Abonnementspreis
Inſerate
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Die Etatsberatungen im Finanzausſchuß
der Zweiten Kammer ſind geſtern beendet
worden.
Jung=Deutſchland. Geſtern nachmittag wurde
nach einer Verſammlung im Saalbau unter dem Vorſitz
des Generalmajors Frhrn. v. Heyl ein Heſſiſcher
Landesverband „Jung=Deutſchland” gegründet
und die vorgelegte Satzung angenommen.
Der Gouverneur von Kamerun, Dr. Gleim,
hat ſeinen Abſchied genommen. Zu ſeinem Nachfolger
wurde der Geh. Oberregierungsrat im
Reichskolonial=
amt Ebermaier ernannt.
Bei einer Exploſion in der Maſchinenfabrik A.=G.
Augsburg=Nürnberg in Nürnberg ſind 8 Perſonen
ums Leben gekommen.
Die portugieſiſche Regierung hat angeſichts
der Streiklage den Belagerungszuſtand über
Liſſabon verhängt.
Verband für internationale Verſtändigung.
* Der vor einigen Monaten gegründete Verband
für internationale Verſtändigung erläßt
ei=
nen Aufruf, in dem es heißt:
Die Ereigniſſe der letzten Monate haben mit
er=
ſchreſkender Deutlichkeit gezeigt, wie unbefriedigend der
gegenwärtige Zuſtand des internationalen Lebens iſt. Es
iſt dringend notwendig, daß alle Beſonnenen ſich
zuſam=
mentun, um einer Wiederholung ſolcher Vorfälle, wie
ſie anläßlich der Marokko=Verhandlungen vorgekommen
ſind, nach Möglichkeit vorzubeugen. Gewiß kann es
nö=
tig werden, daß unſer Vaterland zur Verteidigung ſeiner
Unabhängigkeit und ſeiner Ehre zum Schwerte greift;
ob aber ein ſolcher Fall vorliege, ſollte von den
Einſich=
tigen ſtets unter Zurückweiſung leichtſinniger
Kriegs=
hetzereien und nur mit der, dem Ernſt ſolcher
Entſchlie=
ßung angemeſſenen, Ueberlegung erwogen werden. Es iſt
hohe Zeit, daß alle vernünftig Denkenden
zuſammentre=
ten und einer internationalen Politik, die nicht
durch ſolche Zwiſchenfälle getrübt werden kann, mit den
Boden ebnen helfen.
Zu dieſem Zwecke hat ſich vor einigen Monaten ein
Verband für internationale Verſtändigung
zuſammen=
getan, der bereits eine große Zahl von hervorragenden
Männern der Politik, der Wiſſenſchaft, Kunſt und
Tech=
nik, ſowie des wirtſchaftlichen Lebens zu ſeinen
Mit=
gliedern zählt. Der Verband ſteht durchaus auf
real=
politiſchem Boden, er verfolgt nur erreichbare
Ziele. Er iſt politiſch neutral, jedermann, gleichviel
wel=
cher politiſchen Richtung er angehört, kann ſich ihm
an=
ſchließen. Und der Verband verfolgt ſein Ziel in der
Erkenntnis, daß ſeine Bemühungen nur dann Früchte
tragen können, wenn das Streben nach internationaler
Verſtändigung zwiſchen den Völkern ein gegenſeitiges iſt;
er tritt daher auch keineswegs für eine Verſtändigung um
jeden Preis ein da zeitweiſe einzelnen Regierungen
ge=
genüber Zurückhaltung geboten ſein kann.
Im einzelnen ſetzt ſich der Verband die Aufgabe, das
Verſtändnis für die Bedeutung gegenſeitig förderlicher
Beziehungen zwiſchen den Völkern auf allen
Lebens=
gebieten, namentlich für die Fragen und Probleme des
Völkerrechts, zu verbreiten, um dadurch einer ſtetigen,
von vermeidbaren Zwiſchenfällen freien Politik zwiſchen
den Staaten, wie ſie im Intereſſe der allgemeinen Kultur
liegt, den Boden zu ebnen. Der Verband ſucht dieſen
Zweck zu erreichen, indem er in Wort und Schrift, durch
Vorträge, durch Kundgebungen ſeiner Organe,
nament=
lich ſeiner Verbandstage, durch Veröffentlichungen in der
Preſſe oder in beſonderen Schriften, für die erwähnten
Aufgaben wirkt. Als ein beſonders wichtiges Mittel zur
Löſung ſeiner Aufgabe betrachtet der Verband die
Ein=
wirkung auf die Erziehung der Jugend im Sinne der
von ihm angeſtrebten Ziele, vor allem der gegenſeitigen
Achtung der Völker und ihrer Eigenart. Zu
völkerrecht=
lichen Fragen der internationalen Politik kann der
Ver=
band je nach Bedürfnis und Ermeſſen ſeiner zuſtändigen
Organe ſich äußern, wobei er beſtrebt ſein wird, durch
ob=
jektive Darlegung der Sach= und Rechtslage, ſowie durch
Hinweis auf die Mittel und Wege zur Beilegung von
Streitigkeiten klärend und beruhigend auf die öffentliche
Meinung zu wirken. Er beſchränkt ſeine Wirkſamkeit auf
das Deutſche Reich. Angeſtrebt wird aber ſpäter eine
internationale Organiſation, zu der ſich die Verbände
für internationale Verſtändigung, die in einzelnen Län=
dern zum Teil heute ſchon beſtehen, zum Teil noch
ent=
ſtehen werden, zuſammenſchließen ſollen. Der Verband
ſteht allen parteipolitiſchen Organiſationen und den
Fra=
gen der inneren Politik völlig neutral gegenüber.
Rußlands Vormarſch nach Weſten.
A. Aus Stockholm, 29. Januar, wird uns
ge=
ſchrieben: Der berühmte ſchwediſche Entdecker und warme
Vaterlandsfreund Dr. Sven Hedin hat dieſer Tage
eine halbe Million Exemplare einer von ihm ſelbſt
ver=
faßten Flugſchrift verbreitet, worin er ſeine Landsleute
aufs nachdrücklichſte vor der „ruſſiſchen Gefahr”
warnt und ſie von der Notwendigkeit einer weſentlichen
und unverzüglichen Kräftigung der Landesverteidigung
zu überzeugen ſucht. In ſeiner Flugſchrift, die ein
unge=
heures Aufſehen erregt, behauptet Hedin, daß Rußland
ſeit nunmehr 200 Jahren die Erreichung eines
Weltmeeres als höchſtes Ziel ſeiner auswärtigen
Politik mit zäher Energie anſtrebe. Der Gedankengang
Hedins iſt etwa folgender:
Rußland kann ſich mit der Oſtſee nicht
begnü=
gen, weil die Oſtſeehäfen während eines großen Teils
vom Jahre von Eis geſperrt ſind, und weil es dort einen
mächtigen Nachbarn mit einer ſtarken Flotte gibt, der unter
gewiſſen Verhältniſſen die Seefahrt Rußlands
unterbin=
den und die ruſſiſchen Flottenabteilungen daran hindern
kann, den Weg durch die Meeresengen des Oeresſunds
und die Belte zu nehmen. Rußland will ſich auf die
Dauer in dieſe eingeengte Lage nicht finden. Schon ſeit
der Zeit des Zar Peter haben es die Ruſſen verſucht, bis
an die Küſte irgend eines großen Meeres vorzudringen.
Rußland muß ſich Luft ſchaffen. Niemals iſt dies Streben
aber offenſichtlicher und energiſcher geweſen als während
des letzten Jahrzehnts. Es iſt noch in friſcher
Erinne=
rung, welchen fabelhaften Opfern an Geld und Blut ſich
Rußland unterworfen hat, um bis an die Küſte des
Stillen Meeres zu gelangen und im äußerſten
Oſten die japaniſche Seeherrſchaft zu zertrümmern. Wider
Erwarten wurde Rußland gezwungen, jene
hochfliegen=
den Pläne aufzugeben. Seit ſechs Jahren herrſcht nun
Grabesſtille über den einſtigen Schlachtfeldern der
Mon=
golei. Neuerdings hat Rußland eine andere
Vormarſch=
linie gegen ein Weltmeer zu erzwingen geſucht; es hat
dem Indiſchen Ozean gegolten. Die Ruſſen
verleg=
ten ihre Front von Japan nach Perſien und zeigten, daß
es ihnen völlig gleichgültig ſei, welches Weltmeer ſie
er=
reichen, und welche Völker ſie unterjochen, um ein
Welt=
meer zu erreichen. Es ſah einen Augenblick aus, als
wollte England dem Vorrücken Rußlands durch Perſien
keinen Widerſtand entgegenſetzen: England riet ſogar
Perſien, dem Ultimatum Rußlands nachzugeben. Dieſe
wohlwollende Haltung Englands iſt aber nur eine rein
vorläufige geweſen: ſobald Rußland Miene macht, einen
Schritt ins ſüdliche Perſien (die Intereſſenſphäre
Ena=
lands”) hinein zu machen, ändern ſich ſofort die Signale
in London! Auch das Indiſche Meer wird Rußland
un=
erreichbar bleihen.
Wohin wird Rußland denn jetzt ſeinen Blick richten?
Etwa nach dem nördlichen Eismeer? Nein! In
Schwe=
den weiß man am beſten, daß das nördliche Eismeer ſich
für eine regelmäßige Schiffahrt und für die Anlegung von
Flottenſtationen ganz und gar nicht eignet. Uebrig bleibt
der Atlantiſche Ozean. Dahin wird Rußland ſeinen
Marſch richten. Man wird ſich aber nicht mit dem
ent=
legenſten Winkel des nördlichſten Norwegens begnügen.
Eine Großmacht begnügt ſich nicht mit einem weit
ent=
fernten Hafen, der am Ende einer langen Eiſenbahnlinie
gewiſſermaßen wie ein Pendel hängt, und wohin man
durch faſt unbewohnte, ungaſtliche Gegenden gelangt.
Wenn Rußland an der norwegiſchen Nordweſtküſte feſten
Fuß zu bekommen ſucht, muß es auch ein entſprechendes
Hinterland haben, woher die großen Flotten,
Flotten=
ſtationen und zahlreichen Mannſchaften ihren Lebensbedarf
bekommen können. Als ſolches Hinterland werden das
ganze Nordnorwegen bis Drontheim und die
ſchwedi=
ſchen Landesteile nördlich Angermanlands und
Jämt=
lands ſicher in Frage kommen. Die Vorbereitungen für
den Vormarſch Rußlands nach dem Atlantiſchen Ozean
ſind getroffen; Finnland iſt immer mehr ruſiifieiert
wor=
den und kann nicht mehr als „Pufferſtaat” zwiſchen
Skan=
dinavien und Rußland dienen. Das finnländiſche
Eiſen=
bahnnetz iſt mit dem ruſſiſchen verbunden, und ruſſiſche
Truppen können direkt bis an die ſchwediſche Grenze
be=
fördert werden.
Deutſches Reich.
Dank des Kaiſers. Der Reichsanzeiger
ver=
öffentlicht einen an den Reichskanzler gerichteten Erlaß
des Kaiſers, in dem es heißt: Bei meinem Eintritt in ein
neues Lebensjahr und zu dem voraufgegangenen 200
jäh=
rigen Gedenktage der Geburt König Friedrichs des
Gro=
ßen ſind mir aus den deutſchen Landen und vom Aus=
land her zahlreiche Glückwünſche und Huldigungsgrüße
zugegangen. Dieſe mannigfachen Kundgebungen treuer
Anhänglichkeit haben mich mit aufrichtiger Freude und
Dankbarkeit erfüllt. Die herzliche Teilnahme und
dank=
bare Geſinnung, die das Gedächtnis des großen Toten
bei Jung und Alt im Lande ausgelöſt hat, bürgt trotz
mancher unliebſamer Erſcheinung der Gegenwart dafür,
daß Friedrichs Geiſt immerdar im preußiſchen Volke
fort=
leben wird und daß, wenn es jemals nötig werden ſollte,
das von ihm übernommene Erbe an ideellen und
mate=
riellen Gütern vor Gefahr zu ſchützen, die deutſchen
Stämme ſich einmütig um ihre Fürſten ſcharen und über
allen Parteihader hinweg ſich nur von dem einen
frideri=
cianiſchem Gedanken leiten laſſen werden: Alles für das
Vaterland!
Der Gouverneur von Kamerun, Di.
Gleim, ſah ſich aus Geſundheitsrückſichten gezwungen,
ſeinen Abſchied zu nehmen. An ſeiner Stelle wurde der
Geheime Oberregierungsrat und Vortragende Rat im
Reichskolonialamt, Karl Ebermaier, zum Gouverneur
von Kamerun ernannt.
Die neue Wehrordnung. Die Voſſiſche
Zeitung meldet aus Berlin, daß die Verhandlungen über
die neuen Wehrforderungen noch nicht abgeſchloſſen ſeien,
eine beſondere Vorlage dürfte nicht zu umgehen ſein. Die
Erbſchaftsſteuer dürfte in jedem Falle verlangt werden,
doch werde ſie allein kaum zur Deckung der neuen
Aus=
gaben langen.
— Der Staatsanwalt und die
Dresde=
ner Wahl. In Dresden iſt in der Stichwahl der
So=
zialiſt Redakteur Gradnauer gegen den
nationallibera=
len Landgerichtsdirektor Heintze gewählt worden. Dazu
wird jetzt gemeldet: Bei dieſer Stichwahl fiel es auf,
daß die Sozialdemokraten hierbei gegen die Hauptwahl
an 2000 Stimmen mehr aufgebracht haben. Die
Zen=
trumswähler ſollten der Parole gemäß in der Stichwahl
für den Nationalliberalen eintreten, man nimmt aber
an, daß ſie dem Sozialdemokraten zugefloſſen ſind.
Aber auch wenn dies der Fall iſt, ſo beweiſt dieſes noch
nicht die auffällige Stimmenmehrheit für Gradnauer.
Die Staatsanwaltſchaft in Dresden hat daher eine
Un=
terſuchung darüber angeſtellt, woher dieſe Stimmen
ge=
kommen ſein können. Die Unterſuchung ſtützt ſich auf die
Vermutung, daß verſehentlich eine größere Anzahl
Ar=
beiter doppelt in die Liſten eingetragen worden ſind,
und zwar einmal an ihrer Arbeitsſtätte und einmal an
ihrer Wohnſtätte. Infolge dieſes Irrtums ſoll eine
grö=
ßere Anzahl Arbeiter doppelt gewählt haben. Die
Er=
mittelungen der Staatsanwaltſchaft ſind aber noch nicht
abgeſchloſſen.
In der Zweiten Kammer des
elſaß=
lothringiſchen Landtags brachte der
Unter=
ſtaatsſekretär Köhler den Etat für 1912 ein und wies
auf die Notwendigkeit einer Steuer=Reform hin. Zum
Schluſſe teilte er mit, daß von der letzten Rate, 425000
Mark betragend, für den Aufbau der Hohkönigsburg
56000 Mark unverbraucht an den Staat zurückgegangen
ſind. Abg. Peirotes (Soz.) erklärt, daß die
Sozialdemo=
kratie den Etat nicht bewilligen könnte, das müſſe ſie den
bürgerlichen Parteien überlaſſen. Er verlangt eine
Re=
gierung, die den demokratiſchen Grundſätzen entſpreche
und ferner unter anderem auch den Einfluß des Volkes
auf die Geſetzgebung durch Einführung des
Referen=
dums.
— Partei und Gewerkſchaft. Wie die
Leip=
ziger Neueſten Nachrichten jetzt mitteilen, iſt zwiſchen den
Gewerkſchaften und der ſozialdemokratiſchen Partei in
Leipzig der Bruch erfolgt. Die Parteileitung verſendet
an die Genoſſen eine Broſchüre, worin es heißt:
Mitten im Wahlkampf, in dem es gilt, den
gewal=
tigen Feind der Arbeiterklaſſe niederzuringen, hat es der
Gewerkſchaftsausſchuß für Leipzig für gut befunden, der
Partei Fehde anzuſagen. Nach Art der Diplomaten hat
er dem Gewerkſchaftskartell vorgeſchlagen, die
Be=
ziehungen zur Partei abzubrechen, und die 1907
beſchloſ=
ſenen Grundlinien für das gemeinſame
Zuſammenarbei=
ten zwiſchen Partei und Gewerkſchaften als nicht
vorhan=
den zu betrachten . Das geſamte Material bringt
den Beweis, daß der Gewerkſchaftsausſchuß dem
beſtehen=
den Bildungsinſtitut (der Partei) ein
Konkurrenzunter=
nehmen durch Gründung einer Gewerkſchaftsſchule
ent=
gegenſetzen will, daß dieſes Unternehmen ſeit Monaten
vorbereitet worden und der Streit mit der Partei plan=
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 1. Februar 1912.
Nummer 27.
mäßig herbeigeführt und geſucht worden iſt, um entgegen
getroffener Vereinbarung das Vorgehen des
Gewerk=
ſchaftsausſchuſſes zu bemänteln.
Die Gewerkſchaft wird die Antwort darauf wohl
nicht ſchuldig bleiben.
Ausland.
Italien.
Die Einberufung der Kammer zu einer
ſechswöchentlichen Seſſion iſt für den 22. Februar
beſchloſ=
ſen worden. Die Regierung wird ſofort Erklärungen
über den Krieg abgeben.
Frankreich.
Das deutſch=franzöſiſche Abkommen)
im Senat. In der Senatsſitzung beantragte der
Vorſitzende der Senatskommiſſion zur Prüfung des
deutſch=franzöſiſchen Abkommens Ribot, der Senat ſolle
ſobald wie möglich mit der Beratung des Abkommens
beginnen. Der Bericht über das Abkommen iſt im Senat
verteilt worden. Der Finanzminiſter teilte mit, daß
Miniſterpräſident Poincaré durch die Verhandlungen
über die Interpellationen bezüglich Tunis in der
Kam=
mer am Erſcheinen verhindert ſei und ſchlug vor, am
Donnerstag die Budgetberatung zu beginnen und auf
nächſten Montag die Erörterung über das Abkommen
anzuſetzen, die ohne Unterbrechung in den folgenden
Ta=
gen fortgeſetzt werden ſoll und nur 3 oder 4 Sitzungen
in Anſpruch nehmen dürfe. Der Senat nahm dieſen
Vorſchlag einſtimmig an.
Spanien.
Zu den franzöſiſch=ſpaniſchen
Ver=
handlungen ſchreibt die Correſpondencia Militare:
Die Armee und das Volk ſind einmütig der Anſicht,
daß Spanien weder Iffny noch ſonſt einen Zollbreit
Lan=
des an der atlantiſchen Küſte gegenüber den Kanariſchen
Inſeln und noch viel weniger in der nördlichen Zone
auf=
geben darf. Der einzige Punkt, wo eine
Gebietsentledi=
gung an Frankreich möglich wäre, iſt das Hinterland.
Auch gegen die Vertagung der Verhandlung gewiſſer
Streitpunkte muß man ſich ausſprechen, da ein ſolcher
Modus vivendi nur ſchädlich wäre; denn es könnten ſich
dabei Zwiſchenfälle ergeben, die die endgültige Löſung
ernſtlich behindern würden. Eine unerläßliche und
drin=
gende Forderung iſt es, daß die von den Vertretern
Frankreichs angeregten Befehle des Sultans von den
ſpa=
niſchen Vertretern als gültig angeſehen werden, da ſonſt
alle Rechte und alles Eigentum des Maghzen in
franzö=
ſiſche Hände übergehen könnten, ehe noch Spanien von
ſeiner Zone Beſitz ergriffen hätte. Wir wünſchen
drin=
gend, ſo heißt es zum Schluſſe, daß die Erenzen der
Ex=
panſion Frankreichs in Marokko klar und endgültig
feſt=
gelegt werden, damit Spanien demgemäß ſein
Be=
ſatzungskorps organiſieren kann.
Montenegro.
Beſuch des Königs in Petersburg. König
Nikolaus iſt am Dienstag morgen mit ſeinem jüngſten
Sohne, dem Prinzen Peter, und dem Miniſter des
Aeu=
ßern nach Petersburg abgereiſt, um dem ruſſiſchen Hof
den erſten Antrittsbeſuch als König von Montenegro
ab=
zuſtatten. Der König ſandte, als er in Cattaro
öſter=
reichiſchen Boden betrat, an Kaiſer Franz Joſef ein in
Worten wärmſter Sympathie und Verehrung abgefaßtes
Begrüßungstelegramm.
* Der neue Gouverneur von Kamerun,
der bisherige Vortr. Rat im Reichskolonialamt,
Gehei=
mer Oberregierungsrat Karl Ebermaier, ſteht im
48. Lebensjahre. Er iſt geboren in Elberfeld als Sohn
eines höheren Juſtizverwaltungsbeamten, ſtudierte in
Marburg, Tübingen, Berlin und Bonn die Rechte und
Staatswiſſenſchaften, erhielt ſeine Ausbildung als
Refe=
rendar im Bezirke des Oberlandesgerichts Köln und war
als Richter vornehmlich bei den Landgerichten Bonn,
Elberfeld und Eſſen beſchäftigt. 1897 trat Ebermaier zur
Kolonialverwaltung über, um zunächſt etwa 3 Jahre lang
als Oberrichter und Rechtsrat des Gouvernements von
Deutſch=Oſtafrika Verwendung zu finden. Ende 1902 ging
er als erſter Referent und ſtellvertretender Gouverneur
nach Kamerun. Von dort Ende 1904 zurückgekehrt,
über=
nahm er zunächſt für den ihn in Kamerun ablöſenden
ſpä=
teren Gouverneur Dr. Gleim die Geſchäfte des Dezernats
für Kamerun und trat dann zur Finanzverwaltung der
Kolonialabteilung über. 1906 zum Wirklichen
Legations=
rat, 1909 zum Geheimen Oberregierungsrat ernannt, hat
Ebermaier ſeit dem Tode des Unterſtaatsſekretärs Dr.
Böhmer der Finanzabteilung des Reichskolonialamts, die
er ſchon ſeit mehr als Jahresfriſt vertretungsweiſe geleitet
hatte, als Dirigent vorgeſtanden. Als Dezernent für
Ver=
kehrspolitik war Ebermaier auch Reichskommiſſar für die
Deutſche Kolonial=Eiſenbahn=Bau= und Betriebs=
Geſell=
ſchaft und wurde 1908 von Staatsſekretär Dernburg u. a.
in den Verwaltungsrat der oſtafrikaniſchen
Eiſenbahn=
geſellſchaft delegiert. In der gleichen Eigenſchaft begleitete
er 1908 bis 1909 den damaligen Unterſtaatsſekretär Dr. v.
Lindequiſt auf ſeiner oſtafrikaniſchen Reiſe. Daneben
wandte der neue Gouverneur ſein reges Intereſſe von
jeher der landeskundlichen Erſchließung unſerer
Schutz=
gebiete zu. Zahlreiche Forſchungsreiſen verdanken ihm
tatkräftige Förderung.
* Brüſſel, 30. Jan. Die heutige Sitzung der
Zuckerkonferenz wurde auf Donnerstag
vormit=
tag 10 Uhr vertagt. Die optimiſtiſchen Gerüchte über das
Zuſtandekommen einer Verlängerung der
Zuckerkonven=
tion entſprechen nicht der Sachlage. Die bisherigen
Ver=
handlungen der Konferenz geben noch keinerlei Gewähr
für die Ueberbrückung der beſtehenden Gegenſätze.
* Buenos Aires, 30. Jan. Die
Ausſtändi=
gen halten mit Entſchiedenheit ihre Forderungen
auf=
recht. Die ſozialiſtiſche Partei erließ eine Kundgebung,
die dieſe Forderungen rechtfertigt.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 1. Februar.
* Vom Hofe. Prinzeſſin Victoria zu
Schleswig=Holſtein iſt Dienstag nachmittag 1 Uhr
52 Min. abgereiſt.
* Eiſenbahnperſonalien. In den Ruheſtand
ver=
ſetzt wurden die Weichenſteller Johannes Riedel zu
Lorſch vom 1. April d. Js. an, Peter Hoffmann zu
Mannheim=Waldhof vom 1. Mai d. Js. an, die
Bahn=
wärter Adam Mattes zu Weiſenau, Philipp
Schnell=
bacher zu Höchſt i. O., Chriſtian Kirſch zu Mainz=
Mombach vom 1. April d. Js. an und Adam Schwinn
zu Schöllenbach vom 1. Mai d. Js. an; der Nachtwächter
Karl Michel zu Darmſtadt vom 1. April d. Js. an,
ſämtlich in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft.
* Danktelegramm. Auf das von der
Feſtver=
ſammlung bei dem Kaiſergeburtstagseſſen im Städt.
Saalbau an Seine Majeſtät den deutſchen Kaiſer
ab=
geſandte Glückwunſchtelegramm lief folgendes
Dankes=
telegramm ein: Seine Majeſtät der Kaiſer und König
haben die Glückwünſche der zur Feier Allerhöchſtihres
Geburtstages dort vereint geweſenen Feſtverſammlung
huldvollſt entgegengenommen und laſſen beſtens danken.
Der Geheime Kabinettsrat von Valentini.”
g. Strafkammer. Wegen Nötignug hatte ſich geſtern vor
der hieſigen Strafkammer der 47 Jahre alte Mechaniker
Her=
mann Günther aus Offenbach zu verantworten. Bei der
Metallwarenfabrik von Meyer u. Schmidt in Offenbach war
im September 1911 ein Streik ausgebrochen. Günther blieb
jedoch bei ſeiner Arbeit. Als er am 2. Oktober mit einem
Arbeitskollegen zur Arbeitsſtätte ging, wurden beide von
dem angetrunkenen Dreher Haas aufgefordert, die Arbeit
ebenfalls niederzulegen. Dieſe Aufforderung beantwortete
Günther mit der Aeußerung, er ſolle ihn in Ruhe laſſen,
ſonſt würde er ihn auf die Straße werfen, daß er das Genich
breche. Wegen dieſer Nötigung wurde Günther vom
Schöffengericht Offenbach zu einem Monat Gefängnis
ver=
urteilt. Die Strafkammer hob auf die Berufung des
Ange=
klagten das Urteil auf und verurteilte ihn zu einer
Geld=
ſtrafe von 40 Mark. Die Aeußerung Günthers gegen
einen Betrunkenen, der ihn beläſtigte, ſei nicht ſo ſchwer,
daß ſie mit einer Freiheitsſtrafe geahndet werden müſſe,
führte das Gericht in ſeinem Urteil aus. — Der 36jährige
Handelsmann Joh. Liebler aus Offenbach war vom
Schöffengericht Offenbach wegen Bedrohung ſeiner Familie
mit einem geladenen Revolver zu einer Woche Haft
verur=
teilt worden. Auf das Geſchrei der Frau eilte ein
Schutz=
mann herbei und wollte den Liebler feſtnehmen. Bei der
Feſtnahme gebärdete er ſich wie raſend. Wegen Widerſtand
gegen die Staatsgewalt verurteilte ihn das Gericht zu vier
Monaten Gefängnis. Liebler legte nun Berufung gegen
die Verurteilung wegen Widerſtand ein und die
Strafkam=
mer ermäßigte die Strafe auf zwei Wochen
Ge=
fängnis.
g. Die Schwurgerichtsperiode für das erſte Vierteljahr
beginnt am Montag, den 4. März, vorm. 9½ Uhr, unter dem
Vorſitz des Herrn Landgerichtsrat Lebrecht.
* Einer neueren Verfügung der Kgl. Preußiſchen
Ge=
neral=Lotterie=Direktion zufolge ſind die Königl. Preuß
Lotterie=Einnehmer verpflichtet, von jetzt ab ſtrenger als
bisher, auf den rechtzeitigen Eingang der Lotteriegelder
ſeitens der Kundſchaft zu achten, wonach laut § 5 des
amt=
lichen Plans die Erneuerung der Loſe jeweilig bis
ſpä=
teſtens 6 Uhrabends am 4. Tage vor dem Anfang,
der bevorſtehenden Ziehung bei dem zuſtändigen
Einneh=
mer zu erfolgen hat. Die Ziehung der bevorſtehenden 2.
Klaſſe laufender Lotterie findet am 9. und 10.
Februar=
ſtatt und hat die Erneuerung der Loſe daher
beſtim=
mungsgemäß bis ſpäteſtens zum 5. Februar zu erfolgen.
* Der Verwaltungsbericht der Großh. Bürgermeiſterei
für das Verwaltungsjahr 1910 (umfaſſend die Zeit vom
1. April 1910 bis 31. März 1911) iſt ſoeben in einem
ſtatt=
lichen 462 Seiten umfaſſenden Bande im Druck erſchienen.
— Jugendvereinigung der Martinsgemeinde. Am
Sonntag fand unter Leitung des Herrn Pfarrer
Lauten=
ſchläger in der Jugendvereinigung der Martinsgemeinde
eine Zriny=Aufführung zum Beſten dieſes Vereins
ſtatt, die von beſtem Erfolg gekrönt war. Dank und
Lob=
gebührt außer den Mitwirkenden Herrn Ernſt Krautwurm,
Paul Breitbarth, Karl Made und Adolf Wolter, ſowie den
beiden Damen, beſonders dem Leiter der
Jugendvereini=
gung, Herrn Pfarrer Lautenſchläger, der keine Mühe und
Arbeit, die mit der Inſzenierung dieſer Aufführung in
Verbindung ſtehen, geſcheut hat. Eine Wiederholung
dieſer Vorſtellung findet am Sonntag, den 4. Februar,
abends 7 Uhr ſtatt. (Gemeinde=Haus Mollerſtraße 23.)
— Geſchäftsjubiläum. Heute ſind 40 Jahre verfloſſen,
daß die Firma J. A. Boos, Glas= und
Porzellanhand=
lung, Holzſtraße, ihr Geſchäft gegründet hat.
* Das Feſt der ſilbernen Hochzeit feiern am 5. Februak
Herr Wilhelm Diehl, Schuldiener, Emilſtraße 10, und
ſeine Gattin Margarethe geb. Fiſcher.
* Der Cercle francais beginnt wieder ſeine
Verſammlungen Donnerstag, den 1. Februar,
im Hotel Prinz Karl, Karlſtraße. Der Verein hat den
Zweck, Herren und Damen Gelegenheit zu bieten ſich
im Franzöſiſchen zu vervollkommnen. (S. Anzeige.)
— Ein Ereignis für die Markenſammler. Das kleine
Fürſtentum Liechtenſtein, das ſeither nur
öſterrei=
chiſche Marken verwendete, verausgabte am 29. Jan. 1912,
wie wir bereits mitteilten, zum erſten Male eigene
Mar=
ken. Dieſe drei intereſſanten Marken wurden uns von
der Firma Otto Bickel, München 19, bezw. deren Filiale
in Vaduz (Liechtenſtein) am Ausgabetage zugeſandt, die
ſolche gegen 50 Pfg., auch auf eingeſchriebenem Brief,
zu=
adreſſiert. Dieſe drei Marken ſind in dem Schaufenſter
unſerer Expedition ausgeſtellt.
* Eisbahn im Orangeriegarten. Bei günſtigem
Wet=
ter findet am Donnerstag auf der Eisbahn im
Orangerie=
garten Nachtlaufen mit Militärkonzert ſtatt,
* Im Orpheum tritt heute Donnerstag, 1. Februar,
ein Programmwechſel ein. Der neue Spielplan bringt
das mit Spannung erwartete Gaſtſpiel des Enſembles
vom Königl. Belvedere in Dresden. Als Mitwirkende
gehören demſelben an: Elſe Clermont, Alfred Indra,
M. Lee, Walter Ritter, H. Weiße, D. Renard, Reinhold
Freyberg, Trude Troll, Otto Bellmann und Maud
Haw=
ley. — Wenn die vielen Nachfragen, welche im Verlauf der
gegenwärtigen Spielzeit bezüglich dieſer Dresdener Gäſte
an die Direktion gelangten, einen Gradmeſſer für deren
Beliebtheit bilden können, darf füglich behauptet werden,
daß das Belvedere=Gaſtſpiel der Clou der Saiſon und
ſpeziell auch der Karnevalszeit zu werden verſpricht.
Außer einem reichhaltigen Bunten Teil und dem ſchicken
Sketch von Harry Waldau „Fidele Patienten”, gelangt die
diesjährige aktuelle Revue in 14 Bildern und einem
Vor=
ſpiel: „So leben wir” zur Aufführung. — Von beſon=
Himmelserſcheinungen im Februar.
A. K. Die Abnahme der ſüdlichen Deklination
der Sonne geht im Februar ſchon weit ſchneller von
ſtatten als im Januar, während ſie im erſten Jahresmonat
nur 5' 24.'5 betrug, ſteigert ſie ſich im Februar auf 9' 24.5
die Sonne ſteht nämlich am Mittag des 1. Februar bei
— 17 24' 41.‟4 und am Mittage des 29. Februar bei
— 8% 0 13.‟9. Am 20./21. März, Mitternacht, dem
Früh=
lingsanfang, wird ihre Deklination 0' und darauf nördlich.
Um denſelben Betrag nimmt auch die Mittagshöhe
der Sonne zu: alſo für den Parallel von 54‟ (
Norddeutſch=
land) von 18 35.3 am 1. auf 27 59.8 am 29. Februar, für
den Parallel von 51" von 21‟ 35.3 am 1. auf 30% 59.78 am
29. Februar und für den Parallel von 48' (Süddeutſchland
und Oeſterreich, etwa die Breite von Wien) von 24 35.3
am 1. auf 33‟ 59.’8 am 29. Februar. Die Tageslänge
wächſt in Nord= und Mitteldeutſchland von 9 auf 10½
Stunden, in Süddeutſchland, der Schweiz und Oeſterreich
von 9½ auf 11 Stunden.
Der Phaſenwechſel des Mondes vollzieht ſich im
Februar zu nachſtehenden Zeiten: Vollmond am 3., um
12 Uhr 58 Min. vorm., Letztes Viertel am 10., um 1 Uhr
51 Min. vorm., Neumond am 18., um 6 Uhr 44 Min. vorm.,
und Erſtes Viertel am 25., um 8 Uhr 27 Min. nachm. Der
Mond befindet ſich am 2. Februar, um 3 Uhr vorm., in
Erd=
nähe bei einem Abſtande von 56.1 Erdhalbmeſſern und am
14. Februar, um 12 Uhr mittags, in Erdferne bei einem
Abſtande von 63.7 Erdhalbmeſſern à 6378 Kilometer. Am
11 Februar, um 2 Uhr nachm., nähert ſich der Mond dem
Fixſterne 1.2. Größe Alpha des „Skorpions” und am 26.
Februar, 11 Uhr nachm., dem Sterne 1.8. Größe Beta des
Stiers” ſehr bedeutend; am frühen Morgen des erſten
Tages ſieht man daher das Letzte Viertel des Mondes noch
weſtlich, am Abende des 26. das Erſte Viertel aber ſchon
recht nahe bei dem Fixſtern.
Von den ſieben Hauptplaneten bieten im Februar
die meiſten günſtige Gelegenheit zur Beobachtung.
Mer=
kur, der Anfang März ſeine obere Sonnenkonjunktion
er=
reicht, bleibt unſichtbar. Am 7. Februar, um 7 Uhr
mor=
gens, hat er eine nahe Konjunktion mit dem (ebenfalls
un=
ſichtbaren) Uranus. — Venus ſtrahlt zunächſt noch 1½
Stun=
den lang im Sternbilde des „Schützen”, ſpäter kürzere Zeit
im Bilde des „Steinbocks” als Morgenſtern am ſüdöſtlichen
Himmel, verſchwindet aber am Monatsende in der hellen
Morgendämmerung, um darauf lange Zeit unſichtbar zu
bleiben; denn erſt im Oktober taucht ſie als Abendſtern
wieder auf. Sie iſt nicht zu verwechſeln mit dem ebenfalls
ſehr ſtark glänzenden, weſtlich (rechts) von ihr ſtehenden
Jupiter. Bei einem Abſtande von anfänglich 1.16, zuletzt
1.33 Erdbahnhalbmeſſern à 149.48 Millionen Kilometer
ver=
kleinert ſich ihr Scheibendurchmeſſer von 14.‟5 auf 12."6.
Am 14. Februar, um 11 Uhr abends, gelangt der Mond
mit Venus in Konjunktion, am nächſten Morgen, nach
Auf=
gang der beiden Geſtirne, hat ſich die abnehmende
Mond=
ſichel indeſſen ſchon eine Strecke nach Oſten (links) von der
Venus entfernt. Am 24. Februar, um 10 Uhr abends,
kommt Venus mit Uranus in Konjunktion, bei der ſie nur
39’ nördlich von dieſem ſteht; Uranus iſt aber, wie ſchon
be=
merkt wurde, zu lichtſchwach für die Beobachtung am
Mor=
gen. — Mars tritt als noch immer ſtark leuchtender roter
Stern gleich nach Eintritt der Abenddämmerung hoch im
Süden hervor, wo er am Monatsbeginn um 7 Uhr, am
Monatsſchluſſe ſchon um 6 Uhr kulminiert. Man findet
ihn ſehr leicht, da er zuerſt dicht unter dem Siebengeſtirn
weilt und ſich erſt im Verlaufe des Monats nach Oſten
(links) von dieſem entfernt. Mit dem ſüdweſtlich von ihm
ſtehenden Saturn und dem ſüdlich von ihm ſtehenden
Alde=
baran bildet er ein wunderſchönes Dreieck. Mars entfernt
ſich von der Erde von 0.96 auf 1.24 Erdbahnradien, und
ſein ſcheinbarer Durchmeſſer verkleinert ſich von 9."7 auf
7.‟5. Am 26, Februar, um 5 Uhr morgens, hat der Mond
mit Mars Konjunktion. Da beide Geſtirne aber ſchon gegen
3 Uhr untergehen, iſt die größte Annäherung nicht zu
beob=
achten; doch ſchon vorher erblickt man das Erſte Mondviertel
nahe weſtlich (rechts) von dem Planeten. — Von den
Aſteroiden gelangt die am 7. März 1829 als vierter kleinet
Planet von Olbers entdeckte Veſta am 16. Februar in
Oppoſition. Ihr Standort iſt an dieſem Tage Rektaſzenſion
10h 9,0m und Deklination — 20‟ 20.'4, alſo ſehr nahe
weſt=
lich von dem hellen Sterne Gamma des „Löwen‟ Da
Veſta, die ſonſt nur die Größe 9 beſitzt, in der Oppoſition
zur Größe 6.6 anſchwillt, kann man ſie ſchon mit ſchwachen
optiſchen Hilfsmitteln erkennen. — Jupiter leuchtet als
prächtiges Geſtirn im Bilde des „Skorpions” am
ſüdöſt=
lichen Morgenhimmel, weſtlich (rechts) von Venus. Er geht
ſtetig früher, zuletzt ſchon um 2½ Uhr, auf. Die Entfernung
der Erde vom Jupiter nimmt ab von 5.77 auf 5.34
Erd=
bahnhalbmeſſer, während ſein ſcheinbarer Durchmeſſer von
34.‟6 auf 37."4 anwächſt. Am 11. Februar, um 10 Uhr
abends, kommt der Mond mit dem Planeten in
Konjunk=
tion; am folgenden Morgen erblickt man daher das Letzte
Viertel ſchon ſüdöſtlich vom Jupiter. — Saturn gewahrt
man als Stern 1. Größe im Bilde des „Widders” bei
Ein=
tritt der Abenddämmerung hoch im Süden; er kulminiert
anfänglich um 6, zuletzt bereits um 4¼ Uhr. Seiner
Stel=
lung ſüdweſtlich (rechts unten) von Mars und
Sieben=
geſtirn haben wir oben ſchon gedacht. Am 3. Februar, um
9 Uhr nachm., befindet er ſich in Quadratur zur Sonne.
Da ſich der Abſtand der Erde vom Saturn von 9.04 auf
9.40 Erdbahnradien erweitert, vermindert ſich ſein
Scheiben=
durchmeſſer von 18.‟0 auf 17.‟2. Die große Achſe der
Ringellipſe beträgt am 15. Febr. 40.‟5, die kleine Achſe 14."4;
das Ringſyſtem iſt auf ſeiner Südfläche ſichtbar. Eine
Konjunktion des Mondes mit Saturn ereignet ſich am 24.
Februar, 9 Uhr vorm., alſo nach Untergang und am Tage;
man beachte aber die ſchönen Konſtellationen von Mond,
Saturn, Siebengeſtirn, Mars und Aldebaran an den
Aben=
den des 24. und 25 Februar. — Uranus, der am
Mor=
genhimmel ſteht, bleibt unſichtbar. Sein Erdabſtand ver
windert ſich von 20.72 auf 20.53 Erdbahnhalbmeſſer. —
Neptun, nach wie vor in den „Zwillingen” befindet ſich
in vorteilhafteſter Stellung für die Beobachtung, die freilich
nur für Beſitzer kräftigerer Inſtrumente Zweck hat. Seine
Entfernung von uns beläuft ſich am 1. Februar auf 29.4
am 29. Februar auf 29.31 Erdbahnhalbmeſſer, ſein
Scheiben=
durchmeſſer beträgt nur 2.6, ſeine Helligkeit 7. Größe. Die
genauen Poſitionen des Neptun ſind: am 1. Februar
AR 7h 34m 12s und D — 21' 6 14” am 29. Februar
AR 7h 31m 35s und D - 21% 12' 41‟
In der zweiten Hälfte des Monats bietet ſich an klaren,
mondſcheinloſen Abenden Gelegenheit, den zarten
Schim=
mer des Tierkreis= oder Zodiakallichtes zu
be=
obachten. Er erſcheint gegen Ende der hellen erſten (
bür=
gerlichen) Dämmerung als ein über dem weſtlichen
Hori=
zont aufragender, ſchräg nach links geneigter hoher Kegel,
deſſen Achſe auf die untergegangene Sonne weiſt.
Richten wir unſeren Blick abends gegen 10 Uhr an den
geſtirnten Himmel, der beſonders in den mondſchein=
Nummer 27.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 1. Februar 1912.
Seite 3.
ederem Intereſſe dürfte ſein, daß ſeine Königl. Hoheit der
Großherzog gelegentlich ſeiner Dresdener Reiſe, der
„heiteren Kunſt im Belvedere” die Ehre ſeines Beſuches
hat zu teil werden laſſen. (S. Anz.)
§ Tierquälerei. Im Jahre 1911 wurden von der
hieſigen Schutzmannſchaft in elf Fällen Strafanzeigen
wegen Tierquälerei erhoben. In vier Fällen handelt es
ſich um rohe Mißhandlung von Zugtieren durch Stock=
und Peitſchenhiebe, in einem Fall um Treten eines
ge=
fallenen Pferdes, in einem Fall um Schlagen eines
Pferdes mit einem Schippenſtiel und in fünf Fällen
um rohe Mißhandlung von Hunden. Das gegen die
Angezeigten eingeleitete Strafverfahren hatte Geldſtrafen
von 20 bis 50 Mk., ſowie in einem Falle eine Haftſtraſe
von vier Wochen zur Folge.
Karneval in Darmſtadt.
* Karnevalgeſellſchaft Narrhalla. Der Große Rat
ſchreibt uns: Kammerſänger Heinrich Spemann
ſſingt am Sonntag abend in der Narrhalla am
Woogsplatz. Das iſt eine Nachricht, die gewiß allgemein
eintereſſieren dürfte. Der Große Rat hat für ſeine nächſte
Veranſtaltung den Rahmen eines Künſtlerabends
gewählt. Und zwar ſollen die Darbietungen der Kapelle
Hauske hinüberführen zu dem Auftreten eines
erfolgrei=
chen muſikaliſchen Genies im exzentriſchen Gewande,
dann zu Geſangsvorträgen des Frl. Hede Schaub,
der Soubrette unſerer Hofoper, und danach zum Clou des
Abends, den Geſängen unſeres früheren Heldentenors,
Jetzigen Lippeſchen Kammerſängers Heinrich
Spe=
mann. Frl. Hede Schaub hat es in vorzüglicher Weiſe
rerſtanden, durch ihre geſanglichen Leiſtungen im
Ver=
ſein mit vortrefflichem Spiel und dem Liebreiz ihrer
Er=
ſcheinung ſich die Herzen des Theaterpublikums zu
er=
robern. Sie wird nun auch, des ſind wir gewiß, im
Kon=
zertſaal, in der Folie fröhlicher Karnevalkunſt, Triumphe
tfeiern, umſomehr, als ſie ſonſt wenig gehörte Lieder und
Kompoſitionen ſingen wird. Außerdem ſteht der Große
Rat noch mit einem weiteren hervoragenden Künſtler in
IUnterhandlung, und da die ſeit Tagen ſchwebenden
Ver=
shandlungen mit Kammerſänger Spemann heute ſicher
zzum Abſchluß gelangen, dürfte es der Karnevalgeſellſchaft
gelingen, einen Künſtlerabend zu bieten, der ſicher zu
den ganz beſonderen Genüſſen der Karnevalſaiſon zählen
wird. Weitere Mitteilungen folgen.
* Geſellſchaft „Harmloſe‟ Man ſchreibt uns:
Als weje de Leit!‟ Das iſt die Deviſe, melche der am
Sonntag, den 4. Februar d. J. im Kaiſerſaal
ſtatt=
findenden Damen= und Herrenſitzung der Geſellſchaft
„Harmloſe” zu Grunde liegt. Die Vorbereitungen hierzu
ſind beendet und das Programm endgültig feſtgelegt.
Außer den bekannten und bewährten hieſigen
Bütt=
rednern, wie: Adam, Bauſcher, Delp (Protokoll) Dreeſte,
Engel und Rupp, werden noch einige Neu inge auf
karnevaliſtiſchem Gebiet auf dem Plan erſcheinen. Mit
originellen Couplets wird Narr Bingenheimer auch
diesmal wieder die Narrenſchar erfreuen. Gleichfalls iſt
das Liederbuch ſehr reichhaltig ausgeſtaltet, für welches
die beſtbekannten hieſigen Liederdichter Beiträge geſpendet
haben. Ferner wird eine humoriſtiſche gymnaſtiſche
A ffübrung wieder eine angenehme Abwechslung im
Programm darſtellen. Schließlich wird die Kapelle
Weber, welcher der muſikaliſche Teil für dieſen Abend
übertragen iſt, nicht minder zu einem herrlichen Verlauf
der Veranſtaltung, beitragen. Der Beginn iſt mit
Rück=
ſicht auf das reichhaltige Programm 6 Uhr 11 Min.
feſtgeſetzt, damit ſpäteſtens 11 Uhr mit dem Tanz, der
im Fürſtenſaal ſtattſindet, begonnen werden kann. Eine
echt karnevaliſtiſche Darbietung ſteht hiernach in
Aus=
ſicht. (Näheres ſiehe Anzeige und Anſchlagſäulen).
* D. H. V. Man ſchreibt uns: Die Vorbereitungen
zu der am Sonntag, den 4. Fehruar, im Schützenhof
ſtattfindenden großen karnevaliſtiſchen Damen= und
Herrenſitzung, vera iſtaltet von der hieſigen Ortsgruppe
des Deutſch=nationalen Handlungsgehilfen=
Verbandes, ſind beendigt und laſſendarauf ſchließen,
daß die Sitzung brillant wird. Es werden erſte hieſige
Karnevalskräfte die Bütt beſteigen. Daß mit dem
Tanz etwas früher begonnen werden kann, iſt der
Sitzungsanfang auf 6 Uhr 11 Min. feſtgeſetzt. (Siehe
Anzeige).
— Weiterſtadt, 31. Jan. Es ſei an dieſer Stelle darauf
hingewieſen, daß das Theaterſtück ’s Müllerſch Lisl
vunn Michlboch” auf vielſeitigen Wunſch am nächſten
Sonntag, den 4. Februar, abends 8 Uhr, im „Löwen”
wieder=
holt wird.
* Langen, 31. Jan. Zu dem vom Geſangverein „
Froh=
ſinn” veranſtalteten Preisſingen hat der
Großher=
og einen Ehrenpreis geſtiftet.
m. Stockſtadt, 31. Jan. Beim Wildern erwiſcht
wurden heute 3 Frankfurter Herren, die mit einem Frettchen
in hieſiger Jagd den Kaninchenfang ausübten. Der
Jagd=
aufſeher Herr Clauſius und der Jäger Siebecker nahmen
den Herren die Jagdbeute und das Frettchen ab. Anzeige
iſt erſtattet.
Gießen, 31. Jan. In verfloſſener Nacht wurde in der
Rodheimer Straße ein Arbeiter aus Heuchelheim von einem
Zuge der Biebertalbahn überfahren und getötet.
Nach den Angaben des Zugperſonals ſprang der Mann
plötzlich hinter einem Baum hervor und warf ſich vor die
Maſchine des Zuges, ſodaß angenommen wird, daß
Selbſt=
mord vorliegt.
Friedberg, 30. Jan. Auf unſerem neuen Güterbahnhof
trug ſich wiederum ein Unfall zu. Ein Zimmergeſelle
ſtürzte von einem Neubau des Bahnhofes herab und
er=
litt außer einem Schädelbruch noch ſchwere innere
Ver=
letzungen. Er wurde ins Hoſpital gebracht. Dem am 25.
Januar verunglückten Eiſenbahnarbeiter Beier aus Ockſtadt
wurde das Bein bis zum Knie abgenommen.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 30. Jan. Der Inhaber des
Lehrſtuhls für Geſchichte der Medizin an der Berliner
Univerſität, Profeſſor Julius Pagel, iſt heute früh an
den Folgen eines kürzlich erlitenen Schlaganfalles
ver=
ſtorben. Er war der Herausgeber des Biologiſchen
Lexikons, ſowie Bibliothekar der Berliner Mediziniſchen
Geſellſchaft. — Der ehemalige Chefredakteur der
Voſſi=
ſchen Zeitung, Friedrich Stephany iſt heute früh
nach kurzem Krankenlager geſtorben. Der Verſtorbene
gehörte zu den geachtetſten und älteſten Journaliſten der
Reichshauptſtadt und war, wie die Voſſiſche Zeitung in
ihrem Nachruf ſagt, ein Mann von echtem Schrot und
Korn. Er iſt zwar 1900 ſchon von der Chefredaktion Ur
Voſſiſchen Zeitung zurückgetreten, blieb aber immer noch
Redakteur der wiſſenſchaftlichen Sonntagsbeilage des
Blattes, die durch eine lange Reihe gediegener Artikel
bekannt iſt. — Generalleutnant z. D. Sarwey, Inhaber
des Eiſernen Kreuzes erſter Klaſſe, iſt im Alter von 75
Jahren in Charlottenburg geſtorben.
Frankfurt, 31. Jan. In einem vornehmen Hotel
Frankfurts wurde geſtern im Laufe des Tages ein kühner
Diebſtahl, der an die Art des verſtorbenen
Mano=
lescu erinnert, ausgeführt. Ein bekannter Sportsmann,
der bis zum Februar in jenem Hotel Wohnung
genom=
men hat, da ſich ſeine Villa zur Zeit im Umbau befindet,
vermißte bei ſeiner Rückkehr in ſeine Appartements nach
einem Spaziergange Juwelen im Werte von 25000 Mk.,
die ſich im Lederkoffer befunden hatten. Die
Kriminal=
polizei wurde ſofort benachrichtigt und hat ſchon zur
Stunde umfaſſende Recherchen eingeleitet. Das übliche
Rundſchreiben an auswärtige Polizeibehörden,
Pfand=
häuſer und Juweliere iſt telegraphiſch abgegangen.
Heidelberg, 30. Jan. Der Bürgerausſchuß
ge=
nehmigte heute nachmittag mit 91 gegen 9 Stimmen die
vom Stadtrat angeforderte Summe von 780000 Mark für
den Um= und Neubau des Heidelberger
Rat=
hauſes nach dem vom Heidelberger Architekten Franz
Kuhn für die Ausführung bearbeiteten preisgekrönten
Entwurf des Stuttgarter Architekten Wilhelm Graf, der
ſich in Anlehnung an die zu erhaltende alte Markt=
Faſ=
ſade vom Jahre 1702 in den Formen eines dezenten
Barock=Stils hält. Der Geheime Baurat Hofmann=
Darmſtadt befürwortete als Mitglied des
Preisrich=
terkollegiums die Stadtratsvorlage ſehr wirkſam in der
Bürgerausſchußſitzung.
München, 31. Jan. Die bayriſche
Poſtverwal=
tung hat ſich entſchloſſen, eine Anzahl gebrauchter bayriſcher
Freimarken zu 3 und 5 Mk. (Wappenzeichnung), ſowie
Eiſenbahndienſtmarken zu 80 Pfg. in Loſen zu 10 Stück dem
Verkauf zu unterſtellen. Die Marken werden Mitte
Februar 1912 durch das Verkehrsamt an die Beſteller in
frankierten Einſchreibebriefen unter Nachnahme des
Kaufpreiſes und der Poſtgebühren verſendet. In den
Albums der meiſten Briefmarkenſammler findet man nur
ſelten einmal ſchön geſtemvelte und gut erhaltene hochwertige
Bayernmarken. Die 3=Mk.= und 5=Mk.=Werte werden zur
Frankatur von Briefen nur ſelten verwendet, es ſind deshalb
auch nur verhältnismäßig wenig ſolcher Marken in
Privat=
händen. Die Poſtverwaltung ſelbſt iſt aber dadurch, daß
ſie die Marken, die ſich auf Poſtanweiſungen, Paketadreſſen
und Barfrankierungsformularen befinden, hat anſammeln
laſſen, im Beſitze großer Beſtände dieſer begehrten Marken.
In Sammlerkreiſen wird es ſicherlich mit Freude begrüßt
werden, daß ſich die Poſtverwaltung entſchloſſen hat, dieſ=
Marken zu annehmbaren Preiſen zu veräußern.
München, 30. Jan. Der Genre= und Porträtmaler
Heinrich Burckhardt iſt geſtorben.
Nürnberg, 30. Jan. Ueber ein ſchweres
Brand=
unglück, das ſich heute abend im Nürnberger Betriebe
der Maſchinenbau=Aktiengeſellſchaft in Augsburg=
Nürn=
berg ereignete, gibt die Fabrikleitung folgende Auskunft:
In dem Probierraum entſtand heute abend gegen ¾6 Uhr
auf unaufgeklärte Weiſe ein Schadenfeuer, das das
Holz=
gerüſt erfaßte. Durch auslaufendes Schmieröl wurde das
Feuer ſtark genährt. Eine durch das Feuer verurſachte
Ex=
ploſion verhinderte die raſche Entfernung des
Bedie=
nungsperſonals, ſodaaß mehrere Ingenieure und Monteure
ſchwere Brandwunden erlitten. Bei den
Aufräumungsar=
beiten fand man vier Tote; die Zahl der Verletzten beträgt
elf. Auf der Unglücksſtelle erſchienen Nachtzüge der Sie
mens=Schuckert=Feuerwehr, die ſtädtiſche Feuerwehr, das
eigene Fabrik= und Sanitäts=Perſonal und die Nürnberger
Sanitätskolonne mit acht Wagen, die Staatsanwaltſchaft
und die Baupolizei. Das Feuer war nach einer Stunde
gelöſcht. Der Sachſchaden iſt kein weſentlicher. Der Betrieb
wird in vollem Umfange aufrechterhalten.
Köln, 31. Jan. Der berüchtigte D=Zugdieb Otto
Belligſer iſt in der vergangenen Nacht aus dem Kölner
Gefängnis entſprungen. Er machte im vergangenen
Jahre die internationalen D=Züge unſicher. Einmal
fie=
len ihm Schmuckſachen im Werte von 30000 Mark in die
Hände.
Oberhof, 31. Jan. Das Großherzogspaar
von Sachſen=Weimar iſt mit Gefolge zum
Winter=
ſport in Oberhof eingetroffen und im Schloßhotel
abge=
ſtiegen.
Greifswald, 31. Jan. Die Obduktion hat ergeben,
daß der Tod des Studenten Reutelhuber
durch Verblutung nach einer ſchweren Bruſtkorbverletzung
eingetreten iſt. Die Menſur wurde vom Greifswalder
Korps der „Preußen” ausgetragen. Die Leiche iſt frei
gegeben und bereits nach dem Heimatsort Ludwigshafen
übergeführt worden.
Prenzlau, 31. Jan. Der Kaſtellan des Gerichtsge
bäudes hörte geſtern abend bei einem Rundgang Schritte,
die ſich aus dem Keller die Treppe hinaufbewegten. Er ging
dem Geräuſch nach und befand ſich plötzlich zwei Männer:
gegenüber, von denen der eine einen Revolver zog und
einen Schuß auf den Kaſtellan abgab. Der Beamte ſtürzte
zu Boden und verlor die Beſinnung. Die beiden Männer
flüchteten auf die Straße. Inzwiſchen war die Frau des
Kaſtellans auf den Schuß hinzugeeilt und rief laut um Hilf=
Infolgedeſſen eilten mehrere Perſonen den Geflüchteten nach
Der Schneidermeiſter Leonhardt wurde, als er ſich ihnen
näherte, ebenfalls zu Boden geſtreckt. In der Dunkel
heit gewannen beide Verbrecher das Freie. An dem Auf
kommen des Kaſtellans und des Schneidermeiſters wird ge
zweifelt.
Luxemburg, 31. Jan. Faſt die ganze ſtreikende
Mann=
ſchaft in Differdingen hat die Arbeit wieder
aufgenommen. Die Bahnarbeiter erhalten eine täg
liche Lohnerhöhung von 25 Pfg. Das Militär iſt teilweit
wieder abgefahren. Der Streik iſt in der Hauptſache be
endet. Die Regierung erklärt, von einem Ausweiſungsbefehl
an Italiener nichts zu wiſſen.
Paris, 31. Jan. Aus verſchiedenen Teilen
Frank=
reichs wird große Kälte gemeldet. Das
Thermo=
meter iſt plötzlich auf 6—7 Grad unter Null geſunken. Bis
her herrſchte in ganz Frankreich das ſchönſte Frühlings
wetter, welches überall Bäume und Sträucher zum Aus
ſchlag brachte.
Paris, 31. Jan. Auf dem Bahnhofe von Torcé auf
der Bahnlinie Mons=Mamers entgleiſte ein
Perſo=
nenzug. Eine Lokomotive ſtürzte über den Bahndamm
in einen Bach. Der Lokomotivführer wurde getötet, vier
Reiſende verletzt.
London, 31. Jan. Aus New=York wird
telegra=
phiert, daß geſtern die Gewölbe des niedergebrannten
Equitable=Palaſtes geöffnet wurden und
Wert=
papiere im Betrage von 1600 Millionen in Sicherhei!
gebracht wurden. Es war notwendig, einen Tunne
durch die Ruinen zu ſprengen. Die Wertpapiere hatter
loſen Zeiten, alſo vorwiegend zwiſchen dem 6. und 21
Februar, noch ſeine winterliche Pracht zeigt, ſo ſehen wir
den breiten Sternenſtrom der Milchſtraße vom Südſüdoſt=
Horizont aufſteigen und weſtlich am Zenit vorbei zum
Weſt=
nordweſt=Horizont herabſinken, um jenſeits, am ſüdlichen
Himmel, den Kreis zu vollenden. Erſt in allerneueſter Zeit
beginnt man wieder einzuſehen, daß unſer galaktiſches
Spiralſyſtem zwar alle die Millionen einzeln ſichtbarer
Fixſterne und mit ihnen die von den Teleſkopen
auflös=
baren Sternhaufen, ſowie einen Teil der Nebel in ſich
ſchließt, daß es aber von den Tauſenden und Abertauſenden
unauflösbarer Nebel, mit denen das All beſät iſt, durch
ungeheure Zwiſchenräume getrennt wird; man fängt endlich
wieder an, von dem abſurden Gedanken, es gebe nur ein
großes Weltſyſtem, eben unſer Milchſtraßenſyſtem,
abzu=
kommen und die Vielheit der Welten auch im Großen gelten
zu laſſen. Es vollzieht ſich hier dieſelbe Wandlung wie in
der Vulkanologie und Seismologie: die ſogenannte alte
Schule hat doch recht. — Grade im Süden funkelt um 10
Uhr abends der Sirius im „Gr. Hund”, links darüber der
Prokyon im „Kl. Hund” und rechts von beiden ſchreitet in
aufrechter Haltung das Bild des „Orion” einher, an deſſen
drei hellen Gürtelſternen der Himmelsäquator unmittelbar
nördlich vorbeizieht, deſſen Kopfſtern Beteigeuze, alſo der
Nord= und deſſen Fußſtern Rigel der Südhemiſphäre
an=
gehört. Oberhalb des „Orion” gewahrt man „Stier”,
„Fuhrmann” und „Perſeus” an und in der Milchſtraße
gruppiert, oberhalb des Prokyon die „Zwillinge” Caſtor
und Pollux im Tierkreiſe, den nach Oſten zu „Löwe” und
„Jungfrau” fortſetzen, und den im Weſten der Widder”
abſchließt. Rechts von dieſen weiſen die drei auffallenden
Sterne der „Andromeda” zum Nordweſten herab, und nicht
weit davon ſteht innerhalb der Milchſtraße das W der
Caſſiopeja” Am Nordnordweſthorizont bemerkt man
Deneb im „Schwan”, grade im Norden Wega in der „Leier”
und tief im Nordoſten Arctur im „Bootes‟. Den
Nord=
oſten über Arctur beherrſcht der „Große Bär”.
Konzerte.
* In der durch eine ſchöne Akuſtik ausgezeichneten,
ſtil= und ſtimmungsvollen Aula der Techniſchen
Hoch=
ſchule die einen idealen Konzertſaal abgeben würde,
ver=
ſtaltete der Ausſchuß der Freien Studenten=
ſchaft am Dienstag zum Beſten der akademiſchen
Leſe=
halle ein Konzert, an dem die Violinvirtuoſinnen
Tula und Maria Reemy aus Eiſenach und die
Damen Frl. v. Willmann und Mathilde und
Wilhel=
mine Heißner von hier mitwirkten. Das Programm
wurde eröffnet mit dem Konzert in D-moll für zwei
Vio=
linen von J. S. Bach, deſſen Wiedergabe ſogleich den
günſtigſten Eindruck von der muſikaliſchen Intelligenz und
dem techniſchen Können der Schweſtern Reemy
er=
weckte. Wie der erſte Vivace=Satz und der letzte
Allegro=
ſatz mit fließender und ſouveräner Technik, ſo wurde der
zweite Largoſatz mit ebenſo viel Tiefe der Empfindung
wie Schönheit und Wärme des Tones geſpielt. Ihre
allem Gekünſtelten und äußerlicher Effekthaſcherei fremde,
aber in allen techniſchen Dingen zuverläſſige Kunſt
be=
währte ſich auch in den beiden folgenden Nummern, der
Suite in D=moll für zwei Violinen von Draeſeke, einer
geiſtvollen, wenn auch etwas ſpröden Kompoſition, und
dem Doppelkonzert in H-=moll für zwei Violinen mit
Klavierbegleitung von L. Spohr, die den Interpretinnen
höchſte Aufgaben ſtellte.
Als eine Klavierſpielerin von bedeutendem
pianiſti=
ſchen Können und echtem künſtleriſchen Empfinden und
Geſchmack zeigte ſich Fräulein v. Willmann, die auch
die Violinvorträge begleitete, in den ſehr hübſch
geſpiel=
ten drei Stücken: Präludium und Fuge in F-moll von
Fr. Händel, „Des Abends” von R. Schumann und „
Alle=
gro appaſſionato” von C. Saint=Saéns. Frl. Mathilde
Heißner trug die Arie „Höre, Iſrael” aus „Elias”
Variationen von Proch, „Aufträge” von Schumann und
ein Wiegenlied eigener Kompoſition vor. Die Sängerin
hat eine tüchtige und ſolide Ausbildung erhalten und
er=
wies ſich in allen Vorträgen als geſanglich zuverläſſig
und ſicher. Stimme, Vortrag und die Prochſche
Kolora=
turprobe ſcheinen ſie auf das Koloraturfach zu verweiſen.
Die Lieder wurden von Frl. Wilhelmine Heißner auf
dem Klavier ſehr gewandt und hübſch begleitet.
Sämt=
liche Künſtlerinnen ernteten lebhaften Beifall.
Vorträge.
C „Unſer Garten” war das Thema eines
hoch=
intereſſanten Vortrages, den am Dienstag abend Herr
Viktor Zobel auf Veranlaſſung der Freien
Lite=
rariſch=Künſtleriſchen Geſellſchaft im Mathildenhöhſaale
hielt. Die Betrachtungen des Vortragenden galten in
erſter Linie den Hausgärten, waren aber keineswegs auf
dieſe beſchränkt. In hiſtoriſchen Betrachtungen verbrei
tete er ſich eingangs über die Entwickelung der Garten
kunſt überhaupt und ſtellte dabei feſt, daß wir von den
alten Gärten der Babylonier, Griechen nichts wiſſen
auch von den Römern iſt kaum etwas auf unſere Tage
überkommen. Im weſentlichen iſt heute noch für uns
vorbildlich der Garten der italieniſchen Renaiſſance,
wenigſtens in der grundſätzlichen Geſtaltung. Dieſe Gar
tenkunſt der italieniſchen Renaiſſance ſtand auf einer
Höhe, wie ſie vielleicht nie wieder erreicht wird.
Beein=
flußt von ihr iſt auch die Gartenkunſt des franzöſiſchen
Barock, namentlich unter Ludwig XIV. Sie iſt durchaus
der Ausdruck einer ſouveränen fürſtlichen Macht, architet
toniſch geſtaltet und dem Gelände angepaßt. Aus dem
Barock entwickelte ſich dann der Rokokogarten, der
gewiſ=
ſermaßen von dem fürſtlichen zum bürgerlichen Garten
hinüberleitet. Von Frankreich hat England viel gelernt,
aber es hat doch nicht die geſchloſſene Form übernommen.
Von England ging dn Landſchaftsſtil aus, der erſt auf
dem Kontinent die (tſchhmackloſigkeiten zeitigte, die man
heute ſo oft noch finzlich Heute iſt man in England
wie=
der auf einer außerein, itlich hohen Stufe in der Geſtalt
ung des Hausgarte Renngelangt, ſo daß wir heute in
Deutſchland viel menſeEngland lernen können. Dieſes
Lernen darf nati.
mnicht in ſklaviſcher Nachahmung
beſtehen. Schon ulſere Blima und unſere Pflanzen ſtellen
ganz andere Bedingungen. Für unſere Bedürfniſſe iſt
eben am wichtigſten und maßgebend für unſere heutigen
Forderungen der deutſche Garten, der von dem
franzöſiſchen mancherlei Verſchiedenheiten zeigt. Zu
be=
kämpfen iſt nur der ſo oft gemachte Fehler, kleine Gärten
ſo zu geſtalten, daß ſie ein großes Stück Natur vortäu
ſchen ſollen; das führt ſtets zu Spielereien. Zur
Gar=
tengeſtaltung gehört für uns wenn irgend möglich ein
grundlegender freundlicher Gedanke und als wichtigſter
Faktor neben dem Verſtändnis die Liebe zur Pflanze.
In Darmſtadt iſt eine ganze Reihe glücklich gelöſter
Hausgärten vorhanden, ſo ſolche von den Profeſſoren
Pützer, Walbe, Hofmann, Vetterlein, der Garten am
Oſtermannſchen Haus, vor der Hypothekenbank und der
Paulusplatz, der Heylshof uſw.
Eine Anzahl reizender Lichtbilder bildete eine ſehr
inſtruktive Illuſtration des Vortrages, der mit reichen
Beifall dankbar aufgenommen wurde.
Seite 4e
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 1. Februar 1912.
Nummer 27.
zum Teil durch Waſſer, nicht aber durch Feuer gelitten
und konnten durch neue erſetzt werden.
Petersburg, 30. Jan. Der Witwe Tolſtois wurde
vom Kaiſer eine jährliche Penſion von 10000 Rubel
ver=
liehen.
Petersburg, 30 Jan. Vor dem Senat begann unter
Ausſchluß der Oeffentlichkeit der Prozeß gegen 159 Mie
glieder der armeniſchen Revolutionspartei. Es ſind 330
Zeugen geladen.
Lodz, 30. Jan. Als Polizeibeamte zwei Verbrecher,
die ſich in einem Hauſe in der Fiſchergaſſe aufhielten,
auf=
forderten, ſich zu ergeben, gaben die Verbrecher durch
die Türe Revolverſchüſſe ab, die die Polizeibeamten
erwiderten. Sie töteten einen und verwundeten den anderen
ſchwer. In dem Hauſe wurden anarchiſtiſche Aufrufe
ge=
funden.
Czenſtochau, 31. Jan. Nach der Meldung eines
hieſi=
gen Blattes iſt der frühere Prior Reimann des
Klo=
ſters, in welchem der Juwelenraub am
Marien=
bilde und der Brudermord eines Mönchs vorgekommen
iſt, über Bremen nach Amerika geflüchtet. Sein
Pro=
zeß ſollte im Februar ſtattfinden.
Feuilleton.
— Eine Uraufführung von Paul Heyſe. Aus München
wird uns geſchrieben: Paul Heyſes „Die ſchwerſte
Pflicht” das im Königl. Reſidenztheater zur
Urauf=
führung gelangte einaktige Trauerſpiel, behandelt die
Frage, ob es dem Arzt erlaubt iſt, zu töten, um Leiden
ab=
zukürzen. Ludwig Hochſtetten, deſſen Vater im Wahnſinn zur
Piſtole griff, hat ſich von einem Freunde verſprechen laſſen,
daß er ihn töte, wenn er auch von dem Leiden befallen
werde. Doch, was der Student einſt verſprochen, will der
fertige Arzt nicht halten. Allein der vor der Furcht nahenden
Wahnſinns Verzweifelte weiß ihn zu überreden, das
Mit=
leid bezwingt ihn. Er zeigt dem Unglücklichen, wie und auf
welche Stelle er zielen muß. um raſch vom Leben erlöſt zu
ſein. Der Gewiſſenskonflikt des Arztes wird dadurch
ver=
ſtärkt, daß der Mediziner und die Frau des Selbſtmörders
ſich lieben. Nicht die Tat trennt xe Beiden auf ewig, aber
die Möglichkeit, aus dieſer, d! Taus Mitleid geſchehen,
egoiſtiſchen Nutzen zu ziehen.
vornehmſter Kunſt, in
ond
ſpannendſter Handlung hat Hey
en Konflikt behandelt.
Dr. Kilian bewährte ſich wiede‟: * Regiſſeur, und die
Fierte
Herren v. Jacobi und Grauma
wie Frau v. Hagen
boten mit feiner Kunſt verinner) um 6
unglücklichen Menſchen. Der reieUhr oseſtaltungen der drei
Orifall des Stückes war
wohlverdient.
— Der Arzt als Sherlock Holmes. Im Wartezimmer
eines Pariſer Arztes, ſo erzählt der Gaulois, erſchien dieſer
Tage ein beſcheidener Mann. Der Arzt muſtert ihn mit
ſcharfem Kennerblick, er hat wohl Sherlock Holmes geleſen,
denn er erkennt und weiß ſofort alle Urſachen jedes Uebels.
Es iſt übrigens kein ſchwerer Fall, ein wenig Neuralgie,
Appetitloſigkeit und Gliederſteifheit. Der Arzt unterſucht
den Fremden und ſchüttelt den Kopf: „Immer dasſelbe, dieſe
Pariſer! Sicher führen Sie eine ſitzende Lebensweiſe, Sie
ſitzen den ganzen Tag?” „Jawohl,” ſagt ſchüchtern der
Kranke. „Und Sie wohnen im Hinterhaus? „Jawohl”.
„Kleine Zimmer, wenig Licht?” „Nun ja, man iſt eben nicht
reich!” „Schön, mein Freund, ich werde Ihnen ſagen, was
Ihnen fehlt. Friſche Luft, mein Lieber, Sie haben zu wenig
friſche Luft! Ziehen Sie aus, gehen Sie ſpazieren, ſitzen Sie
nicht den ganzen Tag herum, Friſche Luft! Friſche Luft!”
Der Patient lächelt milde. „Sie lächeln? Warum lächeln
Sie?‟ „Ach Herr Doktor, ich bin — Omnibuskutſcher auf der
Linie Panthéon=Courcelles .
* Eine tragikomiſche Szene. Der Generalſekretär der
Pariſer Vereinigung der Wohnungsmieter, Cochon, erfreute
die Frühaufſteher durch eine tragikomiſche Szene. Gegen
8 Uhr erſcheinen in den Tuilerien gegenüber vom Louvre
zwei Männer mit einem Karren, der mit Brettern und
Steinen beladen war. Sie machten ſich ſofort an die Arbeit,
und in einer Stunde hatten ſie ein hübſches, kleines
Bretterhaus errichtet, an dem ſie eine Tafel mit der
Aufſchrift befeſtigten: „Wohnung mit Sommergarten”.
Wenige Minuten ſpäter kam von der anderen Seite ein
Ehepaar mit ſeinen 9 Kindern und einem Karren, der ſein
geringes Meublement trug. Der Hauswirt des Ehepaares
hatte es wegen ſeines reichen Kinderſegens an die Luft
ge=
ſetzt. Die Familie befand ſich auf der Suche nach einer
neuen Wohnung, und als ſie das ſchöne Bretterhäuschen
er=
blickte, nahm ſie hocherfreut davon Beſitz. Doch die Freude
währte nicht lange. Durch die ſich immer mehr anſammelnde
Menſchenmenge wurde die geſtrenge Polizei aufmerkſam,
und auf ihr Geheiß mußte die „Wohnung mit
Sommer=
garten” wieder dem Erdboden gleichgemacht werden. Die
Pariſer Stadtbehörde hat eingeſehen, daß es ein
unglaub=
liches Aergernis ſei, kinderreiche Familien obdachlos in den
Straßen umherirren zu laſſen, weil kein Hauswirt an ſie
vermieten will. Auf Veranlaſſung eines Stadtverordneten
wurde deshalb ein großer Saal der Cité=Kaſerne zum
einſt=
weiligen Obdach derartiger Familien beſtimmt, die dort
Unterkunft und Gelegenheit zu einer
Stegreifhauswirt=
ſchaft finden.
* Ein niedliches Geſchichtchen geſchah kürzlich in der
Schule zu B. Die ganz kleinen Schüler reden ihren Lehrer
bekanntlich mit „Du” an. Als ſie nun in die zweitletzte Klaſſe
kommen, macht der Lehrer ihnen klar, daß ſie nun „Sie” zu
ihm ſagen müſſen. Als einige Kinder es immer wieder
vergeſſen, muß die ganze Klaſſe auf eine Seite der Tafel
folgenden Satz ſchreiben: Ich muß zu meinem Lehrer „Sie‟
ſagen Am anderen Tage hat einer von den Kleinen zwei
Seiten geſchrieben. Verwundert fragt der Lehrer, wie er
denn dazu käme, Ja, ſagt der kleine Schelm, das möchteſt
Du wohl gerne wiſſen. — Es hatte alſo nichts genützt.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
Großh. Hoftheater. Unter der muſikaliſchen
Leitung Hofrats de Haan und der ſzeniſchen des
Oberregiſ=
ſeurs Valdek wird am Sonntag, den 4. Februar, die neue
Oper „Der Kuhreigen” von Wilhelm Kienzl
an unſerer Hofbühne erſtmalig in Szene gehen. Gleich
wie ſein älteres Bühnenwerk „Der Evangelimann” nennt
Kienzl auch ſein neueſtes ein muſikaliſches Schauſpiel.
Und als ſolches von hohem Wert und bedeutſamer
Eigen=
art, dabei von mächtiger populärer Wirkung, hat es ſich
auch gleich bei der Uraufführung an der Wiener
Volks=
oper vom 23. November 1911 erwieſen. Wie das Wiener
Fremdenblatt weiter ſagt, iſt die Muſe Wilhelm Kienzls
von einer Schlichtheit der Empfindung, einer wohltätigen
Fülle des Klanges, einer Ueberſichtlichkeit der Formen,
einer Natürlichkeit der Deklamation, einer Sanglichkeit
der Melodie, an der ſich Richard Strauß und Claude
De=
buſſy, und wie die „Neutöner” alle heißen, ein Beiſpiel
nehmen ſollten. In gleicher Begeiſterung äußern ſich die
weiteren führenden Blätter der Kaiſerſtadt, wie Neues
Wiener Journal, Neue Freie Preſſe, Neues Wiener
Tag=
blatt uſw. Das Darmſtädter Hoftheater iſt die
zweite deutſche Bühne die das Werk zur
Auf=
führung bringt (die erſte war das Stadttheater
Magde=
burg), das mit Sicherheit ſeinen Weg über alle
Opern=
bühnen nehmen wird.
V. Hofmuſik=Konzert. Bei der großen Fülle
von Konzerten in Darmſtadt iſt es erſtaunlich, daß ein ſo
allgemein anerkannter und hervorragender Geiger wie
Karl Fleſch dem hieſigen Konzertpublikum noch eine
un=
bekannte Größe iſt. Die Leitung der Hofmuſik=Konzerte
gibt nächſten Montag den Beſuchern des fünften Konzerts
Gelegenheit, den Künſtler auf dem Gebiet der klaſſiſchen
Kunſt, ſeiner eigentlichen Domäne, kennen zu lernen.
Gerade in der Interpretation des Beethovenſchen Violin=
Konzertes, das er als erſte Nummer ſeiner hieſigen
Dar=
bietungen bringen wird, ſoll er den Allererſten ſeines
Faches beizuzählen ſein. Der Berichterſtatter der
Frank=
furter Zeitung äußerte ſich am 15. Januar über einen in
Frankfurt von Fleſch mit dem Pianiſten Artur Schnabel
veranſtalteten Sonaten=Abend in Worten höchſter
Be=
geiſterung. „Ein Sonaten=Abend” — ſo beginnt der
Be=
richt — „von Karl Fleſch und Artur Schnabel gab
Ge=
legenheit, zwei Künſtler in Frankfurt zu hören, die zu
den bedeutendſten unter den lebenden Meiſtern ihrer
In=
ſtrumente zählen. Die Hörer hatten Gelegenheit, große
Kunſt zu genießen. Ihnen wird die Erinnerung an den
Abend eine der ſchönſten von allen bisherigen
muſikali=
ſchen Ereigniſſen des Winters bedeuten.”
— Richard Wagner=Verein. Der Genfer
Geiger Robert Pollak, der heute zuſammen mit
Frau Marie Panthés im Wagner=Verein ein
Kon=
zert gibt, iſt dem Darmſtädter Publikum kein Fremder
mehr. Er iſt, damals noch in den Anfangsſtadien, früher
hier bereits wiederholt mit Erfolg aufgetreten. Jetzt
kehrt dieſer begabteſte Schüler Henri Marteaus, auf der
Höhe ſeines Könnens, zu uns wieder. Es liegen uns
über den Künſtler unter anderem folgende neuere Preß=
. . . Reiches
urteile vor: Allgemeine Muſikzeitung:
Können — techniſch und muſikaliſch großzügiges,
ton=
ſchönes, ausdruckswarmes Spiel. — Man kann Pollak
getroſt unſeren erſten Geigern an die Seite ſtellen.”
Voſſiſche Zeitung: „Er iſt ein hervorragender Künſtler,
der einen ſchönen, warmen, kräftig ausſtrahlenden Ton,
eine ſichere und ſaubere Technik mit Innerlichkeit und
Intenſität des Ausdrucks verbindet. Und er hat das,
wag=
nur wenige haben, nämlich eine individuelle Note in
ſei=
nem Spiel.” — Nationalzeitung: „. . . Ein techniſch
her=
vorragend gewandter Spieler, dem auch ein warmer,
blühender Ton zur Verfügung ſteht.” — Signale: „Eine
Summe muſikaliſchen und techniſchen Könnens, die ihn in
die erſte Reihe der Geiger ſtellt.” — Neues Wiener
Tag=
blatt: „Vor nicht allzu langer Zeit noch ein Schüler
Mar=
teaus, wurde er bald ſelber ein Meiſter — männlicher
Strich, tadelloſe Technik, feine Geiſtigkeit im Vortrag —”.
— Fremdenblatt: „. . . Ein Interpret von Diſtinktion,
der die ſchwierige Aufgabe mit eben ſo viel Feuer wie
ſprühender Technik bewältigt.”
Parlamentariſches.
*X* Darmſtadt, 31. Jan. In der heutigen
Sitzung des Finanzausſchuſſes der
Zwei=
ten Kammer wurden zunächſt die Abſtimmungen über
diejenigen Etatskapitel vorgenommen, über die bisher die
Entſcheidung noch vorbehalten worden war. Beim
Ka=
pitel 2, Kameral= und Forſtdomänen, wurden unter
Ti=
tel 2, Neubauten und größere Herſtellungen, für die
Her=
richtung eines weiteren Aſſembleezimmers im
Reſidenzſchloß zu Darmſtadt 10000 Mark bewilligt.
Bei Kapitel 8, Bad Nauheim, wurde beſchloſſen, aus den
Ueberſchüſſen des Bades der Staatskaſſe den Betrag von
150000 Mark (anſtatt 100 000 Mark) zuzuführen. Bei
Ka=
pitel 30, Provinzialdirektionen und Kreisämter,
beſchloß der Ausſchuß, je einen Kreisamtmann bei den
Provinzialdirektionen auch weiterhin nur auf den
Inha=
ber zu bewilligen. Der hier angeforderte
Dispoſitions=
fonds wurde in dem bisherigen Betrage von 21000 Mark.
bewilligt. Der weiter für dieſes Jahr angeforderte
Be=
trag von 10000 Mark dagegen abgelehnt. Zu Kapitel 32,
Polizei, wurden die von der Regierung angeforderten
Ko=
ſten für die Verſtaatlichung der Polizei in
Offenbach im Betrage von 9316 Mark mit 5 gegen 2
Stimmen genehmigt, ebenſo die im Kapitel 42a
angefor=
derten 15000 Mark für Jugendpflege. Bei Kapitel 67,
Reichsverſicherung, wurden für die Durchführung
der Verſicherungsorganiſation zwei höhere Beamtenſtellen
bewilligt, eine dritte angeforderte dagegen nur
proviſo=
riſch, nicht definitiv. Beim Etat des Miniſteriums
der Finanzen wurde die Bewilligung der Stelle
ei=
nes vortragenden Rates in der Bauabteilung abgelehnt,
bis die Organiſationsveränderungen dieſer Abteilung
durchgeführt ſind. Bei Kapitel 128, Zentralbauweſen,
ge=
nehmigte der Ausſchuß die angeforderten Mittel für den
Umbau einer Naſen= und Ohrenklinik, ſowie einer Klinik
für Geſchlechtskranke für die Landes=Univerſität Gießen,
unter dem Vorbehalt, daß die Stadt Gießen zu den
Bau=
koſten einen Beitrag von 100000 Mark leiſtet.
Nach Beendigung der Abſtimmungen fand unter dem
Vorſitz des Abg. Dr. Oſann eine gemeinſame
Be=
ratung des Ausſchuſſes mit der Regieruna ſtatt, für die
die Herren Staatsminiſter Ewald, Finanzminiſter
Braun, Geh. Rat Dr. Becker und mehrere Kommiſſare
erſchienen waren. Es wurde zunächſt die Einrichtung
der Finanzämter und insbeſondere die Frage
erör=
tert, ob bei den kleineren Finanzämtern ein mittlerer
Be=
amter Vorſtand ſein könne. Die Angelegenheit wurde
noch nicht entſchieden, ſoll vielmehr noch in dem
Aus=
ſchuß für Vereinfachung der Staatsverwaltung näher
er=
örtert werden. Bezüglich der Anforderungen für die
Kon=
trollbeamten wurde beſchloſſen, eine dieſer Stellen zu
ſtrei=
chen reſp. nur auf den Inhaber zu bewilligen, womit ſich
die Regierung einverſtanden erklärte. Zur Frage der
Stel=
lung der Schreibgehilfen in den verſchiedenen Reſſorts
leate die Regierung dar, daß, wenn die Anſtellung der
Schreibgehilfen mit einem Alter von 30 Jahren wie
ſeit=
her weiter erfolge, allein in der Juſtiz bis zum Jahre 1913
118 Schreibgehilfen die endgültige Anſtellung beſitzen
würden. Dieſe erhielten damit einen Vorzug gegenüber
den Anwärtern in ſonſtigen Stellungen, von denen keiner
vor dem 35. Lebensjahre zur Anſtellung komme. Es
wurde indeſſen über dieſe Angelegenheit noch nicht
endgül=
tig abgeſtimmt.
Mit der heutigen Sitzung hat die Etatsberatung im
Finanzausſchuß vorläufig ihren Abſchluß gefunden.
Die einzelnen Ausſchußreferenten werden nun ihre
ſchrift=
lichen Berichte über die einzelnen Etatskapitel fertig ſtel=
len, die dann in einer nächſte Woche ſtattfindenden
wei=
teren Sitzung verleſen und genehmigt werden ſollen. Nach
Drucklegung des Ausſchußberichtes werden dann die
Fi=
nanza=gſchüſſe beider Kammern zu einer
ge=
meinſames=Beratung über das Budget zuſammentreten.
Jung=Deutſchland.
Gründung eines Heſſiſchen Landesverbandes.
Im Städtiſchen Saalbau fand geſtern nachmittag eine
von Vertretern von Vereinen und Jugendvereinigungen,
die auf vaterländiſchem Boden ſtehen, ſehr zahlreich
be=
ſuchte Verſammlung ſtatt, die den Endzweck der Gründung
eines Heſſiſchen Landesverbandes „Jung=
Deutſch=
land” hatte. Den Vorſitz führte Herr Generalmajor Frhr.
v. Heyl. Als Vertreter des Großherzogs nahm
Gene=
raladjutant Generalmajor Hahn, als Vertreter des
Mi=
niſteriums Geheimerat Dr. Weber teil. Weiter waren
anweſend Diviſionskommandeur v. Plüskow. Exz.,
Stadtkommandant Generalmajor v. Randow, mehrere
andere aktive und inaktive Offiziere, Provinzialdirektor
Fey, Bürgermeiſter Mueller, ferner Profeſſoren,
Leh=
rer, Geiſtliche und Erzieher.
Frhr. v. Heyl.
begrüßt in herzlichen Worten die zahlreiche Verſammlung,
inſonderheit die genannten behördlichen Vertreter und
führte aus, der zahlreiche Beſuch laſſe den Vorſtand darauf
ſchließen, daß die Beſtrebungen des neuen Bundes warm
und herzlich aufgenommen würden und einen fröhlichen
Ausblick für die Zukunft unſeres Volkes eröffnen. Redner
verbreitete ſich dann über die Geſchichte der Entwickelung
der Beſtrebungen:
Unter dem Druck der Wirren des vorigen Sommers
und Herbſtes iſt der Gedanke an den Zuſammenſchluß aller
Vereine, die auf vaterländiſchem Boden ſtehen, erwacht
und von Generalfeldmarſchall Frhrn. von der
Goltz=
wurde er in die Tat umgeſetzt. Es iſt ſicher ein großes
Unternehmen, ſchwierig, weil die Verhältniſſe in unſerem
Vaterlande ſo verſchieden ſind. Das iſt der Grund, warum
die Berliner Verſammlung den einzelnen Provinzen
Preu=
ßens und den Bundesſtaaten die Organiſation ſelbſt zu
überlaſſen beſchloſſen. Dieſe örtlichen
Einzelorganiſatio=
nen müſſen dann zu einem großen Ganzen zu dem Bunde
Jung=Deutſchland zuſammengeſchloſſen werden.
Die Neugründung dürfte umſo leichter ſein, als die große
Mehrzahl der bereits beſtehenden Vereine das gleiche
Hauptziel erſtrebt: die Kräftigung von Seele und Leib.
In einem Zentralausſchuß ſollen alle Intereſſen der
ein=
zelnen Vereine vertreten und gewahrt werden und zwar,
darauf wird beſonderer Wert gelegt, unter voller
Selbſtändigkeit aller Einzelvereine. Wir
ſind weit entfernt, die Selbſtändigkeit der Einzelvereine
auch nur im Geringſten zu beeinfluſſen. Im Gegenteil,
die einzelnen Vereine ſollen geſtärkt und unterſtützt
wer=
den, dort, wo keine Vereine beſtehen, neue gegründet
wer=
den. In Vereinen, die nur aus Erwachſenen beſtehen,
ſol=
len Jugendabteilungen gegründet werden, womit der
Krie=
gerverein Darmſtadt bereits einen vielverſprechenden
An=
fang gemacht hat.
Leider muß noch von einem Anfang geſprochen
wer=
den. Abgeſehen von Japan, Schweden uſw., wo die
ganze Jugenderziehung auf die Wehrhaftmachung des
Volkes hinaus geht, hat auch unſer weſtlicher Nachbar
erkannt, daß er der Schwächung ſeines Volkes nur
em=
gegentreten kann durch die Erziehung der Ingend zur
Wehrhaftigkeit und es iſt dort ein Geſetz in
Vorberei=
tung, nach dem die geſamte franzöſiſche Jugend vom 17.
bis 20. Jahr obligatoriſch zur
Wehrhaftia=
keit erzogen wird unter Leitung von aktiven
Offi=
zieren. Wir ſehen daraus, wie weit wir in Deutſchland
trotz vielverſprechender Anfänge zurückgeblieben ſind.
Hel=
fen Sie uns, ſchloß der Redner. treten Sie unſerem Bunde
bei, einigen wir uns auf dieſem Gebiet und ſorgen wir für
die Zukunft unſerer Jugend. Sie iſt die Zukunft unſeres
Vaterlandes und nur auf dieſem Boden ſichern wir unſer
Reich. (Lebh. Beifall.)
Profeſſor Kiſſinger
verbreitete ſich dann eingehend über die Zwecke und Ziele
des Jung=Deutſchlandbundes. Er führte etwas folgendes
aus: Im vorigen Jahre feierte die Deutſche Turnerſchaft
das Andenken ihres „Jahn” mit Recht in beſonders
feſt=
licher Weiſe. Waren doch 100 Jahre verfloſſn, ſeit in
Berlin der erſte Turnplatz eröffnet worden. Schon vorher
führte Vater Jahn, wie er uns ſelber berichtet, an den
ſchulfreien Nachmittagen einige Schüler hinaus in Feld
und Wald; bald ſchloſſen ſich immer mehr Jungen an, die
ihre Freude an dem fröhlichen Treiben hatten. Es
wur=
den Jugendſpiele und einfache Uebungen vorgenommen.
So entſtand die deutſche Turnerei, die oft verdächtigt und
verkannt, ſich aus eigener Kraft zu einem Achtung
gebie=
tenden Verband hindurchgearbeitet hat, einem Verband,
der auf vaterländiſchem Boden durch planmäßige
Leibes=
übungen die körperliche und ſittliche Kräftiaung der
deut=
ſchen Jugend anſtrebt, und jetzt alljährlich mindeſtens
30000 Leute dem deutſchen Heere mit einer doch recht
wert=
vollen Vorbildung zuſendet. Im Laufe der Jahrzehnte
ſind daneben noch eine Reihe neuer Vereine und Verbände
entſtanden, die auf ihrem Sondergebiet neben anderen und
verſchiedenartig gerichteten Zielen doch auch mithelfen, die
deutſche Jugend zu kräftigen und zu fördern. Sie zu
ei=
nen, iſt die Aufgabe, die der auch für Heſſen geplante Bund
„Jung=Deutſchland” ſich ſtellt. Dieſe große Vereinigung zu
ſchaffen, iſt das Ziel des Bundes „Jung=Deutſchland” der
ja auch keineswegs meint, die ganze Jugendpflege
um=
faſſen zu können, ſondern der bewußt nur einen Teil
da=
von herausgreift, eben den Zweig der Jugendpflege, der
durch planmäßige Leibesübungen die körperliche und
ſitt=
liche Kräftigung der deutſchen Jugend in vaterländiſchem
Geiſte anſtrebt. Ich wiederhole noch einmal, das Ziel des
Bundes „Jung=Deutſchland” erreicht gewiß nicht den
gan=
zen Inhalt des Wortes „Jugendpflege” aber doch einen
ſehr wichtigen Teil, der uns allen gemeinſam und der
not=
wendig iſt um unſeres Vaterlandes willen. Es iſt zwar
heute nicht ſo leicht, eine allgemeine und
einiger=
maßen einheitliche Richtung einer vaterländiſchen
Er=
ziehung und Stärkuna des Nachwuchſes unſeres Volkes zu
finden und durchzuführen, als vor etwa 35 Jahren
geweſen wäre. Aber jetzt iſt es mehr als vor 35
Jah=
ren auch wichtiger geworden, einen
einigerma=
ßen gleichen Zug in die Erziehung unſerer Jugend zu
bringen als ehedem. eben um des Vaterlandes, ſeines
Be=
ſtandes, ſeiner Zukunft willen. Betrachten wir nur die
eine Seite: Deutſchland iſt im Laufe der Jahrzehnte
rei=
cher geworden, der Wohlſtand und mit ihm die verbeſſerte
Nummer 27.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 1. Februor 1912.
Seite 5.
Lebenshaltung ſind in einer Art geſtiegen, die neben der
Freude an dem Aufſchwung dem Ernſtdenkenden doch auch
Beſorgnis erregen muß. Verwöhnung und
Verweich=
lichung nehmen damit naturgemäß zu, und die Wehrkraft
unſeres Volkes nimmt ab. Man nimmt dies ſogar als
eine notwendige Folge=Erſcheinung des nun ſchon 40 Jahre
andauernden Friedens als ſelbſtverſtändlich hin. Ob
aber der 40jährige Frieden zum ewigen Frieden wird?
Die Erfahrungen des letzten Sommers könnten uns
an=
ders belehren. Jedenfalls aber wollen wir nicht die
Au=
gen gegen die Notwendigkeit verſchließen, die gerade an
das lebende Geſchlecht herantritt, alles zu tun, was
ir=
gend möglich iſt, um die heranwachſende Jugend ſtark
und wehrfähig zu erhalten, damit ſie, wenn es gilt,
Deutſchlands Größe, Unabhängigkeit und Ehre zu
vertei=
digen, auch die Kraft dazu in ſich trage.
Eine Bewegung in der Jugend ſelbſt läßt gerade
un=
ſere Zeit als die rechte Zeit zu unſerem Eingreifen
erſchei=
nen. Wir ſind uns aller Gefahren wohl bewußt, aber
ganz ſo ſchlecht iſt unſere deutſche Jugend doch auch noch
nicht. Eines vor allem iſt wahr! Die Verführungen und
Ablenkungen des modernen Lebens, zumal in den
Groß=
ſtädten, ſind ganz andere geworden, als ſie noch vor 30
und 20 Jahren waren. Es wäre doch nur zum Teil
ge=
recht, der Jugend daraus einen Vorwurf zu machen. Denn
gerade in den letzten Jahren hat ſie, die Jugend, ſelbſt
bewieſen, daß ſie von ſich aus doch auch noch Kraft fühlt,
in geſunder Selbſthilfe dieſen Gefahren zu begegnen.
Frei=
lich viele Tauſende und Abertauſende ſtehen noch
den Freuden, aus denen ſelbſtgeſtählte Kraft, ſiegreiche
Ausdauer und zähe, unerſchrockene Willensſtärke Körper
und Geiſt fördert, fern. Aber wie viele ſind doch auch
un=
ter der großen Schar der Fernſtehenden — auf 75 Prozent
unſerer Geſamtjugend berechnet man die Zahl derer, die
das Wort Jugendpflege im vaterländiſchen Geiſte
überhaupt nicht erreicht — die ſelbſt nichts dafür
können, daß ſie der unerbittliche Beruf, die Kanzlei,
die Fabrik und zum Teil auch die Geſtalt unſerer Schule
mehr gefangen hält, als ihrer Entwickelung gut iſt?
Wollen wir von vornherein auch ſchon auf den Verſuch,
wenigſtens Teile von ihnen zu gewinnen, verzichten? Vielen
fehlt die freie Zeit, vielen auch noch das Verſtändnis, wie
ſie ihre freie Zeit recht anwenden ſollen: daher füllt
Wirts=
hausbeſuch, Zigarettendampf und Schundliteratur mit allen
ihren Folgen die Zeit oft aus. Drum helfen wir der
Jugend, derjenigen, die ſich nach Hilfe ausſtreckt und
der=
jenigen, die noch kein Verſtändnis dafür hat, mit unſeren
Beſtrebungen, die Körper= und Charakterſtärkung
miteinan=
der erſtreben. Denn wollen wir unſer Volk auf einer Höhe
halten, ſo müſſen wir nicht nur ſtark und wehrkräftig am
Körper, auch unſere moraliſchen Fähigkeiten müſſen derart
ſein, daß wir wirklich gleichzeitig als Volk der Denker und
Dichter durch das Vorbild höherer Kultur das Recht vor der
Weltgeſchichte haben, unſeren Platz zu behaupten.
Und wenn der Bund „Jungdeutſchland” die
Ausbild=
ung unſerer Jugend fördern will, ſo weiſt er dabei zugleich
darauf hin, daß ſie nicht einſeitig, ſondern
viel=
ſeitig ſein ſoll. Sie darf ſich nicht darauf beſchränken,
den Körper zu ſtärken, ſondern ſie muß auch gleichzeitig die
Sinne üben und entwickeln. Hier iſt die Hauptſache für
unſere Jugend, daß ſie ſich möglichſt viel in friſcher Luft
bewegt, daß ſie in freier Natur die Sinne ſchärft, daß ſie
vermeiden lernt, was den Körper ſchädigt. Unſere moderne
Zeit ſteht ja auch unter dem Zeichen der Hygiene. Die
Volkskrankheiten aber können nur ſchwinden und dadurch
ein gewaltiger, ideeller und wirtſchaftlicher Erfolg erzielt
werden, wenn die Grundſätze der Geſunderhaltungslehre
der Jugend in Fleiſch und Blut übergehen, wenn ſo
Stärk=
ung des Körpers und des Charakters unſer
gemeinſames Ziel iſt und wird. Danach ſtrebt der
Bund „Jungdeutſchland”! Er will dabei beſtehende
Verbändenicht verdrängen, ſon dern
verbin=
den, nicht ſchwächen, ſondern ſtärken.
Die Zeit zur Einigung iſt da; laſſen wir ſie nicht
un=
genützt verſtreichen. Die Arbeit aller Jugendfreunde, ein
an Leib und Seele geſundes Geſchlecht heranzuziehen, tritt
jetzt beſonders deutlich in die Oeffentlichkeit und ſie bleibt
auch nicht ohne Unterſtützung der maßgebenden Behörden.
Die Kriegsminiſterien Preußens und Bayerns gingen im
Herbſt 1909 bahnbrechend vor. Sie waren ſich der
Notwen=
digkeit bewußt, daß der Jugend ſchon vor ihrer Militärzeit
körperliche Ausdauer, Gewandtheit und Leiſtungsfähigkeit
bei Vermeidung jeder ſchädlichen Soldatenſpielerei
aner=
zogen werden müſſe. Darum wünſchten ſie auch eine rege
Beteiligung aller Heeresangehörigen an dieſem nationalen
Werk — wir freuen uns hier in Darmſtadt dieſer Arbeit
an der Jugend, die Herr Oberleutnant Deiß zuerſt
auf=
geariffen und bei der er ſchon Unterſtützung verſchiedener
Offiziere gefunden hat — darum öffneten die
Militärbehör=
den auch der Jugend Exerzierplätze und Hallen.
Schwimm=
ſchulen und Kaſernen und unterſtützten die
Schülerwander=
ungen durch Verleihung von Zelten, wie dies z. B. in
Worms vom 118. Inf.=Regt. ſchon geſchah. — Das
Kriegsminiſterium in Sachſen folgte gemeinſam
mit den Miniſterien des Unterrichts und des Innern vor
kurzem erſt in großzügiger Weiſe dieſen Beiſpielen. In den
preußiſchen Staatshaushalt wurde 1 Million Mark zur
Unterſtützung der Jugendpflege eingeſtellt, eine Erhöhung
iſt in Ausſicht genommen. In Bayern hat das
Kultus=
miniſterium ſämtliche Schulbehörden angewieſen, die
Be=
ſtrebungen des Vereins in jeder Weiſe zu unterſtützen und
Prinzregent Luitpold hat an ſeinem 90. Geburtstage im
vorigen Jahre ½ Million Mark für die Pflege körperlicher
Uebungen geſtiftet. Auch in Heſſen regt es ſich
auf dem Gebiete der Jugendpflege: zu den
Arbeiten freiwilliger Art auf dieſem Felde kommt
gleich=
falls die behördliche Unterſtützung; hat doch das
Mini=
ſterium des Innern auch bei uns Mittel vorgeſehen und eine
Anregung für Jugendpflege gegeben, ich bin gewiß, daß
wir, die wir heute um das Panier „Jungdeutſchland” uns
ſammeln, bald auch in den einzelnen Kreis= und
Ortsaus=
ſchüſſen der Jugendpflege zuſammenarbeiten werden.
Jedenfalls erſehen wir aber aus dieſem Ueberblick, die Zeit
iſt günſtig für unſere Beſtrebungen, drum fangen wir an!
Schon wenn wir den Bund ſchließen, iſt damit etwas
getan, was ſeine Bedeutung hat. Zeigen wir zunächſt
ein=
mal der Mitwelt, auch in unſerem Heſſenlande gibt es
Tauſende junger Leute, an denen bewußt im vaterländiſchen
Geiſte gearbeitet wird, hier ſind Jünalinge, die trotz
alle=
dem noch wiſſen, welches Gut im deutſchen Vaterland ihnen
von den Vätern überliefert worden iſt und die bereit ſind,
ſich ſelbſt auch fähig zu machen, das Erbe der Väter zu
er=
halten und wenn es ſein muß, zu verteidigen. Es werden
gewiß durch Gründung eines großen Verbandes Viele, die
feither ſeitwärts geſtanden, auf unſere Beſtrebungen
auf=
merkſam gemacht und zur Mitarbeit herangezogen. Sache
des großen Verbandes wird es ſein, bei gegebener
Gelegen=
heit in den Körverſchaften der ſtaatlichen, ſtädtiſchen Ver=
tretungen auf die Möglichkeit und Pflicht hinzuweiſen, alle
Vereine unſerer Art in ihrer dem Vaterland zugut
kommen=
den Arbeit mit Rat und Tat zu unterſtützen; einen
weſent=
lichen Fortſchritt in dieſer Richtung hat beiſpielsweiſe die
Stadt Darmſtadt damit getan, daß ſie ſich vor kurzem
entſchloſſen hat, den Turnabteilungen die lange ihnen
ver=
ſchloſſenen ſtädtiſchen Turnhallen zu öffnen, wie denn auch
ſonſt ſtädtiſche Verwaltungen Geldopfer bringen,
Schüler=
wanderungen, Schwimmabteilungen, Spielgruppen und
ähnliches weſentlich zu fördern. Auch die Beſchaffung von
Hilfsmittel, um namentlich den ärmeren Landesteilen bei
ihren Beſtrebungen zu helfen, würde durch einen großen
Bund weſentlich erleichtert; außerdem dürfte ſein Ausſchuß
doch wohl die Verpflichtung haben, zwiſchen den Vereinen
und den Staatsbehörden zu vermitteln, die unmöglich beim
Anwachſen der Zahl kleinerer Vereinigungen auf die Dauer
mit allen einzeln verhandeln können. Seine Sache dürfte
es wohl auch ſein, die wertvolle Mithilfe der
Armee einheitlich in Anſpruch zu nehmen. Denn das,
was wir hier in gemeinſamer Arbeit der Jugend geben und
erhalten wollen, iſt: körperliche Ertüchtigung, ſittlich
mora=
liſche Stärkung, Erweiterung und Vertiefung
vaterlän=
diſcher Geſinnung, Achtung vor Staat, Religion, Recht, Heer
und Volk. Kein „Hurrapatriotismus” ſoll
ge=
pflegt, die Liebe zum Vaterlande vielmehr als heilige
Flamme genährt werden, die im Stillen glüht und ſich nur
da äußern ſoll, wo es gilt, ſeine Geſinnung zu betätigen,
deutſches Volksbewußtſein ſoll freilich
aner=
zogen ſein, denn deutſch ſoll unſere Bewegung ſein und
wer ſo fühlt, der iſt uns willkommen.
Auch gegenſeitig können die einzelnen Vereine ſich
unterſtützen; ſie mögen lernen, auch die Exiſtenzberechtigung
anderer Beſtrebungen anzuerkennen und kleinliche
Eiferſüch=
teleien zu unterdrücken. Und eine wichtige Sache, die
Ord=
nung der Haftpflicht, dürfte vom großen Verband mit
Leich=
tigkeit zu beſchaffen ſein, ſodaß hier durch
Zuſammen=
ſchluß mit den Verſicherungsgeſellſchaften auch pekuniäre
Vorteile zu erringen ſind. Wie ſchön aber wäre es doch,
wenn einmal wieder am Nachmittag eines ſchönen
Herbſt=
ſonntags die geſamte, auf vaterländiſchem Boden erzogene,
ſchulentlaſſene Jugend der einzelnen Orte ſich auf grünem
Raſen zu fröhlichem Spiel und Feſt zuſammenfände, um ſo
vor der Oeffentlichkeit zu erweiſen, daß Friſche und Kraft,
Jugendfreudigkeit und Begeiſterung noch immer für unſer
Vaterland erglüht.
Parteiunterſchiede haben dem großen
vaterländiſchen Zwecke gegenüber zu
ſchwei=
gen. Eines jeden Volkes Zukunft beruht in der
Erzieh=
ung der Jugend durch die Männer und Frauen des Volkes.
In unſerer Jugend liegt noch viel guter Wille, Beanlagung
und Begeiſterungsfähigkeit. Aber ſie muß jetzt ihre Kräfte
vereinigen zum großen ſtarken Bund und drum helfen Sie
mit, daß auch die jungen Heſſen ſich einen zu einem ſtarken
und ſtärkenden „Jungdeutſchland”. (Lebh. Beifall.)
Der Vorſitzende eröffnet, nachdem er dem
Referen=
ten Dank geſagt, eine
Diskuſſion.
Lehrer Schorn=Mainz, Vorſitzender des Heſſiſchen
katholiſchen Lehrervereins, weiſt auf die Gegnerſchaft der
Sozialdemokratie hin und fragt, ob und wie dieſer
ent=
gegengetreten werden kann. Profeſſor Kiſſinger
er=
widert, daß ja gerade dazu der Bund gegründet werden
ſoll. Er ſoll ein Gegengewicht bilden zur
Jugendbeweg=
ung der Sozialdemokratie und dieſer das Waſſer
ab=
graben. Studioſus Reiſer, Gründer des hieſigen
Pfad=
finderbundes, erzählt intereſſante Einzelheiten aus der
Praxis der Pfadfinder. Schulrat Schmuck weiſt auf
den Mangel an Spielplätzen hin und gibt dann noch drei
Punkte der Erwägung anheim. Erſtens müſſen
denjeni=
gen, die erfolgreich körperliche Ausbildung treiben,
Vor=
teile verſchafft werden, namentlich beim Militär, wo
bis=
her nur die geiſtige Ueberlegenheit Vorteile verheißt
(Einjährige). Zweitens gelte es, für die Zeit vom 14.
bis 20. Jahre, in der die Jugend völlig frei lebt, einen
gewiſſen Zwang zu ſchaffen. Es iſt nun einmal ſo, daß
der Menſch zum Guten gezwungen werden muß.
End=
lich ſollte die Fortbildungsſchule dieſer Beſtrebungen ſich
annehmen; ſie ſei die einzige Stelle, der keiner entgehen
kann. (Zuſtimmung.) Der Vorſitzende des
Schwimmver=
eins Mainz, Lang, hält es für erforderlich, noch früher
ſchon vom 10. Jahre ab, die Jugend für die
Sportver=
eine zu gewinnen. Profeſſor Dr. Schoell,
Vorſitzen=
der der Heſſiſchen Jugendhelfervereinigung, wünſcht, daß
der neue Bund keine Kampforganiſation werde. Das
wird vom Vorſitzenden beſtätigt.
Darauf erſtattet Provinzialdirektor Fey Bericht
über die
Satzungen des Bundes.
Die wichtigſten Beſtimmungen lauten:
§ 1. Der Heſſiſche Landesverband „Jung=Deutſchland‟
bezweckt im Anſchluß an die Beſtrebungen des, das ganze
Reich umfaſſenden Geſamtbundes, den Zweig der
Jugendpflege fördern zu helfen, welcher durch planmäßige
Leibesübungen die körperliche und ſittliche Kräftigung
der deutſchen Jugend in vaterländiſchem Geiſte anſtrebt.
Um einer Zerſplitterung der Kräfte und einer Schädigung
ſchon vorhandener, auf vaterländiſchem Boden ſtehender
Jugendvereinigungen jeder Art vorzubeugen, ſucht und
hält der Bund enge Fühlung mit den in den einzelnen
Bundesſtaaten angeregten einheitlichen Organiſationen
der Jugendpflege.
§ 3. Mitalieder des Heſſiſchen Landesverbandes
„Jung=Deutſchland” können ſowohl Vereine und
Ver=
bände, wie Einzelperſonen werden.
§ 5. Ueber die Höhe des jährlichen
Vereinsbeitra=
ges befindet jedes Mitglied nach eigenem Ermeſſen.
Einzelperſonen, welche an den Landesverband einen
ein=
maligen Beitrag von mindeſtens 1000 Mark leiſten, oder
ſich zur Zahlung eines jährlichen Beitrages von
minde=
ſtens 300 Mark verpflichten, können vom
Landesaus=
ſchuſſe zu „Stiftern” des Landesverbandes ernannt
werden.
§ 6. Jedes Mitglied hat Sitz und Stimme in der
Mitgliederverſammlung. Die Zahl der Stimmen, welche
die dem Landesverband angeſchloſſenen Vereine und
Ver=
bände in dieſer Verſammlung haben, wird durch
Ver=
einbarung mit dem Landesausſchuſſe feſtgeſtellt.
§ 9. Der Landesausſchuß beſteht außer dem
Vor=
ſitzenden aus mindeſtens 12 Mitgliedern, die von der
Mit=
gliederverſammlung gewähkt werden. Er hat das Recht,
ſich durch geeignete Perſonen bis zu 20 Mitgliedern zu
ergänzen.
§ 12. Der Vorſtand kann mit Zuſtimmung des
Lan=
desausſchuſſes beſondere Bezirke bilden und für dieſe
Bezirksvorſtände wählen. Die Bezirksvorſtände haben
die Intereſſen des Landesverbandes in den einzelnen
Bezirken zu pflegen und für den Zuſammenhalt der den
gleichen Zweck anſtrebenden Vereine ſowohl in den
Orten, als in den Bezirken des Landesverbandes zu
ſor=
gen. Die Bezirksvorſtände können zu den Sitzungen des
Landesausſchuſſes mit beratender Stimme zugezogen
werden. Zur Unterſtützung der Tätigkeit der
Bezirks=
vorſtände können Bezirksvertrauensmänner beſtellt
werden.
§ 14. Der Vorſitzende des Vorſtandes iſt gleichzeitig
der Vorſitzende des Landesausſchuſſes und der
Mitglie=
derverſammlung. Im Verhinderungsfalle tritt der
Stell=
vertreter für ihn ein.
Die Satzungen werden genehmigt. Es folgt
Wahl des
Landesausſchuſſes.
Profeſſor Dr. Frenzel ſchlägt folgende Herren vor,
die ohne Widerſpruch genehmigt werden: 1.
Provinzial=
direktor Fey, Darmſtadt, 2. Profeſſor Kiſſinger,
Darm=
ſtadt, 3. Bürgermeiſter Mueller, Darmſtadt, 4. Schulrat
Schmuck, Darmſtadt, 5. Profeſſor Lenhart, Bensheim,
6. Profeſſor Mittermaier, Gießen, 7. Dr. Vogt, Butzbach,
8. Profeſſor Schoell, Friedberg, 9. Fabrikant Schill.
Oſt=
hofen, 10. Hauptlehrer Huff, Darmſtadt, 11. Lehrer Schorn,
Mainz. Weiter wird beſchloſſen, Männer aus dem
Ar=
beiterſtande und aus dem Erwerbsleben
hinzuzuwählen, ſobald geeignete Perſonen gefunden ſind.
Damit iſt die Tagesordnung erledigt und wird die
Verſammlung mit Dankesworten des Vorſitzenden Frhrn.
von Heyl geſchloſſen.
Unmittelbar danach fand eine
Sitzung des Landesausſchuſſes
ſtatt, in der Generalmajor Freiherr von Heyl zum
Vorſitzenden, Provinzialdirektor Fey zum Stellvertreter,
Bürgermeiſter Mueller zum Schatzmeiſter und
Pro=
feſſor Kiſſinger zum Schriftführer gewählt wurden.
M. St.
Die Errichtung eines Lehrſtuhls für ſoziale
Medizin an der Landesuniverſität.
— Am 29. ds. Mts. fand in Gießen unter dem
Vor=
ſitz des Großh. Geh. Regierungsrats Bichmann eine
Verſammlung ſtatt, in der über die von dem Vorſtand
der land= und forſtwirtſchaftlichen
Berufs=
genoſſenſchaft zu Darmſtadt gegebene
Anre=
gung bezüglich der Errichtung eines Lehrſtuhls
für ſoziale Medizin an der Landes=
Uni=
verſität beraten wurde. Als Grundlage der
Ein=
richtung desſelben iſt ein mit allen Hilfsmitteln der
neu=
zeitlichen Heilbehandlung ausgeſtattetes Krankenhaus
ge=
dacht, das gleichzeitig den Lehrzwecken der Univerſität
dienſtbar gemacht und den angehenden Aerzten die
Ge=
legenheit zu einer fachgemäßen Ausbildung in der
ſozia=
len Medizin, die ſich immer mehr zu einem Spezialgebiet
entwickelt, bieten ſoll. Die Verſammlung war
außer=
ordentlich zahlreich beſucht. Es hatten ſich zu ihr die
Ver=
treter der Großh. Miniſterien, der Rektor und zahlreiche
Profeſſoren der Fakultät, die Vertreter der Großh.
Pro=
vinzialdirektion und Großh. Kreisamtes Gießen, der
Kai=
ſerl. Oberpoſtdirektion Darmſtadt, der Königlichen
Eiſen=
bahndirektion Frankfurt a. M., der
Landesverſicherungs=
anſtalt, der Ortskrankenkaſſe Gießen und einer Reihe
an=
derer Herren eingefunden. Ganz beſonders zahlreich
wa=
ren auch die Vertreter der gewerblichen, in Heſſen tätigen
Berufsgenoſſenſchaften erſchienen, genannt ſeien die
Tief=
bau=Berufsgenoſſenſchaft, Berlin, die Brauerei= und
Mäl=
zerei=Berufsgenoſſenſchaft, Frankfurt a. M. bezw.
Dort=
mund, die Sektion I der Knappſchaftsberufgenoſſenſchaft
in Saarbrücken, der Steinbruchs=Berufsgenoſſenſchaft in
Hagen, die ſämtlich ihr außerordentliches Intereſſe an
der zur Beratung ſtehenden Angelegenheit, insbeſondere
aber durch ihre Bereitwilligkeit, zuſammen mit der
Heſſi=
ſchen Landwirtſchaftlichen Berufsgenoſſenſchaft die
erfor=
derlichen Mittel aufzubringen, zu erkennen gaben.
Von der Bedeutung der großen
berufsgenoſſenſchaft=
lichen Verſicherungsträger macht ſich der Fernſtehende
kaum den richtigen Begriff. Sie ſtellen große Verbände
dar, denen die reichgeſetzlichen Aufgaben der
Unfallver=
ſicherung übertragen und zu deren Förderung ſie infolge
der großen Anzahl ihrer Verletzten und der enormen
Summen, die ſie in ihren Rücklagen angeſammelt haben,
ganz beſonders im Stande ſind. Ihre Bereitwilligkeit,
die Verletzten in Zukunft auch aus nicht heſſiſchen
Bezir=
ken, mitunter von weither, nach Gießen verbringen zu
laſſen, muß deshalb auch dankbar anerkannt werden. Ihre
Geneigtheit hierzu, auch bezüglich der Hergabe der
er=
forderlichen Mittel für das Krankenhaus, die an ſich
reichlich zugeſagt ſind, machen ſie indeſſen von dem
Um=
ſtand abhängig, daß die Großh. Regierung ihrerſeits den
erbetenen Lehrſtuhl für ſoziale Medizin an der Landes=
Univerſität errichtet. Gerade von ihm erwarten die
Verſicherungsträger eine Förderung ihrer ſozialen
Auf=
gaben in beſonderem Maße. Sie ſind bereit, alle Opfer
zu bringen, um eine muſtergültige Anlage zu ſchaffen, die
ihnen als Stützpunkt dienen und die Errungenſchaften der
modernen Behandlungsmethoden, die in erſter Linie auf
eine Wiederherſtellung der Gebrauchsfähigkeit verletzter
Glieder gerichtet ſein muß, erhalten und wiſſenſchaftlich
weiter ausbauen ſoll. Die Einmütigkeit der Anſichten kam
insbeſondere in der Würdigung dieſer Ziele voll und
ganz zum Ausdruck.
Es iſt eine bekannte Tatſache, daß die Laſten der
ſozialen Verſicherungsgeſetzgebung von Jahr zu Jahr
an=
wachſen, bedeutend höher noch iſt aber der wirtſchaftliche
Schaden zu veranſchlagen, der durch Unfall. Krankheit
und Invalidität dem Volksvermögen verurſacht wird
und nicht völlig entſchädigt werden kann. Man ſchätzt
daher den wirtſchaftlichen Wert der Heilbehandlung
heut=
zutage weit höher ein, als dies früher der Fall war, und
ſtellt ihn über die Rentengewährung, die nur dann
ein=
ſetzen ſoll, wenn menſchliches Wiſſen und Können
verſa=
gen. und eine beſſere Wiederherſtelluna unmöglich iſt. Es
wird jetzt ſehr weſentlich von der Erkenntnis und von
dem raſchen Entſchluß der maßgebenden Stellen abhängig
ſein, ob die Beſtrebungen der landwirtſchaftlichen
Be=
rufsgenoſſenſchaft diejenige Unterſtützung finden, die ſie
ihrem inneren Wert nach zweifellos verdienen und die
dahin abzielen, einmal im Intereſſe einer Förderung der
eigenen Aufgaben zu wirken, zum anderen äber. vereinte
Kräfte zu einem gemeinſamen Ziel zuſammenzufaſſen. Es
wird eine nie wiederkehrende Gelegenheit ſein, eine
An=
ſtalt mit derartig großen Aufgaben und weiten Zielen in
das eigene Land zu bekommen und ſie der Lehrtätigkeit
unſerer Fakultäten dienſtbar zu machen, wie ſie
angen=
blicklich für Gießen geplant iſt. Schon jetzt wird über
einen Mangel an Zugängen für die Univerſitätskliniken
geklagt. Das wird in Zukunft anders werden, da die
zu errichtende Anſtalt, die nach den Wünſchen der
Er=
bauer vorerſt für 100 Betten eingerichtet werden dürfte,
in der Lage ſein wird, Verletzte und Kranke ſtändig an
die Direktoren der Spezialgebiete abzugeben. Man wird
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 1. Februar 1912.
Nummer 27.
für die Univerſität damit kein Konkurrenzunternehmen
ſchaffen, ſondern erblickt vielmehr in einem
Zuſammen=
wirken der Vertreter der Wiſſenſchaft unter
Nutzbar=
machung der bereits vorhandenen wertvollen Einrichtung
des Heilapparates der mediziniſchen Fakultät eine
glück=
liche Löſung des geſteckten Zieles.
Das Unternehmen, das durch die bereits früher von
dem Vorſtande der landwirtſchaftlichen
Berufsgenoſſen=
ſchaft angebahnte Vereinigung der in Heſſen tätigen
be=
rufsgenoſſenſchaftlichen Verwaltungen und die
perſön=
lichen Beziehungen der Vertreter untereinander eine
we=
ſentliche Förderung erfährt, wird nach einem feſten
ein=
heitlichen Willen durchgeführt werden und man ſehe ſich
vor, daß dies bei uns im Lande, dem die Einrichtung
ohne Aufwendung von Koſten dargeboten wird,
mög=
lich iſt.
Luftfahrt.
* Berlin, 31. Jan. Bei der geſtrigen
Geſchwindig=
keitsprüfung des „P. 11‟ ſind die geſtellten Bedingungen
erfüllt worden. Das Luftſchiff wird als Militärluftſchiff
nächſt dem „Z. 2” das zweitſchnellſte Schiff ſein und nächſt
dem „Z. 1" und dem „Z. 2” das größte der jetzt
vorhan=
denen Militärluftſchiffe.
Handel und Verkehr.
— Die Eiſenbahnwagen 4. Klaſſe. Die
ununterbrochene Verkehrsſteigerung gerade in der
vier=
ten Kloſſe hat die preußiſch=heſſiſche
Eiſenbahnverwal=
tung gezwungen, den Wünſchen der Reiſenden
Rech=
nung bezüglich der Einrichtung der Wagen vierter Klaſſe
zu tragen. Gegenwärtig wird in den Wagen vierter
Klaſſe eine ganze Reihe von Verbeſſerungen angebracht.
Die Fenſter erhalten Vorhänge, und an den Sitzen
wer=
den Kleiderhaken angebracht. Gepäckhalter werden
ge=
genwärtig angebracht. Der Fußboden wird mit
Lino=
leum belegt und bei neuen Wagen ſoll eine doppelte
Be=
dachung hergeſtellt werden, die im Winter die Kälte und
im Sommer die Hitze abhält. Die Nichtraucherabteile
ſollen ſtreng für Nichtraucher reſerviert bleiben.
Stimmen aus dem Publikum.
Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
Einerlei Verantwortung: für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
— In einem „Eingeſandt” in Nr. 23 des Darmſtädter
Tagblatt wird die Aufmerkſamkeit der Oeffentlichkeit auf
unſere heſſiſche Epileptiſchen=Anſtalt in Nieder=Ramſtadt
gelenkt und zur Unterſtützung dieſer aufgefordert. So ſehr
dankenswert dieſer Hinweis und dieſe Aufforderung auch
iſt, er iſt in einem Punkt geeignet, falſche Vorſtellungen und
damit auch Mißſtimmung zu erwecken. Das Eingeſandt
be=
handelt nämlich das im Mühltal gelegene Aſyl für
Alkohol=
ſkranke als Filiale unſerer Anſtalt. Das iſt es jedoch nicht.
Vielmehr unterſteht es einem beſonderen Verein. Und
zwi=
ſſchen dieſem Verein und dem unfrigen beſteht nur inſofern
ſeine Verbindung, als der Arzt unſerer Anſtalt und einer
ſunſerer beiden Pfarrer in dem Aſyl tätig ſind. Das von
dem heſſiſchen Landesverein für Innere Miſſion ins Leben
gerufene Krüppelheim iſt wohl auf dem Gelände unſerer
Anſtalt errichtet, es beſteht auch eine gewiſſe Verbindung
zwiſchen ihm und dieſer. Es hat jedoch auch ſeinen
beſon=
deren Vorſtand, an deſſen Spitze der Vorſitzende des
Lan=
desvereins für Innere Miſſion ſteht. Die ärztliche
Behand=
lung liegt hier in den Händen eines Darmſtädter Arztes,
der regelmäßig in das Heim kommt; Operationen, deren
ſeit dem kurzen Beſtehen des Heims ſchon mehrere
ſtattge=
funden haben, werden in Darmſtadt vorgenommen. Es
wäre ſehr erfreulich, wenn das Eingeſandt, das dieſe
Be=
merkungen veranlaßt hat, ſowohl unſerem Verein, als dem
Aſyl im Mühltal und dem Krüppelheim neue Freunde und
Gönner zuführen würde, auch ſolche, die in ihren
Vermächt=
niſſen unſer freundlich gedenken.
Widmann, Pfarrer,
Vorſitzender des Landesausſchuſſes des Vereins
„Anſtalt für Epileptiſche im Großherzogtum Heſſen”.
Der Generalſtreik in Liſſabon.
* Liſſabon, 30. Jan. Angeſichts der Streiklage
hat die Regierung den Belagerungszuſtand über
den Diſtrikt Liſſabon verhängt und die
kon=
ſtitutionellen Garantien aufgehoben.
* Liſſabon 30. Jan. Die Geſchäfte waren heute
geöffnet, doch wurde kein Umſatz erzielt. Morgens
ver=
kehrten einige Straßenbahnen, die auf dem Praga do
Pocio mit feindlichen Kundgebungen
empfan=
gen wurden. Kavalleriepatrouillen mit gezogenem
Sä=
bel ſchützten auf dem Platze die Straßenbahner gegen die
Angriffe der Manifeſtanten. Auf der Avenida da
Liber=
dade wurden zwei Straßenbahnwagen angegriffen. Die
Schaffner verteidigten ſich durch Revolverſchüſſe.
Angenblicklich verkehren einige Straßenbahnen unter
dem Schutze von Kavallerieabteilungen. Auch in Coimbra
liſt ein Teil der Arbeiter in den Ausſtand getreten, die
Mehrzahl arbeitet jedoch. Es hat ſich kein ernſter
Zwi=
ſchenfall ereignet.
* Liſſabon, 30. Jan. Im heutigen
Miniſter=
rat wurde beſchloſſen, daß die Truppen zur
Wieder=
herſtellung der Ordnung in den Straßen Streifzüge
aus=
führen, Maſſenverhaftungen vornehmen und
Waffen beſchlagnahmen ſollen. Die Verhafteten ſollen
an Bord eines Kriegsſchiffes gebracht werden. Eine
An=
zahl von Rädelsführern ſind bereits in Haft genommen
worden. Auf dem Rocio=Platz und in der Vorſtadt
Aerantarez wurden Bomben auf die Kavallerie= und
Gendarmerie=Abteilungen geworfen. Dieſe zerſtreuten die
Menge mit der blanken Waffe. Truppenverſtärkungen
ſind hier eingetroffen. Einige Briefträger, die ihre
Kollegen zum Ausſtand zu verleiten ſuchten, wurden
ver=
haftet.
* Liſſabon, 31. Jan. Die Wohnungen des
Präſidenten und der Miniſter werden
militä=
riſch bewacht. Der Adminiſtrator der Provinz
Alemtejo, Demoita, wurde durch Beilhiebe getötet.
Truppen aus Algai und Alemtejo verſtärkten die
Garni=
ſon Liſſabon. 115 Perſonen wurden feſtgenommen und
an Bord des Kreuzers „Adamaſtor” gebracht. Die
Trup=
pen patrouillieren ſtändig in den Straßen und fahnden
nach den Empörern. Zwei Perſonen wurden verhaftet
unter dem Jerdacht, auf dem Rocioplatze Bomben gegen
die Gendarmerie geſchleudert zu haben. Alle
Etaldiſſe=
ments ſind geſchloſſen. Truppen und die republikaniſche
Garde wurden nach Aldeia Gellega, Moita, Setubal,
Biſſadan und den kenachbarten Städten geſchickt. Meh=
rere hundert Verbandemitglieder der Arbeiterſpndilate
ergaben ſich den Truppen. Sie werden an Bord der
Kriegsſchiffe gebracht.
* Liſſabon, 30. Jan. In Evora iſt alles ruhig.
Die Mehrzahl der verhafteten Arbeiter iſt wieder
frei=
gelaſſen. Der Verband der Eiſenbahner entſandte einen
Vertreter nach Evora, der die Lage prüfen und
gegebenen=
falls Vermittelungsvorſchläge machen ſoll.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Nürnberg, 31. Jan. Zu dem geſtrigen Unglück in
dem hieſigen Betrieb der Maſchinenfabrik Aktien=
Geſell=
ſchaft Augsburg=Nürnberg, das ſich infolge Exploſion
eines großen Dieſelmotors ereignete, meldet der
Polizei=
bericht, daß drei Mann ſofort getötet wurden. Ihre
Leichen ſind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. 12 weitere
Perſonen wurden ſchwer verletzt, von dieſen ſind fünf
be=
reits im Krankenhauſe geſtorben.
* Leipzig, 31. Jan. Heute vormittag begann vor dem
vereinigten zweiten und dritten Strafſenat des
Reichs=
gerichts die Verhandlung gegen den der Spionage
beſchuldigten engliſchen Rechtsanwalt Bertram
Ste=
ward. Als Dolmetſcher für den Angeklagten, der der
deutſchen Sprache nicht mächtig iſt, wurde Rechtsanwalt
Breitmann=Leipzig verpflichtet, und als Dolmetſcher für
mehrere nur franzöſiſch ſprechende Zeugen Profeſſor
Denerveaud=Leipzig. Unter Vermittelung des
Dol=
metſchers wurden die perſönlichen Verhältniſſe des
An=
geklagten nach längerer Befragung feſtgeſtellt. Er iſt
ge=
boren am 1. Oktober 1872 in London, Rechtsanwalt bei
dem höchſten Gerichtshof, hervorragender Sportsmann,
Leutnant im Weſt=Kent=Yeoman=Regiment; er hat ſich
im Burenkriege beſonders ausgezeichnet und gab an,
kein aktiver Offizier im deutſchen Sinne zu ſein. Im
Kriegsfalle würde er, im Falle ſein Regiment nicht daran
teilnimmt, ſich bei einem anderen Regiment melden und
an dem Feldzuge teilnehmen können. Nach Verleſung des
Eröffnungsbeſchluſſes, nach dem der Angeklagte des
Spio=
nageverdachts nach § 3 des Spionagegeſetzes hinreichend
verdächtig erſcheint, wurde ſeitens des Reichsanwalts
der Ausſchluß der Oeffentlichkeit während der ganzen
Dauer der Verhandlung beantragt. Der Gerichtshof zog
ſich darauf zur Beratung zurück. Um ½12 Uhr wurde
verkündet, daß die Oeffentlichkeit auf die Dauer
der ganzen Verhandlung ausgeſchloſſen iſt.
— Schöneberg, 31. Jan. In einem Hauſe der
Mar=
tin Luther=Straße wurde auf dem Boden eine Fr a u
überraſcht, als ſie einen Haufen Papier und Lumpen
an=
zünden wollte. Sie wurde als die Aufwärterin
Borg=
mann ermittelt. Ihr ſind wahrſcheinlich auch die
zahl=
reichen Dachſtuhlbrände zur Laſt zu legen, die die
Einwohnerſchaft Schönebergs in letzter Zeit
beun=
ruhigten.
— Berlin, 31. Jan. Ein ruſſiſcher
Klavierhänd=
ler, der in der vergangenen Nacht mehrere Wirtſchaften
in der Friedrichſtraße in Geſellſchaft von mehreren „
jun=
gen Damen” beſuchte, vermißte im Café ſeine
Brief=
taſche mit 120000 Mark Bargeld und
Wert=
papieren.
Briefkaſten.
Stammtiſch 415. Im allgemeinen ſind 40—50 Prozent
Grundſatz. Doch kann für Arheilgen, Griesheim,
Eber=
ſtadt uſw. in geeigneten Fällen (guter Solvenz, guter
Zuſtand des Hauſes uſw.) bis zu 60 Prozent gegangen
werden.
G. F., Wixhauſen. Die Beantwortung Ihrer Frage
iſt nicht angöngig.
„Scoff‟
Der Nachdruck iſt
auf das Wort
zu legen. Die Wertſchätzung, die Scotts
Lebertran=Emulſion auch ſeitens der Aerztewelt
als Kräftigungsmittel errungen hat, gab und
gibt tagtäglich Veranlaſſung zu
Unterſchie=
bungen und Anpreiſungen anderer, angeblich
„eben ſo guter” Emulſionen. Sie handeln aber
in Ihrem eigenen Intereſſe
wenn Sie bei dem
Original=
präparate Scotts Emulſion
bleiben, denn dieſe iſt die einzige
nach dem Scottſchen Verfahren
hergeſtellte, ſeit Jahrzehnten
Nur echt mit dieſen
Marke-demFiſcher einen Weltruf genießende
Leber=
dem
Gakantie=
zeichen des Scott= tran=Emulſion.
(J2941
ichen Verfahrens!
Darum verlange und kaufe man nur
Scotts Gmulſion.
ieg-Geme
10₰ 20₰ 40₰ 75₰ 100₰
Die.
vallkammendte
Schmkege.
Iweadelle.
50.
O. Gelenddouf 8 Co. Kambung
1457M
Bei der gegenwärtigen Tenerung
macht eine rühmliche Ausnahme Naumann’s „Fauſtring”
Lanolinſeife, denn bei unverminderter Güte koſten
nach wie vor 5 Stück nur 95 Pfg. und 20 Pfg.
das Einzelſtück.
(110M
im
Kurdnstalt Bofnelln Taunus.
(1/2 Stunde von Frankfurt a. M.), für Erholungsbedürftige
Marven- u. innere Kranke. Sommer und Winter besne
Prospekte durch
Dr. M. Schulze-Kahleyss, Nervenarzt
Eine
Zraut-Ausstattung
ist kurze Zeit im Schaufenster
ausgelegt.
(2973
Eichbergs Nachfolger
29 obere Wilhelminenstrasse 29.
Trauerkleider
färbt unzertrennt innerhalb. 24 Stunden
Hoffärberei C. & Ch. REICH
Grösste u. leistungsfähigste Färberei in Darmstadt
Telephon 1501 und 1472.
(125a
Eisbahn im Grangeriegarten.
Bei günſtigem Wetter findet am Donnerstag auf
der Eisbahn im Orangeriegarten
(2983
Nachtlaufen mit Militär=Konzert
ſtatt.
Aus dem Geſchäftsleben.
Beſonders im verfloſſenen heißen Sommer hat man
oft den Namen „Selters” nennen gehört! Woher
ſtammt denn eigentlich dieſer Name? Heute iſt dieſe
Bezeichnung univerſelles Gemeingut und es wird den
Wenigſten bekannt ſein, daß die mouſſierenden Getränke
ihren Namen dem uralten Brunnen zu Niederſelters im
Taunus entlehnt haben. Dieſer Brunnen iſt ſchon im
achten Jahrhundert in alten Chroniken erwähnt worden
und heute noch wird derſelbe unter dem Namen
„Königl. Selters” als wohlſchmeckendes Tafelwaſſer, oft
auch gemiſcht mit Weinen, allerorts getrunken. Aber
auch von den Aerzten wird das natürliche
Niederſelterſer=
waſſer häufig bei Huſten, Heiſerkeit und Katarrhen
erfolg=
reich verordnet und daß min ſchon zur Zeit Friedrich des
Großen das natürliche Selterswaſſer aus dem
König=
lichen Brunnen zu Niederſelters an der Tafel der
höheren Stände gern getrunken hatte, beweiſt
nach=
folgender Paſſus aus dem Briefe des Geheimerats
Cothenius an den großen König: „Gleich wie auch das
ehr beliebte Seltzerwaſſer auf der Tafel mit dem
ſechſten oder achten Teil Rhein= oder Moſelweines
ver=
miſcht einen Monat hindurch oder noch länger gar
nütz ich angewendet wird.” (Mamlock, Korreſpondenz
Friedrich des Großen mit Aerzten.)
Darmſtädter Möbelfabrik
G. m. b. H.
bis zur vornehmſten Ausführung
fertigt Wohnungseinrichtungen Erſttlaſſige Arbeit — Dauernde Garantie
Sehenswerte Ausſtellungen von 300 Muſterzimmern
Fabrik und Hauptausſtellungshaus: Darmſtadt, Heidelbergerſtr. 129
Zweiggeſchäfte: Darmſtadt, Rheinſtr. 28 — Frankfurt a. M., Kaiſer=Wilhelm=Daſſage
Illuſtrierke Koſtenanſchläge gratis!
Nummer 27.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 1. Februar 1912.
Seite 7.
Die Ratsherrnbrüderſchaft
erlaubt ſich hiermit auf die Anſchaffung ihres neuen
Leichenwagens aufmerkſam zu machen. Der Wagen
bietet in ſeiner ernſten und würdigen Erſcheinung
Gewähr für eine pietätvolle Beſtattung.
(550a
Beſondere Beſtellungen hierzu nehmen entgegen:
Wagenverwalter Lorenz, Woogsplatz 5, Tel. Nr. 211.
Wagenführer Ernſt Büchler, Nieder=Ramſtädterſtr. 56,
Tel. Nr. 1073.
Familiennachrichten.
Statt jeder besonderen Anzeige.
Es hat Gott dem Herrn gefallen.
meinen innigst geliebten Mann,
un-
seren treuen Vater, Bruder, Schwager
und Onkel
(2970
Oberstleutnant im Leibgarde-Infanterie-
Regiment (1. Grossh. Hess.) Nr. 115
infolge eines schweren Magenleidens
heute abend 10 Uhr durch einen
sanften Tod zu sich zu nehmen.
Marie Gräfn Beissel von Gymnich,
geb. Freiin von der Tann-Rathsamhausen,
Eginhard Graf Beissel von Gymnich,
Leutnant im Leibgarde-Inf.-Reg. Nr. 115,
Dankmar Graf Beissel von Gymnich,
Seekadett S. M. S. „Victoria Luise‟.
Darmstadt, den 30. Januar 1912.
Die Beerdigung findet Freitag, den 2. Febr.,
nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause aus,
statt, vorher Trauerfeier im Hause.
Darmſtadt, 31. Januar 1912.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Arnold von Hofmann,
Oberst z. D.
Einſegnung in der Wohnung Donnerstag,
1. Februar, 6 Uhr nachmittags.
Die Einäſcherung findet in der Stille in
Offen=
bach ſtatt.
Beileidsbeſuche dankend verbeten.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer teuren Entſchlafenen
Frau Emilie Herrmann
geb. Volz
ſagen wir Allen herzlichſten Dank. (2984
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
K. Herrmann.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Die nördliche Depreſſion dringt ſüdoſtwärts vor und
zieht uns allmählich in ihren Bereich. Im Norden
ſchneit es vielerorts. Auch in Deutſchland fielen geringe
Niederſch äge. Beim weiteren Vordringen des Tiefs
werden wir unter dem Einfluß nordweſtlicher Winde
weitere Schneefälle bekommen.
Ausſichten für Donnerstag, den 1. Februar 1912:
Wolkig, Schneefall, kalt.
Schneebericht.
Schierke im Harz (Brockengebiet), 30. Jan.
7 Grad Kälte, mäßiger Schneefall, heiteres, ruhiges
Wet=
ter. Jeder Sport im Gange. Großes Winterſportfeſt des
Eishockey= und Skelotenklubs in Schierke am Samstag,
den 3., Sonntag, den 4. und Montag, den 5. Februar.
Tageskalender.
Hoftheater, Anfang 7½ Uhr (Außer Abonnement).
„Tosca‟
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Konzert von Marie Panthés und Robert Pollak um
8 Uhr in der Turnhalle am Woogsplatz (Richard Wagner=
Verein).
Hauptverſammlung des Gartenbauvereins um
8 Uhr im „Fürſtenſaal”
Hauptverſammlung des Mietervereins um 8½ Uhr
im „Schlaraffiaſaal”.
Konzert um 3 und 8 Uhr im Hotel Heß.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke
Rhein=
u. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½—11 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 4—11 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23):
Gra=
phiſche Zuſammenſtellung der
Reichstagswahlergeb=
niſſe; Brand des katholiſchen Vereinshauſes in
Bin=
gen; Teilnehmer an der Spitzbergenkonferenz; das neue
Stadthaus in New=York.
Verſteigerungskalender.
Freitag, 2. Februar.
Hofreite= u. Bauplätze=Verſteigerung des Cdm.
Göllnitz um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Sanatorium=Verſteigerung des Max Cremer um
2½ Uhr im Rathaus zu Eberſtadt.
Jagdverpachtung um 2 Uhr im Rathaus zu Hahn
bei Pfungſtadt.
Holzverſteigerung um 9 Uhr im Domanialwald
Frankenſtein (Zuſammenkunft auf dem Odenwälder
Weg am Höhgärtchen ſüdlich vom Frankenſtein).
Stamm= u. Nutzholz=Verſteigerung um 10 Uh:
im Spachbrücker Gemeindewald (Zuſammenkunft bei
Gaſtwirt Schneider bei Station Meſſel).
Stammholz=Verſteigerung um 10 Uhr im
Kelſter=
bacher Gemeindewald (Zuſammenkunft auf der
Kirch=
ſchneiſe an der Brandſchneiſe).
Großh. Hofbibliothek, geöffnet Montag bis Freitag
von 9—1 Uhr und nachmittags von 2—4 Uhr, Samstag
von 9—1 Uhr.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.
Zil1ig
ocher
(2977)
Hou dusgelsgt!
Ein Posten
Stickereien
breit. Sachen, f. Unterröcke etc., Coupon
1 Strang — 10 Gebund Strickwolle, farb. 38 ₰
8 Dtzd. Druckknöpfe, rostfrei . . . 38 ₰
12 Stück Halbleinenband
4 Gaszylinder . . . . . . . . 38 ₰
1 Wichskasten u. 1 Dose Schuheréme 38 ₰
1 Schwarzwälder Uhr . . . . . . 65 ₰
verzinkter Eimer, 26 cm .
½ Dtzd. Staubtücher
65 ₰
7 Rollen Closettpapier
1 Handwaschbürste
1 Zahnbürste .
1 Pack Champoon .
1 Waschlappen .
1 Paket Veilchenduftpulver
zusammen
65 ₰
1 große Markttasche mit Lederhenkel 88 ₰
1 Wäschetrockner . . . . . . . 88 ₰
1 gest. Damen-Weste
88 ₰
1 Normal-Jacke
88 ₰
1 Corset mit Spiralfeder
88 ₰
1 Sand-, Seife- und Sodagestell
88 ₰
1 Satz — 6 Glasschüsseln
88 ₰
1 Miederschürze, wasc
88 ₰
[ ← ][ ][ → ]Eine Sehenswürdigkeit während der „Weissen Woche‟
Eleganter Tee-Garten.
Bei Einkäufen erhält jeder Kunde Gratis-Bon für Tee und Gebäck.
Weisse Stückware
Einige 1000 Meter
Cretonne und Renforcé
80/82 cm, fein- und dickfädige Qualitäten, sehr geeignet
für Leib- und Bettwäsche
ganz enorm billig
Serie II 35
Serie I 25 ₰
Serie III 48 ₰
Regulärer Wert bedeutend höher.
Croisé
Ia Qualitäten, für
Leibwäsche, m 55. 35₰
Piqué
schwere gerauhte
Qualitäten m 55, 35 ₰
Kissenbezüge
gebogt od. m.
Hohl-
saum St. 1.15, 78, 35 ₰
Halbleinen, 160 cm breit
für Bettücher
m 1.10, 88 ₰
schwere Ware
160 cm breit Cretonne
für Bettwäsche, vorzügliche
m 95 ₰
la Ware . .
Damaste
130 und 160 cm breit, nur gute
glanzreiche Qualitäten, enorm
preiswert
. . m
60 ₰ 90
Damen-Wäsche
Damenhemd
Achselschl. m. Stick. G
u. Banddurchzug . . 35
Damenhemd
Achselschl., m. eleg.1
Stickerei, g. Qualit. 1.25
Damenhemd
Ia Ware, mit
Madeira-Stickerei 1.45
Beinkleid
Kniefass. m.
Sticke-
rei, solide Ware . . 95 ₰
Beinkleid
w. reicher Stickerei,
Ia Ware, 1.95, 1.50, 1.25
Beinkleid
Bündchenfass., sol. CO
Ware, gekurb. Bog. 35 ₰
Nachtjacke
mit eleg
Stickerei-
verzierung . . . St. 95 ₰
Damennachthemd
mit rotem Feston 6
vorzügl. Qualität . 2.45
Untertaillen
mit
Stickereiver-
zierung 1.75, 1.25, 95 ₰
Stickerei-Röcke
solide Qualität
mit hoher Stickerei . . . 2.45, 2.95
Weisse Zierschürze
mit Träger
95₰
Stickereiverzierung .
Enorm
billig!
chweizer
hübsche Muster
nur gute Ware
Stickereien
ca. 4½ m 1.25,
39₰
1. 1.STMkt. 7
Gusgenheim. s.Morx
Markt‟
Telefon
367
Empfehle in
garantiert
frischester
Ware:
Teleſon
367
Holländer u. Nordsee-
Schellfische
in allen Größen
Holländer Cabliau
im Ganzen u. im Ausſchnitt
Sermnſcheln, grüne Heringe
Bewäſſerten
Stockſiſch und Laberdan
Echte Bratbücklinge
Rhein-Salm Leb. Forellen
Lachsforellen „ Rheinhecht
Steinbutt
„ Rheinzand.
Seezungen
„ Rheinbres.
Rotzungen
„ Karpfen
Austern. Hummer
Fischsalat, Anquilotti
Conſerven
Marinaden
Räucherwaren
ſowie alles weitere in erſten
Qualitäten. (2976
Ferner billige Fiſche:
Bratschellfische 20 ₰
Cabliau
25₰
2—4pfündig
Goldbarsch
25₰
ab Laden, ungeputzt
Ludwig Mösinger
Tuaue, nur untere (n-
4 2 Ielisabethenstr. 42
zwiſchen Zimmer= u
Saalbauſtraße.
Sahtes
Extra=Ausleſe — (2070a
als Stärkungswein für Kinder u.
Kranke ärztlich empfohl., empfiehlt
per Flaſche ohne Glas Mk. 1.—
G. Roth, Dieburgerſtr. 9.
Gemntter
mit und ohne Pelzdecke, ein= und
(2969
zweiſpännig
Schlittengeläute
in größter Auswahl bei
H. Buchhammer
Elisabethenstr. 44. Tel. 1214.
Daſelbſt werden auch Schlitten
verliehen.
u
Heinrichstrasse 105
elegante 6-Zimmerwohnung
(hochparterre) mit reichlichem
Zubehör, Bad, Fremden=,
Mäd=
chenzimmer und Garten iſt per
April 1912zu vermieten. Preis
Mk. 1200.—. Näh. im Laden
Rheinſtraße 33. (1835ids
3 kompl. Betten, 1 Kleiderſchr.,
1 Nachttiſch, 1 Diwan ſpottb.
zu verk. Steinackerſtr. 2, p. (*2469df
chreibtiſch, Rollpult, billig
zu verkaufen E. Jansen,
Bleichſtraße 1.
(*2457
666669 59eo9e9osoe9668e
Tüchtiger, ſehr ſolventer
Photograph
ſucht Bauherrn zur Erbauung v.
photogr. Atelier i. fein. Lage
Darmſtadts. Reflekt., d. ſpät.
Kauf zuſichern können, bevorzugt.
Angeb. L. W., Karlsruhe,
hauptpoſtl.
(*2445dso
99000
Seeee
Schiffsbericht.
Hamburg=Amerika=Linie.
Mitgeteilt von dem Vertreter Hrn.
Adolf Rady, Darmſtadt,
Zimmerſtraße 1.
Dampfer „Bayern” 28. Januar
6 Uhr morgens in New=York.
Dampfer „Kaiſerin Auguſte
Vik=
toria”, nach New=York, 29. Januar
4Uhr 35 Min. morgens Lizard
paſſiert.
Dampfer „PrinzAdalbert‟, 28. Jan.
8 Uhr morgens in Philadelphia.
Gutenbergſtraße 12
1. Stock, ſchöne 5=Zimmerwohn.,
der Neuzeit entſpr. eingerichtet, mit
allem Zubehör p. 1. April zu vm
Näh. daſ. v. 2—5 Uhr. (1736ids
Kahlertſtraße, 5 Z., Zubeh., ev.
Garten, per ſof. z. verm, 650 Mk.
Ausk. Wendelſtadtſtr. 40, I. (331ids
Bismarckstrasse 48
5 Zimmerw. per 1. April zu verm.
Einzuſ. tägl. v. 10—12 u. 3—5 Uhr.
Näh. daſ. part.
(1365t
Zimmer
Wiesenstrasse 9
eine geräum. Manſardenwohnung,
beſtehend aus 2 gr. u. 2 kl.
Zim=
mern nebſt allem Zubehör zum
Preiſe von 25 M. monatl. per
1. April zu verm. Einzuſ.
Diens=
tag u. Donnerstag nachm. (2704ids
Schulſtraße 12
4—5=Zimmerwohn. ſofort zu verm.
Näheres bei A. Merz. (2274t
Schöne 4=Zimmerwohnung
1. Stock, per 1. Februar.
Mauer=
ſtraße 14.
(537ods
Lagerhausſtraße 32
Ecke der Blumenthalſtraße,
eine 3 Zimmerwohnung im
Vorderhaus ſofort zu
ver=
mieten. Näheres bei
Reſtau=
rateur Benz dortſelbſt. (2915a
ooscessster
un
Kranichſteinerſtraße 37 ſchöne
2 u. 3 Z.=W., der Neuzeit entſpr., per
1. Apr. an ruhige Leute z. v. (244ds
Große Ochſeng ſe 39 2 Z.=
Wohn. u. Küche, Preis 14 Mk.,
ſofort zu vermieten.
(*2458
Grafenſtr. 16, I., unmöl.
Zim=
mer an einf. Mädchen.
(*2431
Einfamilienhaus
Prinz Chriſtianweg Nr. 8 (
Ma=
thildenhöhe) zum 1. April 1912 zu
vermieten oder zu verkauf.
Aus=
kunft ert. Hochbauaufſeh. Bender,
Kanzleigebäude.
(1064ids
Kiesſtr. 8, Hth., kl. Manſ. mon.
12 M. Zu erfr. im Laden. (2019a
Gr. Kaplaneigaſſe 37 kl.
Woh=
nung, per Mon. 10,50 Mk. (2964ds
mme
Alte Darmſtädter=
Eberstadt ſtraße 4, I.,
eine 4 u. eine 3 Zimmerwohnung,
neu herger., ſofort zu verm. Näh.
H. Hornung, Darmſtadt,
Viktoria=
ſtraße 72 und bei Joh. Götz,
Eber=
ſtadt, Pfungſtädterſtr. 41. (*2265mdfs
Ne
nebſt Magazin mit
Hell. Laden oder ohne 3 Zim., für jed. Geſchäft geeign.
Eckt Saalbauſtr. u. Marienpl. 8,
iſt per ſofort eventuell ſpäter zu
vermieten. Näheres Hügelſtr. 27,
(730od
Kontor.
Aasssss
nebſt Ma=
2 Hell. Laden gazin, mit 3
od. ohne 3=Zimmerw., für jed.
Geſchäft geeig., Ecke Saal=
2 bauſtr. u. Marienpl. 8, iſt
per ſofort evtl. ſpäter zu ver=
§ mieten. Näh. Hügelſtr. 27,
* Kontor.
(2485od
Schöner Eiskeller
am Ritzſtein billig zu vermiet.
durch Heinr. Funk,
Soder=
ſtraße 76. Telef. 1031. 2979t
Bleichſtr. 45,1. St. ſchön möll
Zimmer m. od. ohne Penſ., auch für
(2200a
2 Herren.
Mauerſtr. 32, 1. St. r., ſchön
möbl. Zimmer bill. zu vm. (2705t
Eliſabethenſtr. 46, Hth., part.,
chön möbl. Zimmer ſofort. ( 708a
Waldstrasse 2 3 möblierte
Zimmer, zuſammen oder getrennt,
ſofort zu vermieten.
(2716t
Neckarſtr. 4, Hinth. lks. part.,
ſchön möbl. Zimmer. (2749a
Eliſabethenſtr. 31, 1. St., ſev.
möhl. Zimmer zu verm. (2609t
Stiſtſtr. 51, Ecke Landgr.=
Ge=
orgsſtr., g. möbl. Zimm. (*2225imd
Schön möbl. Zimmer mit od.
ohne Penſion für beſſeren Herrn
per 1. Februar zu verm. Näheres
Hölgesſtraße 1, 1. St. (1972omds
Karlſtr. 36, I. lks., ein möbl.
Zimmer zu verm.
(2869a
Wilhelminenſtr. 27, III., frdl.
möbl. Zim. ſof. zu vm. (*2290md
Schön möbl. Wohn= u. Schlafz.
für 1 oder 2 Herren bei engliſcher
Familie. Offerten unt. E 74 an
die Expedition.
(*2298md
Aliceſtraße 8, I., freundl. möbl.
Zimmer mit Penſion. (*2260md
Eliſabethenſtr. 37, Htb. 1. St.,
ſchön möbl. Zim. ſof. bill. (*2323md
Grafenſtr. 4, Mittelhaus 1. St.,
ein gut möbl. Zimmer an beſſeren
Arbeiter zu vermieten. (*2372md
1—2 Schüler o. Schülerinnen, w.
h. Lehranſtalten beſ., f. liebevolle
Aufnahme m. Ueberwach. der Arb.
in nur g. Hauſe (Muſikgelegenh. im
Hauſe) Riegerplatz 12, I. (*2371mds
Schützenſtraße 10½, 3. Stack,
möbl. Manſarden=Zimmer billig
zu vermieten.
(2611t
Luiſenplatz 1, 2. Stock, möbl.
Zimmer nach der Straße. (*1520sds
Eliſabethenſtr. 35, Htb. II. I. b.
aus gut möbl. Zim. ſof. bill. (2921a
Penſion Eliſabethenſtr. 4, II.
gut möbl. Zimmer mit voll. Penſion
von 65 Mk. an aufw. z. verm. (*2398dfs
Viktoriaſtr. 27, I., möbl. Zim.
zu vermieten. Näh. part. (*2406
Oe Zimmer
Riedeſelſtraße 68, III., einf.
möbl. Zimmer zu verm. (1043ids
Möbl. Zimm. z. vermiet.
Die=
burgerſtr. 6, 2. St. (*1569sid
Karlſtraße 104, möbl.
Zimmer=
zu vermieten.
B2980
Gartenſtr. 12, II., möbl.
Zim=
mer zu verm. Einzuſ. nachm. (*2418
Waldſtraße 3 möbl. Zimmer
zu vermieten. (2961ids
Soderſtr. 42, I., I., möbl.
Zim=
mer per ſofort, Pr. 15 Mk. (*2451
Sele
Im Mainzer Warenhaus
Weisse Kleiderstoffe:
Preiswerte Angebote in allen Abteilungen
Wollbatiste, doppeltbreit,solide Ware . . . Meter 85₰ Wollbatiste, doppeltbreit,
Ia Qurlitäten . . . 1.50, 1.20 Chevlots, doppeltbreit,
reine Wolle
Meter 1.50 Volle, 120 cm breit, als sehr
preiswert . . . Meter 1.60 Cröpe u. Fantasle, sehr preis-
wert, gute Qualitäten . . 95 ₰ Halbfertige Blusen
in Seidenbatist, bestickt 95 ₰ Batist à jour, hübsche Muster,
sehr preiswert . . Meter 30 Schweizer Stickereistoffe
120 cm breit . Meter nur 1.95 Seidenbatist
doppeltbreit
.. Meter 95 ₰
Handarbeiten:
Sofaklssen mit Franzen,
vorgezeichnet . . Stück
Sofakissen, gestickt und
gefüllt
. Stück
Zimmer-Wandschener
gezeichnet . . .
Stück
1.30
Milleux, fertig, Leinen,
Spitze u. Einsatz . Stück 65 ₰
Modewaren u. Handschuhe:
Läufer, fertig, Leinen, Spitze
Läufer, vorgezeichnet
und Einsatz . . . Stück 75 ₰
elegante Muster .
Stück
85₰
Jabots, elegante Neuheit,Jabots, leicht angestaubt
sehr preiswert . Stück 60, 40
jedes Stück 25 ₰ Batistkragen
als sehr preiswert . Stück 95 ₰ Macramékragen, als ganz
Kragengarnitur, Spachtel,
besonders billig . . Stück 1.20
1.50
weiss, enorm billig Tollspachteistofte
für Blusen . Meter von 1.00 an Reste von Tüll- u. Spachtelspitzen-Einsätze
zum Aussuchen Enorm billig! Mieseneoken, rein Leinen
als enorm billig . .
Stück 12 ₰ 1 Posten Spltzen u. Einsätze
1 Posten Spitzen u. Elnsätze
mercerisiert . . . Meter 10 ₰ rein Leinen
Meter 20 ₰ Spachtelkragen
hübsche Muster . Stück 1.10
sehr preiswert
58
Weisse Kinder-Handschuhe
in verschiedenen Grössen
(13,
a. JAPKt. ½
S0e
C.TERberu2
LAMKt 2
5
Empfehle in garantiert
lebendfriſcher Ware:
Pracht=
volle Hordsee
Schenrische
Rabllau
im Ausſchnitt
Nordsee-Kabliau
mit Kopf, 2 bis 6 pfündig,
per Pfund 30 Pfg.
Pfund
Bratschellfisch 25 Pfg.
Seelachs, Merlans,
Heilbutt im Ausſchnitt
Hochfeiner
Silbersalm im Ausſchnitt
Große
Nordsee-Schollen
V2960)
Fertig
Fischhandlung
Karlstr. 47. Telefon 641.
Fintermantel, Mütze,
Schlut=
ſchuhe für 13—15jähr. Mädch.,
ſchw. Herrenrock zu verk. Mühl=
*2439
ſtraße 16, 1. St.
uterh. Kinderwagen u. gepolt.
( Kinderklappſtuhl bill.
abzu=
geben Lichtenbergſtr. 28, III. (*2435
lilig
Jannischune
Um unsere enormen Vorräte in nur la Qualitäten
amerikan, Gummischuhen
deutschen Gummischuhen
russischen Gummischuhen
zu räumen, verkaufen wir zu reduzierten Preisen.
Roſa Atlas=Domino
(nur zweimal getragen) zu
verkaufen. Näheres zwiſchen
11 und 12 Uhr vormittags
Rheinſtraße 7, I. (2909a
Schuh-
Warenhaus
Inhaber: Ludwigstr.
Paul Wildau
(2963
Gasofen, Gaslampen
gebraucht, u. verſch. andere billig
abzg. Markt 11, Laden. (2939dod
Darnſichtr Melcſechen
aus dem 17. u. 18. Jahrhundert
zu kaufen geſucht.
(2937dfs
Näh. Expedition.
zu verkaufen
2 Paradespeere
(*2434
Landgraf Philipp=Anlage 60½ p.
P. Schlittſch., 1 Fr. Umhang, neu
110 M., 1 P. D.=Stiefel, neu, billig
*2443
abzug. Ludwigspl. 8, Vdh. III.
Ball=
ktomane und Diwan zu verk.
J. Luckhaupt, Tapeziermſtr. Und Gesellschuffsfrisuren
Mühlſtraße 62.
*2422)
werd. jederz. modern u. elegant in
1 Motorwag., 6 ſitz., u. auß. dem Hauſe ausgeführt, auch
Verlalſc 1 Elektro=Motor, werd. noch Damen i. Abonn. angen
6 PS., nebſt Anlaſſer, 1 Welle Honor. monatl. v. 5 Mk. an. (*2408
nebſt 5 Lagerböck., 1 Holzſchild,Gretel Meier, Friseuse u. Masseuse,
3 m lang, 1 große Hundehütte, Nieder=Ramſtädterſtraße 13.
1 transp. Keſſel, 751 Inh. Gefl. Poſtkarte genügt.
Off. unt. E99 an die Exp. (*2423
Sofab., WBuſ.bl. u.w. 2El.= Anz. Hr.
K. Heidelbergerſtr. 110, p. l. (B2955
Lleg. ſchw. Samtſoubr. (Masle)
zu verl. Liebfrauenſtr. 68, II. (*2461
tiſch billig zu verkaufen (B2956
K. Müller, Klappacherſtr. 42.
hanſonerte (hocheleg. ſchicke ſeid.
ntiker Schrank, eingelegt, Maske) b. z verl., daſ Damnen=
2 geſchnitzter Wohnzimmer=frisieren Heidelbaſtr 17½, III. (288
Hamenmasken zu verl. od. zu vk.
*2212id) Schuſterg. 6, i. Laden.
askenkoſt., eleg., ſchw. Samt,
zu verl. 8 Mk., Verkaufspr.
20 Mk. Friedrichſtr. 9, part. (*2399
Masken=Koſtüm (Zigeunerin)
billig zu verleihen
Liebfrauen=
ſtraße 75
*2444
egenb., Brieftr., Pierrette, alles
R neue Damenmasken, billig zu
verl. Mühlſtr. 5, II. Gebert. (*2410ds
zu verl.
Verſch. eleg. Dominos (*2433
Landaraf Philipp=Anlage 60½, p.
ine Anzahl Damenmasken von
E3 Mk. an zu verleihen (*2416
Riedlingerſtraße 41, 1.
Ein eleg. Damenmaskenanzug
billig zu verl. od. zu verk.
(287
Näh. in der Exped.
Seltene eleg. n. Damenmaske
(Kaſtanie) billig zu verl.
Nied.=Ramſtädterſtr. 16, I. (2807a
Zigeunerin) b.
Schöne Maske zu verleihen
*2403df) Neue Ireneſtr. 59, III. r.
2 ſchöne Maskenkoſtüme
(Spanierin u. Orientalin) billig
zu verleihen
(2571t
Gutenbergſtraße 11, part.
in
Maskenkostüme großer
Auswahl von 3 Mk. an, Domino
1 Mk. Stiftſtr. 89, part. (2184a
Hochelegante Damenmasken
(Chanſonetten in verſchiedenen
Farben, Orientalin, Fiſcherin,
Ti=
rolerin), auch werden neue Masken
leihweiſe angefertigt (2822a
Große Kaplaneigaſſe 14, part.
ſaskenkoſt. (Bühnengard. einf.
u. eleg., von 3 Mk. an zu verl
*2339md) Gutenbergſtr. 66, III. I.
Sch. Maskenkoſtüm( Zigeunerin)
ganz neu, billig zu verkaufen
Näh. Expedition ds. Bl (*2356md
zine elegante Damenmaske zu
E verleihen Liebfrauenſtraße 74,
Hinterh. 3. St. links. (*2301md
Eleg. Damenmasken (Schach
u. Domino), nur einmal
ge=
tragen, zu verl. Wingertsbergſtr. 7,
part., n. d. Erbacherſtr. (*2351md
Gleg. Damenmask. (Zigeunerin
und Holländerin) zu verleihen
*2179omd) Schuchardſtr. 1, II. I.
Damenmasken, H.=Dominos zu
verl. od. verk. Kiesſtr. 32. (2499a
elegante Maskenanzüge, ſowie
2 eine Herren=Maske zu verleih.
Schießhausſtr. 49. (B2488
Hocheleg. Damenmasken, teils
neu, von 3 Mk. an zu verleih.
Roßdörferſtr. 16, 1. St. (2497a
(Herrenmaske) feines
Bar Effektſtück, bill. z. ver=
— kaufen oder z. verleihen
Liebfrauenſtr. 89II.
(2810idf
Iialienerin, Veilchen u. Domino
(Mask.) von 2 Mk. an zu verl. od.
zu verk. Eliſabethenſtr. 44, I. (2922a
Womino, Herren- u. Damen-Masken
bill. zu verl., Damenfrisieren
2278a) Mauerſtr. 8, II., Riesinger.
legantes Maskenkoſtüm billig
zu verl., ev. zu verk. (B2502
Neue Niederſtr. 12, pt.
Nummer 27.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 1. Februar 1912.
Seite 10.
Samstag beginnt dieser mit vieler Sorgfalt vorbereitete grosszügige
Sonderverkauf — Fast alle Abteilungen unseres Hauses bieten eine Fülle
weisser Waren zu enorm billigen Preisen —: Hervorragende
Kaufgelegen-
heit für Weiss- und Leinenwaren, Wäsche, Gardinen
Eröffnung unserer 9 mit Weisswaren dekorierten Schaufenstern morgen Freitag.
Sehenswerte Innendekorationen.
Richard Wagner-Verein Darmstadt.
Dienstag, den 13. Februar 1912, abends 8 Uhr,
im Festsaale der Turngemeinde:
Drittes Konzert
der
Feillinger Horkapene
unter Leitung von Herrn Hofrat Professor
Dr. Max Reger, Hofkapellmeister.
Programm: Bach, Beethoven, Brahms, Max Reger und
Richard Wagner.
Der Vorverkauf ist eröffnet.
Der Vorstand.
975)
Bezirksverein Südost
Einladung
zur ordentlichen Hauptverſammlung, Montaa, 12. Febr.,
abends ½ 9 Uhr, bei Herrn Lantin, Roßdörferſtr. 14½
— Tagesordnung: —
1. Bericht des Vorſtandes und des Ausſchuſſes
2. Rechnungsablage
3. Bericht der Reviſoren und Entlaſtung des Rechners
4. Vorſtandswahl
5. Wünſche und Anträge.
Finger, zu richten.
(2953
Der Vorstand. repariert gut u.
Nähmaſchinen billig, Nadeln u.
Zubehör billigſt. Rep.=Werkſtätte
Chr. Debus, Nied.=Ramſtädter= Schönes Maskenkoſtüim,
Studentin, billig zu verleihen
Mauerſtr. 32, 1. St. rechts. (*2433dfs ſtr. 57a, Telefon 1737. (*2470 Cercle frangais
de Darmstadt.
Les messieurs et dames, qui
désirent se perfectionner dans la
conversation et la littérature fran-
caises sout priés d’assister à la
réunion du Jeudi ler Février à
6½ hres du soir à 1'Hötel Prinz Karl,
Karlstrasse 1.
Cotisation: 4 M. par mois, 6 M.
pour mois deux. Les réunions
ont lieu une fois par semaine.
Le Comité. Le Directeur
B2954 Professeur J. Berryer. portwagen, gut erh., geſucht.
Offerten an M. Schnitzer,
Schloßgaſſe 29.
(*2460 Speriſtplatz e, drite Reihe, weg.
Trauer für den Reſt der Spielzeit
abzug. Gutenbergſtr. 53, I. (*2370mdf Sräul. Ende 40er, evangel., aus
gut. bürgerl. Fam., mit Verm.,
wünſcht ält. gebild. Herrn kennen
zu lernen zwecks Heirat. Off. bitte
unt. E 47 an die Exv. (*2191ids
wird in Pflege
Ein Kind — gegeben.
Off. u. F. 9 a. d. Exved. (*2473
Nor kaan Neid!
Vor kaan Neid!
Sonntag, den 4. Februar 1912, abends 8 Uhr 11 Min.
im Städtischen Saalbau
GROSSEs
UANTNEVNE UcnUEWT
I. Teil: Darmstädter Komponisten
II. Teil: Humoristica und Chorlieder
III. Teil: TAIN Z.
(2929dfs
Eintritt 50 Pfg. die Person in den bekannten ℳ
Verkaufsstellen, im Verkehrsbüro und
abends an der Kasse.
Der grosse Rat.
66 Darm-
Schützengesellschaft ,„Weidmannsheil stack.
Vereinslokal Rest. „Martinsglöckchen‟, Riegerplatz.
Jeden Montag und Mittwoch von abends 9 Uhr ab
Uebungsschießen mit scharfer Munition.
Freunde und Anhänger des Schiessports stets willkommen. (1988a
Ein
Basel Parc Hotel Bernerhof.
Altrenommiert. Beste und ruhigste Lage am Zentralbahnhof
gegen-
über den Promenaden. Elektr. Licht, Zentralheizung, Bäder,
Restaurant. Mässige Preise. A. Geilenkirchen, Besitzer.
Lebend
Forellen
Hechte
Karpfen
Aale
Zander
Stockſiſch
I. Nordsee-Schellfisch
Ia Vordsee-Cabliau
Back-Schellfische
:— Merlan —2
Frisch
Rheinſalm
Weſerſalm
Silberſalm
Lachsforellen Schleien
Seezungen
Steinbutt
Rotzungen
Heilbutt,
Merlan
ff. friſche
Grüne Heringe
vorzüglich zum Backen
per Pfund 15 Pfg.
Catiar- .. Austern
Täglich frischgebackene Fische.
Hoflieferanten
Grafenstrasse 19
Filiale: (2962
Ludwigsplatz, gegenüber der
Stadt Pfungstadt.
Telephon 40.
Ein großer Poſten
Glaſer= u. Schreinerarbeiten
gegen Maurerarbeiten zu vergeben.
Intereſſenten bitte Adreſſe unter
E 62 an die Exp. d. Bl. (2823a
Nummer 27.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 1. Februar 1912.
Seite 11.
Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt.
In Babenhauſen (Kreis Dieburg) iſt die Maul= und
Klauen=
ſeuche ausgebrochen.
(2974
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde. In polizei
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 2 Pinſcher, 1 Wolfshund (zugelaufen). Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die
Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werk=
tag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(2933
Darmſtädter Fiſchmarkt.
Verkaufstage:
a) auf dem Marktplatz: Donnerstag und Freitag jeder
Woche regelmäßig, nach freier Wahl der Händler auch
Dienstag und Samstag;
b) in der Beſſunger Fiſchhalle, Beſſunger Straße Nr. 70:
alle Wochentage, außer Samstag.
Die äußerſt billig geſtellten Wochenpreiſe, die unter Kontrolle
der Großherzoglichen Bürgermeiſterei Darmſtadt feſtgeſetzt werden,
ſind an den Verkaufsſtänden angeſchlagen.
(637a
Herſtellung von elektriſchen Licht= und Kraftanlagen.
Elektriſche Licht= und Kraftanlagen, die an das Kabelnetz des
ſtädtiſchen Elektrizitätswerks angeſchloſſen werden ſollen, ſowie alle
Erweiterungen, Veränderungen und Reparaturen ſolcher Anlagen
dürfen nur von Elektrotechnikern ausgeführt werden, die von
Groß=
herzoglicher Bürgermeiſterei eine ſchriftliche Erlaubnis hierzu erhalten
und ſich verpflichtet haben, alle dieſe Einrichtungen unter
Zugrunde=
legung und gewiſſenhafter Beachtung der hierfür erlaſſenen beſonderen
Vorſchriften auszuführen.
2943a
Zur Zeit beſitzen die Erlaubnis die Firmen:
1. Doll & Benz, Frankfurter Straße 36
2. Gelfius, Wilhelm, Fuhrmannſtr. 6
3. Hartmann, Karl, Waldſtr. 13
4. Keil, Georg, Eliſabethenſtr. 36
5. Korfmann, Theodor, Taunusſtr. 1
6. Krätzinger, Wilhelm, Ludwigſtr. 11
7. Lange, Louis, Schulſtr. 6
8. Lorey, Ernſt, Karlſtr. 56
9. Nohl, Jakob, Wilhelminenſtr. 10
10. Schöller, Willy, Rheinſtr. 9
11. Wilk, Auguſt, Schuchardſtr. 12
Städtiſche Elektrizitätswerksverwaltung Darmſtadt
Meyer.
Lieferungs-Vergebung.
Für Großh. Provinzialarreſthaus Darmſtadt ſollen vergeben
werden:
I. Für die Zeit vom 1. April bis 15. Oktober 1912 die Lieferung
von: 600 Kilo weißen Bohnen, 800 Kilo geſpaltenen Erbſen,
600 Kilo Linſen.
II. Für die Zeit vom 1. April 1912 bis 31. März 1913:
1., die Lieferung von 3000 Wecken, 1000 Kilo Ochſenfleiſch,
300 Kilo Schweinefleiſch, 600 Kilo Schweineſchmalz, 600 Kilo
Sackfett, 40 Kilo Speck, 1200 Kilo Kochſalz, 600 Kilo Gerſte,
600 Kilo Reis, 500 Kilo Gries, 400 Kilo Gerſtengrütze
400 Kilo Hafergrütze, 180 Kilo Kaffee (geröſtet), 400 Kilo
Malzkaffee, 200 Kilo Bandnudeln, 3500 Liter unabgerahmte
Milch (Vollmilch), 3500 Stück Heringen, 4500 Stück
Hand=
käſen, 300 Kilo Kernſeife (weiß), 1200 Kilo Schmierſeife (weiß),
1006 Kilo Soda.
2. der Bezug der Küchenabfälle, ſowie der Knochen und
Lumpen.
Die in Anlage A. des Erlaſſes des Großh. Miniſteriums vom
16. Juni 1893, das Verdingungsweſen betreffend, enthaltenen
Be=
dingungen, ſowie die beſonderen Lieferungs= und Bezugsbedingungen
liegen in dem Geſchäftszimmer des Großh. Arreſthausökonomen,
Rundeturmſtraße 8, am 12. und 13. Februar 1912, vormittags zwiſchen
8 und 12 Uhr, ſowie nachmittags zwiſchen 3 und 5 Uhr, offen.
Angebote und Warenmuſter (letztere getrennt von den
Ange=
boten) ſind verſchloſſen und mit der Auſſchrift: „Zu der am 30. Januar
1912 ausgeſchriebenen Lieferung” verſehen, bis zum (2928ds
Montag, 26. Februar 1912, vormittags 10 Uhr,
auf dem Geſchäftszimmer des Großh. Oekonomen einzureichen.
Zuſchlagsfriſt: 3 Wochen vom 26. Februar 1912 an.
Darmſtadt, den 30. Januar 1912.
Der Oberſtaatsanwalt.
v. Heſſert.
Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 7. Februar, vormittags von
9 Uhr und nachmittags von 3 Uhr an
verſteigere ich im großen Saal des
Schützenhofs, Hügelſtraße 24
im Auftrag
Heiner Hoheit des Prinzen Ludwig von Battenberg:
1 komplettes Herrenzimmer,
1 komplettes Schlaßzimmer,
1 kompletter engl. Salon,
verſchiedene echte Perſerteppiche, Vorhänge,
einzelne Sofas, Seſſel und Tiſchchen ꝛc.
Ferner im Auftrag des ſeitherigen Kaiſerlich Ruſſiſchen
Ge=
andten, Sr. Exzellenz Herrn Baron von Knorring:
1 engliſches Schlaßzimmer,
verſchiedene Salon= und Speiſezimmer=Möbel
Sofa, Seſſel und ſonſtige kleine Möbel.
Zur Beſichtigung der Gegenſtände iſt das Verſteigerungslokal
Dienstag, den 6. Februar I. Js., vormittags
von 10—1 Uhr und nachmittags von 3—5 Uhr
geöffnet.
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare
(2926ds
Zahlung ſtatt.
Darmſtadt, den 1. Februar 1912.
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator,
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.
Bekanntmachung.
Die heute in Nieder=Ramſtadt
abgehaltene Holzverſteigerung iſt
genehmigt. Die Abfuhrſcheine kön
nen von Montag, den 5. Februa
an, abgeholt werden. (2936
Ober=Ramſtadt, 29. Jan. 1912.
Großherzogliche Oberförſterei
Ober=Ramſtadt.
Daab.
Konkursverfahren
über das Vermögen des Adam
Hofmann IV. in Griesheim.
Die Forderungen der noch zu
berückſichtigenden, nicht
bevorrech=
tigten Gläubiger, betragen M. 3784
12 Pfg.
Es liegen zur Verteilung an
dieſelben Mk. 1492 62 Pfg., mithin
39 444 Mk. in der Maſſe. (2932
Darmſtadt, 31. Januar 1912.
Ernſt Wolff,
Konkursverwalter.
Sanatorium
Max Cremer
Eberstadt.
Freitag, den 2. Februar,
nachmittags 2½ Uhr,
findet die zwangsweiſe
Verſteige=
rung auf dem Rathauſe in
Eber=
ſtadt mit unbedingtem Zuſchlag
ſtatt. Brandtaxe 70000 Mk.
Orts=
gerichtl. Taxe 80000 Mk. (*2206imd
Cu. 20 Ar. Neu ss
verkauft Peter Heinrich Kunz,
Griesheim, Schöneweibergaſſe 24.
ITTT
Schreibmaschine
&6 billig zu ver=
„V087 kaufen
Viktoriaſtr. 63, 2. St., 5—9 Uhr
nachm. tägl. anzuſehen. (2314a
AA
Eleganter Kimono
zu verkauf. Heinrichſtr. 81. (2846md
hellblaues Voile=Kl., faſt neu,
110 Mk., modern, 1 modebraunes
Kl., f. neu, 12 Mk., z. verk. (*2412
Soderſtraße 22, part.
Suche ein gutes Tafelklavier.
Offert. mit Preis u. E 97
an die Expedition d. Bl. (*2411
ehrock, Frack u. Smoking=
An=
züge zu verleihen u. zu verkauf.
3a) Soderſtraße 14, 1. St.
: Gebrauchte Möbel! Ws
Vertiko, Kleiderſchrank, Waſch= u.
Nachtſchränke, Waſchkommode,
Küchenſchrank, Nähtiſch, große u.
kl. Tiſche, Bücherbretter, Etagére,
Paneelbrett, Schaukelſeſſe,
Laden=
theke, 2,50 m lang, Betten,
Bett=
teile, Volldampf=Waſchmaſchine u.
verſch. and., alles gut erhalt., billig
abzug. Alexanderſtr. 3, p. (*2456ds
Schöner 6: 2ſitz. Kinderſtuhl
Schlitten billig zu verkaufen
Liebigſtr. 15, pt. (*2454df
Nur
Nur
Melhlit 5 2 Stchme
Ecke Karlstrasse
empfiehlt (2948
f. gek. Schinken
¼ Pfd. 40 Pfg.
Rügenwalder Cervelatwurst
per Pfd. 1.50
Rügenwalder Rotwurst
per Pfd. 80 ₰
Teewurst . . . per Pfd. 1.35
Mettwurst.
1.15
Mettwurst, kleine, p. Stück 30 ₰
Leberpreßsack per Pfd. 75 ₰
75
Blutpreßsack
1.20
Zungenpreßsack
Braunschweiger Rotwurst
per Pfd. 75 ₰
Braunschweiger Leberwurst
per Pfd. 75 ₰
Ia Salami . . . per Pfd. 1.35
1.30
Ia Cervelat . .
Ia Cervelat, grob, „ „ 1.25
a Kraftfleisch „ „ 1.10
täglich
Wiener Würstel
Frankfurter Würstel friſch
Simons- u. Sanitas-Brot
er Stück 32 ₰
Garantie für einwandfreies
laterial u. Reinheit der Fabrikate
Verſteigerungs-Anzeige.
Donnerstag, den 1. Februar 1912, nachm. 4 Uhr,
verſteigere ich im Saale Rundeturmſtr. 16 öffentlich
zwangsweiſe gegen Barzahlung vorausſichtlich:
4 Diwans, 3 Sofas, 2 Schreibtiſche, 3 Kleider=, 2 Spiegel=,
2 Bücher= u. 4 Kaſſenſchränke, 10 Vertikos, 2
Pfeilerſchränk=
chen, 2 Kontrollkaſſen, 1 Partie Spirituoſen, 1 Partie
Hem=
den, Kravatten, Bettkolter, Steppdecken, Servietten,
Bett=
zeug, Tiſchzeug, Damaſt, Köper pp., 1 Jagdwagen, 2
Regu=
lateure, 1 Standuhr, 8 Bilder, 1 Partie Falzziegel u.
Schiefer=
ſteine pp.
Darmſtadt, den 31. Januar 1912.
(2924
Thüre, Großh. Gerichtsvollzieher,
Bleichſtraße 9.
Holzverſteigerung.
Mittwoch, den 7. Februar, vormittags ½9 Uhr,
wird in der Brücher’ſchen Wirtſchaft zu Arheilgen das
Durch=
forſtungsholz aus Diſtrikt Jagen 24, Forſtwartei Kleeneck, verſteigert:
Scheiter, rm: 74 Buchen I. Kl., 278 Buchen II. Kl.,
2 Eichen; Knüppel, rm: 152 Buchen, 1 Eiche; Reiſig,
Wellen: 3650 Buchen.
Das Holz iſt über Bierhanſenweg und Langſchneiſe nach der
Frankfurter Straße hin gut abzufahren, ebenſo in der Richtung nach
Meſſel. Blau unterſtrichene Nummern werden nicht verſteigert.
Aus=
kunft erteilt Forſtwart Lang zu Meſſeler Falltorhaus, Poſt Meſſel.
Darmſtadt, den 30. Januar 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Kranichſtein.
van der Hoop.
Nlammpotz=Verſleigerung.
Montag, den 5. und Dienstag, den 6. Februar,
jedesmal vormittags 9½ Uhr anfangend, ſollen im Eberſtädter
Ge=
meindewald, Diſtrikt Klingsackertanne, 610 Kiefern=Stämme von
20—57 cm Durchmeſſer und 4—17 m Länge an Ort und Stelle
ver=
ſteigert werden. Die Zuſammenkunft iſt am erſten Tag auf der
Schlangenſchneiſe am Bahnübergang und am zweiten Tag auf dem
Bäckerweg am Eingang des Waldes.
Es wird bemerkt, daß am erſten Tag erſtklaſſiges Schnittholz
und am zweiten Tag ſchöne Pumpenſtämme zum Ausgebot kommen.
Eberſtadt, den 30. Januar 1912.
(2938dfs
Großherzogliche Bürgermeiſterei Eberſtadt.
Schäfer.
Stammholz-Verſteigerung.
Donnerstag, den 1. Februar 1912,
vormittags von 9 Uhr an, werden aus hieſigem Gemeindewald,
Diſtrikt Malchertanne, an Ort und Stelle
125 Stück Kiefern=Stämme von 30—49 cm Durchmeſſer
„ 25—2
124 „
31
25 „
an die Meiſtbietenden verſteigert.
Das Holz iſt bis 145jähriger Beſtand und für Schnittholz
beſtens geeignet.
Zuſammenkunft am Bahnhäuschen am Malcherweg.
Pfungſtadt, den 24. Januar 1912.
(2739fl
Großh. Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
Lang.
Aufforderung.
Alle Perſonen, welche an den Nachlaß der am
21. November 1911 verſtorbenen
Amalie Kessler in Darmſtadt
wohnhaft geweſen Heidelbergerſtraße Nr. 101, I.,
noch Forderungen haben, wollen ſolche bis ſpäteſtens
1. März 1912 beim Teſtamentsvollſtrecker,
Schloß=
gartenſtraße Nr. 7, I., geltend machen. (*2455dd
Vorschule des Großh. Reaigymnastums und
der Großh. Oberrealschulen zu Darmstadt.
Authahme zu Ustern 191z.
Die Anmeldung neuer Schüler für alle Klaſſen der Vorſchule für
das Oſtern 1912 beginnende Schuljahr findet ſtatt am Donnerstag,
den 1. Februar, vormittags von 10 bis 1 Uhr und nachmittags
von 3 bis 5 Uhr und Freitag, den 2. Februar, vormittags von
0 bis 1 Uhr im Realgymnaſium (Eingang durch das Portal am
Kapellplatz). Geburts= und Impfſchein ſind vorzulegen. (2775a
Die Großh. Direktirn:
Münch, Geh. Schulrat.
Darmstädter Pädagogium, Herdweg58. Tel. 2554
staatlich konzessionierte Reformanstalt.
Mit Genehmigung des Großh. Miniſteriums des Innern, Abt.
für Schulangelegenheiten, wird von Oſtern d. J. ab der Unterricht
nach den modernen Reformgrundſätzen der Arbeits= und
Erziehungsſchule erteilt.
Aufnahme finden von jetzt ab ſchon Kinder (Knaben und
Mädchen) vom vollendeten 6. Lebensjahre ab. Näheres über
Ein=
richtung und Methode durch die Proſpekte.
Anmeldungen für das neue Schuljahr werden ſchon jetzt ent=
(B2701
gegengenommen.
Der Leiter: M. Elias.
(Fahrpelz), faſt.
Pelzmantel neu, z. verk.
Heidelbergerſtr. 83, I. (B2813
mite
Hausuhr zu verkaufen
Soderſtr. 79, II. (*2198ids
iſt neuer Petroleumofen ſ. bill.
zu verk. Soderſtr. 6½, I. (*2401
Weg. Platzm. abz. 1 Bet, 1
Kinder=
bettſt., gr. Badew., Blumentiſch
(896df
u. 2 Waſchb. Waldſtr. 20, Stb. p. (*
Weiſtſticken wird angenommen
2335a)
43, part.
eiß. Sportwag. (verſtelb. f.
2294 M. Lichtenbergſtr. 28, p. (*2405.
Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 1. Februar 1912.
Nummer 27,
Ponnerstas
1. Febr.
Preiteg
2. rebr.
Kamstag
3. Febr.
Schlusstage
meines Inventur-Ausverkaufs.
Benützen Sie bitte die günstige Kaufgelegenheit zur Anschaffung für Herren-
und Knaben-Kleidung jeder Art, auch für späteren Bedarf sehr lohnend.
Philipp Hess, Darmstadt
Spezialhaus für Herren- und Knaben-Kleidung.
Donnerstag friſch eintreffend:
Scheninche
zum Backen, Pfund 18 Pfg.
Deh
Kabeljau . Pfund 22 Pfg.
Ausgereifte, vollſaftige
Zitronen 2 Stück 9 Pfg.
Maronen . . per Pfund 14 Pfg.
Rauen
für Suppeng
t. Gemüſe
Pfund 25₰
Pfg.
Gries=Nudeln . Pfund 30 Pfg.
Hausmacher Schnitt —
Feine Eiernudeln Pfd. 4O, 45 Pfg.
Bruch=Maccaroni Pfund 25 Pfg.
Stangen=Maccaroni Pfd. 30 Pfg.
Feinſte in Paketen . . 40, 42, 50 Pfg.
schön sortiert
Hischobst
Pfund 20 Pfg.
feinſte Sortierung . . . . . 50, 60 Pfg.
Zwetschen neue, franz., Pfd. 32 Pfg.
größere Frucht . . . . Pfund 40, 48 Pfg.
Pflaumen, große . Pfund 55, 60 Pfg.
Ringäpfel, neue, amerik., Pfd. 58 Pfg.
Aprikoſen, kaliforniſche Pfund 90 Pfg.
Pfirſiche, kaliforniſche Pfund 70 Pfg.
Kranzfeigen . . . Pfund 28 Pfg.
Brünellen, Birnen
chade Füllarabe
Filialen in allen Stadtteilen. (2925
47
Brauerei „zur Krone‟
Heute Donnerstag, den 1. Februar:
Metzelſuppe
wozu freundlichſt einladet
Franz Rieger.
*2421)
llte Pelze w. z. gr. Muffen u. Glavierſtimmer Emil Schultze,
Almod. Toque umgearb. billig Rl Kammermuſiker, Herderſtr. 11.
2451a) Ludwigspl. 8, Vdh. III. Aufträge werd. auch. i. der Buchhdl.
Restaurat. kottes
Schlossgasse 1 (*2400
Inh.: Friedrich Mund.
heute
Metzelsuppe
Täglich frische
Mazzen
Bäckerei u. Conditorei
Mainzer (1302a
obere Bleichstr. 13. Tel. 1265.
moderne Muſter, w.
Steppdecken von 3 Mk. a. gef.
Karlſtraße 41. Seitenbau. (650a
v. Schroth, Rheinſtr. 15, entg. (2801a
(einereHerrenwäſch.w. z.Waſchen,
2 Bügein u. Ausbeſſern angenom.
Eliſabethenſtr. 76, Oktroih. (*2447
Großherzogl. Hoftheater
Donnerstag, 1. Februar.
Außer Abonnement.
Vorſtellung zu ermäß. Preiſen.
Tosca.
Muſikdrama in 3 Akten
von G. Pueeini.
Keine Ouvertüre!
Leit.: Hofkapellm. Hofrat de Haan.
Spielleitung: Oberreg. Valdek.
Perſonen:
Floria Tosca,
Sängerin . . . Fr. von Sugh
Mario Cavaradoſſi,
. . Hr. Becker
Maler .
Baron Scarpia,
Chef der Polizei Hr. Weber
Ceſare Angelotti. Hr. Stephani
Der Meſſner . . Hr. Hoff
Spoletta, Agent
der Polizei . . Hr. Bernhardt
Sciarrone, Gen=
Hr. Kräger
darm
Ein Schließer . . Hr. Klotz
Frl. Lehmann
Ein Hirt.
Ein Kardinal. Der
Stantspro=
kurator. Roberti, Gerichtsbüttel.
Ein Schreiber. Ein Offizier. Ein
Sergeant. Soldaten, Sbirren,
Damen, Herren, Bürger, Volk ꝛc.
Rom, Juni 1800. — 1. Akt. In
der Kirche Sant Andrea della
Valle; 2. Akt: Im Palazzo
Far=
neſe: 3. Akt: In einer Kaſematte
der Engelsburg.
Die dekorativen Arrangements
ſind von Hrn. Oberinſp.
Schwerdt=
feger, die neuen Dekorationen zum
1. und 2. Akt von Hrn.
Hoftheater=
maler Kurt Kempin.
Preiſe der noch
vorhan=
denen Plätze:
Proſzeniums=
ſoge 2 Mk., Fremdenloge 2 Mk.,
Balkonloge 2 Mk., 1. Rang 2 Mk.
Sperſitz 1.50 Mk.
Anfang 7½ Uhr. — Ende 10 Uhr.
Kartenverk. 11—1 u. v. 6½ Uhr an.
Vorverkauf
von 11—1 Uhr f. d. Vorſtellungen:
Freitag, 2. Febr. 103. Ab.=V.
C 26. „Der dunkle Punkt.”
Große Preiſe. Anfang 7½ Uhr.
Sonntag, 4. Febr. 107. Ab.=V.
D 27. Zum erſten Male: „Der
Kuhreigen.” Muſikal.
Schau=
ſpiel in drei Aufzügen von Rich.
Batka. Muſik von Wilh. Kienzl.
Große Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Dienstag, 6. Febr. 108. A.=B.
B. 28. „Figaros Hochzeit.”
Kleine Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Die Hoftheater=Hauptkaſſe iſt
an allen Wochentagen, vorm.
von 10—12½ Uhr, geöffnet.
Aus dem Spielplan.
Mittwoch, 7. Febr. 109. A.=V.
C 27. „Gudrun.” Gr. Preiſe.
Anfang 7 Uhr.
1
Sin K2C
Heute
Fehruar
1912
Donnerstag, 1. Februar u. die folgenden Tage
abends 8¼ Uhr:
Gastspiel des Original-Ensembles
vom
Koniglichen Beivedere
ibe Vermot
nand Mlrnf . 50
DRESDEN
Meren
(
Miniter Ainter blil telinanr Anr Heine ſantelt frepder
Uine Mgurd
S0 lesch Wieee!
Aktuelle Revue in 14 Bildern und einem Vorspiel.
In Szene gesetzt von Direktor Schwarz.
Text und Musik von Dr. Rich. Hirsch und Harry Waldau.
Vorspiel: Bei Petrus.
Aufgeklärte Jugend.
Margaritentag.
Ihr Darmstädter Frauen!
Fussballsport.
Ein Opfer der Hygiene.
Trocaderomädeln.
Der Wackeltanz.
Beim Modekönig Poiret.
Die moderne Köchin.
Italien und Tripolis.
Die Obdachlosen.
Beim Rosenkavalier.
Hortense, ein Dreiakter in
3 Minuten.
Die schöne Helena. Parodie.
pn Pes lelteies, von er Fimn Mreh 4 die, breidhert riene.
Dekorationen, von der Firma Verch & Plotow, Berlin.
Porher
(es
EFidele Patienten:
Sketch mit Gesang und Tanz von Harry Waldau.
Bunter Teil
Maud Hawley, Trude Troll, Maria Lee,
Otto Bellmann, Walter Ritter
mit vollständig neuem Repertoir.
Ermässigter Vorverkauf wie bekannt.
Numerierte Plätze ausschliessl. bei Hugo de Waal, Rheinstr. 12.
Schönes grosses
Vereins- resp. Kneiplokal
mit Konvent= und Spielzimmer an Verein oder größere Studenten=
(2934df
verbindung ab 1. März ds. Js. neu zu vermieten.
Hotel „Hess‟
(27
Samstag, den
Wielenlaren-Haskenban 10. Februar im Schdtzenor
Nummer 27.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 1. Februar 1912.
Seite 19.
Saison-Ausverkauf!
Ein Posten
Teppiche
200/300 und 250/350 cm
nur erstklassige Qualitäten
bedeutend reduziert!
Einzelne Vorlagen:
Einzelne Vorhänge u. Tüll-Gardinen
2
aussergewöhnlich billig
nur gediegene Qualitäten.
Moonette-Rester
Günstigste Gelegenheit für preiswürdige
DlalDezuf
G
(2944
Hofmöbel-Fabrik Darmstadt.
Elisabethenstr. Nr. 34-36.
Moderne Frisuren
mit bester und haltbarster
Ondulation
alle vornehmen
Haar-Ersatzteile
erhält jede Dame zur Zufriedenheit bei
Hoffriseur Gelfius
Ernst-Ludwigstr. 21. (1158a
Blumen-Arrangements
in bekannt geschmackvoller Ausführung
zu allen Gelegenheiten.
(2009a
Rheinstrasse 17
Telef. 107o Lina Hardt Eingans Grafenstr.
Spezialgeschäft für moderne Blumenbindereien.
soneesessseseesessese
Geschäftsübernahme u. -Empfehlung.
Allen Bekannten, Freunden sowie verehrter
Nachbar-
schaft, teile ich hierdurch ergebenst mit, dass ich die
Restädrarion Wzum-Uacon
von heute ab übernommen habe.
Ich bitte, das meinem Vorgänger bewiesene Vertrauen
auch gefl. auf mich übertragen zu wollen.
(*2404
Hochachtungsvoll
Georg Grüll.
Silberne Bestecke
0,800 geſtempelt,
versilberte Bestecke
vorzüglicher Qualität,
in viel. Muſt. ſehr preiswürdig
Borné, Hoflieferant, 25 Ernst-Ludwigstr. 25.
(636
Uhren. Uhrkatien Coldraren. Silberwaren.
ermibneng
gebrauchen gegen (641a
not. begl. Zeugniſſe
von Aerzten und
Privaten verbürgen
den ſicheren Erfolg.
Aeußerſt bekömmliche und
wohlſchmeckende Bonbons
Paket 25 Pfg., Doſe 50 Pfg. zu
haben in Darmſtadt bei:
Chr. Schwinn, Drogerie, Ludw.
Zink, Drogerie, Weinbergſtr. 2,
tr. Seibert, Drog.,
Pallas=
wieſenſtr. 44, Karl Steinhäuser,
N.=Ramſtädterſtr., Fr.
Becken-
haub. Ecke Schul= u. Kirchſtr.,
C. Watzinger, Drogerie,
Wil=
helmſtr. 11, Adler-Drogerie,
Frankfurterſtr. 12/14, Fr.
Schä-
fer, Emanuel Fuld, Peter Keil,
Gg. Petry. Roßdörferſtr. 52,
Fh. Huwert, Ecke Wieners= u.
Roßdörferſtr. 21, Cg. Held,
Roßdörferſtr. 35, Ant.
Braun-
warth, Marktplatz, Wilh. Ritsert
jr.. Grüner Weg 30, Otto Erb,
H. Wagenbrenner,
Heidelberger=
ſtr. 17, Carl Block in Nied.=
Ram=
ſtadt, Adam Hartmann in Fränk.=
Crumbach, G. L. Friedrich in
Brensbach, Friedrich Becker II.
u. G. H. Stühlinger, Reinheim.
armstädter Bettfedern,
Dämpf- u. Reinigungs-
Anstaltnenest. Systems
Bleichstr. 1. Leonhard Menger, Tel. 1608.
Dämpfen, Reinigen u. Desinfizieren
aller Bettfedern. Lager in Federn,
Daunen u. Barchent i. all Preisl. 646a
Gut erhaltenes, gebrauchtes
Speise- u. Schlafzimmer
zu kaufen evtl. zu tauſchen geſucht.
Off. u. C37 an die Exp. (2143a
Tie nichtfettende Hautcréme!
Weltberühmt u. ärztlich empfohlen zur
Haut- u. Schönheitspflege, gegen rauhe,
rote, rissige, aufgeeprungene Hände! Un-
Terreicht gegen unschönen Teint Mitesser
etc. Tube 60 u. 100 Pf. Kombella-Seife 50 Pf.
Zu haben in den Apotheken und
Drogerien von: (657H
Gerhard Schmitt N.,
Luisen-
str. 10, F. Seibert,
Pallaswiesen-
u. Liebigstr.-Ecke, Fr.
Becken-
haub, Wilhelminenstr., Georg
Franz Frank, Parf.,
Elisa-
bethenstr. 9, Christianschwinn,
Hofdrogerie, Rheinstr. 8, Carl
Bley, Wilhelminenstr., Friedr.
Schaefer, Drogerie u. bei den
Mitgliedern der
Bezugsge-
nossenschaft der Friseure
von Darmstadt u. Umgegend,
E. G. m. b. H.
Gräfin Laßbergs Enkelin.
Roman von Fr. Lehne.
(Nachdruck verboten.)
338
Schmunzelnd ſah der alte Menſchenkenner dem jungen
Geſchöpf nach, in deſſen Herzen er wie in einem offenen
Buche geleſen hatte.
Mögen die Wünſche und Hoffnungen dieſes reizenden
Mädchens ſich erfüllen, dachte er. Ich bin es für meinen
Klienten zufrieden, daß es ſich ſo fügt. Was mich betrifft,
ſſo will ich mein Teil dazu beitragen. Der gute Lothar
ſiſt ja blind, wenn er bisher ſo viel Schönheit und
Liebens=
würdigkeit üerbſehen hat. Man muß ihn mit der Naſe auf
ſſein Glück ſtoßen. Und nach ihrem Wunſche, Komteſſe Laß=
Herg, ſoll’s geſchehen. Ich werde Steinhagen ſchon klar
rmachen, daß er berechtigt iſt, einen ſehr hohen Preis für
Das wertvolle Beſitztum zu fordern. Und das Köſtlichſte
bekommt er dann gratis.
Der alte Herr freute ſich aufrichtig, daß auf dieſe Weiſe
Lothar Steinhagen, den er außerordentlich ſchätzte, ſein Gut
erhalten blieb.
Mit Ungeduld hatte die Baronin Brücken Yvonne ſchon
erwartet. Nun die Nichte in den Beſitz ſolcher Reichtümer
gekommen war, betrachtete ſie ſie mit anderen Augen, und
ühr ſehnlichſter Wunſch war jetzt eine Verbindung Yvonnes
rmit Luck.
Unzählige Vorwürfe hatte ſie ſich ſchon wegen ihres
damaligen Widerſtandes gemacht. Aber wer hätte das
ahnen können!
Mehr oder minder verſteckten Bemerkungen Hertas war
Yvonne ausgewichen; ſie verſtand wohl, wohinaus man
wollte; doch das war für ſie abgetan.
Jetzt ſaß ſie im Arbeitszimmer der Großmutter, und
ſie beide ſahen die vielen Papiere und Schreiben
gründ=
lich durch.
Wenn Papa das erlebt hätte! dachte Yvonne mit einem
Gefühl der Wehmut und Genugtuung. Wie würde er ſich
um Mamas willen gefreut haben!
Die Großmutter erklärte verſchiedenes.
Du darfſt in Geldſachen nicht mehr unerfahren bleiben,
Yvonne. Wenn du auch dein großes Vermögen nicht ſelbſt
verwalten kannſt, ſo iſt es doch weſentlich, du verſtehſt etwas
davon. Wäre Baron Brücken, Tante Alines Mann, ein
beſſerer Rechner geweſen, ſo ſtände es beſſer um Bernried.
Ich habe manche Sorge dadurch gehabt.
Mit klaren Aigen ſah Yvonne ſie an.
Großmama, wenn ich dir das jetzt ein wenig erleichtern
könnte!
Nein, Yvonne, ich danke dir, es iſt nicht nötig, ſonſt
würde ich nie dieſe Aeußerung getan haben. Für meine
Tochter und ihre Kinder iſt ausreichend geſorgt Wenn
nur Lutz nicht immer wieder —
Sie brach kurz ab und preßte die Lippen aufeinander,
als habe ſie zu viel geſagt, und ſprach dann gleich wieder
von etwas anderem.
Der alte Kroßmann trat ein, eine Karte in der Hand.
Der Herr bittet die Frau Gräfin um eine Unterredung.
Herr Albert Keſtner? las dieſe fragend. Ich kenne ihn
nicht!
Er meinte es ſei dringend; er war ſchon mal hier ſagte
Kroßmann mit Betonung.
Da verſtand die Gräfin. Sie erhob ſich. Das ſtolze
Geſicht war um einen Schein bleicher.
Ich bin bald wieder da, Yvonne. Und mit ſchweren
Schritten ging ſie zur Tür hinaus.
Komteſſe Yvonnchen, flüſterte der Alte, der bringt
nichts Gutes. Da iſt gewiß wieder was mit Herrn Lutz
Ja, ja! Er ſeufzte tief.
Um Gottes Willen, Kroßmann!”
Ja, ja, mir tut die arme Gnädige leid. Was hat ſie,
ſolange Komteßchen fort ſind, für Sorgen gehabt, und nur
wegen Herrn Lutz, nickte er bekümmert.
Entſchloſſen ſtand Yvonne auf. Ich gehe hinüber.
Ach ja, wenn Komteßchen das tun wollten und der
Frau Gräfin die Aufregungen erſparen. Komteßchen können
es ja jetzt — und es iſt immer die Großmama.
Sie verſtand ihn und ſtreckte ihm die Hand entgegen.
Wein guter, alter Kroßmanz!
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 1. Februar 1912.
Nummer 27.
ee
umfaßte die Großmutter, die, einer Statue gleich, auf einem
der hohen Lehnſtühle ſaß, ihr gegenüber ein kleiner,
be=
leibter Herr, der lebhaft geſtikulierend neben ihr ſtand. Er
war mit krämerhafter Eleganz gekleidet; eine dicke goldene
Uhrkette legte ſich breit über das wohlgepflegte Bäuchlein;
ſaufdringlich funkelten aus der grellbunten Kravatte und an
den dicken Fingern die Brillanten.
Er machte einen ſehr unſympatiſchen Eindruch, dieſer
Herr Karl Keſtner; liſtig funkelten ſeine kleinen, ſchwarzen
Augen. Er hatte ein Papier in der Hand, das er der
Gräfin dicht vor das Geſicht hielt; ſie griff danach, och ließ
er es nicht aus den Fingern.
Er ſagte gerade: Und da hatte ich mir denn erlaubt,
weil ich gerade hier in der Nähe zu tun hatte, der gnädigen
Frau Gräfin meine Aufwartung zu machen. Der junge
Herr Baron ſagte mir, die gnädige Frau Gräfin hätten
ſchon alles arrangiert und würden den Wechſel bezahlen.
Dieſe nickte nur ſtatt aller Antwort und blickte mit
eigentümlich ſtarren Augen auf das Stück Papier.
Heiliger Gott! dachte Yvonne. Bin ich zu ſpät
ge=
kommen? Das iſt doch der Wechſel, um den Lutz ſolche
Angſt hatte und von dem Großmama nichts erfahren
ſollte.
Schnell trat ſie neben die Gräfin. Der Mann
ſtockte in ſeiner Rede und blickte in heller Begeiſterung
auf das ſchöne Mädchen, ſich unzählige Male verneigend.
Ohne weiteres nahm ihm Yvonne das Papier aus
der Hand.
Mit einem Schrei faſt wollte er es ihr wieder
ent=
greißen. Sie ſah ihn groß und ſtolz an.
Was denken Sie von mir? Ich werde Ihnen den
Wechſel doch nicht unterſchlagen!
Er verneigte ſich demütig und murmelte allerlei, aus
dem hervorklang, wie wichtig und unerſetzlich und koſtbar
e e e
ſah ſie die charakteriſtiſchen Schriftzüge der Großmutter —
Leontine, Gräfin Laßberg! —
Dann wußte doch dieſe darum, und Lutz hatte ſie
be=
logen, wollte das Geld für etwas anderes. Ein Gefühl
der Empörung gegen den leichtſinnigen Vetter quoll in
ihr empor. Sie ſah die Großmutter an. Deren Starrheit
fiel ihr auf; ſie ſchien um Jahre gealtert, und wie erloſchen
blickten ihre Augen.
Oder wußte die Gräfin doch nichts von dem Wechſel —
und Lutz hatte ſelbſt — — Ein jäher Schreck drohte ihr
Herz ſtill ſtehen zu laſſen. Wie Schuppen fiel es ihr von
den Augen.
Jetzt war es ihr klar. Daher auch Lutz’ grenzenloſe
Verſtörtheit, ſeine Verzweiflung. Er ſelbſt hatte den
Namenszug der Großmutter auf den Wechſel geſetzt, um
ſich Geld zu verſchaffen. Dann hatte er ja gefälſcht!
Tapfer unterdrückte ſie den grenzenloſen Schrecken bei
dieſer Entdeckung. Jetzt hieß es, allen Mut
zuſammen=
nehmen, damit der Mann keinen Argwohn ſchöpfte — er
blickte jetzt ſchon ſo ſchlau und verdächtig von einer zur
anderen.
Noch immer hielt Yvonne das verhängnisvolle
Pa=
pier in der Hand.
Allerdings, Herr
Keſtner, gnädigſte Komteſſe, Keſtner! dienerte er.
Allerdings, Herr Keſtner, es hat ſeine Richtigkeit.
Aber der Wechſel iſt doch erſt übermorgen, am
dreiund=
zwanzigſten fällig
Ich weiß es, gnädigſte Komteſſe, ich weiß es. Aber
ich hatte mir ſchon vorhin erlaubt, der gnädigen Gräfin
zu bemerken, daß ein anderes Geſchäft mich hier
verbei=
geführt hatte, und daß es der Frau Gräfin ſchließlich gleich
ſei — ſo dachte ich, ob heute, morgen oder übermorgen
re Saße gerngeit wicde n der ſanes Fan Graſte
anders einrichten wollen. Wie geſagt, ich wollte Frau
Gräfin jede Unbequemlichkeit abnehmen.
Sehr freundlich, Herr Keſtner! Sie haben recht!
ent=
gegnete Yvonne mit bezaubernder Liebenswürdigkeit,
Wenn Sie ſich die Mühe machen und das Geld gleich
mit=
nehmen wollen? Frau Gräfin hat ſchon geſtern für alles
geſorgt, damit Sie pünktlich am dreiundzwanzigſten in
den Beſitz der Summe kommen. Sie hat nur heut die
Migräne und muß geſchont werden. Es iſt Ihnen wohl
gleich, wenn ich mit Ihnen an Stelle der Frau Gräfin
verhandle?
Und wieder lächelte ſie ihn an, und wieder dienerte
Herr Keſtner, feuerrot im Geſicht.
Wie ein Stöhnen aus tiefſter Bruſt klang es vc. und
erſchrocken blickte Yvonne auf die Großmutter, deren
Hände ſich förmlich in die Lehne des Stuhles gekrampft
hatten. Sie hatte ſich ſo geſtellt, daß der Mann der
Gräfin den Rücken zukehren mußte. Er durfte ſie nicht
anſehen.
Wollen Sie die Summe in bar ausgezahlt haben
oder wünſchen Sie eine Anweiſung auf die Deutſche Bank?
Wie es Ihnen beliebt! Ich darf Sie wohl mit hinüber
das Arbeitszimmer bitten.
Mit welcher Sicherheit Yvonne ſprach, handelte. i
Gräfin ſtarrte ihr nach, es war, als ob ein Traum ſie
äffte. Das konnte doch gar nicht Wirklichkeit ſein, was
ſie in den letzten zehn Minuten erfahren: Lutz ein
Fäl=
ſcher — und Yvonne ſeine Retterin! Ihr ſonſt ſo klaren
Kopf konnte das noch gar nicht faſſen. Sie fuhr ſich mit
beiden Händen an die Stirn und zwang ihre Gedanken
auf den einen Punkt; rote Lichter tanzten vor ihren Augen
und halb ohnmächtig ſank ſie in den Stuhl zurück.
(Fortſetzung folgt.)
Ganz besonders ermässigt im Preise sind:
Damen- und Kinderschürzen: Weiße und farbige Damen- und Kinderwäsche
Sweaters: Gestrickte Herren-Westen: Wollene Tücher u. Plaids:
Unter-
zeuge: Reformhosen: Strümpfe und Socken: Handschuhe: Cravatten-
Ecke Kirchstraße
u. Schustergasse.
OrnuE
Ecke Kirchstraße
u. Schustergasse.
Während der Tage des Saison-Ausverkaufs gewähre auf fast alle nicht zurückgesetzten Artikel 10% Rabatt bei Barzahlung!
Fernsprecher 2014.
(2930)
Schwarz-weisse Rabattmarken.
Schlafzimmer
neu, hell eichen, prima Arbeit,
weit unter Preis. Eichen
Bücher=
ſchrank, Diplomat, feine moderne
Diwans, Ottomane, nußb.
Schreib=
tiſch, hochf. Vertiko, Trumeauſpieg.,
Flurgarderob., Kleiderſchr.,
Waſch=
kommoden, Spiegelſchr., Speiſez.,
Bettſtellen, Matratzen, einzelne
Kredenz, mod. Küche (*2217id
Eliſabethenſtr. 42, part. rechts.
Winterkartoffeln.
Prima Ueberrheiner Induſtrie,
Norddeutſche, gut kochende Ware.
Für Privat u. Wiederverk. billigſt.
Franz Thüsing Nachfolg.
Kahlertſtr. 36. (214iod
Kaufe alle Möbel,
ganze Einrichtungen, und Nach=
(1852a
läſſe
Kurtz, Pädagogſtraße 2.
Grosse Posten Zigarren
offeriere ausserordentlich billig
(642a
Abgabe von 50 bezw. 100 Stück an.
Wiederverkäufern, Händlern, Wirten etc. sehr zu empfehlen.
Garantie für Qualität. — Nichtzusagendes wird gegen Barvergütung zurückgenommen.
Zigaretten an Wiederverkäufer zu vorgeschriebenen Fabrikpreisen.
Wilh. Bauer
Zigarren-
Versand
Ludwigstrasse 6.
Seded
2
S er e
Dricehent
6
Prima geſunde Speiſe=Zwiebeln
. 8.00 Mk.
1 Sack
. 2.30 Mk.
25 Pfund
1.00 Mk.
10 Pfund
liefert J. Triebert, Viktorigſtr. 63.
älte Darmſtädter
Anſichten, Porzellane, Geſchirre,
Uhren, Inſtrumente, Pläne, Karten
ꝛc. zu kaufen geſucht. Offert. m.
Preis u. W 73 an die Exp. (1248t
Kschlen Nuß III Str. 1.45 Mk.
Holz (Schwarten) Ztr. 1.40 Mk.
Holz, klein gehackt) Ztr. 1.60 Mk.
Briketts.
Ztr. 1.25 Mk.
liefert frei Haus
(*2358md
Laub, Liebfrauenstr. 81
G
Nächste Verlosungen:
Stuttgarter Geldlotterie
das Loos Mk. 3.— Ziehung
am 2. und 3. Februar 1912.
Regensburger Geldlotterie
das Loos Mk. 3.— Ziehung
am 6. und 7. Februar 1912
empfiehlt und versendet
Philipp J. Schmidt,
Königl. Preuß. Lotterie-
Einnehmer, Darmstadt,
Rheinstr. 33. Tel. 127.
(1839a)
Ere eieſtr eien e e h itet
pert. b. 1. 11eh. 1em. Aersr. 3. (512
(775a
Rofti-Erzeugnisse:
Bouillon-Würfel, Suppen-Würfel, Suppenwürze
sind nach wie vor in Qualität
Manellt. 3. Serge. 1 Ienen Laiat n. 5. 1. Mänchen
unübertroffen!
Hoflief. C. D. Wunderlicht
Teerschwefelseilé 50 Pf..
Verbess. Teerseife 4o Pfg.:
ausgezeichnete u. erpr. Mittel gegen
Hant=Ausſchläge
Sommerſproſſen, Schuppen, Flech
ten, Naſenröte und andere
Haut=
unreinlichkeiten (V1570
Blendend weißen Teint
erzielt man mit der echten
Glyeerin Schweſelmilch-Seife
äußerſt mild, daher beſonders für
Damen u. Kinder empf. à 40 Pfg.
an Nachf. I.
A. Walchnen vorm. B. Scharmann
Hoflie erant, Ecke Elisabethen- u. Luisenstr.
Nummer 27.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 1. Februar 1912.
Seite 15.
ehon
31212
und gut kaufen,
30 Besderer Ul0
Fronker 3
Pfennig-
Tage!!
Srenker
Ludwigstraße 12
Beachten Sie gefl. unsere Schaufenster!
2931
Heute beginnt unser
Inventur-Ausverkauf!
Waren, die bei der Inventur herabgesetzt
und andere enorme preiswerte Angebote
In den Posten befinden sich leicht angetrübte oder angestaubte Waren, diverse
Qualitäten und Preislagen. Dieselben sind ohne Rücksicht auf weit höheren
Verkaufswert im Preise bedeutend ermässigt
—
Hemden teils
1 Posten Trikotagen u. Hosen bis 50 Rabatt
bisher M. 7.60, 6.20,
5.30, 4.50, 2.25, 1.95,
jetzt
Ausverkaufspreis M. 3.80, 3.10, 2.65, 2.25, 1.15,0.95
Posten Sweaters, 33½. Rabatt
bisher M.
4.45,
3.45,
2.95,
1.65
jetzt
Ausverkaufspreis M. 2.95, 2.30, 1.95, 1.65, 1.10
teils Jäckchen, Röckchen,
1 Posten Kinder-Artikel
Wickelbänder, Hosen etc. 25% Rabatt
bisher M.
2.70,
1.65.
1.50,
1.20,
jetzt
Ausverkaufspreis M. 2.00, 1.25, 1.15, 0.90, 0.72
wie Kleider-, Blonsen-, Kinder-
1 Posten Schürzen schürzen,Russenkitel, v. Schärzen 20% Rabatt
bisher M. 3.45, 2.95, 2.45, 1.95, 1.55, 1.45, 1.25, 0.95, 0.48
jetzt
Ausverkautspreis M. 2.75, 2.35, 1.95, 1.55, 1.25, 1.15, 1.00, 0.75, 0.38
teils
1 Posten Handschuhe, Strümpfe u. Socken, 20% Rabatt
bisher M.
1.25,
1.20,
0.95,
0.75,
0.47.
0.33
jetzt
Ausverkaufspreis M. 1.00, 0.95, 0.75, 0.58, 0.38, 0.27
1 Posten Damen-Wäsche, 20% Rabatt
bisher M.
2.25,
1.95.
1.75,
1.65,
1.45
jetzt
Ausverkautspreis M. 1.80, 1.55, 1.40, 1.30, 1.15
Aufsehenerregendes Inventur-Angebot!
Damen-Hemden, Hosen u. Bettjacken, M. 2.45, 1.95, 1.65, 1.45, 95 ₰
Taschentücher
. per Stück 16, 12 ₰
Kinderlätzchen
per Stück 55, 40, 25 und 10 ₰
Krawatten
. 75, 60, 46, 18 und 10
Trikot-Einsatzhemden mit hübsch. Zephireinsätzen& 2.15, 1.95
Unsere bekannte u. beliebte Kammgarn-Strickwolle:
Marke „N* Preislage 60 Pfg. per 100 Gramm
Jetzt unterschiedslos solange
68
, „B
„E
68
Vorrat reicht
„
„88‟
78
zum Einheits-
86
„AA‟
preis . . vol 50₰
„Bt
90
„Seidenwolle „
1.00
„
per 100 Gramm (Doppelstrang).
Die Ausverkaufsposten sind nicht im Schaufenster ausgestellt,
sondern befinden sich im Geschäftslokal zum Aussuchen.
Sammelt Neher’s Geschenkmarken!
Sie erhalten dafür praktische Haushaltungs-Artikel geschenkt!
Da der Andrang besonders stark sein wird, empfiehlt es sich, seine Einkäufe
rechtzeitig zu erledigen
.—
Hochachtend
2940
die hiesige Niederlage der Saarbrücker Strumpf- und Trikotagen-Fabrik
Geekter CooRtet
21 Elisabethenstrasse 21
Hessische Handels-Lehranstalt
Rheinstr. 6, II. Darmstadt Fernspr. 923. O
I. Einjährige Handelsschule mit vollem Tagesunterricht.
II. Halbjahrskurse zur Vorbereitung f. d. kaufm. Beruf.
Beste, langjährig bewährte Lehrkräfte.
Neu: Maschinenschreiben nach dem Tastsystem.
Neue Kurse beginnen: Dienstag, den 16. April.
Prospekte und Aufnahmebedingungen durch:
Sprechstunden: Wilhelm Siedersleben
Montag bis Freitag staatl. peprüfter Handelslehrer u.
12—1 und 3—5 Uhr. gerichtl. beeidigt. Bücherrevisor.
Schlafzimmer
zu verkaufen; ferner Wohnzimmer
mit Schreibtiſch, alles faſt neu
und gut erhalten. Die Möbel
ſtehen in Buchſchlag b.
Sprend=
lingen und ert. Auskunft (102a
Paul Wolf & Co.
G. m. b. H.
Darmſtadt. Rheinſtr. 51.
Knabenkleider all. Art fert.
gut und billig an Markt 7,
Seitenb., II., I.
(1628a
Deues weiß. Kommunionkleid
Nu. Verſchiedenes billig abzug.
246if) Gutenbergſtr. 34, 1. St.
Ladentheke, uſw. zu verkaufen
Moosbergſtraße 70, I. (*2467
Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 1. Februar 1912.
Soreeee
in allen Abteilungen meines Hauses.
Heute u. morden
gewähre ich auf mein gesamtes Warenlager,
ohne Ausnanme, auch auf die im unventur
Ausverkauf reduzierten Waren
einen Extra-
Rabatt von
oder
doppelte
Rabattmarken.
2867)
KAUFHAUs
Verkauf
nur gegen
bar.
DARMSTADT
Ludwigstrasse 2, Ecke Kirchstrasse.
Sprach-Lehr-Institut
Herderstrasse 3.
Französisch-Englisch-Italienisch.
Nationale Lehrer. Eigene, schnell ördernde
Mthode. (B2201
Französisch
f. Vorgeschr.: Mont. u. Freit. 8½ U. abds.,
f. Anf.: Mittwochs u. Samstags 8½ U. ahds.
Anmeldungen bis 1. Februar.
Direktion: Frofesseur I. Berryer.
Wer erteilt des abends
Privat=
ſtunden in niederer
Mathe=
matik? Offerten mit Angabe des
Honor. u. E 46 Exp. (*2183imd
Ryffhäusen-Technikumd
Frankenhausen
Ing.-u. Werkm.-Abt. Gr. Masch.-Lab.
liach.- und Tielbmn.
Stolre.
Schrey’scher
Steno fraph.-
Verein
Unterricht,
Fortbild.
De-
battenschr.
Uebung Montag u. Donners tag abends 8 Uhr.
Hessischer Hof, Wilhelminenstr. 1. I.
(*7
Spauiſchen Unterricht
erteilt Dame
(1499a
Herderſtraße 17, parterre.
Klavierlehrerin, konſerv. gebildet,
R erteilt gründlichen Klavier=
Unterricht nach bewährter Methode.
Gefl. Offert. u. D 6 an die
Expedition ds. Blattes. (2334a
wänſcht engliſh.
Engländerin Unterricht zu er=
teiler
Wilhelminenplatz 10, I (94a
Unterricht im Zuſchneiden u.
Kleidermachen erteilt gründlich
E. Greb, Ernſt=Ludwigſtr. 15, I.
Haus Henkel.
(2525a
kann Kleidermachen u.
Mädchen zuschneiden erlernen
2500a)
Kiesſtraße 32.
Herrſchaftl. Wohnun
6 Zimmer nebſt Zubehör, möglichſt
mit Gartenben., in gut.Lage, zum
1. Apr. geſ. Off. m. Beſchr. u. Preisang.
unt. E98 an die Exp. d. Bl. (*2425
p. zweite Hälfte d. Monat
Suche März ſchöne 3
Zim=
mer=Wohnung in der Nähe der
Frankfurterſtraße. Gefl. Off. mit
Preisang. u. P 5 a. d. Exped. (*2452
Ein junges Ehepaar
ſucht 3 möbl. Zimmer m. Küche.
Offerten unter F 3 an die Exp.
dieſes Blattes.
(*2440
Anſtänd. Fräulein ſucht f. zwei
Monate bei ruhig Familie einfach
möbl. Zimmer m. Penſ. Off. m.
Preisangabe unter M. H. 102
hauptpoſtlagernd
Gotal=Ausverkauf
wegen Aufgabe meines
Kolonial=
warengeſchäfts zu bedeutend
her=
abgeſetzten Preiſen.
Josef Krug, Landwehrſtr. 1½.
Daſelbſt iſt auch ein noch faſt
neues, guterhaltenes Regal zu
(*2437df
verkaufen.
griſeurgeſchäft z. meten oder
7 kaufen geſ. Off. m. Preis un
F 7 a. d. Expedition. (*2466
Schellfische, Cabliau
18 Pfg.
See-Aal
22 Pfg.
28 Pf.
(2966
Holl. Vollheringe . . 6 Pf.
Marinierte Heringe . 10 Pf.
Bismarckheringe . . 8 Pf.
Heringe in Gelee, ½Pfd. 10 Pf.
Sardinen . . ¼ Pfd. 10 Pf.
Rollmops, grosse . . 8 Pf.
Bratheringe . . . . 10 Pf.
Bücklinge, Kieler, 3 St. 20 Pf.
Bücklinge, holl.,
scharfe . . . . 9 Pf.
Lachs, ff., per ¼ Pfd. 45 Pf.
Oelsardinen 35, 55,100 Pf.
V. Hebermehl
Telefon 547
Elisabethenstr. 53, Lauteschlägerstr. 4.
Mollerstrasse 17, Sandbergstrasse 27,
sowie Ecke Hoch- und Kiesstrasse.
ſtets vor=
Trauerhüterätig.
Putzſalon Mauerſtr. 20, I. (1995a
Mäe
Hupathekengelder
4½ ohneBaniprovoiſion (*2438
W. Girmſcheid, Hochſtraße 58.
Oelgem., Altert., Mädchenköpfe,
z. verk. Liebfrauenſtr. 62, II. (*2462
Kut erh. Sitz= u. Liegewagen
billig zu verkaufen
Blumen=
thalſtr. 10½ 2. Stock rechts. (*2464
Ginſie fir Zutaner
iſt ein Kolonialwarengeſchäft, das
umſtändehalber billig abgegeben
wird. Off. u. E 60 a. d. Exp. (*2230id
Sehr günſtiges
Tauſch=Angebot!
Vertauſche Verhältniſſe halber
mein freiſtehendes, neuzeitlich
erbautes Landhaus mit
nahe=
zu 1000 qm Garten, gegen ein
Haus, alt oder neu, in
Darm=
ſtadt. Mehrbetr. wird
heraus=
bezahlt. Das Objekt befindet
ſich in einem größ. Vorort
von Darmſtadt mit
Bahn=
verbindungen. — Offert. ſind
unter D 48 in der Exped.
d. Bl. niederzulegen. (2469a
Eckgrundſtück (7200 am)
nächſt der Merckſchen Fabrik, für
induſtrielle Zwecke aller Art ſehr
geeignet, zu verk. (wird ev. auch
ge=
trennt abgegeben). Tauſch gegen
Wohnh. nicht ausgeſchl. Alles Näh.
bei Herrn H. Caſtritius,
Kahlert=
ſtraße, Immobiliengeſchäft. (B658
beſtes Garten=
Oöſtgrundſtück, gelände, rechts
der Dieburgerſtraße, ca. 1 Morgen,
preiswert zu verk. Off. u. E 96
an die Expedition d. Bl. (*2413ds
Agenturen für Immobilien,
Hypotheken u. Baugelände
Hch. Castritius (654a
Darmstadt, Kahlertstrasse 38, I.
Tel. Nr. 1382. Sprechst. 2—4 Uhr.
geht nachm. g.
Anfängerin 89 Pfg. bügeln
Eliſabethenſtr. 76, Oktroih. (*2450
Eine Witwe ſucht Beſchäftigung.
m Weißnähen, am liebſten in ein
Heſchäft. Offert. unt. D 14 an
die Expedition ds. Bl. (*1698imd
Junge ſaub. Frau ſucht. Laufd.
Hofſtallſtraße 10, Manſ. (*2414
Jg. reinl. Frau, die ſchon in beſſ.
Häuſ. tät. w., ſ. 2—3 Tg. i. d. Woch.
Beſch. Schloßgartenſtr. 3, I. (*2402
Junge Frau ſucht Laufſt. f.
nach=
mittags Pareusſtr. 1, Manſ. (*2427
Junge Frau ſucht für
nachmit=
lags Beſchäftigung
(*2428
Eliſabethenſtr. 45, Mittelb. part.
Aushilfe w. über Mittag
an=
genommen od. 3 Std. vorm. Näh.
Eliſabethenſtr. 76, Oktroihaus. (*2446
Ich ſuche für 15jähr. Mädchen
leichte Stelle ſofort Eliſabeth
CTronert, gewerbsmäßige
Stellen=
vermittlerin, Mühlſtr. 23. (*2471
Für 14 jähr. Mädch. wird
Lehr=
rtelle in gut. Geſchäft od. Bureau
gegen Vergütung geſucht (*2419
Wienersſtr. 70, Seitenb. 1. St.
Männtieh
Müriliger Murtialter
nungeündiater Vertrauensſtellung
ucht per 1. April anderweit. Stell.,
avtl. auch Nähe v. Darmſtadt. Gefl.
Offert. u. W 52 a. d. Exp. (1151a
Maſchinentechniker fertigt ſchn.
und ſauber Paufen ꝛe. Of. unt.
B 64 an die Exp. ds. Bl. (1854a
Kautionsfäh. Kaufmann
22 J. alt, in größ. Betriebe tätig
geweſen, bereits 3 Jahre den größt.
Teil Deutſchlands bereiſt, an ſelbſt.
Arbeit. gewöhnt, ſucht, geſtützt auf
I. Ref., per ſofort angenehmen
Kontor-
Od. Reiseposten
rnöglichſt in Darmſtadt od. Umg.
Gefl. Angebote erbitte u. P 8
an die Expedition.
(*2465
Junger Mann ſucht Stellungf
als Kaſſierer oder dergl.,
Ver=
rrauenspoſten. Kaution kann
ge=
ſtellt werden. Offert. unter P A.
an die Exp. ds. Bl.
(*2441df
auf kaufmänniſchem Burean od.
Bank zum 1. April für
Beamten=
ſohn mit Einj.=Berechtig. Offert.
unt. F 2 an die Exp. (*2426
Für Jung, Sohn achtb. Eltern,
w. Lehrſtelle auf kaufm. Bur. geſ.
Off. unt. P 1 in der Erp. (*2426
Weiblich
aus der Schuhbranche per
A. März geſucht
(2952
Speiers Schuhwarenhaus
Inh.: Paul Wildau.
Modes
Mehrere Zuarbeiterinnen, ein
Lehrmädchen für den Verkauf geſ.
Mathilde Wolff
Schulſtraße 3. (*2468dfs
Ordentl. Mädch., welch. kochen
Kann, geſ. Alexanderſtr. 18. (2719a
Zuverläſſiges, gewandtes
Hausmädchen
das alle Hausarbeit verſteht, etwas
mähen, bügeln und ſervieren kann
mnd ſchon in beſſerem Hauſe
ge=
dienthat, zum 5. Februar, eventuell
ſſpäter, geſucht
(2827a
Wendelſtadtſtraße 6, I.
Für dier Kleinſinderſchule
in der Mauerſtraße wird ein
Mädchen für die Kinder z. 1. Febr.
geſucht. Zu melden bei der
Vor=
ſiteherin, Mauerſtr. 5. (2872dfso
Tüchtiges Mädchen, das gut
Kochen kann u. Hausarb. mit
über=
mimmt, ebenſo ein gewandt.
Haus=
nnädch., das Nähen u. Büg. verſt.,
Zzum 15. Jebr. geſucht. Zu erfrag.
Bahnhofs-Hotel, Zim. Nr. 11. (2867md
Ein tüchtiges Mädchen per
ſo=
ffort in gut bürgerlichen Haushalt
gegen guten Lohn geſucht. Näh.
2262md) Viktaxigſtraße 44, part.
ür
unt Mlldersiget
Namen-Herren Kinder.
Rich. Ktaub, Jürich
Alleinvertretungen für
Jischer, Freiburg.
Wilid Helttts
Ludwigaplatz
Arbeiter
für Werkſtätte und Laden geſucht
Karlſtraße 30.
(2978
Verein für Hausbeamtinnen
4 Hoffmannſtraße 4.
ſucht und empfiehlt Stützen, Kinderpflegerinnen,
Kinderfräulein, Haushälterinnen, Hausdamen uſw.
Sprechſtunden täglich von 3—5 Uhr (außer Mittwoch und
Sams=
tag), Donnerstag auch vormittags von 10—11 Uhr.
(58a
K erien unt Hlie
das gut. Zeugn. aufw. kann, in kl.
gut. Haush. geſ., p. 1. März o. ſpät.
Zu meld. Seitersweg 12, I. (*2407df
Jung. Mädch. f. morg. 3 St. geſ.
Viktoriaplatz 9 pt. (*2350md
Ein Fräulein
kann das Kochen erlernen
2834mdf) Hotel Prinz Carl.
Stellenloſe Mädchen finden
Unterkunft bei Frau Bauer,
Marktplatz 12. (2686a
Hausmädchen geſucht, Nähen
und Bügeln verlangt. Eintritt
1. März. Zu. erfr. in d. Exp. (2805a
Geſucht
zum ſofort. Eintritt zu 2 Mädchen
von 3 und 4 Jahren ein einfaches
Kinderfräulein
welches gut nähen und bügeln
kann und ſchon ähnliche Stellen
be=
kleidet hat. Vorſtellen mit
Zeug=
niſſen Saalbauſtr. 72. (*2424
Eine Frau oder Mädchen
morgens 2 Stunden geſucht
Heidelbergerſtr. 23, I. (*2409
Saub. Mädchen für Austragen
von Waren, 2 Std. vorm. geſucht
Dieburgerſtraße 52. (*2453
Saub. unabh. Lauffr. geſ., mögl.
i. d. Nähe Mathildenſtr. 27. (*2436
Geſucht für abends eine anſt.
ſaubere Frau od. Mädchen zum
Ladenreinmachen und Samstags
mittags. Zu erfragen
(*2432
Wilhelminenſtraße 4, 2. St.
Geſucht zum 1. April zuverl.
füchtiges Mächen
für Küche und Haus
(*2430
Freifrau von Malapert-Neufville,
Landwehrſtraße 14, 3. St.
2 Serbierfränlein f. Sanſtag,
Sonntag und Montag geſucht
*2459)
Grafenſtraße 27.
Lehrling
Lehrmädchen
zu Oſtern geſucht.
(2942a
Nur ſolche, die erſt an Oſtern der
Schule entlaſſen werden, wollen
ſich melden bei
Gebr. Rothschild, Markt 2
Zu Oſtern ſuchen wir für unſer
techniſches Bureau einen
Lenriing
(2935
mit guter Schulbildung.
Carl Schenck
Eisengiesserei und Maschinenfabrik
G. m., b. H.
Darmstadt.
ittagstisch
Pleisch u. veg. Kost von
60 Pf. b. M. 1. — im äbonn.
Kindermädchen zu 1½ Jahr
altem Kinde ſofort geſucht (*2442
Waldſtraße 16.
Kath. Mädchen, w. Lebe zu
2 Kind. hat, für nachm. geſucht
R. Altschüler, Eliſabethenſtr. 7. (*2448
mehr. öch, beſt. dausm.
Suche u. eine ält. Jungſer, auch
ein beſſ. Kindermädch. für hier u.
ausw. Näh. Frau Gertrude
Hart=
mann, gewerbsmäßige
Stellenver=
mittlerin, Eliſabethenſtr. 45. (2959
Aushank des berühnten
: Wornser Weinmozies :
Kein Feiniwang. (14
Reform-Restaurant
4 Alexanderstrasse 4, I. Stock.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 1. Februar 1912.
Seite 18.
Nummer 27.
Schülerwanderungen des
Odenwald=
klubs.
— Das Wanderjahrbuch, von Oberlehrer Eckhardt in
Dresden bearbeitet, bringt verſchiedene Mitteilungen
auch aus unſerer Klubarbeit. Bezeichnend iſt da an
manchen Stellen die Bemerkung: „Schülerwanderungen
nach Darmſtädter Muſter‟. Dies beweiſt die erfreuliche
Tatſache, daß viele Herren die Erfahrungen, die ſie in
Darmſtadt bei einer Beteiligung an den
Schülerwander=
ungen gemacht haben, nun an dem neuen Wirkungskreis
verwerten. Bei den Darmſtädter
Schülerwan=
derungen, die als die erſten vom
Odenwald=
klub gefördert wurden und die, wie wir ſehen, oft
vor=
bildlich ſind, hat ſich nun allmählich eine Entwickelung
eingeſtellt, die von vornherein nicht von allen Freunden
der Jugend gewollt, von manchen aber doch
vorausge=
ſehen worden war. Anfangs dachte man daran, die
Schüler ſämtlicher Anſtalten auf dieſen Wanderfahrten zu
vereinen; doch zeigte es ſich, daß ſolche Märſche
mancher=
lei Schwierigkeiten für den Führer bieten, der die
ein=
zelnen Teilnehmer nicht kennt. Es iſt für das Gelingen
mehrtägiger Wanderungen vor allem wertvoll, wenn
zwiſchen dem Führer und den Jungen ſchon ein
Ver=
trauensverhältnis beſteht; ſo ſind hier jetzt ſtatt der
früher üblichen Geſamtmärſche Wanderungen der
einzel=
nen Anſtalten in Uebung. Gewandert wurde an drei der
hieſigen Höheren Lehranſtalten; davon veranſtaltete das
Realgymnaſium verſchiedene Ausflüge mit großer
Be=
teiligung aus den verſchiedenſten Klaſſen; die beiden
Gym=
naſieen bevorzugten Klaſſenwanderungen.Aber auch hierbei
zeigte ſich wieder ein kleiner Unterſchied. Während im
Ludwig=Georgs=Gymnaſium von mehreren Herren
Tages=
ausflüge mit Schülern meiſt der Unter= und Mittelklaſſen
unternommen wurden, führte ein Lehrer des Neuen
Gym=
naſiums wiederholt Schüler der oberen Klaſſen zu
mehr=
tägigen Wanderungen in den Odenwald, bis zum Neckar=
und Maintal, und am Realgymnaſium iſt es eine
weſent=
lich größere Anzahl von Herren, die ſich gerne auch an
ſchulfreien Tagen ihrer Jugend widmen.
Aber an welcher Anſtalt auch immer die Jungen
hin=
ausgeführt wurden, ſtets war das Ziel, ſie körperlich zu
ſtärken, in fröhlichem Spiel zu tummeln und ihnen dabei
ein Stück der Heimat zu zeigen, das durch Schönheit der
Gegend, durch geſchichtliche Entwickelung oder durch
ge=
werbliche Einrichtung ſehenswert iſt. So geben die
ein=
gelaufenen Berichte, für die der Vorſtand des
Odenwald=
klubs ſtets dankbar iſt, ein gar abwechſelndes Bild von
dem, was unſere Jungen draußen ſehen und erleben, und
wenn ſie auch nicht alle ſich ſolche Preiſe mit heimbringen,
wie ſie die ſieben Realgymnaſiaſten gelegentlich ihrer
Sommerwanderung erwarben, die bei dem Wetturnen in
Saarbrücken ſämtlich Preiſe — darunter den erſten Preis
— in der Jugendgruppe errangen, ſo bringen ſie manches
mit heim von rüſtiger Wanderfahrt, was Körper und
Geiſt fördert und erfriſcht. Das haben auch die 540
Schü=
ler Höherer Lehranſtalten erfahren, die auf 20
Wander=
ungen unter Führung ihrer Lehrer 1911 die engere und
weitere Heimat durchzogen.
Eine beſondere Wandergruppe bildeten auch im
ab=
gelaufenen Jahre wiederum die derzeitigen Teilnehmer
des pädagogiſchen Kurſes, alſo diejenigen Abiturienten
der Höheren Lehranſtalten des Heſſenlands, die in
Darm=
ſtadt ein Jahr lang theoretiſch und praktiſch für den Beruf
des Volksſchullehrers vorbereitet werden. Auch ſie
unter=
nahmen mit einem der an dieſer noch jungen
Lehrerbild=
ungsanſtalt tätigen Lehrer ein= und mehrtägige Ausflüge,
die bei ihnen noch den Nebenzweck verfolgten, die
künfti=
gen Lehrer mit der Ausführung ſolcher Wanderfahrten ſo
bekannt zu machen, daß ſie in ihrem Berufe ſelbſt gerne
wieder ihre demnächſtigen Schüler zu ähnlichen Märſchen
veranlaſſen.
Wie im vergangenen Jahre, ſo werden auch
dieſes=
mal wieder ſolche Teilnehmer unſerer
Schülerwanderun=
gen, die den Nachweis erbringen, daß ſie eine
ausrei=
chende Anzahl von Ausflügen gemacht haben, vom
Vor=
ſtand des Odenwaldklubs durch die kleine Nadel mit dem
Klubzeichen bedacht. Die Eingaben berechtigter Anſprüche
werden am beſten durch die Herren Führer dem
Klub=
vorſtand übermittelt, der ſich auch ſtets darüber freut,
wenn gelegentliche Aufnahmen der einzelnen
Wanderab=
teilungen ihm für ſeine ſchon recht zahlreiche Sammlung
dieſer Photographien in ſeiner eigens hierzu künnſtleriſch
angelegten Mappe überlaſſen werden. Geeignete Bilder
läßt ſich der Klub gerne vergrößern, um ſie bei
Wander=
tagen, in Groß=Umſtadt (Mai 1912), Heidelberg (Juli)
und Büdingen (September) auszuſtellen. Auch ſolche
photographiſche Darbietungen dienen dazu, den
Schüler=
wanderungen immer mehr Freunde zu gewinnen. Möge
es auch in Zukunft gelingen, zum Wohl der Jugend und
damit des Vaterlandes. Friſch auf!
Luftfahrt.
sr. Die Propoſitionen für den
Ober=
rheiniſchen Zuverläſſigkeitsflug, der im
Frühjahr dieſes Jahres von dem Kartell
Südweſtdeut=
ſcher Luftfahrtvereine unter dem Protektorat des
Prin=
zen Heinrich abgehalten werden ſoll, wurden, wie ſchon
mitgeteilt, in einer unter dem Vorſitz des Prinzen
Hein=
rich von Preußen im Kaiſerlichen Automobil=Klub zu
Berlin abgehaltenen Sitzung durchberaten und
feſt=
gelegt. Neben dem Arbeitsausſchuß für den
Oberrhei=
niſchen Flug waren Graf Zeppelin, Exzellenz von
Lyncker, der Inſpekteur der Verkehrstruppen, ſowie
Ver=
treter des Kaiſerlichen Automobil=Klubs, des
Kaiſer=
lichen Aero=Klubs und des Vereins Deutſcher
Motor=
fahrzeuginduſtrieller anweſend. Es wurde zunächſt
be=
ſchloſſen, den Flug in der Zeit vom 12. bis 25. Mai
abzu=
halten und ſechs Etappen vorzuſehen, an denen
beſon=
dere Schauflüge ſtattfinden ſollen. Dieſe ſollen jedoch
nur von beſonderen Fliegern beſtritten werden,
wäh=
rend die Teilnehmer an dem Oberrheiniſchen
Zuverläſſig=
keitsflug zu den Schauflügen nicht ſtartberechtigt ſein
ſollen. Ueberhaupt ſoll der Oberrheiniſche Flug nur
einer beſchränkten Zahl von Fliegern zugänglich ſein,
und zwar nur ſogenannten Herren=Fliegern, d. h.
Offi=
ziers=Piloten, ſeien es nun aktive oder inaktive Offiziere,
und Fliegern, die in keinem Verhältnis zu Fabriken
ſtehen. Dementſprechend ſollen auch keine Geldpreiſe,
ſondern nur Ehrenpreiſe gegeben werden. Dieſe
Teil=
nehmer ſollen höchſtens durch je einen Monteur
unter=
ſtützt werden. Zu dieſem Zwecke wird das Komitee
offizielle Begleitautomobile zur Verfügung ſtellen. Dem
Vernehmen nach werden ſich auch vorausſichtlich drei
Lenkballons, allerdings außer Konkurrenz, an dem
Ober=
rheiniſchen Zuverläſſigkeitsflug beteiligen. Meldeſchluß
für die Teilnehmer an den Etappenflügen iſt am 12.
April, für Teilnehmer an den Schauflügen am 27. April.
Prinz Heinrich überreichte in der Sitzung dem Komitee
gleichzeitig den von ihm geſtifteten Prinz Heinrich=Preis
der Lüfte.
Sport.
P. Die Eishockey=Meiſterſchaft von
Oeſterreich, die in Prag ausgetragen wurde, gewann
der Leipziger Sportklub, dem damit gleichzeitig der
von Freiherrn Ringhofer geſtiftete Pokal zufiel.
Bedauer=
licherweiſe waren die Leipziger Spieler wieder einmal hef
tigen Angriffen des tſchechiſchen Pöbels ausgeſetzt.
Beſonders hart wurde dem bekannten Spieler Schomburge
zugeſetzt, der ſich nur mit Mühe tätlicher Angriffe erwehren
konnte.
Handel und Verkehr.
H. Frankfurt a. M., 30. Jan. (
Frucht=
marktbericht.) Der Wochenmarkt war recht feſt
ge=
ſtimmt, aber auch die Kaufluſt infolgedeſſen beſchränkt.
Da der Mehlabſatz eben ſehr ſchlecht geht, ſo blieben die
Mühlen ebenfalls zurückhaltend. Landweizen und
beſon=
ders Landroggen wurden beſſer bezahlt; ebenſo waren
Gerſte und Hafer feſt im Preiſe. Mais knapp
vorhan=
den. Die Forderungen für Futterartikel ſind ſämtlich
höher geſtellt. Mehl blieb ohne Veränderung. Der
Mannheimer Getreidemarkt iſt feſt. An der
Berliner Produktenbörſe war Getreide
an=
ziehend auf die erhöhten Offerten für La Plata= und
Manitoba=Weizen. Das mildere Wetter machte keinen
Eindruck, da die Wetterwarte wieder eine Abnahme der
Temperatur ankündigte. Hafer ebenfalls gefragt und
beſſer, da Lokoware und das inländiſche Angebot
wie=
der im Preis geſteigert waren. Nach den letzten
Kabel=
nachrichten von den amerikaniſchen
Getreide=
märkten (New=York und Chicago) war Weizen trotz
des baiſſelautenden Ausweiſes der Vorräte in
Minneapolis und der günſtigeren Witterung im
Nord=
weſten der Vereinigten Staaten gut behauptet; auch
Mais unverändert feſt, obgleich Armour mit Abgaben
auftrat, weil größere Verſchiffungen von den Seeplätzen
erfolgten und kältere Witterung angezeigt wurde. Die
ſichtbaren Weizenvorräte ſind dort in dieſer Woche von
64,87 Millionen Buſhels auf 63,28 Millionen
Buſhels=
zurückgegangen, hingegen die Maisvorräte von 4,77
Millionen Buſhels auf 5,52 Millionen Buſhels geſtiegen.
In Kanada ſind die Weizenvorräte in dieſer Woche von
21,55 Millionen Buſhels auf 21,93 Millionen Buſhels
geſtiegen.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilo wie folgt:
Weizen, hieſiger und Wetterauer, 22—22,15,
Nord=
deutſcher 22—22,15, Kurheſſiſcher 22—22,15, Rumäniſcher
24—25,25, La Plata 23,25—23,75, Ruſſiſcher 24—25,25,
Redwinter 23,75—24,25, Walla Walla 23,75—24,25,
Ma=
nitoba 24—24,25; Roggen, hieſiger, 20—20,20,
Bayeri=
ſcher (Pfälzer) 20—20,25, Ruſſiſcher 20,50—20,75,
Ame=
rikaniſcher —, Rumäniſcher 20,50—20,75; Gerſte,
Pfäl=
zer 22,50—23,25, hieſige und Wetterauer 22,50—23,
Ried=
gerſte 22,50—23, Ungariſche 24—25,50, Fränkiſche 22,50
bis 23,25, ruſſiſche Futtergerſte —; Hafer, hieſiger, 20,50
bis 21, Bayeriſcher 20,50—21, Ruſſiſcher 21,50—22,
Ame=
rikaniſcher 19,75—20,25, Rumäniſcher 21,50—21,75;
Mais mixed 18,15—18,25, Ruſſiſcher 18,40—18,60,
Donaumais 18,40—18,50, Rumäniſcher 18,40—18,60,
wei=
ßer Mais 18,30—18,50, La Plata 18,35—18,50,
Weizen=
ſchalen 13—13,25, Weizenkleie 13—13,25, Roggenkleie
13,75—14, Futtermehl 14,50—16,50, Biertreber, getrocknet,
14,50—15,50; Weizenmehl, hieſiges (Baſis ab
Mann=
heim), Nr. 0: 30,75—31, feinere Marken 31,25—31,50,
Nr. 1: 29,25—29,50, feinere Marken 29,75—30, Nr. 22
28,25—28,50, feinere Marken 28,75—29, Nr. 3: 26,25 bis
26,50, feinere Marken 26,75—27, Nr. 4: 23,25—23,50, fei
nere Marken 23,75—24; Roggenmehl, hieſiges, Nr. 0:
27,50—28, Nr. 1: 25,50—26, Nr. 2: 20,75—21,25.
können sich — trotz aller Abhärtung — die wenigſten dauernd schützen. Ein Witterungsumschlag, eine Erkältung und
die Beschwerden sind da.
Für solche Fälle sind die Corpfin-Bonbons ein besonders wertvolles Linderungsmittel. Das darin enthaltene!
Corfin (Aethylglvcolsäurementhylester) ist eine neue Mentholverbindung, die trotz prompterer, nachhaltigerer Wirkung!
von den störenden Aebenerscheinungen älterer Präparate frei ist.
Der angenehm kühlende, schmerzlindernde Einfluss auf die überreizten Schleimhäute wird rasch bemerkbar, der.
Hustenreiz lässt nach, die Stimme wird wieder frei und wohlklingend.
Man verlange die Originalschachtel zu M. I,so in der nächsten Apotheke oder Drogerie:
Neuer Anzug f. 1jähr. Knaben
Mnoch nicht getr., engl. Stoff,
eleg. Schn., billig abzugeben. Zu
erfrag. in der Expedit. (2782imd
eere Kisten zu verkaufen
2750a Ernſt=Ludwigſtr. 18.
Saison-Ausverkauf
Hygienisches ungesäuertes
Eisen-
Kraft-Brot
Aerztlich begutachtet und
empfohlen wegen ſeiner leicht.
Verdaulichkeit und ſeines
großen Nährwertes. Wird
vom ſchwächſten Magen leicht
vertragen u. iſt bei chroniſcher
Verſtopfung unentbehrlich.
Stück 30 Pfg.
— Alleinverkauf: —
Reformgeschäft
„A RISTA‟
Geſundheitliche Nahrungs=
und Genußmittel (808a
Anton Braunwarth
Marktpassage:: Fernspr. 971.
Antang 27. Jan.
Ende 3. Febr.
Buxkins, Manufakturwaren, Wäsche,
Ausstattungen, Weisswaren, Gardinen.
(2552a
Darmstadt,
edfen Warecke, Rheinstr. 1
Ein wenig
gebrauchter Gasofen
für Zimmerheizung billig
Näheres in der Exped.
abzug.
(B2785
er dort? (2518a
hier V. Schatz, Alexanderſtr. 15.
Ich komme ſof. u. zahle Ihnen für
getrag. Kleid., Schuhe, Wäſche,
Zahn=
gebiſſe, alte Federbett.ſtets die höchſt.
Preiſe. Tel. Nr. 1924. Poſtk. genügt.
getr. Kleider, Schuhe
ꝛc. zu den höchſten
Preiſ. Poſtkarte gen.
M. Schnitzer
Schloßgaſſe 29. (2825a
ich komme sofort
und zahle wegen dringendem
Be=
darf konkurrenzloſe höchſte Preiſe
für getr. Kleid., Schuhe, Stiefel,
Wäſche, alte Federbetlen,
Zahn=
gebiſſe uſw. Komme auch nach
auswärts. (*2392md
J. Wallach, Holzſtr. 1 (Laden).
getrag.
Herren=
u. Damenkleid.,
Ich käufe Schuhe. Zahle d.
höchſten Preiſe. Poſtk. gen. (2826a
J. Schnitzer, Schloßgaſſe 11.
Für nur 100 Mk.
tadellos funktionierende
Schreibmaſchine
zu verkaufen
Viktoriaſtr. 63, 2. St., anzuſehen
tägl. zw. 5— 9 Uhr nachm. (2315a
Iii!
Vbraveur
hervorragend milde
O Pfg.=Zigarre
Emmericher Waren-Expedition
Elisabethenstr. 12
Telef. 979.
(2398a)
Mede
ſortwährend
Eierkiſten
zu verkaufen
Eiernudel-Fabrik Thon,
Grafenſtr 33. (*2335mdt
Ein noch wenig getr. ſchwarzer
Jackettanzug, paſſ. f. mittl. Fig.
. verk. Näh. Ludwigspl. 4. (*2389md
ohne Aus=
Alles Zerbrochene nahme kitet
dauernd Ruf’s geſetzl. geſch. Univ.=
Kitt. Echt b. Klink & Reitberg, Ecke
Ludwigsplatz u. Schulſtr. (676a
Zu verkauf. eine beſonders ſtarte
hohe Treppenleiter, preiswert
*2215ids) Wilhelmſtraße 8, II.
u. (En