Abonnementspreis
Inſerake
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
aus=
werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Der neue Reichstag wird am 6. Februar
einbe=
rufen.
Staatsſekretär von Kiderlen=Wächter iſt
am Samstag in Rom eingetroffen und wurde vom
König empfangen.
Das Reichsgericht hat das Urteil im Prozeß
Schapiro aufgehoben und die Sache zur
nochmali=
gen Verhandlung an die Straxkammer in Darmſtadt
verwieſen.
Das Neue Frankfurter Komödienhaus ſtellt
wegen Konkurſes ſeine Vorſtellungen ein.
Der Zuſtand des Großherzogs von
Luxem=
burg hat ſich ſo verſchlechtert, daß er zu den
ſchlimm=
ſten Beſorgniſſen Anlaß gibt.
Zu den franzöſiſch=ſpaniſchen Markko=
Verhandlungen wurde auch in der letzten
Un=
terredung des franzöſiſchen Botſchafters mit dem
Mi=
niſter des Aeußern keinerlei Einigung erzielt.
Die Oaſe Gargareſch wurde endgültig von den
Italienern beſetzt.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.
Graf Poſadowshy über die politiſche Lage.
* Staatsminiſter Graf von Poſadowsky, der in
Bielefeld mit dem bisherigen ſozialdemokratiſchen
Reichstagsabgeordneten Severing in Stichwahl ſteht,
ſprach, wie ſchon gemeldet, in Jena über die politiſche
Lage. In einem nahezu zweiſtündigen Vortrag führte
der Graf, dem die Erſchienenen lebhafte Ovationen
be=
reiteten, etwa folgendes aus:
Ich bin dem Rufe, mich hier über die politiſche
Lage zu äußern, gefolgt, weil ich der Anſicht bin, daß es
in einem ſo kritiſchen Zeitpunkt, wie dem
ge=
genwärtigen, die Pflicht jedes Staatsbürgers iſt, ſeine
Anſicht zu äußern und für das auf Gedeih und Verderb
einzutreten, was er zum Wohl des Reiches für das
rich=
tige hält. Die Zerſplitterung unſerer
Par=
teien erinnert lebhaft an die Kleinſtaaterei und die
verſchiedenartige Geſetzgebung vor der Reichsgründung.
Wenn wir unſere Parlamente anſehen, ſo haben wir das
getreue Abbild der alten deutſchen
Zerriſſen=
heit, denn außer der Partei der Fraktionsloſen gibt es
neun verſchiedene Parteien. Wir haben eine
Vielſeitig=
keit der Programme, die den Berufspolitikern, den
po=
litiſchen Spezialiſten vielleicht außerordentlich wichtig
er=
ſcheint, die aber doch viel Nebenſächliches enthält
gegen=
über den großen entſcheidenden Fragen. Ich meine,
auch für die Parteien wäre der Zeitpunkt gekommen, eine
Inventur ihrer politiſchen Programme vorzunehmen und
alles Nebenſächliche, alles Unerreichbare auszuſchalten
und ſich nur auf große, klare, wirklich
ak=
tuelle Fragen zu beſchränken. Wenn wir große
Parteien hätten, ſo würde ſelbſtverſtändlich unſer
Reichs=
tag eine viel kräftigere Stellung der Regierung gegenüber
und einen viel größeren Einfluß auf die öffentliche
Mei=
nung haben. Mit der Parteizerſplitterung hängt auch
die ermüdende Länge der Parlamentsverhandlungen
zuſammen, weil jede Partei zu Worte kommen will,
mög=
lichſt mit zwei Rednern. Und ein Parlament, deſſen
Verhandlungen nicht mehr geleſen werden, büßt den
größten Teil ſeines politiſchen Einfluſſes ein.
Sie entſinnen ſich, welche Begeiſterung die
Block=
politik erregt hat; heute haben wir gerade die
um=
gekehrte Lage. An und für ſich lag der Blockpolitik ein
durchaus geſunder Gedanke zugrunde; aber zur
Schaf=
fung großer politiſcher Kombinationen iſt die Hauptſache
ein einheitliches Programm. Heute iſt der
Gegenſatz unter den früheren Blockparteien ſchärfer als
je und die Sozialdemokratie hat einen Stimmenzuwachs
von faſt einer Million erhalten. Man wirft der
Regie=
rung ſo häufig den Zickzackkurs vor. Ich glaube mit
Unrecht, denn eine Regierung kann eine
kon=
ſequente Politik nur durchführen, wenn
ſie ſich auf große, einheitliche Parteien
zu ſtützen in der Lage iſt. Eine Regierung muß
ſelbſtverſtändlich über den Parteien ſtehen, aber das
ent=
bindet keine Regierung von der Notwendigkeit, ein feſtes
Programm zu haben und dieſes Programm öffentlich
zu erklären. Ein ſolches Programm muß auch jeder
Po=
litiker haben. Man erzählt von einem franzöſiſchen
Po=
litiker, daß er von ſeiner Partei geſagt habe: „Ich bin
ihr Führer, und deshalb muß ich ihr folgen.” Nein, ein
Führer muß eine Anſicht haben und ſich eine
Gefolg=
ſchaft werben. Dasſelbe gilt von einer Regierung. Eine
Regierung oder ein Politiker ohne feſtes Programm
kommt mir vor wie ein Maurermeiſter, der ein Haus
haut ohne Stil und der auf einen dahingehenden Vorhalt
ſagt: „Warten Sie nur den Stil werde ich nachher
ſchon heranputzen!‟
Man gewinnt nur dann die Maſſen, wenn ſie einen
klaren, entſchiedenen Willen ſehen. Wer die
Maſſen beherrſchen will, muß den Mut haben, etwas zu
ſagen, was den Maſſen unſympathiſch iſt. Ein ſolches
Saatkorn fällt immer auf einen guten Boden. Manches
ſpricht dafür, daß unſere Führer um die Gunſt der
Par=
tei buhlen, ſtatt ſie zu erziehen. Was ſchadet es, ob ein
Mandat verloren geht. Ich habe in meinem langen
po=
litiſchen Leben wunderbare Erfahrungen gemacht. Ich
habe Leute kennen gelernt, die auf der Rechten ſaßen und
nach ihren inneren Ueberzeugungen auf die Linke
ge=
hörten und umgekehrt. Man muß ſich nicht gruppieren
nach den Ausſichten, die man in einem einzelnen
Wahl=
kreiſe hat, ſondern nach den inneren Ueberzeugungen.
Die bürgerlichen
Sammelkandidatu=
ren ſind ein Ausdruck der Not. Ein ſolches Verfahren,
Sammelkandidaturen aufzuſtellen und Wahlbündniſſe zu
ſchließen, halte ich für ſehr wichtig und ſehr nützlich in
einer Zeit, wo die Sozialdemokratie bei den erſten
Wah=
len faſt eine Million Stimmen gewonnen hat. Die
Schwächung des bürgerlichen
Liberalis=
mus durch die Sozialdemokratie iſt ein ſchwerer
Schaden für unſer öffentliches Leben. Wie
wir eine konſervative Partei brauchen, ſo brauchen wir
auch eine einflußreiche bürgerliche liberale Partei.
Schließlich wandte der Redner ſich noch mit
folgen=
den Ausführungen der auswärtigen Politik zu:
Die auswärtige Politik hat uns in den letzten Jahren
ſehr beſchäftigt und mit banger Sorge erfüllt. Die
Er=
folge, die wir errungen haben, haben bei uns eine gewiſſe
Enttäuſchung hervorgerufen. Ich halte es für den
größ=
ten Fehler, ſelbſt wenn man eine ſolche Enttäuſchung
über die Erfolge unſerer auswärtigen Politik
empfin=
det, nun eine gewiſſe Verſtimmung zu erzeugen und in
dieſer Verſtimmung Gefühlen nachzugehen, die äußerſt
bedentlich ſind. Man kann einen Fehlſchlag nicht dadurch
gut machen, daß man ſozuſagen eine Gelegenheit
her=
beiwünſcht, wo man gewaltſam eine erlittene
Enttäu=
ſchung wieder gut machen kann. Ich glaube, das ſind
gefährliche Stimmungen. In Frankreich iſt jetzt ein Mann
Miniſterpräſident geworden, der einen ausgezeichneten
Ruf genießt. Und ich meine, Deutſchland darf doch den
Verſuch nicht aufgeben, mit Frankreich, namentlich
nach=
dem der Marokkohandel als beendigt anzuſehen iſt, auf
einen gewiſſen Zuſtand der Verſtändigung zu gelangen.
Auch ein freundſchaftliches Verhältnis zu England iſt
notwendig. Wir wollen niemand provozieren und jeder
verſtändige Staatsmann wird die ultima ratio, die
be=
waffnete Verteidigung vermeiden, ſolange es mit der
Würde eines Staates vereinbar iſt. Aber wir ſind auch
ein großes Volk allmählich geworden und wir müſſen
verlangen, daß wir von allen Staaten politiſch und
wirt=
ſchaftlich als gleichberechtigt angeſehen werden. Wir
müſſen verlangen, daß wir an der noch nicht beſetzten
Erde unſeren Anteil haben. Wir können uns nicht
aus=
ſchließen laſſen, wir haben einen Anſpruch auf
Kolo=
nien, wo der Deutſche arbeiten und leben kann. Wie
die Situation jetzt liegt, halte ich von allen möglichen
freundſchaftlichen Verſuchen, die von Vereinen ausgehen,
nicht viel. Für uns iſt eine wirkliche Zurückhaltung
ge=
boten. Aber die ganze Welt muß wiſſen, daß das
Deutſche Volk bereit iſt, wenn es ſich um Exiſtenzfragen
handelt, ſein Hab und Gut, ſeinen letzten Mann
einzu=
ſetzen. Eine politiſche Mainlinie gibt es nicht mehr und
darf es nicht mehr geben. Im Augenblick der Gefahr
ſind wir ein einiges Volk.
Zum Eſſener Prozeß.
Nach der Ausſage des Zeitungsverlegers Dr.
Reismann=Crone hat ſich Staatsſekretär von Kiderlen=
Wächter gegenüber dem Rechtsanwalt Claß am 19. Juni
für die Aufteilung Marokkos ausgeſprochen, während
Unterſtaatsſekretär Zimmermann einige Tage ſpäter zu
Rechtsanwalt Claß geſagt habe: „Wir werden Agadir
behalten . . ., wir wollen keine Kompenſationen, wir
wollen Marokko; Frankreich will uns den Kongo
anbie=
ten”. — Dieſe beſtimmten Angaben ſtehen in
vollſtändi=
gem Gegenſatz zu den nicht minder beſtimmten
Erklärun=
gen, die Staatsſekretär von Kiderlen im
Haushaltsaus=
ſchuß des Reichstages am 17. November vorigen Jahres
abgegeben hat. Nach dem Bericht des Wolffſchen
Bu=
reaus hat der Staatsſekretär damals erklärt:
„Niemals . . . habe die Abſicht beſtanden, ein Stück
von Marokko zu nehmen. Dies habe der Staatsſekretär
damals auch einem bekannten Alldeutſchen gegenüber
ganz deutlich ausgeprochen. Leider habe der betreffende
Herr es ihm nicht geglaubt. Aber auch den Mächten
ſeien die deutſchen Abſichten von vornherein klargelegt
worden.”
Die hier vom Staatsſekretär berührte Mitteilung,
die die deutſche Regierung an die Mächte über die
Ent=
ſendung des „Panther” gerichtet hat, iſt in der „Nordd.
Allg. Ztg.” vom 4. Juli vorigen Jahres veröffentlicht
worden. Die Mitteilung geht von der Beunruhigung
deutſcher Firmen Südmarokkos durch die unter den
dor=
tigen Eingeborenen beſtehende Gärung aus, erwähnt die
Bitte um Schutz, die jene Firmen an die deutſche
Regie=
rung gerichtet hätten, bezeichnet die Entſendung eines
Kriegsſchiffes als Erfüllung dieſer Bitte und ſchließt:
„Sobald Ruhe und Ordnung in Marokko
wiederge=
kehrt ſein werden, ſoll das mit dieſer Aufgabe des
Schutzes betraute Schiff den Hafen von Agadir verlaſſen.”
Der Wiedergabe dieſer Mitteilung ließ die Nordd.
Allg. Ztg. ein Berliner Telegramm der Köln. Ztg.
fol=
gen, worin es heißt:
„Anderweitigen Meldungen gegenüber iſt zu
bemer=
ken, daß eine Ausſchiffung von Mannſchaften in Agadir
zunächſt nicht beabſichtigt iſt, und nur dann in Frage
kom=
men würde, wenn ſich die Notwendigkeit einer ſolchen
Maßregel zum Schutze von Leben und Eigentum der
Deutſchen herausſtellen würde. Ebenſo wenig iſt eine
Beſetzung des Hinterlandes von Agadir geplant. Es
handelt ſich bei dem Schritte der deutſchen Regierung um
Vorſichtsmaßregeln, nicht um einen Akt der
Beſitzergrei=
fung”.
Wie der Augenſchein lehrt, ſtehen ſowohl die
amt=
liche Mitteilung der deutſchen Regierung an die Mächte
als auch das von der Nordd. Allg. Ztg. übernommene
Berliner Telegramm der Köln. Ztg. in Uebereinſtimmung
mit den Erklärungen, die der Staatsſekretär am 17.
No=
vember vorigen Jahres im Haushaltsausſchuß des
Reichstages abgegeben hat. Daß Rechtsanwalt Claß
ſeinerſeits erklärt, vom Staatsſekretär und vom
Unter=
ſtaatsſekretär das Gegenteil vernommen zu haben, iſt ein
merkwürdiger, der Aufklärung bedürftiger Vorfall. Nach
der Novemberrede des Reichskanzlers iſt das deutſche
Ma=
rokkoprogramm bekanntlich im Mai vorigen Jahres
auf=
geſtellt worden.
Deutſches Reſch.
— Der neu gewählte Reichstag wird zum
6. Februar einberufen.
— Ueber 181 Millionen
Mehreinnah=
men der deutſchen Eiſenbahnen im Jahre
1911. Die Zunahme der Einnahmen der deutſchen
Eiſenbahnen hat auch im Dezember angehalten;
nament=
lich der Güterverkehr hat wieder ein ſehr günſtiges
Er=
gebnis gebracht: die Güterverkehrseinnahmen der
deut=
ſchen Eiſenbahnen betrugen im Dezember 153 427391
Mark oder auf den Kilometer 904 Mark. Das bedeutet
gegenüber dem gleichen Vorjahrsmonat ein Mehr von
5 701054 Mark oder von 69 Mark oder 2,43 v. H. pro
Kilometer. Die geſamten Verkehrseinnahmen der
deut=
ſchen Eiſenbahnen betrugen im Dezember im
Perſonen=
verkehr 62082778 Mark (— 4814737 Mark), aus dem
Güterverkehr 153 427391 Mark (—— 5701054 Mark); für
die Bahnen mit dem Rechnungsjahr April=März ſeit dem
1. Aprli 1911 aus dem Perſonenverkehr 572 432129 Mk.
(—1- 28 633 482 Mark), aus dem Güterverkehr 1 295686 690
Mark (— 99382081 Mark); für die Bahnen mit dem
Kalenderjahre als Rechnungsjahr im ganzen Jahre 1911
aus dem Perſonenverkehr 108 710020 Mark (— 6 956686
Mark), aus dem Güterverkehr 205565126 Mark
(—— 15320576 Mark). Danach überſteigen die geſamten
Einnahmen aus dem Perſonenverkehr im Jahre 1911 die
des Vorjahres um zirka 42,3 Millionen Mark und die
geſamten Einnahmen aus dem Güterverkehr im Jahre
1911 die des Vorjahres um zirka 139 Millionen Mark.
Das ergibt eine Geſamtmehreinnahme von rund 181,3
Millionen.
Zur Privatbeamten=Verſicherung.
Berliner Blätter teilen mit: Dem Reichsamt des
In=
nern gehen fortgeſetzt Eingaben von Geſellſchaften und
Einzelperſonen zu, in denen Auskunft über die Paragr.
390 bis 393 des Verſicherungsgeſetzes für Angeſtellte
er=
beten wird. Dieſe Paragraphen behandeln die
Be=
freiung derjenigen Angeſtellten von der Beitragsleiſtung
nach dem neuen Geſetz, für welche vor dem 5. Dezember
1911 bei öffentlichen oder privaten Lebensverſicherungen
ein Verſicherungsvertrag geſchloſſen iſt. Da das
Reichs=
amt des Innern zur Entſcheidung dieſer und anderer
das Verſicherungsgeſetz für Angeſtellte betreffenden
Fra=
gen nicht zuſtändig iſt, ſo müſſen die Eingaben
einſtwei=
len unerledigt bleiben und geſammelt werden; ſie
wer=
den demnächſt dem Direktorium der zu errichtenden
Reichsverſicherungsanſtalt für Angeſtellte zur Erledigung
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Mottag, den 22. Januar 1912.
Nummer 18.
übergeben. Die Bezeichnung der für das Direktorium
in Ausſicht genommenen Mitglieder ſoll in naher Zeit
zu erwarten ſein. Ihre Ernennung kann erſt nach
Ver=
abſchiedung des Etats für das Direktorium durch
Bun=
desrat und Reichstag erfolgen.
— Der Deutſche Verlegerverein hat eine
Eingabe an den preußiſchen Kultusminiſter gerichtet,
worin unter Hinweis darauf, daß, durch die
Miniſterial=
verordnung vom 13. Februar 1911 hervorgerufen, ein
Schulbuch= und Verlagsmonopol herbeigeführt werden
könne und dies die Verleger beunruhige, gebeten wird,
der Miniſter möge dafür Sorge tragen, daß der
Reich=
tum an guten Lehrmitteln, deſſen ſich Deutſchland wie
kaum ein anderes Land der Welt erfreue, nicht einem
übertriebenen Streben nach Uniformierung geopfert
werde.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Die Verhandlungen über die
ſtaats=
finanziellen Transaktionen ſind
abgeſchloſ=
ſen. Zur Begebung gelangen nominell 200 Millionen
Kronen 4proz. Kronenrente zu 90 Prozent; ferner
üver=
nahm das bekannte Konſortium 130 Millionen
Schatz=
ſcheine zu 97,50 Prozent.
Frankreich.
Die Marokko=Verhandlungen. In der
Sitzung des Senats bat Briand den Senat, die
Beſpre=
chung der Interpellation Delahaye über die auswärtige
Politik des Kabinetts bis nach Annahme des
deutſch=
franzöſiſchen Abkommens zu vertagen. Delahaye erhob
dagegen Einſpruch, denn dann ſei ſeine Interpellation
zwecklos. Worüber er ſich vor allem beklagen wolle, das
ſei die Weigerung der Kommiſſion, beſtimmte
maßge=
bende Perſönlichkeiten über die Abtretung eines Teiles
des Kongo=Gebietes anzuhören. Er habe neue
Tat=
ſachen vorzubringen. Der Senat erklärt ſich damit
ein=
verſtanden, daß die Interpellation zu derſelben Zeit
be=
raten werde, wie das deutſch=franzöſiſche Abkommen.
Gaudin de Villaine verlangte, daß die Interpellation,
die er über denſelben Gegenſtand eingebracht habe, vor
dem Abkommen beraten werde. Briand beantragte von
neuem, daß die Beſprechung über die Interpellation von
der über das Abkommen getrennt werde. Ribot erklärte,
Frankreich erwarte mit Ungeduld, daß der Senat über
das deutſch=franzöſiſche Abkommen beſchließe. Das iſt die
erſte und wichtigſte zu erledigende Frage. Der Senat
könne beſtimmen, daß das Abkommen an erſter Stelle
be=
raten werde und das, fuhr Ribot fort, bitte ich im
Na=
men der zuſtändigen Kommiſſion zu tun. Schließlich zog
Gaudin de Villaine ſeine Interpellation zurück.
An der Senatsdebatte über das deutſch=franzöſiſche
Abkommen werden 12 Redner teilnehmen, außer dem
Mi=
niſterpräſident Poincaré, dem Kommiſſionsobmann
Ri=
bot und dem Berichterſtatter Baudin die ehemaligen
Mi=
niſterpräſidenten Meline, Dupuy, Clemenceau, ferner der
frühere Miniſter des Aeußern Pichon und von der
Rech=
ten Lamarcelle, Dalahaye und Gaudin de Villaine.
Ei=
nem Interviewer gegenüber erklärte Clemenceau, der
Rücktritt des Kabinetts Caillaux habe an ſeinen
An=
ſchauungen über den Vertrag nichts geändert, doch werde
er ſich nunmehr darauf beſchränken, über die durch das
Abkommen für Frankreich geſchaffene Lage zu ſprechen
und darzulegen, warum der Vertrag vom 4. November
nicht jene Ergebniſſe haben könne, die die Regierung
an=
ſcheinend von ihm erwarte. Im übrigen ſei er ent=
ſchloſſen, dem Miniſterium Poincaré ſein Vertrauen
kundzugeben.
England.
Zur Lage in Perſien. Auf die Eingabe der
Moslem=Liga in London erklärt das indiſche Amt, die
engliſche Regierung habe Grund zu der Annahme, daß
die Verhandlungen zwiſchen Rußland und Perſien, die
zu erleichtern die Regierung ihr äußerſtes getan habe, im
Begriff ſeien, zu einem befriedigenden Abſchluß zu
kom=
men. In dieſem Falle werde ſich, ſobald die Ordnung in
Perſien wieder hergeſtellt ſei, die Lage in Perſien wieder
normaler geſtalten. Die Regierung ſei nicht in der Lage,
in beſondere Streitigkeiten, die lediglich Rußland und
Perſien angingen, einzugreifen; denn die allgemeine
Po=
litik der Regierung ſei die, dafür zu ſorgen, daß der
ruſ=
ſiſche Einfluß, der in Nordperſien ſchon lange beſtehe,
ſich nicht in einer für Indien nachteiligen Richtung
aus=
dehne.
Spanien.
Die Kammer begann mit der Debatte über die
Ereigniſſe im September des vergangenen Jahres. Auf
die Angriffe mehrerer Republikaner erwiderte
Canale=
jas, an der Spitze der Bewegung im September hätten
die radikalen Sozialiſten geſtanden. Die Strenge, die
gegen die an der Empörung Schuldigen angewandt
wor=
den ſei, wäre gerechtfertigt. Der Miniſterpräſident ſprach
denn auch über die Operationen von Melilla und erklärte:
Wir ziehen nicht in einen Krieg, aber wir müſſen die
öffentlichen und geheimen Verträge anwenden; das iſt
für uns eine Frage der Ehre.
* Wien, 19. Jan. Die „Neue Freie Preſſe” meldet,
daß Erzherzog Franz Ferdinand bei der Taufe
des jüngſten Sohnes des deutſchen Kronprinzen
Pate ſtehen wird. Der Erzherzog werde wahrſcheinlich
am 27. Januar in Berlin eintreffen und am 29. wieder
von dort abreiſen.
* Prag, 19. Jan. Ueber 20 der größten
Maſchinen=
fabriken Bohmens haben beſchloſſen, ſämtliche
Arbeiter auszuſperren, weil ſie die neue
Ar=
beitsordnung nicht anerkannt haben. Von der
Ausſper=
rung, die am Dienstag in Kraft tritt, werden über 10000
Arbeiter betroffen.
* Rom, 20. Jan. Der Staatsſekretär im
Auswär=
tigen Amt von Kiderlen=Wächter iſt heute
mor=
gen hier eingetroffen. Er wurde am Bahnhof von dem
deutſchen Botſchafter von Jagow empfangen, mit dem er
ſich in die deutſche Botſchaft begab. — Die Tribuna
be=
grüßt den Staatsſekretär von Kiderlen=Wächter als Gaſt
Italiens, der im milden Winter=Klima Ruhe ſuche. Wenn
ſein Beſuch in Rom auch keinen politiſchen Charakter
habe, und Herr von Kiderlen=Wächter nur die perſönliche
Bekanntſchaft di San Giulianos machen wolle, ſo habe
der Beſuch doch eine bemerkenswerte Bedeutung, weil
er beweiſe, wie herzlich die Beziehungen zwiſchen den
beiden verbündeten Mächten ſeien.
* Schloß Berg, 20. Jan. Wie das Luxemburger
Wort vom Hofmarſchallamt erfährt, iſt in dem
Befin=
den des Großherzogs in der letzten Zeit eine
Verſchlimmerung eingetreten, da neben der
beſte=
henden Erkrankung ein Carcinom aufgetreten iſt, das zu
den ſchlimmſten Beſorgniſſen Anlaß gibt.
* Buenos=Aires, 20. Jan. Die Lage
ver=
ſchlimmerte ſich infolge der Weigerung der
Eiſen=
bahngeſellſchaften, das neue Perſonal zu
entlaſ=
ſen und die Ausſtändigen wieder einzuſtellen. Die
Aus=
ſtändigen teilten der Regierung mit, daß ſie auf ihrer
Forderung der Geſamteinſtellung beſtehen. Die
Regie=
rung lehnte darauf jede weitere Vermittelung ab und
er=
klärte, nun energiſche Maßregeln zur Sicherung des
Eiſenbahndienſtes zu ergreifen. — Die Zugverſpätungen
erregen lebhafte Unzufriedenheit im Publikum.
Zwei=
tauſende Reiſende veranſtalteten heftige Kundgebungen
am Garo de conſtitution, wobei Stühle zerbrochen und
die Bureaus geplündert wurden. Einige Verhaftungen
ſind vorgenommen worden.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 22. Januar.
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Samstag den Generalleut:
nant z. D. Bernhard, den Oberſt Gereke, Direktor der
4. Artillerie=Depot=Direktion, den Medizinalrat Dr. Wießner
von Büdingen, den Pfarrer Wehſarg von Jugenheim,
den Photographen Schramm, den Geheimen Oberfinanzrat
Weißenbruch; zum Vortrag den Staatsminiſter Ewald,
den Vorſtand des Kabinetts Geheimerat Römheld.
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der Groß
herzog dem Briefträger Adam Schneider in Mainz
das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift „Für
lang=
jährige treue Dienſte‟.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Philipp Kroh
zu Altenſchlirf, Kreis Lauterbach, die Lehrerſtelle an der
Gemeindeſchule zu Metzlos=Gehaag, in demſelben Kreiſe.
g. Strafkammer. Der 33jährige Sattler Georg
Hein=
rich Knecht I. aus Lampertheim hatte am 28. Auguſt
1911 in Lampertheim Streit mit Zechgenoſſen bekommen,
bei deſſen in Tätlichkeiten ausartendem Verlauf er der
leidende Teil wurde. Er vollführte infolge deſſen einen
derartigen Lärm, daß zwei Poliziſten ſich genötigt ſahen.
ihn mit zur Wache zu nehmen. Er leiſtete dem nicht nur
Widerſtund, ſondern beleidigte auch den hinzukommenden
Bürgermeiſter. Die Strafkammer verurteilte den
Ange=
klagten wegen Beamtenbeleidigung zu 30 Mark
Geld=
ſtrafe, wegen Widerſtand gegen die Staatsgewalt zu 8
Mark und wegen Ruheſtörung zu 10 Mark Geldſtrafe.
— Dem Poliziſten Winkler zu Viernheim waren von
ſeinem Acker Kartoffeln geſtohlen worden. Da er auf
dem Acker einen Schuſterkneip fand, bekam er den
Ver=
dacht, der 41 Jahre alte Schuhmacher Georg Kämpf ſei
der Täter. Eine vorgenommene Hausſuchung hatte je
doch keinen Erfolg. Später wurde dem Winkler geſagt.
Kämpf hätte die Kartoffeln im Keller unter Leder
ver=
ſteckt. Er machte daraufhin Anzeige wegen
Felddieb=
ſtahls. Als er ſpäter dem Kämpf die Mitteilung von der
Anzeige machte, erhielt Winkler von Kämpf eine derbe
Ohrfeige. Vom Schöffengericht Lampertheim war er
wegen tätlicher Beleidigung zu 2 Wochen Gefängnis
ver=
urteilt worden. Der vom Verurteilten eingelegten
Be=
rufung wurde von der Strafkammer nicht ſtattgegeben.
Der Gaſtwirt Steuth in Heubach hatte ſeine Frau
ſchon lange mit Eiferſüchteleien verfolgt, und als er eines
Tages den in ſeiner Wirtſchaft ſchon ſeit Jahren
verkeyn=
renden Schimpf IV. mit ſeiner Frau allein in einem
Zimmer antraf, ſtellte er Antrag beim Schöffengericht.
gegen den Schimpf wegen Hausfriedensbruch
vorzugehen. Das Schöffengericht hatte dem auch Folge
gegeben und Schimpf zu 3 Wochen Gefängnis verurteiſt.
Die erneute Verhandlung vor der Strafkammer ergab
das harmloſe Verhältnis des Angeklagten mit der
Ehe=
frau Steuth und ſprach den Angeklagten frei.— D
Journaliſt Impertro zuMainz. der bereits gegen mehral
200 Zeitungen Klage wegen Nachdruck erhoben hat, hat“
wegen unberechtigten Nachdrucks gegen den
Herausgeb=
der Starkenburger Provinzial=Zeitung. Schumann
Dieburg, zwei Strafanträge geſtellt. Es kommt
zwiſche=
beiden Parteien eine Einigung dahin zuſtande, daß
Schumann ſich bereit erklärt, für die Zeile 5 Pfennig
Nachdruckshonorar zu bezahlen, Impertro nimmt beide
Strafanträge zurück und verzichtet auf die Erſtattung der
perſönlichen Koſten mit Ausnahme der Eiſenbahnfahrt.
Aus der Geſellſchaft. Auf Einladung des
Kam=
merherrn Frhrn. v. Leonhardi und Gemahlin gab
gelegentlich einer Abendgeſellſchaft am Freitag der
Anti=
ſpiritiſt Richard Lané=Ney eine Privat=Soiree. Der
Abendgeſellſchaft wohnten außer Ihren Königlichen
Hoheiten dem Großherzog und der
Großherzo=
gin bei: Prinzeſſin von Schleswig=Holſtein, Prinz und
Prinzeſſin Iſenburg=Birſtein, Freifrau von Heyl,
Gene=
ral von Branconi und Frau, Geheimerat Römheld und
Frau, Dr. Merck und Frau, der ruſſiſche Geſandte Herr
van der Vliet und Frau, Oberſtaatsanwalt v. Heſſert
und Frl. Tochter, Herr von Paſſavant, Oberleutnant von
Schröder, Graf von Bredow, Herr von Olberg, Herr
von Küchler, Freiin von Riedeſel, Freiin v. Willich uſw.
Mittel gegen die Landflucht.
— Aus den Kreiſen des Deutſchen Vereins
für ländliche Wohlfahrts= und
Heimat=
pflege wird uns geſchrieben: Im „Land” ſchlägt
F. Liedtke eine Reihe kleiner Mittel gegen die Landflucht
vor. An erſter Stelle empfiehlt er, auf dem Lande ſelbſt
immer mehr Induſtrie anzuſiedeln, damit die
groß=
ſtädtiſchen Induſtriemittelpunkte als ſolche an
Anzieh=
ungskraft verlören. Die für das Land tätigen
Vereinig=
ungen müßten beſonders in kleinen Städten tatkräftig
da=
für eintreten, daß auf dem Lande induſtrielle Anlagen
begründet werden. Zu dieſem Zwecke hätten die kleinen
Städte den Intereſſenten durch billige Hergabe von Grund
und Boden, Gewährung von Steuerermäßigungen,
bil=
ligere Lieferung von Gas und Elektrizität
entgegenzu=
kommen. Maßnahmen anderer Art gehörten dem Gebiet
der Verkehrspolitik an. Wenn die
Eiſenbahnver=
bindungen beſſer wären, könnten manche Arbeiter und
Angeſtellte, die in der Großſtadt arbeiten, in ihrer
länd=
lichen Heimat wohnen. Sonderzüge und beſchleunigte
Arbeiterzüge, Ausbau des Triebwagenverkehrs,
geſtei=
gerte Schnelligkeit der auf den Nebenbahnen verkehrenden
Züge uſw. würden für das Wohnen auf dem Lande von
heilſamen Folgen ſein. Da auch bei der
Beamten=
ſchaft ſich die Landflucht zeige, ſollten ſämtliche
Ver=
waltungen dem Auswärtswohnen keine Hinderniſſe
be=
reiten. Ein die Landflucht fördernder Umſtand ſei ferner
die Notwendigkeit, Kinder der beſſeren Ausbildung wegen
auf ſtädtiſche Schulen zu ſchicken. Die ſogenannten
Rek=
toratsſchulen müßten daher mehr gekräftigt und
unter=
ſtützt werden, damit die Kinder dieſe möglichſt lange
be=
ſuchen können. Soweit endlich die Landflucht auf die
Annehmlichkeiten des ſtädtiſchen Lebens an
Un=
terhaltungen, Vergnügungen uſw. zurückgehe, könne das
Land, beſonders der Kreis dadurch ein Gegengewicht
ſchaffen, daß er ſelbſt mehr für geiſtige Anregung und
Zerſtreuung tue. Die Einrichtung von Leſezimmern, die
Veranſtaltung von Vorträgen und künſtleriſchen
Unter=
haltungen (zum Beiſpiel in Gemeinſchaft mit den
Wan=
dertheatern und ſonſtigen gemeinnützigen Vereinigungen),
die Herſtellung von Badeangelegenheiten u. a. würde die
Landſtädte zu kleinen Kulturmittelpunkten werden laſſen.
Soweit jedoch felde Vexanſtaltungen in Mittel= und in
Großſtädten ſtattfänden, müſſe die Eiſenbahnverwaltung
durch entſprechende Einrichtung des Fahrplans in
höhe=
rem Maße dafür ſorgen, daß die kleineren Städte und
das Land daran teilnehmen könnten.
So gebe es eine Reihe kleiner Mittel, die der
Land=
flucht entgegen zu wirken vermöchten. Sie ſetzten aber
alle eine planmäßige, genaue Prüfung für jede Gegend
voraus, wenn ſie Erfolg haben ſollten.
Eine franzöſiſche Umfrage über die
Spionage.
Von dem löblichen Wunſche erfüllt, gewiſſe
Aus=
wüchſe des internationalen Spionageweſens zu beſeitigen,
hat Paul Gſell im Auftrage der Revue eine Umfrage bei den
führenden Perſönlichkeiten des franzöſiſchen Geiſteslebens
veranſtaltet, um von ihnen zu erfahren, wie Frankreichs
her=
vorragendſte Köpfe die Spionage beurteilen und ob ſie
nicht glauben, daß eine internationale Abmachung zwiſchen
den Großmächten den immer wieder auftauchenden und
Er=
bitterung ſäenden Spionageaffären im Intereſſe aller ein
Ende machen können.
Die Antworten auf dieſe Umfrage ſind bereits vor
der Flucht des Hauptmanns Lur eingelaufen, und
da=
durch erklärt es ſich, ſo bemerkt Gſell, daß keiner der
Ein=
ſender dieſe aufſehenerregende Affäre auch nur mit einem
Worte ſtreift. Wir aber müſſen es bei Durchſicht dieſer
Kundgebungen als eine launige Ironie des Zufalls
em=
pfinden, daß juſt in dem Augenblicke, da ein franzöſiſcher
Offizier ſich durch heimliche Flucht ſeiner Ehrenhaft entzieht,
eine ganze Keihe berühmter franzöſiſcher Schriftſteller und
Gelehrten mit ſtolzem, nationalen Selbſtgefühl verſichern,
daß Frankreich im Gegenſatz zu anderen Nationen keine
Spionage betreibe und daß die edlen Eigenſchaften des
franzöſiſchen Volkscharakters alle Franzoſen davor
bewah=
ren. Jünger dieſes ruhmloſen Handwerks zu werden. Im
Zuſammenhang mit den jüngſten Ereigniſſen entbehrt es
nicht einer unfreiwilligen Komik, wern der durch ſeine
ver=
dienſtvollen Friedensbeſtrebungen ack in Deutſchland
ge=
ſchätzte Senator D’Eſtournelles de Conſtant mit
ehrlicher Ueberzeugung erklärt: Ich bin überzeugt, daß es,
was Frankreich anbetrifft, gar keine Spionage gibt.” Und
ebenſo ergeht es einer Kundgebung des bekannten
Gelehr=
ten Gabriel Monod, des Mitgliedes des Inſtitutes,
wenn er ſchreibt: „Gewiſſe Völker wie die Franzoſen haben
einen natürlichen Abſcheu vor jeder Spionage . . . Und
wir ſind gezwungen, für derartige Praktiken Berufspoliziſten
oder Leute von untergeordneter Moral zu benutzen.‟ Das
klingt für den Hauptmann Lux wenig ſchmeichelhaft. Doch
Monod fährt fort: „Die Deutſchen dagegen bringen der
Spionage eine Art patriotiſchen Selbſtgefühls entgegen und
eine eigenartige Vorliebe, die es ſchwer machen würde, ſie
ſie vom Spionieren abzubringen.” Während man in Paris
den aus Glatz entſprungenen franzöſiſchen Spion
als Nationalhelden feiert, während der Kriegs
miniſter ihn in großer Uniform empfängt und die
Oeffent=
lichkeit eine Sammlung einleitet, um den tapfern Flüchtling
im Namen der Nation einen Ehrenſäbel zu überreichen,
be=
zeichnen faſt alle Einſender die Spionage als ein ſchmach
volles und erbärmliches Gewerbe. Nur Jules Cla
retie will einen Unterſchied ſehen zwiſchen dem Spion,
der aus reinem Patriotismus handelt und ſchweren
Gefah=
ren trotzt, und zwiſchen dem bezahlten Agenten oder
Ver=
räter, der nur um des Goldes willen handelt und dabei
vielleicht ſogar ſein eigenes Land verrät. „Der feige und
niedrige Spion verkauft ſein Geheimnis für ein paar Sou.”
Natürlich iſt es Deutſchland, das lauptſächlich derartige
Ele=
mente an ſich zieht und züchtet, denn „Deutſchland kauft aus
Prinzip alles, was man ihm anbietet.‟ Der Spion mag
manchmal notwendig ſein, ehrenwert aber iſt er nie. Und voll
Stolz weiſt Claretie in dieſem Zuſammenhange darauf hin:
„Jedenfalls hat Napoleon I. niemals einen Spion
deko=
rieren wollen, ſelbſt wenn der betreffende Mann wahre
Wunder getan und ſein Leben mutig dem Tode ausgeſetzt
hatte.”
Bei dem öffentlichen Jubel, mit dem Paris den aus
Deutſchland entflohenen Spion begrüßte, ſcheint dieſer
Ver=
gleich nur zu beweiſen, daß Napoleon I. über die Spionage
andere Anſchauungen hatte, als das heutige Frankreich,
Die Mehrzahl der Gelehrten, Schriftſteller und Politiker,
die ſich zu der Umfrage der Revue geäußert haben, ſtimmt im
Uebrigen für eine Abſchaffung der Spionage und
D'Eſtour=
nelles de Conſtant regt an, man möge die Frage einer inter
nationalen Haager Konferenz unterbreiten.
Nummer 18.
G. H. Th. Vom Hoftheater. Wie man uns vom
Hof=
thheater mitteilt, befindet ſich auf dem Theaterzettel der
Bermerk: Die nächſten Wagneropern entfallen auf die
Buchſtaben A und D, womit eine gleichmäßige
Ver=
teilung der Wagneropern auf ſämtliche
Abonnements=
buchſtaben erzielt wird.
* Reichstagswahl und Hanſabund. In der heutigen
Nummer iſt der Aufruf der Bezirksgruppe Darmſtadt des
Hanſabundes bezüglich der Stichwahl nochmals
veröffent=
lſicht. Es iſt die erſte Pflicht der Angehörigen von Handel,
Gewerbe und Induſtrie und des deutſchen Bürgertums
uberhaupt, für einen liberalen bürgerlichen Kandidaten
einzutreten. Der Hanſabund erwartet, daß bei der
bevor=
ſehenden Stichwahl der deutſche Kaufmann ſich ſeines
nft bewährten Verantwortlichkeitsgefühles durchats
be=
wußt iſt und unter Hintanſetzung aller Parteirückſichten
für den bürgerlichen Kandidaten eintritt.
* Dem Bunde der Induſtriellen iſt nunmehr auch
vie Großh. Handelskammer Darmſtadt laut
Beſchluß vom 15. Januar beigetreten.
* Die Heſſiſche Jugendhelfer=Vereinigung hielt
dieſer Tage in Frankfurt eine ausgezeichnet verlaufene
Mitgliederverſammlung, die aus allen Teilen des Landes
weſucht war. Sie ſah ſich vor die endgültige
Ent=
ſcheidung geſtellt, ob die Vereinigung ihre evangeliſche
Grundlage aufgeben und ſich in einen freien
Landes=
werband für Jugendpflege verwandeln ſoll. Das Referat
hierzu lag in Händen des Vorſitzenden, Profeſſor Dr.
Schoell=Friedberg. Das Bedürfnis nach einer
Fühlung=
mahme aller Jugendbeſtrebungen unſeres Landes ſei
nnleugbar vorhanden, dennoch wohl die Gründung eines
Landesverbandes verfrüht, weil noch zu wenig praktiſche
Arbeit vorhanden ſei, um zu einem klaren Programm
wes Zuſammenſchluſſes zu gelangen. Es ſei daher
echwerlich richtig, wenn die Vereinigung ins Ungewiſſe
Ihre wertvolle Eigenart aufgebe. Sie ſolle lieber in
Friedlichem Wettbewerb mit den einſeitig auf rein
körper=
fiche oder rein intellektuelle Ertüchtigung der Jugend
pinzielenden Beſtrebungen ihre religiös orientierte Arbeit
ſzur Charakterbildung der Jugend energiſch fortſetzen.
Es war intereſſant, daß gerade diejenigen Herren, die in
hrer amtlichen Tätigkeit (Volksbildungsarbeit, kommunale
Aufgaben) ſtreng neutral vorgehen müſſen, dieſer
For=
werung und damit der Beibehaltung der evangeliſchen
Grundlage aufs lebhafteſte beiſt immten. Das
Feſt=
halten an dieſer Grundlage empfehle ſich umſomehr,
Da ja jede konfeſſionell=polemiſche Wendung ganz
ausgeſchloſſen iſt und das „Evangeliſch” von Anfang
an nicht im Sinn der Konfeſſionspartei, ſondern
Der religiös begründeten Weltanſchauung beſtimmt
ge=
rveſen ſei. Für die kommenden größeren
Jugendpflege=
verbände ſei aber die Mitarbeit von Vereinigungen
Durchaus notwendig, die bewußtermaßen die Charakter=
Dildung auf ſittlich=religiöſer Grundlage nachdrücklich
be=
kronen. Die Verſammlung beſchloß demgemäß einſtimmig,
Uhre bisherige Art beizubehalten, zugleich aber auf die
notwendige Fühlungnahme mit anderen
Jugendpflege=
beſtrebungen unſeres Landes hinzuarbeiten. Es ſoll dies
zunächſt vor allem durch Einberufung eines „Heſſiſchen
Jugendtages” geſchehen, der im kleinen Maßſtab für
weſſen das bringen ſoll, was im Großen die Tagung
Der Zentralſtelle für Volkswohlfahrt 1909 in Darmſtadt
Für das ganze Reich ſo erfolgreich angebahnt hat.
— Die Freie literariſch=künſtleriſche Geſellſchaft hat
ganſtelle des ausfallenden Rezitations=Abends des Herrn
Alexander Moiſſi Herrn Aloys Burgſtaller für
eeinen Liederabend am 9. Februar gewonnen. Die
Nach=
rricht dürfte dem freudigen Intereſſe der zahlreichen
Ver=
eehrer des berühmten Sängers begegnen.
* Ausſtellung. Zum 200 Geburtstage des Großen
Königs hat die Hofbuch= und Kunſthandlung Johs.
WWaitz, Eliſabethenſtraße 16, eine Ausſtellung „Friedrich
ider Große in Wort und Bild” in ihrem Schaufenſter
er=
löffnet, die in anſchaulicher Weiſe zeigt, in wie reichem
Maße der geiſtvolle Herrſcher und erfahrene Feldherr
runs Deutſchen durch gute Literatur und Kunſt erhalten
kworden iſt. In reicher Abwechslung ſind hiſtoriſche und
kkriegswiſſenſchaftliche Werke, geſchichtliche Romane und
rvor allem eine Menge gediegener Jugendſchriften
anein=
rander gereiht, herausgegeben von erſten deutſchen
Schriftſtellern. Auch in den Bildern tritt uns der Alte
Fritz lebenswahr vor Augen, im Kriege ſowohl wie im
Frieden, vor allem wiedergegeben von Adolf von
Men=
zel. Aber auch andere namhafte Künſtler ſind vertreten. Die
Ausſtellung will mithelfen, jedem den großen Feſttag recht
anſchaulich in Erinnerung zu bringen. Möchte die
Ver=
anſtaltung durch fleißige Beſichtigung belohnt werden.
* Kaufmänniſcher Verein weiblicher Angeſtellter.
IIn der Hauptverſammlung des
kauf=
männiſchen Vereins weiblicher Angeſtellter
twurde die Auflöſung des Vereins einſtimmig
beſchloſſen. Es iſt bedauerlich, daß ein Verein, der während
ſſeines zirka 10 jährigen Beſtehens, viel Gutes leiſtete,
durch die Teilnahmloſigkeit ſeiner ordentlichen
Mit=
ilieder (Angeſtellter) ſeinem Ende entgegengeführt
twerden mußte. — Der
Fortbildungsſchulunter=
rricht für junge Mädchen, die ſich dem kaufmänniſchen
Beruf widmen wollen, wird bei genügender Beteiligung
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Januar 1912.
Seite 3.
weiter geführt. Nähere Mitteilungen erfolgen demnächſt
in dieſer Zeitung.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer
Expe=
dition (Rheinſtraße 23) ſind von heute ab folgende Mlder
neu ausgeſtellt: Der Brand des Equitable=Palaſtes in
New=York; Miniſter bei der Reichstagswahl; Porträts
von dem verſtorbenen ehemaligen deutſchen Botſchafter
von Radowitz und dem neuen franzöſiſchen
Miniſterprä=
ſidenten und Miniſter des Auswärtigen Poincaré; Bilder
vom deutſchen Winterſport.
§ Feſtgenommen. Ein 25 Jahre alter Drechsler
aus Zeulenroda in Reuß ä. L., welcher von auswärts
ſteckbrieflich verfolgt wird, iſt hier feſtgenommen worden.
* Pfungſtadt, 20. Jan. Am nächſten Sonntag, den
28. Januar, findet die Glockenweihe unſerer katholiſchen
St. Antoniuskapelle, nachmittag ½4 Uhr, mit Predigt
ſtatt.
Erbach, 19. Jan. Heute nacht iſt die Scheuer des
Bei=
geordneten Michel vollſtändig niedergebrannt.
Der Schaden iſt ſehr groß, da die Scheuer mit
Futter=
vorräten gefüllt war.
* Mainz, 20. Jan. Das Reichsgericht hat der
Reviſion des Chefredakteurs Hirſch vom Mainzer
Neue=
ſten Anzeiger gegen das Urteil in der Beleidigungsklage
des Beigeordneten Berndt und der
Polizeiaſſiſten=
tin Schapiro, in der Hirſch zu 6 Monaten
Gefäng=
nis verurteilt wurde, ſtattgegeben, das Urteil aufgehoben
und die Sache zur weiteren Verhandlung an die
Strafkammer in Darmſtadt verwieſen.
Mainz, 20. Jan. Ein nicht alltägliches Jubiläum
konnte geſtern der 35jährige Hausdiener Karl Heck
be=
gehen, der ſchon 71 mal, darunter 49 mal wegen
Bettelns, vorbeſtraft iſt. Er wurde geſtern vom
Schöffengericht zum 50. male wegen Bettelns verurteilt,
und zwar zu einer Haftſtrafe von 3 Wochen.
Oppenheim, 20. Jan. Die wegen Begünſtigung und
Mithilfe der Flucht Schobers verhaftete Kontoriſtin
Menz aus Mainz und der verhaftete ſiebzigjährige
Kaufmann, der Vater der Frau Schober, ſind wieder
auf freien Fuß geſetzt worden. Dem
flüchti=
gen Schober ſoll man auf der Spur ſein. — Die
Gläu=
bigerverſammlung in dem Konkurs des
Wein=
händlers Schober von hier hat nicht einmal eine
an=
nähernde Aufklärung über die vorhandene Maſſe und
die Ausſtände gegeben, ſo verworren liegen hier die
Ver=
hältniſſe. Wie die Landskrone meldet, ſind die
vorge=
kommenen Wechſelfälſchungen ganz bedeutend. Die
Ober=
rheiniſche Wein=Intereſſenten=Aktien=Geſellſchaft in
Straßburg hat eine Forderung von 250000 Mark, die
Vereinigte Oberelſäſſiſche Weinkellerei=Aktien=Geſellſchaft
in Kolmar von 90000 Mark ferner ſind angemeldet
Er=
träge von 71000, 60000, 40000 Mark uſw. bis herab zu
den kleinen Forderungen der Winzer und Handwerker.
B. Bingen, 19. Jan. In der heutigen
Stadtver=
ordnetenſitzung kam der Vorſitzende, Herr
Bür=
germeiſter Neff, auf das große Brandunglück zu
ſprechen, das geſtern eines der älteſten und wertvollſten
Gebäude der Stadt, die alte Amtskellerei, eingeäſchert
habe. Man habe ſich genötigt geſehen, die Feuerwehren
der Umgebung zu Hilfe zu rufen. Dieſen Feuerwehren
ſpreche er hiermit im Namen der Stadt für ihre
opfer=
willige Tätigkeit während des ganzen Tages den Dank
aus. Auch der hieſigen Feuerwehr danke er für ihre
raſche, tatkräftige und erfolgreiche Tätigkeit. Es ſei
allerdings zu bemerken, daß der Feueralarm zu ſpät
er=
folgt ſei, daß der Brand überhaupt zu ſpät entdeckt
worden wäre. Leider ſeien ſechs Feuerwehrleute
ver=
unglückt, am ſchwerſten der Feuerwehrmann Julius
Hagemann, der ſo ſchwer verletzt worden ſei, daß an
ſeinem Aufkommen gezweifelt werden müſſe.
Für ſeine treue Pflichterfüllung müſſe dem
Bedauerns=
werten die öffentliche Anerkennung ausgeſprochen
wer=
den. Der Stadtverordnete May hielt es für notwendig,
den umlaufenden Gerüchten, daß der Schlüſſel zu dem
Aufbewahrungsort der Feuerlöſchgerätſchaften nicht zu
finden geweſen ſei, außerdem wie es ſich mit der
Ver=
ſicherung bezw. Entſchädigung der verunglückten
Feuer=
wehrleute verhalte, entgegenzutreten. Der Vorſitzende
gab zur Antwort, daß der Schutzmann, der den Schlüſſel
zu dem fraglichen Raum gehabt habe, ſich ſeiner
Inſtruk=
tion gemäß von dem Vorhandenſein des Feuers habe
überzeugen müſſen. In der Eile habe er den Schlüſſel
mitgenommen. Er habe angegeben, daß auch erſt drei
Feuerwehrleute zur Stelle geweſen wären, als er nach
der Brandſtätte geeilt ſei. In der Zwiſchenzeit wäre
das Tor aufgebrochen worden. Dieſe Frage, wie auch
die bezüglich des verſpäteten Alarms würden
zuſam=
men erklärt werden. Was den verunglückten
Feuer=
wehrmann Hagemann anbelangt, ſo würde die
Landes=
brandkaſſe für die Entſchädigung aufkommen. Die
Stadt werde und müſſe den Entſchädigungsanſpruch auf
das nachdrücklichſte unterſtützen. Die Kaſſe ſei zur
Ent=
ſchädigung geſetzlich verpflichtet. Sie werde auch für
die Mutter des Verunglückten, deren einziger Ernährer
Hagemann geweſen ſei, ſorgen. Beigeordneter Fiſcher
erklärte, daß die Verſicherung der Feuerwehren ſeit
Jah=
ren beſprochen werde. Die Regierungsvertreter hätten
ſtets erklärt, daß die Landesbrandkaſſe nach Maßgabe
der vorhandenen Mittel zur Entſchädigung verpflichtet
ſei. Dieſe Mittel ſeien immer vorhanden. Herr May
war für ſofortige Alarmierung. Man brauche nicht erſt
jemanden nach der Brandſtätte zu entſenden. Von
an=
deren Herren wurde beſtätigt, daß die Kaſſe über
reich=
liche Mittel verfüge und für den Hagemann, ſowie
ſeine Mutter auf alle Fälle Sorge getragen ſei.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 20. Januar. Prinz
Georg, deſſen Taufe am 28. Januar erfolgt, hat
fol=
gende Paten: 1. den Kaiſer, 2. die Kaiſerin, 3.
Groß=
herzogin=Mutter Anaſtaſia von Mecklenburg=Schwerin,
4. Großherzog von Mecklenburg=Schwerin, 5. Prinzeſſin
Auguſt Wilhelm von Preußen, 6. Prinz Joachim von
Preußen, 7. Kaiſerin Alexandra Feodorowna von
Ruß=
land, 8. Königin Margherita von Italien, 9. König von
Großbritannien und Irland, 10. König von Sachſen, 11.
Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg=Schwerin,
Re=
gent des Herzogtums Braunſchweig, 12. Prinzeſſin
Fried=
rich Karl von Heſſen, 13. Prinzeſſin Reuß XVIII.,
Her=
zogin zu Mecklenburg, 14. Erzherzog Franz Ferdinand
von Oeſterreich, 15. Generalmajor und General à la suite
v. Gontard, 16. Oberſt z. D. v. Oppen. — Hier iſt ein
Verband Deutſcher Annoncen=
Expedi=
tionen gebildet worden, dem etwa 30 deutſche
Annon=
cen=Expeditionen beigetreten ſind. Der Verein bezweckt
u. a. Schutz gegen faule Inſerenten, Stellungnahme zur
Judikatur in allen Fragen des Annoncenrechtes und die
Wahrung aller wirtſchaftlichen Intereſſen ſeiner
Mitglie=
der. Zum 1. Vorſitzenden wurde Generaldirektor
Rich=
ter (Haaſenſtein & Vogler), zum zweiten Vorſitzenden
Direktor Leske (Invalidendank) gewählt. Vom 1. Februar
an ſoll eine Vereinszeitſchrift herausgegeben werden.
Zu der Flucht des Berliner Rechtsanwalts
Hail=
liant, der ſo geſchickt das angebliche Schneebad im
Grunewald inſzenierte, und deſſen Spuren bisher immer
noch nicht gefunden ſind, war durch die Unterſuchung
be=
kannt geworden, daß Dr. Hailliant einer Mandantin den
Betrag von 50000 Mark unterſchlagen habe. Hailliant
ſoll die ſehr diskreten Verhältniſſe und Bedingungen.
unter denen das Geld für ſeine Mandantin gezahlt
wurde, dazu benutzt haben, die Summe zu unterſchlagen
in der Erwartung, daß man ihn mit Rückſicht auf die
Diskretheit der Verhältniſſe nicht verfolgen werde. — Auf
den Zigarrenhändler Nicke in der Saarbrückerſtraße
wurde heute abend von dem wohnungsloſen Arbeiter
Sitzki aus Oppeln ein Raubmordverſuch verübt.
Der Täter ſchlug den Zigarrenhändler, als dieſer ihm
auf ſein Klopfen die Tür öffnete, mit einer eiſernen Feilc
nieder. Auf das Hilfegeſchrei des Ueberfallenen konnte
der Täter feſtgenommen und zur Wache geführt werden.
— Zur Suche nach den Raubmördern wird
mitge=
teilt, daß die drei geheimnisvollen Männer, die man
für die Mörder der Juwelierfamilie hält, vorgeſtern
in Groß=Beſten geſehen worden ſind. Sie verließen dort
den Zug und gingen in der Rechtung auf Lehne weiter.
Vielleicht ſind es dieſelben drei Männer, die geſtern im
Zuge, der 9,40 Uhr vormittags Berlin verläßt, in einem
Abteil vierter Klaſſe in Spremberg geſehen wurden.
Köln, 20. Jan. Vergangene Nacht brannte das
Anweſen des 80jährigen Rentners Woelfrath in Köln=
Bocklemünd vollſtändig nieder. Woelfrath, der für
reich galt und zurückgezogen lebte, wurde verkohlt unter
den Trümmern aufgefunden. Man vermutet ein
Ver=
brechen.
Dresden, 20. Jan. Ein Fabrikbeſitzer aus Oſtritz
fuhr geſtern mit ſeinem Automobil bei Glatteis
gegen einen Baum. Er wurde aus dem Fahrzeug
ge=
ſchleudert und erlitt lebensgefährliche Verletzungen.
Eſſen, 19. Jan. Nach zweitägiger Verhandlung
ver=
urteilte das Schwurgericht den Anſtreichergehilfen Albien
wegen Mordverſuchs zu 12 Jahren Zuchthaus
und 10 Jahren Ehrverluſt. Albien hatte in der Nacht
vom 14. November 1911 den Kaſſenvertrauensarzt
Schnei=
der aus Rache, weil dieſer ihn geſund geſchrieben hatte,
durch einen Revolverſchuß ſchwer verletzt.
Kuxhaven, 20. Jan. Die drei Inſaſſen des
Lotſen=
bootes, das vor der Elbemündung beim Sturm
ab=
getrieben wurde, ſind von einem engliſchen Dampfer in
Faulden gelandet worden.
Beuthen (Oberſchleſien), 20. Jan. In dem an der
ruſſiſchen Grenze gelegenen Orte Golonow ſtürzte
in=
folge der Schneelaſt die ſchon lange baufällige Schule
ein. Durch die Trümmer wurden zwei Lehrer und vier
Kinder auf der Stelle getötet. Eine große Anzahl
Schul=
kinder erlitten Verletzungen.
Tilſit, 20. Jan. Die Eigenkätnerswitwe Urſula
Tieſ=
ſat aus Demedezen (Kreis Niederung), die wegen
Er=
mordung ihres Mannes vom Schwurgericht Tilſit am
10. November zum Tode verurteilt worden war, wurde
im Hofe des Gerichtsgefängniſſes hingerichket.
Wien, 19. Jan. Die Korreſp. Wilhelm meldet aus
Saybuſch in Galizien: Die Erzherzogin Maria
Feuilleton.
* Aus Kunſt und Wiſſenſchaft. Aus Mons wird
ge=
meldet, dort ſeien zwei bisher unbekannte
Ge=
mälde von Rubens entdeckt worden. Das eine
Gemälde ſtelle die „Heilige Dreieinigkeit” dar, das andere
„Loth, aus Sodom fliehend” — Mit Spannung ſieht
man in Amerika der Konzerttournee, die Artur Nickiſch
an der Spitze des Londoner Symphonie=Orcheſters
unter=
nehmen wird, entgegen. Man ſpricht nicht mit Unrecht
von einer „Blitzreiſe‟. Im ganzen bleibt das Orcheſter
nur 22 Tage in Amerika und muß während dieſer
kurzen Zeit 22 Konzerte veranſtalten, und zwar an
verſchiedenen Orten, die zum Teil Hunderte von Meilen
voneinander entfernt ſind. Nicht weniger als 5000
Kilo=
meter wird das Orcheſter auf ſeiner Fahrt durch Amerika
zurücklegen, wobei ihm allerdings alle Bequemlichkeiten
zu Gebote ſtehen, die ein amerikaniſcher Luxus=Extrazug
bieten kann. Der eine der Wagen iſt zu einem Saal
um=
gewandelt worden, in dem während der Fahrt Proben
abgehalten werden können.
* Deutſche Zeitungen in Amerika. Von den 22143
Zeitungen und Zeitſchriften, die in Amerika
herausgege=
ben werden, erſcheinen 1397 in nichtengliſcher Sprache
und von dieſen wieder 692, alſo faſt genau die Hälfte,
in deutſcher Sprache. Wie das Zenſusbureau ſoeben
mit=
teilt, ſind im Laufe der letzten fünf Jahre allerdings fünf
deutſche Veröffentlichungen eingegangen, dafür aber hat
ſich die Auflage von 3922 227 auf 4 434 146, d. i. um 13
Prozent erhöht. Unter den 22143 amerikaniſchen
Preß=
erzeugniſſen ſind nur 2602 Tagesblätter, 520 ſind
Sonn=
tagszeitungen, 708 erſchienen zwei= oder dreimal wöchent=
lich, 15097 ſind Wochenblätter, 2491 Monatshefte und
725 haben andere Erſcheinungszeiten. Leider ſind die
deutſchen Zeitungen nicht in derſelben Weiſe
ausgeſchie=
den; immerhin iſt anzunehmen, daß das Verhältnis der
täglichen Erſcheinungen zu den Wochen= und
Monats=
ſchriften größer iſt als im Durchſchnitt der amerikaniſchen
Preſſe überhaupt. Einige der deutſchen Tagesblätter
ha=
ben ganz ſtattliche Auflagen, die ſich in der
Hunderttau=
ſendgrenze bewegen; die große Mehrzahl freilich ſpinnt
keine Seide. Aus dem Zenſusbericht iſt ferner zu
er=
ſehen, daß es 31445 Druckereien gibt in denen
Kapita=
lien in der Höhe von 2353½ Millionen Mark angelegt
ſind. Sie verbrauchen für über 800000000 Mark
Ma=
terialien jährlich zahlen an Gehältern und Löhnen über
1000000000 Mark, erzeugen Werte im Betrage von 2,95
Milliarden Mark, beſchäftigen 99608 Angeſtellte und
ha=
ben eine Durchſchnittszahl von 258 434 Arbeitern.
* Der Polizeihund auf der Rodelbahn. Aus Meißen
wird den Dresdener N. Nachr. berichtet: Um
Uebelſtän=
den abzuhelfen, hat man „Harras” den vielbewährten
hieſigen Polizeihund, als Rodelbahninſpektor angeſtellt.
Ihm gelang es im Handumdrehen, ſich bei allen Rodlern
ganz gehörig in Reſpekt zu ſetzen. Selbſt die
widerſpen=
ſtigſten unter ihnen werden zahm, wenn ſie nur in der
Ferne die ſpitzen Ohren des vierbeinigen
Polizeigewal=
tigen erblicken. Mit wenigen Sätzen erreicht er ſelbſt die
im herabſauſenden Schlitten befindlichen Uebeltäter, faßt
ſie am Kragen und bringt ſie in den Bereich der weltlichen
Obrigkeit. Dadurch werden alle unſere Rodelbahnen
ſchnell von rauhbeinigen Geſellen geſäubert, ſo daß es
für die geſitteten Fahrer eine Luſt iſt, den Rodelſport
auszuüben. Und immer hat „Harras” dabei ein dank=
bares Publikum unter den Zuſchauern gefunden, die die
tragikomiſchen Szenen mit Lachſalven begleiten.
C.K. Eine Millionenſtiftung für verlaſſene Frauen. Aus
New=York wird berichtet: Der vielfache Millionär und große
Eiſeninduſtrielle aus Chicago Richard Crane, hat aus ſeinem
Vermögen eine Summe von 5 Millionen beſtimmt
zur Unterſtützung von Frauen, die von ihren Männern
verlaſſen wurden. Das Geld ſoll dazu dienen, kleine
Landhäuſer für ſchuldlos verlaſſene Frauen zu errichten,
die außerdem nebſt ihren Kindern noch mit Geld
unter=
ſtützt werden ſollen.
* Einem merkwürdigen Irrtum ſollen im Wahlkreiſe
Lübeck die Zentrumswähler anheimgefallen ſein. Der
Bund der Landwirte und das Zentrum hatten ſich auf einen
gemeinſamen Zählkandidaten geeinigt, und ſie rechneten
da=
mit, daß dieſer etwa 2000 Stimmen auf ſich vereinigen
werde. In Wirklichkeit bekam er aber nur 912 Stimmen. Es
heißt nun, daß die Zentrumswähler von ihrer zuſtändigen
Stelle die Weiſung erhalten haben, „ſchwarz” zu wählen.
Da nun der ſozialdemokratiſche Kandidat „Schwartz”
hieß, ſo waren ſie der Meinung, daß dieſer gemeint ſei, und
wählten ihn. Darauf dürfte es auch zurückzuführen ſein,
daß Schwartz im erſten Wahlgange gewählt wurde.
* Der neue Zylinderhut Modell 1912” wird, nach
ei=
nem Beſchluß der Hutfabrikanten in Paris, 15
Zentime=
ter hoch ſein und eine zwei Zentimeter hohe Krempe
haben. Er wird „Philippe Crozier” heißen, nach dem
franzöſiſchen Botſchafter in Wien, der in der Kunſt, ſich
gut anzuziehen, ganz beſonders gut bewandert ſein ſoll.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Januar 1912.
Nummer 18.
Thereſia, die Gemahlin des Erzherzogs Karl
Ste=
phan, erlitt geſtern auf der Schlittenfahrt einen ſchweren
Unfall. Sie fiel mit voller Wucht auf die Stirngegend
auf. Der aus Wien berufene Profeſſor Eiſelsberg nahm
heute eine Operation vor und entfernte zahlreiche
Kno=
chenſplitter. Die Erzherzogin iſt aus der Narkoſe gut
erwacht. — Die Neue Freie Preſſe meldet hierzu:Der
Un=
fall ereignete ſich geſtern in der Nähe von Saybach bei
einer Bobsleighfahrt. Die heutige Operation verlief gut.
Die Symptome einer Gehirnerſchütterung ſind im Laufe
des heutigen Tages geſchwunden. Heute abend iſt eine
leichte Beſſerung konſtatiert worden.
Wien, 19. Jan. Der hieſige päpſtliche Nuatius,
Erz=
biſchof Bavona, iſt heute nach zweitägiger Agonie an
Lungenentzündung geſtorben. Bavona war 56 Jahre
alt und fungierte hier erſt ſeit Juni vorigen Jahres.
Innsbruck, 20. Jan. Der Wiener Schnellzug
geriet geſtern morgen zwiſchen Hochfilzen und
Fieber=
brunn in einen Schneeſturm und mußte
ausge=
ſchaufelt werden. Er traf mit vierſtündiger
Verſpät=
ung in Innsbruck ein.
Meran, 20. Jan. In St. Leonhard ſtarb der 77
jäh=
rige Poſtmeiſter a. D. Georg Haller, der einzige noch
lebende Enkel Andreas Hofers.
Paris, 19. Jan. Die Maſchiniſten der
Gro=
ßen Oper ſchloſſen ſich dem Streik des Ballettkorps
an. Unmittelbar vor Beginn der heutigen Vorſtellung
mußte der Regiſſeur dem Publikum mitteilen, daß die
Vorſtellung nicht ſtattfinden könne. — In einer
Verſamm=
lung der Direktoren der Großen Oper, der Maſchiniſten
und des geſamten Perſonals, die in den Räumen der
Oper ſtattfand, kam es zu einem endgültigen Kompromiß,
ſodaß die Vorſtellung um 9¼ Uhr eröffnet werden konnte.
Paris, 20. Jan. Geſtern wurden in der Wohnung
eines Mannes, der ſchon mehrere Jahre in einem
Irren=
haus zugebracht hat, zwei aus dem 11. Jahrhundert
ſtam=
mende, etwa eine halbe Million repräſentierende
Heili=
genſtatuen gefunden, die am 12. November 1911 aus
einer Kirche in der Nähe Lüttichs geſtohlen worden
waren.
Douai, 19. Jan. Das Zuchtpolizeigericht.
verurteilte den Anarchiſten Broutchoux zu einem Jahr
Gefängnis und 100 Francs Geldſtrafe, weil er während
einer Verſammlung, die anläßlich der
Lebensmittel=
teuerung in Aniche im September 1911 ſtattgefunden
hat, offen zur Sabotage aufgefordert hatte.
Brüſſel, 20. Jan. Bei Mons wurde die
verſtüm=
melte Leiche eines Schaffners gefunden. Man
glaubte anfangs, der Beamte ſei aus dem Zuge geſtürzt.
Eine Unterſuchung ergab jedoch den dringenden Verdacht
eines Verbrechens. In der Taſche des Beamten wurden
zwei Billetts dritter Klaſſe gefunden, die er ofſenbar
zwei Reiſenden wegen einer Unregelmäßigkeit
abgenom=
men hatte. Die beiden Paſſagiere ſind auf dem Bahnhof
in Brüſſel angehalten worden. Es beſteht der Verdacht,
daß ſie den Beamten mißhandelten und aus dem raſend
dahin eilenden Zuge auf das Gleis geworfen haben.
London, 19. Jan. Unmittelbar vor Beginn der
Sondervorſtellung des „Mirakel”, die Max
Reinhardt für Geiſtliche angeſetzt hatte, zog eine Schar
von etwa 50 extremen Proteſtanten heran mit Bannern,
die die Inſchrift „No poperv!” oder ähnliche Deviſen
trugen, um gegen die Anweſenheit der Geiſtlichkeit bei
der Vorſtellung zu proteſtieren, weil ſie die Vorſtellung
als Propaganda für den Katholizismus anſehen. Es
kam zu einer Schlägerei zwiſchen den
Demonſtran=
ten und den Statiſten und Angeſtellten des Theaters.
Mehrere wurden leicht verletzt, das Banner zerfetzt. Die
Demonſtranten zogen ſich in Unordnung zurück.
London, 20. Jan. Die große Kälte hält in ganz
England an. Im Norden und Weſten iſt die Schneedecke
ſo hoch, daß vielfach die Wege für den Verkehr geſperrt
ſind. Die Telegraphen= und Telephonleitungen ſind
vielfach unterbrochen. Viele Kanäle ſind zugefroren,
wo=
durch die Schiffahrt ſehr leidet.
Petersburg, 20. Jan. Auf der Bühne des Neuen
Theaters des Volkshauſes brach in der Nacht
Feuer aus, das in kurzer Zeit die Bühne in einen
Scheiterhaufen verwandelte. Alle vier Stockwerke des
Theaters ſind ausgebrannt. Am Abend war das
Aus=
ſtattungsſtück Sewaſtopol” gegeben worden. Man glaubt,
daß bei der Exploſion des Kriegsſchiffes Funken auf die
Dekoration fielen und dadurch nach Theaterſchluß der
Brand entſtanden iſt.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Könſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
Einziger luſtiger Abend von
Mar=
cell Salzer. Ueber das neue, außergewöhnlich
erfolg=
reiche Programm Marcell Salzers äußert ſich die Preſſe
wie folgt: Kölniſche Zeitung (31. 10. 1911): Man wird
nie betrogen, wenn man zu Salzer geht, denn er hat von
dem Kräutlein Humor ſo viel Abarten zur Verfügung,
von der derben Grotske bis zur nadelfeinſten Satire oder
auch bis zu dem ſchwermütigen Frohſinn, der unter
Trä=
nen lächelt, daß er für jedes Gemüt einen Sonnenſtrahl
findet, der die graue Alltagsſtimmung mit ſeinem Glanze
verſcheucht und ſelbſt dem Griesgram das Leben wieder
lebenswert erſcheinen läßt Hamburger Nachrichten
(3. 11. 1911): Es gab viele Hörer, denen vor Lachen die
hellen Tränen über die Wangen liefen — ſo herrlich
ver=
ſtand es Marcell Salzer, die Herzen in das Land der
Freude hinüberzureißen Hannov. Anz. (7. 11. 1911):
Die Aula, die bis auf den letzten Platz gefüllt war, hat
wohl ſelten ein ſo homeriſches Gelächter gehört, wie
Samstag, als Profeſſor Marcell Salzer hier dozierte.
— Marcell Salzer wird in Darmſtadt am Mittwoch,
24. Januar, im „Kaiſerſaal” ebenfalls ſein gänzlich
neues, hier noch nicht gehörtes Programm vortragen.
Sein Name übt auch diesmal die gewohnte
Anziehungs=
kraft, ſodaß es ſich empfehlen dürfte, ſich Karten im
Vor=
verkauf im Verkehrsbureau baldigſt zu ſichern.
— Ueber das Pariſer Capet=Quartett,
das ſich heute dem Darmſtädter Publikum erſtmalig
vor=
ſtellen wird, ſchrieb Dr. Leopold Schmidt im Berliner
Tageblatt: Die letzten Tage der Berliner Saiſon
brach=
ten viel des Erfreulichen, dem man ſich mit ganzer Seele
hingeben konnte. Um gleich mit dem friſcheſten Eindruck
zu beginnen, nenne ich den wundervollen Abend des
Ca=
pet=Quartetts aus Paris, das in neuer Zuſammenſetzung
die Herren Lucien Capet, Maurice Hewitt,
Henri und Marcell Caſadeſus bei der
Wieder=
gabe dreier Beethovenwerke zeigte. Dem C.=Moll=
Quar=
tet op. 18 folgten das große Es=Dur op 127 und das
Cis=Moll op. 131, eine Steigerung, die ſich zugleich in
der Kunſt der Darſtellung ſpiegelte. Zwei Dinge
muß=
ten da auffallen und wirkten zu ſeltenem Genuſſe
zuſam=
men: der edle Wohlklang der gleich ſchönen und gleich
meiſterlich gehandhabten Inſtrumente, und wie ſich dieſe
Franzoſen in den ſpäten Beethoven eingelebt haben. Es
fehlte nicht an kleinen Abweichungen von der
Joachim=
tradition. Aber wir haben ja Beethoven nicht in
Erb=
pacht, und mit ernſterer und lebensvollerer Wärme kann
der tieſe Gehalt ſeiner Schöpfungen wohl kaum
übermit=
telt werden. Stiliſtiſch und techniſch war die Ausführung
von ſorgfältigſter Ausgeglichenheit, wenn auch der heiße,
von gebundener Leidenſchaft erfüllte Geigenton Capets
dominierte; die widerhaarigen Stellen des Eis=Moll=
Quartetts habe ich nie ſo rein, ſo ohne jede Rauheit im
Tone gehört.”
Parlamentariſches.
* Die Abgeordneten Schönberger und Genoſſen
haben folgenden Antrag, betreffend: Uebernahme
der Volksſchulkoſten auf den Staat, bei der
Zweiten Kammer eingebracht. Wir beantragen: Großh.
Regierung zu erſuchen, dieſem Landtage im Anſchluſſe
an die Mitteilung in Druckſache Nr. 914 des 31.
Land=
tags eine Denkſchrift über die Uebernahme der
Volks=
ſchulkoſten auf den Staat in ſachlicher und perſönlicher
Hinſicht vorzulegen, dabei Auskunft zu geben, wie ſich die
hiſtoriſche Entwickelung in unſerem Lande und in den
übrigen Ländern Deutſchlands vollzogen hat, ſowie
welche finanziellen Wirkungen die Uebernahme dieſer
Ko=
ſten für den Staat und die Gemeinden haben würde.
Die Reichstagswahlen.
* Das Reſultat der erſten Stichwahlen
vom Samstag und eine Zuſammenſtellung des bisherigen
Geſamtreſultates haben wir durch unfer Extrablatt
be=
kannt gegeben. Die Gewinn= und Verluſtziffern
der einzelnen Parteien, die ſich nach Beendigung der Wahl
natürlich gegeneinander aufheben müſſen, ſind bis jetzt
folgende: Die Sozialdemokraten haben gewonnen 26,
Elſäſſer, Welfen und Wilde je 1, alle anderen Parteien
haben bis jetzt Verluſte, nämlich die Nationalliberalen,
Konſervativen und Zentrum je 9, Reichspartei und
Wirt=
ſchaftliche Vereinigung (einſchl. Reformpartei) je 7,
Fort=
ſchrittliche Volkspartei 5; es ſtehen alſo den 29 Gewinnen
bis jetzt 46 Verluſte gegenüber. Die Gewinne der
Sozial=
demokraten werden ſich in den nächſten beiden Stichwahlen
noch etwas vergrößern und die Verluſte der anderen
Par=
teien etwas verringern, doch dürfte die Zahl der
ſozial=
demokratiſchen Mandate 85 ſchwerlich überſteigen. Die
7 Wahlkreiſe, welche die Sozialdemokraten bis jetzt
ver=
loren haben, ſind: Landau, Pforzheim, Wiesbaden,
Karls=
ruhe, Bielefeld, Koburg, Uſedom.
Die erſten Stichwahlen ſind für die
bürger=
lichen Parteien nicht ſo ungünſtig verlaufen, wie man
be=
fürchtet hatte. Am beſten hat die Fortſchrittliche
Volks=
partei abgeſchnitten, die von 19 Stichwahlen 17 gewonnen
hat. Sie hat die Unterſtützung der Sozialdemokraten
er=
halten, während die fortſchrittlichen Wähler ſich nicht zu
der Sozialdemokratie haben abkommandieren laſſen,
woraus ſich auch die verhältnismäßig geringen Verluſte
der Konſervativen erklären. Auch für die nächſten
Stich=
wahlen ſind die Ausſichten für die Fortſchrittliche
Volks=
partei ſehr günſtig. Trotzdem iſt wenig Hoffnung
vor=
handen, daß die bürgerlichen Liberalen wieder auf ihren
früheren Beſtand von 100 (51 — 49) kommen werden, da
die Verluſte in der Hauptwahl, zuſammen 25, zu groß
ge=
weſen ſind, als daß ſie wieder eingeholt werden könnten;
in der erſten Stichwahl ſind davon erſt 11 eingeholt worden.
Bei den nächſten Stichwahlen beteiligt
ſind noch: die Nationalliberalen in 35, die Fortſchr.
Volks=
partei in 36, die Sozialdemokraten in 66, die Konſervativen
in 27, die Reichspartei in 12, das Zentrum in 14, die
Polen in 9, die Wirtſch. Vergg. ꝛc. in 7, die Elſäſſer in 2,
die Welfen in 2, Wilde ꝛc. in 6 Wahlkreiſen.
* Frankfurt a. M., 20. Jan. Der Vorſtand der
hieſigen Konſervativen Vereinigung hat in
ſeiner Sitzung vom Freitag folgenden Beſchluß gefaßt:
„Da eine Einigung der ſämtlichen bürgerlichen Parteien
für die Stichwahl am Widerſtande der
Fortſchritt=
lichen Volkspartei geſcheitert iſt und die
Fort=
ſchrittliche Volkspartei den Sozialdemokraten allenthalben
tatkräftige Wahlhilfe leiſtet, und da ſich auch die
Gleich=
heit der ſtaatlichen und religiöſen Endziele dieſer beiden
Parteien immer mehr offenbart, ſo wird
Stimment=
haltung oder zum Proteſt gegen die Kandidaturen
Oeſer und Quarck Abgabe eines weißen Zettels
empfoh=
en.‟ Die Ortsgruppe der Deutſchſozialen
Partei (Deutſcher Verein) ſtimmte in ihrer Sitzung
vom Freitag folgender Entſchließung zu: „Die
Fort=
ſchrittliche Volkspartei, die Partei des Herrn
Oeſer, fordert in allen Wahlkreiſen, in denen
deutſch=
ſoziale (antiſemitiſche) und chriſtlichſoziale Kandidaten
gegen Sozialdemokraten in Stichwahl ſtehen, ihre Wähler
auf, für die Sozialdemokraten gegen die Deutſch= und
Chriſtlichſozialen ihre Stimme abzugeben. Aus dieſem
Grunde bedauern wir, am 22. Januar nicht für den
Kandidaten Oeſer eintreten zu können und
fordern unſere Anhänger auf, entweder ſich der Wahl zu
enthalten, oder weiße (den Kandidatennamen
durchſtri=
chene) Wahlzettel abzugeben.
* Köln, 21. Jan. Heute fand im großen Saale der
Bürgergeſellſchaft hier eine
Zentrumswählerver=
ſammlung ſtatt, in der u. a. Staatsminiſter Graf
Poſadowsky das Wort ergriff. Er führte u. a.
fol=
gendes aus: Es ſei unrichtig, daß er als Staatsmann vom
Zentrum abhängig geweſen ſei. Seine Wirtſchafts= und
Sozialpolitik habe vielmehr im Reichstage eine große
Mehrheit gefunden. Redner wandte ſich dann zur äußeren
Politik. Gegenüber den äußeren Schwierigkeiten müſſe
man kaltes Blut bewahren. Es ſei ſehr falſch, für eine
günſtige Gelegenheit gewaltſam eine andere günſtige
Ge=
legenheit herbeizuführen. Man dürfe einem beſſeren
Ver=
halten ausländiſcher Staaten uns gegenüber nicht
ableh=
nend gegenüberſtehen. Von dem jetzigen franzöſiſchen
Mi=
niſterpräſidenten, den er perſönlich kenne, erhoffe er eine
Beſſerung der beiderſeitigen Beziehungen, und auch in
England machten ſich ſchon Zeichen einer beſſeren
Mein=
ung gegenüber Deutſchland geltend. Freilich müſſe man
erſt poſitive Tatſachen abwarten. Wir wollten niemand
nachlaufen, aber wir ſeien auf einem Punkt angelangt, wo
wir nicht mehr zurückweichen dürften. Redner ſchloß ſeine
häufig mit großem Beifall aufgenommene Rede mit der
Empfehlung der Wahl Trimborns.
Einſendungen zu den Reichstagswahlen.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung.)
(Aufnahme finden nur kurz und durchaus ſachlich
gehaltene Einſendungen. Entſcheidung für die Aufnahme
behält ſich die Redaktion in jedem Fall vor.)
Bei der Wahlbewegung iſt in einem Aufruf
be=
hauptet worden, Herr Dr. Oſann habe für die
Staats=
bahnbeamten und=Arbeiter nichts getan. Dieſe
unge=
rechte Behauptung müſſen wir ernſtlich zurückweiſen und
gerade das Gegenteil behaupten. Wir glauben ſagen
zu können, daß derartige Aeußerungen weder von einem
Staatsbahnbeamten noch=Arbeiter ausgegangen iſt.
Dieſelben beſitzen viel zu große Wahrheitsliebe, als daß
ſie ſich zu einer ſolch großen Undankbarkeit herunterlaſſen
würden. Die Leiſtungen des Herrn Dr. Oſann für uns
ſind recht vielſeitig und dürften auch allgemein bekannt
ſein. Jedoch wollen wir hier eine kleine Rekapitulation
halten: Zunächſt war es Herr Dr. Oſann, der ſeinerzeit
die Härten und Mängel in dem Fürſorgegeſetz der
Be=
amten, Witwen und Waiſen für die übernommenen
ehe=
maligen Ludwigsbahnbeamten richtig erblickte und
darauf=
hin ein Nachtragsſtatut beantragte, wonach dieſen Beamten
ihre geleiſtete Dienſtzeit als anrechnungsfähig betrachtet
werden ſollte, wodurch alle beſtandenen Ungleichheiten
faſt ausnahmslos beſeitigt worden wären. Dieſer
An=
trag wurde von der Zweiten Kammer auch
angenom=
men, leider aber von der Erſten abgelehnt. Weiter
hat Herr Dr. Oſann bei der allgemeinen
Gehaltsregu=
lierung von 1908 ab unſere Wünſche ſeinen Kollegen im
preußiſchen Abgeordnetenhauſe, wo all unſere
Gehalts=
verhältniſſe beraten werden, übermittelt und eingewirkt.
daß unſere Intereſſen beſtens berückſichtigt wurden.
Ganz=
beſonders iſt er dafür eingetreten, daß Darmſtadt bei dem
Wohnungsgeld aus der Klaſſe C wieder nach Klaſſe B
verſetzt wird. Hierüber ſind die Verhandlungen noch im
Gange und haben wir die beſte Hoffnung, daß demnächſt
die Entſcheidung zu unſeren Gunſten ausfällt.
Eine ſehr erfreuliche Abſicht hat Herr Dr. Oſann im
Herbſt bekannt gegeben, die er in der diesjährigen
Land=
tagsperiode verwirklichen will. Nämlich im verfloſſenen
Jahre 1911 ſind für die noch in der Ludwigsbahn=
Pen=
ſionskaſſe verbliebenen Mitglieder die Beiträge auf 2
Pro=
zent herabgeſetzt worden. Dagegen befinden ſich die vor
einigen Jahren wegen allzu großen Beiträgen zu
Hun=
derten ausgetretenen Mitglieder, die zum größten Teil
je 1000—2000 Mark zur ehemaligen Ludwigsbahn=
Pen=
ſionskaſſe eingezahlt hatten, noch in der mißlichen Lage,
keinerlei Gegenleiſtung hierfür erhalten zu haben. Dieſes
hat Herr Dr. Oſann jetzt wiederholt als große Härte
be=
zeichnet und erklärt, daß er mit ganzer Kraft für deren
Beſeitigung eintreten werde. Auch will Herr Dr. Oſann
haben, daß die Militärzeit angerechnet und ausbezahlt
wird, nicht wie bisher geſchehen, an der Kaſſenpenſion,
wofür Beiträge geleiſtet, gekürzt wird.
Wir haben allen Grund. Herrn Dr. Oſann dankbar
zu ſein und fordern die Kollegen alle auf, Mann für
Mann für Dr. Oſann einzutreten.
Ciele Königl. Preuß und Großh. Heſſ. Staatbahnbeamte
und=Arbeiter in Darmſtadt.
— Es iſt doch allbekannt, daß die Fortſchrittliche
Volkspartei in Heſſen, und gerade auch hier in
Darm=
ſtadt mit großen Lettern die „liberale
Vereini=
gung” auf ihre Fahne geſchrieben hat. Der von dieſer
Partei gefaßte Beſchluß „Stimmenfreigabe bei der
Stich=
wahl am 22. Januar 1912” iſt keine Beſtätigung hierfür.
Stände neben Dr. Oſann ein Kandidat des Zentrums
oder der Konſervativen, ſo wäre dieſer Beſchluß einer
„bürgerlichen Partei” leichter verſtändlich; aber
hier, wo dem liberalen Kandidaten ein der
internatio=
nalen Sozialdemokratie Angehöriger als Gegner
gegen=
überſteht, hätte eine „Volkspartei” dieſe
Entſchei=
dung nicht treffen dürfen. Die Folgen hiervon wollen
wir jetzt der Zukunft überlaſſen. Hoffen wir, daß
ſämt=
liche Wähler der Fortſchrittlichen Volkspartei in
die=
ſem Falle die Parole ihrer Parteileitung nicht beachten
und geſchloſſen für Dr. Oſann eintreten.
In allererſter Linie muß dies entſchieden von jedem
BBeamten verlangt werden; das iſt ſeine Pflicht.
Laſſen ſich die Beamten nicht in den gegenwärtigen,
et=
was ungünſtigen Verhältniſſen zu einem Schritt
verlei=
ten, der ſich bitter rächen würde. Daß die
Sozialdemo=
kratie überhaupt die Beamten immer wieder in ihr
Pro=
gramm aufnimmt, iſt nur auf Stimmenfang berechnet.
Das wahre Programm dieſer Partei für die Beamten
heißt: „Mehr Arbeit, weniger Geld, aber
die Steuern tragen!“
Die heſſiſchen Beamten ſollten ſich merken, daß
ge=
rade Dr. Oſann es iſt, der gegenwärtig wieder mit allem
Eifer eine Verbeſſerung der Lage der Beamten
herbei=
führen will, überlaſſen Sie deshalb dieſem Manne Ihr
Wohl und Wehe und nicht zuletzt in unſerem engen
Va=
terland, ſondern helfen Sie alle mit, daß er auch an des
Reiches Kraft und Herrlichkeit mitarbeiten kann, und daß
durch ihn unſere patriotiſche Geſinnung zum Ausdruck
kommt.
Sein Dank wird nicht ausbleiben, und wir können
ihm für ſeine mühevolle Aufopferung unſeren Dank gar
nicht beſſer entgegenbringen, als daß wir ihm heute
unſere Stimme geben. Beamten, auf zur Wahl
für Dr. Oſann.
„Verrat an der Sache des Bürgertums”
begeht, wie das freiſinnige Wahlkomitee im erſten
Ber=
liner Wahlkreiſe in einem Wahl=Aufruf kürzlich ſehr
rich=
tig bemerkt, wer nicht für den bürgerlichen Kandidaten
eintritt. Verrat an der Sache des Bürgertums, an den
Grundſätzen des Liberalismus, an der Zukunft unſeres
Vaterlandes.
Darum laſſe ſich kein liberaler Mann durch
irgend eine andere Wahlparole irre machen, ſondern gebe
am 22. Januar ſeine Stimme Dr. Oſann!
Mehrere vaterländiſch geſinnte Bürger.
* Traiſa, 21. Jan. Am Vorabend der Stichwahl
gaben die Sozialdemokraten von Traiſa noch zuguterletzt
eine Probe deſſen, was ſie in ihrer vielgeruhmten
ſozial=
demokratiſchen Erziehungsanſtalt für Freiheit, Gleichhett
und Brüderlichkeit geelrnt haben. Der bürgerliche
Kandidat, der den Sonntag über noch eine große
Reihe von Verſammlungen beſucht und abgehalten hat
und überall vom Geſamtbürgertum in geſchloſſener Reihe
Nummer 18.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Januar 1912.
Seite 5.
mit tatkräftiger Begeiſterng aufgenommen wurde, wollte
auch vor einer Traiſaer Bürgerverſammlung noch
ein=
mal berichten. Aber es ward ihm unmöglich
ge=
macht. Eine Schar von „Genoſſen” erfüllte den Saal
mit frechen Zwiſchenrufen, wüſtem Johlen, Schreien und
fortwährenden Unterbrechungen, ſodaß der Redner es
vorzog, die Burſchen ſich ſelbſt zu überlaſſen. Auf die
Bürgerſchaft von Traiſa dürfte dieſer gewalttätige
Ter=
rorismus dieſelbe Wirkung haben, wie vor fünf Jahren
das gleiche Verhalten der roten Schar, die damals die
Verſammlung in der Darmſtädter Turnhalle ſprengte.
Herr Dr. Queſſel und Genoſſen ernten, was ſie geſät
ha=
ben. Das Bürgertum aber möge noch in letzter Stunde
auch daraus ſeine Lehre ziehen. Wer möchte den
Ober=
genoſſen und Führer ſolcher Streiter „mit geiſtigen
Waf=
fen” ſeine Stimme geben?
Staatsſekretär von Kiderlen=Wächter in Rom.
* Rom, 20. Jan. Staatsſekretär von
Ki=
derlen=Wächter begab ſich heute mittag in die
Kon=
ſulta, um den Miniſter des Aeußern di San
Giu=
liano zu beſuchen. Er verweilte ungefähr eine Stunde
bei ihm. Um 1,15 Uhr nachmittags fand in der deutſchen
Botſchaft ein Frühſtück ſtatt. Später begab ſich di San
Giuliano wiederum zur deutſchen Botſchaft, um den
Be=
ſuch des Staatsſekretärs zu erwidern. Gegen Abend
be=
ſuchte Herr von Kiderlen=Wächter Donna Laura
Min=
ghetti.
Staatsſekretär von Kiderlen=Wächter wurde heute
abend nach 7 Uhr von dem König empfangen, der
ihm das Großkreuz des Mauritius=Lazarus=Ordens
ver=
lieh. Um 8 Uhr fand Hoftafel ſtatt. Zur Linken der
Königin ſaßen Staatsſekretär von Kiderlen=Wächter und
der Miniſter des Aeußern Marquis di San Giuliano,
zur Rechten der Herzog von Aoſta, Miniſterpräſident
Giolitti und Legationsrat Hindenburg. Zur Rechten
vom König batten Platz genommen Komteſſe
Guicciar=
dini, der deutſche Botſchafter von Jagow und General
Bruſati, zur Linken Prinzeſſin Paterno und der
baye=
riſche Geſandte Frhr. von und zu Tann=Rathſamhauſen.
Einige Zeitungen erklären bei der Beſprechung des
Beſuches Herrn von Kiderlen=Wächters, es ſei nicht
richtig, daß es ſich bei dem Beſuch um die
Erneue=
rung des Dreibundes handele. Dafür ſei der
Zeitpunkt noch nicht gekommen.
* Rom, 21. Jan. Staatsſekretär v. Kiderlen=
Wächter beſuchte heute nachmittag 3 Uhr die Königin=
Witwe in der Villa Margherita, wo er eine halbe
Stunde verblieb.
Gerichtszeitung.
Die Marokkoaffäre vor einem deutſchen
Gericht.
— Eſſen, 19. Jan. Das hieſige Schöffengericht ver
handelte heute in Sachen des vielbeſprochenen
Marokko=
artikels der Grenzboten, der ſich mit der
Halt=
ung der alldeutſchen Preſſe zu der damaligen politiſchen
Lage beſchäftigte und den Anlaß zu verſchiedenen
Pri=
vatbeleidigungsklagen der alldeutſchen
Blät=
ter gegen den Chefredakteur der Grenzboten, Georg
Cleinow, gab. Der Artikel der Grenzboten erſchien in
einer September=Nummer und wandte ſich in ſehr
hefti=
ger Weiſe gegen die Poſt, die Tägliche Rundſchau und
die Rhein.=Weſtfäliſche Zeitung in Eſſen, welche Organe
mit Bezug auf ihre Haltung in Marokkoaffäre ls „
Man=
nesmannpreſſe” charakteriſiert wurden. In dem Artikel
wurde u. a. ausgeführt, es ſei höchſte Zeit, daß endlich die
Fäden bloßgelegt würden, die von den Gebrüder
Mannesmann, die bekanntlich in Marokko ſtark
enga=
giert ſind, zu dieſen Blättern führten. Als Entgegnung
auf dieſe Anſchuldigung veröffentlichten die angegriffenen
Zeitungen geharniſchte Artikel, durch die ſich Cleinow
beleidigt fühlt. Er erhob die Privatklage gegen die drei
genannten Blätter. Das Verfahren gegen die Rheiniſch=
Weſtfäliſche Zeitung und die Tägliche Rundſchau wurde
aber eingeſtellt, da dieſen Blättern der Schutz des § 193
(Wahrung berechtigter Intereſſen) zugebilligt wurde. Die
Verhandlung gegen die Poſt fand am 3. Januar ſtatt und
richtete ſich gegen den verantwortlichen Redakteur
Mül=
ler. Der Gerichtshof lehnte eine Beweiserhebung, die
von dem Rechtsbeiſtande des Beklagten für die Wahrheit
ſeiner Behauptungen angeboten wurde, ab und billigte
ihm ebenfalls den Schutz des § 193 zu, ſo daß der
Beklagte freigeſprochen wurde. In der Begründung des
Urteils wurde ausdrücklich ausgeführt, daß der ſcharfe
Artikel des Beklagten durch den ſcharfen Angriff in dem
Grenzboten erſt verurſacht worden ſei.
Mit dieſer Entſcheidung gab ſich die Rheiniſch=
Weſt=
fäliſche Zeitung noch nicht zufrieden, trotzdem Cleinow in
einem neuen Artikel: „Marokko vor Gericht”, ſich
entſchie=
den dagegen verwahrte, er habe auch nur einen
Augen=
blick an die Möglichkeit einer materiellen Verbindung
zwiſchen den Gebrüder Mannesmann und den drei
Zei=
tungen gedacht. Das rheiniſche Blatt erhob vielmehr die
Beleidigungsklage gegen Cleinow die nach
fünfſtündiger Verhandlung mit einer Verurteilung
Clei=
nows zu 300 Mark Geldſtrafe endete. In der
Be=
gründung des Urteils wurde ausgeführt: Der Gerichtshof
ſei zu der Ueberzeugung gekommen, daß Cleinow mit
den inkrimknierten Aeußerungen habe ſagen wollen, die
Rheiniſch=Weſtfäliſche Zeitung habe die Gebrüder
Man=
nesmann deshalb unterſtützt, und die Oeffentlichkeit
irre=
geführt, weil die Rheiniſch=Weſtfäliſche Zeitung von den
Gebrüdern Mannesmann geldlich unterſtützt werde, alſo
beſtochen ſei. Das gehe hervor aus der Wendung, es ſei
nötia, diejenigen Fäden aufzudecken, die die drei
genann=
ten Blätter mit den Mannesmanns verknüpfen. Damit
könne nur gemeint ſein, die Beziehungen der Rheiniſch=
Weſtfäliſchen Zeitung zu den Gebrüdern Mannesmann
ſeien geldlicher Art. Irgend ein Beweis für dieſe
Ver=
dächtigung ſei nicht erbracht worden. Nach § 186
Straf=
geſetzbuches mußte daber eine Verurteilung erfolgen. Bei
der Strafbemeſſung habe das Gericht Cleinow geglaubt,
daß er aus lauteren Abſichten gehandelt hat.
Anderer=
ſeits war bei dem Urteil die Schwere der Beleidigung zu
berückſichtigen. — Der Gerichtshof erkannte ferner auf
Publikationsbefuanis für den Privatkläger in der Rhein.=
Weſtfäliſchen Zeitung, in der Täglichen Rundſchau, der
Poſt, der Kölniſchen Zeitung und den Grenzboten.
Luftfahrt.
* Frankfurt a. M., 20. Jan. Heute morgen um
11,50 Uhr flog der Euler=Pilot Graf Wolfskehl vom
1. bayeriſchen ſchweren Reiter=Regiment mit der neuen
Dreideckerkonſtruktion von Darmſtadt nach
Frank=
furt. Die Flugdauer für die 27 Kilometer lange Strecke
betrug 18 Minuten. Er kam in einer Höhe von 1000
Me=
tern in Frankfurt an und landete im Gleitflug glatt vor
der Halle. Entgegengeflogen wax ihm Oberleutnant
Wirth auf einer kleinen Euler=Flugmaſchine Typ „
Gel=
ber Hund”). Bis jetzt ſind ſechs Euler=Flugmaſchinen
in Frankfurt angekommen; die noch in Darmſtadt
befind=
lichen drei Apparate werden im Laufe des heutigen oder
des morgigen Tages nach Frankfurt herüberkommen.
* Paris, 21. Jan. Auf dem Flugfelde von Iſſy
ſtürzte ein junger Student der Medizin, Alfred Wagner
aus Nancy, welcher ſich für den Fliegerberuf ausbildete,
mit ſeinem Zweidecker ab und blieb auf der Stelle tot.
sr. Ein Ueberlandflug=Preis von
20000 Kronen wurde dem Wiener Aeroklub vom
Niederöſtererichiſchen Landtage für einen Rundflug in
Niederöſterreich zur Verfügung geſtellt. Wie ſchon
ge=
meldet, hatte der Niederöſterreichiſche Landtag dem
Wie=
ner Aeroklub für den Ueberlandflug=Wettbewerb Wien-
Berlin 30000 Kronen geſtiftet, ſodaß im Ganzen 50000
Kronen geſpendet wurden. Die 30000 Kronen für den
Ueberlandflug Wien-Berlin ſind als
Niederöſterreichi=
ſcher Landespreis ausgeſetzt worden.
Gala=Damen= und Herren=Sitzung der
Karneval=
geſellſchaft Narrhalla.
Feſtlich=närriſchen Schmuck trug die „Narrhalla” am
Woogsplatz, heuer die Hochburg echten, rechten und
fröh=
lichen Karnevals in Darmſtadt, die Stätte, da er am beſten
blüht und gedeiht. Und in ſchier erdrückender Zahl hatten
ſie ſich eingefunden, alle die zur Fahne des luſtigen
Prin=
zen ſchwören, des Sorgenbrechers, der in den doppelt
ſchweren Zeiten doppelt die Menſchheit beglückt. Und
ſie ſchenkten ihm ihr Lächeln, die ſchönen Frauen und
Jungfräulein der Runde, die, wie immer, — das
när=
riſche Käppchen keck auf dem kunſtvollen Lockengebilde —
dem feſtlich=frohen Bild das rechte Gepräge gaben. Schenkten
dem Prinzen ihr Lächeln auch in effige und beglückten
damit ſeine berufenen Vertreter und Bannerträger.
Fah=
nen, Girlanden und karnevaliſtiſche Enbleme ſchmückten
den Feſtſaal und über dem Thron der Elfer prangte hoch
droben das ſtolze Motto:
„Den Karneval, den mache mir am Große Woog,
Und wie mer’s mache, machts uns kaaner noch!”
Links auf der Galerie hatte man, mit Blumen und
Pflanzen ſchön geſchmückt, die Hofloge vorgeſehen. Das
war nun allerdings leider vergeblich, denn wie zu
Be=
ginn der Sitzung bekannt gegeben wurde, hatte der
Großherzog ſowohl in Mainz, als auch hier in
letz=
ter Stunde ſeinen Beſuch abgeſagt.
Die Wogen der närriſchen Freude gingen trotzdem
hoch und ſchon mit dem feierlich=pompöſen Einzug
des Elferrats griff eine Stimmung Platz, wie man
ſie gleich trefflich eben nur bei der Karnevalgeſellſchaft
Narrhalla gewöhnt iſt. Und ſie hielt während der
gan=
zen, über 4ſtündigen Sitzung vor. Das Bild da droben
auf dem närriſchen Thron war zunächſt ungewohnt in
dieſem Kreiſe. 25 Jahre hindurch ſaß da oben, die
Glocke ſchwingend, Max Anſpach, zuerſt im
ſchwar=
zen, dann im melierten und dann im weißen Bart. Zum
erſten Male fehlte er! Statt ſeiner führte Max
Wei=
ner, ein altbewährter Kämpe, das närriſche
Präſi=
dium. Und daß er’s gut geführt, die Runde kanns
be=
zeugen!
So iſt aach diesjohr das Komitee,
Wie immer, bei de Händ,
Nor wunnerts Eich, dach ich hier ſteh!
Als „Aushilfspräſident”.
Den Anſpach tut vermiſſe Ihr,
Den liebe, alte Schoote,
Der Eich ½=Jahrhundert ſchier
Viel Schönes hot gebote.
Zum Ehrenpräſes hawe mern gemacht,
Wie des ſich aach gebührt,
Mir hab’n in Ruheſtand verſetzt,
Mit vollem Gehalt penſioniert.
Doch bleibt er trotzdem uns noch treu
Und hält ſein Faſching hoch,
Es gibt aach ann Max Anſpach nor,
Und den macht uns kaner nooch! —
Mit ſtürmiſchem Beifall nahm die Narrenſchar
die=
ſen Paſſus in der Begrüßungsrede auf, die dann noch,
vielfach von Tuſchs unterbrochen, mit gleich treffendem
Refrain Politik und Lokales gloſſierte. Nur bei einem
machte Präſident Weiner eine Ausnahme, das war bei
der Regiſtrierung der Frackverdammung der Erſten
Kammer:
Doch mir, mir tage nor im Frack,
Des iſt ganz ohne Froog,
Und was die Erſte Kammer tut,
Des mache mir net nooch.
Im Anſchluß an die Eröffnungsanſprache ſtieg das
erſte Lied, „Ein Jubelgruß dem Karneval” als
deſſenDich=
ter Elferrat Streeſe mit einem Orden dekoriert wurde.
Dann begrüßte der Präſident die anweſenden
Ehren=
gäſte, u. a. die Herren Stadtkommandant Generalmajor
v. Randow, Provinzialdirektor Fey und die
Elfer=
räte des Karneval=Vereins Beſſungen, des Faſchings=
Ausſchuſſes der Turngemeinde und der Geſellſchaft
Harm=
loſe.
Last not least wurde der anweſende Ehrenpräſident
Max Anſpach noch beſonders begrüßt und unter dem
Jubel der Narrenſchar durch zwei Elferräte zu ſeinem
ihm vom Präſidenten eingeräumten Ehrenſeſſel geführt.
Der Gefeierte dankte herzlichſt und überreichte ſodann
dem Präſidenten ſeine edelſteinbeſetzte goldene Kette,
die er nun bald ein Vierteljahrhundert getragen und
an deren liebliches Gefunkel er ſo gewöhnt, daß er ſie
nur mit Aufbietung all ſeines Opfermutes ablegen
könne, und zwar mit der Beſtimmung, daß der
jewei=
lige Präſident ſie bei offiziellen Anläſſen tragen möge.
Dafür legte der Ehrenpräſident die Kette Weiners an.
Sein Hoch auf das weitere Blühen des Karnevals in
Darmſtadt fand ſtürmiſchen Widerhall.
Dann beſtieg, mit lebhaftem Beifall begrüßt, der
vor=
zügliche Protokoller Elferrat Robert Schneider die
Bütt. Sein Protokoll war, wie immer, eine Glanzleiſtung.
Es war diesmal frei nach Buſch gereimt, und referierte
über die „Verſchiebung der Jahreszeiten” und dadurch
be=
dingte Unregelmäßigkeit in der Witterung, und daß ſich
die Gelehrte darüber „widdermol net aanig ſin”,
Dann der aane hott behaubt,
Daß die Erdachs wär’ verſchraubt
Un der anner hott bedeiert:
Na, ſie is bloß ausgeleiert!
Dann über „die Hitze” im vorigen Sommer und die
leichte Kleidung:
„Dann die Bliescher vun de Liescher
„Vun de Kättcher un Luwiescher,
„Warn nor immer Kimono
„Mit lauter klaaner Löchelcher dro.
Durch die Hitze wurden auch die Deutſchen ſo hitzig
bei den Marokkoverhandlungen und das End vom Lied war:
„Vun Kongo kriege mir en Schnibbel bloß,
„Dofor werrn mir zwaa Zibbel los.
Dann kam Kronprinzens Kopfſchütteln, „Bethmanns
Nachteſſen bei Kaiſers”und die ſonſtigen politiſchen
Ver=
hältniſſe des Auslandes: „China‟ — Italien=Türkei —
Ruſſen=Perſer=Franzoſen=Spanier und . . . . England und
Deutſchland dran, wobei der Protokollant die
Schüttel=
reimmahnung ausruft:
Sorgt defor, daß mir ne Flotte krieje,
Dann ſollt Ihr ſehe, wie die Krotte flieje!
Dann folgte Reichs= und Landtagswahl, die
verſchie=
denen Projekte der Stadt, wie Waldfriedhof, Krematorium,
Rhein=Darmkanal auf den Marktplatz, Braunkohlengrube
Einſiedel, ſodann Blumentag, Streik der
Möbeltrans=
porteure, das Erdbeben uſw. uſw.
Mit ſtürmiſchem Beifall dankte ihm die Narrenſchar
und mit blitzendem Ordensſtern und gereimter Widmung
der Präſes.
Dann wickelte das reichhaltige Programm ſich in
trefflicher Folge prompt ab. Im Lied Nr. 2 beſang der
eben Geehrte dann mit gleichem Erfolge „Die Hitz”, „die
mir zehe Woche letzten Summer leider mitzumache hatte”.
Dann kam ein Darmſtädter Kommiſſär, d. i. ine „
Ver=
trauensperſon für Leut, die ſich ſchäme —
Pfandhaus=
gäng zu beſorje‟. Es war Narr Bauſcher, der
aller=
hand Intimes und Witziges zu erzählen wußte und
da=
für den Orden für Sprachfertigkeit erhielt.
Danach harrte der Narrhalleſenſchar ein ganz
beſon=
derer Kunſtgenuß. Fräulein Käthe Dorſch, die
zu=
künftige Soubrette unſeres Hoftheaters, erfreute durch
den Vortrag einiger trefflicher Chanſons, die ganz
meiſterlich geſungen wurden und ſtürmiſchen Beifall
ern=
teten. Die junge Künſtlerin hat ſich in die Herzen ihrer
Hörer hineingeſungen und wenn ihr gleicher Erfolg wie
hier auch an „berufener Stätte” beſchieden, darf man
unſer Hoftheater zu der neuen Kraft beglückwünſchen.
Der Präſes überreichte der ſo ſchnell beliebt gewordenen
Künſtlerin ein prächtiges Fliederbukett. — Im nächſten
Lied ſang Herr Kurt Jeidels ein Friſchauf den
Narren und erhielt dafür — es war eine
Erſtlingsleiſt=
ung — den Ermunterungsorden. Narr Jul. Simon,
den man ſonſt vornehmlich als Schloſſerbub oder ſo
ähn=
lich zu ſehen gewohnt war, brachte diesmal ein
Melo=
dram. Er wußte auch damit die Narrenſchar zu
begei=
ſtern und wurde mit dem Orden für höhere Kunſt
ausgezeichnet. Narr Mundo aus Mainz, der in dieſem
Kreiſe längſt kein Fremder mehr (das bewies der
rau=
ſchende Begrüßungsapplaus) erfreute durch ſeine ganz
vorzüglichen Couplettgeſänge, in denen er in gewohnter
Weiſe nur Eigenes brachte und die ihm den Hausorden
1. Klaſſe eintrugen. — Dann ließ ein Schuſterbub ſei
bees Mundwerk ſpazieren gehen. Es war Narr Engel,
der über alles mögliche zu krätſchen wußte und den Hans
Sachs=Orden — erhielt. — Lied Nr. 4 war von Narr
Grünfeld=München, der leider nicht anweſend war.
Er hätte ſonſt geſehen, daß ſein Schunkellied ſo gut
ein=
ſchlug, daß der letzte Vers wiederholt werden mußte.
— In einem Zwiegeſpräch mit Elferrat Delp fand dann
Narr Simon auch Gelegenheit, ſich von ſeiner
gewohn=
ten Seite als „Zündlochsjule” zu zeigen. Die beiden
Heiner brachten viel neue, wirkſame Schlager und
erran=
gen rauſchenden Beifall, trotzdem ihr Geſpräch mit viel
Paprika gewürzt war. Auch das Lied Jule Simons
wurde ſehr beifällig aufgenommen.
Herr Hofſchauſpieler Peterſen brachte eine
An=
zahl witziger Rezitationen und wurde dafür zum
Hof=
rezitator Sr. Närr. Hoheit ernannt, welcher
Auszeich=
nung beim zweiten Auftreten neben verdoppeltem Erfolg
auch der Orden folgte. Stürmiſch applaudiert wurde
dann beim zweiten Auftreten Fräulein Käthe Dorſch
und ſie war „hinreißend” im wahren Sinne des Wortes.
Selten wohl hat gleicher Jubel die Narrhalla durchbrauſt
als nach dem Schluß des reizenden Schunkellieds von
Paul Haslinde, deſſen Refrain vom Publikum
mit=
geſungen und =geſchunkelt wurde und ſchließlich gabs
einen edlen Wettſtreit zwiſchen dienſtbefliſſenen
Elfer=
räten und Zeremonienmeiſtern, als es ſich um das —
An=
heften des der Künſtlerin verliehenen Ordens handelte.
Elferrat Schardt=Beſſungen brachte wieder ſeinen
Vortrag als Fraa Pefferloch (Blumentags=Komitee=
Dame). — Im nächſten Lied beſang Narr Heinr.
En=
ders „Unſern Woog” in gewohnt trefflicher Weiſe.
Elferrat Delp beſang die amerikaniſch Hitzwell. — Den
Reigen der Vorträge beſchloß ein Zwiegeſpräch der
bei=
den vortrefflichen Mainzer Mauer und Dengler, die
ebenfalls Ordensauszeichnungen erhielten.
Dem Präſidenten Max Weiner verlieh der
Ehren=
präſident Anspach für die vortreffliche Leitung der
Sitzung den Hausorden mit Brillanten. Präſident
Wei=
ner ſeinerſeits dankt den übrigen Elferräten für die
Mit=
arbeit und verlieh auch dieſen den Hausorden. — Ein
Feſtball beſchloß die vorzüglich verlaufene Sitzung.
Und iſt die ſel’ge Zeit vorbei,
Erblaßt der Stern der Narretei,
Verklungen leis der Glöcklein Schall,
Vorbei der Glanz des Karneval,
Dann klagt nicht ob der Scheideſtund
Bleibt uns doch die Erinnerung.
Genießt ſie drum, die Faſchingszeit,
Bald liegt ſie wieder fern und weit!
M. St.
Der italieniſch=türkiſche Krieg.
Die Beſchlagnahme der franzöſiſchen
Dampfer.
* Malta, 19. Jan. Die Beſchlagnahme des
Damp=
fers „Carthage” rief in Malta, das der Dampfer nach
Tunis anlaufen ſollte und wofür er zahlreiche Paſſagiere
hatte, große Aufregung hervor. Das Vorgehen der
italieniſchen Behörden wird umſomehr kritiſiert, als man
hier weiß, daß die tuneſiſchen Behörden es mit der
Konter=
bande, die zu Gunſten Italiens geſchieht, nicht ſehr genau
nehmen. Man weiſt darauf hin, daß das deutſche Schiff
„Pindos” geſtern abend von hier nach Sfax abging, um dort
600 Kamele für das italieniſche Beſatzungskorps in
Tri=
polis an Bord zu nehmen, das gegenwärtig große
Kamel=
käufe in Tunis vornimmt, um den Vormarſch ins Innere
des Landes vorzubereiten.
* Rom, 19. Jan. Die Agenzia Stefani veröffentlicht
über den Zwiſchenfall der „Carthage” folgende Note:
Geſtern abend fand in der Conſulta eine herzliche
Unter=
redung zwiſchen dem Miniſter des Aeußern, San Giuliano,
und dem franzöſiſchen Geſchäftsträger, Legrand, ſtatt, der
erklärte, daß der Flieger Duval der franzöſiſchen Regierung
gegenüber die förmliche Verpflichtung übernommen habe,
weder mit ſeiner Perſon noch mit ſeinem Flugzeug in die
Dienſte eines der kriegführenden Teile zu treten, und daß
Selte 6.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Januar 1912.
Nummer 18.
die franzöſiſche Regierung über die peinliche Erfüllung
dieſer ihr gegenüber eingegangenen Verpflichtung wachen
werde, um ſo die italieniſche Regierung in jeder Hinſicht
vollkommen ſicher zu ſtellen. Infolge dieſer Erklärung
er=
teilte die italieniſche Regierung telegraphiſch die Weiſung,
die „Carthage” mit ihrer Ladung unverzüglich
frei=
zugeben.
* Rom, 19. Jan. Zu der Beſchlagnahme des
franzöſiſchen Poſtdampfers Manuba erklärt
die Agenzia Stefani: Die Regierung hatte die zuverläſſige
Mitteilung erhalten, daß an Bord des Tunis paſſierenden
Dampfers Manuba von Marſeille 19 türkiſche
Offi=
ziere und Soldaten, deren Namen ihr ſogar
an=
gegeben worden waren, nach Tripolis gehen ſollten. Der
Transport werde von Leuten geleitet, die ſich mit der
Be=
fördeung von Kriegskonterbande befaßten und führe eine
ſehr große Summe Geldes bei ſich, die für die
tür=
kiſche Armee in Tripolis beſtimmt ſei. Auf dieſe Nachricht
hin wurde die Manuba geſtern morgen angehalten und
von dem italieniſchen Schiff Argodat nach Cagliari
ge=
leitet. An Bord wurden in der Tat die erwähnten
Per=
ſonen und die angezeigte Geldſumme gefunden.
* Marſeille, 19. Jan. Der Kapitän des Dampfers
Manuba telegraphierte, daß die Weigerung, den
italie=
niſchen Kreuzern die 29 türkiſchen Paſſagiere auszuliefern,
die durch ihre Eigenſchaft als Krankenpfleger des roten
Halbmondes, ſowie durch die franzöſiſche Flagge geſchützt
waren, die Urſache geweſen ſei, daß die Manuba nach
Cagliari gebracht und dort zurückgehalten wurde.
* Paris, 20. Jan. Nach einer Zeitungsmeldung aus
Rom haben die italieniſchen Behörden an Bord des
in=
zwiſchen freigegebenen Dampfers Manuba eine für die
Türken beſtimmte Summe von 250000 Francs
beſchlag=
nahmt. Man glaubt nicht, daß die Angelegenheit der
Manuba zu diplomatiſchen Reklamationen Anlaß bietet,
da die türkiſchen Offiziere, die ſich an Bord des Schiffes
befanden, nicht das Recht hatten, gruppenweiſe zu reiſen.
* Rom, 19. Jan. Wie die Agenzia Stefani meldet,
iſt der franzöſiſche Dampfer Manuba, der von dem
italieniſchen Kreuzer Agordat angehalten und nach
Cag=
liari gebracht worden war, nach Auslieferung der an Bord
befindlichen türkiſchen Offiziere und Soldaten wieder in
Freiheit geſetzt worden.
* Paris, 19. Jan. Die gereizte Stimmung
gegen Italien hat durch die Wegnahme der Manuba
neue Nahrung erfahren. Der „Temps” meint, wie das
Vorgehen zeige, ſei Italien entſchloſſen, bei ſeinem
Irr=
tum zu beharen. Wir hätten es bei den zwiſchen
Frank=
reich und Italien ſeit 10 Jahren beſtehenden Beziehungen
nicht für notwendig gehalten, daß dieſe Streitfrage durch
eine juriſtiſche Auseinanderſetzung geregelt werde. Zu
un=
ſerem Bedauern bleibt jedoch nur dieſes Verfahren übrig,
das gewiß nicht im Intereſſe der beiden Völker liegt.
Siécle ſagt: Schon wegen der Sicherung unſerer
afrika=
niſchen Beſitzungen kann Frankreich eine derartige
Schä=
digung des Verkehrs nicht dulden, aber ſelbſt wenn keine
ſo wichtigen Intereſſen auf dem Spiele ſtänden, würde
unſer Land eine ſolche Verletzung ſeiner Würde
nicht ertragen.
* Paris, 19. Jan. Gegenüber der italieniſchen
Be=
hauptung, daß ſich an Bord der Manuba Waffen für
Kriegszwecke befanden, wird in einer anſcheinend offiziöſen
Mitteilung erklärt, daß durch einen Erlaß der franzöſiſchen
Regierung vom Jahre 1883 der Waffenhandel mit Tunis
ſtreng unterſagt ſei. Es hätten demnach, ſelbſt wenn
die italieniſche Behauptung richtig ſei, die Waffen in Tunis
nicht ausgeladen werden können.
* Paris, 19. Jan. Aus Marſeille wird berichtet:
Die Beſchlagnahme der Manuba hat die unter der
Be=
völkernug herrſchende Erregung noch geſteigert. Die
Be=
hörden haben weitere Vorſichtsmaßregeln getroffen, um
Ausſchreitungen gegen die etwa 100000 hier
an=
ſäſſigen Italiener zu verhindern. Das talieniſche
General=
konſulat wird durch Polizei überwacht.
* Paris, 21. Jan. Der Agence Havas wird von
eingeweihter Seite aus Rom gemeldet, die franzöſiſche
Regierung habe die Abſicht, bei der italieniſchen
Regie=
rung um die Herausgabe der 29 türkiſchen
Reiſenden von Bord der „Manuba” vorſtellig zu
werden, weil es nur ihr zuſtehe, die Identität derſelben
feſtzuſtellen und zu ermitteln, ob ſie, wie die italieniſche
Regierung behauptet, türkiſche Offiziere ſeien, oder aber
Krankenpfleger des Roten Halbmondes, wie die
ottoma=
niſche Regierung angibt.
* Paris, 21. Jan. Außerordentliches Befremden
erregt hier die Tatſache, daß der Kapitän der „Manuba”
behauptet, er habe auf Weiſung der
franzöſi=
ſchen Botſchaft in Rom die türkiſchen Reiſenden
ausgeliefert, während das Miniſterium des
Aeu=
ßern erklärt, daß es dem Geſchäftsträger in Rom den
formellen Auftrag erteilt habe, auf Grund der Haager
Konvention gegen jeden Verſuch der italieniſchen
Be=
hörden die Ausſchiffung der türkiſchen Reiſenden
vorzu=
nehmen, auf das entſchiedenſte zu proteſtieren. Einzelne
Blätter meinen, dieſer Widerſpruch ſei ſo grell, daß man
beinahe annehmen müſſe, die Depeſche des franzöſiſchen
Geſchäftsträgers an den franzöſiſchen Vizekonſul in
Ca=
gliari ſei durch irgend welche geheimnisvollen
Machen=
ſchaften gefälſcht und die darin enthaltene Weiſung in
ihr Gegenteil umgewandelt worden.
* Marſeille, 21. Jan. Der Kommandant der
„Manuba” meldet telegraphiſch, daß er nur auf die
An=
weiſung des franzöſiſchen Botſchafters in Rom, die ihm
durch den Konſul in Cagliari übermittelt wurde,
einge=
willigt habe, die türkiſchen Paſſagiere
auszu=
liefern, und zwar nur nach Androhung der
Konfis=
kation des Schiffes. Die Agence Havas bemerkt, daß
die Mitteilung des Kommandanten der „Manuba” ſich in
ſtriktem Widerſpruch zu den Inſtruktionen befinde, die
dem franzöſiſchen Vizekonſul durch das Miniſterium des
Aeußern gegeben worden ſſeien.
* Benghaſi, 20. Jan. In der Nacht vom 17. zum
48. Januar machten 400 Türken und Araber einen
heftigen Angriff auf ein Blockhaus, das unter dem
Kommando eines Leutnants von 18 Mann des 68.
In=
fanterieregiments bewacht wurde. Die kleine Beſatzung
leiſtete, unterſtützt von den benachbarten Schanzen, tapferen
Widerſtand und trieb den Feind zurück, der 29 Tote und
zwei Schwerverletzte auf dem Platze ließ und viele andere
mit ſich nahm. Die Scheinwerfer aus dem Schanzgraben
Nr. 3 erlaubten die Mitwirkung der Artillerie aus der
Schanze Nr. 2 und der Maſchinengewehre aus der Schanze
Nr. 1. Am Morgen des 18. Januar zeigte ſich eine
Ko=
lonne von 600 Mann dem Abſchnitt H der italieniſchen
Verſchanzungen gegenüber, zog ſich aber nach den erſten
Schüſſen von der italieniſchen Seite zurück. Die
Entfern=
ung des Feindes ließ einen Gegenangriff, auf den die
italieniſchen Truppen vorbereitet waren, nicht zu. Der
Kreuzer „Etruria” wirkte mit den Landtruppen zuſammen,
um bewaffnete Gruppen zu zerſtreuen, die ſich in einiger
Entfernung hielten, und bombardierte Coeffia. Auf Seiten
der Italiener wurden ſechs Leichtverletzte gezählt.
Die Revolution in China.
* Peking, 20. Jan. Nach einer chineſiſchen
Nach=
richt trat der frühere Regent Prinz Tſching dafür
ein, daß der Hof zwar abdankt, aber in Peking bleibt, und
daß Juanſchikai eine proviſoriſche Regierung in
Nord=
china errichten ſoll, bis der Nationalkonvent ſeine
Ent=
ſcheidung gefällt hat.
* Peking, 19. Jan. Heute morgen wurde im
Pa=
laſt eine längere Beratung über die Abdankung des
Thrones abgehalten Sie mußte jedoch vertagt
wer=
den, ohne ein Ergebnis gezeitigt zu haben. Die
führen=
den Prinzen ſprachen ſich für bedingungsloſe Abdankung
aus, wogegen drei jüngere Prinzen und der ehemalige
Tartarengeneral Tiliang von Nanking ſich nicht damit
einverſtanden erklärten, daß ſich der Hof nach Jehol
zu=
rückziehen ſolle. Es iſt augenſcheinlich ſehr ſchwer, die
Einzelheiten der Abdankung feſtzulegen.
Darmſtadt, 22. Januar.
g. Der Kriegerverein Darmſtadt (Protektor Se. Kgl.
Hoheit der Großherzog) beging am Samstag im feſtlich
geſchmückten großen Saale, des Städtiſchen Saalbaus die
Feier des Geburtstages Sr. Majeſtät des Kaiſers. Zu der
Feier waren Mitglieder und Freunde des Vereins äußerſt
zahlreich und faſt das geſamte Offizierskorps Darmſtadts
erſchienen. Der Krönungsmarſch aus „Die Folkunger”
von E. Cretſchmar, geſpielt von der Kapelle des Großh.
Heſſ. Leibgarde=Infanterie=Regiments unter Leitung des
Herrn Obermuſikmeiſters Hauske, leitete die Feier
ſtim=
mungsvoll ein. Nach der Aufführung einer von Friedrich
dem Großen komponierten Ouvertüre hieß das
Vorſtands=
mitglied Herr Bruchhäuſer die erſchienenen
Ehren=
gäſte, Vertreter der Offizierkorps, der ſtaatlichen und
ſtädtiſchen Behörden im Namen des Vereins herzlich
will=
kommen und betonte, daß die Feier nicht beſſer eingeleitet
werden könnte, als indem wir unſeres Landesherrn, des
Großherzogs, gedächten, der ſtets in unwandelbarer Treue
zu unſerem Kaiſer ſteht. Seine Rede klang
aus in ein dreifaches Hurra auf Seine
König=
liche Hoheit den Großherzog, die Großherzogin
und das geſamte Großherzogliche Haus, worauf die Gäſte
ſtehend die Fürſtenhymne ſangen. Hierauf trug Herr
Stadtſekretär Georg Jöckel mit geiſtreicher Dialektik
die Dichtung des Kameraden Karl Göbel, betitelt:
„1870/71, Erinnerungen an Deutſchlands größte Zeit”
vor, die in meiſterhafter Weiſe die Stimmung in jener
großen Zeit charakteriſiert. Dem Dichter, ſowie dem
Vortragenden wurde lebhafter Beifall gezollt. Ein
beliebtes Mitglied unſerer Hofbühne, Fräulein
Hede Schaub, erfreute durch die Wiedergabe
der Arie des Pagen aus „Die Hugenotten”.
wozu Frau Anna Jöckel am Klavier begleitete.
Sodann ergriff der erſte Vorſitzende, Hauptmann a. D.
Wald-ecker, das Wort zur Feſtrede. Er führte aus:
Unſer Volk habe jetzt eine ſchwere Prüfung zu beſtehen;
die Feinde des Reiches triumphieren, aber wir haben
keinen Anlaß, zu verzagen. Wir brauchen nur an einen
Mann zu denken, deſſen 200jährigen Geburtstag wir in
dieſem Jahre feiern können, des Mannes, der den
denk=
würdigen Ausſpruch machte: „Durch Nacht zum Licht”.
Wenn wir auf dieſen Mann blicken, würde das deutſche
Volk auch frohen Mutes die Prüfung überſtehen. Er
ſchilderte dann, wie die unerſchütterliche Zuverſicht
Friedrichs des Großen in die Zukunft Preußens dieſes
alle Prüfungen glänzend beſtehen ließ und wie ſich dann
Preußen unter der Regierung der Hohenzollern zu dem
heutigen mächtigen Staate entwickelte, der dazu berufen
war, die deutſchen Stämme zur Einigung zu führen. Er
ſchloß mit einem begeiſtert aufgenomenen Hurra auf Se.
Maj. den Kaiſer, worauf die Feſtverſammlung ſtehend
die Kaiſerhymne ſang. Die nun folgenden, von
Fräu=
lein Schaub vorgetragenen drei Lieder „Liebesbotſchuft”
von Schubert, Vergebliches Ständchen” von Brahms
und „In Sehnſucht” von Lelyoeld fanden ſolchen
An=
klang, daß ſich Fräulein Schaub zu einer Zugabe „Schlaf
mein Liebling” verſtehen mußte. Es folgten dann eine
Romanze für Violoncell von Menzel, vorgetragen von
Herrn Hebbet, und einige Muſikſtücke. Die
Tanzluſti=
gen begaben ſich nach dem Gartenſaal, wo das Tanzbein
bis in die frühen Morgenſtunden hinein geſchwungen
wurde.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 20. Jan. Im Auswärtigen Amt fand
heute der Austauſch der
Ratifikationsurkun=
den zu dem am 17. Auguſt 1911 zwiſchen
Deutſch=
land und Großbritannien abgeſchloſſenen
Ver=
trage ſtatt, durch den die Auslieferung flüchtiger
Verbrecher zwiſchen Deutſchland und einer Anzahl
briti=
ſcher Protektorate, zumal in Afrika, geregelt worden iſt.
Der Vertrag wird zwei Monate nach Austauſch der
Ra=
tifikationsurkunden, alſo am 20. März 1912, in Kraft
treten.
* Berlin, 21. Jan. Die Feier des Krönungs=
und Ordensfeſtes im königlichen Schloſſe wurde
in gewohnter Weiſe begangen. Nach feierlichem
Gottes=
dienſt in der Schloßkapelle fand Tafel ſtatt, an der
außer den Mitgliedern des kaiſerlichen Hauſes Prinz
Georg von Griechenland, der Erbprinz von
Hohen=
zollern, das diplomatiſchen Korps, die Miniſter
und Staatsſekretäre, etwa tauſend Herren und Damen
der Geſellſchaft und früher undekorierte Perſonen, mehrere
Inhaber des Allgemeinen Ehrenzeichens und der
Ret=
tungsmedaille teilnahmen. Nach der Tafel hielten der
Kaiſer und die Kaiſerin Cercle, wobei der Kaiſer viele
der Anweſenden durch Anſprachen auszeichnete.
Straßburg, 20. Jan. Vor der Strafkammer
ſtand heute eine Offizialklage zur Verhandlung gegen
den verantwortlichen Redakteur Humbert des „Journal
d’Alſace et Lorrains” der angeklagt war, in einem
Verhandlungsbericht über die Zaberner Strafkammer
das Richterkollegium der Kammer durch den Vorwurf
der Parteilichkeit beleidigt und ferner dem Gendarmen
Ballaſt aus Molsheim vorgeworfen zu haben, daß er,
ohne ſich in der Notwehr zu befinden, von ſeiner Waffe
Gebrauch gemacht habe. Seitens der Strafkammer hatte
der Landesgerichtspräſident von Zabern und namens
der Gendarmerie der Kommandeur der Gendarmerie=
Brigade, Generalmajor, Kloht, Strafantrag geſtellt. Ein
Vergleich wurde angenommen. Der Angeklagte
ver=
pflichtet ſich zur Zu ücknahme der beleidigenden
Aeuße=
rungen, zur Tragung der Koſten und zur Zahlung von
200 Mark, wovon 100 Mark dem Gefangenen=
Fürſorge=
verein zufallen und 100 Mark der Kaſſe der Mitglieder
der Gendarmerie.
Leipzig, 20. Jan. Das Reichsgericht verurteilte
den Kaufmann Holſt wegen verſuchten Verrats
mili=
täriſcher Geheimniſſe in drei Fällen zu 4 Jahren
Zucht=
haus, 5 Jahren Ehrenrechtsverluſt und Stellung unter
Polizeiaufſicht. Drei Monate Unterſuchungshaft wurden
angerechnet. — Der Angeklagte hatte ſich längere Zeit in
Kiel aufgehalten und verſucht, eine Zeichnung des Forts
Friedrichsort der ruſſiſchen und ſpäter auch der engliſchen
und der franzöſiſchen Regierung zu übermitten
* Hagen i. W., 20. Jan. Das Schwurgericht
verurteilte nach dreitägiger Verhandlung, kurz vor
Mitter=
nacht, den 29 jährig. Kaufmann Rudolph Miethe=Schwelm,
wegen Giftmordes, begangen an ſeinem Vater, zum
Tode.
* Gelſenkirchen, 22. Jan. Beim Schichtwechſel auf
der Zeche „Grube Bismarck” eignete ſich ein ſchwerer
Unglücksfall. 4 Bergleute, die rechtswidrig einen
zur Kohlenförderung beſtimmten Fahrſtuhl benutzten,
ſtürzten infolge Reißens des Förderſeils in die
Tiefe. Alle 4 ſind tot.
* Wien, 20. Jan. Die halboffiziöſe Korreſpondenz
„Wilhelm” beſtatigt, daß Erzherzog Franz
Ferdinand am 28. Januar in Berlin eintrifft,
wo der Erzherzog auf Einladung des deutſchen
Kron=
prinzenpnares als Pate bei der Taufe des jüngſt
ge=
borenen Sohnes des Kronprinzenpaares fungieren wird.
Paris, 20. Jan. In dem heutigen Miniſterrat,
der unter dem Vorſitz des Präſidenten Falliéres ſtattfand,
wurde beſchloſſen, das Amt des Generalſtabschefs
der Armee abzuſchaffen, den Chef des großen
General=
ſtabes für die Kriegsbereitſchaft des Heeres verantwortlich
zu machen, und ihm zu ermöglichen, auf den Generalſtab
der Armee unmittelbar einzuwirken, um ſo der Tätigkeit
dieſer Behörde eine einheitliche Richtung zu ſichern. Der
bisherige Generalſtabschef der Armee, General Dubail,
iſt zum Kommandeur des 9. Armeekorps in Tours, Ges
neral d’Amade zum Kommandeur des 13. Armeekorps in
Cermont=Ferrand ernannt worden.
* Paris, 20. Jan. Zu den franzöſiſch=
ſpani=
ſchen Marokko=Verhandlungen wird aus
Ma=
drid berichtet: Auch in der geſtrigen Unterredung des
franzöſiſchen Botſchafters mit dem Miniſter des Aeußern,
welcher der engliſche Botſchafter zum erſten Mal
fernge=
blieben war, wurde keinerlei Einigung betreffs irgend einer
weſentlichen Frage erzielt. Die beiden Diplomaten
ver=
ſtändigten ſich nur über die dem Haager
Schieds=
gericht zu unterbreitenden Konfliktspunkte,
ſowie über die Stellungen an der Küſte, welche Spanien
nicht befeſtigen ſoll. In der Angelegenheit der
marokka=
niſchen Schuld weigerte ſich Spanien, irgend ein
Zuge=
ſtändnis zu machen. Es wird alle Bürgſchaften gewähren:
Dreimonatliche Vorausbezahlung des Kuponbetrages der
Anleihen von 1904 und 1910, Goldzahlung und
Verbürg=
ung des Anteiles an den Zolleinnahmen in den Häfen
ſeiner Zone. Aber es beanſprucht nach wie vor
vollſtän=
dige Aktionsfreiheit in ſeiner Zone. Um etwaige
Beſorg=
niſſe zu zerſtreuen, wird Spanien ſich verpflichten, keiner
fremden Macht auch nur einen Punkt ſeiner Zone
abzu=
treten.
* Brüſſel, 20. Jan. Trotz der Interpellation der
Arbeitnehmer haben die Grubenbeſitzer des
Bori=
nage=Bezirks das von den ausſtändigen Bergleuten
vor=
geſchlagene Schiedsgericht abgelehnt.
* Belgrad, 20. Jan. „Politika” erfährt aus
angeb=
lich gut informierten Kreiſen: Die Unterhandlungen
zwiſchen der ſerbiſchen und engliſchen Regierung über
den Beſuch des Königs von Serbien in
London Anfang März ſind erfolgreich abgeſchloſſen.
H. B. Frankfurt a. M., 20. Jan. Das neue
Frankfurter Komödienhaus ſtellt morgen
abend ſeine Vorſtellungen ein. Direktor Fiſcher=
Peſchlow iſt von Frankfurt mit Hinterlaſſung
bedeuten=
der Verpflichtungen abgereiſt. Die Schauſpieler, die noch
Gehalt für Januar und Februar zu bekommen haben,
werden aus der beim Polizeipräſidium hinterlegten
Kaution in Höhe von 20000 Mark bezahlt.
— Siegen, 22. Jan. Geſtern früh wurden in der
Neubauſtrecke Weidenau-Dillenburg beim Bau des
2700 Meter langen Tunnels durch eine Dynamit=
Exploſion vier Arbeiter getötet, einer
ver=
letzt. 1 Toter und der Verletzte ſind Deutſche, die übrigen
Ausländer.
— Nieder=Siegersdorf (Schleſien), 20. Jan. Das
Schloß des Leutnants Schwertfeger iſt
nieder=
gebrannt Die Urſache iſt noch nicht feſtgeſtellt.
— Beeskow, 20. Jan. Heute mittag wurden in
Gurau drei Männer durch den
Gendarmeriewacht=
meiſter feſtgenommen. Die Kleider der Verhafteten
wieſen Blutſpritzer auf. In ihnen werden die Mörder
der Schulzeſchen Familie vermutet. Sie wurden unter
Begleitung einer großen Menſchenmenge ins Gefängnis
eingeliefert.
Sochen 3t dich
m.
ſwegdeile.
und nehmen Sie nach jedem
Waschen einen Hauch
Shouoele
Sie werden dann auch im Winter eine
klare, sammetweiche und trotzdem
widerstandsfähige Haut haben!
Awea-deiſe- 50.
Alweg-Ca-03-203-404-753-1003.
(1786M
Büro für Architektur und Bauausführungen
Georg Scherer (1133a
Darmſtadt, Rheinſtr. 47, Telephon 222.
(Sachverſtändige Begutachtungen für Wohnungsmieten
und Hauskäufe ꝛc., Garantie für Voranſchläge.)
Nummer 18.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Januar 1912.
Seite 7.
Wamlerder Vorischritt
Ichen -ventsparter!
In wärmſter Weiſe, mit den
über=
zeugendſten Worten iſt ſoeben in der
Frankfurter Verſammlung zu Gunſten der
Kandidatur Oeſer im Schumann=Theater
Friedrich Naumann
für die Wahl
Dr. Osann’s
in Darmſtadt eingetreten und hat auch
namens des Zentralvorſtandes der
Forſchritt=
llichen Volkspartei in Berlin die
dringendſte Aufforderung
an die freiſinnige Wählerſchaft gerichtet
Mann für Mann für
Dr. Osann
einzutreten.
(2288
Der Wahlausschuß
der nationalliberalen Partei.
Wantresakate
im
(2284
1efer 1e5s
Aus dem Geſchäftsleben.
Eine außergewöhnlich günſtige
Geld=
lotterie! Garantiert am 2. und 3. Februar findet
die Ziehung der großen Geldlotterie zu Gunſten des
Muſeums für Völker= und Länderkunde (Linden=Muſeum)
zu Stuttgart ſtatt. Dieſe Lotterie zeichnet ſich durch
einen beſonders günſtigen Gewinnplan aus, da bei nur
100000 Loſen 6012 nur bare Geldgewinne mit 120000
Mark verloſt werden, ſomit ſchon auf ca. 16 Loſe
1 Treffer fällt. Die Gewinne werden ſofort nach dem
Erſcheinen der amtlichen Liſte ohne jeden Abzug
aus=
bezahlt. Der Hauptgewinn beträgt 50000 Mark.
Originalloſe à 3 Mark, 5 Loſe 14 Mark, 10 Loſe
28 Mark, Porto und Liſte 30 Pfg, ſind durch alle durch
Plakate kenntlichen Verkaufsſtellen, ſowie direkt durch
das Generaldebit J. Schweickert, Stuttgart,
Markt=
ſtraße 6, zu beziehen.
G.
eſtern früh entſchlief ſanft und uner=
wartet in Halle
(2285
Herr Professor
Kar.Fallicke
Geiſtlicher Inſpektor an der
könig=
lichen Landesſchule Pforta
im Alter von 61 Jahren.
Pforta, den 20. Januar 1912.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Helene Pahncke, geb. Beyschlag,
Dr. Max Pahncke, Oberlehrer,
Robert Pahncke,
Hans Pahncke,
Marie Reuter, geb. Pahncke,
Auguste Pahncke, geb. Uffrecht,
und ein Enkelkind.
Die Beerdigung findet ſtatt am Dienstag, den
23. Januar, 3 Uhr, in Halle, von der Kapelle
des Neumarktfriedhofs aus.
Statt beſonderer Anzeige.
Heute nachmittag ½3 Uhr entſchlief ſanft
nach ſchwerem Krankenlager unſer herziges,
einziges Kind
(2286
Erika
im Alter von 4¼ Jahren.
Direktor Gustav Becker
und Frau Gustel, geb. Gros.
Darmſtadt, den 21. Januar 1912
z. Zt. Heinrichſtraße 77.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 23. Januar,
nachmittags 3½ Uhr, vom Eliſabethenſtift
aus, ſtatt.
Wir bitten herzlichſt, von Kondolenzbeſuchen
abſehen zu wollen.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem uns betroffenen unerſetzlichen Verluſte,
insbeſondere für die troſtreiche Grabrede des Herrn
Pfarrer Dingeldey und die vielen Blumenſpenden,
ſagen wir hiermit unſeren innigſten Dank.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Eliſabeth Müller Wwe., geb. Lauth.
Darmſtadt, den 21. Januar 1912. (2287
Verkehrs=Verein: öffentliches Verkehrsbureau
Ernſt Ludwigsplatz (Zentrale der elektriſchen
Straßenbahn). Auskünfte jeder Art.
Todes-Anzeige.
Heute mittag ½12 Uhr verſchied nach
langem ſchweren Leiden mein innigſtgeliebter
Mann, unſer guter Vater, Schwager, Bruder,
und Onkel
(2283
der prakt. Arzt und Bahnarzt
Dr. Meu. Huge Stts Katzer
im 48. Lebensjahre.
In tiefer Trauer:
Die Hinterbliebenen.
Dornheim, den 20. Januar 1912.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 23. Jan.,
nachmittags 2 Uhr, in Dornheim ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Anteilnahme
bei dem Hinſcheiden unſeres lieben Bruders, des
Herrn Rechnungsrates i. P.
Ludwig Wambold
ſagen wir hiermit Allen unſeren aufrichtigen Dank.
Die beiden überlebenden Schweſtern:
Frau Matthes.
Frau Kling.
Darmſtadt, 18. Januar 1912.
(2246
Tageskalender.
Großh. Hoftheater, Anf. 7 Uhr (Ab. C): „Nathan
der Weiſe‟
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Beethoven=Abend des Pariſer Capetquartetts um
7 Uhr in der Turnhalle am Woogsplatz (Richard Wagner=
Verein).
Konzert um 3 und 8 Uhr im Hotel Heß.
Reichstagsſtichwahl von 10—7 Uhr im Saalbau.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke
Rhein=
u. Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½—11 Uhr.
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 4—11 Uhr.
Bilderr vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23):
Miniſter bei der Reichstagswahl, der Brand des
Equi=
tablepalaſtes in New=York, Porträts von Exzellenz
v. Radowitz †, und Miniſterpräſident Poincaré;
Bil=
der vom Winterſport.
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 23. Januar.
Brennholz=Verſteigerung um 9 Uhr in der
Turn=
halle am Woogsplatz.
Nutz= u. Brennholz=Verſteigerung um 9½ Uhr
im Eberſtädter Gemeindewald (Zuſammenkunft an der
Mahrs Mühle).
Stammholz=Verſteigerung um 9 Uhr im
Pfung=
ſtädter Gemeindewald (Zuſammenkunft am
Bahn=
wärterhaus am Malcher Weg).
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.
Tellengrsch
Weiblich
Tüchtige Schneiderin
ſucht Stellung, event. auch mit ält.
Schneiderin zum Ausgehen, a. wird
Stellung angen., mit der Gelegenh.
z. Ausbild. als Verkäuferin geb. iſt.
Off. unt. C 47 an die Exp. (*1438fo
w. ſchick
Derf. Schneiderin zu arbeit
verſteht und langjähr. Erfahr. hat,
empf. ſich bei billigſter Bedienung
(*1608ods
Mühlſtraße 40.
Jg. Frau nimmt z. Flicken und
Ausb. Weißz. und Kleid. an. Frau
Bien, Arheilgerſtraße 67. (*1602
Mädchen ſucht Laufſtelle für
morgens Müllerſtr. 23, II. (*1625
ſon beſſ. H. ſehr g. empf
Wasch=
krau nimmt n. K. an, a. w. W.
z. H. ang. Mühlstr. 23, Hth. I. I. (*1614
Männiten
25 J. alt, militärfrei,
Kaufm. ſelbſtänd. Arbeit. m.
Buchführung, Korreſpond.,
Kalku=
lation aufs beſte vertraut ſ. Stell.
Gefl. Off. u. C 59 Exped. (*1485so
elt. Mann, gel. Tapezierer, im
Packen jeder Art bewand., ſucht
Stelle als Hausburſche Reinecke,
(*1501so
Arheilgerſtraße 19.
Chaukeur
mit la Zeugniſſen, ſeither in Berlin
gefahren, ſucht Stellung. Gefl.
Off. u. T. 110 an D. Frenz,
(Fr2082
Wiesbaden.
Junger Bautechniker
mit guter Schulbildung und beſten
Zeugniſſen, ſucht bei beſcheidener
Anſprüchen ſofort Stell. auf Arch.=
Bureau od. in Baugeſchäft. Offert.
unt. B 80 an die Exp. (*1215om
Weiblich
Fahnenstickerinnen
für sofort oder später gesucht.
Angenehme dauernde Stelle.
Hoher Lohn. (2248
Bonner Fahnenfabrik
Bonn am Rhein.
Tüchtiges Mädchen in kleinen
Haushalt gegen hohen Lohn für
ſofort geſucht Wendelſtadtſtr. 31,
Gartenhaus 1. Stock. (*1481so
Mädchen per 1. Februar für
Hausarbeit u. Servieren geſucht.
Näh. Exped. d. Bl. . (*1274mfo
Oberköchin
geſucht. Gehalt jährlich 500 bis
700 Mk. bei vollſtändig freier
Station, event.
Penſionsberechti=
gung. Beiköchin iſt vorhanden.
Bewerberinnen wollen ihr Geſuch
unter näherer Angabe ihrer
Per=
ſonalien und unter Beifügung von
Zeugnisabſchriften bis zum 6. Febr.
1912 unt. dem Zeichen „C. S. Gießen
10* poſtlag. einſenden. (2260M
ſucht ausw.
Einz. Dame beſſ. nettes
14—15jähriges Mädchen. Näheres
Gutenbergſtr. 28, I.
(*1603
Ehrl. ſaub. Monatstr. od. Mädch.
geſucht Waldſtraße 22, II. (*1621
Suche ein Hausmädch., weich.
ſch. in beſſ. Hauſe war u. g. Z. hat,
in ſ. g. H., g. Behandlg. Katharine
Jöckel, gewerbsmäßige
Stellenver=
mittlerin, Eliſabethenſtr. 32. (*1619
Mädchen jed. Art ſ. ſtets Johannette
Weissmantel, gewerbmäßige
Stellen=
vermittlerin, Kaſinoſtr. 17. (*1617
Lauffr. 2 b. 3 mal wöch. je 2 Std.
i. d. N. geſ. Wienersſtr. 76, I. I. (*1616
Jüngeres Laufmädchen ſofort
geſucht Taunusſtr. 19, II. (*1615
ännlich
und mehr taglich
2—10 Mk. z. verdienen. Proſp.
grat. Joh. H. Schultz, Adress.-
Verlag. Cöln W. 195.
(1369B
Metallformer
auf Armaturen geſucht
Eckert & Hasslinger
Aliceſtraße 5. (*1497soi
Helt. Bauschlosser
oder Mechaniker
ſpeziell f. leicht. Reparaturarb. geſ.
J. Jacobi, Karlſtraße 34. (2076a
Verheirateter
Bureaudiener
zum ſofor tigen Eintritt auf Büro
in Darmſtadt geſucht. Meldungen
m. Zeugnisabſchriften u.
Referen=
zenangabe unter C 63 an die
Expedition ds. Blattes. (2144so
werd. zum
Einige junge Leute
Abonnenten-
sammeln geſucht. Zu meld. am
Mon=
tag vorm. Gr. Ochsengasse 18. (*1592
Tüchtiger Fuhrmann mit Zeug=
(*1526so
niſſen geſucht
Albert Vogt, Gutenbergſtr. 1.
estaurations-Küchenschrank
faſt neu, billig zu verkaufen. Zu
erfragen in der Erped.
(*1593
Kaufmännisch. Verein Frankfurta. M.
Erstklassige Stellenvermittlung.
Leistungsfähigste Krankenkasse.
Bezirksverein Darmstadt
Vereinslokal: Hotel Russischer Hof
Zusammenkünfte: Jeden Freitag
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Januar 1912.
Nummer 18.)
Beamte, Lehrer, Penſionäre!
Die Wahlpflicht ruft uns!
Hier Staat und Bürgertum, dort ſtaatsfeindliche und darum
beamten=
feindliche Sozialdemokratie!
Wir Diener des Staats haben vor allen andern Bürgern die Ehrenpflicht,
in vorderſter Linie für Staat und Vaterland zu kämpfen.
Niemand darf uns nachſagen, daß auch einer unter uns dem
Entſcheidungs=
kampf ferngeblieben ſei.
Wir treten alle, unſeres Eides und unſerer Dienſtpflicht bewußt, freudig
ein für den ſtaatsfreundlichen Kandidaten
Sr Coar
entgegen den ſtaatszerſtörenden Sozialdemokraten.
Keiner von uns denke angeſichts der großen Entſcheidung an die
Ver=
ſäumniſſe der Vergangenheit, ſondern einzig und allein an die Zukunft des
Staates, die auch unſere Zukunft iſt.
Jetzt, wo endlich in den nächſten Tagen das neue Beſoldungsgeſetz
kommt, denken wir daran, daß Niemand ihm zäher und zielbewußter
vor=
gearbeitet hat, als
Dr.
SSaihf!
Darum gebietet uns nicht nur die Pflicht unſeres Amtes, ſondern auch
die Pflicht der Dankbarkeit, einmütig
D. Ceaif
zu wählen.
(2271
Gar babwadt!
Die Hauptleitung der Fortſchrittlichen
Volks=
partei in Berlin hat beſchloſſen, überall für die
nation=
nalliberalen Stichwahlkandidaten einzutreten.
Die Fortſchrittliche Volkspartei ſteht in 31 Stichwahlen gegen die
Sozialdemokratie und iſt überall auf die zugeſagte Hilfe der
national=
liberalen Partei angewieſen.
Nur Einigkeit bewahrt die beiden liberalen
Par=
teien vor Vernichtung!
Man denke an die letzte Landtagswahl, wo die Nationalliberalen
wit aller Macht Herrn Abgeordneten Henrich zum Sieg verhalfen!
Darum ſei den fortſchrittlichen Wählern heute nochmals zugerufen:
Mit den Sozialdemokraten iſt keine Politik zu treiben!
Darmſtadt muß bürgerlich bleiben!
Wer daheim bleibt, unterſtützt den Todfeind unſeree bürgerlichen
Geſellſchaft.
Deshalb muß Mann für Mann eintreten für
272
Dr.
Saht
Ein Vaterlandsfreund.
Ein Appell an alle bürgerlich geſinnten
Freunde der liberalen Sache.
Die nat.=lib. Partei ſteht mit der Kandidatur
Dr. Osann in einer ausſichtsreichen Stichwahl in
dem hieſigen Wahlkreis. Doch bedarf es der größten
Arbeit und angeſtrengteſten Agitation. Wir wenden
uns deshalb an alle Freunde der liberalen Sache, uns
in dieſem Kampfe auch durch Geldbeiträge zu
unter=
ſtützen, und bitten, Beiträge entweder an die Bank
für Handel und Induſtrie zu Gunſten des Wahl=,
komitees der nat.=lib. Partei oder an Herrn
Rech=
nungsrat Lang, Schießhausſtraße 116, baldigſt
ein=
ſenden zu wollen.
(2189so
Der Wahlausſchuß der nat.=lib. Partei.
Dr. Nessling.
Dr. Nöllner.
in nur bester
Quali-
tät. Für Haltbarkeit
der Borsten wird
weitgehendste
Ga-
rantie geleistet. &.
Parfümerie Gg. Frz. Frank
Elisabethenstrasse 9.
Telephon 886.
Adler=Geräuſchlos
Müller & Ober
Führende
Marke
für 19121-
:: Sensationelle
patent. Neuerungen.
Inh.: A. Ober, Großh. Hoflief.
Karlstrasse 30 — Tel. 651.
Ausstellung der
MEDlCl-Drucke
Farbige Faksimile-Reproduktionen von
* Gemälden alter Meister
Vom 8. bis 29. Januar d. Js.
Die Ausstellung ist den ganzen Tag geöffnet
Elntritt frel!
Ein illustrierter Katalog steht allen Besuchern
gern zu Diensten.
Hof-Buch- und
Müller & Rühle kunsthandlung
Elisabethenstrasse 5.
(1488P
Ortsgruppe Darmstadt des Darmstädter
Allgem. Deutschen Frauenvereins Lehrerinnenverein
Der kunſtpädagogiſche und
heimat=
kundliche Unterricht auf der
Grund=
lage der Heimatſchutz=Bewegung.
Referat mit Lichtbildern
von Fräulein Susanne Homann.
Damit verbunden eine
Ausſtellung ſämtl. Heimatſchutzſerien
Mittwoch, den 24. Januar, abends 8 Uhr, im Saal 326
der Großh. Techniſchen Hochſchule.
Eintritt 20 Pfg. (*1491)Eintritt 20 Pfg.
Frauenverein der Johannesgemeinde.
Dienstag, den 23. Januar, abends 8 Uhr
im Gemeindehaus
Vortrag des Herrn Miſſionar Weismann
über:
Ernſtes und Heiteres von einer indiſchen
Miſſionsſtation.
Eintritt für Nichtmitglieder 30 Pfg.
(2252
Der Vorstand.
Darmstädter Billard.-Klub
Vereins-Abend: Dienstag abend „Hotel Hess‟
Gäste stets willkommen.
(2a
18.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Januar 1912.
Sein 9.
Sus Dargertan ver der Ennischeidung
Wo steht der Feind?
Wie wird er geschlagen?
Ein Mahn= und Weckruf
an das geſamte Bürgertum des Reichstagswahlkreiſes Darmſtadt-Groß=Gerau.
Die Hauptſchlacht iſt geſchlagen, die
Stichwahl am 22. Januar 1912
bringt die endgültige Entſcheidung, wer unſeren Wahlkreis im künftigen
Reichs=
tag vertreten ſoll — ein Mitglied der internationalen, revolutionären
Sozial=
demokratie oder
ein bürgerlicher, nationalgeſinnter, echt freiheitlicher Mann,
ein auf dem Boden unſerer geſchichtlich gewordenen Staats= und Geſellſchaftsordnung
ſtehender Freund aller ſchaffenden Stände,
Dr. Cantr!
Für das geſamte Bürgertum gilt es zunächſt zu erkennen, wo ſein Feind
ſteht und wer ſein unverſöhnlicher Gegner iſt.
Der Feind iſt die Sozialdemokratie!
Ihr ganzes Wollen und Handeln läuft auf eine
ungeheure Gefahr
für die Grundlage und die Sicherheit des deutſchen Reiches, auf eine
Unter=
grabung der Exiſtenz und der Entwicklung des geſamten Volkes, einſchließlich
der arbeitenden Klaſſen, hinaus!
Wer einen Sozialdemokraten wählt oder durch Nichtabgabe ſeiner Stimme
begünſtigt, der wirkt mit an der Wehrlosmachung des Reiches und vernichtet
damit alle Vorausſetzungen zur Hebung der arbeitenden Schichten.
Die Erhaltung unſerer Wehrkraft iſt notwendig zur Wahrung eines
ehren=
pollen Friedens und zur erfolgreichen Verteidigung unſerer Lebensintereſſen. Das
leuchtet einem jeden Verſtändigen ein, nur nicht den Sozialdemokraten. Ihr
End=
ziel iſt der Umſturz alles Beſtehenden, die Wegnahme ſämtlicher
Produktions=
mittel, daher
die ſozialdemokratiſche Unterwühlung
aller phyſiſchen und ſittlichen Kräfte der Nation, der Armee, der
Vater=
landsliebe und der Religion.
Alle nationalen Jubeltage und Erinnerungen werden von den „Genoſſen” als
„Hurrah” und „Mordspatriotismus” verdächtigt, alle großen Männer und Frauen
unſeres Volkes in den Schmutz gezogen. Die Zeit der Freiheitskriege von 1813,
jenes Heldenalter unſerer Geſchichte, gilt den Sozialdemokraten als eine „große
Eſelei”, wie laut einer Reichstagsrede einmal die „Leipziger Volkszeitung” ſchrieb.
Sozialdemokratiſche Parteigrößen haben es wiederholt mit ſchamloſer Offenheit
bekannt, daß Fahnentreue und Vaterlandsverteidigung für ſie durchaus keine
unbedingt bindenden Pflichten ſeien. Ja, Bebel erklärte ſogar:
ein Sedan für Deutſchland
ſei ein Preis, den er für den Umſturz des Reiches gern bezahlen würde.
Und dieſe Geſinnung iſt unter den Führern der Sozialdemokratie allgemein.
Sie hat ſich gezeigt in den Tagen der Marokko=Debatte, ſie bewährt ſich auch heute,
wie immer, in ihrer Verbrüderungsſchwärmerei für alle Neider und Haſſer
unſeres Volkes.
England lauert auf den günſtigen Augenblick, uns mit überraſchendem
Schlage zu vernichten, — und Bebel und Genoſſen ziehen ihr Vaterland in den
Staub, gießen ihren Haß über „Militarismus” und „Marinismus” aus und treten auf
als Anwälte Englands!
Frankreich ſpannt alle Kräfte an, um ſich endlich Rache für 1870/71 zu holen,
und unſere Sozialdemokraten gebärden ſich
als begeiſterte Franzoſenfreunde!
Mit der ganzen Welt wollen ſie Verbrüderung, zu Hauſe aber ſchüren ſie den
Klaſſenhaß, kennen ſie nur Klaſſenkampf, gegen die eigenen Volksgenoſſen verüben ſie
den gewalttätigſten Terrorismus.
Von ihrem Zukunftsſtaate erhalten wir Proben bei Streiks, durch ihre
Ver=
gewaltigungen der Arbeitswilligen, durch den pöbelhaften Ton ihrer Zeitungen und
Verſammlungen, durch die Unterdrückung jeder perſönlichen Freiheit — wer nicht
gehorcht, fliegt.
Es iſt die Freiheit und Gleichheit
des Zuchthauſes,
die die Bürger des Zukunftsſtaates erwartet.
Der Erreichung dieſes Zieles ſteht nächſt dem Bügertum und der Armee
am meiſten
ein geſunder Bauernſtand
im Wege. Daher die (in Wahlzeiten nur des Stimmenfanges willen verſchleierte)
Feindſchaft der Sozialdemokratie
gegen Bauern und Landarbeiter!
In den ſozialdemokratiſchen Büchern und Programmen ſteht es geſchrieben:
Der Kleinbauer muß vernichtet, der bäuerliche Beſitz mit Stumpf und Stiel ausgerottet
werden, damit auch er
im roten Sumpf
Aufnahme finde und — verſinke!
Wie der Bauernſtand iſt auch der ganze Mittelſtand nach ſozialdemokratiſcher
Lehre wert unterzugehen. Der Weg zum endlichen Sieg ſoll über den Ruin
der Handwerker und Kleinmeiſter,
der kleinen Ladenbeſitzer und Gewerbetreibenden
führen. „Es liegt nur in der Abſicht der Sozialdemokratie, daß dieſe Elemente
ihre Selbſtändigkeit aufgeben”, ertlärte in einer Berliner Verſammlung der Führer
Ledebour. Konſumverein, Warenhäuſer, Großkaufleute, ſollen den „Kleinen”
gegen=
über unterſtützt werden, damit der
Untergang des Mittelſtandes
beſchleunigt werde.
Zu dieſen Schichten rechnet die Sozialdemokratie auch die Beamten, kurz alle
ſogenannten Unterdrückten” (wörtlich ſt. ſie ſtehen der Proletariſierung im Wege, ſie
ſind mit ihrer Staatstreue und Vaterlandsliebe ein Hindernis auf dem Siegeszuge
der Genoſſen” Aber zu Wahlzeiten werden auch ſie umſchmeichelt mit großen
Ver=
ſprechungen und gefüttert — mit blauem Dunſt.
So iſt der Feind —
aus und noch ſchlimmer,
merkt Euch das, ihr bürgerlichen Wähler! So ſieht er
wenn er ſein wahres Geſicht zeigt. Dieſer Feind aber
hat aus der Ungunſt der Zeiten und aus dem verderblichen Streit der bürgerlichen
Parteien ſeine Vorteile gezogen: mit Hilfe zahlloſer kurzſichtiger Mitläufer und
Verführter hat die Sozialdemokratie viele
Sitze von rechts und vor allem von links
ſchon erobert.
Das Bürgertum von Darmſtadt-Groß=Gerau kann unmöglich die Macht
dieſes, wie Bebel ſagte, „Totfeindes des Bürgertums” noch mehren und ſtärken
wollen. Wann wird die Partei der Nichtwähler — über 5000 Mann iſt ſie bet uns
ſtark — aus ihrer Gleichgiltigkeit erwachen? In letzter Stunde ſeien alle Läſſigen
und Bequemen noch einmal aufgerufen zur Erfüllung ihrer Bürgerpflicht. Auf
jede Stimme kommt es an, jeder Mann muß an die Urne treten: das von innen
und außen bedrängte Vaterland heiſcht gebieteriſch, daß am 22. Januar
nicht ein einziger ſich der Wahl enthalte.
Sonſt kommt der ſatten Zufriedenheit wie der grämlichen Verdroſſenheit eines Tages
ein Ende mit Schrecken!
Hört ſo lange es Zeit iſt! Und am Abend des Stichwahltages feiert dann mit
uns den Sieg unſeres bürgerlichen Kandidaten
Dr. Csan!
Denn der Sieg muß und kann dem Bürgertum zuteil werden, —
wenn wir alle nur wollen!
Der Wille macht den Menſchen groß und klein. Darum höre keiner auf
Flau= unb Laumacher; weg mit allen kleinlichen Verſtimmungen und Verärgerungen,
mit alln Sonderintereiſſn und Standestlagen, mit hemmenden Gegenſähzen und
Parteiungen: Das Bürgertum will Einigkeit,
will ein einziges, großes, ſtarkes Zuſammengehen aller vaterlandstreuen Elemente,
Stände und Schichten unſeres Volkes. Kein Parteigezänk ſoll dieſen Willen zur
Einigkeit hemmen:
Die Wähler ſind mündig!
Von dieſem Willenz ur Einheit und Einigkeit ſind die Wähler der rechtsſtehenden
Parteien bereits beſeelt geweſen, müſſen jetzt aber auch die Wähler des Hrn. Dr. Strecker
beſeelt ſein. Nach tapfer durchgefochtenem Kampfe iſt er aus den Reihen der Bewerber
geſchieden. Wäre ſein Name ſieghaft aus der Urne geſprungen, dann hätte für ihn
dieſelbe Loſung gegolten:
Auf zum Siege für den bürgerlichen Kandidaten!
Denn bei der erſten Schlacht getrennt zu marſchieren, bedeutete für alle politiſch
reifen, bürgerlich ſelbſtbewußten Wähler doch nur: in der Stichwahl gegen die
Sozial=
demokraten
vereint ſchlagen!!!
Schulter an Schulter, wie die liberalen Fraktionen ſeit Jahren im Reichstage,
müſſen auch die Angehörigen beider Parteien im Stichwahlkampfe zuſammenſtehen
wider den gemeinſamen Gegner!
Nur das konnte der Sinn des Vorkampfes ſein!
Was ein ſtarkes, geeinigtes, zum Handeln entſchloſſenes Bürgertum
ver=
mag, wir haben’s erlebt
vor fünf Jahren!
Da verſank das rote Geſpenſterſchiff faſt in den Wogen der nationalen Bewegung!
Wie damals bei uns Herr Dr. Ofann mit Hilfe aller bürgerlichen Wähler, vor allem
der Freiſinnigen, den Sieg über die Sozialdemokratie davontrug, ſo genoß gar mancher
Fortſchrittskandidat damals die Unterſtützung der ſonſt gegneriſchen Bürgerparteien.
Näher aberſtehen ſich keine innerlich als Fortſchritliche Volkspartei und Nationaliberalei
und wie war es hier in Darmſtadt noch vor wenigen Wochen? Wer ging
als Sieger bei der Landtagswahl
hervor? Wer wurde von allen bürgerlichen Parteien unterſtützt, von allen
National=
liberalen mit Einhelligkeit gewählt? Niemand anders als der fortſchrittliche Kandidat
Herr Henrich
im gemeinſamen Kampfe gegen den Gegner von heute die bürgertumsfeindliche
Sozialdemokratie! Was für Henrich recht war, iſt billig für
Dr. Sant!
Dankbarkeit iſt ſo wenig ausgeſtorben, wie die echte, opfelbereite, kleinlichen
Groll ertötende
Vaterlandsliebe!
Daran halten wir feſt, und in dieſem Glauben erhoffen wir den Sieg der
bür=
gerlichen Sache!
Es gilt der Väter Erbe!
Das Reich, das ſie uns mit Gut und Blut erſtritten; der gewaltige
Auf=
ſchwung und der Wohlſtand unſeres Vaterlandes, den ſie uns hinterlaſſen
und den wir mit ſaurem Schweiße uns und unſeren Kindern zu erhalten ſuchen;
unſere Arbeit und ihr Schutz, unſere perſönliche Freiheit und die heiligſten
Güter des Geiſtes und des Gewiſſens; unſer Bauern= und
Handwerker=
ſtand, die arbeitsfreudigen Mittelſchichten und das kraftvolle
Unternehmer=
tum unſeres Volkes — alles und alle werden durch das Anwachſen der
Sozial=
demokratie bedroht; nicht zuletzt aber auch unſere Weltſtellung, unſer
Mit=
wirken am Bau der Erdgeſchicke!
Jedem Bürger iſt eine Waffe gegen dieſe Gefahren in die Hand gegeben:
Der Stimmzettel!
Davon, daß ihn auch jeder einzelne gebraucht, hängt
der ganze Erfolg
ab! Eine einzige Stimme kann entſcheiden, — ſo haarſcharf ſteht alles auf des
Meſſers Schneide!
Wenn der Wahlſpruch der Sozialdemokratie lautet:
„Ohne Gott gegen Kaiſer und Reich!”
ſo erheben wer den unfrigen:
„Mit Gott für Kaiſer und Reich!
Mit dieſer Loſung auf zur Stichwahl für
S2oh
2243)
Der erweiterte Wahlausſchuß der nationalliberalen Dartei für den Wahikreis Darmſtadt-Groß=Geran.
[ ← ][ ][ → ]Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Januar 1912.
Nummer 18.
(2263)
Wschue, deee Gebeeu
Ge loh
eu Lohn n Aat
Ole.
Handel und Verkehr.
H. Frankfurt a. M., 20. Jan. (
Börſenwochen=
bericht.) Nachdem die Miniſterkriſis in Frankreich
be=
endet, waren die Börſen wieder bezüglich der dortigen
politiſchen Situation vertrauensvoller geſtimmt. Dazu kam
die geſteigerte Flüſſigkeit am Geldmarkt, die eine weitere
Ermäßigung des Privatſatzes auf 3 Prozent bewirkte.
In=
folge dieſer günſtigen Faktoren war während der ganzen
Geſchäftswoche eine feſte Haltung vorherrſchend, nur hätte
der Verkehr etwas lebhafter ſein dürfen. Die Geldabundanz
hat jetzt auch Geldbedürfniſſe verſchiedener Staaten und
Ge=
ſellſchaften gezeitigt. Zunächſt kommt Württemberg mit einer
bis 1921 unkündbaren 4prozentigen Anleihe von 25
Mil=
lionen Mark an den Markt, die am 24. ds. Mts. zu 101,40
zur Subſkription aufgelegt wird, wobei Darmſtadt ebenfalls
als Emiſſionsplatz aufgeführt iſt. Auf einen großen
Zeich=
nungserfolg kann ſicher gerechnet werden. Ferner werden
am 29. ds. Mts. 420 Millionen Mark 4prozentige preußiſche
Konſols und 80 Millionen Mark 4prozentige Deutſche
Reichsanleihe zu 101,40 aufgelegt. Falls die Subſkribenten
in das Schuldbuch eingetragen, reſp. 15. Januar 1913 ſperren
laſſen, iſt der Preis 101,20; beide Anleihen ſind bis 1918
rückzahlbar. Die Beteiligung des Reichs dient lediglich der
Abſicht, einen Teil der in dieſem Jahre fälligen
Schatz=
anweiſungen im Geſamtbetrage von 240 Millionen Mark
bar einzulöſen, ſodaß es ſich nicht um eine Vermehrung
der Reichsſchuld handelt. Die preußiſche Anleihe iſt für
verbende Zwecke beſtimmt, beſonders für die Eiſenbahnen,
zur Beſchaffung von Materialien uſw. Dieſer bevorſtehende
Anleihebedarf hat auf die älteren Reichs= und preußiſchen
Werte einen ſtärkeren Kursdruck ausgeübt, während z. B.
ie niedriger notierten heſſiſchen Staatsobligationen recht
feſt ſchließen. Von den ausländiſchen Fonds erfreuten ſich
die türkiſchen, einſchließlich der türkiſchen Loſe, guter
Be=
achtung; auch Chineſen konnten ſich erholen, weil man eine
baldige Regelung der dortigen Wirren erwartet; auch
Buenos=Aires konnten profitieren, ſonſt blieben die Umſätze
geringfügig.
Der Bankenmarkt war ruhig, aber durchweg feſt
dis=
poniert. Von Transportaktien waren Nordd. Lloyd und
beſonders Hamburger Paketfahrt zeitweiſe lebhafter,
nach=
dem die von uns ſchon letzthin angedeutete Erhöhung der
Dividende von 8 Prozent auf 9 Prozent deklariert wurde.
Die Kapitalserhöhung dieſer Geſellſchaft um 25 Millionen
Mark auf 150 Millionen Mark ſoll den Aktionären zum Kurs
von nicht über 123 mit halber Dividende angeboten werden.
Schantungbahn dieſe Woche belebter und 2 Prozent höher,
ebenſo Prince Henri bis 155 anziehend auf die
Inbetrieb=
nahme neuer Anſchlußſtrecken. Auf dem Montangebiet
lagen wieder eine Reihe von Anregungen vor. Dahin
ge=
hörten namentlich die näheren Mitteilungen im preußiſchen
Staatshaushalt über Anſchaffungen von Eiſenbahnmaterial,
Lokomotiven und Waggons, wofür insgeſamt rund 190
Millionen Mark gefordert werden. Die Meldung, daß ſich
in Belgien lebhafte Nachfrage nach deutſchen Kohlen ſeitens
der dortigen Hochöfen und Eiſenwerke geltend mache, da
der Streik in England die Zufuhr von dort eingeengt habe,
bewirkte größere Kaufluſt für Kohlenaktien.
Am Kaſſainduſtriemarkt war durchweg gute Stimmung
vorhanden, namentlich für einzelne chemiſche und Maſchinen=
aktien. Kleyer ſtiegen auf 463,50, Albert auf 463, Schuckert
auf 166¾, Holzverkohlung auf 281,80; hingegen waren
Fahr=
zeug Eiſenach und Pfälzer Nähmaſchinenfabrik ſtärker
offeriert. Steaua Romana bröckelten bis 135, Aluminium
bis 221,60 ab. Kunſtſeide und Deutſche Gold= und Silber
Scheideanſtalt weniger beachtet, 105½ reſp. 879¾4.
Von Loſen notieren: Augsburger 37,80, Braunſchweiger
212,70, Pappenheimer 56,—, Freiburger 60,—, Türkiſche
173 G., Genua 190,— Ungariſche 373,25, Meininger 36,30,
Venediger 47,25, Mailänder 45=Fres.=Loſe 145,—, Mailänder
10=Fres.=Loſe 37,50, Raab=Gratzer Anr.=Sch. 38,10, in
Reichsmark; Gothaer Prämie II 118,50 P., Donau=
Regu=
lierung 185 G., Madrider 79,95, in Prozent. Ferner
ſchlie=
ßen: 4proz. Reichs (bis 1918 unkündbar) 101,70, 3½proz.
Reichs 91,45, 3proz. Reichs 82,25, 4proz. Heſſen von 1899
100,60 G., 4proz. Heſſen von 1906 100,80 B., 4proz. Heſſen
von 1908/09 100,80, 3½proz. Heſſen 90,20, 3proz. Heſſen
79,70, 4proz. Darmſtädter 99,60 G., 3½proz. Darmſtädter
90,60, 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 18—23) 101 G.,
4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 24—25) 101,25, 3½proz.
Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 3—5) 90,10 G., 3½proz. Heſſ.
Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 9—11) 90,20 G., 4proz. Heſſ.
Kom=
munal=Pfdbr. (S. 10—12) 101 G., 4proz. Heſſ. Kommunal=
Pfdbr. (S. 13—14) 101,25, 3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr.
(S. 1—3) 90,30 G., 3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (S. 4)
90,20 G., Darmſtädter Bank 126½, Südd. Eiſenbahn=
Geſell=
ſchaft 124,50 P., Südd. Immobilien=Geſellſchaft, Mainz,
79,30 B., Lederwerke vorm. Spicharz, Offenbach a. M., 77 G.,
Schantungbahn 128½, South=Weſtafrika 157, Otavi=Anteile
94,—, Otavi=Genußſcheine 65,—, 4½proz. Ruſſen 100,50,
4proz. 1888er Ruſſen 92,—, 4proz. 1902er Ruſſen 91,50. 3//10 Ruſſen 89,—, 3½proz. Ruſſen 86,20, 3proz. Ruſſen
80,50, 4proz. unifizierte Türken 92.—, 4proz. Adminiſtr.=
Tür=
ken 84,70, Bagdadbahn=Türken 84,60, 4proz. konvertierte
Tür=
ken von 1905/1911 83,—, 5proz. Chineſen 100,05, 4½proz.
Chineſen 95,40, 5proz. Chineſen (Tientſin=Pukow) 99,40,
5proz. Japaner 95,45, 4½proz. Japaner 90,45, 3proz. Buenos=
Aires 73,90, Schramms Lack= und Farbenfabriken 274,50 G.,
Chemiſche Mühlheim a. Main 78,80.
G
JchiGf
Königl. Fachingen
wirkt belebend
und erhaltend aut
den Organismus
ONIG
JChinGs
Appetitanregend,
stoffwechsel-
fördernd;
harnsäurelösend.
Literatur
durch die Brunnen-
Inspektion
in Fachingen
(Bez. Wiesbaden).
(VI2265
* Honig!
iſt als Volksheilmittel längſt
be=
kannt, indem er das Blut reinigt
u. neue friſche Säfte bildet. Ich
empfehle denſelben in garant. rein.
Qualität zu 1 Mk. pro Pfund ohne
Glas
(2142a
G. Roth, Dieburgerſtr. 9.
Kassenschrank
zu verkaufen. Näh. Exped. (*1401fso
Für altes Eisen, alte Metalle,
Papierahfälle aller Art,
Ge-
schäftspap. Bücher u. Akten
unter Garantie des Einſtampfens
zahle ſtets die höchſt. Preiſe. (765a
Lippmann May,
Tel. 157. Kl. Ochſengaſſe 14.
Aufträge werd. jederz. prompt erled.
Wirzahlen
die höchſten Preiſe
für alt. Eiſen u. Metalle,
Papier=
abfälle, Geſchäftsbüch. u. Akten,
nnt. Garantie des Einſtampfens.
Alle Aufträge werden nur
im Hauſe abgeholt und finden
prompteſte Erledigung. (1182a
M. Löb & Co.
Liebigſtr. 30. Telefon 479.
getrag.
Herren=
u. Damenkleid.,
Ich kaufe Schuhe. Zahle d.
höchſten Preiſe. Poſtk. gen. (1430a
J. Schnitzer, Schloßgaſſe 11.
10
Wer dort? (1605a
hier V. Schatz, Alexanderſtr. 15.
Ich komme ſof. u. zahle Ihnen für
getrag. Kleid., Schuhe, Wäſche,
Zahn=
gebiſſe, alte Federbett. ſtets die höchſt.
Preiſe. Tel. Nr. 1924. Poſtk. genügt.
zur Geſchäfts=Eröffnung gebrauche
dringend getrag. Kleider, Schuhe,
Stiefel, Wäſche, Federbetten,
künſt=
liche Zahngebiſſe ꝛc. und zahle nur
(*1514so
höchſte Preiſe
J. Wallach,
Holzſtraße 1, Laden.
Ankauf
von alten Flaſchen, altem Eiſen,
Lumpen uad Papier (*1572so
Ch. Zwickler, Holzſtr. 24.
getr. Kleider, Schuhe
c. zu den höchſten
Preiſ. Poſtkarte gen.
Kaufd M. Schnitzer
Schloßgaſſe 29. (1871a
(1784a
Rückertstr. 26, part.,
nächft der Heinrichſtraße, elegante
5 Zimmerwohn. mit Bad u. allem
Zubehör per 1. April zu vermieten.
Preis 750 Mk. Einzuſehen
nach=
mittags 3—5 Uhr. (B940ods
Bismarckstrasse 48
5 Zimmerw. per 1. April zu verm.
Einzuſ. tägl. v. 10—12 u. 3—5 Uhr.
Näh. daſ. part.
(1365t
Schützenstr. 3, 1. St.
elegante Wohn., 5 Zim., Veranda,
Bad u. ſonſt. Zubeh., Gas u. elektr.
Licht, per ſof. zu verm. (332oms
Waldstr. 33, I. St.
5=Zimmerwohn. mit Zubehör per
1. April zu vm. Näh. 2. St. r. (785omf
Heidelbergerstr. 59
der erſte Stock, 5 Zimmer ꝛc., mit
oder ohne Stallung, per ſofort
zu vermieten.
(2258oms
Schöne 4=Zimmerwohnung
1. Stock, per 1. Februar.
Mauer=
ſtraße 14.
(537ods
Grafenstrasse 18
2 ſchöne Wohnungen 4 u. 5 Zim.
mit all. Zub. bis April zu verm.
Näh. Kaiſerſaal Büfett. (588oms
Schulſtraße 12
4—5=Zimmerwohn. ſofort zu verm.
Näheres bei A. Merz. (2274t
Ecke
Karlstrasse 25,
Hölges=
ſtraße, 1. St., 3=Zimmerwohnung m.
Zubehör per 1. April z. vm. (63oms
Elſabethenſtr. 29, Htb., ſchöne
3=Z.=Wohnung per ſofort. (366o
Stiftſtr. 52, Gartenhaus
frdl. 3=Zim.=Wohn. mit Gas per
1. April. Näh. Vordh. p. (2277ms
Gr. Ochſengaſſe 18frdl. 2=Zim.=
Wohn. per Monat 18 Mk. (*1607
I Zamer
Herdweg 23 eine kleine
Woh=
nung zu vermieten.
(B2102
Kiesſtr. 8, Hth., kl. Manſ. mon.
12 M. Zu erfr. im Laden. (2019a
Geeh e Such
ganz oder teilweiſe
zu vermieten.
Näheres zu
er=
fragen im (1795a
Kurhaus Trautheim
bei Nieder=Ramſtadt.
Ile
nebſt Magazin mit
Hell. Laden oder ohne 3 Zim., für jed. Geſchäft geeign.
Eckt Saalbauſtr. u. Marienpl. 8,
iſt per ſofort eventuell ſpäter zu
vermieten. Näheres Hügelſtr. 27,
Kontor.
(730od
Der von der Firma Zenner & Co.,
Eliſabethenſtr. 2, innehabende
geräum. Laden m. Ladenzim. iſt per
1. Auguſt d. J. anderweit. zu verm.
Näh. Zimmerſtraße 1. (1381oms
Ue Zen
Die ſeither von mir inne gehabten
Werkſtatt= u. Kontorräume
ſind ſofort oder ſpäter, evtl. mit der,
mit den Räumen verbundenen
5 Zimmer=Wohnung, zu vermiet.
Näheres bitte Karlsſtraße 34 im
Kontor zu erfragen. J. Jacobi,
Bauſchloſſ., Kunſtſchmiede, Werkſt.
für Feinkonſtruktion in Eiſen und
Bronce. Karlſtraße 34. (805t
Wohn= u. Schlaßimmer
elegant möbl., in feinem Hauſe,
ruhige und freie Lage, an nur ſolid.
beſſeren Herrn zu verm. Anzuſ. v
11—3 Uhr nachm. Darmſtr. 51, II.,
Ecke Beckſtraße.
(1444a
Eleg. möbl. Wohn=Schlafzimm.
an beſſ. H. zu v., ſchöne fr. Lage,
Mitte d. St. Off. u. A 55 Exp. (1577s
Waldſtraße 16 ein großes gut
möbliertes Zimmer. (1724oms
Schön möbl. Zimmer mit od.
ohne Penſion für beſſeren Herrn
per 1. Februar zu verm. Näheres
Hölgesſtraße 1, 1. St. (1972omds
Eliſabethenſtr. 49, eleg. möbl.
Zimmer ſofort zu vermieten. (22t
Beſſungerſtr. 8, III., ein möbl.
Zimm., ſep. Eing., ſofort. (B1282t
Saalbauſtr. 40, 3. St., freundl.
möbl. Zimmer ſof. billig. (1923t
Schuchardſtr. 14, 2. St., gut
möbliertes Zimmer zu vermieten,
mit od. ohne Penſion. (*1444fso
Taunusſtr. 37, III., eleg. möbl.
Zimmer an beſſ. Herrn. (*1518so
Junger Bernhardinerhund
5 Monate alt, zu verkaufen bei
Frau Heinrich Bohl IV. Witw.,
Arheilgen, Kranichſteinerſtr. (*1609oi
Neutſcher Schäferhund, 1 Jahr a.,
la Stammb., wegzugsh. bill. zu
verk. Heinheimerſtr. 61, I. (*1613
züge
für April=Quartal nehme noch an
und werden gefl. Aufträge
pünkt=
lich und gewiſſenhaft bei
billig=
ſter Berechnung ausgeführt.
Ueberlandtransporte nach
Ver=
einbarung ohne nachträgl.
Preis=
aufſchlag. — Neue Wagen, ſaub.
Packmaterial. (B2257
Möbeltransport
L. Eberhard
Sandbergstr. 49, Ecke Heidelbergerstr.
NB. Für Packkiſten und Säcke
berechne ich keine Leihgebühr.
Zeugnis:
„Ihre Herba-Seife habe ich mit
Erfolg angewandt gegen
Flechten,
Mitesser
und kann Ihnen für dieses
vor-
zügliche Mittel meinen besten
Dank aussprechen.‟ (2259fl
Freundt, Hamburg.
Obermeyers Herba-Seife zu haben
in allen Apoth, Drog., Parfüm.
à St. 50 Pf., 30% stärk. Präp. Mk. 1.
Günstige Heirat.
Junger Mann, 22 Jahre alt,
ſehr vermögend, wünſcht baldige
Heirat mit einem braven
Mäd=
chen mit etwas Vermögen. Mädchen
mit Kind nicht ausgeſchloſſen.
Hauptſache trautes Heim.
Ver=
mittler verbeten. Offerten unter
C 95 an die Exped. (*1624oim
uche f. m. Schw., Beamtent., k.,
29 J., gr. Fig. u. angen. Aeuß.,
häusl. u. gebild., tadell. Verg.,
nach=
veisb. 12000 M. Verm., davon 4000
ſof., ebenſ. ſp. Erbſch., ſolid., k. Herrn
i. penſionsber. Stell. (mittl.
Staats=
eamt.) od. a. ſich. Poſ., zw. Heirat
kennen z. lernen. Aelt. Herren nicht
ausgeſchl. Briefeſerb. u. C45 a. d.
Exp. bis 1. Feb. Anon. zweckl. (*1422fo
evang., 20 Jahr., mit
Mädchen, hübſcher Ausſtattung
u. Vermögen, wünſcht netten,
auf=
richtigen Herrn in ſicher. Stellung
kennen zu lernen zwecks ſpäterer
Heirat. Anonym zwecklos. Offert.
unter R 25, postlagernd
Amt 3.
(*1611
Kath. Mädchen, 23 Jahre, mit
etwas Vermög. u. ſchöner
Aus=
ſtattung, möchte mit aufrichtigem
Herrn, da es ihr an Herren=Bek.
fehlt, zwecks ſp. Heirat in Verbind.
treten. Anonym zwecklos. Offert.
u. L 61, postl., Amt 3, Bessung. (*1612
Told. achteck. Damenu
mit Kette u. klein. Anhär
Donnerstag abend Inſelſtr. 3
Theater verloren. Abzug. geg
Belobn. Inſelſtr. 17, II. (*10
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Januar 1912.
Seite 11.
Die nachſtehende Bekamntmachung Großherzogichen Kreisamte Darmſtadt vom
11. d. M. bringen wir hiermit zur Kenntnis der Beteiligten.
(2270
Darmſtadt, den 19. Januar 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Ekert.
Bekanntmachung.
Die Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt hat auf Grund des Artikels 11 der all=
26. Juli 1884
gemeinen Bauordnung und der Artikel 1 und 2 des Geſetzes vom
17. Juli 1899,
die Enteignung von Grundeigentum betreffend, zur Erwerbung eines 11 m breiten
Streifens für die Hauptzufuhrſtraße C nach dem neuen Südbahnhof Antrag auf
Einleitung des Enteignungsverfahrens wegen der nachbezeichneten, in der Gemarkung
Darmſtadt gelegenen Grundſtücke geſtellt:
Inhalt
der der
Eigentümer
Wohnort 1 Ge= zuent=
Flur Nr.
ſamt= eign.
fläche Fläche
qm qm
Paut, Zudwig Schloſſernſtr.
Til
Eheleute Erben:
1. Pauli, Heinrich
Darmſtadt
2956
2. Schlamp, Margarete
3. Pauli, Hermann
4. Kinder des Wirts Andreas
Zimmermann u. Ehefrau
Char=
lotte geb. Pauli:
a) Ludwig, Katharine
Darmſtadt
b) Zimmermann, Eliſabeth Altſtrelitz
C
Karoline Darmſtadt
Hermann
5. Pauli, Johannes
6. Gerhardt, Eliſabeth
7. Mager, Anna
8. Pauli, Georg
9. Zimmermann, Karoline
Frankfurt a. M.
Großhl. Haus=Familieneigentum 1 Darmſtadt
6138 76
1816 62
59
4366 195
63
2706 260
253
2033 151
264
7605 522
265
1100 76
a) Geyer, Marie
2000 54
Darmſtadt
Kinder der Johann Georg
Leon=
hard Geyer Eheleute:
b) Aßmuth, Marie
c) Geyer, Eliſe
Lina
d)
e)
Georg
Geyer, Suſanne
1319 44
Wittmann, Jakob III.
1969 71
Schneider, Wilhelm
3111 104
10
a) Noldt, Luiſe
1858 64
42 Kinder der Landwirt Fr. Noldt I.
Eheleute:
1917 90
44
1237 58
b) Noldt, Friedrich
45
c) Schweinsberger, Eliſabeth
11670 78
d) Darmſtädter, Eliſe
e) Kugel, Helene
Jacoby, Hermann II. Erben:
1271 46
12 1. Schaffner, Dorothea
1271
46
2. Jacoby, Eliſabeth
und Kinder:
a) Helfenbein, Eliſabeth
b) Merz, Karoline
Hanau
c) Jacobi, Ernſt
Darmſtadt
3. Jacobi, Marie
Darmſtadt
und Kinder:
a) Jacobi, Friedrich
b)
Hermann Philipp 1 Eſſen
Heinrich
c)
Darmſtadt
Georg
d)
New=York
Eliſabeth
e)
Darmſtadt
Katharine
Geyer, Friedrich Karl
1289
15 Rheiniſche Ziegelwerke, Geſellſchaft Worms a. Rh. 1 1334 53
m. b. H.
871
Sommer, Johannes u. EhefrauDarmſtadt
884
22 Darmſtädter, Martin Erben:
2
a) Darmſtädter, Adam
1759 66
Darmſtadt
b) Schorn, Eliſabeth
c) Darmſtädter, Sophie
und Sohn Auguſt
d) Seng, Luiſe
Eich bei Worms
e) Schultheis, Liſette
Grimma b. Leipz.
k) Darmſtädter, Karl Heinrich 1 Darmſtadt
g) Darmſtädter, Friedrich
Wil=
helm
Hornung, Georg Ludw.
1325 56
Michel, Valentin
862 35
37 Sauerwein, Georg
2238 106
1293 56
26 A Lind, Chriſtine
und Sohn:
1299 63
855 43
28 Lind, Karl Auguſt
Karlsruhe
1136 56
29
11106 56
30 1 Aßmuth, Georg Leonhard Eheleute
Erben:
1148 56
a) Rühl, Suſanne
Darmſtadt
1744 81
b) Aßmuth, Eliſabeth
20
Karl
Dieburg
Heinrich
Mainz
3
Ludw. Wilh.
Darmſtadt
890 12
Euler, Johannes
1098 53
1104 53
33
859 41
34 1 Geiger, Philipp
1694 81
35 1 Koch, Gertrude
859 42
36 Lang, Regine
1874 88
41 lund Kinder aus 1. Ehe Langs mit
der verſtorbenen Eliſabeth geb.
Geiger:
Lang, Peter
Lang, Philipp III.
und Kind aus 2. Ehe Langs mit
Regine geb. Schlumpf:
Ober=Ingelheim
Lobeck, Margarete
1904 88
Darmſtadt
43 1 Noldt, Friedrich II.
1644 75
46 1 Schneider, Heinr. II.
825 38
47
1100 50
52 May, Gg. Aug.
1100 50
53
1100 50
54
1662. 76
55 1 Maurer, Georg Wilh. Ehel. Erben:
Eberſtadt
a) Müller, Ludwig II.
und Kinder desſelben aus der Ehe
mit Kath. geb. Maurer:
Darmſtadt
1. Hoffmann, Eliſabeth
Halle a. d. S.
2. Harniſchfeger, Katharine
Groß=Gerau
3. Winheim, Johanna
Inhalt
der ſ der
Flur Nr.
Eigentümer
Wohnort: 1 Ge= (zu
ent=
ſamt= eign.
fläche Fläche
qm
qm
b) Maurer, Gg. Ludw. Wilh. Darmſtadt
c) Winter, Eliſabeth
und Kinder derſelben:
1. Winter Karl
„ Auguſt
d) Maurer, Eliſabeth
und Kinder derſelben:
1. Maurer, Georg
Gießen
2
Heinrich
Hohenheim
3.
Erna
Darmſtadt
Schneider, Gg. Heinr.
XIII
58
817
Darmſtadt
57 (Derſelbe und Ehefr. Eliſabeth geb.
1098 48
Eckert
850 56
60 Wambold, Adam II.
25
61
1112 49
62¾/101 Geiger, Peter II.
26
1018 45
249
626 50
250
829 65
251
1121 87
64 Jacoby, Heinr. Phil.
1124 86
28
252 Heyer, Wilhelm u. Ehefrau
1313 22
254 1 Schweinsberger, Jakob
29
1121 85
255
877 65
256
Philipp
860 1 64
257
2577 187
258 Stier Barbara
983 71
und Kinder:
985 71
a) Wiemer, Anna
b) Lautenſchläger, Katharine
c) Pathenſchneider, Barbara 1 Auerbach a. d. B.
d) Stier, Valentin
Darmſtadt
e) Delp, Chriſtine
f) Münnich, Eliſabeth
g) Stier, Karl
Heinrich
2591 Wambold, Margarete
und Kinder:
1322
a) Fiſcher, Eliſabeth
b) Wambold, Katharine
Samuel
c)
Wilhelm
d)
260 1 Küſter, Peter III.
München
und Kinder:
261
Darmſtadt
660
a) Küſter, Heinrich
1770 124
Jakob
b)
„ Philipp
c)
d) Schneider, Marie
33
262 Mayer, Heinrich Peter u. Ehefrau
266
Mainz
1794 125
263 1 Scheyrer, Ferdinand u. Ehefrau
912 64
2671 Schneider, Georg II.
1806 125
Darmſtadt
268 Jacobi, Hermann, Ackermanns
1737 120
269 Erben:
1744 110
a) Schaffner, Dorothea
1281 47
b) 1. Jacobi, Heinrich Pbil.
Johann Friedr.
3. Hof, Eliſabeth
4. Jacobi, Hermann
Dora
Eberſtadt
c) Jacobi, Eliſabeth
Darmſtadt
und Kinder:
1. Helfenbein, Eliſabeth
2. Merz, Karoline
3. Jacobi, Ernſt
Hanau
d) Jacobi, Marie
Darmſtadt
und Kinder:
1. Jacobi, Friedrich
Hermann
2.
Heinrich
3.
Eſſen‟
Georg
Darmſtadt
Eliſabeth
New=York
4
Katharine
Darmſtadt
270 Herzberger, Karl
und Kinder aus der Ehe der Ka=
1256
tharine Lehr mit Peter Dörmer:
1. Dörmer, Heinrich
2. Lorenz, Margarete
Bockenheim
3. Dörmer, Eliſe, verſt., fürdieſe! Darmſtadt
deren Tochter Anna Dörmer.
Dies wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht mit dem Anfügen, daß der Antrag
nebſt Plänen vom 19. Januar 1912 bis einſchließlich 1. Februar 1912 auf der
Bürger=
meiſterei Darmſtadt während der üblichen Dienſtſtunden zu jedermanns Einſicht
offen=
liegen wird.
Zur Verhandlung über den Plan und die zu leiſtende Entſchädigung ſowie zur
Entgegennahme etwaiger Einwendungen und Anträge wird Tagfahrt vor der
Lokal=
kommiſſion anberaumt und zwar
1. Bezüglich der unter Ord.=Nr. 1 bis einſchließlich 22 vorſtehenden Verzeichniſſes
aufgeführten Grundſtücksflächen auf
Donnerstag, den 8. Februar 1912, vormittags ½9 Uhr
(Sitzungsſaal des Kreis=Ausſchuſſes, Darmſtadt, Neckarſtraße 3), und
2. Bezüglich der unter Ord.=Nr. 23 bis Ende vorſtehenden Verzeichniſſes
auf=
geführten Grundſtücksflächen auf
Freitag, den 9. Februar 1912, nachmittags 2 Uhr
in demſelben Lokale.
Die Eigentümer, Pächter, Mieter u. ſonſtige an den abzutretenden Grundſtücken
per=
ſönlich Berechtigte, ſowie alle übrigen bei der Enteignung Beteiligten werden aufgefordert:
1. Einwendungen gegen den Plan bei Meidung des Ausſchluſſes und Annahme
der Einwilligung in die beanſpruchte Abtretung oder Beſchränkung,
2. Erklärung auf die angebotene Entſchädigungsſumme bei Meidung der
Unter=
ſtellung der Annahme des Angebots,
3. Anträge auf Ausdehnung der Enteignung bei Meidung des Ausſchluſſes mit
ſolchen,
4. Anträge auf Aufrechterhaltung beſtehender Laſten (Art. 13 des Geſ.) bei
Meidung des Ausſchluſſes mit ſolchen,
5. Anträge auf Einrichtung und Unterhaltung von Anlagen, welche für die
be=
nachbarten Grundſtücke oder im öffentlichen Intereſſe zur Sicherung gegen
Gefahren und Nachteile notwendig ſind oder notwendig werden bei
Mei=
dung des Ausſchluſſes mit ſolchen,
6. etwaige noch unbekannte Anſprüche und Rechte an die zu enteignenden
Grundſtücke bei Meidung des Ausſchluſſes mit ſolchen,
in den oben erwähnten Terminen vorzubringen.
Zugleich werden die Eigentümer auf folgende Beſtimmungen des Art. 27 des
Enteignungsgeſetzes beſonders verwieſen:
Wenn dritte Perſonen als dinglich Berechtigte oder wegen ſonſtiger
Rechtsver=
hältniſſe bei der Enteignung beteiligt ſind, ſo muß ſie der Eigentümer ſofort nach
Zuſtellung der Bekanntmachung der unterzeichneten Behörde bezeichnen, welche ſie
ſodann unter Androhung des geeigneten Rechtsnachteils zu der Tagfahrt vorzuladen hat.
Unterläßt der Eigentümer dieſe Bezeichnung, ſo bleibt er für dieſe Anſprüche
verantwortlich.
Die Unternehmerin wird zu dem Termin unter dem Rechtsnachteile vorgeladen,
daß im Falle ihres Ausbleibens Verzichtleiſtung auf Fortſetzung des
Enteignungs=
verfahrens unterſtellt und ſie mit den bis dahin entſtandenen Koſten belaſtet werden wird
Darmſtadt, den 11. Januar 1912.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Jann.
Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Januar 1912:
Nummer 18.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde. In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Bulldogge, 1 Boxer. 1 Jagdhund, 1 Dobermann (zu
gelaufen). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem5. Polizei=
Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten
Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt. (2256
Bekanntmachung.
Betreffend: Reichstagswahlen 1912; hier: die engere Wahl im
IV. Wahlkreis des Großherzogtums.
In Abänderung unſerer Bekanntmachung vom 4. Januar 1912
bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß Großh. Kreisamt
Darmſtadt:
Im 2. Wahlbezirk der Stadt Darmſtadt an Stelle des
er=
krankten Buchdruckereibeſitzers Adolf Simon den Kaufmann
(2268
Karl Praſſel als Wahlvorſteher
beſtellt hat.
Darmſtadt, den 20. Januar 1912.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Dr. Gläſſing.
Lieſerung von Lernmitteln für Schulkinder.
Die Lieferung des Bedarfs an Schulbüchern, Schreib= und
Zeichenmaterialien und Materialien für den
Handarbeitsunter=
richt (Kretonne, Leinen, Wolle uſw.) im Schuljahre 1912/1913 ſoll
alsbald vergeben werden.
Bedingungen nebſt Verzeichnis der zu liefernden Materialien
liegen im Stadthaus, Zimmer Nr. 39, zur Einſicht offen.
Angebote ſind, verſchloſſen und mit Auſſchrift verſehen, nebſt
Muſter bis
Dieustag, den 30. Januar 1912, vormittags zwiſchen
10—11 Uhr,
bei uns einzureichen.
Darmſtadt, den 17. Januar 1912.
(2269os
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Jagd-Verpachtung.
Samstag, den 3. Februar 1912, vorm. ½12 Uhr,
wird auf dem Rathaus in Ober=Ramſtadt die der hieſigen
Ge=
meinde zuſtehende, in drei Abteilungen verpachtet geweſene
Wald= und Feldjagd
unter den im Termin bekannt gemacht werdenden Bedingungen auf
weitere 6 Jahre verpachtet.
Bemerkt wird, daß ein guter Faſanen=, Haſen= und
Reh=
beſtand vorhanden iſt, ſowie, daß die Jagd grozenteils an fiskaliſche
Waldungen grenzt.
Die Jagd iſt von den Bahnſtationen Ober=Ramſtadt, Nieder=
Ramſtadt-Traiſa, Roßdorf und Zeilhard bequem zu erreichen.
Ober=Ramſtadt, den 19. Januar 1912.
(2249os
Großh. Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
Rückert.
Bekanntmachung.
(Stadtwald.)
Den Brennholzkäufern im Stadtwald teilen wir hierdurch mit,
daß wir nach der für, den 22. und 23. ds. Mts. ausgeſchriebenen
Brennholzverſteigerung noch weiteres Buchenbrennholz aus folgenden,
mit guten Abfuhrwegen verſehenen Diſtrikten zum Ausgebot bringen
werden:
Oberwald: Nachtweide, Vorderer Woogsberg, Wannemachersplatte
und Holzſchlag.
(2251ns
Beſſunger Laubwald: Dieterſchlag, Dachsberg und Pfarrwinkelfleck.
Darmſtadt, den 19. Januar 1912.
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.
Holzverſteigerung.
Donnerstag, den 25. Januar 1. Js.,
von vormittags 10 Uhr an, ſollen in der Wirtſchaft des Heinrich
Heberer II. zu Meſſel aus dem Meſſeler Gemeindewald,
Di=
ſtrikt II Hügelteile, Abt. 1 bis 15 und aus 22 und 20b verſchiedene
Holzſortimente verſteigert werden
3 Kiefern=Stämme
VII. Kl. — 1,45 fm
2 Lärche
2 0,44 „
33 Fichte
— 4,30.
— 1,99
55 Fichte=Derbſtangen I. u. II.
40 Stück Reisſtangen=Weymuthkiefern — 0,12 „
Scheiter, rm: 24,5 Eiche II. Kl., 6 Kiefern,
Knüppel, rm: 32 Buche, 29 Eiche, 18 Birke, 4 Erle, 234 Kiefern,
13 rm Buche Knüppelreiſig,
Reiſig, Wellen: 400 Buche, 118) Eiche, 430 Birke, 5300 Kiefern,
Stöcke, rm: 27 Eiche, 58 Kiefern.
Nähere Auskunft erteilt Forſtwart Engel zu Meſſel.
Meſſel, 19. Januar 1912.
(2253
Großh. Bürgermeiſterei Meſſel.
Hickler.
Stammholz-Verſteigerung.
Dienstag, den 23. Januar 1912,
vormittags von 9 Uhr an, werden aus hieſigem Gemeindewald,
Diſtrikt Malchertanne, an Ort und Stelle ca. 234 Stück Kiefern=
Stämme von 20 bis 47 cm mittlerem Duuchmeſſer und 5 bis 14 m
Länge meiſtbietend verſteigert.
Zuſammenkunft am Bahnwärterhaus am Malcher Weg.
Pfungſtadt, den 15. Januar 1912
(2155fl
Großherzogliche Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
Lang.
Georg Bertele
beeidigter und öffentlich angestellter Bücherrevisor
und kaufm. Sachverständiger
66 Mühlstrasse 66
übernimmt:
(2040a
Revlsionen, Bilanz-Aufstellungen, Einrichten
und Instandsetzen von Geschäftsbüchern,
Geschäftsliquidationen, Treuhandfunktionen.
Vielseitige Erfahrungen! Strengste Geheimhaltung!
Handdilſch, abzig 5 g
kornstroll, Mauerſtr. 20. (1853a
leichſtr. 27, Laden, ſelbigel.
Gelee, Marmelade u. Latw. (1178a
40 Württembergische
Staatsschuldverschreibungen
unkündbar bis 1921.
Am 24. Januar c. findet die Subskription auf
nom. Mk. 25,500,550,
obiger Schuldverschreibungen, eingeteilt in Stücke zu 5000, 2000, 1000,
500 und 200 Mark, mit Zinsen ab 1. Oktober 1911 zu
101,40%
statt. Wir sind offizielle Zeichnungsstellen. Die näheren Bedingungen,
sowie Formulare zu Zeichnungsscheinen stehen bei uns zur Verfügung.
Darmstadt, den 19. Januar 1912.
Bank für Handel
Deutsche Vereinsbank
und Industrie.
Fillale Darmstadt.
(2175P
Bauarbeiten.
Die bei Erbauung eines Stalles
für unverkaufte Schweine und
einer Kälbermarkthalle auf dem
ſtädtiſchen Schlachthof
vorkom=
menden Schreiner= und
Schloſſer=
arbeiten (Anſchlagarbeiten) ſollen
vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und
Be=
dingungenliegen bei dem
unterzeich=
neten Amte, Grafenſtraße Nr. 30,
Zimmer Nr. 9, während der
Dienſt=
ſtunden offen, woſelbſt auch die
Angebotsſcheine abgegeben werden.
Angebote ſind bis
Dienstag, 30. Januar 1912,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle
einzu=
reichen.
(2118so
Darmſtadt, 17. Januar 1912.
Stadtbauamt.
Buxbaum.
Bekanntmachung.
(Stadtwald.)
Die Verſteigerung unterm
Heu=
tigen wird mit dem Anfügen
ge=
nehmigt, daß die Ueberweiſung
des Holzes am 27. Januar,
vormit=
ſtags 8 Uhr, ſtattfindet. (2250
Darmſtadt, 19. Januar 1912.
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.
ſchempfehle mich
im Anfertigen elegant. u. einfacher
Damen=Garderoben nach Maß.
(Jackett=Kleider, Schneiderarbeit)
J. Schneider,
Kranichſteiner=
ſtraße 4½, p.
(*1316soi
Haufe alte Zahngeb., pr. Zahn 30 ₰
G. Best. Ludwiashöhſtr. 60. (1996a
Grob. Anwesen
zu verkaufen.
Das zum Nachlaſſe der Frau
Friedrich Auguſt Wenck Ww.
gehörige, Ecke Rheinſtr.,
Land=
graf Philipp=Anlage und Ecke
Bleichſtr. gelegene Anweſen,
enthaltend Geſchäfts= u. Wohnh.
mit großem, z. Aufteilung in mehr.
Bauſtellen vorzügl. geeign. Gart.,
wird zu günſt. Bedingungen dem
Verkauf ausgeſetzt. Das Anweſ.
hat ein. Flächengeh. v. 3558 am,
eine Straßenfront nach der
Rheinſtr. von 30, nach d.
Land=
graf=Philipp=Anlage von 120
und nach der Bleichſtraße von
30 laufenden Metern. Der
Be=
ſitz wird im ganzen, event. auch
geteilt, veräußert. Ernſte Reflekt.
erhalten weiteren Aufſchluß, auch
Einſicht in den Lageplan, nur im
Immobiliengeſchäft der Firma
Sebastian Eckler, Rheinſtr. 9,
Telefon 243.
(1194a
Einfamilienhaus
Riedeſelſtr. 51, d. Herrn General
v. Enckevort gehörig, 12 Zimmer
mit Zub., Bad, geſchloſſ.
Glas=
veranda, Gas, elektriſches Licht,
Garten, iſt z. Preiſe von 45000
Mk. zu verk. od. per 1. April 1912,
bezw. ſpäter, in gute Hände zu
verm. Weiteren Aufſchluß erteilt
die Firma Sebastian Eckler,
Rheinſtr. 9, Telephon 243. (119)a
Geschaltshaus
Verkauf- (17a
im Zentrum
Erbteilungshalber der Stadt,
eſte Geſchäftsſtr., feines
Ge=
ſchäftshaus, in welch. ſchon ſeit
Jahren ein ſolches betrieb. wird
mit beſt. Erfolg, in nur gut.
Zu=
ſtande, unt. ſehr günſt. Beding.
abzug. Anzahl. 15—20000 M.
Agent erh. keine Antw. — Näh.
b. H. Castritius, Kahlertſtr. 38.
Das 2½ſtöckige, in tadelloſem
Zuſtand befindliche Wohnhaus
Hoffmannstrasse 23
(Nähe Heinrichſtr.) mit groß. ſchatt.
Garten u. Toreinfahrt, iſt Sterbef.
wegen unter günſt. Bedingungen zu
verkauf. Das Haus iſt zurzeit zum
Alleinbewohnen eingerichtet, kann
jedoch leicht in zwei 5=Zim.=Wohn.
umgewandelt werden. Näh. Ausk.
erteilt ausſchl. die mit dem Verkaufe
beauftragte Firma Julius Kahn,
Schulſtraße 15. Tel. (35. (K118-
Hausverkauf.
Ein rentables Haus in
Darm=
ſtadt mit gut eingeführtem
ſowie Flaſchenbier=Verſand, iſt
wegen anderweiten Unternehmens
unter günſtigen
Zahlungsbeding=
ungen ſofort zu verkaufen.
Ernſt=
iche Bewerber, welche eine
ent=
ſprechende Anzahlung zu leiſten
vermögen, wollen ihre Adreſſe
unter B 85 an die Expedition
dieſes Blattes ſenden.
(1955a
Mir Pranſen. Ponſtanteris
Ein ſehr ſchönes, der Neuzeit
ent=
ſprechendes Wohnhaus, 2X3=Z.=
Wohn., auch zum Alleinbewohnen
ehr geeignet, in Bickenbach, 3 Min.
von der Bahn, ſchöne Fernſicht in
die ganze Bergſtraße, mit Vor= u.
Hintergarten (600 qm), Gas und
Waſſerl., auch Kloſett im Hauſe,
billig zu verk. Näh. bei H. Bitsch III.,
Maurermeiſter, Eschollbrücken b. D.
Landhaus für 7500 Mk.
In Arheilgen iſt ein freiſt.
Landhaus für 7500 Mk. ſofort zu
verkaufen. Angebote erbitte unter
W46 a. d Exped. d. Bl (1148a
Achtung: Golasraße.
In einer Amtsgerichtsſtadt, N.
Darmſtadts, iſt ein Gaſthaus m.
Metzgerei, Fremdenzim., Stall.,
Saal, bei kleiner Anzahlung billig
zu verkaufen. Brauerei gewährt
Kapitalzuſchuß. — Offerten unter
C 56 an die Expedition. (*1480soi
Hausverkauf.
Das Haus Viktoriaſtr. 94,
enthaltend vier 5=Zimmerwohn.,
iſt ſofort preiswert zu verkaufen.
Reflektanten erhalten nähere
Aus=
funft Viktoriaſtr. 90, part. (1330a
Villen=Verkauf
Im vornehmſt. Villenviertel hier
iſt das „Landhaus Daheim” u.
günſt. Bed. zu verk. Die Villa, nahe
d. elektr. Halteſt. u. d. Wald. n. Süd.
gelegen, iſt neuzeitl., prakt. u. beſ.
ſolid gebaut, u. enth. 12 meiſt gr.
Wohnräume. hohe Diele, gr. Badez.,
Blumenz., Ver., 3 Balk., 2 Logg.
Gas, elektr. L., Zentralheizg., gr.
Garten, zuſ. 1017 qm. Näh. u.
Be=
ſicht. d. Villa Schießhausſtr. 130,
11—1 Uhr vorm.
(B1193
Das Haus
Beſſungerſtr. 11, nebſt Seitenb.,
Werkſtätte u. Grabgarten, iſt
erb=
teilungsh. zu verkaufen. Näheres
(B1191
daſelbſt.
an ſert. Str., 288 qm, f.
Baul= e. 4 Z. o. 2X2 Z.=Hs. m.
Werkſt. o. St., 2 Giebelr.
Platz näh. Waldstr. 24, p. (*1598
Agenturen für Immobilien,
Hypotheken u. Baugelände
Hch. Castritius (654a
Darmstadt, Kahlertstrasse 33, I.
Tel Nr. 382. Sprechst 5—1
Grosser Posten Zigarren
Zigaretten, Tabak, div. Laden=
Mobiliar, Gasofen u. Herd bill.
abzugeben. Näh. Exved. (B2039
In Tausch
genommenes mahag. Schlafzim.
mit 160 cm br. Schrank, äußerſt
preiswert abzug. Näh. Exp. (O287a
Tlterach
von 15000 Mk.
. Aypothek auf April
ge=
ſucht, Objekt (neues Wohnhaus) in
guter Lage. Offert. erbeten unter
C 49 an die Exp. d. Bl. (*1436fo
eteiligung.
Kauf od. Verkauf.
Häuſer= u. Vermög.=Verwalt.
durch B. Baer, Immobilien,
Landwehrstr. 18, Tel. 1145.(117fg
Nummer 18.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Januar 1912.
Seite 13.
Grosse Posten Zigarren
offeriere ausserordentlich billig!
Abgabe von 50 bezw. 100 Stück an.
(642a
Wiederverkäufern, Händlern, Wirten etc. sehr zu empfehlen.
Garantie für Qualität. — Nichtzusagendes wird gegen Barvergütung zurückgenommen.
Zigaretten an Wiederverkäufer zu vorgeschriebenen Fabrikpreisen.
Zigarren-
Wilh. Dauer Versand Ludwigstrasse b.
Vorpaß geſucht.
3,15—3,20 Meter hoch,
2,15—2,20 „ breit.
Off. u. C 83 a. d. Exp. (*1564so
Schreibtiſche (Dipl.), eichen, Bücher=,
Weißz.=, Kleiderſchr., Waſchkom.,
Nachttiſche, LTiſch, Küchenſch., Vert.,
pol. u. lack., in jed. Preisl., ſtaun. billig
zu verk. Wendelſtadtſtr. 2. (*1570so
Jede Dame
weiß es, daß die besten u. billigst.
Haararbeiten
bei mir angefertigt werden. (57a
GAKbinen
Nach-
mit 10-30 % 1ass.
Ueberhänge,
Tüllgar-
dinen, Bettrückwände,
Bettdecken,
Uebergar-
dinen, Künstler-Leinen
etc., Posamente.
Hess. Gardinen- und Stickerei-
Manufaktur, G. m. b. H.
H. PORTUNE
Darmstadt
Tel. 1615. Bleichstraße. 2
Alt Darmſtädter
Anſichten, Porzellane, Geſchirre,
Uhren, Inſtrumente, Pläne, Karten
ꝛc. zu kaufen geſucht. Offert. m.
Preis u. W 73 an die Exp. (1248t
Sehr gut heizender
irischer Ofen
für ca. 100 cbm Raum zu
ver=
kaufen. Näh. in der Exp. (2138t
troßer Kinderwagen, ſehr gut
erhalten, zu verkaufen.
Anzuſehen Klappacherſtraße 30,
Tapezier Frieß.
(B2229
. e
Gros. Lager in ferig, Arbeiten.
Zöpfe v. 2.50 Mk. an
Locken-Tuffs v. 2.— Mk. an
Haar-Unterlagen in j. Farbe
Garantiert prima Material.
Sparſame
Hausfrauen=
kaufen gegen bar und
ſammeln die ſchwarz=
Auffärben alter Haararbeiten.
weißen Rabatt=
Reparaturen gut und preiswert.
marken des
Kopfwaschen m. Frisur 1 Mk.
(702a
„ Ond. 1.50 Mk.
Rabatt=
Aanele Lantral. Troeien-iulige.
Spar=Vereins
Darmſtadt.
Fr. Tmmmann
Pae Schliſande Shhegen.
1 Ludwigspl. 8, Vdh. III. (*1473so
rüne Sohlen, 50% beſſer wie
andere, liefert H. Krieger,
Schuhm, Heidelbergerſtr. 42. (B12
Nächste Verlosungen:
Stuttgarter Geldlotterie
das Loos Mk. 3.— Ziehung
am 2. und 3. Februar 1912.
Regensburger Geldlotterie
das Loos Mk. 3.— Ziehung
am 6. und 7. Februar 1912
empfiehlt und versendet
Philipp J. Schmidt,
Königl. Preuß. Lotterie-
Einnehmer, Darmstadt,
Rheinstr. 33. Tel. 127.
(1839a)
Auf der ganzen
Erde verbreitet
und von
Höchste Auszelchnungen
höchsten Behörden
und ersten Firmen
bevorzugt sind
(1170a
AD
Schreibmaschinen
Erstklassiges deutsches Präzisions-Fabrikat.
Zahlreiche Spezial-Modelle für jegliche Schreibarbeit,
Maschinen mit ein- u. zweifacher Umschaltung, Doppel- u.
auswechselbaren Schriftsätzen. — „ADLER-BlLLiNG‟
(Buchungs- und Fakturier-) Schreib-Maschine schreibt
gleichzeitig Rechnung und die Verkaufsbuch-Eintragung
Man verlange Kataloge u. Gratis-Vorführung.
Inh. A. Ober, Gr. Hoflieferant
Hlüler & Unel Karlstrasse 30. z: Telephon 651.
u Anfang dieses Jahres habe ich meine Werkstätte
2 und mein Kontor von Schützenstr. 21 nach meinen
neuerbauten Räumen
Karlsstrasse 34
verlegt.
War es seither mein ernstestes Bestreben, meinen
Kundenkreis zufriedenzustellen, so werde ich auch in
Zukunft hierin meine vornehmste Aufgabe erblicken.
J. JACOBI
Bauschlosserei, Kunstschmiede
Werkstätte für Feinkonstraktionen in Eisen und Bronce
806a)
Karlsstrasse 34.
P. P
Hierdurch beehre ich mich ergebenſt anzuzeigen, daß
ich mich als
(1482a
Bücher=Reviſor und
kaufm. Sachverſtändiger
in Darmſtadt niedergelaſſen habe.
Ich werde mich ſpeziell befaſſen mit:
1. Neueinrichtung von Buchführungen und Uebernahme
der laufenden Führung von Geſchäftsbüchern,
2. Prüfung und Aufſtellung von Bilanzen und
Ab=
ſchluß der Geheimbücher,
3. Reviſionen von Geſchäftsbüchern und Kaſſen,
4. Geheimer oder nicht geheimer Ueberwachung aller
Buchhaltungsſyſteme,
5. Unterricht in Buchführung und allen Handelsfächern.
Ich ſichere unter Beobachtung ſtrengſter Diskretion
ſorgfältige und gewiſſenhafte Ausführung aller Aufträge
zu und bitte eintretendenfalls von meinem Anerbieten
Gebrauch zu machen
Hans Mohwinkel, Bücher-Revisor
17 Wilhelminenstrasse 17.
Gräfin Laßbergs Enkelin.
Roman von Fr. Lehne.
(Nachdruck verboten.)
30
Ich ſprach die Wahrheit! Wiſſen Sie auch, daß Ihr
Ge=
ſang mir viel verraten hat, Mignon? Die ganze
Verlaſſen=
heit und Sehnſucht des heimatloſen Kindes! Nichts paßt
wohl beſſer für Sie — und Ihr Empfinden lehrte Sie
dieſe ergreifenden Töne. Ich möchte wohl etwas wiſſen
— ich weiß aber nicht, ob ich Sie fragen darf.
O, bitte, tun Sie es!
Ich möchte wohl wiſſen, ob nicht doch ein Platz iſt,
der Ihre Heimat ſein könnte — ob Sie wirklich ſo ganz
ver=
laſſen ſind.
Offen erwiderte ſie ſeinen Blick.
Vielleicht haben Sie recht, Herr von Steinhagen. Doch
es gibt Verhältniſſe, die ſtärker ſind als die Menſchen.
Ver=
zeihen Sie, wenn ich Ihnen nicht mehr ſagen kann. Für
mich iſt es jetzt am beſten, wenn ich ganz allein meinen Weg
gehe, ohne daß er mir von anderen vorgeſchrieben wird.
Später einmal, wenn ich innerlich ruhiger geworden bin,
werde ich Ihnen alles ſagen, und Sie werden mir dann
nicht zürnen.
Nein, kleine Mignon! Und wenn Sie einen Rat
brau=
chen, ſo wiſſen Sie hoffentlich, an wen Sie ſich zu wenden
haben! ſagte er herzlich. Dann ſtand er auf.
So, nun will ich Sie von meiner Gegenwart befreien.
Haben Sie Dank, daß Sie ſich mir geopfert haben! Gute
Nacht, Yvonne! Er ſtreckte ihr die Hand entgegen. Yvonne,
wiederbolte er, wie klingt Ihr Name ſchön — wie Muſik
Sie ſchlug die Augen nieder und fühlte, wie ihr Herz
klopfte.
Gute Nacht, Herr von Steinhagen! Hoffentlich können
Sie dieſe Nacht recht gut ſchlafen! Wie gern würde ich
Ihnen von meinem geſunden Schlaf abgeben.
Ah, Sie erfreuen ſich eines guten Schlafes?
Gott ſei Dank, ja! Ich bin abends immer ſo totmüde,
daß ich gar nicht dazu komme, noch an etwas zu denken.
Und darüber bin ich froh!
Ein geſunder Schlaf iſt ein Geſchenk Gottes! Wohl
Ihnen!
Er hielt noch immer ihre Hand feſt. Yvonne trat einen
Schritt zurück, ſodaß ſich ihre Hände löſten.
Gute Nacht! ſagte er nochmals! Leiſe ſtrich er über
ihren Scheitel. Liebes, ſüßes Mädchen! flüſterte er und
ging dann hinaus und ließ ſie, in wonnnigem Schreck
er=
ſtarrt, zurück.
Eine heiße, tiefe Liebe erfüllte ihn für Yvonne; ihre
Reinheit und Schönheit hatten ihn bezwungen.
Nicht lange mehr ſollte es dauern, daß ſie ſein werden
würde, denn daß ſie ihm gut war, daß ſie ihn liebte,
glaubte er in ihrem hingebenden, unſchuldvollen Blick
ge=
leſen zu haben.
Nur mußte er mit der Schweſter und Stiefmutter erſt
im klaren ſein, ehe er ſprach!
Mit heißen, roten Wangen und lachendem Munde
be=
trat Konſtanze das Eßzimmer, in dem man ſchon auf ſie
gewartet,
Entſchuldigt bitte, meine Verſpätung.
Du ſcheinſt guter Laune zu ſein, Kony! Iſt dir etwas
Angenehmes begegnet,
Ja, Mama, ich traf Kora — und wir haben ſo gelacht!
Ich lernte nämlich die neueſte Akquiſition unſeres
Regi=
ments durch ſie kennen — ein famoſer, hübſcher Junge
iſt’s — und vergnügt. Man iſt gleich ſo bekannt
mit=
einander, als ob man ſich ſchon jahrelang kennt, gar nichts
Steifes, Zeremonielles iſt an ihm! Ich hab’ ihn auch
auf=
gefordert, Beſuch bei uns zu machen!
So sans facon, Konſtanze? Mißbilligend ſchüttelte
Lothar den Kopf.
Na, natürlich kommt er nicht gleich morgen ſchon
au=
getanzt Er wird wohl Mamas Aufforderung auch noch
ab=
warten Es kam aber ſo ſelbſtverſtändlich, daß ich das ſagte,
weil Kora und er mich bis hierher begleitet haben!
Wie heißt er? Von wo iſt er hergekommen?
Von den F Dragonern!
Und dann hierher zur Infanterie?
Nun ja, ſon bißchen Strafverſetzung ſcheint’s zu ſein.
Er machte gar kein Hehl daraus, erzählte es gleich.
Du vergißt ganz, zu ſagen, wie er heißt.
Ach ja, Baron Brücken.
Yvonnes Serviette fiel in dieſem Augenblicke zur Erde.
Sie bückte ſich danach, und das Blut ſchoß ihr ins Geſicht.
Lutz mit ihr in einer Stadt — und ſicher würden ſie ſich
bald begegenen. Konſtanze war ja Feuer und Flamme,
und lange würde es nicht dauern, dann ging er hier ein
und aus. Das war kein anderer Baron Brücken als ihr Lutz
— die Beſchreibung Konſtanzes paßte zu genau auf ihn.
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Januar 1912.
Nummer 18.
Nach beendeter Inventur
Ausverkauf
im Seidenhaus VOL-z, Ludwigstrasse 13
Serie I 4 Paar zusammen Mk. 1.00
Handschuhe
Serie II 3 Paar zusammen Mk. 1.50
Alle Handschuhe sind in guter Beschaffenheit und repräsentieren einen viel höheren Wert.
3 Paar Mk. 5.75
Glacéhandschuhe, Ziegenleder
Straussfedern und Blumen mit 20 Prozent Nachlass.
Straussfedern-Boas ganz bedeutend unter Preis.
Der billige Verkauf schwarzer und farbiger Kleiderseide, Blusenseide und viele neu hinzugefügter Artikel dauert fort.
(2261
Alle regulären Bar-Verkäufe über 2 Mark mit 10 Prozent Nachlass.
Alte Peize w. zu gr. Muſen u.
A mod. Toque bill. umgearbeitet
1451a) Ludmiganſ. 8, Vdh. III.
Konkurrenzlos
im Preis wie in der
Aus=
führung ſind die (758a
Kunſthaararbeiten
der Firma
Ernsrkonter
Verückenmacher und Damenfriſeur
Ernst-Ludwigstr. 22
Rein Laden. Tel. 1682. Enlreſol.
I. Hess. Versich. geg. Ungezteter
Ibel & Lotz, G. m. b. H.
Schuchardſtr. 14, p. Telephon 461.
Vertilgung von Ungeziefer jeder
Art, wie Wanzen, Käfer, Ratten,
Mäuſe uſw. billigſt unt. Garantie
und ſtrengſter Diskretion.
Für Hausbeſ., Hotels, Bäckereien,
Reſtaur. uſw. Verſicherung geg.
Ungeziefer beſond. zu empfehlen.
Aeußerſt geringe Jahresprämie.
Koſtenloſe Ausſprache an Ort und
Stelle. Poſtkarte genügt. (1198a
1 neue Scheibenbüchſe
mit Patronen u. Lederfutteral (Syſt.
Stiegele, München), 1 kettenloſes
Opelrad, faſt neu, billig zu verk.
2282oim) Schulſtr. 1, 1. Etage.
Muſikinſtrumente, wenn
Alte auch defekt, werden zum
höchſten Preis angek.; a.
Pfand=
ſcheine a. ſolche. Komme a. i. Haus.
(Diskr.) Heinheimerſtraße 25. (1264a
Feine Herrnwäſche z. W. u. B.
w. ang. Pankratiusſtr. 69, I.r. (*561iii
Geehrter Herr Apotheker!
Nächſt Gott danke ich Ihnen für
die gute Rino=Salbe, die ſich an meinen
Hünden, ſeit 4 Jahren naſſ, freiſende
Flechte, gut bewährt dat. ſ
Inden ich Ihnen nochmals melnen
herslichſten Dank entgegenbringe,
be=
grüße ich Sie
hochachtungsvoll
Wwe. H.
Bismark, 1./11. 1905.
Dieſe Rino=Salbe wird mit Erſolg
gegen Beinleiden, Flechten und
Haut=
ſeiden angewandt, iſt in Doſen z
Mr. 1.15 und Mk. 2. 25inden Wpolheten
vorrätig; aber nur echt in
Original=
vackung weiß=grün=rot und Firma
Schubert &. Co., Weinböhla=Dresden.
Fülſchungen weiſe man zurück.
Schiffsbericht.
Hamburg=Amerika=Linie.
Mitgeteilt von dem Vertreter Hrn.
Adolf Rady. Darmſtadt,
Zimmerſtraße 1.
Dampfer „Bulgaria”, von Boſton
u. Baltimore kommend, 18. Jan.
10 Uhr 20 Min. morgens auf der
Elbe.
Dampfer „Moltke‟, 18. Januar
7 Uhr 15 Minuten abends in
New=Vorkt.
Dampfer „Elbe”, heimkehrend,
17. Januar von Pto. Mexico.
Dampfer „Hohenſtaufen” von
Santos kommend, 17. Januar
8 Uhr abends von Bahia über
Teneriffa, Madeira und
Liſſa=
bon nach Hamburg.
Dampfer „Navarra”, nach dem La
Plata, 18. Januar 8 Uhr
mor=
gens in Oporto.
Grosse Posten modernster
Costümstoffe, uni und engl. Genres
Kleiderstoffe, schwarz, weiss und farbig
für Ball-, Gesellschafts-, Strassen- u. Hauskleider
Blusenstoffe, jeder Art
(2280od
Costüme, Mäntel etc.
Staunend billige Preise.
WERG
OEh
idie neue
ehrock, Frack u. Smoking=
An=
zuge zu verleihen u. zu verkauf.
93a)
Soderſtraße 14, 1. St.
fertige billig Hosen,
ür knaben Hlusen, Ausügs eie.
Aelt. Sachen werden mit verarb.
Schneiderin, Liebfrauenstr. 79. 1266a
Aufpol. v. Mob.
Spezlalität: uſw., ſowie alle
vorkomm. Schreinerarbeiten (1265a
Adolf Zeller, Schützenſtraße 8.
Schneiderin nimmt n. Kunden
an in u. außer dem Hauſe
Bleich=
ſtraße 46, Htb., 1. St. (*1298mfo
Geſ. ein ſtarker Reiſekoffer
Grafenſtraße 20, II. rechts. (*1620
Versammlungs-Lokal
geſucht. Offerte an S. Hübner,
Kaupſtraße 5, 1. Stock. (*1492so
Wir ſuchen für
auswärtige Familien
Familienhaus von 8—9 Zimmern
oder Wohnung, Zentralheizung
erwünſcht, jedoch nicht Bedingung,
bis zu 2500 Mk.; ferner 5— 6=Zim.=
Wohnung, Mietpr. 1100—1500 Mk.,
und 6—7=Zimmerwohn. für einen
penſ. Oberſtabsarzt im Preis von
300—1600 Mk. Offert. ſofort an
Darmstädter Hausbesitzer-Verein e. V..
Wilhelminenſtr. 19, 1. St. (2273
ſchöne
Gesucht 4= Zimmer=Wohn.,
neuzeitl. eingerichtet, m. Zubehör.
Nähe Moosberg= oder
Lands=
kronſtraße, evtl. Heidelbergerſtraße,
v. älterem Ehepaar. Adreſſe unt.
E52 an die Exped. (*1460fso
möblierte Zimmer per 1. Feb.
für ſtudierend. Ehepaar geſucht.
Offerten mit Preisangabe unter
C 44 andie Exped. (*1424fom
per ſofort in der Nähe
Geſucht des Bahnhofseineſchöne
3-Zimmerwohnung mit Gas
und mögl. mit Gartenbenutzung.
Gefl. Offerten mit Preis unter
C 94 an die Exped.
(*1606
nſuchtv. 1.März 2 Zim.=
Brautpaal Wohn. im Pr. v. 24 b.
26 Mk. Oſt= o. Martinsviertel bev.
Off. u. I. 100 hauptpoſtl. (*1596
Sliche 1 leres Zinmer mit
Ofen, nicht über 6 Mk. Offerten
unter C 96 an die Exped. (*1618oi
Beſucht wird Pension
für einen jünger. Gymnaſiaſt.
in geb. Fam. Offert. unt. C 38
an die Expedition ds. Bl. (2254oi
Gut, daß ſie es wußte! Der Gedanke an ihn ließ ſie
nicht erbeben, nun die erſte Ueberraſchung überwunden
war. Er war ihr ganz gleichgültig geworden. Und daß
er ihre verwandtſchaftlichen Beziehungen nicht verraten
würde, ſobald er ſie in dienender Stellung ſah, wußte ſie
ganz genau, — denn auch in ihm ſteckte der Laßbergſche
Familienſtolz.
Es dauerte wirklich nicht lange, und ſie traf mit ihm
zuſammen.
Nachdem Konſtanze eines nachmittages in ihrer
Be=
gleitung verſchiedene Beſorgungen gemacht hatte, ſuchten
die beiden jungen Mädchen das Café Scheibler auf, um
dort ein Stündchen zu verweilen. Sie nahmen an einem
Marmortiſchchen Platz, von wo aus ſie das Lokal
über=
fehen konnten.
Konſtanze beſtellte zwei Taſſen Schokolade und für
ſich noch ein Stück Torte; ſie war ein arges Leckermäulchen
und aß für ihr Leben gern gute Sachen. Es freute ſie,
daß man ihrem Tiſch Aufmerkſamkeit zollte, und, eitel wie
ſie war, bezog ſie das lediglich auf ſich.
Sie trug einen rieſengroßen, grünen Hut, reich mit
Federn garniert, und ein raffiniert gearbeitetes
dunkel=
grünes Koſtüm, deſſen lange Jacke ſie ſoeben auszog, ſodaß
eine elegante weiße Seidenbluſe mit auffallend dicker
Hals=
rüſche ſichtbar wurde. Sie legte die koſtbare Nerzboa über
die Schulter; den großen Muff hielt ſie auf dem Schoß.
Yvonne kam ſich neben ihr wie ein Aſchenbrödel vor,
und ſie ſah doch ſo unendlich liebreizend und vornehm in
ihrem ſchwarzen Promenadenkoſtüm aus.
Angeregt unterhielt ſich Konſtanze auf italieniſch mit
ihrer Geſellſchafterin, ſie nickte und grüßte nach allen
Sei=
ten, ſie war ja ſo bekannt in der Stadt!
Da betraten mehrere Offiziere das Café — und unter
ihnen befand ſich auch Lutz von Brücken. Die Herren
grüßten nach ihrem Tiſch; Lutz ſtutzte — jetzt hatte er
Yvonne erkannt; ſie hatte es ganz deutlich bemerkt. Er
ſteuerte direkt auf ihren Platz zu und ſchnell verſchanzte ſie
ſich hinter einem Journal. Er durfte ſie nicht anreden,
ehe er nicht mit Konſtanze geſprochen; ein vorſchnelles
Wort von ihm hätte ſie in eine unhaltbare Lage
gegen=
über den Damen gebracht — und jetzt würde ſie nur
un=
gern das Haus verlaſſen haben.
Lutz merkte wohl, daß Yvonne ihn nicht kennen wollte.
Was tat ſie hier? Deshalb wandte er ſich zuerſt an
Kon=
ſtanze. Mein gnädiges Fräulein, ich bin entzückt, Sie
zu ſehen! Hoffentlich iſt vorgeſtern die Strafpredigt ihrer
Frau Mutter gelinde ausgefallen! begrüßte er Fräulein von
Steinhagen. Lächelnd antwortete ſie.
Pardon, meine gnädigſte, Sie ſind in Begleitung
darf ich bitten, mich vorzuſtellen?
Herr Baron von Brücken — Mademoiſelle Legene,
meine Geſellſchafterin, ſtellte Konſtanze ein wenig
nach=
läſſig vor.
Ihm fiel faſt vor Schreck das Monocle aus dem Auge.
Seine Kouſine, ſeine geliebte Yvonne, in einer ſo
un=
würdigen Stellung? Hatte der Trotzkopf alſo ausgeführt,
was er geplant! Lutz hatte nur erfahren, daß Yvonne fort
aus Burgau ſei; wohin ſie ſich gewandt, wiſſe man nicht,
habe auch kein Intereſſe daran.
Jetzt ſah er ſie hier plötzlich wieder, — würde ſie öfters
ſehen. Daß ſie nicht erkannt ſein wollte, hatte er aus ihrem
Verhalten deutlich genug gemerkt, und es nahm ihm eine
Laſt von der Seele. Unter ſolchen Umſtänden wäre eine
Betonung der Verwandtſchaft nur mißlich.
Er ſprach noch einige liebenswürdige Worte zu Kon=
ſtanze, von der er ſich dann ergebenſt verabſchiedete, Ronne
wurde mit einer knappen Verneigung bedacht; dann ging er
mit ſeinem wiegenden leichten Gang davon.
Ja, das war ganz Lutz, wie ſie gedacht — im Herzen
mußte ihm fremd bleiben; eine Yvonne Legéne kannte er
nicht!
Sein Ausſehen war ihr ein wenig verändert erſchienen;
er trug jetzt den Bart ganz kurz, engliſch verſchnitten, und
der leichſinnige Zug in ſeinem Geſicht war ausgeprägter,
faſt frivol geworden.
Nicht eine Sekunde hatte ihr Herz höher geſchlagen,
als ſie ihn wiedergeſehen! Es erſchien ihr beinahe
un=
faßlich, daß ſie ihn einſt geliebt, daß ſie ſich an ihn
geklam=
mert als einen Retter aus ihrer Not. Faſt mitleidig mußte
ſie jetzt lächeln, als ſie ihn mit dem andern verglich, der
ihr Lebens heimliches Glück geworden war!
Lutz hatte Beſuch im Steinhagenſchen Hauſe gemacht
und verkehrte dort.
Lothar war wieder nach ſeinem Gute übergeſiedelt,
da ſich ſein Befinden bedeutend gebeſſert hatte.
Mutter und Tochter hatten aufgeatmet, als er ſie
verlaſſen; ſo waren ſie wieder Herr ihrer ſelbſt und
brauch=
ten keine Rückſichten zu nehmen. Die Empfangstage
wur=
den wieder regelmäßig innegehalten; Lutz nahm meiſtens
daran teil; doch es gelang ihm nie, mit Yvonne zu ſpre
chen, weil ſie ihm geſchickt auszuweichen verſtand.
Ihr ablehnendes Verhalten reizte ihn und es gab
ihm dennoch die Gewißheit, daß er ihr nicht gleichgültig
geworden war, daß ſie ſich gegen ihn wehrte — und er
hatte ja auch nie aufgehört, ſie zu lieben mit all dem
Guten, was noch in ihm war — trotz ſeines leichtſinnigen
Lebenswandels!
(Fortſetzung folgt.)
[ ← ][ ][ → ]Nummer 18.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Januar 1912.
Seite 15.
2220sod)
vom 22. und 25. Januar
eichstags-Stichwahlresuſtate
Mae
des,,Darmstädter Tagblatt‟
13t
udwio
teiegr. berichte der „Frankfurter Zeitung‟ Allschlag im
Darm- I. städter
Arfo
Grafenstrasse 12.
Unwiederruflich
nur heute und morgen
der ſo hervorragend und
wahrheitsgetreu geſpielte, mit
wundervollen Szenen
aus=
geſtattete
3-Akter-Kunstfilm
Ein Fehltritt
dramatiſche Szene aus dem
Hochgebirge Tirols
Die Hiagarafälle
wunderbar kolorierte
Auf=
nahme der größten
Waſſer=
fälle der Erde
Seine Majestät
das Kind
herrlich koloriertes Drama
Einlagen.
(*1594oi
Reichotdgswant.
Her ansu=Band
hat ſich bei der Hauptwahl im Wahlkreiſe Darmſtadt-Groß=Gerau den beiden
bürgerlichen Kandidaten gegenüber neutral verhalten müſſen. Jetzt gilt es.
D2 Ct
Schönheit, Friſche u.
Anziehungs=
kraft und hat ſich die
Zahnpaſta (Odontine)
von C. D. Wunderlich, Nürnberg
prä=
miiert, am meiſten Eing. verſchafft,
da ſie die Zähne glänz. weiß macht
und üblen Geruch entfernt, à 50 Pf.
und 60 Pf.
(V2275
A. Walchner Nachf.
vorm. E. Scharmann, Hoflieferant,
Ecke Eliſabethen= u. Luiſenſtraße.
Erfindungen
Gute Ideen
Neuheiten
zur Verwertung u. Ausbeutung
werden ev. höchſte Preiſe bezahlt.
Off. u. B. 5 an Rudolf Mosse,
Frankfurt a. M.
(2262Ml
Berlitz-Schoo
Grösstes Sprachinstitut
Wilhelminenstrasse 19, II.
Telephon 613.
Englisch
Damen-Zirkel
zweimal wöchentlich
nachmittags
für Konversation und Anfänger.
Spanisch
Privat- u. Klassenunterricht.
Probestunde gratis.
Bureauzeit 9—1 u. 3—8.
Kaäken
Sprach-Lehr-Institut
Herderstrasse 3.
Französisch-Englisch-Italienisch.
Nationale Lehrer. Eigene, schnell lördernde
(B2201
Methale.
Französisch
L. Vorgeschr.: Mont. u. Freit. 8½ U. abds.,
F. Anf.: Mittwochs u. Samstags 8½ U. abds.
Anmeldungen bis 1. Februar.
Direktion: Professeur I. Berryer.
ſucht Nachilfe=
Primaner ſtunden z. geben.
Off. u. C48 an die Exp. (*1439fso
Wer erteilt gründlichen
Unterricht in engl, franz.
Sprache und Mathematik. Off.
u. C 68 an die Exp. (*1512som
Sung, ſem. gebild. Lehrer gibt
Unterr. in all. Fächern,
Nach=
hilfe, Vorbereitung. Offerten unt.
(2235a
C. 87 an die Exped.
Für eine Privatſchule
in Nähe von Darmſtadt wird für
(2255
Oſtern eine
Lehrerin
mit Lehrberechtigung für höhere
Töchterſchule geſucht. Anfr. unter
D 92 an die Exp. ds. Bl.
A 35 an die Exped.
(1442a
in
tüme großer
Auswahl Stiftſtr. 89, p (2184a
Deu angetertigte Damen=
N Maskengarderobe, ſowie
Damen= u. Herren=Dominos zu
verleihen, Maßanfertigung, ev.
auch Maßanfertigung leihweiſe.
Große Auswahl! Billige Preiſe!
Mühlſtr. 40, I., Konfektion. (*1604ods
omino, Herren- u. Damen-Masken
P bill. zu verl., Damenfrisieren
2278a) Mauerſtr. 8, II., Riesinger.
Sportwagen, gut erh. u. mod.,
1 zu kaufen geſucht. Offert. unt.
(*1597
C 90 an die Exped.
üssen
Prennessel-
mit (usc
Birkenzusatz.
Von hervorrag.
Wirkung gegen
Haarausfall und
Schupp.-Bildung
Allein echt mit
Firma
Schlafzimmer
neu, hell eichen, prima Arbeit,
weit unter Preis. Eichen
Bücher=
ſchrank, Diplomat, feine moderne
Diwans, Ottomane, nußb.
Schreib=
tiſch, hochf. Vertiko, Trumeauſpieg.,
Flurgarderob., Kleiderſchr.,
Waſch=
kommoden, Spiegelſchr.,
Speiſe=
zimmer, Bettſtellen, Matratzen,
ein=
zelne Kredenz, mod. Küche. (*1610od
Eliſabethenſtr. 42, pt., rechts.
Gespieltes Piano
oder Tafelklavier zum Lernen
ge=
gen ſofortige Kaſſe geſucht. Off.
unter C 91 an die Exp. (*1599
Gg. Frz.
Frank
Tel. 886. — Elisabethenstr. 9.
Spezial-Geschäft für Damen,
Autoren
bietet vornehm. bekannter
Buch=
verlag f. belletr. u. wiſſenſchaftl.
Werke jeder Art vorteilhafte
Verlagsverbindung
Anfr. unt. A 20 an Haasenstein
& Voglar A. E Leinzig. (1166lf
bis inſt. 31. Jenuart
Orpheam
unbedingt zum Siege über den Sozialdemokraten zu verhelfen.
In der Stichwahl müſſen die liberalen Parteien durch einmutig
geſchloſſenes Vorgehen einen vollen Erfolg
ſerringen.
Die Mitglieder des Hanſa=Bundes, alle Gewerbetreibende
würden geradezu den Geſamtintereſſen unſeres deutſchen Wirtſchaftslebens,
ins=
beſondere den Intereſſen von Gewerbe, Handel und Induſtrie entgegenhandeln,
Pflege die Zähne!wenn ſie nicht am 22. Januar bis auf den letzten Mann
Ein angenehmer Mund erhält ihre Stimme
ſerſt durch weiße reinl. Zähne volle
eſct iut bunstelt us polechtle
0 Bs Lustige Bühne
4Heute 1 Montag, 22. Jan.
und folgende Tage:
„Meine — Deine=
In Vorbereitung: (2281
„Der gefährliche Alte.‟
Freie ul fererkaut uis belant.
Heute Montag:
Schlucht-
60.
urboso4
abgeben würden. Jeder Hanſa=Bündler fordere ſeine Freunde und Bekannten auf, das
Gleiche zu tun.
Wahlrecht wird jetzt mehr
als ie zu Wahlpflicht.
Die bürgerliche Sache muß unter allen Umſtänden
ſiegen!
(2211so
Die Bezirksgruvve Darmstadt
des Hansa-Bundes.
Maskenkoſtüime
zu kaufen geſucht. Offerten unter Kichard wagner Verem Darmstauf
Vormittags Wellfleiſch m. Kraut
Abends Schlachtplatte
wozu freundlichſt einladet (*1627
K. Egner
Hotel Stadt Friedberg.
Triekaelintenh
has been established. Ladies and
Gentlemen who wish to join are
invited to call to-night, Monday
22nd inst. at the club-rooms,
Darmstaedter-Hof at 8½ o’clockp. m.
Die Ordentliche Hauptversammlung
für das Jahr 1912 wird Montag, den 29. Januar 1912, abends
6¼ Uhr, im Grünen Zimmer des „Kaisersaals‟ (
Grafen-
strasse 18) mit folgender Tagesordnung stattfinden: 1. Verlesung
des Protokolls der vorjährigen Hauptversammlung.
Jahres=
bericht des Vorsitzenden. 3. Rechnungsablage und Entlastung
des Schatzmeisters. 4. Neuwahl des Vorstandes. 5. Beratung und
Beschlussfassung über die vorliegenden Anträge.
(2267
Der Vorstand.
Täglich frische
Mazzen
Bäckerei u. Conditorei
Mainzer (1302a
obere Bleichstr. 13. Tel. 1265.
Großherzogl. Hoftheater
Montag, 2 2. Januar.
97. Abonnem.=Vorſtellung. C 24.
Zu Leſſing’s Geburtstag:
Nathan der Weiſe.
Dramatiſches Gedicht in 5 Akten.
Spielleitung: Regiſſeur Hacker.
Perſonen:
Sultan Saladin . Hr. Heinz
Sittah, deſſen
Schweſter . . . Frl. Alſen
Nathan, ein reich.
Jude in Jeruſal. Hr. Lehrmann
Recha, deſſ. angen.
Tochter
. Frl. Uttmann
Daja, e. Chriſtin,
Geſellſchafterind.
Fr. Rudolph
Recha
Ein junger Tem=
. Hr. Weſtermann
pelherr:
Ein Derwiſch . . Hr. Knispel
Der Patriarch v.
. Hr. Riechmann
Jeruſalem.
Ein Kloſterbruder Hr. Wagner
Ein Diener Sala=
. Hr. Sautier
dins.
Mönche. Miniſtranten. Sklaven.
Szene: Jeruſalem.
Nach dem 3. Akte längere Pauſe.
Preiſe der Plätze (Kl. Pr.):
Proſzeniumsloge 5 Mk.,
Fremden=
loge 5 Mk., Balkonloge 4.50 Mk.,
1. Rang 4 Mk., 2. Rang (1. bis 6.
Reihe) 2 Mk., (7. und 8. Reihe)
1.60 Mk., Sperrſitz (1. bis 13. Reihe)
3.50 Mk., (14. bis 20. Reihe 3 Mk.,
Parterre (1. bis 5. Reihe) 2.20 Mk.,
(6. bis 8. Reihe) 1.80 Mk., 1. Galerie
1 Mk., 2. Galerie 50 Pfg.
Anf. 7 Uhr. Ende gegen 10½ Uhr.
Kartenverk. v. 11—1 u. v. 6 Uhr an.
Vorverkauf
von 11—1 Uhr f. d. Vorſtellungen:
Dienstag, 23. Jan. 98. Ab.=V.
D 24. „Der fliegende
Hol=
länder.” Gr. Pr. Anf. 7 Uhr
Mittwoch, 24. Jan. Außer Ab
Volks=Vorſtellung zu ermäßigten
Preiſen: „Glaube und
Hei-
mat.” Anfang 7½ Uhr. (Verg!
beſondere Anzeige.)
Donnerstag, 25. Jan. 99. Ab.=V.
A 26. Zum erſten Male: „Gu
drun.‟ Ein Trauerſpiel in fünf
Akten von Ernſt Hardt. Groß=
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 22. Januar 1912.
Nummer 18.
Die schnellsten Maschinenschreiber der Welt
benutzen die
„Original-Underwood-Schreibmaschine‟
Der im Jahre 1906 von den Firmen Columbia Typewriter Mfg. Co., A. B. Dick & Co.,
Elliott-Fisher Co., Fox Typewriter Co., Hammond-Typewriter Co., Kee-Lox Mig. Co., Mittag &
Volger, Monarch Typewriter Co., Secor Typewriter Co., Smith Premier Typewriter Co., E. C. Stearns
Typewriter Co. und der Underwood Typewriter Co. als Wanderpreis gestiftete
silberne Weltmeisterschafts-Pokal
wurde seit dem Jahre 1906
alljährlich ausschliesslich von Underwood-Schreibern
gewonnen.
Viele Grand Prix
Elliot-
Höchste Auszeichnungen
Cresson-Medaille
Jedes Jahr ging in jedem Schreiben die „UNDERWOOD‟ als siegende Maschine hervor, wobei jeweils
die bestehenden Rekords verbessert wurden:
Maschine
Netto Wörter pro Min.
Sieger
Weltmeisterschafts-Wettschreiben
Underwood
82
1. Nov. 1906
Rose L. Fritz
Underwood
37
17. Okt. 1907
Rose L. Fritz
Underwood
87
22. Okt. 1908
Rose L. Fritz
Underwood
95
30. Sept. 1909
Rose L. Fritz
Underwood
27. Okt. 1910
109
H. O. Blaisdell
Underwood
112
26. Okt. 1911
H. O. Blaisdell
10,2 Anschläge pro Sekunde; 99,814% fehlerlose Anschläge.
Wenn auch der siegende Schreiber gewechselt hat, so ist doch die siegende Maschine stets die „UNDERWoob‟.
Sämtliche massgebenden Rekords an den internationalen Wettschreiben in New-Vork und London 1910 und 1911
wurden nur auf der „UNDERWOOD‟ erzielt.
Weltmeisterschaft für Berufsschreiber,
Weltmeisterschaft für Amateurschreiber,
Weltmeisterschaft für I Minuten-Leistung,
Internationale Meisterschaft für Schüler,
Internationale Meisterschaft für Schreibmaschinen in Verbindung mit Diktiermaschinen.
Ausserdem gewannen „Underwood‟- Schreiber:
die Weltmeisterschaft für Amerika,
die englische Meisterschaft,
die kanadische Meisterschaft,
die italienische Meisterschaft,
die belgische Meisterschaft
neben vielen anderen bedeutenden Siegen,
Der amerikanische Remington-Schnellschreiber E. Wiese hat am
Amateur-Meisterschaftsschreiben in New-Vork im Jahre 1908 nur den
3. Platz, 1909 nur den 5. Platz, 1910 wieder nur den 5. Platz belegt,
während sämtliche ersten Preise an Underwood-
Schnell-
schreiber verteilt wurden.
Alleinvertretung der „Original-Underwood‟-Schreibmaschine
Flolleferant Fenttell Eibert, Darmstadt
Gesellschaft mit beschränkter Haftung.
Spezialgeschäft für zeitgemässen Büro-Bedarf.
(2266