Abonnementspreis
Inſerake
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Bei der Landtagserſatzwahl in Offenbach
wurde der ſozialdemokratiſche Kandidat mit 1700
Stim=
men Mehrheit gewählt.
Der Rücktritt des öſterreichiſchen Miniſters des
Auswärtigen, Grafen Aehrenthal, wird als
unmittelbar bevorſtehend bezeichnet.
Der franzöſiſch=italieniſche Zwiſchenfall
gilt nach Freilaſſung der 29 Türken für beigelegt.
In der ſpaniſchen Kammer ſtellte
Miniſterprä=
ſident Canalejas die Gerüchte über eine Kabinettskriſe
formell in Abrede.
Der portugieſiſche Kolonialminiſter hat
demiſſioniert. Die Demiſſion wurde
angenom=
men.
An der Küſte von Griechenland hat am
Mitt=
woch ein ſtarkes Erdbeben ſtattgefunden.
Das Präſidium des neuen Reichstags.
* Zu der Präſidentenfrage, die endgültig erſt nach
dem Zuſammentritt und den Beratungen der einzelnen
Fraktionen entſchieden werden kann, wird den Blättern
aus Berlin geſchrieben: In politiſchen Kreiſen
beſchäf=
tigt man ſich bereits mit der Zuſammenſetzung des
Prä=
ſidiums im Reichstag. Die Aufgabe, ein Präſidium zu
bilden, das den Parteiverhältniſſen entſpräche, würde,
rein formal betrachtet, nicht ſchwer zu löſen ſein. Nach
der Stärke der Fraktionen müßten die
Sozialdemo=
kraten den erſten Präſidenten ſtellen, das
Zen=
trum den erſten Vizepräſidenten und ſodann
entweder eine der beiden liberalen Parteien oder die
Konſervativen den zweiten Vizepräſidenten. Das würde
auch nur konſequent ſein und dem Verhalten der
Reichs=
tagswähler entſprechen. Aber ein ſo zuſammengeſetzter
Vorſtand iſt undenkbar. Ein
ſozialdemokrati=
ſcherReichstagspräſident wäre eben nur möglich,
wenn die Parteien des ſchwarzblauen Blocks darauf
hin=
arbeiteten, die Arbeitsunfähigkeit des neuen Reichstags
durch ihre Zuſtimmung zu einer ſozialdemokratiſchen
Präſidentſchaftskandidatur herbeizuführen. Ueberdies
würde ein Konſervativer niemals mit den
Sozialdemo=
kraten im Präſidium ſitzen wollen. Die
Sozialdemokra=
ten werden nun aber ſchwerlich den Anſpruch erheben,
den erſten Platz zu beſetzen (?), dagegen werden ſie aller
Vorausſicht nach beanſpruchen, im Präſidium vertreten zu
ſein, wie ſie das ſchon nach den Wahlen von 1903
ver=
langt hatten, wo ſie doch erſt 81 Mandate beſaßen.
Da=
mals beſtand bei den bürgerlichen Parteien, die
Konſer=
vativen nicht einmal völlig ausgenommen, tatſächlich die
Geneigtheit, dieſer Forderung zu entſprechen, jedoch
wurde die Bedingung geſtellt, daß der ſozialdemokratiſche
Vizepräſident alle mit dem Amte verbundenen
Repräſen=
tationspflichten übernehme, alſo auch dem Kaiſer ſeine
Aufwartung mache. Dieſe Bedingung wurde von den
Sozialdemokraten abgelehnt.
Das gleiche wird jetzt geſchehen, aber die Frage iſt,
ob die Ablehnung erneut einen Grund dafür würde
her=
geben können, der Sozialdemokratie einen Sitz im
Prä=
ſidium zu verweigern. Nachdem der ſchwarzblaue Block
in die Minderheit gedrängt worden iſt, bleibt es
einſt=
weilen naturgemäß ganz unklar, ob das Zentrum großen
Wert darauf legen wird, den erſten Präſidenten zu ſtellen.
Gerade im Zentrum, aber auch auf der Rechten, iſt die
Rede davon, daß der geeignete Präſident der
partei=
loſe Graf Poſadowsky ſein würde. Nicht
unmög=
lich daß dieſe Verlegenheitskandidatur ſchließlich
Tat=
ſache wird. Die Schwierigkeit, die Poſten der beiden
Vizepräſidenten zu beſetzen, wäre alsdann leichter zu
um=
gehen, da neben dem keiner Fraktion angehörigen Grafen
Poſadowsky ein Zentrumsmann wie ein Sozialdemokrat
vielleicht ganz gut amtieren könnte. Anderſeits würde
ein Präſidium mit ſolcher Zuſammenſetzung wohl
unge=
fähr den neuen Verhältniſſen entſprechen, nicht aber
dem ſtarken inneren Wandel der parteipolitiſchen
Zu=
ſtände. Wie die beiden Parteien der bürgerlichen Linken
im Wahlkampf doch im weſentlichen Schulter an Schulter
geſtanden haben, ſo müſſen ſie auch im Reichstag als
eine taktiſche Einheit gelten; alſo kommt ihnen ganz
ſelbſtverſtändlich der Anſpruch zu, einen der Vizepräſiden=
ten zu ſtellen. Das Einfachſte wäre es unter dieſen
Um=
ſtänden, wenn für den Fall, daß Graf Poſadowsky erſter
Präſident wird, die Sozialdemokraten den erſten
Vize=
präſidenten, die Freiſinnigen oder die Nationalliberalen
den zweiten Vizepräſidenten herzugeben hätten. Es iſt
aber auch denkbar, daß das Präſidium ausſchließlich von
Mitgliedern der drei Parteien der Linken gebildet wird,
und zwar ſo, daß ſich die Sozialdemokraten ohne
Rück=
ſicht auf ihre zahlenmäßige Ueberlegenheit mit dem erſten
Vizepräſidenten begnügen. Jedenfalls wird die Löſung
der Präſidentenfrage in gewiſſem Sinne vorbildlich ſein
für die Entwickelung, die die Dinge im neuen Reichstag
zu nehmen haben werden.
Der ferne Oſten.
— In der letzten Zeit hatte es den Anſchein, als ob
die Liquidation der Mandſchu=Dynaſtie in
Oſt=
aſien ſich glatt vollziehen werde. Juanſchikai hatte alles
auf das beſte in die Wege geleitet, und der Hof hatte ſich
nach längeren Unterhandlungen bereit erklärt, für
immer abzudanken, wobei ſich die Rebellen zu den
günſtigſten materiellen Bedingungen für die bisherige
Dynaſtie verſtanden hatten. Nun hat ſich aber mit einem
Male das Blättlein gewendet, am Hofe iſt man wieder
halsſtarrig geworden, namentlich heißt es, daß die
Kai=
ſerin=Witwe nicht daran denke, Peking zu ver
laſſen und bemüht ſei, den Widerſtand gegen die Rebellen
erneut zu organiſieren. Nach Meldungen, die dem
ame=
rikaniſchen Konſul in Tientſin zugegangen ſein ſollen,
habe unter dieſen Umſtänden Juanſchikai auf ſein
ſchweres Amt verzichtet und die Leitung der Geſchäfte ſei
auf den revolutionär geſinnten Jintſchang übergegangen,
dieſer wolle die verſöhnliche Methode gegenüber den
Re=
bellen aufgeben und die Feindſeligkeiten über kurz oder
lang eröffnen.
Es handelt ſich alſo hierbei um eine recht gefährliche
Wendung, die neue Keime ſchwerer Verwickelungen in
ſich birgt. Die Rebellen hatten ſich während der
Ver=
handlungen völlig zurückgehalten, es herrſchte eine Art
Waffenſtillſtand wie im Kriege, nunmehr aber dürften die
Wirren erneut losbrechen, und es liegt auf der Hand, daß
um ſo erbitterter gekämpft werden wird; mit welchem
Ausgange, läßt ſich ja nicht mit Beſtimmtheit
voraus=
ſagen, aber bei der guten Organiſation der Rebellen, die
gleichfalls über europäiſch ausgebildete Truppen
verfü=
gen, die ſich bisher in jeder Beziehung bewährt haben,
ſpricht doch vieles dafür, daß die Rebellion wie bisher
die Oberhand behalten wird. Der Hof hätte ſich
ſicher=
lich nicht zur Abdankung geneigt gezeigt, wenn man nicht
davon überzeugt geweſen wäre, daß die revolutionäre
Bewegung in China weiten Umfang erreicht hat und
daß kein anderer Ausweg für die Mandſchu=Dynaſtie
übrig blieb als abzudanken.
Was den Hof zu der Aenderung in ſeiner Geſinnung
bewogen hat, iſt noch nicht bekannt, man geht aber
viel=
leicht in der Annahme nicht fehl, daß hierbei Intrigen
eine Rolle geſpielt haben, die in erſter Linie gegen
Juan=
ſchikai gerichtet waren, deſſen überragende ſtaatsmänniſche
Rolle wahrſcheinlich die Höflinge empörte. Ob der Rat
der Gegner Juanſchikais für China zweckmäßig war,
ſteht auf einem anderen Blatte, denn die neue Hemmung
der Dinge wird ihren ſchließlichen Lauf doch nicht
auf=
halten können. Ob aber gerade die republikaniſche
Staatsform für China zweckmäßig wäre, kann ſehr
dahin=
geſtellt bleiben und ſie mag wohl nur den Ausweg aus
einem Dilemma gebildet haben, da man nicht wußte,
woher man eine neue Dynaſtie nehmen ſollte. Durch den
jetzt erfolgten Schritt des Pekinger Hofes wird die
Kon=
ſolidierung der Verhältniſſe im fernen Oſten ungemein
erſchwert, und es läßt ſich kaum ſagen, was noch werden
mag. Die Wahrſcheinlichkeit einer Intervention der
Mächte iſt dadurch größer geworden, und man weiß, zu
welchen Verwickelungen eine ſolche führen kann. Es iſt
wohl nicht von ungefähr, daß der Herzog von Connaught,
der angeblich zu einem privaten Aufenthalt in New=
Yor=
eingetroffen iſt, entgegen der urſprünglichen Abſicht, dem
Präſidenten Taft im Weißen Hauſe einen Beſuch
abſtat=
ten wird, der ſich vielleicht äußerlich als ein
Höflichkeits=
akt darſtellen, in Wahrheit aber einen politiſchen
Charak=
ter von großer Bedeutung beſitzen dürfte.
Deutſches Reich!
— Ueber die römiſche Miſſion des Herrn
von Kiderlen=Wächter erhält die National=
Zei=
tung aus diplomatiſcher Quelle ſtammende Angaben, die
beſtätigen, daß, was man trotz aller Dementis allgemein
annahm, beſondere politiſche Gründe die plötzliche
Rom=
fahrt veranlaßt haben. Danach hätte man es in Berlin
gern geſehen, wenn auch der Papſt ſich zu einer
Unter=
redung mit Herrn von Kiderlen verſtanden hätte, aus
Motuproprio= und anderen Gründen. Pius X. ſei aber
trotz aller Bemühungen Merry del Vals infolge ſeiner
tiefgehenden Abneigung gegen rein politiſche Beſuche nicht
zu bewegen geweſen. Nach glaubhaften Verſicherungen
ſoll es zwiſchen dem Papſt und dem
Kardinalſtaatsſekre=
tär zu bewegten Auseinanderſetzungen über die
Beſuchs=
frage gekommen ſein. Herr von Mühlberg ,der den
Be=
ſuch vermitteln wollte, mußte aber unverrichteter Sache
wieder abziehen. In den Beſprechungen mit di San
Giuliano und Giolitti war natürlich vom Dreibund die
Rede, doch konnten die Richtlinien für ſeine Erneuerung
noch nicht feſtgeſtellt werden. Die Erneuerung, die
übri=
gens bei allen maßgebenden Inſtanzen feſtſteht, ſtößt noch
auf große Schwierigkeiten, die in den Verhältniſſen in
Wien liegen. Uebrigens hat Herr von Kiderlen vom
Fürſten Bülow wertvolle Ratſchläge erhalten. Der
Ex=
kanzler iſt der Anſicht, daß ſich Italien, mit ſeinem
neuen afrikaniſchen Beſitz belaſtet, dagegen von ſeinen
ehemaligen Verpflichtungen gegenüber Frankreich und
England entlaſtet, in dem neuen Dreibundverhältnis
be=
haglicher fühlen und ſchwerlich zu neuen Extratouren
Veranlaſſung finden wird. Alles in allem: In Rom
hat man ſich über eine Neuorientierung der Politik der
drei großen Zentralmächte eingehend unterhalten, die auf
einer neuen Baſis glaubt, der Sache des Friedens beſſer
als bisher dienen zu können.
— Eine Reichstagsneuwahl. Die
Neu=
wahl im Wahlkreiſe Oppeln, Pleß=Rybnik, wo der in
zwei Wahlkreiſen gewählte Graf Mielczynski (Pole) ſein
Mandat niedergelegt hat, iſt, wie die Schleſiſche Zeitung
erfährt, auf den 29. Januar angeſetzt worden.
Die Zahl der Fortſchrittler. Nach der
Aufſtellung der Liberalen Korreſpondenz iſt die Zahl der
am zweiten Stichwahltag gewählten Angehörigen der
Fortſchrittspartei noch um einen größer als bisher
ange=
geben. Die Zahlen differieren bei den einzelnen
Par=
teien in den Angaben der verſchiedenen Blätter überhaupt
um 1 oder 2, was ſich daraus erklärt, daß die nicht
offi=
ziell zu der betreffenden Partei gehörigen, ihr aber
nahe=
ſtehenden Abgeordneten zu der Partei hinzugerechnet
wer=
den oder nicht. So beläuft ſich nach den Angaben der
ge=
nannten Parteikorreſpondenz die Zahl der Mitglieder
der fortſchrittlichen Fraktion (einſchließlich der ihr
nahe=
ſtehenden elſäſſiſchen Abgeordneten Röſer und Windeck)
auf 37. Der in München gewählte Oberſchulrat Dr.
Ker=
ſchenſteiner iſt nach derſelben Quelle der Fortſchrittlichen
Volkspartei zuzurechnen, während man bisher glaubte,
ihn den Nationalliberalen zuzählen zu müſſen. Wenn
aber Dr. Becker in Bingen=Alzey gewählt iſt, verringert
ſich die Zahl der Abgeordneten wieder um einen. Eine
endgültige Feſtſtellung der Stärke der einzelnen Parteien
kann erſt nach Konſtituierung des Reichstags erfolgen.
— In der Sächſiſchen Zweiten Kammer
lehnten die ſämtlichen Parteien den im
Ent=
wurf der Gemeindeſteuer=Reform gemachten
Regierungsvorſchlag zur Belaſtung der Induſtrie,
des Handels und des Gewerbes mit einer Umſatzſteuer
und Kohlenſteuer ab. Dieſe von der Regierung angeregte
Erſchwerung des Erwerbslebens wurde von allen
Par=
teien als unſozial gekennzeichnet. Die
Gemeindeſteuervor=
lage wurde der Deputation überwieſen. Die Zweite
Kammer hat eine Million Baudarlehen an gemeinnützige
Bauvereine und Bangenoſſenſchaften zum Wohnungsbau
für Eiſenbahner bewilligt.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Aehrenthals Rücktritt. Dem Prager
Tage=
blatt wird aus Wien gemeldet: Es iſt nunmehr doch
be=
ſtimmt, daß Graf Aehrenthal in der Hauptſeſſion der
Delegationen nicht mehr erſcheinen wird. Die Entſchei=
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. Januar 1912.
Nummer 22.
dung in der Aehrenthal=Kriſis wird bereits in 8 bis 10
Tagen fallen. Als ſein Nachfolger gilt der Botſchafter
in Paris, Graf Seczen. Aehrenthal wird in den nächſten
Tagen nach Süd=Tirol gehen. Die Aerzte rieten ihm
dringend, völlig auszuſpannen. Man rechnet mehr denn
je mit der Möglichkeit, daß er von dieſer Erholungsreiſe
als Miniſter nicht zurückkehren werde.
Die katholiſche Hungariabank. Der
Un=
terrichtsminiſter beantwortete im ungariſchen
Abgeord=
netenhauſe die Interpellation des Mitglieds der
klerika=
len Volkspartei Rakovſzky über die Gründung der
ka=
tholiſchen Hungariabank, die die Verpachtung geiſtlicher
Güter in Parzellen bezweckt. Der Miniſter erklärte, daß
er jede volkswirtſchaftliche Einrichtung auf
konfeſſionel=
ler Grundlage mißbillige. Falls die Biſchöfe Aktien
die=
ſer Bank gezeichnet haben ſollten, ſo könnten ſie dies nur
aus Privatvermögen getan haben. Er werde jeden
Ver=
ſuch, die geiſtlichen Güter der bisherigen Verwaltung zu
entziehen, entſchieden zurückweiſen.
Frankreich.
Die Senatskommiſſion zur Prüfung
des deutſch=franzöſiſchen Abkommens trat
am Mittwoch unter dem Vorſitz Ribots zuſammen und
hörte den Bericht Baudins.
Dieſer ſchilderte die Lage vor dem Jahre 1909, ſodann
den Vertrag, die Schwierigkeiten ſeiner Anwendung, die
Auslegung der verſchiedenen dadurch hervorgerufenen
Phaſen, die dem Marſch auf Fez vorangingen, ſowie die
Verhandlungen, die dieſem Marſche folgten. Ferner
be=
handelt der Bericht das Uebereinkommen von 1911 und
unterzieht die einzelnen Artikel in ihren günſtigen
ode=
ungünſtigen Wirkungen, ſowie endlich die zukünftige
Organiſation Marokkos einer eingehenden Betrachtung.
Er führte des weiteren u. a. aus: Die weſentlichen
Ur=
ſachen der Enttäuſchungen, welche ſich hüben und drüben
aus dem Abkommen von 1909 ergeben hätten, ſeien darin
zu ſuchen, daß man in Frankreich und in Deutſchland über
die Politik, und insbeſondere über die wirtſchaftliche
Politik nicht dieſelbe Auffaſſung habe. Daraus erkläre
ſich auch, daß die unter verſchiedenen Miniſterien und
unter verſchiedenen Bedingungen unternommenen
Ver=
ſuche eines wirtſchaftlichen und kommerziellen
Zuſammen=
wirkens, das für die Deutſchen viel leichter als für die
Franzoſen ſei, von fortgeſetzten Mißerfolgen begleitet
geweſen ſeien. Die hieraus auf deutſcher Seite
entſtan=
dene Unzufriedenheit und das daſelbſt durch den Marſch
nach Fez entſtandene ungerechtfertigte Mißtrauen
bilde=
ten eine Erklärung für die Kundgebung von Agadir.
B=
die aus der Anwendung des Abkommens vom 4.
No=
vember 1911 befürchteten Schwierigkeiten anlange, ſo
glaube er, daß dieſe vermieden werden können, wenn
beide vertragſchließenden Teile ſich in gegenſeitigem
guten Willen betätigen.
Die Senatskommiſſion hat in den Bericht Baudins
einen Zuſatz eingefügt, der gegen den Mißbrauch
prote=
ſtiert, der mit Geheimverträgen getrieben worden ſei, und
beſonders dagegen, daß den veröffentlichten Verträgen
Geheimklauſeln hinzugefügt würden, die deren Tragweite
vergrößerten oder veränderten. Dieſer Zuſatz iſt
einſtim=
mig angenommen worden und wird vor ſeiner
Veröffent=
lichung dem Miniſterpräſidenten Poincaré unterbreitet
werden.
Die franzöſiſch=ſpaniſchen
Verhand=
lungen. Miniſterpräſident Poincaré hatte eine lange
Beſprechung mit dem Botſchafter Geoffrey über die
ſpa=
niſch=franzöſiſche Angelegenheit. Einer anſcheinend
offi=
ziöſen Zeitungsmeldung zufolge ſind die neuen
Vor=
ſchläge, die der Botſchafter der ſpaniſchen Regierung
über=
mitteln wird, überaus verſöhnlich und viel weniger
ver=
wickelt wie die früheren, wenn ſie ſich auch von den letzten
im weſentlichen nicht ſehr unterſcheiden. Man hofft,
daß das Madrider Kabinett die neuen Vorſchläge günſtig
aufnehmen und ſich bereit zeigen werde, einen Teil ſeiner
ſüdlichen Einflußzone, nämlich die Gegend von Ifni an
Frankreich abzutreten.
Spanien.
Keine Kabinettskriſis. In der
Deputier=
tenkammer ſtellte Miniſterpräſident Canalejas die
jüng=
ſten Gerüchte über eine Kabinettskriſis formell in Abrede.
Das Kabinett ſei niemals des königlichen Vertrauens
oder der Unterſtützung der Kammermehrheit beraubt
ge=
weſen und es herrſche volle Uebereinſtimmung unter den
Kabinettsmitgliedern. Auch Maura erklärte die Gerüchte,
die ihm bei der Kriſe eine Rolle zuteilten, für falſch.
Damit war die Angelegenheit in der Kammer erledigt.
Portugal.
Maßregeln gegen die Prieſter. Der
Ju=
ſtizminiſter hat über die ſämtlichen Liſſaboner Prieſter,
die die Ergebenheitsadreſſe an den Patriarchen
unter=
zeichnet haben, die Gehaltsſperre verhängt.
Rußland.
Unfallverſicherung der Arbeiter. Die
Reichsduma nahm in dritter Leſung die Geſetzvorlagen
betreffend die Unfallverſicherung der Arbeiter und
be=
treffend die Entſchädigung für Verluſte, die durch
Ver=
fügungen von Amtsperſonen verurſacht werden, an. Zur
zweiten Vorlage wurde die von der Kadettenpartei
vor=
geſchlagene Uebergangsformel angenommen, welche die
zivilrechtliche Verantwortlichkeit der Amtsperſonen für
ungenügend erklärt und Entſchädigung aus der
Staats=
kaſſe verlangt.
* London, 24. Jan. Staatsſekretär Dr. Solf hat
ſich während ſeines hieſigen Aufenthaltes angelegentlich
damit beſchäftigt, in der City Informationen bezüglich
des Schneidens und der Wertbeſtimmung für Diamanten
zu ſammeln. Er iſt weder mit Beamten des
Auswär=
tigen Amtes noch mit Beamten des Kolonialminiſteriums
zuſammen geweſen. Er wird morgen über Vliſſingen
nach Berlin zurückkehren. Heute abend war er zu einem
Diner beim deutſchen Botſchafter geladen. Es nahmen
daran 12 Perſonen, darunter die Herren der Botſchaft
und der deutſche Generalkonſul als Gäſte des
Botſchaf=
ters teil.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 26. Januar.
* Vom Hofe. Ihre Königl. Hoheit die
Groß=
herzogin empfingen am Mittwoch vormittag 10 Uhr
im Neuen Palais Frau Rothe Exz. und um 12½ Uhr
die Vorſitzende des Frauen=Vereins „Caritas” Frau Thies
und die Rechnerin Frau Engelhardt. (Darmſt. Ztg.)
*X* Ordensverleihungen. Dem Leutnant Heinrich
Scanzoni v. Lichtenfels vom Leibgarde=Infanterie=
Regiment und dem Leutnant v. Hiddeßen vom Leib=
Dragoner=Regiment Nr. 24 iſt wegen
hervorragen=
der Flugleiſtungen beim Manöver des 18.
Armee=
korps der Kronenorden 4. Klaſſe verliehen
worden.
g. Strafkammer. Der 59jährige Schuhmacher Joh.
Adam Ruppel aus Fränkiſch=Crumbach wurde wegen
fortgeſetzten Verbrechen nach Paragr. 176,3, die er von
Oktober bis Dezember 1911 in Ober=Ramſtadt beging,
zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt. Von der
Un=
terſuchungshaft werden ihm 6 Wochen angerechnet. —
Bei der „Rübenkirchweih” in Ober=Modau im
Novem=
ber 1911 machte der 17jährige Schuhmacherlehrling Jakob
Biedenbänder dem ebenſo alten Taglöhner Heinr.
Schmidt darüber Vorhaltungen, daß er ſich mit
Frem=
den unterhalte. Aus Aerger über dieſen Vorhalt nahm
ſich Schmidt vor, dem Biedenbänder eins auszuwiſchen.
Er ſuchte Händel mit ihm anzufangen, hatte jedoch
zu=
nächſt keinen Erfolg damit. Als jedoch Biedenbänder
ſah, daß Schmidt das Meſſer zog, ſuchte er ihm durch
einen Angriff zuvorzukommen, er erhielt aber doch von
Schmidt drei gefährliche Meſſerſtiche am Unterleib, Hals
und Geſäß. Wegen ſchwerer vorſätzlicher
Körperver=
letzung wurde der Angeklagte Schmidt zu 9 Monaten
Gefängnis verurteilt. Außerdem hat er dem
Bieden=
bänder 200 Mark Buße zu zahlen.
* Perſonalien bei der Handwerkskammer. Der
wiſſenſchaftliche Hilfsarbeiter bei der Heſſiſchen
Hand=
werkskammer, Dr. Hirth, iſt mit Wirkung vom 26.
Ja=
nuar 1912 ab in die Dienſte der Deutſch=
Aſiati=
ſchen Geſellſchaft zu Berlin getreten.
H. K. Die Handwerkskammer zu Darmſtadt beabſichtigt
in ihrem Bezirk die Errichtung einer
Einziehungs=
genoſſenſchaft. Die Genoſſenſchaft ſoll die Aufgabe
haben, von ſäumigen Zahlern Forderungen nach Maßgabe
einer aufzuſtellenden Satzung einzuziehen. Die
Handwerks=
kammer hat deshalb zunächſt die gewerblichen
Korporatio=
nen um ihre Anſicht erſucht, ob Intereſſe für das
Zuſtande=
kommen der Genoſſenſchaft vorhanden ſei. Nach der
all=
ſeitigen Zuſtimmung iſt die Errichtung nun in beſtimmte
Ausſicht genommen und um die Genoſſenſchaft auf eine
möglichſt breite Baſis zu ſtellen, hat dieſer Tage eine ge=
meinſame Beſprechung mit dem Heſſiſchen
Handelskammer=
tag und dem Landesgewerbeverein ſtattgefunden. Möge
die Genoſſenſchaft, welcher gleichzeitig neben der Einziehung
von Forderungen noch weitere Aufgaben, insbeſondere die
Erteilung oder Vermittelung von Auskünften, die
Förder=
ung der Einführung geordneter Buchführung, die
Erteil=
ung von geſchäftlichen Ratſchlägen zugedacht ſind, demnächſt
in erfolgreicher und fördernder Weiſe für Gewerbe und
Handel wirken, wie die Gründer es erſtreben. Gleichwie die
Handwerkskammer Darmſtadt für das Großherzogtum
Heſſen, beabſichtigt auch eine Anzahl anderer
Handwerks=
kammern die Errichtung derartiger Einrichtungen zu treffen,
ſodaß ein Zuſammenſchluß zu gemeinſamer Tätigkeit all
dieſer Genoſſenſchaften erfolgen wird.
nn. Hauptverſammlung des Vereins der Innenſtadt.
Unter dem Vorſitz des Sanitätsrat Dr. Kolb fand in dem
Reſtaurant Trautmann an den Bahnhöfen die
Generalver=
ſammlung des Bezirksvereins Innenſtadt ſtatt, die zahlreich
beſucht war. Nach einer herzlichen Begrüßung durch den
Vorſitzenden erfolgte die Berichterſtattung desſelben über
die Jahrestätigkeit des Vereins, über die wir bereits kurz
berichteten. Eingehend referierte der Vorſitzende dann über
Verkehrsfragen. Nach den Mitteilungen des Herrn
Ober=
bürgermeiſters iſt für den nächſten Voranſchlag eine
Steuer=
erhöhung nicht in Ausſicht genommen. (Bravo.) Dagegen
habe die ſtädtiſche Beamtenſchaft eine Gehaltsaufbeſſerung
beantragt, für die etwa 600000 Mark erforderlich ſeien.
Bei Genehmigung des Geſuches ſei eine Steuererhöhung
von 25 Prozent erforderlich. Dem Vorſitzenden wurde für
die intereſſanten Ausführungen Dank und Anerkennung
ausgeſprochen. In der Debatte rügt Architekt Schembs
die ungünſtige Platzlage für die Schule an der
Heiden=
reichſtraße, ſowie die luxuriöſe Ausſtattung derSchulgebäude,
insbeſondere der Lehrräume in den neuen Knaben und
Mädchenſchulen. Wünſchenswert ſei ferner die
Wiedereinführ=
ung der Kontrollzettel für Gas= und Waſſerverbrauch und
eine raſchere Erhebung des Waſſergeldes. Stadtverordneter
Sames weiſt darauf hin, daß die Stadt ſeit 25 Jahren
ganz enorme Summen für Schulzwecke aufgewendet habe.
Wünſchenswert ſei hier ein Einſchränkung der
Sonder=
wünſche in der Lehrerſchaft über die Ausſtattung und
Be=
ſetzung der Schulen. Dadurch würden der Stadt große
Aufwendungen für Schulzwecke erſpart bleiben. Nach dem
Kaſſebericht des Herrn Rode betrugen die Einnahmen
269,07 Mark, die Ausgaben 214,01 Mark. Die
Mitglieder=
zahl beträgt 158. Das Geſamtvermögen des Vereins
be=
trägt für 1912 1462,20 Mark. Bei der Wahl des
Vor=
ſtandes wurde als Vorſitzender Herr Sanitätsrat Dr.
Kolb einſtimmig wiedergewählt und demſelben der Dank
des Vereins ausgeſprochen. Als Vorſtandsmitglieder
wur=
den gewählt die Herren Juſtizrat Dr. Bender,
Schreiner=
meiſter Ehrhardt ſen., Rentner Aug. Engel, Kaufmann J.
Hachenburger, Kaufmann C. Kahlert, Uhrmacher G. Karp,
Meſſerfabrikant Kattler, Buchdruckereibeſitzer von Moers,
Hotelbeſitzer Adolf Reuter, Kaufmann Rode, Hofbankier
Sander, Architekt Schembs, Rechtsanwalt Sieger. An
Stelle des ausgeſchiedenen Herrn Direktor Weitzel wurde
Herr Stadtv. Sames gewählt.
* In der freien literariſch=künſtleriſchen Geſellſchaft
ſpricht am 30. Januar (Mathildenhöhſaal) Herr Viktor
Zobel über Gartenkunſt, und wie der Garten unſerer Zeit
künſtleriſch zu geſtalten iſt. Herr Zobel iſt auf dieſem
Ge=
biete eine bahnbrechende Perſönlichkeit geworden und hat
ſich durch die Anlage muſtergültiger Gärten hier und
außer=
halb einen bedeutenden Ruf als Gartengeſtalter erworben.
Der Vortrag findet mit Lichtbildern ſtatt. Er ſei dem
In=
tereſſe eines jeden Natur= und Gartenfreundes warm
empfohlen. (Vergl. heutige Anzeige.)
* Der Frauen=Verein des Oſtbezirks der evang.
Stadtgemeinde veranſtaltet Sonntag, den 28. Janua”
abends präzis 7½ Uhr, einen Familien=Abend. Außer
ſoliſtiſchen Darbietungen durch bewährte Kräfte kommt
die köſtliche Kinderſymphonie von Haydn zur Aufführung.
Es iſt dringend anzuraten, ſich rechtzeitig mit
Tei=
karten (à 25 Pfg.) zu verſehen wegen der zu treffende:
Vorbereitungen. Auch darf mit Rückſicht auf die
vor=
handenen Plätze nicht über eine beſtimmte
An=
zahl von Karten binausgegangen werden. Den
Ver=
trieb der Karten hat Herr Hausmeiſter Spaar (
Kies=
ſtraße 17.) (Siehe Anzeige).
* Darmſtädter Vortragsverband. Auf Marcell
Salzer wird in der nächſten Woche bereits ein zweiter
der beſten deutſchen Humoriſten unſerer Tage folgen:
Alexander Moszkowski, der Chefredakteur der „Luſtigen
Blätter”, der bekannte Dichter des „Anton
Noten=
quetſcher” der hier am 2. Februar Humoresken und
Satiren in Proſa und Vers aus eigenen Werken vorleſen
wird. Der Vorverkauf im Verkehrsbureau hat begonnen.
* Der Velozived=Klub Darmſtadt wird, ſo ſchreibt
man uns, demnächſt wiederum mit der Veranſtaltung
eines großen Galaſportfeſtes an die Oeffentlichkeit
treten, das am 3. März a. c. im hieſigen „Städtiſchen
Saalbau” aus Anlaß des Frühjahrsgautages des
Gaues 9 (Frankfurt a. M.) des Deutſchen Radfahrer=
Bundes, ſtattfindet. Es gelangen dabei große
Wett=
bewerbe im Schmuck= und Kunſtreigenfahren,
Die Mode und die Bühne.
) Aus Paris wird uns geſchrieben: Die
Aufführ=
ung des jüngſten Erzeugniſſes Pariſer Dramatik,
des Stückes „Rue de la Paix” im Vaudeville=
Theater iſt die Urſache unbeſchreiblicher
Aufreg=
ung geworden. In den Salons ſpricht man nur von
„Rue de la Paix” und die wirkliche „Rue de la Paix”
macht ihrem Namen gegenwärtig wenig Ehre, denn ſie iſt
der Herd wilder Aufregung und zorniger Entrüſtung.
Was iſt geſchehen? Was hat die ſorgloſen Pariſer ſo
plötzlich aus ihrer Fröhlichkeit geriſſen? Es ſei gleich
vor=
weggenommen, daß es nicht etwa das Stück oder die
Handlung des neuen Werkes iſt, das die Gemüter erregt.
Der Fall iſt wichtiger. Die drei Akte des Werkes ſpielen
in den Probierſalons zweier großer
Modehäu=
ſer der „Rue de la Paix.‟ Das Milieu rechtfertigt alſo
jeden Toilettenluxus, und der Regiſſeur hat auch nicht
gezaudert, davon im reichſten Maße Gebrauch zu machen.
Es waren wohl hundert oder mehr koſtbare Roben, die
man im Laufe dieſer drei Akte über die Bühne wandeln
ſah, und ſchon lange vor der Premiére hatte man geſchickt
die Aufmerkſamkeit der vornehmen Damenwelt
aufge=
ſtachelt, indem man diskret andeutete, daß dieſe Legion
von Geſellſchaftskleidern und Roben eigens für dieſes
Stück in den Ateliers der berühmten Frau Paquin
ge=
ſchaffen worden ſeien. Neue Modelle der Madame
Pa=
quin auf einer Pariſer Bühne: kann es eine
wirkungs=
vollere Aufreizung des „Kunſtſinnes” der ſchönen
Pari=
ſerinnen geben?
Und ſo war denn auch das Haus bei der Premiere
bis auf den letzten Platz ausverkauft, und ungeduldig
er=
warteten die hübſchen Frauen in den Logen den
Augen=
blick, da endlich, endlich der Vorhang aufgehen und Ma=
dame Paquins neue Dichtung enthüllen ſollte. Der
Vor=
hang ging auch auf, aber was man auf der Bühne zu
ſehen bekam, übertraf alle Erwartungen. Die hübſchen
Pariſerinnen waren vor Staunen ſo überwältigt, daß ſie
unbedacht um ihr Ausſehen faſſungslos die pikant
rotge=
ſchminkten Lippen trennten und buchſtäblich mit offenem
Munde auf die Bühne ſtarrten. Aber ach, nicht
Bewun=
derung war es, was die ſchöne Damenwelt die „
conte-
nance” verlieren ließ. Was hier auf den Brettern
leuch=
tete und lohte, ſpottete in der Tat jeder Beſchreibung.
So grelle, ſo mißtönende und aufdringliche
Farbenkon=
traſte, hatte man noch nie in einem Raum vereinigt
ge=
ſehen. Da erſchien eine junge Dame in einem
Straßen=
kleide aus roſafarbenem Samt mit einem Beſatz aus
Schwanenfedern; eine andere in einem grellroten Jackett;
die dritte mit einem weithin leuchtenden giftiggrünen
Taffetkleid, zu dem ſie einen ſtrahlend blauen Hut
ange=
legt hatte; die vierte in einem weißſeidenen
Straßen=
kleid (!), über das ſie eine kleine weißſeidene Jacke in der
Art der Barkellner trug. Sah man recht? Furchtbares
Blendwerk der Hölle: die kleinen Pariſerinnen fühlten e
Gänſehaut über ihren Rücken kriechen, und die
Enttäuſch=
ung war unbeſchreiblich. Wo blieben die epochemachenden
Enthüllungen über die Mode von morgen, wo blieben
die „geiſtreichen Anregungen” die „ſublimen Gedanken”
die alle Welt nicht von dem Stück, aber von den Roben
der Frau Paquin erwartete. Und die Bitterkeit der
Ent=
täuſchten milderte ſich erſt, als im Foyer eine durch ihre
Eleganz berühmte Pariſer Schauſpielerin boshaft
be=
merkte: „Das iſt Friedrichſtraße, aber nicht „Rue de la
Paix.”
Der Schmerz der Premiérenbeſucherinnen war nur
ein mattes Vorſpiel der wilden Empörung, die heute in
allen Ateliers der berühmten Straße der Pariſer Schnei=
derkünſtlerinnen herrſcht. Man iſt entſetzt, man iſt
kon=
ſterniert, man iſt außer ſich, daß der heilige Name der
„Rue de la Paix” zu einer ſolchen Orgie des Ungeſchmacks
mißbraucht werden konnte; man fürchtet für den Ruf
Pariſer Schneiderkunſt und zittert für das Geſchäft. Was
ſoll werden, wenn die reichen amerikaniſchen, engliſchen
und deutſchen Kundinnen unter der Flagge „Rue de la
Paix” dieſe Roben ſehen. Und die entſetzten
Modekünſt=
lerinnen ballen im Stillen die Fauſt und flehen auf das
Haupt der großen Madame Paquin alles andere, als den
Segen des Himmels herab. Die berühmte Sünderin aber
hat heiter lächelnd am nächſten Tage einen Interviewer
empfangen. Ob ſie die Koſtüme gemacht hat? Jawohl!
Ob ſie ihr Geſchmack ſeien? Aber nein! Und dann
er=
zählt Madame Paquin, daß ſie diesmal, das erſte Mal in
ihrem Leben, ſich den Wünſchen eines modernen
Künſtlers anbequemt habe, den Wünſchen des als
Prophet modernen Geſchmacks in Paris gefelerten
Ma=
lers Paul Jribe, der die künſtleriſche Seite der
Inſzenier=
ung leitete. „Nach ſeinen Zeichnungen habe ich die Roben
anfertigen laſſen, und ſie haben mit meinen Gedanken
über Mode nichts zu tun.” Und beluſtigt weiſt Madame
Paquin darauf hin, daß das ganze Stück ſatiriſch gefärbt
ſei und daß überall im Dialog die grotesken Auswüchſe
moderner Modenarrheiten gegeißelt werden.
So enthüllt ſich das, was die ſchönen
Premiéren=
beſucherinnen entſetzt als eine unerträgliche Entgleiſung
des Geſchmackes anſahen, als eine bewußte
Karri=
katur des Künſtlers. Und das Luſtigſte an der ganzen
Komödie iſt, daß die ſchönen Frauen in den Logen, die
auf ihren feinen Geſchmack und auf ihre Klugheit ſo ſtolz
ſind, die ſatiriſche Abſicht dieſer Farbenzuſammenſtellung
gar nicht empfanden, weil ſie gekommen waren, ſtatt eines
Stückes neue Roben zu ſehen. ..
Nummer 22.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. Januar 1912.
Seite 3.
im Kunſtfahren und im Radball= und
Rad=
poloſpiel zum Austrag, wozu die beſten
Reigenmann=
ſchaften und Kunſtfahrer Deutſchlands erwartet werden.
Angeſichts der ſteigenden Beliebtheit, deren ſich die
Ver=
anſtaltungen des Veloziped=Klubs in hieſigen und
aus=
wärtigen Sportskreiſen erfreuen, verheißt das Sportfeſt
am 3. März zweifellos hervorragende Darbietungen,
umſomehr, als der Veloziped=Klub mit ſeinen tüchtigen
Reigenmannſchaften in der Lage iſt, das Programm
abwechslungsreich zu geſtalten. Von der ſportlichen
Leiſtungsfähigkeit des Klubs ſpricht die Tatſache, daß
u. a. ein aus drei Mannſchaften des V. K. D. gebildeter
24er Maſſenreigen zur Vorführung gelangen wird, der
ein ſeltenes farbenprächtiges Bild bieten dürfte.
* Dem Bericht über die Schlußprüfung der Freiw.
Sanitätskolonne vom Roten Kreuz iſt noch nachzutragen,
daß den Winterkurſus Herr Oberſtabsarzt Dr. Langheld,
wie auch in den Vorjahren als Kolonnenarzt erteilt und
die Pauflinge am Dienstag abend perſönlich
vorge=
ſtellt hat.
nn. Auf dem Gelände des Großherzoglichen
Orangerie=
gartens läßt zur Zeit Se. Königl. Hoheit der Großherzog
ein neues ſchönes Hofdiener=Gebäude, das zweite
dieſer Art, für ſeine Hofbedienſteten fertigſtellen. Das neue
Gebäude wird im modernen Stil hergeſtellt und enthält
wiederum 6 geräumige, der Neuzeit entſprechende
Familien=
wohnungen mit allem Zubehör, die zu einem billigen Preis
an Hofbedienſteten vermietet werden. Das Gebäude iſt
be=
reits im Rohbau ſertiggeſtellt und wird im Frühjahr ſeiner
Beſtimmung übergeben werden. Die Bauleitung liegt in
den Händen der Architekten Firma Georg Scherer
u. Sohn, Darmſtadt. Auch ein neues Gewächshaus läßt
der Großherzog im Orangeriegarten zur Zeit aufführen,
welches insbeſondere der Zucht von Weichkulturen, ſowie
dem Obſt= und Weintraubenbau dienen ſoll. Dasſelbe iſt
ebenfalls in ſeinem Inneren und Aeußeren fertiggeſtellt
und verſpricht eines der ſchönſten Gewächshäuſer unſerer
Stadt zu werden.
nn. Studenten als Krankenpfleger. An der hieſigen
Techniſchen Hochſchule findet zur Zeit auf Veranlaſſung der
Geſellſchaft für freiwillige Krankenpflege im Kriege vom
Roten Kreuz (Kreisverband Darmſtadt) unter Leitung des
Herrn Stabsarzt Dr. Schneider für die Studentenſchaft
ein Vorbereitungskurs ſtatt, der ſehr zahlreich
be=
ſucht wird. Derſelbe erſtreckt ſich auf theoretiſchen
Unter=
richt in der Krankenpflege, Anlagen von Notverbänden und
erſte Hilfe bei Unglücksfällen, ſowie Uebungen mit der
Trage. Der Unterricht wird 6—8 Wochen dauern. Die
Uebungen finden Dienstags und Donnerstags abends im
Hörſaal 140 der Hochſchule ſtatt.
Ausbau der Fernſprechanlagen. Im Intereſſe
möglichſt frühzeitiger Inangriffnahme der Arbeiten zum
weiteren Ausbau der Fernſprechanlagen iſt es
erforder=
lich, daß die Anmeldungen neuer Fernſprechanſchlüſſe
ſpäteſtens bis zum 5. März den Kaiſerlichen
Tele=
graphenanſtalten vorliegen. Verſpätet angemeldete
Anſchlüſſe, die infolgedeſſen außerhalb des Bauplans nur
mit Mehraufwendungen (z. B. durch beſondere
Ent=
ſendung einer Baukolonne uſw.) herzuſtellen ſind, werden
in dem laufenden Bauabſchnitt nur dann ausgeführt,
wenn die Antragſteller zu den entſtehenden Mehrkoſten
einen Zuſchuß von 15 Mk. leiſten oder wenn dieſe
Mehr=
koſten den Betrag von 30 Mk. überſteigen, den wirklich
anfgewendeten Koſtenbetrag erſtatten.
* Städtiſche Leſehalle. Es wird darauf
aufmerk=
ſam gemacht, daß die Städtiſche Leſehalle am Samstag,
den 27. d. Mts., wegen dringender Reparaturen
ge=
ſchloſſen bleibt.
2 An Kaiſers Geburtstag, Samstag, den 27.
Ja=
nuar, ſind die Poſtſchalter bei den Poſtämtern 1
und 2 in Darmſtadt von 8—9 Uhr vorm., 11 Uhr vorm.
bis 1 Uhr nachm. und von 5—7 Uhr nachm. geöffnet; die
Zweigſtellen in der Hermannſtraße und Stiftſtraße bleiben
geſchloſſen. Die Beſtellung aller Poſtſendungen findet
einmal (vormittags) und die Briefkaſtenentleerung
tags=
über ſechsmal in angemeſſenen Zeiträumen ſtatt.
Appell der ehemaligen 4./133. Die ehemaligen
Angehörigen des 115. Infanterie=Regiments, die bei der
Formierung des 138. Regiments am 1. April 1887 die 4.
Kompagnie ſtellten, werden zwecks Beſprechung über die
25jährige Gründungsfeier zu der zweiten
Verſammlung am 28. Januar, vormittags 10 Uhr, nach
Offenbach (Main), Reſtauration „Zum Erbacher Hof”
freundlichſt eingeladen. Mit Rückſicht darauf, daß noch
viele Adreſſen von Kameraden unbekannt ſind, werden
alle, denen eine beſondere Einladung nicht zugegangen
iſt, gebeten, bei dieſer Verſammlung erſcheinen zu wollen.
Die bei der erſten Verſammlung anweſenden
Kame=
raden werden nicht mehr beſonders eingeladen, da Ort
und Zeit daſelbſt bekannt gegeben wurde.
* Der Verein für Geflügel= und Vogelzucht „Ornis”
hielt ſeine Hauptverſammlung ab. Der erſte
Vorſitzende begrüßte zunächſt die zahlreich erſchienenen
Mitglieder und wünſchte ihnen ein für die Geflügelzucht
erfolgreiches Jahr. Die überaus große Zahl an
Einläu=
fen und die Beſprechung von Klub= Verbands= und
Ver=
einsgelegenheiten geſtatteten erſt um 11 Uhr den
Ein=
tritt in die Tagesordnung. Unter anderem wurde der
gemeinſchaftliche Beſuch der „Nationalen Geflügel=
Aus=
ſtellung zu Frankfurt a. M.‟”, zu der etwa 7000 Nummern
aus allen Gauen Deutſchlands gemeldet ſind, auf
Sonn=
tag, den 11. Februar, feſtgeſetzt. Nach Verleſung der
rück=
ſtändigen Niederſchriften erſtattete zunächſt der zweite
Vorſitzende den von der Verſammlung beifällig
aufge=
nommenen Jahresbericht. Aus der Rechnungsablage iſt
beſonders hervorzuheben, daß der Verein über ein
Ver=
mögen von 2300 Mark verfügt. Schulden ſind keine
vor=
handen. Ueber den nächſten Punkt der Tagesordnung:
„Ausſtellung”, ſprach der zweite Vorſitzende. Er gab
hier=
bei eine eingehende Schilderung der wichtigſten Faktoren,
mit denen bei den heutigen eigenartigen Verhältniſſen
ein Verein bei Veranſtaltung einer größeren Ausſtellung
zu rechnen hat, will er ſich vor finanziellen Mißerfolgen
bewahrt ſehen. Die Verſammlung ſtimmte dem am Schluß
ſeiner Ausführungen geſtellten Antrag einſtimmig zu.
Die Wahl des Vorſtandes ging Dank dem zwiſchen
Vor=
ſtand und Mitgliedern ſchon ſeit Beſtehen des Vereins
obwaltenden guten Einvernehmen raſch von ſtatten.
So=
wohl die beiden Vorſitzenden, wie die übrigen
Vorſtands=
mitglieder wurden auf Antrag durch Zuruf unter
Aus=
druck des Dankes für die bisherige Tätigkeit einſtimmig
wiedergewählt. Nach Wahl der Rechnungsreviſoren
wurden noch außerhalb der Tagesordnung ein mit 1. und
Ehrenpreis prämiierter ſchwarzer Orpingtonhahn, ſowie
weiße Brünner=Kröpfer zu Gunſten der Vereinskaſſe
ver=
loſt. Der erſte Vorſitzende gab noch bekannt, daß das
Vereinsmitglied Herr Zimmermeiſter Schleidt in Leipzig
auf Puten Ehren= und 1. Preis erhalten habe. Um 12
Uhr wurde die ordentliche Hauptverſammlung
ge=
ſchloſſen.
* Bürgerverein und Darmſtädter Fechtklub veranſtalten
ihren diesjährigen Maskenball in Form eines
Zigeu=
nerfeſtes am 27. Januar im Hotel zur Traube. Die von
jeher beliebte und ſtark beſuchte Veranſtaltung beider
Ver=
eine wird wieder eine beſondere Anziehung ausüben, durch
den eigenartigen Rahmen, in dem die Darbietungen
ge=
halten ſind. Im Laufe des Abends wird eine
Zigeuner=
truppe mit Sack und Pack und Wagen und der zwei= und
mehrbeinigen Menagerie, die eine ſolche auf Räder geſetzte
Arche Noah ſtets zu enthalten pflegt, in den Saal einziehen
und ſich zu einem regelrechten Lagerleben niederlaſſen. Da
werden dann die leichtlebigen und ſorgloſen Naturkinder
alle ihre Künſte zeigen zum Ergötzen der ſchauluſtigen
Menge. Die braunen Söhne werden ihre Fidel ertönen
laſſen, glutäugige, ſchwarzgelockte Schönen werden dazu ihre
feurigen Tänze vorführen, Zigeunerlieder ſingen und ihre
Verführungskünſte verſuchen, während andere wieder
be=
ſonderen „Metiers” nachgehen, Karten ſchlagen, wahrſagen
uſw. Ja, eine richtige Liebelei wird ſich entwickeln, bei der
ſogar ein echter „Heiner” genasführt wird. Der Text des
Spieles entſtammt der Feder eines durch andere
Aufführ=
ungen bereits rühmlichſt bekannten hieſigen Verfaſſers.
* Die Darmſtädter Karneval=Geſellſchaft wird, ſo ſchreibt
man uns, am Sonntag, den 28. d. M., im Saalbau eine
Damen= und Herrenſitzung bieten, wie ſie
Darm=
ſtadt ſelten zu ſehen bekommt. In Anbetracht der
Anweſen=
heit der Allerhöchſten Herrſchaften ſind die Redner ganz
beſonders beſtrebt, wirklich hoffähige Vorträge zu Gehör zu
bringen, und wenn bei der „Geſellſchaft” ſchon immer
ſtrenge Zenſur geübt wurde, ſo wird gerade an dieſem Abend
in dieſer Beziehung doppelte Vorſicht geübt. Wenn wir
bemerken, daß als Redner nur hieſige Herren die Bütt
beſteigen werden, und mit deren Namen eine Gewähr für
vorzügliche Leiſtungen gegeben iſt, ſo wollen wir auch heute
ſchon einige Herren bekannt geben, welche Vorträge halten,
und zwar: Bauſcher, Brück, Engel, Hennemann, Held,
Kra=
mer, Rupp, Schneider Gg,, Schmidt, ſtud., Wirthwein,
Fraa Hildebeitel uſw. Auch das Liederbuch birgt eine Fülle
von ganz hervorragenden Leiſtungen und lieferten Beiträge
hierzu die Herren: Bell, Enders, Jäniſch, Münch, Singer,
Schäfer, Schimmel und Frl. Schneider. Zu all dieſen vielen
Namen kommen noch einige ganz vorzügliche Coupletſänger,
und iſt es wohl nicht nötig, weitere Worte des Lobes über
dieſe Sitzung zu ſagen. Die Teilnahme an dieſem Feſte
wird gewiß niemand gereuen.
* Ludwigshöhe. Zur Feier des Geburtstages Sr.
Majeſtät des Kaiſers findet am Samstag, den 27. Januar,
ein patriotiſches Feſtkonzert ſtatt, zu dem ein
entſprechendes Programm aufgeſtellt iſt. Der Beſuch kann
ſehr empfohlen werden. (Siehe Anz.)
§§ Naturalverpflegungsſtation. Während des Jahres
1911 wurde die Hilfe der hieſigen
Naturalverpflegungs=
ſtation von 3828 mittelloſen Durchreiſenden in Anſpruch
genommen und ſind hierdurch 3085 Mark Verpflegungskoſten
entſtanden. Im vorhergehenden Jahre 1910 wurden 5673
(oder mehr 1845) Perſonen unterſtützt, welche einen
Koſten=
aufwand von 4851 Mark (oder mehr 1766 Mark)
verurſach=
ten. Der Staatsangehörigkeit nach verteilen ſich
die Stationsgäſte wie folgt: Preußen 1470, Bayern 781,
Königreich Sachſen 215, Württemberg 203, Baden 271, Heſſen
265, Oldenburg 13, Mecklenburg=Schwerin 11, Mecklenburg=
Strelitz 2, Sachſen=Weimar=Eiſenach 10, Anhalt 18, Sachſen=
Koburg=Gotha 18, Sachſen=Altenburg 19, Sachſen=
Meinin=
gen 17, Lippe=Schaumburg 1, Lippe=Detmold 1,
Schwarz=
burg=Rudolſtadt 2, Schwarzburg=Sondershauſen 2, Reuß
ältere Linie 5, Reuß jüngere Linie 3, Braunſchweig 14,
Waldeck 2, Hamburg 12, Lübeck 5, Bremen 4, Reichslande 77,
England 2, Frankreich 2, Rußland 11, Schweden 1,
Däne=
mark 7, Oeſterreich 209, Ungarn 20, Italien 8, Schweiz 104,
Belgien 3, Holland 11, Serbien 4, Luxemburg 2, Amerika 1,
Auſtralien 2. Den einzelnen Gewerben nach verteilten
ſich die Stationsgäſte: Bäcker 139, Barbiere und Friſeure 31,
Bildhauer 9, Bierbrauer 27, Buchbinder 35, Buchdrucker 10,
Bürſtenmacher 7, Zigarrenmacher 8, Konditore 9, Dachdecker
10, Dreher und Drechsler 42, Färber 17, Feilenhauer 2,
Former 44, Fuhrleute und Kutſcher 32, Gärtner 69, Gerber
23, Glaſer 21, Gold= und Silberarbeiter 14, Gypſer 8,
Hand=
arbeiter 1664, Heizer 18, Inſtrumentenmacher 4, Kaminfeger
14, Kammacher 4, Kaufleute 54, Kellner 39, Keſſelſchmiede 9,
Korbmacher 16, Kupferſchmiede 5, Kiefer 45, Lithographen 9,
Maler 85, Maurer 74, Metzger 96, Mechaniker 16, Müller 24,
Mützenmacher 12, Pfläſterer 9, Photographen 4, Sattler und
Portefeuiller 22, Schleifer 14, Schloſſer 259, Schmiede 65,
Schneider 72, Schreiner 129, Schriftſetzer 17, Schuhmacher
110, Schweizer 50, Seifenſieder 5, Seiler 18, Spengler 72,
Steindrucker 29, Steinmetze 27, Tapezierer 31, Techniker 5,
Töpfer 21, Uhrmacher 8, Vergolder 1, Wagner 17, Weber
und Sticker 28, Weißbinder 32, Zimmerlente 38.
Bensheim, 24. Jan. Der ſoeben erſchienene allgemeine
Verwaltungs=Bericht der Bürgermeiſterei
Bensheim wird durch eine kurze Chronik des Jahres
1911 eingeleitet. Die Betriebsrechnung ſchließt ab mit
543 903 Mark Einnahmen und 509 662 Mark Ausgaben, die
Vermögensrechnung mit 156825 Mark Einnahmen und
155 280 Mark Ausgaben, ſo daß ſich ein Geſamtüberſchuß
von 35785 Mark ergibt. Auf den Kopf der Bevölkerung
kommen 672 Mark Aktivvermögen (6049400 Mark) und
272 Mark Schulden. Die Bautätigkeit in Bensheim war
ziemlich rege; eingereicht wurden 63 Baugeſuche. Für
Armenpflege wurden 27145 Mark verwandt, für
Notſtands=
arbeiten 1087 Mark, den Arbeitsloſen gab die Stadt Steine
zu klopfen. Zur Unterbringung des wertvollen ſtädtiſchen
Urkundenmaterials wurde im Rathaus ein gegen
Feuers=
gefahr geſicherter Raum hergerichtet und beſonders
aus=
geſtattet. Die katholiſche Volksſchule ward von 1074 Kin=
Vorträge.
St. Ueber Heimatſchutzbewegung und
Schule hielt Frau Suſanne Homann am
Mitt=
woch abend im Hörſaal 326 der Techniſchen Hochſchule
vor einem ziemlich zahlreichen intereſſierten Publikum
einen feſſelnden Vortrag, dem praktiſche Verwirklichung
in irgend einer Weiſe dringend zu wünſchen iſt. Denn
ſicher hat die Vortragende nicht ganz unrecht mit der
Be=
hauptung, daß die Denkmalpflege des Staates ohne die
Heimatſchutzbewegung und dieſe wieder ohne die
Schul=
erziehung bis zum gewiſſen Grade unwirkſam bleiben
müſſen. Auch darin hatte die Rednerin recht, daß
Kunſt=
geſchichte wohl gelehrt und auch beherrſcht werden kann,
daß ſie aber noch lange kein Kunſtverſtehen, kein
künſtle=
riſches Fühlen und Empfinden verleiht, dieſes vielmehr
als einer der wichtigſten Zweige der Erziehung zu
be=
trachten ſei, alſo anerzogen werden muß. Und zwar in
einem Alter, da das Verſtändnis für dieſe Fragen des
Lebens beginnt und noch nicht durch andere Wiſſens= reſp.
Lehrzweige ertötet oder abgeſtumpft iſt, alſo in der Schule
und im Elternhauſe. Denn in der Schule allein bleibt
der beſte und eingehendſte Unterricht fruchtlos, wenn im
Elternhauſe falſche oder mißverſtandene Kunſt, Imitation
oder Unkunſt das Kind als ſtete Lüge umgibt. Darin
liegt im weſentlichen ein Niedergang des Geſchmacks
un=
ſerer Zeit begründet. Unſere ſchönen alten Bau= und
Kunſtdenkmäler mit ihrem ehrlichen, klaren Stilgefühl
be=
weiſen uns, daß es früher beſſer geſtellt war um die
Volkskunſt, vor dem rapiden Niedergang, deſſen
Tiefſt=
ſtand bis ins vorige Jahrhundert hineinragt. Freilich,
in jüngerer Zeit iſt es ſchon beſſer geworden und mit
er=
freulichem Eifer und ſchönen Erfolgen nehmen
Kommu=
nen und Staat ſich der Denkmalpflege an. Aber damit
iſt noch nicht Genüge getan und auch die eingeſchlagenen
Wege ſind nicht immer die richtigen und zum Ziele
füh=
renden. Der Denkmalpflege muß die
Heimatſchutzbeweg=
ung ſich eng angliedern und dieſe wieder ſchon in der
Schule ihre erſte und hauptſächlichſte Pflegeſtätte finden.
Nicht nur in Heimat=und Erdkunde, auch in der Geſchichte,
wie im Zeichnen können der Jugend die Augen für die
Kunſt geöffnet werden, der Sinn für das Schöne und
Ma=
leriſche im Hausbau und an der Inneneinrichtung, für
die reizvollen Städte, Straßen und Plätze mit ihren
Kunſtwerken geſchult werden. Lichtbild und Wirklichkeit,
an Beiſpiel und Gegenbeiſpiel einander gegenübergeſtellt,
Hinweiſe auf den Fahrten der Wandervögel werden das
Gefühl für die Kunſt und die Schönheit wecken und dann
mit Erfolg weiter wirken, daß unſere heutige Zeit mehr
Sinn und Verſtändnis für die Kunſt gewinnt und ſie, wie
einſt im Mittelalter, immer mehr zur Verſchönerung des
Hauſes, ſeiner Inneneinrichtung, der Geräte, Möbel und
darüber hinaus heranzieht.
Den zweiten Teil des Vortrages bildete die
Vor=
führung zahlreicher, trefflich und mit ebenſo viel
künſt=
leriſchem Geſchmack wie ſicherem Blick für die
notwen=
dige praktiſche Beweiskraft der Theorie ausgewählter
Bilder durch den Lichtbildapparat. Von der ſchönen
Volkskunſt unſerer engeren Heimat gaben Bilder
Zeug=
nis aus Hirſchhorn, Wimpfen und die Neckargegend,
Michelſtadt, Fürſtenau, Wolfsgarten, Alsfeld Nieder=
Klingen, Niedergemünden, Kirchgöns, Pohlgöns, Hof=
Weiſel u. v. a. Prächtige Fachwerksbauten, Architekturen
und Innenarchitekturen, Tektonik an Hauseingängen und
Portalen u. v. a. Dann kamen feſſelnde Straßen= und
Städtebilder aus Goslar und Danzig, und als von
be=
ſonderem Intereſſe für die gerade bei uns zurzeit
auf=
blühende Friedhofskunſt Anſichten von
Grab=
mälern vom alten Friedhof in Crailsheim, die zum Teil
geradezu muſtergültige Löſungen von Grabmälern mit
Urnen boten. — Mit einer hiſtoriſchen Erinnerung, der
Vorführung von Bildern aus Friedrichs des Großen
Kunſt und Leben ſchloß der Vortrag, der rauſchenden
Beifall erntete.
* Marcell Salzer, der beliebte und berühmte
Vortragsmeiſter, veranſtaltete am Mittwoch abend zum
Beſten des Darmſtädter Feſthauſes einen Vortragsabend
im Kaiſerſaal, der überfüllt war. Die drangvolle Enge
und die Hitze des Saales waren das einzige Unangenehme
des Abends, aber auch ſie ließen Salzers heitere und
lie=
benswürdige Kunſt und unübertrefflicher Humor bald
vergeſſen, und es herrſchte nichts als Zufriedenheit,
Hei=
terkeit und frohe Laune, die zu wecken Salzer wie kein
anderer verſteht. Das Programm ſetzte ſich aus ernſten
und heiteren Vortragsſtücken, vorwiegend aber aus
ſol=
hen letzterer Art, zuſammen, aber beiden wird Salzers
vielſeitige und pointenreiche, den Gedankengehalt, wie
die ſprachliche Form meiſterhaft beherrſchende und
lebens=
ſprühend ausgeſtaltende Kunſt in gleicher Weiſe gerecht.
Unter den ernſteren Stücken erwähnen wir die herrliche
ſehr aktuell anmutende und mit warmer Begeiſterung
vorgetragene Kleinſtadtgeſchichte von Thoma „Bismarck
in Bernau” und Ernſt von Wolzogens prachtvolles
Ge=
dicht „Platz da”, das zugleich zu einer Huldigung für den
anweſenden Dichter wurde. Von heiteren Gedichten und
Geſchichten wurde eine reiche Auswahl geboten, es waren
darunter vertreten Wilhelm Buſch. Ludwia Thoma,
Ri=
deamus, Auburtin, Ernſt von Wolzogen. Roſegger uſw.
die ſich, von einem ſolchen Meiſter der Vortragskunſt und
Mimik vorgetragen, zu kleinen Kabinettſtücken humoriſti=
ſcher Poeſie geſtalteten. Dagegen iſt die Parlamentsrede
des bayeriſchen Partikulariſten und Sittenrichters Joſef
Filſer von Thoma zu lang ausgeſponnen. Daß Marcell
Salzer während des ganzen Abends jubelnden Beifall
erntete, iſt wohl ſelbſtverſtändlich. Er iſt auch in Zukunft
hier ſtets ein gern geſehener Gaſt.
g. Ueber Seefiſche und ihre
Verwend=
ung in der bürgerlichen Küche ſprach Herr
Oberſtleutnant v. Gerhardt am Mittwoch abend im
außerordentlich gut beſetzten Gartenſaale des Städtiſchen
Saalbaues. Zunächſt begrüßte Herr Bürgermeiſter
Mueller die Erſchienenen und führte aus: Als im Herbſt
vorigen Jahres die Lebensmittelteuerung einſetzte, er
griff die Stadtverwaltung Maßnahmen, um den
drohen=
den Notſtand zu mildern. Durch hochherzige Spenden
von einigen Bürgern unſerer Stadt war es möglich,
18000 Zentner Kartoffeln zu einem ermäßigten Preiſe
abzugeben, wo es nötig war, auch auf Kredit. Durch
Vereinbarung mit den Bäckern gelang es, den Brotpreis
zu reduzieren und auch die Kohlenhändler ſtellten zur
Verteilung an Minderbemittelte zu ermäßigten Preiſen
Kohlen zur Verfügung. Am ſchwierigſten war für die
Stadtverwaltung die Fleiſchfrage. Wenn auch die
Fleiſch=
preiſe nicht in die Höhe gegangen ſind, ſo iſt doch den
Minderbemittelten durch die Steigerung der übrigen
Lebensmittelpreiſe die Beſchaffung von Fleiſch ſchwierig
geworden. Aus dieſem Grunde hat die
Stadtverwalt=
ung die Einrichtung von Seefiſch=Verkaufsſtellen in die
Wege geleitet und eine Propaganda für den
Seefiſchver=
brauch getrieben. Auf Anfrage hat ſich der Seefiſcherei=
Verein bereit erklärt, zu Kochkurſen Kochlehrerinnen
her=
zuſenden und auch die Seefiſche zu den Kochkurſen zur
Verfügung zu ſtellen. Unter Leitung des Herrn Lehrers
Schäfer haben die Kochkurſe eine große Beliebtheit
er=
fahren und er ſpreche hiermit Herrn Schäfer und den
Leh=
rerinnen den herzlichen Dank der Stadtverwaltung für
ihr ſegensreiches Wirken aus. Er erteilte ſodann dem
Herrn Vortragenden, Oberſtleutnant v. Gerhardt, das
Wort. Einleitend bemerkte dieſer, daß Deutſchland nicht
in der Lage ſei, ſich in der Fleiſchverſorgung
unabhän=
gig vom Auslande zu machen. Dies ſei nur möglich,
wenn der Verbrauch von Seefiſchen eine ſolche
Verbreit=
ung gefunden habe, wie in England. Die Haupturſachen
daß der Seefiſch in Deutſchland noch nicht nach ſeinem
Werte in Verwendung gekommen ſei, liegen darin, daß
die Hausfrauen die Seefiſche nicht kennen, daß infolge
des geringen Verbrauches die Fiſchhändler nur eine oder
zwei Fiſchſorten zum Verkauf halten können, und
drit=
tens, weil die Hausfrauen in der Zubereitung der
See=
fiſche zu einſeitig ſind. Redner gab nun an Hand von
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. Januar 1912.
Nummer 22.
dern beſucht und zählt 23 hauptamtliche Lehrkräfte, die
evangeliſche Schule von 297 Kindern bei ſechs Lehrkräften.
Nordheim, 24. Jan. Das ſechsjährige Kind des Gg.
Bayer ſtellte, als es allein im Zimmer war, eine Doſe
Wichsſchmiere auf das Feuer, die ſofort zu brennen
an=
ſing. Als das Kind die Flammen löſchen wollte, zog es
ſich ſo ſchwere Brandwunden zu, daß es am
fol=
genden Tage ſtarb.
Offenbach, 24. Jan. Heute vormittag 8 Uhr wurden
die ſterblichen Ueberreſte des Oberbürgermeiſters Brink,
dem Wunſche des Verſtorbenen entſprechend, in aller Stille
ohne jedes Zeremoniell dem Feuer übergeben. An der
Beiſetzung nahmen nur die nächſten Angehörigen teil.
Neu=Iſenburg, 23. Jan. Geſtern vormittag ſollte der
16jährige Sohn des Gelegenheitsarbeiters Buſch eine
zwei=
ſtündige Arreſtſtrafe verbüßen. Der Vater begab ſich mit
ſeinem Sohne nach der Schule und während der Sohn dort
den Lehrer mit dem Meſſer bedrohte, verſuchte der
Vater den Lehrer mit einem Revolver zu erſchießen. Der
Lehrer konnte ſich zum Glück noch durch Verſchließen der
Türe retten, während die herbeigeholte Polizei die
Rauf=
bolde feſtnehmen konnte. — Heute morgen wurde eine
16jährige Näherin aus Schwanheim von der Waldbahn
überfahren. Beim Aufſteigen in den vorletzten Wagen
kam ſie zu Fall und die Räder des hinteren Wagens gingen
ihr über beide Beine. Schwer verletzt wurde ſie in das
Stationsgebäude gebracht.
Neckarſteinach, 24. Jan. Das langjährige Projekt,
von Neckarſteinach über Schönau und Altneudorf nach
Heiligkreuzſteinach einen regelmäßigen Autoverkehr
ein=
zurichten, kommt nun endlich zuſtande, nachdem die
in=
tereſſierten Gemeinden auf Veranlaſſung des
Bezirtz=
amtes entſprechende Zuſchüſſe für das Unternehmen
be=
willigt haben.
Walldorf, 24. Jan. In unſerem Orte wurde eine
Wildererbande entdeckt, die ſeit langer Zeit die
Wilderei im Großen betrieb. Es wurde feſtgeſtellt, daß
die Burſchen bereits Hunderte von Haſen und Faſanen
verkauft haben. Der Hauptführer der Balide iſt der
Jagd=
aufſeher ſelber. Drei Perſonen ſind bereits verhaftet, doch
ſtehen weitere Verhaftungen bevor.
Mainz, 25. Jan. Der König von Belgien zeichnete
an=
läßlich der Beteiligung Deutſchlands an der Brüſſeler
Welt=
ausſtellung im Jahre 1910 eine Reihe von Perſönlichkeiten
durch Ordensverleihung aus. So erhielt Herr Geh.
Kom=
merzienrat Gaſtell aus Mainz das Kommandeurkreuz
des belgiſchen Kronenordens.
Mainz, 25. Jan. Am 1. März ſind es 50 Jahre, daß
die Mainzer Volksbank gegründet wurde. Aus
kleinen Anfängen heraus hat ſich die Anſtalt heute ein großes
Arbeitsfeld erworben. Zur Erinnerung an die Gründung
hat der Vorſtand beſchloſſen, 10000 Mark aufzuwenden; von
dieſem Betrag ſollen 5000 Mk. zur Förderung von ſozialen
Beſtrebungen geſtiftet und 5000 Mk. ſollen für die
Veran=
ſtaltungen verwendet werden, die für die Jubelfeier
ge=
plant ſind.
Worms, 25. Jan. Ein Unfall ereignete ſich heute
vormittag bei Dachdeckerarbeiten, die an den
Ge=
bäuden der Delta=Nitrogen=Company (früheres Gelände der
Hobel= und Sägewerke) ausgeführt wurden. Dort ſtürzte
der Arbeiter Anton Joſeph Maul aus Mainz aus drei
Stockwerk Höhe herab und trug eine Zerſplitterung
des Unterkinns, ſowie einen Gelenkbruch der rechten Hand
davon. Maul, der auch über Schmerzen in der rechten
Seite klagt, wurde ins Krankenhaus gebracht.
Bechtolsheim, 24. Jan. Beim Spielen fiel das
drek=
jährige Söhnchen des Barbiers Philipp Kerner in
einen Topf mit kochendem Waſſer und verbrannte
ſich ſo ſchwer, daß es nach wenigen Stunden unter
furcht=
baren Schmerzen ſtarb.
Gießen, 25. Jan. Am 30. Januar hat ſich vor der
Strafkammer in Gießen der Weißbinder Müller aus
Nieder=Dorfelden zu verantworten, der bekanntlich mit dem
Rendeler Mörder Gunterloch befreundet war. Müller
war bekanntlich mehrere Tage vor der Tat mit dem
Gunter=
loch zuſammen. Bei dieſer Gelegenheit ſoll Gunterloch
auch von ſeinem Vorhaben geſprochen haben. Müller ſoll
auch dabei geweſen ſein, als Gunterloch die Waffe und die
Patronen gekauft hat. Die Anklage wirft Müller vor, daß
er keine Anzeige gegen Gunterloch erſtattet hat, obwohl er
zu einer Zeit von der beabſichtigten Tat Kenntnis erhielt,
zu der ſie noch hätte verhindert werden können.
Alsfeld, 24. Jan. Heute morgen nach 4 Uhr brach in
dem ſtädtiſchen Archiv, daß ſich im Weinhauſe
be=
findet, Feuer aus. Eine nicht unbedeutende Anzahl
Urkunden iſt verkohlt und wertlos geworden. Die Urſache
wird darin zu ſuchen ſein, daß ein von dem Wachtlokal
durch das Archiv führender alter Kamin durchgebrannt
war und die Balkenlage Feuer gefangen hatte. Glücklicher
weiſe wurde das Feuer rechtzeitig bemerkt und gelöſcht.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 24. Jan. Heute nachmittag
fand im Weißen Saal des Königlichen Schloſſes anläßlich
der Gedächtnisfeier für Friedrich den
Gro=
ßen eine Feſtſitzung der Königlichen Akademie der
Wiſſenſchaften ſtatt. Zur Linken des Thrones ſtellte ſich der
Reichskanzler und das Staatsminiſterium auf. Neben den
Mitgliedern der Akademie der Wiſſenſchaften fanden ſich
auch die Ritter des Schwarzen Adlerordens, die
komman=
dierenden Generäle der preußiſchen Armeekorps, mehrere
Staatsſekretäre, Vertreter der Univerſitäten und der
Hoch=
ſchulen, Mitglieder der Kaiſer Wilhelm=Geſellſchaft zur
Förderung der Wiſſenſchaften und auswärtige Mitglieder
der Akademie, darunter der Geſandte Graf von
Lerchen=
feld, ein. Die Kaiſerin nahm vor dem feierlichen
Ein=
zuge des Kaiſers, welcher die Uniform der Gardedukorps
trug, auf der Kapellentribüne mit der Prinzeſſin Viktoria
Luiſe und den übrigen Prinzeſſinnen Platz. Hinter dem
Kaiſer ſchritten die Prinzen. Nach einer einleitenden
Anſprache des Profeſſor Waldeyer hielt der Kaiſer eine
Ge=
dächtnisrede auf Friedrich den Großen, worauf die Feſtrede
des Profeſſors Koſer folgte. Die Feierlichkeiten wurden
durch eine Feſtvorſtellung im Königlichen
Opern=
hauſe abgeſchloſſen. Das Parkett und den erſten Rang
füllten die Perſönlichkeiten, die den geſtrigen und heutigen
Feſtakten beigewohnt hatten. In den Logen rechts ſah man
den Reichskanzler und die kommandierenden Generäle, in
den oberen Rängen ſaßen Mannſchaften und Chargierte
vom 1. Garde=Regiment, den Gardejägern und den
Garde=
dukorps. Um 8 Uhr erſchien das Kaiſerpaar mit den hier
anweſenden Prinzen und Prinzeſſinnen. Gegeben wurde
die dramatiſche Dichtung von J. Lauff „Der große König”,
drei Bilder aus ſeinem Leben. Die Muſik iſt durchweg von
Friedrich dem Großen, von Profeſſor Schlax=Wiesbaden für
die Aufführung eingerichtet. Der Kaiſer hatte ſein
In=
ereſſe für die Inſzenierung durch wiederholten Beſuch der
Proben kundgegeben. Nach der Vorſtellung hielt das
Kaiſerpaar Cercle. — Wie von authentiſcher Seite verlautet,
begibt ſich der Kronprinz mit dem Nachtſchnellzug
mor=
gen abend von Danzig=Langfuhr nach Berlin zur Teilnahme
an der Geburtstagsfeier des Kaiſers und der am folgenden
Tage ſtattfindenden Taufe ſeines Sohnes. Der Kronprinz
kehrt vorläufig nicht nach Danzig zurück. Er wird ſich bis
Anfang Februar in Berlin aufhalten und dann mit der
Kronprinzeſſin drei bis vier Wochen nach der Schweiz reiſen,
um ſich dort dem Winterſport zu widmen. Nach Beendigung
der Schweizer Reiſe geht das kronprinzliche Paar wieder
nach Langfuhr, wohin dann auch die kronprinzlichen Kinder
überſiedeln. — Eine heftige Exploſion ereignete ſich
heute in einer Wäſchepulverfabrik in Charlottenburg. Das
Wäſchepulver wird aus Natriumſuperoxid hergeſtellt, das
ſich auf unerklärliche Weiſe entzündet hatte. Die Exploſion
war ſo ſtark, daß Wände eingedrückt und Oefen zertrümmert
wurden. Das flüſſige Metallorid brannte einen Fußboden
nach dem unteren Stockwerk durch und verurſachte noch in
einer weiteren Fabrik das Ausbrechen von Feuer. Die
Feuerwehr hatte einen ſchweren Stand, da immer neue
Exploſionen erfolgten.
Frankfurt, 25. Jan. Gegen drei Perſonen wurde
An=
zeige erſtattet, weil ſie für andere oder doppelt
gewählt hatten. So wurde in einem Wahllokal ein
Mann verhaftet, der für einen nach Chemnitz verzogenen
Arbeiter gewählt hatte. Er gab an, daß er 6 Mark dafür
erhalten habe. In einem anderen Bezirk wollte ein
Ge=
ſchäftsreiſender, der eigens zur Wahl wiedergekommen
war, wählen, mußte aber erfahren, daß bereits ein an=
derer ſowohl in der Hauptwahl wie in der Stichwahl für
ihn gewählt hatte.
Höchſt, 25. Jan. Einen unheimlichen Fund
machte man heute früh auf der Eiſenbahnſtrecke zwiſchen
Nied und Höchſt. Hier fand man friſche menſchliche
Leichen=
teile, Kleiderfetzen und eine Taſchenuhr, jedoch fehlte der
eigentliche Leichnam. Im Laufe des Vormittags fand man
im hieſigen Bahnhof einen zerſtückelten Körper am unteren
Teil eines Wagens, der auf ein ſogenanntes totes Gleis
geſchoben war. Der Verunglückte wurde als der verheiratete
Fabrikarbeiter Wilhelm Warmth von Höchſt feſtgeſtellt. Ob
Unglücksfall oder Verbrechen vorliegt, iſt noch nicht
auf=
geklärt.
München, 25. Jan. Geſtern abend ſollte in dem
Hauſe Schwanthalerſtraße 149 der im 3. Stock wohnende
40jährige Maurer Stirner durch die Rettungs=
Geſell=
ſchaft abgeholt und nach der Irrenanſtalt gebracht
werden. Als die Rettungsmannſchaft mit zwei Poliziſten
vor der Wohnung erſchien, fand ſie dieſe verſchloſſen.
Nachdem man ſich gewaltſam Eingang verſchafft hatte,
feuerte der Kranke in dem dunklen Vorplatz mehrere
Schüſſe auf die Beamten ab und verletzte einen Poliziſten
durch einen Schuß in den Arm. Die Beamten zogen ſich
zurück, um Verſtärkung zu holen. Das Haus wurde für
die Nacht polizeilich umſtellt. Morgens 3 Uhr ſtürzte ſich
der Geiſteskranke aus dem Fenſter ſeiner Wohnung in
den Hof. Er fiel auf ein Vordach und erlitt nur leichte
Verletzungen. Er wurde der Irrenanſtalt zugeführt.
Saarbrücken, 28. Jan. Nahe dem hieſigen
Hauptbahn=
hof fuhr heute morgen eine Rangierabteilung auf
einen Reviſionszug. Ein Zugführer wurde getötet, ein
Miniſterialdirektor verletzt.
Mailand, 25. Jan. Die Regierung hat die
Lieder=
ſammlung d’Annunzios, die den afrikaniſchen
Feld=
zug verherrlicht, wegen eines Liedes, das gegen den
öſter=
reichiſchen Kaiſer beleidigende Ausfälle enthält,
beſchlag=
nahmen laſſen. Die Platten des Liedes wurden
ver=
nichtet. Das Buch ſollte in dieſen Tagen erſcheinen.
Marſeille, 24. Jan. Im Juſtizpalaſt ſchoß ein
ehema=
liger Wirt namens Veran während des gerichtlichen
Ver=
kaufs ſeiner Häuſer auf die Anwälte Journet und Beiſſére
zwei Revolverſchüſſe ab und ſich ſodann eine Kugel
in den Mund. Die Verletzungen beider Anwälte, wie auch
des Täters ſind ſehr ſchwer.
C. K. London, 24. Jan. Aus London wird berichtet:
Ein Komitee von reichen und einflußreichen
Mohamme=
danern in der engliſchen Hauptſtadt hat ſich gebildet, um
die ſtattliche Summe von 2 Millionen für den Bau einer
Moſchee in London aufzubringen, die bei der ſtändig
wachſenden Zahl von Mohammedanern in England längſt
zu einem Bedürfnis geworden iſt. Ein geeigneter Bauplatz
im Zentrum der Stadt iſt bereits in Ausſicht genommen
und der Bau ſoll dem „Ruhm des Islam und der Größe
des Reiches würdig” geſtaltet werden. Die Moſchee ſoll
ein Gebäude von typiſcher orientaliſcher Pracht werden,
und es ſollen ſich ihr andere anſchließen, die eine
Biblio=
thek, ein Leſezimmer und einen Vortragsſaal enthalten
werden. Es wird ſo ein Zentrum für die islamitiſche
Kul=
tur im Herzen der engliſchen Hauptſtadt geſchaffen, deſſen
Hauptaufgabe es ſein ſoll, junge Mohammedaner, die
zeit=
weilig ſich in England aufhalten, gegen Verſuchungen, denen
ſie hier ausgeſetzt ſind, zu ſchützen. Das Komitee hat ſich
das Patronat und die Unterſtützung des Sultans und des
Schahs geſichert, und der Begum von Bhopal hat 140000
Mark zu dem Fonds beigeſteuert.
London, 25. Jan. Der dichte Nebel, der ſeit
mehreren Tagen über Süd=England liegt, hat zablreiche
Unfälle im Gefolge gehabt. Bei London fuhr ein
Expreß=
zug an einem Bahnübergange in eine Rindvieh=Herde.
5 Stück wurden getötet, zahlreiche andere verletzt. Ein
Dampfer, der ſich in der Nähe der Küſte der Inſel Man
verirrt hatte, ſtrandete, wobei das Unterſee=Kabel, das
die Inſel mit England verbindet, riß. In Llangallen
kam es zu einem Zuſammenſtoß zwiſchen einem
Straßen=
bahnwagen und einem Privatgefährt, wobei drei
Per=
ſonen ſchwer verletzt wurden.
Kopenhagen, 25. Jan. Die Briefmarken=
Druckerei des däniſchen Staates iſt geſtern nacht durch
Abbildungen Erklärungen über den Wert und die
Ver=
wendungsmöglichkeit der einzelnen Fiſcharten. Infolge
ſeiner leichten Verdaulichkeit und ſeines hohen
Phosphor=
gehaltes eigene ſich der Fiſch auch vorzüglich zu Kinder=
und Krankenkoſt. Um das Sättigungsgefühl auch beim
Fiſch zu erzielen, ſei die Verwendung der gleichen
Bei=
lagen wie beim Fleiſch erforderlich. Um den wenig
be=
liebten Seefiſchgeruch zu beſeitigen, ſei erforderlich, das
beim Ausnehmen zurückgebliebene Blut zu entfernen,
überhaupt ſei ein Haupterfordernis bei Verwendung des
Fiſches Sauberkeit und ſofortige Herrichtung. Der Herr
Vortragende beſprach ſodann eingehend die
Transport=
mittel für Seefiſche, die bei uns noch nicht in dem Maße
ausgebaut ſeien, wie in England, wo die
Eiſenbahngeſell=
ſchaften finanziell an den Seefiſchereien beteiligt wären.
Eine regelmäßige Verwendung der Seefiſche im
deut=
ſchen Haushalte werde es ermöglichen, daß unſere
Fiſche=
reiflotte und unſere Transportmittel den engliſchen
gleichkommen. — Reicher Beifall folgte den intereſſanten
Ausführungen, dem Herr Bürgermeiſter Mueller noch
durch Worte Ausdruck gab, indem er Herrn Oberſtleutnant
von Gerhardt im Namen der Stadtverwaltung und der
Verſammlung ſeinen Dank ausſprach.
— Zionismus. Man ſchreibt uns: Am Mittwoch
abend ſprach Herr C. Blumenfeld, Mitglied des
zioniſtiſchen Zentralkomitees, im Fürſtenſaale über
„Zionismus und Aſſimilation‟ Der Saal war gefüllt.
Der Redner wies nach, daß die Gründe, die bisher die
Erhaltung des Judentums durch die Jahrtauſende
garan=
tierten, nicht mehr exiſtieren. Die Aſſimilation, der
Untergang nicht nur der deutſchen Inden, ſei bedingt
durch die Zuſtände, unter denen dieſe heute innerhalb
der europäiſchen Völker lebten und ſie ſei deshalb
un=
aufhaltſam. Mehr und mehr verliere ſeit der
Emanzi=
pation, ſeit 100 Jahren, jede folgende Generation den
äußeren Zuſammenhatig mit denen durch die
unerbitt=
lichen Bande des Blutes einer „natio” angehörenden
Glaubensgenoſſen. Die Erhaltung, die Rettung dieſes
Volkes, einer Art von Menſchen, deren ſozialer Wert hier
wohl hinreichend begründet ſei in dem, was ſie den anderen
Völkern gegeben, ſei allein zu finden durch geographiſchen
Zuſammenſchluß einer möglichſt großen Zahl von Juden,
durch Schaffung einer öffentlich=rechtlich geſicherten
Heim=
ſtätte in Paläſtina. Wenn ſich auch vorerſt nur ein
ver=
hältnismäßig kleiner Teil dort anſiedele, ſo ſei doch ſchon
dadurch die Möglichkeit geboten, daß, von dieſem
palä=
ſtinenſiſchen Zentrum ausgehend, eine Erneuerung
jüdi=
ſchen Geiſteslebens auch in den Ländern der Diaſpora
herbeigeführt werde. Die Verwirklichung des
Zionis=
mus werde von Jahr u: Jahr wahrſcheinlicher. Mit
plaſtiſcher Anſchaulichkeit ſchilderte der Referent die
Ent=
wickelung der paläſtinenſiſchen Kolonien, und zeigte, wie
es gelungen ſei, Juden zum Ackerbau zurückzuführen; wie
allein ſchon die Tatſache, daß die hebräiſche Sprache zu
neuem Leben in Paläſtina erwacht ſei, einen Beweis für
die kulturſchöpferiſche Kraft des Zionismus liefere.
Eine große Zahl von Anweſenden beſchloß ſofort,
ſich zu Diskuſſionsabenden zuſammenzufinden, um ſich mit
den Problemen des modernen Judentums zu befaſſen
und durch intenſive Agitation den Gedankengängen des
Zionismus Verſtändnis und Verbreitung zu verſchaffen.
Feuilleton.
O. Meteorologiſches aus Heſſen. (Vgl. Nr. 302 dieſes
Blattes vom 23. Dez. 1911.) Der verfloſſene Dezember
zeichnete ſich durch ungewöhnliche Milde aus, die eine
Folge der vorherrſchenden ſüdöſtlichen, ſüdweſtlichen und
weſtlichen Winde war. Dieſe Windrichtungen waren
wie=
der hervorgerufen durch zahlreiche Abzweigungen des
um dieſe Jahreszeit gewöhnlich bei Island lagernden
Tiefs. Die Monatsmittel der Temperatur ſchwankten
zwiſchen 4,8 Grad Celſius in Mainz und 2,4 in Ulrichſtein
(Darmſtadt: 4,7). Der höchſte Thermometerſtand wurde
mit 10,3 Grad am 29. in Gießen beobachtet, während in
Lauterbach am gleichen Tage nur 8 Grad erreicht wurden
(Darmſtadt: 9,7 am 20.). Am tiefſten ſank das
Thermo=
meter in Lauterbach, wo am 3. ein Stand von — 3,7
Grad notiert wurde, wogegen in Gießen — 1,0 der
nied=
rigſte Wert war (Darmſtadt: — 1,3 am 18.). Selbſt im
höchſten Vogelsberg und Odenwald kam kein einziger
Eistag vor, d. h. ein ſolcher, wo die Temperatur
ſtän=
dig unter Null blieb. Dagegen wurden in Lauterbach,
als der in dieſer Hinſicht kälteſten Station, 12 Froſttage
aufgezeichnet gegenüber nur 2 in Mainz (Darmſtadt: 5).
Der Monat zeichnete ſich durch Armut an Sonnenſchein
aus. So wies z. B. Mainz 27 trübe Tage auf (
Darm=
ſtadt: 24), wogegen in Alzey nur 15 notiert wurden. In
Darmſtadt betrug der Prozentſatz der Bewölkung 90
(4 über dem Durchſchnitt). Nirgends wurde ein heiterer
Tag beobachtet. Was die Niederſchlagsverhältniſſe
be=
trifft, ſo war der Monat überall zu regenreich, während
Schneetage an der Mehrzahl der Stationen nicht
vor=
kamen und auch an den höchſtgelegenen Punkten die Zahl
4 nicht überſchritten. Die Gegenſätze bilden Herchenhain
mit 150,4 und Gernsheim mit 42,0 Millimeter (
Darm=
ſtadt: 66,6). In Gernsheim betrug die höchſte
Tages=
ſumme nur 6,1 Millimeter gegenüber 37,1 in Herbſtein,
ſodaß alſo an letzterem Orte ein einziger Tag faſt
die=
ſelbe Niederſchlagsmenge lieferte, als die Monatsſumme
in Gernsheim betrug. Hagel wurde an 6 Stationen ein=
mal aufgezeichnet und in Ulrichſtein und Homberg a. d. O.
ein Gewitter. Die während der beiden erſten Dekaden
niedrigen Waſſerſtände hoben ſich am 22. infolge
reich=
lichen Regens bedeutend, blieben jedoch hinter dem
zehn=
jährigen Mittel zurück.
* Eine berühmte Münchener Künſtlerkneipe.
Simpli=
ziſſimus” die berühmte Bohemekneipe und
Urſprungs=
ſtätte der Kabarettabende der „Elf Scharfrichter” iſt von
der gleichfalls berühmten Beſitzerin Kathi Kobus an einen
Fremden verkauft worden. Die Kobus, die als
Bauern=
dirne nach München kam, war zuerſt Kellnerin und betrieb
dann ein winziges Delikateſſengeſchäft, bis ſie ihre
heu=
tige Wirtſchaft als beſcheidene Künſtlerkneipe eröffnete,
die dann ſpäter eine ähnliche Berühmtheit erlangen ſollte,
wie etwa die Weinſtuben von Lutter und Wegner in Berlin.
Das Wappentier der Kneipe war Theodor Thomas Heines
großer Bullenbeißer. Auch Fürſtlichkeiten haben dieſe
berühmte Bohémekneipe beſucht; ſo erſchien eines Tages
auch der deutſche Kronprinz mit zwei jungen bayeriſchen
Prinzen inkognito bei Kathi Kobus. Dieſe reſpektierte
das Inkognito der hohen Herren ſo gründlich, daß ſie mit
dem Kronprinzen ein Geſpräch anknüpfte und dabei ſo
furchtbar auf die Preußen ſchimpfte, daß er völlig davon
überzeugt war, daß ſein Inkognito auch tatſächlich
ge=
wahrt wurde. Auch König Georg von England ſtattete
dieſer Münchener Sehenswürdigkeit einen Beſuch ab. —
Bekannter aber noch als durch die im Tran erworbene
Schildgerechtigkeit der Künſtlerkneipe iſt Kathi Kobus
ſelber geworden. Sie hat als wohlwollende
Herbergs=
mutter manchem jungen hungernden Talent durchgeholfen
und ſich bei dieſer Gelegenheit eine ſchöne Bildergalerie
zugelegt, worauf ſie ebenſo ſtolz iſt, wie auf ihren hohen
fürſtlichen Beſuch.
* Der „Vortänzer der Republik” Als vor einigen
Monaten der „Vortränzer der Republik” Herr André de
Fouquiéres, der als unbeſtrittener Schiedsrichter in
allen geſellſchaftlichen Fragen und Formen anerkannt
wird, nach Indien berufen wurde, um in das
Hochzeits=
feſt des Sohnes vom Maharadſcha von Kapurthala etwas
franzöſiſche Grazie zu bringen, freuten ſich ſeine
zurück=
bleibenden Freunde ſchon auf den Augenblick, wo er
wiederkommen und ihnen die mitgebrachten Geſchenke
zeigen würde. Dieſe Geſchenke beſtehen nun — in vier
neuen Kontillontouren, die der Pariſer Gentleman nach
ſeiner Heimkehr in den Salons eingeführt hat. Da iſt
zuerſt „die Turban= oder Schärpenrunde” die
in Indien einen ſehr großen Erfolg gehabt haben ſoll
und der man dort den für den Erfinder ſchmeichelhaften
Beinamen „Fouquiéres=Tour” gab. Eine Anzahl von
Herxen faſſen ſich bei den Händen und bilden einen
Nummer 22.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. Januar 1912.
Seite 5.
eine gewaltige Feuersbrunſt zerſtört worden.
Nicht nur ein Teil des großen Briefmarkenlagers, ſondern
auch die Maſchinen und ſonſtiges Inventar ſind verbrannt.
Es wird geraume Zeit dauern, bevor der Betrieb wieder
aufgenommen werden kann.
Parlamentariſches.
*X* Darmſtadt, 25. Jan. Der heutigen Sitzung
des Finanzausſchuſſes der Zweiten
Kam=
mer wohnten als Regierungsvertreter die Herren
Staatsminiſter Ewald, Finanzminiſter Braun,
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach und
die Geh. Räte Wilbrand Weber u. a. bei. Es
fand zunächſt eine längere Beſprechung über Kap. 7a,
Braunkohlen=Bergwerk „
Ludwigshoff=
nung” ſtatt. Seitens der Regierung wurden über den
Stand des Bergwerks und über die im Werden
begriffe=
nen neuen Anlagen ausführliche Mitteilungen gemacht,
die jedoch vertraulicher Natur waren. Beim Kap. 8,
Saline, Badeanſtalt und Tiefbauamt Bad=Nauheim
und Badeanſtalt Bad=Salzhauſen, wurde von
Ausſchuß=
mitgliedern angeregt, anſtatt des Betrages von 100000
Mark, der ſeit einer Reihe von Jahren aus den
Ueber=
ſchüſſen von Bad=Nauheim in die Staatskaſſe übergeführt
wird — während der recht beträchtliche Reſt des
Ueber=
ſchuſſes in den Bau= und Erneuerungsfonds des Bades
fließt — einen Betrag von 200000 Mark an die
Staats=
kaſſe zu zahlen. Die Regierung aber ſetzte dieſem
Ver=
langen Widerſpruch entgegen. Vorausſichtlich wird man
im Ausſchuß wenigſtens dabei beharren, zu verlangen,
daß mindeſtens ein Betrag von 150000 Mark zur
Staats=
kaſſe abgeführt wird, wie dies auch ſchon im vorigen Jahr
von mehreren Seiten gewünſcht worden war. Bezüglich
der beim Kapitel Staatseiſenbahnen von
Aus=
ſchußmitgliedern aufgeworfenen Frage, ob ſeitens der
Regierung ſchon Erhebungen über die Unterlagen zum
preußiſch=heſſiſchen Gemeinſchaftsvertrag — wie ſie im
vorigen Jahr durch die einmütige Annahme eines
dies=
bezüglichen Antrags in der Zweiten Kammer gewünſcht
worden waren — von der preußiſchen Regierung
ver=
langt worden ſeien, wurde ſeitens des
Regierungsver=
treters erklärt, es müſſe erſt noch ein Beſchluß der Erſten
Kammer vorliegen, bevor man in dieſer Sache an
Preu=
ßen herantreten könne. Von einem Ausſchußmitglied
wurde dann angeregt, den Abgeordneten freie Fahrt auf
der Eiſenbahn durch das ganze Land zu gewähren, was
auch ſchon früher wiederholt verlangt wurde. Die
Re=
gierung erklärte, daß man in dieſer Frage das Vorgehen
Preußens bezüglich der Freifahrt ſeiner Abgeordneten
ab=
warten müſſe. — Die Fortſetzung der Etatsberatung
erfolgt morgen früh.
*X* Darmſtadt, 25. Jan. Der dritte (
Wahl=
prüfungs=) Ausſchuß beſchäftigte ſich in ſeiner
heu=
tigen Sitzung unter Vorſitz des Abg. Breidenbach
mit den beiden rheinheſſiſchen Wahlproteſten.
Be=
treffs der angefochtenen Wahl des Abg. Wolf=
Stad=
ecken, worüber Abg. Lang referierte, wurde die erſte,
vom Gegenkandidaten Schlamp=Nieder=Saulheim
einge=
reichte Reklamation als vollſtändig unbegründet
verwor=
fen, während bezüglich der ſpäteren Reklamationen einige
Anſtände erhoben wurden, die noch näherer Aufklärung
ſeitens der Regierung bedürfen. Bezüglich der Wahl
des Abg. Schott=Uffhofen in Wöllſtein wurden vom
Ausſchußreferenten noch einige Erhebungen beantragt.
Die Anſtände gegen die Wahl der beiden Abgeordneten
ſind dem Vernehmen nach nicht prinzipieller, ſondern nur
unweſentlicher Natur und dürften einen Beſchluß auf
Be=
antragung der Ungültigkeitserklärung nicht zur Folge
haben.
Zentralverein für Binnenſchiffahrt.
* Gießen, 24. Jan. Der Zentralverein für deutſche
Binnenſchiffahrt hielt geſtern vormittag unter dem Vorſitz
des Geheimrats Prof. Flamm=Charlottenburg hier im
großen Hörſaale der Univerſität eine Sitzung ab, die ſehr
gut beſucht war, und ſich hauptſächlich mit der Frage der
Lahnkanaliſation beſchäftigte. Von Gießen
wa=
ren u. a. anweſend der Rektor der Landes=Univerſität
Prof. Dr. König, Oberbürgermeiſter Mecum, Beig.
Kom=
merzienrat Emmelius, Handelskammerpräſident Geh.
Kommerzienrat Heichelheim, ſowie zahlreiche
Stadtver=
ordnete und Handelskammermitglieder. Das heſſiſche
Miniſterium der Finanzen war durch Geh.
Oberbaurat Imroth, das Miniſterium des Innern durch
Regierungsrat Spamer und die heſſiſche Bergbehörde
durch Bergrat Köbrich vertreten. Von Vertretern der
preußiſchen Behörden waren Regierungsrat von Meiſter,
ſowie Beamte der Waſſerbauverwaltung und der
Berg=
verwaltung erſchienen.
Hauptgegenſtand der Tagesordnung war das neue
Projekt einer Kanaliſierung der Lahn
für 230 Tonnen=Schiffe. Ueber die techniſche Seite des
Projekts referierte Herr Regierungsbaumeiſter a. D.
Ar=
nold=Frankfurt a. M. Im Jahre 1907 wurde ein
amt=
liches Kanaliſierungsprojekt für 300 Tonnen=Schiffe
auf=
geſtellt, deſſen Koſten auf etwa 32 Millionen Mark
veran=
ſchlagt wurden. Da die Wirtſchaftlichkeit dieſes Projektes
nicht nachweisbar erſchien, konnte es nicht zur
Ausfüh=
rung gelangen. Auf Betreiben des Lahnkanalvereins
wurde nun ein Projekt ausgearbeitet, das die beſtehenden
Anlagen beizubehalten bezweckt. Das Projekt iſt
berech=
net auf mit zwei Schrauben ausgerüſtete Motorſchiffe
von 44 Meter Länge, 5.20 Meter größter Breite und
1,50 Meter Tiefe mit einer Ladefähigkeit von 223 Tonnen.
Die Koſten würden ſich auf 15 bis 17 Millionen Mark
belaufen.
Ueber die wirtſchaftliche Seite des Projekts referierte
Dr. Metſchke=Wetzlar. Die jährlichen Koſten des
Kanal=
baues einſchließlich Verzinſung und Tilgung ſeien mit
650000 Mark anzunehmen, ſodaß mit einer Kanalabgabe
von 0,65 Pfg. pro Tonnen=Kilometer, immer unter der
Vorausſetzung der vollſtändigen Deckung der Koſten und
der Amortiſation, zu rechnen ſei. Von der Ausführung
des Projektes ſei eine erhebliche Verbeſſerung der Lage
des Bergbaues zu erwarten; nach dem Gutachten der
Kgl. Geologiſchen Landesanſtalt ſeien noch auf viele
Jahrzehnte hinaus reiche Erzbeſtände vorhanden. Für
den Fall der Ausführung der Moſelkanaliſation müſſe im
Intereſſe der Eiſen=Induſtrie die Lahnkanaliſation
unbe=
dingt verlangt werden. Auch für die Baſalt=Induſtrie,
die unter der Konkurrenz Schwedens empfindlich zu
lei=
den habe ſei die Kanaliſation von großer Bedeutung.
Es referierte ſodann Dr. Trumpler=Frankfurt a. M.
über die Koſtheimer Schleuſe und die Intereſſen der
Mainſchiffahrt. Infolge einer außergewöhnlichen
Abſen=
kung des Waſſerſpiegels an der Mainmündung ſei die
Tiefe in der Koſtheimer Schleuſe derart zurückgegangen,
daß ſie um etwa 35 Zentimeter hinter der Tiefe in der
offenen Rheinſtrecke zurückbleibt. Die vom Rhein
kom=
menden Schiffe müſſen daher an der Mainmündung
leich=
tern. Es entſtehen erhebliche Koſten für Umladen,
Ei=
ſenbahnfracht und eine Verlängerung der Reiſedauer um
3 bis 4 Tage. Im vergangenen Jahre haben ſich die
Verhältniſſe als geradezu unheilvoll für die
Mainſchiff=
fahrt erwieſen, die Induſtrie ſei um mindeſtens 150000
Mark, der Frankfurter Handel um 600000 Mark geſchädigt
worden. Der Bau einer neuen Schleuſe in Koſtheim ſei
unter dieſen Verhältniſſen eine unbedingte Notwendigkeit.
Einſtimmig wurde der Antrag des Referenten
ange=
nommen, bei der preußiſchen Regierung dringende
Vor=
ſtellungen dahin zu erheben, daß die unhaltbaren
Ver=
hältniſſe in der Koſtheimer Schleuſe ſo raſch als möglich
beſeitigt werden. Zum Schluß ſprach Stadtrat Sahm=
Magdeburg über den preußiſchen Waſſergeſetzentwurf
un=
ter beſonderer Berückſichtigung der Schiffahrtsintereſſen.
An die Tagung ſchloß ſich ein gemeinſames Eſſen im
Geſellſchaftshaus, während am Abend die Vorſtellung im
Stadttheater beſucht wurde.
Sport.
* Militäriſches Schneeſchuh=Kommando.
Ein Schneeſchuh=Kommando, beſtehend aus einem
Offizier, einem Vizefeldwebel und 13 Einjährig=
Frei=
willigen, iſt vom Infanterie=Regiment Nr 113 auf den
Feld=
berg entſendet worden. Der Lehrgang dauert ſieben Tage.
Die Ausbildung erſtreckt ſich insbeſondere auf Militär=
Pa=
trouillenläufe. Die Unterbringung des Kommandos erfolgt
im Feldbergerhof und in der Jägermatte.
sr. Monako=Sternfahrt. Die Teilnehmer an der
Internationalen Automobil=Sternfahrt nach Monako ſind
jetzt bis auf wenige aus ihren Standorten abgelaſſen
wor=
den. Als vorletzte Gruppe ſtarteten am Dienstag früh in
Genf 8 Wagen. Inzwiſchen hat ſich auch die Zahl der am
Ziel in Monako eingetroffenen Wagen erheblich vermehrt,
denn außer dem ruſſiſchen, und den bisher angekommenen
ſieben deutſchen Wagen ſind nun auch weitere
Fahr=
zeuge aus Le Havre, Paris, Brüſſel und Wien angelangt.
Der erſte der in Le Havre am 21. Januar geſtarteten
Teil=
nehmer, die eine Strecke von 1230 Kilometer zurückzulegen
haben, war Marquis Lavallatte, der am Montag abend
11 Uhr 7 Min. geſtartet war. Ihm folgte als zweiter Wagen
aus Le Havre 9 Uhr 14 Min. eine große Reiſe=Limuſine
von Monſ. Meunier, der zur allgemeinen Ueberraſchung
mit nicht weniger als 8 Herren im Zylinder die Fahrt
durch=
geführt hatte. Von den in Paris geſtarteten Wagen
erziel=
te ein 40 PS. Gaubron=Wagen des Herrn Denoncin mit
40,9 Stundenkilometern die bisher beſte
Stundendurch=
ſchnittsgeſchwindigkeit. Er traf am Dienstag früh 8 Uhr
41 Min. ein, nachdem er am 22. Januar früh zu der 1020
Kilometer langen Strecke bereits Monako mit den übrigen
Pariſer Wagen zuſammen verlaſſen hatte. Der zweite
Pa=
riſer Wagen erreichte das Ziel erſt um 12 Uhr 20 Min.
mit=
tags. Die gleichfalls am 21. Januar in Brüſſel geſtartete
Gruppe, die 1340 Kilometer zurückzulegen hatte, geriet auf
der Strecke weit auseinander. Als erſter Wagen traf ein
40 PS. Metallurgique am Dienstag mittag ein. Eine ſehr
ſchwierige Strecke hatten die in Wien geſtarteten
öſterreich=
iſchen Teilnehmer zu bewältigen. Bei der Brenner=
Ueber=
querung mußten ſie meiſt auf ſchneebedeckten oder vereiſten
Straßen fahren, während ſie in Italien Regenwetter und
total durchweichte Straßen antrafen. Trotzdem wurden die
1320 Kilometer von Wien nach Monako von einigen Fahrern
in ſehr kurzer Zeit zurückgelegt. Als Erſter traf von den am
Sonntag geſtarteten Wagen am Dienstag vormittag bald
nach 10½ Uhr General=Konſul Fraenkel am Ziel ein.
Die beiden noch ausſtehenden deutſchen Wagen der Herren
Talbot und Dehn wurden am Dienstag nachmittag reſp.
abend in Lyon gezeitet. Im ganzen erreichten bis Dienstag
abend 35 Fahrzeuge das Ziel und zwar aus Petersburg 1,
aus Berlin 7, aus Le Havre 6, aus Brüſſel 3, aus Wien 5,
aus Amſterdam 1, und aus Paris 12 Wagen. Die Chancen
der deutſchen Teilnehmer, die gleich den öſterreichiſchen eine
recht ſchwierige Strecke zu bewältigen hatten, ſind nach wie
vor günſtig, beſonders dürften die an der Fahrt beteiligten
eleganten geſchloſſenen Reiſewagen der deutſchen Teilnehmer
Ausſicht auf erſte Preiſe haben.
Kreis, der eine Dame einſchließt. Dieſe Dame hält einen
Turban in der Hand, den ſie dem Auserwählten aufs
Haupt ſetzt; wird die Runde aus Damen gebildet, ſo
wirft der in der Mitte befindliche Herr der
Auserkore=
nen ſeines Herzens eine Schärpe um die weißen
Schul=
tern. Die zweite Tour iſt die „Blumentour‟ Dem
Kotillonführer und ſeiner Partnerin werden elegante
Körbe umgelegt, die von bunten Seidenbändern
gehal=
ten werden; in ihnen liegen die „boutonniéres” das
heißt die Blumen fürs Knopfloch der Herren und die
Sträußchen für die Damen. Das Paar zieht nun vor den
jungen Tänzerinnen und Tänzern vorüber und verteilt
an jene die einzelnen Blumen und an dieſe die Buketts.
Die, deren Blumen zuſammenpaſſen, tanzen miteinander.
Die „Damenmühle” iſt eine Kotillontour, deren
Er=
klärung man ſchon in ihrem Namen findet. Vier Damen
halten ſich bei der linken Hand und bilden ſo eine ſich
nach links herumdrehende Mühle, während acht Herren
von außen um ſie herumtanzen. Auf ein gegebenes
Zei=
chen wählt die Tänzerin ihren Partner, während die vier
„ſitzengebliebenen” Ritter traurig auf ihre Plätze
zurück=
kehren müſſen. Dieſe Kotillontour kann natürlich mit
einer entſprechend größeren Anzahl von Perſonen
aus=
geführt werden, wie acht Damen und ſechzehn Herren uſw.
Die Wahl wird jedoch dann zur längeren, aber auch
amü=
ſanteren Qual. Die vierte und letzte Kotillonfigur, die
„Quadrille dhonneur” will Herr André de
Fou=
quiéres deshalb eingeführt wiſſen, weil ſie die alte, längſt
vergeſſene Mode wieder aufleben ließe, den Kotillon mit
einer franzöſchen Quadrille zu eröffnen, durch deren
un=
tadeligen, vornehmen Stil auch die tiefe Verbeugung
wieder zu Ehren käme, die in der franzöſiſchen Republik
ganz der Vergeſſenheit anheimgefallen iſt.
* „Ein See, der nicht zufriert” Unter dieſem
Stich=
wort geht folgende Notiz durch die Blätter: „Ein See,
der nicht zufriert, iſt der Tollenſe=See in
Mecklen=
burg=Strelitz. Dieſes elf Kilometer lange und zwei
Kilo=
meter breite Gewäſſer iſt ſchon ſeit undenklichen Zeiten,
auch wenn ſtrenge Kälte herrſchte, nicht mehr gefroren,
trotzdem ſein Waſſer eiskalt iſt. Die Urſache dieſer
Er=
ſcheinung iſt noch nicht ermittelt worden. Auch in dieſem
Winter iſt der See vollſtändig eisfrei, obgleich in der
Um=
gegend alle Gewäſſer eine Eisdecke tragen. Der See
bildet bei Froſt die Zufluchtsſtätte vieler Tauſende von
Waſſervögeln, denen anderwärts durch das Eis die
Nahr=
ungsquelle verſtopft iſt.” — Dieſe ganz hübſch klingende
Geſchichte iſt falſch und beruht offenbar auf einem
Miß=
verſtändnis. Schreiber dieſes iſt in ſeiner Jugendzeit
unzählige Male auf dem Tollenſe=See, der bei
Neubran=
denburg liegt, Schlittſchuh gefahren, oft ſogar von einem
Ufer des Sees zum anderen. Richtig iſt allein, daß
dieſer See niemals, auch bei der ſtrengſten Kälte
nicht, vor Weihnachten zufriert, nach Weihnachten
dagegen ſchon bei geringerer Kälte. An dieſe allerdings
auffällige und nicht genügend aufgeklärte Tatſache haben
ſich allerlei Sagen geknüpft, u. a. die, daß einmal am
hei=
ligen Weihnachtsfeſte während des Gottesdienſtes Holz
über den zugefrorenen See gefahren worden ſei, wobei
alle Leute ertrunken ſeien. Zur Strafe durfte deshalb
der See vor Weihnachten nie wieder zufrieren. Die
Tatſache ſelbſt iſt übrigens bei den Anwohnern des Sees
durch die Ueberlieferung ſo bekannt, daß ſich vor
Weih=
nachten niemand auf das Eis wagt, wenn es
ausnahms=
weiſe einmal auf kurze Strecken erſcheint.
* Der überängſtliche Antiquitätenhändler. Die
fol=
gende Geſchichte erzählt der Brüſſeler Soir: Kürzlich
betraten drei deutſche Herren den Laden eines ſehr
be=
kannten Brüſſeler Antiquitätenhändlers und machten
bedeutende Einkäufe an alten Waffen, Miniaturgemälden
und Schmuck, die ſie mit der Rechnung an einen Herrn
Beitel, Place Sablon Nr. 8, zu ſenden baten. Dem
Anti=
quitätenhändler, der nie in Brüſſel von einem Herrn
Beitel gehört hatte, kam die Sache verdächtig vor; er
ſchärfte ſeinem Boten größte Vorſicht ein, die wertvollen
Sachen nicht ohne Zahlung abzuliefern. Seine Beſorgnis
war grundlos, denn Herr Beitel war Kammerdiener im
Palais des Herzogs von Arenberg, und der Käufer Prinz
Adalbert von Preußen, der bekanntlich beim Herzog für
einige Tage zu Gaſt war.
Ausſtellung von Medieidrucken.
Die Reproduktionstechnik hat in unſerer Zeit einen
ungeahnten Aufſchwung genommen, und unſere
Kunſt=
druckereien leiſten — im Grunde genommen wird das
noch viel zu wenig anerkannt — vielfach ganz
Vorzüg=
liches. Dem erſtrebenswerteſten und höchſten Ziele, in
der farbigen Reproduktion das Original ganz oder doch
möglichſt genau zu treffen, war man bis heute noch
im=
mer fern, abgeſehen von Einzelleiſtungen, die bis zum
gewiſſen Grade als Zufallserfolge anzuſprechen ſind.
Einen ſehr erheblichen Schritt brachte die Erfindung der
Farbenphotographie, die Möglichkeit, mit Hilfe der
pho=
tographiſchen farbenempfindlichen Platte, Licht und
Far=
ben zu zerlegen, uns dem Ziele näher, und es war
vor=
auszuſehen, daß, da man einmal den Weg gefunden,
nun auch das Ziel nicht mehr unerreichbar iſt; und heute
ſind wir tatſächlich in der Lage, auf photomechaniſchem
Wege die Werke der alten Meiſter nicht nur genz
original=
treu zu reproduzieren, ſondern tatſächlich Werke zu
ſchaf=
fen, die auch die wunderbare Leuchtkraft der Farben,
überhaupt das ganze meiſterhafte Kolorit wiedergeben,
ſo daß man hier tatſächlich von einem Erſatz des
Ori=
zinals ſprechen darf. Es ſind dies die Medicidrucke,
von denen zur Zeit in einer Ausſtellung in den
Geſchäfts=
räumen der Firma Müller u. Rühle eine Anzahl gerahmt
zu ſehen iſt.
Die unter der geſetzlich geſchützten Bezeichnung
Me=
dieidrucke (Mediei prints) von der Medici Society Ltd.,
London, ſeit dem Jahre 1906 herausgegebenen farbigen
Reproduktionen von Gemälden alter Meiſter ſind
origi=
nalgetreue, photomechaniſche Wiedergaben von höchſter
techniſcher Vollendung und in jeder Beziehung weit voll=
kommener, als die heute zum Teil mit hohen
Liebhaber=
preiſen bezahlten Blätter der Arundel Society. Nicht
nur die Farben, auch die Patina der Zeit, ja ſelbſt Riſſe
und Beſchädigungen einzelner Bilder ſind getreu
wieder=
gegeben. Sie ſind frei von jedem Raſter oder Korn, auf
reines geſchöpftes Hadernpapier (ohne Glanz,
Kreide=
überzug oder andere künſtliche Präparation), mit
licht=
echten Farben gedruckt und bieten dadurch die größte
Ge=
währ der Haltbarkeit.
Das Verfahren iſt etwa folgendes: Direkt nach dem
Originalgemälde werden mittels ſinnreich konſtruierter
Apparate 5 bis 8 photographiſche Platten hergeſtellt, die
in der Größe genau übereinſtimmen, in der
Wieder=
gabe der Farbwerte jedoch untereinander verſchieden ſind.
Der Zuſammendruck ergibt das farbige Bild. Zur
Orientierung bei den erſten Andrucken wird eine Kopie
des Originals benutzt; die Probedrucke werden dann vor
dem Original korrigiert und zwar ſo oft, bis eine
genaue Uebereinſtimmung der Farbwerte erzielt iſt,
worauf der endgültige Druck erfolgt. Zur ſtändigen
Kontrolle der graphiſchen Leiſtung hat ſich die Geſellſchaft
die Mitarbeit namhafter Kunſthiſtoriker geſichert. — Die
Auswahl der zu reproduzierenden Gemälde wird von der
Geſellſchaft nach künſtleriſch=äſthetiſchen Geſichtspunkten
getroffen. Neben Bildern, die durch ihren Wert und ihre
Schönheit berühmt ſind, werden ſeltene und kunſthiſtoriſch
bedeutende Fresken und Gemälde aufgenommen oder
ſolche, die der Gefahr der Zerſtörung ausgeſetzt ſind. So
wurden zum Beiſpiel die Aufnahmen für Lionardo da
Vincis „Abendmahl” vor der letzten „Reſtaurierung” im
Jahre 1908 gemacht.
So erfüllen dieſe Werke modernſter und
vollkommen=
ſter Drucktechnik eine zwiefache Aufgabe. Einmal erhalten
ſie uns originaltreue Nachbildungen von Meiſterwerken,
die dem Untergange geweiht ſind, und zum anderen
bie=
ten ſie jedem, der nicht in der glücklichen Lage iſt, ſich
Originale zu leiſten, vollgültigen Erſatz dafür. Wie weit
und wie vollkommen die neue Technik iſt, zeigt ein
Ver=
gleich mit den bisher als beſte Leiſtungen bekannten Fars
bendrucken und Uebermalungen von
Schwarzdruckkon=
turen. Die Medicidrucke zeigen klar faſt in jedem Bilde
die verſchiedenen Techniken der Gemälde. Wie die Riſſe
und Sprünge im Firnis, die als Zeugen des Alters die
Farbenwerke durchziehen, ſo tritt auch die ganze Struktur
der Technik deutlich hervor und zeigt in den meiſten
Bil=
dern, vor allem in denen der großen Niederländer und
auch einzelner Engländer, wie ausgleichende Laſuren
dem Farbengefüge den letzten verbindenden Ton und
da=
mit jene Feinheit des Geſamtkolorits geben, die wir
heute ſo ſehr bewundern.
Noch eins zeigt die Ausſtellung der Medicidrucke,
und davon wird jeder Beſucher profitieren, das iſt das
überragende Können der alten Meiſter, die eine Kunſt
verkörpern, die ewig ſein wird und die ſich himmelweit
unterſcheidet vom größten Teil der Modernen.
M. St.
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. Januar 1912.
Nummer 22.
Reichstags=Stichwahlen.
Königreich Preußen.
Provinz Weſtpreußen.
18. Danzig 1. Marienburg=Elbing. (bisher: v.
Olden=
burg Konſ.) Rittergutsbeſ. v. Oldenburg Konſ. 10660,
Stadtforſtrat Schroeder Rpt. 8189, Parteiſekr. Artur
Criſpien (Soz.) 8133, zerſplittert 15.— Stichwahl: v.
Olden=
burg (Konſ.), Schroeder (Rpt.). — Gewählt Schröder
(Rpt.).
27. Marienwerder 5. Schwetz. (bisher: .v Saß=
Jaworski Pole.) Privatier v. Saß=Jaworski Pole 8487,
Landrat v. Halem Rpt. 8307, Auguſt Grygo Soz. 161,
zerſplittert 21. — Stichwahl: v. Saß=Jaworski (Pole),
v. Halem (Rpt.). — Gewählt v. Halem (Rp.).
Provinz Brandenburg.
43. Potsdam 7. Potsdam=Oſthavelland. (bisher:
Pauli Konſ.) Rechtsanw. Karl Liebknecht Soz. 21505,
Oberbürgermeiſter Vosberg Rpt. 12038, Juſtizrat Kennes
Fortſchr. Vpt. 11063, Reichsgraf v. Oppersdorff Ztr. 712,
Chociszewski Pole 54, zerſpittert 7. — Stichwahl:
Lieb=
knecht (Soz.) und Vosberg (Rpt.). — Gewählt
Liebknecht (Soz.).
48. Frankfurt a. O. 2. Landsberg=Soldin. (
bis=
her Holtſchke Konſ.) Amtsger.=Rat Holtſchke Konſ. 12483,
Buchhdlr. Wilh. Pätzel Soz. 9037, Bürgermeiſter Lehmann
Natl. 5925, zerſplittert 3. — Stichwahl: Holtſchke (Konſ.)
und Pätzel (Soz.). — Gewählt Holtſchke (Konſ.).
50. Frankfurt a. O. 4. Frankfurt a. O.=Lebus.
(bisher: Faber Soz.) Stadtv. Arzt Dr. Hermann Weyl
Soz. 14906, Rechtsanw. Dr. Bollert Natl. 9428, Arb.=
Sekr. Dunkel Konſ. 7695, zerſplittert 32. — Stichwahl:
Weyl (Soz.) und Bollert (Natl.). — Gewählt
Bollert (Natl.)
52. Frankfurt a. O. 6. Züllichau=Croſſen. (bisher:
Schlüter Rpt.) Handwerkskammer=Sekr. Dr. Wiembeck
Rpt. 9215, Lehrer Emil Bruckhoff Fortſchr. Vpt. 5783,
Redakt.=Sekr. Oswald Grauer Soz. 5311, zerſplittert 18.
— Stichwahl: Wienbeck (Rpt.) und Bruckhoff (
Fort=
ſchr. Vpt.). — Gewählt Bruckhoff (F. Vpt.)
53. Frankfurt a. O. 7. Gaben=Lübben. (bisher:
Prinz zu Schönaich=Carolath Natl.) Heinrich Prinz zu
Schönaich=Carolath Natl. 9904, Gauleiter Textilarb.
Franz Kotzke Soz. 7547, Bauerngutsbeſ. Schneider Konſ.
5438, zerſplittert 2. — Stichwahl: Schönaich=Carolath
(Natl.) und Kotzke (Soz.). — Gewählt Schönaich=
Carolath (Natl.)
54. Frankfurt a. O. 8. Sorau=Forſt. (bisher: Bahn
Natl.) Kommerz.=Rat Rudolf Bahn Natl. 12705,
Ver=
bandsvorſ. Oswald Schumann Soz. 12656, v. Oppersdorf
Ztr. 127, zerſplittert 5. — Stichwahl: Bahn (Natl.) und
Schumann (Soz.). — Gewählt Schumann (Soz.)
56. Frankfurt a. O. 10. Calau=Luckau. (bisher:
Henning Konſ.) Parteiſekr. Otto Wels Soz. 11767,
Rentner Adolf Henning Konſ. 10689, Kommerz.=Rat
Max Koswig Natl. 9854, Chociszewski Pole 722, zerſpl. 7.
— Stichwahl: Wels (Soz.) und Henning (konſ.). —
Gewählt Wels (Soz.).
Provinz Poſen.
79. Poſen 9. Krotoſchin. (bisher: v. Trzeinski
Pole.) Arzt Dr. v. Chlapowski Pole 5141, Juſtizrat
Hampel Konſ. 3573, Rittergutsbeſ. v. Lipski Pole Konſ.
3380, Brauer Auerbach Soz. 109, zerſplittert 4. —
Stich=
wahl: v. Chlapowski (Pole) und Hampel (Konſ.). —
Gewählt v. Chlapowski (Pole).
Provinz Schleſien.
94. Breslau 9. Striegau=Schweidnitz. (bisher: Frhr.
v. Richthofen Konſ.) Redakt. Feldmann Soz. 9791, Geh.
Oberreg.=Rat a. D. Frhr. v. Richthofen=Damsdorf Konſ.
8487, Zeichenlehrer Theißig Fortſchr. Vpt. 7172,
Schneider=
mſtr. Maier Konſ. 925. — Stichwahl: Feldmann (Soz.)
und v. Richthofen (Konſ.). — Gewählt Feldmann
(Soz.)
100. Oppeln 2. Oppeln. (bisher: Brandys Pole.)
Propſt Brandys Pole 9258, Pfarrer Sonneck Ztr. 8715,
Redakt. Mieczkowski Soz. 2285, Rechtsanw. Baſſermann
Natl. 1635, zerſplittert 30. — Stichwahl: Brandys (Pole)
und Sonneck (Ztr.). — Gewählt Brandys (Pole).
111. Liegnitz 1. Grünberg=Freyſtadt. (bisher:
Beuchelt Konſ.) Schriftſt. Davidſohn Soz. 8534, Geh.
Kommerz.=Rat Beuchelt Konſ. 6380, Juſtizrat Pohl
Fortſchr Vpt. 5406, Pfarrer Thomas Ztr. 1272,
Preß=
agent Hoeft Bbd. 650, zerſplittert 12. — Stichwahl
Davidſohn (Soz.) und Beuchelt (konſ.). — Gewählt
Davidſohn (Soz).
113. Liegnitz 3. Glogau. (bisher: Hoffmeiſter
Fortſchr. Vpt.) Reg.=Aſſeſſor a. D. v. Jordan Konſ. 6367,
Geh.=Rat Prof. Dr. v. Liſzt Fortſchr. Vpt. 4671, Gew.=
Beamt. Zimmer Soz. 2798, zerſplittert 1. — Stichwahl:
v. Jordan (konſ.) und v. Liſt (Fortſchr. Vpt.). —
Gewählt v. Liszt (F. Vpt.)
114. Liegnitz 4. Lüben=Bunzlau. (bisher:
Door=
mann Fortſchr. Vpt.) Prof. Dr. Doormann Fortſchr.
Vpt. 6641, Rittergutsbeſ. Aus dem Winckel Konſ. 6158,
Bierverleger Schebs Soz. 5661. — Stichwahl Doormann
(Fortſchr. Vpt.) und Aus dem Winckel (konſ.) —
Gewählt Doormann (Fortſchr. Vp.)
116. Liegnitz 6. Liegnitz=Goldberg=Haynau. (bisher:
Fiſchbeck Fortſchr. Vot.) Gew.=Sekr. Dietrich Soz. 10678,
Stadtrat Fiſchbeck Fortſchr. Vpt. 10479,
Schornſteinfeger=
mſtr. Conradt Konſ. 7767, zerſplittert 3. — Stichwahl:
Dietrich (Soz.) und Fiſchbeck (Fortſchr. Vpt.). —
Gewählt Fiſchbeck (Fortſchr. Vp.).
118. Liegnitz 8. Schönau=Hirſchberg. (bisher: Dr.
Ablaß Fortſchr. Vpt.) Rechtsanw. Dr. Ablaß Fortſchr.
Vpt. 9501, Redakt. Schiller Soz. 8185, Gutsbeſ. Rahm
Konſ. 2766, Stadtpfarrer Seydel Ztr. 959, zerſplittert 19
— Stichwahl: Dr. Ablaß (Fortſchr. Vpt.) und Schiller
(Soz.). — Gewählt Dr. Ablaß (F. Vpt.)
Provinz Hachſen.
121. Magdeburg 1. Salzwedel=Gardelegen. (
bis=
her: v. Kröcher Konſ.) Wirkl. Geh. Rat v. Kröcher Konſ.
12073, Syndikus Dr. *Böhme b. k. F. 10271, Gew.=Beamt.
Koch Soz. 2407, zerſplittert 21. — Stichwahl: v. Kröcher
(Konſ.) und Dr. Böhme (b. k. F.). — Gewählt
Dr. Böhme (b. k. F.)
129. Merſeburg 1. Liebenwerda=Torgau. (bisher:
Wilde Natl.) Fabrikbeſ. Frhr. v. Strombeck Rpt. 5 97,
Gymn.=Prof. Dr. Ortmann Natl. 5569, Tierarzt Meßler
Wirtſch. Vag. 3303, Gaſtwirt Menzel Soz. 8941, zerſpl. 7.
— Stichwahl: Menzel (Soz.) und Ortmann (Natl.).
— Gewählt Ortmann (Ntl.)
130. Merſeburg 2. Schweinitz=Wittenberg. (bisher
Dove Fortſchr. Vpt.) Rittergutsbeſ. Major a. D. Lettré
Konſ. 9206, Geh. Juſtizrat Dove Fortſchr. Vpt. 6268,
Gew.=Sekr. Hildebrandt Soz. 5791, zerſplittert 2. — Stich=
wahl: Lettré= (Konſ.) und Dove (Fortſchr. Vpt.).
Gewählt Dove (F. Vpt.)
134. Merſeburg 6. Sangerhauſen=Eckartsberger.
(bisher Scherre Rpt.) Landwirt Wamhoff Natl. 8187,
Geſchäftsführer Wicklein Soz. 7991, Rittergutsbeſ. Dr.
Eckert Konſ. 6483, zerſplittert 5. — Stichwahl: Wamhoff
(Natl.) und Wicklein (Soz.). Gewählt Wamhoff (Ntl).
135. Merſeburg 7. Querfurt=Merſeburg. (bisher:
Winckler Konſ.) Kaſſenbeamter Pollender Soz. 11128,
Gutsbeſ. Koch Fortſchr. Vpt. 10776, Gutsbeſ. Niele Konſ.
8653, zerſplittert 6. — Stichwahl: Pollender (Soz.) und
Koch (Fortſchr. Vpt.). Gewählt Koch (Fortſchr. Vp.)
137. Erfurt 1. Nordhauſen. (bisher: Wiemer
Fort=
ſchr. Vpt.) Rechtsanw. Dr. Cohn Soz. 7462, Stadtrat Dr.
Wiemer Fortſchr. Vpt. 5208, Lehrer Holtz Wirtſch. Vgg.
3811, zerſplittert 3. — Stichwahl: Dr. Cohn (Soz.) und
Dr. Wiemer (Fortſchr. Vpt.). — Gewählt Dr. Cohn
(Soz.)
Provinz Hannover.
154. Hannover 4. Osnabrück. (bisher: Bitter Ztr.)
Rechtsanw. Beran Ztr. 14416, Generaldirekt. Stöve Natl.
12772, Arb.=Sekr. Vesper Soz. 8017, Graf v. Hoensbroech
Fortſchr. Vpt. 1304, Hofbeſ. Niehaus Konſ. 933, Frhr.
v. Scheele Welfe 771, zerſplittert 6. — Stichwahl: Beran
(Ztr.) und Stöve (Natl.). — Gewählt Stöve (Natl.).
Provinz Weſtfalen.
181. Arnsberg 3. Altena=Iſerlohn. (bisher: Müller
Fortſchr. Vpt.) Redakt. Spiegel Soz. 17703,
Oberlandes=
ger.=Rat Müller Fortſchr. Vpt. 13480, Oberlandesgerichts=
Sekr. Brünemann Wirtſch. Vgg. 10963, Rentier Witt
Demokr. Vgg. 1772, zerſplittert 39. — Stichwahl: Spiegel
(Soz.) und Müller (Fortſchr. Vpt.). — Gewählt
Spiegel (Soz.)
183. Arnsberg 5. Bochum=Gelſenkirchen=Hattingen.
(bisher: Hue Soz.) Gew.=Beamter Hue Soz. 53333,
Bergmann Heckmann Nat. 43257, Prof. Dr. Weskamp
Ztr. 37650, Schriftſt. Chociszewski Pole 10630, zerſpl. 16.
Stichwahl: Hue (Soz.) und Heckmann (Natl.). —
Gewählt Heckmann (Natl.)
184. Arnsberg 6. Dortmund. (bisher: Bömelburg
Soz.) Schriftſt. Dr. Erdmann Soz. 48838, Kaufmann
Bickhoff Ztr. 25708, Reg.=Rat Prof. Dr. Leidig Nat. 25285,
Chociszewski Pole 6878, Prof. Dr. Eickhoff Wirtſch. Vgg.
1570, Gew.=Sekr. Braun Demokr. Vgg. 717, zerſplittert 20.
— Stichwahl: Erdmann (Soz.) und Bickhoff (Ztr.).—
Gewählt Erdmann (Soz.).
Rheinprovinz.
207. Düſſeldorf 1. Lennep=Remſcheid=Mettmann.
(bisher: Eickhoff Fortſchr. Vpt.) Redakt. Dittmann Soz.
28120, Prof. Eickhoff Fortſchr. Vpt. 15992, Paſtor Dr.
Stuhrmann. Wirtſch. Vgg. 14788, Chociszewski Pole 155,
zerſplittert 20. — Stichwahl: Dittmann (Soz.) und
Eickhoff (Fortſchr. Vpt.). Gewählt Dittmann (Soz.)
mit 300 Stimmen=Mehrheir.
208. Elberfeld=Barmen. Ebert Soz. 33644, Linz
Hoſp. d. Rpt. 16763, Dr. Hintzmann Natl. 11543, Kau
Ztr. 6046, zerſplittert 4. — Stichwahl: Ebert (Soz.)
35793 und Linz (Hoſp. d. Rpt.) 33349. — Gewählt
Ebert (Soz.)
210. Düſſeldorf 4. Düſſeldorf. (bisher:
Haber=
land Soz.) Parteiſekr. Haberland Soz. 36759, Dr. Schmitz
Ztr. 31544, Juſtizrat Kehren Natl. 11478, Pfarrer Tetzlaff
Wirtſch. Vgg. 2332, Schriftſt. Dr. Breitſcheid Demokr. Vgg.
1978, Schriftſt. Chociszewski Pole 507, zerſplittert 9. —
Stichwahl: Haberland (Soz.) 42643 n. Dr. Schmitz
(Ztr.) 42277. — Gewählt Haberland (Soz.)
211. Düſſeldorf 5. Eſſen. (bisher: Giesberts Ztr.)
Arb.=Sekt. Giesberts Ztr. 42832, Gewehr Soz. 40503,
Gymn.=Direkt. Dr. Steinecke Natl. 25937, Chociszewski
Pole 3744, Pfarrer Keudel Wirtſch. Vgg. 578, zerſpl. 16. —
Stichwahl: Giesberts (Ztr.) 57304 und Gewehr.
(Soz.) 52 500. Gewählt Giesberts (Ztr.)
212. Düſſeldorf 6. Mülheim a. d. Ruhr=
Duis=
burg=Oberhauſen. (bisher: Hengsbach Soz.)
Privat=
beamt. Hengsbach Soz. 34187, Schriftſt. Dr. Böttger Natl.
33934, Arb.=Sekr. Kloft Ztr. 31559, Schriftſt. Chociszewski
Pole 7270, Verbandsvorſ. Franz Schmidt Fortſchr. Vp.
2231, Dr. v. Heydebrand u. d. Laaſe Konſ. 1546, zerſpl. 6.
Stichwahl: Hengsbach (Soz.) und Dr. Böttger (natl.).
Gewählt Dr. Böttger (Natl.).
213. Düſſeldorf 7. Mörs=Rees. (bisher Fritzen Ztr.)
Rechtsanw. Dr. Bell Ztr. 17283, Staatsanwalt Dr.
Roſen=
feld Natl. 9180, C. Weyers Soz. 5335, Rittergutsbeſ.
Pauli Konſ. 3487, Pfarrer Liz. Hein Chriſtl.=Soz. 1268,
Schriftſt. Dr. Albrecht Fortſchr. Vpt. 1165, Schriftſt.
Chociszewski Pole 320, zerſplittert 13. — Stichwahl:
Dr. Bell (Ztr.) und Dr. Roſenfeld (Natl.). — Gewählt
Dr. Bell (Ztr.)
* Berlin, 25. Jan. Die heutigen 33 Stichwahlen
verteilen ſich auf die Parteien wie folgt. Gewählt
ſind 7 Fortſchrittl. Volkspartei, 7 Nationalliberale,
11 Sozialdemokraten, 2 Zentrum, 2 Reichspartei,
1 Konſervativer, 2 Polen, 1 Bauernbund.
Mit den heutigen letzten Stichwahlen ſind
ins=
geſamt gewählt:
42 Konſervative,
14 Reichspartei,
10 Wirtſchaftliche Vereinigung,
3 Deutſche Reformpartei,
18 Polen,
93 Zentrum,
5 Welfen,
3 Bayeriſcher Bauernbund,
45 Nationalliberale,
2 Bauernbund,
1 Bayeriſcher Liberaler,
41 Fortſchrittliche Volkspartei,
110 Sozialdemokraten,
5 Elſäſſer,
2 Lothringer,
1 Däne,
2 Wilde.
Die Konſervativen gewinnen 6 verlieren 23,
Reichspartei gewinnt 5 verliert 16, Wirtſchaftliche
Vereinigung gewinnt 3 verliert 10, Bayer.
Bauern=
bund gewinnt 3, Zentrum gewinnt 5 verliert 15,
Polen verlieren 2, Nationalliberale gewinnen 26
verlieren 32, Fortſchrittliche Volkspartei gewinnt 14
und verliert 21, Sozialdemokraten gewinnen 69
und verlieren 12, Welfen gewinnen 5 verlieren 1,
Elſäſſer gewinnen 2 und verlieren 2, Lothringer
ver=
lieren 1, Wilde gewinnen 2 und verlieren 5.
Luftfahrt.
* Berlin, 25. Jan. Das Parſeval=Luftſchiff.
PL 11 iſt um 11,10 Uhr in Bitterfeld aufgeſtiegen
und um 1,10 Uhr in Reinickendorf glatt gelandet.
sr. Eine Geſchwindigkeit von über 70
Stundenkilometer im Lenkballon wurde von
Hauptmann Krogh, dem bewährten Führer des Siemens=
Schuckert=Ballons erzielt. Er war am Dienstag zu einer
längeren Fahrt aufgeſtiegen, bei der zum erſtenmal alle
verfügbaren vier Motoren des Lenkballons in Tätigkeit
ge=
ſetzt wurden. Trotz wenig günſtiger
Witterungsverhält=
niſſe wurde eine Eigengeſchwindigkeit des Ballons von
19,82 Meter in der Sekunde feſtgeſtellt, was einer
Stunden=
durchſchnittsgeſchwindigkeit von etwa 71½ Kilometer
ent=
ſpricht. Damit ſind die Probefahrten mit dem neuen
Sie=
mens=Schuckert=Ballon, die gerade ein Jahr in Anſpruch
nahmen, im Weſentlichen zum Abſchluß gelangt. Im ganzen
wurden bisher 45 Fahrten unternommen, bei denen
Zwiſchenfälle nicht zu beklagen waren.
sr. Ein vermißter deutſcher Lenkballon,
der am Sonntag früh in Schmargendorf bei Berlin
ge=
ſtartete „Otto Lilienthal” in nach intereſſanter Fahrt
en der Nähe von Kiew in Südrußland gelandet. Mit dem
Ballon hatten 4 Inſaſſen die Fahrt unternommen, darunter
eine Dame. Sie befinden ſich ſämtlich auf dem Rückwege
nach Deutſchland, dürften jedoch an der Grenze einige
Schwierigkeiten haben, da ſie ſich auf eine Fahrt nach
Ruß=
land nicht vorbereitet hatten und vor allen Dingen nicht mit
den nötigen Päſſen verſehen waren.
Handel und Verkehr.
— Geſchäftsfernſprecher und
Privatan=
ſchluß. In Handelskreiſen wird es als Uebelſtand
empfunden, daß Ferngeſpräche, die auf den in
Geſchäfts=
lokalen befindlichen Sprechſtellen nach Geſchäftsſchluß
eingehen, den Teilnehmer meiſtens nicht erreichen, auch
dann nicht, wenn der Teilnehmer einen zweiten Anſchdiß
in ſeiner Privatwohnung beſitzt, wohin das Ferngeſpräch
geleitet werden könnte. Für viele Geſchäfte iſt dieſe
Frage von beſonderer Bedeutung, ſeitdem die
Gewohn=
heit ſich immer mehr einbürgert, an den Samstagen ſchon
früh nachmittags zu ſchließen. Anträge auf Umleitung
von Ferngeſprächen ſind vom Berliner
Hauptfernſprech=
amt unberückſichtigt geblieben. Es wird dagegen geltend
gemacht, daß die Umleitung ſtets mit Zeitverluſt
verbun=
den ſei und die Ausnutzung der Fernleitungen dadurch
eine Beeinträchtigung erfahre. In Handelskreiſen iſt es
angeregt worden, für derartige Geſpräche eventuell eine
beſondere Gebühr zu erheben. Die Reichspoſt iſt jetzt in
eine Prüfung dieſer Frage, die ja auch für andere
Groß=
ſtädte wichtig iſt, eingetreten.
* Berlin, 25. Jan. Die Deutſch=Aſiatiſche
Bank erhielt von ihren Niederlaſſungen in
Schang=
hai und Peking Telegramme, inhaltlich deren aus
den Kaiſerlichen Seezöllen bei den drei Banken: Deutſch=
Aſiatiſche Bank in Hongkong und Schanghai, Nanking
Corporation und Ruſſiſch=Aſiatiſche Bank, bereits ein
Betrag von 3 300 000 Taels, gleich 8 500000 Mark, mit je
einem Drittel eingezahlt wurden. In Zukunft ſollen
neue Zahlungen aus den Seezöllen wöchentlich an die
ge=
nannten Banken geleiſtet werden. — Hiernach beſtätigt
ſich die geſtern gegebene Vorausſetzung bezüglich des
An=
leihedienſtes der durch Verpfändung der Seezölle
geſicher=
ten Anleihen.
Erdbeben.
* Frankfurt 24. Jan. Die ſeismiſchen
Apparate des Phyſikaliſchen Vereins verzeichneten
heute nachmittag gegen halb 6 Uhr ein Fernbeben.
Der Maximalausſchlag war 26 Millimeter, die
Entfern=
ung mag 1800 bis 2000 Kilometer betragen. Es handelt
ſich vorausſichtlich um ein Erdbeben in Griechenland, in
Kleinaſien uſw. oder in Liſſabon.
* Laibach, 24. Jan. Heute nachmittag 5 Uhr 25
Minuten 37 Sekunden begann die Aufzeichnung elies
ſehr ſtarken Nahbebens. Der Einſatz der zweiten
Vorläufer erfolgte zwei Minuten ſpäter; die
Hauptbe=
wegung um 5 Uhr 29 Min. 23 Sek. Die wirkliche
Boden=
bewegung war hierorts einen halben Millimeter. Die
Dauer der Aufzeichnung betrug eine Stunde, die
Herd=
diſtanz etwa 1000 Kilometer.
Erdbeben in Griechenland.
— Jugenheim (Erdbebenwarte), 25. Jan.
Geſtern nachmittag 5 Uhr 23 Minuten (Mitteleuropäiſche
Zeit) war an der Südweſtküſte von Griechenland ein
ſtär=
keres Erdbeben. Das Epizentrum liegt in dem
zerklüfte=
ten inſelreichen Küſtenſtrich am Joniſchen Meer, nahe der
Inſel Zante. Es iſt zu vermuten, daß ein größerer
Schaden nicht entſtanden iſt. In Jugenheim wurde der
Beginn der Erſchütterung 5 Uhr 26 Min. 41 Sekunden
beobachtet. Von Wien, Agram, Belgrad, Algier liegen
Meldungen vor, die unſere Beobachtungen beſtätigen.
* Heidelberg, 25. Jan. Der Seismograph
der Königſtuhlwarte verzeichnete geſtern ein ſtarkes
Fernbeben, deſſen beide Vorbeben um 5 Uhr 26 Min.
und um 5 Uhr 29 Min. begannen. Die
Maximalſchwing=
ungen fanden um 5.33 Uhr ſtatt. Erſt gegen 6.45 Uhr kam
der Apparat wieder zur Ruhe.
* Zakynthos, 25. Jan. Agence Hävas. Heftige
Erdbeben, die großen Materialſchaden anrichteten,
fanden hier ſtatt. Menſchenleben ſind nicht zu beklagen.
Weniger ſtarke Erdſtöße waren in Leukadja, Eiß und
Kephalonia zu ſpüren.
Der italieniſch=türkiſche Krieg.
Der franzöſiſch=italieniſche
Zwiſchenfall.
* Paris, 25. Jan. Aus Rom wird gemeldet:
Der Miniſter des Aeußeren di San Giuliano und
der Miniſterpräſident Giolitti hätten in ihrer
Unter=
redung mit dem Botſchafter Barrére ihre
Bereitwil=
ligkeit ausgeſprochen, die in Cagliari ausgeſchifften 29
Türken zurückzugeben. Die italieniſche Regierung wünſche,
daß die Regelung des Zwiſchenfalles in einer
ſchrifk=
lichen Note verzeichnet werde, mit deren Abfaſſung der
Botſchafter Barrére betraut werden ſoll. Man bemühe
ſich, eine Formel zu finden, durch die die Würde der
bei=
den Nationen gewahrt werden ſolle. Das Echo de Paris
will wiſſen, die italieniſche Regierung beabſichtige, in
dem auf die Rückgabe bezüglichen Schriftſtücke das
Gut=
achten der italieniſchen Prüfungskommiſſion zu erwähnen.
Das Blatt findet, daß dies ein „wenig elegantes”
Vor=
gehen ſei.
* Rom 24. Jan. Wie amtlich mitgeteilt wird, hat
die Unterſuchung ergeben, daß die in Cagliari gefangen
gehaltenen 29 Türken tatſächlich dem Sanitätskorps
angehören, und daß vier von ihnen Aerzte und die übri=
Nummer 22.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. Januar 1912.
Seite 7.
gen Krankenpfleger ſind. Infolgedeſſen wurden die
Ge=
fangenen auf Anordnung der italieniſchen Regierung
freigelaſſen. Damit dürfte der franzöſiſch=
italie=
niſche Zwiſchenfall ſo gut wie beigelegt ſein.
* Paris, 24. Jan. Die Freilaſſung der
tür=
kiſchen Gefangenen hat hier in offiziellen Kreiſen lebhafte
Genugtuung hervorgerufen. Die Tatſache, daß
be=
reits 24 Stunden nach den entſchiedenen Erklärungen der
Regierung die Forderung Frankreichs erfüllt worden iſt,
hat hier einen vorzüglichen Eindruck gemacht. Man habe
wieder einmal geſehen, daß Frankreich keineswegs eine
Demütigung oder eine Nichtachtung ſeiner
freundſchaft=
lichen Gefühle dulde.
* Paris, 24. Jan. In einer Erörterung des
„Manuba”=Zwiſchenfalles meint der Temps, es ſei
durch=
aus nicht ſchlecht, daß die franzöſiſch=italieniſche
Freund=
ſchaft eine ſolche Probe zu beſtehen habe, aus welcher
ſie unvermindert hervorgehen werde. Es ſei auch nicht
ſchlecht, daß den beiden Völkern und auch dritten der
Be=
weis erbracht wurde, daß die franzöſiſch=italieniſche
So=
lidarität von derartigen Ueberraſchungen, wie ſie
nur allzu leicht der Kriegszuſtand mit ſich bringe, nichts
zu fürchten habe.
* Rom 24. Jan. Die Agencia Stefani bezeichnet
die aus türkiſcher Quelle ſtammenden Blättermeldungen,
nach denen die Italiener am 20. Januar bei Dern a
mit einem Verluſt von 200 Toten geſchlagen worden
ſeien und die Türken einen verwundeten italieniſchen
General gefangen genommen und ſieben Kanonen, ſowie
600 Gewehre erbeutet hätten, als unzutreffend. Sie
erklärt, bei Derna habe kein Kampf in der Zeit ſeit dem
17. Januar ſtattgefunden. An dieſem Tage ſeien die
Tür=
ken mit beträchtlichen Verluſten von über 100 Toten und
unter Zurücklaſſung vieler Waffen und Munition
zurück=
geſchlagen worden, während die Italiener nur drei Tote
und ſieben Verwundete gehabt hätten.
* Tunis, 24. Jan. Der Dampfer „Vera” mit der
deutſchen Expedition des Roten Kreuzes
an Bord iſt heute vormittag in La Goulette angekommen.
Die Teilnehmer der Expedition wurden durch den
deut=
ſchen Generalkonſul in der Reſidenz vorgeſtellt. Die
Expedition fährt nach Benguardan weiter, wo ſie
aus=
geſchifft wird, um den Marſch ins türkiſche Lager
anzu=
treten.
* Tripolis 25. Jan. Geſtern griff eine
arabi=
ſche Kavalleriepatrouille die italieniſchen
Be=
obachtungspoſten vor Gargareſch an, wurde aber ſofort
zurückgeſchlagen. Die Verteidigungswerke von Gargareſch
ſind vollendet. Meldungen aus Homs berichten: Die
Türken haben am 22. und 23. Januar einige
Kanonen=
ſchüſſe gegen die italieniſchen Stellungen abgegeben, die
aber keinen Schaden anrichteten. Aus Benghaſi wird
gemeldet, daß vorgeſtern einige Vorpoſtengefechte
ſtattge=
funden haden, bei denen die Beduinen und Türken
ge=
ſchlagen wurden; ſie hatten 150 Tote und Verwundete.
Die Italiener erlitten keine Verluſte.
Die Revolution in China.
* Schanghai, 24. Jan. Sunyatſen hat an
Wu=
tingfang telegraphiert, er mißtraue den Abſichten
Juan=
ſchikais und beabſichtige deshalb. die Präſidentſchaft
zu behalten, bis die Republik China von den Mächten
anerkannt ſei. Falls Juanſchikai die Verbindung mit den
Mandſchus aufgebe und öffentlich ſeine Zugehörigkeit zu
den Republikanern bekenne, ſolle er zum Präſidenten gewählt
werden; Sunyatſen trete dann zurück.
* Peking, 25. Jan. Nach einem chineſiſchen Bericht
haben 2000 kaiſerliche Truppen in Siangyangfu bei
Hankau rebelliert. Die Vorſichtsmaßregeln zur
Sicherheit Juanſchikais werden weniger ſtreng gehandhabt.
Die Aufregung läßt nach, da die hartnäckiggen, wenn auch
gänzlich unbegründeten Gerüchte, daß Japan die
Mand=
ſchus unterſtützen würde, anfangen, an Glauben zu
ver=
lieren.
Darmſtadt, 26. Januar.
* Se. Kgl. Hoheit dar Großherzog iſt geſtern abend
mit dem Zuge 10 Uhr 26 Minuten nach Ber l in
ab=
gereiſt. Die Rückkehr wird am 28. dieſes Monats
er=
folgen.
W-l Großh. Hoftheater. Geſtern ging Ernſt Hardts
neues fünfaktiges Trauerſpiel „Gudrun” unter
leb=
hafteſtem Intereſſe des Publikums und mit ſtarkem Erfolg
hier erſtmalig in Szene. Das, von hohem poetiſchen
Geiſte getragene und durch ſeine wundervolle Sprache ſich
auszeichnende Stück war ſehr ſorgfältig und liebevoll
einſtudiert und mit vielem Geſchmack inſzeniert. In der
Titelrolle bot Fräulein Alſen eine hervorragende
Leiſtung, mit der ſie viel Ehre einlegte. Außer ihr trugen
Fräulein Heumann als Gerlind, Herr Baumeiſter
als Hartmut, Herr Weſtermann als Herwig, Herr
Heinz als Wate und Fräulein Gothe als Ortrun in
erſter Linie zu dem ſchönen Gelingen der intereſſanten
und in großem Stile gehaltenen Aufführung bei. Ihre
Königl. Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin
wohnten der Aufführung bei. Wir kommen auf ſie noch
zurück.
g. Vortrag. Auf Einladung der Abteilung
Darm=
ſtadt der Deutſchen Kolonialgeſellſchaft und der
Kreis=
gruppe Darmſtadt des Deutſchen Flottenvereins ſprach
geſtern abend im Saale des Hotels „Zur Traube” Herr
Dr. med. W. Vix über ſeine Forſchungsreiſen
in den Ländern zwiſchen den Seen im
Nord=
weſten von Deutſch=Oſtafrika. Der Vorſitzende
der Kolonialgeſellſchaft, Juſtizrat Grün e wal d
begrüßte die zahlreich Erſchienenen und teilte mit, daß es
leider nicht möglich geweſen war, den verſprochenen
Vor=
trag über Marokko halten zu laſſen. Dafür habe ſich Herr
Vix dankenswerter Weiſe bereit erklärt, von ſeinen
Reiſen in Deutſch=Oſtafrika zu berichten. Sodann ergriff
Herr Dr. Vir das Wort und berichtete in 2ſtündigem
Vor=
trag, unterſtützt durch zahlreiche ſelbſtaufgenommene
Lichtbilder, von ſeiner Studienreiſe, die er im Anſchluß
an die Breslauer akademiſche Studienfahrt allein
aus=
führte. Er bereiſte, vom Weſtrande des Viktoria=Njanza
ausgehend, das Nordweſtgebiet von Deutſch=Oſtafrika
bis zum Tanganjika=See und hat auf dieſer Reiſe ein
reiches Material geſammelt zur Bereicherung unſeres
Wiſſens über Land und Leute dieſer Länder. Intereſſant
iſt vor allem die Exiſtenz einer von Norden
eingewan=
derten ſemitiſchen Raſſe, die ſich zum Herrſcher dieſer
Landſtriche aufgeſchwungen hat. Dieſe Raſſe, die von
außerordentlich hohem Körperwuchs iſt, bewohnt
haupt=
ſächlich die beiden Diſtrikte Ruanda und Urundi. Auch ein
Zwergſtamm iſt auf einer der Inſeln im Tanganjika=See
noch vorhanden. Die verſchiedenartige Gliederung der
Landſchaft zeigt ſtellenweiſe tropenartige
Urwaldvege=
tation, bald Steppengebiet, bald Berglandſchaften mit
tief eingeſchnittenen Tälern und Schluchten, und bietet
oft Bilder von einzigartig ſchönem landſchaftlichem Reiz.
Der Herr Vortragende ſchilderte auch eingehend die
Be=
handlung der Schlafkranken in den beiden
Kranken=
ſtationen, für die er ſich als Arzt beſonders intereſſierte.
Die Schlafkrankheit herrſcht jedoch nicht in dieſem Gebiet,
ſondern ſie wird meiſt vom belgiſchen Kongoſtaat
ein=
geſchleppt. Die Bewohner der geſchilderten Landſchaft
ſind im allgemeinen friedlich und es kommen höchſt ſelten
Gewalttätigkeiten vor. Sie leben faſt ausſchließlich von
Viehzucht, nur in einigen Gegenden wird auch Ackerbau
getrieben. An Holz iſt das Land ſehr arm. Reicher
Bei=
fall folgte dem intereſſanten Vortrag, und der Herr
Vor=
ſitzende brachte dem Vortragenden den Dank des Vereins
zum Ausdruck. Er gab gleichzeitig bekannt, daß der
nächſte Vortrag des Vereins am 9. März ſtattfindet. Es
wird Herr Profeſſor Dr. Schenk über Mexiko ſprechen.
* Offenbach, 25. Jan. Bei der heutigen
Erſatz=
wahl zum Heſſiſchen Landtag erhielten Neſſel
(Zentr.) 2000 Stimmen, Adelung (Soz.) 3700 Stimmen.
Mithin iſt Adelung (Soz.) gewählt.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 25. Jan. Die vorläufige Prüfung der Wahl
in Bingen=Alzey ergab für Becker (nat.=lib.) 12013,
für Korell (Fortſchr. Vpt.) 12010 Stimmen; ſomit iſt nicht
Korell, ſondern Becker gewählt. Die amtliche Feſtſtellung iſt
noch abzuwarten. — Die Nachwahl im Wahlkreiſe
Pleß=Rybnik findet am 3. Februar ſtatt.
* Karlsruhe, 25. Jan. Der Großherzog begibt
ſich heute abend 8 Uhr 28 Minuten zur Teilnahme an der
Kaiſergeburtstagsfeier nach Berlin. Er
ge=
denkt am Sonntag zurückzukehren.
* Liſſabon, 25. Jan. Präſident de Arriaga nahm die
Demiſſion des Kolonialminiſters an. Der
Juſtizminiſter übernahm vorübergehend die Geſchäfte des
Kolonialminiſteriums. Der Rücktritt des Kolonialminiſters
iſt auf Meinungsverſchiedenheiten zurückzuführen, die im
Miniſterrat zwiſchen dem Kolonialminiſter und ſeinen
Kol=
legen wegen gewiſſer Klauſeln des Geſetzentwurfes
be=
züglich der Verpachtung transafrikaniſcher Eiſenbahnen
ent=
ſtanden ſind.
* Kuldſcha, 26. Jan. In Altſuidim erfolgte im
Pulver=
keller eine Exploſion. Etwa hundert Häuſer ſollen
zer=
ſtört und viele Perſonen getötet und verwundet worden
ſein.
* Buenos Aires, 25. Jan. In der Kammer
er=
klärte der Miniſter des Innern auf die Interpellation
über den Eiſenbahnerſtreik, er habe die Rechte
der Geſellſchaften und der Arbeiter geachtet, es nach
Schei=
tern der Verſöhnungsverſuche jedoch als notwendig
be=
trachtet, Maßregeln zur Wiederherſtellung des öffentlichen
Dienſtes zu treffen. — Die Regierung habe beſchloſſen,
nach Paraguay zwei Panzerkreuzer und zwei
Torpedo=
bootszerſtörer zu ſchicken wegen der beſtändigen Unruhen
und der unkorrekten Antwort Paraguays betreffend die
Uebergriffe, die gegen argentiniſche Anlagen und Schiffe
verübt worden ſind.
H. B. Berlin, 25. Jan. In einer Gaſtwirtſchaft in der
Seeſtraße iſt geſtern ſpät abends der Schankwirt
Saro=
ſchewski von Gäſten, die nach Schluß der Schankſtunde noch
Getränke verlangten, die ihnen verweigert wurden, mit
einem Bierglaſe erſchlagen worden. Die Täter,
zwei Brüder Ackermann, wurden noch in der Nacht ermittelt,
und von der Polizei verhaftet.
H. B. Jüterbogk, 25. Jan. Ein Spionagefall, bei
dem es auf die geheimen Dienſtvorſchriften der Militär=
Eiſenbahn abgeſehen war, wird heute gemeldet. Am 23.
Januar, gegen 4 Uhr morgens, erſchien in einer Bude der
Militär=Eiſenbahn Berlin=Jüterbogk, etwa 2 Kilometer von
Jüterbogk entfernt, ein Infanterie=Offizier, der ein
auf=
fallend fremdländiſches Ausſehen hatte. Dieſer Offizier
unterhielt ſich mit dem in der Bude anweſenden Poſten
über verſchiedene Dienſtangelegenheiten. Als der Poſten
nach etwa 3 Stunden zurückkehrte, fand er die Bude
er=
brochen und Alles wies darauf hin, daß die Bücher und
Ak=
ten durchſtöbert worden waren. Der Poſten erſtattete
Mel=
dung. Es handelt ſich zweiſellos um einen ausländiſchen
Spion, der deutſche Uniform angelegt hatte, um leichter
zum Ziele zu gelangen. Schon vor einiger Zeit war ein
ähnlicher Verſuch gemacht worden, aber an der
Aufmerk=
ſamkeit des Poſtens geſcheitert.
— München, 25. Jan. Der nach zahlreichen
Wechſel=
fälſchungen hier flüchtig gewordene Börſenkommiſſar
Böſſel ſowie ſein Buchhalter Schorrer ſind in
Mil=
waukee feſtgenommen worden.
H. B. Nürnberg, 25. Jan. Hier wurde der Rittmeiſter
Freiherr Kreß von Kreſſenſtein vom 1.
Chevaux=
leger=Regiment beim Reiten einer Remonte abgeworfen
und durch einen Hufſchlag an den Kopf ſchwer
ver=
letzt. Er wurde in bewußtloſem Zuſtande ins
Gar=
niſonslazarett gebracht.
* Merſeburg, 25. Jan. Die in Ditfurt aufgefundene
Leiche iſt als ein ſchon lange vermißtes 19 Jahre alses
Dienſtmädchen aus Magdeburg feſtgeſtellt worden. Als
Täter kommt ein Gymnaſiaſt aus Calbe in Betracht,
der mit dem Mädchen in Beziehungen ſtand. Er iſt ſeit
dem Auffinden der Leiche verſchwunden.
H. B. München=Gladbach, 25. Jan. Im ſtädtiſchen
Muſeum wurde geſtern ein Diebſtahl verübt. Den
Dieben fielen wertvolle Silber= und Goldmünzen,
ver=
ſchiedene Schmuckſachen und Uhren, darunter eine
Taſchenuhr mit dem Bildnis Ludwigs XIV., zahlreiche
ſilberne Becher uſw. in die Hände.
Innsbruck, 25. Jan. Geſtern abend beſtellte ein
unbekannter, etwa 25 Jahre alter Mann in der Uniform
eines Poſtamtsdieners im Auftrage eines Poſtamts einen
Poſtwagen zum Einſammeln der Abendpoſt. Der
Wagen wurde ihm nebſt Poſtillon anſtandslos abgegeben.
Er holte von zwei Poſtämtern Briefſchaften ab und
lie=
ferte ſie am Bahnpoſtamt ab. Dann ließ er ſich auf einem
Poſtamt die Abendpoſt mit Wertbriefen geben, die
ihm auch ausgehändigt wurde, da er durch ſeine frühere
Fahrt bereits bekannt war. Er nahm fünf Poſtbeutel
mit Briefſchaften mit einem deklarierten Wert von über
17000 Kronen an ſich und verſchwand. Die leeren
Beutel wurden ſpäter gefunden. Der Innsbrucker
Poſt=
diener, der dem Räuber ſeine Uniform gegeben hatte, iſt
verhaftet worden.
H. B. Warſchau, 25. Jan. Das Warſchauer Kriegs=
Bezirksgericht verurteilte geſtern einen vor drei
Monaten in der Umgebung der Feſtung Novogeorgiewsk
verhafteten und der Spionage angeklagten deutſchen
Hauptmann zu 3 Jahren Arreſtanten=Kompagnie
und einen deutſchen Handelsagenten, der in Warſchau
voriges Jahr verhaftet wurde, zu zwei Jahren
Korrek=
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Familiennachrichten.
F
Statt Karten.
Ernst Göbel, Dekateur (*1922
Hedwig Göbel
Vermählte.
Rehden, Kreis Graudenz.
Darmstadt
Todes-Anzeige.
Heute morgen 4¼ Uhr verſchied nach
langem, ſchwerem Leiden mein inniggeliebter
Mann, unſer guter Vater, Schwiegervater,
Großvater, Bruder, Schwager und Onkel
Herr Eisenbahn-Obersekretär
Heinrich Gaßmann
im 62. Lebensjahre.
(2540
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Lina Gaßmann, geb. Droste.
Darmſtadt, Frankfurt a. M., Karlsruhe,
Berlin u. Heiligenſtadt, am 24. Januar 1912.
Die Beerdigung findet Samstag, den 27. Jan.,
vormittags 11½ Uhr, vom Portale des
Frank=
furt a. M.—Sachſenhäuſer Friedhofes aus, ſtatt.
Kondolenzbeſuche dankend verbeten.
Geſtern abend entſchlief ſanft nach kurzem,
ſchwerem Leiden unſere liebe Mutter und
Schweſter, Schwiegermutter und Großmutter
Frau Marianne Wick
geb. Knorr.
In tiefer Trauer:
Antoinette von Hofmann, geb. Wick,
Emilie Knorr,
Karl von Hofmann, Major und
Ba=
taillonskommandeur im 1. Kurheſſ.
Inf.=Rgt. Nr. 81,
und 3 Enkelkinder.
Darmſtadt, 25. Januar 1912. (*1954
Trauerfeier am 26. Januar, 2¾/ Uhr nachm.,
in der Kapelle des ſtädt. Krankenhauſes. Die
Einäſcherung findet in Mainz in aller Stille
ſtatt.
Blumenſpenden ſind nicht im Sinne der
Ver=
ſtorbenen.
Todes-Anzeige.
Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Verwandten, Freunden und Bekannten
die traurige Mitteilung, daß unſere liebe Tante
(2567
und Schwägerin
Frau Simon Mainzer
geb. Kahn
nach langem Leiden heute nacht ſanft
ver=
ſchieden iſt.
Darmſtadt, den 25. Januar 1912.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 28. Jan.,
vormittags 10 Uhr, vom Trauerhauſe
Taunus=
ſtraße 4 aus, ſtatt.
Blumenſpenden dankend abgelehnt.
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. Jauuar 1912.
Nummer 22.
Todes-Anzeige.
An die Mitglieder des Beſtattungsvereins
iſraelitiſcher Frauen in Darmſtadt.
Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht,
den verehrl. Mitgliedern das Ableben unſerer
2580
langjährigen Präſidentin
Frau
Jeanette Mainzer
anzuzeigen.
In ſelbſtloſer Aufopferung und treuer
Pflichterfüllung hat ſie als Leiterin unſeres
Vereins Jahrzehnte ſegensreich gewirkt. Ihr
Andenken ſoll uns allen ſtets unvergeßlich
bleiben.
Die Beerdigung findet Sonntag, den
28. ds. Mts., vormittags 10 Uhr, vom
Sterbe=
hauſe, Taunusſtraße 4 aus, ſtatt, und bitten
wir unſere verehrl. Mitglieder, derſelben
bei=
zuwohnen.
Darmſtadt, den 26. Januar 1912.
Der Vorſtand:
Frau J. B. Mayer.
Frau Anna Goldschmidt.
Kunſtverein. Täglich geöffnet von 11—4 Uhr,
Sonntags von 10—4 Uhr.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
an dem uns betroffenen ſchweren Verluſte unſerer
(B2560
guten Mutter
armſtadt, Köln, den 25. Januar 1912.
Kirchliche Nachricht.
Samstag, 27. Januar 1912.
Zur Feier des Geburtstags Sr. Majeſtät des Kaiſers
findet am 27. Januar, vormittags 10 Uhr, gemeinſamer
Gottesdienſt der Militär= und Zivilgemeinde in der
Stadtkirche ſtatt. Pfarrer Kleberger.
Goitendienſt der ieraelitiſchen Religionsgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Feier des Allerhöchſten Geburtstags
Sr. Majeſtät des Deutſchen Kaiſers.
Freitag, den 26. Januar:
Jugendgottesdienſt und Predigt 4 Uhr 30 Min.
Vorabendgottesdienſt 5 Uhr 15 Min.
Samstag, den 27. Januar:
Morgengottesdienſt 9 Uhr. Sabbatausgang 6 Uhr
5 Minuten.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen
Religions=
geſellſchaft.
Samstag, den 27. Januar:
Vorabend 4 Uhr 40 Min. Morgens 8 Uhr.
Nach=
mittags 4 Uhr Sabbatausgang 6 Uhr.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 28. Januar, an:
Morgens 7 Uhr. Nachmittags 4 Uhr 45 Min.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Ueber dem Feſtland iſt der Druck weiterhin gefallen.
Im Bereich des ausgedehnten weſtlichen
Tiefdruckgebie=
tes wehen leichte ſüdliche Winde, die uns Bewölkung und
leichte Regenfälle bringen werden. Im Nordweſten ſteigt
der Druck langſam, doch haben wir morgen keine
weſent=
liche Aenderung zu erwarten.
Ausſichten in Heſſen für Freitag, den 26. Janugr:
Wolkig, geringe Regenfälle, Temperatur wenig
ver=
ändert, Morgennebel.
Tageskalender.
Großh. Hoftheater, Anfang 7½ Uhr (Ab. B): „Was
Ihr wollt”.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Verkündigung des amtlichen Ergebniſſes der
Reichs=
tagsſtichwahl um 9 Uhr Neckarſtraße 3.
Hauptverſammlung der Frauenortsgruppe
Darm=
ſtadt des Vereins für das Deutſchtum im Ausland um
3½ Uhr Steinſtraße 24.
Hauptverſammlung des Vereins ſtädtiſcher Beamten
um 8½ Uhr im Saalbau.
Feſtball der Vereinigten Geſellſchaft um 8 Uhr.
Konzert um 3 und 8 Uhr im Hotel Hez.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke
Rhein=
u. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½—11. Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 4—11 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23):
Miniſter bei der Reichstagswahl, der Brand des
Equi=
tablepalaſtes in New=York, Porträts von Exzellenz
v. Radowitz †, und Miniſterpräſident Poincaré;
Bil=
der vom Winterſport.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.
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Darm-
stadt u. R. M. 244. Anon. zweckl. (*1979
Kurſe vom 25. Januar 1912.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
*f. Staatspapiere. IrPro=
4 Dſche. Reichsſchatzanw. 100,10
3½ Deutſche Reichsanl.. 91,30
82,40
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 100,20
3½ do. Conſols . . . . 91,30
82,30
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 100,40
do.
93,60
3½
do.
84,50
3
* Bayr. Eiſenbahnanl. .101,20
do.
90,20
3½
do.
80,25
3
4 Hamburger Staatsanl. 100,70
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 100,75
do. do. (unk. 1918) 100,80
do.
90,30
do.
79,50
Sächſiſche Rente . . 81,80
Württembergerv. 1907 400,80
do.
94,80
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887 . . 53,30
3¾ Italiener Rente .
3½ Oeſterr. Silberrente . 94,00
3 do. Goldrente . . 96,75
4 do. einheitl. Rente 91,00
4 Portug. unif. Serie I 65,40
4 do. unif. Ser. III 68,20
do. Spezial. 10,50
5 Rumänier v. 1903 . . 101,00
do. v. 1890. . 95,50
4. d., v. 1905. . 91,60
In Prn,
6½Oeſt.=Ungar. Staatsb. 153,25
O Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 19,00
6 Pennſylvania R. R. 119,50
Induſtrie=Aktien.
9 Mainz. Aktienbrauerei 202,00
3 Werger=Brauerei . . 75,50
25 Bad. Anil.= u. Sodafbe. 498,00
14 Fabrik Griesheim 257,00
27 Farbwerk Höchſt . . . 529,00
20 Verein chem. Fabriken
339,00
Mannheim . .
130,00
5 Lahmeyer .
164,50
7 Schuckert
12 Siemens & Halske. . 241,50
30 Adlerfahrradw. Kleyer 463,20
12 Bochumer Bb. u. Guß 230,00
207,25
17 Gelſenkirchen
201%
7 Harpener . .
15 Phönix, Bergb. u. Hit=
258,50
tenbetrieb .
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ.. 89,30
4 Pfälzer Prt. . . . . . 100,40
92,00
3½ do.
4 Eliſabeth., ſteuerpfl.
do. ſteuerfrei 96,00
5 Oeſterr. Staatsbahn.
do.
95,80
do. alte . 80,40
5 Oeſterr. Südbahn . . 99,80
80,70
do.
4
55,25
20)
do.
Raab=Oedenburger . . 77,50
4 Ruſſ. Südweſt..
4 Kronpr. Rudolfbahn . 96,60
72,50
2½ Livorneſee.
74,00
4 Miſſouri=Pacifie
Bagdadbahn Mk. 408 84,60
5 Anatoliſche Eiſenb. . 97,90
100,50
5 Tehuanteper
Bank=Aktien.
9 Berliner Handelsgef. 173,20
6½ Darmſtädter Bank. . 126,50
12½ Deutſche Bank . . . 266,20
6 Deutſche Vereinsb. 125,00
10 Diskonto=Geſellſchaft 192,25
160,40
8½ Dresdner Bank
6½ Mitteldeut. Kreditbk. 121,50
7 Nationalbk. f. Deutſchl. 128,20
130,50
6½ Pfälzer Bank .
6,45 Reichsbank
140,50
7 Rhein. Kredit=Bank. 125,50
7½Wiener Bank=Verein 137,50
Pfandbriefe.
4 Frankſt. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 99,20
3½ do. S. 19. . . . . 90,10
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 15—19, 21—26 98,50
4 Hamb.=Hppoth.=Bank 100,00
89,75
3½
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101,30
90,30
do.
4 Meining. Hyp.=Bank 100,20
89,50
do.
3½
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 99.20
do. (unk. 1914) 89,50
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,60
3½
90,60
de.
P2,
3.
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt ..
3½ 98.
4 Felkusſan
100,80
3½ de.
96,10
Giehe
99,80
3½ 2.
99,80
3½
90,00
4 a
100,00
3½
89,80
4
-
-
4
3½
90,30
4
3½
Män
100,50
3½ Nanheim
90,00
4 Nämnberg
100,20
3½ be.
90,80
Offenb
99,50
3½ ds.
91,30
4 Wiesbad
99.50
3½ de.
95,90
Worms
½ de.
-
4 Liſſaboner u. 1886. .
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Anlehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner „ 100 136,40
5 Donau=Reg. fl. 100 185,00
§ Holl. Romm. „ 100 109,00
4 Ruſſen v. 1880. 92,00
4 Ruſſen v. 1902 . . . . 91,20
4½ do. v. 1905 101,00
91,00
3½ Schweden. . .
4 Serbieramort. v. 1895 83,70
4 Türk. Admin. v. 1903 85,40
do. uniſiz. v. 1903 91,70
4 Ungar. Goldrente 92,40
do, Staatsrente 90,50
100,70
5 Argentinier . .
89,75
do.
4½ Chile Gold=Anleihe 92,30
Chineſ. Staatsanleihe 98,90
93,25
do.
4½
95,80
4½ Japaner
Innere Merikaner . 98,00
92,00
do.
Gold=Mexikan. v. 1904 91,40
5 Gold=Merikaner 100,80
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
8 Hamb.=Amerika=Paket=
.144,10
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Nordd. Lloyd
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-
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Ungar. Gtacks „ 100 372,00
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Frs. 30 43,90
Türtiſche
„ 400 172,80
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20 Frand=Stücke .
16,23
Oeſterr. 20=Kronen .
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4,19½
Engliſche Noten .
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Franzöſiſche Noten .
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169,45
Italieniſche Noten .
80,80
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Ruſſiſche Noten . . . . . . 216,00
Schweizer Noten . .
81,10
Me
Reichsbaul=Diskonte
2
Gard Aaf 6%
Nummer 22.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. Januar 1912.
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Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. Januar 1912.
Nummer 22.
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Karmelitergeist
(1315
„Jung=Deutſchland‟
* Seitdem der Feldmarſchall v. d. Goltz ſein
Warn=
ſignal ertönen ließ und den Deutſchen zurief: „Bekümmert
Euch um Eure Jugend, auf ihr ruht die Zukunft des
Vaterlandes, hütet ſie und macht ſie zu Männern!” ſind
da und dort Vereinigungen entſtanden, die jene Aufgabe
auf verſchiedenen Wegen erfüllen wollen; andere Vereine
aber — deren Ziel ganz wo anders lag und die nun
auch gelegentlich der in ihren Vereinigungen vertretenen
Jugend gedachten — entdeckten, daß ſie die Mahnung
des Feldmarſchalls ja gar nicht brauchten, da ſie — nach
ihrer Anſicht — längſt ſeine Pfade gingen.
Mögen alle weiter leben, ſo lang ſie an demſelben
Strang ziehen, wenn’s auch beſſer geweſen wäre, die
Vielen zu einer oder zwei großen Vereinigungen
zuſam=
menzuſchweißen. Denn nur erprobter Führung und ſteter
Bemühung um die Jugend, wes Namens ſie auch ſeien,
wird’s gelingen, die Ziele, die ſich „Jung=Deutſchland”
ſetzte, voll und ganz zu erreichen, denn, wie überall im
Leben — ſo auch hier, wo der Preis ein ſo hoher iſt —,
bleibt Dilettantismus vom Uebel.
Von all den kleinen und großen, mehr oder weniger
zweckmäßigen und ernſten Unternehmungen ſcheint uns
der Deutſche Pfadfinderbund eine der
geeignet=
ſten. Lange vordem von Berlin aus der Weckruf
er=
ſchallte, taten ſich Männer zuſammen, um ſich der Jugend
anzunehmen. Der Turnvater Jahn mag der Vater des
Gedankens geweſen ſein. Der engliſche Reiterführer
Baden=Powell, der im Burenkriege von den anfangs
ſiegreichen Buren in Mafeking eingeſchloſſen war, erweckte
dieſen Gedanken eigentlich wieder. Er hatte die Jungen
dort zuſammengenommen, ſie uniformiert, kurz einexerziert
und dann mit großem Erfolge unter ihrem kleinen
Feld=
webel Goodyear zum Hinterbringen von Meldungen,
Patrouillengehen uſw. vor dem Feinde verwendet; ſie
alle erhielten die Feldzugs=Medaille. Aus jener kleinen
Truppe entſtanden die Scout Boys, und aus dieſen
den deutſchen Verhältniſſen angepaßt — die Pfadfinder.
Langſam aber ſicher brach ſich der Gedanke Bahn in
Deutſchland, und jetzt ſind über das Land 60 Gruppen
verbreitet. Die Bewegung iſt fortgeſetzt im Steigen
be=
griffen und große Vereinigungen gehören dem Bunde
an, ſo: der große Bayeriſche Wehrkraftverein, deſſen
Ent=
ſtehung hauptſächlich dem Münchener Offizierkorps zu
verdanken iſt, und der unter dem Protektorat des Prinz=
Regenten ſteht, der Verein „Jugendſport in Feld und
Wald” in Groß=Berlin, der Schleſiſche Landesverband
für Jugendpflege, der ausgedehnte Landesverband für
Südweſtdeutſchland in Frankfurt und der Landesverband
Elſaß=Lothringen, unter dem Protektorat des Kaiſerlichen
Statthalters.
Die Bewegung hat ſich aus der ihr eigenen geſunden
Richtung heraus bis in die entfernteſten Teile unſeres
Vaterlandes Bahn gebrochen. Begeiſtert nimmt ſie die
Jugend auf, und wer von den Erwachſenen einmal in
Feld und Wald tätig war im Dienſte der Pfadfinder, der
hat ſelbſt einen nenen Lebenspfad gefunden — den in’s
Herz unſerer deutſchen Jungen.
Der Bund hat es ſich zur Aufgabe gemacht, die
Er=
ziehung junger Leute von 10—18 Jahren durch praktiſche
Uebungen und Belehrung in freier Natur zu ergänzen;
die Sinne zu ſchärfen, ſie an Kameradſchaft und
Unter=
ordnung zu gewöhnen und ſo in dem heranwachſenden
ſchulpflichtigen und ſchulentlaſſenen Geſchlecht die
körper=
lichen und moraliſchen Eigenſchaften zu vervollkommnen,
deren ſie im Kampfe um’s Daſein bedarf. Die Jungen
ſollen, ſich ſelbſt zu Liebe, zur Geſundheit erzogen
wer=
den; dem Vaterlande aber wollen die Pfadfinder, und
das iſt mit ihre vornehmſte Aufgabe, treue, zuverläſſige
Männer heranbilden, die unentwegt zu ihm ſtehen und
wenn es ruft, ſich brauchbar erweiſen, ihm auch in
bit=
terer Not zu helfen.
Die Aufgabe iſt keine leichte. Es hat langer Jahre
bedurft, um ernſten Männern aus allen Berufskreiſen in
ſteter Arbeit und großen Studien die Wege zu zeigen, die
zu gehen ſind — aber ſie iſt eine herrliche und würdig
des Schweißes Guter.
Es wird in den Beſtrebungen zu oft die militäriſche,
zu oft die ethiſche Seite betont. Die ganze Aufgabe des
Bundes überhaupt iſt eine ethiſch hochſtehende — wir
bedürfen der Praxis. Den Unterricht aber überlaſſe man
der vorzüglichen deutſchen Schule, die von keiner anderen
übertroffen wird. Es ſoll auch kein Soldatenſpiel
getrie=
ben und um alles in der Welt in den Jungen nicht das
Gefühl erweckt werden, daß ſie bei ihrem Eintritt in das
Heer ſchon fertige Soldaten ſeien. Es ſoll nur
vorgear=
beitet werden. Was aber gemacht wird, darf des Ernſtes und
der Strammheit nicht entbehren. Dabei erſchallt kein
unnötig Kommando, und der Drill iſt verpönt.
Was ſollen die Buben nun lernen? Sie ſollen
lernen zu gehen, auch mit mäßigem Gepäck; ſie beobachten
unterwegs den Vogelflug, die Wildſpur, des Windes
Wehen; ſie haben offenes Auge für die Landſchaft, ſchätzen
die Entfernung und lernen das Gelände kurz und
be=
ſtimmt bezeichnen. Sie kochen ab und lernen dabei Feuer
machen. In findiger Art ſchleichen ſie ſich im Kriegsſpiel
gegeneinander; lautlos durchs Geäſt ſich pirſchend,
er=
ſpähen ſie den Gegner, ſie melden richtig, weil ſie wiſſen,
wie Karten geleſen werden. Das Land liegt ihren geſchärften
Sinnen offen — ſie können ſpäter von unendlichem
Nutzen für dieſes werden. Sie lernen mit Winkerflaggen ſig=
maliſieren, ie ſiungen ſchöne Lieder und halten feſt und treu
zuſammen. Schlafhauben freilich können die Pfadfinder
nicht gebrauchen, doch wer Anlagen dazu hat, kann geheilt
werden. Friſch, ſchneidig und wendig müſſen die Buben
ſein, dabei grundanſtändig. Erſt nach einer
Probe=
zeit werden ſie aufgenommen und können das
Emaille=
wappen des Bundes tragen.
Sie haben eine Tracht, einen Sportanzug, zu jedem
Zwecke verwendbar, meiſtens aus Loden mit dem bekannten
Schlapphut und einem Gürtel, dazu Zeltbahn, Spaten und
Kochgeſchirr zu den Uebungsmärſchen.
Die Führung der Jungens iſt nicht leicht und vor allem
müſſen die Führer ſelbſt rechte Männer ſein mit einem Herz
für die Jungen, im Erfolg müſſen ſie ihren Lohn ſehen,
denn Orden gibts keine zu holen. Führer ſind Aerzte,
Geiſt=
liche, Lehrer, Profeſſoren, Studenten, Kaufleute, Offiziere
und Beamte — kurz, alle Berufsklaſſen ſind vertreten.
Das Pfadfinderkorps Darmſtadt entſtand im
November 1911 aus kleinen Anfängen, es iſt auf ca. 40
Jungen und eine Jugendgruppe herangewachſen, trotz
Schwierigkeit und mancher Fährnis; denn der Gedanke
war ein ganz neuer. Es hat ſich ein Heim geſchaffen und
arbeitet raſtlos an ſeinen hohen Zielen. Es ſteht im großen
Verband „Jung Deutſchland” und hat mit dem „
Wander=
vogel” keinerlei Berührungspunkte und Gemeinſchaft. Die
Zentralleitung iſt in Berlin, den Vorort des
Pfadfinder=
bundes für Südweſtdeutſchland bildet der Verein zur
Föderung der Pfadfinderbewegung Frankfurt a. M.
Ehren=
vorſitzender iſt der kommandierende General Exz. v.
Eich=
horn.
Das Pfadfinderkorps Darmſtadt vereinigt ſeine
Mit=
glieder wöchentlich einmal zwiſchen 6 und 7 Uhr zu kurzer
Beſprechung, die Aelteren zum Singen, Erzählen uſw.
Der Samstag nachmittag iſt den vorherbeſchriebenen
Uebungen gewidmet. Den Sonntag aber geht’s hinaus in
unſeres Herrgotts ſchöne Natur und manchmal wird an
geſchützter Stelle abgekocht. Frühzeitig kehrt die rüſtige
Schar, Marſchlieder ſingend, wieder heim, geſtärkt für die
Schularbeit der Woche. Angehörige aus allen
Bevölke=
rungsſchichten ſind herzlich willkommen. Alle, ohne
Aus=
nahme müſſen unbeſcholten ſein und von untadeligem
Le=
benswandel — dann — aber nur dann, können ſie der
Ehre teilhaftig werden, Pfadfinder zu werden — ſo
wollen’s die Stifter, ſo will es der Ehrenvorſitzende
Feld=
marſchall von der Goltz. Ohne eine Werbung hat ſich bis
jetzt das Pfadfinderkorps Darmſtadt vermehrt; nun aber,
da die Vorarbeiten für eine geſunde Weiterentwickelung
geſchehen ſind, ſteht dem Eintritt geeigneter Mitglieder
nichts mehr im Wege. Wer ſo zu „Jung=Deutſchland”
kom=
men will, dem ſei die Hand gereicht — jeder wird ſich des
Entſchluſſes redlich freuen. — Anmeldungen Freitag von 6
bis 7 Uhr im Pfadfinderheim, Karlſtraße 43, Seitenbau.
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Nummer 22.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. Januar 1912.
Seite 11.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde. In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 deutſcher Schäferhund. 1 Spitzhund, 1 Pinſcher (
zu=
gelaufen). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=
Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde
findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt. (2542
Aufſtellung der Rekrutierungsſtammrolle für die
Stadt für 1912.
Alle im Jahre 1892 geborenen, hier wohnhaften oder ſich
dauernd hier aufhaltenden Militärpflichtigen haben ſich in der Zeit
vom 15. bis Ende Januar ds. Js., vormittags von 9 bis 12 Uhr,
im Stadthauſe, Rheinſtraße 16/18, Zimmer Nr. 20 und 21, zur
Stammrolle anzumelden. Die nicht in Darmſtadt geborenen
Militärpflichtigen haben ihren Geburtsſchein vorzulegen und
durch eine Beſcheinigung des Arbeitgebers oder ein ſonſtiges
Zeug=
nis nachzuweiſen, daß ſie hier dauernden Aufenthalt genommen
haben und nicht nur vorübergehend anweſend ſind.
Außerdem haben ſich in vorbezeichneter Zeit, unter Vorlage
ihres Loſungsſcheines und der vorerwähnten Aufenthaltsbeſcheinigung,
alle Militärpflichtigen früherer Jahre zu melden, die bisher weder
einem Truppenteil überwieſen worden ſind, noch einen
Ausmuſterungs=
ſchein oder eine Ausſtandsbewilligung erhalten haben.
Militärpflichtige, die zur Zeit von hier abweſend ſind, müſſen
von ihren geſetzlichen Vertretern oder Arbeitgebern angemeldet werden.
Eine Unterlaſſung der Anmeldung wird mit Geldſtrafe
bis zu 30 Mk. oder mit Haft bis zu 3 Tagen beſtraft.
Darmſtadt, den 10. Januar 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
I. V.: Schmitt.
(1707a
Anmeldung ſchulpflichtiger Kinder zur Aufnahme
in die Mittel= und Stadtſchulen.
An die Eltern, Pflegeeltern und Vormünder von Kindern, die
bis zum 15. April d. Js. einſchließlich das 6. Lebensjahr
zurück=
gelegt haben werden, ergeht hiermit die Aufforderung, dieſe Kinder,
ſoweit ſie nicht in andere Schulen eintreten, rechtzeitig zur Aufnahme
in die Mittel= oder Stadtſchulen anzumelden.
Bei der Anmeldung iſt Nachweis über das Alter der Kinder
und Impfſchein oder Beſcheinigung über Befreiung von der Impfung
vorzulegen.
Auf Wunſch der Eltern oder deren Stellvertreter können
aus=
nahmsweiſe auch geiſtig und leiblich reife Kinder in die Schule
auf=
genommen werden, die erſt bis zum 30. September d. Js. das
6. Lebensjahr vollenden. Die Aufnahme jüngerer Kinder iſt
unzuläſſig.
Es wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß diejenigen
Kinder, die bei Vollendung des 14. Lebensjahres die Schule nicht
volle 8 Jahre beſucht haben, bis zur vollſtändigen Erfüllung ihrer
Schulpflicht in der Schule zurückgehalten werden.
Die Nichtanmeldung in dem vorgeſchriebenen Termin kann bei
den Mittelſchulen zur Folge haben, daß die Aufnahme unmöglich iſt.
Die Anmeldungen haben zu erfolgen:
Donnerstag, den 1. Februar d. Js., vormittags von 8½ Uhr
bis 12 Uhr und nachmittags von 2 bis 4 Uhr, und zwar:
für die Knaben=Mittelſchule I im Schulhaus in der Friedrichsſtraße,
Mädchen=
„ „ Viktoriaſtraße,
Mittelſchule II
„ „ Hermannsſtraße,
am Ballonplatz,
Stadtknabenſchule
in der Müllerſtraße,
III
Ludwigshöhſtraße,
Stadtmädchenſchule I
Rundeturmſtraße,
Emilsſtraße,
„ Beſſungerſtraße,
III „
„ Bezirksſchule IV
„ Lagerhausſtraße.
Der Bezirk der Mittelſchüle II, in die Knaben und Mädchen
aufgenommen werden, wird begrenzt durch die Rheinſtraße, den
Paradeplatz, die Alexanderſtraße und die Dieburger Straße, mit
Aus=
ſchluß der Grenzſtraßen und Plätze.
Die Aufnahme der Kinder in die Stadtſchulen findet nach der
unten abgedruckten Bezirkseinteilung ſtatt. Den Herren Oberlehrern
der verſchiedenen Gruppen der Stadtknaben= und Mädchenſchulen
bleibt überlaſſen, je nach Bedürfnis hinſichtlich der Ueberweiſung
von Kindern aus einer Schulgruppe in eine andere ſich zu verſtändigen.
Darmſtadt, den 2. Januar 1912.
Der Vorſitzende der Schulvorſtände:
Dr. Gläſſing, Oberbürgermeiſter.
Bezirks=Einteilung
für die Stadtknaben= und Stadtmädchenſchulen.
Bezirk I
(Stadtknabenſchule I und Stadtmädchenſchule I) umfaßt den
Stadtteil zwiſchen der Heinrichsſtraße, Eſchollbrücker Straße und
Holz=
hofallee einerſeits und der Allee, Rheinſtraße, Wilhelminen=,
Zeug=
haus=, Hochſchul=, Magdalenen=, Alexander=, Heinheimer= und
Guten=
bergſtraße andererſeits.
Von den Grenzſtraßen gehören zu dem Bezirk die Rhein=,
Wil=
helminen=, Alexander=, Heinheimer= und Gutenbergſtraße, ſowie die
Nordſeite der Heinrichsſtraße.
Bezirk II
(Stadtknabenſchule II und Stadtmädchenſchule II) umfaßt den
nördlichen Stadtteil, begrenzt von der Frankfurter=, Wilhelminen=,
Zeughaus=, Hochſchul=, Magdalenen= Dieburger=, Heinheimer= und
Gutenbergſtraße, einſchließlich der Grenzſtraßen, mit Ausnahme der
betreffenden Strecken der Dieburger= und Heinheimerſtraße und der
Gutenbergſtraße.
Bezirk III
(Stadtknabenſchule III und Stadtmädchenſchule III) umfaßt den
Stadtteil ſüdlich von der Heinrichs=, Eſchollbrücker Straße und
Holz=
hofallee, einſchließlich der Südſeite der Heinrichsſtraße und der beiden
anderen Grenzſtraßen (beiderſeitig).
Bezirk IV
(Bezirksſchule IV, Lagerhausſtraße) umfaßt den nordweſtlichen
Stadtteil, begrenzt von der Frankfurter=, Wilhelminen= und Rhein=
(1625sss
ſtraße, ohne die genannten Grenzſtraßen.
Verschufe
der beiden Gymnaſien zu Darmſtadt.
Aufnahme zu Oſtern 1912.
Anmeldungen nimmt der Unterzeichnete
Donnerstag, den 1. und Freitag, den 2. Februar,
vormittags von 10—1 Uhr,
im Direktorzimmer des Ludwig=Georgs=Gymnaſiums (Karlſtraße 2)
eitgegen. Dabei ſind Geburtsſchein und Impfſchein vorzulegen.
Herbſtaufnahmen von Anfängern finden nicht mehr ſtatt. Es
können aber Knaben, die vor dem 1. Oktober 1906 geboren ſind, bei
genügender geiſtiger und körperlicher Befähigung ſchon jetzt zu Oſtern
(2531fm
aufgenommen werden.
Darmſtadt, den 22. Januar 1912.
Dr. Mangold, Geh. Schulrat.
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werden am 29. Januara. C. zum Course von 101.40%
zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt. Zeichnungen übernehme ich zu den
Bedingungen des Prospektes spesenfrei.
(2411mf
Hermann Wertheim, Filiale Darmstadt,
Bekanntmachung.
Freitag, 23. Februar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Tapezier Wilhelm
Hein dahier und ſeinen Kindern
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
IV 3186/100 2055 Hofreite
Kaupſtraße,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K137/11
Darmſtadt, 5. Januar 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I
Müller. (V1544
Bekanntmachung.
Freitag, 9. Februar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die dem Techniker Friedrich
Heyl dahier zugeſchriebenen
Immo=
bilien:
Flur Nr. qm
27 60¼/0 322 Hofreite Frank=
27 63¼/10 1068 Grab=
furter=
ſtraße
garten) Nr. 128,
27 63¾/10 1853 Hofreite
Frank=
furterſtr. Nr. 130,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K111/11
Falls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nichtentgegenſtehen, kann
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
er=
reicht.
Darmſtadt, 16. Januar 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V2065
Bekanntmachung.
Die heute abgehaltene
Holzver=
ſteigerung iſt genehmigt. Von
Donnerstag, 8. k. Mts. an, können
die Abfuhrſcheine bei den
Hebe=
ſtellen in Empfang genommen
verden. Die Ueberweiſung des
Holzes findet an dem gleichen
Tage durch den Großh. Forſtwart
Kolb zu Beſſunger Forſthaus
(2578
ſtatt.
Darmſtadt, 25. Januar 1912.
Großh. Oberförſterei Beſſungen.
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Ohren. Wer ihn wiederbringt od.
über ſeinen Verbleib nähere
Aus=
kunft erteilt, erhält Belohnung. Vor
Ankauf wird gewarnt. (*1929
Fräul. Keil, Wilhelmſtr. 18.
Bankgeschäft.
Wir zeigen hiermit an, dass wir die
Zins-
vergütung auf
Scheck-Konto
bis auf weiteres auf 2% festgesetzt haben.
Für Gelder mit bestimmter Kündigungsfrist
bleibt besondere Vereinbarung wegen der
Zins-
vergütung vorbehalten.
Darmstadt, den 22. Januar 1912. (2537P
Bank für Handel und Industrie.
Darmſtädter Fiſchmarkt.
Verkaufstage:
a) auf dem Marktplatz: Donnerstag und Freitag jeder
Woche regelmäßig, nach freier Wahl der Händler auch
Dienstag und Samstag;
b) in der Beſſunger Fiſchhalle, Beſſunger Straße Nr. 70:
alle Wochentage, außer Samstag.
Die äußerſt billig geſtellten Wochenpreiſe, die unter Kontrolle
der Großherzoglichen Bürgermeiſterei Darmſtadt feſtgeſetzt werden,
ſind an den Verkaufsſtänden angeſchlagen.
(637a
Sinma= u. Mangenhoh=Berſteigerang.
Montag, den 29. Januar I. J.,
vormittags 9½ Uhr anfangend, werden im Roßdörfer
Gemeinde=
wald, Diſtrikt Mark,
Stämme: 2 Eiche — 144 fm, 2 Eſche — 0,28 fm, 3 Lärche
— 0,47 fm, 5 Kiefern — 2,16 fm, 335 Fichte = 88,39fm;
Derbſtangen: 3 Eſche — 0,18 fm, 1534 Fichte = 68,14 fm,
44 Lärche = 1,64 fm;
Reisſtangen: 1687 Fichte — 9,38 fm
verſteigert. — Zuſammenkunft auf der Kubig.
(2523df
Roßdorf, den 23. Januar 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Roßdorf.
Lorenz.
Stammholz=Verſteigerung.
Montag, den 29. Januar I. J., vorm. 9½ Uhr
anfangend, ſollen im Eberſtädter Gemeindewald, Diſtrikt
Klings=
ackertanne
269 Stück Kiefernſtämme von 24—54 cm Durchmeſſer und
4—14 m Länge
öffentlich meiſtbietend an Ort und Stelle verſteigert werden.
Zuſammenkunft der Steigerer auf dem Beckerweg am Eingang
des Waldes.
Es wird bemerkt, daß ſich hierunter ca. 30 Stämme, geeignet
für Pumpenmacher, befinden.
Eberſtadt, den 19. Januar 1912.
(2524df
Großh. Bürgermeiſterei Eberſtadt.
Schäfer.
Holz-Verſteigerung
im Domanialwald Frankenstein.
Freitag, 2. Februar I. J., vormittags 9 Uhr,
aus Rödern Abt. 25, Kohlwald Abt. 32 u. 33. Buche: 347rm Scheit,
278 rm Knüppel, 37,4 Hdt. Wellen, 71 rm Stöcke (grob). Eiche: 2rm
Nutzſcheiter, 6 rm Zaunpfoſten, 11 rm Scheit, 8,2 rm Knüppel,
12 rm Knüppelreiſig, 11,2 rm Stöcke (grob). Kirſchbaum: 1,4 rm
Rundſcheiter.
Zuſammenkunft vormittags 9 Uhr auf dem Odenwälder Weg
(am Höhgärtchen) ſüdlich der Burg Frankenſtein.
Das Holz iſt bequem nach allen Richtungen abzufahren.
Auskunft erteilt Großh. Forſtwartaſpirant Old zu Eberſtadt,
Schloßſtraße 31, und die Oberförſterei.
Eberſtadt, 23. Januar 1912.
(2528
Großh. Oberförſterei Eberſtadt.
Joſeph.
Verſteigerungs-Anzeige.
Nächſten Montag, den 29. Januar ds. Js.,
vormittags 11 Uhr,
läßt die Unterzeichnete in ihrer Wohnung, Hahlgartenſtraße 48,
1 Pferd, 2 Wagen, 1 Federrolle, 1 Pflug, 1 Egge, 1
Pfuhl=
faß, eine Partie Heu, ſowie verſchiedene Werkzeuge uſw.
öffentlich meiſtbietend gegen Barzahlung verſteigern.
(2527
Griesheim, am 26. Januar 1912.
Georg Heß II. Wwe.
harte Salz= u. Eſſig Gewürz=
I. Gurken, per 100 St. M. 2.—
Eſſig=Gewürz=Gürkchen in 4 Ltr.=
Doſen Mk. 3 50., ff. Preißelbeeren
billigſt, empfiehlt
Einmachgeſchäft Bock
Saalbauſtraße 33.
Gute Kinderbadewanne
(Zink) 4 Mk., 1 Vorderrad von
Straßenrenner (Holzfelge) mit
a Deckmantel 4 Mk., 1 Paar
ſtarke Schnürſtiefel, für
Fuhr=
mann geeignet (neu), 4,50 Mk.
Näh. Expedition. (2520soi
Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. Januar 1912.
Nummer 22.
Toldr-Ausverkauf Wegen Geschurisdurgase!
Um in einigen Wochen zu räumen, zu jedem annehmbaren Preis:
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(*1960
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S. Rar GeelLuuwiustraße U.
tell
2
Weiblich
Modistin
ſucht I. Stellung. Zeugniſſe uſw.
zur Verfügung. Off. unter C 81
a. d. Expedition d. Bl. (B2371
m. g. Z
Aelteres Mädchen ſucht
Stel=
lung bei einzelnem Herrn. Zu
er=
fragen Arbeitsnachweis
Wald=
ſtraße Nr. 6.
(*1729mdf
Landmädchen, darunter mehrere
Oberheſſinnen, eine Lehrerstochter
ſuch. in Darmſtadt Stell. Fr. Berta
Rebling, Ludwigſtraße 8,
gewerbs=
mäßigeStellenvermittlerin. (*1840df
Aelteres einfach. Mädchen
das gut bürgerl. kocht u. lange Jahre
ſelbſtändig einen Haushalt führte
auch leichte Krankenpflege übern, ſ.
tagsüb. Beſchäftig. Viktoriaſtr. 98,
3. Stock, mittlere Tür. (*1932
Mädchen ſucht Stelle in
bürger=
lichen Haushalt. Gefl. Off. nach
Arheilgerſtr. 4, part., erb. (*1913
E. t. Frau ſ. in hieſ. Umgegend
Beſchäft. i. Graben i. Garten.
Zu erfr. i. d. Exped. d. Bl. (*1966
21jähr. Mädchen, welches ſchon
gedient u. bürgl. kochen kann ſucht
Stelle. Emma Frank,
ge=
werbsmäßige Stellenvermittlerin,
(2569
Karlſtraße 31.
16jähr. Mädchen ſucht Stellung
in beſſerem Hauſe zur Erlernung
des Haushalts, am liebſten nach
auswärts. Familienanſchluß und
Taſchengeld erwünſcht. — Offerten
unter D 80 an die Exped. (*1935
Frau ſucht Beſchäftigung
Blumenschein, Wendelſtadtſtr. 49. (*1940
Frau ſucht Kontor o. Laden zu
putz. Lauteſchlägerſtr. 48, Mſd. (*1972
1 tücht. Alleinmädchen, d. koch.
k., ſucht z. 1. Febr. Stelle in
Ge=
ſchäfsh. Elisabeih Frank,
gewerbs=
mäßige Stellenvermittlerin,
Saal=
bauſtraße 33.
(*1978
Geee
Weiblich
Für meine
Schürzen=Abteilung
ſuche ich eine
tüchtige, durchaus branchekund.
Verkädferm
Kaufhaus M. Schneider
Darmſtadt. (2555
Ein hieſiges erſtes Manufatur=
und Damenkonfektions=Geſchäft
ſucht per 1. April tüchtige
Ver=
käuferinnen für die Kleiderſtoff=
und Manufakturwaren=Abteilung.
Es bietet ſich ſtrebſamen, gut
em=
pfohlenen Damen Gelegenheit, ſich
in guter, dauernder Poſition an
erſte Stelle zu ſetzen. Offerten mit
Gehaltsanſprüchen u. Lebenslauf
unter D 75 an die Exp. (2547fs
ete
zuverläſſiges Mädchen,
welches ſchon gedient u. Liebe zu
Kinder hat, tagsüber nach der
Inſelſtraße geſucht. Näheres
Sandbergſtraße 66, II. (B2572
Männlich
Verkäuferinnen
ein für Kleiderſtoffe und
Manu=
fakturwaren, auch ein
Lehrmäd=
chen und einen Lehrling.
Re=
flektanten, gut empfohlen und aus
achtbarer Familie, wollen ſich
mel=
den bei Gebrüder Höslein,
Ludwigsplatz.
(2548fs
Erste Verkäuferin
für die Wäſche=Abteilung für
ſofort oder bald geſucht
Spezialgeschäft (2570
Ludwig Schwab
23 Ernſt=Ludwigſtraße 23.
Suche für ſofort ein ſlteißiges,
ſauberes Dienſtmädchen, welches
ſchon gedient hat
(*1868df
Riedlingerſtr. 41, 3. St.
wird möglichſt zum ſofort. Eintritt
eine durchaus zuverläſſig und ge=
für Schreib=
wiſſenhaft
arbeitende Dame maſchine u.
ſonſtige Kontorarbeiten (keine An=
fängerin) geſucht. — Ausf. Offerten
mit Angabe bisheriger Tätigkeit
und Gehaltsforderung unt. D 79
an die Exped. erbeten. (B2561 Rock- u. Taillenarbeiterin
ſowie Lehrmädchen aus achtbarer
Fam. ſof. geſucht Damenkonfektion
A. Herber, Wilhelminenſtr. 10. (*1950fs Lehrmädchen
gegen ſofort. Vergütung geſ. (*1947
Sieberling, Marktplatz 4. Ja. Mädch. k. d. Kleidermach. u.
Zuſchn. u. günſt. Beding. gründl. er=
lern. Konf. Mühlſtr. 40, 1. St. (1131a In Offiziershaushalt geſ. zum
1. März. auch früher, tüchtiges
Mädchen
das gut bürgerlich kochen kann u.
Hausarbeit übernimmt, bei gutem
Lohn in dauernde Stelung. Näh.
Frau Oberleutnant Stompel, Dieuze
in Lothringen, wohin Zeugniſſe u.
Bild einzuſenden ſind. (2170a Bürgerliche Köchin u. Mädchen,
welche koch. können, erhalten recht
gute Stellen zu einer Dame, zu zwei
Leuten hier u. auswärts. Fr. Berta
Meßling, Ludwigſtraße 8, gewerbs=
mäßige Stellenvermittlerin. (*1842df ehrliche, möglichſt
Saubere
unabhängige
Lauffrau geſucht Hölgesſtraße 8,
(*1930
bei Felmer. Geſucht durchaus tüchtiges und
zuverl. Hausmädchen, mit beſten
Zeugn., w. auch büg. u. nähen kann,
Näheres Expedition ds. Bl. (*1915 Gelucht
nach der franzöſ. Schweiz ein
Mädchen mit netten Umgangs=
formen aus achtbarer Familie, zur
Mithilfe bei den häuslichen Arbeit.
und zur Beaufſichtigung eines
4jährigen Knabens. Die Stelle iſt
angenehm und bietet ſich günſt.
Gelegenheit zur Erlernung der
franzöſ. Sprache. Offerten mit
Bild, Zeugniſſen und Gehaltsan=
ſprüchen an Madame L. Leidenbach,
„Villa Mono‟ Bienne, Suisse. (*1968 Aeltere, abſolut zuverläſſige Per=
ſönlichkeit zur Führung eines
frauenloſen Haushalts, b. Ueber=
nahme ſämtlicher Hausarbeiten ge=
ſucht. Angebote mit Gehaltsan=
ſprüchen unter D 74 befördert die
Exp. d. Bl.
(2549fso Anſtändige Mädchen, 16 bis 18
Jahre alt, geſucht.
(*1956
Mazzenfabrik, Bleichſtr. 13. Unabhängiges Laufmädchen
per ſof. geſ. Rhönring 71, II (*1937 15—16jähriges Mädchen ſofort
für leichte Arbeit als Aushilfe
geſucht. Näh. Exped.
(*1920 Saub., anſtänd. ig. Mädchen für
tagsüb geſ. Kirchſtr. 19, III. (*1943
inen gewandten,
jüngeren
Verkäufer
für Manufakturwaren
ſucht zum baldigen
An=
tritt
(2544fs
Theodor Schwab,
Ernſt=Ludwigsplatz.
General-Agentur.
Eine der erſten und älteſten
Lebensverſicherungs=
Ge=
ſellſchaften beabſichtigt ihre
mit Inkaſſo verbund. General=
Agentur für Darmſtadt und
Umgegend demnächſt (2536fl
neu zu besetzen.
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auch in der Lage ſind, das
beſtehende Geſchäft zu
ver=
größern, unter W. 859 an
Haasenstein & Vogler, A.-G.,
Frankfurt a. M., erbeten.
Srietenz.
Lizenz eines reellen, vornehmen
und großen Gewinn bringenden
Reklame=Unternehmens ſtadt= oder
bezirkweiſe ſehr günſtig zu
ver=
kaufen. Viele Städte bereits mit
groß. Erfolg ausgearbeitet. Ernſte
Reſlekt. belieben Offerten unter
N. C. 292 an Rudolf Mosse,
Mürn-
berg, einzureichen.
(25340l
bürgerl. Haush. in Geſchäftshaus
bei gut. Behandl. Eintritt 1. Febr.
Zu erfragen in der Exped. (*1942
here e
Proviſion wird ein durchaus ſolider
und gewandter Verkäufer (
der=
ſelbe braucht kaufmänniſche
Kennt=
niſſe nicht zu beſitzen) für hieſigen
Platz u. Umgegend geſucht. Bei
Verkauf Teilzahlungen geſtattet.
Offerten mit Altersangabe ꝛc. unter
D 82 an die Expedition. (2568fso
Mete
Offene Stellen enthält ſtets die
Zeitung: Deutſche Vakanzen=Poſt
Eßtlingen 143. (2533)f
Düngemittel
Tüchtige Reiſende gegen hohe
Proviſion ſucht
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Darmſtadt, Dieburgerſtr. 5. (2563a
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Frankfurt a. M., Saalgaſſe 24.
Zur e
Burſchen
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ſo=
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Luiſenſtraße 6.
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Darmſtadt, Rheinſtraße 47. (*1924
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zur Uebernahme und Geſchäftsbetrieb verfügen, befördert
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sind nach wie vor in Qualitst Uhübertroffen!
Uonaeen
Gräfin Laßbergs Enkelin.
Roman von Fr. Lehne.
(Nachdruck verboten.)
33)
Daß ihr Stiefſohn ſehr erregt war, ſah Frau von
Steinhagen auf den erſten Blick. Ihr war doch
unbe=
hagliche zu Mute, und ſie überſchüttete ihn mit einer Flut
von Worten, daß er ſchließlich ungeduldig ihren
Rede=
fluß abſchnitt.
Mir ſcheint, Du haſt ſchlechte Laune mitgebracht,
Lothar.
Meine Laune war gut — bis vorhin, als ich Euch
kommen ſah. Ich habe keine Luſt, große Umſchweife zu
machen. Alſo kurz: Ihr habt ein Automobil angeſchafft,
ohne mir ein Wort davon zu ſagen.
Du warſt ja nicht da!
Spare Dir doch dieſe kindiſchen Einwürfe Konſtanze.
Mir wäre es im Grunde ganz gleichgültig, wenn ich nicht
fürchten müßte, daß dieſe Anſchaffung Steinhagen zur
Laſt fällt.
Damit haſt Du nicht Unrecht!
Das ſagſt Du, als ob das ſo ſelbſtverſtändlich iſt. Ihr
habt doch die Equipage.
Die nimmſt Du zurück oder verkaufſt ſie, dann gleicht
ſich das aus; ob wir nun Wagen und Pferde oder ein
Auto haben, das iſt ſchließlich ganz egal, ſagte Konſtanze.
achſelzuckend,
Meinſt Du? Doch Deine Rechenkünſte kenne ich ja
be=
reits! Ganz abgeſehen davon, daß ein Kraftwagen viel
mehr zu unterhalten koſtet als die Equipage, ſo muß vor
allem auch der Anſchaffungspreis in Frage gezogen
wer=
den! Darf ich mal um die Rechnung bitten?
Er ſprach in ganz ruhigem Konverſationston, ſaß
auch gemächlich im Seſſel, ein Bein über das andere
ge=
ſchlagen, die Arme über der Bruſt verſchränkt — nur ſeine
Augen redeten eine andere Sprache. Es wetterleuchtete
in ihnen, und ausgeprägter als je war die ſcharfe Falte
über der Naſe.
Doch etwas zögernd ſtand jetzt Frau Agathe auf und
brachte die Rechnung herbei. Eine größere Anzahlung
habe ich ſchon gemacht!
Wieviel, bitte?
Zweitauſend Mark.
Gut! Dann laſſen wir die Anzahlung verfallen und ihr
gebt den Wagen zurück! meinte er gleichmütig.
Das geht doch nicht. Was denkſt du! Was würden die
Leute dazu ſagen! Das iſt ja heller Wahnſinn! Die
Stim=
men von Mutter und Tochter klangen erregt durcheinander.
Nicht größerer Wahnſinn, als die Anſchaffung eines
Wagens, der eure Verhältniſſe bei weitem überſteigt.
Das ſagſt du! Und wir leben ſo einfach!
Jetzt mußte er doch lachen. Höhnend klang es durch den
Raum.
In der Tat, eure Lebensführung iſt ſehr einfach — ſo
einfach, daß ſie die Kräfte Steinhagens bedeutend über=
ſteigt! Ihr müßt ſparſamer leben — und vor allem — der
Wagen kommt heute noch aus dem Hauſe; ich kann ihn
nicht bezahlen!
Du mußt es — das biſt du uns ſchuldig! Wir geben
doch die Equipage dafür auf! Verkauf außerdem ein Stück
Feld, einige Kühe, dann haſt du die Summe!
Soll ich nicht gar Steinhagen auch gleich verkaufen?
ſagte er grimmig. Dann hättet ihr ja genug zum
Aus=
geben. An eure Zukunft denkt ihr wohl gar nicht.
Das Beſte wäre es! Dann hätte aller Streit ein Ende!
bemerkte Konſtanze gleichmütig.
Du ſollteſt dich ſchämen, Konſtanze, das zu denken,
ge=
ſchweige auszuſprechen Seine Stimme bebte vor
Er=
regung. Ich habe redlich für euch gearbeitet —
Für dich wohl nicht? warf Konſtanze ſchnippiſch ein.
Dir gehört wohl Steinhagen nicht?
Auf dem Papiere allerdings! Doch ihr habt mehr
da=
von als ich!
Dein guter Vater, Lothar, mein ſeliger Mann, hat
feſſer und nobler für mich geſorgt als du! ſagte Frau
Agathe mit weinerlicher Stimme.
Ja, indem er Steinhagen in einer Weiſe belaſtete, die
allgemeines Kopfſchütteln erregte. Und ich habe arbeiten
müſſen, ſchlimmer als ein Taglöhner, um mir den Beſitz
meiner Väter zu erhalten, um wenigſtens die drückendſien
Verbindlichkeiten abzulöſen.
Wenn es ſo ſtand, warum haſt du Steinhagen nicht
verkauft, damals, als dir Fabrikbeſitzer Clemens das lo
Nummer 22.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. Januar 1912.
Seite 8.
Marke S. MI.
Nachfolger
Frau A. Bader
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freunde, die im Beſitz von
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trophäen, Waffen u. ſonſtigen
Er=
zeugn. aus den Tropen ſind, werd.
gebeten, ihre Adreſſe z. Zweck der
Veranſtalt. einer kolonialen Jagd=
und Seefiſchausſtellung gefl.
mit=
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er=
wachſen dadurch nicht. Andr. unt.
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und geſtrickte Weſten; ferner
Herren= und Kinder=Hüte und
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Preiſen abzugeben bei (2445a
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Ludwig Netz, Karlſtraße 21,
GeorgLiebig &Co., Nachf., Drog.,
Karl Steinhäuſer, Mühlſtr. 78,
Georg Hübner, Karlſtraße 56,
Joh. Stenger, Viktoria=Drogerie,
A. WalchnerNachf., Louiſenſtr. 42,
Adolf Zachmann, Bleichſtraße 46,
Gebr. Vierheller, Schuſtergaſſe 17.
Th. Frank, Parf Eliſabethenſtr. 9.
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Ende: Samstag, den 10. Februar,
Beginn: Samstag, den 27. Januar.
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kräftige Berufsstiefer .
in kräftiger Ausführung . . . . . . sonst 6.20, jetzt
Herren-Schnürstiefel
Damen-Schnürstiefel
fein Boxled. od. Chromled. m. Lackkapp., sonst 7.50, jetzt 60
fein Boxled. od. Chromled. m. Lackkapp., sonst 6.50, jetzt 50
Herren-Zugstiefel
Braune Chevreau-Damen-Schnürstiefel
glatt, fein Boxleder, zur Uniform . . sonst 7.50, jetzt
elegante Form
sonst 8.50, jetzt 5
040
Herren- echt Boxcalf-Schnürstiefel
Damen- Ia Boxcalf-Knopfstiefel
. sonst 10.90, jetzt 3
modern und solid
Serie I sonst 9.20, jetzt 7.40, Serie II sonst 10.50 jetzt
„Orig. Goodyear Welt‟ Herren-Schnürstiefel
„Orig. Goodyear Welt‟ Damen-Schnürstiefel
ff. Chevreau, Lackk., hochmodern sonst 16.50, jetzt1190
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vorteilhafte Angebot machte? Für das Geld konnteſt Du
längſt eine andere Klitſche haben!
Wenn Mama das ſagen würde, würde ich es
begreif=
lich finden, da ſie aus einer Sphäre ſtammt, der das
Be=
wußtſein eigene Scholle wohl am fremdeſten von allen iſt.
Frau Agathe wollte auffahren; ſie war dunkelrot und
ſchnappte nach Luft. Bitte, möchteſt du etwas erwidern?
fragte er kalt, nach der faſſungsloſen Frau hinüberblickend.
Dann wandte er ſich nach der Schweſter. Dir aber,
Kon=
ſtanze, hätte ich doch mehr Herrengefühl zugetraut! Haſt du
ſo wenig Stolz und Anhänglichkeit — und Verſtändnis
für das, was dir als aus einem alten Adelsgeſchlecht das
Höchſte ſein müßte?
Ich habe damals nicht gezögert und die Uniform
aus=
gezogen, trotzdem es mir bitterſchwer wurde, weil ich gern
Soldat war und meinem Kaiſer gern diente, und bin doch
ein Bauer geworden, wie du ſo oft höhnend bemerkſt.
Aber es galt, Steinhagen zu retten — und die Hand des
Herrn tak not! Wer ſollte für euch ſorgen, wenn alles
zu=
ſammenbrach, damals, als Vater ſo plötzlich ſtarb
Und war es nicht in deinem Intereſſe mit?
Gewiß! Aber ihr habt nie gefragt, ob es mir leicht
wurde oder ſchwer! Vater hat mir durch ſeine
Beſtimmun=
gen wirklich ein Opfer auferlegt. An mich habe ich in den
letzten acht Jahren nicht denken können. Einen eigenen
Hausſtand zu gründen, wäre mir auch heute noch ſchwer.
Ja, natürlich, wenn du ein Mädchen ohne Vermögen
heiraten wollteſt! Welcher Landwirt könnte das?! Du mußt
mir doch mein Kapital auszahlen, ſobald ich heirate!
Das würde mir jetzt unmöglich ſein! Ich habe keine
Erſparniſſe machen können. Ja, wenn ihr draußen in
Steinhagen wohntet, wäre es anders geweſen. Aber zwei
Haushaltungen wirft es nicht ab. Wozu dieſes koſtſpielige
Haus in der Stadt? Man hätte es vermieten können!
O, o Lothar, dieſen Gedanken laß fallen! rief Frau
Agathe erregt. Uebrigens hat mein guter Mann mir dieſes
Haus als Witwenſitz beſtimmt außer der Rente von
zwölf=
tauſend Mark im Jahre.
Habe ich ſie dir einmal nicht gezahlt? Und nicht
ein=
mal haſt du mir die Zahlungsbedingungen erleichtert
wäh=
rend der ſchwerſten Jahre. Ich hab’ manchmal nicht
ge=
wußt, wo hernehmen. Aber ihr brauchtet ja tauſend Mark
im Monat ſo nötig, trotzdem ich euch faſt euren ganzen
Haushalt beſtritt, wozu ich garnicht verpflichtet war.
Als ob es auf die paar Gänſe und Hühner und Eier
und das Obſt ankäme! Es iſt ſehr nett, daß du uns deine
Wohltaten vorwirfſt!
Er beachtete Konſtanzes Einwurf nicht, ſondern fuhr
fort:
Was hat dieſes Haus allein ſchon gekoſtet! Um die
kleinſte Reparatur ſeid ihr gekommen! Ich hab’ euch
Dampfheizung legen laſſen und ſo vieles andere angeſchafft,
was nicht nötig war. Und allein die viele Dienerſchaft:
Geſellſchafterin, Köchin, Stubenmädchen, Kutſcher, Jungfer
und was alles noch!
Bitte lieber Lothar, mache uns darüber keine
Vor=
ſchriften. Wir leben nur ſtandesgemäß, nicht anders! Ich
weiß übrigens gar nicht, wohin wir uns verirrt haben.
Dieſe Erörterungen —
Sind durchaus nötig! Wir müſſen uns einmal
aus=
ſprechen. Ihr ſcheint gar nicht mehr im Bilde zu ſein!
Ich muß euch wirklich daran erinnern, daß ihr nicht nur
das Recht habt, Geld auszugeben, ſondern auch die Pflicht,
zuſammenzuhalten, zu ſparen! Bis jetzt hab’ ich nur für euch
und die Zinſen gearbeitet — ohne nur einmal ein Wort
des Dankes zu hören — als müſſe es ſo ſein.
Du haſt ja dafür Steinbagen.
Das ich aber nicht länger halten kann, wenn ihr ſo
weiter lebt! Es iſt unmöglich! Und eine neue Hypothek
nehme ich unter keinen Umſtänden auf. Willſt du das Auto
von deinem Kapital bezahlen Konſtanze, dann
meinet=
wegen — dann will ich verſuchen, die achtzehntauſend Mark
aufzutreiben. Du mußt es mir ſchriftlich geben.
Fällt mir gar nicht ein! Aber der neue Kuhſtall, die
neuen Scheuern, die Arbeiterhäuſer, die gar nicht nötig
waren, die vielen Anſchaffungen für Steinhagen. Das
alles iſt wohl nur von deinem Gelde genommen? Warum
ſteckſt du jetzt ſoviel Geld hinein? Du wirſts wohl gewußt
haben, warum. Daß du Steinhagen recht neu
über=
nimmſt!
(Fortſetzung folgt.)
Nummer 22.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 26. Januar 1912.
Seite 15.
EAeINV Ronfen
das wegen seines Wohlgeschmackes, seiner milden, sicheren Wirkung mit Recht
beliebteste Mittel zur Regelung des Stuhlganges und Verhütung von Verstopfung,
für Erwachsene und Kinder, sollte in keinem Haushalt fehlen. Von zahlreichen
Aerzten wärmstensempfohlen. Originalblechdosen mit 20 Fruchttabletten M. 1.—.
Man hüte sich vor minderwertigen Nachahmungen und verlange ausdrücklich LAXIN. (VI2089
Kichard wagher Verem Darmstauf
Donnerstag, den 1. Februar 1912, abends 8 Uhr
im Festsaale der Turngemeinde (Woogsplatz 5)
Konzert
von Frau
Marie Panthés (Klavier
und Herrn
Robert Pollak (Violine
aus Genf.
Der Bechstein-Konzertflügel ist aus dem Lager der
Firma Hoflieferant A. W. Zimmermann (Inhaber Ludwig
Schweisgut).
Eintrittskarten für Nichtmitglieder: Sperrsitze zu 5 u. 4 Mk.,
Saal zu 3 Mk., Vorsaal zu 1.50 Mk., Galerie zu 1.50 Mk., Stehplätze
im Saal zu 1.— Mk.; Studentenkarten zu 1.— Mk. und Schülerkarten
zu 0.50 Mk., bei Leopold Schutter, im Verkehrsbüro und abends an der
Kasse. — Beitrittserklärungen für das am 1. Januar begonnene
neue Vereinsjahr, die noch vor dem obigen Konzerte erfolgen,
berechtigen zu dessen freiem Besuche. Der Jahresbeitrag
be-
trägt 12 Mk.
(2556)
Der Vorstand.
Bürger-Verein und
Darmstädter Fecht-Klub.
Samstag, den 27. Januar, abends 8½ Uhr,
im grossen Saale des Hotel „Zur Traube‟
Zigeunerfest u
mit verschiedenen Aufführungen.
Die Einzeichnungsliste für einzuführende Gäste
liegt im Lesezimmer auf.
2517df)
Die Vergnügungs-Kommission.
Ludwioshöhe
Samstag, den 27. Januar 1912
zur Kaisers Geburtstagsteier
estkonzerr
Ausgeführt von einer größeren Abteilung
der Kapelle des Leibgarde-Regiments.
Anfang 4 Uhr.
Eintritt 25 Pfg.
Abonnements=Karten haben Gültigkeit. (B2573
Vereinigte Kriegervereine
Darmſtadts
Jugendwehr (Jung=Darmſtadt).
Nächſte Zuſammenkunft Sonntag, den 28. Januar,
nach=
mittags 1½ Uhr, am Eingang des Exerzierplatzes nächſt der Rheinſtr.
2538)
Der Vorſtand.
Frauenverein des Ostbezirks der
ev. Stadtgemeinde.
Familien=Abend
Sonntag, 28. Januar 1912, abends 7½ Uhr,
im Gemeindehaus (Kiesſtr. 17)
Muſikaliſche u. deklamator. Darbietungen, Anſprache
Tee=Karten zu 25 Pfg. bis zum 27. Januar bei dem
Haus=
meiſter Spaar (Kiesſtraße 17).
(2545
Der Vorstand.
Britannia=Hotel, Künstler=Konzerf.
(Karnevalistischer Abend.)
Im Programm sind folgende Stücke:
Ouvert. „Orpheus in der Unterwelt‟ Fantasie „Mikado‟
Lied „Chambre separée‟, „Potpourris” Operetten-Revue;
Melodien aus „Grigri‟; „Zamona‟ „Studenten-Lieder‟:
Potp. Walzer „Brüderlein fein” u. a. m. (2529
Freie literarisch-Künstlerische Gesellschaft
Dienstag 30. Januar, abends 8 Uhr, Mathildenhöhsaal
Vortrag des Herrn Victor Zobel:
„Unser Garten‟ (mit Lichtbildern).
Karten für Nichtmitglieder zu Mk. 2, 1 und 50 Pfg. bei
A. Bergsträsser (Rheinstrasse), und an der Abendkasse. (2454
Sterbekasse Vorerh Einigkottr., Darmstadt
Einladung
zur 22. General-Versammlung
am Samstag, den 27. Januar 1912
abends 8 Uhr
in der „Ludwigshalle‟ (Nebenſälchen)
Obergaſſe 12.
Tages=Ordnung:
1. Tätigkeitsbericht.
2. Verles des Protokolls der letzten Generalverſammlung
3. Rechnungsablage pro 1911.
4. Erledigung etwa eingelaufener Anträge.
5. Verſchiedenes.
6. Neuwahl des Vorſtandes.
Um pünktliches und zahlreiches Erſcheinen bittet (2550
Der Vorstand.
Nor kaan Neid! Leitung: Hans Schramm.
Sonntag, den 28. Januar, abends 7 Uhr 11
im städtischen Saalbau:
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den Herren Otto Titze (Glocks Hutgeschäft),
Edgar Wetzstein (Gg. Hof Nachfolger), im
Zigarrengeschäft Meyer, Ecke
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Verkehrsbüro. An der Kasse
50 Pfg. Aufschlag.
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lingsſchweſter . Frl. Meißner
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hauptmann . . Hr. Heinz
Ein and.
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hauptmann
Valen=Kavaliere
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Curio, Herzogs Hr. Wolf
GräfinOlivia,eine
Waiſe
Junker Tobias v.
Rülp, ihr Oheim Hr. Riechmann
Junker Chriſtoph
v. Bleichenwang Hr. Knispel
Malvolio,
Haus=
hofmeiſter .
. Hr. Jürgas
Der Narr
Hr. Weſtermann
Fabio, Jäger . . Hr. Peterſen
Marie,
Kammer=
mädchen
Erſter 1Gerichts= Hr. Klotz
Zweiter) diener Hr. Dobski
Diener d. Gräfin Hr. Jungmann
Kavaliere des Herzogs, Damen,
Matroſen, Häſcher, Muſikanten.
Das Stück ſpielt in Illyrien.
Nach der 1. Abteil. längere Pauſe.
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loge 5 Mk., Balkonloge 4.50 Mk.,
1. Rang 4 Mk., 2. Rang (1. bis 6.
Reihe) 2 Mk., (7. und 8. Reihe)
1.60 Mk., Sperrſitz (1. bis 13. Reihe)
3.50 Mk., (14. bis 20. Reihe 3 Mk.,
Parterre (1 bis 5. Reihe) 2.20 Mk.,
(6. bis 8. Reihe) 1.80 Mk., 1. Galerie
1 Mk., 2. Galerie 50 Pfg.
Anf. 7½ Uhr. Ende nach 9½ Uhr.
Kartenverk. v. 11—1 u. v. 6½ Uhr an.
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Sonntag, 28. Jan. 102. Ab.=V.
C 25. „Grigri.” Große Preiſe.
Anfang 7 Uhr.
Montag, 29. Jan. 103. Ab.=V.
D 26. „Die Räuber”. Kleine
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
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von 10—12½ Uhr, geötfnet.
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