Abonnementspreis
Inſerate
175. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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werden angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwirdnichtübernommen. Bänſtriertts Anterhattangbblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.
Das Neueſte vom Tage.
Der Hanſabund, Bezirksgruppe
Darm=
ſtadt, hat beſchloſſen, bezüglich der Kandidaturen Dr.
Oſann und Dr. Strecker im Wahlkreiſe
Darm=
ſtadt=Großgerau für die Hauptwahl
Neutra=
lität zu bewahren.
Die franzöſiſch=ſpaniſchen
Marokkover=
handlungen ſind nach einer Mitteilung des Matin
gegenwärtig in eine kritiſche Phaſe getreten.
In der türkiſchen Kammer iſt wegen der
Ab=
änderung des § 35 der Verfaſſung ein neuer Konflikt
mit der Regierung entſtanden.
Präſident Taft erklärte, daß er nicht die Abſicht
habe, ſich von dem Wettbewerb um die
Präſident=
ſchaft zu Gunſten Rooſevelts zurückzuziehen.
Sunyatſen iſt nach einer Meldung aus London in
der republikaniſchen Hauptſtadt Shanghai eingezogen
und hat die Präſidentſchaft der proviſoriſchen
Regie=
rung übernommen und ein neues proviſoriſches
Kabi=
nett gebildet.
Ein Bild des neuen Reichstags.
* Es iſt ein mißlich Ding, ſich über den Ausgang
eines Wahlkampfes in Prophezeiungen zu
er=
gehen, und gerade die Wahl vom Jahre 1907 hat gezeigt,
wie die ſchönſten Berechnungen durch das tatſächliche
Er=
gebnis ſo leicht umgeſtürzt werden können, war doch der
Wahlkampf in erſter Linie gegen das Zentrum gerichtet,
das in alter Stärke wiederkam, während die Mehrheit
von 1906 nur durch die Niederlage der Sozialdemokratie
zertrümmert wurde. Trotzdem man alſo den Wert der
Wahlprophezeiungen bezweifeln muß, iſt doch ein
Auf=
ſatz beachtenswert, den Robert Kauffmann in der
„Deutſchen Revue‟ (Deutſche Verlagsanſtalt, Leipzig)
ſoeben veröffentlicht. Der bisherige Verlauf des
Wahl=
kampfes gibt dem Verfaſſer in vielen Punkten leider
recht. Ein Auszug aus ſeiner Veröffentlichung dürfte
deshalb wohl überall Intereſſe finden. Dr. Kauffmann
ſchreibt:
So viel erſcheint mir gewiß, daß die kommenden
Wahlen in einem bisher noch nicht geſehenen Maße von
unzufriedenen Wählern gemacht werden. Die
einen ſtoßen ſich an der Finanzreform des Jahres 1908,
an dem, was ſie gebracht und was ſie unterlaſſen hat;
die anderen grämt der Gang unſerer auswärtigen
Poli=
tik; ſehr viele ſind auch über die allgemeine Teuerung der
Lebenshaltung verſtimmt, die, von langer Hand
ange=
bahnt, gerade in den letzten Monaten ſich immer
deut=
licher fühlbar gemacht hat. Die Verſtimmung geht weit
über die Kreiſe hinaus, die man ſonſt auf ſeiten der
Oppo=
ſition zu finden gewohnt war, und wird daher auch nicht
ganz die Konſequenzen nach ſich ziehen, die man früher
in einer ſolchen Lage zu erwarten hatte.
Den größten Vorteil wird die
Sozialdemokra=
tie haben, um ſo mehr, als ſie vor allem den großen
Man=
datsverluſt des Jahres 1907 wieder hereinzuholen hat.
Eine große Anzahl ſtädtiſcher Wahlkreiſe, die ihr
da=
mals verloren gegangen ſind, wird ſie wiedererobern;
wie weit ſie allerdings der von ihr zu erwartende
Zu=
wachs an Stimmen über die 1903 erreichte Zahl von 80
Mandaten hinaustragen wird, iſt jetzt noch nicht zu
über=
ſehen, da dies im weſentlichſten von der Stichwahltaktik
der anderen Parteien abhängen wird.
Ebenſo ſicher wie die Sozialdemokratie mit einem
Gewinn, haben die konſervativen Parteien mit
Verluſten zu rechnen. Eine Anzahl der 1907 neu
erober=
ten Sitze wird ihnen verlorengehen; und auch ihre
Stamm=
burgen im Oſten des Reiches ſehen ſie infolge des
nach=
haltig betriebenen Anſturmes der liberalen Parteien
er=
heblich bedroht. Wohl können ſie, anders als vor fünf
Jahren, durchweg auf die Unterſtützung des Zentrums
rechnen; allein die Freundſchaft, aus der die Hilfe
ent=
ſpringt, wird ſie vorausſichtlich in mindeſtens demſelben
Maße Sympathien und Stimmen koſten, und ſo wird es
nicht zu kühn ſein, vorauszuſagen, daß der Stand von
rund 90 Mandaten, den ihnen die Wahl von 1903 brachte,
wahrſcheinlich nicht erreicht, möglicherweiſe nicht
unmerk=
lich unterſchritten werden wird.
Die Wahlausſichten des Zentrums ſind ſchwerer
vorauszuſehen. An Stimmenzahl wird es, wenn
über=
haupt, ſo längſt nicht in dem Tempo zunehmen, wie 1907,
da ihm die Politik, die es in den letzten Jahren gemacht
hat, von einem, wie ſich in Düſſeldorf und Konſtanz
ge=
zeigt hat, recht großen Teil ſeiner Wählerſchaft ſehr
übel=
genommen wird. Ob es im Süden und Weſten
gegen=
üher dem intenſiven Anſturm der Linken ſeine Mandate
alle halten kann, iſt mehr als zweifelhaft; eine Einbuße
von zehn, vielleicht auch noch mehr Mandaten wird es
mit großer Wahrſcheinlichkeit zu gewärtigen haben. Einige
dieſer Mandate werden dabei jedenfalls an ſeine
polni=
ſchen Freunde fallen.
Der Liberalismus hat nach mancherlei
Wirr=
ſalen endlich faſt überall im Reiche eine wahltaktiſche
Einigung gefunden; liberale Gegenkandidaten beſtehen
nur vereinzelt und dürften nirgends den Sieg eines
Nicht=
liberalen herbeiführen. Der Linksliberalismus wird von
ſeiner Tätigkeit während und nach der Blockperiode
vor=
ausſichtlich reiche Früchte ernten; und noch mehr wird dies
von der nationalliberalen Partei gelten, deren Haltung
in allen wichtigen Fragen der letzten Jahre von der
Zu=
ſtimmung der hinter ihr ſtehenden Volksteile getragen
war. Es iſt daher ſehr wohl möglich, daß die beiden
libe=
ralen Parteien zuſammen an Stimmenzahl der
Sozial=
demokratie gleichkommen; ob aber dem ein entſprechender
Mandatsgewinn folgen wiro, kann nicht mit
Be=
ſtimmtheit geſagt werden. Mehr wie bei jeder anderen
politiſchen Gruppe iſt die Anhängerſchaft des
Liberalis=
mus ziemlich gleichmäßig über das ganze Reich hinweg
verteilt und tritt daher nirgends in den geſchloſſenen
Maſſen auf, die den anderen Parteien ihre ſicheren
Wahl=
kreiſe verſchaffen. Der Liberalismus muß ſich vielmehr
die Ueberzahl ſeiner Mandate erſt in der Stichwahl
holen, und das bringt in jede Vorausberechnung ein
ſtar=
tes Element der Unſicherheit, einer von den vielen, wenn
auch bei weitem nicht der ſchlimmſte Nachteil, den unſer
unerfreuliches Syſtem der Stichwahlen mit ſich bringt.
So viel wird man immerhin ſagen können, daß die
libe=
ralen Parteien ſich von ihrer heutigen Zahl nicht ſehr
er=
heblich und weit eher nach oben als nach unten entfernen
werden.
Nach alledem ſind ſehr große zahlenmäßige
Verän=
derungen in der Zuſammenſetzung des neuen Reichstags
nicht zu erwarten; ein Erdrutſch nach engliſchem oder
amerikaniſchem Muſter kennt unſer deutſches politiſches
Leben ſeit langem nicht mehr. Aber es iſt zu beachten,
daß bei dem fein ausbalanzierten Syſtem unſerer
politi=
ſchen Parteien ſchon verhältnismäßig kleine
Veränderun=
gen genügen, um die Situation im Reichstag gründlich
zu verändern. Der Verfaſſer geht dann über zu einer
Betrachtung der vorausſichtlich zu erwartendem
Mehr=
heitsbildungen. Er ſchreibt:
Eine einfache Wiederkehr der bisherigen
konſer=
vativ=klerikalen Mehrheit iſt ſo gut wie
aus=
geſchloſſen; ſie wäre nur möglich, wenn dieſe Parteien
zuſammen weniger als 20 Mandate verlieren würden,
und das iſt nicht anzunehmen. Nicht viel wahrſcheinlicher
dürfte die von manchen Seiten gefürchtete Mehrheit aus
Zentrum einerſeits und Sozialdemokratie andererſeits
ſein; dazu würden beide je über 100 Mandate benötigen,
und daran können ſie nicht denken. Wohl aber haben
dieſe beiden Kombinationen die Möglichkeit, ſich durch
Heranziehung der Polen zu einer zahlenmäßig mehr wie
genügenden Majorität zu ergänzen. Was es in dieſen
ſchweren Zeiten bedeuten würde, wenn im deutſchen
Reichstag eine Mehrheit aus Zentrum,
So=
zialdemokraten und Polen das Regiment hätte,
braucht nicht weiter ausgeführt zu werden. Daß ſich dem
gegenüber die Regierung auf eine Wiederholung des alten
Bülow=Blocks ſtützen könnte, erſcheint, wenn man die
Möglichkeit dieſes „ſchwarzroten Blocks” zuläßt,
ausge=
ſchloſſen und hängt im übrigen davon ab, wie ſich die
Kräfteverteilung zwiſchen Liberalen und Konſervativen
verſchiebt.
Oder von einer anderen Seite aus betrachtet: dafür,
wie das Bild des neuen Reichstags ſich geſtalten wird,
iſt in erſter Linie die Entſcheidung über die Frage
maß=
gebend, wie ſich die Beute aus den Verluſten der
rechtsſtehenden Parteien zwiſchen den Liberalen und
den Sozialiſten verteilen wird und wieviel von den
Ver=
luſten der Rechtsparteien die Konſervativen, wieviel die
Klerikalen zu tragen haben werden. Es wäre da bei einer
Einbuße der Rechten von etwa 50 Mandaten ein Ausgang
denkbar, der Gewinn und Verluſt je halbieren würde; das
würde dazu führen, daß keine bürgerliche Majorität ohne
die Liberalen zuſammenkommen könnte, während
einer=
ſeits ein ſchwarzroter Block auch unter Zuziehung der
Polen nicht die Mehrheit hätte, andererſeits aber die
Li=
beralen eine Majorität auch mit den Sozialdemokraten
bilden könnten. Es kann hier nicht im einzelnen
ausge=
führt werden, welche Schritte nötig wären, um eine ſolche
Konſtellation herbeizuführen; doch das möchte ich
beto=
nen, daß dieſelbe. indem ſie dem Liberalismus die Wahl
läßt, eine Majorität nach rechts oder links zu bilden, in
den heutigen Zeitläuften und bei den Aufgaben, die dem
neuen Reichstag bevorſtehen, nicht nur vom liberalen
Parteiſtandpunkt ungemein wünſchenswert, ſondern auch
ganz beſonders geeignet wäre, dieſen Aufgaben eine
all=
gemein befriedigende Löſung zu ſichern.
Alte und neue Republiken.
*⁎* Die Hoffnung der Mandſchu=Dynaſtie, ſich im
Reiche der Mitte am Ruder erhalten zu können, ſcheint
ſich nicht erfüllen zu wollen, und nach der kürzlich erfolg=
ten Proklamierung Dr. Sunjatſens zum Präſidenten der
Republik China muß man damit rechnen, daß die
Mon=
archie in demjenigen Lande, wo ſie ununterbrochen am
längſten beſtanden hat, endgültig beſeitigt worden iſt.
Da=
mit hat die republikaniſche Staatsform zum erſten Male
auf aſiatiſchem Boden feſten Fuß gefaßt, nachdem ſie im
vorigen Jahrhundert ſich nahezu ganz Amerika erworben
und im laufenden Säkulum auch in Europa Zuwachs
er=
halten hatte.
Die älteſten jetzt noch beſtehenden Republiken ſind die
kleinen Staaten San Marino und Andorra. Auch unſere
drei Hanſeſtädte haben ſchon ſeit Jahrhunderten die
repu=
blikaniſche Staatsform, ebenſo die Schweiz. Gegen Ende
des 18. Jahrhunderts errangen die Vereinigten Staaten
von Amerika die Unabhängigkeit und konſtitutierten ſich
als Republiken; zu derſelben Zeit etwa ward in
Frank=
reich zum erſten Male die Republik eingeführt. Der
größte Teil von Lateiniſch=Amerika machte ſich bald
dar=
auf ſelbſtändig, und es wurde eine ganze Reihe von
Re=
publiken gebildet, denen im Laufe des vorigen
Jahrhun=
derts noch weitere folgten — zuletzt in den achtziger
Jah=
ren Braſilien, nachdem das dort unter der Dynaſtie
Bra=
ganza begründete Kaiſertum geſtürzt worden war. Mitte
vorigen Jahrhunderts wurde auch die Republik Liberia,
das einzige republikaniſche Staatsweſen, das ſeit der
Einverleibung der Burenſtaaten durch England in Afrika
noch beſteht, etabliert.
Im laufenden Jahrhundert ſind an neuen
Republi=
ken errichtet worden: Kuba im Jahre 1902, ein Jahr
ſpäter Panama und im Oktober 1910 Portugal. Nach der
Lostrennung Norwegens von Schweden fiel die
Entſchei=
dung über die Frage, ob Norwegen monarchiſche oder
republikaniſche Staatsform annehmen ſolle, zu Gunſten
der Monarchie aus. Man kann wirklich geſpannt ſein,
wie in China das Experiment mit der Republik
ausfal=
len wird; auch wenn es glücken ſollte, wird es dem Reiche
der Mitte an Stürmen aller Art in nächſter Zeit nicht
fehlen.
Die franzöſiſch=ſpaniſchen Verhandlungen.
* Eine anſcheinend offiziöſe Note des Matin beſtätigt,
daß die franzöſiſch=ſpaniſchen Verhandlungen
gegenwär=
tig eine kritiſche Phaſe durchmachen. Die Aeußerungen
einiger Redner in der Debatte über das franzöſiſch=
deut=
ſche Abkommen hätten in Madrid vielleicht den Glauben
erweckt, daß dieſe Verhandlungen franzöſiſcherſeits mit
einer gewiſſen Schlappheit geführt worden ſeien, obgleich
die franzöſiſche Regierung betont habe, daß die
Freund=
ſchaft für Spanien der Feſtigkeit ihres Standpunktes in
keiner Weiſe Eintracht tun könne. Hoffentlich werde
Spanien einſehen, daß Frankreich ſich nicht in
Verhand=
lungen einlaſſen kann, bei denen einige ſeiner wichtigſten
Intereſſen und Anſprüche geopfert würden. Zweifellos
würde ſich in Madrid der Einfluß der mit Frankreich und
Spanien befreundeten Großmächte betätigen, um eine
Ver=
ſtändigung herbeizuführen. Dasſelbe Blatt erörtert in einer
aus London datierten Meldung, daß die Langſamkeit der
zu Dritt geführten Madrider Verhandlungen in den
fran=
zoſenfreundlichen diplomatiſchen Kreiſen peinliches
Be=
fremden errege. Man finde es unbegreiflich, daß
Eng=
land ſeinen allmächtigen Einfluß nicht geltend mache, um
die Madrider Regierung zu einer vernünftigen und
ge=
rechten Auffaſſung zu bewegen. England müſſe doch
ein=
ſehen, daß Frankreich die unnachgiebige Haltung
Spa=
niens unmöglich zulaſſen könne.
Die ſpaniſche Correſpondenza Militare ſchreibt: Man
glaubt in ſpaniſchen diplomatiſchen Kreiſen, daß die
ſpa=
niſch=franzöſiſchen Verhandlungen im Monat Februar
be=
endet ſein werden. Bei den Verhandlungen ſprechen der
Botſchafter Geoffray franzöſiſch und der Miniſter Pietro
ſpaniſch. Ihre Unterhandlungen können deswegen keine
ſehr breite Grundlage für die Löſung der ſtrittigen Punkte
bieten und ſo ziemlich alle in Verhandlung ſtehenden
Punkte ſind ſtrittig.
Deutſches Reich.
— Die Kommiſſion zur Beratung des
neuen Strafgeſetzbuches wird in den nächſten
Tagen ihre Arbeit wieder aufnehmen. Bekanntlich hat
die Kommiſſion bisher den allgemeinen Teil der Straf=
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 5. Januar 1912.
Nummer 4.
rechtsreform in 81 Sitzungen durchberaten. Es ſoll die
Hoffnung beſtehen, auch den beſonderen Teil bis Oſtern
fertigzuſtellen.
— Verminderung der Schutztruppe. Wie
aus den bisher veröffentlichten Zahlen des neuen
Kolo=
nialetats hervorgeht, ſoll die Schutztruppe für
Südweſt=
afrika um 10 v. H. vermindert werden. Die
Kolonialver=
waltung ſteht auf dem Standpunkt, daß ſie mit der
Ver=
minderung der Schutztruppe um 10 v. H. ihr Verſprechen
eingelöſt hat und die Stärke der Schutztruppe nicht weiter
herabſetzen kann, wenn der militäriſche Schutz der Kolonie
nicht erheblich darunter leiden ſoll. Es iſt beabſichtigt,
die Schutztruppe um eine ganze Kompagnie zu
vermin=
dern und auch die drei Maſchinengewehrzüge aufzulöſen.
Eine weitere Verminderung der Schutztruppe iſt für
län=
gere Zeit ausgeſchloſſen. Selbſt bei der Annahme der
neuen Wehrordnung für Südweſtafrika, die bekanntlich
eine weiße Miliz ſchaffen will, kann eine weitere
Vermin=
derung der Schutztruppe nicht in Frage kommen. Es iſt
feſtgeſtellt worden, daß im Falle eines Aufſtandes in
Süd=
weſtafrika 2800 Zivilperſonen eingezogen werden können.
Von dieſer Zahl ſind aber mindeſtens 50 v. H. in Abzug zu
bringen, da es ausgeſchloſſen ſein wird, die Farmen
voll=
ſtändig zu entblößen. Man kann im Fall eines
Aufſtan=
des alſo nur mit den Mannſchaften rechnen, die in der
Nähe der gräßeren Garniſonen oder in der Nähe der
Eiſenbahn ſich angeſiedelt haben. Die beabſichtigte
Ver=
minderung der Schutztruppe dürfte alſo als die letzte zu
betrachten ſein.
— Wähler=Schiebungen. Aus Leipzig kommt
die Klage, daß die ſozialdemokratiſche Partei in dieſem
Jahre die Abkommandierung von Wählern aus dem ihr
völlig ſicheren Wahlkreiſe Leipzig=Land in den weniger
ſicheren Stadtkreis in weit ſtärkerem Maße betreibt, als
bei früheren Wahlen. Bei manchen Umgezogenen ſei
feſtgeſtellt, daß es ſich nur um Scheinmeldungen handele.
Es wurden Strafmandate über je 50 Mark erlaſſen. Aus
Saarbrücken wird berichtet, daß aus dem völlig ſicheren
Wahlkreiſe des Herrn Rören (Saarlouis) insgeſamt etwa
3500 Zentrumswähler in den Wahlkreis Baſſermanns
abkommandiert worden ſeien. Es handelt ſich um
Berg=
leute, die im Kreiſe Saarbrücken arbeiten, im Kreiſe
Saarlouis aber wohnen und nach vorheriger Anzeige
an ihrem Wohnorte in der Wählerliſte gelöſcht wurden,
um am Orte ihrer Beſchäftigung zu wählen.
— Konferenz der
Eiſenbahnpräſiden=
ten. Am 5. Januar treten auf Einladung und unter
Vorſitz des preußiſchen Miniſters der öffentlichen
Arbei=
ten die Präſidenten der 21 Direktionen der preußiſch=
heſ=
ſiſchen Staatseiſenbahnen, des Eiſenbahnzentralamtes
und der Generaldirektion der Eiſenbahnen in Elſaß=
Lothringen zu einer gemeinſamen Beſprechung wichtiger
Fragen der Wirtſchaftsführung, der Organiſation des
Betriebes und des Verkehrs, ſowie zum Austauſch ihrer
in der Praxis gewonnenen Erfahrungen im Miniſterium
der öffentlichen Arbeiten zuſammen.
— Die evangeliſchen Arbeitervereine
und die Reichstagswahl. Der geſchäftsführende
Ausſchuß des Geſamtverbandes der Evangeliſchen
Arbei=
tervereine Deutſchlands erläßt zur Reichstagswahl den
nachſtehenden Aufruf: „Unſere Kameraden bitten wir,
bei der bevorſtehenden Reichstagswahl ihre Pflicht in
altbewährter Weiſe zu tun. Wir ſind parteipolitiſch
neu=
tral, ſofern es ſich um die aus Evangeliſchen in der
Hauptſache zuſammengeſetzten Parteien handelt, die au
dem Boden der heutigen Staats= und Geſellſchaftsord=
nung ſtehen. Wir verlangen von den Kandidaten, die
wir wählen ſollen, daß ſie evangeliſches Chriſtentum,
Treue zu Kaiſer und Reich und den Fortſchritt der
ſozia=
len Reform hochhalten und vertreten. Unſer Gegner iſt
die Sozialdemokratie mit ihrem unerhörten Terrorismus.
Darum auf mit Gott für Kaiſer und Reich.”
Ausland.
Italien.
Die Finanzen. Tribuna hebt hervor, daß die
Haupteinnahmen der erſten 6 Monate des Etatsjahres
1911/12 gegenüber dem gleichen Zeitraum des vorigen
Etatsjahres eine Zunahme von 30625000 Lire
aufwei=
ſen, und bemerkt dazu, die italieniſchen Finanzen ſeien
allen Ereigniſſen in wunderbarer Weiſe gewachſen, ſelbſt
einem Kriege, der die ruhige Entwickelung des
wirtſchaft=
lichen Lebens nicht hindere.
Frankreich.
Die Fremdenlegion. Eine Note der Agence
Havas dementiert offiziös, daß für die Fremdenlegion in
Deutſchland oder anderswo Anwerbungen gemacht
wür=
den, und daß den Angeworbenen oder den Agenten eine
Prämie bezahlt würde. Die Zahl der Anwärter
über=
ſteige übrigens den Bedarf bei weitem. Die
Rekrutie=
rungsbureaus wieſen einen ſtarken Prozentſatz der ſich
freiwillig Siellenden zurück, ſelbſt von ſolchen, die alle
Bedingungen der körperlichen Tauglichkeit erfüllten.
England.
Das Parlament tritt am 14. Februar
zuſam=
men. Man erwartet, daß die Adreßdebatte
minde=
ſtens 14 Tage in Anſpruch nehmen wird.
Beziehungen Englands zu
Deutſch=
land. Der Daily Telegraph begrüßt die
ge=
meldeten Aeußerungen der engliſchen Miniſter über die
Beziehungen Englands zu Deutſchland und fährt dann
fort: Wenn wir nicht ſehr irren, beſteht der wirkliche und
echte Wunſch, daß bald eine Gelegenheit kommen möge,
wo unſer Auswärtiges Amt nicht nur mit Worten,
ſon=
dern auch durch die Tat beſtätigen kann, daß die
Aeuße=
rungen ebenſo wie die Rede Greys vom 27. November
keine ſalbungsvollen Phraſen ſind, ſondern der Meinung
und Abſicht der Regierung entſprechen. Das Blatt
erin=
nert an die Ausführungen Greys, daß es für England
eine weiſe Politik ſei, ſich möglichſt wenig weiter
auszu=
dehnen, namentlich in Afrika, und daß, wenn Deutſchland
mit anderen Ländern in freundſchaftliche Vereinbarungen
über Afrika eintreten wolle, England ihm nicht im Wege
ſtehen werde. Das Blatt ſchreibt weiter: Dies waren
wohlüberlegte Erklärungen, aber in der Spannung des
Augenblicks haben ſie kaum die verdiente Aufmerkſamkeit
erhalten, weder in England noch in Deutſchland. Wir
er=
innern jetzt daran, weil wir glauben, daß ſie wichtiger
ſind als liebenswürdige Gemeinplätze über den guten
Willen und die gegenſeitige Achtung, und daß ſie den
Tatſachen abſolut entſprechen.
Belgien.
Bekämpfung des ausländiſchen
Wett=
bewerbs in der Induſtrie. In Brüſſel findet eine
Verſammlung der führenden Mitglieder des Verbandes
zur Verteidigung der Induſtrie Belgiens ſtatt, um
Maß=
regeln zur Bekämpfung des ausländiſchen Wettbewerbs
zu beſchließen. Der belgiſche Eiſenbahnminiſter hat
ange=
ordnet, im Staatsdienſte patentierte Apparate des
Aus=
landes möglichſt zu vermeiden und durch inländiſche
Ein=
richtungen zu erſetzen.
Portugal.
„Strenge Diſziplin”. In der Kammer wurde
ein Antrag eingebracht, die Regierung aufzufordern, alle
Staatsbeamten zu entlaſſen, die am Neujahrstage an
einer Kundgebung zu Ehren des Patriarchen von
Liſſa=
bon teilgenommen hatten. Der Miniſterpräſident erklärte,
er habe bereits die Schritte erwogen, die aus Anlaß
die=
ſer Kundgebung zu tun ſeien, und er habe eine
Unter=
redung mit dem Kriegsminiſter gehabt über die Art und
Weiſe, wie in allen Geſellſchaftskreiſen ſtrenge Diſziplin
aufrecht zu erhalten iſt. Der Patriarch von Liſſabon hat
ſich nach einer feierlichen Meſſe in die von der Regierung
über ihn verhängte Verbannung begeben. Er ſoll, wie
auch die beiden andern betroffenen Prälaten, zwei Jahre
außerhalb ſeines Sprengels weilen und nimmt
Aufent=
halt in Gouveia. Der Patriarch, zwei Erzbiſchöfe und
ſechs Biſchöfe haben in einer Eingabe an den
Präſiden=
ten der Republik dargelegt, daß ſie keine Einmiſchung der
Regierung in die kirchlichen Angelegenheiten dulden
könnten. Obwohl ſie der neuen Ordnung nicht feindlich
ſeien, warnten ſie die Regierung vor der Gejahr, die in der
Aufreizung der Katholiken gegen die Republit liege und
eine Spaltung in der portugieſiſchen Nation hervorrufen
müſſe.
Griechenland.
Die Kammer beendete, wie ſchon gemeldet, am
Mittwoch nach einer langen Nachtſitzung die Arbeiten
mit größter Beſchleunigung, um die Freilaſſung der
kre=
tiſchen Deputierten, die auf den Kreuzern der
Schutz=
nächte feſtgehalten werden, zu ermöglichen. Sie nahm
das Budget und den Geſetzentwurf betr. die Organiſation
des Heeres gemäß dem Vorſchlage der franzöſiſchen
Mi=
litärmiſſion an, wodurch die Effektivſtärke des
Landhee=
res auf 130000 Mann feſtgeſetzt wird und bewilligte 46
Millionen zur Verſtärkung der Flotte und zahlreiche
an=
dere Kredite für öffentliche Arbeiten.
* Die Bekämpfung des Schmutzes in
Wort und Bild. Seit mehreren Monaten beſteht
be=
kanntlich beim Polizeipräſidium in Berlin eine „Zentral=
Polizeiſtelle zur Bekämpfung unzüchtiger Vilder und
Schriften” Ueber ihre Aufgaben hat nun der preußiſche
Juſtizminiſter eine allgemeine Verfügung, betreffend die
„Bekämpfung des Handels mit unzüchtigen Schriften,
Abbildungen und Darſtellungen” erlaſſen, der ein langer
„Organiſationsplan” beigegeben iſt. Die Zentralſtelle
beobachtet: die Herſtellung, den Vertrieb, das Feilbieten
und Vorrätighalten unzüchtiger, dem Geſetz über die
Preſſe unterliegender Erzeugniſſe einſchließlich der
kine=
matographiſchen Films im Gebiete des Deutſchen
Reiches, den Handel mit unzüchtigen ſigürlichen
Darſtel=
lungen, die Ein= und Ausfuhr dieſer Gegenſtände über
die Zollarenze. Dieſe Beobachtung erfolgt durch
regel=
mäßige Durchſicht und Lektüre verdächtiger Schriften,
Ankauf geeigneter verdächtiger Zeitſchriften und
Witzblät=
ter, Prüfung der im Anzeigenteile dieſer Blätter
erſchei=
nenden Ankündigungen ſowie der Kataloge und Proſpekte
ſolcher Verleger und Händler, die ſich mit dem Vertrieb
unzüchtiger Bilder und Schriften befaſſen. Die
Zentral=
ſtelle führt Verzeichniſſe und Sammlungen unzüchtiger
Bilder, Schriften, Darſtellungen und Verzeichniſſe der am
Vertriebe beteiligten Perſonen. Sie erteilt allen
öffent=
lichen Behörden auf dem gekennzeichneten Gebiet Rat und
Auskunft und iſt befugt, an alle Behörden Erſuchen und
Anträge, alſo auch Anträge auf Strafverfolgung, zu
ſtel=
len. Ferner kann ſie die gewerblichen
Berufsorganiſatio=
ten des Buch= und Kunſthandels, die Sittlichkeits= und
Volkswohlfahrtseinrichtungen, ſowie Privatperſonen in
ihren, der Bekämpfung der öffentlichen Unſittlichkeit
ge=
richteten Beſtrebungen unterſtützen und ſich ihrer
Mitwir=
kung und ihres Rates bedienen. Das gleiche gilt für den
Verkehr mit der Preſſe. Die Zentralſtelle und die Staats=
Aufobiographiſches von Felix Dahn.
*⁎* Eines wird bleiben und nachwirken im
deut=
ſchen Volke, wann meine Dichtungen vielleicht vergeſſen
ſind: das iſt der Same von Idealität und Begeiſterung,
der Same von Enthuſiasmus für Wahrheit, für
Auf=
opferung, eben für „Heldentum” im Dienſte des
Vater=
landes und der Idee, den ich in junge Seelen geſtreut
habe. . . . Und dieſe meine ideale Einwirkung wird
fortdauern, wann vielleicht meine anderen Leiſtungen
totliegen. So werde ich — unbemerkt und ganz
be=
ſcheiden — fortleben in meinem Volke.”
Felix Dahn ſelbſt, der nun nach einem
mühe=
vollen und arbeitsreichen Leben ausruhen darf, hat bei
Vollendung ſeines 60. Lebensjahres dieſe Bilanz ſeines
Wirkens und Daſeins gezogen, in einem kurzen
Rück=
blick, der damals in der Gartenlaube veröffentlicht
wurde. Der Gelehrte und der Dichter des „Kampfes um
Rom” hat uns in ſeinen vierbändigen
Lebenserinnerun=
gen vieles berichtet von den ſchweren Kämpfen, die er
als junger Forſcher durchkoſten mußte, um erſt nach
lan=
gem Ringen Anerkennung und eine geſicherte Stellung
zu finden. Der in Hamburg geborene Sohn eines
Schauſpielerpaares — ſein Vater, Friedrich Dahn,
ſtammte aus einer alten Berliner Bürgersfamilie —
verlebte ſeine Jugend in München, und ſchon in dem
Knaben regte ſich früh jene Vorliebe für kriegeriſches
Tun und ritterliches Denken, die Felix Dahn auf
ſei=
nem weiten Lebenswege ſtets treu geblieben iſt. Er
ſelbſt erzählt von den fröhlichen Kampfſpielen, die er
als Knabe mit ſeinen Kameraden im Münchner
Eng=
liſchen Garten durchfocht; „nicht bloß die Waffen der
Neuzeit, auch die des Mittelalters lernten wir wacker
führen‟. Doch ſchon in dieſen Ritterſpielen des
aben=
teuerluſtigen Jungen griff die Phantaſie des Knaben
über die jugendliche Freude am nackten Dreinſchlagen
hinaus, aus den Kämpfen wurden dramatiſch bewegte
Szenen, in denen das Wort eine immer größere Rolle
ſpielte, und zum Schluß ward aus den Knabenkämpfen
eine Darſtellung der aus Sage und Dichtung
geſchöpf=
ten Erlebniſſe: die Kreuzfahrer und die Hohenſtaufen,
Armin und Widukind, Teja und Roland wurden
nach=
geahmt und zu Helden dieſer jugendlich glühenden
Dra=
matiker mit Schwert und Speer. In jener Zeit erlebte
Felir Dahn auch ſeine erſte „Liebe”, die den Vierzehn=
jährigen zu Verſen und Gedichten begeiſterte. Als
Sechzigjähriger erzählt uns Dahn von dieſer erſten
Blütezeit in ſeinem Knabenherzen: Ich ſah an einem
Frühlingsabend ein wunderſchönes Mädchen von 13
Jah=
ren vor ſeinem Elternhauſe ſtehen; die Amſel ſang, die
Sonne ging zu Gold, heiß ſchoß mir’s in das Herz: ich
rannte wie pfeilgetroffen lang, lang in die Einſamkeit
des „Engliſchen Garten”! Fünf Jahre hindurch habe ich
das ahnungsloſe Ding täglich geſehen, gegrüßt,
un=
zählige Verſe an „Didoſa” gemacht. Ihr ſchönes,
rei=
nes Bild hat mich vor jeder Jugendverirrung bewahrt.
Geſprochen habe ich ſie erſt nach 24 Jahren.”
Als der junge Felix mit 16 Jahren die Univerſität
bezieht, treibt ihn Wunſch und Neigung zur
Philo=
ſophie, und ſein Lebenstraum iſt, dereinſt vom Katheder
herab die Jugend zu erleuchten. Aber ein Vermögen
hatte er nicht zu erwarten, die Ausführung des ſchönen
Traumes ſcheiterte an der rauhen Wirklichkeit und der
junge Studioſus beugte ſich Vernunftsgründen und
ſtudierte Rechtswiſſenſchaft. Seine Univerſitätsjahre
führten ihn auch nach Berlin, wo er in dem
altberühm=
ten Verein des „Tunnel über der Spree” eingeführt
wurde und Männer wie Fontane, Kugler und
Scheren=
berg kennen lernte. Noch war ſein Leben ſorgloſe
Hoff=
nung auf eine ſchöne Zukunft: erſt mit der Habilitation
als Privatdozent der Rechtswiſſenſchaften in München
begann der Ernſt des Daſeins ſeine erſten Schatten zu
werfen. Die Sorgen um das tägliche Brot zerriſſen bald
die ſchönen Träume des jungen Gelehrten. Am Anfang
ging es noch, für die Mitleitung der Bavaria bezog der
junge Dr. Dahn eine kleine Einnahme; aber als dieſe
Hilfe ſchwand, verzweifelte Dahn daran, ſeine Stellung
als Privatdozent noch weiter behaupten zu können. „Ich
hatte die letzten drei Jahre jeden Tag viele Stunden
Auf=
ſätze in allerlei Zeitſchriften und Zeitungen ſchreiben
müſſen, das Notwendige zu verdienen. Ich litt hart; ich
erkrankte an Lungenentzündung. Mit Mühe hergeſtellt
mußte ich 1862 nach Meran, in den Süden, die ſtark
ange=
griffene Bruſt zu heilen. Nur ſchwer war das möglich
zu machen.” Und als der junge Rechtsgelehrte nach ſeiner
Heimkehr die heißerſehnte Anſtellung noch immer nicht
fand, entſchloß er ſich, — „mit wahrer Verzweiflung im
Herzen” —, den Traum einer akademiſchen Laufbahn auf
dem Scheiterhaufen der Armut zu opfern. Schon
ſchweb=
ten Verhandlungen mit einem Rechtsanwalt, der Felix
Dahn als Konzipienten bei ſich aufnehmen wollte, als im
letzten Augenblick die Rettung kam: die außerordentliche
Profeſſur in Würzburg. Dieſer Lichtſtrahl nach langen
Jahren des Harrens und Bangens entſchied über Dahns
Zukunft. Schon zwei Jahre ſpäter wurde der junge
„Außerordentliche” zum ordentlichen Profeſſor ernannt,
und in Würzburg vernahm Felix Dahn auch zum erſten
Male den drohenden Baß der Kanonen, die 1866 das
Vorſpiel zur Einigung Deutſchlands einleiteten. „Ueber
meinem Dache kreuzten ſich die habsburgiſchen und die
hohenzollerſchen Granaten, unter denen hinweg ich ruhig
an die Univerſität ging, eine angeſagte Prüfung
abzuhal=
ten, bei der außer mir nur noch ein Profeſſor und null
Studenten erſchienen.”
Nach jenem Kriegsjahre begann der junge Gelehrte
auch die Ziele Bismarcks zu erkennen und er, der bisher
in dem norddeutſchen Junker einen Feind deutſcher
Ein=
heit geſehen hatte, ward von dieſem Tage an ein
be=
geiſterter Verehrer des Schmiedes deutſcher Einheit. Als
das Jahr 1870 zum erſten Male nach langer Zeit alle
deutſchen Stämme vereint gegen den Erbfeind im Felde
ſieht, leidet es den Rechtsprofeſſor der Univerſität
Würz=
burg nicht daheim. „In dieſes Schickſal rieſengroß flecht!
ich des eignen Lebens Los” Aber ſein Geſuch um
Ein=
ſtellung als Freiwilliger wird in Bayern wie in Preußen
abgewieſen. Von jenen Tagen, in denen im Herzen des
Gelehrten die alte patriotiſche Begeiſterung des Knaben
mächtig wieder auflohte, erzählt er noch als alter Mann:
„Hinein mußte ich; ſo ſchloß ich mich der Nothelferkolonne
des heſſiſchen Majors von Grolman an,
die das Recht hatte, dem Kronprinzen von Preußen auf
die Schlachtfelder zu folgen. Ich erachtete es als das
groß=
rtigſte Glück meines Lebens, daß es mir vergönnt war,
die große deutſche Siegesſchlacht bei Sedan von morgens
7 Uhr bis zu ihrem Ende in unmittelbarſter Teilnahme
nitzumachen.‟ Er begleitet die Bayeriſchen Jäger beim
Sturme auf Bazailles, und hier wird er vom Kriegsgott
hart angepackt: ein Prellſchuß eines Granatſplitters trifft
ihn am Arm und ſchleudert ihn in den Straßengraben.
Aber zum Glück iſt die Verwundung überraſchenderweiſe
nur leicht, und wieder auf die Straße getrieben, „ſah ich
— wohl einer der allererſten — die weiße Fahne auf der
Baſtion von Sedan wehen und wies es unſerem
Haupt=
mann. Wie ſoll man das ſchildern!” Aber der Freude
folgte bald die Enttäuſchung; der junge Streiter wird
Nummer 4
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 5. Januar 1912.
Seite 3.
anwaltſchaft beim Landgericht I in Berlin werden in enge
Fühlung zueinander treten. Meinungsverſchiedenheiten,
die ſich aus der Handhabung der Beſtimmungen ergeben,
wird die Zentralſtelle dem preußiſchen Miniſter des
In=
nern vortragen, der ſeinerſeits mit dem zuſtändigen preuß.
Reſſortchef, der beteiligten Landesregierung oder dem
Reichskanzler ins Benehmen tritt.
* Haag, 3. Jan. Wie der „Nieuwe Courant”
mel=
det iſt das Fernbleiben der Königin von dem
geſtri=
gen Galaball nicht auf einen minder günſtigen
Geſund=
heitszuſtand der Königin zurückzuführen; unter den Gäſten
des Hofes verbreitete ſich vielmehr ein Gerücht freudiger
Art, dem keinerlei Dementi entgegengeſetzt wurde.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 5. Januar.
* Eiſenbahnperſonalien. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem techniſchen Eiſenbahnſekretär
Ludwig Grebe zu Mainz, den kommiſſariſchen
Eiſen=
bahnſekretären Peter Kämmerer zu Mainz und
Wil=
helm Nickel zu Bromberg, den Bahnhofsvorſtehern
Peter Buchheimer zu Woldenberg und Konrad
Krö=
ning zu Schönlanke, dem Gütervorſteher Heinr. Pfeif
fer zu Mainz, den Bahnmeiſtern Karl Klump zu
Darm=
ſtadt und Ludwig Schmelz zu Worms, den kommiſſ.
Eiſenbahnaſſiſtenten (Eiſenbahn=Unteraſſiſtenten)
Johan=
nes Berg und Leonhard Weigel zu Darmſtadt, den
Lokomotivführern Jakob Hoffmann zu Hanau,
Wil=
helm Juli und Adam Schreiber zu Mainz, Auguſt
Keune und Eduard Schneider zu Darmſtadt, Georg
Plößer und Wilhelm Roth zu Worms, Johannes
Scotti zu Biſchofsheim, dem Zugführer Otto Nold
zu Alzey, dem Werkführer Friedrich Müller zu
Darm=
ſtadt, dem Rangiermeiſter Georg Schmidt zu
Darm=
ſtadt, den Lademeiſtern Georg Dory zu Bingerbrück,
Auguſt Griebel zu Wiesbaden, Philipp Habig,
Auguſt Kalkhof und Johann Steinbach zu Mainz,
Peter Rooſen zu Rüſſelsheim, Wilhelm Schneider
zu Guſtavsburg, den Wagenmeiſtern Wilhelm Oberſt
zu Biebrich=Oſt und Andreas Steingötter zu Mainz
den Eiſenbahn=Unteraſſiſtenten Peter Bitſch zu Mainz=
Süd, Jakob Meyer zu Alzey, Johannes Petri zu
Babenhauſen, Jakob Rhein zu Nierſtein, Friedrich
Schöll zu Worms, Karl Swidersky zu Lorſch, den
Weichenſtellern erſter Klaſſe Georg Berning zu Groß=
Gerau, Philipp Berz und Philipp Raiß zu Dornberg
Philipp Beſt zu Oſthofen, Georg Brenner und Karl
Sturm zu Goddelau=Erfelden, Friedrich Kaul, Phil.
Schäfer und Phil. Kraft zu Biſchofsheim, Phil.
Leißer zu Darmſtadt, Franz Mehler und Auguſt
Rüſter zu Lampertheim, Andreas Schattong zu
Bingen, Johann Seely zu Worms, ſowie dem
Bahn=
hofsaufſeher Andreas Schönmehl zu Dittelsheim=
Heßloch, ſämtlich in der Heſſiſch=Preußiſchen
Eiſenbahn=
gemeinſchaft, die unkündbare Anſtellung verliehen.
g Strafkammer. Am 30. September 1909 war einem
Schauſteller hier auf dem Meßplatz durch Erbrechen ſeines
Wagens die Geldkaſſette mit den geſamten Einnahmen
geſtohlen worden. In den Verdacht, dieſen
Einbruchs=
diebſtahl begangen zu haben, geriet der 24jährige
Tag=
löhner Andreas Neff aus Offenbach, der am 21. Sept.
1909 aus dem Gefängnis Waldmichelbach entlaſſen
wor=
den war. Bereits vorher, am 25. und 28. September, hatte
er Einbrüche verübt, bei denen ihm aber nicht viel in die
Hände fiel. Neff wurde denn auch überführt, und erhielt
am 10. Februar 1910 von der hieſigen Strafkammer eine
Zuchthausſtrafe von 4 Jahren und 10 Monaten. Er
hatte den Wagen des Schauſtellers gewaltſam erbrochen
und die geraubte Kaſſette in einem Hausflur aufgeſprengt.
Es fielen ihm etwa 1300 Mark in die Hände; bei ſeiner
Verhaftung wurde jedoch bei ihm nichts mehr davon
vor=
gefunden. Im Oktober vorigen Jahres legte er nun vor
dem Direktor der Strafanſtalt ein umfaſſendes Geſtändnis
ab und gab an, der Schuhmachersfrau Walter in
Offen=
bach einen Betrag von 960 Mark zur Aufbewahrung
übergeben zu haben. Dafür habe er dem Ehemann und
der Frau je 15 Mk. geſchenkt. Es hatte ſich darum geſtern
Frau Walter vor der hieſigen Strafkammer wegen
Hehlerei zu verantworten. Bei einer Hausſuchung ward
jedoch von dem Geld nichts vorgefunden. Dem
Haus=
herrn war es aufgefallen, als er einmal die Miete von
den nicht in den beſten Verhältniſſen lebenden Walters
holte, daß die Frau Walter in einem Beutel ſehr viel
Geld hatte. Frau Walter beſtreitet, mit dem Neff über=
haupt jemals etwas zu tun gehabt zu haben. Er hätte
lediglich einmal ein Paar Schuhe bei ihrem Manne
ge=
kauft. — Das Gericht verurteilte die Angeklagte nach dem
Antrage des Staatsanwalts zu drei Monaten
Ge=
fängnis.
eg. Kriegsgericht. Wegen Nötigung eines
Schutz=
mannes, begangen vor dem Dienſteintritt, hatte ſich
geſtern vor dem Kriegsgericht der 25. Diviſion der
Ka=
nonier Bachmann vom Feldartillerie=Regiment Nr. 25
zu verantworten. Er hatte einem Schutzmann in
Karls=
ruhe, der ihn wegen Bettelns verhaften wollte, geſagt, er
hätte einem Bettler, der ihm einen Schoppen ſpendierte,
laufen laſſen. Er erhält vom Gericht eine Woche
Ge=
fängnis. — Der Musketier Joh. Weihrauther
vom Infanterie=Regiment Nr. 117 hatte vor ſeinem
Dienſtantritt ſich von ſeinem Dienſtherrn einen Vorſchuß
von 15 Mark geben laſſen und verſchwand auf
Nimmer=
wiederſehen. Wegen Betrugs verurteilte ihn das Gericht
zu 14 Tagen Gefängnis. — Der Gardiſt Friedr.
Ritzmann vom Infanterie=Regiment Nr. 115 hatte am
17. Dezember den Befehl des dienſttuenden Unteroffiziers,
er ſolle die beim Waſchen beſchmutzten Vorräume und die
Bodentreppe reinigen, mit dem Ausſpruch beantwortet,
er werde das dem Vorgeſetzten melden. Das
Standge=
richt hatte ihn wegen Achtungsverletzung zu drei Tagen
Mittelarreſt verurteilt. Der Gerichtsherr ſah auch
Be=
drohung als vorliegend an und legte gegen das Urteil
Berufung ein. Das Kriegsgericht kam aber durch die
Beweisaufnahme zu der Anſicht, daß das Urteil des
Standgerichts genüge, denn der Unteroffizier habe ſeine
Befugniſſe zweifellos überſchritten, als er die Reinigung
der nicht beſchmutzten Treppe anordnete. Der Angeklagte
ſei zwar wegen der Aeußerung zu beſtrafen, aber
Be=
drohung könne in den Worten nicht gefunden werden.
Die Berufung wurde deshalb verworfen.
— Neues vom Hoftheater. Goethes Fauſt=Zyklusvier
Abende umfaſſend, wird diesmal, vielſeitigen Wünſchen
entſprechend, im Abonnement gegeben, und zwar am 11.,
12., 13. und 15. Januar. Gleich nach dem Fauſt=Zyklus
erſcheint als Novität „Gudrun”, ein haktiges
Trauer=
ſpiel von Ernſt Hardt, dem Dichter des „Tantris” — In
der Oper haben ſoeben die Proben zu der Novität „Der
Kuhreigen” von Kienzl, dem Komponiſt des „
Evan=
gelimann” begonnen, und zwar unter der Leitung des
Herrn Hofrat de Haan. Das neue muſikaliſche Werk wird
zur Zeit in Wien mit großem andauerndem Erfolge
ge=
geben. — In der Operette „Der Graf von Luxemburg”
die Mitte Januar aufgeführt werden ſoll, gaſtiert für
den mit Schluß der Saiſon ausſcheidenden Herrn Speiſer
als „Renée‟ Herr Otto Thomſen vom Stadttheater in
Bern. — In der Oper ſind für die kommende
Spiel=
periode bereits engagiert: Herr Auguſt
Glo=
berger als lyriſcher und Spieltenor, Herr
Schützen=
dorf für Baßbuffo und Spielpartien, Frau Olga
Kal=
lenſee als Koloraturſängerin, Frl. Anna Jacobs für
Mezzoſopran= und Altpartien. — Das Schauſpiel
erhält in Herrn Kurt Ehrle einen neuen jugendlichen
Helden und Liebhaber, während Herr Weſtermann,
der ſeitherige Vertreter dieſes Rollenkreiſes, in das
Cha=
rakterfach übergeht. Als Soubrette in Operette,
Schau=
ſpiel und Luſtſpiel wurde Fräulein Dorſch engagiert.
Sämtliche Künſtler haben bereits erfolgreich gaſtiert.
— Der Hanſabund und die Reichstagswahlen. Von
der Bezirksgruppe Darmſtadt des
Hanſa=
bundes wird uns geſchrieben: Nachdem der Geſamt=
Ausſchuß der Bezirksgruppe Darmſtadt des Hanſabundes
in ſeiner Sitzung vom 21. Dezember vorigen Jahres
be=
reits zu der Kandidatur des Freiherrn von Heyl im
Wahlkreiſe Worms-Heppenheim-Wimpfen, von dem
Heppenheim-Wimpfen zum Bereiche der Bezirksgruppe
Darmſtadt gehören, Stellung genommen und die
Unter=
ſtützung der Kandidatur des Rittergutsbeſitzers Becker=
Bensheim beſchloſſen hatte, hat in den Sitzungen des
Ausſchuſſes vom 2. und 3. Januar dieſes Jahre eine
aus=
gedehnte Ausſprache über die Stellungnahme zu
den Kandidaturen Dr. Oſann (natl.), Dr.
Strecker (Fortſchr. Volkspartei) im Wahlkreiſe
Darmſtadt-Groß=Gerau, und Scior (natl.), ſowie Dr.
Sauer (Fortſchr. Vpt.) im Wahlkreiſe Erbach-
Bens=
heim ſtattgefunden. Es wurde beſchloſſen, bezüglich dieſer
Kandidaturen für die Hauptwahl Neutralität zu
bewahren, nachdem die Herren Dr. Strecker, Scior
und Dr. Sauer die gewünſchten ſchriftlichen Zuſagen und
Herr Dr. Oſann eine entſprechende mündliche Erklärung
abgegeben hatte. — Im übrigen wurde in der letzten
Ausſchußſitzung mitgeteilt, daß im Wahlkreiſe Worms-
Heppenheim-Wimpfen bereits eine ausgezeichnet beſuchte
und ſehr gut verlaufeneHanſabund=Verſammlung
inNeckar=
ſteinach ſtattgefunden hätte, welche der dortigen
Orts=
gruppe eine ſtattliche Anzahl neuer Mitglieder brachte.
Ebenſo hat eine ſehr gut beſuchte Verſammlung in
Hep=
penheim ſtattgefunden. Weitere Verſammlungen ſind
für Wimpfen und andere Orte des Bezirks Heppenheim-
Wimpfen geplant. Es wurde über die Auslaſſung der
Wormſ. Ztg. bezüglich der Stellungnahme der
Bezirks=
gruppe Darmſtadt gegenüber der Kandidatur des Frhrn.
von Heyl geſprochen und beſchloſſen, eine kurze
Erwider=
ung auf dieſe Auslaſſungen ſtattfinden zu laſſen. Die
Bezirksgruppe iſt nicht gewillt, auf den in der Wormſer
Zeitung angeſchlagenen Ton einzugehen, da man im
Hanſabund ſeine Stellung nur in ſachlicher Weiſe zu
ver=
treten gewohnt iſt. Am Schluſſe der Sitzung wurde von
verſchiedenen Herren eine Anzahl von Vorſchlägen
ge=
macht bezüglich Ergänzung der Ausſchüſſe der
Bezirks=
gruppe.
— Ueber die Tätigkeit der Arbeitsnachweisſtelle
im ſtädtiſchen Hauſe, Waldſtraße 6 (Telephon 371),
werden für den Monat Dezember folgende Zahlen
mit=
geteilt: 245 offene Stellen, 340 Arbeitſuchende, 124
Ver=
mittelungen, darunter 50 Dienſtboten.
* Verein Volksküche. (Unter dem Protektorat der
Großherzogin.) Während der unfreundlichen Witterung
im Dezember v. J. iſt die Volksküche gar Manchem
Zu=
fluchts= und Erholungsſtätte geweſen und der Verkehr
zeigt größere Dichtigkeit als die Vormonate. Mit
22 Betriebstagen in dem genannten Monat ſind
verab=
reicht worden durchſchnittlich täglich: 140 Stück
Brot (mit und ohne Butter), 81 Wecke, 96 Becher Kaffee
(mit und ohne Zucker), 124 Becher Milch, 28 Portionen
Wurſt und Fleiſch für ſich, 82 Portionen Suppe (
mit=
tags und abends), 145 Portionen Beilagen (Salat,
Ge=
müſe, geröſtete Kartoffeln), 45 Portionen Suppe und
Gemüſe zuſammen, 7 Portionen Suppe und Fleiſch
zu=
ſammen, 50 Portionen Gemüſe und Fleiſch zuſammen,
28 Portionen Suppe, Gemüſe und Fleiſch zuſammen,
48 Portionen Hering mit Kartoffeln. Unter
Außeracht=
laſſen der vorerwähnten Zahlen über verabfolgte Brote,
Wecke, Kaffee und Milch haben nach den übrigen
Durchſchnittszahlen im Dezember v. J. täglich 433
Koſt=
gänger (männlich und weiblich) in der Volksküche
Mit=
tag= und Abendeſſen geſucht und gefunden. Dabei kamen
716 Freikarten (bereits bezahlte Gutſcheine à 10 Pfg.)
zur Ablieferung und Verwertung. In dem
Vereins=
jahr 1911 (Kalenderjahr) mit im ganzen 295
Betriebs=
tagen ſind nach Maßgabe der von Monat zu Monat
bekannt gegebenen Durchſchnittszahlen täglich
verab=
reicht worden: 129 Stück Brot (mit und ohne Butter),
75 Wecke, 107 Becher Kaffee (mit und ohne Zucker),
120 Becher Milch, 27 Portionen Wurſt und Fleiſch für
ſich, 82 Portionen Suppe (mittags und abends),
129 Portionen Beilagen (Salat, Gemüſe, geröſtete
Kar=
toffeln), 39 Portionen Suppe und Gemüſe zuſammen,
7 Portionen Suppe und Fleiſch zuſammen, 40 Portionen
Gemüſe und Fleiſch zuſammen, 26 Portionen Suppe,
Gemüſe und Fleiſch zuſammen und endlich noch 43
Por=
tionen Hering und Kartoffeln. Es haben ſomit im Jahr
1911 durchſchnittlich täglich 393 Koſtgänger (männlich
und weiblich) zu Mittag und Abend in der Volksküche
gegeſſen. Bei der Geſamtzahl von 7367 Freikarten
(bereits bezahlte Gutſcheine à 10 Pfennig), welche in
1911 zur Ablieferung und Verwertung gekommen ſind,
berechnet ſich mit 295 Betriebstagen die durchſchnittliche
tägliche Ablieferung auf 25 Stück. Große Sorgen, große
Mühen — großer Segen, große Wohltat.
A Auch ein Jubiläum. Aeltere Leute erinnern ſich
noch gerne der ſchönen Pappelallee auf der
Landſtraße von hier nach Arheilgen. Die
Pappelalleen ſtammen aus der Zeit des erſten Napoleon,
der ihre Anlage faſt ausnahmslos aus militäriſchen
Gründen veranlaßte, da ſie die Landſtraßen weithin als
ſolche kenntlich machten. Die eingangs erwähnte Allee
iſt jetzt ſeit gerade 50 Jahren entfernt worden.
In den letzten Wochen des Jahres 1861 wurden die
Bäume gefällt und die erzielten 160 Stämme in den erſten
Tagen des Januar 1862 verſteigert.
— Einweihung der Kleinkinderſchule des
Schloß=
bezirks. Einen Freudentag konnte geſtern der
Evan=
geliſche Frauenverein für den
Schloß=
bezirk feſtlich begehen. Er durfte ſeine in dem Hauſe
Alexanderſtraße 25 für die Jugend der Altſtadt errichtete
Kleinkinderſchule ihrer Beſtimmung übergeben.
Die Einweihungsfeier, zu der ſich der größte Teil der an=
durch „Lazarettfieber” niedergeworfen, muß in die
Hei=
mat zurück. In Würzburg hatte man ihn ſchon tot
ge=
glaubt, denn ein Krankenträger, der ihn bei Sedan
blu=
tend im Straßengraben liegen ſah, hatte den Tod Dahns
bereits in die Heimat berichtet.
Sechs Jahre ſpäter, nachdem der Profeſſor bereits
mit mehreren Werken als Dichter hervorgetreten war,
er=
ſchien „Ein Kampf um Rom” der Dahn mit einem
Schlage berühmt machte. Er war inzwiſchen einem Ruf
nach Königsberg gefolgt. Lange hatte er an ſeinen
dich=
teriſchen Kräften gezweifelt, ließ das Werk liegen und
im Winter 1873 wollte er ſogar das ganze Manuſkript
vernichten. Er ſelbſt erzählt darüber: „Die Dichtung
er=
ſchien mir zu archäologiſch, zu gelehrt; ſchon kniete ich,
die Blätter in der Hand, vor der geöffneten Ofentür; da
fiel mein Blick auf die Schilderung von Teja und Totila;
ich ſtand auf, das meiner lieben Frau vorzuleſen — ſie
kannte das Ganze nicht —, bevor es die Flammen
ver=
zehrten; ſie legte ſo warme Fürbitte ein, daß ich die
Ver=
nichtung aufſchob, dann ganz aufgab und die Vollendung
beſchloß.” In ſeinen Lebenserinnerungen gibt uns Dahn
ausführlich Kunde von dem Werden und Wirken ſeiner
Dichtung; den Bühnenerfolgen, die er in der 70er
Jah=
ren, vor allem mit ſeinem „König Roderich” errang, ſind
zwar auf dem Theater ſpätere Triumphe nicht mehr
ge=
folgt, aber er hat mit ruhiger Gelaſſenheit den Streit der
Zeitgenoſſen um ſeinen Dichterruhm mit angeſehen und
keine Angriffe haben ihn je zu verbittern vermocht. Er
ſelbſt erzählt nicht ohne Humor, daß ſeine dichteriſchen
Neigungen ihn in ſeiner akademiſchen Laufbahn
geſchä=
digt hätten. „Die Haupturſachen einer ſpäten und
lang=
ſamen „Karriere” ſind der Mangel an jeder ſagen
wir Betriebsklugheit in mir und dann das „verfluchte
Dichten” das ja den echten und gerechten Profeſſor Kaſte
verlieren läßt unter ſeinen Amtsgenoſſen.”
Aber wenn ihn, wie er meint, in der „praktiſchen
Lebensgeſtaltung” die Glücksgöttin nicht ſonderlich
be=
vorzugte und er ſich alles durch mühſame Arbeit ſchwer
erringen mußte, ſo tröſtete ihn doch ſtets über alle
Bit=
terniſſe des Daſeins das „unausſprechliche Glück, den
Traum meiner Knaben= und Jünglingszeit, die
Herſtel=
lung des Deutſchen Reiches, zu erleben, ja die großartige
dramatiſche Entſcheidung des Kampfes bei Sedan mit
eigenen Augen zu ſehen. Das allein würde alle nicht
ge=
ringen Schmerzen meines Lebens voll aufwiegen!“
Das Univerſitätsſtudium in Deutſchland
im Winter 1911/12.
* Die Studentenſchaft der 21 Univerſitäten des
Rei=
ches iſt nach den nunmehr vollſtändig vorliegenden
Be=
ſuchsüberſichten in dieſem Winter auf 57415 angewachſen,
d. i. gegenüber dem vorjährigen Winterſemeſter mit
54 822 eine Zunahme von 2593 und binnen zehn Jahren
ein Emporſchnellen um etwa 65 Prozent. Dieſe enorme
Zunahme während der letzten zehn Jahre — um rund
22500 Studenten, wovon auf das weibliche Geſchlecht
3795 entfallen — entſpricht etwa der geſamten
akademi=
ſchen Bevölkerung der 13 kleinen und mittleren
Univer=
ſitäten des Reiches und dem Geſamtſtand der deutſchen
Studentenſchaft vor 30 Jahren. Da die Jahreszunahme
beträchtlich geringer iſt, als die vor zwei Jahren, iſt
an=
zunehmen, daß die außerordentliche Steigerung des
letz=
ten Jahrzehnts nicht in dem bisherigen hohen Maße
fort=
dauert, was wohl auf die Beſſerung des Wirtſchaftslebens
zurückgehen dürfte, die die jüngeren Semeſter
erfahrungs=
gemäß mehr den techniſchen Studien und den praktiſchen
Berufen zuführt.
Ein Vergleich der heutigen Beſtandsziffern
der einzelnen Fakultäten bezw. Studienfächer mit
den vorjährigen und denjenigen vor 5 Jahren, im
Win=
ter 1906/07, zeigt, welche Veränderungen in den
Studien=
richtungen bezw. den ſie beeinfluſſenden Bedürfniſſen von
Staat und Geſellſchaft indeſſen eingetreten und beſonders
welchen Bernfen die jüngſten Semeſter zugeſtrömt ſind.
In dieſer Richtung fällt hinſichtlich der Hauptfächer des
gkademiſchen Studiums das ravide Anwachſen der
Me=
diziner auf: ſie ſtiegen von 7098 im Winter 1906/07 auf
11 240 im Vorjahre und neueſtens weiter auf 12 446.
Ihnen am nächſten ſtehen die Philoſophen, Philologen
und Hiſtoriker, die derzeit 15897 zählen gegen 15 525 und
10 985; Mathematiker und Naturwiſſenſchaftler ſind es
8487 (gegen 7914 und 6234). Juriſten 10816 (10890 und
12 146), evangeliſche Theologen 2856 (2535 und 2208),
katholiſche Theologen 1770 (1760 und 1708), Kameraliſten
und Landwirte 2981 (2546 und 1940), Pharmazeuten 948
(954 und 1746), Zahnärzte 875 (1146 und 810), Forſtwirte
nur in München. Tübingen und in Gießen 177 (171 und
151) und Tierärzte, nur in Gießen immatrikuliert, 161
(141 und 110). Danach haben gegen 1906/07 nur abge=
nommen die Juriſten, infolge der überall vorhandenen
Ueberfüllung, aus gleichem Grunde und ganz erheblich
auch die Pharmazeuten, während der jüngſte Rückgang
der Zahnärzte in der durchgeführten Erhöhung der
An=
forderung an die Vorbildung (Maturitätsprinzip) und
der Verlängerung und Verteuerung des Studiums
über=
haupt zu ſuchen iſt; zugenommen haben insbeſondere r
Philologen und die Mathematiker und
Naturwiſſen=
ſchaftler.
An den zehn preußiſchen Univerſitäten ſind dieſen
Winter 30 239 Studierende — 52,6 Prozent der
Geſamt=
zahl, eingeſchrieben, an den drei bayeriſchen 9457 (16,4
gegen 17 Prozent im Vorjahre), an den zwei badiſchen
4697 (8,2 Prozent) und an den übrigen ſechs
einzelſtaat=
lichen, einſchließlich Straßburg, 13022 (22.7 Prozent). —
Von Intereſſe iſt noch, wie ſich die deutſche
Studenten=
ſchaft auf die einzelnen Landesuniverſitäten
verteilt und welche Aenderung im Vergleiche mit dem
Vorjahre hierin eingetreten iſt. Abgenommen haben allein
München, Marburg und Tübingen; die ſtärkſten
Zunah=
men weiſen einzelne preußiſche Univerſitäten auf, nämlich
Breslau, Greifswald und Göttingen, ſodann Erlangen,
Heidelberg und Freiburg. Im einzelnen ergeben ſich die
folgenden Beſuchsziffern: die Univerſität Berlin hat ihren
Vorſprung gewahrt, ſie ſteht mit 9829 Studierenden an
der Spitze der Hochſchulen und nun ganz nahe an 10000;
ihr folgt München mit 6797. Leipzig hat 5170, Bonn 3998,
Halle 2879, Breslau 2702, Göttingen 2505, Freiburg 2466,
Heidelberg 2231, Straßburg 2138, Münſter 2126, Marburg
1968, Tübingen 1852, Jena 1738, Kiel 1586, Königsberg
1522. Würzburg 1458, Gießen 1272, Erlangen 1202.
Greifswald 1124 und Roſtock 852. In der Stellung der
Univerſitäten nach der Beſucherzahl mußte neueſtens
Straßburg die 9. Stelle an Heidelberg überlaſſen, das
um zwei Stufen, von der 11. auf die 9. Stelle, ſtieg;
Mün=
ſter ſank von der 10. auf die 11. Stufe, Göttingen
über=
flügelte Freiburg auf der 7. und Königsberg verdrängte
Würzburg aus der 16. Stelle.
Rechnet man den 57415 Studenten noch die ſogen.
„Gaſtzuhörer” 3831 Männer und 1737 Frauen, hinzu, ſo
ergibt ſich, daß derzeit 62983 Perſonen am deutſchen
Uni=
verſitätsunterricht teilnehmen, eine bis jetzt unerreichte
Zahl.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 5. Januar 1912.
Nummer 4.
gemeldeten Kleinen nebſt ihren Eltern, der Vorſtand des
Frauenvereins und eine Anzahl geladener Gäſte
ver=
ſammelt hatten, verlief in ſchlichter Form, war aber dabei
recht wirkungsvoll. Der Vorſitzende des Frauenvereins,
Pfarrer D. Dr. Diehl, hielt eine kurze Anſprache, in der
er von dem guten Fundament redete, auf dem die neue
Anſtalt ſtehe: dem Geiſt der Liebe, der ſie errichtet, dem
Geiſt der Zucht, dem ſie dienen will, dem Geiſt der Kraft,
der ſie, auch finanziell, in Zukunft tragen ſoll, damit ſie
ihr Werk zum Segen der Darmſtädter Altſtadt ausrichte.
Dann folgte eine Beſichtigung der Anſtalt nebſt ihrem
ſchönen an der alten Stadtmauer gelegenen Spielplatz.
Die lieben Kleinen, die ſich — von einigen Abenteuern
abgeſehen — ſehr wacker während der Feier gehalten
hatten, wurden mit Brezeln beſchenkt. Am Nachmittag
fand dann im Kreiſe der Vorſtandsmitglieder eine kleine
Nachfeier auf dem hl. Kreuz ſtatt, die einen ſchönen
Ver=
lauf nahm. Anmeldungen zur Kleinkinderſchule, die
be=
reits beinahe 60 Kinder umfaßt, ſowie Gaben zu ihrem
Beſten, die ſehr erwünſcht ſind, nehmen Pfarrer D. Dr.
Diehl (Alexanderſtraße 1) und Kaufmann Warnecke
(Rheinſtraße 3) entgegen.
* Rechtsſchutzſtelle für Frauen (hält zweimal
wöchent=
lich unentgeltlich Sprechſtunden im alten Theater
Montag und Donnerstag von 4 bis 6 Uhr). Gerade
in letzter Zeit waren viele Frauen in den Sprechſtunden
die durch Kaufverträge mit Abzahlungsgeſchäften
unwieder=
bringlichen Schaden erleiden mußten. Beim Eingehen der
Verträge wiſſen die Leute nicht, daß ſie, wenn ſie ihren
Verpflichtungen nicht nachkommen können, durch die
Auf=
löſungs= und Rückzahlungsklauſel ihre Möbel wieder
zu=
rückgeben müſſen. Hier aufklärend zu wirken, iſt die
Auf=
gabe der Rechtsſchutzſtelle. Es iſt darum den Frauen
dringend anzuraten, ſich zuerſt zu befragen, ſie würden
gewiß vor mancherlei Kummer und Sorgen bewahrt
werden können.
* Der Kriegerverein Darmſtadt hatte ſeine Mitglieder
gleich zu Anfang des neuen Jahres wieder, zwecks
gemein=
ſamer Arbeit, zu einer Monatsverſammlung in ſein
Ver=
einslokal, die Turnhalle am Woogsplatz, eingeladen. Die
Verſammlung war gut beſucht. Nach Protokollverleſung und
Genehmigung desſelben durch die Verſammlung erſtattete
der 2. Vorſitzende, Herr Oberbürgermeiſter Schäfer,
in Verhinderung des 1. Vorſitzenden Bericht über die
Tätigkeit des Vorſtandes im letzten Monat. Die
Verſamm=
lung ehrte das Andenken an die verſtorbenen Kameraden
durch Erheben von den Sitzen. Ueber den nächſten Punkt
der Tagesordnung: Jugendbewegung”, referierte
der 2. Vorſitzende. Wie ſchon mehrfach bekannt gegeben
wurde, ſollen Freunde und Bekannte, ſowie Söhne und
Enkel unſerer Mitglieder ſich am Sonntag, den 7. Januar,
nachm. 1½ Uhr, erſtmalig auf dem Exerzierplatz einfinden,
um hier von zu dieſem Zweck beſtimmten Führern näheres
zu erfahren. Die jungen Leute ſollen geübt werden im
Entfernungsſchätzen, Marſchieren, Kartenleſen,
Kartenzeich=
nen ꝛc. ꝛc., jeglicher militäriſcher Drill ſoll jedoch
ausge=
ſchloſſen ſein. Beſtehende Organiſationen, wie Turnvereine
uſw. werden hierdurch in keiner Weiſe benachteiligt. Wie
auf dem Haſſiadelegiertentag in Friedberg 1911 beſchloſſen
wurde, iſt für dieſes Jahr eine Fahrt der Haſſiamitglieder
nach dem ſagenumwobenen Kyffhäuſer in Ausſicht
ge=
nommen. Dieſelbe iſt geplant über Eiſenach — Beſuch der
Wartburg — Erfurt — Frankenhauſen — Gang oder
Wagenfahrt nach der Barbaroſſahöhle und
Denkmalsbeſich=
tigung — zurück nach Roslar. Die Rückfahrt dürfte über
Kaſſel und Wilhelmshöhe ſtattfinden. Dies nur in kurzen
Umriſſen, da die endgültige Feſtlegung des Reiſeprogramms
einer ſpäteren Verſammlung vorbehalten ſein wird.
Nachdem noch der 2. Vorſitzende in längerem, ſehr beifällig
aufgenommenen Vortrag über Deutſchlands Heer und
Ma=
rine geſprochen hatte, wurde die Verſammlung nach
er=
folgter Bücherausgabe geſchloſſen.
— Der Darmſtädter Vortragsverband wird ſeinen
erſten Vortragsabend im neuen Jahre am Freitag,
den 19. Januar, im großen Saale des „Kaiſerſaals”
ver=
anſtalten. Freiherr Ernſt von Wolzogen wird
ſeine Reiſeerinnerungen aus dem Dollarlande zum Beſten
geben und über das intereſſante Thema: „Was können
wir von Amerika lernen ?” ſprechen. Es ſei noch be=
ſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß der Abend nicht
am 18. (wie auf den Eintrittskarten angegeben), ſondern
am 19. Januar ſtattfinden wird, um ein
Zuſammen=
treffen mit dem am erſteren Tage ſtattfindenden
Vor=
trage des Volksbildungsvereins zu vermeiden.
* Odenwaldklub. Auch im neuen Jahre ruft der
Odenwaldklub ſeinen Mitgliedern und Freunden ein
frohes „Friſch auf” zu. Gilt es doch, dem „Goldenen”
wiederum ein Stück näher zu kommen. Noch drei
Touren trennen den, der ſich das Zeichen zum Ziele
ge=
ſteckt hat, von dem Schmucke, der ſpäterhin an dem
Lodenhute die frohe Wanderluſt bezeugen ſoll. Der
kommende Sonntag wird die Wanderer über den
Fels=
berg nach Bensheim führen, wo ſie nach ſechsſtündigem
Marſche über Berg und Tal eine gutbeſetzte Tafel
er=
warten wird. Wenn auch das echte Winterbild fehlt,
wird doch jeder echte „Klubiſt” das neue Jahr mit
der=
ſelben Wanderluſt antreten wie bisher. Darum hinaus
in Gottes freie Natur, hinaus aus den engen Mauern
der Stadt, hinaus in Wald und Feld bei fröhlichem
Geſang. Friſch auf!
* Der Deutſche Werkmeiſter=Verband mit dem Sitz
in Düſſeldorf nimmt unter den Vereinigungen, welche
ſich zur gegenſeitigen Selbſthilfe zuſammenfanden, um
für ſeine Mitglieder und deren Familien
Wohlfahrtsein=
richtungen zu ſchaffen, die erſte Stelle im Deutſchen Reiche
ein. Seit der kurzen Zeit ſeines Beſtehens von 27
Jah=
ren hat ſich der Verband über ganz Deutſchland
ver=
breitet, ſodaß die Zahl der ſelbſtändigen Bezirksvereine
über 900 und die Zahl ihrer Mitglieder 55000 männliche
und faſt ebenſo viele weibliche Mitglieder beträgt. Welch'
enorme Summen dem Staate und den einzelnen
Kom=
munen erſpart wurden durch die eigene Unterſtützung
der Mitglieder und Angehörigen des Deutſchen
Werk=
meiſter=Verbandes, beweiſt am beſten die Tatſache, daß
von denſelben an freiwilligen Beiträgen bis jetzt über
29 Millionen Mark aufgebracht wurden, wovon bei
Todesfall männlichen Mitgliedern 800 Mark, weiblichen
200 Mark, bei Stellenloſigkeit, Unglücksfällen, für
Wit=
wen= und Waiſenunterſtützung bis jetzt über 16 Millionen
Mark zurückgezahlt wurden. Um den noch fernſtehenden
Kollegen die Möglichkeit an die Hand zu geben, durch
Beitritt in den Bezirksverein an den ſegensreichen
Ein=
richtungen teilzunehmen, hat der Verband das
Eintritts=
geld — für Verband und Sterbekaſſe — auf zwei Mark
ermäßigt. — Am Sonntag findet hier die ordentliche
Monatsverſammlung des Bezirksvereins Darmſtadt ſtatt.
* Orpheum. (Gaſtſpiel Job’s luſtige Bühne.) Der
brillante Schwank Der Mann mit dem Fimmel” mit
dem die luſtigen Gäſte ihr hieſiges Gaſtſpiel ſo erfolgreich
eröffneten, geht nur noch wenige Male in Szene; bereits
am Samstag findet die letzte Abendaufführung ſtatt.
Wer das übermütige Stück noch nicht geſehen, verſänme
ja nicht, eine der nächſten Vorſtellungen zu beſuchen.”
Ab Sonntag, den 7., bis inkl. Mittwoch, den 11. Januhr,
alſo im ganzen nur viermal, wird der überaus luſtige
Schwank „Ein dreieckiges Verhältnis” gegeben.‟
Sonntag, den 7. Januar, nachmittags 4 Uhr, findet
große Familien= und Fremden=Vorſtellung
bei kleinen Preiſen ſtatt.
* Karnevalgeſellſchaft Narrhalla. Dem Präſidium
iſt geſtern folgendes Schreiben zugegangen: „Ew.
Hochwohlgeboren beehre ich mich im Allerhöchſten
Auf=
trage Ihrer Kgl. Hoheit der Großherzogin
höchſt=
deren herzlichſten Dank auszuſprechen für die ſo
außer=
ordentlich gütige Zuwendung des Ueberſchuſſes von 100,69
Mark Ihrer Jahrhundertfeier für den Fonds zur
Unter=
ſtützung unbemittelter Lungenkranker. Ihrer Königlichen
Hoheit wurde hierdurch eine ganz beſondere Freude
be=
reitet, und wird der Betrag zum Beſten der armen
Kran=
ken entſprechende Verwendung finden. — Mit
vorzüg=
licher Hochachtung ergebenſt Dr. Frhr. von Leonhardi
dienſttuender Kammerherr Ihrer Kgl. Hoheit der
Groß=
herzogin.”
* Karnevaliſtiſche Konzerte im Schützenhof Am
kommenden Sonntag wird das erſte karnevaliſtiſc)
Konzert zur Ausführung gelangen. Die Kapelle des
Großh. Art.=Korps unter Mickleys Leitung wird den
Reigen mit einem diesbezüglichen Programm enthaltend
ie neueſten Schlager und Lieder, eröffnen. Weiteres
ſiehe Anzeige und Plakate.
Offenbach, 3. Jan. Verhaftet wurde der in
der Luiſenſtraße wohnende 20jährige Kaufmann Hugo O.
aus Frankfurt, der in einem hieſigen Lederwarengeſchäft
in der Frankfurter Straße in Stellung war. Er erbrach
wiederholt nach beendigter Arbeitszeit die Schreibpulte
ſeiner Kollegen, aus denen er die vorhandenen
Geld=
beträge, etwa 300 Mark, entwendete.
* Mainz, 4. Jan. Wie der Oberreichsanwalt
mit=
teilt, wurde der Termin für die Urteilsreviſion in
der bekannten Klageſache der Polizeiaſſiſtentin
Schapiro und des Beigeordneten Berndt gegen den
Thefredakteur des Neueſten Anzeiger in Mainz, Heinrich
Hirſch, auf den 20. Januar vor dem 1. Strafſenat des
Reichsgerichts in Leipzig feſtgeſetzt.
B. Bingen, 4. Jan. Im Binger Loch=Fahrwaſſer
ereignete ſich heute morgen ein Schiffsunfall. Dersmit
vier Schiffen talwärts fahrende Schleppdampfer „Knip
ſcher Nr. 3‟ geriet im Binger Loch in Unordnung mit
den Schlepptauen; dieſe riſſen und die vier Kähne fuhren
ſämtlich auf den Kribben ſeitlich der Lochfelſen auf. Der
Dampfer ſelbſt erlitt ebenfalls erheblichen Schaden.
B. Heidesheim, 3. Jan. Von vier mit allen
Einbruchs=
werkzeugen und Waffen, wie Revolvern und Dolchen,
aus=
gerüſteten Kerlen wurde in der Nacht in die hieſige
Kon=
ſervenfabrik von Faber ein frecher Einbruch
vorgenom=
men. Nachdem die Einbrecher ſich in das Gebäude
Ein=
gang verſchafft hatten, raubten ſie ſämtliche Meſſing= und
Kupferteile, deren ſie habhaft werden konnten. Um ihren
Raub beſſer fortſchaffen zu können, ſtahlen ſie aus einem
Gehöft zwei Handwagen und wollten ſich mit ihrem Raube
aus dem Staube machen. als die Nemeſis ſie erreichte. Der
in der Nähe wohnende Landwirt Frz. Lauer war auf das
Treiben der Einbrecher aufmerkſam geworden, hatte ſchnell
die Polizei und ſeinen Bruder verſtändigt und lauerte nun
mit einer geladenen Flinte den Einbrechern auf. Als ſie
ſich gerade entfernen wollten, gab Lauer einen Schuß auf
die Einbrecher ab. Leicht gelang es dann, die überraſchten
Einbrecher feſtzunehmen. Es ſind vier Burſchen aus
der Umgegend, die ſchon manches auf dem Kerbholz haben.
Schlitz in Oberheſſen, 3. Jan. Die Leiche des
Erb=
grafen Karl v. Schlitz gen. v. Görtz, trifft am
Don=
ierstag abend oder Freitag früh von Kriſtiania in
Schlitz ein. Die Beiſetzung findet in der gräflichen
Fa=
miliengruft am 6. Januar ſtatt. 200 Beileidstelegramme
ind von Fürſtlichkeiten, Verwandten und Freunden der
gräflichen Familie eingetroffen, darunter ein Telegramm
von Kaiſer Wilhelm, dem Großherzog von Heſſen und
dem Staatsſekretär des Auswärtigen Amtes, v. Kiderlen=
Wächter.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 3. Jan. Der Kaiſer hat
den preußiſchen Unterrichtsminiſter ermächtigt,
anzuord=
nen, daß in allen Schulen des preußiſchen Staates des
200jährigen Geburtstages Friedrichs des
Großen bei der nächſten Feier des Geburtstages des
Kaiſers in würdiger Weiſe beſonders gedacht wird. Der
Kaiſer hat aus dieſem Anlaß 100000 Exemplare einer
volkstümlichen Gedenkſchrift über den großen König
ge=
ſtiftet. Die Denkſchrift wird den Titel führen: „Aus dem
Leben Friedrichs des Großen. Denkwürdige Worte des
Königs, nebſt kurzer Erzählung ſeiner Taten.‟ Das Buch
ſoll bei der Schulfeier als ein Geſchenk des Kaiſers
ver=
teilt werden. Die Kreis= und Ortsſchulinſpektoren, die
Schuldeputationen und Schulvorſtände ſind angewieſen
worden, für die Schulfeier alsbald die nötigen
Anord=
nungen zu treffen. — Den Tod in den Flammen hat
eine 47jährige Frau in Charlottenburg geſucht und
ge=
funden. Sie hatte vor einiger Zeit ſich von ihrem Mann
getrennt, es aber bald bereut. Als ihr Gatte eine
Aus=
ſöhnung ablehnte, verfiel die Frau in Schwermut. Geſtern
legte ſie ihre beſten Kleider an, übergoß dieſe mit
Petro=
leum und zündete die Flüſſigkeit an. Auf die gellenden
Schmerzensſchreie der Unglücklichen, die über und über
in Flammen gehüllt war, eilten die Wirtsleute hinzu. Es
gelang mit vieler Mühe, das Feuer zu erſticken. Die
Feuilleton.
1500 Fauſt=Aufführungen in Paris. Gounods
Meiſter=
werk, ſeine Oper „Fauſt” hat am Neujahrstage in der
Pa=
riſer Großen Oper ein ſeltenes Jubiläum feiern können:
an dieſem Tage ging die Oper Gounods in der Hauptſtadt
Frankreichs zum 1500. Male in Szene. Der Theaterzettel
der Großen Oper verzeichnete die Aufführung freilich nur als
die 1406., aber das erklärt ſich dadurch, daß die Oper ſeiner
Zeit ihre Uraufführung 1859 im Theatre Lyrique erlebte;
1868 ging das Werk dann an das Renaiſſance=Theater über,
an das ehemalige Theater des Italiens und erſt im März
1869 erwarb die Pariſer Große Oper ihr Aufführungsrecht,
Bei Gelegenheit des jetzigen Jubiläums wird im Gaulois
daran erinnert, daß der Siegeszug der Gounodſchen Oper
über die Pariſer Bühnen zum Teil auch einem Vorſchlage
von Ingres und Dubufe zu danken iſt. Die beiden
Künſt=
ler fanden den dritten Akt ein wenig leer und inhaltlos und
machten Gounod in Gegenwart des Direktors Carvalho
den Vorſchlag, doch irgend einen Chor aus einem anderen
Werke in die neue Oper einzufügen. Ingres verlangte von
Gounod, er möge dem Direktor doch auf dem Klavier einen
Chor vorſpielen, den er für die nicht vollendete Oper
„Iwan der Schreckliche” geſchrieben hatte. Es geſchah
Carvalho war von dem Chor begeiſtert, er wurde in den
„Fauſt” aufgenommen und trug nicht wenig zur
Populari=
tät des Werkes bei. Es war der Soldatenchor.
** Eine Tragödie aus dem Leben. Aus New York
wird berichtet: Vor dem Polizeigericht Harlem erſchien
diefer Tage eine zerlumpte, ſchmutzige, völlig betrunkene
Frau und forderte, daß man jemand vor Gericht laden
ſolle. Den Beamten war es jedoch unmöglich, die Worte,
die ſie mit ſchriller Stimme ihnen zuſchrie, zu verſtehen,
und ſie ließen ſie in die Zelle abführen, bis ſie wieder
nüchtern wurde. Als ſie dann wieder vor den Schranken
des Gerichts erſchien, erklärte ſie, daß ſie nichts mehr mit
dem Gericht zu tun haben wünſche, und damit humpelte ſie
mühſam wieder hinaus. Die Frau, die als ein
vollſtän=
diges menſchliches Wrack vor dem Gericht erſchien, war
Eve=
lyn Granville, vor zwanzig Jahren die berühmte
Schönheit des Broadway, anerkannt die ſchönſte Frau der
80er Jahre auf der amerikaniſchen Bühne, weit und breit
als „Amerikas griechiſche Göttin” gerühmt. Sie war nach
New York gekommen, als ſie noch ein kleines Mädchen war,
und ſchon damals fiel ſie wegen ihrer Schönheit auf. Wenn
ſie zur Schule ging, pflegten die Leute auf der Straße ſich
nach ihr umzuſehen. Man redete ihr dann ein, daß ſie für
die Bühne geboren wäre, und die Theaterdirektoren
ſchätz=
ten den Wert ihrer Schönheit ſo hoch ein, daß ſie ſie mit
En=
gagements überhäuften, obwohl ſie weder ſingen noch
ſpielen konnte. Auf der Bühne feierte ſie glänzende
Tri=
umpbe, die ſie aber ausſchließlich ihrem blendend ſchönen
Geſicht und ihrer hohen, eleganten Erſcheinung verdankte
Sie trat nacheinander in den verſchiedenen damaligen
Modetheatern auf und wurde ſtets auf das höchſte gefeiert
Die Wendung in ihr Schickſal brachte ein reicher
Buch=
macher, Burton Webſter, mit dem ſie immer zuſammen
geſehen wurde. Es kam zu einer Tragödie, die merkwürdig
an den berühmten Fall Henry Thaws unſerer Tage
er=
innert. Eines Abends im Jahre 1891, beſuchte Charles
Goodwin, ein Mitglied der Börſe, zuſammen mit ſeinem
Freunde Evelyn, während Webſter nicht zuhauſe war.
Als dieſer dann wiederkam, erzählte ſie ihm, die
beiden Männer hätten ſie gröblich beleidigt, und am nächſten
Morgen ſuchte Webſter Goodwin in ſeinem Bureau auf
und ſchoß ihn nieder. Einer der größten Senſationsprozeſſe
war die Folge. Die Geſchworenen wandten auf Webſter das
berühmte „ungeſchriebene Geſetz” an und verurteilten ihn
nicht wegen Mordes, ſondern fanden ihn nur des Totſchlags
ſchuldig; er erhielt 19 Jahre Gefängnis, wurde aber nach
Ablauf von 7 Jahren wieder freigelaſſen. Während des
Prozeſſes fand die Hochzeit von Evelyn Granville in dem
Gefängnis ſtatt, nachdem den beiden ein Kind geboren war
Als Webſter in das Sing=Sing=Gefängnis überführt worden
war, um ſeine Strafe abzubüßen, ging es mit Evelyn jäh
bergab. Sie begann zu trinken und Betäubungsmittel zu
gebrauchen, die bald vollkommen Herrſchaft über ſie
ge=
wannen. Die Tage des Glanzes waren vorüber, ſie mußte
ihre vornehme Wohnung aufgeben, Stufe auf Stufe glitt
ſie hinab, und aus der ſchönen, gefeierten Schauſvielerin
wurde das abſchreckende, dem Trunke ergebene Weib, das
von allen verlaſſen im tiefſten Elend dahinlebt. Ihr
Er=
ſcheinen vor Gericht hat ihren Namen aus der völligen
Vergeſſenheit noch einmal herausgehoben und den New
Yorkern in Erinnerung gebracht.
e) Was das Glücksſpiel abwirft. Bei der jüngſten
Debatte in der franzöſiſchen Kammer lenkte ein
Abgeord=
neter die Aufmerkſamkeit der Regierung auf die wahrhaft
märchenhaften Gewinne, die die vom Staate autoriſierten
Spielpächter in den franzöſiſchen Badeorten erzielen. Im
Kaſino von Enghien hat man im vergangenen Jahre in
der Zeit vom 1. April bis zum 30. Oktober, alſo in 7
Mo=
naten, einen Reingewinn von nicht weniger als 8 299912
Francs erzielt, in Nizza belief ſich der Verdienſt der
Spiel=
pächter auf 7499000 Francs und in den Spielſälen von
Trouville ſchloß man mit einem Verdienſte von 2 225000
Francs ab. Dementſprechend hoch ſind auch die Einnahmen
der Croupiers, die durch Geſchenke von Spielern nach
wenigen Jahren reiche Leute werden können. Die
Crou=
piers von Enghien haben im Jahre 1911 zuſammen 1737000
Francs eingenommen, zum größten Teile „Trinkgelder”
reicher Spieler. Der Obercroupier hat für ſich allein 55325
Francs verdient, vier andere Croupiers 50000, drei 40000,
zehn 30000, fünfzehn 20000, und ſechsundzwanzig
unterge=
ordnete Beamte der Spielſäle je 10000 Francs. Wenn
man in Betracht zieht, daß dieſe Summen in nur 7 Monaten
eingenommen worden ſind, ſo ergibt ſich, daß ein Croupier
der ſtaatlich konzeſſionierten Spielhölle im Monat mehr
ver=
dient, als ein franzöſiſcher Miniſter. Die Regierung und
die Kammer haben daraufhin beſchloſſen, die Spielhöllen —
nicht etwa aufzuheben — ſondern zum Wohle des
Staats=
ſäckels ſtärker zu beſteuern.
* Zwei recht ſonderbare Eheleute gab es bis vor nicht
langer Zeit in Breslau. Der Ehemann war der berühmte
Mediziner Elias von Löwen. Er hatte als vielgeſuchter
Arzt am Tage enorm zu tun, und ſo war es verſtändlich,
daß er frühzeitig ſchlafen ging, da er müde war. Seine
Gattin war die gelehrte Aſtronomin Maria Kunitz. Dieſe
konnte natürlich nicht am Tage ihre Sternguckerei
be=
treiben, ſie lag den aſtronomiſchen Studien während der
Nacht ob, ſelbſt dann, wenn Wolken die Ausſicht zum
Stern=
himmel verſperrten. Sie arbeitete alſo, während der Gatte
ſchlief, und wenn dieſer ſeinem Tagewerk nachging, ſchlief
ſie. Den Haushalt mußte ſie gänzlich fremden Händen
anvertrauen. So ſprachen ſich denn die beiden Eheleute
ver=
hältnismäßig ſelten, und da jeder Teil Gefallen fand an
dieſer Eheordnung, ſo gab’s, was man wohl glauben kann,
niemals eheliche Zwiſtigkeiten. Deswegen braucht aber nicht
jede Frau gleich Sternguckerin zu werden.
* Die chineſiſche Revolution und der Zopf. Der letzte
Erlaß über die Unterdrückung des Zopfes hat eine
merk=
würdige Lage geſchaffen. Man glaubte allgemein, daß das
chineſiſche Volk dem Tragen des Zopfes feindlich geſinnt
ſei, da dieſe Mode an die Unterwerfung durch die
Mand=
ſchus erinnerte. Es war eine große Propaganda für das
Abſchneiden des Zopfes gemacht worden, aber das Volk,
die Beamten und ſelbſt die Studenten erklärten, daß es
jedem frei ſtünde, den Zopf zu tragen oder ihn
abzu=
ſchneiden, und niemand dachte daran, dieſen Schmuck
ver=
ſchwinden zu laſſen; ſelbſt die Studenten, die ſo eifrig für
ie Reform eingetreten waren, führten das Abſchneiden des
Zopfes nicht aus. Nur im Süden zwangen die
Revolutio=
näre das Volk, den Zopf abzuſchneiden, auf dem Lande
jedoch und in den kleinen Städten hat ſich nichts geändert,
und der Chineſe bleibt der gleiche, der er war.
* Erziehung. Kind (vor der Venus von Milo): „Und
warum hat man der Venus die Arme abgeſchnitten?”
Mutter: „Weil ſie immer an ihren Nägeln gekaut hat.”
Nummer 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 5. Januar 1912.
Seite 5.
Frau hatte jedoch am ganzen Körper ſo ſchwere
Brand=
wunden erlitten, daß ſie in hoffnungsloſem Zuſtande ins
Krankenhaus gebracht werden mußte. — Heute ereignete
ſich in der Ebertyſtraße ein ſchweres
Brandun=
glück. Das neunjährige Töchterchen des Fleiſchers Wieſe
ſpielte in Abweſenheit der Eltern in der Küche. Dabei
kam die Kleine dem Ofen zu nahe und ihre Kleider fingen
Feuer. Die Kleine verſtarb, ehe ärztliche Hilfe zur Stelle
war.
Frankfurt, 4. Jan. Heute vormittag gegen ½1 Uhr
erſchoß ſich der 23jährige Kaufmann Otto Schmitt in
der Miquelſtraße. Die Kugel ging durch die Schläfe und
führte den ſofortigen Tod herbei. Grund der Tat war
Lebensüberdruß.
Frankfurt, 4. Jan. Die vom 30. September bis 11.
Oktober vor. Js. in der Feſthalle abgehaltene
Koch=
kunſt=Ausſtellung hat auch in finanzieller Hinſicht
gut abgeſchnitten. Die Geſamteinnahmen beliefen ſich
auf 163700 Mark, die Unkoſten auf 116500 Mark.
Hier=
von fallen allein 48663 Mark auf Miete und Abgaben
an die Feſthalle, die mithin in der kurzen Zeit auch ein
gutes Geſchäft machte. Von dem Ueberſchuß von 47200
Mark erhielt das Kochkunſt=Muſeum zunächſt kontraktlich
15 Prozent, während der Reſt von 40 120 Mark zu
glei=
chen Teilen an den Internationalen Verband der Köche
und den Frankfurter Gaſtwirte=Verein (Innung) fiel.
Frankfurt, 4. Jan. Unter dem Verdacht, die Frau
Suſemichel in Bockenheim überfallen und ſo ſchwer
ver=
letzt zu haben, daß ſie nach einigen Tagen ſtarb, wurde
der Hundekotſammler Heinrich Münzel, der im Beſitztum
der Suſemichel wohnte, verhaftet.
München, 3. Jan. Der tötliche Unfall des Grafen
Bellegarde, den wir ſchon gemeldet haben, iſt auf eine
Reihe merkwürdiger Zufälle zurückzuführen. Der mit allen
modernen Sicherungen verſehene Fahrſtuhl im Palais des
Grafen Königsegg iſt ſo konſtruiert, daß die Zugangstür in
allen Etagen nur geöffnet werden kann, wenn der Lift in
dem betreffenden Stockwerk ſteht. Kinder hatten nun
zu=
vor den Fahrſtuhl benutzt und die Tür im oberen
Stock=
werk nicht ganz geſchloſſen. Es kam dazu, daß die
elek=
triſche Sicherung, die ſonſt die Tür verſchloſſen hält, wenn
die Fahrkabine ſich in einem anderen Stockwerk befindet,
nicht genügend funtionierte. Zu dem allen hatte der Graf
noch die leidige Gewohnheit, den Lift rückwärts zu betreten,
um ſo gleich mit der Front gegen Tür und Taſterſchaltbrett
zu ſtehen.
Aus dem Pfälzerwald, 3. Jan. Der Pfälzerwald iſt
das einzige größere deutſche Mittelgebirge, in dem das
Wildſchwein nicht mehr Standwild iſt. Noch bis vor
etwa zwanzig Jahren gab es in der Pfalz Wildſchweine
genug. In ſtrengen Wintern kam das Schwarzwild ſogar
herunter bis in die Städte Bergzabern, Edenkoben,
Neu=
ſtadt uſw., wo es in den äußeren Stadtteilen Nahrung
ſuchte. In jenen Zeiten wurden die Friſchlinge, wenn die
Sau den Kugeln zum Opfer gefallen war, mit Knüppeln
totgeſchlagen. Die Folgen davon konnten nicht ausbleiben:
das Schwarzwild iſt aus den einſt ſo wildreichen
Waldun=
gen der Pfalz verſchwunden, und nur in ſchneereichen
Wintern wechſeln Wildſchweine einzeln oder in kleinen
Trupps aus Lothringen oder dem Hunsrück in den
Pfälzer=
wald herüber, wo ſie meiſt in einigen Wochen durch eifrige
Jäger abgetan werden. Bei der Energie, mit der man
dem Schwarzwild neuerdings auch in Lothringen zuleibe
geht, wird auch der Wechſel des Schwarzwildes von
Loth=
ringen her ins Grenzgebiet von Pirmaſens=Dahn bald
ganz aufhören. Die Urſachen der radikalen
Schwarzwild=
ausrottung durch rückſichtsloſen Abſchuß liegen letzten
Endes in der Pfalz tiefer. Der Großgrundbeſitz, der in
anderen deutſchen Landesteilen der eifrigſte Wildheger
großen Stiles iſt, fehlt in der Pfalz infolge der politiſchen
Entwicklung ſo gut wie ganz. Die Mehrzahl der vielen
kleinen Jagdpächter geht allem Haar= und
Feder=
wild zuleibe, ſoweit es die geſetzlichen Beſtimmungen irgend
zulaſſen (von rühmlichen Ausnahmen, meiſt in der
Rhein=
ebene, abgeſehen). Auch die Aasjägerei hat in der Pfalz
mit ihrer rühmlichen Jagdvergangenheit heutzutage leider
einen Umfang angenommen, den jeder Freund der Natur
nur aufs ſchmerzlichſte bedauern kann. In den heutigen
Pfälzer Jagdgründen ſieht man nicht allzu wenig Leute
mit Gewehr und Ruckſack, denen das Wort weidgerecht
nicht viel gilt. Was Wunder, wenn unter ſolchen
Ver=
hältniſſen jeder Schwarzkittel erbarmungslos niedergeknallt
wird. Ein Forſtmann von Ruf, Regierungsdirektor von
Ritter in Speyer, hat feſtgeſtellt, daß erſt ſeit der
Aus=
rottung des Schwarzwildes eine zeitweiſe Ueberhandnahme
der Forſtſchädlinge im Pfälzerwald zu verzeichnen
iſt, weil gerade das Wildſchwein wie kein anderer
Bewoh=
ner des Waldes den Boden nach Larven uſw. durchwühlt.
So iſt man denn heute an maßgebenden Stellen der
An=
ſicht, daß etwas geſchehen müſſe, um dieſes alteingeſeſſene
Urwild des Wasgenwaldes wieder feſtzuhalten und in
Verbindung mit einem angemeſſenen Schutz der Aecker
da=
für Sorge zu tragen, daß auch die Baſſen im Pfälzerwald
wieder eine Stätte finden. Im übrigen hat eine amtliche
Zuſammenſtellung ergeben, daß im vorigen Jahrhundert
in der Pfalz einige hunderttauſend Wildſchweine geſchoſſen
wurden und daß der Nutzen, den das Wildſchwein als
Wildbret brachte bezw. daß der Erlös für
Wildſchweine=
fleiſch ganz unverhältnismäßig ziffernmäßig höher war als
die Summe, die für Wildſchäden gezahlt wurde. Somit
ergibt ſich, daß die gänzliche Ausrottung des Wildſchweines
auch volkswirtſchaftlich ein Fehler war.
Karlsruhe, 3. Jan. Zu Ehren des
Großherzogs=
paares von Mecklenburg=Schwerin fand heute
abend 6 Uhr im hieſigen Schloß Galatafel ſtatt. Um
8 Uhr beſuchten die Großherzoglichen Herrſchaften mit ihren
Gäſten das Hoftheater, woſelbſt der „Widerſpenſtigen
Zähmung” nach der Bearbeitung von Widmann gegeben
wurde.
Paris, 3. Jan. Geſtern iſt von dem greulichen
Dop=
pelmord berichtet, der in der Nähe von Le Mans an
einem alten Ehepaar verübt worden iſt. In der letzten
Nacht iſt im Seine=Departement ein ähnliches
Verbre=
chen begangen worden. Ein 91jähriger Rentner mit
Na=
men Moreau bewohnte in Thiais mit ſeiner 60
jähri=
gen Dienerin ein zweiſtöckiges Haus. Der Mann
hatte ſeinen zwei Töchtern ihr Vermögen ausbezahlt,
dieſe entrichteten ihm dafür eine Rente. In der Gegend
galt Moreau als ſchwerreicher Mann, der viel Geld in
ſeinem Hauſe aufbewahre. Ein trotz ſeinem Alter
ver=
hältnismäßig wenig gebrechlicher Mann, lebte er mit
ſeiner Dienerin, einer kräftigen Frau, zurückgezogen.
Heute morgen fiel es deren Sohn, der in Thiais
arbei=
tete, auf, daß er ſeine Mutter nicht die gewohnten
Be=
ſorgungen machen ſah. Er ging zum Hauſe des Moreau
und bemerkte, daß alle Fenſterläden und die Türen
ge=
ſchloſſen waren. Er drang in das Haus ein, fand alles
in der größten Unordnung und entdeckte im erſten Stock
die Leichen der beiden alten Leute in ihren Schlafzim=
Rern. Sie waren ſchrecklich zugerichtet. Die Mörder
ſind in unglaublich roher Weiſe vorgegangen. Der
Be=
weggrund zu der Tat war, wie bei dem eingangs
er=
wähnten Verbrechen, Diebſtahl. Der Geldkaſten war
aufgebrochen. Die Mörder hatten daraus 25000
Fran=
ken in Goldſtücken genommen. Auch einige Wertſtücke
fehlen. Man hat im Eßzimmer und im Erdgeſchoß
Blut=
ſpuren gefunden. Es konnten auch vier Abdrücke
aufge=
nommen werden. Im Eßzimmer ſtanden mehrere leere
Gläſer auf dem Tiſch. Die polizeiliche Unterſuchung
er=
gab, daß die Mörder über die Gartenmauer geklettert
und von hinten ins Haus eingedrungen ſind.
Vermut=
lich gingen ſie zuerſt durch das Zimmer des alten Moreau
in das der Magd und knebelten ſie mit dem Handtuch
und der Watte, die man nachher auf dem Bette des alten
Moreau gefunden hat. Anſcheinend erſt als die ſtarke
Frau ermordet war, machten ſich die Unmenſchen über den
91jährigen Mann her.
Paris, 4. Jan. Ein Teil der Preſſe beſchäftigt ſich noch
immer eifrig mit dem Hauptmann Lux. Wie ein Blatt
erfährt, iſt der Schulfreund, der Lux auf der Flucht
behilf=
lich war, ein gewiſſer Dr. Grelley, der wahrſcheinlich auch
der Lenker des Automobils geweſen iſt, in dem Lux
ent=
kam. Der Gaulois erhebt gegen die Verhaftung des
fran=
zöſiſchen Sprachlehrers Vermot Einſpruch, da dieſer
offen=
bar unſchuldig ſei. Es ſei unzuläſſig, daß ein Franzoſe
von den Deutſchen zum Sündenbock für ihre ſchlechte Laune
benutzt werde und es wäre wünſchenswert, daß man ihnen
dies zu verſtehen gebe, falls ſie ſich weigern ſollten, ihren
Irrtum einzuſehen.
London, 4. Jan. Zu dem geſtern gemeldeten
Zwi=
ſchenfall im Lager von Longmoor bei
Peters=
field wird ferner berichtet: Der Streit entſtand bei einem
Fußballmatch zwiſchen Soldaten einer ſchottiſchen
Kom=
pagnie und einem Yorkſhire=Regiment. Es fand eine
hef=
tige Schlägerei ſtatt, die gegen zwanzig Minuten
an=
dauerte. In ihrem Verlauf wurden 170 Glasſcheiben
zer=
brochen. Die Leute zertrümmerten Bettſtellen, um die
Stücke als Waffen zu benutzen. Der Kommandeur des
Lagers erklärte indeſſen, daß nur zwei Mann leicht
ver=
wundet ſeien und daß kein Schuß abgegeben worden iſt,
und daß es ſich nur um eine Schlägerei, keineswegs aber
um eine Meuterei gehandelt habe. Die Unruhen hörten
auf, als die Offiziere auf dem Platz erſchienen. Der
ge=
meldete Boxkampf zwiſchen einem Offizier und einem
Sol=
daten wird dementiert.
New York, 3. Jan. Hier haben 50000
Wäſcher=
mädel die Arbeit niedergelegt. Die Folge davon
iſt, daß viele Leute heute mit ſchmutzigen Kragen
umher=
gehen. Geſtern haben die Streikenden einen großen
Um=
zug in der Stadt und eine Verſammlung im Zentralpark
abgehalten, in der ſie ſich verpflichteten, nicht eher an die
Arbeit zurückzukehren, bis ihre Forderungen erfüllt ſein
werden. Publikum und Preſſe ſtehen auf Seite der Mädchen,
die einen ſehr geringen Lohn erhalten und meiſt unter
geſund=
heitsſchädlichen Verhältniſſen zu arbeiten gezwungen ſind.
Der ScherifHaarburger hat eine Anzahl von Damen der beſten
Geſellſchaft als „Deputies” oder Unterſcherifs ernannt, um
dieſe Verhältniſſe zu unterſuchen. Dieſe Damen ſind Miß
Anna Morgan, die Tochter des bekannten Kröſus, Miß
Helene Gould, Mrs. Karolina Turax, die Witwe eines
Oberrichters, Mrs. Belmont, Mrs. Inez Milholland und
die bekannte Sängerin Nordica. Die Damen wurden geſtern
„eingeſchworen” und haben mit ihrer Amtsausübung
be=
gonnen.
Parlamentariſches.
*X* Darmſtadt, 4. Jan. Der
Finanzaus=
ſchuß der Zweiten Kammer hat heute die
eigent=
liche Budgetberatung mit einer Generaldebatte
eingeleitet, in der der Ausſchußpräſident Abg. Dr.
Oſann zunächſt die allgemeine Finanzlage ſchilderte.
Es konnte feſtgeſtellt werden, daß eine entſchiedene
Beſ=
ſerung gegenüber dem ungünſtigen Stand vom Jahre
1910 hervorgetreten ſei, die namentlich auf den in
erfreu=
licher Weiſe geſtiegenen höheren Eiſenbahnüberſchüſſen
baſiere. Weiter wurde betont, daß man den
regierungs=
ſeitigen Vorſchlägen zur Tilgung der Staatsſchuld doch
nicht eher nähertreten könne, bevor die Reviſion der
Be=
amten=Beſoldungsordnung vorgelegt ſei, weil ſich erſt
dann die Finanzgebarung näher überſehen laſſen werde.
Die Vorlage dieſer Beſoldungsordnung müſſe alsbald
von der Regierung eingefordert werden, da die
Verhält=
niſſe der Beamten immer ſchwieriger würden und deren
Klagen durchaus als berechtigt angeſehen werden
müß=
ten. Von der Beſoldungsvorlage müſſe es abhängig
ge=
macht werden, wie dann die Schuldentilgung erfolgen
könne. Es ſei bedauerlich, daß in der Thronrede eine
Forderung auf Erhöhung der Zivilliſte angekündigt
wurde, ohne daß gleichzeitig dabei geſagt wurde, für
welche Zwecke dieſe Anforderung geſchehe. Die
Regie=
rung hätte doch erklären können, um Mißverſtändniſſe zu
vermeiden, daß die Erhöhung nur dazu dienen ſolle, die
Hofbeamten, Hofmuſiker, Theaterangeſtellten uſw. in ihren
Bezügen aufzubeſſern. Es wurde dann darauf
verwie=
ſen, daß im allgemeinen große Neuanforderungen im
Budget nicht enthalten ſeien. Bei der Erörterung über
einzelne Poſten des Budgets wurde beſonders auf die
wiederholte Erhöhung der Anforderungen für
Schreib=
koſten hingewieſen, ſowie die Neuforderung für
Durch=
führung der Reichsverſicherungsordnung, des
Reichsvieh=
ſeuchengeſetzes uſw. beſprochen. Von anderer Seite
wurde der Standpunkt gebilligt, daß man erſt dann an
die Frage der weiteren Schuldentilgung herangehen
könne, wenn man durch die Vorlage der
Beamtenbeſol=
dung eine klare Ueberſicht über die Vermögenslage
ge=
wonnen habe. Dieſem Gedanken ſchloß man ſich
allge=
mein im Ausſchuß an. Die Wirkungen der Beratung
der Vereinfachungskommiſſion ſeien im vorliegenden
Etat rechnungsmäßig noch nicht zum Ausdruck
gekom=
men, weil ja durch deren Maßnahmen und Vorſchläge
nur mit einer langſamen Beſſerung der Verhältniſſe
ge=
rechnet werden könne; es müſſe jedoch beſonders darauf
gedrungen werden, daß gerade auf dem Gebiete der
Bau=
verwaltung die neuen Organiſationspläne möglichſt bald
hervortreten, damit auch hier entſprechende Erſparniſſe
erzielt werden könnten. Der Ausſchuß entſchied ſich
da=
für, zunächſt den neuen Voranſchlag durchzuberaten und
die Frage der Verwendung des Ueberſchuſſes aus dem
Staatsvoranſchlag erſt ſpäter zur Entſcheidung zu
brin=
gen. Die Vorlage des Geſetzentwurfes über
die Beſoldungsor dnung dürfte nach einer
Re=
gierungsmitteilung gegen Ende Januar zu erwarten
ſein. — Nach der Sitzung des Finanzausſchuſſes wurde
den Mitgliedern auf Anregung des Kammerpräſidenten
von der hieſigen Firma Heinrich Elbert zwei ſog.
Edi=
ſonſche Parlographen vorgeführt und auf ihre
praktiſche Verwendbarkeit erprobt. Die Proben einzelner
Abgeordneter fiel ſehr günſtig aus. Der Ayparat dürfte
ſich beſonders gut zum Diktieren von Ausſchußberichten
uſw. eignen.
Stadtverordneten=Verſammlung.
19. Sitzung.
C Darmſtadt, 4. Januar.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing eröffnet die Sitzung
um ¾4 Uhr und ſpricht den Anweſenden die herzlichſten
Glückwünſche zum neuen Jahre aus. Er macht ſodann
folgende
Mitteilungen:
Ludwig Simon in Eberſtadt bittet um Verwendung
im ſtädtiſchen Dienſt. Das Geſuch mußte zurzeit ablehnend
beſchieden werden.
Der Kirchenvorſtand der Petrusgemeinde
be=
abſichtigt, für das Jahr 1912 zuſammen 19600 Mark
Kir=
chenſteuer zu erheben. Der Finanzausſchuß hat hiergegen
nichts einzuwenden.
Der Oberbürgermeiſter erſtattete darauf
Bericht über den Stand der
Gemeinde=
angelegenheiten
der Stadt Darmſtadt am Schluß des
Jahres 1911, auf den gelegentlich zurückzukommen ſein
wird. Zur Lage im allgemeinen und zu den nächſten
Auf=
gaben der Stadt wird darin bemerkt:
Die allgemeine Finanzlage der Stadt iſt, wie der
vor=
läufige Abſchluß des Voranſchlages erkennen läßt, nicht
ungünſtig. Ich werde das Budget alsbald vorlegen und
in den allgemeinen Erläuterungen auch Vergleiche über
den Geſamtbetrag der ſteuerlichen Belaſtung in anderen
Städten ziehen. Die ſtädtiſche Verwaltung iſt ihrem
Grundſatz treu geblieben, bei allen ihren Maßnahmen die
Rückſicht auf die Steuerzahler walten zu laſſen. Bei der
Feſt=
ſetzung des Voranſchlags von 1911 hat man in äußerſter
Weiſe die Einnahmen erhöht und die Ausgaben verringert.
Um den nötigen Ueberblick über die Finanzen der Stadt
zu erhalten, iſt es notwendig, den Grundſatz anzuerkennen,
Entſcheidungen von großen finanziellen Folgen nur in
Verbindung mit der Beratung des Voranſchlags zu treffen.
Die großen Aufgaben der Stadt, die durch die
Bahnhofsverlegung und die Stadterweiterung bedingt ſind,
haben auch in dieſem Jahre eine neue Förderung erfahren.
In der heutigen Sitzung wird Ihnen ein Abkommen zur
Genehmigung vorgelegt, das die erſten Bauten gegenüber
dem neuen Hauptbahnhofsgebäude erſtehen läßt. Die
Ver=
waltung hat das größte Intereſſe daran, daß ein ſchöner
Bahnhofsplatz durch eine möglichſt einheitliche Architektur
entſteht. Sie will jedoch die Entwickelung in keiner Weiſe
forcieren. Wir freuen uns, daß wir einen leiſtungsfähigen
Mitbürger zur Errichtung der erſten Bauten gewonnen
haben, und ſprechen die Hoffnung aus, daß es mößlich ſein
wird, eine geſunde Entwickelung zu gewährleiſten und zu
fördern.
Ein Abkommen von hoher Bedeutung, das
aus großen Geſichtspunkten die Intereſſen=Sphären der
Stadt und der Militärverwaltung abgrenzt, nähert ſich der
Vollendung. Die Stadt hat als große Garniſonsſtadt die
Pflicht, die Intereſſen der Militärverwaltung zu fördern.
Andererſeits wird ſie mit dieſem Vertrag erreichen, daß
die Frage des Exerzierplatzes in einer Weiſe gelöſt wird,
die den beiderſeitigen Intereſſen entſpricht. Es iſt meine
Abſicht, die Breite Allee zu einer ſchönen und würdigen
Eintrittsſtraße von dem neuen Hauptbahnhof in die Stadt
zu geſtalten. Dieſes Ziel ſoll dadurch erreicht werden, daß
an der Breiten Allee öffentliche und private Gebäude in
Verbindung mit Anlagen entſtehen, die den derzeitigen
ſchönen Blick auf die Bergſtraße für alle Zeiten ſichern.
Die bevorſtehende Entſcheidung über die
Verkehrsfragen, den Anſchluß einer
Ueberlandzen=
trale an die ſtädtiſchen Werke und die Reform der ſtädtiſchen
Tarife werden Ihnen die Möglichkeit bieten, die für die
Stadt Darmſtadt dringend gewordenen Fragen des
Ver=
kehrs und der wirtſchaftlichen Ausnutzung der
Elektrizitäts=
werke zu löſen. Ich wünſche herzlichſt, daß dem enormen
Maß von Arbeit, das die ſtädtiſche Verwaltung und ihre
Mitarbeiter aus dem Kreiſe der Herren Stadtverordneten
zu leiſten hatten, ein guter Abſchluß entſprechen möge.
Möge die Entſcheidung Stadt und Land und der
beider=
ſeitigen wirtſchaftlichen Entwickelung zum Segen gereichen!
Der von mir in der Sitzung vom 12. Januar v. J.
er=
ſtattete Vortrag ſchloß mit dem Ausdruck der Hoffnung auf
eine gute Zukunft der Stadt. Ich möchte ausſprechen, daß
das Jahr 1911 dieſe Hoffnung in der Tat gerechtfertigt
hat. Die trotz der bedauerlichen Verteuerung notwendiger
Lebensmittel eingetretenen günſtigen Ergebniſſe der
Armen=
pflege, der Sparſinn der Bevölkerung, die lebhaftere
Bau=
tätigkeit und die allgemeine wirtſchaftliche Lage der Stadt
laſſen eine Beſſerung erblicken.
Baugeſuch.
Weinhändler M. Jahn will auf ſeinem Grundſtück am
Pfarrwieſenweg einen proviſoriſchen Wagenſchuppen
er=
richten. Der Hochbau=Ausſchuß empfiehlt, das Geſuch
gegen Ausſtellung eines bezüglichen Reverſes zu geſtatten.
Die Verſammlung iſt nach dem Referat des Stadtv.
Witt=
mann damit einverſtanden.
Der Vorſitzende ſpricht ſodann ſeine Freude darüber
aus, daß Herr Stadtv. Lehr nach längerer ſchwerer
Krank=
heit wieder anweſend ſein kann. (Beifall.) Stadtv. Lehr
dankt für die freundlichen Worte.
Damit iſt die Tagesordnung erledigt.
Wahlverſammlungen.
C. Die Zentrumspartei hielt am 3. ds. Mts. im
Kon=
kordiaſaale eine gut beſuchte Wählerverſammlung ab.
Der Vorſitzende Herr Obertelegraphenſekretär Herbert
teilte mit, daß die Zentrumspartei die Kandidatur von
Hertling zurückgezogen habe. Die Partei gebe ihren
An=
hängern nunmehr die Abſtimmung frei, wobei jedoch
Freiſinn und Sozialdemokratie auszuſcheiden haben
Redner unterwarf hierauf die Tätigkeit der beiden
letz=
teren Parteien einer ſcharfen Kritik. Aber auch die
Na=
tionalliberalen voll und ganz zu enterſtützen, hätte das
Zentrum ſich nicht entſchließen können, brauche man doch
nur an ihre Teilnahme beim Bülow=Block zu denken,
fer=
ner an Baſſermanns Tätigkeit, der den badiſchen
Groß=
block auf das Reich übertragen wolle uſw.
Wer ſich dazu durchringen könne, für Dr.
Oſann zu ſtimmen, der tue es. Herr Pfarrer
Fink erklärte, daß eine Wahlparole der allgemeinen
po=
litiſchen Lage entſprechen müſſe und die Zentrumsparole
im Reiche ſei gegen den linksliberalen Block gerichtet.
Allerdings habe uns auch Dr. Oſann ſchwer auf die Zehen
getreten, aber gegenüber dem Sozialdemokraten und
einem Dr. Strecker ſei er der reinſte politiſche Engel.
Eine unmittelbare Parole für Dr. Oſann habe er im
Vorſtande nicht durchzuſetzen vermocht, er perſönlich
ſtimme aber, für ihn. — Herr Gewerkſchaftsſekretär
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 5. Januar 1912.
Nummer 4.
Renecker= Fraufurt behandelte die
Reichsſinanz=
reform, die eine Periode neuen wirtſchaftlichen Gedeihens
gebracht habe. Herr J. Weſp bat die katholiſchen
Ar=
beiter, der heute ausgegebenen Wahlparole zu folgen,
möge dies auch manchem ſchwer ankommen. Die
Füh=
rung des Wahlkampfes ſeitens Dr. Streckers müſſe jeder
verurteilen. Um 11¼ Uhr wurde die Verſammlung
ge=
ſchloſſen.
— Arheilgen, 4. Jan. In der geſtrigen, gut
beſuch=
ten Wahlverſammlung im Löwen entwickelte der
Kan=
didat der Fortſchrittlichen Volkspartei, Herr Dr.
Strecker, eingehend ſeine Stellung zu den beiden
Gegenparteien und zu den Ereigniſſen der letzten
Ver=
gangenheit. Die Neuwahlen am 12. Januar brächten
die wichtige Entſcheidung darüber, ob der neue
Reichs=
tag reaktionär werde, wie ſein Vorgänger, oder ſo
aus=
falle, daß in ihm der wirkliche Wille des Volkes zum
Ausdruck komme. Redner bedauert, daß ſein Gegner,
Herr Dr. Oſann, den wichtigſten Punkt, ſeine Stellung
zum ſchwarz=blauen Block, nicht berührt habe, während
die Nationalliberalen faſt im ganzen Reiche ſich vom
Block losgelöſt hätten und in den Kampf gegen die
Reak=
tion eingetreten ſeien. Redner kam dann auf die
Ereig=
niſſe der letzten Zeit zu ſprechen, wobei er nicht unterließ,
auch die Unterſchiede und Grenzlinien nach links
deut=
lich erkennen zu laſſen. Er rechtfertigte ſeine Partei gegen
den Vorwurf, bei den Wahlen im Jahre 1907 die
Reak=
tion begünſtigt zu haben. Lediglich im Intereſſe einer
fortſchrittlichen Entwickelung ſei man auf die
Kompro=
miſſe des Bülowblocks eingegangen, wie auch die
So=
zialdemokratie bei Bewilligung der elſaß=lothringiſchen
Verfaſſung mit ihren zum Teil durchaus reaktionären
Einrichtungen Kompromiſſe geſchloſſen habe. Die
Zu=
ſtimmung zum Reichsvereinsgeſetz ſeitens der Liberalen
trotz des rückſchrittlichen Sprachenparagraphen ſei
eben=
falls erfolat, um weſentliche Fortſchritte im Vereinsrecht
zu ermöglichen. Redner berührte noch die
Reichsfinanz=
reſorm und beleuchtete zum Schluß in klaren
Ausführ=
ungen den Aufmarſch der Parteien und die Bedeutung
der Entſcheidung vom 12. Januar für den kommenden
Reichstag. Da Herr Dr. Strecker durch eine
Verſamm=
lung in Darmſtadt noch in Anſpruch genommen war,
mußte er die Verſammlung zeitig verlaſſen, nicht ohne
vorher auf Wunſch einiger Anweſenden ſeine Stellung
zur Frage der Schutzzölle geklärt zu haben. An der
dar=
auffolgenden Diskuſſion beteiligten ſich ein bündleriſcher
und ein ſozialdemokratiſcher Redner. Die Einwendungen
dieſer Redner fanden in den Ausführungen des Herrn
Lehrers Jung, welcher den Kandidaten in deſſen
Ab=
weſenheit vertrat, eine eingehende Widerlegung, ſodaß
die Verſammlung mit einem Erfola für die Sache der
Fortſchrittlichen Volkspartei geſchloſſen werden konnte.
Luftfahrt.
sr. Die Flugleiſtungen des Jahres 1911
auf dem Flugplatz Johannisthal ſind als recht
er=
freuliche zu bezeichnen. Im ganzen konnte an 289 Tagen
geflogen werden. Die Zahl der Flüge, die von 80
Flie=
gern ausgeführt wurden, betrug über 7000. Von den neuen
deutſchen Piloten erwarben allein 48 das
Führerzeug=
nis in Johannisthal. Auch im letzten Monat des
Jah=
res wurde noch eifrig trainiert, und zwar konnten von
53 verſchiedenen Fliegern insgeſamt 1106 Flüge bei einer
Geſamtflugzeit von 126 Stunden 50 Minuten ausgeführt
werden.
sr. Der verſchollene Ballon „Salzburg”
iſt von den ausgeſandten Expeditionen bisher nicht
ge=
funden worden, ſodaß nunmehr auf eine Rettung des
Führers, Oberleutnant Werner, wohl kaum zu rechnen
iſt. Die Expeditionen haben vor allen Dingen das „Tote
Gebirge” nach den verſchiedenſten Richtungen
durch=
ſtreift, ohne indeſſen die geringſten Spuren zu finden.
Die Witterungsverhältniſſe waren allerdings ſehr
un=
günſtige. Vor allen Dingen war ſeit dem 26. Dezember
2 Meter Neuſchnee gefallen, ſodaß durch dieſen eventuelle
Spuren vollſtändig verwiſcht werden mußten.
Sport.
* Ski oder Schneeſchuh? Unſere Mahnung
„Schneeſchuh” zu ſagen, wird in Nr. 305 d. Bl. mit dem
Hin=
weiſe abgelehnt, Schneeſchuh und Ski ſeien zwei
verſchie=
dene Dinge; erſterer diene zum Schreiten, letzterer zum
Gleiten, und ihn könne man höchſtens
Gleitſchnee=
ſchuh nennen. Nun iſt aber der Sprachverein nicht der
Urheber der Anſicht, man ſolle auf dieſe Unterſcheidung
verzichten. In den Konverſationslexiken von
Brock=
haus und Meyer wird unbefangen dasſelbe Wort
für jenen echten Schneeſchuh, der auch Schneereif und
Schneereiſen heißt, und für das Schneebrett
ange=
wandt. Ebenſo verzeichnen Grimms und
Wei=
gands Wörterbücher Schneeſchuh in beiden
Be=
deutungen. Da es ferner in Deutſchland neben Ski=
Ver=
bänden auch Schneeſchuh=Vereine gibt, ſo iſt es
uns ganz geläufig, unter Schneeſchuhen auch die
Schnee=
bretter zu verſtehen, zumal wenn vom Sport die Rede
iſt, wo jeder Zweifel wegfällt. Zwar wird in Herders
Konverſationslexikon Ski verlangt und mit
Gleitſchnee=
ſchuh überſetzt, aber auch dieſe Ueberſetzung beſagt
deut=
lich, daß es ſich um eine Art Schneeſchuh handelt. Der
lange ſchmale kanadiſche Schneeſchuh, auf den
der Einſender beſonders hinweiſt, iſt ein Mittelding
zwi=
ſchen Schneereif und Schneebrett, und wenn man ihn,
wie Einſender tut. Schneeſchuh nennt, ſo beſtätigt uns
das in der Auffaſſung, daß wir für beide Arten „
Schnee=
ſchuh” ſagen dürfen. Indeſſen kann man bedauern, daß
nicht das im Wörterbuche von Sanders ſchon längſt
verzeichnete Wort Schneebrett gebraucht wird, das
die Sache ſo trefflich ausdrückt. Schneebrett ſtimmt auch
zur urſprünglichen Bedeutung von Ski: die Skier oder
Schier ſind buchſtäblich weiter nichts als Scheite oder
Scheiter; denn unſer Scheit hieß vor 1000 Jahren
Skit, und im Schwediſchen heißt es noch Skida, während
im Däniſchen und Norwegiſchen das d abgefallen iſt.
Aber bei all dieſer Urverwandtſchaft ſind Ski und Schi
abzulehnen; ſonſt müßten wir jedem echt engliſchen,
nie=
derländiſchen, nordiſchen Worte Bürgerrecht bei uns
ver=
leihen, bis daß von Geſetzmäßigkeit im Deutſchen nichts
mehr zu ſpüren wäre. Mit dem ſtrengen Maßſtabe, den
der Einſender an das deutſche Wort „Schneeſchuh” legt.
werden Fremdwörter bei uns gewöhnlich nicht
ge=
meſſen. Batterie, Expedition, Galerie, Garderobe, Genie,
Horizont. Inſtrument. Journal. Karton, Kompagnie,
Ko=
lonie, Kultur, Marquiſe, Miſſion, Niveau, Obiekt, Organ,
Produkt, Reſtauration, Sekretär, Sphäre, Tour
gebrau=
chen wir in mehrfachem Sinne, und die verſchiedenen
Be=
deutungen dieſer und hundert anderer Fremdwörter
lie=
gen weit mehr auseinander, als wenn man Schneereif
und Schneebrett unter Schneeſchuh zuſammenfaßt, was
zu Schlittſchuh ſo vorzüglich paßt. Für Schi führt
man die Kürze des Wortes ins Feld. Wie ſehr der
Deutſche den Fremdwörtern überhaupt zuneigt, ſieht man
aber, wenn er ſich langer Fremdwörter bedient, wo ihm
kurze deutſche Ausdrücke zu Gebote ſtünden. Oder warum
hört und lieſt man Fäkalienwaſſer, Zahnhygiene,
Mete=
orologiſches Obſervatorium, geronautiſche Navigation,
trotzdem wir Abwäſſer, Zahnpflege, Wetterwarte (vergl.
Sternwarte und Seewarte!), Luftfahrt ſagen können?
Doch wohl nur deshalb, weil die Meinung, das
Aus=
ländiſche verrate eine höhere Bildung, noch nicht
abge=
ſtorben iſt.
Darmſtädter Sprachverein.
— F.=K. Olympia 1898. Sonntag, den 7. Jan.
kommt das Ligaſpiel zwiſchen „Germania”=Ludwigshafen
und „Olympia” auf dem Sportplatz an der Heidelberger
Straße zum Austrag. Die zweite Mannſchaft der „
Olym=
pia” fährt nach Worms und tritt dort gegen die gleiche
Mannſchaft von „Wormatia” an, während die dritte
Mannſchaft nachmittags 1 Uhr der dritten Mannſchaft
des Fußball=Sportvereins Frankfurt auf dem Olympia=
Sportplatz gegenübertritt.
* Die Würzburger Kickers feierten in der
Schweiz zwei Ueberraſchungsſiege. Sie ſchlugen F.=K.
Baſel mit 3:2 und F.=K. St. Gallen mit 4:3 Toren. Beide
Vereine ſind Schweizer A=Klaſſe, letzterer Klub ſteht ſogar
in der Oſtſchweiz an erſter Stelle. Die Würzburger
wer=
den vorausſichtlich am 4. Februar gegen den Darmſtädter
Sportklub antreten.
sr. Der Repanche=Kampf der Oxford
Canadians gegen eine kombinierte Wiener
Eis=
hockey=Mannſchaft ergab einen glänzenden Sieg der
Ka=
nadier, und zwar wurde das Wiener Team mit 14:4
Toren geſchlagen.
Stimmen aus dem Publikum.
Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Rebaktien
ſeinerlei Verantwortung: für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Es dürfte am Platze ſein, einige Worte zu ſagen
über die Zuhaltung reſp. Offenhaltung der hieſigen
Laden=
geſchäfte am Silveſtertage. Einer beſchränkten Anzahl
Ge=
ſchäfte war durch polizeiliche Verfügung erlaubt, an dieſem
Tage zu verkaufen, während viele andere, die die gleichen
Artikel führen, geſchloſſen halten mußten. Liegt ſchon darin
eine ſtarke Benachteiligung eines Teiles der
Geſchäfts=
inhaber, ſo bedeutet es doch auch eine weſentliche
Schädig=
ung des Kaufmannſtandes überhaupt, wenn an einem für
mehrere Branchen wichtigen Tage der Verkauf eingeſchränkt
reſp. inhibiert wird. In ſolchen Fällen erkennt man die
Segnungen” die uns die abſolute Sonntagsruhe gebracht
hat. Daß ſie eine weſentliche und dauernde geſchäftliche
Schädigung bedeutet, das ſehen nun endlich die meiſten
Ge=
ſchäftsinhaber ein und möchten gerne die ſchlimme Wirkung
dieſes Erlaſſes beſeitigt wiſſen. Doch dazu ſcheint es jetzt
zu ſpät zu ſein. Wogegen aber Front gemacht werden
muß, das iſt die rigoroſe polizeiliche Handhabung der
Ausnahme=Möglichkeiten; hier muß abſolute
Gleichberech=
tigung herrſchen, es geht nicht an, daß ein Kaufmann an
ſolchen Tagen Geſchäfte macht, während der Nachbar
ge=
ſchloſſen halten muß. Es iſt undenkbar, daß bei den
heu=
tigen ſchweren Zeiten der Kaufmann in dieſer Weiſe
be=
hindert wird, Geld zu verdienen. Schon wieder drohen
neue Steuern für unſere Stadt; die Beamten fordern (und
erhalten) Gehaltserhöhung und Teuerungszulagen, der
Ladeninhaber wird aber nicht nur nicht gefördert, ſondern
durch ſolche Maßnahmen geſchädigt. Auch in dieſem Falle
ſchweigen und verſagen die kaufmänniſchen Verbände,
folg=
lich muß auf dieſem Wege auf Mißſtände hingewieſen
8.
werden, die eine Beſeitigung dringend fordern.
Die Berliner Aſylerkrankungen und die
Drogiſten.
— Die Erkrankungen im Aſyl für Obdachloſe haben
der Berliner Drogiſten=Innung Veranlaſſung gegeben,
der Deutſchen Journalpoſt folgende Darſtellung zu
über=
mitteln. Die bedauerlichen Aſylerkrankungen ſollen nach
den heutigen Berichten der Tagespreſſe auf den Genuß
von Methyl=Alkohol zurückzuführen ſein. Methyl=
Alkohol iſt ein Produkt der trockenen Deſtillation des
Holzes und wird durch die fraktionierte Rektifikation des
rohen Holzeſſigs und nachherige Reinigung gewonnen.
In Fachkreiſen war man von jeher einig darüber, daß
er, in konzentriertem Zuſtande genoſſen, giftig, und in
verdünntem, wie Spiritus, berauſchend wirkt.
Vergegen=
wärtigt man ſich nun, daß die hier in Frage kommenden
Schnäpſe wohl kaum mehr als 25 bis 30 Prozent Methyl=
Alkohol enthalten dürften, ſo erſcheint es uns doch äußerſt
fraglich, ob die Vergiftungen lediglich auf den Genuß
dieſer Schnäpſe zurückgeführt werden können. Hiervon
aber ganz abgeſehen, möchten wir zur Beruhigung
ängſt=
licher Gemüter bekannt geben, daß der Herr Miniſter des
Innern unter dem 12. Mai 1911 eine Verfügung erlaſſen
hat, wonach mit Methyl=Alkohol und mit
methylalkohol=
haltigen Präparaten hergeſtellte Heilmittel, ſelbſt wenn
ſie nur zum äußerlichen Gebrauche beſtimmt ſind,
außer=
halb der Apotheken ebenſo wenig wie in dieſen ſelbſt
ab=
gegeben werden dürfen. Die Mitglieder der Drogiſten=
Innung zu Berlin haben bereits Anfang des Jahres
be=
ſchloſſen, für Heilzwecke und natürlich auch Genußmittel
nur Waren zu verabfolgen, die dem deutſchen Arzneibuch
entſprechen. Es hat auch die Innung ferner bekannt
ge=
geben, daß Spiritus=Erſatzpräparate wie Methyl=Alkohol
nicht verwendet werden dürfen. Wir haben denn auch
feſtgeſtellt, daß der Lieferant Julius Scharmach weder
Mitglied der Drogiſten=Innung noch des Deutſchen
Dro=
giſtenverbandes iſt. und da wohl alle Fachdrogiſten in
einem dieſer Verbände korporiert ſind, ſo haben wir es
allem Anſchein nach mit einem „wilden‟ Drogiſten zu
tun. Das Verfahren, Methyl=Alkohol für Spiritus zu
verwenden, ganz gleich, ob zu Heilgenuß oder
kosme=
tiſchen Zwecken, verurteilen wir auf das allerſchärfſte und
erwarten, daß gegen dieſen Betrug mit aller Strenge des
Geſetzes vorgegangen wird.
* Berlin, 4. Jan. Die weitere Unterſuchung
der Maſſenvergiftung der Aſyliſten führte
die Verhaftung eines gewiſſen Zaſtrow in der
Galvani=
ſtraße herbei, der mit Scharmach in Geſchäftsverbindung
ſtand und ſelbſt Schnaps aus Methyl=Alkoholzuſätzen
her=
ſtellte und verkauſte. In der Nähe des Aſyls und in
Charlottenburg wurden eine Reihe Schankwirtſchaften
ermittelt, denen Zaſtrow die Miſchungen lieferte. Die
Lokale zweier größerer Abnehmer in der Helmholtzſtraße
in Charlottenburg wurden geſchloſſen; die übrigen
ber=
gen geringe Mengen. Im Städtiſchen Obdach iſt in der
vergangenen Nacht der Arbeiter Thenert unter
verdäch=
tigen Vergiftungserſcheinungen erkrankt; er wurde ins
Krankenhaus gebracht. Bisher ſind keine weiteren
To=
desfälle zu verzeichnen.
Der Konflikt in der türkiſchen Kammer.
* Konſtantinopel, 4. Jan. Die geſtrige
Sitz=
ung der Kammer wurde um 4 Uhr nachmittags
er=
öffnet. Das neue Kabinett und alle Parteien waren
an=
weſend. Der Großweſir verlas eine
Regierungs=
erklärung, welche auf die Umſtände der Demiſſion
des früheren Kabinetts Bezug nahm, und erklärte, daß
das neue Kabinett nachdrücklich auf der Dringlichkeit der
Abänderungen des Artikels 35 beſtehe, die
vom früheren Kabinett verlangt worden ſeien. In allen
konſtitutionellen Ländern ſei das Recht der Auflöſung
ein Grundrecht des Staatsoberhauptes, und es wäre
ſonderbar, dem Sultan, einem Herrſcher über ſo viele
Millionen, dieſes Recht verweigern zu wollen. (Lärm
bei der Oppoſition.) Der Großweſir wies auf die
Not=
wendigkeit hin, den Artikel 35 zu ändern, um der
unhalt=
baren Situation ein Ende zu machen und dem Sultan
ſeine geſetzlichen Rechte zu verſchaffen. Die oppoſitionellen
Redner wandten ein, es beſtehe kein Grund,
anzuneh=
men, daß der Vorſchlag der Regierung abgelehnt werde.
Die Verfaſſung beſtimme klar, daß der Vorſchlag
zwei=
mal abgelehnt ſein müſſe, ehe das Kabinett zum
Rück=
tritt gezwungen ſei. Während die Kammer ſelbſt keine
Sitzung abhalten könne, müſſe der Senat aufgefordert
werden, ſich darüber auszuſprechen, ob ein Konflikt
zwi=
ſchen dem Kabinett und der Kammer beſtehe. Im
wei=
teren Verlaufe der Debatte ergriff der Großweſir
mehr=
mals das Wort und ſagte, er habe das Großweſirat nicht
annehmen wollen, habe aber dem wiederholten Wunſche
des Sultans nachgegeben. Er bitte die Kammer, auf
per=
ſönliche Beſchuldigungen, die die Kamer herabſetzen, zu
verzichten, und verſichere, daß die Regierung nicht die
Abſicht habe, die Kammer aufzulöſen. Er wiederhole,
daß die Regierung die vorgeſchlagenen Abänderungen
für unerläßlich halte und darauf beſtehe, weil das Wohl
des Vaterlandes davon abhänge.
Der Vorſchlag, daß der Senat befragt werden ſolle,
ob ein Konflikt beſtehe, wurde von den
jungtür=
kiſchen Rednern bekämpft, da dies ein neues
Obſtruktions=
mittel ſei, während das Land das Bedürfnis nach einer
ſchnellen Löſung habe. Der jungtürkiſche Führer, Sam
Seyid, beantragte, die Kammer möge durch namentliche
Abſtimmung bei Beginn der Debatte über die ſofortige
Abänderung des Artikels 35 beſchließen,
worauf von der Oppoſition förmlich beantragt wurde,
daß der Senat zu befragen ſei, ob ein Konflikt beſtehe.
Es kam zu einer lebhaften Debatte über die Priorität
der beiden Anträge, in der der Großweſir ſich für den
jungtürkiſchen Antrag erklärte. Unter unbeſchreiblichem
Lärm, Tumult und Proteſtrufen der Oppoſition
wollte der Präſident den Antrag Seyid zur Abſtimmung
bringen. Lutf Fikri beantragte, darüber
abzuſtim=
men, welchem von beiden Anträgen die Priorität
zu=
komme. Indeſſen begannen aber die Jungtürken mit der
Abſtimmung über den Antrag Seyid, was die Oppoſition
veranlaßte, den Sitzungsſaal mit lärmendem Proteſt
gegen die Verletzung der Geſchäftsordnung zu verlaſſen.
Zwiſchen dem unabhängigen Deputierten Ferid und dem
Exminiſter Talaat Bey, der Ferid einen Lügner genannt
hatte, kam es zu einem erregten Zwiſchenfall. Ferid
ſchrie Talaat, lebhaft geſtikulierend, zu, er ſei ein
ehr=
loſer, feiger Verräter, und ſchickte ſich an, ſich auf Talaat
zu ſtürzen. Mit großer Mühe wurde Ferid von ſeinen
Freunden entfernt. Ein druſiſcher Deputierter ſchrie:
„Jungtürken, ihr ruiniert das Land!‟ Der Antrag
Seyid wurde ſchließlich mit 103 gegen 2 Stimmen
an=
genommen, der Oppoſitionsantrag mit 100 gegen
90 Stimmen abgelehnt. Die Debatte wird heute
fort=
geſetzt.
Die Revolution in China.
* London, 4. Jan. Die Daily Mail meldet aus
Schanghai: Am Montag abend iſt Sunyatſen im
Triumph in die republikaniſche Hauptſtadt eingezogen und
hat die Präſidentſchaft der proviſoriſchen
Regier=
ung übernommen. — Die Morning Poſt meldet aus
Schanghai, daß das neue proviſoriſche Kabinett
gebildet iſt. Es ſetzt ſich zuſammen aus Huanghſin:
Prä=
ſidium und Kriegsminiſter, Huangtſchungjen:
Marinemini=
ſter, Vutingfang: Juſtizminiſter, Wangtſchaoweh: Miniſter
für auswärtige Angelegenheiten.
* Peking, 3. Jan. Liyuanheng entſchuldigt ſich
wegen der Verletzung des Waffenſtillſtandes
durch die Republikaner in Hankau und entließ zwei dafür
verantwortliche Oberſten. — Der Vizekönig von Hukuang
teilte den Revolutionären mit, daß 1000 Wagen nötig ſeien,
um die kaiſerlichen Truppen aus der Stadt zu entfernen,
daß aber nur 50 zur Verfügung ſtänden, und daß deshalb
die Räumung der Stadt ungefähr vierzehn Tage
bean=
ſpruche. — Tſchaoerhfeng, der frühere Vizekönig von
Szetſchuan, nahm mit Unterſtützung von Soldaten aus
Tibet Tſchengtu wieder ein, wobei die republikaniſchen
Führer umkamen.
* Charbin, 3. Jan. Meuternde Abteilungen der 20.
Diviſion haben die Station Schanhaikwan beſetzt und
damit die Verbindung zwiſchen China und der Mandſchurei
abgeſchnitten. Eine japaniſche Truppenabteilung iſt
abge=
ſandt worden, um den Verkehr wiederherzuſtellen.
H. B. Petersburg 3. Jan. Aus der Mongolei
kommen Nachrichten, daß ſich dort bald unhaltbare
Zu=
ſtände ausbilden dürften. Die Weſt= und Süd=Mongolei
beabſichtigen ſich nach dem Beiſpiel der Oſt=Mongolei
gleichfalls für unabhängig zu erklären und ihre eigenen
Herrſcher zu wählen. Man nimmt an, daß zwiſchen dieſen
drei neuen unabhängigen Gel ieten bald Unfrieden und
Krieg ausbrechen werde.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Bremen, 4. Jan. Das Schulſchiff des Deutſchen
Schulſchiffvereins Prinzeß Eitel Friedrich” iſt
am 3. Januar wohlbehalten in Kingſton (Jamaika)
ange=
kommen. Es wird am 18. Januar nach Havanna
weiter=
ſegeln.
* Rom, 4. Jan. Aus Tripolis, Ain Zara, Tagiura
und Homs wird nichts neues gemeldet. Die in der
Rich=
tung ſüdlich von Ain Zara vorgeſchobenen
Kavallerie=
patrouillen fanden keine Spur vom Feinde. — Aus
Benghaſi meldet die Agenzia Stefani: Nachrichten vom
1. Januar zufolge verlaſſen noch immer einige Araber das
türkiſche Lager, obwohl der Kommandant die nahe
bevor=
ſtehende Ankunft von Verſtärkungen angekündigt hat.
* Liſſabon, 4. Jan. In der
Deputiertenkam=
mer wurde der Antrag auf Entlaſſung der
Staatsbeam=
ten, die an der Kundgebung für den Patriarchen von
Liſſabon teilgenommen haben, zurückgezogen und darauf
ein neuer Antrag, in dem der Regierung das Vertrauen
ausgeſprochen wird, angenommen.
Nummer 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 5. Januar 1915.
Seite 7.
2 Soſia, 4. Jan. Der König keidet ſeit eingen
Tagen an leichter Influenza, die ihn aber nicht
hin=
dert, die Staatsgeſchäfte zu erledigen. Seit vorgeſtern iſt
ider Thronfolger ziemlich ernſt an Influenza erkrankt.
* Kanea, 4. Jan. Die Vertreter der Schutzmächte
lließen die auf den Kriegsſchiffen zurückgehaltenen
kreti=
ſſchen Abgeordneten frei, nachdem ſie ihnen eine
Verwarnung erteilten.
— Berlin, 4. Jan. Die B. Z. a. M. meldet: Heute
macht wurde zwiſchen Schöneweide und Köpenick ein
Fuhr=
twerk der Gießerei Gladenbeck von ſieben Mann
über=
ffallen. Der Kutſcher und der Mitfahrer wurden vom
Wock geriſſen und mit Knütteln geſchlagen. Die Räuber
durchſuchten den Wagen und die Behälter. Der Wagen
ſar mit zahlreichen wertvollen Gegenſtänden beladen.
Wie viel geſtohlen worden iſt, iſt noch nicht feſtgeſtellt. Der
Kutſcher Kirſtein und der Mitfahrer Krämer müſſen das
Bett hüten.
— Berlin, 4. Jan. Heute nachmittag wurde der
Kaſſenbote Louis Klein in einer Automobildroſchke von
dem Bankboten Julius Siegel überfallen. Er
wwürgte den Klein mit einem geflochtenen Meſſingdraht;
Klein konnte ſich jedoch frei machen. Der Täter wurde
ffeſtgenommen. Klein hatte eine Summe von etwa 40000
Mark bei ſich, deren ungefähre Höhe dem Täter
be=
kannt war.
H.B. Rudolſtadt, 4. Jan. Der Primaner, der im
Oktober v. J. den Sekundaner von Necker erſchoß und
ſich ſelbſt ſchwer verletzte, iſt nach längerer Beobachtung
ſin der Jenaer Klinik für geiſteskrank erklärt
worgen.
H. B. Duisburg, 4. Jan. Auf der Schiffswerft
Ber=
minghaus geriet auf noch unbekannte Weiſe ein
Tank=
ſſchiff mit Teer in Brand. So viel bisher
be=
kkannt wurde, ſind zwei Perſonen ſchwer verletzt worden.
H. B. Kiel, 4. Jan. Das Kanonenboot
„Panther” tritt am Freitag früh die Ausreiſe nach
ider weſtafrikaniſchen Station an und wird auch das
Kongogebiet beſuchen, doch hängt es vom Wetter ab, ob
idas Schiff den Fluß weit hinauffahren kann.
H. B. Glatz, 4. Jan. Der in Frankenſtein wegen des
Verdachts der Beihilfe zur Flucht des Hauptmanns Lux
verhaftete franzöſiſche Sprachlehrer
Ver=
mont war früher Sergeant in dem Regiment des
Haupt=
manns Lux in Belfort. Er kam im November nach
Fran=
kenſtein, unternahm von dort aus wiederholt Reiſen nach
Glatz, wo er angeblich franzöſiſche Stunden erteilt haben
will. In Frankenſtein hielt er ſich unangemeldet auf. Die
Behörden nehmen an, daß er zu denen gehört, die Lur
zu ſeiner Flucht verholfen haben, was aber Vermont
leugnet. Er iſt indeſſen nicht identiſch mit jenem
Sprach=
lehrer, der anfangs Dezember ſich in Glatz niedergelaſſen
hatte und nach kurzer Zeit verſchwunden war.
— Poſen, 4. Jan. Das Opfer einer
Gasvergift=
rung wurden hier vier Damen, die in einem
Privat=
llogis wohnten. Die angeſtellten
Wiederbelebungsver=
ſſuche waren ergebnislos.
— Trubach, 4. Jan. Jäger entdeckten eine wohnlich
ſeingerichtete Felſenhöhle, die von einem
ſechzigjäh=
rrigen Manne bewohnt war. Als die Polizei hinzukam,
twar der Höhlenbewohner verſchwunden. Später wurde
der in der Nähe erhängt aufgefunden. Nach ſeinen
Papie=
iren handelt es ſich um einen ſeit vierzig Jahren
verſcholle=
mnen Schmiedegeſellen aus Möſch.
H. B. Paris, 4. Jan. Von dem hieſigen Arzt Dr.
Grelley, einem Jugendfreunde des Hauptmanns
Lux liegt eine Erklärung vor, daß er den Plan zur Flucht
entworfen und mit Hilfe franzöſiſcher Freunde
ausge=
führt habe.
Paris, 4. Jan. In der Beſſerungsanſtalt für
fjunge weibliche Strafgefangene in Clermont wurden
*300 Sträflinge aufſäſſig und zertrümmerten
alle Fenſter und verprügelten ſchließlich die Wärter. Erſt
lherbeigerufenen Gendarmen gelang es, die
Widerſpenſti=
gen zu überwältigen.
H. B. Petersburg, 4. Jan. Die Staatspolizei
ver=
anſtaltete in faſt allen Teilen Petersburgs unter den
Ar=
beitern und der Studentenſchaft
Haus=
ſuchungen, insgeſamt 30. Zahlreiche Verhaftungen
wurden vorgenommen. Beſondere Aufmerkſamkeit
er=
regt die Hausſuchung in der Verwaltung der Geſellſchaft
für polygraphiſche Kunſt, wobei mehrere Mitglieder
feſt=
genommen wurden. Sämtliche Verhafteten, unter denen
ſich auch einige Studenten befinden, wurden in
Unter=
ſuchung abgeführt. Zahlloſe Korreſpondenzen und
Do=
kumente wurden beſchlagnahmt.
H. B. Konſtantinopel, 4. Jan. Infolge des
hefti=
gen Schneeſturmes, der heute nacht über
Konſtan=
etinopel und Umgebung niederging, iſt die
Bahnverbind=
ung mit Europa unterbrochen worden.
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und das werden ſie recht lange noch bleiben. —
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nunmehr 25 Jahren zum erſten Male in die
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im Namen der Hinterbliebenen:
Margarete Stumpf,
geb. Buchert.
Darmſtadt, 4. Januar 1912.
Die Beerdigung findet Samstag, den 6. d. M.,
nachmittags 3½ Uhr, vom Eliſabethenſtift aus,
ſtatt. Einſegnung ¼ Stunde vorher.
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Heute entſchlief unſere innigſtgeliebte
Mutter, Schwiegermutter, Großmutter u. Tante
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nach langem, mit großer Geduld ertragenem
Leiden. Um ſtille Teilnahme bitten (*331
die trauernden Hinterbliebenen:
Nikolaus Korb nebſt Frau, geb. Altendorf,
Georg Wittmann nebſt Frau, geb. Altendorf,
Johann Altendorf, Berlin,
Wilhelm Altendorf, Anitapolis (Braſilien).
Darmſtadt, den 4. Januar 1912.
Die Beerdigung findet Samstag nachmittag
3 Uhr, von der Friedhofskapelle aus, ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlichſter Teilnahme
an dem uns ſo ſchwer betroffenen Verluſte unſerer
lieben Mutter, ſagen wir Allen, beſonders Herrn
Pfarrer Velte für die troſtreichen Worte am
Grabe, ſowie der liebevollen Pflege des ſtädtiſchen
Krankenhauſes unſeren tiefgefühlſten Dank. (817
Darmſtadt, den 4. Januar 1912.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Eugen Dern.
Bankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden und der Beerdigung unſeres
heißgeliebten guten Kindes, insbeſondere für die
vielen Blumenſpenden und für die tröſtenden
Worte des Herrn Pfarrers Lautenſchläger, ſagen
unſeren herzlichſten Dank.
(783
Darmſtadt, den 4. Januar 1912.
In tiefer Trauer:
Joseph Dauber
und Frau, geb. Wallbott.
Gotiesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde.
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Freitag, den 5. Januar:
Vorabendgottesdienſt 4 Uhr 30 Min.
Samstag, den 6. Januar:
Morgengottesdienſt 9 Uhr. Sabbatausgang 5 Uhr
35 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen
Religions=
geſellſchaft.
Samstag, den 6. Januar:
Vorabend 4 Uhr 15 Min. Morgens 8 Uhr.
Nach=
mittags 3 Uhr 30 Min. Sabbatausgang 5 Uhr 30 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 7. Januar, an:
Morgens 7 Uhr. Nachmittags 4 Uhr.
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Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen treuen Gatten, unseren lieben
Vater, Bruder, Schwager und Onkel
(834
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plötzlich in ein besseres Jenseits abzurufen.
Darmstadt, den 3. Januar 1912.
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Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkriptewerden nicht
zurückgeſandt.
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 5. Januar 1912.
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Nummer 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 5. Januar 1912.
Seite 11.
Bekanntmachung,
betreffend Reichstagswahlen 1912.
Nachdem der Unterzeichnete für die bevorſtehenden
Reichstags=
wahlen zum Wahlkommiſſär des ſechſten Wahlkreiſes des Großher=
Zogtums Heſſen ernannt worden iſt, macht er hierdurch öffentlich
Bekannt, daß
Dienstag, den 16. Januar l. Js., vormittags 11½ Uhr
im Kreisamtsgebäude zu Heppenheim
idie Durchſicht der Protokolle über die Wahlen in den einzelnen
Wahlbezirken und die Zuſammenſtellung der Reſultate der Wahlen
kſtattfinden, auch das Ergebnis öffentlich verkündigt werden ſoll.
Der Zutritt zu dem Lokal ſteht jedem Wähler offen.
Heppenheim, den 2. Januar 1912.
(788
Der Wahlkommiſſär für den VI. heſſiſchen Reichstagswahlkreis:
von Hahn, Großh. Kreisrat.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde. In polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Pinſcher. Die Hunde können von den Eigentümern
bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der
nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vorm. um
10 Uhr, ſtatt.
(773
Bekanntmachung.
Indem wir die nachſtehende Polizeiverordnung erneut
ver=
öffentlichen, empfehlen wir allen Grundſtücksbeſitzern, die mit der
Erfüllung der in den §§ 1 und 3 dieſer Polizeiverordnung feſtgeſetzten
Verpflichtungen eine andere Perſon beauftragt haben oder dies zu tun
beabſichtigen, die beauftragte Perſon, Geſellſchaft oder Anſtalt alsbald
gemäß § 8 namhaft zu machen, falls dies noch nicht geſchehen iſt.
Zur Entgegennahme ſolcher — mündlicher oder ſchriftlicher —
Er=
klärungen iſt außer uns auch das zuſtändige Polizeirevier befugt.
Im Intereſſe der Grundbeſitzer liegt es, ſelbſt dafür zu ſorgen, daß
möglichſt gleichzeitig mit dieſen Erklärungen auch die Bereiterklärungen
der verantwortlichen Vertreter eingehen.
Darmſtadt, den 5. Januar 1912.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Polizeiverordnung,
die Reinigung der Straßen betreffend.
Auf Grund des Artikel 56 Abſ. 2 Ziffer 1 des Geſetzes, die
Städteordnung für das Großherzogtum Heſſen betreffend, vom
13. Juni 1874, wird nach Anhörung der
Stadtverordnetenverſamm=
lung der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt mit Genehmigung
des Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom 9. Dezember
1.08 zu Nr. M. d. J. 20529 die nachſtehende Polizeiverordnung erlaſſen:
§ 1. Die allgemeine Reinigung der Straßen liegt den Beſitzern
(unmittelbaren und mittelbaren — §§ 854 ff. B. G. B. —) der
an=
grenzenden Grundſtücke ob, ſoweit nicht die ſtädtiſche
Reinigungs=
anſtalt gemäß den Beſtimmungen des Statuts vom 14. September
1886 betreffend: „Die Reinigung der Straßen und öffentlichen Plätze
in der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt” die Reinigung
über=
nommen hat. Die Pflicht zur Reinigung erſtreckt ſich nur auf den
Teil der Straße, der an dem Grundſtücke des Verpflichteten herzieht,
und nicht über die Mitte der Straße hinaus. Sind mehrere Beſitzer
vorhanden, ſo trifft jeden die volle Verantwortlichkeit; ein Mieter oder
Pächter iſt jedoch nur dann als Beſitzer im Sinne dieſer Verordnung
anzuſehen, wenn er allein das betreffende Grundſtück benutzt.
Iſt eine Geſellſchaft, Gewerkſchaft, Genoſſenſchaft, Stiftung, ein
Verein oder eine Anſtalt oder eine ſonſtige juriſtiſche Perſon Beſitzer
des Grundſtücks, ſo liegt die Verpflichtung zur Reinigung den
Mit=
gliedern des Vorſtands ob; bei Grundſtücken, die ſich im Beſitze oder
in der Verwaltung einer ſtaatlichen oder kommunalen Behörde befinden,
trifft die Verpflichtung den Vorſtand dieſer Behörde. Der Inhaber
einer Dienſtwohnung ſteht einem Mieter gleich.
Auf die Abfuhr des Hauskehrichts finden die Beſtimmungen
der Abſ. 1 und 2 entſprechende Anwendung. Die Kehrichtgefäße ſind
von den Grundſtücksbeſitzern zur Abholung des Kehrichts durch die
Straßenreinigungsanſtalt bereit zu halten, ſie dürfen aber nicht auf
der Straße aufgeſtellt werden.
§ 2. Jede Verunreinigung der Straßen, insbeſondere auch durch
Fuhrleute beim Fahren von Bauſchutt, Dung, Sand, Lehm, Erde
und anderem loſen Material iſt verboten.
Jede Zuwiderhandlung bedingt, abgeſehen von der verwirkten
Strafe, die Verpflichtung zur ſofortigen Reinigung der Straße.
§ 3. Den Grundſtücksbeſitzern liegen außerdem bezüglich der
Reinigung der Fußſteige von Eis und Schnee folgende
Verpflich=
tungen ob:
1. Die Fußſteige, gleichviel ob befeſtigt oder nicht, ſind in ihrer
ganzen Breite bis zum Rande der Fahrbahn, und Fußſteige
von größerer Breite auf mindeſtens 3 Meter in der
meiſt=
begangenen Fläche ſtets von Schnee und Eis freizuhalten.
Der über Nacht gefallene Schnee iſt bis ſpäteſtens 8 Uhr
mor=
gens abzuräumen.
Iſt wegen andauernden ſtarken Schneefalls die völlige
Freihaltung nicht möglich, ſo muß die Abräumung in der
Zeit von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends mindeſtens alle
drei Stunden erfolgen. Der von den Fußſteigen abgeräumte
Schnee iſt auf der Fahrbahn tunlichſt nahe dem Rande
der=
ſelben zu lagern, wobei Straßenrinnen, Straßenbahngleiſe,
ſowie Hydranten und, falls anderweit Platz vorhanden iſt,
Straßenecken, Straßenausgänge und Hauseingänge freizuhalten
ſind.
Das Lagern von Schnee, welcher von Hofreiten abgeräumt
wurde, iſt auf den Straßen und Plätzen unterſagt.
2. Sofern auf den Fußſteigen Glatteis oder infolge
andau=
ernden Schneefalls, Froſteinwirkung oder aus anderen Urſachen
eine gefährlich zu begehende Schneedecke oder Schnee= und
Eis=
buckel ſich gebildet haben, oder die Fußſteige ſonſtwie ſchwer
zu begehen ſind, müſſen dieſe in einer Breite von 1,50 Meter
mit Sand, Kies, Sägeſpänen oder ſonſt geeignetem
Streu=
material ausgiebig beſtreut werden. Das Aufſtreuen iſt zu
wiederholen, ſobald auf den Fußſteigen wieder glatte Stellen
entſtanden ſind. Dieſe Verpflichtung erſtreckt ſich auf die Zeit
von morgens 7½ Uhr bis abends 8 Uhr.
Das Aufſtreuen von Abfällen oder ſonſt ungeeignetem
Streumaterial iſt verboten.
§ 4. Beſchädigungen der Straße bei der Reinigung ſind ſorgfältig
zu vermeiden, insbeſondere iſt es verboten, bei Reinigung der
Fuß=
ſteige ſcharfe Geräte, wie Beile, Pickel, Stoßeiſen und dergleichen zur
Entfernung des Schnees oder Eiſes zu verwenden.
§ 5. Bei Froſtwetter iſt das Ausſchütten von Flüſſigkeiten in
die Straßenrinnen unterſagt.
§ 6. Bei Froſtwetter iſt das Schleifenziehen auf den
Fuß=
ſteigen verboten.
§ 7. Das Schneeballwerfen mit naſſem oder verunreinigtem
Schnee iſt verboten.
§ 8. Der Beſitzer eines Grundſtücks kann mit der Erfüllung der
in den §§ 1 und 3 feſtgeſetzten Verpflichtungen eine andere Perſon,
wie z. B. einen Hausverwalter oder eine Geſellſchaft oder Anſtalt,
die ſich die Reinigung von Straßen zur Aufgabe geſtellt hat,
beauf=
tragen. Die Beauftragten, bei Geſellſchaften oder Anſtalten deren
Vorſtandsmitglieder, ſind für die Einhaltung der Vorſchriften
aus=
ſchließlich verantwortlich, wenn die beauftragte Perſon, Geſellſchaft
oder Anſtalt dem Polizeiamte als verantwortliche Vertreter durch
den Grundſtücksbeſitzer ausdrücklich namhaft gemacht worden ſind
dieſe zur Uebernahme der Verpflichtung ſich bereit erklärt haben und
das Polizeiamt binnen einer Friſt von 14 Tagen nach erfolgter
Namhaftmachung Einſpruch gegen die Vertretung nicht erhoben hat.
Mehrere Beſitzer eines Grundſtücks können nach Maßgabe der
Vorſchriften des Abſatz 1 die Erfüllung der Verpflichtungen auf einen
von ihnen übertragen.
§9. Zuwiderhandlungen gegen dieſe Verordnung werden auf
Grund des § 366 Poſ. 10 des Reichsſtrafgeſetzbuchs mit Geldſtrafe
bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen beſtraft.
§ 10. Dieſe Verordnung tritt mit dem Tag der Veröffentlichung
in Kraft.
Mit dem gleichen Tage wird das Polizeireglement vom
8. November 1856 aufgehoben.
Darmſtadt, den 9. Januar 1909.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
(772fs
Nachdem in letzter Zeit wiederholt Verſtöße gegen die geſetzliche
Verpflichtung zur Anmeldung der Ausverkäufe feſtgeſtellt worden
ſind, bringen wir nachfolgend die maßgebenden Beſtimmungen erneut
zur Kenntnis der Beteiligten, mit dem Anfügen, daß wir in jedem
Fall der Uebertretung Strafanzeige erheben werden.
Darmſtadt, den 3. Januar 1912.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
Betr. Ausführung des Reichsgeſetzes vom 7. Juni 1909 gegen
den unlauteren Wettbewerb.
Bekanntmachung.
Auf Grund der Beſtimmungen des § 7 Abſatz 2 und des § 9
Abſatz 2 des Geſetzes vom 7. Jun 1909 gegen den unlauteren
Wett=
bewerb und des § 1 der Vollzugsbekanntmachung vom 2. September 1909
wird für den Kreis Darmſtadt nach Anhörung der Großh.
Handels=
kammer und Handwerkskammer Folgendes mit Wirkung vom
1. Januar 1910 angeordnet:
I. Wer in öffentlichen Bekanntmachungen oder in Mitteilungen,
die für einen größeren Kreis von Perſonen beſtimmt ſind, den Verkauf
von Waren unter der Bezeichnung eines Ausverkaufs wegen Aufgabe
des Geſchäfts oder wegen Aufgabe einer Warengattung oder wegen
Umbau oder Umzugs oder wegen eines elementaren Ereigniſſes
ankündigt, hat drei Tage vor der Ankündigung bei der Großh.
Handelskammer Darmſtadt Anzeige über den Grund des Ausverkaufs
und den Zeitpunkt ſeines Beginns zu erſtatten und ein Verzeichnis
der auszuverkaufenden Waren einzureichen.
Der Ankündigung eines Ausverkaufs im Sinne des Abſatzes 1
ſteht jede ſonſtige Ankündigung gleich, welche den Verkauf von Waren
wegen Beendigung des Geſchäftsbetriebs, Aufgabe einer einzelnen
Warengattung oder Räumung eines beſtimmten Warenvorrats aus
dem vorhandenen Beſtande betrifft.
Auf Saiſon= und Inventurausverkäufe, die in der Ankündigung
als ſolche bezeichnet werden und im ordentlichen Geſchäftsverkehr
üblich ſind, finden die vorſtehenden Anordnungen keine Anwendung.
II. Saiſon= und Inventurausverkäufe, die in der Ankündigung
als ſolche bezeichnet werden und im ordentlichen Geſchäftsverkehr
üblich ſind, dürfen in einem Geſchäft innerhalb eines Kalenderjahres
im Ganzen nur zweimal, und zwar in der Dauer von je vier Wochen
abgehalten werden.
Der eine dieſer Ausverkäufe darf nur in die Zeit vom 2. Januar
bis 15. Februar, der andere nur in die Zeit vom 1. Juli bis 15. Auguſt
gelegt werden.
Darmſtadt, den 27. Dezember 1909.
(802
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
von Grancy.
Warnung vor unlanteren Darlehensvermittlern.
Wir haben ſchon wiederholt vor dem unlauteren
Geſchäfts=
gebahren gewiſſer Darlehensvermittler gewarnt, die in Zeitungen
ſich zur Vermittelung oder Beſchaffung von Darlehen unter
an=
ſcheinend günſtigen Bedingungen erbieten, denen es aber vielfach
weniger um die Beſchaffung der Darlehen zu tun iſt, als um die
Er=
zielung von Gewinn dadurch, daß ſie entweder die Behandlung der
Darlehensgeſuche von der Vorauszahlung eines die wirklichen
Aus=
lagen überſteigenden Koſtenvorſchuſſes für Einholung einer
Aus=
kunft über die Kreditwürdigkeit des Nachſuchenden uſw. abhänig
machen, oder auf Grund von zur Irreführung geeigneter
Zeitungs=
annoncen und Proſpekten den Darlehenſuchenden eine ſogenannte
Geldoffertenliſte, d. i. ein umfangreiches Verzeichnis von
Darlehens=
vermittlern und Darlehensgebern, gegen Bezahlung einer Gebühr, die
meiſt durch Nachnahme erhoben wird, überſenden. Wie berechtigt
dieſe Warnung iſt, beweiſt die Tatſache, daß fortwährend
Verurtei=
lungen derartiger Perſonen wegen Betrug zu empfindlichen Strafen
bekannt werden.
Da auch hieſige Einwohner durch das unlautere
Geſchäfts=
gebahren derartiger Perſonen zu Schaden gekommen ſind, können
wir unſere Mahnung zur Vorſicht gegenüber unbekannten
Darlehens=
vermittlern nur wiederholen.
Darmſtadt, den 3. Januar 1912.
(803
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
ür die Unterhaltung der Kreisſtraßen ſoll die Anlieferung von
2 Sand und Kies auf dem Wege des öffentlichen Wettbewerbes
vergeben werden, und zwar:
a) die Anlieferung von 800 cbm gewöhnl. Sand zum
Ein=
walzen neuer Decklagen auf den Kreisſtraßenſtrecken
Darm=
ſtadt-Mörfelden, Darmſtadt-Dieburg und Chauſſeehaus-
Nieder=Ramſtadt;
b) die Anlieferung von 905 cbm Kies zum Bekieſen von
Fuß=
pfäden der Kreisſtraßen.
Die Bedingungen liegen in den Geſchäftsräumen des
Unter=
zeichneten (Neckarſtraße 3) an den Vormittagen offen, woſelbſt
ſchrift=
liche Angebote bis ſpäteſtens
Montag, den 15. d. Mts., vorm. 10 Uhr,
entgegengenommen werden.
Darmſtadt, den 2. Januar 1912.
(740
Der Großh. Kreisbauinſpektor.
Brennholz=Verſteigerung Nr. 5.
(Stadtwald.)
Freitag, den 12. Januar 1912, vorm. 9½ Uhr,
werden in der Wald=Reſtauration „Einſiedel” an der Staatsſtraße
nach Dieburg, aus den Diſtrikten: Hinterhecke, 6, Weidenlache, 10,
Saufang, 11 und Eichelacker, 14 und 15 der Forſtwartei Heiligkrenz
(Forſtwart Hofmann) verſteigert:
Scheiter: 204 rm Buche; 154rm Eiche; 10rm Birke; 3rm Fichte;
Knüppel: 41 rm Birke;
Reiſigknüppel: 139 rm Eiche;
Reiſig=Wellen: 3135 Buche (darunter Erbſenreiſer); 1575 Eiche;
Stöcke (ſein): 68 rm Buche; 81 rm Eiche.
Um vorherige Einſicht des Holzes, das nach allen Richtungen
gut abfahrbar iſt, wird gebeten.
Die unterſtrichenen Nummern kommen nicht zum Ausgebot.
Darmſtadt, den 2. Januar 1912.
(743fm
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.
Gebraucht. Kinderbettraufen.
Näh. Ruthsſtr. 23, Laden. (*248
vei
Hompl. Glasabſch., 2,401 3,40, m.
geätzt. Scheib., f. 80 M., 1 Adreßb.
1912 f. 3,50 M. z. v. Näh. Exp. (*270fs
Bekanntmachung.
Freitag, den 12. Januar 1912,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Wilhelm Groh zu
Arheilgen in der Gemarkung
Beſ=
ſungen gelegene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
II 152//10 322 Hofreite
Karl=
ſtraße 50,
in unſerem Geſchäftszimmer,
Witt=
mannſtraße 1, zwangsweiſe
ver=
ſteigert werden.
Darmſtadt, 1. Dezember 1911.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen).
Frantz. (D24315,27
Bekanntmachung.
Freitag, den 2. Februar 1912,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die dem Friedrich Edmund
Göllnitz dahier und deſſen Kindern
zugeſchriebenen Immobilien:
Flur Nr. qm
IV 569//10 219 Hofreite
Eck=
hardtſtraße
Nr. 8,
IV 570%/100 53 Grabgarten
Gardiſten=
ſtraße,
IV 569¾/10 33 Bauplatz
Eck=
hardtſtraße,
IV 590 33 Bauplatz
da=
ſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K5/11
Falls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen, kann
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
er=
reicht.
Darmſtadt, 14. Dezember 1911.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (D25400,28
Bekanntmachung.
Freitag, den 16. Februar 1912,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die dem Heinrich Philipp
Jacoby zu Eberſtadt in der
Ge=
markung Beſſungen gelegenen
Grundſtücke:
Flur Nr. qm
XIII 64 1313 Acker, oberſte
Golläcker,
XIII 65 881 Acker, daſelbſt,
XIII 140 2631 Acker, am
Pfungſtädter
Weg,
XXXVI 28 975 Wieſe, die
Rudolphs=
wieſe,
in unſerem Geſchäftszimmer,
Witt=
mannſtraße 1, zwangsweiſe
ver=
ſteigert werden.
Darmſtadt, 2. Januar 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz. (V744
Bekanntmachung.
Freitag, den 16. Februar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die zur Konkursmaſſe des
Heinrich Jacoby VIII. dahier
ge=
hörige Liegenſchaft:
Flur Nr.
qm
I 32¾/10 232 Hofreite
Luiſenſtr.,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K141/11
Darmſtadt, 2. Januar 1912.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V745
Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über
das Vermögen der Firma
Dampf=
ziegelei Eberſtadt, G. m. b. H.
auf der Mordach bei Eberſtadt, iſt
zur Prüfung der nachträglich
an=
gemeldeten Forderungen, zur
Ab=
nahme der Schlußrechnung des
Verwalters, zur Erhebung von
Einwendungen gegen das
Schluß=
verzeichnis der bei der Verteilung
zu berückſichtigenden Forderungen
der Schlußtermin auf
Dienstag, 16. Januar 1912,
vormittags 11 Uhr,
vor dem Großh. Amtsgericht
Darm=
ſtadt II, Neues Gerichtsgebäude
am Mathildenplatz, Saal 118, be=
(789
ſtimmt.
Darmſtadt, 30. Dezember 1911.
Merkel,
als Gerichtsſchreiber des Großh.
Amtsgerichts II.
Klubſeſſel, echt Rindleder,
Büfett, eichen, gut erhalten,
Kaſſenſchrank, 50X70X1,20
Schreibtiſch und Bücherſchrank,
eichen,
(*283fs
billigſt abzugeben,
ſowie 12 ſilberne Löffel und
Gabeln, 2 Suppenlöffel und 2
Gemüſelöffel, 800 geſt., zu 8 Pfg.
das Gramm
abzugeben durch Auktionator
Pädagogstrasse 2.
mſt 30 Schub=
Ein Regal fachen, für
Ko=
lonialwaren geeignet, billig abzug.
Näh. Langegaſſe 53, im Lad. (*317
P. rünes Plüſchſofa wegen
Platz=
mangel zu verkaufen (*303
Kiesſtraße 95. part.
Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 5.
Bekanntmachung.
Es wird hiermit in Erinnerung gebracht, daß die Ausführung
der an die ſtädtiſche Waſſerleitung anzuſchließenden
Waſſerverſorg=
ungs=Einrichtungen im Innern der Gebäude und Grundſtücke
nur durch ſolche Inſtallateure erfolgen darf, die ſich bei der
unter=
zeichneten Verwaltung verpflichtet haben, alle vorkommenden
ein=
ſchlägigen Arbeiten auf Grund der Satzungen über Abgabe von Waſſer
aus dem ſtädtiſchen Waſſerwerk und unter gewiſſenhafter Beachtung
der beſonders erlaſſenen Beſtimmungen auszuführen.
Zurzeit ſind folgende Firmen berechtigt:
Gottfried Beck, Karlſtr. 39.
Albert Klöpfer, Beſſungerſtr. 84.
Gebr. Becker Nachf., Grafenſtr. 27. Hugo Kötting, Liebfrauenſtr. 75.
Heinrich Becker, Brandgaſſe 2.Phil. Kraus Nachf., Karlſtr. 51.
L. Breitwieſer, N.=Ramſtädter= Chriſt. Landzettel, Kaupſtr. 7.
Ernſt Lorey, Karlſtr. 56.
ſtraße 52.
Heinrich Brunner, Eliſabethen= Ludw. Luck, Heidelbergerſtr. 59.
ſtraße 33.
Val. Marquardt u. Ph. Wamſer,
Karl Darmſtädter, Kiesbergſtr. 9.
Dieburgerſtr. 54.
Theodor Dilling, Kaſinoſtr. 27. Ph. Maul, Heidelbergerſtr. 19.
W. Eberhardt, N.=Ramſtädter=Gg. Neumann,
Heidelberger=
ſtraße 11.
ſtraße 117.
Friedr. Ewald Nachf., Soder= Aug. Neumeyer Witwe, Große
Ochſengaſſe 22.
ſtraße 49.
Theodor Fey, Kranichſteiner= Jakob Nohl, Martinſtr. 24.
Heinrich Pauli, Orangerieſtr. 7.
ſtraße 8½.
Gg. Aug. Fink, Lauteſchlägerſtr. 8.Ludwig Pohl, Heinheimerſtr. 15.
Lud. Fiſcher, Langegaſſe 23.
Wilhelm Preußner, Bleichſtr. 40.
Bernhard Gans, Rheinſtr. 47.Karl Rockel Nachf., Schützenſtr. 4.
G. W. Roth, Moosbergſtr. 32
Franz Geiger, Karlſtr. 36.
und 97.
Wilh. Gelfius, Fuhrmannſtr. 6.
Jakob Glock, Langegaſſe 9.
Jean Rühl, Saalbauſtr. 24.
Alexander Guntrum, Stiftſtr. 52.Phil. Schäfer, Landwehrſtr. 29.
PhilippHandſchuh, Schloßgarten= Friedrich Schiller, Tannenſtr. 7.
ſtraße 37.
Franz Schulz, Karlſtr. 104½.
Ludw. Heppenheimer, Luiſenſtr. 2. Heinrich Schwarz, Hochſtr. 20.
Wilhelm Heppenheimer, Kies= Leonh. Sommer, Mühlſtr. 20.
ſtraße 80.
Karl Tänzer, Marktplatz 7.
Kurt Hifſerich, Bleichſtr. 28.
Mich. Vollrath, N.=Ramſtädter=
Karl Hoffmann, Wienersſtr. 44.
ſtraße 51.
Balthaſer Ittmann, Liebfrauen= Hch. Waldſchmidt,
Ludwigshöh=
ſtraße 89.
ſtraße 21.
Otto Wamboldt, Heerdweg 2.
Heinrich Jung, Bleichſtr. 11.
Philipp Jung, Alexanderſtr. 9. Joh. Waſſer, Alexanderſtr. 7.
Karl Kämmerer, Parcusſtr. 10. Karl Wenz, Wendelſtadtſtr. 46.
Aug. Keller, Kranichſteinerſtr. 45. Karl Zahrt, Hofſtallſtr. 10.
Adolf Kling, Rheinſtr. 17.
Die ſämtlichen Firmen haben ihre Preis=Tarife auf dem
Ge=
ſchäftszimmer der unterzeichneten Verwaltung, „Waldſtraße 19‟, ein
gereicht, wo dieſelben von Intereſſenten eingeſehen werden können.
Darmſtadt, den 2. Januar 1912.
(742fof
Städtiſche Waſſerwerks=Verwaltung.
Rudolph.
Holzverſteigerung.
Montag, den 8., und Dienstag, den 9. Januar,
jedesmal vormittags von 9 Uhr an,
ſollen in der Gaſtwirtſchaft des Herrn Bürgermeiſter Gaydoul in
Rohrbach verſteigert werden aus den Diſtr. Hartmannshütte,
Flachs=
grund u. Weißdorngrund: Stämme Fichten: 1 St. I. Kl. — 2,46 cbm.,
2 St. II. Kl. — 3,55 cbm, 8 St. III. Kl. — 7,08 cbm, 9 St. IV. Kl.
— 6,30 cbm, 95 St. V. Kl. — 22,78 cbm; Derbſtangen Fichten: 102 St.
— 10,03 cbm. Es kommen nur die Fichten aus dem Flachsgrund
zur Verſteigerung (Nrn. 82 bis 227).
Ferner: Scheiter rm: 138 Buchen, 52 Eſchen, 122 Eichen,
2 Kirſchbaum, 1 Erlen, 26 Kiefern, 14 Fichten; Knüppel rm: 72 Buchen,
24 Eſchen, 76 Eichen, 2 Kirſchbaum, 10 Erlen, 18 Kiefern, 20 Fichten;
Reiſig H. W.: 19 Buchen, 8 Eſchen, 19 Eichen, 20 Kiefern, 25 Fichten;
Stöcke rm: 56 Buchen, 40 Eſchen, 82 Eichen, 2 Kirſchbaum, 6 Erlen,
89 Kiefern, 74 Fichten.
Am erſten Tag kommen das Nutzholz und die Brennholz=
Nrn. 1 bis 147 zum Ausgebot, am zweiten Tag die Brennholz=
Nrn. 148 bis 416.
Ober=Ramſtadt, den 1. Januar 1912.
(752
Großherzogliche Oberförſterei Ober=Ramſtadt.
Daab.
Im Verlag der
L. C. Wittich’ſchen Hofbuchdruckerei erſcheint:
Heſſiſche Chronik
Monatsſchrift für Familien= und Ortsgeſchichte
in Heſſen und Heſſen=Naſſau
Begründet und herausgegeben von
Dr. Hermann Bräuning=Oktavio u. D. Dr. Wilh. Diehl
1. Jahrgang, Heft 1, Januar 1912.
Inhalt: Zur Einführung. — D. Dr. Wilhelm Diehl: Eine Beſchreibung
des Offenbacher Lebens nebſt einem Plan der Stadt aus der Mitte
des 18. Jahrhunderts. — Dr. Hermann Bräuning=Oktavio: Wo iſt Goethes
„Götz von Berlichingen” gedruckt ? — Pfarrer Dr. E. Becker: Die
Peſt=
epidemie zu Alsfeld im Jahre 1635. — D. Dr. Wilhelm Diehl: Aus dem
Hausbuch des Amtsverweſers Johann Philipp Lichtenberg. —
Ober=
lehrer und Stadtarchivar Ferdinand Dreher: Wetterauer Wein. — Dr.
Her=
mann Bräuning=Oktavio: Eine Silhouette Friedrichs des Großen. —
Kleinere Mitteilungen: D. Dr. Wilhelm Diehl: Ein gemein Sprichwort
über den Odenwald: „Schlecht wie im Odenwald gemacht”. D. Dr.
Wil=
helm Diehl: Pfarrer als „Goldmacher”. — Bücherſchau. — Aus Zeitſchriften.
Umfragen. — Nachrichten.
Man abonniert auf die „Heſſiſche Chronik” bei dem Verlag
(Rheinſtraße 23), den beiden Herausgebern (Dr. Bräuning=
Oktavio, Riedeſelſtraße 42 und D. Dr. Diehl, Alexanderſtr. 1)
und jeder Buchhandlung.
Die „Heſſiſche Chronik” koſtet vierteljährlich (3 Hefte) Mk. 1.50,
jährlich (12 Hefte) Mk. 6.—. Einzelhefte werden zum Preiſe
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(796
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Garde=Dragoner=Regiments Nr. 23,
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(797
Um Verhaftung wird erſucht.
Darmſtadt, 4. Januar 1912.
Garde=Drag.=Regiment Nr. 23.
gez.: von der Schulenburg,
Oberſt und Regiments=
Kommandeur.
Sfeckbrief.
Der unten beſchriebene Dragoner
Heinrich Kasper der 4. Eskadron
Dragoner=Regiments Nr. 24,
ge=
boren am 27. Dezember 1890 zu
Darmſtadt, iſt flüchtig.
Es wird erſucht, ihn
feſtzuneh=
men und an die nächſte
Militär=
behörde zum Weitertransport
hier=
her abzuliefern.
Darmſtadt, 3. Januar 1912.
Der Gerichtsherr:
Zierold,
Major und Regiments=
Kommandeur.
Beſchreibung:
Alter: 21 Jahre.
Statur: ſchlank,
Augen: dunkelbraun,
Mund: gewöhnlich,
Geſicht: ſchmal,
Sprache: deutſch,
Größe: 1 m 610 cm,
Haare: dunkelblond,
Naſe: ſpitz,
Bart: bartlos,
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wiert, rechte Arm Herz, linke Arm
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(751
Beruf: Sattler.
Kleidung: eigene Mütze, 4.
Dienſt=
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Nummer 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 5. Januar 1912.
Seite 13.
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Gräfin Laßbergs Enkelin.
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(Nachdruck verboten.)
16)
Der eitle Mann war in ſeinem Selbſtgefühl aufs
gröb=
lichſte verletzt und mit ihm ſeine Familie.
Der Zorn der Gräfin war unbeſchreiblich; doch Yvonne
hielt ihm ſtand. Ruhig bemerkte ſie allen Vorwürfen der
Großmutter und Tante gegenüber: Ich habe es vorher
ge=
ſagt. Warum hat man mir nicht geglaubt und es darauf
ankommen laſſen!
Geduldig trug ſie die ſchweren Tage, die ihr jetzt bereitet
wurden. Jede andere wäre davon gelaufen. Sie harrte aus
in der feſten Zuverſicht, daß der Geliebte ſie bald aus
dieſem unerträglich gewordenen Verhältnis der Großmutter
befreien würde. Wenn man ihm Daiſy von Hammerſtein
zugedacht hatte, er würde ſicherlich nicht weniger ſtark als
ſie ſein.
Doch mit einem Aufatmen der Erleichterung hörte ſie
jetzt von Herta, daß Lutz in den nächſten Tagen eintreffen
würde und acht Tage nach ihm Dagobert, der allerdings nur
ganz kurze Zeit bleiben würde, da er nach
Helgo=
land wolle.
Nun mußte die Entſcheidung bald fallen.
Biſt ſchön dumm, daß du dem Hammerſtein einen Korb
gegeben haſt, meinte Herta. Dann wärſt du doch endlich von
Burgau, von Großmama fortgekommen. Ich denke es nur
gerade nicht erbaulich, ſo den ganzen Tag mit ihr zuſammen
zu ſein.
Lieber das, Herta, als eine Ehe ohne Liebe — oder
hätteſt du es getan?
Er hat ja nicht um mich angehalten. Geld hat er genug,
daß man darüber ſeine Glatze vergeſſen könnte. Er hat
jetzt nen mächtigen Pik auf dich und die Alte gleichfalls.
Ich glaube, wenn Daiſy nicht ſo arg in Lutz verſchoſſen wäre,
hätten ſie auch uns die Freundſchaft gekündigt. Aber Lutz
iſt doch ein zu bildhübſcher Junge, und mit allen Faſern
ſtrebt ſie nach ihm. Wenn wir auch kein Geld haben, oder
nicht ſo viel, ſo ſind wir doch vornehmer als Hammerſteins,
und das wiſſen ſie recht gut; und dich, eine Gräfin Laßberg,
wo Großmama die vornehmſte, angeſehenſte Frau des
Kreiſes iſt, hätten ſie gar zu gern als Schwiegertochter
gehabt.
Ich mag doch aber nicht, Herta!
Lauernd blickte Herta auf die Kouſine.
Sie hätte gern gewußt, warum Yvonne den jungen.
Hammerſtein abgewieſen hatte.
Ihr wäre alles recht geweſen, aus der Nähe der
Groß=
mutter zu kommen, die ſie ſo fürchtete. Manchmal bedauerte
ſie Yvonne doch, daß dieſe bei der alten, ſtrengen Frau
aushalten mußte.
Aber Lutz, du hörſt ja gar nicht, was ich ſage!
Verzeih, teure Großmama! Der junge Offizier fuhr er=
ſchrocken aus ſeinem Sinnen auf. Seine Gedanken waren
ganz wo anders geweſen.
Deine Zigarette brennt nicht mehr!
In der Tat, Großmama! Ich glaubte, der Rauch geniere
dich, fügte er dann hinzu.
Nachdem ich dir die Erlaubnis zum Rauchen gegeben?
Du ſollſt dich wohl bei mir fühlen!
Er neigte ſich vor und küßte die kräftige, weiße Hand.
Deine Fürſorge rührt mich. Alſo, wenn du geſtatteſt —
Er zündete ſich eine friſche Zigarette an, legte ſich bequem
in den Korbſtuhl zurück, ein Bein über das andere
ge=
ſchlagen, und ſeine Augen folgten den Ringeln, die er
kunſt=
gerecht zu rauchen verſtand.
Sie ſaßen beide in der Veranda, die ſich neben dem
Wohnzimmer der Gräfin befand. Er war vor einer Weile
gekommen, der Großmutter guten Tag zu ſagen. Yvonne
hatte er nur flüchtig mit einem heißen, verſtohlenen Kuß
begrüßen können. Und jetzt ſaß ſie im Garten und dachte
ſehnſüchtig an ihn. Sie hatte ihm den Kaffee ſervieren
müſſen und war dann hinausgegangen, da die Großmutter
ſie nicht zum Bleiben aufgefordert hatte. Sie wäre nur ein
ſtörendes Element geweſen, dachte ſie voller Bitterkeit.
Während der kurzen Minuten ihres Zuſammenſeins
hatte ſie aber doch bemerkt, daß es wie ein Schatten über
einer Fröhlichkeit lag, daß er ſich zur Ruhe zwingen
mußte.
Dies war auch den ſcharfen Augen der Gräfin nicht ent=
Seite 14,
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 5. Januar 1912.
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jetzt nach ihrem Beſinden.
Sie ſeufzte ein wenig auf. Yvonne, dieſes törichte,
eigen=
ſinnige Geſchöpf, hat mir viel Verdruß bereitet —
un=
erhört!
Wieſo, Großmama?
Deine Mutter hat es dir doch geſchrieben.
Ja, ja — ach ja, ſie hatte dem jungen Hammerſtein
einen Korb gegeben. Im Vertrauen — ich gönne es ihm;
mir wäre der Kerl auch zu fad. Rege dich darum nicht auf,
wenn Yvonne nicht will. Des Menſchen Wille iſt ſein
Himmelreich. Bleibt ſie ſitzen, iſt’s ihre Schuld.
Sie hat mich direkt brüskiert! Laß dir erzählen Lutz.
Siehſt du, in ſolcher unehrerbietiger Weiſe ſpricht ſie mit
mir! ſchloß ſie ihren Bericht. Das Mädchen iſt von einem
Trotz beſeelt, der mich manchmal raſend macht.
Dann ſchicke ſie doch fort, meinte er gleichmütig.
O, was denkſt du, Lutz! Nein, das gebt nicht! Wohin
auch mit ihr? Sie ſoll unter meiner Aufſicht bleiben. Ihre
Gedanken ſind voller Rebellion und Ueberſpanntheit. Genug,
daß ich ihr das Seminar erlaubt habe.
Sie hat wohl dort viel gelernt?
Ja, Lutz. Ihre Zeugniſſe ſind glänzend. Sie iſt
emi=
nent begabt, ſchrieb mir der Direktor. Und ich habe mich
tatſächlich darüber gefreut; ſie war eine der beſten der ganzen
Anſtalt.
Was nützt ihr das, wenn ſie ihre Fähigkeiten und
Kenntniſſe nicht entſprechend verwerten kann!
Auf keinen Fall, Lutz. Sie trug ſich allerdings mit dem
Gedanken. Vielleicht iſt das die Urſache, daß ſie nicht
hei=
raten will. Sie liebt den Hammerſtein nicht, — das war
ihre Ausrede.
Er beſchäftigte ſich eingehend mit ſeiner Zigarette.
Vielleicht liebt ſie einen anderen! Oder hat ſie dir davon
Ei ene e eit e en enten ehe
hat?
Daran hab ich auch ſchon gedacht, trotzdem ſie nichts
geſagt hat. Ich habe hin und her geſonnen und beobachtet.
Aber ſie empfängt und ſchreibt ſelten Briefe. Die ich alle
kontrolliere. Nein, nein! Ueber ein Jahr iſt ſie außerdem
vom Seminar zurück.
Großmama, mache dir um Yvonne das Leben nicht
ſchwer, laß ſie gehen, einmal wird ſie ſchon vernünftig
wer=
den. Dann wechſelte er das Thema, nachdem er erfahren,
was er wiſſen wollte. Yvonne hatte geſchwiegen, keine
An=
deutung von ihrer Liebe gemacht, und das war ihm recht —
gerade jetzt.
Alſo in 8 Tagen können wir Dagobert erwarten.
Glaubſt du auch, daß er für Herta ein Intereſſe hat?
Man muß es beinahe annehmen.
Lutz zuckte die Achſeln.
Dagobert iſt ſehr verſchloſſen in bezug auf ſeine
Her=
zensangelegenheiten; er ſpricht nie darüber, und man darf
ihn auch nicht fragen.
Ich muß geſtehen, daß ich es ſehr gern ſehen würde.
Nun ja, ausgeſchloſſen iſt es ja nicht. Weshalb käme
er ſonſt ſo gern nach Bernried?
Hammerſteins feiern in wenigen Tagen den
Geburts=
tag Daiſys.
Ich weiß es; Herta ſprach ſchon davon.
Du biſt natürlich mit eingeladen. Forſchend blickte ſie
auf den Enkel. Ich muß ja hier bleiben, nachdem Yvonne
ſich ſo unverantwortlich benommen hat. Aber du, Lutz,
darf ich dir etwas verraten? Man hofft auf dich! Mache du
mir wenigſtens bald die Freude.
Er ſprang haſtig auf und fuhr durch ſein ſorgfältig
geſcheiteltes Haar.
Geten er e etntitn uen ur n en
Heiraten.
Komm einmal her, mein Junge! Sie faßte nach ſeiner
Hand und zwang ihn auf ſeinen Stuhl zurück. Im Sitzen
und in Ruhe läßt ſich alles viel beſſer erledigen. So nun
beichte einmal! Denn daß dich was bedrückt, das hab’ ich
längſt an deiner Zerſtreutheit bemerkt. Nein, nein, leugne
nicht. Alſo — du haſt Schulden?
Er blickte vor ſich nieder, einen ſorgenvollen Zug im
Geſicht; er nickte nur.
Viel?
Frage mich nicht, Großmama!
Doch, ich will klar ſehen! Bitte, Lutz, ſag’ mir wieviel.
Er holte tief Atem, ſetzte an zum Sprechen, ſchwieg
aber doch. Es fehlte ihm der Mut.
Sie betrachtete ihn mit ihren ſcharfen, dunklen Augen
die jetzt aber einen zärtlichen Ausdruck hatten, als ſie ihre
Hand auf ſeinen Kopf legte und ihn liebevoll fragte:
Wird es dir ſo ſchwer, zu deiner alten Großmutter
Vertrauen zu faſſen?
Nein, nein, teure Großmama, du biſt die erſte! Aber ich
ſchäme mich meines Leichtſinns vor dir.
Sie runzelte die Brauen.
Lutz, es iſt — es ſind doch keine Weiberſachen? Du
kennſt meine Anſicht darüber; du ſollſt dich nicht
weg=
werfen.
Er hob offen und ehrlich den Blick zu ihr.
Mein Wort, Großmama, das nicht! Aber wie es ſo
kommt, bei nicht zu reichlicher Zulage — man gibt oft mehr
aus, als man hat. Dann das verfluchte Jeu, fügte er leiſe
hinzu.
(Fortſetzung folat.k
Nummer 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 5. Januar 1912.
Tellengresucht
Weiblich
Seſſere Dame, ſtattliche
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neu=
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Mittags w. Spül. od. Kind zu
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auf sämtliche Normal- u. Unterwäsche, Bettkoltern,
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decken, Bettücher, Linoleum, Läuferstoffe, Wachstuche,
Bettstellen und Bettwaren.
Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 5. Januar 1912.
Preisermässigungen eintreten lässen. — Kein Artikel bleibt von der Preisherabsetzung verschont,
damit die Verkleinerung unserer grossen und reichhaltigen Lagerbestände verwirklicht wird.
Nummer 4.
DebEEeFTFFUF
Während unseres Grossen Inventur-Ausverkaufes haben wir in sämtlichen Abteilungen gewaltige
Markt'2.
Senheim. s.Marx
Gag
J C
30 4.
Freitag, 5. Januar.
Mein
1912.
vareer Saiserr-Ausvert
beginnt heute Freitag, den 5. Januar 1912.
Spezial-Geschäft
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Verein fur Bogel= u. Orſtngenzauhl Gerein)
Montag, den 15. Januar 1912, abends 8½ Uhr
im Vereinslokal Brauereiz. Krone, Schuſtergaſſe 18:
ſauptverſammlung
Anträge ſind ſchriftlich bis Freitag, den
12. ds. Mts., an den Vorſitzenden Ph. Brohm,
Alice=
ſtraße 21½, einzureichen.
Der Vorſtand.
Konditor=Gehilfen=Verein
Segr. 1890.
Gegr. 1890.
Darmſtadt.
(770fs
Sonntag, den 7. Januar 1912, abends 8 Uhr,
im Mathildenhöhsaale, Dieburgerstrasse 26
Stiftungsfest mit Konzert u. Ball
unter Mitwirkung des Braun’ſchen Vokal=Quartetts (Herren
Braun, Vetter, Schippel u. Geyer), Mitglieder des Großh.
Hoftheaters, ſowie einer Abteilung der Kapelle Hauske.
Hierzu ladet höflichſt ein
der Vorstand.
AV A W
Jäglich
von 3—6 Uhr:
Tonzert
Ge-
Eigene Konditorei.
(142a
8 Neuhusens Billards
Schntzenhol.
Sonntag, den 7. Januar
Erstes grosses
(*307
ausgeführt von der Kapelle des Großherzoglichen
Art.=Korps. Leitung Obermuſikmeiſter Mickley.
Motto: Du hast ja keine Ahnung . . .
Eintritt mit Kappe u. Lieder 30 Pfa.
Anfang 8.11 Uhr.
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23 Ernst-Ludwigstrasse 23.
Alte Pelze werden zu groß. Muff.
2 u. mod. Pelzhüten umgearbeitet
Ludwigsplatz 8, Vorderh. 3. St. (72a
uwerd. über=
Hausverwaltungen nommen.
Offert. unt. U 33 an d. Exp. (77a
Habe meine
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wieder aufgenommen
Dr. Lorenz
Spezialarzt für Ohren-, Nasen-,
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Wilhelminenſtraße 17.
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Scharfscheer Pohl’s Nachfl.
einst-Ludwigstr. 9, II.
(im Pavierhaus Elberb. (*276
Ludwigshöhe.
Jeden Mittwoch u. Samstag
Kur-Konzert
Mittnochs: Kapelle des Artill.=
Regts. Nr. 61(Muſikmeiſter Weber).
Samstags: Kapelle des Leibgarde=
Regts. (Obermuſikmeiſter Hauske).
Eintritt 25 Pfg.
10 Abonnementskarten zu
Mk. 1.50 ſind zu haben im
Ver=
kehrsbureau und an der Kaſſe (B10
Mod. Schlafzimmer Dd
lack., hochf. Vertiko, nußb. pol.,
einige Diwans, Ausziehtiſch, pol.,
Chaiſelongue, ferner Diwan mit
2 Seſſel (blau Moquette), 2
Schreib=
tiſche (Diplomat), 1 Bettſtelle, hell
nußb. poliert, mit Kapok u.
Stahl=
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um ſie länger zu erhalten, müſſen
vor dem Verarbeiten dekatiert
werden, damit die Gewebe nicht
mehr durch Näſſe eingehen und
es keine Regenflecke mehr gibt in
der Dekatur-Anstalt von
Ernst Göbel, Schulſtraße 11.
(Neueſte maſchin. Einrichtung. (*260
Das Abfahren ein. Hauf. Schutt
D vom Fabrikhof, Landwehrſtr. 79
iſt im Akkord zu vergeb. Bewerb.
wollen ſich gefl. daſ. meld. (*259fso
Am 1. Jan. 1912 wurde von der
AArheilgerſtr. n. d. Ruths=,
Pan=
kratius= u. Wenckſtr. 1 Broſche m.
Bild (kl. Kind) verl. Dem Finder
Belohnung. Abzugeben
Kranich=
ſtelnerſtraße 53, 2. St.
(*319
Rich. Wagner-Konzert
9. Jan., 3 Sperrſitzpl., vord. Reihen,
geſucht. Näh. Exp. d. Bl. (*263
7. 1. atr r. 1.
wegen Trauer abzugeben. Näheres
Arheilgerſtraße 4, I. (*257fs
2) Balkonloge (Vorderpläßze) B.
4 links, für den Reſt der
Spiel=
zeit abzugeben Aliceſtr. 13. (577a
Wegzughalber
Abonnement C bis Ende der
Spielzeit abzugeben. Näh.
Bleich=
ſtraße 46 im Laden.
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Großherzogl. Hoftheater
. Frl. Alſen
. Hr. Jürgas
Freitag, den 5. Januar.
85. Abonnem.=Vorſtell. O 21.
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Schwank in 3 Akten von Frit
Friedmann=Frederich.
Spielleitung: Regiſſeur Hacker.
Perſonen=
Jacques Meyer . Hr. Schneider
Moritz Meyer. . Hr. Jordan
Roſalie, g. Meyer Fr. Scherbarth
Gerda, beider . Frl. Meißner
Fritz, Kinder . Hr. Weiß
Geheimrat Jacob
Meyer . . . . Hr. Lehrmann
Wilh. Streſemann Hr. Heinz
Sophie Charlotte,
geb. Frein p. d.
Küche
Edith, beid. Tocht. Frl. Gothe
Kugeleit, Gutsbeſ. Hr. Hacker
Amalie, ſ. Frau . Fr. Rudolph
Valli, beid. Tocht. Frl. Uttmann
Momber Gutsbeſ. Hr. Peterſen
Dr. Bauer,
Rechts=
anwalt .
. Hr. Weſtermann
Chevalier Céſarde
la Roche
Chevalier Erneſte
de la Roche . . Hr. Wagner
Aurore, ſ. Frau . Frl. Grünberg
Ottomar Held . Hr. Knispel
Lola Menotti . . Frl. Reibold
Paul, Diener bei
Jacques Meyer. Hr. Semler
Heinrich, Diener
bei Streſemann . Hr. Jungmann
Nach dem 1. Akte längere Pauſe.
* Wegen dauernder Krankheit des
Frls. Heumann hat Frl. Alſen die
Rolle der „Sophie” mit freundl.
Bereitwilligkeit raſch übernommen.
Preiſe der Plätze:
Proſzeniumsloge 6 Mk.,
Fremden=
loge 6 Mk. Balkonloge 5 Mk.,
1 Rang 4.50 Mk., 2. Rang (1.—6.
Reihe) 2.50 Mk., (7. und 8. Reihe)
2 Mk., Sperrſitz (1.—13. Reihe)
4 Mk., (14.—20. Reihe) 3.20 Mk.,
Parterre (1.—5. Reihe) 2.70 Mk.,
(6.—8. Reihe) 2.20 Mk., 1. Galerie
1.20 Mk., 2. Galerie 60 Pfg.
Anf. 7½ Uhr. Ende nach 9½ Uhr.
Kartenverkauf von 11—1 Uhr und
von 6½ Uhr an.
Vorverkauf
von 11—1 Uhr f. d. Vorſtellungen:
Sonntag, 7. Jan. 86. Ab.=Vorſt.
D 22. Neu einſtudiert:
Ma=
dame Butterfly.” Große
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Dienstag, 9. Jan. 87. Ab.=Vorſt.
C 22. „Der Opernball.”
Große Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Mittwoch, 10. Jan.
Sondervor=
ſtellung. „Das wunderſame
Bilderbuch.” (Sämtl. Billets
ſind vergeben.)
Donnerstag, 11. Jon. 88. Ab.=
Vorſt. A 22. Goethes Fauſt=
Tragödie. Erſter Abend:
Vor=
ſpiel auf. dem Theater. Prolog
im Himmel. Der Tragödie erſter
Teil, erſte Abteilung. Kl. Preiſe.
Anf. 7 Uhr. (Vergl. beſ. Anzeige.)
Die Hoftheater=Hauptkaſſe iſt
an allen Wochentagen, vorm.
von 10—12½ Uhr, geöffnet.
Seite 18.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 5. Januar 1912.
Nummer 4.
Strafbarkeit von Wahlbeeinfluſſungen.
Von Dr. jur. Ld.
Nachdruck verboten.
Je näher der Tag der Wahlen heranrückt, deſto
er=
regter und leidenſchaftlicher wird der Kampf um die
zu=
künftige Machtſtellung im Reichstage geführt. In der
Hitze des Wahlkampfes wird dann nur zu oft eine Sprache
geführt, die von einer ruhigen Sachlichkeit nichts merken
läßt. Doch dies mag ein jeder mit ſich ſelbſt abmachen.
Der Staat als ſolcher hat kein Intereſſe daran, hier
ein=
zugreifen. Hierzu fühlt er ſich erſt dann veranlaßt wenn
es ſich um ein öffentliches Intereſſe handelt. Ein
ſol=
ches liegt aber vor, wenn jemand durch Gewalt oder
Be=
drohung mit einer ſtrafbaren Handlung einen anderen
an der Ausübung der Wahl hindert. Deshalb ſetzt der
Staat hierauf auch Gefängnisſtrafen oder Feſtung.
Fer=
ner beſtraft er denjenigen, der vorſätzlich ein unrichtiges
Ergebnis der Wahl herbeiführt oder das Ergebnis
ver=
fälſcht, alſo z. B. denjenigen, der heimlich einen
Wahl=
zettel in die Wahlurne ſteckt oder der unter Mißbrauch
eines falſchen Namens wählt. Erhöht wird die Strafe
für den Fall, daß dies unrichtige Ergebnis der Wahl
oder die Fälſchung des Ergebniſſes herbeigeführt wird
von jemandem, der mit der Sammlung der Stimmzettel
oder mit der Beurkundung der Wahlhandlung
beauf=
tragt war.
Aber außer dieſen kraſſen Fällen der gewaltſamen
oder betrügeriſchen Beeinfluſſung beziehungsweiſe
Aen=
derung des Wahlergebniſſes bedroht das Geſetz mit
Ge=
fängnisſtrafe auch jeden, der bei einer öffentlichen Wahl
ſei es eine Reichstags=, Landtags= oder Kommunalwahl,
eine Wahlſtimme kauft oder verkauft. Unter Kauf oder
Verkauf einer Wahlſtimme iſt hier jede einem Wähler
gemachte und von dieſem angenommene Zuſage eines
materiellen Vorteils irgend einer Art verſtanden. Es
können das z. B. ſein: bares Geld, Bier, Schnaps, beſſere
Arbeitsbedingungen uſw. Es iſt nicht nötig, daß die
Zuſage und Annahme des Vorteils ausdrücklich
ge=
ſchieht, es genügt, wenn das gegenſeitige Abkommen
aus dem ganzen Verhalten zu entnehmen iſt. Wird
alſo einem Arbeiter geſagt, er würde Schnaps und Bier
bekommen, wenn er ſeine Stimme dem
ſozialdemokra=
tiſchen Kandidaten gebe, und geht er daraufhin zur
Wahl, ſo iſt der Tatbeſtand der ſtrafbaren Handlung
erfüllt. Es braucht dann nicht mehr erft unterſucht zu
werden, ob er auch wirklich ſozialdemokratiſch gewählt
hat. Würde das nötig ſein, ſo könnte, wenigſtens bei
der geheimen Reichstagswahl, eine Beſtrafung nie
er=
folgen. Gleichgültig iſt es dabei, ob der Wähler
ent=
ſprechend ſeiner Ueberzeugung oder gegen ſeine
Ueber=
zeugung die Stimme abgegeben hat.
Eine ſtrafbare Handlung iſt allerdings dann nicht
gegeben, wenn die Vergütung lediglich dafür gewährt
wird, daß der Wahlberechtigte überhaupt von ſeinem
Stimmrecht Gebrauch macht. Aber auch hier iſt nicht
erforderlich, daß ausdrücklich hervorgehoben wird, daß
der Wähler, um das Entgelt zu erhalten, ſeine Stimme
für dieſen oder jenen Kandidaten abgeben müſſe. Es
genügt ſchon, wenn die Parteien ſtillſchweigend davon
überzeugt ſind, daß ein beſtimmter Kandidat gewählt
werden ſoll.
Strafbar macht ſich nicht nur der Käufer, ſondern
auch der Verkäufer einer Stimme, ſowie auch
der=
jenige, welcher einen anderen zum Stimmkauf oder =
ver=
kauf anſtiftet.
Vermiſchtes.
C.K. Glas als Bilderſchutz. Im Muſeum von Gent
ſind ſeit kurzem alle alten Gemälde unter Glas gebracht
worden, und in dem Bulletin für alte und moderne
Kunſt berichtet jetzt der Konſervator des Muſeums, L.
Maeterlinck, über die Gründe, die ihn zu dieſer Maß
nahme veranlaßt haben. Die Ausführungen des
belgi=
ſchen Muſeumsdirektors bilden einen intereſſanten
Bei=
trag zu der vielumſtrittenen Frage, ob die
Muſeums=
verwaltungen die in ihrer Obhut ſtehenden Schätze alter
Malerei durch Verglaſung vor dem Verfall ſchützen
ſollen. „Man weiß” ſo führt L. Maeterlinck aus, „daß
das Sonnenſpektrum, das wir ſehen, nicht das ganze
Spektrum iſt. Jenſeits der blauen Nüance, der letzten,
die wir wahrnehmen, folgt eine violette und
ultra=
violette Zone, die unſere Augen nicht mehr
aufzuneh=
men vermögen. Sie iſt nun leider vollkommen
erwie=
ſen durch ihre Wirkung, die ſich in chemiſcher Aktivität
offenbart; dies zeigt ſich nicht nur in der Einwirkung auf
photographiſche Platten, ſondern auch in einer
ſchäd=
lichen Wirkung auf die Augen. Man hat umfaſſende
und ſyſtematiſche Verſuche über die Bedeutung dieſes
violetten Teiles des Spektrums angeſtellt und auch
Ver=
gleiche zwiſchen der Wirkung des Sonnenlichtes und
ſtarken elektriſchen Beleuchtungen vorgenommen. Ueberall
iſt das Streben darauf gerichtet, dieſe unſichtbare, aber
ſtark wirkſame chemiſche Beeinfluſſung zu verhindern.
Dabei hat ſich herausgeſtellt, daß, ebenſo wie das Blei
X=Strahlen nicht durchläßt, gelbe Gläſer und auch
un=
gefärbte Gläſer gegen violette und ultraviolette
Strah=
len faſt völlig undurchläſſig ſind. Man weiß, daß dieſe
Strahlen nicht nur das Auge angreifen, ſondern auch
alle Farbenpigmente auf Bildern und Kunſtwerken. Die
Farbenveränderungen auf Bildern und das „Verſchießen
der Farben” an Stoffen ſind das Werk der violetten und
ultravioletten Strahlen, die ſozuſagen das Gewebe „
ver=
zehren‟. Infolgedeſſen iſt für alle Bilder, Aquarelle
und alte Tapiſſerien eine Glashülle ein wichtiger Schutz
gegen die gefährlichen Strahlen, die beim Eindringen
durch das Fenſter nur unvollkommen filtriert worden
ſind und infolgedeſſen die Kunſtwerke ſchädigen, ſolange
ſie nicht unter Glas gebracht werden.”
Literariſches.
„Die Ueberwinder des Todes” von
Os=
kar Kreſſe, mit Zeichnungen von Karl Reimann 5. bis
6 Auflage (1. bis 2. der illuſtrierten Ausgabe). In Ganz
leinen gebunden 10 Mark. Verlag von John Schwerins
Verlag, Aktiengeſellſchaft, in Berlin O. 27. Das große
Ereignis auf dem Büchermarkt bildet die ſoeben zur
Aus=
gabe gelangte illuſtrierte Prachtausgabe des berühmten
Buches „Die Ueberwinder des Todes‟. Der Urheber,
Oskar Kreſſe, ein bekannter ſozialpolitiſcher Schriftſteller,
iſt dabei genannt, ebenſo wie er bei der vom Münchener
Dramaturgen Kurt Weiß bewirkten Bearbeitung des
Werkes für die Bühne bekannt gegeben war. Die
Tra=
gödie iſt erſt kürzlich an die Theaterdirektionen verſandt
worden. Der Roman hat eine geradezu beiſpielloſe
An=
erkennung in der Preſſe gefunden, und daß dieſe
Beur=
teilung nur dem Inhalte des Buches gegolten hat, beweiſt
der Umſtand, daß es völlig anonym erſchienen war. Die
vorliegende Prachtausgabe iſt durch den Münchener
Ma=
ler Karl Reimann mit höchſt eigenartigen. ktünſtleriſch
vollendeten Zeichnungen ausgeſtattet worden. Es iſt
eines von jenen wenigen Büchern, das jeder, der für
höhere geiſtige Intereſſen zugänglich iſt, nicht allein ſelbſt
leſen, ſondern auch ſelbſt beſitzen muß.
„Natur” Zeitſchrift der Deutſchen
Naturwiſſen=
ſchaftlichen Geſellſchaft, e. V. (Geſchäftsſtelle Leipzig,
Königſtraße 3). Jährlich 24 Hefte und fünf Buchbeilagen.
Die Zeitſchrift wird den Mitgliedern der Geſellſchaft
(Mitglied kann jeder werden) gegen Zahlung des
Mit=
gliedsbeitrages von nur 1,50 Mark vierteljährlich gratis
geliefert. Die Natur hat den dritten Jahrgang
begon=
nen und erſcheint jetzt unter der Redaktion von Dr.
The=
ſing, dem ein Stab von Autoritäten auf den verſchiedenen
Gebieten der Naturwiſſenſchaften als Mitarbeiter zur
Seite ſteht. Jeder Leſer kann ſich von der Gediegenheit
der Zeitſchrift durch Beſtellung von Probeheften, welche
die Geſchäftsſtelle gern zur Verfügung ſtellt, ſelbſt
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zeugen.
Wilhelm Oſtwald: Die Mühle des
Lebens. Phyſikaliſch=chemiſche Grundlagen der
Lebens=
vorgänge. Leipzig, 1911. Preis 1 Mk., gebunden 1,60
Mark. — Die Deutſche Naturwiſſenſchaftliche Geſellſchaft,
e. V., hat das obige Buch unter ihre Veröffentlichungen
aufgenommen und liefert es ihren Mitgliedern in der
bekannten guten Ausſtattung als erſte der 5 koſtenloſen
Buchbeilagen zum dritten Jahrgange ihrer Zeitſchrift
Natur. Das Büchlein eignet ſich nicht nur zur erſten Ein
führung in das Verſtändnis der Lebenserſcheinungen,
ſondern es ſtellt auch gleichzeitig eine Einführung in die
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