Privatdozent an der
Univer=
ſität Kiel. Mit 69 Figuren im Text und 1 Tafel. — Die
deutſchen Volkstrachten. Von Karl Spieß,
Pfarrer in Bottenhorn (Kreis Biedenkopf). Mit 11
Ab=
bildungen. — Werdegang der modernen
Phy=
ſik. Von Dr. Hans Keller. Mit 13 Figuren. — Die
fleiſchfreſſenden Pflanzen. Von Dr. Adolf
Wagner, Profeſſor an der Univerſität Innsbruck. Mit
82 Abbildungen. — Die Aeſthetik. Von Dr. Richard
Hamann in Steglitz bei Berlin. — Die Geſchichte
der franzöſiſchen Revolution. Von Dr.
Theodor Bitterauf, Profeſſor an der Univerſität
Mün=
chen. — Theologie. Einführung in ihre Geſchichte,
ihre Ergebniſſe und Probleme. Von Martin Cornils,
Paſtor in Kiel. — Bd. 349: Gut und ſchlecht
Wetter. Von Dr. Richard Hennig. Mit 46
Abbild=
ungen im Text.
— Wie ſeit vielen Jahren ſchon, ſo läßt der Verband
Deutſcher Bankbeamten auch für 1912 ſein
Taſchen=
buch für Bankbeamte erſcheinen. Der Inhalt iſt
weſentlich erweitert und zerfällt in einen Vereinsteil und
ein ſogenanntes Hilfsbuch für Bureau und Börſe. In
dieſem befinden ſich Aufſätze aus dem Effekten= und
Börſenweſen, aus dem Wechſel= und Scheckverkehr, über
die Conto=Corrent=Rechnung, über die
Anſtellungs=
bedingungen der Staatsbanken, über Umrechnungen
fremder Werte uſw. Im Vereinsteil werden die 85
Zweigvereine mit ihren Vorſtänden, ſowie die
Orts=
gruppen aufgeführt, deren Zahl weit über 100 beträgt.
Das Taſchenbuch und die „Schrift” ſind auch für
Nicht=
mitglieder durch die Geſchäftsſtelle, Berlin,
Mittel=
ſtraße 39, zu mäßigem Preiſe erhältlich.
— Die Reichstagswahlkarte der
Leip=
ziger Illuſtrierten Zeitung bildet eine
über=
ſichtliche geographiſche Darſtellung des Endergebniſſes
der diesjährigen Reichstagswahlen. Die einer jeden
Partei zugefallenen Kreiſe ſind in einer beſonderen Farbe
wiedergegeben, wodurch ein außerordentlich
intereſſan=
tes Bild der Verteilung der einzelnen Parteien über
das Reich geboten wird. Weitere ſtatiſtiſche Angaben,
ſowie ein Verzeichnis ſämtlicher Reichstagsabgeordneten
nebſt Angabe ihres Berufes, ihres Wohnſitzes und ihres
Wahlkreiſes ergänzen die intereſſante
Reichstagswahl=
karte der Leipziger Illuſtrierten Zeitung, die, in
be=
ſonderem Umſchlage, in jeder Buchhandlung zu dem ſehr
niedrig bemeſſenen Preiſe von 30 Pfg. erhältlich iſt.
— Gotthelf=Ausgabe. Seit langen Jahren
erwartet die gebildete Welt eine Geſamtausgabe der
Werke des großen Volksſchriftſtellers Jeremias Gotthelf.
Nach mehreren früheren Verſuchen ſind nun endlich alle
günſtigen Vorbedingungen zuſammengetroffen, um eine
wirklich befriedigende, kritiſche Geſamtausgabe zu
ermög=
lichen. In Eugen Rentſchs Verlag in München iſt ſoeben
als 1. Erſcheinungsband der Roman „Geld und Geiſt”
oder „Die Verſöhnung” herausgekommen, wohl das
künſtleriſch höchſtſtehende und poetiſch zarteſte Werk
Gott=
helfs. Ueber die Bedeutung Gotthelfs in der Geſchichte
unſerer Literatur herrſcht heute übereinſtimmend die
An=
ſicht, daß ſeine großen Bauernromane und ſeine reizvollen
Erzählungen das Beſte vorausnehmen, was die auf
Bo=
denſtändigkeit und Erdgeruch ausgehende realiſtiſche Hei=
matkunſt ſeither hervorgebracht hat. Unberührt von den
zeitgenöſſiſchen Strömungen der Literatur hat der
welt=
abgeſchiedene Berner Landpfarrer eine unendliche Fülle
poetiſcher Werke geſchaffen, die ſich in ihrem verblüffenden
Realismus nur mit denen Balzacs und Doſtojewskis
ver=
gleichen laſſen. Gerade der hier vorliegende Roman
„Geld und Geiſt” zeigt uns Gotthelf als den
unübertreff=
lichen Meiſter feinſter pſychologiſcher Vertiefung und
treff=
ſicherer Darſtellungsgabe, zeigt uns ſeine intuitive
Er=
kenntnis aller Kulturerſcheinungen ſeines Landes und
ſeiner Zeit. Der Preis des Bandes (die Ausſtattung iſt
von Emil Preetorius), der durch jede Buchhandlung zu
beziehen iſt, beträgt bei Subſkription auf die ganze
Aus=
gabe broſchiert 3,50 Mark, in feines Leinen gebunden 4,50
Mark. Die Bände werden indeſſen auch einzeln abgegeben.
— Du mein Vaterland! Eine Sammlung
na=
tionaler Dichtung von Friedrich dem Großen bis auf
un=
ſere Tage. Von Albert Sergel. Mit zahlreichen
Text=
illuſtrationen und Dreifarbdruckvollbildern von Profeſſor!
Anton Hoffmann=München. Reutlingen, Enßlin und
Laiblin. 480 Seiten. In kräftigem Ganzleinenband 3,85
Mark. Es iſt kein öder Hurraaptriotismus, der in dem
Buche das Wort hat, ſondern der berechtigte Stolz auf
das unter blutigen Opfern Erworbene und eine tiefe Liebe
zum Vaterland, der allein, fern von jeder parteipolitiſchen
Tendenz, es dienen will. Ein ſolches Buch war nötig in
unſerer zwieſpältigen und zerriſſenen Zeit; nun ſollte
es=
in keinem deutſchen Hauſe fehlen. Die Ausſtattung des
Buches iſt muſtergültig, ſodaß man ſich über den billigen
Preis des ſtattlichen Bandes nur wundern muß. Wir;
empfehlen deshalb das Buch in jeder Hinſicht aufs beſte.;
— Gedanken über eine neue
Wehrver=
faſſung. Von Generalmajor v. d. Lippe. Preis‟
2 Mark. Verlag von Otto Salle in Berlin W. 57. Der
Verfaſſer erſtrebt durch die bis in die äußerſten
Konſe=
juenzen durchgeführten allgemeinen Dienſtpflicht ein
wahres Volk in Waffen zu ſchaffen und die deutſche
Wehr=
kraft auf die denkbar größte Entwickelung zu bringen. Diel
Schrift iſt aus großer Vaterlandsliebe heraus entſtanden;
ſie bietet eine Fülle fruchtbarer Gedanken, die ein Jeder
mit Genuß verfolgen wird und die, ausgeführt, uns eine
noch größere Schlagfertigkeit des Heers bringen ſoll.
— Bund für Schulreform. Arbeiten I: For=1
ſchung und Unterricht in der Jugendkunde. Erſter Teil:
Syſtematiſche Ueberſicht über die beſtehenden
Veranſtal=
tungen. Verlag von B. G. Teubner, Leipzig und Berlin.
Preis 1.20 Mk. In Verfolgung der Aufgabe, ein
Sam=
melpunkt zu werden für alle poſitive Arbeit, für die
Wei=
terentwickelung unſeres Erziehungs= und
Unterrichts=
weſens, veröffentlicht der Bund für Schulreform als
rſtes Heft ſeiner „Arbeiten” die vorliegende Ueberſicht.
Sie hat den Zweck, über alle auf dem Gebiet der
Jugend=
unde, der Forſchung und des Unterrichts vorhandenen
Veranſtaltungen eine zuverläſſige kurze Auskunft zu
geben.
— Mit den Reformerlaſſen des
preußi=
ſchen Kultusminiſteriums aus der jüngſten Zeit
beſchäftigt ſich in dem erſten Heft des neuen Jahrganges
es Säemanns (Monatsſchrift für Jugendbildung
und Jugendkunde, Leipzig, B. G. Teubner) Direktor
Neuendorff. Das Verſtändnis in den Kreiſen der
Eltern und auf ſeiten des Hauſes zu fördern, ſtellt ſich der
„Säemann”, von dem der Verlag Probehefte gerne zur
Verfügung ſtellt, zur beſſeren Aufgabe, und er wird dabei
gewiß auf das Intereſſe aller Lehrer und Laien rechnen
können, denen die geſunde Weiterentwickelung unſeres
Bildungs= und Erziehungsweſens am Herzen liegt.
— Freimark, Moderne Theoſophen. (
Ver=
lag von Wilhelm Heims in Leipzig.) Der durch ſeine
kritiſchen Studien über die Probleme der Theoſophie und
es Okkultismus in weiten Kreiſen gut bekannte
Ver=
faſſer nimmt in der vorliegenden Schrift Stellung zu den
modernen theoſophiſchen Strömungen. Als
ausgezeich=
teter Kenner pſychiſcher Vorgänge und Erſcheinungen iſt
er weit entfernt, den Grundgedanken der wahren
Theo=
ſophie zu verwerfen. Wohl aber wendet er ſich energiſch
gegen die Verfälſchungen dieſes Grundgedankens, die die
modernen egoiſtiſchen theoſophiſchen Syſteme darſtellen.
Graf Aehrenthal F.
* Wien, 17. Febr. Der Miniſter’ des Aeußern
Graf von Aehrenthal iſt heute abend 9 Uhr 45 Min.
geſtorben. An dem Sterbelager anweſend waren die
beiden Brüder, mehrere Verwandte, ferner die
Sektions=
chefs des Miniſteriums des Aeußern, und andere Herren
des Miniſteriums.
Als die Aerzte feſtſtellten, daß das Leben Aehrenthals
nur noch nach Stunden zähle, entſchloß ſich Kaiſer Franz
Joſef zur ſchleunigen Annahme des ihm ſeit Monaten
vorliegenden Abſchiedsgeſuches, damit die Ernennung
des Nachfolgers möglichſt noch vor dem Eintritt des
Endes veröffentlicht werden konnte. Dafür war es nun
freilich zu ſpät, wohl aber konnte Graf Aehrenthal das
kaiſerliche Handſchreiben noch ſelber leſen. Der Kaiſer
ſpricht ihm für treue Mitarbeit wärmſten Dank aus und
verleiht ihm die Brillanten zum Großkreuz des
Stephans=
ordens. Auf Vorſchlag Aehrenthals wurde Graf Leopold
von Berchtold zum Miniſter des Aeußern ernannt.
Alois Lexa v. Aehrenthal war am 27. Sept.
1854 in Großſkal in Böhmen geboren, iſt alſo nur 57
Jahre alt geworden. Er ſtudierre in Bonn und Prag
und trat 1877 in den diplomatiſchen Dienſt. Er war
zu=
erſt Attaché in Paris und Petersburg, dann arbeitete
er im Miniſterium des Auswärtigen, um 1888 als
Bot=
ſchaftsrat nach Petersburg zu gehen. Dort blieb er bis
1894, wo er wieder auf ein Jahr ins Miniſterium des
Auswärtigen zurückkehrte. Von 1895—1899 war er dann
Geſandter in Bukareſt, von da ab bis zum Herbſt 1906
Bot=
ſchafter in Konſtantinopel. Als Goluchowski zurücktrat,
wurde Aehrenthal Miniſter des Auswärtigen.
Der neue Miniſter des Aeußern, Graf Leopold
Berchtold iſt geboren am 18. April 1863. Er war
1895 Sekretär bei der Pariſer Botſchaft, 1899
Legations=
rat in London und 1903 in Petersburg. 1906 wurde er
als Nachfolger Aehrenthals Botſchafter in Petersburg.
Er war aus dem diplomatiſchen Dienſt ſchon ausgetreten,
im ſich der Bewirtſchaftung ſeiner großen Güter zu
widmen. Seine Ernennung bedeutet, daß die Richtlinien
der auswärtigen Politik unverändert bleiben. Graf
Berchtold iſt ſtets Vertrauensmann des Grafen
Aehren=
thal geweſen, der ihn ſelbſt zu ſeinem Nachfolger
vorge=
ſchlagen hat.
Der neuernannte Miniſter des Aeußern, Graf
Berch=
told, wird Montag vom Kaiſer beeidigt.
Wien, 18. Febr. Der deutſche Botſchafter
und Gemahlin begaben ſich heute vormittag in das
Miniſterium des Aeußern, um der Gräfin Aehrenthal
ihr Beileid auszudrücken. Die übrigen Heren und
Damen der Botſchaft ſchrieben ſich im Laufe des Tages
ein die Kondolenzbogen ein.
Peſt, 18. Febr. Die Blätter feiern in ehrenden
Nachrufen die Verdienſte des Grafen Aehrenthal
um die Hebung des Anſehens der Monarchie und
be=
merken, daß Graf Berchtold auf den Rat
Aehren=
thals ernannt worden ſei, da er am meiſten berufen ſei,
die Politik Aehrenthals fortzuſetzen.
* Rom, 18. Febr. Miniſterpräſident Giolitti
hat den italieniſchen Botſchafter in Wien telegraphiſch
igebeten, der öſterreichiſchen Regierung und der Familie
Aehrenthals ſein lebhaftes Beileid zu
dem vorzeitigen Tode Aehrenthals, des
auf=
richtigen, treuen Freundes der italieniſchen Nation,
zu übermitteln. Der Miniſter des Aeußern richtete
an den Sektionschef im Miniſterium des Außern,
Freiherrn Müller von Szentgyoergy, ein
Tele=
gramm, in dem er bittet, der Familie Aehrenthals
tund allen Beteiligten ſein lebhaftes Mitgefühl
aus=
zuſprechen, das von der Regierung und der ganzen
italieniſchen Nation geteilt werde. Er drückt die
(Erwartung aus, daß die von Tag zu Tag herzlicheren
und innigeren Beziehungen zwiſchen den beiden
befreun=
deten und verbündeten Ländern ſich weiter befeſtigen
werden und daß das Andenken Aehrenthals, der an
die=
ſer edlen Aufgabe einen ſo großen Anteil gehabt, ſtets
Verehrung genießen werde.
Die Revolution in China.
* Peking, 16. Febr. Die Republikaner in
Nanking telegraphierten an Juanſchikai, er nehme nach
George Waſhington den zweiten Rang ein, der allein
außer ihm einſtimmig zum Präſidenten einer Republik
ge=
wählt worden ſei. — Liyuenheng drängt, Wutſchang zur
Hauptſtadt der Republik zu machen. Der Vorſchlag iſt
ge=
eignet, bei den Republikanern des Südens Uneinigkeit
her=
vorzurufen. — Zahlreiche Städte feiern die Errichtung der
Republik, darunter Tientſin, aber nicht Peking.
* Mukden, 16. Febr. General Tang traf als
Abgeſandter Juanſchikais mit dem Auftrage, die
öffentliche Meinung zugunſten der Republik umzuſtimmen,
hier ein. Unter dem Vorſitz Tſchaoerhſuens fand eine
Be=
ratung der höchſten Beamten ſtatt, um zur Abdankungsakte
des Kaiſers Stellung zu nehmen. Tſchaoerhſuens wies
darauf hin, daß diejenigen, die die neue Republik nicht
an=
erkennen und ihr nicht dienen wollten, ſeinem Beiſpiele
folgen und von ihrem Amte zurücktreten müßten. Die
Er=
nennung Tſchanghſiliangs zum neuen Generalgouverneur
der Mandſchurei als Nachfolger Tſchaoerhſuens findet in
geſellſchaftlichen Kreiſen Mukdens wenig Beifall.
Darmſtadt, 19. Februar.
* Das Großherzogspaar ſtattete Sonntag
nach=
mittag mit Gefolge der Duncan=Schule an der
Marien=
höhe einen Beſuch ab und verweilte daſelbſt bis nach
7 Uhr abends.
* Infolge plötzlich entſtandener techniſcher
Schwierigkeiten mußte eine Anzahl Berichte, Letzte
Nachrichten uſw. zurückgeſtellt werden.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 17. Febr. Anläßlich des 70.
Geburts=
tages des Präſidenten und Aelteſten der
Kaufmann=
ſchaft von Berlin, Kaempf, veranſtaltete das
Aelteſten=
kollegium mit der Finanzkommiſſion der Korporation
der Kaufmannſchaft unter ſtarker Beteiligung der
Han=
dels= und Börſenkreiſe eine Handels= und
Feſt=
ſitzung. Stadtälteſter Weigert, erſter Vizpräſident
des Aelteſtenkollegiums, begrüßte den Jubilar mit
herzlichen Worten, in denen er die Verdienſte
Kaempfs um die Hebung des Kaufmannſtandes
und der Börſe und um den Ausbau der Handelspolitik
hervorhob und als Feſtgabe einen Band, der eine
Aus=
wahl von Kämpfs Reden und veröffentlichten Aufſätzen
enthielt, überreichte. Die Aelteſten und die
Finanzkom=
miſſion beſchloſſen, zwecks Erweiterung des Aſylhauſes der
Friedrich Wilhem Viktoria=Stiftung die Errichtung eines
Neubaues unter der Bezeichnung „Haus Joh. Kämpf”.
An=
ſprachen hielten ferner Kommerzienrat Moſer, Vorſitzender
der Finanzkommiſſion, Profeſſor Bins, Rektor der
Han=
delshochſchule, Profeſſor Apt, Syndikus der Korporationen,
Geheimrat Seefeld, Vorſitzender der Prüfungskommiſſion.
Kämpf dankte in einer Anſprache, in der er Erinnerungen
ſeiner Jugend humorvoll einflechtend betonte, er habe
von jedem Einzelnen und von der Geſamtheit gelernt.
Berlin, 17. Febr. Zeitungsnachrichten zufoige ſoll
Deutſchland auf der Weltausſtellung in Gent
1913 einen größeren Platz belegt haben, um eine
geſchloſ=
ſene, von der Sympathie maßgebender Perſönlichkeiten
der deutſchen Induſtrie getragene deutſche Abteilung zu
organiſieren. Demgegenüber iſt darauf hinzuweiſen, daß
die deutſchen gewerblichen Kreiſe durch ihre zur
Vertre=
tung der deutſchen Induſtrie für das Ausſtellungsweſen
berufene Organiſation, die ſtändige
Ausſtellungskommiſ=
ſion für die deutſche Induſtrie, im Einvernehmen mit
der Reichsverwaltung einmütig beſchloſſen hat, ſich der
Beteiligung in Gent in Form einer geſchloſſenen
Abtei=
lung zu enthalten.
* Hamburg, 17. Febr. Infolge dichten Nebels
iſt die Schiffahrt vollſtändig ins Stocken geraten. Seit
geſtern abend 11 Uhr ſind nur zwei Dampfer im
Hafen angekommen. Die ausgehenden Dampfer mußten
bei Blankeneſe vor Anker gehen, um klares Wetter
ab=
zuwarten.
Altona, 18. Febr. Der Everführer Schultz feuerte
geſtern nachmittag auf ſeine Braut einen Schuß ab,
durch den ſie leicht verletzt wurd, und tötete ſich dann
ſelbſt, weil die Eltern der Braut die Heirat nicht zugaben.
Trieſt, 18. Febr. Die Nachricht, das Schiff des
öſterreichiſchen Lloyds „Maria Thereſia” ſei bei
Marſeille mit der ganzen Bemannung geſcheitert,
beruht auf einem Irrtum. Das Schiff gleichen Namens,
das bei Marſeille havarierte, war ein Segelſchiff. Der
dem öſterreichiſchen Lloyd gehörige Dampfer „Maria
Thereſia” befand ſich zu der betreffenden Zeit auf der
Fahrt von Beirut nach Port Said.
* Paris, 17. Febr. Die Ernennung der
fran=
zöſiſch=ſpaniſchen Kommiſſion zur Prüfung
der Frage der Zoll= und Schuldenverwaltung in der
ſpaniſchen Zone ſteht unmittelbar bevor.
Miniſterpräſi=
dent Poincaré hat den Finanzminiſter Klotz bereits
er=
ſucht, die Vertreter Frankreichs für dieſe Kommiſſion
namhaft zu machen, welche in Madrid zuſammentreten
wird. Der hier weilende marokkaniſche Großweſir El
Mokri reiſt demnächſt nach Fez ab, wo er gleichzeitig mit
dem Geſandten Regnault eintreffen dürfte, mit welchem
er über die Errichtung des franzöſiſchen Protektorats über
Marokko verhandeln wird.
Paris, 1. Febr. Der
Vergarbeiterkongreß=
in Angers, der heute früh beendet wurde, ſprach ſich
nach einer faſt achtzehnſtündigen ſtürmiſchen Beratung
endgültig mit erdrückender Mehrheit gegen den
An=
trag aus, den Geſamtausſtand am 1. März zu
verkünden. Dafür ſtimmten auch nur die revolutionaren
Schieferbrucharbeiter. Zum Schluß wurde der
National=
ausſchuß des Bergarbeiterverbandes beauftragt, im
ge=
eigneten Augenblick alle den Entſchlüſſen des Kongreſſes
entſprechenden Maßnahmen zu treffen, um die der
Regierung mitgeteilten Forderungen der Bergarbeiter
durchzuſetzen, falls dieſelben vom Parlament „innerhalb
einer vernünftigen Friſt” nicht bewilligt werden ſollten.
* London, 18. Febr. Nach einer Lloydmeldung aus
Southſhields iſt der engliſche Terpedobootszerſtörer
„Viscen” in der Nacht vom 16. Februar beim
An=
laufen mit einem Fährboot zuſammengeſtoßen,
wobei er erhebliche Beſchädigungen am Bug und
Heck erlitt.
* Chriſtiania, 17. Febr. Der Präſident des
Stor=
thing, Bratile, teilte dem König mit, er werde
ver=
ſuchen, das Miniſterium zu bilden.
* Petersburg, 17. Febr. Der König von
Monte=
negro iſt heute vormittag abgereiſt. Großfürſt Nikolai
Nikolajewitſch und andere Großfürſten geleiteten ihn zum
Nezept für deu Teint. Eine Leſerin, die im Herbſt
und Winter früherer Jahre viel unter aufgeſprungenen
Händen, Geſichtsröte und ſpröder, unreiner Haut zu
leiden hatte, gibt in Nachſtehendem für Intereſſenten
das Rezept zu einer einfachen Miſchung bekannt, die ſie
für viel beſſer hält als alles, was ſie bisher probiert.
Zudem verleihe dieſes Mittel einen friſchen,
ſammet=
artigen, jugendlichen Teint, ſelbſt wenn die Haut durch
den Gebrauch von arſenik= oder wismuthaltigen Mitteln
lahmgelegt und lederartig geworden ſei. Das Rezept
— nach dem jeder Apotheker oder Drogiſt die Miſchung
zuſammenſtellen kann — iſt folgendes: 60 g
Rosen-
wasser, 60 g Fleurs d’Oxzoin, 3,5 g Benzoétinktur.
Dieſe Flüſſigkeit iſt morgens und abends mit der Hand
oder mit einem weichen Läppchen oder Schwämmchen
aufzutragen. Vor dem Gebrauch immer tüchtig ſchütteln.
Um ein beſonders vollkommenes Reſultat zu erzielen,
bade man vor dem Gebrauch die Hände und das Geſicht
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Monatsverſammlung des Geflügel=Zuchtvereins
„Ornis” um 8½ Uhr in der „Stadt Pfungſtadt”.
Rheiniſcher Karneval um 7½ Uhr im Hotel „Zur
Traube‟.
Karnevaliſtiſche Konzerte ꝛc.: Café Ernſt Ludwig.
— Hotel Heß um 8 Uhr. — Schloß=Café. — Kölniſcher
Hof um 6 Uhr. — Reſtaurant „Zur Oper”. — Reſtaurant
„Zum Landgrafen”. — Reſtaurant Schmitz, Luiſenſtr.
Ausſtellung von Porträtphotographien
Wil=
helminenſtraße 27 (geöffnet von 10—1 u. 3—7 Uhr).
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Rhein=
u. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½—11 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 4—11 Uhr.
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Bilder vom Tage. (Auslage Rheinſtraße 23): Das
zweite Präſidium des Reichstages; Freiherr von
Hert=
ling, der neue bayeriſche Miniſterpräſident; die
Schaf=
fermahlzeit im Hauſe „Seefahrt” in Bremen; Tote der
Woche.
Bahnhof. In Zarskoſe Sſeio trat der Kaſer an den
Wagen des Königs und verabſchiedete ſich ſehr
freund=
ſchaftlich.
— Bukareſt, 28. Febr. Infolge eines Defektes der
elektriſchen Leitung brach geſtern in einem
Kinemato=
graphen=Theater während der Vorſtellung Feuer
aus, das raſch um ſich griff und bald den ganzen
Zu=
ſchauerraum in Flammen hüllte. Im Publikum entſtand
eine furchtbare Panik. Viele Kinder wurden im Gedränge
ſchrecklich zugerichtet. Drei wurden buchſtäblich zertreten.
Eine Lehrersfrau, deren einziges Töchterchen umgekommen
iſt, wurde wahnſinnig, der Beſitzer des Theater erſchoß ſich.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.
Statt Karten.
Diplomingenieur Hans T. Raab
u. Frau Beate, geb. Rautenbusch,
zeigen hocherfreut
die Geburt einer Tochter=an.
Georgmarienhütte bei Osnabrück,
16. Februar 1912.
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Freunden und Bekannten die ſchmerzliche
Nachricht, daß unſere liebe Mutter,
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mutter, Großmutter, Schweſter und Tante
Frau
Dorothea Poth Wwe.
geb. Göckel
im Alter von 61 Jahren heute morgen 6¼ Uhr
nach langem, ſchwerem, in Geduld getragenem
Leiden ſanft verſchieden iſt.
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Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Kätha Poth nebſt Tochter,
Familie Fries,
Familie Göttmann.
Darmſtadt, den 17. Februar 1912.
Die Beerdigung findet Montag nachmittag
2 Uhr, von der Friedhofskapelle aus, ſtatt.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer unvergeßlichen
Frau
Marie Ober Wwe.
ſagen wir Allen unſeren aufrichtigen Dank.
Darmſtadt, 18. Februar 1912. (4234
Die trauernden Hinterbliebenen.
Danksagung.
Für die überaus zahlreichen herzlichen Beweise aufrichtiger Teilnahme
bei dem Heimgange unseres unvergesslichen teuren Entschlafenen, des
Grossh. Arresthausverwalters i. P. und Oberleutnants a. D.
Dihtr wvarter
sagen wir allen lieben Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere
auch den Herren aus seinem früheren Wirkungskreise, sowie dem Kriegerverein
unseren aufrichtigen, tiefgefühltesten Dank.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Elisabeth Walter, geb. Strack,
Fritz Walter.
Darmstadt, den 16. Februar 1912.
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Dampfer „Kgiſerin Auguſte
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tags von New=York nach Italien
und Aegypten.
Dampfer „Pennſylvania”, nach
New=York, 14. Februar 9 Uhr
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Dampfer „Piſa”, nach Philadelphia,
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nachmittags Dover paſſiert.
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K 23 an die Exped. (*3976oi
Kurſe vom 17. Februar 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
Lf. Staatspapiere. Pro=
4 Tſche.Reichsſchazanw. 100,10
3½ Deutſche Reichsanl.. 91,00
do.
82,20
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,10
3½ do. Conſols . . . . 91,00
82,00
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,50
do.
93,20
3½
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. .101,40
do.
90,00
do.
79,80
4 Hamburger Staatsanl. 100,70
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 100,40
do. do. (unk. 1918) 100,40
do.
89,60
do.
79,00
3 Sächſiſche Rente . . . 81,80
4 Württembergerv. 1907 100,60
de,
3½
95,00
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
2½, Griechen v. 1887 . . 52,80
3½ Italiener Rente . .
4½ Oeſterr. Silberrente . 93,90
4 do. Goldrente . . 96,80
4 d. einheitl Rente 90.50
3 Portng. unf. Serie I 65,25
3 do. umf. Ser. III 67,80
3 do.
Spezial. 10,30
HRumänier v. 1905 . . 101,40
do. v. 1890. . 95,10
do.=N. v. 1905. . 92,30
4 Ruſſen v. 1880. . . . 92,20
4 Ruſſen v. 1902. . . . 91,20
4½ do. v. 1905 . . . . 100,50
3½ Schweden. . . .
4 Serbieramort. v. 1895 87,00
4 Türk. Admin. v. 1903 84,70
4 do. uniſiz. v. 1903 92,10
4 Ungar. Goldrente . . 92,10
4 do. Staatsrente . 90,40
5 Argentinier . . . . . . 101,30
88,90
de.
4½ Chile Gold=Anleihe . 92,40
5 Chineſ. Staatsanleihe 100,20
95,70
do.
4½
95,80
4½ Japaner
5 Innere Merikaner . . 97,50
61,00
do.
4 Gold=Mexikan. v. 1904 90,50
5 Gold=Merikaner . . . 100,50
Aktien inländiſcher
Transvortanſtalten.
8 Hamb.=Amerila=Palet=
142,50
fahrt
3 Nordd. Lloyd
.105,75
6 Südd. Eiſenb.=Geſ.: . 124,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb 69½)
Einz. Mk. 403 113,75
6 Baltimore & Ohio. . 105,50
Gotthardbahn .
InBrn,
6½Oeſt.=Ungar. Staatsb. 154,50
0 Deſ. Schbhn.(Lond) 1850
6 Pennſolvania N. N. 120,00
Induſtrie=Aktien.
9 Mainz. Aktienbrauerei 200,00
3 Werger=Brauerei . . 73,00
25 Bab. Anil.=u. Sodafbr. 499,80
14 Fabrik Griesheim . . 254,00
27 Farbwerk Höchſt . . . 554,25
20 Verein chem. Fabriken
340,00
Mannheim
.125,60
5 Lahmeyer . .
163,00
7 Schuckert
12 Siemens & Halske. . 240,20
30 Adlerfahrradw. Kleyer 465,00
12 Bochumer Bb. u. Guß 228,00
.204,75
17 Gelſenkirchen ..
198,50
7 Harpener :
15 Phönir, Bergb. u. Hit=
. 257,75
tenbetrieb .
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . 89,60
4 Pfälzer Prt. . . . . . 100,40
do.
91,80
3½
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. .
do. ſtenerfrei. 9610
5 Oeſterr. Staatsbahn.
do.
95,20
do. alte
5 Oeſterr. Südbahn . . 99,80
d,
80,60
55,30
do.
Raab=Oedenburger . . 77,50
89,00
4 Ruſſ. Südweſt. . . .
Kronpr. Rudolfbahn .. 95,60
Ir 1.
71,40
„Livorneſer. . . . .
4 Miſſouri=Paeiſie . . . 74,00
Bagdadbahn M. 405 54,50
Anatoliſche Eiſenb. . 97,50
5 Tehuanteper . . . . . 100,30
Bank=Aktien.
9 Berliner Handelsgeſ. 173,00
6½ Darmſtädter Bank. . 126,25
12½ Deutſche Bank . . . 264,75
6 Deutſche Vereinsb. 125,40
10 Diskonto=Geſellſchaft 191,40
158,70
3½,Ddreidner Dankt
6½ Mitteldeut. Kreditbk. 121,90
7 Nationalbk. f. Deutſchl. 126,80
.130,25
6½ Pfälzer Bank .
140,50
6,45 Reichsbank . .
7 Rhein. Kredit=Bank. 135,50
7½Wiener Bank=Verein 131,00
Pfandbriefe.
4 Frankſt. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 99,20
do. S. 19. . . . . 30,00
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 15—19, 21—26 98.50
4 Hamb. =Hypoth.=Bank 100,00
do.
89,75
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=B. 101,30
90,30
do.
3½
4 Meining. Hyp.=Bank 100,20
89,50
3½g
de.
4 Rhein. Hppoth.=Bank
(unk. 1917) 99,10
3,½
do. (unk. 1914) 89,30
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,60
3½ do. =
20,60
enpih.
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt . ac=.
3½ do.
4a . 47a. 100,90
3½ da.
95,90
4 Giebm
3½ 29.
3½
89,60
2.
Ce 100,50
90,10
5
4
100,00
3½
99,60
3½ d8.
89,60
4 Mſtuchen
§ 100, 10
3½ Nauheim
90,00
4 Nürnberg .
99,90
3½ do.
90,80
4 Offenbac
3½ da.
-
4 Wiesbade
100.00
3½ do.
90,50
4 Worms . .
2
3½ do.
-
4 Liſſabenss u. 1885. ₰ 80,50
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100
3½ Eöln=Mindner „ 100 136,20
Donau=Reg. fl. 100 —
3 Holl. Kamm. „ 100 106,25
In Bes,
3 Madrider Fs. 100 78,50
4 Meining. Pr.=Pfand=
137,70
briefe. . . . . .
Oeſterr. 1860er Loſe 180,50
3 Oldenburger .
125,50
2½ Raak=Grazer fl. 156 114,50
Unverzinsliche
Anlebensloſe.
Augsburger
ſl.
Braunſchweiger Tlr. 20 202,00
Freiburges
Fs. 15 —
Mailändes
Fs. 45 —
da.
Fs. 10 —
ſ. 7
Meininges
Oeſterreichsà 1864 ₰ 100 527,00
do. à 1858 ₰ 100 453,00
Ungar. 100 370,40
Benehigss Frs. 30 —
Tärkiſch=
„ 400 170,20
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Geporeigns .
20,47
20 Ze=Stücke
16,25
Deſtrrr. 20=Kronen. .
16,90
Amerikaniſche Roten .
4,19
Engliſche Noten .
20,48
Franxbſiſche Noten .
81,15
Hallandiſche Roten . . . . 169,55
Italieniſche Roten .
80,75
Oeſterr.=Angariſche Roten 84,95
Ruſſiſche Nocn.
.216,00
Schweiger Noten . . . . . 81,05
Reichshaul=Diskonto . . . 5%
Rel
Semhard Zük 62n.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde. In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Pinſcher, 1 Dachshund. 2 Dobermann (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier
ausgelöſt werden. Die Verſteigerung, der nicht ausgelöſten Hunde
findet dortſelbſt jeden Werktag vormittags um 10 Uhr, ſtatt. (4230
Bekanntmachung.
Nachſtehende Polizeiverordnung bringen wir erneut zur Kenntnis
der Beteiligten.
Darmſtadt, den 15. Februar 1912.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
Polizeiverordnung
betreffend die Ausführung der Kaiſerlichen Verordnung vom 9. Juli
1900, hier: Anzeigepflicht der Motore.
Auf Grund des Artikels 78 der Kreis= und Provinzialordnung
vom 12. Juni 1874 wird mit Zuſtimmung des Kreisausſchuſſes und
mit Genehmigung Großh. Miniſterium des Innern vom 29. Oktober
1901 zu Nr. M. d. J. III. 5947 für den Kreis Darmſtadt verordnet,
was folgt:
§ 1. Jeder Gewerbetreibende, in deſſen Werkſtätte ein durch
elementare Kraft (Dampf, Wind, Waſſer, Gas, Luft, Elekrizität uſw.)
bewegtes Triebwerk in gleichviel welchem Umfange zur Verwendung
kommt, hat die erfolgte Aufſtellung und Inbetriebnahme innerhalb
8 Tagen nach Beginn der letzteren der Ortspolizeibehörde anzuzeigen
§ 2. Jeder Gewerbetreibende, der zu Zeit des Inkrafttretens
dieſer Polizeiverordnung in ſeiner Werkſtätte einen Motor der in
§ 1 bezeichneten Art benutzt, hat dies bis zum 15. Januar 1902 der
Ortspolizeibehörde anzuzeigen.
§ 3. Zuwiderhandlungen gegen die Vorſchriften in den §§ 1
und 2 werden mit Geldſtrafen bis 30 Mark beſtraft.
§ 4. Dieſe Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung
im Kreisblatte in Kraft.
(4233od
Darmſtadt, den 10. Dezember 1901.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Grancy.
Bekanntmachung.
Die Dauer des Geſindedienſtverhältniſſes betreffend.
Nach den Beſtimmungen der Artikel 6 und 7 des Geſetzes, die
Geſindeordnung betreffend, vom 28. April 1877 in der Faſſung vom
3. Auguſt 1899 und des Ortsſtatuts für die Stadt Darmſtadt, vom
12. Februar 1900, gelten ſämtliche Dienſtbotenverträge, für welche
nicht ausdrücklich eine beſtimmte Dienſtdauer vereinbart oder aus
den Umſtänden zweifellos zu entnehmen iſt, als auf die Dauer eines
Kalendervierteljahres abgeſchloſſen.
Wird ein ſolcher Dienſtvertrag nicht vier Wochen vor dem
Ablauf des Kalendervierteljahres aufgekündigt, ſo iſt er
ſtill=
ſchweigend auf ein weiteres Kalendervierteljahr als erneut
anzuſehen.
Es ergibt ſich hieraus, daß in der Stadt Darmſtadt
Dienſt=
botenverträge nur auf den 1. Januar, 1. April, 1. Juli und
1. Oktober aufgekündigt werden können, und daß die Kündigung
ſpäteſtens vier Wochen vor dem jeweiligen Termin erfolgt ſein
muß, es ſei denn, daß ausdrücklich etwas anderes zwiſchen den
Parteien vereinbart oder mit Sicherheit aus den obwaltenden
Umſtänden zu entnehmen iſt.
Dies gilt auch dann, wenn der Lohn nach Monaten
be=
meſſen iſt, da der von monatlicher Lohnzahlung handelnde Abſ. 4
des Art. 6 der Geſindeordnung mit den übrigen Beſtimmungen des
Artikel 6 durch das erwähnte Ortsſtatut außer Kraft geſetzt iſt.
Ebenſo macht es keinen Unterſchied, ob ein Dienſtverhältnis
am Anfang oder erſt im Laufe eines Kalendervierteljahres
ein=
gegangen worden iſt, da ein im Laufe des Kalendervierteljahres
eingegangenes Dienſtverhältnis zunächſt bis zum Ende des
Kalender=
vierteljahres und dann in der oben bezeichneten Weiſe von
Viertel=
jahr zu Vierteljahr weiterläuft.
Das Kalendervierteljahr beginnt mit dem erſten Werktag eines
Vierteljahres und endigt mit dem Beginn des folgenden
Kalender=
vierteljahres (Ortsſtatut vom 12. Februar 1900, Abſatz 2).
Darmſtadt, den 15. Februar 1912.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
(4232oc
Bekanntmachung.
Betreffend: den Verkehr mit Kraftfahrzeugen.
Nach bei uns eingelaufenen Beſchwerden wird häufig in den
Straßen der Stadt mit Kraftfahrzeugen (Kraftwagen und
Kraft=
rädern) zu ſchnell gefahren. Wir ſehen uns daher veranlaßt, auf die
nachſtehenden Vorſchriften über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen
erneut hinzuweiſen:
Die Fahrgeſchwindigkeit iſt jederzeit ſo einzurichten, daß
Un=
fälle und Verkehrsſtörungen vermieden werden, und daß der Führer
in der Lage, bleibt unter allen Umſtänden ſeinen Verpflichtungen
Ge=
nüge zu leiſten.
Innerhalb geſchloſſener Ortsteile darf die
Fahrgeſchwin=
digkeit von 15 Kilometer in der Stunde nicht überſchritten
werden.
Auf unüberſichtlichen Wegen, insbeſondere nach Eintritt der
Dunkelheit oder bei ſtarkem Nebel, beim Einbiegen aus einer Straße
in die andere, bei Straßenkreuzungen, bei Straßeneinmündungen, bei
ſcharfen Straßenkrümmungen, bei der Ausfahrt aus Grundſtücken,
die an öffentlichen Wegen liegen, und bei der Einfahrt in ſolche
Grundſtücke, bei der Annäherung an Eiſenbahnübergänge in
Schienen=
höhe, ferner beim Paſſieren enger Brücken und Tore, ſowie ſchmaler
oder abſchüſſiger Wege, ſowie da, wo die Wirkſamkeit der Bremſen
durch die Schlüpfrigkeit des Weges in Frage geſtellt iſt, endlich überall
da, wo ein lebhafter Verkehr herrſcht, muß langſam und ſo
vor=
ſichtig gefahren werden, daß das Fahrzeug ſofort zum Halten
gebracht werden kann. (§18 der Verordnung über den Verkehr mit
Kraftfahrzeugen vom 3. Februar 1910.)
Wer den zur Erhaltung der Ordnung und Sicherheit auf den
öffentlichen Wegen oder Plätzen erlaſſenen polizeilichen Anordnungen
über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen zuwiderhandelt, wird mit
Geldſtrafe bis zu 150 Mark oder mit Haft beſtraft. (§ 21 des
Geſetzes über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 3. Mai 1909.)
(4231od
Darmſtadt, den 15. Februar 1912.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
Bekanntmachung.
Betreffend: Den Fahrverkehr auf dem Luiſenplatz.
Zur Aufrechterhaltung eines geordneten Fahrverkehrs in den
Straßen der Stadt weiſen wir darauf hin, daß nach der
Polizeiver=
ordnung vom 20. Februar 1904, betreffend den Verkehr von
Fuhr=
werken in der Haupt= und Reſidenzſtadt, alle Fahrzeuge, alſo
ins=
beſondere Wagen jeder Art, Automobile, Handkarren, Fahrräder uſw.
ſtets die rechte Seite der Fahrbahn einzuhalten haben. Nach der
anderen Seite der Fahrbahn darf nur, wenn dort angehalten werden
ſoll und nicht früher als notwendig, abgebogen werden.
Zuwider=
handlungen können mit Geldſtrafe bis zu 60 Mark oder mit Haft bis
zu 14 Tagen beſtraft werden.
Mit Rückſicht auf den ſtarken Verkehr auf dem Luiſenplatz
iſt die Schutzmannſchaft angewieſen worden, darauf zu wirken, daß
alle Fahrzeuge, die die Rheinſtraße herauf= oder herunterfahren
ſtets rechts am Ludwigsdenkmal vorbeifahren und auch hierbei
die rechte Seite der betreffenden Fahrbahn einhalten.
(4188so
Darmſtadt, den 15. Februar 1912.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes,
Ueberſicht
der Durchſchnittspreiſe von
folgen=
den Früchten und
Verbrauchsgegen=
ſtänden in der Zeit
vom 1. bis 15. Februar 1912:
per Sack à 100 Kilo
Weizen von Mk. 22.— bis 25.50
Korn
„ 19.50 „ 21.—
Gerſte
„ 17.75 „ 23.
Hafer
18.75 „ 22.−
Butter ½ Kilo Mk. 1.50
Butter in Partien Mk. 1.40
Eier per Stück 10 Pfg.
Eier in Partien per 25 Stück
Mk. 2.25
Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 10.—
Kartoffeln per 25 Kilo Mk. 3.—
Kornſtroh per 50 Kilo Mk. 4.50
Heu per 50 Kilo Mk. 5.50
Darmſtadt, 17. Februar 1912.
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.
Pflaſterſteine.
Die Lieferung von 10000 qm
Normalpflaſterſteinen aus
Weich=
baſalt, Baſaltlava, Melaphyr oder
ähnlichem Geſtein ſoll verdungen
werden.
Lieferungsbedingungen liegen
bei dem Tiefbauamt, Zimmer Nr. 7
während der Dienſtſtunden zur
Ein=
ſicht offen. Auch werden dort die
Angebotſcheine abgegeben.
Angebote ſind bis
Montag, 26. Februar I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle
einzu=
reichen.
(4160so
Darmſtadt, 16. Februar 1912.
Tiefbauamt.
Keller.
Bekanntmachung.
Die Reparatur im
Damen=
ſchwimmbad iſt ſoweit
fertigge=
ſtellt. Gleichzeitig machen wir
darauf aufmerkſam, daß die
Bade=
anſtalt Faſtnacht=Dienstag nur
bis mittags 12½ Uhr
geöff=
net iſt.
(4210
Städtiſche Hallenſchwimmbad=
Verwaltung.
Klein.
Bekanntmachung.
Die Bau= und
Kulturverände=
rungsverzeichniſſe liegen in
unſe=
rem Geſchäftszimmer 4 Wochen
zur Einſichtnahme offen. Es
wer=
den gleichzeitig diejenigen
Grund=
eigentümer in hieſiger Gemarkung,
welche Neubauten errichtet oder
Bauveränderungen haben eintreten
laſſen, unter Bezugnahme auf § 4
der Verordnung vom 8. Dezember
1852, wonach bei Unterlaſſung das
Strafverfahren eintritt,
aufgefor=
dert, die rückſtändigen Meßbriefe
innerhalb 3 Wochen an uns
einzuliefern.
(4239
Darmſtadt, 17. Februar 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz.
In dem Konkursverfahren
über das Vermögen des
Kauf=
nanns Chriſtian Lampe,
In=
haber der Firma Heinrich Jakob
Lampe, hier, wird zur Abnahme
der Schlußrechnung des
Verwal=
ters, zur Erhebung von
Einwen=
dungen und zur etwaigen
Be=
ſchlußfaſſung über die nicht
ver=
wertbaren Vermögensgegenſtände
der Schlußtermin beſtimmt auf:
Freitag, den 8. März 1912,
vormittags 11½ Uhr,
Zimmer Nr. 219.
Die Vergütung für den
Ver=
walter iſt auf 500 Mk., der Betrag
ſeiner baren Auslagen auf 20.15 Mk.
(4248
feſtgeſetzt.
Darmſtadt, 12. Februar 1912.
Großherzogliches Amtsgericht I.
Bekanntmachung.
(Stadtwald.)
Die heute abgehaltene
Nutzholz=
verſteigerung Nr. 11 iſt genehmigt.
Die Ueberweiſung des Holzes und
der erſte Abfuhrtag werden auf
Montag, den 26. I. M., feſtgeſetzt.
Darmſtadt, 16. Februar 1912.
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann. (4206
Mittwoch, 28. Februar ds. Js.,
vormittags 9 Uhr,
werden im Bahnhof Langen
1 Nußbaum,
1 Birnbaum,
5 Akazienbäume,
6 rm Brennholz,
meiſtbietend durch die
Bahn=
meiſterei 70 Langen öffentlich ver=
(J4228
ſteigert.
Großh. Heſſ. Eiſenbahn=
Betriebsamt Darmſtadt 3.
Forderungen an die ver=
Wer ſtorbene Frau J. Mainzer
Wwe., Darmſtadt, Taunusſtr. 4,
zu machen hat, wird hiermit
auf=
gefordert, ſolche bei dem
unter=
zeichneten Teſtamentsvollſtrecker,
innerhalb acht Tage, bei
Vermeid=
ung ſpäterer Nichtberückſichtigung,
(*4019
anzumelden.
Ferdinand Kahn, Trebur
(
1 Aushängeschaukast. ca. 1,20:0,85 m,
zu kaufen geſucht. Offerten mit
Preis u. K 29 an d. Exp. (*3983om
Vergebung eines Stipendiums an einen Studierenden.
Aus der Richard Günther=Stiftung iſt ein Stipendium von
250 Mark jährlich an einen Studierenden der Jurisprudenz oder der
Philologie durch die Stadtverordneten=Verſammlung vom nächſten
Sommerſemeſter an zu vergeben.
Bezugsberechtigt ſind nur Angehörige des Großherzogtums
Heſſen, die auf einer deutſchen Univerſität dem Studium einer der
genannten Wiſſenſchaften ſich widmen wollen oder bereits obliegen,
ſich über Fleiß und ſittliches Verhalten ausweiſen und die zu ihrem
Studium erforderlichen Mittel nicht in ausreichendem Maße beſitzen.
Nach den Teſtamentsbeſtimmungen iſt diesmal ein Studierender
der Jurisprudenz aus der Provinz Oberheſſen in erſter Linie zu
be=
rückſichtigen.
Die Verleihung erfolgt auf die Dauer der Studienzeit, jedoch
niemals auf längere Zeit als 4 Jahre. Sie findet in widerruflicher
Weiſe ſtatt, weshalb ſich der Inhaber über Fortdauer ſeiner
Würdig=
keit durch Zeugnis der Univerſitätsbehörde zu Beginn jeden
Se=
neſters ausweiſen muß.
Geſuche um Verleihung dieſes Stipendiums, die eine kurze
Lebensbeſchreibung enthalten und durch Zeugniſſe über das
Vorhan=
denſein der oben angegebenen Vorausſetzungen belegt ſein müſſen,
ſind bis längſtens 1. März d. Js. bei uns einzureichen.
Darmſtadt, den 2. Februar 1912.
(3727oo
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Dr. Gläſſing.
Nutzholz=Verſteigerung.
Donnerstag, den 22. d. Mts., von vormittags 9 Uhr an
werden in dem oberen Lokale der Turnhalle dahier (Woogsplatz 5)
aus dem Domanialwald=Diſtrikt Böllenfalltor verſteigert:
a) Stämme:
1 Eichen I. Kl. — 1,39fm 2 Kiefern II. Kl. — 2,55 fm
III. „ — 1,35 „
III. „ — 0,60 „
IV. „ — 3,65 „ I 3 Lärchen IV. „ S. 3,11 „
V. „ — 3,95 „ I 144
V. „ — 40,58 „
118
VI. „ — 19,69 „
Fichten IV. „ — 3,20 „
3 Eſchen IV. „ — 0,74 „ 1 203
V. „ — 54,36 „
3 Rotbuchen II. „ — 3,63 „
1 Weißtannen V. „ — 0,56 „
6
III. „ — 4,34 „
1 Weym.=Kief. IV. „ — 1,05
IV. „ — 6,14
11
V. „ — 1,31 „
Ulmen IV. „ — 0,64 „ 4Douglastann. V. „ — 0,36 „
Akazien V. „ — 0,28 „
b) Derbſtangen:
Eſchen — 0,09 fm 276 Fichten — 14,63 fm
34 Rotbuchen — 1,14 „
1 Weißtanne — 0,06 „
1 Hainbuchen — 0,05
305 Douglastann. — 6,68 „
25 Lärchen — 1,60
e) Reisſtangen:
70 Fichten — 0,74 fm 1 286 Douglastannen — 1,16 fm
Kaufliebhaber werden erſucht, das Holz vor der Verſteigerung
einzuſehen. Nummernverzeichniſſe über dasſelbe werden nicht
aus=
gegeben. Forſtwart Klipſtein zu Forſthaus Böllenfalltor iſt bei
auftragt, das Holz auf Verlangen vorzuzeigen und ſonſt gewünſcht
werdende Auskunft zu erteilen.
(3783io
Darmſtadt, den 11. Februar 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Beſſungen.
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(Nachdruck verboten.)
10)
Aber nun gab’s ſelbſt Bohlmann einen Ruck, denn Herr
Lührſen, der gerade um die Hausecke geſchaufelt kam, rief:
Na, Bohlmann, Sie oller Drähnbartel, da ſtehen Sie wieder
und ſchnacken! Wupps — klappte das Küchenfenſter zu.
Ja, ja, Herr Lührſen, ich mein man ſo! Die Tannert
denkt, daß wir bei die Kälte beſſer Stroh auf die Kartoffeln
tun inn Keller!
Ja, ja, aber erſt ſchaufeln Sie mal einen Weg fix nach
dem Waſchhaus hinüber und auch nach dem Bach hinunter
fürs Waſſerholen.
Da ſpuckte Bohlmann in die Hände und arbeitet aufs
Waſchhaus los. Lürſen warf die Schaufel über die Schulter
und ging auf dem ſoeben gebahnten Wege zurück, um noch
die drei Steinſtufen vor der Haustür zu ſäubern. Als er
da=
mit fertig war und ſich umdrehte, da kam es geſchloſſen in
unzähligen blendenden, leuchtenden Strahlenbündeln
wag=
recht durch die Föhren hindurch jenſeits vom Teich, wo die
Sonne ſich über den Schnee heraushob. Wie auf ein
Zauber=
wort war alles fortgejagt, was von ſtumpfen Dämmerfarben
und von dem etwas toten Graublau in der dämmernden
Luft geweſen war. Er mußte die Hand über die Augen
legen, ſo gleißend, blendend war der Schein, ſo hell ſtand
der zart gelbrote Oſthimmel hinter den gelben Stämmen der
Föhren, wie ein Himmel nur ſein kann nach einem ſchweren
Schneſturm am Abend vorher, der, in weiße Flocken
ver=
packt, alles Unreine aus der Luft zur Erde geſenkt hatte
und alles, was von Wolken zu finden war, vom Himmel
fortgejagt hatte.
Der Sturm mußte bald nach Mitternacht ſchon ſich
gelegt, und es dann noch geraume Zeit in ſtiller Luft
weiter geſchneit haben, denn ſonſt konnten nicht auf jedem
Tannenwedel, auf jedem Zweiglein, auf jedem
Ried=
gras die Flocken liegen bleiben. Wie die hundert alten
Eichen, es waren tatſächlich genau hundert, die links vom
Teich ſtanden, ausſahen! Wie den ſchwarzrindigen
Zwei=
gen bis in die allerfeinſten Triebe hinauf ein feines
Ober=
bett von glitzerndem Schnee auflag, und wie das gegen
den Himmel leuchtete!
Lührſen dachte nicht, er fühlte, empfand nur, wie ſchön
dies war, daß er hätte die Hände falten mögen vor
Stau=
nen und Heimatliebe. Er kannte ja jeden Baum, faſt
jeden Aſt an jedem Baum, ſozuſagen die Figur jedes
Bau=
mes. Da konnte keiner mit dem andern verwechſelt
wer=
den, nie wieder, und wenn er ſie zwanzig Jahre nicht
wiedergeſehen hätte, denn ſo etwas vergißt kein Menſch,
was ſich dem Kindesbewußtſein als Heimatbild feſt
ein=
geprägt hat. In den drei hohen Tannen, drüben über
dem Teich, die wie Schwarzwaldtannen ihre Zweige bis
dicht über den Boden ſchaukelten, in denen kannte er jeden
Aſt, denn auf jedem hatte ſicherlich einmal der Fuß des
kleinen Gerdt Lührſen geſtanden, als er hier aufwuchs.
Solche Kletterbäume vergißt keiner, in denen man ſteigen
konnte wie auf einer Treppe, mühelos bis zu den
aller=
höchſten ſchaukelnden Gipfeln, in denen die Eichhörnchen
ihre runden Winterkammern bauten aus warmem Moos,
und in denen die Krähen ſo gern niſteten.
Das Herz ſchlug ihm ruhig und frei in der Bruſt=
Was er da ſah, gehörte nicht nur ihm, nein, es gehörte zu
ihm, es gehörte in ihn hinein, genau ſo gut und ſo ſicher
wie jeder Blutstropfen in ſeinen Adern ihm gehörte.
Konnte das einer fühlen, der nie eine ſolche Heimat erlebt
hatte, konnte Lilli . . .? Nein, die nicht, niemals — aber
eine wie Dora Plattner . . .
Er ſtampfte auf den Steinſtufen den Schnee von den
Füßen. Da hörte er Schlittenglocken. Von Boſtel her kam
ein Schlitten im Trabe herab. Darin ſaß der Bankier
Wolff aus Hamburg, dick und kugelrund in ſeinem guten
Pelz, mit einem goldenen Zwicker auf der Naſe.
Nun war alle Schönheit in Gerdt Lührſen ausgewiſcht.
Sein Geſicht wurde hart und ſtreng, wenn er auch höflich
an den Schlitten herantrat, als dieſer vor der Haustür
hielt.
Schön guten Morgen, Herr Lührſen! Ich komme
etwas früh, aber ich habe heute noch in Bütfeld und andern
Dörfern zu tun in Sachen der Kaliverträge, und da ich
mit Ihnen etwas beſprechen muß, dachte ich, in Hallig=.
boſtel ſchon in ſo früher Stunde vorſprechen zu können.
Sie ſind ja hier alle Frühaufſteher.
Gewiß, Herr Wolff, bitte, treten Sie näher!
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Sührſen öinete die Hausilt und ließ den ſopialen
dicken Herrn vorangehen, aber ihm war’s, als ließe er den
ganz gemeinen Alltag ins Haus herein, und das wurde
ihm ſchwer nach dem, was er kurz vorher wie Sonn= und
Feſttag erlebt und empfunden hatte. Im Flur trafen ſie
Dora Plattner.
Guten Morgen, Fräulein Plattner! Na, Sie ſind
natürlich ſchon in der Wirtſchaft. Aber gut zuwege, was?
Was macht die Frau Schweſter, und wie geht’s den vier
Neffen? Will auch beim Paſtor vorſprechen nachher, wenn
ich Zeit finde! Kaffee? Ach, lieber nicht, ich habe ſchon
Kaffee in Hamburg getrunken heute früh um ſechs Uhr.
Aber einen Happen hausſchlachtene Wurſt würde ich zu
ſchätzen wiſſen? Keine Umſtände, nicht wahr? Ja,
denken Sie mal, es muß anderswo noch viel mehr
ge=
ſtürmt und geſchneit haben. Ueberall die Bahnverbindung
unterbrochen. Von Hamburg nach Harburg ging’s noch.
Aber von Harburg nach Bremen iſt’s rein aus. Geſtern
nachmittag iſt der letzte Zug gegangen. Nach Hannover
und Berlin vorläufig alles geſtoppt. Fatal, gerade vor
Weihnachten. Na, Ihnen kann’s egal ſein, hier iſt’s
immer gemütlich! So trat er ins Wohnzimmer, immer
ſchwatzend, immer ſich die Hände reibend, und ſo ging’s
weiter beim Frühſtück. Lührſen hörte kaum auf alle dieſe
ihm ſehr gleichgültigen Sachen. Nur, daß Wolff
einige=
male einfließen ließ, daß die Geſchäfte nicht ſonderlich gut
gingen, und daß der Diskont während und wegen des
Kriegs in Aſien mächtig geſtiegen ſei, und daß die Leute
ihr Geld feſthielten, das hörte Lührſen, und er wußte, daß
es mit Abſicht erzählt wurde.
Erſt als Bankier Wolff vor einem Glaſe Portwein
ſſch und des Felhſtic bgechmnt wvor, an er gar
eiget=
lichen Sache.
Ja, was ich ſagen wollte, Herr Lührſen, ſo leid es mir
tut, ich muß die bewußten zehntauſend Mark haben zum
erſten April. Ich ſage Ihnen unter ſtrengſter Diskretion,
ich habe hölliſche Ohrfeigen gekriegt und brauche bares
Geld. Vielleicht können Sie es ſchon zum Herbſt wieder
haben, das heißt, verſprechen kann ich es auch nicht. Er
nippte am Portwein und ließ ihn leiſe ſchmatzend über
die Zunge gleiten, denn er hatte auch ſeine beſondere Art,
einen guten Tropfen zu trinken, genau wie Bohlmann
ſeine Art hatte, wenn er einen Korn nahm. Der Wein iſt
bei Gott gut, Herr Lührſen, ein feiner Tropfen! Lührſen.
der mit auf dem Rücken verſchränkten Händen auf und
ab gegangen war, blieb vor Wolff ſtehen und ſagte
ſpöt=
tiſch bitter: Das einzig Wertvolle, was mir mein Vater
hinterlaſſen hat, und die letzte Flaſche iſt es auch. Herr
Wolff, ich biete Ihnen ſieben Prozent, wenn Sie mir
weiter ſtunden können. Ich kann das bißchen bare Geld,
was ich habe, nicht miſſen, ſonſt kann ich im Frühjahr nicht
wirtſchaften, und ich will jetzt kein Korn und keine
Kartof=
feln verkaufen bei den miſerabeln Preiſen. Die letzte
Ernte war gut, aber die im vorigen Jahre um ſo ſchlechter.
Hm, machte Wolff und zog an ſeiner Zigarre, die er
im Gegenſatz zum Portwein ſehr ſchlecht fand. Die
Zigarre hatte Lührſen eingekauft für fünf Pfennig das
Stück, und den Portwein hatte ſein Vater, der luſtige
Amt=
mann Lührſen, angeſchafft. Das konnte man merken. Ja.
Herr Lührſen, wenn ich nur verſtünde, weshalb Sie ſich
hier weiter abrackern! Ich weiß ja, daß Sie abgezahlt
haben, jedes Jahr, Alles haben Sie in Schuß und
neene erte en
ſteht gut, weshalb verkaufen Sie nicht? Sehen Sie mal.
jetzt, wo die Halteſtelle in Bütfeld iſt, finden wir leicht
irgend einen reichen Hamburger, der Halligboſtel kauft,
bloß um hier im Sommer zu wohnen. Zwar neu bauen
müßte er, denn wie nun einmal wir Städter ſind, in ſo
einem frieſigen Hauſe mit Pferden und Kühen, alles unter
demſelben Dach, ſozuſagen Wand an Wand mit dem
Rind=
vieh, will keiner wohnen. Das Land kann parzelliert
wer=
den. Ueberlegen Sie ſich die Sache.
Lührſen ſah im Geiſte einen Hamburger Millionär
hier einziehen, der das Haus niederreißen würde, um hier
ſo einen albernen Kaſten herzuſetzen, was man ein
Land=
haus nennt; ſah die Bauern um jeden Morgen Land
feil=
ſchen, und weil er das alles ſo deutlich ſah, ſtampfte er mit
dem Fuße auf und ſagte mit zuſammengepreßten Zähnen:
Nie und nimmer, lieber krepieren!
Da ſchüttelte Wolff den kahlen Kopf, der eigentlich gar
kein Kopf war, denn es fehlte der Hinterkopf. Vom Nacken
heraus war’s eine gerade Linie, in die nur über dem
hohen Stehkragen eine Fettfalte etwas Unterbrechung
brachte, und die ſo ſelbſtbewußt dort thronte, als wollte ſie
ſagen: Seht ihr wohl, ſolchen Schädel muß man haben,
wenn’s einem gut gehen ſoll. Die Fettfalte kommt dann
von ſelbſt. Nur nicht mit ſchmalen Schädeln und
Hinter=
köpfen belaſten, in denen alle die Dummheiten ſitzen, alle
Dummheiten, die man in einer ziviliſierten Geſellſchaft
nicht brauchen kann, und die größte Dummheit von allen:
was man ſo Ideale nennt.
Faseuing in Verbindung muit dem Beltedere Fnbendie
im Orpheum gefeiert zu haben, wird Jedem eine in
vielen herrlichen Farben prandende Erinnerung bleiben
Carneval
1912
Carneval
1912
s muss ebbes gebodde wern!
Heute
Rosen-Montag, 19. Februar,
Auf hohen Befehl
und in Anwesenheit Sr. Närr. Hoheit Georg
Lud-
wig I. Prinz Carneval von Hessen und vom
Woog unter grossem Vorantritt des Vorgefolges
sowie des Närrischen Ministeriums und vieler
Hosen-Kavaliere, bei festlich beleuchteten und
geschmücktem Hause: (VI4249
Fasembie des
Königl. Belvedere, Dresden
Heitere Kunst.
Miss Maud Hawley, geb. Vanderbilt (
fürchter-
lich reich, macht aber auch mit). Trudchen Troll,
die wiedergefundene Monna Liesa. Maria Lee-
Gianaclis-Queen. Else, das Riesenbaby. Hanny.
die Berliner Weisse. Diane, die Vorsichtige.
Ritter Kuno, der Schreckliche. Otto, der Faule.
Alfred, Jago der Starke. Reinhold Knickebein.
Kasinn des Festkonzerte 9 8 Uhr. 2
Einzug des närr. Ministeriums 8 Uhr 11 Min=
unter Fanfarengeschmetter u. d Jubel des Narrenvolks
Karneralistische Koplbedeckungen, sowie närrische
Orden und Ehrenzeichen sind anzulegen. 6
Preise wie gewöhnlich, nicht erhöht. Vorverk. wie belr
Freikartengesuche können keine Berücksicht. finden.
Fastnachtdlenstag heine Vorstolung.
TUrtNTN LEENVSUGUrET2
Fastnacht-Dienstag:
Grosser Fastnachtsrammer!
Anfang 6 Uhr.
Feie ierarien-HAnslerische Geselseiat
abends 8 Uhr
Freitag, 23. Februar Mathildenhöhsaal
Kammerkunst-Abend (215om
Marya Delvard Marc Henry
Lieder und Stimmungen.
Karten für Nichtmitglieder im Vorverkauf bei A.
Berg-
straesser zu Mk. 3.—, 2.—, 1.—, an der Abendkasse Mk. 3.50. 2.50, 1.50.
Schlachtwſehverſicherung für den
Landkreis Darmſtadt.
General=Verſammlung
Sonntag, den 25. Februar 1912, nachmittags 3 Uhr,
im „Perkeo”, Alexanderſtraße zu Darmſtadt.
Tagesordnung:
1. Rechnungsablage.
2. Feſtſetzung der Verſicherungsbeiträge.
3. Wahl der Vorſtandsmitglieder und Schiedsrichter.
Der Vorstand.
4240)
Freitag, den 23. Februar, 8 Uhr abends
im Kaisersaal
Grafenſtraße 18 in Darmſtadt
Vortrag
des Herrn Direktors Pastor Stuhrmann
aus Barmen über:
„Die Kinder der Reformation im Kampfe
atien ſtnihen ülchen her begeinalt
Eintrittsgeld 20 Pfg. Reſervierte Plätze 50 Pfg. (4217od
Hessischer Dobermannpinscher-Verein
(Sitz Darmſtadt).
(4244od
Sonntag, 25. Februar 1912, nachmittags 3 Uhr, findet
im Reſtaurant „Kaiſerſaal”, Grafenſtr. 18, unſere
Haupt-Versammlung
ſtatt. Wir laden unſere verehrlichen Mitglieder, ſowie Anhänger und
Förderer unſerer Raſſe hierzu höflichſt ein und bitten um zahlreiches
Der Vorstand.
Erſcheinen.
Verein
Blau
Darmſtadt, Mühlſtraße 24.
Dienstag, 20. Februar, abends 8 Uhr,
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mit Geſangs= u. Deklamations=Vorträgen.
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Eintritt frei.
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Darmetädter Sillard-Klub
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und Flöte.
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Spielleitung: Regiſſeur Hacker.
Perſonen:
Erſtes Bild: Der Apfelbaum.
.Hr. Semler
Der König
Frl. Gothe
Hyacinthe,
Frl. Uttmann
Lilie,
Frl. Meißner
Roſe,
Dmitri, ein poln.
Prinz . .. . . Hr. Weiß
Der kl. Ritter . Hedw. Jungkurth
Ludolf, Jäger . Hr. Schneider
Muſtapha, ein
türk. Prinz . . Hr. Kroczak
Schluck, Gärtner Hr. Speiſer
Strips, Schneid. Hr. Jordan
2. Bild: Im verwunſch. Schloſſe.
. Hr. Schneider
Ludolf
. Hr. Speiſer
Schluck
.Hr. Jordan
Strips
D. Erdmännchen Lilli Dobski
Der kl. Ritter . Hedw. Jungkurth
. Bild: In der Drachen=Höhle.
Frl. Gothe
Hyacinthe .
Lilie .
Frl. Uttmann
Roſe .
. Frl. Meißner
Ludolf
. . Hr. Schneider
Drei Drachen.
4. Bild: Die Erdmännchen und
die Flöte.
Hyacinthe . .
Lilie .
Roſe .
Ludolf
Schluck .
Strips
Der kl. Ritter
Frl. Gothe
Frl. Uttmann
Frl. Meißner
Hr. Schneider
Hr. Speiſer
.Hr. Jordan
Hedw. Jungkurth
D. Erdmännchen Lilli Dobsti
5. Bild: Die falſch. Kameraden.
Hr. Semler
Frl. Gothe
Frl. Uttmann
.Frl. Meißner
Der kl. Ritter . Hedw. Jungkurth
Der König.
Hyacinthe .
Elie .
Roſe
Dmitri, ein poln.
. Hr. Weiß
Prinz . .
Muſtapha, ein
türk. Prinz . . Hr. Kroczak.
D. Erdmännchen Lilli Dobski
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Börſenwochen=
bericht.) Die Börſe verkehrte während der ganzen
Ge=
ſchäftswoche in luſtloſer, wenn auch ziemlich feſter Haltung.
Da auf politiſchem Gebiete nur gute Meldungen vorlagen,
ferner eine weitere Preiserhöhung für Eiſenfabrikate in
Ausſicht ſteht, auch in Belgien eine Beſſerung der
Stahl=
preiſe eingetreten iſt, ſo lagen gewiß animierende Momente
vor. Die Kohlenhauſſe in Newcaſtle, als Folge der
Streik=
beſorgniſſe, konnten ebenfalls unſere Märkte günſtig
beein=
fluſſen. Hingegen machte die erneute Mahnung des
Prä=
ſidenten der Reichsbank an die großen Finanzinſtitute, daß
ſie nicht ſo große Einzelkredite an induſtrielle Perſonen
und Geſellſchaften gewähren mögen, einen intenſiven
Ein=
druck. Dabei hörte man, daß die Reichsbank vorerſt nicht
an eine Diskontoermäßigung denkt, weil augenblicklich
keine Geldflüſſigkeit vorliegt und die Verhältniſſe doch
einige Vorſicht erheiſchen. Der Privatdiskonto ſtellte ſich
daraufhin etwas höher (3½ Prozent).
Zu den Einzelheiten übergehend, zeigten zunächſt
Deutſche Renten eine beſſere Stimmung, trotzdem von den
neuen Stücken der deutſchen Anleihe=Emiſſion ziemliche
Poſten an den Markt gekommen ſind. Auch die 3
prozenti=
gen Gattungen lagen feſter. Inzwiſchen macht ſich auch bei
einzelnen Städten ein Anleihebedürfnis geltend. So hat
die Stadt München eine 4prozentige Anleihe von 15
Mil=
lionen Mark zu 99,15 freihändig begeben und die Stadt
Gießen ſchreibt eine ſolche in Höhe von 3½ Millionen
Mark aus. Ausländiſche Staatsfonds wurden zumeiſt
höher bezahlt, beſonders Serben, türkiſche und Chineſen;
die letzteren konnten weſentlich profitieren, weil man
be=
züglich Chinas den Eindruck gewinnt, daß ſich der
Ueber=
gang in die neue Staatsform geregelter vollziehen werde,
als man erwartete; und die Verſicherungen, daß auch die
neuen Staatsverwaltungen die Anleiheverpflichtungen zu
erfüllen ſtreben werden, üben doch eine gewiſſe
Beruhig=
ung aus.
Der Markt für Transportwerte war recht feſt geſtimmt,
namentlich erzielten Schantung und beide Schiffahrtsaktien
eine größere Kursſteigerung. Für Nordd. Lloyd glaubt
man eine Dividende zwiſchen 4 und 5 Prozent erwarten
zu dürfen. Banken waren im ganzen ſchwächer und
ſtimu=
lierten teilweiſe die Vorgänge bei der Deutſch=
Südamerika=
niſchen Bank, ſowie die Reduktion der Dividende der
Ber=
giſch=Märkiſchen Bank; während die Bilanzen der
Natio=
nalbank für Deutſchland, ſowie der Oeſterreichiſchen
Kre=
ditanſtalt ganz ausgezeichnet ausgefallen ſind letztere
ver=
teilen 33 Kronen, gegen 32 Kronen im Vorjahre.
Mon=
tanwerte ſchließen nach mehrfachen Abſchwächungen
durch=
weg feſter auf die obenerwähnten Preisbeſſerungen; auch
die Verſandziffern des Stahlwerkverbandes in
Produk=
ten A weiſen Erhöhungen auf, ferner wird von einem
flotten Roheiſen=Export berichtet. Elektrizitätsaktien
ver=
kehrten ziemlich lebhaft, aber teilweiſe ſchwächer, auf
ſtär=
kere Realiſationen.
Anhaltend gut bevorzugt bleiben Kaſſainduſtrieaktien,
wenn auch hier ebenfalls einzelne Einbußen erfolgten
Aluminium bis 236, Kunſtſeide bis 123¾, Zellſtoff
Wald=
hof bis 245, Chemiſche Albert bis 445½, Alkali=Weſteregeln
bis 192½ nachgebend. Höher ſchließen: Deutſche Gold=
und Silber=Scheideanſtalt (1018), Höchſter Farbwerke
(554½), Gummi Peter (46,80) und Kleyer (467),
Holz=
verkohlung waren noch zeitweiſe belebt, ſchließlich 293,25.
Von Loſen notieren: Augsburger 35,—,
Braunſchwei=
ger 202,— Pappenheimer 65,— Freiburger 80,70, Türkiſche
171,—, Genua 192,50, Ungariſche 370,50, Meininger 35,90,
Mailänder 45=Fres.=Loſe 150,— (nominell), Mailänder
10=Francs=Loſe 33,20, Venediger 42,30, Raab=Grazer Anr.=
Scheine 38,50, in Reichsmark; Gothaer Prämie II 117,40,
Donau=Regulierung 180,— (nominell), Madrider 79,—, in
Prozent. Ferner ſchließen: 4proz. Reichs (bis 1918
un=
kündbar) 101,40, 3½proz. Reichs 90,95, 3proz. Reichs
82,10 G., 4proz. Heſſen von 1899 100,30 B., 4proz. Heſſen
von 1906 100,40 B., 4proz. Heſſen von 1908/09 100,40,
3½proz. Heſſen 89½ G., 3proz. Heſſen 79,—, 4proz.
Darm=
ſtädter 99,40 G., 3½proz. Darmſtädter 90,—, 4proz. Heſſ.
Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 18—23) 101 G., 4proz. Heſſ. Land.=
Hyp.=Pfdbr. (S. 24—25) 101,25, 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=
Pfdbr. (S. 3—5) 90,10 G., 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr.
(S. 9—11) 90,20 G., 4proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (S. 10
bis 12) 101 G., 4proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 13
bis 14) 101,25, 3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 1
bis 3) 90,30, 3½proz. Kommunal=Pfdbr. (Serie 4) 90,20
G., Darmſtädter Bank 126½, Süddeutſche Eiſenbahn=
Gefell=
ſchaft 124,—, Süddeutſche Immobilien=Geſellſchaft (Mainz)
80 B., Lederwerke vorm. Spicharz (Offenbach a, M., 78,50
G., Schramms Lack=u. Farb.=Fabr. Offenbach a. M.) 274,—
B., Chemiſche Mühlheim a. M. 76,—, Schantungbahn
133,—, South=Weſtafrika 157,25, Otavi=Anteile 92,25, Otavi=
Genußſcheine 62,50, 4½proz. Ruſſen 100½ B., 4proz. 1880er
Ruſſen 92,30, 4proz. 1902er Ruſſen 91,30, 3¼proz. Ruſſen
88,70, 3½proz. Ruſſen 87,—, 3proz. Ruſſen 82,—, 4proz.
uni=
fizierte Türken 91,90 G., 4proz. Adminiſtr.=Türken 84,90,
4proz. konvert. Türken von 1905/1911 82,20, 4proz.
Bagdad=
bahn 84.50, 5proz. Chineſen 100,20, 4½proz. Chineſen 95,70,
5proz. Chineſen (Tientſin=Pukow) 98,55, 4½proz. Japan
95,65, 4proz Japan 90,50, 3proz. Buenos=Aires 73½.
Literariſches.
— Aus ſterbenden Zeiten. Novellen von
Doris Wittner (Konkordia, Deutſche Verlagsanſtalt,
G. m. b. H. in Berlin SW. 68.) Broſchiert 3 Mk., gebd.
4 Mk. In dieſem Buch tritt eine Verfaſſerin, die ſich mit
einer Reihe kleinerer Arbeiten einen ſehr guten Namen
erworben hat, zum erſten Male mit einem geſchloſſenen
Werk vor die Leſer. Um ſo erſtaunlicher iſt die Kraft und
der Reichtum, die die Novellen erfüllen. Sie führen in
verſchiedene Epochen der Menſchheitsgeſchichte; die Wahl
des Stoffes macht ſie aber zu einem einheitlichen Ganzen.
Ueberall iſt der Blick auf den Untergang einer
Kultur=
periode gerichtet und mit meiſterhaftem Können ſind die
Strömungen ſolcher Zeiten, in denen Welken und Werden
miteinander ringen, erfaßt. Die Sprache, die voller
glü=
hender Leucht= und Bildkraft iſt und die Tiefe der
Pro=
bleme und Gedanken, die unauffällig und doch mit un=
erbittlicher Schärfe behandelt werden, zeigen, daß hier ein
Autor auf den Platz tritt, deſſen reifes Geſtalten ihm
einen Rang in der Reihe der erſten ſichert.
— Die verirrte Magd. Roman von Georg
Engel (Konkordia, Deutſche Verlagsanſtalt, G. m. b. H.
in Berlin SW. 68.) Broſch. 5 Mk., gebd. 6 Mk. Georg
Engel erzählt uns die Geſchichte eines irrenden jungen
Weibes, die Geſchichte der verirrten Magd des
Evange=
liums, von der es heißt: „Haltet ein, denn eure Füße
wandeln den Weg der Schande und eure Hände ſind
Fall=
ſtricke‟. Es iſt beinahe überflüſſig, feſtzuſtellen, daß ſich
Georg Engel dieſem großen und bedeutenden Stoff nicht
wie ein Moralprediger nähert, daß nicht die ewig=
alt=
backenen Weisheiten blutleerer Greiſe triumphierend
gegen den ſtarken, unklugen Elementargeiſt der Jugend
ausgeſpielt werden. Ebenſo wie er das Gegenteil tut
und nach Art kunſtverlaſſener „Sittenſchilderer” Fehltritte
und Sündenfälle etwa behaglich breittritt.
„Das unbekannte Oeſterreich”. So ſchlicht
und einfach das äußere Gewand, ſo reizend und köſtlich
deſſen Inhalt, in dem Seite um Seite geiſtige Perlen
von 81 deutſch=öſterreichiſchen Dichtern zerſtreut liegen.
Ein Lob mehr oder weniger wäre bei dieſem Werke ganz
unangebracht; das Buch ſpricht als ein wahrhaftes und
echtes Buch für ſich ſelbſt. Ganz Deutſch=Oeſterreich bringt
dem Werk ungeteiltes Intereſſe entgegen. Das Werk
er=
ſchien bei der Verlagsanſtalt „Baldur”, Wien, V., zum
Preiſe von 6 Kronen.
— Ueber Ludwig XIV. und ſeinen Hof
lieſt man immer wieder gern, weil dieſer ſelbſtherrliche
franzöſiſche König, der während ſeiner langen Regierung
das eigene Volk gleichermaßen wie Nachbarſtaaten
über=
ſchwer bedrückt hat, das Schulbeiſpiel eines Herrſchers
bietet, wie er nicht ſein ſoll. Sein und ſeines Hofes bei
großer Prachtentfaltung und Verſchwendung ungeſcheut
zur Schau getragenes Laſterleben hat in den geheimen
Memoiren des Herzogs Ludwig von Saint=
Simon einen gut beobachtenden Schilderer und
uner=
bittlich ſcharfen Kritiker gefunden. Die Neuherausgabe
dieſer Memoiren in deutſcher Sprache, unter Beigabe von
guten Bildern nach alten Stichen, die jetzt die
Schwa=
bacherſche Verlagsbuchhandlung zu Stuttgart in ihrer
verdienſtvollen Sammlung „Kulturgeſchichtliche
Doku=
mente” bewirkt, iſt daher um ſo mehr mit Freuden zu
begrüßen, als ſie das ſehr leſenswerte und ſpannend
ge=
ſchriebene Buch zu recht wohlfeilem Preiſe (broſch. 3.60
Mark, gebd. 4.50 Mark) auf den Büchermarkt bringt.
— Kunzendorf: „Fridericiana” Lebens=
und Weisheitsſprüche Friedrichs des
Gro=
ßen. Geb. 2 Mk. Berlin, Ferd. Dümmlers
Verlagsbuch=
handlung. Der 200. Geburtstag Friedrichs des Großen
im Januar hat das Intereſſe der geſamten Welt auf den
großen König Friedrich II, und damit wieder auf
Deutſch=
land gelenkt. Zu wiſſen, was des großen Königs
unver=
gleichlichen Taten, die der ganzen Welt noch heute höchſte
Achtung abfordern, Richtung und Entſcheidung gab, iſt
u. E. die Pflicht eines jeden gebildeten Deutſchen. Das
hier vorliegende Buch Kunzendorfs iſt eine
begrüßens=
werte Aufſchlußquelle dafür.
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