Darmstädter Tagblatt 1910


12. Dezember 1910

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173. Jahrgang
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
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werden angenommen in Darmſtadt.
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ſowie von unſeren Agenturen und
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

N 291.

Montag, den 12. Dezember.

1910.

Die heutige Nummer hat 28 Seiten.

Was wir Deutſchen bei den engliſchen Wahlen
lernen können.
FK. In England iſt das Unterhaus am 28. Novem=
ber
aufgelöſt worden und am 2. Dezember haben die Neu=
wahlen
begonnen. In Deutſchland iſt ein gleicher Vor=
gang
unmöglich. Wird bei uns der Reichstag aufgelöſt,
ſo vergehen mindeſtens fünf Wochen, bis Neuwahlen er=
folgen
können, daran ſchließen ſich dann die Stichwahlen,
die zumeiſt erſt die Entſcheidung bringen.
Ueber die Lehren, die ſich für uns aus dem engliſchen
Vorbilde ergeben, ſtellt der freikonſervative Abgeordnete
Dr. Arendt, Mitglied des Reichstages und des Abgeord=
netenhauſes
, in einem Aufſatz im Tag folgende Betrach=
tungen
an:
Der große Vorzug einer ſchnellen Wahl liegt auf der
Hand Die Wählerſchaft gibt ihr Urteil nicht auf Grund
langwieriger Beeinfluſſung durch Preſſe und Agitation,
ſondern unter dem unmittelbaren friſchen Eindruck des
Ereigniſſes, das zur Auflöſung führte, ab. Die Einſchrän=
kung
der Agitation hat überdies große praktiſche Vorzüge.
Die Anforderungen der Wahlagitation ſteigen in Deutſch=
land
derartig, daß ſie von der Uebernahme der Mandate
abſchrecken. Es iſt nicht nach jedermanns Geſchmack,
wochenlang den giftigſten perſönlichen Angriffen und Be=
ſchimpfungen
ausgeſetzt zu ſein und in vierzig oder ſechzig
Wählerverſammlungen zu ſprechen. Ueberall heiße, tabal=
erfüllte
Säle, überall die gleichen Fragen und Ein=
würfe
, dann erhitzt hinaus in die Kälte, zur nächſten Ver=
ſammlung
Ueberall Bittſteller, Intereſſenten, Eigenbröd=
ler
, bis in die Nacht hinein und vom frühen Morgen ab.
Wer das ein paarmal erlebte, dem graut davor, und die
Folge iſt, daß viele der beſten und geeignetſten Kandidaten
das Mandat ablehnen. Das iſt zweifellos auch einer der
Gründe für die bedauerliche Tatſache, daß das geiſtige
Niveau des Reichstages bedenklich ſinkt.
Der Unterſchied zwiſchen Deutſchland und England
bezüglich der Wahlen beruht nur auf der Beſchaffenheit
der Wählerliſten. In England iſt die Wählerliſte eine
ſtändige Einrichtung, in Deutſchland bleibt ſie nur ein
Jahr in Geltung, nach Jahresfriſt muß ſie zu jeder Neu=
oder
Nachwahl neu hergeſtellt werden.
Bei meiner Tätigkeit in der Wahlprüfungskommiſſion
des Reichstags hatte ich früher oft Gelegenheit, feſtzu=
ſtellen
, wie mangelhaft die Wählerliſten zuweilen her=
geſtellt
werden. Ganze Häufer und Häuſerreihen werden
manchmal überſehen, längſt Wahlfähige nicht aufgeführt,
Verſtorbene eingezeichnet, Namen verwechſelt, Ausländer
eingetragen und dergleichen mehr.
Ungleich praktiſcher und auch durchaus im Intereſſe
der Wähler liegend iſt die engliſche Einrichtung der ſtän=
digen
Wählerliſte. Sie würde zugleich die Möglichteit
bieten, betrügeriſche Wahlen zu verhindern, die heute da=
durch
vorkommen, daß einer fälſchlich für einen anderen
einen Stimmzettel abgibt. Die Eintragung in die Wäh=
lerliſte
müßte jedem Wähler amtlich mitgeteilt werden,
ebenſo ſeine Streichung in der Wählerliſte, z. B. bei einem
Wohnungs= oder Ortswechſel. Dieſe Benachrichtigung
würde als Wahllegitimation gelten können, natürlich ſo=
weit
ſich der Wähler ihrer im Intereſſe ſeiner ſchnellen Ab=
fertigung
bedienen will. Das umſtändliche, zeitraubende
Einſehen der Wählerliſten durch die Wähler fällt fort, weil
jeder Wähler, der ſeine Benachrichtigung hat, weiß, daß
er in der Liſte ſteht. Auch betrügeriſches Doppelwählen,
das jetzt nicht ganz ſelten vorkommt, würde aufhören.
Entſpricht die ſtändige Wählerliſte den Intereſſen der
Wähler, ſo iſt ſie auch für die Behörden erheblich einfacher
als das jetzige Syſtem. Es iſt nur nötig, daß die polizei=
lichen
An= und Abmeldungen, ſoweit es ſich um Wähler
handelt, regelmäßig der zuſtändigen Stelle mitgeteilt wer=
den
, und daß dieſe die Benachrichtigungen an die Wähler
erläßt bezw. deren Reklamationen erledigt. Dabei könnte
die Wählerliſte ſtändig öffentlich, d. h. zu jedermanns Ein=
ſicht
ausliegen.
Wenn wir einmal beim Lernen ſind, können wir viel=
leicht
noch einige andere Verbeſſerungen von den prak=
tiſchen
Engländern gleich mit übernehmen. In
England werden unbeſtrittene Kandidaten ohne Wahl
für gewählt erklärt. Das iſt durchaus praktiſch und kann
keiner Partei ſchaden, da jede Partei in der Lage iſt, ſol=
chen
unbeſtrittenen Kandidaten Gegenkandidgten zu ſtellen
und dadurch eine Wahl herbeizuführen. Es iſt möglich,
daß in Deutſchland dieſe Einrichtung wenig benutzt würde;
aber mit der Zeit würde ſich doch wohl die engliſche Sitte
auch bei uns einbürgern, daß die Parteien ſich verſtändig=
ten
, ihre Führer, die im Parlament unentbehrlich oder
ſchwer entbehrlich ſind, in ſicheren Wahlkreiſen miteinander
auszutauſchen, und dadurch dieſen Führern die Mühen
und Opfer der Wahlagitation und den Wahlkreiſen die
Laſt des Wahlgeſchäfts zu erleichtern.
Auch die politiſchen Geaner müßten ein Intereſſe
daran haben, Abgeordnete, die über das Durchſchnittsmaß
hinausragen, im Mandat zu erhalten.
Die Einrichtungen der Engländer zur Vermeidung
übertriebener Wahlkoſten werden wir ebenfalls bald ernſt
in Erwägung ziehen müſſen, wenn wir nicht wünſchen,
daß das Geld auch bei uns die Wahlen entſcheidet. Als
ich in das pelitiſche Leben trat, Dr. Arendt kannte, wie

erinnerlich, vor kurzem auf eine 25jährige Parlaments=
tätigkeit
zurückblicken waren die Wahlen noch faſt ohne
Koſten, heute wendet jede Partei in jedem Wahlkreis viele
Tauſende auf. Wohin ſoll das führen? Ein Uebermaß
von Druckſachen und Reden wird ſchließlich nicht zur Auf=
klärung
, ſondern zur Verwirrung der Wähler führen.
Allerdings iſt es ſehr ſchwer, hier Grenzen zu ziehen, und
ob das in England gelang, iſt mir zweifelhaft. Ebenſo
würde ſich die Beſeitigung der Stichwahlen nach eng=
liſchem
Vorbild für uns nicht empfehlen. Unſer Partei=
leben
iſt hierfür zu vielgeſtaltig, während in England ja
immer noch, allerdings vielleicht nicht mehr lange, das
Schaukelſpiel zweier großen, ſich ablöſenden Parteien auf=
recht
erhalten wird.
Auch in Deutſchland ſtehen wir bald wieder vor Neu=
wahlen
, möchten ſie zum letzten Male mit unvollſtändigen,
in der Eile notdürftig hergeſtellten Wählerliſten ausgeführt
werden. Die große Zahl der Nachwahlen macht die Ver=
ſtellung
ſtändiger Wählerliſten beſonders dringend. Auch
die Nachwahlen können ſchneller erfolgen, und die Wahl=
kreiſe
können mit noch größerem Recht klagen, wenn ſie
längere Zeit unvertreten bleiben, ſobald die Schwierigkeit
der Herſtellung neuer Wählerliſten aus der Welt ge=
ſchafft
iſt.

Das erſte verantwortliche Miniſterium in China.
* Telegramme aus Peking haben ſchon von der bevor=
ſtehenden
Umbildung der Staatsleitung geſprochen. Der
frühere Geſandte in Berlin, General Jintſchang, iſt eigent=
licher
Kriegsminiſter ſtatt Präſident des Kriegsamts ge=
worden
. Der kaiſerliche Prinz Tſaihſün wurde zum Ma=
rineminiſter
ernannt. Dieſe Ernennungen wurden als die
erſten Schritte zur Schaffung eines verantwortlichen Mini=
ſteriums
bezeichnet. Jetzt weiß die Korreſpondenz des
Aeußerſten Oſtens folgendes zu melden: Bisher hat der
Große Rat die Regierung im Vorparlament vertreten.
Seine Mitglieder ſind aber nicht unabhängig wie euro=
päiſche
Fachminiſter, ſondern werden von einem Präſiden=
ten
und zwei Vizepräſidenten mit Weiſungen verſehen. Bei
dieſer Vielköpfigkeit der leitenden Stellen hat ſich bisher
jeder Miniſter der Verantwortlichkeit entziehen können.
In der Volksvertretung hat, wie oft gemeldet, jeder Groß=
rat
dem andern die Verantwortung zugeſchoben. Mit der
Einrichtung der Vielköpfigkeit ſoll jetzt gebrochen werden.
Der Großrat wird abgeſchafft. Die Miniſterien
werden von jetzt ab nur von einem Präſidenten geleitet
werden, der den Titel Miniſter erhält. Die Vizepräſi=
denten
werden beſeitigt. Die zehn Fachminiſter bil=
den
den Miniſterrat, der durch zwei Miniſter ohne Porte=
feuille
, den Miniſterpräſidenten und den Vize=
präſidenten
vervollſtändigt wird. Miniſterpräſident wird
der bisherige Finanzminiſter Herzog Tſaitſe, Vizepräſident
der Großrat Fürſt Sulau. Die Beiden ſind zugleich die
Vorſitzenden des Neuen Verfaſſungsausſchuſſes. Miniſter
des Aeußern wird der jetzige Großrat Suſetſchang,
Finanzminiſter der Großrat Natung, Handelsminiſter der
bisherige Miniſter des Aeußern. Die übrigen Miniſter
behalten ihre Aemter. So bleibt Jintſchang Kriegsmini=
ſter
und Tſaihün Marineminiſter. Das ſo gebildete
Miniſterium ſoll der Volksvertretung verantwortlich ſein,
auch die Staatsakte des Kaiſers verantwortlich gegenzeich=
nen
und durch eine Mißtrauenskundgebung des Parla=
ments
geſtürzt werden können.
Deuſches Reich.
* Bei der Reichstagserſatzwahl in La=
biau
=Wehlau wurde der fortſchrittliche Kandidat
Wagner mit großer Mehrheit gewählt. Es erhielten nach
dem vorläufigen amtlichen Reſultat: Wagner (Fortſchr.
Volksp.) 9844 Stimmen, Burchardt (konſ.) 7223 Stimmen.
Bei der Hauptwahl am 2. Dezember erhielten Burchardt
(konſ.) 7216, Wagner (Fortſchr. Volksp.) 5527 und Linde
(Soz.) 3708 Stimmen. Die Konſervativen haben das
Mandat alſo verloren. In der Stichwahl erhielten ſie nur
7 Stimmen mehr, als bei der Hauptwahl, wodurch die
Niederlage vergrößert wird. Die Sozialdemokraten ſind
geſchloſſen für Wagner eingetreten, der aber über 600
Stimmen mehr auf ſich vereinigt hat, als Fortſchrittler
und Sozialdemokraten am 2. Dezember aufgebracht hatten.
Nach alledem ſcheint es, als wären in der Stichwahl noch
konſervative Wähler ins andere Lager übergegangen.
Die Reichstagskommiſſion für die
Reichsverſicherungsordnung begann am Frei=
tag
die zweite Leſung des zweiten Buches: Kranken=
verſicherung
. Bei der erſten Leſung ſind gegen den Wider=
ſpruch
der Regierungsvertreter eine Reihe von Aenderun=
gen
und Erweiterungen der Vorlage angenommen wor=
den
, ſo bei § 177. Hier wurde ausgeſprochen, daß Hand=
lungsgehilfen
, Betriebsbeamte, Wertmeiſter, Techniker,

Bühnenmitglieder, Lehrer und Erzieher bis zu 2500 Mark
Jahreseinkommen verſicherungspflichtig ſein ſollen. Von
den Konſervativen wurde nun beantragt, die Regierungs=
vorlage
wiederherzuſtellen und ſtatt 2500 Mark zu ſetzen
2000 Mark. Miniſterialdirektor Caſpar empfahl die An=
nahme
dieſes Antrages. Die in Frage kommenden Kate=
gorien
hätten meiſt nicht ein Anfangsgehalt von 2000
Mark, fielen alſo doch unter die Krankenverſicherung. Es
wäre die Herabſetzung der Einkommengrenze auf 2000 Mk.
ein Entgegenkommen gegnüber den Wünſchen der Aerzte.
Nach ſtattgehabter Debatte wurde ſchließlich die Einkom=
mengrenze
mit allen gegen 7 Stimmen auf 2000 Mark
herabgeſetzt. § 180 war in erſter Leſung geſtrichen worden.
Er geſtattet dem Bundesrat, die Verſicherungspflicht auch
auf Gewerbetreibende auszudehnen. Der Verſuch, ihn
wieder herzuſtellen, mißlang.
Die Kommiſſion für die Wertzu=
wachsſteuer
nahm den Antrag auf die Steuerpflicht der
Landesherren mit 13 gegen 12 Stimmen an.
Entſchädigung der Tabakarbeiter. Das
Zentralorgan der deutſchen Tabakinduſtrie, die Süddeutſche
Tabakzeitung, hat an den zuſtändigen Regierungsſtellen
erfahren, daß die Reichsregireung bereit ſei, weitere
Mittel für eine Entſchädigung an ſolche Arbeiter zur Ver=
fügung
zu ſtellen, die durch das neue Tabakſteuergeſetz
gänzlich oder vorübergehend arbeitslos geworden ſind.
Bekanntlich ruhte dieſe Entſchädigung ſeit dem 1. Dezem=
ber
, nachdem die vom Reichstag ſeinerzeit bewilligte
Summe von 4¾ Millionen Mark für dieſen Zweck veraus=
gabt
war. In Regierungskreiſen habe man ſich jedoch jetzt
von der Notlage der Tabakarbeiter, vornehmlich der weſt=
fäliſchen
(auch der lippeſchen), die zumeiſt andere Arbeit
nicht finden können, überzeugt. Ueber die Höhe der Summe,
die noch bewilligt werden ſoll, iſt ein definitiver Be=
ſchluß
noch nicht gefaßt worden.
Enquete über das Einkommen der
Rechtsanwälte. Entſprechend einer Reſolution des
Reichstages, die eine Erhöhung der Anwaltgebühren ge=
fordert
hatte, war eine Enquete über die Einkommen der
Rechtsanwälte über Prozeßgebühren geplant. Dieſe En=
quete
ſcheiterte, wie der Berliner Lokalanzeiger hört,
daran, daß die Anwaltkammer die Beantwortung der
Fragebogen ablehnte. Die Angelegenheit iſt auf ſpätere
Zeiten verſchoben worden.
Martin Spahn und das Zentrum.
Die Aufnahme des in Warburg=Höxter gewählten Reichs=
tagsabgeordneten
Dr. Martin Spahn in die Zentrums=
fraktion
iſt am Freitag abend nach längeren Verhand=
lungen
beſchloſſen worden. In der dazu gefaßten Reſo=
lution
heißt es im weſentlichen: Die Fraktion des Zen=
trums
im Reichstage betrachtet die Bedenken gegen eine
Aufnahme des Profeſſors Martin Spahn für beſeitigt,
nachdem Profeſſor Spahn über die von ihm vor zwölf
Jahren mit dem Grafen Hoensbroech angeknüpften Bezieh=
ungen
ſein Bedauern ausgeſprochen und nachdem über die
beanſtandeten literariſchen Kundgebungen befriedigende
Erklärungen von ſeiner Seite abgegeben worden ſind.
Die elſaß=lothringiſche Verfaſſungs=
und Wahlrechtsreform, die am Montag, den 12.
Dezember von den Ausſchüſſen im Bundesrat und am
Donnerstag, den 15. Dezember von deſſen Plenum beraten
werden ſoll, ſchien bisher bei keiner bundesſtaatlichen Re=
gierung
erhebliche Einwendungen hervorgerufen zu ha=
ben
. Denn bis vor einigen Tagen waren noch keinerlei
Abänderungsanträge im Bundesrat eingebracht worden.
Von Sachſen hörte man allerdings, daß es von der Ein=
führung
eines demokratiſchen Wahlrechts in Elſaß=
Lothringen ungünſtige Rückwirkungen auf die Stimmung
der ſächſiſchen Wählerſchaft befürchtete, ſodaß ſie etwa An=
ſpruch
erheben könnte, ein nicht minder freiheitliches Wahl=
recht
zu erhalten. Dieſe Befürchtungen haben ſich nun in
letzter Stunde noch zu Anträgen verdichtet, in denen Sach=
ſen
eine Einſchränkung der in der Vorlage vorgeſehenen
Wahlrechtsreform vorſchlägt. Man nimmt an, daß die
Ausſchüſſe im Bundesrat infolgedeſſen zwei Tage zur Be=
ratung
der Vorlagen brauchen werden, daß die Anträge
Sachſens aber abgelehnt werden.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn
Das Abgeordnetenhaus verhandelte über
die Regierungsvorlage über die Verlängerung des
Privilegiums der Oeſterreichiſch=Ungariſchen Bank.
Sämtliche Redner betonten die hohe wirtſchaftliche Be=
deutung
der Aufrechterhaltung der Bankgemeinſchaft
und ſprachen ſich gegen die Aufnahme der obligatoriſcher=

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ie 2
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Dezember 1910.
Nummer 291.
Memhierer ats uden ſe e eſihie ue mitete
Ordensberleihung. Sc. König. Hoheit der
Meiansſchnſte Mimne den, der. neer. 2 e

Bank würdigten. Die Mehrzahl der Redner behielt
ſich die endgültige Stellungnahme zur Vorlage vor, bis verliehen
die Regierung über verſchiedene Einzelheiten Aufklär=
ungen
gegeben haben werde.
Griechenland.
Andeutungen des Miniſterpräſidenten Venizelos wird ent= 10. Dezember 1910,
nommen, daß er beabſichtigt, die militäriſchen Fähigkeiten
zu laſſen, obwohl das Oberkommando der Armee, das der
der aus Frankreich zu berufenden Lehroffiziere übertragen
werden ſoll, ſodaß er die Oberaufſicht über die Armee und zählig zu erſcheinen.
deren Organiſation in Gemeinſchaft mit höheren franzö=
griechiſche
Staatsangehörige werden.
Rußland.
Aus der Diplomatie. Es ſcheint ſich zu beſtä=
daß
der bisherige Direktor der Kanzlei im Miniſterium
des Auswärtigen, Zeremonienmeiſter Savinsky, dieſen
Poſten demnächſt verlaſſen und Verwendung im Auslande
finden wird. Während es erſt hieß, Herr Savinsky ſei
zum Geſandten in München auserſehen, verlautet jetzt mit
Beſtimmtheit, daß ihm die Geſandtſchaft beim päpſtlichen
Stuhle in Rom übertragen werden ſoll. Alexander Alexan=
drowitſch
Savinsky iſt noch verhältnismäßig jung und
hat eine ſchnelle Laufbahn hinter ſich. Er verdankt ſie
hauptſächlich dem Grafen Lamsdorff, deſſen rechte Hand
er war, ſtand dann aber auch bei Herrn Iswolski in
Gunſt und Anſehen. Er begleitete den Zaren bei der
nahm jetzt auch an der Potsdamer Begegnung der beiden
Herrſcher an der Seite ſeines neuen Chefs, des
Herrn Saſonow, teil. Der Chef der Kanzlei iſt gewiſſer=
maßen
der Adjutant des Miniſters des Auswärtigen und
muß ihm daher auch perſönlich naheſtehen Herr Saſonow
beabſichtigt, wie man hört, dieſes wichtige Amt dem Ba=
ron
Moritz von Schilling zu verleihen, der zurzeit erſter
Sekretär der Pariſer Botſchaft iſt.
B.C. Jugendliche und Kinder in Fabri=
ken
. Ueber die Beſchäftigung jugendlicher Fabrikarbeiter
beiderlei Geſchlechts und von Fabrikarbeiterinnen im
Jahre 1909 werden in der Statiſtik des Deutſchen Reiches
folgende Angaben gemacht: Im Jahre 1909 wurden in
95 304 Fabriken jugendliche männliche und weibliche Ar=
beiter
und in 88889 Anlagen erwachſene Arbeiterinnen
beſchäftigt. Die Zahl der Jugendlichen betrug 458085,
darunter waren 11542 Kinder unter 14 Jahren, und zwar
6166 Knaben und 5376 Mädchen. Die übrigen Jugend=
lichen
ſtanden im Alter von 14 bis 16 Jahren, von ihnen
waren 290 277 männlichen und 156 263 weiblichen Ge=
ſchlechts
. Gegen das Vorjahr iſt die Zahl der beſchäftigten
Kinder um 520 geſunken, die Verminderung entfällt faſt
ausſchließlich auf die Beſchäftigung von Knaben, die Zahl
der beſchäftigten Mädchen hat nur um 9 abgenommen. Bei
den jungen Leuten zwiſchen 14 bis 16 Jahren, deren Zahl
entfällt die Zunahme hauptſächlich auf die jungen Mäd=
chen
, von denen 5605 mehr gezählt wurden. Von den er=
wachſenen
Arbeiterinnen (1190 241) waren 462976 unter
21 Jahre alt und 727 265 älter. Im Vergleich zum Vor=
jahre
hat ſich die Zahl der erwachſenen werktätigen Arbei=
terinnen
um rund 40 000 gehoben.
* Colombo, 9. Dez. Der Kronprinz und die
Kronprinzeſſin ſind geſtern abend in Kandy einge=
troffen
; ſie werden morgen mittag in Colombo ſein.
Stadt und Land.
berzogin empfing der Darmſt. Ztg. zufolge am
Samstag vormittag ½11 Uhr im Neuen Palgis den
Profeiſor Dr. Köppe aus Gießen und um ½ 12 Uhr
den Oberbürgermeiſter pr. Gläſſing.

zültige Deviſenpolitik der Oeſterreichiſch=Ungariſchen Großherzog haben dem Gemeindeeinnehmer Johannes
Scheuer zu Schwabenrod das Allgemeine Ehren=
zeichen
mit der Inſchrift Für langjährige treue Dienſte‟
Ernannt wurden der Hilfsdiener bei dem Amts=
gericht
Darmſtadt II Heinrich Bley zum Schreibgehilfen
und der Gefangenaufſeher am Landeszuchthaus Marien=
ſchloß
Heinrich Zubrod zum Hilfsdiener bei dem
Kronprinz Konſtantin. Aus verſchiedenen Amtsgericht Darmſtadt II, beide mit Wirkung vom
* Großh. Regierungsblatt. Die Beilage Nr. 31 vom
des Kronprinzen Konſtantin in Zukunſt nicht unbenutzt 10. Dezember enthält: 1. Ordensverleihungen und Charak=
tererteilungen
; 2. Sterbefälle.
* Ans der Zweiten Kammer Die Tagesordnung
Kronprinz bis zur Revolution in Händen hatte und das für Dienstag enthält folgende Anmerkung: Sei=
damals
aufgehoben wurde, nicht wieder hergeſtellt wer= 1 tens der der ſozialdemokratiſchen Partei angehörigen
den kann. Venizelos gedenkt eine Geſetzesvorlage einzu= Abgeordneten iſt erklärt worden, daß ſie die Beſchluß=
bringen
, wonach dem Kronprinzen der Vorſitz im Rate fähigkeit des Hauſes bezweifeln werden, wenn nicht
die vorgeſchriebene Anzahl der Mitglieder anweſend
iſt. Es wird deshalb erſucht, in den Sitzungen voll=
Die Strafkammer verhandelte in der Sams=
ſiſchen
Offizieren haben würde; dieſe Offiziere würden 1 tagsſitzung einen ſogenannten Spaß, der zur Gat=
tung
der dummen gehört und ſeinem Urheber, den
Kaufmann Anton Straub I. von Heppenheim,
1 teuer zu ſtehen kommt. Nichts geringeres als das
tigen, ſo meldet man der N. G. C. aus St. Petersburg, fälſchung fällt dem bisher unbeſtraften, 37 Jahre
alten Angeklagten zur Laſt, und er hatte ſich dieſe un=
heilvolle
Folge wohl nicht träumen laſſen. Der Kauf=
mann
Retzbach in Heppenheim ſein Konkurrent Str.5)
beabſichtigte, ſein Haus mit Geſchäft zu verkaufen
und erhielt eines Tages den Brief eines ihm unbe=
kannten
Herrn von Frankfurt a. M., worin er als! häufig vorkommenden Raubvögel in der Weiſe ange=
eifriger
Kaufliebhaber ein vielverſprechendes Ange=
bot
machte und wegen eigener Unabkömmlichkeit den den Himmel ſchauenden Beobachter zeigen. Dieſe wer=
R. zur näheren Rückſprache in Frankfurt einlud. Die
dortige Wohnung war genau angegeben und ſogar
die Nummer der vom Bahnhof zu benutzenden elet= erleichter: An der Wand zwiſchen den Schränken der=
triſchen
Straßeibahnlinie bezeichnet. Zur Erlang=
ung
eines ſolchen ausſichtsreichen Bewerbers ſcheute R.
Zeit und Koſten nicht, mußte aber beim vergeblichen
Suchen in Frankfurt erfahren, daß man ihn genarrt
hatte. Wie ſich ſpäter herausſtellte, war Str. der 1 gut die Anordnung der Organe und bilden ein Seiten=
Swinemünder Entrevue mit dem deutſchen Kaiſer und Schreiber; ſein Brief mit fingierter Unterſchrift er=
ſcheint
ſtrafrechtlich als gefälſchte beweiserhebliche
Privaturkunde, und die Fälſchung war in der Abſicht,
einem anderen Schaden zuzufügen, verübt, mithin
eine ſchwere‟. Der Angeklagte mußte ſich ſagen, daß an der Techniſchen Hochſchule. Der 3. Jahresbericht
er durch die zweckloſe Reiſe den R. henachteilige, und 1909/10, erſtattet vom Geh. Baurat Prof. Dr. Berndt,
ſeine naie Ausrede, er habs jenom nur die Freudel iſt ſoeben erſchienen. Es heißt darin: Die Material=a
einer Verkaufsausſicht beretten wollen, verfing nicht. prüfungsanſtalt an der Techniſchen Hochſchule zu Darm=
Das Gericht ließ es mit Zubilligung mildernder Um=
Gefängnis bewenden. Die Umwandlung in eine
Geldſtrafe oder bedingten Straferlaß kann nur auf
dem Gnadenwege geſchehen. Höchſt unangenehm
war in einer Septembernacht der in der Mauer=
ſtraße
hier wohnende N. aus dem Schlafe geweckt
worden. Er fühlte eine Hand im Geſicht und ent= verſtändnis mit den Antragſtellern veröffentlicht. Das
deckte einen durchs Fenſter eingeſtiegenen Fremden,
den 24jährigen Schuhmacher Philipp Buxmann!
von Frankfurt a. M. Der Feſtgenommene und aufs Zeit vom 1. Oktober 1909 bis zum 30. September 1910
Polizeireyſer Gebrachte verweigerte aufänglich jede 160 Anträge gegenüber 126 Anträgen im Vorjahre. Die
Auskunft über den Zweck dieſes ungewöhnlichen Be= Anträge verteilen ſich folgendermaßen auf die verſchie=
ſuches
, wurde des verſuchten ſchweren Diebſtahls im
Rückfall angeklagt und behauptete nun, ohne jede diebi=
ſche
Abſicht eingedrungen zu ſein. Er habe angetrunken
im Abort jenes Hauſes nächtigen und dann zu glei=
chem
Zweck das Zimmer benutzen wollen, in das er ſuchen wurde wie im Vorjahre ſo auch im Berichtsjahre
über ein Dach weg geklettert war. Er wurde jedoch i aus Anlaß des von der Internationalen Luftſchiffahrt=
kannten
, durch die Unterſuchungshaft als verbüßt an= Wettbewerbes für leichte Metalle ausgeführſ. Im
geſehenen Mindeſtſtrafe von 3 Monaten Gefäng= Berichtsjahre wurden folgende wiſſenſchaftliche
gegen das Vorjahr von 440 255 auf 446 540 geſtiegen iſt, Amazone, der ſchöffengerichtlich wegen Mißhandlung Vorſuche über die Haftung zwiſchen Eiſen und Beton,
zu 2 Monaten Gefängnis verurteilten Ehefraß1 Armierter Beton 1910, Nr. 9. Dipl.=Ing. W. Müller:
Zöller aus Fehlheim, wurde verworfen. Sie war I.
einer Feindin in die Haare gefahren und hatte ſie nicht bewehrtem Beton. Der Verſuchsbericht wird
durch Hiebe, Kratzen und Fußkritte übel zugerichtet,;
ſodaß u. a. eine Unterleibsverletzung und Gehirn= gegeben werden. Der 1. Aſſiſtent der Materialprüfungs=
erſchütterung
eintraten.
u. Der Provinzialausſchuß beſchäftigte ſich am
Samstag mit einer Beſchwerde des Paul Metz! a. M. einen Vortrag über Metallprüfung‟.
in Mühlheim gegen die Heranziehung zu
Umlagen der Landwirtſchaftskammer! Der 48. Verbandstag tritt am Mittwoch, den 21.
und verwark ſie koſtenfällig unter Auferlegung eines Dezember 1. J., vormittags, im ſtädtiſchen Saalbau
Averſionalbetrages von 6 Mark zur Provinzialkaſſe.
Darmſtadt, 12. Dezember. 1 M. hat an Arbeiter ſeines Gewerbebetriebs kleine ſtehen: 1. Jahresbericht, erſtattet von Generalſekretär
* Vom Hofe. Ihre Königl. Hoheit die Groß= Grundſtücke zur gärtneriſchen Bewirtſchaftung abge=
geben
; die Landwirtſchaftskammer ſieht dies als land= Bilanz pro 1909. 3. Scheck=, Quittungs= und Wechſel=
wirtſchaftlichen
Betrieb und den M. als beitrags=
pflichtig
an, weshalb ſie ſeine Einwendung für un= ſchaften. Referent: Generalſekretär Gennes. Nach
begründet erklärte. Die Entſcheidung des Provin= Schluß der Verſammlung, ſpäteſtens um 2 Uhr, wird

teten Ausgang nahm die Beſchwerdeſache der Karv=
line
Seib all von Biblis gegen einen kreisamt=
lichen
Polizeibefehl. Es handelt ſich um eine Brand=
mauer
der S.ſchen Scheuer gegen die Nachbarhofreite
des Peter Völger III. Die Errichtung war durch das
Kreisamt der S. mit einer Friſt auferlegt, dagegen.
überſehen worden, für fruchtloſen Ablauf der Friſt
eine Strafe anzudrohen. Der an letztere ergangene
Polizeibefehl iſt deshalb formell ungültig und es war
demgemäß der Beſchwerde ſtattzugeben. Die Koſten
hat die Gemeinde Biblis nach Artikel 70 der Ge=
meindeordnung
zu tragen. Die am 22. v. M. zwecks
weiterer Beweiserhebung wertagte, damals berichtete
Verhandlung, betreffend Rekurs des Lehrers der
israelitiſchen Relegionsgemeinde Vormberg in
Reinheim, wurde fortgeſetzt. Dem Beſchwerdeführer
iſt durch den Kreisausſchuß auf Antrag eines Rechts=
anwalts
die Konzeſſion zur gewerbsmäßigen Beforg=
ung
von Rechtsangelegenheiten entzogen worden und=
die
jetzige Beweisaufnahme galt der Frage, ob jene
Begründung (ungenügende Befähigung und mangel=
hafte
Ausübung) richtig ſei. Die Entſcheidung,
ſoll nächſten Samstag verkündet werden.
Großh. Landesmuſeum. In der zoologiſchen
Abteilung des Großh. Landesmuſeums ſind während
der letzten Zeit wieder eine Reihe von Gegenſtänden
Verbrechen der qualifizierten Urkunden=zur Aufſtellung gelangt. Es möge hier zuerſt auf ver=
ſchiedene
Süßwaſſertiere aus der Umgegend, darunter
ein Prachtexemplar vom Süßwaſſerſchwamm ( Spon=
gilla
), dem bekannten Badeſchwamm verwandt, ferner
eine große Kolonie von Moostierchen (Brpozoen) ind
der heſſiſchen Sammlung hingewieſen werden. An der
Decke dieſes Raumes ſind Flugbilder der in Heſſen
bracht worden, wie ſie ſich bei ruhigem Fluge dem gegen
den beſonders für Jäger von Intereſſe ſein, dürften
aber auch Laien die Unterſcheidung der Arten im Freien,
ſyſtematiſchen Sammlung der Vögel ſind unter Glas
Längs= und Querſchnitte durch einen Seeadler
(Haligetus), der voriges Jahr auf der Kuriſchen Neh=
rung
lebend gefangen wurde, zu ſehen. Sie zeigen ſehr
ſtück zu den Schnitten durch die Katze, die auf cnliche
Weiſe durch Zerſägen und nachheriges Präparieren von
gefrorenen Kadavern hergeſtellt ſind.
* Der Tätigkeitsbericht der Materialprüfungsanſtalt
ſtadt befaßt ſich mit der mechaniſch=techniſchen Prüfung
ſtände bei der geſetzlichen Mindeſtſtrafe von 1 Woche von Metallen, Hölzern, Seilen, Ketten, Riemen,
Zement, Beton, natürlichen und künſtlichen Steinen,
Del, Petroleum und ähnlichen Materialien. Die Unter=
ſuchungen
erfolgen gegen Entgelt auf Antrag von Be=
hörden
und Privaten. Die Prüfungsergebniſſe werden
ſeitens der Anſtalt geheim gehalten und nur im Ein=
Perſonal der Anſtalt iſt auf Wahrung des Dienſtge=
heimniſſes
verpflichtet. Die Anſtalt erledigte in den
denen Materialien: Metalle 75 Anträge, Zement 5 An=
träge
, Beton 32 Anträge, natürliche Steine 7 Anträge;
künſtliche Steine 28 Anträge, Verſchiedenes 13 Anträge,
zuſammen 160 Anträge. Eine große Anzahl von Ver=
für
ſchuldig befunden und war dann auch mit der er= Ausſtellung in Frankfurt a. M. ausgeſchriebenen Preis=
nis
einverſtanden. Die Berufung einer ſtreitbaren Unterſuchungen ausgeführt: Dr.=Ing. E. Preuß:
Verſuche über den lektriſchen Leitungswiderſtand von
demnächſt vom Deutſchen Eiſenbeton=Ausſchuß heraus=
Auſtalt, Privatdozent Dr.=Ing. E. Preuß, bielt im Be=
richtsjahre
vor dem Ortsgewerbeverein zu Offenbach
* Heiſiſchle landwintſchaftliche Geſtoffenſchaften.
zu Darmſtadt zuſammen. Auf der Tagesordnung=
Haas. 2. Vorlage und Beſcheidung der Rechnung und
ſtempel im Geſchäftsbetrieb der Verbandsgenoffen=

Aus Geſprächen mit Knaus.
** In einem ſtillen Winkel, mitten zwiſchen dem
bunten Leben Berlins, wie es ſich in der vor=
nehmen
Tiergartenſtraße entfaltet, in der Hilde=
brandſchen
Privatſtraße, hatte der nun dahingegan=
gene
Altmeiſter der deutſchen Genremalerei, Ludwig
Knaus, ſein trauliches, mit erleſenen Kunſtſchätzen
geſchmücktes Heim aufgeſchlagen. In dieſen behag=
lichen
Räumen und dem ſchönen Garten mit den
alten Bäumen und dem im Sommer üppig entfal=
teten
Roſenparkett hatte nun der alte Herr ſich ſeinen
eigenen, ſtill abgegrenzten Lebensbezirk geſchaffen, in
dem er ſich ohne, Haß von der Welt verſchloß. Moch=
ten
die Jungen in geräuſchvollen Revolutionen eine
neue Kunſt und eine neue Schönheit entdecken, der
Meiſter ſchaute dem lächelnd und intereſſiert zu. Es
kar eben jedes Ding ſeine Zeit, ſagte er wohl einem
Beſucher. Man muß doch auch jüngeren Kräften
Platz machen! Und die Erinnerungen ſchweiften zu=
rück
zu jener Epoche vor mehr als einem halben
Jahrhundert, da er ſelbſt als ein böſer Sezeſſioniſt‟
ſeinem Direktor Wilhelm Schadow ein Dorn im
Auge geweſen war und ärgerlich der Düſſeldorfer
Nkademie den Rücken gekehrt hatte.
Ja, auch Knaus war einſt den Deutſchen als ein
grimmer Revolutionär erſchienen, der den ganzen
Cornelius und ſeine Schule als aufgewärmten Kohl
unter den Tiſch warf. Märchenhaft mutet uns heute
dieſgr Aufſtieg des armen Mechanikerſohnes an, den
der Vater durchaus zu ſich in die Lehre nehmen wollte
und der es nur einem Gönn

ken hatte, daß er ſchließlich bei einem Hofmaler das
Malerhandwerk lernen durfte. Mühſelig hatte er ſich
während der Lehrzeit eine kleine Summe vom Munde
abgeſpart, mit der er ſein Glück auf der berühmten

gradenie verſuchte. en
lei Widrigkeiten des Anfangs ſetzte er ſich durch. Er
Ling nach Paris und kam aus Frankreich als
Triumphator wieder. Dex Ueberfluß hat immer
etwas Bezauberndes und die Welt liebt nichts ſo ſehr
als Verſchwendung, ſo hat ihn damals Friedrich
Pecht geſchildert. Eher unter als über Mittelgröße
aber breitſchulterig und ſtark gebaut, blond mit durch=
dringenden
blauen Augen in einem auffallend regel=
mäßig
ſchönen, echt deutſchen Geſicht, dem die Adler=
naſe
etwas Kühnes, der feſte Mund etwas Trotziges
gab, Meiſter in allen körperlichen Uebungen, frap=
pierte
er ſchon durch die kerngeſunde Harmonie der
ganzen ſtahlkräftigen Perſönlichkeit.
Dieſe kraftvoll gefeſtigte Sicherheit hatte ſich auch
noch der Siebziger und Achtziger bewahrt. Er hielt an
ſeinen alten Idealen feſt, aber er ließ auch die Jun=
gen
gelten. Ich erkenne die großen Errungenſchaften
der Moderne an, erklärte er in einem intereſanten
Selbſtbekenntnis, das Ottomar Beta nach Geſprächen
mit dem Meiſter in der Deutſchen Revue veröffent=
licht
hat. Die Ingend hat das Wort, wie wir Alten
es ehedem gehabt haben. Aber das Gemüt verödet
ein wenig unter dieſem Haſchen nach virtuoſen Effek=
ten
. Und man iſt zu alt, um noch neue Künſte zu
lernen. Ihm war ja das Evangelium des Impreſſio=
nismus
nichts neues; er hatte es ſchon in den öher
Jahren in Paris kennen gelernt, als er mit den gro=
ßen
Führern der franzöſiſchen Kunſt in perſönliche
Berühruna trat. Ihm bot die ſo viel beſprochene
deutſche Moderne nichts Ueberraſchendes. Mir iſt
ſie etwas Altes, eing willkommene Erinnerung aus
der Jugendzeit, meinte er. Ich habe mich vor vier=
zig
Jahren, als ich auf acht Tage nach Paris ging und
ſechs Jahre dort blieb, ſchon damit abgefunden. Da=
mals
waren ja Manet und eine Reihe ſeiner Schüler
en vogue. Plein air habe ich immer mit Vorliebe ge=
malt
, aber die Lichtphänomen in der Natur und meing

Richtung, das Genre, die Sittenmalerei, ſind ebenſo
unvereinbar wie die Farbenfluten des Serpentin=
tanzes
und ein Stück von Moliére. Was künſtlich iſt,
verlangt geſchloſſenen Raum. Wenn der Menſch des
Menſchen eigentlicheres Studium iſt, ſo wird er auch
das eigentlichſts Obiekt der Kunſtanſchauung bleiben
nicht nach Art eines glänzenden Käfers oder eines
Schmetterlings in Glanz und Sonnenſchein, kurz als
Staffage in Bildern voll Ton und Lichteffekten, ſon=
dern
als Dargeſtellter und Darſteller. Um die ſeeli=
ſchen
Vorgänge in des Menſchen Leben und Angeſicht
malen zu können, brauche ich das Licht nicht als Ob=
jekt
und Endziel der Kunſt, ſondern als Mittel, als
ruhiges Element, das ſich ſo wenig aufdrängt und
ſtörend bemerkbar macht wie möglich. So war’s, ſo
wird es bleiben, weil es ſo in der Natur der Sache
liegt. Darum will ich mit der heutigen Jugend nicht
rechten, die das Licht emanzipiert und materialiſiert.
Man hat ja auch über mich Zeter und Mordio ge=
ſchrien
, fügte er ein wenig wehmütig lächelnd hinzu,
zund mich hart angefaßt und zum Bahnbrecher er=
hoben
. Du lieber Gott! Ich malte eben ohne jede
Polemik mit Pinſel und Oel, wie mir’s ums Herz.
war, lediglich um die Menſchen zu erfreuen.
Knaus wußte, daß ſeine Miſſion erfüllt war, und
er war ein viel zu ſtreier Geiſt, um anderen ſeine
Form des Sehens aufdrängen zu wollen: Ein jeder
Vogel ſingt ſein Lied, man kann da keine Norm auf=
ſtellen
, was gemalt werden ſollte und was nicht. Ich
trete nicht hervor, habe es nie getan, und jetzt, wo das
Alter mich beſchleicht, denke ich weniger daran als je,
es zu tun. Was ich tun konnte, habe ich getan. Die
Kunſt liegt hinter mir? Mit dieſer beſcheiden ſtol=
zen
Gewißheit, nach beſtem Wollen und Können ge=
wirkt
zu haben, hat Knaus auch das Glück ſeines
Alters vollauf gekoſtet, iſt er endlich ohne lange
Krankheit plötzlich dahingeſchieden, wie es nur einem.
Liebling Fortungs vergönnt war.

[ ][  ][ ]

Nummer 291.

Därmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Dezember 1910.

Seite 3.

ein gemeinſchaftliches Mittageſſen im Verſammlungs=
lokal
ſtattfinden.
* Der Verband für Jugendfürſorge in der Stadt
Darmſtadt hält eine Sitzung im Rathausſaal am Freitag,
den 16. Dezember, nachmittags, ab. Auf der Tagesord=
nung
ſtehen: 1. Mitteilungen. 2. Die Teilnahme von Ju=
gendlichen
an öffentlichen Tanzluſtbarkeiten (Referent:
Regierungsaſſeſſor Fuchs). 3. Wie kann die Schule dar=
auf
hinwirken, daß religiöſes Leben und religiöſe Sitte
in den Familien lebendig werden? (Referentin: Fräulein
von Szczepanski.) 4. Wie kann der Lehrer drohender Ver=
wahrlſung
bei einem Schulkinde wirkſam entgegentreten?
(Referent: Regierungsaſſeſſor Stimmel.) 5. Entgegen=
nahme
von Anregungen aus der Verſammlung.
Der Rothenburger Verband akademiſcher Architek=
tenvereine
an deutſchen Hochſchulen eröffnet heute in der
Aula der hieſigen Techniſchen Hochſchule für die Dauer
dieſer Woche eine Wanderausſtellung. Es gelangen Ent=
würfe
, Zeichnungen, Skizzen und Aquarelle früherer und
gegenwärtiger Mitglieder zur Ausſtellung. Beſuchszeit
94½ Uhr. (Näheres ſiehe Anzeige.)
Der Deutſchnationale Handlungsgehilfen= Ver=
band
veranſtaltet unter fachmänniſcher Leitung dem=
nächſt
wieder einen Kurſus, und zwar in doppelter
italieniſcher Buchführung, verbunden mit Briefwechſel
und kaufmänniſchem Rechnen. (Siehe Anzeige.)
Arbeitsſchule des Evangeliſchen Bundes. Die unter
dem hohen Protektorate Ihrer Königlichen Hoheit der
Großherzogin ſtehende, von dem Evangeliſchen Bund und
von Freunden und Gönnern der Stadt Darmſtadt gegrün=
dete
und erhaltene, zurzeit von nahezu 400 Kindern be=
ſuchte
Arbeitsſchule des Evangeliſchen Bun=
des
wird ihr diesjähriges Weihnachtsfeſt nächſten Sams=
tag
, den 17. ds. Mts., nachmittags 3½ Uhr, in dem Turn=
ſaal
des Schulhauſes Rundeturmſtraße begehen und bittet
die Eltern der Kinder, ſowie wohlwollende Freunde der
Schule, an der Feier freundlichſt teilnehmen zu wollen.
Struwwelpeter! Die für Mittwoch, den 14.
d. M., nachmittags 5 Uhr, im Kaiſerſaal vorgeſehene
Aufführung erfährt eine weſentliche Bereicherung durch
das Orcheſter der Oberrealſchule, das, während die
Bilder inſzeniert werden, Muſikſtücke vortragen wird,
und durch einen Kinderchor, der die Vorſtellung mit
Weihnachtsliedern eröffnen und ſchließen wird. (Siehe
die heutige Anzeige.)
D Poſtbriefbeſtellung. Bei dem hieſigen Poſtamt I
werden die eingehenden Briefſendungen werktäg=
lich
in folgender Weiſe beſtellt: bei der erſten Be=
ſtellung
um 6,40 Uhr vorm.: die mit den Poſten von
7,10 Uhr nachm. bis 5,40 Uhr vorm. eingegangenen
Briefſendungen; bei der zweiten Beſtellung um 9,10
Uhr vorm.: die mit den Poſten von 6,40 Uhr vorm. bis
8,25 Uhr vorm. eingegangenen Briefſendungen; bei der
dritten Beſtellung um 1 Uhr nachm.: die mit den Poſten
von 9,30 Uhr vorm. bis 12,20 Uhr nachm. eingegangenen
Brieffendungen; bei der vierten Beſtellung um 4,15 Uhr
nachm.: die mit den Poſten von 1,30 Uhr nachm. bis 3,45
Uhr nachm. eingegangenen Briefſendungen; bei der
fünften Beſtellung um 6,40 Uhr nachm.: die mit den
Poſten von 5,45 Uhr nachm. bis 6,05 Uhr nachm. einge=
gangenen
Briefſendungen. Bei der fünften Beſtellung
um 6,40 Uhr nachm. werden Einſchreibbriefe
nicht abgetragen.
An Sonn= und Feiertagen findet nur eine
Briefbeſtellung um 8 Uhr vorm. ſtatt, die alle bis
7,20 Uhr vorm. eingegangenen Briefſendungen mit Aus=
nahme
der nicht eiligen Druckſachen umfaßt. Die ſpäter
eingehenden Briefſendungen und die nicht eiligen
Druckſachen werden Montags bei der erſten Beſtellung
abgetragen. Die näheren Angaben ſind aus dem im
Schalterraum aushängenden Poſtbericht erſichtlich, der
auch für 25 Pfg. an den Poſtſchaltern und durch die
Briefträger zu beziehen iſt.
m. Die Arbeiten an den neuen Schulhäuſern auf dem
Platz des alten Gaswerks gehen rüſtig vorwärts. Der
äußere Verputz der neuen Mädchenſchule iſt in einigen
Tagen beendet. Die Dampfheizung iſt ſchon probeweiſe
in Betrieb geſetzt worden. In den Sälen werden die Fuß=
böden
gelegt. Die Fenſter haben nun alle ihre Verglaſung
erhalten und die Rahmen ſind mit weißer Oelfarbe ge=
ſtrichen
worden. In der Lagerhausſtraße werden zu Sei=
ten
des mächtig wirkenden Portals eben die Brüſtungs=
mauern
der vor den unterſten Fenſtern liegenden Wandel=
gänge
aus Backſteinen errichtet. Auch der über dem Portal
liegende Balkon erhält ſeine Brüſtung. Bis zum Früh=
jahr
müſſen mehrere Säle fertiggeſtellt ſein, da in ihnen
4 Klaſſen der Mädchen=Mittelſchule Unterkunft finden
ſollen. An der neuen Ober=Realſchule wird der Verputz
auf der Südſeite des Gebäudes bei anhaltend guter Witte=
rung
noch vor Weihnachten beendet werden können. Auch
im Innern dieſes Gebäudes werden ungefähr 10 Säle zur
Aufnahme von Knaben=Mittelſchulklaſſen bis Oſtern her=
gerichtet
. Auf dem Hofe lagern große Erdmaſſen, deren

Wegbringung wahrſcheinlich als Notſtandsarbeiten im
Winter vorgeſehen ſein dürfte.
Internationale Ringkampf=Konkurtenz. Die
drei auf dem Programm ſtehenden Entſcheidungs=
kämpfe
hatten Freitag wieder zahlreiche Ringkampf=
Freunde nach dem Orpheum gelockt. Ein techniſch
ſchöner Kampf entwickelte ſich zuerſt zwiſchen Pitro
und Heß. Letzterer erwies ſich als der beſſere und
ſiegte in einer Geſamtzeit von 37 Minuten. Ein uner=
wartet
ſchnelles Ende fand dann der nächſte Kampf
zwiſchen Terrikoff und Debie. Schon nach
6 Minuten gelang es dem am Boden liegenden Terri=
koff
, die Arme ſeines Gegners einzuklemmen und
ſelbigen auf beide Schultern zu xollen. Der beſte Kampf
des Abends war dann der Entſcheidungskampf zwiſchen
Tſcheſtjakoff und Chriſtenſen. Die etwas
derbe, aber doch nicht unfaire Ringweiſe des Kaukaſiers
erregte den Unwillen des Publikums, ſo daß Tſcheſtja=
koff
ſich beim Kampfgericht über das Verhalten des
Publikums beſchwerte. Die geräumige Bühne des
Orpheums erwies ſich faſt als zu klein. Nach 44 Mi=
nuten
ſtürmiſchen Kampfes gelang es dann dem Kau=
kaſier
, durch Hüftſchwung aus dem Stand zu ſiegen.
Der von Eberle am Donnerstag ſo unerwartet ſchnell
geworfene Terrikoff hat Eberle zu einem
Revanchekampf herausgefordert, der in den näch=
ſten
Tagen ſtattfindet.
Die älteſte Lichtbildbühne. Der erſte Darm=
ſtädter
Kino, Grafenſtraße, hat wieder der Zuſam=
menſtellung
des neuen Spielplanes ſeine größte Sorgfalt
gewidmet, um die neueſten Erzeugniſſe den verehrlichen
Beſuchern vor Augen zu führen. Unter den vielen kon=
kurrenzloſen
Piecen iſt vor allem der ruſſiſche Kunſtfilm
hiſtoriſcher Sujets, Prinzeſſin Tarakanowa und Katha=
rina
II., in bezug auf prächtige Ausſtattung und Dar=
ſtellung
rühmend hervorzuheben. In gleicher Weiſe bieten
die weiteren Vorführungen, wie der Wilddieb, ein ſpan=
nendes
Drama, ſowie Katharina von Medici, ebenfalls
ein hiſtoriſcher Kunſtfilm, Hochintereſſantes. (Näheres ſiehe
Anzeige.)
A Auf den Wochenmärkten macht ſich ſchon das
Weihnachtsfeſt bemerkbar durch die ſtarke Nachfrage
nach Butter, Eiern uſw. Die Butterpreiſe haben infolge=
deſſen
auch bereits angezogen, das ½ Kg. koſtet 1,40 M.,
in Partien 1,30 M. Sonſt ſind an Durchſchnittspreiſen
zu verzeichnen: Eier 78 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 18
bis 20 Pf., Handkäſe 610 Pf.; Kartoffeln: Zentner
3,504 M., Kumpf (10 Liter) 6570 Pf., Mäuschen
Zentner9 M., ½ Kg. 10 Pf.; Obſt u. dgl.: Aepfel Zentner
612 M., ½ Kg. 715 Pf., Birnen ½ Kg. 1218 Pf.,
Kaſtanien ½ Kg. 15 Pf., Zitronen 6 Pf.; Salat, Ge=
müſe
: Kopfſalat 1012 Pf., Endivien 36 Pf., Bündel
Radischen, Rettiche 5 Pf., Meerrettich 1025 Pf., Zwiebeln
Kg. 810 Pf., Roterüben ½ Kg. 510 Pf., Paradies=
äpfel
½ Kg. 40 Pf., Weißerüben 2 Pf., Roſenkohl ½ Kg.
2025 Pf., Gelberüben ½ Kg. 45 Pf., Wirſing 310 Pf.,
Grünkohl 36 Pf., Blumenkohl 1060 Pf., Rotkraut 10
bis 35 Pf., Weißkraut 815 Pf., Zentner 1,802,00 M.,
Spinat ½ Kg. 1215 Pf., Schwarzwurz ½ Kg. 25 bis
30 Pf., Kohlrabi 34 Pf.; Geflügel, Wild: Gänſe
½ Kg. 8085 Pf., Enten 34 M., Hahnen und Hühner
1,502,50 M., Tauben 6070 Pf., Lapins 1 M., Haſen
3,50 M.; Fiſche ½ Kg.: Hecht, Aal bis zu 1,20 M.,
Rheinfiſche 40 Pf., Rotzungen 80 Pf., Kabeljau, große
Schellfiſche 35 Pf., kleine 1820 Pf.; in den Fleiſch=
ſtänden
½ Kg.: Rindfleiſch 60 Pf., Hackfleiſch 80 Pf.,
Rindsfett 50 Pf., Rindswürſtchen (Stück) 15 Pf., Kalb=
fleiſch
70 Vf.
=gs. Von Krämpfen befallen. Samstag vormittag um
½11 Uhr wurde ein Magazinarbeiter in der Blumenthal=
ſtraße
von Krämpfen befallen und mittels Krankenauto=
mobils
nach ſeiner Wohnung verbracht.
Brandbericht. Freitag vormittag 11,43 Uhr
wurde der Feuerwache durch Fernſprecher die Meldung:
Feuer Bismarckſtraße 45. In dem Schlafzimmer der
Wohnung im 1. Obergeſchoß waren die Betten in Brand
geraten, vermutlich durch einen dort aufgeſtellten
Petroleumofen. Durch Hausbewohner wurde eine Aus=
dehnung
des Feuers verhindert. Die Feuerwehr hatte
nur kurze Ablöſchungs= und Räumungsarbeit vorzu=
nehmen
und war 12,10 Uhr wieder in der Station. Der
Schaden iſt nicht bedeutend.
3 Pfungſtadt, 10. Dez. Die Einwohnerzahl
unſeres Städtchens hat im letzten Jahrfünft eine ver=
hältnismäßig
geringe Zunahme erfahren. Es
wurden 6839 Einwohner gegen 6582 im Jahre 1905 ge=
zählt
. Dieſer im Vergleich zu anderen größeren Orten
geringe Zuwachs (257) iſt aber zum Teil, wie aus den
ſtandesamtlichen Eintragungen hervorgeht, auf eine
bedeutende Verringerung der Zahl der Geburten und
der Sterbefälle in den letzten fünf Jahren zurückzu=
führen
. Es ſind nämlich die Geburtsfälle von 1247
(aus den Jahren 1901 bis 1905) auf 1092 in den Jahren

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
W-l. Großh. Hoftheater. Als Mabel in dem
Schwank O dieſe Leutnants abſolvierte Frl. Valeria
Verden am Freitag ihr zweites Gaſtſpiel. Wie wir
bereits hervorgehoben haben, kommt dieſes Gaſtſpiel
für eine Ergänzung des Urteils über ihre Befähigung
nicht in Betracht. Es mußte von vornherein auffallen,
daß eine Bewerberin für das jugendlich=ſentimentale
Fach, für die eine ſchöne Sprache eine Hauptbedingung
iſt, in einer das Deutſche radebrechenden Rolle gaſtierte.
Man muß deshalb zu dem Schluſſe kommen, daß hier
aus der Not eine Tugend gemacht worden iſt. Daß
Frl. Verden hübſch und gewandt ſpielt, hatte ſie ſchon
als Julia bewieſen, in der Rolle der Mabel erſchien ſie
im übrigen reifer und geſetzter als in der der Julia.
* Die Uraufführung des Roſenkava=
lier
von Richard Strauß wird am 25. Januar in
Dresden ſtattfinden. Die Oper iſt bisher von unge=
fähr
zwanzig Bühnen zur Aufführung angenommen
worden. Darunter befinden ſich auch Dresden, Wien,
Hamburg, München, Stuttgart und Mailand. Die
Berliner Oper hat bisher das Werk noch nicht zur Auf=
führung
angenommen. Auch ſind dahingehende Ver=
handlungen
noch nicht eingeleitet worden. Richard
Strauß wird zur Einſtudierung ſeiner Oper zwei
Tage nach Dresden fahren. Von dort reiſt er nach
Frankfurt a. M., um eine Muſikaufführung zu leiten.
** Spielplan des Großh. Hof= und Na=
tional
=Theaters in Mannheim. Montag,
12. Dez.: Herodes und Mariamne. Dienstag, 13. Dez.:
Gelehrte Frauen. Mittwoch, 14. Dez.: Madame
Butterfly. Donnerstag, 15. Dez.: Zum erſten Male:
Der Fiedelhans. Freitag, 16. Dez.: Keine Vorſtel=
lung
. Samstag, 17. Dez.: Flachsmann als Erzieher.
Sonntag, 18. Dez.: 4. Matinée: Weihnachten; neu ein=
ſtudiert
: Die Walküre.

Kleines Feuilleton.
Moderner Halsſchmuck. Zu den größ=
ten
Reizen des weiblichen Körpers gehört ein ſchlanker
Hals, eine zart geſchwungene Nackenlinie. Dieſes
Reizes wurde ſich die Fraa ſchon ſehr früh bewußt,
und was lag näher, als den zierlichen Hals zu
ſchmücken, ſeine Schönheit durch ein Halsband in
helles Licht zu ſetzen. Die Frau der prähiſtoriſchen
Zeit verfertigte ihre Halskette aus Fiſchgräten,
Samenkörnern und nußähnlichen Früchten, aus den
Zähnen wilder Tiere, ja ſogar aus Menſchenknochen.
Dieſe primitiven Moden haben ſich bei den noch vor=
handenen
wilden Völkerſchaften erhalten. Aus der
einfachen oder mehrfachen Kette lernte die Frau nach
und nach einen kragenförmigen Halsſchmuck zu=
ſammenzuſetzen
. Bei den Kulturvölkern des Mittel=
meeres
läuterte ſich der Geſchmack jedoch ſehr bald.
So hielt namentlich bei den Griechen auf manchen
Gebieten die Entwickelung des Kunſtgewerbes glei=
chen
Schritt mit der Kunſt; der Halsſchmuck griechi=
ſcher
Frauen, vielfach aus Flecht= oder Filigran=
arbeit
beſtehend, trägt den Stempel eines vortreff=
lichen
, mehr nach Anmut als nach Kraft ſtrebenden
Geſchmackes. Unſer allermodernſter Halsſchmuck, der
Anhänger, hatte ſchon einmal eine Blütezeit, und
zwar während der Renaiſſance bis ins 17. Jahrhun=
dert
hinein. Die herrlichen Arbeiten ſpiegeln die
ganze Prachtliebe, den Reichtum und die Verſchwend=
ungsſucht
jener Zeit wider, aber auch die außer=
ordentliche
Kunſtfertigkeit der Juweliere, unter deren
Händen aus edlen Metallen und köſtlichen Steinen
wahre Wunderwerke der Kleinkunſt entſtanden. Der
moderne Geſchmack iſt minder anſpruchsvoll. Auf die
Nachbildung von Menſchen=, Tier= und Phantaſie=
geſtalten
, wie ſie die Damen der Renaiſſance auf ihren
Anhängern liebten, verzichten wir heute, wir bevor=
zugen
die kunſtvoll verſchlungene Linie, das Orna=
mentale
. Die Form iſt die Hauptſache, die Koſthar=

1905 bis 1910 geſunken. Ebenſo iſt in der genannten
Zeit die Zahl der Sterbefälle von 746 auf 598 zurück=
gegangen
. Die Zahl der Geburten und Sterbefälle im
letzten Jahrfünft ergibt ſomit, wenn man ſie vergleicht
mit derjenigen im Jahre 1905, zuſammen ein Minus
von 353
Biſchofsheim, 10. Dez. Der bei dem geſtrigen Zu=
ſammenſtoß
verurſachte Materialſchaden wird auf
über 50000 Mark geſchätzt. Es ſind fünf Güterwagen
vollſtändig zertrümmert, eine größere Anzahl Wagen
und die Lokomotive ſind leichter beſchädigt. Der ver=
letzte
Bremſer Huſter wurde ins Rochushoſpital ge=
bracht
, wo ihm heute ein Bein unterhalb des Knies
abgenommen werden mußte.
Mainz, 10. Dez. Ein unaufgeklärter Unglücks=
fall
mit tödlichem Ausgange ereignete ſich heute früh
an der alten Eiſenbahnbrücke. Der etwa 35 Jahre alte
Arbeiter Rheinbott aus Laubenheim, der auf der
Guſtavsburger Brückenbauanſtalt beſchäftigt iſt, ſollte
heute früh bei ſeinem Weg nach der Fabrik ſich aus
dem Magazin auf der Mainzer Seite elektriſchen Leit=
ungsdraht
mitgeben laſſen. Er führte auch dieſen
Auftrag um halb 6 Uhr aus, kam aber nicht zu ſeiner
Arbeitsſtätte, weshalb man nach ihm ſuchte. Gegen
8 Uhr fand man ſeine Leiche am Pfeiler des erſten
Brückenbogens halb im Waſſer liegen. Rheinbott iſt
demnach auf unaufgeklärte Weiſe von der Brücke ab=
geſtürzt
. Man kann nur annehmen, daß er auf dem
Schienengleiſe gegangen iſt und dann nach dem Fuß=
gängerpfad
überſteigen wollte, wobei er fehltrat und
bei dem Sturz in die Tiefe den Tod fand. (Tgbl.)
Worms, 9. Dez. Auf die Eingabe einer großen An=
zahl
hieſiger Bürger zur Bekämpfung der
Rauchplage hat die Bürgermeiſterei dahin Beſcheid
gegeben, daß in erſter Linie die Verlegung des Lokomo=
tivſchuppens
in nächſter Zeit in Angriff genommen
würde. Ferner ſei nicht zu verkennen, daß bei den
Fabrikfeuerungen eine ſtändige Verbeſſerung der Heiz=
anlagen
wahrzunehmen iſt. Dagegen ſei faſt noch nichts
für die Verminderung der Raucherzeugung durch die
Hausfeuerungen geſchehen. Dieſem zweifellos ſehr
großen Uebelſtande auf dem Wege von Polizeiverord=
nungen
entgegenzutreten, erſcheint wenig ausſichts=
reich
. Von Intereſſe iſt hier das Vorgehen des Vereins
für öffentliche Geſundheitspflege in Hannover, der ein
Merkblatt für zweckmäßige Behandlung der Kohlen
und Oefen und ein Merkbuch in Sachen der Rauch=
und Rußplage heransgegeben hat.
Frei=Laubersheim, 9. Dez. Der 17jährige Kauf=
mannslehrling
Heinrich Reith von hier entfernte ſich
heimlich aus der Wohnung ſeiner Eltern. Als er bis
nachmittags nicht zurückgekehrt war, begaben ſich meh=
rere
junge Burſchen auf die Suche. Dieſelben fanden
ihn nach mehrſtündigem Suchen endlich am Ausgang
des ſogen. Katharinenwaldes tot auf. Der Vermißte
hatte ſeinem Leben durch einen Schuß in das Herz ein
Ende gemacht. Was den jungen Menſchen in den Tod
getrieben hat, iſt nicht bekannt.
B. Bingen, 9. Dez. Die Einwohnerzahl der
Stadt Bingen betrug nach der am 1. Dezember erfolgten
Volkszählung 9952 gegen 9953 am 1. Dezember 1905.
Die Berufs= und Betriebszählung vom 12. Juni 1907
ergab 9672 Anweſende, ſo daß alſo nach dieſer Zahl eine
Zunahme zu verzeichnen iſt. 1905 waren 4882 männ=
liche
, 5071 weibliche Perſonen, zuſammen 9953, 1910
4822 männliche, 5130 weibliche Perſonen, zuſammen
9952 vorhanden. Die Zahl der weiblichen Einwohner
überſteigt die männlichen Geſchlechtes um etwa 300.
Katholiken ſind 6848 (1905: 6802), Evangeliſche 2427
(2464), Jsraeliten 625 (649), Angehörige anderer Kon=
feſſionen
54 (38) anweſend. Die Zahl der Wohnhäuſer
beträgt 918, 13 unbewohnte und 8 ſonſtige Baulichkeiten.
Die Zahl der Haushaltungen beträgt 1981 mit zwei und
mehr Perſonen. Am 1. Dezember lagen hier 42 Schiff.
mit etwa 250 Perſonen an Bord.
Gießen, 9. Dez. Unmittelbar nach Schluß der
Schwurgerichtsverhandlung gegen den Friedberger
Bombenattentäter Karl Werner, die mit deſſen Ver=
urteilung
zu lebenslänglicher Zuchthausſtrafe endete,
traten auf Anregung des Verteidigers des Angeklagten,
Rechtsanwalts Tuteur I.=Kaiſerslautern, die Geſchwo=
renen
zuſammen, um ein Gnadengeſuch an den
Großherzog von Heſſen für den Verurteilten
abzuſenden. Sie gaben damit ihrer Meinung dahin
Ausdruck, daß ſie durch ihren Wahrſpruch den Ange=
klagten
nicht lebenslänglich unſchädlich machen wollten,
ſondern meinen, daß eine entſprechend lange Zucht=
hausſtrafe
die Möglichkeit einer Beſſerung wohl zulaſſe.
Da dieſe Zuchthausſtrafe im Höchſtfalle bei einer Be=
gnadigung
fünfzehn Jahre betragen würde, ſo haben
die Geſchworenen in ihrem Gnadengeſuch an den Groß=
herzog
von Heſſen die Bitte ausgeſprochen, die erkannte
lebenslängliche Zuchthausſtrafe auf fünfzehn Jahre be=
E
keit des Materials wird oft nur in zweiter Reihe be=
rückſichtigt
. Silber und weniger edle Metalle, Ba=
rockperlen
und Halbedelſteine bringen in geſchmack=
vollen
Zuſammenſtellungen die reizvollſten Wirkun=
gen
hervor. Unvergleichlich ſchöner jedoch iſt der
moderne, ſcheibenförmige Anhänger aus Silber oder
Platin mit den leicht darauf verſtreuten, wie regel=
los
darauf gefallenen oder in entzückenden kleinen
Muſtern eingefügten Diamanten.
C) Was das Geſundbeten einbringt.
Faſt neunzig Jahre alt iſt Mrs. Mary Baker Glover
Eddy geſtorben, jene ſeltſame Frau, welche die
Kirche der Chriſtian Seience begründete und in
Amerika ebenſo leidenſchaftlich gefeiert wie angefein=
det
worden iſt. Sie hatte auch in Europa viele An=
hänger
, und die Bücher, die ſie geſchrieben hat, ſin=
in
verſchiedene Sprachen unſeres Weltteils überſetzt
worden. Für verſtändige Menſchen mit klaren Sin=
nen
bedeutet die von Mrs. Eddy ins Leben gerufene
Abart der chriſtlichen Religion nichts anderes als
den grandioſeſten Humbug, und über das Geſun d=
beten
, das durch ſie recht eigentlich wieder in Mode
kam, herrſcht unter aufgeklärten Leuten wohl nur
einne Meinung. Mrs. Eddy verband mit ihren reli=
giöſen
Beſtrebungen, und darin war ſie eine echte
Amerikanerin, einen ſehr hoch entwickelten Geſchäfts=
ſinn
. Sie iſt nicht, wie andere Religionsſtifter, arm
und bedürftig aus dieſer Welt der Tränen geſchieden,
ſondern hat es verſtanden, ein Vermögen zu ſam=
meln
, deſſen Größe um ſo achtungswerter erſcheint,
als ſie urſprünglich keinen Pfennig beſ

acht Millionen Mark beziffert. Schon vor einem
Jahre zahlte ſie ihrem Sohne, Mr. George W. Glo=
ver
, die Summe von rund einer Million Mark aus,

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Seite 4.

Nummer 291.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Dezember 1910.

ſchränken zu wollen. Der Verurteilte iſt inzwiſchen,
da Reviſion beim Reichsgericht nicht eingelegt wor=
den
iſt, bis zum Ablauf der geſetzlichen Friſt im hieſigen
Unterſuchungsgefängnis verblieben und wird dann in
das heſſiſche Landeszuchthaus Butzbach zur Verbüßung
ſeiner Strafe überführt werden.
A Gießen, 10. Dez. In der letzten Woche hat im
ſtädtiſchen Pumpwerk zu Queckborn die
Prüfung und Abnahme der Erweiterungsbauten der
maſchinellen Anlagen ſtattgefunden. Nachdem in den
letzten Jahren infolge des ſtetigen Anwachſens der Be=
völkerung
und infolge der Einführung der Kanaliſation
der Waſſerverbrauch die Höhe von etwa 4000 Kubik=
metern
täglich erreichte, und nachdem durch den An=
ſchluß
der neuen Univerſitätsinſtitute und der zurzeit
im Bau begriffenen Irrenanſtalt Waldhof mit ihren
22 Gebäuden eine abermalige Steigerung des Waſſer=
konſums
zu erwarten war, mußte die Stadtverwaltung
an eine Erweiterung des ſtädtiſchen
Waſſerwerks bei Queckborn denken, um dem
Verbrauch der Einwohnerſchaft gerecht zu werden. Zu
dieſem Zwecke wurden die Brunnenanlagen in dem
ſehr waſſerreichen Quellgebiet bei Queckborn vergrö=
ßert
, und in entſprechender Weiſe mußte auch die
Leiſtungsfähigkeit des ſtädtiſchen Pumpwerks erhöht
werden. Nachdem die Erweiterungsarbeiten nunmehr
fertiggeſtellt ſind, iſt das Pumpwerk in der Lage, täglich
über 7000 Kubikmeter Waſſer nach der Stadt zu liefern.
Es wird ſomit auf lange Jahre hinaus allen Bedürf=
niſſen
und Anſprüchen unſerer Bevölkerung genügen
können.
* Alsfeld, 10. Dez. Am 6. Dezember fand die kon=
ſtituierende
Sitzung der Zweigſtelle der Zen=
trale
für Mutter= und Säuglingsfürſorge
in Alsfeld ſtatt. Außer den ſonſtigen in Betracht kom=
menden
Stellen gehören der Zweigſtelle ſämtliche
Aerzte des Kreiſes Alsfeld an. Der Aerztliche Kreis=
verein
hatte vorher, nach einem Vortrag von Profeſſor
Dr. Koeppe, zu der Frage Stellung genommen und
die vorgeſchlagene Regelung akzeptiert. Die Verſamm=
lung
in Alsfeld war von zirka 25 Perſonen beſucht, die
ſämtlich in den Ausſchuß der Zweigſtelle, der zugleich
der Zentrale angehört, eintraten. Der Vorſitz wurde
dem Großh. Kreisrat des Kreiſes, Dr. Heinrichs,
ibertragen. Der Zweigſtelle iſt ein Kredit von der
Zentrale eröffnet. Sie beginnt mit einer Beratungs=
ſtelle
für die Stadt Alsfeld, die von den Alsfelder
Aerzten im Turnus übernommen und von der Zentrale
eingerichtet wird. Die Beratungsſtelle wird im Januar
eröffnet. Ein Lokal hat die Stadt Alsfeld zur Ver=
fügung
geſtellt. Für die Arbeit in den Landgemeinden
wurde eine Kommiſſion gebildet, der u. a. der Vorſtand
des Kreis=Geſundheitsamtes und ſämtliche Aerzte des
Landkreiſes angehören.

Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 10. Dez. Die öffent=
liche
Verſteigerung von alten Kolonial=
marken
, die ſich im Laufe des vergangenen Jahres
auf alten Paketen und Verrechnungsformularen ange=
ſammelt
hatten, brachte einen Erlös von 25000
Mark. (!) Geſtern hat ein Säbelduell zwiſchen
zwei Berliner Herren ſtattgefunden. Die Duellanten
waren der Schriftſteller Hauptmann a. D. von P. und
Oberingenieur T. Erſterer wurde bei dem Waffen=
gange
ſchwer, jedoch nicht lebensgefährlich verletzt.
Auf dem Wedding verſperrten geſtern gegen Mitter=
nacht
drei Burſchen dem Uhrmacher Friedrich Goldt=
mann
plötzlich den Weg. Einer von ihnen zog ein
dolchartiges Meſſer und hielt es dem Ueberfallenen
mit den Worten: Wenn Sie einen Laut von ſich geben,
dann ſtoße ich Ihnen den Dolch ins Herz, vor die Bruſt.
Während der eine Räuber ſo vor ſeinem Opfer ſtand,
plünderten die beiden anderen deſſen Taſchen und
nahmen die Geldbörſe, Taſchenuhr mit Kette und einen
Pfandſchein. In der gefährlichen Lage wagte es der
Ueberfallene nicht, Hilfe herbeizurufen, ſo daß die
frechen Räuber entkamen. Es waren Burſchen im
Alter von 20 bis 24 Jahren.
Potsdam, 9. Dez. Heute mittag wurde die 21 jäh=
rige
Aufwärterin Bogatzki in der in der Charlotten=
burger
Straße belegenen Wohnung ihrer Dienſtherr=
ſchaft
gefeſſelt, geknebelt und bewußtlos
aufgefunden. Die Wohnung war durchwühlt und
eine Anzahl Wertſachen geraubt. Ins Bewußtſein
zurückgerufen, gab ſie an, ein Mann und eine Frau
hätten ſich in die Wohnung gedrängt, ſie wehrlos ge=
macht
und den Raub ausgeführt. Von den Tätern fehlt
jede Spur.
Wetzlar, 10. Dez. Der Wetzlarer Dom, der
nach achtjähriger Arbeit mit einem Koſtenaufwand von
etwa 1½ Millionen Mark gänzlich wiederhergeſtellt

worden iſt, wurde heute in feierlicher Weiſe einge=
weiht
. Es waren hierzu u. a. erſchienen der Ober=
präſident
der Rheinprovinz v. Rheinbaben, Regierungs=
präſident
Prinz Ratibor, der Fürſt zu Solms= Hohen=
ſolms
=Lich, der Prinz zu Solms=Braunfels, Landes=
hauptmann
v. Renvers, Landesrat Adam und als Ver=
treter
des erkrankten Generalſuperintendenten der
Geheime Konſiſtorialrat Metgenberg, der Präſes
der Rheinprovinzial=Synode Hackenberg. Morgen fin=
det
die Segnung des katholiſchen Teiles der Kirche durch
den Biſchof Korum ſtatt.
Plauen (Vogtland), 10. Dez. Nach zweitägiger
Verhandlung des Schwurgerichts wurde der
Reiſende Johannes Ritzen aus Aachen, der am 2. Mai
1910 ſeiner Geliebten, der Kellnerin Emilie Heinrich,
nach einer Eiferſuchtsſzene den Hals durchſchnitten
hatte, wegen Mordes zum Tode verurteilt.
Wien, 10. Dez. Der Konflikt mit dem
Herrenchor der Hofoper iſt endgültig beigelegt.
Auf Wunſch des Oberſthofmeiſters Fürſten Montennovo
wird in der abgegebenen Erklärung ſtatt Erfüllung
der Wünſche der Choriſten deren Berückſichtigung er=
wartet
. Morgen vormittag findet bereits eine Chor=
probe
ſtatt, zu der ſämtliche Choriſten erſcheinen.
Paris, 10. Dez. Es heißt, daß die Regierung, die
ſich in letzter Zeit mit verſchiedenen Vorſchlägen zur
Bekämpfung der Ueberſchwemmungsgefahr beſchäftigt
hat, den Plan, in Paris durch Verbreiterung
und Regulierung der Seine dieſelbe zu einem
Seehafen zu geſtalten, ins Auge gefaßt habe. Der Mi=
niſterpräſident
und der Miniſter der öffentlichen Ar=
beiten
unterziehen die Frage der Ausführbarkeit dieſes
Projektes gegenwärtig einer eingehenden Prüfung.
Cerböre, 9. Dez. Ein Wirbelſturm, der alles
auf ſeinem Wege zerſtörte, ſuchte einen Teil Weſt=
ſpaniens
heim. In der Provinz Bilbao forderte er
mehrere Menſchenopfer. Zahlreiche Perſonen wurden
verletzt.
Breſt, 9. Dez. Die Feuersbrunſt im Arſe=
nal
brach heute früh 5 Uhr aus, in der Nähe des
Pontniou=Baſſins. Der weſtliche Teil der Zentral=
werkſtatt
der Flotte, das erſte Stockwerk und das Dach=
geſtühl
des weſtlichen Teils des Gebändes wurden
zerſtört. Die Materialvorräte ſind gerettet.
Brüſſel, 9. Dez. Die Blumenhändlerin=
nen
haben einen originellen Prozeß angeſtrengt,
deſſen Urſache der deutſche Kaiſer iſt. Als Kaiſer
Wilhelm ſich mit ſeiner Gattin in Brüſſel befand,
ſtattete er auch dem Rathauſe der Hauptſtadt einen Be=
ſuch
ab. Die Blumenhändlerinnen, die auf dem Rat=
hausplatz
ihren Stand hatten, erhielten damals vom
Bürgermeiſter die Erlaubnis, dem Kaiſer und der
Kaiſerin ein Blumenarrangement zu überreichen. Die
ganze Korporation ſteuerte zu dieſer Gabe bei. Zwei
Frauen wurden gewählt, um die Blumen darzubieten.
Der Kaiſer ließ jeder der beiden Frauen eine Broſche
ſchenken. Jetzt wollen die anderen Blumenhändle=
rinnen
, daß die kaiſerliche Gabe der ganzen Gilde
zugute kommt. Deswegen haben ſie eine Klage einge=
reicht
, durch die beſtimmt werden ſoll, ob die Broſchen
in öffentlicher Verſteigerung feilgeboten werden ſollen,
damit von dem Erlös der kaiſerlichen Geſchenke jede der
Händlerinnen einen Teil erhält.
New=York, 9. Dez. Hier wurde geſtern ein aus
San Francisco ſtammender Kellner namens Elordny
unter der Beſchuldigung verhaftet, dem Frankfur=
ter
Juwelier Otto Koch Schmuckſachen im Werte
von 320000 Mark geſtohlen zu haben. Elordny
hatte in New=York einen bekannten Kellner getroffen
und dieſem erzählt, er habe in London eine Menge
Geld durch den Verkauf von alten Gemälden verdient
und den Verdienſt dann in Juwelen umgeſetzt, mit
denen er jetzt handle. Dabei holte er eine ganze Hand
voll wertvoller Steine aus der Taſche. Der Freund
beeilte ſich, die Polizei auf Elordny aufmerkſam zu
machen. Als er verhaftet wurde, hatte der Dieb die
Steine noch in der Taſche. Er trug einen koſtbaren
Pelz und einen Stock mit einem ſchweren goldenen
Knopf. Elordny hatte ſich bei Herrn Otto Koch durch
einen Freund als reicher Minenbeſitzer eingeführt. Er
wohnte in demſelben Hotel wie Koch, und dieſer ver=
kaufte
ihm gegen wertloſe Schecks die koſtbaren Steine.
Ehe dieſe Schecks einkaſſiert werden konnten, waren
Elordny und ſein Freund verſchwunden.

Der Moabiter Krawallprozeß.
Berlin, 9. Dez. Heute wird wieder auf den
Fall Pilz zurückgegriffen, der ſich allmählich zum Mittel=
punkt
der ganzen Verhandlungen auswächſt. Ein Zeuge
Wellſchmidt will in dieſem Lokal von Streikenden, auch
von Pilz ſelbſt geſchlagen worden ſein. Er iſt am andern
Tage mit dem Kriminalkomiſſar Kuhn und Kriminal=

mit welcher er ſich und ſeine Erben ein für allemal
für abgefunden erklären mußte. Und ihrem Adoptiv=
ſohne
, Mr. J. Foſter Eddy, gab ſie unter ähnlichen
Bedingungen ein Kapital von 180000 Mark. Ihr Ver=
mögen
wurde von einem Konſortium, an deſſen Spitze
Mr. J. E. Fernald, der Präſident der National State
Capital Bank, ſtand, verwaltet. Es beſteht aus einem
Landhauſe, aus anderen Grundſtücken, Wertpapieren
und dem Urheberrecht ihrer Schriften und wird ver=
mutlich
ohne nennenswerte Abzüge in das Eigen=
tum
der Chriſtian Seience Church übergehen.
Woraus man ſieht, daß das Geſundbeten, wenn es in
großem Stile betrieben wird, eine recht einträgliche
Sache ſein kann! . . . .

Ein Service für eine halbe Mil=
lion
. Die amerikaniſchen Millionäre können ſich
nun rühmen, daß einer der ihren das koſtbarſte
Tafelſervice beſitzt, das die Welt wohl kennt. Der
ſtolze Eigentümer dieſes Schatzes iſt Senator W. A.
Clark, der Kupferkönig der erſt kürzlich mit ſeinem
neuen Palais in der 5. Avenue in New=York an Glanz
und Luxus alle ſeine Millionärskollegen in den Schat=
tem
geſtellt hat. Aber den Kupferkönig beunruhigte
der Gedanke, daß in ſeinem Heim, für das er nahe
an 30 Millionen Mark ausgegeben hat, ein des Mi=
lieus
würdiges Tafelſervice noch fehlt, und er gab
ſchließlich einer großen Goldſchmiedefirma in Chicago
den Auftrag, ein ſolches einzigartiges Service her=
zuſtellen
. Es iſt nun fertig und abgeliefert, ein Ser=
vice
für 24 Perſonen mit allen Tellern, Schüſſeln,
Platten, Gabeln und Meſſern und hat alles in allem
120000 Dollar, alſo etwa eine halbe Million Mark, ge=
koſtet
. Jedes Stück iſt aus reinſtem amerikaniſchem
Silber gearbeitet und mit einem ziemlich dicken, maſ=
ſiven
Goldrand verſehen, der das Monogramm des
ſogenannten glücklichen Beſitzers zeigt. Zierat und
Ornamentik, Form und Linien ſind auf die Archi=
tektur
des Speiſeſaales abgeſtimmt. Ich habe alle
vorhandenen großen Gold= und Silberſervice der
Welt geſehen, erklärte der Kupferkönig mit ſtolzem

Lächeln, aber ich zögere nicht, zu ſagen, daß meines
das prächtigſte iſt. Es hat auf der Welt nicht ſeines=
gleichen
und bedeutet ein einzigartiges Meiſterwerk
der Goldſchmiedekunſt.
* Volkszählungs=Anekdote. Ein Volks=
zähler
gab ſich rieſig Mühe, einem Ehepaar die Zettel
zu erläutern. Als er damit fertig war, fragte er die
Frau, ob ſie nun alles verſtanden habe. Sie bejahte
dies und wandte ſich ihrerſeits an ihren Ehegeliebten
mit der Frage: Was meinſt, wollen wir abonnieren?
* Die Reichsverfaſſung in Verſen. Ein
bayeriſcher Offizier, der den Unteroffizieren Unter=
richt
in Geſchichte gibt und dabei auch Rechts= und
Bürgerkunde einfließen läßt, lehrt, nach der Bayer.
Landesztg., die Reichsverfaſſung in folgender leichtfaß=
licher
Weiſe:
Das Deutſche Reich iſt Bundesſtaat,
Die Könige von Preußen
Soll’n nach der Reichsverfaſſung ſtets
Auch Deutſche Kaiſer heißen.
Regterungen und Fürſten ſind
Im Bundesrat vertreten.
Im Reichstag kommt das Volk zu Wort
Durch Stimmen und durch Reden
Das Wahlrecht iſt direkt, geheim,
Für jedermann das gleiche.
In keinem Land der Erde gibt’s
Ein Wahlrecht wie im Reiche.
Wir haben gleiche Währung auch
Und gleiche deutſche Rechte.
Der Kaiſer führt des Reiches Heer
Als Kriegsherr zum Gefechte.
Das Schwert ſchuf uns das Deutſche Reich
Und wird es auch erhalten:
Es iſt geſchärft und ſtets bereit
Ge’n feindliche Gewalten.

wachtmeiſter Faber nach dem Pilzſchen Lokal gegangen
und hat dort verſchiedene Perſonen bezeichnet, die als
Schläger in Betracht kommen ſollten. Die Verteidiger be=
mühen
ſich, nachzuweiſen, daß Wellſchmidt vollſtändig un=
glaubwürdig
ſei. Der Angeklagte Pilz weiſt darauf hin,
daß auf die Angaben Wellſchmidts hin verſchiedene Per=
ſonen
verhaftet wurden, von denen ſich nachträglich heraus=
ſtellte
, daß ſie am Tage der angeblichen Schlägerei gar
nicht in ſeinem Lokal waren. Es ſoll hierauf die Frau
Pilz als Zeugin vernommen werden. Der AngeklagtePilz
gerät beim Anblick ſeiner Frau in eine ſolche Erregung,
daß er unter Tränen bittet, während der Vernehmung ſei=
ner
Frau den Saal verlaſſen zu dürfen. Der Vorſitzende
geſtattet ihm das. Die Zeugin Frau Pilz hat nicht geſehen,
daß an dem fraglichen Tage in ihrem Lokal eine Schlägerei
war. Als ſie einmal aus der Küche kam, ſeien zwei junge
Leute in das Lokal gekommen, von denen einer erlkärte,
daß er den ganzen Tag noch nichts gegeſſen habe. Sie
habe ihm dann zu eſſen und zu trinken gegeben und ſei
wieder nach der Küche gegangen. Später habe ſie dann ge=
ſehen
, daß ihr Mann den betreffenden jungen Menſchen
aus dem Lokal geführt und geſagt habe: Wenn ihr euch
hauen wollt, haut euch draußen! Der Verteidiger Rechts=
anwalt
Kohn hält den beiden Kriminalbeamten wieder=
holt
vor, daß ſie die Angaben des Wellſchmidt mit Vorſicht
hätten aufnehmen ſollen. Der Vorſitzende macht darauf
aufmerkſam, daß die Fragen über die Glaubwürdigkeit
oder Unglaubwürdigkeit des Zeugen Wellſchmidt doch
nichts mit der vorliegenden Anklage zu tun hätten. Rechts=
anwalt
Liebknecht fragt Kriminalkommiſſar Kuhn, ob er
wiſſe, wer der Verfaſſer eines Artikels ſei, der durch die
Preſſe ging und die Ueberſchrift trug Das Fehmgericht
im Pilzſchen Lokal‟ Der Kriminalkommiſſar erklärt, daß
er nicht die Genehmigung des Polizeipräſidenten habe,
hierüber etwas auszuſagen. Rechtsanwalt Kohn fragt den
Zeugen Kuhn, ob er nicht eine gewiſſe Genugtuung emp=
funden
habe, gerade Pilz verhaften zu können und auf
dieſe Weiſe die ſozialdemokratiſche Organiſation mit den
Krawallen in Verbindung zu bringen. Der Vorſitzende
unterſagt dieſe Frage, der Verteidiger beſteht aber auf ihr
und beantragt einen Gerichtsbeſchluß. Der Gerichtshof
lehnt die Zulaſſung dieſer Frage ab. Im weiteren Ver=
laufe
der Verhandlung rügte die Verteidigung ferner, daß=
ein
für heute geladener Zeuge vorher noch einmal von der
Kriminalpolizei vernommen worden ſei, wahrſcheinlich um
ihn einzuſchüchtern. Der Erſte Staatsanwalt nahm für
ſich das Recht in Anſpruch, Zeugen durch die Kriminal=
polizei
vernehmen zu laſſen.

Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 10. Dez. Zu Beginn der heutigen Sitzung
des Reichstages nahm
Reichskanzler Dr. von Bethmann Hollweg
zu längeren Ausführungen das Wort: Nachdem er zunächſt
ſein Bedauern darüber ausgeſprochen hatte, daß es ihm
nicht möglich geweſen ſei, der geſtrigen Sitzung beizuwoh=
nen
, kündigte er an, daß er zu den Fragen der auswär=
tigen
Politik erſt in einem ſpäteren Stadium der Sitzung
ſprechen werde. Der Reichskanzler ging dann auf den Zu=
ſammenhang
zwiſchen der Reichsfinanz=
reform
und dem Etat für das Jahr 1911 ein. Man
ſei in Gefahr, zu vergeſſen, daß gerade die Finanzreform
die von der ganzen Nation vertretene Ueberzeugung zum
Ausdruck gebracht habe, daß es mit der gegenwärtigen
Finanzwirtſchaft nicht weitergehen könne. Fürſt v. Bülow
habe aus der Ablehnung der Reichserbſchaftsſteuer nicht
die Konſequenzen gezogen, daß er den Reichstag aufgelöſt,
hätte, ſondern er ſei für das ſofortige Zuſtandekommen
der Reform eingetreten und habe dieſer Notwendigkeit ſeine
Perſon untergeordnet. Der Etat ſei die ſtärkſte und bün=
digſte
Rechtfertigung des Entſchluſſes der Regierung, für
die Reichsfinanzreform ungeachtet einzelner Bedenken ein=
zutreten
. Weiter führte der Reichskanzler aus: Die Auf=
rechterhaltung
der Stärke und Schlagfertigkeit des Heeres
und der programmäßige Ausbau der Flotte ſtänden im
Programm aller Parteien, ſoweit ſie nicht auf dem Boden
der poſitiven Negation ſtehen und wurzelten tief im
Empfinden der ganzen Nation, weil nur auf dieſem Boden die
Politik ruhiger Entſchiedenheit möglich ſei, welche die Be=
völkerung
wünſche. In das Gebiet der Fabel gehört alles,
was von Kriſen und Konflikten zwiſchen der Armee und
der Heeresverwaltung und der Reichsfinanzverwaltung
erzählt wird. Im weiteren dankte der Reichskanzler für die
in gemeinſchaftlicher Arbeit geförderte Reichsverſicherungs=
ordnung
und ſprach die Hoffnung aus, daß auch die reichs=
ländiſche
Verfaſſungsfrage und das Geſetz betr. die Staats=
angehörigkeit
noch in dieſer Seſſion zur Erledigung kom=
men
werde.
Hierauf ging der Reichskanzler auf ſeine Stellung zur
Wirtſchaftspolitik ein und erklärte, er werde an den
bewährten Grundlagen unſerer Wirtſchaftspolitik mit
allem Nachdruck feſthalten, inſonderheit bei den bereits ein=
geleiteten
Verhandlungen mit Schweden und Japan betr.
den Abſchluß eines Handelsvertrages. Weder Handel noch
Induſtrie wünſchten, daß die Grundlagen, auf denen ſich
Handel und Induſtrie ſo glänzend entwickelt hätten, auf=
gegeben
werden ſollen. Wie auch die Neuwahlen ausfal=
len
würden, eine Götterdämmerung wird auch dann nicht
eintreten. Wenn die Leidenſchaft der Agitation erloſchen
ſein werde, dann werde auch das nüchterne Leben wieder
in ſeine Rechte treten. Die Nation wird in ihrer über=
legenen
Mehrheit an den Reichstag die Frage richten, ob
er ihre Wehrmacht, die ſtaatliche Ordnung und die be=
währten
Grundlagen des wirtſchaftlichen Lebens erhalten
und ſchützen will. Dann wird ſich herausſtellen, ob es klug
war, daß ſich diejenigen Parteien trotz der Verſchiedenhei=
ten
ihrer Anſichten doch in den großen Fragen einigten
und demfelben Ziele zuſteuern, ſo bitter ſie ſich auch unter=
einander
befehdet haben. Der Reichskanzler lehne
es ab, ſich mit einer Partei oder mit einer
Parteikonſtellation identiſch zu erklären;
er lehne es ab, ſich auf eine beſtimmte Partei feſtzulegen.
Er diene auch nicht dem Parlament, ſondern er führe die
Politik, die nach ſeiner ſicheren Ueberzeugung dem Wohle
des Vaterlandes dienen werde, ſolange er dazu die Zuſtim=
ung
des Kaiſers u. derVerbündetenRegierungen beſitze. Auf
dieſer Grundlage allein nur ſuche der Kanzler mit dem
Reichstage zu einer Verſtändigung zu kommen.
Der Kanzler ging ſodann auf ſein Verhältnis
zur Sozialdemokratie über. Bei Gelegenheit der
Interpellation Albrecht und Genoſſen legte der Abg. von
Heydebrand die Gefährlichkeit der revolutionären Umtriebe
dar und verlangte Gegenmaßregeln. Der Reichskanzler
ſtelle ſich nicht auf den Standpunkt, daß die Parteien, die
den gegenwärtigen Zuſtand für lückenhaft und ungenügend
erachten, auch gleich beſtimmte Geſetzesvorſchläge machten;
das ſei vielmehr Pflicht der Regierung. Er könne nicht
im Lande den Eindruck aufkommen laſſen, als bedürfe die
Regierung eines beſonderen Anſpornes, um für den Schutz
der ſtaatlichen Ordnung zu ſorgen. Die Reichsverſiche=

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Nummer 291

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Dezember 1910.

Seite 5.

rungsordnung ſolle auch dafür ſorgen, daß die ſozial=
politiſchen
Einrichtungen nicht zum Werk=
zeug
ſozialdemokratiſcher Machtpolitik
werden und die Regierungen hoffen dabei auf die Unter=
ſtützung
des Reichstages. Die mit der Reform unſeres
Strafgeſetzbuches betraute Kommiſſion iſt zu der
Ueberzeugung gekommen, daß das geltende Recht im
Kampfe gegen die Tätigkeit fanatiſcher Hetzer, gegen die
Aufwiegelung und gegen die Verherrlichung begangener
Vorhrechen nicht ausreicht. Und bei der weiteren Arbeit
wird geprüft werden müſſen, inwieweit die perſön=
liche
Freiheit und das Selbſtbeſtimmungs=
recht
durch das Strafgeſetzbuch nachdrück=
licher
geſchützt werden kann als bisher. Ich glaube
nicht, daß die Sozialdemokratie revolutionärer geworden
iſt, aber ihr revolutionärer Ausdruck tritt mit brutaler
Deutlichkeit hervor. Der Abg. Baſſermann hat der So=
zialdemokratie
kürzlich den Rat gegeben, ſich offen und ehr=
lich
zur Monarchie zu bekennen. Sie (nach links) werden
dieſen Rat ablehnen. (Sehr richtig! bei den Soz.) Sie
ſehen, ich habe Recht. (Lebhafte Zuſtimmung und Heiter=
keit
.) Es iſt notwendig, daß unſer Volk über die Anſich=
ten
und Abſichten der Sozialdemokratie klipp und klar
Beſcheid wiſſe. In Magdeburg iſt die Selbſtbeſtimmung
der Maſſen verkündet worden und dieſe Maſſen werden
von Jugend auf gelehrt, daß alle Einrichtungen des Staa=
tes
nur der Verknechtung und Entrechtung dienen. Die Ta=
ten
des Menſchen ſind eine Frucht der in ihm lebenden
Ideen. Wer predigt, daß nur in der Zerſtörung das Heil
liegt, iſt mit ſchuld daran, wenn die Maſſen daraus die Konſe=
quenzen
ziehen. Und ſo iſt auch die Sozialdemokra=
tie
mitverantwortlich für die Exzeſſe in
Moabit. Wer Wind ſäet, der erntet Sturm! Der Kul=
tus
der Sozialdemokratie gilt die Macht der brutalen Tat;
dadurch wird in den Maſſen ein Dünkel großgezogen, der
ſich in den ſchlechten Elementen in wilde Auflehnung um=
ſetzt
. Daß es ſich in Moabit um einen wohlüberlegten, pro=
vokatoriſchen
Plan der Polizei gehandelt habe, iſt eine will=
kürliche
und bewußte, eine unſinnige Behauptung. ( Leb=
hafter
Widerſpruch der Soz.) Ich möchte öffentlich aus=
ſprechen
, daß die Polizei in Moabit voll und ganz ihre
Pflicht getan hat. (Zuruf des Abg. Ledebour: Skandalöſe
Beeinfluſſung eines ſchwebenden Prozeſſes! Lebhafte Un=
ruhe
.) Hinter den Provokationen der Sozialdemokratie
verſteckt ſich nur ihre moraliſche Mitſchuld. Dieſer Verſuch
wird aber nicht gelingen. Die Stimmung, die in Moabit
losgebrochen iſt, iſt ein Werk der Sozialdemokratie. Was
die Sozialdemokratie höchſtens erreichen kann, iſt, daß viele
Menſchen in byzantiniſch umworbenen und umſchmeichel=
ten
Maſſen ins Unglück kommen. Ihre Endziele und wirt=
ſchaftlichen
Utopien lehnt das deutſche Volk in ſeiner Mehr=
heit
ab. (Lebhafte Zuſtimmung bei allen bürgerlichen Par=
teien
.) Die Politik der ſozialen Fürſorge hat mit der So=
zialdemokratie
nicht das mindeſte zu tun.
Der Reichskanzler ſchloß mit einem Appellan alle
bürgerlichen Parteien, in gemeinſamer Arbeit zu
erhalten, was geſchaffen worden ſei.
Abg. Baſſermann (natl.) führt aus: Die Re=
form
der Strafprozeßordnurg, die Penſionsverſicher=
ung
der Privatbeamten und die Reform der Verſaſ=
ſung
Elſaß=Lothringens begrüßen wir. Die Worte
des Kanzlers über die Wirtſchaftspolitik des Reiches
können wir Wort für Wort unterſchreiben. (Bravo!
und Sehr richtig!) Induſtrie, Handel und Landwirt=
ſchaft
ſind unter ihr aufgeblüht. Wir freuen uns, daß
der Kanzler über den Parteien ſtehen will und Aus=
nahmegeſetze
ablehnt. Die Moabiter Vorfälle dürften
in ihrer Geſamtanſchauung nicht unterſchätzt werden.
Sie ſind zweifellos mit durch die verhetzende Tätigkeit
der Preſſe veranlaßt worden. Zu ihrer Beſtrafung
wäre ein beſchleunigtes Verfahren notwendig, anſtatt
daraus einen Monſtreprozeß zu konſtruieren. Die
Veteranenfürſorge iſt heute eine abſolute Notwendig=
keit
. (Sehr richtig!) Eine Wehrſteuer zu ihrer Deck=
ung
wäre nicht zu verwerfen. Die jetzige Finanzreform
wirkt unſozial; wir wären zu einer gerechteren bereit
geweſen, die dieſelben Erträgniſſe gebracht und auch
die großen Vermögen belaſtet hätte. Die Kritik, die
man heute Steuerhetze nennt, iſt aus dem Volke, nicht
aus den Parlamenten gekommen. Der Einführung
des Quinquennats im Heeresweſen möchte ich wider=
raten
. Die Vermehrung der Feldartillerie ſcheint
nötig, angeſichts der Uebermacht der franzöſiſchen Ar=
tillerie
. Die Flotte hat ſich dank der zielbewußten
Tätigkeit des Staatsſekretärs von Tirpitz gut ent=
wickelt
, ohne England Berechtigung zur Furcht vor
einer Invaſion zu bieten. In den letzten Zeiten haben
wir in unſeren auswärtigen Beziehungen eine Beſ=
ſerung
zu verzeichnen. Eine ſtarke und unabhängige

Konzerte.
* Der Herrenchor des Großherzoglichen
Hoftheaters veranſtaltete am Samstag im Saale
der Turngemeinde unter Mitwirkung von Künſtlern des
Hoftheaters ein Konzert zum Beſten der Penſions=
kaſſe
des allgemeinen deutſchen Chorſängerverbandes, das
recht gut beſucht war, wenn auch nicht ſo zahlreich, wie
es im Intereſſe des guten Zweckes wohl erwünſcht geweſen
wäre. Die Leitung des Konzertes lag in den Händen des
Herrn Hofchordirektors Heinz. Mitwirkende waren Frl.
Geyersbach und die Herren Kammerſänger Weber,
Hlacker, Kapellmeiſter Kittel, Konzertmeiſter
Bornemann, Lehrmann und die Großherzog=
liche
Hofmuſik. Die Begleitung der Solonummern
hatten die Herren Heinz und Solorepetitor Weiß=
gerber
übernommen. Frau Speiſer=Suchanek, die
ebenfalls ihre Mitwirkung zugeſagt hatte, hatte ſich ent=
ſchuldigen
laſſen. Durch die Mitwirkung erſter Kräfte des
Hoftheaters war für das Gelingen des Programms und
den Erfolg des Abends von vornherein Gewähr geboten.
Auf die einzelnen Programmnummern, die meiſtens be=
kannt
waren, näher einzugehen, können wir uns verſagen.
Frl. Geyersbach ſang Lieder von Hildach, Taubert,
ein franzöſiſches Lied und ein Lied Traum von dem
Darmſtädter Komponiſten A. Stier. Herr Hacker,
zwei Lieder von Schubert. Herrr Weber je eins von
Schubert und Schumann, Herr Lehrmann rezitierte
einige ernſte und ſcherzhafte Gedichte, während Herr
Bornemann zwei Stücke von Beethoven und Saraſate
ſpielte. Wenn der geſpendete Beifall den Maßſtab
für die Kritik abgeben würde, müßte dieſe überſchwäng=
lich
ſein. Namentlich wurden Frl. Geyersbach und
Herr Weber durch reichen Beifall ausgezeichnet und
ſangen je ein Lied als Zugabe. Sehr gut ſchnitt der
Chor ab, der prächtig ſang und auch in der Wahl der
Programmnummern recht glücklich geweſen war, beſon=
ders
gefiel der volkstümliche Chor Salzbuarga Gſanaln
von Kittel, der wiederholt wurde. An neuzeitlichen Zug=
nummern
aber fehlte es dem Programm. Den Chor=
ſängern
möchten wir wünſchen, daß das Konzert dem
guten Zweck eine beträchtliche Summe zugeführt haben
möge

Türkei entwickelt ſich zu unſerer Genugtuung. In
Marokko haben wir glänzende Ergebniſſe nicht erzielt.
Frankreich macht fortgeſetzt neue Vorſtöße, auch in ſol=
ches
Gebiet, wo die Gebrüder Mannesmann Konzeſ=
ſionen
haben. Dem Rufe zur Sammlung, den der
Abg. Speck erhoben hat, können wir nicht folgen an=
geſichts
der antimoderniſtiſchen Bewegung, der letzten
Enzykliken und derartiger Vorgänge. Es muß eine
Periode der Reformen einſetzen. Wir wollen vor=
wärts
zu neuen Reformen ausziehen. Bei der Ber=
liner
Univerſitätsfeier hieß es: Es lebe die Frei=
heit
! Es lebe der Kaiſer! Alſo Thron und Volk alle
Zeit beiſammen! (Lebhafter Beifall.)
Reichskanzler von Bethmann Hollweg.
Nachdem aber der Abg. Baſſermann im zweiten Teile
ſeiner Rede ausführlich über die Fragen der
Auswärtigen Politik
geſprochen hat, möchte ich nicht zögern, ſondern auch mei=
nerſeits
einige Ausführungen hierzu zu machen. Der Abg.
Baſſermann iſt ſoeben auch auf die marokkaniſche
Frage zu ſprechen gekommen. Sie werden nicht daran
zweifeln, daß wir unſere Rechte und die Intereſſen der
deutſchen Untertanen ſchützen werden. Auf die übrigen
Einzelheiten der marokkaniſchen Fragen wird der Staats=
ſekretär
des Auswärtigen noch eingehen. Ich möchte die
Antwort auf eine Frage nachholen, die der Abg. von Richt=
hofen
bezüglich der türkiſchen Anleihe an mich geſ
ſtellt hat. Die Türkei hat ſich, wie bekannt, zur Deckung
ihrer finanziellen Bedürfniſſe zunächſt nach Paris gewen=
det
. Nachdem die von uns mit wohlwollender Neutra=
lität
begleiteten Verhandlungen im letzten Augenblick we=
gen
Schwierigkeiten geſcheitert waren, die zum Teil wohl
auf politiſchem Gebiet lagen, wegen Bedingungen, die
die Pforte nicht für annehmbar hielt, hat ſich die Türkei
nach Wien und Berlin gewendet. Es hat ſich alsbald aus
deutſchen, öſtereichiſchen und ungariſchen Großbanken ein
Finanzkonſortium gebildet, mit welchem die Türkei binnen
kurzer Zeit ein Vorſchußgeſchäft über 55 Millionen Pfund
und ein Anleihegeſchäft über 11 Millionen Pfund abge=
ſchloſſen
hat. Ich bedauere, auf Einzelheiten über dieſe
Finanzoperationen nicht eingehen zu können, betone jedoch,
daß die kaiſerliche Regierung dieſe finanziellen Verhand=
lungen
mit ihrer Sympathie begleitet hat. Sie hat das
aus ihrer politiſchen Erwägung heraus getan, daß Deutſch=
land
durch ſein Entgegenkommen gegenüber den dring=
lichen
finanziellen Bedürfniſſen der Türkei gleichzeitig ſeiner
bewährten, auf die Aufrechterhaltung des Friedens und
des Status quo gerichteten Politik einen weſentlichen
Dienſt leiſtet. Zur Pflege dieſer Politik gehört in erſter
Linie eine kräftige türkiſche Regierung, ſtark genug, um
die Ordnung im Innern zu gewährleiſten und nach außen
Achtung einzuflößen. Die türkiſche Regierung hat ſich
dieſer Aufgabe bisher mit großer Hingebung und mit er=
freulichem
Erfolg gewidmet. Es war daher gerecht und
billig aus wirtſchaftlichen und politiſchen Gründen, daß
wir der türkiſchen Regierung bei der Ueberwindung der
ſich aus ihrer finanziellen Situation ergebenden Schwie=
rigkeiten
zur Seite ſtanden und ihr damit die Möglichkeit
boten, das Werk der Konſolidierung weiter zu pflegen.
Der Abg. Baſſermann hat ſodann unſer Verhält=
nis
zu England berührt. Ich halte es für zweck=
mäßig
, hierzu folgende Erklärungen abzugeben: Ueber un=
ſere
Beziehungen zu England und angeblichen Verhand=
lungen
mit dieſem über Beſchränkungen der Rüſtungen
zur See muß ich zunächſt hervorheben, daß es wohl
publici juris iſt, daß die großbritanniſche Regierung wie=
derholt
dem Gedanken Ausdruck gegeben hat, eine ver=
tragsmäßige
Feſtlegung der Flottenſtärke der einzelnen
Mächte würde zu einer weſentlichen Beruhigung in den
internationalen Beziehungen beitragen. Dieſen Gedanken
hat England bekanntlich bereits auf der Konferenz im
Haag geäußert. Seitdem hat England dieſen Gedanken
wiederholt angeregt, ohne dabei Anträge zu ſtellen, die
für uns den Anlaß zu einer poſitiven Annahme oder einer
poſitiven Ablehnung hätte geben können. Auch wir be=
gegnen
uns mit England in dem Wunſche, Rivalitäten in
Bezug auf Unſummen zu vermeiden, haben aber den un=
verbindlichen
, von gegenſeitigem freundſchaftlichen Geiſte
getragenen pour palers ſtets dem Gedanken vorangeſtellt,
daß eine offene und vertrauensvolle Ausſprache und dar=
auffolgende
Verſtändigung über die gegenſeitigen wirt=
ſchaftlichen
und politiſchen Intereſſen der beiden Länder
das ſicherſte Mittel zur Beſeitigung jeglichen Mißbrauches
wegen des gegenſeitigen Kräfteverhältniſſes zu Waſſer und
zu Lande ſei. Schon die Fortdauer eines zwangloſen, ver=
trauensvollen
Gedankenaustauſches würde alle mit dieſen
Dingen zuſammenhängenden Fragen eine Garantie für die
freundſchaftliche Abſicht auf beiden Seiten und dem dürfte
allmählich zur Beſeitigung des Mißtrauens dienen, das
nicht bei den Regierungen, wohl aber in der öffentlichen
Meinung ſich leider vielfach geltend gemacht hat.
Der Herr Abg. Baſſermann hat ſodann auch unſere
Beziehungen zu Rußland erwähnt. Die Entre=
vue
des deutſchen Kaiſers mit dem Zaren hat, wie Ihnen
aus Auslaſſungen der Preſſe bekannt geworden iſt, einen
durchaus befriedigenden und harmoniſchen Verlauf genom=
men
. Dasſelbe gilt von den Beſprechungen der
beiderſeitigen Regierungsvertreter. Es iſt ſelbſt=
verſtändlich
, daß aus derartigen Beſprechungen
ſenſationelle politiſche Umwälzungen zwar in der
Preſſe, aber nicht in der Wirklichkeit vorgehen.
Auch in der Zeit, in der keine direkten Beſprechungen
der leitenden Miniſter ſtattfinden, iſt durch die beider=
ſeitigen
Vertreter der Kabinette jeweils Gelegenheit zu
fortdauerndem Gedankenaustauſch geboten. Der Wert
ſolcher Entrevues und ſpeziell der letzten in Potsdam
liegt darin, daß ſich die Leiter der Politik perſönlich
kennen lernen und dem bereits auf dem Wege durch
ihre Vertretungen vorbereiteten Gedankenaustauſch
praktiſche und zuſammenfaſſende Form geben. Das
Reſultat der letzten Entrevue möchte ich da=
hin
zu ſammenfaſſen, daß von neuem feſtgeſtellt worden
iſt, daß ſich die Regierungen in keinerlei Kombinatio=
nen
einlaſſen, die eine agreſſive Spitze gegen einen an=
deren
Staat haben könnten. In dieſem Sinne haben
wir insbeſondere Gelegenheit gehabt zu konſtatieren,
daß Deutſchland und Rußland ein gleichmäßiges In=
tereſſe
an der Aufrechterhaltung des Status quo auf
dem Balkan, auch überhaupt in dem nahen Orient
haben und daher keine Politik unterſtützen, die, von
welcher Seite ſie auch kommen möchten, auf eine Stör=
ung
jenes Status quo gerichtet iſt. Wir haben offen
und freundſchaftlich über unſere beiderſeitigen In=
tereſſen
in Perſien geſprochen. Wir ſind uns in dem
Gedanken begegnet, daß unſere gemeinſamen Inter=
eſſen
die Aufrechterhaltung bezw. Wiederherſtellung
von Ruhe und Ordnung in jenem Lande erheiſchen.
Wir müſſen wünſchen, daß unſer Handel mit Perſien
licht geſtört werde und ſich weiterhin entwickele. Ruß=
land
hat denſelben Wunſch für ſeinen Handel, danach

aber als Grenznachbar Perſiens noch beſondere wichtige
Intereſſen an der Sicherheit der Zuſtände in den ſeinen
Grenzen nächſtgelegenen perſiſchen Gebietsteilen. Da
Rußland zu dieſem Zweck eines beſondern Einfluſſes
in Nordperſien bedarf, ſo haben wir bereitwilligſt Ruß=
lands
Antrag auf alle Konzeſſinen für Eiſenbahnen
und Telegraphen in jenem Reiche zugeſtimmt. Ruß=
land
wird ſeinerſeits nicht nur unſerem Handel keine
Hinderniſſe in den Weg legen, ſondern auch die Her=
ſtellung
eines Anſchluſſes für ſeine Zufuhren nach Per=
ſien
, ſoweit ſie über Bagdad und Hanekin führt, erleich=
tern
. Wir glauben, daß es beiden Regierungen leicht
gemacht wird, ſich über alle etwa neu auftauchenden
Fragen zu verſtändigen. Die Unterredung, die wäh=
rend
der Potsdamer Entrevue ſtattgefunden hat ſo
kann ich mich zuſammenfaſſen hat da und dort
ſcheinbare Mißſtände beſeitigt und das alte vertrauens=
volle
Verhältnis zwiſchen uns und Rußland völlig be=
kräftigt
. (Anhaltender Beifall.)
Abg. Wiemer (Fortſchr. Vpt.): Der Herr Reichs=
kanzler
hat auch dieſes Jahr die Parteien ermahnt, das
Vergangene zu vergeſſen und in praktiſcher Arbeit zu=
ſammenzuſtehen
zum Wohle des Vaterlandes. Wir
werden mitarbeiten. Dieſe praktiſche Arbeit kann aber
nicht die Erinnerung an die Sünden der Vergangen=
heit
auslöſchen. (Bravo! links.) Die Wirtſchaftspoli=
tik
, die unſer Volk zur Blüte gebracht hat, hat auf der
Kehrſeite die Verteuerung der Lebensmittel und Roh=
materialien
. Der Reichskanzler will nicht Parteikanz=
ler
ſein. Aber die Taten der letzten Zeit paſſen ſehr
gut zu dem blauſchwarzen Kurs der Mehrheit. Die
letzten Wahlen ſagen genug. Tatſächlich ſtehen wir vor
einer neuen Finanzreform. Dem Staatsſekretär des
Auswärtigen Amts wünſchen wir, daß er eine ruhige
und beſonnen= Politik führen möchte. Aus der Block=
zeit
dürften Sie wiſſen, daß wir ſtets Gegner der So=
zialdemokratie
geweſen ſind. Wir müſſen die möglichſt
baldige Bekanntgabe des Wahltermins für die allge=
meinen
Wahlen fordern, damit keine Ueberrumpelung
der Wähler zu befürchten iſt.
Abg. Frhr. v. Gamp (Reichspt.): Wäre die Fi=
nanzreform
nicht zuſtande gekommen, dann hätten wir
jetzt eine weit größer Schuldenlaſt. Der Diskont wäre
viel höher und das ganze Wirtſchaftsleben hätte em=
pfindlicher
gelitten. Daß die Erbſchaftsſteuer gefallen
iſt, war nicht unſere Schuld. Der Militärvorlage ſtim=
men
wir zu. Bezüglich der elſaß=lothringiſchen Ver=
faſſung
haben wir bei dem Wahlrecht ernſte Bedenken.
(Hört! Hört! bei den Soz.) Wir wollen den ſozialdemo=
kratiſchen
Terror unter allen Umſtänden brechen.
Darauf wird die Vertagung beſchloſſen. Nächſte
Sitzung Montag 2 Uhr.

Volkszählungsergebniſſe.
* Groß=Berlin. Von der Einwohnerſchaft von

Groß=Berlin, die, wie ſchon gemeldet, auf 3 680000 ge= ſchätzt wird, entfallen
Ziffern: auf die größeren
1910 Orte folgende
1905 Berlin 2 064 153 2040 148 Charlottenburg 304 280 239 559 Schöneberg 172 672 141010 Rixdorf 236 378 153 513 Wilmersdorf 108025 63 568 Lichtenberg 81 148 55 391 Friedenau 34 572 18011 Steglitz 63000 32 825 Groß=Lichterfelde 44 500 34 331 Köpenick 33000 27721 Mariendorf 15 500 9016 Tempelhof 20 703 10575 Treptow 24782 11314 Zehlendorf 17 197 12024 Boxhagen=Rummelsburg 51915 32 989 Friedrichsfeld 19689 14072 Nieder=Schönhauſen 15 569 9 164 Ober=Schöneweide 21 359 14 101 Pankow 45 097 29077 Reinickendorf 34 940 22 425 Tegel 23080 12 223 Weißenſee 44650 87608 Spandau 82000 70 925

Berlin hat nur um 24000 Seelen zuge=
nommen
. Das alte hiſtoriſche Berlin
(Standesamt I) zeigt eine Abnahme von 65400
auf 52800. Die Friedrichſtadt hat eine Abnahme von
52 200 auf 40100 erfahren, der weſtliche Teil des
Stralauer Stadtviertels von 105000 auf 92000, das
Spandauer Viertel von 72700 auf 58000, die Oranien=
burger
Vorſtadt von 139000 auf 124000. Dagegen haben
zugenommen: die Stadtteile im Norden und im Oſten,
z. B. der nordöſtliche Teil des Stralauer Stadtviertels
von 71000 auf 87500, der ſüdöſtliche Teil des Stralauer
Viertels von 111000 auf 119500, das äußere Königs=
viertel
von 113000 auf 130000, der nordweſtliche Teil
der Roſenthaler Vorſtadt von 82000 auf 113000, der
Geſundbrunnen von 92 900 auf 108000, der Wedding von
7000 auf 132 500.
Bensheim 8909 (8269), Köln 511042 (459019),
Gelſenkirchen 168 293 (147005); Stettin 234033
(224 119); Danzig 169306 (159849); Königreich
Bayern 6876 497 (6524372); Eſſen 293 000 (231 360);
Wiesbaden 109013 (100955); Bremen 246827
(214861); Duisburg 227075 (192346).

Luftſchiffahrt.

* Johannisthal, 10. Dez. Geſtern nachmit=
tag
unternahm Paul Lange mit einem Etrichappa=
rat
einen Flugverſuch. Anſcheinend war die Steuer=
ung
nicht in Ordnung, denn ſtatt geradeaus zu flie=
gen
, bog die Maſchine nach links ab und fuhr gerade
auf das Zielrichterhaus zu. Es gelang dem Avia=
tiker
noch, den Aeroplan rechtzeitig herumzureißen,
ſodaß er in einen Graben bei dem Zielrichterhaus
fuhr. Hierbei wurde der Apparat gänzlich zer=
trümmert
. Paul Lange floß das Blut aus Naſe
und Mund. Der junge Flieger ſoll innere Ver=
letzungen
erlitten haben, doch konnte näheres noch
nicht feſtgeſtellt werden. Sonſt flogen heute nach=
mittag
noch Kapitän Engelhardt, Thelen, König und
Brunhuber.
sr. Ein neuer deutſcher Rekordflug
von 4 Stunden und 37 Minuten wurde auf dem
Habsheimer Flugplatz von dem ehemaligen franzö=
ſiſchen
Schrittmacher Amerigo auf einem Aviatik=
Doppeldecker aufgeſtellt. Der bisherige deutſche
Dauerrekord wurde von Auguſt Euler mit 3
Stunden 6 Minuten gehalten.
* Eine Fluggeſchwindigkeit von 140
Kilometer in der Stunde ſoll von dem Blériot=
Flieger Barrier erzielt worden ſein, und zwar
bei einem Flugmeeting, das in Memphis in Nord=

[ ][  ][ ]

Nummer 291.
Barmſtädter Tagblatt, Möntag, den 12. Dezeiber 1910.
Seite 62.

amerika veranſtaltet wird. Falls ſich die Meldung
beſtätigt, wäre der bisherige Rekord, der eine Stun=
dendurchſchnittsgeſchwindigkeit
von 112 Kilometern
darſtellte, ganz beträchtlich überboten worden und die
Leiſtung wäre auch inſofern ganz beſonders anerken=
nenswert
, als nicht über eine kurze Strecke, ſondern
über eine Diſtanz von 16 Meilen die Durchſchnitts=
Stundengeſchwindigkeit von 140 Kilometern erzielt
vurde. Barrier fiel damit der im Flugmeeting aus=
geſetzte
Geſchwindigkeitspreis von 5000 Dollar zu.
Ein neuer Hößenweltrekord für
Flugzeuge iſt von Legagneux am Freitag auf=
geſtellt
worden. Der franzöſiſche Aviatiker ſtieg auf
dem Flugplatz bei Pau auf und erreichte eine Höhe
von 3200 Meter. Man muß allerdings abwarten, ob
dieſer Weltrekord in der angegebenen Höhe bei der
offiziellen Nachprüfung anerkannt werden wird, da
auch ſchon bei früheren Höchſtleiſtungen dieſe Korrek=
turen
erfahren mußten. So wurde der bisher gültige
Weltrekord von dem kürzlich verſtorbenen Johnſtone
zunächſt mit 3238 und dann offiziell mit 2960 Meter
angegeben und ebenſo war der Blériot=Pilot Drexel
am 23. November in Amerika nicht, wie zuerſt an=
genommen
, 3038, ſondern nur 2880 Meter hoch auf=
geſtiegen
. Legagneux würde der erſte Aviatiker ſein,
der die 3000 Meter Höhe überſchritten hätte.

Handel und Verkehr.
D Im Reichspoſtgebiet iſt die Zahl der Kontoin=
haber
im Poſtſcheckverkehr Ende November auf
48300 geſtiegen. (Zugang im Monat November allein
über 1130.) Auf dieſen Poſtſcheckkonten wurden im No=
vember
gebucht über 938 Millionen Mark Gutſchriften
und 935½ Millionen Mark Laſtſchriften. Das Geſamt=
guthaben
der Kontoinhaber betrug Ende November über
91 Millionen Mark, ihr durchſchnittliches Geſamtgut=
haben
während desſelben Monats 106½ Millionen
Mark. Im Verkehr der Reichspoſtſcheckämter mit dem
Poſtſparkaſſenamt in Wien, der Poſtſparkaſſe in Buda=
peſt
, den ſchweizeriſchen Poſtſcheckbureaus und der ſeit
1. November an dieſem Verkehr mit teilnehmenden
belgiſchen Poſtverwaltung wurden über 4 Millionen
Mark umgeſetzt, und zwar auf 1980 Uebertragungen in
der Richtung nach und auf 7060 Uebertragungen in der
Richtung aus dem Auslande.

Margarinevergiftungen.
* Die Margarinevergiftungen nehmen
im rheiniſch=weſtfäliſchen Induſtriebezirk einen be=
ängſtigenden
Umfang an. Die plötzlichen Erkrank=
ungen
erfolgen ſprungweiſe, je nachdem die letzten
Margarineſendungen in die Kundſchaft gelangten. Es
liegen weitere Meldungen von Margarinevergiftun=
gen
vor aus Dortmund, Solingen, Barmen, Aſchers=
leben
und Weißenfels. Auch in Bremen haben ſich
zahlreiche Fälle von Margarinevergiftungen heraus=
geſtellt
. Bisher wurden etwa fünfzig Perſonen er=
mittelt
, die nach dem Genuß von Margarine erkrankt
ſind. Die Behörden ſind eifrig dahinter, noch im Han=
del
befindliche Waren zu konfiszieren. Faſt täglich
werden Proben an das Reichsgeſundheitsamt abge=
ſandt
.
*Hamburg, 9. Dez. Die in den Margarine=
werken
von Mohr u. Ko. beſchäftigten Arbei=
ter
und Arbeiterinnen befaßten ſich heute in
einer Verſammlung mit den jüngſten Margarinever=
giftungen
, ſowie mit dem von der Firma erhobenen
Verdacht, daß an dem Tage, wo die fragliche Marga=
rine
fabriziert worden wäre. am=23. November, gleich=
zeitig
die Stadtverordnetenwahlen in Altona ſtatt=
gefunden
hätten und von dem darum nicht genügend
beaufſichtigten Perſonal ein ſchädlicher Stoff zur Ver=
wendung
gelangt ſein könnte. Die Verſammlung
der Arbeiter und der Arbeiterinnen erhob gegen die=
ſen
Vorwurf Einſpruch und erklärte zu der Frage,
daß zu der betreffenden Zeit alle Vorgeſetzten im Be=
triebe
anweſend geweſen ſeien.
Berlin, 8. Dez. Anläßlich der in verſchiedenen
Gegenden vorgekommenen Erkrankungen infolge Genuſſes
von Margarine hielt die Vereinigung deutſcher
Margarinefabrikanten heute eine außerordent=
liche
Generalverſammlung in Berlin ab. In derſelben
wurden die Altonger Margarine=Werke Mohr & Co.,
Altona=Ottenſen, die Fabrikanten der beanſtandeten Ware,
der Mitgliedſchaft der Vereinigung verluſtig erklärt. Die
Vereinigung erhebt Einſpruch gegen die zu Tage tretende
Tendenz, aus dem einzig daſtehenden Vorkommnis Ver=
dächtigungen
der ganzen Induſtrie und ihrer Erzeugniſſe
herzuleiten und weiſt darauf hin, daß der Vertrieb ihrer
Fertigprodukte ſtrengen geſetzlichen Vorſchriften unter=
worfen
iſt, wogegen die importierten Rohwaren der
Prüfung der ſtaatlichen Unterſuchungsämter unterliegen.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Kranzſpenden verbeten!
Namentlich im Süden Deutſchlands kehren in den
Todesanzeigen ſehr oft die Vermerke wieder: Blumen=
ſpenden
dankend verbeten oder Blumenſpenden ſind
nicht im Sinne des Entſchlafenen. Es ſoll zugegeben
werden, daß auch bei Kranzſpenden, wie überall, Ueber=
treibungen
vorgekommen ſind, denen entgegenzutreten,
vom wirtſchaftlichen Standpunkte aus nicht ſo ganz un=
berechtigt
ſein dürfte. Es dürfte wohl nur recht wenig
Menſchen geben, die an Pflanzen und Blumen keinen
Gefallen finden können. Blumen ſchmücken ſchon bei der
Geburt den Tauftiſch des Kindes, ſie fehlen nicht bei
der erſten Kommunion oder Konfirmation, ſie ſchmücken
als Brautkranz das Haar der Braut; Blumen ſind un=
erſetzbar
bei feſtlich=frohen Gelegenheiten u. endlich Blumen
ſtreut man dem Toten in ſein kleines Haus. Blumen=
ſpenden
gelten weder bei freudigen noch bei traurigen
Anläſſen als Geſchenk ſondern ſie gelten als ein Be=
weis
der Liebe, der Hochachtung, der Verehrung, der
Dankbarkeit und allgemein üblich iſt es, daß man ſich
für Blumenſpenden nie anders als durch Dankesworte
erkenntlich zeigt. Was der Lebende ſtets u. immer mit Freude
entgegennimmt, dem Toten ſoll es vorenthalten werden!
Es iſt auch eine ſchöne Sitte, den Toten inmitten ſchöner
lebender Pflanzen aufzubahren und ſeine letzte Ruhe=
ſtätte
mit Blumen und Kränzen zu ſchmücken, und an
dieſer Sitte ſollte niemand rütteln. Wer im Leben die
Blumen liebte, und ſich ſo oft an ihnen erfreute, in
deſſen Sinne iſt es ſicher nicht, wenn ſie von ſeinem
Totenbette verbannt werden. Man denke ſich ferner
auch, welch einen triſten, troſtloſen Eindruck ein kahler
Grabhügel auf die Familienmitglieder des Entſchlafenen
machen muß, die nach der Beerdigung, wie üblich, die

letzte Ruheſtätte aufſuchen, gegenüber einem anderen
Grabhügel, der dicht mit Blumen und Kränzen bedeckt
iſt. Zu ſpät werden ſie dann zu der Erkenntnis ge=
langen
, daß ſie an dem Entſchlafenen eln Unrecht be=
gangen
haben, ſelbſt wenn es aus wohlgemeinter Abſicht
heraus geſchehen ſein ſollte. Die Sache hat aber auch
noch eine eminent wichtige Seite. Man läßt ganz außer
Acht, daß man dadurch einen wichtigen Erwerbszweig
aufs ärgſte ſchädigt die Gärtnerei. In zahlreichen
ausgedehnien Betrieben ſind große und koſtſpielige Ein=
richtungen
geſchaffen, die der Anzucht von Pflanzen und
Blumen dienen. In Wind und Wetter, in Hitze und
Kälte geht der Gärtner ſeinem mühevollen Berufe nach,
in dem eine große Anzahl der arbeitenden Klaſſe ange=
hörender
Menſchen Brot und Unterkunft findet. Trotz
aller Anſtrengungen aber wird die Rentabilität der
Gärtnerei immer ſchwieriger; denn da ſich die Ausgaben
für die Lebenshaltung infolge der allgemeinen Teuerung
in fortwährend aufſteigender Linie befinden, werden alle
einigermaßen entbehrliche Ausgaden, ſo namentlich ſolche
für Blumen= und Pflanzenſchmuck immer, mehr einge=
ſchränkt
. Da wird man es ſchon begreiflich finden, daß
es in gärtneriſchen Kreiſen ein Gefühl der Erbitterung
hervorruft, wenn man auch noch eine Einſchränkung des
Verbrauchs von Blumenſpenden bei Traueranläſſen her=
beiführen
will. Deshalb fort mit der Unſitte, Kranz=
und Blumenſpenden abzulehnen! Man gönne dem
Toten dieſe letzten Liebesbeweiſe und rüttle nicht an
dem ſchönen Brauch, der ganz beſonders dem em=
pfindſamen
Gemüte des Deutſchen innewohnt, deſſen
Brauch ihn ehrt!
Der Vorſtand der Handelsgärtnerverbindung
Darmſtadt.

Die engliſchen Wahlen.
London, 9. Dez. Bis 3½ Uhr waren als ge=
wählt
bekannt: 156 Liberale, 29 Arbeiterpartei, 206
Konſervative, 52 Anhänger Redmonds, 5 OBrieniſten.
* London, 10. Dez. 1 Uhr V. Gewählt ſind
163 Liberale, 209 Konſervative, 29 Vertreter der Ar=
beiterpartei
, 54 Redmondiſten, 5 OBrieniſten.
* London, 10. Dez. Bis heute mittag iſt der Stand
der Wahlen folgender: 166 Liberale, 216 Unioniſten,
29 Mitglieder der Arbeiterpartei, 54 Redmondiſten und
5 OBrieniſten. Die Liberalen gewinnen 14, die Unioniſten
21 und Arbeiterpartei 4 Mandate. Die Miniſter Montague,
Ure und Samuel wurden wiedergewählt.
* London, 10. Dez. Die Liberalen gewan=
nen
in Loweſtoft ein Mandat.
* London, 10. Dez., 12,30 Uhr. Der neueſte
Stand der Wahlen iſt folgender: 170 Liberale, 218
Unioniſten, 30 Mitglieder der Arbeiterpartei, 54 Redmon=
diſten
und 5 O Brieniſten. Die Liberalen gewinnen 16, die
Unioniſten 21, die Arbeiterpartei 4 Mandate. Die Libera=
len
gewinnen Saffronwalden und Cockermouth. Asquith
wurde in Eaſt=Fife mit 5149 Stimmen gegen Sprot wie=
dergewählt
, der 3350 Stimmen erhielt.
* London 10. Dez. Bis 2 Uhr nachmittags
waren gewählt: 175 Liberale, 31 Mitglieder der
Arbeiterpartei, 224 Konſervative, 55 Anhänger Red=
monds
, 6 Anhänger OBriens.
* London. 10. Dez. 2 Uhr nachmittags. Ge=
wählt
ſind: 175 Liberale, 224 Unioniſten, 30 Mit=
glieder
der Arbeiterpartei, 55 Redmondiſten und ſechs
OBrieniſten. Die Liberalen gewinnen 17, die Unio=
niſten
21 und die Arbeiterpartei 4 Sitze.
* London 10. Dez., 5 Uhr nachmittags. Ge=
wählt
ſind: 178 Liberale, 225 Unioniſten, 32 Ver=
treter
der Arbeiterpartei, 56 Redmondiſten und ſechs
O Brieniſten.
* London, 10. Dez. Bis 11 Uhr abends waren
gewählt: 183 Liberale, 225 Konſervative, 32 Ver=
treter
der Arbeiterpartei, 56 Redmondiſten und ſechs
O Brieniſten.
* London 10. Dez. Anläßlich der Wahlen
kam es geſtern in Belfaſt zu ſtürmiſchen Szenen, bei
denen mehrere Perſonen verletzt und viele Schaufen=
ſter
eingeworfen wurden. Auch einige Revolverſchüſſe
wurden abgefeuert.
* Belfaſt, 10. Dez. Die Wahlunruhen nahmen
geſtern abend ihren Anfang. Vor das Tor des Gebäudes,
worin eine antikatholiſche Verſammlung tagte, wurde ein
Sprengkörper geſchleudert, wodurch eine Perſon ſchwer
verletzt wurde. Der Polizei gelang es, die Menge zu zer=
ſtreuen
.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Berlin, 10. Dez. Der Rektor der Handelshoch=
ſchule
, Dunker, iſt geſtorben.
* Berlin, 11. Dez. Für den verſtorbenen Maler
Profeſſor Ludwig Knaus fand heute Mittag im
großen Saale der Kgl. Akademie der Künſte eine Trauer=
feier
ſtatt. Im Auftrage des Kaiſers war der Chef des
Zivilkabinetts v. Valentini erſchienen, der Kultus=
miniſter
war durch den Unterſtaatsſekretär Schwartzkopff
vertreten, auch der Bürgermeiſter Dr. Reicke und die
Senatsmitglieder der Akademie befanden ſich in der
Trauerverſammlung. Pfarrer Prof. D. Frhr. v. Soden,
der Präſident der Akademie Geh. Baurat v. Großheim
und der Vorſitzende des Vereins Berliner Künſtler Prof.
Schulte hielten Gedächtnisanſprachen. Nach der Feier
wurde der Sarg in langem Zuge nach dem Friedhofe in
Dahlen übergeführt, wo die Beiſetzung erfolgt.
* Station Wildpark, 10. Dez. Der Kaiſer mit
ſeinen Jagdgäſten iſt heute Abend 9 Uhr 15 Min. aus
Springe in Wildpark eingetroffen. Der Kaiſer begleitete
den Erzherzog Franz Ferdinand zum Bahn=
hof
. Erzherzog Friedrich bleibt bis auf weiteres
in Potsdam.
* Heidelberg, 10. Dez. Heute nacht verſtarb nach
kurzer Krankheit im 52. Lebensjahre der außerordentliche
Profeſſor der Germaniſtik an der hieſigen Univerſität,
B. Kahle.
* Bochum, 10. Dez. In der Gußſtahlformerei
des Bochumer Vereins kippte heute nachmittag infolge
Bruchs eines Seitenarms eine Gießpfanne um. Das
glühende Eiſen ergoß ſich über vier unter der
Pfanne ſtehende Arbeiter. Drei davon waren ſofort
tot, der vierte iſt ſeinen Verletzungen im Krankenhauſe
erlegen.
* Wien, 10. Dez. Die Demiſſion des Kabinetts
Bienerth ſteht unmittelbar bevor. Die Stellung
des Kabinetts iſt unhaltbar geworden, als die Polen
drohten, bei der Abſtimmung über das Budgetproviſorium
als Arbeitsmajorität auszutreten. Der Miniſterpräſident
wartet die definitive Antwort des Polenklubs ab und
zieht, wenn dieſe in demſelben Sinne lauten ſollte, ſofort
die Konſequenzer und überreicht die Demiſſion des ge=

ſamten Kabinetts. Wenn die Demiſſion angenommen=
wird
, folgt ein aus Sektionschefs gebildetes Beamten=
miniſterium
, an deſſen Spitze ein Mitglied des gegen=
wärtigen
Kabinetts ſtehen würde.
* Wien, 11. Dez. In Beſprechung der Reden des
Reichskanzlers von Bethmann Hollweg
führt das Fremdenblatt aus: Von den knappen, ſtreng
ſachlichen Reden, in denen der Reichskanzler unter Ver=
zicht
auf allgemeine Darlegungen die wichtigſten Fragen
der äußeren Politik zu behandeln liebt, war die letzte un=
beſtreitbare
die inhalts= und aufſchlußreichſte. In der bün=
digen
Kürze hat ſie hochbedeutſame Mitteilungen, nament=
lich
über die Geſtaltung der Beziehungen des Deutſchen
Reiches zu Großbritannten und Rußland geboten. Durch
die Ausführungen des Reichskanzlers wurden in beſtimm=
teſter
Form die friedlichen Tendenzen gekennzeichnet, die
einerſeits der Dreibund, andererſeits die Triple=Entente
verfolgen. So kann Deutſchlands äußere Politik unter
Bethmann Hollwegs Führung in allen ihren Hauptgebieten
auf Erfolge hinweiſen. Aber von beiden Reden brachte
dem Reichskanzler die erſte, in der er ſich mit der inneren
Politik beſchäftigte, keinen geringeren Erfolg als die an=
dere
. Niemals hat ein Reichskanzler wirkſamer und in ſei=
ner
Offenheit überzeugender geſprochen. Für eine Eini=
gung
der Ordnungsparteien iſt die Kanzlerrede ein glück=
liches
Plädoyer geweſen, deſſen Eindruck nachwirken wird.
* Paris, 10. Dez. Bon zuſtändiger Seite wird die
Nachricht der Proklamation der Republik des Für=
ſtentums
Monaco für falſch erklärt.
* Paris, 11. Dez. In Nizza wurde der ehemalige
griechiſche Abgeordnete und frühere Generalkonſul
Moraſtiny wegen Heiratsſchwindeleien ver=
haftet
.
* Paris, 11. Dez. In Toulon erhängte ſich
ein Arſenalwächter, welcher in einen Lieferungsprozeß
verwickelt war, in dem Augenblicke, als die Polizei ſeine
Wohnung durchſuchen wollte.
* Sevilla, 11. Dez. Der niedrig gelegene Teil der
Stadt iſt überſchwemmt, auch die umliegende Land=
ſchaft
ſteht unter Waſſer.
* Chriſtiania, 10. Dez. Der Nobelpreis wurde
dem internationalen permanenten Friedens=
bureau
in Bern zuerteilt.
* Stockholm, 11. Dez. Bei dem Feſtmahl für
die Nobelpreisträger hielt der Kronprinz=
eine
Gedächtnisrede auf Nobel, während Reichsantiquar
Profeſſor Montelius auf die Preisträger toaſtete, worauf
der deutſche Geſandte Graf Pückler und die anweſenden
Preisträger erwiderten.
* Petersburg, 11. Dez. Der Senat beſchloß, den
früheren Moskauer Stadthauptmann: Reinbot und
ſeinen Gehilfen Oberſt Korotkoff wegen Amts=
vergehens
vor dem Gericht zur Verantwortung zu ziehen.
* Konſtantinopel, 10. Dez. Die Kammer ſprach
dem Kabinett ihr Vertrauen aus.
* Konſtantinopel, 10. Dez. Beduinenſtämme
griffen die Stadt Kerck, öſtlich des Toten Meeres, an,
machten die Beſatzung nieder, ſchlachteten Hunderte von
Chriſten ab, überfielen und zerſtörten die Station Katrane
an der Hedſchasbahn und metzelten die Beamten mit ihren
Familien nieder. Ikdam gibt die Zahl der in Kerck Er=
mordeten
auf 40 an. In die bedrohten Gegenden wurden
Truppen entſandt.
* Calgary (Alberta), 10. Dez. Durch eine Explo=
ſion
in den weſtkanadiſchen Bergwerken wurden 60
Bergleute verſchüttet. Bisher wurden ſieben
Leichen geborgen.
* Colombo, 11. Dez. Der heute zu Ende
gehende Aufenthalt des Kronprinzen und
der Kronprinzeſſin auf Ceylon iſt in jeder
Beziehung durchaus befriedigend verlaufen. Trotz des
eingehaltenen Inkognitos iſt von den Behörden und
der Bevölkerung alles geſchehen, um das Verweilen
der hohen Gäſte ſo angenehm wie möglich zu geſtalten.
Der Kronprinz benutzte, wie bekannt, die in Ceylon
verlebten Tage um die ihm hier zum erſten Male ent=
gegengetretene
Tropenwelt kennen zu lernen und nahm
an mehreren Jagdexpeditionen teil, die infolge wech=
ſelnder
Witterung mancherlei Zwiſchenfälle mitbrach=
ten
. Der Kronprinz beſuchte in Begleitung der Kron=
prinzeſſin
die hiſtoriſchen Denkmäler der Inſel und
beſichtigte mehrere induſtrielle Etabliſſements. Geſtern
fand nach dem Diner bei dem deutſchen Konſul ein
Empfang im Deutſchen Klub ſtatt, wobei der Kron
prinz und die Kronprinzeſſin ſich ſämtliche Mitglieder
der hieſigen deutſchen Kolonie vorſtellen ließ und in
längeren zwangloſen Geſprächen mit ihnen verweil=
ten
. Heute gibt der Gouverneur zu Ehren des kron=
prinzlichen
Paares ein Abſchiedsfrühſtück. Die Kron=
prinzeſſin
beſucht hierauf die Gneiſenau und begibt
ſich mit dem Kronprinzen auf den Lloyddampfer
Lützow mit dem ſie die Rückreiſe antritt, während
der Kronprinz auf die Gneiſenau zurückkehrt. Um
6 Uhr abends verlaſſen beide Schiffe gemeinſam den
Hafen. Am 14. Dezember morgens wird die Gnei=
ſenau
in Bombay eintreffen, wo der Gouverneur
den deutſchen Thronfolger an Bord begrüßen wird
und die zum Stabe des Prinzen kommandierten eng=
liſchen
Herren ſich melden werden.
* Kalknttta, 10. Dez. Der Schauplatz der Zu=
ſammenſtöße
zwiſchen Muhamedanern und
Hindus iſt das Stadtviertel Marvari, das heute früh
10 Uhr die Muhamedaner in großer Menge durch=
zogen
, worauf die Behörden zwei Kompagnien In=
fanterie
mit Maſchinengewehren und eine Schwadron
Kavallerie entſandten. Die Truppen machten keinen
Eindruck auf die Menge, die den Kordon zu durch=
brechen
verſuchte. Die Polizei griff an und trieb die
Menge auseinander. 24 Perſonen wurden verletzt.
Die Ordnung iſt wieder hergeſtellt, aber die Muhame=
daner
fahren fort, ſich in großen Maſſen zuſammen=
zurotten
. Einige Läden wurden geplündert.
* Winnipeg, 11. Dez. Nach neuerer Meldung wur=
den
durch die Exploſion in den weſtkanadi=
ſchen
Kohlenbergwerken zwanzig Bergleute ge=
tötet
. Achtzehn wurden gerettet, einige davon ſind
ſchwer verletzt.
* Rio de Janeiro, 11. Dez. Die Blätter behaupten,
daß die Beweggründe der Meuterer gering=
fügiger
Natur ſeien. Die Empörung auf Rio Grande
del Sul dauerte nur kurze Zeit Mehrere Mann ſind
gefallen, darunter ein Offizier. Das Artilleriefeuer auf
die Inſel Cobras dauerte bis 3½ Uhr nachmittags.
Von der Inſel wurde das Schießen erwidert. Am Ufer
und den angrenzenden Wegen lagen mehrere Tote.
* Rio de Janeiro, 11. Dez. Der Senat beſchloß
trotz des Einſpruchs von Ruy Barboſa die Ver=
hängung
des Belagerungszuſtandes für
30 Tage. Die aufſtändiſche Bewegung iſt nunmehr ganz
erſtickt. Die Bataillone der Aufſtändiſchen hatten über
200 Tote und Verwundete. Die Stadt iſt ruhig.

[ ][  ][ ]

Nummer 291.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Dezember 1910.

Seite 7.

Berlin, 19. Dez. Zn dem Beſinden des Graſen Ar=
min
=Muskau, der in der vorigen Woche von der Stra=
ßenbahn
überfahren worden war, iſt eine Verſchlech=
terung
eingetreten. Der Patient hatte eine unruhige
Nacht und das Bewußtſein iſt zumeiſt getrübt.
Hamburg, 10. Dez. Die Polizei verhaftete
zwei Mädchenhändler, beide aus Warſchau. In
ihrer Begleitung befanden ſich zwei junge Mädchen. Die
beiden Verhafteten waren der Polizei von dem Verein zur
Bekämpfung des Mädchenhandels an der ruſſiſchen Grenze
aviſiert worden.
Schneidemühl, 10. Dez. Bei Schneidemühl wurde
der Bildhauer Wehſe aus Berlin bewußtlos aufgefun=
den
. Er hatte ſich mit Lyſol vergiftet, da er erfuhr,
daß ſeine Braut ſeit 14 Tagen verheiratet ſei.
Czernowitz, 10. Dez. In dem hieſigen Stadttheater
ſchoß ſich der Student Schopira vor den Augen ſei=
ner
Geliebten eine Kugel in den Kopf und war ſofort tot.
Im Publikum entſtand eine Panik.

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bethenſtraße
36, Liebigſtraße 4, Magdalenenſtraße 23,
Roßdörferſtraße 12, Wenckſtraße 32.
(24026

Todes-Anzeige.
(Statt besonderer Anzeige.)
Gestern abend verschied sanft nach kurzem Krankenlager im Alter von
70 Jahren unser lieber Gatte, Vater und Bruder
(24032

Oberlandesgerichtspräsident i. P.
Wirklicher Geheimerat
Lebenslängliches Mitglied der Ersten Kammer der Stände.
Darmstadt, den 11. Dezember 1910.
Nelly Lippold, geb. von Arnoldi,
Karoline Lippold,
Dr. Georg Lippold,
Paul Lippold,
Agnes Lang, geb. Lippold.
Die Beisetzung findet statt: in Mainz am Dienstag, den 13. Dezember, nachmittags 3 Uhr,
von der Friedhofshalle.

Todes-Anzeige.

Am Sonntag, den 11. Dezember, vor=
mittags
¾11 Uhr, entſchlief ſanft nach kurzem
Leiden unſere liebe gute Mutter, Schwieger=
mutter
und Großmutter
Frau
eodore Bartcky Witwe
geb. Scheuffler
im nahezu vollendeten 80. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt und New=York,
den 12. Dezember 1910.
(24033
Die Beerdigung findet ſtatt Mittwoch Vormittag
10 Uhr von der Friedhofskapelle aus.

Tageskalender.
Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Ab. C): Des Meeres und
der Liebe Wellen.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Konzert des Muſikvereins um ½8 Uhr im Saalbau.
Konzert um 3 und 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um ½8 Uhr im Bürgerkeller.
Ausſtellung von Jugendſchriften und Bildwerken im
Rathaus (geöffnet von 47 Uhr).
Ausſtellung des Rothenburger Verbandes akadem.
Architektenvereine in der Aula der Techniſchen Hoch=
ſchule
(geöffnet von 94½ Uhr).
Ausſtellung der Gewinne der St. Eliſabeth=Vereins=
Lotterie Nieder=Ramſtädterſtr. 30 (geöffnet v. 101 U).
Vorſtellungen im Reſidenztheater von 411 Uhr.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½11 Uhr.
Olympia=Kinematograph Ernſt=Ludwigſtr. 23.
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 13. Dezember.
Pferd= u. Wagen= ꝛc. Verſteigerung um 11 Uhr
zu Nieder=Ramſtadt (Zuſammenkunft am Rathaus).
Holzverſteigerung um 9 Uhr im Nieder=Ramſtädter
Gemeindewald (Zuſammenkunft am Bonstal am Ein=
gang
des Waldes).

Gewerde= Ruſeum, Relarſtraße 3. Täglich geöfner
v. 1112½ Uhr, Sonntags v. 111 Uhr. Eintritt frei.

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Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
heute Nacht meine liebe, treubeſorgte Gattin,
unſere Mutter, Tochter, Schweſter, Schwägerin
und Tante
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geb. Lorenz
nach längerem ſchwerem Leiden plötzlich und
unerwartet im Alter von 32 Jahren zu ſich
zu rufen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Karl Litschgi und Kind.
Familie Heinrich Lorenz.
Darmſtadt, den 10. Dezember 1910.
Soderſtraße 40, part.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 13. Dez.,
nachmittags 2 Uhr, vom Portale des Friedhofes
aus, ſtatt.

auf das

Darmſtädter Tagblatt
werden in der Expedition, ſowie von allen
Poſtanſtalten entgegengenommen.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht.
zurückgeſandt.

verkaufe ich die noch grossen Lagerbestände in Damen-Konfektion und Kleiderstoffen im

wegen gänzlicher Geschäftsaufgabe

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[ ][  ][ ]

Nummer 291,
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Dezemher 1916.
Seite 8.

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Antie Möller.
Roman von K. v. d. Eider.
Nachdruck verboten.)
31)
Es war im Vorfrühling. Glücks= und Liebesahnen
lag in der Luft. Es duftete nach Blumen, die noch nicht
einmal blühten. Rolf dachte nach. Ungefähr vor einem
Jahre mußte wohl ſein Sohn konfirmiert worden ſein.
Wie hatte er gewartet, daß ſie ihn bringen würde. Sie
war nicht gekommen und hatte auch den Sohn nicht ge=
ſchickt
. Er konnte es ihr nicht verdenken; welche zärtliche
Mutter brachte wohl ihren Sohn nach Rethwiſchhof? Als
aber einmal eine Frau mit einem Jungen die Trift her=
untergekommen
war, da hatte ſein Herz ihm in der Bruſt
förmlich gehämmert.
Er hatte lange gewartet, ehe er einen Hofjungen mie=
tete
, er hatte die Stelle frei laſſen wollen, dann hatte er
zuletzt den erſten beſten engagiert; die Hoffnung, daß ſie
ihm ſeinen Sohn ſchicken würde, hatte er aufgegeben.

In dieſer Nacht ließen Rolf ſeine aufgeregten Sinne
nicht ſchlafen. Er ſah Antje vor ſich, wie ſie vor vielen
Jahren ſein eigen geweſen war. Er meinte ihren Atem
zu ſpüren und ihr klopfendes Herz. Ein wildes, wahn=
ſinniges
Verlangen nach der einzigen, die er geliebt hatte,
ergriff ihn. Das Bett wurde ihm zu heiß; er hätte auf=
ſpringen
und hinauseilen mögen.

Mrer al e er e e enan
rief ſie. Du biſt ſo unruhig; man kann gar nicht ſchlafen.
In dieſem Augenblick haßte er Karline, die ihm bisher
nur gleichgültig geweſen war. Finſter ging Rolf am
Tage ſeiner Beſchäftigung nach. In ihm brannte und
loderte es wieder. Seine Augen glühten. Einige Tage
darauf war er in Huſum. Er hatte hier einiges Geſchäft=
liches
zu erledigen. Als dies beſorgt war, er raſch
etwas im Wirtshaus und fuhr wieder ab. Wenn er ge=
mächlich
fuhr, konnte er gegen acht Uhr wieder zu Hauſe
ſein, aber etwas in ihm war mächtiger als Wille und
Vernunft. Er fuhr auf der entgegengeſetzten Seite aus
Huſum hinaus auf Immſtedt zu.
Das Pferd war bald ermüdet, er trieb es mit der
Peitſche an. Schneller, immer ſchneller. Bald merkte er,
daß es lahmte, das Pferd hatte ein Eiſen verloren.
Jetzt mußte er die Fahrt mäßigen. Er war auf hal=
bem
Wege; ſollte er vorwärts oder zurück. Vorwärts!
rief es in ihm. Es ging langſam, aber er kam doch ſei=
nem
Ziele immer näher. Nun noch eine halbe Stunde
höchſtens, dann würde er Antje wiederſehen. Dann wollte
er ſie in die Arme nehmen, ſie küſſen bis zur Atemloſigkeit.
Sie ſollte ſein heißes Verlangen ſtillen, und er wollte
ſie dann dafür in Samt und Seide hüllen. Und wenn ſie
ihn nicht anhören wollte, dann würde er vor ihr kuien
und flehen um ein wenig Liebe. Antje, murmelten ſeine
heißen Lippen. Antje!
Jetzt war Immſtedt erreicht. Das Pferd ging nur
noch im Schritt. Wohnte hier nicht ein Schmied? Das

traf ſich gut; er konnte gleich das Pferd hier beſchlagen
laſſen. Derweilen ging er zu Antje.
In der Schmiede traf er nur den Lehrjungen, der ein
halbgeleertes Punſchglas neben ſich ſtehen hatte und mit
vollen Backen kaute.
Ja, Jung, ſagte Rolf, ich wollt’ mein Pferd beſchla=
gen
laſſen; iſt Dein Meiſter nicht da?
Nee, der hat keine Zeit; der feiert ſein Verlöbnis. Die
ſind bannig luſtig drinnen.
Was geht mich Deinem Meiſter ſein Verlöbnis an,
rief Rolf ungeduldig. Mein Pferd lahmt; ich kann nicht
weiter!
Ih, da bleiben Sie man zur Nacht, riet der Junge.
Geh’n Sie man rein; die haben Punſch und Kuchen genug.
Dann ſehen Sie gleich unſere Frau Meiſterin, Antje
Möller, vom lüttjen Enn.
Der Junge, den der Punſch geſchwätzig gemacht hatte,
wollte noch weiter reden, aber da faßte ihn Rolf an den
Ohren und ſchwur, ihm das Genick umzudrehen, wenn er
nicht augenblicklich den Meiſter hole.
Das half. Der Junge lief davon und einige Augen=
blicke
ſpäter kam der Meiſter Jochen heraus. Er war
etwas unwillig über die Störung, aber im übrigen ſo gut
gelaunt, wie es ein Schmied an ſeinem Geburtstag kurz
vor ſeiner Verlobung nur ſein konnte. Bereitwillig kam
er Rolfs Wunſch nach und band ſich das Schurzleder um.
Er hätte wohl mit Hilfe des Lehrlings das Pferd allein
beſchlagen können, aber Rolf wollte noch eine Frage tun.
Er konnte ſich geirrt haben; aber es ließ ihm doch keine

[ ][  ][ ]

Feite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Dezember 1910

Nummer 291.

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Hat ſie nicht einen alten Onkel? Er wollte ganz ſicher
gehen.
Ja, Dreesohm, der Tauſendkünſtler.
Iſt nicht auch noch ein Sohn da?
Jawohl, Herr, aber das geniert mich nicht weiter. Es
iſt auch ein guter Junge. Die Hauptſache iſt, daß man
ne ordentliche Frau kriegt, und das iſt ſie.
Rolf ging nicht fort. Er half, als der Junge ſich
dumm anſtellte, das Pferd halten und ſtellte dabei immer
weitere Fragen, bis es für ihn ohne Zweifel war, daß
Antje, ſeine Antje, ihm verloren war.
Einmal blickte er nach den hell erleuchteten Fenſter
hinüber; das Rouleau war ein wenig beiſeite geſchoben
und ein weißes Antlitz mit dunklen Augen lugte hervor.
War es Antje? Schnell, wie ein Spuk, war es wieder
verſchwunden.
Das Pferd war beſchlagen und wurde wieder vor=
geſchirrt
. Rolf fuhr davon. Er fuhr ein Endchen weiter,
an Antjes Haus vorbei, deſſen Fenſter ganz im Dunkeln
lagen. Er kehrte auch noch einmal im Wirtshaus ein,
ſtürzte haſtig einige Glas Grog hinunter, ließ dem Pferd
einen Eimer Waſſer vorſetzen und eine Gift Heu vorwer=
ſen
und fuhr dann im Trabe fort.
Der Grog brannte wie flüſſiges Feuer. Er ſollte den
inneren Brand betäuben, aber er erhitzte ihn noch mehr.

Rolf fuhr wie ein Wahnſinniger. Das Pferd war mit
Schaum bedeckt, als er in Bredwort ankam. Die Kirchen=
uhr
ſchlug zwölf und der Nachtwächter machte ſeine Runde.
Das Rollen des einſamen Wagens klang laut und geſpen=
ſtiſch
durch die Nacht.
Im Kringelkrug war noch Licht. Hier ſaßen viel=
leicht
einige hartnäckige Kartenſpieler an ihrem Tiſch.
Einige Augenblicke kam Rolf der Gedanke an Ingeborg.
Ihr Bild ſtieg vor ihm auf, ſchwellend, mit meergrünen
Augen und ſchillerndem Haar.
Er hieb auf das Pferd ein, als fürchtete er Zaubereien.
Eine Viertelſtunde ſpäter lenkte der Wagen in das Hecktor
ſeines Hofes ein.
Am anderen Tag war ihm ſo wüſt im Kopf, wie
nach einer durchſchwärmten Ballnacht. Für Karlinens
Wirtſchaftsklagen hatte er kein Intereſſe. Laß mich in
Ruh’! ſagte er. Was gehen mich die Dienſtmädchen und
Deine Milchwirtſchaft an!
Den ganzen Tag über arbeitete er draußen auf dem
Felde; da wurde ihm freier zumute. Als aber Karline
am Abend wieder anfing, über etwas zu jammern, nahm
er ſeine Mütze und ging davon.
Er wollte nur ein bißchen herumgehen, mal an dem
Kringelkrug vorbei und den anderen Weg zurück.
Im Kringelkrug traf er Ingeborg vor der Tür
ſtehend, ſchmuck und ſauber, wie er es liebte, geſund und
fröhlich in ihrer rundlichen Fülle.
Komm herein! ſagte ſie. Ich ſchaue gerade aus, wo
mein Alter bleibt. Komm, es iſt kühl draußen.
Er folgte ihr. In der dämmerigen Hausdiele glitzer=
ten
ihn ihre Augen verführeriſch an. Ihr Geſicht leuchtete
ihm hell entgegen, ihr Atem traf ihn warm. Dies alles

wirkte auf ſeine empfindlichen Nerven wie ein ſüßer Wein.
Er ſtreckte halb unbewußt den Arm aus da lag ſie an
ſeiner Bruſt und er fühlte ihre heißen, weichen Lippen
auf den ſeinigen brennen.
Dann gab ſie ihn frei und machte ſich kokett verſchämt
an ihrem Haarknoten zu ſchaffen. Er trat in die Schenk=
ſtube
. Dort ſaß er eine Zeitlang und brütete ſtill vor ſich
hin. Das Blut brannte ihm in den Adern. Es zog ihn
hin zu dem verführeriſchen Weib, und ſein Herz hielt ihn
wieder zurück und ſtellte ihm Anſjes Bild vor Augen.
Es war ein Kampf wie unter dem Waſſer, von dem nichts
an die Oberfläche drang.
Ingeborg ging ab und zu, ſich in den Hüften wiegend.
Sie beobachtete ihn verſtohlen und dachte, es wäre doch
ein wunderlicher Menſch. Aber gerade das Wunderliche
an ihm reizte ſie. Der gewöhnlichen Männer war ſie über=
drüſſig
. Sie hatte innerlich ſchon gefürchtet, daß auch er
zu der Sorte gehörte; jetzt frohlockte ſie. Nein, er war
anders als alle anderen. Gerade deshalb war es doppelt
ſchwer, ihn zu fangen. Aber fangen mußte ſie ihn! Sie
wollte ihn ſo feſt umgarnen, daß er nicht mehr zurück
konnte, daß er ihr mit Leib und Seele angehörte.
Gerade, als ſie dieſe Gedanken hatte, ſprang Rolf
auf, verabſchiedete ſich kurz und ging.
Er ſchüttelte ſich. Nein, das war ein ſchlechter Tauſch,
Ingeborg gegen Antje. Er wollte nichts mehr von ihr
wiſſen. Ihre ganze Perſönlichkeit drängte ſich ihm zu
ſehr auf. Wie ihre Küſſe brannten. Wie glühend ſie in
ihrem Empfinden war! Sie verſtand es, einen Menſchen
wahnſinnig zu machen.
(Fortſetzung folgt?

[ ][  ][ ]

Nummer 291.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Dezember 1910.

Seite 11.

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 3 Spitzhunde, 4 Pinſcher. 1 Spitzhund (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

Polizei=Verordnung.
Betr.: Die Ordnung auf dem Friedhofe an der Nieder=Ramſtädter Straße zu Darmſtadt
Auf Grund des Artikels 56 Ziffer 1 der Städteordnung vom 13. Juni 1874 wird
nach Anhörung der Stadtverordneten=Verſammlung und mit Genehmigung Großh.
Miniſterium des Innern vom 12. November 1910 zu Nr. M. d. J. II 5675 im Anſchluß
an die von Großh. Bürgermeiſterei am 9. Juni 1909 erlaſſene Friedhofsordnung für
den Friedhof an der Nieder=Ramſtädter Straße zu Darmſtadt das Nachſtehende verordnet:
§ 1. Mit Geldſtrafe bis zu 30 Mk. wird beſtraft:
1. Wer den zur Aufrechterhaltung der Ruhe und eines ordnungsmäßigen Verkehrs
auf dem Friedhof getroffenen Anordnungen des Friedhofsverwalters oder der
Friedhofsaufſeher trotz wiederholter Aufforderung nicht nachkommt, desgleichen
wer die in dieſer Hinſicht ergehenden polizeilichen Anordnungen übertritt. Per=
ſonen
, die ungeachtet der ergangenen wiederholten Aufforderung der Polizeiorgane
oder des Friedhofsperſonals den erwähnten Anordnungen zuwiderhandeln, kön=
nen
vom Friedhof entfernt werden. (§ 3 Abſatz 4 der Friedhofsordnung.)
2. Wer den Beſtimmungen der §§ 6, 8, 14, 16, Abſatz 2, 4 und 5, §§ 17, 31, Abſatz 3,
§§ 38, 39, Abſatz 2 der Friedhofsordnung vom 9. Juni 1909 zuwiderhandelt.
3. Wer trotz Aufforderung der Großh. Bürgermeiſterei gärtneriſche Anlagen, Denk=
mäler
, Einfaſſungen, die die Anlage der betreffenden Grabſtätten überſchreiten,
nicht entfernt. (§ 16 Abſatz 2 der Friedhofsordnung.)
4. Wer die ſtädtiſchen Leichenhallen ohne Erlaubnis des Friedhofsverwalters betritt.
(§ 9 Abſatz 3 der Friedhofsordnung.)
5. Wer den Beſtimmungen der §§ 23, 39, Abſatz 1 der Friedhofsordnung trotz Auf=
forderung
der Großh. Bürgermeiſterei nicht nachkommt.
6. Wer nach dem Läuten, das der Schließung des Friedhofs vorausgeht, trotz Auf=
forderung
des Friedhofsverwalters oder der Friedhofsaufſeher den Friedhof
nicht verläßt. (§ 31 Abſatz 2 der Friedhofsordnung.)
7. Wer gewerbsmäßig die gärtneriſche Herrichtung oder Unterhaltung der Begräbnis=
ſtätten
betreibt oder dabei gewerbsmäßig behilflich iſt, ohne die für Arbeiten auf
dem Friedhof erforderliche Erlaubniskarte bei ſich zu führen. (§ 34 der Friedhofs=
ordnung
.)
8. Wer das Tragen der Leichen zum Friedhof gewerbsmäßig beſorgt, ohne zuvor
die Erlaubnis Großh. Bürgermeiſterei eingeholt zu haben. (§ 7 Abſatz 4 der
Friedhofsordnung.)
§2 Dieſe Polizeiverordnung tritt am Tage ihrer Veröffentlichung im Darmſtädter
Tagblatt in Kraft. Mit dem gleichen Zeitpunkt wird die Polizeiverordnung gleichen
Betreffs vom 2. März 1896 aufgehoben.
Darmſtadt, den 5. Dezember 1910.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
J. V.: Lauteſchläger.
Die § 1 Ziffer 2 und 5 erwähnten Vorſchriften der Friedhofsordnung für den
Friedhof an der Nieder=Ramſtädterſtraße vom 9. Juni 1909 lauten:
§ 6. Die Herrichtung des Grabes iſt unter ſorgfältiger Schonung der Denkmäler,
Einfaſſungen, Anpflanzungen und der Nachbargräber, den beſtehenden Beſtimmungen
entſprechend, wie folgt auszuführen:
1. bei einem Reihengrab:
für Erwachſene:
1.80 Meter tief, 2 Meter lang und 0.75 Meter breit, mit 0.25 Meter Entfernung vom
nächſtliegenden Grabe;
für Kinder von 210 Jahren:
1.50 Meter tief, 1,50 Meter lang und 0.55 Meter breit, mit 0.20 Meter Entfernung vom
nächſtliegenden Grabe;
für Kinder unter 2 Jahren:
1.50 Meter tief, 1 Meter lang, 0.45 Meter breit, mit 0.15 Meter Entfernung vom nächſt=
liegenden
Grabe.
Die tiefe der Gräber iſt von der Weghöhe zu meſſen.
2. Auf den Erbbegräbniſſen
ſind für die Größenverhältniſſe des anzulegenden Grabes die gleichen Maße geboten.
Es kann jedoch ſeitens des Beſitzers des Erbbegräbniſſes eine größere Tiefe des einzelnen
Grabes gefordert werden, ebenſo auch die Tieferlegung eines Sarges, wenn dieſe durch
eine neue Beerdigung zur Erreichung der oben unter 1. vorgeſchriebenen Tiefe not=
wendig
wird.
§ 8. Die Leichenwagen dürfen nur auf den befeſtigten, von der Bürgermeiſterei
bezeichneten Hauptwegen des Friedhofs bis in die Nähe des Grabes fahren. Der Sarg
wird dem Leichenwagen oder, falls die Leiche in der Leichenhalle ſich befindet, dort
durch die Friedhofsarbeiter entnommen und auf einem Leichentransportwagen oder
ausnahmsweiſe durch die Leidtragenden auf einer Bahre bis zum Grabe verbracht,
woſelbſt die Friedhofsarbeiter den Sarg ohne Störung und mit möglichſter Ruhe in
das Grab ſenken. Die Leichen werden mit dem Geſicht nach Oſten zu gelegt.
Sofort nach der Beerdigung iſt das Grab von den Friedhofsarbeitern ordnungs=
mäßig
einzufüllen, der Grabhügel aufzuwerfen, und ſind die betreffenden Kränze,
Sträuße und dergl. aufzulegen. Es iſt unterſagt, Kränze, Sträuße, Schleifen uſw. oder
Teile ſolcher, die zum Grabe gebracht worden ſind, ohne Erlaubnis des Friedhofsver=
walters
wegzunehmen.
§ 14. Kein Grab darf mehr als eine Leiche aufnehmen. Ausnahmen bedürfen
der Genehmigung Großh. Bürgermeiſterei.
§ 16. Abſatz 2. Zur Errichtung und Veränderung von Denkmalen, Einfaſſungen
und Gittern bedarf es der Genehmigung Großh. Bürgermeiſterei. Dem betreffenden
Geſuche iſt Zeichnung nebſt Grundriß, unter Angabe der Maße in doppelter Aus=
fertigung
beizufügen, auch die beabſichtigte Inſchrift anzugeben. Die in den beiden vorher=
gehenden
Abſätzen bezeichneten Anlagen dürfen die in § 6 gegebenen Maße nicht über=
ſchreiten
.
Abſatz 4. Die auf der Grabſtätte angebrachten Denkmale, Einfaſſungen und dergl.,
ſowie die auf der Grabſtätte ſich befindenden Pflanzen und ſonſtige gärtneriſche Anlagen
mit Ausnahme der lediglich zum Zweck des Ueberwinterns wegzunehmenden Pflanzen
dürfen nur mit beſonderer ſchriftlicher Erlaubnis der Großh. Bürgermeiſterei, nach An=
meldung
bei dem Friedhofsverwalter, unter Aufſicht des Friedhofsperſonals, wieder
weggebracht werden.
Abſatz 5. Die Wegnahme von Pflanzen zum Zweck des Ueberwinterns derſelben,
darf nur mit beſonderer Erlaubnis des Friedhofsverwalters unter Aufſicht des Fried
hofsperſonals ſtattfinden.
§ 17. Für Reihenbegräbniſſe dürfen nur Särge von weichem Holz verwendet
werden.
§ 23. Die Erbbegräbnisplätze müſſen durch den Beſitzer nach den Wegen hin und
gegeneinander mit Einfaſſung aus Sandſteinen, Granit oder anderem feſten Stein an=
gegrenzt
werden. Dem Einfaſſungsſtück der Wegſeite iſt die Abteilungs=Nummer, der
zutreffende Buchſtabe des Bezirks und die Nummer des Platzes einzuhauen. Die Ein=
faſſung
iſt dauernd zu unterhalten.
§ 31. Abſatz 3. Mitbringen von Hunden und Tabakrauchen in dem Friedhofe
iſt verboten. Mit Zugtieren beſpannte Fuhrwerke werden nur nach desfalls beſonders
erwirkter Erlaubnis der Großh. Bürgermeiſterei in den Friedhof eingelaſſen. Hand=
karren
und Handwagen dürfen nur dann auf den Friedhof gebracht werden, wenn dies
für zuläſſige Arbeiten, die dann ſofort vorgenommen werden müſſen, erforderlich iſt.
§ 38. Die auf den Begräbnisplätzen des Friedhofes ſich ergebenden Abfälle und
der Abraum, Zypreſſen= und Koniferenabſchnitte, verwelkte Blumen, Kränze und dergl.,
ſind bei Wegnahme von den Gräbern unmittelbar in die dafür beſtimmte Grube zu
verbringen. Dasſelbe gilt für Bäume unbeſchadet der Beſtimmung des § 16 Abſatz 4.
§ 39. Wer Baumäſte oder Geſträucher auf ſeinem Erbbegräbnisplatze derart
überwachſen läßt, daß dadurch die Denkmale oder Anlagen einer Nachbargrabſtätte be=
einträchtigt
werden, kann auf Antrag des Beſitzers der letzteren von Großh. Bürger=
meiſterei
zur Beſeitigung binnen beſtimmter Friſt angehalten werden. Nach Ablauf
dieſer Friſt kann die Großh. Bürgermeiſterei die Beſeitigung auf Koſten des Verpflichteten
veranlaſſen. Die Beitreibung der Koſten erfolgt auf dem Verwaltungswege.
Die Anpflanzung von Bäumen und Geſträuchen, die eßbare Früchte tragen, iſt
verboten; auch iſt die Großh. Bürgermeiſterei ermächtigt, die Anpflanzung anderer
Gewächſe zu unterſagen.
(23766fso
Bekanntmachung.
Nach § 60 der Gewerbeordnung für das Deutſche Reich ſind Wandergewerbe=
ſcheine
(Gewerbeſcheine zum Hauſierhandel ꝛc.) nur für die Dauer des Kalenderjahres
gültig, für das ſie erteilt worden ſind. Unter Hinweis auf dieſe Beſtimmung fordern
wir daher alle dahier wohnhaften Intereſſenten, die den Gewerbebetrieb im nächſten
Jahre fortzuſetzen oder zu beginnen beabſichtigen, hierdurch auf, ihre Anträge auf
Erteilung eines Wandergewerbeſcheines für das Jahr 1911 alsbald bei dem zuſtän=
digen
Revierpolizeikommiſſär zu ſtellen.

Dei verſpätetem Antrag haben die Säunigen es ſich, ſelbſt zuzuſchreiben, wem
die Scheine nicht rechtzeitig ausgefertigt werden können.
Gründe, welche der Erteilung eines Wandergewerbeſcheines entgegen=
ſtehen
oder entgegenſtehen können, ſind folgende:
1. wenn der Nachſuchende mit einer abſchreckenden oder anſteckenden Krankheit
behaftet oder in einer abſchreckenden Weiſe entſtellt iſt;
2. wenn er unter Polizeiaufſicht ſteht;
3. wenn er wegen ſtrafbarer Handlungen aus Gewinnſucht, gegen das Eigen=
tum
, gegen die Sittlichkeit, wegen vorſätzlicher Angriffe auf das Leben und
die Geſundheit der Menſchen, wegen Land= und Hausfriedensbruchs, wegen
Widerſtands gegen die Staatsgewalt, wegen vorſätzlicher Brandſtiftung, wegen
Zuwiderhandlungen gegen Verbote oder Sicherungsmaßregeln, betreffend
Einführung oder Verbreitung anſteckender Krankheiten oder Viehſeuchen, zu
einer Freiheitsſtrafe von mindeſtens drei Monaten bezw. von mindeſtens
einer Woche verurteilt iſt und ſeit Verbüßung der Strafe 3 Jahre bezw.
5 Jahre noch nicht verfloſſen ſind;
4. wenn er wegen gewohnheitsmäßiger Arbeitsſcheu, Bettelei, Landſtreicherei,
Trunkſucht übel berüchtigt iſt;
5. bei Geſuchen um Wandergewerbeſcheine für Muſikaufführungen, Schau=
ſtellungen
, theatraliſche Vorſtellungen oder ſonſtige Luſtbarkeiten, bei denen
kein höheres Intereſſe der Kunſt oder der Wiſſenſchaft obwaltet, ſobald einer
den Verhältniſſen des Kreiſes entſprechenden Anzahl von Perſonen Wander=
gewerbeſcheine
erteilt oder ausgedehnt ſind;
6. wenn der Nachſuchende das fünfundzwanzigſte Lebensjahr noch nicht vollendet
hat. In dieſem Falle iſt dem Nachſuchenden der Wandergewerbeſchein zu
erteilen, wenn er der Ernährer einer Familie iſt und bereits vier Jahre im
Wandergewerbe tätig geweſen iſt;
7. wenn er blind, taub oder ſtumm iſt, oder an Geiſtesſchwäche leidet;
8. wenn der Nachſuchende im Inlande einen feſten Wohnſitz nicht hat;
9. wenn er wegen Verletzung der auf dem Gewerbebetrieb im Umherziehen
bezüglichen Vorſchriften im Laufe der letzten drei Jahre wiederholt be=
ſtraft
iſt;
10, wenn er ein oder mehrere Kinder beſitzt, für deren Unterhalt und, ſofern
ſie im ſchulpflichtigen Alter ſtehen, für deren Unterricht nicht genügend ge=
ſorgt
iſt.
Wer zum Zwecke der Erlangung eines Wandergewerbeſcheines in Bezug
auf ſeine Perſon, oder die Perſonen, die er mit ſich zu führen beabſichtigt, wiſſent=
lich
unrichtige Angaben macht, iſt ſtrafbar.
Der Gewerbebetrieb im Umherziehen darf unter keinen Umſtänden eher
begonnen werden, als bis der Gewerbetreibende im Beſitze des Wandergewerbe=
ſcheines
iſt.
Zuwiderhandlungen werden nach § 148 der Gewerbeordnung beſtraft.
Weiter machen wir darauf aufmerkſam, daß nach dem Geſetze über den Urkunden=
ſtempel
vom 12. Auguſt 1899 (in der vom 1. April 1910 an geltenden Faſſung)
Wandergewerbeſcheine der Stempelpflicht unterliegen. Die Stempeltaxe beträgt
4 Mark. Außerdem müſſen alle Wandergewerbetreibende für die Ausübung ihres
Gewerbebetriebes die Wandergewerbeſteuer nach Vorſchrift des Geſetzes, die Be=
ſteuerung
des Gewerbebetriebes im Umherziehen betreffend, vom 22. Juli 1900,
entrichten.
(23557mdf
Darmſtadt, den 2. Dezember 1910.
Großherzogliches Polizeiamt.
I. V.: Lauteſchläger.

Bekanntmachung,
die Feierabendſtunde für offene Verkaufsſtellen betreffend.
Als Ausnahmetage im Sinne der §§ 139d Ziffer 3 und 139e Abſ. 2 Ziffer 2
der Reichsgewerbeordnung werden hiermit beſtimmt:
I. für alle offenen Verkaufsſtellen die ſieben letzten Werktage vor dem
24. Dezember I. Js.;
II. für die offenen Verkaufsſtellen der Bäcker und Konditoren, außerdem die
zwei letzten Werktage vor Neujahr. Hiernach dürfen am Freitag, den
16. und Samstag, den 17. I. Mts., ſowie in der Zeit von Montag, den
19. bis Freitag, den 23. Dezember, ſämtliche offenen Verkaufsſtellen
in hieſiger Stadt für den geſchäftlichen Verkehr bis 10 Uhr abends und
außerdem die offenen Verkaufsſtellen der Bäcker und Konditoren am
Freitag, den 30., und Samstag, den 31. I. Mts., bis 10 Uhr abends
geöffnet bleiben.
An den vorgenannten Tagen finden die Beſtimmungen über die Mindeſtruhe=
zeit
und die Mittagspauſen der Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter in offenen Ver=
kaufsſtellen
keine Anwendung.
Darmſtadt, den 7. Dezember 1910.
(23822soi
Großherzogliches Polizeiamt.
J. V.: Lauteſchläger.

Warnung.
Seitens der Firma M. A. Winter Co. in Waſhington D. Z. werden ſeit mehreren
Jahren zahlreiche Agenten geſucht, um das von ihr vertriebene Heilmittel Natürlicher
Geſundheitsherſteller den Abſatz im Reichsgebiete zu erweitern. Nach den eingezogenen
Erkundigungen ſtellt dieſe, von der Firma als Univerſalheilmittel bezeichnete Arznei
im günſtigſten Falle nur ein unſchädliches Abführmittel für hohen Preis dar, welches
keineswegs das leiſten kann, was die Firma verſpricht. Das Unternehmen läuft ledig=
lich
auf eine Ausbeutung des deutſchen Publikums hinaus. Das Mittel iſt durch
Bundesratsbeſchluß vom 27. Juni 1907 in das Verzeichnis B der Geheimmittelliſte
aufgenommen, und darf demnach nur auf ärztliche Verordnung abgegeben werden.
Agenten, welches das im Verkauf auf Apotheken beſchränkte Mittel vertreiben, machen
ſich ſtrafbar.
Berlin, den 2. November 1910.
Der Polizeipräſident.
In Vertretung: Friedheim.
Die vorſtehende Warnung bringen wir zur allgemeinen Kenntnis, nachdem die
obige Firma auch in hieſiger Stadt verſucht hat, Agenten für den Vertrieb des ange=
gebenen
Mittels zu erwerben.
Darmſtadt, den 8. Dezember 1910.
(23982oi
Großherzogliches Polizeiamt.
J. V.: Lauteſchläger.

Verkauf von Faſelvieh.
Ein Bulle und zwei Ziegenböcke aus dem Faſelſtall Beſſunger Straße Nr. 60 und
zwei Böcke aus dem Faſelſtall Arheilger Straße Nr. 43 ſollen veräußert werden.
Angebote, mit entſprechender Aufſchrift verſehen, ſind bis längſtens Donnerstag,
den 15. d. Mts., vormittags 11 Uhr, bei uns einzureichen.
Die Verkaufsbedingungen liegen im Stadthaus, Zimmer Nr. 39, während der
Dienſtſtunden zur Einſicht offen.
Darmſtadt, den 8. Dezember 1910.
(24012oi
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Jäger.

Verſteigerungs-Anzeige.
Dienstag, den 13. Dezember 1910, vormittags 11 Uhr,
werden in Nieder=Ramſtadt durch den Unterzeichneten zwangsweiſe gegen Barzahlung
verſteigert:
1 Pferd, 3 Pferdegeſchirre, 1 Kaſtenwagen, 1 Rollwagen,
1 Wägelchen, 1000 Töpfe Geranien, 500 Töpfe Begonien,
Lorein, 100 Töpfe Alpenveilchen, 1 Fahrrad und 1 Frei=
marken
=Album.
Zuſammenkunft der Steigliebhaber am Rathauſe in Nieder=Ramſtadt.
Darmſtadt, den 10. Dezember 1910.
(23998
Rollenhagen, Gerichtsvollzieher,
Kaſinoſtraße 24,

Der Voranſchlag der Gemeinde Traiſa für 1911
liegt vom 14. Dezember 1910 an acht Tage lang zur Einſichtnahme auf hieſigem Bürger=
meiſtereibüro
offen.
(24014
Traiſa, den 10. Dezember 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Traiſa.
Walter.

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Dezember 1910.

Nummer 291

Holz=Anfuhr.
Die Anfuhr von etwa 750 Raummeter
Knüppelholz und 150 Raummeter fein und
grob geſpaltenes Stockholz aus den Stadt=
waldungen
in das Holzmagazin an der
Pallaswieſenſtraße und in die verſchiedenen
ſtädtiſchen Betriebe im Laufe des Winter=
halbjahres
ſoll verdungen werden.
Angebote ſind bis längſtens
Dienstag, den 13. laufenden Monats,
vormittags 10 Uhr,
mit entſprechender Aufſchrift verſehen, bei
(23856so
uns einzureichen.
Die Bedingungen liegen während der
Dienſtſtunden in Zimmer 39 des Stadt=
hauſes
, woſelbſt auch Angebotsformulare
erhältlich ſind, zur Einſicht offen.
Darmſtadt, den 5. Dezember 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Jaeger.

Ofenlage von Stenerhebregiſtern.
Das Gemeinde=und Kirchenſteuer= Nach=
trags
=Hebregiſter Nr. LV der Gemeinde
Darmſtadt für 1909 liegt zur Einſicht eines
jeden Intereſſenten vom 12. Dezember an
acht Tage lang auf dem Bureau der Stadt=
kaſſe
, Grafenſtraße 28, auf.
Beſchwerden gegen die Beitragspflicht
oder gegen das angenommene Beitrags=
verhältnis
müſſen binnen der erſten vier
Wochen nach Ablauf der Offenlegungsfriſt
(ſchriftlich oder mündlich) bei Großherzog=
lichem
Kreisamt vorgebracht werden. Spater
vorgebrachte Beſchwerden finden keine Be=
rückſichtigung
.
Darmſtadt, den 10. Dezember 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
I. V.: Schmitt. (23995

Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über das
Vermögen des Konrad Karnauke, alleini=
gen
Inhabers der Firma Karl Heß, Buch=
handlung
in Darmſtadt, iſt infolge eines
von dem Gemeinſchuldner gemachten Vor=
ſchlags
zu einem Zwangsvergleiche Ver=
gleichstermin
, ſowie vorſorglich Termin zur
Abnahme der Schlußrechnung des Ver=
(23988
walters auf
Donnerstag, den 5. Januar 1911,
vormittags 10 Uhr,
vor dem Großherzoglichen Amtsgericht I
in Darmſtadt, Zimmer Nr. 222, anberaumt.
Der Vergleichsvorſchlag iſt auf der Ge=
richtsſchreiberei
des Konkursgerichts zur
Einſicht der Beteiligten niedergelegt.
Darmſtadt, den 5. Dezember 1910.
Der Gerichtsſchreiber
des Großherzoglichen Amtsgerichts I.

Bekanntmachung.
In dem Konkursverfahren über den
Nachlaß des am 12. Oktober 1908 ver=
ſtorbenen
Architekten Fritz Nick von Darm=
ſtadt
iſt Termin zur Prüfung der nach=
träglich
angemeldeten Forderungen auf
Freitag, den 23. Dezember 1910,
vormittags 11 Uhr,
vor dem Großherzoglichen Amtsgericht
Darmſtadt I, Zimmer Nr. 219, anberaumt
(23990
worden.
Darmſtadt, den 8. Dezember 1910.
Der Gerichtsſchreiber
Großherzoglichen Amtsgerichts Darmſtadt I.
Schöner Boxer,
1¼ Jahr alt, männlich, tadellos kupiert, ſehr
wachſam, billig zu verkaufen (*30128oim
Eberſtadt, Alte Darmſtädterſtraße 26.

Fichten=Stamm= und Stangenyorz=
Verſteigerung.
Montag, den 19. Dezember I. Js., vormittags von 9 Uhr an,
ſollen in der Gaſtwirtſchaft von W. Schneider in Nieder=Ramſtadt aus dem Diſtrikt
Hinterforſt (am Lindenberg) verſteigert werden:
142 Fichtenſtämme V. Kl. von 13 bis 21cm Durchmeſſer und 8 bis 16 m
Länge 30,76 cbm, ferner:
1083 Fichtenderbſtangen I. Kl. von 9 bis 13 cm Durchmeſſer und 10 bis
18 m Länge 119,06 cbm.
Das Holz lagert in der Nähe der Kreisſtraße Nieder=Ramſtadt-Darmſtadt und
iſt gut abzufahren.
Weitere Auskunft erteilt der Großh. Forſtwart Harniſch zu Emmelinenhütte.
Ober=Ramſtadt, am 7. Dezember 1910.
(23987
Großherzogliche Oberförſterei Ober=Ramſtadt.
Daab.

Staatl. konzess. und beaufsichtigte
Hessische Handelslehranstalt
DARMSTADT am Ernst-Ludwigsplatz
Rheinstrasse 1
I. Einjährige Handelsschule mit vollem Tagesunterricht.
II. Halbjahrskurse zur Vorbereitung für den kaufm. Beruf.
Neue Kurse beginnen Dienstag, den 10. Januar, vorm. 8 Uhr.
(22511a
Lehrplan und Aufnahmebedingungen durch
Wilh. Siedersleben
Sprechstunden:
staatl. geprüfter Handelslehrer u.
Montag bis Freitag 121 Uhr
Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag gerichtl. beeidigt. Bücherrevisor.
35 Uhr.

Karfarter
de

Einladung zum Abonnement.
Der Abonnementspreis auf die Frankfurter Zeitung bei unterzeichneter Stelle
beträgt:
. . Mk. 9.
pro I. Quartal 1911, frei ins Haus .
. . Mk. 3.
pro Monat Januar 1911, frei ins Haus . . . .
Neu hinzutretende Abonnenten erhalten die Zeitung bis 1. Januar 1911
(24009oim
gratis geliefert. Probenummern gratis und franko.
Die Agentur der Frankfurter Zeitung.
Inh.: Christian Kullmann, Wilhelminenſtraße 9.
Die Agentur liefert die Frankfurter Zeitung billiger u. rascher wie die Reichspost.
Annahme von Anzeigen zu Originalzeilenpreiſen.

Bekanntmachung.
Das Konkursverfahren über den Nach=
laß
des Agenten Peter Leidinger, hier,
wird wegen Unzulänglichkeit der Maſſe ein=
geſtellt
.
Der nach Abzug der Gerichtskoſten und
Auslagen von der verfügbaren Maſſe von
63,45 Mark demnächſt noch verbleibende
Reſt wird dem Verwalter als Vergütung
(23989
zugebilligt.
Termin zur Abnahme der Schlußrech=
nung
wird beſtimmt auf
Freitag, den 30. Dezember 1910,
vormittags 11 Uhr,
vor dem unterzeichneten Gerichte, Zimmer
Nr. 219.
Darmſtadt, den 7. Dezember 1910.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Eine ganze Haushaltung
beſtehend in Betten, Schränken, Plüſch=
garnitur
, Herrenſchreibtiſch, Vertiko, Kom=
mode
, Sofa, Tiſche, Stühle, Küchenmöbel,
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94,00
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do. v. 1890 . .
4 do. v. 1905 .
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4 Ruſſen v. 1902 . 5 93,30
4½ do. v. 1905 . . . . 100,50

3½ Schweden .
4 Serbier amort.v. 1895 83,70
4 Türk. Admin. v. 1903 86,80
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4 Ungar. Goldrente . . 93,60
4 do. Staatsrente . 92,10
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5 Chineſ. Staatsanleihe 102,20
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4½ Japaner . . . . . . . 97,70
5 Innere Mexikaner . . 98,80
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5 Gold=Mexikaner . . .
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Trausportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
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. 1435/
4 Nordd. Lloyd
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4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 121,80
Aktien ausländiſcher
Transvortanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 60%
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4 Baltimore & Ohio . . 107½
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InProz.
87
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4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 22½
4 Pennſylvania R. R. 128,00
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 205,10
. 72,00
Werger=Brauerei
Bad. Anil.=u. Sodafabrik 505,00
Fabrik Griesheim . . . . 275,00
Farbwerk Höchſt . . . . . 539,80
Verein chem. Fabriken
Mannheim . .
. 540,50
Lahmeyer .
119,50
Schuckert .
. . 156,50
Siemens & Halske
244,60
Adlerfahrradwerke Kleyer 426,00
Bochumer Bb. u. Guß . . 223,75
Gelſenkirchen . .
.212,00
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. 185½
Phönix, Bergb. u. Hütten=
betrieb
. .
. . . 243,00
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 89,90
4 Pfälzer Prt. . . . . . 100,50
do.
3½
91,40
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. . 99,50
do. ſteuerfrei . 97,60
5 Oeſterr. Staatsbahn.
do.
97,80
do. alte . 81,10
5 Oeſterr. Südbahn . . 99,20
do.
80,30
do.
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Raab=Oedenburger . . 76,50
Ruſſ. Südweſt.
90,75
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5 Anatoliſche Eiſenb..
5 Tehuantepec
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4 Berliner Handelsgeſ.
Darmſtädter Bank 130,90
Deutſche Bank
Deutſche Vereinsbank
Diskonto=Geſellſchaft
Dresdner Bank . 162,75
Mitteldeut. Kreditbl
Nationalbk. f. Deutſchl. 130,40
Pfälzer Bank .
Reichsbank
Rhein. Kredit=Bank
4 Wiener Bank=Verein
Pfandbriefe.
4 Frankſt. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17
3½ do. S. 19. . . . .
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126
4 Hamb.=Hypoth.=Bank
do.
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk.
do.
4 Meining. Hyp.=Bank
do.
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917)
do. (unk. 1914)
3½
4 Sähd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf.
3½
89,

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74,20
77,90
86,00
99,00

170,50
258,50
124,40
123,70
121,00
105,00
143,10
138,90
140,00

99,80
91,50
99,20
99,00
90,50
100,70
91,70
99,00
90,80
99,60
90,30
100,20
91,50

InProz.
Städte=
Obligationen
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e
3½ do.
101,00
4 Frankfurt .
3½ do.
96,00
4 Gießen
. 100,00
91,60
3½ do.
4 Heidelberg
99,90
½ do.
91,00
4 Karlsruhe
100,00
3½ do.
91,50
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½ do.
4 Mainz

-
3½ do.
4 Mannheim
-
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90,80
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* 100,30
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99,80
3½ do.
4 Wiesbaden
e 100,60
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3½ do.
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3 Oldenburger
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Engliſche Noten . . . . 20,43
Franzöſiſche Noten . . . . 81,05
Holländiſche Noten . . . . 169,20
Italieniſche Noten . . . 80,70
Leſterr.=Ungariſche Noten 85,00
Ruſſiſche Noten . . . . . .
Schweizer Noten . . . . 80,80

Reichsbank=Diskonto
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[ ][  ][ ]

Zummer 291.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Dezember 1910.

Seite 13.

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[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Dezember 1910.

Nummer 391.

Wenn Frau Holle ihre Federbetten ſo recht nach
Herzensluſt ſchüttelt, dann herrſcht lauter Jubel und
Freude bei den Kindern. Aber auch die Großen, die
innerlich jung geblieben, freuen ſich des reizenden Schau=
ſpiels
der lautlos und weich niedergleitenden Flocken,
die alles Häßliche in glänzende Reinheit tauchen. Und
für wie Viele bedeutet der erſte Schneefall den Auftakt
zu den ſportlichen Winterfreuden, die als Jung= und
Geſundbrunnen beſſer als alle Schönheitsmittel glänzende
Augen und rote Wangen ſchaffen! Da gehts in Scharen
mit dem Schlitten oder dem Schneeſchuh ſteile Höhen
hinauf, von denen ſichs ſo herrlich ins Tal ſauſen läßt;
hat der Froſt ſeine Sternchen und Blätterformen an die
Fenſter gemalt, ſo beflügelt der Schlittſchuh die Füße,
und wer große Eisflächen zu ſeiner Ver=
fügung
hat, wirft ſich dem Eisſegelſport
oder dem Eishockey in die Arme. Selbſt=
verſtändlich
bedingt dieſe Verſchiedenartigkeit
des Winterſports eine dementſprechende
Equipierung. Schon beim Rodeln iſts
immerhin ein Unterſchied, ob man auf einer
gewöhnlichen Rodel, einem Hörnerſchlitten
odereinem der nicht ungefährlichen Toboggans
oder Skeletons den Berg hinunterſauſt. So
iſt bei der ausſchließlichen Steuerung der
letzteren durch die Füße das Beinkleid auch
für Damen unentbehrlich, während bei der
Rodel und dem Bobsleigh der kurze, mäßig
weite Rock mit darunter getragener Reform=
hoſe
und langer Wickelgamaſche ebenſo
zweckmäßig ſind. Zur Strickjacken=Uniform
kommt in kälteren Gegenden noch die weiße
Schneehaube und die langen Fäuſtlinge aus
Walkſtoff hinzu. Wer ſich den Luxus eines
weißen Rodelkoſtüms leiſten kann trägt es
aus weißem Ratiné, dem lammfellartigen
Modeſtoffdieſes Winters, der äußerſtſchmieg=
ſam
und warm iſt. Die kurze halbanliegende
Jacke wird dann mit Weißfuchs verbrämt,
der kurze enge Rock bleibt glatt. Auch für
elegante Stikoſtüme iſt Ratiné in weiß oder
dunkelblau empfehlenswert, wenn auch ſtark=
fädige
Cheviots, Loden, Homeſpuns und
andere grobfädige engliſche Stoffe, die höch=
ſtens
einen andersfarbigen Vorſtoß, Treſſen=
oder
Knopfbeſatz erhalten, den Vorzug größerer Zweck=
mäßigkeit
beſitzen. Die Betonung des Sportmäßigen macht
ſich hier vor allem in der Form bemerkbar. Eine gewiſſe
Knappheit, die immerhin die Bewegungsfreiheit nicht
beeinträchtigen darf, iſt hier vor allem geboten. Dem
in dieſer Hinſicht idealen Sweater macht die feſche Sport=
jacke
Konkurrenz, wie ſie, aus grauem Loden gefertigt,
unſer Modell Nr. 1980 veranſchaulicht. Das flotte Koſtüm,
das ein glatter Rock mit hohem abgeſteppten Saum ver=
vollſtändigt
, zeigt die ziemlich anliegende Jacke mit einer
Paſſe und abgeſteppten Faltengruppen gearbeitet, die
unter dem Gürtel verſchwinden. Den kurzen angeſetzten
Schoß bereichern große, mit grünem Tuch paſſepoilierte
Taſchen. Aus dem gleichen Dich beſteht auch das Herren=

Gch
m

Winterſport= und Btraßemmoden.

faſſon, das den Halsabſchluß ergibt. Unter dem kurzen
Rock trägt die Skiläuferin, um gegen eine gelegentliche
Bekanntſchaft mit dem Schnee gerüſtet zu ſein, ein enges
Reformbeinkleid, und über den Schuhen lange Gamaſchen.
Iſt hier Zweckmäßigkeit die Hauptforderung, ſo iſt es
beim Eislaufkoſtüm die Eleganz. Und mit welchem
Raffinement weiß ſie auf dem blinkenden Eiſe ihre Reize
zu entfalten und ſchlanke Mädchengeſtalten mit dem nur
ihr eigenen Zauber zu umgeben! In dieſer Saiſon paart
ſie ſich für das Eis mit dem Sammet, der glatt oder
feingeſtreift, in ſchwarz, dunkelblau, braun oder dunkel=
grün
alle anderen Konkurrenten aus dem Felde geſchlagen
hat. Die reizendſten dieſer Koſtüme ſind mit Opoſſum
oder Skunks verbrämt oder was ebenſo elegant iſt

Modell Nr. 5589.

Modell Nr. 1993.

Modell Nr. 1980.

mit ſehr breiter Treſſe garniert. Eng und ſchlank um=
hüllen
ſie die leicht dahingleitenden Geſtalten, deren
graziöſe Bewegungen es den ob dieſer Tatſache erſtaunten
Zuſchauerinnen verraten, daß der vielgeſchmähte enge
Rock ihnen keineswegs hinderlich iſt. Im Gegenteil: hat
er doch bei ſeiner Kürze den Vorteil, daß er nirgends
durch überflüſſige Stoffmengen die Bewegungsfreiheit
hemmt. Wer kräftige Effekte liebt und für ſchwarz=weiße
Kombinationen ſchwärmt, trägt zu einem derartigen
dunklen Sammetkleide, das im übrigen ziemlich einfach
anmutet ein weißes Pelztoque und ebenſolchen Muff
ſamt Pelzſchal. Neben kurztailligen Kleidern und Koſtümen
mit kurzen flotten Jäckchen tragen ſchlankgewachſene
Damen beim Eislauf mit Vorliebe anliegende Prinzeß=
Ge Säee
Ze e

kleider, die in Sammet wie in Ratiné gleich elegant ſind.
Zu dieſem Genre zählt auch unſer aus dunkelgrünem
Sammet gefertigtes ſchönes Modell Nr. 5589, deſſen
Ausſtattung in Skunksverbrämung beſtand. Schlank den
Oberkörper umſchließend, zeigt es den viereckigen Aus=
ſchnitt
mit einem Stahlbrokatlatz gefüllt und den ange=
ſchnittenen
Dreiviertelärmel mit Pelz umrandet. Den
ſeitlichen Schluß betonen Stahlknöpfchen mit grüner
Schnurverbindung, der Rock fällt ſchlank und ziemlich
faltenlos herab und zeigt den Pelzbeſatz als Abſchluß=
des
breiten unteren Randes. Für die Straße wird ein
derartiges Kleid in der Regel durch ein kurzes halb=
anliegendes
Jäckchen vervollſtändigt, deſſen breiter Matroſen=
kragen
aus gleichfarbigem Atlas beſteht. Bei beſonderen
Anſprüchen an Eleganz zieht ſich um den
Außenrand des Kragens ein breiter Streifen
weißer Venetianerſpitze, die ein Pelzröllchen
einfaßt. Dieſe Kombination gilt allerdings
nur für ſchwarze Sammetkoſtüme, denen
ſie durch die weiße koſtbare Spitze mit der=
dunklen
Pelzumrandung ein höchſt diſtin=
quiertes
Gepräge verleiht. Praktiſche
Straßenkoſtüme werden mit Vorliebe aus
Ratiné, Homeſpun oder Diagonalſtoffen
hergeſtellt und meiſt mit Treſſe, ſchwarzer
Seide oder Sammet garniert, wenn ſie
nicht ganz beſatzlos bleiben ſollen. Ratiné=
koſtüme
erhalten ihre Aufſchläge und Kragen
aus ſtark abſtechendem, z. B. kornblumen=
blauem
oder ſenffarbenem, ſchwarzem oder
weißem glatten Tuch. Zur Gattung der
praktiſchen Winterkoſtüme gehört auch unſer,
auch für ſtärkere Damen recht vorteilhaftes
Modell Nr. 1993, aus maulwurfsfarbenem
Homeſpun mit ſchwarzem Aſtrachanbeſatz.
Bemerkenswert an der ziemlich anliegenden
Jacke iſt der Umſtand, daß der breite
Pelzſtreifen, der den Schoß beſetzt, das
Rückenteil und die vordere Mittelpartie
freiläßt, ein Motiv, das an dem fußfreien
engen Rock inſofern wiederkehrt, als auch
dort die ſchmale aufgeſteppte Vorder= und
Hinterbahn ohne Beſatz bleiben. Dieſer
glatte enge Rock (ſeine untere Weite beträgt
nur 1,73 m) iſt durch ſeine Röhrenform
ganz beſonders typiſch für die diesjährige Wintermode
und ſo recht für iene ſparſamen Seelen geeignet, die mit
möglichſt wenig Stoff, wenig Koſten und wenig Mühe
etwas Chikes, Modernes hervorzaubern möchten, wozu
es in dieſem Falle nicht einmal der Hexerei bedarf.
Sollte es unter ihnen trotzdem einen ungläubigen Thomas
geben (und wo giebt es dieſe nicht?), ſo empfehlen wir
ihm die Beherzigung des Sprichwortes, daß Probieren
über Studieren geht!
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Volk, das wirtschaftlich vorwärts
strebt und die ihm gebührende Stel-
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unter den im Wettbewerb stehen-
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Nummer 291.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Dezember 1910.

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Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Dezember 1910

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Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12, Dezember 1910.

Nummer 291.

Handel und Verkehr.
H. Frankfurt, 10. Dez. ( Börſenwochen=
bericht
.) Auch in der abgelaufenen Geſchäftswoche
blieb der Verkehr ſehr ſtill, da unſere Spekulation
große Zurückhaltung zeigte und Anregungen gänzlich
ſehlten. Selbſt an der New=Yorker Börſe iſt es ruhiger
geworden, und es hat überhaupt den Anſchein, als ob
der Dezember wenig Fluktuationen bringen werde. Am
Geldmarkt ſind daher die Anſprüche ebenfalls kleiner
geworden, ſodaß der letzte Reichsbank=Ausweis von
reichlicheren Rückflüſſen berichten konnte. Zu den Ein=
zelheiten
übergehend, iſt die Feſtigkeit für Deutſche
Renten hervorzuheben. Nachdem jetzt immer beſtimm=
ter
verlautet, daß der Finanzminiſter des Reiches und
Preußens möglichſt die Ausgabe neuer Anleihen im
kommenden Jahre vermeiden will, tritt das Privat=
publikum
wieder mit größeren Kaufordres für unſere
heimiſchen Werte auf. Man hofft, daß durch die oben=
erwähnten
Abſichten des Finanzminiſters der Markt
vertrauensvoller für den Kursſtand wird. Dies doku=
mentierte
ſich bereits dadurch, daß bedeutende Ultimo=
käufe
in 3prozentigen Reichsanleihen ſtattfinden, wo=
durch
der Preis in den letzten Tagen über ein halbes
Prozent ſich erhöhen konnte. Beſonders günſtig be=
achtet
wurden noch die zunehmenden Eintragungen in
das Staatsſchuldbuch, welche u. a. im Monat November
im ganzen 28,2 Millionen Mark betrugen, worunter
22 Millionen Mark 3½prozentige Konſols.
Ausländiſche Staatsfonds erfreuten ſich gleichfalls
ſtärkerer Nachfrage, und ſind auch hier zumeiſt Kurs=
beſſerungen
zu verzeichnen. Transportaktien erfuhren
nur mäßige Veränderungen, ausgenommen Lombarden,
die auf Wiener Order etwa ½ Prozent gewinnen
konnten. Am Bankenmarkt war wenig Animo, doch
blieben die Kurſe gut behauptet. Ebenſo kleines In=
tereſſe
beſtand für Montanpapiere, die faſt unverändert
gegen die Vorwoche ſchließen. Die Nachrichten von der
Eiſeninduſtrie waren im allgemeinen recht befriedigend.
Man hört indes wieder von Schwierigkeiten im Stahl=
werksverband
, wobei es ſich weſentlich um Anträge auf
Erhöhungen der Beteiligungsziffern handelt.
Am Kaſſainduſtriemarkt wurden die Vorgänge bei
Gummi Peter viel beſprochen. Nach dem Kursverluſt
von 17 Prozent erholten ſich dieſe Aktien wieder um
faſt 22 Prozent, auf 339 Prozent. Nachdem ſeinerzeit
deren Bankverbindung (Diskontogeſellſchaft) durch die
Deutſche Bank übernommen wurde, die auch damals
die Ausgabe der neuen Aktien betrieb, iſt neuerdings
die Bankverbindung von der Diskontogeſellſchaft wie=
der
übernommen worden. Man erfährt zugleich, daß
für das abgelaufene Geſchäftsjahr mit einer Dividende
von 25 Prozent zu rechnen iſt. Chemiſche Albert waren
weiter ſehr geſucht und bis 513 ſteigend; ebenſo haben
ſich Bergmann anſehnlich erhalten können (251½), auch
noch Weſteregeln Alkali bis 226½; ſonſt blieben die
Veränderungen gering. Nur Kunſtſeide waren matt
und bis 97½ rückgängig. Deutſche Gold= und Silber=
ſcheideanſtalt
ſchließen 603½, Höchſter Farbwerke 538,
Badiſche Anilin 505, Chemiſche Mühlheim a. M., vorm.
Leonhardt, 63½ P. Privatdiskonto 4½ Prozent.
Von Loſen notieren: Augsburger 37,50, Braun=
ſchweiger
219 P., Meininger 37,50, Finnländer 340, Pap=
penheimer
71, Freiburger 60, Ungariſche 389,50, Genua
210, Türkiſche 181,80, Mailänder 45=Fres.=L. 167,25.
Mailänder 10=Fres.=L. 33,90, Venediger 42,75, in Reichs=
mark
; Gothaer Prämie I 140,25, Gothaer Prämie II
115,75, Donau=Regulierung 152,50, Madrider 76,80, in
Prozent. Ferner ſchließen: 4proz. Reichs (bis 1918 un=

kündbar) 101,95, 3½proz. Reichs 92,65, 3proz. Reichs
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nal
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Kommunal=Pfdbr. (Serie 13) 91,70 G., 3½proz. Heſſ.
Kommunal=Pfdbr. (Serie 4) 91,30 G., Baltimore und
Ohio 107, 4½proz. Innere amortiſ. Portug. 83,20 B.,
Zproz. Portug. (Beira=Baixa) 78,80, 3proz. Portug. I
64½ G., 3proz. Portug. III 66,80, Spezial=Portug.
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Oblig. II. Rang 74,50 G., 4proz. Stadt Liſſabon 81,10,
½proz. Ruſſen 100,45, 4proz. 1880er Ruſſen 93 P., 4proz.
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Ruſſen 84,25, 3proz. Ruſſen 77,10, 4½proz. Japaner 97,80,
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Yorker Sechstage=Rennen. Das amerikaniſche
Rieſenrennen hat nach der unerwarteten zweimaligen
Ueberrundung von Rütt=Stol einen neuen überraſchen=
den
Zwiſchenfall gebracht, der allerdings ſtark an die Vor=
gänge
des Vorjahres erinnert. Damals war Stol gegen
Schluß des dritten Tages mit ſeinen Kräften zu Ende,
während ſein Partner Rütt mehr als 8 Stunden allein
den Gegnern ſtandhielt. Dann ſchied am 4. Tage Me Far=
land
wegen einer Verletzung aus und ſein Partner Clark
bildete unter Verluſt einer Runde mit Rütt eine neue
Mannſchaft. Bekanntlich holten Rütt=Clark nicht nur die
verlorene Runde wieder auf, ſondern gewannen noch eine
weitere Runde und damit das Rennen. Aehnliches ereig=
nete
ſich auch diesmal. Wie ein Preſſe=Telegramm mel=
det
, vereitelten Rott=Moran alle Verſuche von Rütt=
Stol, die verlorenen Runden aufzuholen. Nach Ablauf
des dritten Tages hatte die noch aus ſechs Mannſchaften
beſtehende Spitzengruppe 2237 Kilometer zurückgelegt. Bei
einem dann erfolgten Sturz mußte Walker mit gebroche=
nem
Fußgelenk von der Bahn getragen werden, wodurch
ſein Partner Pye mangels eines Erſatzmannes ausſchied.
Nach 84 Stunden hatte die auf fünf Mannſchaften zuſam=
mengeſchmolzene
Spitzengruppe 2566,860 Kilometer zurück=
gelegt
. Am Nachmittag des vierten Tages verbreitete ſich
plötzlich die Nachricht, daß Me Farland aufgege=
ben
hätte, und nicht lange danach trat auch Stol frei=
willig
von der Weiterfahrt zurück, da er ſich nicht mehr
friſch genug fühlte, um mit Rütt die verlorenen Runden
zurückzuerobern. Infolgedeſſen taten ſich nunmehr Rütt
und Clark zuſammen. Dieſe neue Mannſchaft Rütt=
Clark wird, da Clark nur eine Runde verloren hatte,
ebenſo wie vorher Rütt=Stol mit zwei Runden Verluſt in
den Liſten geführt. Bis zur 90. Stunde waren ohne wei=
tere
Veränderung von der aus Moran=Root, Fogler=Hill,
Mitten=Thomas, Hehir=Goullet und Collins=Drobach be=
ſtehenden
Spitzengruppe 2740 Kilometer zurückgelegt.
Cameron=Halſtead und de Mara=Weſt eine Runde, Rütt=
Clark zwei Runden zurück.
Die nächſten Stunden nahmen einen ſehr lebhaften
Verlauf, da Rütt und Clark wiederholt Verſuche unter=
nahmen
, die verlorenen Runden zurückzuerobern. In der
94. Stunde unternahm Moran einen Ausreißverſuch, der
aber abgeſchlagen wurde, und unmittelbar darauf began=
nen
Rütt und Clark, ſich ausgezeichnet ablöſend, einen

verzweifelten Ausreißverſuch. Rütt hatte bereits ¾ Run=
den
Vorſprung gewonnen, als aus der zurückliegenden
Gruppe ein Fahrer ſtürzte. Das Rennen mußte infolge=
deſſen
abgeläutet werden und der erlangte Vorteil ging
wieder verloren. Der vierte Tag brachte keine
weitere Veränderung, die Mannſchaften hatten 2914 Kilo=
meter
zurückgelegt. Auch die erſten Stunden des fünften
Tages verliefen reſultatlos. Nach 102 Stunden waren
von der aus den fünf Mannſchaften Moran=Root, Fogler=
Hill, Hehir=Goullet, Collins=Drobach und Mitten=Thomas
beſtehenden Spitzengruppe 3062 Kilometer zurückgelegt
worden. Cameron=Halſtead und de Mara=Weſt eine
Runde, Rütt=Clark zwei Runden zurück.

Literariſches.
Richard Huldſchiner: Fegefeuer
(Volksbücher Heft 29.) Mit Einleitung von Dr.
Karl Hans Strobl und Buchſchmuck von Hugo Am
berg, 250 Seiten. Preis geh. 70. Pfg., geb. 1 M.
Verlag der Deutſchen Dichter=Gedächtnis=Stiftung in
Hamburg=Großborſtel. Die Aufnahme des Fege=
feuers
in ihre Volksbücher, wie auch vor kurzem
erſt von Ludwig Finckhs Rapunzel in ihre Haus=
bücherei
iſt ein beſonderes Verdienſt der Deutſchen
Dichter=Gedächtnis=Stiftung.
Die Franzoſenzeit in deutſchen Lan=
den
in Wort und Bild der Mitlebenden
Herausgegeben von Dr. Friedrich Schulze 1806 bis
1915. Jede Lieferung 1 Mark. (R. Voigtländers Ver=
lag
in Leipzig.) 18 Lieferungen. Es liegen jetzt
16 Lieferungen dieſes Prachtwerkes vor, auf deſſen Text
wir ſchon mehrfach hinwieſen. Die neuen Lieferungen
veranlaſſen uns, auch ein Wort über die Bilder zu
ſagen, die das Werk in geradezu überreicher Weiſe
ſchmücken. Es ſind keine Zeichnungen moderner Künſt=
ler
, ſondern wie auch der Text ſind lediglich Bilder aus
der damaligen Zeit aufgenommen. Wertvolle Stiche
farbige Bilder, Karten, Briefe und Drucke werden ver
öffentlicht. Die Reproduktion iſt mit der erdenklichſten
Sorgfalt vorgenommen worden. Die Stoffauswahl de
Werkes iſt ſo glänzend, und die zuſammengetragenen
Erzählungen der Zeitgenoſſen bieten ſolche Anſchaulich
keit, daß der Leſer ſich in die Zeit vor 100 Jahren mit=
ihren
Enttäuſchungen und ihren Hoffnungen auf beſſere
Tage zurückverſetzt glaubt und alles mitzuerleben ver=
meint
. Das ſchöne Werk kann allen Gebildeten und
unſerer Jugend warm empfohlen werden.
B. G. Teubners Künſtler= Modellier=
bogen
bringen im Gegenſatz zu vielen auf den Mark
geworfenen Artikeln ähnlichen Namens nur inhaltlich
bedeutſame Motive in ſachlich richtiger Darſtellung
künſtleriſcher Ausführung und techniſch einwandfreier
Herſtellung, und vermögen die Jugend ſpielend mit
heimiſcher und fremdländiſcher Bauweiſe und Kultur
und Sitte und Gewohnheiten ferner Völker und Zei=
ten
vertraut zu machen. Die künſtleriſch fein empfun=
dene
und kindlich einfach gehaltene Krippe wird ſich
unter dem Weihnachtsbaum gar trefflich ausnehmen;
die idylliſch geſchaute und farbenprächtig durchgeführte
alte Mühle wird den Zauber ſtillen Glücks vermehren;
das luſtig tanzende Karuſſell weckt helle Freude, und
die Theaterbühne mit dem kindertümlich dramatiſierten
Märchen Sneewittchen wird die Familie abends lange
zuſammen= und das geheimnisvolle Vergnügen an
naivem Dichten und Fabulieren rege halten. Daher
können dieſe papiernen Freunde der Kinderwelt beſtens
empfohlen werden, beſonders auch deswegen, weil ſie
neben dem erheiternden auch einen bildenden Wert be=
ſitzen
.

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Nummer 291.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Dezember 1910.

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3. Beilage

N8 291.

Montag, 12. Dezember.

1910.

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zur gefl. Kenntnisnahme, daß ich in dieſem Jahre davon Ab=
ſtand
genommen habe, eine Verkaufsfiliale in der
Weihnachtsmeſſe zu erricht. u. ſomit Lebkuchen u. ſonſt. Weihnachtsgebäck
aus meiner Firma auf dem Chriſtmarkt nicht mehr
zum Verkaufe ſtehen.
Durch Vergrößerung meines Geſchäftsbetriebs bin ich in der
Lage ſelbſt den verwöhnteſten Anſprüchen gerecht zu werden
und halte ich mich mit meinen ff. Honiglebkuchen und dem
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Seite 26

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Montag, 12. Dez.:

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(Türkei)
Debie
(Rheinland)
Christensen)
(Schweden

gegen
gegen

gegen

Terrikoff
(Russland)
Eggeberg
(Finnland)
Van der Born
(Holland)

Cody Bill, Mexiko gegen Bilkan
(England)
(Indianerringer)

Beginn der Ringkämpfegegen 10 Uhr.

Vorher das vornehme neue
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Theodor Kalbfuß, Hrn. Schuhfabrikant
Müller, Hrn. Heinrich Günther, Hrn. C. A.
Stein, Hrn. Seifenfabrikant Schmidt, Hrn.
J. Dexheimer & Söhne, Firma W. Nagel,
Frl. Decker, Hrn. Dachdeckermeiſter Pull=
mann
, Fr. Chemiker Stamm, Fr. Bäumer,
Fr. Wenz, Frl. Fehr, Frl. Schleiermacher,
Frl. Herzberger, Frl. Linß, Hrn. Schreiner=
meiſter
Schäfer, Hrn. Milchhändl. Bernius=
Roßdorf, Hrn. Röttger, Hrn. Pfarrer Wid=
mann
, Hrn. Generalmajor v. Hartmann,
Fr. Clemence Trier, Bürgerverein, Ungen.,
Fr. Dr. Metzler, Fr. Schwab, geb. v. Hör=
mann
, Fr. Geheimerat Heſſe, Fr. Oberſtlt.
Frank, Fr. v. Follenius, Fr. v. Knorr, Fr.
General Otto, Frl. v. Loßberg, Frl. v. Gräve=
nitz
, Frl. Schödler, Frl. Milles, Frl. Finger,
Frl. Emilie Knorr, Hrn. Sanitätsrat Dr.
Hoffmann, Frl. L. v. Kietzell, Frl. v. Beau=
lieu
, Fr. v. Bieberſtein, Frl. Gad, Fr. Ph.
Schnellbächer, Fr. Dr. Sior, Freifrau E.
Schenk zu Schweinsberg, Frau Juſtizrat
Scharmann, Frl. A. Strecker, Fr. Lang, Fr.
Geh. Kommerzienrat Merck, Fr. Oberlandes=
gerichtsrat
Linkenheld, Fr. Mathilde Bauer,
Fr. Eugenie Jordis, Hrn. Landgerichtsrat
Zimmermann, Fr. Eliſe Steinmetz, Fr. Pro=
feſſor
Getroſt, Fr. Geheimerat Vogel, Fr.
Leutnant Steinhäuſer, Frl. Göbel, Fr. Apo=
theker
Scriba, Frau Oberlandesgerichtsrat
Joſt, Frl. Plagge, Fr. Regierungsrat Giller,
Fr. Amtsgerichtsrat Breitenbach, Frl. Rum=
mel
, Fr. Profeſſor Sammet, Fr. Hanna
Sammet, Fr. Hauptmann Scriba, Fr. Tina
Bruſt, Fr. Milli Wolff, Fr. Michael Schmidt,
Fr. Cecilie Callmann, Fr. Baronin v. Lichten=
berg
, Freifrau v. Stein, Frl. Mathias, Fr.
Rechtsanwalt Bruſt, Fr. Claire Stockhauſen,
Hrn. Ferdinand Schmidt, Hrn. Direktor
Hirſch, Frl. Römer, Frl. Höhn, Frl. Mitt=
ler
, Fr. v. Cronenbold, Fr. Inſp. Scheyrer,
Fr. Wambold, Fr. Milli Bruſt, Fr. Direktor
Sehrt, Frau Kommerzienrat Göbel, Hrn.
Rentner Hehl, Hrn. Wilhelm Schmidt. Frl.
Gandenberger v. Moiſy. Mit herzlichem
Dank bitten wir um weitere freundliche
Gaben=

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 12. Dezember 1910

Nummer 291.

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Mittwoch, den 14. Dezember, nachmittags 5 Uhr
im Kaisersaal (Grafenstrasse)
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zum Beſten der Kinderfürſorge der Stadtgemeinde
unter Mitwirkung des Orcheſters der Oberrealſchule.
I. Platz (numeriert): für Kinder 1 Mk., für Erwachſene 2 Mk.
1 Mk.
II. Platz (numeriert): 50 Pf.,
Kartenverkauf im Verkehrsbüro und in den Buchhandlungen von
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Bergsträsser und Waitz.

Ausik-verein.

Montag, 12. Dezember 1910, abends ½8 Uhr,
im Saalbau:
Missa solemnis.
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russischen Thron machte und Katharina II. sehr beunruhigte. Endlich
gelang es dem Beauftragten der Kaiserin, Orlow, mit List die Tarakanowa
in Pisa gefangen zu nehmen und nach Russland zu bringen, wo sie in
den Kasematten der Schlüsselburg 1775 ihren Tod fand.
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Morgen zum letzten Male
ausserdem sonst reichhaltigen bekannten konkurrenzlosen Spielplan.

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