Darmstädter Tagblatt 1910


12. November 1910

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173. Jahrgang
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.

Inſerate
werden angenommen in Darmſtadt
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.

Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

N 266.

Die heutige Nummer hat 36 Seiten.

Moabit und Südwales.
C) Der Beginn des Moabiter Krawallprozeſſes fällt
zeitlich mit dem Streikaufruhr in Südwales zuſammen. Das
iſt inſofern von Bedeutung, als die Moabiter Gerichts=
verhandlung
von neuem die Aufmerkſamkeit des Auslan=
des
auf Vorgänge lenkt, die in der ausländiſchen Preſſe
nach verſchiedenen Richtungen eine Deutſchland unfreund=
liche
Beurteilung erfahren haben. Bis in die halbamt=
liche
Preſſe Englands und Rußlands hinein iſt vor eini=
gen
Wochen die Auffaſſung gedrungen, daß die Moabiter
Vorgänge gezeigt hätten, auf wie ſchwachen Füßen die
Autorität in Deutſchland ſtehe, wie ſchwer der ſoziale
Frieden Deutſchlands bedroht ſei. Legte man dieſes Ur=
teil
der Würdigung deſſen zugrunde, was jetzt im Haupt=
kohlenbecken
von Südwales ſich abſpielt, dann müßte man
die innere Lage Großbritanniens noch weit peſſimiſtiſcher
anſehen. Denn der Streikaufruhr im Rhondatal geht
über die Moabiter Tumulte erheblich hinaus. Angriffe,
wie ſie dort auf Fabrikanlagen, Kraftſtationen uſw. ge=
macht
wurden, Verwüſtung und Plünderung von Läden,
wie ſie dort im größten Maßſtabe vorkamen, laſſen die
Ausſchreitungen in Moabit recht weit hinter ſich.
Der Schwere des Aufruhrs entſprechen die Ab=
wehrmaßregeln
der engliſchen Behörden. Man hat ſich
nicht getraut, nach dem Brennpunkte des Aufruhrs Poli=
zeimannſchaften
aus der nächſten Umgebung zu berufen,
ſondern zog aus London Hunderte von Konſtablern heran
und hält außerdem Soldaten in Bereitſchaftſtellung. Ob
ſich das Eingreifen des Militärs vermeiden laſſen wird,
müſſen die nächſten Tage erweiſen. Das bisherige Vor=
gehen
der engliſchen Polizei geſtattet aber ſchon jetzt das
Urteil, daß das angeblich übermäßig ſchroffe Vorgehen der
Berliner Polizei den Vergleich mit dem Verhalten der eng=
liſchen
Polizei nicht im geringſten zu ſcheuen braucht.
Es ſei nur daran erinnert, daß die engliſche Polizei viele
fliehende Frauen in das Waſſer des Aberdarekanals ge=
trieben
hat. Die engliſchen Berichterſtatter, die in Berlin
von der Polizei verkannt wurden und infolgedeſſen teil=
weiſe
zu Schaden kamen, werden hoffentlich den Vorgän=
gen
in Südwales die Mahnung entnehmen, etwas we=
niger
vorlaut von Uebergriffen der Berliner Polizei zu
reden. Unſere ſozialdemokratiſche Preſſe aber, die nicht
müde geworden iſt, Deutſchland wegen des Verhaltens
der Polizei in Moabit der Verachtung des Auslandes zu
überantworten, kann aus den Erfahrungen von Süd=
wales
wieder einmal lernen, wie einſeitig ſie deutſche
Zuſtände zugunſten des Auslandes herabſetzt.

Die amerikaniſchen Wahlen in engliſcher
Beurteilung.
* Der Sturz der republikaniſchen Partei
in den Vereinigten Staaten wird von den eng=
liſchen
liberalen Blättern mit großer Genugtuung beſpro=
chen
. Sehen ſie darin doch in erſter Linie eine Auflehnung
des amerikaniſchen Volkes gegen den hohen Schutzzoll,
der das Leben ſo unendlich verteuert hat. Der demokra=
tiſche
Sieg wird als ein Sieg der Gegner des Hochſchutz=
zolls
gefeiert und bietet den engliſchen Regierungsparteien
natürlich ein vortreffliches Argument gegen alle Tarif=
reformbeſtrebungen
der konſervativen Partei.
Die konſervativen Blätter ſuchen freilich nach einem
anderen Grunde für die überwältigende Niederlage der
republikaniſchen Partei in Amerika, die vieles mit der
engliſchen konſervativen Partei gemein hat, und dieſen
Grund finden ſie in der Perſönlichkeit Rooſe=
velts
, der ſich zum Mittelpunkt der Wahlkampagne ge=
macht
hatte. Er hat zu viel geredet, zu viel von ſich
reden gemacht, ſagt ein republikaniſches Blatt in New=
York, und dieſe Erklärung findet in der konſervativen
Preſſe Englands ein lebhaftes Echo. In vorliegen=
den
amerikaniſchen Berichten wird beſonders betont, daß
in allen Diſtrikten, wo Rooſevelt während der Wahlkam=
pagne
geredet hat, der demokratiſche Kandidat gewählt
wurde. Es unterliegt keinem Zweifel, daß im Staate
New=York wenigſtens zahlreiche republikaniſche Politiker
und ihr Anhang für die demokratiſchen Kandidaten ſtimm=
ten
. In einem republikaniſchen Klub in New=York, dem
meiſt Eiſenbahnmagnaten und Truſttyrannen ange=
hören
, wurden die Nachrichten von den demokratiſchen
Siegen mit frenetiſchem Jubel aufgenommen. Unter dem

Samstag, den 12. November.

Bilde Rooſevelts, das in dieſem Klub hing, hatte man
eine Karte befeſtigt, auf der in großer Schrift zu leſen
war: I did it. (Ich tat es.) In dieſen Kreiſen der
amerikaniſchen Finanz= und Induſtriewelt gibt man ſich
dem Glauben hin, daß Rooſevelt, der ärgſte Feind der
Korruption und plutokratiſcher Herrſchſucht, nun ein für
allemal abgetan iſt und als republikaniſcher Präſident=
ſchaftskandidat
für 1912 nicht mehr in Frage kommen kann.

Perſten, England und Rußland.
* Wie das Reuterſche Bureau erfährt, ſtellt ſich die
gegenwärtige Lage in Betreff der perſiſchen An=
leihefrage
folgendermaßen dar: England und
Rußland ſind keineswegs, wie von verſchiedenen Sei=
ten
wiederholt mitgeteilt wurde, bemüht geweſen, Perſien
zu hindern, für Reformen die erforderlichen Geldmittel
zu erlangen. Nachdem Perſien die engliſch=ruſſiſchen Be=
dingungen
für einen Vorſchuß im letzten Frühjahr zurück=
gewieſen
hatte, wurde ihm, um ſeine Lage zu beſſern, zu
verſtehen gegeben, daß es von England und Rußland
400000 Pfund ohne politiſche Bedingung erhalten könnte.
Das Anerbieten iſt noch offen. Perſien machte aber von
der Gelegenheit bisher keinen Gebrauch, ſondern trat mit
führenden Londoner Inſtituten in Verhandlungen, denen
England wohlwollend gegenüberſteht. Wie berichtet wird,
ſind die Verhandlungen zur Regulierung der Kon=
ſolidierung
der bei Rußland gemachten Anleihe
eröffnet und nehmen auf der Grundlage des vor kurzem
zwiſchen der Kaiſerlich Perſiſchen Bank und der per=
ſiſchen
Regierung geſchloſſenen Abkommens einen be=
friedigenden
Fortgang.
Was die politiſche Lage betrifft, ſo hat England
die perſiſche Note, worin die wegen der Lage in
Südperſien erhobenen Vorſtellungen behandelt werden,
noch nicht erwidert und wird ſie wahrſcheinlich nicht er=
widern
, bevor nicht der Text in London eingeht. Mit
Bezug auf die Konzeſſionen, die Rußland dem
Vernehmen nach als Vorbedingungen für die Abberufung
ſeiner Truppen aus Perſien verlangt hat, wird die An=
ſicht
aufrecht erhalten, daß es ſich nicht um Konzeſſionen
handele. Bezüglich des Motorwagendienſtes wird nichts
weiteres verlangt, als daß die von Pferden gezogenen
Fuhrwerke, die gegenwärtig den Poſt= und Frachtdienſt
auf der ruſſiſchen Straße verſehen, durch Automobile er=
ſetzt
werden, und es hat ſich nun eine Frage über die für
Automobile zu entrichtenden Zölle erhoben. Eine andere
von Rußland nachgeſuchte ſogenannte Konzeſſion beſteht
nur in der Forderung auf Erneuerung des Rechtes, auf
Mineralien zu ſchürfen, das Rußland bereits früher ein=
mal
zuſtand, aber in Verfall geraten war.
Der Chef der mittelaſiatiſchen Abteilung des Mini=
ſteriums
des Aeußern v. Klemm erklärte einem Bericht=
erſtatter
der Nowoje Wremja, daß die ruſſiſche Re=
gierung
zwar durch den Vertrag vom September 1909
verpflichtet ſei, keine gegen Perſien gerichtete Agi=
tation
des früheren Schahs in Rußland zu=
zulaſſen
, ſie könne aber andererſeits deſſen Abreiſe nicht
hindern und ſeine Tätigkeit außerhalb Rußlands nicht be=
aufſichtigen
.
Deuſches Reich.
* Das Geſetz zur Regelung der Haus=
arbeit
geht im Reichstage ſeiner Verabſchiedung ent=
gegen
. Faſt über alle Beſtimmungen iſt im Ausſchuß
zwiſchen Regierung und Parteien ein Einverſtändnis er=
zielt
worden; ein ſolches fehlt aber in der wichtigen Frage,
ob in Hausinduſtrien mit beſonders ſchlechten Löhnen
ein ſtaatlicher Eingriff unter Feſtlegung einer unteren
Lohngrenze mit rechtsverbindlicher Wirkung geboten ſei.
Die Gegner dieſer Maßregel ſtellen ſich auf den grund=
ſätzlichen
Standpunkt, daß der Staat in die Lohnregelung
nicht eingreifen dürfe. Die Freunde jener Maßregel be=
zeichnen
alle ſonſtigen Vorkehrungen zugunſten der Haus=
induſtrie
als eine Laſt für die Arleiter, wenn man nicht
an die Wurzel des Uebels, die ſchlechten Löhne, herantrete.
Wer ſo urteilt, kann ſich auf das Beiſpiel Englands
berufen: England hat Gewerkämter (trade boards) zur
Regelung von Lohnfragen in keſonders bedrückten In=
duſtrien
eingeführt. Hierbei haben alle engliſchen Par=
teien
einmütig zuſammengewirkt.
Der deutſche Geſandte in Portugal
hat dem portugieſiſchen Miniſter des Auswärtigen eine
Note mit der Mitteilung überreicht, daß ſeine Regierung
ihn ermächtige, offiziöſe Beziehungen aufzunehmen,

1910.

Die Lehrer und das Schöffenamt. Der
Deutſche Lehrerverein bereitet eine Maſſenpetition an den
Reichstag in der Frage der Zulaſſung der Volksſchullehrer
zum Schöffenamt vor. Es ſoll darin unterſucht werden,
ob das dienſtliche Intereſſe bei dieſer Frage tatſächlich
ausſchlaggebend ſein kann. Die Landlehrer, namentlich
die an einklaſſigen Schulen, werden aufgefordert, Material
über die einſchlägigen Fragen zu ſammeln.
Der Provinzialvorſtand der natio=
nalliberalen
Partei des Rheinlandes be=
abſichtigt
, nach dem Vorgehen der anderen Parteien in
einzelnen Wahlkreiſen in die Agitation für die kommen=
den
Wahlen einzutreten und dort, wo es noch nicht ge=
ſchehen
iſt, nationalliberale Vereine zu gründen. Bei
voller Wahrung ihrer Selbſtändigkeit will die national=
liberale
Partei, wenn irgend möglich, mit den nicht dem
Agrariertum angehörenden Konſervativen und der Fort=
ſchrittlichen
Volkspartei zuſammengehen. Ueber die ge=
ſchloſſene
Abmachung der Nationalliberalen und der Fort=
ſchrittlichen
Partei im Rheinlande werden die Verhand=
lungen
, die am 16. November zwiſchen den Beauftragten
dieſer beiden Parteien ſtattfinden, entſcheiden.
Die preußiſche Regierung gegen den
Moderniſteneid. Nachdem Bayern bereits den Pro=
feſſoreneid
gegen den Modernismus, den der letzte päpſt=
liche
Erlaß verlangte, zurückgewieſen hat, wird, wie aus
diplomatiſchen Kreiſen verlautet, auch Preußen im glei=
chen
Sinne den Vatikan benachrichtigen. Preußen will
ſogar, wie man mitteilt, noch weiter gehen, indem es den
Nachlaß des Eides nicht nur für die Profeſſoren, ſondern
für alle Geiſtlichen fordern wird. Es ſei nicht ausge=
ſchloſſen
, daß der Münchener Nuntius entſprechende Wei=
ſungen
bereits hatte, als er vor einigen Tagen nach Rom
abreiſte.
Die chriſtlichen Gewerkſchaften zählten
Ende 1909 280061 Mitglieder, gegen 260767 beim Schluß
des Jahres 1908. Sie hatten alſo eine Zunahme von 7,3
Prozent zu verzeichnen, was in Anbetracht des wirtſchaft=
lichen
Niederganges in der genannten Zeit als ein ſehr
günſtiger Fortſchritt zu bezeichnen iſt. Die Einnahmen
ſtiegen von 4394754 Mark im Jahre 1908 im folgenden
Jahre 1909 auf 4612920 Mark.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Die deutſch=tſchechiſchen Ausgleichs=
verhandlungen
. Der böhmiſche Statthalter ſetzte
im Namen der Regierung ſeine Bemühungen fort, die ins
Stocken geratenen Ausgleichsverhandlungen wieder flott
zu machen, indem er mit den Parteiführern unterhandelte.
Die Beratung fand nicht im Landtag, ſondern in der
Privatwohnung des Oberſtlandmarſchall=Stellvertreters
Urban ſtatt. Die Teilnehmer wurden ehrenwörtlich zum
Stillſchweigen verpflichtet.
In der öſterreichiſchen Delegation er=
widerte
auf die Angriffe des ſozialiſtiſchen Delegierten
Renner gegen den deutſchen Kaiſer der Miniſter des Aeu=
ßern
Graf Aehrenthal in energiſcher Weiſe. Er hob die
Verdienſte Kaiſer Wilhelms hervor und brandmarkte die
Ungehörigkeit, den treuen Verbündeten und Freund der
Monarchie zu beleidigen und zu beſchimpfen. Er rühmte
die außerordentlichen Verdienſte des Kaiſers um den
Frieden, ſeine hohe Begabung und ſeine guten Bezieh=
ungen
zu allen Höfen, die es ili ermöglichten, in ſchwie=
rigen
Lagen helfend einzugreifen. Zu den Sozialiſten
gewandt, erklärte Graf Aehrenthal: Wenn Sie von der
Erhaltung des Friedens reden, müſſen Sie wiſſen, daß
es Kaiſer Wilhelm und die engen und andauernden Be=
ziehungen
der Höfe untereinander in erſter Linie waren,
denen das größte Verdienſt daran beizumeſſen iſt, daß
es vor zwei Jahren nicht zum Kriege gekommen iſt. Be=
züglich
der Ausweiſungen aus Preußen erklärte Graf
Aehrenthal, daß in allen Fällen bei der deutſchen Regie=
rung
interveniert wurde. In mehr als der Hälfte der
Fälle ſei ein Erfolg erzielt worden.
In der ungariſchen Delegation erklärte
Graf Tisza, ſoweit die Gemeinſamkeit der Heeresorgani=
ſation
es geſtatte, müſſe die Armee die Souveränität des
ungariſchen Staates reſpektieren; außerdem müßten die
Mannſchaften und Offiziere ſich wirklich verſtändigen kön=
nen
. Die Oppoſition möge jedoch die militäriſche Frage
von der Tagesordnung abſetzen, damit endlich die ganze
Nation in denjenigen Fragen gemeinſam auftreten könne,
hinſichtlich deren zwiſchen Ungarn und Oeſterreich kein
Unterſchied beſtehe. Graf Apponyi erklärte, dem Appell

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Nummer 266.

Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. November 1910.

des Grafen Tisza könne er nicht folgen. Die Oppoſition
könne ihre Forderungen nicht weiter herabſetzen. Koſſuth
erklärte, ſeine Partei habe im Intereſſe der Harmonie
zwiſchen König und Nation ihre Forderung ermäßigt,
von dem Minimum aber könne ſie nichts mehr nachlaſſen.
Die ungariſche Delegation nahm das Ordinarium und
Extra=Ordinarium des Heeresbudgets, ſowie einen au=
ßerordentlichen
Kredit von 180 Millionen an.
England.
Der Verfaſſungskampf. Nach einer am
Donnerstag abend veröffentlichen amtlichen Mitteilung
ſind die Konferenzen zwiſchen den Führern der Regie=
rungspartei
und der Oppoſition, die mehrere Monate
hindurch fortgeſetzt worden ſind, um eine Löſung der kon=
ſtitutionellen
Frage herbeizuführen, ergebnislos verlau=
fen
. Premierminiſter Asquith teilte mit, daß im Hin=
blick
auf die Umſtände, unter denen die Konferenz zur
Löſung der konſtitutionellen Frage abgehalten worden iſt,
eine Erklärung über die Urſachen des ergebnisloſen Ver=
laufes
der Konferenz nicht abgegeben wird. Nach einer
Meldung der Preß Aſſociation ſollen mehrere Miniſter
für die ſofortige Auflöſung des Parlaments eintreten; ſie
glauben, daß ein dringlicher Appell an das Land Begei=
ſterung
erwecken werde. Im Falle der Auflöſung iſt es
möglich, daß die Neuwahlen vor Weihnachten beendet
ſein werden.
Türkei.
Die Anleihe. Jeni Gazetta hebt in der Beſpre=
chung
des Anleihevertrages hervor, daß zwar der türkiſche
Schatz einige materielle Opfer erlitten habe, daß er aber
von einer Verpflichtung freigeblieben ſei, die mit der
nationalen Würde und Unabhängigkeit unvereinbar gewe=
ſen
wäre, was ein großer Erfolg ſei. Dieſe Unterſtützung
der Türkei durch Deutſchland werde nicht verfehlen, auf
die Ottomanen einen günſtigen Eindruck zu machen.
Vereinigte Staaten.
Der Stand der Arbeiten am Panama=
kanal
. Präſident Taft iſt an Bord des Kreuzers Ten=
neſſee
, begleitet von dem Kreuzer Montana nach dem
Panamakalnal abgereiſt; er wird dort die Verhältniſſe
prüfen, da er die Abſicht hat, in der nächſten kurzen Sitzung
des Kongreſſes Vorſchläge bezüglich des Kanals zu
machen. Der amerikaniſche Korreſpondent der Times hat
den Panamakanal vom Atlantiſchen bis zum Stillen
Ozean bereiſt und meldet ſeinem Blatte über das Reſultat
dieſer Reiſe folgendes: Zwei Drittel der Erdarbeiten,
40 v. H. der Schleuſenarbeiten am Atlantiſchen und
20 v. H. derſelben am Stillen Ozean ſind vollendet.
Colonel Goethars erklärte, daß das Werk höchſtwahr=
ſcheinlich
Anfang des Jahres 1914 beendet ſein werde,
daß aber die offizielle Eröffnung des Kanals nicht vor Ja=
nuar
1915 werde ſtattfinden können. Auf dem Iſthmus
arbeitet alles mit Genauigkeit und Methode; Beamte und
Arbeiter haben nur die eine Idee, ſolange in Panama
zu bleiben, bis alles erledigt iſt. Präſident Aroſemena er=
mächtigte
den Korreſpondenten zu der Erklärung, daß
Präſident Taft amtlich und entſchieden in Abrede ſtellte,
daß die Vereinigten Staaten die Abſicht hätten, die Repu=
blik
Panama zu annektieren. Die Pläne für die von der=
öffentlichen
Meinung in Panama gewünſchte Befeſtigung
des Kanals ſind bereits vollendet und die Arbeiten ſollen
demnächſt beginnen. Präſident Taft hat nach ſeiner Kon=
ferenz
mit dem Colonel Goethars einen ſchriftlichen Be=
richt
an den Kongreß geſandt.
Die Konferenz zur Verbeſſerung der
Handelsbeziehungen zwiſchen Kanada und
den Vereinigten Staaten wurde geſchloſſen, ohne
daß es zu einem Beſchluß gekommen wäre. Im Januar
findet eine zweite Konferenz in Waſhington ſtatt, von der
man hofft, daß ſie ein günſtiges Ergebnis hat.

Des deutſchen Kronprinzen Weltreiſe.
Von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten.)
III.

Leſſeps! Der Suez=Kanal und ſein Entſtehen.
Was er einbringt. Deutſchlands Beteiligung.
Eine teure Fahrt. Im Kangl. An Bord. Das
Rote Meer. Aden. Unter Englands Herrſchaft.
Hafenlehen. Auf feſtem Boden.
Mit Recht hat die Suezkanal=Geſellſchaft in Port
Said an hervorragender Stelle dem Grafen Richard
Leſſeps ein weit überlebensgroßes Bronzedenkmal ge=
ſetzt
, das ſich auf hohem Steinſockel nahe dem Leucht=
turm
erhebt. Schon Ende der 30er Jahre des letzten
Jahrhunderts hatte während der langſam verrinnen=
den
Stunden und Tage einer Quarantänezeit der in
franzöſiſchen diplomatiſchen Dienſten ſtehende Leſſeps,
durch einige dieſe Frage behandelnde Aufſätze angeregt,
den Entſchluß gefaßt, durch einen Kanal das Mittel=
ländiſche
mit dem Roten Meer zu verbinden, dadurch
eine direkte Verkehrsſtraße von Europa nach dem Oſten
zu ſchaffen und den langwierigen und gefährlichen Um=
weg
um das Kap der guten Hoffnung zu vermeiden.
Nicht nur der Plan dieſes Waſſerweges war uralt, auch
ſeine Ausführung; ſchon vor ein paar tauſend Jahren
war hier ein Kanal angelegt worden, der aber ſpäter
völlig verſandete. Leſſeps war es vorbehalten, die
immer wieder auftauchende Idee, welche infolge fal=
ſcher
Berechnung der Spiegel beider Meere der des
Roten Meeres ſollte den des Mittelländiſchen um neun
Meter überragen von vielen als unausführbar ge=
halten
wurde, ſiegreich in die Wirklichkeit zu über=
tragen
, trotz hundertfacher Schwierigkeiten, die ſich
dem gewaltigen Werk entgegenſetzten. So konnten im
Herbſt 1869 die glänzenden Feſte der Eröffnung des
Kanals, der trotz ſeiner verhältnismäßig kurzen Länge
von 160 Kilometer faſt 400 Millionen Mark gekoſtet,
gefeiert werden. Hauptſächlich fanden ſie in Ismailiya
ſtatt, welcher Ort während des Kanalbaues entſtanden
und ſeinen Namen nach dem hochherzigen Vizekönig

* Die Umſätze der deutſchen Abteilung
auf der Brüſſeler Weltausſtellung. Der
Präſident des deutſchen Komitees der Brüſſeler Weltaus=
ſtellung
, Geheimrat Ravené, teilt einige Zahlen für die
Umſätze in den einzelnen Induſtriehallen der deutſchen
Abteilung mit. Hierzu wird jedoch bemerkt, daß es ſelbſt=
verſtändlich
außerordentlich ſchwer ſei, genaue Zahlen zu
erhalten. Es ſind in den Zahlen lediglich die bei der Aus=
ſtellung
vollzogenen Verkäufe genannt. Es wurden ver=
kauft
: in der allgemeinen Induſtriehalle für 2035000 Mk.,
davon allein für Muſikinſtrumente 1370000 Mk.; in der
Maſchinenhalle für 4300000 Mk.; in der Kraftmaſchinen=
halle
für 1387000 Mk.; landwirtſchaftliche Maſchinen für
620000 Mk.; in der Eiſenbahnhalle für 200000 Mk.; Kunſt=
gewerbe
und Raumkunſt nach Angabe des Verkaufs=
bureaus
des Reichskommiſſariats für 400000 Mk.; zuſam=
men
8 942000 Mk.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 12. November.

* Ernannt wurde der Schreibgehilfe Wilhelm
Barth in Darmſtadt zum Schreibgehilfen bei dem
Amtsgericht Darmſtadt II.

* Der Königlich Preußiſche Geſandte Freiherr von
Jeniſch wird ſich auf den bevorſtehenden Reiſen Seiner
Majeſtät des deutſchen Kaiſers nach Baden und
Schleſien dem Allerhöchſten Gefolge als Vertreter des
Auswärtigen Amtes anſchließen. Während der Ab=
weſenheit
des Geſandten werden die Geſchäfte der
Königlichen Geſandtſchaft zunächſt durch Legations=
ſekretär
von Stumm als interimiſtiſchem Geſchäftsträger
geführt werden.
L. Der Provinzialausſchuß verhandelte geſtern unter
dem Vorſitz des Provinzialdirektors Fey öffentlich fol=
gende
Sachen: 1. Zu dem Geſuch des Fleiſchbeſchauers
Genazino, des Rechners Schäfer und der beiden Hebammen
in Eberſtadt um Aufnahme in die Hilfsfürſorgekaſſe, von
welcher die Gemeinde nichts wiſſen will, wurde zuerſt Ent=
ſcheidung
dahin verkündigt, daß der eingelegte Rekurs
teilweiſe begründet ſei. Die Gemeinde hat die Koſten
und eine Gebühr von 10 Mark zu zahlen. 2. Bei der
Wahl der Verſicherten zu den unteren Verwaltungsbehör=
den
der Invalidenverſicherung wurde gerügt, daß Mit=
glieder
der freien Hilfskaſſen gewählt hätten, die auch
Zwangskaſſen angehören. Um feſtzuſtellen, ob die Bean=
ſtandung
begründet ſei, ſandte die Bürgermeiſterei Darm=
ſtadt
dem Vorſitzenden der Vereinigten Ortskrankenkaſſe
Wilhelm Knoblauch ein Verzeichnis von Mitgliedern der
freien Hilfskaſſen unter der Auflage, dieienigen zu be=
zeichnen
, welche auch der Zwangskaſſe angehören.
Knoblauch kam der Weiſung nicht nach und wurde in eine
Ordnungsſtrafe von 25 Mark genommen. Gegen dieſe
Beſtrafung verfolgte Knoblauch Beſchwerde; der
Kreisausſchuß wies ihn jedoch ab, weil der Aufſichts=
bekörde
jederzeit das Recht zuſtehe, ſich davon zu über=
zeugen
, daß die Geſchäftsführung eine ordnungsmäßige
ſei. Knoblauch legte Rekurs ein, weil die geſetzliche
Unterlage für die ihm gemachte Auflage fehle. Die Ent=
ſcheidung
des Kreisausſchuſſes wurde wegen Unzuſtändig=
keit
aufgehoben, weil der Provinzialausſchuß in erſter
Inſtanz zu erkennen hat; der von Knoblauch verfolgte
Rekurs wurde als unbegründet verworfen. Knob=
lauch
hat die Koſten, ſowie eine Gebühr von 5 Mark zu
zahlen. 3. Die Klage des Ortsarmenverbandes Kim=
bach
gegen den Landarmenverband Erbach iſt erledigt,
weil letzterer bezahlt hat. 4. Zur Herſtellung eines Fuß=
weges
in der Waldſtraße in Offenbach muß die Stadt
einen Geländeſtreifen erwerben. Wegen des Preiſes war
eine Einigung nicht zu erzielen, der Grundbeſitzer verlangt
als jetzigen Wert 20 Mark für den Quadratmeter, während
die Stadt 55 Pfennige für entſprechend anſieht. Die Orts=
abſchätzungskommiſſion
kam zu etwas höheren Sätzen.
Eine Beweiserhebung iſt nicht zu umgehen, daher wurde
die Verhandlung vertagt. 5. Johannes Seemann
von Seligenſtadt iſt für das Jahr 1910 zur Gewerbeſtener
herangezogen worden ſeine dagegen verfolgte Beſchwerde
wurde vom Kreisausſchuß verworfen. Er beſchäftigt ſich
als Gärtner, beſitzt etwa 30 Morgen Gelände, ſowie ein
kleines Treibhaus. Gerade letzteres gibt ſeinem Betrieb
nach Anſicht der Behörde den Charakter eines gärtneri=
ſchen
Betriebs. Seemann behauptet, er verkaufe nur in
ſeinem landwirtſchaftlichen Betriebe gewonnene Erzeug=
niſſe
; ſeine Arbeiter ſeien keine Gärtner, ſondern Tag=
löhner
, auch arbeite er mit Verluſt. Sein Rekurs
wurde als unbegründet verworfen, Seemann hat die
Koſten, ſowie eine Gebühr von 10 Mark zu zahlen.
n. Die Strafkammer hatte ſich geſtern mit einem
eigenartigen Knecht, dem 46jährigen Ambroſius Röder
von Offenbach, zu beſchäftigen, dem angeblich allzu

großer Eifer verhängnisvoll geworden war. Wenig=
ſtens
verſichert er, er habe lediglich als beſonders fleißig
vor ſeinem Arbeitgeber, dem dortigen Fuhrunter=
nehmer
Breitung, erſcheinen wollen, doch ſcheinen die
von letzterem verabreichten Trinkgelder auch beſtim=
mend
gewirkt zu haben. Er führte für Br. die von dieſem
übernommenen ſtädtiſchen Fuhren im Hafen aus,
worüber ſeitens des ſtädtiſchen Vorarbeiters Fuhrbe=
ſcheinigungen
ausgehändigt wurden. Um die Zahl des
von ihm Geleiſteten größer erſcheinen zu laſſen, ent=
wendete
R. aus der Arbeitshütte ſolche Formulare,
füllte ſie unbefugt mit der Unterſchrift des Vorarbeiters
aus und brachte ſie nebſt den richtigen Zetteln ſeinem
Herrn. Er ſoll auf dieſe Weiſe manchmal 6 bis 10
Fuhren mehr täglich vorgetäuſcht haben. Br. wußte
davon nichts; durch frühzeitige Entdeckung wurde auch
eine Schädigung der Stadt verhütet. Der vielfach vor=
beſtrafte
Angeklagte wurde wegen Urkundenfälſchung
und Betruges zu 2 Monaten Gefängnis abzüglich
1 Monat Unterſuchungshaft verurteilt. Weiter ge=
langten
nicht weniger als fünf Anklagen wegen Ver=
brechens
nach § 176 Poſ. 3 St.=G.=B. aus verſchiedenen
Orten unter Ausſchluß der Oeffentlichkeit zur Ab=
urteilung
und endigten mit Strafen von 3 Jahren
Zuchthaus bis zu 6 Monaten Gefängnis. Der
Friſeurgehilfe Ferdinand Heider von Offenbach hatte
ſich gegenüber einem Proviſionsreiſenden als der Ge=
ſchäftsinhaber
geriert und dadurch eine Uhr auf Kredit
erhalten, worüber er den Kaufvertrag mit falſchem
Naiten unterſchrieb. Die Uhr verſetzte er dann ſchleu=
nigſt
. Dieſe Urkundenfälſchung nebſt Betrug trägt ihm
2 Monate Gefänanis ein.
Kammermuſik=Vereinigung. Wie aus dem An=
zeigenteil
erſichtlich, kommen in der morgen, Sonntag,
ſtattfindenden zweiten Matinee nur Werke Mozarts zur
Aufführung. Eröffnet wird dieſelbe mit einem weniger
geſpielten Opus, dem 1788 komponierten Divertimento,
Trio für Violine, Viola und Violoncell. Darauf folgt ein
Klaviertrio, in dem Herr Bornemann den Violinpart
übernimmt. Beſchloſſen wird die Matinee mit dem
D-dur=Streichquartett. Karten in der Hofmuſikalienhand=
lung
Schutter und an der Kaſſe.
Die Vereinigung der Freunde deutſcher Schrift,
die nach einem von Lehrer Claß, Pfarrer D. Dr. Diehl,
Landgerichtsrat v. Pfiſter, Oberlehrer Prof. Dr. Schnell
und Baurat Schöberl unterzeichneten Aufrufe vor einigen
Wochen hier entſtand und ſchon eine ſtattliche Zahl Män=
ner
und Frauen umfaßt, verhandelt, wie aus dem An=
zeigenteile
in heutiger Nummer dieſes Blattes erſichtlich,
in öffentlicher Verſammlung nächſten Montag im Für=
ſtenſaale
, abends 8¼ Uhr, die ſtrittige Frage: Deutſche
oder lateiniſche Buchſtaben? Stadtverordneter
Pickert wird den Nachweis führen, daß die viel=
geſchmähte
deutſche Schrift an Deutlichkeit über der latei=
niſchen
ſteht, daß von einem Nachteil für Auge oder Hand
nicht die Rede ſein kann, daß ſie kein Hindernis für die
Verbreitung deutſcher Gedanken im Auslande iſt, und
daß man in ihr nicht eine von unwiſſenden, unkünſtleri=
ſchen
Mönchen verſchuldete Entartung der alten Schrift
ſehen darf, ſondern ſie als eine zur Eigenart unſerer
Sprache trefflich ſtimmende höhere Entwicklungsſtufe be=
grüßen
muß. An den Vortrag wird ſich eine Ausſprache
knüpfen. Der Beſuch der Verſammlung iſt für jeder=
mann
frei.
Der Verband evang=kirchl. Frauenvereine im
Großh. Heſſen hält am Dienstag, 15. November, ſeine
9. Frauenkonferenz im Wartburglokal, Karlſtr. 21, ah.
Herr Geh. Regierungsrat Dr. Dietz wird in derſelben
das Referat über Tuberkuloſenfürſorge halten. Die
Mitglieder der hieſigen evangeliſchen Frauenvereine
werden auf dieſes ſo überaus wichtige und zeitgemäße
Thema ganz beſonders aufmerkſam gemacht und zu
zahlreichem Beſuche eingeladen.
Hofchorkonzert. Man ſchreibt uns: Der Herren=
chor
des Großh. Hoftheaters gibt nach mehrjähriger Pauſe
am 3. Dezember im großen Saale der Turngemeinde am
Woogsplatz wieder ein Konzert, das ein Ereignis der
diesjährigen Konzertſaiſon zu werden verſpricht. Außer
den Hofopernſängern wirken Frau Speiſer=Suchanek, Frl.
Geyersbach, die Herren Kammerſänger Weber und Hofſchau=
ſpieler
Lehrmann, Konzertmeiſter Bornemann mit. Auch
die Großh. Hofmuſik hat ihre gütige Mitwirkung zuge=
ſagt
.
Vortragsabend in der Johannesgemeinde. Am
erſten der in dieſem Winter von unſerem Frauenverein
veranſtalteten Vortragsabend, kommenden Dienstag, den
15. November, abends 8 Uhr, im Gemeindehaus in der
Kahlertſtraße, wird Herr Profeſſor Klumker von der
Zentrale für private Fürſorge in Frankfurt a. M. ſprechen
über Moderne Probleme der Kinderfürſorge‟ Der durch

Ismail erhielt, der auf das tatkräftigſte das große
Unternehmen geſtützt.
Ismailiyas Blüte war nur eine vorübergehende.
Erſt in letzter Zeit erhält der Ort wieder mehr Gelt=
ung
durch die direkte Verbindung Kairos mit den gro=
ßen
internationalen Dampferlinien, wodurch Alexan=
drien
etwas in das Hintertreffen gelangt. Denn von
Jahr zu Jahr nimmt der Verkehr durch den Suez=
kanal
, der einer zum überwiegenden Teil aus Eng=
ländern
beſtehenden Aktiengeſellſchaft gehört, zu, und
in erfreulicher Weiſe iſt daran der deutſche Handel be=
teiligt
, da die deutſche Flagge an zweiter Stelle, ſofort
hinter der engliſchen, kommt. Deutſchland trägt ſo er=
heblich
zu dem hübſchen Profit, den Jahr um Jahr die
Aktionäre der Kanalgeſellſchaft einer Einnahme
von über 130 Millionen Francs ſteht eine Ausgabe
von nur 45 Millionen Francs gegenüber ein=
ſtreichen
, bei. Denn die Fahrt durch den Kanal iſt ein
recht teurer Spaß, der dem Prinzen Ludwig auf über
70000 Francs zu ſtehen kam, da für jede Netto=Tonne
an 8 Francs, für jeden erwachſenen Fahrgaſt 10 Francs
und für jedes Kind von 3 bis 12 Jahren 5 Francs be=
zahlt
werden müſſen.
Um die Kanalböſchungen zu ſchonen, die durch den
ſtarken Wellenſchlag der großen Dampfer erheblich lei=
den
würden, iſt den Schiffen nur eine Geſchwindigkeit
von 10 Kilometern in der Stunde erlaubt und ihnen
bloß in den Bitterſeen die übliche Schnelligkeit ge=
ſtattet
. So hat man genügend Zeit, den Kanal und
ſeine nächſte Umgebung während der etwa 20 Stun=
den
dauernden Fahrt zu betrachten. Zunächſt gehts
durch den Menzale=See, den unzählige Waſſervögel
bevölkern, unter ihnen viele Pelikane, Flamingos
und Reiher, die auf den kleinen Inſeln niſten und ſich
bei dem ſchrillen Klang der Sirenen in die Lüfte er=
heben
. Sonſt rechts und links, namentlich wenn man
ſich in dem eigentlichen Kanalfahrwaſſer befindet, Wüſte
und wieder Wüſte, und hinten gelbe, von greller Sonne
beſchienene Bergzüge, vorn gelegentlich kleine Signal=
ſtationen
mit rotgedeckten Häuschen, mit einigen küm=
merlichen
Palmen und dieſem und jenem Ruheplätz=
chen
darunter. Auf den neben dem Kanal entlong

laufenden Wegen ſieht man, im Gegenſatz zu der fau=
chenden
Lokomotive, ſchwerfällig einhertrottende
Kamelkarawanen, die hier und da und dort Raſt ge=
macht
haben, ihre in weiße Burnuſſe gekleideten Hüter
an ſchwälendem Feuer das kärgliche Mahl bereitend
oder auch ſich in der Richtung nach Mekka verneigend,
ihre Gebete verrichtend. Nur ſelten kleine Anſiedelun=
gen
mit armſeligen Häuschen aus Schilf und Lehm,
aus denen rufend und winkend Fellachenkinder her=
vorſtürzen
, von kläffenden Hunden gefolgt, und neben
dem Dampfer einhertrottend arabiſch rufend, daß man
ihre Taucherkünſte auf die Probe ſtellen möchte. Und
ſobald eine Münze über Bord fliegt, plumpſt auch
ſchon ſo ein geſchmeidiges, kleines, durch Kleidung
wenig behindertes, braunes Kerlchen in das Waſſer
und holt ſofort das Geldſtück heraus, es lachend empor=
haltend
. Und dann wieder die Eintönigkeit und Leb=
loſigkeit
der Wüſte ſtunden= und ſtundenlang, die
meiſt eins zur Entſchädigung bietet: einen Sonnen=
untergang
, wie er ſo unbeſchreiblich herrlich vielleicht
nur hier zu betrachten iſt.
Nur in Suez wird kurzer Halt gemacht, um Paſſa=
giere
und Poſt in Empfang zu nehmen. Es bleibt
keine Zeit, ſich an Land umzuſchauen, man würde auch
wenig Intereſſantes dort finden. Von Suez aus
durchſchneidet der Dampfer mit voller Kraft die Flu=
ten
des Roten Meeres, aus dem am nächſten Morgen
zur linken Seite die Sinai=Halbküſte mit ihren rot=
gelben
Bergen auftaucht. Während der viertägigen
Fahrt macht ſich die Hitze empfindlich bemerkbar, die
ſelbſt in den Abendſtunden nur eine geringe Abkühl=
ung
aufweiſt. Aber die für den Tropendienſt einge=
richteten
neuen Lloyddampfer haben die einſt ſo ge=
fürchteten
Schrecken der auf dem Roten Meere zu
verbringenden Tage und Nächte erheblich gemildert.
Nie fehlt es an erfriſchenden Bädern und eisgekühlten
Getränken, die Ventilatoren ſurren in den Kabinen,
während der Mahlzeiten werden die elektriſch betriebe=
nen
, oberhalb der Tiſche befindlichen, die dunſtige Luft
zerteilenden Punkas in Bewegung geſetzt. Die oft=
mals
beſpritzten Sonnendächer ſchützen die Prome=
nadendecks
vor den gar zu ſcharf prallenden Strahlen.

[ ][  ][ ]

Nummer 266.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. November 1910.

Seite 3.

ſeine Organiſation der Privatwohltätigkeit in Frankfurt
weithin bekannt gewordene Redner, ſowie ſein Vortrags=
gegenſtand
, der mit der Sachkenntnis des Fachmannes auf
die gerade von unſerer Zeit empfundenen Nöte der Kin=
verwelt
eingeht, werden gewiß über die Grenzen unſerer
Johannesgemeinde hinaus Anziehungskraft ausüben.
Für Nichtmitglieder iſt der Eintritt auf 30 Pfg. herab=
geſetzt
. Eine nochmalige beſondere Einladung an die
Mitglieder wird nicht erfolgen.
V. V. Der Verkehrs=Verein hatte ſich bemüht, daß die
Zuſammenkunft zwiſchen dem Kaiſer und dem Zaren in
Darmſtadt ſtattfinden ſollte, was aber leider nicht mög=
lich
war.
Der Frauenverein der Südoſtpfarrei der evange=
liſchen
Stadtgemeinde Darmſtadt E. V. hat im Frühjahr
d. J. für ſeine zweiklaſſige Kleinkinderſchule ein eigenes
Haus (Kiesſtraße 50) erworben, deſſen bauliche Verände=
rung
ihm größere Ausgaben auferlegt hat. Zum Zwecke
der Tilgung dieſer Ausgaben veranſtaltet der Verein am
Montag, den 14. ds. Mts., nachmittags 4½6½ Uhr, im
Gemeindehaus Kiesſtr. 17 einen Tee mit muſikaliſcher
Unterhaltung‟. Dieſe Veranſtaltung erfreut ſich bei den
Mitgliedern ſeit Jahren großer Beliebtheit. Diesmal
dürfte die Zuſammenkunft um ſo intereſſanter und an=
ziehender
werden, als es dem Vorſtand gelungen iſt,
Herrn Hofrat Hugo Edward in dankenswerter Weiſe
zur Mitwirkung zu gewinnen. Herr Edward wird unter
Begleitung der geſchätzten Muſiklehrerin, Fräulein Wil=
helmine
Weinmann, das herrliche Wildenbruchſche
Hexenlied in der Kompoſition von Max Schillings
zum Vortrag bringen. Für die vielen Freunde und Ver=
ehrer
Edwards wird es eine Freude ſein, wieder einmal
den bewährten Meiſter in der Vortragskunſt am hieſigen
Platze auftreten zu ſehen und ſeiner Muſe lauſchen zu kön=
nen
. Außerdem wird man Gelegenheit haben, einen jun=
gen
, aufſtrebenden Künſtler auf der Geige, Herrn Bruno
Stumpf, der zurzeit im Hochſchen Konſervatorium zu
Frankfurt ſeinen Studien obliegt, zu hören. An die
Mitglieder des Frauenvereins ergeht perſönliche Ein=
ladung
durch Karten, doch ſind auch Gäſte willkommen,
wenn ſie durch Vereinsmitglieder eingeführt werden.
* Männergeſangverein. Das diesjährige Herbſt=
feſt
des Darmſtädter Männergeſangvereins
findet morgen, Sonntag, im Kaiſerſaal ſtatt. Ein
ſchönes Programm, beſtehend in Konzert, Geſangs= und
humoriſtiſchen Vorträgen, Tanz, bietet Garantie für
einige genußreiche Stunden. (Näh. ſ. Anz.)
* Katholiſcher Geſellen=Verein. Es wird auf den
morgen abend im Geſellenhauſe ſtattfindenden Ball noch=
mals
hingewieſen.
Allgemeiner Verein für deultſchen Gruß. Eine
neue Ortsgruppe bildete ſich in Halle a. d. S. unter
dem Vorſitz des kaiſerl. Rechnungsrats Zinner.
A Hohes Alter. Das ſeit zehn Jahren im ſtädti=
ſchen
Pfründnerhaus an der Frankfurter Straße auf=
genommene
Fräulein Margarete Klein vollendet
heute ihr 94. Lebensjahr. Sie iſt zurzeit wohl die
älteſte Einwohnerin unſerer Stadt.
Herſtellung öffentlicher Gebäude. Das Innere
der katholiſchen Kirche am Wilhelminen=
platz
wird zurzeit einer völligen Neuherſtellung unter=
zogen
. Auch die Stallgebäude der Kaſerne der
2 3er Dragoner am Marienplatz nach der Anlage
zu werden ſeit einiger Zeit umgebaut und erweitert.
Orpheum. Das gegenwärtige Programm erfreut
ſich fortgeſetzt bei gutem Beſuche der Vorſtellungen leb=
haften
Beifalls. Der heutige Samstag bringt, wie
üblich, einen allgemeinen Familienabend, der morgige
Sonntag zwei große Vorſtellungen; es wird beſonders
hervorgehoben, daß auch in der Sonntag= Nachmittagsvor=
ſtellung
trotz der ſehr billigen Eintrittspreiſe das kom=
plette
Abendprogramm zur ungekürzten Darſtellung ge=
langt
. Der jetzige Spielplan, welcher, wie bereits er=
wähnt
, viel Amüſantes und Sehenswertes enthält, ſteht
nur noch 3 Tage. (Siehe heutige Anzeige.)
* Milchreviſionen. Während des verfloſſenen Monats
Oktober ſind durch die hieſige Polizei 2482 Milchreviſionen
vorgenommen worden. Hierbei wurden drei Proben
teils wegen Waſſerzuſatzes und teils wegen zu geringen
Fettgehaltes beanſtandet und dem Chemiſchen Unter=
ſuchungsamt
zur Unterſuchung überwieſen. Die beanſtan=
deten
Proben machten die Erhebung von vier Liefer= und
zwei Stallproben erforderlich. Außerdem wurden zehn
Liter gewäſſerter Milch konfisziert.
* Feſtgenommen wurde hier ein 18 Jahre alter Kell=
ner
aus Gerſthofen bei Augsburg wegen Diebſtahls.

Gießen, 10. Nov. In der heutigen Stadtver=
ordnetenverſammlung
wurde mit allen gegen
zwei Stimmen eine Eingabe an das heſſiſche Staats=
miniſterium
beſchloſſen, in der dieſes erſucht wird, im
Bundesrat auf eine Milderung der Fleiſchnot
durch Geſtattung der Einfuhr von lebendem Vieh aus
Holland, Frankreich und Dänemark nach Heſſen durch
Ermäßigung der Futtermittelzölle uſw. hinzuwirken.
Gießen, 10. Nov. Die Stadtverordneten=
verſammlung
bewilligte in ihrer heutigen Sitzung
400000 Mark für den Bau einer neuen Oberreal=
ſchule
.
A Aus dem Kreiſe Lanterbach, 10. Nov. Die Zahl
der Gemeinden unſeres Kreiſes, die in den Beſitz einer
neuzeitlichen Waſſerverſorgungsanlage
kommen, iſt dank der Tätigkeit der Behörden ſeit Jah=
ren
im Wachſen begriffen. Im vergangenen Jahre
waren es vier Gemeinden, die ſich eine Waſſerleitung
erbaut haben, nämlich die Orte Bermuthshain,
Radmühl und Heiſters eine Gravitationsleit=
ung
und die Gemeinde Freienſteinau für die
Niederdruckzone eine Gravitationsleitung und für die
Hochdruckzone ein Pumpwerk. Im Frühjahr dieſes
Jahres wurden die Waſſerleitungsarbeiten in der Ge=
meinde
Zahmen in Angriff genommen und der
Bau im Laufe des Sommers fertig geſtellt, ſodaß in
der letzten Woche die Abnahme der Arbeiten erfolgen
konnte. Die Geſamtbaukoſten werden etwa 21000
Mark betragen, immerhin eine beträchtliche Ausgabe
für die etwa 200 Seelen zählende Gemeinde. Das
Projekt wurde von der Großh. Kulturinſpektion Gie=
ßen
aufgeſtellt, in deren Händen auch die Bauausführ=
ung
lag.
A Hirzenhain (Kreis Büdingen), 11. Nov. Ein
lang gehegter Wunſch unſerer Einwohnerſchaft wird
gegenwärtig zur Ausführung gebracht, nämlich die
Unterführung des Bahnhofs für den
Fußgängerverkehr. Auf dieſe Weiſe wird
künftighin der Betrieb auf dem Bahnhof nicht mehr
hinderlich für die Zugänglichkeit des rechts des Bahn=
hofs
und der Nidder gelegenen Ortsteiles ſein.
C Heimertshauſen (Kreis Alsfeld), 11. Nov. Schon
vor längerer Zeit hat unſer Ortsvorſtand beſchloſſen,
eine Waſſerleitung zu erbauen, wenn die in der
Gemarkung gelegene Quelle am Waſchteich ausreichend
Waſſer liefert und in der Höhenlage ausreicht, um den
Ort mit Waſſer durch natürliches Gefälle zu verſorgen.
Im Herbſte wurden darauf die Schürfungsarbeiten in An=
griff
genommen, die ein ſo günſtiges Ergebnis hatten,
daß nunmehr im Frühjahr zu dem Bau der Waſſer=
leitung
geſchritten werden kann. Die Vorarbeiten
wurden durch die Großh. Kulturinſpektion Gießen auf=
geſtellt
, die auch das Projekt für die Waſſerleitung auf=
ſtellen
wird.

Reich und Ausland.
Ans der Reichshauptſtadt, 10. Nov. Die zweite
Tochter Eliſabeth des Staatsſekretärs a. D.
Dernburg, der ſich bekanntlich zurzeit auf einer
Oſtaſienreiſe befindet, iſt, wie gemeldet, im faſt voll=
endeten
16. Lebensjahre einem Herzleiden erlegen.
Eliſabeth Dernburg, ein liebenswürdiges, anmutiges
Mädchen, war vor einigen Monaten von einer Herz=
krankheit
befallen worden. Ihr Vater wollte ſchon
damals ſeine Reiſe nach Oſtaſien aufgeben, trat ſeine
Fahrt aber an, da das Befinden ſich gebeſſert zu haben
ſchien. Als dann, während ſeiner Abweſenheit, eine
Verſchlimmerung eintrat, wollte er zurückkehren, doch
konnten ihm damals bald wieder günſtigere Nachrich=
ten
geſandt werden. Bei der Berliner Staats=
anwaltſchaft
iſt gegen den Reichsgrafen Bern=
hard
v. Schmettow, wohnhaft zu Schloß Rothen=
burg
a. O., ein Verfahren wegen Betrugs anhängig
gemacht worden. Graf von Schmettow wird beſchul=
digt
, einen hieſigen Juwelier beim Ankauf von Ju=
welen
im Werte von 28000 Mark dadurch betrogen zu
haben, daß er ihm Akzepte mit ſeiner Unterſchrift
und der Unterſchrift ſeiner Braut, der Prinzeſſin Ida
zu Sulkowski, gab, obwohl er gewußt habe, daß die
Prinzeſſin Sulkowski wegen Schwachſinnes entmün=
digt
worden war. Die Wechſel ſind nicht eingelöſt
worden und der Juwelier hat für die Juwelen keine
Deckung erhalten. Außerdem wird dem Grafen zur
Laſt gelegt, daß er beim Ankauf von Grundſtücken in
Glogau zwei Berliner Geſchäftsleute zu betrügen
verſucht habe. Die auf Antrag des Vormundes der
Frau v. Schönebeck=Weber gegen ihren Gatten

erlaſſene einſtweilige Verfügung auf Entziehung der
Verwaltung des Vermögens ſeiner jetzt entmündigten
Frau wurde heute vom 2. Zivilſenat des Kammer=
gerichts
beſtätigt mit der Maßgabe, daß ihm die von
ſeiner Frau eingezahlten 50000 Mark Anteile auf das
Weberhaus und das von ſeiner Frau dem Geſchäf
gegebene Darlehen von 20000 Mark einſtweilen be=
laſſen
werden ſollen. Ein tödlicher Antomo=
bilunfall
ereignete ſich heute morgen gegen 9 Uhr
in der Lindenſtraße. Dort verſuchte eine etwa 43 jäh=
rige
, gutgekleidete, unbekannte Frau, aus der Markt=
halle
kommend, den Straßendamm zu überſchreiten,
als eine Autodroſchke herannahte. Der Lenker des
Kraftwagens mäßigte ſofort die Geſchwindigkeit und
gab fortgeſetzt Warnungsſignale. Hierdurch wohl in
Verwirrung gebracht, lief die Frau blindlings gegen
das Auto, wurde umgeriſſen und geriet unter das Ge=
fährt
, deſſen Räder über den Körper der Verunglück=
ten
hinweggingen. Die Unbekannte hatte ſo ſchwere
innere und äußere Verletzungen erlitten, daß ſie auf
der Unfallſtation am Tempelhofer Ufer, wohin ſie ge=
bracht
worden war, unter den Händen des Arztes
verſtarb. Die Leiche wurde nach dem Schauhauſe
übergeführt.
Metz, 11. Nov. Die ganze Familie Villa aus der
Zeughausſtraße, Mann, Frau und fünf Kinder, iſt in die
Iſolierbaracke eingeliefert worden, da nach ärztlichem Gut=
achten
Erkrankung an ſchwarzen Pocken vorliegt.
München, 10. Nov. Die bayeriſche Regierung hat, wie
die Münchener Neueſten Nachrichten melden, zugunſten der
deutſchen antarktiſchen Expedition unter Lei=
tung
des Oberleutnants Filchner eine Geldlotterie
genehmigt, die auch in den übrigen deutſchen Bundes=
ſtaaten
zugelaſſen ſein ſoll. Es ſollen 600000 Loſe zu
3 Mark ausgeſpielt werden.
Dresden, 10. Nov. Vier junge Arbeiter im
Alter von 17 Jahren kamen eines Tages im Sommer
dieſes Jahres aus Berlin in der Sächſiſchen Schweiz
an, zu dem Zwecke, eine reguläre Räuberbande
zu bilden. Sie waren, wie ſie es in den Geſchichten ge=
leſen
hatten, mit Gewehren, Revolvern und Dolchen
verſehen, und es iſt nur zu verwundern, daß ſie in
dieſem Aufzuge nicht ſchon unterwegs angehalten und
nach Hauſe geſchickt wurden. Die jungen Burſchen
richteten ſich in einer ſchwer zugänglichen Höhle am
Königsſtein häuslich ein und wählten vor allem einen
Räuberhauptmann, dem ſie Treue, Gehorſam und
unverbrüchliche Verſchwiegenheit gelobten. Dann
gaben ſie ſich nommes de guerre. So nannte ſich einer
Bill, ein anderer der flinke Taubentöter. Die erſte
Heldentat wurde in der Nacht zum 4. Juli ausgeführt,
und der Erfolg war die Erbeutung mehrerer Zentner
Kartoffeln, die gebraten und mit großem Appetit ver=
zehrt
wurden. In der nächſten Nacht wurden aus
einem Gaſthofe, deſſen Türe mit einem Dietrich geöffnet
worden war, ein paar Automaten ihres Kaſſenbeſtandes
beraubt und die vorgefundene Schokolade mitgenom=
men
. Am dritten Tage hatte das Räuberleben ſchon ein
Ende. Denn zwei Gendarmen überraſchten die Herr=
ſchaften
vor ihrer Höhle beim Putzen ihrer Gewehre.
Das nächſte war: ſchleunige Flucht unter Zurücklaſſung
der Waffen. Mit Ausnahme des Räuberhauptmannes,
der bis heute verſchwunden geblieben iſt, wurden ſie
jedoch feſtgenommen und geſtern vom Gericht zu 10
bis 18 Monaten Gefängnis verurteilt.
Magdeburg, 10. Nov. Die Stadtverordneten=
Verſammlung bewilligte in ihrer heutigen Sitzung
für die Veteranen eine weitere Ehrengabe von
40000 Mark. Einſchließlich des früher bereits bewilligten
Betrages erhöht ſich die Ehrengabe auf 60000 Mark.
Oberhanſen (Rheinland), 10. Nov. Heute nacht
mußten mehrere übel beleumundete Perſonen wegen
Ruheſtörungen aus einer Wirtſchaft verwieſen wer=
den
. Als ſie erneut in das Lokal drangen, trat ihnen
ein Kriminalbeamter entgegen. Dieſer wurde von
den Rowdies angegriffen und auf die Straße gezogen.
Hier ging der Bergmann Fritz Büſch mit geöffnetem
Meſſer auf ihn los. Der Beamte gab darauf drei Re=
volverſchüſſe
ab, von denen einer den völlig unbetei=
ligten
Anſtreichermeiſter Overmann, der dem Beam=
ten
Hilfe leiſten wollte, in den Kopf traf. Der Ver=
letzte
ſtarb alsbald an den erlittenen Verwundungen.
Büſch wurde durch einen Schuß in den Kopf lebens=
gefährlich
verletzt.
Wien, 11. Nov. Wie gemeldet wird, wurde das
Scebad Abbazia am Adriatiſchen Meer von einer
deutſch=öſterreichiſchen Aktiengeſellſchaft
in Pacht genommen. Der Kurort war bisher in

des feurigen Geſtirns. Freilich, der Turnſaal des
Prinzen Ludwig dürfte in dieſer Zeit, in der auch
noch am Abend der Thermometer an 30 Grad R. auf=
weiſt
, kaum benutzt werden!
Seitdem Deutſchland in Afrika Kolonien beſitzt
und ſich mit ſchneller und glücklicher Hand einen feſten
Stützpunkt für unſere Flotte in China erworben hat,
iſt auch der Suezkanal und das Rote Meer für uns
von wachſender Wichtigkeit. Nicht mehr, wie früher,
iſt in dieſen Gewäſſern Englands Flagge ausſchlag=
gebend
, Frankreich und Italien erwarben hier recht=
zeitig
wichtige Hafenplätze, wer weiß, wann Rußland
dieſem Beiſpiel folgt. Seit langem wird ja angeſtrebt,
wie’s bei dem Suezkanal der Fall, das Rote Meer als
neutrales Gebiet zu erklären; noch ſträubt ſich Eng=
land
heftig dagegen, denn es kann jetzt infolge ſeiner
Befeſtigungen in Aden und auf der Inſel Perim den
Zu= und Ausgang an der Straße von Bab=el=Mandeb
ſperren, aber das Uebergewicht der anderen Mächte
dürfte allmählich zu ſtark ſein, als daß England ſei=
nen
Widerſtand dauernd aufrecht erhalten kann.
Aden gehört ſeit 1839 zu England, nachdem vor=
her
eine engliſche Handelsgeſellſchaft den Platz ge=
kauft
und ihn im genannten Jahre der britiſchen Re=
gierung
abgetreten hatte, die hier ſtarke Befeſtigungen
anlegte. Später beſetzten die Engländer die zur völli=
gen
Sperrung des Roten Meeres wichtige kleine Fel=
ſeninſel
Perim, wobei ſie den Franzoſen ein Schnipp=
chen
ſchlugen. Man erzählt ſich, daß, von Süden kom=
mend
, ein franzöſiſches Kriegsſchiff 1857 in Aden ein=
lief
, und der Befehlshaber desſelben dem engliſchen
Gouverneur ſeinen Beſuch abſtattete. Der Engländer
ſchöpfte Verdacht, er lud den franzöſiſchen Komman=
danten
zum Frühſtück ein und ſparte nicht des ſchäu=
menden
Weines. In der immer angeregter werden=
den
Unterhaltung ließ der Franzoſe das Wörtchen
Perim fallen, und nun wußte ſein engliſcher Gaſt=
geber
Beſcheid; er ſchrieb auf ein Zettelchen ein paar
Worte, mit dem Bemerken, daß ſie für ſeinen Keller=
meiſter
beſtimmt wären, der einen alten und ſchönen
Burgunder heraufſchicken ſollte der Burgunder kam
denn auch, und die Sitzung dehnte ſich aus. Als dann
das franzöſiſche Kriegsſchiff vor Perim anlangte, um
die vermeintlich herrenloſe Inſel für Frankreich zu
beſetzen, wehte den Franzoſen die engliſche Kriegs=

flagge entgegen, zwei Stunden vorher war hier das
engliſche Kriegsſchiff Mahi eingelaufen und hatte
die Flagge Ihrer Majeſtät gehißt!
Die Lloyddampfer laſſen die Anker innerhalb des
weiten Hafenbeckens niederraſſeln. Letzteres iſt im
Halbkreiſe von hohen, kahlen Bergen eingeſchloſſen;
auf ihnen liegen, wie in Gibraltar, die engliſchen Fel=
ſenbatterien
, hoch oben befindet ſich die kleine Signal=
ſtation
der Feſtung, von der aus der Artilleriebefehls=
haber
durch einen Spiegel die ganze Gegend überblicken
kann; ein Druck auf einen Knopf genügt, und in den
Felsterraſſen erheben ſich die Geſchütze, geben den
Schuß ab, um ſofort wieder zu verſchwinden.
Kaum hat das gewaltige Schiff feſtgelegt, ſo iſt es
auch ſchon von winzigen, aus ausgehöhlten Baum=
ſtämmen
beſtehenden Booten umringt, in denen be=
turbante
Araber und faſt kleidungsloſe Somalis
ſitzen, die unzählige Dinge: Straußenfedern und
Straußeneier, Waffen, Korallen, Muſcheln, Korb=
waren
, Antilopenhörner, Sägefiſche, Löwen= und Ja=
quarfelle
uſw., ſchreiend darbieten, während ſchwarze
Schlingels wieder ihre Taucherkunſtſtücke nach klei=
nen
Münzen ausführen und nach wenigen Sekunden,
die Geldſtücke zwiſchen den blitzenden Zähnen, grü=
ßend
und lachend zum Vorſchein kommen, fortwährend
in lärmender Bewegung, um die Haie abzuhalten.
Ein Teil der Fahrgäſte benutzt den nur wenige
Stunden währenden Aufenthalt, um einen kurzen Be=
ſuch
dem Hafen Steamer Point, denn die Stadt, die
mit der nächſten Umgebung an 50000 Einwohner zählt.,
liegt fünf engliſche Meilen weiter landeinwärts
abzuſtatten, in hin= und hertanzenden Kähnen Platz
nehmend. Die als Ruderer dienenden Somalis ſind,
wie ihre Stammesgenoſſen überhaupt, kräftige, groß=
gewachſene
Leute von tiefſchwarzer Hautfarbe, Kühn=
heit
und Entſchloſſenheit liegen in ihren Mienen, ihre
zotteligen, langen, in die Höhe ſtehenden Haare haben
ſie mit Okker rötlichgelb gefärbt, um, wie man ſagte,
allerhand kribbelndes Getier fernzuhalten, aber es
ſoll nicht gar ſo viel nutzen! Mehrere arabiſche
Dhaus ſegeln flink vorüber, ſie vermitteln den Ver=
kehr
an der Küſte, geben ſich auch wohl bei guter Ge=
legenheit
mit dem Sklavenhandel ab, der in einzel=
nen
Ortſchaften am Roten Meer noch ſchwunghaft be=
trieben
werden ſoll.

In weitem Halbkreiſe ſchließen ſich die flachen und
niedrigen, mit Veranden verſehenen und von den kah=
len
, einſt vulkaniſchen Gebirgszügen machtvoll über=
ragten
weißen Häuſer des auf einer Halbinſel liegen=
den
Hafenortes zuſammen; vor ihnen, nach dem Meere
zu, dehnt ſich ein ſogenannter Gartenplatz aus mit von
der Sonne verbrannten Raſenflächen und kümmer=
lichen
, ſorgfältig eingeſetzten Palmen, die wohl nur
im Winter 30 Grad Réaumur! hier verbleiben,
denn im Sommer bringen die heißen Winde vom
Feſtlande her vernichtende Glutwellen herüber.
Der arabiſche Stadtteil des Hafens, in welchem
bezüglich des Handels Deutſchland den Platz hinter
England einnimmt, beſteht aus einigen ſchmalen und
kurzen Straßen, von niedrigen Häuschen und Hütten
eingeſäumt; in den nahen Felslöchern hauſen Araber
und Neger, in einigen Läden betreiben Inder ihre
Tauſchgeſchäfte, ſtarkgebaute Schwarze ſchleppen die
Laſten zu und von den Schiffen. Nahe dem erwähn=
ten
Gartenplatz hat ſich eine Kamelherde gelagert,
oft ſind hier mehrere Hundert der Höckertiere verſam=
melt
, um Waren in das Innere Arabiens zu brin=
gen
; mit Reiſig, dem wertvollen Brennmaterial, be=
laden
, naht langſam ein langer Zug, Eſel bringen
Waſſer heran, das hier koſtbar und hoch im Werte iſt
und den nahen Ziſternen entſtammt. Dieſe zum Auf=
fangen
des Regenwaſſers beſtimmten Ziſternen liegen
nach der eigentlichen Stadt Aden zu; viele von ihnen
ſollen noch aus dem 6. Jahrhundert ſtammen und ſoll
einſt ihre Zahl über fünfzig betragen haben. Lange
Zeit waren ſie verfallen, bis 1856 die Engländer be=
gannen
, einen Teil der ausgemauerten Baſſins wie=
der
herzuſtellen, die ſeitdem gute Dienſte leiſten und
vor allem die Garniſon mit friſchem Trinkwaſſer ver=
ſorgen
. Die vom Hafen nach den Ziſternen und dann
weiter zur Stadt führende, in den Engpäſſen von Be=
feſtigungswerken
eingefaßte Straße iſt in trefflichem
Zuſtande, wie überhaupt die Engländer aus dem troſt=
loſen
Platze alles gemacht haben, was nur aus dem=
ſelben
zu machen war. Daß Aden auch Freihafen iſt
und die hier Landenden keinerlei Zollplackereien unter=
worfen
werden, verſtärkt die Achtung, die man be=
reits
hier vor engliſcher Tatkraft und Energie be=
kommk
!

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. November 1910.

belaiſchefranpiſchen Händen und gehbrte zum gröſten
Teil der Internationalen Schlafwagengeſellſchaft. Die
neue Hotelbetriebsgeſellſchaft, m. b. H. iſt mit einem
Geſellſchaftskapital von acht Millionen begründet wor=
den
. Gleichzeitig wurde beſchloſſen, 4½prozentige,
hypothekariſch ſichergeſtellte Schuldverſchreibungen in
Höhe von acht Millionen auszugeben. Die Obligationen
ſind in 65 Jahren rückzahlbar und wurden durch eine
Wiener und Peſter Finanzgruppe feſt übernommen.
Die Geſellſchaft will das Seebad gegen eine Kauf=
ſumme
von 13 Millionen Kronen erwerben.
Es gehören dazu das Badeetabliſſement, fünf Hotels,
ſieben Villen, eine hydrotherapeutiſche Kuranſtalt, ein
Kurſalon für 2000 Perſonen, Weingärten uſw. Das
Bad wurde im vorigen Jahre von 40000 Perſonen
beſucht.
Meran, 10. Nov. Der Prozeß gegen die Beſitzer
des Karerſeehotels, der von 26 beim Hotelbrand
Zzu Schaden gekommenen Perſonen angeſtrengt wurde,
iſt vorläufig beendet; die Parteien ſind auf den Pri=
vatklageweg
verwieſen worden. Man glaubt, daß die
Anſprüche der Kläger alle abgewieſen werden, weil
nicht nachgewieſen werden konnte, daß es im Hotel
an der nötigen Vorſoge gegen Feuersgefahr gefehlt
habe.
Rom, 10. Nov. Ein heftiger Sturm wütete
heute in Genua und Civitavecchia. Häuſer wurden mehr=
fach
beſchädigt. In Civitavecchia wurde ein Segelſchiff
vom Sturm heftig gegen das Ufer geſchleudert und ſchei=
terte
. Der Kapitän und drei Mann ſind ertrunken.
Amſterdam, 10. Nov. Abdul Aziz iſt heute hier
angekommen. Einem Vertreter des Handelsblad ſagte der
frühere Sultan von Marokko, ſeine Reiſe habe keinen poli=
tiſchen
Zweck. Er werde einige europäiſche Hauptſtädte be=
ſuchen
, nach Paris gehe er aber nicht.
Paris, 11. Nov. Die Damen der Bonapar=
tiſtiſchen
Partei beſchloſſen, eine Subſkription zu
veranſtalten, um der Prinzeſſin Klementine
anläßlich ihrer Verheiratung mit dem Prinzen Viktor
Napoleon ein Hochzeitsgeſchenk zu überreichen, das in
einem künſtleriſch und reich ausgeſtatteten Toiletten=
tiſch
beſtehen koll.
Stockholm, 10. Nov. In Kallmora iſt in einer
Silbermine, deren Betrieb ſeit 1902 geruht hat, eine
ergiebige, faſt einen Meter ſtarke Ader reinen
Silbers und Bleierzes gefunden worden. Der
Betrieb der Mine wird nunmehr wieder eröffnet. Das
Erz dieſer Mine wird, wie früher, nach Deutſchland
ausgeführt.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
Ueber den Pianiſten Edwin Fiſcher,
der am 17. dieſes Monats im Hotel zur Traube‟
ein Kon zert gibt, ſchrieb der bekannte Kom=
poniſt
und Kritiker Dr. Paul Ertel=Berlin ſchon
vor vier Jahren: Es iſt nicht zu viel geſagt,
daß er ohne weiteres all die vielen Durchſchnittspianiſten,
die hier im Winter konzertieren, bereits um ein bedeuten=
des
trotz ſeiner Jugend überragt.
Parlamentariſches.
*X* Darmſtadt, 11. Nov. Als Termin für den
Zuſammentritt der Zweiten Kammer iſtnun=
mehr
Dienstag, 29. November, in Ausſicht genom=
men
worden, auch der Geſetzgebungsausſchuß wird demge=
mäß
noch zu einigen Sitzungen zuſammenberufen werden,
um die noch rückſtändigen kleineren Beratungsgegenſtände
für die Erledigung im Plenum fertig zu ſtellen. Die Kam=
merſitzungen
dürften ſich bis in die zweite Hälfte des De=
zembers
ausdehnen.
Die Verwaltungsgeſetzreviſions= Kom=
miſſion
ſetzte heute vormittag in Gegenwart der Re=
gierungsvertreter
die Beratung über die Verwaltungs=
rechtsfragen
fort. Es fand zunächſt eine längere Debatte
über die Frage der Konzeſſionserteilung ſtatt, deren ein=
heitliche
Regelung vom Ausſchuß erſtrebt wird, dann er=
folgte
in der Einzelberatung über die Geſetzesvorlage die
vorläufige Annahme der Artikel 1 bis 72. Fortſetzung
der Beratung erfolgt am Dienstag.
Luftſchiffahrt.
* Paris, 11. Nov. Dem New=York Herald
wird aus Baltimore gemeldet, daß die Flieger
Latham und Drexel von ihren Aeroplanen je
ſechs Scheinbomben auf das Kriegsſchiff Delaware‟

Nummer 260.

geſchleudert und daß ſämtliche Geſchoſſe das Ziel ge=
troffen
hätten. Latham habe außerdem von ſeinem
Aeroplan aus auf auf dem Boden befindliche Schei=
ben
ſieben Revolverſchüſſe abgegeben, von denen zwei
getroffen hätten.
Kaiſer Wilhelm in Wolfsgarten.
St. Egelsbach, 11. Nov.
Der kleine unbedeutende und unſcheinbare Bahn=
hof
der Station Egelsbach trägt keinerlei Feſtesſchmuck.
Keine Girlanden, keine wehenden Wimpel, keine Blu=
men
, und auch das ſonſt bei Kaiſerbeſuchen übliche glän=
zend
=militäriſche Bild fehlt. Keine Ehrenkompagnie
und keine Muſik. Der Gegenbeſuch, den der deutſche
Kaiſer dem Beherrſcher aller Reußen auf Jagdſchloß
Wolfsgarten abſtattet, ſoll auch nach außen hin den
Charakter eines privaten Familienbeſuches tragen.
Ein ſcharfer, kalter Wind, der zeitweilig zum Sturm
anwächſt, fegt über die abgeernteten Felder, zauſt die
herbſtlich=gelben, dürren Kronen der Bäume und nie=
deren
Hecken und Sträucher am Bahndamm. Auf der
Kreisſtraße nach Wolfsgarten taucht hin und wieder ein
patrouillierender Leibdragoner auf, hoch zu Roß, die
Lanze mit dem wehenden Fähnlein zur Seite.
Der Bahnhof ſelbſt trägt das gewohnte Bild. Kaum
daß der Verkehr etwas reger zu ſein ſcheint. Außer
den Polizei= und Wachmannſchaften in Zivil, einer An=
zahl
Photographen und Preſſevertretern nur wenig
Publikum. Eine halbe Stunde vor der feſtgeſetzten
Ankunftszeit wird der Bahnſteig abgeſperrt. In loyal=
ſter
Weiſe wird die Abſperrung nur auf den Bahnhof
ſelbſt beſchränkt. Kurz vor 10 Uhr erſcheinen auf der
Straße, nach Wolfsgarten eine Anzahl Automobile.
Die blauen mit reicher Goldzier und den braunliv=
rierten
Chauffeuren des Zaren, der weißlackierte offene
Wagen des Prinzen Heinrich und der Opelwagen des
Großherzogs. Jetzt geht auch langſam die Flagge des
Großherzogs an dem ſeitlich, ziemlich deplaziert ſtehen=
den
Maſt in die Höhe. Sie bildete den einzigen
Schmuck. Nur vor dem Eingang zum kleinen, be=
ſcheidenen
, mit roten Plüſchmöbeln einfach aber behag=
lich
ausgeſtatteten Fürſtenempfangszimmer ſtehen ein
paar grüne Lorbeerbäume. Links läßt der Stations=
vorſteher
auer über den Bahnkörper einen Strich in
den Kies ziehen, das Haltzeichen für den Lokomotivführer.
Der Verſuch, einen Läufer vom Fürſtenzimmer zum
Bahnkörper zu legen, mußte wieder aufgegeben wer=
den
, da der Sturm trotz beſchwerender Gewichte den
roten Läufer immer wieder zu entführen drohte.
Kurz nach 10 Uhr, mit gewohnter Pünktlichkeit,
wurde das Herannahen des Hofzuges gemeldet und
bald darauf fuhr der mit 2 Lokomotiven beſpannte
weißblaue Zug langſam in den Bahnhof ein. Kaiſer
Wilhelm ſtand an der Tür ſeines Salonwagens und
als nun der Zar, der Großherzog eund Prinz
Heinrich auf den Bahnkörper hinaustraten, grüßte
der Kaiſer mehrfach und lebhaft, ſchon als der Zug
noch in Bewegung war. Nach Verlaſſen des Zuges
wurde Kaiſer Wilhelm, der die bei aller Schlichtheit
ungemein kleidſame Hofjagduniform trug, während die
übrigen Fürſtlichkeiten in Zivil waren, zuerſt vom
Großherzög, dann vom Zaren und ſchließlich von ſeinem
prinzlichen Bruder mit einem lauten Guten Tag,
Wilhelm! das der Kaiſer mit dem gleich berzlichen
Guten Tag, Heinrich! erwiderte, begrüßt. In herz=
lichſter
Weiſe umarmten und küßten ſich die Herrſcher.
Inzwiſchen waren auch die Herren des Gefolges
dem Hofzuge entſtiegen, und Kaiſer und Zar ſtellten
das gegenſeitige Gefolge vor. Mehrere der Herren,
die dem Kaifer vom Potsdamer Zarenbeſuch oder von
früher her bekannt waren, begrüßte der Herrſcher be=
ſonders
lebhaft und herzlich und zog ſie in Geſpräche,
ſo den preußiſchen Geſandten Frhrn. Rücker von
Jeniſch, Oberſtallmeiſter Frhrn. von Riedeſel zu
Eiſenbach u. a. Zum Empfange anweſend und im
Gefolge befanden ſich ferner der ruſſiſche Geſandte
Baron von Knorring Exz., Kreisrat Lochmann=
Offenbach, Generaladjutant Hahn. Hofmarſchall Frhr.
von Ungern=Sternberg, Flügeladjutant Frhr. lauf des Rheines fallender Waſſerſtand gemeldet
Baron Fredericksz, Generaladiutant, Flügeladju=
tanten
, ſowie der Leibarzt Kaiſer Wilhelms und der zur auf 652 Zentimeter. Der Waſſerſtand des Neckars iſt in
Perſon Seiner Majeſtät kommandierte ruſſiſche General= der vergangenen Nacht in Heilbronn von 285 auf 378
major Tatiſchſcheff.
Nach kurzem Aufenthalt im Fürſtenzimmer beſtie= 1 weiter geſtiegen.
gen die hohen Herrſchaften und die Herren des Gefol=
ges
die Automobile: Kaiſer, Zar, Prinz Heinrich und Ufer getreten und überſchwemmt weite Strecken
der Großherzog zuſammen das Auto des Großherzogs,

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
A. K. Die Leoniden. In den Nächten vom
13. bis 15. November erſcheinen alljährlich die
Sternſchnuppen in weit größerer Zahl als an anderen
Tagen, ſie ſtrahlen vorwiegend bei dem Stern Gamma
des Löwen aus, von welchem Sternbilde (lat. leg) ſie
den Namen Leoniden tragen. Sie haben einſt mit dem
Kometen 1866 I zuſammengehangen, der in rückläufiger
Bewegung in je 33.176 Jahren einen Umlauf um die
Sonne vollführt. Zu außerordentlich reichen Stern=
ſchnuppenfällen
der Leoniden kam es in den Jahren
1799, 1833 und 1866, während der im Jahre 1899 er=
wartete
große Meteorregen infolge von Störungen der
Körperchen durch große Planeten ausblieb. Der Leo=
nidenſchwarm
hat bereits eine weit zurückreichende
Geſchichte, er wird in den Chroniken ſchon im Jahre 902
erwähnt. Da das Sternbild des Löwen erſt ſpät
abends im Oſten aufgeht, tritt die größte Häufigkeit
dieſer Meteore in der zweiten Nachthälfte ein. Ein auf=
merkſamer
Beobachter wird bei klarem Wetter, beſon=
ders
am 14. und 15. November, ſtets eine größere An=
zahl
von dieſen Körperchen aufleuchten ſehen. Ueber
die ungeheure Zahl und Verbreitung der Meteore des
Leonidenſchwarmes bei großen Fällen hat uns A. v.
Humboldt, der ein ſolches Schauſpiel mit Bonpland am
12. November 1799 in Cumana beobachtete, einen vor=
trefflichen
Bericht hinterlaſſen. Damals war zeitweilig
der ganze Himmel voll Feuerkugeln und Stern=
ſchruppen
, die zu Hunderttauſenden von Norden nach
Süden zogen. Der Geſamtbereich der Sichtbarkeit
dieſer Erſcheinung auf der Erde umfaßte etwa eine
Million Quadratmeilen. Eine ähnliche Entwicklung
und Ausdehnung zeigten die Leonidenſchwärme von
1833 und 1866; vom 12. zum 13. November 1833 zählte
man in Boſton auf dem zehnten Teile des Himmels in
einer Viertelſtunde 650 Meteore. Da das Himmels=
feuerwerk
neun Stunden währte, fielen für den Hori=
zont
von Boſton allein weit mehr als eine Viertel=
million
dieſer kosmiſchen Raketen.
P. Johann Sperl. Im Kunſtverein in Mün=
chen
findet zurzeit eine Ausſtellung von zirka 70 Wer=
ken
Johann Sperls ſtatt. Sperl, der intime Freund

Wilhelm Leibls, feiert in dieſen Tagen ſeinen ſiebzig=
ſten
Geburtstag. In der Kunſtgeſchichte werden die
Namen Leibl und Sperl ſtets miteinander genannt
werden, ſtehen doch auf einigen Meiſterwerken neuerer
deutſcher Kunſt ihre beiden Namen, z. B. auf dem un=
vergleichlichen
Bauernjäger‟ Leibl hat den Jäger
und Hund, Sperl die Landſchaft gemalt. Erſt ſeit Leibl
dahingeſchieden, bemerkt man ſo recht den Eigenglanz
dieſes kleineren Geſtirns. Sperl zählt zu unſeren aller=
erſten
Landſchaftsmalern. Seine Kunſt gehört in die
nächſte Nähe zu Leibl, Schuch, dem jungen Trübner,
dem jungen Thoma, nicht was das Stoffgebiet anlangt,
ſondern hinſichtlich ihres Geiſtes, ihrer Wahrhaftigkeit,
ileer Bodenſtändigkeit. Man begreift, daß dieſer Mann
ſich mit Leibl auf ein oberbayeriſches Dorf zurückzog,
daß er der Natur nicht zu Studienzwecken nur kurze
Beſuche abſtattete, ſondern daß er ſo in ihr lebte und
atmete, daß er auf alles, was die ſtädtiſche Kultur und
Geſellſchaft ihm zu bieten vermochte, leichten Herzens
Verzicht leiſten konnte. Dieſe unbedingte Liebe hat ſie
ihm gelohnt, ſie ſelbſt blickt uns aus ſeinen Landſchaften
an. Wie mit ihr, wird man mit den beſten Landſchaften
Sperls nie fertig. Immer wieder zieht uns ein ge=
heimnisvoller
, nie zu erſchöpfender Reiz zu ihnen. Es
gibt auch Figürliches von Sperl. Man merkt daran,
daß er Krelings und Rambergs Schüler war. Aber der
eigentliche Sperl iſt das nicht. Der ſteckt in jenen
blumenüberſäten Wieſen mit dem weiten, in blauem
Duſt verſchwimmenden Hintergrund. In den Wieſen
mit den Reihen grüner Obſtbäume. In ſeinen Bäumen
iſt ein faſt myſtiſches Leben man könnte an Th.
Ronſſeau denken. Einen Strahl Winterſonne, der durch
kahles Geäſt fällt, hat er beiſpielsweiſe aufgefangen, der
das Gemüt ſeltſam bewegt. Sperl iſt ein Poet, weil
er nur Maler iſt. Jede Abſichtlichkeit liegt ihm fern.
Ein ſolches Auge gewinnt man allerdings auch nur,
wenn man die Natur wie ein Jäger auf einſamen
Gängen beſchleicht.
Da Sperl alles unterlaſſen hat, ſeine Kunſt auch
nach Außen zur Geltung zu bringen, iſt es an uns,
dafür zu ſorgen, daß ſein Name den Zeitgenoſſen nicht
entſchwindet. Nicht ſeinetwegen, er iſt ein König in
ſeiner ſelbſtgewählten Einſamkeit und hat bewieſen, daß
er den lauten Anerkennungsrummel nicht braucht, aber

und fuhren nach Wolfsgarten. Der Hofzug des Kaiſers
fuhr nach Darmſtadt weiter, wo er bis zur Weiterfahrt
perblieb. In Jagdſchloß Wolfsgarten wurden die
Monarchen von den fürſtlichen Damen empfangen.
An der Hoftafel nahmen im ganzen 35 Per=
ſonen
, darunter 13 Fürſtlichkeiten, teil. Letztere
ſaßen an der einen Längsſeite der Tafel. In der Mitte
ſaß die Zarin. Rechts von der Zarin ſaßen der deutſche
Kaiſer, Großfürſtin Olga, Prinz Heinrich, Prinzeſſin
Friedrich Karl von Heſſen, der ruſſiſche Miniſter des
Kaiſerlichen Hauſes Baron Fredericksz und Groß=
fürſtin
Marie; links von der Zarin die Großherzogin,
der Zar, Prinzeſſin Heinrich, der Großherzog, Groß=
fürſtin
Tatjana, Prinz Friedrich Karl von Heſſen und
die Oberhofmeiſterin Freiin von Grancy; an der an=
deren
Längsſeite der Tafel ſaßen der preußiſche
und der ruſſiſche Geſandte, Frhr. v. Jeniſch
und Baron von Knorring mit Gemahlinnen und
die Oberhofchargen und das Gefolge der höch=
ſten
Herrſchaften: Hofmarſchall Freiherr von Ungern=
Sternberg, der Flügeladjutant des Zaren: Kapitän
Drentelen, der Hofmarſchall des deutſchen Kaiſers:
Graf Henckel von Donnersmarck, Hofdame Freiin von
Rotsmann, der Flügeladjutant des deutſchen Kaiſers:
Oberſt von Chelius, Hofdame Tutcheff, der General=
adjutant
des deutſchen Kaiſers: Generaloberſt v. Pleſ=
ſen
, Oberſtallmeiſter Freiherr von Riedeſel, Hofdame
von Bützow, Hofdame v. Oertzen, der Generaladjutant
des Zaren: General Dedjulin und Generalmajor
à la suite Tatiſchcheff. Zwiſchen dieſen beiden ſaß die
jüngſte Tochter des Zarenpaares Großfürſtin Anaſtaſia.
An den beiden Schmalſeiten der Tafel ſaßen: Ober=
kammerherr
Freiherr von Riedeſel, Generaladjutant
Generalmajor Hahn, der Leibarzt des Zaren: Dr. Bot=
kin
und Flügeladjutant Freiherr von Maſſenbach.
Da die Abfahrt des deutſchen Kaiſers auf 2.57 Uhr
feſtgeſetzt worden war, mußte alsbald nach beendetem
Mahle zum Aufbruch gerüſtet werden. Das Wetter
war inzwiſchen miſerabel geworden. Zur Kälte und
Sturm geſellten ſich Regenböen, vermiſcht mit Schnee und
Hagelſchauern, und als der Hofzug von Darmſtadt ſich
der Station Egelsbach wieder näherte, regnete es in
Strömen.
Nach herzlicher Verabſchiedung von den fürſtlichen
Damen wurde der Kaiſer vom Zaren, dem Großherzog
von Heſſen und dem Prinzen Heinrich zur Bahn ge=
leitet
. Um 2 Uhr 57 Minuten erfolgte die Weiterfahrt
nach Baden=Baden. Trotz des ſtrömenden Regens ver=
harrten
der Zar, der Großherzoa und Prinz Heinrich
bis zur Abfahrt des Zuges auf dem Bahnſteige, fort=
geſetzt
dem Kaiſer Abſchiedsgrüße zuwinkend. Das
trotz des Regens zahlreich erſchienene Publikum brachte
den Fürſtlichkeiten lebhafte Ovationen dar.
Kaiſer Wilhelm, der inzwiſchen ſchon ſeinen Salon
betreten hatte, ließ das Fenſter herunter und unter=
hielt
ſich noch mit Zar und Großherzog, bis der Zug ſich
in Bewegung ſetzte, und auch dann noch dankte der
Kaiſer lebhaft durch Grüßen und Winken für die
Hurra= und Hochrufe, die erſt aufhörten, als der Hoßzug
den Bahnhof verlaſſen. Der Zar, der Großherzog und
Prinz Heinrich fuhren nach Wolfsgarten zurück.
In Baden=Baden, woſelbſt der Hofzug Kaiſer Wil=
helms
um 5 Uhr 36 Minuten nachmittags eintraf, blieb
der Kaiſer über Nacht. Die Weiterfahrt nach Donau=
eſchingen
erfolgt Samstag früh 9 Uhr 15 Minuten, die
Ankunft in Donaueſchingen iſt gegen mittag zu er=
warten
.
Sport.
Fußball. Sonntag, den 13. November, ſtehen
ſich auf dem Olympia=Sportplatz an der Heidelberger
Straße die erſten Mannſchaften des Vereins für Be=
wegungsſpiele
Union=Mannheim und des Fußball=
klubs
Olympia‟=Darmſtadt im achten Meiſterſchafts=
ſpiel
gegenüber.
Hochwaſſer.
* Mannheim, 11. Nov. Während vom Ober=
von
Maſſenbach, der Hofmarſchall des Zaren, wird, ſtieg der Rhein in der vergangenen Nacht in Maxau
von 590 auf 653 Zentimeter und in Mannheim von 554
Zentimeter und in Mannheim von 608 auf 674 Zentimeter
* Metz, 11. Nov. Die Moſel iſt über die
des Geländes. Die Synchorieninſel gleicht einem
M
unſeretwegen. Sie ſind zu zählen, die paar Leute in
der Kunſt, für die das Schaffen, das freie, göttliche,
Selbſtzweck, und die Wirkung auf die Kunſtkonſu=
menten
Nebenſache iſt. Sperl ſtammt aus kümmer=
lichen
, ländlichen Verhältniſſen. Er wurde am 3. No=
rember
1840 zu Buch bei Nürnberg geboren. Wie be=
reits
erwähnt, war er Schüler von Kreling und Ram=
berg
. Doch machte er ſich bald vom Genre frei, um die
ſelbſtgewählte Einſamkeit mit Leibl zu teilen. Sie
lebten zuſammen von 1881 bis 1892 in Aibling, dann,
als dieſer Ort zu ſehr Badeort wurde, zogen ſie nach
Kutterling. Leibls Tod hat den überlebenden Freund
wohl ſehr vereinſamt, aber ihn andernteils auch ganz
auf ſich ſelbſt geſtellt, erſt die Werke der letzten Jahre
bringen die Krönung ſeines Schaffens.
Frankfurter Kunſtauktionen unter
Münchener Leitung. Am 22., 23. und 24. No=
vember
finden in Frankfurt a. M. zwei ſehr bemer=
kenswerte
Verſteigerungen unter der Leitung des
Münchener Kunſthändlers und Experten Hugo Hel=
bing
ſtatt. Die eine bringt die Privatſammlung des
verſtorbenen Kunſthändlers Ferdinand Günther, des
langjährigen Inhabers der altrenommierten Firma
F. u. C. Preſtel, die andere eine bedeutende Kollektion
von Bildern moderner Meiſter aus Frankfurter Pri=
vatbeſitz
zur Auflöſung. Die Güntherſche Sammlung
enthält Antiquitäten des 16. bis 18. Jahrhunderts
(Zinn und Möbel beſonders bemerkenswert), viel
Francofurtenſia und gute Bilder Frankfurter Künſt=
ler
. Da Günther in der Frankfurter Geſellſchaft und
namentlich in Kunſtkreiſen eine ſehr geſchätzte Perſön=
lichkeit
war, dürfte die Verſteigerung ſeiner Privat=
ſammlung
auf rege Teilnahme rechnen können. Die
andere Auktion bringt eine vorzügliche Sammlung
moderner Meiſter aus bekanntem Frankfurter Privat=
beſitz
unter den Hammer. Es ſind beſte Namen der
modernen Malerei mit vorzüglichen Werken vertreten,
ſo A. Calame, F. von Defregger, W. von Diez, Herm.
Kaulbach, Hugo Kauffmann, E. Grützner, E. Zimmer=
mann
, namentlich aber dominieren die Frankfurter
Künſtler. Von Ad. Schreyer, Anton Burger, Joh. Jak.
Maurer, J. F. Dielmann, Peter Becker, W. A. Beer
ſind wirkliche Kabinettſtücke vorhanden.

[ ][  ][ ]

Nummer 266.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. November 1910.

Seite 5.

See, aus dem nur einzelne Bäume und Baulichkeiten
hervorragen. Der Zeughausſtadel ſteht unter Waſſer.
Zwiſchen Moulerns und Longeville iſt der Verkehr
durch die Ueberſchwemmung unterbunden. Das Hoch=
waſſer
, das höher iſt als im Januar dieſes Jahres,
dürfte raſch vorübergehen. Millery meldet von geſtern
Fallen um faſt einen Meter und auch hier iſt während
der Nacht das Waſſer geſunken und heute früh gält
das Sinken bei dem trockenen Wetter an.
* Metz, 11. Nov. Das Hochwaſſer der
Moſel hat in der vergangenen Nacht 11 Uhr den
Höchſtſtand von 6 Meter 92 Zentimeter erreicht; 27
Zentimeter niedriger, als bei dem bisherigen Höchſt=
ſtand
von 7 Meter 21 Zentimeter im Jahre 1844. Bis
heute vormittag 8 Uhr war die Moſel auf 6 Meter 56
gefallen. Frankreich meldet dauerndes Fallen. Hier
iſt heute früh 9 Uhr Regenfall eingetreten. In Trier
ſteigt die Moſel noch immer. Der Vorort St. Barbara
iſt zum Teil überſchwemmt. Wie das Luxemburger
Wort meldet, ſind in Luxemburg Remiſch und Ehen
auch zum Teil überſchwemmt. Auch dort ſteigt die
Moſel noch weiter.
* Köln, 11. Nov. Der Waſſerſtand des
Rheins iſt ſeit geſtern von 4 Meter 66 auf 5 Meter
35 Zentimeter geſtiegen.
* Paris, 10. Nov. Infolge des ſtrömenden
Regens ſind die Moſel und die Meurthe
ſtark angeſchwollen und an vielen Stellen aus
ihren Ufern getreten. In Nancy iſt der untere Teil
der Stadt überſchwemmt, ſodaß 1500 Perſonen ihre
Wohnungen räumen mußten. In Pont à Mouſſon
hat das Hochwaſſer mehrere Fabriken zum Stillſtand
gebracht. Auch von der Marne und ihren Zuflüſſen
wird ſtarkes Anwachſen gemeldet.

Unwetter.
H. B. Berlin, 11. Nov. Ueber die durch den heu=
tigen
ſtarken Schneeſturm verurſachten Tele=
graphen
= und Telephon=Störungen wird ei=
nem
Mitarbeiter des Berliner Tageblatt im Haupt= Tele=
graphenamt
folgendes mitgeteilt: Von den Störungen
iſt hauptſächlich der Weſten und Nordweſten Deutſchlands
betroffen. Mit dem Auslande iſt faſt aller Verkehr ab=
geſchnitten
. Die Leitungen nach dem Süden ſind vorläufig
noch im Gebrauch, doch ſind auch hier bereits empfind=
liche
Störungen eingetreten. Nach Norddeutſchland zu
ſind ſämtliche Leitungen unterbrochen, nur die Verbin=
dung
nach Hamburg iſt noch offen. Am meiſten in Mit=
leidenſchaft
gezogen ſind die Provinzen Sachſen, Han=
nover
, Weſtfalen und Rheinland. Der Telephonverkehr
nach dem Weſten, beſonders mit dem Rheinland, iſt ſehr
beeinträchtigt.
* Berlin, 11. Nov. Hier iſt ebenfalls Schneefall
eingetreten.
* Berlin, 11. Nov. In Sachſen, Hannover, Weſt=
falen
, dem Rheinland und in Belgien herrſchen hef=
tige
Schneetreiben. Bereits hinter. Magde=
burg
ſind die Telegraphen= und Telephonleitungen
geſtört.

Literariſches.
Carla Eden, Die goldene Brücke. Ro=
man
aus den Reichslanden. Broſch. 3 Mk., geb. 4 Mk.
(Verlag E. Ungleich, Leipzig.) Jeder Leſer wird ſeine
Freude haben an der Friſche der Darſtellung, dem
glatten Lauf der Entwickelung, an den lieben Men=
ſchen
, die dort an der Weſtgrenze des Reiches ihr beſtes
hergeben, um langſam Boden für den völkiſchen Ge=
danken
zu ſchaffen. Ein wohltuender, warmer Hauch
vaterländiſcher Begeiſterung liegt über dem Ganzen.

Stadtverordnetenwahl.
Im Stadtverordneten=Sitzungsſaale fand geſtern
nachmittag nach 5 Uhr die Verkündigung des amtlichen
Reſultates der Erſatzwahl zur Stadtverordnetenver=
ſammlung
ſtatt. Die Verkündigung erfolgte durch Herrn
Beigeordneten Mueller in Gegenwart der Wahlkom=
miſſare
, Vorſteher und Beiſitzer. Nach dem amtlichen Re=
ſultat
erhielten Stimmen:
1. Dr. Kolb, Karl, Sanitätsrat und Stadtv., 7769,
2. Dr.=Ing. Heyd, Theod., Ing. und Stadtv. 7259,
3. Aßmuth, Peter, Bureaugehilfe, 7100,
4. Baſtian, Emil, Direktor der Hypotheken=
bank
, 4569,
5. Bormet, Ferd., Rechnungsrat und Stadtv., 4506,

6. Ramdohr, Paul, Apotheker, 4494,
7. Hüfner, Adam, Werkm. und Stadtv., 4438,
8. Nodnagel, Ludwig, Geh. Oberſchulrat und
Stadtv., 4438,
9. Schäfer, Leonhard, Architekt, 4373,
10. Dr. Bender, Hugo, Rechtsanw. u. Stadtv., 4364,
11. Lautz, Ludwig, Fabrikant und Stadtv., 4259,
12. Gretzſchel, Guſtav, Landeswohnungsinſp., 4075,
13. Dr. Oſann, Artur, Rechtsanwalt, 4074,
14. Wagner, Ludwig, Architekt, 4042,
15. Friedrich, Otto, Ortskrankenkaſſe=Erheber, 4004,
16. Dr. Vaubel, Wilh., Chemiker, 3989,
17. Werner, Ludwig, Glaſermeiſter, 3905,
18. Dr. Fulda, Heinr., Rechtsanwalt, 3903.
Dieſe 18 Herren ſind demnach, wie ſchon
geſtern gemeldet, gewählt. Die gleiche Stim=
menzahl
wie Dr. Fulda erhielt auch (19) Val. Her=
bert
, Obertelegraphenſekretär, ſodaß zwiſchen dieſen bei=
den
Kandidaten das Los entſcheiden mußte, das zugunſten
Dr. Fuldas fiel.
Im übrigen entfielen noch auf folgende Namen die
dabei verzeichneten Stimmen:
20. Staudinger 3813,
21. Müller, Karl, 3746,
22. Wagner, Val., 3726,
23. Münch, Fr., 3716,
24. Knoblauch, W., 3678,
25. Berthold, Hch., 3645,
26. Grooß, Aug., 3634,
27. Delp, Hch., 3592.
28. Kaindl, Joſ., 3580,
29. Sparr, Ant., 3564,
30. Barth, Fr., 3561,
31. Siemenſen, M., 3561,
32. Storck, Aug., 3543,
33. Feix, W., 3408,
34. Heppenheimer, Gg., 926,
35. Rockel, Gg., 665,
36. Ritzert, K., 619,
37. Kugel, Gg., 297,
38. Roßler, A., 98,
39. Bruchhäuſer 57,
40. Röhrich 37.
Insgeſamt wurden 143 454 gültige Stimmen abge=
geben
.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 11. Nov. Die geſtern und heute hier
ſtattgefundenen Verhandlungen des Zinkhütten=
verbandes
führten zu einer Verſtändigung wegen
der Verlängerung des Zuſammenſchluſſes der Inter=
nationalen
Zinkhütten und des Zinkhüttenverbandes.
Die Gieſcheſche Verwaltung ſchloß ſich, wie bisher, der
Vereinigung unter einigen unweſentlichen Vorbehal=
ten
an.
* Baden=Baden, 11. Nov. Der Kaiſer iſt mittelſt
Sonderzuges um 5½ Uhr hier eingetroffen. Der Kaiſer
wurde am Bahnhof vom Großherzog von Baden begrüßt.
Zum Empfange waren ferner erſchienen der preußiſche
Geſandte von Eiſendecher, der ruſſiſche Miniſterreſident
von Eichler, der Amtsvorſtand Geheimer Oberregierungs=
rat
Lang und der Oberbürgermeiſter Fieſer. Trotz des
ſtarken Regens hatte ſich ein zahlreiches Publikum am
Bahnhofe eingefunden. Die hohen Herrſchaften fuhren
im geſchloſſenen Wagen durch die feſtlich geſchmückten
Straßen ins neue Schloß, wo der Kaiſer Wohnung
nimmt. Der Großherzog und die Großherzogin von Ba=
den
waren nachmittags ½4 Uhr hier eingetroffen.
* Stuttgart, 11. Nov. Der König empfing heute
mittag in Gegenwart des Miniſterpräſidenten im König=
lichen
Reſidenzſchloß die engliſche Sondergeſandtſchaft un=
ter
Führung von Sir Arthur Paget zur Notifizierung
der Thronbeſteigung des Königs Georg V. Heute nach=
mittag
findet zu Ehren der engliſchen Gäſte Galatafel im
Schloſſe ſtatt, zu der eine größere Anzahl von Einladungen
an Mitglieder des Hofſtaates, des Staatsminiſteriums
und des militäriſchen Gefolges ergangen iſt.
* Stuttgart, 11. Nov. Der Staatsanzeiger ver=
öffentlicht
folgende Bekanntmachung des Kgl.
Kabinettschefs v. Soden. Nachdem von verſchie=
denen
Seiten die Abſicht kundgegeben iſt, Ihren Maje=
ſtäten
dem König und der Königin zu der im
kommenden Frühjahr ſtattfindenden Feier der ſil=
bernen
Hochzeit Geſchenke zu überreichen und an
einzelne Hofſtellen bereits hierauf bezügliche Anfragen

Kleines Feuilleton.
C.K. König Manuels Gepäck. Als König
Mannel ſein Reich verließ, geſchah das bekanntlich ſo
haſtig, daß er nicht Zeit fand, das nötige Gepäck mit=
zunehmen
. Man hat es dem König nun nachgeſchickt, es
iſt jetzt in England eingetroffen: insgeſamt 58 Koffer
und Kiſten. Ein Vertreter des Königs war eigens
nach Liſſabon gereiſt, um gemeinſam mit einem von der
republikaniſchen Regierung ernannten Komitee das
perſönliche Eigentum des Exkönigs zu verpacken und
abzuſenden. Die große Schwierigkeit ſo erzählte
dieſer Abgeſandte einem engliſchen Journaliſten, be=
ſtand
darin, daß die neue Regierung zu unterſcheiden
hatte, was perſönlicher Beſitz des Königs und was
Staatseigentum war. Ich ging mit ſechs Herren in
das Schloß, um mit ihnen zu verabreden, was dem
König nach England nachgeſchickt werden ſollte. Die
neue Regierung war außerordentlich gewiſſenhaft, und
nichts im Palaſt war auch nur berührt worden. Im
Schlafzimmer des Königs herrſchte auch jetzt noch die
Unordnung der Abreiſe, und auf dem Stuhle lag noch
der Säbel des Königs, der in der Eile vergeſſen worden
war. Das einzige Wertobjekt im Schlafzimmer bildete
übrigens die goldene Kaſſette, die die Stadt London ge=
ſtiftet
hatte und die auf dem Schreibtiſch des Monarchen
ſtand, neben drei oder vier in Silber gerahmten Photo=
graz
hien König Eduards und der Königin Alexandra.
Das republikaniſche Komitee war ſehr entgegen=
kommend
, und in zweifelhaften Fällen beſtand es
immer darauf, daß die Gegenſtände dem König zuge=
ſandt
werden ſollten. Ich war erſtaunt, wie beſcheiden
und klein die Garderobe des Königs iſt. Sie beſtand
aus kaum zwölf einfachen Stoffanzügen, eine Beſchei=
denheit
, die manchen reichen Dandy beſchämen könnte,
der viermal ſo viel Anzüge hat, als der junge König
von Portugal beſaß.
* Die engliſchen Kronjuwelen. Die eng=
liſchen
Kronjuwelen ſind wieder im Tower von London
ausgeſtellt worden, nachdem ſie mehrere Monate lang
den Blicken des Publikums entzogen waren. Während
dieſer Zeit ſind eine Reihe von Arbeiten ausgeführt
worden, die den unermeßlichen Schatz mit noch größerer
Sorgfalt als bisher beſchützen ſollen. Boden, Decke und
Wände des ſogenannten Juwelenhauſes, eines Raumes

im Wakefield=Turm, ſind derart verſtärkt worden, daß
das ganze Zimmer zu einem Rieſengeldſchrank ge=
worden
iſt, den ſelbſt der geſchickteſte Einbrecher nicht
zu erbrechen vermag. Sollte irgendwer dennoch ver=
ſuchen
, die berüchtigte Heldentat des Colonel Blood
noch einmal zu unternehmen, ſo wird ihm manche Ueber=
raſchung
zuteil werden. Um den Glaskaſten, der die
Juwelen enthält, iſt ein handgearbeitetes Stahlgitter
geſponnen worden, und ſowie dies berührt wird, läuten
Klingeln an verſchiedenen Teilen des Towers, und
durch Druck auf einen Knopf kann der Wächter ſofort
die großen eiſernen Türen des Zimmers verſchließen.
Ein Druck auf einen zweiten Knopf läßt große Stahl=
platten
emporſteigen, die den Glaskaſten vollkommen
umfaſſen. Mit Rückſicht auf die nächſtjährige Krönung
des engliſchen Königs werden die Juwelen gerade
jetzt täglich von vielen Tauſenden von Perſonen be=
ſichtigt
.
* Ueber die Goldfunde in der Eifel,
worüber wir berichteten, wird weiter gemeldet: Man
hat in der Nähe von Jveldingen unter dem Raſen Gold
von ſehr guter Qualität, es ſoll 160gradig ſein, gefun=
den
. Die Konzeſſion, die dem Sohne eines früheren
Steigers namens Jung erteilt worden iſt, erſtreckt ſich
auf eine Fläche von über zwei Millionen Quadrat=
metern
. Neue Mutungen ſind inzwiſchen von einer
weiteren Firma angelegt worden, ſo daß ſich binnen
kurzem ein bedeutender Verkehr in dieſem entlegenen
Winkel entwickeln dürfte. Zu der Entdeckung des
Goldgehaltes des Bodens kam man durch eine lange
Kette von aufgeworfenen Hügeln, die ſich von dem Orte
Iveldingen bis faſt nach der belgiſchen Grenze hin=
ziehen
. Die Bevölkerung behauptete, daß es ſich um
Hünengräber handelt. Die angeſtellten Unterſuchungen
ergaben jedoch, daß es Ueberreſte von früheren Gold=
wäſchereien
waren. Daraufhin hat nunmehr das Ober=
bergamt
in Bonn die Konzeſſion erteilt.
* Ein Nepomuk= ſtatt eines Bismarck=
denkmals
. In der Bürgerſchaft von Horſtmar ( Weſt=
falen
) war eine ſtarke Strömung für die Errichtung
eines Bismarckdenkmals vorhanden. Die Stadtverord=
neten
aber haben in ihrer letzten Sitzung beſchloſſen,
auf dem dafür vorgeſehenen Platz ein Denkmal des
hl. Nevomuk zu errichten.

gerichtet worden ſind, haben Ihre Majeſtäten, hiervon
unterrichtet, den Wunſch ausgeſprochen, es möchte bei
dieſem Anlaß nicht nur von Darbringung perſönlicher
Geſchenke, ſondern überhaupt von allen feſtlichen Ver=
anſtaltungen
und Huldigungen abgeſehen werden, was
hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht wird.
* Metz, 11. Nov. Von der an Schwarzen
Pocken erkrankten und iſoliert gehaltenen Familie
iſt heute vormittag ein vier Jahre alter Knabe ge=
ſtorben
. Alle Vorſichtsmaßregeln ſind getroffen.
* Dresden, 11. Nov. Das ſächſiſche Miniſterium des
Innern teilt der Leitung der Internationalen
Hygiene=Ausſtellung in Dresden 1911 mit,
daß die öſterreichiſche Regierung die ihr vom deutſchen
Botſchafter übermittelte Einladung an der Ausſtellung
teilzunehmen, angenommen hat. Sie wird einen beſon=
deren
Ausſtellungspavillon errichten. Die erforderlichen
Schritte um eine möglichſt intenſive Beteiligung aller in
Betracht kommender Faktoren ſicher zu ſtellen, ſind bereits
eingeleitet. Die Beſchlußfaſſung der ungariſchen Regie=
rung
ſteht noch aus.

H. B. Berlin, 11. Nov. Nach der Deutſchen Tages=
zeitung
hat der Kaiſer dem Direktor der Deutſchen
Bank v. Gwinner in einem Telegramm durch den Chef
des Zivilkabinetts v. Valentini hocherfreut ſeine Glück=
wünſche
zum Abſchluß der türkiſchen Anleihe=
Verhandlungen ausſprechen laſſen.
H. B. Berlin, 11. Nov. Nachdem in Baden und El=
ſaß
=Lothringen die kontingentierte Einfuhr von
Schlachtvieh aus Frankreich geſtattet wurde,
wollen auch die bayeriſchen Städte zur Steuerung der
Viehknappheit das franzöſiſche Vieh auf ihre Märkte
bringen. Der Deutſchen Fleiſcherzeitung wird aus Nürn=
berg
telegraphiert: Der Magiſtrat beſchloß, bei der
Staatsregierung den Antrag zu ſtellen, zur Erwirkung
der Erlaubnis der Einfuhr von wöchentlich 400 Stück
Schlachtochſen und Schlachtſchweinen aus Frankreich nach
Nürnberg.
H. B. Berlin, 11. Nov. In der Affäre Margu=
lin
=Ramé iſt wiederum eine neue Wendung zu
verzeichnen. Es hat ſich herausgeſtellt, daß die Kaba=
rett
=Diva Erna Fröhlich mit Margulin verheiratet
iſt, ſomit alſo die ruſſiſche Staatsangehörigkeit erwor=
ben
hat. Infolgedeſſen hat die ruſſiſche Regierung
vorläufig bis zur Klärung der Sache auch die Aus=
lieferung
der Fröhlich verweigert.
H. B. Salzburg, 11. Nov. Das Wahrzeichen der
Stadt Salzburg, die Feſtung Hohen=Salzburg,
ſtand heute nacht in Gefahr, ein Raub der Flammen zu
werden. In der Stock=Kaſerne entſtand nachts in dem
Arbeitszimmer der Garniſons=Sträflinge ein Brand,
der jedoch rechtzeitig von der Wache bemerkt wurde und
gelöſcht werden konnte. Somit wurden von der ganzen
Stadt die unberechenbarer Folgen einer Feuersbrunſt ab=
gewendet
. Die Urſache des Brandes iſt darin zu ſuchen,
daß ein Sträfling ſich Feuerzeug zu verſchaffen gewußt
hatte und damit unvorſichtig umgegangen war.

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[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. November 1910.

Nummer 266.

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Familiennachrichten.

Egeegggggg
Statt besonderen Anzeigen.
Die Geburt eines Mädchens
beehren sich anzuzeigen
Oberlehrer K. Mangold und
Frau Käthe Mangold, geb. Staeps.
DARMSTADT, 11. November 1910.

(21980
225
SeGGeceuu

Tür die uns anläßlich unſerer Silbernen
6 Hochzeit in ſo reichem Maße zuteil gewor=
denen
Glückwünſche und Ehrungen ſagen herz=
lichſten
Dank.
(*27916
Aug. Meyer u. Frau.

Monsieur le Professeur J. Berryer
et Madame font part de Theureuse
naissance dlune fille.
Herderstrasse 3.
B22026)

Todes-Anzeige.

Heute morgen um ½8 Uhr verſtarb nach
kurzem, aber ſehr ſchwerem Leiden im 59. Le=
bensjahre
mein innigſtgeliebter Gatte, unſer
Vater, Schwiegervater, Schwager, Bruder und
Onkel
(B22041

was wir ſchmerzerfüllt allen Verwandten,
Freunden und Bekannten unſeres teueren Ver=
ſtorbenen
mitteilen.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen:
Charlotte Müller, geb. Vinſon,
Heinrich Müller,
Marie Müller, geb. Schaaf.
Darmſtadt, den 11. November 1910.
Orangerieſtr 6
Die Beerdigung findet ſtatt: Montag, den
14. November, vormittags 11 Uhr, vom Por=
tale
des Darmſtädter Friedhofes aus.

Statt jeder beſonderen Mitteilung.
Heute nacht 2 Uhr iſt mein lieber Mann,
unſer lieber Vater, Schwiegervater, Großvater,
Schwager und Onkel
(*27878
Theodor Heuß
evang. Pfarrer in Pension
nach langem, ſchwerem Leiden im 61. Lebens=
jahre
ſanft entſchlafen.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Marie Heuß, geb. Ritter.
Traiſa bei Darmſtadt, den 11. Nov. 1910.
Die Einſegnung findet Montag, den 14. Nov.,
um 2 Uhr, im Trauerhauſe in Traiſa ſtatt,
die Beerdigung um 4 Uhr vom Portale des
Darmſtädter Friedhofes aus.

Bankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
an dem uns ſo ſchwer betroffenen Verluſte, ſowie
für die überaus reichlichen Blumenſpenden aus
nah und fern, ſage allen hierdurch Dank. Beſon=
ders
danken wir den Barmherzigen Schweſtern
für die unermüdliche ſorgfältige Pflege, der Firma
Gandenberg’ſche Maſchinenfabrik, deren Beamten
und Arbeitern, ſowie dem Militärverein Darm=
ſtadt
für die reichen Kranzſpenden und der ehren=
(21998
den Nachrufe am Grabe.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Eliſe Schmitt, geb. Wenzel.
Darmſtadt, den 11. November 1910.

Großh. Hofbibliothek, geöffnet Montag bis Freitag
von 91 Uhr und nachmittags von 24 Uhr, Samstag
von 91 Uhr.
König=Muſeum Saalbauſtr. 73; Sonntags geöffnet
von 111 Uhr.

Bankſagung.
Für die vielen Beweiſe wohltuender Teil=
nahme
, welche uns anläßlich des Heimgangs
Junſerer unvergeßlichen
(B22028
Frau Bertha Külo
geworden ſind, ſagen wir herzlichen Dank.
Darmſtadt, den 11. November 1910.
Familie Schneider.

eile eerehte
Oeſfentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Ausſichten in Heſſen für Samstag, den 12. No=
vember
: Niederſchläge, im Gebirge Schnee, windig.
Verlauf der Witterung ſeit geſtern früh: Eine
ſtarke Depreſſion iſt von Weſten her vorgedrungen
und liegt über dem Kanal. Unter ihrem Einfluß reg=
net
es im Nordweſten, während im Gebirge, teilweiſe
auch in der Ebene, Schnee gefallen iſt. Bei weiterem
Vorrücken des Tiefs ſind wieder Niederſchläge zu er=
warten
. Die Temperaturen werden ſich wenig ändern.
Tageskalender.
Samstag, 12. November.
Vorſtell ung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Generalverſammlung des Vereins Heſſiſches
Lehrerinnenheim um 4 Uhr im Rathausſaal.
Lieder=Abend des Sängerchors des Darmſtädter
Lehrervereins um 8 Uhr im Saalbau.
Schüler=Vortragsabend der Klavierſchule E. Hoch=
ſtätter
um 6½ Uhr Steinſtraße 24.
Stifkungsfeſt des Vereins ſtädtiſcher Arbeiter und
Bedienſteter um 8½ Uhr im Mathildenhöhſaal.
Konzert um 4 Uhr auf der Ludwigshöhe.
Konzert um 5 Uhr im Kölniſchen Hof.
Konzert um 4 Uhr im Bürgerkeller.
Konzert um 3 und 8 Uhr im Hotel Heß.
Kochkunſt=Ausſtellung im Hotel Zur Traube‟.
1. Darmſtädter Kinematograph (Ecke Rhein= und
Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½11 Uhr.
Sonntag, 13. November.
Hoftheater, Anfang ½6 Uhr (Ab. B): Die Meiſter=
ſinger
von Nürnberg.
Vorſtellung um 4 und 8½ Uhr im Orpheum.
Matinee der Kammermuſik=Vereinigung um 11 Uhr
im Saale des Muſikvereins.
Familienabend des ev. Frauenvereins des Schloß=
bezirks
um 7½ Uhr im Gemeindehaus (Kiesſtraße).
Familienabend der evang. Paulusgemeinde um 8 Uhr
im Gemeindeſaal.
Vortrag von Friedr. Jaskowski um 8½ Uhr Schul=
ſtraße
8 (Südweſtdeutſcher Vortragsverband).
Vortrag über Spiritismus um 8 Uhr Grafenſtr. 18.
Aufführung des hiſtoriſchen Schauſpiels Kolberg
um 7½ Uhr Hofgartenſtraße 8.
Erbauung der Freireligiöſen Gemeinde um 10 Uhr im
Saele der Loge (Sandſtraße).
Konzert des Orthſchen Männerquartetts um 8 Uhr
in der Turnhalle (Heidelbergerſtraße).
Abendunterhaltung der Geſellſchaft Reichsadler
um 7 Uhr im Mathildenhöhſaal
Abendunterhaltung des Vereins Konſtantia um
8 Uhr im Konkordiaſgal.
Herbſtfeſt des Darmſtädter Männergeſangvereins um
4 Uhr im Kaiſerſaal.
Herbſtball des Kath. Geſellenvereins um 8 Uhr im
Ceſellenhaus.
Konzert um 4 und 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 4 und 8 Uhr im Bürgerkeller.
Konzert um 5 Uhr im Kölniſchen Hof=
Ausflug des deutſchen und öſterr. Alpenvereins nach
Auerbach (Abmarſch um 8 Uhr am Böllenfalltor).
Ausflug des Vogelsberger Höhenklubs nach Groß=
Gerau (Abfahrt um 1 Uhr).
Spazierganß des Naturheilvereins nach Traiſa ( Ab=
marſch
um 2½ Uhr am Böllenfalltor).
Tanzkränzchen um 4 Uhr auf Hugenſchütz’ Felſenkeller.
Tanzkränzchen um 4 Uhr in der Stadt Pfungſtadt,
Preisſchießen des Schützenklub Immergrün Schwa=
nenſtraße
49.
1. Darmſtädter Kinema tograph (Ecke Rhein= und
Crafenſtraße): Vorſtellungen von 3½11 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Montag, 14. November.
Hofreite=Verſteigerung des Fr. Schweitzer ( Kaup=
ſtraße
) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 10 Uhr Martin=
ſtraße
30.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 11 Uhr Lichten=
bergſtraße
75.
Schwellen=Verſteigerung um 9 Uhr am Bahn=
übergang
der Pallaswieſenſtraße.
Stroh=Verſteigerung um 9 Uhr auf dem Truppen=
Uebungsplatz (Zuſammenkunft an der Stallbaracke 48).
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Je Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

2
nach Pilsner Art
nach Münchner Art
Innner Druu Nen ExpUNTDDG
reinste Tafel-Biere.
er

[ ][  ][ ]

Nummer 266.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. November 1910.

Seite 7.

Sereison

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4 Preuß. Schatzanweiſg. 100 00
3½ do. Conſols . . . . 92,60
83,50
B do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 101,25
do.
93,50
3½
84,50
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanl. . 101,50
91,25
do.
3½
do.
82,00
4 Hamburger Staatsanl. 101,50
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 101,10
do.
91,30

do
80,20
3 Sächſiſche Rente . . . 83,00
4 Württemberger v. 1907 101,70
do.
92,60
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 100,60
1¾ Griechen v. 1887
3¾ Italiener Rente . ..
4½ Oeſterr. Silberrente . 96,90

do. Goldrente . . 98,40
do. einheitl. Rente 93,10
Portug. unif Serie I 64,10
do. unif. Ser. III 66,50
do.
Spezial . 12,40
Rumänier v. 1903 . . 101,95
do. v. 1890 . . 94,90
do. v. 1905 . . 91,00
Ruſien v. 1880 a . . . 92.00

InProt.
4 Ruſſen v. 1902 . F₰ 92,60
4½ do. v. 1905 . . . . 100,10
3½ Schweden . . . . . . . 92,10
4 Serbier amort. v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903. 86,60
do. unifiz. p. 1903 92,00
4 Ungar. Goldrente . . 93,20
do. Staatsrente . 91,50
5 Argentinier . . . . . . 101,60
do.
91,10
4½ Chile Gold=Anleihe 93,80
5 Chineſ. Staatsanleihe 101,65
do.
98,60
4½
4½ Japaner . . . . . . . 97,50
5 Innere Mexikaner . . 99,80
do.
68,00
4 Gold=Mexikan. v. 1904 95,20
5 Gold=Mexikaner . . . 100,20
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . . 144,25
4 Nordd. Lloyd . . . . 107,25
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 122,60
Aktien ausländiſcher
Transvortanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408
Baltimore & Ohio . . 109,10
4 Gotthardbahn .

In Proz.
8).
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 159,00
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 21½
4 Pennſylvania R. R. 131,00
Induſtrie=Aktien,
Mainzer Aktienbrauerei . 201,00
Werger=Brauerei
73,00
Bad. Anil.= u. Sodafabrik 497,00
Fabrik Griesheim . . . . 279,90
Farbwerk Höchſt . . . . . 531,50
Verein chem. Fabriken
Mannheine . . . . . . . 340,00
Lahmeyer . . .
.117,00
Schuckert
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Siemens & Halske . . . 244,50
Adlerfahrradwerke Kleyer 434,80
Bochumer Bp. u. Guß . .
Gelſenkirchen .
. .
Harpener .
187,50
Phönix, Dergb. u. Hütten=
betrieb
.
. . . . 241,10
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 90,50
4 Pfälzer Prt. . . . . . 100,30
do.
92,30
3½
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. . 99,50
do. ſteuerfrei . 98,00
5 Oeſterr. Staatsbahn.
do.
98,10
do. alte .
5 Oeſterr. Südbahn . . 99,00
do.
do.
56,40
3. Raab=Oedenburger . . 75,25
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 90,00
Kronpr. Rudolfbahn . 98,00

In Pry=
S).
2¼0 Livorneſer . . . . . . 73,10
4 Miſſouri=Paciſic . . . 79,00
4 Bagdadbahn Mk. 408 86,00
5 Anatoliſche Eiſenb. . . 99,00
5 Tehuantepec . . . . . 101,50
Bank=Aktien.
4 Berliner Handelsgeſ.
4 Darmſtädter Bank . . 130,75
4 Deutſche Bank . . . . 257,00
4 Deutſche Vereinsbank 126,50
Diskonto=Geſellſchaft . 191,30
162,00
Dresdner Bank.
Mitteldeut. Kreditbk. 121,00
Nationalbk. f. Deutſchl. 129,00
Pfälzer Bank . . . . . 105,10
.143,80
Reichsbank
Rhein. Kredit=Bank 138,75
4 Wiener Bank=Verein 139,40

Pfandbriefe.
4 Frankſt. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17
3½ do. S. 19. . . . .
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126
4 Hamb.=Hypoth.=Bank
do.
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk.
do.
3½
4 Meining. Hyp.=Bank
do.
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917)
do. (unk. 1914)
1 Sädd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf.
3½
2

100,00
91,80
99,40
100,00
90,50
101,40
91,90
100,60
90,80
100,00
90,30
100,3)
91,90

In Proz.
Bf.
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt
2.
91,50
3½ do.
4 Frankfurt . . . S ge . 101,00
96,00
3½ do.
4 Gießen
3½ do.
.. 99,60
4 Heidelberg
90,50
3½ do.
* 100,20
4 Karlsruhe
90,60
3½ do.
4 Magdeburg
3½ do.
4 Mainz
3½ do.
90,80
4 Mannheim
99,90
3½ do.
4 München .
65 100,90
3½ Nauheim
90,80
4 Nürnberg . . . .. . . 100,10
3½ do.
91,20
4 Offenbach .
3½ do.
4 Wiesbaden . . . . . . 101,10
3½ do.
4 Worms . . .
99,60
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1886. .
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100 160,50
3½ Cöln=Mindner 100 134,75
5 Donau=Reg. fl. 100
3 Holl, Komm. 100 105.40

In §ey
Zf.
3 Madrider Fs. 100 76,00
4 Meining. Pr.= Pfand=
briefe
.
.. 136,60
4 Oeſterr. 1860er Loſe 174,90
3 Oldenburger
. . 124,30
2½ Raab=Grazer fi. 150 114,00

Unverzinsliche
Anlehensloſe.

Augsburger
fl.
Braunſchweiger Tlr.
Freiburger
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Mailänder
Fs.
do.
Fs.
Meininger
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Oeſterreicher v. 1864
do. v. 1858 1
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Venediger
Frs.
Türkiſche
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15
45
10 32,00
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20 Franks=Stücke . . . . 16,16
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Amerikaniſche Noten . . . 4,19¾
Engliſche Noten . . . . 20,48
Franzöſiſche Noten . . . . 81,15
Holländiſche Noten . . . . 169,45
Italieniſche Noten . . . . 80,80
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,95
Ruſſiſche Noten . . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,90
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6)
Man war jetzt im Hochſommer. Der Garten auf
Rethwiſchhof ſtand in leuchtender Blüte, und in den
Bäumen und Büſchen rauſchte und ſang es. In der
Luft lag ein Summen und Schwirren, und über die
Fennen klang Gebrüll und Meckern. Die Rethwieſen
waren zum größten Teile abgemäht; was noch ſtehen
geblieben war, blühte in ſchwankenden, braunvioletten
Wedeln. Ein kräftiges Leben umwogte den alten, frie=
ſiſchen
Marſchhof.
Frau Anderſens Nichte, Ingeborg Jeſſen, kam jetzt
oft am Sonntag nachmittag herüber. Sie war ein
hübſches Mädchen, roſig, blühend und ſtattlich wie der
Sommer, mit dunklen, grauen Augen und rötlich=
blondem
Haar. Sie trug hübſche, friſchfarbige Kleider
und ſah ſehr ſchmuck aus. Antje bewunderte ſie ſtets
mit heimlichem Seufzer, obgleich Ingeborg ſie recht ge=
ringſchätzig
behandelte.
Trotzdem war Antje immer freundlich und gefällig.
Sie wußte ja, daß das hübſche Mädchen Herrin auf
Rethwiſchhof werden ſollte. Wie konnte man es ihr
verdenken, daß ſie ſchon jetzt ſtolz und herriſch war. Eine
großmächtige Bauernfrau mußte ſo ſein; die hatte es
nicht nötig, ſich zu ducken wie eine arme Dienſtdeern.
Wie ſtattlich ſie war und wie ſtark! Ja, ſie paßte

gut hierher. Weshalb Rolf ſich nur immer ſo viel Zeit
ließ, hereinzukommen, wenn ſie in der Stube ſaß. Er
blieb ruhig im Stall beim Füttern, und wenn er damit
fertig war, ging er ebenſo ruhig und langſam über die
Diele wie ſonſt. Er nickte ſeiner Couſine ebenſo gelaſſen
zu, als ſäße irgend ein alter Nachbar auf dem Sofa; ja,
er war eine ruhige Natur. Und ſie iſt doch ſo wunder=
ſchön
, wie ein Bild, dachte Klein=Antje ohne Neid; aber
ein wenig ſeufzte doch ihr Herz dabei. Sie ſah in einen
Spiegelſcherben hinein und dachte: Wäre iſt doch auch
ſo groß und ſchön wie Ingeborg.

Das Heu wurde eingefahren. Alle Hausgenoſſen,
außer der Frau und Iven, waren draußen auf der
Fenne. Antje war eine der fleißigſten Arbeiterinnen.
Sie wirbelte umher, war bald hier, bald dort. Ihr
blaues Röckchen tauchte bald an dieſer, bald an jener
Stelle auf.
Iven beobachtete das Treiben von ferne, mit
ſinnendem Blick, wie man dem Fluge eines Schmetter=
lings
zuſieht. Als am Abend das letzte Fuder unter
Dach kam, und oben auf dem duftenden Heu die Leute
ſaßen, mitten dazwiſchen Antje mit dem wirren Haar
und dem erhitzten Geſichtchen, da kam ſie ihm vor wie
eine Roſe. Aber dann ſchüttelte er den Kopf über den
Vergleich. Roſe und Heu? Nein, das paßte nicht zu=
ſammen
.
Iven hatte ſich wieder ein neues Buch ſchicken
laſſen; irgend ein Zeitungsartikel hatte ihn dazu ver=

anlaßt. Er zeigte es Antje; er gewöhnte ſich immer
mehr daran, dem jungen Mädchen ſein Inneres zu
offenbaren. Die Pflege des Säuglings im erſten
Lebensjahre. Es ſcheint ein vorzügliches Buch zu ſein.
Was wird nicht gerade im erſten Lebensjahre an Kin=
dern
geſündigt! Verſtehen Sie mit Säuglingen umzu=
gehen
?
Nein, ſagte Antje lächelnd.
Sie müſſen das Buch unbedingt leſen. Es iſt ſehr
nützlich, falls Sie mal Kinder bekommen
Quack, entfuhr es Antje. Raſch, unter Erröten
fügte ſie hinzu: Ich bekomme ſicher keine Kinder. Dann
müßte ich doch erſt einen Mann haben.
Ach ſo, ja, Sie mögen recht haben.
Aber Sie, Herr, Sie könnten ſich verheiraten, dann
kann Ihre Frau es leſen.
Meinen Sie? Iven war nachdenklich geworden,
noch nachdenklicher als ſonſt.
Im Nachſommer gab es in Bredwort ein großes Feſt:
das Ringreiten. Hoch zu Roß wurde mit einem Spieße
nach einem ſchwebenden Ringe geſtochen. Es waren Preiſe
ausgeſetzt für diejenigen, die den Ring herunterholten.
Sobald der Ring gewonnen war, wurde er gegen einen
kleineren ausgewechſelt. Je kleiner der Ring, je größen
der Preis, und der allerkleinſte und letzte war der Königs=
ring
.
Die Ringreitergilde beſtand zumeiſt aus jungen
Bauern und Knechten. Bei derlei Gelegenheiten mußte
man über die Standesunterſchiede hinwegſehen, denn die

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. November 1910.

Nummer 266.

Seidenstoffe für Kleider und Blusen

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Schon längere Zeit vor dem Feſte übte ſich die männ=
liche
Jugend im Reiten und Stechen. Heie Rehm unter=
ließ
es nie, wenn er zum Pflügen ausritt, jedesmal am
Landwege mit einem Weidenſtock nach einer beſtimmten
Stelle in einem alten Eſchenbaum zu ſtoßen, und wenn
Rolf Anderſen zum Schmied ritt, probierte er auch mal,
im Trab den Spieß zu rühren.
Ein paar Tage vor dem Feſte begann auf Rethwiſch=
hof
ein rühriges Leben. Rolf war im vorigen Jahre
König geworden und mußte das Frühſtück, das ſogenannte
Ringreiterbier vor dem Ausritt geben, und dies ſollte,
ſeinem Stande gemäß, nicht lumpig ausfallen.
Es wurde ein Schinken gekocht, eine ganze Kalbskeule
gebraten und ein Fäßchen Bier angeſtochen. Der Tiſch
war mit ſchneeweißem Linnen bedeckt; goldgelb war die
Butter, das Brot ſchlohweiß und dunkelbraun die Rinde.
Ingeborg Jeſſen war ſchon ſeit mehreren Tagen auf
dem Hof und ſchlief in einer der eingemauerten Bettſtellen
in der Wohnſtube neben Frau Anderſen. Sie ging der
Tante zur Hand in Küche und Keller und beim Tiſch=
decken
.
Frau Anderſen unterließ es nicht, Rolf darauf auf=
merkſam
zu machen, wie gut Ingeborg die Arbeit anſtehe.

Den Schinken hat Ingeborg mal fein mit Zwieback
beſtreut und mit Nelken beſteckt, und den Stuten hat ſie
auch angerührt. Sie iſt ne Staatsdern; wer die mal
kriegt, iſt nicht betrogen. Ach, mein Magen! Ja, ich
habe die längſte Zeit gewirtſchaftet.
Rolf antwortete gar nichts. Seine Augen waren ge=
rade
auf Antje gerichtet, die mit den Gläſern und Tellern
ſo flink und geſchickt umging, als wäre es Spielzeug.
Ich meine Ingeborg! Frau Anderſen ſtieß ihren Sohn
an. In dieſem Augenblick fiel Ingeborg ein Teller mit
Wurſt aus der Hand; er zerſprang auf der Zementdiele
und die Wurſtſcheiben lagen zerſtreut daneben.
Antje, die in nächſter Nähe ſtand, bückte ſich ſofort,
um die Scherben aufzuleſen, aber Ingeborg ſtieß ſie bei=
ſeite
und behauptete mit hochrotem Geſicht, Antje habe ſie
angerannt und ihr den Teller aus der Hand geſtoßen.
Frau Anderſen beſchwichtigte ſie. Antje weinte ſtill
vor ſich hin und Rolf trat mit zuſammengezogenen
Brauen vor die Haustür. Er hatte wohl geſehen, wie es
gekommen war; aber es erſchien ihm nicht der Mühe wert,
ſich hineinzumiſchen. Hinterher tat es ihm leid, daß er
Antje nicht gegen Ingeborgs unwahre Behauptung in
Schutz genommen hatte; aber da erſchien es ihm wieder
zu ſpät.
In der Ferne erklang jetzt Muſik. Die Gäſte kamen.

Der Potie weicf in ſchlige Pöſe. hienen
ſah die leichte Wolke auf Rolfs Stirn. Man war gewöhnt,
ihn ruhig und wortkarg zu ſehen.
Nach dem Eſſen ging es hoch zu Roß hinaus auf die
Dorfwieſe. Jetzt kam gleich hinter den Muſikanten Rolf
Anderſen auf ſeinem braunen Wallach. Rolf Anderſen,
im Königshut mit dem wehenden Federbuſch, mit der rot=
ſeidenen
Schärpe um die Hüften und der goldenen Hals=
kette
, an der die Denkmünzen herabhingen und im Son=
nenſchein
flimmerten.
Antje klopfte das Herz vor freudigem Stolz. Am
meiſten aber freute ſie ſich über das bunte Sträußchen an
ſeinem Degen.
Es wäre wohl Ingeborg zugekommen, dies zu win=
den
, aber dieſe hatte es verſäumt. Als Trina und Antje
geſtern abend den Degen des Großknechts ſchmückten, hatte
ſie ſpöttiſch die Lippen verzogen und heute morgen lag
Rolfs Stab noch ungeſchmückt in der Stube. Da war
Antje raſch in den Garten gelaufen und hatte mit flinken
Händen das Sträußchen gepflückt von Reſeda und Roſen=
knoſpen
und kleinen, weißen Sternblumen. Ingeborg
hatte vorhin etwas verblüfft auf den Degen geſchaut; ſie
mochte wohl denken, daß die Mutter es veranlaßt hatte,
und dieſe war vielleicht der Meinung, Ingeborg hätte es
gepflückt.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.
18.
Samstng, 12. Nabenber.
1010.

Bekanntmachung.
Nach dem Beſchluſſe des Bundesrats vom 10. Februar 1910 iſt am 1. Dezember
1910 eine Volkszählung im deutſchen Reiche vorzunehmen.
Die erforderlichen Erhebungen ſollen im Großherzogtum Heſſen unter Leitung
der Großh. Kreisämter durch beſondere Zählkommiſſionen unter Heranziehung frei=
williger
Zähler erfolgen. Wir bringen dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis,
daß im Kreiſe Darmſtadt für die nachſtehend verzeichneten Gemeinden und beſonderen
Wohnplätze zu Mitgliedern der Zählkommiſſionen ernannt worden ſind:
1. Arheilgen mit: a) Arheilger Stationshaus, b) Arheilger Ziegelhütte, c) Aumühle,
d) Bahnwärterhäuſer Main=Neckar=Bahn Nr. 22, 23, Main=Rheinbahn Nr. 36, 37,
39, 41, 42, 44, 46, e) Kalkofen (Forſthaus), t) Kranichſtein (Station), g) Leibches
Mühle, h) Meſſeler Forſt= und Falltorhaus, 5 Schleifmühle, k) Schneiders Mühle
(Mühle und Wirtſchaftshaus), 1) Steinacker (Forſthaus).
Großh. Bürgermeiſter Benz, Vorſitzender, Bürgermeiſtereigehilfe Hirſch, Bürger=
meiſtereigehilfe
Hammann, Polizeidiener Caſtritius.
2. Braunshardt mit: Bahnwärterhaus Main=Rhein=Bahn Nr. 62.
Großh. Bürgermeiſter Schmidt, Vorſitzender, Lehrer Spamer, Gemeinderats=
mitglied
Philipp Schmidt, Gemeinderatsmitglied Jakob Helfmann, Gemeinde=
ratsmitglied
Friedrich Nickel.
3. Darmſtadt mit: a) Bahnwärterhäuſern Main=Neckar=Bahn Nr. 24, Main=Rhein=
Bahn 48, 49, 53, 54, 55, Ried=Bahn Nr. 1, b) Botaniſcher Gärten früher Wäld=
mühle
), c) Darmſtädter Forſthaus, d) Forſthaus Einſiedel, e) Forſthaus Faſanerie,
) Halteſtelle an der Hammelstrift, g) Heiliger Kreuzberg, h) Karlshof, i) Kranich=
ſtein
, k) Martinsmühle, I) Pallaswieſenhaus, m) Roſenhöhe (Schloß und Stations=
haus
), n) Steinbrückerteich, o) Wagen=Reparatur=Werkſtätte der Heſſiſchen Ludwigs=
Bahn, p) Windmühle, a) Ziegelbuſch, r) Aliceſtift (Idioten=Anſtalt), s) Böllen=
Falltor (Forſthaus), t) Beſſunger Forſthaus und Leimenhaus, u) Darmſtädter
Leichenhaus, v) Darmſtädter Schießhaus, w) Hopfengarten, 2) Ludwigshöhe,
7) Militär=Schießſtand, ſowie Pulverhaus und Pulverlaboratorium.
a) als Vorſitzenden: Großh. Polizeirat Krämer, b) als Mitglieder: Kaufmann
Chriſtian Achtelſtätter, Profeſſor Ensgraber, Profeſſor Dr Graul, Oberlehrer
Hanſtein, Reallehrer Heiß. Rentner Georg Hornung, Schloſſermeiſter J. Jacobi,
Hauptlehrer Heinrich Kaßlick. Polizeiſekretär Wilh. Kaiſer, Kreisſchulinſpektor
Profeſſor Kiſſinger, Rentner Heinrich Koch, Stabsquatiermeiſter Ph. Landzettel,
Hauptiehrer Löſch, Oberleutnant a. D. Reinh. Lotheißen, Kreisſchulinſpektor
Dr. Lucius, Ingenieur Markwort, Hauptlehrer Ritz, Stadtverordneter H. Sames,
Kaufmann Ferdinand Schmidt, Stadtverordneter Georg Schupp, Stadt=
verordneter
Ludwig Säng, Bankbeamter J. B. Silz, Kaufmann Adolf Simon,
Weinhändler Karl Wolff.
4. Eberſtadt mit: a) Bahnwärterhäuschen Main=Neckar=Bahn Nr. 30, 31, 32, b) Dör=
ners
Mühle e) Eberſtädter Bahnhof, d) Fabrik= und Wirtſchaftsgebäude daſelbſt,
e) Engels=Mühle, k) Koppen=Mühle, g) Mahrs=Mühle (Mordach), h) Neu=Mühle,
1) Ober=Wieſen=Mühle, k) Unter=Wieſen=Mühle. I) Walk=Mühle.
Großh. Beigeordneter Müller, Vorſitzender, Kaufmann Wilhelm Duchardt,
Bürgermeiſtereiſekretär K. Schäfer.
5. Eich:
Großh. Bürgermeiſter Gilbert, Vorſitzender, Gemeinderatsmitglied Heinrich
Koch I., Lehrer Dieter.
6. Erzhauſen mit: a) Bahnwärterhaus Main=Neckar=Bahn Nr. 17, b) Forſthaus
Bayerseich.
Großh. Bürgermeiſter Wannemacher, Vorſitzender, Großh. Beigeordneter Lotz,
Valt. Pohl II., Adam Deußer I.
7. Eſchollbrücken:
Großh. Beigeordneter Krämer, Vorſitzender, Adam Leichtweiß V., Heinrich
Roth VII.
8. Gräfenhauſen mit Fleiſchmühle.
Großh. Bürgermeiſter Petri, Vorſitzender, Lehrer Klein, Lehrer Pröbſtel.
9. Griesheim mit a) Uebungsplatz, b) Bahnwärterhäuſern Riedbahn Nr. 5, 7, 8, 11
und 14.
Großh. Bürgermeiſter Kunz, Vorſitzender, Heinrich Ph. Feldmann II., Georg!
Becker III., Valentin Nothnagel II.
10. Hahn:
Großh. Bürgermeiſter Geibel, Vorſitzender, Gemeinderatsmitglied Georg
Pfeiſer II., Gemeinderatsmitglied Philipp Jockel I., Lehrer K. Lackmann, Schul=
verwalter
K. Bechthold, Schulverwalter F. Eidenmüller, Schulverwalter H.
Schweißgut.
11. Malchen:
Groß. Bürgermeiſter Walther, Vorſitzender, Lehrer Berck, Gemeinderatsmit=
glied
Jakob Wiemer.
12. Meſſel mit a) Bahnwärterhäuſern Main=Rhein=Bahn Nr. 34 und 35, b) Meſſeler
Bahnhof.
Großh. Bürgermeiſter Hickler, Vorſitzender, Gemeinderatsmitglied Wilhelm!
Hickler I., Gemeinderatsmitglied Johannes Laumann X.
13. Nieder=Beerbach mit: a) Ziegelei=Breiteloh, b) Forſthaus Frankenſtein, e) Del=
Mühle, d) Schneidmühle, e) Walk=Mühle, k) Ziegelei Wingertsberg.
Groß. Bürgermeiſter Geibel, Vorſitzender, Gaſtwirt Georg Simmermacher II.,
Rendant Hermann Scheerer, Kaufmann Ludwig Frank.
14. Nieder=Ramſtadt mit: a) Bohlen=Mühle (alte und neue), b) Bruch=Mühlen,
c) Emelinenhüte, d) Nieder=Ramſtädter Stationshaus und die Bahnwärterhäuſer,
e) Mordach=Mühlen, k) Papier=Mühle, g) Pinkſche Mühle, h) Pulver=Mühle,
1) Schachen=Mühle, k) Schleif=Mühle.
Großh. Beigeordneter Bender, Vorſitzender, Lehrer Schultheiß, Lehrer Lortz,
Lehrer Kaiſer, Lehrer Lantelme, Lehrer Thöt, Schulverwalter Härtlein, Ge=
meinderatsmitglied
Heinrich Bender I., Polizeidiener L. Bender.
15. Waſchenbach mit: a) Waiſenhaus (Waſchenbacher Mühle).
Großh. Beigeordneter Wembacher, Vorſitzender, Lehrer Knecht, Gemeinderats=
mitglied
Ludwig Harniſchfeger.

16. Ober=Ranſtadt mit a) 2., Dlshof (Kleinſchmidiſcher Hoh. d) Farſtkaus Eſern=
hand
, e) Hilgerts=Mühle. d) Hoherain=Mühle, e) Rau=Mühle, k) Schachen=Mühle,
e) Schloß=Mühle, 1) Waldmühle, 1) Stationshaus und Bahnwärterhäuſer der
Odenwaldbahn.
Großh. Bürgermeiſter Fritſch, Vorſitzender, Beigeordneter Heim, Hauptlehrer
Würtenberger, Kaufmann Fr. Wilh. Göbel.
17. Pfungſtadt mit: a) Appels=(Clöſches=)Mühle, b) Bahnwärterhäuſer Main=Neckar=
Bahn Nr. 34. 35, 36, c) Born=Mühle, d) Fleiſch=Mühle, e) Hahn=(Hildebrands=)
Mühle k) Neu=Mühle, g) Ober=Brücken=(Galgen=Mühle, h) Schmeih=Mühle,
1) Ströh=Mühle, k) Ultramarin=Fabrik.
Großh. Bürgermeiſter Lang, Vorſitzender, Gemeinderatsmitglied Vetter, Ge=
meinderatsmitglied
Weigel, Gemeinderatsmitglied Sinner.
18. Roßdorf mit: a) Fuchſenhütte, b) Goldkaute, e) Krugs=Mühle, d) Neu=Mühle,
e) Weiß=(Heiligen=)Mühle.
Großh. Bürgermeiſter Müller, Vorſitzender, Lehrer Emmrich, Lehrer Hangen,
Hauptlehrer Heß, Lehrer Koch, Lehrer Schaab, Lehrer Wagner, Johs. Karl
Grünewald.
19. Schneppenhauſen:
Großh. Bürgermeiſter Kunz, Vorſitzender, Lehrer Müller, Lehrer Seib, Kauf=
mann
O. Kaltſchmidt.
20. Traiſa mit a) Dippelshof, b) Bahnwärterhaus der Odenwaldbahn.
Großh. Bürgermeiſter Walter, Vorſitzender, Gemeinderatsmitglied J. W.
Leißler I., Gemeinderatsmitglied Friedrich Scheerer IV.
21. Weiterſtadt mit: a) Bahnwärterhäuſer Main=Rheinbahn Nr. 57, Ried=Bahn
Nr. 2 und 3, b) Hof Gehaborn, e) Weiterſtädter Stationshaus.
Großh. Bürgermeiſter Becker, Vorſitzender, Lehrer Reinheimer, Lehrer Schmidt,
Lehrer Baltz, Lehrer Schenk.
22. Wixhauſen mit: a) Bahnwärterhäuſer Main=Neckar=Bahn Nr. 18, 19. 20, b) Küchen=
(Gärtners=Mühle, c) Ottilien=Mühle, d) Sensfelder Hof (Hof und Mühle).
Großh. Bürgermeiſter Pfaff, Vorſitzender, Lehrer J. Krausmüller, Lehrer
W. Schuckmann, Lehrer Kern.
Darmſtadt, den 10. November 1910.
(22049si
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
Die Einſtellung von Drei= und Vierjährig=Freiwilligen für die Matroſen=
artillerie
=Abteilung Kiautſchon (Küſtenartillerie) in Tſingtau (China) findet
Oktober 1911 ſtatt; Ausreiſe nach Tſingtau: Januar 1912 bezw. 1913, Heimreiſe: Früh=
jahr
1914 bezw. 1915. Bedingungen: Mindeſtens 1,64 m groß, kräftig, geſunde Zähne
vor dem 1. Oktober 1892 geboren (jüngere Leute nur bei beſonders guter körperlicher
Entwicklung).
In Tſingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mark Teuerungs=
zulage
gewährt.
Meldungen mit genauer Adreſſe ſind unter Beifügung eines vom unterzeichneten
Zivilvorſitzenden ausgeſtellten Meldeſcheins zum freiwilligen Dienſteintritt auf drei
bezw. vier Jahren zu richten an: Kommando der Stammabteilung der Matrofen=
artillerie
Kiautſchou, Cuxhaven.
Darmſtadt, den 31. Oktober 1910.
Der Zivilvorſitzende der Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt.
gez.: Dr. Reinhart.

Bekanntmachung. Die Einſtellung von Dreijährig=Freiwilligen für das
III. Seebataillon (Marine=Infanterie) in Tſingtau (China), findet Oktober 1911
ſtatt; Ausreiſe nach Tſingtau: Januar 1912, Heimreiſe: Frühjahr 1914. Bedingungen:
Mindeſtens 1,65 m groß, kräftig, geſunde Zähne, vor dem 1. Oktober 1892 geboren
(jüngere Leute nur bei beſonders guter körperlicher Entwicklung).
(21456sss
In Tſingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mark Teuerungs=
zulage
gewährt.
Meldungen mit genauer Adreſſe ſind unter Beifügung eines vom unterzeichneten
Zivilvorſitzenden ausgeſtellten Meldeſcheins zum freiwilligen Dienſteintritt auf drei
Jahre zu richten an: Kommando des III. Stammſeebataillons, Wilhelmshaven.
Darmſtadt, den 31. Oktober 1910.
Der Zivilvorſitzende der Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt.
gez.: Dr. Reinhart.

Bekanntmachung.
Unter Bezugnahme auf die beiden vorſtehenden Bekanntmachungen, betreffend:
1. Einſtellung von Dreijährig=Freiwilligen für das III. Seebataillon, und
2. Einſtellung von Drei= und Vierjährig=Freiwilligen für die Matroſenartillerie=
Abteilung. Kiautſchou,
bringe ich zur Kenntnis derjenigen, welche die Abſicht haben, ſich zum Dienſteintritt
melden zu wollen, daß die Erteilung des Meldeſcheins abhängig iſt von Erbringung:
1. eines Geburtsſcheins,
2. einer ſchriftlichen und beglaubigten Einwilligung des Vaters,
3. einer Beſcheinigung, daß der ſich Meldende durch Zivil=Verhältniſſe nicht
gebunden iſt.
4. eines Leumundszeugniſſes.
Die Beſcheinigung zu 1 wird durch das zuſtändige Standesamt, die Beſcheinig=
ung
zu 2 und 3 in der Regel durch die Bürgermeiſterei des Wohnſitzes koſtenfrei er=
teilt
. Für die in der Stadt Darmſtadt wohnhaften Leute wird die Beſcheinigung zu3
durch das Großh. Polizeiamt Darmſtadt ausgefertigt.
Darmſtadt, den 31. Oktober 1910.
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion des Aushebungsbezirks
Darmſtadt.
Dr. Reinhart.

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Gefundene und verlorene Sachen.
Gefunden: 1 Geldbetrag. 1 älteres Portemonnaie mit Inhalt. 1 rotledernes
Handtäſchchen mit Portemonnaie und Inhalt nebſt einem Taſchentuch. 1 neuer Kehricht=
Eimer. 1 Brennſchere=Apparat. 1 Herren=Zwicker mit Nickelgeſtell und ſchwarzer Schnur.
1 brauner Spazierſtock. 1 Zirkel. 1 ſchwarzes Portemonnaie mit 1 Dreipfennigmarke.
1 braunes Kinder=Handtäſchchen mit Rete, 1 Taſchentuch und 1 Halskettchen mit An=
hänger
(Bär). 1 Damen=Zwicker. 1 Tabakspfeife mit Porzellankopf. 1 Bruchband.
1 Zigarren=Abſchneider mit gelber Kette. 1 Schirm 1 großer Schlüſſel. 1 kl. Schlüſſel
an einer weißen Schnur. 1 Hundemarke mit der Nr. 111. 1 ſchwarzes Handtäſchchen
mit 1 Paar langen weißen Halbhandſchuhen. 1 graue Sportmütze, 1 weißes Taſchen=
tuch
, gez. W. 1 altes braunes Portemonnaie. 1 goldenes Medaillon in Form einer
Damen=Uhr mit Photographie. 1 Bund Schlüſſel. 2 Drücker, 2 kleine und 1 großer
Hohlſchlüſſel und 1 kleiner Schlüſſel mit viereckigem Kopf. 1 braunledernes Schirm=
Futteral. 1 weißer Damen=Gürtel. 1 Damen=Zwicker. 1 mittelgroßer Schlüſſel mit
Meſſingſchild und der Aufſchrift Montreux 323 Palaga. 1 Portemonnaie mit einigem
Inhalt und der Aufſchrift Gruß aus Butzbach=
Im Großh. Hoftheater liegen geblieben und bei der dortigen Verwaltung in
Verwahr: 2 einzelne Handſchuhe. 1 Lederbeutel mit Opernglas und Taſchentuch, gez.
M. v. N. 1 ſilbernes Armband. 1 Opernglas=Futteral. 1 Kamm. 1 Paar Gummi=
ſchuhe
. 4 Taſchentücher, gez. H., E. und 2 ohne Zeichen. 2 Paar Handſchuhe.
Verloren: 1 Dienſtbuch, auf den Namen Minna Schneider lautend. 1 Damen=
Schirm mit Silbergriff (beim Muſikverein vertauſcht worden). 1 ſchwarzledernes Porte=
monnaie
mit etwa 2,30 Mk. Inhalt. 1 Tüllſpitze mit Einſatz (Handarbeit). 1 goldenes
Kollier (Halskettchen mit mehreren kleinen Kettchen vorn). 1 ſchwarzes Handtäſchchen
mit Portemonnaie und 10 Mk. Inhalt. 1 ſchwarzes geripptes Portemonnaie mit 2 Mk.
Inhalt. 1 grünſeidenes Tuch. 1 Bund Schlüſſel (45 Stück), 1 viereckige goldene
Broſche mit weißen Steinchen in Form eines Kleeblatts. 2 weißſeidene Tücher.
1 ſchwarzer Damen=Schirm mit Silbergriff. 1 Paket, enhaltend 1 Schere, 1 Taſchen=
tuch
, gez. J. K. und Stickereien. 1 ſilberne Damen=Uhr mit Goldrand und langer
filberner Kette, einzelne Gleiche ſind in Hufeiſenform. 1 Blechkapfel mit Fahrſcheinen
der elektr. Straßenbahn. 1 gelbe Brieſtaſche. 1½ Meter Taillenfutter. 1 dunkle Reiſe=
decke
. 1 ſchwarzes geripptes Damen=Portemonnaie mit 2,30 Mk. Inhalt. 1 golddurch=
wirkter
Damen=Gürtel. 1 goldene Broſche in Balkenform, in der Mitte 1 blauer Stein,
auf beiden Seiten 1 kleines Perlchen. 1 goldener Damen=Ring mit Wappen, 1 Lilie
mit 3 Perlen. 1 Damen=Zwicker mit Nickelbügel ohne Faſſung. 1 ſchwarzledernes Klapp=
Portemonnaie mit 12,65 Mk. Inhalt. 1 weißer langer Schal. 1 rote Damen= Bade=
kappe
. 1 graues Portemonnaie mit 1,401,50 Mk. Inhalt. 1 großer ſchwarzer Stoff=
Schal. 1 bräunliches Damen=Portemonnaie mit 15 Pfennigen Inhalt. 1 ſilberne Hut=

nadel (Filigranarbeit). 1 Paket, enthaltend 4 Kinder=Schlapper. 1 Peitſche mit grünem
Stiel. 1 braunes Portemonnaie mit 30 Pfennigen Inhalt, 2 Kaſſettenſchlüſſel und
1 Trauring, gez. M. Gommer 12. 7. 08. 1 blaue Broſche mit Goldfaſſung, in der Mitte
ein Bild (Burg). 1 ſchwarze Wachstuch=Mappe mit Zirkel und= Bleiſtiften. 1 goldener
Zwicker mit kleinem Kettchen. 1 Brille mit Futteral. 1 ſchwarzer Damen=Schirm mit
gebogenem dunklen Griff und Stahlſtange. 1 hellbrauner Ehiffon=Schal.
Zugelaufen bei Privaten: 1 ſchwarzer Jagdhund mit weißer Bruſt. 1 Ratze
von grauer und weißer Farbe mit kleinem Lederhalsband.
Entlaufen: 1 deutſcher Boxer, ſchwarz=grau und goldgeſtreift. 1 ſchwarzer Dackel
mit braunen Abzeichen. 1 Hühnerhund, braungetigert. 2 Dobermannpinſcher. 1 Gans.
(21975
Das Fundbureau Großherzoglichen Polizeiamts
iſt geöffnet an allen Werktagen von 812 Uhr vormittags und 25 Uhr nachmittags.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 3 Pinſcher. 1 Jagdhund (zugelaufen)
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

Sonntagsruhe in den Apotheken.

Am Sonntag, den 13. November, ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr
abends die beiden nachfolgenden Apotheken geöffnet:
Einhorn=Apotheke, Kirchſtraße, und
Beſſunger Apotheke, Karlſtraße.
Alle übrigen Apotheken ſind von 1 Uhr ab geſchloſſen.

Verkaufspreiſe der Fleiſch= u. Wurſtwaren in der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt.
(Nach den Mitteilungen des Vorſtandes der Metzger=Innung.)

Ochſenfleiſch
Rindkleiſch
Kalbfleiſch
Hammelfleiſch .

Bruſt.
Schweinefleiſch (Bratenſt.)
Bauchläppchen . .
Kottelets u. geſalz. Fleiſch
Speck, geräuchert

.. . per ½ kg 90 Pfg.

4
7
½
½

84
90
90
,60
92
86
96
110

Dörrfleiſch
. per
Schinken m. Bein .
Rollſchinken
Schweineſchmalz roh und
ausgelaſſen
Schwartenmagen, Fleiſch=
und Bratwurſt
Leber= und Blutwurit. .

½ 1
5

2

kg 100 Pfg.

,,
I

110
130

90

22

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. November 1910.

Nummer 200.

Bekanntmachung.
Indem wir die nachſtehende Polizeiverordnung erneut veröffentlichen, empfehlen
wir allen Grundſtücksbeſitzern, die mit der Erfüllung der in den §§ 1 und 3 dieſer
Polzeiverordnung feſtgeſetzten Verpflichtungen eine andere Perſon beauſtragt haben oder
dies zu tun beabſichtigen, die beauſtragte Perſon, Geſelſchaft oder Anſtalt alsbald ge=
mäß
§ 8 namhaſt zu machen. Zur Entgegennahme ſolcher mändlicher oder ſchrift=
licher
Erklärungen iſt außer uns auch das zuſtändige Polizeirevier beſugt. Im
Intereſſe der Grundbeſitzer lient es, ſelbſt dafür zu ſorgen, daß möglichſt gleichzeitig mit
dieſen Erklärungen auch die Vereiterklärungen der verantwortlichen Vertreter eingehen.
Darmſtadt, den 4. November 1910.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Dr. Kranzbühler.
Polizeiverordnung,
die Reinigung der Straßen betreffend.
Auf Grund des Artikel 56 Abſ. 2 Ziffer 1 des Geſetzes, die Städteordnung für
das Großherzogtum Heſſen betreffend, vom 13. Juni 1874, wird nach Anhörung der
Stadtverordnetenverſammlung der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt mit Geneh=
migung
des Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom 9. Dezember 1.08 zu
Nr. M. d. J. 20529 die nachſtehende Polizeiverordnung erlaſſen:
§ 1.
Die allgemeine Reinigung der Straßen liegt den Beſitzern (unmittelbaren und
mittelbaren §§ 854 f. B. G. B. ) der angrenzenden Grundſtücke ob, ſoweit nicht
die ſtädtiſche Reinigungsanſtalt gemäß den Beſtimmungen des Statuts vom 14. Sep=
tember
1886 betreffend: Die Reinigung der Straßen und öffentlichen Plätze in der
Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt die Reinigung übernommen hat. Die Pflicht
zur Reinigung erſtreckt ſich nur auf den Teil der Straße der an dem Grundſtücke des
Verpflichteten herzieht, und nicht über die Mitte der Straße hinaus. Sind mehrere
Beſitzer vorhanden, ſo trift jeden die volle Verantwortlichkeit; ein Mieter oder Pächter
iſt jedoch nur dann als Beſitzer im Sinne dieler Vorordnung anzuſehen, wenn er allein
das betreffende Grundſtück benutzt.
Iſt eine Geſellſchaft, Gewerkſchaft, Genoſſenſchaft, Stiftung, ein Verein oder eine
Anſtalt oder eine ſonſtige juriſtiſche Perſon Beſitzer des Grundſtücks, ſo liegt die Ver=
pflichtung
zur Reinigung den Mitgliedern des Vorſtands ob; bei Grundſtücken, die ſich
im Beſitze oder in der Verwaltung einer ſtaatlichen oder kommunalen Behörde befinden,
trifft die Verpflichtung den Vorſtand dieſer Behörde. Der Inhaber einer Dienſt=
wohnung
ſteht einem Mieter gleich.
Auf die Abfuhr des Hauskehrichts finden die Beſtimmungen der Abſ. 1 und 2
entſprechende Anwendung. Die Kehrichtgefäße ſind von den Grundſtücksbeſitzern zur
Abholung des Kehrichts durch die Straßenreinigungsanſtalt bereit zu halten, ſie dürfen
aber nicht auf der Straße aufgeſtellt werden.
§ 2.
Jede Verunreinigung der Straßen, insbeſondere auch durch Fuhrleute beim
Fahren von Bauſchutt, Dung, Sand, Lehm, Erde und anderem loſen Material iſt
verboten.
Jede Zuwiderhandlung bedingt, abgeſehen von der verwirkten Strafe, die Ver=
pflichtung
zur ſofortigen Reinigung der Straße.
§ 3.
Den Grundſtücksbeſitzern liegen außerdem bezüglich der Reinigung der Fußſteige
von Eis und Schnee folgende Verpflichtungen ob:
1. Die Fußſteige, gleichviel ob befeſtigt oder nicht, ſind in ihrer ganzen Breite bis
zum Rande der Fahrbahn, und Fußſteige von größerer Breite auf mindeſtens
3 Meter in der meiſtbegangenen Fläche ſtets von Schnee und Eis freizuhalten.
Der über Nacht gefallene Schnee iſt bis ſpäteſtens 8 Uhr morgens abzuräumen.
Iſt wegen andauernden ſtarken Schneefalls die völlige Freihaltung nicht
möglich, ſo muß die Abräumung in der Zeit von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr
abends mindeſtens alle drei Stunden erfolgen. Der von den Fußſteigen ab=
geräumte
Schnee iſt auf der Fahrbahn tunlichſt nahe dem Rande derſelben zu
lagern, wobei Straßenrinnen, Straßenbahngleiſe, ſowie Hydranten und, falls
anderweit Platz vorhanden iſt, Straßenecken, Straßenausgänge und Haus=
eingänge
freizuhalten ſind.
Das Lagern von Schnee, welcher von Hofreiten abgeräumt wurde, iſt auf
den Straßen und Plätzen unterſagt.
2. Sofern auf den Fußſteigen Glatteis oder infolge andauernden Schneefalls,
Froſteinwirkung oder aus anderen Urſachen eine geſährlich zu hegehende Schnee=
decke
oder Schnee= und Eisbuckel ſich gebildet haben, oder die Fußſteige ſonſtwie
ſchwer zu begehen ſind, müſſen dieſe in einer Breite von 1,50 Meter mit Sand,
Kies, Sägeſpänen oder ſonſt geeignetem Streumaterial ausgiebig beſtreut werden.
Das Aufſtreuen iſt zu wiederholen, ſobald auf den Fußſteigen wieder glatte Stellen
entſtanden ſind. Dieſe Verpflichtung erſtreckt ſich auf die Zeit von morgens
7½ Uhr bis abends 8 Uhr.
Das Aufſtreuen von Abfällen oder ſonſt ungeeignetem Streumaterial iſt
verboten.
§ 4.
Beſchädigungen der Straße bei der Reinigung ſind ſorgfältig zu vermeiden ins=
beſondere
iſt es verboten, bei Reinigung der Fußſteige ſcharfe Geräte, wie Beile, Pickel,
Stoßeiſen und dergleichen zur Entfernung des Schnees oder Eiſes zu verwenden
§ 5.
Bei Froſtwetter iſt das Ausſchütten von Flüſſigkeiten in die Straßenrinnen
unterſagt.
§ 6.
Bei Froſtwetter iſt das Schleifenziehen auf den Fußſteigen verboten.
§ 7.
Das Schneeballwerfen mit naſſem oder verunreinigtem Schnee iſt verboten.
§ 8.
Der Beſitzer eines Grundſtücks kann mit der Erfüllung der in den §§ 1 und 3
feſtgeſehzten Verpflichtungen eine andere Perſon, wie z. B. einen Hausverwalter oder
eine Geſellſchaft oder Anſtalt, die ſich die Reinigung von Straßen zur Aufgabe geſtellt im Oberlichtsaale, Katharinenpforte 6, I.
hat, beauſtragen. Die Beauftragten, bei Geſellſchaften oder Anſtalten deren Vorſtands=
mitglieder
, ſind für die Einhaltung der Vorſchriften ausſchließlich verantwortlich, wenn
die beauftragte Perſon, Geſellſchaft oder Anſtalt dem Polizeiamte als verantwortliche
Vertreter durch den Grundſtücksbeſitzer ausdrücklich namhaft gemacht worden ſind, dieſe!
zur Uebernahme der Verpflichtung ſich bereit erklärt haben und das Polizeiamt binnen
einer Friſt von 14 Tagen nach erfolgter Namhaftmachung Einſpruch gegen die Ver=
tretung
nicht erhoben hat.
Mehrere Beſitzer eines Grundſtücks können nach Maßgabe der Vorſchriften des
Abſatz 1 die Erfüllung der Verpflichtungen auf einen von ihnen übertragen.
§ 9.
Zuwiderhandlungen gegen dieſe Verordnung werden auf Grund des § 366 Poſ. 10
des Reichsſtrafgeſetzbuchs mit Geldſtrafe bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu
14 Tagen beſtraft.

§ 10.
Dieſe Verordnung tritt mit dem Tag der Veröffentlichung in Kraft.
Mit dem gleichen Tage wird das Polizeireglement vom 8. November 1856 auf=
gehoben
.

Darmſtadt, den 9. Januar 1909.
e
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
(21666is
Dr. Kranzbühler.

Bekanntmachung.
Der Voranſchlag der Gemeinde Hahn für 1911 liegt vom 16. November
1910 an acht Tage lang zur Einſicht der Intereſſenten und Entgegennahme etwaiger
Einwendungen während der Büroſtunden auf dem Bürgermeiſterei=Büro offen.
Hahn, den 12. November 1910.
(21945
Großherzogliche Bürgermeiſterei Hahn.
Geibel.
Holz=Verſteigerung.
Am Mittwoch, den 16. November 1910, vormittags 10 Uhr,
ſollen am hieſigen Bahnhofsneubau an der Pallaswieſenſtraße
größere Poſten alte Schwellen, ſowie Kant= und Rundholz
öffentlich meiſtbietend gegen Barzahlung verſteigert werden.
Ferner gelangt an demſelben Tage zum Verkauf: eine an der Weiterſtädter
Straße ſtehende Arbeiterwohnbaracke von etwa 190 qm Bodenfläche und
(*27798so
3,60 m Höhe.
Tiefbaugeschäft L. Schneider, G. m. b. II.

zur Stadtverordnetenwahl.

Der Ortsgewerbeverein Darmſtadt beklagt es mit weiten Kreiſen des Handwerker=
und Gewerbeſtandes auf das tiefſte, daß ſich Herr Rockel durch die Macht der Ver=
hältniſſe
veranlaßt ſah, ſeine Kandidatur zur Stadtverordnetenwahl zurückzuziehen.
Richt nur die Geſchäftswelt, ſondern die ganze Einwohnerſchaft Darmſtadts
verliert mit dem Ausſcheiden des Herrn Rockel aus der Stadtverordnetenverſammlung
einen Mann, der in unparteitſcher Wahrung aller Intereſſen ſein ganzes Streben und
ſeine ganze Kraft daran ſetzte, an der Förderung und der gedeihlichen Entwicklung
unſeres Gemeinweſens zu ſeinem Teile mitzuarbeiten.
Der Handwerkerſtand iſt Herrn Rockel zu beſonderem Dank deshalb verpflichtet,
weil er in allen ihn berührenden Angelegenheiten die Intereſſen des Handwerks mit
vollem Nachdruck vertreten hat und es dieſem ſeinem Eintreten zu verdanten iſt, daß
viele wichtige Fragen in günſtigem Sinne Erledigung fanden. Wenn Herr Rockei
im Intereſſe des Friedens zurückgetreten iſt, darf er ſich verſichert halten, daß weite
Kreiſe der Bevölkerung ſeiner ſeitherigen langjährigen Tätigkeit volle Anerkennung
bewahren werden.
Darmſtadt, den 12. November 1910.
(21969
Der Vorſtand des Ortsgewerbevereins Darmſtadt.
J. Jacobt, 2. Vorſitzender.

Bekanntmachung.
Der Voranſchlag der Gemeinde Nieder=Beerbach und des Waſſerwerks
für 1911 liegt vom 12. ds. Mts. bis einſchließlich Samstag, den 19. ds. Mts., zur
Einſicht der Intereſſenten auf dem Büro der Bürgermeiſterei dahier offen. (22053
Nieder=Beerbach, den 11. November 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Nieder=Beerbach.
Geibel.
Faſelochs=Verſteigerung.
Mittwoch, den 16. November d. J., vormittags 11 Uhr, werden im Faſel=
ſtall
zu Roßdorf zwei gutgehaltene ſchwere Faſelochſen öffentlich meiſtbietend verſteigert.
Roßdorf, den 10. November 1910.
(21982
Großherzogliche Bürgermeiſterei Roßdorf.
Müller.

Verſteigerungs-Anzeige.
Montag, den 14. November I. J., vormittags 9 Uhr,
verſteigere ich Martinstrasse 30, II. auf freiwilligen Antrag der Erben die zum
Nachlaß des Frl. H. Brumhard gehörigen Möbel und Haushaltungsgegenſtände, als:
1 Sofa mit rotem Ripsbezug nebſt 6 Stühlen, 1 Diwan, 1 Damenſchreibtiſch,
2 Hocker, 1 Seſſel mit rotem Bezug, 1 kleiner Seſſel mit Damaſtbezug, 1 Pfeiler=
ſchränkchen
, mahag. poliert, 2 Kommoden, 2 U Tiſche, 3 Nachttiſche 1 eintür.
Kleiderſchrank, 1 Eckſchrank, 1 Serviertiſch, verſchied. Ziertiſchchen, 1 Auszieh=
tiſch
, 1 Säule mit Büſte, verſchied. Etageren, 1 Hausapotheke, 1 Notengeſtell,
1 Barometer, 1 großer Spiegel, 1 Toilettenſpiegel, 2 geſchnitzte Wanduhren
(Kuckucksuhr) 1 faſt neuer ſtarker lackierter Ofenſchirm, 1 Gasherd, 1 Wring=
maſchine
, 1 Küchenſchrank, ſonſtiges Küchen=Möbel und=Geräte u. a. m.
Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare Zahlung ſtatt.
Darmſtadt, den 12. November 1910.
(21974
Ernst Wolff, Amtsgerichtstaxator,
Mühlſtraße 62, am Kapellplatz.

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Montag, den 14. November 1910, vormittags 11 Uhr,
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mit verſchiedenem Küchengeſchirr, 4 Bilder, 1 Spiegel, 1 Nähmaſchinen=
geſtell
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1 kleines Tiſchchen, 1 Garderobehalter, 1 Schaukelpferd, ſowie verſchiedenes
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Darmſtadt, den 11. November 1910.
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[ ][  ][ ]

Nummer 266.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. November 1910

Seite 13.

Städtiſcher Saalbau Darmſtadt.
Die Reſtauration iſt vom 1. April 1911
ab neu zu verpachten.
Die Pachtbedingungen können im hie=
ſigen
Stadthauſe, Rheinſtraße, eingeſehen
oder gegen Einſendung von 50 Pfg. be=
zogen
werden.
Der jetzige Pachtpreis beträgt 3500 Mk.
Der Verkauf der Flaſchen= und Schaum=
weine
ſteht unter ſtädtiſcher Regie. Kautions=
fähige
Bewerber (die zu ſtellende Kaution
beträgt 6000 Mk.) wollen unter Darlegung
ihres Lebenslaufs, ſowie unter Beifügung
von Zeugnisabſchriften ihre Angebote bis
längſtens 10. Dezember ds. Js. bei uns
einreichen.
(22016so
Darmſtadt, den 10. November 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
I. V.: Schmitt.

Stadtiſche Schulzahnnumk
Luiſenſtraße 20, II.
Sprechſtunden Wochentags:
Morgens von 1012
Mittags von 25.
(1508a
Bekanntmachung.
Donnerstag, den 24. November I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Kindern des Bäckermeiſters
Karl Koch dahier zugeſchriebene Liegen=
ſchaft
:
Flur Nr. qm
974 384 Hofreite Louiſen=
ſtraße
Nr. 16,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K105/10
Falls andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen, kann Genehmigung der Ver=
ſteigerung
auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 3. November 1910.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
(D21474,9
Müller.
Bekanntmachung.
Montag, den 12. Dezember I. J.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Nikolaus Roth in Zürich im
Grundbuch der Gemarkung Darmſtadt zu=
geſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
35 2173/10 324 Hofreite Rhönring
Nr. 139,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K113/10
Falls andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen, kann Genehmigung der Ver=
ſteigerung
auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 8. November 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(D21949,9

Bekanntmachung.
Montag, den 12. Dezember I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Maurermeiſter Ludwig Martin
Schwarz und ſeinen Kindern dahier zuge=
ſchriebene
Liegenſchaft:
qm
Flur
r
III 333/100 1339 Hofreite Stiftſtraße
Nr. 9,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K149/10
Darmſtadt, den 11. November 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(D21948,9

Bekanntmachung.
Montag, den 12. Dezember I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Maurermeiſter Ludwig Martin
Schwarz und ſeinen Kindern dahier zuge=
ſchriebene
Liegenſchaft:
Flur
Nr. qm
III 339/100 285 Hofreite Stiftſtraße
Nr. 25,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K143/10
Darmſtadt, den 11. November 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (D21947,9
Schwellen=Verkauf.
Am Samstag, den 19. November 1910,
vormittags 10 Uhr,
werden 620 alte Holzſchwellen und 93 lfd. m
Weichenſchwellen auf Bahnhof Kranich=
ſtein
meiſtbietend verſteigert. Die Beding=
ungen
liegen bei der Bm. 56 in Darmſtadt
zur Einſicht offen und werden im Termin
bekannt gegeben.
(21978
Großh. Betriebs=Inſpektion I.
Schilling.

Am Montag, den 14. November,
vormittags 9 Uhr,
wird das ausgelagerte Stroh aus den
Strohſäcken ꝛc. des Lagers auf dem Trup
penübungsplatz Darmſtadt öffentlich gegen
Barzahlung verſteigert.
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[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. November 1910.

Nummer 266,

Hohenſohe
Hafermehl
ist die einzlg richtige
Kindernahrung, wo
Muttermilch fehlt. Es verhütet Erbrechen
und Durchfall und hat sich bei engischer
Krankheit vorzüglich bewährt.

5

Sport.
sr. Das Sechstage=Rennen in Bremen.
In der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag um 11
Uhr hat das erſte Sechstage=Rennen der Winterſaiſon
bei gutem Beſuch ſeinen Anfang genommen. Bis zur
12. Stunde, in der 348,900 Kilometer gefahren
wurden, ereignete ſich nichts weſentliches. In der 13.
Stunde erfolgte ein Maſſenſturz. Techmer ſtoppte
beim Ablöſen unvorſichtig ab wodurch außer ihm und
Rudel das ganze Feld zu Fall kam. Infolgedeſſen
mußte das Rennen auf 12 Minuten unterbrochen wer=
den
. In der 14. Stunde ſchien Kiehne ein Ausreiß=
verſuch
zu glücken; der Magdeburger hatte bereits den
in letzter Poſition liegenden Reul erreicht, als Pawke
Sattelbruch erlitt und das Rennen infolgedeſſen ab=
geläutet
wurde. Bei der 15. Stunde (eigentlich der
19. Stunde, das Rennen wird täglich morgens
auf 4 Stunden unterbrochen) hatte die Spitzengruppe
429,600 Kilometer zurückgelegt. Die Teilnehmer befin=
den
ſich noch ſämtlich in einem ausgezeichneten Zu=
ſtande
.
sr. Intereſſante Boxkämpfe, die die=
ſem
in Deutſchland bisher wenig geübten Sport immer
weitere Verbreitung verſchaffen werden, ſcheinen in
nächſter Zeit in Berlin in Ausſicht zu ſtehen. Die
Herausforderung des ſchwarzen Weltmeiſters Bobby
Dobbs dürfte außer von dem däniſchen Mittelgewichts=
Meiſter Holger Hanſen auch von dem zurzeit in Pa=
ris
befindlichen Dick Green Champion von Chicago,
angenommen werden. In Jack Barret wird ein wei=
terer
amerikaniſcher Meiſterſchaftsborer nach der
Reichshauptſtadt kommen, um dort Boxkämpfe auszu=
führen
.
sr. Amerikaniſche Vollblutpferde in
Deutſchland. Die guten Erfolge, die mit den vor
zwei Jahren durch Mr. Hagins eingeführten ameri=
kaniſchen
Vollblütern in Deutſchland erzielt wurden,
haben den bekannten großen amerikaniſchen Züchtern
und Rennſtallbeſitzern Veranlaſſung gegeben, einen
weiteren Transport amerikaniſchen Zuchtmaterials
nach Deutſchland zu ſenden. Der Transport umfaßt
25 Mutterſtuten mit Fohlen. Da die einheimiſche
Vollblutzucht in den letzten Jahren trotz der Aus=
dehnung
des Rennſports quantitativ zurückgegangen
iſt, ſo wird die ſich bietende Gelegenheit, für verhält=
mismäßig
billiges Geld nützliches Material zu kaufen,
unſeren Züchtern ſicherlich ſehr willkommen ſein.

Vermiſchtes.
CK. Pariſer Mutterküchen. Ueber eine ſegens=
reiche
Einrichtung ſozialer Fürſorge, die ſich in Paris
ausgezeichnet bewährt und unabſehbaren Nutzen ge=
ſtiftet
hat, macht die Semaine Littörairg, einige Mit=
teilungen
, die in unſeren Tagen der Säuglingsfürforge
beſonderes Intereſſe verdienen. Es ſind die Mutter=
küchen
, die ſogenannten Cantines maternes die ſeit
einiger Zeit beſtehen und zweimal täglich zu beſtimm=
ten
Zeiten geöffnet werden. Hier finden alle armen
jungen Mütter von Paris, die ihre Kinder ſelbſt ſtillen
und den Tag über arbeiten müſſen, umſonſt eine reich=
liche
, ausgiebige Mittagskoſt. Es beſtehen bereits fünf
ſolcher Mutterküchen in Paris, und ſie haben gegen
12 000 Mahlzeiten verabfolgt. Dabei ſind die Koſten
verhältnismäßig gering, die Mutterküche iſt in irgend
einem beſcheidenen kleinen Raum untergebracht, in dem
ein paar Tiſche und Bänke ſtehen, und das ganze Per=

Fenteiter ner ehne erer eteene
die in beſtimmten Zeiträumen kontrolliert werden. Die
Frauen, die hier eine warme Mahlzeit ſuchen, werden
mit keinen Fragen beläſtigt; nur ihren Namen brau=
chen
ſie anzugeben, Erkundigungen über die Zivilver=
hältniſſe
der jungen Mütter, über ihre Nationalität
und ihre Religion ſind ſtreng verboten. Die einzige
Bedingung iſt, daß die junge Mutter nachweiſt, daß ſie
im Stande iſt, ihr Kind ſelbſt zu nähren; dann erhält
ſie zum Frühſtück eine kräftige Suppe, zum Mittag=
eſſen
Suppe, Fleiſch, Gemüſe, Brot und ein Glas Bier,
und abends wieder Suppe und Gemüſe, Brot und
Bier. Bisweilen gibt es auch einen kleinen Nachtiſch,
und wer nicht gern Bier trinkt, findet auf dem Tiſche
große Karaffen mit Fruchtſaft, aus denen man ſich ein=
ſchenken
kann, ohne daß prüfende Blicke kontrollie=
ren
, ob nicht jemand zu viel nimmt.
Literariſches.
Univerſal=Bibliothek für die Ju=
gend
. Eine Auswahl der beſten und bekannteſten
Jugendſchriften in neuen Ausgaben zu ſehr billigen
Preiſen von 25 Pfg. an bis höchſtens 1,50 Mk. Erzähl=
ungen
. Reiſebeſchreibungen, Märchen, Fabeln uſw. zu
beliebiger Auswahl für Knaben und Mädchen aller
Altersſtufen. Es ſind 453 Nummern erſchienen. Neu
erſchienen ſind: Bd. 450/453: Blüthgen, V., Lebens=
frühling
. 4 Erzählungen für die Jugend. Mit 4 Ab=
bildungen
. Preis broſch. 1 Mk., geb. 1,50 Mk. Union,
Deutſche Verlagsgeſellſchaft, Stuttgart.
Franz Adam Beyerlein: Stirb und
Werde‟. Roman, 355 Seiten. Vita, Deutſches Ver=
lagshaus
, Berlin=Ch. Preis geh. 4 Mark, geb. 5 Mark.
Der Verfaſſer von Jena oder Sedan hat lange ge=
ſchwiegen
. Daß er aber nicht auf ſeinen Lorbeeren
müßig geruht, beweiſt ſein neues Werk. Aus dem
gärenden Moſt ſeiner Kampfjahre hat ſich ein voller,
edler Wein abgeklärt, und ein wirklicher Dichter bietet
hier die reifen Früchte ſeines tiefen Erlebens. Des
größten Deutſchen größte Weisheit, Goethes katego=
riſchen
Imperativ Stirb und werde hat Beyerlein
ſich nun ganz zu eigen gemacht, und verkündet als des
Alters ſchönſtes Recht, als ſeine höchſte Pflicht, in ein=
ſichtsvoller
Reſignation der vorwärtsdrängenden
Jugend die Pfade freizugeben, die Wege zu ebnen.
Grete Auer: Marrakſch. ( Haus=
bücherei‟
, Band 36.) Mit Bild Grete Auers und Ein=
leitung
von Dr. H. Bloeſch. 192 Seiten. Preis geb.
1 Mark. Verlag der Deutſchen Dichter=Gedächtnis=
Stiftung in Hamburg=Großborſtel. Der buntfarbige
Rahmen eines Reiſerittes von der Küſte ins Innere
und das Herz des Landes, die Hauptſtadt Marrakſch,
umſchließt ein großgeſehenes Bild von jenem dunklen
Lande, auf deſſen Menſchen und ruinenhaften Stätten
indes noch der Abglanz einer alten Kuktur und ver=
gangener
Macht und Herrlichkeit ruht. Die Schilde=
rung
reiht ſich an einer Liebesgeſchichte auf, die, von
einer intereſſanten Frauengeſtalt gekrägen, ebenſo
ungewöhnlich iſt, wie das Land, in dem ſie ſpielt, und,
wie deſſen Gewäſſer, ſchließlich im Sande verläuft.
Das Eigenheim des Mittelſtandes.
Ratgeber für Bau oder Kauf eines eigenen Hauſes mit
Garten. Mit über 350 Anſichten und Grundriſſen von
Einfamilien= und Doppelhäuſern nebſt Angabe der
Baukoſten. Preis 3 Mark, geb. 4 Mark (Porto 30 Pfg.).
Weſtdeutſche Verlagsgeſellſchaft m. b. H. in Wies=
baden
35. Der Text iſt lehrreich und praktiſch, die
Hausbeiſpiele gut gewählt. Alle erforderlichen Rat=
ſchläge
und Anweiſungen für den Entwurf, Ausfüh=
rung
uſw. ſind der heutigen Preislage entſprechend ge=
geben
. Für die intereſſierten Kreiſe ein wirklich zu=
verläſſiges
und brauchbares und angeſichts ſeiner
Reichhaltigkeit wohlfeiles Buch, ein Ratgeber, der ſicher
Hiel Freunde finden wird. Im gleichen Verlage er=
ſcheint
auch jetzt ein neues grundlegendes Werk für die
Heimatſchutzbewegung Heimatliche Bauweiſel
2 Teile à 6 Mark, geb. 7,50 Mark, Subſkriptionspreis
12 Mark für das ganze Werk. Der erſte Teil enthält
eine Preisgekrönte Anleitung zur Ausführung länd=
licher
Bauten von Architekt Ph. Kahm (Eltville) mit
zirka 500 Abbildungen. Wir kommen auf dieſes von
allen Regierungsſtellen empfohlene Werk nach Er=
ſcheinen
beſonders zurück.

Gewinnauszug
der
223. Königlich Preußiſchen Klaſſenlotterie.
6. Klaſſe. 3. Ziehungstag. 10. November 1910.
(Ohne Gewähr. A. St.=A. f. Z.)
(Nachdruck verboten.)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne
über 240 Mk. gezogen:
1 Gewinn zu 15000 Mk. 182972
4 Gewinne zu 10000 Mk. 58172 106517 155205
223604
1 Gewinn zu 6000 Mk. 241619
45 Gewinne zu 3000 Mk. 6410 7599 14111 17939
19199 21016 21225 31457 39703 57411 61190 63148
61497 84616 93435 96142 100765 121991 12762a
128191 130863 142889: 146008 162452 159250 168730
178803 206277 208603 209275 225761 228597 2397as
241941 252019 253631 255619 266564 271987 277476
281762 283649 284842 289405 298903
73 Gewinne zu 1000 Mk. 2828 7498 6336 13022
13950 20020 21283 26292 31711 35176 39239 50559
61514 81804 82410 85165 102449 104418 109173
109270 114775 117383 119100 119874 124079 126611
132623 134923 135310 136139 142628 143857 146788
162611 167928 169120 172233 184402 177320 160138
188522 193245 199504 203919 210123 213742 216414
217498 217891 219093 219876 223928 232879 235710
236611 244889 245371 246692 246707. 247067 250576
258036 259089 259807 260168 266735 271690 275576
279266 283960 285337 289066 289265 300866
*110 Gewinne zu 500 Mk. 1401 2790 8643 9418
10086 18238 15703 18519 20213 29062 33611 33748
44988 46321 47053. 48418 49620 49898 52035 57449
57571 62925 67840 68568 69612 69975 70896 76765
76979 69ga9 9273 94380 9a769 96425 100761 101006
101710 107647 109147 109523 109636 115486 117449
118074 118994 119107 126414 126987 127880 130162
132411 141053 143753 146851 157185 159650 160992
1614861 161859 163032 166276 166919 169816 170d2s
171104 175616 175896 176975 177559 183430 183715
186712 187309 187783 187950 198379 203451 204660
214597 215810 216964 216554 217624 221504 227102
227134 228220 230085 230722 231252 231784 231900
244798 251422 259411 260622 262360 264387 270914
272116 272383 273586 278666 283125 283855 290901
292513 294872 298177 301422
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52 Gewinne zu 3000 Mk. 5497 7409 7971 15075
22668 23191 43099 66062 67116 76650 82653 98205
99421 103663 110059 112512 114399 116008 126343
128678 136371 139457 142690 147754 155698 164655
172062 165000 186915 196942 206155 200d62 200703
210350 214063 217158 218060 221013 222543 228500
234760 239625 251329 256344 257611 259809 277364
281504 294224 294385 297727 299742
75 Gewinne zu 1000 Mk. 1897 5592 9356 18856
19012 19171 19767 22986 25266 28938 35816 45312
47937 48056 51158 51758 54158 69386 63755 65476
72059 75067 76809 84471 98948 99480 100108 105631
112744 199835 122846 123104 126664 126761 131200
132229 153569 154342 154567 155563 161367 163480
163523 173064 180512 192970 193791 195390 201934
202880 211642 216425 216893 220467 220538 228894
232367 242254 243010 247741 254009 255296 257081
257399 263433 272470 274354 278432 278907 287381
292680 294642 294753 296334 299401.
108 Gewinne zu 500 Mk. 1381 15008 19512 19592
19843 20040 2153a 29192 32544 33193 35397 43310
61086 52015 59964 63519 69837 70124 72642 73339
75032 81232 81635 85579 86454 90120 91834 92316
93563 93571 95260 99651 103753 104230 104391 11809s
120049 129527 129597 130346 134768 135385 135638
137357 137660 136131 140545 146796 150106 15263a
156459 157786 161055 161304 163214 163694 163917
164142 164170 164707 164667 165704 167236 168564
166568 169505 173035 174969 178035 181546 188897
189872 207661 210830 212146 215314 228503 230714
233404 234020 235352 236818 248459 252423 252976
256133 256400 256656 257276 256731 260702 264014
264166 264623 28630 266508 27a306 26020 20007s
281556 283084 283875 289834 290911 290973 292436
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Die grosse Verbreitung, deren sich Pudras in ganz kurzer Zeit bei der Herrenwelt erfreut, ist wohl der beste Beweis für dessen un-
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Vorzüge. Solchen Herren, die speziell nach dem Rasieren unter Hautausschlag litten, ist Pudras ein lang ersehntes Bedürfnis,
weil es frei von allen, den meisten Rasierseifen und Pulvern anhaftenden alkalischen Bestandteilen ist und infolgedessen die Epidermis der
Haut nicht angreift. Der milde, langhaltende Schaum, wie er von keinem Rasierseifenpräparat auch nur annähernd erreicht wird, verleiht
der Haut nach dem Rasieren eine köstliche Weichheit und Frische. Selbst der sprödeste Bart, schräg eingewachsene Barthaare etc.,
werden mit Pudras schmerzlos entfernt. Die gleichzeitig antiseptische Wirkung, welche dem Pudras eigen ist, lässt es vom hygienischen
Standpunkt als das vollkommenste Rasierpräparat erscheinen. Pudras ist in allen besseren einschlägigen Geschäften erhältlich
und kostet die kleine Originalflasche, für ca. 60maliges Rasieren ausreichend, Mk. 1., die grosse Originalflasche, für ca. 150maliges Rasieren
ausreichend, Mk. 2.. Man beachte bei den Friseuren, dass Pudras nur der Originalflasche oder dem gesetzlich geschützten hygienischen
Seifenspender entnommen wird. Die Wirkung des Pudras ist wissenschaftlich nachgewiesen und steht die Fabrikation
desselben unter Kontrolle eines Chemikers.

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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. November 1910.

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Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. November 1910.

Nummer 266.

Moderne Schatzhüter.
In den lang verklungenen Zeiten, da die Hel=
den
mit Schwert und Schild noch auszogen, kühne
Abenteuer zu beſtehen, da waren es Drachen und phan=
taſtiſche
Fabeltiere, ungeſchlachte Rieſen oder tückiſche,
zaubergewaltige Zwerge, die Gold und Schätze vor
Eindringlingen beſchützten. Den modernen Einbrecher,
der mit allen Mitteln fortgeſchrittener Technik ſeine
Raubzüge um das Gold beginnt, würden ſolche Wäch=
ter
kaum noch ſchrecken; heute hüten Stahl, Stein und
Elektrizität das gleißende Metall, an dem alles hängt,
und die großen Banken türmen in ihren Kellergewöl=
ben
wahre Feſtungsbauten auf, um ihre Schätze zu
ſichern und zu beſchützen. Ganze Vermögen werden
geopfert, um dieſe Forts des Goldes zu errichten. Der
Ingenieur, der Techniker und der Chemiker bieten
ihren ganzen Scharfſinn auf, und Hunderte von Hän=
den
müſſen Wochen und Monate lang am Werke ſein,
ehe eine ſolche moderne Hochburg des Goldes daſteht,
dem Feinde zum Trutz.
Einer der gewaltigſten Treſors iſt wohl die Gold=
kammer
im Hauptſchatzamte zu Waſhington, von deren
Entſtehen A. Oskar Klaußmann in Ueber Land und
Meer eine feſſelnde Schilderung gibt. Zunächſt gilt es,
das Fundament gegen die Angriffe moderner Einbre=
cher
zu ſichern, die mehr als einmal in jahrelanger Ar=
beit
ganze unterirdiſche Gänge gebaut haben, um zu
den großen Treſors zu kommen und ſie von unten mit
Dynamit oder Nytroglyzerin zu ſprengen. Auf maſ=
ſiven
Felſen trotzt in Waſhington die Feſtung, die Mil=
liarden
umſchließt. Viele Meter tief muß der Spaten
den Boden aushöhlen; mannshohe Betonſchichten wer=
den
eingebaut, rieſige Eiſenträger dazwiſchen gelegt,
dann wieder Betonſchichten, mächtige Blöcke von Granit
und Marmor, deren Fugen ſorgſam mit Zement aus=
gefüllt
werden. Aber auch dies genügt noch nicht, wie=

der kommt eine Schicht gewaltiger Eiſenkonſtruktionen,
dann eine Decke von maſſiven Steinen; nun endlich
iſt die Sicherung nach unten ausreichend, und man
kann an die Errichtung des eigentlichen Treſors den=
ken
. Die vier Wände, die den Schatzraum umſchließen,
ſind gewaltige Feſtungswälle von mehr als 3½ Meter
Dicke. Außen liegt eine dicke Panzerplatte, dann fol=
gen
mächtige Steinblöcke, die ſorgſam vermauert wer=
den
, an dies Granitmaſſiv ſchließt ſich ein zweiter
Stahlpanzer, und dann folgt ein Hohlraum. Doch dies
iſt erſt die Hälfte der Mauer, wieder türmen ſich Stahl=
platten
, ſchwere Granitblöcke werden geſchichtet, und
eine beſonders ſtarke Stahlpanzerung beſchließt dann
die Mauer. Der Hohlraum in der Mitte dieſes Walles
aber wird mit kunſtvoll abgedrehten Stahlkugeln ge=
füllt
, die frei beweglich bleiben. Dem Werkzeug des
Einbrechers bieten ſie dadurch keinen Widerſtandspunkt,
ſie drehen ſich, und jeder Angriff prallt von ihnen ab.
Die Deckenwölbung des Treſors beſteht wieder aus
zyklopiſchen Stahlpfeilern, die nicht nur der Kunſt des
Einbrechers trotzen, ſondern auch bei dem Einſturz des
ganzen Gebäudes nicht erſchüttert werden und die größ=
ten
Laſten tragen können. Doch mit dieſen Verteidig=
ungsmitteln
der Technik läßt man es nicht genügen,
Tag und Nacht patrouillieren Wächter und Beamte
durch einen Gang, der die Schatzkammer umſchließt.
Da der moderne Treſorknacker vorzügsweiſe mit
flüſſigen Exploſivmitteln arbeitet, kommt alles darauf
an, die geringſten Oeffnungen zu vermeiden, durch die
die flüſſigen Sprengmittel eingegoſſen werden könn=
ten
. Darum befindet ſich im Schatzraum auch kein
elektriſches Licht, weil die Drahtleitungen kleine Oeff=
nungen
bedingung würden, durch die Nitroglyzerin zuge=
führt
werden könnte. Nur Oellampen erhellen den
Raum. In den meiſten Fällen würde der Einbrecher
ſeine Arbeit auf die Tür konzentrieren, und daher iſt
die Herſtellung eines Treſortores eine Hauptaufgabe

der Techniker. Die Schatzkammer in Waſhington hat
nur einen Eingang, aber der iſt durch fünf Türen ge=
ſchützt
. Die erſte von ihnen wiegt allein 120 Zentner.
Durch ein ſinnreiches Uhrenſyſtem, das auch in der
deutſchen Geldſchrankinduſtrie ſeine Rolle ſpielt,
ſchließt ſich das Schlüſſelloch zu einer beſtimmten Zeit
automatiſch. Drei elektriſche Uhren regulieren dieſe
Arbeit, drei, weil immer die Gefahr bleibt, daß ein=
mal
eine der Uhren verſagt, und dann wäre der Zutritt
zu dem Treſor rettungslos verſchloſſen. Die drei
Uhren werden auf eine beſtimmte Zeit eingeſtellt, in
der Regel auf die Vormittagsſtunde, in der die Bank
geöffnet wird, und iſt der Schlüſſel einmal abgezogen,
ſo kann er vor der beſtimmten Stunde nicht mehr ein=
gefügt
werden, auch nicht von dem Beſitzer des
Schlüſſels. Ein kompliziertes Syſtem von Alarmglocken
würde zudem jede Berührung des Riegels durch laute
Signale bei allen Polizeiſtationen Waſhingtons und in
allen Räumen des Schatzamtes geräuſchvoll ankün=
digen
.
Bei vielen großen enropäiſchen und amerikaniſchen
Banken iſt man noch weiter gegangen, hat die Treſor=
türen
mit giftigen Gaſen gefüllt, die bei jedem Spreng=
verſuch
ausſtrömen und den Einbrecher betäuben, ja in
einem großen amerikaniſchen Treſor beſteht eine Vor=
richtung
, durch die der Gang um die Schatzkammer ſich
automatiſch mit Waſſer füllt, ſo daß ein nächtlicher Ein=
dringling
einfach ertränkt wird. Und eine deutſche
Geldſchrankfabrik hat Treſortüren könſtruiert, bei
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Seite 26.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. November 1910.

Nummer 266,


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Nummer 266.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. November 1910.

Seite 27.

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[ ][  ][ ]

Seite 28.

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[ ][  ][ ]

Nummer 266

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. November 1910.

Seite 29.

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b nidzezinuge Zietz Dresdente
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Von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten.)
Zwei Bluttaten. Schnelle Entdeckung. Aus dem
unheimlichen Berlin. Das Verbrechertum der Welt=
ſtadt
. Große Prozeſſe. Alles ins Große! Auch
beim Vergnügen. Neue Frauenberufe. Profeſſor
Delbrück und die Studentinnen. Zuſtimmung und
Gegnerſchaft. Oedipus im Zirkus. Aus dem
Theaterleben.
Berlin wird Weltſtadt was ſagt Ihr nun?
ſeitdem dies Couplet im Wallnertheater geſungen
worden, iſt ſchon eine tüchtige Spanne Zeit verſtrichen,
während welcher Berlin zur Weltſtadt geworden. Und
zwar ganz gehörig! In jeder Beziehung! Auch was
das Blutige und Widerwärtige anbelangt. Die letzte

Woche hat’s zur Genüge bewieſen. Zwei Blut=
taten
erweckten innerhalb der Millionenbevölkerung
eine tiefgehende Erregung, die ſich erſt legte, als man
von der Verhaftung der Täter vernahm. Das alte
Witzwort, daß, ſobald ein Mord hier geſchehen iſt, unſere
Polizei die oder den Ermordeten ſofort hat, fand dies=
mal
ſeine ſehr erwünſchte Ergänzung dadurch, daß man
auch die Verüber des Verbrechens faßte. Einesteils
infolge merkwürdiger Zufälle, wie bei dem Nieder=
knallen
eines Ehepaares in der Potsdamerſtraße, an=
derenteils
durch die außerordentliche Findigkeit und
Raſtloſigkeit beſtimmter unſerer Kriminalbeamten bei
den Aufdeckung des Frauenmordes. Beſonders die
erſtere Tat hatte allgemeinen Schrecken hervorgerufen,
denn zahlloſe unſerer Bewohner ſagten ſich, daß ihnen
unter Umſtänden Gleiches paſſieren könnte, und es
regnete geradezu in jenen Tagen von genaueſten Vor=
ſchriften
an die Dienſtboten wie an die eigenen Fa=
milienmitglieder
, die höchſte Vorſicht obwalten zu laſſen.
Unſere Polizei war ſich vom erſten Augenblick an
klar, daß ſie es in beiden Fällen bei dem Fehlen jeg=
licher
Anhaltspunkte mit ſehr ſchwierigen Aufgaben zu
tun hatte, aber auch, daß hier ſogenannte gelernte‟
Verbrecher nicht in Frage kamen, wodurch die Nach=
forſchungen
noch umſtändlicher und mühſeliger wur=
den
. Es gibt in Berlin keine gewerbsmäßigen Räu=
ber
und Mörder ſo erklärte vor einiger Zeit an=
läßlich
eines Aufſehen erregenden Mordprozeſſes ein
ebenſo gewiegter wie mit den Nachtſeiten der Reſidenz
vertrauter Kriminaliſt, und ſeine Worte kennzeichnen
das Berliner Verbrechertum vollkommen zu=
treffend
. Den eigentlichen Kern des letzteren bilden
die Diebe, die ſich in die verſchiedenſten Klaſſen und
Gruppen teilen, vom kühnen Einbrecher an, der plan=
mäßig
, nach wochenlangen Vorarbeiten, mit mehreren
Gefährten den nächtlichen Angriff auf die eiſengepan=
zerten
Geldſchränke eines Bankhauſes unternimmt, bis
zu dem gewohnheitsmäßigen Gelegenheitsdieb, der von
früh bis ſpät durch die Straßen ſtreift und aufmerk=
ſam
ſeine Augen umherwandern läßt, ob er nicht durch
einen geſchickten und ſchnellen Griff irgend einen Ge=

genſtand in ſeine Taſchen oder Mantelfalten verſchwin=
den
laſſen kann. Ein zu Raubzwecken vorher ausge=
klügelter
und entſchloſſen durchgeführter Mord kommt
äußerſt ſelten in Berlin vor; die Mordtaten werden
zumeiſt von Einbrechern begangen, die bei ihrem dunk=
len
Werk überraſcht werden und keinen anderen Aus=
weg
mehr finden können, als über die Körper der
Entdecker hinweg. Auch dies geſchieht nur im aller=
äußerſten
Falle und bloß von den tollkühnſten Ver=, die bei Ertappung wegen ihrer Vorſtrafeni
eine laugjährige Zuchthausſtrafe zu gewärtigen haben
und aus dieſem Grunde vor dem Furchtbarſten nicht
ſchenen; aber ſelbſt da kann man immer noch anneh=
men
, daß ſie es mehr auf eine Unſchädlichkeitsmachung
wie auf einen Totſchlag abgeſehen. Die Mehrzahl der
Berliner Verbrecher ſchreckt vor Blut zurück. Ein
großer Teil der jährlich in Berlin vorkommenden
Mordtaten hat mit der, wie man ſagen könnte, be=
rufsmäßigen
Verbrecherwelt nichts zu tun. Haß, Neid,
Eiferſucht, Rache, Jähzorn, Verzweiflung ſind in den
weitaus meiſten Fällen die Beweggründe, wobei her=
vorzuheben
iſt, daß, was Mord und Totſchlag anbe=
langt
, nach der deutſchen Kriminalſtatiſtik der Prozent=
ſatz
für Berlin ein günſtigerer iſt, wie für andere Pro=
vinzen
und Länder.
Die allgemeine Statiſtik über kriminelle Vergehen
dürfte freilich für Berlin ein anderes Ergebnis zei=
tigen
, auch darin nehmen wir’s mit den anderen Haupt=
ſtädten
auf. Bei uns geht ja alles gleich ins Große,
das freut die Berliner und verſtärkt ihren Stolz auf
ihre Stadt! Welch’ gewaltigen Umfang hatte der Pro=
zeß
gegen die Wahrheit angenommen, der mit der
Freiſprechung des wegen Erpreſſung angeklagten Zeit=
ungsherausgebers
endete, und von nicht minderer
Ausdehnung dürften die am Mittwoch in Moabit be=
gonnenen
, die kürzlichen Straßenunruhen betreffen=
den
Gerichtsverhandlungen werden. Rechnet man doch,
bei 40 Angeklagten mit etwa 400 Zeugen, unter denen
ſich auch die ausländiſchen Journaliſten befinden, die
eine ſo unangenehme Erfahrung mit unſerer Polizei
gelegentlich ihrer Moabiter Erlebniſſe gemacht.

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Seite 30.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12, November 1910.

Nummer 268

Auch auf anderen Gebieten des öffentlichen Lebens
ſoll bei uns eins das andere übertrumpfen. Iſt unſere
Stadt um irgend etwas Großes und Schönes bereichert
worden, ſo dauert es gar nicht lange, und es entſteht
etwas noch Größeres und möglichſt Schöneres. An
Konzerthallen fehlte es uns nicht, trotzdem wurde die
Markthalle in der Mauerſtraße zu einem rieſigen,
Clon betitelten Konzertſaal umgewandelt, in wel=
chem
nachmittags ſogar unentgeltlich Promenaden=
Konzerte ſtattfinden. Daß dieſe nicht allzu reichlich be=
ſucht
ſind, ſpricht für die Tätigkeit unſerer Bevölke=
rung
; ſie hebt ſich Luſt und Zeit zum Bummeln für den
Abend und die Nacht auf. Na, und daß es da nicht an
ſtets ſich ergänzender Abwechſelung fehlt, dazu wird auch
zur Genüge geſorgt durch den ſchon erwähnten Wett=
kampf
des ſtets ſich Ueberbietens. Bald werden wir ja,
da der erſte Eispalaſt glänzend eingeſchlagen und
brillante Geſchäfte macht, einen zweiten derartigen
Sport=Palaſt in der oberen Potsdamer Straße er=
halten
, der natürlich noch viel umfangreicher und be=
quemer
ausgeſtattet ſein wird, wie der erſtere, und auch
der großen Rollſchuhbahn am Kurfürſtendamm
ſoll demnächſt eine noch größere im Innern der Stadl
folgen. Durch dieſe ſportlichen Vergnügungen iſt
übrigens unſerem weiblichen Element ein ganz neuer
Berufszweig erſchloſſen worden, denn täglich kann man
in den Zeitungen Ankündigungen finden, daß gewandte
Eis= und Rollſchuhläuferinnen von ſtattlicher Figur
gegen gutes Gehalt geſucht werden!
Uebrigens ein ganz unterhaltender und nicht allzu
anſtrengender Beruf, von dem ſich unſere Großmütter
und Mütter wahrlich nichts hatten träumen laſſen! Wie
auch von manch anderem nicht, was die moderne
Frauenbewiegung anbelangt, u. a. nicht von
jenen gegenwärtigen Auseinanderſetzungen zwiſchen
Profeſſor Dr. Hans Delbrück und einem Teil der weib=
lichen
Hörerinnen unſerer Univerſität. In einem im
letzten Heft der Preußiſchen Jahrbücher veröffentlich=
ten
Aufſatz rügt in ganz ſachlicher Weiſe der hervor=
ragende
Gelehrte, welcher der Zulaſſung der Frauen
in unſeren Univerſitäten ſtets lebhaft das Wort geredet,
das Benehmen jener Studentinnen, die ſich
Kff

an der kürzlichen Univerſitätsfeier, d. h. an dem Fackel=
zug
und dem großen Kommers, beteiligt. Das Wan=
dern
der in ſchlechte Kleidung gehüllten, fackelſchwin=
genden
Studentinnen durch die Berliner Straßen, wo=
bei
ihnen ſeitens des Janhagels wenig liebenswürdige
Zurufe zuteil wurden, und ihr Umherſitzen an den
Biertiſchen im rauchgefüllten Saal, ſowie ihr Mitſingen
von Burſchenliedern, die nur für die männliche Jugend
gedichtet wurden, nennt Delbrück eine Parodie auf das
Studententum. Und er ſchließt ſeine Mahnung: Iſt
ſchon für den Mann Takt und Geſchmack ebenſo wichtig
wie gelehrtes Wiſſen, ſo iſt bei der Frau ein Verſtoß
gegen Takt und Geſchmack durch noch ſo viel gelehrtes
Wiſſen nicht aufzuwiegen; jedes Symptom, das darauf
hindeutet, daß das Univerſitätsſtudium die Frauen in
ihrer Weiblichkeit ſchädige, iſt daher vor die Oeffentlich=
keit
zu bringen und zu bekämpfen. Dieſe Delbrückſchen
Auslaſſungen haben im Kreiſe unſerer Studentinnen
eine recht geteilte Aufnahme gefunden. Viele der
jungen Damen ſtimmen durchaus mit dem Profeſſor
überein, andere nehmen gegen ihn eine ſtreitbare
Stellung ein. Die letzteren ſind natürlich diejenigen,
welche man weiß, was darunter gemeint iſt. Sie, die
im Fackelzuge mitmarſchiert und beim Kommers mit=
getrunken
und mitgeſungen, drücken in allerhand Er=
klärungen
die Hoffnung aus, daß gerade dieſe ihre
Mitwirkung allmählich die Kommerſe von manchen
Schlacken reinigen würde, ſo daß dann alle Kommili=
toninnen
ohne Zagen ſich beteiligen können. Das frei=
lich
iſt eine Hoffnungsfreudigkeit der jungen Damen,
die keinerlei Verwirklichung finden wird, ſagen wir
ehrlich, glücklicherweiſe!
Und eine ähnliche Hoffnung möchten wir aus=
drücken
betreffs des Unternehmens, das Theater in den
Zirkus zu verlegen. Das konnte natürlich nur Max
Reinhardt, dem Direktor des Deutſchen Theaters
vorbehalten ſein, der als theatraliſcher Uebermenſch
noch die Meininger übermeiningern wollte! Da er
hierzu keine Bühne fand und finden konnte, wählte er
die Manege des Zirkus Schumann und nahm ſie
wie den ungeheuren Zuſchauerraum zum Rahmen einer
Oedipus=Aufführung mit Maſſenwirkungen.
E
e

Ohne Zweifel an ſich ein intereſſantes Experiment, aber
auch nichts mehr. Einen außerordentlich feſſelnden
Anblick gewährte der bis zum letzten Plätzchen gefüllte,
gewaltige Raum; unten geſpannte Erwartung ſeitens
der aus den beſten Kreiſen ſich zuſammenſetzenden Be=
ſucher
und Beſucherinnen, oben ſo etwas wie Ulkſtim=
mung
, die aber ſchnell verſchwand. Denn ungemein
eindrucksvoll und farbenreich waren viele der Szenen
mit ihrer ſuggeſtiven Gewalt der fortreißenden Maſſen=
haftigkeit
, ſie zündeten und fanden rauſchenden Beifall,
den ſie auch in jeder Hinſicht verdienten. Sophokles
ſelbſt freilich kam am wenigſten zur Geltung, zumal
die Hugo von Hoffmannsthalſche Ueberſetzung, richtiger
Ummodelung, der Griechentragödie gewählt worden
war. Keine gute Wahl, denn der Wiener Poet ſetzt
dem echten Fremden zuviel unechtes Eigenes hinzu.
Auch die Darſtellung war nicht auf der Höhe, ſie ließ
manches in der ausgereiften Geſtaltung vermiſſen,
gerade das, was tiefaufwühlend uns erſchüttert und
ergreift.
Einen echten Dichter und feinfühligen Schilderer
ernſter ſozialer Fragen der Gegenwart lernten wir in
dem Holländer Frederik van Eeden kennen,
deſſen Tragikomödie Ysbrand die Neue Freie
Volksbühne zum erſten Male zur Aufführung ge=
bracht
. Es iſt das Schickſal eines Sonderlings, das
hier dramatiſch bearbeitet wurde, in ſtiller, träums=
riſcher
Weiſe ohne grelle Effekte, aber gerade deshalb
uns umſo menſchlicher berührend. Mehr eine Tragödie
iſt’s, wie Komödie, erſtere mit manch tiefem Einſchnitt
in unſere geſellſchaftlichen Verhältniſſe, letztere mit
wehmütigem Lächeln über die Irrungen und Wirrun=
gen
derſelben. Von dem im Neuen Schauſpiel=
hauſe
als Neuheit gegebenen dreiaktigen Luſtſpiel
Sternen=Hochzeit von Biſſon und Thur=
ner
iſt wenig zu ſagen und leider gar nichts Rühmen=
des
. Das Stück läßt jenen Uebermut vermiſſen, an den
uns die Franzoſen gewöhnt, und nicht nur das allein,
auch ihren Geiſt, der uns ſonſt für manche Fragwürdig=
heit
entſchädigt. Zudem war die Ueberſetzung nicht
ſonderlich gut und das Tempo der Darſtellung ein viel
zu ſchleppendes.

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[ ][  ][ ]

Nummer 266

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. November 1910.

Seite 31.

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Gegründet 1870.
Sonntag, den 13. November 1910,
Ausflug nach Auerbach
(Darmstadt-Lützelbach-Auerbach).
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Abmarſch vom Böllenfalltor 8 Uhr vormittags.
Der Vorstand.

Kammermusik-Vereinigung.
Hofrat de Haan, Hofkonzertmeister Schmidt, Konzertmeister Borne-
mann
, Hofmusiker Schwerley und Andrä.
Sonntag, den 13. November, vormittags 11 Uhr,
Musikvereinssaal, Steinstrasse 24:
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Divertimento Es-dur. Trio für Violine, Viola und Violoncello.
Klaviertrio B-dur.
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im Lokale des Herrn August Rädge, Schwanenstrasse 49
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ab, wozu Gönner und Freunde dieſes Sports freundlichſt einladet
Der Vorstand.

Geſellſchaft Reichsadler.
Sonntag, den 13. November, abends 7 Uhr
Abendunterhaltung mit Tanz
im Mathildenhöhsaale, Dieburgerstrasse.
Freunde und Gönner ladet freundlichſt ein.
Der Vorstand.
(*27829
Eintritt für Nichtmitglieder 20 Pfennig.

Darmstädter Männer-Gesang-Verein
Grosses Herbstfest

am Sonntag, den 13. Nov., nachm. 4 Uhr
im KAlSERSAAL.
Konzert, Gesangs- und humoristische Vorträge.
Eintritt frei!
Eintritt frei!
Zu zahlreichem Besuch ladet freundlichst ein
Der Vergnügungs-Ausschuss.
21845ds)

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SN2EN

von Professor

Armester

Mitwirkung Hofpianist E. v. Stefaniai
Montag, den 1. November, abends 8 Uhr
in der Turnhalle, Woogsplatz.
PROGRAMM:
Brahms: Sonate A-dur, Goldmark-Konzert A-moll, Klaviersolis, Stücke von Bach,
Beethoven, Haydn, Hummel, Mendelssohn, Schumann,
Caprice B-dur u. A-moll: Paganini.
Billettverkauf in der Hofmusikalienhandlung G. Thies, Elisabethenstrasse
Mark 5. 4. 3. 2. und 1.
(21843ds

Freireliglöse Gemeinde Darmstadt.
Erbauung
Sonntag, den 13. Nov., vorm. 10 Uhr, im Saale der Loge, Sandſtr. 18
geleitet durch Herrn Prediger Bloch aus Offenbach, unter freundlicher Mitwirkung
eines Männerchors.
(21904fs
Thema: Freireligiöse Jugenderziehung.
Unmittelbar nach der Erbauung Gemeindeverſammlung.
Tagesordnung: Vorſtandserſatzwahl, Mitteilungen.
Mitglieder und Intereſſenten ſind gebeten, recht zahlreich zu erſcheinen.

Zur Martinskirchweihe.
Sonntag, den 13. November, nachmittags 4 Uhr ab
KONZERT

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Georg Gunder, Wirt,
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[ ][  ][ ]

Seite 32.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. November 1910.

Nummer 266.

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Frauenverein der Südostpfarrei
der evang. Stadtgemeinde Darmstadt E. V.
Montag, den 14. November, nachmittags 4½ bis 6½ Uhr im Gemeindehaus
Kiesſtraße 17
Tee mit muſikaliſcher Unterhaltung
zum Beſten der Kleinkinderſchule des Vereins.
Mitwirkende: Herr Hofrat Edward (Hexenlied von Wildenbruch=Schillings), Fräulein
Wilhelmine Weinmann (Klavier), Herr Bruno Stumpf (Violine).
Gäste können durch Mitglieder eingeführt werden.
Der Vorstand:
Frau Finanzrat Balſer, Frau Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing, Fräulein G. Kayſer,
Fräulein J. Marloff, Frau Major Schaefer, Frau Profeſſor Dr. Schäffer, Ober=
leutnant
Sturt, Pfarrer Kleberger.
(21917

Vereinigung der Freunde deutſcher Schrift.
Montag, den 14. November 1910, abends 8¼ Uhr
im Fürſtenſaale (Grafenſtraße)
Erörterung der Frage:
iſche Buchſtaben?
Deutſche oder lat
Vortragender: Stadtverordneter Seminarlehrer Pickert.
Nach dem Vortrage freie Ausſprache.
Jedermann willkommen. Eintritt frei.
(21985
Südwestdeutscher Vortragsverband (Stz Frankfart u. 1.)
Oeffentlicher Vortrag von Friedr. Jaskowski
Leipzig
Sonntag, den 13. November, abends 8½ Uhr
im Mozartsaale, Schulstrasse 8
Der sinnbildliche Gehalt von Richard Wagners
Parsival.

Eintrittskarten zu 1 Mk. (reservierter Platz) und zu 50 Pfg. Vor-
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in der Bergsträsser’schen Hofbuchhandlung, daselbst ist auch
die zur Einführung der Zuhörer vom Redner verkasste Broschüre erhält-
hältlch
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Hugenſchütz’ Felſenkeller.
Morgen Sonntag von 4 Uhr ab
Tanzkränzchen.
Eintritt frei.
(*27913

Konstantia‟ Darmstadt
Verein für kath. Kaufleute und Beamte.
Sonntag, den 13. November I. J.:
2
Feier des r. Stiftungsfestes.
Vormittags 9½ Uhr in der St. Eliſabethenkirche
Festgottesdienst.
Abends präzis 8 Uhr im Konkordiaſaal, Waldſtraße 33,
it Tanz.
Musikalisch-thedtralische Abendunterhaltung

Gäſte ſind willkommen, und bittet man, Eintrittskarten ſchriftlich bei dem Vor=
ſtande
einzuſordem.
Der Vorstand.
22040)

Maturheilverein Darmſtadt

eingetragener Verein

Sonntag, den 13. November 1910
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[ ][  ][ ]

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Sonntag, den 13. Nov., 8 Uhr abends
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Eintritt frei für jedermann! (*27910

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Samstag 12. November

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Es ladet freundlichſt ein Jakob Reitz, Rest.
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Samstag, den 12. November 1910
6
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[ ][  ][ ]

Seite 34.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. November 1910.

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Schneider, Große Kaplaneigaſſe 29, e. S. Robert. Am 8.:
dem Techniſchen Eiſenbahn=Oberſekretär Ludwig Tho=
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Fabrikarbeiter Johannes Schlander, Heinheimerſtr. 96,
e. S. Adam. Am 6.: dem Elektromonteur Joſeph
Petry, Erbacherſtr. 121, e. T. Erna Anna Eliſa. Am 7.:
dem Bureaudiener Konrad Hellmund, Neckarſtr. 4, e. S.
Georg Heinrich Johann Konrad Peter. Am 8.: dem Fabrik=
arbeiter
Konrad Wembacher, Liebfrauenſtr. 53, e. T.
Margareta. Am 6.: dem Gaſtwirt Karl Blome, Schloß=
gaſſe
27, e. S. Philipp Karl. Am 3.: dem Fahrburſchen
Jakob Rettig, Arheilgerſtr. 68, e. T. Hildegard. Am 9.:
dem Reſtaurateur Karl Teuſchler, Aliceſtr. 27, e. T. Anna
Johanna. Am 3.: dem Sanitätsobmann Wilhelm
Schmidt, Bismarckſtr. 28, e. T. Katharina Marie. Am 8.:
dem Schreinermeiſter Ludwig Debus, Pankratiusſtr. 4,
e. S. Edwin Ludwig.
Aufgebotene. Am 7. Nov.: Konditor Leo Marzelin
Reinfurt, Wilhelminenſtr. 6, mit Verkäuferin Elſa Ger=
trud
Noack, Ahaſtr. 22. Am 8.: Pferdehändler Ferdinand
Wartensleben dahier mit Auguſte Klein in Hohen=
Sülzen. Am 9.: Steinhauer Valentin Metzler in Rein=
heim
mit Maria Ziergöbel in Zeilhard. Oberlehrer Dr.
Ludwig Diehl, Hochſtr. 112, mit Anna Johanna Eliſa=
beth
Schlatter, Kiesſtr. 89. Handarbeiter Wilhelm
Moldan in Ebersberg mit Karoline Häußner ebenda=
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in Bensheim mit Anna Martha Möbius in Wittenberg.
Bierfahrer Friedrich Karl Auguſt Wiedewilt, Kaupſtr. 5,
mit Dienſtbote Sophia Katharina Weber in Erbach i. O.
Am 10.: Dragoner im Großh. Garde=Dragoner=Regiment
Nr. 23 Valentin Mag dahier mit Wilhelmine Rühl in
Frankfurt a. M. Taglöhner Heinrich Ahl, Holzſtr. 5,
mit Dienſtmädchen Katharina Jährling, Geiſtberg 4.
Schloſſer Lorenz Jakob Herget, Feldbergſtr. 47, mit
Maria Zimmer, Dornheimerweg 2.
Geſtorbene. Am 8. Nov.: Schreiner Karl Müller,
35 J., ev., König. Kaufmann Johann Schübbe, 21 J.,
kath., Alexanderſtr. 22. Gertrude Schneider, geb. Lang,
Ehefrau des Metzgermeiſters, 39 J., ev., Inſelſtr. 28.
Am 10.: Poſtſchaffner i. P. Bernhard Held, 75 J., ev.,
Wieſenſtr. 9.
Nachrichten des Standesamts Darmſtadt II.
Geöffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
85 Uhr nachm. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 24. Okt.: dem Trompeter im Feld=
Art.=Regt. Nr. 61, Guſtav Otto Stoeckner, Franken=
ſteinſtr
. 47, eine T. Katharina Maria Wilhelmine. Ein
unehel. S. Theodor Karl. Am 28.: dem Schneider
Heinrich Willwohl, Beſſungerſtr. 66, ein S. Heinrich.
Dem Schneider Johannes Blitz, Weinbergſtr. 45,
ein S. Johann Georg Friedrich. Am 2. Nov.: dem
Hausburſchen Franz Keil, Ahaſtr. 20, eine T. Mar=
garete
. Dem Lederzuſchneider Friedrich Stein, Sand=
bergſtr
. 19, eine T. Katharina. Am 5.: dem Rechts=
anwalt
Dr. Karl Wilhelm Georg Walz, Heinrichſtr.
156, eine T. Annalieſe Luiſe Eliſabeth. Ein unehel. S.
Johann Georg Friedrich. Am 7.: dem Lademeiſter
Johann Lenhart, Ahaſtr. 12, eine T. Anna Märia
Regina.
Aufgebotene. Am 31. Okt.: Schuhmacher Michael
Leski, Sandbergſtr. 49, und Eliſabethe Dechert,
Wingertsgäßchen 9. Am 7. Nov.: Schneider Heinrich
Johann Wilhelm Neuber, Martinſtr. 95 und Mar=
gareta
Kindinger, Heinrichſtr. 11. Am 10. Nov.:
Kaminfeger Ludwig Konrad Klenk zu Lampertheim
und Margarete Eliſabethe König, Annaſtr. 2.
Eheſchließungen. Am 29. Okt.: Pfläſterer Georg
Roth, Witwer, mit Anna Luiſe Schmiedel, Roß=
dörfer
Straße 121. Lehrer Jakob Jung, Am Erlen=
berg
16, mit Henriette Sophia Hedwig Müller, Kies=
ſtraße
110. Am 5. Nov.: Finanzaſpirant Heinrich Georg
Hein, Nieder=Ramſtädter Straße 183, mit Anna Wil=
helmine
Kiefer, Klappacherſtr. 88. Schreinermeiſter
Friedrich Hühnergarth, Schießhausſtr. 49, mit Eliſa=
bethe
Egly zu Hetzbach i. O.
Sterbefälle. Am 30. Okt.: Depotarbeiter Karl Wil=
helm
Ihm, 58 J., ev., Wilhelmſtr. 55. Am 1. Nov.:
Rentner Karl Beer, 69 J., isr., Wilhelmſtr. 10. Am
5.: Konradiue Schmunk, T. des Bäckers, 15 Tage,
Beſſunger Straße 66. Am 6.: Taglöhner Ludwig Chri=
ſtian
Wilhelm Albrecht Müller, 56 J., ev., Ludwigs=
höhſtr
. 9. Am 7.: Katharina Winter, geb. Appel,
Witwe des Taglöhners, 72 J., ev., Heidelberger Straße
40. Berta Katharina Sophia Külp, geb. Reinwald,
Witwe des Großh. Profeſſors, 74 J., kath., Mathilden=
ſtraße
34. Am 9.: Katharina Schmunk, T. d. Bäckers,
20 Tage, Beſſungerſtr. 66.

Nummer 266.

Kirchliche Anzeigen.
Evangeliſche Gemeinden.
25. Sonntag nach Trinitatis, den 13. November 1910
Hoſkirche: Vormittags 10 Uhr: Hauptgottesdienſt.
Mittwoch, den 16. November abends 6 Uhr: Andacht.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Kleberger.
Vorm. 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Velte.
Nachm. um 6 Uhr: Pfarrer Vogel.
D. Diehl. Vormittags um 11 Uhr: Kindergottes= Bibliothek (Heerdweg 28): Dienstag, nachmittags von
dienſt. Pfarrer Vogel.
Gemeindehaus, Kiesſtraße 17: Freitag den
18. November, abends 8¼ Uhr: Bibelſtunde. Pfarrer abends um 5 Uhr: Beichte.
D. Diehl.
Ailitärgemeinde (Stadtkirche): Vorm. 8½ Uhr: Div.=
Pfarrer Lic. Schettler. Vorm. 10½ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
in der Oberrealſchule, Kapellſtraße 5.
Vormittags 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt.
Martinskirche: Feier zum 25=jährigen Ge= ¼7 Uhr: hl. Meſſe.
dächtnis der Einweihung der Martins=
kirche
. Vorm. um 10 Uhr: Feſtgottesdienſt. den 13. November, vormittags um ½8 Uhr: Amt und
Prälat D. Flöring. Kollekte für die Jubiläumsgabe. Predigt. Vorher Beichtgelegenheit.
Vormittags 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt für den
Oſt bezirk. Pfarrer Widmann. Abends um 8 Uhr:
Gemeindefeier im großen Saal der Turngemeinde
am Woogsplatz mit Anſprache und Geſängen. Kinder
unter 14 Jahren ſind nicht zugelaſſen.
Eliſabethenſtiſt: Vormittags 10 Uhr: Hauptgottes=
Kindergottesdienſt. Abends 5 Uhr: Bibelſtunde. Pfarrer
Knöpp.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde): Vormittags 10 Uhr:
Profeſſor Pfannmüller. Vormittags 11 Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Pfarraſſiſtent Flöel. Abends um 6 Uhr:
Oberhofprediger Ehrhardt.
aſſiſtent Zimmermann. Abends um 8 Uhr: Familien= Katharina, geb. 14. Okt. Dem Taglöhner Anton Daniel
abend (Lutherfeier) im Gemeindeſaal.
Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 13. Nov.,
4 Uhr: Evangeliſationsverſammlung. Herr Birkholz. 1 30. Sept.
Abends 8 Uhr: Blaukreuzverſammlung.
der Stadt Pfungſtadt: 3. Vortrag von Herrn Dem Landbriefträger Johann Georg Büttner S. Georg
freundlich eingeladen. Eintritt frei.
Gottesdienſt der Neuapoſtoliſchen Gemeinde (Neue Nieder=
ſtraße
13): Sonntag, nachm. 4 Uhr. Mittwoch, abends
8½ Uhr.
Katholiſche Gemeinden
(Eingang: Nieder=Ramſtädterſtraße 30): Samstag, den
Gelegenheit zur heil. Beichte.
26. Sonntag nach Pfingſten, den 13. November 1910
Kollekte für die Wallfahrtskirche in Pfaffen=Schwabenheim 1 mann Friedrich Emil Fiſcher T. Luiſe, geb. 12. Okt.
Vorm. von ½6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um 6 Uhr: erſte heil. Meſſe. Um 7 Uhr: Aus=
teilung
der heil. Kommunion. Um 8 Uhr: heil. Meſſe.
ſammlung des Vereins chriſtlicher Mütter. Um 6 Uhr: Winkel und Dorothea Rindfrey.
Roſenkranzandacht. Freitag, abends um 5 Uhr: Ge=
legenheit
zur hl. Beichte.
Kapelle der Engliſchen Fräulein: Samstag, nachmit=
tags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Sonntag, vormittags um ½6 Uhr: Ge=
legenheit
zur heil. Beichte. Um 6 und um ½7 Uhr:
Austeilung der hl. Kommunion. Um 7 Uhr: hl. Meſſe.
Montag, nachmittags um 4 Uhr: Sakramentaliſche
Betſtunde. Freitag, abends um 5 Uhr: Gelegenheit
zur hl. Beichte. Samstag, vormittags um ½ 8 Uhr:
Generalkommunion der Mitglieder des St. Eliſabethen=
Vereins.
Predigt.
legenheit zur hl. Beichte.
Sonntag, den 13. November 1910
Vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte. 1 des Gaſtwirts Jakob Petri, 1 J.. ſtarb 3. Nov. Ober=
Um ½7 Uhr: Frühmeſſe. Um 8 Uhr: heil. Meſſe bahnaſſiſtent i. P. Ernſt Ludwig Stier, 68 J., ſtarb 2. Nov.
mit Predigt. Um ½10 Uhr: Hochamt und Feſt=
predigt
des hochw. Herrn Prof. Lenhart=Bensheim. Wilhelm Albrecht Müller, 55 J., ſtarb 6. Nov. Katharine
Nachmittags um 2 Uhr: Andacht.

St. Martimolapelkezn Peſungem Samslag, den 12. No=
vember
, nachmittags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr:
Gelegenheit zur hl. Beichte.
26. Sonntag nach Pfingſten, den 13. November 1910
Kirchweihfeſt
Kollekte für Pfaffen=Schwabenheim
Vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.
Um 7 Uhr: hl. Meſſe. Um 9 Uhr: Amt mit
Stadtkapelle: Vormittags um 9½ Uhr: Pfarrer Predigt. Nachmittags um ½3 Uhr: Feierliche Vesper.
6 bis 7 Uhr.
Kapelle zu Eberſtadt: Samstag, den 12. November,
26. Sonntag nach Pfingſten, den 13. November 1910
Vorm. um 6 Uhr: Beichte. Um ½ 7 Uhr: Aus=
teilung
der heil. Kommunion. Um 9¼ Uhr: Hochamt
Johanneskirche: Vorm. 10 Uhr: Ober ehrer Lie. Gaul. mit Predigt. Nachmittags um 1½ Uhr: Chriſtenlehre
und Andacht. Während der Woche vormittags um
Kapelle zu Pfungſtadt: 26. Sonntag nach Pfingſten,
Church of Engiand Service
13th November 1910
25th Sunday after Trinity
Divine Service and Holy Communion will be held in
the Hofkirche at 11,30 a. m.
dienſt. Pfarrer Knöpp. Vormittags 11½ Uhr: The Rev. Canon Me Lulich, Bad Homburg, will officiate.
Getaufte, Getraute und Beerdigte.
Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 3. Nov.: Dem Dachdecker
Jakob Menges T. Marie, geb. 26. Okt. 5. Nov.: Dem
Pauluskirche: Vormittags 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Weißbinder Philipp Daab T. Walda Theolinde, geb.
Pfarrer Jules Rambaud aus Lüttich. (Kollekte für die 1 25. Febr. 9. Nov.: Dem Fabrikarbeiter Bernhard Hofem
belgiſche Miſſion.) Vormittags 11½ Uhr: Kinder= S. Adam Paul, geb. 19. Aug. 6. Nov.: Dem Milch=
gottesdienſt
. Pfarrer Rückert. Abends 6 Uhr: Pfarr= händler Georg Leonhard Schellhaas T. Anna Margareta
Bernhard Renneis 2 S. Joſef u. Emil, geb. 25. Sept. 1910.
Johannesgemeinde: 6. Nov.: Dem Regierungs=
vormittags
11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Nachmittags1 baumeiſter Otto Sander S. Walter Otto Adolf, geb.
Martinsgemeinde: 3. Nov.: Dem Gärtner
Donnerstag, den 17. November, abends 8¼ Uhr, in Wilhelm Ruths T. Anna Marie, geb. 11. Okt. 6. Nov.:
Pfarrer Veller über: Was dünkt Euch um Michael, geb. 22. Okt. 7. Nov.: Dem Weißbinder Ludwig
Chriſtus? Weß Sohn iſt er? Jedermann iſt Rühl S. Wilhelm Auguſt, geb. 8. Aug. 9. Nov.: Dem
Poſamentier Leonh. Franz Beyer T. Anna Eliſabeth, geb.
21. Aug. 5. Nov.: Dem Kaufmann Ernſt Otto Hecht T.
Luiſe Anita, geb. 27. Mai. 6. Nov.: Dem Müller
Wilhelm Dörner S. Heinrich, geb. 7. Aug. Dem Kauf=
mann
Friedrich Lang S. Friedrich Hans, geb. 3. Okt.
Petrusgemeinde: 6. Nov.: Dem Poſtſchaffner
St. Ludwigsgemeinde. Kapelle der Barmherzigen Hchweſtern 1 Emil Kunſt T. Maria Anna Lina, geb. 30. Sept. Dem
Poſtaſſiſtent Johann Ludwig Arras T. Johanna Maria,
12. November, nachm. um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: geb. 4. Okt. Dem Schuhmacher Emil Heinrich Kemptzar
S. Emil Franz, geb. 20. Okt. Dem Techniker Adam
Peter Bär T. Marie, geb. 30. Sept.
Paulusgemeinde: 6. Nov.: Dem Kaufmann Nor=
Cetraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 5. Nov.: Schreiner Kaſimir
Um ½10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Um 11 Uhr: 1 Müller und Barbara Hofmann. 8. Nov.: Bautechniker
letzte heil. Meſſe. Nachmittags um 3 Uhr: Andacht zu Heinrich Hofmann und Katharina Metzger, beide von
Ehren der hochheiligen Dreifaltigkeit. Um 4 Uhr: 1 Dornheim. 5. Nov.: Lackierer Karl Schäfer u. Chriſtina
Verſammlung im Mädchenheim. Um 5 Uhr: Ver= Monhof. 6. Nov.: Magazinarbeiter Simon Friedrich
Johannesgemeinde: 6. Nov.: Zimmermann
Heinrich Schwärzel und Eliſabeth Simmrack von hier.
8. Nov.: Kellner Anton Steidl u. Auguſte Bähr von hier.
Paulusgemeinde: 29. Okt.: Pläſterer Georg
Roth, Witwer u. Anna Luiſe Schmiedel. Lehrer Jakob
Jung und Henriette Sophie Hedwig Müller. 5. Nov.:
Schreinermeiſter Friedrich Hühnergarth und Eliſabethe
Egly. Finanzaſpirant Heinrich Georg Hein und Anna
Wilhelmine Kiefer.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Stadtgemeinde: 6. Nov.: Marie Margareta
Herling, geb. Germann, Witwe des Schneidermeiſters
Militärgemeinde: Sonntag, vorm. um 8 Uhr: In 1 Heinrich Herling, 60 J., ſtarb 4. Nov. 8. Nov.: Antonie
dem Exerzierhaus auf dem Exerzierplatz Sing=Meſſe mit 1 Becker, ledige T. des Geh. Baurats i. P. Ferdinand
Becker, 44 J., ſtarb 5. Nov. 4. Nov.: Sophie Scheid geb.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 12. November, Lang, Witwe des Muſikers Wilhelm Scheid, 73 J. 3 M.,
nachmittags um 4½ Uhr und abends um 8 Uhr: Ge= ſtarb 1. Nov. zu Eberſtadt. 7. Nov.: Karoline Sänger,
geb. Stoll, Witwe des Uhrmachers Adolf Sänger, 78 J.
9 Mt., ſtarb 4. Nov.
Martinsgemeinde: 4. Nov.: Peter Petri S.
Petrusgemeinde: 9. Nov.: Ludwig Chriſtian
Winter, Witwe, 72 J., ſtarb 7. Nov.

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Nummer 266.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. November 1910.

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Seite 35.
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Sonntag, den 13. November 1910.
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Mittwoch, 16. Nov. 57. Ab.=Vorſt. D 15.
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Donnerstag, 17. Nov. 58. Ab.=Vorſtell.
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von 121 Uhr mittags vor dem Neuen
Palais ſtattfindenden Konzert der Ka=
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des Heſſ. Inf.=(Leibgarde=)Regts. Nr. 115.
1. Preobraſchenski=Marſch. 2. Ouvertüre
zu Die weiße Dame von E. Boieldieu.
z. Fantaſie aus Samſon und Dalila von
C. Saint=Saéns. 4. An der ſchönen
blauen Donau Walzer von Joh. Strauß.
5. Menuett von Paderowski. 6. Luxemburg=
Marſch von Lehär.
Sonntag, den 13. November.
Von 11¼12½ Uhr Konzert auf dem
Paradeplatz, ausgeführt von der Kapelle
des Leib=Dragoner=Regts. Nr. 24.
1. Unter dem Reichsbanner, Marſch
von G. Bock. 2. Ouvertüre zu Op. Lodoiska
von Ch. Kreußer. 3. Sei gegrüßt, du mein
ſchönes Sorrent Lied von L. Waldmann.
. Divertiſſement aus Das Rheingold
von R. Wagner. 5. Wiener Praterleben,
Walzer von S. Translateur. 6. Landjäger=
Marſch von J. Rixner.

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Seite 36.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. November 1910.

Nummer 266.

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Saal Zur Traube‟.
Donnerstag, den 17. November 1910, abends 8 Uhr
KLAVTER-ABEND

von

Edwin Fischer.
PROGRAMM: Werke von Bach, Mozart, Beethoven, Draeseke, Chopin,
Liszt, Mendelssohn-Liszt.
Konzertflügel: C. Bechstein-Berlin aus dem Magazin A. W. Zimmermann.
Karten: Mk. 3., 2., 1.. Vorverkauf: Mk. 2.50, 1.50, 0.80 bei Georg
Thies Nachf. (Leopold Schutter), Elisabethenstrasse 12.
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NB. Der Verkauf über die Straße befindet ſich neben den Reſtaurations=Lokalitäten.

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tätig in Darmſtadt, Worms, Frankfurt, Wiesbaden.
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