Abonnementspreis
monatl. 50 Pfg., viertelj. 1.50 Mk.,
aus=
wärts nehmen die Poſtämter u. die
Agen=
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
ſchriebenen Tagenwirdnichtübernommen.
173. Jahrgang
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Inſerafe
werden angenommen in Darmſtadt,
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
„ 243.
Montag, den 17. Oktober.
1910.
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.
Keine Ueberſchätzung der Elugmaſchine!
Von einem militäriſchen Mitarbeiter.
N. G. K. Unſere raſche Zeit, in der die Fortſchritte
der Technik gewaltiges leiſten, liebt es, an jede Erfindung
alsbald die höchſten Erwartungen zu knüpfen. Gewiß iſt
die Eroberung der Luft — wenn dieſer kühne Ausdruck
überhaupt geſtattet iſt — ein Triumph des
Menſchengei=
ſtes, der nicht verkleinert werden ſoll. Aber wir ſtehen
doch erſt im Anfang einer Entwickelung, deren Ausbau ſich
noch nicht annähernd überſehen läßt. Hoffen wir, daß
es mit der Zeit gelingen wird, Wetter und Sturm zu
be=
ſiegen, die dem Luftſchiff und der Flugmaſchine heute
noch unüberwindliche Hinderniſſe entgegenſetzen und ſeine
Verwendung oft genug ausſchalten, wenn ſie den
verwe=
genen Fahrern nicht gar Tod und Verderben bringen. Aber
es iſt unberechtigt, jetzt ſchon von einer völligen
Umge=
ſtaltung der Kriegs= und Schlachtenführung durch die
Flugmaſchinen zu reden.
Trifft dies für die Luftſchiffe nicht zu, ſo gilt die
Ver=
neinung in gleichem und vielleicht in noch höherem Maße
für die Flugmaſchinen. Deshalb dürfen wir es als
übertrieben bezeichnen, wenn ſeit Monaten in
Frank=
reich behauptet und bei uns nur gar zu lebhaft
nachge=
redet wird, daß das franzöſiſche Heer mit ſeinen
zahlrei=
chen und ſicher geführten Flugmaſchinen jetzt ſchon einen
nicht mehr einzuholenden Vorſprung vor uns gewonnen
und ſich ſogar eine grundſätzliche Ueberlegenheit durch
dieſes Kampfmittel verſchafft habe. Ja, es wurden und
werden noch immer Stimmen bei uns laut, die in nervöſer
Unruhe die ſofortige Anſchaffung einer großen Menge von
Flugmaſchinen fordern und ſich nicht ſcheuen, unſere
Hee=
resleitung der Läſſigkeit und Rückſtändigkeit auf einem
entſcheidenden Gebiete zu zeihen. Es iſt tatſächlich an der
Zeit, daß gegen ſolcherlei verwirrende Nervoſität
Ein=
ſpruch erhoben wird, um eine völlig unberechtigte
Beun=
ruhigung der Gemüter zu beſeitigen Man vergeſſe doch
nicht, daß trotz der im übrigen gar nicht ſo bedeutenden
Leiſtungen der franzöſiſchen Flugmaſchinenfahrer im
dies=
jährigen Armeemanöver das militäriſche
Flug=
weſen noch nicht weſentlich über den
Be=
reich des Sports hinausgekommen iſt, und
daß bei unſeren Nachbarn im Weſten manches auf
Rech=
nung der Reklame geſetzt werden muß, was vor ernſter
Prüfung nicht ſtandhält. Vor allem bleibt die
Flug=
maſchine in gleichem Maße wie das Luftſchiff von Wetter
und Wind, von Regen, Sturm und Nebel abhängig und
wird verſagen, falls ſie mit widrigen Verhältniſſen zu
kämpfen hat. Die Anſprüche der Heer= und
Schlachtfüh=
rung fordern aber Hilfsmittel, die zu jeder Zeit und unter
allen Umſtänden verfügbar ſind und, ſoweit menſchliche
Kraft in Frage kommt, nicht unbrauchbar werden oder
den Betrieb einſtellen müſſen. Es iſt eine alte Erfahrung,
daß jeder techniſche Fortſchritt eine Gegenmaßnahme
her=
vorbringt: das zeigt uns der Wettkampf zwiſchen
Kriegs=
ſchiff und Torpedo, zwiſchen Geſchütz und Panzerung. So
werden auch Schnellfeuergeſchütze entſtehen, die dem
unge=
hemmten Lauf der Flugmaſchine Halt gebieten und ihr
zum Verderben gereichen werden, ebenſo wie jetzt ſchon
die Ballonabwehrgeſchütze das Luftſchiff im Ernſtfalle mit
Erfolg bekämpfen dürften. Nur ſehr ſchnelle Fahrt wird
die Flugmaſchine vor den Geſchoſſen ſchützen — wie aber
ſoll in ſolch ſauſender Bewegung genau und zuverläſſig
beobachtet werden? Der Wert der Flugmaſchine als
Waffe iſt erſt recht fraglich, denn die Wirkung der aus
Flugmaſchinen geworfenen oder geſchoſſenen Sprengſtoffe
kann nur ſehr zweifelhaft ſein.
Es liegt uns fern, an den Fortſchritten des kühnen
=Erfindergeiſtes mäkeln zu wollen, ja wir ſind überzeugt,
daß die Flugmaſchine ſich noch bedeutend verbeſſern wird.
Aber nochmals: keine Unruhe, keine Nervoſität, keine
Uebertreibung! Durch ſolche Kriegsmittel kann eine
Ueberlegenheit nicht herbeigeführt werden. Die gründet
ſich auf ganz andere Grundlagen — früher, jetzt und in
Zukunft Der Krieg wird mit Menſchen, nicht mit
Maſchinen geführt. Das iſt ein ewiger Grundſatz!
VerPPräßdent der griechiſchen Nationalverſammlung
Konſtantin von Hößlin
iſt der Sohn eines Münchners, der 1833 als junger
Gelehrter unter König Otto, dem Bruder des Königs
Maximilian II. von Bayern, nach Griechenland
einge=
wandert war. Der neue Präſident war, wie die
Mün=
chener Neueſten Nachrichten mitteilen, ſeit vielen Jahren
der Vorſitzende der Advokatenkammer in Athen.
Von dem Getriebe der bisherigen Parlamentsparteien
ſich grundſätzlich fernhaltend, hatte er jederzeit die
An=
nahme eines Mandats abgelehnt und genoß deshalb in
allen Kreiſen wegen ſeines unabhängigen Charakters
gro=
ßes Anſehen. Seitdem die Bewegung gegen das
ſchäd=
liche Cliquenweſen der alten Parteien eingeſetzt hatte, war
er für die Jüngeren und Unabhängigen der kommende
Mann, ehe noch an die Heranziehung des Kreters
Veni=
zelos gedacht war.
Man hatte jedoch ſchon damals das Gefühl, als ob
manche, die in gewiſſen Beziehungen zu Weſteuropa ſtehen,
gegen das Hochkommen dieſes „Deutſchen” intrigierten
und daß beſonders auf Betreiben des Politikers J.
Gen=
nadios jener kretiſche Führer vorgeſchoben wurde.
Gennadios, früher griechiſcher Geſandter in London, war
durch König Georg zur Dispoſition geſtellt worden, da
er ihn als einen Gegner der Dynaſtie anſah. Dann
hei=
ratete Gennadios eine reiche Engländerin, die ihn in den
Stand ſetzte, Politik auf eigene Fauſt zu betreiben.
Jeden=
falls hat er nahe Beziehungen zu Venizelos unterhalten
und dadurch auf den Gang der Ereigniſſe ſeit zwei Jahren
einen bemerkenswerten Einfluß ausgeübt.
Trotzdem iſt es nun doch nicht gelungen,
Veni=
zelos an die Spitze der Nationalverſammlung zu
brin=
gen. Seine Niederlage hat der Kreter hauptſächlich
da=
durch verſchuldet, daß er mit allen Parteien
Verbin=
dungen ſuchte und dabei ſeinen Mangel an Charakter
aber=
mals zu deutlich offenbarte: Herr v. Hößlin dagegen hat
ſeinen Erfolg, ohne eigene Bewerbung, gerade durch
die=
ſelbe charakterfeſte Unabhängigkeit errungen, die den
zwei=
ten bayeriſch=griechiſchen Politiker von Rang, Profeſſor
Streit, der lange Jahre Direktor der Nationalbank und
zeitweiſe Finanzminiſter war, ſtets ausgezeichnet hat.
Deutſches=Reich.
Portugals diplomatiſche
Vertre=
tung in Berlin. Wie bereits mitgeteilt, wird der
Vicomte de Pindella, der bisherige portugieſiſche
Ge=
ſandte in Berlin, von ſeinem Poſten zurücktreten. Der
Geſandte wurde während eines Urlaubs, den er in ſeiner
Heimat verbrachte, durch den Ausbruch der Revolution
überraſcht und kehrt wohl nur zu dem Zwecke nach Berlin,
wo er einen großen Freundeskreis hinterlaſſen wird,
zurück, um ſeinen Hausſtand aufzulöſen. Vicomte de
Pin=
della iſt ſeit dem 26. Dezember 1893, alſo ſeit faſt ſiebzehn
Jahren, beim Deutſchen Reiche beglaubigt. Er iſt
über=
zeugter Royaliſt und ſtand dem Königshauſe und dem
Hofe als Pair des Reiches noch beſonders nahe. Das
diplomatiſche Korps Portugals rekrutierte ſich faſt ohne
Ausnahme aus Mitgliedern der, königstreu gebliebenen
Ariſtokratie — die Geſandten ſind beinahe ſämtlich
Mar=
quis, Grafen, Vicomtes und Barone — und dürfte daher
in ſeiner überwiegenden Mehrheit der Republik den Dienſt
verweigern und durch deren Parteigänger erſetzt werden.
— Die Reichstagskommiſſion für die
Verſicherungsordnung erledigte am Freitag den
Abſchnitt über die Zuſatzverſicherung für die Handwerker
uſw. und ſonſtige nicht mehr verſicherungspflichtige
Per=
ſonen durch=Annahme. Am Dienstag wird das fünfte
Buch in Beratung genommen, welches das Verhältnis
der Verſicherungsträger zueinander regelt. Ende nächſter
Woche dürfte die Kommiſſion mit der erſten Leſung der
Reichsverſicherungsordnung fertig werden. Es ſoll dann
nach einer Pauſe von etwa zehn Tagen die zweite Leſung
beginnen. In der Kommiſſion erklärte bei der Ausſprache
über die Vermögensverwaltung der Verſicherungsanſtalten
der Vertreter der Fortſchrittlichen Volkspartei, daß ſeine
Partei nach wie vor die Mitarbeit mit gutem Willen leiſte.
Die Behaupung, als betrachteten die Freiſinnigen die
Fer=
tigſtellung der Vorlage lediglich als Sache der
konſervativ=
klerikalen Mehrheit, ſei völlig unrichtig. Zu der gleichen
Frage erklärte der Vertreter der Sozialdemokratie, daß,
nachdem die Kommiſſion gerade die Beſtimmungen in der
Krankenverſicherung gegenüber dem Entwurf ſo verändert
habe, wie die ſozialdemokratiſche Partei es bereits im
Plenum gewünſcht habe, auch die Sozialdemokraten im
Falle des Beibehaltens dieſer Beſchlüſſe für das Geſetz
ſtimmen würden, ſoweit es in der Kommiſſion bisher
be=
raten worden ſei.
Die deutſchen Eiſenbahnarbeiter
und das Arbeitskammergeſetz. Die Kreuz=
zeitung ſchreibt: „Man kann angeſichts der Vorgänge in
Frankreich darauf geſpannt ſein, wie die
Reichstagsmehr=
heit zu den Kommiſſionsbeſchlüſſen über das
Arbeitskam=
mergeſetz ſich ſtellen wird. Die Mehrheit der Kommiſſion
hat ungeachtet des Widerſtandes der Regierung
beſchloſ=
ſen, die Eiſenbahnbetriebe in die Arbeitskammern
hinein=
zubeziehen. Das wäre der erſte Schritt zur Loslöſung
der Eiſenbahnarbeiter aus den Beſtimmungen der
Reichs=
gewerbeordnung, wodurch dieſen die Streikfreiheit
ver=
ſchränkt wird. Um den Eiſenbahnern das Koalitionsrecht,
d. h. die Möglichkeit, der Gewerkſchaftsorganiſation ſich
anzuſchließen, zuzuwenden, verſichern zwar
Sozialrefor=
mer und Sozialdemokraten, daß an einen
Eiſenbahner=
ſtreik niemals gedacht werden könnte. Auf dieſe
Verſiche=
rungen iſt aber — wie die ſympathiſchen Auslaſſungen
der ſozialdemokratiſchen Preſſe über den franzöſiſchen
Ausſtand allein ſchon beweiſen — nicht das Geringſte zu
geben. Sollte alſo die Reichstagsmehrheit im Sinne der
Arbeitskammernkommiſſion beſchließen, dann wird das
Geſetz als geſcheitert angeſehen werden müſſen. Die
ver=
bündeten Regierungen können in dieſem Punkt auf keinen
Fall nachgeben.
Wahlkreiseinteilung für Elſaß=
Lothringen. Wie der Straßburger Poſt aus Berlin
aus zuverläſſigſter Quelle mitgeteilt wird, iſt die
reichs=
ländiſche Regierung zurzeit eifrig mit Vorarbeiten für die
Aufſtellung der neuen Wahlkreiseinteilung für Elſaß=
Lothringen beſchäftigt, die auf Grund des ſtatiſtiſchen
Ma=
terials der Bezirkstags= wie der Reichstagswahlen
vor=
genommen werden. Das Blatt behält ſich vor, auf die
Einzelheiten der Wahlkreiseinteilung nach deren
endgül=
tiger Feſtſtellung zurückzukommen, die vermutlich nicht ohne
Zuziehung der Vertreter der verſchiedenen Parteien
erfol=
gen wird.
Ausland.
Frankreich.
Beendigung des Eiſenbahnerſtreiks?
Die Streikbewegung wurde ſchon am Samstag im
weſent=
lichen als beendet angeſehen. Mehrere radikale Blätter
ſprechen die Hoffnung aus, daß bei beiderſeitigem guten
Willen eine Wiederkehr ſolcher Ausſtände für lange Zeit
hintangehalten werden wird. Der miniſterielle Petit
Pariſien ſchreibt: Die öffentliche Meinung wird der
Regie=
rung Dank dafür wiſſen, daß ſie einerſeits mit Feſtigkeit
die Ordnung aufrechterhalten, andererſeits eine
verſöhn=
liche Tätigkeit ausgeübt hat. Andere Blätter verlangen
abermals dringend ein entſchiedenes Vorgehen gegen den
Allgemeinen Arbeiterverband, der der Haupturheber der
unaufhörlichen Streiks ſei. Der Figaro ſchreibt: Es heißt,
daß die Regierung dem Parlamente unverzüglich einen
Geſetzentwurf unterbreiten werde, durch den das
Syndi=
katsgeſetz von 1884 abgeändert werden ſoll. In der Tat
iſt eine ſolche Aenderung unumgänglich notwendig. Denn
man darf nicht vergeſſen, daß der Eiſenbahnerſtreik im
Namen des Geſetzes angezettelt wurde. — Die Action ſagt:
Es exiſtiert offenbar im Lande irgendwo eine beſtändige
Verſchwörung gegen das Vaterland; dieſe muß mit der
äußerſten Energie bis auf den letzten Teil zerſtört werden.
Miniſterpräſident Briand empfing die Deputierten des
Seinedepartements und erklärte, daß er das Streikkomitee
nicht anerkenne und nur den hierzu berufenen Vertretern
des Eiſenbahnperſonals eine Unterredung gewähren
werde.
Bulgarien.
Die geſtrichene Flotte. Die jetzt regierende
demokratiſche Partei hatte von jeher nichts für die
bulga=
riſche „Seemacht” übrig. Sie ſprach in der Zeit ihrer
Op=
poſition nur von den unglückſeligen bulgariſchen „
Kriegs=
kähnen” und verhöhnte die Großmannsſucht gewiſſer
chau=
viniſtiſcher Militärs, die durchaus eine Flotte haben
woll=
ten. In der nächſten Sobranje=Tagung ſollen nun
meh=
rere demokratiſche Reformen im Staatsbudget
vorgenom=
men werden, und daher naht der Augenblick, wo die jetzt
Regierenden die Probe auf ihr früheres oppoſitionelles
Exempel beſtehen ſollen. Und in der Tat: die Flotte wird
geſtrichen, ganz einfach geſtrichen Es ſollen im Budget
für 1911 keine Mittel mehr für ſie vorgeſehen werden.
Außerdem ſoll die Einrichtung der Offiziersdiener
aufge=
hoben werden. Als Erſatz für die Flotte werden Kredite
für direkte Küſtenverteidigung ins Budget eingeſtellt
wer=
den, und als Erſatz für den Offiziersburſchen wird jeder
Offizer eine Dienerpauſchale erhalten.
Griechenland
Das neue Kabinett. Es heißt, der König werde
den Präſidenten der Nationalverſammlung Hößlin mit
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Oktober 1910.
der Bildung des Kabinetts betrauen. In zuſtändigen
Kreiſen weiß man abſolut nichts von Vorverhandlungen
zu dem Zwecke der Erzielung eines Einvernehmens
zwi=
ſchen der Türkei und Griechenland. Es handle ſich
ledig=
lich um tendenziöſe Erfindungen
Portugal.
Die neue Regierung. Dem Vertreter des
eng=
liſchen Geſandten in Liſſabon iſt das perſönliche
Eigen=
tum des Königs Manuel ausgehändigt worden. Die
nächſten Wahlen erfolgen nach dem allgemeinen
Stimm=
recht. Nach einem Liſſaboner Bericht der Wiener
Poli=
tiſchen Korreſpondenz wird in den Kreiſen der
vorläu=
figen Regierung die Kündigung des Konkordats als eine
zwingende Notwendigkeit angeſehen und als nahe
bevor=
ſtehend bezeichnet, da ohne ſie das republikaniſche
Pro=
gramm der Gewiſſensfreiheit nicht zu verwirklichen wäre.
Die Trennung von Staat und Kirche und die
Umgeſtal=
tung der Vertretung Portugals beim Heiligen Stuhl
wür=
den dagegen als nicht unmittelbar durchführbar
bezeich=
net. Die republikaniſche Regierung wünſche, den Bruch
mit dem Vatikan wenn möglich zu vermeiden. Dieſer
Wunſch werde auch von dem Heiligen Stuhl ſelbſt geteilt.
Dieſer habe beſchloſſen, ſein Verhalten ganz nach dem
der republikaniſchen Regierung einzurichten. Die
vor=
läufige Regierung bemüht ſich deshalb, die antiklerikale
Bewegung einzudämmen und namentlich die perſönlichen
Verfolgungen von Prieſtern und Mönchen hintanzuhalten.
Die verfügten Ausweiſungen hätten den Zweck gehabt,
die aufgeregten Volksmaſſen zu beruhigen und
Ausſchrei=
tungen vorzubeugen.
Perſien.
Die kleine Anleihe. Das Reuterſche Bureau
erfährt in bezug auf die kleine Anleihe, daß die britiſche
Regierung dem Vernehmen nach geneigt iſt, der ruſſiſchen
Regierung das Recht einzuräumen, befragt zu werden. In
maßgebenden Kreiſen Teherans herrſcht die Meinung, daß
das Zugeſtändnis an Rußland, in dieſer Angelegenheit
befragt zu werden, als Faktor angeſehen werden müſſe,
der zur Errichtung einer ſtarken ruſſiſchen Stellung am
verſiſchen Golf führe.
Auſtralien.
Die Stichwahlen in Neu=Südwales ſind
nunmehr erfolgt. Bei den Wahlen in Sydney wurden 46
Anhänger der Arbeiterpartei und 44 Liberale gewählt.
3
* Eiſenbahn=Tarifermäßigung für
Sportreiſen. Am Mittwoch fand in Berlin eine
Zuſammenkunft ſtatt, in der über Schritte zur
Einfüh=
rung billigerer Eiſenbahntarife bei gemeinſamen Reiſen
von Nichtberufsausübern jeder Sportart zu ſportlichen
Veranſtaltungen beraten wurde. Außer der Deutſchen
Sport=Behörde für Athletik waren der Deutſche
Rad=
fahrerbund, der Deutſche Hockey=Bund, der Verband
Mitteldeutſcher Ballſpiel=Vereine und der Verband
Ber=
liner Rollſchuh=Vereine vertreten. Es wurde feſtgeſtellt,
daß die jährliche Summe für Fahrgelder zu ſportlichen
Veranſtaltungen etwa eine halbe Million beträgt, die ſich
auf die einzelnen Sportzweige ſchätzungsweiſe wie folgt
verteilt: Fußball 300000 Mark, Radfahren 50000 Mark,
Hockey 40000 Mark, Schwimmen, Ahtletik und Tennis je
30000 Mark, ſowie Rudern und Eisſport je 10000 Mark.
Man beſchloß, bevor zu einer Eingabe an das
Reichs=
eiſenbahnamt geſchritten wird, zu verſuchen, ein Gutachten
vom Kriegs= und Kultusminiſterium zu erwirken und
zweitens ſich die Unterſtützung bedeutender
Parlamen=
tarier zu ſichern.
* Gegen die Aufnahme der aus
Portu=
gal ausgewieſenen Mönche und Nonnen
proteſtieren in erſter Linie die katholiſchen Länder. Die
ſpaniſche Regierung hat die Vorſteher der Klöſter erſucht,
den Aufenthalt der portugieſiſchen Mönche und Nonnen
möglichſt abzukürzen. Ein italieniſcher Miniſterrat hat
ſich mit der Zulaſſung der portugieſiſchen
Kongregations=
nitglieder in Italien beſchäftigt. Es wurde einſtimmig
der Beſchluß gefaßt, auf Grund der beſtehenden Geſetze
eine Einwanderung der Kongregationen zu verhindern
und allen Ankömmlingen eine diesbezügliche Mitteilung
zugehen zu laſſen.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 17. Oktober.
Ordensverleihung. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Wachtmeiſter und
Stations=
führer Philipp Gebhardt im Großh. Gendarmeriekorps
die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienſtordens
Philipps des Großmütigen verliehen.
L. Der Provinzialausſchuß hielt am Samstag
unter dem Vorſitz des Provinzialdirektors Fey wieder
eine öffentliche Sitzung ab. Zuerſt wurde die
Entſchei=
dung zu dem Rekurs der Heinrich Falter Witwe von
Steinbuch gegen ein Urteil des Kreisausſchuſſes
ver=
kündigt, durch welches ihr Antrag auf Ablöſung von
Gerechtſamen, welche auf ihrem Erbzinsland in der
Gemarkung Steinbach ruhen, abgewieſen wurde. Das
Rechtsmittel wurde für begründet erklärt, weil
ein ablösbares Recht in Frage ſtehe, die Sache an das
Kreisamt zurückverwieſen zur Feſtſetzung der
Entſchä=
digung, und die gräfliche Rentkaſſe zur Zahlung der
Koſten ſowie einer Gebühr von 15 Mark verurteilt.
2. Die Karl Jakob Nungeſſer Witwe von
Offenbach ſoll für das Haus Waldſtraße 6 zu den
Kanalherſtellungskoſten mit einem Betrage von 186,50
Mark herangezogen werden. Sie verweigerte die
Zahlung, weil das Kanalſtück, um welches es ſich hier
handelt, vor etwa 100 Jahren von dem Anlieger privat
gebaut und bezahlt worden ſei. In den achtziger
Jahren hat die Stadt den Kanal, weil er den an ihn
zu ſtellenden Anforderungen nicht genüge, umgebaut
und den Koſtenbeitrag verlangt. Der Kreisausſchuß
hat den Anſpruch der Stadt aus materiellen
Gründen für gerechtfertigt anerkannt; dieſe
Entſchei=
dung wurde von einem Vertreter der Witwe
angefoch=
ten. Auch der Beigeordnete Walther verfolgte
Rekurs, weil der Einſpruch der Nungeſſer nicht
inner=
halb der vierwöchigen Beſchwerdefriſt eingelegt wurde,
ſo daß er formell zurückgewieſen werden
müſſe. Der Vorſitzende ſtellte feſt, daß die vierwöchige
: Einſpruchsfriſt erſt von der Offenlegung der
Beitrags=
liſte an laufe. Eine ſolche Offenlegung hat nie
ſtatt=
gefunden, vielmehr wurde jedem einzelnen
Inter=
eſſenten mitgeteilt, was er zu entrichten habe. „Ein
76jähriger Herr, welcher als Zeuge vernommen wurde,
übte an den neuen Kanälen eine herbe Kritik, ſeiner
Behauptung, daß dieſe ſchlecht ſeien, widerſprach der
Beigeordnete entſchieden. Es wurde Beſchluß dahin
verkündet, daß Beweis zu erheben ſei, wann der alte
Kanal erbaut wurde und ob und inwieweit eine
Be=
teiligung der Anlieger ſtattfand, ſowie ob der alte
Kanal geeignet ſei, auch neben dem neuen noch benutzt
zu werden, durch Vernehmung von Sachverſtändigen
und Einforderung von Akten des Amtsgerichts,
Orts=
gerichts und der Bürgermeiſterei.
3. Der Oekonomierat Ehatt von Trier hat in
Viernheim beantragt, die Kanaliſation alsbald bis zu
ſeinem Grundſtück auszudehnen. Der Gemeinderat
hat die Notwendigkeit der Anlage nicht verkannt, hält
die Sache aber nicht für eilig, weil zurzeit wichtigere
Dinge zu erledigen ſeien. Ehatt führte Beſchwerde an
den Kreisausſchuß, der ihn abwies. Gegen dieſes
Ur=
teil verfolgte Juſtizrat Gallus Rekurs, weil im
Kreis=
ausſchuß ein Mann mitgewirkt habe, der durch ſeinen
Wegzug nach Freiburg das Recht, mitzuwirken,
ver=
loren habe. Dem Rekurs wurde ſtattgegeben, die
an=
gefochtene Entſcheidung als nichtig aufgehoben und die
Sache an die Vorinſtanz zurückverwieſen. Die
Ge=
meinde Viernheim hat alle Koſten ſowie eine Gebühr
von 5 Mark zu zahlen.
n. Die Strafkammer verurteilte in der Samstag=
Sitzung den 49jährigen, rückfälligen Taglöhner Joſeph
Boos von Aſchbach wegen Diebſtahls zu 6 Monaten
Ge=
fängnis abzüglich eines Monats Unterſuchungshaft. Nur
ſeine geiſtige, durch das Laſter des Trunks noch
geſtei=
gerte Minderwertigkeit bewahrte ihn vor ſtrengerer Strafe
für das unverbeſſerliche, recht undankbare Verhalten. Bei
der Entlaſſung aus dem hieſigen Krankenhaus hatte der
vielfach Vorbeſtrafte den Koffer eines Kranken mitgehen
geheißen. Obwohl er nicht weniger als nahezu 30mal
in die Irrenanſtalt Frankfurt kürzere oder längere Zeit
aufgenommen war, ſteht ſeine Zurechnungsfähigkeit, die
ſtets durch den Alkohol erſchüttert zu werden pflegt, für die
Zeit jener Tat feſt. — Der bei einem hieſigen Meiſter von
März bis Juli d. J. bedienſtete Metzgergeſelle Guſtav
Ehrlich von Frankfurt a. M. verſchaffte ſich betrügeriſch
Kundengelder, indem er ſie teils durch fälſchlich ausgefüllte
Lieferſcheine erhob und die richtigen Scheine als unbezahlt
zurückgab, teils ſonſt unterſchlug. Trotz zweier
Unter=
ſchlagungsvorſtrafen kam er mit 6 Wochen Gefängnis
davon, weil er reuig geſtändig war und die Hälfte des
Schadens von etwa 80 Mark bereits wieder erſetzt hat. —
Wie König Manuel floh.
*⁎* Ganz neue Einzelheiten über die aufregenden
Szenen, die König Manuels Flucht begleiteten,
ver=
öffentlicht der ausgezeichnete Korreſpondent des
Cor=
riere della Sera, Luigi Barzini, der nun in Liſſabon
eingetroffen iſt und von Augenzeugen aus der
Umgebung des Königs die genauen Details der
Ereig=
niſſe erfahren hat. Das Königtum war eigentlich
ge=
ſtorben, ehe die Monarchie fiel. Montag nacht, um
halb 12 Uhr, war der König aus dem Schloß von Belem
in ſein Liſſaboner Palais zurückgekehrt. Alles wußte,
daß der Ausbruch der Revolution bevorſtand. Als bei
dem Bankett in Belem der erſte Gang ſerviert wurde,
war ein abgehetzter Reiter aus Liſſabon in den Saal
geſtürzt, hatte dem Kommandeur der Munizipalgarde
einige Worte zugeflüſtert, worauf dieſer Offizier haſtig
den Saal verließ. Eine halbe Stunde ſpäter war der
Marineminiſter abgerufen worden. Die Ereigniſſe
warfen ihre Schatten. Bei der Tafel ſprach niemand,
der König war melancholiſcher und ſtiller als je. Man
hatte ihm erwidert, daß nichts von Belang vorliege,
man befürchte nur irgend eine kleine Demonſtration.
Als er wieder in Liſſabon eingetroffen war, ließ
er um Mitternacht ſofort dem Miniſter des Innern
telephonieren; wieder kamen nur beruhigende
Nach=
richten. Die Dienerſchaft wurde entlaſſen, und der
König zog ſich in ſein Gebetzimmer zurück. Um 2 Uhr
nachts donnerten 13 Kanonenſchüſſe mit der
Regel=
mäßigkeit eines Saluts durch die Stille. Der König
klingelte, wollte wiſſen, was geſchehe; niemand wußte
etwas. Er kleidete ſich an und erwartete Nachrichten
von den Miniſtern. Inzwiſchen vollzog ſich die
Meu=
terei des 16. Inſanterieregiments. Der Kriegsminiſter
telephonierte nacheinander alle Generäle an, damit
einer von ihnen die Leitung der Verteidigung
über=
nehme; alle Generäle waren krank. Das Schickſal der
Monarchie war bereits ſo gut wie entſchieden. Einige
Adjutanten hatten ſich um den König geſchart.
Wäh=
rend draußen das Gewehrfeuer begann, ſuchte man
telephoniſch die Miniſter zu erreichen, doch keiner gab
Antwort. Dem=König erwiderte man auf alle Fragen:
Nichts Ernſtes, ein kleiner Aufruhr, der ſchnell
über=
wunden iſt.
Inzwiſchen dämmerte der Morgen herauf. Der Hof
war völlig verlaſſen, die Beamten verſchwunden, die
Miniſter unſichtbar; nur die Wache im Schloſſe war
auf 400 Mann verſtärkt. Während draußen die Salven
knatterten, irrte der König unruhig von einem Zimmer
ins andere. Er war bleich, ſein Blick ſtarr; bisweilen
ſank er in einen Seſſel, dann wieder eilte er zu ſeinem
Betpult. Endlich eine Nachricht vom
Miniſterpräſi=
denten: er telephoniert und gibt dem König den Rat.
ſich ſofort nach Eintra zurückzuziehen, bis die
Aufruhr=
bewegung niedergeworfen ſei. Der Sekretär des
Kö=
nigs, Lavradio, der Adjutant Vikomte de Aſſeca und
der Admiral de Brito Capello widerſetzen ſich energiſch
der Abreiſe. Aſſeca ſagt: „So lange noch ein Soldat
für Sie ſtirbt, bleiben Sie, Sire‟. In ſchrecklicher
Un=
gewißheit und Angſt verſtreichen die Stunden. Der
König weiſt die Speiſen zurück, fragt immer wieder
nach den Miniſtern, fragt nach ſeiner Umgebung, er
fühlt ſich verlaſſen, er will fliehen. Da ziſchen die
erſten Bomben über das Schloß. Vom Fenſter aus
ſieht man den Kreuzer „Adamaſtor” wie er ſich dreht,
vom Backbord einen Schuß abgibt, wieder wendet und
von Steuerbord feuert. In regelmäßigen Abſtänden
werden Granaten geſchleudert. Beim vierten Schuß
hört man ein Donnern wie das Krachen
einſtürzen=
der Mauern. Da zieht ſich der König auf die andere
Seite ſeines Schloſſes zurück, in jenen Saal, der einſt
König Carlos als Atelier diente und wo jetzt noch
un=
zählige Bilder hängen und liegen. Manuel wirft ſich
auf einen Diwan; er will fort, fort um jeden Preis,
er will zur Mutter. Irgend ein Kavalier vom Hofe
ſtimmt zu, und die Flucht iſt beſchloſſen. Alles eilt in
den weiten Garten. Auf einem einſamen Pfade
wan=
dert der König auf und ab, während in der Garage
das Automobil angekurbelt wird. Leiſe beraten die
Offiziere und Beamten: Eintra iſt kein günſtiger
Zu=
fluchtsort, es iſt ſchwer zu verteidigen; man will den
König nordwärts ſchaffen, nach Mafra, dem Escorial
Portugals. Um die Verteidiger nicht zu entmutigen,
fährt das Automobil leer aus dem Portal und wendet
Nummer 243.
Nach Verübung eines ebenſo dreiſten wie groben
Ver=
trauensbruchs war der 24jährige Schuhmachergeſelle
Lud=
wig Götz aus Schönburg im Mai d J. von hier flüchtig
geworden und hatte ſich (kürzlich in Lindau wohnhaft)
nunmehr zu verantworten. Er beſtimmte damals ſein
Verhältnis, das hieſige Dienſtmädchen A., zur Abhebung
von 20 Mark ihm ein Sparkaſſebuch über 80 Mark
auszu=
händigen, und beabſichtigte, ſich heimlich dieſen ganzen
Sparpfennig der Vertrauensſeligen zu verſchaffen. Mit
einer auf ihren Namen gefälſchten Erhebungsvollmacht
wurde er auf der ſtädtiſchen Sparkaſſe abgewieſen, damit
die Eigentümerin ſelbſt komme. Er dingte ſich nun durch
5 Mark Vergütung eine Frau, die an der Kaſſe als die A.
auftreten und quittieren ſollte, doch wurde durch Anzeige
einer Wirtin, in deren Lokal G. ſeine Abſicht verlauten
ließ, der Schwindel vereitelt. Die Helferin will im letzten
Augenblick freiwillig zurückgetreten ſein und hatte ſich auch
nicht ſtrafbar gemacht. G. wurde wegen ſchwerer
Urkun=
denfälſchung und Betrugs, ſowie aus § 49a St.=G.=B.
(weil er einen andern durch Vorteile zu einem Verbrechen,
der Urkundenfälſchung, beſtimmen wollte) zu 2 Monaten
Gefängnis abzüglich eines Monats Unterſuchungshaft
ver=
urteilt. — Einer Urkundenfälſchung nebſt Betrugs hat ſich
der 33jährige Taglöhner Leonhard Jakobi von hier
ſchuldig gemacht, um eine Wohnung zu erlangen Er
ſpie=
gelte dem Vermieter unter Vorzeigung gefälſchter früherer
Mietquittungen ſeine Pünktlichkeit im Bezahlen vor. In
Anbetracht der Sachlage ließ es das Gericht bei 2 Wochen
Gefängnis bewenden. — Den Umſtand, daß ein
zehn=
jähriger Junge in Viernheim fortgeſetzt die Kaſſe
ſeines Vaters plünderte und insgeſamt 125 Mark ſtahl,
machten ſich Kameraden, darunter der 13 Jahre alte, alſo
ſtrafmündige Schüler F., zunutze und halfen die Beute in
Uhren, Fernrohren, Taſchenlampen, Spielzeug uſw.
um=
ſetzen, bis man endlich hinter die Sache kam. Da F. aber
geiſtig ſo zurückgeblieben iſt, daß er die zur Erkenntnis
der Strafbarkeit erforderliche Einſicht nicht beſitzt, mußte
er wegen Mittäterſchaft bezw. Hehlerei freigeſprochen
wer=
den, nachdem ihm die Schule bereits die verdienten Prügel
verabreicht hat.
* Großh. Hoftheater. Am Donnerstag, den 20. ds.
(36. Abonnements=Vorſtellung. A. 9) wird Goethes
„Iphigenie auf Tauris” gegeben. Die Rolle der
Iphigenie ſpielt Fräulein Eichelsheim, Großh. Heſſ.
Hofſchauſpielerin, vom Königl. Theater in Wiesbaden,
als Gaſt.
* Stadtverordnetenwahl. Die Liſte der
Stimm=
berechtigten liegt vom 19. ds. ab im Stadthauſe
auf. Näheres iſt aus der Bekanntmachung der
Bürger=
meiſterei im Anzeigeteil der heutigen Nummer zu erſehen.
Die 11. Sitzung der Stadtverordneten=
Ver=
ſammlung findet am Donnerstag, den 20. Oktober,
nachmittags 3½ Uhr ſtatt. Tagesordnung: 1. Mit=. 2. Geſuche um Geſtattung einer Ausnahme
von der Beſtimmung in § 5 des Ortsbauſtatuts. 3.
Ge=
ſuche um Geſtattung einer Ausnahme von der
Beſtim=
mung in § 4 Abſ. 1 der Ortsbauſatzung über die
Be=
nutzung von Vorgärten (2 Fälle). 4. Geſuch um
Be=
freiung von der Beſtimmung in § 1k der Baupolizei=
Ordnung. 5. Niederlegung der ſtädtiſchen Häuſer
Schwanenſtraße 21a und 21b. 6. Tauſch von Gelände
am Elfeicherweg. 7. Erbauung eines Kanals zur
Ent=
wäſſerung des Nordgebiets und Entwäſſerungsanlage
für den Schlachthof. 8. Polizeiverordnung, betreffend
die Ordnung auf dem Friedhofe an der Nieder=
Ramſtädterſtraße. 9. Geſuch um Uebernahme eines
Erb=
begräbnisplatzes in dauernde Unterhaltung der Stadt.
10. Geſuch des Vorſtandes der Akademiſchen
Arbeiter=
unterrichtskurſe um Bewilligung eines ſtädtiſchen
Zu=
ſchuſſes. 11. Stadtverordnetenwahl 1910; hier: Bildung
und Einteilung der Wahlbureaus. 12. Verteilung der
Zinsbeträge für die Koſten der Kabellegung in der
Emilſtraße, Viktoriaplatz und Liebigſtraße.
C Beerdigung. Am Samstag nachmittag fand die
Beerdigung des ſo plötzlich im beſten Mannesalter
ver=
ſtorbenen Kaufmanns Georg Engelhard auf dem
hie=
ſigen Friedhofe ſtatt. Eine ungewöhnlich große Zahl von
Leidtragenden gab dem Verſchiedenen das Geleit auf dem
Wege zur letzten Ruheſtätte und legte Zeugnis ab von der
Wertſchätzung, der der Verſtorbene im Leben ſich zu
er=
freuen hatte. Am Grabe hielt Herr Pfarrer Dingeldev
eine eindrucksvolle Trauerrede. Darauf widmete Herr
Muſikdirektor Süß namens der Loge dem Verſtorbenen
einen warm empfundenen Nachruf, in dem er gleichzeitig
in Lebensbild von ihm zeichnete und warf ihm als letzten
Gruß der Brüder drei Roſen auf den Sarg. Namens der
Bezirksgruppe Darmſtadt des Hanſabundes, der der
Ver=
ſtorbene im Vorſtand angehörte, legte Herr Syndikus Dr.
Human einen Kranz nieder. Zahlreiche weitere
Kranz=
ſpenden folgten. U. a. auch ſolche des Bezirksvereins
ſich durch Seitenſtraßen der Gartenmauer zu. In der=
Eile wird der Schlüſſel zu der alten Pforte nicht
ge=
funden; es heißt, über die Mauer klettern. Haſtig
ſchleppt ein alter Diener eine Leiter herbei, der
ein=
zige Diener, der beim König geblieben war. Manuel
iſt ungeduldig, man hört ihn murmeln: „Sie wollen
mich morden‟ Er hat das tragiſche Ende ſeines
Va=
ters immer vor Augen. Der Graf Sabugoſa klettert
als erſter über die Leiter, dann der König, zuletzt der
Marquis di Faial. Der Marquis drückt den Hebel,
das Automobil raſt davon, und dahinter in
donnern=
dem Galopp die Eskorte von 52 Gardereitern.
Wenige Minuten ſpäter liegt Liſſabon hinter den
Flüchtlingen. Bei Palliavan bleibt das Automobil in
einer Schlammpfütze ſtecken. Alles ſpringt heraus,
der König ſelbſt hilft die Maſchine wieder auf die
Chauſſee zu ziehen. Die Pferde der Eskorte ſind
er=
ſchöpft, bald müſſen ſie zurückbleiben, und das
Auto=
mobil ſetzt allein die Jagd nach Norden fort. Gegen
4 Uhr wird Mafra erreicht. Hier fühlt ſich Manuel
ſicherer. Die Militärſchule, die im Palaſt liegt, wird
aufgefordert, eine Ehrenwache zu ſtellen, das Volk, das
von den Liſſaboner Vorgängen nichts weiß, empfängt
den König mit Ehrfurcht. Königin Amelia, die noch
in Cintra weilt, wird verſtändigt und trifft zwei
Stunden ſpäter im Automobil ein. Eine lange
Unter=
redung zwiſchen den beiden findet ſtatt; ſie wird
mehr=
fach durch telephoniſche Alarmnachrichten aus der
Hauptſtadt unterbrochen. Aber der König und ſeine
Mutter vermögen an den Ernſt der Lage nicht zu
glauben. Erſt abends um 9 Uhr kann die Situation
nicht länger verheimlicht werden. Die Königin fährt
nach Cintra zurück, immer noch feſten Glaubens, daß
der Aufruhr niedergekämpft wird.
Die alte Königin Maria Pia ſitzt inzwiſchen in
Cintra und weiß ſo gut wie gar nichts. Sie hat immer
einſam gelebt, ihr ganzes Weſen und ihre
Denkungs=
art trennte ſie von der Familie. Die alte Dame liebt
den jungen Manuel von Herzen, aber von dem Tage
an, an dem er ſich herbeiließ, ein Schriftſtück zu
unter=
zeichnen, das das Andenken an den Vater herabzog,
hat Maria Pia ſich vom Hofe ferngehalten. Sie allein,
Nummer 243.
Seite 3.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Oktober 1910.
ernter e etene bier haiſet us e
Hauptverbandes Leipzig.
Tage geſchloſſen.
September 1910 betrugen die Einnahmen im
Perſonen=
verkehr 605 778 Mark (September 1909 585 591 Mark),
im Güterverkehr 113760 Mark (107405 Mark), die
Einnahmen 722582 Mark (696977 Mark).
d. M., abends, im Kaiſerſaal Herr Profeſſor D.
Gun=
kel aus Gießen halten, der bereits im Frühjahr bei alte 1 M., Lapins 1 M., Haſen 3,30 M.; Fiſche ½ Ka.;
Drews „Religionsgeſpräch” zu einer vernichtenden Hecht. Aal 1,20 M., andere Rheinfiſche 40 Pf Rotzungen
hat. Das Thema ſeines Vortrags, „Die
babylo=
niſchen Mythen und das Alte Teſtament”,
wird dem auch als Redner hervorragenden Forſcher
Gelegenheit bieten, das ebenſo allgemein menſchlich
wie religiös intereſſante und neuerdings viel
beſpro=
chene Problem auf Grund ſeiner eigenen,
epoche=
machenden Studien zu beleuchten. Der Beſuch des
Vortrags, der etwa eine Stunde dauern wird, iſt da= einem Teller eine Verletzung am Kopfe beigebracht.
her allen für dieſe Frage Intereſſierten wärmſtens zu
empfehlen. Eintrittskarten ſind bei Waitz und an der
Kaſſe für 30 Pfg. und für den reſervierten Platz zu mit einem Prügel auf den Kopf geſchlagen und ſchwer
1 Mk. zu haben. Karten für alle Vorträge koſten 1 Mk.
und für reſervierten Platz 3 Mk. Der Reinertrag iſt Anſpruch nehmen.
für die Krankenpflege der Stadtgemeinde beſtimmt.
des Alldeutſchen Verbands und des Deutſchen
Oſtmarkenvereins Montag, den 17. ds., heute
abend ½ 9 Uhr, im Fürſtenſaale veranſtalten. Herr
Pro=
feſſor Dr. Hötzſch von der Akademie zu Poſen wird
über deutſche Aufgaben in der preußiſchen
Oſtmark ſprechen. Herr Hötzſch iſt ein guter Redner
und als hervoragender Kenner der Verhältniſſe in der
Oſtmark längſt bekannt.
* Im Ortsgewerbeverein ſpricht am nächſten
Frei=
prüfung‟.
— Bauerntheater — Orpheum. Heute, Montag,
den 17. Oktober, gelangt Anzengrubers Volksſtück in
ſieben Bildern „Der Meineidbauer” zur Aufführung.
Die Darſtellung dieſes Stückes zählt zu den beſten
Leiſtungen Michl Denggs und ſeines Enſembles. (Siehe
Anzeige.)
St. Der Obſt=, Gemüſe= und Kartoffelmarkt, der in
dieſem Jahre im „Schützenhof” ſtattfindet, iſt ſo
außer=
lordentlich ſtark beſchickt, daß er ſowohl quantitativ als
auch qualitativ die Märkte der letzten Jahre weit
über=
trifft. Beſonders in edlem Tafelobſt iſt das Angebot
ſehr ſtark und hält der Nachfrage durchaus das
Gleich=
gewicht. Alle drei Provinzen ſind vertreten. Auch in
Gemüſe aller Art iſt das Angebot ſehr groß. Weniger
in Kartoffeln, die auch im Preiſe ziemlich hoch ſtehen
(7 Mark 50 Pfg. bis 9 Mark pro Malter). Die Preiſe
ffür Obſt ſchwanken zwiſchen 7 bis 15 Mark pro Zentner.
„Für hervorragend ſchöne Sorten werden pro Stück
780 Pfg. bis 2 Mark gefordert und bezahlt; ſo für
Cal=
ville uſw. Das Kaufgeſchäft war ſehr lebhaft und die
Nachfrage nach Loſen ſo ſtark, daß die wenigen, die
nicht ſchon vor dem Markt verkauft waren, bald
ver=
griffen waren.
Bei der Prämiierung des ausgeſtellten Obſtes
uſw. wurden folgenden Ausſtellern Preiſe zuerkannt:
Für Verpackung von Obſt: Otto Dahlem,
Uebersheim; Ph. Werner, Reichelsheim: Ph. Bangert,
Fr.=Crumbach: B. Held, Darmſtadt; Ph. Muth, Hof
Breitenloh; P. Breitwieſer, Eberſtadt; M. Ehrhard,
Nieder=Kainsbach: W. Dequis, Pfaffen=Beerfurth; C.
F. Hirſch, Alsheim; H. Lotz, Nieder=Klingen.
Für von Züchtern ausgeſtelltes Obſt:
Juſtizrat Gallus, Darmſtadt; P. Breitwieſer,
Eber=
ſtadt; W. Hildebrand II., Eberſtadt; J. Brunnträger,
Darmſtadt; Chr. Knipp. Auerbach; J. Lutz X., Ober=
Klingen: C. Häußer, Nieder=Beerbach; Joh.
Kriſch=
baum, Billings; H. Lutz T., Nieder=Klingen; H. Weiß,
Wiebelsbach
Für Gemüſe: W. Feldmann, Griesheim.
Für Konſerven, Obſtweine und Honig:
E. Breimer, Darmſtadt: J. Pfeiffer, Darmſtadt; M.
Riebel, Darmſtadt; L. Petri, Darmſtadt.
A Durchſchnittspreiſe der Wochenmärkte von
voriger Woche: Butter ½ Kg. 1,40 M., in Partien 1,30 M.,
Eier 7—8 Pf., Schmierkäſe ½ Ltr. 20 Pf., Handkäſe 6
110 Liter) 70 Pf., ½ Kg. 5—6 Pf., Obſt u. dgl.: Aepfel:
Reinetten, Parmänen, Kohläpfel der Zentner 9 M.,
Schafnaſen der Zentner 7—8 M., Birnen ½ Kg. 14 Pf.,
Pfirſiche 1, Kg. 20 Pf., Kaſtanien ½, Kg. 5 Pf.; Salat,
Gemüſe u. dgl.: Kopfſalat 4—6 Pf., Endivien 4 Pf., I
K.V. Die Kunſthalle iſt vom 16. d. M. ab auf einige Bündel Radieschen 3 Pf. Rettiche 3—6 Pf., Meerrettich
10—30 Pf., Bündel Römiſch=Kohl, Schnittlauch u. dgl.
Süddeutſche Eiſenbahn=Geſellſchaft. Im Monat 2 Pf., Rhabarber ½ Kg. 10—12 Pf., Zwiebeln ½ Kg.
8 Pf., Roterüben ½ Kg. 6 Pf., Paradiesäpfel ½ Kg.
20 Pf., Gelberüben ½ Kg. 5—10 Pf., Wirſing 5—10 Pf
Kohlrabi 3—5 Pf., Blumenkohl 10—50 Pf., Rotkraut 10
Nebeneinnahmen 3035 Mark (3921 Mark), die Geſamt= bis 30 Pf., Weißkraut 5—10 Pf., Spinat ½ Kg., 12 bis
15 Pf., Bohnen ½, Kg. 30 Pf., Eierſchwämme ½ Kg.
— Wiſſenſchaftliche Vorträge über religiöſe Fragen. 1 12 Pf., Steinpilze ½ Kg. 40 Pf.; Geflügel, Wild:
Den erſten Vortrag wird am Freitag, den 21. Gänſe ½, Kg. 85 Pf., Enten 3—4 M., Hahnen u. Hühner
1,50—2,00 M., Tauben 65 Pf., junge Rebhühner 1,40 M.,
Kritik der Drewsſchen Hyoptheſe das Wort ergriffen 150 Pf., Kabeljau, große Schellfiſche 30 Pf., kleine
Schell=
fiſche 18—20 Pf.; in den Fleiſchſtänden ½ Kg.:
Rind=
fleiſch 60 Pf., Hackfleiſch 80 Pf., Rindsfett 50=Pf.,
Rinds=
würſtchen (Stück) 15 Pf.
§ Körperverletzungen. Am Freitag abend entſtand
in einer Wirtſchaft am Marktplatz zwiſchen mehreren
Gäſten ein Wortwechſel, ſodaß es zu Tätlichkeiten kam.
Ein Taglöhner hat hierbei einem jungen Mann mit
Am Mittwoch abend gegen 7½ Uhr wurde in der
Beſſungerſtraße ein Bäckergehilfe von einem Küfer
verletzt. Der Bäckergehilfe mußte ärztliche Hilfe in
§ Pfungſtadt, 14. Okt. In verſchiedenen Hofreiten
Vortrag. Es ſei nochmals auf den Vortrags= wurden vergangene Nacht bedeutende Wäſchediebsblätter melden: Der Polizeipräſident von
Ber=
jabend aufmerkſam gemacht, den die hieſigen Ortsgruppen ſtähle begangen. Die Nachforſchungen der Gendarmerie
blieben bis jetzt ohne Erfolg.
§ Aus dem Ried, 15. Okt. Dank der trockenen
Witte=
rung haben die Landwirte das Einheimſen der
Kartoffeln jetzt bendet. Der Preis der Kartoffln
Die Zuckerrüben fallen ziemlich gut aus; die Zuckerfabriken
zahlen 1 Mark pro Zentner.
ein Auerbach teilt mit: Intereſſenten für unſere Konzerte 1 ſuchungsgefängnis nach Roſtock überführt worben. Der
tag abend Herr Dr.=Ing. Preuß über „Baumaterial= und Freunde der in unſerem Konzert am 18. Oktober mit= Verhrftete ſteht nach Anſicht der Staatsanwaltſchaft in
heutigen Nummer beſonders aufmerkſam.
in Reinheim wird, wie in früheren Jahren, dieſen ſeit längerer Zeit in Berlin auf. Er wurde geſtern von
Winter hindurch an Samstag=Nachmittagen unter der1 einem eigens von Roſtock kommenden
Oberſtaats=
bewährten Leitung des Bildhauers Pitro=Darmſtadt anwalt verhaftet. Er ſoll Wechſelſchulden im Betrage
ſich hierzu zuſammenfindet. In erſter Linie iſt der ! kauf des Seebades und des Ausbaues hat er ſeinerzeit
Kurſus für Schreiner, Zimmerer und Glaſer beſtimmt, Wechſel gegeben, da er über bares Geld nicht verfügt;
Großh. Zentralſtelle für die Gewerbe in Darmſtadt nen Mark koſtete. Außer den Wechſelgläubigern ſind
entgegen.
denen Mitgliederverſammlung des Sozialdemokratiſchen jede betrügeriſche Abſicht. Er behauptet, nur ideale
Vereins wurde das Zuſammengehen bei der Stadt= Zwecke im Auge gehabt zu haben und will das Opfer
verordnetenwahl mit den Fortſchrittlern, die be= von Wucherern geworden ſein. Die Behauptung,
kanntlich zwei Sitze erhalten, mit 702 gegen 6 Stimmen Marlitt habe bereits neun Monate Gefängnis gehabt,
akzeptiert.
fanden im 3. Quartal 1910 81 Einäſcherungen ſtatt. Von Millionenkrach verwickelt zu ſein. Geſtern fanden bei
dieſen waren 23 aus Wiesbaden, 14 aus Mainz. 7 aus mehreren Perſonen Hausſuchungen ſtatt. — Für die
Köln, je 3 aus Barmen und Kreuznach, je 2 aus Biebrich, Ermittelung des Urhebers des Dynamitattentates auf
je 1 aus Alzey, Oppenheim, Bärſtadt, Berlin, Dierdorf, übt wurde, hat der Eiſenbahnminiſter eine Beloh=
Dotzheim, Eſſen, Godesberg, Hagen i. W., Haiger (Dill=nung von 3000 Mark ausgeſetzt. — Vor der
kreis), Hochheim a. M., Homburg v. d. H., Kayſersberg Rache des Volkes hat der Schlächtermeiſter P.
M.=Gladbach, Münſtereifel und Rambach. Unter den ein= Töchtern und ſich ſelbſt das Leben genommen hat, ſich
lichen Geſchlechts. Der Religion nach waren 57 evange= Familientragödie verbreitete ſich das Gerücht in der
liſch, 16 katholiſch, 4 israelitiſch, 1 altkatholiſch, 1 freichriſt= Nachbarſchaft, daß K. die Seinigen in den Tod getrieben
lich und 2 Diſſident.
32848 Kurgäſte angekommen, wovon an genanntem Tage dahin gute Geſchäft verlor nun ſofort ſeine Kunden,
noch 1558 anweſend waren. Bäder wurden bis zum 13. Korſus wurde förmlich boykottiert. Es ſammelten ſich
Oktober 432 600 abgegeben.
Schlitz, 14. Okt. Geſtern fand auf Schloß Richt= 1 in dem Geſchäft kaufen wollten, vom Eintritt in den
hof bei Schlitz die Verlobung der dritten Tochter Laden abhielten. Die Polizei verſuchte unausgeſetzt, die
Sr. Erlaucht des Grafen und Herrn von Schlitz ge=Mengen zu zerſtreuen, die Anſammlungen dauerten
nannt von Görtz, Gräfin Marie, mit dem Grafen! aber fort. Infolgedeſſen entſchloß ſich Korſus, kurzer=
Heinrich von Luxburg Hauptmann im Gene= hand ſein Heim zu verlaſſen. Möbelwagen ſchafften
ralſtabe des 1. bayeriſchen Armeekorps, ſtatt.
Nidda, 15. Okt. Bei dem am Fuß des Vogelsberges
bis 10 Pf., Kartoffeln der Zentner 3,75—4 M., Kumpfi gelegenen altheſſiſchen Städtchen Nidda hat auf dem weſt=demie erreichte in einem Feſtakt, der in Anweſenheit
lich das Niddatal begleitenden Höhenzug die Bürgerſchaft! des Kaiſers in der Aula der Kriegsakademie
ſtatt=
zum ehrenden Gedächtnis an den Altreichskanzler fand, ihren Höhepunkt. In dem feſtlich geſchmückten
Fürſten Bismarck in patriotiſch=dankerfüllter Geſin= Peſtibül präſentierten Wachtpoſten in hiſtoriſchen
mit ihrem ſcharfen Blicke, kannte ſeit Monaten die
revokutionäre Stimmung. Um ihren Einfluß zu
bre=
chen, ſtellte man ſie als geiſtesverwirrt hin, doch das
Volk hängt noch heute an der greiſen Königin, ſelbſt
die Republikaner ſprechen von ihr mit Verehrung.
Es war auch beſchloſſen, alle Mitglieder des
könig=
lichen Hauſes zum Exil zu verurteilen, nur Maria
Pia war ausgenommen. Noch am Mittwoch Morgen
iſt der Königsfamilie die Lage verheimlicht. Erſt gegen
zehn Uhr wird der alten Königin telephoniert, ſie möge
nach Mafra kommen. Um ſie dazu zu bewegen,
er=
klärte man ihr, dem Könige ginge es ſehr ſchlecht. Sie
iſt gerührt, man hat ihrer ſo lange nicht bedurft, eilig
fährt ſie ab. „Ich komme bald wieder, mein armer
Kleiner hat mich nötig, ſagte ſie beim Abſchied zur
Kammerfrau. Um elf Uhr erreicht ſie Mafra. Drei
Stunden ſpäter erhielt der Schloßverwalter von der
proviſoriſchen Regierung ein Telegramm mit der
Auf=
forderung, auf dem Schloſſe die republikaniſche Flagge
zu hiſſen. Noch immer zögert die Königsfamilie. Nach
dem erſten Schrecken glaubt man an ein falſches
Tele=
gramm; vielleicht haben einige Aufrührer die Tele=
(graphenſtation überrumpelt. Man ſetzt ſich zu Tiſch.
Niemand ſpricht.
Der erſte Gang wird aufgetragen: da öffnet ſich
die Tür, und atemlos ſtürzt der Hauptmann De Mello,
ider Adjutant des Infanten Don Alfonſo, in den Saal.
Die Souveräne müſſen ſofort fliehen, drunten auf der
Reede von Ericeira wartet die Jacht „Amelia”, der
Infant iſt ſchon an Bord. Alles ſtarrt ſich faſſungslos
an. Dann hört man die Stimme der Königin Maria
Pia: „Aber warum fliehen, warum? Man bleibe, ich
fliehe nicht.” Aber ein Argument entſcheidet: die
Wahl zwiſchen Flucht oder Abdankung. An Bord iſt
nichts vorbereitet, keine Lebensmittel ſind auf dem
Schiffe. Und nun ſieht man ein trauriges
Schauſpiel=
än den vier Tiſchtüchern werden haſtig einige Speiſen
verpackt, Brot, etwas Fleiſch, Kartoffeln. Eilig ſchleppt
mnan dies einzige Gepäck zu den Automobilen. Außer
den Königinnen und dem König nehmen insgeſamt
zehn Perſonen, Adjutanten und Hofdamen, in den
drei Wagen Platz. 60 treue Gardereiter, die im
Ga=
lopp von Eintxa herüber gekommen ſind, begleiten die
Automobile. In Ericeira wohnt das Volk ſchweigend
der Einſchiffung bei Der König muß geſtützt werden,
die greiſe Maria Pia ſcheint in zwei Stunden um
zwanzig Jahre gealtert. In zwei Fiſcherbooten
neh=
men die königlichen Flüchtlinge Platz. Keiner der
Ru=
derer grüßt, nur das höfiſche Gefolge verneigt ſich.
Die Hände in den Taſchen, ſtarrt Mannel wie betäubt
auf dies Bild. Als das Boot abſtößt, ſieht man den
König eine vage Gebärde machen, dann ſtreicht er mit
der Hand über die Augen. Die Damen küſſen der
Kö=
nigin Amelia die Hand. „Quelle infamiel Au revoirie
Das waren Amelias letzte Worte auf portugieſiſchem
Boden. Eine Frau aus dem Volke nähert ſich, kniet
nieder, küßt das Kleid der Königin und dann die
Hand, die ihr gereicht wird. Aber das Volk ringsum
ſteht ſtumm, ſchweigend und anſcheinend unbewegt.
Das war die Flucht König Manuels aus ſeinem
Reiche. . .
Vorträge.
— Der Verein für Verbreitung von
Volksbildung eröffnete ſeine neue, reichhaltige
Wintertätigkeit am Freitag abend mit einem Vortrag
des Herrn Regiſſeurs Dr. C. Hein e=Frankfurt a. M.;
„Wie ſollen wir Theatervorſtellungen
genießen?” welche Veranſtaltung gleichzeitig als
Dankes= und Anerkennungszeichen zur
hundertjähri=
gen Jubelfeier unſeres Hoftheaters gedacht war.
Er=
ſtreben doch Bühne und Verein, wenn auch auf
ver=
ſchiedenen Wegen, das gleiche hohe, ideale Ziel, und
können ſich zum Wohle der Geſamtheit gegenſeitig
er=
gänzen. Das Theater zieht einen großen Teil der
Be=
völkerung an, wirkt aber nur dann voll und ganz,
wenn ſeine Darbietungen die richtige, verſtändnisvolle
Aufnahme finden. Von einem ebenſo feinſinnigen als
erfahrenen Fachmann aus deſſen praktiſchem Schaffen
und Erleben heraus Winke und Anleitung zu
erhal=
ten, war wertvoll, und die zahlreiche Zuhörerſchaft=
nung ein eigenariges, ganz aus Nalurſteinen ohne
wei=
tere Bearbeitung beſtehendes Denkmal errichtet. Es iſt
in ſeinen Formen von den vielen Denkmälern, die zu
Ehren des Eiſernen Kanzlers in deutſchen Landen ſich
er=
heben, inſofern abweichend und beachtenswert, als
archi=
tektoniſche Formen hierbei gänzlich gemieden und das
Ganze nur aus den Materialien (Baſaltfindlinge und
Blöcke von Baſaltlavatuff) die der Boden, auf dem es
ſteht, hergab, zuſammengruppiert iſt. Wie die
Geſamt=
anlage aus urwüchſigem Material, ſo iſt auch der Aufbau
in urwüchſigen Formen gehalten. Zum
ungeſchmäler=
ten Genuß der nach allen Richtungen ſich bietenden
reizen=
den Ausſicht ſind zwei Plattformen mit Treppen
ange=
gliedert. Auch der gärtneriſche Schmuck iſt auf ſolches
Pflanzenmaterial beſchränkt, das auf dem Baſalthügel
ge=
deiht. (G. A.)
Büdingen, 15. Okt. Behufs Abwehr der Maul=
und Klauenſeuche hat das Kreisamt Büdingen die
Abhaltung von Viehmärkten im Kreiſe
Büdin=
gen bis auf weiteres verboten. Geſtattet iſt nur die
Abhaltung des Pferdemarktes in Ortenberg und die
Ab=
haltung von Schweinemärkten, letzteres aber mit der
Ein=
ſchränkung, daß von den Märkten Händlerſchweine
aus=
geſchloſſen ſind und nur direkt aus unverſeuchten Zuchten
des Kreiſes Büdingen Schweine zugeführt werden dürfen.
Reich und Ausland.
Ans der Reichshauptſtadt, 15. Okt. Die
Morgen=
lin, der Dezernent der Verkehrspolizei und der
Char=
lottenburger Polizeipräſident begeben ſich auf zehn
Tage nach London, um die dortigen
Verkehrsverhält=
niſſe zu ſtudieren und u. a. auch die Londoner
Unter=
grundbahnen zu beſichtigen. — Auf Veranlaſſung der
ſchwankt zwiſchen 6 und 6,50 Mark für den Doppelzentner. Roſtocker Staatsanwaltſchaft iſt, wie ſchon gemeldet, der
frühere Direktor der Geſellſchaft m. b. H.
Heiligen=
damm, der Schriftſteller Walter John Marlitt, ein
Neſſe der verſtorbenen Romanſchriſtſtellerin, in ſeiner
— Auerbach, 15. Okt. Der Kammermuſikver= Berliner Wohnung verhaftet und in das
Unter=
wirkenden Künſtler machen wir auf unſere Anzeige in der dem Verdachte, ſeine Gläubiger betrogen zu haben. Der
Hafbbefehl gegen Marlitt war die Folge von Anzeigen,
* Reinheim, 15. Okt. Ein Holzſchnitzkurſus 1 die die Geſchädigten erſtatteten. Marlitt hielt ſich ſchon
abgehalten, wenn eine ausreichende Anzahl Teilnehmer von 1200 000 Mark kontrahiert haben. Für den
An=
welche ſich in der Anfertigung von Holzbildhauer=er hat im Gegenteil vor dem Ankauf ſeine Inſolvenz
arbeiten eine gewiſſe Geſchicklichkeit aneignen wollen: erklärt. Trotzdem kaufte er das Seebad und ließ es
Anmeldungen zu dem Holzſchnitzkurſus nimmt die abreißen und neu aufbauen, was annähernd 3
Millio=
noch eine Anzahl Lieferanten zum Teil mit großen
Offenbach, 15. Okt. In einer geſtern abend ſtattgefun= Summen betrogen worden. Marlitt beſtreitet indes
wird von ſeinem Anwalt widerlegt. Uebrigens ſcheint
Mainz, 15. Okt. Im Mainzer Krematorium noch eine ganze Reihe von anderen Perſonen in den
Bonn, Darmſtadt, Düſſeldorf und Frankfurt a. M., 1 den Schnellzug Berlin=Breslau, der bei Kattowitz ver=
(O.=Elſaß), Königsberg, Kalkum, Lennep, Luzern, Moskau, Korſus in der Alexandrinenſtraße, deſſen Frau zwei
geäſcherten Perſonen waren 47 männlichen und 34 weib= geflüchtet. Nach Bekanntwerden der erſchütternden
habe. Er habe ſeine Frau ſolange gereizt, bis ſie mit
— Bad=Nauheim, 15. Okt. Bis zum 13. Oktober ſind ihren Kindern in den Tod gegangen ſei. Das bis
noch vor dem Laden Menſchenmengen an, die
Drohun=
gen gegen den Schlächter ausſtießen und Perſonen, die
ſeine Habe fort und der Laden ſteht jetzt leen=
Die Hundertjahrfei er der
Kriegsaka=
folgte deshalb den Ausführungen des Redners mit
lebhaftem Intereſſe. Er ſchilderte in knappen Zügen
einleitend den Werdegang des Deutſchen Theaters von
den kirchlichen Darſtellungen (Marienſpielen) bis zur
Seßhaftigkeit der Bühnenkunſt in den Theatern der
Fürſten und Städte, und ging dann auf das Weſen
der Theatervorſtellung ein. Feſſelnd legte er den
Unterſchied zwiſchen dem Drama an ſich und der
Auf=
führung dar; wie erſteres etwas Feſtes, Dauerndes,
während letztere als ſtets neu Entſtehendes das
Ergeb=
nis einer Reihe beſtändig wechſelnder Faktoren iſt.
Das Drama muß ſich demgemäß zur Aufführung
ge=
wiſſe Eingriffe gefallen laſſen, um in einer der Zeit
Rechnung tragenden und deshalb eindruckskräftigen
Weiſe zur Geltung zu gelangen. So kann Altes
ver=
jüngt auferſtehen und das Buchdrama zum
Spiel=
drama werden. Die Schöpfung des Dichters wird
durch die Wiedergabe auf der Bühne in Leben
um=
geſetzt und die Aufführung ſoll ſich in uns zum
Selbſt=
erlebnis geſtalten, weshalb wir an ſie nur in der
rich=
tigen Verfaſſung herantreten dürften. Nach
Möglich=
keit losgelöſt von den Alltagseinflüſſen, mit
inner=
licher Ruhe und Sammlung, empfänglich für des
Dich=
ters Schöpfung und bereit, im Banne der Illuſion
das Spiel als Vorgang zu empfinden, ſo möge man
die Bühne genießen. Gerade die Macht der Illuſion
zeigte der Vortragende ſehr anſchaulich an dem
Bei=
ſpiel des Björnſonſchen Dramas „Ueber unſere Kraft”,
deſſen Aufführung auch ein modernes, großſtädtiſches,
jeder Wunderglaubensbetrachtung ſonſt fremdes
Pu=
blikum allmählich in dieſen ihm ſo fernen
Gedanken=
kreis hereinzieht. (2) Sehr wirkungsvol belegte
Redner dies durch näheres Eingehen auf die erſten
Akte mit Rezitationen der Hauptſtellen und ſchloß
ſeine von echtem Theatergeiſt und edlem
Künſtler=
ſtreben durchwehten Darlegungen mit dem Zitat, das
auch in dieſem Sinne gelten könne: „Und ſetzet Ihr
nicht das Leben ein, nie wird Euch das Leben
ge=
wonnen ſein”. Reicher Beifall lohnte den Vortrag.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Oktober 1910.
Nummer 243.
Uniformen, und die Offiziere des jüngſten Jahrganges
der Akademie bildeten auf der Treppe Spalier.
Nach=
dem der Kaiſer eine Anſprache gehalten und die
aller=
höchſten Gnadenbeweiſe bekanntgegeben hatte, hielt der
Direktor der Akademie, Generalleutnant Frhr. v.
Man=
teuffel, eine Rede, in der er zunächſt, dem Kaiſer den
Dank der Kriegsakademie für ſein Erſcheinen
aus=
ſprach, um ſodann auf die Bedeutung des Tages
ein=
zugehen.
Saarbrücken, 15. Okt. Das Schwurgericht
verurteilte geſtern den Kellner Ulrich Riſt aus
Affaltern in Bayern wegen Ermordung der Kellnerin
Emma Reinfrank zum Tode und dauerndem Verluſte
der bürgerlichen Rechte.
Bremen, 15. Okt. In einer heute nacht 3½ Uhr
beendeten Verſammlung beſchloſſen die
Straßen=
bahner, wegen der ſeit einigen Tagen herrſchenden
Lohndifferenzen, mit 437 gegen 11 Stimmen, zu
ſtrei=
ken. Der Betrieb ruht heute morgen auf ſämtlichen
Linien.
Brüſſel, 15. Okt. Aus Mecheln wird berichtet:
Heute morgen gegen 3 Uhr ſtürzte das Haus eines
Buchdruckereibeſitzers ein. Die ganze Familie des
Buchdruckers, ſowie die übrigen Mieter des Hauſes
wurden im Schlafe unter dem einſtürzenden Haus
begraben. Bis zum Morgen waren 2 Leichen und
3 Schwerverletzte geborgen, doch befinden ſich noch
mehrere Verſchüttete unter den Trümmern.
— Paris, 15. Okt. Das erſte Pariſer
Tribu=
nal hat ſich vor einigen Tagen unter dem Vorſitze des
Präſidenten Ancelle mit einem deutſchen Prinzen
zu beſchäftigen gehabt. Ein bekannter Londoner
Juwelier hatte durch einen Pariſer Advokaten den
Antrag geſtellt, ein engliſches Gerichtsurteil, das er
gegen einen Prinzen von Sachſen=Weimar erwirkt
hatte. für vollſtreckbar auf franzöſiſchem Boden zu
er=
klären, und das Pariſer Tribunal hat dieſem Antrage
ſtattgegeben. Jenes engliſche Urteil ſtellt feſt, daß der
Prinz dem Juwelier die Summe von 31000 Francs
als Reſtbetrag für ein Perlenkollier ſchuldet. In der
Pariſer Gerichtsverhandlung wurde als „Reſidenz” des
Prinzen von Sachſen=Weimar London, als ſein „
Wohn=
ort” aber Paris angegeben. Es handelt ſich hier
offen=
bar um den 24jährigen ehemaligen Prinzen Hermann
von Sachſen=Weimar=Eiſenach, der am 2. Auguſt 1909
auf ſeinen Namen, Rang und Titel verzichtet und den
Namen „Graf von Oſtheim” angenommen hat, um die
aus Italien ſtammende Schauſpielerin Wanda Paola
Lattero, die, als er ſie kennen lernte, an einem
Lon=
doner Theater beſchäftigt war, zu heiraten.
Petersburg, 14. Okt. Längs der baltiſchen Küſte
wütete in der vergangenen Nacht und heute vormittag
ein heftiger Sturm, der zeitweiſe zum Orkan
aus=
artete und große Verwüſtungen anrichtete. In
der Nähe von Riga wurden drei Segelſchiffe ans Ufer
geworfen; ein Teil der Mannſchaften iſt umgekommen.
Nachts waren auf dem Meere Notſignale ſichtbar. Die
Zahl der havarierten Schiffe iſt anſcheinend groß. In
Mitau, Libau und Troki herrſchte ebenfalls ein heftiger
Sturm, der Dächer abdeckte, Bäume entwurzelte,
Ge=
rüſte im Bau befindlicher Häuſer niederlegte und die
Telephonverbindungen zerſtörte.
Petersburg, 15. Okt. Geſtern hat der
internatio=
nale Hochſtapler Margulin, der demnächſt der
Ber=
liner Polizei ausgeliefert werden wird, dem Chef der
ruſſiſchen Geheimpolizei ein umfangreiches
ſchriftliches Geſtändnis zugeſchickt, in
dem=
ſelben gibt er eine große Reihe von Schwindeleien zu,
die er in mehreren Städten Europas, insbeſondere auch
in Berlin, begangen hat. Margulin verſichert, daß ſeine
Begleiterin, Fräulein Fröhlich, nur ſein zufälliges
Opfer und keine Helferin ſei. Sie habe ihn für einen
reichen Amerikaner gehalten und ſeine Vergangenheit
nicht gekannt.
Havanna, 15. Okt. Die Provinzen Havanna,
Matanzaa und Pinar del Rio ſind von einem der
ſchwerſten Stürme, die ſeit Jahren dort
vorgekom=
men ſind, heimgeſucht worden. Die Tabakernte,
beſon=
ders in Vuelta und Abajo, wo die Samenbeete zerſtört
wurden, hat ſchweren Schaden gelitten. Die
Jahres=
zeit iſt zu weit vorgerückt, um Neuanpflanzungen
vor=
zunehmen. Die Zuckerernte iſt wahrſcheinlich weniger
geſchädigt.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
— Richard Wagner=Verein. Das
allge=
meine Intereſſe, das Pablo de Saraſate beim Publikum
zu erwecken verſtand, konzentriert ſich nunmehr nach
ſeinem Tode auf ſeinen Landsmann, den ſpaniſchen
Violinvirtuoſen Joän de Manén, der am
näch=
ſten Donnerstag hier zum zweiten Male auftreten
wird. Am 14. März 1883 als Sohn eines Kaufmanns
in Barcelona geboren, begann Manén als
dreieinhalb=
jähriger Knabe gleichzeitig Klavier und Violine zu
er=
lernen; ſein muſikaliſch gebildeter Vater leitete den
erſten Unterricht. Die Fortſchritte des Kleinen waren
auf beiden Inſtrumenten ſo rapide, daß es eine
Zeit=
lang zweifelhaft war, welchem Inſtrumente er für die
Zukunft den Vorzug geben ſollte, bis ſchließlich auf
den Rat ſeines Vaters die Violine gewählt wurde. Nach
einem kurzen Studium bei einem Schüler von Alard,
Clemente Ibarguren, unternahm Joän de Manén
als Wunderkind ausgedehnte Konzertreiſen durch aller
Herren Länder. Hier kam der junge Geiger mit den
bedeutendſten Künſtlern ſeines Faches in Berührung
und lauſchte ihnen autodidaktiſch ab, ſoviel er nur
konnte. So hat er ſchließlich ſeine große Fertigkeit
im gewiſſen Sinne wie ein self-made man erworben.
Späterhin begann ſich auch das Kompoſitionstalent des
Künſtlers zu offenbaren, und er ſchuf mehrere Werke
für Violine und Orcheſter, die günſtigſte Aufnahme
fanden und von deutſchen Verlagshäuſern in Berlin
und Leipzig verlegt wurden. Dieſer Erfolg ſpornte
ihn zu weiterem Schaffen an, und es entſtanden zwei
Opern: „Jeanne de Naples” und „Acté‟. Die letztere,
zu der Manén ſelbſt den Text verfaßte, hatte bei ihrer
deutſchen Uraufführung an der Hofoper in Dresden
einen großen, nachhaltigen Erfolg, der ihr auch bei
ihrer Premiere in Köln, die am 10. April 1910 unter
Kapellmeiſter Otto Lohſe ſtattfand, treu blieb. Manén
ſteht unter den Violinvirtuoſen unſerer Tage in der
vorderſten Reihe. Er hat die Süßigkeit des Tones, die
Eleganz der Bogenführung, die Nobleſſe des Spiels
von Saraſate geerbt, übertrifft ihn aber in der
tech=
niſchen Ausführung; in dieſer Hinſicht erkennt ihn die
Kritik einſtimmig als einen „Paganini redivivus” an.
Aber auch die klaſſiſche Welt iſt ihm nicht fremd. Ein
Konzert von Mozart oder Mendelsſohn wird unter
ſeinen Händen ein Erlebnis.
* Dr. Ludwig Ganghofer, der am 25.
Okto=
ber hier ſeinen zweiten Vorleſungsabend halten wird,
beginnt an dieſem Tage eine Tournée, auf der er bis
zum 19. November faſt täglich zu ſprechen hat. Er wird
außer in Darmſtadt u. a. in St. Gallen, Zürich,
Augs=
burg, Frankfurt a. M., Düſſeldorf, Bonn, Berlin,
Ham=
burg, Hannover, Dresden, Eger, Pilſen, München,
Wien (drei Abende), Laibach und Salzburg auftreten.
Dieſe Leiſtung bedeutet ſozuſagen einen Rekord für
Vorleſer und iſt jedenfalls ein außerordentlicher
Be=
weis für die Beliebtheit des Autors, zumal, wenn man
berückſichtigt, daß Dr. Ganghofer aus Norddeutſchland
allein noch 11 unerledigte Einladungen vorliegen,
denen der Dichter aus Mangel an Zeit bisher nicht
entſprechen konnte.
— Hugo Wolf=Gedächtnisfeier. Am 29.
Oktober plant die Freie literariſch=künſtleriſche
Geſell=
ſchaft im Feſtſaale der Vereinigten Geſellſchaft (
Rhein=
ſtraße) zum Gedächtnis Hugo Wolfs (geb. 13. März
1860) als Nachfeier ſeines 50. Geburtstages einen
Hugo Wolf=Mörike=Abend. Die
Veranſtalt=
ung dürfte von der Wolf=Gemeinde unſerer Stadt um
ſo freudiger begrüßt werden, als zum 13. März d. J.
hier ſo gut wie nichts geſchehen iſt, den großen
Ton=
meiſter zu ehren. Beſonderes Intereſſe gewinnt die
Feier durch die Mitwirkung von Frau Lilly Hafgren=
Waag vom Mannheimer Hoftheater, die bekanntlich
im vorigen Jahre in Bayreuth die „Elſa” geſungen
hat und ſpeziell als Wolf=Sängerin Hervorragendes
leiſtete. Eingeleitet wird der Abend mit dem Vortrag
eines perſönlichen Freundes von Hugo Wolf, der
ins=
beſondere auf die Mörike=Kompoſitionen näher
ein=
gehen wird. (Genaue Bekanntmachung folgt im
In=
ſeratenteil des Blattes; Vorausbeſtellungen für den
Abend nimmt Bergſträßers Hofbuchhandlung ſchon
jetzt entgegen.)
Schluß der Ausſtellung des Deutſchen
Künſtler=
bundes Darmſtadt 1910.
* Die Ausſtellung des Deutſchen Künſtlerbundes, die
am 12. Mai eröffnet worden iſt, iſt am geſtrigen Sonntag
geſchloſſen worden. Aus dieſem Anlaß fand am Samstag
abend im Herrſchaftsſaal des Städtiſchen Saalbaues eine
kleine Schlußfeier ſtatt, die den Vorſitzenden und die
Mitglieder der Geſchäftsleitung und die Vertreter der
Darmſtädter Tageszeitungen, im ganzen 18 Herren,
geſel=
lig vereinigte. Der Präſident des Deutſchen
Künſtler=
bundes, Graf Kalckreuth und der Sekretär Herr Broderſen,
hatten ſich entſchuldigen laſſen.
Der Vorſitzende der Geſchäftsleitung, Herr
Geheime=
rat Römheld, erſtattete ein ausführliches Referat
über die Ausſtellung, dem wir folgendes entnehmen:
Nachdem Herr Geheimerat Römheld die
Geſchäftslei=
tung der unſerer Stadt angebotenen Ausſtellung des
Deut=
ſchen Künſtlerbundes in die Hand genommen hatte und
die Stadt hatte ablehnen müſſen, die geforderten
Garan=
tien zu leiſten, die in der Uebernahme des geſchäftlichen
Riſikos und der Verbürgung dafür beſtanden, daß für
mindeſtens 25000 Mark Kunſtwerke auf der Ausſtellung
gekauft würden, erklärte ſich Se. Königliche Hoheit der
Großherzog auf Antrag des Herrn Geheimerats
Röm=
held bereit, das geſchäftliche Riſiko tragen und die
ver=
langte Bürgſchaft für Ankäufe im Betrage von 25000 Mark
zu leiſten. So trat der außerordentliche Fall ein, daß ein
regierender Fürſt zum Unternehmer einer Ausſtellung
ward. Sodann wurde die Geſchäftsleitung konſtituiert,
indem für eine Anzahl beſonderer Aufgaben Herren, die
auf den betreffenden Gebieten beſonders zuſtändig waren,
als Mitarbeiter und Berater kooptiert wurden. Die erſte
gemeinſchaftliche Arbeit war die Aufſtellung des
Aus=
ſtellungs=Programms. Eine weitere größere
Aufgabe, an die herangetreten wurde, galt der Schaffung
einer Lotterie, die 25000 Mark zum Ankauf von
Kunſt=
werken abwerfen ſollte. Alles ſchien gut zu gehen, bis die
Zulaſſung in Rheinland und Heſſen=Naſſau verſagt wurde,
womit die Lotterie unmöglich war. Das Scheitern der
Lotterie war der einzige ernſtliche Mißerfolg. Das
Aus=
ſtellungs=Plakat von Profeſſor Kleukens wurde
in großem Format zum Aufhängen und zum Ankleben
zuſammen in 4500 Exemplaren gedruckt. Außerdem
wur=
den 4400 Exemplare kleinen Formats hergeſtellt. Die
Pla=
kataffiche wurde in 23 Städten angeſchlagen, ferner in den
größeren Bahnhöfen von ganz Weſt=, Süd= und
Mittel=
deutſchland ausgehängt und an eine große Anzahl von
Bädern und Kuranſtalten, ferner an viele Hotels und
Vergnügungs=Etabliſſements zum unentgeltlichen Aushang
verſandt. Das kleine Plakat iſt unentgeltlich in den
Abtei=
len und Korridoren der Schnell= und Eilzugwagen
ange=
bracht worden. Außerdem wurde es in ſämtlichen größeren
Berliner Hotels an den Hotel=Plakatſäulen angeſchlagen.
Es wurden 30000 Streuzettel gedruckt, von denen faſt
zwei Drittel in Bad Nauheim an die Kurgäſte verteilt
wurden. Die Ausſtellungsmarke wurde in 100000
Exemplaren hergeſtellt. Sie hat viel Anklang gefunden
und iſt bis auf einen kleinen Reſt von wenigen 1000 Stück
verbraucht. Ein wichtiger Zweig der Reklame war die
Inſertion in Zeitungen und Zeitſchriften.
Dafür wurden 2097 Mark ausgegeben. Die wichtigſte
Re=
klame waren die zahlloſen Artikel, die vor und während
der Ausſtellung in der Tages= und periodiſchen Preſſe
ge=
bracht wurden. Die Reklame hat insgeſamt zirka 6200
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Eine arge Geſchmackloſigkeit zeigt
das kürzlich enthüllte Reiterſtandbild Kaiſer
Wil=
helms II. auf der Hohenzollernbrücke in Köln, das erſte
Denkmal des jetzigen Kaiſers. Wie man aus den jetzt
erſchienenen Abbildungen erſieht, hat der Bildhauer
das Pferd des Kaiſers mit verſtümmeltem Schwanze
dargeſtellt. Weshalb dieſe Modetorheit, den Schwanz
der Pferde zu verſtümmeln und ſie des natürlichen
Schmuckes zu berauben, noch auf einem Denkmal
ver=
ewigt wird, iſt nicht zu verſtehen; dem Künſtler müſſen
die allgemeinen künſtleriſch=äſthetiſchen Rückſichten
höher ſtehen, als Rückſichten auf den wandelnden
Zeit=
geſchmack, dem irgend eine hiſtoriſche Bedeutung nicht
zugeſprochen werden kann. Das ſonſt ſo ſchöne
Denk=
mal hinterläßt infolge dieſer unkünſtleriſchen
Konzeſ=
ſion an die Mode und den Tagesgeſchmack ſelbſt den
Eindruck des Verſtümmelten.
* Vorſchau auf die Wintermode. Unter
den Stoffen der Koſtüme dieſes Winters nimmt der
Samt den erſten Rang ein. Lang hat das köſtliche
Gewebe beiſeite ſtehen müſſen; jetzt erobert es ſich
wie=
der ſeinen Platz. Ihm machten jedoch Moirée,
ſchwerer Atlas und türkiſche Seidenſtoffe
ſtarke Konkurrenz. Unter den Mänteln wird der
lange Paletot den Sieg davontragen; die Augen
unſerer Damen ſind zu ſehr an fließende,
ſchlank=
machende Linien gewöhnt, um auf ein für die Figur
ſo vorteilhaftes Kleidungsſtück ohne zwingende
Ver=
anlaſſung zu verzichten. Für die kälteſten Wintertage
werden dieſe ſeidenen Mäntel durch
Pelzgarni=
turen ergänzt oder auch durch ganze Pelze erſetzt.
Der Geſchmack in der Pelzmode hat ſich in den letzten
Jahren gewaltig geändert. Von dem ſonſt ſo gering
geſchätzten Feh= oder Eichhörnchenfell werden wieder
elegante Mäntel angefertigt, und der mit Recht zu den
koſtbaren Pelzen gerechnete Edelmarder, der lange
Jahre hindurch gar nicht ertragen wurde, iſt jetzt
wie=
der ganz modern. Wer ſich Blaufuchs, Silberfuchs,
Zobel und Chinchilla nicht geſtatten kann, für den
bleibt Skunks oder ſchwarz gefärbter Weißfuchs als
billiger und doch moderner Erſatz. Eine reizende
Er=
gänzung der Wintertoilette bilden die langen, aus
weichem Fell gefertigten und mit heller Seide oder
Chiffonrüſchen gefütterten Schals, ſowie die großen
flachen Muffen. Die Mode im allgemeinen,
nament=
lich aber in den „korſettloſen” Schöpfungen der
großen Pariſer Modehäuſer erinnert immer noch
leb=
haft an die Tracht der Empirezeit, aber ſie greift, was
das Material betrifft, noch viel weiter zurück und läßt
u. a. den Brokat des 16. und 17. Jahrbunderts in
herrlichen Muſtern, aber in weicherem und
ſchmieg=
ſamerem Gewebe, wieder auferſtehen. Mit Samt,
Crépe=de=Chin, Ducheſſe oder Voile=Ninon verarbeitet,
ermöglicht er Zuſammenſtellungen von phantaſtiſchem
Reize. In dieſer Beziehung iſt augenblicklich „erlaubt,
was gefällt” Heute wird dem perſönlichen Geſchmack,
ſobald er ſich nur im großen und ganzen der Mode
unterordnet, ein weiter Spielraum gewährt. Eine
willkommene Möglichkeit, ohne allzu große Ausgaben
Abwechſelung in die Toilette zu bringen, bietet die
Mode der verſchiedenen Tuniken, die über einem
und demſelben Unterkleid getragen werden können.
Der antikiſierende Geſchmack, der heute die Kleidermode
beeinflußt, tritt auch bei den Abendmänteln
zu=
tage. Sie beſtehen aus einem Stück, wie der
altgrie=
chiſche Mantel, und werden aus ſchwerem, einfarbigem
Atlas angefertigt, zu dem das in bunten Farben
ſtrah=
lende Futter in wirkungsvollem Gegenſatz ſteht. Es
bleibt dann der Trägerin überlaſſen, den maleriſchen
Faltenwurf, in den ſich ein ſo geſchnittener Mantel
faſſen läßt, durch eigene geſchickte Handhabung
herzu=
ſtellen. . . .
E. v. H.
* Spielplan des Großh. Hof= und
Na=
tional=Theaters in Mannheim. Montag,
17. Okt.: Das Kätchen von Heilbronn. Dienstag, 18.
Okt.: Zum erſten Male: Des Pfarrers Tochter von
Streladorf. Mittwoch, 19. Okt.: Der ſidele Bauer.
Donnerstag, 20. Okt.: Madame Butterfly. Freitag,
21. Okt.: Der Wildſchütz. Samstag, 22. Okt.: Zum
erſten Male: Der Antiquar — Liebelei, Sonntag, 23.
Okt.: Tantris der Narr.
Kleines Fenilleton.
* Rooſevelt im Flugdrachen. Nicht
da=
mit zufrieden, in einem Unterſeeboot in die Tiefen
des Meeres zu tauchen, oder in die ſchwarzen
Kohlen=
ſchächte der Pennnſylvaniſchen Gruben zu kriechen,
oder wilde Tiere im Herzen Afrikas abzuſchlachten,
hat der Ex=Präſident Rooſevelt jetzt auch noch das
Fliegen gewagt. Als er am letzten Dienstag ungefähr
zwanzig Meilen von St. Louis an dem Flugplatz
vor=
beikam, ſchaute er den Flugverſuchen der Flieger
Hox=
ſey und Le Blanc zu. Als er den beiden Luftmenſchen
eine große Zeitlang zugeſehen hatte, ſchüttelte er
Herrn Hoxſey die Hand und ſagte: „Bei Gott, Hoxſey,
alter Freund, ich beneide dich, worauf Hoxſey
ant=
wortete: „Komm mit, Teddy. Schnell war Rooſevelt
auch dabei. Er warf ſeinen Ueberrock ab, ſchmiß
ſei=
nen Hut auf die Erde und ſtieg ein, und, als der
Doppeldecker ſich in Bewegung ſetzte, ſchmunzelte
Rooſevelt wie ein kleiner, glücklicher Schuljunge. Der
Drache erhob ſich langſam und ſtieg bis auf 100 Fuß
und flog immer ſchneller. Der Flieger ließ ſeinen
Apparat in einem großen Kreiſe fahren und der Ex=
Präſident ſchwenkte ſeine Hände grüßend zu den
unten=
ſtehenden Zuſchauern. Nach 3 Minuten 20 Sekunden
landeten ſie wieder an ihrem Ausgangspunkt in der
Nähe von Rooſevelts Motorwagen. Der Ex=Präſident
war ganz begeiſtert von dem Fluge und konnte eine
Zeitlang nichts weiter als „Bei Gott, großartig!”
her=
vorbringen. Er war ſo überraſcht von ſeinem neuen
Erlebnis, daß er für eine Zeitlang keine Beſchreibung
ſeines Fluges abgeben konnte. Während der Fahrt
hatte ſich Rooſevelt ſo freudig erregt gezeigt, daß ihn
Hoxſey zur Ruhe mahnen mußte.
* Die jüdiſche Abſtammung der
Portu=
gieſen. Ein gelegentlicher Mitarbeiter des
Mor=
ning Leader veröffentlicht einige intereſſante
Mitteil=
ungen über die Juden in Portugal. Er ſagt: „Die
Vermiſchung der Goten und der Juden, die zur Zeit
der Römerherrſchaft nach der celtiberiſchen Kolonie
Roms ausgewandert waren, muß zu dieſer Zeit ſchon
ſtattgefunden haben. Orobio ſagt, daß er in der
Syna=
goge in Amſterdam Brüder, Schweſtern und nahe
Ver=
wandte der erſten portugieſiſchen Familien
getroffen=
habe und daß der größere Teil der Geiſtlichkeit, ja
ſelbſt Erzbiſchöfe und Biſchöfe, von Juden abſtammten.
Dieſes wird durch folgende amüſante Anekdote des
be=
rühmten Marquis de Pombal beſtätigt: Joſeph I.
er=
ließ eines Tages den Befehl, daß ein jeder
Portu=
gieſe, der in irgend einer Weiſe zu Juden in
ver=
wandtſchaftlicher Beziehung ſtände oder von ihnen
ab=
ſtamme, eine gelbe Kappe tragen ſolle. Der alte
Mar=
quis erſchien kurz darauf bei Hofe und trug drei dieſer
Kopfbekleidungen unter ſeinem Arme. Der König
lächelte und fragte ihn: „Was wollen Sie mit dieſen
drei Kappen?” „Sire,” antwortete der Marquis, „
in=
folge Eurer Majeſtät Befehl habe ich dieſe drei
Kap=
pen bei mir, da ich tatſächlich kaum einen Portugieſen
kenne, der kein jüdiſches Blut in ſeinen Adern hat.”
„Aber,” fragte der König weiter, „warum haben Sie
denn gleich drei mitgebracht?‟ Der Marquis
er=
widerte: Eine iſt für mich, eine für den General=
In=
quiſitor, und die dritte — für den Fall, daß Euer
Maje=
jeſtät ſich zu bedecken wünſchten.”
* Der Rubin im Fiſchmagen. Eine
über=
raſchende Entdeckung machte der Kaufmann Roy aus
Freienwalde beim Zerlegen eines Steinbutts. Er
fand im Magen des Fiſches einen großen roten Stein,
der ſich bei näherer Unterſuchung als ein echter Rubin
erwies.
* Begründete Anfrage. In eine
Univer=
ſitätsklinik wurde jüngſt ein 18jähriges Dienſtmädchen
mit Blinddarmentzündung eingeliefert. Eine baldige
Operation ſchien nötig. Auf das Telegramm an den
Vater, in welchem die Einwilligung zur Operation
ſeiner minderjährigen Tochter eingeholt werden ſollte,
kam folgende Antwort: „Werthe Heren Ich gebe die
Einwiligung zur Oberatzigon ich möchte aber gerne
wiſſen wie die Thochter mit vornam heiſt denn davon
habe ich zwölf Achtungsvol F. Y.” (Jugend.)
Nummer 243.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17.=Oktober 1910.
Seite 5.
Mark geloſtet, ein Betrag, der im Verglreich zu den
erziel=
ten Erfolg nicht groß zu nennen iſt. Als Geſchäftsführer
wurde Herr Regierungsaſſeſſor Dr. Uſinger gewonnen.
Es waren faſt 1100 Werke angemeldet und
eingeſandt worden. Anfang April, ſo heißt es in dem
Bericht, fing ein wahrer Kriegszuſtand an. Es kam ein
Rieſenwagen mit faſt noch rieſigeren Kiſten nach dem
an=
deren. Schon am zweiten Tage zeigte ſich, daß der
Pack=
raum des Ausſtellungshauſes völlig unzureichend war.
Die leeren Kiſten wurden zu 1 Drittel in der Mittelhalle
des Ernſt Ludwigs=Hauſes, zu 1 Drittel in einer Halle
der Firma Diſchinger aufgeſpeichert. Das Wetter war
und blieb gut, bis die Packerei beendigt war, die ſich
des=
halb zum größten Teil auf der Straße vor dem Packraum
abſpielte. Die Jury tagte vom 21. bis 23. April. Es
wurden zirka 650 Werke zurückgewieſen. Inzwiſchen wurde
von Herrn Hauptmann Zobel der Katalog redigiert.
Die Ausſtattung leitete Herr Profeſſor Kleukens. Den
Druck beſorgte die Firma Wittich. Der Katalog hat als
ein vornehmes Druckwerk überall Anerkennung gefunden.
Am 12. Mai nachmittags wurde die Ausſtellung
durch einen Rundgang eröffnet. Ihre Königlichen
Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin, die wegen
der Trauer um den gerade verſtorbenen König von
Eng=
land an der Eröffnung nicht teilnehmen konnten, hatten die
Ausſtellung zuvor eingehend beſichtigt und ſich mit warmer
Anerkennung über die Ausſtellung als ſolche und über das
Arrangement ausgeſprochen. Allmählich lenkten nun, die
Dinge in ruhigere Bahnen ein. Die Organiſation des
Ausſtellungsdienſtes bewährte ſich. Einige Aufregung
ver=
urſachte noch der Uebergang der Wirtſchaft von Herrn
Hofkonditor Ott an Herrn Saalbau=Reſtaurateur Förſter.
Herr Ott hatte die Ausſtellungswirtſchaft mit erheblichen
Aufwendungen ſehr geſchmackvoll eingerichtet und in
vor=
nehmer Weiſe betrieben. Leider blieb der Erfolg aus,
ſo=
daß er entmutigt wurde und die Wirtſchaft aufzugeben
wünſchte. Es muß hier leider konſtatiert werden, daß die
Wirtſchaft, die von ihren beiden Inhabern von Anfang
bis zu Ende tadellos geführt worden iſt und wie
jeder=
mann anerkannte, die prächtigſten Plätze bot, vom
Publi=
kum nicht genügend beſucht worden iſt. Der Bericht
er=
wähnt dann des ſchönen Ausſtellungsgebäudes,
das die Stadt unentgeltlich zur Verfügung geſtellt hatte
und macht einige Vorſchläge zur Verbeſſerung des
Aus=
ſtellungsraumes. Es würde nach dem Erachten des Herrn
Referenten unſerem ſtädtiſchen Ausſtellungs=Etabliſſement
zu ſtatten kommen, wenn ſich noch einige Räume von
wech=
ſelnden Formen und verſchiedener Belichtung ſchaffen
lie=
ßen. Ob eventuell hierfür der reizende Roſenhof, den
man gewiß nicht gerne entbehren möchte, zu verwenden
wäre, ſei dahingeſtellt. Kiſtendepots und Arbeitsräume
könnten gewonnen weredn, wenn man die Terraſſe vor
dem Hauptportal mit derjenigen über den vorgebauten
Teil des Hoch=Reſervoirs verbände und ſie von da weiter
bis zu dem Verbindungsſaal zwiſchen Hochzeitsturm und
Hauptbau ausdehnte. Dies ſind indeſſen
Angelegenhei=
ten der ſtädtiſchen Organe, die wohl das Rechte finden
werden.
Der Beſuch der Ausſtellung iſt etwas hinter
den gehegten Erwartungen zurückgeblieben. Das
Abon=
nement erbrachte ſtatt der vorgeſehenen 2760 Mark nur 2289
Mark bei 787 Abonnenten. Einzelkarten zu 1 Mark
wur=
den 10814 (ſtatt der vorgeſehenen 15000), ſolche zu 50 Pfg.
(Vereins= und Sonntags=Nachmittagskarten 1644 (ſtatt
3400) verkauft. Die Geſamteinnahme aus
Abonne=
ment und Tagesverkauf beläuft ſich auf 13945 Mark (ſtatt
19460 Mark) Freikarten waren 237 ausgegeben. Die
Ausſtellung iſt — von der Eröffnungsfeier abgeſehen —
von 13 482 Perſonen beſichtigt worden und wenn man
annimmt, daß die Abonnenten dreimal, die Inhaber von
Freikarten zweimal in der Ausſtellung waren, ſo ſind ihr
im Ganzen 15293 Beſuche gemacht worden. Es kommen
alſo bei einer Dauer von bis jetzt 157 Tagen auf einen Tag
durchſchnittlich zirka 100 Beſuche.
Wie ſtark unter den Beſuchern die
Darm=
ſtädter vertreten waren, iſt nicht feſtzuſtellen. Der
Be=
richt ſagt hierüber: Wir haben das Gefühl, daß unſer
einheimiſches Publikum nicht ſo viele Beſucher geſtellt hat,
als wir hofften. Eine Stütze für dieſe Annahme bilden
die vielen abfälligen Bemerkungen über die beſonders in engliſchen, fortgeſetzt falſche Nachrichten
Ausſtellung, die man immer wieder und zwar auch in die Welt geſetzt. So hieß es dieſer Tage wieder, daß
von fein gebildeten und vielſeitig intereſſierten Leuten zu
hören bekam. Und da das Darmſtädter Publikum doch
ungefähr die gleichen Qualitäten beſitzt, wie das anderer 1 „ſehr niedergeſchlagen” ſei. Dieſe Mitteilung ent=
Städte mit einer breiten Schicht gebildeter Einwohner, ſo
möchte man faſt annehmen, daß zwiſchen dem Empfinden
Zeit in deutſchen Landen eine Kluft liege, über die nicht andere Kurgaſt auch, der Ruhe. Die Badekur iſt der
hinreichende Fäden gegenſeitigen Verſtehens und
Verſtehen=
wollens führen, ein für beide Teile nicht erfreulicher Zu= über nicht niedergeſchlagen, ſondern ſehr erfreut iſt und
ſtand. Es ſcheint außerdem, daß ein großer Teil der Be= es ſchon jetzt als ziemlich ſicher gilt, daß die Badekur
ſucher den Standpunkt für die Betrachtung und Beurtei= lauch im nächſten Sommer wiederholt
wer=
lung der Ausſtellung zu niedrig gegriffen hat. Sie blieben
an einzelnen Bildern haften, die ſie als geſchmacklos oder
das äſthetiſche Gefühl verletzend empfanden, ſie ärgerten
ſich darüber, daß man ihnen ſo etwas vorzuſetzen wagte
und überſahen dabei das zweifellos Gute und Bedeutende. dem jüngſten Ausfluge nach Schwalheim hat die Zarin
Beim Betreten einer ernſten modernen Ausſtellung, wie es! in beſter Stimmung, mit der Großherzogin ſich
unter=
unſere iſt, ſollte man ſich vergegenwärtigen daß eine ſolche haltend, ein bedeutendes Stück des Weges zu Fuß zu=
Vorführung nicht den Zweck hat, das Publikum zu unter= rückgelegt.
halten oder zu amüſieren, ſondern daß man in der
Aus=
ſtellung vor das Ergebnis einer der wichtigſten
Betätigun=
gen unſerer Kultur tritt. Die Künſtler, die nicht nur
Ver=
kaufsware ſchaffen, ſondern denen es mit tiefem Ernſt
darum zu tun iſt, ihrem Schauen mit der ihnen verliehenen
ſchöpferiſchen Gabe ſichtbare Geſtalt zu verleihen, bilden käufe beſorgten. Der Zar unternahm am Vormittag,
einen außerordentlich wichtigen Extrakt aus der Menſchheit
ſten, ſtärkſten und differenzierteſten Empfindens ihres
Vol=
kes. Ihr Schaffen iſt, als großes Ganzes betrachtet, nicht
ein rein willkürliches, ſondern es ſind große und ewige Zarin zum Lawn=Tennisſpiel nach Bad Nauheim. Die
Entwickelungsgeſetze, die, wie über allem Geſchehen, ſo! Ankunft der Großfürſtin Sergius, der
auch über der Kultur und Kunſt unſerer Zeit ſchweben.
Ueber eine Ausſtellung, die ſich, wie die gegenwärtige,
red=
lich bemüht, einen Ueberblick über das Schaffen, aber auch Ueberſiedelung nach Schloß Wolfsgarten
einen Einblick in das Drängen und Gären in unſerer
mo=
darum nicht mit einigen raſchen und oberflächlichen Vor= Potsdam dürfte ſchon zu. Anfang November erfolgen,
urteilen wegſetzen, ſondern ernſtlich ſtreben, zu einem ſolch und alsdann wird wahrſcheinlich ein Gegenbeſuch
Kai=
wichtigen Dokument unſeres derzeitigen Kunſt= und Kul=ſer Wilhelms im Schloß Wolfsgarten oder
Darm=
turzuſtandes ein auf tieferem Verſtändnis beruhendes po= ſtadt ſtattfinden; doch gilt es auch nicht für
ausgeſchloſ=
ſitives Verhältnis zu gewinnen.
Hocherfreulich iſt es, daß die Preſſe weitaus
überwie=
gend der Ausſtellung von hoher freier Warte aus
gegen=
übergeſtanden hat. Es bildet für alle, die künſtleriſch oder
geſchäftlich mit der Ausſtellung befaßt waren, eine große der Großherzogvon Heſſen, ſowie Prinz und
Genugtuung und Freude, daß die berufene Kritik in der Prinzeſſin Heinrich von Preußen nebſt ihren
wiegend günſtig beurteilt und die Bedeutung der
Aus=
ſtellung in das gebührende Licht geſetzt hat. Durch die
verſtändnisvolle und wohlwollende Haltung der Preſſe ſind
der Ausſelung zahlreiche Beſucher zugeſührt worden und
ihr iſt es zum großen Teil zu danken, wenn wir jetzt bei
Schluß der Ausſtellung nicht das drückende Gefühl zu
ha=
ben brauchen, mit einem Defizit zu ſchließen, das dann
wieder auf die Neigung, künftighin Aehnliches zu
unter=
nehmen, lähmend gewirkt haben würde.”
Der Bericht dankt allen und jedem einzelnen noch
be=
ſonders für das der Ausſtellung entgegengebrachte Intereſſe
und die Mitwirkung und Unterſtützung, darunter auch der
Darmſtädter Preſſe.
Als Empfänger von Kunſtwerken der
Aus=
ſtellung ſteht an erſter Stelle unſer Landes=Muſeum,
das aus einer Sonderbewilligung des Fonds für
öffent=
liche und gemeinnützige Zweck das große prachtvolle
Kalckreuthſche Porträt erworben hat. Ferner iſt von einem
Kunſtfreund Stucks „Salome” geſtiftet worden und
end=
lich hat ein auswärtiger Spender eine Summe von 11000
Mark zur Verfügung geſtellt, mit deren Hilfe das Muſeum
verſchiedene plaſtiſche Werke. z. B. die Jobſtſche Büſte
Prof. Scharvogels, die von Goſenſche monumentale
Reger=
büſte, Kleinplaſtiken von Stuck und Hahn und Zeichnungen
von Kleukens und ein Gemälde von Dill erworben hat.
Von anderen Muſeen ſeien erwähnt das Breslauer, das
das Bantzerſche Familienbild gekauft hat, ferner Mainz,
Köln, Elberfeld. Hierzu kommen zahlreiche zum Teil
be=
deutende Privatankäufe. Im Ganzen ſind Kunſtwerke
bis jetzt verkauft worden für 84314 Mark — 2—3
Ver=
käufe ſchweben noch — ein Ergebnis, das im Intereſſe der
Ausſtellung, wie in dem der ausſtellenden Künſtler warm
zu begrüßen iſt, und das den Beweis erbringt, daß
Darm=
ſtadt als Kunſtmarkt ein günſtiger Platz iſt.
Bezüglich des finanziellen
Geſamtreſul=
tates läßt ſich bis jetzt immerhin ſo viel ſagen, daß wir
beſtimmt erwarten dürfen, nicht mit einem Defizit
zu ſchließen.
Der Bericht ſchließt mit dem Wunſch, daß das gute
Gelingen dieſer Ausſtellung eine Anregung und
Er=
mutigung bilden möge, auch fernerhin nicht zu raſten,
wenn es gilt, zu Ehren der Kunſt und zum Nutzen
unſerer Stadt etwas zu unternehmen. Wir müſſen
den jungen, aber guten Ruf unſerer Stadt als
Kunſt=
ſtadt verteidigen und mehren. Aber freilich einzelne
allein können darin auf die Dauer nicht Erfolg haben.
Wenn Darmſtadt in der Kunſt und dem Kunſtgewerbe
den Platz behaupten oder richtiger, erlangen ſoll, den
es unter der Führung unſeres kunſtliebenden
Groß=
herzogs einnehmen könnte, ſo gehört dazu die tätige
und auch opferfreudige und weitblickende Sympathie
der in Betracht kommenden Stellen und der ganzen
Einwohnerſchaft. Möge dieſe Erkenntnis wachſen und
ſtark werden zu. Nutz und Ehr von Stadt und Land!”
An das Referat ſchloß ſich ein gemeinſchaftliches
Abendeſſen an. Bei dieſem brachte Herr
Geheime=
rat Römheld das erſte Hoch auf den allerhöchſten
Pro=
tektor, Se. Königliche Hoheit den Großherzog aus und
gedachte weiter der Künſtler als Schönheitsſucher der
Menſchheit. Dem Deutſchen Künſtlerbund und den
ſchönheitſuchenden und ſchönheitfindenden Künſtlern
galt ſein zweites Hoch. Herr Kabinettsſekretär Dr.
Wehner toaſtete namens der Geſchäftsleitung auf die
Stadt Darmſtadt, wofür Herr Beigeordneter
Muel=
ler dankte und ein Hoch auf den Vorſitzenden der
Ge=
ſchäftsleitung, Herrn Geheimerat Römheld, ausbrachte.
Herr Geheimer Oberregierungsrat Dr. Wagner gedachte
namens der Geſchäftsleitung der Herren der Preſſe,
wofür Herr Chefredakteur Dr. Waldaeſtel namens der
Kollegen dankte und auf die Leitung der Ausſtellung
toaſtete. Herr Kabinettsſekretär Dr. Wehner brachte
dann noch ein Hoch auf Frau Geheimerat Römheld, die
treue Helferin ihres Gemahls bei der Ausſtellung, aus.
Nach dem Abendeſſen verbrachten die Gäſte noch
mehrere Stunden in gemütlichem Beiſammenſein. Für
as geſchmackvolle Arrangement und die exquiſite
Zu=
bereitung des Mahles gebührt dem Saalbauwirt Herrn
Förſter, noch beſondere Anerkennung.
Vom Hoflager in Friedberg.
*X* Aus Friedberg wird uns von
zuverläſſi=
ger Seite geſchrieben: Ueber das Leben am
hieſi=
gen Kaiſerhofe werden in auswärtigen Blättern,
ſich die Zarin in einem bedenklichen Zuſtande befinde
und infolgedeſſen die Stimmung in ihrer Umgebung
behrt jeder tatſächlichen Begründung. Die
Zarin hat am Freitag wieder ihr regelmäßiges Bad
der Kunſt Schaffenden und der Kunſt Genießenden zur genommen und bedarf an ſolchen Tagen, wie jeder
Zarin bisher ſo gut bekommen, daß ihr Umgebung
dar=
den wird. Der Umſtand, daß die Zarin viel im
Roll=
ſtuhl gefahren wird, entſpricht durchaus den
Kurvor=
ſchriften; man kann ſie aber auch faſt täglich im Park
oder auf der Schloßterraſſe promenieren ſehen und bei
Am Samstag ließen ſich der ruſſiſche Thronfolger
und die beiden kleinen heſſiſchen Prinzen ſchon früh
morgens im Auto mit einem großen Pack von
Spiel=
ſachen, die der Zarewitſch ſelber herbeitrug, nach dem
Johannisberg fahren, während die vier ruſſiſchen
Groß=
fürſtinnen am Vormittag in Friedberg zahlreiche
Ein=
nur vom Generaladjutanten und dem Leibarzt
beglei=
ihrer Zeit. Sie ſind die Träger und Vorläufer des fein= tet, einen etwa zweiſtündigen Spaziergang in die
wei=
tere ländliche Umgebung bis Dorheim, und am
Nach=
mittag begaben ſich ſämtliche Fürſtlichkeiten mit der
Schweſter der Zarin, wird am 20. Oktober erfolgen, und
zwiſchen dem 24. und 27. Oktober ſoll alsdann die
erfolgen, wohin ſich auch Prinz und Prinzeſſin
Hein=
dernen deutſchen Künſtlerſchaft zu geben, ſollte man ſich rich begeben. Der Beſuch des Zaren beim Kaiſer in
ſen, daß vielleicht Kaiſer Wilhelm den Zaren ſchon vor
dem Beſuch in Potsdam perſönlich in Heſſen begrüßt.
* Kronberg, 15. Okt. Bald nach 3 Uhr trafen
der Kaiſer von Rußland mit ſeinen Töchtern,
Preſſe durchweg die ausgeſtellten Werke objektiv und über= Söhnen Waldemar und Sigismund in vier
Automo=
bilen auf Schloß Friedrichshof ein. Die Herrſchaften
beſichtigten die Stadt und die alte Burg und kehrten
nach dem Tee gegen 6 Uhr nach Friedbera zurück.
2 Kronderg, 10. Dt. Auf Schloß
Friedrichs=
hof ſind geſtern abend Prinzeſſin Viktoria und
der Erbprinz zu Schaumburg=Lippe
einge=
troffen. Heute mittag 12 Uhr kamen Prinz und
Prin=
zeſſin Heinrich von Preußen im Automobil von
Friedberg an und fuhren um 3 Uhr wieder dorthin
zu=
rück.
Hundertjahrfeier der Kriegsakademie.
* Berlin, 15. Okt. Bei der Hundertjahrfeier
der Kriegsakademie verlas der Kaiſer eine
Ka=
binettsorder, in der es heißt: Ich entbiete der
Kriegs=
akademie zu dem heutigen Tage, an dem ſie auf ein
Jahr=
hundert reichgeſegneten Wirkens im Dienſte des Heeres und
des Vaterlandes zurückblickt, meinen Glückwunſch. Als
weiland König Friedrich Wilhelm III. Majeſtät, die
Kriegsſchule für die Offiziere in Berlin in das Leben rief,
war das große Werk der Wiederaufrichtung des
preußi=
ſchen Heeres faſt vollendet. Mit der im Geiſte
Scharn=
horſts und nach ſeinen Gedanken verfügten Ordnung der
militäriſchen Bildungsanſtalten wurde in den hehren Bau
der Schlußſtein eingelaſſen, und er hat ſich in dieſer langen
ſchicksſalsvollen Zeit bewährt. Von den Tagen der
un=
vergeßlichen Erhebung Preußens an bis zu dem großen
Einigungskampfe Deutſchlands — und dann weiter bis
jetzt. Dank dem hingebenden Streben und der treuen Arbeit
aller ihrer Glieder iſt die Kriegsakademie ihren Aufgaben,
ſo vielſeitig ſie ſich auch mit dem Fortſchreiten der
Wiſſen=
ſchaften auf allen Gebieten geſtaltet haben, und ſo
rieſen=
haft ſie mit der Entwickelung der Kriegskunſt im Laufe
dieſes Jahrhunderts gewachſen iſt, in vollkommener Weiſe
gerecht geworden. Mit freudigem Stolze kann ich ihr an
ihrem Jubeltage bezeugen, daß ſie das Erbe, das ihr von
Clauſewitz und Moltke, den Geiſtesgewaltigſten ihrer
Lehrer, hinterlaſſen war, treu zu bewahren und zu mehren
gewußt hat. So iſt ſie eine Hochburg der
Kriegswiſſen=
ſchaften geworden, weit über die Grenzen des Vaterlandes
hinaus, vorbildlich wirkend in ihren Einrichtungen und
Zielen. Ihr hierfür meinen königlichen Dank und meine
uneingeſchränkte Anerkennung kund zu geben, iſt mir ein
Herzensbedürfnis Möge der Geiſt, der die
Kriegsaka=
demie zu dem hat werden laſſen, was ſie geworden iſt, der
Geiſt gewiſſenhafteſter Pflichterfüllung, voll der
unbeding=
ten Hingabe an die ernſten Forderungen des ſoldatiſchen
Berufes bis in die fernſte Zukunft in ihr lebendig bleiben
und reife Frucht tragen zum Segen des Vaterlandes, zum
Wohle meines tapferen Heeres!
Nachdem der Kaiſer geendet hatte, gab General von
Oertzen eine Reihe von Ordensauszeichnungen
bekannt. Mit dem Kaiſer erſchienen der
Kron=
prinz, Prinz Eitel Friedrich, Prinz Auguſt
Wil=
helm. Nach der Rede des Direktors zog der Kaiſer viele
Anweſende ins Geſpräch, zuerſt den bejahrten General von
Blume. Die militäriſchen Ehren erwies vor der
Akg=
demie eine Kompagnie des Alexander=Regiments.
Das Brandunglück in Berlin.
* Berlin, 15. Okt. Die Morgenblätter melden!
Bei dem geſtrigen großen Brande in der Neuen
Friedrichſtraße waren die Notausgänge nicht zu
benutzen. Die Schlüſſel zu dieſen hingen
vorſchrifts=
mäßig in den Schränken neben den Nottüren. Die
Zu=
gänge zu dieſen Schränken aber waren durch Kiſten
und Säcke verbarrikadiert. Die beiden aufgefundenen
Leichen ſind weiblich. Man befürchtet, daß im zweiten
und dritten Stock unter dem Schutt noch mehrere Tote
liegen werden. Genauere Feſtſtellungen lließen ſich
geſtern abend wegen Einbruches der Dunkelheit nicht
mehr machen.
* Berlin, 15. Okt. Das Brandunglück in
der Neuen Friedrichſtraße iſt größer, als man bisher
angenommen hatte. Heute früh wurden auf der
Brand=
ſtätte noch fünf weitere Leichen gefunden,
die teilweiſe bis zur Unkenntlichkeit verkohlt ſind.
* Berlin, 15. Okt. Nach amtlicher Auskunft kann
als Urſache des geſtrigen Brandunglücks bei
der Wäſche= und Schürzenfabrik D. Arndt, Neue
Fried=
richſtraße 79a, keineswegs eine Exploſion in Frage
kommen. Die Arbeitsräume umfaſſen den zweiten und
den dritten Stock. Im zweiten Stock hat in der
Ar=
beitspauſe das Perſonal, um ſich zu wärmen, Feuer in
einem Anthrazitofen angezündet; dabei ſcheint die
Flamme herausgeſchlagen zu ſein. Durch die große
Menge leicht entzündlicher Stoffe griff das Feuer ſchnell
um ſich; ſo wurde wohl den Perſonen, welche ſich im
dritten Stockwerk befanden, die Flucht über die
bren=
nenden und verqualmten Treppen abgeſchnitten.
Ent=
gegen anderen Mitteilungen kann von einem Verſagen
keine Rede ſein. Die Zahl der im dritten Stockwerk
gefundenen verbrannten Opfer, ſämtlich weibliche
An=
geſtellte der Firma Arndt, beträgt nach endgültigen
Feſtſtellungen ſieben.
* Berlin, 15. Okt. Noch in der geſtrigen Nacht iſt
ein Bericht über das Feuer in dem Geſchäftshauſe
Arend von der Feuerwehr ausgearbeitet und dem
Polizei=
präſidenten von Jagow übergeben worden, der ſofort
dem Kaiſer perſönlich Bericht erſtattete. Auch im
Mi=
niſterium iſt, wie dies ſtets der Fall iſt, wenn ein
größerer Brand ausbricht, ausführlich Bericht erſtattet
vorden.
Der Werftarbeiter=Ausſtand.
* Bremen, 15. Okt. Die Aufforderung der
Aktien=
geſellſchaft „Weſer” an die Arbeiter, ſich zur
Auf=
nahme der Arbeit in der kommenden Woche zu melden,
iſt bisher ohne Erfolg geblieben. Es meldete ſich
niemand, da die Werft dem Verlangen der Arbeiter,
alle Arbeiter ſofort wieder einzuſtellen, aus
betriebs=
techniſchen Gründen nicht entſprechen konnte. Die Werft
machte heute durch Anſchlag bekannt, daß, nachdem
in=
zwiſchen in Hamburg die grundlegenden
Vereinbar=
ungen beiderſeits unterzeichnet worden ſeien, weitere
Mitteilungen am 17. Oktober, nachmittags 5 Uhr, durch
Anſchlag erfolgen werden.
* Hamburg, 15. Okt. Die Verhandlungen zwiſchen
den Vertretern des Geſamtverbandes Deutſcher Metall=
Induſtrieller und den Vertretern der Arbeiter wurden mit
der heute erfolgten Zuſtimmungserklärung der
Werften zu den betroffenen
Vereinbarun=
gen wegen edr Sicherung der Akkordüberſchüſſe beendet.
Nunmehr finden noch Verhandlungen mit der
Ham=
burg-Amerika=Linie und Lokalverhandlungen der
aus=
wärtigen Werften ſtatt, die hoffentlich eine baldige
Auf=
nahme der Arbeit geſtatten werden.
* Brake, 15. Okt. Die heute zu Ende geführten
Verhandlungen zur Beilegung des
Hafenarbei=
terſtreikfs hatten zum Ergebnis, daß die Arbeit
Montag wieder aufgenommen wird. Die
frem=
den Arbeiter werden bis zum 22. Oktober entlaſſen. Die
Einſtellung erfolgt nach Maßgabe des Bedarfs. Den Ar=
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Oktober 1910.
Nummer 24s.
beitern iſt eine Erhöhung des Lohnes für den
Sonntags=
dienſt und Ueberſtunden, den Stundenarbeitern eine
Er=
höhung des Tagelohnes zugeſtanden worden.
Der Eiſenbahnerſtreik in Frankreich.
* Paris, 14. Okt. Die Verſammlung der
Eiſen=
bahner zum Proteſte gegen die
Einbe=
rufung zum Militärdienſte fand heute abend
unter außerordentlich großem Andrange ſtatt. Um
Zwiſchenfällen vorzubeugen, wurden von den
Ver=
anſtaltern Flugblätter verteilt, in denen die
Teil=
nehmer aufgefordert werden, nach Schluß der
Ver=
ſammlung ruhig auseinander zu gehen. Die Polizei
hat umfaſſende Maßnahmen getroffen. — In der
Ver=
ſammlung hielten mehrere ſozialiſtiſche Deputierte,
unter ihnen Jaurés, Reden, in denen ſie die Regierung
wegen ihrer Haltung gegenüber dem Ausſtande der
Eiſenbahner heftig angriffen. Schließlich wurde eine
Tagesordnung angenommen, in der die Solidärität der
Sozialiſten mit den Eiſenbahnern zum Ausdruck
ge=
bracht wird, die Geſellſchaften der Geldgier bezichtigt
werden und der Regierung zum Vorwurfe gemacht
wird, daß ſie den Arbeitern das Streikrecht verweigere.
Nach Schluß der Verſammlung herrſchte in dem Viertel
St. Antoine große Erregung.
* Paris, 15. Okt. Bei Dreuil an der
Eiſenbahn=
linie Amiens=Boulogne explodierte heute morgen
eine Bombe, ohne Schaden anzurichten. Der
Schnellzug Calais=Paris konnte ein Kilometer
von dem Orte der Exploſion angehalten werden und
ſetzte ſpäter die Fahrt fort.
* Paris, 16. Okt. Nach einer amtlichen
Mit=
teilung des Miniſteriums der öffentlichen
Ar=
beiten machte ſich am geſtrigen fünften Tage ein
vollſtän=
diges Abflauen des Ausſtandes bei der Nordbahn und der
ſtaatlichen Weſtbahn bemerkbar. Der Ausſtand könne als
beendet angeſehen werden.
Paris, 16. Okt. Das Miniſterium des Innern
gibt bekannt, daß der normale Dienſtbeetrieb
auf dem Pariſer Nordbahnhof von heute abend ab wieder
ſichergeſtellt iſt.
* Paris, 15. Okt. Beim Empfang beim Miniſter
der öffentlichen Arbeiten Millerand erklärten die
Di=
rektoren der Eiſenbahngeſellſchaften, daß den Beamten
und Arbeitern aller Eiſenbahnnetze, ſoweit ſie in Paris
anſäſſig ſind, ſpäteſtens am 1. Januar 1911 ein
Mindeſt=
gehalt von fünf Franken für jeden Tag, an dem ſie Dienſt
getan haben, bewilligt werde. Das Eiſenbahnperſonal
werde von dieſer Aufbeſſerung benachrichtigt werden. Nach
Erkundigungen im Miniſterium der öffentlichen Arbeiten
geſtaltet ſich die Lage andauernd günſtiger.
Zahl=
reiche Angeſtellte der ſtaatlichen Weſtbahn meldeten ſich
wie=
der zum Dienſt. Der Vorortverkehr wird wahrſcheinlich
heute wieder ein vollſtändiger ſein. Auf der Nordbahn
wurden geſtern 174 Züge abgelaſſen, gegenüber 124 am
Donnerstag. Die Zahl der Reiſenden hat ſich beträchtlich
vermehrt. Eine große Menge Lebensmittel ſind
abgelie=
fert worden.
* Paris, 15. Okt. Mehrere tauſend Maurer
hiel=
ten heute nachmittag eine neue Verſammlung ab, in der
ſie die Fortſetzung des Streiks beſchloſſen. Einer
der Führer des Streiks teilte mit, daß gegenwärtig in
Paris 80000 Bauarbeiter im Ausſtand ſtehen. Nach Schluß
der Verſammlung kam es auf der Straße zu mehrfachen
Zuſammenſtößen zwiſchen Streikenden und Schutzleuten.
* Avignon, 16. Okt. Die Eiſenbahn=Angeſtellten
beſchloſſen geſtern abend, in den Ausſtand zu treten.
* Conſtantine, 16. Okt. Ungefähr 100
Eiſen=
bahnarbeiter der Oſtalgeriſchen Bahn und der Paris-
Lyon-Mittelmeerbahn haben ſich für den Ausſtand erklärt.
* Frankfurt a. M., 16. Okt. Nach einem dem
hieſigen Vertreter der Paris-Lyon-
Mittel=
meerbahn zugegangenen und den Frankf.
Nach=
richten zur Verfügung geſtellten Telegramm iſt der
Verkehr der Züge auf dem genannten Bahnnetze
durch=
aus normal und auch die Transporte von Eil= und
Frachtgut werden unter den gewöhnlichen Bedingungen
abgefertigt.
Die Revolution in Portugal.
* Gibraltar, 15. Okt. Die königliche Jacht
„Viktoria and Albert” die den König
Ma=
nuel nach England bringen ſoll, iſt heute abend hier
eingetroffen. Der König wird ſich morgen,
wahrſchein=
lich in Begleitung des Herzogs von Oporto, einſchiffen.
* Liſſabon, 15. Okt. Der heutige
Miniſter=
rat beſchloß die Verbannung der
Königs=
familie, die Aufhebung der Pairskammer, die
Ab=
ſchaffung des nichthiſtoriſchen Adels und der Orden,
ausgenommen den Turm= und Schwert=Orden, ſowie
die Beſeitigung des Schwurs auf das Evangelium.
(Frankf. Ztg.)
Luftſchiffahrt.
sr. Die Berliner Flugwoche war am ſechſten
Tage wiederum vom Wetter recht begünſtigt, wenn auch
der herrſchende Wind anfangs den Fliegern einige
Schwierigkeiten bereitete. Wieneziers, der als
Erſter mit ſeinem Blériot=Apparat ſtarten wollte,
ge=
riet beim Anlauf zu nahe an einen Zaun und blieb
dort mit einem Spanndraht ſeines Apparates ſo
un=
glücklich hängen, daß dieſer zerbrach, wodurch der rechte
Flügel den Halt verlor und Wiencziers weitere
Ver=
ſuche aufgeben mußte. Dann folgte Lindpaintner,
der jedoch nur 13 Minuten in der Luft blieb, da der
Wind noch zu ſtark war. Kurz bevor er landete, ſtieg
noch Brunhuber auf, ging jedoch nach 4 Minuten
wieder nieder. Auch von Moßner, der einen
Probe=
flug unternahm, landete ebenfalls nach 4 Minuten.
Dann trat eine längere Pauſe ein. Erſt nach 4 Uhr,
nachdem der Wind ſchwächer geworden war, entſchloß
ſich Brunhuber zum Start um den 9000 Mark=Preis
des Kriegsminiſters, ferner um den täglichen
Dauer=
preis und die Paſſagierpreiſe. In kürzeren Abſtänden
folgten dann Thelen, Jeannin und
Lind=
paintner, die ſich alle drei um den Großen 25000
Mark=Preis des Kriegsminiſters, den täglichen
Dauer=
preis und den Höhenpreis bewarben. Thelen flog
gleichfalls mit Paſſagier, um ſich um die Paſſagierpreiſe
bewerben zu können. Außerdem ſtarteten noch im
Laufe des Tages Grade (Grade), Frey (Farman),
Dr. Liſſauer (Grade), Otto (Aviatik), Oelerich
(Schulze=Herford), Rode (Grade) und Oberleutnant
Mente (Wright). Den längſten Flug des Tages
er=
zielte Brunhuber mit 1 Std. 16 Min. und gewann
damit den erſten täglichen Dauerpreis und außerdem
den erſten Zuſatzpreis für Paſſagierflüge. Den zweiten
täglichen Dauerpreis und den zweiten Zuſatzpreis für
Paſſagierflüge holte ſich Thelen mit 1113. Jeannin
flog 1:09 und Lindpaintner 1:07. Lindpaintner ſteht
ſſomit in dem Wettbewerb um den Großen Preis des
Kriegsminiſters noch bei weitem an erſter Stelle. Alle
anderen Aviatiker flogen nicht länger als zirka 20
Minuten. Der beſte Höhenpreis wurde von
Lind=
paintner ausgeführt, der 625 Meter emporſtieg. Frey
brachte es auf 505, Jeannin auf 470 und Thelen auf
375 Meter, was mit Rückſicht auf den mitgeführten
Paſſagier als außerordentlich gute Leiſtung zu
bezeich=
nen iſt. Der Beſuch war ſtärker als an allen
vorher=
gegangenen Tagen.
* Johannisthal, 15. Okt. Wiencziers, der
heute mit ſeinem Eindecker eine Höhe erreichte, die auf
1500 Meter geſchätzt wird. landete außerhalb des
Flug=
platzes bei Großbeeren. Jeannin erzielte auf ſeinem
Zweidecker eine Höhe von 910 Meter. Thelen ging
wegen Heißlaufens der Propellerwelle aus 200 Meter
Höhe im Gleitflug nieder, wobei das Flugzeug leicht
beſchädigt wurde.
* Flugplatz Johannisthal, 16. Okt. Den
heutigen Flügen wohnten der Kronprinz und die
Kronprinzeſſin bei, die etwa eine Stunde auf
dem Flugplatze verweilten. Der Kronprinz ſtiftete
eine Krawattennadel in der Form einer Krone mit
Brillanten für den Aviatiker, der die größte Höhe
er=
reicht und die ſchnellſte Fahrt gemacht hat. Die
Bril=
lantnadel wurde demgemäß Wiencziers
über=
reicht, der geſtern nach Großbeeren geflogen und heute
auf dem Rückfluge gegen 3 Uhr wieder auf dem
Flug=
platze landete. Wahrſcheinlich wird Lindpaintner
den Großen Preis des Kriegsminiſteriums bekommen;
Wiencziers den Höhenpreis und den Bleichröder=Preis.
* Paris, 16. Okt. Aus Limoges wird gemeldet:
Der Flieger Baillod ſtieg mit ſeinem Einflächer
mitten in der Stadt, in der Avenue de Juillet,
auf. Der Aparat verfing ſich in einem Baume und
ſtürzte dann in die Zuſchauermenge. Einem
vier=
zehnjährigen Mädchen wurde von dem Propeller die
Schädeldecke zertrümmert. Zwei andere
Kin=
der wurden verwundet. Der Flieger wurde verhaftet.
Im Luftſchiff über den Ozean.
* New=York, 15. Okt. Zu Wellmanns
Ver=
ſuch, den Ozean zu überfliegen, liegen folgende
Meldungen vor: Wellmann hat die Reiſe über den
Ozean in ſeinem Lenkballon „Amerika” mit 6
Per=
ſonen angetreten. Die Jacht „Olivia” hat Wellmanns
Luftſchiff zuletzt über der See geſichtet. Ein drahtloſes
Telegramm von ihm berichtet, daß er einen nördlichen
Kurs einſchlage, die Motoren arbeiteten vorzüglich und
es ſei alles wohl an Bord des Luftſchiffes. Zuletzt iſt
das Luftſchiff an der Küſte Long=Island geſichtet
wor=
den. Ein ſpäteres drahtloſes Telegramm beſagt, daß
er die Fahrt nach Europa definitiv
angetre=
ten habe und 20 engliſche Meilen pro Stunde
zu=
rücklege.
* New=York, 15. Okt. Wellmanns
Bal=
lon der eine Beſatzung von ſechs Mann an Bord
hat, wurde zuletzt an der Küſte von Long=Island
ge=
ſichtet. Die letzte Meldung beſagt, daß ſtarker Nebel
herrſcht. Etwa 1000 Zuſchauer wohnten dem Aufſtieg
in Atlantic City bei. Anfangs hieß es, Wellmann
be=
abſichtige nur eine Probefahrt. Erſt nachmittags
wurde bekannt, daß er infolge der günſtigen
Windver=
hältniſſe ſich entſchloß, zur Fahrt nach Europa
aufzu=
ſteigen. Eine große Menſchenmenge wartet in Atlantic
City auf eine etwaige Rückkehr Wellmanns.
* New=York 16. Okt. Wie der Dampfer
„Coamo” durch Funkenſpruch meldet, iſt das
Luft=
ſchiff Wellmans geſtern abend 6 Uhr 50 Minuten
fünf Meilen ſüdöſtlich vom Leuchtſchiff „Scotland” und
vier Meilen von Sandy Hookentfernt von ihm
aus beobachtet worden. Es fuhr in nordöſtlicher
Richt=
ung mit einer Geſchwindigkeit von 15 Knoten. Das
Wetter iſt ſehr nebelig. Nach einem weiteren
Tele=
gramm aus Atlantie City ſteuert Wellman nordwärts,
um die Dampferoute von Neufundland nach England
zu erreichen.
Sport.
sr. Das Schachmatch Mieſes=Teichmann
brachte auch in der ſechſten Partie einen Sieg von
Teichmann, der ſeinen Gegner nach dem 32. Zuge
be=
jegte. Teichmann hat nunmehr fünf Partien
ge=
wonnen, während eine „remis” wurde.
Lt. Bei dem Internationalen Lawn=
Tennis=Turnier zu London hatten die
deut=
ſchen Spieler Erfolge zu verzeichnen. Kleinſchroth=
München ſiegte gegen T. Porys Keck 6—2, 6—3, 7—5, und
Rahe=Roſtock gegen R. S. Barnes 6—0, 3—6, 12—10.
In der folgenden Runde trafen dann die beiden
Deut=
ſchen aufeinander. Kleinſchroth ſiegte nach erbittertem
Kampfe 2—6, 10—8, 8—6, 7—5. Ferner ſchlug Wilding
mit 6—1, 6—1, 6—4 Ritchie und F. S. Warburg mit
6—3, 6—3, 6—0 OHara=Murray.
Darmſtadt, 17. Oktober.
C Jubiläumsfeier. Herr Max Anſpach feierte
am Samstag, wie mehrfach gemeldet, neben anderen
Gedenkiagen ſein 50=jähriges Geſchäfts= und
Berufsjubiläum, zu dem ihm in außerordentlich
großer Zahl Glückwünſche, Blumen und Geſchenke
über=
mittelt wurden. Schon früh begannen die Gratulanten
ſich einzufinden und während des ganzen Tages liefen
Telegramme und Briefe ein und die Blumenarrangements,
arunter wahre Wunder gärtneriſcher Kunſt,
verwandel=
ten bald die Wohnung des Jubilars in einen duftenden
blühenden Hain und zeugten von der Verehrung und
Liebe, deren Herr Max Anſpach ſich in allen
Kreiſen der Reſidenz und weit über deren Mauern
hinaus zu erfreuen hat. Waren doch
Blumen=
arrangements bis aus Berlin, Stettin ꝛc. geſandt
worden. Unter den zahlreichen brieflichen und
tele=
graphiſchen Gratulationen ſeien nur einige hier
hervor=
gehoben: Das Komitee der Karnevalgeſellſchaft
Narrhalla hatte einen prächtigen Korb mit Roſen
geſandt, geziert mit Seidenſchleifen in den
Narrhalla=
farben. Der Elferrat war zudem faſt vollzählig erſchienen,
um dem hochverehrten Präſidenten perſönlich zu
gratu=
lieren. Juſt zu der Stunde, da draußen die Kapelle des
Leibgarderegiments unter Obermuſikmeiſter Hauskes
trefflicher Leitung dem Jubilar ein Ständchen brachte,
das natürlich Schluß und Krönung im „Narrhallamarſch”
fand, der prickelnden Weiſe, die den Jubilar jung
erhalten gleich einem Zaubertrank! — Auch die
Turngemeinde hatte ihrem Ehrenmitglied ein
herzliches Glückwunſch=Schreiben geſandt. Ebenſo viele
andere Vereine und Geſellſchaften. Weiter waren unter
den Gratulanten die Herren Beigeordneter Mueller,
Geheimerat Dr. Kittler, Profeſſor Hermann Müller,
Hofrat Edward Pfarrer Vogel, Oberlt. Sturt,
Kaufmann M. Sander, Hofſchauſpieler Wagner,
Hönel Stadtv. Kaiſer=Mainz, das Perſonal der
Firma Theod. Schwab u. v. A.
Der Senior der Darmſtädter Redakteure, Herr
Eduard Simon hatte folgendes Schreiben geſandt;
„Den zahlreichen Glückwünſchen, die Ihnen aus Anlaß
Ihrer verſchiedenen Jubiläen vorausſichtlich heute zuteil
werden, möchte ich auch den meinigen hinzufügen. Länger
als 25 Jahren habe ich das Vergnügen, Sie zu kennen,
und Ihr echter Bürger= und Gemeinſinn — der, ach ſo
ſelten iſt! —, gepaart mit Biederkeit, hat mir von
An=
fang an Hochachtung und Wertſchätzung für Sie
abge=
rungen. Gab es auch wohl Momente, in denen die
un=
endlichen Mühen und Sorgen in Ihrem Wirken für die
Oeffentlichkeit Sie niederdrückten, ſo haben Sie doch ſtets
unentwegt Ihr Ziel im Auge behalten und das
perſön=
liche Intereſſe hinter dem Gemeinwohl zurückgeſtellt.
Deß ſei Ihnen heute auch meinerſeits gedankt und ich
hoffe, daß unſer Herrgott Ihnen noch viele Jahre
un=
getrübter Geſundheit verleihen möge.”
In einem Glückwunſchſchreiben des Stadtv. Louis
Lautz heißt es u. a.: . . . „Ich freue mich, daß Ihre
Verdienſte, für das, was Sie zum Wohle unſerer
lieben Vaterſtadtaufſovielerlei Gebieten
geleiſtet haben, auch einmal öffentlich anerkannt
werden und ich ſchließe mich dieſer Anerkennung voll
und ganz an mit dem Wunſche, daß Sie auch fernerhin
in voller Geſundheit zum Wohle unſerer Stadt und
zum Segen Ihres Geſchäfts Ihre ganze Kraft einzuſeetzn
vermögen. . . .
Groß war auch die Zahl der Depeſchen, die aus
Berlin, Düſſeldorf, Stettin, Oberbozen, Homburg, Herford,
Frankfurt, Mainz ꝛc. ꝛc. einliefen. Ueberall hatte man des
Jubilars gedacht und alle Wünſche gipfelten in dem,
daß Max Anſpach das nächſte Jubiläum in gleicher
körperlicher und geiſtiger Verfaſſung begehen möge, die
am beſten charakteriſiert wird durch die luſtigen Verſe
eines Gratulanten:
Fünfzig Jahre und noch nicht älter
Immer noch voll Kraft und Schwung
Fünfzig Jahre und noch nicht kälter
Denn das Herz bleibt ewig jung.
: Selbſtmord. Die Frau des Inſtallateurs
Heppen=
heimer hier hat in Abweſenheit ihres Mannes ſich und
ihr achtjähriges Kind durch Oeffnen der Gasleitung im
Schlafzimmer getötet. Durch den ſtarken Gasgeruch
aufmerkſam gemacht, öffnete man geſtern gewaltſam das
Zimmer und fand die beiden Leichen. Die Tat iſt
ver=
mutlich ſchon am Samstag geſchehen.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 15. Okt. Der frühere Präſident des
Reichsbankdirektoriums, Exzellenz v. Koch, iſt heute
früh in Charlottenburg geſtorben.
Richard Koch war am 15. September 1834 in
Kott=
bus geboren, ſtudierte in Berlin die Rechte und wurde
1862 zum Stadt= und Kreisrichter in Danzig ernannt. 1865
nach Berlin verſetzt, wurde er 1867 Stadtgerichtsrat, kam
1870 in das Hauptbankdirektorium, wurde ein Jahr
ſpäter Juſtitiar dieſes Inſtituts und trat 1876 zu der
Reichsbank über. Im Jahre 1887 erfolgte ſeine
Er=
nennung zum Vizepräſidenten. Von 1890 bis 1907
ſtand Richard Koch an der Spitze der Reichsbank. Von
ſeinen fachwiſſenſchaftlichen Schriften ſind zu nennen:
„Die Reichsgeſetzgebung über Münz= und
Notenbank=
weſen” und „Abrechnungsſtellen in Deutſchland und
deren Vorgänger”, ſowie „Vorträge und Abhandlungen
über das Handels= und Wechſelrecht”
* Berlin, 15. Okt. In der neuen Aula der
Uni=
verſität fand die feierliche Uebergabe des
Rek=
torats durch Profeſſor Dr. Erich Schmidt an den
Geheimen Medizinalrat Profeſſor Dr. Max Rubner,
Direktor des Phyſiologiſchen Inſtituts, ſtatt.
* Stuttgart, 14. Okt. Dem Stuttgarter Merkur
zufolge übernahm Herzog Albrecht von
Württem=
berg den Ehrenvorſitz über die neugegründete
würt=
tembergiſche Vereinigung des Deutſchen
Schul=
ſchiffvereins.
* Dortmund, 14. Okt. Ueber das Vermögen des
Aufſichtsratsmitgliedes der Niederdeutſchen Bank, Geh.
Juſtizrat Imwalle in Münſter, wurde das
Kon=
kursverfahren verhängt.
* Halle a. d. S., 15. Oktober. Ein ſchweres
Un=
glück hat ſich heute nachmittag im Zoologiſchen Garten
ereignet. Der dort befindliche Eisbärbaſtard brach aus
und verletzte ein 10 jähriges Mädchen ſowie einen zu
Hilfe eilenden Wärter ſchwer und tötete zwei Ziegen.
Hierauf wurde er vom Oberkellner des Zoologiſchen
Gartens erſchoſſen.
* Wanheimerort, 15. Okt. Das hieſige Kabelwer?
ſteht ſeit heute mittag 1 Uhr in Flammen; es iſt bis
auf die Umfaſſungsmauern abgebrannt. Ein kleiner
Geräteſchuppen und der Lagerraum wurden verſchont.
Der Schaden iſt ſehr groß und durch Verſicherung
ge=
deckt. Das Feuer entſtand vermutlich in der Schreinerei
und breitete ſich mit großer Schnelligkeit aus. Um 3 Uhr
nachmittags dauerte der Brand noch fort. Zum Löſchen
waren eine Berufs= und acht freiwillige Feuerwehren
zur Stelle.
* Bremen, 14. Okt. Das Schulſchiff des Deutſchen
Schulſchiffvereins, „Großherzogin Eliſabeth”, iſt
heute wohlbehalten in Bremerhaven angekommen.
* Magdeburg, 15. Okt. Hier wurde der Bund
der Deutſchen Werkvereine gegründet,
nach=
dem eine Ausſprache die völlige grundſätzliche
Ueber=
einſtimmung der Vertreter von 6000
Werkvereinsmit=
gliedern aus dem ganzen Reiche gezeitigt hatte.
* Finſterwalde, 15. Okt. Anläßlich ſeiner ſilbernen
Hochzeit ſtiftete, wie der Niederlauſitzer Anzeiger
meldet, Kommerzienrat Max Koswig der Stadt= und
der Kirchengemeinde Finſterwalde 100000 Mark
für Wohlfahrtszwecke, und zu Gunſten der
Arbeiter=
ſchaft der Tuchfabrik F. F. Koswig gleichfalls 100000
Mark.
* Belgrad, 15. Okt. Der Kronprinz ſchlief
nachts viereinhalb Stunden ruhig, fühlt ſich aber noch
ermüdet. Huſten beſteht nicht. Seit geſtern tritt
Ros=
cola hervor, die ſich heute ſchon vermehrte. Der Patient
nimmt flüſſige Nahrung zu ſich, jedoch ohne Appetit.
* Belgrad, 15. Okt. Wie aus informierten Kreiſen
verlautet, beſteht für den Kronprinzen gegenwärtig
keine unmittelbare Gefahr, da die Krankheit ſich in
normaler Weiſe entwickelte. Es ſei auch zu hoffen, daß
keine Komplikationen hinzutreten werden. — Polition”
berichtet aus angeblich authentiſcher Quelle, daß in Niſch
ſchon ſeit längerer Zeit Typhus herrſche. Der Niſcher
Phyſikus habe noch vor den Manövern das
Miniſterium davon verſtändigt, daß in der
dortigen Garniſon 40 Typhusfälle konſtatiert
worden ſeien. Trotz eines Antrages des Phyſikus auf
Abſage der Manöver ſeien dieſe abgehalten und hierdurch
die Ausbreitung des Typhus begünſtigt worden. Außer
dem Kronprinzen ſeien auch deſſen Adjutant und ein
Generalſtabsoffizier am Typhus errrankt. — Die „Stampa”
meldet, daß Prinz Georg wegen einer ſtarken
Hals=
entzündung auf ärztlichen Rat das Zimmer hüten müſſe.
* Athen, 16. Okt. Der König hat Venizelos
mit der Kabinettsbildung betraut; dieſer hat ſich
einige Tage Bedenkzeit erbeten, um das parlamentariſche
Terrain zu ſondieren.
Nummer 243₰
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Oktober 1910.
Seite 7.
2 Wien, 15. Ott. Der Ausſchuß der öiereichiſchen
Delegation ſetzte heute die Veratung des
Voran=
ſchlags des Miniſteriums des Aeußern fort. Axmann
legte gegen die von Kramarcz gegen die Benennung
einer Wiener Straße nach dem deutſchen Kaiſer geübte
Kritik entſchieden Verwahrung ein.
* Simonſtown, 14. Okt. Der engliſche Kreuzer
„Forte” geht heute nach der Delagoa=Bai ab,
um im Falle von Unruhen engliſches Eigentum zu
ſchützen.
* Berlin, 15. Okt. Wie die „Poſt” von angeblich
gut unterrichteter Seite hört, ſoll dem Landtage in der
nächſten Tagung eine neue Wahlrechtsvorlage
vorgelegt werden. Wie weiter gemeldet wird, ſoll der
neue Entwurf in Bezug auf den plutokratiſchen Charakter
des beſtehenden Wahlrechts einige bedeutende
Ab=
ſchwächungen erfahren. Auch ſoll ſich der Reichskanzler
mit dem direkten und geheimen Wahlrecht einverſtanden
erklären.
H.B. Berlin, 15. Okt. Ein ſchweres
Straßen=
bahnunglück ereignete ſich heute früh in der Nähe
von Spandau. Dort ſtießen zwei Wagen der
Span=
dauer Straßenbahn in voller Fahrt mit ſolcher
Ge=
walt gegeneinander, daß beide Wagen völlig
zertrüm=
mert wurden. Drei Schwerverletzte wurden ſterbend
nach dem Spandauer Krankenhaus gebracht. Drei
weitere Perſonen erlitten leichtere Verletzungen.
— Paris, 15. Okt. Ein Verwandter des
braſiliani=
ſchen Präſidenten namens Fonſeca fuhr geſtern mit
zwei Freunden im Automobil nach Cherbourg.
Das Gefährt fuhr in Liſieux gegen einen über die
Straße geſpannten Stahldraht. Während die Fenſter
des Automobils in Trümmer gingen, wurden zwei
Re=
volverſchüſſe gegen die Reiſenden abgegeben. Die
Schüſſe gingen fehl. Die Unterſuchung wird ergeben,
ob es ſich um ein Attentat handelt.
Henneberg=Seide
in ſchwarz, weiß und farbig,
für jeden Bedarf. (K19111,30)
Verlangen Sie Muſter. G. Henneberg,
von Mk. 10 am
per Meter
porto= u. zollfrei
HOTEL-DäRMSTADTER-HOF
GRossns
SPEISE-RRSTAURANT
(16578a
S
Konzert der Großh. Hofmuſik um 7 Uhr im Hoftheater
(Hauptprobe vormittags 10 Uhr).
Gaſtſpiel des Oberbayr. Bauerntheaters um 8¼ Uhr
im Orpheum („Der Meineidbauer”).
Vortrag von Profeſſor Dr. Wurſter um 4½ Uhr in
der Oper (Ev. Konferenz f. d. Großherzogtum Heſſen).
Vortrag von Pfarrer Velte um 8 Uhr Mollerſtr. 23
(Frauenverein der Martinsgemeinde).
Vortrag von Profeſſor Dr. Förſter um 8½ Uhr im
„Kaiſerſaal” (Verein für naturgemäße Lebens= und
Heilweiſe).
Vortrag von Profeſſor Dr. Hötzſch um 8½ Uhr im
„Fürſtenſaal” (Alldeutſcher Verband und deutſcher
Oſt=
markenverein).
Generalverſammlung der Ortskrankenkaſſe „Merkur”
um 9 Uhr im Reſtaurant Sitte.
Monatsverſammlung des Geflügel=Zuchtvereins
Ornis” um 8½ Uhr in der „Stadt Pfungſtadt”.
Oktoberfeſt um 5 Uhr im „Kölniſchen Hof”.
Konzert um ½ 8 Uhr im Bürgerkeller.
Konzert um 8 Uhr im Hotel Heß.
Konzert um 8 Uhr im „Perkeo”.
1. Darmſtädter Kinema tograph (Ecke Rhein= und
Crafenſtraße). Vorſtellungen von 3—11 Uhr.
Obſt=, Gemüſe= und Kartoffel= Markt im
„Schützenhof”.
Beſichtigung des Großh.
Reſidenzſchloſ=
ſes: Dienstags und Freitags von 3—4 Uhr,
Sonn=
tags von 11—1 Uhr. Eintrittskarten werden beim
Schloßinſpektor abgegeben: Einzelkarte 50 Pfg.,
Fa=
milienkarten (3 Perſonen) zu 1 Mk.
Gottesdienſt bei der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Laubhüttenfest
Dienstag, 18. und Mittwoch, 19. Oktober.
Montag: Vorabendgottesdienſt 5 Uhr 30 Min
Dienstag: Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min.
Predigt 9 Uhr 20 Min. Abendgottesdienſt 6 Uhr
10 Min.
Mittwoch: Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min.
Feſtesausgang 6 Uhr 10 Min.
Gottesdienſt an den Wochentagen: Morgens 7 Uhr,
abends 6 Uhr.
Beeten
Serdaesctt
ie mir zu meinem Geschäftsjubiläum von nah und fern
Dzugegangenen Zeichen der Liebe und Verehrung sind
so außerordentlich zahlreich, daß es mir unmöglich ist, jedem
einzeln zu danken. Ich bitte darum auf diesem Wege meinen
herzlichsten aufrichtigsten Dank
aussprechen zu dürfen.
Darmstadt, den 15. Oktober 1910.
Max Anspach, Hoflieferant
Ernst-Ludwigsplatz 1.
eeereee
(20153)
Statt Karten.
Die glückliche Geburt eines gesunden
Mädel zeigen hocherfreut an
Julius Loeb und Frau
Martha, geb. Neu.
Cassel
Hohenzollernstr. 85.
(20147
Todes-Anzeige.
Samstag abend 7 Uhr verſchied nach
kurzen ſchweren Leiden unſere liebe gute
Mutter, Schweſter, Tante, Schwägerin,
Groß=
mutter und Schwiegermutter
(20156
Frau ElisabethJordan
geb. Buhbheller.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Herbert Jordan,
Poſtinſpektor.
Darmſtadt, den 17. Oktober 1910.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 18. Okt.,
nachmittags ¾5 Uhr, vom Sterbehaus,
Beck=
ſtraße 73 aus, die Seelenmeſſe Mittwoch früh
½7 Uhr in der Kapelle der Barmherzigen
Schweſtern, ſtatt.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen
Religions=
geſellſchaft.
Sukkaus-Fest.
Dienstag, den 18. Oktober.
Vorabend 5 Uhr 10 Min. Morgens 8 Uhr — Min.
Nachmittags 4 Uhr — Min. Abends 6 Uhr 10 Min.
Mittwoch, den 19. Oktober.
Morgens 8 Uhr — Min. Nachmittags 4 Uhr — Min.
Feſtesausgang 6 Uhr 10 Min.
Wochengottesdienſt: Morgens 6 Uhr 15 Min.
Nach=
mittags 5 Uhr — Min.
Todes-Anzeige.
Am 16. ds. Mts. verſchied nach langem
ſchweren Leiden unſer Kollege
(20157
2
Andreas Eitenmuner.
Wir verlieren in demſelben einen
pflicht=
getreuen Kollegen und charaktervollen Freund
von aufrichtiger Geſinnung und werden dem
Verſtorbenen dauernd ein ehrenvolles
An=
denken bewahren.
Die Beerdigung findet Dienstag nachmittag
2½ Uhr, vom Portale des Friedhofs aus, ſtatt.
Darmſtadt, 16. Oktober 1910.
Verein des Lahrperſonals der Städt.
elektriſchen Straßenbahn Darmſtadt.
J. A.:
Der Vorstand.
Bankſagung.
Für die herzlichen Beweiſe wohltuender
Teil=
nahme bei dem Ableben unſerer lieben Mutter
Frau Marie Heil Wwe.
ſpricht innigen Dank aus
(20123
im Namen der Hinterbliebenen:
Dr. Karl Heil.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Wakdaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil: S. Kroſt, ſämtlich in Darmſtadt—
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht!
zurückgeſandt.
Vstal-Ausverkauf
wegen gänzlicher Geschäftsaufgabe. Da ich in kürzester Zeit mit dem ganzen Lager vollständ'g räumen muss, sind die
Preise beispiellos bill
Gestellt,
sodass es im Interesse einer jeden Dame liegt, ihren Bedarf für Herbst und Winter, sowie für Weihnachten, bei dieser
überaus wunstigen Gelevenheit
Die Lager enthalten noch ganz bedeutende Bsständé von Herbst- und Winter-Neuheiten.
Weisser Turm.
Mikolaus Lerch
[ ← ][ ][ → ] in blau und aus
Jacken-Kostüme Stoffen engl. Art
Serie II
Serie III
Serie I
af Serge
Tacke
Engl. Paletots in großer Auswahl
7.50, 11.75, 15.50, 18.-, 22.− Mk.
und höher.
Reiche Auswahl in:
Eleganten Kostumes in blau und engl. Stoffarten
Theater-Mäntel
Plüsch- und Golf-Jacken
Schwarze Jacken, kurze Fassons
8.50, 12.50, 15.− Mk. und höher
Schwarze Jacken, lange Fassons
24.−, 28.−, 32.− Mk. und höher
Schwarze Frauen-Mäntel
Blusen:: Kostum-Röcke.
Sportflanelle weiche Qualtät . . . Meter
kariert, besonders preis-
Hemdenflanell wert
Meter
Qualität
Türkische Veloutine
Meter
Handtücher rot-weiss P .
Meter
Meter
. Qualität, ganz fein in
Weiß Croisé cöper . . ..
Meter
Läuferstoffe in grosser Auswahl, Meter von
Rhenaflias für Kinderkleider . . . Meter
Tischzeug io5 cm breit
Meter
in schön, hell.
Kalmuck-Unterröcke Farb., Stück
Pfg.
Pfg.
Pfg.
Pfg.
Pfg.
Pfg.
an
Pfg.
Pfg.
Pfg.
Velour
m.
2½ m für
1 Bluse
reichend 30 Pfg.
Hauskleider-
6m für ein 950
Kleid
reichend Mk.
Schwarze Damenwesten
. 1.25
Kopf-Shawls, hell und dunkel
von 70
Umschlagtücher, kariert mit Franzen, . von.
Fichus, dreieckig, hell und dunkel . . . . von 1.2
2.80
Blusenschoner .
Schwarze Schulterkragen . . von 3.0
grau, weiss und schwarz
Kimonokragen,
5.50, 6.00, 6.25 und 6.7
von 3.4
Gestrickte Umschlagtücher
schwarz und schwarz
Chenillé-Echarpes, mit bunt . . . von 3.0
von 9
Weisse Pallentins
Kinder-Pallentin, uni und bunt . . . von
Knaben-Sweater . . . .
von 1.1
Knaben-Westen .
. von 1.1
Gewebte Knabenhöschen .
on 2.6
zu Sweater passend
an.
mn
2n
an
an
2n
an
an
2n
an
2n
an
en
an
zum Darmſtädter Tagblatt.
1. Beilage
N213.
Mentag, 17. Otober.
1910.
Wronker
Grosses Herbst-Angebot
soweit Vorrat reicht
Trikotagen-Wollwaren
verarbeit., auch 110 175 025
Ierrenjacken (für ganz starke 11— 1— 25
Herren vorrätig 110 175 950
25 185 925
1— 1— 2
Herrenhemden Normalstoff, gut 1— 1—
Herrenhosen
Damen-Trikotuntertaillen
gebleicht, mit Spitzengarnitur . . . . . . . 185
975
Damen-Combination (Hemdhose) Normal 3—
eréme Trikot 485
Damen-Normaljacken . . 95₰ 185 14
Kblau oder 925
Damen-Reformhosen graufrik.6— 425 690
910 945
Normalstoff . 2— 240
Kinder-Anzüge
65 75 85 95 195 15
Normalstoff
bunt, kariert
Männer-Biberhemden od. gestreitt 95₰ 145
Lungenschützer m. Kamelhaarfutter 95 ₰ 125
145
4
125
Leibbinden gestrickt
185 925
Normalstoff
.P 4—
925
Damenwesten
150 220
Knabensweater
Herrliche
Farbenstellungen 95₰ 125 150 bis 400
Baumwollwaren und
Kleiderstoffe
für allerbeste Leibwäsche, vorzügliche
Pelzpiqués Qualität, schneeweiss
gebleicht, aussergewöhnl. preisw., Mtr. 45 68 78 ₰
g Reklamemarken, feine
Hemdentuche geschmeidige Qualität,
aussergewöhnlich preiswert . . Meter 25 35 ₰
extraschöne,
Hemdenrenforces grifüge u. doch
geschmeidige Ware für feinste Leibwäsche,
außergewöhnlich preiswert . . . Meter 45 55 ₰
schneeweiß gebleichte, gerauhte, pracht-
Croise volle Ware, außergewöhnl. preisw., Mtr. 35 ₰
Wollene Blusenschotten
doppelt breit . . . . . . . . . Meter 115 19
Kinder-Kleiderschotten Meter 48 75 ₰
Ein Posten
Biberbettücher zur freien Wahl . . . 95 ₰
Auffallend!
120 cm breit,
Schürzenstoffe schöne Streifen
(Reklame-Angebot.) Mtr.
₰
Konfektion
schwarz Wollcheviot, mit
Kostümrock Falten, alle Längen und
.. . 750 1650
,„ „
Weiten vorrätig
(für ganz kleine und für extra starke Figuren)
aus Noppenstoff, mit Blenden- 9150
1—
Kostümrock besatz . . . . . . .
blau Wollstoff, mit feinen 91
Kostümrock weissen Streifen, ganz in Falt. 21—
halbwollene Popelinebluse, dezent ge-
Bluse streift, am Hals mit Tüllstoff und Band
620
verziert
.
g reich gearbeitete Spitentüllbluse, mit 050
Bluse modernen Doppelärmeln . . . . . .
Englisches Blusenhemd aus Woll-Pope-
Bluse jine, vorn in vielen Säumchen abgesteppt. 4950
Vorrätig in vornehmen, entzückenden Farben 140
Auflallendl!
Marke „Der Sieger”, festes,
Regenschirm jeichtes Gestell, guter,
dauer-
hafter Gloria-Bezug, elegante Krücken
2 Jahre Garantie für Damen und Herren 47
Damen-Wäsche
guter Stoff mit Stick. 170 4
Damenhemden 3 gut geschn. Fagons 1— 190
925 975
bester
vorzügl. Stoff,
Damenhemden Schnitt, eleg. ausgest. 2— &—
495 050
feiner gerauhter
Damenhemden Groisé mit Stick. 185 15- 28
mit Stickerei 175 925
Damen-Chiffonhosen Kniefagon
gerauht
Damen-Beinkleider Groise
25 150 12
mit-Spitze . . . .
vorzügl. Stoff, weiss gerauht
Mädchenhemden Croisé
Preise nach Grössen 75 ₰ 85 ₰ 95 ₰
165 125 185
teils Holl., teils Knie-
Mädchenhosen-fagon, weiss gerauhtr,
Croisé .
.. . . 75 ₰85 ₰
125
LAuffallend!
Ein
Posten Eleg. Damennachtjacken u.
ausgelegt
23 375 4.75 550
-Hemder
1. Etage,
Damen-Putz-Modewaren
50 1050
Ninicheform, chik
Damen-Glocke garniert .
. . 850 125
Damen-Toque mit Federgarnitur 1050 1500
reizende Farben
325 550
Kinder-Glocken und Garnituren
Samtgummi, breit mit
Damengürtel schwarz. Empireschnalle 95 ₰
prima Samtgummi, breit mit15
Damengürtel schwarzer Metallschnalle
inter
eleg
mit
Damen-Lackgürtel Schnalle
95 ₰
rot-weiss u.
Kinder-Lackgürtel schwz. vorrät. 45 ₰ 65 ₰
Goldprokatgürtel
. . Stück 95 ₰
Echte sächs. Madapolan.-Stickerei
ganzes Stück .
ca. 4½ Meter 95 ₰
Elegante breite
Lackledergürtel sehr chik
.150
mit Metallschnalle . . . . .
Strümpfe-Handschuhe
schwarze Wolle, platt.,
95
Damenstrümpfe deutsch lang
reine Wolle, gewebt,
Damenstrümpfe
schöne Ware,
diamantschwarz und braun . . . .
85 ₰ 115
Herrensocken wolle, gestrickt
Lederfarben
Kinderstrümpfe — wolle
90 ₰ 110 125 145 15
Marke „Liebling‟, vorzüglicher Kinderstrumpf
Dieser Strumpf wird aus bestem Wollgarn
her-
gestellt, trägt sich vorzüglich, ist absolut echt
diamantschwarz und läuft in der Wäsche nicht ein.
Diese Qualität ist deshalb der Liebling aller.
Preis: 65 ₰ 75 ₰ 95 ₰ 125 145
Damenhandschuhe
farbig Trikot, m. Imperialdruckknopf 65 ₰ 95 ₰ 145
Auto-Mützen für Damen 990 975
blau, braun, schwarz Woll-Cheviot . . 2— 6—
I ReNKit U0., PANuSTADT
(20114
Ludwigstr. 12.
[ ← ][ ][ → ]eite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Oktober 1910.
Nummer 243₰
Ein billiges und nahrhaftes Frühstück:
garantiert rein
Konsum-
Qualität
feine Qualitäten
in ½ Pfd. Paleten z. 35, 40, 45, 50, 65 Pfg.
Pfg.
feine Qualitäten in Tafeln à 10, 15, 20, 25 u. höher.
gar. rein
ide Prand 58 Peg.
Haushalt-Sch
gehaltvolle
ausgiebige
Mischung
Prund 1 20 Pfg.
F Ratfee
feine u. aromatische Mischung, Pfund 130Pfg.
Neues Apfelgelee
garantiert rein . . . . Pfund 32 Pfg.
Kohlmops stek
Bückinge . per Stück
Holl. scharfe Bückinge 2 Stück
Makrei-Bückinge . . Stücke
Geräucherter Seelachs . Stück 2. 0 Pg.
6 Pfg.
3 Pfg.
3Pfg.
0 Pfg. Iede Haronen 21 öne ſi Wirtschaftst pfel, Ia, 3 Pra. 2 8 Pfg.
Eine Partie, solange Vorrat reicht:
Bruch Mackaron Pia. 21 Pfg.
prima
Stangen-Maccaronl PfandéOrfg.
Suppen- und 62
Nudeln gemüse- Pfund 25 Pfg.
Hausmacher Schnitt
Pfund 30Pfg.
Gries-Nudein
fg.
Hede Eilisch vn4e an
(
Gemahl. Zucker Pfa. 23 Pfg.
Tafel-Aepfel Pfund 38
Pfg.
Relemlalwaren & 65 Phuien
Filialen in Darmstadt: Kirchstrasse 10, Tel. 1363
Bessungerstr. 86 Elisabethenstr. 36:: Liebigstr. 4
Magdalenenstr. 23:: Rossdörferstr. 12:: Wenckstr. 32.
Verein für naturgemäße Lebens- und Heilweise
,,
.,
(Maturheilverein) zu Darmstadt.
₰
.,
(Eingetragener Verein.)
Am Montag, den 17. Oktober, abends 8¼ Uhr,
wird Herr Profeſſor Dr. Paul Förster, Friedenau=
:: Berlin im „Kaiſerſaal” (Grafenſtraße) einen ::
öffentlichen Vortrag für Damen und Herren
halten über das Thema:
„Freiheit der Heilkunde und Kurpfuſcherei”.
Eintritt für Nichtmitglieder 30 Pfg. Für unſere Mitglieder mit Familie und
für neu eintretende Mitglieder iſt der Eintritt frei.
Die Mitglieder der Gewerkſchaften zahlen 10 Pfennig.
Wir bitten um recht zahlreichen Beſuch dieſes ſehr zeitgemäßen Vortrages des
vorzüglichen Redners.
(19845do)
Der Vorſtand.
Oitwen- u. Waisenfonds der Grossh. Hofmusik.
Montag, den 17. Oktober 1910, abends 7 Uhr:
Erötes Ronzerr In Groseh. Hortheater
unter Mitwirkung der Königl. Hofopernsängerin Birgit Engell aus Wiesbaden
und mit verstärktem Orchester.‟)
1.Ouvertüre zur Weihe
. v. Beethoven.
des Hauses
2. Arie aus „Josua‟ v. Händel.
3. Symphonia demostica v. R. Strauss.
4. Lieder von Schumann und Wolf.
5. Sinfonie (C-moll Nr. 5) v. Beethoven.
*) Das Orchester ist verstärkt auf 78 Mitwirkende durch Künstler von hier,
Wiesbaden und Mainz.
Hauptprobe: Montag, den 17. Oktober, vormittags 10 Uhr, im Hoftheater.
Eintritt Mk. 1.50.
(20087so
Die Abonnementskarten sind abzuholen in der Pianoforte- u.
Musikalien-
handlung von Gg. Thies Nachf. (Leopold Schutter), Hoflieferant, Elisabethenstrasse 12.
im grossen Saal des Städt. Saalbaues zu Darmstadt
am Freitag, den 21. Oktober, Anfang 8 Uhr,
einziger Tanzabend der Iprisch-dramatischen Tänzerin
Rita Sacchetto
in ihrem neuen, so erfolgreichen und besonders ausgewählten grossen Programm.
Am Ibach=Konzertflügel (aus dem Magazin von Gg. Thies Nachf.) Frau
Hof=
pianiſtin Mabel Martin, München.
(20115omf
Karten Mk. 4.— 3.—, 2.—, 1.—. Im Vorverkauf Mk. 3.50, 2.50, 1.50, 0,80
in der Hofmuſikalienhandlung Gg. Thies Nachf. (Leopold Schutter),
Eliſabethen=
ſtraße 12. Telephon 815.
Friearfens Weinstabe
7 Schützenstrasse 7.
(*25568
Wiedereröffnung, Dienstag, 18. Oktober.
Jeden Dienstag
Spanischen Wein
Glas 15 Pfg. (17205
Taſſe Kaffee 10 Pfg.
Hansa-Schenke, Rheinstr. 47.
Hochfeines
Pianino
kreuzſaitig, wird unter 6jähriger Garantie
billig abgegeben Gartenſtr. 9, part. (*24955oo
n großer Säulen=Ofen zu verkaufen
2556o)
Magdalenenſtraße 3.
Kammermasinveremn-Auerbach Hessen.
Dienstag, den 18. Oktober, ½7 Uhr,
(20112
im Festsaale des Hotels zur Krone
1. Kammermusikabend.
Mitwirkende: Hofopernſängerin Frl. Gertrud Geyersbach, die Herren
Hof=
opernſänger Stephani=Darmſtadt, Hofkonzertmeiſter Gustav Havemann=Hamburg,
Konzertmeiſter Bornemann, Hofmuſiker Delp und Andrä=Darmſtadt
Berdone=Flügel aus dem Hofpianolager A. W. Zimmermann=Darmſtadt.
Eintrittskarten Mk. 2.50, 1.50, 0.50 im Hotel zur Krone u. abends an der Kaſſe.
Alldentſcher Verband u. Deutſcher Oſtmarkenverein
Montag, den 17. Oktober, abends ½9 Uhr,
im „Fürſtenſaale‟
Vortrag des Herrn Profeſſors Dr. Hötzsch aus Poſen
über: „Deutſche und Polen in den Oſtmarken und die neueſten
Ereigniſſe in der Polenfrage.
Eintritt 20 Pfg. Zu zahlreichem Beſuche laden ein
(19916fso
Die Vorſtände.
Lichtspiel-Vortrac
Mittwoch, den 19. Okt., abends 8½ Uhr im
Städt. Saalbau
Reinh. Gerling-Berlin
nur für Damen
über
Was Fradeh wissen Massen
I. Erziehung zur Schönheit und Gesundheit.
Die Klippen der Schönheit in d. Entwickelungsjahren. — „Ob ſie
zu=
einander paſſen” zeigt das Aeußere. — Einfluß d. Ehe auf Geſundheit u.
Schön=
heit d. Frau. — Das Empfindungsleben des Weibes. — Was die Männer
feſſelt. — Untreue und ihre Verhütung. — Frauenleiden u. Schönheit. —
Mutter=
ſchaft u. Säuglingspflege. — Seine Majeſtät das Kind.
II. Wie erkennt und beseitigt man Schönheitsfehler?
Die 30 Schönheiten d. Weibes. — Was findet man ſchön? — Wie
be=
ſeitigt man das „Abſtehen d. Ohren, Naſenröte, Haarausfall, Hohläugigkeit,
Falten u. Runzeln, Teintfehler jeder Art, Frauenbart, Doppelkinn, Büſtenfehler?
Magerkeit, Fettanſatz (Neueſte Forſchungsergebniſſe)? Kann man ſein
Körper=
maß verlängern? — Allerlei Toilettengeheimniſſe.
Unterricht in der Selbſtbehandlung von Schönheitsfehlern, bildlich
erläutert.
III. Ein Kursus der Körper- und Schönheitspflege.
Belehrende, hochintereſſante kinematographiſche Demonſtrationen.
Täglich nur 20 Min. richtige Körperpflege und dauernde Schönheit
iſt das Reſultat.
IV. 50 Jahre im Reiche der Mode.
Belehrung über geſchmackvolle, zur Erſcheinung paſſende Farben und
Toiletten. (Kinematographiſche Vorführung).
Die Art dieſes Anſchauungsunterrichts iſt völlig neu.
Jede Dame iſt berechtigt, ſchriftliche od. mündliche Anfragen zu ſtellen, die
im Vortrage beantwortet werden.
Einritskarten 1 Mk. 2.—, 1.— u. 50 Pfg.
Der Reinertrag ſlieht dem „=Heipſlege=Verein für krane und
ſchwächliche Kinder zu.
Gesellschaft für rationelle Körperpflege m. b. H. (19936P
Nummer 243.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Oktober 1910
Seite 11.
Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde.
In polizeilicher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 3 Pinſcher, 1 Foxterrier, 1 Dobermann.
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werk=
tag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
Straßenſperre.
Wegen Vornahme von Kanalbauarbeiten bleibt der Hohle Weg zwiſchen der
Aeußeren Ringſtraße und erſten Querſtraße bis zum 31. Oktober ds. Js. für den
Fuhr=
werksverkehr weiter geſperrt.
(20117
Stadtverordnetenwahl.
Vom 19. bis einſchließlich 26. Oktober 1910, vormittags von 8 bis 1 Uhr
und nachmittags von 3 bis 5 Uhr liegt die Liſte der in der Stadt Darmſtadt zur
Stadtverordnetenwahi ſtimmberechtigten, ſowie das Verzeichnis der zu dem
höchſtbe=
ſteuerten Dritteile der Wählbaren gehörigen Perſonen auf dem Stadthauſe,
Rhein=
ſtraße 16/18, Zimmer 16 (im Erdgeſchoß rechts) zu jedermanns Einſicht offen.
Innerhalb dieſer Friſt kann in dem bezeichneten Lokale jedes Mitglied der
Stadtge=
meinde Einſicht von dieſen Liſten nehmen und Einwendungen gegen dieſelben vorbringen.
Darmſtadt, den 15. Oktober 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Dr. Gläſſing.
(201307ods
Betreffend: Wahl der Heiſitzer zum Kaufmannsgericht.
Auf Grund Art. 11 Abſ. 5 des Ortsſtatuts für das Kaufmannsgericht der Stadt
Darmſtadt geben wir hiermit bekannt, daß folgende gültige Wahlvorſchlagsliſten
ein=
gerichtet worden ſind:
A. Aus dem Kreiſe der Kauflente:
Handelsverein, Detailliſtenverein, Kaufmänniſcher Verein und Kathol. kaufm. Verein
Conſtantia.
Vorgeſchlagene Perſonen:
1 6. Joſeph Plaut, Kaufmann,
7. Adolf Kahn, Kaufmann,
8. Friedrich Becker, Kaufmann,
9. Philipp Stein, Volksbankdirektor,
110. Ludwig, Heißner, Fabrikant.
Unterzeichner der Liſte:
a) C. Wittich, Druckereibeſitzer,
c) H. Brandſtätter, Kaufmann,
u. a.
B. Aus dem Kreiſe der Handlungsgehilfen:
Nr. I. Ortsgruppe Darmſtadt, des Deutſchnationalen
Handlungsgehilfenverbandes.
Vorgeſchlagene Perſonen:
1. Ludwig Fiſcher, Kohlenhändler,
2. Edgar Wetzſtein, Kaufmann,
3. Wilhelm Kölb, Kaufmann,
4. Auguſt Jacobi, Fabrikant,
5. Karl Malzi, Weinhändler,
b) L. Frölich, Kaufmann,
1. Joſeph Kauter, Prokuriſt,
2. Ludwig Weimar, Reiſender,
3. Georg Junck, Handlungsgehilfe,
4. Kurt Gebhardt, Handlungsgehilfe,
5. Richard Paul Starke, Buchhalter,
Unterzeichner der Liſte:
a) G. Dahmen, Handlungsgehilfe,
c: Phil. Seifert, Handlungsgehilfe,
b) H. Stähle, Handlungsgehilfe,
u. a.
Nr. II. Verein für Handlungs=Commis von 1858, Bezirk Darmſtadt,
Vorgeſchlagene Perſonen:
126. Gerhardt Dahmen, Handlungsgehilfe,
7. Martin Mertens, Handlungsgehilfe,
8. Emil A. Weller, Handlungsgehilfe,
9. Jakob Kraft, Handlungsgehilfe,
110. Heinrich Stähle, Handlungsgehilfe.
1. Albert Theuerjahr, Handlungsgehilfe,
2. Karl Pflugfelder, Handlungsgehilfe,
3. Hermann Ullrich, Handlungsgehilfe,
4. Karl Gieſelberg, Prokuriſt,
5. Rudolf Nees, Handlungsgehilfe,
Unterzeichner der Liſte:
a) H. Tölke, Handlungsgehilfe,
ic) K. Engel, Handlungsgehilfe,
b) R. Beuthner, Handlungsgehilfe,
u. a.
Nr. III. Kaufmänniſcher Verein Darmſtadt (eingetr. Verein).
Vorgeſchlagene Perſonen:
6. Konrad Krauſch, Handlungsgehilfe,
7. Paul Elsner, Handlungsgehilfe,
8. Karl Sehrbundt, Handlungsgehilfe,
9. Edmund Friedrich, Handlungsgehilfe,
110. Friedrich Worret, Handlungsgehilfe.
1. Konrad Wilhelm, Prokuriſt,
2. Wilhelm Schnellbächer, Handlungsgehilfe, I 7. Leo Weglein, Handlungsgehilfe,
3. Adolf Steinberg, Handlungsgehilfe,
4. Max Utgenannt, Handlungsgehilfe,
5. Herman Simon, Handlungsgehilfe,
Unterzeichner der Liſte:
a) Ph. Wenzel, Handlungsgehilfe,
ic) W. Schmitt, Handlungsgehilfe,
b) A. Fuchs, Handlungsgehilfe,
u. a.
Nr. IV. Kaufmänniſcher Verein Frankfurt a. M.
Vorgeſchlagene Perſonen:
6. Chriſtian Weingart, Handlungsgehilfe,
8. Lothar Volz, Handlungsgehilfe,
9. Simon Lang, Handlungsgehilfe,
110. Peter Ruppel, Handlungsgehilfe.
1. Karl Vögele, Handlungsgehilfe,
2. Paul Schmale, Handlungsgehilfe,
3. Auguſt Fuhrländer, Handlungsgehilfe, 1 8. Wilh. Rothe, Handlungsgehilfe,
4. Otto Mulch, Handlungsgehilfe,
5. Ludwig Hinkel, Handlungsgehilfe,
Unterzeichner der Liſte:
a) C. Sundheimer, Handlungsgehilfe,
ic) Ph. Oeſtreicher, Handlungsgehilfe,
b) B. Steitz, Handlungsgehilfe,
u. a.
Nr. V. Kreisverein Darmſtadt im Verband deutſcher Handlungsgehilfen.
Vorgeſchlagene Perſonen:
6. Wilh. Müller, Handlungsgehilfe,
7. Karl Scherer, Handlungsgehilfe,
9. Konrad Schmidt, Handlungsgehilfe,
110. Ludw. Bieger, Handlungsgehilfe,
7. Ludwig Hinkel, Handlungsgehilfe,
8. Karl Vögele, Handlungsgehilfe,
9. Paul Schmale, Handlungsgehilfe,
10. Otto Mulch, Handlungsgehilfe.
1. Auguſt Fuhrländer, Handlungsgehilfe, ) 6. Reinhold Lehmann, Handlungsgehilfe,
2. Karl Scherer, Handlungsgehilfe,
3. Jean Hahn, Handlungsgehilfe,
4. Wilhelm Müller, Handlungsgehilfe,
5. Ernſt Dörflinger, Handlungsgehilfe,
Unterzeichner der Liſte:
a) Hugo Wolff, Handlungsgehilfe,
c) Karl Neitzel, Handlungsgehilfe,
b) Ernſt Rudolf, Handlungsgehilfe,
u. a.
Gemäß Art. 11, Abſ. 4 des Ortsſtatuts ſind die auf mehreren Liſten zur Wahl in
Vorſchlag gebrachten Herren zur Erklärung aufgefordert worden, welcher Liſte ſie
zuge=
teilt zu werden wünſchen.
Darmſtadt, den 12. Oktober 1910.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Darmſtadt.
J. V.: Mueller.
(20121
Küchenlieferung.
Am 29. Oktober 1910, 9 Uhr vormittags,
im Unteroffizierſpeiſeſaal II/117 Vergebung der Küchenbedürfniſſe und Abfälle,
ausſchließlich Fleiſch= und Wurſtwaren, für die Zeit vom 1. Dezember 1910 bis
30. November 1911. Verſiegelte Angebote und Proben mit Aufſchrift „Küchenlieferung‟
ſind bis 26. Oktober 1910 einzuſenden.
(20120oms
Die Lieferungsbedingungen liegen im Bataillons=Geſchäftszimmer offen.
Küchenverwaltung II/117 Alice=Kaſerne Mainz.
Für den Winterkursus
der Haushaltungsſchule des Heſſiſchen Diakonievereins
werden am Montag, den 17. Oktober,
und die folgenden Tage der Woche
Schülerinnen aufgenommen.
Schulgeld Mark 60.−
Bürgerliche Küche.
Anmeldungen bei der Leiterin Frl. Wickertsheim, Herderſtraße 10, oder bei
(20104so
der Geſchäftsſtelle des Diakonievereins, Frankfurterſtraße 40.
Oilterriehr im Vetennen Ce 1
Aufforderung.
Der Vorſtand des Heſſiſchen Landesvereins vom Roten Kreuz, unter Mitwirkung
des Alice=Frauenvereins für Krankenpflege, beabſichtigt in dieſem Herbſt wiederum einen
theoretiſchen
Lehrgang zur Erlernung der Pflege im Kriege
verwundeter und erkrankter Soldaten unter dem
Roten Krenz
einzurichten.
In gleicher Weiſe wie im letzten Winter und gemäß den neuerlich geltenden
Be=
ſtimmungen, worüber jüngſt in den hieſigen Blättern Mitteilung gemacht wurde,
umfaßt dieſer theoretiſche Lehrgang 20 Doppelſtunden für die, welche ſich für den
Kriegsfall als „Helferinnen” ausbilden wollen. Um aber auch denen entgegenzukommen,
welche nicht in der Lage ſind, dieſen erhöhten Forderungen zu entſprechen, wird auch
diesmal der Unterricht der erſten Hälfte jeder Doppelſtunde ſämtlichen Hörerinnen
und die zweite Hälfte nur den zukünftigen Kriegshelferinnen gewidmet ſein. Der
Lehrgang wird im Feſtſaale des Ludwig=Georgs=Gymnaſiums, unter Leitung des
Großh. Leibarztes Herrn Dr. Happel, wöchentlich Dienstag und Freitag, erſtmals
Dienstag, 29. November, von 5—7 Uhr nachmittags abgehalten werden und iſt
ſelbſt=
verſtändlich unentgeltlich.
Damen, die zur Teilnahme oder Wiederteilnahme an dieſem Unterricht nach der
einen oder anderen Weiſe bereit ſind, wollen ſich baldigſt anmelden bei Frau
Staats=
miniſter Rothe, Exzellenz, Wilhelminenſtraße 32 (nur zwiſchen 10 und 11 Uhr
vor=
mittags), bei Herrn Dr. Happel, Sandſtraße 26 (zwiſchen 3 und 4 Uhr nachmittags)
oder bei dem unterzeichneten Präſidenten Buchner, Riedeſelſtraße 42.
Wir hoffen, daß, wie im vorigen Winter, zahlreiche Frauen und Jungfrauen
dieſem Rufe des Roten Kreuzes zu einem edlen Zwecke Folge leiſten werden. (20136
Darmſtadt, den 15. Oktober 1910.
Alicefrauenverein für Krankenpflege.
Heſſ. Landesverein vom Roten Kreuz.
Victoria,
Buchner, Oberkonſ.=Präſident a. D.,
Prinzeſſin Ludwig von Battenberg.
Wirklicher Geheimerat.
Lehr Istiar- von Gard Eppert
Hoffmannſtraße 8, II.
Stenographie (Gabelsb. Geſamtk.) 6 Mk.
Stenographie und Maſchinenſchreiben monatlich 12 Mk.
Maſchinenſchreiben allein monatlich 6 Mk.
Täglich Uebung für Fortgeſchrittene monatlich 4 Mk.
Sprachen und Muſik 1 Mk. pro Stunde.
(1589a
Spezialität: Extra-Anfertigungen nach
Geschäftspucher: besonderen Vorschriften. :: Billigst!
Niederlage von EDLER & KRISCHE, HANNOVER.
Briefordner :: Schnellhefter :: Bürobedarf.
Alleinverkauf für Darmstadt in Bremer Börsen-Tinten:
1. Buchtinte, 2. Kopiertinte, 3. Buch- und Kopiertinte.
Arnold Rode, Ernst-Ludwigstrasse 18, Tel. 1507
Die Anfuhr von reinem Grund
nach dem Gelände zwiſchen Stirnweg und
neuem Bahnhof, ſowie von Bauſchutt
in den Dornheimer Weg unterhalb der
Mittelſchneiſe, kann von unterzeichnetem
Amte bis auf weiteres geſtattet werden.
Erlaubnisſcheine ſind bei dieſem
einzu=
holen.
(20116
Städtiſches Tiefbauamt.
Fragoner Johannes Ziergöbel der
2. Eskadron Dragoner=Regiments Nr. 23,
geboren am 30. November 1886 zu
Zeil=
hard, Kreis Dieburg (Heſſen), hat ſich am
12. Oktober 1910 von ſeinem Truppenteil
entfernt.
(20146
Derſelbe iſt bekleidet mit Feldmütze,
Waffenrock, Reithoſe und Reitſtiefeln mit
Sporen, Koppel umgeſchnallt, ohne Degen.
Signalement.
Größe: 1,61 m
Geſtalt: ſchmal
Kinn: ſpitz
Naſe: gewöhnlich
Mund: klein
Haar: blond
Bart:
Beſondere Kennzeichen: rechter Oberarm
Herz mit den Buchſtaben J. Z.
Um Verhaftung wird erſucht.
Dragoner=Regiment Nr. 23.
von der Schulenburg.
Oberſtlt. und Regiments=Kommandeur.
in Oel, Aquarell, Paſtell, auf Porzellan ꝛc., ſowie Anfertigung von Oel= un
Paſtellporträts, auch nach Photographien, und Kopieren älterer Bilder.
19027a)
Antonie Zimmermann
63 Gervinusstrasse 63.
Alle diejenigen, welche an den Nachlaß
des am 5. Oktober 1910 verſtorbenen Franz
Keller, Dampfmühle zu Bickenbach, irgend
welche Anſprüche zu bilden haben, werden
erſucht, dieſelben binnen 2 Wochen bei dem
Unterzeichneten ſchriftlich anzumelden, damit
deren Berückſichtigung bei der
Nachlaß=
regulierung erfolgen kann.
Darmſtadt, den 14. Oktober 1910.
Dr. Oberndorf,
Rechtsanwalt.
(20105so
Aus eien- Hachusse
ſind folgende Grundſtücke zu verkaufen:
KLAWIER
Rehtung!
25548
Von wem haſt du dein ſchönes Gaslicht?
Nur von Theodor Gunkel,
Pankratius=
ſtraße 26, I. I. Gartenhaus. Karte genügt.
1924!!
Wer dort?
hier V. Schatz, Kleine Bachgaſſe 1. S
Ich komme ſofort und zahle Ihnen für
getragene Kleider, Schuhe, Wäſche,
Zahn=
gebiſſe, alte Federbetten ſtets die höchſten
Preiſe. Telephon Nr. 1924. Poſtkarte genügt.
ine ſchöne Ladentheke und ein Gas=
(*25537
herd billig zu verkaufen
Große Bachgaſſe 14, im Laden.
evtl. m. leichtem Wagen u.
Doppelpony Geſchirr preiswert abzugeb.
Näh. Gr. Bachgaſſe 14, im Laden. (*25538
Al. eiſ. Säulenofen billig zu verkaufen
Langegaſſe 18 (Laden).
(*25539
noch
1 Dame
verkaufen
ſehr gut erhaltenes, ſchwarzes
en=Cape, für ſtärkere Figur, zu
Soderſtraße 94, III. (*25552.
1.
5.
Hofreite Mathildenplatz 8,
„ Gartenſtraße 18,
„ 20,
Liebfrauenſtraße 77,
81.
„
Auskunft erhalten Intereſſenten auf
(19723ifo
meinem Bureau.
Der Nachlaßverwalter:
Fr. Buss, Rechtsanwalt.
Bismarckſtr. 74, I.
Telephon Nr. 295.
Achtung! Wohin denn?
zu Jakob Friedel
mit beſſ. getrag. Herren=, Damenkleidern,
weil er die höchſt. Preiſe zahlt für Schuhe,
Stiefel, Wäſche, alte Federbetten,
Zahn=
gebiſſe ꝛc. Gebrauche viele beſſere getragene
Kleider wegen großem Maſſen=Verſand nach
Rußland. Bitte nur ſich zu wend. an (19720a
Jakob Friedel. Schloßgaſſe 29.
pol. verſchließbare Klavierbank und
ein Gummibaum zu verkaufen
25550)
Heinrichſtraße 63.
Spiegel m. Trumeaux billig zu verkauf.
*25544)
Soderſtraße 79, II.
Fräcke und Smokinganzüge
Gehräck
in allen Größen zu verleihen
19497a)
Rheinſtraße 5, II.
Damenbinden
billigſt, im Wattengeſchäft von
C. Federlin, Schuchardſtr. 10, 1. St. (123a
Bedarfaartikel. Neusst. Katalog
a. Empfehl. viel. Aorzte u. Prok. gratis u. 1r.
H. Unger Gummiwarenfabrtt
IBerlin NW. Friedrichstrasse al/bz.
an ſund andere Haut=
Mitesser
unreinigkeiten)
werden beſeitigt durch die (K18821,29
Terpineols Seelen=Seife
D. R. G. M. — 50 Pfg. per Stück.
A. Walchner Nachf., Hofl.,
Ecke Eliſabethen= und Luiſenſtraße.
Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Oktober 1910.
Nummer 243.
Moderne Herrenstoffe
beste englische und deutsche Fabrikate in jeder Preislage
IILUDON CUPNWFB
Ernst-Ludwigsplatz
Markt-Ecke.
(190700oo
Süche:
Porzellane, Fayencen,
Oel-
gemälde, bunte Kupferstiche,
Stickereien, Figuren, alle
Arten Antiquitäten und zahle
dafür die höchsten Preise.
M. Ma.
Frankfurterstr. 6, II. (19974a
oderes Wasenmitel
Parketwichse und Schuheröme.
Tüchtige Leute, die den Verkauf von
prima Fett= und Seifenpulver an Private
energiſch aufnehmen wollen, belieben ſich
an eine große, leiſtungsfähige
Fettwaren=
u. Seifenpulverfabrik zu wenden. Offerten
unter S. N. 4750 an Rudolf Mosse,
(19861M
Mannheim.
100 Liter Vollmilch
abzugeben.
Offerten u. C 20 an die Exped. (19897dfso
Sc h e . e . . . .e . .. e
Trau-
unge
ohne Lötfuge
Jach- und
Kugelform
von 4—50 Mk.
Gravierung
gratis!
Alle Grössen stets vorrätig!
Paul Wolf
Uhrmacher (18807a
20 Karl-Strasse 20.
ScRssacssehssseecseeeG3es
Hoffärberei
Genkeich
Chemische Waschanstalt
reinigt und färbt bei beſter und billigſter Ausführung
Damen- und Herren-Garderobe
Teppiche, Möbelstoffe jeder Art
Gardinen, Spitzen, Deckchen etc.
in konkurrenzlos kürzeſter Zeit.
Fabrik: Pallaswiesenstrasse 146.
Läden:
Rheinſtraße 12½ — Telephon 1472.
Karlſtraße 115 — Telephon 1501.
Nieder=Ramſtädterſtraße 16.
6503a
Wasch- und Wildleder-Handschuhe
Grau, braun, gelb und weiß.
Beſtes Tragen für den Herbſt, für
Damen u. Herren per Paar M. 1.60,
2.— und Zwiſchenlagen bis Mk. 5.50
Wollene Handschuhe
gute Herbſtqualitäten, in großer
Aus=
wahl zu billigsten Preisen
EmilDaum,Handschuh-Spezialgeschäft
Wittmannstrasse 26, part. — Rabattmarken.
(B18584
Millionen von Hausfrauen verwenden nur
Pfeildreieck-Seifen.
1 Aeberzeugen auch Sie sich durch einen Wersuch von der grossen
Wasch-
krafi und dem sparsamen Verbrauch dieser Seifen. Sie schonen wie
keine andere die WWäsche, schaumen leicht und besitzen, weil aus den
reinsten Pflanzenfetten hergestellt, einen angenehmen Geruch.
Gut erhalt. gebrauchte Schreibmaſch. u.
Kaſſenſchrank zu verkaufen. Offerten
unter O. 4 an die Exp. ds. Bl. (16814a
großer, faſt neuer Petroleumheizofen,
eiſerne Bettſtelle und großer Tiſch
zu verkaufen Parkusſtraße 1, 2. St. (*25532so
Kur für Damen.
Die beſte Haarpflege
iſt bekanntlich die
Amerikanische
Kopfwäsche
für Damen gegen
Haar=
ausfall und
Schuppen=
bildung, wenn dieſelbe
fachgemäß gehandhabt
wird. Die Kopfwäſche
kann zu jeder
Jahres=
zeit u. jeder Temperatur
vorgenommen werden,
da Erkältung ausgeſchloſſen, Kopfſchmerz
unmöglich iſt.
Mein Verfahren
Trockne mit Luft
vermittelſt meiner neuen
Central=Trocken=Anlage
iſt allgemein als beſtens anerkannt u. beliebt
Preis Mark 1.25 inkl. Friſur.
Damen=Friſieren 75 Pfg. (17871a
Kinder=Kopfwäſche 75 Pfg.
Spezialität: Pixavon-Waschungen.
Fr. Tillmann
Elisabethenstrasse 21.
NB. Anfertigung aller moderner
Haararbeiten zu billigſten Preiſen.
verkaufen!
Billig zu
Anzug, Paletot u. Extra=Uniformrock und
Hoſe, 61 Art. E. Bruß, Herrnſchneider,
(B20074
Weinbergſtraße 11.
Blamenzwieber
echt holl., Ia. Qualität:
Hyazinthen, Tulpen, Narzissen
Krokus, Anemonen, Scilla etc.
für Töpfe, Gläser, Blumenbeete
billigst bei (19771a
Handels=
C. Völker, gärtner.
untere Hügelstrasse 75
Ecke der Landgraf Philipp-Anlage.
Auf Liebespfaden.
Roman von H. Ehrhardt.
(Nachdruck verboten.)
32)
Wir wollen ſchunkeln, Kinder! ſchlug eins vor. Keiner
widerſprach, ſie ſtanden alle unter dem Bann des
ſchellen=
raſſelnden Zepters, das Prinz Karneval über ſeinem
Narrenreiche ſchwang.
Sie faßten ſich unter den Armen und wiegten ſich, die
Melodie mitſingend, hin und her, die weißhaarige
Sech=
zigerin und der ſchöne Huſar mit den Samtaugen, der
vernünftige Haſſingen und die vornehme Weltdame, ſelbſt
die dunkeläugige Exzellenz vergaß ihren Haß und hatte
den bürgerlichen Artilleriſten untergefaßt, der das ruhigſte
Geſicht machte und es wie immer am tollſten trieb, ſo daß
die äußere Reihe plötzlich ins Wanken geriet, ſich nicht
alten konnte und übereinander fiel.
Das dicke Tantchen kam zu unterſt zu liegen. Durch
das Gelächter der andern tönte ihr Schmerzensſchrei:
Meine Poularde, meine Poularde!
Das unglückſelige Tier war unter ihre 180 Pfund
ge=
raten, und der Neffe, der Tante und Poularde vom Boden
aufhob, betrachtete das etwas plattgedrückte Paket mit
Mißtrauen.
Sie wird ſich doch keinen Schaden getan haben!
meinte er und ließ die fragenden Blicke im Kreiſe
wan=
dern, ich kann nur fehlerloſe Körperformen vertragen, auch
bei einem Huhn. Ich glaube, die einzigen Prügel, die
ich von meiner Mutter bekam, habe ich wegen eines
buck=
ligen Huhns bekommen, das ich eben dieſes Buckels wegen
verſchmähte.
Deine Mutter hätte gut getan, Dich noch bei
paſſen=
deren Gelegenheiten zu verprügeln! ſagte das vor Schreck
noch atemloſe Tantchen etwas grimmig, worauf der kleine
Leutnant ihr einen ſchmerzlichen Blick zuwarf und die
rotblonde Erika fragte, ob ſie die Bemerkung ſeiner Tante
nicht herzlos fände und ihn dafür tröſten möchte.
Sie tat beides nach ſeinem Wunſch.
Später wurde das Publikum doch ſehr gemiſcht, und
die Geſellſchaft beſann ſich auf ihre Exkluſivität und
flüch=
tete, da auch das Straßenleben auszuarten begann, in den
Koblenzer Hof, wo ein kleines Zimmer ihnen ein
lohnen=
des Feld für weitere Taten bot. Nur ein einzelner Herr
am kleinen Ecktiſch. Ein zerhauenes Korpsſtudentengeſicht,
im braunen, ſpöttiſchen Auge das Leutnantsmonokel.
Es dauerte nicht lange, ſo hatten die ſicher gezielten
Papierſchlangen ihn im unentwirrbaren Netze gefangen,
ihm war’s willkommene Feſſel, im Karneval iſt
Ein=
ſamkeit ein ſchlechter Gefährte.
Er ahnte wohl ſcharf beobachtend die Welt der
Formen und ſtellte ſich vor. Sein Name war der eines
Schriftſtellers von Ruf.
Auch ſein Intereſſe galt offenbar am meiſten Lena
von Rieding, an der alles vor Uebermut und
Lebens=
freude ſprühte, die mit dem ſchönen Huſaren kokettierte
und ſich mit dem häßlichen, kleinen Baron neckte, mehr
denn je ein Rätſel für Haſſingen, der allmählich
ſchweigſam wurde und den der Ekel anwandelte, der
Glückloſe im Narrentreiben faßt, ſobald die klare
Be=
ſinnung ihnen gekommen.
Er verſank in Träumereien. Was ſollten ihm
eigentlich all dieſe fremden Menſchen mit ihren
Narreupoßen? Er gehörte je gar nicht zu ihnen, für
ihn waren dieſe Stunden des Genuſſes nur erborgter
Glanz, hinter dem ſchon wieder die graue Sorge lauerte.
Wie konnte er tollen und lachen und ſorglos Sekt
ſchlürfen, der verſchwenderiſch in ſchlanken Gläſern
ver=
perlte, und in deſſen Koſten ſich zum Schluß die Herren
teilen ſollten, wenn er daran dachte, daß die
Faſchings=
freuden der Seinen in einem Glaſe dünnen Punſches
und Pfannkuchen, zwei Stück für jeden, beſtehen
wür=
den. Und ſeine kleine Helene? So traurig mahnend
ſtieg auf einmal ihr totenblaſſes Geſichtchen vor ihm
auf, daß es ihn emportrieb in einem leidenſchaftlichen
Gefühl von Reue und Sehnſucht, er aufſprang und
draußen im Flur den Kellner nach dem Schreibzimmer
des Hotels fragte. Etwas verlegen geſtand der
Be=
frackte, daß es heute auch habe in den Dienſt des
Prin=
zen Karneval treten müſſen, aber vielleicht nehme der
Herr in der Portierloge vorlieb.
So ſchrieb Hans Haſſingen in dem kleinen, heißen
Raum, an dem Stehpult, an dem ſonſt nur der dicke
Portier ſeine proſaiſchen Schriftleiſtungen vollbrachte,
auf einen Firmenbogen des Hotels mit flüchtiger Hand
die Worte:
Mein Liebling! Mitten im Trubel des Mainzer
Roſenmontags fühle ich mich einſam und ſehne mich nach
Dir. Ich kann doch den Buchenwald und meine ſüße,
kleine Helene nicht vergeſſen, der ich im Geiſte heiß
und innig die blaßroten Lippen küſſe.
Er trug den Brief ſelbſt bis zum nächſten
Brief=
kaſten.
Es war ſchon völlig Nacht draußen, eine klare
Sternennacht. Ueber der Stadthalle verkündete ein
Nummer 225₰
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Oktober 1910.
Seite 13,
Sei Beginn der kälteren Jahreszeit weisen wir auf unseren Spezial-Artikel!
Vy Ollerfe
Jacquard-Decken
hin! Wir unterhalten hierin fgrosses Lager, und finden Sie sowohl in Preislagen, wie auch
Qualitäten und Musterungen reichste Auswahl
Einfarbige graue Decken mit Streifen und Jacquard-Borde
:: Kamelhaar-Decken, Reise-Decken, Stepp-Decken:
Ludwigs-
strasse 6
D2r2C
errr
Manufaktur
Ausstattungen.
Modewaren
Ludwigs-
strasse 6
Mitglied des RabattsSparvereins.
(20126a)
Mitglied des Rabatt-Sparvereins.
Brennholz!
Tannenklötzchen, ca. 15 cm lang, per
Ztr. 1.35 Mk., Eichenklötzchen, ca. 15 cm
lang, per Ztr. 1.30 Mk., bei Selbſtabholen
per Ztr. 10 Pfg. billiger.
(*25384som
Heinrich Erb, Schwanenſtraße 13.
Elektr. 3arm. Messinglüster
m. bunten Kriſtalltulpen, 2 elektr. Einricht. auf
Petrolhängelampen, faſt neuer 2tür.
Kleider=
ſchrank mit 2 verſchließbaren Schubkaſten
ſehr bill. zu verk. Gervinusſtr. 79. (*25473so
Federbetten zu den höchſten Preiſen. (1961a
Ph. Becker, Gr. Bachgaſſe 3, Laden. Poſtk. gen.
Giwan, neu, 30 Mk., Chaiſelongne 20 Mk.
zu verk. Viktoriaſtraße 26. (*25312fof
ohn e Löthfuge
inallen Grössen u. Preislagen
Uhren und
K. Jäger, Goldwaren
Rheinstr. 33 — Telefon 675.
6s
(20139
Beckenhaub’s
Katarrh-Bonbons
seit Jahren bewährtes
Linderungs-
mittel gegen
Husten, Heiserkeit und
Verschleimung
in Beuteln à 30 Pfg.
Nur echt bei: (19755a
Fr. Beckenhaub
Medizinal-Drogerie
Ecke Schul- und Kirchstrasse.
Carl Watzinger
Wilhelminenstrasse 11.
Ankauf
von nur beſſeren getragenen Herren= u.
Damenkleidern u. dergl. bei reeller
Be=
zahlung. Jetzt Donnerstag hier.
Schriftliche Offerten unter M 100 an
die Expedition ds. Bl.
(20002soi
lichter Schein den aufſteigenden Mond, vom Rhein her
wehte ein kühler, feuchter Hauch.
Förmlich erſtickend umfing die heiße, von Speiſen=
und Weingeruch und verſchiedenen Parfüms geſättigte
Luft des kleinen Zimmers den Zurückkehrenden.
Niemand beachtete ihn, nur ein Paar goldbraune Augen
ſandten ihm mitten aus der Unterhaltung mit dem
Huſaren einen prüfenden, mißtrauiſchen Blick zu, den
er nicht bemerkte. Die verwöhnte Frau begriff nicht
ganz, warum er ſie ſo kampflos den anderen überlaſſen
hatte und durch die Trennung von ihr anſcheinend doch
verſtimmt war. Er ſah gezwungen liebenswürdig
drein, als die jugendliche Exzellenz eben an ihn
heran=
trat und ihn etwas gönnerhaft ins Geſpräch zog.
Die Tochter platzte ſchon im nächſten Moment
da=
zwiſchen.
Mama, wir wollen tanzen — geh’ mal hier ein
bißchee: fort — wir räumen die überflüſſigen Tiſche und
Stühle in eine Ecke — es geht famos.
Ihr ſeid verrückt, Kinder.
Aber es iſt doch Karneval, Mama; Leutnant Keßler
ſagt, die Verrückten ſind die, die nicht alle Torheiten
mitmachen — und wenn wir ſchon nicht in die=
Stadt=
halle gehen, dann tanzen wir eben hier.
Und der Narr, der Euch zum Tanze aufſpielt?
Die ſchmalen, ſchwarzen Augen lachten keck.
Leutnant Keßler ſagt, Herr von Haſſingen ſei ſo
muſtkaliſch, unddaſer doch mit ſeinem Knie nicht tanzen
kann —und weil gerade ein Klavier da iſt. Sie hob
bittend diervollen, roſigen Hände. Nicht wahr, Sie
unergſängen
em eie nich den birchaus zen eren waden
wollen, was bleibt mir ſchließlich übrig? ſcherzte der
blonde Offizier, aber ſeine Stirn entwölkte ſich nicht.
So ſaß er denn am Klavier, während die anderen
unter den ſurrenden Gasflammen des Kronleuchters ſich
drehten. Der Raum war eng, die Geſchicklichkeit der
Tanzenden groß. Man merkte die Erziehung der
Hofbälle.
Beſonders Lena von Rieding und der ſchlanke,
ſchöne Huſarenoffizier taten ſich durch Grazie und
Ge=
wandtheit hervor, und Haſſingen ſah ſie zuweilen
vorüberwalzen, ſah, wie ſicher er führte, wie ſchmiegſam
ſie ſich dem Druck ſeiner Hand fügte.
Er ſah auch das Glühen der Bewunderung in den
dunklen Männeraugen, die auf dem goldbraunen
Köpf=
chen an ſeiner Schulter ruhten, und eine große
Bitter=
keit kam ihm, daß manche nur die Hand auszuſtrecken
brauchten nach einem Glück und vor dem ſeinen Berge
ſich türmten.
Finſter ſtarrte er auf ſeine mechaniſch ſich
bewegen=
den Finger, da rauſchte vor ihm ein Frauenkleid, wie
kein anderes rauſchte — Lena von Rieding lehnte vor
ihm, die weiße Hand mit dem tückiſch funkelnden
Smaragden auf das Klavier geſtützt.
Ihr Haar war zerzauſt, ihre Wangen glühten, aber=
eine leichte Unruhe flackerte in ihren Augen.
Warum auf einmal die finſter gefaltete Stirn,
mein Freund? fragte ſie halblaut zwiſchen Scherzeund
Ernſt.
Er bemühte ſich, heiter zu erſcheinen.
Es iſt die Haffingenſche Sorgenfalte, mir von einem
Urahnsüberliefert, demdas Lehenh
Duittenfrüchte
15 und 20 Pfg. per Pfd. (19631
a=
bei C. Völker, Hügelſtraße 75.
eee urecht lunge ich ſe nicht. über
gleichſam zur Entſchädigung hat derſelbe Ahn mir das
Talent vererbi, Ihnen heute, ohne daß man mir’s
ge=
lehrt, zum Tanze aufſpielen zu können.
Es iſt eine ſchöne Gabe, ſie hilft über manches
hinweg.
Er ließ die Hände von den Taſten ſinken, denn ſie
hatten ſchon ein paarmal in der geteilten
Aufmerkfam=
keit ihres Beſitzers daneben gegriffen.
Sie ſind doch ſicher auch muſikaliſch, gnädige Frau!
ſagte er, der vielen neugierigen Ohren wegen den
ver=
traulichen Ton vermeidend.
Ich habe früher viel geſungen, aber jetzt ſchon lange
nicht mehr.
Der traurige und zugleich finſtere Zug, der ihm
ſchon einmal an ihr aufgefallen, huſchte über ihr heißes
Geſicht.
In Bordighera ſang ich zum letztenmal! ſetzte ſie
wie zu ſich ſelbſt hinzu.
Dann glitt das liebenswürdige Geſellſchaftslächeln
um die roten Lippen.
Es galt dem Huſaren mit dem ſchönen, vornehmen
Geſicht und den Samtaugen, der ſeine Tänzerin ganz
ſelbſtverſtändlich wieder für ſich beanſpruchte, nachdem
er notgedrungen eine Pflichtrunde mit den übrigen
Damen erledigt hatte. Eiferſüchtig war er nicht auf
den blonden Offizier. Eine Millionenwitwe konnte
immer nur für den Kavalleriſten in Betracht kommen.
Sein „Bitte, Herr Kamerad, noch einmal den
Donauwalzer!” klang zu verbindlich, um
kameradſchaft=
lich=vertraut=zu=erſcheinen.
ſetzun
Seite 1
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Oktober 1910
Nummer 243,
Vertreter: Cajetan Rechenmacher, Darmstadt, Rossdörferstrasse 87, Telephon 517.
(19447a
Vilienkolonie Ludwigshöhe
Neuzeitlich eingerichtete Villa mit 14
Wohnräumen, Gas, Waſſerleitung, in ca
4000 am großem Park gelegen, per 1. Okt
auf längere Zeit zu vermiet n oder zu
verkaufen. — Nähere Auskunft erteilt das
Immobilienbüro von Julius Kahn,
Schulſtraße 15, Telephon 135. (14385o
Das Haus
Ecke Wilhelminenſtraße und Heinrichſtr.
iſt per ſofort vollſtändig neu hergerichtet,
mit Zentralheizung verſehen, zu vermieten.
Das Haus enthält 14 ſchöne Wohnräume
nebſt allem Zubehör und Garten. Näheres
nur durch die Firma Joſeph Trier,
Darmſtadt, Wilhelminenſtr. 25. (9462os
Parcusstr. 1, Beletage,
5=Zimmerwohnung mit allem Zubehör per
ſofort zu vermieten. Zu erfragen bei
Blodenheimer, Rheinſtr. 26, Bur. (13285t
Wienersstrasse 65, 1. St.,
eine 4=Zimmerwohnung zu verm. (15135ods
ſchöne neuhergericht.
Mauerstr. 14, 3= Zimmerwohnung
ſogleich oder ſpäter zu verm.
(19626a
*24333imfso) Arheilgerſtraße 27a eine
freundl. 3=Zimmerwohnung ſofort zu vm.
18225t) Mathildenplatz 5, Hinterhaus,
eine 3=Zimmerwohnung zu vermieten.
Nieder-Ramstädterstr. 31
1 ſchöne 3=Zimmerwohnung im Hinterbau
ſofort zu vermieten. Näheres bei Bäcker
Wenner.
(17853t
Manichstemerstr. 22
3=Zimmer=Wohnung wegzugshalber per
1. November zu vermieten.
(19258t
19639t) Mathildenplatz 11, Hinterbau,
3=Zimmerwohnung zu vermieten. Zu erfr.
daſelbſt, Vorderhaus 1. Stock.
19892a) Arheilgerſtraße 27a, eine frdl.
3=Zimmerwohnung zu vermieten.
3 Zimmer mit Küche
Magdalenenſtr. 1 u. Zubeh. (Glasabſchl.)
für 24 Mk. ſof. od. 1. Nov. zu verm. (*25558
Me
14886oms) Zwei unmöblierte Zimmer zu
vermieten. Näheres im Laden, Hochſtr. 4.
Lauteſchlägerſtr. 11
eine 2=Zimmerwohnung im Vorderhaus u.
eine 3=Zimmerwohnung im Seitenbau ſof.
zu verm. Anzuſ. v. 11—2 Uhr. (17206oms
20132ms) Roßdörferſtraße 30, Hinterb.,
2 Zimmer, Küche, Keller an nur ruhige Leute
für 15 Mk. Näh. Vorderhaus, parterre.
B18016oms) Seeſtraße 3, 1 Zimmer,
Küche u. Zubehör, 10 Mark monatl.
B46747oms) Alte Niederſtraße 15, eine
Stude zu vermieten.
mit gr. Zimmer,
Schöner Laden Küche und ſonſt.
Zubehör in der Eliſabethenſtr., geeign. für
Friſeur, Zigarrengeſchäft, auch für anderes
Geſchäft, für 500 Mk. zu vermieten. Gefl.
Offerten u. B 98 an die Expd. (*25236dso
Hölgesstrasse 1, I. Stock,
ſſchön möbl. Zimmer mit od. ohne Penſion
ſan beſſ. Herrn p. ſofort zu vm. (15666t
19329a) Marktpl. 7, I., möbl. Zimmer z. vm
B17943t) Mathildenſtr. 29, Ecke
Hoff=
mannſtraße, 2. St., gut möbliertes, geräum.
Zimmer in ruh. Hauſe zu verm.
18248t) Saalbauſtr. 16 möbl. Wohn= u.
Schlafzimmer zu verm. Näheres parterre.
17066t) Friedrichſtraße 22, part., fein
möbl. Wohn= und Schlafzimmer, evtl. auch
einzeln, ſofort zu vermieten.
18107t) Mühlſtr. 58, 3. St., Kapellplatz,
jgut möbliertes Zimmer zu vermieten.
18582t) Niederramſtädterſtr. 15, II.,
gut möbl. Zimmer mit Penſion ſofort.
185159)Obere Hägelſtr. 19, Ecke
Schützen=
ſſtraße, ſchön möbl. Zimmer mit Schreibtiſch
und ſep. Aufgang zu vermieten.
18838t) Eliſabethenſtraße 62, II. St.,
gut möbl. Zim. an beſſ. Herrn zu verm.
Salon mit
Heidelbergerſtraße 29, I., Schlafzim.
lund Frühſtück für 45 Mk., auch mit
Pen=
ſion für 70 Mk. zu vermieten. (B19102
Elegant möbl. Wohnungen
lauch einzelne Zimmer, per ſofort zu verm.
worhand. elektr. Licht, Bad und Telephon,
Heidelbergerſtraße 26.
(19114a
*25169mso) Bleichſtr. 38, I., Nähe Bahnhof
fein möbliertes Wohn= und Schlafzimmer.
19516oms) Roßdörferſtraße 47, 2. St.
freundlich möbliert. Zimmer in ruhigem
Hauſe zu vermieten.
14557oms) Waldſtr. 11, 2. St., freundl.
möbliertes Zimmer zu vermieten.
19640oms) Hoffmannſtraße 13, 2. Stock,
fein möbl. Wohn= und Schlafzimmer, evtl. zu verkaufen.
mit Klavierbenutzung, zu vermieten.
1. Stock, ſchön
Liebfrauenstr. 98, möbl. Zimmer
(ſeparat) an anſtänd. Herrn. (*21100mdfso
Heinrichstrasse 93, II.,
2 ſehr gut möbl. Zimmer, großes
Wohn=
zimmer u. Schlafzimmer, Gaslicht,
Schreib=
tiſch, auch für 2 Perſonen, eventl. Bad, in
gutem Hauſe.
(19173t
B19637t) Zwei ſchön möbl. Schlaf= evtl.
auch Wohnzimmer mit Penſion billigſt zu
vermieten. Offerten unter B 27 an d. Exp.
19417a) Wienersſtraße 40, part., 2 gut
möbl. Zimmer, 22 und 18 Mk., zu verm.
B19658t) Rückertſtraße 13 ſchön möbl.
Wohnzimmer mit angrenzendem
Schlaf=
kabinett per ſofort zu vermieten.
19700t) Wienersſtr. 45, I., gut möbl.
Wohn= u. Schlafzimmer, ev. auch einzeln.
18000t) Neckarſtraße 26, 2. Stock, gut
möbl. Wohn= und Schlafzimmer mit
Gas=
beleuchtung und Bad, per ſofort zu verm. Weiteren Aufſchluß erteilt nur Sebastian
19902t) Wenckſtraße 11, parterre, ſchön
möbliertes Zimmer zu vermieten.
*25303kso) Teichhausſtraße 2, I., ſchönes
gut möbliertes Zimmer ſofort zu vermieten.
*25308fso) Luiſenplatz 1, möbl. Zimmer.
*25497so) Viktoriaſtr. 58, 2. St. r., frdl.
möbl. Zimmer mit Kaffee, per Mon. 18 Mk.
*25514som) Waldſtr. 15, 3. St., b. Keller,
gut möbl. Zimmer, per Woche 4 Mk.
gut möbl. mit Schreibtiſch u. Bücherſchrank,
ſep. Eingang Liebigſtraße 10, II. (*25505so
*25480so) Karlſtraße 32, Hinterh., einf.
möbliertes Zimmer ſofort zu verm.
Viktoriastrasse 94, II.
elegant möbliertes Wohn= u. Schlafzimmer
mit guter Penſion zu vermieten. (19949a
19856t) Lauteſchlägerſtr. 22, 1. St., ſchön
möbl. Zimmer mit Gas und Schreibtiſch.
*25204mso) Eliſabethenſtr. 62, part., h.
möbl. Zimmer an gebild. Fräul. ſof. zu verm.
ſchön möbl. Zimmer
Rückertſtraße 19 mit Kabinett per
ſofort zu vermieten.
(B17882oids
19223a) Bleichſtraße 45, I., ſchön möbl.
Zim. m. od. ohne Penſ. an 1 auch 2 Herren.
19583a) Erbacherſtraße 69, 3. St., ein
in freier Lage ſepariertes ſchön möbliertes
Zimmer zu vermieten.
20056a) Eliſabethenſtraße 47, 2. Stock,
ſchön möbl. Zimmer mit oder ohne Penſion
an beſſeren Herrn per ſofort zu vermieten.
*25385so) Kiesſtraße 21, neuer Stb.,
ſchön möbl. Zimmer, 14 Mk. monatlich.
*25397so) Feldbergſtraße 34, Hth., pt.,
möbliertes Zimmer zu vermieten.
*25463so) Karlſtraße 63, II., gut möbl.
Zimmer zu vermieten.
*25422som) Soderſtr. 42, I. rechts, ein
möbl. Zimmer mit Kaffee 14 Mk.
*25425oimd) Luiſenſtraße 32, 2. Stock, bei
Gg. Wedel, einf. möbl. Zimmer mit Koſt.
20031t) Wienersſtraße 57, ein gut billig zu verk. od. verm., 7 gr. Z. u. Zubeh.,
möbl. Zimmer, mit oder ohne Penſion.
19370od) Rheinſtraße 8, 3. St., gut möbl.
Wohn= u. Schlafzimmer, 25 Mk., event. m.
2 Betten, an beſſ. Dame od Herrn zu verm.
möbliert.
Mauerſtraße 15 Zimmer
auf Wunſch m. Penſion zu vm. (*25023ido
20127a) Alexanderſtr. 4, 2. St., gut möbl.
Wohn= und Schlafzimmer ſofort zu verm.
*25543omf) Soderſtr. 79, II., g. m. ſep. Zim.
*25551oi) Nieder=Ramſtädterſtraße 37,
2. Stock, ſchön möbl. Zimmer an Herrn od.
Fräulein billig zu vermieten.
20133ms) Grüner Weg 17, 2. St., möbl.
Eckzimmer od. kleineres Wohn= und
Schlaf=
zimmer zu vermieten.
gut möbl.
Gutenbergſtraße 40, part., Wohn= u.
Schlafzimmer in ruh. Hauſe zu verm. (*2520300
*25563oi) Gartenſtr. 18, part., 2 freundl.
möbl. Zimmer einzeln auf ſofort zu verm.
B18016s) Seeſtraße 3, 1 Zimmer, Küche
und Zubehör, 10 Mk. monatlich.
*25565oi) Waldſtraße 39, Seitenbau
1. Stock, möbl. Zimmer per ſofort zu verm.
Schuppen
und Ausſchlac
durch
Obermeyers Herba=Seife
entfernt.
Zeugnis.
„Mit Vergnügen beſtätige ich, daß das
einzige Stück Ihrer Herba=Seife genügte,
um mein Geſicht und Kopf von Ausſchlag,
bezw. Schuppen, zu reinigen. —‟ (20130ff
K. Schulz, Groß=Sobroſt.
Obermeyers Herba=Seife zu haben in allen
Apeth., Drog., Parfüm. à Stück 52 Pfg.
30% ſtärker. Präp. Mk. 1.
Wettſtelle mit Matratze zu verkaufen
*25403soi) Gutenbergſtr. 35, I. r.
Das Ecke Landgraf Philipp=Anlage u.
der Hügelſtraße gelegene Grundſtück der
Völker’ſchen Erben mit einem Geſamt=
flächengehalt von über 1700 qm und
einer Straßenfront von über 85 laufen=
den Metern wird zu günſtigem Preis dem
Verkauf ausgeſetzt und eignet ſich ſehr
zum Aufteilen in 5—6 Bauſtellen.
Weiteren Aufſchluß, auch Einſicht in den
Lage= und Parcellierungsplan, nur bei
Sebastian Eckler, Rheinſtraße 9,
(17637a
Telephon 243. Iausverkauf
Das 2½ſtöckige, auch zum Allein=
bewohnen geeignete Wohnhaus Witt=
mannſtraße 22 mit Garten wird zu ſehr
günſtigen Bedingungen dem Verkauf
ausgeſetzt.
Eckler, Rheinſtr. 9, Telephon 243. (19627a Geſchäftshaus=Verkauf.
Wegen vorgerücktem Alter der Beſitzer
biete deren Haus mit Kolonialwaren=,
Delikateſſen= und Drogengeſchäft zum Ver=
kauf an. Geſchäft beſteht ſeit 40 Jahren faſt
ſohne Konkurrenz, ausgezeichnete Nachbar=
Wohn=Schlafzimmerſchaft. Zur Erwerbung 10—12 Mille er=
forderlich, ſonſt gute Zahlungsbedingungen.
Für fleißigen jungen Kaufmann großartige
Exiſtenz. Geſchäft wird übergeben wie es
zurzeit beſteht, infolgedeſſen keinerlei Neben=
unkoſten für Neuanſchaffung. Uebernahme
nach Vereinbarung. Nähere Auskunft wird
im Immobiliengeſchäft Hch. Castritius,
Kahlertſtraße 38, 1. Stock, koſtenlos erteilt.
Sprechſtunde von ½2—3 Uhr.
Telephon 1382.
(19632a
Elntammenhaus
herrſchaftlich eingerichtet, 12 Zimmer, Glas=
veranda, offene Veranda, viel Nebenraum,
Stallung, Remiſe und Burſchenzimmer, in
feinſter Lage zwiſchen Heinrich= und Anna=
ſtraße, iſt wegen längerer Abweſenheit des
Beſitzers ſofort preiswert zu verkaufen.
Nähere Auskunft, auch wegen Beſichtigung,
erteilt das Immobilienbureau von Julius
Kahn, Schulſtr. 15, Telephon 135. (13100a Vertauſche mein doppeltes
Drei=Zimmerhaus
gegen Villa od. kl. Haus hier od. auswärts.
Offert. unt. B 90 an die Exped. (*25201mfo zum Alleinbewohnen, 12 Zim.,
Haus Stallung, großer Garten, in
erſter feinſter Lage, zu verkaufen. Off. unt.
C 88 an die Exp. ds. Bl.
(20145a Schönes Haus in Eberstadt
Gas, Waſſer u. Garten. Schlüſſel Pfung=
ſtädterſtraße 54. Offerten unter K 29 an
die Expedition dieſes Blattes.
(15878a (*24114
Landhaus dsiss
direkt am Wald geleg., in der Nähe Darmſtadts,
6 Zimmer, m. reichlichem Zubehör, großer,
ſchöner Garten, iſt u. günſt. Bedingung. bei
gering. Anzahlg. z. verk. Off. u. W 42 a. d. Exp. Schönes 2=Familienhaus
mit je 5 Zimmer ꝛc. in Bensheim, Bergſtr.,
mit Stallung, gr. Obſtgarten billig zu ver=
kaufen. Näheres bei Architekt Schmidt,
(17040a
Frankfurt a. M., Liebigſtr. 21.
Für Gärtner!
Bei Egelsbach ein nächſt der Frankfurt.
Chauſſee gel., 5 Morgen gr. Grundſtück,
vorzüglich für Gärtnerei geeignet, m. 2=ſtöck.
kleinen Wohnhauſe, zu verk. od. zu verm.
Näh. Kiesſtraße 127, Darmſtadt. (19944fo Käufe, Verkäufe und
Teilhaber
aller Branchen beſchaffe ich raſch und ver=
ſchwiegen unter kulanten Bedingungen
B. Baer,
Darmstadt, Agenturgeschäft.
Telephon 1145. (17626a Immobilienbüro, Martin=
Fr. Hoth, ſtraße 101.
(B16762
Gut eingeführtes
Buttergeſchäft
mit ſämtlichem Inventar alsbald zu verk
Näh. Grafenſtraße 4, part.
(19786mfs Heuer eis., transp. Kessel
für Metzger und Landwirte geeignet, billig
zu verkaufen
(20142om
Stiftſtraße 19, parterre.
J1
C
wei ſch. Ziegen b. zu verkaufen
Rhön=
ring 57, 2. Stock.
(*25542o.
Dampf=Reinigung
für Bettfedern und Daunen.
Denkbar beſte Einrichtung am Platze.
Barchente, Daunen und Federköper.
Krankenbetten werden nicht angenommen.
J. Stritzinger, Hölgesstrasse 13.
nächſt der kath. Kirche. (5681a
5696
59660e
Frädeharzt
verreist bis 1. Novemher. (212om
eeeeee
bosssssesoge
Er. Erdauf
ist von der Reise zurück
und hat seine ärztl. Tätigkeit
wieder aufgenommen. (201ss
Spezial-Atelier
fürkünstliche Haararbeiten
stets Eingang von Neuhieten
Ernst-Ludwigstr. 22,
Ernst Köhler, Entresol.
Telefon 1682.
(19322a
ühneraugen
und Nageloperationen
werden ſorgfältigſt ausgeführt (14366a
Fr. Hartmann, appr. Heilgeh.
Grafenſtr. 20 (Telephon 276).
Tapezier- und Polsterarbeiten
ſowie Aufmachen von Vorhängen wird gut
und billig ausgeführt. P. Frieſe,
Viktoria=
ſtraße 26, nächſt der Schule.
(16026a
Schilder
(6367a
in Emaille u. Porzellan liefert ſchnell und
billigſt L. Kapfenberger, Eliſabethenſtr. 39.
werden umgearbeitet und chie gar=
Hüté niert in u. außer dem Hauſe. Formen
u. Zutaten bill. Ludwigsplatz 8, III. (19625a
de retour de
(19406a
Mie. Gebhardt, petranger,
re-
commence ses lecons de
(
francais
et ses cours de conversation
Gervinusstrasse 68.
ertellt gründl. Halten. Unterrioht,
Italiener Mässige Preise Offerten unter
C 14 an die Expedition ds. Bl. (*25267fsoi
erteilt ſpaniſchen Unterricht,
Damé Grammatik und Konverſation.
Näheres in der Exped. ds. Bl. (*25341fso
(Französin) erteilt Unterricht
Junge Dame in der französischen Sprache.
Offerten unter B 49 an die Exp. (B20019
öherer Schüler erteilt mit Erfolg
Nach=
hilfe=Unterricht. Gefl. Offerten unter
C 86 an die Expedition ds. Bl. (*25547
Anna Rau
Gesangschule-Meth. Stockhausen
Annastrasse 55. (18660a
Kochsrunde.
Erlern. d. guten, bürg. Küche, Konſ. von
Fleiſch u. Gemüſen i. Weck’ſchen Apparat.
Bäckereien aller Art, auch Weihnachtskonfekt.
Es können noch 2—3 junge Damen an dem
nächſtens beginnenden Kurſus teilnehmen.
Beſte Ref. Anmeldungen tägl. (19495a
Frl. J. Friedrich,
Frankfurterstrasse 74.
Damenfrisieren.
Gründliche Ausbildung in allen
modernen Friſuren, ſowie Champonuieren
und Ondulation
(*25318fso
M. Fröhlich, Schulſtraße 1, 2. St.
Klavierstimmer (19882a
Emil Schultze, Kammermusiker, Rossdörferstr. 79, p.
Suche 10—12000 Mark
II. Hypothek auf feines, herrſchaftliches
6=Zimmerhaus in bevorzugter Lage. Off.
unter B 66 an die Expedition. (19753mdfs
Darlehen
oder Bankkredit bis 2000 Mark, gegen gute
hypoth. Sicherheit von hieſigem
Geſchäfts=
mann geſucht. Offerten sub C 57 an die
Expedition ds. Bl. erbeten.
(*25413so
Kädfer und Feihaber
6a
Mk. 10= bis 300000
ſuchen Kauf oder Beteiligung durch
A. Müller, Karlsruhe
Kaiſerſtraße 167
Beſuche und Rückſprache koſtenfrei.
1o Porer 7
Wie diele Palme
Has auf der Erde wandelnde Tierreich übere?
1 fragt, ſo überragen die Pfanzenfette PHLMIN und.
PHLMONA (Pfanzen-Butter=Margarine) die tieriſchen
Fette durch ibre Reinbeit und Güte. Das beweiſt am beſten der
Umſtand, daß Palmin und Palmona tieriſche Fette in der feinen
und bürgerlichen Küche immer mehr verdrängen.
Palmin zum Kochen, Braten und Backers
Palmona als Brotaufſtrich.
Nummer 243₰
w. ſch. in Geſchäft. tätig
Jg. Fräulein, war, ſ. beſſ. Stelle als
Verkäuferin. Schöne Handſchrift, kann evtl.
auf dem Kontor einig. mithelfen, od. auch
etwas Näharbeit. Gefl. Offerten unt. C 58
an die Exped. ds. Bl.
(*25430so
ſucht Aushilfs=
Tücht. Verkäuferin Stellung
*25536) Landgraf Philipp=Anlage 64, I.
perſelt in Stenographie,
Fräulein, Maſchinenſchreiben und
Kontorarbeiten, mit beſten Zeugniſſen, ſucht
Stellung. Gefl. Offerten unter C=93 an
die Expedition ds. Bl.
(*25574
in der Handelsſch. aus=
Fräulein gebildet, ſucht
Anfangs=
ſtellung bei beſch. Anſprüchen. Offerten u.
C 83 an die Expedition.
(*25531
25501so) Fräulein wünſcht bei perfelter=
Schneiderin als Volontärin zu arbeiten.
Offerten unter C 79 an die Expedition.
nimmt noch=
Perfekte Schneiderin Kunden an
*25333fso) Arheilgerſtraße 48, parterre.
tägl. Friſieren werden
Damen noch angenommen
Kopf=
waſchen inkl. Friſur Mk. 1.25 (18677a
— Frau Schwinn —
Alexanderſtraße 17.
*253451s0) Suche Stelle zum Waſchen
u. Putzen Marie Held, Groß=Zimmern,
Angelſtraße 62.
ſucht Aushilfe. Geſl.
Tüchtige Röhin Offerten unter C 81
an die Expedition d. Bl. erbeten. (*25512soi
*25555) Junge Frau, welche bei beſſerer
Herrſchaft gedient hat, ſucht Laufdienſt. Zu
erfragen Karlſtraße 67, Manſarde.
*25540) Fräukein, m. langjähr. Zeugn., ſ.
Stell. z. Führ. ein. frauent. Haush. o. z.
einz. Herrn aufs Land, ev. Pfarrer bev.
Darmſtadt, Bismarckſtraße 80, 3. Stock.
*25571)1beſſ. Hausmädch., d. Näh. ſchneid.)
büg. u. ſerv. k. u. 2 Alleinmädch., d. koch. k., ſuch.
z. 1. Nov. Stelle Eliſabeth Frank,
gewerbs=
mäßige Stellenvermittlerin, Saalbauſtr. 33.
25540) Junge Frau geht waſchen und
putzen. Näheres Pankratiusſtr. 69, I., lks.
Tücht. Kaufmann u. Verkfr.
der Möbel- u. Dekorationsbranche,
21 Jah. alt, ſucht ſich baldigſt zu verändern.
Offerten mit Geh. unter C 89 an die
Expedition dieſes Blattes erbeten. (20140
Maschinen-
sehriftliche Jnbelen
fertigt J. B. Kling, Pankratiusstr. 6. (18745a
Durchaus zuverläſſig und ganz
ſelb=
ſtändig arbeitende
(*25513soi
Stenotypistin
zum ſofortigen Eintritt geſucht
Karl Bäumer
Alexanderſtr. 9, I.
Verkäuferin
(branchekundig) u. Lehrmädchen geſ.
H. Nau & Sohn,
Schustergasse 16. (19926a
ehrere jüngere
Verkaufermnen
zum baldigen Eintritt geſucht. Off. erb.
Geschw. Knopf,
Darmſtadt.
(20154
Gebilbeie, redegewandte Dame
zum Verkauf beſſerer, geſtickter Bluſen geſucht.
Adreſſe unter C 87 an die Expedition
dieſes Blattes erbeten.
(*25549
*25577) Beſſ. jung. Mädch. f. e. Geſchä
mit nur feiner Kundſch. geſ. Vorkenntn. nic
nötig. Off. unt. C 94 an die Exp. ds. B
Die Vertretung
eines feineren
Klöppelspitzen-Geschäftes
an beſſere, ſtadtkundige Dame für
Darm=
ſtadt zu vergeben. Offert. unt. C 80 an
die Exped. d. Bl. erbeten.
(20096so
B20134) Perfekte Arbeiterin geſucht
Damenkonfektion, Karlſtraße 56.
Selbſtandige Kochin
mit guten Zeugniſſen bei hohem Lohn für
möglichſt ſofort geſucht.
Offerten an Frau Julie Merk
Jugenheim a. d. Bergſtraße
„Haus auf der Höhe‟ (20100so
(19996
Beſſ. Hausmädchen so
perfekt nähen, ſervieren, etwas ſchneidern,
mit guten Empfehlungen zu einzelner
Dame geſucht Eliſabethenſtr. 50, 1. St.
*25553) Suche zum 1. Nov. ein tüchtiges
gewandtes Hausmädchen
w. im ſerv. gewandt iſt, f. eine kl. Penſion, Lohn
25 Mk. Nurſolche m. gut.lgj. Zeugn. wollen ſich
melden Fr. S. Hengsberger, Alsbach a. d. B.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Oktober 1910.
Seite 15₰
Farsrenenvermnter
Die durch das am 1. Oktober 1910 in Kraft getretene Geſetz vorgeſchriebenen
Formulare und Bücher
ſind zu haben in der
L. C. Wittich’ſchen Hofbuchdruckerei
Telephon Nr. 1
Darmſtadt.
Rheinſtraße 23
weich, rochen k. u. neben
Mädchen, Zweitmädch. Hausarb.
übernimmt, per 1. Nov. geſucht. Meldungen
zwiſchen 10 u. 3 Uhr Riedeſelſtraße 8. (*25546oi
Tüchtige Erdarbeiter
findensſofort Beſchäftigung am
Bahnhofs=
neubau (Perronbauten). (*25465soi
Tiefbaugeschäft R. Schneider,
G. m. b. H.
19740a) In meiner Medizinal=, Drogen=
und Chemikalien=Handlung findet ein
junger Mann mit Gymnaſial= oder
Real=
ſchulbildung Aufnahme als
Lehrlina
Fr. Beckenhaub, Schulſtraße.
Raufmann. Lehrstene
offen für jungen Mann aus guter Familie
Wilh. Krätzinger,
19498a)
Ludwigſtraße.
Fräulein,
15 — 17 Jahre alt, große, gut entwickelte
Figur, wird bei ſtrengſter Diskretion
als Modell geſucht.
(*25541
Offerten unter C 85 an die Expedition
dieſes Blattes erbeten.
2
fürwenige Pfennige
kann jede Hausfrau
Kleidungsstückeu Stoffe
aller Art, aus: Wolle.
Halbwolle, Baumwolle, u. S.w.
Aprachtvoll u.echt färben. § 28
Alle Farben à 10 u. 25 Pfo
Man fordere-ausdrücklich
leifmann’s farben.
-Schutzmarke:-Fuchskopf im Stern.
Jedesandere Fabrikat zurückweisen.
2 Krautſtander und 1 Kaffeebrenner
gut erhalten, zu verkaufen
25573
Wendelſtadtſtraße 51, 1. Stock.
Enabenkleider (Anzüge, Bluſen, Hofen ꝛe.)
werden gut angefertigt u. Gebrauchte
mitverarb.
Liebfrauenstr. 79, part. (*1783
Servierfraulein
geſucht Reſtauration zur Lilie (*25572oi
Große Kaplaneigaſſe 16.
Angen. Lebensstellung
bietet ſich ſtrebſamen, ſolid. u. redegewandten
Herren, w. gewillt ſind, f. eine große
Volks=
verſicherungs=Geſellſchaft zu arbeiten, pro
Monat 100 bis 150 Mk. Branchekenntnis
nicht erforderl., da prakt. Einarbeitung erfolgt.
Bewerber aus Stadt u. Land w. ihre Geſuche
u. C91 an die Exped. ds. Bl. einreichen. (*25566
Generalagentur
für
Darmſtadt
iſt von angeſehenſter, äußerſt
ku=
lanter Unfall=Verſicherungs=
Geſell=
ſchaft nebſt Inkaſſo zu vergeben.
Offerten unter C 38 an die
Expedition ds. Bl. (*25348fsom
Für eine der größten
Waagen=
fabriken (Weſtdeutſchland), die
vornehmlich eiſerne (20073so
Waagen
jeder Größe u. Tragkraft neueſter
Konſtruktion baut, wird ein in
dieſer Spezialität beſond. befähigter
Werkmeister
ingut bezahlteLebensſtellg. geſucht.
Angebote m. Zeugnisabſchriften u. Angabe
über Alter u. Gehaltsanſpruch ſind unter
67 an die Expedition ds. Bl. zu richten.
Goldsehut Ce0f
Mkt. tägl. Verdienſt durch Ver=
kauf m. Patent=Artikel f. Herren.
Neuheiten=Fabr. Mittweida=
Markersbach Nr. 117. (15561H
uchtige
Maschinenschlosser
per ſofort geſucht
(20155
Eisenwerk Eberstadt.
Zeil 26
Frankfurt a. M.
offerieren:
Jacken-Kostüme
in denkbar grösster Auswahl
in allen Stoffarten und Fagons
in allen Weiten vorrätig
in schwarz und farbig
Stück
Zeil 26
100
Paletots
in schwarz und farbig
in engl. gemusterten Stoffen
in schwarz Plüsch und Seal
in allen Weiten
per Stück
O
Blusen
in Wolle, Seide, Tüll und Spachtel
Letzte Neuheiten
per Stück
Neuheiten in Prinzeßkleidchen, Kostümröcken,
Morgenröcken etc. in größter Auswahl.
(D20125,51
Geldsennat Ce0f
Zeil 26 Frankfurt a= M. Zeil 26.
Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Oktober 1910.
Nummer 243.
Ur SehunkareE
sind eingetroffen
Für Damen
Filzschuhe
. . Mk. 1
mit Filzsohle
Filzschuhe
mit Filz- und Ledersohle . . . Mk. 1.60,
ind Samt-Hausschuhe
Cord-
ohle und Fleck, gefüttert . Mk. 1
mit Leder
ffel
Tuch
Einfaß, Ledersohle u. Fleck, Mk.
mit Plüsch
30
r-Hausschuhe
Imit. Kan
mit Filz- und Linoleumsohle . . . . Mk.
540
haar-Hausschuhe
Echt Kan
mit Filz- und Ledersohle . Mk. 3.85, 2.85, 2
4995
isschuhe
L
. Mk. 4.60, 3.20, 4—
mit Fleck .
gefütter
Fil
Schuallenstiefel
mit Filz- und Ledersohle und Fleck . Mk. 0
Echt Kamelhaar-Schuallenstiefel
. . Mk.
mit Filz- und Ledersohle
Speier’s
Für Herren
Filzschuhe
Filzschuhe
mit Filz- und Ledersohle . . . Mk. 1.75,
Cord-Hausschuhe
gefüttert, mit Ledersohle und Fleck . Mk. 1
Cord- und Eilzschlappen
mit Filz- und Ledersohle Mk. 2.00, 95, Pfg.
Echt Kamelhaar-Hausschuhe
mit Filz- und Ledersohle . Mk. 4.50, 3.75, 2
Leder-Hausschuhe
gefüttert, mit Fleck
Mk.
Filz-Schnallenstiefel
mit Filz- und Ledersohle und Fleck . Mk. 4
980
Echt Kamelhaar-Schnallenstiefel
5
. . . Mk.
mit Filz- und Ledersohle .
Für Kinder
Filzschuhe
mit Filz- und Ledersohle Mk. 1.00, Pfg. 95, 30
Filzschuhe
abgesteppt, mit Filz- und Ledersohle
Mk. 1,35, 1.20, 1
Filz-Ohrenschuhe
mit Filz- und Ledersohle und Lederkappe
185
Mk. 1.40,
Kamelhaar-Ohrenschuhe
mit Filz- und Ledersohle . Mk. 2.20, 1.70,
Kamelhaar-Schnallenstiefel
mit Filz- und Ledersohle
Mk. 2.40, 2.10, 1.90,
Filz-Schnallenstiefel
mit Filz- und Ledersohle und Lederkäppe
Mk. 3.20, 2.85, 2.50, E
Schulstiefel
in breiter Normal-Form extrastarke
Aus-
führung . . Mk. 8.50, 7.50, 6.50, 5.50, 4.85,
Strapazier-Stiefel
für Herbst und Winter, Schaft mit
Leder gefüttert . . . .
. . Mk.
Echt Chevreaux
Damenstiefel
warm gefüttert, bequeme
Form Derby, amer. Absatz
Speier’s bester
Herbst- u. Winterstiefel
durchaus mit Leder gefüttert
Mk.
Inh. Paul Wildau
eler- Schunwarchhaus
nur Ludwigsstr-
Verkaufestelln von Speleris Schuhwaren: Fankturt z. M., Olenbach, Kaun, Darmstad, Würhurs.
Speier
Würnberg, München, Stuttgart, Straßburg, Köln, Aachen, Leipzig, Linden, Hannover, Hamburg, Breslau, Dortmnud.
(20113
Speier
Antiauitäten.
An- und Verkauf von nur
garantiert antikem Zinn
Paula Klein,
Kasinostrasse 2, Ecke Rheinstr.,
Laden. (*25575om
Scennecken
Federn
Das Beste
Sc
katiot
Überell
vorrätig
Reitpferd
ſchöner 7jähriger dunkelbrauner Wallach,
geſund und fehlerfrei, 1.70 m groß, geritten
und gefahren, mit guten korrekten Gängen,
ſtadtſicher und vollkommen ſcheufrei, für
1800 Mk. zu verkaufen. Anzuſehen
Kies=
ſtraße 107, nachm. v. 2 Uhr ab. (20118oi
für 250 Mark zu
Ein Pferd verkaufen. (*25561
Näheres in der Exped. ds. Bl.
Kriegshunde
Mutter prämiiert, r. R., ¾ Monat, ſehr
gelehrig, zu verkaufen in Raunheim bei
Gaſtwirt Aug. Lorenz.
0141
zu verkaufen
2 ſchöne Zwergpinſcher (männlich)
*25576)
Saalbauſtraße 23, bei Heß.
1 ſchw. ſeid. Kleid
1 ſchw. Winterüberz., 1 br. Miederkleid,
gut erhalten, preiswert abzugeben
*25559) Schwanenſtraße 71, 1. Stock.
Schiffsbericht.
Hamburg=Amerika=Linie.
Mitgeteilt von dem Vertreter Herrn Adolf,
Rady, Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Dampfer „Pallanza”, nach Philadelphia
13. Oktober morgens in New=York,
Dampfer „Preſident Lincoln”, 43. Oktober
r
motgens=in New=York.
Anfang prätis 8. Uhr.
Etagen-Geschäft W Lanz
Ludwigsplatz 8½, Ecke der Schul- u. Schützenstrasse.
Beste und billigste Bezugsquelle
für moderne
(20143
Damen-Kleiderstoffe
u. Damen-Confektion.
Cransportabler kupferner Waſchkeſſel,
215:85, mit Glas,
gebraucht, billig zu verkaufen (*25578
Hochſtraße 42, 1. Stock.
Finige Herren können a. g. Mittagstiſch
Steilnehmen Kahlertſtr5½, III. (*25317odis
Damen
erhalten guten Mittags- u. Abendtisch
von 60 Pfg. an
Alexanderſtraße 4, I.
uter, bürgerlicher Mittags= u.
Abend=
tiſch , Mittagstiſch zu 60 Pfennig, im
Abonnement zu 50 Pfennig. Daſelbſt
ſchönes Vereinslokal zu vergeben. (18540a
Restauration „Zum Landsberg
Ballonplatz 9.
Inhaber Ph. Hartung.
ſucht einf. ſaub. möbl.
Anſt. Fräulein Zimmer oder Manſarde
ohne Kaffee in nur anſtänd. Hauſe. Offert.
unter C 92 an die Exp. ds. Bl. (*25567
2 nette möbl. Zimmer,
Geſucht parterre oder 1. Stock, mit
Mittageſſen. Off. mit Preisangabe unter
90 an die Exp. ds. Bl.
(*25562
4 Staubtüren, billig abzugeben
*25560om)
Sandbergſtraße 13.
Tinderwagen, gut erhalten, bilig zu ver
kaufen Liebfrauenſtraße 99, III. (*25362
gut erh. Ueberzieher f. mittl. Fig. zu verk
1*25569) Nied.=Ramſtädterſtr. 36, part.
gut erh. Bett mit Zeteil. Matraße zu verk.
1-25570) Nied.=Ramſtädterſtr. 36, part.
etragene Kleider und Wäſche billig
zu verkaufen
(*25579
Mollerſtraße 6, parterre.
(65i
C
inj. Inf.=Mantel, Uniformen,
Zivil=
anzuge, Ueberzieher zu verk. (*25557
Heidelbergerſtraße 77, 3. Stock.
Rolle 25 Pfg. (*25564oi
Tapezieren Rhönring 97, 1. Stock
H1
9
ite w. ſchön u. bilig garniert, Altes verw.
19328a) Eliſabethenſtraße 49, Hth.
Neu= und Anſtricken
von Strümpfen ſowie Beinlängen auf der
Maſchine billig und prompt.
Heinheimer=
ſtraße 20, 3. Stock.
(2827a
Carnzor!
Oberbayr. Bauerntheater
& Meute
Montag, 17. Oktober
Der Meineidbauer
Volksstück in 7 Bildern
von Ludwig Anzengruber.
Dienstag, 18. Okt.: Brave Lumpen.
Mittwoch, 19. Okt.: Der ledige Hof.
Donnerstag, 20. Okt.: Medaille u. I. Klasse.
Freitag, 21. Okt.: Die Kreuzelschreiber.
Samstag, 22. Okt.: Der Kraftprotz.
(20150)
Aur noch. Hurge Zat
Konzertsaal
erkeo
Allabendlich (19433a
Grosse Oktoberfest-
Bierkonzerte.
Abomement ., Pteihe,
½ Sperrsitz, für die Dauer der
Saiſon trauerhalber abzugeben (20149om
Bismarckſtraße 70.
Eues Mrischalsohst
Feine Tafelbirnen
preiswert zu verkaufen
(20152
Villa Carlshof.
Frauen-Haare
ausgekämmte und abgeſchnittene, kauft
jederzeit zum höchſten Preis
Fr. Tillmann (17011a
Elisabethenstrasse 21.
2. Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.
N5 243. Montag, 17. Oktober. 1910. vonMk. 450 an mit
hohem Rabatt auf
Teilzahlung Vertretung nur erster
Marken:
Jbach,
Mand, Römhildt, Seiler
etc. etc.
(nur Weltfabrikate). Leopold Schu
Ur
Telephon 815 Elisabethenstr. 12
Größtes Pianolager am Platze
5 n
Gebrauchte instrumente von Mk. 200.-= Mietinstrumente von Mk. 3.— an.
i Greten
an.
Nürnberger Geld-Lotterie
zum Besten des Germanischen Museums zu
Mürnberg.
(20072som
Ziehung am 20. Okt. und folgende Tage.
Mk. 100000
1 Hauptgewinn
50000
1 Gewinn
30000
1 Gewinn
20000
1 Gewinn . . . .
10000
1 Gewinn
Loſe 3 Mk. 3.30 (Porto und Liſte 30 Pf.
mehr) empfiehlt und verſendet
Philipp J. Schmidt
Königl. Preuß. Lotterie=Einnehmer
Darmſtadt, Rheinſtraße 33, Tel. 1734.
Empfehle I. Qualität
Hammelfleiſch
zu 70 Pfg. (20084a
(kein Schaffleiſch).
Keule mit Beilage
70 Pfg.
Hammelbraten ohne Knochen . . 90
. 60
Hammelbraten gerollt .
Hammelragout
60
Kalb- und Hammelmetzgerei
Gie Egners Inh. Falter,
Kirchstrasse.
eafelapfel
feinſte Sorten, ſowie
Wirtſchaftsäpfel
für Herbſt= und Winterbedarf, empfiehlt
Kaisermühle, Eberſtadt.
Die Beſichtigung kann während der
Ausſtellung im Schützenhof erfolgen. (18866t
Koch aſeletpſch
von 7 Mk. an per Ztr. (19421a
Süßer Apfelmoſt, per Fl. 20 Pf.
Beſtellung u. Muſter frei ins Haus, liefert
Karl Aug. Mahr II., Traisa b. D.
heihe ariollien
in gut auserleſener Ware für den
Winterbedarf
Induſtrie
Ztr. Mk. 3.75
Mäuschen, gelbe
„ 8.
Zwieheln
ſchöne, geſunde, helle Ware für den
(19823a
Winterbedarf
25 Pfund Mk. 1.50
5.−
Zentner
frei Haus empfiehlt
Joh. Walther,
Ecke Roßdörfer= und Wienersſtraße.
Telephon 1598.
Prima
Speiſekartoffeln
für den Winterbedarf
Ueberrheiner
Industrie
Bad. Magn. bonum
treffen täglich ein (19903soim
zum billigſten Tagespreis
Gg. Korbus,
Luisenstr. 36. Telephon 1093.
Winterkartotein
für den Winterbedarf empfehle frei Keller:
Böhm. Goldgelbe per Ztr. 4.50 Mk.
Magnumbon., Induſtrie, Böhms. Erfolg
p. Ztr. 3.50 Mk., Prof. Woltmann per
Zentner 3.25 Mk. in handverleſener
Ware.
(19096a
Schwarz, Hofmeierei, Tel. 184.
Eine alſeie uil Mt.
Spiralfederbettſt. (Pat. Reinhold & Weſtphal)
mit Kapok=Matratz., großer Tiſch, 1X2 m,
(Zeichen= od. Bügelt.) Croquetſpiel, 2 P. oliv
Tuchvorhänge, noch neu, ꝛc. zu verkaufen.
*25154dfso) Martinſtr. 11½, 2 Tr.
Cafels und Wirischaffs=
Hepfel
offeriere in beſter, ausgeſuchter Qualität und ſtehe mit Preisverzeichnis gern zu
Dienſten. Das Obſt wird ſorgfältigſt in Körben verpackt und geſchieht Lieferung frei
Darmſtadt. Beſichtigung erbeten.
(19391a
W. Hildebrand II., Wiesenmühlen, Eberstadt b. D.
Bevorzuden Sie
Verweidern Sie
Verlangen Sie
Beschweren Sie
bei Ihren Einkäufen die
Mitglieder des Rabatt-
Spar-Vereins.
stets die Annahme von
Bar-Rabatt.
dagegen bei allen Ihren
Einkäufen schwarz-weisse
Rabattmarken.
sich schriftlich beim
Vor-
stand, wenn Ihnen die
Marken nicht gerne und
freiwillig gegeben werden.
(18086a)
Gebr. Wartensleben
Telefon Nr. 8 Ober-Ramstadt Telefon Nr. 8
Moderne Herrenschneiderel
Solide Stoffe
Mässige Preise
Verlangen Sie Muster und Besuch (11094a
Achtung!
Achtung
Von heute ab führe ich wieder
Ia Qualität
junges
das Pfund 60 und 70 Pfg.
Ebenſo empfehle
Ia Qualität
Ochſenfleiſch
Roaſtbeef und Lenden im Ausſchnitt zu
billigsten Tagespreisen.
Julius Strauss,
Teleph. 1230. (19925a) Holzſtraße 10.
Obstzüchterei
„Dippelshof‟
Feinſte Tafel=Aepfel in Preislagen von
7—18 Mark per Zentner, Wirtſchafts=
Aepfel 6—8 Mark, alles gepflückte und
ſchön ausgereifte Ware und über den
Winter haltbar.
(19957a
Was alle wiſſen ſollen
daß 10 Pfund Tafeläpfel (gemiſchte Sorten)
95 Pfg. koſten,
(*25522so
daß 5 Pfund tiſchreife Mollebuſch 90 Pfg.
koſten bei
L. Stilling Wwe., Obſt=u. Gemüſegeſch.,
Hochſtraße 4.
von Arnim’sches Eisenwerk
„Marienhütte‟.
Gross=Auheim
bei Hanau a. M.
liefert
ausseiserne
Fenster
nach ca. 8000 verschiedenen vorhandenen Modellen, sowie nach Angabe, in allen
Dimen=
sionen. Ferner sämtliche Bauguss= und Kanalisations-Artikel. — Kataloge kostenlos.
Ber Ofen der Zulanſt,
weif billigste Feuerung der Gegenwart, ist der
Küppersbusch-Dauerbrenner
Braunkohlen-
Briketts
dies eten mnmeien eamt
Garantie fürtadellosen Brand
und völlige Geruchlosigkeit.
Fordern Sie den
Santerrotgel
mit Gutachten..
ferung dured lede Eisenhandlung,
F. Küppersbusch 6. Söhne, A.-G., Gelsenkirchen II.
Hon
1
iſt als Volksheilmittel längſt bekannt,
in=
dem er das Blut reinigt und neue friſche
Säfte bildet. Trotz bedeutendem Aufſchlag
verkaufe denſelben in garant. reiner
Quali=
tät zu 1 Mk. pro ½ kg ohne Glas (18123a
G. Roth, Dieburgerſtr. 9.
fein. Mantel, Röcke
Inf.=Regt. 115: uſw. bill. zu verk. Art.=
Regt. 61: Helm, Säbel u. feinen Rock
19924fso)
Wendelſtadtſtr. 28, 2. St.
ut erhaltener Flügel preiswert
zu verkaufen
(*25398soi
Hügelſtraße 53, part.
Ladeneinrichtung zu verk.
1 Regal 270 cm auf 220 cm,
1 Erkergeſtell (verniert),
1 Reklamelaterne,
1 Zigarren=Anzünder (Abſchneider),
1 Erkerſpiegel
(19156a
Grafenſtraße 23½, im Laden.
Wer iſt Eaffa=Abnehmer für unſere
beiden (1 kl. u. 1 größ.) (C13469,34
He 6 Z4e
Rassenschrasike?
Offerten unter H 257 an die Exp. ds. Bl.
Für altes Eisen, alte Metalles
Papierabfälle aller Art,
Geschäfts=
papiere, Bücher und Akten
unter Garantie des Einſtampfens zahle
ſtets die höchſten Preiſe.
(1269
Lippmann May,
Teleph. 157. Kl. Ochſengaſſe 14a
Aufträge werden jederzeit prompt erledigt.
für
bis zu 2½ Jahren, billig zu verkaufen. Zu
erfragen Schulſtraße 12 im Laden. (20070so
Verſchiedene Kinderkleider Jungen
Mine goldene, 585 gest.
Herren-
uhr mit Sprungdeckel, neu, billig zu
verkaufen mit Garantie. Anfragen unter
B 61 an die Exped. ds. Bl. (*25058idso
Wichtig für Damen
(C17201,35
* Hoen ℳ
Ia Hausbrand, ſtückreich . .
. à Ztr. Mk. 1.13
Ia Nußkohlen II, dopp. geſ. u. grusfrei
1.30
Ia Nußkohlen III, dopp. geſ.
1.27
Unionbriketts . .
1.05
bei Abnahme von mind. 25 Ztr. frei Keller gegen Kaſſa, exkl. Oktroi. Offerten unter
U 17 an die Expedition dieſes Blattes.
(B18250
die unter Haarausfall und Schuppenbildung
zu leiden haben, ſind die Erfolge, die bei
Gebrauch von Brenneſſel=Waſſer mit
Birkenzuſatz erzielt werden. Allein echt.
bei: Gg. Frank, Eliſabethenſtraße 9,
Telephon 886. Spezialgeſchäft für Damen,
Shampooing nach engl. Syſtem, elektriſche
Haartrocken=Anlage. Anfertigung eleganter
Haararbeiten, Haarfärben und Haarbleichen
in jeder gewünſchten Nüance. (7866a
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 17. Oktober 1910.
Nummer 243.
Handel und Verkehr.
H. Frankfurt a. M., 15. Okt. (
Börſen=
wochenbericht.) Die deutſchen Börſen bekunden
andauernd eine recht feſte Haltung, ſodaß ſelbſt der
Eiſenbahnerſtreik in Frankreich, der übrigens bereits im
Abflauen begriffen iſt, kaum einen Eindruck machen
konnte. Das weitere Gedeihen unſerer Induſtrie
ſtimu=
liert am weſentlichſten auf die Tendenz. Aber auch
aus den Vereinigten Staaten hört man von einer
gün=
ſtigeren Lage, ſowohl auf dem Börſen= als auf dem
wirtſchaftlichen Gebiete; ebenſo befindet ſich der
Kupfer=
markt wieder in einer beſſeren Verfaſſung. Das
Ge=
ſchäft hätte nur etwas lebhafter ſein dürfen; indes, die
bereits begonnene Geldflüſſigkeit hat nachgelaſſen und
eine Erhöhung des Privatdiskontos auf 4½—4½
Pro=
zent bewirkt. Dadurch wurde der Spekulation wieder
ein Dämpfer aufgeſetzt und dadurch der Verkehr ſtiller.
Am deutſchen Rentenmarkt waren Reichsanleihen
ge=
fragter auf den Beſchluß in der Reichstagskommiſſion,
den Reichsverſicherungsanſtalten die Anlegung eines
Viertels ihres Vermögens in deutſchen Staatsfonds
aufzuerlegen. Ausländiſche Renten blieben
vernach=
läſſigt und im ganzen wenig verändert. Von
Trans=
portaktien waren Hamburger Paketfahrt und Nordd.
Lloyd belebt und höher auf den gehobenen
Paſſagier=
verkehr, ſowie auch die geſteigerte Einnahme der
Zwi=
ſchendecker. Süddeutſche Eiſenbahn=Geſellſchaft, ſowie
Baltimore und Ohio ebenfalls bevorzugt und beſſer;
hingegen Lombarden ohne beſondere neuere Gründe
abgeſchwächt.
Der Bankenmarkt ſchließt faſt durchweg gut
be=
hauptet, beſonders Darmſtädter und Oeſterreichiſche
Kreditaktien; hingegen gingen Berliner
Handelsgeſell=
ſchaft bis 163¾ auf erneute Baiſſeangriffe, die auf die
bekannten Regreßprozeß=Androhungen zurückgreifen.
Am Montanmarkt ſtanden Phönix im
Vorder=
grunde und ſtiegen ſolche bis 254½, wogegen
Luxem=
burger matter (etwa 200½) ſchließen. Großes Geſchäft
entwickelte ſich von Kolonialaktien in Otavi, die eine
weſentliche Steigerung (bis 154¾) erzielten. Das
Motiv dieſer Hauſſe liegt in der Preisbeſſerung des
Kupfers, bei welchem die Otavi=Minen das
Haupt=
intereſſe haben; aber auch Southweſt=Afrikan erhöhten
ſich auf ca. 184½. Das Goldagio in Liſſabon iſt infolge
des Umſturzes von 3 Prozent auf 6½ Prozent
geſtie=
gen und iſt ſomit auf den Stand zu Ende Auguſt
zu=
rückgekehrt. Nach dem maßvollen Verhalten der
repu=
blikaniſchen Regierung iſt jedoch zu erwarten, daß
Portugal wirtſchaftlich nicht unter der Aenderung des
Regimes zu leiden haben wird. Im übrigen ſind die
portugieſiſchen Kaſſaguthaben im Ausland derart
fun=
diert, daß die Zinszahlungen in unveränderter,
viel=
leicht auch ſchlankerer Weiſe als früher, vor ſich gehen
werden.
Am Kaſſainduſtriegebiet beſteht nach wie vor eine
gute Meinung. Höchſter Farbwerke notierten 546½,
Kleyer 450,80. Größere Umſätze vollzogen ſich ferner
in Elektrizitätsaktien, voran Allgemeine Elektrizitäts=
Geſellſchaft mit einer Avance bis 286¾. Man hofft,
daß in der heute ſtattfindenden Generalverſammlung
dieſes Unternehmens günſtige Mitteilungen erfolgen.
Eine größere Kurserhöhung erzielten auch Mehl= und
Brotfabrik (bis 104¾), deren Domizilwechſel von
Hau=
ſen bei Frankfurt a. M. nach dem Frankfurter
Oſt=
hafen nach deſſen Eröffnung regere
Geſchäftsentwickel=
ung bringen dürfte. Kunſtſeide waren kaum beachtet
(103). Die Maſchinenfabrik Karlsruhe verteilt 10
Pro=
zent gegen 14 Prozent im Vorjahre und die
Mann=
heimer Aktienbrauerei wieder 8 Prozent Dividende.
Zu erwähnen iſt noch die Fuſion der Berg= und
Metall=
bank mit der Metallurgiſchen Geſellſchaft, beide in
Frankfurt a. M.
Von Loſen notieren: Augsburger 37,
Braunſchwei=
ger 212, Meininger 37,30, Finnländer —,—
Pappen=
heimer 70, Freiburger 52, Ungariſche 388,50, Genua 224,
Türkiſche 181, Mailänder 45=Fres.=L. 140, Mailänder
10=Fres.=L. 33,25, Venediger 40,50, alles in Reichsmark;
Gothaer Prämie I 140, Gothaer Prämie II 116, Donau=
Regulierung 150,50, Madrider 77,90, alles in Prozent.
Ferner ſchließen: 4proz. Reichs (bis 1918 unkündbar)
101,90, 3½proz. Reichs 92,40, 3proz. Reichs 83,85, 4proz.
Heſſen von 1899 101 G., 4proz. Heſſen von 1906 101,30 G.,
4proz. Heſſen von 1908/09 101,35, 3½proz. Heſſen 91,10,
sproz. Heſſen 80,90, 4proz. Darmſtädter 100,30, 3½proz.
Darmſtädter 91 G., Darmſtädter Bank 131½, Südd.
Eiſ.=Geſellſchaft 122,10, 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr.
(Serie 18—20) 101,40 G., 3½proz. Land.=Hyp.=Pfdbr.
(Serie 9—11) 91,70 G., 4proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr.
(Serie 10—12) 101,40 G., 3½proz. Heſſ. Kommunal=
Pfdbr. (Serie 1—3) 92,10 G., 3½proz. Heſſ. Kommunal=
Pſdbr. (Serie 4) 91,70 G., Baltimore und Ohio 110½,
4½proz. Ruſſen 100,10, 4proz. 1880er Ruſſen 91,90, 4proz.
1902er Ruſſen 92,60, 3¾proz. Ruſſen 90,40, 3½proz.
Ruſſen 84,75, 3proz. Ruſſen 80,25, 4½proz. Japaner 97,40,
4proz. Japaner 93, 4½proz. Portugieſen von 1905 —
3proz. Portugieſen I. 64,20, 3proz. Portugieſen III.
66,10, Spezial=Portugieſen 13, Portugieſ. Eiſ.=Prior.
I. Rang 92,50, Portugieſ. Eiſ.=Prior. II. Rang 76, 4proz.
Stadt Liſſabon 79, 3proz. Portugieſ. (Bairg=Baixa) 79,25.
Verſchwindende Roſenſorten
* Einzelne Roſenſorten, vor allem die berühmte
„La France” ſind im Ausſterben
be=
griffen. Wer die Entſtehungsgeſchichte unſerer
Roſenſorten kennt, weiß, daß dieſe Erſcheinung nichts
Auffälliges an ſich hat. Ein ſehr großer Teil unſerer
Roſenſorten iſt dadurch entſtanden, daß zwei Arten
mit einander gekreuzt wurden. Ein anderer Teil
ver=
dankt ſeine Entſtehung dem „Zufalle”, wenn überhaupt
etwas in der Natur zufällig iſt. Findet der Gärtner
unter den Sämlingen ſeiner Kreuzung eine Pflanze,
die ihm wert erſcheint, weitergepflegt zu werden, dann
vermehrt er ſie auf ſogenanntem vegetativem Wege,
d. h. er überträgt die Knoſpen, die ſich in den Achſeln
der Blätter befinden, auf Wildlinge, er veredelt die
Wildlinge mit der neuen Sorte oder er zerſchneidet
die Zweige der neuen Sorte zu Stecklingen und bringt
dieſe zur Bewurzelung. Durch Samen kann er die
neue Sorte nicht vermehren, weil die Samen nur in
ganz beſonderen Ausnahmefällen wieder eine gleiche
Pflanze ergeben würden. Ebenſo muß der Gärtner
eine neue Sorte, die als „Sport” an einem Zweige
zufällig entſtanden iſt, auf vegetativem Wege
ver=
mehren. Die Folge dieſer Vermehrungsmethoden iſt,
daß alle Pflanzen einer Sorte Teile eines
Indi=
viduums ſind. Jedes Individuum hat nun aber eine
beſchränkte Lebensdauer. Wir wiſſen, daß manche
Pflanzen ihren Lebenslauf in wenigen Wochen
voll=
enden, andere in einigen Monaten, noch andere in
einigen oder in vielen Jahren. Die Roſe gehört zu
den Pflanzen, die ein ziemlich hohes Alter erreichen
können. Bekannt iſt ja der Roſenſtock am Dome
von Hildesheim, dem man ein tauſendjähriges
Alter zuſchreibt, wenn auch dieſe Zahl etwas
über=
trieben ſein mag. Im allgemeinen werden aber die
Roſen wohl nicht ſo alt, ſondern leben nur eine Reihe
von Jahrzehnten. Beſonders gilt dies von den
hoch=
kultivierten Sorten, die nicht ſo widerſtandsfähig
ſind wie die wildwachſenden Arten.
Die „La France” iſt im Jahre 1867 zum erſten
Male in den Handel gebracht worden, wird alſo jetzt
etwa 50 Jahre alt ſein. Von den zahlreichen
Roſen=
ſorten aus der erſten Hälfte des vorigen Jahrhunderts
ſind jetzt noch etwa fünfzehn in Kultur. Die älteſte
unter ihnen iſt die im Jahre 1816 in den Handel
ge=
kommene Centifolienſorte „Königin von Dänemark”
Ihr folgen im Alter zwei Kletterroſen, „Félicité et
Perpétue” und „Amadis”, aus dem. Jahre 1827 und
eine. Provenceroſe „Brennus” aus dem Jahre 1830.
Aus dem Jahrzehnt 1830 bis 1840 ſind nur noch fünf
Sorten vorhanden, die Bourbonroſe „Mrs.
Boſan=
quet” (1832), die Monatsroſen „Cramoiſi ſuperieur”
(1832) und „Hermoſa” (1840), die Provenceroſe „Mundi”
(1835) und die gelbe „Perſian Yellow” (1833). Auch
das nächſte Jahrzehnt (1840—1850) hat uns noch ein
halbes Dutzend Sorten hinterlaſſen: die Bourbonroſe
„Souvenir de Malmaiſon” (1843), die Noiſetteroſe
„Eéline Foreſtier” (1842), die beiden Teeroſen „
Niphe=
tos” (1843) und „Souvenir d’un ami” (1846) und die
beiden Kletterroſen „Belle du Baltimore” und „Queen
of the Prairies” die beide aus dem Jahre 1843
ſtam=
men. Die älteſte Remontantroſe, welche jetzt noch in
Kultur iſt, iſt die Sorte „Victor Verdier” aus dem
Jahre 1851. Ihr folgen im Lebensalter „Général
Jacqueminot” und „Jules Margottin”, beide aus dem
Jahre 1852, dann „Impératrice Eugénie” (1858) und
„Sénateur Vaiſſe (1859). Von Bourbonroſen iſt aus
dem Jahrzehnt 1850—1860 nur noch die Sorte „Baron
Gomella” (1859) erhalten. Von den Teeroſen ſtammen
aus dieſem Zeitabſchnitte die drei Sorten „Gloire de
Dijon” (1853), „Mme. Falcot” und „Homère” beide
aus 1858. Endlich ſind uns aus dieſem Jahrzehnt noch
eine Moosroſe „Sallet” (1854), eine Monatsroſe
„Fellemberg” (1857) und eine Kletterroſe „Duc de
Con=
ſtantine” (1857) erhalten geblieben.
Es ſoll nicht geſagt ſein, daß ſich außer dieſen
Sor=
ten nicht noch hier und da eine oder die andere aus
der erſten Hälfte des vorigen Jahrhunderts erhalten
hat; aber man erſieht ſchon aus dieſer
Zuſammen=
ſtellung, daß doch die große Mehrzahl der Arten, welche
unſere Groß= und Urgroßeltern erfreuten, nicht mehr
Prof. Dr. U. Dammer.
vorhanden ſind.
Oeder Wellsch Uilun
Kandindl
Malz-Kaffee
nachdem er ſich erſt einmal
von der Güte unſeres, unter
ſtändiger Kontrolle des eigenen
Laboratoriums hergeſtellten
Kardnlar-Mazkaffee
überzeugt hat, nichts anders mehr.
Ueberall zu haben. Nur rote Packung
(C18810,66
Vertreter für Darmſtadt und Umgegend:
Ph. Hemmer, Darmſtadt, Telefon 1290.
Zum Abonnement empfehlen:
Bibliothek der Unterhaltung
35. Jahrgang
35. Jahrgang
1911
und des Wiſſens
1911
Unſere „Bibliothek” hat ſich während ihres 34jährigen Beſtehens durch
den intereſſanten Inhalt ihrer ſtattlichen Bände, ſowie durch deren trotz der
Billigkeit glänzenden Ausſtattung eine von Jahr zu Jahr ſich mehrende Zahl
von treuen Freunden erworben und iſt daher in
vielen Millionen von Bänden verbreitet.
Ihre Hauptaufgabe beſteht darin:
jedem Bücherliebhaber Gelegenheit zu geben zur Anlegung einer wirklich
gediegenen, ſpannendſte Unterhaltung und eine unerſchöpfliche Fundgrube
des Wiſſens zugleich bietenden
Privatbibliothek.
Die Bibliothek der Unterhaltung und des Wiſſens” erſcheint in 13
vier=
wöchentlichen, reich illuſtrierten, elegant in echte Leinwand gebundenen
Bänden mit Goldrücken= und Deckelpreſſung. Jeder Band iſt mit einem
hübſchen farbigen Umſchlag verſehen. Um die Anſchaffung auch weniger
Bemittelten zu ermöglichen, beträgt der Abonnementspreis
nur 75 Pfg. für den Band,
ein Preis zu welchem der Buchbinder im einzelnen noch nicht einmal den
bloßen Einband zu liefern imſtande wäre.
(C20124,51.
Beſtellungen nehmen Buch= und
Kolportage=
handlungen, Journalexpeditionen ꝛc. entgegen.
Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart, Berlin, Leipzig.
Ernst-Ludwigstrasse 19
Nuch Amtbad
(14538a
großer, moderner Laden
Gang= und Winterſeite, 27 Meter Tiefe, 126 qm Flächenraum mit drei großen
Schaufenſtern, Zentralheizung, Gas, elektr. Licht, eventl. mit Wohnung, per
15. November zu vermieten. Nähere Auskunft durch das Immobilienbüro
von Julius Kahn, Schulstrasse Nr. 15, Telephon Nr. 135, ſowie durch
die Firma Herz Hachenburger Sohn, Rheinstrassl, Teleph. Nr. 339.