Darmstädter Tagblatt 1910


11. November 1910

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Abonnementspreis
monatl. 50 Pfg., viertelj. 1.50 Mk., aus=
wärts
nehmen die Poſtämter u. die Agen=
turen
Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
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173. Jahrgang
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.

Inſerate
werden angenommen in Darmſtadt,
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47.
ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

Organ für die =Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

N 2.

Freitag, den 11. November.

1910.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

Für wen gilt die kommende Privatbeamten=
Verſtcherung?
* Daß die kommende Vorlage auf dem Grundſatz
der Verſicherungspflicht für alle männlichen und
weiblichen Privatangeſtellten beruhen wird,
darf als ſicher angenommen werden. Dieſe Verſicherungs=
pflicht
wird ſich daher erſtrecken auf alle Handlungsgehil=
fen
und Lehrlinge einſchließlich der in den Apotheken
beſchäftigten, auf Betriebsbeamte, Werkmeiſter und Tech=
niker
einſchließlich der Betriebsleiter und der in leitender
Stellung ſtehenden Angeſtellten, ferner auf alle Lehrer,
Lehrerinnen, Erzieher, Erzieherinnen, ſoweit ſie nicht an
öffentlichen Schulen beſchäftigt ſind, ferner auf die Be=
amten
der Landwirtſchaft und auf alle ſonſtigen Ange=
ſtellten
, deren dienſtliche Beſchäftigung ihren Hauptberuf
bildet, und ſchließlich auf die gegen Lohn oder Gehalt
beſchäftigten Perſonen der Schiffsbeſatzung deutſcher See=
fahrzeuge
und von Fahrzeugen der Binnenſchiffahrt.
Die Verſicherungspflicht wird nicht an
einen Mindeſtbetrag des Einkommens ge=
bunden
werden. Denn wollte man den Eintritt in die
Verſicherung von einem beſtimmten Mindeſteinkommen
abhängig machen, ſo würde die Verſicherungsdauer und
damit auch der Rentenanſpruch eine Verkürzung erfah=
ren
. Auch aus verſicherungstechniſchen Gründen muß von
einer Befreiung der gering beſoldeten Angeſtellten abge=
ſehen
werden, weil die in jüngeren Jahren entrichteten
Beiträge von ungleich höherem Wert ſind, als die in
höheren Jahren enrichteten; ſie tragen zur Herabſetzung
des Durchſchnittsbeitrages weſentlich bei. Auch an eine
obere Gehaltsgrenze wird die Verſicherungs=
pflicht
nicht gebunden werden. Aber mit Rückſicht
auf die finanzielle Sicherheit wird es nötig ſein, daß der
Gehaltsſatz, nach dem die Beiträge und Leiſtungen be=
meſſen
werden, einen beſtimmten Höchſtſatz nicht über=
ſchreitet
. Eine Härte für die Verſicherten kann, ſo meint
man in amtlichen, mit der Sache befaßten Kreiſen, hierin
nicht gefunden werden, denn die Privatangeſtellten mit
hohen Gehaltsbezügen ſeien in der Lage, ſich die eigene
Verſorgung und die ihrer Angehörigen über den geſetz=
lichen
Rahmen hinaus aus eigenen Mitteln zu ſichern.
Es werde aber nötig ſein, den Kreis der zum Eintritt
in die Privatangeſtellten=Verſicherung ver=
pflichteten
Perſonen in Bezug auf die höheren Al=
ttersgrenzen
einzu ſchränken. Es ſei dabei zu
prüfen, ob die in die Pflichtverſicherung eintretenden älte=
ren
Perſonen mit Rückſicht auf die notwendige Karrenz=
zeit
tatſächlich noch einen Anſpruch erwerben können, der
mit ihrer Beitragsleiſtung auch im Einklang ſteht. Werde
neben den Hinterbliebenenbezügen die Penſion vom Ein=
tritte
der Erwerbsunfähigkeit an nach zehnjähriger Warte=
zeit
gewährt, ohne daß es nach vollendetem 65. Lebensjahr
noch des Nachweiſes der Invalidität bedarf, ſo reiche
die Prämie für die im Alter von 59 Jahren in die Ver=
ſicherung
eintretenden Angeſtellten aus. Es werde ſich
daher empfehlen, diejenigen Privatangeſtellten, die beim
Inkrafttreten des kommenden Geſetzes das 60. Lebens=
jahr
bereits vollendet haben, von der Verſicherungs=
pflicht
zu befreien.

Verkürzung der Fahrzeit.
B. C. Mit der von Jahr zu Jahr fortſchreitenden
Entwickelung des wirtſchaftlichen Lebens hat auch der
Perſonenverkehr auf den Eiſenbahnen ſtetig zugenommen
und eine regelmäßige Vermehrung der Perſonenzüge zur
Folge gehabt. Hierbei iſt die Staatseiſenbahnverwaltung
planmäßig vorgegangen. Zunächſt wurden auf den gro=
ßen
Verkehrslinien zahlreiche Schnell= und Eil=
züge
eingelegt, die neben dem Durchgangsverkehr auf
weite Entfernungen auch dem Verkehr der Zwiſchenſtatio=
nen
zu dienen haben. Sodann wurden die Verbindungen
auf den Nebenbahnen, beſonders im Oſten, vermehrt und
beſchleunigt. Schließlich wurde für den Nahverkehr durch
Einlegung von leichten Zügen und von Triebwagenfahr=
ten
in großem Umfange Vorſorge getroffen. Auf dieſe
Weiſe iſt für den Perſonenverkehr eine feſte Grundlage ge=
ſchaffen
worden, die bisher den Anſprüchen im weſent=
lichen
genügte. In der letzten Zeit hat ſich nun im Zu=
fammenhang
mit den immer lebhafter gewordenen ge=
ſchäftlichen
Beziehungen zwiſchen großen Ver=

kehrsplätzen das Bedürfnis herausgeſtellt, Züge mit
großer Reiſegeſchwindigkeit zu ſchaffen, die ausſchließlich
dem Verkehr großer Städte untereinander dienen ſollen.
In England, Frankreich, Amerika gibt es bekanntlich ſchon
jetzt derartige Schnellzüge. Die Erfahrung hat gezeigt,
daß auch bei uns eine große, ſich ſtändig ſteigernde Zahl
von Reiſenden die durchgehenden Züge von ihrem Aus=
gangspunkt
bis zum Endpunkt benutzt. Es beſteht, einer
offiziöſen Mitteilung zufolge, die Abſicht, bei der weiteren
Ausgeſtaltung des Fahrplans auf Einlegung einzel=
ner
ſchnellfahrender Züge Bedacht zu nehmen,
die im allgemeinen nur der Verbindung großer
Verkehrspunkte dienen, möglichſt weite Strecken
ohne Aufenthalt durchfahren und die deshalb eine nicht
unbeträchtlich kürzere Reiſezeit haben werden, als
bisher üblich. Für den großen Verkehr Berlin-Köln iſt
ſchon mit ſolchen Zugverbindungen ein Anfang gemacht.
Zunächſt kommen Berlin-Breslau und Berlin-Hamburg
in Frage; weiterhin wird man unter anderem an Berlin-
Frankfurt a. M., Hamburg (Bremen)-Frankfurt a. M.
und demnächſt auch wohl an Berlin-Danzig- Königs=
berg
denken können.
Die Erfahrungen laſſen erwarten, daß ſolche Züge
nur durch den Verkehr zwiſchen den Hauptplätzen eine ſ
ausreichende Beſetzung erhalten, daß zum Zweck der
Wagenausnutzung ein häufigeres Anhalten nicht erforder=
lich
iſt. Ihr Zweck wäre aber auch verfehlt, wenn ſie an
mittleren Zwiſchenſtationen halten würden, denn dann
ließe ſich die notwendige Reiſegeſchwindigkeit nicht er=
reichen
. Eine Beeinträchtigung der Unterwegsſtationen
kann hierin nicht gefunden werden. Dieſe behalten ſelbſt=
verſtändlich
ihre bisherigen Zugverbindungen Eine we=
ſentliche
Verbeſſerung des großen durchgegenden Reiſe=
verkehrs
ſoll keineswegs die weitere ſorgſame Pflege und
Fortentwickelung auch des mehr lokalin Verkehrs aus=
ſchließen
.

Der demokratiſche Sieg in den Vereinigten
Staaten.
* Die Demokraten waren bei den Wahlen zum Kon=
greß
noch in einer Reihe weiterer Staaten ſiegreich, ſie
haben nach den letzten Meldungen eine Mehrheit von
etwa 50 Stimmen im Repräſentanten=
hauſe
. Die Demokraten gewannen außerdem acht Sitze
für den Senat, ſo daß die republikaniſche Mehrheit des
Senats herabgemindert wird. Der demokratiſche Gouver=
neur
wurde gewählt in den ausſchlaggebenden Staaten
New=York, Ohio, den republikaniſchen Hochburgen New=
Yerſey, Connecticut und Maſſachuſetts. Die Republi=
kaner
verloren auch in anderen Staaten viel Stimmen,
außerdem unterlag der Rooſevelt=Kandidat für den Gou=
verneurspoſten
in New=York dem Demokraten.
Bei ihrem Sieg iſt den Demokraten zuſtatten gekom=
men
: die allgemeine mißliche Lage der breiteſten Bevöl=
kerungsſchichten
infolge der unerſchwinglich hohen Koſten
der Lebensführung, die in der Hauptſache der republika=
niſchen
Tarifpolitik zugeſchrieben wird, und dann die
weitgehende Spaltung im republikaniſchen Lager ſelber,
von New=York bis hinüber an den Stillen Ozean. Im
Staate New=York war die Lage am intereſſanteſten, weil
ſich hier der ganze Wahlkampf weniger um die zur Wahl
ſtehenden Leute als um Theodor Rooſevelt drehte und
mit ihm um die nächſte Präſidentenſchaft. Die meiſten
der parteigetreuen Republikaner werden geneigt ſein, die
Niederlage dem Eingreifen des früheren Präſidenten zu=
zuſchreiben
, denn ſeine überaus ſchwankende Haltung in
der Tariffrage hat ebenſoviele kopfſcheu gemacht, wie ſich
viele abgeſtoßen fühlten von der Kampfesart, die der
Würde eines ehemaligen Präſidenten der Vereinigten
Staaten allzuviel vergab und ihm ſchwere Schlappen ein=
trug
. Die Wahl im Staate New=York war deshalb weni=
ger
gegen die republikaniſche Partei ſelbſt als gegen
Rooſevelt gerichtet und bietet inſofern kein ganz klares
Bild der wirklichen Lage. Aber die Ergebniſſe in den
anderen Staaten laſſen erkennen, daß man tatſächlich der
herrſchenden Partei müde geworden war, und ſelbſt ein=
ſichtige
Republikaner ſind der Anſicht, daß der Partei ein
kräftiges Sturzbad nottat. Der nächſte Kongreß, der am
4. März 1911 zuſammentritt, wird alſo ein demokratiſches
Abgeordnetenhaus aufweiſen, und der Senat wird eben=
falls
fortſchrittlich gefärbt ſein.
Die New=Yorker Blätter äußern ſich über Rooſe=
velt
, den Geſchlagenen. Die New=Yorker Staats=
zeitung
ſchreibt, er habe va banque mit ſeinem Anſehen

und ſeiner politiſchen Zukunft geſpielt und habe das
Spiel verloren. Der Wahlausfall ſei ein verdientes Miß=
trauenszeugnis
und eine angemeſſene Strafe auch für den
Präſidenten Taft für den von ihm und ſeiner Partei am
Volk begangenen Treubruch bei der Tarifreform. Die
Sun erklärt, Sankt Helena ſei für Rooſevelt deutlich ſicht=
bar
. Das Volk habe ſowohl den Neuen Nationalismus
wie den Rooſeveltismus nachdrücklich zurückgewieſen. Die
erteilte Lektion müſſe bitter und tödlich ſein, aber ſie
ſei wohlverdient. Die World ſchreibt, Rooſevelt und
der Neunationalismus hätten ihr Waterloo erlebt, Rooſe=
velt
ſei jedenfalls nicht der nächſte Kandidat für die Prä=
ſidentſchaft
. Die New=Yorker Times ſpricht von einer
politiſchen Revolution und einer exemplariſchen Strafe.
Auch Taft verdiene keine Sympathie. Nur die Rooſe=
velt
freundliche Tribune ſagt, die Partei ſei geſtraft für
die Tarifreform, für das, was ſie getan und nicht getan
habe, verantwortlich gemacht von denjenigen, denen ſie zu
weit, und von denjenigen, denen ſie nicht weit genug ge=
gangen
ſei.
Deutſches Reich.
* Eine Frühjahrsreiſe des Kaiſers
nach Rußland? Während unſere Mitteilung vom
2. ds. Mts., der Kaiſer werde den Beſuch des Zaren als=
bald
in Heſſen erwidern, am Dienstag von der Nordd.
Allg. Ztg. beſtätigt worden iſt, taucht gleichzeitig die Nach=
richt
auf, daß der Kaiſer zum Beſuch des Zaren im Früh=
jahr
nach Rußland reiſen werde. An unterrichteter Stelle
iſt von dieſer Reiſe nichts bekannt. Es iſt auch nicht
wahrſcheinlich, daß eine derartige Reiſe unternommen
wird, weil auch im nächſten Jahre der Zar und ſeine
Gemahlin Aufenthalt in Deutſchland nehmen und bei die=
ſer
Gelegenheit wiederum mit dem Kaiſer zuſammen=
treffen
dürften.
Die Monarchenbegegnung in Pots=
dam
. In der ruſſiſchen Roſſija erſcheint folgende Aus=
laſſung
: Die Monarchenbegegnung in Potsdam, begleitet
von Unterredungen des Reichskanzlers Dr. v. Bethmann
Hollweg und des deutſchen Staatsſekretärs des Aeußern
v. Kiderlen=Wächter mit dem Verweſer des ruſſiſchen Mi=
niſteriums
des Aeußern Saſonow, hat ſehr erfreuliche
Reſultate ergeben. Wie ſich klar herausſtellte, beſtehen
in den Anſchauungen der Regierungen beider Nachbar=
mächte
über die Grundfragen der internationalen Politik
keine Meinungsverſchiedenheiten. Was verſchiedene Fra=
gen
von weniger weſentlicher Bedeutung betrifft, ſo
wurde die volle Möglichkeit feſtgeſtellt, die Löſung auf die=
ſem
Boden entſtehender Mißverſtändniſſe durch aufrich=
tigen
offenen Meinungaustauſch zwiſchen den beiden Re=
gierungen
zu erleichtern.
Die Strafprozeßkommiſſion des
Reichstages führte die Beratung des Abſchnittes
über das Verfahren gegen Jugendliche zu Ende. Der
weſentlichſte unter den hierzu jetzt in zweiter Leſung ge=
faßten
Beſchlüſſen iſt die Wiederaufhebung des in erſter
Leſung beſchloſſenen § 375a, der eine verſchiedene Behand=
lung
der Jugendlichen unter 16 Jahren und der von 16
bis 18 Jahren einführte. Die Statiſtik hat ergeben, daß
die Beſſerungsfähigkeit Jugendlicher zwiſchen 16 und 18
Jahren erheblich größer iſt, als man bisher annahm;
damit rechtfertigt ſich die Aufhebung des Beſchluſſes erſter
Leſung. Ein Zentrumsantrag, der das Prinzip der be=
dingten
Begnadigung mit dem Verfahren gegen Jugend=
liche
verkoppeln wollte, wurde mit großer Mehrheit ab=
gelehnt
. Vor der Entſchließung über die Erhebung einer
Anklage gegen einen Jugendlichen iſt nach dem Beſchluß
erſter Leſung die Vormundſchaftsbehörde zu hören. Die
Regierung hatte hiergegen dringende Einwendungen er=
hoben
. Mit Rückſicht hierauf wurde dieſe Vorſchrift jetzt
in zweiter Leſung beſeitigt, ſoweit es ſich nur um Ueber=
tretungen
handelt. Ebenfalls gegen den Widerſpruch der
Regierung hatte die Kommiſſion in erſter Leſung be=
ſchloſſen
, daß gegen den Beſchluß, Anklage gegen einen
Jugendlichen zu erheben, Beſchwerde zuläſſig ſein ſoll.
Durch den Beſchluß zweiter Leſung wird dieſe Vorſchrift
wieder beſeitigt, ſo daß der Beſchluß, die Anklage zu er=
heben
, unanfechtbar bleibt.
Schutz deutſchen Eigentums im Aus=
lande
. Der kleine Kreuzer Bremen, der infolge der
in Amapala (Honduras) ausgebrochenen Unruhen zum
Schutze des deutſchen Eigentums und der deutſchen Inter=
eſſen
dorthin beordert wurde, iſt, aus Panama kommend,
am 8. November in Amapala eingetroffen. Ein franz=
zöſiſches
Kriegsſchiff und ein Kreuzer der Vereinigten

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. November 1910.

Staaten ſind bereits dor, Ein engliſches Kriegsſchif
wird erwartet.
Staatsbudget für Hamburg. Der der
Bürgerſchaft zugegangene Entwurf des Staatsbudgets
für 1911 veranſchlagt die Einnahmen auf 144 987 226 Mark,
die Ausgaben ohne Berückſichtigung der Mehrausgaben
infolge der bevorſtehenden Beamtengehaltserhöhung auf
161819563 Mark, ſo daß ein Fehlbetrag von 16832441
Mark beſteht.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Die deutſch=tſchechiſchen Ausgleichs=
verhandlungen
gerieten neuerlich ins Stocken, da
die Frage des Sprachengeſetzes ſtarke Meinungsgegenſätze
hervorrief. Die Lage hat ſich ſo zugeſpitzt, daß der Statt=
halter
Graf Coudenhove zum erſten Male die Obmänner
der Parteien zu einer vertraulichen Konferenz berief. Als
Ergebnis der Konferenz, der auch der Oberlandmaſchall
Fürſt Lobkowitz beiwohnte, verlautet, daß die Ausgleichs=
verhandlungen
fortgeſetzt werden.
In der ungariſchen Delegation traten
bei der fortgeſetzten Beratung des Heeresbudgets ſämt=
liche
Redner für die Erfüllung der nationalen Forderun=
gen
Ungarns für die Armee ein. Rakovszky ſtimmte für
das Heeresbudget trotz der oppoſitionellen Haltung der
Volkspartei, weil es nicht anginge, daß der große Kampf,
den Ungarn in militäriſchen Fragen führe, zum Schaden
der Armee ausgetragen würde.
In der Sitzung des mähriſchen Land=
tags
kam es zu ſtürmiſchen Szenen, als dem Abgeord=
neten
Grünfeld das Wort entzogen wurde. Die deutſchen
Abgeordneten ſchlugen mit den Pultdeckeln, ſtimmten
Lieder an und warfen Akten und andere Schriftſtücke gegen
das Präſidium. Schließlich verließen die deutſchen Abge=
ordneten
, der verfaſſungstreue Großgrundbeſitz, die mäh=
riſche
Mittelſtandspartei und die Sozialiſten den Saal,
wodurch das Haus beſchlußunfähig wurde. Der Tag
der nächſten Sitzung wird ſchriftlich bekanntgegeben.
Frankreich.
In der Debatte über die Regierungs=
erklärung
griff Delahaye (Rechte) unter ſtarkem Lärm
Briand und mehrere Miniſter, darunter beſonders Laferre,
perſönlich heftig an. Der Präſident drohte ihm einen
Ordnungsruf an. Leroy=Beaulien (Progreſſiſt) erklärte,
er könne zu einem Miniſterium, dem Laferre, der Ver=
teidiger
der Zettelwirtſchaft des Kriegsminiſters, und an=
dere
angehören, kein Vertrauen haben. In Erwiderung
auf die Ausführungen des Deputierten Charles Benoiſt
erklärte Briand, er werde hinſichtlich der Wahlreform die
Vertrauensfrage ſtellen, und hoffe, mit Unterſtützung der
Kommiſſion zu einer ſchnellen Löſung zu gelangen, vor=
ausgeſetzt
, daß die Kommiſſion den urſprünglichen Ent=
wurf
nicht allzu ſehr abändere. Der Konſervative Binder
erklärte, daß er die Regierung unterſtützen werde, weil er
ihr Verhalten gegenüber dem Eiſenbahnerausſtand billige
und ihr Kredit gewähre. Der Führer der radikalen So=
zialiſten
Pelletan kritiſierte mit ſcharfex Ironie die Art,
vie Briand ſeine Mitarbeiter und das Parlament be=
handle
. Briand erwidert, die Regierung habe über das
Streikrecht der Arbeiter die nämliche Auffaſſung, welche
Pelletan als Marineminiſter im Ausſtand der Seeleute
betätigt habe. Darauf wurde die Verhandlung geſchloſſen.
Es lagen drei Anträge auf Tagesordnung vor.
Briand erklärt, die Regierung nehme nur die Tages=
ordnung
Grosdidier an. Sie lautet einfach: Die
Kammer vertraut auf die Erklärungen der Regierung.
Die Kammer nahm die Tagesordnung Gros=
didier
mit 296 gegen 209 Stimmen an. Die
Regierung hat ſomit eine Mehrheit von 87 Stimmen.
Hierauf vertagte ſich die Kammer.
Eine Note des Miniſteriums des Innern betont, daß
die Regierungsmehrheit eine rein republikaniſche ſei, die,

Nummer 265.

von den progreſſiſtiſchen Stimmen abgeſehen, 241 Repu=
blikaner
der Linken umfaßt, während die Minderheit mit
Einſchluß der geeinigten Sozialiſten nur 100 republika=
niſche
Stimmen zähle.
Die republikaniſchen Blätter äußern ſich über den
Ausgang der Interpellationsdebatte befriedigt und erklä=
ren
, man könne dem Kabinett nicht mehr vorwerfen, daß
es ſich mit Hilfe der Rechten am Ruder erhalte. Die Rechte
habe ſich nunmehr zu den Gegnern der Regierung geſchla=
gen
und Briand könnte das von ihm gekennzeich=
nete
Programm unbehindert verwirklichen. Der mon=
archiſtiſche
Gaulois meint, Briand habe nur ein
Gnadenvotum erhalten. Seine Politik habe bei keiner
Partei Achtung errungen. Auch das nationaliſtiſche
Echo de Paris erklärt, daß Briand aus der zweitägigen
Interpellationsdebatte ſehr geſchwächt hervorgehe.
Jaurés ſchreibt in der Humanité, die Abſtimmung
bedeute für Briand einen wahren Zuſammenbruch, er
habe nicht einmal die Hälfte der Kammer für ſich.
Ebenſo meint der combiſtiſche Rappel, daß das Miniſte=
rium
nur mit knapper Not dem Sturze entgangen ſei.
England.
Eine Rede des Premierminiſters
Asquith. Auf dem Lordmayor=Bankett in der Guild=
hall
erklärte Premierminiſter Asquith, Tes habe einige
Regungen und Bewegungen an verſchiedenen Teilen
des internationalen Horizonts gegeben, aber keine, die
den Frieden unter den Großmächten zu ſtören drohe.
Wir ſind ſtets bereit, fuhr der Miniſter fort, uns
anderen zur Erzielung der Beruhigung anzuſchließen.
Wir brauchen keine Abenteuer, ſondern Beſtändigkeit und
Frieden. Es iſt eine gewiſſe Beunruhigung durch den ſo
ſenſationellen wie unbegründeten Bericht verurſacht wor=
den
, daß wir im Begriffe ſeien, uns in die inneren Ange=
legenheiten
Perſiens einzumiſchen. Die Tatſachen ſind
folgende: Seit einiger Zeit haben ſich die Handelsſtraßen
in Nordperſien in einem Zuſtand größter Unſicherheit be=
funden
. Die britiſchen Firmen fordern naturgemäß von
uns, zu tun, was wir vermöchten, um dem abzuhelfen.
Wir ſtellten daher an die perſiſche Regierung das drin=
gende
Anſuchen, daß, wenn ſie nicht imſtande ſei, mit den
eigenen Truppen dieſe Wege zu überwachen, ſie ihre Zu=
ſtimmung
dazu erteilen ſoll, daß eine perſiſche Truppe
unter dem Befehl von britiſchen Offizieren aufgeſtellt
werde, die zu dieſem Zweck von der indiſchen Regierung
geſtellt werden ſollen. Indem Premierminiſter Asquith
ſodann die Rüſtungsfrage berührte, erklärte er, er ſei voll=
ſtändig
überzeugt, daß die Mehrheit der Völker in den
ziviliſierten Ländern der Welt den Frieden wünſche und
einem Krieg entſchieden abgeneigt ſei. Was für ein
Paradoxon ſei es dann, daß in faſt jedem Lande die Aus=
gabe
für die Rüſtungen der häufigſte Gegenſtand der
Debatte ſei, zuerſt in England ſelber, dann in Deutſch=
land
und dann in den öſterreichiſchen Delegationen. Es
wird uns oft geſagt, ſo fuhr der Premierminiſter fort, daß
gerade der Umfang dieſer Rüſtungen eine Sicherung des
Friedens iſt. Aber ſchon die Anſammlung und Anhäufung
von einer ſolchen Maſſe an exploſivem Material iſt an
und für ſich eine Gefahr, denn die Bürde der für dasſelbe
nötigen Beſteuerung erzeugt überall Beunruhigung, die
den Ausdruck in inneren Ruheſtörungen finden kann, die
ſich aber auch unter irgend einem neuen Impuls in einem
äußeren Angriff Erleichterung ſuchen kann. Kein einziges
Land kann ſeine Ausgaben herabſetzen und der Mäßigung
ſtärkerer, wachſamer Nachbarn vertrauen, am wenigſten
von allen wir mit unſeren Beſitzungen über die ganze
Länge und Breite der Welt. Wir ſcheinen uns in einem
cireulus vitiosus zu befinden. Das Vorhandenſein aus=
gedehnter
Rüſtungen ſchafft Furcht und Mißtrauen zwi=
ſchen
den Regierungen und ſtachelt ſie zur Ausgabe für
Rüſtungen an. Aber wenn die Stimmung der Völker
eine friedliche iſt, ſo ſollte es ſicherlich nicht unmöglich
ſein, daß ſich eine freundlichere Atmoſphäre nicht zwiſchen
zwei oder drei, ſondern zwiſchen allen größeren Ländern

Europas verbreitet. Ich bemerke, daß unter dem wach=

ſenden Drucke der beſen öſſntlichen Meinung in jedem
Weltteile die gute politiſche Stimmung, ob ſie die Form
tatſächlicher Verſtändigungen annimmt oder nicht, in nicht
zu langer Zeit ſo allgemein umfaſſend unter den Groß=
mächten
wird, daß ſie dem verſchwenderiſchen und unheil=
vollen
Wettbewerb zu kriegeriſchen Zwecken ein Ende
ſetzen wird.
Portugal.
Die Geſandten Frankreichs, Spaniens,
Italiens und Englands wurden vom Miniſter
des Aeußern empfangen, dem ſie mitteilten, daß ſie er=
mächtigt
ſeien, die laufenden Geſchäfte wieder aufzuneh=
men
. Die Geſandten brachten zu gleicher Zeit den
Wunſch nach herzlichen Beziehungen zwiſchen ihren Län=
dern
und Portugal zum Ausdruck.
Der Finanzminiſter beſchäftigt ſich mit der
Reform ſeines Miniſteriums, der Eintreibung alter Schul=
den
an den Staat im Betrage von 25 Millionen Francs,
der Wiedereinziehung von Staatsgütern, der Organi=
ſation
zur direkten Kontrolle der Geſellſchaften mit be=
ſchränkter
Haftung und aller Unternehmungen, die in Be=
ziehungen
zum Staate ſtehen, ſowie mit einer Reform
der Grundlagen der Steuern. Bei der Eintreibung der
alten Schulden an den Staat ſoll jedoch ohne Häxte
gegen die Schuldner vorgegangen werden,

* Die Ausgabe neuer Reichsbanknoten
zu 100 Mark iſt in Ausſicht genommen. Zu ihrer Her=
ſtellung
wird beſonders prüpariertes Papier verwendet
werden, um unbefugte Nachahmungen beſſer verhindern zu
können. Neben der Pflanzenfaſerung nach dem Wilcox=
ſchen
Verfahren werden die neuen Banknoten ein ſehr
ſchwierig nachzuahmendes Waſſerzeichen aufweiſen, das
ein anderes Bild als dasjenige der Reichskaſſenſcheine
zeigen wird.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 11. November.
* Vom Hofe. An der Mittagstafel am Mittwoch
nahm Dr. Grote=Nauheim teil. Nachmittags fuhren
die Majeſtäten mit den Großherzoglichen Herrſchaften
in die Stadt und beſichtigten das Schloß und das Neue
Palais. Von hier aus wurde um 6 Uhr das Theater
beſucht.
Ihre Königl. Hoheiten der Großherzog und die
Großherzogin von Baden trafen geſtern mit dem
fahrplanmäßigen Schnellzuge, der ausnahmsweiſe auf
der Station Egelsbach hielt, gegen 12 Uhr 35 Min. hier
ein und wurden am Bahnhof von dem Großherzog
und der Großherzogin von Heſſen empfangen.
Nach herzlicher Begrüßung fuhren die Allerhöchſten
Herrſchaften in Automobilen nach Jagdſchloß Wolfs=
garten
. Die Rückfahrt fand um 3 Uhr 28 Min. ſtatt.
* Prinzeſſin Viktoria von Battenberg iſt Mittwoch
nachmittag nach London abgereiſt, um ſich von dort
nach Gibraltar zu begeben.
* Kaiſer Wilhelm in Wolfsgarten. Der deutſche Kai=
ſer
trifft heute vormittag 10 Uhr in Wolfsgarten ein,
nimmt an der Frühſtückstafel teil und reiſt um 2 Uhr
57 Min. wieder ab.
Ordensverleihung. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Geheimen Finanzrat Dr.
Lauer zu Darmſtadt die Erlaubnis zur Annahme und
zum Tragen der ihm von Sr. Maj. dem König von
Preußen verliehenen Roten Kreuz=Medaille 2. Klaſſe erteilt.
Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Johann Frieß aus Weinheim, Kreis Alzey, eine Lehrer=
ſtelle
an der Gemeindeſchule zu Herbſtein, Kreis Lauter=
bach
; dem Schulamtsaſpiranten Franz Lotz aus Seligen=
ſtadt
, Kreis Offenbach, eine Lehrerſtelle an der Gemeinde=
ſchule
zu Herbſtein, Kreis Lauterbach.
*e Militärdienſtnachrichten. Zur Teilnahme am
I. (85.) Lehrgang zur Feld=Artillerie=Schießſchule komman=
diert
: Major Goebel, Abteil.=Kommandeur vom Feld=
Art.=Regt. Nr. 61. Zum II. (86.) Lehrgang zur Feld=
Art.=Schießſchule kommandiert: Hauptm. v. Eggeling
vom Feld=Art.=Regt. Nr. 25, Oberlt. Geppert vom Feld=
Art.=Regt. Nr. 61.
*X* Das Kriegsgericht verurteilte geſtern den
Schloſſer Jakob Sängerbeck von hier wegen Ka=
meradendiebſtahls
zu 5 Monaten Gefängnis
und Verſetzung in die zweite Klaſſe des Soldaten=

Die Empfindſamen in Darmſtadt.
* Im Verlage von Klinckhardt & Biermann in
Leipzig erſchien ſoeben ein außerordentlich intereſſan=
tes
, inhaltreiches und in ſeiner Art graziöſes Büch=
lein
von Dr. Valerian Tornius: Die Emp=
findſamen
in Darmſtadt, Studien über Män=
ner
und Frauen aus der Wertherzeit. (Preis geh.
4 Mark, geb. 5 Mark.) Das reich illuſtrierte, mit An=
ſichten
von Darmſtadt und Umgegend verſehene Buch
von Tornius gibt zum erſten Male eine zuſammen=
faſſende
Darſtellung jenes Kreiſes von Männern und
Frauen, die die Seele des jungen Dichters beeinfluß=
ten
, der in Darmſtadt ſeinen Sitz hatte und durch
Namen wie Herder, Karoline Flachsland, Henriette
von Rouſſillon und Luiſe von Ziegler umſchrieben iſt.
Mit dieſen Menſchen geht der Wanderer, der junge
Goethe, um den Freunden bei der Raſt ſeine neueſten
Gedichte vorzuleſen. Es iſt ein bunt bewegtes Bild,
das ſich in dieſem Kreiſe entrollt, in dem die faſt ſchon
erſtorbenen Sentimentalitäten des Rokoko, ſeine Sehn=
ſucht
nach Vergeiſtigung alles Materiellen, zum letzten
Male greifbar werden. Namentlich führt das Buch
uns auch in den uns heute wunderlich erſcheinenden
Freundſchaftskultus der Empfindſamen ein.
Wir entnehmen im folgenden eine Probe aus dem
Kapitel Der Wanderer in der Gemeinſchaft der Hei=
ligen
:
Zu. keiner Zeit wurden Freundſchaften ſchneller
geſchloſſen, als in der Epoche der Empfindſamkeit.
Man brauchte ſich nur flüchtig geſehen oder gegenſeitig
empfängliche Herzen wahrgenommen zu haben, ſo
ſtand man ſchon auf vertraulichem Fuße. Der alte
Vater Gleim hatte kaum die Schwelle von Mercks Haus
überſchritten, da ſchlangen ſich bereits Merck, Leuchſen=
ring
und Karoline in einer Ecke des Fenſters um den
guten, ſanften Greis und überließen ſich dem vollen
Empfinden der zärtlichſten Freundſchaft. Hätten Sie
doch das ſanft=heitere Geſicht des guten Alten geſehen!
ſchrieb Karoline an Herder. Er weinte eine Freu=
denträne
, und ich, ich lag mit meinem Kopfe auf Mercks

Buſen. Er war außerordentlich gerührt, weinte mit,
und ich weiß nicht alles, was wir getan. O ſüße
Träne meines Lebens! Im Arm der Freunde ge=
weint
! O ſüße Tränen der Freundſchaft, wie göttlich
glauben, daß Du dabei warſt?
Solche Freundſchaftsſzenen wiederholten ſich häu=
fig
in der Gemeinſchaft der Heiligen. Als Goethe in
den Kreis trat, geſchah es nicht viel anders Umarm=
ungen
, ſchwärmeriſche Blicke, gegenſeitige Verhimmel=
ungen
, Liebkoſungen, Küſſe waren an der Tagesord=
nung
. Felſen und Lauben der Umgegend Darmſtadts
hallten von Seufzern und Küſſen wider, und manchen
ſtillen Waldpfad feuchteten empfindſame Freundſchafts=
tränen
. Namentlich der Kuß ſpielte eine große Rolle
unter den Darmſtädter Heiligen. Wie quillt Goethes
Gefühl über, als er von Lila einen Kuß erhalten hat!
Und ich wanke, nahe mich,

Blicke, ſeufze, wanke
Seligkeit! Seligkeit!

Eines Kuſſes Gefühl!
Wieland ſpricht von einem heiligen Kuß der
Freundſchaft Ohne dieſen heiligen Kuß der Freund=
ſchaft
iſt das Vertrautſein der Empfindſamen gar nicht
denkbar. Die Zärtlichkeit war eine der Grundbeding=
ungen
des empfindſamen Freundſchaftskultus. Jacobi
ſchrieb darum an Vater Gleim: Vergeſſen Sie nicht,
Glück ausmacht. Zartheit und Zärtlichkeit ſind für Karoline meinte, lag am Gehaborner Hof, einem noch
die Empfindſamen untrennbare Begriffe. Dadurch
geſchah es aber auch, daß jede Zärtlichkeit ein gewiſſes
Maß der Schicklichkeit nie überſchritt. Jede Liebkoſung
behielt ſtets den Charakter einer unſchuldigen Tän=
delei
!
Der Wanderer fühlte ſich in der Gemeinſchaft der
Heiligen gleich wie zu Hauſe. Er wußte ſich ſofort in
die Eigenheiten dieſer ſonderbaren Vereinigung zu
finden; ſchwärmte bald mit Lila, bald mit Urania,
bald mit Pſyche, räumte keiner einen beſonderen Vor= weder zur Faſanerie oder zum Herrgottsberge oder zu
zug ein und bedichtete, um es mit keiner zu verderben,
alle drei, An ein ernſtliches Verlieben dachte er nicht, ſtadts, ließ ſich im ſchattigen Dunkel des Waldes

aber er war allen gleich wohl geſinnt. Uns Mädchen
und Weibern iſt er auch beſſer als ſonſt, und iſt uns
herzlich gut, berichtet Karoline, aber überhaupt
lieben, dazu liegt noch zu viel Aſche von ſeiner erſten
ſeid ihr? Süßeſter, holder Freund, Du wirſt doch Liebe in ſeinem Herzen, und das ſcheint natürlich.
Und trotzdem glaubte Karoline, daß Goethe eine ernſte
Neigung zu Lila gefaßt habe! So wurde der Wanderer
bald das unentbehrlichſte Mitglied der Gemeinſchaft.
Kauum hatte er ſeine Schritte zum erſten Male von
Darmſtadt heimwärts gelenkt, da ſpürte er wiederum
das Verlangen, zu den Heiligen zu pilgern; diesmal
kurz vor ſeiner Abreiſe nach Wetzlar. Und wiederum
waren es ſelige, ſchwärmeriſche Stunden, welche die
Empfindſamen miteinander verlebten.
Karoline, die es nie verſäumte, ihrem Herder des
Wanderers Ankunft mitzuteilen, ſchildert dieſen zwei=
ten
Aufenthalt Goethes in Darmſtadt mit folgenden
Worten: Er hat uns einige der beſten Szenen aus
ſeinem Gottfried von Berlichingen das Sie vielleicht
von ihm haben, vorgeleſen. Meinen Liebling, den
Geiſt unſerer alten Deutſchen, habe ich da wieder=
geſehen
, und der kleine Georg, wie er um einen weißen
Schimmel und Harniſch=bittet, iſt mein Georg. Wir
ſind darauf auf dem Waſſer gefahren, von dem ich
Ihnen neulich geſagt, es war aber rauh Wetter. Goethe
ſteckt voller Lieder. Eins von einer Hütte, die in Rui=
nen
alter Tempel gebaut, iſt vortrefflich; er muß mir’s
geben, wenn er wiederkommt, und dann teile ich’s
liebſter Gleim, daß Ihre Zärtlichkeit mein größtes Ihnen, lieber, beſter Herder, mit. Das Waſſer, das
heute beliebten Ausflugsorte der Darmſtädter.
Spaziergänge und Landpartien ſind überhaupt das
Lieblingsvergnügen der Darmſtädter Empfindſamen.
Die ſchöne Abendröte, ſchreibt Karoline an Herder,
die ſchönen Herbſttage mit Nebel, den ich ſehr liebe,
Spaziergänge im Wald, an Teich und Fels gelagert,
und Du, Du ſüßer Jüngling, überall dabei, das ſind
meine ſüßen Beſchäftigungen. In Geſellſchaft von
fünf bis ſechs Perſonen wanderte man hinaus, ent=
anderen
hübſchen Ortſchaften in der Umgebung Darm=

[ ][  ][ ]

Nummer 265.

Därmſtädter Tagblatt, Freitäg, den 11. November 1910.

Seite 3.

ſtandes. Der Angeklagte war im Juli d. J. zu einer
Reſerveübung eingezögen und entwendete in der
dene Papiere und Briefſchaften, die teilweiſe ſpä=
ter
in ſeinem Beſitz gefunden wurden. Obwohl er über. Dieſer wurde verſchönt durch gemeinſam ge=
leugnete
, wurde er für überführt erachtet. Weiter ſungene Lieder und durch Klaviervorträge des Herrn
Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte
Stellungsordre zu einer Reſerveübung erhalten, kam
der Staatsanwaltſchaft geſucht wurde. Er trieb ſich
umher, bis man ihn aufgriff.
D Desinfektionsweſen. Das Großh. Polizei=
amt
hat vor kurzem durch eine amtliche Bekannt=
machung
darauf hingewieſen, daß nach den beſtehenden
Beſtimmungen Desinfektionen von Zimmern oder
Gegenſtänden bei anſteckenden Krankheiten ausſchließlich
durch die amtlichen Desinfektoren, die dem Großh.
Polizeiamt unterſtellt ſind, vorgenommen werden
dürfen. Es iſt neuerdings wiederum vorgekommen, daß
eine hieſige Privatfirma, die Desinfektionen auf Er= (Klavier). Außer neuen Chören enthält das Pro=
tionen
vorgenommen hat, wo nur ein amtlicher Des=
infektor
tätig werden durfte. Da hiermit die amtliche
Desinfektion nicht überflüſſig geworden iſt, ſind der
beteiligten Familie doppelte Koſten erwachſen. Das
Großh. Polizeiamt erſucht uns daher, das Publikum
auf die beſtehenden Vorſchriften wegen Vornahme amt=
licher
Desinfektionen, die von Zeit zu Zeit öffentlich
bekannt gegeben werden, erneut aufmerkſam zu machen.
Der Evang. Frauenverein des Schloßbezirks
veranſtaltet am nächſten Sonntag, den 13. November, nuten vor 9 Uhr im kleinen Turnſaal der Turnhalle
im Gemeindehaus, Kiesſtraße 17, einen Familien=
abend
, zu dem die Mitglieder und Freunde des Ver=
eins
eingeladen ſind. Der Abend wird den Charakter
einer Lutherfeier tragen. Im Mittelpunkt des Pro=
gramms
ſteht ein Vortrag des Herrn Pfarrer Vogel
wird ein Lebensbild der Gattin des großen Reforma=
tors
zeichnen und die Hörer in deſſen häusliches Leben
vervollſtändigen. Außerdem enthält das Programm vormittags zur Einſichtnahme offen.
muſikaliſche Darbietungen (vierhändiges Klavierſpiel,
Sologeſang, Trio für Violine, Cello und Klavier), die
ron bewährten künſtleriſchen Kräften ausgeführt wer=
den
. (Näheres ſiehe Anzeige.)
Konzert des Lehrerſängerchors. Unſere Leſer ſeien
noch einmal auf das Konzert des Lehrerſängerchors auf=
merkſam
gemacht, das morgen abend 8 Uhr im Saalbau
wirkende Altiſtin Lieder von Schubert, Schumann, 1 zogen. Es handelte ſich dabei um die Feſtſtellung, inwie=
Brahms und Reger.
* Konzert Hutter. Der Klaviervirtuoſe Willi
gemeiner Beliebtheit in Darmſtadts muſikliebenden Krei=
ſen
erfreuen, wird am 24. ds. Mts. im Saale des Hotels von Amts wegen geführt, das aber von der Staatsanwalt=
Zur Traube wieder ein Konzert veranſtalten, wor= ſchaft wieder eingeſtellt wurde.
auf ſchon jetzt hingewieſen ſei. Nähere Mitteilungen
folgen.
* Edwin Fiſcher, der berühmte junge Schwei=
Abend im Hotel zur Traube‟. Das Programm ent=
hält
Kompoſitionen von Mozart, Bach=Buſoni, Beet=
hoven
, Chopin und Liſzt.
Wie in den Vorjahren, ſo veranſtaltet auch in dieſem
Jahre wieder die Direktion der Akademie für Tonkunſt
drei muſikwiſſenſchaftliche Vorträge im
Saale des Muſikvereins. Vortragender iſt wieder der
Tübinger Univerſitätsmuſikdirektor, Herr Profeſſor
Dr. Volbach. Der Name des Vortragenden,
ſowie die Wahl der Themen laſſen ſchon
von vornherein auf hohen geiſtigen Gehalt der Dar=
bietungen
ſchließen. In leicht faßlicher Form gehalten,
bieten ſie jedem Muſikfreunde ſowohl Anregung als
auch Gelegenheit, ſeine muſikaliſchen Kenntniſſe zu be=
reichern
. Außerdem wird das geſprochene Wort durch
ſtalten. Ausführende ſind dabei Lehrer und Schüler
der Akademie. Herr Prof. Volbach wird folgende
Themen behandeln: 1. Der junge Beethoven (21.
tung in der Muſik (10. Jan.), 3. Die Liebe im Leben
unſerer Meiſter (20. Februar).
Der Stolze=Schreyſche Stenographenverein
hielt in ſeinem Vereinslokal Heſſiſcher Hof ſeine 1 licher Bedienung gegeben. Das Schöffengericht ſchloß
Monatsverſammlung ab, die außerordentlich zahlreich
beſucht war. Der erſte Vorſitzende, Herr Hähner, er=
ſtattete
zunächſt einen Bericht über den Vertretertag der

Schule Stolze=Schrey, der vom 8.10. Oktober in Ber=
lin
ſtattfand. Nachdem der geſchäftliche Teil erledigt
Kaſerne einem anderen Reſerviſten verſchie= war und noch eine Reihe neuer Mitglieder aufgenom=
men
werden konnte, ging man zum gemütlichen Teil
wurde der Reſerviſt Auguſt Riemer von Seeheim Krüger, der ſich als ausgezeichneter Klavier=
wegen
unerlaubter Entfernung zu 2 Monaten virtuoſe entpuppte. Die dargebrachten Lieder des
Herrn Wundenberg, Schüler der Joachimſchen Ge=
ſangsſchule
, fanden ungeteilten Beifall. Ein kleines
derſelben aber nicht nach, weil er wegen Betrugs vonf Tänzchen hielt die Anweſenden noch bis ſpät in die
Nacht hinein zuſammen.
Vortrag. Wie aus dem Anzeigenteil erſichtlich,
ſpricht am nächſten Sonntag Herr Prediger Bloch von
der freireligiöſen Gemeinde in Offenbach über Frei=
religiöſe
Jugenderziehung‟
* Orthſches Männer=Quartett. Anläßlich der Stif=
tungsfeier
veranſtaltet das Orthſche Männer=Quartett
kommenden Sonntag ein volkstümliches Konzert mit
heiteren Einlagen. Mitwirkende ſind die Herren M.
Vogel=Mainz (Violine) und Eugen Grim=Guſtavsburg
ſuchen von Privaten beſorgt, in einem Fall Desinfek= gramm: ein Bild aus dem Bergmannsleben für
Streichquartett, Soli und Chor von Hans Baſtyr, ein
Singſpiel von M. Legov u. a. m. (Näheres ſiehe Anz.)
Der Ortsgewerbeverein macht darauf aufmerk=
ſam
, daß der Lichtbildervortrag des Herrn Profeſſor
Brockmann aus Offenbach über Streifzüge durch
die Brüſſeler Weltausſtellung nunmehr am nächſten
Donnerstag, den 17. November, ſtattfinden wird.
C Auf die Generalverſammlung der Karnevalge=
ſellſchaft
Narrhalla, die heute, am 11. im 11. 11 Mi=
am
Woogsplatz ſtattfindet, ſei nochmals mit dem Be=
merken
hingewieſen, daß Eintritt in keiner Form er=
hoben
wird.
Adreßbuch. Der Druckbogen Nr. 17 des 1911er
Adreßbuchs, enthaltend Einwohnerregiſter Wiegand,
mit dem Thema: Frau Doktor Luther‟. Der Redner Margarete bis Zwingler, Leonhard liegt im Haupt=
meldebureau
, Hügelſtraße Nr. 31/33, Zimmer Nr. 13,
während der Bureauſtunden (8 bis 12 Uhr vormittags
einführen. Einige Deklamationen werden das Bild und 2 bis 6 Uhr nachmittags) bis zum 12. November
§ Aſyl für Obdachloſe. Während des Monats Ok=
tober
wurde in dem im Lokale des fünften Polizei=
reviers
in der Ludwigshöhſtraße errichteten Aſyl für
Obdachloſe 328 Perſonen Obdach gewährt.
Wolfskehlen, 9. Nov. Am Samstag wurden durch das
Kreisamt Groß=Gerau etwa 20 Perſonen auf dem
ſtattfinden wird. Der Chor ſingt Volkslieder, die mit= hieſigen Rathaus einem eingehenden Verhör unter=
weit
die Einwände begründet ſind, die gegen den neuge=
wählten
Bürgermeiſter von der gegneriſchen Seite beim
Hutter, deſſen alljährliche Klavierabende ſich längſt all= Miniſterium des Innern vorgebracht wurden. Dieſe Be=
hauptungen
hatten ſchon zu einem Beleidigungsverfahren
Offenbach, 10. Nov. Das Großherzogspaar
traf heute morgen gegen 9½ Uhr mit Gefolge im Auto=
mobil
hier ein und begab ſich ſofort in den Neubau der
zer Pianiſt, gibt am 17. November einen Klavier= Firma J. Mayer und Sohn, um mit der Ausſtattung ſei=
nes
Verkaufsſtandes für den bevorſtehenden Verkaufstag
zu beginnen.
Rüſſelsheim, 9. Nov. Den Bemühungen des Ge=
* Profeſſor Ph. Schmittſche Akademie für Tonkunſt. meinderatsmitglieds Herrn Dr. Spangenberg iſt es
gelungen, die unentgeltliche Lieferung der Lehr=
mittel
an arme Kinder der Volksſchule in hieſiger
Gemeinde nun doch noch zu erreichen. Dabei wurde
jedoch gleichzeitig der ſehr anerkennenswerte Beſchluß
gefaßt, die Lieferung der Lehrmittel auf Koſten der
Gemeindekaſſe nicht als Armenunterſtützung anzuſehen,
damit die betreffenden Väter der Kinder nicht ihr Wahl=
recht
verlieren.
Mainz, 10. Nov. Das Schöffengericht hatte
ſich geſtern mit dem Einſpruch gegen einen Strafbefehl
zu beſchäftigen, der von der Polizei gegen einen Wirt
in der Rheinſtraße erlaſſen worden war, weil er den
beſonders gewählte muſikaliſche Beiſpiele erläutert, gegen ſeine Wirtſchaft verfügten Zehnuhrſchluß
wodurch ſich die Vorträge ſehr abwechſelungsreich ge= unbeachtet gelaſſen hatte. Der Wirt behauptete, daß er
keine Wirtſchaft mit weiblicher Bedienung betreibe.
Er lebt von ſeiner Frau getrennt und läßt ſich von
einer entfernten Verwandten den Haushalt führen.
Nov.), 2. Die Tonmalerei, ihr Weſen und ihre Bedeu= 1 Dieſe Haushälterin bediente in feiner Abweſenheit und
bei ſtarkem Geſchäftsgang nur zeitweiſe die Gäſte.
Unter dieſen Umſtänden ſei nicht die Grundlage für
die ſtädtiſche Verordnung über Wirtſchaften mit weib=
ſich
dieſen Ausführungen an und hob den Polizeibefehl
und damit auch den verfügten früheren Geſchäftsſchluß
bei dieſem Wirt auf, da es ſich in dieſem Fall nicht um

weibliche Bedienung, ſondern um gelegentliche Aus=
hilfe
durch die Haushälterin des Wirtes beim Bedie=
nen
handele. Die Stadt wird=gegen dieſe Entſcheidung
Berufung einlegen.
Worms, 10. Nov. Der Wormſer Polizei=
hund
, der dem Schutzmann Engelmann gehört, hat
ſich in der Pfalz mit beſtem Erfolg betätigt. In Epp=
ſtein
ſind in der letzten Zeit fortgeſetzt Einbruchsdieb=
ſtähle
verübt worden. Sonntag abend nun, kurz nach=
dem
von der Frankenthaler Zuckerfabrik an die Epp=
ſteiner
Landwirte das Geld für gelieferte Zuckerrüben
ausbezahlt worden war, wurden dem Wirt und Ackerer
Dilſer, der als Rübengeld ebenfalls eine größere
Summe erhalten hatte, zu einer Zeit, in der er ſich
mit ſeinen Angehörigen im Gaſtzimmer befand, aus
einem im Wohnzimmer befindlichen, verſchloſſenen
Schranke 3500 Mark geſtohlen. Der Dieb, den man,
ohne ihn zu erkennen, das Haus in wilder Flucht ver=
laſſen
ſah, wurde zwar ſofort eifrig verfolgt, doch ge=
lang
es ihm, ſeinen Verfolgern zu entrinnen. Der
Polizeihund aus Worms, der auf Veranlaſſung der
benachrichtigten Gendarmerie noch am Abend eintraf,
ſtellte aus einer vor dem Hauſe befindlichen Menſchen=
menge
bald den verheirateten Arbeiter Peter Dauth
von Eppſtein. Und als Dauth die Täterſchaft entſchie=
den
in Abrede ſtellte, und auf Anweiſung der Polizei=
beamten
wiederholt eine andere Stellung unter der
Menſchenmenge einnehmen mußte, wurde er von dem
Hund immer und immer wieder aufgeſucht und geſtellt.
Unter dieſen Umſtänden wurde Dauth unter dem Ver=
dacht
der Täterſchaft verhaftet und in das Franken=
thaler
Gerichtsgefängnis eingeliefert. (W. Ztg.)
A Gießen, 9. Nov. Die im Jahre 1901 in Angriff
genommenen Kanaliſationsarbeiten in un=
ſerer
Stadt werden demnächſt ihr Ende erreicht haben,
wenn auch der auf dem rechten Lahnufer ge=
legene
Stadtteil kanaliſiert iſt. Die Arbeiten
in dem links gelegenen Stadtteil ſind ſchon längere
Zeit beendet; die Kanaliſation erfolgte hier teilweiſe
nach dem Trennſyſtem, d. h. Regen= und Hausabwäſſer
wurden getrennt von einander in verſchiedenen Sielen
abgeleitet, zum Teil wurden die Abwäſſer aber auch
gemeinſchaftlich in einem Siel abgeführt. In dem
rechts der Lahn gelegenen Stadtteil ſoll das Trenn=
ſyſtem
ſtreng durchgeführt werden und die Regen=
abwäſſer
auf dem kürzeſten Wege in die Lahn, die
Hausabwäſſer und Fäkalien dagegen in die auf der
linken Lahnſeite gelegene Kläranlage abgeleitet wer=
den
. Zur Unterführung des Hauptſieles unter der
Lahn war ein aus zwei eiſernen Rohren hergeſtellter
Düker erforderlich, der in etwa einem Meter Tiefe
unter dem Flußbett verlegt wurde. Unſere Klär=
beckenanlage
, die eine rein mechaniſche Abwaſſerreinig=
ung
bezweckt und im weſentlichen im Abfangen und
Abſetzenlaſſen der Schmutzſtoffe beſteht, kann geradezu
als muſtergültig in ihrer Art bezeichnet werden. Das
Projekt für unſere Kanaliſation iſt von Geh. Ober=
baurat
Schmick, jetzt in München, entworfen worden.
A Herbſtein (Oberheſſen), 10. Nov. Das neue
Stadthaus, das an Stelle des vor drei Jahren
durch Feuersbrunſt zerſtörten alten Rathauſes erbaut
worden iſt, iſt jetzt vollſtändig fertig geſtellt. Im weſt=
lichen
Flügel befindet ſich das Stadtwirtshaus mit
Metzgerei, das jetzt verpachtet werden ſoll, während
der öſtliche Flügel das eigentliche Rathaus mit zwei
Lehrerwohnungen enthält. Das ſtattliche Gebäude in
ſeinem ſchmucken Bauſtil präſentiert ſich ſehr vorteil=
haft
auf dem Marktplatz. Die Pläne ſind von dem
Großh. Regierungsbaumeiſter Zang bearbeitet wor=
den
, in deſſen Händen auch die Bauausführung lag.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 9. Nov. Die vom= Volks=
bund
zur Bekämpfung des Schmutzes in Wort und Bild
eingerichtete Kinderleſehalle findet einen außer=
ordentlichen
Anklang. Der Andrang iſt ſo groß, daß
zahlreiche Kinder täglich keinen Einlaß finden können.
Die Schließung der 158. Gemeinde= Mäd=
chenſchule
machte ſich notwendig, weil eine Diph=
therie
=Epidemie in den letzten Wochen ſo um ſich griff,
daß 60 bis 70 Kinder fehlten; auch mehrere Todesfälle
kamen vor. Der Moabiter Krawallprozeß
wurde wiederum auf 12 Uhr mittags vertagt, da die
Beſchlußkammer über den geſtern von der Verteidigung
geſtellten Antrag auf Ablehnung des Richterkollegiums
der dritten Strafkammer zu beraten hat.
München, 9. Nov. In Gilgenberg (Oberbayern)
begann eine dreißigköpfige Bande böhmiſcher
Vagabunden, die die ganze Gegend ſchon ſeit einiger
Zeit bettelnd und ſtehlend gebrandſchatzt hatte, einen

nieder, pflegte anregende Unterhaltung, vergnügte
ſich am Spiel oder ſchwelgte in ſchwärmeriſchem Ver=
kehr
mit Natur und Menſchen. Faſt jeder lauſchige
Waldwinkel, jeder Teich, jeder Fels barg für die Hei=
ligen
ſüßeſte Erinnerungen.
Am häufigſten beſucht wurde der Herrgottsberg‟,
der nicht weit von dem Forſthaus Böllenfalltor in=
mitten
des ſchönſten Buchenholzwaldes gelegen iſt.
Der daneben ſteil aufragende Felszacken, die ſoge=
nannte
Teufelsklaue, hatte für die Empfindſamen
eine ganz beſondere Bedeutung. Der Herrgottsberg
galt nämlich als eine ſagenumſponnene Stätte! Eine
alte Kapelle ſollte daſelbſt geſtanden haben und unter=
irdiſche
Gänge ſollten von dort bis nach Darmſtadt
führen. Hier weilte Pſyche am liebſten und unter=
hielt
ſich in Gedanken mit ihrem Herder; hier ſtand
jene dürftige Holzmacherhütte, die ſie ſo phantaſiereich
zur Heimſtätte ihres Eheglücks erkoren hatte; hier
trank man Milch und las dabei Klopſtocks neue
Oden; hier in die Felswand der Teufelsklaue grub
Goethe ſeinen Namen hinein; hier hat auch die Ge=
burtsſtunde
vom Felsweihe=Geſang an Pſyche ge=
ſchlagen
.
Veilchen bring’ ich getragen,
Junge Blüten zu dir,
Daß ich dein mooſig Haupt
Ringsum bekränze,
Ringsum dich weihe,
Felſen des Tals ꝛc. ꝛc.
Wenn es Frühling wurde, wanderten die Hei=
ligen
hierher und ſangen Frühlingslieder. Den gan=
zen
Winter über freute man ſich ſchon darauf. Auch
Goethe ſtimmte im Waldesdom zuweilen ein Liedchen
an, rezitierte Szenen aus Shakeſpeare oder trug
Selbſtgedichtetes vor. Er war der Anſtifter von
allerlei Kurzweil oder Geſellſchaftsſpielen, draußen
im Walde oder in Mercks Hauſe. Schon in der
Straßburger Zeit hatte er eine große Vorliebe für
ſolche Vergnügungen, die in Dichtung und Wahr=
heit
Nachhall gefunden haben. Nach Tiſch ſuchte
man den Schatten, erzählt er daſelbſt, geſellſchaftliche

Spiele wurden vorgenommen, und Pfänderſpiele
kamen an die Reihe. Bei Löſung der Pfänder ging
alles jeder Art ins Uebertriebene: Geberden, die man
verlangte, Handlungen, die man ausüben, Aufgaben,
die man löſen ſollte, alles zeugte von einer verwegenen
Luſt, die keine Grenzen kennt. Mit aufrichtigem
Genuß gedenkt der Greis der harmloſen Luſtbar=
keiten
, an denen er nicht allein in Seſenheim, ſondern
gewiß auch in Darmſtadt, ja überall, wo ein mun=
terer
Kreis junger Leute ſich zuſammenfand, eifrig
ſich beteiligt haben mag.
Viele Geſellſchaftsſpiele damaliger Zeit ſind noch
heute gang und gäbe. Beſonderer Beliebtheit er=
freuten
ſich natürlich die Pfänderſpiele, weil ſie am
meiſten durch ſinnige Aufgabenſtellung komiſche Si=
tuationen
herausforderten. Die Küſſe hatten natür=
lich
dabei den bedeutſamſten Löſewert. Goethe be=
richtet
, wie er ſich immer durch irgendeine Wendung
der ſchwierigen Aufgabe eines Kuſſes zu entledigen
ſuchte, ſobald ihm ein ſolcher als Strafe auferlegt
wurde. Dann gab es auch verſchiebene Frageſpiele.
Die Art und Weiſe derſelben verdeutlicht ein Gedicht
Goethes Antworten bei einem geſellſchaftlichen
Frageſpiel‟. Goethes Improviſationsbegabung kam
ihm hierbei trefflich zuſtatten, und ſeine aus dem
Stegreife gedichteten Verſe trugen immer den Charak=
ter
ſinniger Erfindung. Geiſtreich konnten ſelbſtver=
ſtändlich
nicht alle Spiele ſein.
Bei ſchlechtem und kaltem Wetter vergnügte man
ſich meiſtens mit Muſik. Zuweilen wurde aber auch
Karten geſpielt, darunter das damals ſehr beliebte
Kartenſpiek Triſett. Karoline klagt einmal dar=
über
, ſie müſſe ſo davon am Spieltiſch ſitzen und Tri=
ſett
ſpielen, daß ſie oft Kopfweh bekomme. Bot ſich
irgend eine feierliche Gelegenheit, kam irgend ein be=
deutender
Gaſt oder feierte man die Einweihung
eines neuen Hauſes und dergleichen, ſo verlieh man
bei einem Glaſe Punſch der Feſtſtimmung ein noch
fröhlicheres Gepräge.
Es entſtand ſtets eine empfindliche Lücke in der
Gemeinſchaft der Heiligen, menn den gutherzige

Wanderer aus ihrem Kreiſe ſchied. Um Goethe an
ſeine Unentbehrlichkeit in Darmſtadt zu erinnern,
ſandten ihm die Heiligen eine Kiſte mit allerlei ſinni=
gen
und anzüglichen Gaben, darunter vielleicht eine
Jahrmarktspuppe aus Papiermaché, damit Goethe, der
damals gern (im Hinblick auf Kätchen) den Betrogenen
hervorkehrte, ſich wenigſtens in dieſe papierene Schöne
verliebe. Das Kiſtchen wird vermutlich von einem
gereimten Sammelbrief begleitet geweſen ſein, in dem
ſehnſüchtiges Verlangen nach dem lieben Vertrauten,
wahrſcheinlich auch manche Neckerei und luſtige An=
ſpielung
auf Darmſtädter Ereigniſſe ausgeſprochen
worden waren. Nur dieſe Deutung Köſters macht
Goethes wunderliche, karnevalstolle Antwort, welcher
er die Ueberſchrift Concerto dramatico gab, uns
heute verſtändlich. Freilich manche feine Einzelheiten
müſſen, da man die Anläſſe nicht kennt, ſtets unauf=
geklärt
bleiben. Concerto dramatico. Composto dal
Bign. Dottore Flamminio, detto Panurgo secondo.
Aufzuführen in der Darmſtädter Gemeinſchaft der Hei=
ligen
heißt der Geſamttitel dieſes luſtigen, in
Kantatenſätzen niedergeſchriebenen Halbunſinns.
Selbſtverſtändlich kann jede Stelle nur auf mut=
maßlicher
Deutung beruhen. Wer mag jetzt noch feſt=
ſtellen
, was für neckiſche Streiche Goethe, der auch
ſpäter den Anführer der Luſtigen in Weimar ſpielte,
in Darmſtadt ausgeheckt hat. Daß die Empfindſamen
durchaus nicht ſo kopfhängeriſch waren, wie man ſie
ſich meiſt vorſtellt, läßt ſich aus dieſem luſtigen Wirr=
warr
erſehen. Keine ſchwerblütigen Naturen, keine
Grübler oder Melancholiker, nein weichherzige, be=
wegliche
, nach dem Augenblick haſchende Menſchen,
die zu gleicher Zeit lachen und weinen konnten, in
deren Bruſt Frohſinn und Trübſinn dicht beieinander
wohnten ſo haben wir uns dieſe Heiligen auszu=
malen
. Wären ſie alle nur tränenreiche, ſeufzende
Geſchöpfe geweſen, wie hätte dann der kraftvolle Jun=
ker
Berlichingen ſich wohl befunden in dieſem Kreiſe,
wie hätte er noch als Greis von jenen Menſchen ſagen
können: Wie ſehr dieſer Kreis mich belebte und för=
derte
, wäre nicht auszuſprechent.,

[ ][  ][ ]

Nummer 265

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. November 1910,

Wirtshausſtreit und lieferte dann der Einwohner=
ſchaft
eine förmliche Schlacht, bei der mehrere Perſonen
von den Strolchen durch Revolverſchüſſe und Meſſer=
ſtiche
ſchwer verletzt wurden.
Kaiſerslautern, 10. Nov. Wie die Pfälziſche Preſſe
meldet, wurde bei einem Automobilunfall der
Wirt Heinrich König aus Wolfſtein getötet und der
Arzt Kennel aus Offenbach am Queich lebensge=
fährlich
verletzt.
Kuxhaven, 9. Nov. Die heute in Kuxhaven ange=
kommene
deutſche Bark Schiller, mit Salpeter von
Hamburg unterwegs, hat in der Nordſee durch eine
Sturzſee fünf Mann der Beſatzung verloren.
Amſterdam, 10. Nov. Der frühere Sultan
von Marokko, Abdul Aſis, iſt von Liſſabon an
Bord des Poſtdampfers Königin Wilhelmina geſtern
abend in Ymuiden angekommen. Da Liſſabon als peſt=
verdächtig
erklärt wurde, bleibt der Dampfer, bevor er
nach Amſterdam weitergeht, in Quarantäne.
Dünkirchen, 10. Nov. Drei Torpedoboote
ſtießen bei einer Uebungsfahrt mit einem Fiſcherboot
zuſammen. Das Boot ſank, doch konnte die Mannſchaft
gerettet werden. Die Torpedoboote erlitten leichte
Havarien.
London, 9. Nov. Hier glitt die Droſchke, in der
Graf Berthold, der öſterreichiſch=ungariſche Bot=
ſchafter
in Petersburg, der ſich zurzeit hier auf Urlaub
befindet, ſaß, an den Straßenbahnſchienen ſchräg ab
und fuhr gegen eine eiſerne Waſſerpumpe. Sämtliche
Fenſterſcheiben wurden zerbrochen. Der Graf erlitt
erhebliche Schnittwunden im Geſicht durch die Glas=
ſplitter
.
Madrid, 10. Nov. Der zwiſchen Cuevas und Vin=
rune
verkehrende Poſtwagen wurde von den ſcheu=
gewordenen
Pferden gegen eine Mauer geworfen. Vier
Reiſende wurden getötet und neun ſchwer verletzt.
New=York, 10. Nov. Wie aus der Stadt Mexiko
gemeldet wird, veranſtalteten Studierende anläßlich des
Lynchgerichts gegen den Mexikaner Antonio
Rodriguez in Rockſprings (Texas) Kundgebungen gegen
die Vereinigten Staaten, die Mittwoch zu Angriffen
auf Amerikaner und amerikaniſche Handelshäuſer führ=
ten
, deren Fenſter zertrümmert wurden. Die
Menge zerriß amerikaniſche Fahnen und trat ſie mit
Füßen, ohne daß die Polizei einſchritt. Mehrere Zei=
tungen
veröffentlichen heftige Artikel, die die Demon=
ſtranten
noch mehr erregten. Die Menge griff die Ge=
ſchäftsräume
des El Imparcial an, zerſtörte ſie und
ſteckte ſie in Brand. Berittene Polizei gebrauchte nun
die Schußwaffe. Drei Demonſtranten wurden getötet
und viele verletzt; etwa 200 Perſonen wurden verhaftet.
Tokio, 9. Nov. Die 26 Japaner, die der Teil=
nahme
an der Verſchwörung gegen das Leben
des Kaiſers, der, während er die Militärſchule be=
ſuchte
, von ihnen ermordet werden ſollte, angeklagt
ſind, wurden heute vom Tribunal für ſchuldig befun=
den
. Das Gericht empfiehlt in dieſem Falle auf die
ſchwerſte, geſetzlich vorgeſchriebene Strafe, die Todes=
ſtrafe
, zu erkennen.

Kunſtnotizen.
(eber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im N
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vo

. Großh. Hoftheater. Amphitryon
ein ſehr ſelten und hier noch gar nicht gegebenes Luſt=
ſpiel
Heinrich von Kleiſts, deſſen volle Bedeu=
tung
überhaupt erſt durch die neuere Forſchung erkannt
worden iſt, ſoll nächſten Montag an unſerer Hofbühne
ſeine Erſtaufführung erleben. Dazu ſei mitgeteilt:
Kleiſt bezeichnet zwar ſelbſt ſein Werk als ein Luſtſpiel
nach Moliére, aber die Moliéreſche Komödie iſt ihm,
wie Franz Servacs mit Recht ſagt, nicht mehr, als ein
alter Schlauch, in den er ſeinen völlig neuen Wein
gießt. Was bei Moliére zu einem frivol=galanten
Abenteuer=Schwank geworden das Herabſteigen
Jupiters zu Alkmene in Geſtalt ihres Gatten Amphi=
tryon
und die daraus ſich ergebenden Verwickelungen
, wird bei Kleiſt zu einem feſtlich=ernſten Spiel. Kleiſt
hat die antike Fabel ganz auf das Gebiet der Seele
übertragen und damit aus der Seele ſelbſt Geheimſtes
und Gewaltigſtes neu herausgeſchürft. Die Derbheit
ſeiner Komik in den niederen Figuren der Dienerin der
Alkmene, Charis, und deren Gatten Soſias, auch des
Merkur, der in der Geſtalt des letzteren Jupiter be=
gleitet
, iſt ein wirkſamer Kontraſt zu ſeinem Ernſt.
Kleiſt hat hier, ſagt Adolf Wilbrandt, ſeinen drama=
tiſchen
Stil gefunden, einen Stil, in dem ein feinfühlig
muſikaliſcher Geiſt ſich mit der lebendigſten Wahrheit
des Dialogs ſehr glücklich vermählt, und den er in
ſeinen ſpäteren Dramen kaum mehr zu übertreffen
vermocht hat. Die nächſten Montag, den 14. d. M., an

unſerer Hofbühne ſtattfindende Erſtaufführung des
Amphitryon darf alſo jedenfalls in mehrfachem
Sinne ein beſonderes Intereſſe beanſpruchen. Die In=
ſzenierung
des Werkes leitet Regiſſeur Hacker. Die
Darſteller der Hauptrollen ſind: die Damen Oſter
und Rudolph, ſowie die Herren Heinz, Jürgas,
Baumeiſter und Jordan.

Parlamentariſches.
*X* Darmſtadt, 10. Nov. Der Sonderaus=
ſchuß
der Zweiten Kammer für die Reviſion der
Verwaltungsgeſetze hat heute in Gegenwart des
Herrn Miniſters des Innern v. Hombergk zu Vach
und der Miniſterialräte Dr. Georg und Wilhelm Beſt
unter Vorſitz des Abg. Dr. Gläſſing mit der Bera=
tung
des Geſetzentwurfes, betr. die Verwaltungs=
rechtspflege
, begonnen. Dieſe dritte Vorlage zur
Verwaltungsgeſetzreform iſt weſentlich kürzer, als die
Städte= und Landgemeindeordnung, umfaßt aber immer=
hin
145 Artikel, deren einzelne Beſtimmungen teilweiſe
recht weſentlich von den jetzigen Vorſchriften abweichen.
Der Ausſchußberichterſtatter, Abg. Dr. Gutfleiſch, er=
ſtattete
heute zunächſt ein allgemeines Referat darüber
und erklärte ſich prinzipiell für die Vorlage, weil dieſelbe
zweifellos ſehr weſentliche Verbeſſerungen enthalte, be=
ſonders
die, daß an die Stelle des Miniſteriums des In=
nern
als Berufsinſtanz fortan der Verwaltungsgerichtshof
treten ſoll, und zwar in Fällen, in denen das Miniſterium
zurzeit in der weiteren Rekursinſtanz zu entſcheiden hat,
ls Reviſionsgericht, und in Fällen, in denen es als Re=
kursinſtanz
zuſtändig iſt, als Berufungsgericht. Zweifel=
haft
erſcheint dem Ausſchußreferenten, ob nicht die Koſten
und Gebühren des Verfahrens ſich als zu hohe erweiſen
werden. Miniſter des Innern v. Hombergk zu Vach
betonte, daß man bei dieſer Neuordnung den Kreis der
Geſchäfte noch nicht genau überblicken könne, ſagte aber
zu, über die Höhe der Koſten nähere Berechnungen zu
veranlaſſen. In der morgigen Sitzung des Ausſchuſſes ſoll
mit der Einzelberatung des Geſetzentwurfes begonnen
werden.

Kochkunſt=Ausſtellung.
Im Saale des Hotels Zur Traube wurde
geſtern mittag die vom Klub der Köche, Darm=
ſtadt
, veranſtaltete Kochkunſt=Ausſtellung eröffnet. Die
Ausſtellung weiſt 32 Ausſteller mit 72 Nummern auf.
Ausgeſtellt haben: Georg Phildius (Küchenchef, Hotel
Traube). Steinbutt à la Royale, Rehkotelett à la
Sarah Bernhardt, Hammelſattel à la Pariſienne, Rouen=
neſer
=Ente à la Japonaiſe. Jules Pérard (Hofkoch
des Großherzogs). Gänſeleber in Gelée, Sulzgericht
von Wild, Gefüllte Poularde nach Nizzaer Art. Gateau
Napolitaine. Heinr. Pieper (Hofkoch des Großher=
zogs
). Feldhühner auf Jäger=Art, Hühnergalantine
à la Marechall. Karl Feßner (Küchenchef Bahnhofs=
hotel
). Aufbau von Hummer und Fiſch, Kalbsmilcher
à la Jeanette, Ochſenrippe à la Ruſſe, Chateau briand
à la Portugaiſe. Joſ. Müller (Küchenchef Hotel Bri=
tannia
). Chaud=froide de Poularde, Chartreuſe de
faiſan, Wildpaſtete. Joh. Kleinertz (Küchenchef Hotel
Kölniſcher Hof). Poularde à la Pariſienne, Getrüff.
Faſanenſchaumbrot in Gelée. E. Schön (Hofkoch des
Großherzogs). Gefüllte Ente, Zunge in Gelée. Karl
Berger (Stadtkochgeſchäft). Rehrücken à la Moderne.
Salm in Gelée à la Ruſſe, Kalbfleiſchpaſtete. Herm.
Thiſſon (Reſtaurateur). Languſte à la Bavaroiſe.
A. Schumacher (Reſtaurateur, Ober=Ramſtadt). Tur=
ban
de filet de ſoles à la Moscovite, Coeur de filet de
Bveuf à la Wellington. Ludw. Schramm (Küchenchef
Reſtaurant Sitte). Poularde nach Pariſer Art, Roaſt=
beef
und kalte Beilagen. C. Stoek (Patiſier, Kondi=
torei
Ott). Baumkuchen, zwei Körbchen Deſſert.
W. Heim (Küchenchef Hotel Köhler). Mouſſe de jambon
en belle vue, Chaud=froide de faiſan. Georg Fath
(Küchenchef, Ludwigshöhe). Capaun in Gelée. Karl
Rupp (Reſtaurateur). Salm in Gelée. Kurt Renner
(Küchenchef). Truits ſaumonee à la Norvegienne, Pou=
larde
à la Neva. Guſtav Horn (Koch Hotel Traube).
Seezungenfilet nach Orleans, Ochſenlende à la finan=
ciere
, Galantine von Kapaun. Otto Bubenheim
(Koch Hotel Traube). Chaud=froide de faiſan, Schinken
nach Bajonner Art. G. Hahn (Koch Hotel Traube).
Paupiettes de veau à la Piemontaiſe, Gef. Schweins=
fuß
. Reſtaurateur Jung (Schützenhof). Lachsforelle
à la Ruſſe, Ochſenlende à la Moderne. Café= Reſtau=
rant
Oberwaldhaus. Neapolitan Prunkkuchen auf
Croquantſockel, Waldhaustorte, Punſchtorte, Bienen=
ſtich
, Käſekuchen, zwei Blumentöpfe. Kuno Kant
(Café Ernſt Ludwig). Fantaſie=Aufſatz. Aug. Wilch
(Kochlehrling Bahnhofshotel). Aufſatz von Früchten.
Joſ. Happ (Konditor. Ludwigshöhe). Croquanttem=

Vorträge.
Die Bedeutung der Geologie für
die Menſchheit lautete das Thema, über das Herr
Muſeumskuſtos Dr. Haupt auf Veranlaſſung des Aka=
demiſchen
Vereins für Arbeiter=Fortbildungskurſe im
Fürſtenſaal vor einer zahlreichen Zuhörerſchaft ſprach.
Zunächſt ſchilderte der Redner die Aufgaben der Geologie
oder Erdgeſchichte: Unterſuchung des Aufbaues und der
Zuſammenſetzung der Erde aus Sediment= und vulkani=
ſchen
Geſteinen, die Erklärung der gegenwärtig auf der
Erde ſich abſpielenden Vorgänge, wie Erdbeben, Vulkane,
Wirkungen des Waſſers, Eiſes und Windes, und als
letzte, ebenfalls hochintereſſante Aufgabe die Erforſchung
der im Laufe der Jahrtauſende entſtandenen und wieder
untergegangenen Tier= und Pflanzenwelt. Die Ergeb=
niſſe
dieſer Unterſuchungen hätten nun ſo erklärte der
Vortragende einen großen theoretiſchen Wert
für die Menſchen, da ſie die Grundlage abgäben für eine
richtige allgemeine Weltanſchauung. Die Verſteinerungs=
kunde
liefere die klarſten Beweiſe für die Entwickelung
aller Organismen, auch des Menſchen, von niederen zu
höheren Formen. Dann kam der Redner auf den prak=
tiſchen
Wert der Geologie zu ſprechen, der aber aus Un=
kenntnis
immer noch zu wenig gewürdigt würde. So
ſetze der Geologe dem Land= und Forſtwirt die Urſachen
der verſchiedenen Fruchtbarkeit der Bodenarten ausein=
ander
und gebe ihm die Mittel an, dieſelben zu ver=
beſſern
. Ferner ſei die Geologie von großer Bedeutung
für die geſamte Baukunde und Induſtrie, indem ſie die
Brauchbarkeit der Geſteine unterſuche und deren Auffin=
dung
veranlaſſe, und in noch höherem Maße für den
Eiſenbahnbau bei Herſtellung von Tunneln und für die
Verſorgung der Städte mit Trinkwaſſer. Dann wies der
Redner noch auf den Nutzen der Geologie für den Berg=
bau
hin, dem ſie die Auffindung und Gewinnung nutz=
barer
Mineralien erleichtere, und kam zum Schluß noch
auf die Bedeutung der geologiſchen Landesanſtalten und
der geologiſchen Sammlung des Landesmuſeums zu
ſprechen.

Die intereſſanten Ausführungen des Redners wurden
durch zahlreiche Zeichnungen an der Tafel unterſtützt und
am Ende derſelben erhielt noch ein jeder Teilnehmer eine
kurzgefaßte Inhaltsangabe des Vortrages überreicht.
Sicherlich hat derſelbe dazu beigetragen, weitere Kreiſe
für die geologiſche Wiſſenſchaft zu intereſſieren.

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
P. Arthur Volkmann. In der Galerie
Heinemann in München ſind zurzeit 67 Werke
des in Rom lebenden Bildhauers, Malers und Zeich=
ners
Profeſſor Arthur Volkmann ausgeſtellt.
Deutſchland erhält durch dieſe Kollektion wohl zum
erſten Male ein umfaſſendes Bild des nun bald ſechzig=
jährigen
Künſtlers. Volkmann iſt der konſequenteſte
Schüler Hans von Marées, damit die Höhe ſeiner
Kunſtauffaſſung, aber auch die Einſamkeit ſeines
Standpunktes teilend. Dieſe nach einer dekorativen
Vereinfachung der Formengebung ſtrebenden Bilder
wenden ſich, jeden koloriſtiſchen und ſtofflichen Reiz
asketiſch vermeidend, nur an die innere Anſchauung.
Fr. Th. Viſcher, einmal gefragt: Was iſt reine An=
ſchauung
? gab zur Antwort: Reine Anſchauung iſt
reine Anſchauung damit die Unerklärbarkeit dieſes
Phänomens bezeichnend. In ſolche Verlegenheit kommt
auch der Kunſtbetrachter, der den Wert eines Bildes
von Marées oder Volkmann beſtimmen ſoll. Es läßt
ſich nur ſoviel ſagen: es handelt ſich hier um abſolute‟
Kunſt, zu deren Erfaſſung das geſchulte innere‟
Auge nötig iſt, wie zum Verſtändnis abſoluter Muſik
das geſchulte Ohr. Auf dem Gebiet der polychromen
Plaſtik ſchuf Volkmann Werke, die zwar zum Teil nicht
unwiderſprochen blieben, die aber zum Bedeutendſten
zählen, was die neuere Plaſtik hervorgebracht hat. Sein
Name muß in unmittelbarer Nähe von A. Hildebrand
genannt werden. Bei Heinemann iſt auch der Sitzende
Mann zu ſehen, der wohl als das plaſtiſche Hauptwerk
A. Volkmanns bezeichnet werden darf. Der unmittel=
bare
Eindruck des Lebens iſt hier in ganz außerordent=

pel mit kleinem Aufſatz. Daniel Ewald ( Kochlehr=
ling
Ludwigshöhe). Forelle in Gelée. Adolf Wies=
ler
(Küchenchef Hotel Prinz Karl). Schauſtück in
Gelée. Karl Spahn (Koch). Canard aux Oranges.
N. Hofmann (Koch Hotel Britannia). Hammel=
rücken
à la Moderne. Georg Luley (Küchenchef Stadt
Koburg). Has auf engliſche Art, Feldhuhn=Aufſatz.
Gardiſt Fülling (Offizier=Kaſino). Corbeille de la fruits
au petit Fours. Ad. Volk (Kochvolontär Offizier=
Kaſino). Gänſeleberpaſtete in Gelée, Fonds d’Arti=
chauts
à la Neva. Otto Egner. Filet von Seezun=
gen
, Wildpaſtete in Madeira=Gelée, Kalbsrücken
à lOOrloff, Hummer en belle vue.
Die Ausſtellung gibt in erſter Linie ein Bild von
der modernen und vornehmen Anrichtekunſt. Und
man kann in der Tat bei einigen der ausgeſtellten
Platten von Kunſt ſprechen. Neben dem eigentlichen
Ausſtellungsraum befindet ſich ein kleiner, anheimeln=
der
Teeſalon, den die Bismarck=Drogerie Jakob
Streb hierſelbſt aufgeſchlagen hat und in dem Tee=
proben
gratis verabfolgt werden, gleichwie in dem
Maggi=Probierraum Suppen und Bouillon. In
einem anderen Raum hat die zweite Abteilung der
Ausſtellung Platz gefunden. In dieſer ſind die zum
Kochen, Braten und Backen nötigen Bedarfsartikel
untergebracht.
Handel und Verkehr.
Die türkiſche Anleihe.
* Berlin, 9. Nov. Ein von der Deutſchen
Bank geführtes Konſortium übernahm von der tür=
kiſchen
Regierung eine vierprozentige,
in 41 Jahren tilgbare, durch die Zolleinnahmen von
Konſtantinopel ſicher geſtellte Anleihe von ſieben
Millionen türkiſchen Pfund zum Kurſe von 84 Pro=
zent
weniger den Pauſchalvergütungen für den aus=
ländiſchen
Stempel und die Emiſſionskoſten. Das
Konſortium hat die Anleihe bis ſpäteſtens 14. März
1912 abzunehmen und leiſtet der türkiſchen Regierung
inzwiſchen zu 5½ Prozent Diskont Vorſchuß auf
Schatzwechſel, welche aus dem Ausleiheerlös heimzu=
zahlen
ſind. Die türkiſche Regierung räumt dem
Konſortium außerdem das Recht ein, weitere 4 Mil=
lionen
türkiſche Pfund der gleichen Anleihe zum näm=
lichen
Kurſe zu beziehen. Die Kontrahenten dieſes
Geſchäftes ſind: die Deutſche Bank, Berlin; S. Bleich=
röder
, Berlin; die k. k. priv. allgemeine Oeſterreichiſche
Bodenkreditanſtalt, Wien; die Anglo=Oeſterreichiſche
Bank, Wien; die Bank für Handel und Induſtrie,
Berlin; L. Behrens und Sohn, Hamburg; die Ber=
liner
Handelsgeſellſchaft, Berlin; Gebrüder Bethmann,
Frankfurt a. M.; k. k. priv. Böhmiſche Union=Bank,
Prag; Kommerz= und Diskonto=Bank, Hamburg;
k. k. priv. Oeſterreichiſche Kredit=Anſtalt für
Handel und Gewerbe, Wien: Delbrück Leo
& Ko., Berlin: Deutſche Orientbank, Berlin;
Deutſche Vereinsbank, Frankfurt a. M.; die Direktion
der Diskonto=Geſellſchaft, Berlin; Dresdener Bank,
Berlin; k. k. priv. Oeſterreichiſche Länderbank, Wien;
Mendelsſohn u. Ko., Berlin; Mitteldeutſche Kredit=
bank
, Berlin; Nationalbank für Deutſchland, Ber=
lin
; Niederöſterreichiſche Escompte=Geſellſchaft, Wien;
Norddeutſche Bank, Hamburg; Peſter ungariſche Kom=
merzialbank
, Peſt; S. M. von Rothſchild, Wien; A.
Schaaffhauſenſcher Bankverein, Berlin; Schweizeriſche
Kreditanſtalt, Zürich; Lazard Speyer=Elliſen, Frank=
furt
a. M.; Jakob S. H. Stern, Frankfurt a. M.; Un=
gariſche
allgemeine Kreditanſtalt, Peſt: Unionbank,
Wien; W. Warburg u. Ko., Hamburg; Wiener Bank=
verein
, Wien; Württembergiſche Vereinsbank, Stutt=
gart
.
Luftſchiffahrt.
* Berlin, 10. Nov. Der große internatio=
nale
europäiſche Rundflug, für deſſen erſte
Etappe die Berliner B. Z. am Mittag, Verlag Ullſtein
u. Co., den B. Z.=Preis der Lüfte in Höhe von 100000
Mark geſtiftet hat, wird, wie jetzt feſtſteht, am 4. Juni 1911
von Paris aus ſeinen Anfang nehmen. Es werden auf
dem Fluge nach Berlin die Städte Aachen, Düſſeldorf,
Bielefeld, Hannover und Magdeburg berührt werden.
Die Weiterfahrt nach Brüſſel ſoll von Berlin über
Hamburg, Bremen, Oldenburg, Münſter und Köln er=
folgen
.
* Bitterfeld, 9. Nov. Der für Rußland be=
ſtimmte
Lenkballon P VII machte heute nachmit=
tag
eine letzte Probefahrt von 35 Minuten. An der
Fahrt nahmen neun Perſonen teil, worunter ſich der
Führer des Luftſchiffes, Hauptmann Dinglinger,
und Oberingenieur Kiefer befanden. Das Luftſchiff

licher Weiſe mit hoher Stilſchönheit vereinigt. Auch
ein Eros iſt da, der jenen unergründlichen Zauber
beſitzt, der durch die vollkommene Beherrſchung aller
techniſchen Mittel allein nicht zu erklären iſt.
Infolge der Auflöſung des Antiquariats K.
Th. Völcker in Frankfurt a. M., deſſen Be=
ſtände
ſukzeſſive verſteigert werden ſollen, fand die
erſte Bücher=Auktion Mitte Oktober ſtatt. Jetzt
kommt die eine Hälfte der großen Sammlung von
Städteanſichten zur Verſteigerung, welche die
Länder Schweiz, Elſaß=Lothringen, Baden, Württem=
berg
, Pfalz, Rheinland und Weſtfalen, Kurheſſen,
Großherzogtum Heſſen, Naſſau und Frankfurt um=
faßt
. Der Katalog enthält 3000 Nummern, darunter
viele Konvolute.
* Köln, 9. Nov. Der Leiter unſerer Vereinigten
Stadttheater, Geheimer Hofrat Max Marterſteig,
hat einen Ruf als Intendant an das Leipziger Stadt=
theater
erhalten. Herr Marterſteig hatte davon der
Kölner Verwaltung ſchon vor längerer Zeit Mitteilung
gemacht. Er iſt bereit, das Angebot unter den ihm ge=
botenen
günſtigen Bedingungen anzunehmen, und ſo
wird jetzt die Entſcheidung, ob Herr Marterſteig ſeine
Kölner Stellung verlaſſen wird, bei der Stadtverord=
netenverſammlung
in Leipzig liegen.
* Vom Nordpolſchwindel. In Kopenhagen
iſt von dem Grönlandsforſcher Knud Rasmuſſen, der ſich
augenblicklich auf Kap York aufhält, ein Bericht eingetrof=
fen
, den der eingeborene grönländiſche Pfarrer Guſtav
Olſen von den Eskimos Itukuſuk und Apilak erhalten
hat. In dieſem Bericht wird nochmals der Schwindel
Cooks entlarvt. Cook hat während des ganzen Zuſam=
menſeins
mit den Eskimos nicht erwähnt, daß er am
Nordpol geweſen iſt, ſondern ſprach nur von einer langen,
beſchwerlichen Reiſe. Erſt nach Verlaſſen ſeiner beiden
Begleiter begann der Schwindel. Die ſpäteren Begleiter
konnten ſich nicht die Möglichkeit vorſtellen, daß der weiße
Mann lüge.

[ ][  ][ ]

Nummer 265

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. November 1910.

Seite 3.

wird vorausſichtlich in den nächſten Tagen per Bahn
nach Rußland gehen.
Hochwaſſer.
* Stuttgart, 10. Nov. Infolge des lang an=
haltenden
und ſtarken Regens liegen aus verſchiedenen
Teilen des Landes Nachrichten über Hochwaſſer
vor. Die meiſten Flüſſe ſind über die Ufer getreten
oder doch ufervoll und führen viel Treibholz mit ſich.
Die Täler ſind vollſtändig unter Waſſer. In Hall
konnte der Poſtwagen von Geislingen das Tal nicht
herauffahren. Die Poſt talabwärts mußte durch
Botengang beſtellt werden.
* Mannheim, 10. Nov. Der Waſſerſtand des
Rheins iſt in der vergangenen Nacht in Mann=
heim
von 442 auf 554 Zentimeter, in Maxau von 498
auf 590 Zentimeter und in Kehl von 356 auf 442 Zenti=
meter
geſtiegen.
* Trier, 10. Nov. Die Moſel iſt in der letz=
ten
Nacht um 53 Zentimeter geſtiegen. Ihr Waſſer=
ſtand
betrug heute früh 479 Zentimeter. In den tie=
fer
gelegenen Häuſern iſt das Waſſer in die Keller
eingedrungen. Die Moſelkleinbahn Trier=Bullay
mußte zwiſchen Amdel und Völklingen ihren Betrieb
unterbrechen, da das Waſſer die Geleiſe überflutete.
Bei Pelm in der Eifel drang das Hochwaſſer in
die Neubauanlage der Bahn ein und zerſtörte ſie teil=
weiſe
. Ein Bauzug wurde vom Waſſer umgeworfen,
die Wagen und die Lokomotive wurden ſchwer be=
ſchädigt
.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Erklärung.
Seit zwei Jahren der ſtädtiſchen Kommiſſion für
Straßen= und Außenbahnen beigewählt, bin ich zur
Uebernahme eines Stadtverordnetenmandats
aufgefordert worden, um auch weiter in dieſer hoch=
wichtigen
Sache mitwirken zu können. Ich ſelbſt bin
in keiner Weiſe, weder direkt noch indirekt, für meine
Kandidatur tätig geweſen, wie ich auch dieſe Erklärung
erſt nach erfolgter Wahl erſcheinen laſſe.
Nachdem aber heute in einem Eingeſandt in dieſer
Zeitung vor mir als der Parteinahme zugunſten der
Süddeutſchen Eiſenbahngeſellſchaft verdächtig gewarnt
worden iſt, ſehe ich mich veranlaßt, hiermit zu erklären,
daß ich in keinerlei perſönlicher oder ſonſtiger Ab=
hängigkeit
zu der Geſellſchaft ſtehe und daß ich, um
jedem Schein von Einwand zu begegnen, ſofort meinen
kleinen Beſitz an Aktien derſelben verkauft habe. Ich
kenne die Geſellſchaft und deren Leiter ſeit ihrem Be=
ſtehen
und habe meine Auffaſſung über ihr Verhältnis
zur Stadt Darmſtadt ſchon 1909 in meinem auf Er=
fordern
der Stadt erſtellten öffentlichen Gutachten ein=
gehend
dargelegt. Wenn ich jetzt trotzdem in der be=
zeichneten
Weiſe verdächtigt werde, ſo darf ich die Art,
wie hiermit perſönliche und politiſche Ziele
verfolgt werden, dem Urteil jedes anſtändig denkenden
Menſchen überlaſſen.
Darmſtadt, 9. Nov. 1910.
A. Grooß, Eiſenbahndirektor a. Dienſt.

Deutſch=engliſche Freundſchaft.
* London, 10. Nov. Auf dem geſtrigen Bankett
in der Guildhall widerlegte John French in ſeiner
Erwiderung auf den Toaſt auf die Armee die Meldungen
und Schlüſſe bezüglich der engliſchen Armee, welche ein
früherer deutſcher Offizier als Zeitungsberichterſtatter er=
hoben
habe. French ſagte, er habe das Bedürfnis, den
Kameraden des großen Deutſchen Reiches
die Verſicherung zu geben, daß die engliſche Armee weit
davon entfernt ſei, zu denken, daß die Meinung über ſie,
welche von dem betreffenden Korreſpondenten ausgeſpro=
chen
wurde, die Anſchauung der deutſchen Kameraden über
die britiſche Armee widerſpiegle. (Beifall.) Zwiſchen
den deutſchen und engliſchen Soldaten hätten bisher die
innigſte Freundſchaft und Herzlichkeit und gegenſeitige
Achtung geherrſcht und würden, wie er hoffe, auch ſtets
unter ihnen herrſchen. Den engliſchen Offizieren ſei bei
den deutſchen Manövern ſtets der herzlichſte Empfang zu=

teil geworden und er ſei überzeugt, daß die engliſchen und
deutſchen Kameraden nur von den freundſchaftlichſten
Empfindungen beſeelt ſeien.

Literariſches.
* Kränzchen=Bibliothek. Jeder Band mit
einem Vollbild und zahlreichen Textilluſtrationen. Ele=
gant
gebunden je 3 Mark. Union, Deutſche Verlags=
geſellſchaft
, Stuttgart. Eine Reihe der Erzählerinnen
unſerer Mädchenzeitſchrift Das Kränzchen iſt in der
Gunſt der deutſchen Backfiſche bis zum Grade ſchwärme=
riſcher
Verehrung emporgeſtiegen. Die Kränzchen=
Bibliothek bringt die beliebteſten Erzählungen dieſer
Autorinnen in ſchöner, moderner Ausſtattung zu ſehr
billigem Preiſe. Die Bände ſind reich mit Illuſtrationen
geſchmückt und werden, den jungen Mädchen anf den
Weihnachtstiſch gelegt, viele Frende bereiten.

Vermiſchtes.
Bau einer Markthalle in München.
Wie in anderen großen Städten bereits ſeit Jahren Markt=
hallen
errichtet ſind, ſo iſt nun auch das ſeit 1904 ſchwe=
bende
Projekt zwecks Errichtung einer ſtädtiſchen Groß=
markthalle
zur Ausführung gekommen. Aeußere Umſtände,
wie ſchwebende Projekte in Bahnen= und Zollanlagen,
vereitelten bisher die Inangriffnahme dieſes für den Groß=
handel
äußerſt wichtigen Baues in München. Dieſe Groß=
markthalle
iſt mit allen der Neuzeit entſprechenden Ein=
richtungen
, wie ſie der Großhandel erfordert, verſehen. So
findet man in demſelben außer den nötigen Beförde=
rungsmitteln
für Waren, Perſonen uſw. eine Abteilung
für eine Börſe, eine öffentliche Poſt, öffentliche Reſtau=
rants
und Erfriſchungsräume, Verwaltungsbüros und
komplette Wohnungen für die ſtändigen Perſonen uſw.
Die für den Neubau vorgeſehenen techniſchen Einrich=
tungen
dürften allen Anforderungen entſprechen, um den
Großhandel zu fördern.
Wie wir hörten, iſt an dieſem Bau auch eine Darm=
ſtädter
Firma beteiligt, indem die Ausführung der Zen=
tralheizungsanlage
der Darmſtädter Zentralheizungs=
fabrik
Ingenieur H. Fritz übertragen wurde.

Stadtverordnetenwahl.
Darmſtadt, 11. November.
** Bei der geſtrigen Erſatzwahl zur Stadt=
verordneten
=Verſammlung haben von 14060
Stimmberechtigten etwa 8260, genau 59 Prozent,
abgeſtimmt. Die Stimmabgabe bei den drei vorher=
gegangenen
Stadtverordnetenwahlen war folgende: 1907:
12971 Stimmberechtigte, 7450 Abſtimmende 57,4 Pro=
zent
, 1904 11935 Stimmberechtigte, 6396 Abſtimmende
oder 53,7 Prozent, 1901 11010 Stimmberechtigte, 5830
Abſtimmende oder 53 Prozent. Die Wahlbeteiligung war
hiernach etwas ſtärker als bei den letztvorhergegangenen
Wahlen. Ueber das Reſultat der Wahl ſind wir
heute noch zu folgenden Mitteilungen in der Lage.
Es wurden Stimmzettel abgegeben:

1. Für d. vereinigt. bürger=
lichen
Parteien u. Be= Unab=
geänderte
Ab=
geänderte
Zu=
ſammen
zirksvereine
2. Für die Sozialdemo= 2243 1620 3863 kraten
3. Für den Zettel der 2866 810 3676 Mieter . . . 25 54 79

zuſammen 5134
2484 7618
Außerdem dürften etwa 600 zerſplitterte Zettel
abgegeben worden ſein.
Hiernach ſtehen rund 3863 Zetteln der vereinigten
bürgerlichen Parteien 3676 ſozialdemokratiſche gegen=
über
.
Als zunächſt bemerkenswert iſt wohl der Umſtand zu
verzeichnen, daß von den Wahlzetteln der verſchiedenen
bürgerlichen Parteien über die Hälfte 1620 hand=
ſchriftliche
Abänderungen der Wähler an
ſich tragen, während nur 2242 unabgeändert ab=
gegeben
wurden. Demgegenüber haben ſich die Anhänger
der ſozialdemokratiſchen Partei als beſſer diſzipliniert

bewieſen, denn bei ihnen gibt es nur etwa 810 abgeänderte
Zettel.
Die amtliche Feſtſtellung des Wahlreſultates
iſt, wie wir hören, auf heute nachmittag um 5 Uhr im
Saale der Stadtverordneten anberaumt.
Die angeſtrengte Tätigkeit der Wahlvorſtände hat es
ermöglicht, daß von einzelnen der 20 Wahlabteilungen
ſchon in früherer Abendſtunde das endgültige Reſultat
feſtgeſtellt werden konnte. Das letzte IV. Bureau
hatte allerdings bis gegen 2 Uhr zu zählen. Das Zähl=
geſchäft
wurde durch die vielen Streichungen koloſſal er=
ſchwert
.
Vorausſichtlich werden alſo folgende Herren gewählt
ſein:
1. Dr. Kolb, Karl, Sanitätsrat und Stadtv., mit
7758 Stimmen,
2. Dr.=Ing. Heyd, Th., Stadtv, mit 7119 Stimmen,
3. Aßmuth, Peter, Bureaugeh., mit 7001 Stimmen,
4. Baſtian, Emil, Direktor der Hypothekenbank, mit
4585 Stimmen,
5. Hüfner, Ad., Werkmeiſter und Stadtv., mit 4508
Stimmen,
6. Ramdohr, Paul, Apotheker, mit 4503 Stimmen,
7. Bormet, F., Rechnungsrat und Stadtv., mit 4498
Stimmen,
8. Dr. Bender, Hugo, Rechtsanwalt und Stadtv.,
mit 4463 Stimmen,
9. Nodnagel, Ludw., Geh. Oberſchulrat und Stadtv.,
mit 4422 Stimmen,
10. Schäfer, Leonh., Architekt, mit 4322 Stimmen,
11. Lautz, Ludw., Fabrikant und Stadtv., mit 4275
Stimmen,
12. Gretzſchel, G., Landeswohnungsinſpektor, mit
4077 Stimmen,
13. Dr. Oſann, Art., Rechtsanw., mit 4071 Stimmen,
14. Dr. Vaubel, Wilh., Chemiker, mit 4004 Stimmen,
15. Friedrich, O., Ortskrankenkaſſe=Etheber, mit 4002
Stimmen,
16. Wagner, Ludw., Architekt, mit 3991 Stimmen,
17. Werner, Ludw., Glaſermſtr., mit 3925 Stimmen,
18. Fulda, Dr., Hch., Landtagsabgeordneter, mit 3906
Stimmen.
Von dieſen gelten die erſten 14 auf neun Jahre, der
15. und 16. auf ſechs Jahre und die beiden niedrigſt=
beſtimmten
auf drei Jahre gewählt.

Darmſtadt, 11. November.
* Konzert in der Stadtkirche. Geſtern abend fand
auf den Wunſch Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs für
die ruſſiſchen Herrſchaften in der Stadtkirche ein außer=
ordentliches
Konzert des Muſikvereins un=
ter
Leitung des Hofkapellmeiſters de Haan ſtatt, bei dem
das deutſche Requiem von Brahms zur Aufführung
gelangte. Ihr wohnten der Kaiſer von Rußland
mit der Großfürſtin Olga, der Großherzog
und die Großherzogin, Prinz Heinrich von
Preußen und die Fürſtin zu Erbach= Schön=
berg
und trotz der hohen Eintrittspreiſe ein ſehr zahl=
reiches
Publikum bei. Die Zarin und Prinzeſſin
Heinrich waren nicht erſchienen.
Die Aufführung des grandioſen Werkes, das ſich mit
ſeiner modern empfundenen Muſik und ſeiner von dem
üblichen traditionellen Oratorienſtil abweichenden moder=
neren
Form dem heutigen Geſchmack nähert und dem Ver=
ſtändnis
leichter erſchließt, war dank der von Begeiſterung
getragenen und energiſchen Leitung des Herrn Hofrats
de Haan und der liebevollen Hingabe aller Mitwirkenden
von einem vollen Erfolge gekrönt und hinterließ einen tie=
fen
Eindruck. Prachtvoll durchbrauſten die machtvollen
Chöre, unterſtützt und verſtärkt von dem klangpräch=
tigen
Orcheſter der Hofkapelle, den Raum des
Gotteshauſes. Die Sopran= und Baritonpartien
wurden von Frau Cahnbley=Hinken und
Herrn van Dort aus Amſterdam geſun=
gen
, die die hochliegenden Partien mit Ueberwindung
der geſanglichen Schwierigkeiten, ſtimmlicher Schönheit
und Wärme des Vortrags durchführten, was namentlich
von dem letztgenannten Sänger gilt. Der Orgelpart lag
bei Herrn Stadtorganiſten Borngäſſer in bewährten
Händen. So bot die wohlgelungene und eindrucksvolle
Aufführung des feierlichen Werkes allen Zuhörern Genuß
und Erbauung.

Kleines Feuilleton.
Ein franzöſiſcher Hymnus auf das
deutſche Heer. Ein franzöſiſcher Beobachter, P. A.
Cheramy, der im Herbſt eine Reiſe durch Deutſchland
unternommen hat und dabei am 1. September Zeuge
der großen Parade auf dem Tempelhofer
Felde war, gibt im Gaulois eine intereſſante Schilde=
rung
ſeiner Eindrücke. Die Paraden vor dem Kaiſer,
bei denen noch das von Friedrich dem Großen feſtge=
ſetzte
Zeremoniell gilt, haben nichts gemein mit unſeren
Paraden vom 14. Juli. Wir feiern dabei einen poli=
tiſchen
Jahrestag, und das heißblütige Pariſer Volk
kann dann ſeine Freude und ſeine Leidenſchaft für be=
geiſterte
Demonſtrationen frei betätigen. In Berlin
handelt es ſich um etwas ganz anderes. Die Paraden
haben den Zweck, die Bereitſchaft und die Ausbildung
der Truppen zu zeigen. Kein Tumult, kein Lärm, keine
patriotiſche Ekſtaſe. Alles vollzieht ſich in Ordnung und
Ruhe, ja ſozuſagen in ſtiller Sammlung. 45000 Mann,
Infanterie, Kavallerie und Artillerie, waren auf dem
Tempelhofer Feld vereint. Wie muß man vom militä=
riſchen
Standpunkt über dieſe Parade urteilen, welche
Schlüſſe hat man aus ihr zu ziehen? Es iſt nicht zu
beſtreiten, daß dieſe Heerſchau ein impoſantes, herr=
liches
Schauſpiel bietet. Die Infanterie, vor allem das
Alexander= und Eliſabeth=Reaiment, defilierten in
einer Haltung und mit einer Genauigkeit, die über
jedes Lob erhaben iſt. Niemals ſah ich den berühmten
preußiſchen Paradeſchritt ſo ſicher, ſo gebietend in all
ſeiner automatiſchen Würde. Man hat dieſen Parade=
ſchritt
bekämpft und eingeſchränkt, aber man muß zu=
geben
, daß er dem Fußſoldaten eine ſeltſame Sicherheit
gibt. Die Leute ſind wie ineinander eingeſchachtelt. Sie
halten Ellbogenfühlung wie der militäriſche Aus=
druck
lautet, und der Anblick des Ganzen iſt wirklich
kriegeriſch und eindrucksvoll. Die Stiefel ſchlagen zur
gleichen Sekunde auf den Boden, in feſtem Rhythmus
hallt dieſer Stoß fort und gibt das Gefühl von Kraft
und kriegeriſcher Energie. Die Kavallerie iſt ſehr gut
beritten, die Reiter haben ihre Pferde in der Hand.
Die weißen Küraſſiere auf ihren großen, ſchwarzen
Pferden ſind herrlich anzuſchauen. Alle Offiziere, die
vor ihren Abteilungen einherreiten, ſind vollkommene
Reiter. Die Artillerie, die mit einer fröhlichen, mit=
reißenden
Muſik defiliert, wahrt die Abſtände ausge=
zeichnet
, wenn ich auch von ihr nicht glauhe, daß ſie der
unſeren unbedingt überlegen iſt. Am Schluß der

Parade fehlt jener ſenſationelle Angriff, der bei uns
am 14. Juli ſo viel Effekt macht. Eine ſolche Epiſode
widerſprach dem ſtrengen Sinne Friedrichs des
Großen.
Cheramy ſpricht dann vom Kaiſer, dem ge=
liebten
, geachteten Chef dieſer fünfzehnhunderttauſend
Soldaten, die er in der Gewalt hat, als wären ſie nur
ein Mann, dem die Armee heute ihre Kraft, ihre Ein=
heit
und ihre Macht verdankt. Eines kann nicht be=
ſtritten
werden; daß der Kaiſer ſeine Armee leiden=
ſchaftlich
liebt. Jeden Morgen werden ihm alle militä=
riſchen
Neuigkeiten vorgelegt, alle Veränderungen be=
ſprochen
, alle Fortſchritte erörtert, die noch gemacht
werden müſſen. Bei allen Paraden, bei allen Manövern
ſieht man ihn zu Pferde inmitten ſeiner Truppen; vom
Anfang bis zum Ende beobachtet er mit unermüdlicher
Aufmerkſamkeit alle Einzelheiten. Man ſuche einen
anderen Staatschef, der für ſeine Armee eine ſolche
Tätigkeit, eine ſolche Aufmerkſamkeit und eine ſolche
Fürſorge bekundet. Darum iſt es auch nicht verwun=
derlich
, daß dieſe Armee ihr Oberhaupt, ihren Kaiſer
liebt und bewundert, ihn, der an ihrer Arbeit teil=
nimmt
, bis zu einem gewiſſen Grade auch an all ihren
Mühen und Anſtrengungen. Cheramy kommt dann
wieder auf die Parade zurück und bewundert die Prä=
ziſion
aller Beſtimmungen und ihrer Ausführung:
Man fühlt, daß alle dieſe Soldaten bewundernswert
in den Händen ihrer Führer ſind, und dieſe Sicherheit
der Führer entlockt dem Franzoſen immer wieder
Worte vorbehaltloſer Anerkennung.
CK. Was Kronprinzen=Reiſen koſten.
Intereſſante Angaben über die Koſten der großen
Reiſen, die König Georg als Kronprinz nach Indien,
Auſtralien und Kanada unternommen hatte, veröffent=
licht
eine engliſche Wochenſchrift. Seine Reiſe nach
Auſtralien an Bord der Ophir hat insgeſamt
3 200000 Mark verſchlungen, verhältnismäßig wenig,
wenn man bedenkt, daß der Dampfer auf Monate ge=
chartert
und zugleich die Koſten für ein ſehr ſtattliches
Gefolge aufzubringen waren. Doch hat die kurze
Reiſe nach Kanada vor zwei Jahren nur 40000 Mark
gekoſtet. Eine gewaltige Summe hat dagegen die große
Reiſe nach Indien erfordert; die genaue Summe wurde
nie bekannt, da ein großer Teil der Koſten aus der
königlichen Schatulle beſtritten wurde. Das Parlament
bewilligte damals eine Reiſeunterſtützung von 400000
Mark. Alles in allem wird die Reiſe wohl gegen
5 Millionen Mark verſchlungen haben. Dasgiſt nicht

ſo viel, als die Indienreiſe König Eduards gekoſtet hat,
als er 1875 als Kronprinz die indiſche Fahrt antrat.
Das Parlament bewilligte dazu 1200000 Mark, aber
Sir Bartle Frere, der die Arrangements getroffen
hatte, bezeichnete dieſe Summe als völlig unzureichend,
da allein die Geſchenke an die indiſchen Fürſten faſt
ſo viel gekoſtet hätten. Er verlangte zwei Millionen,
aber als das Parlament ſie nicht bewilligen wollte,
wandte man ſich an den Vizekönig von Indien und er=
hielt
vom indiſchen Schatzamt noch weitere 200000 Mark.
Zu gleicher Zeit hatte das Marinedepartement für die
indiſche Reiſe des Kronprinzen 1040000 Mark ausge=
geben
. Man hielt das in England für zu viel, und es
kam ſogar zu Proteſtverſammlungen im Hyde=Park und
zu Interpellationen im Parlament. Die Zahlen, die
dann bekannt wurden, beſchwichtigten ſchnell die ver=
frühte
Erregung, denn es zeigte ſich, daß nicht weniger
als 800000 Mark allein für Geſchenke notwendig ge=
worden
waren. Im Verhältnis zu den Gaben, die der
britiſche Thronfolger von den indiſchen Fürſten erhielt,
waren dieſe 800000 Mark ſogar ſehr wenig, denn der
Wert der mit heimgebrachten Geſchenke wird mit
wenigſtens 10 Millionen Mark eingeſchätzt. Ein Maha=
radſchah
ſtiftete ein juwelenbeſetztes Schwert, das einen
Wert von 240000 Mark bedeutet. Die ganzen Koſten
der Indienreiſe des ſpäteren Königs Eduard betrugen
weit über 6 Millionen Mark.
* Chanteclers Einnahmeen. Seit dem
5 d. M. iſt Roſtands Chantecler vom Spielplan des
Pariſer Theaters Porte=Saint=Martin verſchwunden.
Das Stück hat ſehr bedeutende Einnahmen gebracht.
In Paris haben 162 Vorſtellungen zu gewöhnlichen
Preiſen (das heißt Kaſſen=, nicht Billetthändler=
preiſen
) und 160 Vorſtellungen zu Sommerpreiſen
ſtattgefunden, wofür 1995400 Francs eingenommen
wurden. Außerdem ſind in den Provinzſtädten und
im Auslande im ganzen 430 Aufführungen veran=
ſtaltet
worden, die weitere 1313658 Francs Einnahme
ergeben haben. Das ſind zuſammen 3309058 Francs.
* Die erſte Ausgabe. Der Schäferfranz
ſtudiert im Wirtshaus die Lotterieziehungsliſte. Plötz=
lich
ſpringt er auf und gibt dem am Nebentiſch ſitzen=
den
Müllerwaſtl, mit dem er ſeit langer Zeit in
Feindſchaft lebt, eine mächtige Ohrfeige. So, da haſt
endlich die Watſch’n, die ich dir ſeit zwei Jahren zu=
gedacht
hab’ ſchreit er, bis heut’ iſt ſ’ mir zu teuer
geweſen, aber jetzt kannſt mich verklagen, ich hab’ 500
Mark in der Lotterie gewonnen!

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. November 1910.

Nummer 265.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 10. Nov. Der Kaiſer gedenkt heute abend
die Reiſe nach Schloß Wolfsgarten, Baden=
Baden und Donaueſchingen anzutreten. Im Gefolge wer=
den
ſich befinden: Hofmarſchall Graf von Hencke l=
Donnersmarck, Generaloberſt v. Pleſſen, die Flü=
geladjutanten
Oberſt v. Chelius und Oberſtleutnant
v. Friedeberg, Leibarzt Dr. Niedner und als Ver=
treter
des Auswärtigen Amtes Frhr. v. Jeniſch. Für
den Beſuch in Wolfsgarten tritt noch hinzu der ruſſiſche
Generalmajor à la surte von Tatiſchtſchew.
* Berlin, 10. Nov. In der heutigen Sitzung des
Bundesrates wurde dem Entwurf einer Beſtim=
mung
über den Betrieb von Zinkhütten zugeſtimmt.
* Berlin, 10. Nov. Zu dem Verbrechen am
Humboldthafen wird mitgeteilt, daß der Schiffer
Ernſt ſein Alibi nachweiſen konnte. Der Täter iſt ein
Doppelgänger von Ernſt, der Schiffer Meißner, geboren
1875 zu Marienwerder im Kreis Niederbarnim, der heute
verhaftet wurde.
* Berlin, 10. Nov. Moabiter Krawall=
prozeß
. Um 2 Uhr 20 Min. eröffnete der Vorſitzende,
Landgerichtsdirektor Weſtermann, die Sitzung und ver=
kündete
, daß das Gericht dem gegen die dritte Straf=
kammer
geſtellten Ablehnungsantrag nicht ſtattgegeben
habe. Die dritte Strafkammer trat ſodann wieder in
ihre Rechte. Landgerichtsdirektor Lieber erklärte, daß
die Verhandlung wegen Erkrankung des Berichterſtat=
ters
, Landgerichtsrat Muſiol, auf Samstag 9½ Uhr
vertagt werden müſſe. Nach Sitzungsſchluß bat der
Verteidiger, Rechtsanwalt Bahn, nochmals um das
Wort, was der Vorſitzende verweigerte. Rechtsanwalt
Bahn erklärte zweimal, daß ihm bereits geſtern das
Wort abgeſchnitten worden ſei. Der Gerichtshof nahm
ihn darauf wegen des Ausdruckes in eine Ordnungs=
ſtrafe
von hundert Mark.
* Stuttgart, 10. Nov. Die engliſche Spezial=
geſandtſchaft
unter Führung von Sir Artur
Paget iſt heute nachmittag gegen 5 Uhr, von München
kommend, zur Notifizierung der Thronbeſteigung des
Königs Georg V. hier eingetroffen. Zum Empfange
auf dem Bahnſteig waren erſchienen im Auftrage des
Königs der Ehrendienſt, Mitglieder des Hofſtaates und
des Miniſteriums des Auswärtigen, ſowie der eng=
liſche
Konſul. Die Geſandtſchaft wird morgen vom
Könige in feierlicher Audienz empfangen werden.
Pirmaſens, 10. Nov. Wie die Pfälziſche Preſſe
meldet, ſperren die Pirmaſenſer Schuhfabriken am 26.
November alle Arbeiter, insgeſamt 5000 Mann, aus.
* Grunewald bei Berlin, 10. Nov. Die 16jährige
Tochter des in Oſtaſien weilenden Staatsſekretärs a. D.
Dernburg iſt heute geſtorben.
* Könisberg, 10. Nov. Hier wurde das aus Spenden
der ganzen Provinz errichtete Schillerſtandbild
heute mittag feierlich enthüllt. Die Weiherede hielt Prof.
Dr. Hecht. Oberpräſident von Windheim übergab als
Ehrenvorſitzender des Provinzialdenkmal=Ausſchuſſes das
Denkmal der Stadt Königsberg, in deren Namen Ober=
bürgermeiſter
Körte das Denkmal übernahm. Zahlreiche
Kränze, darunter einer von der Frau des Urenkels Schil=
lers
, von Freifrau Mathilde von Schiller, wurden am
Denkmal niedergelegt. Schöpfer des Denkmals iſt Profeſſor
Stanislaus Cauer.
* Brünn, 10. Nov. Die Landtagsſeſſion
wurde heute durch Allerhöchſtes Reſkript geſchloſſen.
* Paris, 10. Nov. Emile Combes übernahm heute
den Vorſitz im Komitee der radikalen und ſozia=
liſtiſch
=radikalen Partei mit einer Rede, in
der er erklärte, durch ihre Autonomie, das=heißt ganz
unabhängige Exiſtenz, werde die radikale und ſozialiſtiſch=
radikale
Partei die Reformpartei der demokratiſchen
und ſozialen Republik bleiben. Wir maßen uns nicht
an, ſo ſagte Combes, daß wir die Einzigen ſind, die
der Republik dienen; wir hegen keinen feindſeligen
Gedanken gegen die, die ihr an unſerer Seite aufrichtig
dienen. Im weiteren Verlaufe ſeiner Rede erklärte
Combes, daß er für die Bildung zweier Parteien ſei,
und zwar einer, die Progreſſiſten und Liberalen um=
faſſenden
republikaniſch=konſervativen Partei und einer
republikaniſchen Reformpartei, die die
Radikalen und Sozialiſtiſch=Radikalen in ſich ſchließe,
der ſich die Republikaner der Linken und die Sozialiſten
anzuſchließen hätten. Leider zögen gewiſſe Gruppen zu
viel Vorteil aus ihrer zweideutigen Stellung, um
darauf zu verzichten. Im Intereſſe der radikalen
Partei liege es, aus der Zweideutigkeit ohne Verzug
herauszutreten und ihre Kraft wieder zu gewinnen,
indem ſie ſich wie ehemals als geeinigte, dis=
ziplinierte
Partei aufs neue zuſammenſchließe.
* Belgrad, 10. Nov. Der Kronprinz hat die Nacht
ruhig verbracht. Das Fieber iſt nahezu geſchwunden.
* Belgrad, 10. Nov. Die Regierung brachte in der
Skupſchtina den Handelsvertrag zwiſchen Oeſter=
reich
=Ungarn und Serbien ein. Die Vorlage wurde
dem Finanzausſchuß überwieſen.
* London, 10. Nov. Das Geſchworenenge=
richt
beſchloß, das Verfahren gegen den Leutnant
Helm fortzuſetzen.
* Dover, 10. Nov. Die Preußen ſitzt noch immer
auf den Klippen. Ein Teil der Beſatzung, der vorgeſtern
an Land gegangen war, begab ſich wieder an Bord.
* Petersburg, 10. Nov. Vor dem durch Vertreter der
Stände verſtärkten Appellhof, als erſter Inſtanz, be=
gann
heute vormittag der Prozeß unter Ausſchluß der
Oeffentlichkeit gegen den Journaliſten Baron Ungern=
Sternberg. Die Anklage, die auf Grund des Artikels
111 des neuen Strafgeſetzes wegen Auslieferung eines
Staatsgeheimniſſes an eine fremde Macht erhoben wurde,
fußt auf Ausſagen des Angeklagten. Unter den 23 Zeugen
befinden ſich: der Präſident der Duma=Kommiſſion für
die Landesverteidigung, Dutſchkow, Duma=Referent für
das Kriegsbudget, Chwoſtſchtſchinski, Vertreter des Ge=
neralſtabes
, Beamte der Reichsduma, der Direktor der
Petersburger TelegraphenAgentur, Helffer, die Korre=
ſpondenten
Wilton von der Times, Polly von der Poli=
tiſchen
Korreſpondenz und Beringer vom Reuterbureau.

H. B. Berlin, 10. Nov. Heute vormittag gegen 9½ Uhr
ſtürzte ein Gerüſt, das zum Aufſchütten der Beton=
decke
eines Neubaues des ſtädtiſchen Elektrizitätswerkes
benutzt wurde, in ſich zuſammen und riß fünf Arbeiter
mit ſich in die Tiefe. Einer wurde ſchwer, die übrigen
leichter verletzt.

Wie das tägliche Brot!
Lüneburg, 23. April 1910. Ich teile Ihnen hier=
durch
mit, daß meine Frau und meine beiden Kinder
ſeit mehreren Monaten auf ärztliches Anraten täglich
Bioſon trinken und zwar mit Kakao, morgens zum
Frühſtück und abends. Das Bioſon wird von meinen
Angehörigen ſehr gern genommen, es hat auch eine gute
Wirkung, kräftigt undiſt als ein vorzügliches Kräftigungs=
mittel
für ſchwächliche und blutarme Perſonen zu em=
pfehlen
. Bioſon haben wir ſtets im Hauſe und es
hat uns wirklich gute Dienſte getan. Hochachtungsvoll!
Annacker, Magiſtratsſekretär. Unterſchrift beglaubigt:
Juſtizrat Freſſel, Notar. Bioſon iſt das beſte und
billigſte Kräftigungsmittel. Paket 3 Mk. in Apotheken,
Drogerien.
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einer
Ausstattung
ausgestellt.

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ALlGE-BAZAR.

(21912
Sobald ſie merken,
daß Ihr Magen nicht in Ordnung iſt, daß Sie fort=
während
Kopfkongeſtionen haben, ohne daß Ihnen
ein gewiſſes Unbehagen zu eigen iſt, dann ſollten
Sie ſofort zu einem bewährten Naturſchatz greifen,
um langwierigen Krankheiten, als Gicht, Rheuma,
Harnbeſchwerden, Nierenleiden vorzubeugen. Alle
Pillen, Tees ꝛc. greifen mehr oder weniger den
Magen an, ein natürliches Mineralwaſſer wie z. B.
die St. Georgsquelle in Biskirchen a. d. Lahn aber
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gung
ſind die im Verlage von W. Vobach u. Co.,
Leipzig, erſcheinenden Spezialzeitſchriften: Deutſche
Wäſche= und Handarbeits=Zeitung und
Deutſche Kinder=Modenwelt Von beiden
Zeitſchriften erſcheint monatlich ein Heft à 25 Pfg., doch
iſt jede der beiden Zeitſchriften auch einzeln zu abon=
nieren
. Die Deutſche Wäſche= und Handarbeits=
Zeitung bringt in reicher, vielſeitiger Auswahl alles,
was an waſchbaren Gegenſtänden im Haushalt ge=
braucht
wird, alſo Modelle zu Wäſche für Erwachſene
und Kinder jeden Alters von der einfachſten bis zur
eleganteſten Ausſtattung, ferner Vorlagen für Tiſch=
und Bettwäſche, ſowie für Handarbeiten. Gebrauchs=
fertige
Schnittmuſterbogen ermöglichen die Selbſt=
anfertigung
, und die Gratisbeilage Muſtervorlagen
für weibliche Handarbeiten in natürlicher Größe wird
allen Abonnentinnen beſonders willkommen ſein.
Die Deutſche Kinder=Modenwelt mit ihren wertvollen
9 Beilagen iſt eine praktiſche Zeitſchrift zur Selbſt=
anfertigung
der Garderobe für Knaben und Mädchen
jeden Alters und bringt in jedem Heft einen Gutſchein
zum Bezuge von Gratisſchnitten, gebrauchsfertig in
Seidenpapier ausgeſchnitten, für Mütter, die in der
Schneiderei noch unbewandert ſind. Alles Nähere wolle
man aus dem der heutigen Stadtauflage beiliegenden
Proſpekt erſehen. Abonnements nehmen alle Buch=
(21929
handlungen und Poſtanſtalten entgegen.

Geſchäftliches.

Wetter.
Ausſichten in Heſſen für Freitag, 11. Nov.: Im
allgemeinen trocken, nur noch vereinzelt Regen, kälter bis
zu Froſt.

Beim Verkaufstag der Großherzogin von Heſſen
in Offenbach a. M. ſind zur Luftverbeſſerung Ozon=
ventilatoren
aufgeſtellt worden, welche die Firma
Siemens u. Halske, A.=G., Techniſches Bureau
Frankfurt a. M., zur Verfügung geſtellt hat. (21944

Todes-Anzeige.
Verwandten und Bekannten hiermit die
traurige Mitteilung, daß heute mittag mein
lieber Mann, unſer Onkel und Schwager
Bernhard Held
Poſtſchaffner i. P.
ſanft verſchieden iſt.
(21928
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 10. November 1910.
Die Beerdigung findet Samstag, den 12. No=
vember
, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehauſe,
Wieſenſtraße 9 aus, auf dem Beſſunger Fried=
hofe
ſtatt.

Krieger-Verein
Darmſtadt.

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſer langjähriges Mitglied und Feldzugs=
kameraden

(21933
Herrn Bernhard Held
Poſtſchaffner i. P.
aus dieſem Leben abzurufen.
Die Beerdigung findet Samstag, den
12. November, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbe=
haus
, Wieſenſtraße 9 aus, ſtatt. Sammlung
am Sterbehaus.
Zur Teilnahme an der Beerdigung wer=
den
die Kameraden von Lahr bis Probſt,
ſowie der III. Bezirk erſucht.
Der Vorſtand des Kriegervereins
Darmſtadt.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem ſchmerzlichen Verluſt unſerer lieben Mutter
ſprechen wir hiermit den Schweſtern der Stadt=
gemeinde
für ihre liebevolle unermüdliche Pflege
bei dem Krankenlager, dem Herrn Pfarrer D. Dr.
Diehl für ſeine troſtreiche Grabrede, dem Herrn
Chef, ſowie dem Perſonal der Großherzoglichen
Hofgärtnereien Roſenhöhe und Neues Palais für
die Blumenſpende und perſönliche Teilnahme, ſo=
wie
Allen, die der Verſtorbenen die letzte Ehre
erwieſen haben, unſeren tiefgefühlten Dank aus.
Darmſtadt, den 10. November 1910.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Heinrich Herling u. Familie,
Karl Ph. Herling u. Familie.
21911)

Gottesdienſt bei der israelitiſchen Religiousgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 9. November 1910.
Vorabendgottesdienſt 4 Uhr 30 Min.
Samstag, den 10. November 1910.
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Sabbat=
ausgang
5 Uhr 35 Min.

Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religions=
geſellſchaft
.
Samstag, den 12. November.
Vorabend 4 Uhr 20 Min. Morgens 8 Uhr Min.
Nachmittags 4 Uhr Min. Sabbatausgang 5 Uhr
35 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 13. November,
an: Morgens 6 Uhr 45 Min. Nachmittags 4 Uhr Min.

Tageskalender.
Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Ab. D): Taifun.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Konzert zum Beſten der Kleinkinder=Anſtalten der
Johannesgemeinde um 7 Uhr in der Johanneskirche.
Vortrag von Dr. Kienzle um 8½ Uhr im Saale der
Zentralſtelle für die Gewerbe (Neckarſtraße).
Karnevaliſt. Generalverſammlung der Karneval=
Geſellſchaft Narrhalla 11 Min. vor 9 Uhr in der
Turnhalle am Woogsplatz.
Konzert um 5 Uhr im Kölniſchen Hof.
Konzert um ½ 8 Uhr im Bürgerkeller.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Kochkunſt=Ausſtellung im Hotel Zur Traube‟.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſez
für den Inſeratenteil: J. Kroßt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Ekwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

Nummer 265.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. November 1910.

Seite 7.

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Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. Nuven

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(Nachdruck verboten.)
II.
In der erſten Zeit kümmerte ſich Iven Anderſen
wenig um das neue Binnermädchen. Wenn ſein Blick
ſie auch zuweilen flüchtig ſtreifte, waren doch ſeine Ge=
danken
an ganz anderen Orten.
Eines Tages, als er im Garten zwiſchen den
Rabatten auf und niederging und dabei in Gedanken
verſunken mit ſich ſelbſt ſprach, lugte ihm Antjes Geſicht
aus einem Stachelbeerbuſch entgegen. Sie war dabei,
in eine Schüſſel unreife Stachelbeeren zur Grütze zu
pflücken, und hatte ihn ſchon eine ganze Weile beob=
achtet
. Ihre Geſtalt war hinter dem Buſch verſteckt, nur
ihr roſiges Antlitz ſah aus dem grünen Rahmen hervor.
Iven blieb vor ihr ſtehen und ſah ſie nachdenklich
an. Er hatte vorhin in einem Buche über Abſtammung
und Raſſe der Menſchen geleſen, und nun gingen ſeine
Gedanken von toten Gegenſtänden auf lebendige über.
Wo kommen Sie eigentlich her? fragte er. Er war
der einzige auf dem Hofe, der Sie zu ihr ſagte.
Ich bin doch Antje, die Binnerdeern, gab ſie ver=
wundert
zurück.
Soſo, jaja. Hm, wo iſt doch Ihre Heimat?
Immſtedt.
Immſtedt? Immen ſind Bienen. Ob es woh=
ffrieſiſch
iſt?

Er ſcheint in der Gegend nicht gut Beſcheid zu
wiſſen, dachte Antje. Es liegt doch in der Geeſt, ſagte ſie.
Hm, ſo. Es muß doch wohl frieſiſch ſein. Man
ſieht es an dem hellen Haar; das iſt wie Flachs. Schade,
daß der Flachsbau in der Gegend abgekommen iſt.
Er ſah ihr in die Augen, aber ohne Wärme. Sie
haben ja braune Augen! Wie kommt es, daß Sie
braune Augen haben?
Jetzt riß Antjes Geduldsfädchen. Quack! ſagte ſie
kurz und wandte ſich dem Buſche und ihrer Beſchäfti=
gung
zu. Der junge Herr war offenbar nicht recht
richtig im Kopfe.
Er ſtand einen Augenblick ſtill und ſah auf ihr
ſchönes Blondhaar, das wie ein Büſchel heller, feiner
Seide in dem Buſchwerk ſchimmerte. Dann ſeufzte er
auf, ging in ſeine Stube und ſchlug in einem Buche
nach, das von Stamm und Art der Frieſen handelte.
Antje hatte mit ihrem feinen Ohr den Seufzer ver=
nommen
, und es tat ihr hinterher leid, daß ſie den
jungen Mann ſo kurz abgefertigt hatte.
Sehr gern hätte ſie dies wieder gut gemacht. Die
kleine Unfreundlichkeit, die ſie einem Halbkranken er=
wieſen
hatte, lag ſchwer auf ihrem liebevollen Herzen.
Als ſie einige Tage ſpäter Ivens Stube rein=
machte
die Brüder hatten jeder ihr eigenes Zimmer
, war er dabei, ſeine Kakteen, von denen er eine
ganze Anzahl Pflänzchen auf dem Fenſterbrett ſtehen
hatte, zu begießen.
Was ſind das für kleine Stachelſchweine? fragte
Antje, mehr aus dem Bedürfnis heraus, dem jungen

Manne etwas Freundliches zu ſagen, als aus Neugier.
Sie mochte die kleinen Untiere, wie ſie ſie nannte, nicht
einmal leiden, weil ſie ſich gar nicht veränderten, nicht
blühten, nicht dufteten, ja nicht einmal neue Knoſpen
trieben.
Iven war glücklich, daß er jemand für ſein Tun
intereſſierte. Das ſind Kakteen, erklärte er; es ſind
ſehr merkwürdige Pflanzen.
Blühen ſie gar nicht?
O doch. Sie ſehen wohl aus, als ob ſie ſich gar
nicht veränderten, aber Sie werden ſehen, ganz plötz=
lich
iſt eine wunderbare Blüte aus der rauhen Hülle
hervorgegangen, wo man ſie gar nicht erwartet. Das
iſt gerade ſo, als wenn ein Vogel, der lange ſchwieg,
plötzlich an zu ſingen fängt. Und die Blume iſt ſo zart,
ſo rein, ſo prächtig, es iſt wirklich wie ein Wunder.
Dieſee hier muß wohl ſehr alt ſein; er hat ganz
weißes Haar, meinte Antie.
O nein, es iſt nur eine beſondere Art. Warten Sie,
ich werde Ihnen den eigentlichen Namen nennen. Ja,
die Kakteenzucht iſt lohnend und intereſſant. Er holte
ein Buch hervor, betitelt: Die Kakteenzucht, und
begann daraus vorzuleſen.
O weh, da habe ich etwas Schönes angerichtet,
dachte Antje. Sie ſtand wie auf Kohlen. Das Zimmer
war fertig und draußen wartete die Arbeit, da war
noch die Diele zu ſchrubben, Meſſer zu putzen, Kartoffeln
zu ſchälen. Als der junge Mann einen Moment inne=
hielt
, und Atem holte, ſagte ſie ſchnell: Ich dank auch
ſchön, und fort war ſie.

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Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. November 1910.

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Iven Anderſen aber war es zum Bewußtſein ge=
kommen
, wie ſchön es war, einem anderen Weſen von
ſeinem Wiſſen mitzuteilen. Es war das herzliche Ge=
fühl
des willigen, reichen Gebers.
Sie iſt bildungsfähig, dachte er. Ich werde ſie zu
belehren ſuchen. Von dieſer Zeit an brachte er Antje
ein gewiſſes Intereſſe entgegen und fand an ihr eine
geduldige, teilnahmsvolle Zuhörerin.
Mehr noch als mit den Kakteen und Büchern be=
freundete
ſich Antje mit Ivens Kanarienvogel. Wenn
ſie in die Stube kam, machte ſie ſich durch ein Piep
bemerkbar. Sie ſprach mit ihm und er antwortete.
Antje meinte, er verſtände ſie ganz genau.
Fritzchen, Dein Herr iſt ein bißchen verdreht, ſagte
Antje.
Piep, antwortete Fritz.
Singe, Fritzchen, ſinge, damit er die Grillen ver=
gißt
. Singe, ſinge!
Dann ſang Fritzchen, daß es eine Luſt war, ihm
zuzuhören.
An dem Verſtand des jungen Herrn mußte Antje
noch oftmals zweifeln. Einmal traf ſie ihn in Hemds=
ärmeln
an, wie er mit Aufbietung ſeiner ganzen Kraft
turnte. Helle Schweißtropfen ſtanden ihm auf der Stirn.
Antje begriff anfangs gar nicht, wozu die merkwür=
digen
, ſchlenkernden Bewegungen dienen ſollten. Sie
dachte, der junge Herr wäre plötzlich verrückt geworden;
aber er erklärte es ihr.
Die Leibesübungen machen den Menſchen kräftig
und widerſtandsfähig. Ich mache jetzt gymnaſtiſche
Uebungen mit Hanteln. Das heißt: vorläufig ohne

Hanteln, weil dieſe mir zu ſchwer ſind. Wiſſen Sie,
was Hanteln ſind?
Nein.
Es ſind ſchwere Gewichte. Ich bilde mir nun ein,
daß ich Hanteln in den Händen halte. Sehen Sie, jetzt
hebe ich ſie hoch, jetzt laſſe ich ſie ſinken. Das kräftigt
die Muskeln. Er ließ ſich ermüdet auf einen Stuhl
fallen. Wollen Sie es nicht auch mal verſuchen? Man
ſchläft gut danach.
Quack, ſchwebte es auf Antjes Lippen; aber ſie ver=
ſchluckte
es. Ich turne ſchon den ganzen lieben Tag, im
Hauſe umher; ich ſchlafe ungewiegt.
Man bekommt auch Appetit davon.
Daran fehlt’s mir nicht, erwiderte Antje. Aber
mir ſcheint, die Turnerei iſt nicht viel was anderes, als
wenn Reimer Holz hackt. Beim Holzhacken kann einer
auch geſund bleiben!
Aber es iſt gefährlich, meinte Iven nachdenklich.
Eine Zeitlang ſetzte er die Gymnaſtik fort; dann
unterblieb es eine ganze Weile, weil er ſich zu ſchwach
fühlte. Eines Tages las er, daß ein Gelehrter täglich
eine Stunde Holz hacke, um durch die Bewegung ſeine
Geſundheit zu erhalten. Schon am nächſten Tage ließ
er ſich eine Anzahl dicker Aeſte auf den Holzplatz brin=
gen
. Er nickte Antje heiter zu, als er mit dem Beil
an ihr vorüberlief. Jetzt wird Holz gehackt.
Er legte einen Aſt auf den Block und holte zu einem
kräftigen Schlage aus. In weitem Bogen flog ihm
das Beil aus der Hand. Er holte es wieder, und Rolf,
der hinzukam, zeigte ihm mit gutmütigem Lächeln, wie
er es machen müſſe. Er ſtand dabei ſo gerade und feſt,

wie immer, und ſein Geſicht wurde nicht um einen
Schein röter.
Jetzt ging es beſſer. Iven ſchlug mit einem Eifer
darauf los, daß die Holzſtücke nach rechts und links
flogen und jeden, der in die Nähe kam, zu verletzen
drohten. Dann warf er mit einemmal das Beil ins
Gras und ließ die Arme hängen, er konnte nicht mehr.
Tagelang lag er auf dem harten Lederſofa in der
Wohnſtube. Die Mutter ſchüttelte mißbilligend den
Kopf und Rolf lachte ihn aus. Ihm war jämmerlich
zumute; ſeine Schultern waren wie zerſchlagen, ſeine
Arme als wären ſie ausgerenkt, und an den zarten
Händen hatte er Blaſen.
Er wandte ſich an Antje um Rat. Sie unterdrückte
das Lachen und machte eine nachdenkliche Miene.
Ja, meinte ſie, es iſt durch die Bewegung gekommen,
es muß auch durch Bewegung wieder vergehen.
Iven ſprang in die Höhe. Was ſoll ich tun, hanteln?
Antje ſchüttelte den Kopf. Man bloß nicht. Da
gibt’s doch viel was beſſeres zu tun. Wir haben lange
keinen Regen gehabt, und die ſchönen Blumen im Gar=
ten
vertrocknen ſchier. Wenn der Herr mal eine Gieß=
kanne
nehmen würde, und alles beſprengen, mir ſcheint,
das wäre ſo ne recht paßliche Bewegung.
Sie haben recht, ſagte er, das iſt entſchieden für
mich das richtige. Er kam der Weiſung mit Eifer nach.
Antje aber lachte ſtill vor ſich hin, als ſie ihre lieben
Blumen erfriſcht ſah. Sie lachte auch, als er ihr nach=
her
treuherzig berichtete, die Kur habe geholfen.
Im Grunde genommen war der junge Mann ein
großes Kind: wenn man es richtig anfing, ließ er ſich
willig leiten.
(Fortſetzung folgt.)

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Nummer 265

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11, November 1910.

Seite 11.

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 2 Pinſcher, 1 Jagdhund.
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

(DDie Rohbauarbeiten bei Aufſtockung des Fahrzeugſchuppens im Kaſernement des
Train=Bataillons Nr. 18 an der Eſchollbrücker Straße hierſelbſt ſollen nach ein=
zelnen
Loſen getrennt verdungen werden, und zwar:
Los I Erd=, Maurer=, Asphalt= und Steinmetzarbeiten,
II Zimmerarbeiten,
III Schmiede= und Eiſenarbeiten.
Die Bedingungen und Zeichnungen liegen im Geſchäftszimmer des Militär=
Bauamts, Riedeſelſtraße 60, II., während der Dienſtſtunden, vormittags 8½12½
und nachmittags von 36 Uhr offen und können daſelbſt die Verdingungsunterlagen
zum Preiſe von 1.00 Mk. für Los I, von 0.70 Mk. für Los II und 0.50 Mk. für
Los III gegen poſt= und beſtellgeldfreie Einſendung bezogen werden.
Die ausgefüllten Angebote nebſt den vorgeſchriebenen Proben ſind verſiegelt
und mit entſprechender Aufſchrift verſehen bis zum 19. November 1910, und zwar für
Los I um 10 Uhr, Los II um 10½ Uhr und Los III um 10¾ Uhr an vorgenanntes
Geſchäftszimmer poſt= und beſtellgeldfrei einzuſenden, zu welchen Zeiten die Eröff=
nung
erfolgt.
(21876
Die Zuſchlagsfriſt beträgt 28 Tage.
Militär=Bauamt Darmſtadt.

Die Rechnungen der evang. Geſamtgemeinde
und der evang. Stadtgemeinde für 1909
liegen von heute ab 8 Tage lang in dem Pfarrhauſe, Hügelſtraße 28, offen.
21898)
Velte.

gezirkssparhasse Gross-Gerau.
Wir laden die Mitglieder der Bezirksſparkaſſe Groß=Gerau bezw. deren Ver=
treter
zu der
Freitag, den 25. November 1910, vormittags 11 Uhr,
in dem Sitzungsſaal unſeres Dienſtgebäudes ſtattfindenden diesjährigen
ordentlichen Mitgliederverſammlung
der Bezirksſparkaſſe Groß=Gerau ergebenſt ein.
Tagesordnung:
1. Erſtattung des Rechenſchaftsberichts und Genehmigung der Jahresbilanz
für das Geſchäftsjahr 1909.
2. Verteilung des Reingewinns aus 1909.
3. Entlaſtung des Vorſtandes.
4. Entlaſtung des Aufſichtsrates.
5. Bewilligung von Beträgen zu wohltätigen gemeinnützigen Zwecken.
6. Neuwahl von Aufſichtsratsmitgliedern (§ 21 der Satzungen).
7. Mitteilung in der Sache Müller gegen Sparkaſſe.
8. Anſtellungs= und Penſionsverhältniſſe des Rechners und Kontrolleurs
(§§ 26 und 29 der Satzungen).
Groß=Gerau, den 10. November 1910.
Der Aufſichtsrat der Bezirksſparkaſſe Groß=Gerau:
Senſtfelder, Vorſitzender.
Bezirkssparkasse Gross=Gerau.
Vermögensbilanz am 31. Dezember 1909.
Geſchäftsjahr 1909.

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Groß=Gerau, den 1. Oktober 1910.
Der Vorſtand der Bezirksſparkaſſe:
Arnold, Direktor.

Die Reviſionskommiſſion des Aufſichtsrats hat die einzelnen Poſten der Ver=
mögensbilanz
für 1909 eingehend geprüft und mit den Büchern in vollſtändiger Ueber=
einſtimmung
gefunden.
(21924
Groß=Gerau, den 10. November 1910.
Der Aufſichtsrat der Bezirksſparkaſſe Groß=Geran:
Senßfelder, Vorſitzender.

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Darmſtadt, den 5. November 1910.
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Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. November 1910.

Nummer 265.

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Nummer 265.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. November 1910.

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Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. November 1910.

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Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. November 1910.

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N5 265.

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1. Montag, den 21. November 1910: Der junge Beethoven,
2. Dienstag, den 10. Januar 1911: Die Tonmalerei, ihr Wesen und ihre
Bedeutung in der Musik. 3. Montag, den 20. Februar 1911: Die
Liebe im Leben unserer Meister,
Abonnement für die drei Vorträge; Sperrsitz Mk. 8., Saal Mk. 5.,
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Freireligiöse Gemeinde Darmstadt.
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geleitet durch Herrn Prediger Bloch aus Offenbach, unter freundlicher Mitwirkung
eines Männerchors.
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Thema: Freireligiöse Jugenderziehung.
Unmittelbar nach der Erbauung Gemeindeverſammlung.
Tagesordnung: Vorſtandserſatzwahl, Mitteilungen.
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Evung. Pradenveren- des Schlebbezins.
Sonntag, den 12. November, abends 7½ Uhr
Familienabend
im Gemeindehaus, Kiesſtraße 17.
Vortrag des Herrn Pfarrer Vogel: Frau Doktor Luther.
Muſikaliſche Darbietungen.
Muſikaliſche Darbietungen.
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an der Kaſſe.
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Der Vorstand.

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Sonntag, den 13. November, abends 8 Uhr,
in der Turnhalle, Heidelbergerſtraße,
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Herren M. Vogel, Mainz (Violine) und
Mitwirkende: Eugen Grim, Guſtavsburg (Klavier)
wozu ergebenſt einladet
Der Vorstand.
Zur gefl. Kenntnis, daß das Konzert punkt 8 Uhr beginnt.
Eintritt für Nichtmitglieder à Person 25 Pfg.
(21897

Kafh. Gesellen=verein.
Sonntag, den 13. November 1910, abends 8 Uhr,
findet im Vereinshauſe, Friedrichſtraße 30, der diesjährige
Herbstball
ſtatt. Ballkarten zu 75 Pfg. für Mitglieder und 1 Mk. für Nichtmitglieder ſind beim
Hausmeiſter zu haben.
Es werden hierzu alle Mitglieder, Ehrenmitglieder, ſowie Freunde und Gönner
des Vereins freundlichſt eingeladen.
(21925
Der Vorſtand.

Verein städtischer Arbeiter und Bediensteter.

Samstag den 12. November 1910, abends halb 9 Uhr
im Mathildenhöhsaale‟. Dieburgerstrasse Nr. 26

Zehntes Stiftungsfest
verbunden mit Großherzogs Geburtstagsfeier
unter gütiger Mitwirkung des Orth’schen Männerquartetts, unter
Leitung ihres Dirigenten Herrn K. Grim, sowie einer Abteilung der
Kapelle des Infanterie-Leibg.-Regiments Nr. 115,
wozu wir Freunde und Gönner höflichst einladen. Der Vorstand.
(21799df
Nach Schluß des Programms: TANZ.

früher Stengel
Restaurant Schmiff uis-a-vis den Bahnhöfen.
Heute Freitag abend Wellfleiſch mit Kraut,
Bayeriſche Leber= und Bratwürſte.
Morgen Samstag abend Metzelſuppe nebſt
* Schweinspfeffer und Kartoffelknödel.
(*27777
D. O.
Hierzu ladet ergebenſt ein
Restauration zum Neuen Justiz-Palast.
Zu der am Samstag, den 12. d. Mts. ſtattfindenden
Metzelsuppe
früh Wellfleiſch mit Kraut
August Amme.
(*27731
ladet ergebenſt ein

estauration, Zur Oper

empfiehlt guten Mittagstisch in verschiedenen
Preislagen, sowie reichhaltige Speisenkarte.
Kleine Abendplatten für Theaterbesucher.
Pilsener Münchener hiesiges Bier.
Neuzeitliche Räume. Aufmerksame Bedienung

Restaurant Brauerei Fau
23 Alexanderstrasse 23
Bier vom Fass Vorzügliche Küche Mässige Preise
Carl Gröltz, Inhaber.
120a)

Restaurant Turnhalle Woogsplatz.
Samstag, den 12. November:
Metzelsuppe
P
Heute Abend: Bratwurſteſſen, Wellfleiſch mit Kraut uſw.
Hierzu ladet freundlichſt ein
Michael Schnellbacher.
21909)

Zum Schlossgarten.
Samstag, den 12. November:

Heute Wellfleiſch mit Kraut, wozu freund=
lichſt
einladet Philipp Kreh. (*27713

Samstag, den 12. Nov. 1910:

mit Konzert.
Es ladet freundlichſt ein Jakob Reitz, Rest.
z. Fürstenauer Hof, Roßdörferſtr. 1. (*27710is

Morgen abend:

wozu freundlichſt einladet
Me
Heidelberger=
Hch. Kraussmüller, ſtraße 2.

Samstag, 12. Nonhr. 1910
Retzelſuppe.
Heute Freitag Wellfleisch mit Kraut.
Restaurant zur guten Quelle
*27786) Johann Biegler, Kaupſtr. 51.

Restaul
ion z. alten Fritz
*27782) Gardistenstr. 33.
Samstag, den 12. November:

Hierzu ladet ein Josef Eyberger.

Samstag 12. November

wozu freundlichſt einladet

(21901

Philipp Hartung
Reſtauration z. Landsberg, Ballonpl. 9.

Samstag, den 12. November 1910

I5u

(*27779fs
wvozu freundlichſt einladet
Familie Geiss
Ltasthaus Zur Stadt Darmstadt‟.

5 Bände Weltall und Menſchheit
faſt neu, 1 Lueger=Lexikon, mehrere
Pharmazeutiſche Werke, 1 gut erhaltenes
Gobelinſofa mit 6 Seſſelchen, 1 Diwan
mit Decke, 1 großer Tiſch für Schneider,
1 Badewanne mit Ofen, wegen Platzmangel
zu verkaufen
(B21907
Klappacherſtraße 40, Werkſtatt.

Empfehle prima
Hammelfleiſch
beſter Qualität
per Pfund 70 Pfg.
Kochfleisch
50 und 60 Pfg. (21926a
Beſonders zu empfehlen
prima altgeſchlachtete

Hammelkeulen
per Pfund 70 Pfg.
Spezial-Kalbs- und Hammelsmetzgerei
J. Reuter,
Saalbauſtraße 16, Ecke Waldſtraße.
Telephon 373.

Friſche Odenwälder
Landbutter
per Pfund 1.30 Mk. empfiehlt
M. Greib, Schulstr. 9
Telephon 735.
(21930

1 gold. Herrenuhr mit Sprungdeckel (3 gold.
Deckel) 85 Mk., gold. Kavalierkette 25 Mk.,
gold. D.=Uhr 20 Mk., lange gold. Damen=
Uhrkette 35 Mk., Anhänger mit echten Stei=
nen
25 Mk., ſilb. Damenuhr 5 Mk., extra
ſchwere moderne ſilb. Damenkette 10 Mk.,
ſilb. Kavalier=Herrenuhr 15 Mk., goldene
Scharnier=Herrenkette 15 Mk., 1 Brillant=
Damenring 25 Mk., gold. Kettenarmband
22 Mk., ſilb. Eßlöffel das Gramm 18 Pfg.,
ſilb. Brotkorb 30 Mk., ſchwerer ſilb. Vor=
leger
, innen vergold., 22 Mk., ſilb. Taſchen=
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Achtung!
Achtung!
Kammerjäger Schwarz
empfiehlt ſich zur Vertilgung von Ratten,
Mäuſen, Schwaben, Wanzen und Un=
geziefer
jeder Art.
Bitte Offerten in der Expedition ſchrift=
(*27674df
lich niederzulegen.

[ ][  ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. November 1910.

Nummer 265.

ler Von ſeltſamen Uhren und ihrer Geſchichte. Es
gibt wohl kaum eine Induſtrie, in der die Phantaſie und
die Erfindungsgabe des Menſchen ſich ſo raſtlos betätigt
hat, wie in dem altehrwürdigen Berufe der Uhrmacherkunſt.
Seit den längſt verklungenen Zeiten, da der Menſch aus
dem Schatten eines Baumes oder Berges die Tageszeit
zu erkennen ſuchte, haben kluge Köpfe künſtliche Mittel
zur Zeitbeſtimmung geſucht, gefunden, verfeinert und fort=
gebildet
. Die alten Aegypter ſollen ihre Obelisken als
Sonnenuhren benutzt haben, und der große Obelisk von
Luxor, der heute in Paris die Place de la Concorde ziert,
war nichts anderes als ein gewaltiger Zeiger, der den
Aegyptern die Stunde verriet. Aber mit der Zeit lernte
man erkennen, daß dieſe Uhren von den Witterungsein=
flüſſen
zu ſehr abhängig waren; wenn Wolken den Him=
mel
bedeckten, verſagte ihre Genauigkeit, und erfinderiſche
Mechaniker ſannen auf künſtliche Mittel, um dieſem Uebel=
ſtande
abzuhelfen. So entſtanden die Sand= und Waſſer=
uhren
; zu der nüchternen Zweckmäßigkeit geſellte ſich bald
die Kunſt, die Apparate wurden ausgeſchmückt, ſinnvolle
Mechanismen angefügt, und es wurden allerlei ſeltſame
Meiſterwerke der Uhrmacherkunſt geſchaffen.
Die berühmte Waſſeruhr, die Harun al Raſchid Karl
dem Großen zum Geſchenke machte, wurde von den Zeit=
genoſſen
als ein Wunderwerk beſtaunt. Sie war aus
Bronze gefertigt, kunſtvoll vergoldet, zeigte auf einem
Zifferblatt die Stunden, und immer, wenn eine Stunde
verſtrichen war, fiel eine entſprechende Anzahl von kleinen
Eiſenkugeln auf eine Glocke, ſodaß die Uhr ein regelrechtes
Schlagwerk beſaß. Wenn dann der Stundenſchlag ertönte,
öffneten ſich zwölf kleine Fenſter, ein Ritter trat aus jedem
hervor, vollzog eine gewiſſe Anzahl von Bewegungen, und
verſchwand dann wieder im Inneren des Mechanismus.
Im mittelalterlichen Gerichtsweſen ſpielte die Waſſeruhr
eine beſondere Rolle, ein beſtimmter Beamter hatte die
Aufgabe, den Lauf der Waſſeruhr zu überwachen, und
wenn die feſtgeſetzte Zeit abgelaufen war, kündete der
Beamte mit einem kurzen Schlage dem Advokaten an, daß
er nun ſein Plädoyer zu beenden habe. Kein Wunder,
daß die Advokaten der alten Zeit keine Freunde der Waſſer=
uhr
waren und bei ihren feurigen oder gelehrten Tiraden
ſtets angſtvoll nach dem Waſſerglas ſchielten, um abzu=
meſſen
, wann ihrem Redeſchwall das letzte Stündlein
ſchlagen würde. Als dann die Uhrmacherkunſt ſo weit
fortgeſchritten war, daß ſie durch eigene Triebwerke die
Uhren im Gang halten konnte, entſtanden jene phanta=
ſtiſchen
Turmuhren des Mittelalters, die die Bürger zu
ſtaunender Bewunderung hinriſſen. Denn man begnügte
ſich nicht mit dem Stundenſchlag, oben am Turme tauchten
ſeltſame Geſtalten auf, oft zogen ganze Prozeſſionen vor=
über
, um den Stundenabſchluß zu verkünden. Dem Geiſt
der Zeit entſprechend waren es meiſt religiöſe Motive,
man ſah die drei Weiſen aus dem Morgenlande, die alle
Stunde zur Jungfrau kamen und niederknieten, bisweilen
aber auch geharniſchte Ritter, mit Speer und Schwert auf=
einander
losgehend und durch Stiche und Hiebe die Stun=
denzahl
anzeigend. Bei der berühmten Turmuhr von
Lund in Schweden erklangen bei dem Erſcheinen der drei
Weiſen ſchmetternde Fanfaren, die Könige brachten ihre
Geſchenke dar, und dann plötzlich verſchwand wie durch

einen Spuk wieder die ganze Erſcheinung im Gehäuſe. Von
der altehrwürdigen Straßburger Münſteruhr erzählte man
denn auch allerlei geheimnisvolle Legenden, und im Volke
raunte man ſich zu, daß die Ratsherren den Meiſter der
Straßburger Uhr nach Vollendung ſeines Werkes blenden
ließen, damit er für keine andere Stadt der Welt ein ſolches
Wunderwerk herſtellen könnte. Gegen Ende des 17. Jahr=
hunderts
fertigte Burdeau für Ludwig XIV. eine Meiſter=
uhr
an: da ſah man den Sonnenkönig auf ſeinem Throne
ſitzen, und alle Stunden kamen genaue Nachbildungen
aller europäiſchen Fürſten, um ſich vor Ludwig bis zur
Erde zu verneigen. Beſonders Wilhelm III. von England,
deſſen Stolz den Sonnenkönig einſt verletzt hatte, mußte
ſich bis tief in den Staub neigen. Die Uhr wurde dann
öffentlich dem Publikum gezeigt, aber eines Tages ereig=
nete
ſich ein Zwiſchenfall. Eine der Federn im Werke löſte
ſich los, ſchleuderte Ludwig XIV. von ſeinem Throne, und
zwar gerade vor die Füße des aufrecht ſtehenden Wil=
helm
III. Am Hofe ſah man darin eine Intrige des
Uhrmachers, und der arme Burdeau mußte in die Baſtille
wandern und erhielt mehr Zeit als ihm lieb war, um
darüber nachzudenken, wie er ſeine Uhr hätte beſſer regu=
lieren
können. In Chicago exiſtiert eine merkwürdige
moderne Turmuhr, die eine genaue Darſtellung der Ver=
handlungen
gegen den Präſidentenmörder gibt, der im
Jahre 1881 Garfield tötete. Jede Stunde wird dies vor=
geführt
, zum Schluß ſieht man den Uebeltäter am Galgen
baumeln, die ganze Vorſtellung dauert nicht weniger als
50 Minuten.

Literariſches.
Griebens Reiſeführer. Band 106.
Venedig und Umgebung. (1,50 Mark.) Verlag
von Albert Goldſchmidt, Berlin W. Ein bewährter
Führer durch Venedig und ſeine vielen Sehenswürdig=
keiten
iſt der ſoeben in dritter (wieder von W. Schultz=
Rieſenberg bearbeiteten) Auflage erſchienene Griebens
Reiſeführer. Der Text des ſehr handlichen Buches iſt
in allen ſeinen Teilen einer genauen Nachprüfung
unterzogen worden. Die Aufführung der Kunſtſamm=
lungen
iſt nach den neueſten Anordnungen erfolgt.
Band 70. Meran und Umgebung. (60 Pfg.) Die
ſoeben erſchienene 4. Auflage dieſes beliebten Führers
durch Meran und Umgebung hat in allen Teilen eine
gründliche Neubearbeitung gefunden. Das Buch ent=
hält
alles, was für den Kurgaſt oder den Touriſten von
beſonderem Intereſſe iſt. Das Kapitel Unterkunft und
Verpflegung gibt Aufſchluß über die dortigen Hotels,
Sanatorien, Penſionen, Reſtaurants uſw. Sehr aus=
führlich
iſt auch das Verkehrsweſen behandelt.
In Martin Mörikes Verlag in München erſchien
ein neuer Roman von Friedrich Huch Enzio.
Friedrich Huch, deſſen Roman Pitt und Fox einen
ſo ſtarken Erfolg erzielte, nennt ſein neues Buch
Enzio einen muſikaliſchen Roman, weil Muſik eine
Grundnote dieſes Werkes bildet. Aber er hätte ihn
mit demſelben Recht einen Liebesroman nennen
können, denn auch Liebe iſt eine Grundnote ſeines
Buches. Das Buch enthält eine Fülle heiterer und
ernſter Erlebniſſe der Liebe, und auch die ernſten
Szenen durchleuchtet und durchwärmt Huchs Humor.
Was in dem Buche über Muſik geſagt wird, auch über
das muſikaliſche Problem der Gegenwart, wird Beifall
und Widerſpruch wecken.
* Im Verlag von J. G. Cotta Nachf. in Stuttgart
erſchienen: Ariſtophanes Werke. Ueberſetzt von
Ludwig Seeger. Neue Auflage, mit Einleitung von
Hermann Fiſcher und Wilhelm Schmid. 3 Bände in
1 Band gebunden. Preis 3 Mk. Wenn hier gerade See=
gers
Ueberſetzung des Ariſtophanes wieder ans Licht ge=
zogen
wird, ſo iſt das mit gutem Bedacht geſchehen. In
ihr hat ſich die ihrer ſelbſt immer ſichere ſchlagfertige Ge=
wandtheit
des Schriftſtellers an dem ſchwierigſten Stoff
erprobt; hier auch am glänzendſten ſeine Fähigkeit, bei
der fremdartigen Vorlage immer noch deutſch und ver=
ſtändlich
im Ausdruck zu bleiben. In dieſer Ueberſetzung
tritt auch ſeine Ueberlegenheit über die, welche ſich an dem
nämlichen Stoff verſucht haben, am glänzendſten und ſieg=
hafteſten
vor Augen. Das Erſcheinen der neuen Auflage
dieſes deutſchen Ariſtophanes wird daher mit Dank be=
grüßt
werden.

Gewinnanszug
der
223. Königlich Prenßiſchen Klaſſenlotterte.
6. Klaſſe. 2. Ziehungstag. 9. November 1910.
(Nachdruck verboten.)
(Ohne Gewähr. A. St.=A. f. Z.)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne
über 240 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 15000 Mk. 36089 170360
1 Gewinn zu 10000 Mk. 92627
3 Gewinne zu 5000 Mk. 5768 267482 287836
53 Gewinne zu 3000 Mk. 1002 11590 24945 28474
33662 45672 47036 60228 60317 63168 72955 75703
77366 78238 80063 82815 89970 109812 116937 127401
144357 145708 156016 158287 170631 173288 174676
180305 163208 186048 188687 193071 197570 198604
205414 212153 215845 217824 220802 226261 228194
233725 235260 235465 249406 250224 250632 257162
271585 276760 280872 294244 300700
72 Gewinne zu 1000 Mk. 997 2424 6524 14626 19885
36031 36133 36602 37062 40937 44643 49180 54897
66196 57191 67622 58762 62073 78777 81089 82696
91074 93122 101910 104054 110211 124860 132750
133751. 134688 142705 149814 156230 168598 164001
164243 166753 167088 167132 168859 168960 177524
177985 179586 181822 164834 186751 190333 190395
190976 196218 203956 207676 226532 239545 244009
245174 246712 254990 256803 258232 260068 261457
261467 261666 266562 267851 283688 289426 291168
300505 302108
105 Gewinne zu 500 Mk. 3888 4248 10798 12663
23460 29729 32879 35617 36043 36244 37493 38684
39472 53112 66634 57295 58092 59036 59749 60290
65704 65801 65924 69638 71545 73733 78303 80781.
82080 82738 89802 91598 91929 99893 103151 103152
103317 105843 117673 121111 126655 128712 129639
131503 132768 133931 136400 141439 141795 146775
149734 153478 153636 154976 155166 155296 161789
163239 167537 169189 172885 174701 177397 180280
182368 183990 184013 192824 193566 194553 195578
196496 198676 199422 200247 201527 205433 209782
211085 211845 215946 217465 217883 222583 225601.
234549 234800 235878 237907 241931 243467 243577
244427 247316 249694 260353 271010 274464 277169
280034 280119 295694 300518 302478 303003
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne
über 240 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 30000 Mk. 154043 252496
1 Gewinn zu 10000 Mk. 149458
6 Gewinne zu 5000 Mk. 14456 48618 71663 129588
132434 283779
38 Gewinne zu 3000 Mk. 4599 11000 16781 42380
51993 64463 71716 79890 88464 92131 111031 120826
135117 142336 154736 165850 173314 174500 176458
182293 183405 191187 197346 201052 201958 220747
220924 221847 230378 234163 236065 236719 244087
276587 277293 278889 288767 291639
71 Gewinne zu 1000 Mk. 1067 3622 4777 13938
19431 26982 35383 37770 45038 47100 47601 50197
60506 66169 56934 65402 69578 70063 71005 71184
71996 73805 75634 76070 85160 85709 125873 135685
136074 142675 144575 147415 151774 154009 157414
158431. 159980 161369 164911 168822 180774 180955
184662 185584 194935 199840 201023 212685 216063
217964 218407 221062 223711. 223931 233972 251991
52195 253056 256738 267879 271594 272773 278490
288835 292646 297475 298442 298931 300192 301573
302245
132 Gewinne zu 500 Mk. 258 2501 18655 22146
32321 33035 40034 45936 46585 47505 49855 52271.
63573 57486 58090 62954 67492 71458 72007 75159
77262 78180 78711 86665 87530 93351 95604 98004
98057 101429 101658 102835 103357 103763 106266
107581 108169 108481 111368 115567 117496 121050
121129 131242 133310 134156 136666 140870 147868
148504 150026 152423 153584 154221 155429 157699
161307 161356 162740 164916 165647 167675 168783
169562 171742 173175 175482 176405 177986 179134
181630 181829 184644 186267 187203 188547 188680
188709 190878 191135 193383 197734 198158 199578
202067 204058 207556 208334 209619 209807 216462
217027 217557 218736 219492 228527 228845 229749
232150 239288 240366 241204 241571 242124 242529
243224 246732 250913 253066 256736 257062 258709
261097 266093 272759 277464 279870 280130 280540
282410 282493 285225 287409 289168 289494 289579
292548 292633 297766 299499 301323 301548

Würze
mit dem Kreuzstern

achte man darauf, dass die Würze aus Maggi’s grosser Original-
flasche
gefüllt wird, denn in diesen Flaschenzdarf gesetzlich nichts
anderes als MAGuls Würze feilgehalten werden. (K21824,36

ut erhaltener Kücheuſchrank E
verkaufes Schwanenſtr. 2. pt.

Hüte werd. umgearb. u. ſchik garn., bill.
in u. auß. d. Hauſe, ält. Zutaten werd.
(20912a
verw. Ludwigsplatz 8, III.

werden ſchick u. bill. garniert,
Hute alte Sachen verwendbar, bei
I. AHmk, Kannſtraße 32. pt. (*27581mfo

sämtlicher

(19950a

Herren- und Knaben-Unterkleider

sowie

gestrickte u. gewebte Knaben-Anzüge
wegen vollständiger Aufgäbe dieser Ar-
tikel
teils zu u. unter Selbstkostenpreis.

Marktstr.
2.

evorzugen

Sie

Verweidern Sie
Verlanden Sie
Beschweren Sie

(20661a)

bei Ihren Einkäufen die
Mitglieder des Rabatt-
Spar-Vereins.

stets die Annahme von
Bar-Rabatt.

dagegen bei allen Ihren
Einkäufen schwarz-weisse
Rabattmarken.

sich schriftlich beim Vor-
stand
, wenn Ihnen die
Marken nicht gerne und
freiwillig gegeben werden.