Darmstädter Tagblatt 1910


24. November 1910

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monatl. 50 Pfg., viertelj. 1.50 Mk., aus=
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173. Jahrgang
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.

Inſerafe
werden angenommen in Darmſtadt
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ſowie von unſeren Agenkuren und
den Annoncen=Expeditionen. Bet
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

N 276.

Donnerstag, den 24. November.

1910.

Die heutige Nummer hat 22 Seiten.

Geſetzentwurf gegen Mißſtände im Heilgewerbe.
B. C. So heißt offiziell der Geſetzentwurf gegen die
Kurpfuſcherei, der, wie ſchon geſtern gemeldet, dem Bun=
desrat
zugegangen iſt. Wir heben aus der Begrün=
dung
des Geſetzentwurfes, die ja immer den intereſſan=
teren
Teil ſolcher Vorlagen bildet, daß Nachſtehende her=
vor
:
Die Regelung des Heilgewerbes iſt im
Deutſchen Reich im weſentlichen noch der Landes=
geſetzgebung
überlaſſen. Wenn ein das ganze Gebiet um=
faſſendes
einheitliches Reichsgeſetz wegen der obwalten=
den
Schwierigkeiten in abſehbarer Zeit nicht erreichbar
ſein dürfte, ſo ſoll wenigſtens den ärgſten Mißſtänden,
die mit Fragen des öffentlichen Geſundheitsweſens in
engem Zuſammenhang ſtehen, entgegengetreten werden.
In Betracht kommen: die gewerbsmäßige Ausübung der
Heilbehandlung durch nicht approbierte Perſonen und das
Geheimmittelweſen.
Seitdem für die Ausübung der Heiltätigkeit in Deutſch=
land
Gewerbefreiheit herrſcht, iſt die Zahl der Perſonen,
die ohne Befähigungsnachweis das Heilgewerbe aus=
üben
, außerordentlich gewachſen, und unter dieſen wieder
die Zahl derjenigen, die gemeinhin als Kurpfuſcher be=
zeichnet
zu werden pflegen, und die ihr Gewerbe vielfach
in ſchwindelhafter Weiſe unter Ausnutzung der Urteils=
loſigkeit
oder Unerfahrenheit ihrer Kunden oder in einer
deren Leben und Geſundheit gefährdenden oder ſchädigen=
den
Art betreiben. Die in Preußen, Sachſen, Bayern
und Württemberg angeſtellten Ermittelungen haben er=
geben
, daß viele Tauſende von wiſſenſchaftlich nicht vor=
gebildeten
Krankenbehandlern, von denen ein großer Teil
einfach Kurpfuſcher iſt, das Heilgewerbe ausüben.
Auf dem Boden des geltenden Rechts iſt den hier be=
denklich
angewachſenen Mißſtänden nicht wirkſam beizu=
kommen
. Obgleich in faſt ſämtlichen europäiſchen und in
zahlreichen außereuropäiſchen Staaten die Ausübung der
Heilkunde durch nicht approbierte Perſonen verboten
iſt, ſieht der Geſetzentwurf davon ab, zu dem
früheren Rechtszuſtande zurückzukehren
und ein allgemeines Verbot für das Deutſche Reich in
Vorſchlag zu bringen. Ein ſolches Verbot würde höch=
ſtens
dahin führen, die Ausübung der Kurpfuſcherei der
Oeffentlichkeit noch mehr zu entziehen und ſie in verbor=
gene
Winkel hineinzutreiben, wo ſie dann unbeaufſichtigt
um ſo üppiger gedeihen würde. Gerade die heimliche
Ausübung umgibt die Kurpfuſcherei mit einem Nimbus.
der ihr Anſehen in den Augen der Menge hebt und ihren
Geſchäftskreis erweitert. Es iſt aber grundſätzlich davon
auszugehen, daß im allgemeinen die Krankenbehandlung
durch nicht fachmänniſch ausgebildete Perſonen die erfor=
derliche
Zuverläſſigkeit nicht beſitzt. Der Entwurf bewegt
ſich daher auf einer mittleren Linie. Ein Verbot zur
Ausübung des Heilgewerbes ſoll in beſchränktem Umfange
eingeführt, aber auch die Möglichkeit vorgeſehen werden,
daß der Gewerbebetrieh unter gewiſſen Umſtänden unter=
ſagt
werden kann.
Eine Begrenzung des Geſetzes auf ſolche Perſonen,
die wirklich Kurpfuſcherei treiben, hätte zur Voraus=
ſetzung
, daß ſich eine unzweideutige Grenzſcheide ziehen
läßt. Daher wird in Anlehnung an die Gewerbeordnung
die Geſamtheit der nicht approbierten Heilbefliſſenen zu=
ſammengefaßt
, wenngleich nicht überſehen wird, daß da=
mit
auch Kreiſe unter das Geſetz fallen, die nicht als Kur=
pfuſcher
gelten können. Andererſeits wird aber gerade
durch die Ausdehnung des Geſetzes deſſen Zweck beſſer er=
reicht
, nämlich eine gewiſſe Aufſicht über alle auszuüben,
die ohne wiſſenſchaftliche Approbation die Heilbehandlung
übernehmen. Im übrigen werden vom Geſetz nur For=
derungen
geſtellt, die unſchwer zu erfüllen und keinesfalls
irgendwie kränkend ſind.
Wie die Kurpfuſcherei im allgemeinen, ſo hat auch
das Geheimmittelweſen im beſonderen ſchwere
wirtſchaftliche und geſundheitliche Nachteile im Gefolge.
Große Mengen Geldes werden alljährlich für meiſt wert=
loſe
Zubereitungen, denen fälſchlicherweiſe geheimnisvolle
Heilwirkungen beigelegt werden, vergeudet Der Umſatz
von Geheimmitteln und Spezialitäten ſoll
in Deutſchland allein im Jahre 1898/99 30 Millionen
Mark betragen haben. Zu den finanziellen Verluſten
kommen ſchwerwiegende geſundheitliche Benachteiligun=
gen
. Wenn auch vielfach die Geheimmittel nur aus un=
ſchädlichen
Beſtandteilen zuſammengeſetzt ſind, ſo enthal=
ten
ſie doch auch häufig Stoffe, die arzneilich nicht bedeu=
tungslos
ſind, ja ſogar ſtark wirkende Eigenſchaften be=
ſitzen
. Gegen die Mißſtände im Geheimmittelweſen ſind
vom Reich wie von den einzelnen Bundesſtaaten bereits
eine Reihe von Vorſchriften ergangen, ohne daß dadurch
die Notwendigkeit einer umfaſſenden reichsgeſetzt
lichen Regelung hinfällig geworden iſt.
In dem vorliegenden Entwurfe iſt von einer Begriffs=
beſtimmung
des Ausdrucks Geheimmittel Abſtand ge=
nommen
; der Ausdruck hat im arzneilichen Verkehr ohne=
hin
ſeine urſprüngliche Bedeutung verloren. Es kann
nicht mehr als unbedingte Vorausſetzung für den Begriff
Geheimmittel gelten, daß die Zuſammenſetzung des
Mittels anderen als den Herſtellern unbekannt iſt. Um
der Anwendung der Geheimmittelvorſchriften zu entgehen,
haben die Geheimmittelfabrikanten in neuerer Zeit viel=
fch
die Zuſammenſetzung ihrer Fabrikate in irgend einer

Formel bekannt gegeben. Es könnte in Frage kommen,
ob es ſich nicht empfiehlt, Geheimmittel nur noch vorgän=
giger
behördlicher Prüfung und Genehmigung zum Ver=
triebe
zuzulaſſen. Das würde zweifellos den Ueberblick
über den Verkehr mit Geheimmitteln weſentlich erleichtern,
troßdem iſt dieſer Weg in dem Entwurſe nicht betreien,
denn es würde durch die Erteilung einer ausdrücklichen
Verbrauchserlaubnis für einzelne Mittel der Handel mit
dieſen Erzeugniſſen aller Wahrſcheinlichkeit nach nicht ein=
geſchränkt
, ſondern eher gefördert werden. Die behörd=
liche
Zulaſſung eines Geheimmittels zum Verkehre würde
eine willommene Handhabe bieten, um unter Berufung
auf die erfolgte amtliche Prüfung die Güte und die
Wirkſamkeit des Mittels mit beſonderem Nachdruck anzu=
preiſen
. Jedenfalls würden die Behörden mit der Geneh=
migung
eine gewiſſe Verantwortung, wenn auch nicht für
die Wirkſamkeit, ſo doch für die Unſchädlichkeit und Preis=
würdigkeit
des Mittels übernehmen.
Die Vorſchriften richten ſich einmal gegen den Verkehr
mit den angeführten Arzneimitteln, Gegenſtänden uſw.,
ſowie gegen die für ſie betriebene Reklame. Bei Gegen=
ſtänden
die bei Menſchen die Empfängnis verhüten oder
deren Folgen beſeitigen ſollen, kann der Verkehr, auch
ohne daß dieſe Vorausſetzungen vorliegen, beſchränkt oder
unterſagt werden. Ob und inwieweit für die einzelnen
Gegenſtände uſw. eine Verkehrsbeſchränkung angezeigt iſt,
ſoll, wie es bisher bei den ſogenannten Geheimmittelliſten
der Fall geweſen iſt, der Bundesrat beſtimmen, der aber
vor ſeiner Entſchließung eine bei dem Kaiſerlichen Geſund=
heitsamte
zu bildende Kommiſſion gutachtlich zu hören
hat. Ferner ſoll die Einfuhr derjenigen Gegenſtände ver=
boten
ſein, deren Verkehr der Bundesrat unterſagt hat.
Den Schäden, die durch das Reklameunweſen
verurſacht werden, will der Entwurf dadurch begegnen,
daß er ebenfalls in Anlehnung an bereits in Polizeiver=
ordnungen
vorhandene Beſtimmungen das öffentliche An=
kündigen
und Anpreiſen der betreffenden Gegenſtände
oder Verfahren nach verſchiedenen Richtungen hin ver=
bietet
und, um das Verbot wirkſam zu machen, mit emp=
findlichen
Strafen belegt. Ferner ſind unter Strafe geſtellt
beſtimmte Ankündigungen auf ſexuellem Gebiete, das Er=
bieten
zur Fernbehandlung, unwahre Angaben, die ge=
eignet
ſind. Täuſchungen, insbeſondere über Wert. Wirk=
ſamkeit
und Erfolg der Gegenſtände uſw. oder über den
Urſprung und die Herkunft der Gegenſtände und Ver=
fahren
hervorzurufen, ſchließlich die Ankündigung der vom
Bundesrate dem Verkehre entzogenen oder Verkehrs=
beſchränkungen
unterworſenen Gegenſtände. Gewiſſe Aus=
nahmen
gelten für Ankündigungen in wiſſenſchaftlichen
Fachkreiſen. Um der Reklame möglichſt weit entgegen=
zuwirken
, iſt ausdrücklich ausgeſprochen, daß nicht nur
die Verbreitung von Empfehlungen, Anerkennungen, gut=
achtlichen
Aeußerungen, Dankſagungen und ähnlichen Mit=
teilungen
gegenüber einem größeren Kreiſe von Perſonen
einer öffentlichen Ankündigung oder Anpreiſung gleich=
geachtet
iſt, ſondern auch die ſogenannte indirekte Reklame,
d. h. der öffentliche Hinweis auf Bücher und Schriſten,
in denen die durch den Entwurf betroffenen Gegenſtände
uſw. empfohlen und erläutert werden. Dagegen werden
ebenſo wie Berichte in wiſſenſchaftlichen Fachkreiſen auch
Berichte über die Verhandlungen ſolcher Fachkreiſe auf
dem Gebiete der Medizin, der Tierheilkunde oder der
Pharmazie in den Tagesblättern von den Strafvorſchrif=
ten
nicht getroffn.
Die revolutionäre Bewegung in Mexko.
** Ueber die Lage im Aztekenreiche lauten
die neuerdings eingegangenen Telegramme ſo bedrohlich,
daß ſogar die Rede davon iſt, die Waſhingtoner Regie=
rung
bereite militäriſche Maßnahmen an der mexikani=
ſchen
Grenze vor. Es wäre dies inſofern nicht ganz un=
gerechtfertigt
, als bei einer allgemeinen Erhebung in
Mexiko auch der Haß gegen die dort lebenden Nordameri=
kaner
gefährliche Blüten treiben würde.
So ſegensreich ſich auch das vieljährige Regiment
Porfirio Diaz für das Land erwieſen hat, ſo macht
ſich doch ſeine eiſerne Hand für viele je länger deſto mehr
fühlbar, und Erhebungen gegen Diaz waren denn auch
nichts Seltenes, aber ſtets ohne Erfolg. So noch im
Sommer 1909, wo in den nördlichen Staaten Unruhen
ausgebrochen waren, die man auf politiſche Um=
triebe
des Generals Reyes zurückführte, welcher
ſich um den Präſidentenpoſten bewarb, der aber bekannt=
lich
wieder Diaz zufiel. Reyes dürfte noch einmal eine
große Rolle im Leben der Republik ſpielen. Eben der
Schule entwachſen, kämpfte er ſchon gegen die Franzoſen
und hatte ſeitdem oft Gelegenheit, Beweiſe ſeines Muts
zu liefern, ſo daß aus dem Bauernſohn ein General
wurde, welcher ſich in der Armee hohen Anſehens erfreut
und ſich auch als Gouverneur und Kriegsminiſter be=
währte
. Bernardo Reyes iſt Führer der demokratiſchen
Partei, die verfaſſungsmäßige Zuſtände anſtrebt und das
autokratiſche Regiment Diaz’ beſeitigt ſehen möchte. Nach
den letzten Meldungen ſoll er ſich an die Spitze der Revo=
lutionäre
geſtellt haben, was angeſichts ſeiner ſchon er=
wähnten
Beliebtheit beim Militär immerhin ſehr bedroh=
lich
für die Regierung wäre. Man ſagt freilich, bei der

Heeresorganiſation ſei viel ernſte Arbeit geleiſtet worden,
die mexikaniſche Armee ſei heute eine ganz andere als vor
einem halben Jahrhundert, ſie habe ein Gefühl für ihre
Würde und für ihre Pflicht gegen das Vaterland, und es
ſei nicht mehr möglich, daß ein abenteuerlicher General
ſich an die Spitze eines Heeresteils ſtelle, um die Regie=
rung
zu ſtürzen. In der Tat hat ja auch ſchon Reyes
die Erfahrung gemacht, daß die Inſzenierung einer Revo=
lution
heute nicht mehr ſo leicht iſt, zumal das Militär
jetzt regelmäßig ſeinen Sold erhält und ſomit kein Inter=
eſſe
mehr am Sturze einer Regierung hat; ob jedoch dieſe
Pflichttreue unter allen Umſtänden ſich bewährt, könnte
erſt die Erfahrung lehren.
Ueber den eigentlichen Umfang der jetzigen Revo=
lutionsbewegung
fehlen noch genaue Nachrichten. Zaca=
tecas
, von wo blutige Kämpfe gemeldet werden, liegt im
zentralen Mexiko, während im Herbſt 1906 aus den ſüd=
lichen
und im vorigen Jahre aus den nördlichen Pro=
vinzen
Nachrichten von Unruhen kamen. Unmöglich wäre
es ja nicht, daß der gealterte Diaz an Anhang verliert
und daß ſich das mexikaniſche Volk demjenigen Manne
zuwendet, der höchſt wahrſcheinlich ohnehin ſpäter ans
Ruder gelangt. Jedoch liegt die Entſcheidung in erſter
Linie beim Militär, und dieſes ſteht vorläufig nochsauf
ſeiten der Regierung.

Deutſches Reich.
* Der Reichskanzler im Reichstage.
Kaum hat der Reichstag ſeine Pforten wieder geöffnet,
da wird auch ſchon von vielen Seiten nach dem Reichs=
kanzler
gerufen. Bei allen möglichen Gelegenheiten wird
ſeine Anweſenheit für unbedingt notwendig gehalten.
Der Reichskanzler, ſo ſchreibt die N. G. C., wird ſich ſeiner
Pflicht, auch im Reichstage beſtimmte Angelegenheiten
ſelbſt zu vertreten, ſelbſtverſtändlich nicht entziehen. Bei
den mehrfach angekündigten Interpellationen über allge=
meine
Fragen der Reichspolitik und Diplomatie wird ſich
ja dazu wohl bald Gelegenheit bieten. Man darf aber
auch andererſeits nicht verkennen, daß der Reichskanzler
im Intereſſe einer raſcheren Erledigung der Geſchäfte
handelt, wenn er die Behandlung von Spezialfragen den
dafür in Betracht kommenden Staatsſekretären überläßt.
Die Interpellationen ſind allerdings direkt an den Reichs=
kanzler
gerichtet. Aber gerade ſie erfordern zur Beant=
wortung
in der Regel eine weitgehende, zeitraubende
Sachkenntnis und Beherrſchung von Details, die außer=
halb
der eigentlichen Amtspflichten des erſten Beamten
des Reiches liegen. Dazu ſind die Chefs der einzelnen
Reichsreſſorts da, die ja übrigens auch ziemlich eifer=
ſüchtig
ihre berechtigte oder vermeintliche Machtſphäre zu
wahren pflegen.

Zur Wahl des Reichstags= Vizepräſi=
denten
ſchreibt die Freiſinnige Korreſpondenz: Nach
der Auffaſſung der Reichspartei wohnt der Wahl des
zweiten Vizepräſidenten des Reichstages zurzeit keinerlei
Bedeutung inne. Es würde demzufolge auch nach der in
ſolchen Fällen bisher üblichen Regel zu verfahren ſein,
daß die Stärke der Fraktionen den Ausſchlag gibt. Daher
würde die Beſetzung der Stelle des zweiten Vizepräſi=
denten
zunächſt den Nationalliberalen, und ſofern dieſe
ablehnen, den vereinigten Fraktionen der Linken zukom=
men
. Von dieſer Auffaſſung der Reichspartei ſind die an=
deren
Fraktionen verſtändigt worden.

Die Interpellationen. Die in dem geſtri=
gen
Reichstagsbericht erwähnte Interpellation der kon=
ſervativen
Fraktion zur Fleiſchteuerung hat folgenden

Wortlaut:

Es iſt in den letzten Monaten eine bemerkenswerte
und bedauerliche Verteuerung des Fleiſches in vielen
Städten eingetreten. Iſt der Reichskanzler bereit:
1. gegenüber dem im Zuſammenhang damit in letzter Zeit
vielfach hervorgetretenen Verlangen nach Oeffnung un=
ſerer
Grenzen für eine vermehrte Vieheinfuhr die ſchweren
Gefahren darzulegen, welche die Erfüllung dieſes Ver=
langens
a) für die deutſche Viehzucht im allgemeinen,
b) für die Aufrechterhaltung des Veterinärſchutzes und
c) für eine nachhaltig ausreichende Fleiſchverſorgung des
deutſchen Volkes mit ſich bringen müßte? 2. Welche Maß=
nahmen
hält der Reichskanzler für möglich. um der be=
dauerlichen
Steigerung der Kleinhandelspreiſe von Fleiſch
in den Städten zu begegnen? 3. Iſt der Reichskanzler in
der Lage, eine vergleichbare Ueberſicht über die Klein=
handelspreiſe
von Fleiſch in den wichtigſten Ländern
Europas vorzulegen?
Die Interpellation der ſozialdemokratiſchen Fraktion

iber die Kaiſerreden lautet:
Was gedenkt der Reichskanzler zu tun in Ausführung
der im Novemher 1908 vom Fürſten Bülow als veraus=

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 24. November 1910.

Nummer 276.

wortlichem Keichskanzler und zugleich im Namen des
Kaiſers dem Reichstag abgegebenen Erklärungen, die
durchbrochen worden ſind durch die in dieſem Jahre in
Königsberg i. Pr. und in andern Orten vom Kaiſer über
ſeine ſtaatsrechtliche Stellung abgegebenen Erklärungen?
Die Bedingungen für die Einfuhr
franzöſiſchen Viehes nach Bayern werden jetzt
amtlich bekanntgegeben. Sie ſind äußerſt ſcharf. Danach
darf die Einführnug nur in geſchloſſenen Wagen und mit
Päſſen geſchehen. 24 Stunden vor der Abſendung aus
Frankreich müſſen die Tiere am Orte der Abſendung tier=
ärztlich
unterſucht, ſpäteſtens vier Tage nach der Einfuhr
müſſen ſie geſchlachtet werden. Das Geſamtkontingent von
500 Stück franzöſiſchen Großviehes iſt bereits feſt vor=
beſtellt
, trotzdem die erſte Sendung erſt in der nächſten
Woche eintreffen wird.
Ausland.
Frankreich.
Im Miniſterrat äußerte ſich Pichon über die
Einzelheiten des ſpaniſch=marokkaniſchen Abkommens.
Er erwähnte dabei, daß die Verhandlungen, zu denen
dieſes Anlaß gegeben habe, von dem Kabinett in Madrid
den Kabinetten in Paris und London zur Kenntnis ge=
bracht
worden ſeien und daß die ſpaniſche Regierung der
franzöſiſchen ihren Dank habe ausſprechen laſſen für das
freundſchaftliche Entgegenkommen, das ſie hierbei bei
ihr gefunden habe. Sodann beſprach der Ackerbauminiſter
die etwaige Aufhebung der Einfuhrzölle auf Mais und
Kartoffeln, da die Ernte ſchlecht ausgefallen ſei.
England.
Die perſiſche Frage im Parlament. Im
Oberhauſe erklärte Lord Herſchell namens des Aus=
wärtigen
Amtes:
Was die Frage anlange, ob Perſien daran gehindert
worden ſei, eine Anleihe von privaten Quellen im Anfang
des Jahres zu erlangen, ſo habe ein gewiſſes Syndikat in
London im März Vorſchläge bezüglich einer Anleihe an
Perſien gemacht; aber zu der Zeit ſeien Verhandlungen im
Gange geweſen betreffs eines gemeinſchaftlichen Darlehens
von der britiſchen und ruſſiſchen Regierung an Perſien.
Die Zahlung von Zinſen auf engliſche Darlehen ſei be=
deutend
im Verzuge. Unter dieſen Umſtänden habe die
britiſche Regierung keine Möglichkeit zu einem anderen
Vorgehen ſehen können als der perſiſchen Regierung mit=
zuteilen
, daß, ſolange die Verhandlungen ſchwebten und
ſolange nicht die Rückſtände an Zieſen bezahlt worden
ſeien, die britiſche Regierung nicht bereit ſei, der Verpfän=
dung
irgend eines Teiles der öffentlichen Einkünfte ſei=
tens
Perſiens zuzuſtimmen. Als dann die Verhandlungen
bezüglich des gemeinſamen Darlehens geſcheitert ſeien,
ſei am 7. April der perſiſchen Regierung durch die Ge=
ſandten
Rußlands und Großbritanniens in Teheran eine
Note überreicht worden, in der der perſiſchen Regierung
mitgeteilt worden ſei, daß keine von den beiden Regierun=
gen
gegen ein Darlehen von dritten Parteien opponieren
würde, vorausgeſetzt, daß die dargelegten Bedingungen
beobachtet würden. Seit dieſem Zeitpunkt ſei Perſien
keine Mitteilung über Anleihen von privaten Quellen
gemacht worden. Was die augenblickliche Lage angehe,
ſo habe die Regierung keine Schritte getan, um irgend
einer ſpeziellen Anleihe entgegenzutreten. In einem Fall
lehnte die Regierung es ab, eine Unterſtützung zu ge=
währen
. Earl of Crewe erklärte: Die Regierung ſei ſich
völlig der Schwierigkeit bewußt, die ſtets mit der ſchein=
baren
Einmiſchung in die inneren Angelegenheiten eines
ſolchen Staates wie Perſien verbunden ſein müßten.
Im Unterhauſe fragte Dillon den Staatsſekre=
tär
des Auswärtigen Sir Edward Grey, ob er wiſſe,
wann die ruſſiſchen Truppen von Nordperſien zurückgezo=
gen
werden würden und welches die Gründe dafür ſeien,
die ruſſiſchen Truppen dort zu belaſſen. Sir Edward Grey
erwiderte, die erſte Frage müſſe er verneinen. Was die
zweite anlange, ſo wiſſe man, daß die ruſſiſche Regierung
zwar beabſichtige, die Truppen zurückzuziehen, aber nicht
der Anſicht ſei, daß die gegenwärtigen Zuſtände des Lan=
des
ſchon jetzt dieſen Schritt rechtfertigen. Wir haben
fuhr Grey fort, kein anderes Ziel, als daß die Ordnung
von der perſiſchen Regierung wieder hergeſtellt und auf=
recht
erhalten wird. Ich kann nicht glauben, daß die per=
ſiſche
Regierung es auf unbeſchränkte Zeit ablehnen wird,
irgendwelche Maßregeln zu dieſem Zweck zu treffen. Es
wird verfrüht ſein, ſchon jetzt zu ſagen, welche Haltung
die engliſche Regierung einnehmen wird, wenn die per=
ſiſche
Regierung dies doch tun ſollte. Wir haben der ver=
ſiſchen
Regierung im Sinne vorſtehender Erklärungen
dringende Vorſtellungen gemacht, aber darüber hinaus kei=
nen
Druck auf ſie ausgeübt.
Die vereinigte iriſche Liga veröffentlicht
ein Manifeſt, in dem die Lords und der Großgrundbeſitz,
die beide gleichbedeutende Begriffe ſeien, heftig angegrif=
fen
werden. Ihnen wird die Verantwortung für die

große Teuerung Irlands und für die große Auswande=
rung
aus dieſem Lande beigemeſſen. Eine Million von
Volksgenoſſen, die geſtorben und verdorben ſind, und fünf
Millionen von ſolchen, die ins Exil getrieben wurden,
ſchreien, ſo heißt es in dem Manifeſt, nach der Ent=
thronung
der ſchändlichen Körperſchaft, von der ſo gren=
zenloſes
Leid herrührt.
Holland.
Aufnahme einer Anleihe. Die Regierung
hat dem Parlament einen Geſetzentwurf betreffend die
Aufnahme einer dreiprozentigen Anleihe im Betrage von
50 Millionen Gulden vorgelegt. 40 Millionen ſollen
davon zur Zeichnung aufgelegt werden. Die Anleihe ſoll
in erſter Linie zur Deckung des Defizits von 18951909
dienen.
* Colombo, 22. Nov. Der Kronprinz und
die Kronprinzeſſin verließen Colombo heute vor=
mittag
10 Uhr 45 Min. und trafen um 1 Uhr 45 Min. in
Kandy ein, wo ſie von dem Vertreter der engliſchen Re=
gierung
begrüßt wurden.
* Brüſſel, 22. Nov. Im Senat erklärte der
Präſident, die Königin gehe, wenn die gegenwärtige
Beſſerung in ihrem Befinden anhalte, einer bal=
digen
Geneſung entgegen.
* Paris. 22. Nov. Nach einer Meldung aus
Lannes wollen die dort erſcheinenden Zeitungen erfah=
ren
haben, daß das Zarenpaar mit ſeinen Kindern
den Winter in Cannes verbringen würde. und
zwar mit Rückſicht auf den gegenwärtigen Zuſtand der
Kaiſerin, die das rauhe Klima noch nicht vertragen kann.
Aus dieſem Grunde habe die franzöſiſche Mittelmeerflotte
Befehl erhalten, ſich in dem Hafen von Villefranche zu
verſammeln. (?)

Stadt und Land.
Darmſtadt, 24. November.
Uebertragen wurde der Schulamtsaſpirantin
Eliſabeth Zwilling aus Mörfelden, Kreis Groß=Gerau,
eine Lehrerinſtelle an der Gemeindeſchule zu Ober=
Ramſtadt, Kreis Darmſtadt; dem Lehrer Johann Berg
zu Biebesheim, Kreis Groß=Gerau, eine Lehrerſtelle an
der evangeliſchen Schule zu Lindenfels, Kreis Bensheim.
Ernannt wurde der Militäranwärter Karl Koch
in Mainz zum Kanzleigehilfen bei der Staatsanwaltſchaft
am Landgericht der Provinz Rheinheſſen.
Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Hauptmann d. L. a. D.
Joſeph Gernsheim zu Worms die Erlaubnis erteilt,
den ihm von Sr. Maj. dem Deutſchen Kaiſer und König
von Preußen verliehenen Roten Adler=Orden 4. Klaſſe
annehmen und tragen zu dürfen; desgleichen dem Kreis=
arzt
Medizinalrat Dr. Stigell in Oppenheim die Er=
laubnis
zur Annahme und zum Tragen der ihm von
Sr. Maj. dem Deutſchen Kaiſer und Könia von Preußen
verliehenen Roten Kreuz=Medaille 3. Klaſſe und dem
Dr. med. Georg Grote in Bad Nauheim die Erlauhnis
zur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. Maj.
dem Kaiſer von Rußland verliehenen St. Annen=Ordens
2. Klaſſe mit Brillanten.
Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben
dem Streckenarheiter in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſen=
bahngemeinſchaft
, Jakob Lang zu Zwingenberg, aus
Anlaß ſeines Ausſcheidens aus dem Staatseiſenbahn=
dienſt
das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift
Für treue Arbeit verleihen.
* Weitere ruſſiſche Ordensverleihungen. Se.
Königl. Hoheit der Großherzog haben nachſtehenden
Perſonen die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen
der ihnen von Sr. Maj. dem Kaiſer von Rußland ver=
liehenen
Auszeichnungen erteilt für: St. Stanis=
lausorden
I. Klaſſe= dem Oberjägermeiſter Frei=
herrn
van der Hoop; St. Annenorden III. Klaſſe:
dem Forſtmeiſter Kleinkopf in Dornberg; St. Stanis=
lausorden
III. Klaſſe: dem Hofjagdamtsaſſiſtenten
Forſtaſſeſſor Freiherrn von Wedekind; die Große
goldene Medaille am Bande des Alexander
Newsky=Ordens: dem Palaisinſpektor Heinr. Kloß; die
Große ſilberne Medaille; den Förſtern Vöglin
zu Einſiedel, Löſch zu Kalkofen, den Forſtwarten Karn
zu Kranichſtein, Bayerer zu Krauſe Buche, Schmidt zu
Faſanerie, Dillemuth zu Groß=Gerauer Falltorhaus,
Faſanenmeiſter Scholtz in Groß=Gerau; die Kleine
goldene Medaille: den Forſtwarten Klipſteinzu
Bayerseich, Hofmann im Darmſtädter Forſthaus, Lang
in Meſſeler Falltorhaus, Schäfer in Knoblochsaue,
Boßler in Dornheim, Friedrich in Wolfskehlen, Baſ=
ſenauer
in Griesheim; die Kleine ſilberne Me=
daille
; den Waldarbeitern Jacob Stieglitz und Jacob
Müller in Berkach, Peter Hahn in Leeheim, Ludwig
Schäfer in Dornheim. Ferner dem Bademeiſter Franz
Kiſſel, dem Betriebstechniker Karl Auauſt Wittig und
dem Obergärtner Karl Vogel, ſämtlich zu Bad Nau=
heim
, der Kleinen goldenen Medaille am Bande des
S. Annenordens; dem Röhrenmeiſter Eduard Schreiber,

dem Hilfsbademeiſter Friedrich Wilhelm Schneider, dem
techniſchen Gehilfen Leonhard Mentzer und dem
Brunnenaufſeher Friedrich Wilhelm Müller, ſämtlich
zu Bad Nauheim, der Kleinen ſilbernen Medaille.
C Das militäriſche Programm zur Feier des Ge=
burtstages
des Großherzogs iſt in dem üblichen
Rahmen gehalten. Heute, am Vorabend, findet
Zapfenſtreich ſtatt, an dem die Kapellen ſämtlicher
Regimenter der Garniſon, ſowie die Spielleute des
Leibgarde=Regiments Nr. 115 teilnehmen. Leiter iſt
Obermuſikmeiſter Mickley. Der Zug ſammelt ſich auf
dem Paradeplatz und marſchiert 8,15 Uhr unter Füh=
rung
des Adjutanten des Leibgarde=Regiments durch
die Rhein=, Neckar=, Hügelſtraße nach dem Neuen
Palais. Hier wird eingeſchwenkt und die Muſik ſpielt
zwei Stücke, danach Zapfenſtreich und Gebet. Am 25.
werden die Feierlichkeiten um 7,30 Uhr eingeleitet durch
einen Choral, den das Trompeterkorps des Großh.
Artilleriekorps vom Turm der Stadtkirche ſpielt. Zur
gleichen Zeit beginnt das übliche große Wecken durch
die Kapelle des Leibgarde=Regiments Nr. 115 und die
Spielleute desſelben Regiments unter Obermuſik=
meiſter
Hauske. Die Kapelle marſchiert von der Ka=
ſerne
des Regiments in der Alexanderſtraße um 7,30
Uhr unter Führung eines Adjutanten ab und zieht
über den Paradeplatz durch die Rhein=, Neckar= und
Hügelſtraße wiederum zum Neuen Palais. Hier
werden drei Stücke geſpielt. Danach marſchiert die
Kapelle zur Kaſerne zurück. Um 10 Uhr beginnt in der
St. Eliſabethenkirche der Gottesdienſt
für die katholiſchen, um 10,30 Uhr in der Stadt=
kirche
für die evangeliſchen Mannſchaften. Am Gottes=
dienſt
nehmen ſämtliche Offiziere der Garniſon teil, die
Truppenteile entſenden Abordnungen. Für das Publi=
kum
iſt in der Stadtkirche das mittlere Schiff reſerviert.
Um 12 Uhr findet auf dem Marienplatz Parole=
Ausgabe in der üblichen Weiſe ſtatt, an der die
Offizierkorps und Abordnungen der Regimenter, ſowie
die Garde=Unteroffizier=Kompagnie teilnehmen. Wäh=
rend
der Parole=Ausgabe iſt der innere Teil des
Marienplatzes für das Publikum abgeſperrt. Mit
dem Hoch auf den Großherzog beginnt eine auf dem
kleinen Exerzierplatz aufgeſtellte Batterie des Feld=
artillerie
=Regiments Nr. 61 mit dem Abfeuern des
üblichen Ehrenſaluts von 101 Schüſſen. Nach der
Parole=Ausgabe ſpielt die Kapelle des Garde=Dragoner=
Regiments Nr. 23 auf dem Marienplatz mehrere Stücke.
Nachmittags finden in den Offizierkaſinos Feſteſſen
und abends in verſchiedenen Lokalen Mannſchaftsfeiern
ſtatt. Die Wachen und Poſten erſcheinen während des
ganzen Tages im Paradeanzug.
L. Vor der Strafkammer ſtand geſtern die 25 Jahre
alte Kellnerin Marie Moſer von Nürnberg, welche
im Auguſt in Offenbach gelegentlich eines Bayeriſchen
Volksfeſtes nach und nach 10 Maß Bier hinuntergoß,
bis ſie betrunken war, handgreiflich wurde und Lärm
machte, daß ſich die Polizei genötigt ſah, einzuſchreiten.
Der Beamte hatte es nicht leicht; er bekam einen Schlag
ins Geſicht und unter kräftigen Schimpfworten mit be=
ſchuhtem
Fuß einen Tritt gegen den Leib. Die Moſer
beruft ſich auf ſinnloſe Trunkenheit; das Schöffengericht
mochte von einer ſolchen jedoch nichts wiſſen, ſondern
verurteilte ſie wegen Widerſtandes zu 5 Wochen Ge=
fängnis
. Dabei blieb es auch in der zweiten In=
ſtanz
. Der 33 Jahre alte Taglöhner Auguſt Valentin
Röbſcher in Offenbach iſt ſchon zwölfmal, darunter
achtmal wegen Diebſtahls, vorbeſtraft und rückfällig
Nach vierjähriger Pauſe verfiel er im Auguſt d. J.
wieder in ſeinen alten Fehler, raffte Streichhölzer im
Werte von 30 Mark, die dem Wirt Martin Knöpp ge=
hörten
, in einen Gipsſack, um ſie ſich anzueignen. Als
er im beſten Tun war, öffnete ſich plötzlich eine Tür
und ein junger Mann trat herein. Dies veranlaßte den
Röbſcher zur ſchleunigen Flucht. Er wurde wegen
Diebſtahlsverſuchs zu 6 Monaten Gefängnis
unter Verluſt der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre
verurteilt. Der 33 Jahre alte Kaufmann Heinrich
Bruſt von Kaſſel fuhr am 29. April d. J. mit ſeinem
Auto in raſender Geſchwindigkeit von Babenhauſen
nach Seligenſtadt. Obwohl die Straße gerade iſt, ſich
in gutem Zuſtande befindet und es heller Tag war, be=
nutzte
er meiſtens das Bankett und rannte einen aus
Oeſterreich ſtammenden Handwerksburſchen über den
Haufen, ſo daß dieſer ſchmerzhafte Verletzungen davon=
trug
und auf einer Tragbahre weggebracht werden
mußte. Bruſt fuhr ſeines Weges weiter. Er behauptet,
den Zuſammenſtoß nicht bemerkt zu haben, gibt das zu
raſche ſowie das Fahren auf dem Bankett jedoch zu.
Das Schöffengericht verurteilte ihn wegen fahrläſſiger
Körperverletzung zu 300 Mark und wegen der beiden
Uebertretungen zu je 50 Mark Geldſtrafe. Dieſes
Urteil wurde von beiden Seiten mit Berufung ange=
fochten
. Bruſt erklärte ſich jedoch bei Beginn der Sitzung
bereit, das Rechtsmittel zurückzuziehen, der Staatsan=
walt
Hoos zeigte hierzu ſeinerſeits jedoch keine Neigung,
weil die erkannte Strafe ſeiner Anſicht nach der Schwere
des Vergehens nicht entſpricht. Das Gericht teilte
dieſe Auffaſſung und erkannte wegen der fahrläſſigen
Körperverletzung auf 2 Monate Gefängnis, die
Strafen von je 50 Mark wegen zu ſchnellen Fahrens
ſowie wegen Fahrens auf dem Bankett blieben beſtehen.

Aus der Geſchichte der Planderkunſt.
(2) Die graziöſe Kunſt der eleganten Plauderei,
der Cauſerie, gilt den Franzoſen als eine der feinſten
Blüten ihrer Kultur, als die letzte Feinheit ihres
geſellſchaftlichen Stils. Die Geſchichte jener Unter=
haltungsformen
, wie ſie in den franzöſiſchen Salons
des 18. Jahrhunderts geprägt wurden, iſt ja zugleich
die Geſchichte der franzöſiſchen Geſelligkeit, die Er=
kenntnis
der zarteſten Rhythmik galliſchen Lebens.
Auch wir Deutſchen haben unſere Salons gehabt, ſo
den berühmten der Rahel, beſitzen Cauſeure in unſerer
Literatur, wie Fontane, aber das ſind Ausnahmen,
während in Frankreich die Cauſerie das beſeelende
und belebende Element der ganzen Geſellſchaft war.
Erſt langſam iſt dieſe feine, ſpieleriſch leichte Form
der Unterhaltung entſtanden, wie wir aus der Ge=
ſchichte
der Plauderkunſt erfahren, deren Umriſſe H. de
Gallier in einem Aufſatz der Revue zeichnet.
Der antiken Welt fehlte das Wichtigſte zum Auf=
blühen
einer Kunſt der Unterhaltung: die Frau. Die
Dame, die mit ihrem undefinierbaren Duft von Sinn=
lichkeit
und Pikanterie erſt die erregte Stimmung eines
zierlichen Wortgeplänkes ſchaffen kann, war bei den
Griechen in die Enge ihres Gemachs gebannt; ihre
verführeriſch weiche Stimme fehlt in dem Chor der
formvollendeten Unterhaltung, die ſich etwa in Platos
Geſprächen entfaltet. Eine Kunſt des Plauderns, die
an die geiſtreich über die Oberfläche des Lebens hin=
tänzelnde
Form der modernen Cauſerie erinnert, mag
höchſtens hie und da in den Salons einiger Hetären

aufgetaucht ſein. Aber was wiſſen wir von dem Plau=
derſtil
, der in Aſpaſias Empfangsgemach gepflegt
wurde? Und ebenſo hatte im Mittelalter die Frau
nicht jene Stellung als Beherrſcherin der Herzen und
Königin der Geſellſchaft. Als ſie in den liebeſeligen
Tagen der Troubadours und Minneſänger zuerſt her=
vortrat
, da war ihre Bildung noch eingeſponnen in
die dumpfen Allegorien der Scholaſtik, ſo daß ſich ihre
Lebenskunſt nur in dem ſteifen Zeremoniell der
Minnehöfe und Liebesgerichte äußern konnte. Auch
die ſchönheitsvolle Welt der Renaiſſance kennt keine
Cauſerie. Wo ſich Herren und Damen zur Unterhalt=
ung
zuſammenfinden, da werden der Reihe nach luſtige
oder lehrhafte Geſchichten erzählt, wie ſie uns aufbe=
wahrt
ſind in Boccaccios Dekameron, in den Erzähl=
ungen
der Königin von Navarra und all den hoch=
ſtiliſierten
Geſprächen über Schönheit, Kunſt und
Liebe, die nach Platos Vorbild in ſorgfältiger Dispo=
ſition
und der wohl berechneten Würde des Hof=
manns
aufgebaut wurden. Der Unterhaltung der
Renaiſſance fehlt, was den eigentlichen Kern und
Charme der Cauſerie ausmacht: das Ungeſuchte, das
Momentane, der plötzlich aufblitzende Einfall, der aus
der Stimmung und Situation geboren, blendend auf=
leuchtet
und den Wiederſchein anderer luſtiger Lichter
erweckt.
Die Entſtehung dieſer von der Gunſt des Augen=
blicks
getragenen Plauderei, die aus der erregten
Spannung der Geiſter ſich entzündet, iſt im 15. Jahr=
hundert
am franzöſiſchen Königshofe zu ſuchen, wo in
Margarete von Valois und Marie von Clèves die
erſten wahrhaft geiſtreichen Damen bervortraten und

eine Atmoſphäre der ritterlichen Galanterie und der
pikanten Koketterie geſchaffen wurde. Hier ſtand die
eigentliche Wiege der Cauſerie, die man gewöhnlich erſt
in den preziöſen Konverſationen des Hotels von Ram=
bouillet
geſucht hat. Katharina von Rambouillet gab
in ihrem blauen, durch Gold und Silber gehobenen
Salon freilich die erſte Technik der neuen Plauder=
kunſt
, lehrte gleichſam den Jargon der ſüßen Sprache
von Frankreich, über die ſich ſo viele luſtig gemacht
haben und die ſo wenig nachahmen konnten. Die
Sorge für die Auswahl des rechten Wortes, das Raf=
finement
in der Zuſpitzung der Sätze zu Witzpointen,
das feine Gefühl für die Grazie der Andeutung, für
die Wirkung der unausgeſprochenen, in leichter Rede=
wendung
angedeuteten Gedanken; kurz, der gute Ge=
ſchmack
des Sprechens und Erzählens iſt hier geboren
und ausgebildet worden. Von nun an kann in der
Geſellſchaft nur der Siege und Erfolge erringen, der
dieſe geiſtreiche Technik der Cauſerie beherrſcht. Ninon
de Lenclos verdankt dieſer Gabe der bezaubernden
Unterhaltung die Gunſt der vornehmen Welt bis in
das 80. Jahr. Einem anmutigen Plauderer wie Voi=
ture
oder La Fare iſt alles erlaubt, jede Keckheit, jede
Malize; fasziniert hängt alles an ſeinem Munde, und
ſein Witzwort hat eine ungeheuere Macht: es verleiht
geſellſchaftlichen Ruhm und geſellſchaftlichen Ton. Di=
Cauſerie, dies verführeriſch ſchöne Kind des geiſtreichen
Augenblicks, beherrſcht die ganze ſoziale Kultur des
18. Jahrhunderts; ſie macht aus einer niedrig gebore=
nen
, häßlichen, in dürftigen Verhältniſſen lebenden
Frau wie Madame Geoffrin die angebetete Königin
vornehmſter Leſte des Eſprits und der Grozié,

[ ][  ][ ]

Nummer 276,

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 24. November 1910.

Seite 3.

* Ein Erholungsheim für ſchulpflichtige kränkliche
Kinder in Darmſtadt. Hieſige Blätter haben eine aus=
wärtige
Noriz übernommen, wonach die Darmſtädter
Stadtverwaltung mit den Gemeinden Kirſchhauſen und
Mittershauſen im Kreiſe Heppenheim wegen Erwerbung
von Gelände für ein Erholungsheim in Unterhandlungen
ſtehe. Dieſe Mitteilung iſt unrichtig. Der
Gedanke an die Errichtung eines Erholungsheims wird
allerdings zurzeit erwogen, hat aber noch keinerlei greif=
bare
Geſtalt angenommen. Herr Beigeordneter Mueller
hat im vorigen Monat, wie man ſich aus den Zeitungs=
berichten
erinnern wird, in einer Verſammlung des Ver=
bandes
für Jugendfürſorge ausführlich über den Plan
referiert. Die Sache liegt zurzeit ſo, daß die Stadt bei
den Kreisämtern Bensheim, Heppenheim, Erbach und
Dieburg angefragt hat, ob ihr eventuell geeignetes Gelände
zu dem gedachten Zwecke koſtenfrei zur Verfügung geſtellt
werden kann.
Ergänzungswahlen zur Handelskammer. Bei
den geſtrigen Ergänzungswahlen zur Handelskammer
für die Wahlgruppe Induſtrie wurden insgeſamt
25 Stimmen abgegeben, die ſämtlich auf die Herren
Geh. Kommerzienrat Dr. L. Merck, Fabrikant Emil
Schenck (i. Fa. C. Schenck) und Regierungs= und Bau=
rat
Jordan von der Direktion der Südd. Eiſenbahn=
geſellſchaft
entfielen.
Landesmuſeum, Am 25. d. M. Großherzogs
Geburtstag bleibt das Landesmuſeum geſchloſſen.
* Tuberkuloſe=Muſeum. Im Kreiſe Lauterbach
war das Tuberkuloſe=Muſeum in Schlitz von
1750 und in Herbſtein von 860 Perſonen beſucht. In
beiden Orten wurden 8 Vorträge gehalten.
D Zigarettenſtener. Im Intereſſe unſerer zahl=
reichen
Leſer, die mit Waren Handel treiben, welche der
Zigarettenſteuer unterliegen, machen wir an dieſer
Stelle auf die einſchneidende Beſtimmung in § 15 des
Zigarettenſteuergeſetzes beſonders aufmerkſam, wonach
derjenige, der ſich gewerbsmäßig mit dem Verkauf von
Zigaretten, Zigarettentabak, Zigarettenhülſen und
=blättchen befaſſen will, dies vorher der Steuerbehörde
anzuzeigen hat. Die Anmeldung hat bei dem zuſtän=
digen
Steueramte bezw. Hauptſteueramte zu erfolgen.
Die Beachtung dürfte um ſo mehr erforderlich ſein, als
Zuwiderhandlungen gegen die betreffenden geſetzlichen
Vorſchriften mit beſonders hohen Strafen bis zu
300 Mark geahndet werden.
Hanſa=Bund. Am Dienstag, den 22. November,
hat im Auftrag der Bezirksgruppe Darmſtadt des
Hanſa=Bundes Herr Handelskammer=Syndikus Dr.
Human aus Darmſtadt in einer ſehr gut beſuchten
öffentlichen Verſammlung in Groß=Gerau über
Die kommenden Reichstagswahlen und der Hanſa=
Bund geſprochen. Im Anſchluß an dieſen Vortrag
wurde einhellig der Zuſammenſchluß der bereits zahl=
reich
vorhandenen Hanſa=Bund=Mitglieder in Groß=
Gerau zu einer Ortsgruppe Groß=Gerau beſchloſſen.
Gleichzeitig trat dem Hanſa=Bund eine Anzahl neuer
Mitglieder bei.
Der zweite Kammermuſik=Abend des Darmſtädter
Streichquartetts findet am Mittwoch, den 30. November,
im Hotel zur Traube ſtatt. Unter Mitwirkung des
Pianiſten Herrn Chr. Gerh. Eckel aus Frankfurt
ſpielt Herr Weyns die Zweite Violoncell=Sonate von
Brahms. Als Novität kommt das B=dur= Streichquar=
tett
von Suk und zum Schluß des Abends Beethovens
C=dur=Streichquintett op. 29, mit Herrn Kammermuſiker
Uhlmann an der zweiten Violine, zur Wiedergabe.
Petrusgemeinde. Am Abend des Totenſonntags
brachte der Kirchengeſangverein der Petrusgemeinde
das Oratorium von Dr. Loewe Die Auferweckung des
Lazarus zur Aufführung. Leider mußten Hunderte,
die Einlaß in die Kirche begehrten, wieder umkehren,
da das Gotteshaus ſich ſehr raſch füllte und ſelbſt in den
Gängen nicht ein Plätzchen mehr zu finden war. Die
Chöre des ergreifenden Werkes wurden mit großer
Präziſion vorgetragen, auch die Soliſten leiſteten durch=
weg
Gutes, insbeſondere Herr Franz Harres, der die
Jeſuspartie meiſterhaft ſang. Am 27. November,
1. Advent, hält die Petrusgemeinde ihren erſten Ge=
meindeabend
in dem Gemeindehaus Hofgartenſtr. 8.
Herr Oberhofprediger Ehrhardt hat den Vortrag
übernommen, Frau Profeſſor Bergmann, Frl. Thea
Fey, ſowie das der Gemeinde bekannte Orcheſter haben
ihre Mitwirkung freundlichſt zugeſagt. Näheres beſagt
die Anzeige.
* Chopin=Liſzt=Abend. Auf den heutigen Kla=
vierabend
des Herrn Willy Hutter im Saale der
Traube ſei nochmals hingewieſen.
* Vortrag. Auf den heute abend 8 Uhr im Kaiſer=
ſaal
ſtattfindenden Vortrag von Profeſſor D. Schian
über das Thema: Geſchichte und Gegenwart
im Kampf um unſer kirchliches Leben wird
nochmals hingewieſen.
Kathol. Gottesdienſt an Großherzogs Ge=
burtstag
. Wegen der gegenwärtig in der St. Ludwigs=

kirche ſtattfindenden Reſtaurationsarbeiten wird in dieſem
Jahre der katholiſche Feſtgottesdienſt zur Feier des Ge=
burtstages
Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs in der
St. Eliſabethenkirche abgehalten. Derſelbe iſt auf Freitag
vormittag anberaumt und beſteht in levitiertem Hochamt
mit Predigt und Te Deum.
Stadtmiſſion. Der vierte Vortrag von Pfarrer
Veller in der Stadt Pfungſtadt über Jeſus und der
Satan findet heute abend ſtatt. (Näheres ſiehe Anzeige.)
Der evangeliſche Frauenverein für den Südweſt=
bezirk
der Stadtgemeinde wird, wie in früheren Jahren
ſo auch diesmal, das neue Kirchenjahr mit einem Fami=
lienabend
beginnen, den er nächſten Sonntag in dem Ge=
meindehauſe
, Kiesſtraße 17, veranſtaltet. Der Bedeutung
des Tages entſprechend wird die Feier Adventscharakter
tragen, der vornehmlich in den Anſprachen der Pfarrer
Velte und D. Dr. Diehl zum Ausdruck kommen wird.
Das Programm enthält weiter Sologeſänge, die Fräu=
lein
Lippold (Sopran) und Herr Jung (Baß) vor=
tragen
werden, ſowie Deklamationen, die Herr Joeckel
übernommen hat. Außer den Mitgliedern und ihren
Familien ſind auch die Freunde des Vereins willkommen.
(Näheres im Anzeigenteil.)
* Für die ſchulentlaſſene Jugend. Wir leben in einer
Zeit, in der die Verhandlungen über die Fürſorge
für die ſchulentlaſſene Jugend im Vorder=
grund
des Intereſſes ſtehen, nichtsdeſtoweniger aber Ver=
eine
, die ſich ſeit Jahren der Jugendarbeit praktiſch ange=
nommen
haben, mit den größten Exiſtenzſchwierigkeiten
kämpfen müſſen. In der erſten Reihe der in unſerer Stadt
in Segen, aber auch in finanziellen Nöten wirkenden
Jugendvereine ſteht der 1901 gegründete Chriſtliche
Verein junger Männer Wartburg deſſen
Vorſitzender zurzeit Herr Pfarrer D. Dr. Diehl iſt. Um
dieſem Verein etwas emporzuhelfen, haben ſich in dan=
kenswerter
Weiſe Frau Kammerſänger Weber (Sopran),
Herr Hofopernſänger Hoff (Baß), Herr Bruno Stumpf
(Violine), ſowie der Evangeliſche Gemeindegeſangverein
der Stadtgemeinde zur Abhaltung eines Wohltätigkeits=
konzerts
zuſammengeſchloſſen, das Mittwoch, den 30. No=
vember
, abends 8¼ Uhr, im Kaiſerſaal ſtattfinden wird.
Karten zu 1,50 Mark, 1 Mark und 50 Pfg. ſind im Ver=
kehrsbureau
, in der Hofmuſikalienhandlung von Thies
und abends an der Kaſſe zu haben.
Der Katholiſche Frauenbund und der Volks=
verein
für das katholiſche Deutſchland ver=
anſtalten
am Sonntag, den 4. Dezember, einen Lichtbilder=
vortrag
über das Thema Wie lernen wir Bilder ver=
ſtehen
? (Näheres ſiehe Anzeige.)
nn. Der Heſſiſche Landeslehrerverein hat den
Rektor Adam Stenner zu Mainz aus Anlaß ſeines
50jährigen Dienſtjubiläums zum Ehrenmitglied des
Vereins ernannt. Die von Hofkalligraph Göttmann=
Darmſtadt künſtleriſch ausgeführte Ehrenurkunde auf
weißem Pergament hat folgenden Wortlaut: Der Vor=
ſtand
des Heſſiſchen Landeslehrervereins ernennt hier=
mit
Herrn Rektor Adam Stenner in Mainz in Aner=
kennung
der Verdienſte, die er ſich als langjähriges
Mitglied des Vorſtandes erworben hat, aus Anlaß
ſeines 50jährigen Dienſtjubiläums zum Ehrenmitglied.
Darmſtadt, 15. November 1910. Huff, Obmann, Mink,
Schriftführer. Die Ueberreichung der Urkunde erfolgt
demnächſt durch eine Deputation in Mainz.
* Ein Pianola=Konzert veranſtaltet die Firma Gg.
Thieß Nachflg. (Leop. Schutter) am Montag, den
28. November, abends von 5 bis 7 Uhr in ihren durch
Umbau vergrößerten Verkaufsräumen in der Eliſa=
bethenſtraße
. Platzkarten ſind bei der Firma zu haben.
Adreßbuch. Die Druckbogen des 1911er Adreß=
buches
, enthaltend Hausregiſter Mollerſtraße 33
bis Obergaſſe 2 liegen im Hauptmeldebureau,
Hügelſtraße Nr. 31/33, Zimmer Nr. 13, während der
Bureauſtunden (8 bis 12 Uhr vormittags und 2 bis
6 Uhr nachmittags) bis zum 26. November vormittags
zur Einſichtnahme offen.
Prämiiert. Bei der in Mannheim abgehaltenen
Schau von Hunden aller Raſſen erhielt Herr S.
Sobernheim, Mitglied des Vereins der Hunde=
freunde
von Darmſtadt und Umgegend, für ſeinen
braunen Dobermannrüden 2 erſte und 2 Ehrenpreiſe.
Herr P. Illert hier, Martinſtr. 29, erhielt für ſeinen
mit mehreren I. u. II. Preiſen prämiierten drahth. Fox=
terrier
Groom in Haupt= und Jugendklaſſe je I. Preis
und Ehrenpreis.
Der Verband der Tapezierer Darmſtadts ſchreibt
uns: Bei dem großen Intereſſe, welches ſeit einigen
Jahren den Ledermöbeln (Klubſeſſel uſw.) entgegenge=
bracht
wird, hat ſich die hieſige Ortsverwaltung ent=
ſchloſſen
, einen Speziallederkurſus abzuhalten, um
ihren Mitgliedern Gelegenheit zu geben, auch dieſen
Zweig des Berufes praktiſch zu erlernen. Der
Kurſus wird von einem tüchtigen Fachmann geleitet.
Der Verein für Geflügel= und Vogelzucht Ornis
hielt ſeine Monatsverſammlung ab, die ſehr gut beſucht

war. Der erſte Vorſitzende eröffnete ſie mit Begrüßung
der Erſchienenen und teilte mit, daß zwei neue Mitglieder
auf Nachſuchen aufgenommen worden ſeien. Der Rüſſels=
heimer
Verein ladet zur Beſchickung ſeiner allgemeinen
Ausſtellung ein. Herr Waldſchmidt erſtattete als
Vertreter des Vereins eingehenden Bericht über die am 20.
November in Pfungſtadt abgehaltene Starkenburger Ver=
bandsverſammlung
. Seine Ausführungen fanden unter
lebhaften Beifallsbezeugungen die volle Zuſtimmung der
Anweſenden. Der erſte Vorſitzende ſprach ihm für ſein
korrektes Verhalten in der Sache den beſonderen Dank des
Vereins aus. Nach Berichterſtattung über die vom 19. bis
21. ds. Mts. in Pfungſtadt abgehaltene 6. Starkenburger
Verbands=Ausſtellung, bei der wieder eine große Anzahl
Vereinsmitglieder Sieger erſte, zweite, dritte und vierte
Preiſe auf ihre ausgeſtellten Tiere erhielten, ſowie über
die vom 5. bis 7. ds. Mts. veranſtaltete Vereinsausſtellung
wurde zur üblichen Verloſung geſchritten.
Ludwigshöhe. Anläßlich des Geburtsfeſtes Sr.
Kgl. Hoheit des Großherzogs findet am Freitag, den
25. November, nachmittags 4 Uhr, ein Feſtkonzert ſtatt,
gegeben von einem größeren Teile des Muſikkorps des
Leibgarde=Regiments. (Siehe Anzeige.)
Offenbach, 23. Nov. Der Verband der De=
tailliſtenvereine
im Großherzogtum Heſſen
hielt geſtern in Offenbach eine Ausſchußſitzung ab.
Der Vorſitzende, Herr W. Kalbfuß=Darmſtadt, be=
richtete
über die ſeitherige Tätigkeit des Vorſtandes
und referierte ſodann über die im Laufe des letzten
Monats in Berlin abgehaltene Tagung der Inter=
eſſengemeinſchaft
, der Detailliſtenverſammlung, wegen
der Penſionsverſicherung der Angeſtellten, der De=
tailliſtenverſammlung
des Hanſabundes und der
Generalverſammlung der Zentralvereinigung deut=
ſcher
Vereine für Handel und Gewerbe. Die Ver=
ſammlungen
hatten durchweg einen impoſanten Ver=
lauf
genommen. Bei der Kundgebung, betreffend die
Penſionsverſicherung der Angeſtellten, waren 200000
Detailliſten vertreten. Ein Zentralausſchuß der Prin=
zipalverbände
wurde gebildet, dem auch der Heſ=
ſiſche
Verband beigetreten iſt. Bei der Tagung
der Zentralvereinigung war beſonders die Beſprech=
ung
der Frage: Ausſchaltung des Kleinhandels und=
Kleingewerbes und die Stellung des gewerblichen
Mittelſtandes hierzu von beſonderem Intereſſe.
Der Blumentag der Großherzogin, der am zwei=
ten
Adventstag geplant war, iſt auf Vorſtellung hin
bis zum nächſten Frühjahr verſchoben worden. Die
benötigten Blumen ſollen auf ſpeziellen Wunſch der
Großherzogin durch Vermittelung des Verbandsvor=
ſitzenden
von heſſiſchen Fabrikanten bezogen, bezw.
von heſſiſchen Detailliſten vertrieben werden. Bezüg=
lich
der Sicherungsübertragung von Objekten wurde
beſchloſſen, in Gemeinſchaft mit den anderen wirt=
ſchaftlichen
Verbänden eine Eingabe an den Reichs=
tag
zu richten, in der die dokumentariſche Eintragung
aller derartigen Uebertragungen in ein bei dem
Amtsgericht niedergelegtes Regiſter angeſtrebt wer=
den
ſoll. Den direkten Verkauf durch Fabrikan=
ten
an Private, ſowie das Zugabeunweſen wird der
Verband nachdrücklichſt weiter bekämpfen, ſowie eine
Neuregelung des ſtaatlichen Submiſſionsweſens an=
ſtreben
. Weiter ſoll an maßgebender Stelle verſucht
werden, daß auch in Frankfurt eine Regelung der
Ausverkäufe erfolgt, damit die heſſiſchen Nachbarſtädte
unter der Willkür der Frankfurter Geſchäfte nicht
weiter zu leiden haben.
Um 9 Uhr abends fand eine Proteſtver=
ſammlung
der Offenbacher Detailliſten gegen die
dortige Handelskammer ſtatt, der auch der Geſamt=
ausſchuß
des Verbandes beiwohnte. Nach einem aus=
führlichen
und ſachlich gehaltenen Referat des Herrn
W. Kalbfuß=Darmſtadt wurde nachfolgende Reſo=
lution
einſtimmig angenommen: Die heute verſam=
melten
Offenbacher Detailliſten und mit ihnen die
Vertreter der dem Heſſiſchen Verband angeſchloſſenen
Detailliſten=Vereine bedauern aufs lebhafteſte, daß die
Offenbacher Handelskammer bei der Frage der Be=
ſteuerung
der Filialgeſchäfte und Warenhäuſer im
Gegenſatz zu den anderen heſſiſchen Handelskammern
und gegen die Stimme des hieſigen Vertreters des
Kleinhandels eine abweichende Stellung eingenommen
hat. Sie erwarten zuverſichtlich, daß die Handels=
kammer
in Zukunft mehr als ſeither auf die Wünſche
und Bedürfniſſe des Kleinhandels Rückſicht nimmt.
Sie ſprechen ferner dem Syndikus der Handels=
kammer
, Herrn Schloßmacher, ſchärfſte Mißbilligung
wegen ſeiner Haltung in den vorerwähnten Fragen
aus und ſind der Anſicht, daß Herr Schloßmacher
wegen ſeiner Stellung zum Verbande der ſüddeutſchen
Großdetailliſten und als Werber für den Verband
deutſcher Filialbetriebe nicht mehr das unbedingt not=
wendige
Vertrauen der Detailliſten beſitzt, um ferner=
hin
das Amt des Syndikus in der Offenbacher Han=
delskammer
bekleiden zu können.

Konzerte.
W. Der Richard Wagner=Verein veranſtaltete am
Dienstag einen Theodor Streicher=Abend,
an dem nur Liederkompoſitionen des Wiener Kompo=
niſten
zum Vortrag gelangten. Der Abend bewies,
daß allzu viel Lob denen, welchen man nützen will,
ſchaden kann, da die Erwartungen dadurch zu hoch ge=
ſpannt
werden. Zwar keinen Meiſter des deutſchen
Liedes von dem man das Höchſte zu erwarten berech=
tigt
wäre, wohl aber ein höchſt beachtenswertes und
Achtung gebietendes Talent möchten wir den Kompo=
niſten
, einen Jünger Hugo Wolfs, nennen. In ſei=
nen
zuerſt zum Vortrag gelangten Deutſchen Minne=
und Liebesliedern wird, entſprechend dem Charakter
der kleinen Dichtungen, der volkstümliche Ton in
künſtleriſch veredelter und gehobener Form ſehr glück=
lich
getroffen und der Komponiſt iſt hier auch von
einer glücklichen Inſpiration geleitet worden, wäh=
rend
in den Liedern des Hafis, von denen 15 zum
Vortrag gelangten, hinter der Kunſt des Stils und
der muſikaliſchen Reflexion die Urſprünglichkeit der
Empfindung zurücktritt. In der Form iſt der Kom=
poniſt
mit Erfolg beſtrebt, einen Widerſpruch zwiſchen
Dichtung und Kompoſition zu vermeiden, vielmehr
paßt ſich der Komponiſt dem Dichter ſo ſehr an, daß
in dieſer harmoniſchen Anpaſſung ein künſtleriſches
Prinzip zu erkennen iſt. Allerdings das kann nicht
geleugnet werden die Vielgeſtaltigkeit der Form
und den Reichtum an muſikaliſchen Ideen eines Hugo
Wolf oder gar eines Schubert beſitzt Herr Streicher
nicht.
Die Lieder wurden von dem Komponiſten ſelbſt
muſtergültig begleitet und von Herrn Konzertſänger
Karl Schmedes aus Wien, der ſich bei dem hieſigen
Konzertpublikum bereits erfolgreich eingeführt hat
und über ein ſchön timbriertes und modulations=

reiches Organ gebietet, mit vielem Geſchmack, feinem
muſikaliſchen Verſtändnis und vornehmer Kunſt des
Vortrags geſungen. Zwei Lieder des Hafis, Ich habe
mich dem Heil entſchworen und Eine Fürſtin iſt die
Schönheit wurden auf den lebhaften Beifall des Pu=
blikums
hin wiederholt.

Vorträge.
. Die Ortsgruppe Darmſtadt des
Odenwaldklubs veranſtaltete am Dienstag den
zweiten ihrer ſo beliebten Vortragsabende im Gar=
tenſaale
des ſtädtiſchen Saalbaues. Der Andrang zu
der Veranſtaltung war ſo groß, daß die Zuſpät=
kommenden
ſich mit Stehplätzen begnügen mußten.
Der Abend wurde eingeleitet mit einer Begrüßungs=
anſprache
von Herrn Profeſſor Kiſſinger, hierauf
hielt Herr Sanitätsrat Dr. Maurer, bei ſeinem
Erſcheinen lebhaft begrüßt, einen Vortrag mit Licht=
bildern
, dem er die Bezeichnung: Ein Ausflug
in die Gegend unſerer Weſtgrenze gege=
ben
hatte. Die Fahrt begann bei Wimpfen, von dem
Stadt und Dorf kurz geſchildert wurden, um dann
in der Gegend von Saarbrücken ihre Fortſetzung zu
finden. Der Kontraſt zwiſchen dem altertümlichen,
maleriſchen Wimpfen und den Induſtrieſtädten Saar=
brücken
und St. Johann, die im Lichtbilde vorgeführt
wurden, war in die Augen ſpringend. Namentlich
die Straßenbilder von Saarbrücken machten einen
großſtädtiſchen Eindruck. Es folgte nun ein Beſuch
der Schlachtfelder in der Umgebung von Saarbrücken.
An Hand einer kurzen Schilderung des Redners und
mit Unterſtützung von Situationsplänen und Licht=
bildern
konnte man ſich eine ſehr gute Vorſtellung
von dem blutigen Ringen jener Tage machen. Eine
Reihe von Schlachtenbildern, die ebenfalls durch den
Projektionsapparat vorgeführt wurden, dienten dem
gleichen Zweck=

Die knappe, ſachliche Erzählung der Ereigniſſe in
Verbindung mit den Illuſtrationen hatte etwas Feſ=
ſelndes
; es war, als ob man die Dinge aus eigener
Anſchauung geſehen hätte. Nicht minder intereſſant
war ein Beſuch von Metz und der Schlachtfelder der
dortigen Umgebung. Die Reiſe ging dann weiter
nach Luxemburg, ausgezeichnet durch ſeine Lage, dann
nach Trier mit ſeinen alten Bauten. Ein Ausflug
nach der Eifel ſchloß ſich an; die Bilder, die von dort
gezeigt wurden, z. B. die von Killburg, Daun, Ge=
münd
, Manderſcheid und den vielen Maaren, jenen
eigenartigen Kraterſeen, gefielen außerordentlich. Auch
die Moſellandſchaften und namentlich auch das Bild
der Burg Eltz riſſen die Anweſenden zu lauten Aeu=
ßerungen
der Bewunderung hin. In ſchneller Folge
wurden dann die Städte Koblenz, Andernach, Re=
magen
, Rolandseck, Königswinter und Bonn beſucht.
Bilder vom Aartal zeigten, welche Verheerungen der
Fluß anrichten kann. Nach einem Ausflug durch das
Brohltal folgte eine Fahrt durch das Lahntal, das
u. a. die wundervollen Städtebilder von Naſſau, Diez
und Weilburg bot. In Wetzlar fand dann die Reiſe
ihr Ende.

gezeichnete Aufnahmen von Landſchaften bot, brauch
wohl nicht erwähnt zu werden. Wie ſehr er die Pfleg
der photographiſchen Kunſt geübt wiſſen will, zeig=
ſein
Appell an die Jugend der höheren Lehranſtalte
bei Ausflügen ſtets einen photographiſchen Apparc
mitzuführen. Außerordentlich lebhaften Beifall fan
den die Ausführungen des Redners. Herr Profeſſot
Kiſſinger dankte ſodann nochmals im Namen de
Verſammlung und feierte die Verdienſte des Herrn
Sanitätsrats Dr. Maurer um den Odenwaldklub un
das Odenwaldmuſeum, worauf der Beifall ernen
einſetzte.

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Seite 4,

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 24. November 1910.

Nummer 276.

Herr Landtagsabgeordneter Juſtizrat von
Brentano, welcher der Verſammlung beiwohnte,
gab ſeinem Erſtaunen über das Gehörte unverhohlen
Ausdruck. Er wird die Angelegenheit nochmals in
der Kammer zur Sprache bringen.
Offenbach, 23. Nov. Der aus Wieſeck bei Gießen
gebürtige Schreibgehilfe Guſtav Hauſuld hat ſich
heute vormittag, angeblich wegen Schulden, durch einen
Schuß aus einem ſchwerkalibrigen Revolver in die rechte
Schläfe getötet. Der Lebensüberdrüſſige bewohnte
in der Bieberer Straße gemeinſam mit einem Kolle=
gen
ein Manſardenzimmer. Heute morgen ließ er
dieſen allein zur Arbeit gehen. Gleich nach deſſen Weg=
gang
muß ſich der Schreibgehilfe erſchoſſen haben. Im
Hauſe wurde von dem Selbſtmord nichts bemerkt, bis
gegen Mittag die Frau in den oberen Stock hinauf=
ging
, um nach dem vermutlich Kranken zu ſehen. Sie
fand ihn mit durchſchoſſener Schläfe tot im Bett liegend
auf.
A Beerfelden, 21. Nov. Veranlaßt vom hieſigen
Ortsgewerbeverein ſprach geſtern nachmittag in der
Brauerei Schmucker hier Herr Lehrer Loctz=Offenbach
über Invalidenverſicherung Hier konnten die
Intereſſenten vornehmlich erfahren, welche Vorteile
ihnen dieſes Geſetz bietet und ſichert, welche Rechte
und Pflichten es ihnen auferlegt. An geeigneter
Stelle wurde auch auf die Reichsverſicherungsordnung
Bezug genommen. Trotzdem das Geſetz Reichsgeſetz iſt=
wird
von den einzelnen Verſicherungsanſtalten manches
ganz verſchieden gehandhabt, und in mehrfacher Be=
ziehung
bietet unſere heſſiſche Anſtalt nennenswerte
Vorteile. Da dieſes Geſetz ſeinerzeit auf burean=
kratiſche
Grundlage geſtellt wurde, hat es ſich nicht
entwickelt und auch die demnächſtige Aenderung man=
cher
geſetzlicher Beſtimmungen der Reichsverſicher=
ungsgeſetze
wird keine großen Reformen bringen. Die
Verſicherungsanſtalt ſollte zur Anwendung des Heil=
verfahrens
nicht nur befugt, ſondern verpflichtet
ſein. Es iſt erfreulich, daß bei uns in Heſſen in wach=
ſendem
Maße den Anträgen auf das Heilverfahren
von der Verſicherungsanſtalt Folge gegeben wird.
M. Stockſtadt, 23. Nov. Bei dem das ganze Jahr
ſchon anhaltenden Hochwaſſer haben unſere Alt=
rheinfiſcher
das beſte Geſchäft gemacht. Während
in anderen Teilen des Rheins über Fiſcharmut geklagt
wird, iſt das hieſige Altwaſſer immer fiſchreich;
namentlich Aale wurden im Sommer zentnerweiſe ge=
fangen
. Auf die das nächſte Jahr ſtattfindende Neu=
verpachtung
iſt man geſpannt, da ſchon verſchiedene
andere Geſellſchaften von Berufsfiſchern ſich zuſammen=
geſchloſſen
haben, um das eine oder andere Stück des
Rheins zu pachten. Bei der herrſchenden Finanznot
iſt es eine willkommene Einnahmequelle des heſſiſchen
Staates. Wie verlautet, ſoll auch die Fiſcherei in meh=
reren
Teilen verpachtet werden, damit auch den links=
rheiniſchen
Berufsfiſchern Gelegenheit geboten wird,
den einen oder anderen Teil, der dem Neurhein nahe
liegt, zu erwerben.
B. Mainz, 22. Nov. Bei der heute hier ſtattgehab=
ten
Stadtverordnetenwahl erhielten in der Stadt
Mainz die 18 Kandidaten der vereinigten bürger=
lichen
Parteien (Fortſchrittliche, Nationalliberale und
Zentrum) 4778 ungeſtrichene, 1292 geſtrichene Zettel,
die 18 Kandidaten der Sozialdemokratie 4909 unge=
ſtrichene
, 266 geſtrichene Zettel, die Kandidaten einer
heute aufgetretenen Bürgerpartei, die von beiden
Zetteln der anderen Parteien genommen waren, 229
ungeſtrichene und 67 geſtrichene Zettel. Welche Kan=
didaten
gewählt ſind, kann erſt ſpäter mit Beſtimmt=
heit
feſtgeſtellt werden. Es wird als ſicher angenom=
men
, daß die Kandidaten der bürgerlichen Parteien
gewählt ſind. In Mainz=Mombach wurden für
den bürgerlichen Zettel 524 Stimmen, für den ſozial=
demokratiſchen
Zettel 549 Stimmen abgegeben. Die
Sozialdemokraten ſind dort gewählt. In Mainz.=
Kaſtel wurden für die bürgerlichen Kandidaten 553
Stimmen, für die ſozialdemokratiſchen Kandidaten
549 Stimmen abgegeben. Dort ſind demnach wahr=
ſcheinlich
die bürgerlichen Kandidaten gewählt. In
Anbetracht des geringen Stimmenunterſchiedes muß
man jedoch die genauere Zählung abwarten.
Mainz, 22. Nov. Seit Sonntag iſt die 46jährige
Ehefrau Weber, geb Conradi, von hier verſchwun=
den
. Es wird angenommen, daß ſich die Frau ein
Leid angetan hat. Die Vermißte war gut gekleidet
und hatte ein gehäkeltes Tuch umhängen. Ein hie=
ſiger
Reiſender ſchoß ſich geſtern abend auf dem chriſt=
lichen
Friedhofe eine Kugel in die rechte Kopfſeite;
ſchwer verletzt wurde er nach dem St. Rochushoſpital
verbracht.

Worms, 22. Nov. Bei der heutigen Stadtver=
ord
netenwahl ſiegte die Liſte der vereinigten
Nationalliberalen und des Zentrums über die der
Sozialdemokraten und Freiſinnigen.
* Gießen, 23. Nov. Bei der Stadtverordne=
tenwahl
wurden gewählt: Sieben Fortſchrittler,
vier Nationalliberale und zwei Sozialdemokraten.
Gießen, 23. Nov. Der Stud. Karl Liſtmann
aus Darmſtadt beſtand bei der philoſophiſchen Fakultät
der Landesuniverſität das Doktorexamen in drei Fremd=
ſprachen
mit ſehr gut‟ L. war Schüler des Ludwig
Georg=Gymnaſiums und iſt 21 Jahre alt.
Nidda, 22. Nov. An Stelle des kürzlich verſtorbe=
nen
Bürgermeiſters Roth wurde mit 1283 Stimmen
einſtimmig der Beigeordnete Ludwig Erk I., Sohn
des Landtagsabgeordneten Wilhelm Erk, gewählt. Er
war erſt vor kurzem als Beigeordneter an Stelle des
wegen Alters zurückgetretenen Beigeordneten und
Kreistagsmitglieds W. Braun II. gewählt worden.

Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 22. Nov. Wie jetzt feſtſteht,
wird die deutſche Kronprinzeſſin auf ihrer Rück=
reiſe
von Colombo nach Alexandrien den Dampfer
Lützow benutzen. Nach der Beendigung ihres auf zwei
Monate berechneten Aufenthaltes in Aegypten ſteht der
Kronprinzeſſin das Stationsſchiff Loreley zur Ver=
fügung
, das ſich in Genua für dieſen Zweck vorbereitet.
Nach Verlaſſen von Aegypten nimmt die Kronprinzeſſin
in Cannes Aufenthalt. Die Rückkehr der Kronprinzeſſin
wird erſt im Mai nächſten Jahres erfolgen. Das
rätſelhafte Verſchwinden des Kunſtmalers
Paul Rehberg iſt trotz der eifrigſten Nachforſchungen
der Polizeibehörden Groß=Berlins immer noch in ein
tiefes Dunkel gehüllt. Die urſprüngliche Annahme, daß
der Maler, der ſeit dem 30. Oktober vermißt wird, in der
Dunkelheit in der Nähe der Dove=Brücke in den Kanal
geſtürzt ſei, hat ſich nicht beſtätigt, denn bei einer wieder=
holten
genauen Abſuchung des Kanals wurde die Leiche
nicht gefunden. Jetzt neigt die Behörde der Anſicht zu,
daß Rehberg wahrſcheinlich das Opfer eines Verbrechens
geworden iſt. Es iſt feſtgeſtellt worden, daß der Ver=
ſchwundene
80 Mark Kollegiengelder, ferner den Kaſſen=
beſtand
der Verbindung Hellas der er angehörte, in
Höhe von etwa 50 Mark und etwa 15 Mark eigenes
Taſchengeld bei ſich geführt hat. Es wird nun vermutet,
daß Rehberg, der ſich in animierter Stimmung befand, in
jener Nacht ums Leben gebracht worden iſt, oder aber
daß die Leiche des Vermißten von Spreepiraten und
Kanalſchiffern irgendwo verborgen gehalten wird. Die
Polizei verbot das Auftreten der ruſſiſchen
Opernſänger, die hier ſibiriſche Lieder zum Vortrag
bringen wollten. In der Verfügung heißt es: Wie die
bereits in Wort und Bild durch die Preſſe verbreiteten
Abbildungen erkennen laſſen, tragen die Mitglieder dieſer
Truppe Masken und Koſtüme ſibiriſcher Gefangener. Eine
ſolche öffentliche Nachahmung eines in Rußland zur An=
wendung
kommenden ſtaatlichen Strafvollzugs im Rah=
men
einer derartigen Geſangsvorführung und Schau=
ſtellung
von Perſonen iſt geeignet, die öffentliche Ordnung
zu ſtören. Im Südoſten der Stadt brach heute nach=
mittag
ein gefährlicher Fabrikbrand aus, bei dem
vier Arbeiter in größter Lebensgefahr ſich befanden. Im
letzten Augenblick konnten ſich die vier, mit Brandwunden
bedeckt, noch retten. Die Zahl der Hunde in
Berlin und den Vororten hat von Jahr zu Jahr erheb=
lich
zugenommen. Vor fünf Jahren wurden in Berlin
30000 und in den größeren Vororten, die eine Hunde=
ſteuer
eingeführt hatten, 10000 Hunde ermittelt. Heute
zählt man in Berlin über 40000 und in den Vororten
über 20000 Hunde. Natürlich mehren ſich auch die Klagen
über die Hundeplage‟
Augsburg, 23. Nov. Ein hieſiger Hausbeſitzer, der
einem Mieter die Einrichtung eines
Telephons nicht geſtatten wollte, wurde zur Ge=
nehmigung
verurteilt mit der Erklärung, daß der
Hausbeſitzer verpflichtet iſt, die Einrichtung eines
Telephonanſchluſſes zu erlauben.
Erfurt, 22. Nov. In der Wohnung des Schreibers
Siebert in der kleinen Herrenbergſtraße ſpielten heute
nachmittag drei Kinder im Alter von zwei bis ſechs
Jahren in Abweſenheit der Eltern mit Streich=
hölzern
und ſetzten die Betten in Brand. Die beiden
jüngeren Kinder fänden den Erſtickungstod, das
älteſte iſt an Rauchvergiftung lebensgefährlich erkrankt.
Hamburg, 22. Nov. In manchen Wirtſchaftsbe=
trieben
iſt es eingeführt, daß die Kellner von ihren
Trinkgeldern einen beſtimmten Satz an die In=
haber
des Lokals abzugeben haben. Der Inhaber eines

Hamburger Cafés läßt ſich von ſeinen Kellnern täglich
50 Pfg. als Beitrag für die Reinigung des Lokals ent=
richten
. Kellner, die ohne Gehalt oder Vergütung an=
geſtellt
ſind, müſſen dieſen Betrag von ihren Trink=
geldereinnahmen
bezahlen. Einer der Kellner hatte
nun auf dieſe Weiſe an den Caféinhaber 21 Mark be=
zahlt
und verlangte, als er austrat, dieſe Summe
zurück, weil die Vereinbarung, die die Abgabe des Be=
trages
von den Trinkgeldern an den Wirt vorſchreibe,
gegen die guten Sitten verſtoße und demnach ungül=
tig
ſei. Das Hamburger Gewerbegericht wies jedoch
den Anſpruch des Kellners zurück unter der Begrün=
dung
, derartige Abgaben ſeien vielfach üblich und ver=
letzten
nicht das ſittliche Empfinden, ebenſowenig, wie
die ebenfalls verbreitete Anſtellung von Kellnern ohne
Lohn, die auch nicht als gegen die guten Sitten ver=
ſtoßend
angeſehen werde. Der Gaſt der Wirtſchaft habe
kein Intereſſe daran, daß ſein Trinkgeld unter allen
Umſtänden dem Kellner verbleibe. Das ſei der natür=
lichen
Regelung zwiſchen Angebot und Nachfrage zu
überlaſſen.
Bremen, 22. Nov. Hier ſind zwei Perſonen ver=
haftet
worden, die in Wirtſchaften und auf der
Straße goldene Uhren zum Verkauf an=
boten
. Alle Rock= und Hoſentaſchen und ſelbſt die
Strümpfe der Verhafteten waren mit Uhren und an=
deren
Wertgegenſtänden voll geſtopft. Es iſt wahr=
ſcheinlich
, daß die beiden Feſtgenommenen an den letz=
ten
Juwelendiebſtählen in Hamburg beteiligt geweſen
ſind.
Wien, 22. Nov. In der Bürgerſchule in
Alt=Hietzing wurde heute früh der 12 Jahre alte Sohn
des Motorfahrers Karl Nowak in einem Lichthofe
ſchwer verletzt aufgefunden. Es ſtellte ſich heraus,
daß der Knabe geſtern nachmittag von ſeinem Lehrer
wegen eines kleineren Vergehens eingeſperrt
worden war. Bei Schulſchluß hatte der Lehrer ver=
geſſen
, den Knaben wieder frei zu laſſen. Als die
Dunkelheit hereinbrach, fürchtete ſich der Knabe und
verſuchte, ſich ſelbſt einen Ausgang zu verſchaffen, wo=
bei
er durch das Fenſter des Lichthofes
ſtürzte. Die beſorgten Eltern ſtellten heute früh
Nachforſchungen an und es ergab ſich, daß man den
Knaben vergeſſen hatte.
Florenz, 23. Nov. Hier wurden die Marmor=
ſäulen
an der Faſſade des Doms mit grüner Ani=
linfarbe
beſtrichen, ebenſo wurde in das Weih=
becken
Farbe geſchüttet. Einige Säulen der Faſſaden=
balluſtrade
wurden durch Hammerſchläge zerſtört.
Ganz Florenz iſt über die Uebeltäter entrüſtet.
Paris, 23. Nov. Der Unterſuchungsrichter Haſtron
iſt auf Grund der von ihm angeſtellten Nachforſchungen
zu der Ueberzeugung gelangt, daß Hauptmann
Meynier ſeine Braut, die Baronin d’Ambricourt,
nur deshalb ermordet hat, weil er gehofft hatte, ſie
einer größeren Geldſumme berauben zu können. Es
wurde in der Tat feſtgeſtellt, daß die Baronin am Tage
ihrer Ermordung Schritte unternommen hatte, um
20000 Francs aufzutreiben, und daß der Hauptmann
hiervon unterrichtet geweſen iſt.
Nantes, 22. Nov. Ein Boot, in welchem 17 Ar=
beiter
und Arbeiterinnen die Loire überſetzen woll=
ten
, prallte in der Mitte des Fluſſes an eine Leucht=
boje
an und zerſchellte. Sieben Arbeiter er=
tranken
. Die übrigen Bootsinſaſſen konnten
ſich retten, indem ſie ſich teils an die Boje anklam=
merten
, teils ſchwimmend das Ufer erreichten.
Liſſabon, 23. Nov. Ein Eiſenbahnzug der
Strecke Liſſabon=Sacavem überfuhr ſieben Leute, die
in einem Tunnel auf dem Rociobahnhof in Liſſabon
arbeiteten. Zwei Arbeiter wurden getötet und die fünf
anderen in bedenklichem Zuſtande ins Hoſpital geſchafft.

Beſuch engliſcher Arbeiter in Darmſtadt.
Wohlhabende Bürger Englands haben etwa zwei
Millionen Mark zu dem Zweck zuſammengebracht, eng=
liſchen
Arbeitern den Beſuch deutſcher Städte zu ermög=
lichen
. Es ſoll hierdurch weiteren Kreiſen des arbeitenden
engliſchen Volkes ein Einblick in die deutſchen Lebens=
und Arbeitsverhältniſſe verſchafft und hierdurch den
eigenartigen Anſichten begegnet werden, die in dieſer Hin=
ſicht
teilweiſe in England herrſchen. Man hofft auf dieſe
Weiſe die gegenſeitige Achtung der beiden Völker immer
mehr zu heben und den Gedanken eines friedlichen Wett=
bewerbs
auf dem Weltmarkte ohne gefährliche Reibungen
zu fördern. Es haben bereits 10 Abteilungen engliſcher
Arbeiter Deutſchland beſucht. Die letzte Abteilung für
dieſes Jahr iſt unter Führung des=Herrn A. G. Vogel aus
London in Begleitung eines Sekretärs zurzeit auf einer

Kleines Feuilleton.
An der brennenden Gasquelle bei
Neuengamme. Aehnliche Erſcheinungen, wie bei
den Goldfunden in Kalifornien, Auſtralien und
Alaska, hat auch das Erſcheinen der myſteriöſen Gas=
quelle
bei Neuengamme im Hamburgiſchen hervor=
gerufen
. Ueber Nacht iſt aus dem abgeſchiedenen
Dörfchen in den Hamburger Vierlanden ein Wall=
fahrtsort
geworden, der Tauſende und Abertauſende
aufnehmen und verpflegen muß, ohne daß bisher auch
nur der leiſeſte Anlaß zu der Annahme vorgelegen,
daß der Ort zu einer Weltberühmtheit werden würde.
Infolgedeſſen haben ſich nun auch die unglaublichſten
Zuſtände herausgebildet, die es beinahe wünſchens=
wert
erſcheinen laſſen, daß es dem Hamburger Staat
in Bälde gelingen möge, die Quelle in irgend einer
Weiſe nutzbar zu machen. Zurzeit iſt ſie jedenfalls nur
ein glänzendes Ausbeutungsprojekt für
die benachbarten Grundbeſitzer, die einen Kordon um
das in Frage kommende Terrain gezogen haben und
nicht Säcke genug auftreiben können, um das Ein=
trittsgeld
für die Beſichtigung der brennenden Quelle
einzuheimſen. Obwohl nur 10 Pfennig für den Zu=
tritt
erhoben werden, müſſen ſich die erzielten Ein=
nahmen
doch ſchon in die Hunderttauſende belaufen.
Am letzten Bußtag waren die Kaſſen der beteiligten
Unternehmer dermaßen überfüllt, daß ſie Hüte und
Taſchentücher zu Hilfe nehmen mußten. Aber auch
am Orte ſelbſt und auf dem ganzen Wege dorthin hat
ſich eine förmliche Fremdeninduſtrie mit ihren
zum Teil höchſt unerfreulichen, manchmal aber auch
grotesken Begleiterſcheinungen entwickelt. Nicht we=
niger
als 92 Extrazüge ſpieen an dieſem Tage
ihre Inſaſſen in Bergedorf, der letzten Bahnſtation
vor Neuengamme, aus. Schon in Bergedorf, einem
ſonſt ganz ruhigen Hamburger Villenvororte, geht es
infolgedeſſen wüſt her. In langen Reihen ſtehen die
Gefährte da, um die Ankommenden nach der Gas=
quelle
zu fahren. Die umliegende Bauernſchaft hat
vom eleganten Zweiſpänner bis zur Miſtfuhre alle
fahrbaren Vehikel aufgeboten, aber ſelbſtverſtändlich

reichen alle dieſe Beförderungsmittel bei weitem
nicht hin, um die Maſſen fortzuſchaffen. Ein unend=
licher
Menſchenſtrom zieht ſich daher zu Fuß vom
Bahnhof Bergedorf bis nach Neuengamme hin, und
Sonntags wie Werktags hat man das gleiche Bild.
Männer, Frauen und Kinder aus den umliegenden
Dörfern haben ihre bisherige Beſchäftigung vollkom=
men
eingeſtellt und bieten dem Publikum ihre Dienſte
als Führer, Stiefelputzer, Quartierwirte und An=
ſichtskartenverkäufer
an. Das ſchlechte Wetter der
letzten Tage hat beſonders das Stiefelputzergewerbe
gefördert. In langen Reihen ſtehen, ganz nach ita=
lieniſchem
Muſter, die kleinen Reinigungskünſtler
mit ihren Käſten und Bürſten bereit, und ſie vereini=
gen
ſich in den Ruf: Hier wird gewichſt, ſauber und
fix, koſt’n Groſchen und weiter nix! Rechts und
links des breiten Weges ſtehen, wie auf einem Jahr=
markt
, Bier=, Wurſt= und Kuchenbuden. Die glück=
lichen
Hausbeſitzer am Wege haben ihre Wohnungen
ſamt und ſonders in Kaffeehäuſer, Obſthandlungen,
Milchwirtſchaften, Bäckereien und Schlächtereien ver=
wandelt
. Selbſt das wichtigſte und dringendſte Be=
dürfnis
wird von den geſchäftskundigen Bewohnern
mit 510 Pfennigen beſteuert. In der Nähe der
Quelle ſelbſt wird auch ein ſchwunghafter Handel mit
Wattebäuſchchen getrieben, die man ſich in die Ohren
ſtecken muß, um das ungeheure Sauſen und Brauſen
des ausſtrömenden Gaſes ertragen zu können. Den
Verſuchen der Hamburger Feuerwehr, die Quelle zum
Erlöſchen zu bringen, ſieht dieſer Teil der Einwohner=
ſchaft
deshalb nur mit gemiſchten Gefühlen entgegen.
* Das Riechfläſchchen der Herren. Auch
das ſtarke Geſchlecht ſcheint neuerdings unter Nerven=
zufällen
, die man bisher an den Damen immer ſo mit=
leidig
belächelte, viel zu leiden. Jedenfalls läßt eine
Modetorheit, die von den Herren der engliſchen Ariſto=
kratie
mit Eifer und Entzücken aufgenommen wird,
darauf ſchließen. Die Lebensgeiſter kann man anſchei=
nend
ohne ſtark riechende Eſſenzen nicht mehr aufrecht
erhalten und darum ſieht man jetzt viele Herren ein
Riechfläſchchen gebrauchen, nachdem es vom Herzog von
Connaught anläßlich einer Hoffeſtlichkeit gebraucht

worden iſt. Man trägt es entweder an einer Kette, die
um den Hals geſchlungen iſt, oder man befeſtigt es an
dem einen Ende der Uhrkette und trägt es in der
Weſtentaſche, nicht ohne es bei jeder Gelegenheit her=
auszunehmen
, ſelbſt wenn man es gar nicht ſo unbe=
dingt
nötig hat. Die Herren der engliſchen Ariſtokratie
werden alſo nach einer langen Sitzung im Klub mis
leiſer Stimme zu ihrem Nachbarn ſagen: Nachbar,
Euer Fläſchchen. Die engliſchen Damen nehmen das
neue Modeprodnkt mit einem leiſen, ironiſchen Lächeln
auf.
* Halbierte Zwanzigpfennigmarken.
Von einem ſonderbaren Notbehelf gibt das Kuratorium
des Berliner Poſtmuſeums Kunde. Vor Ponape auf
den Karolinen war im Juli dieſes Jahres unverhofft
Flottenbeſuch eingetroffen, der vom 2. bis zum 7. des
genannten Monats währte. Der Mannſchaften bemäch=
tigte
ſich eine ſolche Schreibfreudigkeit, daß die vorhan=
denen
Beſtände an Fünf= und Zehnpfennigmarken nicht
mehr ausreichten. Die Poſtagentur ſah ſich genötigt,
Zwanzigpfennigmarken zu halbieren und etwa 500
Poſtkarten mit Dreipfennigmarken zu bekleben, die den
Ueberdruck 5 Pfennig erhielten. Die Agentur hat
damit, ſo ſchreibt die Internationale Sammlerzeitung,
gegen die Vorſchriften gehandelt, denn es iſt den Poſt=
anſtalten
verboten, Aushilfswerte dadurch zu ſchaffen,
daß eine andere Sorte von Wertzeichen mit dem Auf=
druck
des Wertes der fehlenden Sorte verſehen oder
halbiert wird. Die Notlage mag aber die deutſche Poſt=
agentur
auf den Karolineninſeln entſchuldigen; die
philateliſtiſchen Feinſchmecker aber finden ihre Tafel
ebenfalls mit einem neuen Gericht beſetzt.
* Folgen des Bierſtreiks. Eine gelungene
Ausrede machte ein Bauer vor dem Schöffengericht
Mattersdorf in Niederbayern, der wegen Berufsbelei=
digung
angeklagt war. Er plädierte auf Freiſprechung,
da er vor der Tat 32 Halbe (Liter) getrunken habe.
Kommt das öfters vor? fragte der Amtsrichter. Dös
grad net, erwiderte der Angeklagte, aber ’s is grad
an Bierſtreik ausg’weſen.

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Nummer 276.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 24. November 1910.

Seite 5.

Reiſe durch Mittel= und Norddeutſchland begriffen, die
die Städte Darmſtadt, Würzburg, Reichenbach, Dresden,
Berlin, Hannover, Dortmund und Oberhauſen berührt.
Der Anfang wurde mit Darmſtadt gemacht. Die verſchie=
denen
ſtädtiſchen Verwaltungen haben Herrn G. A.
Vogel bereitwilligſt zugeſagt, die Führung der eng=
liſchen
Gäſte zu übernehmen. Auch die hieſige Stadt=
verwaltung
hatte ſich hierzu bereit erklärt.
Die engliſchen Arbeiter kamen am Montag, den 21. ds.
Mts., vormittags 11¾ Uhr, hier an, wurden am Bahnhof
von den ſtädtiſchen Vertretern empfangen und mit Son=
derwagen
der elektriſchen Bahn nach dem Rathaus gelei=
tet
. Daſelbſt begrüßte Herr Beigeordneter Ekert als
Vertreter der Stadt die engliſchen Gäſte in einer längeren,
mit großem Beifall aufgenommenen Anſprache in eng=
liſcher
Sprache. Für den Nachmittag und den folgenden
Vormittag hatte die Bürgermeiſterei ein ausführliches
Programm aufgeſtellt, um den Gäſten in der verfügbaren
knapp bemeſſenen Zeit tunlichſt Einblick in die Arbeits=
verhältniſſe
, Wohn= und ſonſtigen Lebensbedingungen der
hieſigen Arbeiterſchaft zu verſchaffen. Zur Beſichtigung
waren private, ſtaatliche und ſtädtiſche Betriebe in Aus=
ſicht
gerommen, außerdem die Arbeiterhäuſer des Bau=
vereins
Daheim an dem Hräfenhäuſer Weg und der
Helfmonnſtraße. In letzterer Hinſicht wurde die Bürger=
meiſterei
beſonders auch durch Herrn Landeswohnungs=
inſpektor
Gretzſchel mit ſeinen reichen Erfahrungen auf
dem Gebiete des Wohnungsweſens unterſtützt.
Der Anfang wurde mit dem Städtiſchen Hallen=
ſchwimmbad
gemacht, über deſſen Einrichtungen, ins=
beſondere
auch für die geringer bemittelten Kreiſe unſeres
Volkes ſich die Engländer ſehr anerkennend ausſprachen.
Alsdann ging es zu den Häuſern des Bauvereins Da=
heim
deren Beſichtigung durch freundliche Vermittelung
des Vorſitzenden des Vereins, Herrn Rechtsanwalt Dr.
Stein, durch die Bewohner gerne geſtattet wurde. Die
Häuſer gehen gegen eine Anzahlung von 1000 Mark, einen
jährlichen billigen Mietpreis und eine jährliche kleinere
Tilgungsquote nach einer gewiſſen Reihe von Jahren in
das Eigentum der Bewohner über, dürfen von dieſen je=
doch
ohne Genehmigung des Vereins nicht weiter veräu=
ßert
werden. Es ſoll hierdurch die Spekulation ausge=
ſchloſſen
werden. Sodann ging es nach den Eiſen=
bahnhauptwerkſtätten
, deren Beſichtigung durch
den Präſidenten der Eiſenbahndirektion Mainz, Herrn
Michaelis, freundlichſt geſtattet worden war. Die mit
allen techniſchen Errungenſchaften der Neuzeit ausgeſtat=
teten
Werkſtätten boten, unter ausgezeichneter Führung
des Werkſtättenvorſtandes, Herrn Eiſenbahnbau= und Be=
triebsinſpektor
Cramer, den engliſchen Gäſten eine Fülle
des Iniereſſanten. Beſonderen Eindruck machten hier auch
die ausgedehnten, muſtergültigen Fürſorge=Einrichtungen
für die Arbeiterſchaft, wie Bade=Einrichtungen, Kantine
mit Eßräumen, Ruheräume uſw. Den Schluß für dieſen
Tag bildete die Beſichtigung des Städtiſchen Elektrizitäts=
werkes
am Dornheimer Weg, in dem den engliſchen Gäſten
nach den Mühen des Tages auch ein kleiner Imbiß von
Seiten der Stadt geboten wurde.
Am nächſten Morgen brachte die Dampfſtraßenbahn
die Gäſte nach dem Gaswerk, Schlachthof und
ſpäter nach der Merckſchen Fabrik. Die Direktion
der Süddeutſchen Eiſenbahn=Geſellſchaft hatte in ent=
gegenkommendſter
Weiſe freie Fahrt auf ihren Bahn=
linien
zugeſtanden. Die Einrichtungen des Gaswerks
und des ſtädtiſchen Schlachthofes nahmen unter geſchick=
ter
Führung der Herren Gaswerkdirektor Friedrich
und Schlachthofdirektor Dr. Garth das Intereſſe der
Gäſte ſehr in Anſpruch. Namentlich in letzterem Be=
triebe
weckten die Fleiſchverbrauchsziffern auf den Kopf
der Bevölkerung, ſowie die ſanitären Einrichtungen
zum Schutze der fleiſchverbrauchenden Bevölkerung die
Wißbegierde, da es in letzterer Hinſicht in England noch
nicht zum beſten beſtellt iſt. Von beſonderem Intereſſe
war eine Vorführung des von Herrn Dr. Garth erfun=
denen
Apparates (Trichinoſkop) zur Unterſuchung des
Fleiſches.
Das freundliche Entgegenkommen der Inhaber der
Firma Merck geſtattete es ſodann, den engliſchen
Gäſten einen Einblick in den Betrieb dieſer Weltfirma
und in die dort vorhandenen muſtergültigen Wohl=
fahrtseinrichtungen
für die Arbeiter zu verſchaffen. Die
Inhaber dieſer Firma waren zu ihrem Bedauern
verhindert, dem Beſuch beizuwohnen. Die Führung
durch die ausgedehnten Anlagen hatten die Herren
Michelſtädter und Foreſter übernommen. Der letztere,
ein geborener Engländer, bei der Firma Merck als
Chemiker tätig, begrüßte ſeine Landsleute in engliſcher
Sprache und legte ihnen ſpäter unter großem Beifall
die deutſchen geſetzlichen Vorſchriften für die Arbeiter=
fürſorge
und =verſicherung, ſowie die bei der Firma
Merck beſtehenden beſonderen Fürſorgeeinrichtungen in
längerer Rede dar. Er wies u. a. darauf hin, daß ſich
der engliſche Staat jetzt erſt anſchicke, die in Deutſchland
ſchon lange Zeit geſchaffene ſegensreiche Invaliben=
und Altersverſicherung zur Durchführung zu bringen.
Zu Mittag erfolgte eine Speiſung der eng=
liſchen
Arbeiter genau in derſelben Art und
Weiſe, wie ſie den Arbeitern der Firma Merck geboten
wird. Das ſehr reichliche und gute, aus Suppe, Fleiſch,
Kartoffeln und Gemüſe beſtehende Eſſen koſtet die Ar=
beiter
der Firma 20 Pfennig, wobei die Firma noch
einen beträchtlichen Zuſchuß leiſtet. In der von der
Firma Merck nach Plänen des Herrn Profeſſor Pützer
errichteten Gruppe Arbeiterhäuſer wohnen 25 Arbeiter
der Firma, die für die aus 5 Räumen beſtehende Woh=
nung
und ein Stück Garten 150 Mark Miete zahlen.
Die engliſchen Arbeiter, die ſich über alle Einricht=
ungen
und Verhältniſſe ſehr eingehend unterrichteten
und ſich ſehr wißbegierig und dankbar zeigten, haben
nach ihren Aeußerungen gefunden, daß der deutſche
Arbeiter in vieler Hinſicht viel beſſer
geſtellt iſt als ſein engliſcher Kollege.
Ein Teil der Leute beſuchte auch am Montag abend das
hieſige Gewerkſchaftshaus, um auch hier Kenntniſſe über
die deutſchen Arbeiterverhältniſſe zu gewinnen.

Luftſchiffahrt.
Ein Flugzirkus hat ſeine Reiſe von New=
York aus nach dem Süden der Vereinigten Staaten ange=
treten
. Unter Führung des durch ſeinen Flug Paris=
London bekannten John Moiſant haben ſich ſieben Flieger
mit zwanzig Maſchinen Blériot=Eindecker, Moiſant=
Eindecker, Hamilton=Zweidecker, Santos Dumont= Appa=
rate
zuſammengetan, um gemeinſam das Land zu
durchziehen, vor den größeren Städten ihre Automobil=
burg
aufzuſchlagen, auf einer großen Wieſe ein Flugfeld
zu errichten und dann den herbeiſtrömenden Stadtbewoh=
nern
ihre Flugkünſte zu zeigen. Drachen=Aufſtiege und
Fallſchirm=Vorführungen ergänzen die Flugübungen.
Finanziert wurde das Unternehmen durch die Brüder
Moiſant, die zwei Millionen Maxk vorſtreckten. Moiſant

ſelbſt erhält im erſten Jahr vom Reingewinn 400000 Mark
und Prozentbeteiligung, während der übrige Gewinn
unter die ſechs anderen Flieger geteilt wird. Die beiden
Brüder Wright, ſowie Graham White ſind am Flugzirkus
nicht beteiligt. Graham White ſollte 40000 Mark für
einen Flugtag erhalten, forderte aber 60000 Mark.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Sie brachten in Ihrer Montags=Nummer eine
Notiz, daß am 12. d. M. Ausſchreitungen in Groß=
Zimmern anläßlich der Beigeordnetenwahl ſtattge=
funden
haben und daß dieſe von Anhängern der ſozial=
demokratiſchen
Partei verübt worden ſeien. Hiergegen
iſt zu bemerken, daß einige führende Sozialdemokraten
in der friedlichſten Weiſe einige Stunden in den be=
treffenden
Wirtſchaft verkehrt und ſich ebenſo friedlich
von dem Wirt verabſchiedet haben. Allerdings haben
in der Wirtſchaft eine Anzahl junger Burſchen, von
denen aber noch keiner das wahlfähige Alter hatte,
krakeelt, es ſind auch einige Fenſterſcheiben eingeſchla=
gen
worden, jedoch erſt, nachdem niemand mehr in der
Wirtſchaft war. Auch geſchoſſen wurde, aber nicht von
den Radaumachern. Wer dieſe Ausſchreitungen ver=
übt
hat, wird die eingeleitete Unterſuchung ja ergeben.

Die Moabiter Straßenkrawalle vor Gericht.
Berlin, 22. Nov. Zu Beginn der heutigen
Sitzung werden verſchiedene Beamte der ſozialdemo=
kratiſchen
Parteiorganiſation vernommen. Partei=
ſekretär
Ebert bekundet, daß nach ſeiner Ueberzeug=
ung
ſich kein organiſierter Genoſſe an den Ausſchreit=
ungen
beteiligt habe. Die Partei hat derartige Aus=
ſchreitungen
immer verurteilt, da ſie von den Geg=
nern
ausgenutzt werden. Der Vorwärts=Redakteur
Stroebel bekundet, daß die Parteileitung und der
Vorwärts keinerlei Ahnung von den Unruhen ge=
habt
und ſie erſt aus der bürgerlichen Preſſe erfahren
hätten. Zeuge Buſchmeier, Geſchäftsführer der Firma
Kupfer u. Ko., erzählt ausführlich die erſten Anfänge
des Streiks. Forderungen ſeien an die Firma über=
haupt
nicht erhoben worden; der Streik ſei nach ſei=
ner
Ueberzeugung eine reine Machtprobe geweſen.
Nach Ausbruch des Streiks iſt der Zeuge nicht mehr
auf dem Lagerplatz erſchienen, weil er eine ganze An=
zahl
von Drohbriefen erhalten habe. Die Arbeits=
willigen
hätten auf den Zeugen einen guten Eindruck
gemacht, ſie hatten auch günſtige Zeugniſſe von ſtädti=
ſchen
Behörden. Die Verteidiger beantragen darauf,
den Oberbürgermeiſter Kirſchner, den Magiſtratsrat
von Schulz, den Vorſitzenden des Berliner Einig=
ungsamtes
und Profeſſor Francke von der Sozialen
Praxis als Zeugen bezw. Sachverſtändige zu laden.
Der Gerichtshof ſetzt die Beſchlußfaſſung hierüber
aus. Zeuge Lagerverwalter Muſche von der Firma
Kupfer u. Ko. hat nach Ausbruch des Streiks mit dem
Platzverwalter und dem Inſpektor einen Wagen be=
laden
und ihn nach der Dunkerſtraße geführt. Unter=
wegs
ſind ſie von Streikenden angegriffen worden
und haben telephoniſch um polizeiliche Bedeckung
nachſuchen müſſen. Der Zeuge iſt während der Un=
ruhen
überhaupt nicht nach Hauſe gegangen, ſondern
iſt auf dem Lagerplatz verblieben, um unterwegs nicht
beläſtigt zu werden. Auch ſeine Frau habe Unan=
nehmlichkeiten
gehabt, z. B. beim Einkaufen von Back=
ware
. Der Zeuge Kander war Vorſitzender des Ar=
beiterausſchuſſes
bei der Firma Löwe u. Ko., deren
Arbeiter ſich in erſter Reihe an den Unruhen betei=
ligt
haben ſollen, indem ſie während der Mittagspauſe
die Beamten auf der Straße verhöhnten. Der Zeuge
bekundet, daß den Arbeitern ausdrücklich eingeſchärft
worden ſei, ſich an den Ausſchreitungen nicht zu betei=
ligen
. Das geſchehe übrigens immer, wo Schutz=
leute
in Haufen beiſammen ſind. Nach einigen wei=
teren
unweſentlichen Zeugenvernehmungen werden
die Verhandlungen auf morgen früh vertagt.
23. Nov. Im Moabiter Krawall= Pro=
zeß
wurde heute ein engliſcher Journaliſt als
Zeuge vernommen. Der Journaliſt Wile wiederholte die
bekannte Darſtellung; nach derſelben iſt die Turmſtraße,
durch die ſie im Automobil fuhren, in dem betreffenden
Augenblick gänzlich ruhig geweſen; plötzlich kamen fünf
bis ſechs Schutzleute. Ein Kriminalſchutzmann rief: Auf
die Kerle dort im Automobil! Kriminalwachtmeiſter Fritze
erklärte: Er hielt die im Automobil befindlichen Herren,
von denen einer oder zwei aufrecht ſtanden, für die Führer
der Menſchenmenge, die ſoeben durch die Turmſtraße ge=
zogen
waren und rief deshalb: Das Automobil weg! In
demſelben Augenblick kamen mehrere berittene Schutzleute
und hieben auf die Herren ein. Eine von der Vertei=
digung
geſtellte Frage über den Vergleich engliſcher und
preußiſcher Polizeiverhältniſſe wurde von dem Vorſitzen=
den
nicht zugelaſſen. Journaliſt Tower beſtätigte die An=
gaben
des Zeugen Wile. Polizeiwachtmeiſter Harder be=
kundete
, er habe die Inſaſſen des Autos gleichfalls für
die Führer gehalten. Das Einſchlagen der Schutzleute
hätte er übrigens nicht verhindern können, auch wenn er
gewußt hätte, daß die Inſaſſen Journaliſten ſeien, das
ſei zu ſchnell gegangen. Ein Kommando zum Dreinſchla=
gen
ſei nicht gegeben worden. Zeuge Lawrence, Vertreter
des Reuterſchen Bureaus, ſchloß ſich der Darſtellung ſei=
ner
Kollegen an und bekundete, daß er infolge einer Ver=
wundung
die Hand drei Wochen im Verband getragen
haben. Journaliſt Show erklärt, er habe von dem gan=
zen
Vorgang den Eindruck, daß die Polizeibeamten im
Uebereifer gehandelt hätten.

Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 23. Nov. Erſter Gegenſtand der Tages=
ordnung
iſt die Interpellation der Sozial=
demokraten
betreffend die Lebensmittel=
teuerung
in Verbindung mit der Interpellation der
Konſervativen über Maßnahmen gegen die Ver=
teuerung
des Fleiſches.
Staatsſekretär Dr. Delbrü ck erklärt ſich zur ſofor=
tigen
Beantwortung beider Interpellationen bereit. Zur
Begründung der ſozialdemokratiſchen Interpellation führt
Abg. Emmel (Soz.) aus: Es beſteht gegenwärtig ein
Notſtand, der noch verſchärft wird durch die Lebensmittel=
teuerung
. Der Arbeiter wird durch die Zollgeſetzgebung
inerhört belaſtet zugunſten einiger Großgrundbeſitzer. In=
folge
des Mangels an Ernährung degeneriert das Volk.
Das Steigen der Löhne macht dieſe Schäden nicht wett.
Jetzt fallen die Löhne ſogar in einzelnen Gewerken und
Bezirken. Der agrariſchen Bevorzugung muß ein Ende
gemacht werden. Die Oeffnung der franzöſiſchen Grenze
genügt nicht. Die Aufrechterhaltung dieſer Politik wäre
ein Verbrechen, deshalb müßten wir einſtimmig rufen:

Fort mit dieſem volksfeindlichen Brotwucher! (Murren
und Lachen rechts. Beifall bei den Soz.)
Abg. Rupp (konſ.) führt zur Begründung der kon=
ſervativen
Interpellation aus: Es iſt Tatſache, es beſteht
eine bedauerliche Fleiſchteuerung trotz der ſtändig geſtie=
genen
Fleiſchproduktion. Dagegen hat man eine künſt=
liche
Produktion geſchaffen, die in Wirklichkeit eine gewiſ=
ſenloſe
Hetze gegen die Landwirtſchaft iſt. (Sehr wahr!
rechts.) Nicht der Viehzüchter oder der Metzger ſind die
Fleiſchvertenerer, ſondern die zwiſchen ihnen liegenden
Stationen. An Stelle des aufgehobenen Oktrois erhöhen
vielfach die Städte die Schlachthausgebühren und um=
gehen
ſo den § 13 des Zolltarifs. Ueber 50 Prozent der
Viehzucht liegt in den Händen des kleinen Grundbeſitzes,
der von den vorgeſchlagenen Maßnahmen betroffen würde;
dazu kommt, daß die Arbeitslöhne, Beamtengehälter,
Steuern und die ſozialpolitiſchen Laſten geſtiegen ſind. Die
Landwirtſchaft will nur auskömmliche Preiſe haben, aber
durch die Grenzöffnung würde wirkſame Abhilfe nicht ge=
ſchaffen
werden, ſie würde nur Seuchengefahr mit ſich
bringen. Als ſüddeutſcher Kleinbauer kann ich Ihnen
ſagen, daß der deutſche Bauer ſich die Parteien merken
wird, die eine derartige feindſelige Haltung, wie ſie in dem
Fleiſchnotrummel zum Ausdruck kommt, einnehmen. ( Leb=
hafter
Beifall rechts.)
Staatsſekretär Dr. Delbrück: Der Reichskanzler
hat alle Maßnahmen geprüft, die eine ausgiebige Fleiſch=
verſorgung
verbürgen könnten, insbeſondere alle Anre=
gungen
, die von den einzelnen Bundesregierungen, öffent=
lichen
Körperſchaften uſw. ausgegangen ſind. Hauptſäch=
lich
wird eine Erleichterung der Einfuhr ausländiſchen Flei=
ſches
verlangt, zu dieſem Zweck müßten die zum Schutz un=
ſerer
einheimiſchen Viehbeſtände beſtehenden ſanitären
und veterinärpolizeilichen Vorſchriften abgeſchwächt oder
beſeitigt werden. Es beſteht aber für alle Regierungen
kein Zweifel, daß alle derartigen Maßnahmen hinreichende
Sicherheit gegen die Einfuhr bedenklicher Nahrungsmittel
und die Einſchleppung von Viehſeuchen nicht bieten. Jene
Vorſchriften können nicht abgeändert werden, lediglich um
den heimiſchen Markt billiger zu verſorgen. Das kommt
umſomehr in Betracht, als die Exportfähigkeit der hier in
Betracht kommenden Länder zurückgeht. Weiteren Erleich=
terungen
der Einfuhr aus Rußland und Ungarn kann
nicht zugeſtimmt werden wegen der dadurch notwendigen
Aenderung des Viehſeuchenſchutz=Abkommens. Aus Hol=
land
und Belgien kann friſches Fleiſch ohne jede Ein=
ſchränkung
eingeführt werden; aus Dänemark iſt die Ein=
fuhr
von Wiederkäuern auf dem Seewege bei zehntägiger
Quarantäne geſtattet. Gegen die Tuberkuloſegefahr ſoll
bei däniſchem Schlachtvieh ein neues wirkſames Impfver=
fahren
eingeführt werden. Aus Amerika iſt die Rinder=
einfuhr
verboten, für andere Wiederkäuer aber bei Qua=
rantäne
geſtattet. Schweine=, Schaf= und Ziegenfleiſch
kann aus allen Ländern, außer Rußland und den Balkan=
ſtaaten
, eingeführt werden, ebenſo Rindfleiſch außer aus
dieſen Ländern aus Belgien und Amerika. Die Fleiſch=
einfuhr
aus Rußland könnte wegen der dort herrſchenden
Rinderpeſt kaum geſtattet werden. Die Einfuhr aus Ame=
rika
wäre dagegen veterinärpolizeilich weniger bedenklich,
müßte aber ohne Wirkung bleiben, ſolange wir die Be=
ſtimmung
haben, daß geſchlachtetes Fleiſch nur in ganzen
oder halben Tierkörpern zuſammenhängend mit inneren
Organen eingeführt werden darf. Dieſe Beſtimmung
wird vom Reichsgeſundheitsamt befürwortet, denn nur
ſo ſei es möglich, an den Körpern etwaige Krankheiten
zu erkennen, aber der geſundheitliche Schutz würde ſonſt
weſentlich abgeſchwächt und außerdem würden mit der
Abſchaffung jener Beſtimmung die Preiſe kaum herabge=
mindert
werden. An jenen wohldurchdachten und auf ſorg=
fältiger
Prüfung aller in Betracht kommenden wirtſchaft=
lichen
Intereſſen beruhenden Beſtimmungen darf nicht ge=
rüttelt
werden. Futtermittel ſind übrigens zollfrei mit
Ausnahme von Futtergerſte und Mais und deren Einfuhr
iſt trotz der Zölle alljährlich recht erheblich geſtiegen. Das
beſte Mittel gegen Preisſteigerungen liegt in einer Ver=
ſtärkung
der in hohem Maße erweiterungsfähigen eigenen
Produktion. (Sehr richtig! rechts).
Preußiſcher Landwirtſchaftsminiſter Freiherr von
Schorlemer=Lieſer: Ich werde mich auf das
durch amtliche Erhebungen feſtgeſtellte Zahlenmaterial
ſtützen. Unerörtert will ich die Frage laſſen, ob das
Fleiſch wirklich und unter allen Umſtänden das einzige
und unbedingt notwendige Nahrungsmittel iſt (Gr.
Unruhe links), und ob in Zeiten der Teuerung nicht
ein Teil der Fleiſchnahrung anderweitig erſetzt wer=
den
kann. Ich muß zugeben, daß in den meiſten Städ=
ten
die Fleiſchpreiſe eine bedauerliche Höhe erreicht
haben. Nicht zugeben kann ich aber, daß eine auf den
Mangel an Zufuhren und auf den Mangel an Pro=
duktion
im Inlande beruhende Fleiſchnot beſteht, ſo
daß es notwendig wäre, zur Beſeitigung einſchnei=
dende
und dauernde Maßnahmen zu treffen. Für den
Fleiſchkonſum iſt maßgebend der Viehauftrieb. Dieſer
iſt eigentlich ſtändig geſtiegen, und nur im Jahre 1909
zeigte er teilweiſe Rückgänge. Eine Verminderung
unſeres Viehbeſtandes iſt nicht wahrſcheinlich. Feſt
ſteht, daß der Schweinebeſtand ſteigt; der Verkauf aus=
ländiſchen
Fleiſches hat ſich bei ſinkenden Preiſen aber
nicht gelohnt. Der Auftrieb leidet augenblicklich unter
der Maul= und Klauenſeuche, iſt aber im ganzen be=
friedigend
. In dieſem Jahre waren die Schweine=
preiſe
weſentlich niedriger als im Vorjahre, jedenfalls
hat ſich dieſe wichtigſte Fleiſchart nicht verteuert, eben=
ſowenig
wie die Preiſe für Wild, Geflügel und Fiſch.
Die Fleiſchpreiſe zeigen ſeit dem Jahre 1900 eine allge=
mein
ſteigende Tendenz, doch ſind die Preiſe dieſes Jah=
res
hinter denen früherer Jahre nicht zurückgeblieben=
Die Fleiſchpreiſe bewegen ſich nicht einheitlich mit den
Viehpreiſen; ſie folgen verſpätet und langſam
ihrem Sinken und bleiben ungewöhnlich lange hoch,
wenn dieſe ſchon wieder reduziert worden ſind. Schließ=
lich
müſſen beim Steigen aller anderen Preiſe auch die
Nahrungsmittel ſteigen. Damit wird man ſich abfin=
den
müſſen, daß derartiges im Laufe der Jahre ein=
tritt
. Die Landwirte ſollten durch genoſſenſchaftlichen
Zuſammenſchluß einzelne größere Märkte ſelbſt be=
ſchicken
. (Bravo!) Einer weiteren Preisſteigerung
könnte dadurch entgegengetreten werden. Heute aber
liegt kein Anlaß vor zu beſonderen Maßnahmen. Wir
müſſen unabhängig vom Auslande bleiben. Weniger
im Intereſſe der Großgrundbeſitzer, als in dem des
kleinen Mannes und Arbeiters (Lachen links),
die in große Not geraten würden, wenn Deutſchland
nicht mehr den Fleiſchbedarf ſeiner Bevölkerung im
eigenen Lande decken könnte. (Lebhafter Beif. rechts,
Lachen links.)
Auf Antrag des Abg. Singer (Soz.) wird die
Beſprechung der Interpellation beſchloſſen. Abg.
Herold (Zentr.): Die Schutzzölle und die Viehſper=
ren
aufzuheben, das wären unzweckmäßige Maßnah=
men
. Für Fleiſch iſt die Einfuhr faſt heute ſchon über=
all
zugelaſſen, und Rußland und Oeſterreich=Ungarn
können ihr Kontingent gar nicht einmal erreichen. Wir

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 24. November 1910.

müſen danaich trachten, die Biehproduktion weitet zu
heben. (Beifall im Zentr.) Abg. Stauffer ( Wirt=
ſchaftliche
Vgg.): Mit der wachſenden Bevölkerung
ſteigt auch die Nachfrage, und mit dieſer ſteigen die
Preiſe. Im Süden ſind die Preiſe ſchon erheblich zu=
rückgegangen
. Wir müſſen mit unſeren Nachbarn zu=
ſammenleben
; aber franzöſiſches Vieh, das jetzt in
Manheim eingeführt wird, kann uns billigere Fleiſch=
preiſe
nicht ſchaffen. Die Maul= und Klauenſeuche
muß von den großen Handelsſtraßen verſchwinden.
Danach wird ein Vertagungsantrag angenommen.
Nächſte Sitzung Donnerstag 1 Uhr: Wahl des
zweiten Vizepräſidenten, Fortſetzung der heutigen Be=
ratung
und Beſprechung der Interpellationen.
Schluß 6 Uhr.
Wütende Suffragettes.
* London, 22. Nov. Als Premierminiſter As=
qnith
heute das Parlament verließ, drängten ſich die
Anhängerinnen des Frauenſtimmrechts an den
Wagen und zertrümmerten mit einem Stock
eine Fenſterſcheibe des Gefährts. Der in der
Caxton Hall verſammelte Heerbann der Suffragettes
zog hierauf unter Führung von Mrs. Pankhurſt nach
Downing Street, um die Amtswohnung des
Premierminiſters anzugreifen. Die Po=
lizei
kam ihnen zuvor. Es folgte eine widerwärtige
Keilerei der Frauen mit den Schutzleuten uſw.
Ueber 100 Suffragettes wurden wieder verhaftet. Zu
ſeinem Schaden kam jedoch Asquith zufällig gerade
vom Parlament in ſeine Wohnung zurück, geriet in
das Getümmel und wurde von einer Suffragette ge=
ſchlagen
. Die Polizei brachte ihn eilig in eine
Motordroſchke, worauf dieſe unter den Zurufen:
Verräter!, Feigling! davonfuhr. Bei einem
neuen Angriff der Stimmdamen auf die Polizei kam
es zu wilden Szenen. Frauen ohne Hüte und mit
aufgelöſten Haaren geberdeten ſich wie wahnſinnig.
Ein Schubkarren wurde gegen den Kordon gerammt,
jedoch von den Poliziſten weggenommen. Einige
warfen Gewichte gegen das Haus des Premiers. Eine
wütende Suffragette riß einem Reporter den Zylin=
der
weg und ſchlug damit ein Fenſter des Auswärti=
gen
Amtes ein. Berittene Polizei ſäuberte ſchließlich
die Straßen.
Auch der Miniſter Birrell hatte einen Zuſam=
menſtoß
mit den demonſtrierenden Weibern. Sie
trieben ihm die Kopfbedeckung über die Ohren, ſtie=
ßen
ihn hin und her und gaben ihm Fußtritte
gegen das Schienbein, bis die Polizei einſchritt. Der
Miniſter lehnte es ab, ein Automobil zu benutzen,
und begab ſich hinkend in den Athenaeumklub.
* London, 23. Nov. In der Bow=Street
erſchienen 156 Anhängerinnen des Frauen=
ſtimmrechts
vor dem Richter. Der Miniſter
Churchill beſtimmte, daß nur diejenigen gerichtlich zur
Rechenſchaft gezogen werden ſollen, die ſich vorſätzlicher
Sachbeſchädigung ſchuldig gemacht haben. Der Miniſter
Birrall liegt infolge der erlittenen Verletzungen,
welche ihm von den Anhängerinnen des Frauenſtimm=
rechts
zugefügt wurden, im Bette. Die Verletzung ver=
urſacht
ihm erhebliche Schmerzen.
* London, 23. Nov. Die Anhängerinnen des
Frauenſtimmrechts benutzten den dichten Nebel,
der in der letzten Nacht herrſchte, und zogen gegen 2½
Uhr früh nach Downing=Street und bewarfen die amtliche
Wohnung des Premierminiſters mit Steinen und
anderen ſchweren Gegenſtänden. Faſt ſämtliche
Fenſter der unteren Stockwerke wurden einge=
ſchlagen
. Mehrere Frauen wurden verhaftet.

Die Unruhen in Mexiko.
Wir laſſen nachſtehend die telegraphiſchen Meldungen
vom Mittwoch über die Vorgänge in Mexiko folgen:
* New=York, 22. Nov. Weitere Depeſchen aus
El Paſo (Texas) berichten, daß San Andres, Torceon,
Rancho, Minaca, Encinillas von den Aufrührern
genommen worden ſind. Die Revolutionäre haben
alle Vorräte und militäriſchen Ausrüſtungsſtücke, ſowie
alle Pferde und alles Vieh beſchlagnahmt. In Chihuahua
iſt der Belagerungszuſtand erklärt worden. Die Lage
in allen Orten iſt äußerſt kritiſch. Ruheſtörungen
werden von Punkten in ſieben Staaten gemeldet. Die
Unrühen verbreiten ſich fächerartig. In einem Punkte,
der nicht weniger als 100 Meilen ſüdweſtlich von der
Stadt Mexiko entfernt liegt, nach der amerikaniſchen
Grenze zu, in zahlreichen anderen Diſtrikten und im Oſten
und Südoſten haben ebenfalls Kämpfe ſtattgefunden.
Truppen werden ſchleunigſt nach den bedrohten Punkten
entſandt. Die mexikaniſche Regierung hat anſcheinend
den Telegraphendienſt in der Republik in der Hand und
übt eine ſtrenge Zenſur aus. Die Aſſociated Preß meldet
aus Mexiko, die Regierung Diaz’ ſtehe einer ernſten
Revolution gegenüber.
* London, 23. Nov. Zu den Unruhen in Mexiko
wird aus New=York gemeldet: Die Zahl der Opfer in
Torceon, wo etwa tauſend mit modernen Gewehren aus=
gerüſtete
Revolutionäre mehrere Stunden lang
einen Hagel von Schüſſen abfeuerten, iſt ſehr groß. Viele
Arbeiter ſollen mit den Revolutionären gemeinſame Sache
machen. Die Offiziere ſind ihrer Soldaten nicht ſicher, da
ein großer Teil aus Verbrechern beſteht, die ſtatt ins Ge=
fängnis
ins Heer geſteckt worden ſind. Ein Zug mit Sol=
daten
traf mittags in Parral ein, vertrieb die Revolu=
tionäre
, von denen acht getötet wurden, und befeſtigte ſtra=
tegiſch
wichtige Punkte.

* New=York, 22. Nov. Wie aus Mexiko ge=
meldet
wird, ſollten nach Ausweis der am Sonntag im
Hauſe eines Revolutionärs gefundenen Dokumente
faſt alle höheren Beamten, ſowie der Herausgeber des
Imparcial ermordet werden. Der Kampf in Chihuahua
dauert jetzt noch an. Nach einer Meldung aus Mata=
moras
wurde geſtern abend in den Straßen von Comar=
togo
mehr als ein Dutzend Perſonen getötet. 75 Revo=
lutionäre
griffen die Garniſon an, wurden aber aus der
Stadt hinausgetrieben.
H. B. New=York, 23. Nov. In Waſhington vor=
liegende
Privatmeldungen beſagen, daß die Situation
in Mexiko ernſt ſei. Die Regierung der Vereinigten
Staaten ſteht durchaus auf der Seite des Präſidenten
Diaz. Der Führer der Revolution, Madero, hat die Re=
volutionäge
ermahnt, das Eigentum der Fremden in
Mexiko zu ſchonen.
* El Paſo, 23. Nov. Der Kampf in Torecon,
der geſtern wieder begonnen hat, dauert noch fort.
2000 Revolutionäre ſtehen 600 Soldaten gegenüber. Es
heißt, die Revolutionäre hätten große Verluſte erlitten,
die Truppen aber zurückgeſchlagen und etwa hundert
Mann davon gefangen genommen. Chihuahua ſoll durch
den Angriff von 8000 bis 10000 Revolutionären
bedroht ſein.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Mainz, 23. Nov. Bei der Stadtverordnetenwahl
in Mainz=Kaſtel, wo Stichwahl oder Los entſcheiden
ſollte, iſt der Sozialdemokrat Richtſcheid gewählt,
da ſich beim Nachprüfen des Reſultats für ihn 550
Stimmen ergaben, während der Zentrumskandidat 549
erhielt.
* Homburg v. d. H., 23. Nov. Der ſiameſiſche
Tempel, die Ueberdachung des Chulalongkorn=
Brunnens, iſt auf dem hieſigen Bahnhofe einge=
troffen
; zur Beförderung waren zwei Eiſenbahnwag=
gons
notwendig, die 20 bezw. 19 Kiſten mit einem Ge=
ſſamtgewicht
von 10430 Kilogramm enthielten. Die
Zollvorlage beträgt 1700 Mark. Die Stadtverwaltung
rechnet auf Zollerlaß und will zu dieſem Behufe einen
diesbezüglichen Antrag ſtellen. Die Aufſtellung des
Tempels wird erſt im März oder April nächſten Jah=
res
ſtattfinden.
* Zittau, 23. Nov. Auf der Eiſenbahnſtrecke Gör=
litz
=Zittau ſtieß heute mittag der Perſonenzug
605 kurz vor Oſtritz auf eine Anzahl Güterwagen,
Der Zuſammenſtoß erfolgte mit großer Gewalt. Die
Lokomotive des Perſonenzugs wurde zertrümmert.
Auch der ſonſtige Materialſchaden iſt bedeutend. Eine
Anzahl Perſonen ſoll verletzt ſein. Von Zittau ging
ein Hilfszug ſofort an die Unfallſtelle ab.
* Brüſſel, 23. Nov. Nach dem heute vormittag aus=
gegebenen
Krankheitsbericht verbrachte die Königin
die Nacht gut. Der Krankheitsverlauf iſt normal.
* London, 23. Nov. Crippen wurde heute früh
hingerichtet. Vor ſeinem Tode hat er weder ein
Geſtändnis abgelegt, noch irgend eine Erklärung ab=
gegeben
.
Berlin, 23. Nov. Heute früh entſtand in dem
Hauſe der Rykeſtraße, wo erſt geſtern abend der Dach=
ſtuhl
des Vorderhauſes in Flammen aufgegangen war,
ein neuer Dachſtuhlbrand; die Feuerwehrleute
fanden auf dem Boden des Vorderhauſes friſch mit
Petroleum gefüllte Lampen, ſodaß vorſätzliche Brand=
ſtiftung
vorliegen dürfte.
H.B. München, 23. Nov. Heute iſt der erſte fran=
zöſiſche
Schlachtvieh=Transport mit 60
Ochſen hier eingetroffen. Am Freitag ſollen wei=
tere
200 Stück Großvieh ankommen.
H. B. Koburg, 23. Nov. Heute nacht ſtürzte in=
folge
Dammnachgebens auf der Strecke Rodach=Koburg
bei Beirsdorf die Bahnbrücke ein. Die Gefahr
wurde rechtzeitig bemerkt. Der Perſonenverkehr wird
durch Umſteigen aufrecht erhalten.
H.B. Zürich, 23. Nov. Der Winter hat in der
ganzen Schweiz ſeinen Einzug gehalten. Im höheren
Jura fällt der Schnee ſeit fünf Tagen. Chaux de
Fonds meldet bei 10 Grad Kälte einen Meter Schnee=
höhe
. In den Alpen ſteht es ähnlich. Die kleine und
große Scheidegg verzeichnen bei 12 Grad Kälte 1½ Meter
Schneehöhe. Auf der Hoſpizhöhe des Bernina=Paſſes
liegen für die Jahreszeit ganz außergewöhnliche Schnee=
maſſen
von 2 bis 3 Meter Höhe, was ſonſt nur nach
ſtrengem Winter gegen das Frühjahr der Fall zu ſein
pflegt. Auch in den tiefer gelegenen Gegenden, wie
Zürich, ſchneit es anhaltend. Der Winterſport iſt in
allen Kurorten bereits in vollem Betrieb.
Briefkaſten.
A. G., hier. Clemens Herßberg u. Ko., Wilhel=
minenſtraße
27, Patent= und Techniſches Bureau Kon=
rad
Köchling, Ing., Frankfurt a. M., Zeil 68, Dr. W.
Vaubel, Darmſtadt, Heinrichſtraße 100.
Amtlicher Wetterbericht.
Oefſentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit geſtern früh: Ueber
Nordoſteuropa hat ſich ein ausgedehntes, ſtarkes Hoch=
druckgebiet
entwickelt. Infolgedeſſen wehen in Oſt=
deutſchland
bereits allgemein öſtliche Winde, die lang=
ſam
Abkühlung und Froſt bringen. Auch in unſerem

Gebiet iſt das Weiter trocken geworden, doch wehen
vorläufig wegen eines flachen, an der Elbe liegenden
Teilwirbels noch Südweſtwinde.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, den 24.
November: Oeſtliche Winde, trocken, kälter, leichter
Froſt.
Mutter und Kinder gedeihen prächtig!
Berlin N. 39, 16. April 1910. Mit Ihrem Nähr=
präparat
Bioſon habe ich an meinen beiden kleinen
Kindern und mir ſelbſt die günſtigſten Erfolge erzielt.
Seit dem Gebrauch des vorzüglichen Präparates fühle
ich mich recht friſch und kräftig und meine beiden Kleinen
gedeihen prächtig; man ſieht es an den hellen, glänzenden
Augen! Ich werde niemals ein anderes Präparat ge=
brauchen
, da alle, die ich bisher kannte, im Geſchmack
nicht ſo gut, dagegen viel teuerer waren, was bei
längerem oder ſtändigen Gebrauch im Haushalt eine
große Rolle ſpielt. Hochachtungsvoll! Frau M. Schmidt,
Cöslinerſtraße 22, Unterſchrift beglaubigt: Juſtizrat
Moritz Ratkowski, Notar, Bioſon iſt das beſte
und billigſte Kräftigungsmittel. Paket 3 Mk. in Apo=
theken
, Drogerien.
(227220

Zahn-Créme

Wie seit Jahren habe ich auch jetzt
wieder einen Posten Damenhemden
aus Stickereiresten in guten Stoffen an-
anfertigen
lassen, die per Stück mit
2.25 Mk. und 2.50 Mk. verkauft werden.

C. F. Eeb Nachf.
Obere Elisabethenstr.
Die Leibwäsche einer
Brautausstattung
ist einige Tage in einem Schaufenster zur
Besichtigung ausgestellt.

Mitr An fiärt ein Anr uch u falet
Es muß auch bei ſchlechtem Wetter hinaus
NW nicht nur zur Schule, ſondern auch zum Spiel.
Aber vorſehen muß man ſich freilich, und das tut
man, wenn man den Kindern immer ein Paar
Sodener Mineral=Paſtillen (Fays ächte) mitgibt.
Die ſorgen ſchon dafür, daß gefährliche Reizungen
? der Schleimhäute vermieden werden und daß die
Kinder keinen Schaden nehmen. Wo Kinder ſind
W§§ dürfen einfach Fays ächte Sodener nicht fehlen!
Man kauft ſie für 85 Pfg. die Schachtel in allen
S8 2
einſchlägigen Geſchäften.
(21758)a

G Gedsseate 6l9s

pflegen erfahrene Herrennicht ohne
Feine SchachtelWybert-Tabletten
7 zu gehen. Werzur Erkältung neigt,
hat kein besseres Mittel, um Husten
und Heiserkeit, die durch die An-
Bstrengung der Stimme meist noch
befördert wird, rasch und gründlich zu vertreiben. Die
Schachtel mit nahezu 400 Tabletten kostet in allen
Apotheken nur 1 Mark. Niederlagen in Darmstadt: in
sämtl. Apotheken; Germania- Drogerie, Mühlstr. 78;
Minerva-Drogerie, Ecke Karl- u. Hügelstr.; Medizinal-
Drogerie von Fr. Beckenhaub, Ecke Schul- u. Kirchstr.,
u. Drogerie v. C. Watzinger, Wilhelminenstr. 11. (206125f

HOTEL-DARMSTADTER-HOF
GRosshs

SPEISE-RESTAURANT

(16578a

eosenbraurlaschenbiere
sind hochfeine Qualitätsbiere.

[ ][  ][ ]

Nummer 276.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 24. November 1910.
Seite 7.
Vortrag von Proſeſſr v. Schian un 8 Uhr in
Kirchliche Nachrichten.
Geſchäftliches.

Weihnachtskataloge. Wie alljährlich haben
die hieſigen Buchhändler auch heuer Weihnachtskataloge
kerausgegeben. So hat die Hofbuchhandlung von
A. Bergſträßer (W. Kleinſchmidt) mit der Ver=
teilung
ihres reichhaltigſten Weihnachtskatalogs unter
dem Titel Deutſche Weihnacht, Literariſcher Jahres=
bericht
begonnen, während unter dem Titel Illu=
ſtrierter
Weihnachtskatalog von den Firmen Karl
Buchner, (Hofbuchhdlg. (vorm. Klingelhoeffer), Rhein=
ſtraße
, H. L. Schlapp, Hofbuchhdlg., Schulſtraße, und
Müller u. Rühle, Hof=Buch= und Kunſthdlg., Eliſa=
bethenſtraße
, die Kataloge verſandt werden. Seemanns
Literariſcher Jahresbericht wird von der Firma
L. Vogelsberger, Buchhdlg., Schützenſtraße, ver=
(22766
ſandt.

Katholiſche Gemeinden. In der St. Eliſabethen=
kirche
am Freitag, 25. November, vormittags um
10 Uhr, zur Feier des Geburtstages Sr. Königl. Hoheit
des Großherzogs levitiertes Hochamt mit Predigt
und Te Deum.

Gottesdienſt bei der israelitiſchen Feligiousgemeindr.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Feier des Allerhöchſten Geburtstags Sr. Königl. Hoheit
des Großherzogs Ernſt Ludwig.
Freitag, den 25. November 1910.
Vorabendgottesdienſt 4 Uhr 30 Min.
Samstag, den 26. November 1910.
Morgengottesdienſt 8 Uhr 45 Min. Sabbataus=
gang
5 Uhr 20 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religions=
geſellſchaft
.
Samstag, den 26. November.
Vorabend 4 Uhr 05 Min. Morgens 8 Uhr Min.
Nachmittags 4 Uhr Min. Sabbatausgang 5 Uhr
20 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 27. November,
an: Morgens 7 Uhr Min. Nachmittags 4 Uhr Min.
NB. Montag, den 28. November:
I. Scheni,

Tageskalender.
Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Ab. C): Der Regiſtrator
auf Reiſen.
Vorſtell ung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Chopin=Liſzt=Abend von Willy Hutter um 8 Uhr
im Hotel Zur Traube‟.

Kaiſerſaal.
Vortrag von Pfarrer Veller um 8¼ Uhr in der
Stadt Pfungſtadt.
Feſtball der Vereinigten Geſellſchaft um 8 Uhr.
Eröffnungs=Vorſtellung im Reſidenztheater um
5½ Uhr.
Handelskammerwahl (Erwerbsgruppe Kleinhandel)
von 1012 Uhr Rheinſtraße 9.
Konzert um 3 und 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 5 Uhr im Kölniſchen Hof.
Konzert um ½8 Uhr im Bürgerkeller.
1. T armſtädter Kinema tograph (Ecke Rhein= und
Craſenſtraße): Vorſtellungen von 3½11 Uhr.

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Unentgeltliche ärztliche Beratungsſtelle
für Säuglingspflege, Heinheimerſtraße 21.
Sprechſtunden: Montags und Donnerstags 1011 Uhr,
Dienstags und Freitags 4½5½ Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wiltich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: J. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

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(*28776
Wo, ſagt die Expedition dieſes Blattes.

Kurſe vom 23. November 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

8f. Staatspapiere. Ir Proz.
4 Dſche. Reichsſchatzann. 99,8)
3½ Deutſche Reichsanl. . 12,20
43,50
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 9980
3½ do. Conſols . . . . 92,20
83,50
6 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 101,20
93,70
do.
3½
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. . 101,30
do.
91,05
3½
do.
81,00
4 Hamburger Staatsanl. 101,50
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 101,25
do.
91,20
3½
do.
80,10
3 Sächſiſche Rente . . . 82,50
4 Württemberger v. 1907 101,70
do.
92,70
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887 . .
3¾/ Italiener Rente . . .
4½ Oeſterr. Silberrente . 96,80
4 do. Goldrente . . 98,60
4 do. einheitl. Rente 93,25
3 Portug. unif Serie I 64,10
do. unif. Ser. III 66,70
do. Spezial. 12,30
5 Rumänier v. 1903 . . 101,90
do. p. 1890 . . 94,50
4 do. v. 1905 .
4 Ruſſen v. 1880 . . . 92.40

InRrot.
3f.
4 Ruſſen v. 1902 . 5 22,50
4½ do. v. 1905 . . . . 100,15
91,70
½ Schweden . .
Serbier amort. v. 1895 83,40
4 Türk. Admin. v. 1903 86,80
4 do. unifiz. v. 1903 92,50
Ungar. Goldrente . . 93,60
4 do. Staatsrente 91,60
5 Argentinier . . . . . . 101,50
90,70
do,
4½ Chile Gold=Anleihe . 94,00
5 Chineſ. Staatsanleihe 102,20
98,80
do.
41
. . 97,50
4½ Japaner .
Innere Mexikaner . . 98,00
do.
Gold=Mexikan. v. 1904 95,20
5 Gold=Mexikaner . . . 100,00

Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika=Paket=
. . . . . 143,90
fahrt .
4 Nordd. Lloyd . . . . 106,70
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 122,10

Aktien ausländiſcher
Trausportanſtalren.
4 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408
4 Baltimore & Ohio . . 108,75
4 Gotthardbahn . . . .

Inryz.
3t.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 160,25
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 21½
4 Pennſylvania R. R.
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 202,50
Werger=Brauerei
.. 71,00
Bad. Anil.=u. Sodafabrik 497,75
Fabrik Griesheim . . . . 276,00
Farbwerk Höchſt . . . . . 540,00
Verein chem. Fabriken
Mannheim .
. . . 341,25.
Lahmeyer . .
116,25
Schuckert .
. . . 156,30
Siemens & Halske . . . 245,30
Adlerfahrradwerke Kleyer 427,10
Bochumer Bb. u. Guß . .
Gelſenkirchen .
Harpener . .
185,00
Phönix, Vergb. u. Hütten=
betrieb
.
. . 242,90
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ.. . 90,20
4 Pfälzer Prt. . . . . . 100,80
do.
3½
91,30
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. . 99,50
do. ſteuerfrei . 98,00
5 Oeſterr. Staatsbahn.
do.
97,80
do. alte . 81,40
5 Oeſterr. Südbahn . . 99,10
do.
80,.00
do.
56,50
3 Raab=Oedenburger . . 75.8)
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 89,70
4 Kronpr. Rudolfbahn , 98.00

In Len
B7.
73,40
2¾0 Livorneſer .
4 Miſſouri=Pacific
78,30
4 Bagdadbahn Mk. 408
5 Anatoliſche Eiſenb. . .
5 Tehuantepec . . . . . 100,00
Bank=Aktien.
4 Berliner Handelsgeſ.
1 Darmſtädter Bank 130,50
257,00
4 Deutſche Bank .
4 Deutſche Vereinsbank 127,30
4 Diskonto=Geſellſchaft 191,00
162,70
4 Dresdner Bank
4 Mitteldeut. Kreditbk. 121,00
Nationalbk. f. Deutſchl. 129,50
.104,90
Pfälzer Bank.
143,80
4 Reichsbank .
Rhein. Kredit=Bank 138,75
4 Wiener Bank=Verein 138,75

Pfandbriefe.
4 Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 171
3½ do. S. 19. . . . .
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126
4 Hamb.=Hypoth.=Bank
do.
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk.
do.
3½
4 Meining. Hyp.=Bank
do.
3½
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917)
do. (unk. 1914)
3½
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf.
3½
do,

100,00
91,80
99,40
100,00
90,50
101,40
91,90
100,60
90,80
100,80
90,30
100,30
91,30

InProz.
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt . . .
3½ do.
91,60
101,00
4 Frankfurt ..
3½ do.
95,40
4 Gießen
3½ do.
91,80
4 Heidelberg
99,90
3½ do.
4 Karlsruhe
3½ do.
90,80
4 Magdeburg
3½ do.
4 Mainz
3½ do.
91,70
4 Mannheim
100,00
do.
31
München .
100,40
3½ Nauheim
9 ,80
4 Nürnberg .
101,40
3½ do.
4 Offenbach .
3½ do.
4 Wiesbaden . . . . . . 100,20
3½ do.
4 Worms . . . . . . . .
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1886. .

Verzinsliche
Anlehensloſe.

3 Holl. Komm,

Sf.
3 Madrider Fs. 100 76,20
4 Meining. Pr.=Pfand=
138,10
briefe.
4 Oeſterr. 1860er Loſe 176,00
. 124,50
3 Oldenburger .
2½ Raab=Grazer fi. 150 113,10

Unverzinsliche
Anlehensloſe.

ftl.
Fs.

Augsburger
Braunſchweiger Tlr.
Freiburger
Mailänder
65
do,
Meininger
Oeſterreicher v. 1864
do. v. 1858
Ingar. Staats
Benediger
Irs
Türkiſche

Fs.
fl.

15 59,30
10 33,00

20
45
100 547,00
100 447,00
100 385,00
30
400 179,80

Gold, Sülber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,41
20 Franks=Stücke . . . . 16,15
Oeſterr. 20=Kronen . . . . 16,19
Amerikaniſche Noten . . . 4,19½
Engliſche Noten . . . . . 20,48
Franzöſiſche Noten . . . . 80,95
Holländiſche Noten . . . . 169,20
Italieniſche Noten . . . . 80,75
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,90
Ruſſiſche Noten . . . .
Schweieer Noten .
80,80
Reichsbank=Diskonto
Reichsbank=Lombard Z3f. 6%

[ ][  ][ ]

Seite 8.-

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 24. November 1910.

Nummer 276,

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[ ][  ][ ]

1. Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.

Nr270)

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Antje Möller.
Roman von K. v. d. Eider.
Nachdruck verboten.)
16)
Von dieſem Tage an herrſchte eine Spannung zwi=
ſchen
Herrn und Knecht. Es war nur ein feiner Riß, der
äußerlich nicht ſichtbar war, aber beide fühlten ihn, und
es wurde nicht wieder wie vordem. Der eine lag beſtän=
dig
vor dem anderen auf der Lauer, und beide fühlten
ſich unbehaglich dabei.
Antje ahnte nichts davon. Sie hüpfte fröhlich umher,
und ſang ſchon, ehe die Sonne aufging. Abends ſchlief
ſie mit einem Lächeln noch um ihren Mund. Wenn ſie
den Geliebten einen Augenblick geſehen hatte, dann zehrte
ſie ſtundenlang davon. Sie horchte auf den Ton ſeiner
Stimme, auf ſeinen Schritt. Wenn Iven ihr etwas er=
zählte
, ſo hörte ſie wohl noch geduldig und freundlich zu,
aber ihre Gedanken waren bei dem Bruder. Sie ſah nicht
Heie Rehms traurige, vorwurfsvolle Blicke, ſie hörte nicht
die Ermahnungen, die aus Trinas Worten herausklan=
gen
. Für ſie lebte nur einer: Rolf.
Der Frühling kam. Wer begrüßte ihn fröhlicher, die
Schwalben auf der Dachrinne oder Antje Möller in ihrem
Kammerfenſter?
Ueberall ſchoß grünes Leben hervor. Die Knoſpen
barſten; ſie waren zu voll geworden.
Antje war es, als müſſe auch ihr Herz zerſpringen; es
war ja übervoll von Glück,

er ehte ie bitete Zin nige en
er Antjes Hand lange in der ſeinigen. Er hatte alle ſeine
Lieblinge ihrer Obhut empfohlen, ſeine Kakteen, den Ka=
narienvogel
, ja, ſelbſt die Bücher. Sie ſolle nur fleißig
darin leſen, bis er wiederkäme, ſagte er.
Sie nickte gutmütig dazu.
Er war ganz erfüllt von der neuen Aufgabe, die er
ſich geſtellt hatte. In hochtönenden Worten ſprach er zu
dem Mädchen von ſeinem zukünftigen Schaffen, von ge=
meinſamem
Zuſammenwirken, von einem Glück, das er
ſich verdienen wollte, von Sieg und Segen.
Die Worte waren gut und ſchön, ſie kamen aus einem
warmen Herzen. Sie waren nur etwas zu hoch; Antje
erfaßte nicht, daß dieſe Worte ihr galten.
Deshalb erwiderte ſie unbefangen ſeinen Händedruck
und wünſchte ihm Glück und Segen.
Er war ſehr weichmütig und gerührt. Im Herbſt
komme ich wieder, ſagte er, dann feiern wir ein fröhliches
Feſt.
Mit dieſen Worten ſchied er.
Ein fröhliches Feſt! tönte es noch lange in Antjes
Herzen nach.

Im Hauſe riß Ivens Fortgang keine Lücke. Für
Eolf und ſeine Mutter war er nur das Kind, dem man
ſeinen Willen laſſen mußte.
So ganz unklug iſt es nicht von ihm, meinte Rolf. Ich
bin nur bange, es hat keinen Beſtand; er muß immer

eiwdes Reues haben, und dast iſ diſe Siche zu biſ=
ſpielig
.
Da haſt Du wohl recht, pflichtete die Mutter bei. Aber
für die Stadt paßt er erſt recht nicht; darum iſt es ganz
gut, wenn er ſich nach Heiſterneſt gewöhnt. Wo ſoll er
denn hin, wenn Du heirateſt?
Wenn ich heirate
Rolf vollendete den Satz nicht, aber er dachte darüber
nach, wie es ſein würde, wenn ein kleines, blondes Weib=
chen
immer um ihn und an ſeiner Seite wäre, und dieſer
Gedanke hatte etwas Frohes und Erhebendes für ihn.
Die kleinen Igeln, wie Antje dieKakteen nannte, hat=
ten
ſich bisher faſt gar nicht verändert, ſo ſehr Antje ſie
auch daraufhin beobachtet hatte. Da, eines Morgens, als
ſie wieder nachſah, war aus einer der kleinen ſtachlichen
Pflanzen über Nacht eine Blüte hervorgeſchoſſen. Eine
leuchtende, purpurrote Blume, ſo zart und fein, daß das
Mädchen laut aufjubelte und mit gefalteten Händen lange
davorſtand und nicht müde ward, das Wunder anzuſehen.
Frau Anderſen und Rolf nahmen dies Ereignis ziem=
lich
kühl auf, als wäre es gar nichts beſonderes. Er
müſſe es aber doch wiſſen, meinte Antje; ſie erinnerte ſich,
daß er ſie gebeten hatte, zu ſchreiben, wenn etwas paſſierte.
So ſetzte ſie ſich denn hin, um pflichtſchuldigſt das
frohe Ereignis zu melden. Es war ein winziges Brief=
chen
mit kleinen Kritzelbuchſtaben, ſauber und ordentlich
aber nicht ganz richtig geſchrieben.

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 24. November 1910.

Nummer 276.

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Der Diſ ianteten
Geehrter, lieber Herr!
Weil es doch ſonſt niemand tut, vermelde ich hier=
mit
, daß die eine kleine Stachelblume wo zunächſt der
Mitten ſteht, über Nacht eine ſchöne hochrote Blüte ge=
kriegt
hat die noch feiner iſt als die Glocken von die
Kaiſerkronen und hätte ich das gar nicht gedacht von
die kleinen Igeln. Ich gieße ſie alle Tage ein büschen
und der Kanarjenvogel iſt auch gut zuwege und fängt
wieder an zu ſingen aber fein, ich gebe ihm noch ümmer
verſchlagen Waſſer. Der Herr kann unbeſorgt ſein, ich
paſſe auf allens auf und weiter iſt nichts paſſiert. Wo=
mit
Ihnen grüßt
Ihre getreue Antje Möller.
Iven mußte ſich über den Brief wohl ſehr gefreut
haben, denn er ſchrieb darauf an Antje einen langen Brief.
Darin ſtand mancherlei, was ſie eigentlich nichts anging
und worüber ſie wohl hätte nachdenken können.
Liebe, treue Antje, Elline, las ſie, ſo muß ich Sie
nennen, denn Sie haben etwas von jenem feinen, adligen
Fräulein an ſich, das Wolber Krak in ſeine Höhle folgte.
Ihr lieber Brief hat mir viel Freude gemacht. Ja, liebe
Antje, ſo wie die rote Blume aus der unſcheinbaren Hülle
des Kaktus aufſprießt, ſo entwickelt ſich auch bei uns Men=
ſchen
das Schönſte und Beſte blütengleich und zart.
Ich komme mir vor wie Wolber Krak. Bald bin ich
der kühne, mutige Held, dem kein Hindernis zu groß iſt,
hald bin ich der lebendige Tote, dem ſelbſt die Sonne zu
hell ſcheint. Aber dennoch fühle ich mich weit ſtärker und
wohler als früher und auch viel froher. Das kommt wohl
daher, weil ich ein großes Ziel vor Augen habe. Ich
ſtehe früh auf und ſtreife durch Heide und Moor, wenn
noch der Morgentau auf dem Graſe liegt.
Einige Arbeiter habe ich ſchon gedungen; ſie fangen

an, die nächſte Umgebung urbar zu machen. Auf der Heide
pflanzen wir Kiefern, der Sumpf wird entwäſſert und zu
Wieſen gemacht. Schon ſehe ich im Geiſte die dunklen
Tannen gen Himmel ragen; ich ſehe dazwiſchen blumige
Felder. Einen Garten ſehe ich voller Roſen und Lilien,
und im Hauſe glänzendes Geſchirr und ſchneeweiße Lein=
wand
. Inmitten dieſes allen wandelt Elline, mein lieb=
liches
, blondes Weib.
Die Stuben laſſe ich jetzt wohnlich einrichten. Es iſt
ſchwer, hier Leute zu bekommen. Ich ſelbſt kann nicht
viel tun, weil ich zu ſchnell müde werde, und die Auf=
ſichtsleute
ſind auch alt. Ach, Antje, wenn Ihnen doch
alles gefallen möchte!
Ein neues Buch leſe ich jetzt, das heißt: Das Weſen
der Liebe. Es iſt ſehr ſchön, und wenn ich zurückkehre,
ſpreche ich mit Ihnen darüber.
Leben Sie wohl, Antje Elline, es grüßt Sie von
Ihr Ipen Anderſen.
Herzen
NB. Geſtern habe ich eine Elſter geſchoſſen; ich hatte
ſie ſchon lange auf Viſier. Sie ſieht aus, als wäre ſie
tauſend Jahre alt. Sie hat ordentlich ein altes Geſicht.
Vielleicht iſt es Uſche, die geſchwätzige Kammerfrau, oder
die ſchöne Odilie. Mir graut vor dem toten Tier; ich
werde es unter dem Birnbaum begraben.
Nochmals ſeien Sie gegrüßt.
Ipen.
Es iſt ein feiner Brief, ſagte Antje bei ſich, als ſie zu
Ende geleſen hatte. Man müßte ihn eigentlich unter Glas
und Rahmen ſetzen, ſo ſchön iſt er. Sie überlegte, ob ſie
Rolf den Brief zeigen ſollte. Es war wohl beſſer, ſie un=
terließ
dies. Rolf würde doch nur ſpöttiſch und überlegen
lächeln. Für derartiges hatte er nun mal kein Verſtänd=
nis
. Er hatte wichtigere Sachen in den Kopf zu nehmen.
Der Sommer rückte näher; die heißen, ſonnendurch=
glänzten
Tage kamen. Antje fühlte ſich matt und zer=

ſchlagen und wätzte ſch des Nachts mruhig auf hrem
Bette herum. Unmerklich war innerlich und äußerlich
eine große Veränderung mit ihr vorgegangen. Als die
Vögel am lauteſten zwitſcherten, verſtummte ihr Geſang,
und als die Roſen am ſchönſten blühten, wurde ihr Ge=
ſicht
immer blaſſer.
Sie hat die Bleichſucht, ſagte Frau Anderſen. Es iſt
nicht gut, wenn der Menſch nicht geſund iſt.
Es wird das Fieber ſein, meinte Trina. Dagegen
muß man etwas tun. Vielleicht iſt es das Anderntags=
fieber
oder das Drittentagsfieber, das iſt noch ſchlimmer.
Mit Sympathie ſchafft man es am erſten aus der Welt.
Mich wundert nur, daß Du es nicht ſchon im vorigen
Sommer bekommen haſt. Wer nach der Marſch kommt,
kriegt meiſtens gleich im Anfang ſchon das Wechſelfieber.
Es kommt vom Waſſer, ſagte Heie Rehm.
Ich würde mal zum Schmied gehen, rief Nahmer Rei=
mer
, der weiß Rat für Menſchen und Tiere.
Antje ging nicht zum Schmied und brauchte auch keine
Sympathie. Sie raffte ſich auf, und es ging. Wenn nur
die Angſt nicht geweſen wäre, die entſetzliche Angſt in
ihrem Innern.
Und die Angſt wuchs mit jedem Tage. Sie warf ſie
nieder und riß ſie wieder empor; ſie preßte ihr Tränen
aus und trocknete ſie wieder mit hartem Tuch. Es war
eine entſetzliche Zeit. Antje verlernte Lachen und Scher=
zen
. Wenn man ſie rief, tönte das Ja aus ihrer Kehle
heiſer und kläglich, als ob ſie Halsſchmerzen hätte. und
ganz traurig ſah es aus, wenn die anderen lachten und
es in ihren Grübchen ſchmerzlich zuckte. Die Knechte moch=
ten
ſie necken, ſo viel ſie wollten, ſie ſagte nicht einmal
quack. Ja manchmal antwortete ſie überhaupt nicht,
als ob ihre Gedanken gar nicht mehr auf Rethwitſchhof
wären.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

zur Wiederherstellung
der St. Lorenzkirche in Nürnberg.
Ziehung
am 7. und 8. Dezember 1910.

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Kabeljau,

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Geraucherter Lachs
Pfund 40 Pfg.

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vorzügliche Qualität
Pfund
Feinste Braunschweiger
Leberwurst
etz 40
Feinste, weiche Mettwurst

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Rotwurst, prima

Pfund

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Aprikosen- u. Aepfel-Marmelade
Pfund 35 Pfg. 5 Pfund=Eimer 175 Pfg.
Erdbeer- u. Aepfel-Marmelade
Pfund 38 Pfg. 5 Pfund=Eimer 190 Pfg.
Neues Aepfel-Gelee
Pfund 32 Pfg. 5 Pfund=Eimer 160 Pfg.
Johannisbeer-Marmelade
Pfund 45 Pfg. 5 Pfund=Eimer 200A
Die Zuſammenſetzung der Marmeladen iſt auf den Etiketten der Eimer angegeben.

Schulgeld-Erhebung.
Das Schulgeld für das Großh. Real=
gymnaſium
und deſſen Vorſchule, die
Großh. Ober=Realſchule, die Vorſchule
der Großh. Gymnaſien, die Viktoriaſchule,
das Lehrerinnenſeminar, die höhere Töch=
terſchule
(vormals Reineck) und die Mittel=
ſchulen
für das IV. Kalender=Vierteljahr
1910 iſt, bei Vermeidung der Mahnung,
bis Ende ds. Mts. an den Werktagen,
vormittags von 8½ bis 12½ Uhr, hierher
zu entrichten.
(22135a
Darmſtadt, den 11. November 1910.
Die Stadtkaſſe.
Koch.

Hochste
Preiſe zahle ich für getragene Herren=
und Damenkleider, Stiefel und Wäſche.
Jeden Mittwoch hier. Off. unt. P 44 an
die Expd. ds. Bl.
(22707dsi

Holzgeld.
Die Zahlung der rückſtändigen Beträge
für im Holzerntejahr 1909/10 erſteigertes
Holz aus den Waldungen der Stadt Darm=
ſtadt
hat bei Vermeidung des Mahn= und
Pfändungsverfahrens bis längſtens Ende
November 1910 an den Werktagen, vor=
mittags
von 8½ bis 12½ Uhr, hierher zu
erfolgen.
(22134a
Darmſtadt, den 11. November 1910.
Die Stadtkaſſe.
Koch.

Maar-Uhrketten
mit und ohne Goldbeschlag.
w. von ausgekämmten Haaren in meiner
eig. Flechtereigut u. bill. angefertigt bei (20637a
Ad. Keitel, Friseur
Nieder-Ramstädterstrasse 16.

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

39 17.

Donnerstag, 24. Nobenber.

1910.

Dei 3 Pferden der auf dem Truppenübungeplaſt Darmſtadt untergebrachten
5. Eskadron Dragoner=Regiments 24 iſt am 18. ds. Mts. Bruſtſeuche feſtgeſtellt worden.
Die erkrankten Pferde ſind in die auf dem neuen Munitions=Magazingelände ſüdlich
der Eſchollbrückerſtraße befindlichen Zelte überführt.

Bekanntmachung.
Das in unſerer Bekanntmachung vom 10. Oktober d. Js. ( Amtsverkündigungs=
blatt
Nr. 106 und 107) angeordnete Verbot des Handels mit Klauenvieh im Umher=
ziehen
wird wegen der durch den Ausbruch der Maul= und Klauenſeuche in Erfelden
(Kreis Groß=Gerau) erhöhten Gefahr einer Einſchleppung der Seuche in den Kreis
bis zum 31. Dezember d. Js. ausgedehnt.
Darmſtadt, den 17. November 1910.
(22557id
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Darmſtadt, den 17. November 1910.
An die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.
Wir weiſen Sie auf vorſtehende Bekanntmachung hin. Dieſelbe iſt wiederholt
ortsüblich zu veröffentlichen und den in Ihren Gemeinden etwa anſäſſigen Viehhänd=
lern
noch beſonders zu eröfnen.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmach ung.
Die Abhaltung der Viehmärkte zu Darmſtadt wird, da die Gefahr der Ver=
(22693lbreitung der Maul= und Klauenſeuche, wie ſich durch ihren Ausbruch in Erfelden
(Kreis Groß=Gerau) ergibt, eine bedrohliche iſt, auf Grund des § 28 des Reichsvieh=
lſeuchengeſetzes
und der Verfügung Großh. Miniſteriums des Innern vom 8. Oktober
(22581ids
ds. Js. zu Nr. M. d. J. II. 4995 bis auf weiteres verboten.
Darmſtadt, den 18. November 1910.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Darmſtadt, den 18. November 1910.
An die Großh. Bügermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.
Wir beauftragen Sie, vorſtehende Bekanntmachung wiederholt ortsüblich zu
veröffentlichen und etwa in Ihren Gemeinden anſäſſige Viehhändler beſonders zu
benachrichtigen.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 3 Pinſcher.
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

Verſteigerungs-Anzeige.
Donnerstag, den 24. November 1910, nachmittags 4 Uhr,
verſteigere ich im Saale Rundeturmſtr. 16 öffentlich zwangsweiſe
gegen Barzahlung
a) für beſtimmt: 1 Partie Zigarren, 1 Partie Zeichenblocks, 1 Näh=
tiſchchen
und 1 Ziertiſchchen:
b) vorausſichtlich: 3 Pianinos, 4 Büfetts, 4 Trumeaux, 6 Diwans, 4 Sofas,
8 Vertikos, 2 Spiegel=, 2 Glas=, 6 Kleider=, 2 Waren=, 2 Eis=, 3 Kaſſen= und
2 Ladenſchränke, 2 Schreibtiſche, 3 Waſchtiſche, 3 Regulateure, 2 Kommoden,
1 Landauer. 1 photogr. Apparat, 2 Seſſel, 33 Gewehre, 1 Partie Schulbücher,
Jugendſchriften, Bilder, Bilderleiſten, Geſchäftsbücher, Kunſtblätter, Oel=
gemälde
, Leinen und Servietten uſw.;
c) an Ort und Stelle: 1 Partie Schieferſteine und Falzziegel;
d) auf Grund des § 1234 des B. G.=B.: 6 Pfandſcheine:
e) auf Grund gerichtlicher Anordnung; ein gerichtlich gepfändeter
Erbanſpruch.
(22706
Darmſtadt, den 23. November 1910.
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vom 26. d. M. an acht Tage lang zur Einſicht der Intereſſenten und Entgegennahme
etwaiger Einwendungen während der Büroſtunden auf dem Büro der Bürgermeiſterei offen.
(22708
Gräfenhauſen, den 24. November 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Gräfenhauſen.
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II. Halbjahrskurse zur Vorbereitung für den kaufm. Beruf.
Neue Kurse beginnen Dienstag, den 10. Januar, vormittags 8 Uhr.
Anmeldungen werden frühzeitig erbeten.
(22362a
Prospekte durch Wilhelm Siedersleben, staatl. geprüfter Handelslehrer.

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 24. November 1910,

Nummer 276.

Moden, die nicht ziehen
** Wer alljährlich in den Zeiten des Modenwechſels
die endloſe Fülle neuer Erſcheinungen und neuer Krea=
tionen
betrachtet, mit denen die Pariſer Modeſchöpfer die
aufhorchende elegante Welt mit unerſchöpflicher Phantaſie
beſchenken, mag leicht zu dem Eindruck verführt werden,
daß jede Neuheit, auch die bizarrſte und wunderlichſte, bei
der allzeit modefreudigen Frauenwelt ſofort ihre mehr
oder minder begeiſterten Anhängerinnen findet und ſich
ſchnell durchſetzt. Aber der Schein trügt, und groß, viel
größer, als man denkt, iſt die Summe der Arbeit und
Mühe, die in den führenden Pariſer Modeateliers um=
ſonſt
geleiſtet wird. Denn mit der Phantaſie des Mode=
dichters
allein iſt es nicht getan, das Wichtigſte bleibt, eine
der tonangebenden Damen der Geſellſchaft zu gewinnen,
die die neue Kreation lanciert. Paquin, Worth und
alle eleganten Pariſer Ateliers haben unter ihrer Kund=
ſchaft
beſtimmte Damen der vornehmen Geſellſchaft, denen
zuerſt die erſonnenen Neuheiten vorgelegt werden; findet
ſich eine von ihnen bereit, die Premiere zu übernehmen,
dann iſt der Triumph der Neuheit ſicher, und in wenigen
Wochen wird das Gebilde des Modedichters ſeinen Kreis=
lauf
durch die ariſtokratiſchen Salons Europas vollendet
haben. Aber oft, ſehr oft kommt es vor, daß die ton=
angebenden
Damen es ablehnen, eine neue Mode zu kre=
ſieren
, und gelingt es dann nicht, wenigſtens eine der be=
rühmteren
Pariſer Schauſpielerinnen dazu zu bewegen,
dann iſt das Schickſal der neuen Schöpfung beſiegelt und
alle Arbeit verloren. Der berühmte Humpelrock, der
im vergangenen Jahre aufkam und nun bereits von den
Pariſerinnen abgelegt iſt, war keineswegs eine neue
Schöpfung: er lag mehrere Jahre lang im Atelier, und
keine Modedame wollte ſich finden, die bereit war, dieſes
Erzeugnis einer bizarren Phantaſie zu lancieren, bis end=
lich
im Vorjahr eine bekannte Pariſer Dame ſich dazu
herbeiließ. Dieſe Zenſur, die die Pariſer Modeführerinnen
heimlich ausüben, hat die Frauenwelt Europas in den
letzten fünf Jahren vor manchen abſurden Neuheiten
beſchützt, die in Pariſer Ateliers ausgeheckt worden waren.

Im Strand Magazine plaudert ein Eingeweihter
allerlei amüſante Geheimniſſe aus über dieſe Moden, die
nie ihre Premiere erlebten und in den Schränken der
Pariſer Modehäuſer unbenützt hängen geblieben ſind
bis ſie vielleicht doch einmal das Licht der Oeffentlichkeit
erblicken. Vor drei Jahren etwa hatte man in Paris den
Plan, die Menſchheit mit einer ſeltſamen Frauenmode zu
beglücken: mit den Ballonhüften. In dieſer wun=
derlichen
Schöpfung klingt auch das Prinzip des Humpel=
rockes
an: der untere Teil des Rockes war bei dieſer Toi=
lette
ziemlich eng geplant. Etwa von der Kniegegend
an aber erweiterte ſich der Rock plötzlich zur Ballonform,
um ſchließlich in der Taille wieder zur Körperlinie zurück=
zukehren
. Eine ganze Reihe ſolcher Toiletten wurde her=
geſtellt
, auch Abendroben, bei denen der Ballon eine etwas
länglichere Form annahm. Dazu hatte man eine Trian=
gular
=Friſur komponiert, eine Coiffure, die in machtigen,
weit ausladenden Flügeln zu den Seiten ſtrebte und im
ganzen mehr als dreimal ſo breit war wie das Geſicht
ſelbſt. Nach oben baute ſich dann dieſes Haargebilde in
Form einer ſtumpfen Pyramide auf und follte von einer
großen Straußenfeder gekrönt werden. Aber die Pariſer
Damen ſtreikten; Ballonhüften und die neue Friſur wur=
den
abgelehnt und nie getragen. Schon mehrfach war in
den letzten Jahren von einer Wiederkehr der Krino=
line
die Rede. In der Tat war eine Reihe von Krino=
linengewändern
komponiert worden, die in der Zeichnung
ſogar gewiſſe Reize der Linie verrieten, aber es blieb
immer nur bei den frommen Wünſchen der Schneider:
man fand keine Dame, die dieſe Mode lancieren wollte.
Als die Aufregung über Roſtands Chantecler in
Paris das Tagesgeſpräch war, herrſchte in den Pariſer
Schneiderateliers eine fieberhafte Tätigkeit. Man zerbrach
ſich den Kopf, wie man die Senſation für die Mode aus=
nützen
könnte, und einige Chanteclerhüte,=Hutnadeln und
dergleichen kamen auch ans Tageslicht. Aber die meiſten
und die kühnſten Variationen des Themas Chantecler
verſagten. Man hatte eine Toilette entworfen, bei der
über einen zartpliſſierten Rock eine phantaſtiſch drapierte
Tnnika geworfen war, die etwa eine Handbreit unterhalb

der Knice abſchloß. Dieſe Tunika war ſo geſchnitten, daß
ſie ſich in graziöſem Faltenwurf nach hinten ein wenig
aufrichtete und ſo in der Silhouette tatſächlich an die
Faſanin gemahnte. Dazu ſollte eine Friſur getragen wer=
den
, bei der über ſeitlichen Locken ein maſſives Haar=
gebilde
in Form eines kleinen Bienenkorbes ſich auftürmte;
als Schmuck zierten dann Federn dieſe Coiffure. Immer
wieder legte man dieſe Kreation den Führerinnen der
Pariſer Mode vor, aber die ſchüttelten den Kopf, und die
Chantecler=Robe harrt noch heute ihrer Urauf=
führung

Zahllos ſind die Verſuche, die mit großen, koniſch
geformten Hüten gemacht worden ſind, teils Stroh=,
teils Filzhüten. Aber dieſe Gebilde, bei denen man un=
willkürlich
an Koreaner und Siameſen denkt, ſind von
den Pariſerinnen lächelnd beiſeite geſchoben worden, ob=
gleich
manche dieſer Schöpfungen ſogar einen gewiſſen
Charme in der Linienführung nicht verleugnen. Auch
Damenhüte, die eine freie Variation über das Thema
Zylinder waren, teilten dies Schickſal. Bei dieſen
Hüten war die Krempe abwärts gebogen und eine Friſur
in Ausſicht genommen, die man Rubinſtein=Friſur
taufte: die Haare kamen in welligen Linien unter der=
Hute hervor, bedeckten die Ohren und legten ſich wie ein
bauſchiges Kiſſen um den Hinterkopf, der Hals jedoch war
ganz frei gedacht. Doch auch dieſe Schöpfung konnte nie
durchdringen, ebenſowenig wie ein ſehr praktiſcher
Herbſtmantel, der etwa vor drei Jahren komponiert
wurde und immer noch einer Liebhaberin harrt. Das
war ein ganzer Mantel, weite Aermel, überall loſe und
weit gearbeitet; um die Taille ſchmiegte ſich ein breiter
Samtgürtel, der untere Teil des Rockes lief weit und
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Automobilmantels an, bot aber eine entzückende
Farbenabſtufung von hellem und dunklem Grün. Aber
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Nummer 276.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 24. November 1910.

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Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 24, November 1910.

Nummer 276.

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Nummer 276.

Darmſtädter Tagblatt. Donnerstag, den 24. November 1910.

Seite 15.

Geheimniſſe der braunen Kunſt.
Von einem Hamburger Journaliſten.
Wer gemächlich ſeinen Kakao oder ſeine Schokolade
ſchlürft oder für die Seinen eine Schachtel köſtliche
Pralinees erſteht, ahnt nicht, welcher Fülle menſchlicher
Geiſtesarbeit, insbeſondere auf dem Gebiete der Tech=
nik
und der Chemie, und wie vieler ſinnreicher Ma=
ſchinen
es bedarf, um das herzuſtellen, was nun ſo
köſtlichen Genuß bereitet und zugleich die höchſte Nähr=
kraft
beſitzt.
Fern unter wärmerem Himmel wächſt der Kakao=
haum
, am liebſten ſteht er in geſchützten Tälern und
an Flußufern, im Schatten hoher Bäume und in Küſten=
ſtrichen
. Aus dem Laub der gebuchteten Blätter ſchim=
mern
die unmittelbar am Stamme ſitzenden großen,
einer länglichen Melone ähnlichen Früchte hervor, die
ein Mus enthalten, in welches die Kakaobohnen ein=
gebettet
ſind. Wie mit ſo vielem Guten ſind wir Euro=
päer
mit dem Kakao erſt durch die Entdeckung Amerikas
bekannt geworden. Im Süden dieſes Erdteils, in
Venezuela Ecuador, Coſta Rica iſt der Kakao heimiſch;
Ecuador und Venezuela liefern noch heute die beſten
Sorten für die Ausfuhr, denen ſich neuerdings der
deutſche Samoa=Kakao zur Seite ſtellt. Daneben ſind
die Inſeln St. Thomé, St. Domingo und Ceylon, Bra=
ſilien
, die engliſche Goldküſte in Afrika und die deutſche
Kolonie Kamerun als Herkunftsländer für Mittel=
ſorten
von Bedeutung.
Der bedeutendſte Rohkakaomarkt der Erde iſt Ham=
burg
, und in Hamburg oder, genau genommen, im be=
nachbarten
preußiſchen Wandsbek befindet ſich das
Reichardtwerk, die größte Kakao=Fabrik
Deutſchlands, die ein Heer von Perſonen beſchäf=
tigt
, faſt hundert eigene Verſand= und Verkaufs= Filia=
len
in den größeren Städten Deutſchlands unterhält
und Millionen von Konſumenten im In= und Aus=
lande
direkt mit Kakao, Schokoladen, Konfekt uſw. ver=
ſorgt
. Hier ſitzt man alſo gleichſam an der Quelle der
Kakao=Fabrikation und hat es leicht, den Werdegang
der getrockneten Kakaobohne bis zum fertigen Produkte
zu verfolgen, wenn man ſich die Erlaubnis zur Be=
ſichtigung’
dieſes gewaltigen Etabliſſements verſchafft.
Zu einer ſolchen wurde ich kürzlich eingeladen und ge=
ſtehe
gern, daß ich nach ſtundenlanger Wanderung das
Werk mit dem Gefühle, meine Kenntnis der täglichen
Bedarfsgegenſtände aufs angenehmſte erweitert zu
haben, verließ; Kakao und Schokoladen ſind ſo ſehr
Gemeingut geworden, daß man ſich tatſächlich keine
Vorſtellung davon macht, eine wie großartige und in=
tereſſante
Fabrikationsweiſe im Großbetriebe dazu
gehört.
Mein freundlicher Führer geleitete mich in dem
großen Hauptfabrikgebäude zunächſt nach oben in ein
ungeheures Lager von Säcken mit rohen Kakaobohnen.
Hier, bei dem größten Rohkakao=Käufer Deutſchlands,
ſind zuzeiten 25000 Sack und darüber aufgeſchichtet.
Der rechtzeitige Einkauf der richtigen Sorten und
Qualitätspartien mit Rückſicht auf den Weltmarkt und
die Konjunkturſchwankungen gehört denn auch zu den
ſchwierigſten Aufgaben eines ſolchen Etabliſſemenſts.
Unmittelbar hinter dem Lager beginnt ſchon der große
maſchinelle Betrieb mit der Reinigung der rohen Kakao=
bohnen
, die ſehr ſorgfältig vorgenommen wird, und
der Sortierung nach der Größe. Die Bohnen finden
ſodann durch Röhren ihren Weg in die Röſtmaſchinen,
wo ſie je nach ihrer Verwendungsart bei einer Hitze
von 120130%0 geröſtet werden, teils in mächtigen
Kugelröſtern mit direkter Beheizung, teils in Heißluft=
röſtern
. In ſinnreich konſtruierten Brech= und Reinig=
ungsmaſchinen
werden ſodann die Bohnen zertrüm=
mert
, die Kakaoſchalen entfernt und die Kernſtücke in
beſonders weit getriebener Reinigungsarbeit von den
harten Keimen und feinen Samenhäutchen, Grus uſw.
(Kakaoabfällen) befreit.
Die auf dieſe Weiſe geröſteten und gereinigten
Kakaokernſtücke werden in anderen Fabriken auf ge=
heizten
Drillingsmühlen (drei Paar Mühlſteinen)
unter Anwendung ziemlich beträchtlicher Hitze zu flüſ=
ſiger
Kakaomaſſe gemahlen, und erſt dann trennt man
das gewonnene Mahlgut, um die zur Kakaopulver=
Fabrikation beſtimmten Mengen zu entölen, die zur
Erzeugung von Schokolade auserſehenen dagegen mit
Zucker, Vanille, Milch und dergleichen zu vermengen.
In der Reichardtſchen Kakapfabrik, die nach ver=
ſchiedenen
deutſchen Reichspatenten arbeitet, erfolgt

die Trennung ſchon früher; die für entölten Kakao be=
ſtimmten
Kakaokerne werden zwar auch einem Mahl=
prozeſſe
unterworfen, jedoch ſind dieſer und die ſich
daran knüpfenden Fabrikationsſtadien als Spezial=
Verfahren zu betrachten, da gerade auf ihnen der dem
Reichardt=Kakao eigentümliche Adel des Geſchmacks und
Aromas und ſeine außerordentliche Kornfeinheit, Er=
giebigkeit
und Bekömmlichkeit beruht. Nur ſoviel ſei
erwähnt, daß der Endprozeß das Feinpulveriſieren des
Kakaos, nicht unter Anwendung von Sieben erfolgt,
wie dies in anderen Fabriken geſchieht, ſondern in
mächtigen Windſeparatoren, die, in langen Reihen
aufgeſtellt, zwei große Säle füllen und ebenfalls ein
patentamtlich geſchütztes Monopol der Fabrik bilden,
und daß zur Zerkleinerung des Kakaokornes in hervor=
ragendem
Maße Porzellanwalzen ſtatt der ſonſt
üblichen Mühlen und Walzen aus Granit oder Kunſt=
ſtein
zur Anwendung gelangen.
Das Porzellan ſpielt überhaupt in der Reichardt=
ſchen
Fabrik eine große Rolle; die Walzen aller der in
langen Reihen aufgeſtellten und ſogar in Etagen auf=
gebauten
Walzenſtühle, die man namentlich in den
rieſigen Schokoladen=Walz= und Schleifräumen be=
wundern
kann, beſitzen einen außerordentlich harten,
der Abnutzung ſo gut wie gar nicht unterworfenen
Mantel aus beſtem Porzellan.
Raummangels halber kann nur das Weſentlichſte
aus den drei Hauptabteilungen der Fabrik:
Fabrikation von entöltem Kakao
Schokoladen=Fabrikation
Konfitüren=Fabrikation
wiedergegeben werden.
In den der Kakaopulver=Fabrikation dienenden
Räumen imponieren dem Laien am meiſten die hydrau=
liſchen
Rieſenpreſſen zum Entölen des Kakaos. Die=
Reichardt=Kompagnie beſitzt die größte Kakaopreßanlage
der Welt, und man kann ſich eine Vorſtellung von den
Wirkungen dieſer Ungetüme machen, wenn man hört,
daß auf jedem der mit Kakao gefüllten runden Preß=
töpfe
ein Druck von rund 10000 Zentnern laſtet!
Die auf dieſe Weiſe gewonnene Kakaobutter, alſo=
das
ausgepreßte Kakaoöl, wird teils im eigenen Be=
triebe
bei der Herſtellung von Speiſe=Schokoladen und
Kuvertüren (Deckmaſſen für Konfekt) verwendet, teils
in ungeheuren Mengen an die Schokoladen= Fabrikan=
ten
aller Erdteile verſandt.
In der Abteilung Schokoladen=Fabrikation fällt
vor allen Dingen die mit Rückſicht auf das flüſſige Ma=
terial
geradezu erſtaunliche Sauberkeit der,
wie übrigens auch in allen anderen Abteilungen, mit
Flieſen belegten Fabrikſäle, ſowie der blitzblanken,
nur an der Arbeitsfläche der im Betriebe befindlichen
Walzen mit Schokolade bedeckten Maſchinen und die
bereits hervorgehobene umfaſſende Anwendung von
Porzellan auf, außerdem die rieſige Wärmekammer, in
welcher Tauſende von Zentnern Schokolade, die in den
feineren Sorten zu ihrer Fertigſtellung einer ganzen
Reihe von Wochen bedarf, ruhen. Die verzinnten Auf=
bewahrungsgefäße
ſind ſämtlich mit paſſendem Deckel
verſehen was auch von den in den Fabrikationsräumen
aufgeſtellten, die in der Verarbeitung befindlichen
Maſſen bergenden Gefäße gilt.
Ein ohrenbetäubendes Klappern empfängt den Be=
ſucher
in den mächtigen Schokoladen=Einformſälen,
trotzdem nur ſogenannte geräuſchloſe Klappertiſche
modernſter Konſtruktion Verwendung finden. Hier
wird die mehr oder weniger flüſſige Schokoladenmaſſe
in die blanken, verzinnten Schokoladenformen getan,
und das Klappern auf Rütteltiſchen iſt erforderlich,
damit die Schokolade keine Luftblaſen bekommt. Von
dieſem Raume führen zahlreiche Fahrſtühle das fertige
Schokoladenfabrikat in die in einem großen, hellen Keller
befindlichen Kühlanlagen, und glänzend braun wird
nach einer gewiſſen Zeit die einzelne Schokoladentafel
der Form entnommen.
In der Konfitüren=Fabrik überraſchte mich die ein=
fache
Löſung der ſchon von mir ſelbſt und von bekannten
Damen aufgeworfenen Frage: Wie gelangen die
flüſſigen Füllungen von Creme, Likör, Kognak, Frucht=
Gelee uſw. in die Pralinees? Das Verfahren iſt
lächerlich einfach:
Das Innere der Schokoladen=Bonbons, der ſoge=
nannte
corpus wird zuerſt hergeſtellt, und zwar unter
Zuſatz von Zucker; dieſes flüſſige Gemiſch wird nämlich

in feinſten Weizen= oder Maispuder gegoſſen, in wel=
chen
vorher die betreffende Form eingedrückt iſt, und
unter dem Einfluß der Luft kriſtalliſiert der Zucker
heraus, um dann rings um die Flüſſigkeit eine feſte
Hülle zu bilden, etwa wie eine dünne Eierſchale. Nun
wird der entſtandene Körper in die flüſſige Deckmaſſe
getaucht, und nach dem Erkalten iſt das Pralinee fertig!
Auf die Fabrikation von Reichardts diätetiſchen,
insbeſondere Hämoglobin=Kakaopräparaten, die Kaffee=
röſterei
, die Teeabteilung uſw. einzugehen, verbietet der
Raum. Hervorgehoben ſei nur noch die Einheitlichkeit
und Sauberkeit der hellen Fabriktracht, die ſämtlichen
Arbeitern und Arbeiterinnen geliefert wird, einſchließ=
lich
einer anſchließenden Kopfhaube für die Arbeite=
rinnen
.
Natürlich gibt es in einem Werke dieſer Größe eine
Menge von Nebenbetrieben, die meiſt in einem ſtatt=
lichen
Nebengebäude untergebracht ſind. Die Schloſſerei,
Sattlerei, Tiſchlerei, Nähſtube, Druckerei und Karton=
nagenfabrik
haben ebenfalls hochintereſſante Einrich=
tungen
, gibt es doch zur Herſtellung von Kakaobeuteln
und Kartons Maſchinen, die man geneigt iſt, als
eiſerne Menſchen zu bezeichnen.
Schließlich machen noch die hygieniſchen Betriebs=
und Wohlfahrtseinrichtungen des Werkes einen tiefet
Eindruck. Nur ein Beiſpiel: ſämtliche Angeſtellte bis
zu 1500 Mark Einkommen können in der Fahrik Mit=
tageſſen
erhalten, ausreichende und bekömmliche
Speiſen, zum Preiſe von ſage und ſchreibe 5 Pfennig
die Portion; warme Frühſtücks= und Veſpergetränke,
namentlich Kakao, werden ganz umſonſt geliefert, aber
auch das Eſſen koſtet eigentlich nichts, denn die Ein=
nahmen
gehen in eine Unterſtützungskaſſe für Bedürf=
tige
, Witwen und Kinder, die zur Konfirmation einge=
kleidet
und zu Weihnachten beſchenkt werden. Selbſt=
verſtändlich
ſind für die Mittaas= und Frühſtücksvanſen
große Räumlichkeiten, Schränke uſw. vorhanden, das
flache Dach des einen Fabrikgebäudes iſt zum Er=
holungsaufenthalt
eingerichtet. Einem Waren= Vertei=
lungsverein
(Wirtſchaftsverein) der Beamten und
Arbeiter des Werkes werden Räume und Verkäufer
für die Verteilung der zu Großhandelspreiſen einge=
kauften
und ohne Gewinn weitergegebenen Lebensbe=
dürfniſſe
, ſowie Licht und Beleuchtung ohne Entſchädi=
gung
von der Firma geſtellt, und endlich hat die
Reichardt=Compagnie im Wandsbeker Gehölz ein Hotel
mit 100 Zimmern angekauft, die, mit dem nötigen
Mobiliar verſehen, an Arbeiterinnen mit oder ohne
volle Verpflegung ſpottbillig vermietet werden.
Nach meiner Ueberzeugung wird jeder Beſucher der
Fabrit mit hoher Befriedigung erfüllt werden und den
Eindruck mitnehmen, daß das Reichardtſche Unter=
nehmen
in beſonders hervorragendem Maße geeignet
iſt, die hohe Stellung zu veranſchaulichen, welche deut=
ſcher
Gewerbfleiß in der Welt einnimmt.
Wenn man von einem Segen der Arbeit ſpricht, ſo
findet man ihn an dieſer Stätte: es iſt, zumal in der
Lebensmittel=Induſtrie, eine Seltenheit, daß die Leiſtun=
gen
eines Werkes von den Konſumenten ſo ſchnell und
in ſo hohem Grade anerkannt und belohnt werden, wie
hier. Staunt man doch am Orte ſelbſt mehr und mehr
über die faſt Jahr um Jahr geſchaffenen Erweiterungen
der Anlage, die neuerdings auf eine Arbeitsfläche von
40000 qm 16 preußiſchen Morgen, in Gebäuden von
5 Stockwerken, vergrößert wird. Eine Armee Soldaten
könnte darin bequem lagern. Man zerbricht ſich hier
den Kopf über den Mut der Geſchäftsleitung, die bei ſo
wenig Reklame ſolche Koloſſaleinrichtungen ſchafft:
wenn man aber wüßte, daß dieſes Werk Jahr für Jahr
an der Einfuhrzunahme von Kakaobohnen etwa mit dem
doppelten Prozentſatz teilnimmt, dann würde man die
Werbekraft, die in der Güte ſeiner Fabrikate liegt,
höher einſchätzen, als die verhältnismäßig winzige
Propaganda, die das Werk nur für diejenigen machen
muß, welche die Reklametrommel als unerläßliche Be
gleiterſcheinung eines großzügigen Unternehmens an=
ſehen
und die Güte der Fabrikate nur nach dem Um=
fange
der Reklame beurteilen.
Die Reichardt=Marken werden bekanntlich meiſt
durch die Poſt oder Bahn direkt an Private zu den=
ſelben
Fabrikpreiſen, die für die gleichen Mengen dem
Händler berechnet werden, verſandt und ohne Preis=
aufſchlag
in den Reichardt=Filialen oder= Ausgabe=
ſtellen
im einzelnen verkauft.
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Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 24, November 1910.

Nummer 276.

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Vermiſchtes.
CK. Welche Laſten könnon Raubvögel tragen? Es
iſt eine merkwürdige Tatſache, daß in einer Zeit, in
der das Flugproblem die Geiſter ſo lebhaft beſchäftigt,
keine ſyſtematiſchen Forſchungen über die intereſſante
Frage unternommen wurden, welche Laſten die Raub=
vögel
durch die Lüfte tragen können. In einem neuen
Buche, das unter dem Titel Rieſen der Tierwelt bei
Ullſtein erſcheint, beſchäftigt ſich Dr. Th. Zell mit die=
ſer
feſſelnden Frage und ſtellt eine Reihe wertvoller
Beobachtungen zuſammen. Es iſt freilich nicht mög=
lich
, das Gewicht genau anzugeben, das einzelne Raub=
vögel
vom Boden heben. Da die Beute in vielen
Fällen der Vogelwelt entſtammt, läßt ſich deren Ge=
wicht
nicht ohne weiteres als getragene Laſt betrachten;
es ſcheint, daß die Rettungsverſuche und das Flattern
der von dem Räuber erbeuteten Vögel das Fortſchaf=
fen
zum Neſte erheblich erleichtern. Ein toter Vogel
würde für den Angreifer eine viel ſchwerere Laſt be=
deuten
als ein verwundeter, der durch ſeine Beweg=
ungen
die Flugabſichten des Raubvogels unterſtützt.
Dadurch wird auch erklärlich, weshalb die Raubvögel
nicht mit dem Schnabel angreifen. Denn angenommen,
ſie hätten mit einem gewaltigen Schnabelhieb ihr
Opfer getötet wie ſollten ſie es trausportieren?
Aber die Leiſtungen einzelner Raubpögel übertreffen
doch bei weitem die Vorſtellung der Laien. Brehm be=
richtet
von einem Adler, der einen ſo großen und ſtar=
ken
Vogel wie einen Reiher bis 30 Kilometer weit
nach ſeinem Horſte ſchleppte. Aber für einen Vogel
muß ſelbſt ein ausgewachſener Haſe ſchon ein erheb=
liches
Gewicht darſtellen, und doch ſchleppt der Adler
mit Leichtigkeit Haſen davon. Bechſtein fand bei einem
Adlerhorſt die Ueberbleibſel von 40 Haſen, und der
Jäger Ragg entdeckte in einem anderen Horſt die Reſte
eines Gemstitz, eines Fuchſes, eines Murmelrieres
und von fünf alten Haſen. Es iſt alſp durchaus wahr=
ſcheinlich
, daß der Adler kleine Kinder ergriſien und
davongetragen hat. In Spanien iſt es eine alltägliche
Erſcheinung, daß der verwegene Adler auf Herden nie=
derſtößt
und Lämmer oder Zicklein davonträgt. Daß
er nicht nur die Lämmer unſerer Hausſchafe, ſondern
auch die weit größeren, rieſigen Wildſchafe ſchlägt, hat
Dr. Zell ſelbſt beobachtet. Er ſcheut ſich ſogar nicht vor
dem Angriff auf den Fuchs. Tſchudi berichtet eine Be=
obachtung
, bei der er ſah, wie auf einem Gletſcher ein
Fuchs vom Steinadler gepackt und in die Lüfte empor=
geführt
wurde. Plötzlich begann der Räuber ſeltſam
mit den Fügeln zu ſchlagen und verlor ſich hinter
einem Grat. Als Tſchudi herbeieilte, lief der Fuchs
pfeilſchnell vorbei, und bald fand er den ſterbenden
Adler mit aufgebiſſener Bruſt. Dem Fuchs war es ge=
lungen
, den Hals zu ſtrecken, ſeinen Räuber bei der
Kehle zu packen und dieſe durchzubeißen. Jedenfalls
vermögen viele Raubvögel Laſten zu tragen, die ihr
eigenes Gewicht überſteigen, eine Leiſtung, die den
Theoretikern des Fluges noch manche Rätſel bietet.

Literariſches.
Karl Heſſelbacher: Silhouetten
neuerer badiſcher Dichter mit Dichtungen
und Proſaſtücken von Auguſt Schnezler, Ludw. Eich=
rodt
, Hch. Vierordt, Hch. Hansjakob, Hermine Villin=
ger
, Hans Thoma, Hermann Oeſer, Maidy Koch, Pau=
line
Wörner, Emil Gött, Alfr. Mombert, Emil Rud.
Weiß, Adolf Schmitthenner, Alb. Roffhack, Wilh. Wei=
gand
, Adam Karillon, Otto Frommel, Max Bittrich,
Em. von Bodmann, Albert Geiger u. v. a., ſowie 15
Dichterbildniſſen. 8' 428 S. Preis broſch 3,50 Mk., geb.
4,50 Mk. Heilbronn, Eugen Salzer. 1910. Dem
Schwabenbuch und Schweizerbuch, welch beide ſich ſo

große Beliebtheit erwarben, folgt hier eine neue
poetiſche Landsmannſchaft: Baden. Mehr als in den
beiden anderen Büchern iſt hier ein Augenmerk gelegt
auf den Doppelcharakter eines Sammel= und Haus=
buches
badiſcher Dichtung und zugleich einer literar=
hiſtoriſchen
Darſtellung der badiſchen Dichtung, von
Hebel herab bis zu den neueſten badiſchen Dichtern.
Mit Hörrohr und Spritze, ein luſti=
ges
Buch für Aerzte und Patienten, Karikaturen aus
alter und neuer Zeit, geſammelt von Guſtav Hoch=
ſtetter
und G. Zehden. Verlag der Luſtigen
Blätter (Dr. Eysler & Co.) G. m. b. H., Berlin SW. 68.
Preis 3 Mark. Der vielverſprechende Untertitel
dieſes Werkes: ein luſtiges Buch, iſt wahrhaftig keine
Vorſpiegelung falſcher Tatſachen. Alles, was der
ärztliche Beruf, ſein Studium und ſeine Praxis, an
Humor und Komik enthält es iſt in Wort und Bild
auf den mehr als 200 Seiten dieſes Buches zuſammen=
getragen
.. und erſt nach der Lektüre eines ſolchen
Werkes wird uns ſo recht bewußt, wieviel Humor, wie
unendlich viel Komik ſich in dieſem ernſten Berufe
vereinigen. Die Bilder des Buches ſtammen von den
beſten Karikaturiſten und Malern des In= und Aus=
landes
, der neuen und der alten Zeit.
Zitaten= und Sentenzenſchatz der
Weltliteratur. Nach Schlagworten geordnet und
herausgegeben von Richard Zoozmann. Broſch.
2,50 Mk.; in Leinenband 3 Mk.; in Geſchenkband 4 Mk.;
in Ganzlederband 5 Mk. Leipzig, Max Heſſes Verlag.
Der Retter in der Not, der Richter im Streite um
Urſprung, Urheber und Richtigkeit des Zitates, das iſt
der Zitatenſchatz. Er wird noch außerdem zum ſtets
zuverläſſigen Sachverſtändigen, zum Wegweiſer bei
allen Lebensfragen, wenn er ſich zum Zitaten= und
Sentenzenſchatze der Weltliteratur alter und neuer
Zeit entwickelt, wie das bei dem von Richard Zooz=
mann
in Max Heſſes Verlag herausgegebenen, ſoeben
erſchienenen Werke der Fall iſt. Eins kann dieſe Heſſe=
ſche
Sammlung vor den vielen anderen, die alle ihre
Vorzüge und Mängel haben, als beſonderen Vorzug
für ſich in Anſpruch nehmen: ſie bietet, nach Schlag=
worten
geordnet, in nahezu. 20000 Nachweiſen einen
Reichtum des Schönſten und Intereſſanteſten für jeder=
mann
, wie er bisher zu ſolch beſcheidenem Preiſe
hübſch gebunden in Leinen 3 Mark noch nie ge=
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thekenpfandbriefe
uſw. ſachgemäß unterrichtet, wird
allen Privatkapitaliſten, die ſich ſelbſt ein Urteil bilden
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geſchriebenen Büchlein Naturwiſſenſchaftliche
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um allerlei unterhaltende Beſchäftigungen aus dem
Naturgebiete, die Verſtändnis und Anregung zur Be=
obachtung
der Natur geben. Die hübſche Art, wie hier
Naturkunde geboten wird, dürfte dieſen Büchlein volle
Beachtung bei all denen erwerben, denen daran gelegen
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(Nachdruck verboten.)
(Ohne Gewähr. A. St.=A. f. Z.)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne
über 240 Mk. gezogen:
1 Gewinn zu 10000 Mk. 136236
4 Gewinne zu 5000 Mk. 453 64956 112982 213324
64 Gewinne zu 3000 Mk. 2730 4214 6531 6479
25320 26100 27486 28855 41301 48346 48596 63727
61014 66219 71130 76685 64207 86483 97286 104293
110138 112238 112924 113694 118389 123680 133485
133862 138413 138486 143518 176812 177440 178137
184192 205647 208639 210250 241895 250637 254140
256423 259420 259443 263215 270691 271942 276127
281610 283300 286981 288781 290193 303502
67 Gewinne zu 1000 Mk. 802 1493 6677 8103
11019 15297 18536 30333 31128 36331 38959 45486
45489 60829 62979 67464 75197 76482 83538 83716
85322 89706 89729 89899 101375 104778 107022
108561 117161 117933 118962 131715 138579 142986
144872 149377 151601. 151538 161042 166675 171090
173226 179483 181023 181703 189894 193017 196313
200397 201297 201604 214353 223010 229640 234306
239266 240360 245630 246298 250886 252923 259604
259832 271170 296382 298007 303075
113 Gewinne zu 500 Mk. 1242 6436 6909 7297
10473 10840 14479 16966 23121 26543 27278 27582
29274 33136 35321 35905 36319 38811 41662 44581.
51050 52371 68773 60777 63697 68135 68379 71410
72533 73743 81833 83318 85683 89557 91742 96746
101852 111406 111700 120555 121299 123963 124033
128305 129566 130221 132767 133892 135466 138940
141669 142933 144736 144786 147112 149666 150499
151167 152980 153012 155162 162296 166744 169811
171738 174996 175890 177887 178042 180562 185773
185828 186609 194519 195752 200366 204292 205406
210621 212156 213661 213714 215308 216589 221791.
228909 229936 230802 236516 239362 239902 240132
244293 246055 248304 248504 252758 253629 258529
264222 264616 265746 274174 275794 281135 281265
283834 284040 285218 287300 289108 291482 296188
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
240 Mk. gezogen:
1 Gewinn zu 30000 Mk. 170977
1 Gewinn zu 15000 Mk. 150488
1 Gewinn zu 5000 Mk. 289177
53 Gewinne zu 3000 Mk. 1964 3778 7802 9540
11903 14825 15519 23796 27111 30421 32264 36482
38270 50213 60725 51946 52381 66700 71894 74664
87043 89384 110596 110822 114733 118032 126319
126837 130836 149572 149992 151949 155629 168041
175848 176300 177092 186682 189236 189552 203268
205615 211238 212268 212702 223190 228683 232655
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139186 141325 142423 143660 153056 155220 158532
162871 164968 167015 167202 168780 169330 170903
171068 172697 173576 177771 181925 207983 208037
210721 211331 215246 217067 217248 219069 220371
223575 226224 226372 228174 228912 233811 236189
243306 243417 252334 256636 257860 259071 261931
262191 262969 265792 266858 271388 274449 282731
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18095 22665 22693 24769 25999 27867 32760 83002
35379 39844 42976 43620 44663 45977 49767 50371.
64955 55766 55872 61471 63402 63766 63912 67089
69556 74138 76747 82650 82704 83714 84588 84914
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137781 138704 139047 141544 142602 142937 143845
148556 151735 155372 158013 158621 197231 169190
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Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 24. November 1910.

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Dr. Oetker’s Backpulver, ½ Liter Milch.
Zubereitung: Die Butter wird zu Sahne gerührt und Eier, Zucker
und Milch hinzugefügt, zuletzt das mit dem Backpulver gemischte und
durchgesiebte Mehl. Den fertigen Teig rollt man auf einem Backblech brot-
förmig
auf oder füllt ihn in einen mit Butter ausgestrichenen länglichen
Blechkasten, sog. Kastenform und backt ihn ca. ¾ Stunden. Am nächsten
Tage schneidet man das Gebäck in Scheiben, die man auf dem gefetteten
Backblech hellbraun röstet.
In einer Blechdose aufbewahrt, halten sich diese Zwiebäcke lange Zeit.

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[ ][  ][ ]

Beilage
zum Darmſtädter Tagblatt.

38 276.

Donnerstag, 24. November.

1910.

AKriegerverein Darmstadt
Schutzherr: Se. Königl. Hoheit der Großherzog Ernſt Ludwig.
Feier des Allerhöchſten Geburtstags
Seiner Köniel. Hoheit des Großherzogs
Samstag, den 26. November 1910, abends 8 Uhr,
im großen Saale der Turnhalle am Woogsplatz
beſtehend-aus
Feſtanſprache (gehalten von Herrn Beigeordneten Mueller)
KONZERT und TANZ
unter gütiger Mitwirkung der Fräulein Krömmelbein und
des Herrn Jung jr.
Unſere Ehrenmitglieder und Mitglieder nebſt ihren Familienangehörigen laden
wir zu dieſer Feier ein. Fremde Perſonen können durch Mitglieder eingeführt werden,
ſind aber den am Saaleingang anweſenden Vorſtandsmitgliedern vorzuſtellen.
Orden, Ehren= und Verbandsabzeichen ſind anzulegen.
(22539od
Der Vorstand des Kriegervereins Darmstadt.

Ludwigshöhe.
Freitag, den 25. November 1910:
Zur Geburtstagsfeier S. Kgl. Hoheit des Großherzogs

ausgeführt von einer größeren Abteilung der Kapelle des
Leibgarde=Regiments.
Anfang 4 Uhr.
Eintritt 25 Pfg.
(B22743)

Deutscher und Oesterreichischer Alpenverein

Gegr. 1870

Sektion Darmstadt Gegr. 1870.
Herrenabend

Anlässlich

Grossfierzogs Geburtstad
O

findet auch
Freitag

Kaſſee-Konzert

Statt.

(22765df

Jcotel
Iess

Freie Iferdr. Kunstl. Gesellschatt.
Mittwoch, 30. November,
Mathildenhöhsaal (Dieburgerstrasse 26)
Aufführung von:
1
: Der Tor und der Tod
Dramat. Dichtung von Hugo von Hokmannsthal
unter Mitwirkung der Königl. Bayr. Hofſchauſpielerin Frl. Maja Reubke vom
Stadttheater in Frankfurt a. M. und des Herrn Oberregiſſeurs Willy Loehr vom
Stadttheater in Mainz.
(2727
Anfang 8 Uhr.
Ende ½10 Uhr.
Karten für Nichtmitglieder im Vorverkauf bei A. Bergſträßer Mk. 2.50, 1.50
75 Pfg., abends Mk. 3, 2, 1.
Mitgliederbeitrag 6 Mk.

Samstag, 26. November 1910, abends 8 Uhr.
Anmeldung zum Nachtessen (trockenes Gedeck 2,50 Mark), an Herrn
(22690
Restaurateur Sitte, Karlstrasse 15, erbeten.
Der Vorstand.

11½ Marktplatz 11½

Restaurant zum Erbprinz
22678a) Freitag, Samstag, Sonntag und folg. Tage
nach Münchener Art
S- Grosses Zockbierfest
Hierzu ladet freundlichſt ein
M. Klump.

Epangel. Frauenverein
für den Südwestbezirk der Stadtgemeinde.
Sonntag, den 27. November, abends 8 Uhr:
Familienabend
im Gemeindehause, Kiesstrasse 17.
Ansprachen, musikalische Darbietungen, Deklamationen.
Der Vorstand.
Gäſte ſind willkommen.
Teekarten à 20 Pfg. in der Buchhandlung von Waitz, Eliſabethenſtraße 16,
und bei Hausverwalter Spaar, Kiesſtr. 17.
(22752

Einladung

zu dem vom
Kath. Frauenbund und dem Volksverein für das kath. Deutſchland
veranſtalteten
Volksbildungs=Abend
am. Z. Dezember 1910, abends 8 Uhr, im Concordiasaale, Darmstadt, Waldstr. 33.
Lichtbildervortrag:
Wie lernen wir Bilder verſtehen und genießen?
Vortragender: Herr Dipl.=Ingenieur Kauth, Frankfurt.
Numerierte Plätze 1. Mark, nichtnumerierte Plätze 30 Pfennig.
Vorverkauf: Büro des Verkehrsvereins, Kaufmann Meſſerſchmidt, Ludwigſtr. 18,
Reſtaurateur Brückner, Waldſtr. 33, Hausmeiſter im Geſellenverein, Friedrichſtr. 30.
In Verbindung mit dieſem Vortrag veranſtalten wir eine
reichhaltige Ausſtellung von guten Büchern und Bildern im
Sillardzimmer des Kath.=Vereins, Waldſtr. 33:
(22749
Montag, den 5. Dez., nachm. von 37 Uhr, Dienstag, den 6. Dez.,
und Mittwoch, den 7. Dez., vorm. von 101, nachm. 37 Uhr.

Chriſtliche Gemeinſchaft Immannel‟ (E. 9.)
Rheinſtraße 2.
Freundliche Einladung
zu den Vorträgen des Evangeliſten der deutſchen Zeltmiſſion
Herrn W. Teller aus Barmen.
Vom 27. November bis 9. Dezember 1910 ::
Jeden nachmittag 4 Uhr (außer Samstag): Bibelſtunde.
Jeden abend 8½ Uhr, Sonntags 8¼ Uhr, Evangeliſation.
Eintritt frei für jedermann!
(22703a

Was dünkt euch um Christus?
Weß Sohn ist er?
Z. Vortrag Gesus und der Satan)
in bibelgläubigem Sinne von Pfarrer Veller
im Saale der Stadt Pfungstadt

am 24. November, abends 8¼ Uhr,
Zutritt frei für jedermann.

(22731

Gemeindeabend der Petrusgemeinde
Sonntag, den 27. November, abends 7½ Uhr,
in dem Gemeindehaus Hofgartenstrasse 8
Vortrag des Herrn Oberhofprediger Ehrhardt
Musikalische Darbietungen.
Eintritt gegen Teekarte.

Teekarten zu 25 Pfg. im Gemeindehaus und in der Buchdruckerei Bender.
Gäſte aus anderen Bezirken willkommen.
(22733

Für Schachfreunde!
Donnerstag findet ein kleines Schachtournier ſtatt mit zahlreichen
ſchmackhaften Preiſen. Auch ſehr wenig geübten Spielern iſt Gelegenheit geboten, einen
der hübſchen Preiſe zu gewinnen. Zu recht zahlreichem Beſuche ladet höflich ein
Café Hecker, Liebigstrasse 7.
22686md)

Weihnachtsbitte.
Damen-Verein der Kleinkinder-Schule,
Mauerſtraße.
Die Kleinkinder=Schule in der Mauerſtraße bittet für ihre Chriſtbeſcherung ihre
Freunde herzlich um Gaben an Geld und Kleidungsſtücken, wie ſie für Kinder von
2 bis 6 Jahren paſſen.
(22534a
Zur Entgegennahme ſind bereit: Frau Oberſtleutnant Cramolini, Annaſtraße 36
Frl. v. Gandenberger, Wienersſtraße 63, Frau Major v. Kietzell, Ohlyſtraße 38. Frl
v. Knorr, Wilhelminenplatz 14, Frau Landgerichtsdirektor Meiſel, Mathildenſtraße 25
Freifrau. Schäffer v. Bernſtein, Schießhausſtraße 67 und Frl. Kratz, Mauerſtraße 5

[ ][  ]

(21115a)

Weihrestaarant
2873
J. Popp
ds
Viktoriastrasse 75.

Weinrestaurant
LORELET
Nieder-Ramstädterstrasse 14
Spezialessen

Mittwoch-Abend Leberklos mit Sauerkraut.
Samstag-Abend Dippe-Hass. (*28737
J. Simon
früher
Hotel Felsberg.

Secheim a. d. Bergstr.
Restauration Heidmann,
Morgen Freitag, 25. November,
Metzelsuppe
Wellfleiſch mit Kraut, Schweinepfeffer,
gemiſchte Wurſt u. Bratwurſt m. gemiſcht.
Salat, wozu ich höfl. einlade
(22755
Gg. Heldmann.

R. Lahl, Pianist
wohnt jetzt
(21210a
Soderstr. 4, part.
(Kapellplatz).

uter Privatmittagstiſch Markt=
platz
7, I. St.
(*28710mds

Bammemellch
Kochfleisch per Pfd. 56 u. 60 Pfg.
Hammelbraten per Pfd. 66 Pfg.
Hammelkeulen per Pfd. 70 Pfg.
alles Bratenfleiſch ganz ohne Knochen
per Pfd. 90 Pfg. (22759a
Spezialität: ff. geh. Kalbskoteletts
à Stück 20 Pfg. bei
Hof-
Louis Hein, metzger,
Schusterg. 19
Teleph. 278.
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Echter Bernhardiner kaufen. Off. unt.
M30 an die Exp. ds. Bl.
(*28767
Schachgelegenheit täglich, Hauptſchachtag
jeden Donnerstag, von 2 Uhr an
21338a) Café Hecker, Liebigſtr. 7.

Fräulein . . . . bei Multern
erſucht nochmals um Adreſſe,
2
E
da kein anderer Ausweg ge=
funden
wird. Mutters Anſicht iſt richtig.
Warum ſo zaghaft u. ſo wenig Vertrauen,
da doch alles ſtreng geheim gehalten wird.
Bitte bald. Antwort unt. M 23 Expd. (*28741

ähr. blonde Wienerin, mit vorl. 50 000
20 Mark Mitgift, ſpät. bedeut. Erbe, einzige
Tochter e. Großinduſtriellen, feſch u. ſchön,
wünſcht Neigungsheirat. Nur ernſte Bew.,
wenn auch ohne Verm., wollen ſchreiben an
L. Schlesinger, Berlin 18. (18794a

ſucht Bekanntſchaft
Leingeiſtiger Herr einer Dame zwecks
freundſchaftlichen Verkehrs, evt. ſp. Heirat.
Diskretion Ehrenſache. Gefl. Antworten
unter L. 85 a. d. Expedition erb. (*28592id
b. Frl., 34 J., a. g. Fam., häusl. erz., gut.
Aeuß., heit. Gemüt, w. zw. Heir. d. Be=
kanntſch
. ein. b. ält. Herrn. Witw. n. ausgeſchl.
Off. u. S. R. 500 poſtl. Post Hermannstr. (*28773

S

el

ersru

finden diskrete Aufnahme bei
Damell Frau Maul, Hebamme, Eberstadt
bei Darmstadt, Georgenstr. 19. (18388a Ein kinderloſes Ehepaar ſucht ein Kind
in gute Pflege zu nehmen. (*28670md
Näheres in der Exped. ds. Bl. Vingverloren!
Ein goldener Damenring
mit einem Türkis in der Mitte und einem
Kranz von Brillanten, wurde auf dem
Wege Heerdweg, Martinſtraße, Heinrich=
ſtraße
, Wilhelminenſtraße, Rheinſtraße am
17. ds. Mts. verloren. Dem Finder
wird gute Belohnung zugeſichert. (B22736
rat Haas, Ohlystrasse 30.
Gehel

S

2

Rere

Heute Donnerstag, nachm. 5½ Uhr,
Erertungs Verstenung
Festprolog, vorgetragen von Herrn E. Kroczack,
Mitglied des Hoftheaters zu Darmstadt.
Das Fest-Programm
enthält ausnahmslos nur Kunstwerke aus allen
O Gebieten der modernen Kinematographie! o
Stimmungsvolle IIlustration
der einzelnen Piecen durch Militär-Konzert
unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Weber.
Beginn der Abendvorstellungen 8 Uhr!

6

Haltestelle der elektr. Straßenbahn nach allen Richtungen.

Nach den neuesten
polizeilichen Vor-
schriften
gebaut.

Die Lichtspiele
werden auf einer
neu erfunden. Silber-
wand
vorgeführt.

gang von hell in
dunkel! Kein völlig
dunkler Saal!

Masenschatliche, onterhaltende u. belehrende
Projektionsvorführungen in höchster Vollendung

Preise der Plätze: Loge 1 Mk., 1. Platz 80 Pfg.,
2. Platz 50 Pfg., 3. Platz 30 Pfg. Kinder die Hälfte.
Dircktor u. alleiniger Besitzer Ludwig Weber.
(*28762

mee

Maue

2

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zu haben
9
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Zentner Mk. 1.30
à Zentner Mk. 1.27
. à Zentner Mk. 1.05

Meute

Donnerstag, 24. November
Gr. Vorstellung
Sensationeller Erfolg
des großen Novitäten-Programms
Insgesamt
2 Finiauie Pahrte (105
I. Ranges d. internat. Schaubühne
Vom Guten dus Rester Bg
Freitag, 25. November
(Großherzogs Geburtstag) wegen
anderw. Vergebung
keine Vorstellung!

Samstag, 26. November
Familien-Abend (22761

Gr. Extra-Vorstellung.

Großherzogliches Hoftheater,
Donnerstag, den 24. November 1910.
63. Abonnements=Vorſtellung.
Abonnement C 16.
Neu einſtudiert:
Der Regiſtrator auf Reiſen.
Poſſe mit Geſang in 3 Akten
von L’Arronge und G. von Moſer.
Muſik von Bial.
Muſikaliſche Leitung: Chordirektor Heinz.
Spielleitung: Regiſſeur Hacker.

Hr. Schneider

Perſonen:
Hiller, Königl. Baurat . . Hr. Knispel
Cäſar Wichtig, Regiſtrator
im Handelsminiſterium. Hr. Holler
Wilhelmine, ſeine Frau . Fr. Rudolph
Otto, beider Sohn
Heidenreich, Gerichtsrat a. D. Hr. Schwarze
Emma, ſeine Tochter. . . Frl. Gothe
Franz Weller, Ingenieur . Hr. Speiſer
Zander, Zeitungs=Reporter Hr. Jürgas
Striegel, Poſtmeiſter und
Wirt des Gaſthofes:
Zum roten Ochſen in
Hr. Semler
Waldkirch
Peter, ſein Sohn .
. Alfred Schulz
Marie Linke, Schauſpielerin,
Frl. Grünberg
ſeine Nichte
Hr. Dobski
Scholz, der Schulze,) in
Hr. Geibel
Lemberg,
Wald=
Hr. Ungibauer
Marſchall, Bauern
kirch
Kleiſt,
Vater Kulicke
Mutter Kulicke .
Minchen,
Lieschen, deren Kinder Math. Harreus
Fritzchen,
Jette, Dienſtmädchen bei Frl. Nicklaß=
Wichtig
Kemper, Bote
Feder,
Emſig,
Schwarz,
5
Lauter,
Ein Kriminalkommiſſarius Hr. Jungmann
Erſter ) Kriminal=.
Zweiter ) Beamter . Hr. Schnelting
Ein Bahnhofs=Kaſſierer . Hr. Klotz
Ein Gepäckträger
Der Förſter
Hr. Göllnitz
Reiſende. Eiſenbahnbeamte. Gepäcktrager.
Dienſtleute. Bauern und Bäuerinnen.
Nach dem 2. Akte findet eine längere
Pauſe ſtatt.
Preiſe der Plätze:
(Kleine Preiſe)
Proſzeniumsloge 5 Mk., Fremdenloge 5 Mk.,
Balkonloge 4.50 Mk., 1. Rang 4 Mk., 2. Rang
(1.6. Reihe) 2. Mk., (7. und 8. Reihe)
1.60 Mk., Sperrſitz: (1. bis 13. Reihe) 3.50 Mk.,
(14. bis 20. Reihe) 3. Mk., Parterre: (1. bis
5. Reihe) 2.20 Mk., (6. bis 8. Reihe) 1.80 Mk.,
1. Galerie 1. Mk., 2. Galerie 50 Pfg.
Kartenverkauf von 11 bis 1 Uhr und von=
6 Uhr an.
Anfang 7 Uhr. Ende vor 10 Uhr.
Vorverkauf
von 111 Uhr für die Vorſtellungen:
Freitag, 25. Nov. 64. Ab.=Vorſt. D 17.
Feſtvorſtellung. Zur Feier des Aller=
höchſten
Geburtsfeſtes Sr. Königl. Hoheit
des Großherzogs. Zum erſten Male: Su=
ſannens
Geheimnis. Intermezzo
in 1 Akt von Wolf=Ferrari. Hierauf:
Brüderlein fein. Große Preiſe.
Anfang 7 Uhr.
Sonntag, 27. Nov. 65. Ab.=Vorſt. C17.
Die Zauberflöte. Große Preiſe.
Anfang 6½ Uhr.
Montag, 28. Nov. 66. Ab.=Vorſtell. A 17.
Gedächtnisfeier für Björnſtjerne Björnſon.
Ein Falliſſement. Vorher: Pro=
log
von Carl Hepp. Kleine Preiſe.
Anfang 7 Uhr.

Hr. Indorf
Hr. Fleiſchmann
Fr. Hartig
Hdw. Jungkurth
Aennchen Dörr
Kempner
Hr. Klotz
Hr. Kroczak
Hr. Sautier
Hr. Wolf
Hr. Jachtmann
. Hr. Waigandt
Hr. Salomon

Aus dem Spielplan.
Dienstag, 29. Nov. 67. Ab.=Vorſt. B16.
Prima-Ballerina.: Große Preiſe=
Anfang 7 Uhr.

Die Hoftheater=Hauptkaſſe iſt an allen
Wochentagen vormittags von 10 bis 12½
Uhr, geöffnet.