Darmstädter Tagblatt 1910


04. November 1910

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monatl. 50 Pfg., viertelj. 1.50 Mk., aus=
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turen
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173. Jahrgang
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Anterhaltungsblatt.

Inſerate
werden angenommen in Darmſtade
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

it 250.

Freitag, den 4. November.

1910.

Die heutige Nummer hat 22 Seiten.

für Oeſterreich aus den Verträgen zwiſchen dem Nord=
deutſchen
Bunde und Oeſterreich vom 22. Juni 1870
ſtatuierten Rechten der Abgabenfreiheit der Elbeſchiff=
fahrt
nicht vorgegriffen werden ſoll, die öſterreichiſche In=
duſtrie
erwartet aber von der Regierung, daß ſie auf dem
Standpunkte des unerſchütterlichen Feſthaltens an der
vertragsmäßig gewährleiſteten Abgabenfreiheit der Elbe=
ſchiffahrt
, den ſie unter der Zuſtimmung ſämtlicher indu=
ſtriellen
Kreiſe in Oeſterreich eingenommen hat, auch wei=
ter
unbedingt beharre und jedem Verſuch, an derſelben zu
rütteln, als welcher auch eine Belegung der deutſchen
Schiffe mit Schiffahrtsgebühren auf der Elbe zu betrach=
ten
wäre, entgegengetreten wird.

Das neue Kabinett Briand.
* Präſident Falliéres beauftragte Briand mit
der Neubildung des Kabinetts. Briand nahm
den Auftrag an.
Im Miniſterrate erinnerte Briand an die überaus hef=
tigen
Angriffe gegen ſeine Perſon und an die ſehr be=
denklichen
Debatten über ſeine Befugniſſe, um die gegen=
wärtige
Lage des Landes zu meiſtern. Man hätte ihm
ſogar unlautere Abſichten gegen die bürgerlichen Freihei=
ten
vorgeworfen, aber die Kammer habe ihm gegenüber
den Angriffen Gerechtigkeit widerfahren laſſen. Die re=
publikaniſche
Mehrheit habe der Regierung ihr Vertrauen
bezeugt. Nach einer ſolchen Debatte und in Vorausſicht
deſſen, was ſich noch ereignen könne, da die Verhältniſſe
grundverſchieden ſeien von denen, die bei der Bildung
ſeines Kabinetts beſtanden hätten, ſcheine ihm die beſte,
umfaſſendſte und ehrlichſte Deutung der republikaniſchen
Verfaſſung die zu ſein, dem Präſidenten der Republik das
Wort zu laſſen und ihm die Entlaſſung des Kabinetts
anzubieten. Die Miniſter ſtimmten Briand bei und unter=
zeichneten
das Entlaſſungsgeſuch.
Briand erſtattete am Mittwoch abend um 9 Uhr dem
Präſidenten der Republik Falliéres Bericht über die im Laufe
des Tages gepflogenen Verhandlungen zur Neubildung
des Kabinetts. Mehreren Blättern zufolge wurde nach=
ſtehende
Miniſterliſte als wahrſcheinlich angeſehen: Prä=
ſidium
und Inneres Briand, Juſtiz Monis, Aeußeres
Pichon, Finanzminiſter Klotz, Unterricht Raynaud,
Oeffentliche Arbeiten Millerand, Krieg General Brun,
Marine Admiral Boué de Lapeyrère, Handel Jean Du=
puy
, Ackerbau Laffere, Kolonien Noules, Arbeit und
ſoziale Fürſorge Puech. Ein Mitglied des künftigen
Kabinetts erklärte einem Redakteur des Echo de Paris,
das Miniſterium werde eine radikale Färbung, jedoch ein
ausgeſprochen antirevolutionäres Programm haben.
Die geſamte Pariſer Preſſe beſchäftigt ſich eingehend
mit der Miniſterkriſe.
Die konſervativen Blätter erheben Einſpruch gegen
einen etwaigen Eintritt des Deputierten Laffere in das
neue Kabinett, da dieſer einer der hervorragendſten Füh=
rer
der Freimaurer ſei und unter dem Kabinett Combes
verſucht habe, das von dem damaligen Kriegsminiſter
André eingeführte Syſtem der Auskunftszettel zu ver=
teidigen
. Der combiſtiſche Rappel ſchreibt: Briand
ſpielt eine Komödie. Er will mit einer neuen Gruppe
auf der Parlamentstribüne erſcheinen Es iſt zweifelhaft,
ob er einen Erfolg haben wird. Jaurss ertlärt in der
Humanité: Briand ſuchte nicht im Parlament die erfor=
derliche
Unterſtützung, er rief in ſeiner ſchwierigen Lage
den Präſidenten der Republik zur Hilfe. Aber er kom=
promittierte
dieſen, indem er dieſen in die Kriſe hinein=
zieht
. Das iſt ein beiſpielloſes Vorgehen. Die radikale
Lanterne ſchreibt: Die Gemäßigten und die Konſervati=
ven
wollen auf die Politik Briands einen Druck ausüben.
Aber ſie beleidigen ihn, wenn ſie annehmen, daß er auf
ihre Anſchauungen eingehen könnte. Briand wird ſich
nach wie vor ausſchließlich auf die republikaniſche Mehr=
heit
ſtützen. Die Petite Republiaue ſagt: Der Dir=
tator
hat jedenfalls eine merkwürdige Aufaſſung von
ſeiner Diktatur Briand hätte ſehr wohl ſein Porte=
feuille
behalten können. Hoffentlich werde dies jene ängſt=
lichen
Leute, die ſich am Samstag ſo beſorgt zeigten, voll=
ſtändig
beruhigen. Der Temps ſchreibt anläßlich der
Kabinettskriſis: Welches Miniſterium auch immer ans
Ruder kommen wird, es wird vor allem die Aufgabe
haben, ein für allemal jenem Zuſtande ein Ende zu
machen, der ſelbſt den anſtändigen Eiſenbahnbedienſteten
geſtattet, ſich einem Ausſtand anzuſchließen, als ob das
eine ganz natürliche Sache wäre. Die Eiſenbahner wie
alle anderen Angeſtellten der öffentlichen Dienſtzweige
müſſen durch ein unzweideutiges Geſetz darauf aufmerk=
ſam
gemacht werden, daß jede verabredete Einſtellung der
Arbeit, ſelbſt wenn dabei keinerlei Gewalttäigkeiten vor=
kommen
, als ein Verbrechen gegen das Vaterland gelten
würde. Siecle ſpricht ſich befriedigt darüber aus, daß
Lichon, dem es trotz manchen heillen Zwiſchenfalles ge=
lungen
ſei, die guten Beziehungen zu den anderen Staa=
ten
aufrecht zu erhalten, auch in dem neuen Kabinett an
der Spitze des Miniſteriums des Aeußern bleiben werde.

Deutſches Reich.
Ein zweiter Ausſchuß zur Beratung
des materiellen Strafrechts wird, wie die
Deutſche Juriſtenzeitung erfährt, im Frühjahr 1911 zu=
ſammentreten
. Der im Herbſt des vorigen Jahres ver=
öffentlichte
Vorentwurf wird den Beratungen dieſes
neuen Ausſchuſſes zugrunde gelegt werden. Im Anſchluß
an die reiche Kritik, die dieſer erſte Entwurf erfahren hat,
ſoll er einer genauen Durch= und Umarbeitung unter=
zogen
werden, um auf dieſe Weiſe zu einem endgültigen,
zur Vorlegung an die geſetzgebenden Körperſchaften geeig=
neten
Entwurf zu gelangen. Der neue Ausſchuß wird
aus praktiſchen Juriſten und akademiſchen Rechtslehrern
zuſammengeſetzt ſein. Auch Sachverſtändige auf dem Ge=
biet
der Pſychiatrie und des Gefängnisweſens werden
ihm angehören. Zum Vorſitzenden iſt der frühere Mini=
ſterialdirektor
Dr. Lucas auserſehen. In ſeinen Händen
hatte auch die Leitung der Beratungen zum erſten Ent=
wurf
gelegen.
Die Strafprozeßkommiſſion des
Reichstags nahm die Abſtimmung über den § 155a
vor. Er betrifft das ſogenannte Legalitätsprinzip und
beſtimmt nach dem Beſchluß erſter Leſung, daß die Staats=
anwaltſchaft
gewiſſe Uebertretungen nicht zu verfolgen
braucht. Der Paragraph wird mit 16 gegen 11 Stimmen
aufrechterhalten und der Beſchluß erſter Leſung noch
dahin erweitert, daß die darin gemachte Vorausſetzung der
Zuſtimmung des Gerichts mit 18 gegen 9 Stimmen geſtri=
chen
wurde. Bezüglich der Vorunterſuchung gibt der Ent=
wurf
der Regierung der Staatsanwaltſchaft die Befug=
nis
, die Vorunterſuchung zu beantragen, wenn ſie zur
weiteren Aufklärung erforderlich iſt‟. Dieſe Faſſung der
Regierungsvorlage wurde jetzt in zweiter Leſung entgegen
den Beſchlüſſen der erſten Leſung wiederhergeſtellt.
Der Gouverneur von Samoa, Dr.
Solf, trat über Vancouver, von Samoa kommend, mit
ſeiner Familie an Bord des Schnelldampfers des Nord=
deutſchen
Lloyd Kaiſer Wilhelm II. die Reiſe nach
Europa an. Die Samoaniſche Zeitung meldet: Dr.
Solf zu Ehren wurden von der geſamten Bevölkerung
aller Nationalitäten herzliche Abſchiedsfeiern veranſtaltet,
bei denen zahlreiche Dankadreſſen, in denen ſeine Ver=
dienſte
während der zehnjährigen Verwaltung Samoas
zum Ausdruck kamen, überreicht wurden. In den Reden und
Adreſſen wird der Wunſch ausgeſprochen, Dr. Solf möge
nach Beendigung ſeines Erholungsurlaubs nach Samoa
zurückkehren, das unter ſeiner Verwaltung kräftig em=
porgeblüht
ſei und ſeiner auch künftig bedürfe.
Die bayeriſche Regierung und der
Vatikan. Die bayeriſche Regierung hat, wie aus guter
Quelle verlautet, den Vatikan wiſſen laſſen, daß ſie nicht
in der Lage ſei, den letzten Forderungen der Kurie zuzu=
ſtimmen
, da dieſe direkt in die Rechte der bayeriſchen Re=
gierung
eingriff. In dem letzten Dekret hatte ſich der
Vatikan direkt über beſtehende Verträge, betreffend die
Anſtellung der Pfarrer durch die bayeriſche Regierung,
hinweggeſetzt. Der Vatikan würde durch dieſe Neuver=
ordnungen
die Anſtellung der Pfarrer von Bedingungen
im Sinne Roms abhängig machen, was die bayeriſche
Regierung nicht zugeben kann. Ebenſo würde der Va=
tikan
die bayeriſche theologiſche Fakultät ungebührlich
beeinfluſſen, wenn die Univerſitätstheologen durch einen
Eid, den der Vatikan ihnen auferlegen möchte, gebunden
würden.
Die badiſchen Konſervativen. Der er=
weiterte
Landesausſchuß der konſervativen Partei Badens,
der in Karlsruhe ſeine diesjährige, ſehr zahlreich beſuchte
Herbſttagung abhielt, nahm mit Einſtimmigkeit eine Ent=
ſchließung
an, in der es heißt, daß der möglichſt baldige
Zuſammenſchluß aller bürgerlichen Ordnungsparteien
zum entſchloſſenen und ausdauernden Kampfe gegen die
Sozialdemokratie eine gebieteriſche patriotiſche Pflicht ſei.
Sollte es in allernächſter Zeit nicht gelingen, zu einer
Verſtändigung der bürgerlichen Parteien zu gelangen, ſo
müßte dieſes unſtreitig zu einem mit maßloſer Verbitte=
rung
geführten Reichstagswahlkampfe führen. Von die=
ſer
Verbitterung hätte aber einzig und allein wieder die
Sozialdemokratie großen Gewinn zu erwarten. Aus
dieſen Gründen halten es die badiſchen Konſervativen für
eine dringende Notwendigkeit, auf dem Wege der Samm=
lungspolitik
zielbewußt und entſchieden weiterzugehen,
erachten es als ihre Aufgabe und Pflicht, an die verſchie=
denſten
bürgerlichen Parteien Badens mit der Anregung
zum Zuſammenſchluß heranzutreten, und bitten und be=

Die Schiffahrtsabgaben.
Man ſchreibt uns: Dem Reichstag iſt bereits
jetzt, lange vor Beginn der Tagung, der fertiggeſtellte
Entwurf über die Schiffahrtsabgaben zuge=
gangen
und man weiß, daß dieſe Vorlage auf die Wünſche
des preußiſchen Abgeordnetenhauſes zurückzuführen iſt,
wo man im Zuſammenhang mit den Kanalbauten auch
bei regulierten Binnengewäſſern Abgaben verlangt. Da
dieſe Forderung den Beſtimmungen der Reichsverfaſſung
widerſprach, war es notwendig, wenn man dieſen Wün=
ſchen
Rechnung tragen wollte, den betreffenden Ver=
faſſungsparagraphen
durch den Reichstag ändern zu laſſen;
dazu kam noch, daß mit einigen Nachbarländern Ver=
träge
über die Flußſchiffahrt vorlagen, die auf dem Ver=
handlungswege
gleichfalls geändert werden müſſen.
Es hat lange gedauert, ehe zwiſchen den Bundes=
regierungen
eine Einigung erzielt wurde, namentlich in
Süddeutſchland war man von den preußiſchen Wünſchen
herzlich wenig erbaut und noch weniger natürlich im Aus=
lande
. Im Bundesrat hat das Zünglein der Wage lange
hin und her geſchwankt, bis eine Einigung zuſtande kam,
nachdem ſich in dieſer Frage bereits recht ſchroffe Gegen=
ſätze
herausgebildet hatten. Es kam zu einem Kom=
promiß
, aus dem der jetzige Entwurf hervorgegangen iſt.
Insbeſondere iſt die Konzeſſion zu begrüßen, daß in den
§ 54 der Reichsverfaſſung eine Zuſatzbeſtimmung eingefügt
wird, welche geeignet iſt, eine gewiſſe Garantie dafür zu
bieten, daß nur ſolche Aufwendungen ganz oder teil=
weiſe
durch Schiffahrtsabgaben gedeckt werden dürfen,
die auch wirklich ganz beziehungsweiſe teilweiſe dem Ver=
kehr
dienen.
Im übrigen aber gibt der Entwurf doch zu einer
ganzen Reihe von Bedenken Anlaß und es wäre dringend
zu wünſchen, daß er im Reichstage eine gründliche Revi=
ſion
erfahre. So iſt beiſpielsweiſe nicht einzuſehen, daß
die ſogenannten Strombauverbände, für welchen Entwurf
die näheren Beſtimmungen getroffen ſind, durch Normen
tarifariſch gebunden werden ſollen. Solche Verbände, die
aus den Uferſtaaten gebildet werden, ſind aber nur für
Rhein, Weſer und Elbe vorgeſehen. Für die Oder uns
Weichſel behält ſich aber Preußen völlige Selbſtändigkeit
hinſichtlich der Feſtſetzung der Abgabenhöhe vor. Es mag
dazu rechtlich in der Lage ſein, gleichwohl aber wäre eine
geſetzliche Feſtlegung erwünſcht geweſen, daß die auf
dieſen beiden Flüſſen erhobenen Abgaben dieſelben Sätze
wie diejenigen bei anderen großen Flüſſen aufweiſen. Die
Abgaben ſelbſt, die in fünf Klaſſen eingeteilt ſind, ſind ja
äußerlich niedrig gehalten, gleichwohl aber bedeuten ſie
für einen längeren Waſſerweg eine ſehr erhebliche Abgabe,
die nicht geeignet ſein dürfte, den Verkehr zu heben.
Würden doch beiſpielsweiſe 1000 Tonnen Weizen auf eine
Strecke von 400 Kilometern nicht weniger wie 400 Mark
zu entrichten haben. Das würde eine weitere Verteue=
rung
der Lebensmittel herbeiführen und man würde auf
vielen Gebieten den ſchnelleren Eiſenbahnverkehr vor=
ziehen
. Auch hinſichtlich der Stromausſchüſſe iſt dafür
geſorgt, daß Preußen über Gebühr gut abſchneidet. In
den Ausſchüſſen führt Preußen den Vorſitz, und dies iſt
namentlich ſchon darum von Wichtigkeit, weil bei Stim=
mengleichheit
die Stimme des Vorſitzenden maßgebend iſt.
Dem Verwaltungsausſchuſſe iſt ein ſog. Strombeirat
aus Intereſſenten beigegeben, die Verteilung der Mit=
glieder
iſt aber ziemlich willkürlich; will man doch bei=
ſpielsweiſe
beim Elbe=Verband Hamburg von 12 Stim=
men
des Verwaltungsausſchuſſes nur 3 und von den 23
Mitgliedern des Strombeirates nur 5 zuteilen, obwohl
doch gerade Hamburg hinſichtlich des Elbe=Verbandes von
der allergrößten Bedeutung iſt, denn ohne den Seehafen
Hamburg wäre die Binnenſchiffahrt auf der Elbe wohl
ziemlich unbedeutend. Noch eine Reihe anderer Ungleich=
heiten
ließen ſich anführen, die zeigen, daß der Entwurf
als ein idealer kaum betrachtet werden kann. Der Reichs=
tag
wird hoffentlich das Seinige tun.
Die öſterreichiſchen Induſtriellen rüſten
zum Kampfe gegen die Schiffahrtsabga=
ben
. Sie verſenden die nachſtehende Mitteilung:
Im Deutſchen Reichstag iſt ein Geſetzentwurf einge=
bracht
worden, durch den die Erhebung von Schiffahrts=
abgaben
auf den deutſchen Flüſſen eingeführt werden
ſoll. Der Geſetzentwurf enthält wohl den Paſſus, daß den

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Seite 2

vollmächtigen ihre Parteileitung, die ihr nötig erſcheinen=
den
Schritte zu tun.
Die Hamburger Bürgerſchaft geneh=
migte
den Antrag des Senats auf Einſetzung einer aus
ſechs Mitgliedern des Senats und zwölf Mitgliedern der
Bürgerſchaft zu bildenden Kommiſſion mit dem Auftrag,
die Notwendigkeit einer Vermehrung der Staatseinnah=
men
zu prüfen und auf Grund dieſer Prüfung ihre An=
träge
zu ſtellen.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. November 1910.

Nummer 259.

Frankreich.
Die Bildung des franzöſiſchen Neger=
heeres
macht raſche Fortſchritte. Oberſt Mangin, dem
die erſte Anregung zu dieſer Verſtärkung der franzöſiſchen
Landesverteidigung zu verdanken iſt, ſteht gegenwärtig an
der Spitze einer Miſſion, die alle weſtafrikaniſchen Kolo=
nien
bereiſt und einen Bericht darüber verfaſſen wird,
wie viel Anwerbungen dort gemacht werden können. Im
allgemeinen empfing die Miſſion den Eindruck, daß die
Rekrutierung nicht nur möglich, ſondern bei den meiſten
Negerſtämmen auch ſehr willkommen ſein werde. Guig=
nard
, der Verwalter von Franzöſiſch=Guinea, der an der
Miſſion Mangin teilnimmt, hat die Ueberzeugung gewon=
nen
, daß man allein in dieſer Kolonie 3220 Mann in
jedem Jahr ausheben könne. In vier Jahren würde man
alſo eine Truppe von 12880 Mann erhalten Da nun nach
dem Projekt Mangin dieſe ſchwarzen Soldaten für fünf=
zehn
Jahre verpflichtet werden ſollen, ſo würde man am
Ende der erſten fünfzehnjährigen Periode von Guineg
allein gegen 50000 Mann beziehen. Für die übrigen
Kolonien iſt die Rechnung noch nicht ſo weit fortgeſchrit=
ten
, aber die Miſſion hat bereits die Ueberzeugung ge=
wonnen
, daß Weſtafrika in vier Jahren eine Armee von
mindeſtens 200000 Mann liefern werde.
England.
Die deutſche und die engliſche Flotte.
Der Zivillord der Admiralität Lambert hielt in Wareham
(Grafſchaft Dorſet) eine Rede, in der er auf die Haltloſig=
keit
der Alarmnachricht über die deutſche Flotte hinwies
und zu dieſem Zwecke die deutſche und die britiſche Flotte
in bezug auf die Anzahl und die Typs der Schiffe, die
jährlichen Ausgaben und den Mannſchaftsetat verglich.
Er verwarf es in nachdrücklicher Weiſe, Schiffe zu bauen,
bevor ſie nötig ſeien, unter Hinweis auf den Fortſchritt
in der Schiffsbaukunde und der Armierung und erklärte
zum Schluſſe, der Zweimächteſtandard werde auch ein=
ſchließlich
Amerikas aufrechterhalten.
Spanien.
Ein neuer Riffkrieg? Der Madrider Korre=
ſpondent
des Daily Telegraph rechnet mit der Möglichkeit,
daß die Forderung der Spanier von einer Kriegsentſchä=
digung
von 130000000 Francs für den marolkaniſchen
Feldzug zu einem zweiten kriegeriſchen Unternehmen im
Riff führen könne. Der Sultan läßt die Verhandlungen
in Madrid durch El Mokri führen, der jede Verantwor=
tung
für die Kriegskoſten in Abrede ſtellt. El Mokri
ſpielt außerdem Frankreich gegen Spanien aus, indem er
behauptet, daß Marokkos Einkünfte bereits der Republik
als Entſchädigung für die Wiederherſtellung geordneter
Zuſtände verpfändet ſeien. Die ſpaniſche Militärpartei
agitiert ſehr ſtark für eine neuerliche Expedition nach dem
Riff oder einem anderen Teile Marokkos, um den ſpani=
ſchen
Forderungen Reſpekt zu verſchaffen. Im Volk aber
iſt die Stimmung entſchieden gegen alle weiteren mili=
täriſchen
Abenteuer. Wenn irgend etwas geeignet wäre,
ſagt der Korreſpondent des Daily Telegraph, die ſpaniſche
Monarchie zu gefährden, ſo wäre es eine zweite marokka=
niſche
Bewegung.
Portugal.
Die Verfolgung Francos. Aus Liſſabon
wird dem Matin gemeldet, die Regierung ſtehe der gegen
Franco eingeleiteten gerichtlichen Verfolgung fern, konnte
ſie jedoch nicht verhindern. Die Verfolgung wäre auf

das Begehren eines Privatmannes zurückzuführen, der im
Jahre 1908, angeblich auf Veranlaſſung Francos, in das
Gefängnis geworfen wurde und nunmehr von dem ihm
zuſtehenden Rechte, Gebrauch mache, wonach jeder Por=
tugieſe
, der ſich durch ein Verbrechen, auch durch ein poli=
tiſches
, für geſchädigt erachte, das Recht habe, all dieſe
Perſonen vor Gericht zu belangen.
Einführung der Eheſcheidung. Das portu=
gieſiſche
Miniſterium wird demnächſt ein Dekret veröffent=
lichen
, das die Eheſcheidung nach franzöſiſchem Muſter in
die portugieſiſche Geſetzgebung einführt. Bisher war in
Portugal die Eheſcheidung unterſagt. Das Geſetz ſtellt
für die Eheſcheidung ähnliche Bedingungen auf, wie ſie
in Frankreich, Belgien und andern Staaten beſtehen.
Türkei.
Die Anleihe. Authentiſchen Nachrichten zufolge
iſt bei der Beſprechung des türkiſchen Finanzminiſters
mit dem Direktor der Deutſchen Bank Helfferich als Baſis
für die finanzielle Transaktion zwiſchen der Türkei und
den deutſchen Banken eine Kombination von kurzfriſtigem
Vorſchuß mit Anleihe feſtgeſtellt worden. Nunmehr wird
die Redalſion des Vertrages in Angriff genommen
werden.

* Belgrad, 2. Nov. Der Kronprinz wurde
bis Mitternacht durch Huſten beunruhigt; er ſchlief dann
aber ein und verblieb bis früh in ruhigem Schlaf. In
der Lunge beſtehen noch Erſcheinungen eines leichten
trockenen Bronchialkatarrhs. Der Zuſtand iſt nach dem
heutigen Bulletin dem bisherigen Krankheitsverlauf ent=
ſprechend
ein befriedigender.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 4. November.
* Vom Hofe. Anläßlich der Wiederkehr des
Tages der Thronbeſteigung des Kaiſer s
von Rußland fand geſtern vormittag in der Ruſ=
ſiſchen
Kapelle auf der Mathildenhöhe Gottes=
dienſt
ſtatt, dem das ruſſiſche Kaiſerpaar und die
Großfürſtin Sergius, Mitglieder der hieſigen ruſſiſchen
Geſandtſchaft und des ruſſiſchen Konſulats in Frank=
furt
ꝛc. beiwohnten. Zwei Stunden ſpäter war Got=
tesdienſt
für das Gefolge und ſonſtige Mitglieder der
ruſſiſchen Kolonie. Den Gottesdienſt hielt der Erz=
prieſter
Propſt Protopopoff aus Wiesbaden ab; auch
der Sängerchor wirkte mit. Nach dem Gottesdienſt
war Frühſtückstafel bei dem ruſſiſchen Geſandten
Herrn Baron von Knorring. Die höchſten Herrſchaf=
ten
wohnten nach dem Gottesdienſt der Feier der Ein=
weihung
des Mauſoleums auf der Roſen=
höhe
bei.
Der ſtellvertretende Miniſter des Aeußern Saſo=
now
wurde geſtern vormittag vom Zaren im Jagd=
ſchloß
Wolfsgarten empfangen. Später nahm er an
dem Frühſtück bei dem ruſſiſchen Geſandten Baron von
Knorring teil.
Die Abreiſe des Kaiſers von Rußland
nach Potsdam iſt geſtern abend in ſpäter Stunde
erfolgt. Die Zeit der Abfahrt wurde geheim gehalten.
Die Ankunft in Potsdam erfolgte heute früh. Im
Gefolge des Kaiſers von Rußland befinden ſich: der
Miniſter des Kaiſerlichen Hauſes Baron v. Fredericksz,
Generaladjutant Dediuline, Palaſtkommandant, Gene=
ralleutnant
à 1. s. von Moſſoloff, Generalleutnant
à 1. s. Tatiſcheff, Generalmajor à I. s. Fürſt Orloff
der ſtellvertretende Miniſter des Aeußern Saſonow
und Zeremonienmeiſter Savinsky.
Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Provinzialdirektor der
Provinz Oberheſſen Dr. Uſinger zu Gießen die Er=
laubnis
zur Annahme und zum Tragen des ihm von
Sr. Maj. dem Kaiſer von Rußland verliehenen Sankt
Annen=Ordens 2. Klaſſe und dem Kurdirektor Freiherrn
von Starck zu Bad Nauheim die Erlaubnis zur
Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dem
Kaiſer von Rußland verliehenen Stanislaus=Ordens
2. Klaſſe mit Stern erteilt, ſowie dem Notariatsgehilfen
Jakob Huber in Mainz aus Anlaß ſeines ſechzigjährigen
Dienſtjubiläums als Notariatsgehilfe das Silberne Kreuz
des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen verliehen.
Uebertragen haben Se. Königl. Hoheit der
Großherzog dem Pfarrer Heinrich Brill zu Ober=
Widdersheim die evangeliſche Pfarrſtelle zu Griesheim,
Dekanat Darmſtadt, und dem Pfarrer Bernhard
Rehwald zu Wörrſtadt, derzeit Vereinsgeiſtlicher des

Heſſiſchen Diakonievereins in Darmſtadt, die evangeliſche
Pfarrſtelle zu Heppenheim, Dekanat Zwingenberg.
Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
den Reviſionsinſpektor bei dem Hauptſteueramt
Darmſtadt, Georg Bolbach zu Darmſtadt, zum Haupt=
ſteueramtskontrolleur
bei dieſem Amte.
* Militärdienſtnachricht. Ibe, Intend.=Sekretär
von der Intend. des XVIII. Armeekorps, zur Intend. des
VIII. Armeekorps zum 1. Dezember 1910 verſetzt.
* Großh. Hoftheater. Wie uns mitgeteilt wirb,
werden vom Sonntag ab die Allerhöchſten Herrſchaften
die Vorſtellungen im Hoftheater wieder regelmäßig
beſuchen.
L. Die Strafkammer verhandelte geſtern gegen den
22 Jahre alten Hausburſchen Peter Seibel, der am
16. April bei einem hieſigen Trödler erſchienen war,
um unter Benutzung eines falſchen Namens einen
Pfandſchein zu verwerten, der auf ein geſtohlenes
Fahrrad ausgeſtellt war. Auch entwendete er aus dem
Koffer eines Kollegen Geld, ſowie eine Krawatte, die
er ganz ungeniert vor den Augen des Geprellten trug.
Er wurde zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt;
4 Wochen ſind durch die Unterſuchungshaft verbüßt.
Der Mitangeklagte Karl Schatz, der ihn zu dem Be=
trug
zum Nachteil des Trödlers angeſtiftet haben ſoll,
wurde freigeſprochen. Die Dienſtmagd Hedwig
Wippermann von Hambruch, die wegen ihrer
Schwindeleien zurzeit 1 Jahr 6 Monate Gefängnis
verbüßt, bezog, obwohl ſie keinen Pfennig in der
Taſche hatte, unter einem ſchönen, aus einem Roman
entnommenen Namen in einem hieſigen Hotel ein
Zimmer und verzehrte 1,10 Mark, indem ſie ſich
Kaffee und Kuchen beſtens ſchmecken ließ. Sie be=
hauptet
, ein Herr habe ſie hinbeſtellt, als dieſer aus=
geblieben
ſei, habe ſie ſich, ohne dort zu nächtigen, wie=
der
entfernt. Wegen des Betrugs wurde die bereits
rechtskräftige Strafe um 1 Monat erhöht. Der 19
Jahre alte, wegen Diebſtahls vorbeſtrafte Hauſierer
Otto Wilhelm Bühring von Halberſtadt trieb ſich
im Auguſt im Lande herum, indem er Bergmanns=
lieder
verkaufte. Am 26. kam er auch nach Lengfeld,
wo er dem Kaufmann Joſeph Lehmann aus
einem unverſchloſſenen Sekretär 475 Mark ſtahl. Er
behauptet zwar, er habe Lengfeld nie geſehen, ein
Zeuge erkennt in ihm aber beſtimmt den Mann wieder,
der ihm dort am Tage des Diebſtahls Bergmanns=
lieder
verkaufte. Am Tage nach der Tat wurde Büh=
ring
in Frankfurt verhaftet; er war im Beſitze eini=
ger
hundert Mark, über deren Erwerb er ſich nicht
ausweiſen konnte. Zuerſt wollte er das Geld verdient
haben, dann erklärte er, er habe es auf einer Bank
im Walde gefunden. Er wurde für ſchuldig erklärt
und zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt;
3 Monate ſind durch die Unterſuchungshaft verbüßt.
Der größte Teil des Geldes kann zurückgegeben
werden.
*X* Das Kriegsgericht der 25. Diviſion beſchäftigte
ſich mit einer groben Inſubordination, deren ſich der bei
dem Dragoner=Regiment Nr 23 hier dienende Johann
Adam Koppel aus Budenheim ſchuldig gemacht hat.
Er kam am 17. Oktober früh morgens aus Urlaub von
der Budenheimer Kirchweihe in die Kaſerne zurück und
ſtel in angetrunkenem Zuſtande geſtiefelt und geſpornt ins
Bett. Als ihn der dienſttuende Gefreite zum ordnungs=
mäßigen
Aufſtehen ermahnte, beleidigte er dieſen mit
Schimpfreden, vergriff ſich bei der hierdurch entſtehenden
Schlägerei tätlich an ihm und ſchimpfte den Gefreiten noch
weiter, als der Wachtmeiſter einſchritt. Da es ſich um einen
tätlichen Angriff auf einen Vorgeſetzten, Achtungsver=
etzung
, Beleidigung und Gehorſamsverweigerung vor
verſammelter Mannſchaft handelt, beträgt die Mindeſt=
ſtrafe
1 Jahr Gefängnis und der Angeklagte wurde zu
1 Jahr 2 Wochen Gefängnis verurteilt. Der
Taglöhner Balthaſar Ludwig Krummeck aus Mainz,
der Ende September zur Reſerve entlaſſen worden iſt und
vorher als Burſche eines Majors vom Infanterie= Regi=
ment
Nr. 116 in Gießen 16 Mark unterſchlagen hat, er=
hielt
hierfür 17 Tage Mittelarreſt. Zwei wei=
tere
Anklagen betrafen Vergehen, die die inzwiſchen zum
Militär Eingezogenen vor ihrer Einſtellung verübt hatten.
Der Musketier Karl Beck aus Sprendlingen vom Infan=
terie
=Regiment Nr. 118 in Worms hatte am 4. September
in angetrunkenem Zuſtande ſich bei dem Wirt Brehm in
Langen ungehörig benommen; er wurde hinausgeworfen,
wobei er dem Wirt Fußtritte verſetzte. Er erhielt wegen
Hausfriedensbruchs und Mißhandlung 2 Wochen Ge=
fängnis
. Der zur Militärbäckerei in Mainz kom=
mandierte
Alois Rieſelmeier aus Forſtheim im Elſaß
hatte ſich in ſeiner Heimat im März vorigen Jahres zum
Nachteil eines Kameraden 4,80 Mark angeeignet. Er muß
dies jetzt mit 1 Woche Gefängnis büßen.

Neue Bismarck=Briefe.
CK. Mit einigen bedeutſamen brieflichen Aeußer=
ungen
Bismarcks macht uns ein ſoeben erſchienenes
Buch bekannt, in dem aus dem Leben des Wirkl. Geh.
Rats Otto Wehrmann Blätter der Erinnerung an
das Werden des Deutſchen Reiches von ſeinem Sohn
zuſammengeſtellt werden. Die Laufbahn eines her=
vorragenden
preußiſchen Beamten zieht hier in per=
ſönlichen
Aufzeichnungen, Dokumenten und Briefen
an uns vorüber. Wehrmann, der Präſident des Lan=
desökonomiekollegiums
im Landwirtſchaftlichen Mini=
ſterium
geweſen war, wurde 1868 durch Bismarck zum
erſten vortragenden Rat im Staatsminiſterium beför=
dert
. Die Aufgabe dieſes Beamten war es, dem König
Immediatvorträge zu halten, und Bismarck legte
hohen Wert darauf, daß ſein erſter Rat, welcher der
Beratung der Geſetze beiwohne, auch das Ohr des =
nigs
habe und ihn (Bismarck) namentlich in ſeiner
Abweſenheit den anderen Miniſtern gegenüber ver=
trete
.
Dieſe tatkräftige Stütze fand er nun an Wehrmann,
der ihm allerdings nur vier Jahre zur Seite ſtand,
weil ihn dann eine ſchwere Erkrankung zum Aus=
ſcheiden
aus dem Dienſte zwang. König Wilhelm be=
grüßte
den vortragenden Rat in ſeiner neuen Stellung
mit den freundlichen Worten: Ich denke, daß wir eine
gute Ehe miteinander führen werden und bei dem
Neujahrsempfang 1869 äußerte er: Nun, unſere Ehe
geht ja gut Bismarck wandte ſich in einigen perſön=
licher
gefärbten Briefen an Wehrmann, als ihn Ende
Auguſt 1869 zwei Konflikte in heftige Aufregung ver=
ſetzten
. Der eine beſtand in einer Differenz mit
Roon; der andere wurde durch die Gegnerſchaft des
Kabinettsrats Mühler hervorgerufen, der die Anſtel=
lung
des Geh. Poſtrates Heldberg als Oberpoſtdirektor
in Frankfurt a. M. beim König hintertreiben wollte.
Bismarck ſchreibt aus Varzin unterm 28. Auguſt 1869:
Es thut mir leid, daß ich Roon entgegentreten muß,
um ſo mehr, als ſeine Reizbarkeit ſeit Jahr und Tag

ſehr zugenommen hat. Ich habe ihm geſtern einen 10
Seiten langen eigenhändigen Brief geſchrieben und
ihn beſchworen, den Abſchied nicht zu fordern, weil der
Schritt nur dazu führen würde, dem Könige Verdruß
und Sorgen zu bereiten. Die Sache hat mich etwas
alteriert und mir die geſtrige Nacht gekoſtet; um die
heutige Nacht bringt mich Mühler, der Cabinetsrath.
Ich bekam die Sache, als ich heut früh zur Hühnerjagd
fuhr, und beantwortete ſie zunächſt mit gallichtem Er=
brechen
aus dem Wagen. . . . Wahrlich, ich gehorche
bereitwillig, wenn der König befiehlt, aber mich mit
ſolchen Mühlerſchen Kindereien füttern zu laſſen, dazu
bin ich zu alt und dazu iſt mein Geſchäft zu verant=
wortlich
. Ich muß an mich halten, daß ich ſolche In=
triguen
nicht beim wahren Namen nenne, aus Achtung
vor der allerhöchſten Unterſchrift, die man dafür er=
ſchlichen
hat. . . . Wundern Sie ſich nicht, daß ich ſo
ausführlich mein Herz ausſchütte, ich muß es wenig=
ſtens
in Geſtalt von Tinte tun, ſonſt erſticke ich in
Galle, da ich mich hier mit Niemand über dieſe Art,
Politik zu treiben, ausſprechen kann. Am näch=
ſten
Tage ſchreibt er: Ich bin, wie ich nach der gehab=
ten
Gemütsbewegung ſchon geſtern fürchtete, die Nacht
ziemlich elend und ganz ſchlaflos geweſen, und mit
meiner Geſundheit um zwei Monat zurückgebracht.
Auch am 2. September, als er Wehrmann neue
geſchäftliche Mitteilungen macht, iſt ſeine Gemütsruhe
noch nicht wieder hergeſtellt. Eine Reiſe nach Stettin
gibt er auf. Meine Geſundheit hat ſeit Sonnabend
unter Mitwirkung des Umſchlages im Wetter einen
entſchiedenen Rückſchritt gemacht, und ich habe einen
Rheumatismus im Rücken, mit dem ich bei dieſem
Novemberwetter kaum reiſen, beſonders aber der Fluth
von Feſten, Menſchen und Geſchäften nicht entgegen=
treten
kann, ohne den Zweck meiner Zurückgezogenheit
für nächſten Winter ernſtlich zu gefährden. Die Aerzte
wollen mich durchaus noch nach Biarritz oder Wight
reſp. Torquai ſchicken; ich werde aber meine Menſchen=
ſcheu
ſchwerlich überwinden.

Heinrich von Stein.)
Die Kunſt als Kundgebung großer Seelen
ſtellt das Menſchliche ſeinem höchſten Sinne
(Heinrich von Stein.)
nach dar.
Der Name des Dichters und Philoſophen Hein=
rich
von Stein iſt nur wenigen bekannt. Als er
im Juni des Jahres 1887 zu Berlin ganz plötzlich
ſtarb, war es nur der kleine Kreis der mit Richard
Wagners Geiſteswelt Vertrauten, die um den ſo jung
Dahingeſchiedenen trauerten als um einen der Aus=
erleſenen
, die beſtimmt ſind, zu führen. Seit der Zeit,
ſo will es faſt ſcheinen, iſt das Andenken Heinrich von
Steins mehr und mehr erloſchen. Seine Werke ſind
zum Teil aus dem Buchhandel verſchwunden. Und
doch iſt kaum einer mehr dazu berufen, vom deutſchen
Volke gekannt zu ſein, als gerade Heinrich von Stein,
der, ganz auf der Weltanſchauung Schopenhauers und
Wagners fußend, Werke ſchuf, die ihrer ethiſchen und
künſtleriſchen Bedeutung nach neben dem Größten
ſtehen, was die deutſche Literatur hervorgebracht hat.
Heinrich von Stein entſtammt einem alten
fränkiſchen, ſtreng proteſtantiſchen Adelsgeſchlechte.
Schon als Knabe von tiefem religiöſem Empfinden
durchglüht, entſchloß er ſich früh zum Studium der
Theologie. 1874 finden wir ihn auf der Univerſität
Heidelberg. Der Wahlſpruch, den der damals 17 jäh=
rige
in ſein Tagebuch ſchrieb, lautet: Wolle das
Große und Schöne, dann wird das Können nicht
fehlen. Lieſt man die wenigen veröffentlichten Brief=
und Tagebuchſtellen aus jenen Jahren, dann ſtaunt
man über die geiſtige Reife und Gedankentiefe des
Jünglings, fühlt ſich hingeriſſen in die Zweifel und
Kämpfe, die ſein Gemüt bedrängen. 1875 verließ
Heinrich von Stein Heidelberg. Bereits durch Kuno

*) Im Hinblick auf den von dem Richard Wagner=
Verein am 8. November hier veranſtalteten Heinrich
von Stein=Abend dürfte obige Biographie un=
ſeren
Leſern gerade jetzt willkommen ſein. Die Red.

[ ][  ][ ]

Nummer 259.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. November 1910.

Seite 3.

Die ruſſiſchen Großfürſtinnen und Prinzeſſin
Heinrich von Preußen beehrten vorgeſtern und
geſtern das Geſchäft von Strauß & Mayer mit ihrem
Beſuche.
Kochkunſt=Ausſtellung 1910. Man ſchreibt uns:
Die Ausſtellungsarbeiten von den Mitgliedern des Klubs
der Köche ſind ſo zahlreich eingelaufen, daß ſchöne moderne
Platten das Auge entzücken werden. Sind doch unter den
Köchen unſerer Reſidenz namhafte Künſtler in ihrem Be=
ruf
. Während der Ausſtellungstage wird eine Ausſtel=
lungsküche
geführt, und zwar am erſten Tage deutſche,
franzöſiſche und engliſche Nationalküche und am zweiten
Tage wird öſterreichiſche, italieniſche und deutſche Natio=
nalküche
geführt. Der Reſtaurationsbetrieb findet in den
unteren Räumen des Hotels zur Traube ſtatt und be=
währte
Fachleute werden der Ausſtellungsküche vorſtehen.
Einige hieſige Firmen haben es ſich nicht nehmen laſſen,
ihre Spezialartikel auszuſtellen und vorzuführen, und
wie im vorigen Jahre, ſo wird auch in dieſem Jahre alles
Ausgeſtellte verloſt werden. Schluß der Ausſtellung iſt
am Samstag mittag um 2 Uhr, woſelbſt dann auch bis
um 5 Uhr die Gewinne abgeholt werden können. Am
Samstag abend 8½ Uhr findet das zwölfjährige
Stiftungsfeſt des Klubs der Köche ſtatt unter Mit=
wirkung
des Frl. Eichner von hier, des Geſangvereins
Liederkranz und der Kapelle Hauske im großen Saale des
Hotels zur Traube‟.
Muſikverein. In der Stadt wird in weiten Krei=
ſen
das Gerücht verbreitet, der Reinertrag des für die
ruſſiſchen Herrſchaften veranſtalteten Konzertes in der
Stadtkirche ſei für Wohltätigkeitsanſtalten des Auslandes
beſtimmt. Der Vorſtand weiſt dieſe Unterſtellung als völ=
lig
unwahr hiermit entſchieden zurück. Wenn über=
haupt
bei dieſer Veranſtaltung, die ſehr hohe Koſten ver=
urſacht
, ein Ueberſchuß erzielt wird, ſo iſt es ſelbſtver=
ſtändlich
, daß dieſer den Wohltätigkeitsanſtalten unſerer
Stadt zugewieſen wird.
Das Tuberkuloſe=Wandermuſeum war in den letz=
ten
Wochen im Kreiſe Friedberg (Gambach, Bad Nauheim
und Vilbel) ausgeſtellt und von über 2200 Perſonen be=
ſucht
. Hieran angereiht haben ſich die Orte Gedern mit
900 und Laubach mit über 1200 Beſuchern, zuſammen im
Kreiſe Schotten 2100 Perſonen. Gegenwärtig befindet
ſich die Ausſtellung im Kreiſe Lauterbach, in dem die Orte
Schlitz und Herbſtein in Frage kommen. Demnächſt geht
ſie in den Kreis Gießen und von da auf einige Wochen
nach Kaſſel. Bis jetzt wurden insgeſamt 320000 Beſucher
gezählt.
Odenwaldklub, Ortsgruppe Darmſtadt. Für näch=
ſten
Sonntag hat die hieſige Ortsgruppe einen Ausflug in
die nähere Umgebung Darmſtadts geplant; dieſer nimmt
um 8 Uhr vormittags am Böllenfalltor ſeinen Anfang.
Ueber den Bismarckturm, wo eine Viprtelſtunde Raſt
vorgeſehen iſt, geht es dann durch Nieder=Ramſtadt, Wa=
ſchenbach
nach Neutſch. Die Wanderung führt faſt immer
durch Wald, zumeiſt auf nichtmarkierten, herrlichen Wegen.
In Neutſch iſt Frühſtückspauſe vorgeſehen und nach Ver=
lauf
einer Stunde wird wieder aufgebrochen. Die Wan=
derer
gelangen nun über die Neutſcher Höhe nach dem
Stettbacher Tal, wo die Ortsgruppe Seeheim entgegen=
kommen
wird. Gegen 3 Uhr wird das Ziel, Seeheim,
erreicht und einige gemütliche Stunden werden zuſammen
mit der Ortsgruppe Seeheim im Hotel Viktoria (C.
Hufnagel) verbracht; dort wird auch das Eſſen eingenom=
men
. Die Heimfahrt nach Darmſtadt erfolgt um 8 Uhr.
Friſch auf zur Neutſcher Tour!
* Vortrag. Kommenden Samstag, den 5. November,
abends, ſpricht Parlamentsſtenograph Dahms= Ber=
lin
im Fürſtenſaale über das Thema Gabelsberger= oder
Steno=Tachygraphie? Der Vortrag verſpricht beſonders
intereſſant zu werden, da Herr Dahms Kenner von zirka
30 Stenographie=Syſtemen iſt. (Siehe Anzeige).
Martinskirche. Zum 25jährigen Gedächtnis der
Einweihung der Martinskirche veranſtaltet der Kir=
chenchor
der Martinsgemeinde am Reformationsfeſt,
6. November 1910, abends 6 Uhr, eine liturgiſche
Feier mit nachfolgendem Programm: Orgel: Phan=
taſie
(nach H. Frankenberger, 18241885); Chor: Gott
der Vater wohn’ uns bei, von Eccard; Sie iſt mir
lieb, die werte Magd von M. Prätorius, 1621;
Wie lieblich ſind deine Wohnungen (Pſalm 84, 12),
von Friedr. Riel; Erweckt hat mir das Herz zu dir
Harmonie von M. Prätorius, 1621; Der 43. Pſalm,
von F. Mendelsſohn=Bartholdy; Nun lob, mein’ Seel,
den Herren, von J. S. Bach. Für die inaktiven Mit=
glieder
des Vereins ſind die beiden Emporen reſer=
viert
.
Für das Feſt des Deutſchen Schulvereins wurde
ein origineller Gewinn von Hans Weyl geſtiftet, der
ſich verpflichtete, den Glücklichen, dem der Gewinn zu=
fiel
, unentgeltlich in Paſtell zu porträtieren.
Die Mitglieder des Vereins für Verbreitung
von Volksbildung werden auf die ermäßigten Preiſe
zum Konzert des Sängerchores des Lehrervereins am
12. dieſes Monats aufmerkſam gemacht. Karten im
Verkehrsbureau. (Siehe auch Inſeratenteil.)

Vereinigte Bezirksvereine. Stadtverord=
netenwahl
. Heute abend findet im Schützenhof
eine große Wählerverſammlung ſtatt. (Näh. ſiehe Anz.)
m. Die elektriſchen Warnungslampen an der Kurve
der ſtädtiſchen Straßenbahn im Gebiet der Bismarck=
und Wendelſtadtſtraße haben die Aufmerkſamkeit der
Paſſanten in den letzten Tagen oft erregt. Wegen der
Enge der Verkehrsſtraße konnte um die Kurve ein
zweites Gleiſe nicht gelegt werden. Damit nun die
ſich begegnenden Wagen an der Kurve nicht anrennen,
ſind beiderſeits an den Eckmaſten zwei kleine Käſten
mit roten Scheiben angebracht worden. In den Käſten,
die in 3 Meter Höhe angebracht ſind, erglühen vor
Einlaufen der Wagen in die Kurve (6 elektriſche
Birnen und geben ſo dem entgegenkommenden Wagen
das rote Halteſignal. Die Glühbirnen ſind mit der
elektriſchen oberirdiſchen Leitung durch einen dritten
Draht verbunden. Der Bügel über den Wagen bringt
durch ſein Berühren mit dem dritten Leitungsdraht
automatiſch die elektriſchen Lampen zum Aufleuchten,
das ſo lange anhält, bis der Bügel den Lichtleitungs=
draht
in der Kurve verlaſſen hat. Der von der Bis=
marckſtraße
kommende Wagen läßt das Warnungs=
ſignal
in der Wendelſtadtſtraße aufleuchten und um=
gekehrt
.
Die Stammtiſchgeſellſchaft Prinz Emil hält am
Samstag, den 5. November, im Perkeo ihre Abend=
unterhaltung
mit Ball ab. (Näh. ſiehe Anzeige.)
Adreßbuch. Die Druckbogen Nr. 8 und 9 des
1911er Adreßbuches, enthaltend Einwohnerregiſter
Karle, Kaver bis Lotz, Philipp liegen im Haupt=
meldebureau
, Hügelſtraße 31/33, Zimmer Nr. 13, wäh=
rend
der Bureauſtunden (8 bis 12 Uhr vormittags und
2 bis 6 Uhr nachmittags) bis zum 8. November vor=
mittags
zur Einſichtnahme offen.
§ Diebſtahl. Am Mittwoch nachmittag zwiſchen
2 und 5 Uhr ſind aus einem Flur der Großh. Tech=
niſchen
Hochſchule ein Ueberzieher, ein Cape, und ein
Regenſchirm geſtohlen worden.
König, 2. Nov. Die Königin Wilhelmine
der Niederlande hat dem Geſangverein Lieder=
kranz
=König zu ſeinem 50jährigen Stiftungsfeſt, ver=
bunden
mit Geſangswettſtreit, als Ehrenpreis die
große ſilberne Medaille für Kunſt verliehen. Dieſer
Preis wird beim Singen um die Ehrenpreiſe auf dem
im Juni nächſten Jahres hier ſtattfindenden Geſangs=
wettſtreit
wohl heiß umſtritten werden. Wie man
vernimmt, kommt ferner die Königin=Mutter
der Niederlande nächſten Freitag, den 4. November,
hierher, um bei dem Fürſten zu Erbach=Schönberg,
ihrem Verwandten, einen länger dauernden Beſuch
abzuſtatten.
M. Gimbsheim, 2. Nov. Im Rhein wurde geſtern
nachmittag von dem Fährmann Valentin Willius eine
männliche Leiche geländet. Sie war mit Hoſe und
Hemd bekleidet und hatte Halbſchuhe an. Höchſtwahr=
ſcheinlich
iſt es die Leiche des ſeit einiger Zeit ver=
mißten
Inhabers des Schirmgeſchäfts Molz u. Fohr=
bach
. Die Leiche wurde in dem Totenhauſe in
Gimbsheim aufgebahrt.
Mainz, 3. Nov. Eine prinzipielle Entſchei=
dung
über die Berechtigung zur Stadtver=
ordnetenwahl
fällte heute vormittag der Provin=
zialausſchuß
unter dem Vorſitz des Provinzialdirektors
Dr. Breidert. Bekanntlich handelt es ſich um die Frage,
ob ein dreijähriges Wohnen am Orte die Wahlberech=
tigung
zum Gemeinderat oder zur Stadtverordneten= Ver=
ſammlung
nach der Novelle zum Geſetz über den Unter=
ſtützungswohnſitz
verleiht oder ob hierfür ein vierjähriges
Wohnen am Platze notwendig iſt. In einer Beſchwerde
gegen die Bretzenheimer Wählerliſten hat ſich der Kreis=
ausſchuß
für den dreijährigen Wohnſitz ausgeſprochen.
Auf die vom Vorſitzenden des Kreisausſchuſſes zur Er=
zielung
einer endgültigen Entſcheidung, hiergegen einge=
legte
Berufung verfügte heute der Provinzialausſchuß,
in Uebereinſtimmung mit dem der Provinz Starkenburg,
daß die Wählerliſten auf Grund des vierjährigen Wohn=
ſitzes
aufzuſtellen ſind.
Mainz, 2. Nov. Der 41jährige Taglöhner Adam
Lambert aus Budenheim kehrte am Montag abend
in einer Wirtſchaft auf der großen Bleiche ein und
machte dort für Eſſen und Trinken eine geſörige Zeche.
Als es ans Bezahlen ging, hatte er kein Geld, er ließ
ſich auch ruhig verhaften und erklärte, er habe die Zech=
ſchuld
nur gemacht, um ins neue Provinzialge=
fängnis
zu kommen, weil es dort ſo ſchön ſei.
(*) Gießen, 2. Nov. Eine Maſchinengewehr=
kompagnie
ſoll unſer Kaiſer Wilhelm=Regiment
erhalten, wie ſie ſchon die heſſiſchen Regimenter 115
und 118 haben. Die Kompagnie wird in der alten
Kaſerne untergebracht. In dem Kaſernenhof werden
gegenwärtig Hallen für die Fahrzeuge errichtet.
Gießen, 3. Nov. Die Großh. Staatsanwaltſchaft
zu Gießen hat das auf Antrag des Kaiſerlichen Auto=
mobilklubs
zu Berlin und des Heſſiſchen Automobil=
klubs
zu Darmſtadt eingeleitete Strafverfahren
gegen Köhler=Langsdorf wegen eines Artikels

über den Automobilunfug eingeſtellt; den Antrag der
Verfaſſer der Zehn Gebote für Fuhrleute‟, Finanz=
aſſeſſor
Zimmer und Rechtsanwalt Sieger, Darmſtadt,
auf öffentliche Anklage wegen Beleidigung abgelehnt,
und die Letzteren auf den Weg der Privatklage ver=
wieſen
.
Gießen, 3. Nov. In einem Hauſe der Frankfurter
Straße erſchien geſtern nachmittag bei einer Familie
eine gut gekleidete Frauensperſon, gab ſich als Ge=
heimpoliziſtin
aus und wollte eine Durchſuchung
der Wohnung vornehmen. Als der Ehefrau dies An=
ſinnen
lachhaft erſchien, drohte ihr die Perſon mit Ver=
haftung
, jedoch ſchritt hier der Ehemann energiſch ein
und wies die Geheimpoliziſtin vor die Türe. Mehr
Entgegenkommen fand die Perſon bei einer anderen
Familie im gleichen Hauſe. Hier geſtattete Kan ihr
die Durchſicht ſämtlicher Räume, worauf ſie ſich ent=
fernte
.
Bad Nauheim, 3. Nov. Der langjährige Beſitzer
der hieſigen Sprudelapotheke, Apotheker Werner, iſt
heute geſtorben.
A Gedern (Kreis Schotten), 2. Nov. Am letzten
Freitag fand unter dem Vorſitz des Herrn Geh. Re=
gierungsrats
Schönfeld aus Schotten eine Ver=
handlung
mit dem hieſigen Ortsvorſtande über den
Anſchluß an das von der Provinz Oberheſſen zur Aus=
führung
geplante Gruppen=Elektrizitäts
werk bei Lißberg ſtatt, bei der Bürgermeiſter und
Landtagsabgeordneter Stöpler aus Lauterbach nähe=
ren
Aufſchluß über die projektierte Anlage gab. Wie
bekannt, ſollen zur Erzeugung der elektriſchen Energie
die Waſſerkräfte der Nidder und des Hillersbaches aus=
genutzt
werden und der elektriſche Strom von dem
Kraftwerk aus durch fünf Hochſpannungsfernlinien,
die für 15000 Volt Betriebsſpannung projektiert ſind,
weiter geleitet werden. Die Geſamtbaukoſten ſind zu
3 100000 Mark veranſchlagt, von denen 2500000 Mark
von der Provinz getragen werden, während der Reſt
durch die beteiligten Gemeinden aufgebracht werden
muß. Der Strom ſoll den Konſumenten für Beleuch=
tung
zu 40 Pfg. und zu Kraftzwecken zu 20 Pfg. pro
Kilowattſtunde abgegeben werden. Die Preiſe ſind ſo
niedrig gehalten, daß es beſonders den Landwirten
und kleinen Gewerbetreibenden möglich gemacht wird,
elektriſche Energie vorteilhaft in ihren Betrieben zu
benutzen. Wie wir hören, hat der hieſige Ortsvorſtand
noch keinen bindenden Beſchluß über den Anſchluß an
das Lißberger Werk gefaßt.
C) Nonnenroth (Kreis Gießen), 2. Nov. Am letzten
Sonntag wurde unſer neuerbautes Schulhaus
unter Beteiligung der Behörden ſowie der ganzen Ein=
wohnerſchaft
feierlich ſeiner Beſtimmung übergeben. Der
Neubau enthält außer den Unterrichtsräumen auch noch
eine hübſche Lehrerwohnung. Die Pläne ſind von dem
Großh. Kreisbau=Inſpektor Baurat Diehm in Gießen ent=
worfen
worden. Die Koſten waren zu 30000 Mark ver=
anſchlagt
.

Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 2. Nov. Die Norddeutſche
Allgemeine Zeitung widmet der Frage: Iſt die Geneh=
migung
des Reichstages zum Verkauf des Tempel=
hofer
Feldes erforderlich? eine längere juriſtiſche
Betrachtung, worin die Behauptung, daß die Veräußerung
von Grundeigentum des Reiches zu ihrer Rechtsgültigkeit
der Zuſtimmung der geſetzgebenden Körperſchaften bedürfe,
als zweifellos unzutreffend bezeichnet wird. Die Nord=
deutſche
betont zum Schluſſe: Der Zweck dieſer Aus=
führungen
ſoll lediglich ſein, endgültig mit der Meinung
aufzuräumen, der Reichstag ſei in der Lage, den mit der
Gemeinde Tempelhof geſchloſſenen Vertrag rückgängig zu
machen und Berlin an die Stelle Tempelhofs zu ſetzen.
Pacta sunt servanda Der Reichstag kann die Gemeinde
Tempelhof ihrer wohlerworbenen Rechte nicht entkleiden.
Selbſtverſtändlich hat die Reichsverwaltung die politiſche
Verantwortung für den Verkauf des Tempelhofer Feldes,
ſo wie es geſchehen iſt, dem Reichstage gegenüber zu über=
nehmen
. Das Berliner Tageblatt ſchreibt: Der am
9. November vor der dritten Strafkammer beginnende erſte
Moabiter Krawallprozeß richtet ſich gegen etwa
20 Perſonen, die aus Anlaß der Moabiter Krawalle ver=
haftet
wurden, und nun wegen Landfriedensbruchs, Wi=
derſtandes
gegen die Staatsgewalt oder Beamtenbeleidi=
gung
unter Anklage geſtellt worden ſind. In der Ver=
handlung
vor dem Schwurgericht, die am 17. November
beginnt, werden gleichfalls etwa 20 Perſonen auf der An=
klagebank
ſitzen. Wie wir hören, hat die Staatsanwalt=
ſchaft
geſtern den ſämtlichen Angeklagten einen ergänzen=
den
Schriftſatz zu dem urſprünglichen Anklageakt zugehen
laſſen, und zwar einen Schriftſatz, durch den beide Pro=
zeſſe
ein ganz beſonderes politiſches Gepräge erhalten. Es
wird in dieſem Nachtrag zur Anklage die Theſe aufgeſtellt,
daß die Moabiter Krawalle von der Sozialdemokratiſchen
Partei organiſiert worden ſeien. Der Beweis für dieſe
Auffaſſung wird unter anderem darin geſehen, daß in
Moabit dieſelben Rufe gehört wurden, wie bei den von der
Sozialdemokratiſchen Partei veranſtalteten Wahlrechts=
Ge

Fiſcher auf die Welt Kants und Schopenhauers hin=
gewieſen
, treibt es ihn immer leidenſchaftlicher zur
Philoſophie. In Berlin wird er Schüler Eugen Düh=
rings
, deſſen abſolut materialiſtiſche Weltanſchauung
ihm den feſten Boden zu verheißen ſcheint, den er ſich
erſehnt. Aber ſo viel Heinrich von Stein auch durch
Dührings Philoſophie an geiſtiger Klarheit gewinnt,
das, was er brauchte, findet er auch hier nicht. Ueber
den Konflikt zwiſchen Steins angeborener metaphyſi=
ſcher
und Dührings materialiſtiſcher Weltanſchauung,
der während der nächſten Jahre im Innern des jungen
Dichter=Philoſophen ſtreitet, legt ſein Werk Die
Ideale des Materialismus beredtes Zeugnis ab.
Erzählungen voll myſtiſch=romantiſcher Anklänge, vor=
überhuſchende
Stimmungen, Gedichte voll von er=
greifender
, ahnungsvoller Schönheit wechſeln ab mit
philoſophiſchen Abſchnitten, deren nüchterne Trocken=
heit
faſt geſucht erſcheint.
1879 lernte Heinrich von Stein in Rom Malvida
von Meyſenbug die Verfaſſerin der Memoiren
und des Lebensabends einer Idealiſtin kennen
und ſprach ihr gegenüber den Wunſch aus, die Er=
ziehung
eines Knaben zu übernehmen und nach ſeinen
Anſchauungen zu leiten. Bald darauf traf Fräulein
von Meyſenbug mit Richard Wagner zuſammen,
der für ſeinen Sohn Siegfried einen Hauslehrer
ſuchte, und niemand konnte geeigneter erſcheinen als
Heinrich von Stein. Malvida von Meyſenbug äußerte
ſich folgendermaßen über den jungen Freund: Stein
war eine ſo edle, vom höchſten Adel der Geſinnung
durchdrungene Natur, daß er zunächſt ſchon das erſte
Erfordernis des Erziehers beſaß, durch ſein Beiſpiel

das Gute zu lehren.
Im engen Zuſammenleben mit Richard Wagner
reifte Stein zu einer ſelbſtändigen, hochbedeutenden

Perſönlichkeit. Der Schritt von den Idealen des
Materialismus zu dem im Jahre 1887 erſcheinenden,
Richard Wagner gewidmeten Werke Helden und
Welt iſt ungeheuer groß. Alle Unſicherheit, alle Un=
klarheit
iſt abgetan, feſt und ſicher umriſſen zeichnet er
uns ſeine Helden, den Helden, wie Schopenhauer
ihn verſteht: Für den Philoſophen, der die ethiſche
Bedeutung der Handlungen zum Maßſtabe nimmt, iſt
die größte, wichtigſte und bedeutſamſte Erſcheinung,
welche die Welt aufzeigen kann, nicht der Welterobe=
rer
, ſondern der Weltüberwinder.
Nur ein Jahr war es Heinrich von Stein be=
ſchieden
, in unmittelbarem Gedankenaustauſch mit
Richard Wagner zu ſtehen; wie ſtark aber der geiſtige
Zuſammenhang zwiſchen Lehrer und Schüler war, wie
viel Richard Wagner für die Zukunft von Steins
Genie erwartete, das zeigt ſein herrlicher Brief, mit
dem er Steins Gabe beantwortete. Er ſchrieb
ihm u. a.:
Sehen und Schweigen: dies wären endlich die
Elemente einer würdigen Errettung aus dieſer Welt.
Nur wer aus ſolchem Schweigen ſeine Stimme erhebt,
darf endlich auch gehört werden. Sie, mein noch ſo
junger Freund, haben, wenigſtens vor mir, dieſen
Anſpruch ſich erworben. Die nichtigſten und uninter=
eſſanteſten
Weſen, wie anders erſcheinen ſie uns aber
plötzlich, wenn ein Shakeſpeare ſie wieder zu uns
ſprechen läßt: jetzt lauſchen wir dem albernſten ihrer
Worte, denen der Dichter einſt im Leben ſein erhabe=
nes
Schweigen entgegengeſetzt hatte. Hier ward die=
ſes
zur Offenbarung und die Welt, aus der wir jetzt
entrückt ſind, zu der wir kein Wort zu reden haben,
ie dünkt uns im Lächeln des Dichters erlöſt. Und
dies iſt eben das Drama, welches keine Dichtungsart
iſt, ſondern das aus unſerem ſchwerwiegenden Innern

zurückgeworfene Spiegelbild der Welt. Sie hatten
die Geſchichte und ihre Vorgänge geſehen und konnten
ſie nun ſprechen laſſen, weil Sie nicht eigentlich die
Geſchichte, noch ſelbſt die Vorgänge, die uns ein ewi=
ges
Dunkel bleiben werden, ſondern die Perſonen,
die in ihrem Handeln und Leiden erſehenen Perſonen
ſprechen ließen. Und hierdurch haben Ihre Szenen,
die man ihrer Ankündigung nach für bloße Abhand=
lungen
in dialogiſcher Form halten möchte, das wahre
dramatiſche Leben gewonnen, welches uns ſofort mit
der Freude des Sehens feſſelt. Sie behandeln keine
Abſtrakte: mit allem, was ſie umgibt, treten Ihre Ge=
ſtalten
lebendig, durchaus individuell und unver=
wechſelbar
auf uns zu hier Katharina von Siena,
dort Luther leibhaftig und vertraut alle wie dieſe
Doch bleibt es unverkennbar, daß die Luſt am Dra=
matiſieren
Sie nur beſtimmte, weil Ihnen Unge=
heures
am Herzen lag.
Wohl lag Heinrich von Stein Ungeheures am
Herzen! Ihn beſchäftigte der Plan, ſeinen Helden
ein anderes Werk folgen zu laſſen: Die Heiligen.
Das Werk iſt unvollendet geblieben. Der wunder=
volle
Nachlaßband enthält neben einer Reihe von No=
vellen
und Aphorismen drei dramatiſche Sze=
nen
, die aus dem Leben der Heiligen entnommen
ſind: Die beiden Einſiedler (Paulus und Antonius),
Tauler und der Waldenſer und Die heilige Eliſa=
beth‟
. Steins Heilige Eliſabeth iſt nicht nur das
umfangreichſte, ſie iſt auch das bedeutendſte ſeiner
Dramen. Wir werden durch das ganze Leben dieſer
edlen, holdſeligen, liebedurchglühten Perſönlichkeit ge=
führt
, von ihrer Kindheit auf der Wartburg bis zu
ihrem Tode in Marburg.
Marie Buchner.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. Nodember 1910.

Nummer 259.

manifeſtationen. Ferner wird auf einen Artikel des Vor=
wärts
verwieſen, in dem es hieß, daß die Polizei ſich an
die ſozialdemokratiſche Parteileitung hätte wenden ſollen,
und daß dann die Ruhe ſchneller als durch Säbelattacken
wieder hergeſtellt worden wäre. Die Verteidiger beabſich=
tigen
gegen die Behauptung, daß die Partei bei den
Moabiter Krawallen die Hand im Spiel gehabt, einen
umfangreichen Gegenbeweis zu führen. Da die Zahl der
geladenen oder zu ladenden Zeugen ohnehin bereits eine
ziemlich große iſt, ſo dürften die beiden Prozeſſe eine län=
gere
Reihe von Sitzungen in Anſpruch nehmen. In der
Angelegenheit des Berliner Frauenmordes hat
die Rirdorfer Kriminalpolizei jetzt eine Entdeckung ge=
macht
. Es handelt ſich bei der Toten wahrſcheinlich um
das 27 Jahre alte Dienſtmädchen Luiſe Groſſe, die aus
Roßleben gebürtig iſt.
Kaſſel, 3. Nov. Geſtern abend wurden zwiſchen Kaſſel
und Wilhelmshöhe an der Kreuzung der Main=Weſer=
Bahn die beiden Zimmerleute Sommerlade, Vater
und Sohn, aus Beſſe von einem von Wilhelmshöhe
kommenden Güterzug überfahren. Der Vater,
ein Mann von 50 Jahren, wurde ſofort getötet; der 33
Jahre alte Sohn ſo ſchwer verletzt, daß er kaum mit
dem Leben davonkommen dürfte.
Köln, 3. Nov. Der Bahnhofspolizei iſt es gelun=
gen
, zwei junge Burſchen, die ſeit längerer Zeit
die deutſch=franzöſiſchen D=Züge unſicher machten, zu
verhaften. Sie wurden dabei erwiſcht, als ſie die
reiche Beute in Sicherheit bringen wollten, die ſie einer
Ruſſin auf der Reiſe von Paris nach Köln entwendet
hatten. In den Koffern der internationalen Zugdiebe
fanden ſich außer Waffen Einbrecherwerkzeuge.
Köln, 2. Nov. Ein intereſſanter Frei=
ſpruch
wurde bezüglich des Buchhalters Hermann
Wolf aus Mülheim a. Rhein gefällt. Er war bei der
Firma Reifenrath u. Chriſt beſchäftigt, die Bahn=
arbeiten
der Strecken Köln=Kalk u. a. ausführt. Nach
vier Jahren wurde ein Kaſſendefizit von 6000
Mark feſtgeſtellt, das dadurch zuſtande kam, daß lange
Zeit Arbeiter in den Liſten geführt wurden, die nicht
mehr lebten oder aus der Gegend verzogen waren.
Wolf geſtand dieſe Fälſchungen ein, behauptete aber,
daß die Summen zum Schmieren von Beamten ge=
braucht
worden ſeien und nicht anders hätten gebucht
werden können. Die Namen wollte Wolf nicht nennen,
da es ſich um Beamte handele und er ſich unter Um=
ſtänden
ſelbſt ſtrafbar gemacht habe. Die Strafkammer
erkannte, wie geſagt, auf Freiſpruch.
Meran, 2. Nov. Heute begannen beim hieſigen Be=
zirksgericht
die auf vier Tage anberaumten Verhand=
lungen
, betreffend die früher ſchon von uns erwähnten
Schadenerſatzklagen, die eine Reihe von Gäſten
gegen den Verein für Alpenhotels in Tirol einge=
bracht
hat. Die unmittelbare Veranlaſſung war der
bekannte Brand am 15. Auguſt, der das Karerſee=
hotel
einäſcherte. Es kommen 26 Klagen mit der
Schadenerſatzforderung von rund 200000 Kronen zur
Verhandlung. Als Klagegrund wird in allen Fällen
geltend gemacht, daß einerſeits mangelhafte Bauart
und die Schindelbedachung die raſche Ausbreitung des
Brandes begünſtigten, anderſeits das Fehlen einer
Hotelfeuerwehr, geeigneter Feuerlöſchrequiſiten, dann
Waſſermangel, ungeeignete Hydranten das Eindämmen
und Löſchen erſchwerten. In mehreren Klagen wird
ſogar behauptet, das ganze Hotel wäre aus Holz ge=
baut
, und keine Hydranten wären vorhanden geweſen.
Nach dem bei dem erſten Termin am 28. September
gefaßten Gerichtsbeſchluß wurden alle Klagen zuſam=
mengezogen
. Die Entſcheidung wird ſich lediglich
darauf erſtrecken, ob überhaupt eine Erſatzpflicht der
beklagten Geſellſchaft vorliegt. Eine Entſcheidung
über die einzelnen ziffernmäßigen Klageanſprüche ſoll
vorläufig noch nicht getroffen werden.
Marſeille, 2. Nov. Unter der Mannſchaft des aus
Dakar eingetroffenen Poſtdampfers Djolibah brach
während der Fahrt eine Meuterei aus, wobei an
Bord des Schiffes beträchtlicher Schaden angerichtet
wurde. Die Verhaftung der Rädelsführer ſteht un=
mittelbar
bevor.
Kardiff, 3. Nov. Geſtern abend griffen die aus=
ſtändigen
Bergarbeiter zwei Züge mit Ar=
beitswilligen
, die zu den Bergwerken fuhren, an, und
warfen die Zugfenſter ein. Die Arbeitswilli=
gen
mußten fliehen und wurden von den Ausſtän=
digen
verfolgt, unter denen ſich viele Frauen befanden.
Auf beiden Seiten wurden zahlreiche Perſonen ver=
letzt
. Weiter griffen die Ausſtändigen auch die Wohn=
ungen
der Bergwerksbeamten an und warfen die

Fenſter ein. Die in den Gruben befindlichen Bergleute
weigern ſich, die Grube zu verlaſſen, aus Furcht vor
den Angriffen.

Stadtverordneten=Verſammlung.
Darmſtadt, 3. Nov.
Mitteilungen.
Der Verein ſtädtiſcher Arbeiter und Be=
dienſteter
hat zur Feier ſeines 10. Stiftungsfeſtes
eingeladen. Die Beamten und Arbeiter des Bahn=
hofs
Kranichſtein hatten darum nachgeſucht, ihre
Kinder, die zurzeit die Volksſchule in Arheilgen beſuchen,
an dem Unterricht der hieſigen Volksſchulen
teilnehmen zu laſſen. Die beiden Schulvorſtände haben
zur Vermeidung von Berufungsfällen die Aufnahme der
Kinder in die hieſigen Stadtſchulen abgelehnt.
Der Aufnahme in die Mittelſchulen ſteht dagegen bei
Zahlung des entſprechenden Schulgeldes nichts im Wege.
Die Unterbringung der Kinder in den in Betracht kom=
menden
Stadtſchulen würde auch erhebliche Schwierig=
keiten
bereiten. Die Klaſſen ſind dort bereits derart über=
füllt
, daß die Kinder nur teilweiſe aufgenommen werden
könnten. Die Verſammlung ſtimmt dem Beſchluß der
Schulvorſtände zu. Bei der Feſtſetzung der Flucht=
linien
für den Baublock 4a der Garten=
vorſtadt
Dieburger Straße Hohler Weg war die
Anlage einer 5 Meter breiten Querſtraße zwiſchen
Block 4a und Block 4b vorgeſehen worden. Das Großh.
Miniſterium des Innern empfiehlt, wie Baurat Jäger
mitteilt, an Stelle dieſer Straße, die für größeren Ver=
kehr
doch nicht in Frage kommen würde, einen Garten=
weg
von 3 Meter Breite anzulegen. Der Hochbau= Aus=
ſchuß
hat ſich hiermit einverſtanden erklärt und auch die
Verſammlung hat gegen die Aenderung nichts einzu=
wenden
.
Stadtbaurat Steinberger bittet um
Befreiung von der Beſtimmung in § 1 Abſ. 1
des Ortsbauſtatuts
für die Gartenvorſtadt Dieburger Straße-Hohler Weg
für Errichtung eines Wohnauſes im Baublock 1 am
Hohlen Weg. Gleichzeitig ſucht er um Ueberlaſſung von
etwa 86 Quadratmeter ſtädtiſchen Straßengeländes zur
Vergrößerung des Bauplatzes nach. Der Hochbau= Aus=
ſchuß
hat das Geſuch und ebenſo die notwendig werdende
Aenderung der Baufluchtlinie an der Ecke des Hohlen
Wegs und der Straße längs der Bahn gutgeheißen.
Auch der Finanz=Ausſchuß iſt mit dem Verkauf des ſtädti=
ſchen
Straßengeländes einverſtanden. Nach einem Referat
des Stadtv. Rockel genehmigt die Verſammlung das
Geſuch.
Der Darmbach befindet ſich auf der Strecke von der
Darmſtädter Gemarkungsgrenze bis zum Gehaborner Hof
in einem derart verwilderten Zuſtande, daß die Ufer=
grundſtücke
der Verwüſtung durch Flutwaſſer ſehr ſtark
ausgeſetzt ſind und eine durchgreifende
Regulierung des Darmbachlaufs
nicht mehr hinausgeſchoben werden kann. Nach einem
von dem Tiefbauamt ausgearbeiteten, von Baurat
Jäger erläuterten Projekt ſoll das dermalige Bachbett
mit ſeinen vielen Krümmungen und verwilderten Ufern
aufgegeben und ein neues Bachbett möglichſt gradlinig
im gewachfenen Boden eingeſchnitten werden. Sohle und
Ufer des neuen Bettes ſollen mit Bruchſtein= Trocken=
mauerwerk
befeſtigt werden, um für die Ufergrundſtücke
einen dauernden Schutz zu ſchaffen. Die Geſamtkoſten
dieſes Projektes ſind auf 40000 Mark veranſchlagt, wovon
die Gemeinde Weiterſtadt den geſetzmäßigen Anteil zu
übernehmen hat. Die Strecke von der Riedbahn bis zum
Gehaborner Hof mit einem Koſtenaufwand von zirka
20000 Mark ſoll noch im laufenden Jahre zur Ausführung
gelangen und als Notſtandsarbeit vorgeſehen werden.
Die andere Strecke ſoll im nächſten Jahre ausgeführt
werden. Die Tiefbau=Deputation und der Finanz= Aus=
ſchuß
haben dem Projekt zugeſtimmt und die Bereitſtellung
der erforderlichen Mittel gutgeheißen. Nach kurzer Aus=
ſprache
ſtimmt die Verſammlung dem Projekt zu.
Einer vom Finanz=Ausſchuß gegebenen Anregung
folgend, legt der Oberbürgermeiſter der Stadtverordneten=
Verſammlung zur Genehmigung vor: 1. einen Stellen=
plan
für die geſamte Verwaltung der Stadt, 2. Grund=
ſätze
zur Regelung der Dienſt=, Beförderungs= und Beſol=
dungsverhältniſſe
des nicht angeſtellten Beamtenperſonals
nebſt Beſoldungsplan für dieſes Perſonal und 3. eine
Prüfungsordnung für Anwärter auf ſtädtiſche Bureau=

aſſiſtenten= und Kanzliſtenſtellen nebſt einer Ueberſicht über
den Prüfungsſtoff. Verſchiedene der Vorlage beigegebene
Tabellen zeigen die Wirkung der neuen Regelung im
ganzen und an einzelnen praktiſchen Beiſpielen. Sie
laſſen in ihren Ergebniſſen den Grundgedanken der
Vorlage:
Schaffung einer feſten Ordnung in der
Anſtellungsfrage und Verbilligung des
ſtädtiſchen Verwaltungsapparates
klar hervortreten. Gleichzeitig wird der Stadtverord=
neten
=Verſammlung ein Verzeichnis der den Militär=
anwärtern
in der Verwaltung der Stadt vorbehaltenen
Stellen zur Genehmigung unterbreitet.
Der Stellenplan enthält eine Aufzählung aller
für die Verwaltung der Stadt notwendigen Dienſtſtellen
nach Bezeichnung und Anzahl und getrennt nach Be=
amten
= und Gehilfenſtellen. Vergleichsweiſe iſt angegeben,
wie viele dieſer Dienſtſtellen nach bisherigen Grundſätzen
beſetzt worden ſind oder zu beſetzen geweſen wären und
in welcher Zahl ſie übergangsweiſe beſetzt werden ſollen.
Die unter 2. obenerwähnten Grundſätze geben in Gemein=
ſchaft
mit dem Beſoldungsplan und der Prüfungsord=
nung
den Inhalt des Gehilfendienſtvertrags wieder.
Die Grundſätze enthalten in geordnetem Aufbau
Beſtimmungen über die Annahme, Beförderung und Be=
ſoldung
des nicht angeſtellten Beamtenperſonals. Sie
ſind ſo allgemein gefaßt, daß ſich alle beſonderen Verhält=
niſſe
ohne Schwierigkeiten einpaſſen und regeln laſſen
werden.
Der Beſoldungsplan iſt nach dem Grundſatze
aufgeſtellt, daß Bedienſteten, die in gleicher Weiſe vor=
gebildet
und dienſtlich verwendet ſind, gleiche Bezahlung
in Abſtufungen nach dem Lebens=, teilweiſe auch nach dem
Dienſtalter zu gewähren iſt. Er ſieht gegen bisher teils
eine Einſchränkung und teils eine nicht erhebliche Erwei=
terung
vor. Die erſtere tritt ein für nicht geprüfte
Schreibgehilfen, deren künftige Bezüge denen im Staats=
dienſt
nachgebildet ſind. Eine Erweiterung im Aufrücken
für das anſtellungsfähige Gehilfenperſonal erſchien ange=
zeigt
zur beſſeren Abſtufung zwiſchen Gehilfenvergütung
und Beamtengehalt und Beſſerung der Verhältniſſe in der
Wartezeit bis zur Anſtellung, die von der letzten Aufbeſſe=
rung
ab jetzt ſchon mitunter 3 bis 4 Jahre gedauert hat
und demnächſt noch länger dauern kann.
Nach der Prüfungsordnung können ſich im
ſtädtiſchen Dienſt ſtehende Anwärter auf Bureauaſſiſtenten=
und Kanzliſtenſtellen nach freier Wahl entweder der
Bureauaſſiſtenten= oder der Kanzliſtenprüfung unter=
ziehen
, wenn ſie eine beſtimmte Vorbereitungszeit zurück=
gelegt
haben. Das Beſtehen der einen oder der anderen
Prüfung iſt Vorausſetzung für die ſpätere definitive An=
ſtellung
als Bureauaſſiſtent oder Kanzliſt. Wer keine der
Prüfungen ablegt, bleibt Schreibgehilfe und wird nur
unter Vorbehalt des Kündigungsrechtes beſchäftigt. Die
Prüfungsordnung wahrt die Möglichkeit, Anwärter, die
außerhalb der ſtädtiſchen Verwaltung mit Erfolg geprüft
worden ſind, von einer oder der anderen Prüfung zu be=
freien
. Die Prüfungen werden nach Bedarf im Frühjahr
jeden Jahres von einem dreigliederigen Prüfungsaus=
ſchuß
abgehalten.
Die obligatoriſche Einführung des Nachweiſes der
Fertigkeit im Stenographieren, für Anwärter auf
Kanzliſtenſtellen auch der Fertigkeit im Maſchinen=
ſchreiben
verdient hervorgehoben zu werden. Das
Verzeichnis der den Militäranwärtern
vorbehaltenen Stellen iſt auf der Grundlage
des im Entwurf vorliegenden Stellenplans und ſeiner
Anlagen und unter Berückſichtigung der von Reich und
Staat getroffenen Militäranwärterverſorgungsvor=
ſchriften
aufgeſtellt worden. Von der Vorlage kann ge=
ſagt
werden, daß ſie dem die neue Regelung der Perſo=
nalverhältniſſe
leitenden Gedanken: Schaffung eines
Syſtems und Erzielung von Erſparniſſen in allen
Teilen gerecht wird. Eine Anſtellung auf
Lebenszeit iſt in Zukunft beim Vorhandenſein der
ſonſt geforderten Vorausſetzungen nur möglich, wenn
eine planmäßige Beamtenſtelle offen iſt. Der Stellen=
plan
bildet alſo eine ſichere Grundlage für die Ent=
ſchließung
der Bürgermeiſterei und Stadtverordneten=
Verſammlung in Anſtellungsfragen. Nach eingehender
Prüfung der Verhältniſſe konnte die Stadtverwaltung
dem wirklichen Stellenbedürfnis gemäß und entſprechend
den von den einzelnen Stelleninhabern zu verlangen=
den
Kenntniſſen und Fähigkeiten, eine Reihe Beamten=
ſtellen
aufgeben oder in Hilfsſtellen umwandeln und
eine Anzahl ſeither mit höheren Gehältern ausge=

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Eine Erdbebenwarte auf dem Tau=
nus
. Eine ungenannte Gönnerin hat dem Phyſika=
liſchen
Verein in Frankfurt a. M. durch eine be=
deutende
finanzielle Unterſtützung die Ausführung
eines großartigen wiſſenſchaftlichen Unternehmens er=
möglicht
, nämlich die Errichtung eines mit den modern=
ſten
Hilfsmitteln ausgeſtatteten meteorologiſchen und
gerologiſchen Obſervatoriums auf dem Feldberg im
Taunus. Als erſte Gründung wird eine dauernde
Erdbebenwarte auf dem Gipfel des Feldberges er=
richtet
. Damit iſt dann die Grundlage gegeben, das
Inſtitut durch die Angliederung weiterer Disziplinen
zu erweitern, vor allen Dingen eines aerologiſchen
Obſervatoriums zum Studium der höheren Luftſchich=
ten
. Die letztere Gründung wird ſich dadurch ſchneller
verwirklichen laſſen, daß der Aufſichtsrat der Deutſchen
Luftſchiffahrtsgeſellſchaft, Aktien=Geſellſchaft, der kürz=
lich
in Frankfurt a. M. tagte, beſchloſſen hat, ſich an
der Gründung des gerologiſchen Obſervatoriums auf
dem Feldberge zu beteiligen, denn dieſes Inſtitut wird
in hervorragender Weiſe den Intereſſen des Luftſchiff=
verkehrs
in Weſtdeutſchland dienen.
Marie Stritt=Stiftung. Eine Ehren=
gabe
ſoll der langjährigen Vorſitzenden des Bundes
Deutſcher Frauenvereine, Frau Marie Stritt ( Dres=
den
), von der deutſchen Frauenbewegung überreicht
werden. Es iſt beabſichtigt, ein größeres Kapital zu
ſammeln, deſſen Zinſen Frau Stritt zur freien Ver=
fügung
geſtellt werden ſollen, während das Kapital
ſelbſt als Vermächtnis unter der Bezeichnung Marie
Stritt=Stiftung dem Bunde Deutſcher Frauenvereine
zufallen ſoll.
Kleines Feuilleton.
* Ein Geſchenk des Kaiſers für Nor=
wegen
. Das Frithjof=Denkmal für Wangnäs am
Sognefjord, das der Kaiſer dem norwegiſchen Staate
zum Geſchenk beſtimmt hat, geht jetzt in der Werkſtatt
von Profeſſor Max Unger in Steglitz der Vollendung
entgegen. Der Entwurf, der vom Kaiſer zur Aus=
führung
beſtimmt wurde, ſtellt Frithjofs markige
Heldengeſtalt in männlicher Schönheit dar. Er trägt

die intereſſante Tracht altnordiſcher Recken, das Pelz=
kleid
und darüber den breiten Gürtel aus Leder, und
ſtützt ſich mit der Rechten auf ſein Schwert, deſſen
Knauf er umfaßt hält. Die Figur bildet eine feſſelnde
Silhouette, die ſich kräftig vom nordiſchen Himmel
abheben und der Geſtalt ſchon aus großer Entfernung
eine Wirkung ſichern wird. Erhält ſie doch eine Höhe
von nicht weniger als 10 Metern. Sie kommt auf
einen 6 Meter hohen Sockel zu ſtehen und dieſer wie=
der
auf eine Aufſchüttung, die 4½ Meter in der Höhe
mißt, einen natürlichen Hügel aus kräftig geformten
Felsblöcken. Dieſe einzigartigen Abmeſſungen über=
ſteigen
etwa die des Achilleus für Korfu mit ſeinen
6 Metern, die der Viktoria auf der Berliner Sieges=
ſäule
mit 8½ Metern bei weitem. Der Kaiſer ſelbſt
hat dieſe Verhältniſſe an Ort und Stelle ausgeprobt,
um das Denkmal in ſeiner großartigen Umgebung
und auf ſeinem hochgelegenen Platz bei Wangnäs nicht
verſinken zu laſſen. Es kommt hier ganz in die Nähe
der ſagenhaften Gräber Frithjofs und Ingeborgs, der
auch bei uns durch Tegner heimiſch gewordenen Ge=
ſtalten
nordiſcher Sage, zu ſtehen. Dieſe Gräber und
den Grund und Boden, auf dem die Anlage in Wang=
näs
zu ſtehen kommen wird, hat der Kaiſer für ſich
erworben. Er will die Stätten nach Aufſtellung des
Denkmals dem norwegiſchen Staate zum Geſchenk
machen. Die Enthüllung wird vorausſichtlich im Som=
mer
1913 ſtattfinden.
Liebesbriefe als Tapete. Einen merk=
würdigen
Zimmerſchmuck hat Mrs. May Dyke, die
junge Witwe eines amerikaniſchen Eiſenbahnbeamten
in Dakota, erſonnen: ſie hat ſich ihren Salon mit den
ungezählten Liebesbriefen tapezieren laſſen, die ihr in
den letzten Monaten zugegangen ſind. Die junge Witwe
beſitzt kein Vermögen, aber ſie iſt eine blendende
Schönheit, die unter ihrem Vorzug ſchwer zu leiden
hat. Als ſie nach dem Tode ihres Mannes den Antrag
eines Opfers ihrer Anmut ablehnte, wurde dieſer
Korb in Dakota Stadtgeſpräch; die Erzählung wirkte
ſuggeſtiv, es kamen neue Anträge, und ſchließlich dran=
gen
die Interviewer ein: acht Tage ſpäter war Mrs.
Dyke in ganz Amerika berühmt. Alles Sträuben blieb
umſonſt; die Zeitungen ließen nicht von ihrer Beute.
und in den letzten Wochen hat die junge Witwe über
1000 Heiratsanträge bekommen.

* Kühnheit der Raben. Einen neuen Beleg
für die Kühnheit, welche Raben oftmals bei ihren räu=
beriſchen
Angriffen auf andere Tiere an den Tag
legen, bringt ein Schleswiger Blatt, das folgende Jagd=
geſchichte
berichtet: Ein Jäger ſchoß einen Haſen
wund, den der Jagdhund alsbald faßte, um ihn ſeinem
Herrn zu bringen. Da erſchienen plötzlich mehrere
Raben, ſchoſſen auf den Hund los und traktierten ihn
mit Schnabelhieben, denen ſich der Hund durch die
Flucht zu entziehen ſuchte. Die ſchwarzen Räuber ver=
folgten
ihn aber und ſetzten ihm derart zu, daß er den
Haſen fallen ließ und heulend auf ſeinen Herrn zu=
raſte
, um bei ihm Deckung zu ſuchen. Bis auf fünfzehn
Schritt von dieſem begleitete ihn einer der geflügelten
Geſellen, fortwährend in der Luft auf den Kopf des
Hundes loshackend. Als ſich der Rabe dann empor=
ſchwang
, um Kehrt zu machen, traf ihn des Weidmanns
Schrot, und er mußte mit ſeinem Leben ſeinen bewun=
dernswerten
Mut bezahlen. Die übrigen Raben hat=
ten
inzwiſchen dem Haſen den Garaus gemacht und
ſchleppten ihn mühſam fort. Mit erſtaunlicher Kraft
hoben ſie ihn in geringe Höhe und trugen ihn jedesmal
10 bis 15 Schritte fort. Der Jäger verſuchte, ſeinen
Hund den Raben nachzuſchicken, doch dieſer verſagte
winſelnd den Gehorſam. Der Jäger ſchoß nun nach
den frechen Räubern. Nach dem erſten Fehlſchuß gaben
ſie ihre Beute aber noch nicht auf. Erſt als einen von
ihnen die Schrotkörner getötet und einem zweiten die
Federn bedenklich gelockert hatten, zog der letzte kla=
gend
von dannen.
* Ein merkwürdiges Staatsmonopol.
Das ſonderbarſte Geſchäft, das wohl je ein Staat übernom=
men
hat, betreibt gegenwärtig Perſien. Nach einem Ge=
ſetze
aus dem Anfange dieſes Jahres ſind vom 1. Dſchu=
modi
=ul=ula 1328 (1. Mai ds. Js.) alle in den Schläch=
tereien
Perſiens gewonnenen Därme, Gekröſe und Roh=
darmſaiten
als Naturalſteuer dem Staate abzuliefern. Wer
Därme und dergleichen kaufen will, muß dies durch Ver=
mittelung
der Finanzverwaltung tun. Der Staat hat
alſo ein Darmhandel=Monopol geſchaffen und dieſes iſt
jetzt, nachdem eine gewiſſe Uebergangszeit abgelaufen iſt,
voll in Kraft getreten. Was macht der Stagt mit den
Därmen?

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. November 1910.

Nummer 259.
ſtattete Dienſtſtellen zur Beſetzung mit geringer beſol=
detem
Perſonal in Ausſicht nehmen. Die für ſpäter
geplante Zuſammenlegung von Verwaltungen und der
hierdurch in abſehbarer Zeit bedingte Wegfall leitender
Stellungen tragen ganz beſonders zur Verbilligung des
ſtädtiſchen Verwaltungsapparates bei. Wenn dieſe
Regelung nicht alsbald vollſtändig durchgeführt werden
kann, ſo hat dies ſeine Urſache in der notwendigen
Wahrung erworbener Rechte und der aus Billigkeits=
gründen
gebotenen Erfüllung berechtigter Erwartungen.
Es wurde ein Uebergang geſchaffen, wie er im Stellen=
plan
zum Ausdruck kommt. Er bringt den ſtädtiſchen
Kaſſen ſchon in nächſter Zeit weſentliche Erleichterungen
und leitet unter möglichſter Vermeidung von Härten
zu den Vorteilen der neuen Regelung über. So ver=
mindert
ſich beiſpielsweiſe die Zahl der Oberſekretär=
und Stadtſekretärſtellen nach völliger Durhführung
der neuen Ordnung um 15; ebenſo vermindert ſich die
Zahl der Bureauaſſiſtentenſtellen gegen bisher im
Uebergangsverhältnis um 43 und ſpäter um 51, welche
Zahl ſich alsdann durch den Zugang aus den gekürzten
Stadtſekretärſtellen um 15 auf 36 vermindert. Die
Kürzung der beſſer dotierten Stellen hat eine Ver=
mehrung
der mit geringeren Einkommen ausgeſtatteten
Stellen zur Folge. Die Kanzliſtenſtellen werden von
derzeit 8 übergangsweiſe auf 14 und demnächſt auf 20,
die Schreibgehilfenſtellen (ohne Anſtellung) von 32 auf
70 erhöht.
Schließlich ſei noch erwähnt, daß in dem Stellen=
plan
einige andere Amts= und Stellenbezeichnungen
eingeführt worden ſind. Sie entſprechen Anträgen der
betreffenden Verwaltungen und vorgetragenen Wün=
ſchen
der beteiligten Beamten. Die Bürgermeiſterei
hat geglaubt, den Anregungen, denen eine gewiſſe Be=
rechtigung
nicht abgeſprochen werden kann, Folge geben
zu ſollen, zumal ſie keine Gehaltsveränderungen be=
dingen
und ein Entgegenkommen der Verwaltung dem
dienſtlichen Intereſſe jedenfalls förderlich iſt. Nach dem
Vorgetragenen erſcheint die der Stadtverwaltung ge=
ſtellte
Aufgabe befriedigend gelöſt.
Die vorgeſchlagene Regelung bedeutet eine feſte
Ordnung der Anſtellungsfrage und bringt
den ſtädtiſchen Kaſſen in ſteigendem Maße weſent=
liche
Erſparniſſe.
Dieſe Vorlage iſt von Bureaudirekkor Daub
ausgearbeitet, der Dank der Bürgermeiſterei für die
mühevolle Arbeit findet lebhafte Unterſtützung aüs der
Verſammlung heraus. Da der Vortrag rein informa=
toriſch
war die Vorlage hat dem Ausſchuß noch
nicht vorgelegen findet keine Diskuſſion ſtatt.
Dem Danke des Kollegiums und der Stadt für die
gründliche und raſche Ausarbeitung des großzügigen
Planes verleiht Stadtv. Sames Ausdruck.
Bei dem Abſchluſſe der
Bauabrechnung für das Hallen=
ſchwimmbad

hat ſich eine Ueberſchreitung des bewillig=
ten
Kredits von 900000 Mark um 68380,49 Mark
ergeben. Das Stadtbauamt hat dieſe eingehend er=
läutert
und begründet. Die Ueberſchreitung iſt in der
Hauptſache dadurch veranlaßt, daß der im Voranſchlag
für unvorhergeſehene Ausgaben eingeſtellte Betrag
(27052,45 Mark) in Anbetracht des Umfanges des Bau=
werks
zu gering gegriffen war. Es iſt im Baugewerbe
üblich, die unvorhergeſehenen Ausgaben mit 10 Pro=
zeit
der geſamten Bauſumme zu veranſchlagen. Außer=
dem
ſind, dem Fortſchritte in der Badetechnik ent=
ſprechend
, eine Reihe, von Einrichtungen getroffen
worden, deren Notwendigkeit oder Zweckmäßigkeit erſt
während der Bauausführung ſich herausgeſtellt hat und
die, weil bei der Veranſchlagung nicht berückſichtigt, die
Bauſumme weſentlich erhöht haben. Dabei ſind dieſe
Ausgaben keineswegs für luxuriöſe Ausſtattung oder
Einrichtung verwendet worden. Auch eine Reihe von
anderen Städten, die in den letzten Jahren Schwimm=
bäder
errichtet haben, mußten mit einer Ueberſchreitung
der bewilligten Baukredite rechnen, was dort wie hier
ſeinen beſonderen Grund darin hat, daß für die Er=
bauung
von neuzeitlichen Schwimmbädern noch die=
jenige
praktiſche Erfahrung fehlt, die auf anderen Ge=
bieten
, z. B. des Schulhausbaues, reichlich vorhanden
iſt. Hochbau= und Finanz=Ausſchuß haben der Nach=
bewilligung
des Kredits zugeſtimmt und gleichzeitig
mit der Bewilligung eines weiteren Kredits von 5200
Mark für Herſtellung des nördlichen Pavillons an der
Vorderfront des Hallenſchwimmbades, über deſſen
Verwendung Beſtimmung vorbehalten bleibt, ſich ein=
verſtanden
erklärt.g Ref. Stadtv. Sames.)
Hierzu gibt Beig. Baurat Jäger noch einige Er=
läuterungen
techniſcher Art. Stadtv. Dr. Noellner
meint, die Ueberſchreitungen beim Bau ſeien wohl
entſchuldbar und findet ſie erklärlich, weil beim Bau
von Schwimmbädern eben noch die praktiſchen Erfah=
rungen
fehlten. Stadtv. Lehr bemängelt verſchiedene
Etatsüberſchreitungen. Stadtbaurat Buxbaum ent=
gegnet
in mehrfachen Ausführungen auf die Einwände
verſchiedener Redner und begründet die entſtandenen
Mehrforderungen auf Grund ſachlicher Darſtellungen.
Stadtv. Sames führte aus: Im allgemeinen darf zu
dieſen Mehrausgaben bemerkt werden: Die Erbauung
eines Hallenſchwimmbades in Anlage und Umfang des
Darmſtädter iſt kein gewöhnlicher Bauauftrag, deſſen
Koſten ſich ſelbſt bei normalen Verhältniſſen leicht
ziffern= und zahlenmäßig abſolut feſtſtellen laſſen; ſon=
dern
ein Bauweſen, bei deſſen praktiſcher Verwendbar=
keit
die Angaben und Ratſchläge einer ganzen Anzahl
nicht in ſtädtiſchen Dienſten ſtehender Fachmänner
maßgebend ſein mußten. Daß dann bei einem Zu=
ſammenarbeiten
ſo vieler außerhalb der ſtädtiſchen
Verwaltung ſtehender Faktoren die Koſten wie bei
normalem Bauweſen nicht ſo ſicher im voraus ange=
geben
werden können, iſt ſelbſtverſtändlich. Das Bau=
weſen
war mit 900000 Mark veranſchlagt, die ganze
Ueberſchreitung beträgt nur 8 Prozent, ein verhältnis=
mäßig
kleiner Betrag bei einem ſo monumentalen
Bauweſen. Es muß doch anerkannt werden, daß Herr
Baurat Buxbaum ein muſtergültiges Schwimmbad
erſtellt hat, das vornehm wirkt und außerordentlich ge=
diegen
und praktiſch im Betrieb iſt. Das Städtiſche
Hallenſchwimmbad hat in allen Fachzeitſchriften von
Fachmännern, mediziniſchen Kreiſen und allen denen,
die ſich mit Volkswohl und Volksgeſundheit befaſſen,
eine gute Aufnahme gefunden. Der Bau wird überall
als muſtergültig bezeichnet und anerkannt und gebührt
Herrn Baurat Buxbaum Anerkennung und Dank für
ſein hervorragendes Bauwerk. Die Koſtenüberſchrei=
tung
darf kein Grund dafür ſein, die Verdienſte des
Baurats Buxbaum in den Hintergrund zu ſtellen.
Nach weiteren Ausführungen der Stadtv. Nod=
nagel
, Schmeel und Dr.=Ing. Heyd wird der
Antrag des Referenten angenommen.

Berufsvormundſchaft.
Beig. Mueller führt aus: Auf Beſchluß der
Stadtverordneten=Verſammlung vom 9. Januar 1908
wurde vor nunmehr zwei Jahren in Darmſtadt die
Berufsvormundſchaft eingeführt, durch die alle unter
Vormundſchaft zu ſtellenden Armenpflegekinder und
alle unehelichen Kinder der Berufsvormundſchaft des
ſtädtiſchen Pflegeamts unterſtellt ſind. Es wurde
damals zur Vermeidung einer allzu ſtarken Belaſtung
der Stadt beſchloſſen, die Vormundſchaft zunächſt nur
bis zum Ablauf des zweiten Lebensjahres der Kinder
zu behalten. Man war auch der Anſicht, daß dieſe Zeit
ausreiche, um die rechtliche Vertretung des Mündels
in den Alimentationsprozeſſen uſw. durchzuführen und
dann das Kind wieder der Einzelvormundſchaft zu
unterſtellen. Die ganze Einrichtung hat ſich in der
kurzen Zeit ihres Beſtehens, wie dies auch von dem
Großh. Amtsgericht beſtätigt worden iſt, in jeder Hin=
ſicht
bewährt und als äußerſt ſegensreich erwieſen.
Zurzeit unterſtehen der Berufsvormundſchaft des
ſtädtiſchen Pflegeamts über 350 Mündel, für die bis jetzt
über 50000 Mark an Alimentationsgeldern beigebracht
werden konnten, ein Erfolg, der ſich auch bei der
ſtädtiſchen Armenkaſſe durch Abnahme der Aufwendun=
gen
für die Fürſorge armer Kinder bemerkbar macht.
Auf Anregung des Großh. Amtsgerichts iſt nun
in Ausſicht genommen, die Berufsvormundſchaft auch
nach dem zweiten Lebensjahre eines Mündels vorerſt
noch weiter zu behalten, wenn das vermögensrechtliche
Intereſſe des Kindes und die perſönliche Fürſorge den
weiteren Beiſtand durch den Berufsvormund wün=
ſchenswert
erſcheinen laſſen. Die Deputation für
Armen= und Pfründnerweſen und der Finanz= Aus=
ſchuß
haben ſich mit der Erweiterung der Berufsvor=
mundſchaft
in dieſem Sinne einverſtanden erklärt.
Die Verſammlung ſtimmt zu. Damit iſt die Tages=
ordnung
erſchöpft.

Zur Stadtverordnetenwahl.
* Man ſchreibt uns: Der Verein der Fort=
ſchrittlichen
Volkspartei hat ſich mit dem
Wahlvorſchlag der vereinigten Bezirksvereine unter
der Vorausſetzung einverſtanden erklärt, daß auch die
nationalliberale Partei ihr Einverſtändnis damit er=
klärt
. Hiernach iſt die Möglichkeit gegeben, daß viel=
leicht
von den Wahlzetteln kleinerer Korporationen ab=
geſehen
die Kandidatenliſte der vereinigten Bezirks=
vereine
den einzigen Wahlvorſchlag von bürgerlicher
Seite darſtellt. Erfüllt ſich dieſe Vorausſicht nicht, dann
kann es eine heilloſe Verwirrung mit abſolut unſiche=
rem
Ausgang geben. Der Wahlvorſchlag der vereinig=
ten
Bezirksvereine enthält folgende Namen: a) Bis=
herige
Stadtverordnete: 1. Dr. Bender, Rechtsanwalt,
2. Bormet, Rechnungsrat, 3. Heydt, Dr.=Ingenieur, 4.
Hüfner, Werkmeiſter, 5. Dr. Kolb, Sanitätsrat, H. L.
Lautz, Brotfabrikant, 7. K. Müller, Ortsgerichtsvor=
ſteher
, 8. Nodnagel, Geh. Ober=Schulrat. b) Neue
Namen: 1. P. Aßmuth, Kaſſenbeamter, 2. Baſtian, Re=
gierungsrat
und Bankdirektor, 3. Grooß, Eiſenbahn=
direktor
, 4. Herbert, Ober=Telegraphenſekretär, 5. Dr.
Oſann, Rechtsanwalt, 6. Ramdohr, Apotheker, 7. Schä=
fer
, Architekt, 8. Dr. Vaubel, Chemiker, 9. Wagner,
Bauunternehmer, 10. L. Werner, Glaſermeiſter.
* Von dem hieſigen nationalliberalen Verein wird
uns mitgeteilt: Die Verhandlungen über die
Aufſtellung einer gemeinſamen Kandidatenliſte ſeitens
der vereinigten Bezirksvereine, der nationallibe=
ralen
Partei und freiſinnigen Volkspartei haben
ſich leider zerſchlagen. Die Vertreter der natio=
nalliberalen
Partei waren in dieſe Verhandlungen
mit dem aufrichtigen und ernſten Beſtreben eingetre=
ten
, wenn irgend angängig, eine Vereinigung der bür=
gerlichen
Elemente zuſtande zu bringen. Dem von den
vereinigten Bezirksvereinen vorgelegten Zettel gegen=
über
mußten ſich aber die Vertreter der nationalliberalen
Partei von vörnherein auf den Standpunkt ſtellen, daß
es durchaus unveranlaßt ſei, einem Mann, wie dem
Stadtverordneten Rockel, welcher an der Spitze der
Handwerkerorganiſation in Darmſtadt ſeit Jahren
ſteht und der der Stadtverordnetenverſammlung über
20 Jahre angehört, einfach den Laufpaß zu geben.
Weiter aber auch konnte man einen Akt ſolcher politi=
ſcher
Undankbarkeit gerade auf Seiten der national=
liberalen
Partei nicht billigen. Sodann mußten die
Vertreter der nationalliberalen Partei das gewiß nicht
unberechtigte und unbeſcheidene Verlangen ſtellen, daß
die ſeitherigen nationalliberalen Sitze auch wie=
der
von Nationalliberalen beſetzt werden ſollten. Es
war keinerlei Vermehrung dieſer national=
liberalen
Mandate begehrt, ſondern nur die Erhaltung
des Beſitzſtandes beanſprucht worden. Allein nach dem
Zettel der vereinigten Bezirksvereine war der natio=
nalliberalen
Partei ein Mandat weniger als ſeit=
her
und zwar gerade dasjenige des Herrn Stadtver=
ordneten
Rockel zugewieſen worden, dagegen waren
an Stelle der beiden wegen Todesfall ausſcheidenden
Mitglieder der freiſinnigen Volkspartei 4 Mitglieder
dieſer Partei getreten. Die nationalliberale Partei
erſuchte nun in den Verhandlungen wiederholt, daß
eines der Mitglieder der freiſinnigen Volkspartei
geſtrichen und durch ein nationalliberales Mitglied
erſetzt werden ſollte. Dabei hätte die nationalliberale
Partei lediglich ihren Beſitzſtand behalten, die frei=
ſinnige
Volkspartei dagegen ein Mandat mehr be=
kommen
als ſeither. Auch dieſer Vorſchlag ſcheiterte
trotz langer Bemühungen an der kategoriſchen Erklär=
ung
der Vertreter der vereinigten Bezirksvereine, daß
eine Aenderung des Zettels in dieſer Richtung nicht
vorgenommen werde. Wenn nun bei den vorgeſtrigen
Verhandlungen ſeitens der vereinigten Bezirksvereine
und der freiſinnigen Partei der Vorſchlag gemacht
wurde, Herrn Stadtverordneten Rockel auf die Liſte zu
übernehmen, ſo wurde daran die Bedingung geknüpft,
daß ein anderer nationalliberaler Name geſtrichen
werden müßte. Hierdurch wäre aber wieder der ſeit=
herige
Beſitzſtand der nationalliberalen Partei nicht
gewahrt, dagegen die freiſinnige Volkspartei um zwei
Sitze gegen ſeither vermehrt worden. Diß das nicht
die geeignete Grundlage war, zu einer Verſtändigung
zu kommen, bei welcher doch die nationalliberale Par=
tei
nicht das geringſte Entgegenkommen auf der an=
deren
Seite gefunden hat, iſt ſelbſtverſtändlich. Sie
beanſpruchte keine Vermehrung ihrer Mandate,
wollte vielmehr den ſeitherigen Stand aufrecht erhal=
ten
haben. Sie wäre bereit geweſen, der freiſinnigen
Volkspartei ein Mandat mehr als ſeither zuzu=
beſtimmen
, allein weiter zu gehen, konnte ſie nicht für
berechtigt erachten.
So iſt die nationalliberale Partei, nachdem ihre
Bemühungen um die Vereinigung keinen Erfolg ge=
habt
haben, gezwungen, ſelbſtändig in den Wahlkampf
einzutreten. Sie hat dabei das feſte Bewußtſein, alles
getan zu haben, was den Frieden herzuſtellen geeignet

Seite 5.

war, daß aber ihre Bemühungen an dem Widerſtande
der Bezirksvereine, welchen ſich die freiſinnige Volks=
partei
angeſchloſſen hat, geſcheitert ſind.
In der am 1. November im Reſtaurant Perkeo
ſtattgefundenen Verſammlung der Techniſchen Ver=
eine
Darmſtadts wurde folgende Reſolution ein=
ſtimmig
angenommen: Die Vertreter der verſchiedenen
Vereinigungen mittlerer Staats=, Kommunal= und Privat=
Techniker ſchlagen den auch von anderen Körperſchaften in
Vorſchlag gebrachten Architekten Herrn Friedrich
Münch als gemeinſamen Kandidaten zur Stadtverord=
neten
=Verſammlung vor und werden deſſen Wahl mit
allen Mitteln unterſtützen.
* Herr Jakob Schroth, Schulſtraße, bittet uns, mit=
zuteilen
, daß er die Kandidatur abgelehnt hat.

Kongreſſe und Verbandstage.
Berlin, 3. Nov. In der heute hier zahlreich
von den Vertretern der maßgebenden deutſchen Kaut=
ſchukwarenfabriken
beſuchten Verſammlung wurde
die jetzige ſchwierige Lage der Gummiinduſtrie eingehend
beſprochen. Wenngleich der Preis für Paragummi ſeit
einigen Monaten einen Abſchlag erfahren hat, ſo muß
doch ausdrücklich darauf hingewieſen werden, daß der
heutige Preis noch immerhin zirka 100 Prozent höher iſt
als im Anfang des Jahres 1908. Für Mittelſorten iſt die
Differenz auch heute noch im Verhältnis eine höhere. Die
höchſten Marktpreiſe dieſes Frühjahrs, welche den Fabri=
ken
fortwährend als Grund für eine Ermäßigung der
Verkaufspreiſe der Fabrikate entgegengehalten werden,
haben in Wirklichkeit niemals als Baſis für die Kalku=
lationen
gedient, da ſonſt erheblich höhere Aufſchläge hät=
ten
erfolgen müſſen. Außerdem iſt zu berückſichtigen, daß
bei der Eigenart der Gummifabrikation jede Fabrik. heute
noch mit zu hohen Preiſen eingekauftem Rohmaterial
für die nächſte Zeit zu rechnen hat. Schwer in die Wag=
ſchale
fallen außerdem bei der jetzigen Kalkulation die
bedeutend geſtiegenen Preiſe für Baumwoll= und Leinen=
gewebe
Aus vorſtehenden Gründen wurde feſtgeſtellt,
daß die unklaren Verhältniſſe es gegenwärtig den Fabriken
nicht geſtatten, eine allgemeine Preisreduktion eintreten
reſp. die Preisaufſchläge fallen zu laſſen. Dementſprechend
wurde einſtimmig beſchloſſen.

Großfener.
* Mannheim 3. Nov. In den Schreinerwerk=
ſtätten
der Lanzſchen Fabrik iſt geſtern, Diens=
tag
, abends 8½ Uhr, Großfeuer ausgebrochen. Die
Bekämpfung des Feuers dauerte bis heute früh 4 Uhr.
Es verbrannten die Zentrifugenabteilungen, ein lang=
geſtrecktes
, zweiſtöckiges Gebäude, ſowie die Abteil=
ung
A., ein fünfſtöckiges maſſives Backſteingebäude von
25 Meter Höhe und über 100 Meter Länge. In dem
Gebäude befanden ſich fertige landwirtſchaftliche Ma=
chinen
, ſowie Futter=, Rübenſchneide= und Dreſch=
maſchinen
. Der Schaden läßt ſich bis jetzt noch nicht
genau feſtſtellen, dürfte jedoch ſehr beträchtlich ſein.
Das Feuer entſtand in der Garderobe des erſten Stock=
werkes
der Abteilung A. Die Entſtehungsurſache iſt
unbekannt. Um 11 Uhr ſtürzte das Gebäude der Ab=
teilung
A mit fürchterlichem Getöſe in ſich zuſammen.
Die Vorderfront des Gebäudes fiel auf die Straße.
Perſonen wurden nicht verletzt.
* Mannheim, 3. Nov. Das Feuer bei der
Maſchinenfabrik von Heinrich Lanz war geſtern abend
gegen halb 9 Uhr ausgebrochen. Es ging vom ſoge=
nannten
Großen Bau aus, wo in der Garderobe der
Betriebsſchloſſerei das Feuer entſtanden war. Infolge
des ſtarken Windes griff das Feuer raſch um ſich und
hatte bald die Modellſchreinerei, die Schloſſerei und den
Zentrifugenbau erfaßt. Bei der Brandkata=
ſtrophe
ſind, dem Mannh. General=Anz. zufolge,
bis auf die Umfaſſungsmauern abgebrannt: Der kleine
Maſchinenraum (Karlswerk), Keſſelhaus A, die Modell=
ſchreinerei
, die Schloſſerei und der Zentrifugenbau.
Bei dem Feuer erlitten von den Arbeitern und Feuer=
wehrleuten
15 Perſonen mehr oder weniger ſchwere
Verletzungen.
Wie die Neue Badiſche Landeszeitung meldet, gibt
die Firma Heinrich Lanz durch Fabrikanſchlag bekannt,
daß in ſämtlichen Werkſtätten, die durch das Feuer zer=
ſtört
wurden, der Betrieb aufrecht erhalten wird. Alle
betroffenen Arbeiter werden alſo weiter beſchäftigt.

Das Programm für den Zaren=Beſuch.
* Berlin, 3. Nov. Zum Beſuch des ruſſi=
ſuch
des Zaren in Potsdam meldet der Ber=
liner
Lokalanzeiger folgende Einzelheiten: Der Zar
trifft am Freitag in der 10. Vormittagsſtunde in
Potsdam ein. Auf dem Bahnſteig des neuen Kaiſer=
bahnhofs
auf der Wildparkſtation wird die Leib= Kom=
pagnie
des 1. Garde=Regiments als Ehrenkompagnie
aufgeſtellt. Der Galawagen mit dem ruſſiſchen Kaiſer
wird von der Leib=Eskadron des Regiments Garde
du Corps eskortiert. Die Dauer des Aufenthalts
ſteht noch nicht endgültig feſt. Zur Spalierbildung
werden ſämtliche Infanterie=Regimenter der Pots=
damer
Garniſon herangezogen, und von Seiten der
Polizei wird ein umfangreicher Sicherheitsdienſt ein=
gerichtet
. Der Potsdamer Polizeipräſident übernimmt
mit ſeinen polizeilichen Hilfsorganen die Regelung
des Ordnungsdienſtes. Während der Ankunft und
der Begrüßung auf dem Bahnſteig wird bis zur Ein=
kehr
des deutſchen Hofes und des ruſſiſchen Kaiſers
ins Neue Palais der Zugang zur Wildparkſtation ge=
ſperrt
, und zwar von der Seite aus, die der Einhol=
ungszug
paſſiert. Am Freitag abend findet im Neuen
Palais zu Potsdam eine Galatafel ſtatt, an der
alle hier anweſenden Prinzen und Prinzeſſinnen des
kaiſerlichen Hauſes, die hauptſächlichſten deutſchen
Staatswürdenträger, darunter der Reichskanzler, fer=
ner
die Generalität und das Gefolge des ruſſiſchen
Kaiſers teilnehmen. Am Samstag nimmt der Zar
vorausſichtlich als Gaſt des Kaiſers an der erſten Hof=
jagd
im neuen Hofjagdrevier teil. So lange der
ruſſiſche Kaiſer ſich in Potsdam befindet, wird auch
das Perſonal der ruſſiſchen Botſchaft aus Berlin dort=
ſelbſt
Aufenthalt nehmen. Zu dieſem Zwecke ſind
große Räumlichkeiten des Potsdamer Palaſthotels auf
drei Tage gemietet. Außerdem werden in demſelben
Hotel noch einige Herren aus Petersburg erwartet.
Das Gefolge des ruſſiſchen Kaiſers wird teils im
Neuen Palais und teils im Potsdamer Stadtſchloſſe
Wohnung erhalten.
* Berlin, 1. Nov. Zum Beſuch des ruſſi=
ſchen
Kaiſers in Potsdam ſchreibt die Nordd.
Allg. Ztg.: Der Kaiſer von Rußland trifft am Freitag
zum Beſuch des Kaiſers und Königs in Potsdam ein.
Daß ein Wiederſehen zwiſchen den beiden verwandten

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. November 1910.

Nummer 259.

in iſenten derſten in Metiht ſand er ier
der Anweſenheit des ruſſiſchen Monarchen auf dem deut=
ſchen
Boden nicht zweifelhaft, und wir freuen uns ganz
beſonders daß Kaiſer Nikolaus uns Gelegenheit gibt, ihn
in der Reſidenzſtadt des Kaiſers Wilhelm zu begrüßen,
in deren Mauern ſchon ſo oft Fürſten aus dem Hauſe
Romanow als Gäſte der ihnen ſtets in Freundſchaft ver=
bundenen
hohenzollernſchen Herrſcherfamilie geweilt ha=
ben
. Dieſe Reiſe nach Potsdam iſt ein neuer Beweis der
herzlichen Geſinnung, die Kaiſer Nikolaus von der Thron=
beſteigung
an unſerem Monarchen entgegengebracht hat,
und mit Sr. Majeſtät rufen auch wir dem hohen Gaſt ein
aufrichtiges Willkommen zu und verbinden damit den
Ausdruck ehrerbietiger Wünſche für die Kaiſerin Ale=
randra
. Es entſpricht der bewährten deutſch=ruſſiſchen
Tradition, daß ſich die Herrſcher beider Reiche öfters per=
ſönlich
begegnen Dem Wohl ihrer Länder und dem Frie=
den
der Welt iſt dieſe Uebung ſtets förderlich geweſen.
Wir ſind überzeugt, daß auch von der bevorſtehenden
Monarchenzuſammenkunft keine anderen als für die Ein=
tracht
der beiden großen Nachbarmonarchien und damit
für den Frieden und die Ruhe Europas nützliche Wir=
kungen
ausgehen werden und wünſchen von Herzen dem
Beſuch des Kaiſers von Rußland in Potsdam einen Ver=
lauf
, wie er den aufrichtigen Wünſchen der beiden hohen
Herren, ſowie aller wahren Patrioten beider Länder ent=
ſpricht
.
Die Einweihung der Kapelle auf der
Roſenhöhe.
Der feierlich ernſte Bau inmitten des herrlichen,
Ruhe atmenden Parkes der Roſenhöhe iſt nunmehr
ſeiner Beſtimmung übergeben worden nachdem er
vorher die Weihe der Kirche erhalten. Nicht als Grab=
ſtätte
im Sinne dieſes Wortes, als Gotteshaus,
als Kirchlein, in dem die ſterblichen Ueberreſte ſeiner
hochſeligen Eltern und jung verſchiedenen Geſchwiſter
ihren letzten Schlaf tun ſollen, ſo wars der Wille des
Großherzogs, iſt der Bau, außen ſchmucklos und
ernſt, innen ein Schatzkäſtlein ruhe= und friedvoller
Pracht in altchriſtlicher Kunſt, geweiht worden. Nicht in
prunkender Feier, in ſchlichtem Gottesdienſt und im
engen Familienkreiſe. Nur ein ſchöner menſch=
licher
Zug des Fürſten die noch lebenden Hof=
beamten
und =Bedienten aus der Zeit des Groß=
herzogs
Ludwig IV. waren zu der Feier geladen, vom
Oberhofmarſchall bis herab zum Kutſcher und Diener.
Vielleicht geſchah das beſonders in Rückſicht auf die
Kaiſerin von Rußland, die in dieſer bedeutungsvollen
Stunde nur Menſchen ſah, die ihr als heſſiſcher Prinz
zeſſin ſchon nahe geſtanden und die wohl ſchöne und
liebe Kindheitserinnerungen weckten.
Der eigentlichen Feier der Einweihung des Kirch=
leins
ging um 10.15 Uhr Gottesdienſt voraus,
und zwar für die Ruſſiſchen Herrſchaften in der Ruſſi=
ſchen
Kapelle auf der Mathildenhöhe (darüber iſt au
anderer Stelle berichtet) und für das Großherzogspaar
und das Prinzenpaar Heinrich von Preußen in dem
neuen Gotteshauſe. Herr Oberhofprediger Ehr=
hardt
reichte den Hohen Herrſchaften hier das heilige
Abendmahl. Nach dem Gottesdienſt in der Ruſſiſchen
Kapelle beſuchten die Ruſſiſchen Herrſchaften das alte
Mauſoleum, woſelbſt an den Särgen des Prinzen und
der Prinzeſſin Karl von Heſſen, ſowie der beiden
Onkel der Zarin, der Prinzen Heinrich und Wilhelm,
goldene und ſilberne Lorbeerkränze niedergelegt wur=
den
. Im Auftrage ſeines Bruders, des deutſchen
Kaiſers, legte Prinz Heinrich von Preußen zwei
Kränze an den Sarkophagen des Großherzogs Lud=
wig
IV. und der Großherzogin Aliee nieder, die
Schleifen mit den Inſignien des Kaiſers trugen.
Um 10,45 Uhr fand dann die Einweihung der
neuen Grabkapelle ſtatt. Hierbei waren an=
weſend
der Kaiſer und die Kaiſerin von Ruß=
land
, ſämtliche Großfürſtinnen, ſowie der
Zarewitſch, der Großherzog und die Groß=
herzogin
mit dem Erbgroßherzog Georg und
dem Prinzen Ludwig, Prinz und Prinzeſſin Hein=
rich
von Preußen, Großfürſtin Sergius, die
in ihrer weißen Aebtiſſinnentracht erſchienen war,
Prinzeſin Ludwig von Battenberg mit Prin=
zeſſin
=Tochter Luiſe. Ferner waren, wie ſchon er=
wähnt
, ſämtliche früheren Hofchargen, an der Spitze
Oberhofmarſchall Exz. Frhr. Weſterweller von
Anthony mit Gemahlin, Freiin v. Grancy, Ober=
ſtallmeiſter
Frhr. Riedeſel v. Eiſenbach Exz.,
Ordenskanzler Frhr. Röder v. Diersburg, Geh.
Kabinettsrat Römheld mit Gemahlinnen erſchienen.
Auch die frühere Lehrerin der Zarin, Frl. Textor,
der Leibjäger Ludwigs IV., Gehrmann, und die
noch im Amt befindliche oder penſionierte Diener=
ſchaft
war anweſend.
Die Höchſten und Hohen Herrſchaften wurden am
Eingang von Oberhofprediger Ehrhardt empfangen
und in das Gotteshaus geleitet, woſelbſt die Herr=
ſchaften
ſich um die Sarkophage, die in den beiden
Seitenarmen des Kreuzbaues aufgeſtellt ſind, grup=
pierken
, während die übrigen Geladenen in dem Ein=
gangsarm
Aufſtellung nahmen. Oberhofprediger
Ehrhardt, der die Weihefeier leitete, nahm vor dem
herrlich mit weißen Lilien geſchmückten und mit dem
Kruzifir gekrönten Altar Aufſtellung, auf dem in
vier goldenen Leuchtern Kerzen brannten, die in dem
feierlichen Raum ein magiſches Licht verbreiteten, das
in dem vielfarbenen Glanz und Gold des Moſaiks
der Decke und Wände ſich tauſendfach brach. Es
herrſchte eine heilige, wunderbar weihevolle Stim=
nung
in dem Raume, als der Geiſtliche den feierlichen
Akt begann. Eine zweifache Weihe erfuhr die kleine
Kapelle. Der Geiſtliche weihte ſie mit dem Altar zu=
nächſt
als Gotteshaus zum Dienſte an Gottes Wort und
Sakrament. In tief empfundener Rede ſprach er nach
den Eingangsſprüchen von der Bedeutung des Baues
nach dem Wunſche und Willen ſeines Schöpfers. Dann
folgte Schriftleſung aus dem 24. Pfalm, worauf Weihe=
gebete
dieſen erſten Teil der Feier beſchloſſen. Un=
mittelbar
daran ſchloß ſich der zweite Teil der Feier,

in dem die nunmehr geweihte Kapelle auch als Grab=
ſtätte
für die Eltern und Geſchwiſter des Großherzogs
beſondere Weihe erhielt. Die Einſegnung der Ent=
ſchlafenen
, die hier nun ihre letzte Ruheſtätte gefun=
den
, beſchloß dieſen feierlichen Akt, worauf auch alle
Anweſenden den Segen empfingen. Hierauf legten
die Hohen Herrſchaften auch hier an den Sarkophagen
Kränze nieder.
Nach dem Weiheakt, der um 11,15 Uhr beendet
war, zogen die Hohen Herrſchaften, beſonders die
Zarin, viele der Anweſenden ins Geſpräch, nament=
lich
ihre frühere perſönliche Dienerſchaft.
Zu der Beſchreibung der Grabkapelle ſei noch fol=
gendes
nachgetragen: Das kleine Gotteshaus iſt ganz
in altchriſtlichem Zentralbauſtil auf dem Grundriß
des Kreuzes erbaut, nach dem Vorbild des aus dem 7.
Jahrhundert ſtammenden Domes in Ravenna. In
dem öſtlichen Kreuzesarm iſt eine Apſis eingebaut,
in der der Altar ſteht. Decke und Wände ſind, wie die
meiſten Bauten aus jener Zeit, ganz in goldenem
und farbigem Glasmoſaik gehalten, der dem Raume
eine wunderbar ruhige, friedvolle Weiheſtimmung
verleiht. Die Moſaikgemälde ſtammen von Profeſſor
Nager=Venedig, die Sockel zu den Sarkophagen von
Profeſſor Varneſi=Frankfurt a. M. M. St.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 3. Nov. Die Anmeldungen auf
die fünfprozentige Tientſin-Pukow=
Staatseiſenbahn=Ergänzungsanleihe
ſind in ſo ſtarkem Maße eingegangen, daß die Sub=
ſkription
ſofort nach der Eröffnung wieder geſchloſſen
werden mußte, ſo daß ſich eine bedeutende Reduktion
der Zeichnungen vorausſehen läßt.
* Allenſtein, 3. Nov. Die Allenſteiner Zeitung meldet
aus Mohrungen: Auf einem Gute bei Mohrungen ſind
zwei dort beſchäftigte beurlaubte Soldaten des Allen=
ſteiner
Regiments Nr. 146 in einem mit Kohlendunſt
angefüllten Schlafraum, den ein mit ihnen ſchlafender
Schloſſerlehrling trotz Verbotes geheizt hatte, bewußtlos
aufgefunden worden. Beide Soldaten ſind an den Fol=
gen
der Kohlendunſtvergiſtung geſtorben.
* Prag, 3. Nov. In Lahewitz bei Königſaal iſt eine
mit 30 Perſonen beſetzte Fähre auf der angeſchwollenen
Moldau umgekippt, wobei drei Arbeiter einer Mol=
dauer
Zuckerfabrik ertranken. Die übrigen Inſaſſen wur=
den
gerettet.
* Genua, 3. Nov. Das deutſche Kronprin=
zenpaar
traf auf dem hieſigen Hauptbahnhofe um
10¾4 Uhr ein und begab ſich ſofort im Automobil an
Bord des Dampfers des Norddeutſchen Lloyd Prinz
Ludwig. Auf der Fahrt durch die Stadt wurde das
Kronprinzenpaar überall von der Bevölkerung reſpekt=
voll
begrüßt. Als der Dampfer Prinz. Ludwig‟
um 12¾ Uhr vom Kai ablegte, brachten die Zuſchauer,
worunter ſich viele Deutſche befanden, Hurrarufe aus
und winkten dem hohen Paare Abſchiedsgrüße zu.
* Paris, 3. Nov. Monis und Laffere willigten im
Prinzip ein, in das neue Kabinett einzutreten.
Millerands Annahme iſt noch nicht endgültig. Ray=
naulds
Eintritt iſt ſehr wahrſcheinlich. André Heſſe ſoll
ein Unterſtaatsſekretariat erhalten.
* Liſſabon, 3. Nov. Der frühere Sultan von
Marokko, Abdul Aſis, iſt, von Sevilla kommend,
hier eingetroffen Er geht von hier zu Schiff nach
Antwernen und Brüſſel.
* Belgrad, 3. Nov. Der Kronprinz verbrachte
eine gute Nacht; heute früh iſt etwas Schweiß eingetreten.
Das ſubjektive Befinden des Patienten iſt ſehr gut, Tem=
peratur
38,4.
Innsbruck, 3. Nov. In Tirol herrſchte geſtern
Orkan mit Hagelſchlag und Gewitter. Bei Kirch=
bichl
wurde die Signalhütte der Südbahn fortgeriſſen
und vor einen Schnellzug geſchleudert, der jedoch noch
rechtzeitig aufgehalten werden konnte
Wetter.
Ausſichten in Heſſen für Freitag, den 4. Nov.:
Weſtliche Winde, Regenfälle, in der Ebene etwas milder,
im Gebirge Schnee.

Der einen raſſigen Tee von hochfeiner Qualität und
Wedlem Arama licht. honſuche
SRNGROJEE
500 Gramm M. 3.50, 12.) Gramm 90 Pfg. Voll
u. doch weich im Geſchmack (nicht bitter), ſehr billig
im Gebrauch, kann Sang=Ho als vollkommenſte Miſch=
(21423M
ung engliſcher Art gelten.
Moriz Landau, Fernſpr. 116.

41850

Der heutigen Geſamtauflage liegt ein Pro=
ſpekt
von Carl Heintze=Straßburg i. Elſ. bei, betreffend
55. Geldlotterie des Rennvereins für Mitteldeutſchland
(21448
zu Gotha.

Hauswäsche

einer

Braut-Ausstattung
ausgestellt.
Kath. Raab
ALlCE-BAZAR.

(21426

Die Verlobung unserer Tochter Lisbeth
mit dem Oberlehrer an der Realschule in
Bremerhaven Herrn Rudolph Stier beehren

wir uns anzuzeigen.
Geestemünde, im Oktober 1910.

(21451

Adolf tom Möhlen und Frau
Emma, geb. Kastens.

Meine Verlobung mit Fräulein Lisbeth
tom Möhlen, Tochter des Fabrikbesitzers
Herrn Adolf tom Möhlen in Geestemünde
und seiner Gemahlin, Frau Emma, geb.
Kastens, beehre ich mich anzuzeigen.

Bremerhaven, im Oktober 1910. (21452

Rudolph Stier.

Todes-Anzeige.

Heute verſchied nach langem, ſchwerem Leiden
meine innigſtgeliebte Frau, unſere Schweſter,
Schwägerin und Tante
Juliana Hechler

im

geb. Schneider
Alter von 54 Jahren.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Jakob Hechler, Oberleitungsaufſeher.
Bickenbach, den 3. November 1910.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 6. ds. Mts.,
nachmittags 3½ Uhr vom Trauerhauſe in Bicken=
bach
aus ſtatt.
(*27238

Tageskalender.
Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Ab. A): Der Arzt am

Scheideweg‟.
Vorſtell ung um 8½ Uhr im Orpheum.
Wählerverſammlung um 8½ Uhr im Schützenhof.
Proteſt verſammlung des Volksvereins für das kath.
Deutſchland um 8½ Uhr im Konkordiaſaal.
Monatsverſammlung des Militäranwärter=Vereins.
Konzert um 5 Uhr im Kölniſchen Hof.
Konzert um ½ 8 Uhr im Bürgerkeller.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Verſteigerungskalender.
Samstag, 5. November.
Mobiliar= ꝛc. Verſteigerung um 9 und 3 Uhr
Stiftſtraße 9.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Ji. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

ForerebUr
Wegen zu grossen Andranges in den Nachmittagsstunden zu meinem Total-Ausverkauf wegen gänzlicher Aufgabe meines Geschäftes,
bitte ich ergebenst, möglichst die Morgenstunden zum Einkaufen zu wählen. Von 12½ bis 2 Uhr geschlossen.
(21436

Darmstadt

Malker
us Lerch

Weisser Turm.

[ ][  ][ ]

Nummer 259.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. November 1910.

Seite 7.

Roisor 210

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Kurſe vom 3. November 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

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3½ Deutſche Reichsanl. . (2,60
83,90
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4 Preuß. Schatzanweiſg. 99,80
3½ do. Conſols . . . . 92,60
84,00
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . .
94,40
do.
3½
84,00
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanl. . 100,90
91,30
do.
3½
do.
82,10
4 Hamburger Staatsanl.
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 100,30
do.
91,00
3½
do.
80,90
3 Sächſiſche Rente . . . 83,20
4 Württemberger v. 1907 101,60
do.
3½
92,80
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 100,60
1½ Griechen v. 1887 . . 47,00
3¾ Italiener Rente .
4½ Oeſterr. Silberrente . 96,70
do. Goldrente . . 82,25
do. einheitl. Rente 93,10
Portug. unf. Serie I 63,75
do. unif. Ser. III 66,20
do.
Spezial . 12,20
5 Rumänier v. 1903 . . 101,90 4 Angtol. Eiſenb. 60%
do. v. 1890 . . 94,40
do. v. 1905
4 Ruſſen=B. 1880 . . . . 91,804 Gotthardbahn

InProz.
3ſ.
4 Ruſſen v. 1902 . ℳs 92,50
4½ do. v. 1905 . . . . 100,20
3½ Schweden . . . . . . . 91,50
4 Serbier amort. v. 1895 82,40
4 Türk. Admin. v. 1903 88,25
4 do. unifiz. v. 1903 92,50
4 Ungar. Goldrente . . 93,40
4 do. Staatsrente . 91,60
5 Argentinier . . . . . . 100,50
91,00
do.
4½ Chile Gold=Anleihe 94,00
5 Chineſ. Staatsanleihe 101,75
98,00
do.
4½,
4½ Japaner . . . . . . . 97,30
5 Innere Mexikaner . . 99,90
67,70
do.
3
4 Gold=Mexikan. v. 1904 95,00
5 Gold=Mexikaner . .
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika=Paket=
144,60
fahrt .
4 Nordd. Lloyd . . . 107,75
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 121,80
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
Einz. Mk. 403 118,75
4 Baltimore & Ohio . . 110,25

In Proz.
Bf.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb. 1613)
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 22,80
4 Pennſylvania R. R. 132,00
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 201,00
Werger=Brauerei
. 73,50
Bad. Anil.= u. Sodafabrik 498,00
Fabrik Griesheim . . . . 280,00
Farbwerk Höchſt.
. . 540,00
Verein chem. Fabriken
Mannheim.
Lahmeyer .
117,00
Schuckert .
.. . . 258,00
Siemens & Halske . . . 245,10
Adlerfahrradwerke Kleyer 424,90
Bochumer Bb. u. Guß . . 225½
Gelſenkirchen . . . . . . . 214,00
Harpener.
.187,75
Phöniz, Bergb. u. Hütten=
betrieb
. .
. . . 243,00
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . .
Pfälzer Prt. . . . . . 100,50
3½, do.
92,50
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. . 99,50
do. ſteuerfrei
5 Oeſterr. Staatsbahn. 105,50
do.
98,10
do. alteg. 81,60
5 Oeſterr. Südbahn . .
do.
do.
57,10
3 Raab=Oedenburger . . 75,00

B7.

In Prot,

4 Ruſſ. Südweſt. . . . .
4 Kronpr. Rndolfbahn

89,70
98,10

2 Livorneſer . . . . . . 73,10
4 Miſſouri=Pacifie . . . 79,60
4 Bagdadbahn Mk. 408
5 Anatoliſche Eiſenb. . .
5 Tehuantepec . . . .. 101,50
Bank=Aktien.
4 Berliner Handelsgeſ. 168,00
4 Darmſtädter Bank .. 131,00
. 257,90
4 Deutſche Bank .
4. Deutſche Vereinsbank 126,80
4 Diskonto=Geſellſchaft . 192,25
163,00
4. Dresdner Bank.
4 Mitteldent. Kreditbk. 121,00
Nationalbk. f. Deutſchl. 130,00
.105,00
Pfälzer Bank.
.143,50
Reichsbank .
Rhein. Kredit=Bank . 138,90
Wiener Bank=Verei 139,70
Pfandbriefe.
4 Frankft. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,00
½ do. S. 19. . . . . 92,00
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126 99,40
4 Hamb.=Hypoth.=Bank 100,00
do.
90,50
3½
4 Heff. Land.=Hyp.=Bk. 101,40
do.
3½
92,10
4 Meining. Hyp.=Bank 100,60
do.
90,80
4 Khein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 100,00
do. (unk. 1914) 90,70
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pl. 100,20
9,
34
92.10

oten
Bf.
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt .
3½ do.
. 101,00
4 Frankfurt .
96,00
3½ do.
4 Gießen .
91,80
3½ do.
. 95,60
4 Heidelberg
90,70
3½ do.
99,90
4 Karlsruhe
90,50
3½ do.
4 Magdeburg.
3½ do.
4 Mainz
(er!
3½ do.
4 Mannheim .
3½ do.
4 München .
100,80
3½ Nauheim
90,80
4 Nürnberg.
. 100,50
3½, do.
4 Offenbach.
3½ do.
4 Wiesbaden .
.101,50
3½ do.
94,90
4 Worms.
99,50
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1886. . 80,90
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100 162,20
3½ Cöln=Mindner 100 134,30
5 Donau=Reg. fl. 100 150,00
3 Holl. Komm. .100

In Geo:
St.
3 Madrider Fs. 100 76,50
4 Meining. Pr.=Pfand=
.. 136,50
brieſe.
4 Oeſterr. 1860er Loſe 175,30
3 Oldenburger .
2½ Raab=Grazer fl. 150 115,50
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger
fl.
Braunſchweiger Tlr. 20 215,50
Freiburger
Fs. 15
Mailänder
Fs. 45
do.
Fs. 10
Meininger
.
Oeſterreicher v. 1864 100
do. v. 1858 100
Ungar. Staats 100 385,90
Venediger
Frs. 30 43,20
Türkiſche
400 480,00
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . 20,42
20 Franks=Stücke . .. 16,16
Oeſterr. 20=Kronen.. . . 16,90
Amerikaniſche Noten . . 4,19½
Engliſche Noten . . . . 20,48
Franzöſiſche Noten . . . . 81,00
Holländiſche Noten . . . . 169,35
Italieniſche Noten . . . . 80,80
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,95
Ruſſiſche Noten . . . . . .
Schweizer Noten . . . . 80,85
Reichsbank=Diskonto . . . 5%
Reichshank=Lombard Z3f. 6%

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Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. November 1910.

Nummer 259.

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Serie I Serie II Serie III Serie IV Serie V ca, 60 Seiten stark ca. 125 Seiten stark ca. 90 Seiten stark ca, 80 Seiten stark ca. 120 Seiten stark brochiert brochiert elegant gebunden elegant gebunden elegant gebunden Grimms Märchen 1001 Nacht mit farb. IIlustrationen für die reifere Jugend Andersens Märchen Jack der Seckadett Bechsteins Märchen Der Schatzgräber Bechsteins Märchen Märchenwelt etc. etc. etc. eic. Stück 9 Pfg. Stück 15 Pfg. Stück 30 Pfg. Stück 42 Pfg. Stück 52 Pfg.

Serie VI
ca. 250 Seiten stark
Haufs Märchen
Tausend u. 1 Nacht
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Stück 95 Pfg.

Serie VII
ca. 250 Seiten stark
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Erzählungen für
erwachsene Knaben
und Mädchen
Stück 1.10 Mk.

Körner 1 Band
Klassiker Wieland= 1 Band
jeder Band Lenau 1 Band
elegant gebunden Uhland 1 Band
Kleist = 1 Band
Mk. 1.10 Chamisso= 1 Band Kochbuch
von Davidis
ca. 550 Seiten stark
mit IIlustrationen
Stück 95 Pfg. Führer
für Opern, Operetten
Schauspiele
elegant gebunden
Stück 95 Pfg. Hauf 2 Bände
Klassiker Fiebel = 2 Bände
jeder Band Lessing 2 Bände
elegant gebunden Heine = 4 Bände
Goethe 4 Bände
Mk. 1.10 Rückert= 3 Bände 550
Wagner-Album
.Band 5 M.
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Schubert-Album ca. 225 Seiten, Band & M.
Universal-Weihnachts-
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. Band 60 Pf.
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Band 65 pf. Ein Posten
SrET
2
jeter wand Pig. Potpourris.
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Die geschiedene Frau für Klavier 15I.
Der fidele Bauer (Heinerle) 95 pf.


Diese Spieie werten nicht umngetanschtl Sgsnaet-Diese Spiele werden nicht ungelauscht
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1. Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.

gra3d.,

Freitag, 4. November.

1910.


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48)
Sämtliche Offiziere wohnten in dem Kurhaukhotel
und es herrſchte große Aufregung in dem ſonſt ruhigen
Hauſe.
So viel ſchmucke Tänzer, das war ein Ereignis
für Schierke.
Eſpach und Hans ſuchten den Tanzſaal auf, in dem
bereits verheißungsvoll die Geigen geſtimmt wurden
und der Feſtordner, ein Major a. D., im feierlichen,
ſchwarzen Gehrock mit wehendem graumelierten Voll=
bart
, geſchäftig hin und her eilte, die Ankommenden be=
grüßte
, Bekanntſchaften vermittelte und mit dem
Kapellmeiſter der vom Bataillon zur Verfügung ge=
ſtellten
Muſikkapelle verhandelte.
Als die erſten Töne einer Polonäſe laut und
herausfordernd durch den mäßig großen Saal drangen,
füllte dieſer ſich überraſchend ſchnell.
Hans von Haſſingen hatte in einer Ecke einen
kleinen Tiſch mit vier Stühlen beſchlagnahmt und ſich
mit Eſpach daran niedergelaſſen.
Sie tanzten beide die Polonäſe nicht mit und teil=
ten
ihre Aufmerkſamkeit zwiſchen dem Eingang und
dem Bild, das ihnen der Saal mit den ſich hindurch=
ſchlängelnden
Paaren bot.

Es wer ein enderes Hilh aſs einſtmate in wieh=
baden
, Haſſingen fiel es unwillkürlich auf.
Der Saal war mit Eichenholz getäfelt und in
matten Farben ohne prunkvolle Goldverzierung ge=
malt
.
Der reiche Schmuck des ernſten Tannengrüns war
nur durch Fähnchen in den Landesfarben freundlicher
geſtaltet, es wehte ein kräftiger, würziger Duft, vor=
läufig
noch alle anderen Gerüche beſiegend, in der
heißen Luft, der an den Duft des Tannenwaldes ge=
mahnte
, auf dem die Mittagsſonne brütet.
Auch ſonſt herrſchte Natürlichkeit und Friſche vor,
viel weiße, ſchlichte Batiſtkleidchen und bunte Schärpen,
viel erſte Mädchenjugend mit glühenden Wangen und
erwartungsvollen Augen.
Als Lena von Rieding in der Tanzpauſe am Ein=
gang
des Saales erſchien, hatte ſie in dieſer Umgebung
für Haſſingen, der aufgeſprungen war und ihr ent=
gegenging
, einen ganz beſonderen Reiz, und auch Leut=
nant
Eſpach, der ſie mit begreiflicher Spannung
muſterte, ſagte ſich, daß dieſe ſchlanke, biegſame Geſtalt
im weißen Spitzenkleide, dieſes, ſchmale Geſicht mit
dem mattweißen Teint und den großen, dunkelleuch=
tenden
Augen ein eigenartiger beſtrickender Hauch um=
floß
, der die Frau immer aus der Menge der anderen
herausheben würde. Sie kam allein, war noch immer
ohne die Gardedame, deren Fehlen Frau von Schlettan
ihr ſo verdacht hatte. Die gemütliche Ecke fand ihren
vollen Beifall und Leutnant Eſpachs Bekanntſchaft

ſchien ſe edrich u fenen. Sie ſchieie ihin ſeit=
mütig
die Hand und meinte lächelnd, daß ſie ſich wohl
gegenſeitig durch Haſſingen ſchon vorher nicht fremd
geweſen ſeien.
Dann hielt ſie im Saale Umſchau und auch ihr
kamen Erinnerungen.
Die Träume aus dem Süden. Wie weich ſie
ſchmeichelten und lockten. Ihr Blick wurde träumeriſch,
aber der ſchmale Fuß im ſchwarzen Lackſchuh zuckte vor
Tanzluſt.
Da ſprang der blonde Offizier neben ihr auf und
verbeugte ſich, die Abſätze zuſammenklappend.
Darf ich bitten, gnädige Frau?
Sie neigte ſchweigend den Kopf und nahm ſeinen
Arm.
Er fühlte ein innerliches Erzittern und kam in
dem Moment eigentlich erſt ſo recht zum Bewußtſein
des Glückes, das ihm dieſe Frau ein zweites Mal in
den Weg geführt hatte. Ehe ſie den erſten Walzerſchritt
taten, ſagte Lena von Rieding, ſchelmiſch zu ihrem
Tänzer emporlächelnd:
Endlich!
Schon im Tanzen wiederholte er das Wort. End=
lich
! Aber in dem Ton des ſeinen lag ein ſolcher Klang
erfüllter Sehnſucht, daß der Frau die Röte der Ver=
legenheit
bis unter das krauſe Stirnhaar flog und die
dunklen Wimpern ſich in reizender Verwirrung ſenkten.
Er hatte ſeit langem keine Frau im Arme gehabt
und fühlte den Zauber, der von der ſchmiegſamen Ge=

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ſtalt ausging, doppelt intenſiv. Sie war eine vorzüg=
liche
Tänzerin und ließ ſich mühelos führen, daß er
kaum eine Anſtrengung empfand und ſie nur ungern
frei ließ, als ein leichtes Zögern ihres Fußes ihn dazu
mahnte.
Ihrem Platze zuſchreitend, machte er ihr ein ehr=
liches
Kompliment über ihr Tanzen.
Sie ſcheinen wirklich vollkommen zu ſein in allem,
gnädige Frau.
Oh, das ſcheint eben nur ſo, Herr von Haſſingen,
ich habe recht viele Fehler.
Ihr Lächeln war etwas matt. Sie ſah überhaupt
leidend aus, hatte noch ſchmälere Wangen bekommen
und war von der Bewegung des Tanzes blaß anſtatt
rot geworden.
Der junge Offizier hatte eine beſorgte Frage auf
den Lippen, unterdrückte ſie aber Eſpachs wegen, der
ihnen auf halbem Wege entgegenkam, um ſeinerſeits die
junge Frau zum Tanze zu führen.
Sie folgte ihm bereitwillig, und auf Haſſingen zu
ſtürzten mehrere ſeiner Kameraden mit neugierigen
Fragen und der Bitte, ſie der entzückenden Frau
vorzuſtellen.
So wenig ihm das auch paßte, er durfte ſich natürlich
nichts merken laſſen, denn es regnete ſchon genug an=
zügliche
, neckende, erſtaunte und neidiſche Bemerkungen.
Zurückkehrend, ſah Lena von Rieding ſich umringt
von Haſſingens Kameraden, die alle einen Tanz von
ihr begehrten und ſie mit bewundernden Blicken und
ſchmeicheshaften Aeußerungen überſchütteten.

Eine lähmende Angſt verdarb ihm die erſt ſo zuver=
ſichtliche
Stimmung, er mußte immerzu an den kleinen
Dresdener Artilleriſten denken, der ihm einſt bedauernd
geſagt, daß er für dieſe Frau zu wenig Temperament
habe. Sollte er wirklich nicht fähig dazu ſein, ſich
ihren Beſitz zu erringen? Ungeſtüm genug klopfte und
hämmerte ihm doch das Blut in den Schläfen und unter
dem blauen Tuch des Rockes. Sie oder keine! Es war
ihm ganz klar, daß, wenn er dieſe Frau nicht zu eigen
bekam, ſein Herz nie mehr mit der Stärke dies echten
Gefühls für ein Weib ſchlagen würde.
Wußte ſie eigentlich, was er litt, da er ſie mit den
anderen lachen und ſcherzen ſah?
Kaum, daß ſie flüchtig an den Tiſch trat, einen
Schluck Wein zu trinken, mit Eſpach, der auf ſeine
Bräutigamswürde pochend, nur den Zuſchauer ſpielte,
einige Worte wechſelte, gerade immer, wenn Hans
Haſſingen tanzte. Es war rein zum Verzweifeln.
Endlich hielt es ihn nicht länger. Er hörte auf zu
tanzen, keinen Blick von der weißen Frauengeſtalt
laſſend, die ſich ſo anmutig im Tanze wiegte.
Nun eine Pauſe! Ihr Tänzer war ein Fähnrich
von Haſſingens Kompagnie. Als er den Offizier auf
ſeine Dame zutreten ſah, gab er ſie im Gefühl des
Untergebenen gegen einen Vorgeſetzten, das oft bis in
den Ballſaal hineinſpielt, frei und verſchwand zu
Haſſingens ſtiller Genugtuung. Ohne weiteres nahm
er ihren Arm und zog ihn durch den ſeinen.
Wiſſen Sie, gnädige Frau, daß ich raſend bedauere,

mich heute nicht der Maskenfreiheit von einſt zu er=
freuen
.
Ihr glühendes Geſicht zeigte ein Paar fragende
Augenſterne.
Wieſo?
Er drückte den weichen Arm an ſich.
Dann würde ich mich heut revanchieren und dem
nächſten Herrn, der Sie mir zu entreißen wagt, ſagen:
Sie darf nicht tanzen, ſie iſt meine Frau.
Ihr Blick ſenkte ſich, ſie neſtelte an den welkenden
weißen Fliederdolden, die ſie an der Bruſt trug, aber
ſie kämpfte ihre Verlegenheit raſch nieder und ſagte
ehrlich:
Sie haben ganz recht, ich tanze zu viel, mein Arzt
dürfte es gar nicht wiſſen, kommen Sie, führen Sie
mich hinaus, wir wollen doch lieber ein bißchen mitein=
ander
plaudern, wir haben uns ſicher eine Menge zu
erzählen.
Beglückt ſchritt er mit ihr durch die im Saal
promenierende Geſellſchaft, alles Bangen war ver=
geſſen
, ſobald er ſie neben ſich fühlte, ihre Stimme hörte.
Draußen entzog ſie ihm ihren Arm.
Es iſt zu heiß! motivierte ſie es lachend, als er
ein betrübtes Geſicht zog.
Eine Weile gingen ſie plaudernd im Veſtibül auf
und ab.
Sie ſprachen von Mensdorf, und Haſſingen drückte
ſeine Freude darüber aus, daß gerade die junge Frau
Beſitzerin des mütterlichen Stammgutes geworden,
(Schluß folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 259.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. November 1910.

Seite 11.

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Foxterrier.
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

Bekanntmachung.
Betreffend: Den Fahrverkehr auf dem Luiſenplatz.
Zur Aufrechterhaltung eines geordneten Fahrverkehrs in den Straßen der Stadt
weiſen wir darauf hin, daß nach der Polizeiverordnung vom 20. Februar 1904, betreffend
den Verkehr von Fuhrwerken in der Haupt= und Reſidenzſtadt, alle Fahrzeuge, alſo
insbeſondere Wagen jeder Art, Automobile, Handkarren, Fahrräder uſw. ſtets die
rechte Seite der Fahrbahn einzuhalten haben. Nach der anderen Seite der Fahr=
bahn
darf nur, wenn dort angehalten werden ſoll, und nicht früher als notwendig, ab=
gebogen
werden. Zuwiderhandlungen können mit Geldſtrafe bis zu 60 Mk. oder mit
Haft bis zu 14 Tagen beſtraft werden.
Mit Rückſicht auf denſſtarken Verkehr auf dem Luiſenplatz iſt die Schutz=
mannſchaft
angewieſen worden, darauf zu wirken, daß alle Fahrzeuge, die die Rhein=
ſtraße
herauf= oder herunterfahren, ſtets rechts am Ludwigsdenkmal vorbeifahren
und auch hierbei die rechte Seite der betreffenden Fahrbahn einhalten.
Darmſtadt, den 1. November 1910.
(21373df
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Dr. Kranzbühler.

Bevorzuger Ile bei Ihren Einkäufen die
Mitglieder des Rabatt-
Spar-Vereins. Verweigerr 316 stets die Annahme von
Bar-Rabatt. Verlange 1 Sie dagegen bei allen Ihren
Einkäufen schwarz-weisse
Rabattmarken. Beschwerer Sie
(20661a) sich schriftlich beim Vor-
stand
, wenn Ihnen die
Marken nicht gerne und
freiwillig gegeben werden.

Bekanntmachung.
Freitag, den 18. November I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Hofchorſänger Friedrich Ed=
mund
Göllnitz dahier zugeſchriebene Liegen=
ſchaft
:

Flur Nr. qm IV 360895/1000 234 ſtraße 5,

IV 3604/100 39) Hofreite Kaup=
in
unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K89/10
Falls andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen, kann Genehmigung der Ver=
ſteigerung
auch dann erfolgen, wenn das
eingelegte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, den 4. Oktober 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(D18408,7

Bekanntmachung.
Freitag, den 18. November I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Spezereihändler Georg Fried=
rich
Göbel Eheleuten dahier zuſtehende
Liegenſchaft:
qm
Flur
1
4 315¾/10 224 Hofreite Kaupſtraße,
in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
werden.
(K138/10
Darmſtadt, den 4. Oktober 1910.
Großherzogliches Ortsgericht Darmſtadt I.
(D19407,7
Müller.

Samstag, den 5. November 1910,
vormittags 10 Uhr.
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Telephon 187.
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Menn7

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Fette durch ihre Reinbeit und Güte. Das beweiſt am beiten der
Umſtand, daß Palmin und Palmona tieriſche Fette in der feinen
und bürgerlichen Küche immer mehr verdrängen.
Palmin zum Kochen, Braten und Backen,
Palmona als Brotaufltrich.

Wie dieſe Palme

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. November 1910.

Nummer 259.

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[ ][  ][ ]

Nummer 259,

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. November 1910.

Seite 13.

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der Expedition ds. Bl.
(*27208

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züglich
eingeführten hieſigen Spezial=Detail=
Geſchäft eine ſolide, geeignete
Persönlichkeit
welche bei beſſerer kaufkräftiger Privatkund=
ſchaft
in Stadt und Umgegend oder auch
in Fabriken, Arbeiterkreiſen, Kaſernen gut
eingeführt iſt und ſich zur agitatoriſchen
proviſionsweiſen Tätigkeit und als Ver=
treter
gut eignet. Kaut. erforderl. (21385dfs
Offerten mit genauer Angabe der ſeit=
herigen
Tätigkeit und des Alters unter
F 11 an die Expedition ds. Bl. erbeten.

Zum Schreiben
von circa 5000 Adreſſen eine Perſönlich=
keit
geſucht, die in 1014 Tagen etwa zur
Verfügung ſteht. Selbſtgeſchriebene Offert.
unter G 76 an die Expedition ds. Bl.
(Die Adreſſen müſſen ſehr gewiſſenhaft ge=
ſchrieben
werden).
(21384dfs
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führter
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[ ][  ][ ]

Seite 14,

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. November 1910.

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Nummer 259.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. November 1910.

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Darmſtädter Tagbiatt, Freitag, den 4. November 1910.

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Aus den Briefen eines Verſtorbenen.
(Schluß.)
Die Temperatur ſank, ſo lange wir da waren,
nicht unter 0 war aber im wärmſten Stadium
ſogar 6 Reaumur. Alles Eis, das wir ſahen, war
aus nördlichen Regionen angetrieben. Ganz hübſche
Blumen und Gräſer waren dem Erdboden entſproſſen;
ich habe mir zum Andenken etliche gepflückt. Während
unſerer Anweſenheit bot ſich uns auch noch der An=
blick
einer in Ausführung begriffenen, allerdings bis
zu unſerer Weiterfahrt erfolgloſen Jagd auf einen Wal=
fiſch
, den wir in der Bai wiederholt mit ſeinem Rieſen=
körper
auf der Oberfläche des Waſſers auftauchen und
Waſſerſtrahlen in die Höhe ſpritzen ſahen. Auf dem
kleinen Dampfboot, das unermüdlich den Bewegungen
des Fiſches in einiger Entfernung folgte, befindet ſich
vorne eine nach allen Richtungen hin leicht verſtellbare
kleine Kanone, aus welcher rieſige Harpunen mit
Widerhaken herausgeſchleudert werden. Iſt das Tier
getroffen und hat ſich die Harpune in den Körper ein=
gebohrt
, ſo wird es mit endloſen Seilen aus Eiſendraht
einfach im Meer nachgezogen, bis es, nach längerer
oder kürzerer Zeit, verendet iſt. Ich zweifle nicht, daß
die routinierten Jäger den Fiſch in jener Nacht doch
noch erwiſcht haben; wir konnten dies aufregende
Schauſpiel nicht länger abwarten, da wir an noch zwei
Punkten anzulegen hatten: der Green Harbour=Bai,
zur Beſichtigung einer Tranſiederei, und im Virgo=
Hafen, zur Beſichtigung der Station, von welcher aus
Andrée, der kühne Polarforſcher, ſeine letzte, traurige
Fahrt antrat. Die Tranſiederei war ebenfalls außer=
ordentlich
ſehenswert, aber tu‟ Watte mit Eau de
Cologne in Deine Naſenflügel und wappne Dich mit
Standhaftigkeit. Der Geſtank iſt peſtilenzartig wider=
wärtig
, wenn auch kein eigentlicher Verweſungsgeruch.
Denn die Luft iſt in dieſem hohen Norden durchaus
bakterienfrei; es verweſt nichts! Wir ſahen demnächſt
in den verödeten Räumen der Andréeſchen und der

Wellmannſchen Station neben vielen noch intakten
Konſerven auch einen toten, aber nicht verweſten Polar=
hund
. Das arme Tier ſcheint bei irgend einer Expe=
dition
, bei der es mitgenommen war, ſich verlaufen,
den Anſchluß an das Schiff verfehlt zu haben und dem=
nächſt
qualvoll verhungert zu ſein. Für Muckſychen
wäre Spitzbergen kein geeigneter Aufenthaltsort; er
ſoll doch lieber in Darmſtadt bleiben. Um auf die
Tranſiederei zurückzukommen, ſo war ſtrickte Order,
die Stiefel ſofort, noch vor Wiederbetreten der Schiffs=
räume
, im Vorraum auszuziehen, auch die Kleider vor die
Kabine zu hängen, damit alles gereinigt und, während wir
zur Ruhe gingen, an die Luft gehängt werden könne.
Trotzdem iſt ein leichter Hauch von Trangeruch immer
noch an Bord. Vor den Gebäulichkeiten der Siederei,
die wir in den frühen Morgenſtunden, noch vor Ar=
beitsbeginn
, beſichtigten, lagen im Freien die Körper
von wohl 15 rieſigen ausgeweideten Walen; die neun,
welche uns begegnet waren, ſollten auch dorthin ver=
bracht
werden, waren aber zur Zeit unſeres Beſuches
noch nicht angelangt, da wir natürlich viel raſcher
fuhren. Aus den gewaltigen Körpern werden die un=
geheueren
Fettmaſſen herausgeſchnitten und mittelſt
maſchineller Vorrichtungen, die ich in der Fabrik ſah,
nach Auspreſſung durch Röhren filtriert, bis ſchließlich
die Flüſſigkeit, welche die Subſtanz des Lebertrans
bildet, in lange Kanäle einfließt, aus welchen ſie dann
in Fäſſer übergeführt wird. Die übrigen Körperteile
des Fiſches ſind wertlos; ſie werden am Strande den
Möven hingeworfen, die zu Tauſenden daran herum=
picken
, ſich um die beſſeren Stücke gegenſeitig verbeißen
und ſo allmählich, nach Wochen, den ganzen Fiſch, bis
auf das Gerippe, aufzehren. Wie geſagt, eigentlicher
Verweſungsgeruch tritt nicht ein, aber nach Mille
Flora riecht es doch auch nicht!
Ueberaus denkwürdig war die Erreichung des
ewigen Polareiſes unter 80'10' n. Br., alſo der Stelle,
wo ein Weiterkommen, infolge der ſich ſchon ſtauenden
Eismaſſen, mit Dampfſchiff ausgeſchloſſen iſt. Drei
Kanonenſchüſſe verkündeten den Paſſagieren, daß das
Ziel erreicht ſei. Die Muſik ſpielte Gott erhalte
Franz, den Kaiſer und die ungariſche National=
hymne
, dann aus Courtoiſie gegen die Gäſte der be=
treffenden
Nation die deutſche, franzöſiſche, engliſche,
amerikaniſche uſw. Nationalhymne, und, nach aber=
maliger
Löſung dreier Kanonenſchüſſe, Kommando zur
völligen Umkehr nach Süden, auf welcher Fahrt wir
uns zurzeit noch befinden. Dieſe Rückfahrt war eben=
falls
durch ein Ereignis ausgezeichnet, das in meinen
zahlreichen Reiſeerinnerungen einzig daſteht, das Zu=
ſammentreffen
der Thalia vom öſterreichiſchen Lloyd
mit der wohl doppelt ſo großen, aber gleichwohl bei
uns Rat erholenden Oceana von der Hamburg-
Amerika=Linie vorgeſtern, nachts halb 1 Uhr, bei klar=
ſtem
Sonnenſchein, inmitten zahlreicher im Meer her=
umſchwimmender
aus dem Norden heruntergetriebener
Eisberge! Jedes dieſer drei Momente für ſich allein
ſchon ein Schauſtück erſten Ranges, und nun gar in
dieſer Kombination!! Wir waren, wohl alle 160 Paſ=

ſagiere, zur Stelle, in Bewunderung der unvergleich=
lich
erſtrahlenden Mitternachtsſonne begriffen, als
plötzlich in dieſem ſonſt ſo vereinſamten Meer, faſt
geſpenſtiſch, am Horizont ein weißes Rieſenſchiff,
Oceana, auftauchte, das mit geradezu fabelhafter
Geſchwindigkeit auf uns zuſteuerte. Es hatte auch
Flaggenſignal mit der Bedeutung: Wir wollen Er=
kundigung
einziehen, gehißt. Zwar haben Thalia
ſowohl wie Oceana drahtloſe Telegraphieeinrichtung,
ſtanden auch ſchon ſeit Stunden in Verbindung; unſer
drahtloſer Mann hatte die Anfrage der Oceana
über die Eisverhältniſſe in Spitzbergen aufgenommen
und tadellos detailliert nach der Depeſche des Kom=
mandanten
, hinübertelegraphiert, die Depeſche war
drüben zwar angekommen, aber nicht verſtanden
worden, weil der dortige drahtloſe Mann plötzlich er=
krankt
und ſein Gehilfe, ein Neuling, nicht imſtande
war, ſie zu entziffern. So nahm man denn zu dem
primitivſten Mittel ſeine Zuflucht, auf Hör= und Seh=
weite
aneinander heranzukommen und mit Schalltrich=
tern
mündlich ſich zu verſtändigen. Man konnte die
Paſſagiere der Oceana gewiß 500, ganz genau er=
kennen
. Ungeheuerer Jubel und Tücherſchwenken bei=
derſeits
, Hiſſen der deutſchen und der öſterreichiſchen
Flagge. Später Spielen der beiderſeitigen National=
hymnen
und nun deutliche, für jeden Paſſagier ver=
ſtändliche
Frage und Antwort, zum Beiſpiel: Iſt
Adventbai eisfrei? Ja, aber an dieſem oder jenem
Sund muß ſo und ſo viel Seemeilen Abſtand genom=
men
werden! Am Schluſſe jeder Frage und Antwort
ein Zeichen, daß es verſtanden worden und man von
der Antwort befriedigt iſt; ein ſcharf akzentuiertes, im
ſchönſten preußiſchen Kommandojargon hervorgeſchleu=
dertes
Danke! Zum Schluß wird auf unſerem Schiff
Die Wacht am Rhein auf dem deutſchen der Radetzky=
marſch
von der Muſik geſpielt, dann wird beiderſeits
das Flaggenſignal Wünſchen glückliche Fahrt! gehißt,
und auf ſchrillen Kommandopfiff ſetzen ſich die Rieſen=
ſchiffskörper
nach entgegengeſetzten Richtungen in Be=
wegung
, um gegenſeitig nach weiterer Viertelſtunde am
hell erſtrahlenden Horizont aus dem Geſichtskreis zu
entſchwinden!
Nach mehr als einem Dutzend großer See=
fahrten
habe ich zahlreiche Erinnerungen; eine
ſolche, die ſich an Großartigkeit dieſer an die Seite ſtel=
len
könnte, nicht!! Die Oceana iſt auf einer Ver=
gnügungsfahrt
ab Hamburg an den engliſch=ſchottiſchen
Häfen vorüber nach Island, von wo ſie jetzt kam, Spitz=
bergen
, und über Norwegen zurück, begriffen. Bei dem
Anblick des herrlichen Schiffes reifte bei mir bereits
der Gedanke, im nächſten Jahre, ſo Gott will, dieſe Ver=
gnügungstour
der Oceana mitzumachen, die mir, in
glücklicher Kombination, Neues und Wiederholung.
und Vertiefung der diesjährigen Eindrücke bringen
ſoll. Ich bin ſehr redſelig geworden und habe nun
ſchon die Bouillon und Sandwiches, die mir eben ge=
reicht
werden, herbeigeſchrieben. Auch iſt es mittler=
weile
an Bord in meiner Umgebung recht lebhaft ge=
worden
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Nummer 259.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. November 1910.

Seite 19.

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Seite 20.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4, November 1910.

Nummer 259.

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3. Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.

J. 258.,

Freitag. 4. Roenber.,

1910.

Kriegerverein Darmſtadt.
Samstag, den 5. November 1910,
abends 8½ Uhr,
im grossen Saal der Turnhalle am Woogsplatz
Lichtbilder=Vorfuhrung
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des Kameraden Herrn Louis Geist
mit darauffolgendem
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Unſere Mitglieder nebſt ihren Familienangehörigen, insbeſondere die in dieſem
Herbſt entlaſſenen Reſerviſten, für welche der Eintritt ebenfalls frei iſt, laden wir zu
dieſen intereſſanten Vorführungen zu zahlreichem Beſuch ein.
(21151if
Gäste sind willkommen.
Der Vorſtand des Kriegervereins Darmſtadt.

Vereinigte Bezirksvereme.
Freitag, den 4. November, abends 8½ Uhr,
findet im
grossen Saale des Schützenhofes
eine öffentliche
Wanterversammung

mit der Tagesordnung:

Stadtverordnetenwahl
ſtatt.
Jeder Wähler iſt eingeladen.
(21389df
Der Wahlausſchuß
der Vereinigten Bezirksvereine.

Welches Stenographie-System ist de
Gabelsberger oder
Steno=Tachygraphie!

Vortrag

des Herrn Parlamentsstenographen
Johannes Dahms-Berlin
Samstag Abend 9 Uhr im Fürstensaal, Grafenstrasse
Freie Diskussion!
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Für Damen und Herren.
Eintritt frei!
Eintritt frei!

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veranstaltet vom

Club der Koche
am 10., II. und 12. November in Darmstadt
in den Sälen des
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Hotels ZUR TRAUBE‟
Mit der Ausstellung ist eine Verlosung ver-
bunden
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der beiden ersten Tage Restaurationsbetrieb
1. Tag:
Deutsche, französ, u. englische Nationalküche
2. Tag:
Deutsche, österreich. u. italien. Nationalküche
Eintrittspreis: 1. Tag 1 Mk., 2. u. 3. Tag 50 Pfg
Schluss 12. November, 2 Uhr nachmittags.

All. Geflugel- u. Vogel-Ausstellung
des Vereins Ornise
vom 5. bis 7. November
in der Stadt Pfungstadt‟.
Glücksrad.
Die Gewinne werden ſofort ausgehändigt. Eröffnung: Samstag, 5. November,
12 Uhr mittags. Schluß: Montag, 6. November, 6 Uhr abends. Eintritt: Sams=
tag
: 30 Pfg., Sonntag und Montag: 20 Pfg. Kinder an den 3 Tagen 10 Pfg.
(21409
Die Morgenfütterang erfolgt mit Spratt’s Patent, Rummelsburg-Berlin.

Nasik- Verei.
Auf Allerhöchsten Wunsch:
Ausserordentliches Konzert
unter Leitung des Herrn Hefkapellmeiſters Hofrat W. de Haan
und unter Mitwirkung
der Konzertſängerin Frau Tilly Cahnbley=Hinken aus Würzburg,
des Konzertſängers Herrn H. C. van Oort aus Amſterdam,
ſowie der Grossherzoglichen Hofkapelle
Donnerstag, 10. November 1910

in der Stadtkirche.
Anfang 6¾/ Uhr.
Ende 8¼ Uhr.
(Kirchenöffnung um 6¼ Uhr).
Ein deutsches Requiem
für Soloſtimmen, Chor, Orcheſter und Orgel
von Johannes Brahms.
Preise der Eintrittskarten
von Samstag, 5. November an erhältlich in der Hofbuchhandlung
H. Bergsträsser, Rheinſtraße 6:
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Mittelſchiff
. 5.
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Chor
Seitenſchiff rechts, gegenüber der Orgel
2.
Seitenſchiff links, unter der Orgel .
Sämtliche Plätze sind numeriert.
Tert 20 Pfg.
(21407
Eine öffentliche Hauptprobe findet nicht statt.
Der Vorstand.

Erangelischer Bund, Zweigverein Darmstadt.
Sonntag, 6. November 1910, abends 8 Uhr,
im Festsaale der Turngemeinde (Woogsplatz 5):
Lutherfeien
mit Festrede des Herrn Reichstagsabgeordneten Bundesdirektors
Lic. Everling aus Halle a. d. S. über Luther im Urteil des
Papstes und des deutsch-protestantischen Volkes Chorvor-
trägen
der Kirchengesangvereine für die Stadtkirche und der Petrus-
gemeinde
, Ansprachen und gemeinsamen Gesängen.
Der Eintritt ist frei? Alle evangelischen Frauen und Männer sind herzlich
eingeladen.
(21431
Der Vorstand.

Verein der Württemberger.
Sonntag, den 6. November, von nachmittags 4 Uhr ab,
im Perkeo, Alexanderstrasse
Grosses Herbstfest
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Theater
Konzert

wozu Landsleute und Gönner höflichſt einladet

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Der Vorstand.

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Samstag, den 5. Novbr. 1910 in sämtlichen Räumen des Perkeo,

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Abendunterhaltung mit Ball
unter gütiger Mitwirkung des Herrn Paul Buss (Bassist, Darmstadt)
u. a. Theater, humorist. Vorträge, Tombola.
* Anfang 8½ Uhr.
Eintritt 30 Pfg.
NB. Die Nachfeier findet am Sonntag, den 6. November 1910 in Gries-
heim
(Bestaur. Kaisersaal) statt.
(21398
ses
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Miliraswärter- Ferein Darustalt.
Freitag, den 4. ds. Mts.,
(21401
Monats-Versammlung.
Sehr wichtige Tagesordnung. Sämtliche Kameraden wollen erſcheinen.
Der Vorstand.

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[ ][  ]

Seite 22

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 4. November 1910.

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Kenntnis, daß zu dem am 12. November im Saalbau vom Sängerchor des Darmſtädter
Lehrervereins veranſtalteten Konzert Eintrittskarten zu bedeutend ermäßigten Preiſen
am Verkehrsbüro gegen Vorzeigen der Mitgliedskarte erhältlich ſind.
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Oarnzon

389

zur Fraupe Wiahdusen

Sonntag, den 6. Novbr. ds. Js. findet die

Einweihuna

des neu renovierten Saales
u. des neuen Vereins-Lokals

S liente
Freitag, 4. Nov.:
und folgende Tage das
NEUE
exquisite Variété-Programm:

Gastspiel
Nordische Grazien in ihren

des hiesigen Militär-Vereins statt. (21400
Die Musik wird von einer Militärkapelle ausgeführt. Für gute Speisen
und Getränke ist bestens gesorgt.
Es ladet freundlichst ein
Philipp Bitter Il.

estauration, ZurOper

empfiehlt guten Mittagstisch in verschiedenen
Preislagen, sowie reichhaltige Speisenkarte.
Kleine Abendplatten für Theaterbesucher.
Pilsener Münchener hiesiges Bier.
Neuzeitliche Räume. Aufmerksame Bedienung

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Tiotel-Restaurant Oritannia
empfiehlt
und höher
Diners zu 1.50 Mk. von 12 bis 3 Uhr
:: im Abonnement Vorzugspreise ::
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Fertige Abendplatten Preisen::
Moderne Räume und Säle für Gesellschaften und Hochzeiten

Rudolf Reuter, Hoflieferant.

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Barfuss-Tanz-Idyllen
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Die musikalischen Wunderkinder
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Hüte werden chie garniert
u. umgearbeitet, ſowie Hüte u. ſämtl. Neu=
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Johanna Wenz, Modes, Kirchſtr. 8, I.

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Restaurant Brauerei Fau
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Bier vom Fass Vorzügliche Küche
Carl Gröltz, Inhaber.
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Metzelſupp

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Samstag, den 5. November.
Morgens Wellfleiſch oder Würſtchen mit Kraut.
Abends Schlachtfest mit Konzert
unter gütiger Mitwirkung des Geſangvereins Doppel-Quartett Rheingold.
Hierzu laden ganz ergebenſt ein Peier Franz Schweitzer u. Frau.

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Variétéausbildung
Cabaret-Repertoir
Schriftsteller und Componist
Rudolf Bäron
Leiter des Reveraverlages in Berlin
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Frankfurt a. M., Savoyhotel
Zimmer 8485. Vorh. schriftl. Anmeld.
Tel.-A. I, 6287. Eigener Probesaal.
Engagement nach Studium garantiert.

Großherzogliches Hoftheater.
Freitag, den 4. November 1910.
49. Abonnements=Vorſtellung.
Abonnement A 12.
Der Arzt am Scheideweg.
Komödie in 5 Akten von Bernard Shaw,
Spielleitung: Regiſſeur Hacker.

Hr. Lehrmann
. Hr. Jordan
. Hr. Knispel
. Frl. Prevoſt

Perſonen:
Sir Colenſo Ridgeon . . Hr. Jürgas
Sir Patrick Cullen
Sir Ralph Bloomfield Be=
nington

Doktor Cutler Walpole Hr. Heinz
Doktor Blenkinſop
Doktor Loony Schutzmacher Hr. Hacker
Louis Dubedat, Maler. . Hr. Schneider
Jennifer, ſeine Frau
Redpenny, Aſſiſtent bei
. Hr. Semler
Ridgeon
Emmy, Wirtſchafterin bei
Ridgeon
. Fr. Rudolf
Minnie Tinwell, ein Stu=
Frl. Reick
benmädchen
Hr. Holler
Ein Reporter
Ein Schreiber
. Hr. Kroczak
Ein Kellner
. Hr. Schnelting
Nach dem 2. Akte findet eine längere
Pauſe ſtatt.
Krank: Frl. Geyersbach.
Beurlaubt: Oberregiſſeur Valdek.
Preiſe der Plätze:
Proſzeniumsloge 6 Mk., Fremdenloge 6 Mk.,
Balkonloge 5 Mk., 1. Rang 4.50 Mk., 2. Rang
(1.6. Reihe) 2.50 Mk., (7. und 8. Reihe)
2. Mk., Sperrſitz: (1. bis 13. Reihe) 4. Mk.,
(14. bis 20. Reihe) 3.20 Mk., Parterre: (1. bis
5. Reihe) 2.70 Mk., (6. bis 8. Reihe) 2.20 Mk.,
1. Galerie 1.20 Mk., 2. Galerie 60 Pfg.
Kartenverkauf von 11 bis 1 Uhr und von
6 Uhr an.
Anfang 7 Uhr. Ende nach 9½ Uhr.
Vorverkauf
von 111 Uhr für die Vorſtellungen:
Sonntag, 6. Nov. 50. Ab.=Vorſt. A 13.
Samſon und Dalila‟. Große Preiſe.
Anfang 6½ Uhr.
Dienstag, 8. Nov. 51. Ab.=Vorſt. C 13.
Alda bezw. Tannhäuſer. Große
Preiſe. Anfang 6½ Uhr.
Mittwoch, 9. Nov. 52. Ab.=Vorſt. D 14.
Taifun. Große Preiſe. Anfang ? Uhr.