Darmstädter Tagblatt 1910


28. Oktober 1910

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173. Jahrgang
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

N 253.
Freitag, den 28. Oktober.
1910.

Die heutige Nummer hat 20 Seiten.

Deutſchland und die Türkei.
Schon ſeit einigen Monaten macht ſich in der Tür=
kei
, wie ſchon mehrfach hervorgehoben, ein bedeutſamer
Umſchwung in der politiſchen Stellunge
nahme nach außen bemerkbar. Unter Abdul Hamid
war der deutſche Einfluß, wie erinnerlich, am Goldenen
Horn ziemlich maßgebend, ſehr zum großen Aerger Eng=
lands
, Frankreichs und Rußlands, und es hat nicht an
ſchweren Intrigen gefehlt, Deutſchland aus ſeiner Stel=
lung
zu verdrängen. Freilich kamen die anderen Mächte
keineswegs gar ſo ſchlecht weg, ſie hatten auch ihren An=
teil
an den Konzeſſionen und ſonſtigen Lieferungen, genau
wie Deutſchland, nur der Einfluß unſeres Botſchafters
dominierte. Als Abdul Hamid geſtürzt wurde und das
jungtürkiſche Regime kam, änderten ſich die Dinge, weil
man auf dieſer Seite in den Deutſchen die feſteſte Stütze
der Herrſchaft des bisherigen Sultans erblickte. Dazu
waren die Lockungen von anderer Seite zu große, und die
unerfahrenen Jungtürken glaubten namentlich den eng=
liſchen
Liebesbeteuerungen. Allerdings ſollte die Ernüch=
terung
nicht lange ausbleiben. Man mußte ſehen, daß
England und die ihm naheſtehenden Mächte von rein
egoiſtiſchen Motiven geleitet werden, und verſagten, als
es galt, der Türkei wirklich zu helfen. Insbeſondere hat
der Verlauf der jüngſten Anleihe den Türken die Augen
geöffnet; das franzöſiſche Spiel war zu durchſichtig, um
nicht auf ſeinen wahren Wert erkannt zu werden, denn
die franzöſiſchen Forderungen liefen einfach darauf hin=
aus
, gleichſam ſich in der türkiſchen Finanzverwaltung
einen maßgebenden Einfluß zu ſichern. Mitbeſtimmend
für dieſe Forderung war wohl auch die Abſicht, auf dieſe
Weiſe einen gewiſſen Einfluß auf die Reorganiſation des
Heeres und der Marine in der Türkei zu erreichen und
dem auf dieſem Gebiete beſonders dominierenden
Deutſchland Steine in den Weg zu werfen. Gerade dieſer
Umſtand war es, der die Franzoſen bewog, der türkiſchen
Anleihe Schwierigkeiten zu bereiten, weil man eben Vor=
teile
für Deutſchland verhindern wollte.
Dieſes Spiel hat aber gerade zu dem Gegenteil von
dem geführt, was franzöſiſcherſeits beabſichtigt war.
Schon als die Situation während der Verhandlungen ſich
zuſpitzte, erklärten ſich deutſche Banken bereit, der Türkei
einen beträchtlichen Vorſchuß zu leiſten, und jetzt, wo die
Verhandlungen definitiv geſcheitert ſind, ſpringt Deutſch=
land
in die Breſche. Dies hat begreiflichen Jubel in der
Türkei erweckt, wie man überhaupt aus der ganzen Hal=
tung
Deutſchlands erſehen hat, daß man hier einen ehr=
lichen
und aufrichtigen Freund gegenüber hat, der die
Türkei in der Stunde der Not tatkräftig unterſtützt. Der
Jubel iſt ſogar ſo groß, daß unter dem Vorſitz eines an=
geſehenen
Abgeordneten eine Proteſtverſammlung gegen
das Verhalten der Ententemächte gegenüber der Türkei
und auch Perſien ſtattfand, die, wie bekannt, in eine
rieſige Ovation für Deutſchland und ſeinen Kaiſer aus=
klang
. Dieſer Umſchwung der Stimmung iſt erfreulich
und es wäre dringend zu hoffen, daß er von der deutſchen
Diplomatie für unſere wirtſchaftliche Expanſion im Orient
energiſch ausgenützt würde. Auf der anderen Seite kann
man ſich allerdings nicht verhehlen, daß dieſe augenfällige
Stellungnahme zu Gunſten Deutſchlands an gewiſſen
Stellen wenig angenehm berühren wird; freilich muß uns
das herzlich gleichgültig laſſen, wir haben lediglich unſere
Intereſſen zu verfolgen, ohne Rückſicht auf die anderen,
die ja auch niemals nach uns fragen, wenn es gilt,
irgendwo Vorteile einzuheimſen. Wer anderen immer
nachläuft, wird ſchlecht behandelt. Dieſe Zeiten müſſen
für Deutſchland definitiv vorüber ſein, wir müſſen den
uns gebührenden Anteil fordern. Mag vielleicht die
jetzige, Deutſchland freundliche Stimmung in der Türkei
einen etwas metalliſchen Beiklang haben, ſo ſchadet das
auf dem Gebiete der Weltpolitik, wo man mit allen Fak=
toren
und poſitiven Tatſachen rechnen muß, nichts.
Zur Auflöſung der griechiſchen National=
verſammlung
.
** Die mit ſo vielen Erwartungen einberufene
Nationalverſammlung des Hellenenreiches hat ein ziem=
lich
unrühmliches Ende gefunden, denn ehe ſie noch irgend=
welche
erſprießliche Tätigkeit entfalten konnte, iſt ſie auf=
gelöſt
worden, weil die Ausſichten, die Regierung werde
ſich auf eine nur einigermaßen ſichere Wehrheit ſtützen

können, gar zu gering waren. Das Ergebnis der Wahlen
im Auguſt erregte von vornherein Bedenken, da man ver=
muten
mußte, daß die für abſehbare Zeit noch unerreich=
baren
nationalen Forderungen in den Vordergrund treten
und die Verſammlung ſich nicht darauf beſchränken würde,
lediglich die nicht grundlegenden Beſtimmungen der Ver=
faſſung
einer Reviſion zu unterziehen. Am 14. September
wurde dann das Parlament vom König mit einer Thron=
rede
eröffnet, aber ſchon am 16. kam es zu heftigen Aus=
einanderſetzungen
und Skandalſzenen mit Handgemenge,
weil ein großer Teil der Abgeordneten den Eid nicht
leiſten wollte. Militär mußte den Sitzungsſaal räumen,
was nicht gerade glückverheißend für die Wirkſamkeit der
neugewählten Körperſchaft war.
Man hatte auf das Eingreifen Venizelos in die Ver=
handlungen
gewiſſe Hoffnungen geſetzt, weil dieſer ſich
eines großen Einfluſſes erfreute. Als Venizelos am
18. September in Athen eintraf, wurde er von der Volks=
menge
ſtürmiſch begrüßt, und vom Balkon ſeines Hotels
entwickelte er in großen Zügen ſein Programm, beteuerte
ſeine Ergebenheit für das Königshaus und forderte zur
Einigkeit und Ruhe auf. Seinem Antrage entſprechend,
ſchob die Nationalverſammlung am folgenden Tage die
Entſcheidung über ihre geſetzgeberiſchen Befugniſſe hinaus
und erledigte die Frage der Vereidigung proviſoriſch. Es
handelte ſich hauptſächlich darum, ob die Nationalver=
ſammlung
den Charakter einer revidierenden Kammer,
welche die grundlegenden Beſtimmungen der Verfaſſung
nicht antaſten durfte, behalten oder den Charakter einer
konſtituierenden Kammer annehmen und ſich an jene Ein=
ſchränkung
nicht binden ſollte.
Zunächſt trat eine mehrwöchige Vertagung bis zum
10. Oktober ein, worauf die Präſidentenwahl ſtattfand, die
auf Konſtantin v. Hößlin fiel, den Kandidaten der Rhallis=
und Theotokis=Parteien. Alsbald trat das Kabinett
Dragumis zurück und Venizelos wurde mit der Kabi=
nettsbildung
beauftragt, die er auch durchführte. Trotz=
dem
Venizelos von der öffentlichen Meinung ſehr gut
aufgenommen worden war, entſtanden ihm im Parlament
derartige Schwierigkeiten, daß er ſeine Entlaſſung anbot,
die aber von der Krone nicht genehmigt wurde. Da Veni=
zelos
einſah, er werde auf die Dauer mit dieſem Parla=
mente
nicht auskommen, ſo machte er kurz entſchloſſen von
der ihm durch den König erteilten Ermächtigung Gebrauch
und löſte die Nationalverſammlung auf.
So verworren die Lage in Griechenland auch heute
iſt, ſo hat Venizelos doch dank der Sympathien, die er
im Volke genießt, einige Ausſicht, bei den Wahlen eine
feſte Mehrheit zu erhalten. Daß dem Lande Tage der
Kämpfe bevorſtehen, iſt ſicher.

Die Lage des frauzöſiſchen Kabinetts.
* Der Miniſterpräſident Briand empfing am Mitt=
woch
den Arbeitsminiſter Viviani und den Staatsſekretär
im Finanzminiſterium Rénault, die beide erklärten,
nicht zurücktreten zu wollen. Viviani erklärte
außerdem, daß er bis zum gegenwärtigen Augenblick keine
Einwendung gegen die Politik der Regierung zu machen
habe. Möglicherweiſe werden die Sozialiſten die Ver=
tagung
der Diskuſſion verlangen, bis die Regierung ſich
über die der Kammer zu unterbreitenden Vorlagen
ſchlüſſig geworden iſt. Einen ſolchen Antrag würde
Briand, wie verlautet, kategoriſch zurückweiſen.
Die Gerüchte über die im Miniſterium herr=
ſchende
Uneinigkeit veranlaßten mehrere Kammer=
gruppen
, über die Lage zu beraten. In der ſozia=
liſtiſch
=radikalen Gruppe bemühten ſich die Anhänger
Pelletans und Combes’, gegen das Kabinett Stimmung
zu machen. Mehrere Redner unterzogen die Vergangen=
heit
des Miniſterpräſidenten einer ſcharfen Kritik und
ſchlugen Reſolutionen vor, die ein Mißtrauens=
votum
gegen die Regierung enthielten. So beantragten
die Deputierten Rabier und Dumont, den Miniſterpräſi=
denten
zu erſuchen, die wegen des Streiks entlaſſenen Be=
dienſteten
der Staatsbahn wieder einzuſtellen und auch
für die Wiedereinſtellung der Eiſenbahner der übrigen
Bahnlinien einzutreten. Eine zweite, von Thalamas vor=
geſchlagene
Tagesordnung ſpricht dem Kabinett einen un=
zweideutigen
Tadel aus, und eine dritte, von Franklin=
Bouillon eingebrachte Tagesordnung erklärt, daß alle
Sabotage, der Antimilitarismus und alle Gewalttätig=
keiten
auf das ſchärfſte verurteilt werden müßten, daß
jedoch die Regierung, infolge ihrer Vergangenheit, keine
binreichende moraliſche Autorität beſitze, um die Schwie=

rigkeiten der gegenwärtigen Lage zu beſeitigen. Es kam
jedoch zu keiner Abſtimmung über dieſe Tagesordnung,
da die meiſten Mitglieder der Gruppe vorher die Ver=
ſammlung
verließen. Unter den regierungsfreundlichen
Radikalen herrſcht hierüber große Erregung und es heißt,
daß dieſe den Plan erwägen, eine eigene Gruppe zu bil=
den
, um bei der Abſtimmung freie Hand gegen das Mini=
ſterium
zu haben.

Deutſches Reich.
Der Geſetzentwurf über die Schiffs
fahrtsabgaben iſt dem Reichstage zugegangen.
Bemerkenswerte Begnadigung. Der
verantwortliche Redakteur der Schleswigſchen Grenzpoſt
war zu 500 Mark Geldſtrafe verurteilt worden, weil er
den Reichstagsabgeordneten Hanſſen als Landesverräter
bezeichnet hatte, wofür er den Beweis in ſtreng juriſti=
ſchem
Sinne weder führen konnte noch wollte. Durch
kaiſerlichen Gnadenakt iſt nunmehr in Anſehung des
illoyalen Verhaltens, das der Abgeordnete Hanſſen ge=
genüber
dem Deutſchen Reiche bewieſen hat, dieſe Strafe
auf 50 Mark herabgeſetzt worden. Hanſſen wird übrigens
bei den nächſten Wahlen nicht wieder kandidieren.
Die politiſche Maßregelung in Ba=
den
. Die badiſche Regierung gibt in der mehrfach er=
wähnten
Angelegenheit der Verſetzung des Oberamt=
manns
Arnsperger in der Karlsruher Zeitung folgende
Erklärung ab:
Die großherzogliche Regierung war und iſt der An=
ſicht
, daß bei den nächſten Reichstagswahlen zur Verhü=
tung
eines weiteren Anwachſens der ſozialdemokratiſchen
Vertretung ein Zuſammenſchluß der bürgerlichen Par=
teien
dringend erwünſcht iſt. Sie hat dieſe Anſchauung
wiederholt in der Karlsruher Zeitung hervortreten laſſen.
Oberamtmann Arnsperger hat in einer politiſchen Ver=
ſammlung
, deren Verlauf durch die Tagespreſſe der Oef=
fentlichkeit
mitgeteilt wurde, Stellung gegen dieſe Au=
ſchauung
genommen, indem er ein Zuſammengehen der
Nationalliberalen mit den Konſervativen für abſehbare
Zeit für ausgeſchloſſen bezeichnete und nach Hinweis auf
die Tätigkeit einiger (evangeliſcher) Geiſtlicher im Land.
bezirk Karlsruhe mit der Aufforderung ſchloß, keinesfalls
mit Geiſtlichen und Junkern zuſammenzugehen. Im
Landbezirk Karlsruhe ſind die Konſervativen, denen auch
die Mehrzahl der proteſtantiſchen Geiſtlichen zuzurechnen
iſt, zahlreich und bilden ein ſtaatserhaltendes Element
von beſonderer Bedeutung. Unter dieſen Umſtänden hat
die Regierung ein Verbleiben des Oberamtmanns Arns=
perger
in dieſem Bezirk nicht für tunlich erachtet, und hat
ſeine Verſetzung in einen anderen Bezirk herbeigeführt.
Dienſtliche Nachteile ſind damit für Oberamtmann Arns=
perger
nicht verbunden, im Gegenteil iſt er von der Stel=
lung
eines den Amtsvorſtänden gleichgeſtellten zweiten
Beamten in die ſelbſtändige Stellung eines Amtsvor=
ſtandes
und in den Beſitz einer Dienſtwohnung gelangt.
Die Stelle in Staufen iſt wegen der Annehmlichleiten des
Aufenthaltes eine der begehrteſten des Landes. Eine
Strafverſetzung liegt ſomit weder im beamtenrechtlichen
Sinne, noch in tatſächlicher Beziehung vor. Die Entſchlie=
ßung
der Regierung beruht auch weder auf einem Wechſel
ihrer Anſchauungen, noch auf Berliner Einflüſſen.
Die Kölniſche Zeitung bemerkt hierzu: So klein das
Großherzogtum Baden der Bevölkerungszahl oder der
Fläche nach iſt, ſo reich iſt es an politiſchen Ueberraſchun=
gen
. Es war der Miniſter des Innern, Dr. Schenkel, der
in öffentlicher Sitzung der Zweiten Kammer erklärte er
wolle die Sozialdemokratie in der Kammer nicht miſſen.
Zwei Jahre ſpäter ſchloſſen die Nationalliberalen mit den
Sozialdemokraten den Großblock ab; man konnte damals
das ſeltene Schauſpiel erleben, daß Geheimräte, Bürger=
meiſter
und Reſerveoffiziere in öffentlichen Verſamm=
lungen
zur Wahl eines Sozialdemokraten aufforderten
und ſelbſt einen ſozialdemokratiſchen Wahlzettel abgaben.
Dasſelbe Schauſpiel wiederholte ſich vier Jahre ſpäter, im
Oktober v. J. Sozialdemokratiſche Führer, die ſonſt jahr=
aus
jahrein den Umſturz predigen, beteiligten ſich in
Baden am Leichenbegängnis des Großherzogs Friedrich I.
und ſcheuten ſich auch nicht bis auf den heutigen Tag vor
geſelligen Zuſammenkünften mit Prinzen und den nächſten
Ratgebern des Großherzogs. Ein badiſcher Biſchof tadelte
erſt vor wenigen Wochen die päpſtliche Enzyklika und ein
anderer katholiſcher Geiſtlicher kritiſierte öffentlich das all=
mächtige
Zentrum wegen ſeiner Haltung bei der Reichs=
finanzreform
. Am 15. Juli d. J. ſprach der Miniſter des
Innern nicht etwa in der Zweiten Kammer der Land=
ſtände
, ſondern in der Kammer der allerdurchlauchtigſten
und hochgeehrteſten Herren den geflügelt gewordenen
Satz, daß die Sozialdemokratie eine großartige Bewe=
gung
zur Befreiung des vierten Standes ſei, ohne daß
ihm deshalb der Träger der Krone oder das verantwort=
liche
Staatsminiſterium ein Haar gekrümmt hätte. Drei
Monate ſpäter und das iſt die neueſte Ueberraſchung
maßregelt dieſelbe Regierung einen Verwaltungsbeamten,
weil er in einer geſchloſſenen Verſammlung des National=
liberalen
Vereins vor einem Zuſammengehen mit den
Konſervativen und dem Zentrum gewarnt hatte.
Es wird dann allerdings zugegeben, daß es keine
eigentliche Maßregelung iſt, da der Oberamtmann, wie

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Oktober 1910.

Nummer 253.

man zu ſagen pflegt, die Treppe hinaufgefallen und zum
Amtsvorſtand in einem der ſchönſten und wohlhabendſten
Bezirke Badens befördert worden ſei.
Ueber den Arbeitsmarkt im Monat
September berichtet das Reichs=Arbeitsblatt:
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt im September hat ſich
im Vergleich zum Vormonat nicht unerheblich gebeſſert.
Ganz beſonders trifft dies für das Bekleidungsgewerbe
zu, in dem die mit dem September einſetzende Herbſt=
ſaiſon
ſtets größere Beſchäftigung bringt. Auf dem Ruhr=
kohlenmarkt
blieb die Lage im weſentlichen unverändert. Im
(Saar=Revier ließ der Abſatz immer noch ſehr zu wünſchen
ſübrig; im oberſchleſiſchen Kohlenbergbau ging die Be=
ſchäftigung
ſogar zurück. Im Braunkohlenbergbau brachte
der September im allgemeinen eine weitere Beſſerung.
IIn der Metall= und Maſchinen=Induſtrie hielt die Beſ=
ſſerung
an. In der Textil=Induſtrie geſtaltete ſich für die
Spinnereien der Geſchäftsgang etwas günſtiger, für die
übrigen Zweige kann von einer Aenderung kaum geſpro=
chen
werden. Die Beſchäftigung im Baugewerbe ließ etwas
nach. In der Bekleidungsinduſtrie gab es reichlich zu
tun.
Nach den Berichten der Krankenkaſſen hat ſich der Be=
ſchäftigungsgrad
im Laufe des September weiter weſent=
lich
gehoben. Es ergab ſich am 1. Oktober gegenüber dem
1. September eine Zunahme der verſicherungspflichtigen
Mitglieder abzüglich der Kranken um 61834 ( 30856
männliche, 30 978 weibliche). Im September 1909 er=
gab
ſich eine Zunahme von 38 168 Mitgliedern (X 14090
männliche, 20078 weibliche). Gegenüber dem 1. Ja=
nuar
1910 beträgt die Steigerung des Beſchäftigungs=
grades
der männlichen Perſonen 9 v. H., der weiblichen
5 v. H. Die Arbeitsloſenziffern der Fachverbände im drit=
ten
Vierteljahr 1910 zeigen eine Verbeſſerung gegen das
gleiche Vierteljahr des Vorjahres. Sie betrugen für Ende
Juli 1,9 v. H., für Ende Auguſt 1,7 v. H. und für Ende
September 1,8 v. H., gegen 2,5 v. H. bezw. 2,3 v. H. bezw.
2,1 v. H. im Vorjahre. Nach den Arbeitsnachweisziffern
hat ſich im Vergleich zum Vormonat wie beſonders zum
Vorjahre für die Männer die Lage nicht unweſentlich ge=
beſſert
. Für die Frauen traten im Vergleich mit denſelben
Zeiträumen kaum Unterſchiede hervor. Bei der Geſamt=
zahl
der berichtenden Arbeitsnachweiſe, für die vergleich=
bare
Zahlenangaben vorliegen, kamen im September 1910
auf 100 offene Stellen bei den männlichen Perſonen 145.
bei den weiblichen 87 Arbeitsgeſuche gegen 154 bezw. 87
im Auguſt 1910 und 168 bezw. 91 im September 1909.
Auf dem Berliner Arbeitsmarkt hat ſich die Geſamtlage
im Vergleich zum Vormonat und Vorjahr ungemein gün=
ſtig
geſtaltet. In Schleswig=Holſtein geſtaltete ſich die
Lage im allgemeinen ungünſtiger, in Hamburg änderte ſie
ſich wenig.
In Heſſen, Heſſen=Naſſau und Waldeck erhielt der
Arbeitsmarkt eine kräftige Belebung. In Bayern mel=
dete
München eine kräftige Beſſerung, in Württemberg
und Baden änderte ſich die Arbeitsmarktlage nur wenig.
Die Einnahmen aus dem Güterverkehr deutſcher Eiſen=
bahnen
betrugen im September 152865949 Mark, d. i.
10 562780 Mark mehr als im gleichen Monat des Vor=
jahres
. Das bedeutet eine Mehreinnahme von 160 Mark
oder 5,74 v. H. auf 1 Kilometer.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Oeſterreich und Rumänien. Das Wiener
Fremdenblatt ſchreibt: Der Beſuch des rumäniſchen Mini=
ſters
in Wien war durch keine aktuelle politiſche Frage ver=
anlaßt
; er trug keinen politiſchen Charakter. Es konnte
jedoch bei dieſer Gelegenheit abermals konſtatiert werden,
daß die erfreulicherweiſe herzlichen Beziehungen zwiſchen
Oeſterreich=Ungarn und Rumänien andauern.
Die Sprachenfrage in Böhmen. Das Geſetz
über die Regelung des Sprachengebrauchs bei den auto=
nomen
Behörden Böhmens einſchließlich Prag wurde

Mittwoch vom Unterausſchuß der nationalen Ausgleichs=
kommiſſion
angenommen.
(Frankreich.
Der neue deutſche Botſchafter in Paris,
Freiherr v. Schön, der in Paris eingetroffen iſt,
wird in den nächſten Tagen Pichon beſuchen. Sein Be=
glaubigungsſchreiben
wird er dem Präſidenten der Re=
publik
erſt im Laufe des Novembers übergeben. In fran=
zöſiſchen
Regierungskreiſen bemerkt man zu der bevor=
ſtehenden
erſten Unterredung des neuen deutſchen Botſchaf=
ters
mit Pichon folgendes: Der mit den Abſichten der lei=
tenden
Berliner Kreiſe vertraute Botſchafter bringt gewiß
den redlichen Willen mit zur Beſeitigung etwaiger Miß=
ſtände
, die vorläufig nur die aſiatiſche Politik der Groß=
mächte
betreffen, aber leicht auf die europäiſche Politik
hinübergreifen könnten. Man glaubt, daß es der Geſchick=
lichkeit
des Herrn v. Schön gelingen wird, die Beziehungen
ſpeziell zwiſchen Frankreich und Deutſchland ſo zu geſtal=
ten
, wie es in der erſten Zeit nach der Ankunft Radolins
der Fall geweſen iſt.
England.
Keine Flottenanleihe. Der erſte Lord der
Admiralität Mc. Kenna hat die South=Wales Daily
News ermächtigt, feſtzuſtellen, er wiſſe nichts von einer
Flottenanleihe, die die Regierung ins Auge gefaßt haben
ſolle und worauf der Preisrückgang der Konſols zurück=
geführt
wird.
Spanien.
In der Kammer proteſtierte Pablo Igleſia gegen
die Möglichkeit eines Krieges mit Marokko und gegen
die Zahl der in dieſem Jahre ausgehobenen Mannſchaften.
Canalejas wandte ſich in ſeiner Antwort gegen die anti=
patriotiſche
Kampagne, die bis in die Kaſernen getragen
werde, gegen eine Kampagne, die gegen einen von der
Regierung gar nicht geplanten Krieg geführt werde. Da=
durch
werde auf eine leere Fiktion hin Unruhe ins Land
gebracht. Canalejas fügte hinzu, die Nordafrika betref=
fenden
Fragen, die gegenwärtig Gegenſtand von Unter=
handlungen
ſeien, würden bis zum 15. November gelöſt
ſein.
Portugal.
Die Auslandsſchulden Portugals. Die
proviſoriſche Regierung hat ſich entſchloſſen, ſämtliche Aus=
landsſchulden
Portugals zurückzukaufen. Dieſe belaufen
ſich auf mehr als eine Milliarde und ſind durch die Zoll=
einnahmen
und das Tabak= und Zündholzmonopol garan=
tiert
. Die proviſoriſche Regierung wird zur Deckung der
Auslandsſchulden eine vierprozentige Anleihe aufnehmen,
die aus den monatlichen Einkünften getilgt werden ſoll,
um auch den minderbemittelten Bürgern zu geſtatten, an
den Fortſchritten der Nation teilzunehmen.
Türkei.
Die perſiſchen Wirren. Angeſichts der Ent=
wickelung
der perſiſchen Wirren wird erwogen, ob es an=
gezeigt
ſei, türliſche Truppen in annähernd gleicher
Stärke wie die Ruſſen und Engländer, in Perſien ein=
rücken
zu laſſen. Dabei wird zunächſt beabſichtigt, die
türkiſchen Staatsangehörigen zu ſchützen. Es wirkt aber
auch die Erwägung mit, daß das türkiſch= mohammeda=
niſche
Intereſſe eine Aufteilung Perſiens durch Rußland
und England nicht dulden dürfe.
Die türkiſch=griechiſchen Beziehungen.
Von griechiſcher Seite wird erklärt, Gryparis gewann aus

den Unterredungen mit dem Großweſir und dem Miniſter
des Aeußern den Eindruck, daß die türkiſch=griechiſchen
Beziehungen in ein Stadium der Beſſerung eingetreten
ſind,
China.
Die Konſtitutionskammer beſchloß faſt ein=
ſtimmig
, dem Throne eine Denkſchrift zu unterbreiten, in
der um möglichſt baldige Eröffnung des Parlaments ge=
beten
wird. Der Antrag, der ſich für die Eröffnung des
Parlaments in drei Jahren ausſprach, wurde abgelehnt.
Der Präſident verſprach, ſeinen perſönlichen Einfluß gel=
tend
zu machen, um den Thron zu überzeugen, daß die
ganze Welt der Bewegung für die Schaffung des Par=
laments
ſympathiſch gegenüberſtehe.
Südamerika.
Aufſtand in Uruguay. Den Blättern zufolge
bemächtigte ſich eine kleine Gruppe uruguayaniſcher Auf=
ſtändiſcher
eines uruguayaniſchen Grenzſtreifens an der
braſilianiſchen Grenze. Reiſende aus Montevideo ver=
ſichern
, daß mehrere Offiziere, die verdächtig ſind, die revo=
lutionäre
Bewegung zu begünſtigen, feſtgenommen wur=
den
. Die Regierung von Uruguay ergriff alle Maßregeln,
um die Ruhe im Lande aufrechtzuerhalten. Die argen=
tiniſche
Regierungstraf Beſtimmungen, um die Neutralität
ihres Gebietes zu ſichern. Die argentiniſchen Behörden
beſchlagnahmten zahlreiche, für die Revolutionäre in Uru=
guay
beſtimmte Waffen.

* Belgrad, 26. Okt. Der Zuſtand des Kron=
prinzen
iſt befriedigend. Am Kinn entwickelt ſich ein
Geſchwür.
Stadt und Land.
Darmſtadt. 28. Oktober.
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Großher=
zog
empfingen am Mittwoch den Kontre=Admiral z. D.
Weſtphal von Traiſa bei Darmſtadt, den Oberſt Krauſe
vom Stabe des Inf.=Regts. Prinz Carl (4. Großh.
Heſſ.) Nr. 118, den Oberſtl. Frhr. v. Preuſchen, Abt.=
Kommandeur im 1. Kurheſſ. Feldart.=Regt. Nr. 11, den
Hauptmann Frhr. v. Weitershauſen, Battr.=Chef im
2. Großh. Feldart.=Regt. Nr. 61, kommandiert zur Dienſt=
leiſtung
beim Kriegsminiſterium, den Hauptmann v. Hahn
Battr.=Chef im Großh. Art.=Korps, 1. Großh. Heſſ.
Feldart.=Regt. Nr. 25, den Oberleutnant Frhr. v. Fritſch
von demſ. Regiment, die Oberleutnants des Landw.=
Train Plate und Fritze, eingezogen zur Uebung beim
Großh. Train=Bat. Nr. 18, den Stabsarzt Dr. Biſchoff
vom Leibgarde=Inf.=Regt. (1. Großh. Heſſ.) Nr. 115, den
Regierungsaſſeſſor Kilian, Vorſtand der Eiſenbahn= Ver=
kehrs
=Inſpektion, den Regierungsbaumeiſter Hoffmann,
Vorſtand der Eiſenbahn=Maſchinen=Inſpektion, beide in
Darmſtadt, den Profeſſor Dr. Pinder, Privatdozent an
der Techniſchen Hochſchule, den Forſtwart Seibert von
Biblis, den Bürgermeiſter Becker von Gonſenheim, den
Regierungsrat von Werner, den Kaufmann Kölb, den
Landgräfl. Forſt= und Güterdirektor Nies von Philipps=
ruh
bei Hanau, den Hauptlehrer an der Landes=
Baugewerkſchule Becker; zum Vortrag den Staats=
miniſter
Ewald, den Miniſter des Innern v. Hombergk
zu Vach, den Oberjägermeiſter Frhr. van der Hoop, den
Vorſtand des Kabinetts Geh. Rat Römheld, den Ordens=
kanzler
, Oberſt z. D. Frhr. Roeder v. Diersburg, den
Geh. Hofrat Werner, General=Direktor des Hoftheaters
und der Hofmuſik.
* Audienzen. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
werden am Samstag, den 29. d. Mts., vor=
mittags
im Reſidenzſchloß hier Audienzen erteilen, ſowie
Meldungen und Vorträge entgegennehmen.
* Vom Großh. Gendarmeriekorps. Se. Königl.
Hoheit der Großherzog haben den Oberſtleutnant

Ein Briefwechſel zwiſchen Kronprinz
Friedeich Wilhelm und Prinz Friedrich
Karl.
(2 Im November=Heft der Deutſchen Revue
(Stuttgart, Deutſche Verlagsanſtalt) wird aus dem in
Kürze erſcheinenden zweiten Bande des Werkes Prinz
Friedrich Karl von Preußen das Hauptmann W.
Foerſter (im Verlage der Deutſchen Verlags=Anſtalt)
herausgibt, ein Abſchnitt veröffentlicht. Er enthält
einen geſchichtlich wertvollen Briefwechſel zwiſchen dem
Kronprinzen Friedrich Wilhelm und dem Prinzen
Friedrich Karl. Letzterer wünſchte während der Be=
lagerung
von Metz dem Kronprinzen Glück zum Ge=
burtstage
und ſchrieb ihm bei dieſer Gelegenheit am
13. Oktober 1870 u. a. folgendes:
Gebe Gott, daß es Dir gelinge, das ſo herrlich
Begonnene ſiegreich zu Ende zu führen und einen
Frieden zu erkämpfen, der durch gänzliche Niederwerf=
ung
Fränkreichs die Garantie der Dauer derartig
trägt, daß jeder Laie und jedes Kind ſie erkennen. Wir
ſind bald ſo weit . . . Wenn es mir gelingt, wie ich zu=
verſichtlich
hoffe, die Armee von Bazaine zur Kapitu=
lation
zu bringen, ſo hat Frankreich keine Armee
mehr. Mit dieſen Banden, die ihm noch bleiben, wer=
den
wir in kurzer Zeit fertig werden . . . Nach=
dem
Du einen Lorbeerkranz erworben, ſo dicht belaubt,
wie je einer geweſen, wünſche ich Dir in der Tat für
die Zukunft die Friedenspalme, und daß dieſe Dir
nimmer aus der Hand falle. Du wirſt wohl, wie ich,
fernere Kriege nicht mehr wünſchen; der jetzige aber
muß deshalb gründlichſt durchgefochten werden, und
Frankreich, von dem wir jetzt vielleicht erſt ein Zwan=
zigſtel
okkupieren, die Laſten und Strafen desſelben
auf das empfindlichſte fühlen lernen.
Der Kronprinz antwortete hierauf am 21. Oktober
aus Verſailles u. a.:
Deine Anſicht teile ich auch, daß, wenn niemand
ſich zum Friedenſchließen finden läßt, wir durch län=
gere
Okkupation Frankreichs unſeren Vorteil wahren
ſöllten, um nach jeglicher Richtung hin die beiſpielloſen
Erfolge dieſes Feldzuges auszunutzen. Wir können
nicht genug tun, um dieſes Volk auf lange Zeit un=
ſchädlich
zu machen. Ebenſo ſind wir aber auch anderer=
ſeits
dem deutſchen Volke gegenüber verpflichtet, mit
einer vollendeten Tatſache über den Rhein zurückzukeh=
ren
, und muß die große Einigungsfrage fig und fertig
und unwiderruflich abgeſchloſſen ſein, ehe wir nach
Hauſe kommen Zu all dem gehört ein feſter Wille.
Was mich betrifft, ſo will ich, daß es erreicht werde
Wir müſſen wollen, dürfen keine Beſcheidenheit vor=

walten oder höfiſche oder gar verwandtſchaftliche Rück=
ſichten
beobachten, denn jetzt gilt es deutſch zu
handeln oder nie! Unſere Verluſte, namentlich
an ſo vielen braven Offizieren, ſchneiden mir ins Herz:
Doch ſind ſolche edle Opfer einer großen nationalen
Sache wert; wehe, wenn das Ende des Krieges den=
ſelben
nicht ebenbürtig wäre!
Läßt die Antwort des Kronprinzen erkennen, wie
ſeine Seele von dem Gedanken an die nationale Einig=
ung
Deutſchlands erfüllt war, ſo legen beide Briefe
ein beredtes Zeugnis für die Energie der Kriegführ=
ung
ab, die den zwei Hohenzollern innewohnte; beide
Männer zeigen ſich durchdrungen von der Notwendig=
keit
der vollſtändigen militäriſchen Niederwerfung des
Gegners des Vernichtungsprinzips, das den Kriegen
Wilhelms I. ihr Gepräge gegeben hat. Gleichzeitig iſt
der Brief des Prinzen Friedrich Karl bezeichnend für
die damals auf deutſcher Seite überwiegend vertretene
Auffaſſung, daß die Widerſtandskraft des Feindes nur
noch gering ſei. Man traute den Franzoſen die
wie Foerſter ſich treffend ausdrückt rieſenhaften und
allezeit bewundernswerten Anſtrengungen nicht zu, die
das republikaniſche Frankreich tatſächlich gemacht hat,
um den Krieg bis aufs Meſſer fortzuſetzen.

Parlamentariſche Stammtiſche.
*i Im Reichstagsgebäude am Königsplatze wird
emſig geſcheuert und geſäubert, nachdem die Maurer
und Tiſchler das Feld geräumt haben. Die Reichs=
boten
ſind in Sicht! Die Vorſichtigen unter
ihnen haben bereits wieder ihre Wohnung beſtellt; ent=
weder
in einem Berliner Hotel oder in einer Villa
der Vororte. Gar mancher begnügt ſich auch mit ein,
zwei möblierten Zimmern. Nur eine geringe Anzahl
unſerer Abgeordneten iſt in Berlin ſelbſt anſäſſig, ein
paar Liberale in guter Poſition, einige Genoſſen die
hier Parteifunktionen ausüben, ein Dutzend Rentiers
aus den anderen Gruppen, und noch einige wenige
Herren der Rechten, die ihren ſtändigen Winterſitz in
Berlin haben, um die Hoffeſtlichkeiten mitzumachen.
Die übrigen Volksvertreter ſind auf die Gaſtfreund=
ſchaft
der Reichshauptſtadt angewieſen.
Nach altem deutſchen Brauch wiſſen auch ſie die
Annehmlichkeit des abendlichen Stammtiſches zu
ſchätzen. Daß dabei die einzelnen Fraktionen ziemlich
unter ſich bleiben, liegt auf der Hand, ſonſt würde wohl
in angeregter Stunde manch Parteigeheimnis zu un=
rechten
Ohren kommen. Nicht in den glänzenden Cafés
der Friedrichſtadt findet man ſich nach der überſtan=
denen
Reichstagsſitzung zuſammen, auch nicht in den
vornehmen Reſtaurants des Highlife, nein, in ſoliden

bürgerlichen Weinlokalen und echten Bierausſchän=
ken
. Da wird weiter politiſiert und polemiſiert, bis
der Ober immer unruhiger nach der Wanduhr blickt,
die ſchon eine vorgerückte Stunde angibt. Die Führer
erſcheinen ſelten an dieſen Stammtiſchen. Sie glau=
ben
, daß eine gewiſſe Zurückhaltung ihre Würde noch
erhöht.
Der Hauptſitz der Zentrumsherren liegt im
Berliner Zentrum; es iſt ein Hotel, in dem faſt nur
Zentrumsabgeordnete wohnen. Hier findet ſich all=
abendlich
eine plaudernde Runde zuſammen. Gerade
im Zentrum, das die verſchiedenſten Berufs= und Ge=
ſellſchaftsgruppen
aufweiſt, iſt auch die Bildung kleiner
Kliquen am größten. Die Handwerker, die Arbeiter
haben ihren eigenen Tiſch, wo ſie zuſammenſitzen, und
die Führer und Mitglieder des hohen Adels. Däzu
kommt noch, daß die ſtark vertretenen Süddeutſchen
ihre eigenen Anſichten über Stammtiſchgemütlichkeit
mitbringen und verwirklichen. Dieſe Zerſplitterung
findet ſich bei den Nationalliberalen nicht, die
ja auch im weſentlichen der gleichen Bildungsſchicht
angehören. Die nationalliberale Fraktion traf ſich
bisher regelmäßig in einem bayeriſchen Bierlokal der
Potsdamer Straße, das jetzt in ein Warenhaus um=
gewandelt
worden iſt. Die Konſervativen haben
mehrere gewohnte Stätten, namentlich eine berühmte
alte Weinſtube Unter den Linden und ein Lokal in der
City, wo ſie in enger Verbindung mit den Parteifreun=
den
der preußiſchen Kammern ihren Schlummertrunk
genehmigen. Die Freiſinnigen haben die Fuſion
am Biertiſch noch nicht völlig vollzogen. Die Stamm=
tiſchfreudigkeit
fehlt gänzlich den Sozialdemokra=
ten
die vielleicht auch fürchten, in behaglicher Stim=
mung
am Biertiſch einen gar zu bürgerlichen Anblick
zu gewähren. Sie gehen ihre eigenen Wege oder ſuchen
in landsmannſchaftlichen Gruppen Kneipen im heimat=
lichen
Stile auf. Natürlich haben die einzelnen Frak=
tionen
und auch der Bundesrat im Reichstags=
Reſtaurant ebenfalls eigene Stammtiſche, die frei=
lich
nur tagsüber benützt werden. Die Tiſche ſind im=
mer
nur ſchwach beſetzt, da die Herren nicht alle auf
einmal den Sitzungsſaal verlaſſen dürfen, um ihren
Magen zu pflegen. Gar mancher muß ſogar in aller
Haſt ſein Eſſen hinunterwürgen, und dann ſtürzt er
auch ſchon, die Serviette noch in der Hand, davon, weil
man ihn eben als Redner aufgerufen hat. Andere
ſchlürfen in behaglicher Ruhe ihren Mokka und erheben
ſich nicht einmal, wenn der Reichskanzler ſpricht.
Die parlamentariſchen Stammtiſche nehmen alſo
keine Sonderſtellung ein. Auch an ihnen wird gekanne=
gießert
, und auch an ihnen gerät man ſich über Nichtig=
keiten
in die Haare .

[ ][  ][ ]

Nummer 253.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Oktober 1910.

Seite 3.

Freiherrn v. Rotsmann auf ſein Geſuch von der
Stellung à la suite des Großherzoglichen Gendarmerie=
korps
enthoben.
* Ernennungen. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
haben den außerordentlichen Profeſſor Dr. med.
et med. vet. Friedrich Gmeiner in Gießen zum
ordentlichen Profeſſor in dem veterinär=mediziniſchen
Kollegium der Landesuniverſität, ſowie den Bureau=
vorſteher
bei dem Kreisamte Schotten Johannes Hach
zum Bureauvorſteher bei dem Kreisamte Alsfeld und
den Kreisamtsgehilfen bei dem Kreisamte Bensheim Karl
Wingefeld zum Bureauvorſteher bei dem Kreisamte
Schotten ernannt.
* Prinz Heinich von Preußen beſuchte am Mittwoch
das Eulerſche flugtechniſche Unternehmen auf dem
Truppenübungsplatz. Er blieb etwa zwei Stunden dort
und orientierte ſich über die Fabrikation, die flug=
techniſchen
Details und über die Handhabung und
Steuerung der Euler=Flugmaſchine.
* Großh. Regierungsblatt. Die Beilage Nr. 28
vom 27. Ottober hat folgenden Inhalt: 1. Bekannt=
machung
, die Brennholztaxe für die Großherzoglichen
Domanialwäldungen für das Rechnungsjahr 1911 be=
treffend
. 2. Dienſtnachrichten.
* Militärdienſtnachrichten. Fiſcher (Joſeph), Ober=
kriegsgerichtsrat
beim Generalkommando des XIV. Armee=
korps
, nach Frankfurt g. M. verſetzt und dem komman=
dierenden
General des XVIII. Armeekorps zugeordnet.
Praetorius, Oberzahlmeiſter im Inf.=Leib=Regt.
Großherzogin (3. Großh. Heſſ.) Nr. 117, der Charakter
als Rechnungsrat verliehen.
* Das Befinden von Finanzminiſter Braun hat ſich
auch in den letzten Tagen in erfreulicher Weiſe ge=
beſſert
.
Stiftung für die Großh. Gemäldegalerie. Wie
ſchon früher mitgeteilt worden, iſt Franz von Stucks Ge=
mälde
Salome auf der Ausſtellung des Deutſchen
Künſtlerbundes von einem Kunſtfreunde dem Großh.
Muſeum geſtiftet worden. Der hochherzige Stifter iſt, wie
wir jetzt erfahren, Herr Dr. Willy Merck.
*** König Chulalongkorn in Darmſtadt. Der jetzt
verſtorbene König Chulalongkorn von Siam machte
im Jahre 1897 als erſter Monarch eines oſtaſiati=
ſchen
Staates eine Rundreiſe durch Europa und kam
auf dieſer auch nach Darmſtadt, wo damals gerade
der Zar anweſend war. Das Darmſtädter Tagblatt
vom 8. Oktober 1897 berichtete darüber:
Geſtern vormittag traf mit dem fahrplanmäßigen
Zuge um 11 Uhr 11 Minuten, aber mit einer Verſpät=
ung
von etwa einer Viertelſtunde, Se. Maj. der =
nig
Chulalongkorn von Siam zu einem
mehrſtündigen Beſuche am Großherzoglichen Hofe hier
ein. Auf dem Bahnhofe waren zum Empfange Se.
Maj. der Kaiſer von Rußland und Se. Königl.
Hoheit der Großherzog im Zivilanzug erſchienen.
Nachdem der Zug, dem der Salonwagen des Königs
Chulalongkorn eingereiht war, eingefahren, eilte der
König, der ebenfalls ſchwarzen Zivilanzug und Zylin=
der
trug, Sr. Maj. dem Kaiſer entgegen und umarmte
und küßte ihn. Se. Königl. Hoheit begrüßte den hohen
Gaſt durch Händedruck. Danach ſtellte der König ſeinen
Sohn, den Prinzen Chaurawamſa, den beiden Hohen
Herren vor, worauf ſich dieſer ehrerbietigſt verneigte.
Im Gefolge der ſiameſiſchen Herrſchaften befand ſich ein
Adjutant Sr. Maj. in Uniform. In einem offenen
Zweiſpänner fuhren ſodann die Herrſchaften ins Neue
Palais. Se. Maj. der König hatte neben Sr. Maj. dem
Kaiſer, Prinz Chaurawamſa neben Sr. Königl. Hoheit
dem Großherzog Platz genommen. Vor dem Bahnhofe
hatte, trotzdem die Zeit der Ankunft des Königs nicht
bekannt geworden war, doch ein ziemlich zahlreiches
Publikum Aufſtellung genommen, für deſſen Grüße
der König freundlich dankte. Nachdem das Frühſtück
im Neuen Palais eingenommen war, reiſten um 2 Uhr
17 Minuten die ſiameſiſchen Herrſchaften wieder ab.
Se. Maj. der König Chulalongkorn, der jetzt im 45.
Lebensjahre ſteht, iſt ein kleiner Herr mit ſchwarzem
Schnurrbart, klugen Augen und ſehr freundlichem
Geſichtsausdruck und lebendigen Weſens. Das Darm=
ſtädter
Publikum wird es ſicher intereſſiert haben, die
ſiameſiſche Majeſtät, die ſich jetzt auf einer Reiſe durch
Europa befindet, auch einmal von Angeſicht geſehen zu
haben.
L. Die Strafkammer hatte es mit folgenden Haft=
ſachen
geſtern zu tun: Der 17 Jahre alte Taglöhner

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
Die 12. Jahres=Ausſtellung Frank=
furter
Künſtler im Kunſtverein ( Junghof=
ſtraße
Nr. 8) wird Samstag vormittag halb 12 Uhr
vor geladenem Publikum in feſtlicher Weiſe eröffnet
werden. An der Veranſtaltung beteiligen ſich dieſes
Mal wieder nach mehrjähriger Trennung ſämtliche
Frankfurter Künſtlergruppen. Dementſprechend zahlreich
war die Zahl der Anmeldungen, ſie übertrifft mit 437
Werken, eingeſandt von 212 Künſtlern, die aller Vor=
jahre
. Als Juroren und Hängekommiſſare fungieren
diesmal, durch das Vertrauen der Künſtlerſchaft ge=
wählt
, die Herren: Profeſſor F. Brütt, Andreas Egers=
dörfer
, Rudolf Gudden, Robert Hoffmann, Emil Hub,
Prof. E. Körner, Franz Krüger, Guſtav Schrägle,
Prof. A. Varneſi und Heinrich Werner. Für die
Intereſſen der Ausſtellung iſt übrigens ein Komitee
tätig, das ſich aus einer großen Zahl Frankfurter
Herren zuſammenſetzt, welche der heimiſchen Kunſt
nahe ſtehen. Als Führer durch die Ausſtellung wird,
wie in den Vorjahren, ein mit Illuſtrationen ge=
ſchmückter
Katalog erſcheinen. Für das Publikum
wird die Ausſtellung von Samstag nachmittag ab ge=
öffnet
und bis einſchließlich 27. November täglich zu
beſichtigen ſein.
* Zur Berufung Gregors nach Wien,
deren Vorverhandlungen ſo geheim gehalten wurden,
daß die vollzogene Tatſache ſowohl in Wien wie in
Berlin völlig überraſchte, wird noch folgendes be=
kannt
: Gregors Gehalt beträgt 45000 Kronen im
Jahre, vertragsmäßig auf zehn Jahre feſtgelegt. Wie
Gregor ſelbſt mitteilt, iſt die Vollmacht, die er erreicht
hat, beſonders inbezug auf Neuanſtellungen und Neu=
beſetzungen
, faſt unbegrenzt. Gregor wird mit dem
Starſyſtem an der Wiener Hofoper aufräumen und
ebenſo wie bei der Komiſchen Oper in Berlin nur auf
gute Enſemblebeſetzung ſehen. An Stelle Weingart=
ners
hofft er Mahler als Kapellmeiſter zu gewinnen.
* Zu einer Dichtergabefür die Roſegger=
Stiftung haben ſich 250 der erſten deutſchen Dichter
vereinigt. In der Form eines Buches, das im November
unter dem Titel Der klingende Garten erſcheint, wird
mit 400 Dichtungen eine Ausleſe zeitgenöſſiſcher deutſcher
Dichtungen gegeben werden. Das Autorhonorar ſoll der
Deutſchen Schutzſtiftung überlaſſen werden.

Peter Karl Freund von Mainz=Kaſtel, welcher wegen
Diebſtahls eine geringe Strafe und wegen Brandſtif=
tung
6 Monate Gefängnis verbüßt hat, war aus der
Zwangserziehungsanſtalt in Klein=Zimmern entwichen
und bis an die holländiſche Grenze geraten; von dort
zog es ihn wieder nach der Heimat. Als er an der
Anſtalt vorbeikam, ſprach er angeblich mit einem Zög=
ling
, der mit ihm darin übereinſtimmte, daß ſolche
Inſtitute vernichtet werden müßten, ſie ſeien nur ein
Eingang ins Zuchthaus. Um der Anſtalt einen
Schabernack zu ſpielen, ſteckte er einen auf dem Felde
ſtehenden Heuhaufen in Brand. Er nahm an, dieſer
gehöre der Anſtalt. Der Haufen beſaß einen Wert von
150 Mark und brannte vollſtändig ab. Geſchädigt war
nicht das Stift, ſondern ein Landwirt von Klein=
Zimmern. Der Angeklagte, dem es auf die Strafe gar
nicht ankommt, der allein von der Erziehungsanſtalt
nichts mehr wiſſen will, wurde zu 1 Jahr Gefäng=
nis
verurteilt, 4 Wochen ſind durch die Unterſuchungs=
haft
verbüßt; er trat die Strafe an. Ein Spezialiſt
im Stehlen von Fahrrädern iſt der 36 Jahre alte Lud=
wig
Wengert, der hier in der Moſerſtraße am
2. Auguſt ein daſelbſt abgeſtelltes Fahrrad wegnahm,
mit einer Nummerplatte, die er von einem früheren
Diebſtahl her beſaß, verſah und anderen Tages in
Büttelborn zum Verkauf anbot. Um ſein Eigentum
nachzuweiſen, legte er Papiere, die auf den Namen
Hörlein lauteten, vor, dieſe hatte er in der Satteltaſche
eines Rades gefunden, welches er in Koburg geſtohlen
hat. Gendarmen gegenüber legte er ſich auch den Namen
Hörlein bei. Er behauptet entſchieden, er habe das Rad
käuflich erworben. Das Gericht ſprach jedoch wegen
Diebſtahls 2 Jahre Zuchthaus und wegen Füh=
rung
eines falſchen Namens 3 Wochen Haft aus, letztere
ſind durch die Unterſuchungshaft verbüßt. Er fand ſich
mit ſeinem Los ab. Der Schäfer Michael Boßler,
der ſeit dem Jahre 1869 zumeiſt nur das Gefängnis und
Zuchthaus wechſelt und zur Zeit 1 Jahr 3 Monate
Zuchthaus verbüßt, logierte ſich anfangs Januar in
Lorſch ein, erzählte, er ſei Schäfer, ſeine Herde käme
über den Odenwald. Einen kranken Hammel Cabe er
dabei, den er einſtellen müſſe. Das Tier wurde unter=
gebracht
und er wohnte zwei Tage im Gaſthof. In
dieſer Zeit wurden in der Gemarkung Bensheim und
Lorſch je ein Hammel aus einem Pferch geſtohlen. Der
Dieb war Boßler, der die Hammel, einen in Lorſch und
einen in Worms, für 22 Mark verkaufte. Er beſtreitet
beides ganz entſchieden und will zur kritiſchen Zeit in
der Gegend von Ravensburg geweſen ſein. Der Wirt
und die Käufer erkennen ihn jedoch beſtimmt wieder.
Das Gericht ſprach ihn daher ſchuldig und erhöhte die
1 Jahr 3 Monate auf 2 Jahre Zuchthaus.
* Preußiſche Klaſſenlotterie. Nach Schluß der
gegenwärtigen 223. Klaſſenlotterie gelangen in je=
der
Lotterie das große Los, die Prämie, ſowie
die Hauptgewinne von 200000 und 150000 Mark
z weimal z ur Auszah l ung, während
die Loſezahl nur von 300000 auf 380000 Stück, alſo noch
nicht um ein Viertel vermehrt worden iſt. Die Möglich=
keit
, das große Los, die Prämie und überhaupt höhere
Gewinne zu erhalten, iſt alſo nicht unerheblich geſtiegen.
Die Loſe tragen nicht die fortlaufenden Nummern von 1
bis 380000, ſondern werden künftig in zwei Abteilungen
mit der Bezeichnung I Nr. 1190000 und II Nr. 1190000
eingeteilt. Eine jede gezogene Nummer wird zweimal aus=
gezahlt
, einmal in der Abteilung I und gleichzeitig in der
Abteilung II. Wenn alſo z. B. ein Gewinn von 40000
Mark auf Nr. 95472 fällt, ſo kommen 40000 Mark auf
I Nr. 95472 und 40000 Mark auf II Nr. 95472 zur Aus=
zahlung
. Der Einſatzpreis für jede Klaſſe beträgt wie
bisher 40 Mark für ein ganzes Los, 20 Mark für ein
halbes, 10 Mark für ein Viertel=, 5 Mark für ein Achtellos.
Zehntelloſe fallen bei der neuen Lotterie weg. An Stelle
der wegfallenden Zehntelloſe treten Achtelloſe. Die Spie=
ler
, welche bisher ein ganzes, ein halbes, ein Viertel=, ein
Achtellos von den Nummern 1174000 geſpielt haben, er=
halten
ihre bisherigen Nummern wieder. Bei der voraus=
ſichtlich
wieder ſehr ſtarken Nachfrage nach preußiſchen Loſen
iſt es aber dringend nötig, dem Lotterieeinnehmer ſo bald
wie möglich mitzuteilen, ob die bisherige Nummer weiter
gewünſcht wird. Durch die Umwandlung der Zehn=
Zehntel= in Acht=Achtelloſe fallen zwei bisherige Zehntel=
ſpieler
aus, denen dafür andere Losabſchnitte zur Ver=
fügung
geſtellt werden. Die Zuteilung der Acht=Achtelloſe,
welche an Stelle der bisherigen Zehn=Zehntelloſe treten,

* Truſt im Buchhandel? Zwölf der bedeutend=
ſten
deutſchen Kommiſſionsbuchhandlungen, darunter F.
Volckmar und K. F. Köhler in Leipzig, ſind laut Leipziger
Neueſten Nachrichten eine Intereſſengemeinſchaft eingegan=
gen
, die ſechs bis ſieben Zehntel des geſamten Umſatzes
im deutſchen Buchhandel umfaßt. Der Eintritt weiterer
buchhändleriſcher Firmen ſteht bevor. Damit iſt die
Schaffung eines gewaltigen Truſts im Buchhandel nahe=
gerückt
.
Kleines Feuilleton.
* Eine 4000 Jahre alte Wohnſtätte. Wie
dem Hann. Cour. aus Stockholm geſchrieben wird, wurde
in Alvaſtra (bei dem See Vättern in Mittelſchweden) un=
längſt
ein Pfahlbau entdeckt, der nicht nur der größte, ſon=
dern
auch der älteſte aller bisher bekannten Pfahlbaue iſt;
die Wohnſtätte hat das anſehnliche Alter von 4000 Jahren.
Das Areal dieſes Pfahldorfes, wie man es in dieſem
Falle bezeichnen muß, umfaßt 2000 Quadratmeter. Hier=
von
ſind bisher nur 175 Quadratmeter bloßgelegt wor=
den
. Außer Tierknochen wurden auch allerlei Pflanzen=
reſte
, Nußſchalen, Getreidekörner und getrocknete Aepfel
ans Licht gebracht. Am intereſſanteſten aber ſind die
gleichfalls aufgefundenen Hirſekörner; zurzeit gedeiht die
Hirſe nämlich nicht nördlicher als in Nordafrika und in
Südeuropa; damals wuchs ſie alſo auch in Schweden.
Die Tierwelt weiſt dieſelben Haustiere wie jetzt, überdies
aber zahlreiche Waldtiere auf, die ſich jetzt nicht mehr fin=
den
, u. a. die wilde Katze. Auch zahlreiche Grabſtätten
wurden in dem Pfahlbau gefunden; die darin befindlichen
Skelette weiſen auf faſt Rieſen hin. Die Urſache der Er=
richtung
jenes koloſſalen und ſchwer zugänglichen Pfahl=
baues
iſt jedenfalls die damals herrſchende Feindſchaft
zwiſchen der ſkandinaviſchen Bevölkerung und den nicht=
ſkandinaviſchen
Stämmen, die am Ufer der Oſtſee wohn=
ten
, geweſen.
* Verlobungsſteine. Was ein Verlobungs=
ring
iſt, weiß in Deutſchland und darüber hinaus jeder=
mann
, auch wird manchem bekannt ſein, daß in gewiſſen
frieſiſchen Gegenden der Bräutigam als Zeichen des ge=
ſchloſſenen
Verlöbniſſes nicht einen Ring, ſondern eine
ſeltene Münze überreicht. Aber von Verlobungsſteinen
wußte nän bis vor kurzem gar nichts, und erſt
der Leipziger Profeſſor Weule hat uns von ihnen,

ſowie die Zuteilung der Loſe, die an Stelle der ausfallen=
den
Stammloſe über 174000 treten, erfolgt nach der Reihe
der eingegangenen Beſtellungen mit der Maßgabe, daß
den bisherigen Spielern möglichſt ähnliche Nummern zu=
geteilt
werden ſollen. Die Verteilung der Loſe an die ein=
zelnen
Einnehmer iſt ſo erfolgt, daß kein Lotterieeinneh=
mer
dieſelbe Nummer in der Abteilung I und der Abtei=
lung
II erhalten hat. Beſtellungen auf neue Loſe zur
nächſten Lotterie werden ſchon jetzt angenommen und nach
der Reihe ihres Eingangs erledigt. Die Loſe zur 1. Klaſſe
224. Lotterie werden für die bisherigen Spieler in der
Zeit vom 9. bis 23. Dezember möglichſt aufbewahrt.
n. Eine Satzungsändsrung der Süddeutſchen Eiſen=
bahngeſellſchaft
(in der Generalverſammlung am 18.
September 1909 zuſtande gekommen) entbehrt bis jetzt
noch der in der Konzeſſionsurkunde vorgeſehenen Ge=
nehmigung
der Regierung. Deshalb hatte das Amts=
gericht
I die vom Vorſtand beantragte Eintragung der
Aenderung in das Handelsregiſter abgelehnt und auf
Beſchwerde war von der Kammer für Handelsſachen
des hieſigen Landgerichts der gleiche Standpunkt ein=
genommen
worden. Nunmehr hat jedoch das Ober=
landesgericht
der weiteren Beſchwerde ſtattgegeben und
jene Ablehnung, welche auf der analogen. Anwendung
des § 195 Abſ. 6 Handelsgeſetzbuchs beruht, als un=
gerechtfertigt
erklärt. Ein Analogon ſei nach dem
ſonſtigen‟ Inhalt des Geſetzes ausgeſchloſſen und der
Regiſterrichter könne deshalb den Eintrag nicht von
Vorlage der Genehmigung abhängig machen. Unbe=
rührt
bleibe allerdings die Frage, welchen Einfluß
jener Mangel in ſonſtiger rechtlicher Hinſicht bezüg=
lich
der Gültigkeit der Aenderung habe.
* Die Verkehrseinnahmen aus dem Perſonen= und
Güterverkehr betragen nach vorläufiger Feſtſtellung:
1. für die Eiſenbahndirektionsbezirke Frankfurt a. M.
und Mainz: a) im Monat September 1910 12370000
Mark oder gegen das Vorjahr mehr 221000 Mark
1,82 Prozent; b) in der Zeit vom Beginn des Rech=
nungsjahres
71780000 Mark oder gegen das Vorjahr
mehr 3553000 Mark 5,21 Prozent; 2. für die Preu=
ßiſch
=Heſſiſche Eiſenbahngemeinſchaft: a) im Monat
September 1910 176648000 Mark oder gegen das Vor=
jahr
mehr 13006000 Mark 7,95 Prozent, b) in der
Zeit vom Beginn des Rechnungsjahres 1030 238000
Mark oder gegen das Vorjahr mehr 64350000 Mark
6,66 Prozent. (Darmſt. Ztg.)
nn. Zur Stadtverordnetenwahl. In der am Mitt=
woch
abend im Kaiſerſaal abgehaltenen Vorſtands=
ſitzung
des Darmſtädter Hausbeſitzervereins wurde die
vom Wahlausſchuß für die Stadtverordnetenwahlen
1910 aufgeſtellte Kandidatenliſte einſtimmig abge=
lehnt
und beſchloſſen, dem Ausſchuß zwei Kandidaten
aus den Reihen des Hausbeſitzerſtandes zu präſen=
tieren
. Angeſichts der außerordentlich ſtarken Be=
laſtung
des Grund und Bodens, der Bodenreformbe=
ſtrebungen
und der Gartenſtadtbewegung ſoll, dieſe
Forderung des Vereins mit allen Mitteln vertreten
eventuell ein ſelbſtändiges Vorgehen mit anderen Pax=
teien
in Ausſicht geſtellt werden. Ein Agitationsfonds
wurde bewilligt und eine achtgliederige Wahlköm=
miſſion
gebildet.
* Juſtizrat Dr. Mayer. Der Großh. Oberlandes=
gerichtsſekretär
, Herr Juſtizrat Dr. Mayer, iſt, wie ſchon
kurz mitgeteilt, im Alter von 55 Jahren im ſtädtiſchen
Krankenhauſe dahier verſtorben. Er wurde am 3. Januar
1855 zu Gießen geboren. Nachdem er ſich im Frühjahr
1876 der juriſtiſchen Fakultätsprüfung und im Herbſt 1878
der Staatsprüfung mit gutem Erfolg unterzogen hatte,
widmete er ſich dem Staatsdienſt und war vom 1. Mai
1880 ab an den Landgerichten zu Gießen und Darmſtadt,
ſowie am Oberlandesgericht als Hilfsgerichtsſchreiber ver=
wendet
. Am 25. Juli 1887 erfolgte ſeine Ernennung zum
Sekretär am Großh. Landgericht zu Darmſtadt und am
23. September 1903 wurde ihm als Nachfolger des Herrn
Juſtizrats Scharmann die Stelle des Oberlandesgerichts=
ſekretärs
übertragen. Am 16. Juli 1895 wurde ihm der
Charakter als Juſtizrat, am 25. November 1906 das
Ritterkreuz 1. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des
Großmütigen verliehen. Herr Juſtizrat Dr. Mayer zog
ſich auf ſeiner Ferienreiſe im Auguſt d. J. infolge eines
Sturzes eine Nervenerſchütterung zu, die ihn nötigte, ein
Sanatorium aufzuſuchen. Da er nach Ablauf ſeines Ur=
laubs
noch keine Heilung gefunden hatte, wurde ihm wei=
terer
Urlaub bewilligt. Er beabſichtigte, ſich wiederum
einer Sanatoriumsbehandlung zu unterziehen, verſtarb

Namangahlu, wie ſie heißen, d. h. eigentlich Mundſteine‟
erzählt. Bei den Makau, einem Negerſtamm in Oſtafrika,
gibt es dieſe ſeltſamen Symbole. Es handelt ſich um
klare, vom Waſſer abgeſchliffene Kieſel, deren ſchönſte ſich
im Bette des Rovumafluſſes finden. Liebt nun ein Makua=
jüngling
ein Mädchen und gedenkt er es zu heiraten, ſo
iſt es Ehrenſache für ihn, ihr ſolche Steine mitzubringen,
und die Schöne bewahrt ſie in Ermangelung anderer Be=
hältniſſe
im Munde, unter der Zunge auf. Iſt der Jüng=
ling
ſehr gelant, ſo hat ſie ein ganzes Neſt von ſolchen
haſelnußgroßen Steinen dauernd im Munde. Das mag
unbequem ſein, aber unbequemer iſt es ſicher noch, daß
die Beſitzerin der Mundſteine damit nicht renommieren
darf. Denn niemand darf die Verlobungskieſel ſehen, als
der Geliebte ſelber.
Ein Elefant, der tauſend Leben
rettete. Die jüngſt gemeldete Ueberſchwemmungs=
kataſtrophe
am Ganges, der bei Sorori zahlreiche in=
diſche
Pilger zum Opfer gefallen ſind, würde ohne die
Klugheit eines Elefanten weit größeres Unglück an=
gerichtet
haben. Während Tauſende von Pilgern in
den heiligen Fluten badeten, ſtieg plötzlich das Waſ=
ſer
, und 200 der Frommen ertranken. Der Elefant
aber, der einem gewiſſen Jung Bahadur gehört, rettete
mehr als tauſend der Pilger aus dem Fluſſe. An ſei=
nem
Geſchirr wurden lange Seile befeſtigt, immer
wieder ſchwamm das wackere Tier in die Fluten hin=
aus
, und an den Seilen ließen ſich die bedrängten Pil=
ger
ans Ufer ziehen.
C Ein ſicheres Gefängnis. Ein ſinn=
reiches
Verfahren, um Ausbruchsverſuche aus Straf=
anſtalten
zu verhindern, iſt nun in dem Zuchthaus
von Dillon in den Vereinigten Staaten eingeführr
worden, nachdem ein ſchlimmer Verbrecher eine auf=
ſehenerregende
Flucht bewerkſtelligt hatte. Auf Vor=
ſchlag
eines kanadiſchen Technikers hat man die Eiſen=
barren
der Gefängnisfenſter mit der elektriſchen Leit=
ung
verbunden und in allen Zellen eine lakoniſche
Warnung angeſchlagen: Wer die Fenſter berührt, tut
dies auf eigene Gefahr, da von dem Gitter ein Strom
von 2000 Volt ausgeht. Das wäre aber geradezu eine
Verleitung zum Selbſtmord!

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Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Oktober 1910.

Nummer 253.

jedoch vorgeſtern plötzlich im hieſigen ſtädtiſchen Kranken=
hauſe
. Dem Verewigten, der lange Jahre in Darmſtadt
gelebt hat und eine in weiten Kreiſen bekannte Perſön=
lichkeit
war, iſt ein ehrenvolles Andenken geſichert. Er hat
in den von ihm bekleideten Aemtern ſtets Tüchtiges ge=
leiſtet
und ſich durch Pflichttreue ausgezeichnet.
Ihr 91. Lebensjahr vollendet am nächſten
Samstag, den 29. Oktober, die Witwe Röder ( Alexander=
ſtraße
13.) Das alte Mütterchen hat auf der ganzen
Welt keinen Menſchen mehr, der ihr verwandtſchaftlich
näher ſteht, und ſie ernährt ſich noch immer durch ihrer
eigenen Hände Arbeit, ſo gut es ihre Augen zulaſſen (ſie
iſt Couvertenſtepperin); aber ihr Vertrauen auf den
lieben Gott und gute Menſchen hat ſie noch nie ver=
laſſen
, die ihrer gewiß auch für den bevorſtehenden
Winter gedenken werden.
*X* Der Vorſtand der Fortſchrittlichen Volkspartei
in Heſſen hat ſich dem Beſchluß vom vorigen Sonntag in
Mainz entſprechend jetzt an den Vorſitzenden des Landes=
ausſchuſſes
der Nationalliberalen Partei Heſſens, Herrn
Abg. Dr. Oſann, mit der Anfrage gewandt, ob die
Nationalliberale Partei zu näheren Verhandlungen über
die kommenden Reichstagswahlen im Sinne der Mainzer
Beſchlüſſe bereit ſei. Es wird deshalb demnächſt eine
außerordentliche Sitzung des Nationalliberalen Landes=
ausſchuſſes
einberufen werden, die ſich mit dieſer Anfrage
näher beſchäftigen ſoll.
* Backesgedenkſtein. Die Enthüllung des dem
langjährigen Obmann Rektor Backes vom Landes=
lehrerverein
auf dem hieſigen Friedhofe geſetzten Ge=
denkſteines
findet am Sonntag, den 13. November,
ſtatt.
K.-p. V Vortrag. Im letzten Sommer erregten
die Mitteilungen der Blätter über den in Berlin
tagenden Weltkongreß für freies Chriſtentum leb=
haftes
Intereſſe bei weiten Kreiſen. Es iſt gewiß vie=
len
erwünſcht, das Urteil eines Mannes darüber zu
hören, der, wie Pfarrer Werner in Frankfurt a. M.,
in chriſtlichen Kreiſen wie im öffentlichen Leben eine
höchſt angeſehene Stellung einnimmt. Derſelbe, als
geiſtvoller und volkstümlicher Redner weithin bekannt,
wird am Montag, den 31. Oktober, nachmittags 3 Uhr,
im Kaiſerſaal dahier einen Vortrag über dieſes Thema
halten. Freie Diskuſſion findet ſtatt. Der Eintritt
iſt für jedermann frei. (Siehe auch Anz.)
Wiſſenſchaftliche Vorträge über religiöfe
Fragen. Auf den Freitag, den 28. d. M. abends im
Kaiſerſaal ſtattfindenden Vortrag des Herrn Geheimen
Kirchenrats Profeſſor D. Baldenſperger von Gießen
über Geſchichte und Mythus im Urchriſten=
tum
ſei hierdurch nochmals hingewieſen.
* Jpachimſche Geſangſchule. Die ſeit vielen Jahren
hier beſtehende Joachimſche Geſangſchule, Parcusſtr. 9,
veranſtaltet am Montag, den 31. Oktober, im Saale zur
Loge, Sandſtraße 18, ihren jährlichen Vortragsabend.
Sämtliche Geſänge werden nur von Schülern der oberen
Klaſſe ausgeführt, deren Leiſtungen in hieſigen wie
auswärtigen Konzertſälen auf das Vorteilhafteſte be=
kannt
ſind.
Odenwaldklub. Die Ortsgruppe Darm=
ſtadt
des Odenwaldklubs veranſtaltete am
Mittwoch im Fürſtenſaal einen Vortragsabend, der
außerordentlich ſtark beſucht war. Herr Beigeordneter
Mueller, der Redner des Abends, begrüßte die
ſtattliche Verſammlung mit einem Hinweis auf die be=
ginnende
Winterſaiſon des Odenwaldklubs. Dieſer
biete ſeinen Mitgliedern wenig Gelegenheit zu Feſt=
lichkeiten
, und die Veranſtaltung dieſes Abends habe
auch den Zweck, dem Ziele des Odenwaldklubs zu
dienen: die Freude am Wandern zu fördern. Wem es
verſagt ſei, an Wanderungen teilzunehmen, dem werde
in den Vorträgen ein gewiſſer Erſatz geboten, vor
allem gelte dies für die Frauen. Herr Beig. Mueller
teilte ſodann das Programm der übrigen Vortrags=
abende
dieſes Winters mit, zu denen namhafte Redner
gewonnen ſeien; den Abſchluß werde eine größere Ver=
anſtaltung
zum Beſten der Volksſchülerwanderungen
bilden. Dem Ehrenmitgliede des Klubs, Miniſter
Braun, wünſchte er baldige Geneſung, und den Glück=
wünſchen
hierzu ſchloß ſich die Verſammlung unter leb=
haftem
Beifallan.
Herr Beig. Mueller ging nun zu dem Thema
ſeines Vortrages über, das eine Schweizer=
reiſe
nach dem Linthtal und den Bergrieſen des Kan=
tons
Glarus bildete. Der Vortragende ſprach im Ein=
gang
ſeiner Rede die Befürchtung aus, daß es eigentlich
gewagt ſei, heute noch die Erlebniſſe einer Schweizer=
reiſe
in einem Vortrage darzubieten, denn was früher
ein Ereignis geweſen ſei, wäre heute etwas Alltägliches.
Das Reiſen ſei gegen früher verbilligt, ſelbſt bei der
Fahrkartenſteuer in allen Schichten der Bevölkerung
ſei die Luſt am Reiſen und Wandern geſtiegen. Trotz=
dem
die Schönheiten des deutſchen Mittelgebirges er=
kannt
wären, hätte der Beſuch der Schweiz, Norwegens
uſw. noch zugenommen. Aber wie viele, ſo frägte der
Redner mit Recht, kennen die Schweiz wirklich und den
Zauber der Hochgebirge? Doch nur die, die ihn wirk=
lich
erlebt haben, und das ſind nicht allzu viele. Herr
Beig. Mueller gab nun eine ausgezeichnete Schilderung
ſeiner Touren von dem Orte Linthtal aus nach den
umliegenden Bergen des Kantons Glarus. Der Vor=
trag
war durch vortreffliche Lichtbilder unterſtützt;
mehr noch feſſelten die Schilderungen von den Fähr=
niſſen
beim Wandern über die Glarniſchkette. Es
würde zu weit führen, auf Einzelheiten einzugehen.
Das Publikum zeigte ſich für das Gebotene außer=
ordentlich
dankbar, folgte dem Redner mit geſpannte=
ſter
Aufmerkſamkeßt und ſpendete zum Schluß leb=
haft
Beifall. Dem Dank für den Redner gab Profeſſor
Kiſſinger nochmals in Worten beſonders Ausdruck.
Die Ortsgruppe Offenbach des Odenwald=
klubs
wird nächſten Sonntag Darmſtadt beſuchen und
um 6,42 Uhr abends mit der Bahn eintreffen. Die
hieſigen Klubmitglieder werden ſich mit ihnen im Hotel
Merz (am Bahnhof) treffen.
Herberge zur Heimat. Der rauhe Winter ſteht
vor der Tür. In vielen Betrieben wird die Arbeit ver=
mindert
, wenn nicht ganz eingeſtellt, und eine Menge
Arbeiter iſt gezwungen, auf die Wanderſchaft zu gehen,
um in anderen Gegenden Erwerb zu ſuchen. Wie wohl
tut es einem ſolchen frierenden und müden Wanderer,
wenn er abends in der Herberge zur Heimat Unter=
kunft
findet und in ein warmes Bett kommt. In der
hieſigen Herberge zur Heimat reichen die Betten leider
nicht mehr aus und bittet der Vorſtand daher edel=
denkende
Menſchen, denen es vergönnt iſt, im eigenen
behaglichen Heim nach vollbrachtem Tagewerk auszu=
ruhen
, mit beizutragen zur Linderung der Not der
armen Brüder von der Landſtraße und ihm bei der
Anſchaffung von Betten durch Gaben an Geld und
Bettwerk behilflich zu ſein. Der Hausvater der Her=
berge
zur Heimat, Herr Wilh. Huhn, Große Ochſen=
gaſſe
Nr. 8, iſt gerne bereit, gebrauchte Deckbetten,
Kiſſen und ſonſtiges Zubehör abholen zu laſſen.

§ Schutzmanusſchule. An der gemeinſamen Schutz=
mannsſchule
für das Großherzogtum Heſſen hat geſtern
vormittag der diesjährige Herbſtlehrgang dahier im
Polizeiamtsgebäude begonnen. Es iſt dies ſeit Beſtehen
der Schule der zwölfte Lehrgang. An dem Unterricht
nahmen 7 Schutzleute aus Mainz, 4 Schutzleute aus
Worms, 2 Schutzleute aus Darmſtadt, 2 Schutzleute aus
Offenbach und 1 Schutzmann aus Gießen, im ganzen
16 Mann, teil.
C. Erfindung. Herr Jakob Ackermann hier, Nie=
derſtraße
15, hat kürzlich für eine Atmungsvorrichtung
für Luftſchiffer ein Patent erhalten. Dieſer Apparat
hat auch für Bergſteiger behufs Verhütung der Berg=
krankheit
Bedeutung.
C. Beſitzwechſel. Das den Erben des Oberſt von
Bouchenröder gehörige rund 21000 Quadratmeter ent=
haltende
Gut, Stadtallee 2, iſt zum Preiſe von 192000
Mark an den Fiskus übergegangen .
Seltenes Jagdſtück. Ein weißgeſcheckter
Rehbock, welcher von Herrn Koch in Stockheim er=
legt
und im Atelier des Herrn Präparators Ernſt
Achen, Grafenſtr. 22, ausgeſtopft wurde, iſt gegen=
wärtig
im Schaufenſter der Waffenhandlung Gg. Link,
Grafenſtr., ausgeſtellt.
gs- Aufgefunden. Geſtern vormittag nach 7 Uhr
wurde von Streckenarbeitern der Süddeutſchen Eiſenbahn
in der Tanne unterhalb der Brücke der Griesheimer
Chauſſee ein 70jähriger, obdachloſer Mann aus
Beſſungen aufgefunden. Er hatte die ganze Nacht
dort gelegen und war völlig erſchöpft. Die Rettungs=
wache
brachte den Mann mittels Krankenautomobils
nach dem ſtädtiſchen Krankenhaus.
§ Fahrraddiebſtahl. Am Dienstag abend zwiſchen
7 und 8 Uhr iſt ein Fahrrad, welches auf kurze Zeit in
der Toreinfahrt des Hauſes Eſchollbrückerſtraße 6 auf=
geſtellt
war, geſtohlen worden.
Pfungſtadt, 27. Okt. Der Starkenburger Geflü=
gelzüchter
=Verband veranſtaltet am 19., 20. und 21. No=
vember
im großen Saale des Darmſtädter Hof ſeine
6. Verbandsausſtellung. Das Protektorat über
die Ausſtellung hat der Provinzialdirektor, Herr Ge=
heimerat
Fey in Darmſtadt, übernommen. Der Land=
wirtſchaftskammer
=Ausſchuß für Starkenburg hat für
die von ihm als leiſtungsfähig anerkannten Nutz=
geflügelraſſen
150 Mark als Kammerpreiſe zur Ver=
fügung
geſtellt. Außerdem werden noch das anteil=
mäßige
Standgeld und eine große Anzahl wertvoller
Ehrenpreiſe vergeben.
S. Michelſtadt i. O., 27. Okt. Am 30. Oktober wird
die im Laufe des Sommers renoviexte Stadt=
kirche
in Michelſtadt eingeweiht. Daß die Wie=
derherſtellungsarbeiten
von ziemlichem Umfange waren,
erſieht man an der aufgewendeten Summe von 63000
Mark. Die Vergangenheit des Gotteshauſes wird von
Oberpfarrer Bernbeck von Michelſtadt in der Feſt=
ſchrift
eingehend geſchildert. An der Stelle, wo heute
die Kirche ſteht, errichteten einſt Kilian oder ſeine
Freunde und Schüler ein Holzkirchlein. Vor dieſem
zierte den Platz wohl ein heidniſches Heiligtum. In
der nördlichen Längswand der Kirche nach dem Chor
zu war nämlich ein auf vier Seiten mit Bildniſſen von
Gottheiten geſchmückter Opferſtein eingemauert, der
jetzt im Schloßhof in Erbach ſteht. Zu Eginhards Zeit
wurde dieſes Holzkirchlein wahrſcheinlich erweitert, da
es wohl zu klein war, und die alten Schriften des
Kloſters Fulda berichten aus dem Jahr 821: Einweih=
ung
der Kirche zu Michlinſtadt im Odenwalde‟. Dieſe
Holzkirche wurde nach Anſicht der Altertums= und Ge=
ſchichtsforſcher
von Abt Gerboda von Lorſch im Jahre
960 durch einen Steinbau im romaniſchen Stil erſetzt.
Dieſe Kirche war der Jungfrau Maria geweiht. Als
die jetzige Kirche renoviert wurde, ſtieß man zwar auf
Mauerreſte der alten romaniſchen Kirche, die aber über
einſtige Größe und Ausdehnung derſelben keinerlei
beſtimmte Schlüſſe zuließen. In der alten Kirche
ſtanden zweiſellos mehrere Steinaltäre, zwei Stein=
ſärge
und verſchiedene Grabdenkmäler, die auch noch
in der jetzigen, gotiſchen Kirche zu finden ſind. Dieſe
wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts er=
baut
, wohl deshalb, weil die alte Kirche baufällig oder
zu klein war. Die Bauzeit für die neue Kirche erſtreckte
ſich auf mehrere Jahrzehnte, deshalb darf man wohl
annehmen, daß die neue Kirche über die alte gebaut
wurde, was damals öfter gemacht wurde. Tadurch war
es möglich, die Gottesdienſte ohne Unterbrechung im
alten Gebäude ſolange zu halten, bis das neue fertig
war. Die verſchiedenen Etappen im Bau der Kirche ſind
gekennzeichnet durch mehrfache Inſchriften. Nach dieſen
wurde im Jahre 1461 der erſte Stein des Chores gelegt.
Im Jahre 1475 geſchah die Erneuerung des Haupt=
baues
, und das Langhaus wurde 1490 vollendet. Der
Turm wurde 1507 begonnen, 1537 geſchah die Bedachung
desſelben. Die Kirche zeigte folgende Geſtalt: an das
Langhaus mit hohem Mittelſchiff und zwei Seiten=
ſchiffen
ſchließt ſich das ſtattliche Chor an, außer dem
Turm befinden ſich außen, links und rechts, noch zwei
Kapellenbauten. Die Form der Kirche folgt alſo dem
Baſilikalſyſtem.
Im Jahre 1490 wurde die Kirche eingeweiht. Die
Einrichtung entſprach dem damals allgemein üblichen
katholiſchen Kult. Das änderte ſich jedoch bald, da in
der Grafſchaft Erbach die Reformation früh Eingang
fand, die förmliche Erklärung für Luthers Lehre er=
folgte
im Jahre 1539; und 1544 wurden die katholiſchen
Meßgewänder, Bilder uſw. überall in der Grafſchaft
beſeitigt und im Schloſſe in Erbach aufbewahrt. Das
baufällige Chor wurde im Jahre 1543 renoviert. Die
Schäden, die der 30jährige Krieg 1622 der Kirche zu=
fügte
, wurden 1624 beſeitigt, worüber eine in der
Sakriſtei befindliche hölzerne Tafel Aufſchluß gibt. Mit
dem Wachstum des Kirchſpiels und der Gemeinde
Michelſtadt ſtellte ſich Raummangel im Gotteshauſe ein.
Im Jahre 1669 wurde deshalb mit dem Einbauen von
Emporen begonnen, dieſe wurden dann vermehrt und
erneuert gelegentlich der größeren Renovierungs=
arbeiten
in den Jahren 1747 und 1748. Größere Aus=
beſſerungen
an Turm und Dach brachte das Jahr 1865.
Ein Blitzſtrahl, der im Jahre 1892 in den Turm fuhr,
ohne jedoch Schaden anzurichten, veranlaßte im Jahre
1894 die Anbringung einer Blitzableitungsanlage.
Schon im Jahre 1856 war eine gründliche Reno=
vierung
der Kirche geplant; Verhandlungen zogen ſich
jahrelang hin, ohne ein greifbares Reſultat zu zeitigen.
Da regte Oberbibliothekar Profeſſor Dr. Liſt= Straß=
burg
den Gedanken einer Kirchbaulotterie an, deren
Ziehung im Auguſt 1897 ſtattfand. Die Frucht dieſes
Erträgniſſes war zunächſt die Verlegung der wertvollen
Bibliothek, die auf ein Gutachten des Denkmalpflegers
Profeſſor Wickop erfolgte. Zur Beratung der wei=
teren
Wiederherſtellung waren im Jahre 1909 Geh.
Oberkonſiſtorialrat Merck, Geh. Oberbaurat Profeſſor
Hofmann, Geh. Baurat Profeſſor Wickop und Kirchen=
baumeiſter
Profeſſor Pützer in Michelſtadt anweſend.
In einer im Oktober 1909 ſtattgehabten Verſammlung

hielt Profeſſor Pützer einen Vortrag über den vin
ihm aufgeſtellten Bauplan, deſſen Ausführung 63000
Mark Koſten verurſachte. Dieſes Projekt wurde zur
Ausführung angenommen und am 25. April 1910 mit
deſſen Ausführung begonnen. Profeſſor Pützer hatte
die Oberleitung, die lokale Leitung der Arbeiten führte
Kirchenbauaufſeher J. Meyer. Außer dem Ertrag der
Lotterie wurde die Bauſumme aufgebracht durch reiche
Stiftungen und eine Kapitalaufnahme. Die Renovation
beſeitigte die in die Nebenſchiffe und die Hochwände
gebauten Emporen und brachte Zentralheizung, eine
neue Orgel, ſchöne Gruppierung der Grabſteine, kunſt=
volles
Portal und geſchmackvolle Ausſchmückung der
Wände, bei welch letzterer frühere Malereien geſchickt
verwendet wurden. Durch zweckmäßiges Stellen der
Bänke und Vermehrung der Sitzplätze im Chor wurde
Erſatz geſchaffen für die mit den Emporen weggefallenen
Plätze. Die alte Orgel war in den Triumphbogen ein=
gebaut
, die neue iſt über dieſem angebracht.
t. Lindenfels 26. Okt. Geſtern mittag trafen die
Großfürſtin Sergius von Rußland, ſowie
die Prinzeſſin von Battenberg zu einem Be=
ſuche
in der Eleonorenheilſtätte bei Winterkaſten ein.
Unter Führung der Herren Dr. Sell und Verwalter
Bühler wurden die Einxichtungen der Anſtalt be=
ſichtigt
, über die ſich die hohen Herrſchaften lobend und
anerkennend ausſprachen. Gegen abend verließen ſie.
wieder die Anſtalt. Im benachbarten Eulsbach
verſuchte ein Einbrecher die Kaſſe des Gemeinde=
rechners
, der ſich mit ſeiner Familie auf der Linden=
felſer
Kirchweih befand, zu revidieren Mit einem
Beil erbrach er die Kommode. Doch mußte er unver=
richteter
Sache wieder abziehen, da der Rechner die
Kaſſe mit 1500 Mark Inhalt vor ſeinem Weggange
anderweitig verwahrt hatte. Auf eine zur Beſetzung
ausgeſchriebene hieſige evangeliſche Lehrerſtelle haben
ſich bloß 3 Bewerber gemeldet.
Reichelsheim i. O., 27. Okt. Bei den Aufräumungs=
arbeiten
des durch Brand zerſtörten Gaſthauſes zur
Ruine Rodenſtein wurde im Schutte eine große eiſerne.
Platte vorgefunden, die die Jahreszahl 1588 trägt.
Auf ihr iſt die bibliſche Erzählung Vom goldenen
Kalb plaſtiſch dargeſtellt. Darunter ſtehen die Worte:
Exodus Das Volk ſetzte ſich zu eſſen und trinken,
ſtand auf zu ſpielen‟. Der Beſitzer gedenkt, den Fund
nicht zu veräußern, ſondern will ihn im Neubau ein=
mauern
laſſen.
Mainz, 26. Okt. In der heutigen Sitzung dee
Stadtverordneten wies der Beig. Berndt mit
Entſchiedenheit alle Anklagen gegen die Polizei=
aſſiſtentin
zurück. Nach eingehender Unterſuch=
ung
hätten ſich alle Anſchuldigungen als grundlos er=
wieſen
. Juſtizrat Stadtverordneter Dr. Horch glaubte
dagegen im Beſitz von Material zu ſein, das die Miß=
griffe
der Polizeiaſſiſtentin einwandfrei beſtätige. Nach
langer Debatte einigte man ſich dahin, das Material
dem Oberbürgermeiſter zur Prüfung und ſpäterer Be=
richterſtattung
an die Stadtverordneten=Verſammlung
zu überlaſſen.
Worms, 27. Okt. Eine Gläubigerverſamm=
lung
der Firma Molz u. Forbach fand heute nach=
mittag
im Europäiſchen Hof ſtatt. Die Aktiven be=
laufen
ſich auf 104822 Mark, deren Realiſationswert.
auf höchſtens 50000 Mark zu ſchätzen iſt. Die Paſſiva
betragen rund 300000 Mark. Abzüglich der Koſten.
eines Konkursverfahrens von 78000 Mark, Miete
7000 Mark, Gehälter 6000 Mark, Hypothekenzinſen 3000
Mark, aus laufenden Verträgen und ſonſtigen Un=.
koſten von etwa 1000 Mark würde ein Reſt von 25000
Mark, alſo etwa 8 Prozent für die Gläubiger bleiben.
Die Erklärung des Konkurſes wird deshalb allgemein
als unvermeidlich betrachtet.
Oſthofen, 26. Okt. Bei der heutigen Schöffen=
gerichtsſitzung
ereignete ſich beim Abführen von
verurteilten Zigeunern folgender Vorfall: Als
Wachtmeiſter Fiſcher mit zwei Zigeunern das Amts=
gerichtsgebäude
verließ, um dieſe in das Haftlokal. ein=
zuliefern
, entſprangen beide, der eine nach links,
der andere nach rechts. Auf wiederholtes Haltrufen.
blieb der Zigeuner Adam nicht ſtehen, worauf Wacht=
meiſter
Fiſcher einen Schuß abgab. Erſt hierauf ſank
er vor Schreck zuſammen und ließ ſich abführen. Der
Gefangenwärter Brehm eilte dem anderen Flüchtigen
nach, und es gelang ihm, nachdem der Zigeuner von
Paſſanten aufgefangen wurde, ihn in das Haftlokal
einzubringen. Das Geſchrei der anweſenden Zigeuner=
weiber
war unbeſchreiblich. Die Frau des obengenann=
ten
Adam, auf den geſchoſſen wurde, ſprang dem Wacht=
meiſter
Fiſcher ins Geſicht und konnte von dieſem nur
durch Fauſtſchläge und vorgehaltenem Revolver los=,
gebracht werden. Die Weiber wurden ſodann von=
Wachtmeiſter Schäfer über die Kreisgrenze trans=,
portiert.
Bermersheim, 26. Okt. Geſtern wurde das Fuhr=
werk
des Landwirts Wagner von hier auf dem
Uebergang zwiſchen Albig und Armsheim von dem;
Mainzer Zug um 12 Uhr überfahren. Der Wagen
wurde total zertrümmert. Eine Kuh kam mit heiler
Haut davon, während die andere abgeſchlachtet werden
mußte. Der Unfall ſoll durch Nichtſchließen der
Schranken herbeigeführt worden ſein.

Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 26. Okt. Berliner Blät=
tern
wird mitgeteilt, daß der Landgraf von Heſ=
ſen
mit Gefolge (Oberleutnant Riedeſel Freiherr zu
Eiſenbach und Hauptmann Freiherr Schenck zu
Schweinsberg) am 5. Nopember eine dreimonatige
Reiſe nach Kanada und den Vereinigten Staaten be=
enden
und auf dem Dampfer Kaiſerin Auguſte Vik=
toria
nach Deutſchland zurückkehren wird. Der Land=
graf
wurde ſeitens der kanadiſchen Regierung bei ſei=
ner
Ankunft in Quebee und an den Sitzen der Vize=
gouverneure
offiziell begrüßt. Kanada wurde auf den
Canadian Pacific Railway, die einen Salonwagen
zur Verfügung geſtellt hatte, bis Vancouver mit län=
gerem
Aufenthalt in den Rocky Mountains durchquert.
Die Rückreiſe erfolgt von Vancouver über Seattle,
Chicago, New=York. In der Streitſache Le=
bius
gegen Karl May, in der es ſich um den Le=
biusſchen
Antrag auf Aufhebung der gegen ihn erlaſſe=
nen
einſtweiligen Verfügung handelt, nach der er
keinerlei ehrenkränkende Angriffe gegen May bringen
und ihn zum Beiſpiel nicht einen ehemaligen Ver=
brecher
nennen dürfe, hat die 3. Zivilkammer des
Landgerichts I geſtern die Entſcheidung verkündet. Sie
geht dahin, daß die einſtweilige Verfügung aufzu=
heben
ſei. Der Gerichtshof hat, wie der Vorſitzende.
zur Begründung ausführte, erwogen, daß an ſich zwar
ſchwere Beleidigungen in den von Lebius veröffent=
lichten
Artikeln vorhanden ſeien. Dieſe ſeien aber
ſchon längere Zeit im Schwange und Karl May habe
ſeit September 1909 nichts dagegen getan, ſondern ſich
erſt jetzt entſchloſſen, gegen die Beleidiaun im

[ ][  ][ ]

Nummer 253.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Oktober 1910.

Seite 5.

Wege des Zivilprozeſſes vorzugehen. Deshalb liege
ein Fall von Dringlichkeit, der das ſchnelle Mittel der
einſtweiligen Verfügung rechtfertigen würde, nicht
vor. Die von Karl May angeſtrengte Unterlaſſungs=
klage
wird nunmehr in nächſter Woche die 7. Zivil=
kammer
des Landgerichts I beſchäftigen. Ein
ſchweres Automobilunglück, bei dem zwei
Menſchen lebensgefährlich verletzt wurden, ereignete
ſich heute nachmittag in der dritten Stunde in
Wittenau. Dort fuhr ein Laſtautomobil der Firma
Gebrüder Stollwerck, von Berlin kommend, durch die
Hauptſtraße und wollte in die Oranienburger Straße
einbiegen. Doch nahm es die Kurve in zu ſchnellem
Tempo, kippte um und begrub den Chauffeur und den
Mitfahrer unter ſich. Beide wurden in lebensgefähr=
lichem
Zuſtande unter dem Kraftwagen hervorgeholt.
Der eine, Bruno Böhn, hatte einen Schädelbruch und
eine ſchwere Halsverletzung, der andere einen Schä=
delbruch
erlitten. Die beiden Verunglückten wurden
in einem Wagen des Verbandes für erſte Hilfe nach
dem Paul Gerhardſtift in der Müllerſtraße gebracht.
Die Revolveraffäre in der Salzburger
Straße, die vor einigen Wochen in Berlin Aufſehen
erregte und in deren Mittelpunkt eine Wirtſchafterin
ſtand, hat jetzt einen tragiſchen Abſchluß gefunden.
Einer der Beteiligten, der bejahrte Rittmeiſter a. D.
von Eſchwege, hat aus Beſorgnis vor einem gericht=
lichen
Nachſpiel ſeinem Leben durch einen Schuß ins
Herz ein Ende geſetzt. Nach einem Beleidigungs=
prozeß
feuerte heute der Arbeiter Richard Beck auf
ſeinen Prozeßgegner, Packer Sander, 5 Revolver=
ſchüſſe
ab, von denen vier fehlgingen, während der
fünfte Sander im Geſicht verletzte. Beck flüchtete,
wurde aber von Paſſanten feſtgehalten und, nachdem
ihm Sanders Freunde eine gehörige Tracht Prügel
verabreicht hatten, der Polizei übergeben.
Frankfurt, 27. Okt. Ein ſchweres Ung,lück
ereignete ſich heute mittag gegen ½12 Uhr in der
Weidenbornſtraße. Dort ſtürzte der Neubau der
Firma Otto Sturm zuſammen. Der 26 Jahre alte
Arbeiter Otto Uſinger wurde von den herabſtürzenden
Geſteinsmaſſen erſchlagen. Vier weitere Arbeiter wur=
den
ſchwer, eine ganze Anzahl leichter verletzt. Da die
Treppe mit eingeſtürzt war, mußte die Feuerwehr
herbeigerufen werden, damit die noch auf den ſtehen=
gebliebenen
Mauern befindlichen Arbeiter mit der
pneumatiſchen Leiter herabgeholt werden konnten.
Oberurſel, 26. Okt. Ueber das Unglück, das ſich hier
zugetragen hat, wird weiter berichtet: Die Pferde
eines Kohlenfuhrwerks ſcheuten vor einem
Ochſengeſpann und rannten die ſteile Straße hinab auf
den Marktplatz, wo eine luſtige Menge die Kirchweihbuden
umſtand. Alles ſtürzte durcheinander, aber eine Gruppe
von Kindern konnte nicht mehr flüchten; die Tiere
rannten über ſie hinweg, wobei einer der Gäule zu
Fall kam und mehrere Kinder unter ſich begrub. Die Ret=
tungsarbeiten
geſtalteten ſich ſehr ſchwierig, da das ge=
ſtürzte
Tier um ſich ſchlug und dabei einen Helfer gegen
den Leib trat. Andere Kinder waren unter den Wagen
geraten, eines gegen einen Baum geſchleudert worden.
Als dann das Rettungswerk vollbracht war, zeigte es ſich,
daß das Unglück nicht ganz ſo groß war, als man zuerſt
annahm. Die beiden am ſchwerſten verletzten Kinder
waren nicht tot, ſondern nur bewußtlos ſie befinden
ſich in einem Frankfurter Krankenhaus und es beſteht
Hoffnung, ihr Leben zu erhalten, nachdem eine Operation
gut verlaufen iſt. Sieben Kinder haben die mannigfach=
ſten
Verletzungen davongetragen. Von der Familie eines
Bäckers befinden ſich vier Kinder unter den Verletzten.
Hamburg, 26. Okt. Die Kaffeehausbeſitzer
haben den Antrag der ſtreikenden Kaffeekellner, eine
Verſtändigung durch Vermittelung des Gewerbe=
gerichts
herbeizuführen, abgelehnt.
London, 26. Okt. Dr. Crippen hat beſchloſſen,
gegen das wider ihn ergangene Urteil Berufung ein=
zulegen
.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach
ßehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
Konzert in der Stadtkirche. Näheres
über das nächſten Sonntag, nachmittags 5 Uhr, ſtattfin=
dende
Konzert iſt aus dem Inſerat im heutigen Blatte er=
ſichtlich
. Durch die Mitwirkung zweier Violinen iſt das
Programm beſonders anziehend und intereſſant gewor=
den
. Freiin B. v. Bellersheim trägt die Air von Bach,
Frl. L. Hickler drei kleinere Stücke von Rode und R. Schu=
mann
vor. Außerdem werden beide Damen zuſammen
zwei größere Stücke für 2 Violinen und Orgel zur Auf=
führung
bringen: Largo aus dem D-moll=Konzert von
J. S. Bach und die G=dur=Sonate ſeines zweiten Sohnes
Emanuel. Emauel Bach war von 17401767 der ſtändige
Begleiter am Klavier von Friedrich dem Großen. Herr
Stephani ſingt zwei Bachſche Arien: An irdiſche Schätze‟
und Großer Gott aus zwei Kantaten. Auf der Orgel
gelangen zur Ausführung die G-moll=Fantaſie von S.
Bach, Paſſacaglio von Buxtehude und eine Schumannſche
Fuge über B-A-C-H.
* Balladenabend am 3. November. Der
Löwe=Interpret Karl Götz wird am 3. November
ds. Js. im Saale Zur Traube ein Konzert ver=
anſtalten
, das für die Freunde Löweſcher Balladenſänge
einen hohen Kunſtgenuß verſpricht. Handelt es ſich
bei dem Konzertbariton Karl Götz doch um einen Künſt=
ler
, der die feine und tiefe Kunſt der Löweſchen Bal=
ladenkompoſitionen
ſowohl nach der geſanglichen Seite
hin wie auch inhaltlich durch tiefempfundenen Vortrag
reſtlos erſchöpft. Herr Karl Götz hat ſich den Geſang
von Löwe=Balladen zum Spezialſtudium gewählt, und,
durchdrungen von der Größe der Kunſt dieſes erfolg=
reichſten
Balladenkomponiſten, die Aufgabe geſtellt, die
herrlichen, gefühlvollen Geſänge volkstümlich zu machen.
Er wird darum auch, neben bekannteren Dichtungen
ſolche bringen, die bisher wenig oder gar keinen Ein=
gang
in den Konzertſaal gefunden haben. Sicher iſt,
daß Götz einer der beſten, wenn nicht überhaupt der
beſte Löwe=Interpret iſt. In dem Balladenabend am
3. November wird Fräulein Leonie Born aus
Philadelphia mitwirken. Auch dieſer Künſtlerin geht
ein beſonders guter künſtleriſcher Ruf voran. Fräu=
lein
Leonie Born iſt eine Deutſche. Sie war längere
Zeit in Philadelphia als Kirchenſängerin beſchäftigt
und befindet ſich jetzt auf einer Konzerttournee durch
Deutſchland. Das Auftreten der Künſtlerin in Leip=
zig
, Berlin uſw. war von außerordentlichen Erfolgen
begleitet und die vorliegenden Kritiken rühmen aus=
nahmslos
ihr enormes Können.

Parlamentariſches.
** Der Finanzausſchuß der Zweiten
Kammer iſt vom Präſidenten, Abg. Reinhart, für
Dienstag, den 8. November und die folgenden Tage zur
Wiederaufnahme jeiner Beratungen einberufen worden.

Auf der Tagesordnung ſtehen 22 Beratungsgegenſtände,
darunter neben der wichtigen Regierungsvorlage betr. die
Tilgung der Staatsſchuld mehrere Nebenbahn=
anträge
der Abgeordneten Haas (Reinheim- Reichels=
heim
), Dr. Frenay (Gonſenheim-Finthen) und Ulrich
(Modautalbahn), ferner der Antrag Dr. Gläſſing, betr. die
Autonomie der Gemeinden, die Anträge Dr. Pagenſtecher
und Dr. Schmitt, betr. die Gemeindeſteuer der Eiſenbahn=
beamten
, Vorſtellung der Aktuare Diſtel u. a. betr. Beſol=
dungsordnung
, die Vorſtellung des Turnlehrers Völſing=
Darmſtadt um Gleichſtellung mit den Zeichenlehrern, die
Vorſtellung des Verbandes der Bureauangeſtellten uſw.
Deutſchlands zum Juſtizetat, die Vorſtellung der Rechts=
anwalts
= und Notariatsbureaubeamten, betr. Verwendung
im Staatsdienſt u. a. m.
Der fünfte Ausſchuß der Zweiten Kam=
mer
(Sonderausſchuß für die Verwaltungsgeſetzreviſion
iſt von ſeinem Präſidenten, Abg. Dr. Gläſſing, zur
Wiederaufnahme ſeiner Beratungen für Donnerstag, den
3. November, einberufen worden. Zur Beratung reſp. zur
Verleſung und Genehmigung werden zunächſt die Berichte
der Ausſchußreferenten für die Städteordnung (Abg. Dr.
Gläſſing) und die Landgemeindeordnung (Abgg. Stöpler
und Uebel) gelangen. Darauf ſoll auch in die Beratung
des dritten der vorliegenden Geſetzentwürfe zur Verwal
tungsgeſetzreviſion, der Verwaltungsrechtspflege eingetre=
ten
werden, über die Abg. Dr. Gutfleiſch das Ausſchuß=
referat
übernommen hat.
Der dritte (Petitions=) Ausſchuß der Zwei=
ten
Kammer hielt am Donnerstag vormittag unter dem
Vorſitz des Abg. Breidenbach eine Sitzung ab, und
erledigte einige Vorſtellungen. Inbetreff der Bittſchrift
der Witwe Paul I aus Nonnenroth bei Gießen wurde be=
ſchloſſen
, die Regierung zu erſuchen, der Witwe eine ent=
ſprechende
Unterſtützung zu gewähren. Bezüglich der Vor=
ſtellung
des Verbandes Heſſiſcher Privatarchtekten wegen
der von ſtaatlichen Baubeamten ausgeführten Privat=
arbeiten
liegt zunächſt erſt eine Rückäußerung des Mini=
ſteriums
der Finanzen zu der Angelegenheit vor. Der
Ausſchuß beſchloß, auch erſt die Antwort des in der Frage
ebenfalls intereſſierten Miniſteriums des Innern abzu=
warten
, bevor er ſich über die Vorſtellung ſelber ſchlüſſig
macht. Die Beratung über die Vorſtellung der Steinbruch=
arbeiter
zu Asbach, über die Abg. Pennrich zu referieren
hat, wurde bis zur nächſten Sitzung zurückgeſtellt.
*X* Zu dem Geſetzentwurf über die
Gemeindeumlagenreform, der demnächſt die
Erſte Kammer zu beſchäftigen haben wird, hatte jüngſt
der Heſſiſche Handelskammertag reſpektive der Vorort
Mainz in einer längeren Eingabe an die Kammer
Stellung genommen und darin beſonders die ſchon
früher geltend gemachten Abänderungsvorſchläge zu
Artikel 10 in Betreff der Gewerbeſteuerveranlagung
wiederholt. Soeben hat nun auch die Wormſer
Handelskammer eine Eingabe an die Erſte Kam=
mer
gerichtet, worin ſie für den Fall, daß über den An=
trag
des Handelskammertages zu Artikel 10 zwiſchen
den geſetzgebenden Faktoren keine Einigung erlangt
werden ſollte, einen anderen Vorſchlag macht, der bei
etwas veränderter Berückſichtigung des Kapital= und
Ertragswertes nach den der Eingabe beigefügten ge=
naueren
Berechnungen höhere Erträgniſſe an Gewerbe=
ſteuer
erbringt, als der Vorſchlag des Handelskammer=
tages
, ſonſt aber auf dem gleichen Prinzip aufgebaut
iſt, in Bezug auf Einſachheit der Berechnung aber nach
Meinung der Handelskammer jeden anderen Vorſchlag
weit übertrifft. Dieſer Eventualvorſchlag geht dahin,
die Gewerbeſteuer durch eine Kombination des halben
Kapitalwertes (§ 9) und des halben Ertragswertes zu
veranlagen, der ſich unter Anwendung der gleichen
oder einer ähnlichen Degreſſivſkala für kleinere Be=
triebe
ergibt. Durch die in dieſem Vorſchlag liegende
ſtärkere Berückſichtigung des Ertrags würde, wie ſich
aus den Berechnungen mit Gewißheit ergibt, in den
Fällen ein billiger Ausgleich erzielt, in denen bei der
Veranlagung nach der Regierungsvorlage der Steuer=
betrag
in einem Mißverhältnis zum Ertrag ſteht. Nach
Meinung der Handelskammer hat der Vorſchlag vor
allen bisherigen Vorſchlägen den Vorzug, daß die nach
ihm berechneten Steuerbeträge in einem ziemlich
gleichmäßigen Verhältnis zum Ertrage, der ſchließlich
doch die Quelle aller Steuerleiſtungen bleibe, ſtehen, ſo
zwar, daß der Steuerſatz von unten nach oben in ſchwa=
cher
Progreſſion ſteigt. Die Handelskammer ſchlägt
weiter vor, entweder auf die Erhebung der minimalen
Steuerſätze von 10, 20, 30 und mehr Pfennigen ganz zu
verzichten, oder einen Minimalſteuerſatz feſt=
zulegen
der die Koſten der Veranlagung und Er=
hebung
deckt. Zum Schluß ſpricht ſich die Kammer noch
gegen die im Artikel 14 für ſämtliche Steuerpflichtige
vorgeſchriebene Deklarationspflicht aus, und ſchlägt
vor, wenigſtens für die Gewerbetreibenden, deren Er=
trag
unter 2600 Mark bleibt, nach dem Beiſpiel des
Geſetzes über die Einkommenſteuer einer ſteueramt=
liche
Einſchätzung der Gewerbeſteuer vorzuſehen.

Luftſchiffahrt.
sr. Magdeburger Flugmeeting. Das
offizielle Ergebnis des Meetings ſtellt ſich wie folgt:
Großer Flugpreis von Magdeburg: 1. Thelen, 2.
Grade, 3. Otto, 4. Mente, 5. Treitſchke. Höhenpreis:
1. Thelen (300 Meter), 2. Mente, 3. Otto. Sonder=
preis
: Jeannin (außer Konkurrenz). Nach Ab=
bruch
der Flugkonkurrenz traf der Lenkballon Parſe=
val
V von Bitterfeld über Magdeburg ein und lan=
dete
neben dem Flugplatze.
sr. Die Meldungen zum Ueberland=
flug
Bork=Johannisthal, der erſten derarti=
gen
Konkurrenz in der Umgebung der Reichshaupt=
ſtadt
, ſind wider Erwarten nur ſehr ſpärlich einge=
gangen
. Für den am 28. d. M. vom Verein Deutſcher
Flugtechniker ausgeſchriebenen Wettbewerb haben ge=
meldet
Grade (Grade=Eindecker), Dr. Hoos (Eindecker
Holzminden), Illner (Etrich=Eindecker), Thelen
(Wright) und Wiencziers (Blériot). Außerdem lag
noch eine Meldung des am Dienstag tödlich verun=
glückten
Wright=Piloten Mente vor, die nicht mehr in
Frage kommt. Ebenſo iſt es fraglich, ob Wiencziers
wird ſtarten können, da ſein Blöriot=Eindecker, mit
dem er ſich auf dem Luftweg von Johannisthal nach
Bork begeben wollte, beim Start beſchädigt wurde.
Wiencziers liegt bekanntlich mit einer Aeroplan=
firma
, bei der er früher angeſtellt war, in Differen=
zen
, die jetzt zu der Pfändung des Apparates geführt
haben. Zweifelhaft iſt auch der Start des Oeſter=
reichers
Illner, doch beſteht die Hoffnung, daß wenig=
ſtens
einer ſeiner Schüler an den Wettbewerben teil=
nimmt
, falls er ſelbſt nicht abkömmlich ſein ſollte.
Außer dem Preiſe des Vereins Deutſcher Flugtech=
niker
ſteht noch ein Ehrenpreis zur Verfügung, den
die Akademiſche Vereinigung für Luftſchiffahrt an der
Techniſchen Hochſchule zu Charlottenburg für den
Ueberlandflug Bork=Johannisthal geſtiftet hat.

* Halle, 26. Okt. Der Aviatiker Poulain,
bekannt durch ſeinen vierfachen Sieg im Dauerfliegen
von Johannisthal, unternahm heute um 4 Uhr einen
Ueberlandflug Halle=Leipzig. Kurz hin=
ter
Halle verlor der Aviatiker im Nebel den Weg und
irrte nun eine Stunde in der Luft herum. Endlich,
als ihm bereits das Benzin ausging, konnte er un=
weit
Schkeuditz landen. Er ſtieg dann wieder auf,
mußte aber wegen einbrechender Dunkelheit bei dem
gleichen Orte niedergehen. Morgen ſoll die Fahrt bis
zum Ziel fortgeſetzt werden.
* Leipzig, 27. Okt. Der Aviatiker Poulain,
der geſtern während eines Fluges von Halle nach Leip=
zig
bei Schkeuditz gelander war, iſt heute kurz vor
2 Uhr wieder aufgeſtiegen und landete einige Minuten
nach 2 Uhr glatt auf dem Leipziger Truppenübungs=
platz
Radefeld.
* Wien, 26. Okt. Das heute früh 9 Uhr in Peſt
aufgeſtiegene Militärluftſchiff Parſeval iſt um
2½ Uhr in Fiſchamend bei Wien glatt gelandet.
* Rom, 27. Okt. Auf dem Militär=Flugfelde zu
Centocello bei Rom iſt der Genieleutnant Sa=
glietti
, als er mit einem Aeroplan niedergehen wollte,
abgeſtürzt und auf dem Transport nach dem Kranken=
hauſe
geſtorben.
* Rom, 27. Okt. Wie über den Sturz Sa=
gliettis
weiter gemeldet wird, bemerkte der Ver=
unglückte
die ihm drohende Gefahr 15 Meter vom
Erdboden und verſuchte vergeblich, ſeinen Apparat
wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Als ihm dieſes
nicht gelang, verſuchte er, dicht über dem Erdboden ab=
zuſpringen
, aber der Aeroplan riß ihn um und fiel auf
ihn. Man fand Saglietti unter den Trümmern mit
dem Geſicht auf der Erde liegen.
* London, 26. Okt. Als das Luftſchiff der Mor=
ning
Poſt in einen Schuppen bei Alderſhot gebracht
wurde, ſtieß es gegen einen Tragebalken, der die Hülle
erfaßte und aufſchlitzte. Die Hülle fiel mit einem
Knall in ſich zuſammen. Niemand wurde verletzt. Das
Gerippe des Luftſchiffes ſelbſt iſt gering beſchädigt.
Das internationale aviatiſche Mee=
ting
von Belmont Park in Amerika wurde bei
günſtigem Wetter fortgeſetzt. Latham (Antoinette) ge=
wann
das Stundenfliegen, bei dem er 22 Runden
(1 Runde 2500 Meter) zurücklegte. Zweiter wurde
Mars (Curtiß), der 16 Runden durchfuhr. Intereſſante
Höhen= und Gleitflüge wurden von Johnſen, Hoxey
und Latham ausgeführt. Latham war in einer Höhe
von 3000 Fuß gezwungen, im Gleitfluge nieder zu
gehen, da ſein Benzinvorrat erſchöpft war. Er mußte
außerhalb des Flugplatzes landen und zerbrach dabei
das Fahrgeſtell ſeines Apparates. Beſonderes Aufſehen
erregte das Debüt von Orville Wright mit ſeiner
neuen Wright=Maſchine. Wright fuhr eine Bahn=
runde
in 86 Sekunden, was einer durchſchnittlichen
Stundengeſchwindigkeit von 106 Kilometer entſpricht.
Ein Ueberlandflug von 20 engliſchen Meilen wurde
von Radley (Blériot) glücklich beendet. Dem nun=
mehr
beginnenden Kampf um den aviatiſchen Bennett=
Pokal ſieht man allſeitig mit größter Spannung ent=
gegen
.
* Montreal, 26. Okt. Nach einer Meldung aus
Fort William (Provinz Quebec) iſt der ver=
maßte
Ballon Amerika II geſichtet worden.
* New=York, 26. Okt. Der Mitfahrer des Bal=
lons
Düſſeldorf, Pelkins, erhielt heute abend
von den Inſaſſen des Ballons Amerika Haw=
ley
und Poſt, folgendes aus Ambroiſe (Quebec) da=
tiertes
Telegramm: Wir ſind am Peribonkafluſſe,
nördlich vom Chilongaſee, am 19. gelandet. Alles
wohl. Wir kehren zurück.
* New=York, 27. Okt. Wie aus St. Ambroiſe
telegraphiert wird, erzählten die Inſaſſen des Ballons
Amerika, ſie hätten den Michiganſee und die Wal=
dungen
im nördlichen Quebec in ſchöner Fahrt über=
flogen
. Am 19. Oktober ſeien ſie aber in einen Sturm
geraten, der ſie gezwungen habe, auf einem unbekann=
ten
, 1500 Fuß hohen Berge zu landen. Die Luftſchiffer
verbrachten die Nacht in der Gondel und brachen am
folgenden Morgen zu Fuß auf, um in bewohnte
Gegenden zu kommen. Am vierten Tage trafen ſie
einige kanadiſche Jäger, die ſie in einem Kanoe nach
St. Ambroiſe überſetzten, wo ſie eintrafen, ohne ernſten
Schaden genommen zu haben.
* St. Louis, 26. Okt. Mitglieder des Aus=
ſchuſſes
für die Ballonwettfahrt ſagen, Poſt und Haw=
ley
hätten unzweifelhaft den Gordon=Bennett=
Pokal, ſowie den Entfernungspreis ge=
wonnen
.
* St. Louis, 27. Okt. Das Komitee der Gordon=
Bennettfahrt gibt die offiziellen Reſultate
bekannt: Amerika 1355 Meilen, Düſſeldorf
1236 Meilen, Germania 1190, HHelvetia 850,
Harburg 795, Azurea 772, Isle de France 725,
St. Louis 550, Condor 410, Million Population‟
315 Meilen.

Sport.
sr. Der ſechſte Spielabend des Billard=
Turniers Kerkau=Algner ergab folgenden
Stand: Kerkau 3000, Algner 2417 Points. Der Rhein=
länder
erzielte beſſere Leiſtungen als an den vorheri=
gen
Tagen und erreichte einen Durchſchnitt von 11,85
für freie Partie und 8,67 für Cadre. Im ganzen er=
reichte
Algner 289 Points gegen 500 von Kerkau, der
einen Durchſchnitt von 23,08 für freie Partie und 13,33
für Cadre buchen konnte.

Tennis=Turnier zu Paris=Neuilly gewann
F. W. Rahe=Roſtock das Herren=Einzelſpiel gegen Ger=
mot
16, 64, 64, 64. Im gemiſchten Doppelſpiel
unterlag Rahe, der mit Mlle. J. Matthey ſpielte, in
der Schlußrunde gegen Laurentz=Mlle. Bunau Varilla
62, 46, 26, die vorher den Münchener Kleinſchroth
und Mlle. Broquedis als Partnerin beſiegt hatten.

Zur Stadtverordnetenwahl.
Der Wahlausſchuß des Mieter=Vereins
ſtellte in ſeiner Sitzung am 26. ds. Mts. folgende Leitſätze
für die Stadtverordnetenwahl auf: Die zirka 9000 wahl=
berechtigten
Mietsbewohner Darmſtadts ſtreben
eine ausgiebige Vertretung in dem Stadtverordneten=
Kollegium an. Sie ſollen daher bei der am 10. Novem=
ber
anberaumten Wahl von 18 Stadtverordneten Männern
ihre Stimme geben, die befähigt und gewillt ſind, nicht
nur für alle ſtändigen kommunalen Aufgaben mit Hin=
gabe
einzutreten, ſondern auch mit neuer Kraft den
Fortſchritten und Bedürfniſſen der Neu=
zeit
gerecht werden. Insbeſondere ſind folgende Ge=
ſichtspunkte
in den Vordergrund zu ſtellen:
1. Sparſamkeit im ſtädtiſchen Haushalte iſt anzuſtre=
hen
, jedoch deren Anwendung nicht auch konſequent auf

[ ][  ][ ]

Seite Ge

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Oktober 1910.

Nummer 253.

ſolche Ausgaben auszudehnen, welche für Zwecke der
Volkswohlfahrt und des gedeihlichen Aufblühens der
Stadt notwendig ſind. Bei Bauten, auch von Straßen
und Kanälen uſw. ſind rationelle Herſtellungen anzuſtre=
ben
; koſtſpielige Proviſorien tunlichſt zu vermeiden.
2. Vorſichtige Steuerpolitik, bei durchaus notwendigen
nur im äußerſten Falle vorzunehmenden Erhöhungen der
Gemeindeſteuer, möglichſte Schonung des kleinerenBürger=
ſtandes
und minderbemittelter Exiſtenzen. Heranziehung
des großen Kapitals, Erſtrebung der Grundſtücks= und
Bodenbeſteuerung nach dem gemeinen Wert
3. Auskömmliche Beamtenbeſoldung und Arbeitslöhne
zur Erſtrebung größter Leiſtungsfreudigkeit.
4. Gas=, Waſſer= und Elektrizitäts=Betriebe ſind zu
fördern und deren Rentabilität eventuell durch Erleich=
terung
und Steigerung des Verbrauchs ins Auge zu
faſſen.
5. Verkehrsmittel, insbeſondere nach den Vororten
und erforderlichenfalls Eingemeindungen behufs Ermög=
lichung
billiger Wohnſtätten.
6. Betreibung geſunder Wohnungspolitik, Förderung
des Kleinwohnungsbaues, Begünſtigung und Erleichte=
rung
privater Bautätigkeit, Förderung nicht auf Speku=
lation
gerichteter gemeinnütziger Bauvereine, Erleichte=
rung
der Siedelungen behufs Gewinnung und Seßyaft=
machung
wohlhabender Familien.
7. Bauvorſchriften unter Zugrundelegung des Woh=
nungs
=Bedürfniſſes.
8. Vermehrung des ſtädtiſchen Grundbeſitzes und da=
mit
Hebung der gewinnbringenden lebendigen Werte, bei
Bekämpfung der ungeſunden Boden= und
Grundſtücks=Spekulation, Uebergang zum Erb=
baurecht
.
9. Belebung von Handel und Gewerbe, beſonders
durch möglichſte Heranziehung leiſtungsfähiger Induſtrie.
10. Förderung des Handwerkerſtandes Arbeit
und Verkehr, unter anderem durch anderweite Geſtalt=
ung
des Submiſſionsweſens, als: Teilung umfang=
reicher
Lieferungen und Leiſtungen in Loſe, uſw.;
Armenweſen, Kontrolle und Aufſicht über die Wohl=
fahrtseinrichtungen
: Pfründnerhaus, Krankenhaus und
dergleichen ſtädtiſche Anſtalten; Teilnahme von Frauen
ſowohl bei Maßnahmen ſtädtiſcher Sozialpolitik als
auch im Armen= und Unterſtützungsweſen.
11. Pflege der Bildungsanſtalten, der höheren, der
Volks= und Fortbildungsſchulen; bei Schul=, Um= und
=Neubauten iſt die Anſicht praktiſcher Schul=
männer
zu hören, um deren Erfahrungen zu ver=
werten
.
12. Ausbau und Erweiterung rentabler und ge=
meinnütziger
Anſtalten.
Die von dem Ausſchuß zur Wiederwahl bezw. Neu=
wahl
aufgeſtellten Kandidaten ſollen, ſobald ſich dieſel=
ben
über die Annahme der Wahl erklärt haben, in
weiteren größeren Verſammlungen und durch die
Zeitungen öffentlich bekannt gegeben werden.

Vermiſchtes.
Kaufmannsgerichtswahlen. Man
ſchreibt uns: Der Wahlfeldzug Winter 1910/11, der am
8. September in Mainz eingeſetzt hat, hat bis jetzt fol=
gende
Ergebniſſe gezeitigt. Wir ſetzen zu dem Orts=
namen
in Klammern die gegenwärtige Zahl der Ge=
hilfenbeiſitzer
, daneben die Zahl, die ſich auf Grund der
Erſatzwahl ergeben hat, und kürzen die Namen der ver=
ſchiedenen
Richtungen ab: DHV Deutſchnationaler
Handlungsgehilfen=Verband, Lpz. Verband Deutſcher
Handlungsgehilfen in Leipzig, 58er Verein für
Handlungskommis von 1858, V. D. K. Verein der
Deutſchen Kaufleute, ZV. Zentralverband der Hand=
lungsgehilfen
und =gehilfinnen Deutſchlands. Mainz:
D5V. (4) 5. Lpz. (2) 2, ZV. (0) 1, andere (7)5; Stoll=
berg
=Zwönitz (neu): DHV. 2, Lpz. 2; Kaiſerslautern:
(von 9 Beiſitzern und 4 Erſatzbeiſitzern, zuſammen 13)
DHV. (1) 6, Lpz. (8) 5, 58er (2) 1, andere (2) 1; Guben:
DHV. (1) 2, Lpz. (3) 4, 58er (1) 0, andere (3) 2: Flens=
burg
: DHV. (3) 3, 58er (3) 3; Düſſeldorf: DHV. (12) 9,
Lpz. (0) 3, 58er (7) 7, ZV. (2) 1, andere (5) 6; St. Ing=
bert
(neu): D5V. 2; Erfurt: D.HV. (6) 8, Lpz. (8)-6,
58er (3) 3, V. D. K. (2) 0, andere (1)3: Bielefeld:
DHV. (3) 4, Lpz. (1) 1, 58er (2) 1; Eſſen=Land: DHV.
(7) 7 dazu (0) 5 Kaufleute , andere (2) 2; Lud=
wigshafen
: DHV. (8) 6, Lpz. (1) 2, 58er (1) 4, andere
(5) 3; Linden: DHV. (0) 3, Lpz. (3) 2, 58er (3) 2, ZV.
(0) 1, andere (2) 2; Staßfurt: DHV. (3) 1, Lpz. (0) 1,
58er (2) 3; Braunſchweig: DSV. (5) 5, Lpz. (2) 3, 58er
(2) 2, V. D. K. (1) 1, ZV. (1) 1, andere (1) 0; Kaſſel:
DSV. (1) 5, Lpz. (3) 2, 58er (3) 5, andere (5) 0. Die
Zahl der Gehilfenbeiſitzer ſtellt ſich ſomit für DHV. auf
(54) 71, Lpz. (31) 33, 58er (29) 31, V. D. K. (3) 1, ZV.
(3)4, andere (33) 24; die Geſamtzahlen für alle Kauf=
mannsgerichte
betragen 1012 DHV., 523 Lpz., 265 58er,
115 V. D. K., 105 ZV. und 695 andere Gehilfenbeiſitzer,
Erſatzbeiſitzer nicht eingerechnet.

Das deutſche Kaiſerpaar in Brüſſel.
Der Beſuch im Rathauſe.
* Brüſſel, 26. Okt. Heute nachmittag ½4 Uhr
erſchienen der Kaiſer, die Kaiſerin, die Prinzeſſin
Viktoria Luiſe, der König =und die Königin
im Rathauſe, wo ſie von den Vertretern der Stadt
empfangen wurden. Im Hofe des Rathauſes war die
Bürgergarde aufgeſtellt; die Muſik ſpielte die deutſche
Hymne. Im großen Saale hatten ſich verſammelt: alle
Miniſter, das diplomatiſche Korps, die Kammer= und
Senatspräſidenten, die deutſche Geſandtſchaft und das
Koſſulat, alle mit Damen. Bürgermeiſter Max führte
die Herrſchaften unter Vorantritt der Stadtoffizianten
über die mit Blumen geſchmückte Treppe in den Feſt=
ſaal
. Der Bürgermeiſter begrüßte hierauf das
Kaiſerpaar namens der Bürgerſchaft, das dieſem allen
Bürgern gemeinſamen Hotel de Ville die Ehre ſeines
Beſuches erwieſen habe. Die Bevölkerung entbiete
durch ihre Erwählten dem Kaiſerpaar den Willkommen=
gruß
. Der Kaiſer vertrete ein Volk, das ſtets die Kunſt
gepflegt habe. Das Intereſſe, das es dem Stadthauſe
entgegenbringe, ſchmeichle dem patriotiſchen Stolz, denn
das Rathaus ſei ein koſtbares Gut, das von den Vor=
fahren
überkommen ſei, es ſymboliſiere das kommunale
Leben. Wenn der Reſpekt, den der Mann den Spuren
der alten Zeit ſchuldet, in Belgien begeiſterte Vertei=
diger
gefunden habe, ſo ſei auch feſtzuſtellen, daß der
gleiche Geiſt die alten deutſchen Städte beſeele, die ihren
Charakter und ihre Poeſie erhalten wollen. Der Hang
an der Vergangenheit ſei eine deutſche Tugend, die
Belgien ſchätze, doch dieſer Kultus der Tradition habe
in Deutſchland die Fortſchritte nicht aufgehalten. Mit
aufrichtiger Bewunderung ſehen wir Deutſchland,
trotzdem es nichts von ſeinem Idealismus aufgibt, Be=
weiſe
ſeiner Schaffenskraft geben und fortwährend
ſeine wiſſenſchaftlichen und erzieheriſchen Werke aus=

dehnen, dabei vergißt es nie, ſeine ſozialen Inſtitu=
tionen
auszubauen. Der Bürgermeiſter begrüßte ſo=
dann
die Kaiſerin und die Prinzeſſin Viktoria. Nie=
mand
verkenne, was die Kaiſerin auf dem Gebiete der
Wohltätigkeit in Deutſchland leiſte; ſie lindere Schmerz
und Entbehrung und habe ſich daher über die Landes=
grenze
hinaus Verehrung erworben, das auszuführen
ihm Freude bereite.
Hierauf antwortete Kaiſer Wilhelm mit einer
franzöſiſchen Anſprache. Die deutſche Ueber=
ſetzung
lautet folgendermaßen: Herr Bürgermeiſter!
Wir, die Kaiſerin und ich, danken Ihnen für die liebens=
würdigen
Worte, mit denen Sie uns willkommen ge=
heißen
haben. Wir danken ebenſo dieſer prächtigen
Hauptſtadt für den gaſtlichen Empfang, den ſie uns in
dieſem berühmten Gebäude, dieſem Kleinod der Archi=
tektur
und Schatzkammer hiſtoriſcher Erinnerungen, ſo
freundlich geboten hat. Ich freue mich, die Stadt
Brüſſel, den Mittelpunkt eines durch den ernſten und
arbeitſamen Sinn ſeiner Bevölkerung ausgezeichneten
Landes, begrüßen zu können, und als Bewunderer der
glänzenden Erfolge, welche die belgiſche Nation zu jeder
Zeit auf dem Gebiet des Handels und der Induſtrie
erzielt hat, beglückwünſche ich ſie von ganzem Herzen
zu dem Triumph, den ſie ſoeben in dem Erfolg der
Weltausſtellung davongetragen hat. Haben Sie die
Güte, Herr Bürgermeiſter, Ihren Mitbürgern mit den
Gefühlen unſerer tiefen Dankbarkeit, unſere wärmſten
Wünſche für die Wohlfahrt und eine glückliche Zukunft
Ihrer ſchönen Stadt zu übermitteln.
Hieran ſchloß ſich ein Konzert in einem Nebenſaal,
ausgeführt von Brüſſeler Künſtlern. Auf dem Pro=
gramm
waren Stücke von Gluck und Händel und Lieder
von Schumann und Richard Strauß. Nach Beſichtigung
der Prunkräume des Stadthauſes betraten die Fürſt=
lichkeiten
den Balkon nach der Grand Place hinaus.
Hier hatten etwa dreihundert Brüſſeler Vereine mit
ihren Bannern Aufſtellung genommen. Der Platz bot
einen unbeſchreiblichen Anblick. Die alten, wunder=
vollen
Gildhäuſer ringsum waren bis zum Dachfirſt
dicht mit Menſchen beſetzt. Die Herrſchaften wurden
bei ihrem Erſcheinen ſtürmiſch begrüßt. Eine Kapelle
ſpielte den Sang an Aegir‟ Erneute Hoch==und
Hurrarufe, Händeklatſchen und Tücherſchwenken, das
ſich bei der Abfahrt des Kaiſerpaares wiederholte.
Abends war ein Diner bei der Gräfin von Flandern.
Beſuch der Weltausſtellung.
* Brüſſel, 27. Okt. Der Kaiſer, die Kaiſerin,
Prinzeſſin Viktoria Luiſe, ſowie der König und
die Königin beſuchten heute vormittag die Weltaus=
ſtellung
, wo ſie in Automobilen um 9,30 Uhr eintrafen.
Sie wurden in der deutſchen Abteilung empfangen vom
Reichskommiſſar Geh. Regierungsrat Albert und den Geh.
Kommerzienräten Goldberger und Ravené. Anweſend
waren ferner der Präſident der Ausſtellung Baron Janſ=
ſen
, der Herzog von Urſel, Geſandter von Flotow, Konſul
Bobrick und Bürgermeiſter Max. Die Kaiſerin wurde ge=
führt
von den Damen Albert, Ravené und Bobrick. Bei
dem langen Rundgange verweilte der Kaiſer beſonders
in der in Betrieb befindlichen Werkzeugmaſchinenhalle.
Hiernach wurde die belgiſche Abteilung beſichtigt und dann
das Haus der Stadt Brüſſel, wo die Spitzen=Induſtrie
beſonders intereſſierte. Die Herrſchaften unternahmen
darauf eine Rundfahrt durch und um Brüſſel in Auto=
mobilen
und begaben ſich dann über Tervueren nach Park
und Schloß Laeken, wo Frühſtückstafel ſtattfand. Die=
Herrſchaften wurden überall auf das herzlichſte begrüßt.

Erdbeben.
* Jugenheim, 27. Okt. Erdbebenwarte. Nach
auffallend langer Ruhe wurde geſtern kurz vor 5 Uhr
nachmittags eine mäßig ſtarke ſeismiſche Störung auf=
gezeichnet
, die mit einem Stoße in der Oſt=Weſt=
Komponente um 4 Uhr 46 Min. 46 Sek. begann. Das
Maximum wurde gegen 5 Uhr 50 Min. erreicht.
Wenige Minuten nach 5 Uhr gingen die Wellen in die
zurzeit ſtarke mikroſeismiſche Bodenunruhe über. Der
Herd des Bebens liegt wahrſcheinlich in Europa. In
der Nacht vom 26. zum 27. Oktober war kurz nach 2 Uhr
eine ſchwache Störung, deren ſtärkſte Bewegung 2 Uhr
10 Min. auftrat. Die ſtarke mikroſeismiſche Boden=
unruhe
dauert zurzeit fort.

Das Unwetter in Süditalien.
* Neapel, 26. Okt. Die Blätter bringen er=
ſchreckende
Einzelheiten über die Un=
wetterkataſtrophe
. Der obere Teil von Cetara
iſt von den Fluten überſchwemmt und von Felsſturz
getroffen. In Mattino ſpricht man von 300 Toten in
Cetara. Die Zahl der Verletzten beträgt etwa 20. Das
Meer birgt zahlreiche Tote und ſchwemmt von Zeit zu
Zeit Leichen ans Ufer. In Amalfi zählt man zwölf
Tote. In Minori waren 4 Tote und viele Verletzte.
In Majori, wo die Verwüſtung faſt ſo groß wie in
Cetara iſt, hat man 20 Leichen aus den Trümmern ge=
borgen
; man glaubt, daß noch weitere 30 Perſonen um=
gekommen
ſind.
* Caſamicciola, 26. Okt. Der König traf
von Neapel auf dem Torpedoboot Orfeo hier ein und
beſichtigte die verwüſteten Orte. Von Ischia wird er
heute abend nach Neapel zurückkehren.
* Neapel, 27. Okt. Der König Viktor
Emanuel und der Herzog von Aoſta haben mit
Gefolge auf dem Torpedoboot Orfeo die Fahrt nach
Cetara und den anderen von dem Unwetter heimge=
ſuchten
Orten angetreten.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* München, 27. Okt. Der Großherzog von
Baden iſt heute früh 7½ Uhr aus Karlsruhe hier
eingetroffen. Nachmittags wird er nach Schloß Hohen=
burg
weiterreiſen.
* München, 27. Okt. Wegen Kindesmord wurde
vas Zimmermädchen Schoen verhaftet, das ihr lebendes
Kind ins Feuer geworfen hatte.
* Schwerin, 27. Okt. In Deven bei Klein=Plaſten
wurde ein 6jähriger Knabe von dem Arbeiter Burr aus
Möllenhagen ermordet. Der Täter iſt flüchtig.
* Wien, 27. Okt. Der Heeresausſchuß der
öſterreichiſch=ungariſchen Delegation
faßte, nachdem der Kriegsminiſter auf alle während
der Debatte vorgebrachten Anregungen und Anfragen
eingehend erwidert hatte und nach dem Schlußworte
des Berichterſtatters Koklowski den Beſchluß, in die
Spezialdebatte einzutreten. Nächſte Sitzung morgen.
* Liſſabon, 27. Okt. Die Regierung beharrt
bei der Anwendung des Geſetzes betr. die Erhebung=
eines
Zuſchlagszolles auf Einfuhrarti=
kel
aus ſolchen Ländern, die den portugieſiſchen Waren
nicht die Meiſtbegünſtigung einräumen, bis die kon=

ſtituierende Verſammlung der Neuregelung des Zoll=
tarifes
zugeſtimmt hat.
* Liſſabon, 27. Okt. Die proviſoriſche Re=
gierung
erklärte, daß die Kämpfe vom 3. bis zum
5. Oktober als Heldentaten betrachtet werden
ſollen. Die Soldaten, welche an der Revolution teil=
genommen
und ſich Disziplinloſigkeit zu ſchulden kom=
men
ließen, wurden begnadigt.
* Konſtantinopel, 27. Okt. Aus Bagdad, 24.
Oktober, wird gemeldet: Hier wurden 17 Erkrank=
ungen
an Cholera feſtgeſtellt, von denen 15 töd=
lich
verliefen. Im Innern des Wilajets kamen 19 Er=
krankungen
vor, von denen 16 tödlich verliefen. Wie
die Blätter melden, ſind auch unter den Truppen, die
an den Manövern in der Ebene von Tſchorlue teil=
nahmen
, einige Cholerafälle vorgekommen.
* Waſhington, 27. Okt. Das Staatsdepartement
erklärt mit Nachdruck, daß es in keiner Weiſe direkt an
den Kali=Verhandlungen mit Deutſchland
beteiligt ſei. Die Angelegenheit befinde ſich in den
Händen des Botſchafters Hill und des Herrn Davis, die
durch nichts behindert ſeien, außer durch ganz allge=
meine
Inſtruktionen. Das Departement habe keine
Forderungen nach Deutſchland übermittelt. Man
glaubt im Staatsdepartement an eine freundſchaftliche
Regelung der Angelegenheit.
* Viktoria (Britiſch Kolumbia), 27. Okt. Eine
Feuersbrunſt zerſtörte viele Gebäude im Ge=
ſchäftsviertel
. Der Schaden wird auf zwei Millionen
Dollars geſchätzt.

* Berlin, 27. Okt. Die Ankunft des Kaiſers
von Rußland in Potsdam erfolgt, wie ſchon bekannt,
Freitag, 4. November, vormittags. Nach dem feierlichen
Empfang findet ein Frühſtück im engſten Familienkreiſe
ſtatt. Abends iſt Feſtmahl, zu dem nach der Nat.=Ztg.
eine große Anzahl Einladungen ergeht. Am Samstag
früh fahren die beiden Monarchen zur Jagd, daran ſchließt
ſich ein Diner und abends erfolgt die Rückreiſe nach Schloß
Wolfsgarten.
H.B. Berlin, 27. Okt. Heute morgen 6¾ Uhr hat
in der Jungfernheide hinter den Schießſtänden des
2. Garde=Regiments ein Piſtolenduell ſtattgefun=
den
, das einen blutigen Ausgang nahm. Ar=
beiter
, die ſich um dieſe Zeit nach dem Artillerie=Depot
begaben, hörten raſch nacheinander zwei Schüſſe fallen
und ſahen, als ſie nach der Richtung eilten, in der
die Schüſſe gefallen waren, mehrere Herren in ſchwar=
zen
Röcken und Zylinderhüten auseinander eilen.
Einer der Duellanten lag mit entblößtem und blutbe=
ſudeltem
Oberkörper am Boden. Ein Arzt bemühte
ſich um den Gefallenen.
Berlin, 27. Okt. Es iſt gelungen, eine beim Ein=
bruch
in der Oranienſtraße beteiligte Perſon zu
verhaften. Bei dem Diebſtahl waren Juwelen im
Werte von 40000 Mark geſtohlen worden. Man fand ei=
nen
großen Teil der Diebesbeute noch vor.
Kaſſel, 27. Okt. Bei der Spar=und Darlehns=
kaſſe
in Selters (Weſterwald) wurde ein Fehl=
betrag
von 196000 Mark aufgedeckt.

Briefkaſten.
A Stammtiſch Preuſch. Die Grundlagen für
das Landtagswahlrecht ſind andere, wie für
das Reichstags= und Stadtverordnetenwahlrecht. Wäh=
rend
zum Reichstag alle Reichsangehörigen und zur
Stadtverorönetenverſammlung ebenfalls alle Reichs=
angehörigen
mit Ausnahme der Bayern wählen
können, iſt das Landtagswahlrecht an den Beſitz der
Eigenſchaft als heſſifcher Staatsbürger ge=
knüpft
. Dagegen iſt kein längerer Aufenthalt im
Großherzogtum nachzuweiſen. Es genügt, daß der Be=
treffende
vom 1. April d. J. an, in welchem die Wahl
ſtattfindet, zur Staatsſteuer zugezogen iſt und am
Wahltage das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat. Bei der
in Ausſicht genommenen Reform des Landtagswahl=
rechts
ſoll als Aequivalent gegen die Einführung
der direkten Wahl allerdings ein mehrjähriger
Aufenthalt im Großherzogtum zur Bedingung des
Wahlrechts gemacht werden. Es iſt dies aber zurzeit
noch nicht Geſetz.
Amtlicher Wetterbericht.

Oefſentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Verlauf der Witterung ſeit geſtern früh: Unter dem
Einfluß des über Oſteuropa lagernden Hochdruckgebiets
bleibt die Witterung meiſt trocken und nebelig. Doch
ſtrichweiſe fällt leichter Regen. Von der Biskaya und
Nordoſteuropa dringen langſam Tiefdruckgebiete vor,
die jedoch noch keinen Witterungsumſchlag herbei=
führen
.
Ausſichten in Heſſen für Freitag, 28. Oktober:
Strichweiſe heiter, öſtliche Winde, nebelig, Temperatur
nicht verändert.

Eine wertvolle Eigenſchaft
der St. Georgsquelle Biskirchen a. d. Lahn iſt, daß
dieſelbe die Harnſalze, die ſich in den Gelenken abge=
lagert
haben, in kurzer Zeit löſt und durch den Urin
ausſcheidet. Dem Blute werden vermöge der vorzüg=
lichen
Zuſammenſetzung dieſer Quelle alle diejenigen
Beſtandteile zugeführt, die es braucht, um den geſamten
Organismus zu kräftigen und in ſeinen geſunden
Zuſtand zurückzuverſetzen. Ein kleiner Verſuch wird
zeigen, daß dies vollſtändig den Tatſachen entſpricht.
Preis für 25 Flaſchen Mk. 9. (20941ff
17.
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inkl. Verpackung ab Station Stockhauſen a. d. Lahn.

Unſer heutiges Blatt enthält eine Beilage vom
Mainzer Warenhaus, Guggenheim & Marx,
(20952
Markt 7.

[ ][  ][ ]

Nummer 253.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Oktober 1910

Seite 7.

Geſchäftliches.
Eine Bücherreihe von mehr als 20 Kilo=
meter
, alſo ungefähr drei Meilen Länge würde man
erhalten, wenn man ſämtliche Bücher der Königlichen
Bibliothek in Berlin nebeneinander ſtellte. Ein Menſch
würde ungefähr 3000 Jahke brauchen, um alle dieſe
Bücher zu leſen. Aber wenn er auch ſämtliche Bücher
durchſtudieren könnte, ſo würde er daraus doch nichts
weſentlich Neues lernen für ſeine Geſundheit und ſein
Wohlergehen. Er würde darin zum Beiſpiel für ſeine
Lebensweiſe keinen beſſeren Rat finden als: regelmäßige
Körperbewegung in friſcher Luft, fleißiges Baden, Mäßig=
keit
im Eſſen und Trinken und namentlich auch ein un=
ſchädliches
tägliches Getränk, wie z. B. der bekannte Kath=
reinerſche
Malzkaffee, der die Nerven nicht angreift.
Dieſer Rat ſtammt nicht aus den Büchern, ſondern aus
der Praxis des Lebens.
(J20915,26

Statt beſonderer Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſeren innigſtgeliebten Bruder, Schwager
und Onkel
(20943
Herrn Friedrich Horn
nach ſchwerem Leiden, verſehen mit den hl.
Sterbeſakramenten, heute zu ſich in die Ewig=
keit
abzurufen.
Namens der Hinterbliebenen:
Jakob Horn,
Elisabeth Wachtel, geb. Horn.
Darmſtadt, Oberurſel, den 27. Okt. 1910.
Die Beerdigung findet Samstag, den 29. Okt.,
nachmittags 3½ Uhr, vom Sterbehaus, Kirch=
ſtraße
14 aus, ſtatt.

Todes-Anzeige.
Hierdurch die ſchmerzliche Mitteilung, daß
es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, meine
innigſtgeliebte Frau, unſere treubeſorgte Mutter,
Schweſter, Schwägerin, Schwiegermutter, Groß=
mutter
und Tante
(20926
Katharine Walther
geb. Herling
im Alter von 52 Jahren, nach ſchwerem, mit
großer Geduld ertragenem Leiden, zu ſich in
die Ewigkeit abzurufen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Jacob Walther,
Bürgermeiſter.
Malchen, den 27. Oktober 1910.
Die Beerdigung findet Samstag, nachmittags
3 Uhr, ſtatt.

Gottesdienſt bei der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 28. Oktober 1910.
Vorabendgottesdienſt 5 Uhr Min.
Samstag, den 29. Oktober 1910.
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Sabbat=
ausgang
5 Uhr 55 Min.

Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religions=
geſellſchaft
.
Samstag, den 29. Oktober.
Vorabend 4 Uhr 40 Min. Morgens 8 Uhr Min.
Nachmittags 4 Uhr Min. Sabbatausgang 5 Uhr
55 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 30. Oktober,
an: Morgens 6 Uhr 30 Min. Nachmittags 4 Uhr 45 Min.
NB. Mittwoch, den 2. Nov., und Donnerstag, den 3. Nov.:
Rausch Cha udesch Marcheschwon.

Die Beerdigung des
Justizrats
Herrn Dr. Max Mayer
ſindet Freitag, den 28. Oktober,
nachmittags 4 Uhr, vom Portal des
israelitiſchen Friedhofs aus, ſtatt.

(20909

Tagestalender.
Großh. Hoftheater, Anfang 7 Uhr (Ab. D): Der
dunkle Punkt.
Gaſtſpiel des Oberbayr. Bauerntheaters um 8¼ Uhr
im Orpheum (,Das vierte Gebott),
Vortrag für Frauen und Jungfrauen um ½6 Uhr in
der Eliſabethenkirche.
Vortrag von Geh. Kirchenrat Prof. D. Baldenſperger
um 8 Uhr im Kaiſerſaal.
Konzert um ½ 8 Uhr im Bürgerkeller.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß=
Konzert um 8 Uhr im Perkeo
Oktoberfeſt um 5 Uhr im Kölniſchen Hof
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Grafenſtraße): Vorſtellungen von 3½11 Uhr.
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Samstag, 29. Oktober.
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Druck und Verlag: Z. L. Zitichiſche Hoſbuchdrackerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: Ji. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

Moniole SAUr
Wegen zu grossen Andranges in den Nachmittagsstunden zu meinem Total-Ausverkauf wegen gänzlicher Aufgabe meines Geschäftes,
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[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Oktober 1910.

Nummer 253.

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[ ][  ][ ]

1. Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.

Mk 253.

Freitag, 28. Oktober.

1910.

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Sprichwort kann man vielleicht gut so abändern: Zeige mir Kragen und Krawatte,
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[ ][  ][ ]

Seite 10

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Oktober 1910.

Nummer 253.

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11
11
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11
5.
11

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Samstag, 29. Oktober
Grosses
SSchldcktrest
morgens Bratwurst, Wellfleisch m. Kraut
wozu freundlichſt einladet (*26557
Peter Hirsch
Ecke Kranichſteiner= u. Liebfrauenſtraße,
g Ecke Arheilger-
Eitiings Bierhalle u. Liebtrauenstr.
Samstag, den 29. Oktober 1910

Motgol
wozu freundlichſt einladet
Mhhe
Anton Ettling.
Samstag, den 29. Oktober:

Morgens
Wellfleisch mit Kraut,
wozu freundlichſt einladet
(*26548
August Rädge,
Schwanenſtraße 49.
Apfelwein aus eigener Kelterei.

Arheilgen.
Gaſthaus z. Deutſchen Haus
Heute Freitag

bei Wilhelm Brücher.

(20934

Morgen Samstag
auf dem Markt
frisch geschossene
Rehe in allen Teilen
Keule und Ziemer . Pfd. Mk. 1.30
Bug
0.80
Ragout
0.40
Frisch geschossene Hasen 3.80
Ia Gänse . . . Pfd. 85 und 90 Pfg.
Junge Hahnen Mk. 1.20 bis 2.00
Junge Feldhühner
Mk. 1.30
Fasanen .
von 2.30
Hch.Woerthge II.

Gross-Zimmern.

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Freilauf zu kaufen geſucht. Wo?
(*26581
ſagt die Expedition.
Feldstecher, neu, unter Preis
2zu verkaufen. Offerten unter F 60
(20950fso
an die Expedition ds. Bl.

(vorm. Eduard G. Gerst)
Aktienkapital Mark 30000 000.
Reserven Mark 3 900 000.
Rheinstr. 24, Ecke Saalbaustr. Fernsprecher 64 und 2594.
Ausführung aller bankgeschäftlichen Transaktionen.

Annahme von verzinslichen Depositengeldern
Uebernahme von Nachlass- und Vermögensverwaltungen.

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Der Meineidbauer.
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Sonſt täglich von 111 und 410 Uhr
für Herren, geöffnet.
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Freitag, den 28. Oktober 1910.
43. Abonnements=Vorſtellung.
Abonnement D 11.
Auf Allerhöchſten Befehl:
Der dunkle Punkt.
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und Rudolf Presber.
Spielleitung: Regiſſeur Hacker.

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Ulrich von Kuckrott, Ma=
jor
a. D. .
Thusnelda, ſeine Frau .
Hans,
Elſe, ſeine Kinder
Gebhard Freiherr von den
Dühnen.
Marie Luiſe, ſeine Frau .
Emmerich, ſein Sohn . .
Chriſtian Adam Brink=
meyer
, Kommerzienrat .
Lotti, ſeine Tochter . .
Dr. Roby Woodleigh . .
Ida, Mädchen bei Kuckrott
Anton, Diener bei Dühnen H

Hr. Heinz
Fr. Scherbarth
Hr. Speiſer
Frl. Gothe
Hr. Lehrmann
Fr. Rudolph
Hr. Schneider
Hr. Jordan
Frl. Reick
Hr. Jürgas
Frl. Wisthaler
Or. Schwarze

Nach dem 1. und 2. Akte findet je eine
längere Pauſe ſtatt.
Krank: Frl. Geyersbach.
Preiſe der Plätze:
Proſzeniumsloge 6 Mk., Fremdenloge 6 Mk.,
Balkonloge 5 Mk., 1. Rang 4.50 Mk., 2. Rang
(1. bis 6. Reihe) 2.50 Mk., (7. und 8. Reihe)
2. Mk., Sperrſitz (1. bis 13. Reihe) 4. Mk.,
(14. bis 20. Reihe) 3.20 Mk., Parterre (1. bis
5. Reihe) 2.70 Mk., (6. bis 8. Reihe) 2.20 Mk.,
1. Galerie 1.20 Mk., 2. Galerie 60 Pfg.
Kartenverkauf von 11 bis 1 Uhr und von
6 Uhr an.
Anfang 7 Uhr. Ende vor 9½ Uhr.
Vorverkauf
von 11 bis 1 Uhr für die Vorſtellungen:
Samstag, 29. Okt. Außer Abonnement.
Schüler= und Volksvorſtellung zu ermäß.
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nedig
. Anfang 7 Uhr.
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Neu einſtudiert: Hoffmann’s Er=
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Montag, 31. Okt. 45. Ab.=Vorſt. A 11.
Zum erſten Male: Taifun. Schau=
ſpiel
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Die für Freitag, den 28. Oktober, ange=
zeigte
Schüler= n. Volksvorſtellung
Der Kaufmann von Venedig
iſt auf Samstag, den 29. Okt., verlegt=
Sonntag, den 30. Oktober 1910.
44. Abonnements=Vorſtellung. D 12.
Hoffmann’s Erzählungen.
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Vor= und Nachſpiel, mit Benützung von
E. T. A. Hoffmann’s Novellen von Jules
Barbier. Muſik von Jaques Offenbach.
Große Preiſe.
Anfang 6½ Uhr. Ende 9¾ Uhr.

[ ][  ][ ]

Nummer 253

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Oktober 1910.

Seite 11.

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Foxterrier.
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.

Bekanntmachung,
den Schutz der Angeſtellten in offenen Verkaufsſtellen gegen Geſundheitsgefähr=
dungen
, insbeſondere die Einrichtung ausreichender Sitzgelegenheit betreffend.
Die Inhaber von offenen Verkaufsſtellen ſind zufolge §62 Abſ. 1 des Handels=
geſetzbuches
verpflichtet, die Geſchäftsräume ſo einzurichten und den Geſchäftsbetrieb ſo
zu regeln, daß die Angeſtellten gegen eine Gefährdung ihrer Geſundheit, ſoweit die
Natur des Betriebes es geſtattet, geſchützt ſind.
Zum Zwecke der Durchführung dieſes Grundſatzes hat der Bundesrat auf Grund
des § 139n der Gewerbeordnung folgende Beſtimmungen über die Einrichtung von
Sitzgelegenheit für Angeſtellte in offenen Verkaufsſtellen erlaſſen. (Bekanntmachung
des Reichskanzlers vom 28. November 1900):
1. In denjenigen Räumen der offenen Verkaufsſtellen, in welchem die Kundſchaft
bedient wird, ſowie in den zu ſolchen Verkaufsſtellen gehörenden Schreibſtuben
(Kontoren) muß für die daſelbſt beſchäftigten Gehilfen und Lehrlinge eine nach
der Zahl dieſer Perſonen ausreichende geeignete Sitzgelegenheit vorhanden ſein.
Für die mit der Bedienung der Kundſchaft beſchäftigten Perſonen muß die
Sitzgelegenheit ſo eingerichtet ſein, daß ſie auch während kürzerer Arbeitsunter=
brechung
benutzt werden kann.
Die Benutzung der Sitzgelegenheit muß den bezeichneten Perſonen während
der Zeit, in welcher ſie durch ihre Beſchäftigung nicht daran gehindert ſind,
geſtattet werden.
2. Unberührt bleibt die Befugnis der zuſtändigen Behörden, im Wege der Ver=
fügung
für einzelne offene Verkaufsſtellen (§ 139 g der Gewerbeordnung) oder
durch allgemeine Anordnung für die offenen Verkaufsſtellen ihres Bezirks
(139 h Abſ. 2 a. a. O.) zu beſtimmen, welchen beſonderen Anforderungen die
Sitzgelegenheit in Rückſicht auf die Zahl der Perſonen, für welche ſie beſtimmt
iſt, ſowie hinſichtlich ihrer Lage und Beſchaffenheit genügen muß.
Allgemeine Anordnungen zur Ausführung dieſer Bundesratsvorſchriften im Sinne
der Ziffer 2 ſind bis jetzt nicht erlaſſen.
Es iſt darum Sache der Polizeibehörde, im Einzelnen die zur Durchführung der
Bundesratsvorſchriften, ſowie überhaupt des § 62 Abſ. 1 des Handelsgeſetzbuchs erfor=
derlichen
Anordnungen zu erlaſſen.
Zu dieſem Zwecke werden wir eine zeitweilige Beſichtigung der offenen Ver=
kaufsſtellen
und der zu ſolchen gehörenden Schreibſtuben (Kontore) während der
Geſchäftsſtunden durch unſere Beamten vornehmen laſſen. Hierbei vorgefundene
Zuwiderhandlungen gegen die erwähnten Bundesratsvorſchriften würden gemäß § 147
Abſ. 1 Ziffer 4 der Gewerbeordnung Beſtrafung des verantwortlichen Geſchäftsinhabers
mit Geldſtrafe bis 300 Mark, im Unvermögensfalle mit Haft, zur Folge haben.
Darmſtadt, den 25. Oktober 1910.
Großherzogliches Polizeiamt.
Dr. Kranzbühler.
(20809df

Bekanntmachung.
Betreffend: Polizeiverordnung über den Beſuch von Wirtshäuſern, öffentlichen Tanz=
muſiken
und Kinematographentheatern durch ſchulpflichtige Kinder.
Die nachſtehende Polizeiverordnung bringen wir hiermit erneut zur öffentlichen
Kenntnis.
Darmſtadt, den 25. Oktober 1910.
(20897
Großherzogliches Polizeiamt.
Dr. Kranzbühler.
Polizeiverordnung,
betreffend den Beſuch von Wirtshäuſern, öffentlichen Tanzmuſiken und Kinemato=
graphentheatern
durch ſchulpflichtige Kinder.
Auf Grund des Artikels 78 der Kreis= und Provinzialordnung wird unter Zu=
ſtimmung
des Kreisausſchuſſes und mit Genehmigung des Großh. Miniſteriums des
Innern vom 5. Juli 1909 zu Nr. M. d. J. I. 10322 für den Kreis Darmſtadt verordnet:
§ 1. Schulpflichtigen Kindern iſt der Beſuch von Wirtshäuſern, öffentlichen
Tanzlokalen und Kinematographentheatern ohne Begleitung eines Elternteils oder der=
jenigen
, die Elternſtelle vertreten, oder eines Lehrers, unterſagt.
§ 2. Den Wirten und deren Stellvertretern, ſowie den Beſitzern, Inhabern und
Leitern von Kinematographentheatern oder deren Stellvertretern iſt es verboten, den
nach § 1 unterſagten Beſuch oder Aufenthalt ſchulpflichtiger Kinder in ihren Unternehmen
zu geſtatten. Sie ſind verpflichtet, die in ihren Geſchäftsräumen verbotswidrig ſich auf=
haltenden
ſchulpflichtigen Kinder unverzüglich aus ihnen zu entfernen.
§ 3. Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Anordnungen werden mit Gelöſtrafe
bis zu 30 Mk., die im Falle der Uneinbringlichkeit in Haftſtrafe umzuwandeln iſt, beſtraft.
§ 4. Vorſtehende Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung im
Darmſtädter Tagblatt (Amtsverkündigungsblatt) in Kraft. Vom gleichen Tage ab
iſt die Polizeiverordnung vom 2. Januar 1882, betreffend Verbot des Beſuchs von
Wirtshäuſern und öffentlichen Tanzlokalen von ſeiten ſchulpflichtiger Kinder, aufgehoben.
Darmſtadt, den 7. Juli 1909.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
gez.: J. V.: von Stark.

Fußſteigarbeiten.
Die Herſtellung von Asphaltfußſteigen
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und Parcusſtraße, ſoll verdungen werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen
liegen bei dem Tiefbauamte, Zimmer Nr. 7,
während der Dienſtſtunden zur Einſicht
offen. Auch werden dort die Angebotſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis
Samstag, den 5. November I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, den 25. Oktober 1910.
Tiefbauamt.
(20824df
Keller.

Bekanntmachung.
Freitag, den 11. November I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
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Eheleuten dahier zuſtehenden Immobilien:
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in unſerem Bureau zwangsweiſe verſteigert
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werden.
Darmſtadt, den 26. September 1910.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (D18876,7

Der Unterricht im Aktzeichnen
in unſerem Dienſtgebäude beginnt bei aus=
reichender
Beteiligung am Freitag, den
4. November. Der Unterricht findet im
Winterhalbjahr an Dienstag= und Freitag=
Abenden von 7 bis 9 Uhr ſtatt. Das im
voraus zu entrichtende Unterrichtsgeld be=
trägt
für Gewerbetreibende 12 Mk., für nicht
Gewerbetreibende 24 Mk. Anmeldungen,
ſchriftlich oder mündlich, werden bis zum
1. November erbeten.
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Darmſtadt, den 18. Oktober 1910.
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Bekanntmachung.
Betreffend: Schutz der Waſſer=Zu= und=Ableitungen im Winter.
Vor Beginn des Winters machen wir die hieſige Einwohnerſchaft auf die Schäden
und Nachteile aufmerkſam, die durch Froſt an den Waſſer=Zu= und=Ableitungen in den
Häuſern entſtehen können, und empfehlen, nachſtehendes zu beachten:
Wenn Türen und Fenſter der Keller nicht gehörig geſchloſſen gehalten werden,
ſo iſt das Einfrieren der Waſſermeſſer zu erwarten. Dabei zerſpringt die Glasplatte
der Meſſer; außerdem wird das Gehäuſe des Meſſers zerſprengt und das Räderwerk
zerſtört. Türen und Fenſter der Keller ſind deshalb gut geſchloſſen zu halten.
Bei anhaltendem ſtrengen Froſt (5 C.) wird es außerdem notwendig, die
Waſſermeſſer und die anderen Teile der Waſſerleitung durch Umhüllen mit lockerem
Stroh oder mit dicken Tüchern zu ſchützen und die Glasfenſter zu verhängen.
Wenn Waſſerleitungsröhren mindeſtens 1,30 Meter tief in die Erde verlegt ſind
oder wenn ſolche im Hauſe ausſchließlich durch geheizte Räume (Küchen) oder durch
Räume, die mit geheizten Räumen durch häufige Benutzung in Verbindung ſtehen
(abgeſchloſſene Flure, Kloſetträume), geleitet ſind, ſo iſt das Einfrieren der Waſſer=
leitungen
nicht zu erwarten; vorausgeſetzt wird, daß dieſe Räume nicht durch
dauerndes Oeffnen der Türen und Fenſter ſtark abgekühlt werden (Kloſetträume).
Sind alle oder einzelne Räume, in denen die Waſſerleitung liegt, längere Zeit ungeheizt,
ſo iſt es empfehlenswert, die Waſſerleitung für gewöhnlich abgeſperrt zu halten und täglich
ein= oder mehreremal die erforderlichen Waſſerquantitäten an die Hausbewohner abzugeben.
Das Abſperren der Leitungen ohne gleichzeitiges Entleeren der Rohren
ſt zwecklos. Beides ſoll gleichzeitig erfolgen, indem man den vor dem Waſſermeſſer
angebrachten Hauptabſperrhahn ſchließt und ſofort die im Hauſe befindlichen Zapf=
hahnen
und Kloſettventile für einen Augenblick öffnet. Geſchieht das, dann läuft das
in den Röhren befindliche Waſſer durch eine im Hauptabſperrhahn angebrachte
Oeffnung aus. Dieſes Waſſer, welches ſelbſt bei ſehr langen Leitungen nur wenige
Liter beträgt, fängt man in untergeſtellten Gefäßen auf, oder man läßt es, wenn die
Kellerſohle waſſerdurchläſſig iſt, ohne Nachteil in den Keller laufen.
Das Maß von Sorgfalt, welches man auf den Schutz der Waſſerleitungen gegen
Froſtſchäden aufwenden muß, hängt von der Strenge und von der Dauer der Kälte
ab. Hält die ſtrenge Kälte wochenlang an, dann durchfrieren die äußeren Mauern
derart, daß ſelbſt nach bereits eingetretener milderer Witterung die auf den durch=
frorenen
Mauern befeſtigten Waſſerleitungen noch nachträglich einfrieren können.
Sind alſo Waſſerleitungen auf Außenmauern befeſtigt, ſo iſt beſondere Vorſicht
und ſtarke Erwärmung der betreffenden Räume zu empfehlen. Beſondere Auf=
merkſamkeit
iſt auch auf Gartenleitungen zu richten. Man ſchließe und entleere
dieſelben vor Eintritt des Winters ſorgfältig.
Sind Waſſerleitungen eingefroren, ſo ſchaffe man ſofort Abhilfe, weil dann
das Auftauen noch raſch bewirkt werden kann und weil die Leitungen alsdann noch
keinen Schaden erlitten haben.
Läßt man das Auftauen anſtehen, ſo friert gewöhnlich die Leitung auf lange
Strecken zu. Das Auftauen wird dann ſehr ſchwierig und koſtſpielig, meiſtens leidet
auch die Leitung Not.
Behufs des Auftauens eingefrorener Leitungen wende man ſich ſofort an einen
zuverläſſigen Inſtallateur.
Iſt ein Waſſermeſſer eingefroren, ſo erſtatte man alsbald Meldung bei der ſtädt.
Waſſerwerksverwaltung. Iſt eine Waſſerleitung eingefroren, ſo iſt das der Beweis, daß
inbezug auf Schutz der Leitung etwas verſäumt worden iſt. Man beſeitige die Urſache
des Einfrierens, weil ſonſt die Störung immer wieder eintritt.
Sind Keller oder andere Räume durch ein Verſehen durchaus vereiſt, ſo nützt es
nichts, nachträglich nur die Fenſter zu ſchließen. Man ſtelle vielmehr Holzkohlenöfen
oder andere paſſende Heizvorrichtungen auf um die Mauern wieder zu durchwärmen.
Bei den Waſſerableitungen iſt die Aufmerkſamkeit beſonders den Kloſetts zuzu=
wenden
, da hier die unter den Sitzen befindlichen, mit Waſſer gefüllten Syphonrohre
und die Spülkaſten durch das Einfrieren häufig beſchädigt werden.
Bei Froſtwetter ſind daher die Aborträume gegen außen möglichſt geſchloſſen zu
halten, beſonders während der Nacht; auch kann die Beheizung der Aborte mittels
kleiner Petroleum= oder Gasöfen beſtens empfohlen werden.
Die Spülkaſten ſollen nach jedesmaliger Benützung der Kloſetts, unter Abſtel=
lung
des Waſſerzulaufes, vollſtändig entleert werden.
Bei Kloſetträumen, die der Einwirkung der Kälte beſonders ausgeſetzt find,
empfiehlt es ſich, zur Verhütung der Eisbildung die Kaſten unter den Sitzen mit Stroh
locker auszuſtopfen, die Spülkaſten mit Tüchern zu umhüllen und deren Anfüllung bei
ſtrenger Kälte ganz zu unterlaſſen. Häufiges Eingießen warmer Abwaſſer aus den
Haushaltungen in die Kloſetts trägt weſentlich zur Verhinderung der Eisbildung in
den Syphonrohren bei.
An den Außenſeiten der Gebäude angebrachte Küchenrohre ſind dem Einfrieren
und dadurch der Zerſtörung beſonders ausgeſetzt; es ſollte daher das Einſchütten von
Waſſer in ſolche Rohre bei ſtrenger Kälte ganz unterlaſſen, mindeſtens aber auf die
Tageszeit beſchränkt werden.
Auch die Hofſinkkaſten ſind bei anhaltend ſtrenger Kälte gegen das Einfrieren zu
ſchützen, am beſten durch Ueberdeckung mit einer mindeſtens 20 Zentimeter hohen Erd=
ſchicht
, da andernfalls durch die Eisbildung in den Sinkkaſten der Abfluß des Waſſers
unmöglich gemacht wird, ſodaß bei Eintritt von Tauwetter Ueberſchwemmungen der
Grundſtücke die Folge ſind.
Die in den Waſchküchen vorhandenen eiſernen Ablaufkaſten können bei ihrer ge=
ringen
Tiefe nur durch rechtzeitige Entleerung des Waſſers vor dem Einfrieren geſchützt
werden; die Kaſten ſind dann zur Verhütung der Entweichung von Kanalgaſen mög=
lichſt
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5

Auf Liebespfaden.
Roman von H. Ehrhardt.
(Nachdruck verboten.)
12)
Helenens Briefe weckten immer zwieſpältige Gefühle
in ihm. Sie beglückten ihn, aber ſie warfen doch jedes
Mal eine neue Laſt auf ſeine Seele. Während er die Hin=
derniſſe
zwiſchen ſich und ihr ſtändig wachſen ſah, wurde
ihr Vertrauen und ihre Zuverſicht immer ſtärker. Ihr
ganzes Sinnen und Trachten richtete ſich jetzt auf ein Wie=
derſehen
, das er ihr auf beſtändiges Bitten hin endlich
gelegentlich ſeiner Rückreiſe verſprochen hatte. Er wollte
eine Rheinfahrt bis Köln machen und von da aus über
Barmen nach dem Harz zurückfahren.
Auf einer kleinen Station kurz hinter Barmen wollte
er ausſteigen und mit dem nächſten Zug zwei Stunden
ſpäter weiterreiſen.
Nun lag für Helene das Daſein wieder im vollſten
Sonnenglanz einer ſchönen Hoffnung.
Und auch Haſſingen begann ſich auf dieſes Wiederſehen
zu freuen und es herbeizuſehnen.
Die Erinnerung an Lena von Rieding war verblaßt,
denn er hörte nie mehr von ihr.
Nur einmal wurde er an ſie erinnert, als er im The=
ater
an Meiſenbergs Seite die ſchwarzhaarige, zierliche
Frau ſah, für die Lena ſo viel Mitleid gezeigt hatte. Sie
ſchien ihre Warnung nicht mehr angebracht zu haben oder
vielleicht war ſie auch nicht beachtet worden.

Haſtigen vernid es dem Fae in areonet. er
konnte nicht dagegen ankämpfen, er verachtete nun
einmal ſolche Frauen, die ſich nicht ſtolz zu bewahren
wiſſen.
Wenige Tage ſpäter reiſte Meiſenberg ganz plötz=
lich
ab nach der Riviera, wie er behauptete, weil ſeinen
Nerven Wiesbaden nicht zuſage, und die arme, ſchwarz=
haarige
Schönheit hatte wieder einmal das Nachſehen.
Auch Leutnant Keßler, der um der rotblonden
Erika willen vierzehn Tage Nachurlaub genommen
hatte, wurde mitten aus dem Wiesbadener und aus
ſeinem Liebes=Frühling herausgeriſſen, entkam aber
glücklicherweiſe unverlobt, wie er noch aus dem
Coupé heraus mit Genugtuung konſtatierte. Das
Mädel tat ihm ja leid, aber ſeit die Mutter eines Tages
erklärt hatte, als Dritte im Bunde die Ehe ihrer Toch=
ter
verſchönen zu wollen, war Leutnant Keßler gegen
alle Heiratsgedanken gefeit geweſen.
Wie es ſchien, lebte das Schlettauſche Ehepaar
ſchon jetzt getrennt, die Tochter der Mutter, zwei
Söhne dem Vater.
Fräulein von Meppen ſah den luſtigen Neffen be=
trübt
abreiſen, aber ihr Salon war jetzt in der be=
ginnenden
Saiſon voller als je, und auch Haſſingen
ſuchte ihn an ſeinem letzten Sonntag auf und ertappte
ſich dabei, daß er zuweilen auf das leiſe Rauſchen und
das Geräuſch des leichten Trittes wartete, das vor
Wochen Lena van Riedings Kommen angekündigt
hatte.

Det Frnten ven Reoher nahn er miſdied ven
Mutter und Tochter Schlettau. Die Alte hatte eine
etwas krampfhafte Liebenswürdigkeit und forderte
ſcherzend einen Dank für ihre Empfehlung des Wun=
derdoktors
. Er küßte ihr höflich die Hand und hatte
das unbehagliche Gefühl, einem unſympathiſchen Men=
ſchen
Dank ſchuldig zu ſein, was ihn nicht gerade er=
götzte
. Die kleine Erika ſah blaß aus und hatte leicht
gerötete Augenlider, ſie war wohl doch nicht ſo ober=
flächlich
, wie es ſchien, ſondern trug ſchwer an dem
Abſchied von Leutnant Keßler.
Armes Ding! ſagte Haſſingen im ſtillen, und ſeine
Gedanken flogen zu Helene.
Dann nahte der Tag ſeiner Abreiſe.
Am Nachmittag vorher ging er ein letztes Mal zu
ſeinem Doktor, um pro korma nach ſeiner Schuldigkeit
zu fragen. Noch am Sonntag hatte die Exzellenz ihm
erzählt, daß ſie ſelber ſich durch einen ſilbernen
Bowlenkrug für die unentgeltliche Behandlung
revanchieren wolle, daß aber bei einem jungen Leut=
nant
ſolche Revanche von dem Doktor weder erwartes
noch gewünſcht würde.
Es koſtete Hans von Haſſingen all ſeine Selbſtbe=
herrſchung
, um ruhig zu erſcheinen, als Doktor
Barowsky ihm unbefangen lächelnd eine Rechnung
über 150 Mark überreichte.
Der Schlag war doppelt hart, weil er ihn
berektet traf.

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Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Oktober 1910.

Seite 13.

Er hatte ſo viel Faſſung, ehrlich einzugeſtehen, daß
er die Summe im Moment nicht bei ſich habe, ſie aber
bis morgen früh zu beſchaffen hoffte.
Förmlich geiſtesabweſend ging er zum Poſtamt und
erbat von ſeinem Vater telegraphiſche Zuſendung des
Geldes.
Er beſaß ja nur ſo viel noch, daß es zur Heimreiſe
gereicht hätte.
Wer nie mit des Lebens gemeinſter Not gekämpft,
begreift nicht, was dieſer Schlag für Hans von Haſſin=
gen
bedeutete.
Er dachte gar nichts anderes. Er ſaß in ſeinem
Zimmer bei den gepackten Sachen und wartete auf den
Telegraphenboten und ſtellte ſich mit peinvoller Deut=
lichkeit
den Schreck der Seinen vor und wußte, daß er
dieſe 150 Mark Kurkoſten nie vom Regiment zurück=
erhalten
würde, da er ja die koſtenloſe Behandlung des
Oberſtabsarztes verſchmäht hatte. Selbſt das Bewußt=
ſein
der wiedergewonnenen Geſundheit vermochte ihn
nicht zu tröſten.
150 Mark, o Gott, 150 Mark! Zuweilen ſtöhnte er
es leiſe vor ſich hin. Der Abend ſank hernieder, und
die Nacht kam, aber keine Geldſendung erſchien.
Er begab ſich endlich ohne Abendbrot zu Bett. Als
er die Brieftaſche auf den Nachttiſch legte, durchzuckte
ihn der Gedanke en Helene, an die morgige Abreiſe.
Die Rheinfahrl auf dem Dampfer mußte er auf=
geben
, er hatte doch jede Freude daran vekloren, er
würde um 11 Uhr mit der Bahn=fahren. Bis dahin
konnterer alles erledigt haben.

Gegen 9 Uhr kam am nächſten Morgen endlich das
Geld.
Da packte er zuerſt ſeine Sachen fix und fertig,
ſagte ſeiner Wirtin, daß er um 11 Uhr reiſe und über=
brachte
Doktor Barowsky perſönlich ſeine 150 Mark.
Sein junges Geſicht ſah ſtarr und hochmütig aus,
als er die acht Goldſtücke auf das grüne Tuch der
Schreibtiſchplatte legte und einige förmliche Dankes=
worte
ſprach.
Der Arzt trug wohl kaum die Schuld, aber es lag
doch eine bittere Ironie darin, daß die reiche Hof=
marſchallin
eine unentgeltliche Behandlung genoſſen
hatte und der arme Leutnant ſeine Kur ſo teuer be=
zahlen
mußte.
Gedankenvoll ſchritt er dann ein letztes Mal durchs
ſchöne Wiesbaden, über das der Frühling ſchon lichtes
Grün und bunte Blüten geſtreut hatte. Seine Geſund=
heit
hatte es ihm wohl zurückgegeben, aber was er
ſonſt noch unklar erhofft, war es ihm ſchuldig ge=
blieben
.
In ſeiner Wohnung angelangt, ſchickte er das
Mädchen nach einem Wagen. Mit der Meldung ſeines
Vorfahrens zugleich brachte ſie zwei Briefe mit. Er
öffnete ſie, wie ſie ihm gereicht wurden, der oberſte
war von ſeiner Schweſter, am geſtrigen Vormittag ge=
ſchrieben
.
Mensdorf iſt nun verkauft, an wen wiſſen wir
noch nicht. Mutter bekam einen Herzkrampf, als Onkel
es depeſchierte, ſie ſoll nach Nauheim, ſagt der Sani=
tätsrat
, aber ich glaube nicht, daß Onkel wird das Geld
geben können. Vater kann es nicht, er iſt in arger

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Geldnot, ſo wie noch nie, ſagt er, Hoffentlich gewinnt
er was.
Die ſchlanke Geſtalt des Mannes durchlief ein
Schwanken, ſo daß er ſich, die Zähne zuſammenbeißend,
auf die Tiſchplatte ſtützen mußte. Auch das noch! Die
Mutter war ſeit langem ſchon nicht recht wohl, er hatte
nie gedacht, daß es etwas Ernſtliches ſein könnte.
Freilich, der Verkauf von Mensdorf, der brach ihr
faſt das kranke Herz.
Er blickte unwillkürlich auf den zweiten Brief.
Die Handſchrift des Onkels.
Er riß ihn ſo haſtig auf, daß der Bogen mit entzwei
ging, er mußte die beiden Stücke zuſammenhalten.
Eine freudige Mitteilung, Mensdorf zwar ver=
kauft
, aber wenigſtens darf ich bis an mein Lebensende
da wohnen bleiben, eine Dame Frau von Rieding
Die Buchſtaben tanzten vor Haſſingens Augen, er
deckte die Hand über die brennenden Lider.
Lena von Rieding hatte Mensdorf gekauft, keine
Fremde würde auf dem lieben, alten Beſitz wohnen,
ſondern die reizende Frau, die plötzlich in all ihrer
Schönheit und Anmut, vom Glanz des Reichtums um=
floſſen
, lockend als gütige Fee vor dem Mutloſen,
Niedergedrückten ſtand und ihm und den Seinen die
rettende Hand bot.
Ein überwältigendes Glücksgefühl, eine leiden=
ſchaftliche
Dankbarkeit wallte in ihm auf und miſchten
ſich mit der Sorge um die kranke Mutter und der Laſt
der Geldnot zu einem Ganzen, in dem für Minuten
die ganße Welt um ihn verſank.
(Fortletzuug folgt2

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[ ][  ][ ]

Nummer 253.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Oktober 1910.

Seite 15.

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geeignet zur Abhaltung von Vereinsfeierlich=
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Kurſe vom 27. Oktober 1910.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

. Staatspapiere. Ir Proz.
Dſche. Reichsſchatzanw. 99,80
½ Deutſche Reichsanl. . 82,50
83,75
do.
Preuß. Schatzanweiſg. 99.80
92,40
½ do. Conſols .
83,90
do. do.
Bad. Staatsanleihe . .
92,30
do.
½
84,00
do.
Bayr. Eiſenbahnanl. . 100,90
91,40
do.
2
82,00
do.
Hamburger Staatsanl.
Heſſ. Staatsanleihe . . 101,00
91,10
do.
80,75
do.
Sächſiſche Rente . . . 83,30
Württemberger v. 1907 101,70
92,60
do.
½
Bulgaren=Tabak=Anl.
¾ Griechen v. 1887 . . 46,90
Italiener Rente . . .
½ Oeſterr. Silberrente . 96,90
do. Goldrente . . 98,25
do, einheitl. Rente 92,70
Portug. unif. Serie I 64,10
do. unif. Ser. III
do. Spezial . 12,00
Rumänier v. 1903 . . 102,50
do. v. 1890 . . 94,30
do, v. 1905 . . 91,00
Ruſſen v. 1830 . . . 91,80

InProz.
3).
92,20
4 Ruſſen v. 1902 . F5
4½ do. v. 1905 . . . . 100,20
3½ Schweden . . .
4 Serbier amort. v. 1895 82,10
4 Türk. Admin. v. 1903 86,00
4 do. unifiz. v. 1903 92,00
Ungar. Goldrente . . 93,40
do. Staatsrente . 91,70
5 Argentinier . . . . . .
91,00
do.
4½ Chile Gold=Anleihe
5 Chineſ. Staatsanleihe 101,90
99,00
do.
4½
4½ Japaner . . . . . . . 97,40
5 Innere Mexikaner . . 99,70
68,00
do.
4 Gold=Mexikan. v. 1904 95,20
5 Gold=Mexikaner . . . 100,20
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
4 Hamb.=Amerika=Paket=
144,00
fahrt .
. . 107,90
4 Nordd. Lloyd
4 Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 122,40
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
4 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408
4 Baltimore & Ohio . .
4 Gotthardbahn . . . .

InProz.
31.
4 Oeſt.=Ungar. Staatsb.
4 Oeſt. Südbhn. (Lomb.) 22,00
4 Pennſylvania R. R. 131,50
Induſtrie=Aktien.
Mainzer Aktienbrauerei . 205,00
Werger=Brauerei
74,00
Bad. Anil.=u. Sodafabrik 500,10
Fabrik Griesheim .
. 282,50
Farbwerk Höchſt . . . . . 544,30
Verein chem. Fabriken
Mannheim .
342,00
Lahmeyer
Schuckert
162,00
Siemens & Halske . . . 249,00
Adlerfahrradwerke Kleyer 455,50
Bochumer Bb. u. Guß . .
Gelſenkirchen
Harpener .
191,00
Phönix, Bergb. u. Hütten=
betrieb
.
. . . 258,70
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. . . 89,70
4 Pfälzer Prt. . . . . . 100,30
do.
92,40
3½
4 Eliſabeth., ſteuerpfl. . 99,50
do. ſteuerfrei . 98,00
5 Oeſterr. Staatsbahn. 105,60
do.
98,00
do. alte . 81,70
5 Oeſterr. Südbahn . . 99,00
do.
79,50
do.
56,70
Raab=Oedenburger . . 75,00
Ruſſ. Südweſt. . . . . 89,30
4 Kronpr. Rudolfbahn . 97,80

In Pro:
Bt.
73,50
29/10 Livorneſer . . . . .
4 Miſſouri=Paciſic
79,90
4 Bagdadbahn Mk. 408
5 Anatoliſche Eiſenb. . .
5 Tehuantepec
. . 102,00
Bank=Aktien.
4 Berliner Handelsgeſ. 166,00
4 Darmſtädter Bank . 130,20
Deutſche Bank . 257,00
4 Deutſche Vereinsbank 126,70
Diskonto=Geſellſchaft 189,40
161,50
Dresdner Bank .
Mitteldeut. Kreditbk. 121,00
Nationalbk. f. Deutſchl. 126,10
104,90
Pfülzer Bank.
143,30
4 Reichsbank
Rhein. Kredit=Bank 138,90
4 Wiener Bank=Verein 139,60
Pfandbriefe.
4 Frankſt. Hypoth.=Bank
S. 16 und 17 100,00
92,00
3½ do. S. 19.
4 Frkf. Hyp.=Kreditverein
S. 1519, 2126 99,40
4 Hamb.=Hypoth.=Bani 100,00
do.
90,50
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bk. 101, 40
do.
92,10
(*
4 Meining. Hyp.=Bank 99,30
do.
91,00
4 Rhein. Hypoth.=Bank
(unk. 1917) 100,00
3½
do. (unk. 1914) 90, 17
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 100,20
3½
do,
92,10

InProz.
31.
Städte=
Obligationen
4 Darmſtadt . . . . . .
91,00
3½ do.
101,30
4 Frankfurt .
95,00
3½ do.
4 Gießen
3½ do.
4 Heidelberg
90,70
3½ do.
99,60
4 Karlsruhe
3½ do.
4 Magdeburg.
3½ do.
4. Mainz
3½ do.
4 Mannheim
3½ do.
4 München .
100,30
3½ Nauheim
90,80
4 Nürnberg.
100,00
3½ do.
4 Offenbach.
3½ do.
4 Wiesbaden
100,20
3½ do.
92,10
4 Worms.
3½ do.
4 Liſſaboner v. 1886. . 80,60
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner 100 134,20
5 Donau=Reg. fl. 100
3 Holl. Komm. 100

In Proz
Bt.
3 Madrider Fs. 100
4 Meining. Pr.=Pfand=
136,30
briefe. .
4 Oeſterr. 1860er Loſe 175,00
3 Oldenburger
2½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger
fl.
Braunſchweiger Tlr. 20 212,00
Freiburger
Fs. 15
Mailänder
Fs. 45
do.
Fs. 10
Meininger
fl.
Oeſterreicher v. 1864 100 548,00
do. v. 1858 100 425,00
Ungar. Staats 100 386,00
Venediger
Frs. 30 43,00
Türkiſche
400 178,80
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns .
20,43½
20 Franks=Stücke .
16,17
Oeſterr. 20=Kronen . .
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Amerikaniſche Noten . . . 4,19½
Engliſche Noten . . . . .20,48½
Franzöſiſche Noten . . . . 81,10
Holländiſche Noten . . . . 169,20
Italieniſche Noten . . . 80,80
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,95
Ruſſiſche Noten . .
Schweizer Noten . . . . . 80,80
Reichsbank=Diskonto . . . 50
Reichsbank=Lombard Zsf. 6%

Schiffsbericht.
Hamburg=Amerika=Linie.
Mitgeteilt von dem Vertreter Herrn Adolf
Rady, Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Dampfer Atlantic, 25. Oktober nachmit=
tags
in New=Orleans.
Dampfer Cleveland von New=York kom=
mend
, 25. Oktober abends in Hamburg.
Dampfer Pretoria‟, 25. Oktober morgens
von Baltimore nach Hamburg.

Lose?

Jenaer Geldl.,
Gothaer
Darmst.
Mürnberg.
Stuttgart.

Lose!

z. 5.7. Nov.,
8.
. Dez.,
7. u.8.
3. u. 4. Febr.

. 1.

Georg Ludwig Kriegk,
Rheinstr. 17. (20910fi) Fernspr. 779.

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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Oktober 1910.

Nummer 253.

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(Freiwillige Verſicherung gegen Invalidität.)
Die Kenntnis der für weite Kreiſe der arbeitenden
Bevölkerung wichtigſten Beſtimmungen des Invaliden=
verſicherungsgeſetzes
iſt trotz deſſen 20jährigen Beſtehens
heute noch eine ſehr geringe. Wohl iſt im allgemeinen
ſo ziemlich bekannt, wer verpflichtet iſt, ſich gegen
Invalidität zu verſichern, nicht in dem Maße dagegen,
wer ſich freiwillig verſichern kann und was hierbei
zu beachten iſt. Und doch wäre gérade die Vertrautheit
mit den Beſtimmungen über dieſe Verſicherungsart für
alle wünſchenswert, die, ohne als unſelbſtändige Ar=
beiter
u. dergl. ihren Lebensunterhalt verdienen zu
müſſen, doch wirtſchaftlich nicht beſſer, oft ſogar noch
ſchlechter geſtellt ſind als dieſe. Wir meinen vor allem
die kleinen Gewerbtreibenden und Hand=
werker
. Die nachſtehenden Ausführungen ſollen der
Aufklärung hierüber gewidmet ſein.
Es gibt eine zweifache Art freiwilliger Verſicherung
gegen Invalidität: die ſogenannte Weiterverſiche=
rung
und die Selbſtverſicherung. Erſtere, und
die wichtigſte, kann nach den geltenden Beſtimmungen
zu jeder Zeit begonnen und auch jederzeit
wieder fortgeſetzt werden von allen Perſonen, die
irgend einmal früher zur Klebung von Marken ver=
pflichtet
waren und ſolche geklebt hatten. Dieſe
Perſonen haben, um in die Verſicherung wieder einzu=
treten
, in ihre letzte Quittungskarte, falls ſie noch gül=
tig
, d. h. noch nicht zwei Jahre ausgeſtellt iſt, Marken
irgendwelcher Klaſſe zu kleben; falls ihre alte Karte
aber nicht mehr Geltung hat, können ſie ſich dieſe bei
der örtlichen Invalidenverſicherungsſtelle (in Darm=
ſtadt
: Waldſtraße Nr. 6, ſonſt in der Regel beim Ge=
meinderechner
) aufrechnen und eine neue Karte aus=
ſtellen
laſſen, in welche alsdann die bei der Poſt er=
hältlichen
Invalidenverſicherungsmarken zu kleben
ſind. Die Quittungskarte hat zwei Jahre Gültigkeit
und muß dann rechtzeitig umgetauſcht werden. Wäh=
rend
dieſer zwei Jahre ſind von dem die Weiter=
verſicherung
betreibenden Verſicherten mindeſtens
20 Marken irgend einer Lohnklaſſe zu kleben, um die
Anwartſchaft auf Rente zu erhalten bezw. wieder zu
erwerben. Iſt die Anwartſchaft durch das Kleben von
weniger wie 20 Wochenmarken in zwei Jahren ver=
loren
gegangen, dann müſſen zu deren Wieder=

erlangung erneut und zwar 200 Marken geklebt werden
und innerhalb je zwei Jahren (Gültigkeitsdauer der
Quittungskarte) immer mindeſtens 20. Nach Erreichung
dieſer 200 Marken erlangen die früher geklebten Mar=
ken
wieder ihre Gültigkeit. Es empfiehlt ſich, zur
ſchnelleren Erlangung der Anwartſchaft (200 Marken)
allwöchentlich zu kleben und, falls nachher in dieſer
Weiſe nicht fortgefahren werden ſoll, in zwei Jahren
immer mindeſtens 20 Marken. Je mehr Marken ge=
klebt
werden und je höher die Verſicherungsklaſſe iſt,
um ſo höher wird ſelbſtverſtändlich einmal die Rente.
Dieſe ſelbſt wird gewährt, wenn der Verſicherte die vor=
geſchriebene
Wartezeit zurückgelegt hat und infolge
Alter, Krankheit, Gebrechen uſw. erwerbsunfähig
geworden iſt in dem Maße, daß er nicht mehr in der
Lage iſt, mindeſtens ein Drittel desjenigen zu ver=
dienen
, was körperlich und geiſtig geſunde Perſonen
derſelben Art und mit ähnlicher Ausbildung in der=
ſelben
Gegend durch Arbeit zu verdienen pflegen.
Die Wartezeit beträgt bei den Weiterver=
ſicherten
200 Beitragswochen, wenn im ganzen 100
Beitragswochen nachgewieſen werden können,
welche auf Grund der Verſicherungspflicht ge=
klebt
worden ſind. Wer dieſe 100 Marken nicht nachzu=
weiſen
in der Lage iſt, kann Invalidenrente
nurnoch dann erlangen, wenn er mit Pflicht=
marken
und Marken auf Grund der Berech=
tigung
zur Selbſtverſicherung (ſiehe nächſten
Artikel) zuſammen 100 Marken nachweiſen kann; in
dieſem Falle beträgt die Wartezeit jedoch 500 Beitrags=
wochen
. Bei wem die obengenannten Vorausſetzungen
nicht vorhanden ſind, der kann Invalidenrente über=
haupt
nicht erhalten; er hat nur Ausſicht auf Alters=
rente
nach Zurücklegung des 70. Lebensjahres, voraus=
geſetzt
, daß er die Anwartſchaft durch regelmäßiges
Kleben (mindeſtens 20 Marken in zwei Jahren) erhält
und dann 1200 Beitragswochen nachweiſen kann.
Im Hinblick auf die in Ausſicht ſtehende
Verſicherungsreform empfiehlt es ſich
dringend, daß alle Perſonen, die früher
als Gehilfen, Geſellen, Arbeiter uſw.
Marken kleben mußten und denen in ſpä=
teren
Jahren oder bei frühzeitig ein=
tretender
Invalidität eine Rente von
ein paarhundert Mark eine willkommene
vder nötige Aufbeſſerung ihrer Einkom=
mensverhältniſſe
bedeutet, ſo ſchnell
als irgend möglich ihre Weiterverſiche=
rung
betreiben. Denn der Entwurf zu
einer Reichsverſicherungsordnung bringt
mit ſovielen anderen Verſchlechterungen
auch die, daß die Verſicherung bei einmal
verlorener Anwartſchaft auf Rente (bei
unterlaſſener Klebung von mindeſtens
20 Marken in zwei Jahren) nur dann
wieder aufgenommen werden kann, wenn
der Betreffende eine verſicherungs=
pflichtige
Beſchäftigung ergreift, alſo in
abhängiger Stellung (Geſelle, Arbeiter

uſw.) wieder tätig iſt. Damit iſt aber den
ſelbſtändigen Handwerkern, Gewerb=
treibenden
uſw. die Möglichkeit zur
Weiterverſicherung genommen. Darum
beeile ſich jeder mit der Weiterverſiche=
rung
, der nach Vorſtehendem hierzu be=
rechtigt
iſt.
Literariſches.
Emil Sandt: Im Aether. Roman. 320
Seiten. Mit farbigem Titel von H. R. Erdt. Vita,
Deutſches Verlagshaus, Berlin=Ch. Preis: Geheftet
4 Mk., geb. 5,50 Mk. Der Verfaſſer von Cavete, der
Freund Zeppelins, hat uns einen Aviatikerroman ge=
ſchenkt
. Während aber aus den Blättern des erſten
Buches die Schatten blutiger Ereigniſſe aufſteigen,
tönen aus dem neuen Werke die Kirchenglocken des
Friedens und der höchſten Menſchlichkeit. Mit atem=
loſer
Spannung folgt der Leſer den vielgeſtaltigen Er=
eigniſſen
dieſer Reiſe durch die Lüfte. Das Zuſammen=
treffen
mit einem franzöſiſchen Kriegsſchiffe, das eben
noch rechtzeitige Heranholen von Rettung für einen
im Sturm ſchwer beſchädigten Paſſagierdampfer, der
eigene Kampf mit den toddrohenden Wogen, das Auf=
flammen
der Ueberzeugung vom Gottesdaſein, die An=
kunft
in New=York, der Enthuſiasmus der Maſſen oder
ihre kaum zu zügelnde Feindſeligkeit all das wird
mit hinreißender Darſtellungskunſt geſchildert.
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katholiſche Katechismus und die Borromäus= Enzyk=
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ſchichte
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zu ſeinem gleichnamigen Werke bearbeitet von
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Hinſicht dem Kaffee und Tee vorzuziehen,
eignen ſich namentlich deshalb mehr
zum Genuß, weil ſtarker Kaffee und
Tee nach unmäßigem oder länger fort=
geſetztem
Genuß leicht Störungen des
Nervenſyſtems wie Kopfſchmerzen, Herz=
klopfen
und Schlafloſigkeit verurſachen.
So heißt es in dem Geſundheits=
büchlein
bearbeitet im Kaiſerlichen Ge=
ſundheitsamt
. Daraus ergibt ſich für
die Hygiene des Alltags der kategoriſche
Imperativ: Frühſtücke Kakao! Die be=
ſtändige
Zunahme des Kakaoverbrauches
iſt bekannt und hocherfreulich. Wäre
nicht bei vielen Menſchen die liebe Ge=
wohnheit
Allherrſcherin, ſo würde der
Kaffee ſeine Rolle als Frühſtücksgetränk
längſt ausgeſpielt haben. Freilich kann
man nur ſtark entölten Kakao
Reichardt=Kakao dauernd trinken, ohne
des Kakaotrinkens überdrüſſig zu werden.
Jeder verſuche ihn aus geſundheitlichen
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Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Oktober 1910.

Nummer 253

Dennen
des Hessischen Reitervereins
am Sonntag, den 30. Oktober 1910, nachmittags 2 Uhr,
auf dem Griesheimer Truppen=Uebungsplatz
(Zugang zum Rennplatz vom Barackenlager aus.
I. Eröffnungs-Jagdrennen.
(3 Ehrenpreiſe.)
II. Reitpferd-Rennen.
(3 Ehrenpreiſe.)
III. Jagdspring-Konkurrenz.
(3 Ehrenpreiſe. Weitere Ehrenpreiſe je nach Beteiligung.)
IV. Weiterstädter Jagdrennen.
(Ehrenpreis Sr. Majeſtät des Kaiſers von Rußland und 2 weitere Ehrenpreiſe.)
V. Jagd mit Auslauf.
(3 Ehrenpreiſe.)
Konzert und Restauration auf dem Rennplatz.
Gedeckte Tribüne.

Eintritts- und Mitgliedskarten sind sichtbar zu tragen.
Billettverkauf: 1. bei Herrn Hugo de Waal, Rheinſtraße Nr. 12½ 2. bei Herrn
W. Pfeil, Eliſabethenſtraße 5, 3. auf dem Geſchäftszimmer der 25. Kavallerie=
Brigade, Sandſtraße 42, und an den Kaſſen auf dem Rennplatze.
(20811dfs
Preiſe der Plätze: I. Tribüne (Zutritt zum Sattelplatz 3 Mk., II. Tribüne
1.50 Mk., Reſervierter Platz 50 Pfg., Wagen= und Reiterkarten 3 Mk.
Der Vorstand des Hessischen Reitervereins.
Ein Extrazug der Dampfſtraßenbahn fährt um 1.10 Uhr mittags vom Schloß=
platz
ab nach dem Griesheimer Lager.
Sonntag, 30. Oktober 1910, mittags 5 Uhr:
Konzert in der Stadtkirche
zum Besten der Kindergottesdienste der Stadtgemeinde.
Mitwirkende: Freiin B. von Bellersheim (Violine), Frl. Lili Hickler (Violine),
Hofopernsänger Stephani (Bass) und Stadtorganist Borngässer (Orgel)

Mreissosching

Rehrücken

von Mk. 6.
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Programm: Stücke für 1 u. 2 Violinen, 2 Arien u. Orgelstücke von J. S. Bach,
Phil. Em. Bach, Buxtehude, Schumann.
Karten: Numerierte Plätze 2 Mk. u. 1 Mk., nicht num. 50 Pfg. im Vorverkauf
bei Waitz u. Thies (Elisabethenstr.), Schlapp (Schulstr.) u. im Verkehrsbüro, Am Konzert-
tage
nur bei Herrn Uhrmacher Kolb, nächst der Stadtkirche.
(20581sf

Gesangs=Aufführung
der Joachim’schen Gesangschule, Parcusstrasse 9,
Montag, den 31. Oktober, abends 8 Uhr,
im Saale der Loge‟, Sandstrasse 18.
Einlaßkarten zu 1 Mk. und zu 50 Pfg. und Programm ſind bei L. Schutter
(Thies Nachf.), in der Schule und abends an der Kaſſe erhältlich.
(20893fso
Flügel aus der Pianofortehandlung von L. Schutter.

Bezirksten Uans Johanhestiertel.
Mitglieder=Verſammlund
Montag, den 31. Oktober, abends 8½ Uhr,
im Sälchen des Frankfurter Hof‟
Ecke der Frankfurter= und Landwehrſtraße.
Tagesordnung: Programm u. Kandidaten zur bevorſtehenden
Stadtverordneten=Wahl.
20938fo)

Um zahlreiches Erſcheinen wird erſucht.

Der Vorstand.

Kirchlich=poſtive Vereinigung für Heſſen.
Montag, den 31. Oktober, nachmittags 3 Uhr,
im Kaisersaal
Oeffentliche Versammlung.
Vortrag des Herrn Pfarrer Julius Werner
(20946
aus Frankfurt a. M. über:
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Der Weltkongreß für freies Chriſtentum.
Freie Diskuſſion. Eintritt frei. Gäſte willkommen.

estauration, ZurOper

empfiehlt guten Mittagstisch in verschiedenen
Preislagen, sowie reichhaltige Speisenkarte.
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Pilsener Münchener hiesiges Bier.
Neuzeitliche Räume. Aufmerksame Bedienung

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junge Mädchen aus guten Familien teilnehmen.
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Oeffentl. Vortrag
Samstag, den 29. Okt., abends 8½ Uhr
Restaurant,, Prinz Karl‟
Ecke Schul= und Karlſtraße
Thema: Die Entwickelung des Städtebildes
von Darmstadt in der Zeit vom IIV. Jahr-
hundert
bis zur Gegenwart
Redner: Stadtpfarrer Dr. D. Diehl.
Jedermann freundlichſt eingeladen
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Nummer 255

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 28. Oktober 1910.

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